B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f fd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4413/2009 U r t e i l v o m 1 2 . J u l i 2 0 12 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter François Badoud, Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, B._______, C._______, D._______, E._______, Kosovo / Serbien, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. April 2009 / N (…). E-4413/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer mit (…) den Heimatstaat am 30. Dezember 2008 und reiste am folgenden Tag in die Schweiz ein. Am 2. März 2009 suchte die Familie im Empfangs- und Ver- fahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nach. Die Beschwerdeführerin und (…) verliessen den Heimatstaat nach ihren Angaben am 21. Januar 2009; sie reisten am 25. Januar 2009 legal in die Schweiz ein und stellten a m 2. März 2009 im EVZ Kreuzlingen ebenfalls Asylgesuche. Anlässlich der Befragung vom 4. März 2009 im EVZ und der Anhörung zu den Asylgründen vom 9. und 10. März 2009 führten die Beschwerdefüh- renden zur Begründung ihrer Asylgesuche im Wesentlichen aus, sie seien ethnische Serben und würden aus dem Dorf F._______ in der Gemeinde Gnjilane im Osten Kosovos stammen . Sie hätten in bescheidenen wir t- schaftlichen Verhältnissen gelebt, und die Sicherheitslage für die in Gnji- lane lebende serbische Bevölkerung sei prekär gewesen. Seit Kriegsende sei es in ihrem Heimatdorf wiederholt zu gewaltsamen Zwischenfällen mit Albanern gekommen; beispielsweise sei der Ort einen Monat nach Kriegsende von Angehörigen der Ushtria Çlirimtare e Koso vës ( Be- freiungsarmee des Kosovos; UÇK) mit Granaten und Bomben bescho s- sen worden. Die Angehörigen der serbischen Min derheit seien immer wieder Schikanen, Provokationen, Behelligungen und Übergriffen seitens der albanischen Bevölkerung ausgesetzt gewesen. In den Jahren 2007 und 2008 hätten Kosovo-Albaner versucht, den Traktor der Beschwerde- führenden zu stehlen . Beim Jahreswechsel 2007/2008 sei der ältere Sohn von Kosovoalbanern beschimpft worden und er habe befürchten müssen, entführt oder verprügelt zu werden. Im Sommer 2008 sei den Beschwerdeführenden ein Pflug gestohlen worden. Die schlechte Sicher- heitslage und die ständige Unsicherheit hätten sich bei ihnen auch g e- sundheitlich ausgewirkt. B. Mit Verfügung vom 30. April 2009 – eröffnet am 5. Mai 2009 – stellte das BFM fest, die Vorbringen der Beschwerdeführenden würden den Anforde- rungen an die flüchtlingsrechtliche Relevanz im Sinn von Art. 3 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhalten, we s- halb die Asylgesuche abzuweisen seien. Das BFM verfügte die Wegwe i-E-4413/2009 Seite 3 sung aus der Schweiz und bezeichnete deren Vollzug als zuläss ig, z u- mutbar und möglich. C. Mit Beschwerdeeingabe vom 24. Juni 2009 beantragten die Beschwerde- führenden die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, den Verzicht auf die Wegweisung sowie deren Vollzug. In prozessual er Hinsicht wurde um Wiederherstellung der B e- schwerdefrist gemäss Art. 24 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht. Mit der Beschwerde wurden unter anderem Beweismittel im Zusammenhang mit dem krankheitsbedingten Ausfall ihres bisherigen Rechtsvertreters zu den Akten gereicht. D. Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 10. Juli 2009 (Verfahren E-4092/2009) wurde das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerde- frist gutgeheissen und auf die Beschwerde vom 24. Juni 2009 eingetr e- ten. E. In einer Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 16. Juli 2009 wurde unter anderem der Entscheid über die Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zei t- punkt verschoben, auf die Erhebung eines K ostenvorschusses verzichtet und die Beschwerde dem BFM zur Stellungnahme bis am 31. Juli 2009 überwiesen. F. Mit Eingabe vom 17. August 2009 gab das B FM seine Vernehmlassung zu den Akten und beantragte die Abweisung des Rechtsmittels. Die Ste llungnahme des BFM wurde den Beschwer deführenden am 20. August 2009 zur Kenntnis gebracht. E-4413/2009 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bunde sverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , aus ser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten soz ialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der F reiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen E-4413/2009 Seite 5 psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. In der Rechtsmitteleingabe weisen die Beschwerdeführenden inhaltlich insbesondere darauf hin, dass sie im Kosovo zur serbischen Minderheits- bevölkerung gehören (vgl. Beschwerde S. 4). Zur Illustration der Situation dieser Gruppe verweisen sie auf eine Vielzahl von mit der Beschwerde eingereichten Internet-Ausdrucken (vgl. Beschwerde S. 5 ff.). Sie führen zudem anhand einer Schilderung verschiedener konkreter Vorkommnisse aus, wes halb sie nicht weiter im Kosovo leben könnten. Beispielsweise seien sie im Jahr 2000 von Mitgliedern der UÇK auf einer Fahrt zum Arzt angehalten und misshandelt worden. Die darüber informierte United Nati- ons Interim Administration Mission in Kosovo (UNMIK) habe ihnen nicht helfen können (vgl. Beschwerde S. 12 f.). Anfang September 2007 sei der Beschwerdeführer und am 30. Dezember 2007 dessen Sohn von Alb a- nern behelligt worden. Auch hier habe eine entsprechende Meldung an die Polizei nichts genützt. Im Frühjahr und im Sommer 2008 sei der B e- schwerdeführer wegen seines Traktors belästigt worden; ausserdem h a- be man seinen Pflug gestohlen (vgl. Beschwerde S. 13 f.). Die Lage der serbischen Minderheit und andere ethnischen Minderheiten im Kosovo sei von Diskriminierung, Menschenrechtsverletzungen, dem Fehlen eines hinreichenden Rechtsschutzes und von einer schlechten wirtschaftlichen und sozialen Stellung geprägt (vgl. Beschwerde S. 14 f.). Die im Februar 2008 erl angt Unabhängigkeit des Kosovo habe die Situation verschlim- mert (vgl. Beschwerde S. 14 ff.). 5. 5.1 Zuerst ist festzustellen, dass d ie Beschwerdeführenden, die aufgrund der Aktenlage als Staatsangehörige der Republik Kosovo zu betrachten sind, infolge serbischer Abstammung und Geburt auf (ehemaligem) Staatsgebiet der Republik Serbien gemäss serbischem Gesetz Nr. 135/04 E-4413/2009 Seite 6 vom 21. Dezember 2004 auch über die serbische Staatsangehörigkeit verfügen (vgl. BVGE 2010/41 E. 6.4.2). 5.2 Asylsuchende, die mehrere Staatsangehöri gkeiten besitzen, sind nicht auf den Schutz eines Drittstaates angewiesen, sofern sie in einem der Staaten, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen, Schutz vor Verfo l- gung finden können (vgl. a.a.O. E. 6.5.1). 6. 6.1 Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung übe rzeugend darg e- legt, weshalb die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen der B e- schwerdeführenden den Anforderungen an die asylrechtliche Relevanz nicht genügen. 6.2 Die problematische Situation der ethnischen Serben im Kosovo ist dem Bundesverwaltungsgericht bekannt; es schliesst allerdings in ko n- stanter Praxis auch bei dieser Bevölkerungsgruppe nicht auf eine so g e- nannte Kollektivverfolgung (in dem Sinn, dass g ezielte und intensive Nachteile sich gegen alle oder die Mehr heit des Kollektivs richten, was dazu führt, dass ein Angehöriger der Gruppe bereits allein aufgrund die- ser Zugehörigkeit mit erheblicher Wahrscheinlichkeit selbst verfolgt wird und somit objektiv begründete Furcht gegeben ist ; vgl. BVGE 2011/16 E. 5). 6.3 Den Nachteilen, die von den Beschwerdefüh renden zu Protokoll g e- geben w orden sind ( insbesondere Behelligungen, Beschimpfungen, B e- drohungen und Diebstähle) , ist, auch unter dem Blickwinkel eines une r- träglichen psychischen Drucks gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG, mangels In- tensität die flüchtlingsrechtliche Relevanz abzusprechen. Zwischen der schwierigen Sicherheitslage nach Beendigung des K osovokriegs und der erst viele Jahre später erfolgten Ausreise besteht zudem offensichtlich weder ein zeitlicher noch ein inhaltlicher Zusammenha ng. In Überei n- stimmung mit der Vorinstanz ist schliesslich auch auf die Möglichkeit hi n- zuweisen, sich bei den Sicherheitsbehörden des Heimatstaats um Schutz vor Übergriffen zu bemühen. 6.4 Den Akten sind keine Anhaltspunkte für die Annahme zu entnehmen, den Beschwerdeführenden würde in ihrem zweiten Heimatstaat, Serbien, Verfolgung drohen. Dies wird von ihnen auch nicht behauptet. 6.5 Die Vorinstanz hat die Asylgesuche nach dem Gesagten zu Recht abgelehnt. Es erübrigt sich, auf die Ausführungen in der Beschwerde und E-4413/2009 Seite 7 auf die damit eingereichten Beweismittel weiter einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 mit weiteren Hinweisen). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 8.2 Bezüglich de s Geltendmachens von Wegweisungshi ndernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. Walter Stöckli, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Auslä n- derrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.3 Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Wegwe i- sungsvollzug (Unzulässigkeit, Unzumut barkeit, Unmöglichkeit) sind alte r- nativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug als undurch- führbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit der betroffenen Pe r- son in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Au f- nahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 9. 9.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer No tlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e-E-4413/2009 Seite 8 fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 9.2 Das BFM h ielt in der angefochtenen Verfügung fest, dass vorliegend weder eine Rückkehr nach F._______, Gemeinde Gnjilane , noch ein Ausweichen in den Norden Kosovos zumutbar seien (vgl. BFM-Verfügung S. 5). Indessen bestehe für Serben aus dem Kosovo grundsätzlich eine Aufenthaltsalternative in Serbien selber, da die Angehörigen dieser B e- völkerungsgruppe als serbische Staatsbürger gälten . Den Beschwerd e- führenden sei die Inanspruchnahme der Aufenthaltsalternative Serbien auch zuzumuten. Das BFM hielt in seiner Verfügung fest, dass die B e- schwerdeführenden aufgrund ihrer Schulbildung, Berufsausbildung, ihrer Arbeitserfahrung sowie ihres Alters über die Voraussetzungen verfügen würden, sich in Serbien eine Zukunft aufzubauen. 9.3 Die Beschwerdeführenden machen in ihrer Beschwerde vom 24. Juni 2009 unter Verweis auf entsprechende Lageanalysen und Länderberichte sinngemäss geltend, die ökonomische, soziale und kultur elle Situation der Flüchtlinge in Serbien sei prekär. Die fünfköpfige Familie wäre bei ei- ner Ausreise dorthin mangels einer existenzsichernden Perspektive einer konkreten Gefährdung ausgesetzt, weshalb der Wegweisungsvollzug u n- zumutbar sei. In Serbien könnten insbesondere die ökonomischen und sozialen Bedürfnisse der minderjährigen Kinder nicht gedeckt werden, weil die Familie bei einer Rückkehr mit Sicherheit ein Leben in absoluter Armut fristen müssten. 9.4 Wie die Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, erscheint der Vollzug der Wegweisung der aus Gnjilane (…) stammenden Beschwerdeführenden dorthin nicht zumutbar. Nachstehend wird demnach geprüft, ob für die Beschwerdeführenden eine Zufluchtsmöglichkeit im Norden Kosovos oder in Serbien besteht. 9.4.1. In Bezug a uf die allgemeine Sicherheits - und Menschenrechtslage ist festzuhalten, dass weder in Serbien noch in der serbischen Enklave im Norden Kosovos eine Kriegs- oder Bürgerkriegssituation oder eine Situa- tion allgemeiner Gewalt herrscht, die den Wegweisungsvollz ug generell unzumutbar erscheinen liesse. Der Vollzug der Wegweisung von ethn i- schen Serben mit letztem Wohnsitz in Kosovo nach Serbien ist nach der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ebenfalls nicht generell un zumut-E-4413/2009 Seite 9 bar (vgl. BVGE 2010/41 E 8.3.2). Damit stellt sich die Frage, ob den B e- schwerdeführenden die Inanspruchnahme der inner - respektive zweit- staatlichen Aufenthaltsalternativen Nordkosovo oder Serbien auch indiv i- duell zuzumuten wäre. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwa l- tungsgerichts sind im konkre ten Einzelfall insbesondere Kriterien der S i- cherung des wirtschaftlichen Existenzminimums, des persönlichen B e- zugs zum möglichen Zufluchtsort und soziale Aspekte abzuwägen (vgl. zum Ganzen BVGE 2010/41 E. 8.3.3 ff. insbesondere E. 8.3.3.6). 9.4.2. Vorliegend ist nach Durchsicht der Akten zunächst festzuhalten, dass es sich bei den Beschwerdeführenden nicht um alleinstehende E r- wachsene, sondern um eine Familie mit drei Kindern handelt . Gemäss Akten leben keine Verwandten oder andere Bezugspersonen in Serbien oder im serbischen Nordteil des Kosovos, die bei einer Ansiedelung b e- hilflich sein könnten (hingegen leben mehrere Angehörige – (…) des Be- schwerdeführers, (…) der Beschwerdeführerin – seit längerer Zeit in der Schweiz). Die Beschwerdeführenden haben sich gemäss Akten nie im serbischen Nordteil des Kosovos oder in Serbien aufgehalten. 9.4.3. Unter Berücksichtigung der konkreten Verfahrensumstände – auch des Umstands, dass beide Elternteile auf die Erlebnisse im Kosovo mit psychischen Problemen reagiert haben – kommt das Bundesverwal- tungsgericht zum Schluss, dass die Beschwerdeführenden kaum in der Lage sein dürften, sich im Nordkosovo oder in Serbien wirtschaftlich und sozial zu integrieren und ihre Existenz sicherzustellen. 9.4.4. Unter diesen Umständen erscheint somit ein Vollzug der Wegwei- sung nach Serbien oder in den Norden des Kosovos vorliegend unzu- mutbar. Letzteres hatte, wie oben erwähnt, bereits die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung festgestellt. 9.5 Den Akten sind keine Hinweise auf Ausschlussgründe gemäss Art. 83 Abs. 7 AuG zu entnehmen. 10. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, soweit sie die Frage des We g- weisungsvollzugs betrifft. Im Übrigen ist sie abzuweisen. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung vom 30. April 2009 sind aufzuheben, und die Vorinstanz ist anzuweisen, die Beschwerdeführenden in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. E-4413/2009 Seite 10 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen, soweit diese unterliegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Ihre Beschwerdebegehren haben sich zwar nicht als aussichtslos erwiesen; gemäss Akten ist jedoch nicht von der Mittellosigkeit der B e- schwerdeführenden aus zugehen, nachdem beide Ehegatten – und seit einem Jahr auch der älteste Sohn – in der Schweiz erwerbstätig sind. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist deshalb abzuweisen. 11.2 Ganz oder teilweise obsiegende Parteien haben einen Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2 ]). Nachdem die Beschwerdeführe n- den im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nicht vertreten waren, ist nicht davon auszugehen, dass ihnen verhältnismä s- sig hohe Parteikosten im Sinn von Art. 64 Abs. 1 VwVG erwachsen sind, weshalb keine Parteientschädigung zuzusprechen ist. (Dispositiv nächste Seite) E-4413/2009 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird hinsichtlich der Frage des Wegweisungsvollzugs gutgeheissen; im Übrigen wird sie abgewiesen. 2. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung der Vorinstanz vom 30. April 2009 werden aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, die vor- läufige Aufnahme der Beschwerdeführenden anzuordnen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab- gewiesen. Den Beschwerdeführenden werden reduzierte Verfahrensko s- ten von Fr. 300.– zur Bezahlung auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Ta- gen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kant o- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand: