<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 56 S.229</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">229</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>56 Preisbewertung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Der Vergabebehörde steht bei der Bewertung des Zuschlagskriteriums</b></span><br/> <span class="ft2"><b>"Preis" ein erheblicher Ermessensspielraum zu; die in den Aus-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schreibungsunterlagen bekannt gegebene Gewichtung des Zu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schlagskriteriums "Preis" muss in der Bewertung jedoch deutlich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zum Ausdruck kommen, d.h. die gewählte Bewertungsmethode muss</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die Gewichtung des Kriteriums derart berücksichtigen, dass das im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Voraus bekannt gegebene Gewicht tatsächlich zum Tragen kommt.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">230</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 19. März 2004 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen M. AG gegen Gemeinderat Möriken-Wildegg.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. b) Die Beschwerdeführerin erachtet die Preisbewertung als</span><br/> <span class="ft1">unhaltbar. Wenn der Preis mit 70% gewichtet werde, so falle die</span><br/> <span class="ft1">Bewertung einer Preisdifferenz von über Fr. 35'000.-- bei einer Ver-</span><br/> <span class="ft1">gabesumme von rund Fr. 700'000.-- mit einem Unterschied von 3%</span><br/> <span class="ft1">offensichtlich zu tief aus. Nach ihrer Berechnung müsste sich die Be-</span><br/> <span class="ft1">wertungsdifferenz beim Preis zwischen ihrem Angebot und demjeni-</span><br/> <span class="ft1">gen der B. AG auf 9.25 Punkte belaufen. Sie geht dabei von einem</span><br/> <span class="ft1">linearen Bewertungsmodell aus, bei dem das günstigste Angebot der</span><br/> <span class="ft1">W./D. 100% bzw. 70 Punkte und das teuerste Angebot der K. AG 0%</span><br/> <span class="ft1">bzw. 0 Punkte erhält.</span><br/> <span class="ft1">c) aa) Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts ist in</span><br/> <span class="ft1">erster Linie entscheidend, dass ein Bewertungs- oder Benotungs-</span><br/> <span class="ft1">system im Grundsatz sachgerecht ist und einheitlich, d.h. auf alle</span><br/> <span class="ft1">Anbietenden bzw. auf alle Angebote in gleicher Weise und nach</span><br/> <span class="ft1">gleichen Massstäben angewendet wird. Das Verwaltungsgericht be-</span><br/> <span class="ft1">schränkt sich im Rahmen seiner - beschränkten - Kontrollbefugnisse</span><br/> <span class="ft1">auf die Überprüfung dieser Gesichtspunkte; ihm kommt nicht die</span><br/> <span class="ft1">Funktion einer "Ober-Vergabebehörde" zu. Welches System letztlich</span><br/> <span class="ft1">Anwendung findet und wie es im Detail ausgestaltet ist, ist dabei von</span><br/> <span class="ft1">eher untergeordneter Bedeutung. Auch bei der Bewertung des Preises</span><br/> <span class="ft1">gilt, dass das Verwaltungsgericht die von der Vergabestelle gewählte</span><br/> <span class="ft1">Vorgehensweise respektieren muss, sofern diese nicht völlig</span><br/> <span class="ft1">sachfremd ist oder auf die einzelnen Anbieter unterschiedlich ange-</span><br/> <span class="ft1">wendet wird (VGE III/158 vom 26. November 1998 [BE.98.00289]</span><br/> <span class="ft1">in Sachen G. AG, S. 9 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">bb) Mit der Art und Weise der Bewertung des Angebotspreises</span><br/> <span class="ft1">kann die Gesamtbewertung unabhängig von der Bewertung der</span><br/> <span class="ft1">restlichen Zuschlagskriterien erheblich beeinflusst werden. Weit</span><br/> <span class="ft1">verbreitet sind die linearen Bewertungssysteme, bei denen das preis-</span><br/> <span class="ft1">günstigste Angebot die Maximalpunktzahl erzielt, und ein Ange-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">231</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">botspreis, der dieses preisgünstigste Angebot <i>um einen bestimmten</i></span><br/> <span class="ft4"><i>Prozentsatz</i> überschreitet, keine Punkte mehr erzielt, während die</span><br/> <span class="ft1">dazwischen liegenden Angebote linear interpoliert bewertet werden.</span><br/> <span class="ft1">Die lineare Gleichung (Neigung der Geraden) wird in der Regel für</span><br/> <span class="ft1">jedes Vergabeverfahren gesondert festgelegt, zumeist erst nach der</span><br/> <span class="ft1">Offertöffnung. Zumindest die Möglichkeit, dass damit das Resultat</span><br/> <span class="ft1">der jeweiligen Gesamtbewertung beeinflusst werden kann, lässt sich</span><br/> <span class="ft1">nicht leugnen. Ebenfalls verbreitet sind (lineare) Bewertungssysteme,</span><br/> <span class="ft1">die in Abhängigkeit vom höchsten und vom tiefsten eingegangenen</span><br/> <span class="ft1">Angebot erfolgen, indem das tiefste Angebot das Punktemaximum</span><br/> <span class="ft1">und das teuerste Angebot - ungeachtet der effektiven Preisdifferenz -</span><br/> <span class="ft1">0 Punkte (oder eine Minimalpunktzahl, z.B. 25 Punkte) erhält. Auch</span><br/> <span class="ft1">diese Bewertungsmethode ist keineswegs unproblematisch. Geht z.B.</span><br/> <span class="ft1">ein sehr teures Angebot ein, kann dies im Extremfall zur Folge</span><br/> <span class="ft1">haben, dass trotz der bekannt gegebenen hohen Gewichtung des</span><br/> <span class="ft1">Preises durchaus nennenswerte Preisunterschiede zwischen den</span><br/> <span class="ft1">übrigen Anbietern bewertungsmässig kaum mehr ins Gewicht fallen.</span><br/> <span class="ft1">Liegen das tiefste und das höchste Angebot dagegen nahe</span><br/> <span class="ft1">beisammen, wirken sich auch verhältnismässig geringe Preisunter-</span><br/> <span class="ft1">schiede punktemässig sehr deutlich aus. Die Bedeutung, die dem</span><br/> <span class="ft1">Preis im Gefüge der Zuschlagskriterien tatsächlich zukommt, hängt</span><br/> <span class="ft1">damit davon ab, innerhalb welcher Bandbreite sich die eingereichten</span><br/> <span class="ft1">Angebotssummen bewegen. Je näher die einzelnen Angebotssummen</span><br/> <span class="ft1">beisammen liegen, desto stärker wirken sich auch kleine Preisunter-</span><br/> <span class="ft1">schiede auf die Bewertung aus und desto grösser wird die Bedeu-</span><br/> <span class="ft1">tung, die dem Preis schliesslich für den Zuschlag zukommt (VGE</span><br/> <span class="ft1">III/33 vom 30. April 2002 [BE.2002.00041] in Sachen ARGE A.,</span><br/> <span class="ft1">S.</span> <span class="ft1">47 f.; vgl. zur Preisbewertung auch Matthias Hauser, Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlagskriterien im Submissionsrecht, in: AJP/PJA 2001, S. 1420;</span><br/> <span class="ft1">Jacques Pictet / Dominique Bollinger, Aide multicritère à la décision:</span><br/> <span class="ft1">Aspects mathématiques du droit suisse des marchés publics, in: BR</span><br/> <span class="ft1">2000, S. 64).</span><br/> <span class="ft1">cc) Wie bereits ausgeführt steht der Vergabebehörde bei der Be-</span><br/> <span class="ft1">notung des Zuschlagskriteriums "Preis" ein erheblicher Ermessens-</span><br/> <span class="ft1">spielraum zu. In dieses Ermessen greift das Verwaltungsgericht nicht</span><br/> <span class="ft1">ein. Zu prüfen ist dagegen eine allfällige Überschreitung oder ein</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">232</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Missbrauch des Ermessens. Wie eine Bewertungsskala hinsichtlich</span><br/> <span class="ft1">der Angebotspreise festzulegen ist, lässt sich nicht in allgemeingül-</span><br/> <span class="ft1">tiger Weise bestimmen, sondern hängt stark von den Umständen des</span><br/> <span class="ft1">Einzelfalls ab. Eine (submissions)rechtliche Vorgabe, eine Bewer-</span><br/> <span class="ft1">tungsmethode zu verwenden, die auf einer Nullbewertung des</span><br/> <span class="ft1">teuersten Angebots beruht, besteht nicht (VGE III/76 vom 23. Sep-</span><br/> <span class="ft1">tember 2002 [BE.2002.00247] in Sachen Sch. AG, S. 10). Die in den</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibungsunterlagen bekannt gegebene Gewichtung des Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlagskriteriums "Preis" muss jedoch in der Bewertung deutlich</span><br/> <span class="ft1">zum Ausdruck kommen, d.h. die gewählte Bewertungsmethode muss</span><br/> <span class="ft1">die Gewichtung des Kriteriums derart berücksichtigen, dass das im</span><br/> <span class="ft1">Voraus bekannt gegebene Gewicht tatsächlich zum Tragen kommt</span><br/> <span class="ft1">(siehe dazu auch Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich</span><br/> <span class="ft1">vom 18. Dezember 2002 [VB.2001.00095], Erw. 3g und Erw. 4b;</span><br/> <span class="ft1">Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 11. Septem-</span><br/> <span class="ft1">ber 2003 [VB.2003.00188], Erw. 4b; Urteil des Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">des Kantons Zürich vom 24. September 2003 [VB.2003.00207],</span><br/> <span class="ft1">Erw. 2).</span><br/> <span class="ft1">d) Im vorliegenden Fall kommt dem Preis gemäss Ausschrei-</span><br/> <span class="ft1">bung ein Gewicht von 70% zu. Die Differenz zwischen dem günstig-</span><br/> <span class="ft1">sten Angebot der W./D. mit Fr. 668'434.46 und dem teuersten Ange-</span><br/> <span class="ft1">bot der K. AG mit Fr. 936'324.50 beträgt Fr. 267'890.04 oder 40%.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund der angewendeten Bewertungsmethode (pro 1% Preis-</span><br/> <span class="ft1">differenz ein Abzug von 0.7 Punkten) erhält das teuerste Angebot</span><br/> <span class="ft1">somit noch 42 Punkte (- 40% x 0.7 = - 28). Um keine Punkte mehr</span><br/> <span class="ft1">zu erhalten, hätte das teuerste Angebot somit doppelt so hoch wie der</span><br/> <span class="ft1">tiefste angebotene Preis sein müssen (- 100% x 0.7 = - 70).</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall geht es um die Vergabe von Baumeister-</span><br/> <span class="ft1">arbeiten im Bereich Tiefbau. Für Vergaben dieser Art sind Preisun-</span><br/> <span class="ft1">terschiede von ca. 10 - 30%, nicht aber von 100% üblich. Vorliegend</span><br/> <span class="ft1">bewegen sich die (vergleichbaren) Angebote denn auch innerhalb</span><br/> <span class="ft1">einer Preisspanne von 40%. Die Vergabebehörde hätte diesem Um-</span><br/> <span class="ft1">stand angemessen Rechnung tragen müssen. Wird die Preiskurve</span><br/> <span class="ft1">indessen so flach gelegt, dass beim Preis die Vergabe von weniger als</span><br/> <span class="ft1">der Hälfte der Punkte nur theoretisch in Betracht kommen kann, so</span><br/> <span class="ft1">wird die Gewichtung des Preises im Verhältnis zu den übrigen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">233</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kriterien gegenüber der publizierten Gewichtung verschoben. Genau</span><br/> <span class="ft1">dies ist vorliegendenfalls geschehen. So erhielt auch der teuerste</span><br/> <span class="ft1">Anbieter 42 von 70 möglichen Punkten. Die tatsächliche Gewichtung</span><br/> <span class="ft1">des Preises beträgt damit nicht 70%, sondern bloss 28%. Das</span><br/> <span class="ft1">Vorgehen der Vergabestelle führte letztlich dazu, dass den</span><br/> <span class="ft1">Preisdifferenzen bei der Bewertung viel zu wenig Rechnung getragen</span><br/> <span class="ft1">wurde. Die entsprechende Rüge der Beschwerdeführerin erweist sich</span><br/> <span class="ft1">somit als berechtigt; ihr um rund 5% tieferes Angebot hätte beim Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlagskriterium Preis einen wesentlich grösseren Bewertungsvor-</span><br/> <span class="ft1">sprung auf die B. AG aufweisen müssen als 3 Punkte, im Minimum</span><br/> <span class="ft1">das Doppelte. Dies führt zur Aufhebung des an die B. AG erteilten</span><br/> <span class="ft1">Zuschlags.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>