<h2>SubmittedText<h2><p>Am Samstag, den 2. Januar 1999 wurde der Block 2 des Kernkraftwerks Beznau (KKB 2) heruntergefahren und vom Netz genommen, obwohl - gemäss Auskunft des KKW-Chefs Walter Nef gegenüber der "Aargauer Zeitung" - die Anlage vom Betriebs- und Sicherheitsstandpunkt aus hätte weiterbetrieben werden können, da die Grenzwerte nicht überschritten wurden und keine Gefahr bestand.</p><p>Der Entscheid, an einem Samstag zwischen zwei Feiertagen den Block 2 - scheinbar ohne Dringlichkeit - herunterzufahren, wirft einige Fragen auf, die ich den Bundesrat zu beantworten bitte:</p><p>1. Wie hoch waren die Werte beim radioaktiven Wasser, das an jenem 2. Januar 1999 aus dem primären Kreislauf in den sekundären Kreislauf geriet?</p><p>2. Wie hoch ist der für diesen Bereich geltende Grenzwert?</p><p>3. Da der Austritt von leicht radioaktivem Wasser aus dem primären Kreislauf ein bekannter Vorgang ist, werden aus sicherheitstechnischen Gründen ständig Messungen vorgenommen. Welches waren die durchschnittlichen Messwerte für das Jahr 1998 (wöchentliche Durchschnittswerte)?</p><p>4. Welches Ereignis und welche Beurteilung führten schliesslich zum Produktionsunterbruch an einem Wochenende?</p><p>5. Welche Schäden wurden schliesslich festgestellt? Wie teuer war die Reparatur dieser Schäden?</p><p>6. Wird der Ersatz der Dampferzeuger des KKW-Blocks 2 wie geplant im nächsten Sommer vorgenommen?</p><p>7. Weshalb wurde dieser Dampferzeuger nicht gleichzeitig mit demjenigen im Block 1 - nämlich vor 5 Jahren - ersetzt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Am 2. Januar 1999 wurde beim Dampferzeuger B im KKB 2 eine Heizrohrleckage von 0,86 Kubikmeter pro Tag ermittelt. Es erfolgte jedoch keine Freisetzung von Radioaktivität an die Umwelt, und die Sicherheit der Anlage wurde dadurch nicht tangiert.</p><p>Radiologisch stellen Dampferzeuger-Leckagen im erlaubten Umfang kein Problem dar. Einerseits wird Leckagewasser aus dem Primärsystem vollständig durch das geschlossene Sekundärsystem und schlussendlich durch das Wasserbehandlungssystem des KKB übernommen und gereinigt. Andererseits war im konkreten Fall das Inventar an radiotoxisch relevanten Isotopen des Primärsystems klein gegenüber den Limiten gemäss den technischen Spezifikationen.</p><p>2. Nach den technischen Spezifikationen des KKB II beträgt die maximal zulässige Dampferzeuger-Leckage 10 Kubikmeter pro Tag. Betriebsintern wurde ein Richtwert von 1 Kubikmeter pro Tag festgelegt, bei dessen Überschreiten bereits Massnahmen getroffen werden.</p><p>3. Die wöchentlich ermittelte Leckagemenge lag seit dem letzten Brennelementwechsel, d. h. seit Mai 1998, etwa bei 0,25 Kubikmeter pro Tag.</p><p>4. Am 25. Dezember 1998 wurde eine Zunahme des Wasserverlustes auf 0,44 Kubikmeter pro Tag festgestellt. Dieser erhöhte sich am 28. Dezember 1998 auf 0,54 Kubikmeter pro Tag, am 31. Dezember 1998 auf 0,76 Kubikmeter pro Tag und bis am 2. Januar 1999 auf 0,86 Kubikmeter pro Tag. Bei diesem Wert entschied sich die Betriebsleitung zur sofortigen Reparatur des Dampferzeugers.</p><p>Die am 2. Januar 1999 eingeleitete Zwischenabstellung stand somit nicht im Zusammenhang mit dem Wochenende. Sie wurde beschlossen, da der betriebsinterne Richtwert fast erreicht war.</p><p>5. Bekannte, alterungsbedingte Schadenentwicklungen an den Heizrohren im Dampferzeuger führten zur ständig zunehmenden Leckage. Aufgrund früherer Prüfungen waren zwei dieser Heizrohre als Schwachstellen bekannt; sie erfüllten aber damals die festgelegten Reparaturkriterien noch nicht. Die Reparaturkosten sind den Behörden nicht bekannt.</p><p>6. Die beiden Dampferzeuger im KKB 2 werden wie geplant im Verlauf der Jahresrevision 1999 zwischen Ende Juli und Ende Oktober 1999 ausgetauscht.</p><p>7. Der alterungsbedingte Zustand der Dampferzeuger in Block 1 und Block 2 war vor fünf Jahren nicht identisch. Es wäre auch rein personell (zum Teil externe Spezialisten) kaum machbar, die Dampferzeuger in beiden Werken gleichzeitig auszutauschen. Zudem erlaubte eine detaillierte Auswertung der in Block 1 gesammelten Erfahrungen eine noch bessere Planung des Dampferzeugeraustausches im Block 2.</p>  Antwort des Bundesrates.