STEUERREKURSKOMMISSION III DES KANTONS ZÜRICH 3 ST.2009.38 Entscheid 13. Mai 2009 Mitwirkend : Einzelrichter Ch. Mäder und Sekretärin J. Nartey In Sachen A, Rekurrent, gegen S ta at Z ür i c h, Rekursgegner, vertreten durch das kant. Steueramt, Division Stadt B, Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich, betreffend Einschätzung 2006 - 2 - 3 ST.2009.38 hat sich ergeben: A. A (nachfolgend der Pflichtige) ist Eigentümer der Liegenschaft an der strasse 26, in B. In der Steuererklärung 2006 deklari erte er Brutto-Einkünfte aus Li e- genschaften in Höhe von Fr. 111'384.- und zog davon Unterhaltskosten von insgesamt Fr. 47'583.- ab, von denen Fr. 11'016.25 auf die Holzabd eckung der Dachzinne und Fr. 6'987.- auf die Erhöhung des Dachgeländers entfielen . Weiter zog er behinde- rungsbedingte Kosten von Fr. 7'200.- ab. Insgesamt deklarierte er ein steuerbares Ein- kommen von Fr. 95'130.-. Im Entscheid vom 26. Juni 2008 schätzte die Steuerkommissärin den Pflicht i- gen mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 109'600.- und einem steuerbaren Ve r- mögen von Fr. 1'374'000.- ein. Die als Unterhaltskosten abgezogenen Aufwendungen für die Geländererhöhung der Dachzinne würden nicht zum Abzug z ugelassen, da es sich um Ersatzkosten handle. Die Abzüge für behinderungsbedingte K osten wurden ebenfalls gestrichen. Damit ein Abzug gewährt werden könne, müsse der Nachweis für eine Behinderung erbracht werden. B. Die vom Pflichtigen hiergegen erhobene Einsprache vom 2. Dezember 2008 wies das kantonale Steueramt mit Einspracheentscheid vom 6. Januar 2009 ab, erhöhte das steuerbare Einkommen auf Fr. 115'700.- und setzte das steuerbare Ve r- mögen unverändert auf Fr. 1'374'000.- fest. Der Steuerpflichtige habe keinen Nachweis dafür erbracht, dass es sich bei den Aufwendungen für die Anpassung des Geländers um Ersatzkosten handle. Es sei von einer Veränderung der Zweckbesti mmung der Dachterrasse auszugehen und die damit zusammenhängenden Au fwendungen seien dementsprechend nicht abziehbar. Hinsichtlich de r behinderungsbedingten Ko sten habe der Pflichtige den erforderlichen Nachweis nicht erbracht, dass er die Vorausse t- zungen gemäss gültigem Merkblatt (Hilflosenentschädigung) erfülle und trotz Auflage keinen Nachweis erbracht, woraus hervorgehe, dass ihm aufgrund einer B ehinderung Kosten entstanden sind. C. Mit Rekurs vom 5. Februar 2009 beantragte der Pflichtige , es se ien die Unterhalts- und behinderungsbedingten Kosten im deklarierten Umfang zuzulassen. - 3 - 3 ST.2009.38 In seiner Rekursantwort vom 25. Februar 2009 schloss das kantonale Steuer- amt auf Abweisung des Rechtsmittels. Auf die Parteivorbringen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden U r- teilsgründen zurückgekommen. Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 1. a) Gemäss § 25 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) werden zur E r- mittlung des Reineinkommens die gesa mten steuerbaren Einkünfte um die zu ihrer Erzielung notwendigen Aufwendungen und die allgemeinen Abzüge vermindert. Dazu gehören nach § 30 Abs. 2 StG bei Liegenschaften im Privatvermögen die Unterhalt s- kosten, die Versicherungsprämien und die Kosten der Verwaltung durch Dritte. b) Nach Lehre und Rechtsprechung sind unter Unterhaltskosten Aufwendu n- gen zu verstehen, deren Ziel nicht die Schaffung neuer, sondern die Erhaltung bisher i- ger Werte ist und die in längeren oder kürzeren Zeitabständen wiederkehren (Ric h- ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. A., 2006, § 30 N 36 ff.). Dazu gehören einerseits die Aufwendungen für den laufe n- den Unterhalt – wie Kosten für Ausbesserungsarbeiten aller Art und Ersatzanschaffun- gen – sowie die mit dem Grundstück verbundenen jährlich wiederkehre nden Abgaben. Abzugsfähig sind sodann auch Aufwendungen für periodische Renovationen grösseren Ausmasses (Fassaden, Dachrennovation, zeitbedingte Änderung der Zen tralheizung, Anpassung der elektrischen Einrichtung an geänderte Vorschriften u. dgl.). Mit anderen Worten sind Unterhaltskosten im Sinn von § 30 Abs. 2 StG – unter Vorbehalt der D u- mont-Praxis, gemäss welcher für Liegenschaften, die im vernachlä ssigten Zustand erworben wurden, in den ersten fünf Jahren keine Instandstellungskosten a bgezogen werden dürfen – Kosten, die der Instandhaltung des Grundstücks oder seiner Instand- stellung dienen, d.h. der Nachholung unterbliebener Instandhaltung (VGr, 22. April 1986 = StE 1987 B 44.13.1 Nr. 1; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 30 N 43), so dass das Grundstück weiterhin – allenfalls "modernisiert" – seinen bisherigen Verwendungs-- 4 - 3 ST.2009.38 zweck erfüllen kann. Geht indessen die Modernisierung darüber hinaus, steht sie einer Neueinrichtung gleich und bewirkt sie, dass das Wohnhaus in einen besseren Zustand versetzt, d.h. in den Rang eines besser ausgestatteten, wertvolleren Gebäudes mit wesentlich modernerer oder modernster Ausgestaltung aufrückt, so gehören die Ko s- ten der Modernisierung z um nicht abzugsfähigen Herstellungsaufwand und sind sie nicht abzugsfähige Vermögensanlage ( RB 1972 Nr. 28, 1977 Nr. 49 mit Hinweisen; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 30 N 48). Die Unterhaltsmassnahmen zielen darauf ab, die Liegenschaft langfristig in ertragsfähigem Zustand zu erhalten (RB 1971 Nr. 32; Dieter Egloff, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 2004, § 39 N 38). c) Nicht abzugsfähig sind demgegenüber die wertvermehrenden Aufwendu n- gen, d.h. Auslagen, welche im objektiv -technischen Sinn eine dauernde Vermehrung oder Verbesserung des Grundstücks bewirken, insbesondere durch bauliche Veränd e- rungen (Einbau eines Badezimmers, Bau einer Garage, Ausbau des Dachstocks, Weg- und Strassenbauten; Reimann/Zuppinger/Schärrer, Kommentar zum Zürcher Steue r- gesetz, 2. Band, 1963, § 25 N 54). Dazu gehören auch die Kosten einer zunächst mangelhaften Einrichtung, die nachträglich mit weiteren Kosten verbessert oder au s- gewechselt werden muss (RB 1967 Nr. 27). Drängt sich kurz nach der Fertigstellung eines Gebäudes eine Sanierung auf (z.B. infolge Hangabru tschung), handelt es sich bei diesen Sanierungskosten nicht um Unterhaltskosten; diese Kosten stehen vielmehr in kausalem Zusammenhang mit der Gebäudeerstellung (Ric hner/Frei/Kaufmann/Meu- ter, § 30 N 49). Nicht als Unterhaltskosten abzugsfähig sind ferner Au fwendungen, die mit einer Gebäudeauskernung verbunden sind, und jene Aufwendungen, we lche ein Grundstück in einen besseren Zustand versetzen, d.h. ein Haus in den Rang eines besser ausgestatteten, wertvolleren Geb äudes aufrücken lassen (RB 1972 Nr. 28; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 30 N 48). Sind wertvermehrende bauliche Mas s- nahmen erbracht worden, sind auch Kosten für Anpassungsarbeiten an bestehenden Einrichtungen wertvermehrend (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 221 N 40). d) Die Tatsachen, welche einen bestimmten Liegenschaftenaufwand als a b- zugsfähigen Gebäudeunterhalt im Sinn von § 30 Abs. 2 StG bzw. Art. 32 Abs. 2 DBG erscheinen lassen, sind steuermindernd und deshalb vom Steuerpflichtigen da rzutun und nachzuweisen (RB 1987 Nr. 35). Der Steuerpflichtige ist gehalten, die Ta tsachen, die er zu beweisen hat, genügend detailliert zu schildern: Substanziiert ist die Sachdar- stellung dann, wenn aus ihr im Einzelnen Art, Motiv und Rechtsgrund der geltend g e-- 5 - 3 ST.2009.38 machten Aufwendungen in der Weise hervorgehen, dass bereits gestützt darauf – aber unter Vorbehalt der Beweiserhebung – die rechtliche Beurteilung der A bzugsfähigkeit solcher Aufwendungen möglich ist (VGr, 26. Januar 1988, SB 87/0044, www.vgrzh.ch). e) Bei Umbaute n an bestehenden Gebäuden kann eine Ausscheidung von werterhaltenden und wertvermehrenden Aufwendungen naturgemäss nicht exakt erfo l- gen, sondern nur schätzungsweise vorgenommen werden (Ric hner/Frei/Kaufmann/ Meuter, § 30 N 46). Dabei ist es Sache des Steue rpflichtigen, die Schätzungsgrundla- gen zu beschaffen. Dazu sind auch Angaben über den Zustand und die Ausrüstung des Objekts vor und nach den betreffenden Aufwendungen erforderlich (VGr, 2 2. April 1986 = StE 1987 B 44.13.1 Nr. 1). 2. a) Der Pflichtige bringt vor, das Blechdach der Zinne habe im Laufe der Zeit durch die Nutzung der Mieter Schaden genommen und sei undicht geworden. Dies insbesondere, weil die Anwohner der Liegenschaft die Zinne nicht nur der eigentlichen Bestimmung nach zum Wäschetrocknen, sondern auch zum Sonnenbad nutz ten. Die dabei verwendeten Stühle hätten Haarrisse verursacht, welche nicht genau hätten ein- gegrenzt werden können, weshalb er das ganze Dach habe sanieren mü ssen. D as Kupferblechdach sei zum Schutz mit imprägniertem Holz b elegt worden. Dies habe den doppelten Nutzen, als dadurch weiteres Eindringen von Wasser vermieden und die Zinne in Zukunft zum Sonnenbad genutzt werden k önne. Die Holzauflage sei zehn Zentimeter dick, in der Folge habe darum auch das Geländer erhöht werden müssen). b) Unter Hinweis auf die Ausführungen im Einspracheentscheid hielt der Rekursgegner in der Rekursantwort vom 2 5. Februar 2009 fest, es handle sich sowohl bei den Kosten für Lieferung und Montage des Holzrostes für die Dachzi nne als auch den Kosten für die Erhöhung des Geländers um Kosten für eine bauliche Ergänzung der Liegenschaft und nicht um Ersatzkosten. Die Da chzinne des Mehrfamilie nhauses sei durch den Holzboden zu einer begehbaren Terrasse geworden. Es liege damit eine Umnutzung bzw. Veränderung der Zweckbestimmung der Dachterrasse vor. Obgleich kein Mehrwert erzielt worden sei, seien beim Umbau nicht nur mangelhafte Teile er- setzt, sondern auch ein Sitzplatz geschaffen worden. - 6 - 3 ST.2009.38 c) aa) Den glaubwürdigen Ausführungen des Pflichtigen ist zu entnehmen, dass die Dac hzinne seit jeher nicht nur zum Aufhängen der Wäsche benutzt wurde, sondern den Anwohnen auch als Sonnenterasse diente. Durch die Sanierung und ins- besondere die Abdeckung des Blechdaches mit der Holzverkleidung wurde zum einen der bestehende Schaden behoben . Zum anderen sei dafür gesorgt worden, dass z u- künftiger Schaden vermieden werde, bzw. die Liegenschaft bei fortgesetzter Nutzung der Dachzinne keinen weiteren Schaden nehme. Dadurch wurde weder ein Mehrwert erzielt noch wurde di e Dachzinne einer neuen Bestimmung zugeführt. Die Sanierung und insbesondere die Holzabdeckung haben daran nichts geändert, so ndern dienen der Vermeidung weit eren Schadens. Selbst wenn die bisherige Nutzung nicht dem eigentlichen Zweck entsprach, handelt es sich − entgegen der Auffassung des Rekurs- gegners − nicht um eine "Umnutzung", da die Dachzinne schon bisher als Sonne n- terasse Verwendung fand. Die Aufwendungen für die Holzabdeckung stellen zwar nicht einfach Ersatz für das defekte Kupferdach dar, werden aber dennoch als Instandste l- lungskosten betrachtet, da durch sie die bisherige Verwendung sichergestellt wird. Entsprechend sind diese Kosten abziehbar. bb) Bauten und Anlagen müssen nach Fundation, Konstruktion und Mat erial den anerkannten Regeln der Baukunde entsprechen. Sie dürfen weder bei ihrer Erstel- lung noch durch ihren Bestand Personen oder Sachen gefährden (§ 239 des Gesetzes über die Raumpl anung und das öffentliche Baurecht vom 7. September 1975). Diese Grundanforderung gilt auch hinsichtlich der Abschrankungen und Geländer. Gemäss § 20 der Verordnung über die ordentlichen technischen und übrigen Anforderungen an Bauten, Anlagen, Ausstattungen und Ausrüstungen (Besondere Bauverordnung I) vom 6. Mai 1981 sind zugängliche überhöhte Stellen − unter anderen auch Terrassen und Balkone − so zu sichern, dass keine Absturz gefahr besteht. Details enthält die SIA - Norm 358, Ausgabe 1996, über Geländer, Brüstungen und Handläu fe. Danach haben bei Absturzhöhen von 1.5 m Geländer und Brüstungen eine Mindesth öhe von einem Meter aufzuweisen. Diese Mindestanforderungen sind auch bei Umbauten einzuhalten. Das Geländer wurde erhöht, um einer öffentlichrechtlichen Vorschrift zu genü- gen bzw. die Mindesthöhe für die Absturzsicherung von Terrassen einzuhalten . Die in Zusammenhang mit der Reparatur des Blechdaches vorgenommene Erhöhung des Geländers der Dachzinne stellt demnach ebenfalls keine wertvermehrende Aufwe n- dung dar: Aufgrund der unbestrittenen Vorbringen des Pflichtigen ist vielmehr davon - 7 - 3 ST.2009.38 auszugehen, dass durch die Erhöhung des Geländers ein rechtswidriger Zustand b e- seitigt wu rde (vgl. StRK III, 12. Dezember 2000, 3 ST.2000.230 = STE 2001 B 25.6 Nr. 46). Die Kosten für die Dachzinnensanierung und die Geländererhöhung stellen damit abzugsfähige Unte rhaltskosten dar. Die Aufwendungen für die Holzabdeckung der Dachzinne sowie die Geländererhöhung in Höhe von Fr. 18'003.25 (11'016.25 + 6'987.-) sind dem Pflichtigen daher vollumfänglich zu gewähren. 3. a) Gemäss § 31 Abs. 1 lit. i StG sind Invaliditätskosten vollumfänglich – d.h. ohne Berücksichtigung eines Selbstbehalts wie bei den Krankheitskosten – abziehbar, soweit sie den behinderten Steuerpflichtigen oder die von ihm u nterhaltenen Personen mit Behinderungen im Sinn des Bundesgesetz über die Beseitigung von Benachteili- gungen von Me nschen mit Behinderungen vom 1 3. Dezember 2002 (BehiG) betreffen und von ihm selber getragen we rden. Als Mensch mit Behinderungen gilt eine Person, der es eine voraussichtlich dauernde körperliche, geistige oder psychische Beeinträc h- tigung erschwert oder verunmöglicht, alltägliche Verrichtungen vorzune hmen, soziale Kontakte zu pflegen, sich fortzubewegen, sich aus - und fortzubilden oder eine E r- werbstätigkeit auszuüben (Art. 2 Abs. 1 BehiG). b) Behinderungsbedingte Kosten, die gestü tzt auf die genannte Besti mmung abgezogen werden können, setzen voraus, dass ein adäquater Kausalzusa mmenhang zwischen den Kosten und dem Umstand besteht, dass der Steuerpflic htige bzw. die von ihm unterhaltene Person eine Behinderung im Sinn des BehiG hat (Richner/Frei/ Kaufmann/Meuter, 2. A., 2006, § 31 N 147). Als adäquat kausal gilt der Zusamme n- hang dann, wenn die Kosten nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allg e- meinen Lebenserfahrung, d.h. typischerweise als Folge der konkreten Behind erung entstehen. Indirekte Folgen haben unberücksichtigt zu bleiben. c) Anstelle des Abzugs der effektiven selbst getragenen Kosten können b e- hinderte Personen einen jährlichen Pauschalabzug in unterschiedlicher Höhe geltend machen. Für Bezüger einer Hilflosenentschädigung beträgt diese Pauschale bei leic h- tem Grad Fr. 2'500.-, bei mittlerem Grad Fr. 5'000.- und bei schwerem Grad Fr. 7'500.- (Ziff. 4.4 des Kreisschreibens Nr. 11 der ES TV über den Abzug von Krankheits - und - 8 - 3 ST.2009.38 Unfallkosten sowie von behinderungsbedingten Kosten vom 3 1. August 2005, www.estv.ch). d) Behindertenkosten im Sinn von § 31 Abs. 1 lit. i StG stellen steuermindern- de Umstände dar, welche gemäss den allgemeinen Beweislastregeln von den Steue r- pflichtigen darzutun und nachzuweisen sind (vgl. VGr, 4. November 1992, SB 92/0026; RB 1987 Nr. 35, www.vgrzh.ch, auch zum Folgenden). Der Steuerpflichtige hat bis zum Ablauf der Rekurs -/Beschwerdefrist die zum Beweis für seine Darstellung erforderl i- chen Beweismittel einzureichen oder z umindest anzubieten (RB 1975 Nr. 55, 1986 Nr. 49). Fehlt es an einer hinreichenden Sachdarstellung oder Beweismi ttelofferte, trifft die Rekurskommission keine weitere Untersuchungspflicht. Sie hat den Steuerpflicht i- gen weder zur Ergänzung seiner mangelhaften Sachdarste llung noch zur Beibringung besserer Beweismittel anzuhalten. Diesfalls ist zu Ungunsten des bewei sbelasteten Steuerpflichtigen der Nachweis der geltend gemachten Krankheitskosten als misslu n- gen zu betrachten. Nur soweit dem Steuerpflichtigen Substanziierung und/oder B e- weisleistung aus Gründen, die er nicht zu vertreten hat, nicht möglich oder nicht zuz u- muten sind, kann dieser sich auf Schätzungen berufen, sofern seine Sac hdarstellung wenigstens hinreichende Schätzungsgrundlagen enthält (RB 1975 Nr. 54 und 64). Die im Kreisschreiben statuierten Pauschalen können ohne Nachweis der tatsächlichen Kosten geltend gemacht werden. Vorausgesetzt ist allerdings, dass der Steuerpflichtige behindert, d.h. Bezüger einer der aufgeführten Leistungen oder Hei m- bewohner bzw. Spitex -Patient mit entsprechendem Pflege - und Betreuungsaufwand ist. Macht der Steuerpflichtige höhere Kosten als die Pauschale geltend, ist er hierfür beweispflichtig, wobei sämtliche Auslagen nachzuweisen sind. Eine Kombination von Pauschale und effektiven Kosten ist nicht zulässig. 4. a) Der Pflichtige will Fr. 7'200.- als behinderungsbedingte Kosten abgezo- gen haben. Die Kosten begründet er mit einem durch seine Teilinvalidität entstandenen Mehraufwand. Er weise einen verminderten Allgemeinzustand auf, weshalb es ihm nicht möglich sei, öffentliche Verkehrsmittel zu benützen . Er sei stattdessen auf ein Taxi angewiesen. - 9 - 3 ST.2009.38 b) Für behinderungsbedingte Kosten hat der Steuerpflichtige den Nachweis einer Behinderung im Sinne des Behindertengleichstellungsgesetzes als auch der selbst getragenen Kosten zu leisten. Der Pflichtige hat es jedoch unterlassen, sowohl eine Behinderung als auch die dadurch entstandenen Kosten rechtsgenügend darzule- gen, und hat sich einzig auf einen in Vorjahren gewährten Abzug berufen. Auch der Aufforderung der Steuerkommissärin, das Formular betreffend Krankheitskosten und/oder Belege einzureichen, ist er nicht nachgekommen. Nach eigenen Angaben hat er die Belege für die Taxibenützung nicht gesammelt und kann daher den Nac hweis nicht erbringen, dass tatsächlich Kosten entstanden sind. Wieso er jedoch nicht einmal das Formular ausgefüllt hat , lässt er offen. Damit hat der Pflichtige weder eine Behi n- derung noch Mehrkosten genügend nachgewiesen . Entsprechend ist nicht zu bea n- standen, dass die Steuerkommissärin mangels substanziierter Behauptung von behin- derungsbedingten Kosten einen Abzug verweigert hat. Es tut nichts zur Sache , dass dem Pflichtigen die gleichen Abzüge bisher ohne belegmässigen Nachweis g ewährt worden sind, denn es liegt im Ermessen der Behörde, welche Untersuchungsmas s- nahmen sie zur Abklärung des Sachverhalts vornimmt . Aus einer früheren Einschä t- zung kann der Pflichtige daher nichts zu seinen Gunsten ableiten. c) Es ist nicht bestritten, dass der Pflichtige krankheitsbedingt e Einschränkun- gen aufweist. Aus den Akten kann jedoch nicht geschlossen werden, dass diese als Behinderung im Sinne des Behindertengleichstellungsgesetzes gelten. Zwar reicht e der Pflichtige Berichte verschiedener Kliniken und des Hausarztes ein , aus we lchen hervorgeht, dass er unter gesundheitlichen Einschränkungen leidet . Dass er j edoch Bezüger von Leistungen der Invalidenversicherung ist, Hilflosenentschädigungen e r- hält, auf Hilfsmittel (im Sinn von Art. 43ter des Bundesgesetzes über die A lters- und Hinterlassenenversicherung vom 20. Dezember 1946 oder Art. 11 des Bundesgeset- zes über die Unfallversicherung vom 20. März 1981 ) angewiesen ist oder Spitex- Patient ist, wurde nicht belegt. Das Arztzeugnis, wonach der Pflichtige aus "Kran k- heitsgründen" und wegen "verminderten Allgemeinzustandes" Mehrauslagen habe, lässt jedenfalls nicht auf eine Behinderung im Sinne des Gesetzes schliessen. Erst mit dem Rekurs hat er angeboten, ein Gutachten nachzureichen. Die Beweisofferte ändert jedoch nichts an der ungenügenden Sachverhaltsdarstellung. Zudem wäre es ihm möglich und zumutbar gewesen, Unterlagen beizubringen, welche seine Sachdarstel- lung zumindest hätten stützen können. - 10 - 3 ST.2009.38 d) Der Rekurs ist daher in diesem Punkt unbegründet. 5. a) Diese Erwägungen führen zur teilweisen Gutheissung des Rekurses. Die Aufwendungen für die Sanierung der Dachzinne sind dem Pflichtigen wie in Erw ä- gung 2 dargelegt vollumfänglich zu gewähren, während der A bzug für b ehinderungs- bedingte Kosten ausser Betracht fällt. Daraus ergibt sich folgende Neuberechnung des Einkommens für die Steuerperiode 2006: Staats- und Gemeindsteuern (Einspracheentscheid) Staats- und Gemeindsteuern (neu) Einkommen AHV-/IV- Renten 25'800 25'800 Renten/Pension 22'870 22'870 Total Wertschriftenertrag 13'807 13'807 Bruttoertrag Liegenschaften 111'384 111'384 Total Unterhalt und Abgaben (darin enthaltener Abzug für Sanierung Dachzinne und Geländererhöhung) 34'528 (5'000) 47'531 (18'003) Verbleibender Ertrag 76'856 63'853 Total Einkünfte 139'333 126'330 Abzüge Schuldzinsen 18'732 18'732 Total Versicherungsprämien und Zinsen 3'600 3'600 Vermögensverwaltungskosten 1'000 1'000 Behinderungsbedingte Kosten Emp- fänger IV-Leistungen etc. 0 0 Total Abzüge 23'332 23'332 Nettoeinkommen 116'001 102'998 Selbstbehalt gem. Abrechnung Kran- kenkasse und Versicherung 0 0 Gemeinnützige Zuwendungen 300 300 steuerbares Einkommen 115'701 102'698 rund 115'700 102'600 Steuerbares Vermögen gesamt (unverändert) 1'374'000 1'374'000 - 11 - 3 ST.2009.38 b) Ausgangsgemäss sind die Kosten des Rekursverfahrens zu 1/3 dem Pflich- tigen und zu 2/3 dem Rekursgegner aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG). Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 1. Der Rekurs wird teilweise gutgeheissen. […]