Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Februar 2017 (720 16 199 / 38) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Dem ehemals selbständigerwerbenden Versicherten ist ein Berufswechsel im Alter von 62 Jahren und 11 Monaten nicht zumutbar; die Angelegenheit ist aber zur Abklärung der Arbeitsunfähigkeit in seiner angestammten Tätigkeit an die Vorinstanz zurückzuweisen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Altermatt , Recht s- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1952 geborene A.____ war zuletzt als selbstä ndig Erwerbender im Antiquitätenhan- del tätig. Am 4. August 2015 meldete sich A.____ mit Hinweis auf Achselschmerzen und Bewe- gungseinschränkungen bei der IV-Stelle Basel-Landsc haft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerbliche n Verhältnisse – und nach Durchführung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Vorbescheidverfahrens – lehnte die IV-Stelle mit Ve rfügung vom 24. Mai 2016 einen Ren- tenanspruch von A.____ gestützt auf einen IV-Grad von 25 % ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Daniel Altermatt, mit Schreiben vom 23. Juni 2016 Beschwerde beim Kantonsgerich t Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragt e, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm eine ganze Rente der Eidgenössischen Invalidenversicherung zuzuspre- chen; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Vernehmlassung vom 24. August 2016 beantragte d ie IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 14. Novembe r 2016 an seinen Rechtsbegeh- ren und Ausführungen der Beschwerde fest. E. Die IV-Stelle verzichtete mit Schreiben vom 6. Dezemb er 2016 auf eine Duplik und ver- wies auf ihre Verfügung vom 24. Mai 2016 und ihre Vernehmlassung vom 24. August 2016. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti- gen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vo r, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. In der vorliegenden Angele genheit ist strittig, ob die vorhandene me- dizinische Aktenlage für die Beurteilung des Gesundheitszu standes des Beschwerdeführers ausreichend ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen b eruht, auch die geklagten Beschwer den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol ten Gutachten externer Spezialärz- tinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Ar beitsfähigkeit des Beschwerde- führers liegt im Wesentlichen das Gutachten von Dr. med. B.____, FMH Rheumatologie, Physi- kalische Medizin und Rehabilitation, vom 23. November 2015 vor. Dr. B.____ hielt als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit folgendes fest: Periarthropathia humeroscapularis rechts mit / bei - Verdacht auf Tendinitis der langen Bizepssehne - Verdacht auf Begleitbursitis - Kein Impingementsymptomatik - Schmerzhafte Myogelosen des levator scapulae rechts - unauffällige Sensibilität - keine Muskelatrophie Weitere Diagnose: Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht - St. n. Capsulitis adhaesiva links (gemäss Angaben Dr. C.____) mit/bei - zur Zeit freie Beweglichkeit der linken Schulter - mögliche Tendinopathie der hinteren Supraspinatusp latte (MR-Arthographie 17.9.2014) Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte er an: - St.n. schwerer Verletzung am rechten Unterarm vor ca . 30 Jahren mit kompletter Tren- nung von den Extensorensehnen (operativ genäht) - St. n. Bänderriss rechtes oberes Sprunggelenk (vor 40 Jahren operativ versorgt) - St. n. Verletzung des Rückens (als 30-jähriger) - Hyperkyphose der BWS mittleren Grades. Weiter führte Dr. B.____ aus, das rechte Schultergelen k stelle das Hauptproblem dar, welches offensichtlich nach einer Capsulitis am linken Schulter gelenk ca. 7 Monate danach aufgetreten sei. Ein Einschränkungsdefizit des rechten Schultergelenks gegenüber dem linken könne attes- tiert werden. Röntgenuntersuchung oder MR-Arthographi en seien bis anhin nicht durchgeführt worden (rechte Schulter). Nichts desto trotz bleibe eine deutliche Einschränkung beim Heben schwerer Lasten vor allem über die Horizontale oder bei Arbeiten über Kopfhöhe. Zudem sei der Versicherte Rechtshänder, weshalb er bei solchen Tä tigkeiten deutlich eingeschränkt sei. Keine nennenswerten Einschränkungen würden vor allem be i Arbeiten auf Bauchhöhe oder auch Heben bis Brusthöhe bestehen. 10 kg könne er auch m it dem rechten Arm bis Beckenhö- he halten, ein wenig bis Bauchhöhe, jedoch nicht für l ängere Zeit. In seinem jetzigen Beruf (mit Besuch von Uhrenbörsen, ab und zu auch Antiquitätenmärkte ) dürfte dadurch kaum eine Ein- schränkung bestehen. Beim Handel mit Maschinen für die Uh renindustrie könne er trotz unkla- rer Darlegung seiner richtigen Aufgaben keine nennenswerte Einschränkung konstatieren. Trotz einer akzeptablen Beweglichkeit am rechten Schultergele nk und gut erhaltenem Muskelaufbau wäre dem Exploranden eine manuelle Tätigkeit unter Belastung oder Kraftanwendung vorerst nicht zu empfehlen. Aufgrund seiner somatischen Unters uchung und Feststellung sei er der Auffassung, dass der Versicherte im Rahmen von 75 % in seiner angestammten Tätigkeit ar- beitsfähig sei. Diese Einschätzung dürfte ab April 201 5 gültig sein. Der Versicherte habe die Annahme von wechselbelastenden Tätigkeiten unter Verm eiden von Arbeiten über Schulterhö- he und Heben von schweren Lasten sowie Vermeiden von A rbeiten in abduzierter Armstellung bejaht. In diesem Sinne erachte er den Versicherten für eine angepasste Tätigkeit ab April 2015 als voll arbeitsfähig. 6. Die IV-Stelle hat bei der Beurteilung der Arbeit sfähigkeit des Beschwerdeführers vollum- fänglich auf das Gutachten von Dr. B.____ abgestellt. Zu Recht bringt der Beschwerdeführer dagegen vor, Dr. B.____ habe die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in seiner ange- stammten Tätigkeit festgelegt, ohne ein genaueres Profi l dieser Tätigkeit zu haben, also ohne wirklich zu wissen, worin die Tätigkeit des Beschwerdeführe rs bestehe. Dr. B.____ gibt an, der Beschwerdeführer könne Gewichte von 10 kg auch mit dem r echten Arm bis Beckenhöhe hal- ten, ein wenig bis Bauchhöhe, jedoch nicht für länge re Zeit. Für den Handel mit Maschinen für die Uhrenindustrie könne er trotz unklarer Darlegung se iner richtigen Aufgaben keine nennens- werte Einschränkung konstatieren. In den Akten der Tagg eldversicherung befindet sich ein Be- lastungsprofil für die Tätigkeit des Beschwerdeführers vom 2. Juli 2015. Dort wird festgehalten, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass er oft Gewichte von 10 bis 25 kg selten sogar von 25 bis 45 kg und auch von mehr als 45 kg bis Lendenhöhe heben und tragen müsse. In der Notiz einer telefonischen Abklärung vom 8. Juni 2015 wird festgehalten, dass leichte Arbeiten 1/ 3, schwere 2/3 ausmachen würden. Er könne keine Maschinen verschieben/tragen. Davon scheint D r. B.____ keine Kenntnis gehabt zu haben. Jedenfalls bleibt unklar, ob der Beschwerdeführ er aufgrund dieser geschilderten Ein- schränkungen seine bisherige Tätigkeit ausüben kann. Des We iteren fällt auf, dass kein bildge- bendes Material von der rechten Schulter vorliegt, obwoh l der Beschwerdeführer diesbezüglich über Schmerzen klagt. Das Gutachten erscheint deshalb zumi ndest in Bezug auf seine bisher ausgeübte Tätigkeit wenn nicht fehlerhaft so doch un klar. Ob auf das Gutachten in Bezug auf eine Verweistätigkeit abgestellt werden kann, kann gestützt auf die nachfolgenden Erwägungen offen bleiben. 7.1 Es ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer die Verw ertung seiner Restarbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit zuzumuten ist. Das in unselbstständiger Tätigkeit trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgegliche nen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Ver dienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (im Einzelnen dazu Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juli 2008, 9C_830/2007, E. 5.1, in: SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203) . Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtspre chung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gege benheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähi gkeit auf dem ausgeglichenen Ar- beitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumu tbar ist. Fehlt es an einer wirtschaft- lich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (Urt eil des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG] vom 21. August 2006, I 831/05, E. 4.1. 1 mit Hinweisen). Der Einfluss des Le- bensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistung svermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allg emeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend k önnen die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare U mstellungs- und Einarbeitungs- aufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang o der Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE 138 V 457 E. 3.1 S. 460; Urteile des Bundesge- richts vom 22. März 2012, 9C_153/2011, E. 3.1; vom 28. M ai 2009, 9C_918/2008, E. 4.2.2 mit Hinweisen). Das Bundesgericht hat in einem Urteil vom 28 . Mai 2014 die Annahme der Unver- wertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit durch das kantona le Gericht bei einem Versicherten, wel- cher 62 Jahre und 10 Monate alt war und seit 20 Jahren als selbständig Erwerbender tätig war, bestätigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2014, 9C_52/2014, E. 3.1). 7.2 Im vorliegenden Fall war der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. B.____ im November 2015 62 Jahre und 11 Monate alt und demnach wäre er bis zur Pensi- onierung noch zwei Jahre und ein Monat erwerbstätig g ewesen. Während dieser Zeit wäre zu- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem noch ein Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand ang efallen. Da der Beschwerdeführer zudem seit über 30 Jahren als selbständig Erwerbender tät ig war, wäre im Falle eines Berufs- wechsels die Einordnung in ein hierarchisches Betriebsgef üge zweifellos schwierig. Auch war der Beschwerdeführer während seiner selbständigen Erwerb stätigkeit immer im Uhren- und Antiquitätenhandel tätig und ist deshalb in seinen be ruflichen Kenntnissen auf dieses Gebiet spezialisiert, aber auch eingeschränkt. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte ist – selbst wenn der Beschwerdeführer in einer leichten Verweistätigkei t nicht eingeschränkt wäre – von einer Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auszugehen. 8. Zusammenfassend ergibt sich demnach, dass unklar geblie ben ist, ob und gegebenen- falls in welchem Umfang der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit arbeitsfähig ist. Die Angelegenheit ist daher zur Vornahme weitere r Abklärungen an die Vorinstanz zurück- zuweisen. Dabei wird medizinisch insbesondere eine gena uere Untersuchung der rechten Schulter vorzunehmen sein. Zudem wird ein Berufsprofil der jetzigen selbständigen Erwerbstä- tigkeit des Beschwerdeführers zu erstellen und die Einschrä nkung der Arbeitsfähigkeit in seiner angestammten Tätigkeit zu ermitteln sein. Sollte sich erg eben, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig ist, so hätte er Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, da ihm ein Berufswechsel nicht zuzumuten ist. 9. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. 9.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Ve rfahrenskosten erhoben werden. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 9.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 19. Januar 2017 für d as vorliegende Verfahren einen Zeitauf- wand von 9,25 Stunden geltend gemacht, was sich umfangm ässig in Anbetracht der sich stel- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erw eist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschni ttliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 48.--. Dem Beschwerdeführer ist des- halb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘ 549.30 (9,25 Stunden à Fr. 250.- + Ausla- gen von Fr. 48.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der B eschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefoch- tene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 24. Mai 2016 auf- gehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle hat dem Beschwerdeführer eine Part eientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘549.30 (inkl. Spesen und 8% Mehrw ertsteuer) zu entrichten. Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht