B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Abteilung IV D-5655/2011 U r t e i l v o m 1 7 . J a n u a r 2 0 1 2 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Martin Zoller; Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren […], B._______, geboren […], Äthiopien, vertreten durch Urs Jehle, Thurgauer Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Wegweisung und deren Vollzug; Verfügung des BFM vom 21. September 2011 / N […]. D-5655/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin reiste am 14. Mai 2009 unter Umgehung der Grenzkontrollen in die Schweiz, wo sie gleichentags ein Asylgesuch ei n- reichte. Am 27. Mai 2009 fand in Z._______ die summarische Befragung zur Person statt und gleichentags wurde ihr zudem das rechtliche Gehör zu einem den schweizerischen Behörden gegenüber verschwiegenen Aufenthalt in Y._______ und in X._______ gewährt. Mit Verfügung vom 3. Juni 2009 w urde sie für die Dauer des Asyl verfahrens dem Kanton W._______ zugewiesen und am 15. September 2009 führte das BFM die Anhörung zu den Asylgründen durch. Anlässlich der Erstbefragung vom 27. Mai 2009 machte die Beschwerde- führerin geltend, sie sei äthiopische Staatsangehörige aus V._______ und habe bei ihrer Tante in U._______ gelebt, seit die Eltern nach T._______ deportiert worden seien. Im Alter von 11 Jahren sei sie von einem Mann, der als Wächter in einem Hotel gearbeitet habe, vergewaltigt worden. Da ihr dies die Tante nicht habe glaub en wollen und sie deswegen schlecht behandelt habe, sei sie weggerannt und habe in der Folge zwischen 2003 und 2009 als Prostituierte in verschiedenen Hotels in S._______ gearbei- tet. Sie sehe für sich keine Zukunft in Äthiopien und sei zudem von einem Freier schwanger geworden , weshalb sie nicht mehr als Prostituierte a r- beiten wolle . Mit Hilfe des Hoteleigent ümers habe sie Äthiopien am 28. März 2009 verlassen können. Im Rahmen des ihr gewährten rechtlichen Gehörs vom 27. Mai 2009 zu einem von ihr verschwie genen Aufenthalt in Y._______ und X._______ gab die Beschwerdeführerin schliesslich zu, anlässlich der Erstbefragung nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Sie machte nunmehr geltend, sie sei aus ihrem Elternhaus weggerannt, weil sich ihre Eltern nicht gut ve rstan- den hätten. Danach habe sie in Äthiopien als Prostituierte gearbeitet und ihren Freund in einem Hotel kennengelernt. Ihr Heimatland habe sie am 25. November 2008 zusammen mit ihrem Freund auf legalem Weg mit i h- rem Reisepass und einem Arbeitsvisum für […] verlassen und sei über R._______ nach Q._______ geflogen. Die Schwester des Freundes lebe seit 16 Jahren in Y._______ und habe ihr geholfen, das Visum zu b e- kommen. In Y._______ habe sie im Haus der Schwester des Freundes gelebt und weder gearbeitet noch habe sie sich angemeldet . Da ihre B e- ziehung zum ehemaligen Freund in die Brüche gegangen sei und sie sich in der Folge auch mit dessen Schwester nicht mehr verstanden habe, sei D-5655/2011 Seite 3 sie anfangs Januar 2009 nach Q._______ gegangen, während ihr eh e- maliger Freund nach Äthiopien zurückgereist sei. In Q._______ sei sie bis zur Reise in die Schweiz geblieben. Mit einem gefälschten " […]" habe sie auch versucht, nach X._______ zu gelangen, sei indessen zurückgewi e- sen worden. Zwei Monate lang habe sie sich auch noch in P._______ aufgehalten. Sie wisse nicht, ob der ehemalige Freund der Vater ihres Kindes sei. Dieser habe ihr gesagt, das Kind könne nicht von ihm sta m- men. Seine Schwester habe sämtliche Papiere behalten. Die Beschwer- deführerin könne indessen eine Kopie ihres äthiopischen Reisepasses, welche sich in ihrem Heimatland befinde, zusenden. Ihr richtiger Name sei C._______, sie sei am […] geboren und somit 18 Jahre alt. Sie wolle nicht nach Y._______ oder X._______ geschickt werden , weil sie dort niemanden habe. Lieber werde sie in ihr Heimatland zurückreisen. Am 15. September 2009 fand die direkte Anhörung statt. Dabei legte die Beschwerdeführerin dar, sie habe anlässlich der Erstbefragung falsche Angaben zu Protokoll gegeben. Später habe sie dann aber die Wahrheit erzählt. Sie könne keine Dokumente und Ausweispapiere beschaffen, weil die Familie, welche sie telefonisch kontaktiert habe, nichts habe finden können und sich ihr Reisepass bei der Schwester des ehemaligen Freu n- des in Y._______ befinde, diese jedoch leugne, etwas über den Verbleib ihres Reisepasses zu wissen. Zudem wolle ihre Familie nichts mehr mit ihr zu tun haben, weil sie ein uneheliches Kind erwarte. Ihre Mutter habe ihr gesagt, sie solle sich selber helfen. Sie werde jedoch ihre Mutter nochmals bitten, ihr die Identitätskarte zuzusenden. Sie habe Äthiopien verlassen, weil ihr die Schwester ihres ehemaligen Freundes, mit we l- chem sie schon seit etwa acht Monaten nicht mehr zusammen gewesen sei, eine Aufenthaltsbewilligung für Y._______ besorgt habe . Zunächst habe sie infolge der Trennung von ihrem Freund nicht nach Y._______ reisen wollen, habe jedoch schliesslich eingewilligt, weil sie von dessen Schwester und ihrer Mutter dazu gedrängt worden sei. Man habe ihr g e- sagt, sie solle diese einmalige und kostenlose Chance nutzen. Als die Schwester des Freundes realisiert habe, dass die Beziehung zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem ehemaligen Freund tatsächlich in die Brüche gegangen sei, sei sie von dieser so schlecht behandelt worden, dass sie es s chliesslich nicht mehr ausgehalten habe und nach einei n- halb Monaten ohne Dokumente und ohne ihren Reisepass nach Q._______ weitergezogen sei. Später habe sie erfahren, dass sie mit dem ihr zugesandten Arbeitsvertrag zur Gemeinde hätte gehen müssen, um eine Aufenthaltsbewilligung zu bekommen. In Q._______ sei sie vo n zwei […] zu ihren Landsleuten gebracht worden. Da es ihr dauernd D-5655/2011 Seite 4 schlecht geworden sei, habe sie sich mit einer gefälschten Aufenthalt s- bewilligung ärztlich untersuchen lassen und so von der best ehenden Schwangerschaft erfahren. Daraufhin habe sie versucht, ihren Reisepass von der Schwester des ehemaligen Freundes zurückzubekommen, was ihr indessen nicht gelungen sei . Auch ihr ehemaliger Freund habe ihr nicht helfen wollen. Aus Mitleid hätten die Äthiopier für sie Geld gesa m- melt und sie nach X._______ geschickt, wo sie während einer Nacht im Gefängnis gewesen und dann nach Y._______ zurückgebracht worden sei. Danach hätten ihr die in Q._______ lebenden Äthiopier nicht mehr helfen wollen. Auch ihre Mutter in Äthiopien habe nichts mehr von ihr wi s- sen wollen. Eine […] habe ihr schliesslich Geld gegeben, mit welchem sie habe in die Schweiz reisen können. Sie sei in Y._______ mehrmals sexu- ell belästigt worden und habe sich gefällig zeigen müssen, um Hilf e zu bekommen. Sie wisse nicht, wohin sie im Fall einer Rückkehr in ihr He i- matland gehen und was sie dort tun solle. Die Beschwerdeführerin reichte keine heimatlichen Identitätsdokumente oder Reiseausweise zu den Akten. Das BFM verzichtete auf weitere Abklärungen. B. Am […] wurde das Kind der Beschwerdeführerin in Z._______ geboren. C. Das BFM stellte mit Verfügung vom 21. September 2011 – eröffnet nach Ablauf der siebentägigen Abholfrist am 28. September 2011 – fest, die Beschwerdeführerin und ihr Kind erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte d ie Asylgesuche ab. Gleich zeitig ordnete es die We g- weisung aus der Schweiz und deren Vollzug an. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass die Vorbringen der Be schwerdeführerin den Anforderun- gen an die Flüchtlingseigenschaft nicht genügten. Da sie gemäss ihren Aussagen aus Äthiopien ausgereist sei, weil ihr die Schwester des Freundes eine Aufenthaltsbewilligung für Y._______ verschafft habe, b e- stehe kein begründeter Anlass zur Annahme, sie habe in Äthio pien mit Verfolgungsmassnahmen zu rechnen. Zudem verfüge der äthiopische Staat über wirksame Polizei- und Justizorgane, welche den erforderlichen Schutz bieten könnten, weshalb sie im Fall von tatsächlichen Übergriffen seitens der Eltern oder anderer Verwa ndter aufgrund ihres unehelichen Kindes an diese gelangen könne. Somit seien ihre Vorbringen nicht asy l- relevant. Unter diesen Umständen erübrige es sich, auf vorhandene U n-D-5655/2011 Seite 5 gereimtheiten näher einzugehen. D as BFM stellte zudem fest, dass d ie anlässlich der E rstbefragung zu Protokoll gegebenen Angaben nicht b e- rücksichtigt würden, da die Beschwerdeführerin später ausdrücklich a n- gegeben habe, diese seien unwahr. Den Vollzug der Wegweisung erac h- tete die Vorinstanz als zulässig, zumutbar und möglich. Insbesondere führte sie aus, in Äthiopien herrsche weder Krieg noch Bürgerkrieg oder eine Situation allgemeiner Gewalt , und es würden auch keine individue l- len Gründe vorliegen, welche den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen liessen. D. Mit Beschwerde vom 12. Oktober 2011 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte die Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung der vorläufigen Aufnahme infolge fehle n- der Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit des Wegweisungsvol l- zugs. I n verfah rensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Erlass des Kostenvorschusses. Zur Begründung wurde geltend gemacht, dass sie in der zweiten Anhörung die Wahrheit gesagt habe. Als alleinstehende Frau mit einem mind erjähri- gen Kind könne sie nicht zu ihrer Familie nach Äthiopien zurückkehren, da ihre Eltern das uneheliche Kind nicht akzeptieren würden. Auch wenn das BFM ausführe, sie könne sich an die Polizei wenden, sei dies nicht so einfach, wie diverse Länderberich te, so beispielsweise der Länderbe- richt der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) zur Rückkehr einer ju n- gen, alleinstehenden Frau von D._______ vom 13. Oktober 2009, bestä- tigen würden. Die soziale und wirtschaftliche Wiedereingliederung in ihre r Heimat sei nicht möglich, da der Kontakt zu den Eltern abgebrochen sei. Sie sei von der Familie und von andern Verwandten sowie von Bekannten verstossen worden. Sie sei vor ihrer Ausreise nie selbständig gewesen, habe keine Ausbildung und nach der Schule nur Gelege nheitsarbeiten verrichtet. Zudem könne sie nicht arbeiten gehen, weil sie auf ihr zweijä h- riges Kind aufpassen müsse. Hilfswerke und Sozialeinrichtungen gebe es in Äthiopien nicht. E. Mit Zwischenverfügung vom 17. Oktober 2011 teilte der zuständige In - struktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts der Beschwerdeführerin mit, sie könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Der Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Recht s- pflege wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet. Die Beschwerdeführerin D-5655/2011 Seite 6 wurde aufgefordert, innert angesetzter Frist eine Fürsorgebestätigung nachzureichen, verbunden mit der Androhung, im Unterlassungsfall we r- de davon ausgegangen, sie sei nich t bedürftig im Sinne des Gesetzes. Das BFM wurde zur Vernehmlassung eingeladen. F. Mit Eingabe vom 20. Oktober 2011 wurde die verlangte Fürsorgebestät i- gung nachgereicht. G. Das BFM hielt in der Vernehmlassung vom 19. Oktober 2011 vollumfäng- lich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der B e- schwerde. Insbesondere wurde geltend gemacht, die Beschwerdeführerin habe ihre zuerst vorgetragenen Angaben später ausdrücklich als unwahr dargelegt, weshalb auch erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der in der Anhörung zur Sache geltend gemachten Vorbringen und Angaben zur persönlichen und familiären Situation bestünden. Es sei dem BFM somit nicht möglich, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und familiären Situation der Beschwerdefü hrerin zur Zumutbarkeit des We g- weisungsvollzugs zu äussern. Hinsichtlich der von Amtes wegen zu pr ü- fenden Wegweisungshindernisse stosse der Untersuchungsgrundsatz an die Grenzen der Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht der Beschwerdeführe- rin. Es sei jedoch pr axisgemäss nicht Aufgabe der Behörden, bei fehle n- den Hinweisen seitens der Beschwerdeführerin nach allfälligen Wegwe i- sungshindernissen zu forschen, wenn diese die ihr obliegende Wahrheits- und Mitwirkungsp flicht verletzt und die Behörden zu täuschen versuc ht habe. H. In ihrer Stellungnahme vom 2. November 2011 legte die – nunmehr ver- tretene – Beschwerdeführerin dar, Wegweisungshindernisse seien grund- sätzlich und auch im vorliegenden Fall von Amtes wegen zu prüfen. Di e- ser Pflicht stehe die vom BFM behauptete V erletzung der Mitwirkung s- pflicht nicht entgegen. Allein aus der Tatsache, dass die Beschwerdefü h- rerin anlässlich der Befragung zur Person falsche Angaben gemacht h a- be, dürfe nicht der Rückschluss gezogen werden, dass sämtliche Auss a- gen unglaubhaft seien. E s gehe zu weit, die Unglaubhaftigkeit aller Vo r- bringen allein auf diesen Umstand zurückzuführen. Dies treffe insbeso n- dere dann zu, wenn Hinweise auf glaubhafte Vorbringen vorlägen. Vorli e- gend seien die Angaben der Beschwerdeführerin, welche sie in der Anh ö- rung zu Protokoll gegeben habe, detailliert und in sich schlüssig. Da sie D-5655/2011 Seite 7 zudem grösstenteils nicht asylrelevant seien, würden sie nicht zu ihrem Vorteil gereichen, was ebenfalls zu berücksichtigen sei. Es sei nicht a n- zunehmen, dass sie zuerst eine Lüge be züglich ihrer Asylgründe vorg e- tragen habe, um danach eine erneute Lüge ohne solche Asylgründe da r- zulegen. Viel realistische r sei es, dass sie zunächst versucht habe, u n- wahre Asylgründe vorzutragen, um danach, als sie realisiert habe, dass dieses Vorhaben gescheitert sei, die Wahrheit zu erzählen. Der Argumen- tation des BFM, wonach keine individuellen Gründe, welche den Wegwei- sungsvollzug der Beschwerdeführerin als unzumutbar erscheinen lassen würden, vorlägen, müsse widersprochen werden, zumal es sich bei de r Beschwerdeführerin um eine junge Mutter handle, die ein zweijähriges Kind zu versorgen habe und somit als besonders schutzwürdig gelte. A n- gesichts der Länderberichte sei es zudem nachvollziehbar und damit glaubhaft, dass sich ihre Mutter und ihre Verwand ten wegen des unehel i- chen Kindes von ihr abgewandt hätten. Eine Beziehung mit Kindern we r- de in Äthiopien nur unter der Voraussetzung der Eheschliessung sozial anerkannt. Ein Ausschluss aus dem sozialen Kreis könne für eine junge Mutter und ihr Kind verheer ende Folgen haben. Entgegen der Argume n- tation in der Vernehmlassung würden folglich Hinweise nach allfälligen Wegweisungshindernissen offensichtlich vorliegen, weshalb nicht danach geforscht werden müsse. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilu ng der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bunde s- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). D-5655/2011 Seite 8 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist for mgerecht eingereicht. Zwar kann vorliegend gestützt auf die Aktenlage und die Nachforschungen des Bundesverwa l- tungsgerichts bei der Schweizerischen Post nicht festgestellt werden, wann die angefochtene Verfügung der Beschwerdeführerin effektiv eröf f- net wor den ist, da sie diese offensichtlich gar nicht abholte . Vielmehr wurde sie von der Post unter dem Vermerk "weggezogen o.A." (Anme r- kung Gericht: weggezogen ohne Adresse) an das BFM retourniert. Inde s- sen gilt diese Verfügung gestützt auf Art. 12 AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 20 Abs. 2bis VwVG am 28. September 2011 als zugestellt, weil sie ge- stützt auf den Auszug aus dem von den Kantonen geführten und für das Bundesverwaltungsgericht verbindlichen Adressregister von Asylsuche n- den an die zutreffende, im damaligen Zeitpunkt gültige und somit die let z- te, den Behörden bekannte Adresse geschickt wurde. Dass sich die B e- schwerdeführerin im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verf ü- gung nicht an dieser Adresse befand, vermag daran nichts zu ändern, zumal si e gestützt auf Art. 8 Abs. 3 AsylG eine allfällig andere Aufen t- haltsadresse den zuständigen Behörden hätte mitteilen müssen, was sie jedoch offensichtlich nicht tat, da ansonsten eine Berichtigung im Adres s- register vorgenommen worden und somit ihre neue Ad resse den Behö r- den bekannt geworden wäre. Folglich liegt in casu eine rechtsgenügliche Eröffnung der angefochtenen Verfügung vor, auch wenn sie gestützt auf den Auszug der Schweizerischen Post mangels unbekannter Adresse des Empfängers am 21. September 2011 nicht effektiv der Beschwerdeführe- rin überbracht oder übergeben werden konnte . Bezeichnenderweise reichte die Beschwerdeführerin am 12. Oktober 2011 und somit innerhalb der auf der angefochtenen Verfügung vermerkten Rechtsmittelfrist von 30 Tagen ab Eröf fnung Beschwerde ein , was darauf schliessen lässt, dass sie auf einem andern Weg von der Eröffnung der angefochtenen Verfügung erfahren hat . Die Beschwerde gilt aufgrund dieser Erwägu n- gen auch als fristgerecht eingereicht. 1.4. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezi e- hungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. D-5655/2011 Seite 9 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts u nd die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. In der Rechtsmitteleingabe wird nicht angefochten, dass die Flücht lings- eigenschaft verneint und demzufolge das Asyl nicht gewährt wor den ist. Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich geg en den Vollzug der We g- weisung, mithin gegen die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefocht e- nen Verfügung. Es ist deshalb zu prü fen, ob die Vorinstanz den Wegwe i- sungsvollzug zu Recht angeordnet hat. 4. 4.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es d arauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 4.2. Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts [ BVGE] 2009/50 E. 9 S. 733; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri schen Asyl- rekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 5. 5.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgericht s und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. D-5655/2011 Seite 10 WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe rsax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 5.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder e inen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der S chweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvent ion vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.3. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutr effend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be- schwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerde füh- renden in de n Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie und ihr Kind für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wah r- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti- Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Ge-D-5655/2011 Seite 11 fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist der Beschwerdeführerin indessen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unz u- lässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der a syl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner G ewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 5.4.1. In Äthiopien herrscht zurzeit keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb in konstanter Praxis von der generellen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in dieses Land ausgegangen wird. Seit der Un - terzeichnung des Friedensabkommens zwischen Äthiopien und Eritrea am 12. Dezember 2000 kontrollieren Soldaten der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) die Grenze zwischen den beiden Ländern. Zwar konnten diese ein sporadisches Wiederaufflackern des Grenz - konfliktes nicht verhindern; immerhin scheinen aber sowohl Äthiopien als auch Eritrea den Schiedsspruch der hierfür einges etzten interna tio- nalen Kommission, welcher am 13. April 2002 ergangen ist, grund sätz- lich zu akzeptieren, und ein erneuter offener Ausbruch des Konflikts konnte bis heute erfolgreich verhindert werden. Trotz Abzugs der UN - Friedenstruppen aus Eritrea im März 2008 und aus Äthiopien im Au - gust 2008 ist im heutigen Zeitpunkt nicht von einem offenen Konflikt im Grenzgebiet zwischen Äthiopien und Eritrea auszugehen. Insgesamt kann jedenfalls nicht von einer relevanten Verschlechterung der allge - meinen Lage in Äthiopien gesprochen werden. Gestützt auf die allge - meine Lage in Äthiopien ist eine Gefährdung de r Beschwerde -führen- den zu verneinen. 5.4.2. Es bleibt somit zu prüfen, ob konkrete Anhaltspunkte dafür vor - liegen, dass die Beschwerdeführenden im Fall einer Rückk ehr aus in -D-5655/2011 Seite 12 dividuellen Gründen wir tschaftlicher und sozialer Natur in eine exi s- tenzbedrohende Situation geraten würden. 5.4.2.1 In seiner Verfügung vom 21. September 2011 stellte das BFM fest, dass keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprächen . In der Vernehmlassung vom 19. Ok- tober 2011 konkretisierte das BFM seine Argumentation in der ange - fochtenen Verfügung dahingehend, dass erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der in der Anhörung zu Protokoll gegebenen Anga ben zur persönlichen und familiären Situation bestünden, weil die Be - schwerdeführerin ihre zuvor dargelegten Vorbringen ausdrücklich als unwahr bezeichnet habe. Es sei dem BFM deshalb nicht möglich, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen un d familiären Situa - tion der Beschwerdeführerin zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll - zugs zu äussern. 5.4.2.2 In der Stellungnahme vom 2. November 2011 wird demgegen - über argumentiert, das BFM habe die Wegweisungshindernisse auch dann von Amtes wegen zu prüfen, wenn – wie vorliegend – die Mit wir- kungspflicht verletzt worden sei. Allein aus den falschen Angaben, wel - che die Beschwerdeführerin zuerst abgegeben habe, dürfe nicht der Schluss gezogen werden, sämtliche Aussagen seien unglaubhaft. Da die Beschwerdeführ erin alleinstehende Mutter eines zweijährigen Kin - des sei, würden – insbesondere auch mit Blick auf Länderberichte – Hinweise auf allfällige Wegweisungshindernisse vorliegen. Zudem ha - be sie ihre Vorbringen glaubhaft vorgetragen. 5.4.2.3 Nach Prüfung der Sachlage kommt das Bundesverwaltungs - gericht zum Schluss, dass die Argumentation des BFM zwar nicht sehr ausführlich , sondern eher pauschal und oberflächlich ausgefallen ist, indessen im Resultat zu bestätigen ist. Dabei ist festzustellen, dass die von der Beschwe rdeführerin anlässlich der Erstbefragung zur Person abgegebenen Erklärungen als unwahr gelten, da sie diese später – teilweise bereits im Rahmen des ihr gewährten rechtlichen Gehörs vom 27. Mai 2009 und danach anlässlich der Anhörung vom 15. Sep- tember 200 9 – selber als unzutreffend bezeichnete und dies in ihrer Beschwerde vom 12. Oktober 20 11 sowie in ihrer Replik vom 2. No- vember 2011 bestätigte. Damit steht fest, dass die Be schwerdeführerin den schweizerischen Asylbehörden gegenüber falsche Angaben mach - te und sie somit zu täuschen versuchte. Die Argumentation des BFM, wonach gestützt auf diese Tatsache auch ihre späteren Angaben zu D-5655/2011 Seite 13 bezweifeln seien, ist nachvollziehbar, da jemand, der in der Schweiz um Schutz beziehungsweise um Asyl nachsucht, prinzipie ll zur Wahr - heitspflicht gemäss Art. 8 AsylG verpflichtet ist, auf diese Pflicht bereits zu Beginn des Verfahrens aufmerksam gemacht wird und schon aus diesem Grund von Anfang an wahrheitsgetreu insbesondere über sei - ne Person, seine persönlichen und famil iären Verhältnisse und über seine Asylgründe zu berichten hat. Die im Beschwerdeverfahren sei- tens des Rechtsver -treters geäusserte Meinung, allein aus den zuerst zu Protokoll gegebenen und später als unwahr bezeichneten Angaben über die persönlichen und f amiliären Verhältnisse der Beschwer defüh- rerin könne nicht der Schluss gezogen werden kann, sämtliche ihrer Angaben seien unwahr, kann folglich – in Übereinstimmung mit dem BFM – nicht geteilt werden. 5.4.2.4 Indessen sind in die Prüfung der Vorbringen im Sinne einer ge - samthaften Beurteilung auch weitere Anhaltspunkte, welche für oder gegen die Glaubhaf tigkeit der Vorbringen sprechen, mit einzubeziehen. So spielt es vorliegend beispielsweise eine wesentliche Rolle, unter welchen Umständen, aus welchem Grund und in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin ihre Aussagen berichtigt und was sie konkret beigetragen hat, um die – nunmehr nachträglich geltend gemachten – Vorbringen als glaubhaft erscheinen zu lassen. Diese müssen, da sie mit den zuvor zu Protokoll gegeb enen Aussagen nicht vereinbar sind, besonders überzeugend wirken, um als glaubhaft gelten zu können, und den Gründen für die zunächst falschen Angaben müssen plausible Erklärungen zugrunde liegen. 5.4.2.5 Da im Asylverfahren keine strikte Beweispflicht für die asylsu- chenden Personen besteht, sondern die überwiegende Glaubhaftigkeit von Vorbringen genügt, kann allein aus Zweifeln am Wahrheitsgehalt nicht auf die Unglaubhaftigkeit sämtlicher Vorbringen geschlossen wer - den. Vielmehr müssen die – vorliegend zu Rec ht erhobenen – Zweifel bestätigt werden können, was bedeutet, dass eine Auseinander set- zung mit weiteren Elementen, die für oder gegen die Glaubhaftigkeit sprechen, nötig ist. 5.4.2.6 Vorliegend ergibt sich aus dem Verfahrensablauf, dass die Be - schwerdeführerin am 27. Mai 2009 anlässlich der Erstbefragung zur Person Angaben über ihre Person zu Protokoll gab, welche mit den Abklärungen des BFM nicht übereinstimmten. Insbesondere fand das BFM heraus, dass die Beschwerdeführerin unter einer andern Identität D-5655/2011 Seite 14 (Name, V orname und Geburtsdatum) daktyloskopiert worden war und – entgegen ihren Angaben – nicht am 28. März 2009 aus ihrem Hei - matland ausgereist und unter den von ihr angegebenen Umständen in die Schweiz eingereist sein kann , weil die anlässlich der Prüfung durc h die schweizerische Grenzbehörde kopierten Beweismittel ( […] Aufent- haltsbewilligung aus dem Jahr 2007 und […] Wegweisungsentscheid aus dem Jahr 2009) gegen diese Angaben sprechen ; aus den Ab klä- rungen ergibt sich vielmehr, dass sich die Beschwerdeführer in in Y._______ länger als angegeben und zudem in X._______ (was sie ganz verschwieg) aufhielt . Zu diesem Sachverhalt wurde ihr am 27. Mai 2009 mündlich das rechtliche Gehör und die Möglichkeit einer mündlichen Stellungnahme gewährt. Dabei stritt die Besch werdeführe- rin zunächst ab, je in X._______ gewesen zu sein. Ebenso verleugnete sie vorerst, länger in Y._______ gewesen zu sein als in der Erstbe fra- gung angegeben . Auch die Art und Weise, wie sie in die Schweiz ein - gereist und kontrolliert worden war, wollte sie zuerst nicht zugeben. Erst nach und nach gab sie zu, was die schweizerischen Behörden he - rausgefunden hatten und ihr nun vorhielten , und entsprechend passte sie den bisherigen Sachverhalt den neuen Gegebenheiten an, indem sie beispielsweise einen neuen Ausreisezei tpunkt aus Äthiopien vor - brachte, angab, mit ihrem Reisepass und einem […] Arbeitsvisum ihr Heimatland verlassen zu haben und behauptete, ihre Reise - und Iden - titätspapiere würden sich bei der Schwester ihres ehe maligen Freun - des i n Y._______ befinden. Als Begründung für ihre Falschangaben legte sie dar, Leute hätten ihr dazu geraten, weil Äthio pier in der Schweiz kein Asyl bekämen. Aus diesem Vorgehen der Be schwerde - führerin ist zu schliessen, dass sie bewusst mit Falschangaben e ine Asylgewährung erschleichen wollte und ihre unzutreffenden Aussagen erst korrigierte, als sie merkte, dass ihr Vorhaben gestützt auf Beweis - mittel des BFM nicht gelingen würde. Diese Verhaltensweisen wider - sprechen der in Art. 8 AsylG festgehaltenen Wah rheits- und Mit wir- kungspflicht. Ausserdem ist die Verletzung als grob zu bezeichnen, weil ihr die Absicht der Täuschung der Behörden zugrunde liegt. Das Vorgehen der Beschwerdeführerin, die solange den "alten" Sach ver- halt vertritt, bis sie ihn gestützt auf die belastenden Beweise nicht mehr aufrechterhalten konnte, sowie ihre Erklärung für die Falschan - gaben sprechen nicht nur gegen die Glaubhaftigkeit des Sachvortrags, sondern auch gegen ihre persönliche Glaubwürdigkeit. Die vom BFM erwähnten Zweifel a n der Glaubhaftigkeit der weiteren Aussagen sind somit zu bestätigen. Diese Zweifel werden zudem durch weitere Un - glaubhaftigkeitselemente erhärtet. D-5655/2011 Seite 15 5.4.2.7 So sagte die Beschwerdeführerin anlässlich des ihr gewährten rechtlichen Gehörs mit keinem Wort, dass sie infolge der unehelichen Schwangerschaft von ihren Angehörigen, insbesondere von ihren El - tern, verstossen worden sein soll , obwohl sie in diesem Zeitpunkt, so - fern man sich auf ihre späteren Vorbringen stützt, mit ihren Ver wand- ten entsprechenden telefonischen Kontakt hatte . Diesen Sachverhalt brachte sie vielmehr nachträglich, erstmals anlässlich der Anhörung, vor, um ihre neuen Vorbringen besser untermauern zu können . Damit ist er jedoch als verspätet zu betrachten und vermag schon aus die - sem Grund nicht zu überzeugen. 5.4.2.8 Des Weiteren versprach die Beschwerdeführerin anlässlich des ihr gewährten rechtlichen Gehörs, sie werde eine Kopie ihres Reise - passes, welche sich im Heimatland befinde, nachreichen. Dies unter - liess sie in der Folge , weshalb sie anlässlich der Anhörung darauf an - gesprochen wurde. Ihre dort abgegebene Erklärung, nämlich sie habe keine Ausweise aus dem Heimatland besorgen können, weil ihre Mut - ter nichts mehr von ihr wissen wolle, vermag jedoch nicht zu überzeu - gen, da sie bereits i m Zeitpunkt der Gewährung des rechtlichen Ge - hörs von ihren Angehörigen verstossen worden sein will, wenn man ihren Aussagen Glauben schenken soll. Folglich hätte sie bereits in diesem Zeitpunkt davon absehen können, eine Ausweiskopie in Aus - sicht zu stell en, weil ihr ja in Erinnerung hätte sein müssen, dass sie von ihren Verwandten nichts mehr zu erwarten hat. Ihr diesbezügliches Vorgehen und die entsprechenden Aussagen leiden folglich an inneren Widersprüchen und können überdies nicht nachvollzogen werden . Zu - dem stellt die in der Anhörung zu Protokoll gegebene Erklärung an ge- sichts der angeblich bereits erfolgten Verstossung aus der Familie eine nachgeschobene Schutzbehauptung dar und vermag auch deshalb nicht zu überzeugen. 5.4.2.9 Die Beschwerdeführerin legte zudem anlässlich der Ge wäh- rung des rechtlichen Gehörs (vgl. Akte A10/3 S. 3) dar, es treffe zu, dass sie sich prostituiert habe. Damit bestätigte sie diesbezüglich ihre Angaben, welche sie bei der Erstbefragung protokollieren liess , obwohl sie gleichzei tig darlegte, ihre dort gemachten Angaben würden nicht den Tatsachen entsprechen, was bereits erste Zweifel aufkommen lässt. Die geltend gemachte Arbeit als Prostituierte lässt sich überdies nicht vereinbaren mit ihren späteren Angaben, sie sei vor ihrer A usrei- se nie selbständig gewesen und habe immer bei ihren Eltern gelebt. Bezeichnenderweise erwähnte sie die Prostitution bereits bei der An -D-5655/2011 Seite 16 hörung nicht mehr, obwohl sie mehrmals nach den Aus -reisegründen gefragt wurde und ihr somit mehrmals die Gelegenh eit gewährt wurde, diesen Sachverhaltsteil zu erwähnen , sollte er den Tatsachen ent spre- chen. Aus diesem Vorgehen der Beschwerdeführerin wird deutlich, dass sie den Sachverhalt ständig – und nicht nur zwischen der Erstbe - fragung und den späteren Vorbringe n – neu anpasst e. Damit werden die bereits erheblichen Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen nochmals stark erhärtet. 5.4.2.10 Schliesslich machte sie auch verschiedene Angaben über die Vaterschaft des in der Schweiz geborenen Kindes, indem sie ein erseits darlegte, sie wisse nicht, wer der Vater sei (vgl. Akte A1/11 S. 5), be - ziehungsweise sie sei sich nicht sicher, ob das Kind von ihrem ehema - ligen Freund sei (vgl. Akte A10/3 S: 2) , während andererseits ihr ehe - maliger Freund der Vater des Kindes sein soll (vgl. Akte A26/11 S. 7). Auch diese Darstellung des Sachverhalts bestätigt, dass die Be - schwerdeführerin offensichtlich keine eindeutigen und glaubhaften An - gaben über ihre persönliche Situation zu Protokoll geben will, sondern sich in vage und v ariable Erklärungsversuche flüchtet. Dies macht in - dessen ihre zweifelhaften Aussagen noch unglaubhafter. 5.4.2.11 Nicht geglaubt werden kann der Beschwerdeführerin zudem, dass sie sich einerseits entschlossen haben will, zusammen mit ihrem damaligen Freund ein […] Arbeitsvisum zu beantragen, mit welchem sie legal nach Y._______ habe reisen können, in Y._______ dann je - doch nicht um eine Aufenthaltsbewilligung ersucht habe. Dieses Ver - halten ist in sich widersprüchlich und vermag deshalb nicht zu über - zeugen. 5.4.2.12 Insgesamt sind somit die vom BFM erwähnten Zweifel am Wahrheitsgehalt der gesamten Aussagen der Beschwerdeführerin zu bestätigen. Bezeichnenderweise unternahm sie nichts, womit sie ihre nachträglichen und zweifelhaften Vorbringen hätte untermauern und damit in einem glaubhaften Licht erscheinen lassen können. Insbeson - dere gab sie keine überzeugenden und überprüfbaren Auskünfte – sei es über ihre eigene Person, über ihre Reisedokumente, über ihre An - gehörigen oder über ihre Aufenthaltsorte – zu den Akten. Zudem liess sie keine überprüfbaren Bemühungen für die Beschaffung von rechts- genügliche n Identitäts - und Reisepapieren erkennen . Sie legte nicht einmal offen, wem sie wann unter welcher Adresse und Telefon num- mer den Auftrag, ihr Identitätsdokumente nachzusend en, erteilte . D-5655/2011 Seite 17 Ebenso wenig gab sie die genaue Adresse und Telefonnummer der Schwester ihres ehemaligen Freundes an, obwohl sie dort gemäss ich- ren Aussagen mehrmals ihren Reisepass verlangt haben will und somit die Nummer kennen müsste. Folglich entbehren die Erklä rungsversu- che betreffend den Verbleib des Reisepasses oder anderer Identi täts- dokumente der nötigen Konkretheit und können schon aus diesem Grund nicht geglaubt werden. Zudem liegen mehrere Erklärungs va- rianten über die Gründe, weshalb keine heimatlichen Identitätspapiere vorliegen, vor. So legte sie zuerst dar, die Verwandten im Heimatland hätten keine Identitätsdokumente finden können, während sie später das Zerwürfnis mit den Angehörigen wegen des unehelichen Kindes und infolgedessen de n fehlende n Willen, ihr zu helfen, als Grund dafür angab, weshalb keine Identitätspapiere beschafft werden konnten, wo - mit ihre diesbezüglichen Aussagen nicht übereinstimmen . 5.4.2.13 Mithin sind folglich auch die nachträglichen Aussage n der Be - schwerdeführerin anlässlich der Anhörung nicht als glaubhaft zu er ach- ten. 5.4.2.14 Unter diesen Umständen ist die Argumentation des BFM, wo - nach es nicht möglich sei, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen per - sönlichen und familiären Situation der B eschwerdeführerin zur Zumut - barkeit des Wegweisungsvollzugs zu äussern , zu bestätigen . Bei der Prüfung der Wegweisungshindernisse stossen die Asylbehörden trotz des ihnen obliegenden Untersuchungsgrundsatzes dann an die Gren - zen des Möglichen, wenn die bet roffene Person die Mitwirkungspflicht verletzt, indem sie unglaubhafte Angaben über ihre persönlichen und familiären Verhältnisse zu Protokoll gibt, was vorliegend der Fall ist. Die Argumentation des BFM lässt sich somit mit der geltenden Praxis vereinbare n, wonach die Asylbehörden bei einer Verletzung der Wahr - heits- und Mitwirkungspflicht in der Ausübung der ihnen gebotenen Un - tersuchungspflicht an die Grenzen des Möglichen stossen und man - gels vorhandener hinreichender Anhaltspunkte allfällige Wegweisung s- hindernisse nicht überprüfen können . Im konkreten Fall bedeutet dies, dass die Asylbehörden mangels glaubhafter Angaben über die eigene Person und die familiären Verhältnisse beispielsweise keine konkreten Abklärungen vor Ort durchführen können, um fests tellen zu können, ob es für die Beschwerdeführerin und ihr Kind zumutbar ist, in ihr Heimat - land zurückzukehren. Angesichts der zahlreichen Hinweise darauf, dass vorliegend die diesbezüglichen tatsächlichen Angaben ver schlei- ert werden, kann jedoch – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – D-5655/2011 Seite 18 davon ausgegangen werden, dass im Heimatland wohl ein tragfähiges Beziehungsnetz besteht, welches die Beschwerdeführerin und ihr Kind aufnehmen würde , da sie ansonsten ihre wahre Identität n icht hätte verschleiern müssen . In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin die fehlende Abgabe von heimatlichen Identi - tätspapieren und damit die Überprüfbarkeit ihrer Identität ebenso sel - ber zu verantworten hat wie die daraus fl iessenden Konsequenzen. Es ist davon auszugehen, dass sie und ihr Kind in Äthiopien nicht in eine existenzielle Notlage geraten. An dieser Einschätzung vermögen all fäl- lige Länderberichte, welche für Mütter von unehelichen Kindern und deren Kinder ein düs teres Bild in Äthiopien zeigen, nichts ändern, da vorliegend mangels Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerde füh- rerin nicht einmal gesichert ist, wer sie ist , welchen Heimatort und wel - chen Zivilstand sie hat. 5.4.3. Insgesamt ist aufgrund der unglaubhaften Angaben der Beschwe r- deführerin über ihre persönliche Situation und über ihr Beziehungsnetz im Heimatland davon auszugehen, dass keine Wegweisungshindernisse vor- liegen. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 5.5. Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden , sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der We g- weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.6. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen. D ie Kosten sind den Be -D-5655/2011 Seite 19 schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insg e- samt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-5655/2011 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird a b- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden , das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: