B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3094/2014 U r t e i l v o m 6 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren (…), Staat unbekannt, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. Mai 2014 / N (…). D-3094/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin, eigenen Angaben gemäss eine Tibeterin mit letztem Wohnsitz in B._______ (Provinz C._______/Tibet), gab an, die Volksrepublik China am 9. November 2011 verlassen und danach mehre- re Monate in Nepal gelebt zu haben. Sie gelangte am 19. Juni 2012 in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. A.b Bei der Befragung zur Person (BzP) im Empfangs - und Verfahrens- zentrum Kreuzlingen vom 11. Juli 2012 gab die Beschwerdeführerin an, sie habe am Morgen des 6. November 2011 zusammen mit zwei Freu n- den in D._______ Flugblätter geklebt. Am folgenden Tag seien einer di e- ser Freunde namens E._______ und zwei weitere Jugendliche aus B._______ von den Chinesen festgenommen worden. Sie habe deshalb am gleichen Abend ihr Dorf verlassen und sei von ihrem Vat er zu einem Onkel nach F._______ gebracht worden. Am 8. November 2011 sei ein in B._______ lebender Onkel zu ihnen gekommen und habe gesagt, die chinesische Polizei habe zu Hause nach ihr gesucht. Am selben Tag sei sie in einem Lastkraftwagen nach G._______ gereist. A.c Die Beschwerdeführerin wurde vom BFM am 7. April 2014 zu ihren Asylgründen angehört. Sie machte im Wesentlichen geltend, am 3. N o- vember 2011 seien die Dorfbewohner von zwei Angestellten der chines i- schen Verwaltung und zwei Polizisten zusammenger ufen worden. Sie hätten schlecht über den Dalai Lama gesprochen und gesagt, dass ni e- mand ein Bild von ihm aufstellen dürfe. Die Tibeter, die an dieser Ve r- sammlung gewesen seien, seien wütend und traurig gewesen. Einer ihrer Freunde habe vorgeschlagen, dass man "etwas Politisches" machen müsse und sie gefragt, ob sie mitmachen wolle. Er habe vorgeschlagen, dass man Plakate aufhängen könne, was sie in der Nacht des 6. November 2011 getan hätten. Gegen Abend desselben Tages seien zwei Angestellte und zwei Poli zisten aus H._______ gekommen, die die Bevölkerung zusammen gerufen und gesagt hätten, es seien Plakate aufgehängt worden. Könne jemand die Namen der Personen nennen, die dies getan hätten, werde er eine Belohnung erhalten. Am folgenden Tag seien diese Leute wiedergekommen und hätten E._______ und zwei an- dere Männer festgenommen. Sie habe dies von zwei Nachbarinnen e r- fahren, wonach sie ihre Eltern orientiert habe. Da sich ihre Eltern sehr gesorgt hätten, hätten sie ihre Flucht vorbereitet. D-3094/2014 Seite 3 B. Das BFM stellte mit Verfügung vom 23. Mai 2014 – eröffnet am 26. Mai 2014 – fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es ihre Wegwe i- sung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 5. Juni 2014 bea n- tragte die Beschwerdeführerin, die angefochtene Verfügung sei aufzuh e- ben und in der Sache neu zu beurteilen. Es sei ihre Flüchtlingseige n- schaft anzuerkennen und ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei fes tzu- stellen, dass bei ihr subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG vorlägen und ihr sei eine unbefristete vorläufige Aufnahme als Flüchtling zu gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzumutbar und unmöglich sei und die vorläufige Au f- nahme anzuordnen. Es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu gewä h- ren. Die zuständige Behörde sei vorsorglich anzuweisen, die Kontaktau f- nahme mit den Behörden des Heimat - oder Herkunftsstaats sowie jegl i- che Datenweitergabe an d ieselben zu unterlassen. Eventualiter sei sie bei bereits erfolgter Datenweitergabe in einer separaten Verfügung da r- über zu informieren. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren. Der Eingabe lagen mehrere Beweismittel bei (vgl. S. 10 de r- selben). D. Der Instruktionsrichter stellte mit Zwischenverfügung vom 11. Juni 2014 fest, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens gestützt auf Art. 42 AsylG in der Schweiz abwarten. Auf den Antrag, der B e- schwerde sei aufschiebende Wirkung zu gew ähren, trat er demzufolge nicht ein. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG hiess er gut. Er stellte fest, das BFM habe den Vollzug der Wegweisung nach China in der angefochtenen Verf ü- gung ausgeschlossen – die e ntsprechende Disposition habe indessen keinen Eingang in das Dispositiv gefunden –, weshalb der Antrag, die zu- ständige Behörde sei vorsorglich anzuwei sen, die Kontaktaufnahme mit den Behörden des Heimat - oder Herkunftsstaats zu unterlassen, gegen - standslos sei. Der Eventualantrag, die Beschwerdeführerin sei bei bereits erfolgter Datenweitergabe in einer separaten Verfügung darüber zu i n- formieren, sei aufg rund der vorliegende n Konstellation ebenfalls gegen - standslos, zumal den Akten keine Hinweise darauf zu entnehmen seien, D-3094/2014 Seite 4 dass das BFM versuche, mit potentiellen Heimatstaaten Kontakt aufz u- nehmen. Die Akten übermittelte er zur Vernehmlassung an das BFM. E. Das BFM beantragte in se iner Vernehmlassung vom 19. Juni 2014 (Ein- gang Bundes verwaltungsgericht: 24. Juni 2014) die Abweisung der B e- schwerde. Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin vom G e- richt am 24. Juni 2014 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefoch tene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG ; Art 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1 Gemäss Absatz 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012 des Asylgesetzes gilt für die im Zeitpunkt des Inkraf t- tretens der Änderung vom 14. Dezember 2012 dieses Gesetzes hängigen Verfahren mit Ausnahme der Absätze 2–4 das neue Recht. D-3094/2014 Seite 5 2.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgeset zt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Ungla ubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 4.1.1 Das BFM begründete seinen Entscheid damit, dass die Beschwe r- deführerin trotz Aufforderung zur Einreichung von rechtsgenüglichen Re i- se- oder Identitätspapieren beziehungsweise eines Beleges für ihre Ide n- tität nichts eingereicht habe. Ihre Angaben zum Erhalt der Id entitätskarte seien unzutreffend gewesen und die Beschreibung des angeblich von ihr zerrissenen Dokuments sei unvollständig und nur hinsichtlich der Grösse und Beschriftung zutreffend. 4.1.2 Sie habe geltend gemacht, sie könne mit ihrer Familie keinen Ko n- takt aufnehmen, da diese kein mobiles Telefongerät habe, obwohl solche mittlerweile in jedem chinesischen Haushalt zu finden seien. Bezeichne n- derweise habe sie dafür nicht die ausschliesslich in Tibet verwendete B e- zeichnung verwendet, um dann einzuräumen, sie k enne diese Bezeic h- nung nicht. Ihre Behauptung, sie habe in Tibet keine Schule besucht, D-3094/2014 Seite 6 womit sie die für eine chinesische Staatsangehörige dürftigen Chinesisch- Kenntnisse zu erklären versuche, widerspreche der seit den 90er Jahren geltenden allgemeinen Sch ulpflicht, die von den chinesischen Behörden durchgesetzt werde. Tatsachenwidrig sei die Behauptung, ihre Absenz von der Schule habe für ihre Eltern keine Konsequenzen gehabt, obwohl fehlbare Eltern gebüsst würden. Schliesslich widerspreche auch die Art und Weise, wie sie das Personalienblatt ausgefüllt habe, ihrer Behau p- tung, sie habe nie die Schule besucht. Bei einer Person, die vornehmlich zu Hause geblieben und den Eltern im Ackerbau geholfen haben wolle, dürften fundierte Kenntnisse der Landwirtschaft vorausgesetzt werden. Ihre Angaben dazu seien indessen substanzlos gewesen. Ferner hätte angesichts ihres auf das Dorf und die Umgebung beschränkten Aufen t- halts eine solide Kenntnis der Benennungen dieses Lebensraums erwa r- tet werden dürfen. Es erstaune des halb nicht, dass sie dem Vorhalt, vi e- les spreche dafür, dass sie nicht aus Tibet komme, nichts Substanzielles habe entgegnen können. 4.1.3 Die Feststellung, dass sie nicht in dem von ihr behaupteten geogr a- fischen Raum gelebt habe, entziehe den geltend gemachte n Asylgründen und den geltend gemachten Umständen ihrer Ausreise jegliche Grundl a- ge. Sie sei eine plausible Erklärung dafür schuldig geblieben, weshalb sie überhaupt zum ersten Mal und gerade am 6. November 2011 die Flu g- blattaktion gestartet habe. Sie habe erst bei der Anhörung den Besuch der Gemeindeangestellten in ihrem Dorf und deren abfällige Bemerku n- gen über den Dalai Lama dafür verantwortlich gemacht. Die Aktion selber, die Vorbereitungen dazu und die getroffenen Sicherheitsmassnahmen, habe sie nicht glaubhaft schildern können. Auch die Aussagen zur angeb- lich illegalen Ausreise seien unglaubhaft. Eine Ausreise in der von ihr g e- nannten kurzen Zeit sei als realitäts fremd einzustufen und ihre Reis e- schilderungen erweckten nicht den Eindruck, als fussten si e auf Selbster- lebtem. 4.1.4 Das Bundesverwaltungsgericht habe in seinem Leitentscheid BVGE 2009/29 festgehalten, dass illegal ausgereiste Tibeterinnen verdächtigt würden, den Dalai Lama zu unterstützen und somit Gefahr liefen, als O p- positionelle zu gelten. Die Hauptsozialisation der Beschwerdeführerin sei nicht in Tibet erfolgt, weshalb nicht davon auszugehen sei, sie habe Ch i- na illegal verlassen. Deshalb lägen keine subjektiven Nachfluchtgründe vor. Die Aussagen der Beschwerdeführerin seien nicht geeignet, die an- gegebene Staatsangehörigkeit glaubhaft zu machen. Allein die Tatsache, dass sie Tibetisch spreche und wahrscheinlich tibetischer Ethnie sei, stel-D-3094/2014 Seite 7 le keinen hinreichenden Beweis dafür dar, dass sie chinesische Staat s- angehörige sei. Auch wenn zahlreiche Tib eter ihre chinesische Staatsa n- gehörigkeit im Exil behielten, sei darauf hinzuweisen, dass insbesondere Tibeter aus Indien vermehrt die indische Staatsangehörigkeit beantragten und auch erhielten. 4.2 4.2.1 In der Beschwerde wird geltend gemacht, es sei für Tibeter schwie- rig, Reisedokumente zu erhalten. Es sei nicht erstaunlich, dass sie die Identitätskarte nicht ausreichend habe beschreiben können, da es nicht möglich sei, sich an alle Details zu erinnern. Ihre Familie besitze tatsäc h- lich kein Mobiltelefon. Die sei t den 90er Jahren geltend Schulpflicht sei nie vollumfänglich durchgesetzt worden. Sie könne kein Chinesisch, da in ihrem Dorf keine Chinesen gelebt hätten und sie die Sprache nie g e- braucht habe. Nachdem sie im November 2011 nach Nepal gekommen sei, habe sie Englisch gelernt, weshalb sie das Personalienblatt ausgefüllt habe. Sie sei ni cht gefragt worden, ob sie englisch oder tibetisch könne, sonst hätte sie geantwortet, dass sie in Nepal ein wenig Englisch gelernt habe. Sie habe nach bestem Wissen Angaben zu ihrem Lebensraum g e- macht, weshalb für sie nicht nachvollziehbar sei, warum ihre Aussagen substanzlos seien. Sie sei unter ungeheurem Druck geflohen; es sei nicht einfach gewesen, ihre Eltern in Tibet zurückzulassen. In einer solchen Si- tuation verliere man schnell das Zeitbewusstsein, weshalb sie auch keine Zeitangaben habe machen können. Sie könne ihre Familie in Tibet nicht kontaktieren, da diese dadurch zusätzlich gefährdet würde. 4.2.2 Da die Beschwerdeführerin eine Tibeterin aus China sei, sei sie durch ihre Flucht zum Flüchtling geworden. Sie verweise in diesem Z u- sammenhang auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 1 E. 6.1. ff. Sie habe China i l- legal und ohne Reisepass verlassen und sei in die Schweiz gereist, we s- halb ihr begründete Furcht im Sinn von Art. 3 AsylG zuzubilligen sei. Es lägen subjektive Nachfluchtgründe vor, weshalb die Vorinstanz ihre Flüchtlingseigenschaft zu Unrecht verneint habe. 5. 5.1 Glaubhaft sin d die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesen t- lichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Log ik entbeh- ren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung wide r-D-3094/2014 Seite 8 sprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbri n- gen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamt- würdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 5.2 5.2.1 Einleitend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin bis zum heutigen Zeitpunkt keinerlei Reise - oder Identitätspapiere zu den Akten gab, die es erlauben würden, verbindliche Rückschlüsse über ihre Ident i- tät zu geben. Es liegen auch keine weiteren Dokume nte vor, die zumi n- dest Hinweise auf ihre wahre Identität geben könnten. Gemäss Art. 8 AsylG obliegt es den Asylsuchenden im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht unter anderem, ihre Identität offen zu legen und Reisepapiere und Ident i- tätsausweise abzugeben. Die in der Beschwerde abgegebene Erklärung, die Beschwerdeführerin habe ihre Familie nicht kontaktieren können, da diese einerseits über keine Mobiltelefone verfüge, anderseits durch eine Kontaktnahme gefährdet würde, vermag nicht zu überzeugen. Da die Be- schwerdeführerin in Tibet mehrere Verwandte hat, erscheint ihre Angabe, keiner dieser Verwandten verfüge über ein Telefon, als nicht plausibel. Ih- ren fragwürdigen Angaben gemäss seien ihre Eltern in der Lage gew e- sen, innerhalb eines Tages ihre Ausreise nach Nep al zu organisieren, weshalb diese auch in der Lage sein müssten, ihr Dokumente zukommen zu lassen, die Rückschlüsse über ihre Identität zuliessen. Aufgrund des Verhaltens der Beschwerdeführerin, d ie eigenen Angaben gemäss ihre Identitätskarte zerriss, obwohl sie sich bewusst sein musste, dass sie sich im Ausland auszuweisen hat, und sich offenbar nicht um die Beschaffung von Identitätsdokumenten oder anderen Dokumenten bemühte (act A7/11 S. 6, A15/17 S. 2) , die Hinweise auf ihre Identität geben könnten, beste- hen gewichtige Zweifel an ihrer Identität und damit am von ih r geltend gemachten Lebenslauf. Daran vermag der Hinweis in der Beschwerde, es sei für Tibeter allgemein schwierig, Papiere zu organisieren, was der Aus-D-3094/2014 Seite 9 kunft der Länderanalyse der Schweizerisch en Flüchtlingshilfe (SFH) vom 4. März 2013 und den Berichten von Radio Free Asia vom 20 . Januar 2013 sowie The Washington Post vom 23. Januar 2013 zu entnehmen sei, nichts zu ändern, da es vorliegend nicht nur um das Ausstellenlassen und Beibringen von Identitätspapieren, sondern auch um das Beschaffen respektive Beibringen anderer Dokumente geht. 5.2.2 Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung berechtigterweise darauf hingewiesen, dass die Tatsache, wonach die Beschwerdeführerin das Personalienblatt (act. A1/2) selbständig auszufüllen vermochte, nicht mit der von ihr geschilderten Lebensgeschichte in Übereinstimmung zu bringen ist. Die Behauptung in der Beschwerde, sie sei nicht gefragt wor- den, ob sie englisch oder tibetisch könne, weshalb sie ihre in Nepal e r- worbenen Englischkenntnisse nicht erwähnt habe, ist unzutreffend. Bei der BzP wurde erhoben, welches ihre Muttersprache ist, welche Spr a- chen sie so gut beherrsche, dass eine Anhörung in derselben durchg e- führt werde könnte, und welche weiteren Sprachkenntniss e sie habe. Sie bezeichnete das Tibetische als ihre Muttersprache und gab an, sie ve r- stehe nur wenig Chinesisch, da sie nie in der Schule gewesen sei (act. A7/11 S. 3 f.). Englischkenntnisse erwähnte sie nicht. Bei der BzP wurde sie gefragt, ob sie das ihr in tibetischer Sprache ausgehändigte Merkblatt (act. A2/1) verstanden habe, was sie unter Hinweis darauf, sie könne nicht gut lesen, verneinte (act. A7/11 S. 2). Allerdings spricht die Tats a- che, dass sie das Personalienblatt selbständig ausfüllte und dabei sowohl in der tibetischen als auch in der arabischen Schrift (in englischer Spr a- che) offenbar mühelos die gewünschten Angaben machen konnte, gegen ihre Angabe, sie habe die Schule nicht besucht und könne nicht gut l e- sen. Die Angabe in der Beschwerde, sie habe während ihres – rund achtmonatigen – Aufenthalts in Nepal etwas Englisch gelernt, vermag j e- denfalls nicht zu erklären, weshalb sie die im Merkblatt gestellten Fragen verstanden hat und die Antworten in zwei Schriften niederschreiben konn- te. Damit ist auch gesagt, dass das Bundesverwaltungsgericht die Au s- sage der Beschwerdeführerin, sie habe nie die Schule besucht und könne kaum lesen, als unglaubhaft erachtet. 5.2.3 Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung des Weiteren berech- tigterweise darauf hingewiesen, dass die Angaben der Beschwerdeführ e- rin zum Erhalt ihrer Identitätskarte, die sie nach ihrer Ausreise aus China zerrissen haben will, teilweise unzutreffend und zudem vage sind. Sie hat auch hinsichtlich der Plakatklebeak tion wenig konkrete und detailarme Angaben gemacht und den Anlass, aufgrund dessen es zur Aktion g e-D-3094/2014 Seite 10 kommen sei, bei der BzP nicht ansatzweise erwähnt. Die beiden Besuche von Verwaltungsbeamten und Polizisten in ihrem Dorf, die mithin Grund für die Plakatklebeaktion und Vorboten der geltend gemachte Festnahme von E._______ und zwei weiteren Personen waren, wäre n wesentliche Bestandteile der Verfolgungsgeschichte gewesen, weshalb hätte erwartet werden dürfen, dass sie von der Beschwerdeführerin bei der BzP zum in- dest kurz erwähnt worden wären. Hinsichtlich der Festnahme des Anfü h- rers der Gruppe machte sie zudem abweichende zeitliche Angaben (act. A7/11 S. 7 f. und A15/17 S. 8) , indem sie bei der BzP zweimal angab, dieser sei am Vormittag festgenommen worden, während dem sie bei der Anhörung sagte, dies habe sich am Nachmittag zugetragen. 5.2.4 Schliesslich bekräftigen auch die Aussagen der Beschwerdeführerin zur Vorbereitung ihrer Ausreise aus China und dem Verlauf der Reise die Zweifel an der geltend gemachten Verfolgungsgeschichte. Ihren Angaben gemäss waren ihre Eltern zeitlebens als Bauern in einem abgelegenen Dorf tätig und haben zudem Geld als Taglöhner verdient (act. A15/17 S. 3, 5, 6). Sie will ihre Eltern am Nachmittag des 7. November 2011 davon orientiert habe n, dass sie am Vortag an einer Plakatklebeaktion teilg e- nommen habe, in deren Folge im Dorf drei Personen festgenommen wor- den seien. Angesichts dieser Ausgangslage erscheint es unwahrschei n- lich, dass die Beschwerdeführerin China bereits am 8. November 2011 mit einem Schlepper hätte verlassen können, da die Vorbereitung einer il- legalen Ausreise erfahrungsgemäss eine gewisse Zeit beansprucht und namentlich zuerst Verbindung zu einer Schlepperorganisation aufg e- nommen werden muss. Den Akten sind keine Anhaltspun kte dafür zu entnehmen, dass sich ihre Eltern bereits vorgängig mit der Ausreise ihrer Tochter beschäftigt hätten, weshalb es ihn en nicht möglich gewesen w ä- re, diese innerhalb weniger Stunden zu organisieren. In diesem Zusam- menhang hat das BFM zudem zu Rec ht festgehalten, dass die Ausfü h- rungen der Beschwerdeführerin zum Reiseweg wenig anschaulich und teilweise widersprüchlich waren. 5.2.5 Angesichts der vorstehend nicht abschliessend genannten Ung e- reimtheiten und Widersprüche in den Aussagen de r Beschwerdeführerin, ist der Schluss zu ziehen, dass es ihr nicht gelungen ist, die ih r seitens der chinesischen Sicherheitskräfte drohende Verfolgung aufgrund der Teilnahme an einer politisch motivierten Plakatklebeaktion glaubhaft zu machen. D-3094/2014 Seite 11 5.3 Das Bundesverwaltungsgericht e rachtet die vom BFM geäusserten Zweifel an der Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführerin, sie habe bis im November 2011 in Tibet gelebt, in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen als begründet. Damit ist es ihr nicht gelungen, eine ihr in T i- bet unmittelbar drohende Verfolgungsgefahr glaubhaft zu machen. Es ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie ihre wahre Herkunft verschweigt, um eine Rückschaffung in ihr tatsächliches Herkunftsland zu erschweren beziehungsweise zu verhindern. 5.4 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin zufolge subjektiver Nach- fluchtgründe eine Verfolgung im Sinn von Art 3 AsylG zu befürchten hat. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist davon au s- zugehen, dass illegal ausgereiste Asylsuchende tibetischer Ethnie bei e i- ner Rückkehr in die Volksrepublik China oppositioneller politisch-religiöser Anschauungen verdächtigt werden und aus diesem Grund mit flüchtling s- rechtlich relevanter Verfolgung zu rechnen haben (vgl. BVGE 2009/29 E. 6.5). Dies gilt auch für legal ausgereiste Asylsuchende, sofern sie ihren (länger als erlaubten) Auslandaufenthalt voraussichtlich nicht überze u- gend erklären respektive den chinesischen Behörden nicht glaubhaft da r- legen können, keine Kontakte zu Dalai -Lama-loyalen exiltibetischen Krei- sen gehabt zu haben (vgl. a.a.O. E. 6.6). Vorliegend ist aufgrund der g e- samten Aktenlage zu schliessen, die Beschwerdeführerin habe vor ihrer Einreise in die Schweiz in einem Land ausserhalb der Volksrepublik Ch i- na gelebt, weshalb weder von e iner illegalen noch von einer legalen Aus- reise aus der Volksrepublik China ausgegangen werden kann. Somit sind die in BVGE 2009/29 gemachten Ausführungen und Schlussfolgerungen auf den konkreten Fall nicht anwendbar. Es ist mithin nicht vom Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe auszugehen. 5.5 Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass die Beschwerd e- führerin keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder z u- mindest glaubhaft zu machen vermag und deshalb nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingse i- genschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). D-3094/2014 Seite 12 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Bezüglich des Wegweisungsvollzugs stellt sich das BFM auf den Standpunkt, die Beschwerdeführerin habe die geltend gemachte Staats - angehörigkeit nicht glaubhaft machen können, weshalb diese als "unb e- kannt" zu gelten habe. Das Bundesverwaltungsgericht erachtet diese A r- gumentation als überzeugend. 7.2 Die Fragen der Zulässigkeit, der Zumutbarkeit und der Möglichkeit e i- nes Wegweisungsvollzugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, die Un- tersuchungspflicht findet ihre Grenzen aber an der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin. Es ist in der Tat nicht Sache der Behörden, bei fe h- lenden – oder wie vorliegend gar vorenthaltenen – Hinweisen nach e t- waigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunft s- ländern zu forschen. Vermutungsweise ist davon auszugehen, einer Wegweisung stünden keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entgegen. 7.3 Es obliegt der Beschwerdeführerin, sich die für eine Rückkehr alle n- falls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. 7.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 7.5 Da die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen tibetischer Ethnie ist und dadurch auch die Möglichkeit nicht auszuschliessen ist, dass sie die chinesische Staatsangehörigkeit besitzt, ist vorliegend der Wegwe i- sungsvollzug nach China auszuschliessen, da ihr dort g egebenenfalls ei- ne Refoulement -Verletzung droht. Die entsprechende Feststellung des BFM ist demnach zu bestätigen. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig D-3094/2014 Seite 13 sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde und die eingereichten B e- weismittel im Einzelnen einzugehen, da sie an der Würdigung des vorli e- genden Sachverhalts nichts zu ändern vermö gen. Die Beschwerde i st abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerd e- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr mit Zwischenverf ü- gung vom 11. Juni 2014 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gew ährt wurde und sich an den entsprechenden Vorau s- setzungen nichts geändert hat, sind keine Verfahrenskosten aufzuerl e- gen. (Dispositiv nächste Seite) D-3094/2014 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Ein Wegweisungsvollzug nach China wird ausgeschlossen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand: