Entscheid vom 20. Juli 2012 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Cornelia Cova, Gerichtsschreiberin Marion Schmid Parteien A., vertreten durch Rechtsanwalt Paul-Lukas Good, Beschwerdeführerin gegen BUNDESAMT FÜR JUSTIZ,FACHBEREICH AUS- LIEFERUNG, Beschwerdegegner Gegenstand Auslieferung an Deutschland Beschwerde gegen Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: RR.2012.53 - 2 - Sachverhalt: A. Das sächsische Staatsministerium der Justiz ersuchte die Schweiz mit Schreiben vom 21. Januar 2011 (Verfahrensakten BJ act. 11), ergänzt am 12. Mai 2011 ( Verfahrensakten BJ act. 22 ) um Auslieferung der deu t- schen Staatsangehörigen A. zwecks Auslieferung im Hinblick auf die Voll- streckung einer Gesamtfreiheitsstrafe von e inem Jahr und zehn Monaten aus dem Urteil des Amtsgerichts Dresden vom 21. Juli 2006 unter Einb e- zug der Urteile vom 16. Juni 2005 und 7. März 2006 i.V.m. dem Wide r- rufsbeschluss des Amtsgerichts Dresden vom 30. September 2009 wegen Betrugs, Subventionsbetrugs sowie Veruntreuens von Arbeitsentgelt. Fer- ner soll eine Fr eiheitsstrafe von neun Monaten vollstreckt werden aus dem Urteil des Amtsgerichts Dippoldiswalde vom 5. Dezember 2008 i.V.m. dem Urteil des Landgerichts Dresden vom 4. August 2009 wegen Betrugs (Verfahrensakten BJ act. 11A). Mit Schreiben vom 20. Juni 2011 ersuchte das sächsische St aatsministerium der Justiz die Schweiz schliesslich noch um Auslieferung von A. für den ihr im Haftbefehl des Amtsgerichts Dresden vom 6. Dezember 2010 zur Last gelegten Be trug (Verfahrensakten BJ act. 24). B. Anlässlich ihrer Einvernahme vom 10. Novembe r 2011 durch die Staat s- anwaltschaft des Kantons Schwyz erklärte A., mit einer Auslieferung an Deutschland nicht einverstanden zu sein. Auf eine Inhaftierung wurde vor- läufig verzichtet (Verfahrensakten BJ act. 37). C. Das Bundesamt für Justiz (nachfolgend "BJ") erliess am 14. Februar 2012 einen Auslieferungshaftbefehl und bewilligte die Auslieferung A. an Deutschland für die dem Auslieferungsersuchen des sächsischen Staatsministeriums der Justiz vom 21. Januar 2011, bzw. vom 12. Mai 2011 sowie vom 20. Jun i 2011 zugrunde liegenden Straftaten (act. 1.2). Dagegen gelangte A. mit Beschwerde vom 16. März 2012 an die B e- schwerdekammer des Bundesstrafgericht s und beantragt Folgendes (act. 1): "1. Es seien in Aufhebung des Entscheid des Bundesamts für Justiz vom 14. Februar 2012 die Auslieferungsersuchen vom 21. Januar 2011 und 20. Juni 2011 zurückzuweisen und die Beschwerdeführerin sei nicht auszuliefern. - 3 - 2. Eventualiter sei der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und zur Ergänzung der Ausli e- ferungsersuchen vom 21. Januar 2011 und 20. Juni 2011 durch sämtliche Verfahrensa k- ten aus den Gerichtsverfahren bzw. dem Untersuchungsverfahren sowie zur Neubeurte i- lung an das Bundesamt für Justiz zurückzuweisen. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin" Das BJ beantragt mit Vernehmlassung vom 12. April 2012 die kostenfäll i- ge Abweisung der Beschwerde (act. 6). Innert verlängerter Frist hält die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 14. Mai 2012 an ihren Anträgen fest (act. 10). Das BJ verzic htete auf eine Duplik (act. 12), worüber die B e- schwerdeführerin am 25. Mai 2012 in Kenntnis gesetzt wurde (act. 13). Diese reichte am 6. Juni 2012 unaufgefordert eine ergänzende Stellun g- nahme ein (act. 14). Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und d ie eingereichten Unter- lagen wird, soweit erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen. Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 1. 1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland sind primär das Europäische Au slieferungsübereinkommen vom 13. D e- zember 1957 (EAUe; SR 0.353.1), das zu diesem Übereinkommen am 17. März 1978 ergangene zweite Zusatzprotokoll (2. ZP; SR 0.353.12), welchem beide Staaten beigetreten sind, sowie der zwischen der Schweiz und Deutschland abgeschlossene Zusatzvertrag über die Ergänzung des EAUe und die Erleichterung seiner Anwendung vom 13. November 1969 (Zusatzvertrag; SR 0.353.913.61) massgebend. Ausserdem gelangen die Bestimmungen der Art. 59 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungsübereinkommen, SDÜ; ABI. L 239 vom 22. September 2000, S. 19 – 62) zur Anwendung (BGE 136 IV 88 E. 3.1), wobei die zwischen den Vertragsparteien geltenden weitergehenden Be- stimmungen aufgrund bilateraler Abkommen unberührt bleiben (Art. 59 Abs. 2 SDÜ). 1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend r e- geln, findet auf das Verfahren der Auslieferung und der vorläufigen Auslie-- 4 - ferungshaft ausschliesslich das Recht des ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSV; SR 351.11). Dies gilt auch im Verhältnis zum SDÜ (Art. 1 Abs. 1 lit. a IRSG). Das innerstaatliche Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn dieses geringere Anforderungen an die Auslieferung stellt (BGE 13 6 IV 82 E. 3.1; 129 II 462 E. 1.1 S. 464 und 122 I 140 E. 2 S. 142). Vorbehalten bleibt die Wa h- rung der Menschenrechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c). 2. Gegen Auslieferungsentscheide des BJ kann innert 30 Tagen seit der E r- öffnung des Entschei ds bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafg e- richts Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG; Art. 12 Abs. 1 IRSG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 VwVG; Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 2 des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bundes, Strafbehördenorganisationsgesetz [StBOG; SR 173.71]; Art. 19 Abs. 2 des Organisationsreglements für das Bunde s- strafgericht vom 31. August 2010, Organisationsreglement BStGer [BStGerOR, SR 173.713.161]). Der vorliegende Ausl ieferungsentscheid wurde der Beschwerdeführerin am 15. Februar 2012 eröffnet (Verfa h- rensakten BJ act. 50). Die Beschwerde vom 16. März 2012 ist demnach fristgerecht eingereicht worden, weshalb darauf einzutreten ist. 3. 3.1 Die Beschwerdeführerin rügt, das BJ habe sich im angefochtenen Ausli e- ferungsentscheid bei der Prüfung der doppelten Strafbarkeit auf unzulä s- sige Unterlagen gestützt. Die deutschen Gerichte hätten die fraglichen Sachverhalte festgehalten und gewürdigt. Das BJ habe die Sachverhalt s- komplexe jedoch noch ergänzt. Mit den Hinzufügungen habe es selber e i- ne unzulässige Beweiswürdigung vorgenommen (act. 1 Ziff. 14). Zudem sei das Erfordernis der doppelten Strafbarkeit nicht erfüllt (act. 1 Ziff. 15). 3.2 3.2.1 Dem Auslieferungsersuchen ist e ine Urschrift oder eine beglaubigte A b- schrift eines vollstreckbaren verurteilenden Erkenntnisses, eines Haftb e- fehls oder jeder anderen, nach den Formvorschriften des ersuchenden Staates ausgestellte Urkunde mit gleicher Rechtswirkung beizufügen (Art. 12 Ziff. 2 lit. a EAUe ). Solange die ersuchende Behörde an ihrem Rechtshilfeersuchen festhält und keinen Rückzug erklärt, ist auf dieser - 5 - Grundlage Rechtshilfe zu leisten (Urteil des Bundesgerichts 1A.218/2003 vom 17. Dezember 2003, E. 3.5; ROBERT ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en m atière pénale, 3. Aufl., Bern 2009, S. 287 N. 307). Dasselbe gilt auch für Auslieferungsersuchen (vgl. Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2010.281 vom 18. Januar 2011 E. 5.2.1; RR.2009.230 vom 16. Februar 2010, E. 3.2; RR.2007.99 vom 10. Se p- tember 2007, E. 5). 3.2.2 Gemäss Art. 12 Ziff. 2 lit. b EAUe hat das Auslieferungsersuchen eine Darstellung der Handlungen, derentwegen um Auslieferung ersucht wird, zu enthalten. Zeit und Ort ihrer Begehung sowie ihre rechtliche Würdigung unter Bezugnahme auf die anwendbaren Gesetzesbestimmungen sind so genau wie möglich anzugeben. Die Sachverhaltsdarstellung kann im E r- suchen oder in dessen Beilagen enthalten sein (Art. 10 IRSV). Der e r- suchte Staat kann vom ersuchenden Staat ergänzende Unterlagen ve r- langen, wenn sich die übermittelten Unterlagen für eine Ent scheidung als unzureichend erweisen (Art. 13 EAUe). Unter dem Gesichtspunkt des hier massgebenden EAUe reicht es grundsätzlich aus, wenn die Angaben im Rechtshilfeersuchen sowie in dessen Ergänzungen und Beilagen es den schweizerischen Behörden ermöglichen zu prüfen, ob ausreichende A n- haltspunkte für auslieferungsfähige Straftaten vorliegen, ob Verweig e- rungsgründe gegeben sind bzw. für welche mutmasslichen Delikte de m Begehren allenfalls zu entsprechen ist. Der Rechtshilferichter muss n a- mentlich prüfen können, ob die Voraussetzung der beidseitigen Strafba r- keit erfüllt ist. Die ersuchte schweizerische Behörde hat sich beim En t- scheid über ein ausländisches Begehren nich t dazu auszusprechen, ob die darin angeführten Tatsachen zutreffen oder nicht. Sie hat somit nach dem Grundsatz der abstrakten beidseitigen Strafbarkeit (vgl. BGE 136 IV 179 E. 2, 2.3.4) weder Tat - noch Schuldfragen zu prüfen und grundsät z- lich auch keine B eweiswürdigung vorzunehmen. Sie ist vielmehr an die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen gebunden, soweit diese nicht durch offensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet wird (vgl. BGE 133 IV 76 E. 2.2 S. 79; 132 II 81 E. 2.1 S. 83 f.; Urteile des Bundesgerichts 1C_205/2007 vom 18. Dezember 2007, E. 3.2; 1A.297/2005 vom 13. Januar 2006, E. 2.3 und 3.5, je m.w.H.). 3.2.3 Die Vertragsparteien des EAUe sind grunds ätzlich verpflichtet, ei nander Personen auszuliefern, die von den Justizbehörden des ersuchenden Staates wegen strafbaren Handlungen verfolgt werden, welche sowohl nach dem Recht des ersuchenden als auch nach dem des ersuchten Staates mit einer Freiheitsst rafe oder die Freiheit beschränkenden s i- chernden Massnahme im Höchstmass von mindestens einem Jahr oder - 6 - mit einer schwereren Strafe bedroht sind ( Art. 1 un d 2 Ziff. 1 EAUe ; vgl. auch Art. 35 Abs. 1 lit. a IRSG ). Betrifft das Auslieferungsersuchen me h- rere verschiedene Handlungen wird eine Auslieferung zusät zlich zu einer Auslieferung nach Art. 2 Ziff. 1 EAUe auch wegen Handlungen gewährt, für die sie nach dem Recht eines oder beider Staaten sonst nicht zulässig wäre, insbesondere wenn die Handlungen nur mit einer Geldstrafe oder Geldbusse bedroht sind (Art. 2 Ziff. 2 EAUe). Für die Frage der beidseitigen Strafbarkeit nach schweizerischem Recht ist der im Ersuchen dargelegte Sachverhalt so zu subsumieren, wie wenn die Schweiz wegen des analogen Sachverhalts ein Strafverfahren eing e- leitet hätte (BGE 132 II 81 E. 2.7.2 S. 90 ). Der Rechtshilferichter prüft da- her bloss "prima facie", ob der im Ausland verübte inkriminierte Sachve r- halt, sofern er – analog – in der Schweiz begangen worden wäre, die Tat- bestandsmerkmale einer schweizerischen Strafnorm erfüllen würde (En t- scheid des Bundesstrafgerichts RR.2009.257 vom 29. März 2010, E. 3.2 mit Hinweisen). Die Strafnormen brauchen nach den Rechtssystemen der Schweiz und des ersuchenden Staates nicht identisch zu sein (Urteil des Bundesgerichts 1A.125/2006 vom 10. August 2006, E. 2.1 m.w.H.). Die richtige Qualifikation nach ausländischem Recht stellt kein formelles Gü l- tigkeitserfordernis dar und ist vom Auslieferungsrichter dah er nicht zu überprüfen, wenn feststeht, dass der in den Auslieferungsunterlagen u m- schriebene Sachverhalt den Tatbestand eines Auslieferungsdeliktes erfüllt (vgl. BGE 101 Ia 405 E. 4 S. 410 m.w.H.; ZIMMERMANN, a.a.O., S. 536 N. 583). Anders als im Bereich der "akzessorischen" Rechtshilfe ist die Voraussetzung der beidseitigen Strafbarkeit im Auslieferungsrecht für j e- den Sachverhalt, für den die Schweiz die Auslieferung gewähren soll, g e- sondert zu prüfen ( BGE 125 II 569 E. 6 S. 575 ; Entscheid des Bunde s- strafgerichts RR.2007.55 vom 5. Juli 2007, E. 6.2). 3.3 Der Einwand der Beschwerdeführerin, wonach sich das BJ in seinem Auslieferungsentscheid unzulässigerweise auch au f ergänzende Unterl a- gen und nicht bloss auf die Sachverhaltsdarstellung in den deutschen U r- teilen gestützt habe, geht fehl. Die Sachverhaltsdarstellung kann sowohl im Ersuchen als auch in dessen Beilagen enthalten sein, auch Ergänzu n- gen sind zulässig (vgl. supra E. 3.2.2). Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Sachverhaltskomplexe, weswegen die Auslieferung der Beschwerdefü h- rerin verlangt wird, unter einen schweizerischen Straftatbestand subs u- miert werden können und ob gemäss Art. 2 EAUe auslieferungsfähige Ta- ten vorliegen. Gestützt auf die – teilweise auf Nachfrage des BJ – einge- reichten Unterlagen der ersuchenden Behörde stellen sich die Sachve r- halte wie folgt dar: - 7 - 3.4 Urteil des Amtsgerichts Dresden vom 21. Juli 2006 (Ziff. II. 1.) 3.4.1 Die Beschwerdeführerin schloss am 29. Oktober 2002 als Inhaberin der Firma B. in Z. einen Geschäftsbesorgungsvertrag mit C. und D. ab. Dabei sollte die Beschwerdeführerin einen Kredit in der Höhe von USD 1'156'000.-- vermitteln und 2% der Darlehenssumme als Provision erhalten. Zeitgleich wurde eine gesonderte Kostenbeteiligung über EUR 1'900. -- abgeschlossen. Diesen Betrag übergaben C. und D. am 29. Oktober 2002 dem gesondert verfolgten E., welcher das Geld an die Beschwerdeführerin weiterleitete. Diese hätte das Geld an eine Frau F. überweisen sollen, welche die Kredite hätte beschaffen sollen. Tatsäc h- lich legte die Beschwerdeführerin das Geld auf einem auf ihren Namen lautenden Konto in der Schweiz an und behielt es, wie beabsichtigt, für sich. Somit wusste die Beschw erdeführerin oder nahm zumindest bill i- gend in Kauf, dass es tatsächlich nicht zur Auszahlung des Kredits ko m- men würde und sie unter diesen Umständen keinen Anspruch auf die B e- arbeitungsgebühr in der Höhe von EUR 1'900.-- hatte (Verfahrensakten BJ act. 11A, 22). 3.4.2 Nach schweizerischem Recht erfüllt den Tatbestand des Betruges wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jema n- den durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irre- führt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu e i- nem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt. Gegenüber dem Straftatbestand des § 263 des dStGB unterscheidet sich das schweizerische Recht hinsichtlich der U m- schreibung des Betrugstatbestandes dahingehend, dass Art. 146 StGB nicht nur eine Irreführung schlechthin, sondern eine arglistige Irreführung verlangt. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes handelt u.a. arglistig, wer ein ganzes Lügengebäude errichtet ode r sich besonderer Machenscha f- ten oder Kniffe bedient. Ein Lügengebäude liegt vor, wenn mehrere Lügen derart raffiniert aufeinander abgestimmt sind und von besonderer Hinte r- hältigkeit zeugen, dass sich auch das kritische Opfer täuschen lässt. Ist dies nicht der Fall, scheidet Arglist jedenfalls dann aus, wenn sowohl das vom Täter gezeichnete Bild insgesamt wie auch die falschen Tatsachen für sich allein in zumutbarer Weise überprüfbar gewesen wären und schon die Aufdeckung einer Lüge zur Aufdeckung des ganzen Schwindels geführt hätte (BGE 126 IV 165 E. 2a; 119 IV 28 E. 3a-c, je m.w.H.). Als besondere Machenschaften gelten Erfindungen und Vorkehren sowie das Ausnützen von Begebenheiten, die allein oder gestützt durch Lügen oder Kniffe geeignet sind, das Opfer irrezuführen. Machenschaften sind eigent-- 8 - liche Inszenierungen; sie bestehen aus einem ganzen System von Lügen und setzen damit gegenüber einer blossen Summierung von Lügen höhe- re Anforderungen an die Vorbereitung, Durchführung und Wirkung der Täuschungshandlung voraus. Sie sind gekennzeichnet durch intensive, planmässige und syst ematische Vorkehren, nicht aber notwendigerweise durch eine besondere tatsä chliche oder intellektuelle Komplexität (BGE 129 IV 165 E. 2a; 122 IV 197 E. 3d m.w.H.). Arglist ist auch bei einfachen falschen Angaben gegeben, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht z u- mutbar ist, sowie dann, wenn der Täter den Getäuschten von der mögl i- chen Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraussieht, dass dieser die Überprüfung der Angaben aufgru nd eines besonderen Vertrau- ensverhältnisses unterlassen werde (BGE 129 IV 165 E. 2a; 125 IV 124 E. 3; 122 IV 246 E. 3a, je m.w.H.). Während früher innere Tatsachen stets als unüberprüfbar betrachtet wurden, scheidet nach BGE 118 IV 359 E. 2 S. 361 Arglist aus, wenn ohne Weiteres überprüfbare (äussere) Tats a- chen erkennen lassen, dass eine zugesagte Leistung nicht erbracht we r- den kann (vgl. auch BGE 125 IV 124 E. 3a S. 128). Bei der Beantwortung der Frage, ob Arglist gegeben sei, ist zudem der Gesichtspunkt der O p- fermitverantwortung zu berücksichtigen. Dabei ist auf die jeweilige Lage und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im Einzelfall abzustellen und zu prüfen, ob er sich allenfalls in einer untergeordneten Stellung befand, die der Täter ausgenützt hat (BGE 120 IV 186 E. 1a und c mit Hinweisen). 3.4.3 Das vorgenannte Verhalten der Beschwerdeführerin wäre nach Schweizer Recht strafbar und würde den Tatbestand des Betruges erfüllen. Denn für die Geschädigten C. und D. war die innere Tatsache – dass die B e- schwerdeführerin den versprochenen Kredit gar nicht vermitteln wollte, sondern alleine auf die nicht erfolgsabhängige, im Verhältnis zum vorg e- täuschten Transaktionsvolumen gering erscheinende Bearbeitungsgebühr aus war – nicht ohne Weiteres überprüfbar. Sowohl Vermittlungsbetrüge in Form vorgetäuschter Kreditvermittlungen bei welchen die Kreditnehmer um ihre einbezahlten Gebühren gebracht werden, als auch Kapitalanl a- gebetrüge in Form von Trading -Geschäften sind weit verbreitete Auspr ä- gungen von Wirtschaftskriminalität und schädigen nicht einzig leichtsinn i- ge Opfer (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6P.34/2007 vom 18. April 2007, E. 5.2 und 6P .190/2006 vom 30. Mai 2007, E. 7.3). Prima facie ist vorlie- gend von Arglist im Sinne der Rechtsprechung auszugehen. Betrug ist mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bedroht (Art. 146 StGB) und stellt somit eine auslieferungsfähige Tat dar. - 9 - 3.5 Urteil des Amtsgerichts Dresden vom 21. Juli 2006 (Ziff. II. 2.) 3.5.1 Am 12. August 2003 beantragte die Beschwerdeführerin als Inhaberin der Firma B. für die Einstellung des gesondert verfolgten G. beim Arbeitsamt Dresden einen Eingliederungszuschuss für die Dauer von 24 Monaten in der Höhe von 50% des für die Bemessung berücks ichtungsfähigen A r- beitsentgeltes von EUR 1'071.-- monatlich. Dabei versicherte die B e- schwerdeführerin, dass G. in der Zeit vom 1. August 2003 bis 31. Juli 2005 bei der Firma B. beschäftigt sei und sie die Arbeitnehmeranteile für die Sozialversicherung abfü hren werde. Tatsächlich war G. nur für die Dauer von ca. 6 Wochen bei der Firma B. tätig, danach wurde er mit min- destens der Hälfte seiner Arbeitskraft für seinen ehemaligen A rbeitgeber, den Angeklagten H., tätig. Sowohl der Angeklagte H. als auch die B e- schwerdeführerin wussten, dass sie Änderungen des Arbeitsverhältnisses umgehend dem Arbeitsamt hätten melden müssen. Wie beabsichtigt wu r- de der Beschwerdeführerin mit Bescheid des Arbeitsamtes Dresden vom 24. November 2003 zu Unrecht ein Eingliederungszuschu ss für G. in der Höhe von insgesamt EUR 25'704. -- bewilligt, der anschliessend in der Höhe von EUR 19'278. -- zu Unrecht an die Beschwerdeführerin ausb e- zahlt wurde. Dadurch ersparte sich diese jegliche Aufwendungen für die Arbeitskraft des Herrn G., welcher somit voll aus öffentlichen Mitteln b e- zahlt wurde (Verfahrensakten BJ act. 11A). 3.5.2 Gemäss § 88 der deutschen Sozialgesetzgebung (SGB), Drittes Buch (III) können Arbeitgeber zur Eingliederung von Arbeitnehmerinnen und Arbei t- nehmern, deren Vermittlung wegen in ihrer Person liegender Gründe e r- schwert ist, einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt zum Ausgleich einer Mi n- derleistung erhalten (Eingliederungszuschuss). Eine ähnliche Regelung enthält Art. 65 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die obligat o- rische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (Arbeits- losenversicherungsgesetz, AVIG; SR 837.0), wonach Versicherten, deren Vermittlung erschwert ist, für die Einarbeitung in einem Betrieb bei ve r- mindertem Lohn unter gewissen Voraussetzungen Einarbeitungszuschüs- se gewährt werden können. Wer durch unwahre oder unvollständige A n- gaben oder in anderer Weise für sich oder einen andern zu Unrecht Ve r- sicherungsleistungen erwirkt; sofern nicht ein mit einer höheren Strafe bedrohtes Verbrechen oder Verg ehen des Strafgesetzbuches vorliegt, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen bestraft (Art. 105 AVIG). Das Verhalten der Beschwerdeführerin in Bezug auf die Leistungen des Arbeitsamts Dresden kann prima facie u nter Art. 105 i.V.m. Art. 65 AVIG subsumiert werden und wäre daher auch in der Schweiz strafbar. - 10 - Das Auslieferungsersuchen betrifft mehrere verschiedene Handlungen. Laut Art. 2 Ziff. 2 EAUe ist die Auslieferung der Beschwerdeführerin daher auch für diejenigen Taten zu bewilligen, welche unter dem in Art. 2 Ziff. 1 EAUE gesetzten Strafmass liegen (vgl. supra E. 3.2.3). 3.6 Urteil des Amtsgerichts Dresden vom 21. Juli 2006 (Ziff. II. 3.) 3.6.1 Die Beschwerdeführerin schloss als Inhaberin der Firma B. am 22. September 2004 mit den Geschädigten I. und J. einen Geschäftsver- sorgungsvertrag ab. Darin verpflichtete sich die Beschwerdeführerin, e i- nen Kredit in der Höhe von USD 700'000. -- zu vermitteln. Als Bearbe i- tungsgebühr verlangte sie EUR 1'900. -- in bar, welche ihr J. am 22. Sep- tember 2004 übergab. Die Beschwerdeführerin hätte diesen Betrag an e i- ne Frau F. weiterleiten sollen, welche die Kredite hätte beschaffen sollen. Tatsächlich legte die Beschwerdeführerin das Geld jedoch auf einem auf ihren Namen lautenden Konto in der Schweiz an und behielt es, wie b e- absichtigt, für sich. Wie die Beschwerdeführerin bereits bei Vertragsa b- schluss voraussah oder billigend in Kauf nahm, kam es nie zum A b- schluss des Kreditvertrags (Verfahrensakten BJ act. 11A). 3.6.2 Dieses Verhalten würde prima facie ebenfalls den Tatbestand des Betr u- ges laut Art. 146 StGB erfüllen (vgl. supra E. 3.4). Auch für die Geschä- digten I. und J. war die innere Tatsache – dass die Beschwerdeführerin den versprochenen Kredit gar nicht vermitteln wollte , sondern alleine auf die nicht erfolgsabhängige, im Verhältnis zum vorgetäuschten Transakt i- onsvolumen gering erscheinende Bearbeitungsgebühr aus war – nicht ohne Weiteres überprüfbar (vgl. supra E. 3.4.3) . Daher ist von Arglist im Sinne der Rechtsprechung auszugehen. Betrug ist mit einer Freiheitsstra- fe von bis zu fünf Jahren bedroht (Art. 146 StGB) und stellt somit eine auslieferungsfähige Tat dar. 3.7 Urteil des Amtsgerichts Dresden vom 21. Juli 2006 (Ziff. II. 4) 3.7.1 Im April 2005 beabsichtigte die Beschwerdeführerin, wohlwissend, dass sie nicht über die finanziellen Mittel verfügte, die Firma K. AG in Y./Schweiz zu kaufen. Zu der Unternehmensübernahme kam es alle r- dings nie. Trotzdem schloss die Beschwerdeführerin – als angebliche Vertreterin der Fi rma K. AG – mit einer Grundstückgesellschaft in Z. als Vermieterin einen Mietvertrag für Gewerberäume ab. Hierbei legte die Beschwerdeführerin einen für die Mieterseite angeblich von einer Pe rson namens L. unterschriebenen Vertrag vor, welcher sie als Vert reterin der Firma K. AG bezeichnete. Dort gibt es tatsächlich einen Herrn L., der aber die Unterschrift unter dem Vertrag nicht geleistet hatte. Im Vertrauen auf die Solvenz des künftigen Mieters sowie auf die Unterschrift eines berech-- 11 - tigten Vertreters der Mieterseite unterzeichnete die Grundstückgesel l- schaft den Mietvertrag und übergab der Beschwerdeführerin die Gewe r- beräume ab dem 15. April 2005. Nachdem, wie die Beschwerdeführerin bereits vorab wusste, niemals Miet- und Kautionszahlungen geleistet wor- den waren, kündigte die Grundstückgesellschaft den Mietvertrag mit Schreiben vom 7. Juni 2005 fristlos. Bis zum damaligen Zeitpunkt waren Mietzahlungen in der Höhe von EUR 3'546.96 entstanden und die Kaution in der Höhe von EUR 1'358.92 nicht bezahlt worden. Die Beschwerdefüh- rerin wusste, dass sie unter diesen Umständen keinen Anspruch auf die Benutzung der Räumlichkeiten hatte (Verfahrensakten BJ act. 11A, 22). 3.7.2 Gemäss Art. 251 StGB wird, wer in der Absicht, jemanden am Ve rmögen oder an andern Rechten zu schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen, eine Urkunde fälscht oder ve r- fälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich erheb- liche Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt, eine Urkunde dieser Art zur Täuschung gebraucht, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. 3.7.3 Indem die Beschwerdeführerin aufgrund des Vorlegens eines gefälschten Vertrages, welcher sie als Vertreterin der Firma K. AG bezeichnete, die Gewerberäume benutzen konnte, hätte sie in der Schweiz prima facie den Tatbestand der Urkundenfälschung nach Art. 251 StGB erfüllt. 3.8 Urteil des Amtsgerichts Dresden vom 16. Juni 2005 3.8.1 Entgegen der, der Beschwerdeführerin bekannten Verpflichtung, führte sie, obwohl ihr dies möglich war, als Inhaberin der Firma B. die Arbeit- nehmeranteile in der Höhe von rund EUR 4'100. -- des bei ihr beschäfti g- ten G. zur gesetzlichen Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversi- cherung in der Zeit vom 1. August 2003 bis 31. Juli 2004 nicht an die Ei n- zugsstelle ab (Verfahrensakten BJ act. 11A). 3.8.2 Laut Art. 87 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die A l- ters- und Hinterlassenenversi cherung (AHVG, SR 831.10) wird, sofern nicht ein mit einer höheren Strafe bedrohtes Verbrechen oder Vergehen des Strafgesetzbuches vorliegt, mit Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen bestraft, wer als Arbeitgeber einem Arbeitnehmer um die Beiträge gekürz- te Löh ne ausrichtet und, anstatt die der Ausgleichskasse geschuldeten Arbeitnehmerbeiträge zu bezahlen, die Beiträge selber verbraucht oder damit andere Forderungen begleicht. Nach der Rechtsprechung setzt der Tatbestand von Art. 76 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 - 12 - über die berufliche Alters -, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG, SR 831.40) wie derjenige von Art. 87 Abs. 3 AHVG voraus, dass der A r- beitgeber im Zeitpunkt der Lohnauszahlung an die Arbeitnehmer die e r- forderlichen Mittel oder ein diesen entsprechendes Substrat besitzt, das er nach Auszahlung der Löhne dem Versicherungsträger zur Verfügung halten könnte. Strafbar im Sinne dieser Bestimmungen ist ein Arbeitgeber, der es unterlässt, fällige Arbeitnehmerbeiträge im letztmöglichen Zeitpunkt zu überweisen, obwohl ihm das möglich gewesen wäre bzw. weil sich e i- ne ihm vorwerfbare Verletzung der Substraterhaltungspflicht als für die Unterlassung k ausal erweist. Überweist der Arbeitgeber die fälligen A r- beitnehmerbeiträge im letztmöglichen Zeitpunkt nicht, erfüllt er den Tatbe- stand der Zweckentfremdung nur dann, wenn er die Substraterhaltung s- pflicht verletzt hat ( Urteil des Bundesgerichts 2C_465/2011 vom 10. Fe b- ruar 2012, E. 3.7.4 m.w.H.). 3.8.3 Indem die Beschwerdeführerin die Arbeitnehmeranteile nicht der entspr e- chenden Sozi alversicherung zuführte, obwohl ihr dies möglich gewesen wäre, hätte sie sich prima facie gemäss Art. 87 AHVG schuldig gemacht. Die doppelte Strafbarkeit ist auch bezüglich dieses Sachverhalts erfüllt. 3.9 Urteil des Amtsgerichts Dresden vom 7. März 2006 3.9.1 Obwohl gegen die Beschwerdeführerin, wie sie wusste, bis November 2002 bereits vollstreckbare Titel von diversen Gläubigern für über EUR 83'730.-- vorlagen und sie über kein regelmässiges Einkommen ve r- fügte, schloss sie in ihren Büroräumen in Z. einen Bauvertrag über die Erbringung diverser Bauleistungen an ihrem Einfamilienhaus mit der Fi r- ma M. ab. Wie die Beschwerdeführerin wusste, war sie nicht zahlungsf ä- hig, täuschte jedoch ihre Zahlungsfähigkeit vor, um sich einen Verm ö- gensvorteil durch Erhalt d er Bauleistungen zu verschaffen. Durch die Fi r- ma M. wurden im November 2002 sowie März 2003 Bauleistungen e r- bracht, welche im April bzw. Oktober 2003 mit EUR 18'399.62 bzw. EUR 6'753.73 in Rechnung gestellt wurden. Die Beschwerdeführerin lei s- tete gemäss vorgefasster Absicht keinerlei Zahlungen, weshalb der Firma M. ein entsprechender Schaden entstand (Verfahrensakten BJ act. 11A). 3.9.2 Bei diesem Sachverhaltskomplex ist das Vorliegen von Arglist und daher von Betrug i.S.v. Art. 146 StGB zu verneinen (vg l. supra E. 3.4.2). Einem Bauunternehmen ist es durchaus zuzumuten, sich über die Solvenz se i- ner Klienten zu informieren. Da gemäss ersuchender Behörde bereits vollstreckbare Titel von Gläubigern gegen die Beschwerdeführerin vorl a- gen, wären entsprechende I nformationen auch erhältlich gewesen. Nach schweizerischem Strafrecht liegt kein strafbares Verhalten der Beschwe r-- 13 - deführerin bezüglich des vorgenannten Sachverhalts vor. Die Auslief e- rung an Deutschland kann dafür nicht bewilligt werden , und die B e- schwerde ist in diesem Punkt gutzuheissen. 3.10 Urteil des Amtsgerichts Dippoldiswalde vom 5. Dezember 2008 3.10.1 Die Beschwerdeführerin beauftragte im August 2006, nachdem sie in den Jahren 2002 und 2005 eidesstattliche Versicherungen abgelegt hatte, den Geschädigten N. mit der Lieferung und Montage sanitärer Einrichtungen und einer Badeausstattung für das von ihr bewohnte Anwesen in X. N., dem die Beschwerdeführerin von einer guten Kundin empfohlen worden war, vertraute auf deren Zahlungsfähigkeit und -willigkeit und führte am 25. und 26. Oktober 2006 die vertraglich geschuldeten Arbeiten aus. Ebenfalls installierte er hochwertige Badezimmermöbel. Wie von der B e- schwerdeführerin von vornherein beabsichtigt, leistete sie auf die Rec h- nung des Geschädigten in der Hö he von EUR 1'600.06 keine Zahlungen. Mit Versäumnisurteil vom 4. April 2007 wurde die Beschwerdeführerin zur Zahlung von EUR 7'400. -- zuzüglich Zinsen an N. verurteilt (Verfahrens- akten BJ act. 11A). 3.10.2 Auch diesbezüglich muss das Vorliegen von Arglist und daher eines straf- baren Verhaltens gemäss Art. 146 StGB verneint werden. Dem Gesch ä- digten N. wäre es ohne Weiteres möglich gewesen, sich über die Bonität der Beschwerdeführerin zu informieren. Die Auslieferung der Beschwe r- deführerin an Deutschland kan n für dieses Verhalten ebenfalls nicht b e- willigt werden, die Beschwerde ist in diesem Punkt gutzuheissen. 3.11 Haftbefehl des Amtsgerichts Dresden vom 6. Dezember 2010 3.11.1 Die Beschwerdeführerin soll am 7. und 8. April 2010, handelnd für eine "O. Found ation", bei der P. GmbH in Z. unter Vortäuschung ihrer Za h- lungswilligkeit und –fähigkeit Büromöbel zum Preis von EUR 18'144.88 bestellt haben. Dabei sei es zu einem persönlichen G espräch in den von der Beschwerdeführerin zum Zwecke einer Schuldnerberatung angemie- teten Räumlichkeiten gekommen. Gegenstand dieses Gesprächs sei auch die Geschäftstätigkeit der Beschwerdeführerin gewesen. Diese habe ein sympathisches und sicheres Auftreten gehabt und bei ihrem Vertrag s- partner einen positiven Eindruck hinterlassen . Die Beschwerdeführerin habe angegeben, für die Möblierung des Büros EUR 20'000.-- zur Verfü- gung zu haben, eine Schuldnerberatung zu betreiben und bisher erfol g- reich tätig gewesen zu sein. Dieses Verhalten habe die geschädigte Firma in Sicherheit gewogen. Die bestellten Möbel seien in der Folge in Z. aus- geliefert worden. Wie von der Beschwerdeführerin vorgesehen und g e- wollt, sei weder sie noch die " O. Foundation" in der Lage gewesen, den - 14 - Kaufpreis zu bezahlen. Der Lieferfirma sei damit ein Schaden in der Höhe von EUR 18'144.88 entstanden (Verfahrensakten BJ act. 11D): 3.11.2 Die Bonität der "O.Foundation" resp. der Beschwerdeführerin, welche im Jahre 2008 eine weitere eidesstattliche Versicherung abgelegt hatte, wäre ebenfalls ohne Weiteres überprüfbar ge wesen, weshalb Arglist bzw. B e- trug nach schweizerischem Strafrecht in diesem Fall ebenfalls zu verne i- nen ist. Die Auslieferung der Beschwerdeführerin wird für dieses Verha l- ten ebenfalls nicht bewilligt, und die Beschwerde ist auch in diesem Punkt gutzuheissen. 4. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Bonität der Beschwerdefü h- rerin bzw. der "O. Foundation" (vgl. supra E. 3.9, 3.10, 3.11) im Gege n- satz zu ihrem Willen, einen Kredit zu vermitteln (vgl. supra E. 3.4, 3.6) oh- ne Weiteres überprüfbar und au ch zumutbar gewesen wäre. Nach dem Gesagten liegt bezüglich der Sachverhalte in den Erwägungen E. 3.9 – 3.11 kein arglistiges Verhalten der Beschwerdeführerin vor und kann d a- her nicht als Betrug i.S.v. Art. 146 StGB qualifiziert werden. Ihr diesbezüg- liches Verhalten ist auch unter keine andere Schweizerische Strafbesti m- mung subsumierbar und folglich nach Schweizerischem Recht nicht stra f- bar. Die Auslieferung der Beschwerdeführerin wird somit lediglich für die in den Erwägungen 3.4 - 3.8 umschriebenen Sachve rhaltskomplexe be- willigt, für die Übrigen hingegen verweigert. Die Beschwerde ist daher teilweise gutzuheissen. 5. 5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin teilwe i- se kostenpflichtig (Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Für die Berechnung der Gerichtsgebühr gelangt gemäss Art. 63 Abs. 5 VwVG das Reglement des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren (BStKR; SR 173.713.162) zur Anwendung. Die reduzierte Gerichtsgebühr ist auf insgesamt Fr. 2'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 8 Abs. 3 lit. a BStKR), unter Verrechnung des entsprechenden Betrages mit dem geleisteten Kostenvorschuss in de r Höhe von Fr. 3'000. -- (Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a BStKR). Die Bundesstrafgerichtskasse ist anzuweisen, der Beschwerd e- führerin den Restbetrag von Fr. 1'000.-- zurückzuerstatten. 5.2 Der Beschwerdegegner hat die Beschwerdeführerin im Umfang ihres tei l- weisen Obsiegens für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältni s-- 15 - mässigen Verteidigungskosten zu entschädigen (Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 11 Abs. 1 BStKR; Ent- scheid des Bundesstrafgerichts RR.2007.6 vom 22. Februar 2007, E. 5). Die Parteientschädigung wird nach Ermessen festgesetzt, wenn späte s- tens mit der einzigen oder letzten Eingabe keine Kostennote eingereicht wird (Art. 12 Abs. 2 BStKR i.V.m. Art. 64 Abs. 5 VwVG und Art. 73 Abs. 1 lit. c StBOG). Vorliegend erscheint eine Entschädigung von Fr. 1'500. -- inkl. MWST angemessen. - 16 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Die Beschwerde wird teilweise gu tgeheissen und das Dispositiv des Ausli e- ferungsentscheides des Bundesamtes für Justiz vom 14. Februar 2012 wie folgt geändert: "Die Auslieferung der Verfolgten an Deutschland wird für die den Auslief e- rungsersuchen des sächsischen Staatsministeriums der Ju stiz vom 21. J a- nuar 2011, ergänzt am 12. Mai 2011, sowie vom 20. Juni 2011 zugrunde li e- genden Straftaten bewilligt – mit Ausnahme der Straftaten bezüglich Urteil des Amtsgerichts Dresden vom 7. März 2006, Urteil des Amtsgerichts Di p- poldiswalde vom 5. Dezember 2008 sowie bezüglich Haftbefehl des Amtsge- richts Dresden vom 6. Dezember 2010." Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Der Beschwerdegegner hat die Beschwerdeführerin im Umfang ihres teilwe i- sen Obsiegens für das Verfahren vor dem Bundesstrafgericht mit Fr. 1'500.-- inkl. MWST zu entschädigen. 3. Die Gerichtgebühr von Fr. 2'000. -- wird der Beschwerdeführerin auferlegt, unter Verrechnung des entsprechenden Betrages mit dem geleisteten Ko s- tenvorschuss von Fr. 3'000. --. Die Bundesstrafgerichtskasse wird angewie- sen, der Beschwerdeführerin den Restbetrag von Fr. 1'000.-- zurückzuerstat- ten. Bellinzona, 24. Juli 2012 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: - 17 - Zustellung an - Rechtsanwalt Paul-Lukas Good, - Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung Rechtsmittelbelehrung Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden s ind oder das Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).