B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Entscheid aufgehoben durch Revisi- onsentscheid des BVGer vom 06.02.2020 (E-6693/2019) Abteilung V E-3998/2019 U r t e i l v o m 16 . S e p t e m b e r 2 0 1 9 Besetzung Richterin Constance Leisinger, Richterin Barbara Balmelli, Richter David Wenger, Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, angeblich geboren (…), Eritrea, vertreten durch MLaw Sonja Comte, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 8. Juli 2019 / N (…). E-3998/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin reiste ihren Angaben zufolge am 1. Dezember 2015 in die Schweiz ein, wo sie noch am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. B. Am 22. Dezember 2015 wurde die Beschwerdeführerin durch das SEM im Empfangs- und Verfahrenszentrum B._______ zur Person, zu ihrem Rei- seweg und summarisch zu ihren Asylgründen (Befragung zur Person; BzP) befragt. Im Rahmen dieser Befragung wurde ihr das rechtliche Gehör zum Ergebnis einer vom SEM in Auftrag gegebenen Knochenaltersbestimmung vom 17. Dezember 2015 sowie seiner Einschätzung, wonach sie volljährig sei, gewährt. Auch wurde ihr das Recht zur Stellungnahme zu einer allfäl- ligen Zuständigkeit zur Prüfung ihres Asylgesuches durch Italien oder Deutschland eingeräumt. C. Am 14. Juli 2017 fand eine einlässliche Anhörung durch das SEM statt. Die Beschwerdeführerin überreichte dabei dem SEM einen Taufschein (im Ori- ginal) und eine Identitätskarte ihrer Mutter (in Kopie). D. Mit Verfügung vom 8. Juli 2019 – eröffnet am 9. Juli 2019 – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht (Dis- positivziffer 1), lehnte ihr Asylgesuch vom 1. Dezember 2015 ab (Disposi- tivziffer 2), ordnete die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz an (Dispositivziffer 3) und setzte ihr Frist zur Ausreise an (Dispo- sitivziffer 4). Den Kanton C._______ beauftragte das SEM mit dem Vollzug der Wegweisung (Dispositivziffer 5). Im Weiteren stellte das SEM fest, eine Erfassung der Personendaten im Sinne der Beschwerdeführerin werde ab- gelehnt (Dispositivziffer 6) und ihre Personendaten würden im ZEMIS fortan D._______, Eritrea, lauten (Dispositivziffer 7). Mit der Verfügung liess das SEM der Beschwerdeführerin di e editions- pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis zukommen. E. Mit – vorab per Telefax versandter – Eingabe vom18. Juli 2019 ersuchte rubrizierte Rechtsvertreterin – unter Beilegung einer Vollmacht der Be- schwerdeführerin – beim SEM um vollständige Akteneinsicht. Mit Schrei- ben vom 24. Juli 2019 – versandt am 25. Juli 2019 – stellte das SEM der E-3998/2019 Seite 3 Rechtsvertreterin gewisse Aktenstücke zu. Die Rechtsvertreterin wieder- holte mit Telefax vom 6. August 2019 ihr Ersuchen und forderte das SEM mit E-Mail vom 7. August 2019 auf, ihr die Aktenstücke A1, A2, A6, A7, A18, A21, A23, A28, A32 und A33 unverzüglich zukommen zu lassen. F. Gegen die Verfügung des SEM vom 8. Juli 2019 erhob die Beschwerde- führerin mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin am 8. August 2019 beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde. Darin wurde beantragt, der angefoch- tene Entscheid sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und der Beschwerdeführerin sei Asyl zu gewähren. Eventualiter wurde um Feststellung der Unzumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung und An- ordnung der vorläufigen Aufnahme ersucht. Subeventualiter wurde bean- tragt, die Sache sei zur vollständigen Sachverhaltsabklärung an die Vorin- stanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde – unter Beilage einer Sozialhilfebe- stätigung – beantragt, der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Pro- zessführung zu gewähren (inkl. Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses) und ihr sei rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechts- beiständin beizuordnen. Ausserdem wurde um Einsicht in die vorinstanzli- chen Aktenstücke A1, A2, A6, A7, A18, A21, A23, A28, A32 und A33 ersucht und die Ansetzung einer Frist zwecks Beschwerdeergänzung beantragt. G. Mit Ausnahme der Akte A6 überwies das SEM der Rechtsvertreterin er- wähnte Aktenstücke (vgl. Bst. E) am 8. August 2019 elektronisch. H. Mit Schreiben vom 16. August 2019 (Poststempel) reichte die Rechtsver- treterin eine Beschwerdeergänzung ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffend e Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher E-3998/2019 Seite 4 zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde. Auf dem Ge- biet des Asyls entscheidet es in der Regel – und so auch vorliegend – letzt- instanzlich (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG v om 25. September 2015). 1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge- setzesartikel (Art. 83 Abs.1-4) sind unverändert vom AuG ins AIG über- nommen worden, weshalb nachfolgend die neue Gesetzesbezeichnung verwendet wird. 1.4 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften- wechsel verzichtet. 4. Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren das Bun- desrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen; massgebend sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1, 2011/1 E. 2). E-3998/2019 Seite 5 5. 5.1 Die Beschwerdeführerin gab im Rahmen der BzP vom 22. Dezember 2015 dem SEM gegenüber an, sie sei am (…) geboren und habe Eritrea im Alter von ungefähr (…) Jahren verlassen, da sie nich t habe Soldatin werden wollen. Anlässlich der einlässlichen Anhörung vom 14. Juli 2017 erklärte sie, wie auf dem von ihr abgegebenen Taufschein vermerkt sei, sei sie am (…) geboren. Aus Eritrea sei sie einerseits ausgereist, um nicht Sol- datin werden zu müs sen respektive nach E._______ eingezogen zu wer- den. Andererseits habe ihre Familie gewollt, dass sie jemanden, den sie nicht kenne, heirate. Nach ihrer Ausreise sei ihre Mutter durch die eritrei- schen Behörden aufgesucht worden, wobei man sich nach ihr erkundigt habe. Ihre Mutter sei festgenommen worden. 5.2 Das SEM erachtete das von der Beschwerdeführerin angegebene Al- ter, die von ih r im Heimatstaat drohende Zwangsheirat, die Suche nach ihrer Person sowie die geltend gemachte Festnahme ihrer Mutter als nicht glaubhaft gemacht im Sinne von Art. 7 AsylG. Unter Hinweis auf die entsprechenden Aktenstellen führte es dazu haupt- sächlich aus, der von der Beschwerdeführerin eingereichte Taufschein, in welchem ihr Geburtsdatum mit dem (…) vermerkt sei, weise lediglich eine schwache Beweiskraft auf. Dieses Dokument sei einfach zu fälschen und leicht käuflich zu erwerben. Die Zweifel am Geb urtsdatum würden sich durch ihre Angaben gegenüber der Polizei des Kantons F._______, wie auch jenen auf dem Personalienblatt erhärten, da sie dort jeweils den (…) als Geburtsdatum angegeben habe. In der BzP habe sie demgegenüber mehrfach dargelegt, sie sei am (…) geboren. Eine am 17. Dezember 2015 vorgenommene medizinische Schätzung ihres Skelettalters habe sodann ergeben, dass sie bei der Untersuchung (…) Jahre oder älter gewesen sei, womit die Abweichung zu dem von ihr angegebenen Alter ungefähr 12 Mo- nate betragen habe. Ihre Erläuterungen zu den Umständen, wie sie von ihrem Geburtsdatum erstmals erfahren habe, würden wenig ü berzeugen. Sie habe auch im Rahmen des rechtli chen Gehörs zur Absicht des SEM, sie als volljährig zu erachten, keine stichhaltigen Einwände einbringen kön- nen. Zur geltend gemachten drohenden Zwangsheirat hielt das SEM fest, diese habe sie erst im Rahmen der Anhörung erstmals erwähnt. Es handle sich um eine nachgeschobene Schutzbehauptung, zumal sie auch keine Anga- ben zu der Person habe machen können, di e sie hätte heiraten müssen . Ihre Äusserungen zur beabsichtigen Hochzeit seien vage. Hinsichtlich des E-3998/2019 Seite 6 Zeitpunkts widerspreche sie sich. Die von der Beschwerdeführerin geschil- derte Suche nach ihrer Person, welche nach ihrer Ausreise aus Eritrea er- folgt sei, sowie die angebliche Festnahme ihrer Mutter erachtete das SEM ebenfalls als nachgeschobene Schutzbehauptung. Ein behördliches Motiv für eine solche Suche sei nicht erkennbar und sie könne darüber erstaun- lich wenig berichten. Hinsichtlich der von ihr geschilderten illegalen Ausreise befand das SEM, diese sei im flüchtlingsrechtlichen Sinne nicht relevant. Den Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin nach Eritrea qualifizierte es sodann als zulässig, zumutbar und möglich. 5.3 5.3.1 In der Beschwerde vom 8. August 2019 wurde zunächst gerügt, das SEM habe der Beschwerdeführerin respektive deren Rechtsvertreterin trotz mehrmaligem Ersuchen nicht die vollstän digen Akten zugestellt. Sie könne zu den vom SEM erhobenen Zweifel am Alter der Beschwerdefüh- rerin nicht Stellung nehmen. Die entsprechenden Dokumente, auf welche sich das SEM in seinem Entscheid stütze (Taufurkunde, Polizeibericht des Kantons F._______, Personalienblatt, Handknochenanalyse), würden ihr nicht vorliegen. Die entsprechenden Akten seien ihr daher zuzustellen und ihr eine Frist zur Beschwerdeergänzung zu gewähren. Im Weiteren wurde argumentiert, die Begründung des SEM, wonach die Angaben der Beschwerdeführerin nicht glaubhaft seien, gründeten auf ei- ner zu restriktiven Handhabung der Bewei sregel von Art. 7 AsylG. Dem Befragungsprotokoll lasse sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin Konzentrationsschwierigkeiten gehabt habe. Sowohl ihre Aussagen als auch ihr Verhalten in Zusammenhang mit der drohenden Zwangsverheira- tung seien schlüssig u nd ihrem Alter entsprechend ausgefallen. Es sei nicht erstaunlich, dass sie nichts über ihren zukünftigen Ehemann wisse, da über ihren Kopf entschieden worden sei. Die nach ihrer Ausreise er- folgte Suche nach ihrer Person sei für sie kein gewichtiges Element gewe- sen. Dieses sei daher nicht als nachgeschoben zu erachten. Es sei zudem bekannt, dass die eritreischen Behörden versuchen würden, Schulabbre- cher, darunter auch Minderjährige, im Rahmen von Razzien oder spezifi- scher Suche in den Militärdienst einzuziehen. Die Anforderungen im Sinne von Art. 3 AsylG seien daher erfüllt. Unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts wurde im Weiteren geltend gemacht, die Beschwerdeführerin erfülle die E-3998/2019 Seite 7 Flüchtlingseigenschaft infolge subjektiver Nachfluchtgründe, da sie illegal aus Eritrea ausgereist sei und aufgrund der danach erfolgten behördlichen Suche nach ihr Anknüpfungspunkte vorliegen würden. Zumindest sei vor diesem Hintergrund die Unzulässigkeit des Vollzuge s der Wegweisung festzustellen. 5.3.2 Mit Eingabe vom 16. August 2019 führte die Rechtsvertreterin ergän- zend aus, mangels gewährter Akteneinsicht habe sie zum angeblich vom SEM nicht glaubhaft gemachten Alter ihrer Mandantin im Zeitpunkt der Be- schwerdeerhebung nicht angemessen St ellung nehmen können. Die Be- schwerdeführerin habe zwar unterschiedliche Angaben zu ihrem Alter ge- macht. Dem Geburtstag in Eritrea komme jedoch kaum Bedeutung zu. Die Knochenhandanalyse ergebe ein Jahr Unterschied zu dem von ihr genann- tem Alter. Ihre Angaben würden daher innerhalb der Standardabweichung liegen. Damit liege ein Indiz für deren Korrektheit vor. Sämtliche Beweis- mittel und Aussagen würden dafürsprechen, dass sie im Jahr (…) geboren sei. Die Festsetzung des Geburtsjahres auf das Jahr (…) sei somit unbe- gründet. Es entstehe d er Eindruck, das SEM habe die Rechte der Be- schwerdeführerin als Minderjährige, insbesondere den Schutz vor Rück- schiebung nach der Dublin -III-Verordnung sowie jene im beschleunigten Verfahren nicht gewähren wollen, was stossend erscheine. Diese Feststel- lungen würden Zweifel an der Objektivität der vom SEM vorgenommenen Glaubhaftigkeitsprüfung erwecken. 6. 6.1 Der verfahrensrechtliche Anspruch auf Akteneinsicht (Art. 26 VwVG) bildet Teilgehalt des in Art. 29 Abs. 2 BV verankerten Anspruchs auf recht- liches Gehör, welcher in den Art. 29 ff. VwVG konkretisiert wird. So können sich die Betroffenen in einem Verfahren nur dann wirksam zur Sache äus- sern und geeignet Beweis führen beziehungsweise Beweismittel bezeich- nen, wenn ihnen die Möglichkeit eingeräumt wird, die Unterlagen einzuse- hen, auf welche die Behörde ihren Entscheid stützt. 6.2 Zu der in der Beschwerde bemängelten Gewährung der Akteneinsicht (vgl. Beschwerde S. 3) lässt sich zunächst feststellen, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung die "editionspflichtigen" Asylakten inklusive des Aktenverzeichnisses als Beilagen erwähnte (vgl. act. A34/9 S.8). Gemäss dem Ersuchen der Rechtsvertreterin vom 18. Juli 2019, welche am glei- chen Tag durch die Beschwerdeführerin mandatiert worden war, hat es der Beschwerdeführerin nicht die vollständigen Akten zugestellt, weshalb um Zustellung der fehlenden Akten ersucht wurde (vgl. act. A35/2, S.1 und act. E-3998/2019 Seite 8 A37/1). Das SEM liess der Rechtsvertreterin mit Verfügung vom 24. Juli 2019 weitere Aktenstücke zukommen (vgl. act. A38/2, S.1 f.), woraufhin die Rechtsvertreterin dazu mit Telefax vom 6. August 2019 gegenüber dem SEM feststellte, dass sie die geforderten Akten immer noch nicht erhalten habe (vgl. act. A39/1). Am 7. August wandte sich die Rechtsvertreterin per E-Mail erneut an das SEM und führte aus, die Akten A8, A29 und A34 seien ihr mit Schreiben vom 24. Juli 2019 erneut zugestellt worden, ihr würden aber immer noch die Aktenstücke A1, A2, A6, A7, A18, A21, A23, A28, A32 und A33 fehlen, weshalb sie unter Hinweis auf die am Folgetag ablaufende Beschwerdefrist um unverzügliche Zusendung dieser Akten ersuch e. Die von der Rechtsvertreterin mehrmals angeforderten Akten A1, A2, A6, A7, A18, A21, A23, A28, A32 und A33 wurden ihr durch das SEM schliesslich am 8. August 2019, zugestellt (vgl. act. A41/5). Die Rechtsvertreterin verfügte demzufolge im Zeitpunkt ihrer Mandatierung vom 18. Juli 2019 lediglich über das der Beschwerdeführerin zuvor bereits ausgehändigte Aktenverzeichnis, das Protokoll der BzP (act. A8 /12), das Anhörungsprotokoll (act. A29 /14) und den Asylentscheid des SEM (act. A34/9). Da sich das SEM in seinen Erwägungen zum nicht glaubhaft ge- machten Alter der Beschwerdeführerin auch auf die Aktenstücke A1 (Poli- zeibericht des Kantons F._______), A2 (Personalienblatt) und A7 (Auszug aus A6 und damit einem Auszug aus dem Resultat der Handknochenana- lyse) sowie auf die von der Beschwerdeführerin eingereichten Beweismittel der Akte A28/1 (Taufschein im Original und Identitätskarte der Mutter in Ko- pie) stützte, ist nicht verständlich, weshalb der Beschwerdeführerin diese für den Entscheid relevanten Akten nicht bereits in mit Eröffnung des Ent- scheides (wo nötig in anonymisierter Form), sondern erst auf Ersuchen de- ren Rechtsvertreterin hin übermittelt wurden. Die von der Rechtsvertreterin angeforderten Aktenstücke wurden ihr – wie erwähnt – durch das SEM zwar am 8. August 2019 übermittelt, womit der in der Rechtsmittelschrift gestellte Antrag auf Einsicht in diese Akten (vgl. Beschwerde S. 3) gegenstandslos wird. Gleich verhält es sich mit dem da- mit verbundenen Begehren auf Einreichung einer Be schwerdeergänzung (vgl. Beschwerde S. 3) , da die Rechtsvertreterin in ihrer Eingabe vom 16. August 2019 ergänzende Ausführungen zur Beschwerde machte. Die durch das SEM gewährte Einsicht in die von der Rechtsvertreterin bean- tragten Aktenstücke erfolgte allerdings erst am letzten Tag der Beschwer- defrist, mithin erst 21 Tage nach dem von der Rechtsvertreterin gestellten Antrag, und damit offensichtlich zu spät. Denn eine wirksame Auseinan-E-3998/2019 Seite 9 dersetzung mit der Argumentation des SEM in der angefochtenen Verfü- gung – insbesondere mit Bezug auf das vo m SEM bezweifelte Alter – wurde der Beschwerdeführerin damit verwehrt. Darin ist eine Verletzung des Anspruchs auf Akteneinsicht zu erkennen. Eine Aufhebung der Verfügung und die Rückweisung der Sache an das SEM zur Neubeurteilung erscheint dennoch nicht angezeigt (vgl. BVGE 2014/22 E. 5.3 mit weiteren Hinweisen ), da die Gehörsverletzung vorlie- gend nicht derart ins Gewicht fällt. So war es der Beschwerdeführerin mit- tels ihrer Rechtsvertreterin – abgesehen zu den vom SEM erhobenen Zweifel am Alter – immerhin möglich, sich zunächst zu anderen, gewichti- gen Punkten in der angefochtenen Verfügung mittels Beschwerde zu äus- sern. Die dafür massgeblichen Akten wurden ihr rechtzeitig (mit Eröffnung der Verfügung) ausgehändigt. Nach Gewährung der geforderten Aktenein- sicht vom 8. August 2019 durch das SEM reichte sie zudem am 16. August 2019 eine Beschwerdeergänzung ein. Darin konnte sie nunmehr auch ein- lässlich zu den vom SEM erhobenen Zweifel an ihrem Alter Stellung bezie- hen. Die Verletzung des Akteneinsichtsrechts kann damit als geheilt be- trachtet werden. Sie wird jedoch im Kostenpunkt angemessen berücksich- tigt 7. 7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flü chtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 7.2 Nach Art. 3 Abs. 3 AsylG sind keine Flüchtlinge Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausge- setzt sind oder begründete Furcht haben, solchen N achteilen ausgesetzt zu werden. Vorbehalten bleibt die Einhaltung der Flüchtlingskonvention. 7.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen E-3998/2019 Seite 10 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfäls chte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden weiter konkretisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2.3.). 8. 8.1 Auf dem Personalienblatt gab die Beschwerdeführerin ihr Geburtsda- tum – ebenso wie bei der Polizei des Kantons F._______ – mit dem (…) an (vgl. act. A1/1, act. A2/2 S. 1). In der BzP sagte sie jedoch aus, sie sei am (…) geboren und erklärte, sie habe sich wohl auf dem Personalienblatt ver- schrieben. Sie kenne ihr Datum von ihrer Mutter. Auch gab sie an, sie sei bereits (…), korrigierte sich danach, sie sei noch nicht so alt respektive sie werde erst (…). Sie betonte zudem mehrmals, am (…) geboren zu sein (vgl. act. A8/12 S. 2 ff., S. 6, S. 8). Im Rahmen der einlässlichen Anhörung erklärte sie demgegenüber, das Geburtsdatum vom (…), das auf dem Tauf- schein stehe, sei korrekt (vgl. act. A28/1, act. A29/14 S. 3). Damit bestehen – einhergehend mit der Auffassung des SEM – unterschiedliche Angaben zu dem von ihr angegeben Geburtsdatum. Insbesondere widerspricht sie sich bezüglich des Tages und des Monates. Dem SEM ist zudem beizu- pflichten, dass der Taufschein (vgl. act. A28) nur eingeschränkt geeignet ist, ihr Geburtsdatum zu belegen. Die Beschwerdeführerin reichte dieses Dokument zudem erst anlässlich der Anhörung vom 14. Juli 2017 und da- mit über anderthalb Jahre nach ihrer Gesuchstellung ein. Der Eindruck des SEM, wonach der Taufschein wohl erst mit Bezug auf Asylverfahren aus- gestellt worden ist, ist daher zu bestätigen. 8.2 In der Beschwerde wird denn auch eingestanden, dass die Beschwer- deführerin unterschiedliche Angaben zu ihrem Geburtsdatum, namentlich mit Bezug auf den Tag und den Monat gemacht habe, nicht aber hinsicht- lich des Jahres. Diese Argumentation erscheint nicht ungerechtfertigt, da sich ihre widersprüchlichen Angaben jeweils auf den Tag und den Monat, nicht aber auf das Jahr beziehen (vgl. E. 8.1) und eine Abweichung von zweieinhalb bis drei Jahren zwischen dem Knochenalter und dem tatsäch- lichen Alter üblicherweise als noch innerhalb des Normalbereichs erachtet wird (vgl. dazu Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 19 und 2001 Nr. 23 und Urteil E-3998/2019 Seite 11 des Bundesverwaltungsgerichts E- 891/2017 vom 8. August 2018 E. 4 [zur Publikation vorgesehen]). 8.3 Ob die Beschwerdeführerin bei einer Gesamtbetrachtung wie vom SEM angenommen, im Jahre (…) und nicht wie von ihr angegeben, im Jahre (…) geboren ist, ist letztlich unbeachtlich. Denn selbst vom Geburts- jahr (…) und damit davon ausgehend, sie sei im Zeitpunkt der BzP allen- falls minderjährig gewesen, wären ihre Verfahrensrechte dadurch nicht be- schnitten worden. Der in der Beschwerde erwähnte Eindruck, wonach das SEM der Beschwerdeführerin die ihr zustehenden Rechte als unbegleitete Minderjährige, insbesondere den Schutz vor einer Rückschiebung nach der Dublin-III-Verordnung sowie jenen im beschleunigten Verfahren nicht habe gewähren wollen, lässt sich nämlich nicht bestätigen. Sie befand sich weder in einem beschleunigten Verfahren noch wurde das vom SEM ein- geleitete Dublin-Verfahren weitergeführt. Auch wurde sie am 23. Dezember 2015 dem Kanton C._______ zugewiesen. Ein Anrecht auf Zuweisung ei- ner Vertrauensperson im Sinne von aArt. 17 Abs. 3 AsylG i.V.m. aArt. 7 Abs. 2bis AsylV1 bestand somit nicht (vgl. zum Ganzen statt vieler: Urteil des BVGer D-6740/2016 vom 1. Juli 2019 E. 6.1.1 f. m.w.H.). Im Rahmen der Anhörung vom 14. Juli 2017 hatte sie im Übrigen die Volljährigkeit in jedem Fall erreicht, weshalb sich hier die Frage nach allfälligen Massnah- men für unbegleitete Minderjährige für das SEM nicht (mehr) stellte. 8.4 Unstimmige Aussagen machte die Beschwerdeführerin jedoch nicht nur mit Bezug auf ihr Geburtsdatum sondern insbesondere auch hinsicht- lich der von ihr geschilderten drohenden Zwangsheirat: So gab sie im Rahmen der BzP als fluchtauslösendes Ereignis einzig an, sie habe nicht Soldatin werden wollen. Von einer Zwangsheirat sprach sie damals nicht. Die Frage, ob sie in ihrem Heimatland je mit Privatpersonen Probleme gehabt habe, verneinte sie explizit. Auch verneinte sie, dass es noch weitere Gründe gebe, welche gegen ihre Rückkehr nach Eritrea spre- chen würden (vgl. act. A8/12 S. 8). Es leuchtet daher nicht ein, weshalb sie die bevorstehende Zwangsheirat erst im Rahmen der Anhörung vor- brachte. Ihre Erklärung, sie sei anlässlich der BzP von der Reise erschöpft gewesen und es sei ihr nicht in den Sinn gekommen sowie, sie sei ein bisschen durcheinander gewesen (vgl. Act. 29/14 S. 12), überzeugt nicht, zumal es sich bei einer zu befürchtenden Zwangsheirat um ein prägendes Ereignis handelt. Entgegen der nicht näher begründeten Argumentation in der Beschwerde, lässt sich dem Protokoll der BzP auch nicht entnehmen, E-3998/2019 Seite 12 dass es ihr offensichtlich schwergefallen wäre, die Fragen des SEM zu be- antworten. Ihre Schilderungen zur geltend gemachten Zwangsheirat sind zudem als unsubstantiiert zu bezeichnen. So erzählte sie im Kern lediglich, ihre Mutter und ihre beiden Onkel hätten sie mit «jemandem» verheiraten wollen. Sie vermochte den Namen der Person, die sie hätte heiraten sollen, nicht an- zugeben und wusste nicht einmal, ob überhaupt ein Ehemann für sie schon bestimmt worden war (vgl. act. A29/14 S. 5 f u. S. 8.). Ihre Aussagen fielen im Allgemeinen auffallend gleichgültig und fast emotionslos aus. So brachte sie vor, sie habe sich nie mit einer Heirat auseinandergesetzt. Sie habe kein Interesse daran gehabt, sich verheiraten zu lassen und nur an die Schule gedacht. Als ihre Familie deswegen zu ihr gekommen sei, habe es nicht in ihren Plan gepasst (vgl. act. A29/14 S. 6 ff.) . Auf Aufforderung hin, diese Situation detaillierter zu beschreiben, erklärte sie, sie seien zu ihr gekommen und hätten es ihr gesagt und es habe keine grossen Diskus- sionen gegeben (vgl. act. A29/14 S. 8). Solch einsilbige Aussagen erstau- nen selbst im Hinblick auf ihr damals noch junge Alter, wie dies in der Be- schwerde eingewandt wird. Denn angesichts der Tragweite eines solchen Ereignisses ist kaum vorstellbar, dass sie dazu nicht mit Realkennzeichen verbundene und konkretere Angaben machen konnte, ausser jenen, dass sie sehr wütend auf ihre Mutter gewesen sei, sie die Heirat gestresst habe und sie sich nicht habe vorstellen können in eine r Ehe zu leben und nicht mehr zur Schule zu gehen (vgl. act. A29/14 S. 8, und S. 9). Auch in der Rechtsmittelschrift werden keine weitergehenden Angaben zur angeblichen Zwangsheirat gemacht. Die Ausführungen beschränken sich im Wesentlichen darauf, den bereits vorgebrachten Sachverhalt zu wieder- holen und auf ihr jugendliches Alter im damaligen Zeitpunkt zu verweisen. Die Zwangsheirat ist damit auch unter Berücksichtigung der Beschwerde- vorbringen als nicht glaubhaft zu erachten. Auf die entsprechenden Aus- führungen zu deren flüchtlingsrechtlichen Relevanz ist folglich nicht einzu- gehen. 8.5 Die Folgerung des SEM, wonach es der Beschwerdeführerin nicht ge- lingt, die Suche nach ihrer Person und die Festnahme ihrer Mutter glaub- haft zu machen, ist ebenfalls zu bestätigen: An der BzP erwähnte sie diese Vorfälle nicht. Erst im Rahmen der Anhö- rung und auf Frage hin, ob ihre Mutter wegen ihr Probleme bekommen E-3998/2019 Seite 13 habe, brachte sie vor, die eritreischen Behörden hätten die Mutter aufge- sucht und diese festgenommen. Damals sei sie im Sudan gewesen (vgl. act. A29/14 S. 4). Sie konnte ferner keine Auskunft zur Länge der Inhaftie- rung ihrer Mutter und zum genauen Zeitpunkt deren Verhaftung geben (vgl. act. A29/14 S. 4). Auch zur Behörde, welche die Mutter verhaftet ha- ben soll, vermochte sie keine nähere Angabe als jene machen, dass es sich dabei vermutlich um den Geheimdienst gehandelt habe. Weiterge- hende Ausführungen zur Suche nach ihrer Person und der Festnahme ih- rer Mutter lassen sich der Beschwerde bezeichnenderweise ebenfalls nicht entnehmen. Zudem lässt sich – einhergehend mit dem SEM – kein konkretes Motiv für die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Suche nach ihrer Per- son erkennen. Bei der Argumentation in der Beschwerde, es sei davon auszugehen, dass die Verwaltung sie zwecks Einzug in den Militärdienst nach erfolgtem Schulabbruch aufgesucht habe, handelt es sich um eine blosse Vermutung. Im eritreischen Kontext kam es zwar – wie in der Be- schwerde zu Recht erwähnt wird – vor, dass Schulabbrechende darunter auch Minderjährige, im Rahmen von Razzias rekrutiert wurden (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 5.1.3 f.). Dieser Umstand vermag jedoch weder die erwähnte Vermutung zu bestätigen noch die unsubstanziierten Angaben der Be- schwerdeführerin mit Bezug auf die Suche nach ihrer Person zu erklären. Sie sprach auch nie davon, dass sie von den eritreischen Behörden hätte rekrutiert werden sollen oder von diesen ein entsprechendes Aufgebot er- halten habe. Vielmehr verneinte sie, je mit den Militärbehörden in Kontakt gestanden zu haben (vgl. act. A8/12 S. 8). 8.6 Bei einer Gesamtwürdigung lässt sich demnach feststellen, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelingt, die von ihr dargelegten Fluchtvorbringen (Zwangsverheiratung, Suche nach ihrer Person und Festnahme ihrer Mut- ter) im Sinne von Art. 7 AsylG glaubhaft zu machen . Eine – wie subeve- nutaliter beantragt wurde – Rückweisung der Sache zwecks Prüfung der Vorbringen auf ihre Asylrelevanz hin fällt damit ausser Betracht. Der ent- sprechende Antrag ist abzuweisen (vgl. Ziffer 5 der Rechtsb egehren und S. 7 der Beschwerde). 8.7 Ob die Beschwerdeführerin – wie von ihr dargelegt – letztlich einzig deshalb ausgereist ist, um künftig nicht Soldatin werden zu müssen, ist un- ter dem Aspekt von Art. 3 AsylG nicht massgeblich. Denn mangels erkenn- barem asylrechtlichem Motiv kommt einer drohenden Einziehung in den E-3998/2019 Seite 14 eritreischen Nationaldienst gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal- tungsgerichts keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zu (vgl. Referenzurteil des BVGer D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 5.1). 9. Was die illegale Ausreise aus Eritrea anbelangt, kommt diesem Umstand per se – wie vom SEM zu Recht erwogen und in der Beschwerde ebenso erkannt – ungeachtet der Frage nach der Glaubhaftigkeit keine Asylrele- vanz zu. Es kann diesbezüglich auf erwähntes Referenzurteil des Bundes- verwaltungsgerichts D -7898/2015 vom 30. Januar 2017 verwiesen wer- den. Darin kam das Gericht nach einer eingehenden L ageanalyse zum Schluss, für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext bedürfe es neben der illegalen Ausreise zusätzlicher Anknüpfungs- punkte, welche zu einer Verschärfung des Profils und dadurch zu einer asylrechtlich relevanten Ver folgungsgefahr führen könnten (vgl. a.a.O. E. 5.1 f.). Solche Anknüpfungspunkte liegen im Falle der Beschwerdefüh- rerin – entgegen der Auffassung in der Beschwerde – nicht vor. Denn wie aufgezeigt ist nicht glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Aus- reise aus Eritrea zwecks Einzug in den Militärdienst zu Hause gesucht oder aber ihre Mutter in diesem Zusammenhang festgenommen wurde. Andere Anknüpfungspunkte, welche sie in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten, sind ebenfalls nicht er- sichtlich. 10. Der Beschwerdeführerin ist es somit nicht gelungen, eine Verfolgungsge- fahr im Sinne von Art. 3 beziehungsweise Art. 54 AsylG glaubhaft zu ma- chen respektive darzutun. Das SEM hat folglich zu Recht ihre Flüchtlings- eigenschaft verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt. 11. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach durch das SEM zu Recht ange- ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). E-3998/2019 Seite 15 12. 12.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Vorliegend kommt der Beschwerdeführerin keine Flücht- lingseigenschaft zu. Daher ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungs- verbot von Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zuläs- sigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfas- sungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 FoK; Art. 3 EMRK). Die behördliche Suche nach der Beschwerdeführerin hat sich als nicht glaubhaft erwiesen. Die Argumentation in der Beschwerde, der Vollzug ih- rer Wegweisung sei wegen der Suche nach ihrer Person durch die eritrei- schen Behörden verbunden mit der illegal erfolgten Ausreise als unzulässig zu erachten (vgl. Beschwerde S. 11 Ziffer 6.4), verfängt daher nicht. Auf- grund ihres Alters müsste sie zwar bei einer Rückkehr befürchten, in den Nationaldienst eingezogen zu werden (vgl. zur eritreischen Musterungs- praxis auch das Referenzurteil des BVGer D -2311/2016 vom 17. August 2017 E. 13.2-13.4). Die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei anstehender Einziehung in den eritreischen Nationaldienst wurde aller- dings – wie vom SEM zutreffend erwähnt – vom Bundesverwaltungsgericht in einem Koordinationsentscheid geklärt (vgl. BVGE 2018 VI/4). Das Ge- richt hat die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im genannten Urteil sowohl unter dem Gesichtspunkt des Zwangsarbeitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK) als auch unter jenem des Verbots der Folter und der unmenschli- chen und erniedrigenden Behandlung oder Strafe (Art. 3 EMRK) geprüft und bejaht (vgl. a.a.O. E. 6.1.5.2). Es kann auf die Ausführungen im ge- nannten Urteil verwiesen werden. Aus den Akten ergeben sich keine weiteren Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Auch die unbestrittenermassen problematische allgemeine Menschenrechtssituation in Eritrea lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei- nen. Der Wegweisungsvollzug ist folglich als zulässig zu betrachten. 12.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung E-3998/2019 Seite 16 festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Die drohende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst führt mangels einer hinreichend konkreten Gefährdung nicht generell zur Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.2). Gemäss aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea – wie vom SEM zutref- fend erwähnt – nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation all- gemeiner Gewalt bezi ehungsweise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig, jedoch haben sich in jüngster Zeit die Le- bensbedingungen in einigen Bereichen verbessert. So haben sich die me- dizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation, der Zugang zu Was- ser und zur Bildung stabilisiert. Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernst- hafte ethnische oder religiöse Konflikte sind nicht zu verzeichnen (vgl. Re- ferenzurteil des BVGer D -2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass sich seit dem genannten Referenz- urteil weitere Verbesserungen ergeben haben, namentlich haben Äthiopien und Eritrea ein Friedensabkommen geschlossen (vgl. Neue Zürcher Zei- tung, Trotz Friedensabkommen in Eritrea – Asylpraxis bei Eritreern ändert sich vorerst nicht, 11. Juli 2018). Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenzbedrohung ausgegangen wer- den, wenn besonder e Umstände vorliegen. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind allerdings begünstigende individuelle Fak- toren nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D -2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). Besondere Umstände, die einen Vollzug der Wegweisung der Beschwer- deführerin nach Eritrea unzumutbar erscheinen lassen würden, sind vorlie- gend vom SEM zu Recht verneint worden. Bei ihr handelt es sich um eine junge, erwachsene Frau, die in Eritrea ihrer Mutter nach der Schule beim (…) half (vgl. act. A29/14 S. 7) . Zwar dürfte das Einkommen der Familie damit nicht sehr hoch gewesen sein. Hingegen konnte sie hier in der Schweiz zur Schule gehen (vgl. act. A29/14 S. 2) und dürfte somit heute über ein gewisses Bildungsniveau verfügen, was ihr in Eritrea, einem Staat mit einem eher schwachen Schul - und Bildungss ystem, behilflich sein E-3998/2019 Seite 17 könnte. In Eritrea leben gemäss ihren Angaben weiterhin ihre Mutter und einige Halbgeschwister (vgl. act. A8/12 S. 5 f., act. A29/14 S. 5). Letztere könnten ihr auch in materieller Hinsicht behiflich sein. Finanzielle Hilfe könnte sie allenfalls auch von ihren im Ausland lebenden weiteren Halbge- schwistern und ihrem Onkel erwarten, zumal sie auch darlegte, letzterer sei in G._______ wohnhaft und habe ihr mit der teilweisen Finanzierung die Ausreise ermöglicht (vgl. act. A29/14 S. 5 und S. 11). Es ist demnach – übereinstimmend mit dem SEM – von einem tragfähigen Beziehungsnetz der Beschwerdeführerin auszugehen, welches sie bei Bedarf unterstützen kann. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich auch vor diesem Hinter- grund nicht als unzumutbar, zumal die Beschwerdeführerin auf Beschwer- deebene keine anderen persönlichen Umstände geltend macht, die dies- bezüglich zu einer anderen Einschätzung führen könnten. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu er- achten. 12.3 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich auch als möglich zu qua- lifizieren (Art. 83 Abs. 2 AIG). Zwar ist darauf hinzuweisen, dass derzeit die zwangsweise Rückführung nach Eritrea generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr spricht jedoch praxisgemäss für die Feststellung der Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG. Es obliegt daher der Beschwerdeführerin, sich bei der zu- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). 12.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzu g zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich betrachtet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 13. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt. Die festge- stellte Bundesrechtsverletzung (Art. 106 Abs. 1 AsylG) in Form der Verlet- zung des Anspruchs auf Akteneinsicht konnte mit Einreichung der Be- schwerdeergänzung behoben und von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abgesehen werden (vgl. E. 6). Die Beschwerde ist abzuwei- sen. E-3998/2019 Seite 18 14. Mit vorliegendem Direktentscheid wird das Gesuch um Erlass von der Kos- tenvorschusspflicht (vgl. Beschwerde S. 11) gegenstandslos. 15. 15.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da – ex ante betrachtet – die gestellten Rechtsbegehren als n icht aussichtslos zu bezeichnen sind und die Beschwerdeführerin aufgrund der eingereichten Fürsorgebestäti- gung (vgl. Beilage zur Beschwerde) als bedürftig zu erachten ist, ist ihr die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG zu gewähren. Es sind daher keine Verfahrenskosten zu erheben. 15.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeistän- dung ist ebenfalls gutzuheissen ( vgl. aArt. 44 AsylG i. V.m. aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG) und der Beschwerdefüh rerin antragsgemäss rubri- zierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen, zumal diese die in aArt. 110a Abs. 3 AsylG enthaltenen Voraussetzungen erfüllt. Das Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.– bis Fr. 150.– für – wie vorliegend – nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Der in der Beschwerde (vgl. S. 12) geltend gemachte Stundentarif von Fr. 193.85 ist daher auf Fr. 150.– zu kürzen. Der bis dahin aufgeführte Auf- wand von insgesamt acht Stunden sowie die Auslagen von Fr. 50.– er- scheinen als angemessen. Demnach ist der amtlichen Rechtsbeiständin durch das Gericht ein Honorar in der Höhe von (gerundet) Fr. 1346.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen. 15.3 Wie oben aufgezeigt hat das SEM den Anspruch der Beschwerdefüh- rerin auf Akteneinsicht verletzt, welcher erst auf Beschwerdeebene geheilt werden konnte (vgl. E.6). Der Beschwerdeführerin ist – trotz Unterliegens in der Hauptsache – daher diesbezüglich eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen (BVGE 2008/47 E. 5.2), welcher ihr durch das SEM auszurichten ist. Für den entsprechen- den Aufwand in Form der Beschwerdeergänzung wurde entgegen der da- rin enthaltenen Ankündigung keine weitere Kostennote eingereicht. Er lässt E-3998/2019 Seite 19 sich indes ohne Weiteres abschätzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE), weshalb der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemes- sungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) von Amtes wegen eine Parteientschädi- gung von Fr. 200.– (inkl. Mehrwertsteuer) zuzusprechen ist. (Dispositiv nächste Seite) E-3998/2019 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wird gutgeheissen. Der Beschwerdeführerin wird rubrizierte Rechtsvertre- terin als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. 4. Der Rechtsvertreterin ist durch das Bundesverwaltungsgericht ein amtli- ches Honorar in der Höhe von Fr. 1346.– zulasten der Gerichtskasse aus- zurichten. 5. Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 200.– auszurichten. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Claudia Jorns Morgenegg