<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2000.00005</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=105419&amp;W10_KEY=4467151&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2000.00005</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 13.04.2000</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">3. Abteilung/3. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Ãbriges Verwaltungsrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Benützung des öffentlichen Grundes zu Sonderzwecken</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Standaktion auf öffentlichem Grund; sind dabei diskriminierende Aussagen zu dulden?<br/><br/>Auf die Beschwerdevoraussetzung des aktuellen Rechtsschutzinteresses ist i.c. zu verzichten (E. 1b).<br/>Die Streitsache fällt nicht unter EMRK 6 I; es besteht deshalb kein Anspruch auf eine öffentliche Verhandlung (E. 2a).<br/>Der Statthalter und nicht der Bezirksrat hätte über den Rekurs entscheiden müssen; der angefochtene Entscheid ist jedoch nicht aufzuheben (E. 3).<br/>Das Vorhaben des Beschwerdeführers stellt bewilligungspflichtigen gesteigerten Gemeingebrauch dar (E. 4a).<br/>Kundgebungen auf öffentlichem Grund dürfen weitergehenden Einschränkungen unterworfen werden als andere Formen der Meinungsäusserung (E. 4b).<br/>Beim Bewilligungsentscheid zu berücksichtigen sind auch die Grundrechte Dritter (E. 4d).<br/>Im vorliegenden Fall durfte die fragliche Äusserung wegen ihres Homosexuelle diskriminierenden Inhalts untersagt werden (E. 4e).</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEWILLIGUNGSPFLICHT">BEWILLIGUNGSPFLICHT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DISKRIMINIERUNG">DISKRIMINIERUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DRITTWIRKUNG">DRITTWIRKUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GESTEIGERTER GEMEINGEBRAUCH">GESTEIGERTER GEMEINGEBRAUCH</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: HOMOSEXUALITÃT">HOMOSEXUALITÃT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: HOMOSEXUELL">HOMOSEXUELL</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: MEINUNGSÃUSSERUNGSFREIHEIT">MEINUNGSÃUSSERUNGSFREIHEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ÃFFENTLICHE VERHANDLUNG">ÃFFENTLICHE VERHANDLUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ÃFFENTLICHER GRUND">ÃFFENTLICHER GRUND</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Allgemeines Verwaltungsrecht ST: RECHT DER ÃFFENTLICHEN SACHEN">RECHT DER ÃFFENTLICHEN SACHEN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTSSCHUTZINTERESSE">RECHTSSCHUTZINTERESSE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RELIGIONSFREIHEIT">RELIGIONSFREIHEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHUTZWÃRDIGES INTERESSE">SCHUTZWÃRDIGES INTERESSE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ZUSTÃNDIGKEIT">ZUSTÃNDIGKEIT</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">§ 10 lit. I BezverwG</span><br/><span class="gerade">§ 12 lit. I BezverwG</span><br/><span class="ungerade">Art. 8 lit. II BV</span><br/><span class="gerade">Art. 35 lit. III BV</span><br/><span class="ungerade">Art. 36 lit. II BV</span><br/><span class="gerade">§ 21 lit. a VRG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 1 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>I. Die Vereinigung X., vertreten durch ihren PrÃ¤­sidenten Y., ersuchte die Stadtpo­li­zei Winterthur am 19. Oktober 1998 um die Bewilligung, auf Ã¶ffentlichem Grund religiÃ¶se und politische Schriften verteilen sowie vier Plakate mit folgenden Texten aufstellen zu dÃ¼rfen:</span></p> <p class="EinzugZitat"><span>- "Wer mit Porno und Brutalo anfÃ¤ngt â endet bei Auschwitz und Stalin­grad."</span></p> <p class="EinzugZitat"><span>- "Europa dein Weg zur HÃ¶lle ist: Porno Brutalo Drogen Abtreibung und HomosexualitÃ¤t"</span></p> <p class="EinzugZitat"><span>- "Weil das Urteil Ã¼ber bÃ¶ses Tun nicht sogleich ergeht, wÃ¤chst dem Men­schen der Mut, BÃ¶ses zu tun."</span></p> <p class="EinzugZitat"><span>- "Jesus Christus und die Bibel ist die beste Antwort fÃ¼r Dein Leben."</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Mit VerfÃ¼gung vom 29. Oktober 1998 bewilligte die Stadtpolizei Y. die Be­nÃ¼t­zung des Ã¶ffentlichen Grundes zum genannten Zweck an vier Tagen im November/De­zem­ber 1998 in der Marktgasse unter verschiedenen Auflagen, unter anderem mit der Auf­lage, dass die beiden erstgenannten Plakattexte nicht verwendet werden dÃ¼rften. Nach­dem die Vereinigung X. bzw. Y. dagegen am 9. November 1998 Einsprache erhoben hatte, traf die Stadtpolizei am 2. Dezember 1998 wiedererwÃ¤gungsweise eine neue VerfÃ¼­gung, die im Wesentlichen jener vom 29. Oktober 1998 entsprach; hinsichtlich der vorge­sehenen Plakattexte wurde jedoch einzig noch vorgeschrieben, dass der zweite nur verwen­det wer­den dÃ¼rfe, wenn der Ausdruck "HomosexualitÃ¤t" entfernt werde. Dagegen erhob Y. am 15. Dezember 1998 erneut Einsprache.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Der Stadtrat Winterthur wies am 1. Juli 1999 die beiden Einsprachen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden seien, ab.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>II. Mit Rekurs vom 31. Juli 1999 beantragte Y. dem Bezirksrat Winter­thur, es sei ihm das Aufstellen der vier Informationsplakate ohne einschrÃ¤nkende Auflage zu bewil­ligen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Der Bezirksrat Winterthur wies den Rekurs am 19. November 1999 ab.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>III. Hiergegen gelangte Y. im eigenen Namen sowie namens der Vereini­gung X. mit Beschwerde vom 5. Januar 2000 an das Verwaltungsgericht, wobei er seinen Re­kurs­an­trag erneuerte, unter Kosten‑ und EntschÃ¤digungsfolgen zulasten der Beschwerde­gegnerin.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Der Bezirksrat Winterthur ersuchte das Verwaltungsgericht am 18. Januar 2000 um Abweisung der Beschwerde. Y. stellte mit Eingabe vom 10. Januar/3. Februar 2000 das Begehren, "es seien die bei der Stadtpolizei Winterthur und der Stadtpolizei A. erfolg­ten Verzeigungen des inkriminierten Plakates zu edieren"; ferner er­suchte er um DurchfÃ¼h­rung einer Ã¶ffentlichen Verhandlung. Der Stadtrat Winterthur bean­tragte am 10. MÃ¤rz 2000, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, insbesondere soweit sie im Namen der Ver­einigung X. erhoben worden sei; eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen, unter Kos­ten‑ und EntschÃ¤digungsfolgen zulasten der BeschwerdefÃ¼hrenden.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Das Verwaltungsgericht zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>1. a) Zur Beurteilung der streitbetroffenen Auflage im Zusammenhang mit der Be­willigung fÃ¼r die BenÃ¼tzung des Ã¶ffentlichen Grundes ist das Verwaltungsgericht nach § 19c Abs. 2 und § 41 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997 (VRG) funktionell und sachlich zustÃ¤ndig.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Zur Beschwerdeerhebung ist nach § 21 lit. a VRG in Verbindung mit § 70 VRG lediglich befugt, wer durch eine Anordnung berÃ¼hrt wird und ein schutzwÃ¼rdiges Interesse an ihrer Ãnderung oder Aufhebung hat.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>aa) Der Stadtrat und der Bezirksrat Winterthur sind in ihrem Einsprache‑ bzw. Re­kursentscheid davon ausgegangen, dass Y. das Rechtsmittel nur im eigenen Namen, nicht auch in jenem der Vereinigung X. erhebe. Im Einspracheverfahren hatte Y. denn auch auf Befragen hin erklÃ¤rt, nur im eigenen Namen Einsprache erheben zu wollen. Unter diesen UmstÃ¤nden ist auf die Beschwerde, soweit sie im Namen der Vereinigung X. erho­ben worden ist, nicht einzutreten (Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kom­mentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 21 N. 27).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>bb) Die Beschwerdelegitimation setzt ein aktuelles Rechtsschutzinteresse des Be­schwerdefÃ¼hrers an der Aufhebung oder Ãnderung der angefochtenen Anordnung voraus. Auf dieses Erfordernis kann ausnahmsweise verzichtet werden, sofern eine Anordnung zu beurteilen ist, die sich nach ihrer Art und ihrem Gegenstand jederzeit wiederholen kann und die sonst der behÃ¶rdlichen oder gerichtlichen ÃberprÃ¼fung regelmÃ¤ssig entzogen blie­be, so dass die rechtliche KlÃ¤rung einer Grundsatzfrage nie erfolgen kÃ¶nnte (KÃ¶lz/Boss­hart/RÃ¶hl, § 21 N. 25; RB 1985 Nr. 10; BGE 111 Ib 56 E. 2).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Streitig ist vorliegend eine einschrÃ¤nkende Auflage im Zusammenhang mit der Ver­wendung von Plakattexten auf Ã¶ffentlichem Grund, wobei die entsprechenden Veran­stal­tungen dem BeschwerdefÃ¼hrer an vier Tagen im November/Dezember 1998 bewilligt wor­den sind. Da sich ein Beschwerdeentscheid auf die fÃ¼r diese vier Tage erteilte Bewilli­gung nicht mehr unmittelbar auswirken kann, fehlt dem BeschwerdefÃ¼hrer ein aktuelles Rechts­schutzinteresse. Ob die streitbetroffene Auflage verfassungsrechtlich zulÃ¤ssig sei, ist je­doch eine Frage, der grundsÃ¤tzliche Bedeutung zukommt und die bei kÃ¼nftigen Gesuchen des BeschwerdefÃ¼hrers oder anderer Personen, den Ã¶ffentlichen Grund in entsprechender Weise in Anspruch zu nehmen, vom Gericht kaum Ã¼berprÃ¼ft werden kÃ¶nnte, sofern auf dem Erfordernis des aktuellen Interesses beharrt wÃ¼rde. Es rechtfertigt sich daher, im vor­liegenden Beschwerdeverfahren von diesem Erfordernis abzusehen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>2. a) Der BeschwerdefÃ¼hrer verlangt die DurchfÃ¼hrung einer Ã¶ffentlichen Ver­hand­lung.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Ein entsprechender Anspruch ergibt sich aus Art. 6 Ziff. 1 der EuropÃ¤ischen Men­schenrechtskonvention (EMRK), falls die vorliegende Angelegenheit als "Streitigkeit Ã¼ber zivilrechtliche AnsprÃ¼che und Verpflichtungen" zu qualifizieren ist. Es besteht keine ge­festigte Lehre und Rechtsprechung darÃ¼ber, ob Auseinandersetzungen Ã¼ber die Nutzung Ã¶ffentlichen Grundes in den Anwendungsbereich der Garantien von Art. 6 Ziff. 1 EMRK fallen (vgl. Jochen A. Frowein/Wolfgang Peukert, EuropÃ¤ische Menschenrechtskonvention [EMRK-Kommentar], 2. A., Kehl/Strassburg/Airlington 1996, Art. 6 N. 15 ff.; Ruth Her­zog, Art. 6 EMRK und kantonale Verwaltungsrechtspflege, Bern 1995, S. 175 ff.; Mark E. Villiger, Handbuch der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention [EMRK], 2. A., ZÃ¼rich 1999, Rz. 384 ff.). Nach einer Ã¼berzeugenden Lehrmeinung ist zu unterscheiden, ob die auf dem Ã¶ffentlichen Grund beabsichtigte TÃ¤tigkeit oder Vorkehr in den Bereich allgemeiner FreiheitsausÃ¼bung fÃ¤llt oder ob die ersuchende Person ein SchutzbedÃ¼rfnis wirtschaftlich-pekuniÃ¤rer oder persÃ¶nlichkeitsrechtlicher Art darzutun vermag (Herzog, S. 175 f.). Die vom BeschwerdefÃ¼hrer beabsichtigte Nutzung des Ã¶ffentlichen Grundes steht danach nicht unter dem Schutz von Art. 6 Ziff. 1 EMRK, weil sie als ideelle, insbesondere religiÃ¶se Mis­sion zu betrachten ist, ohne dass es um persÃ¶nliche oder pekuniÃ¤re Interessen des Be­schwerdefÃ¼hrers geht, die in seinen privaten Rechtsbeziehungen Ausdruck finden wÃ¼rden (Herzog, S. 102, mit Hinweisen).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Aus § 59 VRG ergibt sich von vornherein kein Anspruch auf eine mÃ¼ndliche Verhandlung; diese Bestimmung stellt deren Anordnung in das Ermessen des Gerichts (KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 59 N. 1). Da die Akten vorliegend eine ausreichende Entscheid­grundlage bieten, besteht kein Anlass, eine solche Verhandlung durchzufÃ¼hren.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Der BeschwerdefÃ¼hrer ersucht darum, "die bei der Stadtpolizei Winterthur und bei der Stadtpolizei A. erfolgten Verzeigungen des inkriminierten Plakates zu edieren". Derartige Akten sind dem Verwaltungsgericht nicht eingereicht worden. Auf sol­che Akten wird in den ErwÃ¤gungen der vorinstanzlichen Entscheide auch nicht Bezug ge­nommen. Auf deren Beizug ist daher zu verzichten.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>3. GemÃ¤ss § 10 Abs. 1 des Gesetzes Ã¼ber die Bezirksverwaltung vom 10. MÃ¤rz 1985 (BezverwG) obliegen dem Bezirksrat neben der Aufsicht Ã¼ber die Gemeinden der Entscheid Ã¼ber Rechtsmittel in Gemeindesachen, sofern nicht besondere Bestimmungen eine abweichende Ordnung vorsehen. Dem Statthalter obliegen als Leiter des Statthalter­amts (vgl. § 11 BezverG) laut § 12 Abs. 1 BezverwG neben der Handhabung des Ãbertre­tungsstrafrechts die Aufsicht Ã¼ber die Ortspolizei und das Feuerwehrwesen sowie der Ent­scheid Ã¼ber Rechtsmittel auf diesen Gebieten. Entsprechend dieser Ordnung sieht § 19c VRG als RekursbehÃ¶rde alternativ den Bezirksrat oder den Statthalter vor.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Bei der fraglichen Bewilligung einschliesslich der streitbetroffenen Auflage handelt es sich um eine "ortspolizeiliche" Anordnung, auch wenn dieser Begriff eng auszulegen ist (KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 5 N. 9). Der Bezirksrat Winterthur hat seine ZustÃ¤ndigkeit zur Be­handlung des vorliegenden Rekurses damit begrÃ¼ndet, weil der Rekurrent vor allem eine Verletzung von Freiheitsrechten geltend mache, gehe es im vorliegenden Verfahren "nicht in erster Linie um die BenÃ¼tzung Ã¶ffentlichen Grundes (gesteigerter Gemeingebrauch), sondern um einen Eingriff in die Grundrechte bzw. deren Schutz". Dieser Auffassung kann nicht beigetreten werden. Dass aufgrund der Rekursvorbringen Rekursthema vor allem die Frage bildet, ob die streitige Auflage mit den angerufenen Freiheitsrechten vereinbar sei, kann die an sich gegebene ZustÃ¤ndigkeit des Statthalters nicht wegbedingen. Bereits die stÃ¤dtischen BehÃ¶rden waren bei der Bewilligungserteilung mit den Fragen des Grund­rechts­schutzes konfrontiert.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die sachliche UnzustÃ¤ndigkeit einer BehÃ¶rde hat in der Regel die Nichtigkeit der getroffenen Anordnung zur Folge, es sei denn, der verfÃ¼genden BehÃ¶rde komme auf dem betreffenden Gebiet allgemeine Entscheidungskompetenz zu (KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 5 N. 30). Ein solcher Ausnahmefall liegt hier vor: Angesichts dessen, dass dem Bezirksrat im Sinn einer AuffangzustÃ¤ndigkeit alle Bezirksaufgaben, insbesondere die Rekursbehandlung in Gemeindesachen obliegen (KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 5 N. 9) und dass er vom Statthalter prÃ¤sidiert wird, welcher im vorliegenden Fall auch den Vorsitz gefÃ¼hrt hat, lÃ¤sst der festge­stellte ZustÃ¤ndigkeitsmangel den Entscheid des Bezirksrats nicht als nichtig, sondern le­dig­lich als anfechtbar erscheinen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Es fragt sich, ob der angefochtene Bezirksratsentscheid wegen des festgestellten ZustÃ¤ndigkeitsfehlers aufzuheben und die Sache zur Behandlung dem Statthalter zu Ã¼ber­weisen sei. Davon ist abzusehen: Wenn unter Verzicht auf das Erfordernis eines aktuellen Interesses die Rechtsmittellegitimation des BeschwerdefÃ¼hrers gleichwohl bejaht wird, ge­schieht dies im Hinblick auf die sich bei der materiellen Behandlung stellenden Fragen von grundsÃ¤tzlicher Bedeutung (E. 2a). Deren Beantwortung muss bei der gegebenen pro­zes­sualen Lage sinnvollerweise dem Verwaltungsgericht zukommen und nicht dem Statt­hal­ter, welcher am angefochtenen Entscheid ja bereits mitgewirkt hat.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>4. a) Mit der von ihm geplanten Kundgebung, deren Bewilligung nur unter der streit­betroffenen Auflage erteilt worden ist, wollte der BeschwerdefÃ¼hrer bzw. die Verei­nigung X. je wÃ¤hrend einiger Stunden auf Ã¶ffentlichem Grund religiÃ¶se und politische Schrif­ten vertei­len und vier Plakate aufstellen. Ein solches Vorhaben stellt gesteigerten Gemeingebrauch dar (BGE 105 Ia 15 E. 4, 91 E. 2; BGr, 21. MÃ¤rz 1979, ZBl 81/1980, S. 42). Der Be­schwer­defÃ¼hrer bestreitet zur Recht nicht, dass eine derartige Ã¼ber den Ge­meingebrauch hinausgehende Nutzung des Ã¶ffentlichen Grundes der Bewilligungspflicht unterstellt wer­den darf. Im vorliegenden Fall findet sich die gesetzliche Grundlage in Art. 18 der Allge­meinen Polizeiverordnung der Stadt Winterthur vom 18. Februar 1981 (APV) in Verbin­dung mit Art. 2 der vom Stadtrat am 8. Juni 1979 erlassenen Vorschriften Ã¼ber die BenÃ¼t­zung des Ã¶ffentlichen Grundes zu Sonderzwecken (VBS).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Kundgebungen auf Ã¶ffentlichem Grund in der Form gesteigerten Gemeinge­brauchs dÃ¼rfen weitergehenden EinschrÃ¤nkungen unterworfen werden als andere Formen der MeinungsÃ¤usserung. Die BehÃ¶rde, welcher die Aufsicht und die VerfÃ¼gung Ã¼ber den Ã¶ffentlichen Boden zusteht, darf beim Entscheid Ã¼ber die Bewilligung neben den polizeili­chen auch andere Ã¶ffentliche Interessen berÃ¼cksichtigen. Ein wichtiger Gesichtspunkt ist dabei die zweckmÃ¤ssige Nutzung der vorhandenen Ã¶ffentlichen Anlagen im Interesse der Allgemeinheit und der Anwohner, d.h. die Koordination der verschiedenen Nutzungsan­sprÃ¼che. Doch ist die BehÃ¶rde bei ihrem Entscheid nicht nur an das WillkÃ¼rverbot und an das Rechtsgleichheitsgebot gemÃ¤ss Art. 4 der Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 (aBV) bzw. Art. 8 und 9 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) gebunden. Vielmehr kann sich der Gesuchsteller je nach dem Zweck der von ihm beabsichtigten Nutzung des Ã¶ffentlichen Grundes auf die Freiheitsrechte berufen; die BehÃ¶rde hat den besonderen ide­ellen Gehalt der MeinungsÃ¤usserungsfreiheit, um deren AusÃ¼bung es geht, in die Interes­senabwÃ¤gung einzubeziehen (Ulrich HÃ¤felin/Georg MÃ¼ller, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. A., ZÃ¼rich 1998, Rz. 1883 ff.; Ulrich HÃ¤felin/Walter Haller, Schwei­zerisches Bundesstaatsrecht, 4. A., ZÃ¼rich 1998, Rz. 1308 ff.; JÃ¶rg Paul MÃ¼ller, Grund­rech­te in der Schweiz, Bern 1999, S. 211 ff., 652 f.; Tobias Jaag, Gemeingebrauch und Son­der­nutzung Ã¶ffentlicher Sachen, ZBl 93/1992, S. 157 ff.; Urs Saxer, Die Grundrechte und die Benutzung Ã¶ffentlicher Strassen, ZÃ¼rich 1987, S. 254 ff.; Yvo Hangartner/Andreas Kley-Struller, Demonstrationsfreiheit und Rechte Dritter, ZBl 96/1995, S. 112 ff.; JÃ¼rg Bosshart, Demonstrationen auf Ã¶ffentlichem Grund, ZÃ¼rich 1973, S. 125 ff., 134 ff.). Ob die Auf­fas­sungen, die durch die fragliche Veranstaltung verbreitet werden sollen, der Be­hÃ¶rde wert­voll erscheinen oder nicht, darf beim Entscheid Ã¼ber die Bewilligung fÃ¼r eine nachgesuchte Kundgebung nicht ausschlaggebend sein; dass bestimmte Aussagen der Be­hÃ¶rde missfal­len, ist kein Grund, die Bewilligung gÃ¤nzlich zu verweigern oder durch ein Verbot solcher Aussagen auflageweise einzuschrÃ¤nken (BGE 124 I 267 E. 3b mit Hinwei­sen).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>c) Das Recht, seine Meinung ungehindert zu Ã¤ussern und zu verbreiten, war bis an­hin durch die als ungeschriebenes Verfassungsrecht anerkannte MeinungsÃ¤usserungsfrei­heit gewÃ¤hrleistet; seit Inkrafttreten der neuen Bundesverfassung am 1. Januar 2000 ist es Bestandteil der Meinungs‑ und Informationsfreiheit gemÃ¤ss Art. 16 BV; zudem wird es durch Art. 10 EMRK gewÃ¤hrleistet. Aus Art. 10 EMRK lassen sich jedoch im vorliegenden Zusammenhang keine weitergehenden AnsprÃ¼che als aus der bundesrechtlich gewÃ¤hr­leis­te­ten MeinungsÃ¤usserungsfreiheit ableiten. Der BeschwerdefÃ¼hrer macht unter anderem gel­tend, die mit der streitbetroffenen Auflage untersagte MeinungsÃ¤usserung stelle eine bibli­sche Botschaft dar. Er beruft sich damit auch auf die Glaubens‑ und Gewissenfreiheit ge­mÃ¤ss Art. 49 aBV bzw. Art. 15 BV sowie Art. 9 EMRK. Mit dem Bezirksrat kann offen bleiben, ob die fragliche MeinungsÃ¤usserung auch in den Schutzbereich dieses Grundrechts fÃ¤llt, weil sich fÃ¼r die streitbetroffene Auflage GrÃ¼nde anfÃ¼hren lassen, die diese Auflage un­ter dem Gesichtswinkel beider Freiheitsrechte als zulÃ¤ssige EinschrÃ¤nkung erscheinen lassen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>d) Der BewilligungsbehÃ¶rde steht es grundsÃ¤tzlich nicht zu, die Bewilligung fÃ¼r das Aufstellen von Plakaten oder die Verteilung von Druckschriften auf Ã¶ffentlichem Grund zu verweigern oder auflageweise einzuschrÃ¤nken, weil ihr der Inhalt solcher Publikationen missfÃ¤llt (vgl. E. 3b am Ende; MÃ¼ller, S. 213). Das bedeutet jedoch nicht, dass die BehÃ¶rde bei der Bewilligung von gesteigertem Gemeingebrauch MeinungsÃ¤usserungen bezÃ¼glich ihres Inhalts ohne jede Schranken zulassen muss.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Mit Urteil vom 21. MÃ¤rz 1979 (ZBl 81/1980, S. 42) hat das Bundesgericht die Be­willigungsverweigerung fÃ¼r einen Verkaufsstand geschÃ¼tzt, weil zu befÃ¼rchten war, dass am Titelblatt der zum Verkauf gelangenden Zeitschrift, worin in einem Beitrag der homo­sexuelle Verkehr eines Erwachsenen mit einem Jugendlichen angepriesen werde, Anstoss genommen wÃ¼rde. Das Bundesgericht erwog, der Staat sei nicht verpflichtet, einem Ge­suchsteller Ã¶ffentlichen Grund zum gesteigerten Gemeingebrauch fÃ¼r den Vertrieb eines Presseerzeugnisses zur VerfÃ¼gung zu stellen, welches das SchamgefÃ¼hl von Passanten ver­letzen kÃ¶nne. Die Pressefreiheit gebiete nicht, dass die Aussage des Druckerzeugnisses sel­ber fÃ¼r die Bewilligung des Verkaufsstandes vÃ¶llig ausser acht gelassen werde. Hier gehe es um ein Presseerzeugnis, dessen Verkauf zwar strafrechtlich nicht zu beanstanden sei, das aber mehr oder weniger offen zu einem rechtlich verpÃ¶nten Handeln (Art. 191 und 194 des Strafgesetzbuches in der damals geltenden Fassung) auffordere. Der Staat brauche nicht durch EinrÃ¤umung von gesteigertem Gemeingebrauch an Ã¶ffentlichem Grund Hand zu bie­ten zur Verbreitung von Ansichten, welche die der Rechtsordnung zugrundliegenden Werte nicht nur in Frage stellten, sondern geradezu zu ihrer Verletzung aufforderten.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Dieses Urteil ist in der Lehre auf Kritik gestossen (MÃ¼ller, S. 213 Anm. 156). Auch wenn man mit der zitierten Lehrmeinung den genannen Entscheid als zu restriktiv wÃ¼rdigt, kann dies nicht bedeuten, dass der Inhalt von Plakaten und Druckschriften, fÃ¼r dessen Auf­stellen bzw. Verteilen gesteigerter Gemeingebrauch an Ã¶ffentlichem Grund beansprucht wird, jeglicher Inhaltskontrolle entzogen bleiben muss.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Bei der Bewilligungserteilung kÃ¶nnen die Grundrechte Drittbetroffener einen mass­geblichen Gesichtspunkt darstellen, denen insoweit eine mittelbare Drittwirkung zukommt (Hangartner/Kley, S. 108 ff.). Dies ergibt sich jetzt namentlich aus der neuen Bundesver­fassung: GemÃ¤ss Art. 35 Abs. 3 BV sorgen die BehÃ¶rden dafÃ¼r, dass die Grundrechte, so­weit sie sich dazu eignen, auch unter Privaten wirksam werden. Zwar ist fraglich, inwie­weit damit eine umfassende staatliche Schutzpflicht und ein subjektiver Schutzanspruch statuiert werden (vgl. Beatrice Weber-DÃ¼rler, Grundrechtseingriffe, in: Ulrich Zimmerli [Hrsg.], Die neue Bundesverfassung, Bern 2000, S. 140 f., 152 f.). Die Verwirklichung der Grundrechte in der gesamten Rechtsordnung wird aber zur Aufgabe aller BehÃ¶rden. So ha­ben sie auch die rechtsanwendenden BehÃ¶rden bei ihrer Entscheidfindung umfassend zu be­rÃ¼cksichtigen, etwa bei der AusÃ¼bung von Ermessen und der AbwÃ¤gung von Interessen (vgl. Botschaft Ã¼ber eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996, BBl 1997 I 193). Folgerichtig sieht die neue BV vor, dass eine EinschrÃ¤nkung von Grundrechten nicht nur durch ein Ã¶ffentliches Interesse, sondern auch durch den Schutz von Grundrechten Drit­ter gerechtfertigt sein kann (Art. 36 Abs. 2 BV).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Geht es um die BenÃ¼tzung Ã¶ffentlichen Grundes, so ist diese Drittwirkung zwar in erster Linie im Zusammenhang mit dem ungehinderten Zugang Dritter (von Passanten, An­wohnern und GeschÃ¤ftsinhabern), die sich diesbezÃ¼glich auf die Eigentumsgarantie, die Han­dels‑ und Gewerbefreiheit sowie die persÃ¶nliche Freiheit berufen kÃ¶nnen, aktuell. Zu den grundrechtlichen AnsprÃ¼chen Drittbetroffener gehÃ¶rt aber auch die persÃ¶nliche Frei­heit (Art. 10 BV), namentlich der durch sie gewÃ¤hrleistete Schutz der PersÃ¶nlichkeit (MÃ¼l­ler, S. 7 ff.) und das Diskriminierungsverbot (Art. 8 Abs. 2 BV). Bei der ÃberprÃ¼fung eines Gesuchs um gesteigerten Gemeingebrauch Ã¶ffentlichen Grundes in Betracht zu zie­hen sind auch strafrechtliche und privatrechtliche BeschrÃ¤nkungen der Meinungsfreiheit (Ehrverlet­zung nach Art. 173 ff. StGB; PersÃ¶nlichkeitsschutz nach Art. 28 ff. ZGB).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>e) Der vom Stadtrat Winterthur auflageweise verbotene Plakattext "Europa ein Weg zur HÃ¶lle ist: ... HomosexualitÃ¤t" dÃ¼rfte wohl kaum eine Ehrverletzung im Sinn von Art. 173 ff. StGB oder eine PersÃ¶nlichkeitsverletzung im Sinn von Art. 28 ff. ZGB bein­halten. Hinsichtlich des strafrechtlichen Schutzes der Ehre geht es um die Frage, ob und in­wieweit Personengesamtheiten ehrenfÃ¤hig sind, was nach Ã¼berwiegender Lehre und Recht­sprechung nur fÃ¼r rechts‑ und prozessfÃ¤hige PersonenverbÃ¤nde bejaht wird. Das schliesst allerdings nicht aus, dass Ehrverletzungen auch unter einer Kollektivbezeichnung began­gen werden kÃ¶nnen; vorausgesetzt wird dabei aber, dass sie sich auf bestimmte Ein­zelper­sonen (im Regelfall: auf alle) beziehen lÃ¤sst, was bei sogenannten Durchschnittsur­teilen nicht zutrifft (vgl. zum Ganzen GÃ¼nter Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Beson­derer Teil I, 5. A., Bern 1995, § 11 Rz. 12 ff.; BGE 124 IV 262 E. 2a).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Hingegen steht der Zulassung der fraglichen Ãusserung (bei der Bewilligung von gesteigertem Gemeingebrauch) in Anwendung von Art. 35 Abs. 3 BV das Diskriminie­rungsverbot von Art. 8 Abs. 2 BV entgegen. GemÃ¤ss dieser Bestimmung darf niemand diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiÃ¶sen, weltan­schau­lichen oder politischen Ãberzeugung oder wegen einer kÃ¶rperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung (vgl. auch die strafrechtliche Konkretisierung des Diskriminie­rungsverbots bezÃ¼glich Rasse, Ethnie und Religion in Art. 261<sup>bis</sup> StGB, welche Bestim­mung im vorliegenden Fall nicht anwendbar ist). Mit dem ausdrÃ¼cklich erwÃ¤hnten Tatbe­stand der "Lebensform" beabsichtigte der Verfassungsgeber vorab einen Schutz von Men­schen mit homosexueller Orientierung (MÃ¼ller, S. 426; vgl. Derselbe, Die Diskriminie­rungs­verbote nach Art. 8 Abs. 2 der neuen Bundesverfassung, in: Die neue Bundesverfas­sung, Konsequenzen fÃ¼r Praxis und Wissenschaft, Bern 1999, S. 122). ‑ Zu Recht haben der Bezirksrat und der Stadtrat Winterthur den fraglichen Text als Diffamierung von Per­sonen mit einer derartigen Lebensform bzw. sexueller Orientierung gewÃ¼rdigt und damit den Einwand des BeschwerdefÃ¼hrers verworfen, mit dieser Aussage wÃ¼rden Ã¼berhaupt keine "Personen" in irgendeiner Form qualifiziert, sondern nur ein bestimmtes "Verhalten" als verwerflich bezeichnet (vgl. ErwÃ¤gung 8 des Bezirksratsbeschlusses, ErwÃ¤gung 3.4 des Stadtratsbeschlusses). Wie der Bezirksrat zutreffend erwogen hat, geht aus dem Gesamtzu­sammenhang des Textes fÃ¼r den durchschnittlichen Leser eine klar wertende Aussage her­vor, welche homosexuell veranlagte Personen mit strafrechtlich relevanten Verhalten wie Drogenkonsum und Abtreibung gleichstellt und einer verwerflichen Lebensweise bezich­tigt, was sie in ihrer WÃ¼rde herabsetzt und in ihren GefÃ¼hlen verletzt. Es ist wirklichkeits­fremd, die vom BeschwerdefÃ¼hrer beabsichtigte Aussage nur auf ein bestimmtes Verhalten zu beziehen, handelt es sich bei den homosexuellen Personen doch um eine gesellschaftlich hinreichende abgegrenzte Menschengruppe, die in der Ãffentlichkeit als solche in Erschei­nung tritt und sich meist stark mit ihrer Neigung identifiziert. Ãberdies macht auch das vom BeschwerdefÃ¼hrer gefÃ¤llte Unwerturteil die von ihm postulierte Trennung unmÃ¶glich, wird doch damit die unwiderrufliche und endgÃ¼ltige Ver­worfenheit jener Menschen ausge­sprochen, die sich in der von ihm geschilderten Weise verhalten.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Zwar trifft es nicht zu, dass eine derartige MeinungsÃ¤usserung dem Schutz der Mei­nungsfreiheit generell entzogen wÃ¤re; jedoch hat derjenige, der unter Inanspruchnahme von gesteigertem Gemeingebrauch auf Ã¶ffentlichem Grund seine Ansichten verbreiten will, nach dem Voranstehenden grÃ¶ssere EinschrÃ¤nkungen in Kauf zu nehmen. Diese Beurtei­lung steht auch im Einklang mit der in Lehre und Rechtsprechung verwendeten Formel, wo­nach die Grundrechte, namentlich die Meinungsfreiheit, nur einen "bedingten" An­spruch auf Bewilligung des gesteigerten Gemeingebrauchs vermitteln.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>f) Die fragliche Auflage erweist sich auch als verhÃ¤ltnismÃ¤ssiger Eingriff. Es kann diesbezÃ¼glich auf die zutreffenden AusfÃ¼hrungen des Bezirksrats (E. 9) verwiesen werden.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>g) Bei dieser Sach‑ und Rechtslage kann dahingestellt bleiben, ob die streitige Auf­lage sich auch durch die weitere ErwÃ¤gung des Stadtrats Winterthur rechtfertigen lies­se, bei einer frÃ¼heren Veranstaltung der Vereinigung X., die einschliesslich des fraglichen Plakattex­tes bewilligt worden war, habe Letzterer bei Passantinnen und Passanten heftige Reaktio­nen ausgelÃ¶st und zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen dem heutigen Be­schwerdefÃ¼hrer und einer Passantin gefÃ¼hrt, welcher Vorfall bei der Beurtei­lung des neuen Bewilligungsgesuchs vom 19. Oktober 1998 habe berÃ¼cksichtigt werden dÃ¼rfen und zur An­nahme berechtigt habe, bei einer erneuten Bewilligungserteilung ohne die streitbe­trof­fene Auflage sei eine StÃ¶rung der Ã¶ffentlichen Ruhe und Ordnung zu be­fÃ¼rchten (vgl. Er­wÃ¤gung 3.3 des Stadtratsbeschlusses, ErwÃ¤gung 8 des Bezirksratsent­scheids).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>DemgemÃ¤ss entscheidet das Verwaltungsgericht:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>2. ...</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>