Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 30. April 2014 (810 14 4) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Steuerbefreiung Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Kanto nsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Helena Hess , Gerichtsschreiber Martin Michel Parteien Stiftung A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Christoph Degen und Dr. Roman Baumann Lorant, Advokaten, Dufourstrasse 49, 4010 Basel gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Taxationskommission des Kantons Basel-Landschaft , Rhein- strasse 33, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Betreff Staatssteuer 2013 / Steuerbefreiung (Entscheid der Abteilung Steuergericht vom 28. Juni 2013) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Unter dem Namen „Stiftung A.____“ (nachfolgend: S tiftung) besteht seit dem Jahr 1990 eine Stiftung mit Sitz in B.____, die im Handelsregister des Kantons Basel-Landschaft eingetra- gen ist. B. Mit Entscheid der Taxationskommission des Kantons Basel -Landschaft vom 21. April 1993 wurde die Stiftung wegen Gemeinnützig keit von der Staatssteuer befreit. Am 6. Juni 2005 entschied die Taxationskommission, dass die Steuerbefreiung für weitere vier Jah- re gelte und alsdann das Gesuch um Steuerbefreiung zu erneuern sei. In der Begründung führ- te die Taxationskommission aus, mit Rücksicht auf den beach tlichen Liegenschaftenbesitz und die auch für die Zukunft weiterhin in Aussicht genomm enen Projekte scheine es angemessen, die Steuerbefreiung vorerst für vier weitere Jahre zu beschränken. Am 29. Oktober 2009 ge- währte die Taxationskommission der Stiftung die Steuerbe freiung für weitere drei Jahre mit der gleichen Begründung. C. Am 28. September 2012 ersuchte die Stiftung die Ta xationskommission um Erneue- rung und Verlängerung der Steuerbefreiung für weite re drei Jahre, eventualiter vorläufig für ein Jahr. In Bezug auf den Eventualantrag (Verlängerung u m ein Jahr) wies die Stiftung insbe- sondere auf die spezielle Situation hin, dass sie sich – a uf Ersuchen der Stiftungsaufsicht hin – entschieden habe, alle rechtlichen Grundlagen umfassend auf den neusten Stand zu bringen. Diese Unterlagen würden sich zurzeit zur Prüfung bei der Stiftungsaufsicht befinden. Es mache wenig Sinn, nun die Erneuerung auf der Basis der jetzt bestehenden rechtlichen Grundlagen zu beantragen, da die Überarbeitung der Reglemente bereits erfolgt sei und lediglich noch die Ge- nehmigung durch die Stiftungsaufsicht anstehe. Nach de r Verlängerung um ein Jahr sei die Stiftung dann in der Lage, die neuen rechtlichen Grun dlagen mit der entsprechenden Begrün- dung für den Entscheid betreffend Erneuerung der Steuerbefreiung vorzulegen. D. Die Taxationskommission entschied am 8. November 2012, die bestehende Befreiung der Stiftung von der Staats- und Gemeindesteuer in An wendung von § 16 Abs. 1 lit. e des Ge- setzes über die Staats- und Gemeindesteuern vom 7. Febru ar 1974 (StG) ab dem Steuerjahr 2012 aufzuheben. Den Antrag auf Weitergewährung der Steuerbefreiung bis Ende 2013 wies die Taxationskommission ab. E. Den von der Stiftung dagegen erhobenen Rekurs hie ss das Steuer- und Enteig- nungsgericht, Abteilung Steuergericht (Steuergericht) am 28. Juni 2013 teilweise gut und wies die Taxationskommission an, der Rekurrentin für das Jahr 2012 die Steuerbefreiung gemäss § 16 Abs. 1 lit. e StG zu gewähren. Sodann auferlegt e das Steuergericht der Rekurrentin redu- zierte Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500.00 (inkl . Auslagen), welche mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss verrechnet wurden und entsch ied, dass die Taxationskommission der Rekurrentin eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5‘388.20 (inkl. Ausla- gen und MWSt) zu bezahlen hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Dagegen liess die Stiftung, vertreten durch Dr. Chri stoph Degen und Dr. Roman Baumann Lorant, Advokaten in Basel, beim Kantonsgeric ht, Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht (Kantonsgericht) Beschwerde erheben mit d en Rechtsbegehren, der Steuer- gerichtsentscheid vom 28. Juni 2013 sei teilweise und sow eit aufzuheben, als der Rekurs vom 9. Januar 2013 abgewiesen wurde (Verweigerung der Steuerbefreiung wegen Gemeinnützigkeit für das Jahr 2013); dementsprechend sei der Beschwerdefüh rerin die Steuerbefreiung wegen Gemeinnützigkeit für das Jahr 2013 zu gewähren; die A uferlegung reduzierter Verfahrenskos- ten in der Höhe von Fr. 500.00 durch das Steuergericht sei aufzuheben; für das Verfahren vor der Vorinstanz sei der Beschwerdeführerin eine volle Par teientschädigung in der Höhe von Fr. 10‘776.40 zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegner. G. Mit Vernehmlassung vom 27. Januar 2014 beantragt di e Taxationskommission die Ab- weisung der Beschwerde. Die Vorinstanz beantragt in ihr er Vernehmlassung vom 4. Februar 2014 mit Verweis auf den angefochtenen Entscheid die Abweisung der Beschwerde. H. Das Kantonsgericht hat den Fall am 21. Februar 20 14 der Kammer zur Beurteilung überwiesen. I. Im Rahmen der Replik vom 24. März 2014 und der Dup liken vom 4. April 2014 hielten die Parteien vollumfänglich an ihren Vorbringen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 131 Abs. 1 StG können Entscheide des Steu ergerichts mit Verwaltungs- gerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht als letzte kantonale Instanz angefochten werden. Mit der Beschwerde in Steuersachen können gemäss § 45 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 alle Mängel des ange- fochtenen Entscheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden. Die formellen Vo- raussetzungen nach §§ 43 ff. VPO sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2.1. Das Steuergericht hiess den Rekurs hinsichtlich des Jah res 2012 gut, weil mit der Ver- fügung vom 29. Oktober 2009 die Steuerbefreiung um drei Jahre verlängert worden sei (d.h. für die Steuerjahre 2010, 2011 und 2012). In der Begrün dung führte das Steuergericht aus, ge- mäss Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) habe jede Person Anspruch darauf, von den staatlich en Organen ohne Willkür und nach Treu und Glauben behandelt zu werden. Einer Praxisänd erung könne unter bestimmten Um- ständen das Gebot der Rechtssicherheit im Weg stehen. Vo rliegend hätte die Rekurrentin spä- testens anfangs Jahr, konkret anfangs des Jahres 2012 wissen mü ssen, ob sie in diesem Jahr noch den Status als steuerbefreite Institution habe ode r eben nicht. Werde ihr eine Statusände- rung nämlich erst im Herbst mitgeteilt, führe dies zu ei ner faktisch rückwirkenden Aufhebung der Steuerbefreiung für das ganze Jahr, was mit dem Gr undsatz der Rechts- und Planungs- sicherheit nicht vereinbar sei. Dasselbe gelte für allfäl lige Spender, welche wissen müssten, ob Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihre freiwilligen Leistungen an die Stiftung abzugsfä hig seien (vorinstanzlicher Entscheid E. 4.d.). 2.2. In Bezug auf das Jahr 2013 erwog das Steuergeri cht, die Steuerbefreiung sei zu Recht verweigert worden. Anhand der Jahresrechnungen sei nicht erstellt, ob die ausgewiesenen Mie- terträge aus Liegenschaften stammten, die gemeinnützig oder als Renditeobjekte einzustufen seien. Mindestens im Bereich der Renditeobjekte stehe di e Rekurrentin im Wettbewerb mit an- deren Anbietern und sei damit unternehmerisch tätig. B eim von der Rekurrentin gewählten Mo- dell der Gewährung von Bürgschaften für Mietzinskautionen sei das Ziel der Rekurrentin, Ge- winn zu erzielen. Sie befinde sich auch hier im Wettbewerb mit anderen Anbietern und sei damit unternehmerisch tätig. Die Förderung des Kulturschaff ens sei mindestens teilweise gemeinnüt- zig. Aufgrund der überwiegenden unternehmerischen Tät igkeit der Rekurrentin könne aber of- fen bleiben, in welchem Mass die Förderung des Kulturscha ffens gemeinnützig sei, weil ge- mäss Lehre und Praxis eine Steuerbefreiung nur bei eine r untergeordneten wirtschaftlichen Tätigkeit in Frage komme. Weil zudem eine Spartenrec hnung fehle, könnten die einzelnen Sparten auch nicht auf ihre allfällige Gemeinnützigkei t hin geprüft werden, so dass der Rekur- rentin insgesamt, d.h. über alle ihre Sparten hinweg, die Steuerbefreiung zu versagen sei. 3.1. Gemäss § 16 Abs. 1 lit. e StG und Art. 23 Abs. 1 lit. f des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (StHG) sind juristische Personen, die öffentliche oder ge meinnützige Zwecke verfolgen, für den Gewinn, der ausschliesslich und unwiderruflich diesen Zweck en gewidmet ist, von der Steuer- pflicht befreit. Unternehmerische Zwecke sind grundsätzlich nicht gemeinnützig (Art. 23 Abs. 1 lit. f Satz 2 StHG). 3.2. Für die Steuerbefreiung wegen Gemeinnützigkeit muss die Tätigkeit der juristischen Person im Interesse der Allgemeinheit liegen und unei gennützig erfolgen (vgl. Kreisschreiben Nr. 12 der Eidgenössischen Steuerverwaltung [EStV] vom 8. Juli 1994). Die Tätigkeit muss aus der jeweils geltenden Gesamtsicht als fördernswert erscheinen. Mit der gemeinnützigen Zielset- zung dürfen nicht Erwerbszwecke oder sonst eigene – unmi ttelbare wirtschaftliche oder persön- liche – Interessen der juristischen Person oder ihrer Mitg lieder verbunden sein (BGE 114 Ib 277, E. 2.b). Je enger der Kreis der Destinatäre definiert ist, desto eher rechtfertigt es sich, an der Uneigennützigkeit zu zweifeln. Die steuerbe freite Zwecksetzung muss tatsäch- lich verfolgt und verwirklicht werden; die hierzu bestim mten Mittel haben unwiderruflich dem gemeinnützigen Zweck zu dienen (vgl. M ARCO GRETER in: Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht Band I/1, Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG], 2. Auflage 2002, Art. 23 StHG N 31 ff.; vgl. auch zum übereinstimmen- den Art. 56 lit. g des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG): PETER LOCHER , Kommentar zum DBG, II. Teil, 2004, Art. 56 DBG N 83 ff.). 3.3. Neben dem gemeinnützigen Zweck nennt Art. 23 Abs. 1 lit. f StHG (ebenso wie § 16 Abs. 1 lit. d StG) auch die öffentliche Zweckverfo lgung als steuerprivilegierte Zielsetzung. Da in Art. 23 Abs. 1 lit. f StHG die "öffentlichen Zwecke" neben der Gemeinnützigkeit aufgeführt sind, kann es sich bei ihnen nur um eine begrenzte – und somit restriktiv zu fassende – Kate-Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gorie von Aufgaben handeln, die sich eng an die Staa tsaufgaben anlehnen müssen. Juristische Personen, die in erster Linie Erwerbs- oder Selbsthilfe zwecke verfolgen, haben grundsätzlich keinen Anspruch auf Steuerbefreiung, auch wenn sie zu gleich öffentlichen Zwecken dienen (Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 60 S. 625 ff.). Vorbehalten bleibt eine (gegebe- nenfalls teilweise) Steuerbefreiung, falls eine juristi sche Person durch einen öffentlich- rechtlichen Akt mit der Erfüllung einer öffentlichen Au fgabe betraut wurde, eine gewisse Auf- sicht des Gemeinwesens vorgesehen ist und darüber hinaus d ie ausschliessliche und unwider- rufliche (dauernde) Widmung des Eigenkapitals für den öffentlichen Zweck in den Statuten sti- puliert wird. Auch in diesem Fall muss die vorgegebene Zwecksetzung konkret und überprüfbar tatsächlich verwirklicht werden; es genügt nicht, die steue rbefreite, im öffentlichen Zweck lie- gende Tätigkeit bloss statutarisch zu proklamieren (ASA 7 0 S. 297 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juni 2008, 2A.42/2007 E. 2.2). Liegt diese ü berwiegend im privaten Interesse – so et- wa wenn der Erwerbszweck im Vordergrund steht – ist auch eine teilweise Steuerbefreiung nicht mehr gerechtfertigt (vgl. BGE 131 II 1, E. 3.3 f. mit zahlreichen Hinweisen). 4. Ob bei der Beschwerdeführerin die vorstehend genannt en Voraussetzungen für eine Befreiung von der Steuerpflicht im umstrittenen Jahr 2 013 weiterhin erfüllt sind, kann hier indes offengelassen werden, weil die Steuerbefreiung für d as Jahr 2013 – wie nachfolgend aufzuzei- gen ist (siehe hinten E. 4.1. ff.) – bereits aus ander en Gründen zu gewähren ist. 4.1. Die Beschwerdeführerin rügt, die Begründung des E ntscheids der Taxationskommis- sion vom 8. November 2012 äussere sich mit keinem Wort zu ihren zahlreichen anderen Tätig- keiten und Projekten. In den Entscheiden der Jahre 2005 und 2009 seien diese, namentlich die Mietzinsbürgschaften, der Kunstfonds, die Förderung und Errichtung von sozialen Wohn- und Arbeitsstätten sowie die zahlreichen weiteren Projekt e, noch thematisiert worden und hätten zu Recht zur Gewährung der Steuerbefreiung geführt. Waru m dies jetzt drei Jahre später, bei grundsätzlich gleichbleibenden Aktivitäten der Stiftung a nders sein solle, sei nicht ersichtlich. Der Grossteil der Aktivitäten und Projekte, wie sie 2005 und 2009 bestanden hätten, seien nach wie vor aktuell, seien aber von der Taxationskommission schlicht nicht gewürdigt worden (Re- kurs vom 9. Januar 2013). Die Beschwerdeführerin sei seit ihrer Errichtung vor bald 23 Jahren ununterbrochen als gemeinnützige, steuerbefreite Stift ung anerkannt. Sie habe zahlreiche Schenkungen von Liegenschaften (teilweise gemischte Schenku ngen) entgegennehmen kön- nen. Ohne diese Opferbereitschaft hätte die Erfolgsge schichte der Beschwerdeführerin nicht geschrieben werden können. Darüber hinaus würden zahlreiche Privatpersonen die Zweckerfül- lung der Beschwerdeführerin mittels Spenden sowie zinslo ser und zinsgünstiger Darlehen för- dern (Beschwerde vom 31. Dezember 2013, S. 5 f.). Die B eschwerdeführerin beruft sich damit unter anderem auf den Grundsatz des Vertrauensschutzes. 4.2. Aufgrund der von der Beschwerdeführerin in den Re chtsmittelverfahren eingereichten Unterlagen (Jahresrechnungen, Unterlagen zu den einzelne n Tätigkeiten, [Schenkungs-] Ver- träge, etc.) ist – wie die Beschwerdeführerin zutreff end ausführt und was von der Beschwerde- gegnerin auch nicht in Frage gestellt wird – erstellt, dass sich die Tätigkeit der Stiftung, zumin- dest seit der Beurteilung durch die Taxationskommission i m Jahr 2005 und derjenigen im Jahr 2009, nicht wesentlich verändert hat. Die eingereichten Jahresrechnungen sind bei den frühe- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren Prüfungen nie beanstandet worden, vielmehr erachtete die Taxationskommission bei beiden Prüfungen die Voraussetzungen einer Steuerbefreiung j eweils weiterhin als gegeben. Dass die damalige Beurteilung fehlerhaft gewesen und die Gewä hrung der Steuerbefreiung zu Unrecht erfolgt sei, wird von der Taxationskommission nicht gelten d gemacht. Zudem haben sich die massgeblichen Bestimmungen seit den früheren Beurteilungen nicht geändert, womit keine Ge- setzesänderung vorliegt. Damit ist vorliegend – wie ber eits die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat (angefochtener Entscheid, E. 4.d.) – von einer Pra xisänderung durch die Taxationskommis- sion auszugehen. 4.3. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss sich ei ne Praxisänderung auf ernsthafte, sachliche Gründe stützen können, die – vor al lem im Hinblick auf das Gebot der Rechtssicherheit – umso gewichtiger sein müssen, je länger die als falsch oder nicht mehr zeit- gemäss erkannte Rechtsanwendung als zutreffend erachtet w orden ist. Eine Praxisänderung lässt sich nur begründen, wenn die neue Lösung besserer Erkenntnis des Gesetzeszwecks, veränderten äusseren Verhältnissen oder gewandelten Re chtsanschauungen entspricht; an- dernfalls ist die bisherige Praxis beizubehalten (BGE 1 32 III 770 E. 4 mit Hinweis). Eine Praxis- änderung darf nicht bloss im Sinne einer momentanen Sc hwankung oder einer singulären Ab- weichung erfolgen, sondern muss in grundsätzlicher Weise als zukünftig wegleitende Neuaus- richtung für alle gleichartigen Sachverhalte gelten. Si nd diese Voraussetzungen erfüllt, steht eine Praxisänderung weder mit dem Grundsatz der Recht ssicherheit noch der Rechtsgleichheit in Widerspruch, obschon jede Änderung der bisherigen R echtsanwendung zwangsläufig mit einer Ungleichbehandlung der früheren und der neuen Fälle verbunden ist (Urteil des Bundes- gerichts vom 21. Mai 2003, 2A.573/2002, E. 3.2; m.w.H.). Eine zulässige neue Praxis ist grund- sätzlich sofort und in allen hängigen Verfahren anzuwen den. Schranken einer solchen Praxis- änderung können sich gegebenenfalls aus dem Grundsatz des V ertrauensschutzes ergeben; diesfalls darf die neue Praxis nicht ohne vorgängige Ankü ndigung Anwendung finden (BGE 135 II 78 E. 3.2; mit Hinweisen). Voraussetzung ist da bei freilich unter anderem, dass die Per- son, die sich auf den Vertrauensschutz beruft, die alte Praxis kannte und tatsächlich im Ver- trauen darauf handelte (vgl. Urteil des Bundesgerichts vo m 4. März 2014, 2C_825/2013, E. 5.2; BGE 137 I 69 E. 2.5.1; mit Hinweisen). 4.4. Grundsätzlich kann nur diejenige den Vertrauensschutz anrufen, die gestützt auf ihr Vertrauen eine Disposition getätigt hat, die nicht ohn e Nachteil rückgängig gemacht werden kann. Diesbezüglich ist zunächst zu berücksichtigen, dass es – nach unbestrittener Darstellung der Beschwerdeführerin – bei den früheren Gesuchsverfahr en (in den Jahren 2005 und 2009) Usanz war, dass die Beschwerdeführerin vorgängig im Rahmen eines persönlichen Gesprächs bei der Taxationskommission angehört wurde und erst nachh er in Kenntnis sämtlicher Umstän- de entschieden wurde. Im zu beurteilenden Fall, in we lchem die Taxationskommission nun zu Ungunsten der Beschwerdeführerin von der bisherigen Pra xis abwich, wurde dies anders ge- handhabt. Die Stiftung konnte und musste aufgrund der bisherigen Praxis und unter Berück- sichtigung ihrer unveränderten Tätigkeit jedoch nicht mi t einer bevorstehenden Aufhebung der Steuerbefreiung rechnen. Als steuerbefreite Stiftung war folglich das Einnahmen- und Ausga- benverhalten ebenso wie die Buchhaltungspraxis der Beschwerdeführerin weiterhin geprägt von der ihr bisher zugestandenen Steuerbefreiung. Ohne d iese wären ihr gewisse Gelder nicht zu- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht geflossen. Bei Kenntnis der nun angeführten "Mängel", welche zur Verweigerung der Steuerbe- freiung geführt haben, hätte sie zudem die Vergabunge n, Spenden, Zuwendungen an Dritten, etc. und deren buchhalterische Erfassung gegebenenfalls anpassen können. Insofern hat die Beschwerdeführerin Dispositionen getroffen, die nicht m ehr rückgängig gemacht werden kön- nen. Die Beschwerdeführerin kann demzufolge den Vertrauensschutz anrufen. 4.5. Auch wenn die Voraussetzungen betreffend Vertrau ensschutz erfüllt sind, vermag eine Berufung auf Vertrauensschutzinteressen nur durchzudringen, wenn nicht das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts überwiegt. Im Einzelfall ist demgemäss eine Inte- ressenabwägung zwischen dem Vertrauensschutz und dem Intere sse an der richtigen Durch- setzung des objektiven Rechts vorzunehmen (ebenso: Urtei l der Steuerrekurskommission Ba- sel-Stadt vom 24. Januar 1995, publ. in: Der Steueren tscheid [StE] 1997 B 71.63 Nr. 15, E. 3.d.). Bei dieser Abwägung ist zunächst zu bedenken, dass das Interesse des Staates an der Aufhebung der Steuerbefreiung rein fiskalischer Natur ist. Zudem ist in Betracht zu ziehen, dass die die Beschwerdeführerin belastende Verfügung vom 8. November 2012 erst am 7. Dezember 2012 eröffnet worden ist und lediglich mit einer kurzen Begründung versehen war. Aufgrund dieser Verfügung war für die Beschwerdeführerin noch ni cht ausreichend ersichtlich, welche (neuen) Anforderungen von Seiten der Steuerbehörden an die Dokumentation der Tätigkeit der Stiftung gestellt werden. Diese wurden erst im Laufe des Rechtsmittelverfahrens vor dem Steu- ergericht (insbesondere mit der Einreichung der Verne hmlassung vom 4. März 2013) ausführli- cher dargelegt, womit erst im Verlauf des Jahres 2013 kl ar wurde, welche Anpassungen die Stiftung gegebenenfalls vorzunehmen hat. Die Beschwerde führerin hätte aber spätestens an- fangs des Jahres 2013 wissen müssen, aus welchen Gründen ihr der Status als steuerbefreite Institution entzogen werden soll. Demzufolge vermag da s private Vertrauensinteresse der Be- schwerdeführerin das öffentliche Interesse der Steuerbehörden auch noch für das Jahr 2013 zu überwiegen. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde u nd zur Aufhebung des Entscheids der Vorinstanz, soweit der Beschwerdeführerin darin die Steuerbefreiung für das Jahr 2013 verweigert worden ist. 4.6. Der Vollständigkeit halber ist abschliessend darauf h inzuweisen, dass der Beschwer- deführerin die Steuerbefreiung von der Staats- und Ge meindesteuer nur für das Jahr 2013 zu- zugestehen ist. Für weitere Jahre bedarf es eines neuen Gesuchs (bzw. neuer Gesuche), wobei die Stiftung aufgrund des durchlaufenen Verfahrens nu n davon Kenntnis hat, wie sie der Taxa- tionskommission dieses darzulegen und zu dokumentieren hat. 5. Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten des Rekurs- u nd des Beschwerde- verfahrens zu Lasten der Gerichtskasse (§ 20 Abs. 1 und 3 VPO). Die erhobenen Kostenvor- schüsse sind zurückzuzahlen. Die Taxationskommission hat der B eschwerdeführerin für das Verfahren vor Steuergericht eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 10‘776.40 (inkl. Aus- lagen und MWSt.) und für das Verfahren vor Kantonsger icht – der eingereichten Honorarnote vom 11. April 2014 entsprechend – eine Parteientschädigu ng in der Höhe von Fr. 5‘805.30 (inkl. Auslagen und MWSt.) zu bezahlen (§ 21 Abs. 3 VPO). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Beschwerde führerin für das Jahr 2013 von der Staatssteuer befreit. 2. Die steuer- und kantonsgerichtlichen Verfahrenskosten gehen zu Las- ten der Gerichtskasse. Der ans Kantonsgericht geleistete K ostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- wird der Beschwerdefü hrerin zu- rückerstattet. 3. Die Taxationskommission hat der Beschwerdeführerin fü r das Verfah- ren vor Steuergericht eine Parteientschädigung von Fr. 10‘776.40 (inkl. Auslagen und MWSt.) und für das Verfahren vor Kantons gericht eine Parteientschädigung von Fr. 5‘805.30 (inkl. Auslagen un d MWSt.) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiber