<h2>SubmittedText<h2><p>Das Schweizerische Bundesarchiv (BAR) hat in seiner Strategie 2021-2025 vom Juni 2021 angekündigt, die Öffnungszeiten seines Lesesaals weiter zu reduzieren. Die dadurch freiwerdenden Mittel sollen für die Digitalisierung und die Sicherung von 35 Laufkilometern Akten der Bundesverwaltung verwendet werden, das entspricht rund der Hälfte des bisherigen Aktenbestandes.</p><p>Die Digitalisierung des Archivzugangs ist zweifellos begrüssenswert. Allerdings widerspricht eine weitere Reduktion der Öffnungszeiten des Lesesaals den Interessen der historischen Forschung zur Schweizer Geschichte, welche die bereits jetzt knappen Öffnungszeiten des BAR in der Vergangenheit immer wieder kritisiert hat. Dies geht auch aus der vom Bundesrat im September 2021 veröffentlichten Evaluation des Bundesgesetzes über die Archivierung (BGA) hervor. So bemängelte rund die die Hälfte der Nutzenden des Bundesarchivs die aktuellen Öffnungszeiten, respektive wünscht sich eine Erweiterung der Öffnungszeiten (vgl. S. 108 des Evaluationsberichts vom Dezember 2020). Der Hintergrund dieser Forderung ist die Tatsache, dass Forschende eine grosse Zahl an Dossiers pro Tag sichten müssen. Aufgrund der langen Wartezeiten für Digitalisate (derzeit bis zu mehreren Wochen) und der Mengenbeschränkung entspricht der digitale Aktenzugang des BAR daher nicht den Bedürfnissen der Forschenden. Der Zugang zum Lesesaal ist für sie nach wie vor von grösster Bedeutung. </p><p>Die Interpellantin bittet den Bundesrat deshalb um die Beantwortung folgender Fragen: </p><p>1. Das BAR stellt gemäss seiner Strategie die Kundenwünsche ins Zentrum seines Handelns. Wie wurde vor diesem Hintergrund in der Strategie des BAR auf die Anliegen der historischen Forschung eingegangen, die eine weitere Reduktion der Öffnungszeiten strikt ablehnt? </p><p>2. Was gedenkt der Bundesrat zu tun, um die physische Zugänglichkeit des Bundesarchivs auch in Zukunft zu gewährleisten?</p><p>3. Ist es für den Bundesrat denkbar, eine zumindest vorrübergehende Erweiterung der Öffnungszeiten in Erwägung zu ziehen, bis der digitale Aktenzugang den Bedürfnissen der Forschung entspricht und den Besuch des Lesesaals schrittweise zu ersetzen vermag?</p><p>4. Falls nicht, welche Massnahmen ergreift der Bundesrat, um den Aktenzugang im Bundesarchiv langfristig zu verbessern?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. In den letzten zehn Jahren kam es bei der Nutzung der Unterlagen des Bundesarchivs (BAR) zu einem Wachstum von 169 Prozent. Das BAR bedient heute also deutlich mehr KundInnen als früher und hat zusätzlich seit 2006 zum gleichbleibenden Angebot der analogen Lesesäle den Online-Zugang entwickelt. Seit dessen Einführung hat das BAR sichergestellt, dass sowohl analoge als auch digitale Unterlagen einerseits archiviert und andererseits zugänglich gemacht werden können. Die Bedürfnisse der KundInnen des BAR wurden während der Entwicklung des Online-Zugangs mehrfach erhoben und dieser wurde in Zusammenarbeit mit User-Experience-ExpertInnen wiederholt durch unterschiedliche KundInnengruppen getestet. Auch im Rahmen der erwähnten Evaluation des Gesetzes über die Archivierung, die im Jahr 2020 stattgefunden hat, wurde eine breit abgestützte quantitative und qualitative NutzerInnenanalyse bezüglich Zugang zu archivierten Dokumenten durchgeführt, deren Ergebnisse in die Strategie eingeflossen sind. Die Nutzenden sind mit den Zugangs-Dienstleistungen des Bundesarchivs grossmehrheitlich vollständig oder eher zufrieden (Evaluation des Bundesgesetzes über die Archivierung - Schlussbericht, Büro Vatter, 2020, S. 106).</p><p>2. Die Lesesäle sind an drei Tagen pro Woche jeweils 10 Stunden geöffnet (von 9 Uhr bis 19 Uhr). Es hat keine Reduktion der Öffnungszeiten stattgefunden. Der physische Zugang ist somit gewährleistet und wird es auch künftig bleiben. Die aktuelle Strategie des BAR sieht vor, das digitale Angebot entlang der hohen Nachfrage auszubauen. Einen Lesesaal vor Ort wird es auch in Zukunft geben.</p><p>3. Der Online-Zugang hat zu keinerlei Reduktion des Zugangs vor Ort geführt, sondern stellt für die KundInnen ein zusätzliches Angebot für die Nutzung dar. Der Online-Zugang wird von den NutzerInnen des BAR sehr geschätzt: Im 2021 hat das BAR mehr KundInnen online als vor Ort bedient. Die Lesesäle sind zwar gut besucht, aber nur in Ausnahmefällen ausgelastet und dies trotz der - aufgrund der Pandemie - aktuell geltenden Beschränkungen der zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze. Vor der Pandemie waren die Lesesäle durchschnittlich zu 72 Prozent ausgelastet. Eine Erweiterung der Öffnungszeiten drängt sich entsprechend nicht auf.</p><p>4. Die Strategie des BAR stellt sicher, dass der Aktenzugang entsprechend den Bedürfnissen der Kundschaft gewährleistet ist, sei dies durch den Online-Zugang oder den Besuch vor Ort. Die digitale Transformation bietet insofern einen Mehrwert für die NutzerInnen, als dass der Zugang zu den Unterlagen des BAR dank der Digitalisierung besser und sowohl orts- wie auch zeitunabhängig möglich ist. Ausserdem bietet das Digitale gegenüber der physischen Konsultation vor Ort weitere wesentliche Vorteile, wie beispielweise bessere Auswertungsmöglichkeiten mit Volltextrecherche oder Text- und Datamining.</p>  Antwort des Bundesrates.