Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Januar 2020 (720 19 337 / 20) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts. Die IV-Stelle hat diesen vollständig abge- klärt. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin i.V. Esther Zäch Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1959 geborene A.____ war zuletzt als Geschäftsfü hrer der B.____ GmbH tätig. Unter Hinweis auf eine koronare Herzerkrankung und Herzinfarkte im August 2000 und Februar 2012 meldete er sich am 7. Mai 2012 (Eingang) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Vornahme der gesundhe itlichen, beruflichen und erwerbli- chen Abklärungen sowie Durchführung des Vorbescheidverfah rens sprach die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) dem Versicherten mit Verfügung vom 11. September 2019 rückwirkend Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ab dem 1. September 2016 eine ganze Rente basierend a uf einem IV-Grad von 70 % zu. Mit Verfügungen vom gleichen Tag wurde die Gewährung zweie r Kinderrenten festgehalten. Für den Zeitraum vom 1. Februar 2013 bis zum 31. August 2016 lehnte die IV-Stelle den Rentenan- spruch ab. B. Gegen diese Verfügungen erhob A.____, damals vertr eten durch Advokat Jürg Tschopp, mit Eingabe vom 11. Oktober 2019 Beschwerde b eim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er begehrte, die Verfügungen der IV-Stelle vom 11. September 2019 seien aufzuhebe n und ihm sei ab dem 1. Februar 2013 durchgehend eine volle Invalidenrente samt Kinderrente n zuzusprechen. Eventualiter sei bei Notwendigkeit eines neuen Gutachtens dieses direkt vom Gericht in Auftrag zu geben. Zur Be- gründung machte er im Wesentlichen geltend, die im G utachten der Swiss Medical Assess- ment- and Business-Center AG (SMAB) vom 4. November 2018 festgestellte Einschränkung der Leistungsfähigkeit habe bereits seit Oktober 2012 – und nicht erst seit Juni 2016 – bestan- den. Trotz eindeutigen Hinweisen und Aufforderungen habe es die IV-Stelle unterlassen, die notwendigen Abklärungen in die Wege zu leiten. C. Mit Vernehmlassung vom 6. November 2019 schloss die I V-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 15. Novembe r 2019 wurden die Beweisanträ- ge des Beschwerdeführers im Rahmen des Instruktionsverfa hrens abgewiesen. Gleichzeitig wurde der Fall dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. Mit Schreiben vom 29. November 2019 reichte Advokat Jürg Tschopp dem Kantonsgericht seine H onorarnote ein und teilte zugleich mit, dass er den Beschwerdeführer nicht mehr vertrete. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu min destens 40 % invalid sind (lit. c). Die Rente wird gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG nach dem Grad de r Invalidität abgestuft. Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreivier- telsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 29 E. 1). 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbe it zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 133 E. 2, 114 V 310 E. 3c, 105 V 156 E. 1 in fine). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 3.4 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f.). Im Sozialversiche- rungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Ge setz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich keit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Beweisanford erungen nicht. Das Gericht hat viel- mehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es vo n allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b, 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8b, je mit Hinweisen). 3.5 Laut Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG hat der Versicher ungsträger im Hinblick auf die Er- mittlung des Rentenanspruchs die notwendigen Abklärung en von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen. Die medizi nische Abklärung der objektiven Ge- sundheitsschäden bildet dabei eine unabdingbare gesetzl ich verankerte Voraussetzung für die Zusprache einer Leistung der Invalidenversicherung (Art . 7 Abs. 2, Art. 16, Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Versicherer befindet darüber, mit welchen M itteln er den rechtserheblichen Sach- verhalt abklärt. Im Rahmen der Verfahrensleitung hat e r einen grossen Ermessensspielraum hinsichtlich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage . Gestützt auf den Untersuchungs- grundsatz hat der Versicherer den Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass er über den Leistungs- anspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 126 V 353 E. 5b) entscheiden kann (Urteil des Bund esgerichts vom 12. März 2010, 9C_28/2010, E. 4.1 mit Hinweisen). 4. Der strittigen Angelegenheit liegen diverse ärztli che Unterlagen zu Grunde. Im Folgen- den sollen jedoch lediglich diejenigen Gutachten und B erichte wiedergegeben werden, welche sich für den Entscheid als zentral erweisen. 4.1 Dr. med. C.____, FMH Pneumologie und Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte im Bericht vom 2. November 2013 beim Versicherten unter an derem einen Verdacht auf eine An- passungsstörung mit verminderter Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung bei koronarer 3-Ast-Erkrankung und generalisiertem muskulo-skelettalem Sc hmerzsyndrom wahrscheinlich multifunktioneller Genese. Im Bericht wurde die Leistun gseinschränkung mit Müdigkeit und Er- schöpfung im Kontext mit dem zweiten Herzinfarkt abgehand elt. Lediglich am Schluss wurde geäussert, möglicherweise sei die Anpassungsstörung stark mitverantwortlich für die verminder- te Belastbarkeit des Patienten. In der Folge führte D r. C.____ aus, eine psychiatrische Explora- tion bezüglich der Anpassungsstörung habe bisher nicht sta ttgefunden. Möglicherweise könne diese mit einer begleitenden psychotherapeutischen Gesp rächstherapie, kombiniert mit medi- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht kamentöser Therapie, zur Verbesserung der Gesamtsituation führen. Dr. C.____ attestierte eine Arbeitsfähigkeit von 20 % ab dem 1. Juni 2012, von 30 % ab dem 1. Juli 2013 und von 40 % ab dem 14. Oktober 2013. 4.2 Im polydisziplinären Gutachten (Innere Medizin, Rheu matologie, Kardiologie, Psychiat- rie) des Zentrums für Medizinische Begutachtung (ZMB) vo m 25. März 2014 wurden beim Ver- sicherten in psychiatrischer Hinsicht akzentuierte Persönli chkeitszüge mit leistungsorientierten Anteilen sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstöru ng diagnostiziert. Diese Diagnosen seien jedoch ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der Versicherte zeige eine deutliche Somatisierung mit entsprechendem somatisch orientierte m Krankheitskonzept. Er befinde sich in situationsadäquater, modulationsfähiger, vielleicht phasenweise etwas verunsicherter und leicht bedrückter Stimmung. Kognitive Störungen könnten klinisch nicht erhoben werden. Nach Analyse der Förster-Kriterien könne eine relevante komor bide psychische Störung, wie z.B. eine depressive Störung, eine Angststörung oder eine Pe rsönlichkeitsstörung nicht diagnosti- ziert werden. 4.3 PD Dr. D.____, Eidgenössisch anerkannter Psychothera peut und Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, nahm in seiner Einschätzung vom 4. Juli 2014 insbesondere Stellung zum Gutachten des ZMB vom 25. März 2014. Er hielt fest, da ss zum damaligen Zeitpunkt nur ein Fünftel der vom Patienten beklagten Beschwerden unter sucht und dieser Fünftel nur auf 10 % der relevanten Tätigkeit hin diskutiert worden sei. N ach Vornahme eigener Untersuchungen hinsichtlich des Schlafes des Versicherten, dessen Gedächtnis - und Konzentrationsprobleme sowie dessen Schmerzen, kam er zum Schluss, dass für eine detaillierte Abklärung unter ande- rem zwingend eine neuropsychologische Funktionsprüfung durchgeführt werden müsse. 4.4 Mit Bericht vom 15. August 2014 nahm Dr. med. E.__ __, FMH Physikalische und Re- habilitative Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst beide r Basel (RAD), Stellung zum Bericht von PD Dr. D.____ und hielt fest, dieser Bericht sei nicht g eeignet, Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens des ZMB vom 25. März 2014 aufkommen zu lassen o der an der Fachkompetenz der involvierten fachärztlichen Gutachter zu zweifeln. A uf wiederholte Intervention des damali- gen Vertreters des Beschwerdeführers hielt Dr. E.____ , RAD, am 21. Oktober 2014 daran fest, dass am ZMB-Gutachten festgehalten werden könne und ke ine weiteren medizinischen Abklä- rungen notwendig seien. Der Beschwerdeführer habe zwar beim ZMB subjektiv über kognitive Defizite geklagt, jedoch hätten sich diese bei der Explor ation nicht objektivieren lassen. Dadurch habe auch keine Indikation für eine neuropsycho logische Testung erhoben werden können. Dies wurde letztlich durch eine Stellungnahme des ZMB vom 26. Oktober 2015 bestä- tigt. 4.5 Im Juni 2016 begab sich der Versicherte in der F._ ___ in Behandlung. Dabei wurden unter anderem eine mittelschwere bis knapp schwere neu ropsychologische Störung, eine chro- nische Schlafstörung mit schwerer Durchschlafstörung sowie l eichtem obstruktivem Schlafap- noesyndrom und eine mittelschwere depressive Episode diagnostiziert. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6 In der polydisziplinären Begutachtung der SMAB vom 4 . November 2018 fanden inter- nistische, psychiatrische, orthopädisch-/traumatologische, n eurologische sowie neuropsycholo- gische Untersuchungen statt. Die Gutachter hielten folge nde Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit fest: rezidivierende depressive Störung , gegenwärtig mittelgradige bis schwere depressive Episode; mittelgradige bis teilweise schwere ne uropsychologische Störung mit Ver- langsamung und Gedächtnisstörungen; vaskuläre Enzephalopathie; chronisches subakromiales Impingement und Tendinosis Calcarea Schulter rechts be i Partialruptur/Degeneration der Sup- raspinatus- und Subscapularissehne, Bursitis subdeltoida mit Schmerzen und leichtgradiger Funktionseinschränkung beim Hochnehmen des rechten Arms. I n psychiatrischer Hinsicht wur- de festgehalten, dass eine depressive Symptomatik zum Zeitp unkt des Gutachtens des ZMB vom 25. März 2014 noch nicht objektivierbar gewesen sei. D er Einspruch von PD Dr. D.____ sei schwierig zu bewerten, da die damalig beschriebenen Gedächtnisprobleme und Konzentra- tionsschwierigkeiten im Rahmen der Begutachtung nicht hätten objektiviert werden können und die späteren neuropsychologischen Testungen erst zwei Jahre später durchgeführt worden sei- en. Sowohl auf neurologischem als auch auf neuropsychol ogischem Gebiet könne die Arbeits- fähigkeit nur ab Juni 2016 gesichert festgelegt werden , da davor keine neuropsychologischen Befunde vorliegen würden. Aus polydisziplinärer Sicht we rde zwischen Februar 2012 und Ende Mai 2012 aufgrund des Herzinfarktes eine Aufhebung der Arbeitsfähigkeit angenommen. Zwi- schen Juni 2012 und September 2012 könne im Rahmen de r Rekonvaleszenz von einer Ar- beitsfähigkeit zu 50 % ausgegangen werden. Seit minde stens Juni 2016 (Untersuchungszeit- punkt in der F.____) werde beim Versicherten eine Rest arbeitsfähigkeit von 30 % in der ange- stammten Tätigkeit und von 30 - 40 % in einer leidensa daptierten Tätigkeit aufgrund der mittel- schweren Funktionsdefizite – im weiteren Verlauf zusätzli che Beeinflussung durch die depressi- ve Erkrankung – eingeschätzt. 4.7 Im Bericht vom 30. November 2018 hielt Dr. E.____ , RAD, fest, auf das Gutachten der SMAB vom 4. November 2018 könne abgestellt werden. D ie Arbeitsunfähigkeit in der ange- stammten Tätigkeit für den Zeitraum vom Oktober 2012 bis Mai 2016 sei auf 30 % festzusetzen, da in jener Zeit noch kein kognitives Defizit bzw. keine D epression habe objektiviert werden können. Die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit setzte sie für diesen Zeitraum auf 80 % fest. Ergänzend hielt sie im Bericht vom 24. Oktober 20 19 fest, die neurologisch-gutachterlich attestierte Arbeitsfähigkeit von 30 % sei erst ab Juni 2 016, mit Verweis auf die Untersuchung der F.____ vom Juni 2016, festgehalten worden. 5. Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochten en Verfügung vom 11. September 2019 vollumfänglich auf das Gutachten d er SMAB vom 4. November 2018. Zu- nächst kann diesbezüglich festgehalten werden, dass dieses Gutachten grundsätzlich den An- forderungen an ein medizinisches Gutachten entspricht. E s wurde in Kenntnis der Vorakten abgegeben und beruht auf allseitigen Untersuchungen. Die geklagten Beschwerden werden berücksichtigt und die gutachterlichen Schlussfolgerungen betreffend Diagnosen und Arbeitsfä- higkeit erscheinen schlüssig (vgl. E. 3.3). Überdies ist anzu merken, dass dies im Grundsatz auch der Beschwerdeführer anerkennt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Streitig und zu prüfen ist hingegen, seit wann di e im Gutachten des SMAB vom 4. November 2018 festgestellte Einschränkung der Leistu ngsfähigkeit bestanden hat. Fraglich ist insbesondere, ob sich aus den Akten aus dem Zeitraum v or der Untersuchung in der F.____ im Juni 2016 Hinweise auf eine neurologisch bzw. neurop sychologisch bedingte Arbeitsunfä- higkeit ergeben, und ob die Beschwerdegegnerin verpflichtet gewesen wäre, zu einem früheren Zeitpunkt Abklärungen in die Wege zu leiten. 6.2 Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, die im Gutach ten der SMAB vom 4. November 2018 festgestellte Einschränkung der Leistungsfähigkeit – insbesondere in neuropsychologi- scher Hinsicht – habe bereits früher bestanden. Die Beschw erdegegnerin habe es unterlassen, trotz eindeutiger Hinweise und Aufforderungen, die no twendigen Abklärungen in die Wege zu leiten. Er habe aus eigener Initiative getan, was er habe tun können. Zusätzlich kritisiert er das Gutachten des ZMB vom 25. März 2014. Es sei entgegen seines Antrags bei dieser gutachterli- chen Abklärung keine neuropsychologische Abklärung durchgeführt worden. Die begutachtende Psychiaterin habe seine Leistungsfähigkeit in keiner Wei se eruiert. Kognitive Störungen hätten nicht erhoben werden können. Dabei seien keine Angabe n darüber gemacht worden, wie sol- che überhaupt geprüft würden. Die psychischen Beeinträch tigungen seien nach bereits damals veralteten und inzwischen unzulässig erklärten Förster-Kriterien verneint worden. Mindestens in Bezug auf psychische Beeinträchtigungen sei dieses Gutacht en des ZMB aufgrund der damals geltenden Regeln unbrauchbar und nicht schlüssig gewesen. 6.3 Die Beschwerdegegnerin bringt hiergegen vor, die n eurologisch-gutachterlich attestier- te Arbeitsfähigkeit von 30 % im Gutachten der SMAB vo m 4. November 2018 sei nicht bereits seit Februar 2013 attestiert worden, sondern erst seit Juni 2016. Zum retrospektiven Verlauf der zumutbaren Arbeitsfähigkeit werde in diesem Teilgutach ten explizit festgehalten, dass mangels älterer neuropsychologischer Befunde keine sichere Aussage ü ber die Arbeitsfähigkeit im Zeit- raum davor gemacht werden könne. Schliesslich könne auf die Berichte des Hausarztes Dr. C.____ vom 2. November 2013 und von PD Dr. D.____ vom 4. Juli 2014 nicht abgestellt werden, da diese keinerlei objektiven Befunde enthalt en und lediglich subjektiv beklagte Be- schwerden des Versicherten wiedergeben würden. Für eine neuropsychologische Begutach- tung im Jahr 2013 habe es damals keine Hinweise gegeben. 7.1 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde explizit aner- kennt, dass die ersten neuropsychologischen Befunde erst im Juni 2016 in der F.____ erhoben worden sind. 7.2. Zunächst beruft sich der Beschwerdeführer auf den Bericht von Dr. C.____ vom 2. November 2013. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers kann aus diesem Bericht kein hinreichend konkreter Hinweis auf ein neurologisches bzw . neuropsychologisches Geschehen bzw. die Notwendigkeit solcher Abklärungen entnommen w erden. Lediglich am Rande wird er- wähnt, dass die Anpassungsstörung möglicherweise mitverantw ortlich für die verminderte Be- lastbarkeit des Patienten sei. Auch ist darauf hinzuweise n, dass der Hausarzt keine neuropsy- chologische Untersuchung, sondern eine psychiatrische Explor ation empfiehlt. Zudem wurde der Beschwerdeführer nicht an einen Neurologen überwiesen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 Weiter stützt sich der Beschwerdeführer auf die Einsch ätzung von PD Dr. D.____ vom 4. Juli 2014. Dieser hielt fest, dass im Hinblick auf die Konzentrations- und Gedächtnisprobleme zwingend eine neuropsychologische Funktionsprüfung durchge führt werden müsse. Jedoch ist anzumerken, dass auch in dieser Phase weder auf Überweis ung des Hausarztes noch auf Ei- geninitiative eine neuropsychologische Untersuchung erfolgt ist. 7.4 Aufgrund der dargelegten Aktenlage ist zwar davon auszugehen, dass es ab dem Be- richt von PD Dr. D.____ vom 4. Juli 2014 Hinweise für eine mögliche neurologische Einschrän- kung gab. Jedoch ist angesichts der insoweit klaren Aussage n im Gutachten des ZMB vom 25. März 2014 sowie des Fehlens neurologischer bzw. ne uropsychologischer Arztberichte das Vorgehen der Beschwerdegegnerin nachvollziehbar. Der Be schwerdeführer hätte sich – gege- benenfalls mittels Überweisung durch den Hausarzt – aus eigenem Antrieb in eine neurologi- sche Fachbehandlung begeben können, was unterblieben bzw. erst im Juni 2016 erfolgt ist. Vor diesem Hintergrund kann die späte Abklärung durch die F .____ bzw. die weiteren involvierten Institute nicht der Beschwerdegegnerin angelastet werde n. Die Beschwerdegegnerin hat ihr Ermessen zur Beurteilung der Notwendigkeit von medizini schen Abklärungen (vgl. E. 3.5) pflichtgemäss ausgeübt. Zudem ist nicht mit überwiegen der Wahrscheinlichkeit nachgewiesen (vgl. E. 3.4), dass bereits vor Juni 2016 relevante neuro psychologische Probleme bestanden haben. Nach dem Gesagten ist auch die Einschätzung des Ve rlaufs der Arbeitsfähigkeit durch das Gutachten der SMAB vom 4. November 2018 nicht zu b eanstanden. Vielmehr ist davon auszugehen, dass erst aufgrund der Abklärung in der F._ ___ im Juni 2016 eine verlässliche Beurteilung der entsprechenden Einschränkungen möglich war. 7.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass auf das Gut achten der SMAB vom 4. November 2018 vollumfänglich abgestellt werden ka nn. Die Beschwerdegegnerin war nicht verpflichtet, den Gesundheitszustand und die Arbeitsfäh igkeit des Beschwerdeführers aus neu- ropsychologischer Sicht bereits vor Juni 2016 abklären zu lass en. Die Vornahme eines Ge- richtsgutachtens gemäss Eventualantrag erübrigt sich. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Un terlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf weitere Abklärungen verzichtet werden. Eine solche anti zipierte Beweiswürdigung ist nach kon- stanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (vgl. BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 8.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.3 hiervor), ist d er Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ver- sicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimme n. Der Beschwerdeführer wendet gegen diesen Einkommensvergleich ein, beim Valideneinkommen hätte die Beschwerdegegne- rin nicht von einem Einkommen von Fr. 135'000.-- ausgehen dürfen. Sie hätte das zuletzt erziel- te Jahreseinkommen von Fr. 180'000.-- berücksichtigen m üssen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu keine Stellung genommen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2 Vorab erscheint unklar, ob sich der Beschwerdeführe r bei dieser Rüge nur auf die Zeit vor der Rentenzusprache bezieht. Davon ist wohl auszugehen , da die Divergenz für den Zeit- raum ab dem 1. Juni 2016 lediglich bei rund einem hal ben Prozent läge und nichts an der Zu- sprache einer ganzen Rente ändern würde. Für die Zeit vor Juni 2016 ist die Rüge aber inso- weit irrelevant, als der Beschwerdeführer lediglich von einer Arbeitsfähigkeit von 30 % ausgeht. Nach dem Gesagten kann dieser Auffassung gestützt auf da s Gutachten der SMAB vom 4. November 2018 nicht gefolgt werden. Anzumerken ist, dass die Auffassung des Beschwerde- führers auch insoweit fehlgeht, als die Beschwerdegegner in dargelegt hat, weshalb von Tabel- lenlöhnen ausgegangen worden ist. Insoweit setzt sich der Beschwerdeführer mit der Begrün- dung der Beschwerdegegnerin nicht auseinander. Unklar e rscheint schliesslich die Beanstan- dung eines Valideneinkommens von Fr. 135'000.--, da ei n solches an keiner Stelle erscheint. Die Beschwerdegegnerin hat in der streitigen Periode e in Invalideneinkommen von Fr. 134'758.-- angenommen. Insgesamt erweisen sich somit die Einwände des Beschwerdefüh- rers betreffend den Einkommensvergleich als unbegründet. 8.3 Es ergeben sich aus den Akten zudem keine Hinweise, dass im Rahmen der Rechts- anwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre. Somit erübrigen sich weitere Ausführungen zum Einkomme nsvergleich. Demnach liegt der In- validitätsgrad ab dem 1. Juni 2016 bei 70 %, womit der Beschwerdeführer Anspruch auf eine ganze Rente hat. Da eine Verschlechterung der Erwerbs fähigkeit zu berücksichtigen ist, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (vgl. Art. 88a Abs. 2 der Verord- nung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Janua r 1961), wurde die Rente zu Recht ab dem 1. September 2016 zugesprochen. Auch die Zusprach e der Kinderrenten ab dem 1. September 2016 ist nicht zu beanstanden, weil solche gemäss Art. 35 IVG nur zugesprochen werden können, wenn einer Person eine Invalidenrente zusteht. 9. Aus dem Gesagten folgt, dass sich die Beschwerde als u nbegründet erweist und somit abzuweisen ist. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Ent sprechend dem Ausgang des Ver- fahrens ist keine Parteientschädigung auszurichten. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem Kostenvorschuss in Höh e von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.