Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 6. November 2013 (810 13 202) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Teilverweigerung des Familiennachzugs Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Stefan Schulthess, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Edgar Schürmann , Gerichtsschreiber i.V. Daniel Rüdin Parteien A.____ , Beschwerdeführer , ve rtreten durch Dr. Peter Studer , Advokat , Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Teilverweigerung des Familiennachzugs (RRB Nr. 934 vom 4. Juni 2013) A. Im Jahre 1990 reiste der kosovarische Staatsangehörige A.____ als Saisonnier in die Schweiz ein. Nachdem bei ihm 1994 eine schwere psychische Erkrankung ausgebrochen war, musste er stationär behandelt werden. Der Betroffene l eidet seither an einer rezidivierenden depressiven Störung sowie an einer somatoformen Schmerzstör ung und ist nicht mehr arbeits- fähig. Mit Verfügung vom 30. Januar 1996 wurde ihm eine ganze Invalidenrente zugesprochen. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht In der Folge wurde ihm aufgrund der in der Schweiz er littenen Invalidität eine Aufenthaltsbewil- ligung erteilt. B. Mit Schreiben vom 30. August 1999 ersuchte A.____ um vorübergehende Aufnahme seiner im Kosovo lebenden Ehefrau sowie der (damals) dr ei Kinder "bis der Krieg fertig" sei. Diesem Antrag wurde mangels genügender Finanzen sowie e iner bedarfsgerechten Wohnung nicht stattgegeben. Am 8. April 2010 wurde A.____ sod ann die Niederlassungsbewilligung er- teilt, welche ihm zuvor wegen Schulden verweigert worden war. C. Mit Eingabe vom 12. Juni 2012 ersuchte A.____, vert reten durch Advokatin Annalisa Landi, beim Amt für Migration Basel-Landschaft (AfM) um Bewilligung der Einreise seiner Ehe- frau B.____ sowie seiner inzwischen vier Kinder C.____, geboren 1994, D.____, geboren 1997, E.____, geboren 1998 und F.____, geboren 2001. Das A fM teilte A.____ im Schreiben vom 24. Juli 2012 mit, dass seine Ehefrau sowie sein Sohn F.____ die Voraussetzungen für die Er- teilung einer Einreisebewilligung erfüllten. Für die drei Töchter sei die zwölfmonatige Nachzugs- frist jedoch bereits abgelaufen, weshalb das diesbezügliche Gesuch abgelehnt werden müsse. D. Mit Schreiben vom 24. September 2012 teilte A.___ _, wiederum vertreten durch Advo- katin Annalisa Landi, dem AfM mit, dass wichtige familiä re Gründe vorlägen, weshalb auch sei- nen drei Töchtern die Einreisebewilligung im Rahmen des Familiennachzugs zu erteilen sei. Mit Verfügung vom 6. November 2012 ermächtigte das AfM di e Schweizer Botschaft im Kosovo, der Ehefrau sowie dem Sohn F.____ die Einreise in die Schweiz zu bewilligen. Am 26. Januar 2013 reisten die Ehefrau und der Sohn F.__ __ in die Schweiz ein und nahmen bei A.____ in G.____ Wohnsitz. Mit Verfügung vom 1. Febru ar 2013 verweigerte das AfM sodann die Erteilung der nachgesuchten Einreisebewilligung für die drei Töchter. E. Gegen letztere Verfügung des AfM erhob A.____, ern eut vertreten durch Advokatin Annalisa Landi, am 11. Februar 2013 Beschwerde beim Re gierungsrat des Kantons Basel- Landschaft (Regierungsrat). Der Regierungsrat wies die Beschwerde mit Beschluss vom 4. Juni 2013 vollumfänglich ab. Er begründete seinen E ntscheid im Wesentlichen damit, dass gestützt auf die Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 kein Anspruch auf Familiennachzug der drei Töchter bestehe. Ausser dem Wunsch von A.____, mit seiner ganzen Familie in de r Schweiz zusammen leben zu kön- nen, sei nämlich kein Grund ersichtlich, der deren nacht räglichen Nachzug als notwendig er- scheinen liesse. Dies gelte insbesondere deshalb, weil sie die familiäre Beziehung weiter wie gewohnt führen könnten oder A.____ zu seiner Familie in den Kosovo zurückkehren könne. Des Weiteren hielt der Regierungsrat fest, es sei vorlie gend unbestritten, dass A.____ zwar die Voraussetzungen für den Familiennachzug gemäss dem Bundesg esetz über die Ausländerin- nen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 erfülle , gleichzeitig habe er jedoch mit sei- nem Gesuch vom 12. Juni 2012 die zwölfmonatige Nachzugs frist für seine drei Töchter ver- passt. Schliesslich lägen auch keine wichtigen familiären Gründe vor, welche die Bewilligung eines nachträglichen Familiennachzuges der Töchter recht fertigten. Die Situation, dass die Töchter im Kosovo alleine und ohne Betreuungsperson se ien, hätten A.____ bzw. seine Ehe- frau selber herbeigeführt. Im Übrigen sei zu bezweifeln, dass ein Umzug in die Schweiz im Inte- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht resse der Töchter wäre, da diese mit nicht zu vernachlässi genden Integrationsschwierigkeiten konfrontiert wären. F. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ (Beschwerdefüh rer), neuerdings vertreten durch Advokat Peter Studer, am 11. Juni 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es sei der Beschluss des Regierungsrats vom 4. Juni 2013 aufzu heben und die Sache zur Neube- urteilung zurückzuweisen. Dies unter Kosten- und Entschädigungsfolge. G. Mit Schreiben vom 18. Juli 2013 liess sich der Regie rungsrat vernehmen und beantrag- te die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Auf die einzelnen Vorbringen der Par- teien wird – soweit notwendig – in den nachfolgenden Ausführungen eingegangen. H. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 12. August 20 13 wurde die Angelegenheit der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da der Be schwerdeführer Adressat des ange- fochtenen Entscheids ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung hat, die übri- gen formellen Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO e rfüllt sind und die Zuständigkeit des Kantonsgerichts sowohl örtlich als auch sachlich gegeben ist, kann auf die vorliegende Be- schwerde eingetreten werden. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen re chtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Wei- teren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist de m Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitig ist vorliegend die Frage, ob das Gesuch um Familiennachzug des Beschwerde- führers im Hinblick auf seine drei Töchter C.____, D._ ___ und E.____ zu Recht abgewiesen wurde. 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie über eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung verfügt oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und Art. 11 AuG; vgl. auch Art. 2 Au G). Die zuständige kantonale Behörde ent- scheidet gemäss den Art. 18 ff. und Art. 27 ff. AuG – i m Rahmen der gesetzlichen Vorschriften Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen üb er die Zulassung zu einem Aufent- halt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Ein Rechtsanspru ch auf die Erteilung einer Bewilligung kommt der ausländischen Person grundsätzlich nicht zu, es s ei denn, das AuG oder völker- rechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (vgl. BGE 133 I 185 E. 2.3; P ETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 4.2 Im vorliegenden Fall ist zunächst festzuhalten, dass zwischen der Schweiz und der Republik Kosovo keine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, welche den drei Kindern einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumt. 4.3 Gemäss Art. 43 AuG haben ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren von Personen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohn en (Abs. 1). Kinder unter zwölf Jahren haben Anspruch auf Erteilung der Niederlassungsbe willigung (Abs. 3). Nach Art. 47 Abs. 1 AuG muss der Anspruch auf Familiennachzug innerhalb von fünf Jahren geltend ge- macht werden (Satz 1). Kinder über zwölf Jahre müssen inn erhalb von zwölf Monaten nachge- zogen werden (Satz 2). Die Fristen beginnen bei Famili enangehörigen von Ausländern mit der Erteilung der Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilli gung oder der Entstehung des Familien- verhältnisses (Art. 47 Abs. 3 lit. b AuG). Die Fristen n ach Art. 47 Abs. 1 AuG beginnen aller- dings erst mit dem Inkrafttreten des Ausländergesetzes – am 1. Januar 2008 –, sofern vor die- sem Zeitpunkt die Einreise erfolgt oder das Familienverh ältnis entstanden ist (Art. 126 Abs. 3 AuG). Wurde der Nachzug innert der Fristen des Art. 47 Abs. 1 AuG beantragt, so ist er zu be- willigen, wenn gemäss Art. 51 Abs. 2 AuG kein Rechtsmissb rauch oder Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG gegeben sind, die nachziehenden Eltern das Sorgerecht haben und das Kindes- wohl dem Nachzug nicht entgegensteht (vgl. BGE 136 II 78 E. 4.7 f.). Ein nachträglicher Famili- ennachzug wird dagegen nur bewilligt, wenn wichtige familiäre Gründe geltend gemacht werden (Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AuG; vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 2C_205/2011 vom 3. Oktober 2011 E. 2.2). 5. Es ist zwischen den Parteien zu Recht unbestritten, dass das Gesuch um Familien- nachzug hinsichtlich der drei Töchter verspätet gestellt worden ist. Die Kinder C.____, geboren 1994, D.____, geboren 1997 und E.____, geboren 1998, waren zum Zeitpunkt der Gesuchsein- reichung am 12. Juni 2012 17 Jahre und sechs Monate, 1 5 Jahre und vier Monate sowie 13 Jahre und sieben Monate alt. In Übereinstimmung mi t der vorangegangenen Erwägung ergibt sich demnach, dass die gesetzliche Nachzugsfrist be i C.____ am 1. Januar 2009 (zwölf Monate nach Inkrafttreten des AuG), bei D.____ und be i E.____ jeweils am 13. Geburtstag ab- gelaufen war (vgl. ferner zur Berechnung der einzelnen Nachzugsfristen: Urteil des Bundesge- richts 2C_205/2011 vom 3. Oktober 2011 E. 3.3 ff.). 6. Folglich ist lediglich zu prüfen, ob wichtige famili äre Gründe, welche einen nachträgli- chen Nachzug der Töchter in die Schweiz rechtfertigen würden, gegeben sind. 6.1 Wichtige familiäre Gründe liegen namentlich dann vor, wenn das Kindeswohl nur durch einen Nachzug in die Schweiz gewahrt werden kann (vgl. Art. 75 der Verordnung über Zulas- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE] vom 24. O ktober 2007; BGE 137 I 284 E. 2.3.1). Zu prüfen ist stets, ob im Heimatland nicht alternati ve Betreuungsmöglichkeiten bestehen, die es dem Kind erlauben, dort zu bleiben, wo es aufgewachsen ist. Gerade Jugendliche, die bisher stets im Heimatland gelebt haben, sind nur mit Zurückhal tung aus ihrer bisherigen Umgebung und dem vertrauten Beziehungsnetz zu reissen (vgl. BGE 137 I 284 E. 2.2, 133 II 6 E. 3.1.2; Urteile des Bundesgerichts 2C_555/2012 vom 19. November 2 012 E. 2.3, 2C_1085/2012 vom 12. November 2012 E. 4.2, 2C_132/2012 vom 19. Septem ber 2012 E. 2.3.1). Dabei dürfen auch die durch einen nachträglichen Familiennachzug dro henden Integrationsschwierigkeiten mit in die Interessenabwägung einfliessen. Ist es doch ge rade Sinn und Zweck der Fristenrege- lung, die Kinder frühzeitig nachzuziehen, um ihnen ein e möglichst umfassende Schulbildung in der Schweiz zu ermöglichen und so die Integration zu erleichtern. Zudem ist Nachzugsgesu- chen entgegenzuwirken, die rechtsmissbräuchlich erst kurz vor Erreichen des erwerbstätigen Alters gestellt werden, wobei die erleichterte Zulassung zur Erwerbstätigkeit und nicht (mehr) die Bildung einer echten Familiengemeinschaft im Vord ergrund steht (vgl. Botschaft vom 8. März 2002 zum AuG, BBl 2002 3754 f.). Nach der Rec htsprechung bedarf es einer Gesamt- schau unter Berücksichtigung aller relevanten Elemente im Einzelfall. Die Bewilligung des Nachzugs nach Ablauf der Fristen hat nach dem Willen de s Gesetzgebers die Ausnahme zu bleiben; dabei ist Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AuG jeweils de nnoch so zu handhaben, dass der An- spruch auf Schutz des Familienlebens nach Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 nicht verletzt wird (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_174/2012 vom 22. Oktober 2012 E. 4 .1, 2C_330/2012 vom 18. Oktober 2012 E. 4.1, 2C_780/2012 vom 3. September 2012 E. 2.2.2, je mit Hinweisen). Ein nachträglicher Nachzug kommt nach dem Gesagten nicht in Betracht, wenn der Nachzugswilli- ge die Einhaltung von Fristen, die ihm die Zusammenführung der Gesamtfamilie ermöglicht hät- te, versäumt hat und er keine gewichtigen Gründe gelte nd macht, um erst später einen derarti- gen Nachzug zu beantragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_205/2011 vom 3. Oktober 2011 E. 4.4). 6.2 Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, es se i nicht der Sinn des Gesetzes, der Kindsmutter und dem Sohn den Nachzug zum Ehemann b zw. Kindsvater zu erlauben und ihn gleichzeitig den gemeinsamen Töchtern, die bisher mit der Mutter und dem Bruder zusam- mengelebt haben, zu verweigern. Zudem seien die Töcht er aufgrund ihrer Intelligenz genauso wie ihr Bruder in der Lage, sich in einem anderen Lan d zu integrieren, zumal sie sprachbegabt seien und unbestrittenermassen bereits Grundkenntnisse der deutschen Sprache besässen. Unter Verweis auf verschiedene Schreiben bringt der Besc hwerdeführer schliesslich vor, dass seine drei Töchter sehr unter dem Wegzug ihrer Mutter und ihres Bruders leiden würden. 6.3.1 Es ist zunächst darauf hinzuweisen, dass der ursprüngl iche Entwurf des Bundesrates zum AuG noch eine einheitliche Frist von fünf Jahren f ür den Nachzug des Ehepartners und sämtlicher minderjährigen Kinder vorsah (vgl. Botschaft vom 8. März 2002 zum AuG, BBl 2002 3754 f. und 3794). Unter dem früheren Recht war ein Nachzug der Gesamtfamilie – Ehepartner und gemeinsame minderjährige Kinder – gr undsätzlich jederzeit möglich und stand nur unter dem Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs (vgl. BGE 126 II 329 E. 3b, 129 II 11 E. 3.1.2). Der Gesetzgeber wollte mit dem neuen Ausländergesetz ab er eben keinen jederzeitigen Nach- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zug mehr zulassen, weshalb er die neue Fristenregelung vorsah und dabei sogar unterschiedli- che Fristen für Kinder einführte (vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 2C_205/2011 vom 3. Oktober 2011 E. 4.3). Demzufolge hat er Konstella tionen, in welchen die unterschiedlichen Nachzugsfristen zu einer Trennung der im Ausland verbli ebenen Familiengemeinschaft führen können, in Kauf genommen. 6.3.2 Die Zusammenführung der Gesamtfamilie – mithi n der Nachzug sämtlicher (minderjäh- riger) Kinder einer Familie – entspricht sodann nicht zwingend dem Kindeswohl. Eine Übersied- lung in ein anderes Land stellt nämlich vor allem für Kinder bzw. Jugendliche, die mindestens schon ihren 13. Geburtstag hatten (vgl. dazu Art. 47 Abs. 1 Satz 2 AuG), einen bedeutenden Eingriff dar. Insbesondere dann, wenn sie die Sprache der Gegend, in welche sie nachziehen sollen, nicht beherrschen, führt der Wechsel zu einer em pfindlichen Entwurzelung und ist – zu- mindest anfänglich – mit erheblichen Problemen verbund en. Das Kindeswohl kann also auch für die Beibehaltung des bisherigen Zustands bzw. den Verbleib der über 13-jährigen Kinder in ihrem Heimatland sprechen (vgl. zum Ganzen: Urteil de s Bundesgerichts 2C_205/2011 vom 3. Oktober 2011 E. 4.4). 6.4 Der Beschwerdeführer behauptet nicht, dass er, sein e Ehefrau und die Kinder ihre Be- ziehung ohne den Nachzug in die Schweiz nicht mehr wie in den vergangenen Jahren, als sie an getrennten Orten wohnten, weiterleben können. De s Weiteren führt der Regierungsrat zu Recht an, dass die Ehefrau bzw. Kindsmutter nicht gezwungen war, die drei Töchter im Kosovo zurückzulassen und ihren Lebensmittelpunkt in die Schweiz zu verlegen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Ehefrau wie vor ihrer Einreise in d ie Schweiz bei ihren Kindern im Koso- vo bleiben und das Familienleben im selben Umfang weit ergeführt werden kann. Ausserdem verliess der Beschwerdeführer freiwillig seine Familie b zw. wohnte die ganzen Jahre über von ihnen getrennt in der Schweiz. Die Familie hat demna ch schon immer in einer besonderen Fa- milienkonstellation gelebt. Zudem ist zu berücksichtigen, dass sich der Beschwerdeführer wäh- rend mehrerer Jahre, als seine Töchter noch jünger waren , nicht um den Nachzug bemühte, obwohl er über einen entsprechenden Rechtsanspruch verfü gte. Einzig aus dem Umstand, dass er angeblich keine Kenntnis vom besagten Anspruch geha bt habe, kann nun aber nicht ein wichtiger Grund für einen nachträglichen Nachzug der Töchter abgeleitet werden. Dass dem Beschwerdeführer heute eine Rückkehr in seine Heimat ni cht mehr möglich wäre, ist ebenfalls nicht erstellt. Einerseits ist er als Bezüger einer ganzen IV-Rente, welche ihm auch bei einem Wohnsitz im Kosovo ausgerichtet würde (vgl. IV-Rundschreib en Nr. 290 vom 29. Januar 2010), nicht aus beruflichen Gründen auf einen Verbleib in de r Schweiz angewiesen. Andererseits ist auch sein gesundheitlicher Zustand kein Argument, um ei ne Rückkehr in den Kosovo als un- zumutbar erscheinen zu lassen. So ist die medizinische Vers orgung insbesondere in Pristina, wo die Töchter zurzeit wohnen, gewährleitstet (vgl. dazu Reisehinweise Kosovo des Eidgenös- sischen Departements für auswärtige Angelegenheiten). Et was Gegenteiliges wird vom Be- schwerdeführer denn auch nicht vorgebracht. Art. 8 EMR K und Art. 13 BV garantieren einer ausländischen Person schliesslich nicht das Recht, frei wählen zu können, wo sie das Familien- leben zu führen gedenkt. Das in Art. 8 EMRK geschützte Recht auf Achtung des Familienlebens kann nur angerufen werden, wenn eine staatliche Entfe rnungs- oder Fernhaltemassnahme zur Trennung von Familienmitgliedern führt. Ein staatliche r Eingriff liegt deshalb regelmässig nicht Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht vor, wenn den Familienangehörigen zugemutet werden kan n, ihr gemeinsames Leben im Aus- land zu führen. Ist es dem in der Schweiz anwesenheitsberechtigten Familienmitglied also mög- lich, mit dem Ausländer, dem eine fremdenpolizeiliche B ewilligung verweigert worden ist, aus- zureisen, wird der Schutzbereich von Art. 8 EMRK normale rweise nicht berührt (vgl. BGE 135 I 153 E. 2.1 mit Hinweisen). Der Europäische Ger ichtshof für Menschenrechte (EGMR) mutete insoweit sogar einem niederländisch-marokkanischen Staatsangehörigen zu, die Nie- derlande zu verlassen und mit seiner marokkanischen Ehefra u nach Marokko zurückzukehren, falls er mit seinem dort wohnhaften marokkanischen Sohn leben möchte (vgl. Urteil des EGMR Ahmut gegen Niederlande [Reports 1996-VI S. 2017] vom 28. November 1996 §§ 67-71). Dem- zufolge ergibt sich aus der Bewilligung des Nachzugs der Mu tter und des jüngsten Kindes vor- liegend kein wichtiger familiärer Grund im Sinne von A rt. 47 Abs. 4 AuG für den Nachzug der drei Töchter. Ein solcher Grund lässt sich aber auch nicht aus dem Kindeswohl ableiten. Es ist zwar anzunehmen, dass sich die im Kosovo verbliebenen Töch ter seit dem Wegzug ihrer Mut- ter und ihres Bruders in einer schwierigen Situation be finden (vgl. Schreiben von C.____ vom 20. Juni 2013, Bericht des Klassenleiters von D.____ vom 2 1. Juni 2013 sowie Fachärztlicher Bericht vom 25. Juni 2013 betreffend den Gesundheitszust and von C.____, jeweils mit deut- scher Übersetzung). In Übereinstimmung mit dem Regieru ngsrat gilt es dabei jedoch zu be- rücksichtigen, dass die betreffenden Kinder ununterbrochen in ihrem Heimatland aufgewachsen sind. Bei einem Wegzug in die Schweiz würden sie also a us ihrer gewohnten Umgebung her- ausgerissen. Die Töchter – insbesondere die beiden jün geren – sind zudem immer noch in ei- nem jugendlichen und damit schwierigen Alter. Unter di esen Umständen würde sich deren In- tegration in der Schweiz somit alles andere als einfach gestalten. Daran vermögen auch allfällig bestehende Grundkenntnisse der deutschen Sprache nichts zu ändern. 6.5 Obwohl der Beschwerdeführer behauptet, seine Töch ter seien seit dem Wegzug ihrer Mutter sich selbst überlassen, besteht kein Anlass, den nac hträglichen Familiennachzug zu gewähren. Die älteste Tochter ist inzwischen nämlich volljährig, weshalb davon auszugehen ist, dass zumindest sie selbständig im Kosovo leben kann. Weiter bestehen für die jüngeren, 16- und 15-jährigen Töchter alternative Betreuungsmöglichk eiten, die es ihnen ermöglichen, eben- falls in ihrem Heimatland zu bleiben. So könnten die se beispielsweise in einem Internat unter- gebracht oder von ihrer älteren Schwester betreut werden. Es ist zudem gerichtsnotorisch, dass oftmals auch für eine Betreuung durch Verwandte wie O nkel und Tanten – allenfalls gegen ei- nen finanziellen Beitrag – optiert wird. Möglich und zumutbar wäre angesichts des Alters der beiden jüngeren Schwestern gegebenenfalls auch eine Betreuung durch Personen ausserhalb der Familie, die mit finanzieller Hilfe des Vaters bei gezogen werden könnten. Jedenfalls bedarf es vorliegend nicht einer gleich intensiven Betreuung wie bei Kleinkindern (vgl. zum Ganzen: Urteile des Bundesgerichts 2C_578/2012 vom 22. Februar 2013 E. 5.3 mit Hinweisen, 2C_174/2012 vom 22. Oktober 2012 E. 4.2 mit Hinweisen , 2C_205/2011 vom 3. Oktober 2011 E. 4.7). 6.6 Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau werden dem nach entscheiden müssen, ob sie das Familienleben im Umfang wie vor der Übersiedelung der Ehefrau und des Sohnes in die Schweiz wieder aufnehmen, mit dem Sohn zu den Töchtern in den Kosovo zurückkehren oder – Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht falls die Mutter und der Sohn definitiv beim Vater in der Schweiz bleiben – für eine anderweitige Betreuung der (beiden jüngeren) Töchter sorgen. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführ er die gesetzliche Frist für den Nachzug seiner Töchter in die Schweiz verpasst hat. Des Weiteren sind keine wichtigen familiären Gründe für einen nachträglichen Familienn achzug ersichtlich. C.____, D.____ und E.____ können aufgrund ihres Alters und ihrer bisheri gen Lebenserfahrung weitgehend selb- ständig bzw. mit entsprechender Betreuung im Kosovo lebe n. Gleichzeitig haben der Be- schwerdeführer wie auch die Kindsmutter die Möglichkeit , mit ihrem gemeinsamen Sohn zu ihren Töchtern in den Kosovo zurückzukehren. Die Beschwerd e erweist sich somit als unbe- gründet und ist abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrensko sten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unter liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind d ie Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- dem unterlegenen Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 2'100.-- zu verrechnen. Der zu viel bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 700.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzu erstatten. Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für de n Beizug eines Anwalts bzw. einer An- wältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten d er Gegenpartei zugesprochen wer- den. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die Partei- kosten sind demzufolge wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 2'100.-- verrechnet. Der zuviel bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 700.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber i.V.