Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Juli 2022 (725 22 20 / 171) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen Beurteilung zumindest in Bezug auf den Zeitpunkt der Leistungseinstellung. Rückweisung an den Unfallversicherer zur weiteren Abklärung. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrichterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiber i.V. Cedric Cucinelli Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1956 geborene A.____ ist aufgrund seines Arbe itsverhältnisses mit der B.____ GmbH bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Su va) obligatorisch gegen die Fol- gen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 5 . April 2021 stürzte er von der Hebe- bühne eines Mercedes «Sprinters» und verletzte sich dabei die rechte Schulter. In der Folge erbrachte die Suva Versicherungsleistungen (Heilbehandl ung). Nach weiteren Abklärungen, stellte sie am 6. September 2021 die Leistungen auf d en 19. September 2021 ein. Zur Begrün- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht dung stützte sie sich auf die kreisärztliche Beurteilung vo n Dr. med. C.____, FMH Chirurgie, vom 6. September 2021, wonach die gesundheitlichen Besch werden des Versicherten nicht mehr auf den Unfall zurückzuführen seien. Nachdem der Ve rsicherte sich mit der Leistungsein- stellung nicht einverstanden erklärt hatte, nahm die Su va zusätzliche Abklärungen vor, wobei sie beim Kreisarzt Dr. C.____ einen weiteren Bericht e inholte. Gestützt auf dessen Beurteilung vom 27. September 2021 verfügte die Suva am 30. Septem ber 2021 die Einstellung der Leis- tungen per 19. September 2021. Hiergegen erhob A.__ __, vertreten durch die D.____ AG, Ein- sprache. Er beantragte, in Aufhebung der angefochtene n Verfügung seien ihm über den 19. September 2021 hinaus die gesetzlichen Leistungen a uszurichten. Eventualiter seien die erforderlichen Abklärungen durchzuführen. Nach Rücksprache mit dem Kreisarzt Dr. C.____ wies die Suva die Einsprache am 29. November 2021 vollumfänglich ab. B. Hiergegen erhob A.____ Beschwerde beim Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beant ragte, dass der Einspracheentscheid vom 29. November 2021 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, ihm über den 19. September 2021 hinaus die gesetzlichen Leistunge n auszurichten. Eventualiter seien weitere Abklärungen durchzuführen. Die Beschwerde wurde insbesondere damit begründet, dass der behandelnde Arzt Dr. med. E.____, FMH Orthopä dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, die Unfallkausalität über den 1 9. September 2021 hinaus bejaht ha- be. C. Mit Vernehmlassung vom 16. Februar 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bun desgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in F.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Ge setzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteil t das Kantonsgericht als Versi- cherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kant ons Beschwerden gegen Einsprache- entscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG . Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die am 19. Januar 2022 beim Kantons- gericht eingegangene – im Übrigen frist- und formgere cht erhobene – Beschwerde ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die B eschwerdegegnerin ihre Versiche- rungsleistungen für das Unfallereignis vom 5. April 2 021 zu Recht per 19. September 2021 ein- stellte und über diesen Zeitpunkt hinausgehende Leistungen verneinte. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlu ng der Unfallfolgen und Berufs- krankheiten (Heilbehandlung), wobei der Unfallversichere r die Pflegeleistungen so lange zu erbringen hat, als davon eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 Satz 1 UVG). Ist die versicherte Pe rson infolge des Unfalles voll oder teil- weise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UV G Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Das Taggeld beträgt bei vo ller Arbeitsunfähigkeit 80 % des versi- cherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigke it wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs. 1 UVG). 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt unter anderem voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis (Unfall, unfallähnl iche Körperschädigung oder Be- rufskrankheit) und dem eingetretenen Schaden (Krankhei t, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integ- ritätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusammenhang beste ht. Ursachen im Sinne des natür- lichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne dere n Vorhandensein der eingetrete- ne Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ob zwischen einem schä digenden Ereignis und einer ge- sundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhan g besteht, ist eine Tatfrage, wo- rüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rah- men der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu b efinden hat. Die blosse Möglichkeit ei- nes Zusammenhangs genügt für die Begründung eines L eistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Wei- teren voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und de m eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtspre chung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geei gnet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 456 E. 5a mit Hinweisen). 3.3 Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderl ichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des U nfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des Gesu ndheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall be- standen hat (Status quo ante), oder aber derjenige Z ustand, wie er sich nach dem schicksals- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht mässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher oder später einge- stellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kau- salzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Be deutung von unfallbedingten Ursa- chen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherun gsrecht allgemein üblichen Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewie sen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des U nfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt , liegt die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang ge- geben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweis- grundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rück fällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgeri chts vom 10. Juli 2015, 8C_294/2015, E. 3.2 mit Hinweisen). 4.1 Die Abklärung des für die Beurteilung von Ansprüche n versicherter Personen notwen- digen Sachverhalts hat gemäss dem im Sozialversicherungsre cht geltenden Untersuchungs- grundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) die verfügende wie auch die eine Verfügung überprüfende Behörde bzw. das Gericht von Amtes wegen vorzunehmen. Dem nach haben die Versicherung und das Sozialversicherungsgericht von sich aus, ohne Bind ung an die Parteibegehren, für die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a). Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliege n es abhängt, in welcher Art über die Rechte und Pflichten einer versicherten Person zu entsch eiden ist (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Auflage, Bern 2 014, § 70 N 4 mit weiteren Hinwei- sen). 4.2 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismi ttel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbare n Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es a uf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2). H insichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der D arlegung der medizinischen Zusam- menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Sit uation einleuchtet und ob die Schluss- folgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b f. mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispie lsweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese im Hinblick au f ihre auftragsrechtliche Vertrauens- stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patie ntinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des bzw. der therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes bzw. Ärztin einersei ts und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten und Exper tinnen anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anl ass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen zu anderslau tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweich ende Beurteilung aufdrängt, weil die be- handelnden Ärzte bzw. Ärztinnen wichtige – und nicht rei n subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder unge- würdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5.1 Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts l iegen im Wesentlichen die nach- folgenden Unterlagen vor. 5.2 Im Verlaufsbericht vom 19. August 2021 diagnostizier te Dr. E.____ anhand der vorlie- genden Bilder der Magnetresonaztomographie (MRT) ein e Unterflächenpartialruptur der Subs- capularissehne (50 % des Sehnendurchmessers) und der Supraspinatussehne. Mit dem Patien- ten habe er sich auf eine operative Rekonstruktion der R otatorenmanschette für Ende Septem- ber 2021 geeinigt. 5.3 Gemäss Kurzstellungnahme des Kreisarztes Dr. C.____ vo m 6. September 2021 habe der Unfall vom 5. April 2021 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu strukturellen Läsio- nen geführt. Der Versicherte habe sich verspätet ärztlich vorgestellt und der Subscapularistest in der klinischen Untersuchung sei negativ ausgefallen. I nsbesondere würden die Veränderun- gen der Rotatorenmanschette (Tendinitis calcarea der Su praspinatussehne, Arrosion des Tu- berculum Minus, die Aufrauhung der Unterfläche des Infr aspinatus) mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit für eine degenerativ bedingte, vorbestehenden Läsion sprechen. Die Unfallfolgen nach der Distorsion der rechten Schulter seien nach zwei bis drei Monaten ausgeheilt. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Am 14. September 2021 hielt Dr. E.____ fest, da ss es sich seiner Meinung nach um eine unfallbedingte Verletzung der Rotatorenmanschette handle. 5.5 Gemäss kreisärztlicher Aktenbeurteilung von Dr. C.__ __ vom 29. September 2021 zeige sich anhand des durchgeführten MRI eine Unterfläc henpartialruptur der Subscapula- rissehne im ansatznahen mittleren Bereich. Diese Läsion sei in Anbetracht des gesamten MRI- Befunds vom 18. August 2021 mit überwiegender Wahrsche inlichkeit degenerativ bedingt. Es zeige sich eine aufgefaserte Unterfläche der Infraspina tussehne am ventralen Rand im proxi- malen Drittel, eine fokale längliche Verkalkung der Su praspinatussehne (Tendinopathia cal- carea), eine Tendinopathie der Supraspinatussehne und ein Impingement (Einklemmung) der Supraspinatussehne im Bereich des Subacromialraumes. Nebenbefundlich zeige sich eine akti- vierte AC-Gelenksarthrose mit Osteophyten, welche ebens o zu der Impingement-Symptomatik beitragen würde. Zudem spreche auch die Erosion im Be reich des Ansatzes der Subscapula- rissehne am Tuberculum majus für eine degenerative Ursac he. Die Verletzung sei vom Versi- cherten initial als Prellung interpretiert worden, wa s eine deutlich verspätete ärztliche Vorstel- lung von vier Monaten nach dem Unfallgeschehen erkläre. Gehe man davon aus, dass die Par- tialläsion der Subscapularissehne frisch und somit unfallka usal auf das Ereignis vom 5. April 2021 zurückzuführen sei, wäre eine erhebliche und unmittelbare Beschwerdesympto- matik und eine ebenso erhebliche Funktionseinschränku ng zu erwarten gewesen. Der Versi- cherte habe jedoch noch in seiner selbständigen Tätigkei t arbeiten können. Dies mache eine Unfallkausalität wenig wahrscheinlich. Bei einer Unfallkausalität hätte der Subscapularissehnen- test positiv ausfallen müssen. Positive Tests hätten sich i m Rahmen der Untersuchung vom 13. August 2021 allerdings nur für die Supraspinatussehn e und die lange Bizepssehne gezeigt. Diese Beschwerden seien degenerativ bedingt. Dies wer de durch das MRI vom 18. August 2021 bestätigt. Aufgrund der subacromialen Einengung komme es zu einem Impin- gement der Supraspinatussehne. Passend dazu zeige die S upraspinatussehne eindeutige Zei- chen der Degeneration im Sinne einer Tendinose und i nsbesondere einer Tendinopathia cal- carea (Verkalkung der Sehne). Auch diese Befunde seien degenerativ bedingt, insbesondere auch deshalb, da es bis zur Ausbildung einer Tendinopa thia calcarea mehrere Monate bis Jah- re dauere. Darüber hinaus fehle es im MRI an einer Be gleitverletzung, welche für eine Unfall- kausalität sprechen würde. Die von Dr. E.____ beschrieb ene zusätzliche Läsion der Supraspi- natussehne rechts könne anhand des MRI-Befunds vom 18. A ugust 2021 nicht reproduziert werden. Auch hier zeige sich eine degenerativ veränderte Supraspinatussehne mit einer Tendinopathia calcarea und einer Tendinose im Rahmen einer Impingement-Symptomatik, was auf eine AC-Gelenksarthrose und Einengung des subacromialen Raums zurückzuführen sei. Es sei deshalb am Unfalltag zu einer Distorsion der rechten Schulter gekommen, welche nach zwei bis drei Monaten folgenlos ausgeheilt sei. Hernach sei dann der vorbestehende, degenerative und krankheitsbedingte Zustand wieder erreicht. 5.6 Mit E-Mail vom 1. November 2021 hielt Dr. E.____ fest, dass zwei Sehnenverletzungen vorlägen. Im Vordergrund stehe die Problematik an der Supraspinatussehne, welche trauma- tisch bedingt sei. Bezüglich der verspäteten Vorstellung verwies er auf die Meinung der Schweizerischen Expertengruppe der Schulter- und Ellboge nchirurgie. Diese konstatiere, dass die Betroffenen nach einer Verletzung der Rotatorenm anschette initial einen sehr heftigen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schmerz verspüren würden, der nach drei Tagen tolerab el werde. Deshalb würden Patienten oftmals initial keinen Arzt konsultieren (vgl. A LEXANDER LÄDERMANN et. al., Degenerative oder traumatische Läsionen der Rotatorenmanschette, Swiss Medica l Forum, Ausgabe 2019/15-16, S. 260-267). Genau dies sei beim Patienten eingetrete n, indem er die Beschwerden zuerst als Prellung interpretiert habe und dann verzögert beim Hausarzt vorstellig geworden sei. 5.7 In seiner Stellungnahme vom 11. November 2021 hie lt Dr. C.____ fest, dass die fach- ärztliche Beurteilung erst im August 2021 erfolgt sei. D er Hausarzt Dr. med. G.____, FMH All- gemeine Medizin, habe zuvor lediglich eine Physiotherapi e initiiert. Er verwies darauf, dass ge- mäss den Aussagen des Versicherten bis zur Operation keine Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Dies sei bei einer frischen Ruptur der Subscapula rissehne wenig wahrscheinlich, da eine solche mit einer erheblichen Beschwerdesymptomatik einherge he. Die Verletzung der Supra- spinatussehne sei deshalb überwiegend wahrscheinlich degenerativ bedingt. 6.1 Die Vorinstanz stützt sich bei der Beurteilung des vo rliegend strittigen medizinischen Sachverhalts auf die Ergebnisse, zu denen Kreisarzt Dr. C. ____ in seinen Beurteilungen vom 6. und 29. September 2021 sowie vom 11. November 2021 gelangt war. Demgemäss ging sie davon aus, dass es am Unfalltag zu einer Distorsion der rechten Schulter gekommen sei. Die unfallkausalen Beschwerden seien allerdings nach zwei bis drei Monaten folgenlos ausgeheilt. Zumindest sei dann der vorbestehende, degenerative und krankheitsbedingte Zustand wieder erreicht, weshalb sie die Leistungen per 19. September 2021 einstellte. 6.2 Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Wie b ereits in Erwägung 3.3 erwähnt, entfällt die Leistungspflicht der Unfallversicherung er st, wenn der Unfall nicht mehr die natürli- che und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht, wofü r die Beschwerdegegnerin die Be- weislast trägt. Dies gelingt ihr gestützt auf die Ausfüh rungen des Kreisarztes Dr. C.____ nicht. Dr. C.____ führte in seinen Berichten vom 6. und 29. September 2021 aus, dass die Auswir- kungen des unbestrittenen Unfalls und der daraus result ierenden Schmerzsituation nach zwei bis drei Monaten folgenlos ausgeheilt seien. Eine nachv ollziehbare Begründung hierzu fehlt jedoch. Der Kreisarzt führt nicht aus, inwiefern der Unfall auf die vorbestehenden degenerativen Veränderungen gewirkt habe und weshalb eine Operatio n auch ohne Unfall hätte durchgeführt werden müssen. Die Beurteilung von Dr. C.____ ist dies bezüglich also weder schlüssig noch einleuchtend. Es fehlt an einer Begründung, weshalb der Status quo sine vel ante bereits am 19. September 2021 erreicht worden sei. Weiter ist Dr. C.____ der Meinung, dass bei einer fri- schen und unfallkausalen Läsion der Subscapularissehne eine erhebliche und unmittelbare Be- schwerdesymptomatik und erhebliche Funktionseinschränkung zu erwarten gewesen wäre. Der Versicherte habe sich allerdings erst verspätet ärztlich vor gestellt und noch in seiner selbstän- digen Tätigkeit arbeiten können. Dies mache eine Unf allkausalität wenig wahrscheinlich. Dem- gegenüber begründete Dr. E.____ in seiner E-Mail vom 1. November 2021 die verspätete ärztli- che Vorstellung mit Fachliteratur belegend damit, dass laut der Schweizerischen Expertengrup- pe der Schulter- und Ellbogenchirurgie die Betroffene n einer Rotatorenmanschettenverletzung initial einen sehr heftigen Schmerz verspüren würden, d ieser aber nach drei Tagen tolerabel werden würde. Deshalb würden Patienten oftmals initial keinen Arzt konsultieren. Dies würde im Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorliegenden Fall die fehlende initiale Funktionseinsch ränkung erklären. Da Dr. C.____ in sei- nen Stellungnahmen nicht auf diesen Umstand einging , besteht ein ungelöster Widerspruch zwischen den Beurteilungen der beiden Ärzte. 6.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass vorliege nd Zweifel an der Zuverlässig- keit und Schlüssigkeit der von der Beschwerdegegnerin als massgeblich erachteten versiche- rungsinternen Beurteilung des Kreisarztes Dr. C.____ be stehen. Insbesondere liegen in Bezug auf den Zeitpunkt der Leistungseinstellung zumindest leichte Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der kreisärztlichen Beurteilung von Dr. C.__ __ vor, sodass sich der medizinische Sachverhalt als ungenügend abgeklärt erweist. Deshalb ist abschliessend nicht darauf abzustel- len und der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben. Im Hinblick auf das weitere Vorge- hen gilt es zu berücksichtigen, dass die Suva den medizinisc hen Sachverhalt bisher lediglich versicherungsintern durch Dr. C.____ hat beurteilen lassen, wobei die von der Suva im Verwal- tungsverfahren getroffenen Abklärungen letztlich als nicht ausreichend zu bezeichnen sind. Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es sich, die Angelegen heit an die Suva zurückzuweisen. Diese wird nunmehr ein versicherungsexternes Gutachten mit fach ärztlichen Untersuchungen einzu- holen haben. Darin ist allen voran abzuklären, inwief ern der Unfall auf die vorbestehenden de- generativen Veränderungen gewirkt hat und ab wann die se Beschwerden nicht mehr unfallkau- sal sein sollen. Anschliessend wird die Suva gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung über den Leistungsanspruch des Versicherten neu zu befinde n haben. Die vorliegende Be- schwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 7. Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden . Gemäss Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kosten pflichtig, wenn dies im jeweiligen Ein- zelgesetz vorgesehen ist. Sieht das Einzelgesetz keine Kos tenpflicht vor, kann das Gericht ei- ner Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhä lt, Gerichtskosten auferlegen. Da das UVG keine Kostenpflicht vorsieht und sich die Parteien weder mutwillig noch leichtsinnig verhalten haben, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Der nicht anwaltlich vertre- tene Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine Par teientschädigung (vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario). 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtliche n Angelegenheiten an das Bundesge- richt zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschli essen. Selbständig eröffnete Zwi- schenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegehren (Art. 92 BGG) – nur mit Beschw erde in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzu machenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessender Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2 Der vorliegende Entscheid erweist sich als Zwischenentsc heid im Sinne des BGG, weshalb gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlich en Angelegenheiten an das Bundes- gericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig ist und die nachstehende Rechtsmittelbelehrung ausdrücklich unter diesem Vorbehalt erfolgt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid vom 29. November 2021 aufgebobe n und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegne rin zu- rückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht