B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3968/2011 U r t e i l v o m 1 9 . M ä r z 2 0 1 3 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Muriel Beck Kadima, Gerichtsschreiberin Lhazom Pünkang. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch lic. iur. Peter Frei, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. Juni 2011 / N (…). E-3968/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein iranischer Staatangehöriger kurdischer Ethnie – verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 21. Dezember 2006 und gelangte am 21. Februar 2007 auf illegalem Weg zu Fuss in die Türkei , von wo er per Lastwagen über ihm unbekannte Länder in die Schweiz weiterreiste, wo er gleichentags sein Asylgesuch stellte. Anlässlich der Kurzbefragung im Emp fangs- und Verfahrenszent- rum (EVZ) (...) vom 6. März 20 07 und der einlässlichen Anhörung vom 16. Januar 2008 zu seinen Ausreise- und Asylgründen machte er im We- sentlichen zwei Geschehnisse geltend: Zwischen 2001 und 2004 habe er bei Verwandten in B._______ gelebt und sich in die Tochter des Cousins seiner Mutter verliebt. Die Beziehung zu seiner Cousine zweiten Grades (nachfolgend: Cousine) sei in deren Familie auf grossen Widerstand gestossen. Ihre Brüder hätten ihm me h- rere Male mit dem Tod gedroht , woraufhin er B._______ habe verlassen müssen und in das iranische Kurdistan zurückgekehrt sei. Seither sei sei- ne Familie Schikanen und Drohungen seitens der Brüder seiner damali- gen Freundin ausgesetzt. Sein jüngerer Bruder C._______ habe aufgrund erfundener Anschuldigungen im Zusammenhang mit einer inszenierten Messerstecherei 57 Tage im Gefängnis verbracht. Die Brüder seiner d a- maligen Freundin würden heute noch bei seinen Familienangehörigen nach ihm fragen (vgl. A10, S. 19). Nach der Ermordung des kurdischen Aktivisten Schuanai Said Kader (Seyyed Kamal Seyyed Ghader, auch bekannt unter dem Namen Showa- neh) am 30. Juli 2005 sei es in vielen kurdischen Städten zu politischen Unruhen gekommen. So auch in der Stadt D._______ (auf Kurdisch: […]), wo er sich den Demonstrationen angeschlossen habe . Es sei zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den kurdischen D e- monstranten gekommen. Er und seine Freunde hätten dabei zwei Fahr- zeuge in Brand gesetzt. Diese Aktionen seien durch d ie iranischen Pol i- zeibehörden ("ITLAAT") fotografiert und gefilmt worden. Aufgrund dieser Umstände habe er nach Inbrandsetzung der Autos die Flucht ergreifen müssen und sich bis zu seiner Ausreise an verschiedenen Orten – insbe- sondere in E._______ – versteckt gehalten. Er werde bis heute behör d- lich gesucht (vgl. A10, S. 16 und 19). Zur Stützung seines Asylgesuches reichte der Beschwerdeführer mehrere Beweismittel aus den Jahren 2004/2005 bzw. aus dem Zeitraum von Ok-E-3968/2011 Seite 3 tober 2007 bis Februar 2008 zu den Akten (jeweils mit summarischer Übersetzung ins Deutsche): - Vorladung des Beschwerdeführers vom (…) November 2007 (bzw. zugestellt bereits am 16. Oktober 2007) durch die iranischen Strafbe- hörden wegen Anzeige von F._______; in iranischer Sprache (in Ko- pie); - Vorladung des Beschwerdeführers vom (…) Dezember 2007 durch die iranischen Strafbehörden wegen Anzeige von G._______ und F._______; in iranischer Sprache (in Kopie); - Einvernahmeprotokoll bzw. Gerichtsurteil der iranischen Justizbehö r- den betreffend C._______ vom (…) Februar 2005 wegen Zufügung von Messerverletzungen; in iranischer Sprache (in Kopie); - Gerichtsverhandlungsprotokoll bzw. Urteilsfreispruch der iranischen Justizbehörden betreffend C._______ vom (…) Dezember 2007 w e- gen Urkundenfälschung; in iranischer Sprache (in Kopie); - Vorladung von C._______ vom (…) März 2005 durch die iranischen Strafbehörden wegen Zufügung von Messerverletzungen ; in irani- scher Sprache (im Original); - Vorladung von C._______ durch die iranischen Strafbehörden wegen Urkundenfälschung; zugestellt am 16. Oktober 2007; in iranischer Sprache (in Kopie); - Vorladung von C._______ vom (…) November 2007 durch die iran i- schen Strafbehörden wegen 'Vervielfältigung und Verteilung von ve r- dorbenen und trivialen Werken'; in iranischer Sprache (in Kopie); - Belege zu Geldzahlungen von C._______ zu Gunsten der iranischen Justizbehörden vom 17. Juli 2004 resp. 30. März 2005; in iranischer Sprache (in Kopie); - Daten weiterer Gerichtsverhandlungen des Bruders des Beschwerd e- führers; handschriftlich verfasst durch den Beschwerdeführer (im Or i- ginal, ohne Übersetzung); E-3968/2011 Seite 4 - Vorladung des Beschwerdeführers vom (…) Januar 2008, zugestellt am 13. Januar 2008 durch die iranischen Strafbehörden wegen An- zeige von F._______; in iranischer Sprache (in Kopie); - Vorladung von C._______ vom (…) Januar 2008, zugestellt am 13. Januar 2008 durch die iranischen Strafbehörden wegen 'Verbreitung von Verderbtheit durch Vervielfältigung von trivialen Bildern'; in irani- scher Sprache (in Kopie); - Vorladung des Beschwerdeführers , zugestellt am 17. Februar 2 008 durch die iranischen Strafbehörden wegen Anzeige von F._______; in iranischer Sprache (in Kopie); - Gerichtsurteil zu C._______ vom (…) Februar 2008 betreffend 'Verbreitung von Verderbtheit und Vervielfältigung von trivialen und verbotenen CDs'; in iranischer Sprache (in Kopie). B. Das BFM w andte sich mit Gesuch vom 1. Juni 2010 an die Schweizer Botschaft in Teheran, um verschiedene Beweismittel des Beschwerdefüh- rers auf deren Echtheit prüfen und um die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Probleme mit den iranischen Behörden abklären zu lassen. C. Das Abklärungsergebnis der Schweizer Vertretung in Teheran – verfasst durch eine Vertrauensperson der Botschaft und dem BFM zugestellt am 29. September 2010 – hielt fest, dass die vom Beschwerdeführer als U r- teil bezeichnete Rechtsschrift lediglich einen Urteilsentwurf darstelle, wel- cher im Einvernahmeprotokoll skizziert worden sei. Darin werde der an- gebliche Bruder des Beschwerdeführers, C._______, wegen Körper ver- letzung zu einer Strafzahlung verurteilt. Gemäss Angaben der Vertra u- ensperson seien in diesem Urteilsentwurf keine Verbindungen zum B e- schwerdeführer zu erkennen und damit seien diesbezüglich keine negati- ven Konsequenzen für den Beschwerdeführer zu erwar ten. Zur a b- schliessenden Beurteilung sei indessen zumindest eine Kopie des ergan- genen Urteils in dieser Sache erforderlich. D. Mit Verfügung vom 14. Juni 2011 – eröffnet am 16. Juni 2011 – lehnte die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete de s- sen Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. Zur Begrün- dung führte das BFM aus, die Asylvorbringen vermöchten den Anford e-E-3968/2011 Seite 5 rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des As ylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht zu genügen. Den Wegweisung s- vollzug erachtete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. Auf die genaue Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachste- henden Erwägungen eingegangen. E. Mit Beschwerdeeingabe vom 14. Juli 2011 focht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die Verfügung der Vorinstanz fristgerecht an und b e- antragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, der Beschwer- deführer als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren; eventu- aliter sei die Wegweisung des Beschwerdeführers als unzulässig und u n- zumutbar festzustellen; in prozessualer Hinsicht wurde die unentgeltliche Rechtspflege mit unentgeltlicher Rechtsverbeiständung (Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. D ezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) sowie die Einsicht in die BFM -Akten A 15 bean- tragt. Auf die Beschwerdebegründung wird in den nachstehenden Erw ä- gungen eingegangen. Zur Stützung der Vorbringen wurden der Beschwerde folgende Beweis- mittel beigelegt: - englischsprachiges E-mail von (...) vom 26. Juni 2011 über die Tei l- nahme des Beschwerdeführers an Protesten sowie zu dessen G e- fährdungssituation in seiner Heimat; - englischsprachiger Internetartikel zu (...) vom (…); - Referenzschreiben von (...), einem iranis ch-kurdischen Aktivisten, zum politischen Engagement des Beschwerdeführers; in iranischer Sprache mit deutscher Übersetzung; - Referenzschreiben von (...) und (...), iranisch -kurdische Aktivisten, über die Protestaktionen und die Rolle des Beschwerdeführers; in ira- nischer Sprache mit deutscher Übersetzung; - Referenzschreiben von (...), einem iranisch -kurdischen Journalisten, über die Rolle des Beschwerdeführers während den Protestaktionen im August 2005; in iranischer Sprache mit deutscher Übersetzung; E-3968/2011 Seite 6 - englischsprachiges Referenzschreiben der 'Kurdistan Democratic Party – Iran' vom 29. Juni 2011 zur Gefährdungssituation des Be- schwerdeführers im Iran; - Referenzschreiben der International Federation of Iranian Refugees (IFIR) zum Beschwerdeführer vom 22. Mai 2007; in italienischer Sprache; - Mitgliedschaftsbestätigung der IFIR vom 15. Mai 2007; in iranischer Sprache mit deutscher Übersetzung; - Fotos, die den Beschwerdeführer an einer Standaktion in Zürich zei- gen; publiziert auf der Internetseite (...); - Lebenslauf des Beschwerdeführers; - vier Arbeitszeugnisse des Beschwerdeführers, datierend vom 28. O k- tober 2008 bis 27. Januar 2011. F. Mit Instruktionsverfügung vom 20. Juli 2011 trat die Instruktionsrichterin auf die Beschwerde ein, hiess das Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh- rung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und wies das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ab. Das Ge- such um Akteneinsicht wurde gutgeheissen , die Kopie n sämtlicher B e- weismittel der BFM-Akte A15 einschliesslich der entsprechenden anon y- misierten amtsinternen Übersetzungen des BFM wurden dem Rechtsver- treter zur Akteneinsicht herausgegeben, und es wurde ihm Gelegenheit zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung eingeräumt. G. Mit Eingabe der Beschwerdeergänzung vom 3. August 2011 nahm der Rechtsvertreter Stellung zu den eingesehenen iranischen Gerichtsdok u- menten und hielt ferner fest, dass die im Rahmen des Beschwerdeverfah- rens eingereichten Referenzschreiben auf ein ausgedehn tes politisches Beziehungsnetz des Beschwerdeführers hinwiesen. H. Mit Vernehmlassung vom 31. August 2011 hielt die Vorinstanz fest, dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Bewei s- mittel enthalte, welche eine Änderung ihres Standpun ktes rechtfertigen E-3968/2011 Seite 7 könnten. Sie hielt vollumfänglich an ihren Erwägungen fest und beantra g- te die Abweisung der Beschwerde. I. Mit Eingabe vom 5. September 2011 reichte der Rechtsvertreter ein E- mail, unterz eichnet von drei Referenzgebern , zu den Akten . Darin wird mitgeteilt, dass die Originale der zu den Akten gereichten Referen z- schreiben postalisch derzeit unzustellbar seien. Sie seien jedoch um eine baldmögliche Übermittlung per Kurierdienst bemüht. J. Am 7. Oktober 2011 legte der Rechtsvertreter ein weiteres Beweismittel, einen in norwegischer Sprache verfassten, positiven Asylentscheid zu Gunsten des Gesinnungsgenossen des Beschwerdeführers, (...), aus Norwegen zu den Akten. K. Am 7. Dezember 2011 reichte der Rechtsvertreter die Originaldokumente der bei den Akten liegenden Referenzen von (...), (...) und (...) nach. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; A rt. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-3968/2011 Seite 8 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzu ng von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Vorab ist zum vorinstanzlichen Verfahren in prozessualer Hinsicht folgen- de Bemerkung anzubringen: Das BFM wendete sich mit Botschaftsanfra- ge vom 1. Juni 2010 (vgl. A12/3) an die Schweizer Vertretung in Teheran, worauf die Botschaft mit Schreiben vom 29. September 2010 ihre Abkl ä- rungsergebnisse dem BFM zukommen liess (vgl. A14/2 bzw. A25/2 ). Die fragliche Botschaftsantwort wurde dem Beschwerdeführer vorgängig zum Erlass der Verfügung vom 14. Juni 2011 nicht zur Kenntnis gebracht und nicht zum rechtlichen Gehör unterbreitet. Insofern ist eine Verletzung von Art. 30 VwVG festzustellen, auch wenn dies in der Beschwerde nicht g e- rügt wird. Im Rahmen des anschliessenden Beschwerdeverfahrens hatte der Beschwerdeführer Gelegenheit, zur Botschaftsabklärung Stellung zu nehmen. Mit Schreiben des BFM vom 8. Juli 2011 wurde das Akte nein- sichtsgesuch des Beschwerdeführers gutgeheissen und es wurden ihm die entsprechenden Aktenstücke offengelegt. Der Verzicht der Vorinstanz, dem Beschwerdeführer vor Erlass der Verfügung rechtliches Gehör zu gewähren, stellt somit zwar ein en Verfahrensmangel dar, dieser wurde indessen durch die erfolgte Akteneinsi cht und Stellungnahme auf B e- schwerdeebene geheilt. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen a usgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des E-3968/2011 Seite 9 Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesonde re Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Die Vorinstanz hielt in ihrer ablehnenden Verfügung fest, dass die Ausführungen des Beschwerdeführers zur geltend gemachten Bedrohung seitens der Brüder seiner Cousine wesentliche Widersprüche und Ung e- reimtheiten aufwiesen. So habe der Beschwerdeführer bei der summar i- schen Anhörung angegeben, die Brüder der Cousine hätten eine Messer- stecherei inszeniert und seinen Bruder dafür beschuldigt, worauf dieser am 1. März 2005 verhaftet word en sei. Demgegenüber habe er an der Bundesanhörung dasselbe Da tum genannt, als er nach dem Zeitpunkt der Inszenierung der Messerstecherei gefragt wurde. Später habe er wie- derum ein anderes Datum zum fraglichen Ereignis angegeben, nämlich den 11. Mai 2004. Aus dem Gerichtsurteil vom (...) Februar 2005 gehe in- dessen hervor, dass die mutmassliche Auseinandersetz ung am 13. Fe b- ruar 2004 stattgefunden haben soll. Diese Zeitangabe stimme wiederum nicht überein mit der Aussage, er sei am Anfang des Jahres 1383 nach iranischer Zeitrechnung – somit Ende März 2004 nach hiesiger Zeitrec h- nung – zum ersten Mal bedroht worde n. Zudem würden die Daten der Gerichtsurkunden keinen Sinn ergeben, da d ie Vorladung wegen der Messerstecherei vom (…) März 2005 datiere, während das dazugehörige Gerichtsurteil bereits am (…) Februar 2005 gefällt worden sei. Im Weit e- ren seien die Ausführu ngen des Beschwerdeführers zu seiner Teilnahme an der Demonstration und seiner anschliessenden Verfolgung unsubstan- tiiert und nicht nachvollziehbar. So habe er nicht plausibel erklären kö n- nen, weshalb er trotz wahrgenommener Videoaufnahme seine Handlu n- gen fortführte, namentlich Autos anzündete , und sich damit in Gefahr brachte. Schliesslich entspreche sein Verhalten nicht demjenigen einer verfolgten Person, da er nach dem asylrelevanten Ereignis noch über ein Jahr gewartet habe, bis er sein Heimatland verl iess, und für dieses Z u- warten keine anschauliche Begründung vorbrachte habe. Ferner hielt die E-3968/2011 Seite 10 Vorinstanz fest, dass der Beschwerdeführer sich bereits im Jahr 2006 ins Ausland begeben habe und es nicht nachvollziehbar sei, weshalb man ihm in den Folgejahren Vorladungen zugestellt haben soll . Ausserdem seien sämtliche dieser an den Beschwerdeführer gerichteten Vorladu n- gen lediglich in Kopieform eingereicht worden, womit ihnen ohnehin ein sehr geringer Beweiswert zukomme. Die weiteren Gerichtsdokumente würden alleine den Bruder des Beschwerdeführers betreffen und würden keinen Bezug zum Beschwerdeführer aufweisen. 5.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hielt in seiner Rechtsmit- teleingabe hinsichtlich der zeitlichen Ungereimtheiten entgegen, dass diese möglic herweise auf Fehler bei der Zeitumrechnung in die aben d- ländische Kalenderzeit zurückzuführen seien. Hinzu komme, dass die fraglichen Vorfälle zeitlich weit zurücklägen, weshalb sich der Beschwe r- deführer nicht mehr an einzelne Daten zurückerinnern könne. Gegen die vorinstanzliche Erwägung, die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Teilnahme an Protesten sei unglaubhaft, wurde eingewendet, dass das BFM diesen Vorwurf zum einen nicht nä her begründe und zum anderen der Beschwerdeführer immerhin ausführliche Ant worten über seine Pr o- testmotivation und die Namen seiner Gesinnungsgenossen zu Protokoll habe geben können. Unterstützend zu diesem Vorbringen wurde auf das Iran Update der Flüchtlingshilfe vom 2. August 2006 verwiesen, worin die Unruhen im Juli 2005 dokum entiert wurden. Der Vorwurf der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe nicht plausibel erklären können, weshalb er es trotz behördlicher Video- und Fotoaufnahme gewagt habe, Autos von (Polizei-)Beamten in Brand zu setzen, sei unbegründet. Der Beschwerde- führer habe hierzu ausgeführt, dass er einerseits aus Empörung über die Ermordung des kurdischen Aktivisten Schuanai Said Kader und anderer- seits wegen der gegen seinen Bruder gerichteten behördlichen Behell i- gungen so gehandelt habe. Der Rechtsvertreter rügte im Weiteren die fehlende Beantwortung einer im Rahmen der vorinstanzlichen Bo t- schaftsanfrage gestellten Frage. So habe sich die von der Botschaft b e- auftragte Vertrauensperson überhaupt nicht zur Frage geäussert, ob der Beschwerdeführer durch die Teilnahme an der Demonstration in D._______ (auf Kurdisch: […]) behördliche Probleme zu gewärtigen h a- be. Zur vorinstanzlichen Auffassung, dass der Beschwerdeführer bei einer tatsächlichen Verfolgungssituation früher ausgereist wäre, hielt der Rechtsvertreter entgegen, dass der Beschwerdeführer während der Zeit vor seiner Ausreise aufgrund seiner Geschäftstätigkeit (…) behördlich schwer zu ergreifen gewesen sei und dass er erst habe ausreisen kön- nen, als er genügend Ersparnisse besessen habe. Für die Weiterreise E-3968/2011 Seite 11 aus der Türkei nach Westeuropa habe er sodann auf die Hilfe seiner F a- milie zurückgreifen müssen. Ferner wies der Rechtsvertreter mithilfe von Beweismitteln auf die exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers hin (Mitgliedschaft bei der Organisation Hambaste gi – die Internationale F ö- deration Iranischer Flüchtlinge [IFIR]; im Internet publizierte Fotos einer Standaktion gegen das iranische Regime) und machte subjektive Nach- fluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. 5.3 Im Rahmen einer Beschwerdeergänzung hie lt der Rechtsvertreter zu den als Beweismittel eingereichten iranischen Gerichtsdokumenten fest, dass diese keine offensichtlichen Fälschungsmerkmale aufweisen. Weiter wurde darauf hingewiesen, dass das Strafurteil gegen den Bruder des Beschwerdeführers we gen "Vervielfältigung und Verteilung von trivialen CDs" – gemäss Beschwerdeführer habe der Bruder Videos von Kundge- bungen und Demonstrationen der irani schen Exilopposition vertrieben – unverhältnismässig sei und diesbezüglich anzunehmen sei, dass sein Bruder vielmehr wegen dessen Teilnahme an den Unruhen im Sommer 2005 bestraft worden sei. Treffe diese Vermutung zu, so habe der B e- schwerdeführer aufgrund der politischen Aktivitäten seines Bruders ei ne Anschluss- bzw. Reflexverfolgung zu be fürchten. Zum Urteil gegen C._______ wegen 'Zufügens von Verletzungen mit einem Messer' hielt der Rechtsve rtreter fest, dass eine diesbezügliche asylrelevante Verfol- gung des Beschwerdeführers aufgrund des länger zurückliegenden fami- liären Konflikts, der diesem Urteil zugrunde liege, unwahrscheinlich sei. 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Durchsicht der Akten zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers die Anford e- rungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu erfüllen vermögen. Im Fol- genden werden die geltend gemachten Vorfluchtgründe auf deren Asylre- levanz geprüft. 6.2 6.2.1 Gemäss Beschwerdeführer habe seine Liebesbeziehung zu seiner Cousine, die er angeblich in den Jahren zwischen 2001 und 2004 mit ihr unterhalten habe, zu seiner Verfolgung sowie zu verschiedenen Proble- men in seiner Familie geführt. Diesbezüglich ist festzustellen, dass zwi- schen dem Zeitpunkt der geltend gemachten Verfolgungshandlung sei- tens der Brüder seiner damaligen Freundin (Anfang 2004; vgl. A10 S. 4) und seiner Ausreise ungefähr drei Jahre verstrichen sind. Der Beschwe r- deführer sei zwar aufgrund der Todesdrohungen zunächst aus der E-3968/2011 Seite 12 B._______ in die Stadt E._______ geflüchtet (vgl. A10 S. 4f.), dennoch habe er seither seine Freundin mehrere Male in B._______ heimlich be- suchen könne n. Gemäss Angaben des Beschwerdeführers habe seine Ex-Freundin in seinem Heimatland inzwischen einen anderen Mann g e- heiratet (A10 S. 21). Eine begründete Verfolgungsfurcht ist angesichts dieser Umstände mangels eines zeitlichen Kausalzusammenhangs zw i- schen der Verfolgung und der Flucht zu verneinen. Zu einem vergleichba- ren Schluss kam selbst der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers und hielt in seiner Beschwerdeergänzung fest, es sei eher unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer aufgrund dieses länger z urückliegenden fa- miliären Konflikts eine asylrelevante Verfolgung zu gewärtigen habe. 6.2.2 Auch fehlt es diesbezüglich an einschlägigen Beweismitteln, die auf eine aktuelle Verfolgung schliessen liessen. Hierzu ist festzuhalten, dass die als Beweismittel einge reichten iranischen Dokumente weder einen unmittelbaren Zusammenhang zur fraglichen Liebesbeziehung, noch an- derweitig einen asylrelevanten Bezug zum Beschwerdeführer aufweisen (vgl. oben, Erw. C zum Abklärungsergebnis der Schweizer Botschaft in Teheran). Die fraglichen Dokumente beziehen sich vorwiegend auf den Bruder des Beschwerdeführers und lediglich in geringem Ausmass auf den Beschwerdeführer selber. Namentlich befinden sich darunter vier Vorladungen, lautend auf den Namen des Beschwerdeführers, welche die iranischen Strafbehörden im Zeitraum vom (…) November 2007 bis zum (…) Februar 2008 auf Anzeige von F._______ hin ausgestellt hätten (vgl. oben, Erw. A.). Aus sämtlichen vier Vorladungen geht nicht hervor, auf- grund welcher Straftaten der Beschwerdeführer beschuldigt wurde, wobei jedoch zu vermuten ist, dass diese im Zusammenhang mit dem familiären Konflikt standen, zumal der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung behauptete, er sei wegen der Verletzung der Ehre der Familie seiner Freundin angezeigt worden (vgl. A10, S. 8). Weiter hat der Beschwerd e- führer den Namen des in der Vorladung aufgeführten Anzeigestellers, F._______, zu keinem Zeitpunkt des Asylverfahrens, weder mündlich noch schriftlich, erwähnt. Schliesslich fällt auf, dass eine dieser Vorladun- gen Ungereimtheiten in der Datierung aufweist. So datiert dieses Schrif t- stück angeblich vom (…) November 2007, während es gleichzeitig ein Zustellungsdatum vom (…) Oktober 2007 aufweist. Angesichts dieser zweifelhaften Umstände ist hinsichtlich der fraglichen Vorladungen von keiner aktuellen Verfolgungsgefahr auszugehen. 6.2.3 Insgesamt ist somit festzuhalten, dass die fraglichen Vorbringen – unter Berücksichtigung der entsprechenden Beweismittel – die nötige Ak-E-3968/2011 Seite 13 tualität einer Verfolgung vermissen lassen. Darüber hinaus ist die Flücht- lingseigenschaft des Beschwerdeführers ohnehin zu verneinen, da der Beschwerdeführer hinsichtlich der geltend gemachten privaten Verfolgung den Schutz der iranischen Justizbehörden beanspruchen könnte, die als schutzfähig und schutzwillig gelten können. 6.3 6.3.1 Die Vorbringen des Beschwerdeführers zu seiner Teilnahme wäh- rend drei Tagen an einer mehrwöchigen Demonstration anlässlich der Ermordung des Kurdenführers Schuanai Said Kader (vgl. A10 S. 11 und 13) in D._______ (auf Kurdisch: […]), sind zwar unter Berücksichtigung der hierzu eingereichten Referenzschreiben – entgegen den vorinstanzli- chen Erwägungen – nicht unglaubhaft (vgl. A10, S. 11 bis 15) , indessen ist der Beschwerdeführer nicht in der Lage, die geltend gemachte behörd- liche Verfolgung im Anschluss an die politischen Unruhen bis zu seiner Ausreise substantiiert und plausibel darzulegen . Er gibt lediglich zu Pro- tokoll, man habe ihn mehrmals an seinem Wohnort bei seiner Mutter au f- gesucht, weshalb er sich vor den iranischen B ehörden habe verstecken müssen (vgl. A10, S. 15). Der Beschwerdeführer gibt zudem an, dass er vor dieser Protestaktion noch an keiner Demonstration teilgenommen h a- be (vgl. A10 S. 11), auch seither hat er gemäss Aktenlage – mit Ausnah- me seiner exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz – keine weiteren poli- tischen Handlungen mehr ausgeführt. Im vorliegenden Kontext weist di e- ser Umstand auf ein äusserst moderates politisches Engagement hin. Die alleinige einmalige Teilnahme an einer regierungsfeindlichen Demo nstra- tion lässt bei vorliegender Sachlage nicht auf eine behördliche Verfolgung schliessen. Soweit die Bestätigungsschreiben von einer führenden Akt i- vistenrolle des Beschwerdeführers sprechen, ist festzustellen, dass die diesbezüglichen Beschreibungen sich nicht mit den Aussagen des B e- schwerdeführers decken. So wird in den Referenzschreiben unter ande- rem ausgeführt, der Beschwerdeführer sei ein Aktivist gewesen und habe während des Aufstiegs der Proteste grosse Arbeit geleistet. Weiter habe er für die Organ isation der Massenproteste in D._______ und in H._______ (oder […]) eine wichti ge Rolle gespielt ; er wird als einer der Hauptorganisatoren der Proteste bezeichnet. Diese Beschreibung durch verschiedene Referenzgeber widerspricht den persönlichen Aussagen des Beschwerdeführers, der seinerseits zwar die Teilnahme an der D e- monstration, nicht jedoch die Organisation der Proteste vorgebracht hat. Zudem habe der Beschwerdeführer seinen Protokollaussagen zufolge sich an den Protesten in D._______ beteiligt, nicht jedoch in H._______. E-3968/2011 Seite 14 6.3.2 Sodann kann der Begründung des Beschwerdeführers, er habe mangels finanzieller Mittel gegen eineinhalb Jahre bis zur Ermöglichung einer Ausreise zuwarten müssen, nicht gefolgt werden (vgl. A1, S. 6; A10, S. 17). Diese Erklärung ist i nsofern unglaubhaft, als dass der Beschwe r- deführer sich diesbezüglich im Laufe der einlässlichen Befragung selber widersprach. So gab er in der fraglichen Anhörung zu einem späteren Zeitpunkt zu Protokoll, er h abe die finanzielle Hilfe seiner Angehörigen erst in der Türkei zwecks Weiterreise beanspruchen müssen, während er die vorhergehende Ausreise aus seiner Heimat bis in die Türkei selber fi- nanziert habe (vgl. A10 S. 20 sowie in der Beschwerde vom 14. Juli 2011, S. 8 ). Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen Prot o- kollaussagen häufig über längere Zeit hinweg in Hotels logiert habe, be- vor er sich zur Ausreise entschloss (vgl. A10, S. 6, 10f. ). Diese Tatsache steht ebenfalls in einem Widerspruch mit dessen Begründung, für eine sofortige Ausreise in die Türkei habe es ihm an finanziellen Mitteln g e- fehlt. Aufgrund dieser Ungereimtheiten ist davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer keine tatsächlichen objektiven Gründe im Wege sta n- den, um nicht früher in die Türkei auszureisen. 6.3.3 Nach den vorstehenden Erwägungen ist zusammenfassend festz u- stellen, dass in Ermangelung einer genügenden Intensität und Kausalität der geltend gemachten Verfolgung das Vorliegen einer asylrelevanten Verfolgung zu verneinen ist. 6.4 In der Beschwerdeergänzung wurde schliesslich auf eine mögliche Anschluss- bzw. Reflexverfolgung des Beschwerdeführers wegen der po- litischen Aktivitäten seines Bruders, C._______, hingewiesen. Von R e- flexverfolgung ist zu sprechen, wenn Angehörige von politisch verfolgten Personen Repressalien ausgesetzt sind, um damit Druck auf diese oder die Familie auszuüben (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH, Hand- buch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, Bern 2009, S. 180). Gemäss Ausführungen des Beschwerdeführers in der Beschwerdeergänzung ha- be auch sein Bruder im Sommer 2005 an den Unruhen im iranischen Kurdistan teilgenommen. Diese Angabe steht allerdings in einem klaren Widerspruch mit seiner Aussage an der Bundesanhörung, wo er angab, sein Bruder habe nach der Ermordung von Kader nicht an der Demonst- ration teilgenommen, sondern sei immer zu Hause gewesen (vgl. A10, S. 12). Gestützt auf diese Ungereimtheit bedarf die geltend gemachte Mög- lichkeit einer Reflexverfolgung keiner weiteren und eingehenderen Pr ü- fung. Ferner ist hierzu festzuhalten, da ss der Name des Bruders zwar in den als Beweismittel eingereichten behördlichen Dokumenten erscheint, E-3968/2011 Seite 15 in welchen derselbe beschuldigt wird , verschiedene Straftaten begangen zu haben (vgl. oben Erw. A.). Die fraglichen Beweismittel datieren indes- sen aus dem Zeitraum vom 12. Februar 2005 bis zum 27. Februar 2008. Seither hat der Beschwerdeführer weder weitere Gerichtsdokumente zu den verschiedenen Strafverfahren nachgereicht noch die Asylbehörden über den Ausgang dieser Strafverfahren in formiert oder nähere Gründe zur Verfolgung seines B ruders angeführt. Insgesamt konnte der B e- schwerdeführer somit nicht glaubhaft darlegen, weshalb ihm in seiner Heimat eine Reflexverfolgung drohen sollte. 6.5 Da eine Vorverfolgung des Beschwerdeführers nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts fehlt, ist im Folgenden zu prüfen, ob der B e- schwerdeführer aufgrund seines geltend gemachten exilpolitischen E n- gagements in der Schweiz zukünftige Verfolgung durch die iranischen Behörden zu befürchten hat und demnach die Flüchtlingseige nschaft we- gen subjektiver Nachfluchtgründe erfüllt. 7. 7.1 Subjektive Nachfluchtgründe sind dann anzunehmen, wenn eine asylsuchende Person erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Ve r- folgung im Sinn von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit subje k- tiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1, BVGE 2009/29 E. 5.1). 7.2 7.2.1 Es ist allgemein beka nnt und unbestritten, dass die iranischen B e- hörden die politischen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen im Ausland überwachen und erfassen. Durch Einsatz moderner Software dürfte es den iranischen Behörden gegebenenfalls auch möglich sein, die im Inte r- net v orhandenen riesigen Datenmengen nach Stichworten zu durchs u- chen. Demzufolge bleibt im Einzelfall zu prüfen, ob die in der Schweiz vorgenommenen exilpolitischen Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erns thafte Nachteile im asylrechtlichen Sinn nach sich ziehen würden. Gemäss Praxis des Bu n- desverwaltungsgerichts (vgl. zum Ganzen BVGE 2009/28 E. 7.4.3) ist dabei davon auszugehen, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzent rieren, die über die massentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vorgenommen haben, welche E-3968/2011 Seite 16 die jeweilige Person aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausstechen und als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner e r- scheinen lassen. 7.2.2 Somit sind für die Einschätzung der Verfolgungsgefahr weniger die Mitgliedschaft in einer exilpolitischen Organisation, die Teilnahme an r e- gimekritischen Demonstrationen und das hierbe i übliche Tragen von Pl a- katen und Rufen von Parolen, sondern eher bestimmte Positionen (z.B. Vorsitzende/r einer Exilgruppe) oder Formen und Einflüsse von Aktionen (z.B. gewaltsamer Protest) von Bedeutung. Massgebend ist dabei nicht Individualisierbarkeit, sondern eine derartige Exponiertheit in der Öffen t- lichkeit, die den Eindruck erweckt, dass der Asylsuchende zu einer G e- fahr für den Bestand des Mullah -Regimes wird. Es darf vorausgesetzt werden, dass die iranischen Sicherheitsbehörden zwischen tatsächlich politisch engagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit ihren A k- tionen in erster Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen, zu unterscheiden vermögen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). 7.3 7.3.1 Vorweg ist festzuhalten, dass es dem Besc hwerdeführer nicht g e- lang, eine Vorverfolgung glaubhaft zu machen. Somit ist nicht davon au s- zugehen, dass er schon vor der Ausreise die Aufmerksamkeit der iran i- schen Behörden in relevantem Ausmass auf sich gezogen hat. Vor di e- sem Hintergrund rechtfertigt sich der Schluss, dass er vor seiner Einreise in die Schweiz durch die iranischen Behörden jedenfalls nicht als staat s- gefährdender Politaktivist registriert war. 7.3.2 Es bleibt somit zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund seine r langjährigen Mitgliedschaft bei der Organisation Hambastegi – die Inter- nationale Föderation Iranischer Flüchtli nge (IFIR) – und seiner exilpoliti- schen Aktivitäten eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten hat. 7.3.3 Davon ist indessen nicht auszugehen, zumal sich aus den im Inte r- net publizierten Fotos – die heute jedoch nicht mehr auf den am 10. Se p- tember 2007 besuchten Seiten ([…]) abrufbar sind – über die Teilnahme des Beschwerdeführers an einer Standaktion in (…), auf keine besondere Exponierung desselben schliessen lassen. Ferner lässt die alleinige Mi t- gliedschaft bei IFIR, welche in zwei Schreiben des Sekretärs des fragl i- chen Vereins vom 15. Mai 2007 und 22. Mai 2007 bestätigt wurde, eben- so wenig einen solchen Schluss zu. E-3968/2011 Seite 17 7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das politische Eng agement des Beschwerdeführers ihn nicht als exponierte exilpolitische Persönlich- keit erscheinen lässt, weshalb nicht darauf zu schliessen ist, er habe ein besonderes Interesse der iranischen Behörden auf sich gezogen. 7.5 Der Vollständigkeit halber ist festzus tellen, dass die iranischen B e- hörden aufgrund der Geheimhaltungspflicht der Schweizer Asylbehörden (vgl. Art. 97 Abs. 1 Satz 2 AsylG) keine Kenntnis davon erhalten werden, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz ein Asylges uch gestellt hat. Schliesslich ist auf die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts hinzuwe i- sen, wonach allein aufgrund der Ausreise oder des Stellens eines Asylge- suchs im Ausland keine flüchtlingsrechtlich erhebliche Verfolgung im Iran zu befürchten ist (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.4 S. 367). 7.6 Die geltend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe sind nicht g e- eignet, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsfurcht zu begrü n- den, weshalb der Beschwerdeführer auch unter diesem Aspekt nicht als Flüchtling im Sinn von Art. 3 AsylG anerkannt werden kann. 8. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die geltend g e- machten Vor- und Nachfluchtgründe das erforderliche Mass an Intensität einer asylrelevanten Verfolgung im Sinne Art. 3 und 7 AsylG nicht zu er- füllen vermögen , weshalb das Vorliegen ein er begründeten Furcht vor Verfolgung zu verneinen ist. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch entspr e- chend abgelehnt. 9. 9.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 10. E-3968/2011 Seite 18 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zul ässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2). 10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslände rs in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) un d der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 10.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde - führers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. E-3968/2011 Seite 19 10.4 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, da ss er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europä i- schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN - Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete G e- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall e i- ner Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Be schwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, m. w. H.). Dies ist ihm nach den vorstehenden Erwägungen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den Wegweisung s- vollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 10.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botscha ft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 10.6 Im Iran besteht keine Situation generalisierter Gewalt, die sich noch dazu über das ganze Staatsgebiet oder weite Teile desselben erstrecken würde. Eine gänzlich un sichere, von bewaffneten Konflikten oder perm a- nent drohenden Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer der Beschwe r- deführer sich bei einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten Gefäh r- dung ausgesetzt sehen würden, besteht mithin nicht. Den Akten sind sodann auch keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Iran aus individuel- len Gründen wirtschaftlicher oder sozialer Natur in eine existenzbedr o- hende Situation geraten würde. Nach Angaben des Beschwerdeführers sei er in I._______ geboren und in D._______ (auf Kurdisch: […]) und H._______ – allesamt Städte im iranischen Kurdistan – aufgewachsen (vgl. A10, S. 3). Seine Familienangehörigen leben nach wie vor in ihrem Haus in H._______, weshalb davon auszugehen ist, das s der Beschwer-E-3968/2011 Seite 20 deführer bei einer Rückkehr in den Iran ein soziales Beziehungsnetz vo r- finden wird, welches ihn bei Bedarf insbesondere bei der Beschaffung von Wohnraum sowie bei der Stellensuche unterstützen könnte. Zudem verfügt der – soweit aktenkundig – gesunde Beschwerdeführer über eine gute Schulbildung ([…]; vgl. A10, S. 3) und Berufserfahrung als (…), wes- halb davon auszugehen ist, dass er in seiner Heimat auf keine wirtschaf t- lichen Schwierigkeiten stossen wird. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung somit auch als zumutbar zu bezeichnen. 10.7 Gemäss Aktenlage ist der Beschwerdeführer sowohl beruflich als auch sozial gut integriert in der Schweiz und hält sich seit Einreichung seines Asylgesuches bereits über fünf Jahre in der Schweiz auf. Fragen der Integration in der Schweiz sind indessen nicht im asylrechtlichen Wegweisungsverfahren, sondern durch die kantonalen Behörden zu pr ü- fen (vgl. Art. 14 Abs. 2 AsylG). Der Kanton kann einer ihm nach Gesetz zugewiesenen Person auf ihr Gesuch hin eine Aufent haltsbewilligung im Sinne eines Härtefalls erteilen. 10.8 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zu - ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not - wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und vgl. dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 10.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagte n fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerde- führer stellte in seiner Rechtsmitteleingabe vom 14. Juli 2011 jedoch ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ( Art. 65 Abs. 1 VwVG), welches E-3968/2011 Seite 21 mit Instruktionsverfügung vom 20. Juli 2011 gutgeheissen wurde. Dem Beschwerdeführer werden somit keine Verfahrenskosten auferlegt. (Dispositiv nächste Seite) E-3968/2011 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Lhazom Pünkang Versand: