B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4205/2012 U r t e i l v o m 2 2 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Kazim Mohamed Ali, Advokatur Kanonengasse, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 16. Juli 2012 / N (…). D-4205/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Antrag vom 8. August 2007 ersuchte der Beschwerdeführer unter der Identität A._______ die Schweizer Behörden in Colombo um die Ausste l- lung eines Visums. Das Gesuch wurde am 9. August 2007 abgelehnt. B. B.a Der Beschwerdeführer stellte am 8. Februar 2009 bei den Grenzb e- hörden am Flughafen C._______ unter der Identität A._______ ein Asyl- gesuch. Der von ihm mitgeführte sri-lankische Reisepass, ausgestellt auf den Namen B._______, wurde vom Fachdienst Grenzkontro l- le/Ausweisprüfung der Kantonspoli zei C._______ am gleichen Tag einer Analyse unterzogen. Dabei konnten keine objektiven Fälschungsmerkma- le festgestellt werden. B.b Mit Verfügung vom 8. Februar 2009 verweigerte das BFM dem B e- schwerdeführer die Einreise in die Schweiz und wies ihm für die Dauer des weiteren Asylverfahrens den Transitbereich des Flughafens C._______ als Aufenthaltsort zu. B.c Am 11. Februar 2009 wurde der Beschwerdeführer zu seinem Asy l- gesuch befragt (Kurzbefragung) und am 19. Februar 2009 angehört (An- hörung). B.d Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer anlässlich der Befr a- gungen geltend , er heisse A._______, er sei Tamile , stamme aus D._______ (Distrikt Jaffna) und habe mit seiner Familie in E._______ (Distrikt Jaffna) gelebt. Im Jahre 2006 sei er von den LTTE (Liberation Ti- gers of Tamil Eelam) aufgefordert worden, an einem Training teilzune h- men. Nachdem er sich einmal zusammen mit seinem Freund F._______ in ihr Trainingscamp begeben habe, um sich das Training anzuschauen, habe man ihn erneut angehalten , daran teilzunehmen, was er jedoch ab- gelehnt habe. Da er als G._______ gearbeitet habe, sei von ihm verlangt worden, dass er einigen LTTE -Mitgliedern die Haare sc hneide, was er auch getan habe. Kurz darauf sei er noch einmal ins Trai ningscamp ge- gangen und habe dort verschiedenen Leuten die Haare geschnitten, nachdem er von den LTTE erneut dazu aufgefordert worden sei. Etwas später sei sein Freund F._______, der regelmässig am Training bei den LTTE teilgenommen habe, von Leuten in einem weissen Van entführt und verhört worden, wobei er auch seinen (des Beschwerdeführers) Namen genannt habe. In der Folge hätten sich Unbekannte in einem weissen Van D-4205/2012 Seite 3 in seiner Abwesenheit im O._______ seines Onkels, wo er normalerweise gearbeitet habe, an drei aneinander folgenden Tagen nach ihm erkundigt. Sein Onkel habe ihm davon erzählt und ihm gesagt, er solle für einige Ta- ge nicht zur Arbeit kommen. Im Juli 2006 sei er einmal zu Hause von U n- bekannten in einem weissen Van gesucht worden. Während es ihm g e- lungen sei, das Haus auf der Rückseite zu verlassen, hätten d ie unb e- kannten Leute seine Mutter erschossen. Daraufhin habe er sich bei se i- nem Onkel in H._______ (Distrikt Jaffna) versteckt. Da sich Unbekannte ein paar Mal bei seinem Onkel nach ihm erkundigt hätten, habe er sich im September 2008 zusammen mit seinem Onkel nach Colombo begeben, wo sie im Haus eines Freundes seines Onkels gewohnt hätten. Dort sei er am 5. September 2008 von Mitarbeitern des CID (Criminal Investigati- on Department) festgenommen und mitgenommen worden; man habe ihn verhört und misshan delt. Es sei ihm vorgewor fen worden, Kontakte zu den LTTE zu haben und nach Colombo gekommen zu sein , um eine Bombe zu legen. Nachdem sein Onkel Geld für seine Freilassung bezahlt habe, sei er am 4. Oktober 2008 unter der Auflage, sich wöchentlich zu melden, freigelassen worden. Am 5. Februar 2009 sei er mit der Hilfe e i- nes Schleppers unter Verwen dung eines fremden Reisepasses (lautend auf den Namen B._______) von Colombo nach Oman geflogen, von wo er zwei Tage später via Dubai nach Zürich weitergereist sei. Bezüglich der weiteren Aussagen des Beschwerdeführers wird auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. B.e Am 26. Februar 2009 bewilligte die Vorinst anz dem Beschwerdefü h- rer die Einreise in die Schweiz zur Prüfung seines Asylgesuchs. B.f Im Verfahren vor de r Vorinstanz reichte der Beschwerdeführer – ne- ben dem bereits erwähnten sri-lankischen Reisepass (vgl. B .a) – unter anderem die folgenden Be weismittel ein: Die Kopie einer sri -lankischen Identitätskarte, lautend auf den Namen A._______, eine fremdsprachige Geburtskurkunde (in Kopie; inklusive deutsche Übersetzung), eine fremd- sprachige Todesbescheinigung (in Kopie; inklusive deutsche Überset- zung), die deutsche und englische Übersetzung einer Geburtsurkunde sowie zwei englischsprachige Bestätigungsschreiben (in Kopie). C. Mit Verfügung vom 16. Juli 2012 – eröffnet am 19. Juli 2012 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug. D-4205/2012 Seite 4 Das BFM hielt in seiner Verfügung im Wesentlichen fest, die Sachve r- haltsvorbringen des Beschwerdeführers wirkten konstruiert und wü rden Ungereimtheiten aufweisen. Seine Behauptung, von unbekannten Leuten im weissen Van gesucht worden zu sein, weil ein Freund, der bei den LTTE Trainings besucht habe, ihn verraten habe, sei nicht glaubhaft, da auf Grund seiner Sachverhaltsdarstellung hervorgehe, dass es sich hier lediglich um eine Vermutung handle, und nicht um eine wahre Tatsache. Seine Vorbringen bezüglich seiner Mutter seien ebenfalls als unglaubhaft zu beurteilen. So könne nicht geglaubt werden, dass der Beschwerdefüh- rer in Colombo festgenommen worden sei, um ihn über die Umstände, wie seine Mutter mehr als zwei Jahre zuvor zu Tode gekommen sei, au s- zufragen. Dies insbesondere deshalb, weil die Mutter angeblich von Ko l- laborateuren der sri -lankischen Sicherheitskräfte e rschossen worden sei und aus seinen Darstellungen nicht hervorgehe, dass seine Mutter ein besonders Profil aufweisen würde, welches für die sri -lankischen Behör- den von Belang sein könnte. Im Weiteren erstaune, dass der Beschwe r- deführer habe erzählen können, was sich zwischen den Unbekannten im weissen Van und der Mutter abgespielt habe, obwohl er zu diesem Zei t- punkt auf der Flucht gewesen und die Mutter nach seiner Darstellung bei dieser Begegnung erschossen worden sei. Nach diese r Darstellung habe er gar nicht wissen können, was sich tatsächlich abgespielt habe. Zudem seien seine Angab en bezüglich seines Aufenthalts in Sri Lanka wide r- sprüchlich ausgefallen. Ferner sei es nicht glau bhaft, dass er lediglich den Rufnamen des Freundes seines Onkels kenne, bei dem er fünf M o- nate bis zur Ausreise aus Sri Lanka in Colombo gewohnt habe. Im Übr i- gen sei im Asylverfahren die Feststellung der Identität ein wesentlicher Bestandteil der Sachverhaltsermittlung. Die Angaben des Beschwerd e- führers zu seiner Identität seien aber widersprüchlich ausgefallen. So sei er mit einem echten, gültigen sowie heimatlichen Reisepass in die Schweiz eingereist, auf dessen Passfoto der Beschwerdeführer zu e r- kennen sei, der aber andere Personalien aufweise, als sie der Beschwer- deführer von sich behauptet habe beziehungsweise im Rahmen des Asylgesuches angegeben habe. Er habe im Rahmen des rechtlichen G e- hörs dazu nicht Stellung bezogen, sonder n lediglich Kopien mit deu t- schen Übersetzungen von Geburtsurkunden, Todesurkunden und Ident i- tätskarten von sich und seinen Eltern eingereicht. Hierbei handle es sich jedoch nicht um rechtsgenügliche Ausweisschriften, welche einen Nac h- weis seiner Identität im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen darstellten. Im Rahmen seines Visumsg esuchs im August 2007 auf der Schweizer Botschaft in Colombo habe er einen sri -lankischen Reisepass vorgelegt, der auf dieselbe Identi tät gelautet habe, die er im Rahmen des Asylg e-D-4205/2012 Seite 5 suchs angegeben habe. Somit stünden weder seine Identität noch die Reisemodalitäten fest. Darüber h inaus könne dem Visumsgesuch vom August 2007 entnommen werden, dass er sich als Student in Colombo aufhalte. Diesen Sachverhalt habe er jedoch im Rahmen seines Asylg e- suchs nicht geltend gemacht. Angesichts dieser widersprüchlichen Anga- ben zu seiner Identität und Herkunft bestünden auch unter diesem Blic k- winkel erhebliche Zweifel an seinen Asylvorbringen. Es seien somit Be- denken am Wahrheitsgehalt der Vorbringen des Beschwerdeführers vor- handen, weshalb der Eindruck bestehe, dass es sich hier um eine ko n- struierte Geschichte handle, die er nicht tatsächlich erlebt habe. An dieser Einschätzung vermöchten auch die eingereichten Beweismittel nicht s zu ändern. Da zu der von ihm behaupteten Identität rechtgenü gliche Identi- tätsdokumente fehlten und die Beweismittel lediglich in Kopie vorhanden seien, entfalle ohnehin deren Beweiskraft. Die Vorbringen des Beschwer- deführers hielten daher den Anforderungen an die Gla ubhaftigkeit g e- mäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 2 6. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Über- dies sei der Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die weitere Begründung wird auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen. D. Mit Beschwerde vom 10. August 2012 an das Bundesverwaltungsgericht liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter in materieller Hinsicht beantragen, es se i die Verfügung der Vorinstanz aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewäh ren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuch te der Beschwerde- führer um Gewähr ung der unentgeltlichen Rechtspflege mit unentgeltl i- cher Verbeiständung durch den Unterzeichnenden sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Auf die Begründung der B e- schwerde wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erw ä- gungen eingegangen. Mit der Beschwerde wurden eine sri-lankische Identitätskarte im Original, lautend auf den Namen A._______ (bereits früher in Kopie eingereicht) , eine beglaubigte Kopie einer fremdsprachigen Todesbescheinigung (eine Kopie davon wurde bereits früher eingereicht), vier englischsprachige Bestätigungsschreiben (teilweise bereits früher in Kopie eingereicht) s o- wie eine Fürsorgebestätigung vom 3. August 2012 zu den Akten gereicht. D-4205/2012 Seite 6 E. Im Auftrag des Instruktionsrichters wurde die m it der Rechtsmittelschrift eingereichte sri-lankische Identitätskarte vom Urkundenlabor des Fore n- sischen Instituts der Kantons- und Stadtpolizei C._______ am 17. August 2012 einer Ausweisprüfung unterzogen. Dabei konnten keine objektiven Fälschungsmerkmale festgestellt werden. F. Mit V erfügung des Instruktionsrichters des Bundesverwaltungsge richts vom 31. August 2012 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe . Gleichzeitig verfügte der Instruktionsrichter, dass auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses verzichtet, über das Gesuch um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) im Endentscheid befunden und das Gesuch um unentgeltliche Recht s- verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG abgewiesen werde. Zudem wurde die Vorinstanz eingeladen, bis zum 17. September 2012 eine Vernehmlassung einzureichen. G. In ihrer Vernehmlassung vom 19. September 2012 hielt die Vorinstanz an der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der B e- schwerde. H. Mit Eingabe vom 5. November 2012 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter die Kopien zweier fremdsprachiger Gebur tsurkun- den zu den Akten reichen (teilweise bereits früher eingereicht). I. Mit Verfügung vom 8. Januar 2013 stellte der Instruktionsrichter dem B e- schwerdeführer die Vernehmlassung der Vorinstanz vom 19. September 2012 zu r Kenntnisnahme zu. Gleichzeitig brachte der Instruktionsricht er das Untersuchungsergebnis des Urkundenlabors des Forensischen Insti- tuts der Kantons - und Stadtpolizei C._______ vom 17. August 2012 betreffend die eingereichte sri-lankische Identitätskarte dem Beschwerde- führer – unter Abdeckung gewisser Stellen aus Geheimhaltungsgrün den – zur Kenntnis. D-4205/2012 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerd en gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgeri cht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [ BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahmekonstellation liegt nicht vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der B e- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist so- mit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Bezüglich der Identität des Beschwerdeführers ist vorab Folgendes fes t- zuhalten: Er macht im vorliegenden Verfahren geltend, er heisse A._______ und sei am (…) geboren, was er unter anderem mit der Ei n- reichung einer sri-lankischen Identitätskarte, bei der keine objektiven F äl- schungsmerkmale festgestellt werden können, sowie mit Kopien von Ge- burtsurkunden untermauert. Dem widersprechend gab er anlässlich der Einreichung seines Asylgesuchs einen sri -lankischen Reisepass, lautend D-4205/2012 Seite 8 auf die Identität B._______, geboren am (…), zu den Akten, bei dem ebenfalls keine objektiven Fälschungsmerkmale festgestellt wer den kön- nen. Dazu führte der Beschwerdeführer aus, diesen Pass habe er bei der Ausreise von seinem Schlepper erhalten, gleichzeitig habe er ihm seinen eigenen ausgehän digt. Da diese s Vorbringen zumindest plausibel e r- scheint sowie aufgrund der eingereichten Beweismittel (Identitätskarte, Kopien von Geburtsurkunden, etc.) ist davon auszugehen, dass die rich- tige Identität des Beschwerdeführers auf A._______, geboren am (…), lautet. Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob er gestützt auf die von ihm im vorliegenden Asylverfahren geltend gemach ten Verfolgungsvorbringen die Flüchtlingseigenschaft erfüllt und ihm Asyl zu gewähren ist. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer b e- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, so l- chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psych ischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.2 Das BFM begründete seinen ablehnenden Entscheid im Wesentlichen mit der fehlenden Glaubhaftigkeit der Verfolgungsvorbringen des B e- schwerdeführers (Art. 7 AsylG). 4.3 Da das Bundesverwaltungsgericht an die rechtliche Begründung der vorinstanzlichen Verfügung nicht gebunden ist (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG), kann es eine angefochtene Verfügung im Ergebnis gleich belassen, di e- ser aber eine andere Begründung zu Grunde legen (Motivsubstitution). Diese Möglichkeit der Motivsubstitution ist im Grundsatz der Rechtsa n-D-4205/2012 Seite 9 wendung von Amtes wegen begründet (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwa l- tungsgericht, Basel 2008, S. 181 Rz. 3.197). Im vorliegenden Fall nimmt das Bundesverwaltungsgericht eine Motivsubstitution im erwähnten Sinne vor und würdigt nachstehend die Verfolgungsvorbringen des Beschwe r- deführers nicht unter dem Gesichtspunkt der Glaubhaftigkeit, sondern un- ter demjenigen der Asylrelevanz. 4.4 Vorab ist festzuhalten, dass zur Bestimmung der Flüchtlingseige n- schaft – als Grundvoraussetzung der Asylgewährung – grundsätzlich die- jenige Situation relevant ist, wie sie sich im Zeitpunkt des Entscheides darstellt. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zw i- schen Ausreise und Asylentscheid sind zugunsten und zulasten der ein Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.3, BVGE 2008/4 E. 5.4). 4.5 4.5.1 Der Beschwerdeführer bringt zur Begründung seines Asylgesuchs einerseits vor, er sei am 5. September 2008 von Mitarbeitern des CID festgenommen, verhört und misshandelt worden. Es sei ihm vorgeworfen worden, er habe Kontakte zu den LTTE , und er sei nach Colombo g e- kommen, um eine Bombe zu legen. Nachdem sein Onkel Geld für seine Freilassung bezahlt habe, sei er am 4. Oktober 2008 unter der Auflage, sich wöchentlich zu melden, freigelassen worden. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka würde man ihn bereits am Flughafen festnehmen und dann zum CID bringen. 4.5.2 Bezüglich dieser geltend gemachten Verfolgungsvorbringen ist fest- zustellen, dass diese nicht asylrelevant sind. Soweit der Beschwerdefüh- rer (sinngemäss) vorbringt, er befürchte, bei einer Rückkehr nach Sri Lanka vom CID weiterhin als LTTE-Unterstützer verdächtigt und des we- gen bereits am Flughaften verhaftet und inhaftiert zu werden, ist Folge n- des festzuhalten: Die Sicherheits - und Menschenrechtslage hat sich in Sri Lanka seit dem Ende des Bürgerkrieges im Mai 2009 erheblich ve r- bessert. Aus Quellen und Berichten unabhängig er Institutionen und O r- ganisationen geht hervor, dass die Wahrscheinlichkeit einer konkreten asylrechtlich relevanten Gefährdung (auch) zum heutigen Zeitpunkt ein entsprechendes Profil der betreffenden Person voraussetzt. Dabei ist der Umstand allein, dass ein Angehöriger der tamilischen Ethnie im Zeitraum vor dem Ende des Bürgerkriegs mit den LTTE in Kontakt kam, nicht als ausreichendes Kriterium für eine solche Gefährdungswahrscheinlichkeit D-4205/2012 Seite 10 aufzufassen. Aufgrund der in den ehemals von den LTTE kontrollier ten Gebieten von dieser Organisation aufgebauten Strukturen ist vielmehr davon auszugehen, dass praktisch die gesamte dortige Bevölkerung in bestimmter Weise entsprechende Kontakte aufwies (vgl. anstelle vieler etwa Amnesty International [AI], Report 2012, London 2012, S. 314 ff. [AI- Index: POL 10/001/2012]; dies., Sri Lanka: Locked away: Sri Lanka's s e- curity detainees, London 2012 [AI -Index: ASA 37/003/2012]; Human Rights Watch, World Report 2012, New York 2012, S. 388 ff.; International Crisis Group, Sri Lanka's North I: The Denial of Minority Rights, Crisis Group Asia Report N°219, Colombo/Brüssel 2012; Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH), Sri Lanka: Situation für aus dem Norden oder O s- ten stammende TamilInnen in Colombo und für RückkehrerInnen nach Sri Lanka, Bern 2011). Bezüglich des Beschwerdeführers ist festzustellen, dass er gemäss seinen Angaben zwei mal in einem LTTE -Trainingscamp die Haare mehrerer LTTE -Mitglieder geschnitten hat. Zudem will er von den LTTE aufgefordert worden sein, an einem Training teilzunehmen, was er jedoch nicht getan habe. Aus diesen Angaben geht hervor, dass er vor seiner Ausreise aus Sri Lanka zwar gewisse Kontakte mit den LTTE au f- wies, diese Kontakte jedoch nicht in wesentlicher Weise über das hinaus gingen, was ein g rosser Teil der lokalen Bevölkerung in den nördlichen und östlichen tamilischen Siedlungsgebieten Sri Lankas in jenem Zei t- raum erlebte. Eine besondere persönliche Exponiertheit, die auch zum heutigen Zeitpunkt zu einer spezifischen Gefährdung des Beschwerd e- führers führen würde, ist aufgrund dieser Kontakte nicht anzunehmen. Gegen ein heute noch bestehendes Verfolgungsinteresse der sri - lankischen Behörden am Beschwerdeführer spricht auch die Tatsache, dass er am 4. Oktober 2008 unter der Auflage, sich wöchen tlich zu me l- den, freigelassen worden sein will. Hätte der CID den Beschwerdeführer tatsächlich ernsthaft verdächtigt, die LTTE in irgendeiner Form zu unte r- stützen, hätte er ihn nicht freigelassen; im Gegenteil, man hätte ihn mit Sicherheit weiterhin inhaft iert und gegen ihn ein Verfa hren eröffnet. Die Tatsache, dass dies nicht geschehen ist, lässt die geltend gemachte G e- fährdung als unwahrscheinlich erscheinen. An dieser Einschätzung ä n- dert auch der Umstand nichts, dass der Beschwerdeführer durch seine Flucht Kautionsauflagen missachtet haben will. Soweit er auf Beschwer- deebene geltend macht, er weise ein Risikoprofil auf, da er aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehren würde, ist zu bemerken, dass der Umstand, dass er sich seit fast vier Jahren in der Sch weiz aufhält und hier ein Asylgesuch eingereicht hat, nicht zur Annahme einer begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu führen vermag, da weder Anhalts-D-4205/2012 Seite 11 punkte noch Hinweise dafür bestehen, dass er sich im nahen Umfeld der LTTE bewegt (hat). 4.6 4.6.1 Der Beschwerdeführer macht zur Begründung seines Asylgesuchs andererseits geltend, im Jahre 2006 hätten sich Unbekannte in einem weissen Van mehrmals bei seiner Arbeitsstelle in E._______ nach ihm er- kundigt. Im Juli 2006 hätten sie ihn bei ihm zu Hause ges ucht, wobei es ihm gelungen sei zu fliehen, während seine Mutter von den unbekannten Leuten erschossen worden sei. Er habe gehört, dass diese Leute von der sri-lankischen Armee seien. Im August 2008 hätten Unbekannte in H._______ erneut nach ihm gesucht, w eshalb er mit seinem Onkel nach Colombo gezogen sei. 4.6.2 Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer – sofern überhaupt glaubhaft – im Jahre 2006 in E._______ und im Jahre 2008 in H._______ durch unbekannte Dritte gesucht und verfolgt wurde, und nicht wie von ihm angedeutet, durch die sri -lankische Armee. Dafür spricht, dass der Beschwerdeführer vor der geltend gemachten Suche durch die Unbekannten nicht vorbringt, Probleme mit den sri -lankischen Behörden gehabt zu haben. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass die sri- lankische Armee oder die mit ihr zusammenarbeitenden Gruppierungen ein Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer haben beziehungsweise gehabt haben, da er für die LTTE nur Haare geschnitten haben will und weder LTTE-Mitglied gewesen sei noch a n deren Training, geschweige denn an Kampfhandlungen dieser Organisation teilgenommen habe. Im Weiteren ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer lediglich gehört h a- ben will und nicht sicher weiss, dass es sich bei den Leuten, die nach ihm gesucht haben, um Armeeangehörige handle (Akten BFM A 16/13 F82). 4.6.3 Nach der Schutztheorie hängt die flüchtlingsrechtliche Relevanz e i- ner Verfolgung nicht von der Frage ihres Urhebers, sondern vom Vorha n- densein eines adäquaten Schutzes durch den Heimatstaat ab (vgl. dazu Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asyl- rekurskommission [EMARK 2006] Nr. 18 E. 6.3.1. und 10.2.1). Nichtstaat- liche Verfolgung ist nach der Schutztheorie flüchtlingsrechtlich relevant, sofern der Heimatstaat (bzw. allenfalls ein Quasi -Staat) nicht in der Lage oder nicht willens ist, adäquaten Schutz vor Verfolgung zu bieten. Mit Bezug auf die Frage, welche Art und welcher Grad von Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung im Heima tstaat (bzw. allenfalls in einem Qu a-D-4205/2012 Seite 12 si-Staat) als adäquat zu erachten ist, ist gemäss EMARK 2006 Nr. 18 nicht eine faktische Garantie für langfristigen individuellen Schutz der von nichtstaatlicher Verfolgung bedrohten Person zu verlangen, weil es ke i- nem Staat gelingen kann, die absolute Sicherheit aller seiner Bürger und Bürgerinnen jederzeit und überall zu garantieren. Erforderlich ist aber, dass eine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, wobei in erster Linie an polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Orga- ne sowie an ein Rechts- und Justizsystem zu denken ist, das eine effekti- ve Strafverfolgung ermöglicht. Im Weiteren muss die Inanspruchnahme eines solchen Schutzsystems der b etroffenen Person objektiv zugänglich und individuell zumutbar sein. 4.6.4 Diese Voraussetzungen sind in Sri Lanka unter Beachtung der kon - kreten Umstände für den Beschwerdeführer als gegeben zu e rachten, da er auch aus Sicht des Gerichts nicht das Profil der in Sri Lanka gemeinhin von den Behörden gesuchten Personen aufweist (vgl. vorstehend E. 4.5.2). Somit hat der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka die Möglich keit, bei den lokalen Si cherheitsbehörden direkt um Schutz zu ersuchen, sollte er (erneut) von unbekannten Dritten bedroht werden. 4.7 Aufgrund des soeben Ausgeführten ist – entgegen der Behauptung in der Rechtsmittelschrift – nicht davon auszugehen, dass der Beschwerd e- führer zum heutigen Zeitpunkt bei einer Rückkehr in sein Heimatland asylrelevante Nachteile zu befürchten hat. Mangels Asylrelevanz kann daher darauf verzichtet werden, die vom Be schwerdeführer vorgebrach- ten Verfolgungsvorbringen unter dem Gesichtspunkt de r Glaubhaftigkeit zu prüfen. 4.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG glaubhaft machen oder nachweisen konnte. Er vermag mit seinen Beschwerdevorbringen und den eingereichten B e- weismitteln zu keiner andere n Betrachtungsweise zu führen, weshalb es sich erübrigt, weiter darauf einzugehen. Die Vorinstanz hat demnach im Ergebnis zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet D-4205/2012 Seite 13 den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine auslä nderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). 6. 6.1 Ist der Vollzug der W egweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das h eisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizeri schen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schu tze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, D-4205/2012 Seite 14 SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinz ip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem B e- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefäh r- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxi s des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschl iche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK widrige Beha nd- lung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kin g- dom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008 P .K. v. Den- mark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011 T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011 E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011). Der Gerichtshof unterstreicht, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen s ei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Be- fragung ein Interesse. Nachdem der Beschwerdeführer nicht befürchten muss, bei einer Rückkehr ins Heimat land die Aufmerksamkeit der sri - lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlic h relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen entgegen seinen Ausführungen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde aus demselben Grund eine mensche n-D-4205/2012 Seite 15 rechtswidrige Behandlung in seinem Heimatland drohen. Auch die allg e- meine Menschenrechtssituation in S ri Lanka lässt den Wegweisungsvol l- zug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). An dieser Einsch ätzung ändern auch die in der Rechtsmittelschrift zitierten Berichte nichts, weshalb es sich erübrigt, we i- ter darauf einzugehen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwe i- sung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Besti m- mungen zulässig. 6.3 6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.3.2 Im bereits erwähnten Grundsatzurteil BVGE 2011/24 vom 27. Okto- ber 2011 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Analyse der all- gemeinen, heute herrschenden Sicherheits - und politischen Lage in Sri Lanka vorgenommen und die in BVGE 2008/2 publizierte Wegweisungs- vollzugspraxis teilweise angepasst. Danach hat sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 die allgemeine Lage in Sri Lanka erheblich verbessert (vgl. BVGE a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist indes gebietsweise sehr unterschiedlich. So herrscht in den Gebieten, die bereits seit läng e- rer Zeit unter Regierungskontrolle stehen , das heisst in den Distrikten Jaffna und in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar (mit anderen Worten: die Nordprovinz unter Ausschluss des sogenannten "Vanni-Gebietes") keine Situation allgemeiner Gewalt. Zudem ist die do r- tige politische Lage nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste. Angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber beim Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet e ine sorgfältige, zurückhaltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeit s- kriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit (u.a. sozio -ökonomi- sche und medizinische Aspekte, Kindeswohl etc.) ist dabei auch dem zeit- lichen Element gebührend Rechnung zu tra gen. Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des D-4205/2012 Seite 16 Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich zumutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegangen w erden kann, dass die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens - und Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zeitpunkt der Ausreise geherrscht hat und dem Wegwe i- sungsvollzug zurück dorthin nichts im Wege steht. Liegt der letzte Aufent- halt der betreffenden Person in der Nordprovinz indessen längere Zeit zu- rück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen ko n- krete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Leben s- umstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben können, sind die aktuell vorliegenden Lebens - und Wohnverhältnisse sorgfältig abz u- klären und auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges hin zu übe r- prüfen. In diesem Zusammenhang erscheinen namentlich die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation als massgebl i- che Faktoren. Falls solche begünstigenden Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsa l- ternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. BVGE a.a.O. E. 13.2.1). 6.3.3 Gestützt auf diese Beurteilung der allgemeinen, heute herrsche n- den Sicherheits- und politischen Lage in Sri Lanka sowie nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverw altungsgericht in Übereinstimmung mit dem BFM zum Schluss, dass der Wegweisungsvollzug des Beschwerd e- führers im heutigen Zeitpunkt zumutbar ist. An dieser Einschätzung ve r- mögen auch die von ihm in der Beschwerde zitierten Berichte bezüglich der Situation i n Sri Lanka nichts zu ändern, da sich ihnen nicht eine w e- sentlich andere Beurteilung der Lage in Sri Lanka entnehmen lässt. Es erübrigt sich daher, darauf weiter einzugehen. Gemäss den Akten stammt der Beschwerdeführer aus dem Distrikt Jaffna, wo er von Ge burt bis im September 2008 auch wohnte. Anschliessend ging er nach Colombo, wo er bis zu seiner Ausreise aus Sri Lanka im Februar 2009 lebte (A 10/37 S. 3, A 16/13 F14). Hinsichtlich seiner Beziehungen im Heimatstaat ist fes t- zustellen, dass er bei den Befragungen zu Protokoll gab, eine J._______ lebe in K._______ im Distrikt Jaffna. Zudem wohne ein L._______ in Co- lombo. Sein M._______ und seine N._______ lebten im Vanni-Gebiet (A 10/37 S. 5 f., A 16/13 F3 ff.). Es ist davon auszugehen, dass die Behaup- tung des Beschwerdeführers in der Rechtsmittelschrift, wonach seine J._______ unterdessen in England lebe, als Schutzbehauptung zu werten ist, da er es bis heute unterlassen hat, diesen behaupteten Aufenthalt der J._______ in England zu belegen, obwohl er in der Beschwerde sowie in D-4205/2012 Seite 17 der Eingabe vom 5. November 2012 die Einreichung einer diesbezügli- chen Bestätigung in Aussicht gestellt hat . Unglaubhaft ist ebenfalls die Behauptung des Beschwerdeführers in der Rechtsmittelschrift, sein L._______, der mit ihm in Colombo gelebt habe, sei unterdessen höchs t- wahrscheinlich aus Sri Lanka ausgereist, da er dieses Vorbringen – trotz Zumutbarkeit – in keiner Weise belegt. Seine Aussage in der Beschwe r- de, wonach er keinen Kontakt mehr mit seinem L._______ habe, über- zeugt nicht, da er vor seiner Ausreise aus seinem Heimatland einen sehr engen Kontakt zu seinem L._______ unterhalten ha ben will . Aufgrund des Gesagten ist entgegen den Aussagen des Beschwerdeführers davon auszugehen, dass sich seine J._______ noch immer im Jaffna -Distrikt aufhält und sein L._______ nach wie vor in Colomb lebt . Überdies ist an- gesichts des jah rzehntelangen Aufenthalts des Beschwerdeführers im Distrikt Jaffna anzunehmen, dass er dort über viele Freunde und Bekann- te verfügt, die ihm bei einer Rückkehr eine Reintegration erleichtern kö n- nen. Deshalb ist davon auszugehen, dass er in Jaf fna beziehungsweise in Colombo – als Aufenthaltsalternative – über ein tragfähiges sozi ales Netz verfügt, auf das er nach der Rückkehr zählen darf. Zudem verfügt er über jahrelange Berufserfahrung als G._______, weshalb er in der Lage sein wird, sich in der Heimat wirtschaftlich zu integrieren. Zur Überbr ü- ckung allfälliger Anfangsschwierigkeiten kann er beim BFM Rückkehrhilfe beantragen. Insbesondere genügen bloss soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2, BVGE 2010/41 E. 8.3.6). Es ist somit nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer bei e i- ner Rückkehr in seinen Heimatstaat in eine existenzielle Notlage geraten würde. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit sowohl in generel- ler als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi - gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu au ch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung nicht als unmöglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutb ar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). D-4205/2012 Seite 18 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachver halt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die B e- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Die eingereichte sri -lankische Identitätskarte wird gestützt auf Art. 10 Abs. 2 AsylG zuhanden des BFM sichergestellt. 9. 9.1 Zusammen mit seiner Rechtsmitteleingabe ersuchte der Beschwerde- führer um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz nach Einreichung der B e- schwerde eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Vorliegend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die vom Beschwerdeführer gestellten Begehren au s- sichtslos erschienen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist deshalb ungeachtet der prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers abzuweisen. 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1 -3 des Reglements über die Kosten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE]). (Dispositiv nächste Seite) D-4205/2012 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird a b- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. -- werden dem Beschwerdeführer au f- erlegt. Dieser Betrag ist mittels beiliegendem Einzahlungsschein innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überwe i- sen. 4. Die sri-lankische Identitätskarte ([…]) wird zuhanden des BFM sicherg e- stellt. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: