<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="cell small-12 contentContainer printArea"> <b><font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4">UV.2009.00402</font></b><br/> <b><font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4"> </font></b><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="6">Sozialversicherungsgericht</font><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="6">des Kantons Zürich</font><br/> <font size="4">II. Kammer</font><br/> <font size="4">Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender</font> <p><font size="4">Sozialversicherungsrichter Meyer</font> </p><p><font size="4">Ersatzrichterin Romero-Käser</font> </p><p><font size="4">Gerichtssekretärin Fehr</font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Urteil vom 7. Juni 2010</font></b><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">in Sachen</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">X.___</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Beschwerdeführer</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Bruno Seemann</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Anwaltsbüro Landmann</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Möhrlistrasse 97, Postfach 2676, 8033 Zürich</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">gegen</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4">Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Rechtsdienst, Generaldirektion Schweiz</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Postfach, 8085 Zürich</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Beschwerdegegnerin</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Sachverhalt:</font></b><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.1 X.___, geboren 1954, war als selbständiger K.___ bei der Zürich freiwillig unfallversichert, als er am 11. Juli 1997 beim Wechseln einer Glühbirne von einem Stuhl fiel (Urk. 12/Z1, Urk. 12/Z10).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Gegen die Leistungseinstellung mittels Einspracheentscheid vom 18. Dezember 1998 (Urk. 12/Z45) führte der Versicherte Beschwerde, die vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 14. September 1999 im Verfahren UV.99.00064 im Sinne einer Rückweisung gutgeheissen wurde (Urk. 12/9), was vom damaligen Eidgenössischen Versicherungsgericht mit Urteil vom 6. April 2000 bestätigt wurde (Urk. 12/3 = Urk. 3/9).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Daraufhin veranlasste die Zürich ein Gutachten, das am 8. Dezember 2000 erstattet wurde (Urk. 12/ZM19 = Urk. 3/6) und sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 12. März 2001 eine Rente entsprechend einem Invaliditätsgrad von 50 % zu (Urk. 12/Z109 = Urk. 3/10). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.2 Am 13. Mai 2000 hatte der Versicherte der Zürich einen am 30. April 2000 in Y.___ erlittenen Auffahrunfall gemeldet; diesbezüglich stellte die Zürich mit Einspracheentscheid vom 30. November 2006 ihre Leistungen per 12. März 2003 ein. Dies wurde mit Urteil vom 12. September 2008 des hiesigen Gerichts im Verfahren Nr. UV.2007.00144 (Urk. 22) und vom Bundesgericht mit Urteil vom 25. Mai 2009 (Urk. 12/Z125 = Urk. 3/12) bestätigt.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.3 Mit Verfügung vom 4. August 2009 stellte die Zürich die auf den Unfall von 1997 zurückgehende Rentenleistung per Ende Juni 2009 ein (Urk. 12/Z131 = Urk. 3/2). Dagegen erhob der Versicherte am 9. September 2009 Einsprache (Urk. 12/Z132 = Urk. 3/3). Diese wies die Zürich mit Einspracheentscheid vom 15. Oktober 2009 ab (Urk. 12/Z134 = Urk. 2).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2. Gegen den Einspracheentscheid vom 15. Oktober 2009 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 16. November 2009 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm die versicherten Leistungen auch nach dem 30. Juni 2009 uneingeschränkt zu erbringen (Urk. 1 S. 2 Mitte Ziff. 1-2).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Mit Beschwerdeantwort vom 16. Dezember 2009 beantragte die Zürich die Abweisung der Beschwerde (Urk. 11).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Mit Replik vom 20. Januar 2010 (Urk. 16) und Duplik vom 25. Januar 2010 (Urk. 20) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Das Gericht zieht in Erwägung:</font></b><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.1 Die Beschwerdegegnerin begründete die Einstellung der Rentenleistungen damit, aufgrund der ihr vorliegenden Observationsberichte sei erstellt, dass der Beschwerdeführer ohne jegliche Einschränkungen seinen beruflichen Aktivitäten ganztägig nachgehen könne und die im Dezember 2000 gegenüber dem damaligen Gutachter angegebenen Beschwerden offensichtlich nicht mehr vorhanden seien; insbesondere könne von einer Depression mit Isolation keine Rede mehr sein (Urk. 2 S. 2 Ziff. 2a). Die im März 2001 zugesprochene Rente von 50 % sei deshalb gemäss Art. 17 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Revision zu ziehen und aufzuheben (Urk. 2 S. 2 Ziff. 2b).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.2 Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, eine Verbesserung des Gesundheitszustandes liege nicht vor und sei von der Beschwerdegegnerin auch nicht belegt worden (Urk. 1 S. 12 f. Ziff. 28). Ferner seien die Verfügung und der Einspracheentscheid ungenügend begründet (Urk. 1 S. 11 f. Ziff. 25) und die erfolgte Observation habe sich teilweise unzulässiger Methoden bedient (Urk. 1 S. 11 Ziff. 24).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.1 Auf die formellen Rügen des Beschwerdeführers ist vorab einzugehen.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.2 Dass - wie vom Beschwerdeführer behauptet - der angefochtene Entscheid ungenügend begründet sein soll, ist nicht ersichtlich. Vielmehr ergibt sich daraus (auch für den Beschwerdeführer, wie seine Ausführungen zeigen) ohne weiteres, dass die Beschwerdegegnerin aufgrund der von ihr genannten Observation zum Schluss gekommen ist, weitere Rentenleistungen seien nicht mehr gerechtfertigt.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Dass der Beschwerdeführer den Standpunkt vertritt, aus den Observationsberichten lasse sich dieser Schluss nicht ziehen, ist ihm unbenommen. Dies ist jedoch eine Frage der inhaltlichen Würdigung. Es macht die von der Beschwerdegegnerin angegebene Begründung nicht im - hier vorab einzig wesentlichen - verfahrensrechtlichen Sinne ungenügend.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> In diesem Punkt erweist sich die Beschwerde somit als unbegründet.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.3 Sodann machte der Beschwerdeführer geltend, die erfolgte Observation habe sich teilweise unzulässiger Methoden bedient.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Diesbezüglich ist er vollumfänglich auf BGE 135 I 169 zu verweisen. Das entsprechende Urteil ist am 15. Juni 2009 ergangen (und am 7. September 2009 in Heft 4 amtlich publiziert worden); in der am 16. November 2009 erhobenen Beschwerde wurde darauf jedoch keinerlei Bezug genommen.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Die Beschwerde ist auch in diesem Punkt unbegründet.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.1 Die strittige Leistungseinstellung per Ende Juni 2009 erfolgte ausschliesslich gestützt auf die von der Beschwerdegegnerin veranlassten Observationsberichte (Urk. 13/1-3 = Urk. 3/13a-c, Urk. 13/4). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Eine medizinische Beurteilung der Verhältnisse im strittigen Zeitpunkt ist nicht erfolgt.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.2 Aus den Observationsberichten ergeben sich zwar tatsächlich ernsthafte Zweifel hinsichtlich der behaupteten Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers. Bereits in den im Urteil vom 12. September 2008 erwähnten medizinischen Beurteilungen wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % als sehr hoch erachtet (Urk. 22 S. 12 Erw. 3.8 in fine, S. 14 f. Erw. 4.4).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.3 Das genügt jedoch nicht für eine revisionsweise Anpassung und dementsprechende Leistungseinstellung. Art. 17 ATSG setzt eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades voraus; diese wiederum ergibt sich - von hier nicht einschlägigen Möglichkeiten abgesehen - aus einer Veränderung des Gesundheitszustandes beziehungsweise seiner erwerblichen Auswirkungen (vgl. BGE 130 V 349 f. Erw. 3.5, 117 V 199 Erw. 3b, 113 V 275 Erw. 1a mit Hinweisen). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) deshalb auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 Erw. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 Erw. 4b/cc).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.4 Beim gegenwärtigen Stand der Abklärungen ist nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass ein Revisionsgrund gegeben und die Rentenaufhebung gerechtfertigt ist. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Es fehlt insbesondere an einer medizinischen Abklärung, in deren Rahmen die in Kenntnis aller relevanten Akten, also insbesondere auch der Observationsberichte, die zumutbare Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers beurteilt wird.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Die Beschwerde ist deshalb in dem Sinne gutzuheissen, dass der angefochtene Entscheid aufgehoben und die Sache zur entsprechenden Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">4. Bei diesem Ausgang steht dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 1'300.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bemessen ist.</font><br/> <i><font face="RotisSerif" size="4"> </font></i><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5"> </font></b><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Das Gericht erkennt:</font></b><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefochtene Einspracheentscheid vom 15. Oktober 2009 aufgehoben und die Sache an die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">2. Das Verfahren ist kostenlos.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">3. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr. 1'300.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">4. Zustellung gegen Empfangsschein an:</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- Rechtsanwalt Dr. iur. Bruno Seemann</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- Bundesamt für Gesundheit</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">5. Gegen diesen Entscheid kann innert </font><b><font face="RotisSansSerif" size="4">30 Tagen</font></b><font face="RotisSansSerif" size="4"> seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font> </p></div></body></html>