Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. November 2015 (715 15 237 / 289) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Anrechnung der Beitragszeit; Nachweis einer beitragspflichtigen Beschäftigung Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen KIGA Baselland , Postfach , 4133 Pratteln 1 , Beschwerdegegnerin Betreff Anrechnung der Beitragszeit A. Der 1961 geborene A.____ meldete sich am 10. Mär z 2014 bei seiner Wohnsitzge- meinde zur Arbeitsvermittlung an und erhob ab dem 1 . April 2014 Anspruch auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung (ALV). Im Antrag auf Arbei tslosenentschädigung vom 17. März 2014 gab er im Rahmen des Tätigkeitsnachweises für die l etzten zwei Jahre vor Geltendmachung des Leistungsanspruchs für die Zeit seines Gefängni saufenthaltes vom 17. Januar 2012 bis 14. März 2013 das Untersuchungsgefängnis B.____, da s Untersuchungsgefängnis C.____ und die Strafanstalt D.____ sowie für den Zeitraum vom 15. März 2013 bis 31. März 2014 die E.____ AG als Arbeitgebende an. Bei der E.____ AG i n F.____ war A.____ nachweislich vom 15. März 2013 bis zum 31. März 2014 arbeitstätig. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit Informationsschreiben vom 17. Juli 2014 teilte die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland (Kasse) A.____ mit, dass der versicherte Verdienst Fr. 5‘ 700.-- brutto und das Taggeld Fr. 183.85 betrage. Damit ergebe sich ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung von monat- lich Fr. 3‘989.55 brutto, wobei innert der Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 1. April 2014 bis 31. März 2016 ein Höchstanspruch von 260 Taggeldern bestehe. In der Folge teilte A.____ mit Schreiben vom 26. Augu st 2014 der Kasse mit, dass er im Jahre 2012 für die G.____ GmbH (heute: H.____ GmbH) tätig gewesen sei und dafür Lohn erhalten habe, von welchem auch die Beiträge an die Altersvorsor ge ordnungsgemäss bezahlt worden seien. Nach Vornahme von weiteren Abklärungen im Rahmen der Überweisung des Entscheids durch die Kasse hielt das Kantonale Amt für Industrie, Gewerb e und Arbeit (KIGA), Abteilung Ergän- zende Massnahmen, mit Verfügung vom 17. November 2014 fe st, dass das Arbeitsverhältnis bei der G.____ GmbH vom 17. Januar 2012 bis 31. Dezember 2012 nicht als Beitragszeit ange- rechnet werde. Zur Begründung führte es an, dass die ei ngereichten Unterlagen keine klaren Rückschlüsse auf die Ausübung einer beitragspflichtigen Be schäftigung während der Beitrags- zeit zuliessen. Er sei vom 17. Januar bis zum 31. Dezember 2 012 nachweislich im Strafvollzug gewesen und habe in dieser Zeit unbestrittenermassen keine Lohnzahlungen erhalten. Gemäss der eingereichten Vereinbarung vom 28. Juni 2013 übe r die geschuldete Lohnzahlung aus dem Jahre 2012, wonach der Versicherte auf einen Teil der L ohnforderung verzichte und damit ein zu zahlender Restbetrag von Fr. 5‘850.-- resultiere, sol lte dieser Betrag in den fünf darauffol- genden Jahren beglichen werden. Gemäss eingereichter Loh nabrechnung vom 12. Juni 2014 habe der Versicherte einen Betrag im Umfang von Fr. 9‘006.-- in bar erhalten. Aus dieser Lohn- abrechnung sowie auch den weiteren Unterlagen lasse sich aber kein Lohnfluss verifizieren und es sei insgesamt nicht mit überwiegender Wahrscheinlichke it nachgewiesen, dass der Versi- cherte während seines Strafvollzugs tatsächlich für die G. ____ GmbH gearbeitet habe. Die da- gegen erhobene Einsprache wies das KIGA mit Einspracheentscheid vom 29. Mai 2015 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit Eingabe vo m 8. Juli 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, in Aufhebung des angefochtenen Einspra cheentscheides vom 29. Mai 2015 sei das Arbeitsverhältnis mit der G.____ GmbH vom 17. Januar 2012 bis 31. Dezember 2012 als Beitragszeit anzurechnen. Zur Begründung machte er im We sentlichen geltend, dass die Be- schwerdegegnerin die im Einspracheverfahren vorgebrach ten Einwände und Beweise falsch oder gar nicht gewürdigt habe und daher von einem unzu treffenden Sachverhalt ausgegangen sei. Eine korrekte Würdigung der entscheidrelevanten T atsachen ergebe, dass die fragliche Tätigkeit für die G.____ GmbH im Jahre 2012 mit dem nötigen Beweisgrad erstellt sei. C. Mit Vernehmlassung vom 30. Juli 2015 beantragte di e Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde, wobei sie im Wesentlichen auf di e Sachverhaltsdarstellung und die Erwägungen im Einspracheentscheid vom 29. Mai 2015 verwies. Im Übrigen verzichtete sie auf weitere Ausführungen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die o bligatorische Arbeitslosenver- sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 kann der Bundesrat die örtliche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 regeln. Gemäss Art. 128 der Verordnu ng über die obligatorische Arbeitslosen- versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 richtet sich die Be- urteilung der Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsg erichts nach Art. 119 AVIV. Laut Art. 128 Abs. 2 AVIV ist für die Beurteilung von Beschw erden gegen Verfügungen (Einsprache- entscheide) einer kantonalen Amtsstelle das Versicherungs gericht desselben Kantons zustän- dig. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bild et ein Einspracheentscheid, den das KIGA Baselland als kantonale Amtsstelle im Sinne von Ar t. 85 AVIG erlassen hat, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltung sprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlu ng der vorliegenden Beschwer- de zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formge recht erhobene – Beschwerde vom 8. Juli 2015 ist demnach einzutreten. 2.1 Die versicherte Person hat Anspruch auf Arbeitslosenent schädigung (vgl. Art. 7 Abs. 2 lit. a AVIG), wenn sie unter anderem die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Bei- tragszeit befreit ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 13 und 14 AVIG). Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG hat die Beitragszeit erfüllt, wer innerhalb der dafü r vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitrags- zeit von zwei Jahren (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während minde stens zwölf Monaten eine beitrags- pflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (vgl. AVIG-Praxis B143). 2.2 Art. 13 Abs. 1 AVIG setzt eine beitragspflichtige B eschäftigung voraus. Nach Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG ist für die Arbeitslosenversicherung beitragspflichtig, wer nach dem Bundes- gesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (A HVG) vom 20. Dezember 1946 obli- gatorisch versichert und für Einkommen aus unselbständige r Tätigkeit beitragspflichtig ist, d.h. massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG bezie ht (vgl. BGE 122 V 251 E. 2b mit Hinweisen). Die Beitragspflicht einer versicherten unselbständigen Person entsteht mit der Leis- tung der Arbeit. Beiträge sind indessen erst bei Reali sierung des Lohn- oder Entschädi- gungsanspruchs geschuldet (vgl. BGE 111 V 166 f. E. 4 a und b). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist im Rahmen des Art. 13 Abs. 1 AVIG de shalb vorausgesetzt, dass die versi- cherte Person effektiv eine beitragspflichtige Beschäfti gung ausgeübt und der Arbeitgeber für diese Beschäftigung tatsächlich auch einen Lohn entricht et hat (vgl. BGE 128 V 190 E. 3a/aa; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 28. Februar 2003, C 127/02, E. 1). Mit dem Erfordernis des Nachweises ef- fektiver Lohnzahlung sollen Missbräuche im Sinne fiktiver Lohnvereinbarungen zwischen Ar- beitgeber und Arbeitnehmer verhindert werden (vgl. A rbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht [ARV] 2001 Nr. 27 S. 228 E. 4c). Als Beweis für den t atsächlichen Lohnfluss genügen Belege über entsprechende Zahlungen auf ein Post- oder Bankk onto, welches auf den Namen des Ar- beitnehmers lautet. Bei behaupteter Barauszahlung sind hohe Anforderungen an den Nachweis des Lohnflusses zu stellen. Dazu geeignet sind einerseits Lo hnquittungen oder durch die Steu- erverwaltung mit Lohnausweis deklarierte Einkommen, and ererseits durch ein Treuhandbüro geführte Geschäftsbücher sowie Auskünfte von ehemalige n Mitarbeitern – allenfalls in Form von Zeugenaussagen –, jeweils in Verbindung mit einem e ntsprechenden individuellen Konto- auszug der AHV (vgl. AVIG-Praxis B148). Höchstens Indizien für tatsächliche Lohnzahlungen bilden Arbeitgeberbescheinigungen und vom Arbeitnehme r unterzeichnete Lohnabrechnungen oder AHV-Lohnblätter sowie Steuererklärungen (vgl. BGE 133 V 447 E. 1.2 mit Hinweisen; Ur- teil des EVG vom 28. Juli 2004, C 250/03, E. 2.1; ARV 2004 Nr. 10 S. 115 ff.; vgl. auch: BARBARA KUPFER BUCHER , Der Nachweis des Lohnflusses als Voraussetzung für den Ans pruch auf Arbeitslosenentschädigung, in: Schweizerische Zeitschrift für Sozialversicherung und beruf- liche Vorsorge [SZS] 2005, S. 138 f.). 2.3 In BGE 131 V 444 ff. hat das EVG präzisierend festg ehalten, die bisherige Rechtspre- chung sei nicht in dem Sinne zu verstehen, dass eine b eitragspflichtige Beschäftigung über- haupt nur dann zur Bildung von Beitragszeiten führe, wenn und soweit der Nachweis tatsächli- cher Lohnzahlungen erbracht ist. Unter dem Gesichtspunkt der erfüllten Beitragszeit nach Art. 8 Abs.1 lit. e AVIG i.V.m. Art. 13 Abs. 1 AVIG sei die f aktische Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung während der geforderten Dauer die einzi ge Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (vgl. BGE 113 V 352 f.). Dem Nachweis tatsächlicher Lohnzahlung komme deshalb nicht der Sinn einer selbstständigen Ansp ruchsvoraussetzung zu, wohl aber jener eines bedeutsamen und in kritischen Fällen unter Umständen ausschlaggebenden Indizes für die Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftig ung. Das im Gesetz zwar nicht ausdrück- lich genannte, nach ständiger Rechtsprechung aber massgeb liche Erfordernis der genügenden Überprüfbarkeit der beitragspflichtigen Beschäftigung d iene der Verhinderung von Missbräu- chen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Dezember 2005, C 258/04, E. 3.2 mit Hinweis). Fehle es am Nachweis einer tatsächlich ausgeübten unsel bstständigen Tätigkeit, sei das An- spruchserfordernis nach Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG und Ar t. 13 AVIG nicht gegeben. Dies gelte auch dann, wenn als Lohn bezeichnete oder auf ein als solches bezeichnetes Lohnkonto erfolg- te Zahlungen des Arbeitgebers bestehen würden. Dieser Umstand bilde eben nur, aber immer- hin, ein bedeutsames Indiz für eine beitragspflichtige Beschäftigung (vgl. BGE 131 V 451 E. 3.2.2). 2.4 In zwei weiteren Urteilen (vgl. C 83/2006 vom 18. August 2006 und C 111/2006 vom 6. März 2007) hat die höchstrichterliche Rechtsprechung ebenfalls präzisierend festgehalten, der Umstand, dass eine tatsächliche Lohnzahlung nicht hin reichend belegt werden könne, be- deute nicht, dass der Anspruch auf Arbeitslosenentschädig ung kurzerhand abzulehnen wäre. Massgebend sei nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes einzig, dass innerhalb der Rahmen- frist für die Beitragszeit eine beitragspflichtige Beschä ftigung während der Mindestdauer von zwölf Monaten rechtsgenüglich dargetan sei. Soweit eine beitragspflichtige Beschäftigung nachgewiesen, der exakt ausbezahlte Lohn jedoch unklar geblieben sei, habe eine Korrektur über den versicherten Verdienst zu erfolgen (vgl. Urtei l des EVG vom 18. August 2006, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht C 83/2006, E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 131 V 451 E. 3 .2.3). Was die Einkommenshöhe betref- fe, habe sich die mangelnde Bestimmbarkeit der Lohnhöh e diesfalls grundsätzlich zu Unguns- ten der versicherten Person auszuwirken (vgl. Urteil des B undesgerichts vom 6. März 2007, C 111/2006, E. 3.4). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten de r Parteien (vgl. BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist j edoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriff snotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherun gsgerichts ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es si ch als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdi gung einen Sachverhalt zu ermit- teln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (vgl. BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO i.V.m. Art. 61 Satz 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfügende I nstanz und – im Beschwerdefall – das Ge- richt dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bewiese n annehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicherungsrecht hat d as Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Bewei sgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jen er Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wah rscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, je mit Hinweisen). 4.1 Wie sich aus dem eingangs Ausgeführten ergibt, ist vor liegend unbestritten, dass der Beschwerdeführer innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 1. April 2012 bis 31. März 2014 bei der E.____ AG nachweislich einer beitragspfl ichtigen Beschäftigung von 12 Monaten und 15 Tagen nachgegangen ist. Für diesen Zeitraum ha t der Beschwerdeführer die Lohnzah- lungen mittels Überweisung auf sein Postkonto belegt, w as rechtsprechungsgemäss als Nach- weis für den tatsächlichen Lohnfluss genügt (vgl. E. 2.2 hiervor). Ferner ist nicht streitig, dass für die Taggeldberechnung in dieser Zeit ein versichert er Verdienst von monatlich Fr. 5‘700.-- brutto massgebend ist. Streitig und zu prüfen ist hing egen, ob er diesen Nachweis auch für die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zeit vom 17. Januar 2012 bis 31. Dezember 2012 erbrin gen und diese Zeit an die Beitragszeit gemäss Art. 9 Abs. 1 AVIG angerechnet werden kann, so d ass zusammen mit der nachgewie- senen Beitragszeit von 12 Monaten und 15 Tagen die Sch welle von 18 Monaten überschritten würde, was zu einem Taggeldhöchstanspruch von 400 führen würde. 4.2 Wie bereits ausgeführt, genügen als Beweis für den tatsächlichen Lohnfluss Belege über entsprechende Zahlungen auf ein Post- oder Bankk onto, welches auf den Namen des Ar- beitnehmers lautet (vgl. E. 2.2 hiervor). Für Persone n, die vor der Anmeldung zum Bezug von Leistungen der ALV keine arbeitgeberähnliche Stellung innehatten, gelingt der Nachweis des Lohnbezuges und damit der beitragspflichtigen Beschäft igung in der Regel mittels Arbeitgeber- bescheinigungen und Lohnabrechnungen. Hat die Arbeitsl osenkasse jedoch begründete Zwei- fel, ob der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit de r versicherten Person korrekt bescheinigt oder ob ein solches überhaupt bestanden hat, muss sie wei tergehende Abklärungen treffen (vgl. AVIG-Praxis B145). Im vorliegenden Fall besteht ei ne ungewöhnliche Ausgangslage, da der Beschwerdeführer, in der Zeit, für die er eine b eitragspflichtige Beschäftigung geltend macht, im Strafvollzug war. Die von ihm behauptete Ar beit besteht sodann nicht in einer an- staltsinternen vermittelten Tätigkeit, sondern in einer individuellen Tätigkeit für eine kleine GmbH in der Bau- und Metallbaubranche in I.____, fü r die er gemäss einem eingereichten Ar- beitsvertrag seit 1. November 2001 in einem Vollpensu m von 43 Stunden in der Woche tätig gewesen sein soll, und dies obschon er während dieser g anzen Zeit seinen eigenen Angaben zufolge gar nie in der Schweiz, sondern immer auf der Flucht im Ausland war. Obwohl für eine solche externe Beschäftigung im Sinne von Art. 81 Abs. 2 des Schweizerischen Strafgesetzbu- ches (StGB) vom 21. Dezember 1937 eine Bewilligung erforderlich ist, wurde eine solche Bewil- ligung nie beantragt und auch nie erteilt (vgl. zum B ewilligungserfordernis Ziff. 2.5 der Exter- natsrichtlinien Straf- und Massnahmenvollzug des Strafvol lzugskonkordats der Nordwest- und Innerschweiz vom 3 November 2006). Unter diesen Umständen sind höhere Anforderungen an den Nachweis einer tatsächlichen Beschäftigung zu stellen . Die Kasse war deshalb nicht nur berechtigt, sondern vielmehr verpflichtet, die Umstände im konkreten Fall genauer abzuklären. 4.3 Als Nachweis für die Ausübung einer beitragspflichti gen Beschäftigung beruft sich der Beschwerdeführer unter anderem auf eine DVD, welche u mfangreiche Korrespondenzarbeiten, die er während seines Gefängnisaufenthaltes für die G. ____ GmbH erledigt habe, dokumentie- re sowie auf Bestätigungen von seinem damaligen Zelle nnachbar in der Strafanstalt D.____, J.____, und von einem ehemaligen Mitarbeiter der G.__ __ GmbH, K.____. Der beigebrachte Datenträger enthält zwar zahlreiche Dokumente (Gerichtsurteile, persönliche Briefe, Zeitungsar- tikel), die vorwiegend auf das Jahr 2002 datiert sind. Indessen finden sich unter den unüber- sichtlich angeordneten und weder nach Themengebiet noc h chronologisch gegliederten Datei- en, keine aus dem Jahre 2012, welche eine entsprechende Tätigkeit in Form von Korrespon- denzarbeiten oder ähnlichen Aufgaben im Rahmen eines a ngeblich seit 1. November 2001 be- stehenden Arbeitsverhältnisses auch nur in den Grundzügen belegen würden. Der Beschwer- deführer stellt sich zwar wiederholt auf den Standpunkt , er habe Korrespondenz für die G.____ GmbH erledigt und Offerten erstellt, unterlässt es aber nicht nur in Bezug auf die DVD, sondern ganz allgemein präzisere Ausführungen hinsichtlich der angeblich für die G.____ GmbH ausge- führten Arbeiten zu machen und diese mit konkreten Doku menten zu belegen. Namentlich ist Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht einmal bekannt, welche Art von Korrespondenz mit welchen Adressaten er geführt und welche Offerten für welche Kunden und welche Projekte e r erstellt haben soll, womit die Tätig- keit sehr vage und wenig glaubwürdig erscheint. Die best ehenden Zweifel an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung werden ferner durch die – im Widerspruch zu den Aus- führungen in der Einsprache stehende – Aussage des mit den fehlenden Hinweisen auf eine entsprechende Beschäftigung konfrontierten Beschwerdefü hrers bekräftigt, wonach sich die Korrespondenzen im Zusammenhang mit den geschäftliche n Aktivitäten der G.____ GmbH vorwiegend im Besitz derselben und nicht alle auf der DVD finden würden. Dies umso mehr, als es dem Beschwerdeführer oder seinem Arbeitgeber doch u nbenommen gewesen wäre, die entsprechenden Dokumente im vorliegenden Verfahren beizubringen. Auch die ins Recht ge- legten Bestätigungen vermögen, mangels detaillierterer Angaben, an der geringen Glaubwür- digkeit einer tatsächlich ausgeübten Tätigkeit nichts zu ändern. Diesen Bestätigungen kommt aber auch aus folgenden Gründen geringe Beweiskraft zu: Wie die Beschwerdegegnerin richtig erkannte, mutet es in Bezug auf die Ausführungen von J. ____ zum einen etwas seltsam an, dass der Beschwerdeführer, als Arbeitnehmer, einem Mith äftling vertrauliche Geschäftsunterla- gen zum Korrekturlesen anvertrauen würde. Zum anderen vermag es angesichts des Bewilli- gungserfordernisses einer externen Beschäftigung im Sin ne von Art. 81 Abs. 2 StGB nicht ein- zuleuchten, dass – wie es der Beschwerdeführer behauptet – sowohl der Leiter als auch der Sozialarbeiter der Strafanstalt D.____ von ihm persönli ch über seine Tätigkeit für die G.____ GmbH informiert worden seien und das Wachpersonal den D atenträger regelmässig auf seinen Inhalt hin untersucht habe, aber keine der genannten verantwortlichen Personen weitere Abklä- rungen in die Wege geleitet hat. Wie bereits ausgefüh rt, wurde nie eine Bewilligung für eine externe Beschäftigung beantragt, geschweige denn eine solche erteilt. Auch von behördlicher Seite kann niemand eine entsprechende Tätigkeit bestätigen. Im Schreiben vom 12. März 2015 bestätigt Frau L.____ vom Straf- und Massnahmenvollzug de s Kantons Basel-Landschaft zwar, dass dem Beschwerdeführer auf Betreiben seines Anwalts d ie Benutzung eines Laptops bewil- ligt wurde. Als Zweck der Bewilligung wurde aber die S ichtung umfangreicher Akten im Zu- sammenhang mit einem neuen Strafverfahren angegeben, was auch die sich auf der einge- reichten DVD befindlichen Strafverfahrensakten erklären könnte. Was hingegen die Arbeitstä- tigkeit für einen externen Arbeitgeber angeht, so wusste Frau L.____ erklärtermassen nichts davon. Auch der stellvertretende Bereichsleiter der Str afanstalt D.____ konnte keine regelmäs- sige Arbeit für die G.____ GmbH bestätigen (vgl. Besch werdebeilage Nr. 6.7). Schliesslich ver- mag es auch aus Praktikabilitätsgründen nicht einzuleuc hten, wie unter den vorliegenden Um- ständen ein entsprechendes Arbeitsverhältnis mit einem me hr oder weniger regelmässigen Ar- beitspensum habe vonstattengehen sollen, zumal mangels g enauerer Angaben des Beschwer- deführers eine diesbezügliche Überprüfung ohnehin ver unmöglicht wird. Hinzu kommt, dass es vorliegend an jeglichen Elementen für eine unselbständ ige Tätigkeit fehlt. Weder die Arbeits- räumlichkeiten noch die Arbeitsinstrumente werden vom Ar beitgeber zur Verfügung gestellt o- der finanziert. Ferner ist der Arbeitgeber genauso wen ig in der Lage die Arbeitszeit zu bestim- men, wie seine Weisungskompetenz unmittelbar auszuüben. Soweit in tatsächlicher Hinsicht überhaupt von einer Tätigkeit für die G.____ GmbH a usgegangen werden kann, erscheint sie indes nicht als Tätigkeit eines unselbständigen Arbeitnehmers. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Die ungewöhnliche Ausgangslage zeigt sich auch in de r Entschädigung für die angeb- lich für die G.____ GmbH geleistete Arbeit. Anders als dies bei einer unselbständigen Tätigkeit üblich ist, wurde der Beschwerdeführer für seine behaup tete Tätigkeit nicht mit monatlichen Lohnzahlungen entschädigt. Vielmehr wurde die Frage des Lohnanspruches erst rund ein hal- bes Jahr nach Entlassung aus dem Strafvollzug überhaupt th ematisiert. Dabei verzichtete der Beschwerdeführer in der eingereichten Vereinbarung vo m 28. Juni 2013 über die geschuldete Lohnzahlung aus dem Jahre 2012 – wovon in Abweichung d es Arbeitsvertrages vom 8. Oktober 2001 ohnehin aufgrund eines vorliegend ebenso wenig ü berprüfbaren, angeblich situationsbe- dingt reduzierten Arbeitsumfanges nur noch ein geschuld eter Betrag von Fr. 18‘000.-- (monat- lich 1‘500.--) vereinbart wurde – sogleich auf mehr al s die Hälfte der Lohnforderung. Für den Restbetrag wurde eine Zahlungsfrist von fünf Jahren eingeräumt. Ein monatlicher Lohnfluss der als bedeutendes Indiz für die Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung zu werten wäre, wird bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal geltend gemach t. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts soll die Tatsache von bei Eintritt der A rbeitslosigkeit noch nicht realisierten Ent- gelten für in unselbständiger Stellung geleistete Arbe it zwar nicht zu Lasten der versicherten Person gehen. Es muss aber aufgrund der gesamten Umstän de als erstellt gelten, dass der Versicherte eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeü bt hat, um dem im Gesetz zwar nicht ausdrücklich genannten, nach ständiger Rechtsprechung abe r massgeblichen Erfordernis der genügenden Überprüfbarkeit einer solchen Beschäftigung gerecht zu werden (vgl. BGE 131 V 449 E. 3.1.1 ff.). Wie nachfolgend darzulegen sein wird, gelingt es dem Beschwerdeführer auch mit seinen weiteren Dokumenten, die vorwiegend unter dem Aspekt tatsächlicher Lohnzahlung zu würdigen sind, nicht, die erforderliche beitragspflichtige Beschäftigung mit dem im Sozialver- sicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. 4.4.1 Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zusammenha ng auf die geleisteten AHV- Beiträge verweist, ist festzuhalten, dass der gemäss Verei nbarung vom 28. Juni 2013 über die Lohnzahlung aus dem Jahre 2012 angeblich noch geschuld ete Betrag von Fr. 18‘000.-- zwar der Ausgleichskasse Basel-Landschaft gemeldet wurde. Zu be rücksichtigen ist aber, dass ein IK-Auszug bei behaupteter Barauszahlung praxisgemäss nich t für sich alleine, sondern nur je- weils in Verbindung mit Lohnabrechnungen oder dem bei der Steuerverwaltung deklarierten Einkommen geeignet ist, einen Lohnfluss zu belegen. Die erst ein Jahr nach der erwähnten Vereinbarung, in Kenntnis der arbeitslosenversicherungsrech tlichen Abklärungen erstellte Lohnabrechnung vom 12. Juni 2014 vermag angesichts der konkreten Gegebenheiten den Nachweis dafür, dass die Barlohnzahlungen, deren Erhalt der Beschwerdeführer nur mit seiner Unterschrift bestätigt hat, auch effektiv erfolgt sind, nicht zu erbringen und kann somit kein ent- scheidendes Indiz für einen Lohnfluss bilden. Dies umso wen iger, als es vorliegend an einem schlüssigen Beweis fehlt, wonach dieser Betrag auch tatsächlich ausbezahlt wurd e. Auch die weiteren vom Beschwerdeführer vorgelegten Belege sind nicht geeignet, einen effektiven Lohn- fluss zu belegen. Dies gilt namentlich für die Arbeitgeb erbescheinigung vom 16. September 2014 und das Kündigungsschreiben vom 8. September 2012 die, mangels anderweitiger Be- weise, als blosse Parteibehauptungen zu qualifizieren und le diglich als Indizien für eine bei- tragspflichtige Beschäftigung zu werten sind (vgl. E. 2.2 hiervor). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.2 Was schliesslich die fehlende Deklaration des gelten d gemachten Einkommens bei der Steuerverwaltung für die Steuerperiode 2012 anbelan gt, so ist dem Beschwerdeführer zwar insoweit beizupflichten, als diese angesichts der angeblich erst nach Entlassung aus der Straf- anstalt erfolgten Zahlung auch erst in der Steuererklä rung 2014 angegeben werden müsste. Entsprechend liegt auch noch keine definitive Steuerver anlagung für diese Steuerperiode vor. Indessen wäre es dem Beschwerdeführer möglich gewesen d iesen Nachweis in Form der Steuererklärung 2014 zu erbringen, deren Einreichungs frist zum Zeitpunkt der Beschwerdeer- hebung am 8 Juli 2015 bereits abgelaufen war. 5. Zusammenfassend lässt sich gestützt auf die vorliegenden A kten weder auf eine Ar- beitstätigkeit des Beschwerdeführers für die G.____ GmbH während der Zeit seines Strafvoll- zugs vom 17. Januar 2012 bis 31. Dezember 2012 schliessen , noch liegen geeignete Belege für eine tatsächlich erfolgte Lohnzahlung während di eses Zeitraums vor. Damit gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, die erforderliche beitragspflich tige Beschäftigung mit dem im Sozial- versicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit nachzuwei- sen. Dies führt zur Beweislosigkeit, deren Konsequenzen de r Beschwerdeführer tragen muss. Demnach kann ihm diese Zeit nicht an die Beitragszeit gemäss Art. 9 Abs. 1 AVIG angerechnet werden, womit es bei der Festsetzung des Höchstanspruchs auf 260 Taggelder sein Bewenden haben muss. Bei diesem Ergebnis ist die Beschwerde abzuweisen. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Mitteilung an Parteien Direktion für Arbeit (seco) Präsident Gerichtsschreiberin