B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1907/2012 U r t e i l v o m 1 6 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiber Jonas Tschan. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Guido Ehrler, Advokat, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. März 2012 / N (…). E-1907/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Tamile mit letztem Wohnsitz in B._______ (Nordwestprovinz), verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 3. März 2009 über Colombo auf dem Luftweg. Er flog auf die M aledi- ven und von dort weiter in die Sch weiz. Am 4. März 2009 suchte er im Flughafen Zürich um Asyl nach. Daselbst fand en am 5. März 2009 die Kurzbefragung und am 12. März 2009 die Anhörung statt. B. Mit Zwischenverfügung vom 4. März 2009 verweigerte das BFM dem B e- schwerdeführer die Einreise in die Schweiz vorläufig und wies ihm für die Dauer von maximal 60 Tagen den Transitbereich des Flughafens als Auf - enthaltsort zu. C. Anlässlich der Befragung und der Anhörung brachte der Beschwerdefüh- rer vor, er komme aus Jaffna und habe dort (…) gearbeitet. Er habe in ei- nem Club (…) und (…) gespielt. Die Clubmitglieder seien unter Zwang von den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) trainiert worden, er sel- ber sei jedoch nicht zu diesem Training gegangen. Er habe ein Motorrad besessen, welches ihm von den LTTE im Jahre (…) weggenommen wor- den sei. Das Motor rad sei offenbar für Anschläge benutzt worden. Eines Tages hätten Soldaten ihn angehalten, ihm seine Identitätskarte abge- nommen und ihn angewiesen, in ein Camp zu kommen. Man habe ihm vorgeworfen, zu den LTTE zu gehören; er habe dort auch das Motorrad gesehen. Er sei geschlagen und befragt worden. Zwar habe er gleiche n- tags wieder gehen können, aber einige Tage danach sei sein Haus durchsucht worden. Er habe jeden Tag in das Camp gehen und dort seine Unterschrift leisten müssen ; fast immer sei er dabei geschlagen worden und man habe ihm gedroht. Auch sei er von einem (…) gesucht worden. In einem Fisch erboot habe er sich deshalb von C._______ nach B._______ begeben; von dort sei er weiter nach Colombo gegangen, wo er bei seinem Chef habe arbeiten können . Im (…) sei er von der Polizei festgenommen worden. Nachdem sein Chef eine Zahlung ge leistet habe, sei er nach einem Tag freigekommen. Später sei er noch einmal festge- nommen und in das Gefängnis D._______ gebracht worden. Er sei dort (…) gewesen, wobei man ihn geschlagen und befragt habe. Erneut habe sein Chef daf ür gesorgt, dass er gegen eine Geldzahlung freigekommen sei. Im (…) sei dieser gek idnappt worden. Danach sei er mit seinem Ar-E-1907/2012 Seite 3 beitskollegen nach B._______ gegangen, woher dieser stamme. Er sei dort vom CID (Criminal Investigations Department) befragt worden; man habe ihm eine Frist von (…) zum Verlassen von B._______ gesetzt. Da er nicht nach Jaffna habe zurückgehen können, habe die Familie seine Aus- reise organisiert. Gefragt nach weiteren Ausreisegründen brachte der Beschwerdeführer einzig vor, es gebe keine Sicherheit für ihn. Er gab eine Identitätskarte zu den Akten und legte mehrere Beweismittel ins Recht (vgl. Beweismittel-Couverts bei den Vorakten). D. Am 18. März 2009 bewilligte das BFM dem Beschwerdeführer die Einre i- se in die Schweiz und wies ihn für die Dauer des Verfahrens dem Kanton E._______ zu. E. Das B undesamt lehnte mit am 7. März 2012 eröffneter Verfügung vom 5. März 2012 das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, wies ihn aus der Schweiz weg und beauftragte den Kanton E._______ mit dem Vol l- zug. F. Durch seine Rechtsvertretung liess der Beschwerdeführer d iesen Ent- scheid beim Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe vom 10. April 2012 anfechten. In materieller Hinsicht beantragte er die Aufhebung der vor - instanzlichen Verfügung und die Anweisung an das Bundesamt, ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei er vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Gew ährung der une ntgeltlichen Prozessfüh- rung mit dem Rechtsvertreter als Rechtsbeistand. G. Der vormals zuständige I nstruktionsrichter bestätigte am 11. April 2012 den Eingang der Beschwerde und verschob den Entscheid über die Ve r- fahrensanträge auf einen späteren Zeitpunkt. H. Nach Eingang der in Aussicht gestellten Fürsorgebestätigung verfügte der Instruktionsrichter am 1. Mai 2012, das Gesuch über die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werde gutgeheissen; das Gesuch um E-1907/2012 Seite 4 unentgeltliche Rechtsverbeiständung wies er ab. Gleichzeitig ersuchte er das BFM, sich innert Frist zur Beschwerde vernehmen zu lassen. I. In seiner Vernehmlassung vom 9. Mai 2012 hielt das Bundesamt an se i- ner angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der B e- schwerde. J. Der Beschwerdeführer hielt in seiner Replik vom 21. Februar 2013 , der weitere Beweismittel beilagen, an seinen Anträgen fest. K. In der Folge wurde ein weiterer Schriftenwechsel durchgeführt. Sowohl das BFM in seiner zweiten Vernehmlassung vom 2 8. Mai 2013 als auch der Beschwerdeführer in dessen Stellungnahme vom 6. Juni 2013 hielten an den gestellten Anträgen fest. Gleichzeitig reichte der Rechtsvertreter eine aktualisierte Honorarnote zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 der Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahrens (VwVG, SR 172.021 ). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beur teilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgese t- zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-1907/2012 Seite 5 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berü hrt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Fre iheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM führte zur Begründung seines Entscheides aus, die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers könnten nicht zur Anerkennung der Flüch t- lingseigenschaft führen. Er sei zwar im Jahre (…) (…) anlässlich einer Razzia vorübergehend festgenommen worden, aber diese Festnahmen seien mangels Intensität asylrechtlich nicht beachtlich, zumal sie keine konkreten Verfolgung s-E-1907/2012 Seite 6 massnahmen nach sich gezogen hätten. Dies gelte auch für die ihm au f- erlegte Meldepflicht. Die erste Festnahme sei gezielter Natur gewesen, indessen sei sie im Zusammenhang mit der damals angespa nnten Kriegssituation zu sehen; gleiches gelte für die zweite Festnahme. Die Behörden hätten den B e- schwerdeführer nicht nach wenigen Tagen aus der Haft entlassen, wenn er tatsächlich politischer Aktivitäten zugunsten der LTTE verdächtigt wor- den wäre. Dies belege auch de r Umstand, dass er anlässlich einer Pe r- sonenkontrolle nicht in Gewahrsam genommen, sondern lediglich aufg e- fordert worden sei, B._______ zu verlassen. Im Übrigen verfüge der Beschwerdeführer nicht über ein Profil, das ihn zum heutigen Zeitpunkt gegenüber den sri-lankischen Behörden verdäch- tig machen könnte. Er sei eigenen Angaben zufolge nie Mitglied der LTTE gewesen. Diese seien zerschlagen und verfügten nicht mehr über die nö- tigen Ressourcen, um ihn zur Verantwortung ziehen. Somit seien den Akten keine genügend konkreten Hinweise dafür zu en t- nehmen, der Beschwerdeführer habe im Falle seiner Rückkehr nach Sri Lanka mit erheblicher Wahrschein lichkeit damit zu rechnen, in absehb a- rer Zeit seitens der heimatlichen Behörden oder de n LTTE Verfolgungs- massnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu sein. Die Vorbringen hielten den Anforderungen an die Flüchtlin gseigenschaft nicht stand, und an dieser Einschätzung würden auch die eingereichten Dokumente nichts ändern, werde doch die Glaubhaftigkeit nicht in Frage gestellt. Demnach sei das Asylgesuch abzulehnen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfü lle, greife auch der Grundsa tz der Nichtrückschiebung (Art. 5 Abs. 1 AsylG) nicht. Zudem würde es keine Anhaltspunkte daf ür geben, dass ihm im Falle e i- ner Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verbotene Stra- fe oder Behandlung drohe. Eine Rückkehr nach Sri Lanka erweise sich im asyl- und völkerrechtlichen Sinn als zulässig. Der Beschwerdeführer stamme aus dem Distrikt Jaffna. Aus den Akten gehe nicht hervor, er würde bei einer Rückkehr dorthin aus individuellen E-1907/2012 Seite 7 Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten, welche einen Wegweisungsvol l- zug als unzumutbar erscheinen liesse. Er verfüge über eine solide Schu l- ausbildung und über Berufserfahrung. Die Eltern und Brüder lebten in F._______, womit ein famil iäres Beziehungsnetz und eine gesicherte Wohnsituation vorausgesetzt werden könne. Im Weiteren habe er den grössten Teil seines Lebens in Sri Lanka verbracht, und er sei mit seinen (…) in einem Alter, das einer Reintegration nach relativ kurzer Landesab- wesenheit nicht entgegenstehe. Weder die vor Ort herrschende Siche rheitslage noch individuelle Gründe würden gegen einen Wegwe isungsvollzug sprechen. Somit erweise sich dieser auch als zumutbar. Er sei zudem technisch möglich und praktisch durchführbar. 4.2 Der Beschwerdeführer hält diesen Erwägungen in der Rechtsmit- teleingabe nach einer Zusammenfassung des Vorgefallenen entgegen, die Ausführungen des BFM zur mangelnden Zielgerichtetheit des Vorge- hens der Armee in Jaffna im Jahre (…) seien unzutreffend. Er sei nicht bei irgendwelchen Kontrollen festgenommen worden, sondern die Fest- nahmen seien jeweils im Hause seiner Eltern erfolgt. Man habe ihn ko n- kret verdächtigt, die LTTE zu unterstützen. Völlig an der Sache vo rbei würden die Ausführungen der Vorinstanz zur mangelnden Intensität gehen. Die Verfolgungsmassnahmen der Armee müssten in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Er sei im Rahmen der zweiten Inhaftierung im Jahre (…) schwer gefoltert worden. Zusammen mit der täglichen Meldepflicht während (…) sei das Merkmal der Intensität bei weitem erfüllt. Die Auferlegung der Meldepflicht sei keine legitime staatliche Verfolgung. Sie habe seine Kontrolle bezweckt, zudem habe man ihn mit dieser Massnahme gedemütigt, habe man ihn doch jeweils im Camp für die Öf- fentlichkeit sichtbar stehen lassen. Die Sicherheitskräfte in Sri Lanka würden gleichzeitig und oftmals vo n- einander unabhängig operieren. Hinzu würden die Aktivitäten paramilitäri- scher Gruppierungen kommen. Gerichtsnotorisch komme es zu Entfüh- rungen, ohne dass die Behörden ermitteln würden. Die Entführungen se i- en mangels Schu tzwille dem Staat zurechenbar. Der Beschwerdeführer sei erst dann nach Colombo geflüchtet, als er konkret durch eine Entfü h-E-1907/2012 Seite 8 rung bedroht gewesen sei. Auch dies e den Behörden zurechenbare Nachstellung sei asylrelevant. Hätte er sich weiter hin im Norden au f- gehalten, wäre er Gefahr gelaufen, entführt zu werden und zu verschwi n- den. Das BFM anerkenne, dass die erste Inhaftierung gezielter Natur gewesen sei. Dies gelte entgegen der Auffassung der Vorinstanz auch für die zwei- te Festnahme; er sei von den Sicherheits kräften gezielt gesucht worden, von einer Razzia könne keine Rede sein. Beide Festnahmen beziehungsweise deren Umstände seien asylrelevant. Das B undesamt verschweige, dass er nach den polizeilichen Anhaltu n- gen jeweils dem CID übergeben worden sei; dort habe man ihn massiv gefoltert. Er sei denn auch nur durch Bestechung von hohen CID - Beamten freigekommen. Nach der zweiten Festnahme sei er dem Richter vorgeführt und anschliessend (…) im Gefängnis festgehalten worden. Dabei habe man ihn wiederum massiv geschl agen, und es sei an ihm "Waterboarding" durchgeführt worden. Diese Folter sei asylrelevant. Die Freilassung nach einer Woche spreche nicht gegen den Tatverdacht der Behörden. Ohne einen solchen wäre er nicht erkennungsdienstlich behandelt und sogar mit ein er Videokamera gefilmt worde n. Frei sei er nur gekommen, weil massiv bestochen worden sei. Es könne davon au s- gegangen werden, dass die lokale Einheit nichts vom vorliegenden B e- weismaterial gewusst habe, weshalb ihm lediglich ein Gebietsverbot au f- erlegt worden sei. Es stehe fest, dass die sri -lankischen Behörden ihn als potenzielles LTTE-Mitglied registriert hätten. Werde die Vorverfolgung in Jaffna einb e- zogen, habe er die Flüchtlingseigenschaft zum Zeitpunkt seiner Fluc ht aus Sri Lanka erfüllt gehabt. Für die Beurteilung der heutigen Lage werde auf das Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 27. Oktober 2011 (E-6220/2006) verwie- sen. Nach der Rechtsprechung des EGMR (Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte) sei zwar nicht in genereller Weise davon auszugehen, zurückkehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behandlung. Es seien aber risikobegründende Faktoren mitzuberücksichtigen. Der EGMR ne n- ne namentlich Aspekte wie frühere Registrierung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE-Mitglied. Gemäss mehreren Berichten sei die Men- schenrechtslage in Sri Lanka unverändert schlecht. Vor diesem Hinter-E-1907/2012 Seite 9 grund sei zu beurteilen, ob ihm im heutigen Zeitpunkt das Asyl zuerkannt werden müsse. Er sei mehrmals inhaftiert worde n, man habe ihm gedroht , und es g ebe über ihn bei den Behörden Akten. Aufgrund der unbestrittenen me hrfa- chen Registrierung und der aufgezeigten Vorverfolgung müsse ihm Asyl erteilt werden. Sollte diese als nicht asylrelevant bezeic hnet werden, sei er in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 4.3 Das Bundesamt merkte in seiner Vernehmlassung zu diesen Ausfüh- rungen an, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tat- sachen oder Beweismittel, welch e eine Änderung seines Sta ndpunktes rechtfertigen könnten. Zur Rüge, die erlittene Folter werde zu wenig berücksic htigt, sei festzu- halten, dass vergangene Verfolgung und die damit verbundenen Beei n- trächtigungen – wie bereits im angefochtenen Entscheid ausgeführt – nur dann asylrelevant seien, wenn konkrete Hinweise auf eine zukünftige Ver- folgung bestehe. Letzteres treffe jedoch nach Einschätzung des BFM nicht zu. Im Übrigen werde vollumfänglich auf die angefochtene Verfügung verwie- sen, der nichts beizufügen sei. Es werde Abweisung der Beschwerde b e- antragt. 4.4. Der Beschwerdeführer führte in seiner Replik unter Beilage von Be- weismitteln zur Vernehmlassung des BFM aus, dessen Vorbringen seien in mehreren Gesichtspunkten unzutreffend. Er weise ein typisches G e- fährdungsprofil auf. Das Bundesamt hätte einlässlich begründen müssen, weshalb aktuell keine Gefährdung mehr bestehe. Er habe am 23. April 2012 Unterlagen seiner Mutter erhalten, wonach ihn die Armee am (…) in der Wohnung in F._______ gesucht habe. Weil er sich dannzumal bereits in der Schweiz aufgehalten habe, hätten die So l- daten seinen Bruder mitgenommen und diesen so schwer misshandelt, dass er (…) im Spital habe verbringen müssen. Seine Mutter habe sich nach dem Vorfall an das Rote Kreuz gewendet, welches schriftlich best ä- tigt habe, dass es die Beschwerde untersucht habe und sie als wahr bes- tätigen könne. Das Rote Kreuz gehe davon aus, dass er sich in Gefahr befinden würde, sollte er nach Sri Lanka zurückkehren. E-1907/2012 Seite 10 Mithin sei nicht nur glaubhaft gemacht, sondern nachgewiesen, dass er in Sri Lanka asylrelevant gefährdet sei. 5. 5.1 5.1.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu - chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei- le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft be gründeterweise befürch- ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure z u- gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). A ufgrund der Subsidiarität des flüchtling s- rechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland ke i- nen adäquaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVG E 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurte i- lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer so l- chen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist je doch im Ra h- men der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls w e- sentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zw i- schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1 S. 507 f., BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 f.). 5.1.3 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeit - punkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba- rer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft ve r- wirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der e r- warteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive er - folgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrek urs- kommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). E-1907/2012 Seite 11 5.2. 5.2.1 Vorweg hält das Gericht fest, dass für die Anerkennung der Flüch t- lingseigenschaft, um die es vorliegend geht, der Zeitpunkt des Asylen t- scheides massgeblich ist. Es ist zu prüfen, ob die Furcht vor Verfolgung in diesem Zeitpunkt (noch) besteht und begründet ist, wobei seit der Ausre i- se eingetretene Veränderungen der objektiven Situation im Verfolgerstaat zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 18). Dies bedeutet, dass die Furcht vor Ve r- folgung im Zeitpunkt der Flucht aus dem Verfolgerstaat bestanden und bis zum Zeitpunkt des Asylentscheides angedauert haben muss oder (bei Nachfluchtgründen) später entstanden ist. Ist die Verfolgungsgefahr, we l- che im Zeitpunkt der Ausreise noch bestanden hat, im Zeitpunkt des En t- scheides über die Flüchtlingseigenschaft weggefallen, fehlt es an der e r- forderlichen Aktualität. 5.2.2 Die Vorinstanz spricht in ihrem angefochtenen Entscheid auch die geltend gemachte allfällige Nachstellung durch die LTTE an (vgl. E. I. 1.). Das Gericht kann sich vorweg diesbezüglich auf die Feststellung b e- schränken, dass diese Organisation zerschlagen ist und zudem kein M o- tiv für Behelligungen des Beschwerdeführers auszumachen wäre; den Erwägungen des BFM ist in diesem Punkte nichts beizufügen. 5.2.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei von den Sicherheit s- kräften Sri Lankas wegen des Verdachts, für die LTTE aktiv gewesen zu sein, verfolgt worden, und er müsse damit rechnen, bei einer Rückkehr in sein Heimatland erneut in asylrelevanter Weise behelligt zu werden. Das Bundesamt kam zum Schluss, dass diese Vorbringen zwar glaubhaft sei- en, aber den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht standha l- ten würden. Das Gericht erwägt dazu Folgendes: Anlässlich der Befragung gab der Beschwerdeführer an, er habe sich e i- nem Training durch die LTTE entzogen. Diese hätten ihm in der Folge sein (…) weggenommen, und es sei dann offenbar für Anschläge benutzt worden. Eines Tages sei er von Soldaten festgenommen, befr agt, ge- schlagen und am gleichen Tag freigelassen worden. Später habe man sein Haus durchsucht, und er habe sich re gelmässig im Camp melden müssen. Er sei auch von einem (…) gesucht worden, und nach seinem Umzug nach Jaffna sei er (…) inhaftiert worden, wobei man ihn misshan- delt habe (vgl. Akten BFM A 6/24 Ziff. 15). Bei der Anhörung führte er aus, anlässlich einer Kontrollen, die von (…) Soldaten d urchgeführt worden sei, habe man ihm die Identitätskarte weggenommen, und er sei aufge-E-1907/2012 Seite 12 fordert worden, in das G._______ zu kommen. Dort haben man ihn w e- gen des (…) befragt und geschlagen. Auch bei den weiteren I nhaftierun- gen sei er verhört und gequält worden (vgl. A 16/17 F27 ff.). 5.2.4 Diese Vorbringen werden – wie vorstehend bereits ausgeführt – vom BFM nicht bezweifelt, und auch das Gericht kann sich vorstellen, dass das Geschehen im Wesentlichen so war, wie es der Beschwer - deführer vorbrachte. Es entspricht durchaus der Logik, dass die Sicher - heitskräfte wegen des abhanden gekommenen (…) eine gewisse Nähe zu den LTTE vermuteten beziehungsweise ihn verdächtigten, diese zu unterstützen. Weder ist aber den Aussagen bei der Befragung noch jenen bei der Anhörung zu entnehmen, man habe ihn aufgrund eines be- sonderen Profils, Aktivitäten von grösserer Bedeutung oder gar des Ver- dachts einer Kaderposition speziell, über längere Zeit und konsequent ins Visier genom men. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass über ihn aufgrund des Vorgefallenen zwar eine Akte angelegt worden ist, jedoch unterscheidet er sich in dieser Hinsicht nicht von einem grossen Teil der tamilischen Bevölkerung. Vor allem junge Männer sind währen d des Krieges oft ungewollt in das gewalttätige Geschehen hineingeraten und Opfer gezielter Einschüchterung und Schikanen der Sicherheitskräfte geworden. Für diese Feststellung sprechen auch die Vorkommnisse im (…) in Colombo. Der Beschwerdeführer selber h at in der Anhörung vorgebracht, dort würden Verhaftungen öfters stattfinden : "Willkürliche Verhaftungen sind an der Tagesordnung." (vgl. A 16/17 F73). Daraus ist zu schliessen, dass er zwar wegen des ihm entwendeten (…) von den Sicherheitskräften behelligt worden ist, aber die weiteren Festnahmen willkürlich mit dem übergeordneten Ziel erfolgten, die tamilische Be - völkerung unter Kontrolle zu halten und sie mittels Einschüchterung ge - fügig zu machen. Vor diesem Hintergrund ist au ch die Furcht vor künfti - gen Übergriffen der Armee beziehungsweise der Sicherheitskräfte zwar nicht völlig unbegründet, aber über die notorischen , lamentablen Schi - kanen hinaus ist nicht ersichtlich, weshalb ihm aufgrund der vorstehen - den Ausführungen Verfolgung im asylrelevanten Ausmasse drohen sollte. 5.2.5 Mit Schreiben vom 21. Febru ar 2013 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von H._______ (Jaffna) vom (…), eine Bescheinigung des I._______ (Jaffna) vom (…) und eine Bestätigung des J._______ (Jaffna) vom (…) zu den Akten. Diese Dokumente würden belegen, dass die sri - lankische Armee am (…) in d ie Wohnung in F._______ gekommen sei und nach ihm gesucht habe. Da er sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der E-1907/2012 Seite 13 Schweiz aufgehalten habe , h ätten die Soldaten seinen Bruder mitgenommen und diesen in der Folge schwer misshandelt. Was die nachträglich eingereichten Beweismittel anbelangt, kann vorweg auf die entsprechenden Ausführungen des BFM in de ssen Ver- nehmlassung vom 28. Mai 2013 verwiesen werden. Sodann ist aufgrund des Umstandes, dass solche Dokumente in Sri Lanka leicht käuflich erworben werden können, der en Beweiswert sehr beschränkt. Weiter ist festzustellen, dass die diagnostizierten Verletzungen – wie bei allen sol - chen Fällen – für sich allein keinen Schluss auf den oder die Verursacher zulassen. Der Beschwerdeführer kann aber auch aus der vorgenannten Bestätigung des J._______ selbst bei Annahme, dass es sich dabei nicht um eine Fälschung handelt, nichts zu seinen Gunsten ableiten, beinhaltet sie doch lediglich die Wiedergabe von Aussagen seiner Mutter; Hinweise auf glaubwürdige Zeugen fehlen gänzlich, womit das Ereignis lediglich behauptet, nicht aber belegt wird. Schliesslich ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz nicht na chvollziehbar, weshalb die Mutter den behaupteten schwerwiegenden Vorfall vom (…) nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt beim J._______ gemeldet hat. Auch der Beschwerdeführer selber hat im vorinstanzlichen Verfahren und zunächst auch im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsger icht n ie E nt- sprechendes geltend gemacht, obwohl es offensichtlich ist, dass es für sein Asylgesuch relevant gewesen wäre ; die nachträglichen Erklärungs - versuche vermögen nicht zu überzeugen und wirken konstruiert. 5.3 Zusammenfassend ergibt sich ohne weit eren Begründungsaufwand und in Übereinstimmun g mit der Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt . Das BFM hat dessen Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An- spruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). E-1907/2012 Seite 14 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Auslä nderin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Da dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigenschaft z u- kommt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkomme ns vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Z u- lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver- fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101]). Im Lichte dieser Bestimmungen sind keine Anhaltspunkte dafür auszum a- chen, der Beschwerdeführer wäre im Falle einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt. Er gehört insbesondere auch keiner in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft relevanten Risikogruppe an. Zwar ist damit zu rechnen, dass er als junger Tamile mit mehrjährigem Aufen t- halt im Ausland bei der Einreise intensiv befragt wird, aber es ist nicht da- von auszugehen, dass er darüber hinaus Behelligungen zu gewärtigen hat. Er verfügt nicht über ein Profil, das ihn im Zusam menhang mit der Sicherheit in Sri Lanka als besonderen Akteur verdächtig machen könnte. Der Wegweisungsvollzug ist demnach zulässig. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG die vo r- läufige Aufnahme zu gewähren. E-1907/2012 Seite 15 7.3.1 In Bezug auf die allgemeine Lage in Sri Lanka kann auf die vom Bundesverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung der Situation in BVGE 2011/24 verwiesen werden, welche im Wesentlichen mit der Praxis der Vorinstanz übereinstimmt. Demnach ist seit dem Ende des bewaffn e- ten Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 von einer erheblich verbesserten Menschenrechts- und Sicherheits- lage auszugehen, wobei sich die Situation nicht in allen Landesteilen gleich präsentiert. Da sich die Lage in der Ostprovinz weitgehend stabil i- siert und normalisiert hat, wird der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet dieser Provinz g rundsätzlich als zumutbar erachtet (vgl. a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist hingegen differenziert einz u- schätzen, da sich die Situation dort gebietsweise sehr unterschiedlich gestaltet. In den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierungs- kontrolle stehen – namentlich die Distrikte Jaffna und die südlichen Teile der Distrikte Vavuniya und Mannar – herrscht heute weder eine Situation allgemeiner Gewalt noch ist die politische Lage dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste (vgl. a.a.O. E. 13.2). Angesichts der nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber eine sorgfältige Beurteilung der individuellen Zumutba r- keitskriterien auf, wobei nebst der allgemeinen Zumutbarkeit auch dem zeitlichen Element Rechnung zu tragen ist (vgl. a.a.O. E. 13.2.1.1 und E. 13.2.1.2). In das sogenannte Vanni-Gebiet hingegen, welches die Dist- rikte Kilinochchi und Mullaitivu (samt diesen beiden Städten), die nördl i- chen Teile der Distrikte Mannar und Vavu niya sowie einen schmalen Landstreifen an der Ostküste des Jaffna -Distrikts umfasst, ist eine Rüc k- kehr aufgrund der aktuellen Lage weiterhin als unzumutbar einzustufen (vgl. a.a.O. E. 13.2.2). In das übrige Staatsgebiet Sri Lankas ist der We g- weisungsvollzug grundsätzlich zumutbar (vgl. a.a.O. E. 13.3). 7.3.2 Der noch recht junge ( …), ledige u nd gemäss den Akten gesunde Beschwerdeführer hat bei der Befragung als Herkunftsort Jaffna angege- ben, seinen letzten Wohnsitz soll er in B._______ gehabt haben. Die Schulen (bis und mit O -Level, 11. Klasse) habe er in K ._______ und F._______ besucht. Er habe keine Berufsausbi ldung absolviert und den Lebensunterhalt mit Arbeiten (…) bestritten. Bei der Befragung g ab er betreffend Verwandte im Heimatstaat an, dort würden s eine Eltern leben (F._______); zudem erwähnte er einen Bruder. Ein Onkel mütt erlicher- seits wohne in London, eine Cousine halte sich in Dänemark auf. Eine Beziehung zu Personen mit Wohnsitz in der Schweiz hab er nicht (vgl. A 6/24 Ziff. 13). E-1907/2012 Seite 16 Den Akten ist nicht zu entnehmen, der Beschwerdeführer habe sich ernsthaft darum bemüht, seine persönliche Situation hinsichtlich eines tragfähigen Beziehungsnetzes in Sri Lanka zu belegen. Er erw eckt den Eindruck einer Person, der daran gelegen ist, mit rudimentären Angaben und einer einseitigen Schilderung der Lage eine Rückkehr zu verunmögli- chen. Diesbezüglich muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, d er ihm obliegenden Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG nicht im zu erwarten- den Ausmasse nachgekommen zu sein . Die zahlreichen Hinweise auf Publikationen i n den Eingaben auf Beschwerde ebene ändern an dieser Einschätzung nichts, denn sie beziehen sich weites tgehend auf die al l- gemeinen Umstände in Sri Lanka ohne direkten, konkreten Bezug auf ihn. Es bleibt festzustellen, dass einer Rückkehr in die Nordprovinz g e- mäss dem vorerwähnten Grundsatzurteil BVGE 2011/24 nichts entgegen- steht. Das Gericht verkennt nicht, dass eine Reintegration nach mehrjähriger Landesabwesenheit nicht einfach sein wird, indessen steh en ihr keine rechtlichen Schranken oder unüberwindliche Hindernisse praktischer N a- tur entgegen. Zudem kann ihm eine allfällige schweizerische Rückkehrhil- fe den Wiedereinstieg in Sri Lanka erleichtern (Art. 62 ff. der Asylveror d- nung 2 vom 11. August 1999 üb er Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]); über die im Ausland lebenden Verwandten (ein Onkel und eine Cousine) hat sich der Beschwerdeführer nicht näher ausgelassen, weshalb für das Gericht kein Anlass besteht, sich zu einer allfälligen U n- terstützung von dieser Seite zu äussern . Im Übrigen genügen bloss s o- ziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevöl- kerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl in genereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12 S. 513-515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten E-1907/2012 Seite 17 fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären d essen Kosten dem Be - schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem aber das Gericht mit Verfügung vom 1. Mai 201 2 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen hat, ist von der Auferlegung von Verfahrenskosten abzusehen. (Dispositiv nächste Seite) E-1907/2012 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und an das Migra- tionsamt des Kantons E._______. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Jonas Tschan Versand: