Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 28. Juli 2022 (720 21 68 / 178) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch einer versicherten Person mit mehrfach operierten Ganglions am Handgelenk und einem Thoracic-outlet-Syndrom auf berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Jürg Tschopp, Advokat, Simonius & Partner, Aeschenvorstadt 67, Postfach, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1992 geborene A.____ meldete sich am 19. Dezem ber 2016 bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) unter Hinweis auf ein operiertes Ganglion am linken Handge- lenk und ein Thoracic-outlet-Syndrom (TOS) zum Leistungs bezug an. Nach Abklärung der ge- sundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sowie Durchf ührung des Vorbescheidverfahrens Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten der GA eins GmbH, Gutachtensstelle Einsiedeln, vom 3. Februar 2020 mit Verfügung vom 14. Januar 2021 einen Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad v on 1 % ab. Ebenfalls wies sie das Ge- such auf Gewährung von beruflichen Massnahmen ab, weil die Versicherte bei voller Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht auf spezifische Fachkenntnisse der IV-Stelle angewiesen sei. B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vert reten durch Advokat Jürg Tschopp, am 17. Februar 2021 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Sie beantragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 14. Januar 2021 aufzuhe- ben und ihr mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Im Falle der Notwendigkeit eines Gutach- tens sei dieses subeventualiter direkt vom Gericht in Auf trag zu geben; unter o/e-Kostenfolge, wobei ihr die unentgeltliche Prozessführung und die u nentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter zu bewilligen seien. Zur Begründung br achte sie im Wesentlichen vor, dass sie aufgrund des Ganglions mehrfach am linken Handgelenk ope riert worden sei, ohne dass eine namhafte Besserung der Schmerzsituation eingetreten sei. Die Schmerzen hätten sich vielmehr bis in die Schulter ausgebreitet. Ein in absehbarer Zeit vorliegender stabiler Gesundheitszustand liege nicht vor. Es sei deshalb der Fall an die IV-Stelle zurückzuweisen, um die Gesundheitsent- wicklung abzuklären. Ausserdem stütze die IV-Stelle ihren Entscheid auf unzureichende, nicht mehr aktuelle medizinische Unterlagen. Da sie als faktisch Einarmige nicht mehr in ihrem Beruf als Detailhandelsangestellte arbeitsfähig sei, rechtfertige sich bei der Invaliditätsbemessung ge- mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein Abzug vom Tabel lenlohn zwischen 20 % und 25 %. Da das Schmerzsyndrom nicht nur die Hand, sondern den ganzen Arm betreffe, sei von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40 % auszugehen. Damit habe sie Anspruch auf eine Viertelsrente. Schliesslich habe es die IV-Stelle unterlassen, Eingliederungsmassnahmen zu prü- fen. Angesichts ihres Alters und ihres Leidensdrucks sei eine Abklärung beruflicher Massnahmen angezeigt. Sinnvoll wäre eine Umschulung. In diesem Zu sammenhang sei zu berücksichtigen, dass sie wegen ihrer Mutterschaft in jungen Jahren keinen Berufsabschluss habe erreichen kön- nen. C. Das Kantonsgericht bewilligte der Versicherten mit V erfügung vom 18. Februar 2021 die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung. D. Die IV-Stelle liess sich am 26. März 2021 vernehmen und beantragte die Abweisung der Beschwerde, wobei sie unter anderem auf die Stellungn ahme von Dr. med. B.____, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), vom 25. Feb- ruar 2021 hinwies. E. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 16. Septembe r 2021 legte der Rechtvertreter der Versicherten neue ärztliche Berichte vor. Da die IV-Stelle noch keine Gelegenheit hatte, sich dazu zu äussern, stellte das Kantonsgericht den Fall mit Beschluss vom 16. September 2021 zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs aus und räumte der IV-Stelle eine Frist zur Einreichung einer Stellungnahme ein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Mit Eingabe vom 30. September 2021 hielt die IV- Stelle mit Verweis auf die Stellung- nahme von Dr. B.____ vom 29. September 2021 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Im Wesentlichen führte sie aus, dass die mit den neu vorgelegten Arztberichten geltend gemachte Schulterarthroskopie erst nach Erlass der angefochtenen Verfügung erfolgt und daher nicht im vorliegenden Beschwerdeverfahren, sondern allenfalls im Rahmen einer Neuanmeldung zu prüfen sei. G. In ihrer Eingabe vom 13. Dezember 2021 änderte d ie Versicherte durch ihren Rechts- vertreter die Rechtsbegehren dahingehend, als sie beantr agte, es sei die Sache in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 14. Januar 2021 an die IV-Stelle zurückzuweisen mit der An- ordnung, dass diese Eingliederungsmassnahmen wie Arbeits training, "Coaching Finanzierung spezieller Kurs", etc. vorzunehmen habe. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben oder mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur Begründung brachte sie im We- sentlichen vor, dass das polydisziplinäre Gutachten der GA eins GmbH ohne Beizug eines Schul- ter- und Handgelenksspezialisten erfolgt sei. Zudem sei d ie Behandlung am linken Handgelenk noch nicht abgeschlossen, was Dr. med. C.____, FMH Handchirurgie, noch vor Erlass der ange- fochtenen Verfügung in seinem Bericht vom 17. Juni 2020 festgehalten habe. Sein Bericht sei nur dem RAD, aber nicht den Gutachtern der GA eins GmbH vorgelegt worden, was unzureichend sei. Trotz laufender Behandlung habe die IV-Stelle den Behandlungsabschluss nicht abgewartet und verfügt. Inzwischen sei die Versicherte im Oktober 2021 erneut am linken Handgelenk ope- riert worden. Zudem sei bereits im Einwandverfahren geltend gemacht worden, dass weiterfüh- rende Behandlungen der Schulter im Gange seien. Schl iesslich sei bei der Versicherten am 1. Juli 2021 eine Schulterarthroskopie mit Kapselshift lin ks durchgeführt worden. Angesichts des bisherigen Verlaufs beider Eingriffe stehe bei der Ver sicherten die Wiedereingliederung im Vor- dergrund. H. Die IV-Stelle wies in ihrer Eingabe vom 21. Dezembe r 2021 darauf hin, dass eine Ände- rung der Rechtsbegehren während eines hängigen Beschw erdeverfahrens nicht zulässig sei. Was das Gesuch um Gewährung von beruflichen Massnahmen an gehe, sei zu beachten, dass bei einem Invaliditätsgrad unter 20 % kein Anspruch darauf bestehe. I. Am 24. Januar 2022 liess die Versicherte durch ihre n Rechtsvertreter mitteilen, dass im Januar 2022 eine ärztliche Kontrolluntersuchung des link en Handgelenks stattgefunden habe. Sie stellte einen entsprechenden ärztlichen Bericht in Aussicht, welcher jedoch dem Gericht bis anhin nicht zugestellt worden ist. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 17. Februar 2021 ist einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. D ie vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: B GE 144 V 210 E. 4.3.1, 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sow ie des Bundesgesetzes über den All- gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. De- zember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Feb- ruar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wiedergege- ben, zitiert und angewendet. 2. In formeller Hinsicht wies die IV-Stelle in ihrer S tellungnahme vom 21. Dezember 2021 darauf hin, dass Rechtsbegehren während des hängigen Besc hwerdeverfahrens "nicht einfach so" geändert werden dürften. Sie geht wohl davon aus, dass die Versicherte ihre Rechtsbegehren gestützt auf § 6 Abs. 1 VPO unzulässigerweise erweitert h at, indem sie in ihrer Stellungnahme vom 13. Dezember 2021 unter dem Titel "Rechtsbegehren" neu den Antrag stellte, es sei der Fall zur Prüfung von Eingliederungsmassnahmen an die Vorinst anz zurückzuweisen. Gemäss § 6 Abs. 1 VPO können die Parteien die Anträge, die sie im vorinstanzlichen Verfahren zur Sache gestellt haben, zwar einschränken, nicht aber ausdehnen oder inhaltlich verändern. Eine Erwei- terung der Rechtsbegehren liegt – entgegen der Ansicht der IV-Stelle – nicht vor. Die IV-Stelle übersieht, dass die Versicherte bereits im Rahmen des Vor bescheidverfahrens mit Einwand- schreiben vom 12. Mai 2020 die Prüfung von Eingliederungsmassnahmen beantragte. In der Be- schwerde vom 17. Februar 2021 führte sie diesen Antrag zwar nicht mehr unter dem Titel "Rechtsbegehren" auf. Dieser Antrag wurde jedoch in Zi ffer 16 der Beschwerde gestellt. Eine Ausdehnung der Rechtsbegehren kann unter diesen Umständen nicht erblickt werden. Es ist so- mit zu prüfen, ob die Versicherte Anspruch auf berufliche Massnahmen und auf eine mindestens 40%ige Invalidenrente hat. 3.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide oder von ei ner Invalidität unmittelbar bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, sowei t diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wiederher- zustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den Anspruch der einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Die Eingli ederungsmassnahmen umfassen gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG Massnahmen beruflicher Art (Be rufsberatung, erstmalige berufliche Aus- bildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe). Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben versicherte Personen, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfang zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Er- satz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkei ten der versicherten Person entspricht Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und unter der weiteren Voraussetzung, dass das Eingliede rungsziel dadurch voraussichtlich erreicht werden kann. Der erstmaligen ber uflichen Ausbildung gemäss Art. 16 Abs. 1 IVG gleichgestellt sind laut Art. 16 Abs. 2 IVG unter anderem die berufliche Neuausbildung von invaliden versicherten Personen, die nach dem Eintri tt der Invalidität eine ungeeignete und auf die Dauer unzumutbare Erwerbstätigkeit aufgenomm en haben (lit. b) sowie die berufliche Weiterausbildung, sofern dadurch die Erwerbsfähigkeit w esentlich verbessert werden kann (lit. c). Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit besteht, wenn die Umschulung in- folge Invalidität notwendig ist und die Erwerbsfähigkeit dadurch voraussichtlich erhalten oder ver- bessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Der Umschulungsanspruch setzt folglich eine Invalidität oder die unmittelbare Bedrohung durch eine solche vor aus (Art. 8 Abs. 1 IVG). Als invalid im Sinne von Art. 17 IVG gilt, wer wegen der Art und Schwere des eingetretenen Gesundheitsscha- dens in den bisher ausgeübten und in den ohne zusätzl iche berufliche Ausbildung offenstehen- den und noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleiben de oder längere Zeit dauernde Er- werbseinbusse von etwa 20 % erleidet; dabei bemisst sich d ie Einbusse an dem vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten Erwerbseinkommen (BGE 124 V 108). 3.2 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.4 Ausgangspunkt der Ermittlung der Invalidität bild et die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbesondere auch bei der Beurteilung der Arbeits- fähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – un d im Beschwerdefall das Ge-richt – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arb eitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.5 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 3.6 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 3.7 Das Administrativverfahren vor dem Versicherungsträger wie auch der kantonale Sozi- alversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die rich- tige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen S achverhalts zu sorgen. Diese Untersu- chungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforder- lichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Wenn der Versicherungsträger oder das kanto- nale Sozialversicherungsgericht im Rahmen einer umfassenden, sorgfältigen, objektiven und in- haltsbezogenen Beweiswürdigung zur Überzeugung gelang t, dass ein bestimmter Sachverhalt überwiegend wahrscheinlich sei, steht dies einer antizipierten Beweiswürdigung nicht entgegen. Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der getroffenen Tat- sachenfeststellungen bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmass- nahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sin d (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 5. Dezember 2018, 8C_398/2018, E.3.1 und vom 28. Ja nuar 2014, 8C_616/2013, E. 2.1; vgl. auch U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2020, zu Art. 43 Rz. 20 und 29). Kommt die Verwaltung ihrer Abklärungspflicht nicht od er nicht genügend nach, kann die Sache aus diesem Grund an die Verwaltung zurückgewiesen werden (BGE 132 V 368 E. 5). 4.1 Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass sich die Versicherte Anfang 2016 auf- grund der Beschwerden am linken Handgelenk und am Oberarm in ärztliche Behandlung begab. Auf Zuweisung des damaligen Hausarztes und des behandel nden Rheumatologen wurde die Versicherte im Spital D.____ untersucht. Dort wurden e in symptomatisches dorsales Handge- lenksganglion, ein Karpaltunnelsyndrom links, ein TOS und ein Verdacht auf eine Anomalie beim Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Übergang der Wirbelkörper C2/3 diagnostiziert (vgl. Be richte des Spitals D.____ vom 21. Sep- tember 2016, 4. Oktober 2016 und 1. November 2016). Bei den operativen Eingriffen vom 21. November 2016 und am 14. Dezember 2017 wurden bei de r Versicherten Ganglien am linken Handgelenk entfernt (vgl. Berichte des Spitals D.____ vom 22. November 2016 und 15. Dezem- ber 2017). Das vaskulär bedingte TOS wurde am 11. Mai 2018 im Spital E.____ operiert (vgl. Bericht des Spitals E.____ vom 14. Mai 2019). Die Tendovaginitis stenosans am Dig. I der linken Hand wurde am 21. August 2018 mittels einer Infiltrat ion behandelt (vgl. Berichte des Spitals D.____ vom 18. Oktober 2018 und vom 7. Dezember 2018). Am 1. Oktober 2019 wurde das linke Handgelenk erneut operiert (vgl. Operationsbericht von Dr. C.____ vom 1. Oktober 2019). 4.2 Aufgrund der Empfehlung der RAD-Ärztin Dr. B.___ _ wurde die GA eins GmbH mit der Begutachtung der Versicherten beauftragt. Das polydiszipl inäre Gutachten mit den Disziplinen Psychiatrie, Rheumatologie und Neurologie wurde am 3. Februar 2020 erstattet. In der Konsens- beurteilung stellte das Expertenteam als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Hy- permobilität, ein Funktions- und Belastungsdefizit am linken Handgelenk bei Status nach Exstir- pation eines dorsalen Handgelenksganglions am 21. Novem ber 2016, 14. November 2017 und 1. Oktober 2019 bei eingeschränkter Handgelenksbeweglichkeit ohne bildgebende Hinweise auf degenerative oder entzündliche Veränderungen und bei unspezifischen Sensibilitätsstörungen am linken Unterarm und an der linken Hand fest. Der Status nach Operation des vaskulären TOS links am 11. Mai 2018 beeinflusse die Arbeitsfähigkeit dagegen nicht. In rheumatologischer Hin- sicht führte die Gutachterin aus, dass die Versicherte an einem Funktions- und einem Belastungs- defizit des linken Handgelenks und an einer allgemeinen Hypermobilität leide. Die Beweglichkeit der linken Hand sei bei ansonsten unauffälligen Befund en etwas eingeschränkt und die Belast- barkeit sei reduziert. In Bezug auf die Schulterproblematik habe die Versicherte bei der Untersu- chung von einer Beschwerdefreiheit seit der Operation im Mai 2018 berichtet. Die Halswirbelsäule und die linke Schulter seien denn auch in sämtlichen Ebenen frei beweglich gewesen. Dysbalan- cen der Schultergürtelmuskulatur hätten nicht festgestellt werden können. Bei der neurologischen Untersuchung zeigten sich unspezifische Sensibilitätsstörungen am linken Unterarm und an der linken Hand; eine sichere Nervenläsion nach den operati ven Eingriffen am Handgelenk und im Hals- und Brustbereich habe aber nicht festgestellt werden können. Aus neurologischer Sicht sei keine Arbeitsunfähigkeit aufgrund des operierten TOS zu attestieren. In allgemeininternistischer und psychiatrischer Hinsicht hätten keine auffälligen Befunde erhoben werden können. Es könn- ten deshalb weder eine allgemeininternistische noch eine psychiatrische Diagnose gestellt wer- den. Die Versicherte habe gute Ressourcen für eine Erwerbstätigkeit. Sie habe zwar die berufli- che Ausbildung nicht abgeschlossen, sie habe aber später auf ihrem Beruf im Detailhandel gear- beitet. Als belastender Faktor sei die schlechte finanzielle Situation mit Abhängigkeit von der So- zialhilfe festzustellen. Aufgrund der rheumatologischen Befunde an der linken Hand sei der Ver- sicherten die Ausübung ihrer angestammten Tätigkeit als Rayonleiterin Tiefkühlprodukte nur noch 4 Stunden täglich, d.h. im Rahmen eines 50%-Pensums, zu mutbar. Körperlich leichte bis gele- gentlich mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten ohne besondere Belastungen des linken Handgelenks könne sie seit August 2016 ganztags ausführen . Lediglich nach den Operationen im November 2016, November 2017 und Oktober 2019 habe jeweils während 8 Wochen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit mittels medi- zinischer Massnahmen sei nicht zu erwarten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Nach dieser Begutachtung berichtete der Physiotherap eut der Versicherten, F.____, am 8. April 2020, dass die Versicherte bereits 63 physiothera peutische Sitzungen in Anspruch ge- nommen habe. Seit der dritten Operation am linken H andgelenk sei der Aktivitäts- und Ruhe- schmerz zwar etwas weniger und die Beweglichkeit etwas besser geworden. Weiterhin bestehe aber eine nicht ausreichende Beweglichkeit und Stabilität im linken Handgelenk. 4.4 In ihrem Bericht vom 23. Juni 2020 führte Dr. med . G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, am 23. Juni 2020 aus, dass die Versicherte bereit s bei geringen Belastungen Schmer- zen in der linken Hand habe. Psychisch vertrage sie nur bedingt Druck und Hektik. Aufgrund einer allgemeinen Verunsicherung und einer verminderten psychischen Belastbarkeit befinde sie sich in einer Gesprächstherapie mit verhaltenstherapeutisch en Ansätzen. Als Diagnosen führte sie eine initiale Anpassungsstörung, Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit, Arbeitslosigkeit, Wohnbedingungen und ökonomischen Verhältnissen auf. Da die Versicherte Zeit brauche, sich wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, sei e ine Arbeitstätigkeit mit einem Arbeitspen- sum über 50 % unrealistisch. Es werde deshalb eine "ausnahmeweise 50%ige Berentung" befür- wortet. 4.5 Dr. med. H.____, FMH Neurologie, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 15. September 2020 eine Hypästhesie des linken Armes unklarer Ätiologie, einen Status nach mehrfachen Ope- rationen am linken Handgelenk und einen Status nach Operation eines TOS. Bei der klinischen Untersuchung lasse sich ein stark positives Tinel-Zeichen au slösen. Dabei luxiere der Nerv in Flexionsstellung des Ellenbogens. In der Neurographie ze ige sich der Nervus ulnaris weiterhin normal; es gäbe keine Hinweise auf ein Kompressionssyndro m. Ein Reizsyndrom sei aufgrund der Klinik möglich. Dagegen könne eine neurologische Pathologie, so auch ein neurogenes TOS, ausgeschlossen werden. Insgesamt bestehe der Verdacht auf eine Symptomverarbeitungsstö- rung. 4.6 Nach Einsicht in den Bericht von Dr. H.____ stellte Dr. C.____ am 24. Oktober 2020 fest, dass neurographisch keine Hinweise auf eine höhergradige Pathologie des Nervus ulnaris links beständen. Es könne lediglich ein gewisser Reiz bestäti gt werden. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Schmerzverarbeitung der Versicherten auffällig sei, weshalb eine schmerztherapeu- tische Begleitung angebracht sei. Auf handchirurgischem Gebiet könne er keine weiteren Be- handlungsmöglichkeiten anbieten. 4.7 Nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 14. Jan uar 2021 untersuchte Dr. med. I.____, FMH Handchirurgie und FMH Orthopädische Chiru rgie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates, Klinik J.____, die Versicherte. Als Dia gnose führte er ein chronisches Schmerzsyndrom am dorsalen Handgelenk links auf. Im Befund hielt er eine deutlich eingezo- gene, dorsale Narbe im Handgelenksabschnitt mit Hypäst hesie im Versorgungsgebiet des Ner- vus radialis superficialis und im Bereich der dorsalen, cu tanen Hautäste fest. Die grobe Faust- schlusskraft betrage links 30 kg und rechts 50 kg. Ein tast bares Rezidivganglion liege nicht vor. Am Zeigefinger sei eine Tendinopathie festzustellen, w elche Narbenadhäsionen aufweise. Die Beweglichkeit des linken Handgelenks sei gut und die Bela stbarkeit mit einer Faustschlusskraft Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 30 kg mehr als "ordentlich". Die Hypästhesie sei durch die vielen Operationen nicht unge- wöhnlich. Der Leidensdruck der Versicherten sei gross. Au fgrund der geäusserten Schmerzen könne keine Arbeitsaufnahme angestrebt werden. Aus han dchirurgischer Sicht könne keine er- neute operative Behandlung mit guter Prognose angebot en werden. Eine osteopathische Be- handlung habe dagegen gute Aussichten auf eine namhafte Beschwerdelinderung. Nach erfolg- reicher Durchführung einer solchen Behandlung sei der V ersicherten eine leichte Arbeit ohne schwere repetitive Belastungen der linken Hand zumutbar. 4.8.1 Anlässlich der Parteiverhandlung vom 16. Septem ber 2021 reichte der Rechtsvertreter in Bezug auf die Schulterproblematik eine E-Mail vom 1 5. September 2021 und Berichte des Spitals K.____ vom 1. Juli 2021 und vom 17. August 2021 sowie bezüglich der Handgelenksbe- schwerden Berichte von Dr. I.____ vom 20. Mai 2021, vom 21. Mai 2021 und vom 2. September 2021 ein. 4.8.2 Aus den Berichten von Dr. I.____ vom 20. und 2 1. Mai 2021 geht hervor, dass die Ver- sicherte nach wie vor an einem chronischen Schmerzsyndrom a m dorsalen Handgelenk links leide. Die geklagten Beschwerden seien per se plausibel. Schmerzmittel benötige die Versicherte jedoch keine. Bei der klinischen Untersuchung bestehe der Eindruck, dass die Versicherte ihre linke Hand im Alltag gut einsetzen könne. Das Handgelen k sei nur bei manuellen schweren Tä- tigkeiten beeinträchtigt. Eine namhaft eingeschränkte Handgelenksbeweglichkeit liege nicht vor. Das Hauptproblem sei der chronische Schmerz, welcher klinisch schwer zu objektivieren sei. Die Versicherte könne grundsätzlich eine leidensadaptierte, leichte manuelle Tätigkeit im Umfang von 70 – 80 % ausführen, sofern sie ihre linke Hand nur für ganz leichte Tätigkeiten als Hilfshand einsetze. Die 20%- bis 30%ige Einschränkung sei auf die e rforderlichen Pausen und die redu- zierte Arbeitsgeschwindigkeit zurückzuführen. Ob der Endzustand erreicht sei, könne nicht sicher beantwortet werden. Das chronische Schmerzsyndrom werde sic h in der nächsten Zeit kaum verändern. Da die Versicherte von zunehmenden psychische n Problemen berichte, werde eine Beurteilung durch einen Handchirurgen und einen Psychi ater empfohlen. Dem Bericht vom 2. September 2021 ist zu entnehmen, dass die Versicherte am 6. Juni 2021 gestürzt sei und dabei ein Distorsions-/Kontusionstrauma am Daumen/Zeigefinger links erlitten habe. Dr. I.____ wies darauf hin, dass mit einem erneuten Handgelenkseingrif f keine namhafte Verbesserung des Schmerzsyndroms am linken Handgelenk erwartet werden könne. 4.8.3 Laut den Berichten des Spitals K.____ wurde die Versicherte am 1. Juli 2021 an der linken Schulter aufgrund chronischer Schulterschmerzen links (Differentialdiagnose: im Rahmen des TOS bei Hyperlaxität) operiert (vgl. Operationsbericht vom 1. Juli 2021). Am 17. August 2021 berichtete die behandelnde Ärztin des Spitals K.____, Dr. med. L.____, FMH Orthopädische Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, dass die Schmerzen deutlich rückläufig seien und eine Schmerzmedikation nicht mehr notwendig sei. Die Operation sei nach jahrelanger frustraner konservativer Therapie komplikationslos durchgeführt worden. Die Schulter sei erwar- tungsgemäss stark bewegungseingeschränkt. Der Arm dürfe nach und nach im Alltag wieder be- nutzt werden. In der E-Mail vom 15. September 2021 w urden Fragen des Rechtsvertreters der Versicherten beantwortet. Dr. med. M.____, Assistenzarzt des Spitals K.____, erklärte, dass nach Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht erfolglosen konservativen Therapieversuchen und aufgrund des grossen Leidensdrucks der Ver- sicherten die Indikation zur Schulteroperation mit Kapselshift gestellt worden sei. Die Beschwer- den hätten bereits zum Verfügungserlass bestanden. Seit der Operation im Juli 2021 bestehe bezüglich der Schmerzen ein leicht positiver Verlauf. Funktionell sei die Schulter jedoch noch stark eingeschränkt. Die Versicherte sei seit längerer Zeit, so auch am 14. Januar 2021, zu 100 % in der angestammten Tätigkeit als Mitarbeiterin im Detailhandel arbeitsunfähig. In einer lei- densangepassten Verweistätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit, sobald sich die Schmerzsitua- tion verbessere, was heute aber noch nicht der Fall sei. Bei der Ausübung einer solchen Tätigkeit dürfe sie keine Überkopfarbeiten, keine schweren Lasten von mehr als 2 – 3 kg heben und keine Arbeiten mit dem Arm als Hebel ausführen. 4.9 Sodann liegen zwei Berichte von Dr. med. N.____, Spital O.____, vom 19. Oktober 2021 und 23. November 2021 in den Akten. Diesen ist zu entne hmen, dass bei der Versicherten am 18. Oktober 2021 aufgrund eines Drittrezidivs eines do rsalen Handgelenksganglions links eine weitere Exstirpation durchgeführt wurde. Rund einen Mo nat nach der Operation konnte Dr. N.____ berichten, dass bezüglich des Ramus superficialis und der Nervi radialis keine Beschwer- den mehr beständen. So kurz nach der Operation könne e r aber keine Prognose zur Arbeitsfä- higkeit stellen. 5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 14. Januar 2021 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse im Gutachten der GA eins GmbH vom 3. Februar 2020. Dieses polydiszplinäre Gutachten erfüllt sowohl formal als auch inhaltlich di e bundesgerichtlichen Vorgaben an ein be- weistaugliches Gutachten. Es beruht auf persönlichen Unt ersuchungen der Versicherten. Das Gutachterteam sichtete die Akten und listete sie im Gutachten auf. Zudem berücksichtigte es die von der Versicherten geklagten Beschwerden und erhob ein e vollständige Anamnese. Die ein- zelnen Gutachterpersonen haben ihre Teilgutachten sorgfältig erstellt und setzten sich eingehend mit den abweichenden medizinischen Beurteilungen ausein ander. Ihre Beurteilungen leuchten sodann in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizini- schen Situation ein. Auch die Konsensbeurteilung ist übe rzeugend. Die gutachterliche Schluss- folgerung, wonach die Versicherte eine körperliche leichte bis gelegentlich mittelschwere, wech- selbelastende Arbeit ohne spezielle Belastung der linken Hand zu 100 % ausführen könne, kann gut nachvollzogen werden. Ebenso leuchtet es ein, dass weitere medizinische Massnahmen kei- nen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherte haben. Es sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Gutachten der GA eins GmbH in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. 5.2 Die Versicherte erhebt denn auch keine substantiier ten Einwände gegen das Gutachten, sondern ist zunächst der Ansicht, dass noch kein stabiler Gesu ndheitszustand vorliege. Damit macht sie implizit geltend, dass noch Möglichkeiten beständ en, das Leiden zu behandeln, wes- halb noch nicht von einer Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG gesprochen werden könne und die Rentenprüfung deshalb zu früh erfolgt sei. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzu- weisen, dass für die Beurteilung eines Leistungsanspruchs der IV der Sachverhalt massgebend ist, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 14. Januar 2021 entwickelt hat. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitli che Grenze der richterlichen Überprü- fungsbefugnis (BGE 129 V 1 E. 1.2). Später eingereichte ärztliche Berichte sind ausnahmsweise zu berücksichtigen, wenn daraus Rückschlüsse auf den Gesundh eitszustand im Zeitpunkt des Verfügungserlasses gezogen werden können (vgl. BGE 121 V 362 E. 1b in fine; Urteil des Bun- desgerichts vom 15. Oktober 2020, 8C_370/2020, E. 4.2). 5.3.1 In Bezug auf die linke Hand steht aufgrund des G utachtens der GA eins GmbH fest, dass im Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung von weiteren medizinischen Massnahmen keine relevante Veränderung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit zu erwarten war und somit ein stabiler Gesundheitszustand bestand. Aus den Akten ergeben sich ke ine Hinweise, dass sich der ge- sundheitliche Zustand zwischen der Begutachtung im November 2019 und dem Erlass der ange- fochtenen Verfügung vom 14. Januar 2021 verschlechtert hat. So legte Dr. I.____ am 10. Februar 2021 dar, dass die Handgelenksbeweglichkeit nicht eingeschränkt und die Belastbarkeit mit einer Faustschlusskraft von 30 kg mehr als "ordentlich" sei. Er riet auch von einem operativen Eingriff ab (vgl. Bericht vom 2. September 2021). Ebenso konnte Dr. C.____ keine aussichtsreichen Be- handlungsoptionen mehr nennen (vgl. Bericht vom 24. Okt ober 2020). Bis auf den Bericht des Physiotherapeuten vom 8. April 2020 ergeben sich aus de n Akten keine Anhaltspunkte für eine anderslautende Beurteilung. Die Einschätzung des behand elnden Physiotherapeuten, wonach die Beweglichkeit und Stabilität des linken Handgelenks nicht ausreichend sei, ist nicht geeignet, an der handchirurgischen Beurteilung von Dr. I.____ zu zweifeln, zumal der Physiotherapeut seine Auffassung nicht mit objektiven Befunden begründet. Aufgrund der Feststellungen von Dr. I.____ ist davon auszugehen, dass die Versicherte ihre l inke Hand, wenn auch mit weniger Be- lastung als mit der rechten Hand, bei der Ausübung eine r Verweistätigkeit recht gut einsetzen kann. 5.3.2 Dr. I.____ sieht das Hauptproblem der Versichert en beim chronischen Schmerz, welchen er jedoch nicht objektivieren konnte (vgl. Bericht vom 2 1. Mai 2021), weshalb die Versicherte daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten kann. Der Sturz vom 6. Juni 2021, bei welchem sich die Versicherte ein Distorsions-/Kontusionstrauma am Daumen/Zeigefinger links zuzog, und der er- neute operative Eingriff vom 18. Oktober 2021 an der linken Hand mit offenbar gutem Erfolg erfolgten erst nach Erlass der angefochtenen Verfügung. Da aus den Berichten von Dr. I.____ vom 2. September 2021 und von Dr. N.____ vom 23. Novemb er 2021 keine Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der linken Hand im Zeitpunkt des Verfügungserlasses gezogen werden können, ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon a uszugehen, dass damals – entgegen der Ansicht der Versicherten – der Zustand der linken Ha nd stabil war. 5.3.3 An diesem Ergebnis ändert auch die Empfehlung von Dr. I.____ nichts, wonach von einer osteopathischen Behandlung eine namhafte Besserung der linken Handgelenksbeschwer- den zu erwarten sei. Gemäss dem hier massgebenden Gutachten der GA eins GmbH steht fest, dass die Versicherte in Bezug auf die linke Hand eine leichte bis gelegentlich mittelschwere kör- perliche Arbeit ohne spezielle Belastung des linken Handgelenks zu 100 % ausüben kann. Oste- opathische Massnahmen können somit nicht zu einer Steigerung der Arbeits- und Erwerbsfähig- keit der Versicherten führen, weshalb sie die im Gutachten formulierte Zumutbarkeitsbeurteilung Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht beeinflussen. Nichts anderes ergibt sich aus der anderslautenden Beurteilung der Arbeits- fähigkeit von Dr. I.____. Aus seinem Bericht vom 10. Fe bruar 2021 geht hervor, dass er seine Auffassung, wonach die Versicherte – entgegen der Beurteilung im Gutachten der GA eins GmbH – in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 20 % bis 30 % eingeschränkt sei, ausschliesslich mit den von der Versicherten geäusserten Schmerzen begründet. Befunde, welche die Beschwerden der Versicherten objektivieren könnten, nennt er keine. Aufgrund dieser Sachlage ist davon aus- zugehen, dass der Pausenbedarf und die reduzierte Arbeitsgeschwindigkeit, welche gemäss An- sicht von Dr. I.____ die Arbeitsfähigkeit der Versicherten einschränken, auf die Schmerzangaben der Versicherten zurückzuführen sind. Da diese jedoch nicht objektivierbar sind, kann seiner Zu- mutbarkeitsbeurteilung keine massgebliche Beweiskraft zukommen. 5.4 Im Zusammenhang mit den Beeinträchtigungen der li nken Hand macht die Versicherte geltend, dass sie faktisch einarmig sei, weshalb gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein leidensbedingter Abzug von 20 % bis 25 % vom Tabellenlohn gerechtfertigt sei. Dieser Einwand erweist sich als nicht stichhaltig. Die Versicherte übersieh t, dass das Bundesgericht bei Beein- trächtigungen an den Händen nur dann von einer erheb lich erschwerten Verwertbarkeit der Ar- beitsfähigkeit ausgeht, wenn die dominante Hand betr offen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 8C_800/2017, E. 6). Die Versicherte ist Rechtshänderin, die Handgelenksbe- schwerden betreffen aber die nicht-dominante linke Hand. Zudem ist die linke Hand nicht derart beeinträchtigt, dass von einer faktischen Einarmigkeit im Sinne der Rechtsprechung gesprochen werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juli 2019, 8C_174/2019, E. 5.1.2). Dr. I.____ attestierte in seinem Bericht vom 10. Februar 2021 ein e uneingeschränkte Beweglichkeit und einigermassen gute Belastbarkeit des linken Handgelenks. 6. Anders ist die Situation in Bezug auf die Schulte rproblematik zu beurteilen. Das Gutach- terteam der GA eins GmbH konnte im Gutachten vom 3. Februar 2020 keine Befunde feststellen, welche die Funktionsfähigkeit der linken Schulter einsch ränkten. Es ging deshalb davon aus, dass die Schulterbeschwerden die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigten. Diese Feststellung scheint im Zeitpunkt der Begutachtung auch richtig gewes en zu sein, waren doch damals die Schulter und die Halswirbelsäule frei beweglich. Selbst die Versicherte gab an, dass sie bezüglich der linken Schulter beschwerdefrei sei. Anlässlich der Parteiverhandlung machte die Versicherte nun geltend, dass die Schulterschmerzen, die zum arthroskopischen Eingriff an der linken Schul- ter vom 1. Juli 2021 geführt hatten, bereits im Sommer 2020 vorgelegen hätten und sie dies auch der IV-Stelle gemeldet habe. In der Tat befindet sich in den Akten das Schreiben vom 25. August 2020, mit welchem die Versicherte der IV-Stelle mitteilte, dass sie wieder vermehrt an linksseiti- gen Schulterschmerzen leide und deshalb am 9. Oktober 2020 einen Abklärungstermin im Spital K.____ habe. Gemäss Bericht des Spitals K.____ vom 1. Juli 2021 und den Ausführungen von Dr. M.____ vom 15. September 2021 war die Operation aufgrund der seit Jahren bestehenden Hyperlaxität mit Schulterinstabilität notwendig. In ob jektiver Hinsicht konnte denn auch eine er- höhte multidirektionale Schulterinstabilität festgest ellt werden. Gemäss den Ausführungen von Dr. M.____ in seiner E-Mail vom 15. September 2021 mü ssen seit der Begutachtung durch die GA eins GmbH im Laufe der Zeit wieder Schulterschmerzen aufgetreten sein. So bestätigte er, dass die Beschwerden bereits im Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 14. Januar 2021 bestan- den hätten. Damit ist erstellt, dass die Schulterschmerzen bereits vor Erlass der angefochtenen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung eingetreten waren. Dennoch und entgegen d er Empfehlung von Dr. B.____, wonach der Verlauf der postoperativen Behandlung der Schulter abzuwarten sei (vgl. Stellungnahme vom 29. September 2021), unterliess es die IV-Stelle, we itere ärztliche Berichte des Spitals K.____ einzuholen. Indem sie diese Schulterproblematik ignorierte, hat sie den rechtserheblichen medi- zinischen Sachverhalt nicht genügend abgeklärt und somit den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Diese Abklärungen wird die IV-Stelle nachzuholen haben. 7. Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Versicherte gemäss Empfehlung von Dr. I.____ psy- chiatrisch abzuklären ist (vgl. Bericht vom 20. Mai 2021). Aus den Akten ergeben sich hierfür jedoch keine gewichtigen Anhaltspunkte. Zwar diagnosti zierte Dr. G.____ eine initiale Anpas- sungsstörung gemäss ICD-10 F43.21. Sie unterliess es jedoch, diese Diagnose ausreichend zu begründen, weshalb schon allein aus diesem Grund nicht darauf abgestellt werden kann. Zudem fällt die Beurteilung von psychischen Beeinträchtigungen nicht in ihr Fachgebiet. Dazu kommt, dass der Psychiater der GA eins GmbH die von Dr. G.___ _ genannten sozialen Probleme und die damit einhergehende Verunsicherung, Überforderung und verminderte psychische Belastbar- keit in seiner Beurteilung berücksichtigte (vgl. Gutachten, S. 28, 29, 31 und 33). Er konnte jedoch keine psychische Beeinträchtigung mit Krankheitswert oder auffällige Persönlichkeitsmerkmale feststellen. Zwar ist es möglich, dass die Versicherte heute zunehmend an psychischen Proble- men leidet (vgl. Bericht von Dr. I.____ vom 20. Mai 2021). Da es jedoch keine Hinweise gibt, die auf eine pathologische psychische Erkrankung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses schliessen lassen, können allfällige psychische Probleme im vorliegen den Verfahren nicht berücksichtigt werden. Bei dieser Sachlage sind von einer psychiatrischen Abklärung keine neuen entscheidre- levante Erkenntnisse zu erwarten. Es ist deshalb auf ein e solche Abklärung zu verzichten (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. dazu BGE 132 V 393 E. 3.3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 90 E. 4b und 159 E. 1d, 119 V 335 E. 3c in fine mit Hinweisen). 8. Schliesslich ist die Versicherte der Auffassung, dass die IV-Stelle zu Unrecht einen An- spruch auf berufliche Massnahmen, namentlich auf eine Um schulung, verneint hat. Die Frage, ob die Versicherte Anspruch auf berufliche Massnahmen hat , kann nicht abschliessend beant- wortet werden. Es steht einzig fest, dass die Beeinträcht igungen an der linken Hand keinen An- spruch auf eine Umschulung zu begründen vermögen. Denn e in solcher Anspruch setzt eine Erwerbseinbusse von mindestens 20 % voraus, was gestützt au f das Gutachten der GA eins GmbH nicht gegeben ist. Ob die Schulterproblematik all enfalls zusammen mit der Handproble- matik einen solchen Anspruch oder einen solchen auf ande re berufliche Massnahmen, wie z.B. eine erstmalige berufliche Ausbildung, begründen können, kann erst nach Vorliegen der Er- gebnisse der von der IV-Stelle vorzunehmenden Abklärung bezüglich der linken Schulter beurteilt werden. Aus diesem Grund wird diese Frage im vorliegenden Verfahren offengelassen. 9. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der medizinische Sa chverhalt in Bezug auf das linke Handgelenk rechtsgenüglich abgeklärt ist. Es ist gestützt auf das Gutachten der GA eins GmbH vom 3. Februar 2020 davon auszugehen, dass die Versicherte bezüglich der linken Hand in einer leidensangepassten Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig ist. Demgegenüber liegen gewichtige Hin- weise vor, dass sich die Schulterproblematik seit der Be gutachtung durch die GA eins GmbH verschlechtert und schliesslich am 1. Juli 2021 einen operat iven Eingriff erfordert hat. Da die Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schulterbeschwerden bereits im Zeitpunkt des Verfügungserlasses bestanden haben, sind sie im vorliegenden Verfahren zu berücksichtigen. In dieser Hinsic ht erweist sich der Sachverhalt als unvollständig. Die Angelegenheit ist deshalb für weit ere medizinische Abklärungen an die IV- Stelle zurückzuweisen. Anschliessend wird sie über den Anspruch der Versicherten auf berufliche Massnahmen und auf eine Invalidenrente neu zu verfügen haben. In diesem Sinne ist die Be- schwerde gutzuheissen. 10.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahren s- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kantonsgericht eine angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zur ergänzenden A bklärung und zur neuen Beurteilung an die Verwaltung zurück, gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollstän- dig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1, 132 V 215 E. 6.2, jeweils mit Hinweisen). 10.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah renskosten in der Regel der unterlie- genden Partei auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 800.-- aufzuerlegen sind. 10.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Versicherte obsiegende Partei ist, ist ihr eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Ihr Rechtsvertreter hat in seiner Eingabe vom 24. Januar 2022 beantragt, es sei die Parteientschädigung nach Er messen festzusetzen. Zu entschädigen ist dabei ausschliesslich der im Beschwerdeverfahren vor de m Kantonsgericht erbrachte Auf- wand. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Aufwand im Wesentlichen aus einem Instrukti- onsgespräch mit der Mandantin, dem Verfassen der Besc hwerde, der Vorbereitung und Teil- nahme an der Parteiverhandlung sowie einer Stellungnahme zusammensetzt. Bei diesen Bemü- hungen erscheint es als angemessen, diese mit einem Zeita ufwand von insgesamt 10 Stunden zu entschädigen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden S tundenansatz von Fr. 250.-- zu ent- schädigen (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwält innen und Anwälte vom 17. November 2003). Somit ist der Versicherten für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 2'692.50 (10 Stunden à Fr . 250.-- inkl. Auslagen und 7,7 % Mehr- wertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 11.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlichrechtlichen Angelegenhe iten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbststän dig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegeh- ren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlichrechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 E. 4.2). 11.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 11.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungsent- scheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelung – wie die Rückweisung im Hauptpunkt selbst – einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG) da rstellt, der in der Regel keinen nicht wiedergutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann . Ihre Anfechtung ist erst mit Be- schwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet die Instanz, an welche die Sache zu- rückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten der Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückweisungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentscheids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 645 E. 2. 2, bestätigt im Urteil des Bundesge- richts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2 - 4; v gl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 7. November 2014, 8C_692/2014, E. 2). Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 14. Janua r 2021 aufge- hoben und die Angelegenheit zur erneuter Abklärung i m Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zu- rückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2'692.50 (inkl. Ausla gen + 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.