Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 24. Januar 2017 (400 216 344) ____________________________________________________________________ Obligationenrecht Arbeitsrecht: Anforderungen für den Beweis von Überstunden, Überzeit und Entschädi- gung für Auslagen Besetzung Präsident Roland Hofmann, Richterin Barbara Jermann Richterich (Re- ferentin), Richter Dieter Freiburghaus; Gerichtsschreiber Andreas Linder Parteien A.____ , vertreten durch Rechtsanwalt Dominik Rothacher, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau, Kläger und Berufungskläger gegen B.____ GmbH , vertreten durch Advokat Michael Kunz, Fischmarkt 12, 4410 Liestal, Beklagte Gegenstand Arbeitsvertrag / Urteil des Präsidenten des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost vom 31. Mai 2016 (Kammer IV) A. A.____ arbeitete seit 11. Januar 2011 als Trockenbaue r für die B.____ GmbH. Die Partei- en hatten keinen schriftlichen Arbeitsvertrag abgeschlosse n. Mit Schreiben vom 29. September Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2011 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis auf den 31. Oktober 2011. Am 6. Januar 2016 reichte A.____ beim Zivilkreisgericht Basel-Landschaf t Ost Klage ein. Er beantragte die Verurteilung der Beklagten zur Herausgabe der Arbeitsz eiterfassungsbogen, resp. der Kontroll- blätter betreffend die von ihm geleisteten Arbeitsst unden umfassend den Zeitraum vom 1. Juni 2011 bis und mit dem 31. Oktober 2011 und zur Ausstellu ng von detaillierten Lohnabrechnun- gen für die Monate Januar 2011 bis und mit Oktober 20 11. Im Weiteren sei die Beklagte zur Zahlung von CHF 22'408.20, abzüglich der gesetzlich gesch uldeten Abgaben und zuzüglich Zinsen von 5 % seit der jeweiligen Fälligkeit zu verurt eilen, Mehrforderungen würden ausdrück- lich vorbehalten. Zudem sei die Beklagte zur Ausstellung eines vollständigen und wohlwollen- den Arbeitszeugnisses zu verurteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beklagten. B. Mit Entscheid vom 31. Mai 2016 verurteilte der Präside nt des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost die Beklagte, dem Kläger eine Lohnabrechnung für die vom 11. Januar 2011 bis 31. Oktober 2011 geschuldeten und ausbezahlten Löhne au szustellen, auf welcher das monat- liche Betreffnis sowie die vorgenommenen Sozialversicherungsabzüge ersichtlich seien (Ziff. 1). Es wurde sodann festgestellt, dass die Beklagte dem Kläge r anlässlich der Hauptverhandlung ein Arbeitszeugnis ausgehändigt habe (Ziff. 2). lm Üb rigen wurde die Klage abgewiesen (Ziff. 3). Es wurden keine Gerichtskosten erhoben und der Kläg er verurteilt, der Beklagten eine Par- teientschädigung von CHF 8‘999.65 zu bezahlen (Ziff. 4 ). Der Gerichtspräsident erwog im We- sentlichen und soweit für das Rechtsmittelverfahren rel evant, der Kläger habe zwar grundsätz- lich Anspruch auf Herausgabe von Arbeitszeitrapporten. Da die Beklagte allerdings laut eigenen Angaben keine weiteren als die bereits vorliegenden A rbeitszeitrapporte habe, entfalle der ent- sprechende Anspruch des Klägers. Das Begehren des Klägers u m Entschädigung von Über- stunden und Überzeit wurde abgewiesen, zumal die notwe ndigen Beweise nicht erbracht wor- den seien. Die Aussagen der Zeugen dazu seien zu vage und zu unsubstantiiert geblieben und die vom Kläger selbst ausgefüllten Arbeitszeiterfassungs bogen seien als reine Parteibehaup- tungen ohne Beweiswert zu betrachten. Es fehle auch de r Nachweis, dass die Überstunden angeordnet oder betrieblich notwendig gewesen seien. Der geltend gemachte Ersatz für die Auslagen der Anfahrten zum Arbeitsplatz und für die Anschaffung von Arbeitsgeräten bzw. Ma- terial wurde ebenfalls verneint. Es lasse sich auch keine Anerkennung der Forderungen des Klägers aus der Überweisung eines Betrages von CHF 30‘00 0.00 am 26. September 2011 her- leiten. Dass es sich dabei um eine blosse Teilzahlung a n die Forderungen gehandelt habe, sei nicht schlüssig. Es liege die Vermutung nahe, dass sich die Parteien mit dieser Zahlung ausei- nandersetzen wollten. Der Anspruch des Klägers auf Au sstellung eines Arbeitszeugnisses sah die Vorinstanz als erfüllt an, nachdem die Beklagte dem Kläger anlässlich der Hauptverhand- lung ein Arbeitszeugnis ausgehändigt hatte. C. Mit Berufung vom 14. September 2016 gelangte A.____ , vertreten durch Rechtsanwalt Dominik Rothacher aus Aarau, an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht. Er liess beantragen, dass die Ziffern 2 bis 5 des Urteils des Gerichtspräsidenten des Zivilkreisge- richts Basel-Landschaft Ost vom 31. Mai 2016 aufzuheben und wie folgt neu zu fassen seien: „2. Die Beklagte wird zur Herausgabe der Arbeitszeiter fassungsbogen, resp. der Kontrollblät- ter betreffend die vom Kläger geleisteten Arbeitsstund en umfassend den Zeitraum vom 1. Juni 2011 bis und mit dem 31. Oktober 2011 an den Kläger verpflichtet. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Die Beklagte wird zur Zahlung von CHF 18'202.20, ab züglich die gesetzlich geschuldeten Abgaben und zuzüglich Zinsen von 5 % seit der jeweili gen Fälligkeit, an den Kläger ver- pflichtet. 4. Die Beklagte wird zur Ausstellung eines Arbeitszeug nisses mit folgendem Wortlaut ver- pflichtet.“…“ 5. Es werden keine Gerichtkosten erhoben. Die Beklagte hat dem Kläger eine Parteient- schädigung von CHF 14‘471.80 (inkl. Auslagen und MwSt) zu bezahlen.“ unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Bekla gten. In der Begründung wurde zusammenfassend ausgeführt, die Feststellung der Vorinstan z, dass die Beklagte über keine weiteren Zeiterfassungen des Klägers verfüge, sei aktenw idrig. Der Vertreter der Beklagten habe zu Protokoll gegeben, dass zusätzlich zur verurkundeten Arbeitszeiterfassung eine Einzel- liste mit den Arbeitszeiten des Klägers existieren würde . Der Kläger habe mit der Klagbeilage 10 die geleisteten Arbeitszeiten belegt. Die Beklagte h abe eingeräumt, diese Beilage habe die Kalkulation der Arbeitszeiten der Mitarbeiter bezweckt u nd damit die Beweiseignung und - bestimmung der besagten Klagebeilage anerkannt. Die Kl agebeilage 10 stelle im Lichte der Aussagen des Vertreters der Beklagten eine periodische A bgabe von Arbeitszeiten an den Ar- beitgeber dar. Solchen Dokumenten kämen, auch wenn sie nicht gegengezeichnet seien, Be- weiskraft in Bezug auf die darin enthaltenen Arbeitsze iten zu. Das Total der Ansprüche aus Überstunden und Überzeiten belaufe sich daher auf CHF 2 5‘782.90. Entgegen der Annahme der Vorinstanz belege die Klagebeilage 14 obendrein, dass der Kläger Auslagen für Fahrkosten getätigt habe. Es sei kein anderer Grund ersichtlich, we shalb er Tankbelege aus einem Zeit- raum vor fünf Jahren, als er für die Beklagte gearbei tet habe, aufbewahren sollte. Er habe um- gehend im Rahmen der Beendigung des Arbeitsverhältnisse s am 6. September 2011 der Be- klagten eine Rechnung für u.a. die Benzinkosten gestellt, was belege, dass er die Benzinkosten tatsächlich getragen habe. In der Replik sei ausserdem klar und deutlich ausgeführt worden, dass der Kläger während der Dauer des Arbeitsverhältni sses für die Beklagte Baumaterial be- zahlt habe. Die Ausführungen der Vorinstanz zu den Kosten für Kleinmaterial und das Parkhaus seien ziemlich unsinnig. Über die Quittung für eine Zah lung verfüge diejenige Person, die die Kosten bezahlt habe. Aus den Quittungen ergebe sich, w ofür der Kläger die Kosten ausgelegt habe. Die Vermutung der Vorinstanz, die Parteien hät ten sich mit der Zahlung von CHF 30‘000.00 auseinandersetzen wollen, entbehre soda nn jeglicher Grundlage. Schliesslich sei das abgegebene Arbeitszeugnis um diverse Formulierung en zu erweitern. Der Kläger habe die inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit des Zeugnisses zu keinem Zeitpunkt anerkannt. D. In seiner Berufungsantwort vom 17. Oktober 2016 bean tragte die Berufungsbeklagte, ver- treten durch Advokat Michael Kunz, die Berufung sei abzu weisen, und das Urteil des Zivilkreis- gerichts Basel-Landschaft Ost vom 31. Mai 2016 zu bestätigen, unter o/e-Kostenfolge. Die Aus- führungen des Klägers würden nichts daran ändern, dass d ie Beklagte über keinerlei Unterla- gen zur Arbeitszeiterfassung des Klägers mehr verfüge. Bezüglich der vom Kläger behaupteten Überstunden / Überzeit lägen einzig die von ihm ausgef üllten Baujournale vor, welche keinen Beweis erbringen würden. Das Baujournal erfasse mögl icherweise die Anwesenheiten auf der Baustelle, nicht aber die Arbeitszeit bzw. Überstunden und Überzeit. Die Vorinstanz habe richtig erkannt, dass die entsprechenden Aufzeichnungen dafür kei nen Beweis erbringen würden. Es bleibe mit der Vorinstanz festzustellen, dass der Kläger nie behauptet habe, die Überstunden / Überzeiten seien notwendig resp. angeordnet worden. Im Zusammenhang mit der Entschädi- gung für die Kosten des Arbeitsweges habe der Vorderri chter sodann richtig erkannt, dass die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kassenquittungen weder belegen würden, dass der Kläger das Benzin bezahlt, noch dass er es dem Autobesitzer vergütet habe. Zu Recht sei die Vorin stanz sodann auf die geltend gemachte Entschädigung für Arbeitsgeräte und Material nicht ei ngetreten, da nicht im Entferntesten zu sehen sei, und auch der Kläger nicht darlege, was diese Forderung mit dem im Streite liegen- den Arbeitsverhältnis zu tun habe. Das Total der Ansprüch e des Klägers betrage CHF 66'269.45 brutto, bzw. rund CHF 60'636.00 netto. Erhalten habe der Kläger total CHF 83'987.15 netto, mithin CHF 23'251.15 zu viel. Z u Recht habe die Vorinstanz die den Be- trag von CHF 66'269.45 übersteigenden Forderungen ab gewiesen. Anlässlich der vorinstanzli- chen Verhandlung habe man dem Kläger ein Arbeitszeugn is übergeben, welches dieser nicht beanstandet habe, womit die Vorinstanz zu Recht festges tellt habe, dass dem Kläger ein Ar- beitszeugnis ausgehändigt worden sei. Auf das klägerische Rechtsbegehren 4 sei deshalb nicht einzutreten. Eventualiter und ohne Anerkennung einer R echtspflicht und Kostenfolge wäre man bereit, das vom Kläger gewünschte Arbeitszeugnis auszustellen. Erwägungen 1. Gegen einen erstinstanzlichen Endentscheid in einer v ermögensrechtlichen Angelegen- heit ist die Berufung zulässig, sofern der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegeh- ren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Mit „zuletzt aufrechterhalten“ sind jene Rechtsbegehren gemeint, welche der Kläger durch Entscheid der Vorinstanz zugespro- chen zu erhalten hoffte und daher unmittelbar vor der Eröffnung des erstinstanzlichen Entschei- des noch strittig waren. Die Rechtsmittelanträge sind gr undsätzlich nicht von Bedeutung, da vermieden werden soll, dass das Rechtsmittel nur einer Partei zur Verfügung steht. Vor diesem Hintergrund ist die Streitwertgrenze von CHF 10‘000.0 0 vorliegend allemal erreicht. Die Beru- fung ist schriftlich und begründet innert 30 Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheides bzw. seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegr ündung bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Die schriftliche Beg ründung des Urteils des Zivilkreisge- richts Basel-Landschaft Ost vom 31. Mai 2016 wurde dem Kläger am 4. August 2016 zugestellt. Die Rechtsmittelfrist ist durch die Aufgabe der Berufun g am 14. September 2016 eingehalten, zumal für das vorliegende Verfahren die gesetzlichen F risten vom 15. Juli bis und mit dem 15. August 2016 still standen (vgl. Art. 145 Abs. 1 lit. b ZPO). Sachlich zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Berufung ist laut § 6 Abs. 1 lit. c E G ZPO (SGS 221) die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts und es gilt das vereinfachte Verfahren (Art. 243 Abs. 1 ZPO). In Anbetracht der Kostenlosigkeit des Entscheidver fahrens in Streitigkeiten aus dem Ar- beitsverhältnis bis zu einem Streitwert von CHF 30‘000.0 0, war kein Kostenvorschuss für das Rechtsmittelverfahren zu leisten (Art. 114 lit. c ZPO). Gemäss Art. 316 ZPO kann die Rechts- mittelinstanz eine Verhandlung durchführen, aufgrund der Akten entscheiden (Art. 316 Abs. 1 ZPO) oder einen zweiten Schriftenwechsel anordnen (Ar t. 316 Abs. 2 ZPO). Diese Regelung stellt es ins Ermessen der Rechtsmittelinstanz, das für d en konkreten Fall Geeignete vorzukeh- ren (STEININGER , in: DIKE-Kommentar ZPO, 2. Aufl. 2016, N 1 zu Art . 316 ZPO). Die vorliegen- de Sache erscheint ohne weiteres spruchreif, so dass nach dem ersten Schriftenwechsel auf- grund der Akten zu entscheiden ist. Da auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Berufung einzutreten. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Mit Entscheid vom 31. Mai 2016 wurde die B.____ Gmb H als Beklagte verurteilt, dem Kläger Lohnabrechnungen für die in der Zeit vom 11. Ja nuar 2011 bis 31. Oktober 2011 ge- schuldeten und ausbezahlten Löhne auszustellen, auf wel chen das monatliche Betreffnis sowie die vorgenommenen Sozialversicherungsabzüge ersichtlich seien. Es wurde ausserdem festge- stellt, dass die Beklagte dem Kläger anlässlich der Haupt verhandlung ein Arbeitszeugnis aus- gehändigt habe. lm Übrigen wurde die Klage abgewies en. Das Rechtsmittel des Klägers vom 14. September 2016 richtet sich gegen die Abweisung de r Ansprüche auf Abgeltung von Über- stunden resp. Überzeit für den Zeitraum von Januar bis M ai 2011 und der Entschädigung für Auslagen des Arbeitsweges sowie der Entschädigung für A rbeitsgeräte und Material. Im Weite- ren wird die Herausgabe von Unterlagen zur Arbeitszei terfassung beansprucht. Darüber hinaus beantragt der Kläger, dass diverse Formulierungen im Arbeitszeugnis, welches ihm an der Hauptverhandlung vor dem Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost ausgehändigt wurde, ange- passt werden. Im Rechtsmittelverfahren nicht (mehr) stre itig sind hingegen der Anspruch des Klägers auf Ausstellung von Lohnabrechnungen für die Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie finanzielle Lohnansprüche, die auf Ausrichtung eines Mindestlohnes gemäss den anwendbaren Gesamtarbeitsverträgen und eines 13. Monatslohns sowie E ntschädigungen für die Fahrzeit zum Arbeitsort gründeten. 3.1 Im vorinstanzlichen Verfahren machte der Kläger geltend , die Arbeitgeberin sei zur Her- ausgabe der Arbeitszeiterfassungsbogen, resp. der Kont rollblätter betreffend die von ihm ge- leisteten Arbeitsstunden umfassend den Zeitraum vom 1. Juni 2011 bis und mit dem 31. Oktober 2011 zu verpflichten. Der Präsident des Zivil kreisgerichts Basel-Landschaft Ost kam zum Schluss, dass der Kläger grundsätzlich Anspruch au f Herausgabe von Arbeitszeitrap- porten habe. Da die Beklagte laut eigenen Angaben ke ine weiteren als die bereits vorliegenden Arbeitszeitrapporte habe, entfalle allerdings der en tsprechende Anspruch des Klägers. Mit der Berufung rügt der Kläger, die Feststellung, dass die B eklagte über keine anderen Zeiterfassun- gen des Klägers verfüge, sei aktenwidrig. Anlässlich der vorinstanzlichen Befragung habe der Vertreter der Beklagten zu Protokoll gegeben, dass in Bezug auf den Kläger zusätzlich zu der in Klagbeilage 10 verurkundeten Arbeitszeiterfassung eine Einzelliste mit den Arbeitszeiten des Klägers existieren würde. Die Beklagte lässt entgegnen, die Ausführungen des Klägers würden nichts daran ändern, dass man über keinerlei Unterlagen zur Arbeitszeiterfassung des Klägers mehr verfüge. 3.2 Die Vorinstanz übernahm die Ansicht des Klägers, dass gest ützt auf den Gesamtarbeits- vertrag für das Gipsergewerbe Zürich sowie aus Art. 46 d es Bundesgesetzes über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (ArG, SR 822.11) in Ve rbindung mit Art. 73 Abs. 1 und 2 der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1; SR 822.111) ei ne Verpflichtung zur Zeiterfassung sowie ein Anspruch des Klägers auf Herausgabe der Zeiter fassung ergebe. Wohl trifft die Ar- beitgeberin eine Verpflichtung, die Arbeitszeiten zu dokumentieren, allein gestützt auf die zitier- ten Bestimmungen des Arbeitsgesetzes und die darauf basi erende Verordnung lässt sich kein unmittelbarer Anspruch auf Herausgabe der Zeiterfassu ng herleiten. Die angeführten Bestim- mungen sehen lediglich eine allgemein gehaltene Dokumentationspflicht vor und beschlagen im Wesentlichen bloss das Rechtsverhältnis zwischen Arbeitgebe r und den Vollzugs- und Auf- sichtsorganen. Der Rechtsmittelkläger geht fehl, wenn er der Vorinstanz in diesem Zusammen- hang Aktenwidrigkeit unterstellt. Bereits in der Kla geantwort wies die Beklagte darauf hin, dass sie nicht mehr im Besitz irgendwelcher Arbeitsrapporte sei. Man habe diese dem Kläger über- geben, soweit überhaupt solche erstellt worden seien . Anlässlich der Parteiverhandlung sagte Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Geschäftsführer der Beklagten aus, der Zweck der Ar beitszeiterfassung sei die Nachkalku- lation und das Auszahlen der Mitarbeiter gewesen. Es gebe eine Gruppen-Arbeiterliste und ein- zelne Listen / Mitarbeiter. Es sollte auch vom Kläger ei ne Einzelliste geben. Es sei aber am Schluss gesamthaft abgerechnet worden. Entgegen der Auffassung des Berufungsklägers kann aus den Akten nicht geschlossen werden, dass die Beklagte i m Besitz weiterer Unterlagen ist. Der Entscheid der Vorinstanz ist jedenfalls im Ergebnis n icht zu beanstanden, selbst wenn aus den Akten nicht klar geschlossen werden kann, ob die Arb eitszeit des Klägers nicht weiter er- fasst oder die massgeblichen Protokolle bereits ausgehändigt wurden. 4.1 Der Arbeitnehmer klagte eine Entschädigung für Überst unden und Überzeit für den Zeit- raum von Januar 2011 bis Mai 2011 in Höhe von CHF 25‘7 82.90 ein. Die Vorinstanz wies das Begehren ab, da dem Kläger der notwendige Beweis nicht gelungen sei. Die Aussagen der bei- den Zeugen seien zu vage und zu unsubstantiiert, als dass sie zu beweisen vermöchten, ob und in welchem Umfang der Kläger Überstunden bzw. Über zeit geleistet habe. Ebenso wenig ergebe sich, dass der Kläger regelmässig weit über die üb liche Arbeitszeit hinaus gearbeitet hätte. Die vom Kläger selbst ausgefüllten Arbeitszeiterf assungsbogen würden reine Parteibe- hauptungen darstellen. Es sei nicht nachgewiesen, dass sie von der Beklagten visiert worden wären. Sie seien sodann zweifelhaft, als dass sie zu Gunst en des Klägers mehrmals Einträge von 17 Stunden und mehr und einmal gar 24 Arbeitsstun den pro Tag aufweisen würden. Aus- serdem habe der Kläger nicht behauptet bzw. bewiesen, dass Überstunden angeordnet oder betrieblich notwendig gewesen seien oder dass die Beklagte von der Leistung von Überstunden regelmässig Kenntnis erlangt hätte. 4.2 Mit der Berufung moniert der Kläger im Wesentlichen, die Auffassung, bei der Klagebeila- ge 10 handle es sich um blosse eigene Aufzeichnungen des Klägers ohne Beweiswert, sei falsch. Die Beklagte habe eingeräumt, die Klagebeilage 10 habe gerade die Kalkulation der Arbeitszeiten der Mitarbeiter bezweckt. Gestützt auf die Klagebeilage 10 seien die Löhne der Mitarbeiter ausbezahlt worden. Die Beklagte habe dam it die Beweiseignung und -bestimmung der besagten Klagebeilage anerkannt. Es stehe damit auch fest, dass die Beklag- te die Arbeitszeitblätter periodisch erhalten und - ind em sie diese als Basis für die Kalkulation der Löhne verwendet habe - periodisch überprüft habe. Die Klagebeilage 10 stelle im Lichte der Aussagen des Vertreters der Beklagten vor Vorinstanz eine periodische Abgabe von Arbeitszei- ten an den Arbeitgeber dar. Solchen Dokumenten käme, a uch wenn sie nicht gegengezeichnet seien, Beweiskraft in Bezug auf die darin enthaltenen A rbeitszeiten zu. Die Beklagte hält dage- gen, bezüglich der behaupteten Überstunden resp. Überzeit lägen einzig die vom Kläger ausge- füllten Baujournale vor. Die Würdigung dieser Baujou rnale durch die Vorinstanz sei nicht zu beanstanden und das vom Kläger geführte Baujournal erbringe keinen Beweis für Überstunden. 4.3 In Bezug auf die Arbeitszeit und die Entschädigungspfl icht für Überstunden während des massgeblichen Zeitraums gelangen Art. 6 und Art. 8 des G esamtarbeitsvertrages für das Gip- sergewerbe Zürich zur Anwendung, was im Grundsatz nich t streitig ist. Als sog. Überstunden wird gemäss Art. 8.1.1 GAV die gearbeitete Zeit ausser halb der täglichen und wöchentlichen Höchstarbeitszeit nach GAV bezeichnet, die nicht zum Ausgl eich von Fehlstunden geleistet wird. Überstunden müssen zwingend, inklusive Zeitzuschlag, innerhalb von 26 Wochen mit Freizeit kompensiert werden. Überstunden samt Zeitzuschl ag dürfen während der Dauer des Arbeitsverhältnisses nicht durch Geldleistungen oder and ere Vergünstigungen abgegolten wer- den. Mehrstunden sind am Ende des Arbeitsverhältnisses abz urechnen. Ergibt sich ein Mehr- stundensaldo, so ist dieser entweder mit Freizeit zu komp ensieren oder inklusive einem Zu- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlag von 25 % auszubezahlen (Art. 8.2.3 GAV). Die Bewe islast, dass die geltend gemachten Überstunden geleistet wurden und dass sie angeordnet u nd betrieblich notwendig waren, ob- liegt nach Rechtsprechung dem Arbeitnehmer (BGE 129 III 171 E. 2.4). Der Arbeitnehmer hat die Leistung von Überstunden an sich nachzuweisen, sei es, dass sie förmlich angeordnet wur- den, sei es, dass sie betrieblich notwendig waren (Urte il 4C.133/2000 vom 8. September 2000, E. 3b). Ferner hat der Arbeitnehmer die genaue Zahl der Überstunden nachzuweisen (Urteil 4C.133/2000 vom 8. September 2000, E. 3c). Dabei stel len die Gerichte hohe Anforderungen an den Beweis sowohl der Anzahl der Überstunden als auch derer Anordnung bzw. betriebli- cher Notwendigkeit. Eigene Aufzeichnungen des Arbeitn ehmers genügen meistens nicht; im- merhin genügt der Nachweis mit Arbeitsrapporten, die dem Arbeitgeber täglich oder wöchent- lich abgegeben werden, auch wenn sie nicht gegengezeich net sind (S TREIFF /VON KAENEL /R UDOLPH , Arbeitsvertrag, 7. Aufl. 2012, Art. 321c N 10 mit Hin weisen auf nicht amtlich publizierte Rechtsprechung). Mit der Obliegenheit de s Arbeitnehmers, die von ihm geleistete Überzeit innert nützlicher Frist anzuzeigen, soll der Arb eitgeber in die Lage versetzt werden, organisatorische Massnahmen zur Verhinderung künftiger Me hrarbeit vorzukehren und die Überstunden zu genehmigen (BGE 129 III 171 E. 2.2 mit Hinweisen). Eine Umkehr der Beweis- last ist nur ausnahmsweise im Falle einer eigentlichen B eweisvereitelung anzunehmen, wenn z. B. ein Arbeitgeber die an sich vorhandenen Arbeitsze itunterlagen absichtlich im Hinblick auf einen anstehenden Zivilprozess vernichtet, um dem Arbeit nehmer den Nachweis der Überstun- den- oder Überzeitarbeit zu verunmöglichen. In solchen Fällen ist das Verhalten des Arbeitge- bers als rechtsmissbräuchlich im Sinne von Art. 2 ZGB zu qualifizieren, so dass sich ein aus- nahmsweises Abrücken von der allgemeinen Beweislastregel von Art. 8 ZGB rechtfertigen lässt. In allen anderen Fällen, insbesondere wenn überhaupt keine Dokumentation abgelegt oder sie nur lückenhaft geführt wurde, ist die Schwelle von Art. 2 ZGB nicht erreicht. Hier bleibt es dabei, dass die Beweislast für den Nachweis der behaupteten Überstunden- oder Überzeitarbeit wei- terhin beim Arbeitnehmer liegt (STREIFF /VON KAENEL /R UDOLPH , a.a.O., Art. 321c N 10). 4.4 Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, erachtet die mit der Berufung vorgetragenen Rügen des Klägers als nicht stichhaltig. S oweit er beanstandet, die Beklagte habe seine Arbeitszeiten nicht bestritten und die Beweiseignung der Baujournale sei grundsätz- lich anerkannt worden, erweisen sich diese als klar aktenwi drig. Vielmehr liess die Beklagte bereits mit der Klagantwort ausdrücklich entgegnen, so wohl die Arbeitszeiterfassungsbogen Januar bis Mai 2011 (Klagbeilage 10) wie auch die Tab elle Überstunden/Überzeit Januar bis Mai 2011 (Klagbeilage 11) würden keinerlei Beweis be züglich allfällig geleisteter Überstunden resp. Überzeit erbringen. Die Arbeitszeiterfassungsboge n seien vom Kläger geführt worden, wobei es sich nicht um Arbeitszeiten, sondern um die An wesenheit auf der Baustelle inkl. Fahr- zeiten handle. Die Arbeitgeberin wies im Weiteren schl üssig darauf hin, dass es diverse Wider- sprüche zur Arbeitszeiterfassung der beiden anderen an de r Fahrgemeinschaft beteiligten Mit- arbeiter gibt, obwohl man die Arbeitsstelle jeweils gl eichzeitig betreten und auch wieder ge- meinsam verlassen habe. Der Kläger versäumte sodann den Nachweis, der Arbeitgeberin die Ansprüche aus Überstundenarbeit während der Dauer des A rbeitsverhältnisses überhaupt je- mals angezeigt zu haben. Er begnügte sich damit, der Ar beitgeberin am 6. September 2016 eine handschriftliche Rechnung für Überstunden und Bonus in der Höhe von CHF 50‘000.00 zu unterbreiten. Aus deren (teilweisen) Zahlung kann allerdings keineswegs auf eine Anerkennung der fraglichen Forderung geschlossen werden. Auch aus d er Einvernahme der beiden Zeugen, welche die Vorinstanz dazu befragte, lässt sich nichts für den Standpunkt des Klägers gewin- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen. Wie die Vorinstanz zutreffend anführt, sind die A ussagen der beiden vormaligen Arbeits- kollegen zu angeblichen Überstunden des Klägers zu vage un d unsubstantiiert, als dass sie tauglich wären, um angebliche Überstunden des Klägers z u beweisen. Die Glaubhaftigkeit der Aufzeichnungen des Klägers wird sodann nicht zuletzt d urch Einträge erschüttert, welche Ar- beitszeiten von 17 Stunden und mehr ausweisen. Das Kant onsgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Zivilrecht, geht daher mit dem Vorderrichter ein ig, dass der Kläger den Nachweis, er habe Überstunden resp. Überzeit geleistet, nicht genügend e rbracht hat. Vor diesem Hintergrund bleibt auch kein Raum für eine Schätzung von Überstunden. Eine solche Schätzung in analoger Anwendung von Art. 42 Abs. 2 OR setzt nämlich voraus, d ass aufgrund der vorgebrachten Um- stände die Leistung von Mehrstunden nicht bloss im Berei ch des Möglichen liegt, sondern an- nähernd sicher erscheint. Art. 42 Abs. 2 OR zielt auf ei ne Beweiserleichterung ab und nicht et- wa darauf, dem Kläger die Beweislast generell abzunehmen. Der Kläger hat somit alle Umstän- de, die für die Leistung abgeltungspflichtiger Mehrstu nden sprechen und deren Abschätzung erlauben, soweit möglich und zumutbar zu beweisen. Dass Üb erstunden tatsächlich im geltend gemachten Umfang geleistet worden sind, hätte sich dem Gericht daher mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit aufdrängen müssen. Gleichfalls ausser F rage steht für das obere Gericht, dass vorliegend keine Beweislastumkehr zu Gunsten des Kläg ers greifen kann. Nicht bereits eine Beweisnot des Beweisbelasteten vermag nämlich eine Beweislastumkehr zu rechtfertigen. Wie hiervor ausgeführt, kann es zur Umkehr der Beweislast nur kommen, wenn das Verhalten der Arbeitgeberin als rechtsmissbräuchlich zu bezeichnen i st, weil sie beispielsweise die Be- weismittel zerstört, um dem Arbeitnehmer den Beweis zu verunmöglichen. Solches wird weder genügend behauptet noch unter Beweis gestellt. Darübe r hinaus unterlässt es der Kläger auch im Rechtsmittelverfahren, den Nachweis anzutreten, dass d ie fraglichen Überstunden förmlich angeordnet oder betrieblich notwendig waren bzw. alternativ die Arbeitgeberin von der Leistung von Überstunden tatsächlich Kenntnis hatte oder hätte h aben müssen. Es bleibt deshalb beim Ergebnis der Vorinstanz, dass die angeblichen Überstunde n nicht nachgewiesen wurden und daher diesbezüglich keine Entschädigung geschuldet ist. 5.1 Der Kläger beansprucht Ersatz der Auslagen für die Fah rt zum Arbeitsort in der Höhe von CHF 5‘529.60. Die Beklagte habe für die Anfahrt z ur Baustelle in Zürich über kein Ge- schäftsfahrzeug verfügt, weshalb er mit anderen Mitarbei tern eine Fahrgemeinschaft gebildet habe. Er habe sein privates Fahrzeug zur Verfügung geste llt und die jeweils anfallenden Ben- zinkosten bezahlt. Der Vorderrichter verneinte den entspr echenden Anspruch. Die vorgelegten Belege würden zwar den Bezug von Treibstoff ausweisen, aber nicht beweisen, dass der Kläger diese Kosten ausgelegt oder jemandem vergütet habe bzw. dies auf Rechnung der Beklagten erfolgt wäre. Ebenfalls sei damit nicht bewiesen, dass d as bezogene Benzin von der Fahrge- meinschaft für den Arbeitsweg eingesetzt worden sei. 5.2 Der Berufungskläger wendet ein, entgegen der Annahme der Vorinstanz belege die Kla- gebeilage 14 selbstverständlich, dass er Auslagen für Fahr kosten getätigt habe. Es sei schlicht kein anderer Grund ersichtlich, weshalb er Tankbelege aus einem Zeitraum vor fünf Jahren, als er für die Beklagte gearbeitet habe, aufbewahren soll te. Er habe im Übrigen umgehend im Zu- sammenhang mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses am 6. September 2011 der Beklag- ten eine Rechnung für u.a. die Benzinkosten gestellt, w as belege, dass er die Benzinkosten tatsächlich getragen habe. Die Beklagte habe im vorinsta nzlichen Verfahren behauptet, die Benzinkosten seien gegen Vorweisung einer Quittung bezahl t worden, habe für diese unzutref- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht fende Behauptung allerdings keinerlei Dokumente eingereicht, was belege, dass diese Behaup- tung völlig unglaubwürdig sei. 5.3 Laut Art. 327a Abs. 1 OR hat der Arbeitgeber dem A rbeitnehmer alle durch die Ausfüh- rung der Arbeit entstehenden Auslagen zu ersetzen. Ein e Spezialregelung findet sich bezüglich des Ersatzes von Auslagen für ein Motorfahrzeug in Art. 327b OR. Der Arbeitnehmer hat dem- nach nur Anspruch auf Ersatz, wenn die Verwendung des F ahrzeuges für die Arbeit mit Einver- ständnis der Arbeitgeberin erfolgt. Neben den üblichen Aufwendungen für Benzin und Unterhalt sind auch die Kosten für Haftpflichtversicherung, staatli che Abgaben und Amortisation nach Massgabe des Gebrauchs für die Arbeit zu vergüten. Dies ka nn in Form einer Kilometerent- schädigung erfolgen, wenn der Ansatz mindestens den eff ektiven Kosten entspricht. Der mass- gebliche Gesamtarbeitsvertrag für das Gipsergewerbe Zür ich sieht in Art. 13.4.2 eine Pauscha- lierung in Form einer Kilometerentschädigung vor. Auslagen, welche die Arbeitgeberin zu erset- zen hat, können vom Arbeitnehmer grundsätzlich auch noch n ach Beendigung des Arbeitsver- hältnisses geltend gemacht werden, wenn sie aus dessen Dur chführung entstanden sind. Not- wendigkeit und Höhe der Auslagen sind vom Arbeitnehmer zu beweisen. Doch darf von ihm in Bezug auf die Höhe der Auslagen kein strenger Beweis verlangt werden. Effektiv entstandene Auslagen, die sich ziffernmässig nicht mehr genau beweisen lassen, sind vom Gericht in analo- ger Anwendung von Art. 42 Abs. 2 OR zu schätzen (BGE 131 III 439 E. 5.1). 5.4 Im Rahmen einer Sammelbeilage lässt der Kläger nahezu 50 Kassenbelege von Tankstel- len aus der näheren Umgebung seines Wohnortes und der Autobahnraststätte Würenlos einrei- chen, welche den Bezug von Treibstoff und damit seinen A nspruch auf Auslagenersatz doku- mentieren sollen. Der Kläger leitet aus der Belegsamm lung ab, dass damit die Notwendigkeit und die Höhe der einzelnen Auslagen bewiesen seien, da kein anderer Grund für das Aufbe- wahren der fraglichen Benzinrechnungen ersichtlich sei. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, geht allerdings mit der Vorinstan z einig, dass mit den Belegen zwar ein Bezug von Treibstoff ausgewiesen wird, allerdings dara us nicht geschlossen werden kann, ob diese Kosten tatsächlich vom Kläger getragen wurden oder er diese jemandem erstatten muss- te. Es fehlt sodann der Nachweis, dass die Auslagen für Treibstoff allein für den Arbeitsweg angefallen sind. Die Zeugen konnten gleichfalls nichts zu r Erhellung des Sachverhalts beitra- gen. Vor dem Hintergrund der massgeblichen Bestimmunge n im GAV ist obendrein fraglich, ob nebst dem Anspruch auf Kilometerentschädigung gemäss GA V überhaupt noch ein alternativer Anspruch auf Erstattung von Auslagen für Treibstoff best eht. Der Anspruch des Klägers wurde daher im Entscheid vom 31. Mai 2016 zu Recht verneint. 6.1 Ausserdem forderte der Kläger Ersatz von Auslagen in der Höhe von CHF 4‘220.00 für Werkzeug und Baumaterial, welches er immer wieder für die Beklagte habe kaufen und vorfi- nanzieren müssen. Das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft O st hielt dafür, die vorgelegten Rechnungen der W. Tschopp AG würden mit einer Ausnahme allesamt aus dem Jahr 2010 und damit aus einer Zeit vor dem Arbeitsverhältnis der Part eien herrühren. Im Übrigen sei mit den Rechnungen und Zahlungen nicht genüglich nachgewiesen, dass der Kläger die entsprechen- den Auslagen für die Beklagte getätigt habe. 6.2 Mit der Berufung entgegnet der Kläger, er habe in der Replik klar und deutlich ausgeführt, dass er am 13. Januar 2011 und damit während der Daue r des Arbeitsverhältnisses für die Be- klagte eine Rechnung für Baumaterial von CHF 3'961.0 0 bezahlt habe. Er habe diese Zahlung in einem Zeitpunkt ausgelöst, als er für die Beklagte a ls Arbeitnehmer tätig gewesen sei und damit Arbeitsmaterial für seinen Arbeitgeber bezahlt. Die Ausführungen der Vor-instanz zu den Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kosten für Kleinmaterial und das Parkhaus von CHF 166.00 und CHF 93.00 seien ziemlich un- sinnig. Über die Quittung für eine Zahlung verfüge di ejenige Person, die die Kosten bezahlt ha- be. Aus den Quittungen ergebe sich, wofür der Kläger die Kosten ausgelegt habe. 6.3 Der Kläger gründet seinen Anspruch im Wesentlichen auf diverse Rechnungen der Wer- ner Tschopp AG, lautend auf Lindengarten Sissy's Bar in Birsfelden, sowie einen Kontoauszug der UBS AG, welcher eine Zahlung Valuta 13. Januar 2 011 in der Höhe von CHF 3‘961.00 an die Werner Tschopp AG ausweist. Im Weiteren legt er zwei Kassenbelege aus Baumärkten und drei Quittungen eines Parkhauses vor. Allein der Schluss des Klägers, mit diesen Schriftstücken sei seine Behauptung bewiesen, er habe die entsprechenden Auslagen für die Beklagte getätigt und diese seien ihm deshalb zu erstatten, ist schlechterdin gs nicht zutreffend. Analog den vor- stehenden Erwägungen zum Anspruch auf Auslagenersatz für die geltend gemachten Benzin- kosten sind auch die fraglichen Urkunden nicht geeignet, den bestrittenen Sachverhalt hinrei- chend zu beweisen. Der Kläger verpasste es, seinen Vort rag in der Replik in Einzeltatsachen zergliedert so umfassend und klar darzulegen, dass darüber hätte Beweis abgenommen wer- den können. So wird aus den erwähnten Schriftstücken insbesondere nicht ersichtlich, dass der Kläger auf einer Baustelle in Zürich im naheliegenden Baumarkt Arbeitsmaterial gekauft hat und dieses auf der Baustelle verwendet wurde. Ebenfalls ung eklärt bleibt, weshalb die Rechnungen der Werner Tschopp AG aus der Zeit vor der Begründung d es Arbeitsverhältnisses zwischen den Parteien einen Anspruch auf Auslagenersatz auslösen sollten. 7.1 Im Anschluss an die Prüfung der einzelnen Ansprüche des K lägers handelte die Vor- instanz noch die Zahlungen der Beklagten an dessen Forder ungen ab und hielt dazu im We- sentlichen fest, dem Schreiben vom 6. September 2011 l asse sich nicht entnehmen, dass die Beklagte irgend eine der darin geltend gemachten For derungen anerkannt hätte. Dass die Be- klagte dem Kläger am 26. September 2011 einen Betrag von CHF 30'000.00 überwiesen habe, lasse ebenfalls keine Anerkennung der aufgelisteten Ford erungen suggerieren. Dass es sich bei der fraglichen Zahlung bloss um eine Teilzahlung ge handelt habe, sei ebenfalls nicht schlüssig. Die Vermutung liege nahe, dass sich die Parteie n mit dieser Zahlung hätten ausei- nandersetzen wollen, was allerdings offen bleiben könne . Wesentlich sei, dass dem Kläger mit dem erwähnten Schriftstück der Nachweis für die geltend gemachten Überstundenforde- rung/Bonus und Benzinkosten sowie Material von CHF 10'000.00 nicht gelungen sei. 7.2 Mit der Berufungsschrift erwidert der Kläger, die Auf fassung der Vorinstanz, bei der Zah- lung von CHF 30'000.00 habe es sich nicht um eine Tei lzahlung an Überstundenguthaben ge- handelt, sei unzutreffend. Wer eine gestellte Rechnung nur teilweise bezahle, leiste nur und ausschliesslich eine Zahlung an diese Rechnung. Gemäss den handschriftlichen Korrekturen, in welchen die Position Überstunden unverändert geblieben sei und andere Positionen nicht aner- kannt worden seien, ergebe sich deutlich, dass der Wille der Beklagten dahin gegangen sei, nichts anderes als Überstundenguthaben des Klägers teilwei se zu begleichen. Die Vermutung der Vorinstanz, die Parteien hätten sich mit der Zahlung von CHF 30'000.00 auseinandersetzen wollen, entbehre jeglicher Grundlage. Die Teilzahlung sei einzig und allein auf Überstunden- und Bonusansprüche anzurechnen. Eine Anrechnung auf andere Ansprüche des Klägers aus dem Arbeitsverhältnis könne nicht erfolgen, weil die Z ahlung nie einen anderen Zweck als die teilweise Abgeltung von Überstunden und Bonusforderungen gehabt habe. Die Anrechnung der Zahlung von CHF 30'000.00 ausschliesslich auf Überstundene ntschädigungen bedeute, dass der mit Klage geltend gemachte Betrag von CHF 25'782 .90 getilgt sei. Die Differenz zur Zah- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung von CHF 30'000.00 sei auf weitere Überstunden anzu rechnen, die nicht Gegenstand der Klage seien. 7.3 Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht , verwirft die Berufung des Klä- gers. Aus der massgeblichen Rechnung vom 6. September 20 11 kann nicht auf eine Anerken- nung von Ansprüchen geschlossen werden. Das Schriftstück v erurkundet bloss, dass der Klä- ger unter dem Titel Überstunden und Bonus eine Summe von CHF 50‘000.00 in Rechnung stellte. Zusätzlich machte er noch CHF 10'000.00 für Benzinkosten und Material sowie CHF 4'800.00 für Mehrwertsteuer geltend. Mit der Rech nung werden die einzelnen Ansprüche nicht weiter belegt. Anerkannt ist alsdann eine Zahlung an den Kläger in der Höhe von CHF 30‘000.00. Die Folgerung des Klägers, diese Summe sei lediglich eine Teilzahlung an die Rechnung vom 6. September 2011, findet jedenfalls in diesem Dokument keine ausreichende Grundlage. Welche Rechnungspositionen mit der Zahlun g getilgt bzw. anerkannt wurden, kann daraus nicht erschlossen werden. Insbesondere ist der Kläger damit nicht von seiner Beweislast im Zusammenhang mit seinem Anspruch auf Entschädigung von Überstunden resp. Überzeit entbunden. Mutatis mutandis gilt dasselbe für die Zahl ung in der Höhe von CHF 3‘600.00, wel- che die Beklagte Valuta 7. Oktober 2011 dem Kläger obendrein leistete. 8.1 Mit der Klage verlangte der vormalige Arbeitnehmer, d ass ihm ein wohlwollendes Arbeits- zeugnis auszustellen sei. Er habe bislang kein Arbeitszeugnis erhalten, wobei sich die Beklagte bislang darüber ausgeschwiegen habe. Die Vorinstanz hiel t im angefochtenen Entscheid fest, dass die Beklagte den Anspruch auf Ausstellung eines Arbei tszeugnisses anlässlich der Haupt- verhandlung durch Übergabe eines Arbeitszeugnisses erfüllt habe. Mit der Berufung besteht der Kläger darauf, dass das abgegebene Arbeitszeugnis um div erse Formulierungen zu erweitern sei. Er habe die inhaltliche Richtigkeit und Vollständi gkeit des Zeugnisses zu keinem Zeitpunkt anerkannt. Die Beklagte sei zu verpflichten, die Funktion und die Tätigkeit des Klägers im Sinne des gestellten Antrags inhaltlich vollständig und rich tig zu umschreiben. Der gestellte Antrag enthalte sodann eine Formulierung zum Umgang mit den Mitarbeitern und Vorgesetzten, wel- che in ein vollständiges Arbeitszeugnis gehören würde. 8.2 Gemäss Art. 330a Abs. 1 OR kann der Arbeitnehmer jede rzeit vom Arbeitgeber ein Zeug- nis verlangen, das sich nicht nur über die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses, sondern auch über seine Leistungen und sein Verhalten ausspricht. Ei n solches qualifiziertes Zeugnis bzw. Vollzeugnis soll einerseits das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers fördern und deshalb wohlwollend formuliert werden. Andererseits soll es kün ftigen Arbeitgebern ein möglichst ge- treues Abbild von Tätigkeit, Leistung und Verhalten de s Arbeitnehmers geben, weshalb es grundsätzlich wahr und vollständig zu sein hat (BGE 129 III 177 E. 3.2; Urteil 4A_432/2009 vom 10. November 2009 E. 3.1 mit Hinweisen). Der Anspruch auf Ausstellung eines Arbeitszeugnis- ses ist gerichtlich durchsetzbar. Der Arbeitnehmer kann mi thin gegen den Arbeitgeber auf Aus- stellung eines Arbeitszeugnisses klagen, also eine sogenannt e Leistungsklage anstrengen. Ist der Kläger nach Erhalt des Vollzeugnisses der Auffassung, d essen Inhalt sei unrichtig oder un- vollständig, kann er beim zuständigen Gericht eine Berichtigungsklage erheben. Im Unterschied zur Leistungsklage muss der Arbeitnehmer den verlangten Ze ugnistext oder konkrete Ände- rungsvorschläge in sein Rechtsbegehren aufnehmen, so da ss der Richter ihn ohne jegliche Änderung zum Urteil erheben kann (vgl. statt vieler S TREIFF /VON KAENEL /R UDOLPH , a.a.O., Art. 330a N 5 und 5a mit weiteren Nachweisen). Im vo rliegenden Fall liess der vormalige Ar- beitnehmer lediglich auf Ausstellung eines vollständigen und wohlwollenden Zeugnisses klagen. Nachdem die Beklagte dem Kläger anlässlich der Verhandlu ng vom 31. Mai 2016 ein Zeugnis Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausgehändigt hatte, schrieb die Vor-instanz das entsprechende Begehren ohne Entscheid sinn- gemäss als erledigt ab. Fraglich ist, ob im Rechtsmitt elverfahren die Berichtigung des Zeugnis- ses verlangt werden kann, wenn bloss auf Erfüllung des Ze ugnisanspruchs geklagt wurde. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, kann die Frage ausdrücklich offen las- sen, da sich die Beklagte im Eventualstandpunkt ohne Aner kennung einer Rechtspflicht und von Kostenfolgen bereit erklärt, das gewünschte Arbeitsze ugnis auszustellen. Unter dem Ge- sichtspunkt der Prozessökonomie ist es angezeigt, die Beklagt e bei ihrem Eventualstandpunkt zu behaften und den Berichtigungsanspruch des Klägers oh ne Entscheid als erledigt abzu- schreiben. 9. Abschliessend ist noch über die Verlegung der Prozesskoste n zu befinden. Mit der Bestä- tigung des angefochtenen Entscheides bleiben die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Ver- fahrens in erster Instanz unverändert bestehen, wurden d iese doch nicht ausdrücklich ange- fochten. Massgebend für die Regelung der Kostenfolgen des Berufungsverfahrens sind gleich- falls die Bestimmungen der Art. 104 ff. ZPO (S EILER , Die Berufung nach ZPO, Basel 2013, Rz. 1560). Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden Partei aufer- legt. Entsprechend dem vorliegenden Verfahrensausgang hat der Berufungskläger somit für die Prozesskosten aufzukommen. Eine Anwendung von Art. 107 Z PO, der ein Abweichen von den Verteilungsgrundsätzen und die Verteilung der Prozesskost en nach Ermessen erlaubt, ist nicht angebracht. Weil dem Verfahren eine Streitigkeit aus einem Arbeitsverhältnis mit einem Streit- wert von weniger als CHF 30‘000.00 zu Grunde liegt, w erden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 114 lit. c ZPO). Der Berufungskläger hat der Ber ufungsbeklagten allerdings eine Parteient- schädigung auszurichten, zumal ein diesbezüglicher Antrag gestellt wurde. Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht, so dass die entsprechende Par teientschädigung von Amtes wegen nach Ermessen festzusetzen ist (vgl. § 18 Abs. 1 Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte; TO; SGS 178.112). Die Berechnung des entsprechenden Honorars erfolgt nach dem Streitwert. Das Grundhonorar für die Vertretung vor der Rechtsmitt elinstanz ist gemäss § 10 TO nach den für die erste Instanz geltenden Grundsätzen zu berechnen , mithin kommt also § 7 TO zur An- wendung, welcher in vorliegender Sache einen maximalen Ansatz von CHF 3‘600.00 vorsieht, soweit ein Schriftsatz auszufertigen war. Zuschläge zum Gr undhonorar sind keine angebracht, war das Aktenmaterial doch überschaubar. Im Weiteren si nd geschätzte Auslagen von pau- schal CHF 100.00 zu vergüten. Die Mehrwertsteuer ist nic ht zu berücksichtigen, weil die mehr- wertsteuerpflichtige Berufungsbeklagte die an ihren fü r geschäftlich begründete Zwecke beauf- tragten Anwalt geleisteten Mehrwertsteuern als Vorsteue rn von ihrer eigenen Mehrwertsteuer- rechnung abziehen kann. Eine solche Partei erleidet mithin durch die Mehrwertsteuer keinen zu entschädigenden Schaden, da sie mit deren Bezahlung gl eichzeitig einen gleich hohen geld- werten, liquiden und sicheren Anspruch gegenüber der Mehrwertsteuerverwaltung erwirbt. Die Abrechnungsmethode der Partei, der eine Prozessentschädi gung zuzusprechen ist, ist dabei ohne Einfluss und nicht zu berücksichtigen (BLKGE 410 11 3 8 vom 9. Mai 2011, E. 4.5). Der Berufungskläger hat der Berufungsbeklagten somit eine Parteientschädigung von CHF 3‘600.00 zuzüglich Auslagen von CHF 100.00 zu bezahlen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil d es Präsidenten des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 31. Mai 2016 bestätigt. 2. Die Berufungsbeklagte wird bei der Bereitschaft be haftet, dem Beru- fungskläger ohne eine Rechtspflicht und ohne Kostenfolg en das ge- wünschte Arbeitszeugnis gemäss Rechtsbegehren Ziff. 1.4 de r Beru- fungsschrift auszustellen. 3. Es werden keine Gerichtskosten für das Berufungsverfahre n erhoben. 4. Der Berufungskläger hat der Berufungsbeklagten eine Parteientschä- digung von CHF 3‘600.00 zuzüglich Auslagen von CHF 100.0 0 zu be- zahlen. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiber Andreas Linder Weiterzug Gegen diesen Entscheid wurde beim Schweizerischen Bundesgericht eine zivilrechtliche Be- schwerde erhoben (Verfahren Nr. 4A_154/2017)