B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-2758/2012 U r t e i l v o m 1 2 . F e b r u a r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richter Andreas Trommer, Gerichtsschreiberin Giulia Santangelo. Parteien U._______, vertreten durch lic. iur. Urs Lienhard, Fürsprecher und Notar, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung. C-2758/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer (geb. 1961) ist türkischer Herkunft. Nachdem er im Jahr 1986 vergeblich um Asyl ersucht hatte, wurde er 1987 rechtskräftig aus der Schweiz weggewiesen. Nachdem der Beschwerdeführer am 1. Juli 2001 illegal in die Schweiz e ingereist war, am 4. Oktober 2001 von seiner Frau in der Türkei geschieden worden war, heiratete er am 18. De- zember desselben Jahres die 14 Jahre ältere Schweizer Bürgerin H._______. B. Bereits am 23. September 2005 ersuchte der Beschwerdeführer als Ehe- gatte einer Schweizer Bürgerin um erleichterte Einbürgerung nach Art. 27 des Bürgerrechtsgesetzes vom 29. September 1952 (BüG, SR 141.0) , obwohl er damals das fünfjährige Wohnsitzerfordernis in der Schweiz nicht erfüllte. Das zuständige Bundesamt teilte ihm deshalb mit, dass ein Gesuch frühestens am 1. Juli 2006 behandelt werden könne. A m 7. Sep- tember 2006 reichte der Beschwerdeführer sein zweites Gesuch um er- leichterte Einbürgerung bei der zuständigen Behörde ein. Die Ehegatten unterzeichneten am 1. Mai 2007 zu Handen des Einbürge- rungsverfahrens eine Erklärung, wonach sie in einer tatsächlichen, ung e- trennten, stabilen ehelichen Gemeinschaft an derselben Adresse zusa m- men lebten und weder Trennungs- noch Scheidungsabsichten bestünden. Gleichzeitig nahmen sie unterschriftlich zur Kenntnis, dass die erleichterte Einbürgerung nicht möglich ist, wenn vor oder während des Einbürg e- rungsverfahrens einer der Ehegatten die Trennung oder Scheidung bean- tragt hat oder keine tatsächliche eheliche Gemeinschaft mehr best eht, und dass die Verheimlichung solcher Umstände zur Nichtigerklärung der Einbürgerung führen kann. Am 25. Mai 2007 wurde der Beschwerdeführer erleichtert eingebürgert. Nebst dem Schweizer Bürgerrecht erwarb er die Bürgerrechte des Ka n- tons N._______ und der Gemeinde S._______. C. Am 19. Oktober 2007 liessen die Ehegatten ein gemeinsames Sche i- dungsbegehren beim zuständigen Zivilgericht einreichen. Die Scheidung ist seit 28. Februar 2008 rechtskräftig. Die Trennung der Haushalte erfolg- te erst am 15. April 2008. C-2758/2012 Seite 3 D. Aufgrund dieser Umstände gelangte n sowohl der Einwohner- und Ku n- dendienst der Gemeinde K._______ am 17. März 2008 als auch das De- partement Volkswirtschaft und Inneres des Kantons N._______ am 18. April 2008 an die Vorinstanz und ersuchten um Prüfung, ob die erleichter- te Einbürgerung des Beschwerdeführers in Anwendung von Art. 41 BüG für nichtig zu erklären sei. E. Mit Schreiben vom 13. Juli 2010 setzte die Vorinstanz den Beschwerd e- führer förmlich über die Eröffnung eines Verfahrens auf Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung in Kenntnis. Gleichzeitig forderte sie ihn zur Stellungnahme auf. Der Beschwerdeführer antwortete hierauf mit Eingabe vom 19. Juli 2010. Gleichzeitig erteilte er die schriftliche Zusti m- mung zur Einsichtnahme in die Scheidungsakten. F. Am 26. Juli 2010 ersuchte das BFM die kantonale Behörde um rogator i- sche Befragung der Ex -Gattin des Beschwerdeführers. In der Folge wu r- de sie am 21. September 2010 von der zuständigen kommunalen Behö r- de einvernommen. Ferner unterbreitete die Vorinst anz der Ex -Gattin am 2. November 2011 weitere schriftliche Fragen. Diese äusserte sich hierzu am 18. November 2011 (Eingang bei der Vorinstanz). G. Der Beschwerdeführer erhielt am 9. März 2012 die Gelegenheit zur a b- schliessenden schriftlichen Stellungnahme, wovon dieser am 12. April 2012 Gebrauch machte. H. Am 12. März 2012 erteilte der Kanton N._______ als Heimatkanton des Beschwerdeführers seine Zustimmung zur Nichtigerklärung der erleichter- ten Einbürgerung. I. Mit Verfügung vom 18. April 2012 erklärte die Vor instanz die erleichterte Einbürgerung des Beschwerdeführers für nichtig. J. Mit Rechtsmitteleingabe vom 21. Mai 2012 ersucht der Beschwerdeführer um vollumfängliche Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um Bestätigung der erleichterten Einbürgerung. C-2758/2012 Seite 4 K. Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 12. Juli 2012 auf Abweisung der Beschwerde. L. Der Beschwerdeführer h ält mit Replik vom 16. August 2012 an seinem Rechtsmittel fest. M. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit erheblich, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM über die Nichtigerklärung einer erleichterten Einbürgerung unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsg e- richt (Art. 51 Abs. 1 BüG i.V.m. Art. 31 ff. des Verwaltungs gerichtsgeset- zes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). 1.2 Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesve r- waltungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), soweit das Verwa l- tungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt (vgl. auch Art. 2 Abs. 4 VwVG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert. Auf seine frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 48 ff. VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtse r- heblichen Sachverhalts und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerd e- verfahren das Recht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die C-2758/2012 Seite 5 Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gu t- heissen oder abweisen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1, BVGE 2011/1 E.). 3. 3.1 Gemäss Art. 27 Abs. 1 BüG kann eine ausländische Person nach der Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch u m erleichterte Einbürgerung stellen, wenn sie insgesamt fünf Jahre in der Schweiz g e- wohnt hat, seit einem Jahr hier wohnt und seit drei Jahren in ehelicher Gemeinschaft mit einem Schweizer Bürger lebt. In allgemeiner, für alle Formen der erleichterten Einbürgerung geltenden Weise setzt Art. 26 Abs. 1 BüG voraus, dass die ausländische Person in der Schweiz integriert ist (Bst.a), die schweizerische Rechtsordnung beachtet (Bst. b) und die inne- re oder äussere Sicherheit der Schweiz nicht gefährdet (Bst. c). Al le Ein- bürgerungsvoraussetzungen müssen sowohl im Zeitpunkt der Gesuchs - einreichung als auch anlässlich der Einbürgerungsverfügung erfüllt sein. Fehlt es im Zeitpunkt des Einbürgerungsentscheids an der ehelichen Gemeinschaft, darf die erleichterte Einbürger ung nicht ausge sprochen werden (vgl. BGE 135 II 161 E. 2 mit Hinweisen). 3.2 Die erleichterte Einbürgerung kann mit Zustimmung des Heimatka n- tons nichtig erklärt werden, wenn sie durch falsche Angaben oder Ve r- heimlichung erheblicher Tatsachen "erschlichen" (A rt. 41 Abs. 1 BüG), d.h. mit einem unlauteren und täuschenden Verhalten erwirkt wurde. Ar g- list im Sinne des strafrechtlichen Betrugstatbestandes ist nicht erforde r- lich. Es genügt, dass der Betroffene bewusst falsche Angaben macht bzw. die mit dem Einbürger ungsbegehren befasste Behörde bewusst in einem falschen Glauben lässt und so den Vorwurf auf sich zieht, es unterlassen zu haben, über eine erhebliche Tatsache zu informieren (vgl. BGE 135 II 161 E. 2 S. 164 f. mit Hinweisen). Weiss der Betroffene, dass di e Voraus- setzungen für die erleichterte Einbürgerung auch im Zeitpunkt der Verf ü- gung vorliegen müssen, so muss er die Behörde unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung in seinen Verhältnissen orientieren, von der er weiss oder wissen muss, dass sie einer Einbürgerung entgegensteht. Die Pflicht dazu ergibt sich aus dem Grundsatz von Treu und Glauben und aus der verfahrensrechtlichen Mitwirkungspflicht gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG. Die Behörde ihrerseits darf sich darauf verlassen, dass die einmal erteilten Auskünfte bei passivem Verhalten des Gesuchstellers nach wie vor zutreffen (vgl. BGE 132 II 113 E. 3.2 S. 115 f.). 3.3 Die Möglichkeit zur Nichtigerklärung geht durch Zeitablauf unter. Bis zum 28. Februar 2011 stand Art. 41 Abs. 1 BüG in seiner ursprü nglichen C-2758/2012 Seite 6 Fassung vom 29. September 1952 (AS 1952 1087) in Kraft, der diesb e- züglich eine Verwirkungsfrist von fünf Jahren ab Einbürgerung vorsah. Diese Regelung wurde auf den 1. März 2011 durch Art 41 Abs. 1 bis BüG abgelöst, der bestimmt, dass die Nichtiger klärung innert zweier Jahre ab Kenntnisnahme vom rechtserheblichen Sachverhalt erfolgen muss, sp ä- testens jedoch acht Jahre nach Erwerb des Schweizer Bürgerrechts. D a- bei gilt, dass die relative zweijährige Verwirkungsfrist durch jede Unters u- chungshandlung u nterbrochen wird und beide Fristarten während eines Beschwerdeverfahrens still stehen. Gemäss Rechtsprechung ist der neue Art 41 Abs. 1 bis BüG auf alle Einbürgerungsfälle anwendbar, in denen – wie es vorliegend der Fall ist – die altrechtliche Frist nicht bereits vor dem Inkrafttreten des neuen Rechts abgelaufen ist. Die unter altem Recht ve r- strichene Zeit ist dabei an die absolute achtjährige Frist anzurechnen. Die relative zweijährige Frist kann als Neuerung ohne Gegenstück im alten Recht frühestens auf d en Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Rechts zu laufen beginnen (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C -476/2012 vom 19. Juli 2012 E. 4.4 mit Hinweis, vgl. auch die Konstellation im Urteil des Bundesgerichts 1C_ 516/2012 vom 29. Juli 2013). 4. In der vorliegenden Streitsache liegt die von Art. 41 Abs. 1 BüG geforde r- te Zustimmung des Heimatkantons vor, und die Fristen des Art. 41 Abs. 1bis BüG wurden gewahrt. Die formellen Voraussetzungen einer Nichtiger- klärung der erleichterten Einbürgerung sind demnach erfüllt. 5. Die Akten vermitteln folgendes faktisches Bild: Nachdem der Beschwe r- deführer im Jahr 1986 erfolglos um Asyl ersucht und 1987 aus der Schweiz weggewiesen worden war, heiratete er im Dezember 2001 eine um 14 Jahre ältere Schweizer Bürgerin, welche er im Juni desselben Jah- res kennengelernt hatte. Am 23. September 2005 stellte er ein erstes Ge- such um erleichterte Einbürgerung, welches wegen nicht Erfüllens de r Dauer des Wohnsitzerfordernisses zurückgewiesen wurde . Ein zweites Gesuch reichte er am 7. Se ptember 2006 ein. Die Ehegatten unterzeich- neten am 1. Mai 2007 gemeinsam eine Erklärung betreffend eheliche Gemeinschaft, am 25. Mai 2007 wurde der Beschwerdeführer erleichtert eingebürgert. Lediglich knapp fünf Monate später, am 19. Oktober 2007 wurde beim zuständigen Zivilgericht ein gemeinsames Scheidungsbegeh- ren ein gereicht. Am 28. Februar 2008 ist die Scheidung in Rechtskraft erwachsen, seit dem 15. April 2008 leben die Ex-Ehegatten in getrennten Wohnungen. Der geschilde rte Sachverhalt begründet ohn e Weiteres die C-2758/2012 Seite 7 natürliche Vermutung, dass die Ehe des Beschwerdeführers zum Zei t- punkt der gemeinsamen Erklärung bzw. der erleichterten Einbürgerung tatsächlich nicht intakt war und die Einbürgerungsbehörde von den Eh e- gatten über diesen Umstand getäuscht wurde. 6. 6.1 Nachfolgend ist dementsprechend zu prüfen, ob der Beschwerdefü h- rer in der Lage ist, die Vermutung (vgl. oben E. 5) zu widerlegen. Dazu braucht er nicht den Nachweis zu erbringen, dass die Ehe mit der Schweizer Bürgerin im massgeblichen Zeitraum intak t war, denn die ta t- sächliche Vermutung führt nicht zur Umkehr der Beweislast. Es genügt, wenn der Beschwerdeführer eine plausible Alternative zur dargestellten Vermutungsfolge präsentieren kann. Er kann den Gegenbeweis erbri n- gen, indem er glaubhaft den Ein tritt eines ausserordentlichen Ereignisses dartut, das geeignet ist, den raschen Verfall der ehelichen Bande zu e r- klären, oder indem er glaubhaft darlegt, dass er sich der ehelichen Pro b- leme nicht bewusst gewesen war und dass er demzufolge zum Zeitpunkt, als er die Erklärung unterzeichnete, den wirklichen Willen hatte, weiterhin eine stabile eheliche Beziehung aufrecht zu erhalten (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 S. 165 f. mit Hinweisen). 6.2 Der Beschwerdeführer verweist in seiner Stellungnahme vom 12. April 2012 auf die Einbürgerungsakten, insbesondere auf die vom BFM eing e- holten Referenzauskünfte und schliesst daraus, dass sich aus diesen keine Hinweise dafür ergäben, dass er bei Unterzeichnung der Erklärung betreffend eheliche Gemeinschaft die Unwahrheit gesagt hab e. Sodann stelle seine "subjektive" Erklärung lediglich eine Momentaufnahme dar. Einflüsse und Umstände könnten sich jederzeit ändern. Es obläge der Behörde zu beweisen, dass er bei der Momentaufnahme am 1. Mai 2007 nicht die Wahrheit gesagt habe. Im Weiteren sei die Scheidung, wie in der Erklärung aufgeführt, nicht vor oder während der Einbürgerung beantragt worden, weshalb nicht die Rede davon sein könne, er habe sich die e r- leichterte Einbürgerung erschlichen. Ergänzend belege das Zeugnis von Dr. med. Z._______ vom 22. März 2012 (nachfolgend: Zeugnis), dass die Veranlagung der Ex -Ehefrau diese im Herbst 2007 in eine ernsthafte, nicht voraussehbare Depression ge führt habe, in der sie sich zur Sche i- dung entschlossen habe. In seiner Beschwerde vom 21. Mai 201 2 führt der Beschwerdeführer er- gänzend aus, mit der Erkrankung der Ex -Gattin im Herbst 2007 läge ein ausserordentliches Ereignis vor, welches nach der erleichterten Einbürge-C-2758/2012 Seite 8 rung zum raschen Zerfall des Willens zur ehelichen Gemeinschaft geführt habe. Es se i zwar erstellt, dass die Ex -Gattin im Jahr 2004 psychische Probleme bekommen habe , doch habe er alles daran gesetzt, ihr Z u- sammenleben möglichst zu harmonisieren. Trotz "Aufs und Abs" müsse die Ehe im Mai 2007 als stabil qualifiziert werden. Dies ergebe sich auch aus den Referenzauskünften. Eine ernstzunehmende Instabilität wäre von Aussenstehenden wahrgenommen worden. Die Aussagen der Ex - Gattin, wonach sie ihm im Herbst 2007 gesagt ha be, dass es so nicht weitergehen könne , stimmten zudem mit dem Inhalt des Zeugnisses überein. Ihre psychischen Probleme hätten zwar bereits einige Zeit vor Mai 2007 Bestand gehabt, hätten sich für den Beschwerdeführer jedoch erst im Herbst 2007 in erkennba rer Deutlichkeit manifestiert. Damit habe er über die subjektiv wahrgenommene Stabilität der Ehe weder bei der Unterzeichnung der Erklärung vom 1. Mai 2007 noch bei der Einbürg e- rung am 25. Mai 2007 unwahre Angaben gemacht. Mit Replik vom 16. August 2012 m acht der Beschwerdeführer abschlie s- send geltend, die Vorinstanz nehme bei der Würdigung der Aussagen der Ex-Gattin keine gesamtheitliche Betrachtungsweise vor und "picke" ledig- lich das für ihn N egative heraus. Die Beweislast für die Nichtigerklärung liege bei ihr, doch sei ihr der Beweis nicht gelungen. 6.3 Anlässlich der rogatorischen Befragung durch die kom munale Behör- de vom 21. September 2010 führte die Ex -Gattin aus, sie habe den B e- schwerdeführer im Juni 2001 kennengelernt, während sie im Restaurant X._______ gearbeitet habe. Er habe bereits bei ihr gewohnt, als er ihr e r- öffnet habe, dass er über keine Aufenthaltsbewilligung verfügte. Ein B e- kannter des Beschwerdeführers habe ihnen dann zur Heirat geraten. Sie hätten beide heiraten wollen, damit sie zusammen bleiben konnten. Im Jahr 2003 habe er ein e Festanstellung beim Migros -Verteilzentrum er- langt. Nachdem sie ihre Stelle gekündigt habe, habe sie keine neue A n- stellung mehr bekommen. Hierauf sei sie psychisch krank geworden. Es sei schon noch eine Zeit gut ge gangen. Sie könne sich aber nicht an den zeitlichen Ablauf erinnern. Ein Kollege ihres Ex-Gatten habe ihn auf die Möglichkeit der Einbürgerung hingewiesen. Es habe sich alles überkreuzt (Scheidung und Einbürgerung). Im Herbst habe sie dann ihrem Ex-Gatten gesagt, dass es so nicht weitergehen k önne. Ihn treffe ke ine Schuld, er habe sich nicht s cheiden lassen wollen. Eheliche Schwierigkeiten habe es wegen ihrer Arbeitslosigkeit und der daraus entstandenen psych i- schen Probleme gegeben. Im Jahr 2007 sei dann v on Scheidung die Re- de gewesen. Ihr Ex-Gatte sei noch in die Türkei in die Ferien gegangen – C-2758/2012 Seite 9 wie immer alleine – und habe gemeint, dass die Ehe danach vielleicht wieder besser funktionieren würde; ihrerseits habe sich aber nichts geän- dert. 6.4 Am 18. November 2 011 (Eingang Vorinstanz) gab die Ex -Gattin z u- dem bekannt, dass sie ihre Stelle am 31. Dezember 2003 verloren habe. Seit 20 Jahren habe sie das Problem mit der psychischen Krankheit. Als sie arbeitslos gewesen sei , habe sie im Jahr 2004 wieder Medikamente nehmen müssen. Für den Beschwerdeführer sei die Scheidung nie ein Thema gewesen, für sie ab Sommer 2007. 6.5 Unter Hinweis auf das Zeugnis macht der Beschwerdeführer geltend, dieses bestätige, dass mit der nicht voraussehbaren Erkrankung der Ex - Gattin an einer Depression im Herbst 2007 ein ausserordentliches Ereig- nis vorgelegen habe, welches zum r aschen Zerfall des Willens zur ehel i- chen Gemeinschaft geführt habe. Dem Zeugnis ist jedoch aufgrund der nachfolgenden Ausführungen jeg licher Beweiswert abzusprechen . Zu- nächst sei darauf hingewiesen, dass es sich beim federführenden Arzt um den Gynäkologen der Ex -Gattin des Beschwerdeführers handelt. Dieser behauptet zwar, vom zuständigen Therapeuten bzw. vom Hausarzt "über alles" informiert worden zu sein und zudem viel mit der Ex-Gattin über ih- re Situation geredet zu haben, vermag den Sachverhalt jedoch weder chronologisch noch inhaltlich nachvollziehbar darzulegen. Hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs führte er aus, die Ex-Gattin habe bis Ende 2003 bei der Migros gearbeitet, sei kurz arbeitslos gewesen und habe dann eine Stelle im Restaurant X._______ angenommen, wo sie ihren späteren Ehemann, den Beschwerdeführer kennengelernt habe. Dies trifft jedoch erwiesenermassen nicht zu, lernten sich doch die Ehegatten bereits im Jahr 2001 kennen. Damals arbeitete die Beschwerdeführerin nicht in der Migros, sondern im Restaurant X._______. Demgegenüber erhielt der Beschwerdeführer im Jahr 2003 bei der Migros eine Festanstellung. Nicht zutreffend ist sodann, dass die Ex-Gattin angeblich bloss "kurz" arbeitslos gewesen sei. Gab diese doch an, dass sie keine Arbeit mehr gefunden habe. Dies wird vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten . Die Arbeits- losigkeit nannte sie auch als Grund , weshalb sie im Jahr 2004 in eine Depression fiel. Offenbar war diese zu jenem Zeitpunkt bereits hinre i- chend schwer, sodass die damalige Ehefrau medikamentös therapiert wurde. Der Beschwerdeführer bestätigt im Übrigen die Erkrankung im Jahr 2004. Dass der Gynäkologe von dieser Depression nichts gewusst haben will, erscheint nur nachvollziehbar, zumal anderenfalls die angebli- che Erkrankung im Herbst 2007 nicht als "unerwartet" bezeichnet werden C-2758/2012 Seite 10 könnte. Da er sich jedoch bereits hinsichtlich des Zeitpunkts des Kennen- lernens der Ehegatten um drei Jahre "verschätzte" , kann nicht ausg e- schlossen werden, dass er den gesamten Geschehensablauf zeitlich drei Jahre später einordnete, oder - entgegen seiner Behauptung – eben ge- rade nicht "über alles" informiert war. Damit vermag das Zeugnis das vom Beschwerdeführer behauptete ausserordentliche Ereignis nicht zu bel e- gen. 6.6 Auffällig ist sodann das Aussageverhalten des Beschwerdeführers. Den Grund für den Zerfall der Ehe machte er jeweils lediglich sehr pa u- schal geltend. In Bezug auf den Ablauf der Ereignisse begnügte er sich damit, auf das Zeugnis zu verweisen und festzuhalten, erst als die Ex - Gattin im H erbst 2007 in eine schwere Depression gefallen sei, sei ihm klar geworden, dass die Ehe gescheitert war. Selbst wenn er, wie er aus- führte, die Scheidung nicht gewollt hätte, so hätte es ihm doch möglich sein sollen, den Zerfall der Ehe aus seiner Sicht detailliert darzulegen. Insbesondere aber wäre er in der Lage gewesen aufzuführen, was er konkret unternommen hat, um seine bis zu diesem Zeitpunkt harmonisch verlaufene Ehe zu retten. Gegen die Darstellung des Beschwerdeführers spricht auch seine ra sche Zustimmung zur Scheidung . Selbst wenn er dies mit dem angeblich festen Entschluss seiner Ehefrau zur Scheidung zu e rklären versucht, so kann die unglaublich rasche Einreichung de s gemeinsamen Scheidungsbegehrens am 19. Oktober 2007 und die ebenso schnell ergangene Ehescheidung, noch bevor die Ehegatten überhaupt den gemeinsamen Haushalt aufgehoben ha tten, nicht anders gedeutet werden, als dass der Beschwerdeführer selbst die Ehesche i- dung wollte. 6.7 Es ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen, dass eine Depression zum Zerfall einer Ehe führen kann. Nicht glaubhaft erscheint jedoch der U m- stand, dass die bereits zuvor bestehende, mit Medikamenten therapierte Erkrankung der Ex -Gattin erst nach Unterzeichnung der Erklärung, im Herbst 2007 innerhalb weniger Tage (das gemeinsame Scheidungsb e- gehren wurde am 19. Oktober 2007 eingereicht) eine derart grosse B e- lastung für sie darstellte, dass für sie nur noch die Scheidung in Frage kam. Im Vordergrund stand sodann nicht zunächst eine vorübergehende räumliche Trennung, sondern der überaus rasche und finale Entschluss zur Schei dung. Dies lässt vermuten, dass es sich bei dem vom B e- schwerdeführer vorgebrachten Grund nicht um ein aussergewöhnliches Ereignis handelte, welches erst nach der erleichterten Einbürgerung zur Scheidung führte, sonst wäre er nicht erst knapp zwei Monate nach C-2758/2012 Seite 11 Rechtskraft der Scheidung aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Dieser Sachverhalt widerspricht insbesondere der allgemeinen Lebenser- fahrung, führen doch allfällige, nach langjährigem eheliche m Zusammen- leben in einer tatsächlichen, intakten und stabilen ehelichen Gemei n- schaft auftretende Schwierigkeiten erst nach einem längeren Prozess der Zerrüttung zu deren Auflösung. Aufgrund des zeitlichen Ablaufs der E r- eignisse ist davon auszugehen, dass die Ehe des Beschwerdeführers durch die Depression der Ex -Gattin seit längerem stark belastet war u nd der Entschluss zur Scheidung durch sie lediglich den Endpunkt einer län- geren Entwicklung darstellte. Da für sprechen insbesondere auch ihre Schilderungen, aus welchen deutlich hervorgeht, dass die Ehe durch ihre Erkrankung seit längerem belastet war. Das s sie diesbezüglich keine konkreten zeitlichen Angaben machen konnte , vermindert den Aussag e- wert nicht. Stehen doch ihre lebensnahen und detaillierten Aussagen j e- nen des Beschwerdeführers gegenüber, welcher die Aussagen seiner Ex- Gattin zu relativieren bzw. für ihn günstig auszulegen versucht . Ebendie- ses Vorgehen wirft er sodann der Vorinstanz vor. Es ist jedoch nicht er- sichtlich, weshalb die geschiedene Ehefrau den Sachverhalt zum Nachteil des Beschwerdeführers wahrheitswidrig darstellen sollte. Hinzu tritt, dass der Beschwerdeführer es in der Hand gehabt hätte, seine Darstellung des Sachverhaltes mit geeigneten Mitteln zu belegen oder zumindest in einer substantiierten Art und Weise näher auszuführen. 6.8 Der Beschwerdeführer weist darauf hin, dass die Ex -Gattin anlässlich ihrer Einvernahme erklärt habe, dass ihn keine Schuld treffe und er sich nicht habe scheiden lassen wollen. Sie habe zudem deutlich bestätigt, dass die Ehe bei Unterzeichnung der Erklärung stabil gewesen sei. Hie r- zu gilt festzuhalten, dass der schweizerische Ehegatte doch in vielen Missbrauchsfällen mehr oder weniger bewusst an der Täuschung mitwirkt (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgericht s C-3597/2012 vom 7. März 2013 E. 9.7) . Der fehlende Ehewille impliziert dabei nicht, dass sich die Ehegatten zwischenmenschlich nicht nahe gestanden haben könnten (vgl. dazu Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-1189/2006 vom 3. Ap- ril 2009 E. 6.4). Überdies wird nach der bundesgerichtlichen Praxis auf Seiten beider Parteien ein authentischer Ehewille voraugesetzt. Völlig ohne Belang ist letztlich, wer für die Scheidung die Verantwortung trägt. Im vorliegenden Verfahren geht es einzig um die Frage, ob für den Zei t- punkt der gemeinsamen Erklärung und der Einbürgerung eine intakte und stabile Ehesituation ang enommen werden kann. Dies trifft vorliegend nicht zu. C-2758/2012 Seite 12 6.9 Was die diversen zu den Akten gelegten Referenzschreiben anb e- langt, so versteht es sich von selbst, dass damit der Beweis einer inta k- ten, auf die Zukunft gerichteten Ehe nicht zu erbringen ist. Vielmehr be- schränken sich diese naturgemäss auf die Wahrnehmung eines äusseren Erscheinungsbildes. Für die Beurteilung der hier wesentlichen Frage, ob die Ehe im fraglichen Zeitpunkt stabil und auf die Zukunft gerichtet war, erweisen sich solche Bestätigungen regelmässig nicht als besonders auf- schlussreich (vgl. dazu Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-2263/2011 vom 11. September 2013 E. 7.5 mit Hinweisen). 6.10 Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, die natürliche Vermutung in Frage zu stellen, wonach spätestens zum Zeitpunkt seiner erleichterten Einbürgerung zwischen ihm und seiner schweizerischen Ehefrau keine stabile und auf Zukunft ausgerichtete eheli che Gemei n- schaft bestanden hat. Indem der Beschwerdeführer in der gemeinsamen Erklärung den Bestand einer intakten und stabilen Ehe versicherte, hat er die Behörde über eine wesentliche Tatsache getäuscht und die erleichter- te Einbürgerung im Sinne von Arti kel 41 Absatz 1 BüG erschlichen. Die materiellen Voraussetzungen für die Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung sind somit ebenfalls erfüllt. Gründe, die es rechtfertigen würden, ermessensweise von der Regelfolge der Nichtigerklärung abz u- sehen, werden keine geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 7. Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtmässig (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die V erfahrenskosten sind auf Fr. 1'000.- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dispositiv Seite 13 C-2758/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000 werden dem Beschwerdeführer aufer- legt und mit dem am 7. Juni 2012 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor- schuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Akten retour) – das (…) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Marianne Teuscher Giulia Santangelo Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: