Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Januar 2021 (720 20 257 / 18) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Neuanmeldung nach Aufhebung des Rentenanspruchs. Ablehnung des Leistungsan- spruches infolge fehlender wesentlicher Verschlechterung des Gesundheitszustands. Bei Vorliegen eines neurologischen und psychiatrischen Gutachtens erübrigt sich ein neuropsychologisches Gutachten, sofern keine kognitiven Limitierungen vorhanden sind. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin i.V. Jeannine Gass Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Elisabeth Maier, Advoka- tin, Hauptstrasse 104, Postfach, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.a Der 1964 geborene A.____ meldete sich erstmals am 1 2. Dezember 2000 zum Leis- tungsbezug bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung ( IV) an. Die IV-Stelle Basel-Land- schaft (IV-Stelle) klärte den rechtserheblichen Sachverhalt ab und sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 22. Januar 2003 eine halbe Rente mit Wi rkung ab 1. November 2000 zu. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht, Abt eilung Sozialversicherung (Kan- tonsgericht), mit Urteil vom 24. März 2004 gut und wies die Angelegenheit zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts und zur Neuverfügung an d ie IV-Stelle zurück. Diese liess A.____ in der Folge durch die Ärztliche Begutachtungsin stitut GmbH (ABI) untersuchen. Unter Berücksichtigung dieser Untersuchungsergebnisse sprach di e IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 1. September 2005 bei einem Invalidität sgrad von 63 % ab dem 1. November 2000 eine halbe und ab dem 1. Januar 2004 eine Dreiviertelsrente zu. A.b Gestützt auf die Schlussbestimmungen der am 18. Mä rz 2011 beschlossenen Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 (6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket [SchlB IVG]) leitete die IV-Stelle am 29. März 2012 eine Revision des Rentenanspruchs von Amtes wegen ein. Dabei klärte sie den erwerblichen und medizinischen Sachverhalt ab und verfügte am 2. Januar 2014 bei ein em rentenausschliessenden Invaliditäts- grad vom 30 % die Aufhebung der Dreiviertelsrente per 1. März 2014. Gleichzeitig sprach sie dem Versicherten Massnahmen zur Wiedereingliederung im Sinne von Art. 8a IVG in Form eines Belastbarkeitstrainings und – begrenzt auf maximal zwei Ja hre – eine Dreiviertelsrente für die Dauer der Wiedereingliederungsmassnahmen zu. Nachdem die beruflichen Massnahmen schei- terten, wurde die Invalidenrente – nach durchgeführte m Vorbescheidverfahren – mit Verfügung vom 13. März 2015 aufgehoben. A.c Am 28. Januar 2016 meldete sich der Versicherte er neut bei der IV-Stelle zum Leis- tungsbezug an. Im Rahmen der Abklärung des medizinischen Sachverhalts holte die IV-Stelle bei Dr. med. B.____, FMH Neurologie, und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein bidisziplinäres Gutachten ein, welches am 28. März 2017 erging. Mit Verfügung vom 13. De- zember 2017 lehnte sie den Anspruch auf eine Rente bei einem rentenausschliessenden Invali- ditätsgrad von 32 % ab. A.d Die dagegen durch den Versicherten, vertreten durch Advokatin Elisabeth Maier, am 31. Januar 2018 erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht m it Urteil vom 25. Oktober 2018 (KGSV 720 18 38) dahingehend gut, als es die angefochtene Verfügung vom 13. Dezember 2017 aufhob und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückwies. Diese holte in der Folge ein Verlaufs- gutachten bei den Dres. B.____und C.____ ein, welches am 7. April 2019 erstattet wurde. Ge- stützt auf die Ergebnisse dieser ergänzenden Abklärung lehnte die IV-Stelle den Rentenanspruch des Beschwerdeführers infolge eines rentenausschliessenden Invaliditätsgrads von 38 % bzw. von 29 % ab 1. April 2019 mit Verfügung vom 8. Juni 2020 erneut ab. B. Dagegen erhob der Versicherte, weiterhin vertreten durch Advokatin Elisabeth Maier, am 3. Juli 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht und bea ntragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventualiter sei zur Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiteren Abklärung des Sachverhalts ein Gerichtsgutachten anzuordnen; unter o/e-Kostenfolge. Zudem beantragte er, es sei ihm die unentgeltliche Pr ozessführung und die unentgeltliche Ver- beiständung zu bewilligen. Zur Begründung brachte er i m Wesentlichen vor, die Verfügung der IV-Stelle würde sich auf unzureichende medizinische Berich te stützen. Für das Valideneinkom- men sei zudem auf einen Wert von Fr. 70'493.- abzustel len, angepasst an die seitherige Nomi- nallohnentwicklung. C. Mit Vernehmlassung vom 17. Juli 2020 schloss die IV- Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Sie begründete ihren Antrag im Wesentlichen damit, dass sich das neurologische und psychiatrische Gutachten als beweiskräftig erweise und ein R entenanspruch demzufolge zu Recht abgelehnt worden sei. D. Mit Verfügung vom 20. August 2020 bewilligte das Kantonsgericht dem Beschwerdefüh- rer für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Ver- beiständung mit Advokatin Elisabeth Maier als Rechtsvertreterin. E. Mit Replik vom 17. September 2020 hielt der Beschw erdeführer an sämtlichen Rechtsbe- gehren und Ausführungen aus der Beschwerde vollumfängl ich fest. Zudem machte er geltend, dass in Bezug auf sein Leistungsgesuch vom 28. Januar 2016 nicht von einer Neuanmeldung, sondern von einer Meldung einer Gesundheitsverschlechterung auszugehen sei. Sodann reichte er zu den bisher eingereichten Unterlagen ein Mini-ICF-App vom 9. Juli 2020 und eine neue Be- urteilung im Rahmen eines neurologischen Konsiliums vom 13. August 2020 ein. F. Mit Duplik vom 25. September 2020 hielt die IV-Ste lle am Abweisungsantrag fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG können Verfügunge n der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vor- liegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, so dass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bej ahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 3. Juli 2020 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle den Rentenanspruch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 8. Juni 2020 zu Recht abgelehnt hat. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 8. Juni 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Anspruch auf eine IV-Rente haben gemäss Art. 28 Ab s. 1 IVG Versicherte, die ihre Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), die wäh- rend eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfä- hig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich- tigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem n ur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 3.4. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 % auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Vierte lsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.1 Gemäss Art. 17 ATSG sind laufende IV-Renten für di e Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in ein er für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhält- nissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Ä nderung des Gesundheitszustandes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerbli- chen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundhei tszustandes erheblich verändert haben (vgl. BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine abweichende medizinische oder rechtli- che Einschätzung von im Wesentlichen unveränderten tatsä chlichen Verhältnissen alleine führt Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht zu einer materiellen Revision. Bloss auf einer anderen Wertung beruhende, revisionsrecht- lich unerhebliche Differenzen sind von revisionsbegründ enden tatsächlichen Veränderungen deshalb abzugrenzen. Eine ärztliche Schlussfolgerung, d ie von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschied- liche Ausübung des medizinischen Ermessens (vgl. dazu BGE 1 37 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzu- führen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 20 11, 9C_418/210, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab- klärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen de s Gesundheitszustandes) beruht (vgl. BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). 4.2 Bei der am 1. Februar 2016 erfolgen Anmeldung zu m Leistungsbezug handelt es sich zwar nicht um eine Rentenrevision nach Art. 17 ATSG, so ndern um eine Neuanmeldung, nach- dem die IV-Stelle den Rentenanspruch des Versicherten mi t Verfügung vom 2. Januar 2014 rechtskräftig abgelehnt hatte. Soweit der Beschwerdeführer in seiner Replik vom 17. September 2020 geltend macht, er habe sich nicht neu angemelde t, sondern eine Verschlechterung des Gesundheitszustands gemeldet, kann ihm demnach nicht gefo lgt werden. Die Neuanmeldung zielt auf eine erneute Prüfung des Leistungsanspruchs aufgrund veränderter Verhältnisse ab (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961 in Verbin- dung mit Art. 87 Abs. 2 IVV; zur Prüfung der Eintretensfrage vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3a; 109 V 114 E. 2b; 109 V 264 f. E. 3; für die materiellen Voraussetzungen: BGE 130 V 64). Die Ge- meinsamkeiten sowohl bei einer Rentenrevision als auch bei einer Neuanmeldung legen es des- halb nahe, die entscheidende Frage nach einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditäts- grads nach denselben Grundsätzen zu prüfen. Diesem Zweck kann nur wirksam Rechnung ge- tragen werden, wenn sich die versicherte Person das Ergebnis der letztmaligen materiellen Über- prüfung des Rentenanspruchs – mit rechtsgenüglicher Abkläru ng des Gesundheitszustands und gesetzeskonformer Ermittlung des Invaliditätsgrads – auch im Rahmen eines erneuten Leistungs- gesuchs entgegenhalten lassen muss, wobei der relevante V ergleichszeitraum hinsichtlich der materiellen Anspruchsprüfung im Neuanmeldungsverfahren analog zu einer Rentenrevision nach Art. 17 ATSG zu bestimmen ist (vgl. BGE 133 V 108 E. 5.2). Mit Blick auf die angefochtene Verfügung vom 8. Juni 2020 stellt sich vorliegend deshalb die Frage, ob diese Grundsätze auch im vorliegenden Fall eingehalten worden sind. 4.3 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invalidi tätsgrads verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 die- ser Bestimmung erfüllt sind. Demnach hat die Verwaltun g auf ein Revisionsgesuch oder eine Neuanmeldung nach rechtskräftiger Verneinung eines Rent enanspruchs nur einzutreten, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Gra d der Invalidität in einer für den An- spruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 I VV). Erheblich ist eine Sachverhaltsän- derung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente (oder deren Er- höhung) sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht (SVR 2014 IV Nr. 33 E. 2). Nach Eingang einer Neuan meldung ist die IV-Stelle zunächst ver- pflichtet zu prüfen, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Ver- waltung auf ein Revisionsgesuch oder eine Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eing etreten ist (SVR 2011 IV Nr. 2 E. 3.2; BGE 117 V 198 E. 4b). Stellt sie fest, dass der Invalidi tätsgrad seit Erlass der früheren rechts- kräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andern- falls hat sie zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegrün- dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (SVR 2008 IV Nr. 35 E. 2.1; BGE 117 V 198 E. 3a). 4.4 Eine einlässliche materielle Prüfung des Rentenansp ruchs mit einer vertieften Abklärung des medizinischen Sachverhalts erfolgte letztmals im Rahme n der im Juni 2012 eingeleiteten Leistungsüberprüfung, in deren Verlauf die IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und ein rheu matologisches Gutachten bei Dr. med. E.____, FMH für Rheumatologie und Innere Medizi n, die am 26. März 2013 bzw. 8. April 2013 erstattet wurden, eingeholt hat. Gestützt auf deren Ergebnisse eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 2. Januar 2014, dass die b isherige Rente aufgehoben würde, weil keine rentenbegründende Einschränkung der Arbeits fähigkeit mehr gegeben sei. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zu m Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 8. Juni 2020 eine erhebliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen einge- treten ist, die in Analogie zu Art. 17 ATSG eine Leist ungszusprache rechtfertigen würde, bildet demnach die Situation, wie sie im Zeitpunkt der Verfüg ung der IV-Stelle vom 2. Januar 2014 bestanden hatte. 5.1 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 231 E. 5.1). Das Gericht hat die me- dizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherung sprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies be- deutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismitt el, unabhängig, von wem sie stam- men, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zu- verlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ges tatten. Insbesondere darf es bei ei- nander widersprechenden medizinischen Berichten den Proz ess nicht erledigen, ohne das ge- samte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter- suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksicht igt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richt- linien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2 001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hin- weisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spe- zialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen so- wie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssi- gen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung voll e Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exp ertise sprechen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6. Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen di e vollständige Überprüfungs- befugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfügende I nstanz und im Beschwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURN -HERR /D ENISE BRÜHL - MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N 999). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. C RISTINA SCHIAVI , in: Basler Kommentar ATSG, Frésard-Fellay/Klett/Leuzi nger [Hrsg.], Basel 2020, Art. 43 N 11; BGE 144 V 427 E. 3.2). Die blosse Möglichkeit eines bestimm- ten Sachverhalts genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhalts- darstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglich en Geschehensabläufen als die wahr- scheinlichste würdigt (vgl. BGE 144 V 427 E. 3.2, 138 V 218 E. 6, 126 V 353 E. 5b). Ein Anspruch auf Leistungen besteht nur, wenn die Voraussetzungen dafür mit überwiegender Wahrscheinlich- keit erfüllt sind. 7. Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind im W esentlichen nachfolgende medizini- sche Unterlagen zu berücksichtigen: 7.1.1 Im Zusammenhang mit dem Erlass der Verfügung vom 2. Januar 2014 wurde der Be- schwerdeführer im Januar 2010 von der Academy of Swiss Insurance Medicine (asim; Dr. B.____, Dr. C.____ und Dr. med. F.____, FMH Innere Medizin) polydisziplinär begutachtet. Als relevante Diagnosen wurden eine rezidivierende, gegenwärtig leic htgradige, depressive Störung, eine anamnestisch anhaltend somatoforme Schmerzstörung, ein chronisch lumbovertebrales Schmerzsyndrom aktuell leicht ausgeprägt und ein leicht ausgeprägtes Cervicalsyndrom diag- nostiziert. In angepasster Tätigkeit sei eine 30%ige Beeinträchtigung der Arbeits- und Leistungs- fähigkeit als begründet zu erachten. 7.1.2 Die IV-Stelle holte sodann bei den Dres. D.____ und E.____ ein bidisziplinäres Gutachten ein. Dr. D.____ diagnostizierte im psychiatrischen Teilgutachten vom 26. März 2013 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive S törung, gegenwärtig leichte Episode. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine anhaltende somatoforme Schmerzstö- rung und zwanghafte Persönlichkeitszüge. Zum Zeitpunkt der Untersuchung hätten nur leichte Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht depressive Verstimmungen festgestellt werden können und d ie Stimmung sei herabgesetzt ge- wesen. Er hätte sich lebhaft mit der Dolmetscherin und dem Untersucher unterhalten sowie eine ausgeprägte Mimik und Gestik gezeigt. Zudem sei festgest ellt worden, dass der Versicherte zwanghafte Persönlichkeitszüge zeige. So verlange er von den Personen in seiner Umgebung, dass sie sich seinen Vorstellungen unterwerfen würden und keine Fehler machen dürften. Eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung habe aber nicht diagnost iziert werden können. Der Versi- cherte sei auch während Jahren in der Lage gewesen, an verschiedenen Arbeitsstellen zu arbei- ten, ohne dabei durch psychopathologische Symptome beeinträchtigt gewesen zu sein. Aus psy- chiatrischer Sicht liesse es sich nicht begründen, wieso er sich vollständig arbeitsunfähig fühle. Die ausgeprägte subjektive Krankheitsüberzeugung habe wesentliche krankheitsfremde Gründe. Insgesamt sei von einer Leistungseinschränkung von 20 % auszugehen. Dr. E.____ nannte im rheumatologischen Teilgutachten v om 8. April 2013 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein Ganzkörperschmerzsyndrom ohne organische Ursache, ein Panvertebralsyn- drom mit freier Beweglichkeit des ganzen Achsenorgans mit Angabe von ubiquitär bestehenden Schmerzen sowie eine radiomorphologisch mediane Diskushernie C3/4, eine paramediane Dis- kushernie C5/6, eine Protrusion C6/7 und altersentsprechende degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule (LWS). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit läge eine Nabelhernie vor. Bei der Untersuchung seien überall bestehende Schmerzen angegeben worden, d.h. zervikal, thora- kal, lumbal, an Armen und Beinen. Die Schmerzintensität betrage in Ruhe den Wert von 6-7 der Visuellen Analogskala (VAS). Der Versicherte habe beim Gang von der Wartezone ins Untersu- chungszimmer keine Beeinträchtigung gezeigt. Zudem sei di e Kopfbeweglichkeit normal gewe- sen. Beim Ausziehen sei er auch nicht beeinträchtigt gewesen und habe sich auch im Einbein- stand völlig problemlos an- und ausziehen können. Das Achsenorgan zeige einen leichten Rund- rücken. Die gesamte Wirbelsäule sei bei leichten Endpha senschmerzen aber frei beweglich ge- wesen und es hätte keinerlei muskuläre Verspannung bestanden. Insgesamt habe sich ein kräf- tiger muskulärer Habitus gezeigt. Zusammenfassend bestü nde somit ein Ganzkörper- schmerzsyndrom, für welches bisher keine organische Ursache gefunden worden sei. Es bestün- den keine übermässigen Arthrosen, keine Anhaltspunkte für ein entzündliches Krankheitsbild und keinerlei Schonungszeichen. Rein deskriptiv läge auch kein Zerviko- oder Lumbalvertebralsyn- drom vor, da gemäss Definition für diese Pathologien eine Einschränkung der Beweglichkeit und nicht nur die Angabe von Schmerzen gefunden werden müsse. Im Bereich der HWS würden sich diskrete altersentsprechende degenerative Veränderungen zeigen. Die beschriebenen Befunde einer Diskushernie C3/4 wie auch C5/6 seien äusserst diskret und würden nicht kompressiv wir- ken und eine radikuläre Reizsituation könne klinisch klar ausgeschlossen werden. Unübersehbar seien Zeichen einer psychogenen Schmerzfehlverarbeitung vorhanden, dafür spreche die lange Schmerzdauer, das Vorkommen von ubiquitären Schmerzen, das Fehlen einer Schmerzmodula- tion und das fehlende Ansprechen auf jegliche Therapie massnahmen. Zusammengefasst be- stehe aus rheumatologischer Sicht ein Ganzkörperschmerzsyndr om ohne organische Ursache. Aufgrund der degenerativen Veränderungen der HWS sei eine körperliche Schwerarbeit als un- günstig einzustufen. Jegliche körperliche leichte bis mittelschwere Tätigkeit, bei welcher der Ver- sicherte nicht dauernd mit inklinierter oder dauernd reklinierter HWS-Stellung arbeiten müsse, sei ihm vollumfänglich zumutbar. Für eine derartige Tätigkeit bestehe daher eine 100 %ige Arbeits- fähigkeit. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gemäss der Konsensbesprechung zwischen Dr. E.____ und Dr. D.____ vom 22. März 2013 sei bezogen auf die Tätigkeit als Hilfsmaler unter anderem auch aufgrund der zum Teil ungünstigen Körperhaltungen eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 20 % auf ein Ganztagspensum anzunehmen. 7.2.1 Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung vom 1. Fe bruar 2016 ist zunächst darauf hin- zuweisen, dass sich der Versicherte vom 10. Januar 2015 bis 26. Januar 2015 und vom 7. Okto- ber 2015 bis 5. November 2015 in stationärer Behandl ung in der Klinik G.____ befand. Im Aus- trittsbericht vom 17. Februar 2015 wurden eine rezidivi erende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradiger Episode, Zervikalneuralgie und Rückenschmerzen diagnostiziert. Der Versicherte habe niedergestimmt und besorgt sowie unterschwellig leicht aggressiv gewirkt. Der Antrieb sei zwar leicht vermindert gewesen, von Suizidalität habe er sich aber glaubhaft und deutlich distan- ziert. Im Rahmen der zweiten stationären Behandlung in der Klinik G.____ wurden die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig schwerer Episode ohne psychotische Symptome sowie sonstige spezifische Persönlichkeitsstörun gen erhoben (vgl. Austrittsbericht vom 2. Dezember 2015). Der Versicherte habe berichtet, dass er an Müdigkeit leide, keine Ner- ven für ein Gespräch habe und lieber ruhen wolle. Er habe sichtlich genervt gewirkt und hätte nicht verstanden, dass es wichtig sei zu wissen, was zur e rneuten Zuweisung geführt habe. Er habe angegeben, er nehme an Arbeitsintegrationsmassnahmen teil, wolle und könne aber nicht mehr dorthin gehen, da die Frauen dort – wie auch be i ihm Zuhause – zu viel reden würden. Dadurch würde er sich leicht aufregen. Er käme in die K linik, um sich zu schützen, alleine zu bleiben und ruhig zu werden. Insgesamt habe er niedergestimmt gewirkt und geäussert, dass er bereits seit 2003 an einer Depression leide. Zudem mache er sich finanzielle und familiäre Sorgen und habe Bedenken bezüglich seiner Impulskontrolle, in sbesondere gegenüber seiner Ehefrau. Er habe einen wachen und bewusstseinsklaren Eindruck gema cht und sei allseits orientiert ge- wesen. Psychomotorisch sei er verlangsamt gewesen und habe während der Aufnahme mit halb- geschlossenen Augen schlaff im Sessel gelehnt. Affektiv se i er motorisch, dysphorisch, genervt und verärgert gewesen bei reduzierter Modulationsfähi gkeit. Das formale Denken sei auf seine körperlichen Beschwerden und darauf, in Ruhe gelassen zu werden, fokussiert gewesen. An- haltspunkte für inhaltliche Denk-, Wahrnehmungs- oder Ich-Störungen sowie passive und wohl auch aktive Suizidgedanken seien nicht ersichtlich gewesen. Im Gespräch sei der Versicherte als bedürftig erlebt worden. Durch die stationäre Massnahme sei dennoch eine Stabilisierung erreicht worden. Die depressive Symptomatik sei zum Ende nur noch milde ausgeprägt gewesen. 7.2.2 Die IV-Stelle holte sodann bei den Dres. B.____ und C.____ ein neurologisches und psy- chiatrisches Gutachten ein, welches am 28. März 2017 fertiggestellt wurde. Dr. B.____ diagnos- tizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Zustand nach Diskektomie C5/6 und Cage- Implantation am 13. Juni 2016 bei Diskushernie C5/6 un d C6-Radikulopathie rechts mit heute noch leicht bis höchstens mässig ausgeprägtem rechtsbetontem Cervicalsyndrom, ohne Hin- weise auf eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik, mit leicht ausgeprägtem Lumboverteb- ralsyndrom. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden im Gutachten eine Symptomaus- weitung sowie eine Verdeutlichungstendenz bei organisc h nicht zuordenbaren Befunden sowie Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine klinisch leicht ausgeprägte Polyneuropathie aufgef ührt. Die erhobenen Untersuchungser- gebnisse seien in etwa vergleichbar mit jenen von Dr. E.____ im Rahmen seines rheumatologi- schen Gutachtens vom 8. April 2013 sowie jenen des polydisziplinären Gutachtens der asim aus dem Jahr 2010 und seien als leicht bis höchstens mässig zu qualifizieren. Bei der Abklärung habe der Versicherte über seine Beschwerden und deren Verlauf geordnet berichtet und betont, dass seine körperlichen Beschwerden für ihn im Hintergrund stünden. Die psychischen Probleme wür- den ihn wesentlich in Form einer Lustlosigkeit, eines verm inderten Antriebes und Mühe, sich zu Tätigkeiten aufzuraffen, beeinträchtigen. Er sei auch der Ansicht, nicht arbeitsfähig zu sein. Kör- perlich habe er Schmerzen im Bereich des Genicks und der LWS. Zudem habe er eine Gefühllo- sigkeit im Bereich des linken Arms beklagt. Infolge der neurologischen Begutachtung sei seit der Vorbegutachtung durch Dr. E.____ in angepassten Tätigkeiten weiterhin von einer 100%igen Ar- beitsfähigkeit auszugehen. Einzig in der Zeit von Früh ling 2016 bis über den operativen Eingriff vom 13. Juni 2016 hinausgehend (ca. 1. Oktober 2016) s ei der Beschwerdeführer zu 100% in einer mittelstark belastenden Tätigkeit und zu 50 % in einer leicht belastenden Tätigkeit in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen. Im psychiatrischen Gutachten diagnostizierte Dr. C.____ mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig- keit rezidivierende depressive Episoden, zurzeit leichten G rads, und eine anhaltende somato- forme Schmerzstörung. Der Versicherte sei bei der Untersu chung allseits orientiert gewesen, ohne mnestischen Probleme. Sein Denken sei formal una uffällig, kohärent, ohne Gedankenab- reissen oder Gedankendrängen. Die Kooperation sei schwerfällig verlaufen und er habe den Ein- druck hinterlassen, jegliche Anstrengung vermeiden zu wollen. Seine Angaben seien stets ober- flächlich, wenig ausführlich, vage und unpräzise gewesen. Die Untersuchung habe ergeben, dass auch in Bezug auf die Aktenlage die depressive Episode des Versicherten ausgesprochen schwankend verlaufe. Im Vergleich zur Begutachtung bei de r asim im Jahre 2010 und jener bei Dr. D.____ im Jahre 2013 lägen vergleichbare Befunde u nd Beschwerden vor, weshalb weder eine Verbesserung noch eine Verschlechterung anzunehmen sei. Die beklagten Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme hätten sich während der Unt ersuchung nicht abgebildet. Sui- zidgedanken und ausgeprägte Schlafstörungen lägen keine vor. Insgesamt sei die Symptomatik des Versicherten aufgrund der erhobenen Befunde als leicht ausgeprägt einzustufen. Zudem sei eine somatoforme Schmerzstörung zu diagnostizieren, da die Schmerzen des Versicherten nicht mit körperlichen Befunden allein zu erklären seien und im Zusammenhang mit einer gleichzeiti- gen affektiven Störung stehen würden. Hinsichtlich der rezidivierend depressiven Störung und der anhaltenden somatoformen Schmerzen seien keine Diver genzen zu anderen Gutachten er- sichtlich. Aus psychiatrischer Sicht läge beim Versicherten eine rezidivierend depressive Episode, derzeit leichten Grads, vor, begleitet durch eine anhalt ende somatoforme Schmerzstörung. Ge- mittelt müsste von einer 30%igen Beeinträchtigung der A rbeits- und Leistungsfähigkeit ausge- gangen werden. Im Rahmen der im Gutachten vom 28. März 2017 aufgeführten Konsensbespre- chung zwischen Dr. B.____ und Dr. C.____ wurde die psych iatrische Einschätzung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit als massgebend erachtet. 7.2.3 Dr. med. H.____, FMH Orthopädische Chirurgie un d Traumatologie des Bewegungsap- parats, Universitätsspital Basel, erhob am 29. Juni 2017 im Rahmen der klinisch-radiologischen Einjahreskontrolle die Diagnosen eines Status nach anteriorer zervikaler Diskektomie und Fusion Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht C5/6 rechts mit einem PINA-Cage am 13. Juni 2016, ein vorbekanntes chronisches pseudoradi- kuläres Zervikobrachial-Syndrom, ein chronisches Lumbalsyn drom und eine bekannte Depres- sion. Der Versicherte habe von den Operationen in punkto Verbesserung der C6-Radikulopathie klar profitiert. Unverändert und limitierend – insbeso ndere was die allgemeine Arbeitsfähigkeit anbelange – sei die depressive Störung und die vorbeka nnte chronische Schmerzstörung. Im Bericht vom 26. September 2017 wurden die aufgeführt en Beschwerden durch eine subjektive Kraftlosigkeit, Nackenbeschwerden sowie die depressive Stör ung, die sich gegenseitig verstär- ken würden, ergänzt. Aufgrund der Untersuchung sei sicher, dass der Versicherte für eine regu- läre körperliche Tätigkeit schon aus psychiatrischer Sicht n icht vollumfänglich arbeitsfähig sei. Was die spinale Problematik anbelange sei er allenfall s für leichte und angepasste körperliche Tätigkeiten arbeitsfähig, wobei auf lange statische B elastungen, also auch auf langes Sitzen, verzichtet werden sollte. 7.2.4 Dr. med. I.____, FMH Neurologie, erhob in sei nem undatierten Gutachten aufgrund eines neurologischen Konsiliums und Nachkontrollen vom 19. Jan uar 2018 bis 16. Februar 2018 die Diagnose einer zentralen Fazialisparese links, ischämisch-be dingt von älterem Charakter, mit punktförmigen subkortikalen T2-Flair-Hyperintensitäten i m Gyrus frontalis superior links, am Übergang von der Basis zum Tementum pontis links sowie punktförmige Signalanhebung in der Region des N. fazialis-Kerngebietes, ohne Kontrastmitt elanreicherung oder Diffusionsstörung (gemäss MRT vom 26. Januar 2018), anhand kognitiver S creeningtests vom 16. Februar 2018 eine kognitive Dysfunktion, DD vaskulär, neurodegenerativ, beidseitig multisegmentale Radikulo- pathie zervikal und lumbosakral mit neurogenen Veränderungen entsprechend einem rechtssei- tigem S1-Myotom, linksseitigem L4/L5/S1-Myotom, wobei akute Denervationszeichen in L5 links- seitig nachweisbar seien. Ebenso lägen zervikale neurogen e Veränderungen von älterem Cha- rakter, entsprechend einem C7-Myotom rechts, sowie ein Status nach Operation bei C6-Radi- kulopathie rechts im Juni 2016 vor. Zudem sei ein klini scher Verdacht auf ein Obstruktives Schlafapnoe Syndrom (OSAS) mit exzessiver Tagesmüdigkeit s owie Schnarchen festgestellt worden. Weiter wurde ein mehrjähriges Schmerzsyndrom s owie eine rezidivierende depressive Episode mit Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Bei der Untersuchung, welche auf Türkisch stattgefunden habe, sei eine Verlangsamung mit reduzie rtem Wortfluss beim Versicherten auf- gefallen. Da der Versicherte nicht sicher gewesen sei, weshalb er zu Dr. I.____ überwiesen wor- den sei, sei ihm erklärt worden, dass sein Hausarzt, Dr . med. J.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, eine Asymmetrie im Gesicht festgestellt und ihn deswegen für weitere Abklärungen zu- gewiesen habe. Die durchgeführte Hirnnerven-Untersuch ung sei mit Ausnahme einer partiellen zentralen Fazialisparese links unauffällig. Es sei ein post uraler Tremor bei Armvorhalteversuch ohne Pronation oder Senkung der Arme feststellbar. De r Finger-Nasen- und Knie-Hacken-Ver- such sei ebenfalls unauffällig mit Ausnahme von gewissen S chwierigkeiten mit dem linken Bein (radikulärer Schmerz, benötigte mehr Zeit für die Ausführung). Die klinisch-neurologische Unter- suchung weise ebenfalls eine zentrale partielle Fazialisparese linksseitig auf, mit einer Gangun- sicherheit vor allem beim Zehengang am linken Bein. Dort sei auch eine Schwäche bei der Kraft- untersuchung notiert worden. Klinisch bestünde eine rechtsseitige C7- sowie eine linksseitige L5- Symptomatologie. Aufgrund der zentralen Fazialisparese sei eine MRT des Neurokraniums durchgeführt worden, welche pathologisch ausgefallen se i. Zusammenfassend sei bei der Ver- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht änderung eher von einer zerebrovaskulären Läsion von älterem Datum auszugehen, was anam- nestisch gut stimmen würde. Des Weiteren sei eine kognitive Störung mit Problemen in der All- tagsbewältigung in den letzten zwei bis drei Jahren au fgetreten. Sämtliche Screeningtests wür- den pathologische Resultate aufzeigen und ergäben somi t den Verdacht auf eine dementielle Entwicklung. Differentialdiagnostisch könnte entweder ein neurodegenerativer Zustand oder va- skulär bedingte Veränderungen oder eine Kombination von beiden von ätiologischer Bedeutung sein. Eine depressive pseudodementielle Entwicklung sei un wahrscheinlich, da die Screening- Untersuchung dagegensprechen würde. Aufgrund der Gan gunsicherheit sowie der radikulären schmerzhaften Parästhesien im linken Bein sei eine Elektr oneurographie (ENG)/Elektromyographie (EMG)-Untersuchung durchgeführ t worden, welche multisegmentale Radikulopathien aufweise, entsprechend einem S1-Myotom rechts und einem L4-S1-Myotom links, wobei akute Denervationszeichen entsprechend einem L5-Myotom nachweisbar seien. Hin- gegen zeige die MRT-Untersuchung der LWS keine Diskushern ie oder Zeichen einer neuralen Kompromittierung. Eine zentral-neurogene Ursache der Gangunsicherheit könne bei den oben beschriebenen MRT-Befunden im Hirnstamm nicht ausgesch lossen werden. Eine am 17. April 2018 durchgeführte EEG-Untersuchung habe keine elektrographischen Hinweise auf einen neu- rodegenerativen Zustand ausgewiesen. 7.2.5 Nachdem das Kantonsgericht die Angelegenheit in Gutheissung der Beschwerde vom 31. Januar 2018 an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung zurückgewiesen hatte, wurde ein Verlaufs- gutachten bei den Dres. B.____ und C.____ in Auftrag gegeben, welches am 7. April 2019 fertig- gestellt wurde. Im neurologischen Gutachtensteil diagno stizierte Dr. B.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Zustand nach Diskektomie C5/ 6 und Cage-Implantation am 13. Juni 2016 bei Diskushernie C5/6 und C6 Radikulopathie r echts mit heute noch leicht bis höchs- tens mässig ausgeprägtem rechtsbetontem Cervicalsyndrom ohne aktuelle Hinweise auf eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsystematik und leicht bis mässig ausgeprägtem Lumbovertebralsyn- drom bei degenerativen Wirbelsäulenveränderungen. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähig- keit bestünden eine Symptomausweitung und eine Verdeut lichungstendenz bei organisch nicht zuordenbaren Befunden sowie eine Hemihypästhesie links mit scharfer Mittellinienbegrenzung. Ausgesprochen auffällig sei eine Fehlinnervation mit Giving-Way im Bereich der oberen wie un- teren Extremitäten. Ebenso sei die Beurteilung des Schw eregrads der Beeinträchtigung ausge- sprochen erschwert worden durch ein Untersuchungsverhalten mit jeweils ausgeprägter Verdeut- lichungstendenz bis hin zur Aggravation. Die verhaltensn eurologische Untersuchung sei daher als nicht valide einzustufen. Im Rahmen der neurologischen Begutachtung habe der Versicherte über Kraftlosigkeit in den Armen sowie starke Schmerzen im ganzen Rücken, in beiden Beinen (im linken Bein mit Gefühlsstörung) und im Genick geklag t, wobei derartige Schmerzen beglei- tende vegetative Phänomene wie ein vermehrtes Schwitzen oder Erblassen, ein Pulsanstieg oder eine motorische Unruhe nicht hätten beobachtet werden konnten. Der Finger-Boden-Abstand be- trage 25 cm. Im Gegensatz dazu fände sich ein Langsitz von 5 cm ohne Angabe von Schmerzen oder Abkippen des Beckens nach hinten. Es bestehe ein Pseudolasègue bei 45°, ebenfalls ohne Blockierung des Beckens. Beim Prüfen des Rombergs sei es zu e inem erheblichen Schwanken gekommen, wobei ein Sturz jeweils durch einen Ausfall schritt habe verhindert werden können. Der Gang sei stark unterschiedlich, einerseits teils hin kend, das linke Bein nachziehend, ande- rerseits unauffällig bei guten Mitbewegungen. Klinisch- neurologisch ergäben sich Hinweise auf Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein leicht bis maximal mässig ausgeprägtes Lumbovertebral syndrom, und ein leicht bis mässig ausgeprägtes Cercivalsyndrom. HWS-Provokationsmanöver f ür radikuläre Beschwerden seien negativ. Klinisch ergäben sich auch lumbal keine aktuell en Hinweise auf eine radikuläre Reizsymptomatik. Ein Hustenpressschmerz sei zu verneinen und der Lasègue sei negativ. Mög- licherweise sei es interkurierend, gemäss Bericht des be handelnden Neurologen Dr. I.____, zu einer zentralen Fazialis-Parese links gekommen. Dr. I.__ __ habe zudem eine multisegmentale Radikulopathie cervical und lumbosacral gemäss EEG vom 31. Januar 2018 im rechtsseitigen S1-Myotom, linksseitigem L4/L5/S1-Myotom mit Denervatio nszeichen L5 linksseitig sowie eine ältere neurogene Veränderung im C7-Myotom rechts erwäh nt. Inwiefern diese Veränderungen älteren oder neueren Charakters seien, sei unklar. Die Q uantifizierung der Ausfallsymptomatik wie auch einer allfälligen kognitiven Beeinträchtigu ng sei aber im Rahmen der Untersuchungs- schritte durch das Verhalten des Versicherten verunmöglicht worden. Wenn entsprechende Aus- fallerscheinungen bestehen würden, wie vom Versicherten demonstriert, wäre dieser weder steh- noch gehfähig, was aber offensichtlich nicht der Fall sei. Er könnte auch keine Gegenstände in seinen Händen halten. Die demonstrierten kognitiven D efizite seien derartig, dass – sollten sie tatsächlich vorliegen – eine selbstständige Lebensführu ng nicht mehr möglich sei, geschweige denn die Fähigkeit ein Motorfahrzeug zu führen. Unter Berücksichtigung dieser Elemente sei von einer aktuell möglichen intermittierenden Radikulopathie rechts sowie einem leicht bis höchstens mässig ausgeprägten rechtsbetonten Cervicalsyndrom auszugehen. Dasselbe gelte auch für das Lumbovertebralsyndrom, welches aktuell höchstens leicht bis maximal mässig imponiert sei. Ver- haltensneurologisch sei die Sprache gemäss dem bei der Untersuchung anwesenden Übersetzer unauffällig. Der Versicherte hätte keine Wortfindungsp robleme, sei aufmerksam und nicht ver- mehrt abgelenkt. Kognitive Defizite lägen aufgrund de r geschilderten Alltagsaktivitäten des Ex- ploranden (zwei bis dreimal die Woche spazieren und ta gsüber in ein Vereinslokal gehen, Be- schäftigung mit den sozialen Medien oder dem aktuellen F ernsehprogramm) allerhöchstens im Sinne einer leichten Beeinträchtigung vor. Insgesamt sei aktuell höchstens von einer leichten bis mässigen Beeinträchtigung des Versicherten auszugehen. In der ursprünglich ausgeübten Tätig- keit als Hilfsmaler bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähig keit, zumindest seit dem Zeitpunkt der Diskushernien-Operation. In einer angepassten Tätigkeit mit der Möglichkeit in wechselnd sitzen- der und stehender Körperhaltung ohne Kopfzwangshaltungen und ohne mehr als geringem Anteil an Überkopfarbeiten mit leichter bis höchstens zwischenzeitlich mässiger Belastung zu arbeiten, habe beim Versicherten mit Ausnahme einer kurzen Zeitphase nach der Diskushernien-Operation immer eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Dr. C.____ erhob im psychiatrischen Gutachtensteil kein e Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und nannte eine rezidivierende depre ssive Störung, gegenwärtig remittiert, und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Anlässlich d er psychiatrischen Begutachtung habe der Versicherte geschildert, er wolle nicht mehr leben, sei vergesslich, unkonzentriert und habe keine Hoffnungen mehr. Er fühle sich kraftlos und habe keine Interessen. Träume für die Zukunft und Lust, sich im Haushalt zu betätigen, habe er ebenfalls nicht; er habe sich auch von seinen Mitmenschen zurückgezogen. Zudem seien neue Krankhe iten, wie das erhöhte Choles- terin und ein Lungenproblem, dazugekommen. Ausserdem l eide er an einer Verstopfung einer Gehirnader. Die aufgetretene Gesichtslähmung sei mittlerweile mehrheitlich wieder zurückgegan- gen. Bezüglich seiner Depression habe er in etwa die gleichen Symptome wie seine Frau, welche Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufgrund ihrer chronischen Depressionen berentet sei. A uch bekomme er viele Medikamente, dennoch sei er reizbar und aggressiv und mache sich daher Sorgen, dass er jemanden beleidigen oder verletzen könnte. Auf Nachfrage habe der Versiche rte angegeben, dass sein Appetit ver- mindert sei, es allerdings aufgrund der Medikamente zu einer Gewichtszunahme gekommen sei. Seine Verdauung neige zur Verstopfung. Zudem habe er Angst, dass etwas in seinem Kopf nicht stimmen würde. Freude verspüre er nur noch, wenn er im Sommer im Meer schwimmen könne. In seiner Beurteilung hielt Dr. C.____ fest, dass keine Hinweise für eine Depression im Sinne von ICD-10 festzustellen sei. Aus objektiver Sicht fände sich keine durchgehend gedrückte Stimmung, sondern eine affektive Schwingungsfähigkeit. Es seien kein Interessensverlust und keine Freud- losigkeit, weder Konzentrations- noch Aufmerksamkeitsprobleme ersichtlich gewesen. So hätten sich im Gesicht des Versicherten weder Veraguth’sche Falten noch ein stumpfer getrübter Blick abgezeichnet. Bei der Untersuchung habe der Versicherte sehr aufmerksam zugehört, schnell reagiert, wenn etwas nicht korrekt gewesen sei, und de n Gutachter entsprechend korrigiert. Er habe darüber berichtet, was er gerne tue, habe keinen verminderten Antrieb gezeigt und hätte weder müde noch erschöpft gewirkt. Zwar habe er eine n egative pessimistische Zukunftsper- spektive betreffend seinen Wiedereintritt in den erste n Arbeitsmarkt, jedoch keine Suizidgedan- ken geäussert. Die berichtete Lebensunlust stehe im Widerspruch zur übrigen Affektivität. Schlaf- störungen bestünden keine gravierenden und es läge wede r ein Morgentief noch eine psycho- motorische Einengung vor. In angenehmer Umgebung (zum B eispiel im Sommer in der Türkei) fühle sich der Versicherte wohl. Die geltend gemachten Beschwerden seien mit keinem klaren Leidensdruck in Verbindung zu bringen. Zudem sei das von ihm angegebene Aktivitätsniveau mit seiner körperlichen Kraft und seiner Aufmerksamkeit im Rahmen der Untersuchung nicht mit den angegebenen Einschränkungen im Alltag vereinbar. Aufgrund der psychiatrischen Untersuchung müsse festgestellt werden, dass der Explorand derzeit kei ne depressive Symptomatik, sondern eine Remission derselben aufweise. Des Weiteren sei bei ihm in Übereinstimmung mit den frühe- ren Beurteilungen von einer anhaltend somatoformen S chmerzstörung auszugehen. Der Versi- cherte leide an Schmerzen, die mit körperlichen Befunden alleine nicht zu erklären seien und in Zusammenhang mit einer immer wieder auftretenden affektiven Störung, den rezidivierenden de- pressiven Episoden, auftreten würden. Aus rein psychiatrischer, medizinisch theoretischer Sicht bestehe aufgrund der anhaltenden somatoformen Schmerzstö rung und der derzeit remittierten Depression keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Dennoch müsse im Hinblick auf die Akten- lage berücksichtigt werden, dass die in der Intensität schwankenden negativen Auswirkungen der leicht bis mittelgradigen rezidivierenden depressiven Epi soden der vergangenen Jahre auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit gemittelt werden müssten. Angesichts dessen, dass beim Explo- randen eine leichte Verbesserung stattgefunden habe, mü sse die Beeinträchtigung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit im Vergleich zur letzten Beguta chtung unter Berücksichtigung aller Indi- katoren, so den Ressourcen, den funktionellen Fähigkeit en, dem allgemeinen Aktivitätsniveau, den Befunden, den subjektiven Angaben und der Aktenlag e als bezüglich der zeitlichen Bean- spruchbarkeit bei etwa 20 % angesiedelt werden. 7.2.6 Der Beschwerdeführer reichte am 3. Juli 2020 ein en Bericht von Dr. I.____ vom 10. Januar 2020 ein. Dazu nahm Dr. med. K.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztli- cher Diensts (RAD), am 15. Juli 2020 Stellung. Dem Vorbringen von Dr. I.____, wonach die An- nahme einer Aggravation anhand eines einzigen Validie rungsverfahrens irreführend und nicht Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht valide sei, hielt sie entgegen, dass die Annahme einer Aggravation nicht nur in einem einzigen Validierungsverfahren, sondern vor allem auch in somati sch erhobenen objektiven Befunden, welche für Aggravation sprechen würden, begründet worden sei. Soweit Dr. I.____ beanstande, dass während der Anamnesebeschreibung mehr darauf eingegangen worden sei, was der Pati- ent im Haushalt machen könne und weniger darauf, was e r nicht machen könne, so brachte sie vor, dass es im Kulturkreis des Versicherten nicht unübli ch sei, dass sich die Männer bezüglich der Arbeit im Haushalt wenig einbringen würden. Zudem seien die Angaben gegenüber den Gut- achtern inkonsistent gewesen, was dafür spreche, dass der Versicherte sich um eine defizitori- entierte Darstellung bemüht habe. Dem Vorwurf, wonach keine fremdanamnestischen Angaben bei der Familie des Versicherten eingeholt worden seien, hielt Dr. K.____ entgegen, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung fremdanamnestische Angaben bei psychiatrischen Begut- achtungen nicht unverzichtbar seien. Dies entspräche auch den Qualitätsleitlinien für psychiatri- sche Gutachten in der Eidgenössischen Invalidenversicherung d er Schweizer Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP). Es sei davon auszugehen, dass diese Vorgaben analog auch für neurologische Gutachten Geltung hätten. Soweit Dr. I.____ vorbringe die Gutachter hät- ten zur Frage der Bewertung der Wiedereingliederungsmassnahmen im Jahre 2014 lediglich aus- geführt, dass der Explorand seine Wiedereingliederungsm assnahmen wegen anhaltender Be- schwerden und auch wegen einer schweren depressiven Episode abgebrochen habe, führte Dr. K.____ aus, dass das Ende der Eingliederungsmassnahmen in eine Phase von vorübergehender Verschlechterung der Depressivität gefallen sei. In der Beschwerde werde sodann den Tatsachen auch nicht widersprochen, dass Dr. C.____ im Gutachten vom 28. März 2017 eine leichtgradige Depressivität und im Gutachten vom 7. April 2019 eine Re mission derselben festgestellt habe. Des Weiteren äusserte Dr. K.____ sich dahingehend, dass nicht jedes psychiatrische Gutachten durch eine neuropsychologische Untersuchung zu ergänzen sei. Entscheidend sei der psycho- pathologische Befund, der vorliegend keinen Anhalt für kognitive Limitierungen oder für die Not- wendigkeit neuropsychologischer Zusatzuntersuchungen erge ben habe. Soweit die Aussage, dass sich seit 2010 keine Verschlechterung ergeben habe, vom Beschwerdeführer kritisiert wor- den sei, wies Dr. K.____ drauf hin, dass die Remission der depressiven Episode im Jahr 2019 nicht in Abrede gestellt worden sei. Wenn Dr. C.____ im Gutachten vom 7. April 2019 äussere, dass es gegenüber 2010 zu keiner Verschlechterung gekomm en sei, so sei an dieser Aussage nicht zu zweifeln. 8.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung vom 8. Juni 2020 bei der Be- urteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf die Ergebnisse, zu denen die Gutachter Dres. B.____ und C.____ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 7. April 2019 gelangt sind. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherte in einer angepassten Tätigkeit mit möglichst wechselnd sitzender und stehender Körperhaltung ohne Kopfzwangshal- tungen und ohne mehr als geringem Anteil an Überkopfa rbeiten mit leichter bis höchstens zwi- schenzeitlich mässiger Belastung unter Berücksichtigung der Auswirkungen der leicht bis mittel- gradigen rezidivierenden depressiven Episoden zu 80 % ar beitsfähig sei. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.2 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und - ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Bef unde zu schlüssigen Ergebnissen gelan- gen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bi- disziplinäre Gutachten der Dres. B.____ und C.____ vom 7. April 2019 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesge richt verlangt wird (vgl. E. 5.1 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Dar- legung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurtei lung der aktuellen medizinischen Situation ein, setzt sich mit den vorhandenen abweichende n ärztlichen Einschätzungen ausei- nander und ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Ebenso nimmt es eine schlüssige Beur- teilung der aktuellen Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor. 8.2.1 Daran ändern die Vorbringen des Beschwerdeführe rs nichts. Zunächst moniert er, das neurologische Gutachten von Dr. B.____ genüge nicht allen strengen Voraussetzungen der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung an beweistaugliche Gutachten. Dr. B.____ habe in seiner Stel- lungnahme vom 17. Juni 2018 darauf aufmerksam gemacht, dass – um Klarheit über den aktuel- len Gesundheitszustand zu erhalten – eine erneute gutachterliche Untersuchung mit differenzier- ter verhaltensneurologisch/neuropsychologischer Abklärung u nd entsprechender Symptomvali- dierung durchgeführt werden müsste. In der Folge habe er im Rahmen seines Teilgutachtens allerdings keine Zusatzuntersuchungen in Form einer neu ropsychologischen Testung durchge- führt und keine Angaben von Drittpersonen eingeholt. E s sei einzuwenden, dass die vom Gut- achter durchgeführten verhaltensneurologischen/psychometrischen Untersuchungen keinen Er- satz für die neuropsychologischen Untersuchungen darstellen würden. Bei dieser Argumentation verkennt der Beschwerdeführer zunächst, dass Dr. B.____ ein neuropsychologisches Gutachten lediglich aufgrund der zwischenzeitlich komplett remittie rten Fazialisparese empfohlen hat. Da sich gemäss Stellungnahme des RAD vom 15. Juli 2020 bei den psychopathologischen Befunden kein Anhalt für kognitive Limitierungen und für die Notwendigkeit von neuropsychologischen Zu- satzuntersuchungen ergab, erübrigte sich die Ergänzung de s neurologischen und psychiatri- schen Gutachtens durch neuropsychologische Untersuchungen. Es ist daher nicht zu beanstan- den, dass weder ein neuropsychologisches Gutachten noch Ang aben von Drittpersonen einge- holt wurden. Sofern weiter beanstandet wird, dass im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung keine fremd- anamnestischen Angaben bei der Familie des Versicherten eingeholt wurden, kann der Be- schwerdeführer daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten . Mit Dr. K.____ ist diesbezüglich auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2006 I 58/06 E. 2.3) hinzuweisen, gemäss welcher fremdanamnestische Angaben bei psychiatrischen Begut- achtungen verzichtbar sind. Es ist nicht abwegig, diese Re chtsprechung analog auf neurologi- sche Gutachten anzuwenden. Das Fehlen fremdanamnestisch er Angaben kann daher den Be- weiswert eines Gutachtens somit nicht per se in Frage stellen. Im vorliegenden Fall ist zudem nicht ersichtlich, welchen Erkenntnisgewinn fremdanamne stische Angaben hätten bringen kön- nen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Des Weiteren beanstandet der Beschwerdeführer, dass sämtliche Befunde im Sinne einer „aus- geprägten Verdeutlichungstendenz bis hin zur Aggrava tion“ gedeutet worden seien, obwohl in den verhaltensneurologischen/psychomotorischen Testungen d eutliche vom Normalen abwei- chende Befunde mit unterdurchschnittlichen Resultaten d er Leistungen vorgelegen hätten. Ins- besondere sei die Interpretation der verhaltensneurol ogischen Untersuchungen aufgrund eines unter dem Zufallsniveau liegenden Resultats als nicht valide und irreführend einzustufen. Es sei nicht mit dem empfohlenen klinischen Standard vereinbar, sich auf ein einziges Validierungsver- fahren zu beschränken. Entgegen der Auffassung des Beschw erdeführers lässt die neurologi- sche Begutachtung keine Lücken offen. Die Behauptung, d ass die Annahme einer Aggravation nur in einem einzigen Validierungsverfahren festgestellt werden konnte, geht fehl. Wie nachvoll- ziehbar dargelegt wurde, konnte auch in der klinischen Untersuchung ein aggravatorisches Ver- halten beobachtet werden, was sich mit dem Ergebnis der Validierung deckt. Die Beurteilung des Schweregrads der Beeinträchtigung mag für den neurologischen Begutachter zwar aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers erschwert gewesen sein, dennoch konnte er zur Quantifizie- rung der somatischen Befunde auf die Ergebnisse seiner Untersuchung abstellen. Er konnte ins- besondere das Bestehen der demonstrierten Ausfallersche inungen, mit der Erklärung klar aus- schliessen, dass der Beschwerdeführer weder steh- noch gehfähig wäre und auch keine Gegen- stände in seinen Händen halten könnte, wenn diese Defi zite tatsächlich im geschilderten Aus- mass vorliegen würden. Somit liegen objektive klinisch-neurologische Befunde vor, welche für die geäusserte Aggravation sprechen. Insbesondere kann nicht nachvollzogen werden, aus welchem Grund der angewendete Validierungstest den Anforder ungen der versicherungsmedizinischen Begutachtung nicht genügen soll, entspricht er doch den bundesgerichtlichen Vorgaben an die Beweistauglichkeit einer verwaltungsexternen Begutachtung (vgl. Erwägungen 5.1 und 5.2 hier- vor). Letztlich vermag auch das Vorbringen des Beschwerdeführers, während der Anamnesebeschrei- bung sei insgesamt mehr darauf eingegangen worden, w as er im Haushalt machen könne und weniger darauf, was er nicht machen könne, nicht zu übe rzeugen. Diesbezüglich ist mit Dr. K.____ anzumerken, dass es im Kulturkreis und in der Altersgruppe des Beschwerdeführers nicht unüblich ist, dass sich die Männer bezüglich der Arbe it im Haushalt wenig einbringen. Der Beschwerdeführer gab im neurologischen Gutachten denn auch an, dass der Haushalt von seiner Frau und seinen Kindern geführt würde. Er erledige aber kleinere Einkäufe und gehe tagsüber ein bis zwei Stunden in ein kurdisches Vereinslokal. Die Kritik des Beschwerdeführers an der gutachterlichen Anamneseerhebung geht demnach fehl und er vermag auch daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. Trotz abweichender Diagnosen im Vergleich zum Gutachten von Dr. E.____ aus dem Jahr 2013 ergibt sich aus somatischer Sicht insgesamt und insbesonde re bezüglich der Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit keine Veränderung. Es besteht in einer leidensangepassten Tätigkeit nach wie vor eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. 8.2.2 Bezüglich des psychiatrischen Teilgutachtens macht d er Beschwerdeführer sodann gel- tend, Dr. C.____ habe seine psychiatrische Einschätzung eb enfalls nicht durch eine neuropsy- chologische Untersuchung ergänzen und absichern lassen. Zusätzlich habe er im psychiatrischen Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachten das Thema der Eingliederung nur am Rande behandelt hat. Mit Dr. K.____ ist festzu- stellen, dass für die Erforderlichkeit der Ergänzung eines psychiatrischen Gutachtens durch eine neuropsychologische Untersuchung der psychopathologische Befund entscheidend ist. Gemäss Gutachten von Dr. C.____ fände sich aber keine durchgehe nd gedrückte Stimmung, sondern lediglich eine affektive Schwingungsfähigkeit. Zudem verneinte er einen Interessensverlust, eine Freudlosigkeit und Suizidgedanken. Auch konnte er beim Versicherten weder Konzentrations- noch Aufmerksamkeitsprobleme noch eine psychomotorische Einengung erkennen. Unter diesen Umständen ist mit dem RAD festzustellen, dass beim Beschwerdeführer kein Anhalt für kognitive Limitierungen und für die Notwendigkeit neuropsycholog ischer Zusatzuntersuchungen gegeben war. Die Fähigkeit des Versicherten, das Diktat des Guta chters schnell zu korrigieren, weist zu- dem auf ein gutes kognitives Funktionsniveau hin. Eine neuropsychologische Untersuchung scheint in Anbetracht des psychiatrischen Gutachtens und d er RAD Stellungnahme nicht erfor- derlich. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dass im Gutachten nicht auf die gescheiterten Wie- dereingliederungsmassnahmen zwischen 2014 und 2015 einge gangen worden sei, kann ihm nicht gefolgt werden. Dr. C.____ stellte diesbezüglich fest, dass der Beschwerdeführer seine Wiedereingliederungsmassnahmen wegen anhaltenden Beschw erden und auch wegen einer schweren depressiven Episode abgebrochen habe. Im Gutachten vom 28. März 2017 hat er den Verlauf der depressiven Episode als ausgesprochen schwankend bezeichnet. Das Ende der Ein- gliederungsmassnahmen sei in eine Phase von vorübergehender Verschlechterung der Depres- sivität gefallen. Seit der letzten Beurteilung hätten keine weiteren Massnahmen stattgefunden. Wiedereingliederungsmassnahmen seien grundsätzlich zumutbar, in Anbetracht des bisherigen Verlaufs aber wenig zielführend. Im Verlaufsgutachten vom 7. April 2019 fand Dr. C.____ sodann keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, da die rezidivierende Episode unbestrit- ten remittiert war und die anhaltende somatoforme S chmerzstörung keinen Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit hatte. Die von ihm attestierte Leistungseinschränkung von 20 % berücksichtigt das negative Wechselspiel zwischen der depressiven Symptomati k und der Schmerzproblematik, was nicht zu beanstanden ist. Insgesamt resultiert gemittelt und unter Einbezug der somatischen Anteile eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. In Bezug auf die Eingliederungsmassnah- men stellte Dr. C.____ zu Recht fest, dass der Versicherte über kein Eingliederungspotential ver- fügt. Da gemäss Gutachten kein Eingliederungspotential aufgrund der aus subjektiver Sicht des Versicherten getroffenen Entscheidung besteht, ist die B ehandlung der Eingliederung als Randthema nachvollziehbar und daher nicht zu beanstanden. Auch der mit Replik eingereichte Mini-ICF App vermag keine Zweifel am überzeugenden Teilgut- achten von Dr. C.____ zu wecken. Mit der RAD-Psychiaterin Dr. K.____ ist diesbezüglich davon auszugehen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Ausf üllen des Ratingbogens die subjekti- ven Klagen des Beschwerdeführers zu stark gewertet wurden , weshalb darauf nicht abgestellt werden kann. Zusammen mit der gutachterlich festgestellten Verdeutlichungstendenz im Antwort- verhalten des Beschwerdeführers sind darum die Beeinträch tigungen, die sich gestützt auf den Ratingbogen ergeben, nicht geeignet, das psychiatrische Teilgutachten in Frage zu stellen. Im- merhin ist festzustellen, dass die Ursache der im März 2 020 einmalig aufgetretenen Bewusstlo- sigkeit nicht eruiert werden konnte. Insoweit weist Dr. K.____ wohl zu Recht darauf hin, dass das Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Profil einer leidensangepassten Tätigkeit auch Arbeiten mit erhöhter Unfallgefahr, also Bedienen gefährlicher Maschinen oder Arbeiten mit Absturzgefahr, ausschliessen müsste. Allerdings ist seither weder eine Bewusstlosigkeit aufgetreten noch hat der Versicherte seit März 2020 einen Anlass gesehen, das Autofahren aufzugeben, was beides gegen eine zusätzliche Einschränkung im Erwerb spricht. 8.2.3 Insgesamt bestand demnach gemäss Dr. B.____ und D r. C.____ kein Anlass, das neu- rologische bzw. psychiatrische Gutachten durch eine neuropsychologische Untersuchung zu er- gänzen. Unklar ist einzig, ob aufgrund der festgestellte n remittierten depressiven Episode über- haupt von einer Einschränkung der Arbeits- und Leistungs fähigkeit ausgegangen werden kann. Diese Frage kann allerdings offenbleiben. Denn aufgrund des bidisziplinären Verlaufsgutachtens ergibt sich auch im Vergleich mit der medizinischen Ausg angslage bei Einstellung der Rente im Jahr 2014 in psychiatrischer Sicht die gleiche Einschränkung von (maximal) 20 %, wobei Dr. D.____ in seinem psychiatrischen Gutachten vom 26. März 201 3 noch eine rezidivierende de- pressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, diagnostizierte. Auch in somatischer Hinsicht ist eine Verschlechterung aufgrund der nachvollziehbaren gutachterlichen Stellungnahmen von Dr. B.____ aus den Jahren 2017 und 2019 im Vergleich zu de n durch Dr. E.____ am 8. April 2013 erhobenen Befunden auszuschliessen. 9. Zusammenfassend ergibt sich, dass dem neurologischen und psychiatrischen Gutach- ten der Dres. B.____ und C.____ vom 7. April 2019 vo ller Beweiswert zukommt, weshalb sich weitere medizinische Abklärungen, wie sie der Beschwerdeführer verlangt, nicht aufdrängen. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Recht- sprechung zulässig (BGE 141 I 60 E. 3.3, 122 V 157 E. 1d). Demnach ist der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Maler zu 100 % i n seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. In einer adaptierten Verweistätigkeit mit leichten b is mittelschweren Arbeiten besteht dagegen grundsätzlich keine Einschränkung. Gestützt auf die medizinische Aktenlage ist eine massgebli- che Verschlechterung des Gesundheitszustands im Vergleich zu den Befunden im rheumatolo- gischen Fachgutachten von Dr. E.____ vom 8. April 2013 sowie im psychiatrischen Gutachten von Dr. D.____ vom 26. März 2013 nicht ausgewiesen. 10.1 Soweit der Beschwerdeführer schliesslich vorbringt, die dreijährige Auffangregelung ge- mäss Art. 32 Abs. 1 lit. c IVG sei vorliegend anwendbar, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Er verkennt dabei, dass gemäss lit. a Ziff. 2 SchlB IVG ein Anspruch auf eine Übergangsleistung nach Art. 32 Abs. lit. c IVG nicht entsteht, wenn dem Bezüger ein Anspruch auf Massnahmen zur Wiedereingliederung nach Art. 8a IVG zugesprochen wird, nachdem die Rente – wie vorliegende - herabgesetzt oder aufgehoben wurde. Zudem geht der Beschwerdeführer fehl, wenn er behaup- tet, dass eine Begrenzung der Rente während den Eing liederungsmassnahmen auf zwei Jahre gesetzlich nicht vorgesehen sei. Gemäss lit. a Ziff. 3 SchlB IVG ist die Rente bei Massnahmen zur Wiedereingliederung nach Art. 8a IVG nach Aufhebun g oder Herabsetzung bis zum Ab- schluss der Massnahmen weiter auszurichten, längstens aber wä hrend zwei Jahren ab Aufhe- bung oder Herabsetzung. Die Argumentation des Beschwerdeführers, dass nach der Rentenauf- hebung vom 2. Januar 2014 wieder eine unbefristete Rente zugesprochen worden sei, die unab- Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht hängig von beruflichen Eingliederungsmassnahmen ausgerichtet worden sei, ist zudem klar tat- sachenwidrig. Die ursprüngliche Rente wurde mit Verfügu ng vom 2. Januar 2014 aufgehoben und die nachfolgenden Rentenzahlungen wurden mit Ve rfügung vom 3. Januar 2014 akzesso- risch zu den Wiedereingliederungsmassnahmen zugesprochen. 10.2 Schliesslich ist festzustellen, dass es sich bei der vorl iegenden Streitsache – entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers – um eine Neuanmeld ung nach Aufhebung der Rente handelt (vgl. oben E. 4.2). Ein Rentenanspruch hätte unter diesen Umständen nur bejaht werden können, falls eine anspruchserhebliche Tatsachenveränderung im Sinne von Art. 17 ATSG nach- gewiesen worden wäre. Da dies gemäss den vorbestehend gemachten Ausführungen nicht der Fall ist und aufgrund des Gutachtens der Dres. B.____ und C.____ eher eine Verbesserung des Gesundheitszustands nachvollziehbar ist, erübrigt sich unter diesen Umständen eine neue Inva- liditätsbemessung. Unter diesen Umständen hätte die IV-Stelle den Invaliditätsgrad nicht neu be- rechnen müssen. Die Frage, auf welches Invalideneinkommen die IV-Stelle bei der Berechnung des Invaliditätsgrades abzustellen hat, kann somit offenbleiben. 11. Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich die Beschwerde aus diesen Gründen als unbegründet erweist, weshalb sie abzuweisen ist. 12.1 Abschliessend bleibt über die Kosten zu befinden. G emäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli gung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.- - festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten i n Berücksichtigung des bundesrechtli- chen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. N ach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah- renskosten in der Regel der unterliegenden Partei in a ngemessenem Ausmass auferlegt. Dem Prozessausgang zufolge hat deshalb die Beschwerdeführer in als unterliegende Partei die Ver- fahrenskosten von Fr. 800.-- zu tragen. Vorliegend unterliegt der Beschwerdeführer, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdefü hrer ist nun allerdings mit Verfü- gung vom 11. August 2020 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden, weshalb die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen werden. 12.2 Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zugesprochen. Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 11. August 2 020 auch die unentgeltliche Verbei- ständung mit seiner Rechtsvertreterin bewilligt worden ist, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat in ihrer Hono- rarnote vom 15. Oktober 2020 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 13 Stunden geltend gemacht. Dieser Aufwand erweist sich – auch unt er Berücksichtigung des doppelten Schriftenwechsels – im Quervergleich zu ähnlich gelagerte n Fällen als angemessen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwält e vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.--. Nicht zu beanstanden sind die ausgewie- senen Auslagen im Betrag von 199.20. Der Rechtsvertrete rin ist demnach ein Honorar in Höhe Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Fr. 3'014.75 ([13 Stunden x Fr. 200.--] + Auslagen von Fr. 199.20 inkl. 7.7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 12.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- werden dem Beschwerde- führer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'014.75 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet.