Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 19. Juni 2019 (810 17 292 - 296) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Mutation Zonenreglement Siedlung / Mass der baulichen Nutzung / Gemeindeautonomie Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer, Daniel Häring, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte 1. Einwohnergemeinde Gelterkinden , Beschwerde führerin, vertreten durch Roman Zeller, Advokat 2. A.____ und B.____ , Beschwerdeführer 3. C.____ , Beschwerdeführerin 4. D.____, Beschwerdeführer, vertreten durch A.____, Rechtsanwalt 5. E.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch D.____, Verwaltungsratspräsident, vertreten durch B.____, Rechtsanwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Mutation Zonenreglement Siedlung (RRB Nr. 1449 vom 24. Oktober 2017) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 5. Februar 2014 beschloss die Gemeindeversammlun g der Gemeinde Gelterkin- den im Rahmen einer Totalrevision der Ortsplanung unt er anderem einen neuen Zonenplan Siedlung (ZPS) und ein neues Zonenreglement Siedlung (ZRS). In der Folge unterbreitete die Gemeinde den Gemeindeversammlungsbeschluss dem Regierungsrat zur Genehmigung. B. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 1313 vom 25. Augu st 2015 genehmigte der Regierungsrat die von der Gemeindeversammlung Gelterki nden beschlossenen Zonenvor- schriften im Sinne der Erwägungen. Von der Genehmigun g nahm der Regierungsrat diverse Teile der Zonenvorschriften aus und wies diese – teil weise unter Auflagen – zur Überarbeitung an die Gemeinde zurück. Von der Genehmigung ausgenommen wurden unter anderem die Be- stimmungen zur Zentrumszone, in welcher die Gemeinde keine Überbauungsziffer definiert hat- te. Diesbezüglich wurde der Gemeinderat aufgefordert, für die Zentrumszone innert fünf Jahren eine Überbauungsziffer oder eine andere geeignete Ma ssnahme zur Sicherung der Wohnquali- tät durch die Gemeindeversammlung festlegen zu lassen. C. Während die Nichtgenehmigung und Rückweisung der Zon envorschriften betreffend Zentrumszone in der Folge nicht angefochten wurde, erho b die Einwohnergemeinde Gelterkin- den gegen die Nichtgenehmigung diverser anderer Zonen vorschriftsbestimmungen Beschwer- de beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verw altungsrecht (Kantonsgericht). Diese Beschwerde hiess das Kantonsgericht mit Urteil vom 19. Okt ober 2016 (Beschwerdeverfahren 810 15 257) teilweise gut. Eine von der Gemeinde da gegen erhobene Beschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil 1C_289/2017 vom 16. November 2018 ab. D. Am 20. September 2016 beschloss die Gemeindeversammlu ng Gelterkinden im Rah- men einer Mutation des Zonenreglements Siedlung unte r anderem Überbauungsziffern in der Zentrumszone von 45 % (Art. 2 ZRS) und 50 % (Art. 13 ZRS: Ausnahmeüberbauung nach ein- heitlichem Plan). E. Mit RRB Nr. 1449 vom 24. Oktober 2017 genehmigte der Regierungsrat die von der Gemeindeversammlung Gelterkinden beschlossene Mutation de r Zonenvorschriften im Sinne der Erwägungen. Die in Art. 2 ZRS festgelegte Überbauungsziffer von 45 % in der Zentrumszo- ne nahm der Regierungsrat von der Genehmigung aus. F. Gegen die Nichtgenehmigung der Überbauungsziffer von 45 % in der Zentrumszone erheben die Einwohnergemeinde Gelterkinden, vertrete n durch Roman Zeller, Advokat in Lies- tal (Beschwerdeführerin 1; Verfahren 810 17 292), A. ____ und B.____ (Beschwerdeführer 2; Verfahren 810 17 293), die C.____ (Beschwerdeführerin 3; Verfahren 810 17 294), D.____, ver- treten durch Advokat A.____ (Beschwerdeführer 4; Verfahren 810 17 295), und die E.____, ver- treten durch Advokat B.____ (Beschwerdeführerin 5; Ve rfahren 810 17 296) mit Eingaben vom 4. November 2017 bzw. 6. November 2017 Beschwerden beim Kantonsgericht. G. Alle Beschwerdeführer beantragen im Hauptbegehren sinngemäss übereinstimmend, es sei die vom Regierungsrat verfügte Ausnahme von der Gen ehmigung aufzuheben und die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht von der Gemeindeversammlung beschlossene Überbauungsziffer von 45 % in der Zentrumszo- ne zu genehmigen; unter o/e-Kostenfolge. H. Nachdem die Beschwerdeführer 2, 4 und 5 in den Ver fahren 810 17 293, 810 17 295 und 810 17 296 materiell übereinstimmende Beschwerdebegründungen eingereicht hatten, ver- einigte das Kantonsgericht mit Verfügung vom 2. Febr uar 2018 die Beschwerdeverfahren 810 17 293, 295 und 296. I. Mit Vernehmlassungen vom 4. April 2018 schliesst der Regierungsrat, vertreten durch die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD), auf Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge. J. Am 15. Mai 2018 vereinigte das Kantonsgericht die Be schwerdeverfahren 810 17 292 bis 810 17 296 und überwies den Fall zur Beurteilung i m Rahmen einer Urteilsberatung an die Kammer. Die Anträge auf Durchführung eines Augenscheins sowie einer Parteiverhandlung wurden abgewiesen. K. Mit Eingaben vom 25./26. Mai 2018 beantragten sä mtliche Beschwerdeführer die Durchführung eines Augenscheins und einer Parteiverhandl ung, eventualiter einen zweiten Schriftenwechsel. Mit Verfügung vom 29. Mai 2018 wurde ein zweiter Schriftenwechsel ange- ordnet. L. Am 27. Juni 2018 bzw. 30. Juli 2018 reichten die Be schwerdeführer ihre Repliken ein, in welchen sie im Wesentlichen an den zuvor vorgebrachten Argumenten festhielten. M. In der Duplik vom 28. September 2018 hielt die Besch werdegegnerin im Wesentlichen an ihren zuvor vorgebrachten Argumenten fest. N. Am 26. November 2018 reichte der Rechtsvertreter d er Beschwerdeführerin 1 seine Honorarnote ein. Innert erstreckter Frist reichten die B eschwerdeführer 2 und die Rechtsvertre- ter des Beschwerdeführers 4 und der Beschwerdeführerin 5 am 27. Dezember 2018 ihre Hono- rarnoten ein. O. Anlässlich der Urteilsberatung vom 20. März 2019 stel lte das Kantonsgericht das Ver- fahren zur Durchführung eines Augenscheins mit anschliessender Parteiverhandlung aus. P. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung mit voran gehendem Augenschein halten die Parteien vollumfänglich an ihren gestellten Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Nach § 16 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 wendet das Gericht d as Recht von Amtes wegen an. Es prüft insbesondere, ob die Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Einwohner- und Bürgergemeinden können Verfügung en und Entscheide letztinstanzli- cher Verwaltungsbehörden des Kantons wegen Verletzung der Gemeindeautonomie beim Kan- tonsgericht (Verfassungsgericht) anfechten (§ 41 Abs. 1 VPO). In Verbindung mit der Verlet- zung der Gemeindeautonomie können alle mit der verwalt ungsgerichtlichen Beschwerde zuläs- sigen Rügen (§ 45 VPO) vorgebracht werden (§ 41 Abs. 4 VPO). Nach der Praxis des Kantons- gerichts gilt die Nichtgenehmigung von Zonenvorschriften zudem als aufsichtsrechtliche Mass- nahme, welche von den Gemeinden gestützt auf § 43 Abs. 1 VPO in Verbindung mit § 47 Abs. 1 lit. c VPO mit der verwaltungsgerichtlichen Beschw erde beim Kantonsgericht angefoch- ten werden kann. Da die formellen Voraussetzungen sowo hl für die Erhebung der Autonomie- beschwerde als auch der verwaltungsgerichtlichen Beschw erde durch die Einwohnergemeinde erfüllt sind, kann offengelassen werden, ob die Beschwerde als Autonomiebeschwerde oder als verwaltungsgerichtliche Beschwerde entgegengenommen wir d (vgl. zur bisherigen Praxis, wonach die verwaltungsgerichtliche Beschwerde in diesem Bereich die Beschwerde wegen Verletzung der Gemeindeautonomie verdränge: Basellan dschaftliche Verwaltungsgerichtsent- scheide [BLVGE] 2002/2003, S. 139). Auf die Beschwerde der Beschwerdeführerin 1 ist einzu- treten. 1.3 Weiter ist zu prüfen, ob die privaten Beschwerdefüh rer (Beschwerdeführer 2 bis 5) zur Beschwerde gegen den Nichtgenehmigungsentscheid des Re gierungsrats legitimiert sind. Gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. a des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG) vom 22. Juni 1979 gewährleistet das kantonale Recht gegen Verfügung en und Nutzungspläne, die sich auf das RPG und seine kantonalen und eidgenössischen Ausführ ungsbestimmungen stützen, die Legitimation mindestens im gleichen Umfang wie für di e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (vgl. Art. 82 ff. des Bundesgesetzes übe r das Bundesgericht [BGG] vom 17. Juni 2005) an das Bundesgericht. Nach § 47 Abs. 1 l it. a VPO ist zur verwaltungsgerichtli- chen Beschwerde befugt, wer durch die angefochtene Ver fügung oder den angefochtenen Ent- scheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat. Dieses Interesse kann rechtlicher oder auch bloss tatsächli cher Natur sein. Es wird verlangt, dass die Beschwerdeführer durch den angefochtenen Entsch eid stärker als jedermann betrof- fen sind und in einer besonderen, beachtenswerten, na hen Beziehung zur Streitsache stehen (vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 7. September 2016 [810 16 32] E. 1.2; eingehend zur raumplanungsrechtlichen Beschwerdebe- fugnis: KGE VV vom 3. Juni 2015 [810 14 340] E. 4). Zur Anfechtung von regierungsrätlichen Entscheiden betreffend kommunale und kantonale Nutzun gspläne ist sodann grundsätzlich nur berechtigt, wer bereits am Einsprache- und Beschwerdeve rfahren vor dem Regierungsrat teil- genommen hat. Ausgenommen davon ist der Fall der Nicht genehmigung des Zonenplans oder eines Teils davon, ohne dass Einsprachen vorliegen (§ 4 7 Abs. 2 VPO). Die Beschwerdeführer 2 bis 5 sind allesamt Eigentümer von Parzellen in der u mstrittenen Zentrumszone. Die Revision der Zonenvorschriften ist in ihrem Interesse erfolgt, weshalb ihnen durch die Nichtgenehmigung der Zonenvorschriften ein Nachteil erwachsen ist. Sie sin d somit gemäss § 47 Abs. 2 Satz 2 VPO zur Beschwerde legitimiert. Da auch die weiteren fo rmellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerden der Beschwerdeführer 2 bis 5 einzutreten. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Das Kantonsgericht überprüft den angefochtenen Entsche id gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO im Rahmen der Beschwerdeanträge (§ 18 Abs. 1 VPO) auf Verletzungen der Ge- meindeautonomie, Rechtsverletzungen einschliesslich Übersc hreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachver- halts. Darüber hinaus hat das kantonale Recht die volle Überprüfung von Verfügungen und Nut- zungsplänen durch wenigstens eine Beschwerdebehörde zu ge währleisten (Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG). Volle Überprüfung bedeutet in diesem Zusammenha ng nicht nur die freie Prüfung des Sachverhalts und der sich stellenden Rechtsfragen, sondern auch eine Ermessenskontrolle. Die Beschwerdeinstanz hat dabei allerdings im Auge zu behal ten, dass sie Rechtsmittel- und nicht Planungsinstanz ist. Die Überprüfung ist sachlich vor all em dort zurückhaltend vorzunehmen, wo es um lokale Angelegenheiten geht. Sie hat hingege n so weit auszugreifen, dass die über- geordneten, vom Kanton zu sichernden Interessen einen an gemessenen Platz erhalten (vgl. BGE 127 II 238 E. 3 b/aa; H EINZ AEMISEGGER /S TEPHAN HAAG , Praxiskommentar zum Rechts- schutz in der Raumplanung, 2010, Art. 33 RPG N 8 und 7 1 ff.). Bei der Angemessenheitsprü- fung ist jeweils auch der den Planungsträgern durch Art. 2 Abs. 3 RPG zuerkannte Gestaltungs- bereich zu beachten. Nach Art. 2 Abs. 3 RPG achten die übergeordneten Behörden darauf, den ihnen nachgeordneten Behörden den zur Erfüllung ihre r Aufgabe nötigen Ermessensspielraum zu lassen. Nicht zu beanstanden ist, dass die kantonale Re chtsmittelinstanz, welche über eine umfassende Prüfungsbefugnis verfügt, im Hinblick auf das Planungsermessen der Planungsbe- hörde eine gewisse Zurückhaltung übt. Diese Zurückhaltung ergibt sich, wenn der Planungsträ- ger eine Gemeinde ist, bereits aus der in Art. 50 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizeri- schen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 sowie § 4 5 Abs. 2 der Verfassung des Kan- tons Basel-Landschaft (KV) vom 17. Mai 1984 verankert en Gemeindeautonomie. Die Rechts- mittelinstanzen sollen insbesondere bei Planüberprüfungen nicht ihr Ermessen an die Stelle des Ermessens des Planungsträgers setzen (BGE 135 II 286 E. 5 .3; Urteil des Bundesgerichts 1C_417/2009 vom 21. Januar 2010 E. 2.3, A EMISEGGER /H AAG , a.a.O., Art. 33 RPG N 19 und 73). 3.1 Die Beschwerdeführer 2, 4 und 5 rügen eine Verle tzung des rechtlichen Gehörs, na- mentlich der Begründungspflicht, durch den Regierungsra t, weil dieser sich nicht mit ihren Vor- bringen auseinandergesetzt habe. 3.2 Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs ist an gesichts der formellen Natur des Gehörsanspruchs vor den weiteren Vorbringen der Beschwe rdeführer zu behandeln (BGE 126 V 130 E. 2b mit Hinweisen). Eine Verletzung des re chtlichen Gehörs führt nach der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung ungeachtet der materi ellen Begründetheit des Rechtsmittels zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung des ang efochtenen Entscheides (BGE 137 I 195 E. 2.2). Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs kann jedoch ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die b etroffene Person die Möglichkeit er- hält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Vorausse tzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des Mangels – selbst bei einer schwerwieg enden Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die V orinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerun-Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichge stellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 137 I 195 E. 2.3.2, mit Hinweisen). 3.3 Die Begründungspflicht der Behörden ist Bestandtei l des in Art. 29 Abs. 2 BV und § 9 Abs. 3 KV verankerten Anspruchs auf rechtliches Gehör. Die Begründung einer Verfügung ent- spricht den Anforderungen von Art. 29 Abs. 2 BV, wenn d ie Betroffenen dadurch in die Lage versetzt werden, die Tragweite der Entscheidung zu beur teilen und sie in voller Kenntnis der Umstände an eine höhere Instanz weiterzuziehen. Die Begründungspflicht soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und der betroffenen Person ermögli- chen, die Verfügung sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl die betroffene Person als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Trag weite des Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3 mit Hinweisen). Dies bedeutet in dessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtliche n Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentl ichen Gesichtspunkte beschränken (vgl. BGE 129 I 236 E. 3.2; BGE 126 I 102 E. 2b; BGE 124 V 181 E. 1a; KGE VV vom 18. Feb- ruar 2009 [810 08 299/810 08 292] E. 4.1-4.3.). Im Raumplanungsrecht wird nach der bundes- gerichtlichen Rechtsprechung der individuelle Rechtsschutz und damit die Gewährung des rechtlichen Gehörs in Art. 33 RPG abschliessend konkretisiert: Nutzungspläne werden öffentlich aufgelegt (Abs. 1). Das kantonale Recht sieht wenigste ns ein Rechtsmittel vor (Abs. 2) und ge- währleistet volle Überprüfung durch wenigstens eine Besch werdebehörde (Abs. 3 lit. b). Damit erhalten die Legitimierten (Abs. 3 lit. a) Gelegenhe it, im Beschwerdeverfahren mit ihren Anlie- gen zu den sie tangierenden Planänderungen gehört zu werden. Freilich ist es den Kantonen unbenommen, Planentwürfe nicht nur im Sinne der Mitwirkungsauflage, sondern auch zur Eröff- nung eines dem individuellen Rechtsschutz dienenden Einspra cheverfahrens für die direkt Betroffenen aufzulegen, stellt doch das Bundesrecht in Wa hrung der kantonalen Hoheit nur Mindestvorschriften zur Gewährleistung des Rechtsschutzes auf (BGE 114 Ia 233 E. 2b ff.). Der in Art. 33 RPG konkretisierte Gehörsanspruch verlangt (nur), dass sich entweder die kommu- nale oder die kantonale Behörde im Einsprache-, Beschw erde- oder Genehmigungsverfahren mit den formgerecht und innert Frist erhobenen Einwen dungen materiell befassen muss. Ver- langt wird in Art. 33 RPG die Auflage der Nutzungspl äne. Diesem Anspruch genügt ein Verfah- ren, das die öffentliche Auflage des Nutzungsplanes erst nach dessen Festsetzung durch das zuständige Organ zur Einleitung des Rechtsmittelverfahrens anordnet. Das kantonale Recht, dem der Bundesgesetzgeber Rechnung tragen wollte, sie ht denn auch vielfach eine Trennung des politischen Willensbildungsprozesses vom Rechtsmitte lverfahren in dem Sinne vor, dass die im Dienste des Rechtsschutzes stehende Planauflage erst nach dem Entscheid des zustän- digen Organs, in der Regel der Gemeindeversammlung al s der Legislative der Gemeinde, er- folgt (BGE 114 Ia 233 E. 2cd mit Hinweisen auf damal ige kantonale Regelungen im Tessin, Basel-Landschaft und Zürich). Infolgedessen können Ein wendungen im Rahmen eines Ein- sprache- oder Beschwerdeverfahrens vorgebracht werden (BGE 119 Ia 141 E. 5c/bb). Dabei ist in Kauf zu nehmen, dass sich die Betroffenen je nach Ausgestaltung des kantonalen Verfahrens erst gegenüber der Rechtsmittelinstanz erstmalig rechtl ich zur Wehr setzen können und nicht Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schon gegenüber der Planungsbehörde. Damit geht einhe r, dass die Rechtsmittelinstanz, die zwar über eine umfassende Sachverhalts- und Rechtskontroll e verfügt, das Ermessen der Pla- nungsbehörde respektiert. Insoweit mag der Standard de r Gehörsgewährung im Beschwerde- verfahren jenem der Gehörsgewährung im Einspracheverfa hren nicht vollumfänglich zu ent- sprechen. Dennoch ist der Anspruch auf rechtliches Gehör ge wahrt (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.3). Vorliegend ist indes festzustellen, dass sich di e Beschwerdeführer als betroffene Grundeigentümer bereits vorgängig im öffentlichen Mi twirkungsverfahren zur Sache äussern konnten und auch geäussert haben. Diese Stellungnahmen der betroffenen Grundeigentümer hat die Gemeinde – wie sich aus dem angefochtenen Ent scheid ergibt – mit Schreiben vom 25. August 2017 an den Regierungsrat weitergeleitet und d ieser nahm in der Begründung seines Entscheids ausdrücklich Bezug auf deren Einwendungen. Von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs kann somit bereits aus diesem Grund keine Rede sein. Sodann ergibt sich aus dem an- gefochtenen Nichtgenehmigungsentscheid ohne weiteres, a us welchen Gründen der Regie- rungsrat die umstrittene Zonenvorschrift als nicht genehm igungsfähig erachtet hat, weshalb er auch insoweit die Begründungspflicht nicht verletzt hat. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist daher nicht ersichtlich. Ob die rechtliche Beurteilun g materiell zutreffend war, bildet Streit- punkt des Falls und wird nachfolgend zu prüfen sein. 4.1 Materiell umstritten ist die Nichtgenehmigung der Überbauungsziffer von 45 % in der Zentrumszone und damit das zulässige Mass der baulichen Nutzung bzw. der baulichen Dichte. 4.2 Nutzungsziffern regeln als mathematische Formeln das Mass der zulässigen Überbau- ung bzw. Nutzung in Relation zur Grundstücksfläche. Sie sind Baupolizeivorschriften, mit denen eine zu dichte oder zu enge Überbauung, wo Luft und L icht ungenügend Zutritt finden und ge- sundheitsschädliche Zustände entstehen könnten, verhindert werden sollen. Eine zu dichte Überbauung kann zur Verunstaltung des Orts- und Landsc haftsbildes führen, sodass den Nut- zungsziffern oft auch gestalterische Motivation zugrunde l iegt (PETER HÄNNI , Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 6. Auflage, 2016, S. 321). In der Schweiz werden – im Un- terschied zu Deutschland und Österreich – mindestens fün f verschiedene Dichtemasse bzw. Nutzungsziffern verwendet, deren Messweise zudem kantonal h öchst unterschiedlich ist. Damit wird die Vergleichbarkeit der baulichen Dichte über Kan tonsgrenzen hinaus stark erschwert (ANITA GRAMS , Spielräume für Dichte – Der Innenentwicklungskompass al s problemorientierte Methode für Verdichtung in kleinen und mittleren Gem einden, 2017, S. 21 f.). Das zulässige Mass der baulichen Nutzung wird namentlich in Form der zulässigen Bruttogeschossfläche BGF (Ausnützungsziffer: AZ), der zulässigen Geschossfläche (Ge schossflächenziffer: GFZ), des Bauvolumens (Baumassenziffer: BMZ) oder der Gebäudefläc he (Überbauungsziffer: ÜZ) zum Ausdruck gebracht. Komplementär zur Bestimmung der zulä ssigen Überbauung kann mittels der Grünflächenziffer (GZ) auch die von einer Überbau ung freizuhaltende Grundstücksfläche definiert werden. Die AZ ist die Verhältniszahl zwischen der anrechenbaren Bruttogeschossflä- che eines Gebäudes (in der Regel die Summe aller ober- und unterirdischen Geschossflächen, einschliesslich der Mauer- und Wandquerschnitte, abzügli ch die Grundfläche von solchen Räu- men und Anlagen, die nicht unmittelbar Wohn-, Industr ie- oder Gewerbezwecken dienen) und der anrechenbaren Landfläche (in der Regel von der Ba ueingabe erfasste, baulich noch nicht ausgenützte Fläche des Baugrundstückes, abzüglich Erschlie ssungsanlagen, Verkehrsflächen, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wald, öffentliche Gewässer und Land in Freihaltezonen) . Die AZ bestimmt sich nach den Zo- nenvorschriften und beträgt in der Regel in Wohnzonen 0,25 bis 0,60, je nach Geschosszahl, d.h. dass 25 bis 60 m 2 Geschossfläche für 100 m 2 Terrain zulässig sind. Es ist auch möglich, die Werte indirekt über Gebäudeabstände, Gebäude- und Geschosshöhen festzulegen. Bei Arealüberbauungen, die ein grösseres zusammenhängendes Gebiet umfassen, kann die AZ er- höht werden (Bonus). Die ÜZ ist die Verhältniszahl zwisch en der überbauten Grundfläche und der anrechenbaren Landfläche; sie soll regelmässig 50 % nicht übersteigen (H ÄNNI , a.a.O., S. 323). Bei der BMZ geht es nicht um ein Flächenverh ältnis, sondern um das Verhältnis des anrechenbaren Gebäudevolumens zur anrechenbaren Land fläche. Als Maximumvorschrift be- zweckt sie weniger polizeiliche als vielmehr gestalterische Zwecke: es sollen zu klotzige Bauten verhindert werden. Als Vorteile der BMZ werden in der Praxis genannt: die BMZ wirke sich direkt auf das oberirdische (und damit sichtbare) Bauvolu men aus, unabhängig davon, ob es sich um Kellergeschosse, Estriche oder Wohnräume handle. Damit entfielen auch die Probleme mit den anrechenbaren Gebäudeteilen. Die GZ schliesslich ist die Verhältniszahl zwischen Grünfläche und anrechenbarer Landfläche. GZ sind eine besondere Art von Freiflächenziffern, welche pro anrechenbare Landfläche einen Mindestantei l an offenen Flächen für dauernde Spiel- und Ruheplätze sowie Gärten vorschreiben. Den Kantonen und Gemeinden steht bei ihrer Gesetzgebung ein erheblicher Spielraum zur Ve rfügung, welche Nutzungsziffer sie in wel- cher Nutzungszone zur Anwendung bringen wollen. Die kantonalen Baugesetze delegieren den Entscheid über die anwendbaren Nutzungsziffern häufig an die Gemeinden. Möglich sind auch Kombinationen verschiedener Nutzungsziffern oder die Fest legung von Baumassenziffern an- stelle von Ausnützungsziffern (vgl. zum Ganzen: H ÄNNI , a.a.O., S. 321 ff.; B EAT STALDER / NICOLE TSCHIRKY , in: Fachhandbuch Öffentliches Baurecht, 2016, Rz. 3.366 f.). 4.3 Im Kanton Basel-Landschaft sind gemäss § 2 des Raumpl anungs- und Baugesetzes (RBG) vom 8. Januar 1998 die Gemeinden befugt, im Rah men dieses Gesetzes eigene Vor- schriften zu erlassen, die der Genehmigung des Regierung srats bedürfen. Nach § 18 RBG er- lassen die Gemeinden Zonenvorschriften für das ganze Gem eindegebiet; diese bestehen aus Zonen-, allenfalls Teilzonenplänen und -reglementen ( Abs. 1). Die Zonenpläne unterteilen das Gemeindegebiet in verschiedene Nutzungszonen und ordnen diesen die Lärmempfindlichkeits- stufen zu (Abs. 2). Nach § 18 Abs. 3 RBG bestimmen die Zonenreglemente Art und Mass der Nutzung, insbesondere die Bauweise, die Gebäudemasse (Ge bäudelänge, Gebäudetiefe, Ge- bäudehöhe oder Geschosszahl), die maximal zulässige baulich e Nutzung sowie die Dachfor- men und ihre Ausgestaltung. Die maximal zulässige baulich e Nutzung wird mit der ÜZ, GZ, und/oder der AZ bestimmt (§ 18 Abs. 3 Satz 2 RBG). Dar aus erhellt, dass die Gemeinden im Kanton Basel-Landschaft zwischen verschiedenen Nutzungsziffern auswählen können. 4.4 Die Gemeinde Gelterkinden definiert in ihren Zon envorschriften das Mass der bauli- chen Nutzung mit der ÜZ (Art. 21 ZRS i.V.m. § 47 der Verordnung zum Raumplanungs- und Baugesetz [RBV] vom 27. Oktober 1998). Gemäss Art. 21 Abs. 1 ZRS zählen zur anrechenba- ren Gebäudefläche vorbehältlich Abs. 2 alle Haupt- und Nebenbauten. 5.1 Der Regierungsrat führte im angefochtenen Entsche id aus, das Amt für Raumplanung (ARP) habe bereits im Rahmen der Vorprüfung eine ÜZ von 40 % als zu hoch angesehen. Zur Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beurteilung der Nutzungsmöglichkeit werde üblicherweise die AZ verwendet. Als anrechenbare Bruttogeschossfläche gelte grundsätzlich die Summe aller dem Wohnen, Arbeiten und Gewerbe dienenden und hierfür verwendbaren Geschossflächen. Mit der Festlegung einer Fassadenhö- he von 11.3 m seien ohne weiteres 4 Geschosse möglich. M it einer ÜZ von 45 % könnte damit eine AZ von 180 % realisiert werden. Zusätzlich seien no ch Nutzungen im Dachgeschoss und allenfalls im Untergeschoss möglich. Nutzungen von über 120 % seien jedoch selbst in Quar- tierplanungen mit 4 bis 5 Geschossen in städtischer und v orstädtischer Umgebung nicht üblich. Als Beispiel sei die im Zentrum von Oberwil gelegene Quartierplanung "Konsumstrasse" er- wähnt, in der fünf Vollgeschosse mit einer AZ von 100 % festgelegt worden seien. Dies entspre- che einer ÜZ von 20 %. In Fachkreisen werde in Zonen ab drei Geschossen ohne qualitäts- sichernde Massnahmen eine ÜZ von 25 % empfohlen. Gemäss de m Planungsbericht wolle die Gemeinde in zentrumsnahen und gut erschlossenen Gebieten eine möglichst dichte Bauweise zulassen. § 15 Abs. 2 RBG sehe vor, dass die Gemeinden di e verdichtete Bauweise fördern würden, soweit dem nicht Interessen des Ortsbild- oder Landschaftsschutzes oder andere über- geordnete Planungsziele entgegenstehen würden. Nach § 15 Abs. 3 RBG müsse die verdich- tete Bauweise eine hohe Siedlungs- und Wohnqualität s owie eine gute Einfügung in die land- schaftliche und bauliche Umgebung gewährleisten. Zudem s ei die verdichtete Bauweise insbe- sondere durch Quartierpläne und/oder Ausnahmeüberbauu ngen nach einheitlichem Plan sicherzustellen. Gemäss den Planungsgrundsätzen im Kanton alen Richtplan (KRIP) seien generelle zonenweise Erhöhungen der Nutzung durch Mut ation der Zonenvorschriften nur vor- zunehmen, wenn aufgezeigt werden könne, dass dadurch die Wohn- und Umweltqualität nicht verringert werde. Verdichtete Bauweise soll eine hohe Qualität in der Siedlungsstruktur und der Architektur aufweisen. Ein entsprechender Nachweis, wie die erwähnten Qualitäten in der Zent- rumszone gesichert werden könnten, werde im Planungsber icht der Gemeinde nicht erbracht. Die vorliegende Festlegung einer sehr hohen ÜZ erlaube demgegenüber eine ungesteuerte ver- dichtete Bauweise ohne qualitätssichernde Massnahmen. Im Übrigen gelte es zu berücksichti- gen, dass die Gemeinde Gelterkinden gemäss dem Inventar über die schützenswerten Orts- bilder der Schweiz (ISOS) ein Ortsbild von nationale r Bedeutung habe. Demgemäss könne die in Art. 2 ZRS festgelegte ÜZ von 45 % in der Zentrumszone nicht genehmigt werden. 5.2.1 Die Beschwerdeführerin 1 bringt in ihrer Beschw erdebegründung dagegen vor, die Festlegung zonenreglementarischer Bestimmungen falle in ihren Autonomiebereich. Die Flä- chen, die der Zentrumszone zugeordnet worden seien, sta mmten teils aus vorbestandenen Gewerbezonen, teils aus Wohnzonen. Im Detail hätten in jenen altrechtlichen Zonen folgende Zonenbestimmungen gegolten: Zone G2 G1 WG3A WG3B Fassadenhöhe 15 m 10 m 11.3 m 11.3 m Überbauungsziffer frei frei 25 % 25 % / 50 % Nach der Auflage durch den Regierungsrat, eine ÜZ ode r eine andere geeignete Massnahme zur Sicherung der Wohnqualität festzulegen, habe der G emeinderat nach intensiven Verhand- lungen mit dem ARP und nach dessen Vorgaben der Geme indeversammlung beantragt, eine ÜZ von max. 35 % festzulegen. Weil dieses Mass die im Pl anungsbericht festgehaltene Absicht Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Gemeinde, das Bahnhofsareal und die Achse vom Do rfkern zum Bahnhof urban zu entwi- ckeln, nicht habe befriedigen können, habe die Gemeindeversammlung in der Folge einen alter- nativen Antrag aus der Versammlung von max. 45 % ang enommen. Mit der ÜZ von 45 % solle die Entwicklung bewusst auf dieses Ziel hingesteuert we rden. Gelterkinden diene als Einkaufs- und Dienstleistungszentrum sowie Arbeitsort für die uml iegenden Gemeinden im Oberbaselbiet und habe eine Zentrumsfunktion. Die Ausführungen der Vorinstanz würden jeglicher sachlichen Grundlage entbehren. In einer städtischen Umgebung sei en solche Nutzungsmasse sogar als bescheiden zu erachten. In der Stadt Basel betrage di e AZ in den Zonen 5 und 5a 1.8 (=180 %). Mit der in Basel ebenfalls zulässigen Blockran dbebauung würden sich sodann zuläs- sige Ausnutzungen von 300 bis 350 % ergeben. Andere auss erkantonale Beispiele würden zei- gen, dass entsprechende Bestimmungen durchaus üblich seien . Auch im Kanton Basel-Land- schaft habe der Regierungsrat bis anhin keine Bedenken bei höheren Nutzungen gehabt. Es würden viele Ortskerne existieren, welche über gar keine Nutzungsziffer verfügen würden. In Frenkendorf habe der Regierungsrat mit RRB Nr. 1315 vo m 21. September 2010 in der Zentrumszone Z4b die maximale ÜZ von 45 % zudem als zul ässig erachtet. Weiter habe der Regierungsrat die gewachsenen Baustrukturen ungenügend berücksichtigt. Mit der Überfüh- rung der ehemaligen Gewerbezonen in die Zentrumszone s eien die Bebauungsmöglichkeiten sogar eingeschränkt worden. Die altrechtliche Zone WG3A betreffe lediglich eine bereits heute mit mehr als 50 % der Fläche überbaute Parzelle. Wür den die Nutzungsmöglichkeiten über alle betroffenen Parzellen gesamtheitlich ermittelt, sei d ie Verdichtung massvoll. In Bezug auf den Vorhalt des Regierungsrats, es würden qualitätssichernde Massnahmen im Hinblick auf Städte- bau und Architektur fehlen, sei zu berücksichtigen, dass das ZRS neben der Überbauungsziffer, sowohl Vorschriften über die Gebäudelänge, die Fassaden höhe, -linie, -flucht, das Gebäude- profil sowie die Dachgestaltung vorsehe. Die Qualität der einzelnen zu errichtenden Gebäude sei nicht in einem Rahmennutzungsverfahren, sondern im Baubewilligungsverfahren zu beurtei- len. Zudem sehe Art. 19 ZRS ausdrücklich vor, dass alle Ba uten derart in ihre bauliche und landschaftliche Umgebung einzugliedern seien, dass eine b efriedigende Gesamtwirkung er- reicht werde. Damit stehe der Gemeinde ein angemessene s Instrument zur Verfügung, um Qualitätsansprüche bezüglich Architektur und Einpassung einer Baute in das Dorfbild im Bewill- ligungsverfahren einfordern zu können. Der Planer der G emeinde habe die Überbauungsmög- lichkeiten im Hinblick auf die Kritik der Vorinstanz noch einmal überprüft und sei zum Schluss gekommen, dass die Befürchtung des Regierungsrats bei objektiver Betrachtung und in Anwen- dung der übrigen Zonenvorschriften der Gemeinde kaum a ls realistisches Szenario gewertet werden könne. Die Zentrumszone sei örtlich um den hochfr equentierten Bahnhof angelegt und deshalb optimal erschlossen. Es sei eine Mischnutzung aus Wohnen und Gewerbe vorgesehen. Mit der Planung werde angestrebt, auf der Verbindung sachse vom Ortskern zum Bahnhof Raum für Einkaufsgeschäfte und Dienstleistungsbetriebe zu schaffen. Zudem habe die Gemein- de jüngst ein Langsamverkehrskonzept und einen neu gest alteten Gemeindepark umgesetzt, weshalb die Gestaltung der Aussen-, Frei- und Strassenrä ume den hohen Qualitätsanforderun- gen entsprechen würde. Eine Verletzung von § 15 Abs. 3 RBG sei nicht ersichtlich. Die Zent- rumszone entspreche sodann den Interessen des ISOS, was si ch aus dem Planungsbericht er- gebe. Der Regierungsrat gehe weiter zu Unrecht davon aus, dass eine Verdichtung nach dem KRIP vorab über Ausnahmeüberbauungen nach einheitlichem Plan und nach Quartierplänen zu Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht erfolgen habe. Indem der Regierungsrat das Ermessen der Gemeinde durch das eigene Ermes- sen ersetzt habe, habe dieser gegen die Gemeindeautonomie verstossen. 5.2.2 Die Beschwerdeführerin 3 macht in ihrer Beschwerd ebegründung neben den von der Beschwerdeführerin 1 vorgebrachten Argumenten zusätzli ch geltend, für einen Teil der bebau- ten Parzellen der Zentrumszone resultiere mit einer ÜZ von max. 45 % eine zum Teil beträcht- liche Reduktion gegenüber dem bisherigen Stand. Insbesondere die Parzelle Nr. 940 sei zurzeit mit 45 % überbaut. Mit der Zentrumszone sei die Gebäu dehöhe von 15 m (Gewerbezone) auf 11.3 m heruntergesetzt worden. Mit der Nichtgenehmigun g der ÜZ von 45 % liege eine Verlet- zung der verfassungsmässig garantierten Eigentumsgarantie vor. 5.2.3 Die Beschwerdeführer 2, 4 und 5 machen in ihre n übereinstimmenden Beschwerdebe- gründungen – neben den zuvor genannten Argumenten (E . 5.2.1 und 5.2.2) – zusätzlich gel- tend, der Regierungsrat habe Art. 4 ZRS und damit di e Zweckbestimmung der Zentrumszone "die Entwicklung des Dorfzentrums sowie der Gebiete in Bahnhofsnähe mit Arbeits-, Verkaufs- und Wohnnutzungen" vorbehaltlos genehmigt. Dort solle ein belebtes Zentrum mit einer inneren Verdichtung entstehen. Nun versuche der Regierungsrat nachträglich diese rechtskräftigen Reglementsbestimmungen zu unterlaufen. Verglichen mit dem an die Zentrumszone angren- zenden Quartierplan "Bützenen West" resp. dem angrenzen den Altersheim auf der Parzelle Nr. 2730 sei die zulässige Gebäudehöhe niedrig. 5.3 In den Vernehmlassungen vom 4. April 2018 entgegn et der Regierungsrat, die in Frage stehende Festlegung einer sehr hohen ÜZ lasse eine ung esteuerte verdichtete Bauweise ohne qualitätssichernde Massnahmen zu. Die unzureichende Nutzungsbestimmung lasse in der Zen- trumszone einerseits einen absoluten Wildwuchs an Baukub aturen und -formen zu und führe andererseits zu einer masslosen Verdichtung. In einem spä teren Bewilligungsverfahren sei es nicht mehr möglich, Qualitätsansprüche einzufordern. E ntgegen den Ausführungen der Be- schwerdeführer seien AZ von über 120 % selbst in Quartierplanungen mit vier bis fünf Geschos- sen nicht üblich. So weise beispielsweise der angrenzend e Quartierplan Bützenen West eine Ausnützung von 120 % auf. Bei genauerer Betrachtung der von der Beschwerdeführerin 1 vor- gebrachten Beispiele zeige sich, dass sich in diesen Fällen umfassendere qualitätssichernde Regelungen in den jeweiligen Zonenvorschriften finden würden. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer müssten die einzelnen gewachsenen Baustrukturen nicht im Detail analysiert werden, um zu erkennen, dass die im Rahmen des ZRS festge legte ÜZ von 45 % nicht den gemäss RBG und KRIP festgelegten Qualitätsanforderungen genüge. Das ZRS enthalte neben der zu hohen ÜZ keine anderen Vorschriften, welche die Nutzung in irgendeiner Weise begren- zen könnten. Die von den Beschwerdeführern angeführten Artikel würden lediglich Definitionen darstellen, aber keine Begrenzung für die Zentrumszone beinhalten. Die von der Beschwer- deführerin 1 angeführten anderen getroffenen Massnahm en (Gemeindepark etc.) würden bei weitem nicht ausreichen, um die Anforderungen für verdichtetes Bauen zu erfüllen. Insbesonde- re in den im ISOS speziell bezeichneten Gebieten brauc he eine Verdichtung in besonderem Masse Qualität. Entgegen der Auffassung der Beschwerdefü hrerin 1 habe er sein Ermessen nicht anstelle desjenigen der Gemeinde gesetzt, vielmehr habe er die strittige Regelung auf ihre Vereinbarkeit mit höherrangigem Recht überprüft und festgestellt, dass diese nicht gegeben sei. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Art. 50 Abs. 1 BV gewährleistet die Gemeindeauto nomie nach Massgabe des kantona- len Rechts. Eine analoge Garantie enthält § 45 KV. Na ch der Rechtsprechung sind Gemeinden in einem Sachbereich autonom, wenn das kantonale Recht diesen nicht abschliessend ordnet, sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur Regelung überlässt und ihr dabei eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit einräumt. Der geschützte Autonomiebereich kann sich auf die Befugnis zum Erlass oder Vollzug eigener kommunaler Vorsch riften beziehen oder einen ent- sprechenden Spielraum bei der Anwendung kantonalen ode r eidgenössischen Rechts betref- fen. Der Schutz der Gemeindeautonomie setzt eine solche nicht in einem ganzen Aufgabenge- biet, sondern lediglich im streitigen Bereich voraus. I m Einzelnen ergibt sich der Umfang der kommunalen Autonomie aus dem für den entsprechenden Ber eich anwendbaren kantonalen Verfassungs- und Gesetzesrecht (vgl. BGE 142 I 177 E. 2-4 .1; Urteil des Bundesgerichts 1C_520/2014 vom 8. April 2015 E. 2.1; BGE 136 I 395 E. 3.2.1 mit Hinweisen). 6.2 Wie bereits erwähnt (siehe vorne E. 4.3), sind die Gemeinden nach § 2 Abs. 1 RBG befugt, im Rahmen dieses Gesetzes eigene Vorschriften zu erlassen, die der Genehmigung des Regierungsrats (vgl. Art. 26 Abs. 1 RPG) bedürfen. Die Raumplanung besteht aus der Kantons- und der Ortsplanung. Die Kantonsplanung obliegt dem K anton, die Ortsplanung der Gemeinde. Der Kanton lässt den Gemeinden den zur Erfüllung ihrer Aufgaben nötigen Ermessensspiel- raum (§ 4 Abs. 1 und 2 RBG). Der KRIP dient dabei als Grundlage und Rahmen für die kommu- nale Richtplanung sowie für die Nutzungsplanung von Kanton und Gemeinde und ist für die Be- hörden verbindlich (Art. 9 Abs. 1 RPG; § 9 Abs. 2 und 3 RBG). Gemäss § 18 Abs. 1 RBG erlas- sen die Gemeinden für das ganze Gemeindegebiet Zonenvo rschriften, bestehend aus Zonen- plänen und Zonenreglementen, welche gemäss § 18 Abs. 2 RBG das Gemeindegebiet in ver- schiedene Nutzungszonen unterteilen. Demgemäss kommt den G emeinden bzw. kommunalen Planungsbehörden beim Erlass der Zonenvorschriften grund sätzlich eine Entscheidungs- und Ermessensfreiheit zu. Die Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft sind in der Ausgestaltung der Zonenvorschriften im Rahmen des übergeordneten Re chts, zu dem die kantonale Richtpla- nung (vgl. KGE VV vom 8. Mai 2019 [810 18 153] E. 4.3.1, mit Hinweis) und Bundesrecht gehö- ren, autonom. Auch das Bundesgericht hat den Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft im Bereich des Bau- und Planungsrechts Autonomie zugesproc hen (BGE 108 Ia 36 E. 3b; Urteil des Bundesgerichts 1P.733/2003 vom 29. Januar 2004 E. 3.1; BGE 142 I 177 E. 2-4.1). 7.1 Gemäss Art. 26 Abs. 1 RPG bedürfen die Nutzungspl äne und ihre Anpassungen der Genehmigung einer kantonalen Behörde. Die Nutzungspläne werden erst mit der Genehmigung durch die kantonale Behörde verbindlich (Art. 26 Abs. 3 RPG). Art. 26 Abs. 2 RPG nennt als Prüfungsmassstab für die Genehmigung den vom Bundesrat g enehmigten KRIP. Der KRIP ist ein Planungsinstrument, das als Grundlage und Rahmen für die kommunale Richtplanung sowie für die Nutzungsplanung von Kanton und Gemeinden dient und für die Behörden verbind- lich ist (§ 9 Abs. 2 und 3 RBG). Die Nutzungspläne hab en mit dem KRIP übereinzustimmen. Richtplankonformität bedeutet Rechtmässigkeit, also Über einstimmung mit übergeordnetem Recht. Auch wenn Art. 26 RPG dies nicht ausdrücklich rege lt, muss die kantonale Genehmi- gungsbehörde die Nutzungspläne daraufhin überprüfen, ob sie Bundesrecht widersprechen. Zum massgebenden Bundesrecht gehören unter anderem das RPG, die Umweltschutz-, Ge-Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht wässerschutz- und Waldgesetzgebung des Bundes (A LEXANDER RUCH in: Aemisegger/Kuttler/ Moor/Ruch [Hrsg.], Kommentar RPG, 2009, Art. 26 N 23 ff.). Den Nachweis, dass das über- geordnete Recht eingehalten ist, hat der Planungsberi cht nach Art. 47 der Raumplanungs- verordnung (RPV) vom 28. Juni 2000 zu erbringen. Art. 4 7 RPV verlangt, dass der Nutzungs- plan stets von einem Bericht begleitet sein muss. Im Ber icht sind die Interessenabwägungen darzulegen und die Entscheide umfassend zu begründen. Art. 47 RPV umschreibt den Mindest- inhalt des Planungsberichts (vgl. H EINZ AEMISEGGER /S AMUEL KISSLING in: Praxiskommentar RPG: Nutzungsplanung, 2016, Vorbemerkungen zur Nutzung splanung [Vorb.] N 20 und 45). Nach Art. 47 Abs. 1 RPV erstattet die Behörde, welche die Nutzungspläne erlässt, der kantona- len Genehmigungsbehörde Bericht darüber, wie die Nut zungspläne die Ziele und Grundsätze der Raumplanung (Art. 1 und 3 RPG), die Anregungen aus der Bevölkerung (Art. 4 Abs. 2 RPG), die Sachpläne und Konzepte des Bundes (Art. 13 RPG) und den Richtplan (Art. 8 RPG) berücksichtigen und wie sie den Anforderungen des übrig en Bundesrechts, insbesondere der Umweltschutzgesetzgebung, Rechnung tragen. Art. 47 Abs. 2 RPV sieht vor, dass die Behörde im Planungsbericht insbesondere darlegt, welche Nutzu ngsreserven in den bestehenden Bau- zonen bestehen und welche notwendigen Massnahmen in wel cher zeitlichen Folge ergriffen werden, um diese Reserven zu mobilisieren oder die Fläch en einer zonenkonformen Überbau- ung zuzuführen. Da Nutzungspläne sehr unterschiedliche Ausprägungen haben können (von einer kleinen Planänderung bis zu einer Totalrevision der Bau- und Zonenordnung), kommt man in der Praxis nicht um eine Differenzierung der Anforde rungen an den Planungsbericht herum. Die qualitativen Anforderungen an die Begründung hän gen somit von den jeweiligen Umstän- den des konkreten Falls ab. Auf die zentralen und kritisch en Punkte der Revision ist im Pla- nungsbericht einzugehen. Der Bericht erleichtert das Nach vollziehen der Interessenabwägung und kann im Rechtsmittelverfahren als Auslegungshilfe hin zugezogen werden (vgl. AEMISEGGER /K ISSLING , a.a.O., Vorb. N 48 ff.). 7.2 Im Bereich der Raumplanung spielt die Interessenabw ägung eine wichtige Rolle. Soweit den Behörden bei der Erfüllung und Abstimmung raumwirksamer Aufgaben Handlungs- spielräume zustehen, wägen sie die Interessen gegeneinan der ab (Art. 3 Abs. 1 RPV). Insbe- sondere gilt das für die Nutzungsplanung. Die Rechtspre chung wie auch die Lehre haben die grosse Bedeutung einer umfassenden Interessenabwägung be i der Nutzungsplanung stets betont (vgl. BGE 117 Ia 434 E. 3f; BGE 120 Ia 277 E . 2a = Die Praxis [Pra] 1996 Nr. 7; Urteil des Bundesgerichts 1C_534/2012 vom 16. Juli 2013 E. 2. 3.2; A EMISEGGER /K ISSLING , a.a.O., Vorb. N 10; B ERNHARD WALDMANN /P ETER HÄNNI , Handkommentar RPG, 2006, Art. 15 N 13). Sie bezieht alle rechtlichen und tatsächlichen Interesse n ein, bewertet und wägt sie gegen- einander ab. Interessenabwägungen erlauben es den Behö rden, Ermessen gesetzeskonform auszuüben und Handlungsspielräume sinnvoll zu nutzen. Die Planungsgrundsätze nach Art. 3 RPG dienen – zusammen mit den Zielen nach Art. 1 RPG – als Anleitung und Massstab der Interessenabwägung. Sie sind zum Teil widersprüchlich un d müssen daher gegeneinander ab- gewogen werden. Gemäss Art. 3 Abs. 1 RPV erfolgt die Interessenabwägung über drei Gedan- kenschritte: 1. Ermitteln der Interessen (inkl. öffentl iche Interessen ausserhalb der Raumpla- nung und private Interessen), die im konkreten Fall von B edeutung sind; 2. Beurteilen dieser Interessen mithilfe ausgewiesener Massstäbe (z.B. rechtli che Vorgaben auf Verfassungs- und Gesetzesebene, Festlegungen im Richtplan, Schutzanliegen etc.); 3. Optimieren der ermittelten Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht und bewerteten Interessen (Abwägung im eigentlichen Si nne). Das Ergebnis der Abwägung ist nachvollziehbar zu begründen. Im Rahmen der Nutzungspla nung geschieht dies über die Berichterstattung gemäss Art. 47 RPV. Das heisst die Beh örden haben die Innenentwicklung in einem Planungsbricht abzubilden ( Vgl. zum Ganzen: P IERRE TSCHANNEN in: Aemisegger/Moor/ Ruch/Tschannen [Hrsg.], Praxiskommentar RPG: Richt- und S achplanung, Interessenabwä- gung, 2019, Art. 3 RPG N 19 ff.; Schweizerische Verein igung für Landesplanung [VLP- ASPAN=heute: EspaceSuisse], Arbeitshilfe Ortsbildschutz und Verdichtung, 2018, S. 37 f.). 7.3 Mit der am 1. Mai 2014 in Kraft getretenen Teil revision des RPG vom 15. Juni 2012 (nachfolgend: RPG-Revision 2014) wurden die im Rahmen der Interessenabwägung zu be- rücksichtigenden Planungsziele und -grundsätze des RPG geä ndert. Die RPG-Revision 2014 erging als indirekter Gegenentwurf zur später zurückgezoge nen Landschaftsinitiative, dessen Hauptanliegen die strikte Begrenzung des Baugebiets war (vgl. Botschaft zu einer Teilrevision des Raumplanungsgesetzes vom 20. Januar 2010 [Botschaft RPG-Revision 2014], Bundesblatt [BBl] 2010 S. 1050). Im alten Recht war die Siedlung sentwicklung nach innen noch als Kon- zentrationsprinzip bekannt, das aus dem Ziel der haushäl terischen Bodennutzung abgeleitet wurde (vgl. zum Konzentrationsprinzip: BGE 116 Ia 335 E. 4a). Der Begriff "Siedlungsentwick- lung nach innen" steht für die Devise, wonach Siedlun gen prioritär im bebauten Bestand wach- sen sollen. Er beinhaltet die Aspekte Siedlungsbegrenz ung, Verdichtung, Siedlungserneuerung sowie die kompakte Siedlungsentwicklung am geeigneten Or t. Das Hauptanliegen der Sied- lungsentwicklung nach innen ist die konsequente Mobilisie rung der inneren (Nutzungs-)Reser- ven. Diese liegen innerhalb des weitgehend überbauten Siedlungsgebiets und verfügen über Baupotenzial (vorwiegend Baulücken, Siedlungsbrachen und schlecht genutzte Bauzonen). Ziel der schweizerischen Raumplanungspolitik ist ein Plus an Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Beschäftigten pro Flächeneinheit in den bereits überb auten Gebieten (Nutzungsverdichtung). Ein Teilaspekt, jedoch nicht das primäre Ziel, ist die bauliche Verdichtung. Verdichtung meint die effizientere Nutzung bereits bebauter Areale durch Aufzonungen, Schliessung von Baulü- cken, Umnutzungen oder Erstellung von Ergänzungs- oder Ersatzneubauten. Seit der RPG-Re- vision 2014 ist die Siedlungsentwicklung nach innen als Ra umplanungsziel ausdrücklich im Gesetz verankert (Art. 1 Abs. 2 lit. a bis RPG) und auf einen Vorstoss im Nationalrat hin durch den Grundsatz der Verdichtung (Art. 3 Abs. 3 lit. a bis RPG) ergänzt worden (Amtliches Bulletin [AB] N 2011 S. 1576; vgl. ALEXANDER RUCH , in: Zufferey/Waldmann [Hrsg.], Revision Raumpla- nungsgesetz 2014, 2015, S. 9 ff.). Art. 1 Abs. 2 lit a bis RPG sieht vor, dass Bund, Kantone und Gemeinden mit Massnahmen der Raumplanung insbesondere d ie Bestrebungen unterstützen, die Siedlungsentwicklung nach innen zu lenken, unter Be rücksichtigung einer angemessenen Wohnqualität. Im Entwurf zu Art. 1 Abs. 2 lit. a bis RPG war noch die Rede davon, eine Sied- lungsentwicklung nach innen dürfe "die Wohnqualität n icht … schmälern". Dies schien dem Nationalrat zu absolut, weil Verdichtungen ohne Abstrich e an der Wohnqualität kaum zu bewerkstelligen seien; konsequenterweise müsse sich das G esetz mit der "Berücksichtigung einer angemessenen Wohnqualität" zufrieden geben (vg l. AB N 2011 S. 1576 ff.; T SCHANNEN , a.a.O., Art. 1 RPG N 31 ff.). Die Planungsgrundsätze nach Art. 3 RPG wurden dahingehend erweitert, dass bei der Siedlungsgestaltung Massnahmen zur besseren Nutzung der brachlie- genden oder ungenügend genutzten Flächen in Bauzonen und der Möglichkeiten zur Verdich- tung der Siedlungsfläche getroffen werden sollen (Ar t. 3 Abs. 3 lit. a bis RPG). Diese Massnah-Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht men dienen der Eindämmung der Zersiedelung und gewäh rleisten – als Folge einer verstärkt nach innen gelenkten Siedlungsentwicklung – einen besser en Schutz des Kulturlandes (U RS HOFSTETTER -ARNET /D OMINO HOFSTETTER /S TEFAN MUNDHAAS , Verdichtet bauen – Dienstbarkei- ten beseitigen, in: Schweizerische Juristen-Zeitung [SJZ] 115/2019 S. 335). Mit der RPG-Revi- sion 2014 ist somit der ursprüngliche Appell, die Rau mplanung möge die Schaffung und Erhal- tung "wohnlicher Siedlungen" unterstützen, etwas in de n Hintergrund gerückt. Primär geht es dem Gesetz darum, die Siedlungsentwicklung nach innen zu lenken und kompakte Siedlungen zu schaffen; die Wohnqualität erscheint nurmehr als mit zubedenkender Aspekt der anzustre- benden Innenentwicklung. Von der Raumplanung werden B eiträge zu einer Siedlungspolitik erwartet, die sich der baulichen Verdichtung verschreib t. Allerdings kann Verdichtung kein ab- solutes Ziel sein. Zwar muss die Wohnqualität unter Innenentwicklung und kompakter Baustruk- tur nicht leiden, wie in den Räten betont wurde; dass das Gesetz nur von "angemessener" Qua- lität spricht, dürfte dem verbreiteten Missverständnis zu verdanken sein, wonach eine hohe Wohnqualität nur bei lockerer Bebauung zu erzielen se i und "Verdichtung" in jedem Fall eine "Verschlechterung" bedeute (T SCHANNEN , a.a.O., Art. 1 RPG N 33). Auf der anderen Seite i st aber nicht zu übersehen, dass Massnahmen zur Siedlungsverd ichtung auch Gefahren bergen. Insbesondere in städtischen Verhältnissen drohen der Verlust preisgünstigen Wohnraums, eine Zunahme der sozialen Entmischung und die Zerstörung bea chtenswerter Überbauungen aus der Nachkriegszeit. Bei kleinteiliger Eigentumsstruktur besteht sodann das Risiko, dass neu ge- schaffene Nutzungsmöglichkeiten nur singulär und sporadisch ausgeschöpft werden. Verdich- tungen müssen daher in ein Entwicklungskonzept eingebet tet werden, welches die Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft, für Umwelt und Architektur gleichermassen in Rechnung stellt. Die Zonenvorschriften (Nutzungsplan und -reglement) sind gru ndsätzliche geeignete Instrumente zur gesteuerten Innenentwicklung und zur Förderung kompakter Strukturen. Mittels intensiverer Nutzungsvorschriften können Gemeinden einen Beitrag zur Verdichtung leisten (vgl. H OFSTET - TER -ARNET /H OFSTETTER /M UNDHAAS , a.a.O., S. 336). Hierbei können auch gewisse Auflagen zur Qualitätssicherung eingearbeitet werden, wie beispiels weise die Durchführung von Architektur- wettbewerben. Sodann müssen gemäss Art. 8a lit. c RPG A ussagen zur hochwertigen Sied- lungsentwicklung nach innen auch bereits im Richtplan en thalten sein (vgl. zum Ganzen: TSCHANNEN , a.a.O., Art. 1 RPG N 34). 8.1 Aus dem Planungsbericht der Gemeinde zur Mutation der Zentrumszone vom 25. Au- gust 2016 (Planungsbericht) ergibt sich, dass die Gemein de – wie bereits in der ursprünglichen Planung (siehe vorne Sachverhalt lit. A bis C) – folgen de generellen Planungsziele definiert hat: − Entwickeln eines attraktiven und belebten Dorfteiles zw ischen dem historischen Dorfkern und dem Bahn- hofsgebiet. − Innere Reserven mobilisieren, indem Baulücken geschlossen und die Verdichtungspotenziale ausgeschöpft werden. − Ermöglichen von Wohn- und Arbeitsnutzungen entlang de r Poststrasse, der Sissacherstrasse, der Bahn- hofsstrasse und im Gebiet Eifeld. − Ermöglichen einer dichten Bebauung unter Bewahrung der Siedlungs- und Wohnqualität. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2.1 Im KRIP hat der Kanton mit dem Objektblatt "S 2.1: Hochwertige Siedlungsentwicklung nach innen" folgende Ziele definiert: a) Erhöhung der Einwohner und Beschäftigten pro Hektar e im bestehenden Siedlungsgebiet sowie eine Erhö- hung der Siedlungsqualität durch standortgerechtes, massgeschneidertes Ausschöpfen des Nutzungspoten- zials. b) Ein sorgfältiger Umgang mit gewachsenen Strukturen und bestehenden Qualitäten mittels räumlich differen- zierter Lösungen und eine Konzentration der Verdichtu ng an dafür geeigneten Standorten (Raumkonzept [RK], siehe auch S 2.2, S 2.3 und S 2.4). c) Im ländlichen Raum ist nebst der Ausschöpfung der beste henden, inneren Reserven im bereits überbauten Gebiet schwerpunktmässig das Ziel zu verfolgen, mit unü berbauten Bauzonenreserven haushälterisch um- zugehen. d) Im städtisch geprägten Raum ist die Innenentwicklu ng schwerpunktmässig im bereits überbauten Gebiet vorzunehmen (Nachverdichtung/Transformation). Ziel ist die quartier- und umweltverträgliche Schaffung zusätzlicher Wohneinheiten, zusätzlichen Raums für neue Arbeitsplätze und/oder für Versorgungsmöglich- keiten, welche eine hohe Qualität in der Siedlungsstruktur, im Freiraum und in der Architektur aufweisen. e) Auf die Versorgung mit Freiraum- und Naherholungsa ngeboten, insbesondere die qualitative und naturnahe Gestaltung des Wohnumfeldes und die Förderung von zugän glichen und multifunktionalen öffentlichen Flächen ist besonders Wert zu legen. 8.2.2 Weiter definierte der Kanton im KRIP mit dem Objektblatt S 2.1 die folgenden Pla- nungsgrundsätze: a) Die Siedlungsentwicklung nach innen mit dem Ziel e iner Erhöhung der Einwohner- und Beschäftigtendichte ist von kantonalem Interesse. b) Verdichtete Bauweise und Nachverdichtungen sollen, insb esondere an mit ÖV gut erschlossenen Lagen, quartier- und umweltverträglich (massgeschneidert) erfolgen und eine hohe städtebauliche, architektonische und sozialverträgliche Qualität aufweisen. Sie sind mit Massnahmen zur Erhaltung, Aufwertung oder Ent- wicklung der Aussenräume und siedlungsinternen Freiraumqualitäten zu verbinden. c) Generelle zonenweise Erhöhungen der Nutzung durch M utation der Zonenvorschriften sind möglich, wenn aufgezeigt werden kann, dass dadurch die Wohn- und städtebauliche Qualität nicht verringert wird. 8.2.3 Gemäss Objektblatt S 2.2 "Entwicklungsgebiete" de s KRIP soll der Verdichtungsauf- trag des Bundes aus qualitativen Gründen nicht fläche ndeckend umgesetzt werden. Vielmehr soll die Verdichtung primär an geeigneten Standorten (gute ÖV-Erschliessungsgüte) erfolgen. Dies soll insbesondere durch die Erneuerung und Verdic htung bestehender Wohnareale sowie durch Transformation von Arbeitsgebieten oder Gebiete n für öffentliche Nutzungen hin zu Wohn- und/oder Zentrumsnutzungen (Transformationsgebi ete) geschehen. Demgemäss be- schloss der Kanton unter anderem, dass die Verdichtungsakt ivitäten der Gemeinden prioritär in den Entwicklungsgebieten sowie in Bahnhofsgebieten gem äss Objektblatt S 2.3 "Bahnhofsge- biete (Entwicklungschwerpunkte)" zu erfolgen haben (KRIP Objektblatt S 2.2 Planungsgrund-Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht satz b). Im Objektblatt S 2.3 und in der Richtplankart e wurde das Gebiet um den Bahnhof Gel- terkinden als aufzuwertendes Gebiet festgesetzt. 8.3 Im Planungsbericht hat sich die Gemeinde eingehend mit den übergeordneten Anfor- derungen gemäss dem KRIP auseinandergesetzt und aufgeze igt, dass der überwiegende Teil der definierten Zentrumszone innerhalb von Entwicklungsgebieten liegt, in denen gemäss KRIP eine Verdichtung stattfinden soll. Innerhalb dieser Ge biete sei in Regionalzentren wie Gelter- kinden gemäss KRIP eine Mindestnutzungsdichte von 100 Einw ohnern und Beschäftigten pro Hektare anzustreben (KRIP Objektblatt S 2.2). In Bezug auf die Zielvorgaben Nutzungsart und Nutzungsmass ergibt sich aus dem Planungsbericht, dass in de r Zentrumszone eine Misch- nutzung aus Wohnen und Arbeiten (60 % / 40 %) vorgese hen ist. Gemäss den Bestimmungen im ZRS müssen im Erdgeschoss zur Strasse hin Arbeitsnutzu ngen angesiedelt werden, wobei Dienstleistungsnutzungen wie Läden, Büros oder Atelier s im Vordergrund stehen. Die Ober- geschosse können frei genutzt werden (Planungsbericht Z iff. 6 und 7.2). Die Gemeinde erach- tete die im KRIP vorgegebene Mindestnutzungsdichte als sinnvoll und legte die Zielgrössen für die Personendichte entsprechend auf 90 Einwohner und 10 Beschäftigte pro ha fest (Planungs- bericht Ziff. 7.2). Weiter hat die Gemeinde im Planu ngsbericht qualitative Zielvorgaben bzw. Anforderungen an die Siedlungs- und Freiraumqualität definiert (Planungsbericht Ziff. 7.3), de- tailliert die aktuelle bauliche Nutzung erfasst (Planung sbericht Ziff. 8.1) und aufgezeigt, wie die angestrebte intensivere Nutzung erreicht werden soll (P lanungsbericht Ziff. 8.2). Aus dem Pla- nungsbericht ergibt sich, dass die bestehende Nutzungsdi chte in den Gebieten der Zentrums- zone bereits heute sehr hoch ist, da in der früheren G ewerbezone keine maximale Nut- zungsziffer definiert und in der altrechtlichen Zone WG 3B für eingeschossige Geschäfts- und Kleingewerbebauten eine Nutzungserhöhung von 25 % auf 50 % erlaubt war. Derartige Nut- zungserhöhungen sind in der Vergangenheit offensichtlich grosszügig bewilligt worden, was sich aus der bestehenden dichten Bebauung klar ergibt. U nter Berücksichtigung dieser ge- wachsenen Baustrukturen erscheint eine maximale ÜZ von 45 % nicht übermässig hoch. Dazu kommt, dass die Gemeinde im Planungsbericht einlässlich darlegt, mit welchen Massnahmen sie gleichzeitig die Siedlungs- und Wohnqualität förde rt. Unter Siedlungs- bzw. Wohnqualität sind diejenigen Vorzüge zu verstehen, welche das Wohlbefinden der Bevölkerung positiv beein- flussen, wozu unter anderem neben der guten Verkehrsersc hliessung (auch unter Berücksichti- gung des Langsamverkehrs), eine gute Versorgung mit Güte rn und Dienstleistungen und aus- reichend Grün- und Freiräume, die als Gegenstück zur sozia len und baulichen Dichte aufge- fasst werden, gehören (vgl. T SCHANNEN , a.a.O., Art. 1 RPG N 32; VLP-ASPAN, Raum & Um- welt 3/2015, Siedlungen hochwertig verdichten, S. 29 ). Die Gemeinde zeigt auf, dass sie im Dorfzentrum ein Langsamverkehrskonzept mit einer Begegnu ngszone umsetzt, wodurch sich der Verkehrsfluss in den zentrumsnahen Gebieten veränd ern und die Erholungs- und Aufent- haltsqualität der öffentlichen Freiräume verbessert w ird. Die Zentrumszonen befinden sich sodann zentral in der Nähe des Bahnhofs, womit dem Zi el, vor allem zentral gelegene Gebiete mit guter Infrastruktur (gute Erschliessung mit dem öffe ntlichen Verkehr) zu verdichten (vgl. VLP-ASPAN, Arbeitshilfe Ortsbildschutz und Verdichtung, 2018, S. 10), nachgelebt wird. Eben- so befinden sich die Zentrumszonen in der Nähe von Einkau fsläden und sie sind gut durch Hauptverkehrsachsen erschlossen. Daneben ist im Zuge des Neubaus des Altersheims der an-Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht grenzende, öffentlich zugängliche Grünpark neu gestalte t und aufgewertet worden (Planungs- bericht Ziff. 9.1). 8.4 Die Gemeinde hat sich somit – wie zuvor dargelegt – im Planungsbericht ausführlich mit allen relevanten Aspekten auseinandergesetzt und dar in nachvollziehbar aufgezeigt, mit welchen Massnahmen sie die in § 15 Abs. 3 RBG geforderte hohe Siedlungs- und Wohnqualität sicherstellt. Die entsprechende Interessenabwägung ist in sbesondere unter Berücksichtigung der Planungsziele und -grundsätze gemäss revidiertem RPG (siehe vorne E. 7.3) nicht zu bean- standen. Zudem ist – entgegen der Auffassung des Regier ungsrats – kein Verstoss gegen Bun- desrecht, den KRIP oder das RBG ersichtlich, weshalb die von der Gemeinde beschlossene Nutzungsdichte in der Zentrumszone bei den gegebenen Voraussetzungen raumplanerisch und rechtlich nicht zu beanstanden ist. Der Regierungsrat hat demzufolge mit der Nichtgenehmi- gung die Gemeindeautonomie verletzt. 9. Zusammenfassend sind die Beschwerden somit gutzuheissen und der Beschluss des Regierungsrats betreffend Nichtgenehmigung der in Art. 2 ZRS festgelegten Überbauungsziffer von 45 % in der Zentrumszone aufzuheben. 10.1 Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss § 2 0 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrensko sten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unter liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Nach § 21 Abs. 1 VP O kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts bzw. ei ner Anwältin eine angemessene Par- teientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Par- teientschädigung zugesprochen. Gemeinden und andere Tr äger öffentlicher Aufgaben haben Anspruch auf eine Parteientschädigung, sofern der Beizu g einer Anwältin bzw. eines Anwalts gerechtfertigt war (§ 21 Abs. 2 VPO). 10.2 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend werden d ie Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- dem Regierungsrat auferlegt (§ 20 Ab s. 3 VPO). Die von den Beschwerde- führern 1 bis 5 geleisteten Kostenvorschüsse in der Höh e von je Fr. 1'800.-- werden an diese zurückbezahlt. 10.3.1 Da die Beschwerdeführerin 3 nicht anwaltlich vert reten ist, kann ihr keine Parteient- schädigung zugesprochen werden. 10.3.2 Die in eigener Sache prozessierenden Beschwerdef ührer 2, die als Anwälte tätig sind, beantragen die Zusprechung einer Parteientschädigung. N ach der bundesgerichtlichen Praxis ist im Grundsatz für persönlichen Arbeitsaufwand und Um triebe keine Parteientschädigung zu gewähren; bei Vorliegen besonderer Verhältnisse darf ausnahmsweise davon abgewichen wer- den. Unabhängig davon, ob es sich bei einer nichtvertre tenen Partei um einen Anwalt oder um einen juristischen Laien handelt, ist nach dieser Praxis e ine solche Ausnahmesituation anzu- nehmen, wenn es sich um eine komplizierte Sache mit ho hem Streitwert handelt, die Interes- senwahrung einen hohen Arbeitsaufwand notwendig mach t, der den Rahmen dessen über-Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht schreitet, was der Einzelne üblicher- und zumutbarerweise nebenbei zur Besorgung der persön- lichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat, und zwi schen dem betriebenen Aufwand und dem Ergebnis der Interessenwahrung ein vernünftiges V erhältnis besteht (vgl. BGE 110 V 132 ff.). Das Kantonsgericht hat sich mit der F rage, ob diese bundesgerichtliche Praxis auch im Geltungsbereich der VPO zur Anwendung gelange n kann, bereits in einem früheren Urteil auseinandergesetzt (KGE VV vom 31. Januar 2007 [810 06 197]). Darin erwog das Kan- tonsgericht, dass sich der Wortlaut von § 21 Abs. 1 VPO als klar erweise. Gemäss diesem kla- ren Wortlaut kann eine Parteientschädigung nur in Fäl len zugesprochen werden, in denen die (obsiegende) Partei einen Anwalt bzw. eine Anwältin beigezogen hat. § 21 Abs. 1 VPO schränkt daher im Gegensatz zur bis Ende 1994 massgebenden Bestimmung (§ 23 Abs. 3 des Gesetzes über die Rechtspflege in Verwaltungs- und Sozialversiche rungssachen [aVRG] vom 22. Juni 1959) die Parteientschädigung auf Fälle einer anwaltl ichen Vertretung ein. Prozessiert ein An- walt in eigener Sache, kann ihm demnach nach dem klaren Wortlaut von § 21 Abs. 1 VPO keine Parteientschädigung zugesprochen werden (KGE VV vom 31. Januar 2007 [810 06 197] E. 2.3). Auch im vorliegend zu beurteilenden Fall ist a llein die Regelung in der VPO massge- bend, sodass eine Parteientschädigung für die in eigener Sache prozessierenden Beschwerde- führer 2 nicht ausgerichtet werden kann. 10.3.3 Die Beschwerdeführer 4 und 5 haben jeweils ein en der Beschwerdeführer 2 als Anwalt beigezogen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist d en Beschwerdeführern 4 und 5 eine Parteientschädigung zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers 4 macht in sei ner Honorarnote vom 27. Dezember 2018 einen Aufwand von insgesamt 13.25 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 152.80 geltend, was nicht zu beanstanden i st. Dazu kommt ein Aufwand von ins- gesamt 8 Stunden für die Zeit vom 28. Dezember 2018 b is zur Parteiverhandlung (inkl. Vorbe- reitung und Teilnahme an der Verhandlung vom 19. Juni 2019). Demgemäss ist dem Beschwer- deführer 4 eine Parteientschädigung in der Höhe von F r. 5'886.10 (inkl. Auslagen und MWST) zuzusprechen, die ausgangsgemäss dem Beschwerdegegner aufzuerlegen ist. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin 5 macht in seiner Honorarnote vom 27. Dezember 2018 einen Aufwand von insgesamt 14.33 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 150.80 geltend, was nicht zu beanstanden i st. Dazu kommt ein Aufwand von ins- gesamt 8 Stunden für die Zeit vom 28. Dezember 2018 b is zur Parteiverhandlung (inkl. Vorbe- reitung und Teilnahme an der Verhandlung vom 19. Ju ni 2019). Demgemäss ist der Beschwer- deführerin 5 eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6'174.75 (inkl. Auslagen und MWST) zuzusprechen, die ausgangsgemäss dem Beschwerdegegner aufzuerlegen ist. 10.3.4 Die Beschwerdeführerin 1 hat einen externen R echtsvertreter beigezogen. Nach der Rechtsprechung des Kantonsgerichts wird den Gemeinden gestützt auf § 21 Abs. 2 VPO gene- rell nur noch ein Anspruch auf Parteientschädigung e ingeräumt, wenn der Beizug eines exter- nen Rechtsvertreters im Einzelfall auch für Gemeinden mi t juristischer Fachkompetenz inner- halb der eigenen Verwaltung gerechtfertigt erscheint (vgl. KGE VV vom 17. Oktober 2007 [810 07 155] E. 8). Dies trifft vor allem dann zu, w enn für eine angemessene Prozessvertretung Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechtliches Spezialwissen gefordert ist, das über die bei der Rechtsanwendungstätigkeit erfor- derlichen Kenntnisse hinausgeht und über welches gemeind eeigene Rechtsdienste normaler- wiese nicht verfügen. Diese Voraussetzungen sind vorlieg end erfüllt, weshalb der Beizug eines externen Rechtsvertreters gerechtfertigt erscheint. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführe- rin 1 macht in seiner Honorarnote vom 18. Juni 2019 ei nen Zeitaufwand von total 68.25 Stun- den und Auslagen in der Höhe von Fr. 1'218.60 gelten d, was nicht zu beanstanden ist. Dem- nach ist der Beschwerdeführerin 1 eine Parteientschädigung von Fr. 19'693.80 (inkl. MWST und Auslagen) zuzusprechen, welche dem Beschwerdegegner auferlegt wird. Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Beschluss des Regierungsrats betreffend Nichtgenehmigung der in Artikel 2 ZRS fest gelegten Über- bauungsziffer von 45 % in der Zentrumszone aufgehoben. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- gehen zu Lasten des Regierungsrats. Die geleisteten Kostenvorschüsse werden den Beschwerdef ührern 1 bis 5 zu je Fr. 1'800.-- zurückbezahlt. 3. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de r Beschwerde- führerin 1 eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr . 19'693.80, dem Beschwerdeführer 4 eine Parteientschädigung in der Hö he von Fr. 5'886.10 und der Beschwerdeführerin 5 eine Parte ientschädigung in der Höhe von Fr. 6'174.75 (je inkl. Auslagen und MWSt) auszurichten. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber