B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3871/2012 U r t e i l v o m 2 6 . N o v e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Emilia Antonioni; Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), China (Volksrepublik), vertreten durch Dr. iur. Hans-Martin Allemann, Rechtsanwalt, Notar, Mediator, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. Juli 2012 / N (…). E-3871/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, eine chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie, verliess eigenen Angaben zufolge ihr Heimatland im März 2011 und reiste über Nepal sowie unbekannte Länder am 7. September 2011 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Für die Dauer des Verfahrens wurde sie dem Kanton (…) zugeteilt. Anlässlich der Kurz- befragung im Empfangs - und Verfahrenszentrum [EVZ] (…) vom 23. September 2011 und der einlässlichen Anhörung vom 4. Juli 2012 zu ihren Ausreise- und Asylgründen machte sie im Wesentlichen Folgendes geltend: Im Jahr 2008 habe sie an einer Demonstration in B._______ teilgenom- men; anschliessend sei sie von drei chinesischen Militärpolizisten festge- nommen und für [mehrere] Monate inhaftiert worden. Während der Haft sei sie immer wieder ausgefragt und geschlagen worden. Zudem sei sie während dieser Zeit schwanger gewesen. Kurz vor ihrer Freilassung am (…) 2008 habe sie das Kind jedoch verloren. Aufgrund ihres prekären ge- sundheitlichen Zustands während und nach der Gefangenschaft habe sie mehrfach in ein Krankenhaus transferiert w erden müssen . Im Übrigen habe sie bis 2010 einer Meldepflicht und Anwesenheitskontrolle unter- standen. Des Weiteren habe sie in der Nacht vom (…) März 2011 z u- sammen mit drei Mönchen etwa zehn Plakate mit der Aufschrift "Freies Tibet" und "Lang lebe der Dalai Lama" an die Mauern der [Gebäude in B._______] aufgehängt. Am darauffolgenden Tag hätten Geheimpolizi s- ten die Mönche verhaftet. Aus Angst vor einer Festnahme sei sie zusam- men mit ihrem Ehemann und dem gemeinsamen Kind am (…) März 2011 aus ihrem Dorf geflüchtet. Während der Flucht sei sie allerdings von ihrer Familie getrennt worden. B. B.a Am 28. und 29. Februar 2012 sowie am 5. und 9. März 2012 ging en beim BFM in englischer Sprache verfasste anonyme Denunziations- schreiben ein, in welche n behauptet wurde, dass es sich bei der B e- schwerdeführerin um C._______, geboren am (…) in D._______, Indien, wohnhaft in E._______, Indien, handle; sie sei in Indien geboren und mit einem in Indien ausgestellten (…) Schengen-Visum sowie ihrem "Identity Certificate" Nr. (…) in die Schweiz gereist. Dokumente wie ihr "Registrati- on Certificate", ihr Geburtsschein, ihr Eheschein und ein anderes Dok u- ment der indischen Behörden würden ihre indische Herkunft belegen. E-3871/2012 Seite 3 Insgesamt wurden die folgenden Unterlagen den Schreiben in Farbkopie beigelegt:  Birth Certificate, ausgestellt durch die Verwaltung der tibetischen Exilregierung in (…), am (…) 1999;  Marriage Certificate Nr. (…), ausgestellt durch die Verwaltung der tibetischen Exilregierung in (…), am (…);  Wohnsitzbestätigung, ausgestellt durch "Unique Identification Authority of India" am (…) 2011 betreffend die Registrierung der aufgeführten Person bei den i ndischen Behörden unter der Nr. (…);  Registration Certificate des Supdt. of Police & Foreigner`s Regi s- tration Officer Nr. (…), ausgestellt am (…) 1999 in (…);  Identity Certificate Nr. (…), ausgestellt vom Regional Passport Of- fice in Delhi am (…) respektive (…) [schlecht leserlich], gültig bis (…) Dezember 2012;  Schengen-Visum, ausgestellt von den (…) Behörden in Delhi, gül- tig vom (…) August 2011 bis (…) September 2011, sowie Unterla- gen zum Visumsantrag. B.b Anlässlich der Anhörung vom 4. Juli 2012 gewährte das BFM der Be- schwerdeführerin das rechtliche Gehör zu den Behauptungen in den De- nunziationsschreiben. Die Beschwerdeführerin gab zu Protokoll, sie wisse nicht, was sie sagen solle, da sie Angst habe, zurückgeschickt zu werden. Sie wisse nicht, wo- hin sie in Indien zurückgehen solle. Sie befürchte, dass die indische R e- gierung sie nach Tibet schicke. Dort habe sie bei politischen Aktionen mitgemacht und sei im Gefängnis gewesen. Jemand, der sie nicht möge, habe sie denunziert. Der Name C._______ sei nicht ihr Name. Im Übri- gen sei die von unbekannter Seite zugestellte Geburtsurkunde gefälscht. Ohne dieses Dokument wäre sie nach Tibet zurückgeschickt worden und hätte auch kein "Registration Certificate" ausgestellt bekommen. E-3871/2012 Seite 4 C. Mit Verfügung vom 12. Juli 2012 – eröffnet am 16. Juli 2012 – trat das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerd e- führerin nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schwe iz sowie den Vollzug der Wegweisung (gemäss der Verfügungsbegründung nach Indien) an. Gleichzeitig verfügte es, der Beschwerdeführerin seien die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis auszuhändigen. D. Der Rechtsvertreter erhob mit Eingabe vom 20 . Juli 2012 (Datum Pos t- stempel) namens und im Auftrag der Beschwerdeführerin gegen die v o- rinstanzliche Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte dabei, die Dispositiv-Ziffern 1 bis 4 der angefochtenen Verf ü- gung seien aufzuheben, auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin sei einzutreten, es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin die Flüch t- lingseigenschaft erfülle und ihr Asylgesuch sei gutzuheissen; eventualiter sei fest zustellen, dass subjektive Nachfluchtgründe i.S.v. Art. 5 4 AsylG vorliegen würden und es sei der Beschwerdeführerin eine unbefristete vorläufige Aufnahme als Flüchtling zu gewähren . In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit unentgeltlicher Verbeiständung durch den Rechtsvertreter ersucht. Zu- dem wurde um Fristansetzung zur Einreichung von Übersetzungen der beigelegten Dokumente gebeten und beantragt, die Beschwerdeführerin sei nochmals unter Beizug eines tibetischen Experten zu befragen sowie einem tibetischen Sprachtest zu unterziehen. Zur Stützung der geltend gemachten Vorbringen wurden drei tibeti- sche/chinesische Urkunden in Kopie ins Recht gelegt. E. Mit Verfügung vom 27. Juli 2012 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, die Beschwerdeführerin k önne den Ausga ng des Verfahrens in der Schweiz abwarten, über das Gesuch um Gewährung der unentgeltli chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensge- setzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und die weiteren Anträge werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden, auf einen Kosten- vorschuss w erde gestützt auf Art. 63 Abs. 4 VwVG ver zichtet, das Ge- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG werde abgewiesen und die Beschwerdeführerin werde aufgefordert, innert 30 Tagen ab Erhalt der vorliegenden Verfügung E-3871/2012 Seite 5 die in der Beschwerdeeingabe offerierten Übersetzungen der eingereic h- ten chinesischen Urkunden in eine Amtssprache – samt Originaldok u- menten sowie Zustellcouvert – einzureichen. F. Mit Eingabe vom 27. August 2012 reichte der Rechtsvertreter folgende Dokumente – inklusive Übersetzung und Zustellcouvert aus Lhasa, Tibet, China (Datum Poststempel: 4. August 2012) – zu den Akten: chinesische Registrierungskarte der Eltern der Beschwerdeführerin (Registrierungsda- tum: […] 2010) sowie Folgeseite dieser chinesischen Registrierungskarte, beides in Kopie ; tibetisches Schreiben der Verwaltung von B._______ vom (…) Juli 2012 in Kopie sowie Empfehlungsschreiben des Dorfkom i- tees (…) vom (…) Juli 2012 im Original. G. Mit Verfügung vom 7. September 2012 lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz zur Einreichung einer Stellungnahme ein. Das BFM liess sich am 14. September 2012 vernehmen. H. Mit Verfügung vom 19. September 2012 bot das Bundesverwaltungsg e- richt der Beschwerdeführerin die Gelegenheit zur Einreichung einer Stel- lungnahme und entsprechender Beweismittel ein. Der Rechtsvertreter reichte am 4. Oktober 2012 eine Replik zu den Akten und beantragte, es sei die Echtheit und Richtigkeit des eingereichten Empfehlungsschre i- bens des Dorfkomitees (…) vom (…) Juli 2012 durch die schweizerische Vertretung in der Volksrepublik China überprüfen zu lassen. I. Auf die Begründung in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der übrigen Akten wird – soweit entscheidwesentlich – in den nachst e- henden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden E-3871/2012 Seite 6 nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vo r welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundes - gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt in casu nicht vor; somit ist das Bundesverwaltungsgericht vorliegend letztinstanzlich zuständig. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinst anz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweis e Änderung. Folglich ist sie zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist unter Vorbehalt des nachfolgend Gesagten einzu- treten. 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32 - 35 AsylG), ist d ie Beurteilungskompetenz der Be schwerdein- stanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorin stanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Die Beschwerdeinstanz enthält sich demnach – sofern sie den Nichteintretensentscheid als unrechtmä s- sig erachtet – einer selbstständigen materiellen Prüfung, hebt die ang e- fochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2011/30 E. 3 S. 568; BVGE 2011/9 E. 5 S. 116; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylr e- kurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.). Bei Verfügungen E-3871/2012 Seite 7 gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. b AsylG ist im Rahmen der Ausnahm e- klausel von Art. 34 Abs. 3 Bst. b AsylG auch das Bestehen der Flüch t- lingseigenschaft zu prüfen; hingegen ist die Frage der A sylgewährung nicht von der Vorinstanz geprüft worden und somit nicht Prozessthema. Folglich ist auf die Beschwerde nicht einzutreten, soweit darin die Gewäh- rung von Asyl beantragt wird. Die Vorinstanz hat die Frage der Wegweisung sowie des Vollzugs mat e- riell geprüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt. 3.2 Nach Art. 34 Abs. 2 Bst. b AsylG tritt das BFM auf ein Asylgesuch in der Regel nicht ein, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat zurückkehren können, in welchem sie sich vorher aufgehalten haben und im Einzelfall effektiven Schutz vor Rückschiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht. Gemäss Art. 34 Abs. 3 AsylG findet diese Bestimmung allerdings keine Anwendung, wenn Personen, zu denen die asylsuchende Person enge Beziehungen hat, oder nahe Angehörige in der Schweiz leben, die asy l- suchende Person offensichtlich die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfüllt oder Hinweise darauf bestehen, dass im Drittstaat kein effek- tiver Schutz vor Rückschiebung na ch Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht. Liegt eine dieser Ausnahmen vor, hat eine materielle Prüfung des Asylgesuchs im ordentlichen Verfahren stattzufinden. 4. 4.1 Die Vorinstanz führte in ihrer angefochtenen Verfügung aus, aufgrund der von unbekannter Seite zugestellten Unterlagen stehe fest, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um C._______, geboren am (…) in D._______, Indien, und nicht – wie von ihr geltend gemacht – um A._______ handle. Sie sei zwar tibetischer Ethnie, jedoch gehe aus den Dokumenten kein Hinweis auf ihre Staa tsangehörigkeit hervor. Ferner sei sie seit dem (…) mit F._______ verheiratet und in E._______, Indien , wohnhaft. Es falle insbesondere auf, dass etliche von der Beschwerd e- führerin im Asylverfahren gemachten Identitätsangaben (Geburtsdatum, ein Teil ihres Namens sowie die Namen der Eltern und des Ehemannes) mit den Angaben in den seitens Dritter zugestellten Dokumenten überein- stimmen würden. Dieser Umstand und die Tatsache, dass die Beschwer- deführerin für die behauptete Identität keine Belege eingereicht habe, würden darauf hindeuten, dass sie versuche, ihre wahre Identität zu ver-E-3871/2012 Seite 8 heimlichen. Sodann ergebe ein Vergleich der Fotographien in den einge- reichten Dokumenten mit dem Bild der Beschwerdeführerin , dass es sich mit grösster Wahrscheinlichkeit um dieselbe Person handle. Im Übrigen habe sie im Rahmen des ihr gewährten rechtlichen Gehörs keine übe r- zeugenden Argumente vorgebracht, welche die Vermutung zu widerlegen vermöchten, dass es sich bei der in d en besagten Unterlagen erwähnten Person nicht um sie handle . Des Weiteren verfüge die Beschwerdeführe- rin in Indien über einen geregelten Aufenthalt und sei im Besitz eines "Registration Certificate" Nr. (…) sowie eines am (…) respektive (…) von den indischen Behörden ausgestellten und bis zum (…) Dezember 2012 gültigen "Identity Certifi cate" Nr. (…), welche s Exiltibetern erlaube, ins Ausland zu reisen und nach Indien zurückzukehren respektive die Funkt i- on eines Reisepasses habe. Somit stehe fest, dass die Beschwerdeführe- rin über einen geregelten Aufenthalt in Indien verfüge und dorthin – vor- ausgesetzt, sie besitze ein gültiges Visum – zurückkehren könne. Im Übrigen habe die Beschwerdeführerin weder nahe Angehörige in der Schweiz (Art. 34 Abs. 3 Bst. a Asyl G) noch erfülle sie offensichtlich die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG (Art. 34 Abs. 3 Bst. b AsylG). Ausserdem sei Indien zwar nicht Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), das Land nehme aber seit Jahren grosszügig Tibeter und Tibeterinnen auf, welche auch Zugang zu Arbeits - und Bildungsstrukturen hätten . Überdies seien keine Ausweisungen von Tibetern und Tibeterinnen aus Indien nach China bekannt. Infolgedessen gebe es keine Hinwei se auf einen in Indien fehlenden effektiven Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG (Art. 34 Abs. 3 Bst. c AsylG). 4.2 Der Argumentation des BFM wurde in der Beschwerdeeingabe insbe- sondere entgegengehalten, die Vorinstanz behaupte lediglich aufgrund eines anonymen Verleumdungsschreiben s und gestützt auf Fotokopien, dass die Beschwerdeführerin aus Indien stamme und eine andere als die geltend gemachte Identität habe. Das anonyme Schreiben sei jedoch o h- ne Belang, da es der Verfasser nicht einmal wage, mit seinem Namen zu dessen Inhalt zu stehen. Dementsprechend komme ihm keinerlei Glau b- würdigkeit zu. Wie die Beschwerdeführerin mit Nachdruck erklärt habe, würden die zugestellten indischen Dokumente und die Gesuchsunterl a- gen betreffend das Visum nicht von ihr stammen. Zudem könnten Foto- graphien mit entsprechender Software bekanntlich leicht manipuliert we r- den. Der Vorwurf der Vorinstanz, die Beschwerdeführerin habe keine chi- nesischen Identitätsdokumente oder andere Belege für die ihrerseits be-E-3871/2012 Seite 9 hauptete Identität vorgelegt, werde mit den nachgereichten chinesischen Unterlagen, welche die Identität und tibetisch/chinesische Herkunft der Beschwerdeführerin nach weisen würden, entkräftet. Sodann seien ihre Aussagen anlässlich der Befragung, sie habe Angst vor einer Wegwe i- sung nach Indien und einer anschliessenden unzulässigen Kettenab- schiebung nach China , nachvollziehbar, denn die Beschwerdeführerin besitze keine Aufenthaltsbewilligung in Indien, weshalb sie der Gefahr e i- ner Abschiebung nach China schutzlos ausgeliefert sei. Der Vollständig- keit halber sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin selbst dann keine Aufenthaltsberechtigung und keinen geregelten Aufenthalt in Indien hätte, wenn sie früher – hypothetisch – eine indische Aufenthalts- bewilligung besessen hätte. Infolge der bald einjährigen Abwesenheit wä- re ein indisches "Certificate of Registration" längst abgelaufen und ausser Kraft. Gemäss neuerer Praxis der indi schen Behörden sei ein "Certificate of Registration" alle sechs Monate zu erneuern, andernfalls es dahinfalle. Tibeter und Tibeterinnen, welche es in Indien unterlassen würden, ihr "Certificate of Registration" fristgerecht zu erneuern, seien von den ind i- schen Behörden in mehreren Fällen inhaftiert und mit der Ausweisung nach China bedroht worden. Es könne demnach nicht die Rede davon sein, dass die Beschwerdeführerin in Indien über einen geregelten Au f- enthalt verfüge und vor einer Abschiebung nach China geschützt sei, selbst wenn sie frü her, was nac h ihren Beteuerungen jedoch nicht der Fall gewesen sei, eine indische Aufenthaltsbewilligung besessen hätte. Sodann sei sie aufgrund ihrer beschriebenen politischen Aktivitäten in Ti- bet akut gefährdet und müsse bei einer Rückkehr dorthin mit Verhaftung, Folter und unmenschlicher Behandlung seitens der chinesischen Behö r- den rechnen. Im Übrigen habe die Beschwerdeführerin genaue lande s- kundliche Kenntnisse ihres tibetisches Heimatorts wiedergegeben. Weiter verwies die Beschwerdeführerin auf die Rechtsprechung der ARK (EMARK 2006 Nr. 1), wonach für Tibeter und Tibeterinnen aufgrund einer illegalen Ausreise aus China beziehungsweise einer Asylgesuchseinrei- chung in der Schweiz subjektive Nachfluchtgründe anzuerkennen seien. 4.3 Mit Vernehmlassung vom 14. September 20 12 beantragte die Vorin- stanz die Abweisung der Beschwerde, da die Rechtsmitteleingabe keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, welche eine Änderung des vorinstanzlichen Standpunktes zu rechtfertigen vermöc h- ten. Aufgrund der nachgereichten chinesischen Dokumente – insbeson- dere dem Empfehlungsschreiben des Dorfkomitees (…) und dem Auszug aus einem "Hukou " – stehe nicht fest, dass die Beschwerdeführerin aus China stamme. Derartige Empfehlungsschreiben könnten nicht als amtl i-E-3871/2012 Seite 10 che Herkunfts- beziehungsweise Identitätsbelege betrachtet werden (o h- ne Fotograph ie, käuflich leicht erwerbbar) und im eingereichten Auszug aus dem "Hukou" finde sich kein Hinweis auf die Beschwerdeführerin. Angesichts der Fülle und Vielfalt der dem BFM vorlie genden Dokumente aus Indien (in Form von Scan -Kopien mit Fotographien der Beschwerd e- führerin) vermöchten die Einwände in der Beschwerdeschrift die v o- rinstanzliche Einschätzung nicht zu entkräften. 4.4 Mit Replik vom 4. Oktober 2012 führte der Rechtsvertreter aus, die Namen der Eltern der Beschwerdeführerin seien auf der eingereichten Registrierungskarte – das Original habe nicht ins Ausland gesandt wer - den können, da die Eltern ihre Ausweise in China weiterhin vorweisen müssten – mit chinesischen Namen angegeben, obwohl sie Tibeter seien und tibetische Namen tragen würden. Die Kinder seien in der Registrie - rungskarte nicht angegeben, weshalb auch der Name der Beschwerd e- führerin nicht aufgeführt werde . Zudem würden die Aussagen der B e- schwerdeführerin im Befragungsprotokoll vom 23. Sep tember 2011 mit den Angaben auf der Registrierungskarte übereinstimmen. Weiter würde es – unter den seit einigen Monaten in Tibet noch zusätzlich verschärften Repressionen – kein Dorfkomitee wagen, falsche Bestäti gungen zu ve r- fassen und an Tibeter abzugeben. Das Empfehl ungsschreiben des Dor f- komitees sei mithin echt und gebe die Wahrheit wieder, nämlich das s die Beschwerdeführerin eine registrierte Einwohnerin des besagten Dorfes sei. Die Vorinstanz wende im Übrigen zweierlei Massstab an, wenn sie anonym fabrizierten Scan -Dokumenten Glauben schenke, nicht aber e i- ner offiziellen, von einer tatsächlich existierenden Gemeindebehörde ko r- rekt erstellten Erklärung. Bei elektronischen Dokumenten seien die tec h- nischen Manipulationsmöglichkeiten unbegrenzt, beim amtlichen Schre i- ben des Dorf komitees könnten die Behörde und ihre Mitglieder verifiziert werden. Im Zweifelsfall sei die Echtheit und Richtigkeit des eingereichten Bestätigungsschreibens durch die Schweizer Vertretung in China verifi- zieren zu lassen. 5. 5.1 Nach Durchsicht der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht in Übereinstimmung mit dem BFM zum Schluss, dass sie Beschwerdeführe- rin zwar tibetischer Ethnie ist, dass sich aber aufgrund der von unbekann- ter Seite zugestellten Unterlagen , d en protokollierten Aussagen der B e- schwerdeführerin, welche sich vorwiegend in unplausiblen Schilderungen erschöpfen und in wesentlichen Punkten widersprüchlich ausgefallen E-3871/2012 Seite 11 sind, sowie des Umstands, dass sie keine die behauptete Identität bel e- genden Reise- oder Identitätspapiere eingereicht hat, mit rechtsgenügli- cher Sicherheit ergibt, dass es sich bei ihr um C._______, geboren am (…) in D._______, Indien, handelt. Den seitens Dritter zugestellten Do- kumenten ist sodann zu entnehmen, dass die Beschwerdeführer in seit dem (…) mit F._______ verheiratet und in E._______, Indien, wohnhaft ist. Wie das BFM zutreffend feststellte, fällt insbesondere auf, dass etliche von der Beschwerdeführerin während des Asylverfahrens gemachte An- gaben (ihr Geburtsdatum, ein Teil ihres Namens sowie die Namen der El- tern und des Ehemannes, vgl. A7/11 S. 2 ff.) mit den Angaben in den z u- gestellten Dokumenten übereinstimmen (vgl. Birth Certificate, Identity Certificate, Marriage Certificate, Wohnsitzbestätigung , A20/8, A28/ 19). Der Vorinstanz ist ferner beizupflichten, wenn sie ausführt, ein Vergleich der Fotographien in den zugestellten Dokumenten mit dem Bild der B e- schwerdeführerin ergebe, dass es sich mit grösster Wahrscheinlichkeit um dieselbe Person handle. Zwar ist einzuräumen, dass der Einwand der Beschwerdeführerin, Dokumente in Kopie seien der Manipulation zugäng- lich, nicht von der Hand zu weisen ist. Hingegen ist festzuhalten, dass die von den indischen Behörden ausgestellten Dokumente, die dem BFM z u- gekommen sind, beispielsweis e jeweils Stempel sowohl auf dem Dok u- ment als auch auf dem Passfoto der betreffenden Frau (das mit grösster Wahrscheinlichkeit das Bild der Beschwerdeführerin ist) aufweisen, womit eine Bildauswechslung oder -manipulation auf den fraglichen Dokume n- ten unwahrscheinlich scheint. Aufgrund einer Gesamtwürdigung der vor- liegenden Aktenlage überwiegen jene Gründe nicht, welche für die Ric h- tigkeit der seitens der Beschwerdeführerin vorgetragenen Sachverhalt s- darstellung sprechen, zumal sie im Rahmen des ihr gewährten rechtl i- chen Gehörs zu den von unbekannter Seite zugestellten Unterlagen kei- ne überzeugenden Argumente vor brachte (vgl. insbesondere A30/14 S. 11 f.), welche die Vermutung hätten widerlegen können, dass es sich bei der in den besagten Dokumenten a ufgeführten Person nicht um sie handle. Sollten die Angaben der Beschwerdeführerin zutreffen, dass die dem BFM vorliegenden Unterlagen der indischen Behörden beziehuns- weise der exiltibetischen Stellen in Indien sich nicht auf ihre Person b e- ziehen würden, so müsste davon ausgegangen werden, dass eine and e- re Person tibetischer Ethnie in Indien leben würde, die nicht nur der B e- schwerdeführerin ausgesproch en ähnlich auf Fotos sähe, sondern die auch zufällig das gleiche Geburtsdatum hätte und deren Eltern und de ren Ehemann zufällig die gleichen Namen hätten wie die Angehörigen der Beschwerdeführerin. Eine derartige Häufung von Zufällen erscheint of- fenkundig in keiner Weise plausibel. E-3871/2012 Seite 12 Ferner ist festzuhalten, dass die im Beschwerdeverfahren eingereichten Unterlagen die behauptete Identität der Beschwerdeführerin nicht bel e- gen, sondern teils in Widerspruch zu ihren bisherigen Aussagen stehen. So hatte sie namentlich – mit dem Namen " C._______" konfrontiert, der aus den indischen beziehungsweise exiltibetischen Dokumenten hervo r- geht – zu Protokoll gegeben, ihr Name laute überhaupt nicht so, sondern sie heisse "A._______" (vgl. A30/14 S. 11). In den im Beschwerdeverfah- ren vorgelegten Bestätigungsschreiben werden demgegenüber nunmehr gerade beide Namen (…) als die richtigen Namen der Beschwerdeführ e- rin bestätigend aufgeführt. Es besteht bei dieser Sachlage keine Vera n- lassung, die fraglichen Dokumente von der Schweizerischen Vertretung in China verifizieren zu lassen. Was die Registrierungskarte betrifft, die sic h angeblich auf die Eltern der Beschwerdeführerin beziehen soll, führt diese einzig chinesische Namen auf, die von der Beschwerdeführerin im Ve r- fahren bisher nie genannt worden sind. Im Übrigen hatte die Beschwerde- führerin im ordentlichen Verfahren wiederh olt ausgeführt, keinerlei Dok u- mente aus China vorlegen zu können, da sie keinerlei Kontaktadresse oder Telefonnummer ihrer Verwandten besitze und niemanden kontakti e- ren könne (vgl. A7/11 S. 6; A30/14 S. 2); auch dies steht in Widerspruch dazu, dass im Beschwerdeverfahren nunmehr Dokumente aus China hät- ten beschafft werden können. Was sodann den Beweisantrag betrifft, die Beschwerdeführerin sei unter Beizug eines tibetischen Experten zu befragen beziehungsweise einem tibetischen Sprachtest zu unterziehen, is t festzuhalten, dass diese B e- weismassnahmen geeignet wären, die tibetische Ethnie der Beschwerd e- führerin und ihre Sozialisierung in einem tibetischen Milieu darzulegen; diese Fakten sind indessen vorliegend nicht strittig und auch vom BFM nicht in Frage gestellt worden. 5.2 Betreffend die Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin ist g e- mäss der heute noch geltenden Praxis der Schweizerische Asylrekurs- kommission (ARK) davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin tibe- tischer Ethnie und – anders als von der Vori nstanz behauptet – deshalb die chinesische Staatsangehörigkeit besitzt. Die ARK führte in Entschei- dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission (EMARK) 2005 Nr. 1 nämlich aus, auf eine chinesische Staatsangehörig- keit sei zu schliessen, w enn im Einzelfall als erstellt zu erachten ist, dass eine asylsuchende Person tibetischer Ethnie ist. Dies gilt gemäss dem z i- tierten Urteil selbst dann, wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die betreffende Person in der exil-tibetischen Gemeinde in Nepal oder Indien E-3871/2012 Seite 13 gelebt hat, nachdem in der Regel nicht davon ausgegangen werden kann, die Exil -Tibeter würden in diesen Ländern die jeweilige Staatsa n- gehörigkeit erwerben. Ohne triftige Anhaltspunkte kann eine andere als die chinesische Staatsangehörigkeit weder als erwiesen noch überhaupt als wahrscheinlich erachtet werden. Diese Ausführungen sind auch heute weiterhin zutreffend. Ferner ist festzuhalten, dass die chinesische G e- setzgebung vorsieht, dass eine Person ihre chinesische Staatsangeh ö- rigkeit verliert, sobald sie eine andere Nationalität erlangt. Eine im Au s- land geborene Person, welche zumindest einen chinesischen Elternteil hat, wird – wenigstens solange sie nicht durch Geburt oder Einbürgerung eine andere Staatsangehörigkeit erhält – als chinesische Staatsangehöri- ge betrachtet (vgl. Australian Government Refugee Review Tribunal "Country Advice Nepal – Nepal – NPL36609 – Tibetans – Citizenship – False documents – Passports – Chinese citizenship – Right of entry – Residence – India" vom 14. Mai 2010). Vor diesem Hintergrund ist im vor- liegenden Verfahren mangels gegenteiliger Erkenntnisse davon auszuge- hen, die Beschwerdeführerin sei Staatsangehörige der Volksrepublik Ch i- na. 5.3 In Bezug auf die Identität der Beschwerdeführerin geht aufgrund der vorliegenden Aktenlage demnach auch das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass es sich bei ihr um C._______, geboren am (…) in D._______, Indien, handelt, welche tibetischer Ethnie und Staatsangehö- rige der Volksrepublik China ist. Seit dem (…) ist sie mit F._______ ver- heiratet und in E._______, Indien, wohnhaft. Nach dem Gesagten ist d a- von auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin vor ihrer Einreise in die Schweiz in Indien aufgehalten hat. 5.4 5.4.1 Für die Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. b AsylG ist in allen Fällen erforderlich, dass der Vollzug der Wegweisung in den Drittstaat auch tat- sächlich stattfinden kann. Damit ist die Frage der Möglichkeit des We g- weisungsvollzugs materiell im erstinstanzlichen Nichteintretensverfahren zu prüfen und nicht erst im Wegwei sungspunkt oder gar durch die Vol l- zugsbehörden (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.], Han d- buch zum Asyl - und Wegweisungsverfahre n, Bern/Stuttgart/Wien 2009, S. 139). 5.4.2 Hierzu kann auf die zu bestätigenden Erwägungen in der v o- rinstanzlichen Verfügung verwiesen werden (vgl. E. II Ziff. 1), wonach die E-3871/2012 Seite 14 Beschwerdeführerin über ein am (…) vom Regional Passport Office in Dehli ausgestelltes und bis (…) Dezember 2012 gültiges "Identity Certifi- cate" verfügt, mit welchem sie nach Indien zurückkehren kann. Folglich steht fest, dass die Beschwerdeführerin über einen geregelten Aufenthalt in Indien verfügt und dorthin – vorausgesetzt sie verfügt über ein gültiges Visum – zurückkehren kann, mithin der Wegweisungsvollzug nach Indien möglich ist. Auf Beschwerdeebene wird diesbezüglich denn auch nichts vorgebracht, was diese Erkenntnis in Frage stellen wür de, zumal Hinwei- se auf blosse Eventualitäten von Vollzugshindernissen vorliegend nicht genügen. Falls es sich wide r Erwarten allerdings herausstellen würde, dass die (freiwillige) Rückkehr der Beschwerdeführerin tatsächlich unmöglich sein sollte, fällt die Anwendung des Drittstaaten-Nichteintretenstatbestands dahin, da es – wie bereits erwähnt – im Rahmen von Art. 34 Abs. 2 Bst. b AsylG unerlässlich ist, dass der Vollzug der Wegweisung in den Drittstaat auch tatsächlich stattfinden kann. 5.5 Weiter sieht Art. 34 Abs. 3 AsylG drei Ausnahmen zum Nichteintreten vor. Liegt eine d ieser Ausnahmen vor, hat eine materielle Prüfun g des Gesuchs im ordentlichen Verfahren stattzufinden. 5.5.1 Gemäss Art. 34 Abs. 3 Bst. a AsylG findet Art. 34 Abs. 2 Bst. b AsylG keine Anwendung, wenn Personen, zu denen der Asylsuchende eine enge Beziehungen hat, oder nahe Angehörige in der Schweiz leben. Die Beschwerdeführerin berief sich zu Recht nicht auf diese Ausnahm e- klausel, nachdem sie in der Schweiz weder über nahe Angehörige noch über Bekannte, zu denen sie eine enge Beziehung pflegt, verfügt. 5.5.2 Was die Ausnahmebestimmung von Art. 34 Abs. 3 Bst. b Asy lG be- trifft, ist festzuhalten, dass bei exiltibetischen Asylsuchenden, welche die chinesische Staatsangehörigkeit besitzen und sich längere Zeit in Indien oder Nepal aufgehalten haben, die Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf die Volksrepublik China zu prüf en ist (vgl. auch EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.3). Die schweizerischen Asylbehörden anerkennen in konstanter Praxis ke i- ne Kollektivverfolgung – im Sinn einer Anerkennung begründeter Furcht vor Verfolgung ungeachtet individueller Vorbringen allein aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit – für Tibeterinnen und Tibeter bezüglich des Heimatstaats China (vgl. BVGE 2009/29 E. 4). E-3871/2012 Seite 15 Des Weiteren kann – wie das BFM zutreffend ausführte – als erstellt gel- ten, dass sich die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der geltend g e- machten angeblichen Verfolgung in Indien und nicht – wie behauptet – in Tibet aufgehalten hat, weshalb es sich erübrigt, auf die Aussagen der Be- schwerdeführerin, welche sich grösstenteils in unplausiblen Schilde - rungen erschöpfen , in wesentlichen Punkten zu wenig begrün det sind sowie einen unsubstanziierten Eindruck hinterlassen, näher einzugehen. Im Übrigen ist eine Gefährdung aufgrund legaler oder illegaler Ausreise aus der Volksrepublik China (vgl. dazu BVGE 2009/29 E. 6.2-6.6) vorlie- gend nicht zu befürchten, weil aufgrund der Akten davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin in Indien geboren ist. Unter diesen Umständen erfüllt die Beschwerdeführerin jedenfalls nicht offensichtlich im Sinn von Art. 34 Abs. 3 Bst. b AsylG die Flüchtlingse i- genschaft. 5.5.3 Sodann hält Art. 34 Abs. 3 Bst. c fes t, dass der Nichteintretens- tatbestand gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. b AsylG nicht anzuwenden ist, wenn Hinweise darauf bestehen, dass im Drittstaat kein effektiver Schutz vor Rückschiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht. Diesbezüglich kann auf die vollumfänglich zu bestätigenden Erwägungen in der vorinstanzlichen Verfügung verwiesen werden , da das Bundesamt in seiner angefochtenen Verfügung in rechtsgenügender Weise dargelegt hat, weshalb für die Beschwerdeführerin in Indien effektiver Sch utz vor Rückschiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht. Den Akten sind sodann keine Hinweise für die Annahme einer Änderung der vom BFM erwähnten Praxis Indiens, Tibeter grosszügig aufzunehmen, zu entnehmen, und ent- sprechende Anhaltspunkte liegen auch gemäss jüngeren Länderlageana- lysen nicht vor (vgl. etwa die bereits genannte Zusammenstellung des Australian Government Refugee Review Tribunal, Country Advice Nepal, a.a.O., mit zahlreichen weiteren Hinweisen ). Die vorgetragenen Befürch- tungen der Beschwerdeführerin, sie würde von Indien nach China au s- gewiesen, sind unbegründet, da – wie das BFM zutreffend ausführte – keine Ausweisungen von Tibeterinnen und Tibetern aus Indien nach Ch i- na bekannt sind. Folglich bestehen keine Hinweise auf einen in Indien fehlenden effektiven Schutz vor Rücksch iebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG. E-3871/2012 Seite 16 5.6 Nach dem Gesagten ist die Vorinstanz zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. b AsylG auf d as Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten. 6. 6.1 Lehnt das BFM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen, weshalb die Vorinstanz gestützt auf Art. 44 Abs. 1 AsylG zu Recht die Wegweisung angeordnet hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Vorab ist festzuhalten, dass im vorliegenden Verfahren ein Vollzug der Wegweisung nach Indien in Frage steht, das als sicherer Drittstaat f ür die Beschwerdeführerin gelten darf. Ein Wegweisungsvollzug nach China, in den Heimatstaat der Beschwerdeführerin ist demgegenü ber ausg e- schlossen. Von diesen Umständen geht gemäss der Verfügungsbegrü n- dung auch das BFM in seiner angefochtenen Verfügung aus; indessen ist im Verfügungsdi spositiv ein entsprechender Hinweis unterblieben. Um jegliche Missverständnisse auszuschliessen, ist daher im vorliegenden Urteilsdispositiv die entsprechende Klarstellung ausdrücklich aufzune h- men. 7.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumut bar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich der Ge l- tendmachung von Wegweisungshindernissen g ilt gemäss ständiger Pr a- xis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vorgängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist und a n- dernfalls wenigstens g laubhaft zu machen (vgl . BVGE 2011/24 E. 10.2 S. 502; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.148; BVGE 2011/24 E. 10.2). E-3871/2012 Seite 17 7.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den betreffenden Staat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf kei- ne Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen we r- den, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausre i- se in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 ü ber die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u nmenschliche oder erniedr i- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrec h- te und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.4 Dass der Beschwerdeführerin in Indien ein effektiver Refoulemen t- schutz zur Verfügung steht und nicht befürchtet werden muss, sie könnte von Indien nach China rückgeschoben werden, ist bereits im Rahmen der Prüfung der Nichteintretensvoraussetzungen gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. b AsylG geprüft und bejaht worden (vgl. oben, E. 5.5.3). Es gehen aus den Akten auch keinerlei Hinweise hervor, dass der Beschwerdefü h- rerin in Indien Folter oder unmenschliche Behandlung drohen könnte. Der Wegweisungsvollzug nach Indien erweist sich mithin als zulässig. 7.5 Der Wegweisungsvollzug nach Indien kann sodann auch als zumu t- bar gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG gelten , nachdem keinerlei Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Beschwerdefüh rerin dort im Sinne dieser B e- stimmung konkret gefährdet sein könnte. Namentlich herrscht in Indien keine Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Gewalt; ebenso finden sich in den Akten keine Hinweise auf eine allfällige medizinische Notlage der Beschwerdeführerin. Diesbezüglich kann auf die vollumfän g- lich zu bestätigenden Erwägungen in der vorinstanzlichen Verfügung verwiesen werden (vgl. E. III Ziff. 2). Im Übrigen ist dem Antrag auf Erte i- lung eines Schengen-Visums zu entnehmen, dass die Beschwe rdeführe- rin [Beruf] ist (vgl. A17/8), weshalb ihr zuzumuten ist, sich in ihrem He r- kunftsland um eine Arbeitsstelle in diesem Bereich zu bemühen. Ferner ist den Akten zu entnehmen, dass sie bis zu ihrer Ausreise mit ihrem Ehemann in Indien gelebt hat, wesha lb anzunehmen ist, dass die in I n-E-3871/2012 Seite 18 dien geborene Beschwerdeführerin dort über ein soziales Beziehung s- netz verfügt und nach ihrer Rückkehr nicht in eine existenzbedrohende Situation geraten wird. Somit sind auch keine individuellen Gründe e r- sichtlich, welche den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen liessen. 7.6 Wie bereits dargelegt, gehört schliesslich auch die Frage der Mö g- lichkeit des Wegweisungsvollzugs in den Drittstaat bereits zur Tatb e- standsvoraussetzung, um den entsprechenden Drittstaaten -Nichtein- tretenstatbestand zur Anwendung zu bringen, und es darf vorliegend d a- von ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführerin die legale Rück- kehr nach Indien möglich ist (vgl. oben, E. 5.4). 7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug nac h Indien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 4 AuG). 8. Der Beschwerdeführerin ist es nach dem Gesagten nicht gelungen darzu- tun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten (Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) de r Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG ). Nachdem das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltl i- chen Prozessführung mit Verfügung vom 27. Juli 2012 auf einen späteren Zeitpunkt verwies, ist im Urteilszeitpunkt darüber zu befinden. Die Beschwerdebegehren sind im Zeitpunkt ihrer Einreichung als nicht aussichtslos zu qualifizieren. Aufgrund der Aktenlage muss die Be- schwerdeführerin als bedürftig betrachtet werden, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gutzuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten ist. (Dispositiv nächste Seite) E-3871/2012 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2. Der Wegweisungsvollzug hat nach Indien zu erfolgen. Ein Wegweisung s- vollzug nach China wird ausgeschlossen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand: