B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1935/2018 U r t e i l v o m 1 7 . N o v e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Chiara Piras (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richterin Mia Fuchs, Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Urs Späti, Rechtsanwalt, Anwaltsbüro Schaltegger und Späti, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 27. Februar 2018 / N (…). D-1935/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess A._______ (nachfolgend: der Be- schwerdeführer), ein türkischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie, aus der Provinz B._______ stammend, ungefähr im Sommer 2016 sein Hei- matland. Am 23. November 2016 reiste er in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch. Am 30. November 2016 wurde der Beschwerdeführer im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in C._______ zu seiner Person, zu seinem Rei- seweg und summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Per- son [BzP]). Am (…) April 2017 fand die Bundesanhörung zu den Asylgrün- den statt. B. Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er sei ledig, stamme aus D._______ und habe dort bis Ende 2014 mit seinen Eltern gelebt. Nach seinem Maturaabschluss habe er gelegentlich als Bauarbeiter gearbeitet oder bei der Pistazienernte aus- geholfen. Nach dem Leisten seines Militärdienstes – 2011 oder 2012 – sei er für kurze Zeit Mitglied des Jugendflügels der HDP (Halkların Demokratik Partisi [Demokratische Partei der Völker ]) gewesen. Obwohl er diese Tä- tigkeit lediglich im Geheimen und ohne Wissen der heimatlichen Behörden ausgeführt habe, habe er nach kurzer Zeit aufgehört, sich dort weiter zu engagieren, da er Angst vor staatlichen Repressionen gehabt habe. Im Jahr 2014 sei er von den türkischen Behörden unter Druck gesetzt wor- den, weil er Kontakte zur PKK (Partiya Karkerên Kurdistanê [Arbeiterpartei Kurdistans]) gehabt habe . Z udem sei er ständig wegen seines Bru ders E._______ (N …) und seines Onkels F._______ (N …), welche beide Mit- glieder der PKK gewesen seien, durch die Behörden beschattet worden. Er habe kein soziales Leben mehr führen könne n. Er sei mehrmals vom türkischen Militär festgenommen und befragt worden. Ungefähr ein Jahr bevor er sich selber der PKK angeschlossen habe, sei er anlässlich der Geburtstagsfeier von Abdullah Öcalan ("Serok"), an welcher er teilgenom- men habe, festgenommen und vom lokalen Polizeikommandanten unter Androhung mit dem Tod unter Druck gesetzt worden, sich als Spitzel zu betätigen, wobei er Informationen im Zusammenhang mit seiner früheren Mitgliedschaft bei den H DP hätte liefern sollen. Zudem sei er mehrmals wegen seines Bruders und seines Onkels befragt worden. D-1935/2018 Seite 3 Schliesslich habe er sich Ende 2015 entschlossen, für die PKK aktiv zu werden. Nach einer knapp dreimonatigen Ausbildung in einem Camp in der Nähe von G._______ sei er aufgefordert worden, die YPG (Yekîneyên Pa- rastina Gel [Kurdische Volksverteidigungseinheiten]) zu unterstützen und nach Syrien zu reisen, wo er sich aktiv an den Kämpfen beteiligt, aber auch in der Logistik gearbeitet habe. Er habe das kurdische Volk verteidigt und gegen den Islamischen Staat (IS) in H._______, I._______, J._______ so- wie anderen Orten gekämpft. Seit er nach einem Selbstmordattentat die Leichenteile von drei Freunden, welche bei diesem Anschlag ums Leben gekommen seien, habe einsammeln müssen, habe er sich sehr schlecht gefühlt. Er habe immer wieder erbrechen müssen und sei ständig ohn- mächtig geworden. Seither leide er unter Einschlafschwierigkeiten und Ver- dauungsbeschwerden. Ungefähr einen Monat nach diesem Erlebnis – im Oktober 2016 – habe er sich von der YPG getrennt und sei über den Irak nach K._______ gelangt, wo er seine Eltern kontaktiert und seine Ausreise organisiert habe. In der Folge sei bei seiner Familie mehrmals nach ihm gefragt worden und es sei zu ein bis zwei Hausdurchsuchungen gekom- men. Er legte ein Bestätigungsschreiben betreffend seine Mitgliedschaft bei der Bezirkspartei BDP (Partiya Aştî û Demokrasiyê [Partei des Friedens und der Demokratie]) in L._______ vom (…) April 2017 sowie eine Kopie seines Maturadiploms ins Recht. Auf die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers wird, soweit we- sentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. C. Mit Verfügung vom 27. Februar 2018 – eröffnet am 28. Februar 2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. D. Der Beschwerdeführer focht mit Eingabe s eines Rechtsvertreters vom 3. April 2018 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsge richt an und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und ihm sei Asyl zu gewäh- ren. Eventualiter sei er vorläufig aufzunehmen. In pro zessualer Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. D-1935/2018 Seite 4 E. Mit Zwischenverfügung vom 10. April 2018 hiess die damalige Instruktions- richterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter der Voraussetzung der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung gut und setzte dem Beschwerdeführer eine Frist, um entweder eine solche ein- zureichen oder einen Kostenvorschuss zu zahlen. F. Der Kostenvorschuss ging am 24. April 2018 bei der Gerichtskasse ein. G. Mit Verfügung vom 30. April 2018 wurde das SEM eingeladen, eine Ver- nehmlassung einzureichen. H. Die Vorinstanz ging mit ihrer Vernehmlassung vom 7. Mai 2018, welche dem Beschwerdeführer am 8. Mai 2018 zur Kenntnis gebracht wurde, auf die in der Beschwerde zitierten Berichte über die allgemeine Lage in der Türkei ein und wies auf die Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers hin. Ansonsten hielt sie an ihren Erwägungen fest. I. Mit Replik vom 22. Mai 2018 nahm der Beschwerdeführer – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – Stellung. J. Mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2020 erhielt der Beschwerdeführer die Gelegenheit, allfällige Ergänzungen anzubringen oder weitere Beweis- mittel einzureichen. K. Mit Eingabe vom 21. Februar 2020 teilte der Beschwerdeführer mit, er ver- füge über keine neu en Beweismittel und habe keine Ergänzungen anzu- bringen. L. Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Verfahren auf die im Rubrum aufgeführte vorsitzende Richterin umgeteilt. D-1935/2018 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge- richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal- tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vor - instanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die be- schwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG; SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgeset- zes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101). In Anwendung der Übergangsbestimmungen gilt für das vorliegende Verfahren das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe- stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist somit einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). D-1935/2018 Seite 6 3. 3.1 Im vorliegend zu beurteilenden Fall ist zunächst umstritte n, ob die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat. 3.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz im Wesentlichen an, dass sie am Wahrheitsgehalt der gesamten Vorbringen des Beschwer- deführers zweifle, da seine Aussagen oberflächlich und teilweise wider- sprüchlich ausgefallen seien. Deshalb könne auf die Prüfung der Asylrele- vanz verzichtet werden. Der Beschwerdeführer habe trotz mehrmaliger Aufforderung, ausführlich zu berichten, nur kurzangebunden und oberflächlich zu den ihm gestellten Fragen geantwortet. Seine Schilderungen im Zusammenhang mit seinen angeblichen Problemen mit den türkischen Behörden in seinem Heimat- dorf, dem Anschluss an die PKK sowie seinem Einsatz in Syrien würden jeglicher subjektiven Prägung entbehren. So sei er bei Detailfragen zu den Vorbringen immer wieder abgeschweift und habe mehrmals wiederholt, dass er sich aufgrund seiner traumatischen Erlebnisse in Syrien nicht mehr an Einzelheiten erinnern könne, was angesichts der fehlenden Komplexität der ihm gestellten Fragen nicht überzeuge und zum Schluss führe, er habe D-1935/2018 Seite 7 die dargelegten Ereignisse nicht selber erle bt. Weiter sei es zu verschi e- denen Widersprüchen gekommen. So habe er anlässlich der BzP erklärt, sich fünf oder sechs Monate vor seinem Anschluss an die PKK Ende des Jahres 2014 für den Jugendflügel der BDP engagiert zu haben, wohinge- gen er in der Bundesanhörung angegeben habe, in den Jahren 2011 oder 2012 kurzzeitig Mitglied der HDP gewesen und erst Ende des Jahres 2015 zur PKK gestossen zu sein. Auf diese inhaltlichen und zeitlichen Wider- sprüche angesprochen, habe er lediglich eine stereotype Erklärung, er könne sich nicht mehr an Einzelheiten erinnern, geben können. Ferner ergäben sich Zweifel an seinen politischen Aktivitäten und das hierzu er- brachte Bestätigungsschreiben der Partei widerspreche seinen Aussagen. Weiter weise dieses Dokument keine fälsch ungssicheren Merkmale auf, weshalb der Beweiswert als unzureichend zu betrachten sei. Schliesslich habe es Widersprüch e zu den Ortschaften, in welchen er in Syrien ge- kämpft habe, gegeben und auch die Schilderungen zur erwähnten Anzahl von Kämpfen, an welchen er teilgenommen habe, seien in der BzP anders als in der A nhörung ausgefallen. Ausserdem habe er einmal erklärt, sein Vater sei im Zeitpunkt seiner Ausreise Dorfschützer gewesen, wobei er ein anderes Mal dargelegt habe, sein Vater sei bis ungefähr 2006 in dieser Position gewesen und anschliessend pensioniert worden. Weiter über- zeuge seine Aussage, er sei von im Dorf ansässigen Agenten der AKP (Adalet ve Kalkınma Partis [Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung]) ver- raten worden, nicht, da diese Begründung zu wenig stichhaltig ausgefallen sei. Ferner sei auch die geltend gemachte Reflexverfolgung zu bezweifeln, da seine Darlegungen auch zu diesem Punkt lediglich oberflächlich und vage ausgefallen seien. Aus den Aussagen zu seinen mehrmaligen Verhaftun- gen gehe hervor, dass er nicht gezielt und jeweils nur kurz von den türki- schen Behörden gefangen genommen wo rden sei und nicht, wie er ver- sucht habe darzulegen, unzählige Male verhaftet worden sei. Seinen Aus- sagen sei nicht zu entnehmen, inwiefern er wegen seines Bruders und sei- nes Onkels erst rund acht respektive neu n Jahre nach deren Einreise in die Schweiz selber ins Visier der Behörden geraten sein soll und weshalb nur er, und nicht auch seine in der Türkei wohnhaften Familienmitglieder, behelligt worden sei. Zudem habe er widersprüchliche Angaben zu seinen Identitätspapieren gemacht, welche auch nach Nachfragen durch seine Er- klärungen nicht hätten entkräftet werden können. Vielmehr sei davon aus- zugehen, dass er den s chweizerischen Asylbehörden Angaben zu seiner Reiseroute und den dabei verwendeten Ausweisdokumenten verheimli- chen wolle. D-1935/2018 Seite 8 Schliesslich sei eine Wegweisung in die Türkei auch nach dem Militär- putschversuch vom Juli 2016 zumutbar, da keine Situation allgemeiner Ge- walt herrsche. Zu dem gelte für ihn als türkischen Staatsangehörigen die Niederlassungsfreiheit und er könne an jedem beliebigen Ort in seinem Heimatland wohnen. Sein in M._______ lebender Bruder sowie seine wei- teren in der Türkei wohnhaften Verwandten könnten ihn bei der Reintegra- tion unterstützen. Angesichts seiner Ausbildung sowie seiner mehrjährigen Arbeitserfahrung in v erschiedenen Sektoren könne davon ausgegangen werden, dass er eine Anstellung finden und für seinen Lebensunterhalt auf- kommen könne. Schliesslich sei eine Wegweisung in sein Heimatland auch vor dem Hintergrund seiner psychischen Probleme zumutbar, da der türki- sche Staat über einen guten medizinischen Standard verfüge und es ihm möglich sei, sich gegebenenfalls dort in Behandlung zu begeben. 4.2 Bezüglich der ihm vorgeworfenen knappen Aussagen hielt der Be- schwerdeführer in seiner Beschwerde entgegen, er weise einen tendenziell wortkargen Charakter auf und habe aufgrund seiner Erfahrungen gelernt, sich nicht in detaillierter oder in persönlicher Weise vor Behörden zu äus- sern, insbesondere gelte dies e Angst gegenüber für ihn fremden Behör- den. Seine kurzen, jedoch authentischen Antworten seien vor diesem Hin- tergrund zu betrachten. Auch sei das Erlebte für ihn immer noch schmerz- haft und es falle ihm schwer, sich erneut mit diesen Erlebnissen auseinan- dersetzen zu müssen, weshalb es von der Vorinstanz falsch sei zu glau- ben, es fehle an Realkennzeichen. Zu den angeblichen Widersprüchen sei es gekommen, weil er während der BzP aufgefordert worden sei, sich kurz zu halten und sich erst in der Bundesanhörung detailliert zu äussern, was er angesichts seiner stimmigen Aussagen auch gemacht habe. In Bezug auf den Widerspruch zu seiner Mitgliedschaft bei einer politischen Partei sei klarzustellen, dass es zwischen der BDP und der HDP zu grossen per- sonellen Überschneidungen komme und im Alltag beide Abkürzungen in synonymer Weise verwendet würden. Dem Einwand der Vorinstanz, das Bestätigungsschreiben seiner Mitgliedschaft bei der BDP sei nicht fäl- schungssicher, sei zu widersprechen, da es in der Natur der Sache liege, dass dieses Dokument über keine Si cherheitsmerkmale verfüge. Weiter seien die Vorwürfe bezüglich der Angaben zu den Orten, in welchen er in Syrien gekämpft habe, nic ht widersprüchlich, sondern sei en als beispiel- hafte Aufzählungen zu verstehen. Es sei im Gegenteil als Realkennzeichen zu werten, dass er in den beiden Anhörungen nicht genau dieselben Orte erwähnt habe. D-1935/2018 Seite 9 Im Zusammenhang mit seiner geltend gemachten Reflexverfolgung sei an- zumerken, dass es zwar durchaus verständlich sei, wenn die Vorinstanz Zweifel habe, dass er erst nach einer solch langen Zeitspanne von den Behörden gesucht worden sei. Es sei jedoch darauf hinzuweisen, dass das Vorgehen der türkischen Behörden unberechenbar sei und entsprechende Verfolgungen mit grosser zeitlicher Verzögerung erfolgen könnten. Schliesslich habe er mit bestem Wissen und Gewissen von seiner Flucht- route erzählt, weshalb auch hier nicht von einer Unglaubhaftigkeit der dies- bezüglichen Angaben ausgegangen werden dürfe. Insgesamt habe er seine Asylvorbringen glaubhaft dargelegt und ihm würde bei einer Rückkehr in sein Heimatland eine konkrete und akute Ver- folgung an Leib und Lebe n drohen. Die erwähnten Tatsachen sowie die allgemeine Gewalt gegenüber Kurden in der Türkei werde mit den in der Beschwerde zitierten Ausschnitten der Berichte von Amnesty International und Humanrights zusätzlich untermauert. 4.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, dass die in der Be- schwerde zitierten Berichte über die allgemeine Lage in der Türkei auf- grund fehlenden Zusammenhangs zum Beschwerdeführer ungeeignet seien, seine individuelle Gefährdung zu be gründen. Zudem könne die mangelnde Substanz seiner Aussagen nicht auf seine traumatischen Er- lebnisse zurückgeführt werden. Schliesslich würden seine Erklärungen zu den Widersprüchen nicht überzeugen. 4.4 In seiner Replik wies der Beschwerdeführer erneut darauf hin, dass er anlässlich der BzP angehalten worden sei, nur das Wesentliche zu nennen, weshalb er sich an diese Weisung gehalten habe. Schliesslich habe er sich während der Bundesanhörung in einer Stresssituation befunden, insbeson- dere, weil er bish er in se inem Heimatland nur schlechte Erfahrungen mit Behörden gemacht habe und er deshalb aus Angst nur wenig von sich preisgegeben habe. Seine Aussagen seien sehr wohl glaubhaft und wahr. 5. 5.1 In einem ersten Schritt ist die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Be- schwerdeführers zu prüfen. 5.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder D-1935/2018 Seite 10 der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch- stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge- richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma- chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 5.3 Die von der Vorinstanz als substanzlos und widersprüchlich erachteten Schilderungen zum Anschluss des Beschwerdeführers an die PKK respek- tive die YPG sowie zur anschliessenden Ausbildung und den darauffolgen- den Einsätzen in Syrien qualifiziert das Bundesverwaltungsgericht grund- sätzlich als glaubhaft . Auf den ersten Blick wirken seine Erläuterungen zwar tatsächlich eher kurzangebunden, in Anbetracht des gesamten Pro- tokolls ist jedoch festzustellen, dass er sich trotz der Kürze seiner Aussa- gen klar ausdrückte, wobei hervorzuheben ist, dass keine Übertreibungen ersichtlich sind, welche darauf hindeuten würden, er wolle seine Erlebnisse aufbauschen. So schilderte er prägnant und informativ seine erste Begeg- nung, seinen Anschluss an die YPG und die anschliessende Wanderung in die Berge (vgl. act. A17/32, F105-120). Insbesondere fällt auf, wie er hierzu Nebensächliches erw ähnte und anschaulich beschrieb, wie er vor dem Erstkontakt mit Mitgliedern der YPG anhand von Handyanrufen und dem Leuchten mit Taschenlampen nach N._______ zu einem Treffpunkt gelotst wurde (vgl. act. A17/32, F1 10 ff.). Eindrücklich wirkt auch seine Schilde- rung, wie seine beiden Kontaktpersonen umgehend nach seinem E intref- fen sein Handy zerstört haben, um eine allfällige Lokalisierung seines Stan- dortes zu vermeiden (vgl. act. A17/32, F112). Sodann sind seine persönli- chen Überlegungen zum Anschluss sowie zum Ausstieg bei der PKK als D-1935/2018 Seite 11 Realkennzeichen zu werten (vgl. act. A17/32, F1 11, F113, F123, F160). Weiter beschrieb er anschaulich, wie er ein Tagebuch mit Fotos führte, die- ses jedoch bei der Überquerung der türkischen Grenze aus Sicherheits- gründen habe vernichten müssen (vgl. act. A17/32, F161). Ebenso ein- drücklich und mit persönlichen Emotionen versehen erzählte er, wie stolz er gewesen sei, für den Kampf in Syrien auserwählt worden zu sein (vgl. act. A17/32, F179). Ferner legte er lebensnah dar, wie er den Verlust von drei seiner Freunde bei einem Selbstmordanschlag erlebte (vgl. act. A17/32, F230, F237, F238). Die Widersprüche zu den gemachten Zeitan- gaben zu seiner Zeit bei der YPG lassen sich zwar nicht ganz auflösen, fallen jedoch angesichts der ausgeprägten Realkennzeichen seiner Schil- derungen nicht entscheidend ins Gewicht. Hinsichtlich seiner angeblich di- vergierenden Aussagen bezüglich seiner Einsatzorte in Syrien ist anzumer- ken, dass sich bei näherer Betrachtung seine diesbezüglichen Aussagen nicht widersprechen. So erwähnte er anlässlich der BzP wie auch an der Anhörung stimmig, er sei nach H._______ gesendet worden und habe sich vorwiegend im Rahmen seiner logistischen Tätigkeiten dort aufgehalten (vgl. act. 6/12, F7.01 f.; A17/32, F249). Er erwähnte weitere Ortschaften im kurdisch besetzten G ebiet im Norden Syriens, wobei es durchaus nach- vollziehbar erscheint, dass er sich nicht detailliert an alle Orte hat erinnern können, insbesondere, da er sich nicht genau im Gebiet ausgekannt haben konnte. 5.4 Auch die Vorbringen, er sei mehrmals von den türkischen Behörden mitgenommen worden, sind als insgesamt g laubhaft einzustufen (vgl. act. A17/32, F253). Entgegen der Argumentation der Vorinstanz entsteht auch nicht der Eindruck, dass er durch das Erwähnen seiner wiederkeh- renden Verhaftungen versucht hat, die Situation übertrieben darzustellen. So präzisierte er, dass er anlässlich des Geburtstags von "Serok" während einer bis zwei Stunden festgehalten, jedoch ansonsten kaum auf einen Posten mitgenommen worden sei. Man habe ihn zwar mehrmals mit einem Jeep weggeführt, um ihm eine Spitzeltätigkeit für die türkischen Behörden aufzudrängen, anschliessend sei er jedoch jeweils irgendwo in der Nähe des Dorfes freigelassen worden (vgl. act. A17/32, F253 f.). Zudem legte er seine letzte Festnahme auf dem Posten von O._______ sowohl anlässlich der BzP als auch während der Anhörung übereinstimmend und auch in zeitlicher Hinsicht kongruent dar (vgl. act. A17/32, F258-264). 5.5 Indessen kommen Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Ausführungen im Zusammenhang mit der behördlichen Suche nach ihm auf. Anlässlich der BzP erklärte er, dass sein Vater als Dorfschützer arbeite und deshalb D-1935/2018 Seite 12 wisse, dass er (der Beschwerdeführer) behördlich gesucht werde und man zwei oder drei Mal nach ihm gefragt habe. Darüber sei er von seinem Vater informiert worden (vgl. act. A6/12, F7.02). Während der Anhörung legte er hingegen dar, sein Vater sei seit 2006 pensioniert und er sei von seiner Mutter über die Behördenbesuche informiert worden, wobei es zusätzlich zu einer Hausdurchsuchung gekommen sei (vgl. act. A17/32, F78 ff., F48- 52). Schliesslich geht aus den diesbezüglichen Schilderungen nicht hervor, aus welchen Gründen nach seinem Verbleib gefragt worden sei, respektive ob es sich dabei – wie bereits zuvor – um weitere Nachfragen nach seinem Bruder und dem Aufdrängen de r Spitzeltätigkeit gehandelt habe . Weitere Details zum geltend gemachten Verfolgungsinteresse durch die türkischen Behörden nach seiner Flucht aus dem Heim atland konnte er nicht darle- gen. Auch ist davon auszugehen, dass es seither respektive bis zum heu- tigen Zeitpunkt zu keinen weiteren , besonderen Vorfällen gekommen ist, zumal auch aus seiner Eingabe vom 21. Februar 2020 nichts Gegenteili- ges hervorgeht. 5.6 In Bezug auf seine politischen Aktivitäten als Mitglied bei der HDP ist es zu verschiedenen Unklarheiten gekommen. So geht aus dem Anhö- rungsprotokoll hervor, dass die türkischen Behörden einerseits nichts von seiner ehemaligen Tätigkeit bei der HDP respektive BDP gewusst hätten und er selber nach einer kurzen und sehr diskreten Partizipation aus Si- cherheitsgründen seine Mitgliedschaft aufgegeben habe respektive nicht weiter aktiv geblieben sei (vgl. act. A17/32, F280). An anderen Stellen im Protokoll erwähnte er hingegen, die Behörden würden wissen, dass er bei der BDP sei (vgl. act. A17/32, F52, 262). Ferner konnte er keine detaillier- ten Angaben in Bezug auf seine Parteiaktivität geben. Seine Darlegungen erschöpfen sich in allgemeinen Aussagen, er habe alle ihm auferlegten Aufgaben für die Partei im Geheimen ausgeführt, ohne diese jedoch näher zu präzisieren. Sodann verwechselte er die beiden Parteien miteinander . Ausserdem ist zu bemerken, dass sich der Inhalt des eingereichten Bestä- tigungsschreibens der Partei mit seinen Aussagen zum Eintrittsdatum so- wie zur Mitgliedschaft sdauer widerspricht (vgl. act. A6/12, F7.02; act. A17/32, F280). Auch wenn de r Beschwerdeführer in seiner Be- schwerde geltend macht e, dass die beiden Parteien über grosse perso- nelle Überschneidungen verfügten, kann von einem engagierten Parteimit- glied erwartet werden, über die Unterschiede der beiden Parteien im Bilde zu sein. Aufgrund seiner Ausführungen ist davon auszugehen, dass er – wenn überhaupt – lediglich kurz und in unbedeutender sowie verstec kter Weise politisch aktiv war und deshalb kaum behördlich aufgefallen ist. D-1935/2018 Seite 13 5.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Schilderungen des Be- schwerdeführers im Zusammenhang mit seinem Anschluss an die PKK, dem Einsatz in Syrien für die YPG und seine Anwerbung zur Spitzeltätigkeit als glaubhaft einzustufen sind und den Anforderungen an Art. 7 AsylG ge- nügen. Hingegen kann seinen Darstellungen, er werde wegen der politi- schen Tätigkeit bei einer pro-kurdischen Partei gesucht sowie der behörd- lichen Suche nach ihm, nicht geglaubt werden. 6. 6.1 In einem weiteren Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer h in- sichtlich seiner glaubhaft gemachten Vorbringen einer asylrelevanten Ver- folgung ausgesetzt ist. 6.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf- gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind respektive zugefügt zu werden drohen, und sie vor diesen keinen ausreichenden staatlichen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und 2008/4 E. 5.2, je m.w.H.). Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne dieser Bestim- mung liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehba- rer Zukunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende Anhalts- punkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Men- schen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent- schluss zur Flucht hervorrufen würden. Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingsei- genschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 6, 2008/12 E. 7.2.6.2 und 2008/4 E. 5.2). 6.3 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeit punkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder der begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktual ität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Si- tuation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb D-1935/2018 Seite 14 zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berück- sichtigen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 6, 2011/50 E. 3.1.1 und 3.1.2, 2010/57 E. 2, 2008/34 E. 7.1, 2008/12 E. 5.2 und 2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 6.4 Wie bereits ausgeführt, ist davon auszugehen, dass die türkischen Be- hörden nicht in Kenntnis über die geltend gemachte Mitgliedschaft des Be- schwerdeführers beim Jugendflügel der BDP waren, zumal er erklärte, die Mitgliedschaft lediglich für kurze Zeit und im Geheimen wahrgenommen zu haben (vgl. E. 5.6). Auch geht aus den Akten nicht hervor, dass ihm von den heimatlichen Behörden eine konkrete Tat angelastet worden wäre und ein Strafverfahren gegen ihn hängig ist oder er verurteilt wurde . Die von ihm geltend gemachten Aufforderungen zur Spitzeltätigkeit sowie die Mit- nahmen im Jeep und die Festnahme auf dem Posten in O._______ durch den lokalen Polizeikommandanten erreichen die I ntensität einer objektiv begründeten Furcht vor einer asylrechtlich relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nicht. 6.5 Sodann ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer weder stichhaltig darlegen konnte, wegen seines Einsatzes in Syrien für die PKK respektive YPG gesucht noch jemals denunziert oder strafrechtlich verfolgt worden zu sein. Es ist davon auszugehen, dass die türkischen Behörden darüber nicht in Kenntnis sind. Folglich erscheint es auch wenig wahrscheinlich, dass ein politisches Datenblatt von ihm in der Türkei angelegt wurde (vgl. BVGE 2010/9 E . 5.3; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005/11 E. 5.1). Des Weiteren ist weder aus seinen Eingaben noch aus den Anhörungsprotokollen ersichtlich, dass seine in der Türkei lebenden Familienangehörigen im Zusammenhang mit seinem Einsatz in Syrien oder wegen seiner Ausreise Nachteilen ausge- setzt waren, welche darauf schliessen lassen würden, dass er, sofern dies überhaupt je der Fall war, weiter behördlich gesucht würde. Gesamthaft betrachtet verfügt der Beschwerdeführer über kein politisches Profil, wel- ches ihn bei seiner allfälligen Rückkehr – dies auch unter Beachtung der aktuellen Situation in der Türkei (vgl. Urteil des BVGer D -3520/2015 vom 1. September 2017 E. 7.5) – in den Fokus der türkischen Behörden rücken lassen würde. 6.6 Hinsichtlich der geltend gemachten Reflexverfolgung wegen des Bru- ders und Onkels des Beschwerdeführers ist festzustellen, dass die Wahr- scheinlichkeit, Opfer einer solchen Reflexverfolgung zu werden, sich vor D-1935/2018 Seite 15 allem dann erhöht, wenn nach einem flüchtigen Familienmitglied gefahndet wird und die Behörde Anlass zur Vermutung hat, dass jemand mit der ge- suchten Person in engem Kontakt steht. Am ehesten dürften Personen von einer Reflexverfolgung bedroht sein, bei denen ein eigenes nicht unbedeu- tendes politisches Engagement für illegale politische Organisationen hin- zukommt beziehungsweise ihnen seitens der Behörden unterstellt wird, und die sich offen für politisch aktive Verwandte einsetzen (vgl. etwa Urteile des BVGer D-5089/2015 vom 30. Mai 2018 E. 8.2 oder D-7146/2014 vom 12. Mai 2015 E. 5.5, EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.1, m.w.H.). Obwohl der Be- schwerdeführer aus eine r politisch aktiven Familie stamm t, sein Bru der 1999 der PKK beigetreten ist, zu einer meh rjährigen Haftstrafe verurteilt und in der Schweiz als Flüchtling anerkannt wurde, ist keine Gefährdung des Beschwerdeführers im Sinne einer Reflexverfolgung zu erkennen. Es gelang ihm nicht, hinreichend dar zulegen, dass er wegen seines Bruders in besonderen Masse behelligt worden war. Auch sind dem Beschwerde- führer wegen seines Onkels, welcher des verfolgten Bruders wegen ange- halten, bedroht und misshandelt worden war, keine Nachteile entstanden. Zwar erklärte er, wegen seines Bruders und seines Onkels unter Beobach- tung der heimatlichen Behörden gestanden zu haben und ihretwegen mehrmals befragt worden zu sein (vgl. act. A17/32, F92, F253, F272; F275- 276). Weitere Nachteile machte er in diesem Zusammenhang jedoch nicht geltend. Sein Bruder wurde 2006 als Flüchtling in der Schweiz anerkannt. Ebenso lebt sein Onkel, welcher für die PKK tätig gewesen ist, seit 2006 in der Schweiz. Bei einer vorhandenen Reflexverfolgung wäre anzunehmen gewesen, dass der Beschwerdeführer bereits zu einem früheren Zeitpunkt wesentlichen, asylrechtlich relevanten Nachteilen ausgesetzt gewesen wäre. Für ein mangelndes behördliches Verfolgungsinteresse spricht auch die Tatsache, dass er auch während seiner Militärdienstzeit keinen beson- deren Benachteiligungen oder Problemen , ausse r verschiedenen Be- schimpfungen, ausgesetzt gewesen war (vgl. Act. A17/32, F10-16, F284) sowie lediglich einmal während ungefähr zwei Stunden – nach einer Ge- burtstagsfeier zu Ehren von Abdullah Öcalan – inhaftiert wurde (vgl. act. A17/32, F267). Eine intensive Behelligung wäre jedoch anzunehmen gewesen, wenn er von den türkischen Behörden mit seinen politisch akti- ven Familienangehörigen im Ausland in Verbindung gebracht worden wäre. Schliesslich geht aus den Akten nicht hervor, dass seine Geschwister und weitere Familienangehörige, welche in der Türkei leben, behelligt worden waren. 6.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer in sei- nem Heimatland keiner asylrechtlich relevanten Verfolgung im Sinne von D-1935/2018 Seite 16 Art. 3 AsylG ausgesetzt ist. Auch eine Reflexverfolgung ist auszuschlies- sen. Schliesslich kann es angesichts der vorangehenden Erwägungen of- fengelassen werden, ob seine Kampfhandlungen in Syrien sowie insbe- sondere die Tötung von Feinden im Kampf als verwerfliche Handlungen im Sinne einer Asylunwürdigkeit gemäss Art. 53 AsylG zu qualifizieren wären. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration [AIG; SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 8.2.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 D-1935/2018 Seite 17 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK; SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge- nossenschaft vom 18. April 1999 (BV ; SR 101), Art. 3 des Übereinkom- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder ernied rigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtling seigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht- mässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akt en Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre . Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer, 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-D-1935/2018 Seite 18 grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 Auch unter Berücksichtigung des Wie deraufflammens des türkisch- kurdischen Konfliktes sowie der bewaffneten Auseinandersetzungen zwi- schen der PKK und staatlichen Sicherheitskräften seit Juli 2015 in ver- schiedenen Provinzen im Südosten des Landes (im Einzelnen: Batman, Diyarbakir, Mardin, Sii rt, B._______ und Van, anders als die Provinzen Hakkari und Sirnak, zu den Letzteren vgl. BVGE 2013/2 E. 9.6) sowie der Entwicklungen nach dem Militärputschversuch im Juli 2016 ist gemäss konstanter Praxis nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder bür- gerkriegsähnlichen Verhältnissen in der Türkei – auch nicht für Angehörige der kurdischen Ethnie – auszugehen (vgl. statt vieler Urteile des BVGer E- 2377/2018 vom 27. August 2019 E. 8.4.1, D-8410/2015 vom 27. Juni 2019 E. 7.4 und E-6717/2018 vom 12. Dezember 2018 E. 7.3.2). 8.3.3 Schliesslich liegen keine individuellen Gründe vor, die gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen würden. So ist es dem Beschwerdeführer aufgrund der in der Türkei herrschenden Niederl assungsfreiheit möglich, sich in einer Provinz seiner Wahl niederzulassen. Zwar kann er keine Aus- bildung, dafür aber eine mehrjährige Berufserfahrung in verschiedenen Be- reichen vorweisen. Sein in P ._______ lebender Bruder sowie seine weite- ren Verwandten können ihm bei seiner Reintegration hilfreich zur Seite ste- hen, weswegen es unwahrscheinlich erscheint, dass er bei seiner Rück- kehr in eine existenzbedrohende Lage geraten würde. Auch der gesundheitliche Zustand des Beschwerdeführers lässt den Weg- weisungsvollzug nicht als unzumutbar erscheinen. So machte er zwar an- lässlich der Anhörung geltend, er leide unter physisc hen sowie psychi- schen Problemen. Seine medizinischen Vorbringen wurden jedoch nie an- hand eines Arztberichtes bestätigt, so dass nicht davon auszugehen ist, dass es sich bei seinen Leiden um gravierende medizinische Gründe han- delt, welche nicht auch in der Türkei behandelt werden könnten. 8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. D-1935/2018 Seite 19 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer , sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Feb- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal- tungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]; Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-1935/2018 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Chiara Piras Martina Von Wattenwyl Versand: