200 16 179 IV ACT/PRN/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 23. Mai 2016 Verwaltungsrichter Ackermann Gerichtsschreiberin Prunner A.________ vertreten durch Rechtsanwältin B.________ Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 4. Januar 2016 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2016, IV/16/179, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1984 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) erlitt am 26. Dezember 2011 eine Fraktur am linken Sprunggelenk, worauf sie sich mehreren Operationen unterzog (vgl. Akten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbeilage [AB] 3; 13.1, S. 11). Am 15. Juni 2012 meldete sie sich bei der IVB zum Leistungsbezug an, dies nach im Mai 2012 erfolgter Anmeldung zur Früherfassung (AB 1, 8). Nach Einholung diverser medizinischer und erwerblicher Unterlagen sowie Durchführung einer Arbeitsmarktlich-Medizinischen Abklärung (AMA; Be- richt vom 14. April 2015, AB 68) und einer durch die C.________ veran- lassten Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL; Bericht vom 23. Juli 2015, AB 76) stellte die IVB mit Vorbescheid vom 25. August 2015 die Zusprache einer befristeten ganzen Invalidenrente vom 1. Dezember 2012 bis 30. November 2014 in Aussicht (AB 77). Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin B.________, Einwand (AB 80, 85). Nach Einholung einer Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; AB 90) teilte die IVB der Versicherten mit Schreiben vom 27. November 2015 mit, dass eine medizinische Abklärung durch Dr. med. D.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, und Dr. med. E.________, Facharzt für Psych- iatrie und Psychotherapie FMH, der MEDAS angezeigt sei (AB 91). Damit zeigte sich die Versicherte nicht einverstanden (AB 95). Mit Verfügung vom 4. Januar 2016 hielt die IVB an der medizinischen Abklärung fest (AB 96). B. Dagegen erhob die Versicherte, weiterhin vertreten durch B.________, mit Eingabe vom 2. Februar 2016 Beschwerde und stellte folgende Rechtsbe- gehren: Die Verfügung vom 4. Januar 2016 sei aufzuheben und die Sache sei zum Er- lass des materiellen Entscheides an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei- sen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2016, IV/16/179, Seite 3 Eventualiter wird unter Wahrung der Mitwirkungsrechte der Parteien ein mon- odisziplinäres Gutachten, unter Berücksichtigung des unter IV Ziffer 1.5 ge- nannten Experten, anzuordnen sein. Subeventualiter wird unter Wahrung der Mitwirkungsrechte der Parteien ein bidisziplinäres Gutachten, unter Berücksichtigung der unter IV Ziffer 1.5 ge- nannten Experten, anzuordnen sein. - unter Kosten- und Entschädigungsfolgen - Zur Begründung liess sie im Wesentlichen vorbringen, von einer Begutach- tung sei abzusehen, da keine konkreten und differenzierten Einwände vor- lägen, welche bisher unerkannt geblieben wären. Weitere Beweisvorkehren würden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit an der Würdigung der be- reits abgenommenen Beweise nichts mehr ändern (IV Ziff. 1.3). Sofern das angerufene Gericht dem nicht folgen könne, werde darauf hingewiesen, dass sich die von der Beschwerdegegnerin vorgebrachte Kritik einzig auf psychosomatische Faktoren beziehe, womit der bereits umfassend abge- klärte orthopädische Bereich davon ausgeklammert sei. Damit wäre im Sinne eines Eventualbegehrens einzig noch die strittige Disziplin Psychia- trie abzuklären (IV Ziff. 1.4). Im Falle der Notwendigkeit einer Begutachtung beharre die Beschwerdeführerin sodann auf ihrem Recht eines Einigungs- versuches. Dagegen sei vorliegend verstossen worden. Sofern das Gericht eine Begutachtung als notwendig erachte, werde diese eventualiter bzw. subeventualiter bei Dr. med. F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bzw. bei Dr. med. G.________, Facharzt für Or- thopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, durchzuführen sein (IV Ziff. 1.5). Mit Beschwerdeantwort vom 4. März 2016 beantragte die IVB die Abwei- sung der Beschwerde. Erwägungen:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2016, IV/16/179, Seite 4 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Bei der angefochtenen Verfügung vom 4. Januar 2016 (AB 96), welche die Anordnung einer medizinischen Expertise bei zwei von der Beschwerde- gegnerin vorgeschlagenen Gutachtern zum Inhalt hat, handelt es sich, da sie das Administrativverfahren nicht abschliesst, um eine selbstständig eröffnete Zwischenverfügung (Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. De- zember 1968 [VwVG; SR 172.021]). Solche können unter anderem dann angefochten werden, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nach- teil bewirken können (BGE 132 V 93 E. 6.1 S. 106). Diese Anfechtbarkeits- voraussetzung ist für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren in IV- Angelegenheiten zu bejahen, womit die entsprechende Verfügung unter Erhebung aller gesetzlich vorgesehenen Rügen rechtlicher und tatsächli- cher Natur angefochten werden kann (BGE 138 V 271 S. 275 E. 1.1 und 1.2.1 sowie S. 276 E. 1.2.3, 137 V 210 E. 3.4.2.7 S. 256 f.). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Ver- waltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Die Mitglieder des Verwaltungsgerichts behandeln als Einzelrichte- rin oder Einzelrichter Beschwerden gegen Zwischenverfügungen und Zwi- schenentscheide (Art. 57 Abs. 2 lit. b GSOG). 1.3Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2016, IV/16/179, Seite 5 2. 2.1Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gut- achter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge machen (Art. 44 ATSG). 2.2Die IV-Stelle teilt der versicherten Person in einem ersten Schritt mit, dass eine Expertise eingeholt werden soll; zugleich gibt sie ihr die Art der vorgesehenen Begutachtung (poly- oder mono- bzw. bidisziplinär) sowie die vorgesehenen Fachdisziplinen und Gutachterfragen bekannt. In diesem Stadium kann die versicherte Person erst einmal (nicht personenbezogene) materielle Einwendungen gegen eine Begutachtung an sich oder gegen Art oder Umfang der Begutachtung vorbringen (Beispiele: unnötige second opinion; unzutreffende Wahl der medizinischen Disziplinen). Ausserdem hat sie Anspruch, sich zu den Gutachterfragen zu äussern (BGE 138 V 271 E. 1.1 S. 275, 137 V 210 E. 3.4.2.9 S. 258). In einem zweiten Verfahrensschritt teilt die IV-Stelle der versicherten Person die durch SuisseMED@P zugeteilte Gutachterstelle (bzw. bei mono- und bidisziplinären Expertisen die von ihr ausgewählten Gutachter) und die Namen der Sachverständigen mit jeweiligem Facharzttitel mit. Mit der Bezeichnung der Sachverständigen kommt die Möglichkeit (materieller oder formeller) personenbezogener Einwendungen hinzu (BGE 140 V 507 E. 3.1 S. 510, 139 V 349 E. 5.2.2.2 S. 355, 138 V 271 E. 1.1 S. 274, 137 V 210 E. 3.4.2.7 S. 257). 2.3Bei mono- und bidisziplinären Begutachtungen ist im Falle aller zulässigen Einwendungen konsensorientiert vorzugehen. Erst wenn eine Einigung ausbleibt, ergeht eine (einheitliche) Zwischenverfügung über die Beweisvorkehr an sich (Notwendigkeit einer Begutachtung, Beschränkung auf eine oder zwei Fachdisziplinen, Bezeichnung der Disziplinen) und die Person der Gutachter (BGE 139 V 349 E. 5.2.2.3 S. 356). Weicht die IV-Stelle vom zufallsbasierten MEDAS-Zuweisungssystem ab, in dem sie von einer MEDAS eine bi- oder gar bloss monodisziplinäre Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2016, IV/16/179, Seite 6 Expertise einholen will, so hat sie in einem solchen Ausnahmefall zwingend einen Einigungsversuch einzuleiten. Scheitert dieser, ist darüber zu verfügen (BGE 139 V 349 E. 5.4 S. 357). 3. 3.1Anfechtungsobjekt bildet die Zwischenverfügung vom 4. Januar 2016 (AB 96). Streitig und zu prüfen ist die Zulässigkeit einer Begutachtung sowie deren Umfang. 3.2In medizinischer Hinsicht lässt sich den Akten im Wesentlichen das Folgende entnehmen: 3.2.1Dr. med. H.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, diagnostizierte im Bericht vom 3. Juli 2012 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach Osteosynthese und Re-Osteosynthese der Fibula links und eine Knochen- nekrose der distalen Tibia (AB 17, S. 2). Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar (AB 17, S. 4). Zumutbar sei eine (rein) sitzende Tätigkeit (zu 100%; AB 17, S. 6; vgl. auch AB 27, S. 3). 3.2.2Dr. med. I.________, Fachärztin für Anästhesiologie FMH, diagnos- tizierte im Bericht vom 29. April 2013 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit ein komplexes regionales Schmerzsyndrom (Complex regional pain syndrome, CRPS) im linken Fuss sowie im linken Unterschenkel und eine persistierende postoperative Schmerzexazerbation im Bereich des linken Beckenkamms (AB 30, S. 1). Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar (AB 30, S. 2). Zurzeit könne nicht mit der Wie- deraufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden (AB 30, S. 3; vgl. auch AB 33, S. 1 f.; 36.1, S. 198 f. und 267 f.). 3.2.3Im Bericht vom 13. August 2013 führte Dr. med. H.________ aus, der Gesundheitszustand sei stationär (AB 31, S. 1). Für die Bestimmung des Zumutbarkeitsprofils in einer angepassten Tätigkeit sei eine neutrale gutachterliche Beurteilung Ende des Jahres 2013 notwendig (AB 31, S. 3).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2016, IV/16/179, Seite 7 3.2.4Die Ärztin der C.________, Dr. med. J.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, diagnostizierte im Bericht vom 3. Oktober 2013 einen Status nach Treppensturz mit instabiler Weber B Fraktur, Riss der vorderen Syndesmose und Volkmann-Fraktur vom 26. Dezember 2011. Ein Wiedereinstieg in die gelernten Berufe als … und … sei mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr zumutbar. Als provisorisches Zumutbar- keitsprofil gab sie eine sitzende Tätigkeit von aktuell maximal zwei Stunden pro Tag mit genügend Beinfreiheit an. Sie erwarte, dass bis ca. Mitte des Jahres 2014 der zeitliche Arbeitseinsatz verlängert werden könne. Das Ziel sei eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten sitzenden Tätigkeit (AB 36.1, S. 305). Die Wiederaufnahme einer Tätigkeit, wo häufiges Gehen und Stehen verlangt werde, sei auch in ferner Zukunft nicht wahrscheinlich (AB 36.1, S. 305 f.). Im ärztlichen Bericht vom 6. August 2014 führte Dr. med. J.________ aus, trotz schlechtem Zustand des linken Fusses mit CRPS müsse leider davon ausgegangen werden, dass weitere Behandlungen nicht mit Wahrschein- lichkeit eine namhafte Besserung des Zustandes bringen würden. Eine Arbeit mit häufigem Positionswechsel mit einer Sitzdauer am Stück von maximal einer Stunde ohne Zwangspositionen des linken Fusses ganztags sei zumutbar, wobei aufgrund der häufigen Pausen fraglos eine Leistungs- einbusse bestehe. Das Tragen von Lasten von einmalig maximal 15 kg sei möglich, wobei die Beschwerdeführerin nur an zwei Gehstöcken mobil sei (AB 46, S. 15). Im Bericht vom 20. August 2014 präzisierte Dr. med. J.________ das Zu- mutbarkeitsprofil. Eine Arbeit mit häufigem Positionswechsel und einer Sitzdauer am Stück von jeweils maximal einer Stunde ohne Zwangspositi- onen des linken Fusses sei ganztags zumutbar. Die Sitzdauer, verteilt über den ganzen Tag, sollte nicht mehr als vier Stunden betragen. Es müssten mehrmals täglich Pausen eingeräumt werden, wodurch fraglos eine Leis- tungseinbusse bestehe (AB 49, S. 2). Am 22. Oktober 2014 empfahl Dr. med. J.________ das stundenweise Auf- teilen des Arbeitspensums, d.h. nach einer Stunde Arbeit (sitzend), eine Stunde Pause (überwiegend liegend; Beschwerdebeilage [BB] 3).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2016, IV/16/179, Seite 8 3.2.5Dr. med. I.________ führte im Bericht vom 22. Januar 2015 aus, die Beschwerdeführerin könne aufgrund der Schmerzsituation und der medi- kamentös bedingten kognitiven Einschränkung ein Arbeitsprofil, in welchem sie eine Stunde arbeite und eine Stunde Pause mache, nicht über vier Stunden durchhalten (AB 55, S. 2). 3.2.6Die RAD-Ärztin Dr. med. K.________, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, diagnostizierte im Bericht vom 13. Mai 2015 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach Treppensturz mit instabiler Weber B Fraktur, Riss der vorderen Syndesmose und Volkmann-Fraktur vom 26. Dezember 2011. Für das Zu- mutbarkeitsprofil könne vollumfänglich auf die Berichte von Dr. med. J.________ vom 6. bzw. 20. August 2014 abgestellt werden (AB 73, S. 4). In der angestammten Tätigkeit als … und … bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer angepassten, wechselbelastenden, vorwiegend sitzenden Tätigkeit sei eine volle Arbeitsfähigkeit mit einer Leistungsminderung von 20% aufgrund eines vermehrten Pausenbedarfs gegeben (AB 73, S. 5). 3.2.7Im Bericht vom 20. August 2015 hielt Dr. med. J.________ an ihrem Zumutbarkeitsprofil fest (AB 84, S. 9). 3.2.8Dr. med. K.________ führte im Bericht vom 24. November 2015 aus, die Problematik sei psychiatrisch und orthopädisch bedingt. Weder bei der EFL noch bei der C.________ habe eine ärztliche Untersuchung statt- gefunden, die ein klares Zumutbarkeitsprofil sowie ein eindeutiges Pensum beschreibe (AB 90, S. 2). 3.3Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; SVR 2015 IV Nr. 28 S. 86 E. 4.1).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2016, IV/16/179, Seite 9 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.4Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (Beschwerde, S. 5 Ziff. 1.2) ist der Sachverhalt nicht genügend abgeklärt. Zunächst ist die Auffassung der Ärztin der C.________ Dr. med. J.________ nicht klar, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann. So hat sie im Bericht vom 6. August 2014 zunächst eine ganztägige Arbeitsfähigkeit mit einer nicht näher definierten Leistungseinbusse attestiert (AB 46, S. 15) und dies in der Ergänzung vom 20. August 2014 insoweit präzisiert, als die Sitzdauer maximal vier Stunden betragen solle (AB 49, S. 2; vgl. auch BB 3). Diese Einschätzung hat die Ärztin mit Bericht vom 20. August 2015 in Kenntnis der EFL bestätigt (AB 84, S. 9). Es ist jedoch - gerade im Hinblick auf den Bericht von August 2015 - unklar, ob und gegebenenfalls wie die Ärztin der C.________ den Ergebnissen der EFL Rechnung getragen hat. Wurde doch im Rahmen der EFL festgehalten, dass die Resultate der physischen Leistungstests für die Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit infolge beobachteter erheblicher Symptomausweitung und Inkonsistenz nicht ver- wertbar seien. Die beobachtete Belastbarkeit entspreche einer sehr leich- ten und sitzenden Tätigkeit. Hinsichtlich der Zumutbarkeit sollte man aus somatischer Sicht aufgrund der festgestellten Symptomausweitung von einer höheren Belastbarkeit ausgehen (Bericht vom 23. Juli 2015; AB 76, S. 3). Gestützt auf die Ergebnisse der EFL ist somit unklar, welche Leistun- gen zumutbar sind (vgl. AB 76, S. 3 Mitte und 8). Dabei ist unerheblich, ob die beobachteten Inkonsistenzen von Ärzten oder Physiotherapeuten erho- ben worden sind (Beschwerde, S. 6 oben); derartige Unklarheiten sind me- dizinisch abzuklären – dies verlangt denn auch der beweisrechtlich ent-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2016, IV/16/179, Seite 10 scheidende Aspekt der Konsistenz bei somatoformen Schmerzstörungen gemäss BGE 141 V 281 E. 4.4 S. 3.3 f., welchem auch allgemein, d.h. aus- serhalb der unklaren Beschwerdebilder, Rechnung zu tragen ist. Ob sich die beobachteten Inkonsistenzen erklären lassen, wird Aufgabe des Gut- achtens sein. Entgegen der Auffassung in der Beschwerde (S. 5 Ziff. 1.3.1) lassen sich diese nicht ohne weiteres aufgrund des bisherigen Verhaltens der Beschwerdeführerin ausräumen. Ferner hat sich die Ärztin der C.________ im Bericht vom 20. August 2015 auch nicht zu dem (ihr be- kannten, AB 84, S. 8) Ergebnis der AMA geäussert, welche eine tatsächlich erbrachte Leistung von 20% (gerechnet auf ein 100%-Pensum) ergab (AB 68, S. 11 f.). Da die Auffassung von Dr. med. J.________ nicht zu überzeugen vermag, kann in der Folge auch nicht auf die Ergebnisse der AMA abgestellt werden, da diese Abklärung auf dem Zumutbarkeitsprofil dieser Ärztin basiert (AB 68, S. 2, 10). Dasselbe gilt auch für die Einschät- zung der RAD-Ärztin Dr. med. K.________ vom 13. Mai 2015 (AB 73, S. 4). Kommt hinzu, dass sich deren Beurteilung nicht mit derjenigen der Ärztin der C.________ deckt. So wird von Dr. med. K.________ von einer Leis- tungsminderung bzw. einem Pausenbedarf von 20% bei voller Arbeits- fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit gesprochen, die sich in keiner Art und Weise mit den Annahmen der Ärztin in Übereinstimmung bringen lässt (AB 73, S. 5). Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass die behandelnde Dr. med. I.________ die Einschätzung der Ärztin der C.________ in Zweifel gezogen hat, jedoch selber keine abschliessende Beurteilung vorgenom- men hat (AB 55, S. 2). In der Folge erweist sich eine weitere Abklärung als notwendig und der Einwand der Beschwerdeführerin betreffend die Einho- lung einer (unnötigen) second opinion (Beschwerde, S. 7 Ziff. 1.3.3) als nicht haltbar. 3.5Nicht zu beanstanden ist der Umfang der Abklärung. Einerseits ist der Sachverhalt entgegen der Auffassung in der Beschwerde (S. 8 Ziff. 1.4) - wie unter E. 3.4 hiervor ausgeführt - in somatischer Hinsicht nicht genü- gend abgeklärt. Andererseits drängt sich bei Schmerzproblemen eine psy- chische Abklärung auf, sind Schmerzen und psychische Probleme doch oft - aber nicht immer - eng verknüpft. So wurde anlässlich der EFL den auch auf eine Symptomausweitung hingewiesen und eine Behandlung in einer psychosomatischen Abteilung empfohlen (AB 76, S. 5). Mit Blick auf die Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2016, IV/16/179, Seite 11 Wechselwirkung von somatischen und psychischen Leiden ist daher eine bi- und nicht monodisziplinäre Begutachtung angezeigt. Gegen die Gutach- ter Dres. med. D.________ und E.________ sowie die zu stellenden Fra- gen sind weder Einwände erhoben worden noch sind solche ersichtlich, so dass es mit diesen beiden, von der Beschwerdegegnerin im Rahmen der Verfahrensleitung bestimmten, Gutachtern sein Bewenden hat. 3.6Soweit in der Beschwerde vorgebracht wird, die Beschwerdegegne- rin verstosse gegen die bundesgerichtliche Rechtsprechung, welche zwin- gend einen Einigungsversuch vorsieht, ohne dass konkrete Ablehnungs- gründe vorgebracht werden müssen (S. 8 Ziff. 1.5), kann dem nicht gefolgt werden. Der Einigungsversuch ist im vorliegenden Verfahren (implizit) durchgeführt worden (vgl. E. 2.3 hiervor). Mit Schreiben vom 27. November 2015 hat die Verwaltung mitgeteilt, dass sie eine Begutachtung durch- führen wolle, und die Gutachter sowie die Fragen genannt (AB 91). Hierauf hat sich die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 11. Dezember 2015 ver- nehmen lassen und ihrerseits Vorschläge unterbreitet (AB 95). In der Folge hat die IVB verfügt (AB 96). Damit ist die Einigung gescheitert und zwar am Verhalten aller Beteiligten. Freilich war die IVB nicht bereit, von ihren Vor- schlägen abzurücken, dies traf jedoch auch auf die Beschwerdeführerin zu. Ein Konsens kam damit nicht zustande. Mit Einigung ist nicht gemeint, dass allein die Verwaltung ihre Meinung ändert, sondern dies gilt auch für die Beschwerdeführerin. Etwas anderes ist logisch ausgeschlossen (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. November 2012, IV/2012/713, E. 3.2.2). 3.7Schliesslich kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten aus der Tatsache ableiten, dass die Abklärung im Rahmen des Vorbe- scheidverfahrens angeordnet worden ist (vgl. Beschwerde, S. 4 f. Ziff. 1 und 1.3 sowie S. 5 Ziff. 1.2). Ein Vorbescheid sichert weder eine Leistung noch ein bestimmtes Verhalten zu. 3.8Nach dem Dargelegten ist die von der Beschwerdegegnerin ange- ordnete psychiatrisch-orthopädische Begutachtung durch die Dres. med. D.________ und E.________ der MEDAS nicht zu beanstanden. Die ge- gen die Verfügung vom 4. Januar 2016 (AB 96) erhobene Beschwerde ist abzuweisen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2016, IV/16/179, Seite 12 4. 4.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh- rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 500.--, zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnommen. 4.2Es besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]). Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Mai 2016, IV/16/179, Seite 13 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwältin B.________ z.H. der Beschwerdeführerin - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.