<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 152 S.665</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">665</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>V. Strafvollzug</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>152</b></span> <span class="ft2"><b>Widerruf gemeinnützige Arbeit; spezialgesetzliche Regelung i.V.m. § 26</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abs. 1 VRPG.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Nebst den spezialgesetzlichen Widerrufsgründen kann ein Widerruf</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auch gestützt auf § 26 Abs. 1 VRPG erfolgen, wenn der Widerrufs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>grund nicht in der Person der verurteilten Person liegt oder wenn</b></span><br/> <span class="ft2"><b>diese den Widerrufsgrund zumindest nicht schuldhaft zu vertreten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hat.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Regierungsrates vom 27. Februar 2002 in Sachen F.R. gegen</span><br/> <span class="ft4">Departement des Innern.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2.a) Gemäss § 3 der Verordnung des Regierungsrates über den</span><br/> <span class="ft6">Vollzug von kurzen Freiheitsstrafen in der Form der gemeinnützigen</span><br/> <span class="ft6">Arbeit vom 20. Dezember 1995 (VVFGA) setzt die Gewährung der</span><br/> <span class="ft6">Vollzugsform der gemeinnützigen Arbeit voraus, dass die zu einer</span><br/> <span class="ft6">Haft-, Gefängnis- oder Einschliessungsstrafe von maximal 90 Tagen</span><br/> <span class="ft6">verurteilte Person bereit ist, die ihr zugewiesene Arbeit zu leisten (lit.</span><br/> <span class="ft6">a). Zudem muss sie körperlich und geistig in der Lage sein, die ge-</span><br/> <span class="ft6">meinnützige Arbeit neben der bisherigen Arbeit oder Ausbildung</span><br/> <span class="ft6">zufrieden stellend und zweckentsprechend zu leisten (lit. b).</span><br/> <span class="ft6">Schliesslich muss eine geeignete Beschäftigung im gemeinnützigen</span><br/> <span class="ft6">Bereich überhaupt zur Verfügung stehen (lit. c). Vorliegend kam die</span><br/> <span class="ft6">Vorinstanz am 10. November 2000 zum Schluss, dass diese Voraus-</span><br/> <span class="ft6">setzungen erfüllt seien und hiess das Gesuch um gemeinnützige Ar-</span><br/> <span class="ft6">beit gut.</span><br/> <span class="ft6">b) Verfügungen und Entscheide, die der Rechtslage oder den</span><br/> <span class="ft6">sachlichen Erfordernissen nicht entsprechen, können durch die erlas-</span><br/> <span class="ft6">sende Behörde oder die Aufsichtsbehörde abgeändert oder aufgeho-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">666</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">ben werden, wenn wichtige öffentliche Interessen es erfordern. Vor-</span><br/> <span class="ft6">behalten bleiben Verfügungen, die nach besonderen Vorschriften oder</span><br/> <span class="ft6">der Natur der Sache nicht oder nur unter ganz bestimmten Vo-</span><br/> <span class="ft6">raussetzungen zurückgenommen werden können (§ 26 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">VRPG).</span><br/> <span class="ft6">Im Bereich der Sondervollzugsform der gemeinnützigen Arbeit</span><br/> <span class="ft6">findet sich in § 9 VVFGA eine spezialgesetzliche Regelung des Wi-</span><br/> <span class="ft6">derrufs: Die Bewilligung für gemeinnützige Arbeit wird demgemäss</span><br/> <span class="ft6">von der Vollzugsbehörde widerrufen und der Vollzug der Reststrafe</span><br/> <span class="ft6">angeordnet, wenn die verurteilte Person ohne ausreichende Begrün-</span><br/> <span class="ft6">dung der ihr zugewiesenen Arbeit fernbleibt oder auferlegte Weisun-</span><br/> <span class="ft6">gen nicht einhält (lit. a). Gleiches gilt, wenn sie trotz Mahnung des</span><br/> <span class="ft6">Einsatzbetriebes oder der Vollzugsbehörde mit der Arbeitsleistung</span><br/> <span class="ft6">hinter den Anforderungen zurückbleibt, welche billigerweise gestellt</span><br/> <span class="ft6">werden können (lit. b) oder sie durch anderes schuldhaftes Verhalten</span><br/> <span class="ft6">die Weiterbeschäftigung für den Einsatzbetrieb unzumutbar macht</span><br/> <span class="ft6">(lit. c). Schliesslich kann die verurteilte Person im Verlaufe des Voll-</span><br/> <span class="ft6">zuges auch auf die Leistung der gemeinnützigen Arbeit verzichten</span><br/> <span class="ft6">(lit. d). Den Materialien lässt sich entnehmen, dass diese Aufzählung</span><br/> <span class="ft6">abschliessend regelt, unter welchen Umständen die verurteilte Person</span><br/> <span class="ft6">aus Gründen, welche in ihrer Verantwortung liegen, die ihr gewährte</span><br/> <span class="ft6">Rechtswohltat der alternativen Vollzugsform der gemeinnützigen</span><br/> <span class="ft6">Arbeit verwirkt.</span><br/> <span class="ft6">Daneben muss es nach § 26 Abs. 1 VRPG möglich bleiben, aus</span><br/> <span class="ft6">weiteren Gründen, die nicht in der Person der verurteilten Person</span><br/> <span class="ft6">liegen oder die diese zumindest nicht schuldhaft zu vertreten hat, die</span><br/> <span class="ft6">Verfügung (Gewährung der Sondervollzugsform) zu widerrufen bzw.</span><br/> <span class="ft6">an geänderte Gegebenheiten anzupassen. So wäre es etwa denkbar,</span><br/> <span class="ft6">dass ein Einsatzbetrieb infolge Konkurs seine Tätigkeit einstellen</span><br/> <span class="ft6">muss und aufgrund dessen auch die verurteilte Person nicht mehr</span><br/> <span class="ft6">weiterbeschäftigen kann. Hier besteht aber das öffentliche Interesse</span><br/> <span class="ft6">am Vollzug der ausgesprochenen Strafe ungebrochen weiter (vgl.</span><br/> <span class="ft6">§ 237 Abs. 1 des Gesetzes über die Strafrechtspflege [Strafpro-</span><br/> <span class="ft6">zessordnung, StPO] vom 11. November 1958); findet sich keine</span><br/> <span class="ft6">andere geeignete Beschäftigung im gemeinnützigen Bereich (§ 3</span><br/> <span class="ft6">lit. c VVFGA), muss daher eine andere Vollzugsform denkbar</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">667</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">bleiben. Das öffentliche Interesse an einem geordneten und beför-</span><br/> <span class="ft6">derlichen Strafvollzug überwiegt hier deutlich gegenüber den Inte-</span><br/> <span class="ft6">ressen der betroffenen, verurteilten Person, etwa in Bezug auf</span><br/> <span class="ft6">Rechtssicherheit oder Vertrauensschutz. Analog muss es sich nun</span><br/> <span class="ft6">verhalten, wenn es der verurteilten Person aus körperlichen oder</span><br/> <span class="ft6">psychischen Gründen nicht mehr möglich ist, auf absehbare Zeit den</span><br/> <span class="ft6">angeordneten Arbeitseinsätzen nachzukommen (vgl. § 3 lit. b</span><br/> <span class="ft6">VVFGA, vgl. auch § 4 Abs. 2 VVFGA). In diesen Fällen ist</span><br/> <span class="ft6">ebenfalls eine der Voraussetzungen, unter welcher diese besondere</span><br/> <span class="ft6">Vollzugsform bewilligt werden konnte, nicht mehr erfüllt. Das</span><br/> <span class="ft6">vorgenannte wichtige öffentliche Interesse an einem beförderlichen</span><br/> <span class="ft6">und geordneten Strafvollzug gebietet es in diesen Fällen, auf die die</span><br/> <span class="ft6">gemeinnützige Arbeit gewährende Verfügung zurückkommen zu</span><br/> <span class="ft6">können (zum Ganzen vgl. auch Ulrich Häfelin/Georg Müller,</span><br/> <span class="ft6">Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. A., Zürich 1998,</span><br/> <span class="ft6">N 802 ff.).</span><br/></div> </div> </body> </html>