<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 81 S.344</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">344</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>81</b></span> <span class="ft2"><b>Ausstandspflicht.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Verletzung der Ausstandspflicht.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 3. Dezember 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen ARGE E. und Mitb. gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">5. g) bb) ccc) Bezüglich der von den Anbietern eingesetzten</span><br/> <span class="ft1">Materialien hat die Vergabestelle in den Ausschreibungsunterlagen</span><br/> <span class="ft1">festgehalten, dass sie sich vorbehalte, im Laufe der Bereinigung des</span><br/> <span class="ft1">Angebots zusätzliche Unterlagen und Bemusterungen zu verlangen;</span><br/> <span class="ft1">diesem Begehren sei innerhalb von 14 Tagen nachzukommen. In</span><br/> <span class="ft1">diesem Sinne ordnete die Vergabestelle eine Bemusterung der von</span><br/> <span class="ft1">den Zuschlagsempfängerinnen vorgeschlagenen Materialien an. Die</span><br/> <span class="ft1">Bemusterung fand am 29. Mai 2002 im Beisein von G. (Chefelektri-</span><br/> <span class="ft1">ker des Baudepartements), H. (Projektingenieur und Montageleiter)</span><br/> <span class="ft1">sowie E. und G. (als Vertretern der Zuschlagsempfängerinnen) statt.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerinnen beanstanden dabei zu Recht, dass G.,</span><br/> <span class="ft1">Chefelektriker im Elektrowerkhof N., also zuständig für den</span><br/> <span class="ft1">Bareggtunnel, als Vater eines zur Bemusterung eingeladenen Be-</span><br/> <span class="ft1">triebsinhabers an der Bemusterung teilnahm. Nach § 4 SubmD in</span><br/> <span class="ft1">Verbindung mit § 5 Abs. 1 VRPG dürfen Behördenmitglieder und</span><br/> <span class="ft1">Sachbearbeiter nicht beim Erlass von Verfügungen und Entscheiden</span><br/> <span class="ft1">mitwirken, wenn ein Ausstandsgrund im Sinne der Zivilprozessord-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">345</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nung vorliegt. Sie haben sich insbesondere dann in Ausstand zu be-</span><br/> <span class="ft1">geben, wenn sie selbst oder ihnen nahe verbundene Personen an der</span><br/> <span class="ft1">Verfügung oder dem Entscheid persönlich interessiert sind (Abs. 2).</span><br/> <span class="ft1">Ausstandspflichtig ist nicht nur, wer selber verfügt oder (mit-)ent-</span><br/> <span class="ft1">scheidet, sondern das Mitwirkungsverbot bezieht sich auf alle Perso-</span><br/> <span class="ft1">nen, die auf das Zustandekommen des Verwaltungsakts Einfluss</span><br/> <span class="ft1">nehmen können; dazu gehören namentlich auch Sachbearbeiter oder</span><br/> <span class="ft1">Protokollführer mit beratender Funktion (vgl. AGVE 1998, S. 362;</span><br/> <span class="ft1">VGE III/25 vom 25. September 2001 [BE.2001.00173] in Sachen</span><br/> <span class="ft1">Team T., S. 21; Peter Hänni / Marco Scruzzi, Zur Ausstandspflicht</span><br/> <span class="ft1">im Rahmen von Submissionsverfahren, in BR 1999, S. 131 ff., insb.</span><br/> <span class="ft1">S. 134 f.; Thomas Merkli / Arthur Aeschlimann / Ruth Herzog,</span><br/> <span class="ft1">Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege des Kan-</span><br/> <span class="ft1">tons Bern, Bern 1997, Art. 9 N 7; vgl. ferner Daniel Bircher / Stefan</span><br/> <span class="ft1">Scherler, Missbräuche bei der Vergabe öffentlicher Bauaufträge,</span><br/> <span class="ft1">Bern/Stuttgart/Wien 2001). Da die Ergebnisse der Bemusterung als</span><br/> <span class="ft1">Grundlage für die Beurteilung des Teilkriteriums "Qualität und Eig-</span><br/> <span class="ft1">nung der eingesetzten Komponenten" dienten, hat G. bei der Bewer-</span><br/> <span class="ft1">tung der Angebote mitgewirkt und damit die Zuschlagserteilung</span><br/> <span class="ft1">mitbeeinflusst. Er hätte somit nach Massgabe der erwähnten Vor-</span><br/> <span class="ft1">schrift in den Ausstand treten müssen. Auch dieser klare Verstoss</span><br/> <span class="ft1">gegen die Ausstandsregeln führt zur Aufhebung des Zuschlags. Es</span><br/> <span class="ft1">liesse sich sogar fragen, ob nicht das Submissionsverfahren als Gan-</span><br/> <span class="ft1">zes aufgehoben werden müsste. Indessen kann davon Umgang ge-</span><br/> <span class="ft1">nommen werden, weil der Wortlaut des Protokolls der Bemusterung</span><br/> <span class="ft1">keine Anhaltspunkte dafür enthält, dass anlässlich der Bemusterung</span><br/> <span class="ft1">Vorgänge stattfanden, welche den tragenden Prinzipien des Submis-</span><br/> <span class="ft1">sionsrechts</span> <span class="ft1">(Gleichbehandlungsgebot,</span> <span class="ft1">Diskriminierungsverbot,</span><br/> <span class="ft1">Transparenzgebot etc.) widersprechen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>