B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5985/2022 U r t e i l v o m 5 . M a i 2 0 2 3 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Roswitha Petry, Richter Thomas Segessenmann, Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am (…), Burundi, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 15. Dezember 2022 / N (…). D-5985/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin – eine Staatsangehörige von Burundi – er- suchte am 4. November 2022 um die Gewährung von Asyl in der Schweiz. A.b Die Beschwerdeführerin mandatierte am 15. November 2022 die ihr zugewiesene Rechtsvertretung. A.c Am 15. November 2022 stellte das SEM aufgrund eines Abgleichs ihrer Fingerabdrücke mit der Eurodac-Datenbank fest, dass die Beschwerdefüh- rerin per 24. Oktober 2022 von Kroatien sowohl wegen illegaler Einreise als auch als Asylantragstellerin registriert worden war. B. Am 30. November 2022 fand im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertre- tung das sogenannte Dublin -Gespräch respektive das persönliche Ge- spräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei- nes von eine m Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit- gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), statt. Die Beschwerdeführerin brachte in die- sem Rahmen zur Hauptsache das Folgende vor: Sie sei von Bosnien nach Kroatien gelangt, wobei sie beim Grenzübertritt noch keine Probleme bekommen habe. Der Grenzübertritt habe beim zwei- ten Anlauf geklappt. Danach habe sie sich rund drei Tage in einem Wald aufgehalten, bis sie von der Polizei aufgegriffen worden sei. Dabei sei sie aus Panik in ein Loch gefallen , weil die Polizisten in die Luft geschossen hätten. Die Polizisten hätten zudem einen Hund losgelassen, der einen Maulkorb getragen habe, und dieser habe sie zu beissen versucht. Dabei hätten die Polizisten nicht eingegriffen, sondern nur gelacht und sie als Af- fen bezeichnet. Nach ihrer Verhaftung sei sie zu einer Polizeistation trans- portiert worden, wo ihr Fingerabdrücke abgenommen worden seien. S ie habe erfolglos nach einem Arzt gefragt. Danach sei sie zu einem Bahnhof gebracht worden, wo man ihr gesagt habe, dass sie nun gehen solle. Sie sei dann über Italien in die Schweiz gereist. Die Beschwerdeführerin machte im Anschluss auf Nachfrage hin geltend, dass sie lieber sterben als nach Kroatien zurückkehren wolle, da die Leute dort unmenschlich seien. Auf die Frage nach allfälligen gesundheitlichen D-5985/2022 Seite 3 Beschwerden gab sie an, es gehe ihr gar nicht gut, da sie an starken Kopf- schmerzen leide und ihr Herz die ganze Zeit rase. Aufgrund des Vorfalls in Kroatien, als sie in dieses Loch gefallen sei, leide sie auch an starke Rü- ckenschmerzen und einer Verletzung an ihren Zehen. Sie habe zudem eine Art von Hautausschlag an den Händen und am Bauch. Auch psychisch gehe es ihr gar nicht gut, zumal sie kaum schlafen könne, gestresst sei und Kopfschmerzen habe. Sie habe den Gesundheitsdienst im BAZ aufgesucht und dort seien eine Blut- und Urinuntersuchung gemacht worden, die Er- gebnisse ständen aber noch aus. Überdies leide sie an Zahnschmerzen und Problemen mit den Augen. C. C.a Gestützt auf den Eurodac-Abgleich und die Angaben der Beschwerde- führerin im Rahmen des Dublin-Gespräches sandte das SEM am 30. No- vember 2022 ein Ersuchen um Wiederaufnahme ihrer Person an die Dub- lin-Behörde von Kroatien; dies gestützt auf die Bestimmung von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. C.b Am 14. Dezember 2022 ging dem SEM aus Kroatien die Erklärung zu, dem Wiederaufnahmeersuchen vom 30. November 2022, welches vom SEM gestützt auf die Bestimmung von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO übermittelt worden sei, werde gemäss der Bestimmung von Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO entsprochen. D. Die Beschwerdeführerin reichte am 2. Dezember 2022 über die zugewie- sene Rechtsvertretung einen ärztlichen Kurzbericht vom 25. November 2022 zu den Akten . Am 15. Dezemb er 2022 teilte der BAZ -Gesundheits- dienst dem SEM auf telefonische Nachfrage hin mit, betreffend die Be- schwerdeführerin würden neben dem genannten Bericht keine weiterfüh- renden Arztberichte vorliegen und es seien auch keine Arzttermine pen- dent, weil weiterführende Abklärungen derzeit nicht notwendig seien. E. Das SEM trat mit Verfügung vom 15. Dezember 2022 – eröffnet am folgen- den Tag – in Anwendung der Bestimmungen zum Dublin -Verfahren und gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein und ordnete ihre Wegweisung nach Kro- atien an, welches der für sie zuständige Dublin-Mitgliedstaat sei. Diese An- ordnung erging verbunden mit der Aufforderung an die Beschwerdeführe-D-5985/2022 Seite 4 rin, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Da- neben erklärte das SEM, der Kanton B._______ werde mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt, der Beschwerdeführerin würden die gemäss Aktenverzeichnis editionspflichtigen Akten ausgehändigt und einer allfälli- gen Beschwerde gegen diese Verfügung komme keine aufschiebende Wir- kung zu. F. Am 16. Dezember 202 2 erklärte die zugewiesene Rechtsvertretung das Mandatsverhältnis für beendet. G. Gegen den vorgenannten Nichteintretens- und Wegweisungsentscheid er- hob die Beschwerdeführerin am 23. Dezember 2022 beim Bundesverwal- tungsgericht Beschwerde. In ihrer Eingabe beantragte sie die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, und zwar verbunden mit der Anweisung an die Vorinstanz, auf ihr Asylgesuch einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen, eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessu- aler Hinsicht ersuchte sie um Erteilung der auf schiebenden Wirkung der Beschwerde, verbunden mit der Anordnung vollzugshemmender Massnah- men, sowie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht. H. Nach einem provisorischen Vollzugsstopp vom 27. Dezember 2022 wurde mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 3. Januar 2023 den Gesuchen um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Be- schwerde (nach Art. 107a AsylG), Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) und Befreiung von der Kos- tenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) entsprochen. Das SEM wurde gleichzeitig eingeladen, sich innert Frist zur Beschwerde vernehmen zu lassen (Art. 57 Abs. 1 VwVG). I. In seiner Vernehmlassung vom 11. Januar 2023 hielt das SEM an der an- gefochtenen Verfügung fest. Die Beschwerdeführerin replizierte am 27. Ja- nuar 2023 (Poststempel). D-5985/2022 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei- det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vor- liegend – endgültig (vgl. dazu Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist legitimiert (Art. 48 Abs.1 VwVG) und sie hat ihre Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. 2.1 Die Kognition des Gerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz des Bundesver- waltungsgerichts grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob das SEM zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/30 E. 3 und 2011/9 E. 5; BVGE 2017 VI/5 E. 3.1 m.w.H.). 3. Von der Beschwerdeführerin wird im Sinne eines Eventualbegehrens die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz beantragt, weil ihre gesundheit- liche Situation noch nicht hinreichend abgeklärt sei. Aufgrund der bei den Akten liegenden Berichte ist jedoch von einem hinreichend erstellten Sach- verhalt auszugehen, auf dessen Grundlage eine materielle Auseinander- setzung mit den vorgebrachten gesundheitlichen Beschwerden ohne wei- teres möglich ist. Die anders lautenden Vorbringen der Beschwerdeführe- rin erschöpfen sich im Wesentlichen in blossen Behauptungen. Die bean- tragte Rückweisung der Sache zu weiteren Sachverhaltsabklärung fällt nach dem Gesagten ausser Betracht, womit in der Hauptsache zu ent- scheiden ist (Art. 61 Abs. 1 VwVG). D-5985/2022 Seite 6 4. 4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel ni cht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi- gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (nach Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grund- sätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III der Dublin-III- VO mehr statt (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). Die Zuständigkeit beziehungsweise die Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederauf- nahme ergibt sich hier direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d Dublin-III-VO; das gilt im Weiteren aber auch für die vorliegend von Kroatien angerufene Konstellation gemäss Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO. 4.3 Nach Art. 20 Abs. 5 Dublin -III-VO ist d er Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz gestellt wurde, gehalten, einen An- tragsteller, der sich ohne Aufenthaltstitel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen Antrag auf internationalen Schutz ge- stellt hat, nachdem er seinen ersten Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Art. 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zum Ab- schluss zu bringen. Diese Best immung findet demgemäss im Falle der Weiterreise eines Antragstellers in einen anderen Mitgliedstaat bei noch nicht abgeschlossenem Zuständigkeitsverfahren Anwendung ( vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofs [EuGH; Grosse Kammer] vom 2. April 2019, Staatssecretaris van Veiligheid en Justitie gegen H. und R., C-582/17 und C -583/17, Rn. 46 ff. ; vgl. ferner CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Das europäische Asylzuständigkeitssys- tem, 2014, K. 17 ff. zu Art. 20). 4.4 Eine von den vorgenannten Regeln abweichende Bestimmung des zu- ständigen Staates kann sich ergeben, wenn das Asylverfahren und die Auf-D-5985/2022 Seite 7 nahmebedingungen für Antragsteller im an sich zuständigen Staat syste- mische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne de s Artikels 4 der EU-Grund- rechtecharta (GRC; ABl. C 364/1 vom 18. Dezember 2000) mit sich brin- gen. In dem Fall ist zu prüfen, ob aufgrund der vorgenannten Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein an- derer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständig- keit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO). 4.5 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver- ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Ge- mäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus humanitä- ren Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Nach der Konzeption des Gesetzes kommt dem SEM bei der Frage der Anwendung von Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 ein Ermessensspielraum zu (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.2). Liegen hingegen in- dividuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbstein- tritt zwingend (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 5. 5.1 Die Beschwerdeführerin hat sich vor ihrer Einreise in die Schweiz und der hier erfolgten Gesucheinreichung in Kroatien aufgehalten, wo sie ge- mäss Eurodac-Abgleich per 24. Oktober 2022 wegen illegaler Einreise und (anschliessend) als Asylantragstellerin registriert worden ist. Aufgrund ihrer Verzeichnung als Asylantragstellerin hat das SEM zu Recht ein Ersuchen um Wiederaufnahme ihrer Person an Kroatien gesandt und dabei auf die Bestimmung von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin -III-VO verwiesen (vgl. dazu auch Art. 23 Abs. 1 und 3 Dublin-III-VO). 5.2 Kroatien hat sich in seiner Erklärung vom 14. Dezember 2022 zur Wie- deraufnahme der Beschwerdeführerin bereit erklärt, wenn auch nicht nach der vom SEM angerufenen Bestimmung, sondern gestützt auf die Bestim- mung von Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO. Damit hat Kroatien seine Zustän- digkeit für die Be schwerdeführerin nicht vorbehaltlos akzeptiert, sondern Kroatien hat sich damit ausdrücklich eine noch weitergehende Prüfung der D-5985/2022 Seite 8 Frage nach seiner Zuständigkeit (gemäss Dublin-III-VO) vorbehalten. Das ergibt sich auch aus den weiteren Anmerkungen der kroatischen Dublin - Behörde. Die abschliessende Beantwortung der Frage nach der Zustän- digkeit erfolgt damit erst nach Überstellung durch die kroatischen Behör- den. In entscheidrelevanter Hinsicht ändert dies aber letztlich nichts, da Kroatien jedenfalls als der für die noch zu erfolgende (abschliessende) Be- stimmung der Zuständigkeit zuständige Staat gilt, was nach der Dublin-III- VO als Grundlage für eine Überstellung genügt. 5.3 Von der Beschwerdeführerin wird moniert, im Falle von Kroatien sei auf das Vorliegen systemischer Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO zu schliessen (vgl. nachfolgend, E. 6.2). Wäre dies zu bejahen, dann würde sich daraus die Zuständigkeit der Schweiz ergeben (vgl. oben, E. 4.4), da aufgrund der derzeitigen Aktenlage jeden- falls keine ander e mögliche Zuständigkeit als von Kroatien oder der Schweiz ersichtlich ist. Das Bundesverwaltungsgericht hat jedoch den von der Beschwerdeführerin vertretenen Ansatz im Rahmen des Referenzur- teils E-1488/2020 vom 22. März 2023 im vorliegend relevanten Kontext der Rückkehr im Rahmen eines Dublin-Verfahrens klar verworfen (vgl. a.a.O., E. 9.5), was Geltung auch für das vorliegenden Verfahren hat , da dieser Schluss Gegenstand eines Koordinationsverfahrens der vereinigten Rich- terschaft der Abteilungen IV–VI war (vgl. a.a.O., E. 9.5). Die entsprechen- den Einwände der Beschwerdeführerin bezüglich der systematisch schlechten Behandlung von Asylsuchenden und der Gefahr der Kettenab- schiebung mit Verweis auf Berichte internationaler Organisationen vermö- gen daran nichts zu ändern. 5.4 Nach dem Gesagten ist die grundsätzliche Zuständigkeit von Kroatien rechtsgenüglich erstellt. 6. 6.1 Das SEM machte sodann auch von seinem Recht auf Selbsteintritt im Sinne von Art. 17. Abs. 1 Satz 1 Dublin -III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht Gebrauch und führte dazu das Folgende aus: Es bestehe kein Anlass zur Annahme, die kroatischen Behörden würden der Be- schwerdeführerin nach ihrer Überstellung den Zugang zum ordentlichen Asyl- beziehungsweise allfälligen Beschwerde- oder Wiederaufnahmever- fahren verweigern respektive den Grundsatz de s Non-Refoulement miss- achten, zumal in Kroatien auch der Zugang zu wirksamen Rechtsmitteln gewährleistet sei. Vor diesem Hintergrund spreche daher auch nicht gegen D-5985/2022 Seite 9 die Überstellung der Beschwerdeführerin, dass sie sich bei ihrer vormali- gen Einreise nach Kroatien mit schwierigen Umständen konfrontiert gese- hen habe. Zwar leide sie an gewissen gesundheitlichen Beschwerden, diese seien jedoch nach Aktenlage nicht von einer rechtserheblichen Schwere und könnten auch in Kroatien behandelt werden, wo der Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung gewährleistet sei. 6.2 Die Beschwerdeführerin bekräftigt in ihrer Beschwerde zunächst ihre Schilderungen über das von ihr anlässlich ihrer Verhaftung an der bosni- sch-kroatischen Grenze Erlebte. Darüberhinausgehend bringt sie neu vor, dass sie an der Grenze auch immer wieder geschlagen worden sei. Das von ihr Erlebte sei daher als unmenschliche Behandlung und Folter im Sinne von Art. 3 EMRK und Art. 3 FoK zu wert en. Der Umstand, dass sie diese Behandlung vonseiten Vertreter n des Staates erfahren habe, habe ihr Vertrauen in die kroatischen Behörden nachhaltig erschüttert. Die Be- schwerdeführerin bringt sodann neu vor, dass sie von männlichen Polizis- ten am ganzen Körper abgetastet und berührt worden sei, was herabwür- digend und übergriffig gewesen sei. Sie sei damit Opfer geschlechterba- sierter sexualisierter Gewalt durch die kroatische Polizei geworden, was eine Verletzung von Art. 2 CEDAW (Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau 18. Dezember 1979; S R 0.108) sowie Art. 5 und 12 der Istanbul-Konvention (Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Ge- walt vom 11. Mai 2011; SR 0.311.35) darstelle. Im Falle ihrer Rückführung nach Kroatien bestehe zudem ein hohes Risiko der Retraumatisierung, da auch künftige Leibesvisitationen in Kroatien wahrscheinlich wiederum von Männern durchgeführt werden dürften, von welchem sie wieder zu einem Sexobjekt degradiert werden dürfte . In Kroatien sei sie schliesslich auc h nicht über ihre Verfahrensrechte informiert worden, wie in Art. 4 Abs. 1 und 2 Dublin-III-VO vorgeschrieben. Die Beschwerdeführerin macht im An- schluss daran geltend, sie leide zudem an erheblichen physischen und psychischen Beschwerden, welche allerdings in der Schweiz noch gar nicht hinreichend abgeklärt worden seien, da sie im BAZ trotz ihrer schlech- ten psychischen Situation keinen Psychiater habe aufsuchen dürfen. Sie schlafe jedoch sehr schlecht und aufgrund ihrer dortigen Erlebnisse werde sie sich im Falle einer Rückführung nach Kroatien umbringen. Nachdem ihre gesundheitliche Situation nicht hinreichend abgeklärt sei, gehe auch die vorinstanzliche Feststellung fehl, dass in Kroatien ihre medizinische Versorgung gewährleistet sei. Vor dem Hintergrund ihrer dortigen Erleb- nisse und der dort erlebten Verweigerung von medizinischem Beistand sei das Gegenteil anzunehmen. D-5985/2022 Seite 10 6.3 In seiner Vernehmlassung bekräftigt das SEM seine Schlüsse in der angefochtenen Verfügung, zumal auch eine ergänzende Nachfrage beim zuständigen medizinischen Dienst wiederum keine Hinweise auf eine rechtserhebliche Erkrankungslage erbracht hätten. Im Zusammenhang mit den auf Beschwerdeebene erstmals geltend gemachten sexuellen Über- griffen durch einen männlichen Grenzbeamten sei die Beschwerdeführerin gehalten, solches bei den kroatischen Behörden zu melden. Es handle sich bei Kroatien um einen Rechtsstaat mit einem funktionieren Justizsystem und es sei nicht ersichtlich, weshalb es der Beschwerdeführerin nicht mög- lich sei, den Rechtsweg zu beschreiten. 6.4 In ihrer Replik hebt die Beschwerdeführerin namentlich das Vorbringen hervor, sie sei in Kroatien Opfer von sexualisierter Gewalt geworden. Das könne sie zwar nicht belegen, ihre [weiteren] Schilderungen seien aber je- denfalls nicht als unglaubwürdig eingestuft worden und die Problematik sei in Kroatien auch nicht ungewöhnlich. Sie bekräftigt sodann das Vorbringen über das Vorliegen einer rechtserheblichen Erkrankungslage, welche in Kroatien nicht hinreichend versorgt werden dürfte und auch in der Schweiz noch nicht hinreichend versorgt worden sei. 7. 7.1 Das Bundesverwal tungsgericht hat sich im bereits erwähnten Refe- renzurteil E-1488/2020 vom 22. März 2023 umfassend mit den Vorhalten auseinandergesetzt, welche bereits seit einigen Jahren und zudem auch von verschiedener Seite gegenüber dem Dublin-Vertragsstaat Kroatien er- hoben werden. Diese Vorhalte – auf welche auch die Beschwerdeführerin Bezug nimmt – betreffen vornehmlich das Verhalten von Angehörigen der kroatischen Grenz- und Polizeibehörden gegenüber Migrantinnen und Mig- ranten, welche an den Grenzen und im Grenzgebiet zu Bosnien und Her- zegowina sowie zu Serbien (Schengen-Aussengrenzen) angehalten wer- den, zumal es in diesem Kontext zu Abweisungen von Asylsuchenden be- reits an der Grenze wie auch zu unzulässigen Push-Backs kommt, und zwar oft verbunden mit Gewalt und menschenverachtender Behandlung der davon Betroffenen (vgl. dazu a.a.O., E. 9.1–9.3). Im Referenzurteil wird aufgrund der Berichtslage festgehalten, dass mit einer sehr hohen Wahr- scheinlichkeit davon ausgegangen werden muss, dass in Kroatien unz u- lässige Abschiebungen an der Grenze sowie unmittelbare Abschiebungen ohne individuelle Prüfung direkt an der Grenze (sog. "hot returns") und ex- zessive Gewaltanwendungen regelmässig vorkommen , wie auch davon, dass sich an der Grenze für Asylsuchende der Zugang zum kroatischen Asylverfahren nicht selten als unverhältnismässig schwierig erweist, zumal D-5985/2022 Seite 11 oftmals auch schlicht keine Rechtsmittelmöglichkeiten offenständen (vgl. a.a.O., E. 9.3.5). Im Referenzurteil wird aufgrund der Berichtslage im Wei- teren aber insbesondere auch ausgewiesen, dass sich die Sachlage mass- geblich anders darstellt, wenn Asylsuchende gestützt auf die Dublin-III-VO nach Kroatien überstellt werden, zumal sich keine bestätigten Hinweise da- für finden lassen, dass im Rahmen von Dublin -Verfahren Rücküberstellte trotz bekundetem Willen, sich dem Verfahren in Kroatien zu unterziehen, in unzulässiger Weise abgeschoben würden; bis zum heutigen Tag gibt es keine Berichte beziehungsweise dokumentierte Fälle, aus welchen sich et- was anderes ergeben würde (vgl. a.a.O., E. 9.4.1 und 9.4.4). Vor diesem Hintergrund gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass Gesuchstellende, welche – wie die Beschwerdeführerin – gestützt auf die Dublin-III-VO nach Kroatien überstellt werden, Zugang zum dortigen Asylverfahren erhalten , und zwar unbesehen davon, ob sie im Rahmen eines "Take-Charge" (Aufnahme-) oder "Take-Back" (Wiederauf- nahme-) Verfahrens überstellt werden. 7.2 Gemäss dem Referenzurteil ist aufgrund dieser Sachlage von einer Überstellung nach Kroatien nur in Ausnahmefällen abzusehen, in welchen die Gesuchstellenden durch substantiierte Vorbringen darlegen können, dass die generelle Annahme in ihrem Fall nicht zutrifft (vgl. a.a.O., E. 9.5 [letzter Absatz]). Von der Beschwerdeführerin wird dazu sinngemäss gel- tend gemacht, sie stelle sich als ein en solchen Ausnahmefall dar, da ihr aufgrund ihrer Erlebnisse in Kroatien ein erneuter Kontakt mit den dortigen Behörden nicht zuzumuten sei. Darüber hinaus stellt sie Mutmassungen über ihr nach der Überstellung angeblich drohende Übergriffe an. Ihre dies- bezüglichen Vorbringen sind allerdings nicht geeignet, die Einschätzung des SEM zu ihren Einzelfallumständen zu erschüttern. Zwar ist aufgrund der Beschreibungen der Beschwerdeführerin davon aus- zugehen, dass sie dur ch die Umstände ihrer im Grenzgebiet zu Bosnien und Herzegowina erfolgten Verhaftung durch Polizisten oder Angehörige des kroatischen Grenzschutzes in grosse Angst versetzt wurde (insbeson- dere wegen eines Hundes der Sicherheitskräfte, auch wenn dieser eine n Maulkorb getragen habe). Auch hat sie seitens der damals beteiligten Po- lizisten oder Grenzwächter eine herabsetzende Behandlung wegen ihrer Hautfarbe erleben müssen (Gelächter, als sie hilflos in einem Loch lag, und insbesondere Bemerkungen offenkundig rassistischer Natur). Aufgrund ih- rer insgesamt überzeugenden Schilderungen spricht jedoch nichts dafür, D-5985/2022 Seite 12 dass sie darüber hinaus noch anderweitige respektive weitergehende Be- helligungen erlebt hätte. Das erst auf Beschwerdeebene eingebrachte Vor- bringen betreffend das Erleben von sexualisierter Gewalt ist aufgrund der Aktenlage als nachgeschoben zu erkennen. Selbst wenn es aber zu unsitt- lichen Berührungen bei der Leibeskontrolle gekommen s ein sollte, ver- möchte auch dies noch nicht zur Unzumutbarkeit der Überstellung zu füh- ren. Das Vorbringen über angeblich nach der Überstellung drohende Über- griffe überzeugt jedenfalls nicht, da entgegen der diesbezüglichen Behaup- tung in der Replikeingabe nicht davon auszugehen ist, im kroatischen Asyl- verfahren sei sexualisierte Gewalt ein gewöhnliches Phänomen. Das SEM gelangt daher zu Recht zum Schluss, dass die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Erlebnisse zwar im damaligen Moment für sie belastend ge- wesen sein dürften, diese aber nicht gegen eine Rückführung nach Kroa- tien sprechen. 7.3 Es ist in der Folge mit dem SEM insbesondere auch darin einig zu ge- hen, dass der Beschwerdeführerin nach ihrer Überstellung nach Kroatien ein geregeltes Verfahren offen s teht und dass sie dort auch hinreichend versorgt wird, da Kroatien nach einer gestützt auf die Dublin-III-VO erfolg- ten Überstellung – welche von der Schweiz aus stets über den Flughafen von Zagreb erfolgt (was auch den Vorgaben der kroatischen Dublin -Be- hörde entspricht; vgl. dazu deren Erklärung vom 14. Dezember 2022) – die Rechte anerkennt und schützt, welche sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien 2013/32/EU (Verfahrensrichtlinie) und 2013/33/EU (Aufnahme- richtlinie) ergeben . Es darf davon ausgegangen werden, das s sich das auch im Falle der Beschwerdeführerin nicht anders verhält und ihre Bedürf- nisse dort abgedeckt werden. Voraussetzung dafür ist, dass sie ihre Be- dürfnisse gegenüber den dort zuständigen Behörden ausweist und sie sich diesen insbesondere auch zur Verfügung hält. 7.4 Diesen Schluss vermag die Beschwerdeführerin auch nicht mit der Be- rufung auf ihre gesundheitlichen Beschwerden zu erschüttern. Zwar hat sie im Dublin-Gespräch über eine Reihe von Beschwerden berichtet und es geht aus den Akten auch hervor, dass sie während ihres bisherigen Aufent- halts im BAZ auch wenigstens einmal bei einer Ärztin in Behandlung war. Beim Termin vom 25. November 2022 wurden jedoch von der konsultierten Ärztin lediglich Spannungskopfschmerzen, Palpitationen (Anm.: umgangs- sprachlich auch Herzrasen, -klopfen oder -stolpern) und die Notwendigkeit von Impfungen diagnostiziert. Der Beschwerdeführerin wurden die Impfun- gen verabreicht und es wurden ihr wegen der Kopfschmerzen auch zwei rezeptfreie Medikamente mit schmerzlindernder, entzündungshemmender D-5985/2022 Seite 13 und fiebersenkender respektive mit schmerzlindernder und fiebersenken- der Wirkung abgegeben (Ibuprofen und Dafalgan). Ein weitergehender Be- handlungsbedarf bestand laut Mitteilungen des BAZ-Gesundheitsdienst vom 15. Dezember 2022 in der Folge nicht. Daran hat soweit ersichtlich bis heute nichts wesentlich geändert. So wurde dem SEM am 11. Januar 2023 vom BAZ -Gesundheitsdienst auf nochmalige Nachfrage hin mitgeteilt, dass sich die Beschwerdeführerin zwei Tage zuvor erneut wegen Span- nungskopfschmerzen gemeldet und sie dagegen Novalgin erhalten habe. Nach telefonischer Rücksprache sei ihr zusätzlich Magnesiocard gegen die Kopfschmerzen verschrieben worden. Zur Beruhigung habe sie zudem Re- laxan und Redormin erhalten, da sie über nächtliches Gedankenkreisen berichtet habe. Es sei schliesslich mit der Beschwerdeführerin vereinbart worden, dass eine Überweisun g an einen Arzt erfolge, wenn sich keine Besserung einstelle. Aus Sicht des Gesundheitsdienstes sei daher eine Überweisung bisher nicht angezeigt gewesen. Diese Berichte lassen nicht auf das Vorliegen einer Erkrankung slage schliessen, welche nicht auch ohne weiteres in Kroatien (weiter-)behandelt werden kann. Hinweise auf eine ernsthafte psychische Erkrankungslage sind nicht ersichtlich, wobei aufgrund der Berichte auch kein Anlass zur Annahme besteht, dass der Beschwerdeführerin im BAZ eine notwendige Untersuchung und Behand- lung verweigert worden wäre. Das anderslautende Vorbringen namentlich in der Replikeingabe überzeugt nicht. Da kein akuter Behandlungsbedarf ersichtlich ist, kann es im Übrigen beim Hinweis verbleiben, dass Kroatien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt, zu welcher auch Asylantragsteller Zugang haben (vgl. auch Art. 19 Abs. 1 und 2 Aufnahme- richtlinie). 7.5 Zusammenfassend liegt kein Grund für die Anwendung der Ermes- sensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO beziehungswe ise Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 vor. Weder ist die Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen würden beziehungsweise hat das SEM die Sache unter dem Aspekt der humanitären Gründe nach Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 hinreichend gewürdigt. Da die diesbezügliche Auseinanderset- zung nicht zu bemängeln ist, hält die angefochtene Verfügung auch unter dieser Optik einer Prüfung stand (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/9). Das SEM ist daher zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten und hat die Überstellung nach Kroatien angeordnet. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung D-5985/2022 Seite 14 Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – ange- messen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären der Beschwerdeführerin grund- sätzlich Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihr jedoch mit Zwischenverfügung vom 3. Januar 2023 die unentgeltliche Prozessführung (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) gewährt wurde und gleichzeitig kein Anlass zur Annahme besteht, ihre finanziellen Verhältnisse hätten sich seit- her massgeblich verändert respektiv e verbessert, sind keine Verfahrens- kosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-5985/2022 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand: