B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5411/2017 U r t e i l v o m 7. A u g u s t 2 0 1 9 Besetzung Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren am (...), sowie B._______, geboren am (...), C._______, geboren am (...), D._______, geboren am (...), E._______, geboren am (...), und F._______, geboren am (...), sowie G._______, geboren am (...), alle Syrien (Heimat- oder Herkunftsstaat), alle vertreten durch Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügungen des SEM vom 24. August 2017 / N_______, N_______ und N_______. D-5411/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden und H._______, Ehegatte von A._______ – verliessen Syrien am (...) in Richtung I._______. Am (...) wurden ihnen vom schweizerischen Generalkonsulat in J._______ humanitäre Visa er- teilt, mit welchen sie am (...) in die Schweiz einreisten, wo sie am 4. Sep- tember 2015 um Asyl nachsuchten. A.b Am 15. September 2015 wurden verkürzte Befragungen zur Person (BzP) – ohne summarische Befragung zu den Gesuchsgründen – durch- geführt. Die Anhörungen durch das SEM fanden am 14. März 2017 mit H._______ und A._______ sowie am 31. März 2017 mit G._______ und am 8. Mai 2017 mit B._______ und seiner Ehefrau C._______ statt. A.c Dabei wurde zur Begründung der Asylgesuche im Wesentlichen Fol- gendes angeführt: H._______ sei bis zu seiner Pensionierung im Jahr (...) (Nennung berufli- che Funktionen und Tätigkeiten). Nach seiner Pensionierung habe er bis im Jahr (...) auf privater Basis mit einer schweizerischen Delegation für (...) der Universität K._______ weiterhin wissenschaftlich gearbeitet. (Nennung Verantwortungsbereich). Im (...) hätten Vertreter des militärischen Sicherheitsdienstes H._______ dazu bringen wollen, (Nennung Gegenstände) vor deren Evakuation nach ihrem finanziellen Wert einzuschätzen. Da er Diebstahlsabsichten vermu- tet habe, habe er dies abgelehnt, worauf ihm seitens des Regimes ange- droht worden sei, dass man seinen Sohn B._______ ins syrische Militär einziehen werde. Um sich dem angedrohten Zugriff des Regimes zu ent- ziehen, hätten sich H._______ und B._______ in einer ausserhalb der Stadt gelegenen Gartenanlage beziehungsweise in einer Plantage eines Verwandten versteckt. B._______ sei während dieser Zeit von den Behör- den an seiner Arbeitsstelle und in seinem Geschäft sowie bei Nachbarn gesucht worden. Nachdem Q._______ vom Islamischen Staat (IS) besetzt worden sei, seien H._______ und B._______ wieder zu ihren Familien zu- rückgekehrt. Der IS habe nach seinem Einmarsch in Q._______ alle Häuser nach ver- steckten Militärangehörigen durchsucht und sei auch bei ihnen erschienen; dabei seien bei der Durchsuchung ihres Hauses (Nennung Gegenstände) zerstört worden. Im Anschluss an die Hausdurchsuchung sei H._______ D-5411/2017 Seite 3 vom IS zu einer Befragung ins örtliche Hauptquartier vorgeladen worden, wobei dem IS dessen berufliche Stellung bewusst ge wesen sei. Der IS habe in Q._______ – zu Unrecht – einen versteckten R._______ vermutet. Der IS sei überdies im Glauben gewesen, dass L._______ als ehemaliger (Nennung Funktion) , M._______ als dessen Sohn un d Nachfolger und H._______ als dessen ehemaliger Stellvertreter über den Verbleib des R._______ Bescheid wüssten. H._______ habe gegenüber dem IS die Existenz von R._______ verneint. Nach der Befragung habe er gehen dür- fen, jedoch sei ihm vom IS geheissen worden, er dürfe P ._______ nicht verlassen. Er sei auch nach der Befragung in grösster Furcht um sein Le- ben gewesen, da vom IS Hunderte getötet worden seien und er im Verlauf der Befragung als (Nennung Beleidigung) beschimpft worden sei, weil er sich mit (Nennung Gegenstände) befasst und mit Ausländern abgegeben habe. B._______, welcher schon seit dem Jahre (...) für die Verwaltung (Nennung Institution) gearbeitet habe, sei zusammen mit den anderen Angestellten nach dem Fall der Stadt vom IS auf das Gelände des (Nennung Institution) aufgeboten worden, wo alle verhaftet worden seien. Er sei vom IS vorab zum Verbleib der Einnahmen des (Nennung Institution) befragt worden, da- nach habe er eine fünftägige IS-Schulung in korrekter Glaubensausübung überstehen müssen, mithin eine eigentliche Gehirnwäsche , dann sei er freigelassen worden und zu seiner Familie zurückgekehrt. Nach einem Mo- nat unter dem IS hätten sie eine Möglichkeit zur Flucht aus Q._______ gefunden, worauf sie mit Hilfe von Schleppern in Richtung I._______ ge- flohen seien. Auf der Flucht hätten sie, als sie sich noch im Gebiet des IS befunden hätten, von der Verhaftung von L._______ erfahren, der später vom IS enthauptet worden sei. Sie hätten sich deshalb zur Flucht über das Gebiet des IS (damals nördlich von P ._______) entschieden, weil sie im Falle einer Flucht über das Gebiet des Regimes (damals südlich von P ._______) eine Verhaftung von B._______ befürchtet hätten. Sodann seien B._______ und auch G._______ bereits vor dem Fall von Q._______ Nachstellungen seitens des Regimes ausgesetzt gewesen. So sei B._______ im (...) und dann nochmals im (...) an einer Strassensperre von den heimatlichen Sicherheitskräften verhaftet worden, als er von N._______ nach P._______ habe zurückkehren wollen. Beim ersten Mal sei er während (Nennung Dauer) und beim zweiten Mal während (Nennung Dauer) in Haft gewesen, wobei er beide Male nur gegen Bezahlung von Schmiergeld wieder freigekommen sei. Nach dem zweiten Vorfall sei er nie mehr nach N._______ gereist, sondern in P ._______ geblieben. D-5411/2017 Seite 4 G._______ wiederum sei im (...) anlässlich ihrer letzten Reise von ihrem Studienort N._______ nach P ._______ bei einer Personenkontrolle an ei- ner Strassensperre nur deshalb einer Verhaftung entgangen, weil sich der Fahrer des Busses für sie eingesetzt habe. Nachdem sie an der Strassen- sperre von den Sicherheitskräften aus dem Bus g eholt worden sei, habe der Fahrer um ihre Freilassung gefleht und auch Geld bezahlt, damit sie nicht in Haft behalten werde. Zum Grund für ihre Anhaltungen führten so- wohl B._______ als auch G._______ aus, sie seien aufgrund ihres Na- mens ins Visier der Behö rden geraten, zumal ein (Nennung Verwandter) schon seit längerer Zeit aus dem Exil von O._______ gegen das syrische Regime politisch aktiv sei. Seinetwegen seien bereits (Nennung Ver- wandte) vom Regime verhaftet worden und in der anschliessenden Gefan- genschaft gestorben. C._______ berichtete über Behelligungen anlässlich von Kontrollen zwi- schen N._______ und P ._______, welchen sie aufgrund ihrer (...) Herkunft ausgesetzt gewesen sei. Ausschlaggebend für ihre Ausreise sei indes die Gefährdung ihres Ehemannes B._______ und ihres Schwiegervaters H._______ gewesen. Ferner berichteten die Beschwerdeführenden über die damaligen Kriegs- verhältnisse und insbesondere über ihre ständige Furcht in dem vom IS besetzten Q._______. G._______ berichtete ausserdem über vons eiten des IS erlittene Schläge, weil sie einmal auf der Strasse wegen ihrer Brille ihre Augen nicht genügend verdeckt gehabt habe. B. Am 24. August 2017 stellte das SEM im Rahmen von drei separaten Ver- fügungen fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen würden, und lehnte deren Asylgesuche ab. Gleichzeitig ver- fügte es die Wegweisung aus der Schweiz, schob jedoch den Vollzug der- selben wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges zugunsten ei- ner vorläufigen Aufnahme auf. C. Gegen diese Entscheide erhoben die Beschwerdeführenden am 22. Sep- tember 2017 im Rahmen von drei separaten Eingaben ihres gemeinsamen Rechtsvertreters Beschwerde. Dabei beantragten sie, die Verfügungen der Vorinstanz seien in den Dispositivziffern 1 bis 3 aufzuheben und es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren, eventu-D-5411/2017 Seite 5 aliter die vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit des Wegweisungs- vollzuges anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Vereini- gung ihrer Beschwerdeverfahren, eventualiter um eine Koordination der- selben. Die Verfahren seien aufgrund der Erkrankung von H._______ pri- oritär zu behandeln. Ferner sei die unentgeltliche Prozessführung zu be- willigen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihnen in der Person ihres Rechtsvertreters ein unentgeltlicher Rechtsbei- stand zu bestellen. Auf die diversen Beschwerdebeilagen wird – soweit für den Entscheid we- sentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D. Am 2. November 2017 liessen die Beschwerdeführenden dem Gericht eine Kopie ihrer mit als "Ersuchen um Wiedererwägung im hängigen Beschwer- deverfahren" bezeichneten Eingabe an d as SEM zukommen und ersuch- ten um Beschleunigung der Verfahren. Mit Eingabe vom 10. November 2017 liessen sie dem Gericht die Antwort des SEM – wonach die diesbe- zügliche Zuständigkeit mit Einlegung der Beschwerden auf das Bundes- verwaltungsgericht übergegangen sei – zukommen. Zudem ersuchten sie erneut um einen raschen Entscheid. E. Am 14. November 2017 wurden durch den damals zuständigen Instrukti- onsrichter die jeweiligen Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung und Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands – mit je separaten Zwischenverfügungen – zufolge Aussichtslosigkeit der Be- schwerden abgewiesen und die jeweils betroffenen Beschwerdeführenden in allen drei Verfahren zur Zahlung eines Kostenvorschusses von je Fr. 750.– aufgefordert, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlas- sungsfall. F. Am 20. November 2017 beantragten die Beschwerdeführenden, die in den rubrizierten Beschwerdeverfahren ergangenen Zwischenverfügungen vom 14. November 2017 seien revisionsweise aufzuheben, es sei die Sache durch einen anderen als den bisherigen, als befangen zu erachtenden Richter zu beurteilen, es sei das unentgeltliche Verfahren in den erwähnten Beschwerdeverfahren zu bewilligen und auf die Erhebung von Kostenvor-D-5411/2017 Seite 6 schüssen sei zu verzichten, jedenfalls seien die Kostenvorschüsse ange- messen zu reduzieren, und es sei bei Abweisung der vorstehenden An- träge eine Nachfrist für die Bezahlung der Kostenvorschüsse anzusetzen. G. Mit Zwischenverfügung vom 22. November 2017 wurde den Beschwerde- führenden der Eingang der gemeinsamen Eingabe vom 20. November 2017 betreffend die Verfahren D -5411/2017, D -5415/2017 und D-5419/2017 bestätigt. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass die Eingabe einerseits Begehren umfasse, welche vorab im Rahmen der genannten Beschwerdeverfahren zu prüfen seien (die Ersuchen um ein Rückkommen auf die Zwischenverfügungen vom 14. November 2017), und andererseits ein Begehren, welches ausserhalb davon zu behandeln sei (das Aus- standsbegehren). Den Beschwerdeführenden wurde Kenntnis von der Er- öffnung des Ausstandsverfahrens und der Sistierung desselben und der im Rahmen der Zwischenverfügungen vom 14. November 2017 angesetzten Zahlungsfristen gegeben. H. H._______ verstarb am (...) in (...). I. Mit Zwischenverfügung vom 30. November 2017 vereinigte der damals zu- ständige Instruktionsrichter im Rahmen des Hauptverfahrens die drei bis dahin separat geführten Verfahren (D -5411/2017, D -5415/2017 und D-5419/2017) unter der Verfahrensnummer D-5411/2017 und wies den An- trag auf Verzicht auf die erhobenen Kostenvorschüsse ab, reduzierte aber in Gutheissung des diesbezüglichen Eventualantrages den zuvor erhobe- nen Betrag auf gesamthaft Fr. 1‘000.– für alle drei bisherigen Beschwerde- verfahren. Der Kostenvorschuss wurde am 3. Dezember 2017 bezahlt. J. Mit Eingabe vom 22. März 2018 legten die Beschwerdeführenden weitere Beweismittel ins Recht und stellten den Antrag, es seien die Beschwerde- akten an die Vorinstanz zwecks Wiedererwägung der Asylentscheid e, eventualiter zwecks Vernehmlassung zuzustellen. Mit Eingabe vom 18. April 2018 reichten sie weitere Dokumente zu den Akten. D-5411/2017 Seite 7 Auf die Vorbringen und die nachgereichten Unterlagen wird – soweit für den Entscheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegan- gen. K. Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -6562/2017 vom 8. Mai 2018 wurde das Ausstandsbegeh ren im Sinne der Erwägungen gutgeheissen und der damals zuständige Richter verpflichtet, in den Verfahren D-5411/2017, D -5415/2017 und D -5419/2017 (vereinigt unter D-5411/2017) als Instruktionsrichter und Teil des Spruchkörpers in den Ausstand zu treten. L. Mit Instruktionsverfügung vom 17. Mai 2018 wurde den Beschwerdefüh- renden zur Kenntnis gebracht, dass für die unter D-5411/2017 vereinigten Beschwerdeverfahren Richter Thomas Wespi als neuer Instruktionsrichter und als neuer vorsitzender Richter im Spruchkörper amte. M. Das SEM liess sich am 1. Juni 2018 zur Beschwerde vernehmen. N. Die Beschwerdeführenden replizierten mit Eingabe vom 20. Juni 2018. O. Mit Eingabe vom 16. August 2018 legten die Beschwerdeführenden ein weiteres Beweismittel (Nennung Beweismittel) ins Recht. P. Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Beschwerdever- fahren am 28. September 2018 zur Behandlung auf Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger übertragen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015 [SR 142.31]). D-5411/2017 Seite 8 1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 1.3 Die Beschwerdeführenden s ind als Verfügungsadressaten zur Be- schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form- gerecht eingereichte n Beschwerden (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.) D-5411/2017 Seite 9 4. 4.1 Das SEM begründete seinen Asylentscheid betreffend H._______ und A._______ zur Hauptsache damit, die von H._______ geltend gemachten Drohungen seitens des syrischen Regimes seien nicht asylrelevant, da bei objektiver Betrachtung keine gezielt gegen ihn persönlich gerichteten Mas- snahmen ersichtlich seien. H._______ sei aufgrund seiner Weigerung, (Nennung Gegenstände) nach ihrem Wert zu schätzen, allein angedroht worden, dass sein Sohn in den Militärdienst eingezogen würde. Dadurch lägen keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung sei- ner Person vor. Seine Angst, persönlich und gezielt von der syrischen Re- gierung verfolgt zu werden, gründe auf reinen Vermutungen. Auch wenn für H._______ aufgrund seiner Funktion und als international vernetzter Wissenschaftler eine erhöhte Gefahr bestanden habe, im Visier des IS zu stehen, sei er ausser seiner Befragung keinen weiteren Behelligungen des IS ausgesetzt gewesen . Daher dürfte auf Seiten des IS kein ernsthaftes Interesse an seiner Person bestanden haben. Zudem sei er über das Ge- biet des IS ausgereist, was ebenfalls gegen das Vorliegen einer ernsthaf- ten und konkreten Verfolgungssituation durch denselben spreche. Hätte ihn der IS tatsächlich im Visier gehabt, wären angesichts dessen skrupel- losen Verhaltens weitere Behelligungen zu erwarten gewesen. Sowohl aus subjektiver als auch aus objektiver Sicht habe sich H._______ daher nicht in einer unmittelbaren Gefährdungslage befunden, welche im Vergleich mit der allgemeinen Lage als aussergewöhnlich zu qualifizieren wäre. Ausser- dem sei ergänzend anzuführen, dass Q._______ laut aktuellen Berichten zum heutigen Zeitpunkt wieder unter der Kontrolle von regierungsnahen Kräften stehe. Da für H._______ keine akute Gefährdungslage bestanden habe, sei auch seine Ehefrau A._______ nicht konkret gefährdet gewesen. In seinem Entscheid betreffend B._______, C._______ und die gemeinsa- men Kinder gelangte das SEM im Wesentlichen zum Schluss, aufgrund der weitgehenden Substanzlosigkeit der Schilderungen seien die von B._______ behaupteten Verhaftungen von (...) und (...) als unglaubhaft zu erkennen. Gegen das Vorliegen der behaupteten Gefährdung wegen eines politisch aktiven Verwandten spreche ausserdem, dass er seinen Angaben zufolge in Q._______ keinen Behelligungen vonseiten des Regimes aus- gesetzt gewesen sei, sondern dort über eine staatliche Anstellung verfügt habe. Ebenso unglaubhaft seien seine Vorbringen über eine angebliche Bedrohung seitens des Regimes wegen seines Vaters, zumal er den gel- tend gemachten Aufenthalt in einem Ver steck ausserhalb der Stadt nicht im Mindesten substanziiert habe. Schliesslich sei B._______ vonseiten des D-5411/2017 Seite 10 IS keinen Massnahmen ausgesetzt gewesen, welche über das damals üb- liche Mass an Behelligungen hinausgegangen wären. Ein weitergehendes Interesse an seiner Person habe demnach nicht bestanden und er sei ebenfalls über das Gebiet des IS ausgereist, was gegen eine konkrete Ge- fährdung durch den IS spreche. C._______ sei anlässlich von Kontrollen bloss allgemeinen Behelligungen wegen ihrer (...) Herkunft ausgesetzt ge- wesen. Die Tatsache, dass es zu keinen weitergehenden Behelligungen gekommen sei und sie weiterhin nach N._______ gereist sei, lasse darauf schliessen, dass diese Personenkontrollen und Schikanen keine gezielte Verfolgung ihrer Person im Sinne von Art. 3 AsylG bezweckt habe. In Er- mangelung einer konkreten und akuten Gefährdung ihres Ehemannes B._______ sei auch sie keiner solchen ausgesetzt gewesen. Die vom IS verhängten Ausgehvorschriften für Frauen seien keine gezielten Verfol- gungsmassnahmen und daher keine asylrelevanten Nachteile. Ähnlich ver- halte es sich mit der Furcht vor Bombardierungen und mit der Traumatisie- rung der Kinder, die eine Folge der allgemeinen Kriegslage in Syrien seien, welche grosse Teile der Bevölkerung in ähnlicher Weise treffen könne. Im Asylentscheid betreffend G._______ führte das SEM an, alleine deren Probleme anlässlich ihrer letzten Fahrt von N._______ nach P ._______ liessen aufgrund ihrer geringen Intensität nicht darauf schliessen, dass sie deswegen oder wegen ihres Familiennamens oder wegen anderer Gründe seitens des syrischen Regimes ernsthafte Nachteile zu befürchten gehabt hätte. An der Strassensperre sei ihr nichts Ernsthaftes zugestossen, zumal alleine die erlebte Kontrolle keinen rechtserheblichen Nachteil darstelle. Da sie ausser diesem Vorfall nie Probleme mit den heimatlichen Behörden ge- habt habe, sei auszuschliessen, dass ihr eine asylbeachtliche Verfolgung durch das Regime gedroht habe. Auch seitens des IS habe sie keine asyl- relevanten Nachteile erlitten, weder wegen ihres Vaters noch aus persön- lichen Gründen, zumal den erlittenen Schlägen mangels Intensität keine Relevanz zukomme, auch wenn sie für die Beschwerdeführerin zweifellos einschneidende Erlebnisse dargestellt hätten. 4.2 In den Rechtsmittelschriften wird eingewendet, das syrische Regime habe H._______, weil er sich dem Regime gegenüber illoyal gezeigt habe, mit den gegen die Unversehrtheit des Lebens seines Sohnes gerichteten Drohungen respektive mit der politisch motivierten Androhung des Einzugs in den Militärdienst gezielt einem unerträglichem psychischen Druck im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt. Die Drohungen hätten sich nur deshalb nicht verwirklicht, weil sich Vater und Sohn versteckt hätten. Daneben wäre H._______ der Gefahr ausgesetzt gewesen, unter Folter zur Kooperation D-5411/2017 Seite 11 gezwungen beziehungsweise Vergeltungsmassnahmen wegen verweiger- ter Zusammenarbeit ausgesetzt zu werden, nachdem er eine direkte An- weisung missachtet und sich d amit gegen das syrische Regime gestellt habe. Im Weiteren habe sich H._______ in einer erheblichen Gefährdungs- situation wegen des IS befunden, wobei auf das Verfolgungsschicksal von L._______ zu verweisen sei. Dieser sei vom IS zunächst ebenfalls bloss befragt und danach freigelassen, dann aber erneut verhaftet und in der Folge gefoltert und getötet worden . Bei der von ihnen gewählten Flucht- route über das Gebiet des IS habe es sich schliesslich um die einzige Route gehandelt, welche ihnen praktisch offen ge standen habe, da die Route nach P ._______ vermint und umkämpft gewesen sei. Zudem wäre B._______ bei einer Flucht in Richtung des Regimes konkret gefährdet ge- wesen. Ausserdem seien sie nach dem Tod von L._______ umgehend aus dem IS-Gebiet geflüchtet. B._______ wiederum sei wegen seines Vaters von Verfolgung bedroht ge- wesen, zumal sich in seinem Fall der angedrohte Einzug ins Militär als Re- flexverfolgungsmassnahme darstelle. Die vorinstanzlichen Feststellungen betreffend die Unglaubhaftigkeit seiner Vorbring en zufolge mangelnder Substanziierung seien nicht stichhaltig. Die Ereignisse der Jahre (...) und (...) seien für ihn nicht ausreiserelevant gewesen, weshalb er da rüber nur auf Nachfrage des SEM und – vor dem Hintergrund der erheblichen Ge- fährdung im Jahr (...) – kurz berichtet habe. Auch in seinen knappen Aus- führungen seien aber Realkennzeichen zu finden. Aufgrund der Stellung von H._______ in der (...) Stadt Q._______ und einem damit verbundenen gewissen Schutz vor syrischen Sicherheitsbeamten sei es B._______ durchaus möglich gewesen, weiterhin für den Staat zu arbeiten, auch wenn sein Name aufgrund des r egimekritischen (Nennung Verwandter) in O._______, welcher dort in exponierter Stellung gegen das syrische Re- gime tätig sei, auf einer Liste bei den Sicherheitsbeamten kursiert habe. Dies habe – wie auch bei G._______ – wegen ihres Familiennamens zu den Festnahmen an den Kontrollposten ausserhalb Q._______ geführt. Die Vorinstanz verkenne diesbezüglich die Realität der in Syrien herr- schenden Machtverhä ltnisse. Dass B._______ anfänglich nicht erwähnt habe, sich zusammen mit seinem Vater versteckt zu haben und seine Aus- führungen knapp sowie ohne persönliche Elemente ausgefallen seien, sei angesichts der in komprimierter Form geschilderten Asylgründe und d en unterschiedlichen Charakteren nachvollziehbar. Ferner sei vom SEM im Asylentscheid von H._______ die Glaubhaftigkeit des Vorbringen, dass er sich einige Tage in den Plantagen versteckt gehalten habe, weil er die Zu- sammenarbeit mit den syrischen Behörden verweigert und ihm deswegen D-5411/2017 Seite 12 mit dem Einzug von B._______ in den Militärdienst ge droht worden sei, nicht in Frage gestellt worden. Das Schicksal von L._______ zeige augen- scheinlich auf, dass die tatsächliche Gefährdungssituation durch den IS noch immer bestanden habe, was auch durch die Beobachtung der Familie seitens des IS manifestiert werde. Sodann habe B._______ einen Na- mensvetter gehabt, welcher für die (Nennung Kampfeinheit) gekämpft habe, zu jener Zeit vom Regime gesucht und später getötet worden sei. 4.3 Das SEM führte in seiner Vernehmlassung aus, der Einwand, dass sich H._______ mit seiner Weigerung gegen das syrische Regime gestellt habe, sei nicht nachvollziehbar. Es sei in diesem Zusammenhang bereits im angefochtenen Asylentscheid ein Vorbehalt zur Glaubhaftigkeit gemacht worden. Es erscheine gerade wegen des rücksichtslosen und unerbittli- chen Vorgehens der syrischen Regierung gegen Kritiker nicht plausibel, dass H._______ zu diesem Zeitpunkt die Zusammenarbeit mit der Regie- rung im Sinne einer op positionellen Handlung verweigert habe und seine Verweigerung als oppositioneller Akt aufgefasst worden sei. Der angeblich in O._______ regimekritisch tätige Verwandte gehöre nicht zur Kernfamilie und es bestehe zu ihm weder eine enge familiäre Verbindung noch ein en- ger Kontakt. In den Beschwerdeschriften werde auch keine enge ideelle Verbindung der Beschwerdeführenden zu dessen Aktivitäten in O._______ aufgezeigt. Es sei nicht in Abrede zu stellen, dass in Syrien Angehörige von exilpolitisch tätigen Person en Reflexverfolgung ausgesetzt sein könnten. Aus den Ausführungen und den Akten würden sich aber keine ausreichen- den Hinweise ergeben, dass die Beschwerdeführenden wegen des er- wähnten Verwandten in absehbarer Zukunft mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit von solchen Massnahmen betroffen werden könnten. Ferner liege die von B._______ geltend gemachte oppositionelle Tätigkeit in den Jah- ren (...) bis (...) lange zurück und sei als abgeschlossenes Ereignis zu be- trachten, das für ihn zu keinen Nachteilen geführt habe. Diese Tätigkeit sei bislang nicht vorgebracht worden und ausser einer Arbeitsbestätigung seien keine selbst verfassten Artikel eingereicht worden, denen eine re- gimekritische Haltung entnommen werden könnte. Dadurch habe er weder einen besonderen Bekanntheitsgrad erreicht noch ein exponiertes politi- sches Profil erlangt, das ihn als regimefeindlich hätte erscheinen lassen. Hinsichtlich der exilpolitischen Aktivitäten sei anzuführen, dass die syri- schen Sicherheitsdienste zwar auch im Ausland ak tiv seien, sich jedoch auf die Erfassung von Personen mit qualifizierten und exponierten Aktivitä- ten konzentrierten, die aus der Sicht des syrischen Regimes als potenzielle Bedrohung wahrgenommen würden. Es müssten daher konkrete Anhalts- punkte vorliegen, die den Schluss zuliessen, der syrische Staat sei an einer D-5411/2017 Seite 13 Identifizierung und Registrierung des Betroffenen interessiert. Die von B._______ angeführten Aktivitäten in der Schweiz erfüllten jedoch auf- grund ihrer Form und des Inhalts diese Voraussetzungen ni cht. Zum Vor- bringen, die Namen von B._______ und weiterer Familienangehörige sei- en in der mittels „Leaking“ veröffentlichten Liste der vom syrischen Regime gesuchten Personen zu finden, sei anzuführen, dass nicht gesichert sei, auf welche n Quellen die im Internet bestehenden Datensätze basieren würden. Dadurch könne deren Verlässlichkeit nicht abschliessend über- prüft werden. Auch die Angaben der Beschwerdeführenden zur Suchmel- dung aus dem Internet würden offenbaren, dass sie bezüglich des Zustan- dekommens der publizierten Datensätze über keine zuverlässigen Infor- mationen verfügten. Zusammenfassend sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden eine begründete Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung von Seiten des syrischen Regimes hätten. Soweit sie eine wei- ter andauernde Gefährdung durch den IS anführen würden, sei zu bemer- ken, dass der IS gemäss aktuellen Berichten in der Stadt Q._______ nicht mehr präsent sei und in ganz Syrien seit Monaten schrittweise an Boden verliere. Es sei daher nicht von einer aktuell drohenden Verfolgung der Be- schwerdeführenden durch den IS auszugehen. 4.4 In ihrer Replik brachten die Beschwerdeführenden vor , die harte Hal- tung und die Interpretation jeder Abwendung vom Regime sei gerade ein Grund für die begründete Furcht vor künftiger Verfolgung. Sodann sei we- der behauptet noch bestritten worden, dass der in O._______ lebende Ver- wandte zur Kernfamilie gehöre. Es genüge jedoch, dass ein Verwandter gleichen Namens sich derart aktiv verhalte, dass er auch die Aufmerksam- keit auf Angehörige ausserhalb der Kernfamilie lenke. Zudem sei die Be- kanntheit von H._______ für die Beurteilung des Risikos einer Reflexver- folgung ebenfalls zu berücksichtigen. Das SEM verweigere sich diesbe- züglich einer Gesamtbetrachtung der Gründe, die zu eb ensolcher Furcht vor Verfolgung führen würden. Die exilpolitischen Aktivitäten des verstor- benen H._______ seien in Zusammenhang mit dem jüngsten Nachruf auf ihn und seiner Bekanntheit sowie den Aktivitäten des (Nennung Verwand- ter) in O._______ zu setzen. Entgegen der vorinstanzlichen Ansicht sei in Syrien weiterhin keine Verfolgungssicherheit vor Islamisten garantiert. So- dann werde die Registrierung ihrer Familie durch die syrische Regierung als „Gesucht“ von der Vorinstanz nicht bestritten, aber der Wert der Liste pauschal in Frage gestellt. Dabei führe das SEM kein einziges Argument an, das gegen die Glaubhaftigkeit des Lecks bei den Geheimdiensten be- ziehungsweise des erfolgreichen Hackens der Listen durch Oppositionelle gehört werden könnte. Ein solcher Umgang mit Indizien sei im Lichte des D-5411/2017 Seite 14 reduzierten Beweismasses der Glaubhaftmachung einer begründeten Furcht stossend. 5. 5.1 Die Beschwerdeführenden rügen in der Rechtsmitteleingabe, das SEM habe die Flüchtlingseigenschaft zu Unrecht verneint, mithin eine Verlet- zung von Bundesrecht. 5.2 Nachdem H._______ am (...) verstorben ist, wurde das ihn betreffende Beschwerdeverfahren mit Entscheid D -7373/2017 vom 17. Mai 2018 als gegenstandslos geworden ab geschrieben. Es ist folglich auf die ihn per- sönlich betreffende Gefährdungslage nicht mehr einzugehen. Soweit die Beschwerdeführenden aus seiner Verfolgungsgeschichte eine Gefährdung für sich ableiten, ist Folgendes festzuhalten: 5.3 Die Vorinstanz erachtet da s fluchtauslösende Kernvorbringen von B._______ – die Weigerung seines Vaters zur Schätzung des Wertes (Nen- nung Gegenstände) trotz der Androhung der syrischen Behörden, sie wür- den ihn ( B._______) in den Militärdienst einziehen , das anschliessende Untertauchen in einer Gartenanlage und die währenddessen erfolgte Su- che der Behörden nach ihm – als unglaubhaft. Dieser vorinstanzlichen Ein- schätzung kann nicht beigepflichtet werden. B._______ führt in diesem Zu- sammenhang in der Beschwerdeschrift (S. 9 letzter Absatz) zu Recht an, dass das SEM im Asylentscheid von H._______ die Glaubhaftigkeit des besagten Vorfalls, so insbesondere das Aufsuchen eines Verstecks in einer Gartenanlage nach der ausgesprochenen Drohung, nicht in Frage stellte, sondern vielmehr als glaubhaft erachtete. Zudem sind die diesbezüglichen Ausführungen von B._______ zwar kurz, sie enthalten aber einige Details und erscheinen nicht derart unsubstanziiert, wie dies im angefochtenen Entscheid dargestellt wurde (vgl. act. A21/21 S. 6 und 7 betr. B._______). Hinzu kommt, dass B._______ anführte, er sei in Panik und Angst gewe- sen, nachdem ihn sein Vater über die Bedrohung informiert habe. Deshalb erscheint es nachvollziehbar, dass B._______ auf die Frage, was ihm im Moment der Kenntnisnahme dieser Bedrohung durch den Kopf gegangen sei (vgl. act. A21/21 S. 7 F49 f. betr. B._______), keinen klaren Gedanken zu fassen und dementsprechend keine weitergehenden Angaben zu geben vermochte, stellen doch der Kontrollverlust, die Unfähigkeit zu handeln oder auch Starre und Bewegungslosigkeit bekanntermassen Reaktionen auf eine Panik respektive eine Panikattacke dar. Im Übrigen wurde dieser Punkt in der Anhörung auch nicht weiter vertieft, weshalb sich der Vorhalt des SEM, B._______ habe sich zu seinen Ge fühlen nicht geäussert, als D-5411/2017 Seite 15 unberechtigt erweist. Ausserdem ist nicht per se auszuschliessen, dass während der Tage im Versteck eine gewisse Monotonie herrschte, da es dort nichts zu tun gab, weshalb der Antwort von B._______, er habe im Versteck nichts gemacht, sondern sich einfach versteckt, nachvollziehbar erscheint. Dabei gilt es in Erinnerung zu rufen, dass die Glaubhaftigkeit ein reduziertes Beweismass darstellt und durchaus Raum für gewisse Ein- wände und Zweifel an den Vorbringen lässt. Das Gleiche gi lt auch für die Ausführungen von B._______ zur behördlichen Suche nach seiner Person während seines Untertauchens, erwähnt er doch immerhin verschiedene Personen, die ihn über diese Suche informiert haben sollen und er war auch in der Lage, den Inhalt eine s Gesprächs der Behörden mit dem Mit- besitzer seines Ladens im Wesentlichen wiederzugeben (vgl. act. A21/21 S. 15 F129 f. betr. B._______). Soweit in diesem Zusammenhang zu den Örtlichkeiten der Suche angeführt wird, B._______ sei an seiner Arbeits- stelle und in seinem Geschäft sowie bei Nachbarn nach seinem Verbleib gesucht worden (vgl. act. A21/21 S. 16 betr. B._______; A23/14 S. 9 betr. C._______), erscheint es zwar als wenig nachvollziehbar, dass die Behör- den lediglich Nachforschungen am Arbeitsplatz von B._______ und bei dessen Nachbarn, nicht aber – was naheliegend gewesen wäre – an sei- nem Wohnort und demjenigen seiner nächsten Familienangehörigen getä- tigt haben sollen. Da sich jedoch über den Informationsstand der syrischen Behörden wie auch deren Modus Operandi nur mutmassen lässt, bleibt dieses Argument ohne entscheidendes Gewicht (vgl. zur Zurückhaltung beim Kriterium der Plausibilität von Verfolgungshandlungen Urteil des BVGer D-7912/2016 vom 12. Februar 2018 E. 5.1 m.w.H.). 5.4 Im Sinne einer Gesamtbetrachtung aller Indizien, welche für und gegen die Glaubhaftigkeit des ausreiserelevanten Vorfalls (Flucht nach einer be- hördlichen Vorsprache im (...) sowie die darauffolgende Suche nach B._______) sprechen, stellt das Bundesverwaltungsgericht vorliegend fest, dass die dementsprechenden Schilderungen als überwiegend glaubhaft zu erachten sind. 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangte in BVGE 2015/3 zum Schluss, dass nach der Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG die bisherige Rechtspraxis in Bezug auf Personen, di e ihr Asylgesuch mit einer Wehr- dienstverweigerung oder Desertion im Heimatstaat begründen, weiterhin gültig ist. Demnach vermag eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion nicht alleinig, sondern nur dann die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden D-5411/2017 Seite 16 ist, mit anderen Worten die betroffene Person aus den in dieser Norm ge- nannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be- stimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen ) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen hat, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt (a.a.O. E. 5.9). Ferner hielt das Gericht fest, dass die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 gegen tat- sächliche oder vermeintliche Regimegegner mit grösster Brutalität und Rücksichtslosigkeit vorgehen. Personen, die sich dem Dienst in der staat- lichen syrischen Armee entzogen haben – etwa, weil sie sich den Aufstän- dischen anschliessen wollten oder in der gegebenen Bürgerkriegssituation als Staatsfeinde und als potentielle gegnerische Kombattanten aufgefasst werden –, sind seit dem Jahr 2011 in grosser Zahl nicht nur von Inhaftie- rung, sondern auch von Folter und aussergerichtlicher Hinrichtung betrof- fen (a.a.O. E. 6.7.2 m.w.H.). 6.2 Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass durch die als glaubhaft er- achtete Aufforderung der syrischen Behörden gegenüber H._______, den Wert (Nennung Gegenstände) zu schätzen, verbunden mit der Drohung, dass andernfalls sein Sohn B._______ in den Militärdienst eingezogen werde, sowie der wegen anhaltender Weigerung von H._______ erfolgten Suche der syrischen Behörden nach B._______ davon auszugehen ist, dass nicht allein H._______, sondern auch dessen Sohn B._______ die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezo- gen hat. Diese Schlussfolgerung erscheint dem Gericht umso stringenter, als zu berücksichtigen gilt, dass es sich bei H._______ um einen national wie auch international bekannten (...) Wissenschaftler handelt (Nennung Beweismittel). In diesem Zusammenhang ist auch auf L._______ hinzu- weisen, mit dem H._______ als dessen Stellvertreter jahrelang zusam- menarbeitete. Über die Tötung von L._______ durch die IS-Milizen im (...), nachdem er sich offenbar weigerte, diesen Informationen über verborgene (Nennung Gegenstände) zu geben, wurde international berichtet (vgl. dazu: Neue Zürcher Zeitung, [Nennung Artikel]; abgerufen am 19. Juli 2019). Aus diesen Gründen, wie auch aufgrund der bis zur Pensionierung innegehabten verantwortungsvollen Stellung als eine renommierte Persön- lichkeit war H._______, und mit ihm auch dessen nahen Familienangehö- rigen, bereits grundsätzlich einer erhöhten Aufmerksamkeit der syrisc hen Regierung ausgesetzt. D-5411/2017 Seite 17 B._______ ergriff gemäss seinen als glaubhaft erachteten Darlegungen nach der angedrohten Einberufung in den Militärdienst zusammen mit sei- nem Vater H._______ die Flucht und versteckte sich vor den syrischen Be- hörden, die ihn während dieser Zeit aktiv an mehreren Orten suchten. Nach der Einnahme von Q._______ durch den IS nutzte B._______ zusammen mit seinen Familienangehörigen bei erster Gelegenheit die Möglichkeit zur Flucht, wobei sie – aus Angst vor einer Festnahme seiner Person durch die syrischen Behörden – eine Route über das damals vom IS besetzte Gebiet wählten (vgl. act. A14/16 S. 11 betr. G._______; A21/21 S. 13 ff. betr. B._______; Beschwerdeschrift S. 11 f.). Somit ist im vorliegenden Einzelfall aufgrund der Gesamtsituation und der erwähnten Vorgehensweise des syrischen Regimes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass nicht nur das Verhalten des zwischenzeitlich verstorbenen H._______ (Verweigerung einer Zusam- menarbeit mit dem syrischen Regime) sondern auch die Dienstverweige- rung seines Sohnes B._______ durch die syrischen Behörden als Aus- druck der Regimefeindlichkeit aufgefasst wird. Die B._______ drohende Strafe würde nicht allein der Sicher stellung der Wehrpflicht dienen, was nach zu bestätigender Praxis ‒ immer unter der Voraussetzung rechts- staatlicher und völkerrechtskonformer Rahmenbedingungen (vgl. E. 5, insb. 5.7.1 f. und 5.9) ‒ grundsätzlich als legitim zu erachten wäre. Es ist vielmehr damit zu rechnen, dass B._______ nicht nur als Sohn von H._______ (vgl. dazu nachstehend E. 6.4.2) sondern auch aufgrund seiner Dienstverweigerung als politischer Gegner qualifiziert und als solcher un- verhältnismässig schwer bestraft würde. Mit anderen Worten hätte er, sollte das staatliche Regime seiner habhaft werden, eine politisch motivierte Be- strafung und eine Behandlung zu erwarten, die einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommt. Eine inner- staatliche Fluch talternative ist vorliegend nicht vorhanden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.7). 6.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass B._______ die Flüchtlingseigen- schaft im Sinne von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG erfüllt und ihm Asyl zu ge- währen ist. Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen. 6.4 Es ist im Folgenden zu prüfen, ob die übrigen rubrizierten Beschwer- deführenden wegen ihrer Verwandtschaft zu H._______ und B._______ begründete Furcht haben, einer Reflexverfolgung ausgesetzt zu werden. D-5411/2017 Seite 18 6.4.1 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe- nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver- folgung. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Reflexver- folgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit beacht- licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung BVGE 2007/19 E. 3.3 S. 225 m.w.H.). 6.4.2 Die Verfolgung von Angehörigen vermeintlicher oder wirklicher politi- scher Oppositioneller durch die syrischen Behörden ist durch diverse Quel- len dokumentiert. Es lassen sich unterschiedliche Motive für die Verfolgung von Angehörigen politischer Oppositioneller erkennen. So werden Angehö- rige verhaftet und misshandelt, um eine Person für ihre oppositionelle Ge- sinnung oder ihre Desertion zu bestrafen, um Informationen über ihren Auf- enthaltsort in Erfahrung zu bringen, um eine Person zu zwingen, sich den Behörden zu stellen, um ein Geständnis zu erzwingen, um weitere Perso- nen abzuschrecken, oder um Angehörige für eine unterstellte oppositio- nelle Haltung zu bestrafen, die ihnen aufgrund ihrer Nähe zu vermeintli- chen oder wirklichen Oppositionellen zugeschrieben wird. Bezüglich Mili- tärdienst in Syrien und Reflexverfolgung halten mehrere Berichte fest, dass, wenn ein Verweigerer oder Deserteur identifiziert ist, Behördenver- treter die Familie der Person besuchen, um sie zum Verbleib der gesuchten Person zu befragen. Dabei wird die Familie eingeschüchtert und unter Druck gesetzt. Manchmal wird ein Familienmitglied inhaftiert, um die ge- suchte Person unter Druck zu setzen (vgl. zum Ganzen: Urteil des BVGer D-7317/2015 vo m 26. März 2018 E. 6.2 m.w.H.). Das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) führt in seinem Bericht "International Protection Considerations with regard to people fleeing the Syrian Arab Republic, Update III “ vom Oktober 2014 sod ann aus, dass Familienangehörige von (vermeintlichen) Regimegegnern wie Ehepartner, Kinder (inklusive minderjährige Kinder), Geschwister, Eltern und auch entferntere Verwandte willkürlich verhaftet, in Isolationshaft ge- nommen, gefoltert oder anderweitig mi sshandelt würden. Könne ein Re- gimegegner nicht gefunden werden, würden Sicherheitskräfte auch unter Anwendung von Gewalt Familienangehörige, inklusive Kinder, verhaften, um sie für die Aktivitäten des gesuchten Familienmitgliedes zu bestrafen oder sie dazu missbrauchen, um an Informationen zu dessen Verbleib zu gelangen oder die Gesuchten unter Druck zu setzen, sich den Behörden zu stellen. Aus Sicht des UNHCR sind Familienmitglieder und andere nahe D-5411/2017 Seite 19 Angehörige von (vermeintlichen) Regimegegnern sodann einem besonde- ren Risiko von Verfolgung ausgesetzt (UNHCR-Bericht vom Oktober 2014, S. 6, 8 und 14, www.refworld.org/docid/544e446d4.html, abgerufen am 15.07.2019). Das UNHCR hält in seinem Update V des erwähnten Berichts vom November 2017 im Wesentlichen an sei ner bisherigen Einschätzung fest (www.refworld.org/pdfid/59f365034.pdf., abgerufen am 15.07.2019). Den als glaubhaft erachteten Darlegungen zufolge haben die syrischen Be- hörden für den (schlussendlich eingetretenen) Fall, dass H._______ eine Zusammenarbeit (Nennung der Kooperation ) verweigert, im Sinne einer Vergeltungsmassnahme den Einzug seines Sohnes B._______ angedroht. Sie haben mit der nachfolgenden behördlichen Suche nach B._______ diese Drohung auch in die Tat umzusetzen versucht. Damit haben die sy- rischen Behörden gezeigt, dass sie gewillt sind, die oppositionelle Gesin- nung von H._______ mit Vergeltungsmassnahmen gegenüber dessen An- gehörigen zu bestrafen. Die Befürchtung der Beschwerdeführenden, als nahe Verwandte des zwischenzeitlich verstorbenen H._______ und ebenso aufgrund der Wehrdienstverweigerung von B._______ in absehba- rer Zukunft Opfer einer Reflexverfolgung zu werden, ist vor diesem Hinter- grund nicht nur in subjektiver, sondern auch in objektiver Hin sicht als be- gründet zu erachten, zumal sie ihren Angaben nach im gleichen, den Be- hörden bekannten Haushalt in Q._______ gelebt hatten, bevor sie gemein- sam aus Syrien flüchteten (vgl. act. A14/16 S. 4 betr. G._______; A21/21 S. 7 betr. B._______; A23/9 S. 2 f. betr. A._______). 6.4.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden begründete Furcht haben, Opfer einer Reflexverfolgung zu werden, die auf einer politischen Verfolgungsmotivation der syrischen Behörden beruht und damit den Anforderungen von Art. 3 AsylG genügt. Momentan ist ferner keine Möglichkeit eines adäquaten Schutzes vor Verfolgungsmassnahmen des staatlichen syrischen Regimes ersichtlich. Eine innerstaatliche Flucht- alternative ist folglich nicht gegeben (vgl. Referenzurteil des BVGer D-5779/2013 E. 5.8 f.). 6.5 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass sowohl B._______ als auch die übrigen Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllen. Da den Akten nicht nur bezüglich B._______ (vgl. E. 6.4 oben), sondern auch hinsichtlich der anderen rubrizierten Beschwer- deführenden keinerlei Hinweise zu entnehmen sind, die auf das Vorliegen von Ausschlussgründen (Art. 53 AsylG) hindeuten, ist ihnen in der Schweiz D-5411/2017 Seite 20 Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). Die Beschwerde ist demnach gutzu- heissen, die angefochtenen Verfügungen sind aufzuheben und das SEM ist anzuweisen, den Beschwerdeführenden Asyl zu gewähren. Angesichts des Ausgangs des Verfahrens erübrigt es sich, auf die weiteren Vorbringen und Anträge einzugehen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind keine Verfah- renskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der am 3. Dezember 2017 in der Höhe von Fr. 1000.– geleistete Kostenvorschuss ist zurückzu- erstatten. 7.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens eine Entschädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Partei- kosten zuzusprechen (vgl. Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter reichte mit seinen Beschwerdeschriften eine Kosten- note vom 22. September 2017 zu den Akten. Darin wird für sämtliche Be- schwerden ein Aufwand von 15.10 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 300.–, total (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) Fr. 4963.90 ausgewie- sen. Der ausgewiesene Aufwand erscheint als angemessen. Sodann ist in der erwähnten Kostennote der Aufwand für die Eingabe n vom 20. Juni 2018 (Replik) und vom 16. August 2016 (Beweismitteleingabe) noch nicht berücksichtigt. Dieser zusätzliche Aufwand ist von Amtes wegen auf 1.40 Stunden zu veranschlagen. Es ergibt sich demnach ein Gesamtaufwand von 16.50 Stunden. Die Auslagen erhöhen sich um Fr. 12.60 auf insgesamt Fr. 78.80. Der ausgewiesene Stundenansatz von Fr. 300.– ist für die Be- messung der Parteientschädigung reglementskonform (vgl. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die Parteientschädigung – welche von der Vorinstanz zu leisten ist – ist gerundet demnach auf Fr. 5430.– (inkl. Auslagen und MWSt) festzu- setzen. Das SEM i st anzuweisen, den Beschwerdeführenden diesen Be- trag zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) D-5411/2017 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügungen des SEM vom 24. August 2017 werden aufgehoben. 3. Das SEM wird angewiesen, die Beschwerdeführenden als Flüchtlinge an- zuerkennen und ihnen Asyl zu gewähren. 4. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1000.– wird zurückerstattet. 6. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insge- samt Fr. 5430.– zu entrichten. 7. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Stefan Weber Versand: