Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 22. Dezember 2015 (810 15 306) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Vorsorglicher Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, G erichtsschreiberin Stephanie Schlecht Verfahrensbeteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Silvan Ulrich , Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Corinne Gadola, Advoka- tin Betreff Vorsorglicher Entzug Aufenthaltsbestimmungs recht/vorläufige Unter- bringung beim Kindsvater (Präsidial-Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 2. Oktober 2015) A. A.____ ist die Mutter von D.____, geboren am 9. Mai 2014. C.____ anerkannte das Kind am 1. Juli 2014 als seinen Sohn. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Vor der Geburt teilte C.____ der Kindes- und Erwa chsenenschutzbehörde B.____ (KESB) am 7. März 2014 mit, dass die von ihm im 8. Mona t schwangere A.____ in desolaten Wohnverhältnissen lebe und das Wohl des Säuglings in di eser Umgebung gefährdet wäre. Am 10. April 2014 machte die Hebamme E.____ der KESB ei ne Gefährdungsmeldung betreffend A.____, von welcher sie zwecks Unterstützung bei der Geburt aufgesucht worden sei. C. Mit Präsidialentscheid der KESB vom 9. Mai 2014 wurd e der Kindsmutter A.____ die elterliche Obhut über D.____ per sofort vorläufig ent zogen. D.____ wurde per sofort vorläufig in der Wöchnerinnen-Station des Kantonsspitals Liestal und später in einem Mutter-Kind-Haus platziert. Ferner wurde für D.____ eine Beistandschaft errichtet und F.____, Berufsbeistand- schaft B.____, als Beistand ernannt. D. Mit Eingabe vom 15. Mai 2014 erhob A.____ gegen d en Entscheid der KESB vom 9. Mai 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), welche mit Urteil der Präsidentin vom 12. Juni 2014 (Verfahren 810 14 133) nach vorgängiger Durchführung einer Parteiverhandlung abgewiesen wurde. Das Bundesge- richt ist auf die dagegen erhobene Beschwerde nicht eing etreten (Urteil des Bundesgerichts 5A_579/2014 vom 18. August 2014). E. Am 25. Juni 2014 erhob A.____, vertreten durch Sil van Ulrich, Advokat in Aesch, beim Kantonsgericht Beschwerde wegen Rechtsverweigerung/Rechtsverzögerung, welche vom Kan- tonsgericht gutgeheissen wurde, soweit darauf eingetreten wurde. F. Mit Präsidialentscheid der KESB vom 7. Juli 2014 wur de dem Kindsvater C.____ vor- sorglich ein Besuchsrecht für D.____ eingeräumt. Auf di e von der Beschwerdeführerin am 9. Juli 2014 dagegen erhobene Beschwerde wurde mit U rteil der Präsidentin des Kantonsge- richts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, vom 28. Juli 2014 nicht eingetreten (Ver- fahren 810 14 188). G. Mit Entscheid der KESB vom 30. September 2014 wurd e der Entzug des elterlichen Aufenthaltsbestimmungsrechts der Beschwerdeführerin über D.____ per 1. Oktober 2014 auf- gehoben (Ziffer 1) und die Platzierung von D.____ in der G.____ ebenfalls per 1. Oktober 2014 beendet (Ziffer 2). Weiter wurde die für D.____ errichtete vorläufige Beistandschaft als definitive Massnahme bestätigt und F.____ in seinem Amt definitiv bestätigt. Seine Aufgaben umfassen die Rückführung von D.____ und der Kindsmutter in die Herkunftsfamilie, die Organisation und Durchsetzung einer sozialpädagogischen Familienbegleitung (Familienbegleitung), die Koordi- nation und Kontrolle der Sitzungen bei der Mütterber atung sowie die monatliche Berichterstat- tung über den Ablauf des Besuchsrechts des Kindsvaters, C.____ (Ziffer 3). Entsprechend wur- de für D.____ eine wöchentliche Familienbegleitung für die Dauer von vorerst 6 Monaten ange- ordnet (Ziffer 4). Parallel dazu habe die Kindsmutte r alle vierzehn Tage die Mütterberatung auf- zusuchen und der KESB die Besuche monatlich zu belegen (Ziffer 5). Bis zum 15. Dezember 2014 wurde dem Kindsvater ein Besuchsrecht im Umfang von mindestens dreimal wöchentlich für jeweils zwei Stunden eingeräumt (Ziffer 6); die K indsmutter wurde angewiesen, D.____ da- bei kindsgerecht zu übergeben (Ziffer 7). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Dagegen erhob die Beschwerdeführerin, wiederum ver treten durch Silvan Ulrich, Ad- vokat in Aesch, am 13. Oktober 2014 Beschwerde, welche n ach Durchführung einer Parteiver- handlung mit vorgängigem Augenschein in den Räumlichkei ten an der X.____strasse 3 in H.____ mit Entscheid vom 19. November 2014 in Bezug auf die Familienbegleitung sowie die allfällige polizeiliche Durchsetzungsmöglichkeit der dem Beistand erteilten Aufträge gutgeheis- sen wurde (Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 19. November 2014 [810 14 293]). Im Übrigen wurde die Beschwerde abgewiesen. Das Bundesgericht wies die gegen den kantonsgerichtlichen Entsc heid erhobene Beschwerde mit Urteil vom 13. Mai 2015 (Verfahren 5A_151/2015) ab, soweit auf sie eingetreten worden und sie nicht gegenstandslos geworden ist. I. Mit Entscheid der KESB vom 22. Dezember 2014 wurde d as Besuchsrecht des Kindsva- ters von D.____ angeordnet und rückwirkend ab dem 16. De zember 2014 weitergeführt, und zwar im Umfang von dreimal wöchentlich zwei Stunden, jeweils dienstags und donnerstags von 12.00 Uhr bis 14.00 Uhr sowie sonntags von 15.00 Uhr bi s 17.00 Uhr (Ziffern 1 und 2). Ferner wurde die Kindsmutter angewiesen, D.____ dem Kindsvate r zwecks Ausübung des Besuchs- rechts kindsgerecht zu übergeben (Ziffer 3). J. Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 20. Januar 2015 Beschwerde beim Kan- tonsgericht. Sie beantragte die Aufhebung des angefo chtenen Entscheids und ersuchte um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. In verfah rensrechtlicher Hinsicht stellte sie das Begehren, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass infolge eines Unterbruchs de s Besuchsrechts nicht ohne weite- res von einer Kindsgefährdung ausgegangen werden könne . Mit Präsidialverfügung vom 4. März 2015 wurde der Antrag der Beschwerdeführerin auf Erteilung der aufschiebenden Wir- kung sowie das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abgewiesen. Da die Beschwerdeführe- rin den Kostenvorschuss auch innert der ihr angesetzten N achfrist nicht bezahlt hatte, wurde das Verfahren (810 15 14) mit Präsidialverfügung vom 31. März 2015 als gegenstandslos ab- geschrieben. K. Am 3. August 2014 beantragte der Kindsvater C.___ _ bei der KESB die Übertragung der gemeinsamen elterlichen Sorge über D.____. L. Mit Entscheid vom 13. April 2015 übertrug die KESB den Kindseltern die gemeinsame elterliche Sorge über ihren Sohn D.____ (Ziffer 1). Dem Kindsvater wurde in den geraden Ka- lenderwochen drei Tage Betreuungsanteile beginnend D onnerstag, 19.00 Uhr, bis Sonntag, 19.00 Uhr, sowie in den ungeraden Kalenderwochen dre i Tage Betreuungsanteile beginnend Mittwoch, 19.00 Uhr, bis Samstag, 19.00 Uhr, eingeräumt (Ziffer 2). Weiter erhielt er ein Ferien- recht von vier Wochen und es wurde eine alternierende Feiertagsregelung angeordnet (Ziffern 3 und 4). Ferner wurde verfügt, dass der Kindsvater D.___ _ an seinem Geburtstag, am 9. Mai 2015 bereits um 15.00 Uhr zu übergeben habe (Ziffer 5 ). Weiter wurde für D.____ eine Bei- standschaft mit dem Beistand F.____, Berufsbeistand B.____, errichtet (Ziffer 6). Die Kindsmut- ter wurde angewiesen, dem Kindsvater eine Kopie des G esundheitsbüchleins und des Impf- ausweises von D.____ zu übergeben (Ziffer 7). Dem erna nnten Beistand wurden nachfolgende Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufgaben übertragen: a) D.____ in der Verwaltung des Kindesvermögens und in seinen finan- ziellen Angelegenheiten zu vertreten; b) die Kindselte rn bei der Umsetzung der Betreuungsan- teile von D.____ zu beraten und gegebenenfalls zwische n ihnen zu vermitteln resp. die Betreu- ungsanteile von Amtes wegen umzusetzen; c) die Kindseltern bei der Pflege und Erziehung von D.____ zu beraten und gegebenenfalls zwischen ihnen zu v ermitteln; d) die Kindseltern in me- dizinischen und therapeutischen Fragen von D.____ zu berat en und gegebenenfalls zwischen ihnen zu vermitteln; e) die Kindseltern in religiösen Fragen von D.____ zu beraten und gegebe- nenfalls zwischen ihnen zu vermitteln; f) die Kindselte rn in schulischen Fragen von D.____ zu beraten und gegebenenfalls zwischen ihnen zu vermitteln. Die Erziehungsgutschriften wurden vollumfänglich der Kindsmutter angerechnet (Ziffer 9). M. Die am 22. April 2015 von der Beschwerdeführerin, ve rtreten durch Silvan Ulrich, Advo- kat in Aesch, erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht am 30. September 2015 ab (KGE VV 810 15 111 vom 30. September 2015). Das von der Be schwerdeführerin dagegen ange- strebte Verfahren ist am Bundesgericht hängig (5A_955/2015). N. Die Polizei Basel-Landschaft (Polizei) machte am 28. S eptember 2015 mündlich bzw. am 2. Oktober 2015 schriftlich bei der KESB eine Gefäh rdungsmeldung, nachdem sie einen Einsatz an der X.____strasse 3 in H.____ hatten. Mit su perprovisorischem Entscheid vom 29. September 2015 wurde der Kindsmutter an Ort und Stelle im Beisein von 13 Polizistinnen und Polizisten das Aufenthaltsbestimmungsrecht über D.____ entzogen und D.____ gleichen- tags beim Kindsvater untergebracht. Mit Präsidialentsch eid der KESB vom 2. Oktober 2015 wurde Folgendes angeordnet: der gegenüber der Kindsmu tter superprovisorisch angeordnete Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts über D.____ vorso rglich bis zum rechtskräftigen Abschluss des ordentlichen Verfahrens bestätigt (Ziffer 1). D.____ wurde im Sinne einer vorläu- figen Massnahme beim Kindsvater platziert (Ziffer 2). Di e Kindsmutter erhielt ein Besuchsrecht von dreimal wöchentlich drei Stunden (Ziffer 3). Die Kindsmutter wurde ferner angewiesen, D.____ persönlich am Wohnort des Kindsvaters in Basel abzuholen und persönlich zurückzu- bringen. Sie wurde ebenfalls angewiesen, D.____ währe nd der Besuchszeit nicht ins Wohn- haus in H.____ zu bringen. Über die genauen Besuchszeiten haben sich die Kindseltern zu ver- ständigen (Ziffer 4). Die für D.____ errichtete Beista ndschaft mit F.____ als Beistand wurde bestätigt (Ziffern 5 und 6). O. Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin, vertreten durch Silvan Ulrich, Advokat in Aesch, am 16. Oktober 2015 Beschwerde beim Ka ntonsgericht mit den Rechtsbe- gehren, es sei der angefochtene Entscheid der KESB aufz uheben und D.____ wieder unter die elterliche Obhut der Beschwerdeführerin zu stellen, unte r o/e-Kostenfolge. Ferner stellte sie ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung. In verfahrens- rechtlicher Hinsicht beantragt sie, der angefochtene En tscheid sei superprovisorisch aufzuhe- ben und D.____ sei unverzüglich unter die elterliche Ob hut der Beschwerdeführerin zu stellen. Weiter sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu er teilen. Es seien die Akten der Ver- fahren 810 14 133, 810 14 188, 810 14 293 und 810 15 111 zum vorliegenden Verfahren beizu- ziehen. Schliesslich sei der Beschwerdeführerin Einsicht in die gesamten sie betreffenden Ak- ten der Vorinstanz zu gewähren. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht P. Mit Präsidialverfügung vom 21. Oktober 2015 wurde d er Verfahrensantrag der Be- schwerdeführerin auf superprovisorische Massnahmen abgewie sen. Die Akten der Verfahren 810 14 133, 810 14 169, 810 14 188, 810 14 293, 810 15 14 sowie 810 15 111 wurden zum vorliegenden Verfahren beigezogen. Q. Am 4. November 2015 liess sich der Beschwerdegegner vern ehmen und schloss auf vollumfängliche Abweisung der Beschwerde unter o/e-Ko stenfolge, wobei ihm die unentgeltli- che Rechtspflege zu gewähren sei. Schliesslich sei der An trag der Beschwerdeführerin auf Er- teilung der unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht bean- tragte sie den Beizug der Akten der Verfahren 810 14 133, 810 14 188, 810 14 293 und 810 15 111. Es seien ferner die Polizeirapporte und Polizeiber ichte samt Fotodokumentation der bei- den am 27. und 28. September 2015 stattgefundenen E insätze an der X.____strasse 3 in H.____ beizuziehen und die übrigen Verfahrensanträge der Beschwerdeführerin abzuweisen. R. Die KESB beantragte in ihrer Stellungnahme vom 4. November 2015 die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge sowie verfahrensr echtlich den Beizug der Akten betref- fend fürsorgerische Unterbringung von I.____ (Verfahren 840 15 303). S. Am 19. November 2015 replizierte die Beschwerdeführ erin. T. Am 24. November 2015 reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdegegners ihre resp. am 11. Dezember 2015 der Rechtsvertreter der Besch werdeführerin seine Honorarnote ein. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbu ches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 in Verbindung mit Art. 314 Abs.1 Z GB kann gegen Entscheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Von Bundesrechts wegen anfechtbar sind sämtliche Endentscheide (Art. 450 Abs. 1 ZGB) sowie Zwischenentscheide über vorsorgliche Massnahmen (Art. 445 A bs. 3 ZGB). Beim angefochte- nen Präsidialentscheid der KESB, welcher die Anordnung vorsorglicher Massnahmen zum Ge- genstand hat, handelt es sich um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 445 Abs. 3 ZGB. Die Zuständigkeit zur Beurteilung der vorliegenden S treitsache liegt demnach in analoger An- wendung von § 43 Abs. 2 bis lit. f des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltu ngsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 bei der präsidiere nden Person (§ 66 Abs. 2 des Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches [EG ZGB] vom 16. November 2006 in Ver- bindung mit § 1 Abs. 3 lit. f VPO). Da auch die weit eren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Nach Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachve rhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3.1 Gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB trifft die Kindes- und E rwachsenenschutzbehörde die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kindes, wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist und die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder sie dazu ausserstande sind. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde trifft alle für die Dauer des Verfahrens notwendigen Mass- nahmen (Art. 445 Abs. 1 ZGB). Vorsorgliche Massnahmen mü ssen unumgänglich, d.h. so dringlich sein, dass der ordentliche, spätere Entscheid n icht abgewartet werden kann, ohne einen erheblichen Nachteil für die betroffene Person i n Kauf zu nehmen (vgl. C HRISTOPH HÄFELI , Grundriss zum Erwachsenenschutzrecht, Bern 2013, S. 285) . Für die Anordnung einer vorsorglichen Massnahme genügt das Beweismass der Glaubhaftm achung (CHRISTOPH AUER / MICHÈLE MARTI , in: Hosell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 5. Auflage, Basel 2014, N 29 zu Art. 445). 3.2 Materiell-rechtlich beruht der Entzug des Aufentha ltsbestimmungsrechts auf Art. 310 Abs. 1 ZGB. Danach hat die Kindes- und Erwachsenenschutzbe hörde das Kind den Eltern wegzunehmen und in angemessener Weise unterzubringen, wenn der Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden kann. Die Gefährdung muss darin liegen, dass das Kind in der elterlichen Obhut nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für seine körperliche, geistige und sittliche Entfaltung nötig wäre. Unerheblich ist, a uf welche Ursachen die Gefährdung zu- rückzuführen ist: Sie können in den Anlagen oder in einem Fehlverhalten des Kindes, der Eltern oder der weiteren Umgebung liegen. Desgleichen spielt keine Rolle, ob die Eltern ein Verschul- den an der Gefährdung trifft. Massgebend ist, dass die Vorkehr das richtige Mittel zur Verwirkli- chung des Ziels ist; d.h. die Unterbringung muss besser al s jene beim bisherigen Obhutsinha- ber Gewähr dafür bieten, dass das Kind in seiner Entf altung geschützt und gefördert wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_322/2014 vom 14. Juli 2014 E. 2, 5C.34/2002 vom 3. April 2002 E. 2a). Entsprechend sämtlicher Kindesschutzmassnahmen muss auch der Entzug des Aufent- haltsrechts erforderlich sein (Subsidiarität) und es ist i mmer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme anzuordnen (Proportionalität); diese sollen e lterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplementarität). Das Aufenthaltsrec ht zu entziehen, ist somit nur zuläs- sig, wenn andere Massnahmen ohne Erfolg geblieben sind oder von vornherein als ungenü- gend erscheinen, um die Gefährdung abzuwenden (vgl. U rteil des Bundesgerichts 5A_401/2015 vom 7. September 2015 E. 5.2, P ETER BREITSCHMID , in: Hosell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 5. Aufla ge, Basel 2014, N 4 zu Art. 310). Hinge- gen ist die Aufhebung der Obhut als vorsorgliche Massnahm e für die Dauer einer Abklärung zulässig (vgl. CHRISTOPH HÄFELI , a.a.O., S. 349). 3.3 Die KESB erwog im angefochtenen Entscheid, dass zufo lge der von der Polizei am 28. September resp. 2. Oktober 2015 ergangenen Gefährdungsmeldungen sowie aufgrund ihrer Beobachtungen anlässlich der erfolgten (polizeilichen) Ha usdurchsuchung eine Kindswohlge- fährdung bestehe. Aufgrund eines Vorfalls betreffend d en Neffen der Beschwerdeführerin, wel- cher im gleichen Haushalt lebe, habe sich die Polizei a m 27. September 2015 Zutritt zum Wohnhaus der Beschwerdeführerin verschafft, wo sie Waffen mit zugehöriger Munition gefun- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht den hätten, welche beschlagnahmt worden seien. Der N effe habe offenbar auch ein Drogen- problem. Darüber hinaus sei das Haus in einem katastroph alen Zustand vorgefunden worden. Am 28. September 2015 habe im Beisein einer Vertretu ng der KESB eine Hausdurchsuchung stattgefunden, anlässlich welcher weitere Waffenattrap pen gefunden worden seien. Das Haus sei überstellt und zugemüllt gewesen, sodass das Vorhanden sein weiterer Waffen, Munition oder Drogen nicht habe ausgeschlossen werden können. Ferner habe sich die Tante von D.____ sowohl psychisch als auch physisch aggressiv gezeigt und es müsse davon ausgegan- gen werden, dass sie auch innerhalb der Familiengemein schaft zumindest erheblichen psychi- schen Druck ausübe. Unter diesen Umständen seien der Schut z und die Sicherheit des Kindes nicht gewährleistet, weshalb das elterliche Aufenthaltsb estimmungsrecht der Kindsmutter mit sofortiger Wirkung zu entziehen sei. Ein freiwilliger Eintritt ins Frauenhaus Basel habe aufgrund der Nichterreichbarkeit der Kindsmutter nicht erwirkt w erden können. Aus diesem Grund sei D.____ bis zur abschliessenden Abklärung der Wohn- und Be treuungssituation resp. der allfäl- ligen Abklärung der psychischen Gesundheit seiner Tante beim Kindsvater untergebracht wor- den. 3.4 Die Beschwerdeführerin hält dem entgegen, dass der Entzug des Aufenthaltsbestim- mungsrechts unbegründet sei, da er allen Prinzipien des Kindesschutzes widerspreche. Das Wohl von D.____ sei nicht gefährdet, was sich aus dem Kurzb ericht der Mütter-, Väterberatung J.____ vom 7. Oktober 2015 ergebe. Die Zustände im Hau s seien nicht unmenschlich, die Be- schwerdeführerin habe nicht wie ein Geist ausgesehen u nd die gesundheitliche Verfassung der Mutter sei nicht schlecht gewesen. Die Vorfälle, welche zur Gefährdungsmeldung geführt hät- ten, seien auf den Neffen zurückzuführen und nicht auf d ie Beschwerdeführerin und ihr Kind. Der von ihnen bewohnte Teil des Hauses sei unbestrittene rmassen in Ordnung gewesen. Die PET-Flaschen und Altkleider, welche damals im Wohnzimme r und in der Küche zwischengela- gert worden seien, seien zwischenzeitlich entsorgt. Vorl iegend würden nicht das Kindeswohl, sondern die eigenen Vorstellungen, wie jemand zu leben habe, sowie die eigenen Vorstellun- gen über Sorgerecht und Kindesbetreuung, im Vordergr und stehen. Es sei irrelevant, wie die Mitbewohner des Hauses ihre Räumlichkeiten halten würd en, solange die Kindsmutter mit D.____ in geordneten Verhältnissen lebe. Die ohne Einverständnis gemachten Fotografien dürf- ten nicht verwendet werden und weitere Abklärungen seien nicht erforderlich. 4. Soweit die Beschwerdeführerin rügt, die Fotodokum entation der Polizei sei aus dem Recht zu weisen, kann ihr nicht gefolgt werden. Sie macht geltend, sie habe ihr Einverständnis dazu nicht gegeben und somit seien ihre Persönlichkeitsre chte verletzt worden. Aus den Akten ergibt sich, dass anlässlich der Hausdurchsuchung vom 28. September 2015 Polizeifotos er- stellt wurden. Die KESB hat diese Fotos als Beweise im vorliegenden Verfahren eingereicht. Das vorliegende Verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht und die KESB hat folg- lich den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln (vgl. A rt. 446 Abs. 1 ZGB). Die KESB hat also nach der materiellen Wahrheit zu forschen und die Beweise nach freier Überzeugung zu würdigen (vgl. C HRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , a.a.O., Art. N 3 ff. zu Art. 446). Es ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nich t substantiiert geltend gemacht, wes- halb diese Fotos nicht als Beweismittel verwendet werden dürften. Ihr Einwand in diesem Zu- sammenhang ist folglich nicht zu hören. Im Übrigen best ehen – wie die nachfolgenden Ausfüh- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren aufzeigen werden – auch ohne deren Berücksichtigung hinreichend konkrete Anhaltspunkte für das Vorliegen einer zumindest drohenden Kindeswohlgefährdung. 5.1 Zu prüfen ist weiter, ob die vorsorglich angeord neten Kindesschutzmassnahmen zu Recht erfolgt sind. Aus dem Polizeibericht vom 2. Oktober 2015 geht hervor, dass der Neffe der Beschwerdeführerin, I.____, am 27. September 2015 an lässlich einer Requisition infolge Sach- beschädigung, Drohung sowie Führens eines Motorfahrzeug s in fahrunfähigem Zustand an der X.____strasse 3 in H.____ aufgesucht wurde. Er sei unte r Alkohol- und Drogeneinfluss gestan- den und in seinem Zimmer seien diverse Armeewaffen ( zwei Karabiner und eine Pistole) sowie Munition sichtbar gewesen. Das Zimmer sei unaufgeräumt u nd verschmutzt gewesen. Der Ein- gangsbereich und die unmittelbar an sein Zimmer ang renzenden Räume seien mit allerhand Unrat zugestellt gewesen. Der Einsatzpolizist habe festge stellt, dass in diesem Haushalt ein Kleinkind lebe und habe daher eine Meldung an die KESB gemacht. 5.2 Aufgrund der Delikte und möglichen Existenz von weit eren Waffen führte die Polizei am nächsten Tag eine von der Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft verfügte Hausdurchsu- chung durch und der Zustand des Hauses wurde von der anwese nden Polizistin fotografisch festgehalten. Zur Prüfung der Wohnverhältnisse sei die KESB aufgeboten worden. Sämtliche Räume seien mit allerlei Unrat vollgestopft gewesen. S pinnweben hätten davon gezeugt, dass länger nicht mehr sauber gemacht worden sei. Es seien d iverse, zum Teil junge Katzen ange- troffen worden. Ein Mitarbeiter habe sich nach dem Einsatz die Schuhe putzen müssen, da er in Katzenkot getreten sei. Die Beschwerdeführerin und ihre Mutter hätten sich verbal, durch hyste- risches Schreien, und körperlich gegen die Hausdurchsuch ung gewehrt, sodass die Beschwer- deführerin vorübergehend in Handfesseln habe gelegt we rden müssen. Ferner sei die anwe- sende Mitarbeiterin der KESB übel beschimpft worden. E ine gründliche Durchsuchung der Lie- genschaft sei aufgrund der “messieähnlichen“ Zustände der Räume nicht möglich gewesen. Die Gefährdungsmeldung bei der KESB sei zufolge der herrsch enden, “messieähnlichen“ und un- hygienischen Zustände, dem Verhalten der im gleichen Hau shalt lebenden Personen und dem Umstand, dass ein Kleinkind im selben Haushalt wohne, gemacht worden. 5.3 Aus den Akten geht hervor, dass in der betroffenen L iegenschaft Waffen mit dazugehö- riger Munition gefunden wurden und die Polizei hielt fest, aufgrund der ungeordneten Verhält- nisse im Innern des Hauses könne nicht ausgeschlossen werde n, dass noch weitere Waffen vorhanden seien. Auch scheinen die hygienischen Verhältn isse im Haus prekär zu sein, ist doch ein Polizist anlässlich der Hausdurchsuchung in Katzenkot getreten. Die KESB hält in ihrer Stellungnahme vom 4. November 2015 fest, die Wohnsituation habe sich seit dem gerichtlichen Augenschein am 19. November 2014 (im Verfahren 810 14 293) erheblich verschlechtert. Die Wohnverhältnisse seien qualifiziert unordentlich, unh ygienisch und desolat. Das Haus sei ver- wahrlost und vermüllt. Es reiche nicht aus, dass das Zimmer , welches die Beschwerdeführerin mit D.____ bewohne, und das Badezimmer in Ordnung geh alten würden. D.____ solle sich auch in der Küche und im Wohnzimmer, wo sich sein Laufg itter befinde, aufhalten können. Es sei nicht davon auszugehen, dass sich D.____, wenn er durch die Tante, K.____, oder die Grossmutter betreut werde, ausschliesslich im Zimmer der K indsmutter aufhalte. Vielmehr be- wege er sich wohl auch in den anderen Hausbereichen (w ie Küche oder Wohnzimmer). Die im Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Polizeibericht vom 2. Oktober 2015 beschriebenen Wohnv erhältnisse werden als unhygienisch bezeichnet. Die schlüssigen Ausführungen der Polizei und der Vorinstanz decken sich und wie- gen stärker als die Argumentation der Beschwerdeführeri n, wonach die von ihr und D.____ be- wohnten Räume ordnungsgemäss gehalten würden. Mit der Vorinstanz ist zudem festzuhalten, dass sich D.____ wohl auch in den anderen Hausteilen auf hält. Neben den äusserst unhygieni- schen Umständen im Wohnhaus gilt zu beachten, dass Drogen und Waffen im Haus herumge- legen haben. Somit liegen in Bezug auf die bewohnte Liegenschaft hinreichend konkrete An- haltspunkte für eine Kindswohlgefährdung vor. Auch die bereits bestehenden Kindesschutz- massnahmen vermochten die offenbare Verschlechterung der Wohnsituation nicht zu verhin- dern. Vor diesem Hintergrund erweist sich der von der Vorinstanz angeordnete Entzug des Auf- enthaltsbestimmungsrechts im vorliegenden Fall als erfo rderliche und mildeste Erfolg verspre- chende Massnahme, um einer Kindeswohlgefährdung begegne n und die notwendigen Sach- verhaltserhebungen für das Hauptverfahren durchzuführen zu können. Damit ist von der Anord- nung weiterer Beweismassnahmen für das vorliegende Verfahren abzusehen. 6.1 Die Beschwerdeführerin macht überdies geltend, die Unterbringung von D.____ beim Kindsvater sei nicht angemessen, ohne jedoch ihren diesb ezüglichen Einwand substantiiert zu begründen. 6.2 Die vorübergehende Platzierung von D.____ beim Kin dsvater erfolgte aufgrund einer Krisensituation des im selben Haushalt lebenden Neffen d er Beschwerdeführerin. Im Rahmen der Ermittlungen wurde festgestellt, dass ihr Neffe of fenbar im Besitz von Drogen und Waffen war. Aufgrund der unordentlichen Wohnverhältnisse konnt e die Gefahr weiterer – nicht gefun- dener – Waffen nicht ausgeschlossen werden, weshalb D.__ __ durch eine ausserhäusliche vorläufige Platzierung geschützt werden sollte. Den Akten ist zu entnehmen, dass die KESB auch eine ausserhäusliche Platzierung von D.____ im Fr auenhaus Basel erwog. Die Be- schwerdeführerin war damit jedoch nicht einverstanden und somit musste von einer Platzierung in einem Mutter-Kind-Heim abgesehen werden (vgl. Ve rnehmlassung vom 4. November 2015, Ziff. 6). Gemäss Schreiben der Arbeitgeberin des Kind svaters vom 2. November 2015 verfügt dieser über 68 Ferientage und es ist ihm erlaubt, seine Büroarbeit von zu Hause aus zu erledi- gen. Damit steht fest, dass er mindestens für die Dauer d es Verfahrens die zeitliche Kapazität aufweist, sich umfassend um D.____ kümmern zu können. Anh altspunkte, welche darauf schliessen liessen, dass der Kindsvater für die (zumindest) vorübergehende Betreuung von D.____ ungeeignet ist, sind nicht ersichtlich und werden von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Wie erwähnt, wurde der vorliegende E ntzug des Aufenthaltsbestimmungs- rechts vorsorglich erlassen und gilt für die Dauer des Ha uptverfahrens. Die elterliche Sorge so- wie die Regelung der Betreuungsanteile werden zudem i m Rahmen des beim Bundesgericht hängigen Beschwerdeverfahrens (Verfahren 5A_955/2015) abschliessend zu beurteilen sein. 6.3 Unter summarischer Würdigung der vorliegenden Sac h- und Rechtslage erweisen sich der vorsorglich angeordnete Entzug des Aufenthaltsbestimm ungsrechts und die damit verbun- dene Platzierung von D.____ beim Kindsvater als verhältnismässig und angemessen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Schliesslich gilt es das Gesuch um unentgeltliche Rech tspflege der Beschwerdeführe- rin resp. des Beschwerdegegners zu beurteilen. 7.2 Gemäss § 22 Abs. 1 VPO wird eine Partei auf ihr B egehren von der Bezahlung der Verfahrenskosten und der Kosten von Beweismassnahmen befre it, wenn ihr die nötigen Mittel fehlen und ihr Begehren nicht offensichtlich aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraus- setzungen wird einer Partei der kostenlose Beizug eines Anwaltes bzw. einer Anwältin gewährt, sofern dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig erscheint (§ 22 Abs. 2 VPO). Eine Person ist bedürftig, wenn sie nicht in der Lage ist, für die Pr ozesskosten aufzukommen, ohne dass sie Mittel beanspruchen müsste, die zur Deckung des Lebensunt erhalts für sie und ihre Familie notwendig sind (B ERNHARD WALDMANN , in: Waldmann/Belser/Epiney [Hrsg.], Basler Kommen- tar, Bundesverfassung, Basel 2015, N 77 zu Art. 29). 7.3 Gemäss dem Formular “Gesuch um unentgeltliche Rechts pflege" vom 4. November 2015 erzielt die Beschwerdeführerin monatliche Einnahme n in der Höhe von Fr. 2‘849.--, ihre monatlichen Ausgaben belaufen sich auf Fr. 1‘600.--. Bezüglich der Ausgaben reichte die Be- schwerdeführerin lediglich die Steuererklärung für das Jahr 2014, die Ausgaben wurden damit nicht belegt und gelten somit als nicht nachgewiesen. De r Grundbetrag für eine alleinerziehen- de Person in der Höhe von Fr. 1‘350.--, Fr. 400.-- fü r das Kind und die Erweiterung des Grund- betrags um 15 % ergeben einen Grundbedarf in der Höhe von Fr. 2‘012.50. Angesichts der gel- tend gemachten Einnahmen in der Höhe von Fr. 2‘849. -- besteht demnach ein monatlicher Überschuss in der Höhe von Fr. 836.50 und die Bedürftigkeit mangels Nachweises der weiteren Ausgaben ist zu verneinen. Selbst wenn die Bedürftigkei t nachgewiesen wäre, setzt der An- spruch auf unentgeltliche Rechtspflege voraus, dass das angestrebte Verfahren nicht aussichts- los erscheint. Als aussichtslos gelten gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung Prozessbe- gehren, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich ge ringer als die Verlustgefahren sind und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können . Demgegenüber gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich die Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waa- ge halten oder jene nur wenig geringer sind als diese (vgl. BERNHARD WALDMANN , a.a.O., N 78 zu Art. 29). Vorliegend wurde der Kindsmutter das Aufe nthaltsbestimmungsrecht vorsorglich entzogen und D.____ befindet sich seit Herbst 2015 beim Kindsvater. Ein dem Kind schädliches Hin und Her gilt es zu vermeiden, so etwa wenn ein fakti sch bereits geschaffener Zustand im Rechtsmittelverfahren überprüft wird (Beschluss vom 14. August 2006 des Obergerichts Zürich, in: Zürcherische Rechtsprechung, 105/2006 S. 305; Verf ügung des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, vom 9. Januar 2013 [8 10 12 239] E. 5.4). Dies ist vorlie- gend der Fall und damit steht fest, dass das Gesuch selbst bei Vorliegen der Bedürftigkeit zu- folge Aussichtslosigkeit abzulehnen gewesen wäre. Das Gesu ch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung ist demzufolge abzuweisen. 7.4 Im Weiteren ist über das Gesuch des Beschwerdegegners um unentgeltliche Prozess- führung und Verbeiständung zu befinden. In Berücksichtig ung der eingereichten Unterlagen ist die Bedürftigkeit des Beschwerdegegners für das vorliege nde Verfahren nachgewiesen. Die weiteren Voraussetzungen von § 22 Abs. 1 und 2 VPO sin d ebenfalls erfüllt, weshalb das Ge- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht such des Beschwerdegegners um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bewil- ligen ist. 8.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend werden Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 500. -- erhoben. Die vorliegenden Verfah- renskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt . 8.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Nach § 21 Abs. 2 VPO w ird dem Kanton keine Parteient- schädigung zugesprochen. Gemäss dem Ausgang des Verfahrens ist dem Beschwerdegegner als obsiegende Partei antragsgemäss eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdefüh- rerin zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 24. Nove mber 2015 geltend gemachte Auf- wand von 11.20 Stunden à Fr. 200.-- ist nicht zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin hat dem Beschwerdegegner somit eine Parteientschädigung von in sgesamt Fr. 2‘419.20 (inkl. 8 % MWSt) zu bezahlen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 3. Das Gesuch des Beschwerdegegners um unentgeltliche Pr ozessfüh- rung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Corinn e Gadola, Advo- katin, wird bewilligt. 4. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. 5. Die Beschwerdeführerin hat dem Beschwerdegegner e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘419.20 (inkl. 8 % MWSt ) auszurich- ten. Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Gegen diesen Entscheid wurde am 29. Januar 2016 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 5A_70/2016) erhoben.