B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2289/2014 U r t e i l v o m 1 6 . F e b r u a r 2 0 1 6 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter William Waeber, Gerichtsschreiberin Regina Derrer. Parteien A._______, geboren am (…), und deren Tochter B._______, geboren am (…), beide Türkei, beide vertreten durch Peter Huber, Fürsprecher, (…), Beschwerdeführerinnen, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. März 2014 / N (…). E-2289/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a A._______ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) – eine türkische Staatsangehörige mit letztem offiziellen Wohnsitz in C._______ – verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im September oder Oktober 2006 respektive 2007 und gelangte zunächst nach (...), wo sie sich bis im Februar 2011 aufhielt. Von (...) aus reiste sie im Februar 2011 in die Schweiz weiter. Mit Schreiben vom 25. Februar 2011 teilte ihre damalige Rechtsvertreterin der Vorinstanz mit, dass die Beschwerdeführerin sich am Montag, 28. Feb- ruar 2011, oder Dienstag, 1. März 2011, im Empfangs- und Verfahrensze- ntrum (EVZ) Basel melden und ein Asylgesuch stellen werde. Da die Be- schwerdeführerin in der letzten Zeit, die sie in der Türkei verbracht habe, unter einer anderen Identität gelebt habe, habe sie ihren Nüfus noch im Heimatland vernichtet. Allerdings bringe sie zwecks Identifikation ihrer Per- son ihre Geburtskurkunde und einen Auszug aus dem Familienregister mit. Zudem werde sie vier Strafurteile einreichen, aus denen hervorgehe, dass ihr in der Türkei politische Verfolgung drohe, weshalb trotzt fehlenden Iden- titätspapieren um materielle Behandlung des Asylgesuchs ersucht werde. Da die Beschwerdeführerin über keine finanziellen Mittel verfüge, werde ferner die Übersetzung der wesentlichen Stellen der Beweismittel von Am- tes wegen beantragt. Schliesslich wies die damalige Rechtsvertreterin da- rauf hin, dass die Beschwerdeführerin bereits in (...) ein Asylgesuch einge- reicht, jedoch nie einen Entscheid erhalten habe , und im fünften Monat schwanger sei, was bei der Befragung und Unterbringung zu berücksichti- gen sei (A1/3). Am 28. Februar 2011 stellte die Beschwerdeführerin im EVZ Basel ein Asyl- gesuch und wurde dort am 10. März 2011 summarisch zu ihren Gesuchs- gründen und zu ihrer Person befragt. Am 20. September 2011 fand die ein- lässliche Bundesanhörung zu ihren Asylgründen statt. Die Beschwerdefüh- rerin machte anlässlich der beiden Anhörungen im Wesentlichen Folgen- des geltend: A.b Sie sei während ihrer Gymnasialzeit Mitglied einer Schülervereinigung gewesen und habe insbesondere für die Rechte von Schülern und Studie- renden aus Arbeiterfamilien, welche im türkischen Bildungssystem benach- teiligt seien, gekämpft. Nach Abschluss des Gymnasiums im Jahr 1995 habe sie bis im Jahr 2000 verschiedene Kurse besucht, um sich auf die Aufnahmeprüfungen an den Universitäten vorzubereiten. In dieser Zeit sei E-2289/2014 Seite 3 sie weiterhin in Schüler- respektive Studentenvereinigungen politisch aktiv gewesen und habe marxistisch-leninistische Ansichten vertreten, wobei sie nie Mitglied einer in der Türkei verbotenen kommunistischen respektive so- zialistischen Vereinigung gewesen sei. Dennoch sei sie anlässlich einer Polizeioperation im Jahr 1998, in der nach Anhängern der politischen Or- ganisation Türkiye Komünist Partisi/Marksist -Leninist (TKP/ML; deutsch: Kommunistische Partei der Türkei/Marxistisch -Leninistisch) gesucht wor- den sei, unter dem Verdacht, für dieses Organisation zu arbeiten, zu Hause festgenommen und während [einigen] Monaten inhaftiert worden. Mangels Beweisen sei sie anlässlich der zweiten Gerichtsverhandlung indes freige- sprochen und aus der Haft entlassen worden. Im Jahr 2000 habe sie an verschiedenen demokratischen Demonstrationen teilgenommen, unter an- derem an einer Kundgebung in D._______ gegen [Thema der politisch mo- tivierten Demonstration]. Anlässlich dieser Demonstration sei sie festge- nommen und gefoltert worden, wobei sie noch am gleichen Tag ohne Ge- richtsverfahren wieder freigelassen worden sei . Im Verlaufe des Jahres 2000 habe sie dann ihre Arbeit als Chefredakteurin der sozialistisch orien- tierten Zeitung E._______ in C._______ aufgenommen. Als Hauptverant- wortliche dieser Zeitung seien wegen der Artikel, die dort erschienen seien – gestützt auf den Vorwurf, illegale, linksgerichtete Organisationen zu un- terstützen – verschiedene Strafverfahren gegen sie eingeleitet worden. Bei jeder Publikation sei wieder ein Gerichtsverfahren gegen sie eröffnet wor- den. In einigen dieser Verfahren sei sie bereits verurteilt worden, andere seien noch hängig. Die Anwältin, die sie damals in der Türk ei vertreten habe, F._______, könne darüber näher Auskunft geben. Auch sei sie, die Beschwerdeführerin, im Rahmen ihrer Tätigkeit für die E._______ wieder- holt festgenommen worden. Die längste Festnahme – [Ort der Festnahme] – habe [einige] Tage gedauert. Einmal, im Januar oder Februar 2002, sei sie auch in G._______ festgenommen worden. Sie sei dorthin gereist, um über [ein politisches Thema zu berichten] . Anlässlich dieser Festnahme, die [einige] Tage gedauert habe, sei sie ebenfalls gefoltert worden. Im Jahr 2002 habe sie ihre Funktion als Chefredakteurin der E._______ schliess- lich aufgegeben, da sie immer öfter von der Polizei bedroht worden sei , wobei sie noch bis ins Jahr 2004 für die Zeitung weitergearbeitet habe. Von 2004 bis zu ihrer Ausreise a us der Türkei habe sie zwar persönlich keine Probleme mehr gehabt. So habe sie – nachdem sie im Jahr 2004 von ihrer Anwältin in der Türkei erfahren habe, dass sie zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden würde, sowie angesichts der vielen Probleme mit den tür- kischen Behörden und den zahlreichen gegen sie eingeleiteten Gerichts- verfahren – den Kontakt zu ihrer Anwältin abgebrochen und sich zurückge-E-2289/2014 Seite 4 zogen. Ihre Familie sei jedoch wiederholt von den türkischen Behörden be- helligt worden. Bei ihren Eltern zu Hause seien diverse Razzien durchge- führt worden, anlässlich welcher man die Beschwerdeführerin gesucht habe. Im Jahr 2007 sei sie angesichts der Gewissheit, dass sie, sobald sie von den türkischen Behörden aufgegriffen werden würde, ihre Haftstrafe absitzen müsste, schliesslich aus ihrem Heimatland nach (...) ausgereist. Dort habe sie ein Asylgesuch eingereicht , welches erstinstanzlich abge- lehnt worden sei, ohne dass ihre Aussagen überhaupt überprüft worden wären oder ihr Zeit dazu gegeben worden wäre, ihre Vorbringen zu bewei- sen. Sie habe dagegen Rekurs ergriffen. Dieser sei aber nicht behandelt worden, woraufhin sie sich entschlossen habe, (...) zu verlassen. Zur Untermauerung dieser Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin bei der Vorinstanz folgende Beweismittel ein: ­ Urteil [türkisches Gericht] [Tag und Monat] 2007, gemäss dem die Be- schwerdeführerin wegen Unterstützung einer illegalen bewaffneten ter- roristischen Vereinigung durch Propaganda , begangen [Datum], zu [Strafe] verurteilt wurde (A8, Beilage 1); ­ Urteil [türkisches Gericht] [Tag und Monat] 2007, gemäss dem die Be- schwerdeführerin wegen Unterstützung von und Gehilfenschaft bei ei- ner illegalen bewaffneten terroristischen Vereinigung über die Presse , begangen [Datum], zu [Strafe] verurteilt wurde (A8, Beilage 2); ­ Urteil Urteil [türkisches Gericht] [Tag und Monat] 2007, gemäss dem die Beschwerdeführerin wegen Unterstützung von und Gehilfenschaft bei einer illegalen bewaffneten terroristischen Vereinigung mittels Veröffent- lichung der Erklärungen dieser Vereinigung , begangen [Datum], zu [Strafe] verurteilt wurde (A8, Beilage 3); ­ Urteil [türkisches Gericht] [Tag und Monat] 2007, gemäss dem die Be- schwerdeführerin wegen Verstoss gegen das türkische Gesetz Nr. 3713 zur Bekämpfung des Terrorismus und wegen Unterstützung einer illega- len bewaffneten terroristischen Vereinigung , begangen [Datum], zu [Strafe] verurteilt wurde (A8, Beilage 4); ­ Beschluss der Ausländerdirektion (...) vom (…) 2007, wonach der Asyl- antrag der Beschwerdeführerin abgewiesen und ihr e Flüchtlingseigen- schaft nicht anerkannt wurde (A8, Beilage 5). B. [Im 2011] brachte die Beschwerdeführerin ihre Tochter, B._______, zur Welt. Am 19. Juli 2011 reis te H._______, der angebliche Vater von E-2289/2014 Seite 5 B._______, in die Schweiz ein, wo er gleichentags im EVZ Basel ein Asyl- gesuch stellte. C. C.a Mit Eingabe vom 19. Januar 2012 reichte die damalige Rechtsvertre- terin zur Untermauerung der Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführe- rin folgende Unterlagen bei der Vorinstanz ein: ­ Schreiben der Anwältin der Beschwerdeführerin in der Türkei vom 10. November 2011 (mit Übersetzung und Zustellco uvert aus der Tür- kei), in dem im Wesentlichen ausgeführt wird, dass die Beschwerdefüh- rerin Chefredakteurin der E._______ gewesen und wegen der darin publizierten Artikel gestützt auf das Gesetz zur Bekämpfung des Terrors sowie Art. 169 des türkischen Straf gesetzbuches zu einer Gefängnis- strafe von insgesamt [mehreren Jahren] verurteilt worden sei (A13, Bei- lagen 3.1 und 3.5); ­ [Urteil türkisches Gericht] [Tag und Monat] 2010 (mit Übersetzung), der [Urteil türkisches Gericht und Datum] – (…) – ersetzt und die Vollstre- ckung einer [Gesamtstrafe von mehreren Jahren Gefängnis] vorsieht (A13, Beilage 3.2); ­ Anwaltsvollmacht vom (…) 2001, in der die Beschwerdeführerin ihre An- wältin in der Türkei mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragte (A13, Beilage 3.3); ­ Handelszeitung vom (…) (A13, Beilage 3.4). In ihrem Begleitschreiben vom 19. Januar 2012 wies die damalige Rechts- vertreterin darauf hin, dass [die Urteile betreffend die Beschwerdeführerin] – gemäss Angaben der Anwältin in der Türkei – bereits in Rechtskraft er- wachsen und gegen die Beschwerdeführerin ein Haftbefehl erlassen wor- den sei. Ferner führte sie zur Handelszeitung vom (…) aus, dass darin die Gründung der Firma "(...)" mit den Namen deren Mitglieder, darunter jener der Beschwerdeführerin, sowie deren Statuten ver meldet worden sei (A38/3). C.b Mit Eingabe vom 3. Oktober 2013 teilte die damalige Rechtsvertreterin der Vorinstanz mit, dass sie das Mandat der Beschwerdeführerin nieder- lege (A35/1). C.c Der neue Rechtsvertreter brachte dem BFM am 15. Novembe r 2013 zur Kenntnis, dass er von der Beschwerdeführerin mit der Wahrung ihrer Interessen betraut worden sei. Er wies die Vorinstanz darauf hin, dass die E-2289/2014 Seite 6 Beschwerdeführerin, wie anlässlich der Bundesanhörung vorgetragen – neben den (…) erwähnten Strafverfahren – im Jahr 1998 ein weiteres Straf- verfahren durchlaufen habe, im Rahmen dessen sie von der Rechtsmitte- linstanz freigesprochen worden sei. Leider habe sie bezüglich dieses Ver- fahrens keine Unterlagen erhältlich machen können . Ferner trug er vor, dass die türkischen Behörden angesichts der Verurteilung der Beschwer- deführerin wegen politischer Delikte ein sie betreffendes politisches Daten- blatt eröffnet haben dürften. Schliesslich reichte der Rechtsvertreter einen Artikel von Amnesty International mit dem T itel "Türkei: Noch immer kein Recht auf Meinungsfreiheit" vom 27. März 2013 ein (A37/6). D. Mit Verfügung vom 27. März 2014 (zugestellt am 28. März 2014), mit wel- cher gleichzeitig über das Asylgesuch von H._______ entschieden wurde, wies das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerinnen ab und ordnete deren Wegweisung sowie den Vollzug an. Zur Begründung dieses Entscheids führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Festnahmen und Folterungen anlässlich der [politisch motivierten Demonstrantinnen] im Jahr 2000 sowie anlässlich der Berichterstattung über [ein politisches Thema] in G._______ im Jahr 2002 lägen nicht nur etliche Jahre zurück, weshalb es am zeitlichen Zusammenhang mit der Flucht mangle. Auch hät- ten diese Ereignisse keine weiteren rechtlichen Konsequenzen und auch keinen Einfluss auf die [genannten Urteile betreffend die Beschwerdefüh- rerin] erwähnten Verfahren gehabt. Dasselbe gelte für die vorgetragene zweimonatige Inhaftierung der Beschwerdeführerin im Jahr 1998 anläss- lich der polizeilichen Suche nach Anhängern der TKP/ML. Folglich seien diese Vorbringen nicht asylrelevant. Bezüglich der Verurteilungen in den Jahren 2002 bis 2007 – (...) – habe die Beschwerdeführerin zwar trotz ausgebliebener Übersetzung der Urteile vom [Tage und Monate] 2007 glaubhaft dargelegt, dass die Strafverfahren auf ihre Funktion bei der E._______ zurückzuführen seien. Allerdings dien- ten diese Verurteilungen recht sstaatlich legitimen Zwecken, weshalb sie nicht asylbeachtlich seien. So seien von der Beschwerdeführerin denn auch keine groben prozessualen Menschenrechtsverletzungen geltend ge- macht worden. Da bereits die neue türkische Strafprozessordnung vom 1. Juni 2005 anwendbar gewesen sei, sei ohnehin davon auszugehen, dass die Verfahren formell korrekt durchgeführt worden seien. Dafür spreche E-2289/2014 Seite 7 auch, dass die türkischen Behörden differenziert vorgegangen seien, hät- ten sie doch ein auf die Vorfälle abgestimmtes Strafmass gewählt und nicht nur Freiheitsstrafen, sondern auch Bussen ausgesprochen. Zudem sei zu erwähnen, dass die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben nach 2004 keinen direkten Nachteilen seitens der Behörden mehr ausgesetzt gewesen sei. Da sie angegeben habe, ihre Familie habe auch bloss ihret- wegen Probleme bekommen, sei auch nicht von einem zusätzlich belas- tenden Familienumfeld auszugehen. Bezüglich des Vorbringens, für die Beschwerdeführerin dürfte in der Türkei ein politisches Datenblatt angelegt worden sein, führte das BFM schliess- lich aus, dass nicht davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin als politisch unbequeme Person wahrgenommen worden sei. So verfüge sie nicht über ein auffälliges politisches Profil, sei sie doch weder in einer Partei tätig gewesen noch zu hohen Strafen verurteilt worden. Auch seien die Hausdurchsuchungen bei ihrer Familie nicht durchgeführt worden, um ihr als Reaktion auf politisch relevante Zwischenfälle ungerechtfertigter- weise neue Taten unterzujubeln. Folglich be stehe kein Grund zur An- nahme, dass die Beschwerdeführerin mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft von asylrelevanter Verfolgung betroffen werden könnte. Den Vollzug der Wegweisung erachtete die Vorinstanz für zulässig, zumut- bar und möglich. E. Mit Eingabe vom 28. April 2014 (Poststempel) liess die Beschwerdeführe- rin von ihrem neu mandatierten, aktuellen Rechtsvertreter gegen die Ver- fügung des BFM vom 27. März 2014 Beschwerde erheben und beantra- gen, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und es sei ihr Asyl zu gewähren, eventualiter sei sie als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, sube- ventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzumutbar sei, weshalb die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei. E.a Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Beschwerde- führerin leide wegen der von ihr mehrfach durch schwere Folter erlittenen Traumatisierungen unter andauernden Angstzuständen mit Erinnerungs- und Konzentrationsstörungen, weshalb sie einen erheblichen Teil ihrer po- litischen Aktivitäten und Beziehungen anlässlich der Befragung durch die Vorinstanz verschwiegen habe und ihre Angaben teilweise ungenau geblie- ben seien. E-2289/2014 Seite 8 So sei sie im Ra hmen ihrer Tätigkeit als Chefredakteurin der E._______ bereits [im Jahr] 2001 – [Anlass der Festnahme] – erstmals von der Polizei festgenommen worden. Auf dem Weg zum Polizeiposten sei sie geschla- gen worden. Auch sei ihr Presseausweis zerrissen worden. Am darauffol- genden Tag sei sie wieder freigelassen worden. [Ebenfalls im Jahr] 2001 sei sie – im Rahmen einer [Polizeioperation], anlässlich welcher [zahlrei- che] linksoppositionelle Vereine und Kulturzentren gestürmt und durch- sucht, deren Archive beschlagnahmt und zahlreiche Personen festgenom- men worden seien – verhaftet und drei Tage [von der Polizei] festgehalten worden. Während dieser Haft sei sie geoh rfeigt und mit dem Tod bedroht worden. Zudem sei ihr die zu Beginn angelegte Augenbinde nie abgenom- men worden . Auch sei sie in langen Gängen herumgeschoben, im Lift transportiert und schliesslich in einem schalli solierten Raum eingeschlos- sen worden, so dass sie die räumliche und zeitliche Orientierung verloren habe. [Ende] 2001 habe sie zwei ehemalige politische Gefangene ([Namen der Gefangenen]), (…), in deren Wohnung in G._______ besucht, um in der E._______ über sie zu berichten. Am darauffolgenden Tag sei sie in G._______ festgenommen und für drei Tage inhaftiert worden , wobei sie anlässlich dieser Polizeiha ft schwer misshandelt worden sei, indem man sie geschlagen und ihr mit Vergewaltigung gedroht habe. [Ebenfalls Ende] 2001 sei es in C._______ zu einer eintägigen Festnahme der Beschwer- deführerin [durch die Polizei] gekommen, als sie einen weiteren [ehemali- gen politischen Gefangenen] besucht habe, um über diesen zu berichten. Schliesslich sei zu erwähnen, dass die Beschwerdeführerin nicht anläss- lich der Festnahme im Zuge der [politisch motivierten Demonstrationen] im Jahr 2000, sondern anlässlich der Inhaftierung im Zuge der Polizeiopera- tion zwecks Suche nach Anhängern der TKP/ ML im Jahr 1998 gefoltert worden sei, wobei sie mit Fäusten, Fusstritten und Polizeistöcken schwer geschlagen, ihr die Kleider vom Leib gerissen und ihr mit einer Vergewalti- gung und gar mit dem Tod gedroht worden sei. Die Zuordnung dieser Folter zur Festnahme im Jahr 2000 im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens sei nicht auf die Angstzustände der Beschwerdeführerin, sondern eher auf ein Missverständnis mit dem D olmetscher zurückzuführen, will die Be- schwerdeführerin diese Folter doch eindeutig im Zusammenhang mit der Inhaftierung im Jahr 1998 erwähnt haben. Aufgrund dieser Behelligungen habe die Beschwerdeführerin ihre Verant- wortung als Chefredakteurin der E._______ im Jahr 2002 an den heute als anerkannter Flüchtling in der Schweiz lebenden I._______ abgegeben und sei angesichts der sich abzeichnenden Verurteilungen im Jahr 2004 unter- getaucht. Mit Hilfe der Maoist Komünist Partisi (MKP; deutsch: Maoistische E-2289/2014 Seite 9 Kommunistische Partei) habe sie unter falscher Identität in C._______, J._______ und G._______ gelebt und in dieser Zeit journalis tische Aktivi- täten zu Propagandazwecken und zum Aufbau eines in der Türkei illegalen Parteiorgans für die MKP betrieben. Nach dem Massaker an 17 Kaderleu- ten der MKP respektive Halk Kurtuluş Ordusu (HKO; deutsch: Volksbefrei- ungsarmee) vom 17. Juni 2005 im Munsurgebirge sei sie nach K._______ gefahren und habe dort [im Jahr 2005] für Berichte, die anschliessend in der E._______ veröffentlicht worden seien, recherchiert. (…). Im (…) 2006 – und nicht 2007 – sei die Beschwerdeführerin von der MKP nach (...) in Sicherheit gebracht worden, nachdem sie im (…) 2006 für eine erneute Reportage von [einem Ort an einen anderen] gereist sei und [die Situation brenzlig geworden sei], so dass die journalistische Tätigkeit wie auch die Rückkehr der Beschwerdeführerin nach C._______ als zu gefährlich er- achtet worden seien. Die mehrfachen Festnahmen, anlässlich welcher die Beschwerdeführerin wiederholt misshandelt und gefoltert worden sei, sowie die unzähligen Ur- teile, die wegen ihrer Tätigkeit als Chefr edakteurin der E._______ gegen sie ergangen seien, zeigten, dass die Beschwerdeführerin trotz des Frei- spruchs von der Anklage im Jahr 1998, Mitglied der TKP/ML zu sein, wegen ihres exponierten Engagements von den Antiterroreinheiten als Aktivistin dieser Partei wahrgenommen und entsprechend verfolgt worden sei. Das [ausgesprochene Strafmass von mehr als 4 Jahren Gefängnis] für redakti- onelle Verantwortlichkeit bestätige dieses politische Verfolgungsmotiv so- wie die Verfolgungsintensität und weise im Vergleic h zu rechtsstaatlichen Strafsystemen einen massiven Politmalus auf. Folglich sei die Beschwer- deführerin bereits ab Ende 2001 von schwerer politischer Verfolgung, wel- che sich durch die späteren Urteile konkretisiert habe, erfasst und bedroht gewesen. Diese Verfolgung sei nach wie vor aktuell, da die über sie ver- hängte Gefängnisstrafe vollstreckbar, aber noch nicht vollstreckt worden sei, weshalb die Beschwerdeführerin zur Verhaftung gesucht werde und entgegen der Ansicht der Vorinstanz davon auszugehen sei, dass gegen sie auch ein politisches Datenblatt als "unbequeme Person" bestehe. An- gesichts dieser politischen Vorbelastung habe die Beschwerdeführerin durch ihr "Verschwinden" bei den türkischen Sicherheits kräften überdies den Verdacht erweckt, dass sie sich der Guerilla der HKO angeschlossen habe. (…). Überdies habe sich die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit ihren journalistischen Recherchen tatsächlich bei der Guerilla aufge- halten, weshalb nicht ausgeschlossen werden könne, dass ihre dortige An- wesenheit von später festgenommenen Guerillamitgliedern unter Folter E-2289/2014 Seite 10 preisgegeben worden sei. Schliesslich dürfe es den türkischen Sicherheits- behörden auch bekannt sein, wer sich mit den Parteikadern der MK P und den geflüchteten Guerillamitgliedern in (...) aufgehalten habe. Vor diesem Hintergrund bestehe ein erhebliches Risiko, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in die Türkei zwecks Klärung ihrer Mitgliedschaft bei der MKP respektive der Guerilla an die Antiterroreinheiten überstellt werde. Da- bei drohe ihr eine zehn - bis zwanzigjährige Freiheitsstrafe und mithin ein Strafmass, das an gesichts ihrer ausschliesslich journalistischen und pro- pagandistischen Tätigkeit völlig unverhältnismässig sei und überwiegend das Ziel der Bestrafung und Unterdrückung Oppositioneller im Land ver- folge. Angesichts dieser politischen Komponente sei auch nicht damit zu rechnen, dass das vorangehende Verfahren den rechtsstaatlichen Anfor- derungen eines fairen Prozesses zu genügen vermöge. Vielmehr bestehe das Risiko einer unmenschlichen Behandlung. E.b Mit der Rechtmitteleingabe vom 28. April 2014 wurden die folgenden neuen Beweismittel zu den Akten gereicht: ­ Schreiben der Mutter der Beschwerdeführerin vom 10. April 2014, ein- schliesslich einer Kopie ihres Nüfus (mit Übersetzung und Zustellcou- vert aus der Türkei), worin die politischen Aktivitäten des Vaters der Be- schwerdeführerin, die Razzien, welche die Polizei nach dem Jahr 2004 bei der Familie der Beschwerdeführerin dur chgeführt habe, (...) be- schrieben werden; ­ [Internetartikel zur Untermauerung der Verfolgungsvorbringen]; ­ [Internetartikel zur Untermauerung der Verfolgungsvorbringen]; ­ Protokoll des Polizeipräsidiums [betreffend die Verfolgungsvorbringen]; ­ [weiteres Dokument betreffend die Verfolgungsvorbringen]; ­ Türkischer Text der Reportage der B eschwerdeführerin mit dem Titel "(...)" [von 2005], welcher in der E._______ [von 2005] abgedruckt sei; ­ Undatiertes Schreiben von (...), einschliesslich einer Kopie seiner (...) Aufenthaltsbewilligung (mit Übersetzung), worin dieser davon berichtet, die Beschwerdeführerin, welche in (...) Aktivistin beim sozialpolitisch ak- tiven Verein "(...)" gewesen sei, im Jahr 2007 in (...) kennengelernt zu haben; ­ Schreiben der Nachbarin der Mutter der Beschwerdeführerin, (...), vom 9. April 2014, einschliesslich einer Kopie ihres Nüfus (mit Übersetzung und Zustellcouvert aus der Türkei), worin diese ausführt, dass die Mutter E-2289/2014 Seite 11 der Beschwerdeführerin seit Jahren und in regelmässigen Abständen von der Polizei aufgesucht werde (…); ­ Ausdruck eines türkischen Artikels vom (...) 2001 auf der Internetseite (...); ­ Ausdruck eines Artikels auf der Internetseite (...) vom (...) (mit Überset- zung), wonach die Polizei in C._______ mehrere Kulturzentren und Ver- eine gestürmt und durchsucht hat und mehrere Personen, darunter na- mentlich die Beschwerdeführerin festgenommen hat; ­ Auszüge aus dem Rapport des Generalsekretariats der Organisation İnsan Hakları Derneği (IDH; englisch: Human Rights Association) in An- kara bezüglich Menschenrechtsverletzungen [im 2001] (mit Überset- zung), [in dem eines der Vorbringen der Beschwerdeführerin wiederholt wird]. F. Mit Zwischenverfügung vom 12. Mai 2014 entschied das Bundesverwal- tungsgericht, dass die Beschwerdeführerinnen den Entscheid in der Schweiz abwarten können, für die Beschwerdeführerin und H._______ fortan zwei getrennte Verfahren geführt werden und B._______ ins Verfah- ren der Beschwerdeführerin aufgenommen wird. Ferner forderte das Ge- richt die Beschwerdeführerin auf, eine Rechtskraftbescheinigung für [die zuvor genannten Urteile] – respektive für den Fall, dass [dagegen] Beru- fung eingelegt wurde, geeignete Dokumente zum Nachweis der Hängigkeit (…) – einzureichen. Zudem forderte das Gericht die Beschwerdeführerin auf, eine Übersetzung der wesentlichen Teile des mit Eingabe vom 19. Ja- nuar 2012 ins Recht gelegten Auszugs aus der türkischen Handelszeitung (…) beizubringen. Weiter gewährte das Gericht der Beschwerdeführerin Gelegenheit, ein Schreiben ihrer Anwältin in der Türkei einzureichen, wel- ches sich zu den geltend gemachten Verhaftungen im Zeitraum zwischen 2000 und 2004 äussert, sowie jegliche relevanten Beiträge von I._______ zu ihrem Asylgesuch vorzubringen. Schliesslich wurde die Beschwerdefüh- rerin zur Zahlung eines Kostenvorschusses von Fr. 600.‒ aufgefordert. G. Am 16. Mai 2014 kam die Beschwerdeführerin der Aufforderung zur Zah- lung eines Kostenvorschusses innert Frist nach. H. Mit Eingabe vom 12. Juni 2014 reichte der Rechtsvertreter ein Schreiben der Anwältin der Beschwerdeführerin in der Türkei vom 26. Mai 2014 (mit E-2289/2014 Seite 12 Übersetzung und Zustellcouvert aus der Türkei) ein, in dem diese zu den bei der Vorinstanz eingereichten Urteilen des (...) Strafgerichts, die gemäss ihrer Erklärung mangels Appellation in Rechtskraft erwachsen seien, sowie zu den Verhaftungen der Beschwerdeführerin [von 2001] Stellung nahm. [Aussagen, die die Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführerin stüt- zen]. Zudem reichte der Rechtsvertre ter ein Schreiben von I._______ vom 3. Juni 2014 (einschliesslich einer Kopie seiner schweizerischen Aufenthalts- bewilligung mit Flüchtlingsstatus) ein, in dem dieser ausführt, dass die Be- schwerdeführerin aufgrund ihrer Tätigkeit als Chefredakteurin der E._______ mehrfach verurteilt, verhaftet und gefoltert worden sei, weshalb sie nach seinem Wissen bei den Menschenrechtsvereinigungen IHD und Türkiye Insan Haklari Vakfi (TIHV; englisch: Human Rights Foundation of Turkey) einen Antrag gestellt habe, als Folteropfer anerkannt zu werden. Ferner wurde eine Übersetzung des ersten Teils des Auszugs aus der Han- delszeitung eingereicht, aus dem hervorgeht, dass die Beschwerdeführerin zusammen mit (...) [Firmennamen] gegründet hat. Schliesslich reichte der Rechtsv ertreter ein Schreiben des aktuellen Ver- lagsinhabers der E._______ vom 23. April 2014 (mit Übersetzung und Zu- stellcouvert aus der Türkei) ein, in dem ausgeführt wird, dass die Be- schwerdeführerin von 2000 bis 2002 Chefredakteurin und von 2002 bis 2004 Journalistin bei dieser Zeitung gewesen sei. Danach habe sie die E._______ wegen rechtlichen Problemen verlassen, wobei sie nach wie vor einige Arbeiten für die Zeitung ausgeführt habe. A ls Beispiel wurden dem Schreiben die Originalausgaben der E._______ [von 2005] beigelegt, in denen die Reportagen der Beschwerdeführerin zum Thema " (...)" ent- halten sind. I. Mit Eingabe vom 25. Juli 2014 wandte sich der Rechtsvertreter erneut ans Gericht. Dabei trug er vor, dass die Beschwerdeführerin die von ihr anläss- lich der Festnahmen [von 2005] in C._______ und [von 2001] in G._______ erlittenen Folterungen den Menschenrechtsvereinigungen IHD und TIHV gemeldet habe. Zur Untermauerung dieses Vorbringens reichte er je ein Schreiben der beiden Menschenrechtsvereinigungen ein (mit Übersetzun- gen und Zustellungscouverts aus der Türkei) , aus welchen hervorgeht, dass die Beschwerdeführerin sich sowohl bei der IHD als auch bei der TIHV E-2289/2014 Seite 13 gemeldet, die beiden Festnahmen angezeigt und Foltervorwürfe geäussert hat. J. Mit Zwischenverfü gung vom 21. Oktober 2014 bot das Gericht der Vo- rinstanz Gelegenheit zur Einreichung einer Stellungnahme zur Be- schwerde. Mit Vernehmlassung vom 13. November 2014 hielt die Vo- rinstanz fest, dass die Beschwerdeführerin zwar bisher durchaus ähnliche Vorbringen geltend gemacht habe, wie der in der Schweiz anerkannte Flüchtling I._______. In dessen Verfahren sei das BFM davon ausgegan- gen, dass die gegen ihn angestrengten Verfahren der türkischen Behörden aufgrund der daraus resultierenden mehrjährigen Haftstrafe eine Verlet- zung der Meinungsfreiheit darstellten und mithin asylrelevant sei en. Wie auf Beschwerdeebene klar werde , beruhten die Verurteilungen der Be- schwerdeführerin, anders als im Fall von I._______, aber nicht nur auf ihrer Tätigkeit bei der E._______ respektive der darin geäusserten Meinung zur TKP/ML beziehungsweise HKO, sondern auch auf der von ihr zugegebe- nen Mitgliedschaft bei der MKP . Da ihr politisches Engagement für diese Partei mehr als eine blosse Äusserung zu politischen Fragen sei, sei der in den türkischen Gerichtsakten geäusserte Vorwurf etwa der Beihilfe zur Pro- paganda für eine illegale Terrororganisation nicht abwegig. Das BFM gehe mithin nicht von einer Verfolgung der Beschwerdeführerin aus asylrelevan- ten Motiven aus. So hätten Staaten grundsätzlich das Recht und die Pflicht, die jeweilige verfassungsmässige Ordnung zu schützen und Angriffe auf diese Ordnung strafrechtlich zu ahnden. Eine derartige strafrechtliche Ver- folgung habe aber rechtsstaatlichen Ansprüchen zu genügen und müsse verhältnismässig sein. Da die Beschwerdeführerin bis dato noch keine Übersetzung der Urteile eingereicht habe, könne die Vorinstanz im vorlie- genden Fall keine Verfahrensmängel erkennen. Aufgrund der relativ gerin- gen Haftstrafen seien solche Mängel aber ohnehi n nicht zwingend anzu- nehmen. Daran änderten auch die geltend gemachten Folterungen nichts, da sie nach 2001 offenbar nicht mehr aktenkundig seien. Auch habe die Beschwerdeführerin nicht gegen die sie betreffenden Urteile rekurriert, was ebenfalls gegen eine krasse Ungerechtigkeit spreche. Schliesslich seien die übrigen, auf Beschwerdeebene eingereichten Dokumente ebenso we- nig geeignet, den Standpunkt des BFM zu ändern. Im Übrigen sei der Weg- weisungsvollzug der Beschwerdeführerinnen auch zumutbar, verfügten sie in der Türkei doch über ein Beziehungsnetz, das ihnen bei einer Rückkehr behilflich sein könne. K. E-2289/2014 Seite 14 Mit Replik vom 6. Januar 2015 nahm der Rechtsvertreter zur Vernehmlas- sung der Vorinstanz vom 13. November 2014 Stellung. Er führte im We- sentlichen aus, dass die Fälle der Beschwerdeführerin und von I._______ entgegen der Ansicht der Vorinstanz in we iten Teilen vergleichbar seien. So sei I._______ doch der unmittelbare Nachfolger der Beschwerdeführe- rin als Chefredaktor der E._______ gewesen und in gleicher Weise wie sie wegen der mehrmaligen Veröffentlichung angeblicher terrorismusfördern- der Pressekundgebungen in besagter Zeitschrift strafrechtlich verurteilt worden. Die Verfolgung, welche die Beschwerdeführerin für ihre journalis- tische Tätigkeit bis 2002 erfahren habe, sei aufgrund der wiederholt erfah- renen Folterungen eher noch gravierender einzustufen, als jene von I._______. Zudem habe auch I._______ ausgeführt, dass er nach Beendi- gung seiner Arbeit als Chefredaktor weiterhin journalistisch tätig und dabei seiner politischen Ausrichtung treu gebl ieben sei. Dabei verstehe es sich von selbst, dass ein ehemaliger Chefredaktor der E._______ immer auf der ideologischen Linie der TKP/ML respektive MKP liege, selbst wenn er wie I._______ und die Beschwerdeführerin nie Mitglied dieser Parteien ge- wesen sei. Daher sei mit Sicherheit davon auszugehen, dass auch die jour- nalistische Tätigkeit I._______ nach Aufgabe seiner Arbeit als Chefredak- tor weiterhin der Propagierung der Ideologie der TKP/ML respektive MKP gedient habe. Der Unterschied der beiden Fälle liege darin, dass I._______ familiär über genügend Geldmittel verfügt habe, um vorläufige Haftentlas- sungen zu erwirken und die Strafurte ile bis vor Kassationsgericht anwalt- lich anzufechten, so dass er bis (…) in der Türkei habe ausharren können. Die Beschwerdeführerin sei demgegenüber, gezwungen durch die gericht- lichen Verfahren und die deswegen gegen sie a usgestellten Haftbefehle sowie mangels finanzieller Ressourcen, zu ihrem Schutz untergetaucht. Dass die MKP ihr angesichts ihres politischen Engagements und der ihr daraus erwachsenen schweren Verfolgung bei diesem Leben im Unter- grund behilflich gewesen sei, bedeute keinesfalls, dass sie damit Mitglied dieser Partei geworden wäre. Die Hilfeleistung der Partei sei vielmehr als ein Akt der sozialistischen Solidarität zu verstehen. So habe sich die Be- schwerdeführerin denn auch auf Beschwerdeebene nicht – wie von der Vorinstanz behauptet – als MKP-Mitglied ausgewiesen. Das Argument der Vorinstanz, die gegen die Beschwerdeführerin ausgefällten Urteile seien wegen ihrer Zugehörigkeit zur MKP rechtsstaatlich legitim und mithin nicht asylrelevant, greife aber bereits deshalb ins Leere, weil sich die genannten Gerichtsentscheide ausschliesslich auf ihre journalistische Tätigkeit als Chefredakteurin der E._______ bis Ende 2001 bezögen. Für ihre spätere journalistische Tätigkeit und insbesondere die Reportagen aus dem Jahr E-2289/2014 Seite 15 2005 lägen keine Verurteilungen vor. Auch habe die Vorinstanz in ihrer Ver- nehmlassung zu Recht erkannt, dass das Schreiben des aktuellen Verlags- inhabers (…) und der Anwältin in der Türkei keinen Bezug zu den "Tätig- keiten zugunsten der MKP/HKO" herzustellen vermöchten. Wegen ihres Untertauchens, (…) und ihrer journalistischen Recherchierkontakte mit Guerillamitgliedern sei die Beschwerdeführerin indes einem hohen Risiko ausgesetzt, im Falle einer Rückschaffung in die Türkei zusätzlich unter dem Verdacht der Mitgliedschaft bei der MKP/HKO festgenommen, gefol- tert und zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt zu werden. Zusammen- fassend sei festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin – genau wie I._______ – weder in ihrer politischen Auffassung noch in ihrer Freiheit zur Meinungsäusserung einschränken wolle und diese Rechte in türkischen Medien oder Social Media nie ausleben könne, ohne dafür schwerwie- gende politische Verfolgung mit weiteren Freiheitsstrafen gewärtigen zu müssen, zumal sie aus Sicht der türkischen Sicherheitsbehörden als Akti- vistin der MKP stigmatisiert sei. Zu den Ausführungen der Vorinstanz bezüglich der Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs trug der Rechtsvertreter ferner vor, dass diese zynisch seien, da zu bedenken sei, dass die B eschwerdeführerin zunächst eine Freiheitsstrafe von [mehreren Jahren] zu verbüssen habe und überdies ei- nem hohen Risiko erneuter Festnahme, Folter und Bestrafung ausgesetzt wäre. Auch könne die Beschwerdeführerin in der Türkei nicht auf familiäre Hilfe hoffen, da die Mutter nun altersbedingt bei ihrem Soh n lebe. Dieser habe sich von seiner Schwester aber politisch völlig abgegrenzt, in der Hoffnung, von den türkischen Behörden in Ruhe gelassen zu werden. Zum Vater des Kindes bestehe kein Kontakt mehr. Auch werde dieser von der Beschwerdeführerin nicht gewünscht. Zusammen mit der Replik reichte der Rechtsvertreter folgende Beweismit- tel zu den Akten: ­ Schreiben des Anwaltes von I._______ in der Türkei [von 2013] (mit Übersetzung), in dem dieser über die gegen I._______ eröffneten Straf- verfahren und die ihm – und anderen Journalisten in vergleichbarer Si- tuation – in der Türkei drohenden Strafen berichtete; ­ Auszug aus dem Gutachten von Helmut Oberdiek vom 17. Januar 2006 mit dem Titel "Rechtsstaatlichkeit politischer Verfahren in der Türkei" , auf welches der Rechtsvertreter in seiner Replik im Zusammenhang mit der Aussage hinweist, dass die in der Türkei unter dem Terrorismusver-E-2289/2014 Seite 16 dacht geführten polizeilichen und gerichtlichen Verfahren in weiten Tei- len nicht in rechtsstaatlich korrekten Prozessen ergingen (was auch im Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts D-7134/2013 vom 20. Okto- ber 2014 festgestellt worden sei); ­ Artikel aus de r Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 14 . Dezember 2014 mit dem Titel "Razzien in der Türkei, Europäische Union verurteilt Festnahmen von Journalisten". L. Am 25. April 2015 reichte der Rechtsvertreter eine Kostennote ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG (SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsge- richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG (SR 172.021). Das SEM beziehungsweise BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgeb iet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beur- teilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG [SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-2289/2014 Seite 17 3. 3.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Bewei s zu führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und ak- tenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheb- lichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird und folglich nicht alle ent- scheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft werden, o- der weil Beweise falsch gewürdigt wurden. Unvollständig ist die Sachver- haltsfeststellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid rechts- relevanten Sachumstände berücksichtigt wur den (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1; PATRICK L. KRAUSKOPF/KATRIN EMMENEGGER, in: Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Waldmann/Weissber- ger (Hrsg.) 2009, Art. 12 VwVG N 19 ff. und N 42, ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, Rz. 1043 ff.). Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht, an der Fest- stellung des Sachverhaltes mitzuwirken. Sofern diese gesetzliche Mitwir- kungspflicht durch die asylsuchende Person nicht verletzt worden ist, muss die Behörde insbesondere dann weitere Abklärungen ins Auge fassen, wenn aufgrund der Vorbringen der asylsuchenden Person und der von ihr eingereichten oder angebotenen Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbestehen, die voraussichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1). Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Sache selbst oder weist di ese ausnahmsweise mit verbindli chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge- stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh- ren ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz- lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht er- scheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). 3.2 Wie aus der eingangs geschilderten Prozessgeschichte hervorgeht, wurden auf Beschwerdeebene Tatsachen vorgebracht, die nach Abschluss des vorinstanzlichen Verfahrens noch nicht bekannt waren. So wurden für E-2289/2014 Seite 18 den Zeitraum von 2000 bis 2002 zusätzliche Festnahmen der Beschwer- deführerin durch die türkische Polizei geltend gemacht. Für die Zeit nach 2004 wurden überdies weitere, für die Beurteilung des Asylgesuchs der Beschwerdeführerin wesentliche Ereignisse, wie die journalistische Tätig- keit der Beschwer deführerin im Zusammenhang mit dem bewaffneten Kampf der MKP/HKO, (…) sowie ihre Flucht zusammen mit den MKP-Par- teimitgliedern und den Guerillakämpfern nach (...), vorgetragen . Mithin stellt sich die Frage, ob die Vorinstanz ihre Pflicht zur vollständigen Sach- verhaltsabklärung und somit den Untersuchungsgrundsatz verletzt hat. Bezüglich der Festnahmen im Zeitraum zwischen 2000 und 2002 fällt auf, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung vom 20. September 2011 auf die Frage, ob sie alles habe sagen können, was ihr für ihr Asylge- such wichtig erscheine, antwortete, dass sie während der Zeit , als sie in C._______ bei der E._______ gearbeitet habe, mehrmals festgenommen worden sei und mehr darüber erzählen könne, wenn dies gewünscht werde (vgl. A28/13, F72). Anstatt die einzelnen Vorfälle und deren Umstände ge- zielt und vollständig abzuklären, gab das BFM der Beschwerdeführerin in der Folge lediglich die Gelegenheit, sich dazu zu äussern, welches ihre längste und ihre letzte Festnahme war (vgl. A28/13, F73 ff.). Bezüglich der Festnahmen zwischen 2000 und 2002 ist d ie Vorinstanz ihrer Pflicht zur Erstellung des rechtserheblichen Sachverhaltes somit offensichtlich nur ungenügend nachgekommen. Auch für die Zeit nach 2004 hat die Vorinstanz den Sachverhalt nur unvoll- ständig abgeklärt. So beziehen sich gerade einmal sechs Fragen der An- hörung vom 20. September 2011 auf den Zeitraum zwischen 2004 und 2007, wobei darin nur oberflächlich in Erfahrung gebracht wurde, dass die Beschwerdeführerin selbst keine Probleme mit den türkischen Behörden mehr gehabt habe, während bei ihrer Familie weiterhin Razzien durchge- führt worden seien, und sie den Kontakt mit ihrer Anwältin abgebrochen und sich zurückgezogen habe (vgl. A28/13, F46 -49 und F58-59). Die na- heliegenden Fragen, wo sich die Beschwerdeführerin während dieser Zeit aufgehalten hat und wovon sie gelebt hat, hat die Vorinstanz nicht gestellt, weshalb die Geschehnisse zwischen 2004 und 2007 auch nach durchge- führter Anhörung gänzlich im Dunkeln geblieben sind. Nach dem Gesagten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt nur unvollständig erstellt hat und mithin ihre Untersuchungspflicht verletzt hat, ohne dass der E-2289/2014 Seite 19 Beschwerdeführerin eine bedeutende Mitwirkungspflichtverletzung ange- lastet werden könnte. 3.3 Demnach stellt sich die Frage, ob das Verfahren kassiert und zwecks Feststellung der im vorinstanzlichen Verfahren nicht abgeklärten Sachver- haltselemente an die Vorinstanz zurückgewiesen werden soll oder ob der Sachverhalt im Rahmen der Beschwerde in glaubhafter Weise vervollstän- digt und die Entscheidungsreife dadurch hergestellt wurde. Die auf Rechts- mittelebene neu vorgebrachten Tat sachen wurden von der Beschwerde- führerin respektive ihrem Rechtsvertreter weitgehend mit Dokumenten un- termauert. In ihrer Vernehmlassung vom 13. November 2014 nahm die Vo- rinstanz zwar auf diese Dokumente Bezug, zog deren Echtheit jedoch mit keinem Wort in Zweifel. Genau swenig äusserte sie Bedenken an der Glaubhaftigkeit der auf Beschwerdeebene neu geltend gemachten Sach- verhaltselemente. Vielmehr schien die Vorinstanz diesen neuen Vorbrin- gen Glauben zu schenken, zog sie diese doch zur Begründung ihrer Ein- schätzung – die Verfolgung der Beschwerdeführerin sei nicht aus asylrele- vanten Motiven erfolgt, da aufgrund der neu vorgetragenen Tatsachen klar werde, dass sie Mitglied der MKP gewesen und vom türkischen Staat mit- hin zu Recht strafrechtlich verfolgt worden sei – heran. Vor diesem Hinter- grund und angesichts der mit Blick auf den durch die Vorinstanz erstellten Sachverhalt plausibel erscheinenden und durch überzeugende Beweismit- tel untermauerten Neuvorbringen, sieht auch das Bundesverwaltungsge- richt keine Veranlassung, an de ren Glaubhaftigkeit zu zweifeln. Da der Sachverhalt durch die auf Beschwerdeebene vorgetragenen Tatsachen überdies vervollständigt erscheint, ist die Entscheidungsreife als erstellt zu betrachten, weshalb sich eine Kassation zwecks Feststellung der fehlen- den Sachverhaltselemente erübrigt. 4. Folglich bleibt zu prüfen, ob die Verfolgungsvorbringen der Beschwerde- führerin als asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG zu qualifizieren sind. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re- ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe o- der wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausge- setzt ist oder begründete Furch t hat, solchen Nachteilen ausge setzt zu werden. Als ernsthafte Nachtei le gelten namentlich die Gefähr dung von E-2289/2014 Seite 20 Leib, Leben oder Freiheit s owie Massnahmen, die einen uner träglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft interessiert in erster Linie die im Zeitpunkt der Ausreise der asylsuchenden Person bestehende Verfol- gungssituation. Hat sich die Lage im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid massgeblich zu Gunsten oder zu Lasten der asylsuchenden Person verändert, wird auf die Gefährdungslage im Moment des Asylent- scheides abgestellt (vgl. etwa WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Au slän- derrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.17; zur Relevanz des Zeitpunkts des Entscheides für die Bestimmung der Flüchtlingseigenschaft ferner den als Referenzurteil publizierten Entscheid des Bundesverwaltungsgericht D- 5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.2 m.w.H.). 4.2 Es stellt sich zunächst die Frage, ob die Beschwerdeführerin bei ihrer Flucht im Jahr 2006 respektive 2007 eine begründete Furcht vor Verfol- gung durch die türkischen Behörden hatte. In einem zweiten Schritt (vgl. E. 4.3) wird dann zu untersuchen sein, ob diese staatliche Verfolgung legitim oder illegitim war. Wie die Beschwerdeführerin unter anderem mittels der eingereichten Ur- teile der türkischen Strafgerichte glaubhaft darlegen konnte, droht ihr in der Türkei wegen verschiedener in der Zeitschrift E._______ unter ihrer Füh- rung als Chefredakteurin von 2000 bis 2002 erschienener Artikel eine [mehrjährige Freiheitsstrafe] (vgl. A8, Beilagen 1-4 und A13, Beilagen 3.2). Wie die nachweislich [im 2001] von der Beschwerdeführerin in der Türkei mandatierte Anwältin, F._______ (vgl. A13, Beilage 3.3), in ihrem Schrei- ben vom 10. November 2011 und insbesondere in ihrem Brief vom 26. Mai 2014 ausführlich erläuterte, sind die – die Beschwerdeführerin betreffen- den – Strafurteile bereits in Rechtskraft erwachsen, weshalb die darin aus- gesprochenen Gefängnisstrafen vollstreckbar sind. Folglich würde die Be- schwerdeführerin bei einer Rückkehr in die Türkei mit grosser Wahrschein- lichkeit verhaftet. Dies wird denn auch von der Vorinstanz in ihrer Verfü- gung vom 27. März 2014 nicht bestritten. Überdies schienen die türkischen Behörden nach dem Untertauchen der Beschwerdeführerin im Jahr 2004 davon ausgegangen zu sein, dass diese enge Kontakte zur MKP und gar zur HKO unterhielt, (…). Vor diesem Hintergrund ist anzunehmen, dass die türkischen Behörden die Beschwerdeführerin – entgegen der Ansicht der Vorinstanz – im Zeitpunkt ihrer Flucht als "politisch unbequeme Person" E-2289/2014 Seite 21 wahrnahmen, weshalb eine begründete Furcht vor staatlicher Verfolgung im Jahr 2006 respektive 2007 vorliegend zu bejahen ist. 4.3 Die Vorinstanz argumentierte bereits in ihrer Verfügung vom 27. März 2014 und anschliessend nochmals in ihrer Vernehmlassung vom 13. No- vember 2014, dass die strafrechtliche Verfolgung der Beschwerdeführerin durch die türkischen Behörden nicht asylrelevant sei, da sie rechtsstaatlich legitimen Zwecken diene und davon auszugehen sei, dass die Beschwer- deführerin in der Türkei ein rechtsstaatlich faires Verfahren erwarten könne. Im Folgenden ist zu prüfen, ob dies zutrifft. 4.3.1 Die Flucht vor einer rechtsstaatlich legitimen Strafverfolgung im Hei- matland bildet grundsätzlich keinen Grund für die Anerkennung der Flücht- lingseigenschaft und für die Asylgewährung. Ausnahmsweise kann aber die Durchführung eines Strafverfahrens wegen eines gemeinrechtlichen Delikts eine Verfolgung im asylrechtlichen Sinne darstellen. Dies trifft unter anderem dann zu, wenn einer Person eine gemeinrechtliche Tat unterge- schoben wird, um sie wegen ihrer äusseren oder inneren Merkmale, na- mentlich ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be- stimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen Anschauungen zu verfol- gen, oder wenn die Situation eines Täters, der ein gemeinrechtliches Delikt tatsächlich begangen hat, aus einem solchen Motiv in bedeutender Weise erschwert wird. Eine solche Erschwerung der Lage (sog. Politmalus) ist insbesondere dann anzunehmen, wenn deswegen eine unverhältnismäs- sig hohe Strafe ausgefällt wird, wenn das Strafverfahren rechtsstaatlichen Ansprüchen klarerweise nicht zu genügen vermag oder wenn der asylsu- chenden Person in Form der Strafe oder im Rahmen der Strafverbüssung eine Verletzung fundamentaler Menschenrechte, insbesondere Folter droht (vgl. BVGE 2014/21 E. 5.3, BVGE 2013/25 E. 5.1 sowie BVGE 2011/10 E. 4.3, m.w.H.). 4.3.2 Bei der Beurteilung, ob die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer politi- schen Einstellung und ihres politischen Engagements in der Türkei einem asylrechtlich relevanten Politmalus unterliegt oder ob die Verfolgung ange- sichts der Gewaltfreiheit ihrer Aktivitäten per se schon nicht eine gemein- rechtliche, sondern eine politische und mithin illegitime Verfolgung darstellt, sind die ihr von den türkischen Behörden vorgeworfenen Delikte , die zu erwartende Strafe sowie insbesondere ihre tatsächlichen Handlungen zu berücksichtigen (vgl. nachfolgend E. 4.3.2.2; vgl. ferner BVGE 2013/25 E. 5.4.3). Dazu sind vorweg die vorliegend interessierenden türkischen E-2289/2014 Seite 22 Parteien, die MKP und die TKP/ML, näher zu beleuchten (vgl. nachfolgend E. 4.3.2.1). 4.3.2.1 Die MKP ging im Jahr 1994 aus der TKP/ML als eine von mehreren Splittergruppierungen hervor, welche im Jahr 1972 von Ibrahim Kaypak- kaya in der Türkei gegründet worden war. Anfang 1973 wurde Kaypakkaya verhaftet und starb am 18. Mai 1973 im Gefängnis. Zunächst entwickelte sich die von ihm gegründete Bewegung zu einer der führenden kommunis- tischen Organisationen in der Türkei. In der Folgezeit haben jedoch zahl- reiche Spaltungen die Organisation nachhaltig geschwächt. Seit 1994 ist die TKP/ML aufgrund innerorganisatorischer Zerwürfnisse in die beiden Flügel "Partizan" und "Ostanatolisches Gebietskomitee" (DABK) gespal- ten. Am 11. Januar 2003 gab die DABK -Fraktion im Rahmen eines in Elt- ville am Rhein (Deutschland) durchgeführten internationalen Symposiums bekannt, dass sie sich Ende 2002 während ihres ersten Kongresses in Dersim (Ostanatolien) in "Maoistische Kommunistische Partei" (MKP) um- benannt habe. Auf der geis tigen Grundlage des Marxismus -Leninismus und des Maoismus streben die beiden Fraktionen der TKP/ML in der Türkei den Sturz des "Imperialismus", "Feudalismus" und "Kapitalismus" an und befürworten den "Volkskampf" unter Einsatz bewaffneter Guerillaeinheiten. Propagiertes Ziel ist es, das türkische Staatsgefüge zu zerschlagen, um eine im Sinne ihrer Ideologie orientierte "demokratische Volksherrschaft" zu errichten. Mit dieser Zielrichtung unterhalten beide Flügel der ursprüng- lichen Mutterpartei in der Türkei voneinander getrennte bewaffnete Front- Organisationen, die sich bis Anfang des Jahres 2003 beide "Türkische Ar- beiter- und Bauernbefreiungsarmee" (TIKKO) nannten. Während der be- waffnete Arm des "Partizan" -Flügels bis heute unter dieser Bezeichnung auftritt, hat die MKP ihre Guerillagruppe zum besagten Zeitpunkt in HKO umbenannt (vgl. Bundesamt für Verfassungsschutz, Türkische Linksextre- mistische Organisationen in Deutschland, Juli 2007, S. 11 f.; Landesamt für Verfassungsschutz, Ausländerextremismus, August 2007, S. 31 ff.). Die MKP mit ihrem bewaffneten Arm HKO steht auf der Terrorliste des türki- schen Innenministeriums. Sie ist innerhalb der EU-Länder bisher nicht ver- boten, ebenso besteht kein Verbot der Organisation in der Schweiz (vgl. Urteil des BVGer D-7134/2013 vom 20. Oktober 2014 E. 6.3). 4.3.2.2 Die Beschwerdeführerin hat gemäss den Akten an regimekritischen Demonstrationen teilgenommen und sich für die sozialistisch orientierte Zeitung E._______ journalistisch betätigt. Nachdem sie im Jahr 2004 un- tergetaucht war, hat sie – zu Propagandazwecken und zum Aufbau eines Parteiorgans – journalistische Tätigkeiten für die MKP ausgeführt. Im [Jahr] E-2289/2014 Seite 23 2005 ist sie nach K._______ gereist, um über den bewaffneten Kampf der MKP (respektive der HKO) und der TKP/ML (respektive der TIKKO) zu be- richten (vgl. die vom aktuellen Verlagsinhaber mit seinem Schreiben vom 23. April 2014 eingereichten Ausgaben der E._______ [von 2005] [Bst. H]). Folglich hat sich ihre politische Tätigkeit auf rechtsstaatlich legitime Aktivi- täten beschränkt. Weder den Ausführungen der Beschwerdeführerin noch den türkischen Gerichtsakten oder anderen eingereichten Dokumente n sind objektivierbare Hinweise zu entnehmen, die auf eine illegitime Tätig- keit der Beschw erdeführerin oder – wie von der Vorinstanz in ihrer Ver- nehmlassung behauptet – deren Mitgliedschaft bei der MKP hindeuten. Da- ran ändert auch die Haltu ng der Beschwerdeführerin – wie auch von I._______ –, als ehemalige Chefredakteurin einer sozialistisc hen Zeitung immer auf der ideologischen Linie der TKP/ML respektive MKP zu liegen, nichts. So wurden die genannten Parteien bislang nicht als kriminelle Or- ganisationen im Sinne von Art. 260ter StGB (SR 311.0) betrachtet, weshalb Sympathiebezeugungen, selbst wenn sie veröffentlicht werden, und sogar eine Mitgliedschaft nicht als verwerflich anzusehen sind (vgl. Urteil des BVGer D- 7134/2013 vom 20. Oktober 2014 E. 6.3 und 6.4, m.w.H.). Wie bereits in Erwägung 4.2 ausgeführt, droht der Beschwerdeführerin wegen ihrer Tätigkeit als Journalistin bei der E._______ eine [mehrjährige Frei- heitsstrafe]. Dass die eingereichten Urteile [des türkischen Gerichts, Da- ten] auch die Aktivitäten der Beschwerdeführerin nach 2004 erfassen wür- den, lässt sich diesen – wie von der Beschwerdeführerin in ihrer Replik zu Recht vorgetragen – nicht entnehmen. All diese Umstände – sowie die Tat- sache, dass die Beschwerdeführerin zwischen 2000 und 2002 im Rahmen ihrer Recherchearbeiten für die E._______ mehrmals von den türkischen Sicherheitskräften festgenommen und misshandelt wurde, wodurch der Eindruck entsteht, man habe sie demotivieren wollen, ihrer Arbeit nachzu- gehen – sprechen deutlich dafür, dass die Verfahren gegen die Beschwer- deführerin politisch motiviert waren und diese nicht einer gemeinrechtli- chen, irrelevanten Strafverfolgung, sondern einer polizeilich motivierten Verfolgung beziehungsweise einem Politmalus ausgesetzt war. Insgesamt kann gemäss diesen Erwägungen nicht von legitimer Strafver- folgung durch die türkische n Behörden gesprochen werden. So ist auf- grund der vorliegenden Akten davon auszugehen, dass die Beschwerde- führerin in der Türkei für ihre politische Haltung und für rechtsstaatlich le- gitime politische Aktivitäten verfolgt wurde und weitere Verfolgungshand- lungen nicht auszuschliessen sind, zumal die türkischen Behörden – wie in Erwägung 4.2 erläutert – nach dem Untertauchen der Beschwerdeführerin davon ausgegangen zu sein schienen, dass diese enge Kontakte zur MKP E-2289/2014 Seite 24 und gar zur HKO unterhielt . Aufgrund dieser Überlegungen ist die Furcht der Beschwerdeführerin vor weiteren Verfolgungsmassnahmen durch die türkischen Sicherheitskräfte, mithin auch angesicht s der bereits erlebten Vorkommnisse, aufgrund der heutigen Aktenlage objektiv nachvollziehbar und somit als begründet im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zu erachten. Da die befürchteten Nachteile von den türkischen Sicherheitskräften ausge- hen, welche auf dem Territorium der Türkei die Staatsmacht repräsentie- ren, ist im vorliegenden Fall auch nicht vom Bestehen einer sicheren inner- staatlichen Schutzalternative auszugehen. 4.4 Da die Flucht der Beschwerdeführerin aus der Türkei ins Jahr 2006 respektive 2007 zurückreicht, stellt sich schliesslich die Frage, ob sich die Lage in ihrem Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid massge- blich zu ihren Gunsten verändert hat (vgl. Erwägung 4.1). Wie das Bundesverwaltungsgericht in BVGE 2013/25 festgehalten hat, ist es unbestritten, dass die Türkei seit 2001 eine Reihe von Reformen durch- geführt hat, die dem Ziel dienen sollen, die Voraussetzungen für eine Auf- nahme in die EU zu erfüllen. Insgesamt stellen die eingeleiteten umfassen- den Rechtsreformen in rechtsstaatlicher Hinsicht einen Fortschritt dar und Folter in den Gefängnissen konnte markant reduziert werden. Aktuelle Be- richte zur allgemeinen Situation in der Türkei zeigen jedoch, dass die Lage der Menschenrechte trotz Verbesserungen in der Praxis weiterhin proble- matisch bleibt und sich in jüngster Zeit wieder verschärft hat . Namentlich echte oder mutmassliche Mitglieder von staatsgefährdend eingestuften Or- ganisationen – wie vorliegend interessierend die MKP (respektive HKO) oder die TKP/ML (respektive TIKKO) – sind gefährdet, von den Sicherheits- kräften verfolgt und in deren Gewahrsam misshandelt oder gefoltert zu werden. Auch die repressive Politik des türkischen Staates gegen linksge- richtete und kurdische Journalisten dauert weiter an und wurde sogar ver- stärkt. Grundlage für die Haft und Verurteilungen sind das türkische Straf- gesetzbuch oder das Anti-Terror-Gesetz (ATG). Diese Gesetze erscheinen insofern problematisch, als sie aufgrund sehr vager Bestimmungen dazu führen, dass legale politische Aktivitäten wie die freie Meinungsäusserung oder das Demonstrieren als terroristisch eingestuft und als solche verfolgt werden können . Zusammenfassend gibt es zahlreiche Hi nweise dafür , dass weder die türkische Gesetzgebung, noch die Polizei - oder Justizbe- hörden in allen Fällen rechtsstaatlichen Anforderungen zu genügen vermö- gen (vgl. BVGE 2013/25 E. 5.2.2, E. 5.4.1, E. 5.4.2, m.w.H. sowie ferner Urteil des BVGer E-488/2011 vom 5. September 2013 E. 4.4; vgl. in Ergän- zung dazu European Commission, Turkey Progress Report, October 2014, E-2289/2014 Seite 25 S. 51 ff.; Amnesty International, Report 2014/15, Zur weltweiten Lage der Menschenrechte, 24. Februar 2015, S. 45 ff. ). Im Zuge der Parlaments- wahlen im Juni 2015 respektive im November 2015 und des gleichzeitigen Wiederaufflackerns des Kurdenkonflikts hat sich der Stand der Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei zudem massiv verschlechtert (vgl. Neue Zür- cher Zeitung [NZZ], Türkische Parlamentswahl, Schwerer Rückschlag für Erdogan, 7. Juni 2015; NZZ, Konflikt zwischen der Türkei und der PKK, Rückfall in eine finstere Vergangenheit, 7. August 2015; Zeit Online, Istan- buldan/Türkei, "Die Meinungsfreiheit ist am Ende" , 25. September 2015 ; NZZ, Wahl in der Türkei, Erdogans Kalkül ist aufgegangen, 2. November 2015). Nach dem Gesagten müsste die Beschwerdeführerin im Fall einer Wieder- einreise in die Türkei auch heute noch eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung befürchten. 5. Aufgrund der Aktenlage besteht weiter kein Grund zur Annahme einer Asylunwürdigkeit der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 53 AsylG. Wie in Erwägung 4.3.2 ausgeführt, bestehen keine objektivierbaren Hin- weise dafür, dass die Beschwerdeführerin Mitglied bei der MKP oder der TKP/ML war. Ein Asylausschluss alleine aufgrund der Mitgliedschaft bei diesen Parteien würde sich aber ohnehin nicht rechtfertigen, da diese bis- lang nicht als kriminelle Organisationen im Sinne von Art. 260ter StGB be- trachtet wurden (vgl. Urteil des BVGer D-7134/2013 vom 20. Oktober 2014 E. 6.3 und 6.4, m.w.H.). Vielmehr ist der individuelle Tatbeitrag, gemessen an der Schwere der Tat, am Anteil am Tatentscheid, am Motiv und an all- fälligen Rechtfertigungs- sowie Schuldminderungsgründen differenziert zu beurteilen und als massgeblich zu betrachten. Unter den Begrif f der ver- werflichen Handlungen fallen dabei auch Delikte, welche nicht ein schwe- res Verbrechen im Sinn von Art. 1 F Bst. b des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) darstellen, solange sie dem abstrakten Verbrechensbegriff des Strafgesetzes entspre- chen, das heisst mit mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht sind (vgl. Art. 10 Abs. 2 StGB). Gemäss den Akten und den Aussagen der Beschwer- deführerin haben sich ihre vorliegend interessierenden Aktivitäten auf rechtsstaatlich legitime und gewaltlose Tätigkeiten (Teilnahme an De- monstrationen und journalistische Aktivitäten) beschränkt (vgl. Erwägung 4.3.2). E-2289/2014 Seite 26 Vor diesem Hintergrund sind der Beschwerdeführerin keine verwerflichen Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG oder Handlungen, welche die in- nere und äussere Sicherheit der Schweiz gefährden, vorzuwerfen. 6. Nach dem Gesagten verletzt die angefochtene Verfü gung Bundesrecht. Die Vorinstanz hat zu Unrecht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerde- führerin verneint und ihr Asylgesuch abgewiesen. Die Beschwerde ist da- her gutzuheissen. Die Verfügung des BFM vom 27. März 2014 ist aufzuhe- ben und die Vorinstanz anzuw eisen, der Beschwerdeführerin in der Schweiz Asyl zu gewähren. B._______ ist gestützt auf Art. 51 AsylG ins Asyl ihrer Mutter einzubeziehen. 7. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die aus den Akten hervorgehenden Aufforderungen an die Beschwerdeführerin, mit den türki- schen Behörden respektive dem türkischen Konsulat zwecks Anmeldung und Ausstellung von Papieren für ihr in der Schweiz geborenes Kind Kon- takt aufzunehmen, unzulässig sind und sich die Beschwerdeführerin zu Recht geweigert hat, diesen Aufforderungen Folge zu leisten. So beschlägt die Mitwirkungspflicht während hängigem Verfahren betreffend Anerken- nung der Flüchtlingseigenschaft gerade nicht die Pflicht, mit den heimatli- chen Behörden Kontakt aufzunehmen (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.3-3.6, E. 6.4). 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der am 16. Mai 2014 geleistete Kostenvor- schuss von Fr. 600.– wird vom Bundesverwaltungsgericht zurückerstattet. 8.2 Den vertretenen Beschwerdeführerinnen ist a ngesichts ihres Obsie- gens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der in der Kostennote von Fürsprecher Peter Huber vom 25. April 2015 ausgewiesene Aufwand von 26 Stunden (zu einem Stundenansatz von Fr. 250.) inklusive Auslagen von Fr. 144. ist nicht als vollumfänglich an- gemessen zu werten. Zwar war das Beschwerdeverfahren tatsächlich mit E-2289/2014 Seite 27 einem überdurchschnittlichen Aufwand verbunden, stellte es sich doch so- wohl in rechtlicher als auch in tatsächlicher Hinsicht als komplex dar. Zu- dem musste der Rechtsvertreter den Sachverhalt infolge unvollständiger Abklärung durch die Vorinstanz im Rahmen der Beschwerde vervollständi- gen (vgl. E. 3.2 und 3.3). Indes handelt es sich bei den Bemühungen im Zusammenhang mit den Fristerstreckungsgesuchen vom 1. Dezember 2014, vom 15. Dezember 2014 und vom 16. Dezember 2014 nicht um not- wendigen und mithin auch nicht um verrechenbaren Aufwand, weshalb der Gesamtaufwand von 26 Stunden um eine Stunde auf 25 Stunden zu kür- zen ist. Beim angegebenen Stundenansatz von Fr. 250.–, Auslagen in der ausgewiesenen Höhe von Fr. 144.– sowie 8% Mehrwertsteuern ergibt dies eine von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung von Fr. 6'906.–. (Dispositiv nächste Seite) E-2289/2014 Seite 28 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 27. März 2014 wird aufgehoben. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführerinnen in der Schweiz Asyl zu ge- währen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der am 16. Mai 2014 geleis- tete Kostenvorschuss von Fr. 600. – wird vom Bundesverwaltungsgericht zurückerstattet. 4. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführerinnen eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 6'906.– zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die zu- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Regina Derrer Versand: