B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6373/2013 U r t e i l v o m 1 3 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter William Waeber, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren (…), gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik), (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. Oktober 2013 / N (…). D-6373/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin gelangte gemäss eigenen Angaben am 27. Au- gust 2013 in die Schweiz, wo sie am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. B. Sie wurde am 10. September 2013 zu ihrer Person und summarisch zum Reiseweg und den Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). C. Am 25. September 2013 wurde sie von einem Experten über ihr Alltags- wissen hinsichtlich ihrer angeblichen Herkunftsregion befragt. D. Eine vertiefte Anhörung zu den Gründen des Asylgesuchs und den E r- gebnissen der Evaluation des Alltagswissen s fand am 15. Oktober 2013 statt. Die Beschwerdeführerin begründete ihr Gesuch im Wesentlichen damit, dass sie chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie sei. Aufgrund einer Filmvorführung sei sie in den Fokus der chinesischen Behörden ge- raten, woraufhin sie das Land am 7. Juni 2013 verlassen habe. E. Mit Verfügung vom 18. Oktober 2013 (Eröffnung am 21. Oktober 2013) lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete die Wegweisung und den Vollzug an, wobei der Wegweisungsvollzug nach China explizit ausgeschlossen wurde. F. Diese Verfügung focht die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 12. N o- vember 2013 beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte die Au f- hebung der angefochtenen Verfügung und die Gewähr ung von Asyl. Eventualiter sei sie als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei aufgrund der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzuordnen. Des Weiteren wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht. Überdies sei die zuständige Behörde anzuweisen, die Kontaktaufnahme mit dem Heimat - oder Herkunftsstaat sowie jegliche Datenweitergabe an denselben zu unterlassen oder es sei bei bereits e r- folgter Weiter gabe die Beschwerdeführerin darüber in einer separaten D-6373/2013 Seite 3 Verfügung zu informieren. Als Beweismittel lagen der Beschwerde diverse Berichte über die Lage in Tibet bei. G. Mit Instruktionsverfügung vom 15. November 2013 hiess das Bundesve r- waltungsgericht das Ersu chen um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut. Auf die Anträge hinsichtlich der Unterlassung der D a- tenweitergabe wurde unter Hinweis auf Art. 97 AsylG nicht eingetreten. H. Das BFM äusserte sich in seiner Vernehmlassung vom 23. Juni 2014 zu den Ausführungen in der Beschwerdeschrift. I. Mit Replik vom 19. Juli 2014 äusserte sich die Beschwerdeführerin zur Vernehmlassung der Vorinstanz. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltu ngsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Be - schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein D-6373/2013 Seite 4 schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind od er begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifi schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch damit, dass sie ethnische Tibeterin sei und aus dem Dorf B._______ in der Gemeinde C._______ im Bezirk und in der Präfektur D._______, Provinz E._______, stamme, wo sie bis zur Ausr eise gelebt habe. Ihr Vater habe als Händler gearbeitet und dabei im Geheimen auf DVDs gespeicherte Filme erhalten, welche die Selbstverbrennung tibetischer Mönche zeigen würden. Diese DVDs habe sie unter ihrem Bett versteckt und ihr Vater habe die Datentr äger heimlich an andere Tibeter weitergereicht. Sie (die Beschwerdeführerin) habe die DVDs zweimal einigen Personen bei ihr D-6373/2013 Seite 5 zuhause gezeigt, nämlich einmal zwei Tage vor der Abreise sowie ein an- deres Mal am Tag ihrer Ausreise. Nachdem sie die Filme das zwe ite Mal gezeigt habe, sei ihr Vater nach Hause gekommen und habe ihr mitg e- teilt, die chinesische Polizei habe von den Vorführungen erfahren. Sie habe ihr Heimatdorf daher noch am selben Tag, am 7. Juni 2013, verla s- sen und sei zu Fuss zu ihrer Grossmutter nach F._______ gegangen. Von dort sei sie nach G._______ und dann weiter nach Nepal gelangt, wo sie bei einem Bekannten des Schleppers gewohnt habe. Am (…) sei sie mit dem Flugzeug an einen unbekannten Ort geflogen, von wo sie mit einem anderen Flugzeug an einen anderen, ebenfalls unbekannten Ort weite r- geflogen sei. Schliesslich sei sie (…) mit dem Zug in die Schweiz gelangt. 4.2 Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass bereits aufgrund der fehlenden Kenntnisse der chinesischen Sprache Zweifel an der He r- kunft aufgekommen seien. Im Rahmen des Alltagswissenstests habe die Beschwerdeführerin unzutreffende Angaben zur nächstgelegenen Schule, zur administrativen Zugehörigkeit des Dorfes B._______ sowie zu den Flussnamen in der Umgebung gemacht und sie habe die zahlreichen Nachbardörfer nicht benennen können. Die Behauptungen, keine Schule besucht zu haben und jeweils nach D._______ zum Einkaufen gegangen zu sein, seien nicht nachvollziehbar. Gleiches gelte für das Vorbringen, ih- re Familie habe ihr Land brachliegen lassen und sämtliche Nutztiere ge- gen Milch getauscht. Die Preisangaben von Alltagsartikeln seien unzutref- fend. Die Behauptung, ihr Vater habe für die Aufstellung seines Verkaufs- standes einen Geldbetrag zahlen müssen, entspreche nicht den Erkenn t- nissen des Alltagsspezialiste n. Schliesslich seien auch die Angaben zur Ausstellung eines Personalausweises, zur Währung sowie zu r Ausreise unzutreffend. Daraus ergebe sich eine äusserst geringe Wah rscheinlich- keit, dass die Beschwerdeführerin überhaupt im von ihr angegebenen geografischen Raum gelebt habe. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zu den Resultaten der Evaluation des Alltagswissens habe sie pauschal auf der Richtigkeit ihrer Angaben beharrt, ohne in der Lage gewesen zu sein, substanziierte Einwände vorzubringen. Die Ausreise sei widersprüchlich und unsubstanziiert geschildert worden, indem etwa unterschiedliche Angaben zur Art und Weise der Grenzübe r- querung zwischen Tibet und Nepal gemacht worden seien und weder die Transitländer noch die benutzten Fluggesellschaften hätten bezeichnet werden können. Die Angaben zum Passieren der Flughafenkontrollen in Europa seien offensichtlich tatsachenwidrig und die Ausführungen zum Verbleib der Identitätsk arte seien widersprüchlich. Ohnehin seien weder D-6373/2013 Seite 6 Ausweispapiere noch Reisedokumente zu den Akten gereicht worden. Dies lasse darauf schliessen, dass die Beschwerdeführerin ihre tatsächl i- che Herkunft sowie den Reiseweg absichtlich zu verschleiern versuche. Schliesslich seien auch die eigentlichen Fluchtgründe widersprüchlich und unsubstanziiert vorgebracht worden. In der BzP habe die Beschwer- deführerin ausgesagt, ihr Vater habe die DVDs von einem nepalesischen Händler in H._______ gekauft, während d ie Datent räger gemäss Anhö- rung von einem Tibeter aus I._______ stammen würden. Auf diesen W i- derspruch angesprochen, habe sie ihre Aussage dahingehend z u korr i- gieren versucht, dass DVDs auch aus Nepal, aber mehrheitlich aus I._______ kämen. Ihr Dorf habe sie gemäss BzP am 7. Juni 2013 verlas- sen. Im späteren Verlauf der BzP habe sie ausgesagt, die Filmaufnahmen am 6. Juli 2013 zuhause gezeigt zu h aben, woraufhin ihr Vater am 6. August 2013 festgenommen worden sei und sie am Tag darauf gefl o- hen sei. In der Anhörung sei zuerst erwähnt worden, sie habe das Dorf am 6. Juli 2013 verlassen. Wenig später habe die Beschwerdeführerin dem widersprechend ausgeführt, ihren Vater letztmals am 7. Tag des sechsten Monats im Dorf gesehen zu haben, nämlich am Tag , an we l- chem sie das Dorf verlassen habe. Auf diesen Widerspruch hingewiesen habe sie das Abreisedatum auf den 7. Juni 2013 korrigiert. Zwei Tage da- vor habe sie die DVDs anderen Leuten gezeigt. Auf die Aussagen in der BzP hingewiesen habe sie vorgebracht, die Film e zweimal gezeigt zu ha- ben und zwar einmal zwei Tage vor der Abreise und einmal am Abreis e- tag. Im Unterschied zur BzP habe sie jedoch behauptet, ihr Vater sei nicht festgenommen worden. Die Beschwerdeführerin sei ferner nicht in der Lage gewesen zu beschreiben, seit wann sie von der Existenz derartiger DVDs wisse, seit wann sie diese selbst verstecke, und wie ihr Vater erfah- ren habe, dass die Polizei davon Kenntnis erlangt habe. Aufgrund dieser Erwägungen sei auszuschliessen, dass die Beschwerde- führerin in der von ihr angegebenen Region gelebt habe und chinesische Staatsbürgerin sei. Im Exil geborene Tibeterinnen würden die Staatsbü r- gerschaft Chinas nicht erhalten. 4.3 Den vorinstanzlichen Erwägungen wurde in der Beschwerdeschrift entgegnet, dass die Beschwerdef ührerin keine Möglichkeit gehabt habe, die Schule zu besuchen, da es in ihrem Dorf keine gegeben habe. Nach- dem die Mutter gestorben sei, habe sie auf ihre Schwester aufpassen müssen und ihre Familie sei gezwungen gewesen, die Nutztiere we g- zugeben. Nur weil der Alltagsspezialist sage, dies sei nicht nachvollzie h-D-6373/2013 Seite 7 bar, bedeute dies nicht, dass sie nicht die Wahrheit gesagt habe. Sie spreche kein Chinesisch, da sie keine Schule besucht habe und sie kaum mit Chinesen in Kontakt gekommen sei. Ihre Identitätskarte habe sie dem Schlepper gegeben, und sie wisse nicht, wo dieser sich aufhalte. Andere Papiere besitze sie nicht und die Beschaffung neuer Papiere sei kaum möglich. Sie habe im Telefoninterview sehr wohl die Nachbardörfer g e- nannt und ihre Aussage, der Vater habe Standmiete bezahlen müssen, beruhe auf dessen Auskunft. Die Flucht nach Nepal sei nicht geplant g e- wesen und sie habe unter enormem emotionale m Stress gestanden, so dass sie den äusseren Umständen der Flucht nicht viel Beachtung g e- schenkt habe. Die Aus führungen des BFM würden sich zur Hauptsache auf die Aussagen des Alltagsspezialisten stützen. Anlässlich des rechtl i- chen Gehörs sei sie über die Qualifikation eines Mannes aufgeklärt wo r- den, sie habe das Telefoninterview jedoch mit einer Frau geführt. Die Qualifikation dieser Frau müsse ihr ebenfalls offengelegt werden. Sie er- fülle daher die Flüchtlingseigenschaft und ihr sei Asyl zu gewähren. Ande- renfalls sei ihr die Flüchtlingseigenschaft gestützt auf subjektive Nac h- fluchtgründe zuzusprechen, da sie Tibe terin aus China sei und aufgrund der illegalen Ausreise verfolgt werde. 4.4 In seiner Vernehmlassung führte das BFM aus, dass gemäss neue s- ter Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgericht s ein Asylgesuch a b- zuweisen sei, wenn eine Person tibetischer Ethnie über i hre wahre He r- kunft falsche Angaben mache. Dies treffe auf den vorliegenden Fall zu, zumal die Beschwerdeführerin keine Identitätsdokumente eingereicht h a- be und ihre Ausführungen zum Reiseweg unglaubhaft ausgefallen seien. Somit habe die Beschwerdeführerin die Folgen ihrer Verletzung der Mi t- wirkungspflicht zu tragen, indem die Asylbehörden den Schluss zögen, es spreche nichts gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort. Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, dass der Wegwe i- sungsvollzug nach China in der angefochtenen Verfügung explizit ausg e- schlossen worden sei. 4.5 Diesen Ausführungen hielt die Beschwerdeführerin in der Replik en t- gegen, dass sie ihre Identitätskarte nicht einreichen könne, da diese ihr vom Schlepper abgenommen worden sei. Die Flucht sei für sie sowohl physisch als auch psychisch sehr anstrengend gewesen, wodurch sie sich nicht mehr an alles erinnern könne. Sie habe zu allen vom BFM b e- anstandeten Punkten bereits in der Beschwerde Stellung genommen. Sie wolle nochmals betonen , dass sie Tibeterin aus der Volksrepublik China sei und in Anwendung der Rechtsprechung von EMARK 2006 Nr. 1 die D-6373/2013 Seite 8 Flüchtlingseigenschaft mindestens gestützt auf subjektive Nachfluch t- gründe erfülle. Ihr sei eine Frist zur Ausreise gesetzt worden, sie wisse aber nicht, wohin sie gehen könnte, zumal eine Ausreise nach Nepal sehr gefährlich wäre. Sie habe von Geburt bis zu ihrer Ausreise in Tibet gelebt, wo sich ihre Familie weiterhin befinde. Sie sei höchst motiviert, sich in der Schweiz zu integrieren, Deutsch zu lernen und möglichst schnell zu arbei- ten oder eine Ausbildung zu absolvieren, um finanziell auf eigenen Fü s- sen zu stehen. 5. 5.1 Das BFM hat im Ergebnis das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt. 5.2 Im Länderurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2981/2012 vom 20. Mai 2014 präzisierte das Bundesverwaltungsgericht seine Praxis g e- mäss EMARK 2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft vers chleiern oder verheimlichen, vermu- tungsweise davon auszugehen sei, dass keine flüchtlings - oder wegwei- sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Auf- enthaltsort beständen. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Veru n- mögliche eine tibetische Asylsuchende durch die Verletzung ihrer Mitwir- kungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status sie in Nepal respek- tive in Indien inne habe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts E-2981/2012 v om 20. Mai 2014 E. 5.9 f. [zur Publikation vorgesehen]). Die Berufung der Beschwerdeführerin auf die nunmehr veraltete Rechtsprechung gemäss EMARK 200 6 Nr. 1 ist somit unb e- helflich. 5.3 Aufgrund der Aktenlage besteht Grund zur Annahme, dass die B e- schwerdeführerin ihre wahre Herkunft zu verschleiern versucht. Dabei kann zur Hauptsache auf die Evaluation des Alltagswissens verwiesen werden. Diese stammt von einer qualifizierten Person und vermag im Er- gebnis zu überzeugen, wohingegen es der Beschwerdeführerin im R ah- men des rechtlichen Gehörs nicht gelungen ist, die Schlussfolgerungen zu entkräften. Allerdings ist zur Evaluation des Alltagswissens zu beme r- ken, dass die darin gemachten Ausführungen nicht in allen Belangen D-6373/2013 Seite 9 gleichermassen durchschlagend erscheinen. So erwiesen sich die An t- worten der Beschwerdeführerin nicht durchwegs als unzutreffend und e i- nige der von der Expertin angesprochenen Aussagen der Beschwerd e- führerin, die nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen würden, sind bei genauer Betrachtung n icht als vollends abwegig, sondern ledi g- lich als ungewöhnlich zu bezeichnen. Einige in der Evaluation angespr o- chene Aspekte lassen die Ausführungen der Alltagsspezialistin jedoch im Ergebnis betrachtet als zutreffend erscheinen. So machte die Beschwe r- deführerin hinsichtlich der Gewässer ihrer angeblichen Heimatregion fa l- sche Angaben, was aufgrund der grossen Bedeutung dieser Gewässer für die betreffende Region nur schwer nachvollziehbar ist. Ebenfalls über- zeugend ausgefallen sind die Ausführungen der Alltag sspezialistin zur Beschaffung der Lebensmittel. Zudem spric ht die Beschwerdeführerin kein Chinesisch, was ebenfalls als gewichtiges Indiz zu werten ist. So ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen ihres Al l- tags mit anderen Leuten in Kont akt gekommen und dabei mit dem in der Umgangssprache gebräuchlichen Chinesisch konfrontiert worden wäre und sich mit dieser Sprache schliesslich auch vertraut gemacht haben dürfte. Jedenfalls ist festzuhalten, dass für das Fehlen von einfachstem Chinesisch keine nachvollziehbaren Gründe angebracht wurden, zumal die Erklärung, sie habe keine Schule besucht, in Anbetracht der nicht u n- wesentlichen Durchdringung der Alltagssprache durch das Chinesische , zu kurz greift. Die Erklärung, nicht zu r Schule gegangen z u sein, da sie auf ihre Schwester aufgepasst h abe, vermag überdies vor dem Hinte r- grund, dass die Beschwerdeführerin bereits 15 Jahre alt war, als die Schwester geboren wurde, ohnehin nicht zu überzeugen. Schliesslich vermag die Beschwerdeführerin auch mit dem Einwand in der Beschwer- de, die Aufklärung über die Qualifikation des Spezialisten habe sich auf einen Mann bezogen, während das Interview von einer Frau geführt wo r- den sei, nicht durchzudringen, zumal bei der Aufklärung über Qualifikation standardmässig die männliche Form benutzt wird, selbst wenn es sich um eine Spezialistin handelt, und sich die vom BFM offengelegten Qualifik a- tionen auf die Person beziehen, welche tatsächlich die Alltagsevaluation vorgenommen hat. Ferner wird die Annahme einer Täuschung über die tatsächliche Herkunft durch die Aussagen anlässlich der BzP und der Anhörung verstärkt. So wies das BFM zu Recht auf diverse Widersprüchlichkeiten in den Ausfü h- rungen der Beschwerdeführerin zu den eigentlichen Fluchtgründen hin, wobei diesbezüglich – um Wiederholungen zu vermeiden – auf die in vor- stehender Erwägung 4.2 zusammengefassten vorinstanzlichen Ausfü h-D-6373/2013 Seite 10 rungen verwiesen werden kann. Zusätzlich ist noch auf einen weiteren Widerspruch hinzuweisen, indem die Beschwerdeführer in in de r Anh ö- rung zuerst ausführte, die DVD zweimal angesehen zu haben, einmal zu- sammen mit der Schwester und einmal mit 26 Personen zwei Tage vor der Ausreise (act. A11 F85 bis F87). Nachdem sie auf den Widerspruch hinsichtlich ihrer Aussage anlässlich der BzP , wonach sie die DVD am Tage ihrer Flucht gezeigt habe, angesprochen wurde, korrigierte sie ihre soeben gemachte Angabe dahingehend, dass die die Aufnahmen zwe i- mal denselben 26 Personen gezeigt habe, einmal zwe i Tage vor der Aus- reise und das zweite Mal am Tag der Ausreise (ebd. F92 bis F98). Im Z u- sammenhang mit der DVD -Vorführung fällt überdies auf, dass die Be- schwerdeführerin in der Anhörung angab, beim Publikum habe es sich um Grossväter und Grossmütter gehandelt (ebd. F88), während in der BzP eine Freundin und Fluch tgefährtin Erwähnung fand, die bei der Vo r- führung ebenfalls anwesend gewesen sei (act. A4 s. 7). Diese Freundin respektive Fluchtgefährtin wurde anlässlich der Anhörung nicht wieder erwähnt. Schliesslich ist auch die Ausreise pauschal und ohne Details geschildert worden, was sich nicht allein mit dem Einwand in der Beschwerde erkl ä- ren lässt, die Beschwerdeführerin habe unter grossem emotionale m Stress gestanden. Darüber hinaus weist das BFM zu Recht darauf hin, dass die eigentliche Reise in die Schweiz ohne Substanz beschrieben wurde und die Aussage, in Europa am Flughafen keine Ausweispapiere benötigt zu haben, allzu aussergewöhnlich erscheint. Ebenso vermag der Einwand in der Beschwerdeschrift, sie habe den Ausweis dem Schlepper überlassen und sie wisse nicht, wo sich jener befinde , nur bedingt zu überzeugen, verstrickte sich die Beschwerdeführer doch anlässlich der Beantwortung der Frage nach dem Verbleib des Ausweises in Widersprü- che (vgl. act. A11 F5 bis F15). Bei dieser Sachlage ist nicht weiter auf die eingereichten Beweismittel einzugehen. 5.4 Gestützt auf eine Gesamtwürdigung dieser Elemente ist in Überei n- stimmung mit dem BFM festzustellen , dass die Beschwerdeführerin über ihre Herkunft täuschende Angaben g emacht hat. In Anwendung der im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.10 entwickelten Rechtsprechung ist das Asylgesuch der Beschwe r- deführerin mithin abzulehnen , die Wegweisu ng zu bestätigen und der Vollzug für zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. D-6373/2013 Seite 11 5.5 Nachdem diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesische Staatsbürgerschaft besitzen, in Bezug auf China zumindest subjektive Nachfluchtgründe haben, weil sie als Unt erstützer des Dalai Lama und damit als separatistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet werden und – wiederum in Bezug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. BVGE 2009/29), ist an dieser Stelle, im Sinne einer Klarstellung und in Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 4 der angefochtenen Verfügung, (nochmals) darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeterinnen und somit auch für die Beschwerdeführerin ein Vollzug der Wegweisung nach China auszuschliessen ist, da ihnen dort gegebenenfalls eine unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist abzuweisen. 7. Da das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Si n- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 15. November 2013 gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-6373/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger Versand: