Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. März 2017 (750 16 333 / 81) ____________________________________________________________________ Erwerbsersatz Für die Ermittlung des vordienstlichen Durchschnitteinkommens ist auf das während der drei letzten Monate vor Dienstbeginn erzielte und auf den Tag umgerechnete Erwerbs- einkommen abzustellen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Ausgleichskasse Wirtschaftskammer 114 , Viaduktstrasse 42, Postfach, 4002 Basel, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. A.____ schloss im August 2014 seine Ausbildung z um Metallbaukonstrukteur ab. Da- nach arbeitete er bis zum Beginn der Rekrutenschule am 27. Oktober 2014 weiter bei seinem ehemaligen Lehrbetrieb. Nach 23 Diensttagen, d.h. a m 18. November 2014, beendete er die Rekrutenschule und entschloss sich, Zivildienst zu leisten. In der Folge absolvierte er vom 29. Juni bis 18. Dezember 2015 den ersten Teil des Zivi ldienstes. Am 29. Februar 2016 trat er den Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zweiten Teil an. Mit Verfügung vom 23. Juni 2016 hiel t die Ausgleichskasse Wirtschaftskammer 114 (Ausgleichskasse) fest, dass A.____ in der Dienstperio de vom 29. Februar 2016 bis 31. März 2016 Anspruch auf einen Tagesansatz von Fr. 62.-- habe bei einem durchschnittlichen Tageseinkommen von Fr. 67.--. Die Erwerbsausfallentschädi gung betrage daher für diese Zeit- periode Fr. 1‘860.45. Die dagegen von A.____ am 8. Ju li 2016 erhobene Einsprache wies die Ausgleichskasse mit Einspracheentscheid vom 1. September 2016 ab. B. Mit Eingabe vom 30. September 2016 erhob A.____ gegen den Einspracheentscheid vom 1. September 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Bas el-Landschaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht, und beantragte die Aufhebung des ang efochtenen Entscheids sowie die Festlegung der Entschädigung aufgrund eines durchschnittli ch zu erzielenden Einkommens als Metallbaukonstrukteur von Fr. 5‘000.--; eventualiter d ie Festlegung der Entschädigung basie- rend auf demselben durchschnittlichen Einkommen wie bei der ersten Zivildienstphase vom 29. Juni bis 18. Dezember 2015. C. In ihrer Vernehmlassung vom 16. November 2016 bea ntragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Auf Aufforderung des Geri chts hin reichte die Beschwerde- gegnerin am 7. Dezember 2016 weitere Aktenstücke nach. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft (Erwerbsersatzgesetz; EOG) vom 25. Se ptember 1952 auf die Erwerbser- satzordnung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Ausgleichskassen beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erho ben werden. Soweit sich die Beschwerde – wie im vorliegenden Fall – nicht gegen e inen Einspracheentscheid einer kanto- nalen Ausgleichskasse richtet, ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kan- tons zuständig, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in Z.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs . 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustän dig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 30. Septemb er 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde i n formeller Hinsicht vor, dass sich der angefochtene Entscheid nicht mit der von ihm in de r Einsprache geltend gemachten Be- rechnungsweise auseinander gesetzt habe. Der Beschwerde führer rügt damit eine Verletzung der Begründungspflicht und somit eine Verletzung seine s rechtlichen Gehörs durch die Be- schwerdegegnerin. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Die Verfügungen eines Versicherungsträgers über Leist ungen sind nach Art. 49 Abs. 3 ATSG zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen. Aus einer mangelhaften Eröffnung einer Verfügung darf der bet roffenen Person kein Nachteil erwachsen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [heute Schw eizerisches Bundesgericht, So- zialrechtliche Abteilungen] vom 17. Juni 2005, I 3/05, E. 3). Die Begründungspflicht steht im Zusammenhang mit dem in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfa ssung der Schweizerischen Eidge- nossenschaft (BV) vom 18. April 1999 statuierten Anspru ch auf rechtliches Gehör. Danach muss der von einem Entscheid Betroffene in die Lage vers etzt werden, diesen sachgerecht an- fechten zu können (BGE 124 II 149). Die verfügende Behörde muss daher kurz ihre Überlegun- gen nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sich ihre Entscheidung stützt. Dabei darf sie sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (A LFRED KÖLZ /I SABELLE HÄNER /M ARTIN BERTSCHI , Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Auflage, Zürich 2013, Rz. 629 ff.). Ist die versicherte Person von dem in Aussicht stehenden Entscheid in starkem Masse betroffen, was regelmässig zu bej ahen ist, wenn Dauerleistungen strittig sind, spricht dies für eine erhöhte Begründun gspflicht (Urteil des Eidgenössischen Versi- cherungsgerichts vom 17. Juni 2005, I 3/05, E. 3.2.3). Die Verletzung der Begründungspflicht führt unabhängig davon, ob die fraglichen verfahrensrec htlichen Mängel einen Einfluss auf das Ergebnis haben, grundsätzlich zur Aufhebung des angefochte nen Entscheides. Praxisgemäss kann eine derartige Gehörsverletzung im Rechtsmittelverfa hren jedoch geheilt werden, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor ei ner Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüf en kann. Zudem ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs von ei ner Zurückweisung an die Verwal- tung abzusehen, wenn dies zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzöge- rungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei an einer raschen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 133 I 204 E. 2.2 mit Hinweisen). 2.3 Der Beschwerdeführer begründete seine Einsprache v om 8. Juli 2016 sehr einlässlich und unter Hinweis auf Gesetz und Verordnung sowie unte r Auflistung seiner bisherigen berufli- chen Anstellungen und dem dabei erzielten Verdienst. Di e Beschwerdegegnerin ging im ange- fochtenen Einspracheentscheid gar nicht auf die Argume nte des Beschwerdeführers ein und legte nur dar, dass er vor dem nunmehrigen Dienst ein E rwerbseinkommen von Fr. 2‘881.60 erzielt habe. Insbesondere das Kernargument des Beschwer deführers, dass es ihm aufgrund der beiden längeren Zivildienste nicht möglich gewesen sei, eine feste Anstellung zu finden, wurde von der Beschwerdegegnerin mit keinem Wort gewür digt. In dieser Vorgehensweise ist eine Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw. der Begründu ngspflicht durch die Beschwerde- gegnerin zu erblicken. Da es sich aber um eine geringfügige Verletzung des rechtlichen Gehörs handelt, dem Kantonsgericht volle Kognition zukommt un d der Beschwerdeführer Gelegenheit hatte, sich im vorliegenden Verfahren zu äussern, kann dieser Mangel als geheilt betrachtet werden. Eine Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegn erin käme zudem einem forma- listischen Leerlauf gleich und würde lediglich zu unnötigen Verzögerungen führen. 3.1 In materieller Hinsicht ist die Höhe der Erwerbsers atzentschädigung für den Zivildienst- einsatz des Beschwerdeführers ab dem 29. Februar 2016 zu prüfen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Personen, die Zivildienst leisten, haben für jeden anrechenbaren Diensttag gemäss dem Bundesgesetz über den zivilen Ersatzdienst (Zivildienstgesetz, ZDG) vom 6. Oktober 1995 Anspruch auf eine Entschädigung (Art. 1a Abs. 2 EOG). Alle Dienstleistenden haben Anspruch auf die Grundentschädigung (Art. 4 EOG). Während Die nsten, die nicht unter Art. 9 EOG (Rek- rutenschule und gleichgestellte Dienstzeiten) fallen, bet rägt die tägliche Grundentschädigung 80 % des durchschnittlichen vordienstlichen Erwerbseinkomme ns. Vorbehalten bleiben Min- dest- und Höchstbeträge nach Art. 16 Abs. 1 bis 3 EOG (Art. 10 Abs. 1 EOG). Grundlage für die Ermittlung des durchschnittlichen vordienstlichen Erwer bseinkommens bildet das Einkommen, von dem die Beiträge nach dem Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 erhoben werden. Der Bun desrat erlässt Vorschriften über die Bemessung der Entschädigung und lässt durch das Bundes amt für Sozialversicherungen ver- bindliche Tabellen mit aufgerundeten Beträgen aufste llen (Art. 11 Abs. 1 EOG). Der Bundesrat kann für Dienstleistende, die nur vorübergehend nicht e rwerbstätig waren oder die wegen des Dienstes keine Erwerbstätigkeit aufnehmen konnten, beson dere Vorschriften über die Bemes- sung ihrer Entschädigung erlassen (Art. 11 Abs. 2 EOG). 3.3 Als Erwerbstätige gelten Personen, die in den let zten zwölf Monaten vor dem Ein- rücken während mindestens vier Wochen erwerbstätig waren (Art. 1 Abs. 1 der Verordnung zum Erwerbsersatzgesetz [EOV] vom 24. November 2004). De n Erwerbstätigen gleichgestellt sind Arbeitslose (lit. a), Personen, die glaubhaft ma chen, dass sie eine Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätten, wenn sie nicht eingerückt wären (lit. b) und Personen, die unmittelbar vor dem Einrücken ihre Ausbildung abgeschlo ssen haben oder diese während des Dienstes beendet haben (lit. c; Art. 1 Abs. 2 EOV). Pe rsonen, die keine der Voraussetzungen nach Art. 1 EOV erfüllen, gelten als Nichterwerbstätige (Art. 2 EOV). 3.4 Die Entschädigung für Arbeitnehmende wird auf Gr und des letzten vor dem Einrücken erzielten und auf den Tag umgerechneten massgebenden L ohns berechnet. Für die Umrech- nung werden Tage nicht berücksichtigt, an denen eine P erson kein oder nur ein vermindertes Erwerbseinkommen erzielt hat u.a. wegen Arbeitslosigkeit oder anderer Gründe, die nicht auf ihr Verschulden zurückzuführen sind (Art. 4 Abs. 1 EOV). F ür Personen, die glaubhaft machen, dass sie während des Dienstes eine unselbstständige Erwer bstätigkeit von längerer Dauer auf- genommen hätten oder einen wesentlich höheren Lohn al s vor dem Einrücken erzielt hätten, wird die Entschädigung auf Grund des Lohnes berechnet, der ihnen entgangen ist (Art. 4 Abs. 2 erster Satz EOV). Haben sie unmittelbar vor dem Einrü cken ihre Ausbildung abgeschlossen oder hätten sie diese während des Dienstes beendet, so wird die Entschädigung auf Grund des ortsüblichen Anfangslohns im betreffenden Beruf berechn et (Art. 4 Abs. 2 zweiter Satz EOV). Für Erwerbstätige, die kein regelmässiges Einkommen haben , wird für die Ermittlung des vor- dienstlichen Durchschnittseinkommens auf das während der drei letzten Monate vor Dienstbe- ginn erzielte und auf den Tag umgerechnete Erwerbseinkommen abgestellt. Ist auf diese Weise die Ermittlung eines angemessenen Durchschnittseinkommens nicht möglich, so wird das Ein- kommen einer längeren Zeitspanne berücksichtigt (Art. 6 Abs. 1 und 2 EOV). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die Beschwerdegegnerin stellt sich im angefochtenen Einspracheentscheid auf den Standpunkt, dass der Beschwerdeführer als Erwerbstätiger g elte. Die Entschädigung werde daher aufgrund des letzten vor dem Einrücken erzielten und auf den Tag umgerechneten mass- gebenden Lohnes berechnet. Für die Umrechnung würden Tage, an denen eine Person kein oder nur ein vermindertes Erwerbseinkommen – unter a nderem auch aufgrund des Dienstes – erzielt habe, nicht berücksichtigt. Der Versicherte habe unmittelbar vor dem nunmehrigen Dienst ein Erwerbseinkommen von Fr. 2‘881.60 erzielt, welches für die EO-Berechnung mass- gebend sei und zu der in der angefochtenen Verfügung f estgesetzten Entschädigung von Fr. 62.-- führe. Eine andere Berechnung sei nicht möglich. 4.2 Der Beschwerdeführer führt in der Beschwerde aus, d ass Art. 6 EOV vorschreibe, dass bei Personen ohne regelmässiges Einkommen auf das auf de n Tag umgerechnete Einkommen der letzten drei Monate vor Dienstbeginn abgestellt we rde. Wenn auf diese Weise die Ermitt- lung eines angemessenen Durchschnittseinkommens nicht mögli ch sei, werde das Einkommen einer längeren Zeitspanne berücksichtigt. Es sei ihm auf grund der beiden längeren Zivildienste nicht möglich gewesen, eine feste Anstellung zu finden. Die Höhe des vordienstlichen Einkom- mens habe daher beträchtlich geschwankt. Zudem habe er zwischen den beiden längeren Zivil- diensten eine Pause von lediglich zwei Monaten zu überb rücken gehabt. Für den Dienst ab dem 29. Februar 2016 nur auf das Einkommen der beide n vorherigen Monate abzustellen, ver- kenne diese Situation völlig. Ausserdem sage Art. 6 Abs. 1 EOV, mangels regelmässigen Ein- kommens sei auf die letzten drei Monate vor Dienstbegi nn abzustellen. Die Beschwerdegegne- rin habe diese Frist einfach auf zwei Monate gekürzt. Dabei habe sie Art. 6 Abs. 2 EOV miss- achtet, der festhalte, dass eine längere Zeitspanne zu berücksichtigen sei, wenn aufgrund der letzten drei Monate vor Dienstbeginn kein angemessenes D urchschnittseinkommen ermittelt werden könne. Im Weiteren würden die Rz. 5037 ff. der Wegleitung zur Erwerbsersatzordnung für Dienstleistende und Mutterschaft (WEO) in Fällen w ie dem vorliegenden eine andere Be- rechnung vorsehen. Insbesondere Rz. 5041 WEO halte fest , dass die Entschädigung für Per- sonen, die glaubhaft machen würden, dass sie während de r Zeit des Dienstes eine unselbstän- dige Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätten oder der Verdienst mindestens um 25 % gestiegen wäre, sich nach dem Lohn bemesse, de n sie verdient hätten. Es sei völlig klar, dass er als ausgelernter Metallbaukonstrukteur eine n Monatslohn von Fr. 4‘500.-- bis Fr. 5‘500.-- erzielen könnte. Es sei aber auch klar, d ass dies nicht möglich sei, wenn er auf- grund längerer Zivildienste und nur mit einer zweimona tigen Pause dazwischen keine feste An- stellung finde. Die Beschwerdegegnerin habe diesen Aspe kt in keiner Art und Weise berück- sichtigt. 4.3 In der Vernehmlassung legt die Beschwerdegegnerin ihre Berechnungen dar. Sie ging dabei davon aus, dass der Beschwerdeführer während des gut zweimonatigen Unterbruchs zwischen dem ersten Teil des Zivildienstes, Ende am 18. De zember 2015, und dem zweiten Teil des Zivildienstes, Beginn am 29. Februar 2016, wäh rend 11 Tagen gearbeitet und dabei einen Lohn von brutto Fr. 2‘881.60 erzielt habe. Umg erechnet auf die in dieser Periode gelten- den 43 Arbeitstage ergebe sich ein Durchschnittslohn von Fr. 67.-- pro Tag. Auch wenn die Ar- beitstage einer längeren, maximal zwölfmonatigen Perio de berücksichtigt würden, ergäbe sich kein höheres Durchschnittseinkommen. Daher stehe dem Beschw erdeführer auf jeden Fall für Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Periode ab dem 29. Februar 2016 lediglich das min imale Taggeld von Fr. 62.-- zu. Die von ihm postulierte anderweitige Berechnungsmethode sei nicht möglich und entspreche weder den Gesetzesbestimmungen noch den einschlägigen Weisungen d es BSV oder der Rechtspre- chung des Bundesgerichts. 5.1 Der Beschwerdeführer schloss am 19. August 2014 seine Lehre als Metallbaukonstruk- teur ab. Danach arbeitete er bei seinem ehemaligen L ehrmeister vom 20. August bis 24. Okto- ber 2014 und erzielte im September 2014 ein Einkommen vom Fr. 4‘500.-- und im Oktober 2014 von Fr. 5‘608.15. Danach trat er in die Rekrute nschule ein. Die Beschwerdegegnerin er- rechnete ein durchschnittliches vordienstliches Tageseinkomme n von Fr. 150.-- und legte kor- rekterweise einen Tagesansatz Fr. 62.-- fest, da den versicherten Personen gemäss Art. 9 Abs. 3 EOG für die ersten 140 Tage der Dienstpflicht nur di e Grundentschädigung zusteht. Am 18. November 2014 brach der Beschwerdeführer die Rekrutenschule ab. Im Dezember 2014 arbei- tete er erneut in seinem ehemaligen Lehrbetrieb und erzielte ein Einkommen von Fr. 5‘311.25. Vom 24. März bis 23. April 2015 arbeitete er während 14 Tagen für die Firma B.____ und erziel- te dabei ein Einkommen von Fr. 4‘390.--. Im Juni 2015 arbeitete er während vier Tagen für die Firma C.____ und verdiente Fr. 1‘008.--. Vom 29. Jun i bis 18. Dezember 2015 absolvierte er den ersten Teil des Zivildienstes. Die Beschwerdegegneri n ermittelte ab dem 141. Tag der Dienstzeit ein durchschnittliches Tageseinkommen von Fr. 16 3.-- und richtete ihm ein Taggeld von Fr. 130.40 aus. Nach Abschluss des ersten Teils des Zivil dienstes arbeitete der Beschwer- deführer im Januar und Februar 2016 erneut während 1 1 Tagen für die Firma C.____ und er- zielte ein Einkommen von Fr. 2‘881.60. Am 29. Februa r 2016 trat er den zweiten Teil des Zivil- dienstes an. Für diese Zeitspanne berechnete die Besch werdegegnerin gestützt auf die voran- gehende Tätigkeit bei der Firma C.____ und den für d iese Periode geltenden Arbeitstagen von 43 ein durchschnittliches Tageseinkommen von Fr. 67.-- (Fr. 2‘881.60 : 43 Tage). 5.2 Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass der Be schwerdeführer im Sinne von Art. 1 Abs. 1 EOV als erwerbstätige Person gilt, denn er war in den dem Dienst vorangegange- nen 12 Monaten mehr als vier Wochen erwerbstätig. 5.3 Gemäss Art. 10 Abs. 1 EOG beträgt die tägliche Gru ndentschädigung ab dem 141. Tag des Dienstes 80 % des durchschnittlichen vordienstliche n Einkommens. Der Beschwerde- führer gilt nicht als Arbeitnehmer mit regelmässigem Einkommen gemäss Art. 5 EOV, da er we- der in einem unbefristeten noch in einem mindestens für ein Jahr eingegangenen Arbeitsver- hältnis steht. Wie in Erwägung 3.4 hiervor dargelegt, wird bei Personen, die kein regelmässiges Einkommen erzielen, für die Ermittlung des vordienstliche n Durchschnitteinkommens auf das während der drei letzten Monate vor Dienstbeginn erzie lte und auf den Tag umgerechnete Er- werbseinkommen abgestellt. Ist auf diese Weise die Ermit tlung eines angemessenen Durch- schnittseinkommens nicht möglich, so wird das Einkommen einer längeren Zeitspanne – höchs- tens jedoch 12 Monate – berücksichtigt (Art. 6 Abs. 2 EO V; Rz. 5032 WEO in der ab 1. Januar 2016 gültigen Fassung). Die Periode muss so gewählt we rden, dass die Ermittlung eines den Verhältnissen angemessenen Durchschnittslohnes ermöglicht wird (Rz. 5033 WEO). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Die Beschwerdegegnerin stellt für ihre Berechnunge n des vordienstlichen Durch- schnittseinkommens auf eine Zeitperiode von lediglich 45 möglichen Arbeitstagen zwischen der Beendigung des ersten Teils und dem Beginn des zweiten T eils des Zivildienstes ab. Damit verkürzt sie die in Art. 6 Abs. 1 EOV vorgesehene Zeitda uer ohne sachlichen Grund, was nicht rechtmässig ist. Das von der Beschwerdegegnerin ermittelte Einkommen von Fr. 67.-- erscheint zudem insbesondere im Lichte des Umstands, dass die Besch werdegegnerin bis zu diesem Zeitpunkt vordienstliche Durchschnittseinkommen von Fr. 1 50.-- und von Fr. 163.-- ermittelte, als äusserst zufällig und nicht repräsentativ. Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass es der Ge- setzgeber den versicherten Personen freistellt, die Zivildi enstpflicht am Stück zu absolvieren oder gestaffelt zu leisten, weshalb der Beschwerdeführer in Bezug auf seine Entschädigung grundsätzlich keine wesentliche Benachteiligung erfahren darf, nur weil er seine Dienstzeit nicht an einem Stück absolviert. Es kann damit nicht auf die Be rechnungen der Beschwerdegegnerin abgestellt werden. 5.5 Eine Berechnung gestützt auf Art. 4 Abs. 2 EOV, wi e vom Beschwerdeführer bean- tragt, ist aber ebenfalls abzulehnen. Vorliegend beend ete der Beschwerdeführer nicht unmittel- bar vor dem Einrücken seine Lehre, sondern arbeitete bereits in seinem erlernten Beruf und erzielte ein entsprechendes Einkommen. Aus diesem Grund bleibt kein Platz für eine hypotheti- sche Berechnungsmethode, wie sie in Art. 4 Abs. 2 Satz 2 EOV vorgesehen ist („ortsüblicher Anfangslohn im betreffenden Beruf“). Stattdessen ist a uf das konkret erzielte Einkommen des Beschwerdeführers vor Beginn der Rekrutenschule abzustellen. 6. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der angefochtene Ei nspracheentscheid der Be- schwerdegegnerin vom 1. September 2016 aufzuheben und die dagegen erhobene Beschwer- de gutzuheissen ist. Die Angelegenheit ist an die Besch werdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die Erwerbsersatzentschädigung ab dem 29. Februar 2 016 neu berechnet gestützt auf den Lohn, den der Beschwerdeführer vor dem Einrücken in die Rekrutenschule verdiente. Im An- schluss daran hat sie eine neue Verfügung zu erlassen. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Darunter sind die Kosten zu versteh en, die einer Beschwerde führen- den versicherten Person im gerichtlichen Verfahren für d en Beizug einer Rechtsanwältin bzw. eines Rechtsanwaltes entstanden sind. Vorliegend hat der Beschwerdeführer zwar obsiegt, da er sich jedoch nicht anwaltlich hat vertreten lassen, en tfällt ein Anspruch auf Ersatz der Partei- kosten im Sinne der genannten Bestimmung. Die ausserorde ntlichen Kosten des Verfahrens können demnach wettgeschlagen werden. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde i n öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid vom 1. September 2016 aufgehobe n und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erw ägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegne rin zu- rückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdegegnerin am 23. Juni 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_465/2017 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht