B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3926/2016 lan U r t e i l v o m 1 4 . M ä r z 2 0 1 8 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Andrea Berger-Fehr, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren am (…), eigenen Angaben zufolge Volksrepublik China (Tibet), vertreten durch B._______, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 23. Mai 2016 / N (…). D-3926/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat gemäss eigenen Angaben am 18. April 2014 und gelangte nach Nepal. Von dort aus reiste sie auf dem Luftweg in die Schweiz, wo sie am 30. Juli 2014 ein Asylgesuch stellte. Am 13. August 2014 wurde sie per Zufallsprinzip dem Testbetrieb des C._______ zugewiesen. Das Erstgespräch und die Befragung zur Per- son (BzP) fanden am 16. September 2014 statt. A.b Die Beschwerdeführerin brachte vor, chinesische Staatsangehörige ti- betischer Ethnie und noch minderjährig zu sein. Sie habe i m Dorf D._______ (Gemeinde E._______, Kreis F._______, Gebiet G._______) in der Provinz H._______ gelebt und in der Land - sowie Hauswirtschaft gearbeitet. Ihr Vater (vorinstanzliche Verfahrensnummer N […]) habe im April oder Mai 2011 eine Auseinandersetzung mit einem chinesischen Jä- ger gehabt. Die chinesischen Behör den hätten ihm angelastet, besagte Person getötet zu haben, weshalb er ausser Landes geflohen sei. Etwa eine Woche später hätten die Sicherheitskräfte zuhause vorgesprochen und sich nach dem Aufenthaltsort des Vaters erkundigt. Sie hätten mit einer Strafe gedroht für den Fall, dass dieser nicht wieder auftauche. In der Folge seien die Behörden wegen des verschwundenen Vaters immer wieder zu- hause erschienen. Im Februar 2014 hätten sich deren Drohungen akzen- tuiert, weshalb auch sie schliesslich ausgereist sei. A.c Die Beschwerdeführerin gab keine Identitätsdokumente zu den Akten. B. B.a In der Folge betraute die Vorinstanz eine universitäre Fachstelle mit der Anfertigung eines Altersgutachtens der Beschwerdeführerin. Darin kam die Fachstelle am 26 . September 2014 zum S chluss, das Alter der Be- schwerdeführerin liege wahrscheinlich zwischen 23 und 28 Jahren. B.b Im Rahmen des rechtlichen Gehörs hielt die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer damaligen Rechtsvertretung vom 9. Oktober 2014 an der geltend gemachten Minderjährigkeit fest. Am 23. Oktober 2014 reichte sie ein Beweismittel („Themto“; Auszug aus dem Einwohnermeldeamt) nach. C. Die Anhörung fand am 11. November 2014 statt. Die Beschwerdeführerin machte wiederum Probleme wegen ihres geflohenen Vaters geltend. Dabei wurde ihr eröffnet, dass es ihrem Vater in Rahmen des Asylgesuchs in der D-3926/2016 Seite 3 Schweiz nicht gelungen sei, die Verfolgung wegen des Vorfalls mit dem Jäger glaubhaft zu machen. Die Beschwerdeführerin hielt an der Glaubhaf- tigkeit ihrer Fluchtgründe fest. Ihre Mutter sei inhaftiert worden. D. Am 19. November 2014 wurde d ie Beschwerdeführerin dem erweiterten Verfahren zugewiesen. E. Am 25. November 2014 erklärte die vormalige Rechtsvertreterin ihr Mandat für beendet. F. Am 20. März 2015 teilte das SEM der Beschwerdeführerin mit, bei ihrem ebenfalls in die Schweiz geflohenen Bruder (N […]) hätten Abklärungen ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit seiner erfolgten Sozialisierung in der Volksrepublik China als klein erscheine. Dies lasse darauf schliessen, dass auch sie ausserhalb sozialisiert worden sei, zumal etliche Anhaltspunkte in den Akten ebenfalls dafür sprächen. G. Mit Schreiben vom 21. April 2015 stellte die Beschwerdeführerin nach ge- währter Fristerstreckung durch ihre neu mandatierte Rechtsvertretung beim SEM verschiedene Anträge im Hinblick auf ein beziehungsweise im Zusammenhang mit einem Bleiberecht in der Schweiz. Auf die entspre- chende Begründung, welche sich insbesondere mit den LINGUA-Analysen beim Bruder befasst, wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Er- wägungen eingegangen. Der Eingabe lagen zwei Einwohnerregisteraus- züge und ein Schreiben des Vaters der Beschwerdeführerin bei. H. Am 19. Juni 2015 übermittelte die Beschwerdeführerin dem SEM ein wei- teres Dokument samt de utschsprachiger Übersetzung. Gemäss dieser handelte es sich um eine Bescheinigung des Parteikomitees der geltend gemachten Herkunftsgemeinde der Beschwerdeführerin. Ausserdem gab sie ein Schreiben des SEM hinsichtlich der – von ihr bestrittenen – Qualifi- kation der LINGUA-Fachperson (Alltagsspezialist) im Zusammenhang mit den Abklärungen beim Bruder zu den Akten. I. Mit Eingabe vom 15. September 2015 hielt die Beschwerdeführerin an ihrer D-3926/2016 Seite 4 Herkunft respektive ihren Fluchtgründen erneut fest. Als Beilage wurde das Original der obenerwähnten Bescheinigung übermittelt. J. Im Auftrag des SEM wurden gestützt auf ein am 10. September 2015 er- folgtes Telefon-Interview eine Evaluation des Alltagswissens der Be- schwerdeführerin sowie eine linguistische Analyse durchgeführt. Die sach- verständige Person kam in ihrem Bericht vom 1. Februar 2016 zum Schluss, dass die Sozialisation sehr wahrscheinlich nicht im genannten ge- ografischen Raum erfolgt sei. Sehr wahrscheinlich sei hingegen eine sol- che in der exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb Chinas. K. Am 12. Februar 2016 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zu den durchgeführten Analyse n und der erwähnten Schlussfolgerung der sachverständigen Person. Die Beschwerdeführerin hielt mit Eingabe vom 31. März 2016 daran fest, in Tibet aufgewachsen zu sein. L. Mit Verfügung vom 23. Mai 2016 – eröffnet am 27. Mai 2016 – wies das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete die Wegwei- sung aus der Schweiz sowie den Vollzug unter Ausschluss der Volksrepub- lik China an. M. Mit Eingaben ihrer Rechtsvertretung vom 23. und 27. Juni 2016 – gerichtet auch gegen den am 23. Mai 2016 ergangenen Entscheid des SEM betref- fend ihren Bruder (N […]) – focht die Beschwerdeführerin den vorinstanzli- chen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie beantragte die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids, die Gewährung des Asyls und die Erteilung einer B-Bewilligung. Eventualiter sei die Sache zur Neubeur- teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme als Flüchtling zu verfügen. In formeller Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG, um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses und um Ver- beiständung (Art. 110a Abs. 1 AsylG [SR 142.31]). Dem Gericht wurden die aufgeführten Beilagen übermittelt. N. Mit Zwischenverfügung vom 4. Juli 2016 stellte die Instruktionsrichterin die D-3926/2016 Seite 5 aufschiebende Wirkung der Beschwerde fest, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und hiess das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Im Zusammenhang mit dem Gesuch gemäss Art. 110a AsylG wurde dem Rechtsvertreter Frist zum Nachweis der dies- bezüglichen Anforderungen angesetzt. Der implizite Antrag auf formelle Vereinigung des vorliegenden mit dem Verfahren des Bruders (D-3931/2016) wurde unter Hinweis auf eine koordiniert zu erfolgende Ver- fahrensführung abgelehnt. O. Mit Schreiben vom 12. Juli 2016 zog der Rechtsvertreter seinen Antrag auf amtliche Verbeiständung zurück. P. In der Vernehmlassung vom 14. Juli 2016 beantragte das SEM die Abwei- sung der Beschwerde. Q. Nach gewährten Fristerstreckungen hielt die Beschwerdeführerin mit Rep- lik vom 29. August 2016 an ihren Vorbringen fest. Als Beweismittel wurde der F-Ausweis ihres Vaters in Kopie übermittelt. R. Am 5. September 2016 reichte der Rechtsvertreter seine Kostennote ein. S. Mit Eingabe vom 20. Feb ruar 2017 wurde der B -Ausweis des Vaters der Beschwerdeführerin in Kopie nachgereicht und in diesem Zusammenhang erneut ein Bleiberecht beantragt. T. Eine Anfrage des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin vom 29. Juni 2017 hinsichtlich des Verfahrensstand s und ein Ersuchen um anonymi- sierte Entscheidpublikation beantwortete das Gericht am 6. Juli 2017. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den D-3926/2016 Seite 6 Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, d es Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die D-3926/2016 Seite 7 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung seiner abweisenden Verfügung führt das SEM im We- sentlichen aus, die seitens der Beschwerdeführerin g eltend gemach ten Vorbringen vermöchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standzuhalten. Die LINGUA-Fachperson sei in ihrem Be- richt vom 1. Februar 2016 zum Schluss gekommen, dass sie sehr wahr- scheinlich nicht wie angegeben im Kreis F._______/Tibet, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepublik China soziali- siert worden sei. Zur Begründung werde im Gutachten unter anderem fest- gehalten, sie habe den Namen ihrer Wohngemeinde ungewöhnlich ausge- sprochen und nicht zutreffende Distanzangaben zu anderen Gemeinden gemacht. Ungereimt seien ihre Angaben beziehungsweise die Aussprache des Namens von Klöstern in der Umgebung. Hinzu kämen realitätsfremde Schilderungen zum Schulbesuch und eine falsche Aussage zum Preis ei- ner Fahrt vor Ort. Phonetisch beziehungsweise phonologisch seien vor al- lem Übereinstimmungen mit dem Dialekt von I._______ sowie der exiltibe- tischen Gemeinde, nicht aber mit demjenigen von F._______ aufgefallen. Morphologisch seien sowohl Gemeinsamkeiten mit dem F._______-Dialekt wie auch dem I._______-Dialekt oder der exiltibetischen Koine festgestellt worden. Bei den Lexemen seien wiederum Gemeinsamkeiten mit dem F._______-Dialekt, dem I._______-Dialekt und der exiltibetischen Koine aufgefallen. Ihre Kenntnisse der chinesischen Sprache seien bescheiden. Zudem habe sie „Tibeterin“ und „Tibet“ verwechselt, was ein sehr untypi- scher Fehler für eine Tibeterin aus dem Tibet sei. Zu den Eingaben der Beschwerdeführerin vom 21. April 2015, 19. Juni 2015, 15. September 2015 sowie 31. März 2016 hielt das SEM fest, diese bezögen sich mehrheitlich auf ihren Bruder (N […]). Auf diese Aspekte werde nicht vorliegend, sondern in dessen Verfahren eingegangen. Zur Kri- tik ihres Rechtsvertreters an den bei ihr vorge nommenen LINGUA-Abklä- rungen sei anzumerken, dass dieser behaupte, sie habe den Namen ihrer Wohngemeinde richtig ausgesprochen. Dem widerspreche aber der Ex- perte. Ihre falsche Antwort zu der Distanz zwischen J._______ – ihrem Herkunftsort – und K._______ könne entgegen der Sichtweise des Rechts- vertreters nicht auf eine unpräzise Fragestellung zurückgeführt werden. D-3926/2016 Seite 8 Bezüglich der falschen Distanzangabe zwischen L._______ und K._______ behaupte der Rechtsvertreter, sie habe sich gar nie in dieser Gegend aufgehalten. Es sei für die Vorinstanz aber nicht nachvollziehbar, weshalb sie auf eine entsprechende Frage hin trotzdem eine zeitliche An- gabe gemacht habe. Was die Anzahl der Mönche im M._______-Kloster und dessen genauen Namen sowie den Namen eines weiteren Klosters anbelange, zitiere der Rechtsvertreter aus einem Reiseführer, welcher die Aussagen seiner Mandantin untermauere. Diese Quelle sei indes weder exakt noch vertrauenswürdig. Ferner gelinge es ihr auch mit dem Hinweis auf ein Urteil des Bundesverwaltu ngsgerichts nicht, ihre realitätsfremden Angaben zum Schulbesuch hinreichend zu erklären. Die Falschaussage zum Fahrpreis von K._______ nach F._______ sei gemäss der Beschwer- deführerin darauf zurückzuführen, dass sie nie ein solches Fahrzeug in An- spruch genommen und lediglich eine Schätzung gemacht habe. Es könne indes nicht nachvollzogen werden, weshalb sie diese Antwort nicht bereits der sachverständigen Person gegeben habe. Weiter bestreite der Rechts- vertreter, dass sie den I._______-Dialekt oder denjeni gen der exiltibeti- schen Koine spreche, sei aber nicht in der Lage, dafür substanziierte Argu- mente vorzutragen. Es sei jedenfalls davon auszugehen, dass nicht bereits der eingeräumte dreimonatige Aufenthalt in Nepal und der zum Zeitpunkt des Interviews gut einjährige Aufenthalt in der Schweiz ihre Sprache we- sentlich beeinflusst habe. Zudem seien ihre Kenntnisse der chinesischen Sprache bescheiden und entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters kein Indiz für die Glaubhaftigkeit der Hauptsozialisation im genannten Ge- biet. Im Weitern gelinge es ihm in Anbetracht der klaren Stellungnahme der fachkundigen Person nicht, die erwähnte Verwechslung der Beschwerde- führerin von „Tibeterin“ und „Tibet“ als Unglaubhaftigkeitselement zu relati- vieren. Der Vorwurf, die Vorgehensweise des SEM sei unfair und willkürlich, müsse vollumfänglich zurückgewiesen werden. Die Analysen seien von ei- ner Person mit grosser Fachkompetenz durchgeführt worden. Mithin sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin zwar tibetischer Ethnie sei, die Hauptsozialisation aber ausserhalb Tibets stattgefunden habe. Als Beleg für die geltend gemachte Herkunft habe die Beschwerdeführerin eine Kopie des Auszugs aus dem Einwohnerregister (Themto) von K._______ eingereicht. Das Dokument sei aber kaum beweistauglich, zu- mal es lediglich in Kopie vorliege und kein Foto aufweise. Ferner sei eine Bescheinigung des Parteikomitees zu den Akten gegeben worden. Auch dort werde aber nur ein Name ohne Foto erwähnt. Ausserdem handle es D-3926/2016 Seite 9 sich offensichtlich nicht um ein offizielles Formular, sondern um einen von Hand geschriebenen Zettel, der überdies keinen Briefkopf enth alte. Fäl- schungssichere Merkmale könnten nicht ausgemacht werden und eine wi- derrechtliche Erlangung sei nicht auszuschliessen. Im Weiteren habe das Altersgutachten vom 26. September 2014 ergeben, das Alter der Be- schwerdeführerin liege wahrscheinlich zwischen 23 und 28 Jahren. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs sei es der vormaligen Rechtsvertretung nicht gelungen, diese Einschätzun g zu widerlegen. Das analysierte Alter stehe im Widerspruch zum auf dem Einwohnerregisterauszug angegebe- nen, was darauf schliessen lasse, dass es sich bei der dort aufgeführten Person nicht um die Beschwerdeführerin handle. Schliesslich sei ihre kom- plette „Unkenntnis“ der Reiseroute in die Schweiz ein zusätzliches Indiz dafür, dass sie ihre tatsächliche Herkunft zu verschleiern versuche. Vor diesem Hintergrund müsse bereits grundsätzlich an der Glaubhaftigkeit der Asylgründe der Beschwerdeführerin gezweifelt werden. Ins Gewicht falle ferner, dass es ihrem Vater nicht gelungen sei, seine Asylvorbringen, auf welche sie sich in ihrem Verfahren im Wesentlichen abstütze, glaubhaft zu präsentieren. Hinzu komme, dass ihre eigenen Schilderungen ohnehin nicht glaubhaft seien. So habe sie bei der BzP den Vorfall mit der Polizei eine Woche nach dem Verschwinden ihres Vaters nicht erwähnt. Auf Vor- halt habe sie diese Unterlassung nicht gebührend erklären können. Zudem bestünden Widersprüche in ihren Aussagen im Vergleich zu denjenigen ih- res Bruders. Schliesslich sei bei angenommenem Verfolgungsinteresse re- alitätsfremd, dass die Polizei immer wieder vorbeigekommen sei, ohne sie je mitzunehmen. Mithin sei davon auszugehen, dass die Beschwerd eführerin zwar tibeti- scher Ethnie sei, die Hauptsozialisation aber ausserhalb Tibets stattgefun- den habe. Da sie aber keine konkreten und glaubhaften Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert habe, bestünden im Sinne der Praxis keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort. Den Vollzug der Wegweisung – mit Ausnahme in die Volksrepublik China – erachtete das SEM für zulässig, zumutbar und möglich. Die Prüfung die- ser Kriterien sei zwar von Amtes wegen vorzunehmen. Verletze aber eine asylsuchende Person – wie vorliegend – ihre Mitwirkungspflicht in grober Weise, sei diese Überprüfung praxisgemäss eingeschränkt. D-3926/2016 Seite 10 Ausserdem behandelte das SEM im ablehnenden Entscheid die v om Rechtsvertreter in der Eingabe vom 21. April 2015 sowie 31. März 2016 gestellten Anträge und wies sie ab beziehungsweise erachtete sie für nicht relevant. Bezüglich Antrag 6 der Eingabe vom 21. April 2015 – „unter Kos- ten- und Entschädigungsfolgen zu Las ten des Staates“ – wurde für den Entscheid auf ein allfälliges Beschwerdeverfahren hingewiesen. 4.2 Der Rechtsvertreter macht demgegenüber – insbesondere auch unter Hinweis auf die von ihm im erstinstanzlichen Verfahren verfassten und vom SEM bereits gewürdigten Eingaben – geltend, der vorliegende Entscheid sei willkürlich und verletze die Gehörsansprüche seiner Mandantin. Der Entscheid sei „stümperhaft“ begründet. Aufgrund ihres Aussageverhaltens und der eingereichten Beweismittel seien ihre Erlebnisse und di e geltend gemachte Hauptsozialisation vor Ort offensichtlich glaubhaft. Die LINGUA- Analysen taugen – wie er bereits in der Eingabe vom 31. März 2016 aus- führlich dargelegt habe – nichts, und dienten lediglich der tendenziösen Abweisungsstrategie der Vorinstanz. Die angefochtene Verfügung operiere mit unhaltbaren Unterstellungen und tatsachenwidrigen Behauptungen. Der Sachverhalt sei mehrfach falsch abgeklärt worden. Im Falle der Rück- kehr müsste die Beschwerdeführerin mit asylrelevanter Verfolgung rech- nen. 4.3 In der Vernehmlassung bestreitet das SEM die ihm angelasteten Ge- hörsverletzungen. Der Beschwerdeführerin sei das rechtliche Gehör so- wohl zum LINGUA -Bericht ihres Bruders wie auch zu ihrem eigenen ge- währt worden. Ferner seien die umfangreichen und wiederholten Eingaben des Rechtsvertreters mit aus führlichen Erwägungen im angefochtenen Entscheid adäquat gewürdigt worden. Schliesslich sei zu beachten, dass beim Vater der Beschwerdeführerin keine Abklärungen im Hinblick au f seine geltend gemachte Sozialisation in Tibet stattgefunden hätten. 4.4 In der Replik hält die Beschwerdeführerin an ihren bisherigen Vorbrin- gen fest. Sie habe ihre geltend gemachte Herkunft schlüssig belegen kön- nen. In der Vernehmlassung werde die krass fehlerhafte Einschätzung der Vorinstanz im Hinblick auf die LINGUA -Abklärungen wiederholt. Zudem verkenne das SEM den Anspruch der Beschwerdeführerin auf ein Bleibe- recht in der Schweiz im Zusammenhang mit dem Aufenthaltsstatus ihres Vaters. 5. Soweit die Beschwerdeführerin die Rückweisung der Sache an das SEM D-3926/2016 Seite 11 wegen Gehörsverletzungen beantragt, kann auf die nachfolgenden Erwä- gungen verwiesen werden. Gemäss diesen ist der angefochtene Entscheid – gestützt auch auf praxisgemäss vorgenommene LINGUA-Analysen – in rechtsstaatlich korrekter Weise und nicht willkürlich verfasst und der Sach- verhalt nicht falsch abgeklärt worden. Ferner ging die Vorinstanz ausführ- lich auf die Anträge in der Eingabe vom 21. April 2015 ein. Dass sie im Übrigen im Hinblick auf die LINGUA -Analyse beim Bruder auch Rück- schlüsse auf die Sozialisation der Beschwerdeführerin zog, kann ebenfalls nicht beanstandet werden (vgl. S. 4 der Beschwerdeschrift). Die weitere Rüge im Zusammenhang mit dem beantragten Wechsel des Aufenthalts- kantons ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Der Rückwei- sungsantrag ist mithin abzuweisen. 6. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend sub - stanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsu- chende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen de r Gesuch- stellerin. Eine Behauptun g gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma- chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt d er Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f.; 2012/5 E. 2.2 S. 43 f.; 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). D-3926/2016 Seite 12 7. 7.1 Das SEM hat seine Erkenntnis der Unglaubhaftigkeit der Herkunftsan- gaben und mithin der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin auch auf das Ergebnis der LINGUA-Analysen vom 1. Februar 2016 abgestützt. Deren Verwertbarkeit ist vorab von Amtes wegen zu prüfen. 7.2 Bei entscheidwesentlichen Zweifeln an der vorgetra genen Herkunft von Asylsuchenden hat das SEM in der Vergangenheit in der Regel eine von den Befragungen zur Person und zu den Asylgründen unabhängige Herkunftsanalyse (sog. Lingua -Analyse) durch einen amtsexternen, von der Fachstelle Lingua des SEM beauftragten und mit den entsprechenden Sprach- und Länderkenntnissen ausgestatteten Sachverständigen durch- führen lassen, bei der neben den landeskundlich -kulturellen Kenntnissen üblicherweise auch die sprachlichen Fähigkeiten der asylsuchenden Per- son geprüft wurden. In jüngerer Zeit hat die Fachstelle Lingua unter dem Titel "Evaluation des Alltagswissens" vergleichbare Analysen, ebenfalls er- stellt durch amtsexterne Sachverständige, aber beschränkt auf landes- kundlich-kulturelle Elemente (ohne linguistische Komponente), erstellt. So- wohl die Lingua-Analyse als auch der Alltagswissenstest haben zwar nicht den Stellenwert eines Sachverständigengutachtens ; es kommt ihnen je- doch erhöhter Beweiswert zu, wenn die gebotenen Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Experten sowie die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit erfüllt sind (vgl. dazu BVGE 2014/12 E. 4.2.1 m.w.H.; Urteil des BVGer E-6850/2013 vom 13. Januar 2015 E. 6.1). 7.3 Für die vorliegend nicht relevante und vom SEM in jüngster Zeit einge- führte Methode der Herkunftsabklärung für Asylsuchende tibetischer Eth- nie lediglich im Rahmen der Anhörung kann auf BVGE 2015/10 verwiesen werden. 7.4 Die Qualifikation von (…) – der mit der Analyse betrauten Fachperson – erscheint vorliegend entgegen den in keiner Weise stichhaltigen Be- schwerdevorbringen nicht fraglich (vgl. A 40/1). Auch die Objektivität und Neutralität sind nicht zu bezweifeln. So werden im Bericht wiederholt (geo- grafisch) zutreffende Aussagen der Beschwerdeführerin zitiert. Die Tatsa- che, dass sie in der Lage war, gewisse Belange vor Ort richtig zu skizzie- ren, wirft mithin Fragen zur inhaltlichen Schlüssigkeit des Berichts auf. In diesem werden ihr unter anderem aber – wie vom SEM ausführlich erwähnt (vgl. obenstehend Ziff. 4.1 ) – wiederholt Ungereimtheiten angelastet, die die angeblich erst im April 2014 erfolgte Ausreise sehr fraglich erscheinen D-3926/2016 Seite 13 lassen. Das SEM hat sich mit den in d er Eingabe vom 31. März 2016 for- mulierten Einwänden ausführlich auseinand ergesetzt. Es ist ihm dabei weitgehend gelungen, diese zu entkräften. In der Beschwerde wird immer wieder auf diese Eingabe, die nach dem Gesagten nicht zu überzeugen vermag, verwiesen. Relevante neue Argumente für eine andere Sichtweise fehlen. Die Aussagen der Beschwerdeführerin lassen Lücken und man- gelnde Substanz, die mit einem Aufenthalt bis zum genannten Datum vor Ort nicht vereinbar erscheinen, erkennen. Die Tatsache, dass sie kein Chi- nesisch spricht, ist dabei aber nicht überzubewerten (vgl. Urteil des BVGer D-6294/2013 vom 23. Januar 2015 E 5.4.7 m. w. H.). Hinzu kommt die Aussagekraft der linguistischen Analyse, welche klarer- weise ebenfalls gegen die Hauptsozialisation im angegebenen Gebiet spricht. Die in diesem Zusammenhang formulierten Einwände in der be- sagten Eingabe vermochte das SEM im angefochtenen Entscheid eben- falls weitgehend zu entkräften. Eine Neubeurteilung zugunsten der Be- schwerdeführerin drängt sich aufgrund der nicht überzeugenden Be- schwerdeargumente, welche sich auch auf die früheren Eingaben stützen, in keiner Weise auf. Vielmehr vermochte die Beschwerdeführerin so nicht das Bild einer angeblich erst vor kurzem aus Tibet ausgereisten Person zu vermitteln. Nach dem Gesagten erscheint der Bericht vom 1. Februar 2016 als grundsätzlich verwertbar, zumal die Beschwerdeführerin im Rahmen des rechtlichen Gehörs mit ihren aus der Sicht des Experten vom Ist -Zu- stand abweichenden Aussagen weitgehend konfrontiert wurde. Dabei ist praxisgemäss eine Offenlegung der richtigen Antworten zu konkret gestell- ten Fragen des Alltagswissens nicht erforderlich (vgl. Urteil des BVG er E-6850/2013 vom 13. Januar 2015 E. 6.1). Allerdings ist anzumerken, dass das SEM die beiden Analysen zwar als wichtige Stütze für die Entscheid- findung herangezogen hat. Objektiv betrachtet kommt aber den weiteren Unglaubhaftigkeitsaspekten betreffend Herkunft, Staatsangehörigkeit, Rei- seumstände und Verfolgungsvorbringen hohes Gewicht zu. Die Auswer- tung der Tests ist keineswegs der zentrale Dreh- und Angelpunkt der Ent- scheidfindung, mit dem die flüchtlings - und wegweisungsrechtliche Beur- teilung steht oder fällt. Vielmehr handelt es sich um einen Argumentations- strang unter mehreren gleichwertigen (a.a.O. E. 6.1). D-3926/2016 Seite 14 8. 8.1 Nach dem Gesagten kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin gewisse Bezüge zu der von ihr angegebenen Her- kunftsregion hat beziehungsweise Verwandte dort leben. So war sie wie erwähnt ansatzweise in der Lage, zu geografischen und anderen Belangen vor Ort gewisse, wenn auch teilweise ungereimte Angaben zu machen. Ob diese Kenntnisse von einem tatsächlichen, lang zurückliegenden dortigen Aufenthalt stammen oder ob sie auf anderweitig bezogenen Informationen beruhen, kann letztlich offen gelassen werden. Dass sie das genannte Ge- biet erst im April 2014 und aus den vorgebrachten Gründen verliess, kann ihr nämlich nicht geglaubt werden. Diesbezüglich kann auf die obenstehen- den Erwägungen im Rahmen der Würdigung der Analysen verwiesen wer- den. Es ist nochmals hervorzuheben, dass es ihr mangels stichhaltiger Ar- gumente weder anlässlich des rechtlichen Gehörs gelang und auch auf Beschwerdeebene – immer wieder mit Verweis auf die Eingaben vom 21. April 2015, 15. September 2015 und insbesondere 31. März 2016 sowie diejenige der vormaligen Rechtsvertretung vom 23. Oktober 2014 – nicht gelingt, die nicht auf einen bis vor Kurzem andauernden Aufenthalt in Tibet hindeutenden Aussagen in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Zentral ist sodann auch die Tatsache, dass es ihrem Vater nicht gelang, die eigene Verfolgung der Asylbehörde glaubhaft zu schildern. Dazu wurde der Beschwerdeführerin vom SEM das rechtliche Gehör gewährt (vgl. A 24/13 Antwort 59). Sie war nicht in der Lage, eine nachvollziehbare Erklärung zu liefern. Entsprechend wird der angeblichen Reflexverfolgung jegliche Grundlage entzogen, zumal das SEM zurecht auf weitere Unglaubhaftig- keitselemente im eigenen Sachvortrag der Beschwerdeführerin hinweist. Diese Einschätzung vermag – auch mangels stichhaltiger Beschwerdege- genargumente – durchaus zu überzeugen. 8.2 Die eingereichten Beweismittel führen zu keiner anderen Beurteilung. Auch hier kann auf die ausführliche und überzeugende Analyse der Vor - instanz verwiesen werden (vgl. obenstehend Ziff. 4.1.). Das SEM hat der Beschwerdeführerin dabei nicht „Betrug beziehungsweise Urkundenfäl- schung“ angelastet, sondern lediglich die Beweistauglichkeit mit nachvoll- ziehbaren Erwägungen für nicht genügend erachtet. Die Behauptung des Rechtsvertreters, das SEM habe so eine strafrechtlich relevante Falschbe- schuldigung erhoben, ist in aller Form zurückzuweisen (vgl. S. 7 und 13 f. der Beschwerdeschrift). Inhaltlich überzeugende Argumente für die be- hauptete Beweistauglichkeit der Beweismittel können den Akten nicht ent- nommen werden. Die übrigen eingereichten Beweismittel rechtfertigt offen- sichtlich ebenfalls keine andere Einschätzung. D-3926/2016 Seite 15 8.3 Nach dem Gesagten gelingt es der Beschwerdeführerin nicht, die be- hauptete Herkunft aus China im geltend gemachten Zeitpunkt glaubhaft zu machen. Damit scheitert zugleich die Glaubhaftmachung der Flüchtlingsei- genschaft. Das SEM hat diese daher zu Recht verneint und das Asylge- such abgelehnt. Aus der Tatsache, dass ihr Vater gestützt auf die damalige Praxis der Asylbehörden als Flüchtling anerkannt wurde, kann sie nichts zu ihren Gunsten ableiten, da bei ihm die Frage des genauen Ausreisezeit- punkts und der Hauptsozialisation nicht im Vordergrund stand beziehungs- weise nicht überprüft und die Asylpraxis betreffend Tibet seither modifiziert wurde. 8.4 Das ferner beantragte Familienasyl kommt offensichtlich nicht in Be- tracht. Die Vorinstanz hat diesbezüglich zu Recht erkannt, dass die be- hauptete Minderjährigkeit der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Asyl- gesuchstellung nicht glaubhaft gemacht werden konnte. Das diesbezüglich vorliegende umfassende Gutachten stellt ein starkes Indiz für die Volljäh- rigkeit zum Zeitpunkt der Untersuchung dar, das von der Beschwerdefüh- rerin nicht widerlegt werden konnte. Sie betont im Rahmen des rechtlichen Gehörs diesbezüglich einzig, ihre Mutter habe ihr das Geburtsdatum so mitgeteilt. Aussagekräftige Ausweisschriften vermochte die Beschwerde- führerin nicht beizubringen. 9. 9.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 9.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Das Bleibe- recht des Vaters in der Schweiz ändert in der vorliegenden Fallkonstellation nichts an der rechtmässigen Wegweisung der volljährigen Beschwerdefüh- rerin. 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig , nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). D-3926/2016 Seite 16 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll- zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungspflicht findet ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Beschwerdef ührerin. Es ist nicht Aufgabe der Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Vielmehr hat die Beschwerdeführerin, welche ihre wahre Her- kunft verschleiert beziehungsweise v erheimlicht, die Folgen ihres Verhal- tens zu verantworten. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort, wobei insbesondere Nepal oder Indien in Betr acht fallen, bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10 und 6). 10.3 Nachdem diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesische Staatsbürgerschaft besitzen, in Bezug auf China zumindest subjektive Nachfluchtgründe haben, weil sie als Unterstützer des Dalai Lama und da- mit als separatistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet werden und – wie- derum in Bezug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. BVGE 2009/29), ist an dieser Stelle, im Sinne einer Klarstellung und in Überein- stimmung mit der angefochtenen Verfügung, darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeterinnen und -Tibeter und somit auch für die Beschwerdefüh- rerin ein Vollzug der Wegweisung nach China auszuschliessen ist, da ihnen dort gegebenenfalls eine unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. 10.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Herkunfts- bzw. Heimatstaates (ausser China) die für eine Rückkehr notwendigen R eisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). D-3926/2016 Seite 17 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachver halt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer - deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr mit Zwischenverfü- gung vom 4. Juli 2016 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und sich an den Voraussetzungen dazu nichts ge- ändert hat, sind jedoch keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-3926/2016 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Ein Wegweisungsvollzug nach China wird ausgeschlossen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: