<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 81 S.378</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">378</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>81</b></span> <span class="ft1"><b>Nichtigkeit einer Verfügung. Schutzwürdiges Interesse als Voraussetzung</b></span><br/> <span class="ft1"><b>der Beschwerdelegitimation.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Schutzwürdiges Interesse (§ 38 Abs. 1 VRPG) ist auch bei der Behör-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>denbeschwerde verlangt (Erw. 4/c, 6/b).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Zuständigkeiten der Steuerkommission und des Gemeindesteuer-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>amtes (Erw. 5).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Keine Nichtigkeit, wenn nach dem äusseren Anschein eine Veranla-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gungsverfügung der zuständigen Steuerkommission vorliegt, selbst</b></span><br/> <span class="ft1"><b>wenn das Gemeindesteueramt eigenmächtig handelte (Erw. 6).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 17. Mai 2001 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen KStA gegen Entscheid des Steuerrekursgerichts (betreffend R.K.).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">Das Steuerrekursgericht setzte in teilweiser Gutheissung des</span><br/> <span class="ft4">Rekurses von R.K. das steuerbare Einkommen für die Steuerperiode</span><br/> <span class="ft4">1997/98 gegenüber der Veranlagung herab. Am 7. Dezember 2000</span><br/> <span class="ft4">sandte das Gemeindesteueramt dem Steuerpflichtigen eine dem Re-</span><br/> <span class="ft4">kursentscheid entsprechende "definitive Steuerveranlagung</span><br/> <span class="ft4">1997/98". Am 18. Januar 2001 erhob das KStA fristgerecht Verwal-</span><br/> <span class="ft4">tungsgerichtsbeschwerde gegen den Rekursentscheid mit dem Antrag</span><br/> <span class="ft4">auf Erhöhung des steuerbaren Einkommens. Dem Einwand des Steu-</span><br/> <span class="ft4">erpflichtigen, mit dem Versand der neuen Veranlagung sei das Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerderecht verwirkt, hielt das KStA entgegen, bei der "Steuerver-</span><br/> <span class="ft4">anlagung" handle es sich nicht um einen Verwaltungsakt der Steuer-</span><br/> <span class="ft4">kommission, sondern um die blosse Mitteilung der definitiven Fakto-</span><br/> <span class="ft4">ren und des Steuerbetrags aufgrund des Rekursentscheids durch das</span><br/> <span class="ft4">Gemeindesteueramt. Das KStA habe sich nicht veranlasst gesehen,</span><br/> <span class="ft4">gegen die als "definitive Steuerveranlagung" bezeichnete Mitteilung</span><br/> <span class="ft4">Einsprache zu erheben, zumal es an einem formgültig erlassenen</span><br/> <span class="ft4">Anfechtungsobjekt gefehlt habe.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">379</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">4. a) Gemäss § 139 Abs. 1 i.V.m. § 145 lit. a StG kann das KStA</span><br/> <span class="ft4">gegen Entscheide des Steuerrekursgerichts Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft4">richtsbeschwerde erheben.</span><br/> <span class="ft4">b) Das Verwaltungsgericht hat entschieden, wenn das KStA als</span><br/> <span class="ft4">Veranlagungsbehörde im Anschluss an einen zu seinen Ungunsten</span><br/> <span class="ft4">ausgefallenen Rekursentscheid eine entsprechende definitive Steuer-</span><br/> <span class="ft4">rechnung zustelle, liege darin ein verbindlicher Verzicht auf die Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeerhebung (AGVE 1993, S. 420 ff.). Die Beschwerdegegner</span><br/> <span class="ft4">dürften sich auf dieses Präjudiz stützen, wenn sie geltend machen,</span><br/> <span class="ft4">mit der Ausstellung und Zusendung der definitiven Steuerveranla-</span><br/> <span class="ft4">gung hätten die Steuerbehörden auf die Möglichkeit einer Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerde verzichtet. Auf einen Verzicht lassen indessen nur eigene</span><br/> <span class="ft4">Handlungen schliessen. Nun mag zwar der Steuerpflichtige in sei-</span><br/> <span class="ft4">nem Empfinden "dem Fiskus" als einer einzigen grossen Behörde</span><br/> <span class="ft4">gegenüber stehen. Dies ist jedoch eine allzu starke Vereinfachung.</span><br/> <span class="ft4">Die neue Veranlagungsverfügung stammt von den kommunalen</span><br/> <span class="ft4">Steuerbehörden und erfolgte ohne Zutun des KStA. Wie aus der Dar-</span><br/> <span class="ft4">stellung der Behörden und ihrer Kompetenzen (nachfolgend Erw. 5)</span><br/> <span class="ft4">ersichtlich, kann das KStA Handlungen der kommunalen Steuerbe-</span><br/> <span class="ft4">hörden, mit denen es nicht einverstanden ist, nicht von vornherein</span><br/> <span class="ft4">verhindern. Es könnte sich daher lediglich fragen, ob sich auch aus</span><br/> <span class="ft4">dem Verzicht des KStA, Einsprache zu erheben, auf den Verzicht zur</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeführung schliessen lässt. Diese Fragestellung fällt beim</span><br/> <span class="ft4">gegebenen Sachverhalt mit derjenigen nach einem schutzwürdigen</span><br/> <span class="ft4">Interesse an der Beschwerdeführung zusammen.</span><br/> <span class="ft4">c) Generell ist ein schutzwürdiges eigenes Interesse Vorausset-</span><br/> <span class="ft4">zung der Beschwerdelegitimation (§ 38 Abs. 1 VRPG). Bei der Be-</span><br/> <span class="ft4">hördenbeschwerde ist es zwar nicht ausdrücklich erwähnt, nach der</span><br/> <span class="ft4">Rechtsprechung aber dennoch erforderlich, weil Rechtsschutz gene-</span><br/> <span class="ft4">rell nur zur Verfügung gestellt wird, wenn die damit verfolgten Ziele</span><br/> <span class="ft4">auch schutzwürdig sind (vgl. Michael Merker, Rechtsmittel, Klage</span><br/> <span class="ft4">und Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über</span><br/> <span class="ft4">die Verwaltungsrechtspflege [Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG],</span><br/> <span class="ft4">Diss. Zürich 1998, § 38 N 178 und 201, insbesondere FN 440). An</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">380</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">einem schutzwürdigen Interesse fehlt es vor allem dann, wenn die</span><br/> <span class="ft4">Beschwerde gar keinen praktischen Nutzen bringen kann (Merker,</span><br/> <span class="ft4">a.a.O., § 38 N 129 ff.). Vorliegend könnte dies namentlich dann zu-</span><br/> <span class="ft4">treffen, wenn die Veranlagung vom 7. Dezember 2000 auf jeden Fall</span><br/> <span class="ft4">bestehen bleibt. Dies ist im Folgenden zu prüfen (Erw. 6). Der besse-</span><br/> <span class="ft4">ren Verständlichkeit halber ist zuvor in geraffter Form auf die Behör-</span><br/> <span class="ft4">den und ihre Kompetenzen hinzuweisen (Erw. 5).</span><br/> <span class="ft4">5. Auf Gemeindeebene ist die Steuerkommission für die Ver-</span><br/> <span class="ft4">anlagung der Einkommens-, Vermögens- und Grundstückgewinn-</span><br/> <span class="ft4">steuern (der natürlichen Personen) zuständig (§ 116 StG). Daneben</span><br/> <span class="ft4">besteht das Gemeindesteueramt, das u.a. die Veranlagung vorbereitet,</span><br/> <span class="ft4">zuhanden der Steuerkommission eine Voreinschätzung erstellt, im</span><br/> <span class="ft4">Anschluss an die Veranlagung die Steuerbeträge errechnet und die</span><br/> <span class="ft4">Veranlagungsverfügungen und die Einspracheentscheide zustellt</span><br/> <span class="ft4">(§ 119 StG) und funktionell als zudienendes und ausführendes Organ</span><br/> <span class="ft4">der Steuerkommission bezeichnet werden kann (AGVE 2000,</span><br/> <span class="ft4">S. 160). Das KStA leitet den Vollzug des Steuergesetzes und hat be-</span><br/> <span class="ft4">stimmte eigene Veranlagungszuständigkeiten. Wo die Gemeindesteu-</span><br/> <span class="ft4">erkommissionen zur Veranlagung zuständig sind, hat das KStA für</span><br/> <span class="ft4">richtige und gleichmässige Veranlagungen zu sorgen (§ 114 f. StG).</span><br/> <span class="ft4">Zu diesem Zweck gehört jeder Gemeindesteuerkommission von</span><br/> <span class="ft4">Amtes wegen ein kantonaler Steuerkommissär an (§ 117 Abs. 2 StG);</span><br/> <span class="ft4">zudem kann das KStA gegen die einzelnen Veranlagungen</span><br/> <span class="ft4">Rechtsmittel ergreifen (§ 145 lit. a, § 139 StG) und gegebenenfalls,</span><br/> <span class="ft4">wenn Mängel in grösserem Umfang erkennbar werden, von Auf-</span><br/> <span class="ft4">sichts wegen einschreiten (§ 114 Abs. 2 StG).</span><br/> <span class="ft4">6. a) Wie dargelegt, ist die Gemeindesteuerkommission für die</span><br/> <span class="ft4">Veranlagung zuständig. Das KStA macht nun geltend, vorliegend</span><br/> <span class="ft4">habe die Steuerkommission gar keinen entsprechenden Beschluss</span><br/> <span class="ft4">gefasst. Vielmehr habe das Gemeindesteueramt die definitiven Fak-</span><br/> <span class="ft4">toren und den Steuerbetrag aufgrund des Rekursentscheides mitge-</span><br/> <span class="ft4">teilt. Das KStA vertritt also die Meinung, es handle sich hierbei</span><br/> <span class="ft4">überhaupt nicht um eine Veranlagung, sondern um die Rechnungs-</span><br/> <span class="ft4">stellung im Rahmen des Bezugsverfahrens.</span><br/> <span class="ft4">aa) Den Beschwerdegegnern wurde das übliche Steuerveranla-</span><br/> <span class="ft4">gungsformular zugestellt. Als Absender ist die "Steuerkommission</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">381</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">S." angegeben und als Betreff: "Definitive Steuerveranlagung</span><br/> <span class="ft4">1997/1998 Rekursentscheid". Unter dem Zwischentitel "Veranla-</span><br/> <span class="ft4">gung" figuriert das in der Gemeinde steuerbare Einkommen mit</span><br/> <span class="ft4">Fr. ... Äusserlich lässt nichts darauf schliessen, dass es sich nicht um</span><br/> <span class="ft4">eine Veranlagung handeln könnte. Unter diesen Umständen geht es</span><br/> <span class="ft4">nicht an, kurzerhand das Vorliegen einer Veranlagungsverfügung zu</span><br/> <span class="ft4">verneinen. Dagegen ist zu prüfen, ob es sich dabei um eine nichtige</span><br/> <span class="ft4">Verfügung handelt.</span><br/> <span class="ft4">bb) Eine fehlerhafte Verfügung ist in der Regel lediglich an-</span><br/> <span class="ft4">fechtbar, auf Nichtigkeit ist nur ausnahmsweise zu schliessen. Sie ist</span><br/> <span class="ft4">dann zu bejahen, wenn der Mangel besonders schwer ist, wenn er</span><br/> <span class="ft4">offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und wenn zudem</span><br/> <span class="ft4">die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernst-</span><br/> <span class="ft4">haft gefährdet wird (AGVE 1994, S. 217; 2000, S. 159).</span><br/> <span class="ft4">aaa) Zuständigkeitsfehler können einen besonders schweren</span><br/> <span class="ft4">Mangel darstellen, wenn sie schwerwiegend sind (vgl. Max Imbo-</span><br/> <span class="ft4">den/René A. Rhinow, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung,</span><br/> <span class="ft4">6. Aufl., Basel/Stuttgart 1986 und René A. Rhinow/Beat Krähen-</span><br/> <span class="ft4">mann, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband,</span><br/> <span class="ft4">Basel/Frankfurt a.M. 1990, je Nr. 40 B V a; Ulrich Häfelin/Georg</span><br/> <span class="ft4">Müller, Grundriss des allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. Aufl., Zü-</span><br/> <span class="ft4">rich 1998, Rz. 773). Wie es sich damit vorliegend verhält, kann offen</span><br/> <span class="ft4">bleiben.</span><br/> <span class="ft4">bbb) Der geltend gemachte Mangel war klarerweise weder of-</span><br/> <span class="ft4">fensichtlich noch leicht erkennbar; um ihn bemerken, ja auch nur</span><br/> <span class="ft4">erahnen zu können, brauchte es Abklärungen über den Sitzungsab-</span><br/> <span class="ft4">lauf bei der Steuerkommission.</span><br/> <span class="ft4">ccc) Nichtigkeit darf nur angenommen werden, wenn keine</span><br/> <span class="ft4">überwiegenden Rechtssicherheitsinteressen dagegen sprechen (Im-</span><br/> <span class="ft4">boden/Rhinow und Rhinow/Krähenmann, a.a.O., je Nr. 40 B IV c,</span><br/> <span class="ft4">V a 1; Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 769, 773).</span><br/> <span class="ft4">aaaa) Verfügungen und Entscheide sind in der Regel schriftlich</span><br/> <span class="ft4">zu eröffnen, also auch zu unterschreiben (vgl. AGVE 1996, S. 386;</span><br/> <span class="ft4">Jürg Baur, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, Muri/BE</span><br/> <span class="ft4">1991, § 134 N 2). So schreibt § 65 Abs. 2 StGV beispielsweise vor,</span><br/> <span class="ft4">dass der Präsident der Steuerkommission zusammen mit dem Proto-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">382</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">kollführer die Einspracheentscheide unterzeichnet. Mit seiner Unter-</span><br/> <span class="ft4">schrift bezeugt er, dass der eröffnete Einspracheentscheid so durch</span><br/> <span class="ft4">die Steuerkommission gefällt wurde. Für Veranlagungen gilt nun</span><br/> <span class="ft4">allerdings, dass sie keine Unterschrift tragen (§ 134 Abs. 1 StG).</span><br/> <span class="ft4">Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass es sich um</span><br/> <span class="ft4">automatisiert hergestellte Massenverfügungen handelt (vgl. schon</span><br/> <span class="ft4">AGVE 1983, S. 130 ff. zum früheren Recht). Diese Erleichterung der</span><br/> <span class="ft4">Verwaltungstätigkeit hat zur Folge, dass die durch die Unterschrift</span><br/> <span class="ft4">hergestellte Legitimation des Schriftstücks entfällt. Daraus zu fol-</span><br/> <span class="ft4">gern, die Gültigkeit derartiger nicht unterschriebener Verfügungen</span><br/> <span class="ft4">sei gleichsam in der Schwebe und es stehe der Verwaltung jederzeit</span><br/> <span class="ft4">frei, nachzuweisen, dass sie nicht durch einen entsprechenden Be-</span><br/> <span class="ft4">schluss der zuständigen Behörde gedeckt seien, liesse sich mit den</span><br/> <span class="ft4">Anforderungen der Rechtssicherheit und den legitimen Interessen der</span><br/> <span class="ft4">Verfügungsadressaten nicht vereinbaren. Vielmehr ist die Verwal-</span><br/> <span class="ft4">tung, zu deren Gunsten die Lockerung der Form erfolgt, hier auch</span><br/> <span class="ft4">ohne Unterschrift bei dem zu behaften, was der Verfügung hinsicht-</span><br/> <span class="ft4">lich ihres Erlasses zu entnehmen ist.</span><br/> <span class="ft4">bbbb) Obwohl das KStA zur Einspracheerhebung legitimiert ist</span><br/> <span class="ft4">(§ 145 lit. a StG), werden ihm die Veranlagungsverfügungen in der</span><br/> <span class="ft4">Praxis nicht formell eröffnet. In der Regel ist dies ohne Bedeutung,</span><br/> <span class="ft4">da der kantonale Steuerkommissär der Gemeindesteuerkommission</span><br/> <span class="ft4">angehört und über heikle Fälle im Bilde ist. Er kann also einzelfall-</span><br/> <span class="ft4">weise sicherstellen, dass er rechtzeitig in den Besitz der Veranlagung</span><br/> <span class="ft4">kommt und es so dem KStA möglich ist, fristgerecht Einsprache zu</span><br/> <span class="ft4">erheben. Es ist denkbar, dass im vorliegenden Fall der Steuerkom-</span><br/> <span class="ft4">missär keine Kenntnis von der Veranlagung vom 7. Dezember 2000</span><br/> <span class="ft4">erhielt. Dies ist letztlich irrelevant. Wenn das KStA einverstanden ist,</span><br/> <span class="ft4">die Veranlagungen nicht zugestellt zu erhalten, gilt dieses Einver-</span><br/> <span class="ft4">ständnis generell. Das allfällige Verpassen einer Einsprachefrist wird</span><br/> <span class="ft4">damit in Kauf genommen.</span><br/> <span class="ft4">cccc) Es geht also nicht an, die Steuerpflichtigen die nachteili-</span><br/> <span class="ft4">gen Konsequenzen aus der Vereinfachung der Verwaltungstätigkeit</span><br/> <span class="ft4">tragen zu lassen. Deren Rechtsschutzinteresse gebührt der Vorrang</span><br/> <span class="ft4">vor der richtigen Rechtsanwendung, sofern diese nur über die Nich-</span><br/> <span class="ft4">tigerklärung der Veranlagung durchgesetzt werden könnte. Diese</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">383</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">strenge Beurteilung ist für die Steuerbehörden auch unter Berück-</span><br/> <span class="ft4">sichtigung der Erfordernisse rationellen Handelns in keiner Weise</span><br/> <span class="ft4">unzumutbar. Wenn es vorliegend am einfachsten war, das bestehende</span><br/> <span class="ft4">Formular und Computerprogramm zu verwenden, war das Gemein-</span><br/> <span class="ft4">desteueramt hieran nicht gehindert. Es hätte ausgereicht, hand-</span><br/> <span class="ft4">schriftlich die Angaben "Steuerkommission S." durch "Gemein-</span><br/> <span class="ft4">desteueramt</span> <span class="ft4">S." und "Definitive Steuerveranlagung 1997/1998"</span><br/> <span class="ft4">durch "Neue Steuerrechnung gemäss Rekursentscheid" zu ersetzen.</span><br/> <span class="ft4">ddd) Auch die mögliche Argumentation, es sei unmöglich, nach</span><br/> <span class="ft4">dem Entscheid des Steuerrekursgerichts eine neue Veranlagung zu</span><br/> <span class="ft4">treffen, wäre unzutreffend. Je nach der Formulierung des Dispositivs</span><br/> <span class="ft4">(so wenn trotz Gutheissung des Rekurses nicht direkt das steuerbare</span><br/> <span class="ft4">Einkommen und Vermögen festgesetzt wurde) ist dies sogar uner-</span><br/> <span class="ft4">lässlich. Im vorliegenden Fall traf dies zwar nicht zu, aber dies macht</span><br/> <span class="ft4">die neue Veranlagung, die inhaltlich nicht vom Rekursentscheid ab-</span><br/> <span class="ft4">weicht, nicht nichtig.</span><br/> <span class="ft4">eee) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Veranlagung</span><br/> <span class="ft4">vom 7. Dezember 2000 selbst dann nicht nichtig ist, wenn die Aus-</span><br/> <span class="ft4">führungen des KStA über ihr Zustandekommen zutreffen, sodass sich</span><br/> <span class="ft4">weitere Abklärungen hierüber erübrigen. Es bleibt aufgrund der</span><br/> <span class="ft4">äusseren Form dabei, dass eine definitive Veranlagung durch die</span><br/> <span class="ft4">dazu zuständige Steuerkommission S. vorliegt, die dem Steuer-</span><br/> <span class="ft4">pflichtigen eröffnet wurde.</span><br/> <span class="ft4">dd) Daraus ergibt sich, dass die in inhaltlicher Übereinstim-</span><br/> <span class="ft4">mung mit dem Rekursentscheid erlassene, neue Veranlagungsver-</span><br/> <span class="ft4">fügung, gegen die keine Einsprache erhoben wurde, in Rechtskraft</span><br/> <span class="ft4">erwuchs, und zwar, da keine Gerichtsferien gelten, wahrscheinlich</span><br/> <span class="ft4">noch bevor das KStA seine Verwaltungsgerichtsbeschwerde ein-</span><br/> <span class="ft4">reichte.</span><br/> <span class="ft4">b) Wie soeben dargelegt, ist die neue Veranlagung rechtskräftig.</span><br/> <span class="ft4">Daran würde auch die Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbe-</span><br/> <span class="ft4">schwerde nichts ändern. Vielmehr entstünde dadurch ein Wider-</span><br/> <span class="ft4">spruch, der eigentlich nicht vorkommen kann, weshalb auch keine</span><br/> <span class="ft4">Methode vorgesehen ist, ihn zu lösen. Das KStA hat kein legitimes</span><br/> <span class="ft4">Interesse, dass ein derartiger Widerspruch geschaffen wird. Wird</span><br/> <span class="ft4">konsequenterweise unter Verneinung der Beschwerdelegitimation auf</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">384</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">die Beschwerde nicht eingetreten, ist die Gefahr, dass der aufgezeigte</span><br/> <span class="ft4">Widerspruch entstehen könnte, von vornherein gebannt.</span><br/> <span class="ft4">c) Falls das KStA in der Sache Recht haben sollte, mag dieser</span><br/> <span class="ft4">Verfahrensausgang unbefriedigend erscheinen. Das KStA hat es aber</span><br/> <span class="ft4">in der Hand, gleichartige Fälle für die Zukunft zu verhindern, sei es</span><br/> <span class="ft4">durch eine entsprechende Weisung an die Gemeindesteuerämter, sei</span><br/> <span class="ft4">es durch Einspracheerhebung, wenn doch einmal ein Verfahren</span><br/> <span class="ft4">schief läuft.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>