<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 68 S.258</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">258</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>68</b></span> <span class="ft1"><b>Baubewilligung und Richtplan.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>-</b></span> <span class="ft1"><b>Keine Bindung an den kantonalen Richtplan oder einen kommunalen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Verkehrsrichtplan bei der Beurteilung von Baugesuchen (Erw. 2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 21. August 2002 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen M. gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. Die Beschwerdegegnerin beabsichtigt, auf der Parzelle</span><br/> <span class="ft4">Nr. 3399 ein zweigeschossiges, mit Satteldach versehenes Einfamili-</span><br/> <span class="ft4">enhaus zu erstellen. Grundeigentümer sind die Eheleute M. Die</span><br/> <span class="ft4">Grundfläche des Hauptgebäudes beträgt 11.24 m x 8.48 m, die</span><br/> <span class="ft4">Firsthöhe 7.42 m und die anrechenbare Bruttogeschossfläche 191 m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span><span class="ft4">.</span><br/> <span class="ft4">2. a) Die Beschwerdeführer machen vorab - wie schon vor dem</span><br/> <span class="ft4">Baudepartement - geltend, der kantonale Richtplan sehe im Bereich</span><br/> <span class="ft4">des Niveauübergangs Kantonsstrasse K 275 / SBB-Linie eine Unter-</span><br/> <span class="ft4">führung vor. Die Realisierung dieser Absicht werde es nach sich</span><br/> <span class="ft4">ziehen, dass die Zelglistrasse umgelegt werden müsse. Die einzig</span><br/> <span class="ft4">vernünftige Umlegung könnte dabei nur entlang der Zonengrenze</span><br/> <span class="ft4">westlich der Parzelle Nr. 33 der Beschwerdeführer erfolgen, was aber</span><br/> <span class="ft4">voraussetze, dass die Parzelle Nr. 3399 von Bauten freibleibe. Werde</span><br/> <span class="ft4">dieses Grundstück dagegen überbaut, hätte dies zwangsläufig zur</span><br/> <span class="ft4">Folge, dass die Umlegung der Zelglistrasse mitten durch das</span><br/> <span class="ft4">Landwirtschaftsland der Beschwerdeführer erfolgen müsste, und dies</span><br/> <span class="ft4">akzeptierten sie nicht. Nachdem in Bezug auf die Sanierung des</span><br/> <span class="ft4">Niveauübergangs planerischer Handlungsbedarf bestehe, sei auch die</span><br/> <span class="ft4">Zelglistrasse in die Planung einzubeziehen. Zur Zeit seien die</span><br/> <span class="ft4">Gebiete "Zelgli", "Geeren" und "Buechrai" planerisch und rechtlich</span><br/> <span class="ft4">nicht erschlossen. Bevor weitere Baubewilligungen erteilt würden,</span><br/> <span class="ft4">müsse das Sondernutzungsplanungsverfahren "Zelgli" durchgeführt</span><br/> <span class="ft4">werden.</span><br/> <span class="ft4">Das Baudepartement führt zu dieser Argumentation an, die Ni-</span><br/> <span class="ft4">veauübergangssanierung der Kantonsstrasse K 275 in Würenlos sei</span><br/> <span class="ft4">im behördenverbindlichen kantonalen Richtplan als "Vororientie-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">259</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">rung" aufgenommen. "Vororientierungen" zeigten, welche raumwirk-</span><br/> <span class="ft4">samen Tätigkeiten sich noch nicht in dem für die Abstimmung erfor-</span><br/> <span class="ft4">derlichen Mass umschreiben liessen, aber erhebliche Auswirkungen</span><br/> <span class="ft4">auf die Nutzung des Bodens haben könnten; sie bezweckten einzig</span><br/> <span class="ft4">die Information des Grossen Rats. Es sei also nicht ausdrücklich</span><br/> <span class="ft4">festgelegt, dass die Sanierung am bestehenden Standort zu erfolgen</span><br/> <span class="ft4">habe. Im Übrigen blieben bei einer Realisierung der Bauvorhaben die</span><br/> <span class="ft4">Variante "Westumfahrung" und auch eine Spange in die Florastrasse</span><br/> <span class="ft4">- wenn auch anerkanntermassen mit Nachteilen für die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führer - grundsätzlich möglich. Derzeit bestehe keine Pflicht, ein</span><br/> <span class="ft4">Sondernutzungsplanungsverfahren durchzuführen. Auch die Voraus-</span><br/> <span class="ft4">setzungen für eine Planungszone oder eine Bausperre seien nicht</span><br/> <span class="ft4">gegeben. Schliesslich schreibe auch der kommunale Verkehrsricht-</span><br/> <span class="ft4">plan keine Unterführung vor und verpflichte den Gemeinderat in kei-</span><br/> <span class="ft4">ner Weise, im Baubewilligungsverfahren eine mögliche Unterfüh-</span><br/> <span class="ft4">rung der Kantonsstrasse zu berücksichtigen. Der Gemeinderat seiner-</span><br/> <span class="ft4">seits weist darauf hin, dass es sich bei den durch die Zelglistrasse</span><br/> <span class="ft4">erschlossenen Quartieren des südlichen "Zelgli" und der "Geeren"</span><br/> <span class="ft4">um fast vollständig überbaute Gebiete handle, weshalb keine Son-</span><br/> <span class="ft4">dernutzungsplanungspflicht bestehe. Das Gebiet "Buechrai" sei kein</span><br/> <span class="ft4">Baugebiet im Sinne der Raumplanungsgesetzgebung. Was die Ni-</span><br/> <span class="ft4">veauübergangssanierung anbelange, stelle sich die Gemeinde dage-</span><br/> <span class="ft4">gen und favorisiere die in die kommunale Verkehrsrichtplanung auf-</span><br/> <span class="ft4">genommene Variante Westumfahrung. Wenn die erwähnte Sanierung</span><br/> <span class="ft4">dereinst realisiert werden sollte, wären verschiedene neue Erschlies-</span><br/> <span class="ft4">sungsvarianten denkbar, sei es durch den Ausbau des Narzissenwegs,</span><br/> <span class="ft4">sei es über eine neu zu erstellende Spange zwischen Flora- und Zel-</span><br/> <span class="ft4">glistrasse (über die Parzelle Nr. 3399) oder sei es aus Richtung Süden</span><br/> <span class="ft4">via Bahnübergang zur Kreuzung Zelglistrasse / Haselstrasse. Die</span><br/> <span class="ft4">bestehende Richtplanung sei jedenfalls zu unbestimmt, als dass die</span><br/> <span class="ft4">umstrittenen Bauvorhaben mit einer Planungssicherungsmassnahme</span><br/> <span class="ft4">belegt werden dürften; ohnehin könnten solche nur mit Rücksicht auf</span><br/> <span class="ft4">die Vorbereitung oder Revision von Nutzungsplänen verfügt werden.</span><br/> <span class="ft4">b) Die Verweigerung einer Baubewilligung kommt einem Bau-</span><br/> <span class="ft4">verbot gleich, und ein solches wiederum stellt eine öffentlich-rechtli-</span><br/> <span class="ft4">che Eigentumsbeschränkung dar. Dafür ist in erster Linie eine ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">260</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">setzliche Grundlage erforderlich (Art. 36 Abs. 1 BV; BGE</span><br/> <span class="ft4">125 II 141; siehe auch AGVE 2000, S. 247).</span><br/> <span class="ft4">Richtig ist, dass sich in der vom Grossen Rat am 17. Dezember</span><br/> <span class="ft4">1996 beschlossenen kantonalen Richtplanung dort, wo sich die</span><br/> <span class="ft4">Kantonsstrasse K 275 und die SBB-Linie Wettingen-Regensdorf</span><br/> <span class="ft4">kreuzen, im Sinne einer "Vororientierung" die Signatur einer Ni-</span><br/> <span class="ft4">veauübergangssanierung findet (Richtplan-Gesamtkarte 1:50'000;</span><br/> <span class="ft4">Richtplantext, S. 57 Ziff. 5.1 Nr. 70). Eine gesetzliche Grundlage für</span><br/> <span class="ft4">Eigentumsbeschränkungen stellt nun aber der Richtplan darum nicht</span><br/> <span class="ft4">dar, weil er ausschliesslich behörden- und nicht auch grundeigentü-</span><br/> <span class="ft4">merverbindlich ist. Die Baubewilligungsbehörden sind deshalb bei</span><br/> <span class="ft4">der Beurteilung von Baugesuchen nicht an ihn gebunden (Art. 9</span><br/> <span class="ft4">Abs. 1 RPG; Richtplantext, S. 9 f. Ziff. 3.1.1 und 3.1.3). Bei dieser</span><br/> <span class="ft4">rechtlichen Ausgangslage ist gar nicht mehr wesentlich, was für ein</span><br/> <span class="ft4">Stellenwert der Abstimmungskategorie der "Vororientierung" zu-</span><br/> <span class="ft4">kommt. Dieselben beschränkten Wirkungen wie der kantonale Richt-</span><br/> <span class="ft4">plan entfaltet sodann der - von der Gemeindeversammlung am</span><br/> <span class="ft4">1. Dezember 1995 zustimmend zur Kenntnis genommene - Verkehrs-</span><br/> <span class="ft4">richtplan der Gemeinde Würenlos. Dieser zeigt im Übrigen auf, dass</span><br/> <span class="ft4">auf Gemeindestufe eine andere Projektidee zur Entflechtung zwi-</span><br/> <span class="ft4">schen Schiene und Strasse besteht, nämlich eine Westumfahrung mit</span><br/> <span class="ft4">SBB-Überführung; in der Zwischenzeit ist man auch auf Stufe Kan-</span><br/> <span class="ft4">ton zur Ansicht gelangt, dass diese Variante wegen des besseren</span><br/> <span class="ft4">Kosten- und Nutzenverhältnisses zu favorisieren ist. Schliesslich</span><br/> <span class="ft4">fehlen auch die Grundlagen für eine Plansicherungsmassnahme, d.h.</span><br/> <span class="ft4">eine Planungszone (§ 29 BauG) oder eine Bausperre (§ 30 BauG);</span><br/> <span class="ft4">diese setzen nämlich die Vorbereitung des Erlasses oder der Ände-</span><br/> <span class="ft4">rung von Nutzungsplänen und -vorschriften voraus, und dies ist im</span><br/> <span class="ft4">vorliegenden Fall nicht beabsichtigt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>