Baurekursgericht des Kantons Zürich 3. Abteilung G.-Nrn. R3.2015.00182 und R3.2015.00205 BRGE III Nrn. 0074/2016 und 0075/2016 Entscheid vom 8. Juni 2016 Mitwirkende Abteilungspräsident Felix Müller, Baurichter Walter Linsi , Baurichterin Mo- nika Spring-Gross, Gerichtsschreiber Andreas Mahler in Sachen Rekurrentin RS AG, [….] gegen Rekursgegnerin 1. Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 8090 Zürich Mitbeteiligter 2. Gemeinderat X, [….] betreffend R3.2015.00182 Schreiben des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) vom 9. Oktober 2015; Ablehnung Gesuch um Rückerstattung von Unters u- chungskosten, Standort Nr. 007 R3.2015.00205 Verfügung des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) vom 7. Dezember 2015 ; Abweisung Gesuch um Rückerstattung von Unters u- chungskosten, Standort Nr. 007 ______________________________________________________ R3.2015.00182 Seite 2 hat sich ergeben: A. Mit Schreiben vom 9. Oktober 2015 teilte die Baudirektion, Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL), der RS AG mit, dass dem Gesuch um Rückerstattung der Kosten für die technische Unte rsuchung des im Kata s- ter der belasteten Standorte (KbS) eingetragenen Standorts Nr. 007 nicht stattgegeben werde. B. Hiergegen erhob die RS AG mit Eingabe vom 11. N ovember 2015 fristg e- recht Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragte die Aufhebung der "Verfügung", die Kosten für die Untersuchungsmassnahmen in der Höhe von Fr. 28'595.80 seien von der Baudirektion zu tragen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekursgegnerin. C. Mit Verfügung vom 16. November 2015 wurde der Rekurseingang unter der Geschäfts-Nr. R3.201 5.00182 vorgemerkt. Der Gemeinderat X wurde als Mitbeteiligter in das Rekursverfahren einbezogen. Da sich aus der Rekursschrift ergab, dass die Rekurrentin in der fraglichen Angelegenheit beim AWEL eine mit einer Rechtsmittelbelehrung versehene Verfügung verlangt habe, wurde das Verfahren einstweilen sistiert. D. Mit Verfügung vom 7. Dezember 2015 wies die Baudirektion, AWEL, das fragliche Gesuch der RS AG um Erstattung der Untersuchungskosten ab. E. Gegen diesen Entscheid erhob die RS AG mit Eingabe vom 21. Dezember 2015 fristgerecht Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Übernahme der Unters u- chungskosten von Fr. 28'595.80 durch die Rekursgegnerin, alles unter Kos- ten- und Entschädigungsfolgen zu deren Lasten. R3.2015.00182 Seite 3 F. Mit Verfügung vom 22. Dezember 2015 wurde der Rekurseingang unter der Geschäfts-Nr. R3.2015.00205 vorgemerkt und das Vernehmlassungsve r- fahren eröffnet. Der Gemeinderat X wurde als Mitbeteiligter in das R ekurs- verfahren einbezogen. G. Mit Eingabe vom 17. Februar 2016 beantragte die Vorinstanz die Abwe i- sung des Rekurses unter Kostenfolge zulasten der Rekurrentin. Der Mitb e- teiligte verzichtete stillschweigend auf eine Stellungnahme. H. Mit Replik vo m 14. März 2016 bzw. Duplik vom 30. März 2016 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. I. Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung e r- forderlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. Es kommt in Betracht: 1. Die Rekurse beziehen sich auf dasselbe Gesuch um Erstattung von Unte r- suchungskosten. Die Verfahren sind daher aus prozessökonomischen Gründen zu vereinigen. 2. Die Rekurrentin ist als Eigentümerin des streitbetroffenen Grundstücks und als Adressatin des angefochtenen Beschlusses im Sinne von § 21 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRG) ohne Weiteres zur Rekurse r- hebung legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutreten. R3.2015.00182 Seite 4 3. Strittig ist die Rückerstattung von Kosten für die Untersuchung von mit A b- fällen belasteten Standorten gestützt auf Art. 32d Abs. 5 des Umwel t- schutzgesetzes (USG). Demgemäss trägt das zuständige Gemeinwesen die Kosten für die notwendigen Untersuchungsmassnahmen, wenn die U n- tersuchung eines im Kataster der belasteten Standorte (Art. 32c Abs. 2 USG) eingetragenen oder für den Eintrag vorgesehenen Standortes ergibt, dass dieser nicht belastet ist. Das Betriebsareal der Rekurrentin war als Gan zes im Altlastenverdacht s- flächen-Kataster (VFK) des Kantons Zürich als Standort Nr. 007 verzeich- net (s. Historische Untersuchung, Anhang A1, in act. 5.7). Bei Überführung dieses Eintrags in das KbS wurden sieben verschiedene Tei lflächen ("Pro- zessflächen") ausgeschieden und im KbS eingetragen. Dabei handelt es sich um Flächen, bei denen aufgrund früherer industrieller Pr ozesse feststand oder mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten war, dass sie be- lastet sind (vgl. Art. 5 Abs. 3 Altlastenverordnung; s. Verfügung der Baud i- rektion vom 23. April 2010 in act. 11.7.7.). Dazu zählte die Fläche Nr. 007- 01, im Bereich der ehemaligen M etall-Entfettungsanlage, wo Belastungen durch chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW ) vermutet wurden und die de s- halb als untersuchungsbedürftig g emäss Art. 5 Abs. 4 lit. b der Altlasten - Verordnung (AltlV) eingestuft wurde (s. Situationsplan im Anhang zu act. 5.1 und Standortinformation KbS, act. 5.5). In der Folge brachte die technische Untersuchung des Ostteils der Fläche Nr. 007-01 keine Belastung mit CKW zu Tage. Dementsprechend entliess die Vorinstanz den Ostteil dieser Fläche mit Verfügung vom 19. Juli 2013 aus dem KbS (Anpassung des Per imeters der KbS -Fläche; s. act. 11.7.12 und Planauszug in act. 11.7.13). Später konnten auch bei der Untersuchung des Westteils der Fläche Nr. 007-01 keine CKW nachgewiesen werden, weshalb diese Fl äche mit Ve r- fügung der Baudirektion vom 24. September 2014 vollständig aus dem KbS entlassen wurde (act. 11.7.17). Anlässlich der Untersuchung wurde jedoch bei einer Feststoffprobe ca. 2 m ausserhalb des Perimeters der Fläche Nr. 007-01 ein Geruch nach Diesel/Heizöl festgestellt (Rammker nsondierung Nr. 9, s. act. 5.2. Anhang 2). Die nähere Untersuchung ergab eine Bela s- tung des Untergrundes mit Kohlenwasserstoff (KW C10-C40). Da bereits im Jahre 2003 in einer Sondierung südlich der Naglerei eine schw ache KW - Belastung vorgefunden worden war (damals als Bagatelle beurteilt und R3.2015.00182 Seite 5 nicht im Kb S aufgenommen), ging die Vorinstanz davon aus, dass im g e- samten Bereich der ehemaligen Naglerei mit Belastungen im Untergrund zu rechnen sei (die Lage der Naglerei ist in Anhang A2 der Historischen Un- tersuchung ersichtlich, act. 5.7) . Sie verfügte de shalb, dass der gesamte Bereich unter der Nr. 007-XY neu in den KbS einzutragen sei (act. 11.7.17). 4.1. Den angefochtenen Entscheid begründet die Vorinstanz wie folgt: Bei B e- triebsstandorten würden nach Möglichkeit verschiedene Teilbereiche ei nes belasteten Standorts, welche auf unterschiedliche Prozesstätigkeiten z u- rückzuführen seien, mit nach Art, Menge und Zeit unterschiedlichem Bela s- tungsspektrum ausgeschieden (z.B. Fabrik mit kritischen Produktionsstä t- ten, Unfallstandorte und Lagerplätze). Bei einem belasteten Standort mü s- se zudem abgeklärt werden, welche Teilbereiche emissionsverdächtig und deshalb im Hinblick auf die Beurteilung des Standortes zu untersuchen se i- en. Dies werde im KbS des Kantons Zürich umgesetzt, indem verschiedene Prozessflächen ausgeschieden würden, welche auch unterschiedlich beu r- teilt werden können. Dadurch werde sichergestellt, dass altlastenrechtliche Massnahmen nur dort ergriffen würden, wo sie notwendig seien. Die unte r- schiedlich ausgeschiedenen Prozessflächen seien jedoch Bestandteil ein und desselben belasteten Standorts. Gemäss Merkblatt des AWEL (s. act. 11.3) sei es zwar grundsätzlich möglich, a uf grösseren Betriebsarealen (> 1 ha) unterschiedliche Standorte auszuscheiden, dies jedoch nur, wenn diese räumlich kl ar voneinander getrennt werden könnten. Diese Vorau s- setzung sei im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Der streitbetroffene belastete Standort Nr. 007 sei aufgrund der ehemaligen betrieblichen Täti gkeit auf dem Areal der Rekurrentin in den KbS eingetr agen worden. Die Prozessflä- chen, welche die unterschiedlichen Tätigkeiten des Betriebes wiederspi e- gelten, seien Bestandteil des gesamten belasteten Standorts. Bei der Pr o- zessfläche Nr. 007-01 handle es sich somit nicht um einen sep araten be- lasteten Standort, sondern um eine Prozessfläche des Standortes Nr. 007. Auf der Prozessfläche Nr. 007-01 liege zwar keine Verunreinigung mit CKW vor; die bisher durchgeführten Untersuchungen hätten jedoch gezeigt, dass der Standort Nr. 007 anderweitig belastet sei, was mit grosser Wahrschei n- lichkeit auf betriebliche Prozesse z urückzuführen sei, weshalb eine Rüc k- erstattung von Untersuchungskosten nicht möglich sei. R3.2015.00182 Seite 6 4.2. Die Rekurrentin entgegnet, vorliegend sei aufgrund der verschiedenen B e- triebsteile eine Unterteilung des Betriebsareals in klar abgrenzbare und s e- parat zu beurteilende Bereiche erfolgt, mit entsprechend räumlich abg e- grenzten Einträgen im KbS und jeweils eigenen Standortinformationen. Bei der Prozessfläche Nr. 007-01 handle es sich um einen "Standort" im Si nne von Art. 32d Abs. 5 USG. Dort seien keinerlei Belastungen gefu nden wor- den, insbesondere nicht die wegen der ehemaligen Entfettungsa nlage ver- mutete Verunreinigung mit Lösungsmitteln, weshalb diese Fläche aus dem KbS entlassen worden sei. Die Rammkernsondierung Nr. 9, bei der zufäll i- gerweise Belastungen mit aliphatischen Kohlenwasserstoffen (KW) festg e- stellt worden seien, liege ausserhalb des Perimeters der Pr ozessfläche Nr. 007-01. Ausserdem stehe diese B elastung gemäss Vori nstanz im Zusa m- menhang mit der Naglerei und nicht mit der Entfe ttungsanlage. Somit seien die Voraussetzungen für die Rückerstattung der Kosten erfüllt. 4.3.1. Die Kantone sorgen dafür, dass Deponien und andere durch Abfälle b e- lastete Standorte (belastete Standorte) saniert werden, wenn sie zu schä d- lichen oder lästigen Einwirkungen führen oder die konkrete Gefahr besteht, dass solche Einwirkungen entstehen (Art. 32c Abs. 1 USG). Nach Art. 2 Abs. 1 AltlV sind belastete Standorte Orte, de ren Belastung von Abfällen stammt und die eine beschränkte Ausdehnung aufweisen. Sie umfassen Ablagerungsstandorte, Betriebsstandorte und Unfallstandorte (lit. a -c). Das Kriterium der beschränkten Ausdehnung ist erfüllt, wenn sich der Ort als eng begrenzter und räumlich klar definierbarer Ausschnitt aus Boden und Untergrund vom nicht belasteten Umfeld abheben lässt. Die Parzellengre n- zen sind unbeachtlich (Pierre Tschannen, Kommentar zum Umweltschut z- gesetz, 2. Aufl., Hrsg. Vereinigung für Umweltrecht/Helen K eller, Zürich 1998 ff., Art. 32c Rz. 9). Die Kantone erstellen einen öffentlich zugänglichen Kataster der mit Abfä l- len belasteten Standorte (Art. 32c Abs. 2 USG). Die Behörde ermittelt die belasteten Standorte, indem sie vorhandene Angaben wie Karten, Ve r- zeichnisse und Meldungen auswertet. Sie kann von den Inhabern oder I n- haberinnen der Standorte oder von Dritten Auskünfte einholen (Art. 5 Abs. 1 AltlV). Sie teilt den Inhabern oder den Inhaberinnen die zur Eintr a- gung in den Kataster vorgesehenen Angaben mit und gibt ihnen Gelege n- heit, Stellung zu nehmen und Abklärungen durchzuführen. Auf deren Ve r- R3.2015.00182 Seite 7 langen trifft sie eine Feststellungsverfügung (Abs. 2). Sie trägt diejenigen Standorte in den Kataster ein, bei denen nach den Absätzen 1 und 2 fes t- steht oder mit g rosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, dass sie belastet sind (Abs. 3). Gegenstand eines Katastereintrags sollen somit nur solche Standorte bilden, die tatsächlich durch Abfälle belastet sind. Weil der K a- taster aber allein auf der Grundlage bestehender Informationen (ohne tech- nische Untersuchungen) erstellt wird, lässt sich nicht ausschliessen, dass in Einzelfällen auch nicht belastete Standorte erfasst werden. Einträge über solche Standorte sind unverzüglich zu löschen, sobald Untersuchungen e r- geben, dass der Standort nicht durch Abfälle belastet ist (Tschannen, Art. 32c Rz. 39; Art. 6 Abs. 2 Bst. a AltlV). Für die Durchführung der Untersuchungen erstellt die Behörde eine Prior i- tätenordnung. Dabei berücksichtigt sie nach den Angaben im Kataster die Art und Menge der an die belasteten Standorte gelangten Abfälle, die Mö g- lichkeit zur Freisetzung von Stoffen sowie die Bedeutung der betroffenen Umweltbereiche (Art. 5 Abs. 5 AltlV). Auf Grund der Prioritätenordnung ve r- langt die Behörde für die untersuchungsbe dürftigen Standorte innert ang e- messener Frist die Durchführung einer Voruntersuchung, die in der Regel aus einer historischen und einer technischen Untersuchung besteht. Damit werden die für die Beurteilung der Überwachungs - und Sanierungsbedürf- tigkeit erforderlichen Angaben (Art. 8 AltlV) ermittelt und im Hinblick auf die Gefährdung der Umwelt bewertet (Gefährdungsabschätzung; Art. 7 Abs. 1 AltlV). Die Behörde löscht den Eintrag eines Standortes im Kataster, wenn a) die Untersuchungen ergeben, dass der Standort nicht mit umweltgefährdenden Stoffen belastet ist, oder b) die umweltgefährdenden Stoffe beseitigt wo r- den sind (Art. 6 Abs. 2 AltlV). Der Verursacher trägt die Kosten für notwe n- dige Massnahmen zur Untersuchung, Überwachung und Sanierung b e- lasteter Standorte (Art. 32d Abs. 1 USG). Ergibt die Untersuchung eines im Kataster eingetragenen oder für den Eintrag vorgesehenen Standortes, dass dieser nicht belastet ist, so trägt das zuständige Gemeinwesen die Kosten für die notwendigen Untersuchungsmassnahmen (Abs. 5). 4.3.2. Im Unterschied zum früheren Altlastenverdachtsflächen-Kataster (VFK) des Kantons Zürich enthält der KbS keine Verdachtsflächen mehr, sondern nur noch Standorte, bei denen feststeht oder mit grosser Wahrscheinlichkeit zu R3.2015.00182 Seite 8 erwarten ist, dass sie mit Abfällen belastet sind. Dementsprechend werden im KbS nur noch klar begrenzte Teilflächen mit Belastungen eingetragen und nicht – wie beim VFK – ganze Betriebsareale (vgl. Art. 5 Abs. 3 AltlV und AWEL, Handbuch der belasteten Standorte, Oktober 20 12, Seiten 4 u. 13, www.awel.zh.ch). Der Vollzugshilfe des BUWAL (heute BAFU) "Erstellung des Katasters der belasteten Standorte" aus dem Jahr 2001 (s. www.bafu.admin.ch) ist zur Erfassung von Betriebsstandorten Folgendes zu entnehmen: "Bei der E r- fassung eines Betriebsstandortes wird in der Praxis zunächst das gesamte Werksgelände in Betracht gezogen. Dieses wird in der Regel durch Parze l- lengrenzen bestimmt. In den meisten Fällen wird deshalb zumindest die Parzelle eines Betriebes für den Eintrag in den Kat aster vorgesehen. Ein belasteter Standort kann aber auch nur einen Teil einer Parzelle einne h- men oder aber über diese hinausgehen. Gerade bei ausgedehnten Parze l- len wäre es stossend wegen einer kleinflächigen Belastung die ganze Pa r- zelle in den Kataster ei nzutragen. Hingegen kann es auch der Fall sein, dass ein grossflächiges Betriebsgelände in mehrere, eindeutig ab - grenzbare belastete Standorte (unterschiedliche Quellen, unterschiedliche Zeiträume) unterteilt wird. In den Kataster sind deshalb, sofern die Ausdeh- nung der Belastung bekannt ist, grundsätzlich belastete Standorte und nicht Parzellen einzutragen". Nach diesen Grundsätzen ermittelt das AWEL i n- nerhalb von Betriebsarealen sogenannte Prozessstandorte. Diese umfa s- sen die gesamte Fläche (alle Objekte) , die von den Produktions - und Abla- gerungsaktivitäten innerhalb eines bestimmten Prozesses betroffen ist, der zu Belastungen führen kann. Dabei werden 61 verschiedene Prozesstypen (Tätigkeiten) unterschieden. Die Gesamtheit aller Prozessstandorte auf e i- nem Betriebsareal bezeichnet das AWEL als Betriebsstandort: "Als B e- triebsstandort wird eine begrenzte Fläche bezeichnet, deren Belastung von stillgelegten oder noch in Betrieb stehenden Anlagen und Betrieben stammt, in denen mit umweltgefährdenden Stoffen umg egangen worden ist". Diese Begriffsdefinition des Betriebsstandortes entspricht im Wesentl i- chen derjenigen in Art. 2 Abs. 1 lit. b AltlV. Die Beurteilung bezüglich Ei n- trag in den Kataster der belasteten Standorte, den Untersuchungsbedarf und die Priorität der Untersuchung erfolgt indes pro Prozessstandort (AWEL, Anleitung zur Erfassung und Beurteilung der Betriebsstandorte, Oktober 2007 S. 11 ff., www.awel.zh.ch). R3.2015.00182 Seite 9 In ihrer Replik führt die Vorinstanz aus, bei Betriebsarealen sei es nicht vorgesehen, verschi edene kleinräumige Teilbereiche als eigenständige Standorte auszuscheiden. Die Teilbereiche (Prozessflächen) eines belast e- ten Standortes würden – wie im vorliegenden Fall – mit nach Art Menge und Zeit unterschiedlichem Belastungsspektrum unterschieden und ge- kennzeichnet. Voraussetzung für eine Ausscheidung als separate Stando r- te sei eine klare räumliche Trennung der Betriebseinheiten (z.B. in separ a- ten Gebäuden mit klar unbelasteten Bereichen dazwischen). 4.3.3. Aufgrund der Ergebnisse der Technischen Unter suchung vom 3. Oktober 2003 (act. 17) wurden im Fall des Betriebsareals RS im KbS si eben "Flä- chen des Betriebsstandortes Nr. 007 eingetragen (Heizöltanks Gebind ela- ger, Spänelager, Entzunderung, Werkzeugmacherei, Fabrikation, Entfetten; s. act. 11.7.7. und 11.7.9). Mit Verfügung der Baudirekt ion vom 10. Dezem- ber 2010 (s. act. 11.7.7.) wurde die "Fläche" der Fabr ikation gelöscht. Bei der "Fläche" Nr. 007-01 (Entfetten) handelt es sich gemäss den ob igen Ausführungen um einen "Prozes sstandort", den die Vorinstanz dem Be- triebsstandort Nr. 007 zuordnet. Der Auffassung der Vorinstanz, dass es sich nur beim Betriebsstandort RB und nicht bei den einzelnen dazugehörigen Prozessstandorten um einen im Sinne von Art. 32d A bs. 5 USG "im Kataster (Art. 32c Abs. 2) eing etrage- nen [..] Standort" handelt, kann nicht gefolgt werden. Im KbS ist nicht der Betriebsstandort Nr. 007 eingetragen, sondern die einze lnen Pr ozess- standorte. Prozessstandorte sind definitionsgemäss ein deutig abgrenzbare belastete Standorte, die – wie ausgeführt – bezüglich Eintrag in den KbS, den Untersuchungsbedarf und die Priorität der Untersuchung je separat beurteilt werden. Die räumliche und sachliche Abgrenzung ergibt sich aus dem Ort, wo belasten de Tätigkeiten ausgeführt wurden, und dem Prozes s- typ. In der Verfügung der Baudirektion vom 19. Juli 2013 wird denn auch festgehalten, im Rahmen der Erstellung des KbS sei die Fl äche Nr. 007-01 (Entfetten) als bei Zustandsänderung untersuchung sbedürftiger "belasteter Standort im Sinne von Art. 5 Abs. 4 lit. b AltlV" beu rteilt worden. Die Verf ü- gungen der Baudirektion betreffend die Eintragung, die (teilweise) Entla s- sung, die Genehmigung der Pflichtenhefte für die technische Untersuchung und der Untersuchungsprogramme zur Klärung der Belastungssituation b e- trafen jeweils die einzelnen Prozessstandorte und nicht den Betriebsstan d- ort RB. Mithin werden die Prozes sstandorte wie belastete Standorte b e- R3.2015.00182 Seite 10 handelt. Der KbS dient als Planung sinstrument d er (wo nötig) Sanierung von belastetem Boden. Entscheidend sind namentlich Lage, Art und Menge der an den Standort gelangten Abfä lle sowie der Betriebszeitraum (s. Art. 5 Abs. 3 lit. a-c AltlV). Die Zugehöri gkeit der einzelnen Verschmutzungsque l- len zu dems elben Betrieb ist in di esem Zusammenhang nicht von Belang; eine gesamthafte Beurteilung (vgl. Art. 8 USG) der Prozessstandorte ist nicht erforderlich. Dementsprechend betraf die Untersuchung, deren Kosten hier strittig sind, nur den Prozessstandort Nr. 007-01. Der Einbezug der übrigen im Kataster aufgeführten Prozessstandorte war für eine sachgerechte Beurte ilung o f- fensichtlich nicht erforderlich. Soweit sind die fraglichen Prozes sstandorte nicht als ein belasteter Standort im Sinne von Art. 2 Abs. 1 AltlV zu betrach- ten. Es ist auch nicht einzusehen, weshalb – wie die Vorinstanz vorbringt (s. Duplik, S. 3. f.) – nur bei "klarer räumlicher Trennung" von Betriebseinhe i- ten von eigenständigen (belasteten) Standorten auszugehen sein soll, in kleinräumigen Verhältnissen aber bloss von "unselbständigen" Prozessfl ä- chen, zumal sich letztere bezüglich ihrer Behandlung trotz unterschiedlicher räumlicher Trennung in nichts von ersteren unterscheiden. Entweder ist ein Standort abgrenzbar oder er ist es nicht. D ie Argumentation der Vorinstanz steht sodann im Widerspruch zur Quali fikation der Prozessflächen Nr. 007- MM (Heizöltanks) und Nr. 007-SS (Werkzeugmacherei) als blosse Tei lflä- chen des Betriebsstandorts. Die Werkzeugmach erei befand sich in einem eigenen Gebäude (Assek. -Nr. 182) westlich der Entfettungsanlage und die Heizöltanks befinden sich ca. 10 m westlich der Werkzeugmach erei, beides auf dem westlich angrenzenden Grundstück Kat.-Nr. 7164. Dazwischen lie- gen jeweils unbelastete Bereiche. Diese Flächen müssten folglich nach den Kriterien der Vorinstanz als separate b elastete Standorte ge lten. Massge- bend ist die Belastungssituation und nicht die Zugehörigkeit der Ve r- schmutzungsquellen zu betrieblichen Organisationseinheiten. Das Institut eines Betriebsstandortes (= belasteter Standort), der aus im KbS eingetragenen Teilflächen (= Prozessstandorte) besteht, wie es die Vorinstanz anwendet, findet im Bundesrecht keine Stütze und geht auch nicht aus den Vollzugshilfen des BAFU für die Erstellu ng des KbS hervor. Vom Katastereintrag verschiedener Teilflächen (im Sinne von abgrenzb a- ren Betriebsstandorten innerhalb eines Betriebsareals) zu unterscheiden ist die Ausscheidung von emissionsverdächtigen Teilbereichen innerhalb ein - R3.2015.00182 Seite 11 und desselben im Kat aster eingetragenen Standortes im Rahmen der U n- tersuchung. Dies kann aus praktischen, untersuchungstechnischen Grü n- den zweckmässig sein (s. Vollzugshilfe BUWAL, Probenahme von Grun d- wasser bei belasteten Standorten, Bern 2003, act. 11.1). Eine solche U n- terscheidung erfolgt erst im Rahmen der Untersuchung von bereits eing e- tragenen Standorten. Sie findet keinen direkten Niederschlag im Kataster, etwa als Eintragung von Prozessstandorten. Erst die Ergebnisse der Unte r- suchung können dazu führen, dass die Eintrag ung präzisiert wird, etwa durch Aufteilung eines Standorts in mehrere, räumlich enger gefasste Standorte. Je präziser die im Kataster eingetragenen Standorte bezüglich Art und Ausdehnung der Altlasten definiert sind, desto weniger müssen für deren effizien te Untersuchung emissionsverdächtige Teilflächen bestimmt werden. 4.3.4. Auch aus dem Sinn und Zweck von Art. 32d Abs. 5 USG betreffend die Tragung der Kosten für die Untersuchungsmassnahmen ergibt sich, dass die einzelnen Prozessstandorte als "Standort" i m Sinne dieser Bestimmung zu verstehen sind. Laut Art. 32d Abs. 1 USG trägt der Verursacher die Kos- ten für notwendige Massnahmen zur Untersuchung, Überwachung und S a- nierung belasteter Standorte. Vor Erlass der Bestimmung von Art. 32d Abs. 5 USG (in Kraft s eit 1. November 2006) war die Kostenverteilung bei der Untersuchung und Überwachung eines belasteten Standortes nicht ausdrücklich geregelt. Nur aus dem allgemeinen, in Art. 2 USG normierten Verursacherprinzip konnte geschlossen werden, dass die Inhaber de r Standorte die Kosten zu tragen haben. Dementsprechend wurden die Ko s- ten unabhängig vom Ergebnis der Untersuchungen dem Standortinhaber des altlastenverdächtigen Grundstückes als Zustandsstörer auferlegt (vgl. dazu die Zusammenfassung der Praxis von Hans W. Stutz, Die Kostentr a- gung der Sanierung – Art. 32d USG, URP 1997, S. 758ff., 771; s. BBl 2003 5008, S. 5009). Nach damals geltender Rechtsprechung des Bundesg e- richtes war Verursacher auch derjenige, der durch entsprechende Aktivit ä- ten auf einem Grundstüc k den Altlasten verdacht geschaffen und damit die Untersuchungen ausgelöst hat (s. BGr 1A.214/1999 vom 3. Mai 2000, E. 3.b.bb, in URP 2000 S. 590). Neu gilt gemäss Art. 32d Abs. 5 USG, dass das Gemeinwesen die Kosten für die verlangte Untersuchung zu trage n hat, sofern sich ergibt, dass der Standort gar nicht belastet ist. Der Eigentümer bzw. Inhaber eines nicht b e- R3.2015.00182 Seite 12 lasteten Standorts ist – mangels realer Belastung – nicht Verursacher. Mit- hin muss das Gemeinwesen, auch wenn es die Untersuchung pflichtg e- mäss angeordnet hat, dafür einstehen, dass es sich bei einem Eintrag im KbS um einen "Fehleintrag" handelt und sich der Altlastenverdacht nicht erhärtet (vgl. Alain Griffel, Heribert Rausch, Kommentar zum Umwel t- schutzgesetz, Ergänzungsband zur 2. Auflage, 2011, Art. 32d Rz. 25). 4.3.5. Im vorliegenden Fall vermutete die Vorinstanz am Prozessstandort Nr. 007- 01 die Belastung durch chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) und qualif i- zierte den Standort als bei Zustandsänderung unters uchungsbedürftig (s. Standortinformation zum Eintrag im KbS, act. 5.5, s owie Art. 5 Abs. 4 lit. b AltlV). Aufgrund dieses konkreten Verdachts musste die Rekurrentin die betreffende Fläche untersuchen lassen, wobei sich die technische Altla s- tenuntersuchung an den konkret vermuteten St offen orientierte (act. 11.4. und 11.6). Nachdem sich zeigte, dass am Prozessstandort Nr. 007-01 kei- ne Belastung mit CKW vorliegt und der Eintrag im KbS – wenn auch rüc k- blickend – somit nicht gerechtfertigt war, hat die Vo rinstanz nach Art. 32d Abs. 5 USG die Kosten für die Untersuchungsmas snahmen zu tragen. Es gibt keinen sachlichen Grund, weshalb dies davon abhängig sein soll, dass sich auch die übrigen Prozessstandorte auf dem Betriebsareal als u nbelas- tet erweisen, deren Altlastenverdacht auf anderen Tätigkeiten (Quellen) be- ruht und andere Flächen betrifft. Ebenso wenig kann es eine Rolle spielen, dass bei der Untersuchung des Prozessstandortes Nr. 007-01 zufälligerweise ein neuer Prozes sstandort (Nr. 007-XY) entdeckt wurde, de r mit einem anderen Stoff als mit CKW b e- lastet ist und der zudem nicht von der Entfettungsanlage stammen soll. Dies unabhängig davon, ob die Fundstelle räumlich dem Prozes sstandort Nr. 007-01 zuzurechnen ist oder – nach dem Dafürhalten der Rekurrentin – nicht. Entscheidend ist, dass die Behörde eine Belastung mit CKW verm u- tete, Kosten für die dementsprechend spezif ische Untersuchung auf CKW angefallen sind, aber sich der Verdacht nicht bestätigte. Mit dem b esagten Zufallstreffer kann sich die Vorinstanz nicht entlasten. Gemäss Merkblatt des AWEL "Erstattung von Untersuchungskosten bei im Kataster der belasteten Standorte (KbS) eingetragenen Standorte, die sich als nicht belastet erweisen" (Stand 18. Februar 2010, act. 11.3) werden U n- tersuchungskosten nur dann erstattet, wenn die Untersuchungen zeigen, R3.2015.00182 Seite 13 "dass ein ganzer Standort" (und nicht nur eine Fläche eines Standorts) nicht belastet ist. Dies kann nur so verstanden werden, dass die ganze Fl ä- che des im KbS eingetragenen Prozessstandortes nicht bel astet ist, so dass dieser Eintrag im KbS gelöscht werden kann. Die Reduktion des P e- rimeters des Eintrags hingegen rechtfertigt noch keine Kostenerstattung. 4.3.6. Zusammengefasst ist Folgendes festzuhalten: Die Altlastenverordnung lässt verschiedene Wege offen, um schadstoffbelastete Flächen abzugre n- zen (vgl. BGE 136 II 370, E. 2.4.). Betriebsareale können als ein einziger Standort erfasst werden oder es können verschiedene Betriebseinheiten je separat als Standorte eingetragen werden. Vorliegend wurde die Betriebs- einheit der Entfettungsanlage als "Prozessstandort" Nr. 007-01 im KbS ein- getragen, nebst weiteren Prozessstandorten auf demselben B etriebsareal. Der Eintrag gründete einzig auf der vermuteten Belastung mit CKW. Der Prozessstandort wurde sodann selbständig und unabhängig von den weit e- ren Prozessstandorten wie ein belasteter Standort behandelt, d.h. separat untersucht, bezüglich des Perimeters angepasst und schliesslich aus dem KbS gelöscht. Soweit ist dagegen nichts einzuwenden. Es gibt abe r keinen triftigen Grund, den fraglichen Prozessstandort nicht auch bei der Anwe n- dung von Art. 32d Abs. 5 USG als eingetragenen Standort im Sinne dieser Bestimmung zu behandeln. Die angeordnete Untersuchung zielte auf die Vermutung von CKW ab; dieser Altla stenverdacht bestätigte sich jedoch nicht, weshalb die Rekurrentin somit mangels einer realen B elastung mit CKW nicht als kostenpflichtige Verursacherin im Sinne von Art. 32d Abs. 1 USG gelten kann. Vielmehr hat gestützt auf Art. 32d Abs. 5 USG das z u- ständige Gemeinwesen die Kosten für die Untersuchung smassnahmen zu tragen. 5. Zusammengefasst ist der Rekurs im Verfahren G. -Nr. R3.2015.00205 gu t- zuheissen. Demzufolge ist die Verfügung der Baudirektion vom 7. Dezember 2015 au f- zuheben. Die Baudirektio n ist einzuladen, der Rekurrentin die Kosten für die Untersuchung des Prozessstandortes Nr. 007-01 in der Höhe von Fr. 28'595.80 zu erstatten. [….]