<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 95 S.444</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">444</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>95</b></span> <span class="ft1"><b>Lehrperson/Schulleiter an einer Volksschule. Kündigung.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Ein tief gespaltenes Vertrauensverhältnis zwischen grossen Teilen der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Elternschaft und einer Lehrperson rechtfertigt eine Kündigung. Dies</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gilt unabhängig davon, dass sich der Vorwurf einer sexuellen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Verfehlung, welcher die Polemik auslöste, nie erhärten liess.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 28. April 2008 in Sa-</span><br/> <span class="ft2">chen X. gegen Einwohnergemeinde Y. (2-KL.2007.1).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">II/5.</span><br/> <span class="ft4">5.1. Dem Kläger wurde die sexuelle Belästigung einer Schüle-</span><br/> <span class="ft4">rin vorgeworfen, indem er ihr am 27. Januar 2006 für einen kurzen</span><br/> <span class="ft4">Augenblick zwei Finger zwischen Po und Slip geschoben habe. Die</span><br/> <span class="ft4">daraufhin durch die Schulpflege eingeleitete Untersuchung durch die</span><br/> <span class="ft4">Kinderschutzgruppe Baden kam nach Befragung sowohl der betrof-</span><br/> <span class="ft4">fenen Schülerin als auch des Klägers zum Schluss, es seien keine</span><br/> <span class="ft4">weitergehenden Massnahmen zu ergreifen, da "die geführten Ge-</span><br/> <span class="ft4">spräche gegensätzliche Wahrnehmungen der Beteiligten darstellten</span><br/> <span class="ft4">und es [...] unmöglich ist, die eine oder die andere Wahrnehmung als</span><br/> <span class="ft4">die richtige zu benennen". Die Strafanzeige, welche der Gemeinde-</span><br/> <span class="ft4">ammann gegen den Kläger eingereicht hatte, endete am 6. Juni 2006</span><br/> <span class="ft4">mit einer Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft.</span><br/> <span class="ft4">5.2. Schon kurz nach dem 27. Januar 2006 kursierten im Dorf</span><br/> <span class="ft4">Gerüchte über den Vorfall; gleichzeitig entflammten Diskussionen</span><br/> <span class="ft4">über die Tragbarkeit des Klägers als Schulleiter und Lehrperson. Die</span><br/> <span class="ft4">Unruhe war derart gross, dass sich der Gemeindeammann am</span><br/> <span class="ft4">28. Februar 2006 veranlasst sah, Strafanzeige gegen den Kläger zu</span><br/> <span class="ft4">erstatten. Offenbar war er zuvor mehrmals auf den Vorfall angespro-</span><br/> <span class="ft4">chen worden und erhoffte sich durch das Strafverfahren eine Klä-</span><br/> <span class="ft4">rung.</span><br/> <span class="ft4">Die ohnehin angeheizte Stimmung in der Bevölkerung ver-</span><br/> <span class="ft4">schärfte sich in der Folge zusehends, zumal auch erste Medienbe-</span><br/> <span class="ft4">richte erschienen. Am 10. März 2006 sah sich die Schulpflege veran-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">445</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">lasst, mittels eines kurzen Informationsschreibens an die Elternschaft</span><br/> <span class="ft4">zu gelangen. Es wurde erklärt, dass die zuständigen Fachstellen und</span><br/> <span class="ft4">Behörden eingeschaltet worden seien und aus Sicht der Schulpflege</span><br/> <span class="ft4">zur Zeit kein weiterer Handlungsbedarf bestehe. Als Reaktion auf</span><br/> <span class="ft4">dieses Schreiben wandten sich zahlreiche Eltern schriftlich an die</span><br/> <span class="ft4">Schulpflege. So liessen z.B. drei Elternpaare die Schulpflege mit ih-</span><br/> <span class="ft4">rem Brief vom 13. März 2006 wissen, dass "(...) die Schule auch auf</span><br/> <span class="ft4">das Vertrauen der Eltern angewiesen ist" und dass "(...) von einem</span><br/> <span class="ft4">Teil der Elternschaft das Vertrauen in die Schulleitung, unabhängig</span><br/> <span class="ft4">vom Ausgang des laufenden Verfahrens, nicht mehr gegeben ist". Ein</span><br/> <span class="ft4">anderes Elternpaar forderte mit Eingabe vom 15. März 2006 direkt,</span><br/> <span class="ft4">der Kläger sei aufgrund des durch diesen Fall verloren gegangenen</span><br/> <span class="ft4">Vertrauens als Schulleiter und Lehrer sofort abzusetzen. Schliesslich</span><br/> <span class="ft4">zeigt auch ein Schreiben vom 16. März 2006, welches von 33 Perso-</span><br/> <span class="ft4">nen unterzeichnet wurde, die zu diesem Zeitpunkt herrschende</span><br/> <span class="ft4">Stimmung unter grossen Teilen der Elternschaft. Es wurde ausge-</span><br/> <span class="ft4">führt, "mit grossem Erstaunen" müsse festgestellt werden, dass der</span><br/> <span class="ft4">Kläger noch immer als Schulleiter tätig sei. Die Eltern forderten un-</span><br/> <span class="ft4">ter anderem, die Schulpflege solle dem Kläger zu verstehen geben,</span><br/> <span class="ft4">dass er an der Schule "ab sofort nicht mehr erwünscht" sei. Falls die</span><br/> <span class="ft4">Schulpflege ihrerseits nicht das Nötige unternehme, sehe man sich</span><br/> <span class="ft4">dazu verpflichtet, "weitere Massnahmen" einzuleiten. Neben diesen</span><br/> <span class="ft4">Schreiben gab es laut Aussage sowohl des Gemeindeammanns als</span><br/> <span class="ft4">auch der damaligen Präsidentin der Schulpflege diverse (zum Teil</span><br/> <span class="ft4">anonyme) Anrufe verschiedener Personen aus der Gemeinde, welche</span><br/> <span class="ft4">ihren Unmut über die Weiterbeschäftigung des Klägers ausdrückten.</span><br/> <span class="ft4">Ebenso wurde die Schulpflegepräsidentin auf der Strasse regelmässig</span><br/> <span class="ft4">darauf angesprochen, so dass sie sich kaum mehr ins Dorf getraute.</span><br/> <span class="ft4">Anfangs April führten offenbar die Eltern selbständig (d.h. ohne Leh-</span><br/> <span class="ft4">rer, Schulleiter oder Schulpflege) einen gemeinsamen Anlass durch,</span><br/> <span class="ft4">um das weitere Vorgehen zu besprechen. Die Stimmung im Dorf war</span><br/> <span class="ft4">"sehr schlimm" und derart aufgebracht, dass die Schulpflege "schon</span><br/> <span class="ft4">fast Angst" um den Kläger hatte.</span><br/> <span class="ft4">Anfangs April 2006 organisierte die Schulpflege einen Infor-</span><br/> <span class="ft4">mations- und Ausspracheabend. Gemäss dem damaligen Leiter des</span><br/> <span class="ft4">Inspektorats der Volksschule konnte ein Teil der Anwesenden anläss-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">446</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">lich dieses Abends zwar nachvollziehen, weshalb der Kläger bis an-</span><br/> <span class="ft4">hin nicht entlassen worden war. Viele Einwohner und Einwohnerin-</span><br/> <span class="ft4">nen hätten sich aber mit teilweise sehr aggressiven Voten zu Wort</span><br/> <span class="ft4">gemeldet. Überdies seien die zahlreichen verbalen Attacken gegen</span><br/> <span class="ft4">die Schulpflege sehr heftig und zum Teil unter der Gürtellinie gewe-</span><br/> <span class="ft4">sen. Der Druck auf die Schulpflege, den Kläger zu entlassen, sei im</span><br/> <span class="ft4">Verlauf des Abends so gross geworden, dass nach seiner Meinung an</span><br/> <span class="ft4">eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zu denken war.</span><br/> <span class="ft4">Es sei vor allem dem Verhandlungsgeschick des externen Moderators</span><br/> <span class="ft4">zu verdanken gewesen, dass die Situation nicht weiter eskalierte.</span><br/> <span class="ft4">Aufgrund der Aussagen habe sich gezeigt, dass das Vertrauensver-</span><br/> <span class="ft4">hältnis zwischen grossen Teilen der Anwesenden und dem Schullei-</span><br/> <span class="ft4">ter nachhaltig zerstört war.</span><br/> <span class="ft4">5.3. Im Rahmen einer Auswertung des Informations- und Aus-</span><br/> <span class="ft4">spracheabends haben offenbar der externe Moderator, die zuständige</span><br/> <span class="ft4">Inspektorin sowie der Leiter des Inspektorats Volksschule der Schul-</span><br/> <span class="ft4">pflege übereinstimmend empfohlen, sich vom Kläger zu trennen, um</span><br/> <span class="ft4">auf diesem Weg eine Entspannung der Situation herbeizuführen. Die</span><br/> <span class="ft4">Fachleute waren überzeugt, dass eine der wichtigsten Funktionen ei-</span><br/> <span class="ft4">nes Schulleiters, nämlich die Schule nach aussen als Ansprech- und</span><br/> <span class="ft4">Vertrauensperson zu vertreten, vom Kläger nicht mehr wahrgenom-</span><br/> <span class="ft4">men werden konnte.</span><br/> <span class="ft4">Tatsächlich lässt sich aus den obigen Darstellungen (Erw. 5.2)</span><br/> <span class="ft4">unschwer erkennen, dass im Frühjahr 2006 ein derart spannungsgela-</span><br/> <span class="ft4">denes und von Misstrauen geprägtes Umfeld herrschte, dass an eine</span><br/> <span class="ft4">geregelte Tätigkeit des Klägers als Schulleiter nicht mehr zu denken</span><br/> <span class="ft4">war. Die Polemik um seine Person hatte mithin derartige Ausmasse</span><br/> <span class="ft4">erreicht, dass eine Weiterführung seiner Funktion unmöglich gewor-</span><br/> <span class="ft4">den war. Das Vertrauensverhältnis zwischen grossen Teilen der El-</span><br/> <span class="ft4">ternschaft und dem Kläger war offensichtlich tief gespalten. Be-</span><br/> <span class="ft4">zeichnenderweise verzichtet der Kläger darauf, das Gegenteil zu be-</span><br/> <span class="ft4">haupten.</span><br/> <span class="ft4">Die Lehrerin, welche seinerzeit mit dem Kläger eine Stelle</span><br/> <span class="ft4">teilte, sagte anlässlich der Verhandlung vor dem Personalrekursge-</span><br/> <span class="ft4">richt aus, der gesamte Lehrkörper sei stets hinter dem Kläger gestan-</span><br/> <span class="ft4">den. Die ganze Sache habe ihr sehr leid und weh getan. Die Kündi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">447</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">gung habe aber letztlich auch eine Erleichterung dargestellt. Diese</span><br/> <span class="ft4">Aussage erscheint bezeichnend für die Ausweglosigkeit, welche die</span><br/> <span class="ft4">Situation im Frühling 2006 kennzeichnete; sogar für ihm naheste-</span><br/> <span class="ft4">hende Personen innerhalb der Schule wirkte die gegenüber dem Klä-</span><br/> <span class="ft4">ger ausgesprochene Kündigung offenbar ein Stück weit wie ein Be-</span><br/> <span class="ft4">freiungsschlag.</span><br/> <span class="ft4">5.4. Somit ergibt sich, dass grundsätzlich ein sachlicher Kündi-</span><br/> <span class="ft4">gungsgrund im Sinne von § 11 Abs. 1 Ingress GAL vorlag.</span><br/> <span class="ft4">6.</span><br/> <span class="ft4">6.1. Im Weiteren ist zu prüfen, ob der Schulpflege allenfalls</span><br/> <span class="ft4">vorzuwerfen ist, dass sie sich nicht hinreichend hinter den Kläger ge-</span><br/> <span class="ft4">stellt und ihn gegen die Anschuldigungen aus der Bevölkerung ge-</span><br/> <span class="ft4">schützt habe. Diesfalls müsste die Kündigung unter Umständen als</span><br/> <span class="ft4">treuwidrig bzw. rechtsmissbräuchlich angesehen werden.</span><br/> <span class="ft4">6.2. Nachdem die Schulpflege durch den Vater der betroffenen</span><br/> <span class="ft4">Schülerin über den Vorfall informiert worden war, setzte sie sich</span><br/> <span class="ft4">umgehend mit dem Inspektorat sowie der Kinderschutzgruppe in</span><br/> <span class="ft4">Verbindung. Aus den Akten ergibt sich, dass sie in der Folge oft die</span><br/> <span class="ft4">Ratschläge dieser beiden Institutionen einholte, ebenso die Tipps des</span><br/> <span class="ft4">mit dem Strafverfahren betrauten Bezirksamts sowie eines externen</span><br/> <span class="ft4">Schulberaters. Offensichtlich war die Schulpflege sehr darauf be-</span><br/> <span class="ft4">dacht, nicht durch voreilige Informationen an die Elternschaft eine</span><br/> <span class="ft4">Vorverurteilung des Klägers zu bewirken. Zudem wollte sie es unter</span><br/> <span class="ft4">allen Umständen vermeiden, eine Amtsgeheimnisverletzung zu bege-</span><br/> <span class="ft4">hen. Als die Schulpflege feststellte, dass die "Gerüchteküche" zu</span><br/> <span class="ft4">brodeln begann, reagierte sie zunächst mit dem Informationsschrei-</span><br/> <span class="ft4">ben vom 10. März 2006 und später mit der Durchführung eines In-</span><br/> <span class="ft4">formations- und Austauschabends. In beiden Fällen wurde je vorgän-</span><br/> <span class="ft4">gig die Meinung der Fachleute eingeholt; zudem wurde auch der</span><br/> <span class="ft4">Kläger angehört.</span><br/> <span class="ft4">6.3. In seiner Stellungnahme beurteilte der damalige Leiter des</span><br/> <span class="ft4">Inspektorats der Volksschule das Vorgehen der Schulpflege wie folgt:</span><br/> <span class="ft5">"Es ist der Schulpflege nicht gelungen, durch besonnenes Auftreten</span><br/> <span class="ft5">und zurückhaltendes Informieren eine Deeskalation (...) herbeizuführen.</span><br/> <span class="ft5">Ich beurteile das von ihr gewählte Vorgehen jedoch als umsichtig und kor-</span><br/> <span class="ft5">rekt. Lange hat sie versucht, an Herrn X. festzuhalten. Diese Durchhal-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">448</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">testrategie hätte auch zum Erfolg führen können. Doch die Dynamik in die-</span><br/> <span class="ft5">sem Fall wurde von der Behörde unterschätzt. Das Vorgehen der Schulbe-</span><br/> <span class="ft5">hörde wurde von einem Teil der Bevölkerung als Schwäche ausgelegt und</span><br/> <span class="ft5">das Vertrauen sank zunehmend. Der Vertrauensschwund und eine Spaltung</span><br/> <span class="ft5">wurde offensichtlich, als ein Mitglied des Gemeinderats eine Strafanzeige</span><br/> <span class="ft5">einreichte. Diese Entwicklung war jedoch für die Schulpflege nicht voraus-</span><br/> <span class="ft5">sehbar."</span><br/> <span class="ft4">6.4. Dem Personalrekursgericht erscheint die Beurteilung durch</span><br/> <span class="ft4">den damaligen Leiter des Inspektorats der Volksschule absolut nach-</span><br/> <span class="ft4">vollziehbar. Es ist müssig, im Nachhinein darüber zu diskutieren, ob</span><br/> <span class="ft4">durch eine andere Informationsstrategie der Kläger besser geschützt</span><br/> <span class="ft4">worden wäre bzw. sein damaliges Anstellungsverhältnis hätte "geret-</span><br/> <span class="ft4">tet" werden können. Massgebend ist, dass das Vorgehen der Schul-</span><br/> <span class="ft4">pflege keineswegs a priori als untauglich angesehen werden muss.</span><br/> <span class="ft4">Vielmehr entspricht es einem nachvollziehbaren Führungsstil, dass</span><br/> <span class="ft4">die Schulpflege - unter Einbezug von Fachleuten sowie unter Würdi-</span><br/> <span class="ft4">gung der Resultate des Strafverfahrens - selbständig über die anstel-</span><br/> <span class="ft4">lungsrechtlichen Konsequenzen der gegenüber dem Kläger erhobe-</span><br/> <span class="ft4">nen Vorwürfe befinden und die Bevölkerung erst anschliessend infor-</span><br/> <span class="ft4">mieren wollte, falls sich tatsächlich ein entsprechender Bedarf erge-</span><br/> <span class="ft4">ben würde. Dabei war nicht absehbar, wie schnell sich der Vorwurf</span><br/> <span class="ft4">der sexuellen Handlung mit einer Schülerin verbreitete und wie stark</span><br/> <span class="ft4">der Druck gegen den Kläger zunahm. Mit einer schriftlichen Orien-</span><br/> <span class="ft4">tierung sowie der späteren Einberufung eines Informationsanlasses</span><br/> <span class="ft4">wurde grundsätzlich adäquat reagiert.</span><br/> <span class="ft4">Der Kläger wirft der Schulpflege insbesondere vor, sie hätte</span><br/> <span class="ft4">ihm ein direktes Gespräch mit den Eltern der betroffenen Schülerin</span><br/> <span class="ft4">gewähren müssen. Es ist jedoch keinesfalls sicher, dass eine derartige</span><br/> <span class="ft4">Unterredung die Eskalation hätte verhindern können, zumal sich of-</span><br/> <span class="ft4">fenbar die betroffenen Eltern in der öffentlichen Diskussion sehr zu-</span><br/> <span class="ft4">rückhielten. Zudem ist völlig offen, ob die Eltern überhaupt zu einem</span><br/> <span class="ft4">derartigen Gespräch bereit gewesen wären. Über einzelne Details</span><br/> <span class="ft4">wie die Formulierung des Informationsschreibens oder den Umstand,</span><br/> <span class="ft4">dass der Kläger nicht zum Aussprache- und Informationsabend ein-</span><br/> <span class="ft4">geladen wurde, kann man geteilter Meinung sein; auch diesbezüglich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">449</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">lässt sich jedoch der Schulpflege keineswegs der Vorwurf machen,</span><br/> <span class="ft4">dass ihr Vorgehen a priori untauglich gewesen wäre.</span><br/> <span class="ft4">Schliesslich ist wesentlich, dass die Schulpflege als Anstel-</span><br/> <span class="ft4">lungsbehörde nicht dafür verantwortlich gemacht werden kann, dass</span><br/> <span class="ft4">der Gemeindeammann eine Strafanzeige gegen den Kläger ein-</span><br/> <span class="ft4">reichte. Die Anzeige hätte ebenso gut von einer Drittperson einge-</span><br/> <span class="ft4">reicht werden können. Zudem muss man sich vor Augen halten, dass</span><br/> <span class="ft4">es insbesondere aufgrund der kursierenden Gerüchte gute Gründe da-</span><br/> <span class="ft4">für gab zu versuchen, mittels Strafanzeige eine Klärung der Vorwürfe</span><br/> <span class="ft4">herbeizuführen.</span><br/> <span class="ft4">7. Weiter zu fragen ist, ob im vorliegenden Fall nicht auch mil-</span><br/> <span class="ft4">dere Massnahmen zum Ziel geführt hätten, zumal das Interesse des</span><br/> <span class="ft4">Klägers an einer Weiterführung des Arbeitsverhältnisses als hoch</span><br/> <span class="ft4">einzuschätzen ist. Derartige Massnahmen, welche wieder zu einer</span><br/> <span class="ft4">hinreichenden Akzeptanz der Schulleitung und damit zu einem gere-</span><br/> <span class="ft4">gelten Ablauf des Schulbetriebs geführt hätten, sind indessen nicht</span><br/> <span class="ft4">ersichtlich. Insbesondere war die Situation derart zugespitzt, dass</span><br/> <span class="ft4">auch eine vorübergehende Freistellung des Klägers bis zum Ab-</span><br/> <span class="ft4">schluss des Strafverfahrens keine Chance auf Besserung versprochen</span><br/> <span class="ft4">hätte.</span><br/> <span class="ft4">8.</span><br/> <span class="ft4">8.1. Der Kläger verwies im Laufe des Verfahrens mehrfach dar-</span><br/> <span class="ft4">auf, dass er sich keinerlei Vorwürfe machen lassen müsse. Dieser</span><br/> <span class="ft4">Einwand ist gänzlich irrelevant, da ihm im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft4">Kündigung gar nie ein vorwerfbares Verhalten unterstellt wurde. We-</span><br/> <span class="ft4">sentlich ist vielmehr, dass - wie gesehen - nicht nur vom Arbeitneh-</span><br/> <span class="ft4">mer verschuldete Gründe eine Kündigung zu rechtfertigen vermögen.</span><br/> <span class="ft4">Ein derartiger unverschuldeter Grund ist vorliegend gegeben, indem</span><br/> <span class="ft4">das zerrüttete Vertrauensverhältnis zwischen grossen Teilen der El-</span><br/> <span class="ft4">ternschaft und dem Kläger eine erfolgsversprechende Fortsetzung</span><br/> <span class="ft4">seiner Tätigkeit als Schulleiter verunmöglichte.</span><br/></div> </div> </body> </html>