<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp358464"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>115 V 395<br/><br/><br/><div class="paraatf">54. Urteil vom 16. Oktober 1989 i.S. Krankenkasse des Personals des Bundes und der schweizerischen Transportanstalten gegen Bundesamt für Sozialversicherung und Eidgenössisches Departement des Innern</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp359904"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref">Art. 4 KUVG</span>, Art. 2 Vo V, <span class="artref">Art. 5 Abs. 1 VwVG</span>, <span class="artref">Art. 129 Abs. 1 lit. a OG</span>: Gerichtliche Überprüfung von Statutenbestimmungen der Krankenkassen. <div class="paratf">- Frage offengelassen, ob der Verwaltungsakt des Bundesamtes für Sozialversicherung betreffend die Genehmigung von Kassenstatuten und Reglementen eine Verfügung im Sinne von <span class="artref">Art. 5 Abs. 1 VwVG</span> darstellt (Erw. 1). </div> <div class="paratf">- Kassenstatuten und Reglemente sind Erlassen nach <span class="artref">Art. 129 Abs. 1 lit. a OG</span> gleichzustellen (Erw. 2). </div> <div class="paratf">- Gegen den Entscheid des Eidgenössischen Departementes des Innern betreffend die Nichtgenehmigung von Kassenstatuten bzw. Reglementen ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht zulässig (Erw. 3). Die gerichtliche Überprüfung von Statutenbestimmungen erfolgt erst bei der Anwendung im Einzelfall im Rahmen der inzidenten Normenkontrolle (Erw. 2). </div> </div> </div> <a name="idp371472"></a> <a name="idp383360"></a> <br/><div> <a name="idp394672"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 396</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page396"></a><div class="center pagebreak">BGE 115 V 395 S. 396</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp396336"></a><span class="bold">A.- </span>Der Zentralvorstand der Krankenkasse des Personals des Bundes und der schweizerischen Transportanstalten (KPT) erliess am 23. März 1987 das Reglement über die Senioren-Spitalversicherung, das am 1. Juli 1987 in Kraft trat. Gemäss Art. 4 Abs. 2 des Reglementes beginnt die Bezugsberechtigung erst nach Ablauf von zwölf Versicherungsmonaten. Mit "Verfügung" vom 21. April 1988 verweigerte das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) die Genehmigung des Reglementes mit der Begründung, die vorgesehene Karenzzeit von zwölf Monaten verstosse gegen <span class="artref">Art. 13 Abs. 1 KUVG</span>, wonach diese nicht mehr als drei Monate betragen dürfe.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp399968"></a><span class="bold">B.- </span>Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) wies die hiegegen erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 23. November 1988 ab. Laut Rechtsmittelbelehrung unterlag der Entscheid der Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Eidg. Versicherungsgericht.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp401520"></a><span class="bold">C.- </span>Die KPT führt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit den Anträgen, der Entscheid des EDI sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die reglementarisch vorgesehene Karenzzeit von zwölf Monaten nicht gegen <span class="artref">Art. 13 Abs. 1 KUVG</span> verstosse.</div> <div class="paraatf">EDI und BSV beantragen Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde.</div> <br/><div> <a name="idp409024"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Das eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp410032"></a><span class="bold" id="consideration_1.">1. </span>Angefochten ist der Entscheid des EDI vom 23. November 1988, mit welchem die Nichtgenehmigung des Reglementes der KPT über die Senioren-Spitalversicherung durch das BSV bestätigt wurde (vgl. <span class="artref">Art. 4 KUVG</span> in Verbindung mit Art. 2 der Verordnung V über die Krankenversicherung betreffend die Anerkennung von Krankenkassen und Rückversicherungsverbänden sowie ihre finanzielle Sicherheit). Ob der Gegenstand <a name="page397"></a><div class="center pagebreak">BGE 115 V 395 S. 397</div>des Departementsentscheides, d.h. die Überprüfung der Gesetzmässigkeit des Verwaltungsaktes vom 21. April 1988, gemäss Art. 98 lit. b in Verbindung mit <span class="artref">Art. 128 OG</span> mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde dem Eidg. Versicherungsgericht zur Beurteilung vorgelegt werden kann, ist als Eintretensvoraussetzung von Amtes wegen - und ohne Bindung an die im Entscheid des EDI enthaltene Rechtsmittelbelehrung - zu prüfen (<a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1989&amp;to_year=1989&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F114-V-239%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page242">BGE 114 V 242</a> Erw. 3a mit Hinweisen). Dabei spielt es keine Rolle, ob die Vorinstanz die Beschwerde im Sinne der <span class="artref">Art. 44 ff. VwVG</span> oder als Aufsichtsbeschwerde nach <span class="artref">Art. 71 VwVG</span> behandelte, war sie doch im einen wie im andern Fall zuständig. Die Frage, ob es sich beim Verwaltungsakt des BSV vom 21. April 1988 um eine Verfügung nach <span class="artref">Art. 5 Abs. 1 VwVG</span> handelt, kann im vorliegenden Fall offengelassen werden, wie sich aus der nachstehenden Erwägung ergibt.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp423744"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span>Nach <span class="artref">Art. 129 Abs. 1 lit. a OG</span> ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht zulässig gegen "Verfügungen über die Genehmigung von Erlassen". Den Erlassen im Sinne von generellen und abstrakten Regelungen bestimmten Inhaltes (GYGI, Verwaltungsrecht, S. 89; vgl. auch IMBODEN/RHINOW, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, 6. Aufl., Bd. I, S. 35) sind Satzungen gleichgestellt, wenn sie kraft gesetzlich begründeter Ermächtigung von öffentlichrechtlichen Anstalten, öffentlichen Körperschaften oder beliehenen Organisationen statuiert werden (GYGI, Verwaltungsrecht, S. 92). Dazu gehören die Statuten bzw. Reglemente anerkannter Krankenkassen (MAURER, Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, Bd. I, S. 140).</div> <div class="paraatf">Die Genehmigung von Erlassen im Sinne von <span class="artref">Art. 129 Abs. 1 lit. a OG</span> ist Mitwirkung bei einem Rechtssetzungsakt (GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., S. 105 und 227). Die gerichtliche Überprüfung von Statutenbestimmungen erfolgt erst bei der Anwendung im Einzelfall im Rahmen der inzidenten Normenkontrolle (vgl. RKUV 1986 Nr. K 693 S. 415 Erw. 3; <a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1989&amp;to_year=1989&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F112-V-283%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page287">BGE 112 V 287</a> Erw. 3 und 292 Erw. 1 in fine bezüglich Tarifen gemäss <span class="artref">Art. 129 Abs. 1 lit. b OG</span> bzw. konkret angewandter Tarifpositionen).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp433440"></a><span class="bold" id="consideration_3.">3. </span>a) Aus dem Gesagten folgt, dass auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde der KPT gegen den Entscheid des EDI vom 23. November 1988 betreffend die Nichtgenehmigung des Reglementes über die Senioren-Spitalversicherung vom 23. März 1987 (im Sinne von <span class="artref">Art. 4 KUVG</span> in Verbindung mit Art. 2 der Verordnung V) nicht eingetreten werden kann.</div> <div class="paraatf"> <a name="page398"></a><div class="center pagebreak">BGE 115 V 395 S. 398</div> </div> <div class="paraatf">b) Die unrichtige Rechtsmittelbelehrung bindet, wie bereits gesagt, das Eidg. Versicherungsgericht nicht; es dürfen daraus den Parteien aber keine Nachteile erwachsen (Art. 107 Abs. 3 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 132 OG</span>). Da gegen Entscheide des EDI die Beschwerde an den Bundesrat zulässig ist (Art. 72 lit. a in Verbindung mit <span class="artref">Art. 74 lit. a VwVG</span>), hat das Eidg. Versicherungsgericht die Beschwerde dem Bundesrat zu übermitteln.</div> </div></body></html></html>