Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 20. Juli 2022 (810 22 54) ____________________________________________________________________ Submission Einladungsverfahren / Unterschreitung der Mindestzahl von Einladungen / Pflicht zur produktneutralen Leistungsumschreibung / Verhandlungsverbot Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Niklaus Ruckstuhl, Hans Furer, Daniel Häring, Daniel Ivanov, Gerichtsschreiber Stefan Suter Beteiligte A.____ AG , Beschwerdeführerin, vertreten durch Pasquino Bevilacqua, Fürsprecher gegen Einwohnergemeinde B.____ , Vorinstanz C.____ GmbH , Beigeladene Betreff Submission Lüftungsanlagen Aufbahrungshalle D._ ___ (Entscheid der Einwohnergemeinde B.____ vom 25. Februar 2022) A. Die Einwohnergemeinde B.____ unterzieht die Aufba hrungshalle auf der kommunalen Friedhofsanlage D.____ einer Gesamtsanierung. Im Rahm en dieses Projekts sollen auch die haustechnischen Anlagen der Aufbahrungshalle erneuert w erden. Zum Projektumfang gehört Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter anderem der Ersatz der Lüftungsanlagen in der A ufbahrungshalle und in den Toiletten- räumlichkeiten. Das von der Gemeinde beauftragte Bauleitungsunternehmen lud die A.____ AG mit E-Mail vom 23. November 2021 ein, zur entsprechenden Submission "BKP 244 Lüftungsan- lagen" ein Angebot einzureichen. Einziges Zuschlagskriterium war der Nettopreis. B. Die A.____ AG reichte am 6. Dezember 2021 ihr Ang ebot ein, in welchem sie die nach- gesuchten Leistungen zum Nettopreis von Fr. 74'555.-- offerierte. Mit Absageschreiben vom 25. Februar 2022 teilte ihr die Einwohnergemeinde B.____ mit, dass sie nach Prüfung aller Eig- nungs- und Zuschlagskriterien von den zwei eingegangenen Angeboten demjenigen der C.____ GmbH zum Nettopreis von Fr. 93'267.40 den Zuschlag erteilt habe. C. Mit Eingabe vom 11. März 2021 (richtig: 2022) hat die A.____ AG, vertreten durch Pasquino Bevilacqua, Fürsprecher, beim Kantonsgericht Ba sel-Landschaft, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde erhoben mit dem Rechtsbegehren, die Verfügung der Einwohnergemeinde B.____ vom 25. F ebruar 2022 sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben und die Angelegenheit sei zu neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen der angerufenen Rechtsmittelinstanz an die Gemeinde zurückzuweisen. Eventuell sei die Verfügung vom 25. Februar 2022 aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei der Zu- schlag für die Ausführung der Lüftungsanlage gemäss ihre m Angebot vom 6. Dezember 2021 zu erteilen, wofür die Angelegenheit zwecks Abschluss des entsprechenden Werkvertrags an die Gemeinde zurückzuweisen sei. Subeventuell sei gerichtl ich festzustellen, dass der Zu- schlagsentscheid der Einwohnergemeinde B.____ gemäss dere n Verfügung vom 25. Februar 2022 rechtswidrig sei. Die Beschwerdeführerin rügt im W esentlichen eine Verletzung ihres An- spruchs auf rechtliches Gehör und damit einhergehend Willkür bei der Zuschlagserteilung. D. In der Vernehmlassung vom 4. April 2022 beantragt die Einwohnergemeinde B.____ die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde unter o/e-Ko stenfolge. Sie führt zusammengefasst aus, der vorliegend infrage stehende Zuschlag sei in einem rechtmässig durchgeführten Verfah- ren korrekt erfolgt. Die beiden Angebote seien von i hrem Fachplaner kontrolliert und geprüft worden. Im Rahmen der Prüfung sei festgestellt worden , dass die Beschwerdeführerin einen anderen Monoblock als das in den Einladungsunterlage n vorgesehene Fabrikat offeriert habe und dies den Preisunterschied der Angebote erklären kön ne (im sog. "Monoblock" werden in Lüftungs- bzw. Klimaanlagen die verschiedenen Komponent en der Luftaufbereitung wie Filter, Wärmerückgewinnung, Ventilator, Lufterhitzer etc. in einer zentralen Baueinheit zusammenge- fasst). Aufgrund der Rückmeldung des Fachplaners sei der Beschwerdeführerin angeboten worden, dass sie ein "korrigiertes Angebot" mit einem Pr odukt, welches der in der Ausschrei- bung verlangten Qualität entspreche, einreichen könne. Aus Gründen der Gleichbehandlung sei die Firma C.____ GmbH ebenfalls eingeladen worden, e inen anderen Monoblock zu offerieren. Die Beschwerdeführerin habe in der Folge Unterlagen zu dem von ihr offerierten Monoblock, nicht aber eine neue Offerte eingereicht. Im Rahmen d es Offertvergleichs habe der Fachplaner festgehalten, dass der von der Beschwerdeführerin offer ierte Monoblocktyp weder der Baulei- tung noch dem Planungsbüro noch weiteren angefragte n Fachpersonen geläufig sei und er da- rum die Qualität nicht bestätigen könne. Von Seiten de s Planungsbüros sei empfohlen worden, das Angebot der Beschwerdeführerin nicht zu berücksichtigen. Ausserdem habe die Beschwer- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht deführerin das Formular mit den Bedingungen der Geme inde nicht ausgefüllt und visiert, wes- halb die Offerte unvollständig sei und entsprechend h ätte ausgeschlossen werden müssen. Im Übrigen seien der Beschwerdeführerin die Gründe für d ie Absage aufgrund der vorgängigen Nachfrage durch den Fachplaner sowie der Aufforderung , ein korrigiertes Angebot einzu- reichen, hinlänglich bekannt gewesen. E. Die zum Verfahren beigeladene C.____ GmbH hat sich nicht vernehmen lassen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 30 Abs. 1 des Gesetzes über öffentliche Besch affungen (BeG) vom 3. Juni 1999 in Verbindung mit § 31 lit. f BeG sowie § 43 Ab s. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 199 3 kann gegen eine Zuschlags- verfügung innerhalb von 10 Tagen nach Eröffnung der schriftlichen Begründung Beschwerde beim Kantonsgericht erhoben werden. Soweit das Beschaffungsgesetz nichts anderes vorsieht, richtet sich das Verfahren nach der Verwaltungsprozessord nung (§ 30 Abs. 5 BeG). Die Be- schwerdeführerin hat im Einladungsverfahren eine Offerte eingereicht und aufgrund der intakten Prozessaussichten eine realistische Chance, mit dem eigenen Angebot zum Zug zu kommen oder zumindest eine Wiederholung des ganzen Verfahrens zu erreichen. Sie ist damit nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO zur Beschwerde befugt (vgl. zur vergaberechtlichen Beschwerdelegitima- tion das Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassun gs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 15. Januar 2020 [810 19 155] E. 1.3; BGE 141 II 307 E. 6.6). Auf die im Übrigen form- und fristgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können Recht sverletzungen einschliess- lich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts gerügt werde n (Art. 16 Abs. 1 lit. a und b der In- terkantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaff ungswesen [IVöB] vom 15. März 2001; § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO). Unangemessenheit kann nicht geltend gemacht werden (Art. 16 Abs. 2 IVöB; § 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung ihres r echtlichen Gehörs in den Teilgehal- ten der Begründungspflicht und des Akteneinsichtsrechts. Aufgrund der formellen Natur des Gehörsanspruchs ist diese Rüge vorab zu behandeln. 3.1 Nach Ansicht der Beschwerdeführerin ist die von der V orinstanz in der angefochtenen Verfügung vorgebrachte Begründung nichts anderes als eine eigentliche Nicht-Begründung. Mit dieser Vorgehensweise sei die Beschwerdeführerin völlig im Unklaren darüber gelassen wor- den, welche Gründe die Vorinstanz dazu veranlasst hätten, den Zuschlag an ihre Mitkonkurren- tin zu vergeben, obschon deren Angebot doch nach der A ktenlage massiv teurer gewesen sei als dasjenige der Beschwerdeführerin. Zusätzlich sei ein nach Ergehen des Zuschlagsent- scheids gestelltes Akteneinsichtsgesuch unbeantwortet geblieben. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwe izerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 verankerte Anspruch der Partei en auf rechtliches Gehör gewährleistet dem Einzelnen allgemein eine effektive Mitwirkung im V erfahren zum Erlass von Entscheidun- gen, die in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreifen (GEROLD STEINMANN , in: Bernhard Eh- renzeller et al. [Hrsg.], St. Galler Kommentar zur schw eizerischen Bundesverfassung, 3. Auflage, Zürich 2014, Rz. 42 ff. zu Art. 29 BV). Zu den Teilgehalten des rechtlichen Gehörs zählt das Recht auf einen begründeten Entscheid. Hinsic htlich Umfang und Inhalt der Begrün- dung bestehen keine allgemeingültigen Regeln. Welche n Anforderungen eine Begründung zu genügen hat, ist im Einzelfall anhand der konkreten Um stände und der Interessen der Betroffe- nen festzulegen. Die Begründungsdichte ist dabei insbeso ndere abhängig von der Entschei- dungsfreiheit der Behörde, der Eingriffsintensität de s Entscheids sowie der Komplexität des Sachverhalts und der sich stellenden Rechtsfragen (vgl. KGE VV vom 7. Juni 2017 [810 16 294] E. 2.2; BGE 129 I 232 E. 3.3; M ICHELE ALBERTINI , Der verfassungsmässige Anspruch auf recht- liches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 400 ff.). 3.3 Zuschläge werden mit summarischer Begründung eröffn et (§ 27 Abs. 1 BeG). Die Betei- ligten können innerhalb von 5 Tagen einen erweiterte n Entscheid verlangen, in dem die Verga- bestelle ihre Entscheidung begründet (§ 27 Abs. 2 BeG ). Die Eröffnung des erweiterten Ent- scheids löst eine neue Rechtsmittelfrist aus (vgl. KGE VV vom 29. April 2020 [810 19 25] E. 1.1). Die Beschwerdeführerin hat vorliegend von d er Vergabestelle keinen begründeten Ent- scheid verlangt, weshalb ihrer Gehörsrüge der Boden entz ogen ist. Gleichzeitig ist aber auch festzuhalten, dass die Anforderungen an die Begründungsdichte in der vorliegenden, zugestan- denermassen speziellen Konstellation von der Vorinstanz e ingehalten worden sind: Ist der An- gebotspreis das einzige Zuschlagskriterium, genügt für di e Begründung der Zuschlagsverfü- gung - mangels Entscheidungsfreiheit der Behörde (vgl. hierzu auch nachfolgend E. 4.2) - die Angabe des Zuschlagsempfängers und des Preises. Ob die Begründung rechtlich trägt, ist kei- ne Frage des rechtlichen Gehörs, sondern der materiellen Begründetheit. 3.4 Soweit die Beschwerdeführerin eine Verletzung des vom Gehörsanspruch nach Art. 29 Abs. 2 BV ebenfalls umfassten Rechts auf Akteneinsicht (vg l. BGE 144 II 427 E. 3.1.1; BGE 132 II 485 E. 3.1) durch die Vergabestelle moniert, scheitert die Gehörsrüge bereits daran, dass die Beschwerdeführerin die Akteneinsicht erst nach dem Z uschlag und damit nach dem Ab- schluss des erstinstanzlichen Verfahrens verlangte. Das Verhalten der Vergabestelle nach dem Ergehen ihres Entscheids und damit nach dem instanzmässig en Verfahrensabschluss kann denklogisch keine Verletzung von Verfahrensgrundrechten bewirken. Ohnehin ist während des erstinstanzlichen Vergabeverfahrens von einer uneingesch ränkten und umfassenden Geltung des Gebots der Vertraulichkeit auszugehen, so dass eine Akteneinsicht zu diesem Verfahrens- zeitpunkt gesetzlich ausgeschlossen ist (vgl. Art. 11 lit. g IVöB; § 9 lit. f BeG; P ETER GALLI / ANDRÉ MOSER /ELISABETH LANG /MARC STEINER , Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Aufl., Zürich 2013, Rz. 1191). Die Akteneinsicht ist bei Submissionen vielmehr im Rechtsmit- telverfahren zu beantragen, was die Beschwerdeführerin allerdings vorliegend unterlassen hat. 3.5 Die Beschwerde erweist sich somit hinsichtlich der for mellen Gehörsrügen als unbe- gründet. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. In materieller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin Willkür bei der Offertbewertung, denn der Zuschlag sei an die Beigeladene erteilt worden, o bwohl diese das teurere Angebot einge- reicht habe. 4.1 Nach ständiger Praxis des Kantonsgerichts steht den Ver gabebehörden insbesondere in der Phase der Würdigung und des Vergleichs der Angebo te im Rahmen der Offertbewertung ein grosser Ermessensspielraum zu, in den das Gericht aufg rund seiner auf Sachverhalts- und Rechtsfragen beschränkten Kognition nicht eingreifen d arf. Es kann nicht Sache des Kantons- gerichts als Beschwerdeinstanz sein, anstelle der Vergabeste lle eine eigene Bewertung vorzu- nehmen (vgl. KGE VV vom 29. April 2020 [810 19 25] E. 3; KGE VV vom 28. Juni 2017 [810 17 15] E. 5.2; BLKGE 2006 Nr. 45 E. 5e). Die Bewertung muss indes gestützt auf die publizierten Zuschlags- und Unterkriterien in sachlich haltbarer, nachv ollziehbarer und rechtsgleicher Weise erfolgen. Hält sich die Vergabebehörde an diese Vorga ben, hat das Kantonsgericht nicht näher zu untersuchen, ob die Angebotsbewertung zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Ein Einschreiten ist nur angezeigt, falls die Vergabebeh örde den ihr zugestandenen Spielraum überschritten hat. Eine gerichtliche Korrektur der Offe rtbewertung kommt folglich nur in Be- tracht, soweit sich diese nicht nur als unangemessen, sond ern als qualifiziert falsch und damit rechtsfehlerhaft erweist (vgl. KGE VV vom 14. November 2018 [810 18 87] E. 4.4; BLKGE 2005 Nr. 34 E. 5d; Urteil des BGer 2D_49/2011 vom 25. Se ptember 2012 E. 4.2; GALLI /MOSER /LANG / STEINER , a.a.O., Rz. 859). 4.2 Ist der Preis das einzige Zuschlagskriterium, reduziert sich der Ermessensspielraum der Vergabestelle auf null. Von den zur Bewertung zugelass enen Angeboten muss der Zuschlag zwingend demjenigen mit dem tiefsten Preis erteilt we rden. Indem die Vorinstanz vorliegend den Zuschlag dem höherpreisigen von zwei Angeboten erte ilte, hat sie das Zuschlagskriterium qualifiziert falsch angewendet und ist sie in Willkür verfallen. 4.3.1 Was die Vorinstanz dagegen vorbringt, ist nicht stichhaltig. Selbstverständlich kann es für die Bewertung keine Rolle spielen, ob der Fachpla ner der Gemeinde das von der Be- schwerdeführerin offerierte Fabrikat kennt. Nachdem die Vergabestelle darauf verzichtet hat, in der Einladung Qualitätskriterien als Zuschlagskriterien z u definieren, können diffuse Zweifel an der Qualität des Produkts schon von Vornherein keinen Einfluss auf die Bewertung haben. Dass der angebotene Monoblock bestimmte technische Spezifi kationen nicht erfüllen würde, wird im Übrigen nicht behauptet. 4.3.2 Die Vorinstanz wendet weiter ein, die Offerte der Beschwerdeführerin sei unvollständig und hätte entsprechend ausgeschlossen werden müssen, weil das Formular mit den Bedingun- gen der Gemeinde B.____ nicht ausgefüllt und visiert wo rden sei. Gemeint ist dabei die in den Einladungsunterlagen enthaltene "Verpflichtungserklärung des Bewerbers", mit welcher die An- bieter im Wesentlichen unterschriftlich erklären sollen, dass sie den Auftragsumfang verstanden haben und über die zeitlichen Ressourcen zur terminger echten Auftragserfüllung verfügen, dass die Angaben in der Offerte korrekt sind und dass d as Angebot alle ausgeschriebenen Leistungen umfasst. Der Vergabestelle wird mit der Unt erschrift weiter das Recht eingeräumt, nach dem Zuschlag Belege einzufordern und den Zuschlag widrigenfalls zu widerrufen. Abge- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sehen vom zweifelhaften Sinn der verlangten Erklärung - mit der Unterschrift am Ende der Of- ferte erklären die Anbieter die genannten Punkte sowie so rechtsverbindlich - und der juristisch fragwürdigen Vorgehensweise - die Belege sind gegebenenfalls vor dem Zuschlag einzufordern und zu kontrollieren, die Anbieter können rechtlich ga r kein "Zuschlagswiderrufsrecht" einräu- men - ist es der Vorinstanz im vorliegenden Fall nach Treu und Glauben verwehrt, sich nach- träglich auf die (tatsächlich) fehlende Unterschrift au f diesem zusammen mit der (gültig unter- zeichneten) Offerte eingereichten Formular zu berufen . Mögliche Ausschlussgründe sind zu prüfen, bevor die Offerte bewertet wird. Die Vorinsta nz hat das Angebot der Beschwerdeführe- rin geprüft, für vollständig befunden und in die Bew ertung aufgenommen. Im Offertvergleich vom 2. Februar 2022 wird festgehalten, die Unterschrift en seien vorhanden, "das Angebot ist i.O.". Hat die Vorinstanz auf einen Ausschluss verzichtet, verhält sie sich widersprüchlich und ist sie damit nicht zu hören, wenn sie im Rechtsmittelverfahr en ein unvollständiges Angebot gel- tend macht. Wenn sie im Übrigen vorliegend schon ein "k orrigiertes Angebot" einverlangte (vgl. dazu aber nachfolgend E. 5.5), hätte sie die Beschwerd eführerin nach Treu und Glauben auf das nicht ausgefüllte und unterzeichnete Formular aufmerksam machen und ihr damit die Gele- genheit zur Korrektur des offensichtlichen Versehens einräumen müssen. 4.4 Die Beschwerde erweist sich in materieller Hinsicht als begründet. Der angefochtene Zuschlag ist in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. 5. Eine Zuschlagserteilung an die Beschwerdeführerin kommt im vorliegenden Verfahren dennoch nicht in Betracht. 5.1 Der streitgegenständliche Auftrag umfasst schwerpunkt mässig die Lieferung und den Einbau des neuen Klimageräts im Untergeschoss der Aufba hrungshalle sowie die zu- und ab- luftmässige Erschliessung der Räumlichkeiten mit Lüftungskanälen. Diese Klima- und Lüftungs- arbeiten fallen in die Kategorie des Baunebengewerb es (vgl. T HOMAS P. MÜLLER , in: Trüeb [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizerischen Beschaffungsre cht, Zürich 2020, Art. 8 Rz. 50 und Fn. 76). Da der Auftragswert vorliegend unter Fr . 150'000.-- liegt, ist nach § 7 Abs. 1 der Verordnung zum Beschaffungsgesetz (BeV) vom 25. Januar 2000 die freihändige Vergabe zu- lässig. Die Beschaffung kann aber auch im Einladungsverf ahren oder im offenen oder selek- tiven Verfahren durchgeführt werden (vgl. § 7 Abs. 2 BeV). Wählt die Vergabestelle wie hier das Einladungsverfahren, ist sie an die Bestimmungen dieser Verfahrensart gebunden. Sie muss die dafür geltenden Grundsätze einhalten und das Ein ladungsverfahren korrekt durchführen (vgl. KGE VV vom 30. August 2017 [810 17 69] E. 4.2.3 ; DOMINIK KUONEN , Das Einladungsver- fahren im öffentlichen Beschaffungsrecht, Bern 2005, S. 85; G ALLI /MOSER /LANG /STEINER , a.a.O., Rz. 321). 5.2 Liegt der Auftragswert im Einladungsverfahren unte r Fr. 100'000.--, sind gemäss § 8 Abs. 1 lit. a BeV mindestens drei Anbieter zur Einreich ung von Angeboten aufzufordern. Nur wenn ausnahmsweise zu wenig geeignete Anbieter auf dem Markt vorhanden sind, darf sich die Vergabebehörde mit weniger Einladungen begnügen und damit vom Ziel, einen wirksamen Wettbewerb zu schaffen, abweichen. Ob aufgrund dieser Zielsetzung auch zwingend mindes- tens drei gültige Offerten einzuholen sind (so K UONEN , a.a.O., S. 118 f.), kann vorliegend offen- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gelassen werden. Aus den Akten ist nämlich nicht ersichtl ich, dass neben der Beschwerdefüh- rerin und der Beigeladenen überhaupt eine dritte An bieterin zur Verfahrensteilnahme eingela- den worden wäre, obwohl augenscheinlich mehr als zwei geeignete Anbieter existieren. Mit der Unterschreitung der vorgeschriebenen Mindestzahl von Ein ladungen leidet das vorliegende Einladungsverfahren an einem gravierenden Mangel, der nach der Praxis des Kantonsgerichts schon für sich alleine und auch ohne entsprechende Rüge zur Aufhebung des Zuschlags und Wiederholung des Verfahrens führen muss (KGE VV vom 30 . August 2017 [810 17 69] E. 4.2.4). 5.3 Die Vergabestelle darf grundsätzlich frei bestimmen , welche Leistung sie genau be- schaffen will. Sie hat ihre Bedürfnisse in der Ausschrei bung (resp. Einladung) bekanntzugeben und den Beschaffungsgegenstand im Leistungsverzeichnis mögl ichst präzis zu umschreiben (KGE VV vom 18. Juli 2018 [810 17 297] E. 12.5). Dab ei hat sie allerdings den Gleichbehand- lungsgrundsatz und das vergaberechtliche Diskriminierun gsverbot zu beachten. Diese Prinzi- pien schränken den Ermessensspielraum der Auftraggeberi n bei der Beschreibung des Be- schaffungsgegenstands insofern ein, als es grundsätzlich un zulässig ist, bestimmte Produkte, Marken oder Hersteller zu nennen. In den Vergabeunterl agen ist der Gegenstand und Umfang des Auftrags mit detaillierter Beschreibung der Leistun gen und der technischen Spezifikationen in nichtdiskriminierender Weise anzugeben (vgl. Art. 1 3 lit. b IVöB; § 11 Abs. 1 BeG; § 12 Abs. lit. b BeV). Es gilt die Pflicht zur hersteller- und produktneutralen Leistungsumschreibung (KUONEN , a.a.O., S. 108; G ALLI /MOSER /LANG /STEINER , a.a.O., Rz. 405). Nur wenn es keine an- dere hinreichend genaue oder verständliche Art und We ise der Beschreibung des Beschaf- fungsbedarfs gibt, darf ausnahmsweise auf ein Markenprodukt verwiesen werden, wobei kennt- lich zu machen ist, dass gleichwertige Produkte ebenfalls z ulässig sind. Im vorliegenden Fall ist das Leistungsverzeichnis im Kapitel Apparate vorausgefüllt. Als Monoblock wird ein bestimmtes Produkt vorgegeben, die dazugehörigen technischen Spezi fikationen entsprechen dem Daten- blatt dieses Fabrikats. Dasselbe gilt für die übrigen te chnischen Komponenten der Lüftungsan- lage (Aluplattenwärmetauscher, Ventilator, Lufterhitzer). Im Material- und Ausführungsbeschrieb des Leistungsverzeichnisses wird zwar darauf hingewiesen, dass andere Fabrikate offeriert werden dürften, die "in qualitativer Hinsicht mindesten s gleichwertig" sein müssten. Dass es sich dabei allerdings bloss um eine Floskel zum Zwecke der r echtlichen Absicherung handelte und die Vergabestelle in Tat und Wahrheit eine Offer te für die von ihr gewünschten Geräte er- wartete, zeigt ihre konsternierte Reaktion auf das An gebot der Beschwerdeführerin, wie insbe- sondere die Stellungnahme des verantwortlichen Fachplan ers vom 24. März 2022 plastisch vor Augen führt ("Es wurde ein anderes Produkt offeriert […] als ausgeschrieben", Vernehmlas- sungsbeilage 4). Dazu passt auch die Aufforderung an die Beschwerdeführerin, ihre Offerte mit den gewünschten Produkten zu "korrigieren". Es ist vorlie gend kein Grund ersichtlich, der die Nennung eines bestimmten Produktes unumgänglich machen w ürde. Wenn die Vorinstanz be- stimmte Qualitätsvorstellungen hat, kann sie die Beschaff ung über allgemein gehaltene techni- sche Spezifikationen (z.B. Erfüllung bestimmter national oder international anerkannter Normen, Lebensdauer, Garantiefrist, Serviceleistungen) und gegeb enenfalls über Zuschlagskriterien in diese Richtung steuern, ohne - wie vorliegend geschehe n - die Pflicht zur produktneutralen Leistungsumschreibung zu verletzen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Auch im Einladungsverfahren erfolgt der Zuschlag a n das wirtschaftlich günstigste An- gebot, d.h. jenes mit dem besten Preis-/Leistungs-Verhä ltnis. Dieses wird anhand der Zu- schlagskriterien ermittelt (vgl. Art. 13 lit. f IVöB; § 26 Abs. 1 BeG; § 20 Abs. 1 BeV). Gemäss § 20 Abs. 2 BeV sind die Zuschlagskriterien für jedes Besc haffungsobjekt aus fachlicher, ökolo- gischer und ökonomischer Sicht festzulegen. Das Zuschlagskr iterium "Preis" kann nur für weit- gehend standardisierte Güter das allein massgebliche Kri terium bilden (§ 20 Abs. 3 BeV). Bei allen anderen Beschaffungsgeschäften bildet es im gesetzl ichen Kriterienkatalog nur eines von mehreren Kriterien, dem auch nicht ein grundsätzlich h öheres Gewicht zukommt als diesen an- deren Kriterien (KGE VV vom 28. Juni 2017 [810 17 1 5] E. 6.3; G ALLI /MOSER /LANG /STEINER , a.a.O., Rz. 879). Im vorliegenden Fall kauft die Vori nstanz kein standardisiertes Gut (wie z.B. Brenn- und Treibstoffe, Elektrizität oder genormte vorfabrizierte Bauteile), sondern sie beschafft eine individuell auf ihre Bedürfnisse massgeschneiderte Bauleistung. Es war demnach unzuläs- sig, den Nettopreis zum ausschliesslichen Zuschlagskriterium zu bestimmen. 5.5 Wie bereits mehrfach erwähnt, führte die Vergab estelle mit beiden eingeladenen Anbie- terinnen Gespräche (vgl. z.B. Vernehmlassungsbeilage 3) und bot ihnen schliesslich die Gele- genheit, ihre Offerte zu überarbeiten und ein "korr igiertes Angebot" einzureichen. Mit diesem Vorgehen missachtete die Vergabestelle einen elementaren vergaberechtlichen Grundsatz. Das Vergabeverfahren ausserhalb der freihändigen Vergabe zeichnet sich aus durch eine Struktu- rierung des Kontakts zwischen der Auftraggeberin und de n potentiellen Leistungserbringern. Das Vergaberecht unterwirft die innerhalb der Submissi on stattfindenden Kommunikationsvor- gänge einem formalisierten, rigiden Regime. Ausdruck di eser Grundhaltung ist das Verhand- lungsverbot (vgl. § 25 Abs. 1 BeG), wonach es der öffe ntlichen Auftraggeberin jenseits der im Gesetz aufgezählten Kommunikationsmöglichkeiten grundsätzli ch verboten ist, mit den Anbie- tern Gespräche über die Beschaffung zu führen - darunt er fallen insbesondere all jene Kontak- te, bei denen Leistungsdefinition oder Angebotsinhalt noch wesentlich verändert würden (vgl. MARTIN BEYELER , Öffentliche Beschaffung, Vergaberecht und Schadenersat z, Zürich 2004, Rz. 294). Vom Kommunikationsverbot ausgenommen sind ein zig Rückfragen zur Klärung des Offertinhaltes (§ 25 Abs. 2 BeG). Das Verhandlungsver bot ist Teil des Verbots von sog. Abge- botsrunden (Art. 11 lit. c IVöB), mit welchem der kanto nale Gesetzgeber unter anderem verhin- dern will, dass öffentliche Auftraggeber ihre Nachfr agemacht missbrauchen und die Anbieter einem ruinösen Preiswettbewerb ausgesetzt werden. Die Vergabebehörde darf (auch) im Einla- dungsverfahren nicht unter dem Deckmantel von klärenden Rückfragen zur technischen Berei- nigung der Angebote eigentliche verkappte Abgebotsrund en durchführen (K UONEN , a.a.O., S. 163). Im Submissionsrecht gilt das Prinzip der (grund sätzlichen) Unveränderbarkeit der An- gebote nach deren Einreichung bei der Vergabebehörde . Im offenen, im selektiven und im Ein- ladungsverfahren darf nach Ablauf der Eingabefrist ein Angebot nicht mehr verändert werden (§ 25 Abs. 1 BeV). Schon alleine die Aufforderung zu r Anpassung in Bezug auf Preise, Preis- nachlässe oder den Leistungsinhalt verstösst gegen das Verbot von Abgebotsrunden (vgl. KGE VV vom 6. November 2019 [810 19 133] E. 6; BLKGE 2009 Nr. 56 E. 3.2.2). 5.6 Schliesslich wurde im vorliegenden Fall unter Versto ss gegen § 24 Abs. 4 BeG auch kein Protokoll über die Öffnung der Angebote erstellt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7 Die soeben dargestellten schweren Rechtsmängel sind infolge des Grundsatzes der Rechtsanwendung von Amtes wegen auch ohne ausdrückliche Rüge und allenfalls sogar gegen den Willen der Parteien zu berücksichtigen. Aus den darg elegten Gründen leidet das vorliegen- de Einladungsverfahren an derart zahlreichen und irreve rsiblen Fehlern, dass eine Auftragser- teilung im bisherigen Verfahren nicht mehr in Frage kommen kann. Einzig die vollständige Wie- derholung des Verfahrens kann zu einem rechtmässigen Zuschlag führen. 6. Daraus ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen un d der angefochtene Entscheid aufzuheben ist. Die Angelegenheit ist zur Wiederholu ng des Einladungsverfahrens an die Vor- instanz zurückzuweisen. Da sie sich vorgängig für das Einladu ngsverfahren entschieden hat, bleibt sie nun auch nach Aufhebung des Zuschlags durch das Gericht an diese Wahl gebunden und darf die Arbeiten nicht freihändig vergeben. Bei der Neuausrichtung des Wettbewerbs wird die Vergabestelle die vorstehend bemängelten Punkte zu berücksichtigen haben. Sowohl die Beschwerdeführerin als auch die Beigeladene sind zur Ei nreichung von Offerten einzuladen (vgl. KGE VV vom 30. August 2017 [810 17 69] E. 4.2.4). 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Aus- gangsgemäss sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- der Vorinstanz aufzuerle- gen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss ist ihr zurückzuerstatten. 7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann f ür den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden (§ 21 Abs. 1 VPO). Die vorliegend angeordnete Rückweisung zur Wiederholung des Verfahrens gilt als vollständiges Obsiegen der Beschwerd eführerin. Ihr Rechtsvertreter weist in seiner Honorarnote vom 10. Juni 2022 einen Aufwand von 10.75 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 101.20 und 7.7 % Mehrwertsteuer aus. Diese Honorarnote ist tarifkonform und nicht zu beanstanden. Demzufolge hat die Vorinstanz der Beschwerdeführerin eine Partei- entschädigung von insgesamt Fr. 3'272.70 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) auszurichten. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Zuschlag sentscheid der Ein- wohnergemeinde B.____ vom 25. Februar 2022 aufgehoben und die Angelegenheit zur Wiederholung des Verfahrens im Sin ne der Erwägun- gen an die Einwohnergemeinde B.____ zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden der Einwoh- nergemeinde B.____ auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500. -- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Einwohnergemeinde B.____ hat der Beschwerdef ührerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3'272.70 (inkl. A uslagen und 7.7 % MWST) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiber