Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. Januar 2015 (720 14 267) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Leistungsanspruch; Würdigung der medizinischen Unterlagen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber i.V. Michael Ruch Parteien A.____, vertreten durch Dr. Daniel Riner, Advokat, Steinentorstrasse 13, Postfach 204, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.5337.6500.36) A.1 A.____, geboren am 17. September 1956, arbeitet e vom 1. Oktober 1986 bis zu seiner Kündigung am 31. Juli 2006 als Betriebsarbeiter bei der B.____ AG in Basel. Im Jahr 2000 mel- dete er sich unter Hinweis auf eine Hornhautverkrüm mung sowie Probleme an der Halswirbel- säule zum Leistungsbezug bei der Eidgenössischen In validenversicherung (IV) an. Dieses Ge- such wurde durch die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV -Stelle) mit Verfügung vom 12. März 2002 abgewiesen. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.2 Am 20. Februar 2006 unterbreitete der Versicherte der IV-Stelle ein neues Leistungs- gesuch. Darin verwies er wiederum auf die Seh- und Hal swirbelsäulenbeschwerden und bean- tragte berufliche Massnahmen sowie eine IV-Rente. Nach weiteren beruflichen und gesundheit- lichen Abklärungen und durchgeführtem Vorbescheidverfah ren verfügte die IV-Stelle am 17. Juni 2009 zuerst den Abschluss der Arbeitsvermittlung. Am 15. September 2010 lehnte sie - gestützt auf einen rentenausschliessenden IV-Grad von 35 % - den Anspruch auf eine IV-Rente ab. Gegen diese Verfügung erhob A.____ Beschwerde bei m Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), welches mit Urteil vom 3. März 2011 fest- stellte, dass der medizinische Sachverhalt ungenügend abg eklärt worden sei, weshalb die An- gelegenheit zur ergänzenden Abklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen wurde. A.3 Die IV-Stelle holte in der Folge für den Zeitra um von 2005 bis 2010 bei den behan- delnden Ärzten weitere Stellungnahmen und Einschätzung en zum Gesundheitszustand und insbesondere zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten ein. Na ch durchgeführtem Vorbescheidver- fahren teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 10. Juli 2014 mit, dass er vom 1. November 2006 bis 30. Juni 2007 Anspruch auf eine ganze IV-Rente und vom 1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2010 auf eine Viertelsrente habe. Vom 1. Juli 2007 bis zum 31. Dezem- ber 2009 bestehe - mangels rentenbegründendem IV-Grad - kein Anspruch auf eine Rente. B. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertr eten durch Dr. Daniel Riner, Advo- kat, am 10. September 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht. Er beantragte, es seien ihm die gesetzlichen Leistungen auszurichten (insbesondere eine g anze Rente von Juli 2006 bis No- vember 2007). Eventualiter seien weitere medizinische Abkl ärungen durchzuführen; alles unter o/e-Kostenfolge. C. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 29. Oktober 2014 die Abwei- sung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Land zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 10. September 2014 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Strittig ist, ob der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine ganze Rente statt ab 1. November 2006 bereits ab 1. Juli 2006 besteht und ob dieser statt bis Ende Juni 2007 bis 30. November 2007 andauert. Nicht mehr strittig ist hingege n zu Recht die Frage des Ablaufs des Wartejahres am 25. Juli 2006. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne w esentlichen Unterbruch durchschnitt- lich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussicht- lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidi- tät wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen , der geistigen oder der psychischen Ge- sundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Ge burtsgebrechen, Krankheit oder Un- fall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 3.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie zu mindestens 60% , auf eine halbe Rente, wenn sie zu min- destens 50% und auf eine Viertelrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad bei erwerbstätigen Versicher- ten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Daz u wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini- schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahm en durch eine ihr zumutbare Tätig- keit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei- nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der E inkommensdifferenz der Invaliditäts- grad bestimmen lässt (BGE 104 V 136). 4.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 4.2 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zu letzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen u nd nach ihren persönlichen Ver- hältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerwei se noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhau- ser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.4 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.5 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerich ts [EVG; heute Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Für die Beurteilung der strittigen Frage sind vor liegend im Wesentlichen nachfolgende Berichte zu berücksichtigen: 5.2 In den Akten finden sich zwei bidisziplinäre Gutachten von Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie, und PD Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 26. No- vember 2007 und vom 26. August 2010. Dr. C.____ diagn ostizierte in beiden Gutachten mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine linksseitige Periarthropathia humeroscapularis (PHS) bei Status nach linksseitiger Schulterarthroskopie, arthroskopischer subacromialer De- kompression und linksseitiger arthroskopischer AC-Gelenksres ektion, eine linksseitige offene Rotatorenmanschettenintervall-Reinsertion-Plastik mit linksseitiger Bizepssehnentenodese, eine rechtsseitige PHS bei rechtsseitiger ausgedehnter Rotator enmanschettenruptur und Status nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion im Jahre 2000 s owie eine fortgeschrittene linksseiti- ge Gonarthrose mit Bewegungseinschränkungen bei Statu s nach zehnfacher Operation am linken Knie. Aus rheumatologischer Sicht könne der Explora nd im angestammten Beruf auf- grund der beidseitigen Schulterproblematik nicht über siebeneinhalb Kilogramm heben, stossen oder ziehen. Ferner könne dieser keine dauernden Tätigk eiten über Schulterhöhe durchführen. Wegen der linksseitigen Knieprobleme könne er nicht dau ernd gehen, sondern müsse nach einer Stunde Gehstrecke eine Pause einlegen können. Er sei ihm zudem nicht möglich, Trep- pen zu besteigen, auf Gerüste zu steigen und wiederholen d bückende oder nur kniende Tätig- keiten auszuüben. Bezüglich der Hände bestehe heute ein e erhebliche Limitierung in dem Sin- ne, als der Explorand mit ihnen keine feinmotorischen T ätigkeiten mehr ausüben könne. Eine verminderte Belastung der Hände sei möglich, jedoch könne der Versicherte maximal Gewichte von etwa drei Kilogramm, selten fünf Kilogramm wiede rholt heben. Zu beachten sei, dass die Hände aufgrund einer Schmerzsymptomatik nicht dauernd, sondern höchstens halbtags ein- setzbar seien. Müsse er – wie im Rahmen seiner letzten Anst ellung in der Tamiflu-Produktion – vorwiegend eine Kontrolltätigkeit ausüben, bei welcher er die Hände nicht oder nur in geringem Ausmass einsetzten müsse, kämen diese Restriktionen nicht me hr zum Tragen. Gesamthaft gesehen bestehe somit für eine Tätigkeit, welche die ge nannten Einschränkungen berücksichti- ge, eine ganztägige Arbeitsfähigkeit. Zusammenfassend s ei festzustellen, dass sich die Situati- on seit dem Gutachten vom 26. November 2007 durch di e Problematik der Hände verschlech- tert habe. Diese sei neu zu den vorgängig bereits besteh enden Restriktionen hinzugekommen. Gemäss den behandelnden Rheumatologen des Spitals E.____, seien die Beschwerden an den Händen ab dem 23. März 2009 klinisch relevant geworden. Er gehe also davon aus, dass ab dem entsprechenden Datum die zusätzliche Einschränkung bezüglich manueller Belastung hin- zugekommen sei. Dr. D.____ stellte in beiden Gutachten keine psychiatri schen Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest. Es läge lediglich ein Verdacht auf eine wahnhafte Störung vor, welcher keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. 5.3 Nachdem das Kantonsgericht mit Urteil vom 3. März 2 011 die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückgewiesen hat, holte diese zur Ergänzung des medizinischen Sachverhalts nachfolgende Berichte ein: Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.1 Im Bericht vom 9. August 2011 führte Dr. med. F. ____, FMH Rheumatologie, Klinik G.____, aus, dass der Versicherte ab März 2006 zur periodi schen Behandlung in der Schmerz- klinik gewesen sei. Dr. F.____ verzichtete auf die Ausstellu ng von Arbeitsunfähigkeitszeugnis- sen, da die Hauptbehandlung durch andere, auswärtige Ärzte vorgenommen worden sei. Es sei jedoch wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer in der Zeit von Januar 2006 bis Oktober 2006 wohl zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei. 5.3.2 Dr. med. H.____, FMH Orthopädische Chirurgie, der den Beschwerdeführer am 21. November 2006 an der linken Schulter operiert hatte, führte am 25. August 2011 zur Behand- lung des Versicherten im Zeitraum vom 21. November 2006 bis zum 7. August 2007 aus, dass er keine detaillierte Angaben über dessen Arbeitsfähig keit machen könne, da eine Mischprob- lematik an beiden Schultern sowie an der Halswirbelsäu le vorliege. In den Akten findet sich aber auch der Konsultationsbericht vom 27. März 2007 vo n Dr. H.____. Diesem ist zu entneh- men, dass die Entwicklung der operierten linken Schulter positiv sei und aufgrund der Abnahme der Beschwerden sowie der fortgeschrittenen Funktionalit ät die Operation der rechten Schulter geplant werden könne. Am 7. August 2007 wies Dr. H. ____ darauf hin, dass die Schulterbe- weglichkeit und die Kraft in beiden Schultergelenken recht seien. 5.3.3 Der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. med. J.____, FMH Innere Medizin, berichtet am 24. Juni 2011 über die Arbeitsfähigkeit des Versiche rten aufgrund der Behandlungen an dessen Händen. Der Versicherte sei am 25. Juli 2005 an d er rechten und am 21. November 2005 an der linken Hand operiert worden. Ab Januar 2 006 habe eine stationäre Behandlung in der Schmerzklinik Basel stattgefunden und am 21. November 2006 sei der Versicherte an der linken Schulter operiert worden. Dr. J.____ attestiert eine Arbeitsunfähigkeit von 100% vom 25. Juli 2005 bis zum 14. November 2007. 5.3.4 Mit Bericht vom 8. Mai 2012 nahm Dr. med. D. K. ____, FMH Allgemeine Medizin und Arbeitsmedizin, Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RA D), zu den eingeholten Berichten Stellung. Er führt aus, dass auf die Angaben von Dr. F.____ vom 9. August 2011 nicht abge- stellt werden könne, da dieser bei der Beurteilung de r Arbeitsfähigkeit lediglich von einer Wahr- scheinlichkeit ausgehe und diese nicht mit klinischen Daten und Fakten belege. Weiter habe Dr. F.____ nicht zwischen angestammter und alternativer/adap tierter Tätigkeit unterschieden. So sei lediglich die aktuell ausgeführte bzw. angestammte T ätigkeit beurteilt worden. Die Misch- problematik, die Dr. H.____ in seinem Bericht vom 25. August 2011 beschreibe, sei an sich richtig. Es sei jedoch zu beachten, dass beim Beschwerdefü hrer immer ein Organ im Vorder- grund gestanden habe, das die Arbeitsfähigkeit wesentl ich beeinflusst habe. In seinem Konsu- larbericht habe Dr. H.____ die Beweglichkeit der linke n Schulter als sehr gut beschrieben und erklärt, dass die geltend gemachten Schmerzen nur mit ei ner Foraminalstenose C6/7 erklärbar sei. Diese These sei jedoch durch die Ausführungen von Prof. Dr. med. L.____, FMH Neurochi- rurgie, vom 15. August 2007 widerlegt worden sei. Aus diesem Grund sei unter Berücksichti- gung der Angaben von Dr. H.____ vom 27. März 2007 mit Wirkung ab April 2007 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Täti gkeit auszugehen. Daran ändere auch die Einschätzung von Dr. J.____ nichts, wonach der Beschwerd eführer bis zum 14. November Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2007 arbeitsunfähig sei, da dieser nur ausweichend zu ei ner Verweistätigkeit Stellung nehme und keine Möglichkeit für einen Arbeitseinsatz sehe. De r RAD-Arzt verweist schliesslich auf die Gutachten der Dres. C.____ und D.____, die er als schlüssig und vollständig bezeichnet. 5.3.5 Am 26. Mai 2012 bestätigte Dr. J.____, dass der Beschwerdeführer in der Zeit vom 25. Juli 2005 bis 15. November 2007 aufgrund der Beschwerde n an den Händen, den Schultern, der Halswirbelsäule und wegen psychischen Problemen zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei. 6.1 Die IV-Stelle erachtete den Versicherten in ihrer Verfügung vom 10. Juli 2014 in der Zeit vom 21. November 2006 bis 1. April 2007 als 100% arbeitsunfähig und richtete ihm vom 1. November 2006 bis 30. Juni 2007 eine ganze Rente aus. S ie stützte sich hierbei in erster Linie auf die Angaben von Dr. H.____ vom 27. März 2007, wona ch beim Versicherten eine positive Entwicklung und abnehmende Beschwerden der linken Schulter festzustellen seien. Ebenso sei die Funktionalität der Schulter relativ weit fortgeschritten, sodass eine Operation an der rechten Schulter geplant werden könne. Der Arzt des RAD Dr. K._ ___ interpretierte die Ausführungen von Dr. H.____ in seinem Bericht vom 8. Mai 2012 dahingehend, dass dieser dem Beschwerde- führer zwar keine Arbeitsfähigkeit bestätige. Es sei jed och davon auszugehen, dass dem Be- schwerdeführer drei bis vier Monate nach der Operation eine Verweistätigkeit zu 100% zumut- bar sei. Dieser Auffassung kann jedoch aus nachfolgende n Gründen nicht gefolgt werden. Zu- nächst ist zu betonen, dass Dr. K.____ seine Beurteilu ng einzig auf die hypothetische Annah- me, dass die Rehabilitationszeit nach einer Schulteroper ation, wie sie beim Beschwerdeführer durchgeführt wurde, drei bis vier Monate dauere. Diese Einschätzung ist jedoch nicht belegt. Im Eintrag von Dr. H.____ in der Krankengeschichte des Vers icherten vom 27. März 2007 wird zudem lediglich festgehalten, dass die Heilung auf gute m Wege sei. Aufgrund der Komplexität des Schultergelenkes kann daraus jedoch noch keine Belastba rkeit abgeleitet werden, welche eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigke it zulassen würde. Die echtzeitliche Beur- teilung hat in diesem Zusammenhang einen höheren Beweiswert als abstrakte Erfahrungswerte bzw. die Genesungsdauer. Dieser Ansicht scheint letztlich a uch die IV-Stelle zu sein, führt sie doch in ihrer Vernehmlassung vom 29. Oktober 2014 aus, dass aus ihrer Sicht ab der Konsulta- tion des Beschwerdeführers bei Dr. H.____ am 7. August 2007 von einer 100%igen Arbeitsfä- higkeit in einer Verweistätigkeit auszugehen sei, was n icht zu beanstanden ist. Dr. H.____ er- achtete in diesem Zeitpunkt die Beweglichkeit und Kraft beider Schultergelenke als gut, wes- halb erst – aber immerhin - mit Wirkung ab 7. August 2007 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen werden kann. 6.2 Daran ändern die Ausführungen des Beschwerdeführer s nichts. Dieser hält in seiner Beschwerde vom 10. September 2014 im Wesentlichen fest, dass vorliegend den Angaben von Dr. J.____ vom 26. Mai 2012 zu folgen und davon auszugeh en sei, dass er seit Ablauf des Wartejahres bis 14. November 2007 100% arbeitsunfähig gewesen sei. Dr. J.____ stütze sich auf die vorhandene Krankengeschichte, seine eigenen Er fahrungen und die ihm vorliegenden Berichte der verschiedenen Spezialärzte. Hierzu ist zunächs t festzustellen, dass nach Ablauf des Wartejahres am 25. Juli 2006 bis zur Operation an der linken Schulter am 21. November 2006 keine invalidisierenden Beschwerden belegt sind. W eiter ist zu beachten, dass Dr. J.____ insgesamt nur ausweichend zur Frage der Arbeitsfähigkeit i n einer Verweistätigkeit Stellung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nimmt, weshalb er keine beweiskräftige Zumutbarkeitsbeur teilung vornimmt. Schliesslich ist dennoch und entgegen den Ausführungen in der Beschwer de festzustellen, dass i n Bezug auf Berichte von Hausärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist, dass Hausärzte mit- unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauen sstellung in Zweifelsfällen eher zu Guns- ten ihrer Patienten und Patientinnen aussagen (BGE 1 25 V 353 E. 3b/cc). Unter diesen Um- ständen kann der Einschätzung von Dr. J.____ nicht gefolgt werden. 6.3 Somit kann gestützt auf die vorstehenden Erwägungen als Zwischenergebnis festge- halten werden, dass im vorliegend umstrittenen Zeitraum von 1. Juli 2006 bis 30. November 2007 davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer in der Zeit vom 21. November 2006 (Operation der linken Schulter am 21. November 2006) bis 7. August 2007 100% arbeitsunfähig war. Da die vorhandenen Unterlagen eine zuverlässige Be urteilung des medizinischen Sach- verhaltes zulassen, besteht demnach kein Anlass, weitere (fach -)ärztliche Abklärungen vor- nehmen zu lassen, wie dies der Beschwerdeführer eventual iter beantragt (vgl. zur antizipierten Beweiswürdigung: BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d , 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinwei- sen; vgl. auch 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen). 7.1 Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hi ervor), ist der Invaliditätsgrad bei er- werbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergle ichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfü gung vom 14. Juli 2014 die erforderlichen Einkommensvergleiche vorgenommen. Dabei kam sie zum Schlu ss, dass der Beschwerdefüh- rer in der Zeit vom 1. Juli 2006 bis 1. November 200 6 und vom 1. Juli 2007 bis 31. Dezember 2009 sowie ab 1. Januar 2011 aufgrund rentenausschliessend er Invaliditätsgrade keinen An- spruch auf eine Rente habe. Weiter stellte sie fest, da ss der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. November 2006 bis 30. Juni 2007 Anspruch auf eine ga nze Rente und vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2010 Anspruch auf eine Viertelsrente habe. Die Einkommensvergleiche bzw. die massgebenden Berechnungsgrundlagen werden vom Beschw erdeführer zu Recht grund- sätzlich nicht bestritten, weshalb diesbezüglich vollumfängl ich auf die Ausführungen der Vo- rinstanz in der angefochtenen Verfügung vom 10. Juli 2014 verwiesen werden kann. 7.2 Zu beachten ist jedoch, dass aufgrund der vorstehend en Feststellungen (vgl. E. 6.3) die Periode einer vollen Arbeitsunfähigkeit entgegen der angefochtenen Verfügung nicht bereits am 1. April 2007 endet, sondern bis 7. August 2007 ( Abschluss der Rehabilitation der Schul- teroperation) andauert. Dementsprechend hat der Besch werdeführer gestützt auf Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1996 bis Ende Novem- ber 2007 Anspruch auf eine ganze Rente. In diesem Sin ne ist die Beschwerde teilweise gutzu- heissen und die Verfügung der IV-Stelle vom 10. Juli 2014 aufzuheben. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 8.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 18. November 2014 für das vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von 24.15 Stunden geltend gemacht. Dieser Auf wand erweist sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfra gen und der langen Verfahrensdau- er als angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozial versicherungsprozessen praxisge- mäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Aus- lagen von Fr. 86.--. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6‘613.40 (24.15 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 86.-- + 8 % Mehrwert- steuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Ver- fügung der IV-Stelle vom 10. Juli 2014 aufgehoben un d es wird festge- stellt, dass der Beschwerdeführer von November 2006 bis Nove mber 2007 Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 6‘613.40 (inkl. Ausl agen und 8% Mehrwertsteuer) auszurichten.