Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Oktober 2014 (715 13 360) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Ablehnung der Anspruchsberechtigung aufgrund arbeitgeberähnlicher Stellung; Ausfüh- rungen betreffend die Kritik an der Praxis des Bundesgerichts zu Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG von Franz Schlauri (JaSo 2012, S. 203 ff.); Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Markus Schmid, Rechtsanwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32 , 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. A.____ arbeitete seit dem Jahr 2002 in einem 40% -Pensum als Verantwortliche für das Marketing, das Personalmanagement und die Projekte bei der B.____ in Frenkendorf. Wegen Arbeitsüberlastung kündigte sie am 30. Oktober 2012 ihre Anstellung per 30. April 2013. In der Folge meldete sich A.____ am 8. Januar 2013 beim Re gionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Liestal zur Arbeitsvermittlung an. Am 30. Januar 2013 stellte sie bei der Arbeitslosenkas- se Basel-Landschaft (Kasse) einen Antrag auf Ausric htung von Arbeitslosenentschädigung ab Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Mai 2013. Mit Verfügung Nr. 1336/2013 vom 19. Juli 2013 lehnte die Kasse die Anspruchsbe- rechtigung der Versicherten ab 1. Mai 2013 ab. Zur Beg ründung wurde im Wesentlichen ange- führt, dass sie gemäss Eintrag im Handelsregister vom 19. J uli 2013 weiterhin Mitglied des Verwaltungsrates mit Kollektivunterschrift zu zweien sei. Sie übe deshalb eine arbeitgeberähnli- che Stellung aus und könne die Entscheidungen des Arbeit gebers bestimmen oder massge- blich beeinflussen. Sie gehöre zum Kreis der Personen, denen kein Anspruch auf Kurzarbeits- entschädigung zukomme. Aus diesem Grund müsse der Anspru ch auf Arbeitslosenentschädi- gung abgelehnt werden. Die von der Versicherten gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit Baselland, Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse Basel-Landschaft (K IGA), mit Entscheid vom 7. No- vember 2013 ab. B. Mit Eingabe vom 9. Dezember 2013 erhob A.____, vert reten durch Advokat Markus Schmid, Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel -Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, es sei d er Einspracheentscheid vom 7. No- vember 2013 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr mit Wirkung ab 1. Mai 2013 Arbeitslosentaggelder in der gesetzlichen Hö he auszurichten. Zudem wurde die Durchführung einer Parteiverhandlung beantragt; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde zusammenfassend vortragen, dass die Regelung von Art. 31 A bs. 3 lit. c des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 nicht auf ihren Fall anwendbar sei. Un ter Hinweis auf die Lehre wurde weiter ausgeführt, dass der Analogieschluss von der Vorschrift ü ber Kurzarbeitsentschädigung (KAE) auf den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung unzulässig sei. Selbst wenn dieser ungesetz- lichen Praxis des Bundesgerichts gefolgt würde, sei der an gefochtene Einspracheentscheid dennoch aufzuheben. So habe es die Beschwerdegegnerin un terlassen, die konkrete Miss- brauchsgefahr darzulegen. Insbesondere habe sie nicht abgeklärt, wie hoch die prozentuale Beteiligung der Beschwerdeführerin am Familienuntern ehmen sei. Wäre sie ihrer Pflicht zum umfassenden Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes nachgekommen, hätte die Be- schwerdegegnerin feststellen müssen, dass der Anteil lediglich 5% betrage und damit unbedeu- tend sei. Dazu komme, dass die Beschwerdeführerin das Ar beitsverhältnis auch aufgrund von Streitigkeiten mit dem Hauptaktionär aufgelöst habe. Weiter wurde ausgeführt, dass die Vermitt- lungsfähigkeit nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sei. C. Die Kasse schloss in ihrer Vernehmlassung vom 23. Janua r 2014 auf Abweisung der Beschwerde. Entgegen den in der Beschwerde gemachten Ausführungen hielt sie fest, dass der kritisierte Analogieschluss des Bundesgerichts als Recht ens erachtet werde und es keinen Anlass gebe, von dieser Praxis abzuweichen. Die Beschwerdef ührerin gehöre zum Kreis jener Personen, die vom Bezug von Arbeitslosentaggeldern ausgesc hlossen sei, weshalb ihr An- spruch zu Recht abgelehnt worden sei. D. Die Beschwerdeführerin liess am 17. Juni 2014 ihre Replik einreichen. Die Duplik der Beschwerdegegnerin vom 21. Juli 2014 ging am 22. Juli 2014 beim Kantonsgericht ein. Beide Parteien hielten an ihren Anträgen und Standpunkten fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung, an welch er die Beschwerdeführerin, Advokat Schmid, Caroline Roth-Scheck als Vertreterin der Beschwer degegnerin sowie die Auskunfts- personen C.___, D.___ und E.___ teilgenommen haben, hielten die Parteien an ihren Rechts- begehren fest. Auf die konkreten Ausführungen der Par teien und der Auskunftspersonen wird, soweit notwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs.1 und Art. 57 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 AVIG auf die ob ligatorische Arbeitslosenversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Ve rsicherungsträger Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG grundsätzlich das Versicherungsgericht desjenigen K antons, in dem die versicherte Per- son zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Diese Regelung entspricht nun allerdings für den Bereich der Arbeitslosenversicherung nicht der vor dem Inkrafttreten des ATSG gelten- den Zuständigkeitsordnung, weshalb der Bundesrat in A rt. 100 Abs. 3 AVIG ausdrücklich er- mächtigt worden ist, die örtliche Zuständigkeit des kanto nalen Versicherungsgerichts in Abwei- chung von Art. 58 ATSG zu regeln. Laut Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (A VIV) vom 31. August 1983 ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das Versicherungsgericht desselben Kantons zuständig. Anfechtungsobjekt des vor- liegenden Verfahrens bildet ein Einspracheentscheid, de n das KIGA Baselland als kantonale Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG erlassen hat, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezem ber 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 9. Dezember 2013 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist im vorliegenden Fall, ob die Beschwerdegegnerin berechtigt war, die Anspruchsberechtigung der Beschwerdeführerin ab 1. Mai 2013 zu verneinen. Die Be- schwerdegegnerin begründet ihren Einspracheentscheid zusa mmenfassend damit, dass die Beschwerdeführerin als Mitglied des Verwaltungsrates un d Aktionärin der B.____ aufgrund der vom Schweizerischen Bundesgericht (Bundesgericht) im Be reich von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG entwickelten Rechtsprechung zum Kreis jener Personen geh öre, die vom Bezug von Arbeitslo- sentaggeldern ausgeschlossen seien. 3.1 Gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG haben Personen, d ie in ihrer Eigenschaft als Gesell- schafter oder Gesellschafterin, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entschei dungen des Arbeitgebers bestim- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht men oder massgeblich beeinflussen können, keinen Anspru ch auf Kurzarbeitsentschädigung (KAE). Der Grund für diese Regelung liegt darin, da ss Arbeitgeber und arbeitgeberähnliche Personen über eine unternehmerische Dispositionsfreiheit verfügen, kraft derer sie die Möglich- keit haben, die Voraussetzungen für einen Anspruch auf K urzarbeitsentschädigung für sich selbst herbeizuführen. So können sie insbesondere auch die dafür nötigen Bescheinigungen selber ausstellen bzw. solche Bescheinigungen aus Gefälligkeit erlangen (REGINA JÄGGI , Einge- schränkter Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung bei arb eitgeberähnlicher Stellung durch analoge Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG, in: SZS 48/2004, S. 4). Mit der Regelung in Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG wollte der Gesetzgeber somit verhindern, dass arbeitgeberähnliche Personen missbräuchlich Kurzarbeitsentschädigung erhalten (vgl. zum Ganzen: G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Band I, Bern 1988, Art. 31 N 35 ff.). 3.2. Für den Bereich der Arbeitslosenentschädigung gibt es keine dem Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG entsprechende, unmittelbar anwendbare Norm. Wie das Eidgenössische Versicherungs- gericht (EVG, heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abt eilungen [Bundesgericht]) im Grund- satzentscheid vom 4. September 1997 (BGE 123 V 234 ff.) erwog, kann Kurzarbeit nicht nur in einer Reduktion der Arbeitszeit, sondern auch darin b estehen, dass der Betrieb für eine gewis- se Zeit vollständig stillgelegt wird. Solange ein Arbei tnehmer oder eine Arbeitnehmerin mit ar- beitgeberähnlicher Stellung mit der betreffenden Unternehmung noch in einem Arbeitsverhältnis steht, hat er bzw. sie aufgrund der Ausschlussbestimmung i n Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Wird das Arbeits verhältnis hingegen gekündigt, so gilt die arbeitgeberähnliche Person nach den Erwägungen i m zitierten Entscheid nunmehr als ar- beitslos und kann somit unter den Voraussetzungen von Ar t. 8 ff. AVIG Arbeitslosenentschädi- gung beanspruchen. Behält sie nach der Entlassung aller dings ihre arbeitgeberähnliche Stel- lung im Betrieb bei und kann dadurch dessen Entscheidungen weiterhin bestimmen oder mass- geblich beeinflussen, so läuft die Beanspruchung von Arb eitslosenentschädigung gemäss der Auffassung des Bundesgerichts auf eine rechtsmissbräuchlich e Umgehung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG hinaus, und es besteht auch bei grundsätzlich gegebenen Voraussetzungen nach Art. 8 ff. AVIG kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigun g. Das Bundesgericht begründete den Umgehungstatbestand im erwähnten Entscheid damit, dass die arbeitgeberähnliche Person über die Dispositionsfreiheit verfügt, den Betrieb jed erzeit zu reaktivieren und sich bei Bedarf erneut als Arbeitnehmer einzustellen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 29. März 2007, C 32/06, E. 4.2). Andererseits kann dann nicht mehr vo n einer Gesetzesumgehung gesprochen werden, wenn der Betrieb geschlossen wird und das Aussche iden des betreffenden Arbeitneh- mers bzw. der betreffenden Arbeitsnehmerin mit arbeitg eberähnlicher Stellung definitiv ist oder wenn das Unternehmen zwar weiter besteht, die arbeitge berähnliche Person jedoch mit der Kündigung endgültig auch jene Eigenschaften verliert, derentwegen sie bei Kurzarbeit aufgrund von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG vom Anspruch auf Kurzarbeit sentschädigung ausgenommen wäre (BGE 123 V 234 E. 7b/bb, vgl. dazu auch AVIG Praxis ALE des Staatssekretariats für Wirt- schaft SECO, Stand 1. Januar 2014, Rz. B12 ff.). Der A usschluss arbeitgeberähnlicher Perso- nen vom Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ist gemäss Bundesgericht als absolut zu verstehen. Es ist nicht möglich, den betroffenen Personen unter bestimmten Voraussetzungen im Einzelfall Leistungen zu gewähren (Urteil des EVG vom 17. Oktober 2005, C 179/05, E. 2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG bezweckt, nicht nur dem ausgew iesenen Missbrauch an sich, sondern bereits dem Risiko eines solchen zu begegnen, welches de r Ausrichtung von Arbeitslosent- schädigung an arbeitgeberähnliche Personen inhärent ist (Urteil des EVG vom 12. September 2005, C 131/05, E. 2). 3.3 Bei Arbeitnehmern oder Arbeitnehmerinnen, bei d enen sich aufgrund ihrer Mitwirkung im Betrieb die Frage stellt, ob sie einem obersten betrie blichen Entscheidungsgremium angehören und ob sie in dieser Eigenschaft massgeblich Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen nehmen können, muss jeweils geprüft werden, welche Entsc heidungsbefugnisse ihnen auf- grund der internen betrieblichen Struktur zukommen. Hi ervon ausgenommen sind einzig die mitarbeitenden Verwaltungsräte einer Aktiengesellschaft , da diese unmittelbar von Gesetzes wegen (Art. 716 bis 716b des Bundesgesetztes vom 30. Mär z 1911 betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obliga tionenrecht, OR]) über eine mass- gebliche Entscheidungsbefugnis im Sinne von Art. 31 Abs. 1 lit. c AVIG verfügen. Handelt es sich somit um ein Mitglied des Verwaltungsrates, so greift der persönliche Ausschlussgrund des Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG ohne weiteres, und es bedarf diesfalls keiner weiteren Abklärungen zu den konkreten Verantwortlichkeiten im Unternehmen (Urt eil des Bundesgerichts vom 27. April 2009, 8C_989/2008, E. 2; BGE 123 V 234 E. 7a, 122 V 270 E. 3; ARV 2004 Nr. 21 S. 196, C 113/03, 2002 Nr. 28 S. 183, C 373/00, 1996/97 Nr. 1 0 S. 48, C 35/94, Nr. 31 S. 170, C 296/96, Nr. 41 S. 224, C 42/97). Bei Personen mit arbeitgebe rähnlichen Eigenschaften jedoch kommt es mit Blick auf die Beendigung ihrer Organstellung nich t auf den Zeitpunkt der Löschung im Handelsregister an. Nach der Rechtsprechung des Bundesger ichts ist vielmehr – in Anglei- chung an die Praxis nach Art. 52 AHVG – der tatsächliche Rücktritt, welcher unmittelbar wirk- sam wird, massgebend (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2008, 8C_245/2007, E. 3.2; ARV 2000 Nr. 34 S. 176 zu Art. 51 Abs. 2 AVIG; BGE 1 26 V 134 mit Hinweisen). Die Löschung des Eintrags aus dem Handelsregister kann sich, aus welchen Gründen auch immer, verzö- gern. 3.4 Vorweg ist bereits an dieser Stelle auf die an de r vorstehend zitierten Rechtspre- chung geäusserte Kritik der Beschwerdeführerin einzugehen. Sinngemäss wendet sie ein, diese sei gesetzeswidrig und diskriminiere einen bestimmten Kr eis von Versicherten, die zwar bei- tragspflichtig seien, bei Arbeitslosigkeit aber von Leist ungen ausgeschlossen seien. Sie ver- weist hierfür auf den Aufsatz von FRANZ SCHLAURI , Ungesetzliche Ausschlüsse von der Arbeits- losenentschädigung, Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht (JaSo) 2012, S. 203 ff. Der Autor erachtet insbesondere den Analogieschluss zwischen der Vorsch rift über KAE und dem An- spruch auf Arbeitslosenentschädigung gestützt auf die Geset zesmaterialien als unzulässig; der generelle Ausschluss von Versicherten in arbeitgeberähnli cher Stellung sei rechtswidrig. Die Analogie verkenne zudem, dass es zwischen den Anspruchsvorau ssetzungen der Kurzarbeits- und der Schlechtwetterentschädigung und dem Zweck der Ar beitslosenentschädigung erhebli- che Differenzen gäbe, seien doch die ersteren Leistungs arten faktisch eher Subventionen für den – aus konjunkturellen Gründen oder wetterbedingt – in Schwierigkeiten geratenen Arbeit- geber. Diese unterschiedliche Struktur der Leistungen s preche von Anfang an dagegen, eine anspruchsbeschränkende Norm wie Art. 31 Abs. 3 lit. c AV IG aus dem einen Bereich auf den anderen Bereich zu übertragen. Das Missbrauchspotenzial b ei den verschiedenen Leistungen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei völlig unterschiedlich, was ebenfalls gegen die analo ge Anwendung spreche. Das Bundes- gericht hat nun allerdings die mit BGE 123 V 234 ff. begründete Praxis seither vielfach bestätigt, differenziert und sogar ausgeweitet (zur Kasuistik: B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrechts, AVIG, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2013, S. 15 ff.). Insbesondere die Abwendung von der ursprü nglichen Rechtsmissbrauchsargumenta- tion zur blossen Gefahr des Missbrauchs führte zu einer erheblichen Verschärfung der Praxis, gemäss welcher der blosse (formelle oder nach der Pra xis auch faktische) Status als arbeitge- berähnliche Person (oder als Ehepartner einer solchen) für die Vereitelung der Anspruchsbe- rechtigung reicht; selbst wenn klar ersichtlich ist, dass im konkreten Fall kein Missbrauch ange- strebt oder wahrscheinlich ist (Urteile des Bundesgerichts vom 14. April 2004, C 92/02 = ARV 2003 240 und vom 2. Juni 2006, C 324/05). Das Bundesge richt hat diese Rechtsentwicklung in Kenntnis und Auseinandersetzung mit kritischen Lehrmeinu ngen, insbesondere auch derjeni- gen von S CHLAURI , vollzogen (vgl. Urteil vom 4. Juli 2014, 8C_536/2013 ). In Übereinstimmung mit dem Bundesgericht ist denn auch davon auszugehen, dass die Kündigung eines Arbeits- verhältnisses inhaltlich von derjenigen Variante der Kurz arbeit, die in der vorübergehenden Schliessung des Betriebes besteht, kaum zu unterscheiden ist. In beiden Fällen besteht solan- ge die arbeitgeberähnlicher Stellung im Betrieb anhä lt, tatsächlich eine Missbrauchsgefahr, welcher mit der Ablehnung des Anspruchs auf Arbeitslosene ntschädigung begegnet werden kann. Unter diesem Aspekt ist die Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht als gesetzeswidrig anzusehen. In Bezug auf die Beschwerdeführerin ist fest zustellen, dass sie bis zu ihrer Abwahl im Mai 2014 aktiv im Verwaltungsrat tätig war und ihr Interesse am weiteren Verbleib im Gremi- um offen kundtat. Damit hat sie zum Ausdruck gebracht, d ass sie Einfluss auf die Entscheide nehmen möchte, weshalb aber die Missbrauchsgefahr im Sin ne der Rechtsprechung nicht von der Hand zu weisen war. Auch ihr Einwand der unzulä ssigen Diskriminierung vermag nicht zu überzeugen. Gibt die versicherte Person ihre arbeitgebe rähnliche Stellung nachträglich auf, so hat sie wie jeder bzw. jede andere Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer unter den Voraussetzun- gen von Art. 8 AVIG Anspruch auf Arbeitslosenentschädi gung. Das Kantonsgericht hat dem- nach keinen Anlass, von der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts abzuweichen. 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren und der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist jedoch , dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnot wendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherungs gerichts ist, für die Zusammentra- gung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversi cherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 4.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfü gende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Ge- setz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines besti mmten Sachverhalts genügt den Be- weisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195, 121 V 47 E. 2a, 208 E. 6b mit Hinweis). 5. Unter Berücksichtigung der vorstehenden Ausführungen i st zu nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin dennoch Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat. 5.1 Gemäss der schriftlichen Bestätigung vom 31. Oktobe r 2012 (unterzeichnet von C.____, CFO, und F.____, Personalassistentin), hat die Beschwerd eführerin am 30. Oktober 2012 ihre Stelle als Leiterin Marketing (40%-Pensum) und Mitgl ied der erweiterten Geschäftsleitung we- gen Arbeitsüberlastung per 30. April 2013 mündlich ge kündigt. Diese Aussage wurde durch die Beschwerdeführerin und den Verwaltungsratspräsidenten D.____ anlässlich der Parteiverhand- lung bestätigt. In den Akten findet sich zudem das Arbei tszeugnis der Beschwerdeführerin vom 30. April 2013. Diesem ist unter anderem zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin auch nach ihrer Kündigung als Marketingverantwortliche dem U nternehmen in Zukunft im Rahmen ihres derzeitigen Verwaltungsratsmandates zur Verfügung stehe und der B.____ als Aktionärin verbunden bleibe. Damit steht fest, dass die Beschwerdefü hrerin nach ihrem Ausscheiden als Marketingverantwortliche weiterhin als Verwaltungsrätin der B.____ tätig war. Unter diesen Um- ständen verfügte sie jedoch von Gesetzes wegen (vgl. Art. 716, 716a und 716 b OR) über mas- sgebliche Einflussmöglichkeiten im Sinne von Art. 31. Abs. 1 lit. c AVIG. Da jedoch bei einem Mitglied des Verwaltungsrats der persönliche Ausschlussgru nd des Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG ohne weiteres Platz greift und es, entgegen der Ansicht des Beschwerdeführerin, keiner weite- ren Abklärungen zu den konkreten Verantwortlichkeiten i n der Firma und zu deren Organisati- onsstruktur bedarf, erweist sich ihr Einwand, die Beschwe rdegegnerin habe in diesem Zusam- menhang ihre Abklärungspflicht verletzt, als nicht stichha ltig (vgl. oben E. 3.2; Urteil des Bun- desgerichts vom 11. Dezember 2009, 8C_851/2009). Es ist jedoch zu beachten, dass ihr kein konkreter Missbrauch vorgeworfen wird. Aufgrund ihrer Stellung als Verwaltungsratsmitglied bei der B.____ kann das Risiko des Missbrauchs jedoch nicht ausge schlossen werden, was für die Ablehnung des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung genügt. Weiter kann ihrer Argumen- tation, wonach neben der Eigenschaft als Verwaltungsrät in auch eine Mehrheitsbeteiligung vor- liegen müsse, damit Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG Anwen dung finde, nicht gefolgt werden. Das Bun- desgericht hat wiederholt entschieden, dass Versichert e, denen neben der Funktion als einzel- zeichnungsberechtigter bzw. kollektivzeichnungsberechtigter Verwaltungsrätin nur eine Minder- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht beteiligung zukam, trotzdem zum Kreis der in Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG aufgezählten Personen zu zählen sind (Urteile des Bundesgerichts vom 22. Februar 2008, 8C_245/2007 und vom 11. Dezember 2009, 8C_851/2009; ARV 1996/97, N. 10, S. 48 ff. [Verwaltungsratsmitglied, das lediglich 2% der Aktien besitzt und über Kollektivuntersch rift zu zweien verfügte]). Die Be- schwerdeführerin, die über 5% der Aktien der B.____ ver fügt, kann auch unter diesem Aspekt nichts zu ihren Gunsten ableiten. 5.2.1 In Anbetracht der Rechtsprechung des Bundesgericht s, dass bei Personen mit arbeitge- berähnlichen Eigenschaften mit Blick auf die Beendigun g ihrer Organstellung der tatsächliche Rücktritt massgebend ist (vgl. E. 3.2 hiervor), gilt es de shalb noch die Frage zu klären, ob der Zeitpunkt des effektiven Ausscheidens aus dem Verwaltungsr at anhand eindeutiger Kriterien, welche keine Zweifel am definitiven Austritt aus der Firma übrig lassen, eruiert werden kann. Ist es nicht mehr möglich, einen solchen Zeitpunkt festzustel len, ist zwingend auf den Eintrag im Handelsregister abzustellen. 5.2.2 Dem Protokoll über die Generalversammlung der B .____ vom 23. Mai 2014 kann ent- nommen werden, dass die Beschwerdeführerin anlässlich di eser Generalversammlung nicht mehr als Mitglied des Verwaltungsrates gewählt wurde un d deshalb ab diesem Zeitpunkt keine Organstellung mehr hatte. Damit steht fest, dass die Be schwerdeführerin sowohl im Zeitpunkt der Anmeldung zum Bezug der Arbeitslosenentschädigung v om 8. Januar 2013 wie auch in jenem des Erlasses des angefochtenen Einspracheentscheids am 7. November 2013 unbestrit- tenermassen und ununterbrochen ihre Funktion als Verwal tungsrätin der B.____ wahrgenom- men hat. Daran ändert nichts, dass die Stelle der Beschw erdeführerin ab Februar 2013 – noch während ihrer Kündigungsfrist - durch einen neuen Mitarbeiter mit einem 100% Pensum ersetzt wurde und für sie faktisch keine Möglichkeit mehr hatte, Einfluss auf die betrieblichen Abläufe zu nehmen oder - auch aufgrund der zerrütteten Verhält nisse (vgl. Aussage des Verwaltungs- ratspräsidenten D.____ anlässlich der Parteiverhandlung ) - in den angestammten Tätigkeitsbe- reich zurückzukehren. 5.3 Nach dem Gesagten erkannte die Vorinstanz zu Recht, d ass die Beschwerdeführerin für den Zeitraum ab 1. Mai 2013 keinen Anspruch auf Arbeit slosenentschädigung hat. Der ange- fochtene Einspracheentscheid ist daher zu bestätigen und die Beschwerde ist abzuweisen. Da die Anspruchsberechtigung der Beschwerdeführerin bere its daran scheitert, dass sie zu einem Kreis von Personen gehört, denen gemäss Art. 31 Abs. 3 li t. c AVIG keine Anspruchsberechti- gung zukommt, kann die Frage offen gelassen werden, o b und allenfalls ab wann eine An- spruchsberechtigung rückwirkend aufgrund subjektiver Vermitt lungsfähigkeit der Beschwerde- führerin (Art. 15 AVIG) verneint werden müsste. 6. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Art. 61 l it. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vor- liegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens steht der Beschwerdeführerin gemäss Art. 61 lit. g ATSG keine Parteientschädigung zu. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht