B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4634/2025 U r t e i l v o m 3 . J u l i 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richter Thomas Segessenmann; Gerichtsschreiberin Bettina Hofmann. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Urs Jehle, Rechtsschutz für Asylsuchende, Bundesasylzentrum Region Zürich, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat); Verfügung des SEM vom 18. Juni 2025 / N (…). D-4634/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 17. März 2025 in der Schweiz um Asyl nach. Dabei gab er an, am (…) geboren und damit minderjährig zu sein. B. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Zentralein- heit Eurodac) ergab, dass er am 1. Februar 2023 bereits in Bulgarien um Asyl nachgesucht hatte. C. C.a Am 20. März 2025 ersuchte das SEM die bulgarischen Behörden ge- stützt auf Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Par- laments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied- staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol- gend: Dublin-III-VO), unter anderem um Informationen betreffend die Per- sonalien des Beschwerdeführers und dessen Aufenthaltsstatus. C.b Diesem Ersuchen kamen die bulgarischen Behörden am 26. März 2025 nach und setzten das SEM darüber in Kenntnis, dass der Beschwer- deführer in Bulgarien als B._______, geboren am (…), mithin als Volljähri- ger registriert worden sei. Gleichzeitig informierten sie darüber, dass dem Beschwerdeführer in Bulgarien am 24. Juli 2023 subsidiärer Schutz ge- währt worden sei. D. Ein Abgleich mit dem Schengener Informationssystem (SIS) ergab sodann, dass der Beschwerdeführer in Deutschland mit den Personalien B._______, geboren am (…), mithin als Minderjähriger polizeilich erfasst worden war. E. Am 3. April 2025 fand – im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertretung – die Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (EB UMA) statt. Dabei brachte der Beschwerdeführer – unter Einreichung einer Kopie sei- ner Tazkira (afghanische Identitätskarte) – vor, sein Geburtsdatum gemäss dem gregorianischen Kalender selbst berechnet zu hab en. Sein D-4634/2025 Seite 3 Geburtsdatum gemäss dem afghanischen Kalender hätten ihm seine El- tern mitgeteilt. Zu seiner Registrierung in Bulgarien gab er an, dass ihm der Dolmetscher geraten habe, sich als Volljährigen auszugeben, um eine Wei- terreise zu erleichtern. Diesem Rat sei er gefolgt. Zu einem allfälligen Wegweisungsvollzug nach Bulgarien gab der Be- schwerdeführer im Wesentlichen zu Protokoll, dass die Lebensbedingun- gen dort unzumutbar gewesen seien, insbesondere in Bezug auf Unter- kunft, Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Hinsichtlich seines Gesundheitszustands machte er geltend, psychisch an- geschlagen zu sein. F. F.a Mit Schreiben vom 7. April 2025 räumte das SEM dem Beschwerde- führer Gelegenheit ein, sich zur beabsichtigten Anpassung des Geburtsda- tums auf den (…) im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) zu äussern. F.b In seiner Stellungnahme vom 11. April 2025 hielt der Beschwerdefüh- rer an seiner Minderjährigkeit fest und reichte zur Untermauerung dersel- ben einen Impfausweis, Schulunterlagen sowie eine handschriftliche Notiz seiner Eltern (jeweils in Kopie) zu den Akten. G. Am 14. April 2025 passte das SEM das Geburtsdatum des Beschwerde- führers im ZEMIS auf den (…) an und versah es mit einem Bestreitungs- vermerk. H. H.a Gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt- staatsangehöriger (sog. Rückführungs-Richtlinie) und das Abkommen zwi- schen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Republik Bulgarien über die Rückübernahme von Personen mit unbefugtem Aufent- halt vom 21. November 2008 ( SR 0.142.112.149) ersuchte das SEM die bulgarischen Behörden am 17. April 2025 um Rückübernahme des Be- schwerdeführers. D-4634/2025 Seite 4 H.b Am 23. April 2025 stimmten die bulgarischen Behörden dem Rück- übernahmeersuchen zu. I. Der Beschwerdeführer nahm zum Entwurf des Nichteintretensentscheides des SEM vom 6. Mai 2025 mit Schreiben vom 7. Mai 2025 Stellung. Darin beantragt er unter anderem die Erstellung eines Altersgutachtens. J. Am 9. Mai 2025 ersuchte das SEM die bulgarischen Behörden gestützt auf Art. 34 Dublin -III-VO um zusätzliche Informationen betreffend allfällige Identitätsnachweise. K. K.a Am 12. Mai 2025 beauftragte das SEM das Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie des Universitätsspitals C._______ mit der Erstellung eines Altersgutachtens. K.b Ein solches wurde am 16. Mai 2025 gestützt auf forensische Untersu- chungen desselben Tages erstellt. Gemäss Gutachten liegt beim Be- schwerdeführer ein durchschnittliches Lebensalter von 18.5 bis 22.7 Jah- ren sowie ein Mindestalter von 16.9 Jahren vor. L. Am 29. Mai 2025 informierten die bulgarischen Behörden das SEM dar- über, dass der Beschwerdeführer in Bulgarien keinerlei Identitätsd oku- mente eingereicht habe. M. M.a Mit Schreiben vom 3. Juni 2025 räumte das SEM dem Beschwerde- führer Gelegenheit ein, sich zum Altersgutachten vom 16. Mai 2025 und der beabsichtigten Beibehaltung des im ZEMIS registrierten Geburtsda- tums vom (…) zu äussern. M.b In seiner Stellungnahme vom 11. Juni 2025 bekräftigte der Beschwer- deführer seine Minderjährigkeit. N. N.a Am 12. Juni 2025 wandte sich das SEM an den für den Beschwerde- führer zuständigen Gesundheitsdienst und ersuchte um Einsicht in die D-4634/2025 Seite 5 medizinischen Unterlagen des Beschwerdeführers sowie um Auskunft be- treffend allfällige ausstehende Arzttermine. N.b Der zuständige Gesundheitsdienst informierte das SEM darüber, dass der Beschwerdeführer bislang nicht vorstellig geworden sei. O. Der Beschwerdeführer nahm zum überarbeiteten Entwurf des Nichteintre- tensentscheides des SEM vom 16. Juni 2025 mit Schreiben vom 17. Juni 2025 Stellung. P. Mit Verfügung vom 18. Juni 2025 (gleichentags eröffnet) trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das Asylge- such des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz weg und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft dieser Verfügung zu verlassen, wobei er ansonsten in Haft genommen und unter Zwang nach Bulgarien zurückgeführt werden könne. Zudem stellte es fest, dass sein Geburtsdatum im ZEMIS (mit Bestreitungsvermerk) auf den (...) laute. Q. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 25. Juni 2025 (Datum des Poststempels) beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte (sinngemäss), die an- gefochtene Verfügung sei aufzuheben und das SEM anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. Ferner sei das SEM anzuweisen, das Geburts- datum im ZEMIS auf den (...), eventualiter auf den (...) zu berichtigen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt- lichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erh ebung eines Kosten- vorschusses. Der Beschwerde lagen Kopien der angefochtenen Verfügung (inkl. Emp- fangsbestätigung) und der Vertretungsvollmacht bei. R. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 26. Juni 2025 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Glei- chentags bestätigte es den Eingang der Beschwerde. D-4634/2025 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde- führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Über die Begehren hinsichtlich Änderung des im ZEMIS vermerkten Ge- burtsdatums wird nicht im vorliegenden Verfahren entschieden; vielmehr ist im Nachgang ein separates Verfahren unter der Geschäfts - Nr. D-4822/2025 zu führen. 3. 3.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätz lich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3.3 Bezüglich der Fragen der ausländerrechtlichen Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat das SEM eine materielle Prüfung vorgenom- men, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kogni- tion zukommt. 4. Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachstehend aufgezeigt – als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zu- ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). D-4634/2025 Seite 7 5. 5.1 Die formellen Rügen (Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör inklusive der Begründungspflicht sowie unrichtige und unvollständige Fest- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts) sind vorab zu prüfen, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation d er angefochtenen Verfü- gung zu bewirken. 5.2 Das SEM hat sich in der angefochtenen Verfügung im Zusammenhang mit der Frage der Minderjährigkeit – nebst der Würdigung des Altersgut- achtens – eingehend mit den Argumenten des Beschwerdeführers befasst und unter Berücksichtigung der eingereichten Beweismittel dargelegt, aus welchen Gründen es diese für unglaubwürdig hält (vgl. a.a.O. Ziff. II). Damit ist es seiner Begründungspflicht in ausreichendem Masse nachgekom- men. Entgegen der Beschwerde hat es insbesondere auch das anwend- bare Beweismass nicht verkannt. Alleine der Umstand, dass das SEM hin- sichtlich des Alters des Beschwerdeführers zu einem anderen Ergebnis kommt, als vom Beschwerdeführer vertreten, spricht weder für eine Verlet- zung der Begründungspflicht (respek tive des Anspruchs auf rechtliches Gehör) noch für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung. 5.3 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen. Der entsprechende Eventualantrag ist abzuweisen. 6. Es ist darauf hinzuweisen, dass grundsätzlich die asylsuchende Person die Beweislast für die behauptete Minderjährigkeit trägt, wobei diese im Asyl- verfahren zumindest glaubhaft zu machen ist, wenn der strikte Beweis nicht möglich ist. Wie vom SEM zutreffend dargelegt, lässt sich anhand des durchgeführten Altersgutachtens gemäss BVGE 2018 VI/3 (E. 4.2.2) keine Aussage zur Minder- respektive Volljährigkeit des Beschwerdeführers machen und ist basierend darauf sowohl die Voll- als auch die Minderjährigkeit möglich. Demnach sind die anlässlich der EB UMA getätigten Aussagen des Be- schwerdeführers im Zusammenhang mit seinem Alter einer Würdigung zu unterziehen. Diese sind, in Übereinstimmung mit dem SEM , als wider- sprüchlich und unplausibel ausgefallen zu erachten. Zwar erscheint die Er- klärung des Beschwerdeführers, sich in Bulgarien absichtlich als Volljähri- gen ausgegeben zu haben, um eine Weiterreise zu erleichtern, nicht von vornherein unplausibel. Die zugeg ebene Falschaussage tut aber seiner D-4634/2025 Seite 8 Glaubwürdigkeit Abbruch. Darüber hinaus weichen seine Registrierungen in Deutschland und in der Schweiz wiederum voneinander ab. Zudem konnte er seine angebliche Minderjährigkeit nicht mit rechtsgenüglichen Identitätspapieren belegen. Vielmehr verstrickte er sich damit in weitere Unstimmigkeiten, zumal die eingereichten Dokumente erneut nicht über- einstimmende Altersangaben enthalten. Die oberflächlichen Erklärungs- versuche in der Rechtsmitteleingabe (insbesondere Missverständnisse so- wie systematische Unsicherheit im afghanischen Personenstandswesen) sind nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung zu führen. Es gelingt dem Beschwerdeführer somit nicht, seine vorgebrachte Minderjährigkeit glaubhaft zu machen. 7. 7.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der Re- gel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher aufgehalten hat. In allen Fällen nach Art. 31a Abs. 1 AsylG ist erforderlich, dass hinsichtlich des Vollzugs eine Rückübernahmezusicherung des Drittstaates vorliegt. Die tatsächliche Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs (und nicht nur der Weiterreise oder Rückkehr) ist Rechtmässigkeitsvoraussetzung für den Er- lass eines Nichteintretensentscheids gemäss Art. 31 a Abs.1 AsylG; die Frage, ob die asylsuchende Person selbstständig beziehungsweise freiwil- lig in den Drittstaat zurückkehren könnte, ist für die Anwendung der Dritt- staatenregelung demnach nicht ausschlaggebend (vgl. Urteile des BVGer D-7483/2024 vom 13. Dezember 2024 E. 6; D-788/2021 vom 25. Novem- ber 2024 E. 5.2; E-4427/2021 vom 28. November 2023 E 4.2; CONSTANTIN HRUSCHKA in: Spescha et al. [Hrsg.], Kommentar zum Migrations recht, 5. Aufl. 2019, Art. 31a AsylG Rn. 3, vgl. auch BBl 2002 6845, 6850). Das SEM stellt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest, dass es sich bei Bulgarien, als Mitglied der Europäischen Union (EU), um einen verfolgungssicheren Drittstaat im Sinn e von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt (vgl. Anhang 2 der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen [AsylV1, SR 142.311]). Den vorinstanzlichen Akten ist sodann zu entneh- men, dass der Beschwerdeführer in Bulgarien subsidiären Schutz erhalten hat und die bulgarischen Behörden seiner Rückübernahme in Kenntnis al- ler relevanten Umstände, namentlich der strittigen Personalien, ausdrück- lich zustimmten. Der Umstand, dass die bulgarischen Behörden hinsicht- lich der Ausstellung vollzugstauglicher Reisedokumente inhal tliche D-4634/2025 Seite 9 Vorgaben machen (“If this person is not in possession of a travel document, provide him with a requisite travel document to enter in Bulgaria. The travel document should be issued with the same name and date of birth as stated above; otherwise, the person will not be allowed to enter in Republic of Bulgaria” [vgl. SEM-Akte {...}-29/1]), führt – entgegen der auf Beschwerde- ebene vertretenen Auffassung – nicht zur Ungültigkeit der Rückübernah- mezusicherung. Diesem Umstand ist – wie in der angefochtenen Verfü- gung zutreffend dargelegt – vielmehr bei der Ausgestaltung der Vollzugs- modalitäten angemessen Rechnung zu tragen, indem auf dem durch das SEM auszustellenden Ersatzdokument zwecks Überstellung sämtliche Ali- aspersonalien aufzuführen sind. 7.2 Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten. 8. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz, wenn es auf ein Asylgesuch nicht eintritt. Der Beschwerde- führer verfügt in der Schweiz weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; BVGE 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet. 9. 9.1 Das SEM regelt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme, wenn der Vollzug der Weg- weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AlG [SR 142.20]). 9.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insbesondere Art. 33 Abs. 1 des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 und 4 EMRK) einer Weiterreise der Aus- länderin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Dritt- staat entgegenstehen (Art . 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im aufnehmenden Staat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger- krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. D-4634/2025 Seite 10 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie Bul- garien einer ist – die Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Ver- pflichtungen, darunter im Wesentlichen das Refoulement -Verbot und grundlegende menschenrechtliche Garantien, e inhalten. Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt der be- troffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzustossen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden, respektive dass sie im in Frage ste- henden Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftli- cher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. Urteile des BVGer E -3453/2022 vom 27. Dezember 2022 E. 8.4 und E-6592/2020 vom 12. Januar 2021 E. 8.2, je m.w.H.). 9.3 Der Beschwerdeführer hat in Bulgarien einen subsidiären Schutzstatus zugesprochen erhalten. Als Schutzberechtigter kann er sich auf die Garan- tien der Richtlinie 2011/95/EU des europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 13. Dezember 2011 (Qualifikationsrichtlinie) berufen – insbeson- dere die Regeln betreffend den Zugang zu Beschäftigung [Art. 26], Bildung [Art. 27], Sozialhilfeleistungen [Art. 29], Wohnraum [Art. 32] und medizini- scher Versorgung [Art. 30] –, zu deren Einhaltung Bulgarien als EU-Mit- gliedstaat gemeinschaftsrechtlich verpflichtet ist. Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Rückkehr nach Bulgarien mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Es ist un- bestritten, dass die Lebensbedingungen in Bulgarien für die gesamte Be- völkerung mitunter schwierig sind; dennoch ist unter diesen Umständen im heutigen Zeitpunkt nicht von einem «real risk» auszugehen, dass der Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr in diesen Staat einer menschenrechts- widrigen Behandlung ausgesetzt wäre. Auch unter Berücksichtigung der Schwächen des bulgarischen Aufnahmesystems vermag die blosse Mög- lichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus nicht voraussehbaren Gründen in eine missliche Lebenssituation zu geraten, die einer Aussetzung einer existen- ziellen Notlage und andauernden menschenrechtswidrigen Behandlung gleichkäme, die Schwelle eines entsprechenden «real risk» nicht zu errei- chen. Es obliegt ihm, gegebenenfalls die ihm zustehenden Unterstützungs- leistungen und weiteren Rechte aufgrund seines Schutzstatus direkt bei den zuständigen bulgarischen Behörden einzufordern, falls notwendig auf dem Rechtsweg. D-4634/2025 Seite 11 9.4 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich als mö glich zu erachten (Art. 83 Abs. 2 AIG), zumal die bulgarischen Behörden einer Rücküber- nahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben. 9.5 Nach dem Gesagten ist der vom SEM verfügte Vollzug der Wegwei- sung zu bestätigen. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuw eisen, so- weit darüber im vorliegenden Verfahren zu entscheiden ist. 11. 11.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der vorstehenden Erwä- gungen ergibt sich, dass sein Begehren als aussichtslos zu gelten hat. Da- mit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb das Gesuch ungeachtet der geltend gemachten Mittellosigkeit ab- zuweisen ist. 11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 11.3 Das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Direktentscheid gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) D-4634/2025 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darüber im vorliegenden Verfah- ren entschieden wird. Die angefochtene Verfügung erwächst in den Dispo- sitivpunkten 1-3 sowie 5 in Rechtskraft. Über die Begehren hinsichtlich Änderung des im ZEMIS vermerkten Ge- burtsdatums wird im Nachgang ein separates Verfahren unter der Ge- schäfts-Nr. D-4822/2025 geführt. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Bettina Hofmann Versand: