JAAC68.127 Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 19. April 2004 in Sachen X. AG [SRK 2003-102] Assujettissement d’une entreprise privée à la taxe sur la valeur ajoutée (TVA) pour la vente de vignettes de ramassage des ordures, même si la commune n’est subjectivement pas contribuable TVA. Aucune représentation directe. Aucune déduction de l’impôt préalable. Aucune protection de la confiance. Art. 10 al. 1 et 2, art. 29 al. 1 et 2 LTVA. Art. 4 aCst. (art. 9 Cst.). - Confirmation de jurisprudence, selon laquelle il ne suffit pas que le représentant déclare seulement au tiers qu’il agit en tant que représentant, sans donner connaissance nommément de l’identité du représenté, pour qu’il soit reconnu comme représentant direct au sens de la TVA. Une manifestation tacite ou par acte concluant ou encore le seul fait de vouloir agir pour le compte d’autrui suffisent d’autant moins (consid. 2a/bb et 2b/aa et bb). - Comme seuls les chiffres d’affaires des personnes subjectivement assujetties sont soumis à la TVA, seules les prestations provenant d’autres assujettis peuvent permettre la déduction de l’impôt préalable. L’éventuel cumul d’impôt doit être admis (consid. 3a/cc). - Les propos et prises de position de membres des autorités ainsi que de membres du parlement et du gouvernement avant des élections et des votations ne peuvent pas valoir comme un renseignement ou une garantie au sens de la protection de la confiance (consid. 4a et 4b/bb). Mehrwertsteuerpflicht eines Privatunternehmens für den Verkauf von Kehrichtgebührenmarken, auch wenn die Gemeinde subjektiv nicht steuerpflichtig ist. Keine direkte Stellvertretung. Kein Vorsteuerabzug. Kein Vertrauensschutz. 1Art. 10 Abs. 1 und 2, Art. 29 Abs. 1 und 2 MWSTV . Art. 4 aBV (Art. 9 BV). - Bestätigung der Rechtsprechung, wonach es für die Annahme der direkten Stellvertretung im Sinne des Mehrwertsteuerrechts nicht genügt, wenn der Vertreter dem Dritten bloss anzeigt, dass er als Vertreter handelt, ohne die Identität des Vertretenen namentlich bekannt zu geben. Ebenso wenig reicht eine stillschweigende oder konkludente Willenskundgabe, in fremdem Namen und auf fremde Rechnung handeln zu wollen (E. 2a/bb und 2b/aa und bb). - Da nur Umsätze von subjektiv Steuerpflichtigen der Mehrwertsteuer unterliegen, ist konsequent, wenn der Verordnungsgeber lediglich Leistungen von anderen Steuerpflichtigen zum Vorsteuerabzug zulässt. Allfällige Steuerkumulationen sind hinzunehmen (E. 3a/cc). - Äusserungen und Stellungnahmen von Behördenmitgliedern sowie von Mitgliedern von Parlament und Regierung im Vorfeld von Wahlen und Abstimmungen können keine Geltung als Auskunft oder Zusicherung im Sinne des Vertrauensschutzes entfalten (E. 4a und 4b/bb). Assoggettamento all’imposta sul valore aggiunto di un imprenditore privato per la vendita di etichette per la spazzatura, anche se il comune non è soggettivamente assoggettato all’imposta. Nessuna rappresentanza diretta. Nessuna deduzione dell’imposta precedente. Nessuna protezione della buona fede. Art. 10 cpv. 1 e 2, art. 29 cpv. 1 e 2 OLIVA. Art. 4 vCost. (art. 9 Cost.). - Conferma della giurisprudenza, secondo cui per ammettere la rappresentanza diretta ai sensi del diritto dell’imposta sul valore aggiunto non è sufficiente che il rappresentante dichiari semplicemente al terzo di agire quale rappresentante, senza rendere nota in particolare l’identità del rappresentato. Anche una manifestazione tacita o concludente di volontà di agire a nome e per conto di altri è insufficiente (consid. 2a/bb e 2b/aa e bb). - Dato che sottostanno all’imposta sul valore aggiunto solo gli importi realizzati da contribuenti soggettivi, solo le prestazioni fornite da altri contribuenti possono permettere la deduzione dell’imposta precedente. Devono essere ammessi eventuali cumuli di imposta (consid. 3a/cc). - Dichiarazioni e prese di posizione di membri di autorità e di membri di Parlamento e Governo nei periodi precedenti ele- zioni e votazioni non possono essere considerate come informazioni o assicurazioni ai sensi della protezione della buona fede (consid. 4a e 4b/bb). ZusammenfassungdesSachverhalts: A. DieX.AGinA(nachfolgendBeschwerdeführeringenannt) warvom1.Januar1995bis31.Dezember2002imRegisterder MehrwertsteuerpflichtigenderEidgenössischenSteuerverwaltung(ESTV) 2eingetragen. DieHaupttätigkeitderBeschwerdeführerinumfasstdenBetrieb einerDrogeriesowiedenVerkaufvonLebensmitteln. Zudemverkauftsie Kehrichtgebührenmarken,gültigfürdieGemeindeA. InderZeitvom1.Januar1995bis30.September1998hatdie BeschwerdeführerininihrerMehrwertsteuerabrechnungunterZiff.4d«von derSteuerausgenommeneUmsätze»derMehrwertsteuerabrechnungjeweils einenAbzugfürdenVerkaufderKehrichtgebührenmarkenvorgenommen. MitdemHinweis,derVerkaufvonKehrichtgebührenmarkenunterliege derMehrwertsteuer(MWST),erliessdieESTVam29.März1999die Ergänzungsabrechnung(EA)Nr.123456inderHöhevonFr.4’917.-(gerundet). B. MitSchreibenvom20.April1999bestrittdieBeschwerdeführerindieEA Nr.123456undmachtegeltend,sieverkaufedieKehrichtgebührenmarkenim NamenderGemeinde. AuchwennderVerkaufvonKehrichtgebührenmarken derMehrwertsteuerunterliege,somüsstediesebeiderGemeinde eingefordertwerden. ZudemseidieMehrwertsteuernurgeschuldet,wenn einVorsteuerabzugerfolgenkönne. DiesseieinWahlversprechenvorder AbstimmungdurchdasVolkgewesen. DadieGemeindekeineMehrwertsteuer verrechne,könntedieBeschwerdeführerindiesenVorsteuerabzugnicht machen. C. Am11.Mai1999informiertedieESTVdieBeschwerdeführerin,dass EntgelteausderAbfallbeseitigungderMehrwertsteuerunterstehen würden. DieESTVerklärteihr,dasssiedenVerkaufvonGebührenmarken, diesievoneinernichtsteuerpflichtigenGemeindebeziehenwürde,als Lieferungzuversteuernhabe,auchwennsiekeinenVorsteuerabzug machenkönne. FallsdieBeschwerdeführerinbeabsichtige,denVerkaufder KehrichtgebührenmarkenkünftigimNamenundaufRechnungderGemeinde abzuwickeln,müsstendieAusführungeninRz.286ff. derWegleitung1997 derESTVfürMehrwertsteuerpflichtige [131](nachfolgend«Wegleitung1997» genannt)betreffendVermittlungsaufträgevollumfänglicherfülltsein. Die SteuervonFr.4’917.-seisomitgeschuldet. DieGemeindeAbestätigteam24.Juni1999schriftlichbeiderESTV,dassdie BeschwerdeführerinbisanhinundaufweiteresimNamenundaufRechnung derGemeindederenAbfall-Kehrichtsäckeveräussernwürde(gemeintsein dürftendieGebührenmarkenfürdieKehrichtsäcke). GestütztaufdenBrief derGemeindevom24.Juni1999fordertedieESTVdieBeschwerdeführerin mitSchreibenvom21.Juli1999auf,diegemässRz.286ff. derWegleitung1997 erforderlichenBelegederESTVeinzusenden,damitsieprüfenkönne,obes sichtatsächlichumVermittlungsgeschäftehandelnwürde. Dieverlangten BelegewurdenbeiderESTVnichteingereicht. D. Am2.November1999hieltdieESTVmitEntscheidimSinnevonArt.51 derVerordnungvom22.Juni1994überdieMehrwertsteuer(MWSTV,AS 1994 1464undnachfolgendeRevisionen)fürdieSteuerperiode1.Quartal1995 bis3.Quartal1998anderSteuerschuldinderHöhevonFr.4’917.-gemäss EANr.123456vom29.März1999festundhobdenRechtsvorschlaggegen denZahlungsbefehlNr.654321vom5.Oktober1999desBetreibungsamtesA auf. GegendiesenEntscheiderhobdieBeschwerdeführerinmitEingabevom 29.November1999Einsprache. Siemachtegeltend,dassderBetragderEAin derHöhevonFr.4’917.-gemässBestätigungderGemeindeüberderProvision vonFr.4’888.-liege. EskönnenichtimSinnedesGesetzgeberssein,dassdie 3MehrwertsteuerhöherseialsihreProvision. DasAbstimmungsversprechen seidahingehendzuverstehen,dassdieMehrwertsteuer«keinezusätzliche Steuer»sei,davorherjadieVorsteuerabgezogenwerdenkönne. DieESTVlegtederBeschwerdeführerinmitSchreibenvom23.Januar2003 dieRechtslagenocheinmaldarundbotihrgleichzeitigdenRückzugihrer Einspachean. DieBeschwerdeführerinhieltmitSchreibenvom10.Februar 2003anderEinsprachefest. MitEinspracheentscheidvom14.Mai2003wies dieESTVdieEinsprachekostenfälligabundbestätigteihreSteuerforderung gemässEANr.123456sowiedieAufhebungdesRechtsvorschlagsgegenden ZahlungsbefehlNr.654321vom5.Oktober1999desBetreibungsamtesA. E. GegendiesenEntscheiderhobdieBeschwerdeführerinmitDatum vom15.Juni2003,respektivemitverbesserterEingabevom20.Juni2003 BeschwerdeandieEidgenössischeSteuerrekurskommission(SRK),worinsie dieAufhebungdesEinspracheentscheidsbeantragt. InihrerVernehmlassung vom21.Juli2003beantragtdieESTVAbweisungderVerwaltungsbeschwerde unterKostenfolgezulastenderBeschwerdeführerin. ZurBegründung diesesAntragesverweistsievollumfänglichaufdieAusführungenim Einspracheentscheidvom14.Mai2003. Am7.September2003reichtedie BeschwerdeführerinderSRKeineschriftlicheErgänzungzuihrerBeschwerde miteinerFotokopieeinesKehrichtgebührenmarken-BogensderGemeindeA ein. Siemachtgeltend,dassdieGebührenmarkenmitdemGemeindewappen, demSchriftzugA,KehrichtgebührenmarkeA,versehenseienundsoauf keinenFallalsProduktderBeschwerdeführerininterpretiertwerdenkönnten. AusdenErwägungen: 1.a.-c. (…) 2.a.aa. GemässArt.4Bst.aundbMWSTVunterliegenimInlandgegen EntgelterbrachteLieferungenvonGegenständenundDienstleistungendurch SteuerpflichtigederMehrwertsteuer,wennsienichtausdrücklichdavon ausgenommensind. Esistunbestritten,dassdieBeschwerdeführerinselbst mehrwertsteuerpflichtigist. NachArt.10Abs.1MWSTVgiltjemand,der LieferungenoderDienstleistungenausdrücklichimNamenundfürRechnung desVertretenentätigt,sodassdasUmsatzgeschäftdirektzwischendem VertretenenunddemDrittenzustandekommt,diesbezüglichalsblosser Vermittler. WerindieserWeiseGeschäfteDritterblossvermittelt,d.h. als direkterStellvertretertätigwird,derbewirktkeineneigenenUmsatz,den eszuversteuerngäbe(vgl. EntscheidderSRKvom19.Mai2000i.S.C.[SRK 1999-147],publiziertin VPB64.110 E.3b). HandeltjedochderVertreterbei einerLieferungoderDienstleistungzwarfürfremdeRechnung,tritteraber nichtausdrücklichimNamendesVertretenenauf,soliegtsowohlzwischen demVertretenenunddemVertreteralsauchzwischendemVertreterunddem DritteneineLieferungoderDienstleistungvor(Art.10Abs.2MWSTV). bb. DasErfordernis,dassalsblosserVermittlernurgilt,werausdrücklich imNamenundfürRechnungdesVertretenenauftritt,ergibtsichausdem klarenWortlautderVerordnungundwurdedurchdieRechtsprechungbereits mehrfachalsverfassungsmässigerklärt(vgl. UrteildesBundesgerichtsvom 6.März2001,veröffentlichtinRevuededroitadministarifetdedroitfiscal [RDAF]2001II370f.;EntscheidderSRKvom11.Juli2001i.S.H.AG[SRK 2000-151],publiziertin VPB66.10 E.3a;EntscheidderSRKvom11.Oktober 42000i.S.L.[SRK2000-048],publiziertin VPB65.59;EntscheidderSRK vom19.Mai2000i.S.C.,a.a.O.,E.3b). Esgenügtfolglichnicht,wennder VertreterdemDrittenblossanzeigt,dasseralsVertreterhandelt,ohne dieIdentitätdesVertretenennamentlichbekanntzugeben( Pierre-Marie Glauser,in: mwst.com,Basel/Genf/München2000,Art.11Rz.14). Eine stillschweigendeWillenskundgabe,infremdemNamenundauffremde Rechnunghandelnzuwollen,genügtnachdergesetzlichenRegelung ebenfallsnichtzurAnnahmeeinerdirektenStellvertretungimSinnedes Mehrwertsteuerrechts. Namentlichreichtnichtaus,dassdieBeteiligten inKenntnisderVertretungsverhältnissehandelnbzw. derDritteausden Umständenschliessenkann,dassderVertreterfürRechnungdesVertretenen handeltoderdassesihmgleichgültigist,mitwemerdenVertragabschliesst (Alois Camenzind/Niklaus Honauer/Klaus A. Vallender ,Handbuchzurneuen Mehrwertsteuer,Bern2003,S.115Rz.281;Glauser,a.a.O.,Art.11Rz.15). Esist anzumerken,dassdieprivatrechtlichenVorschriftenderStellvertretungnicht fürdenBereichderMehrwertsteuerbestimmendsind(vgl. entsprechende TextstellediverserEntscheidederSRKinMWST-Journal2/96,S.64f. E.7d). cc. ObeinUnternehmeralsmehrwertsteuerlicherLeistungserbringeroder -empfängerzugeltenhat,istalsomassgeblichdanachzubeurteilen,oberin eigenemNamenauftrittodernicht(vgl. EntscheidderSRKvom19.Mai2000 i.S.C.,a.a.O.,E.3b,mitHinweisen). DasBundesgerichthatdieentsprechenden GrundsätzeindreiUrteilenvom13.Januar2003i.S.VerbandX,VerbandY undVerbandZ(2A.272/2002,2A.273/2002und2A.274/2002,jeweilsE.2-4) erneutbestätigtundzudemfestgehalten,dieLösung,welchederGesetzgeber fürdieBehandlungvonVertretungsverhältnissenbeiderMehrwertsteuer getroffenhat,erweisesichausverschiedenenGründenalszweckmässig. DiestrotzderTatsache,dassdieUnterscheidungzwischendirekterund indirekterStellvertretungüberalldortanBedeutungverliert,wodervolle Vorsteuerabzugbeanspruchtwerdenkann. b.aa. ImvorliegendenFallwirddeutlich,dassdieBeschwerdeführerindie gesetzlichenVoraussetzungenderdirektenStellvertretungundsomitder reinenVermittlertätigkeitnichterfüllt. AuchwenndieGemeindeAschriftlich bestätigthat,dassdieBeschwerdeführerinbisanhinundaufweiteresim NamenundaufRechnungderGemeindeAderenKehrichtgebührenmarken veräussert,kanndieBeschwerdeführerinhinsichtlichdergesetzlich gefordertenAusdrücklichkeitnichtszuihrenGunstenableiten. Fernerist auchderbeschwerdeführerischeEinwand,dieKehrichtgebührenmarken seienmitdemGemeindewappen,demSchriftzugA,AbfallgebührenmarkeA, versehenundkönntensoaufkeinenFallalsProduktderBeschwerdeführerin interpretiertwerden,unbehelflich. Darinistlediglicheinestillschweigende oderkonkludenteWillenskundgabe,infremdemNamenundauffremde Rechnunghandelnzuwollen,erkennbar,welche,wieunterZiff.2a/bb dargelegt,dergesetzlichenRegelungzurAnnahmeeinerdirekten Stellvertretungebensoweniggenügt. bb. DenAktenkannentnommenwerden,dassdieBeschwerdeführerin «sicherlich»aufdieGemeindehinweist. IndesisteinausdrücklichesHandeln infremdemNamenundauffremdeRechnungdadurchnichtgegeben. DieBeschwerdeführerinkannkeineDokumentevorlegen,ausdenen klarhervorgeht,dasssiebeimVerkaufderKehrichtgebührenmarken jeweilsausdrücklichaufRechnungundimNamenderGemeindeA 5aufgetretenist. DieAngabederGemeinde,dieBeschwerdeführerinhabe dieKehrichtgebührenmarkenmitdemZusatzverkauft«damitSienichtzur Gemeindegehenmüssen»genügendenstrengengesetzlichenAnforderungen jedenfallsnicht. WiedieVorinstanzzutreffendausgeführthat,geltenfürdie AnnahmeeinerdirektenStellvertretungimBereichderMehrwertsteuer strengereformelleVoraussetzungenalssiedasPrivatrechtkennt. Wie bereitsdargelegt,sinddieprivatrechtlichenVorschriftenjedochnichtallein wegweisendfürdenBereichderMehrwertsteuer(vgl. Ziff.2a/bbvorstehend). c. (…)BeidieserAusgangslagekannoffenbleiben,obdieüberdenreinen GesetzeswortlauthinausgehendenAnforderungen,welchedieESTVanden NachweiseinesdirektenVertretungsverhältnissesstellt(vgl. Wegleitung1997, Rz.284ff.,insbesondereRz.286-289),rechtmässigsind(vgl. zumGanzen auchdieEntscheidederSRKvom30.April2002i.S.VerbandX,Verband YundVerbandZ[SRK2001-095,2001-096und2001-097]E.2aund2b/dd, nichtpubliziert;bestätigtdurchdieunterZiff.2dangeführtenUrteiledes Bundesgerichtsvom13.Januar2003[2A.272-274/2002]). IndieserHinsichtist dieBeschwerdeabzuweisen. 3.a.aa. Dieam1.Januar1995inKraftgetreteneMehrwertsteuerverordnung isteineselbstständige,d.h. direktaufderVerfassungberuhende VerordnungdesBundesrates. SiestütztsichaufArt.8Abs.1derbiszum 31.Dezember1999inKraftgewesenenÜbergangsbestimmungen(UeB)der BundesverfassungderSchweizerischenEidgenossenschaftvom29.Mai 1874(aBV[132])bzw. aufArt.196Ziff.14Abs.1derseit1.Januar2000 gültigenneuenBundesverfassungvom18.April1999(BV,SR101)undstellt gesetzesvertretendesRechtdar,bisdasMehrwertsteuergesetzanwendbar ist. LautArt.41 ter Abs.1Bst.a. aBV(vgl. Art.130Abs.1BV)kannderBund eineUmsatzsteuer(Mehrwertsteuer)erheben. DieseistinFormeiner UmsatzsteuermitVorsteuerabzugaufdenLieferungenvonGegenständen, aufDienstleistungensowieaufEinfuhrenzuerheben(Art.41 ter Abs.3aBV bzw. Art.130Abs.1BV).DieschweizerischeMehrwertsteueristnachdem ModelleinerallgemeindenKonsum-oderVerbrauchsteuerausgestaltet (BGE123II301 E.5a; Daniel Riedo,VomWesenderMehrwertsteuerals allgemeineVerbrauchsteuerundvondenentsprechendenWirkungenauf dasschweizerischeRecht,Bern1999,S.13,23f.; Markus Reich,Grundzüge derMehrwertsteuerordnunginderSchweizundinderEU,in: DerSchweizer Treuhänder[ST]5/1995,S.329ff.). DasSteuergutderMehrwertsteuerist derEndverbrauch. EinesolcheSteuererfasstdenKonsumvonWaren undDienstleistungengrundsätzlichumfassend. Allerdingswerdendie VerbraucherausPraktikabilitätsgründennichtdirektbesteuert. DerFiskus hältsichvielmehrandenUnternehmer,derdiesteuerbarenUmsätzeerzielt. DieUnternehmerentlastensichvonderihnenüberwälztenSteuermit demVorsteuerabzugundbelastendievonihnenabgelieferteSteuerihren AbnehmernüberdenPreis,bisschliesslichderEndverbraucherdiegesamte Steuerlastzutragenhat. bb. DieMehrwertsteueristfolglich,imGegensatzzurWarenumsatzsteuer, welcheeineEinphasensteueraufGrossistenstufedarstellte,als Netto-AllphasensteuermitVorsteuerabzugausgestaltet. AufjederUmsatzstufe soll(lediglich)dervomjeweiligenUnternehmergeschaffene«Mehrwert» erfasstwerden. DerVorsteuerabzug,inArt.29ff. MWSTVgeregelt,ist somiteinwesentlichesElementderschweizerischenMehrwertsteuer. Der 6SteuerpflichtigehatzwardieSteueraufseinemgesamten(Ausgangs-)Umsatz (=Ausgangsumsatzsteuer)zuentrichten. Soferndieentsprechenden Voraussetzungenerfülltsind,kannerindessenvonderAusgangsumsatzsteuer diejenigeSteuerabziehen,welcheihmvonandernSteuerpflichtigen, dieihmGegenständegeliefertoderDienstleistungenerbrachthaben,in Rechnunggestelltwordenist. DamitreduziertderVorsteuerabzugdie ZahllastdesSteuerpflichtigengegenüberderESTV.EristdasGegenstückzur Ausgangsumsatzsteuer. BeideBereichesinddeshalbauseinanderzuhalten undesistdieSteueraufdemAusgangsumsatzvonderVorsteuergetrenntzu ermitteln(vgl. Camenzind/Honauer/Vallender,a.a.O.,S.465Rz.1360ff.). cc. GemässArt.29Abs.1Bst.aMWSTVkannderSteuerpflichtige,der GegenständeoderDienstleistungenfürnachArt.29Abs.2Bst.aMWSTV steuerbareLieferungenverwendet,dieihmvonanderenSteuerpflichtigen mitdenAngabennachArt.28MWSTVinRechnunggestellteSteuerfür LieferungenundDienstleistungenalsVorsteuerabziehen. DerVorsteuerabzug istnachdemklarenWortlautdergenanntenRegelungnurmöglich,wenn einandererSteuerpflichtigerdenUmsatzerbringt. DanurUmsätzevon subjektivSteuerpflichtigenderMehrwertsteuerunterliegen,istkonsequent, wennderGesetzgeberlediglichLeistungenvonanderenSteuerpflichtigen zumVorsteuerabzugzulässt. DieRegelungführtregelmässigdannzu steuerlichenMehrfachbelastungen,wenneinGegenstanddieUmsatzkette vonSteuerpflichtigenverlassenhatundviaeinennichtSteuerpflichtigen wiederumaneinenSteuerpflichtigenveräussertwird,undletzterem dadurchderVorsteuerabzuguntersagtbleibt. Sobalddersteuerpflichtige HändlerdiesenGegenstanderneutindieHandelskettebringt,wirddie LeistungwiederummitMehrwertsteuerbelastet,was-wiebeieiner unechtenBefreiung(d.h. vonderMehrwertsteuerausgenommeneUmsätze) aufderZwischenstufe-zuSteuerkumulationenführenkann. Insofern wirktdieMehrwertsteuernichtneutral(vgl. Riedo,a.a.O.,S.252)und kannähnlichwieunterderGeltungderUmsatzsteuerzueiner«Taxe occulte»führen. DiesesogenannteSchattensteuerentstand,weilbeiallen UnternehmenderErwerbvonInvestitionsgütern(z.B.Maschinenund Fabrikgebäude)steuerbelasteterfolgteundhierfürkeinSteuerabzugmöglich war(vgl. Camenzind/Honauer/Vallender,a.a.O.,S.4f.Rz.8). Folglichhatder GesetzgeberselbstverschiedeneKonstellationenvorgesehenoderinKauf genommen,beiwelcheneinMehrwertsteuerpflichtiger-auchunterder GeltungderMehrwertsteuer-nichtzumVorsteuerabzugzugelassenwird. DieSRKunddas Bundesgerichthabendiesbezüglich dieVerfassungsmässigkeit desAusschlusseszumVorsteuerabzugimBereichderunechtenBefreiungen explizitbestätigt(vgl. SRK2000-017E.2dund3; BGE124II193 E.5ff. sowie BGE124II372 E.5ff.) b. ImvorliegendenFallistunbestritten,dassdieGemeindeA-vonder dieBeschwerdeführerindieKehrichtgebührenmarkenkauft,umsiedann weiterzuverkaufen-nichtsubjektivsteuerpflichtigist. DieserKauferfolgt demgemässohneMehrwertsteuer. DieBeschwerdeführerinkanndaher auchkeinenVorsteuerabzuggeltendmachen. WieunterZiff.3a/bbundcc obstehendausgeführt,kanneinSteuerpflichtigernurdiejenigenSteuern alsVorsteuernabziehen,welcheihmvonanderenSteuerpflichtigen, dieihmGegenständegeliefertoderDienstleistungenerbrachthaben,in Rechnunggestelltwordensind. DieAuffassungderBeschwerdeführerin, 7wonacheinVorsteuerabzugzwingendseifüreineMehrwertsteuerpflicht, verkenntdieklaregesetzlicheRegelung. DervonderBeschwerdeführerin indiesemZusammenhangerwähnteBundesgerichtsentscheidvermag darannichtszuändern. WiedieVorinstanzrichtigerwogenhat,gingesin BGE125II480 umdieFragederTätigkeitdesGemeinwesensimBereich derAbfallentsorgungundderAbwasserreinigungundinwieweitdies einehohheitlicheTätigkeitgemässArt.17Abs.4MWSTVdarstellt. Das Bundesgerichtentschieddamals,dassZiff.15desAnhangszurMWSTV,welche besagt,dassBund,Kantone,Gemeinden,dieübrigenEinrichtungendes öffentlichenRechtsundmitöffentlichenAufgabenbetrautePersonenund OrganisationenfürTätigkeitenaufdemGebietderEntsorgunginjedemFall steuerpflichtigsind,nichtverfassungswidrigist( BGE125II480 E.8). Selbst wenneinGemeinwesenfürdievonihrerbrachtenTätigkeitenimBereichder Abfallentsorgunggrundsätzlichsteuerpflichtigist,müssenfüreinedefinitive MehrwertsteuerpflichtverschiedeneweitereVoraussetzungenerfülltsein(im GeltungsbereichderMWSTVeineUmsatzgrenzevonmindestensFr.75’000.-, respektiveeineSteuerzahllastvonmindestensFr.4’000.-,sofernderUmsatz zwischenFr.75’000.-undFr.250’000.-liegt). DadieGemeindeAnicht mehrwertsteuerpflichtigist,kanndavonausgegangenwerden,dasssiedie genanntenVoraussetzungennichterfüllt. c. (…) 4.a. DasinArt.4aBVbzw. Art.9BVenthalteneGebotvonTreuundGlauben giltnachRechtsprechungundLehreauchimVerwaltungsrechtundgibt demBürgereinenAnspruchaufSchutzdesberechtigtenVertrauens, daserinbehördlicheZusicherungensetzt. DamitsichderPrivatemit ErfolgaufTreuundGlaubenberufenkann,müssenjedochverschiedene Voraussetzungenkumulativerfülltsein. SoisteineunrichtigeAuskunfteiner Verwaltungsbehördenurbindend,wenn(1)dieBehördeineinerkonkreten SituationmitBezugaufbestimmtePersonengehandelthat,wenn(2)siedabei fürdieErteilungderbetreffendenAuskunftzuständigwaroderwennder BürgerdieBehördeauszureichendenGründenalszuständigbetrachten durfte,wenn(3)gleichzeitigderBürgerdieUnrichtigkeitderAuskunft nichtohneweitereserkennenkonnteundwenn(4)erimVertrauenaufdie RichtigkeitderAuskunftDispositionengetroffenhat,dienichtohneNachteil rückgängiggemachtwerdenkönnensowiewenn(5)diegesetzlicheOrdnung seitderAuskunftserteilungkeineÄnderungerfahrenhat(vgl. Urteildes Bundesgerichtsvom8.Januar2003[2A.256/2003],E.5.2.). Dochselbstdann, wenndieseVoraussetzungenalleerfülltsind,stehtnichtfest,obderPrivate mitseinerBerufungaufTreuundGlaubendurchdringenkann. Esmüssen dasInteresseanderrichtigenDurchsetzungdesobjektivenRechtsundjenes desVertrauensschutzesgegeneinanderabgewogenwerden. Überwiegtdas öffentlicheInteresseanderAnwendungdespositivenRechts,musssichder Bürgerunterziehen( BGE118Ia254 E.4b, BGE117Ia287 E.2b, BGE116Ib187 E.3c, BGE115Ia18 E.4a;vgl. auch BGE119Ib409 ;EntscheidderSRKvom 27.März1995,veröffentlichtin VPB60.17 S.128ff.;vgl. Ulrich Häfelin/Georg Müller,GrundrissdesAllgemeinenVerwaltungsrechts,Zürich2002,S.130ff. Rz.628ff.; Beatrice Weber-Dürler,VertrauensschutzimÖffentlichenRecht, Basel/FrankfurtamMain1983,S.79ff.,128ff.). DieAuskunftistnurin BezugaufdenSachverhalt,wieerderBehördezurKenntnisgebrachtwird, verbindlich. ÄndertsichdietatsächlicheSituation,sohatdieBehördeden 8neuenSachverhaltzubeurteilenundistanihrefrüherenAussagennichtmehr gebunden. BehördlicheAuskünftestehensodannunterdemstillschweigenden VorbehaltderRechtsänderung. ÄndertsichdieRechtslage,könnensichPrivate nichtaufeinefrühereAuskunftberufen,esseidenn,dieauskunftserteilende BehördeseifürdieRechtsänderungselberzuständigunddieAuskunftsei geradeimHinblickaufdieseÄnderungerteiltworden,oderdieBehörde hättediePflichtzurOrientierungauchüberdiemöglichenRechtsänderungen gehabt(vgl. Häfelin/Müller,a.a.O.,S.143Rz.692ff.,mitweiterenHinweisen). b.aa. ImvorliegendenFallhieltdieBeschwerdeführerinimVerlaufdes Verfahrensimmerwiederdafür,dasssiesichbeiihrenVorbringenaufdie mehrmaligenAussagenvonAlt-BundesratArnoldKollerimVorfeldder VolksabstimmungüberdieMWSTbeziehe. Eshandlesichkonkretumdas Versprechen,dassdieMehwertsteuerkeinezusätzlicheSteuersei. Daher seisienurgeschuldet,wenneinVorsteuerabzugerfolgenkönne. Diese VersprechungenkönntennichteinfachsodurchJuristenderAbteilung RechtswesenderESTVinFragegestelltodergestrichenwerden. bb. ÄusserungenundStellungnahmenvonBehördenmitgliedernsowie vonMitgliedernvonParlamentundRegierungimVorfeldvonWahlen undAbstimmungenerfolgeninderRegelalsallgemeineInformationen zurWillens-undMeinungsbildungderStimmbürger. Ungeachtetdes bundesrechtlichenAnspruchsaufunverfälschteWillenskundgabe,nach welchemsolcheÄusserungenobjektivzuseinhabenundüberdenZweckund dieTragweiterichtigorientierenmüssen(vgl. BGE114Ia432 E.4a, BGE112Ia 335E.4bmitHinweisen),istoffensichtlich,dassdieseAussagenlediglicheinen globalen,allgemeingültigenCharakteraufweisenundzudeminzukünftiger, ungewisserWeiseergehen. KeinesfallskönnendarinStellungnahmenfür einengenauumschriebenenSachverhaltoderfüreinenexaktbestimmten Personenkreisgesehenwerden. BeisolchenÄusserungenmangeltesfolglich andengrundlegendenVoraussetzungen,damitsiealsAuskünfteoder ZusicherungenimSinnedesVertrauensschutzesGeltungbeanspruchen könnten. DieBeschwerdeführerinkannsichsomitbezüglichdenÄusserungen vonAlt-BundesratArnoldKollerimVorfeldderAbstimmungüberdieMWST nichtaufeineVerletzungvonTreuundGlaubenberufen. DasichdieRügen derBeschwerdeführerinauchindieserHinsichtalsunbehelflicherweisen, erübrigtsicheinenähereAuseinandersetzungmitdemtatsächlichenInhalt dieserAussagen. 5. (…) [131]DieDrucksachenzuraltenMWSTVvon1994sinderhältlichbeider EidgenössischenSteuerverwaltung,HauptabteilungMehrwertsteuer, Schwarztorstrasse50,3003Bern,oderperFax0313257280. [132]ZulesenaufderInternetseitedesBundesamtesfürJustizunter http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/ bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf 9Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali JAAC 68.127 - Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 19. April 2004 in Sachen X. AG [SRK 2003-102] In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione Jahr 2004 Année Anno Band 68 Volume Volume Seite --- Page Pagina Ref. No 150 006 278 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.