Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Februar 2012 (715 11 378 / 45) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Vermittlungsfähigkeit während der Vorbereitung und der Dauer der Anwaltsprüfung Besetzung Präsidentin Eva Meuli Ziegler, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen KIGA Baselland , Postfach, 4133 Pratteln 1, Beschwerdegegnerin Betreff Vermittlungsfähigkeit A. A.____ hatte sich am 26. Juli 2010 zur Arbeitsvermi ttlung und zum Bezug von Arbeits- losenentschädigung angemeldet. In der Folge richtete ih m die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland Taggelder aus. Da A.____ am 1. September 2010 eine Stelle als juristischer Volontär in einem Advokaturbüro in B.____ antreten konnte, me ldete er sich auf den genannten Termin hin von der Arbeitsvermittlung ab. Nach der am 8. April 2011 erfolgten Beendigung des Volonta- riats meldete sich A.____ am 13. April 2011 erneut zur Arbeitsvermittlung und zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung an, wobei er wiederum angab, eine Vollzeitbeschäftigung zu su- chen. Mit Verfügung vom 17. Juni 2011 sprach das Region ale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Liestal Süd A.____ die Vermittlungsfähigkeit für die Zeit vom 13. April 2011 bis 14. De- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zember 2011 mit der Begründung ab, er habe bestätigt, dass er im zweiten Halbjahr 2011 die Anwaltsprüfung im Kanton Basel-Landschaft absolvieren w erde. Diese Prüfung beginne am 8. August 2011 mit der fünftägigen Hausarbeit und ende am 14. Dezember 2011 mit den mündli- chen Prüfungen. Da der Versicherte vom 13. April 2011 bis 14. Dezember 2011 in die Vorberei- tung und die Absolvierung der Prüfung eingebunden sei , was einer Vollbeschäftigung gleich- komme, sei er für diesen Zeitraum nicht vermittlungsfä hig. Daran hielt das KIGA Baselland (im Folgenden: KIGA) auf Einsprache des Versicherten hin m it Einspracheentscheid vom 19. Sep- tember 2011 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 19 . Oktober 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht ( Kantonsgericht) mit den Rechtsbe- gehren, es sei der Einspracheentscheid vom 19. Septem ber 2011 aufzuheben, es sei seine Vermittlungsfähigkeit ab 13. April 2011 festzustellen und es seien ihm ab diesem Datum Tag- gelder der Arbeitslosenversicherung zuzusprechen. Eventuali ter seien ihm von der Beschwer- deinstanz angemessene Taggelder der Arbeitslosenversicheru ng zuzusprechen; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt e er zudem, es sei das beschleunigte Verfahren anzuwenden und es seien die Parteien direkt zur Hauptverhandlung zu laden. Diesen Verfahrensantrag wies das Kantonsgericht mit prozessleite nder Verfügung vom 24. Oktober 2011 ab. C. In seiner Vernehmlassung vom 18. November 2011 beant ragte das KIGA die Abwei- sung der Beschwerde. D. Am 24. November 2011 teilte der Beschwerdeführer d em Gericht mit, dass er gemäss Entscheid der Anwaltsprüfungskommission auf Grund der Er gebnisse der schriftlichen Klausu- ren nicht zu den mündlichen Examen der Anwaltsprüfung 2011/II zugelassen sei. E. Da sich das KIGA in seiner Vernehmlassung auf ein nic ht publiziertes Urteil C. des Kantonsgerichts vom 22. August 2007 bezogen hatte, stell te das Gericht dem Beschwerdefüh- rer diesen Entscheid zur Einsichtnahme zu. Gleichzeitig räumte es ihm die Möglichkeit ein, im Rahmen einer Replik hierzu und zur Vernehmlassung des K IGA Stellung zu nehmen. Mit Ein- gabe vom 25. November 2011 machte der Beschwerdeführer von dieser Möglichkeit Gebrauch, wobei er an seinen bisherigen Anträgen und Ausführung en festhielt. Das KIGA wiederum er- suchte in seiner Duplik vom 22. Dezember 2011 weiterhin um Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig vertrat es die Auffassung, dass im vorliegen den Beschwerdeverfahren lediglich noch die Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers fü r den Zeitraum vom 13. April 2011 bis zur Bekanntgabe des Entscheides über die Nichtzulassung zur mündlichen Anwaltsprüfung 2011/II zur Beurteilung stehe. Über allfällige Anspr üche des Versicherten, die über diesen Zeit- punkt hinausgingen, habe erstinstanzlich wiederum das zus tändige RAV zu befinden. Mit Schreiben vom 28. Dezember 2011 teilte das Gericht dem KIGA mit, es sei ebenfalls der Auf- fassung, dass es Sache des zuständigen RAV sei, gegebenenfalls neu über die Vermittlungsfä- higkeit des Versicherten für die Zeit nach der Bekanntga be des (negativen) Ergebnisses der Anwaltsprüfung 2011/II zu befinden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Mit Eingaben vom 30. Dezember 2011 und 11. Janua r 2012 beantragte der Beschwer- deführer, es sei mittels einer amtlichen Erkundigung be im juristischen Sekretär der Anwaltsprü- fungskommission abzuklären, wann ihm dieser den Entscheid ü ber die Nichtzulassung zur mündlichen Anwaltsprüfung 2011/II mitgeteilt habe. D iesem Ersuchen gab das Gericht mit An- frage vom 13. Januar 2012 statt. In der Folge reichte der juristische Sekretär der Anwaltsprü- fungskommission die gedruckte Fassung einer elektronischen N achricht ein, aus welcher er- sichtlich ist, dass er den Beschwerdeführer am 9. November 2 011 über den Nichtzulassungs- entscheid der Anwaltsprüfungskommission in Kenntnis gesetzt hat. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs.1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes ü ber die obligatorische Arbeitslo- senversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 auf die obligatori- sche Arbeitslosenversicherung anwendbar sind, kann gegen E inspracheentscheide der Versi- cherungsträger Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG grundsätzlich das V ersicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung Wohnsitz hat. Diese Regelung entspricht nun allerdings für den Bereich der Arbeitslosenversicherung nicht der vor dem Inkrafttreten des ATSG geltenden Zuständigkeitsordnu ng, weshalb der Bundesrat in Art. 100 Abs. 3 AVIG ausdrücklich ermächtigt worden ist, die örtliche Zuständigkeit des kanto- nalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 AT SG zu regeln. Laut Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversi cherung und die Insolvenzentschädi- gung (AVIV) vom 31. August 1983 ist für die Beurteilun g von Beschwerden gegen Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das Ver sicherungsgericht desselben Kan- tons zuständig. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet ein Einspracheentscheid, den das KIGA Baselland als kantonale Amtsstelle im Sinn e von Art. 85 AVIG erlassen hat, so- dass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-L andschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlu ng der vorliegenden Beschwer- de zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicher- ten vom 19. Oktober 2011 ist demnach einzutreten. 2.1 In seiner Verfügung vom 17. Juni 2011, welche das K IGA mit dem angefochtenen Ein- spracheentscheid vom 19. September 2011 bestätigt hat, sprach das RAV Liestal Süd dem Ver- sicherten für den Zeitraum vom 13. April 2011 bis 14. Dezember 2011 die Vermittlungsfähigkeit ab. Die in der Verfügung angeordnete Terminierung b ezog sich dabei auf den per 14. Dezem- ber 2011 vorgesehenen Abschluss der basellandschaftlichen Anwaltsprüfung der Session 2011/II. In der Folge schied der Beschwerdeführer jedo ch bereits in einem früheren Zeitpunkt aus der Anwaltsprüfung 2011/II aus. Wie eine amtliche E rkundigung bei der Anwaltsprüfungs- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommission Basel-Landschaft ergeben hat, musste diese dem Beschwerdeführer am 9. No- vember 2011 mitteilen, dass er auf Grund der Ergebnisse der schriftlichen Klausuren nicht zu den mündlichen Prüfungen der Session 2011/II zugelassen sei. In Anbetracht dieser (nachträg- lichen) Entwicklung ist deshalb im vorliegenden Beschwerde verfahren die Vermittlungsfähigkeit des Versicherten in zeitlicher Hinsicht nicht mehr - wie ursprünglich angeordnet - bis zum 14. Dezember 2011, sondern lediglich bis zum effektiven Ausscheiden aus der Prüfung, d.h. bis zu der am 9. November 2011 erfolgten Bekanntgabe des E ntscheides über die Nichtzulassung zur mündlichen Anwaltsprüfung 2011/II, zu beurteilen. Allfällige über diesen Zeitpunkt hinaus- gehende Ansprüche des Versicherten bilden nicht (mehr) G egenstand des vorliegenden Be- schwerdeverfahrens. Über die Frage der Vermittlungsfäh igkeit des Versicherten für die Zeit nach der am 9. November 2011 erfolgten Bekanntgabe des (n egativen) Ergebnisses der An- waltsprüfung 2011/II wird - gegebenenfalls - wiederum erstinstanzlich das zuständige RAV zu befinden haben. 2.2 Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfah rens bildet demnach die Frage, ob dem Versicherten für den Zeitraum vom 13. April 201 1 bis 9. November 2011 zu Recht die Vermittlungsfähigkeit abgesprochen worden ist mit der Folge, dass dieser während der genann- ten Periode keine Arbeitslosenentschädigung beanspruchen kann. 3.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nac h Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslo s ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schwe iz wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreich t hat noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), vermittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). 3.2 Die arbeitslose versicherte Person ist nach Art. 15 Abs. 1 AVIG vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Ein- gliederungsmassnahmen teilzunehmen. Die allgemeine Ver mittlungsfähigkeit setzt sich somit aus drei Elementen zusammen. Davon sind die Arbeitsfä higkeit sowie die Arbeitsberechtigung objektiver und die Vermittlungsbereitschaft subjektiver N atur. Damit die Anspruchsvorausset- zungen erfüllt sind, müssen die drei Elemente kumulativ erfüllt sein (THOMAS NUSSBAUMER , Ar- beitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer (Hrsg.), Schweizerisc hes Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Basel/Genf/ München 2007, S. 2258 Rz 261 mit Hin- weisen). Als Anspruchsvoraussetzung schliesst der Begriff der Vermittlungs(un)fähigkeit gradu- elle Abstufungen aus. Entweder ist die versicherte Perso n vermittlungsfähig, insbesondere be- reit, eine zumutbare Arbeit anzunehmen, oder nicht (BGE 125 V 58 E. 6a). 3.3 Unter Arbeitsfähigkeit im objektiven Sinn ("in der Lage sein") ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, die soziale Eignung und d ie Verfügbarkeit in räumlicher sowie in zeitlicher Hinsicht zu verstehen. Was die zeitliche Verfügba rkeit betrifft, so liegt Vermittlungsun- fähigkeit unter anderem vor, wenn eine versicherte Per son aus persönlichen oder familiären Gründen ihre Arbeitskraft nicht so einsetzen kann ode r will, wie es ein Arbeitgeber normaler- weise verlangt (THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2259 Rz 266 mit Hinweisen). Versicherte, die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Hinblick auf anderweitige Verpflichtungen oder beso ndere persönliche Umstände lediglich während gewisser Tages- oder Wochenstunden sich erwerbli ch betätigen wollen, können nur sehr bedingt als vermittlungsfähig anerkannt werden. D enn sind einer versicherten Person bei der Auswahl des Arbeitsplatzes so enge Grenzen gesetzt, da ss das Finden einer Stelle sehr ungewiss ist, muss Vermittlungsunfähigkeit angenommen wer den (BGE 112 V 327 E. 1a mit Hinweisen). Der Grund für die Einschränkung in den Arb eitsmöglichkeiten spielt dabei keine Rolle (THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2259 f. Rz 266 mit Hinweisen). Zu beach ten ist in die- sem Zusammenhang auch die Rechtsprechung, wonach eine v ersicherte Person, die auf einen bestimmten Termin anderweitig disponiert hat und desh alb für eine neue Beschäftigung nur noch während relativ kurzer Zeit zur Verfügung stünde, in der Regel nicht vermittlungsfähig ist. In einem solchen Fall sind nämlich die Aussichten, zwischen der Aufgabe der alten und dem Antritt der neuen Stelle von einem dritten Arbeitge ber angestellt zu werden, verhältnismässig gering (BGE 110 V 208 E. 1 mit Hinweisen). 3.4 Das subjektive Element der Vermittlungsfähigkeit besteht in der Ber eitschaft der versi- cherten Person, die Arbeitskraft entsprechend den persönli chen Verhältnissen während der üblichen Arbeitszeit einzusetzen (BGE 123 V 216 E. 3 mi t Hinweisen). Wesentliches Merkmal ist dabei die Bereitschaft zur Annahme einer Dauerstell e als Arbeitnehmer. Hiezu genügt die Willenshaltung oder die bloss verbal erklärte Vermittlu ngsbereitschaft nicht. Vielmehr ist die versicherte Person gehalten, sich der öffentlichen Arbeitsve rmittlung zur Verfügung zu stellen, angebotene zumutbare Arbeit anzunehmen und sich intensiv nach einer zumutbaren Stelle um- zusehen (THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2261 Rz 270 mit Hinweisen). 3.5 Die Frage der Vermittlungsfähigkeit ist prospekti v und aufgrund einer gesamthaften Würdigung der für die Anstellungschancen im Einzelfal l wesentlichen, objektiven und subjekti- ven Faktoren zu beurteilen. Ausser dem Umfang des für di e versicherte Person in Betracht fal- lenden Arbeitsmarktes ist auch die Art der gesuchten zumu tbaren Arbeit von Bedeutung (Urteil B. des Bundesgerichts vom 1. Juli 2010, 8C_382/2010, E. 3.2; BGE 120 V 387 E. 2). 4.1 Im vorliegenden Fall steht ausschliesslich die Arbeitsf ähigkeit ("in der Lage sein") als objektives Element der Vermittlungsfähigkeit des Versich erten zur Diskussion, wobei insbeson- dere die Frage streitig ist, ob der Beschwerdeführer einige Monate vor und während der Dauer der Anwaltsprüfung objektiv als vermittelbar bezeichnet werden kann. Wie den Akten zu ent- nehmen ist, fand die basellandschaftliche Anwaltsprüfun g der Session 2011/II an folgenden Terminen statt: Vom 8.-12. August 2011 die fünftägige Hausarbeit, am 17. September 2011 und am 15. Oktober 2011 je eine ganztägige schriftliche Klausur und am 13./14. Dezember 2011 die mündlichen Prüfungen. Der Beschwerdeführer vertritt di e Auffassung, dass er die Prüfungsvor- bereitung mit einem vollen Arbeitspensum hätte in Ein klang bringen können. Er wäre durchaus in der Lage gewesen, sich den Prüfungsstoff an den Aben den und an den Wochenenden anzu- eignen. Was die Prüfungen selber betreffe, so hätten die beiden ganztägigen schriftlichen Klau- suren jeweils an einem Samstag stattgefunden und für di e restlichen Prüfungstermine hätte er entweder frei bekommen oder aber Ferientage beziehen können. Demgegenüber erachtet das KIGA die Vermittlungsfähigkeit für den Zeitraum ab P rüfungsbeginn (8. August 2011) von Vorn- herein als nicht gegeben, es spricht dem Versicherten d ie Vermittlungsfähigkeit aber auch be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht züglich der Zeitspanne zwischen der am 13. April 2011 er folgten Anmeldung zur Arbeitsvermitt- lung und dem Prüfungsbeginn ab, da er während diese s Zeitraums vollumfänglich in die Prü- fungsvorbereitung eingebunden gewesen sei. 4.2.1 Das KIGA verweist in seiner Vernehmlassung vom 18 . November 2011 zur Begrün- dung seines Standpunktes auf ein Urteil C. des Kantonsg erichts vom 22. August 2007 (Verfah- ren-Nr. 715 07 24 / 214). Darin sei ausdrücklich aner kannt worden, dass eine versicherte Per- son während der Dauer der Anwaltsprüfung nicht in de r Lage sei, auch nur einer teilzeitlichen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Im damaligen Verfahren ging es allerdings nicht um den Aspekt der Vermittlungsfähigkeit einer versicherten Person, so ndern um die Frage, ob jemand wegen des angehenden Erwerbs des Anwaltspatentes gestützt auf A rt. 14 Abs.1 lit. a AVIG von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sei. In seinen Erwägungen hielt das Kantonsgericht vorab fest, dass die eigentliche Prüfungszeit, d.h. der Zeitraum ab Beginn der Hausarbeit bis zum Ab- schluss der mündlichen Prüfungen, als Hinderungsgrund für die Erfüllung der Beitragszeit gelte (E. 3.1 des Urteils). Sodann ging das Gericht der Frage nach, wie es sich diesbezüglich mit der Zeit der Prüfungsvorbereitung verhalte. Es wies darauf hin, dass sich die damalige Beschwer- degegnerin im Rahmen der Sachverhaltsabklärung bei de r Anwaltsprüfungskommission Basel- Landschaft nach der durchschnittlichen Vorbereitungszeit für die Anwaltsprüfungen erkundigt hatte. Gemäss Auskunft des juristischen Sekretärs der Anwalt sprüfungskommission sei der Aufwand abhängig von der jeweiligen Person und der ab solvierten Praktika. Erfahrungsgemäss betrage die Vorbereitungszeit im Durchschnitt sechs voll zeitliche Monate. Gestützt auf diese Auskunft und unter Berücksichtigung des zu erlernenden St offes erachtete das Kantonsgericht die Richtzahl von durchschnittlich sechs vollzeitlichen Monat en Vorbereitungszeit als verhält- nismässig. Es erwog weiter, dass diese Zahl aber nicht absol ut gelten dürfe, werde doch je nach Lebenssituation etwas mehr oder weniger als sechs M onate Vorbereitungszeit benötigt. Eine genaue Grenzziehung bei sechs vollzeitlichen Monaten sei kaum möglich, weshalb auch eine geringfügige Überschreitung der Richtzahl von zwei bis drei Wochen durchaus noch im zumutbaren Rahmen liege (E. 3.2 des Urteils). 4.2.2 Im erwähnten Urteil C. vom 22. August 2007 hatt e das Kantonsgericht auf einen Ent- scheid des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (E VG, heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) vom 4. Oktober 2004 (C 13 9/2004) hingewiesen, in welchem sich ebenfalls die Frage stellte, wie die Vorbereitungszeit auf die Anwaltsprüfung im Hinblick auf eine allfällige Befreiung von der Beitragszeit zu be handeln sei. Das EVG führte diesbezüglich aus, dass Anwärterinnen und Anwärtern auf das Anwalts- und Notariatspatent zumindest kurz vor den Abschlussprüfungen eine als Befreiungsgrund im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG anzuerkennende erwerbslose Vorbereitungszeit zuzugestehen sei. Welcher Zeitrahmen dabei als gerechtfertigt gelte, geht jedoch aus dem Entscheid n icht hervor. Immerhin beurteilte das EVG die damals zur Diskussion stehende Vorbereitungszeit von zwölf oder mehr Monaten als übermässig. 4.2.3 In einem weiteren Urteil vom 5. Juli 2002 (C 2 74/01) hatte sich das EVG direkt mit der Frage der Vermittlungsfähigkeit während einer Prüfu ngsvorbereitung zu befassen. Im damals zur Beurteilung stehenden Fall besuchte die Versicherte ab anfangs März 2000 jeweils sams- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tags einen Vorbereitungskurs für die KV-Lehrabschlussprüfungen, welche vom 29. Mai 2000 bis 15. Juni 2000 stattfanden. Streitig und zu prüfen war, ob die Versicherte im Zeitraum vom 1. März 2000 bis zum Prüfungsbeginn Ende Mai 2000 ver mittlungsfähig war. Das Verwaltungs- gericht des Kantons Fribourg hatte vorinstanzlich eine Ve rmittlungsfähigkeit mit dem Argument verneint, dass es für die Versicherte schwierig gewesen wär e, in den knapp drei Monaten, wel- che für die Prüfungsvorbereitung zur Verfügung standen, einer Vollzeitbeschäftigung nachzu- gehen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wäre kein Arbeitge ber bereit gewesen, sie unter solchen Umständen vor Ende der Prüfungen anzustellen. Die Besc hwerdeführerin wendete ihrerseits ein, dass sie im Hinblick auf die Prüfung bereits einen sehr guten Wissensstand aufgewiesen und der Vorbereitungskurs samstags stattgefunden habe. Da s damalige EVG verneinte die Vermittlungsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Es verwies zunächst auf die Rechtsprechung zur Vermittlungsfähigkeit von Studierenden, die nur beja ht wird, wenn diese als eigentliche Werk- studenten bereit und in der Lage sind, einem dauerhaf ten Voll- oder Teilzeiterwerb nachzuge- hen (BGE 120 V 385). Hauptargument für die Ablehnun g der Vermittlungsfähigkeit war aber, dass eine Vorbereitungszeit von drei Monaten für die Pr üfungen als notwendig betrachtet wur- de, weshalb auf Grund dieser notwendigen Zeit eine ge wissenhafte Prüfungsvorbereitung und die gleichzeitige Ausübung einer Vollzeitstelle nicht mehr als realistisch anzusehen sei. 4.2.4 Dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. Au gust 2009 (B-5877/2008) lag die Frage der Vermittlungsfähigkeit einer Dentalassistentin zu Grunde, die ihre Stelle gekündigt hatte, um sich beruflich weiterzubilden. Sie besuchte in der Folge einen Kompaktlehrgang einer Diplom-Handelsschule, welcher einem Schulpensum von vier Wochentagen entsprach. Das Bundesverwaltungsgericht hielt fest, dass auf Grund der vorgegebenen und zeitlich festgeleg- ten Ausbildungsstunden zwar theoretisch eine Teilzeitarbeit im Umfang von 50 % möglich wäre, die Chancen seien aber in der Praxis als gering einzustu fen, eine derartige, auf das Kurspro- gramm abgestimmte Tätigkeit zu finden. Es sei wenig wa hrscheinlich, dass ein Arbeitgeber die Versicherte unter diesen Umständen für eine Dauer von w eniger als vier Monaten für ein Teil- zeitpensum angestellt hätte. Das Gericht verneinte deshal b eine Vermittlungsfähigkeit auch für ein Teilzeitpensum von 50 %. 4.2.5 In einem Urteil vom 3. März 2011 (AL.2011.00007 ) hatte das Sozialversicherungsge- richt Zürich die Vermittlungsfähigkeit einer Studentin zu beurteilen, die sich im Ausmass einer Vollzeitbeschäftigung zum Bezug von Arbeitslosenentschädig ung per Dezember 2008 ange- meldet, ab Juli 2009 den Beschäftigungsgrad in Absprach e mit ihrem RAV-Berater auf 50 % reduziert und per 1. September 2009 wieder auf 70 % und per 1. Dezember 2009 wieder auf 100 % erhöht hatte. Die Reduktion des gesuchten Beschäf tigungsgrades auf 50 % per 1. Juli 2009 erfolgte aufgrund des Aufwandes für die Lizentiat sarbeit. Die Beschwerdeführerin gab dazu an, sie habe das Pensum während fünf Monaten red uziert, um ihre Lizentiatsarbeit zu schreiben. Sie schätze, dass sie etwa 500 Stunden in die L izentiatsarbeit investiert habe. Das Sozialversicherungsgericht Zürich erwog, soweit die Beschwe rdeführerin eine Erhöhung des Pensums auf 70 % per September 2009 geltend gemacht h abe, vermöge dies nicht zu über- zeugen. So sei sie im Zeitraum Juli bis November 2009 un bestrittenermassen mit dem Verfas- sen der Lizentiatsarbeit beschäftigt gewesen. Ausgehen d von der eigenen Schätzung der Be- schwerdeführerin von 500 Stunden Aufwand, würden auf j eden Monat 100 Stunden entfallen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dies entspreche rund 5 Stunden pro Arbeitstag oder etwa drei vollen Arbeitstagen pro Woche. Vor diesem Hintergrund erscheine bereits ein Pensum von 5 0 % als zu hoch. Damit sei wenig realistisch, dass die Beschwerdeführerin während diesen fünf Monaten bereit und in der Lage gewesen sei, eine zumutbare Arbeit im Umfang von mehr als 50 % anzunehmen. Die Be- schwerdeführerin habe dazu angegeben, dass sie neben ein er 50 %-Beschäftigung, beispiels- weise von 8.00 bis 12.00 Uhr, problemlos am Nachmittag noch sechs Stunden an ihrer Lizenti- atsarbeit hätte schreiben können. Dabei sei noch nicht berücksichtigt, dass es durchaus üblich sei, dass Studenten auch an den Wochenenden an ihren Li zentiatsarbeiten schreiben würden. Zu diesem Einwand hielt das Sozialversicherungsgericht Zü rich unter Hinweis auf die bundes- gerichtliche Rechtsprechung (Urteil B. des Bundesgerichts v om 1. Dezember 2009, 8C_854/2009, E. 3.3; BGE 129 V 105 E. 2). fest, die Arbeitslosenversicherung biete nur für eine normale übliche Arbeitnehmertätigkeit Versicherungsschutz. Dagegen sei keine Entschädigung für Erwerbseinbussen auszurichten, die aus dem Ausfall einer Überbeschäftigung stammten. Somit ergebe sich, dass von einer Vollzeitbeschäftigung au szugehen sei und ein diese über- steigender Aufwand an den Werktagen nicht berücksichtigt w erden könne. Arbeitsstunden am Wochenende würden aus Sicht der Arbeitslosenversicherun g ebenfalls nicht in Betracht fallen. Die seitens der Beschwerdeführerin angegebenen Arbeitszeiten für die Lizentiatsarbeit und eine 50%ige Anstellung würden eine normale vollzeitliche Be schäftigung übersteigen. Es sei aber nicht Sache der Arbeitslosenversicherung, ein Pensum von m ehr als 100 % zu entschädigen (Sozialversicherungsgericht Zürich, Urteil AL.2011.00007, E. 3.2.1). 5.1 Im Lichte der geschilderten Rechtsprechung hat das K IGA die Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers für den vorliegend streitigen Zeit raum vom 13. April 2011 bis 9. No- vember 2011 zu Recht verneint. Wie das Kantonsgericht im erwähnten Urteil C. vom 22. August 2007 gestützt auf die Ergebnisse einer amtlichen Erkundigung bei der Anwaltsprüfungskommis- sion festgehalten hat, erweist sich unter Berücksichtigung des zu erlernenden Stoffes die An- nahme einer Richtzahl von durchschnittlich sechs vollzeit lichen Monaten Vorbereitungszeit für die Anwaltsprüfung als verhältnismässig. Es sind keine Gründ e ersichtlich, weshalb heute von dieser im Jahre 2007 erfolgten Einschätzung abzuweichen wäre. Im hier zu beurteilenden Fall lagen von der Anmeldung zur Arbeitsvermittlung am 13. April 2011 bis zum Beginn der fünftägi- gen Hausarbeit am 8. August 2011 knapp vier Monate und bis zur ersten ganztägigen schriftli- chen Klausur am 17. September 2011 etwas mehr als fünf Monate. Diese Zeitspannen liegen innerhalb der sechs Monate, welche nach dem Gesagten im Durchschnitt für eine vollzeitliche Prüfungsvorbereitung aufzuwenden sind. Musste sich der Besc hwerdeführer aber im fraglichen Zeitraum vollzeitlich der Prüfungsvorbereitung widmen, so war er aus diesem Grund nicht ver- mittlungsfähig. 5.2 An dieser Einschätzung vermag auch der Einwand d es Beschwerdeführers nichts zu ändern, wonach er bereit und in der Lage gewesen wäre, sich den Prüfungsstoff jeweils abends und an den Wochenenden anzueignen, und es ihm dadurch möglich gewesen wäre, trotz der Prüfungsvorbereitung einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Diesbezüglich ist auf die ausführli- chen und überzeugenden Erwägungen des Sozialversicherungsg erichts Zürich im erwähnten Urteil vom 3. März 2011 (AL.2011.00007, E. 3.2.1) zu ve rweisen, wonach es nicht Sache der Arbeitslosenversicherung ist, ein Pensum von mehr als 100 % zu entschädigen. Dieser Beurtei- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung ist vollumfänglich beizupflichten. Sie deckt sich de nn auch mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, in welcher wiederholt festgehalten wo rden ist, dass die Arbeitslosenversiche- rung praxisgemäss nur normale Arbeitnehmertätigkeiten versichert (vgl. etwa Urteil B. des Bun- desgerichts vom 1. Dezember 2009, 8C_854/2009, E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). Vorliegend gehörten für den Beschwerdeführer in der vor Eintrit t der Arbeitslosigkeit ausgeübten berufli- chen Haupttätigkeit als juristischer Volontär aber weder das Wochenende noch die Nacht zur üblichen Arbeitszeit. 5.3 Zu einer Ablehnung der Vermittlungsfähigkeit de s Beschwerdeführers gelangt man schliesslich auch auf Grund einer anderen Überlegung. Na ch der bundesgerichtlichen Recht- sprechung gilt als Ausbildung, welche die versicherte Per son gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG von der Erfüllung der Beitragszeit befreit, jede systema tische, auf der Grundlage eines ord- nungsgemässen, rechtlich oder zumindest faktisch anerkannt en (üblichen) Lehrganges beru- hende Vorbereitung auf eine künftige erwerbliche Täti gkeit (Sozialversicherungsrecht - Recht- sprechung [SVR] 1995 ALV Nr. 46 S. 135 E. 2a; Arbeitsr echt und Arbeitslosenversicherung [ARV] 2000 Nr. 28 S. 146). Als Abschluss der Ausbildung g ilt jener Zeitpunkt, in welchem die versicherte Person davon Kenntnis erhält, dass sie die Schlus sprüfung mit Erfolg bestanden hat. Die Ausbildung, welche die versicherte Person als Gr und für die Befreiung von der Erfül- lung der Beitragspflicht geltend macht, muss überdies genügend überprüfbar sein (vgl. BGE 108 V 103 E. 2a; ARV 1990 Nr. 28 S. 147). Auch wenn diese Frage vorliegend nicht zu beurtei- len ist, so dürfte es sich bei der Anwaltsprüfung um ein e anerkannte, ja geradezu institutionali- sierte Ausbildung handeln, welche mit den Zulassungsvor aussetzungen, wie sie im Anwaltsge- setz umschrieben sind, und mit dem gemäss Prüfungsreglemen t exakt vorgeschriebenen Prü- fungsablauf genau reglementiert ist. Damit ist aber kla r, dass sich der Beschwerdeführer wäh- rend der Vorbereitung und der Absolvierung der Anwalt sprüfung noch in Ausbildung befunden hat mit der Folge, dass die Vorbereitungs- und die Pr üfungszeit als Befreiungstatbestände ge- mäss Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG zu gelten haben. Umgeke hrt bedeutet dies dann aber auch, dass für diesen Zeitraum keine Vermittlungsfähigkeit gegeben ist. 5.4 Zusammenfassend folgt als Ergebnis, dass das KIGA die Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers für den vorliegend streitigen Zeitra um vom 13. April 2011 bis 9. November 2011 zu Recht verneint hat. Die gegen den betreffende n Einspracheentscheid vom 19. Sep- tember 2011 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen wer- den muss. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid hat der Beschwerdeführer am 22. Mai 2012 Beschwerde beim Bun- desgericht erhoben (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_431/2012 ). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht