B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-5843/2017 U r t e i l v o m 1 7 . A p r i l 2 0 1 8 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richter Philippe Weissenberger, Richter Yannick Antoniazza-Hafner, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien X._______, vertreten durch Rechtsanwalt Marc Spescha, substituiert durch MLaw Lisa Rudin, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Einreiseverbot (Wiedererwägung). F-5843/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der kosovarische Staatsangehörige X._______ (geb. 1982, nachfolgend: Beschwerdeführer) kam im Jahr 1998 in die Schweiz, wo er erfolglos um Asyl ersuchte. Im Jahre 2008 reiste er erneut in die Schweiz ein. Mit Urteil des "Tribunal de Police " des Kantons Genf vom 21. Juli 2008 wurde er alsdann wegen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Hinde- rung einer Amtshandlung und rechtswidrigen Aufenthalts zu einer Frei- heitsstrafe von 30 Monaten (davon 18 Monate bedingt ausgesprochen), bei einer Probezeit von 5 Jahren, verurteilt (Akten der Vorinstanz [SEM act.] 1/13ff.). B. Gestützt auf diesen Sachverhalt erliess die Vorinstanz mit Verfügung vom 14. November 2008 gegen den Beschwerdeführer ein Einre iseverbot auf unbestimmte Dauer. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechts- kraft (SEM act. 1/1 -2). Nach Verbüssung der unbedingten Freiheitsstrafe wurde der Beschwerdeführer am 26. März 2 009 in den Kosovo ausge- schafft (vgl. Polizeirapport vom 26. März 2009 [undatierte Akten des Mig- rationsamts des Kantons Genf]). C. Nachdem der Beschwerdeführer am 24. November 2013 im Kosovo eine in der Schweiz niederlassungsberechtigte serbische Staatsangehörige ge- heiratet hatte, stellte die Ehefrau des Beschwerdeführers am 24. April 2014 beim Migrationsamt des Kantons Solothurn ein Familiennachzugsgesuch. Dieses wies die kantonale Behörde mit Verfügung vom 11. September 2014 ab. Der abweisende Entscheid wurde vom Verwaltungsgericht des Kantons Solothurn mit Urteil vom 22. Dezember 2014 bestätigt (SEM act. 1/24-32). D. Am 10. Oktober 2014 wurde der gemeinsame Sohn des Ehepaares gebo- ren. Die Ehefrau wie auch der Sohn verfügen mittlerweile über die Schwei- zerische Staatsangehörigkeit (vgl. Ausdrucke Zentrales Migrationssystem ZEMIS in den Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer act.] 14). E. Am 28. Juli 2017 liess der Beschwerdeführer beim SEM um Aufhebung des Einreiseverbots ersuchen. Die Vorinstanz hiess das Gesuch in der Folge F-5843/2017 Seite 3 mit Schreiben vom 15. August 2017 teilweise gut, indem sie die Fernhalte- massnahme – mit Verweis auf die bundesverwaltungsgerichtliche Recht- sprechung – auf 10 Jahre, bis zum 13. November 2018, befristete (BVGer act. 4 und 5); dies jedoch ohne förmlich zu verfügen. F. Mit Schreiben vom 24. August 2017 ersuchte der Beschwerdeführer beim SEM erneut um sofortige Aufhebung des Einreiseverbots. Zusammenfas- send machte er geltend, im Schreiben der Vorinstanz werde Art. 67 AuG (SR 142.20) nicht einmal erwähnt, geschweige denn werde erläutert, in- wiefern von ihm heutzutage noch eine Gefahr ausgehen soll e. Auch sei keine Verhältnismässigkeitsprüfung und entsprechende Interessenabwä- gung vorgenommen worden. Eine gründliche Auseinandersetzung mit die- sen Elementen sei jedoch gemäss BVGer unabdingbar (SEM act. 6). G. In seiner Verfügung vom 12. September 2017 hielt das SEM zusammen- fassend fest, es habe das Einreiseverbot von einer unbestimmten auf die Dauer von 10 Jahren abgeändert. Die geltend gemachten Gründe ver- möchten die Aufhebung der Fernhaltemassnahme zu einem früheren Zeit- punkt nicht zu rechtfertigen (SEM act. 7). H. Mit Rechtsmitteleingabe vom 13. Oktober 2017 an das Bundesverwal- tungsgericht beantragt der Beschwerdeführer, es sei die angefochtene Ver- fügung aufzuheben und das vom 14. November 2008 bis 13. November 2018 verfügte Einreiseverbot per sofort aufzuheben (BVGer act. 1). I. Mit Zwischenverfügung vom 1. November 2017 hielt das Bundesverwal- tungsgericht unter anderem fest, das Verfahren werde in deutscher Spra- che geführt (BVGer act. 4). J. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Dezember 2017 beantragt die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 7). K. Mit Replik vom 20. Dezember 2017 hält der Beschwerdeführer an seiner Beschwerde und deren Begründung fest (BVGer act. 9). F-5843/2017 Seite 4 L. Mit Schreiben vom 23. März 2018 reichte die Rechtsvertreterin eine Kos- tennote zu den Akten (BVGer act. 16). M. Auf den weiteren Akteninhalt wird – einschliesslich der beigezogenen Ak- ten des Migrationsamts des Kantons Genf –, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Entscheide des SEM betreffend Gesuche um wiedererwägungsweise Aufhebung von Einreiseverboten sind mit Beschwerde beim Bundesver- waltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le- gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 1.3 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange- legenheit endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Die Vorinstanz ist auf das Gesuch des Besc hwerdeführers um wiederer- wägungsweise Aufhebung des Einreiseverbots eingetreten, hat dieses ma- teriell geprüft und einen neuen Sachentscheid getroffen. Das Bundesver- waltungsgericht kann daher mit voller Kognition (vgl. Art. 49 VwVG) prüfen, ob sich das Einr eiseverbot heute noch als bundesrechtskonform erweist. Die Frage, ob die ursprüngliche Verfügung zu Recht erlassen wurde, kann demgegenüber grundsätzlich nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden (vgl. BVGE 2008/24 E. 2.2 m.H.). 3. 3.1 Das SEM ka nn Einreiseverbote ge gen ausländische Personen erlas- sen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen haben F-5843/2017 Seite 5 oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG). Die Regelhöchstdauer des Einreiseverbots von fünf Jahren kann überschritten werden, wenn der Betroffene eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Die Behörde kann aus wichtigen Gründen von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder ein Ein- reiseverbot vollständig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AuG). Mit dieser Bestimmung existiert eine spezialgesetzliche Grundlage für die Wiedererwägung eines Einreiseverbots (vgl. auch Urteil des BGer 2C_487/2012 vom 2. April 2013 E. 4.2). 3.2 Einreiseverbote wurden gemäss alter Praxis auf unbestimmte Zeit er- lassen, wenn zum Zeitpunkt des Erlasses keine zuverlässige Prognose ab- gegeben werden konnte, wie lange ein relevantes Risiko für die öffentliche Sicherheit und Ordnung anzunehmen war. Die fehlende Befristung bedeu- tete keine Lebenslänglichkeit. Verhielt sich die betroffene Person während langer Zeit klaglos, so war dies ein Argument, das für den nachträglichen Wegfall des öffentlichen Sicherheitsbedürfnisses und damit für eine nach- träglich wesentlich veränderte Sachlage sprechen konnte. Dabei wurde auf die gesamten Umstände des Einzelfalles abgestellt (vgl. BVGE 2013/4 E. 7.3; BVGE 2008/24 E. 6.2). Gemäss neuer Praxis sind Einreiseverbote zwingend auf eine bestimmte Zeitdauer zu befristen (vgl. BVGE 2014/20 E. 6 ff.). Dem hat die Vorinstanz Rechnung getragen, indem sie das Wie- dererwägungsgesuch des Beschwerdeführers teilweise guthiess und die verhängte Fernhaltemassnahme auf insgesamt 10 Jahre befristete (vgl. SEM act. 7). 4. Mit Urteil des "Tribunal de Police " des Kantons Genf vom 21. Juli 2008 wurde der Beschwerdeführer wegen Verbrechen gegen das Betäubun gs- mittelgesetz, Hinderung einer Amtshandlung und rechtswidrigen Aufent- halts zu einer Freiheitsstrafe von 30 M onaten (davon 18 Monate bedingt vollziehbar) verurteilt, woraufhin das SEM gegen ihn am 14. November 2008 ein Einreiseverbot von unbestimmter Dauer verhängt hat. Das abge- urteilte Verhalten des Beschwerdeführers stellt zweifellos ein en Fernhal- tegrund dar, hat er doch damit die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG verletzt. Dies wird im Übrigen vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten. F-5843/2017 Seite 6 5. 5.1 Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, dass nach wie vor ein über- wiegendes öffentliches Interesse daran besteht, den Beschwerdeführer länger als fünf Jahre von der Schweiz fernzuhalten (vgl. angefochtene Ver- fügung vom 12. September 2017). Nachfolgend gilt es somit zu prüfen, ob vom Beschwerdeführer eine noch anhaltende schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG ausgeht (vgl. E. 3.1). 5.2 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann sich die schwerwiegende Gefahr dabei aus der Hochwertigkeit der deliktisch be- drohten Rechtsgüter (insb. Leib und Leben, körperliche und sexuelle Integ- rität und Gesundheit), aus der Zugehörigkeit der Tat zur Schwerkriminalität mit grenzüberschreitendem Charakter (z.B. Terrorismus, Menschenhandel, Drogenhandel oder organisierte Kriminalität), aus der mehrfachen Bege- hung – unter Berücksichtigung einer allfälligen Zunahme der Schwere der Delikte – oder aus der Tatsache, dass keine gün stige Prognose gestellt werden kann, ergeben. Die zu befürchtenden Delikte müssen einzeln oder in ihrer Summe das Potenzial haben, eine aktuelle und schwerwiegende Gefahr zu begründen (vgl. BVGE 2014/20 E. 5.2 m.H.; BGE 139 II 121 E. 6.3 m.H.). Die Verneinung des Vorliegens einer schwerwiegenden Ge- fährdung ist erst nach einer längerfristigen Bewährung der straffällig ge- wordenen Person möglich. Für die Berechnung der Dauer des klaglosen Verhaltens ist nicht auf den Begehungs- oder Urteilszeitpunkt abzustellen; entscheidrelevant erscheint vielmehr, wie lange sich die betroffene Person nach ihrer Entlassung aus der Haft in Freiheit bewährt hat (vgl. BVGE 2014/20 E. 5.4 m.H.; vgl. Urteil des BVGer F-7607/2015 vom 25. Juli 2016 E. 6.7). Im Weiteren ist zu beachten, dass Strafrecht und Ausländ errecht unterschiedliche Ziele verfolgen. Während der Strafvollzug auch der Reso- zialisierung dient, steht für die Migrationsbehörden das Interesse der öf- fentlichen Ordnung und Sicherheit im Vordergrund. Daraus ergibt sich im Ausländerrecht ein im Vergleich mit den Straf- und Strafvollzugsbehörden strengerer Beurteilungsmassstab (vgl. BGE 137 II 233 E. 5.2.2 m.H.). 5.3 Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des "Tribunal de Police" des Kantons Genf vom 21. Juli 2008 (unter anderem, vgl. E. 4) wegen Verbre- chen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt, da er am 27. März 2008 im Besitz von 1980.81 Gramm Heroin bei einem Reinheitsgrad von 11% gewesen sei. Angesichts dieser Menge und des Reinheitsgrads des mitge-F-5843/2017 Seite 7 führten Heroins qualifizierte das Strafgericht das Verschulden des Be- schwerdeführers als schwer. Er habe, so ist dem Entscheid zu entnehmen, aus rein egoistischen Motiven gehandel t, um leicht an Geld zu gelangen (SEM act. 1/16). Drogendelikte aus rein finanziellen Motiven sind nach bun- desgerichtlicher Rech tsprechung als schwere Straftaten einzuschätzen (vgl. BGE 139 I 145 E. 2.5 m.H.), die eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellen können. Aus ausländerrecht- licher Sicht muss bei Drogendelikten zum Schutze der Öffentlichkeit selbst ein geringes Restrisiko weiterer Beeinträchtigungen der dadurch gefährde- ten Rechtsgüter (Gesundheit, Leib und Leben etc.) nicht in Kauf genom- men werden (vgl. BGE 139 I 145 E. 2.5). Zwar ist dem Beschwerdeführer zu Gute zu halten, dass er seit seiner Entlassung aus dem Strafvollzug und seiner Ausreise aus der Schweiz am 26. März 2009 nicht mehr straffällig geworden sei n soll (vgl. kosovarischer Strafregisterauszug vom 25. Juli 2017 [Beschwerdebeilage 4]). Geltend gemacht wird überdies, dass er sich im Kosovo beruflich integriert habe sowie einer regelmässigen Arbeit als Maurer nachgehe (Beschwerde Ziff. 15). Aufgrund des Verhaltens des Be- schwerdeführers und der zugrunde liegenden (egoistischen) Beweggründe muss jedoch über eine sehr lange Zeit von einem bestehenden Risiko aus- gegangen werden, dass er auch in Zukunft gleich vorgehen könnte. Immer- hin hat der Beschwerdeführer mit der Tatbegehung im Jahr 2008 deutlich gezeigt, dass er aus rein finanziellen Motiven zu schwerer Delinquenz fähig ist. Vor diesem Hintergrund konnte gegenüber dem Beschwerdeführer ge- stützt auf Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG ein über fünf Jahre dauerndes Einreiseverbot erlassen werden (vgl. BVGE 2013/4 E. 5.2 und E. 7.2; BGE 139 I 31 E. 2.3.2). Die Vorinstanz ist demzufolge zu Recht davon ausge- gangen, vorliegend rechtfertige sich eine lange andauernde Fernhalte- massnahme. 6. 6.1 Weiter bleibt zu prüfen, ob das auf zehn Jahre befristete Einreiseverbot in rechtskonformer Anwendung des Ermessens ergangen und angemes- sen ist. Dabei steht der Grundsatz der Verhäl tnismässigkeit im Vorder- grund. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine wertende Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Massnahme einerseits und den von der Massnahme beeinträchtigten privaten Interessen des Betroffenen anderer- seits vorzunehmen. Die Stellung der verletzten oder gefährdeten Rechts- güter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die per- sönlichen Verhältnisse des Verfügungsbelasteten bilden dabei den Aus- gangspunkt der Überlegungen (vgl. statt vieler BVGE 2014/20 E. 8.1 m.H.). F-5843/2017 Seite 8 6.2 Das Einreiseverbot soll in seiner spezialpräventiven Wirkung weitere Straftaten des Beschwerdeführers in der Schweiz – und im Schengen - Raum – verhindern und ihn dazu anhalten, bei einer allfälligen künftigen Wiedereinreise keine weiteren Verstösse gege n die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu begehen. In generalpräventiver Hinsicht soll die öffentli- che Sicherheit und Ordnung durch eine konsequente Massnahmenpraxis geschützt werden (vgl. BVGE 2014/20 E. 8.2 m.H.). Angesicht des schwer- wiegenden deliktischen Verhaltens des Beschwerdeführers ist nach wie vor von einem öffentlichen Fernhalteinteresse auszugehen. 6.3 Der Beschwerdeführer setzt dem entgegen, dass seine Ehefrau in der Schweiz geboren und aufgewachsen sei. Sie und der gemeinsame Sohn hätten mittlerweile die schweizerische Staatsangehörigkeit. Er habe eine sehr enge Beziehung zu seinem kleinen Sohn. Wann immer möglich, reise seine Ehefrau in den Kosovo, um ihn zu besuchen. Folglich sei ihr Inte- resse sehr gross, dass sich der Beschwerdeführer im Rah men bewilli- gungsfreier Aufenthalte ungehindert in der Schweiz aufhalten könne. Ins- besondere das Kindeswohl müsse in der Interessenabwägung besonders gewichtet werden. Der Fortbestand des Einreiseverbots über mehr als neun Jahre erweise sich folglich als offensichtlich unverhältnismässig (vgl. Beschwerde Ziff. 16). 6.4 Das Gesuch der Ehefrau des Beschwerdeführers um Familiennach- zug wurde von der kantonalen Migrationsbehörde mit Verfügung vom 11. September 2014 abgewiesen. D ieser Entscheid wurde vom Verwal- tungsgericht des Kantons Solothurn mit Urteil vom 22. Dezember 2014 be- stätigt (vgl. SEM act. 1/24 -32). Die privaten Interessen des Beschwerde- führers werden daher in erster Linie durch sein fehlendes Aufenthaltsrecht beschnitten (vgl. statt vieler: Urteil des BGer 2C_898/2014 vom 6. März 2015 E. 4.2.8 m.H.). Der Eheschluss erfolgte überdies nach der Verurtei- lung des Beschwerdeführers, weshalb das Ehepaar ohnehin nic ht damit rechnen konnte, dass es die Beziehung in der Schweiz werde leben kön- nen (vgl. dazu BGE 139 I 145 E. 2.4). Auch nach der Geburt seines Sohnes am 10. Oktober 2014 musste de m Beschwerdeführer bewusst gewesen sein, dass die Führung eines normalen Fami lienlebens aufgrund seines delinquenten Verhaltens in der Schweiz vorderhand nicht möglich sein werde. Dem Kindeswohl kann denn auch durch Ferienbesuche im Kosovo sowie allfälligen Besuchen des Beschwerdeführers in der Schweiz mittels Suspensionsgesuchen Rechnung getragen werden (Art. 67 Abs. 5 AuG) . Diese werden hingegen praxisgemäss nur bei wichtigen Gründen und nur F-5843/2017 Seite 9 für einen klar begrenzten Zeitraum gewährt. Zudem steht es dem Be- schwerdeführer offen, den Kontakt zu seinen Familienangehörigen in der Schweiz mit diversen Kommunikationsmittel n (Briefverkehr, Skype, Tele- fonate usw.) zu pflegen (BVGE 2013/4 E. 7.4.3). Trotz dieser Ausführun- gen verkennt das Bundesverwaltungsgericht nicht, dass das Einreisever- bot das Familienleben zusätzlich erschwert (vgl. dazu auch Urteil des BVGer F-1726/2015 vom 7. Dezember 2016 E. 8.3 in fine). 6.5 Eine wertende Gewichtung der sich gegenüberstehenden öffentlichen und privaten Interessen führt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergeb- nis, dass das gegen den Beschwerdeführer verhängte Einreiseverbot dem Grundsatz nach zwar zu bestätigen ist. Die von der Vorinstanz wiederer - wägungsweise auf 10 Jahre begrenzte Dauer der Massnahme erscheint aber in Anbetracht der familiären Beziehungen des Beschwerdeführers als unverhältnismässig. In diesem Zusammenhang kann auch nicht unbeach- tet bleiben, dass es sich beim Beschwerdeführer nicht um einen Wieder- holungstäter handelt, blieb es doch bei der einmaligen Verurteilung im Jahr 2008. Daher ist anzunehmen, dass er sich seiner Verantwortung als Fami- lienvater und Ehemann bewusst ist. Das Bundesverwaltungsgericht erach- tet es somit als angezeigt, das Einreiseverbot auf den Zeitpunkt des vorlie- genden Urteils zu befristen. Gleiches gilt auch für die Ausschreibung des Beschwerdeführers im SIS zur Einre iseverweigerung (vgl. zur SIS -Aus- schreibung ausführlich Urteil des BVGer F-3001/2015 vom 13. Dezember 2017 E. 6.2 – 6.3). Damit wird den auf dem Spiel stehenden öffentlichen und privaten Interessen hinreichend Rechnung getragen. 6.6 Bei diesem Verfahrensausgang ist auf die weiteren materiellen Vor- bringen wie auch auf die formellen Rügen des Beschwerdeführers nicht mehr einzugehen. 6.7 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher teilweise gutzuheissen und das Einreiseverbot auf den Zeitpunkt des vorliegenden Urteils zu befristen. Demzufolge ist auch die Ausschreibung im SIS auf die- sen Zeitpunkt hin zu löschen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die reduzierten Verfahrens- kosten von Fr. 800.- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und der Restbe- trag des geleisteten Kostenvorschusses ist ihm zurückzuerstatten (vgl. F-5843/2017 Seite 10 Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 7.2 Im Umfang seines Obsiegens ist dem Beschwerdeführer zudem eine gekürzte Parteientschädigung zu Lasten der Vorinstanz zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. VGKE). Die Parteivertreterin stellte in der am 23. März 2018 eingereichten Honorarnote eine Entschädigung von Fr. 2‘061.60 in Rechnung ( inkl. Auslagen und MWST). Weil der Wohnsitz des Beschwerdeführers als Empfänger der anwaltlichen Dienstleistung im Ausland liegt, ist keine Mehrwertsteuer bzw. kein Zuschlag für die Mehr- wertsteuer zu entrichten (Art. 1 Abs. 2 i.V.m. Art. 8 Abs. 1 und Art. 18 Abs. 1 MWSTG [SR 641.20] sowie Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE). In Würdigung aller Bemessungsfaktoren ist die Parteientschädigung deshal b auf Fr. 640.- festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) F-5843/2017 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und die Dauer des Einreise- verbots wird auf das Datum des vorliegenden Urteils begrenzt. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.- werden dem Beschwerde- führer auferlegt. Sie werden dem bereits geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 1'200.- entnommen. Der Restbetrag von Fr. 400.- wird zurückerstattet. 3. Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 640.- auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage : Formular „Zahl - adresse“) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] retour) – das Migrationsamt des Kantons Genf Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer Versand: