Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. April 2021 (720 20 207 / 100) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Das Vorliegen von Aggravation führt rechtsprechungs gemäss nicht automatisch zur Be- jahung eines Ausschlussgrunds resp. zur Verneinung j eglicher versicherten Gesund- heitsschädigung, sondern nur insoweit, als die Leis tungseinschränkung auf der Aggra- vation beruht oder als deren Folge nicht mit ausrei chender Wahrscheinlichkeit festge- stellt werden kann. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch André Baur, Advokat, Baur Laubscher Tschopp Manera Brodbeck Advokaturbüro, Greifen- gasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1972 geborene A.____, angelernte Pflegehelfe rin, arbeitete zuletzt vom 1. Oktober 2001 bis 31. März 2013 als Pflegerin (Pensum 50 %) im Alterszentrum B.____ in X.____. Zu- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem war sie vom 1. November 2009 bis 30. September 201 4 ebenfalls mit einem 50%-Pensum im Büro des Unternehmens ihres Ehemanns, der C.____G mbH in Y.____, angestellt. Am 14. November 2016 meldete sie sich unter Hinweis auf S chmerzen, Schwindel, Kraftlosigkeit, Depressionen und Vergesslichkeit bei der Eidgenössischen Inv alidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle klärte in der Folge di e medizinischen und erwerblichen Ver- hältnisse ab, wobei sie bei der Academy of Swiss Insuranc e Medicine (asim), Universitätsspital V.____, ein Gutachten in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Neuropsycho- logie, Psychiatrie und Rheumatologie veranlasste (Exper tise vom 9. Oktober 2017). Nach Rücksprache mit der asim und dem Regionalen Ärztlichen Die nst (RAD) verneinte sie mit Ver- fügung vom 20. April 2020 einen Rentenanspruch, mit d er Begründung, dass die bei der Versi- cherten feststellte Aggravation Bestandteil des klinischen Gesamtbilds sei, weshalb sich die invalidenversicherungsrechtlich massgeblichen krankheitswerti gen Beschwerdeanteile nicht eindeutig abgrenzen liessen. Damit liege ein Ausschlussgrund vor. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat And ré Baur, am 25. Mai 2020 Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie bean- tragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die Verfügun g der Beschwerdegegnerin vom 20. April 2020 aufzuheben, es sei das Verfahren auszuste llen und ein gerichtliches Gutachten aus den Fachbereichen Psychiatrie, Rheumatologie und Neu rologie einzuholen sowie, entspre- chend dem Ergebnis dieses Gutachtens, mittels eines Arbei tstrainings die Restarbeitsfähigkeit zu validieren. Danach sei erneut über ihren Leistungsa nspruch zu entscheiden. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verurteilen, ihr ab 1. Mai 2017 wenigstens eine unbefristete Drei- viertelsrente auszurichten und die Leistungen ab 1. Mai 2019 mit 5 % p.a. zu verzinsen; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantrag- te sie die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 der Konventi- on zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass entgeg en der Auffassung der IV-Stelle ein invalidisierendes Leiden vorliege. C. In ihrer Vernehmlassung vom 12. August 2020 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Zudem legte sie ihren Ausführungen zwei St ellungnahmen des RAD vom 28. Juli 2020 und 12. August 2020 bei. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 23. Oktober 2020 / Duplik vom 4. November 2020) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. E. Am 9. November 2020 zog das Kantonsgericht bei der Unfallversicherung und der Kran- kentaggeldversicherung die Akten der Versicherten bei. F. Mit Instruktionsverfügung vom 15. Dezember 2020 wurde die Angelegenheit der Dreier- kammer erneut zur Beurteilung überwiesen. G. Mit Eingaben vom 20. und 21. April 2021 reichte de r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin den vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (R AV) Z.____ beim Kompetenzzentrum Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D.____ veranlassten Abklärungsbericht vom 30. Juli 2020, den undatierten Bericht der E.____Treuhand über einen im Juni 2020 erfolgten Ar beitseinsatz der Versicherten und den Bericht der Psychiatrie F.____ vom 15. April 2021 zu den Akten. H. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 22. April 202 1, an welcher die Beschwerdeführerin befragt wurde, hielten die Parteien an ihren Anträg en fest. Auf ihre Ausführungen wird – soweit notwendig – im Rahmen der Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel -Landschaft, so dass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen i st. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 25. Mai 2020 ist demnach einzutreten. 2. Streitig ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführe rin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 20. April 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitli che Grenze der richterlichen Überprü- fungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbsfä- higkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Be stimmung des Invaliditätsgrads das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Unt ervarianten des Schätzungs- oder Pro- zentvergleichs (vgl. BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausse rordentlichen Methode (vgl. BGE 128 V 29). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und be i der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. A rt. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprec henden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchtigung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nac h einem wissenschaftlich aner- kannten Klassifikationssystem voraus (vgl. BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Um festzustellen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest- stellungen auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen, sind sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. 4.5 Nach der Rechtsprechung (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.1 ) liegt regelmässig keine versi- cherte Gesundheitsschädigung vor, wenn die Leistungsein schränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Besteht im Einzelfal l Klarheit darüber, dass solche Aus- schlussgründe die Annahme einer Gesundheitsbeeinträchtig ung verbieten, so besteht von vornherein keine Grundlage für eine Invalidenrente (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen verse lbstständigten Gesundheitsschädi- gung (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a) auftreten, sind dere n Auswirkungen derweil im Umfang der Aggravation zu bereinigen (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Un- tersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von A mtes wegen für die richtige und voll- ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsa- chen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil des B undesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folgenden sollen indessen lediglich diejenigen Berichte wiedergegeben werden, welche für den Entscheid zentral sind. 6.2 Am 16. November 2016 diagnostizierte Dr. med. G.__ __, FMH Rheumatologie und Allge- meine Innere Medizin, einen Status nach HWS-Distorsione n am 29. April 2012 und 5. November 2012 mit schwerem Post-HWS-Distorsionssyndrom, prolongiertem Heilungsver- lauf und Schmerzgeneralisierung, Verdacht auf eine m ilde Hirnverletzung (MTBI), persistieren- den Gedächtnisstörungen, zervikothorakaler Torsionsskoliose, Schiefhaltung des Kopfs, rezidi- vierendem Schwindel und Übelkeit, Seh- und Hörstörungen , Tinnitus sowie einem schweren Panvertebralsyndrom. Zudem bestünden eine mittelschwere bis schwere depressive Episode mit Angst und Schlafstörung und schwerer psychovegetativer Erschöpfung, eine anhaltende posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) mit Flashbacks in Bezug auf das Unfallereignis und rezidivierenden Albträumen im Rahmen von Traumati sierungen durch den Ehemann sowie ein myofasziales Schmerzsyndrom der unteren Extremitäten be i Valgusachse, ISG-Blockade links, Druckdolenzen über den Achsenpunkten und positiven muskulären Triggerpunkten im Bereich der Glutealmuskulatur, der Adduktoren sowie der Hüftbeuger. Die Versicherte leide an den Folgen der HWS-Distorsionen im Jahr 2012, wobei di e HWS-Beweglichkeit in sämtlichen Richtungen eingeschränkt sei. Es bestünden eine deutliche Endphasendolenz und segmentale Dysfunktionen, ausgeprägte muskuläre Dysbalancen mit positi ven Triggerpunkten im Bereich der gesamten Nacken-Schultergürtelregion, eine deutl iche Wirbelsäulenfehlhaltung mit Hohl- rundrücken und akzentuierter zervikaler Hyperlordose, zudem eine lumbal rechtskonvexe Skoli- ose, ein Beckenschiefstand rechts und eine ISG-Blockade li nks, wodurch es funktionell zu Schmerzen im Bereich der gesamten Wirbelsäule komme. Durch die anhaltende chronifizierte Schmerzproblematik und die massive psychosoziale Belastung ssituation sei es zu einer de- pressiven Entwicklung mit aktuell mittelschwerer bis schwere r depressiver Episode sowie einer begleitenden Angst- und Panikstörung gekommen. Die PT BS habe sich chronifiziert. Im Rah- men des nunmehr erheblichen anhaltenden Leidensdrucks w ürden sich bei der Versicherten vermehrt neuropsychologische Störungen zeigen. Es bestünde eine vollständige Arbeitsunfä- higkeit. 6.3 Die Versicherte wurde vom 7. bis 22. Juni 2017 in d er Klinik H.____ stationär behandelt. Im Austrittsbericht vom 30. Juni 2017 wurde als Hauptdi agnose eine PTBS (ICD-10 F43.1) mit depressiven Episoden aufgeführt. Zudem bestünden ein Er schöpfungssyndrom (ICD-10 Z73), Probleme in Verbindung mit der Scheidungssituation (I CD-10 Z63), eine anhaltende Gewalter- fahrung (ICD-10 Z63) bei altruistischer und abhängige r Persönlichkeitsstruktur, rezidivierende Panikattaken, ein Status nach einer HWS-Distorsion mit prolongiertem Heilungsverlauf und ei- ner Schmerzgeneralisierung, differenzialdiagnostisch ein e chronische Schmerzstörung mit so- matischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), ein Pa nvertebralsyndrom, ein myofaszi- ales Schmerzsyndrom der unteren Extremität, ein chronisch er Schmerzmittelabusus seit 2012, Spannungskopfschmerzen, ein Tinnitus und gastrointestinale Beschwerden. Die Versicherte sei in einem schlechten Zustand eingetreten. Es hätte sich e ine ausgeprägte depressive Sympto- matik mit Verlust der Vitalgefühle, der Freudfähigkeit und Sinnhaftigkeit gezeigt. Sie habe über Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schmerzen am ganzen Körper, Schwindel und starke Lichtempfindlichkeit geklagt. Zudem habe sie unter Albträumen und schlechter Schlafqualität mi t ausgeprägter Tagesmüdigkeit gelitten. Es sei ihr schwer gefallen, Vertrauen zu fassen und Aus kunft zu geben. Sie habe sich dann für einen frühen Austritt aus der Klinik entschieden. Während des Aufenthalts habe eine vollständi- ge Arbeitsunfähigkeit bestanden. 6.4 Die IV-Stelle veranlasste bei der asim ein polydiszip linäres Gutachten, welches am 9. Oktober 2017 erstattet wurde. Darin wurden mit Au swirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mit- telschwere depressive Episode (ICD-10 F32.1) und eine chr onische Schmerzstörung mit soma- tischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) mit ausge prägter Symptomausweitung di- agnostiziert. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit b estünden ein chronisches Zervikoze- phalsyndrom, ein Status nach HWS-Distorsionen am 29. Apr il 2012 und am 5. November 2012 mit prolongiertem Heilungsverlauf und Schmerzgeneralisierung und ein Verdacht auf eine MTBI bei retro- und anterograder Amnesie für das Unfaller eignis vom 29. April 2012 sowie eine nicht quantifizierbare neuropsychologische Störung aufgrund ein er wahrscheinlichen Aggravation. Die Versicherte habe am 29. April 2012 einen Autounf all erlitten, indem sie seitlich rechts mit einer Tunnelwand kollidiert sei. Dokumentiert sei ei n HWS-Distorsionssyndrom. Im Rahmen einer MR-tomographischen Untersuchung von Kopf, kranio zervikalem Übergang, HWS und Halsweichteilen vom 15. Juni 2012 sei eine Zerrung der intra- und supraspinalen Ligamente C6/C7 jeweils mit Ödem und Kontrastmittelenhancement b eschrieben worden. Weitere radiolo- gische Befunde bestünden nicht. Am 5. November 2012 hab e sich ein weiterer Autounfall (Heckauffahrkollision) ereignet. Genauere Angaben dazu könne die Versicherte nicht machen. Trotz regelmässiger Therapie sei es zu keiner Verbesserung der Nackenschmerzen gekom- men, hingegen zu einer Generalisierungstendenz. Aktue ll klage die Versicherte über ständig vorhandene Schmerzen am ganzen Körper, eine starke Erschöpf ung, Müdigkeit und Albträume wegen des Autounfalls im April 2012 und der häuslichen Gewalt. Eine strukturierte Anam- neseerhebung sei kaum möglich gewesen und die klinische Untersuchung habe sich schwierig gestaltet. Ein rheumatologisches Krankheitsbild habe w eder anamnestisch noch klinisch noch laborchemisch nachgewiesen werden können. Die ubiquitär en Druckschmerzen, die oft schon auf Berührung hin ausgelöst worden seien, würden kein em rheumatologischen Krankheitsbild entsprechen. Aus neurologischer Sicht könne die Diagno se eines chronischen Zervikozephal- syndroms gestellt werden, jedoch ohne Anhaltspunkte für ein zervikales radikuläres Reiz- oder Ausfallsyndrom. Das Zervikozephalsyndrom sei Teil einer ch ronischen Schmerzstörung mit so- matischen und psychischen Faktoren, welche gekennzeichnet sei durch eine ausgeprägte Symptomausweitung. Durch die HWS-Distorsion im Rahmen d es ersten Autounfalls habe die Versicherte Schmerzen erlitten, die sich im weiteren Ve rlauf chronifiziert und über den ganzen Körper ausgeweitet hätten. Diese Entwicklung sei mit org anischen Befunden allein nicht in Ein- klang zu bringen. Die Schmerzausweitung sei gekennzeichne t durch eine diffuse Symptombe- schreibung und eine hohe Schmerzbewertung. Für die Dia gnose einer chronischen Schmerz- störung mit somatischen und psychischen Faktoren spreche zude m die Tatsache, dass sämtli- che bisher durchgeführten Behandlungen erfolglos geblieben seien. Das Ausmass der demons- trierten Behinderung sei im Vergleich zur klinischen Beu rteilung nicht plausibel. Darüber hinaus hätte sich bei der Versicherten innerhalb der ersten Mo nate nach dem ersten Autounfall eine depressive Symptomatik entwickelt. Diese sei gekennzeichnet durch Konzentrationsstörungen, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine deprimierte Stimmungslage, Energiemangel, Insuff izienzgefühle sowie eine Antriebs- und Schmerzstörung. Die Symptomatik sei nie rückläufig gewesen und teilweise als schwer einge- stuft worden. Insgesamt handle es sich um eine mittelg radige depressive Episode. Die von den behandelnden Ärzten gestellte Diagnose einer PTBS könn e nicht bestätigt werden. Die Versi- cherte zeige keinerlei Vermeidungsverhalten. Viele Sym ptome einer PTBS seien zwar von der Versicherten undifferenziert bejaht worden. Die Symptom atik reiche aber insgesamt nicht aus, um die Diagnose stellen zu können. Die Versicherte müss e diesbezüglich möglicherweise er- neut beurteilt werden. Im Rahmen der aktuellen Begut achtung sei auch eine neuropsychologi- sche Untersuchung durchgeführt worden. Die Versicherte habe sich aber nicht auf die Untersu- chungssituation einlassen und die Sinnhaftigkeit der Abklä rung erkennen können. Die Testung habe nicht vollständig durchgeführt werden können. Sowe it prüfbar, würden sich Minderleistun- gen im Bereich der Aufmerksamkeit und der Exekutivfunkt ionen zeigen. Weiter sei das Arbeits- tempo verbal und visuell-graphisch schwer vermindert und d ie Erfassungsspanne verbal und visuell stark reduziert. Schwer beeinträchtigt seien auch das verbale und visuelle Arbeitsge- dächtnis. Die übrigen geprüften kognitiven Funktionsber eiche seien unauffällig. Das Antwort- verhalten im Beschwerdevalidierungstest (Test of Memory Malingering [TOMM]) sei auffällig. So würden die Anzahl Falschantworten unter dem Zufallsniveau liegen, was als Hinweis auf intakte Gedächtnisleistungen und eine bewusste Beschwerdeverdeutlichung zu werten sei. Der Validie- rungstest habe abgebrochen werden müssen. Das Verhalt en der Versicherten wirke überzeich- net und theatralisch. Die Konsistenz zwischen den Alltags - und Berufsaktivitäten und den Test- befunden könne nicht beurteilt werden. Die psychiatrischen und neurologischen Befunde könn- ten zwar grundsätzlich Einfluss auf die Kognition haben. Die Diagnosen könnten aber die sehr deutlichen Verhaltensauffälligkeiten während der neu ropsychologischen Testung nicht hinrei- chend erklären. Es bestünde eine nicht quantifizierbare neuropsychologische Störung, wahr- scheinlich bedingt durch Aggravation. Aus neurologischer u nd rheumatologischer Sicht bestün- den keine fassbaren Funktionseinschränkungen. Hingegen s ei die Versicherte aufgrund der mittelgradigen depressiven Episode bei der Planung und Strukturierung von Aufgaben und in der Flexibilität, der Selbstbehauptungs- und der Konta ktfähigkeit zu Dritten eingeschränkt. Re- duziert sei auch die Durchhaltefähigkeit, nicht nur durch die depressive Symptomatik, sondern auch durch die extreme Symptomausweitung und die in di esem Zusammenhang bestehende Selbstlimitierung und chronische Schmerzstörung. Die Ver sicherte benötige aufgrund der psy- chischen Symptomatik mehr Zeit, um berufliche Tätigkeiten durchführen zu können. Das eigen- verantwortliche Arbeiten sei beeinträchtigt. Die chron ische Schmerzstörung mit der deutlichen Symptomausweitung führe zu einer zusätzlichen deutlichen Einschränkung der funktionellen Fähigkeiten. Die Versicherte habe ihre ganze Lebensver antwortung an ihr persönliches Umfeld abgegeben und betrachte sich als nicht mehr leistungsf ähig. Sie sei von der Persönlichkeit her unterwürfig angepasst. Als individuelle Belastungsfakto ren bestünden die Gewalterfahrungen durch den Ex-Ehemann. Aktuell seien kaum Ressourcen vorhan den. Die Versicherte liege qua- si den ganzen Tag zu Hause, fühle sich in ihren Beschwe rden gefangen und nicht in der Lage, irgendetwas zu tun. In der klinischen Untersuchung seien Inkonsistenzen festgestellt worden. So habe sich beispielsweise beim Prüfen der passiven Bewegl ichkeit der Hüftgelenke rechts eine eingeschränkte Flexion gezeigt, im Sitzen habe die Versicherte aber das Hüftgelenk prob- lemlos flektieren können. Weiter habe sie in der rheu matologischen Exploration hyperventiliert, sich dann aber beruhigen lassen und die Praxis mit klein en Schritten und fast zusammenge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht kauert verlassen. Hernach sei sie aber zügig und mit auf rechter Haltung die Strasse entlang gegangen. Es hätten sich auch Inkonsistenzen aufgrund de r Symptomausweitung gezeigt, wo- bei diese zum Krankheitsbild der Versicherten gehören würden. Im Rahmen der psychiatrischen Exploration habe sie, nachdem sie auf die Arbeitsfähigkeit angesprochen worden sei, hyperven- tiliert. Die Hyperventilation habe aber schlagartig ge endet, als der Gutachter die Aufmerksam- keit von der Versicherten genommen habe, indem er in einen Nebenraum gegangen sei. Zu- dem hätten sich im Rahmen der neuropsychologischen Testun g deutliche Hinweise auf eine Aggravation ergeben. Ihr Verhalten habe überzeichnet gewirkt. Die Verhaltensauffälligkeiten könnten nicht hinreichend mit den psychiatrischen und den n eurologischen Diagnosen begrün- det werden. Aufgrund der wahrscheinlichen Aggravation se i die Validität der neuropsychologi- schen Befunde nicht gegeben. Die mittelgradige depressive Episode führe zu einer Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit, ebenso die chronische Schmer zstörung mit somatischen und psychi- schen Faktoren. Aktuell bestünde im angestammten Beruf sowie in einer angepassten klar defi- nierten und strukturierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Die depressive Symptomatik habe sich gemäss den vorliegenden Unterlagen über den V erlauf der letzten Jahre nicht verän- dert. Die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sei u nbedingt fortzuführen und eine psychopharmakologische Behandlung zu diskutieren. Es sei un klar, inwieweit die Arbeitsfähig- keit durch geeignete medizinische Massnahmen gesteigert werden könne. 6.5 Am 24. November 2017 äusserte sich die behandelnde Psychiaterin Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, zum Gutachten der asim vom 9 . Oktober 2017. Sie hielt zu- nächst fest, dass darin die Unfallereignisse und deren F olgen nicht hinreichend erfasst worden seien und der Vorwurf der Aggravation und der mangel nden Konsistenz nicht zutreffe. Sie erle- be die Versicherte als sehr angespannt, unter Druck und eingeengt in Bezug auf das Sorge- recht für ihren Sohn. Sie sorge sich um ihre Zukunft un d sei gekränkt und beschämt. Es be- stünden ein ausgeprägtes Gedankenkreisen, Lichtempfindli chkeit, Schreckhaftigkeit und aus- geprägte Schlafstörungen. Sie habe heftige Albträume, ein Bedrohungsgefühl und Flashbacks. In Drucksituationen habe die Versicherte Atemnot und ein Globusgefühl. Sie sei vergesslich, verliere in der Sprechstunde immer wieder den Faden o der könne banale Daten nicht reprodu- zieren. Die affektive Problematik habe sich verstärkt und d ie Versicherte habe Suizidimpulse. Im Gutachten würden fremdanamnestische Angaben fehlen . Diese seien aber für die Beurtei- lung der Konsistenz unabdingbar. In diagnostischer Hinsi cht stellte sie einen Status nach einer HWS-Distorsion mit schwerem Post-HWS-Syndrom, prolongie rtem Heilungsverlauf und Schmerzgeneralisierung fest. Sodann diagnostizierte sie e ine PTBS, eine anhaltende schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2) und einen Verdacht au f eine abhängige und altruistische Persönlichkeitsstruktur. Die auffälligen neurokognitiven T estergebnisse seien aufgrund der Be- obachtungen und Erzählungen im Rahmen der Therapie n achvollziehbar. Zudem sei die Versi- cherte ihren Störungen gegenüber äussert ambivalent, was zum verwirrenden Eindruck beige- tragen haben könnte, den sie auf die Gutachter hinter lassen habe. Die Auffälligkeiten, die von den Gutachtern als theatralisch, überzeichnet und präsentierend wahrgenommen worden seien, seien krankheitsbedingt und hätten mit Aggravation im versicherungsrechtlichen Sinne nichts zu tun. Es sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Versicherten auszugehen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Am 27. November 2017 diagnostizierte Dr. G.____ ei ne schwere depressive Episode mit relevanter Suizidalität, einen Status nach HWS-Distorsio nen und ein myofasziales Schmerzsyndrom der unteren Extremitäten. Die Versichert e leide weiterhin an einer chroni- schen Schmerzsymptomatik und Bewegungseinschränkung sowie ei ner anhaltenden posttrau- matischen Belastungs- und Angststörung. Diese werde derzei t durch die schwere psychosozia- le Belastungssituation (Scheidung vom gewalttätigen Ehe mann) verstärkt. Neben der chronifi- zierten und generalisierten Schmerzsymptomatik stünde zune hmend die psychische Situation mit nunmehr schwerer depressiver Episode und relevanter Suizidalität im Vordergrund. Diese führe zu zunehmendem Gedächtnisverlust, Wortfindungsstöru ngen und teilweise zu Realitäts- verlust, was durch Angst- und Panikattacken zusätzlich verstär kt werde. Hinsichtlich der HWS bestünden eine deutliche Bewegungseinschränkung in säm tliche Richtungen mit deutlicher Endphasendolenz und segmentalen Dysfunktionen auf der Höhe C2/3 und C5/7 beidseits rechtsbetont bei gleichzeitiger ISG-Blockade rechts und Schmerzen entlang der myofaszialen Achsenpunkte, wobei die Fehlhaltung der HWS mit Kopfprotraktion und eine deutliche muskulä- re Dysbalance des gesamten Nacken-Schultergürtels mit posit iven Triggerpunkten im Vorder- grund stünden. Die Schmerzen hätten sich inzwischen auch a uf den Lumbalbereich und die unteren Extremitäten ausgeweitet im Sinne eines lumbos pondylogenen Syndroms und eines myofaszialen Schmerzsyndroms der unteren Extremitäten. Aufg rund der schwer belasteten psychischen Situation sei es sehr schwer, die Versicherte in ein therapeutisches Konzept ein- zubinden. Sie aggraviere aber nicht mutwillig. Vielmehr seien ihre Beschwerden im Rahmen der schweren depressiven Störung, der Angststörung und einer sich zuspitzenden psychosozialen Belastungssituation zu interpretieren. Aus rheumatologischer Sicht sei derzeit eine 100%ige IV- Berentung zu befürworten. 6.7 Am 13. September 2018 nahm der psychiatrische Gutac hter zum Bericht von Dr. I.____ vom 24. November 2017 Stellung. Er hielt fest, dass das auffällige Verhalten der Versicherten während der Begutachtung teilweise krankheitsbedingt se i. Sie habe aber auch aggraviert. Die von der behandelnden Psychiaterin festgestellte Diagnose einer PTBS habe im Rahmen der Begutachtung nicht verifiziert werden können. Zwar weise die Versicherte einige Symptome auf (z.B. Albträume). Weitere für die Diagnose notwendige Kriterien seien aber von der Versicher- ten völlig undifferenziert bejaht worden und könnten nicht gewertet werden. Dasselbe gelte für die Symptome einer MTBI bzw. eines möglichen organischen Psychosyndroms nach Schä- deltrauma. Das von Dr. I.____ bejahte schwere depressive Zustandsbild könne wegen des un- vollständig abgebildeten psychopathologischen Befunds nach den Richtlinien der AMDP (Ar- beitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in d er Psychiatrie) vom 16. Juni 2016 nicht nachvollzogen werden. In der Untersuchung habe die Ver sicherte lediglich ein mittelgradiges depressives Zustandsbild gezeigt. Von Suizidalität habe sie sich klar und glaubhaft distanziert. Die Versicherte habe Einschränkungen in ihrem Funktion sniveau. Diese müssten aber relati- viert werden. So zeige sie eine erhebliche Selbstlimiti erung aufgrund der Symptomausweitung, darüber hinaus aber auch eine Aggravation, die sich zwar ebenfalls als Einschränkung der Leis- tungsfähigkeit abbilde, aber nicht krankheitsbedingt sei. Aufgrund der vorliegenden Inkonsisten- zen liessen sich die Krankheitsbilder einer PTBS sowie einer MTBI nicht vollständig klären bzw. ausschliessen und könnten deshalb nicht beurteilt werden . Die Versicherte sei aber aufgrund einer mittelgradigen depressiven Episode und einer chr onischen Schmerzstörung mit somati- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen und psychischen Faktoren im Umfang von 50 % in ihre n funktionellen Fähigkeiten einge- schränkt. Es sei möglich, dass sie durch Symptome im Rahmen e iner PTBS zusätzlich einge- schränkt sei. Dies liesse sich aber aufgrund der Symptomau sweitung und der Aggravation der Versicherten in der Begutachtungssituation nicht ausreiche nd beurteilen. Dass sie, wie von der behandelnden Psychiaterin beschrieben, vollständig arbeitsunfähig sein soll, sei nicht nachvoll- ziehbar. Für eine genauere Beurteilung der Arbeitsfähigkeit wäre ein Arbeitstraining durchzufüh- ren. 6.8 Am 24. September 2018 nahm der rheumatologische Gutachter zum Bericht von Dr. G.____ vom 27. November 2017 Stellung, wobei er festhielt, dass dieser keine neuen As- pekte enthalte. Der Vorwurf der behandelnden Psychiater in, wonach er die klinischen Befunde und diejenigen der Bildgebung sowie die Berichte der behandelnden Ärzte übergangen habe, treffe nicht zu. 6.9 Am 20. November 2018 nahm der RAD Stellung. Er hielt fest, dass sich aus versiche- rungsmedizinsicher Sicht die krankheitsbedingten und die real vorhandenen Funktionsein- schränkungen nicht mit Sicherheit von den aggravatorisch b edingten Verhaltensauffälligkeiten trennen und zuordnen liessen, weshalb eine valide Beu rteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit nicht präzise möglich sei. Zudem habe der psychiatrische Gutachter bei der Beurteilung des Fähigkeitsstatus nach Mini-ICF-APP die R atingregeln nicht eingehalten. Eine krankheitsbedingte Funktions- und Arbeitsunfähigkeit sei nicht objektivierbar. 6.10 Am 14. Mai 2019 fand eine Besprechung zwischen de m Rechtsdienst der IV-Stelle und dem RAD statt. Dabei wurde auf die RAD-Stellungnahme vom 20. November 2018 verwiesen und festgehalten, dass die Angaben der Versicherten au ffällig seien und von einer deutlichen Aggravation auszugehen sei. Der psychiatrische Gutachter ha be zwar mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Störung und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren diagnostiziert und sehe in diesem Rahmen auch die Symptomausweitung teilweise begründet. Wegen der deutlichen Aggravation und der zahllosen Inkonsistenzen seien aber aus Sicht des RAD die funktionellen Auswirkungen der diagnostizier- ten psychischen Störungen nicht bewiesen. Es könne keine 50%ige Einschränkung der Arbeits- fähigkeit begründet werden. Die im psychiatrischen Teil gutachten erhobenen Einschränkungen könnten nicht klar von Selbstlimitierung und Aggravation getrennt werden, was den diagnosti- zierten Schweregrad der Depression relativiere. Sodann seien die Therapieoptionen nur teilwei- se wahrgenommen worden, weshalb der subjektive Leidensdruck als gering angesehen werden müsse. 6.11 Mit E-Mail an den Rechtsvertreter der Versicherte n vom 30. September 2019 hielt Dr. G.____ fest, dass der rheumatologische Gutachter die multilokuläre Druckschmerzhaftigkeit zervikal-betont korrekt beschrieben habe. Er sei aber nich t auf die ausgeprägte Wirbelsäulen- fehlhaltung und die daraus resultierenden muskulären D ysbalancen eingegangen. Ob die Wad- delzeichen tatsächlich als positiv bewertet werden könnten, sei diskutabel. Sie seien aber sicher nicht im Sinne eines aufgesetzten Schmerzgebarens, sondern vielmehr im Rahmen der gesam- ten psychiatrischen Komorbidität zu werten. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.12 Die Versicherte wurde am 7. und 8. November 2019 in der Klinik H.____ stationär behan- delt. Im Austrittsbericht vom 5. Dezember 2019 wurden eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3), eine PTBS (ICD- 10 F43.1), ein chronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD- 10 F45.41), eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01), eine gastroösophageale Re- fluxkrankheit mit Ösphagitis (ICD-10 K21.0) und andere K ontaktanlässe mit Bezug auf den en- gen Familienkreis (ICD-10 Z63) diagnostiziert. Die Ver sicherte sei wegen akuter Suizidalität auf die geschützte Station der Psychiatrie F.____ verlegt worden. 6.13 Im Austrittsbericht der Psychiatrie F.____ vom 2. Ja nuar 2020 wurden eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psych otischen Symptomen (ICD-10 F33.3), eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), eine gastroösophageale Refluxkrankheit mit Ösph agitis (ICD-10 K21.0) und andere Kontaktanlässe mit Bezug auf den engen Familienkreis ( ICD-10 Z63) diagnostiziert. Bei der Versicherten hätten sich initial eine starke depressive Verst immung mit starker Einengung auf die eigene Hoffnungslosigkeit und Insuffizienzerleben, Ängste mit agora- und sozialphobischem Charakter sowie akustische Halluzinationen mit imperativ en, zu Suizidhandlungen auffordern- den Stimmen gezeigt. Zudem sei eine Exazerbation der Schmerzsymptomatik aufgetreten. Nach Neuinstallierung resp. Umstellung der Medikation habe sich der Zustand der Versicherten gebessert. Am 13. Dezember 2019 sei sie stabil und ohne Anhalt auf akute Selbst- oder Fremdgefährdung aus der Klinik entlassen worden. 6.14 Das RAV beauftragte das Kompetenzzentrum D.____ mi t einer Abklärung der Arbeitsfä- higkeit. Im Bericht vom 30. Juli 2020 wurde keine (beu rteilbare) Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Die Versicherte habe sich stark leidend und massiv eingeschränkt präsentiert. Wegen der fehlenden Mitwirkung der Versich erten hätten keine fundierte Berufs- und psychiatrische Anamnese erhoben werden können. Das b erichtete Beschwerdebild bleibe diffus. Zudem habe die Versicherte in den Gesprächen aggraviert, was eine psychiatrische Stö- rung nicht ausschliesse, aber auch nicht eindeutig identi fizieren lasse. Aufgrund der vorliegen- den Informationen sei aus psychiatrischer Sicht eine Eins chätzung der Arbeitsfähigkeit nicht möglich. 6.15 Am 28. Juli und 12. August 2020 hielt der RAD f est, dass die Stellungnahme von Dr. G.____ vom 30. September 2019 das rheumatologisch e Gutachten nicht in Zweifel zu zie- hen vermöge. Es handle sich um eine differente Beurt eilung desselben Gesundheitszustands, wobei er gegenwärtig sogar eine Besserung der Wirbel säulenfunktion beschreibe. Mit dem asim-Gutachten würden genügend Hinweise/Beweise für Inko nsistenzen und Aggravation vor- liegen, die als Ausschlussgründe gewertet werden müssten. Demgegenüber würden die be- handelnden Ärzte aus den subjektiven Beschwerden unkritisch schwerwiegende psychische Störungen ableiten, die aber gutachterlich nicht hätten bestätigt werden können. 6.16 Im Bericht der Psychiatrie F.____ vom 15. April 202 1 wurde festgehalten, dass sich die Versicherte seit dem 25. Februar 2021 in tagesklinischer Behandlung befinde. Es wurden eine Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Epi sode mit psychotischen Sympto- men (ICD-10 F33.3), eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto- ren (ICD-10 F45.41), andere Kontaktanlässe mit Bezug auf den engeren Familienkreis (ICD-10 Z63), ein Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73), aktenanamne stisch eine PTBS (ICD-10 F43.1), eine gastroösophageale Refluxkrankheit mit Ösophagitis ( ICD-10 K21.0), ein Status nach lapraskopischer Cholezystektomie und nach HWS-Distorsion mit Schmerzgeneralisierung, Ten- domyosen, ein myofasziales Schmerzsyndrom der unteren Extrem ität, ein Tinnitus und ein chronischer Schmerzmittelabusus diagnostiziert. Die Versich erte scheine sich über Jahrzehnte für die Arbeit und die Familie aufgeopfert zu haben . Aktuell scheine die Aufopferung mit resul- tierender Selbstaufgabe bzw. Selbstüberforderung bis h in zu einem ausgeprägten Erschöp- fungssyndrom sowie depressiven Dekompensationen und Schme rzen zu führen. Die interaktio- nelle Problematik sei im Rahmen der kulturellen Werte zu reflektieren und die Persönlichkeits- thematik kritisch zu prüfen, da diese für die aktuelle Problematik ursächlich erscheine. Zusätzli- che Belastungsfaktoren, wie die soziale Situation (Abhä ngigkeit vom Ehemann, Enttäuschung in der Beziehung, Erkrankung des Sohnes) und die Traumaa namnese (häusliche Gewalt, zwei Unfälle) schienen die Bewältigungsstrategien der Versich erten zu überfordern. Zumindest pha- senweise könnte es zu einer PTBS-Symptomatik gekommen sei n. Eine sorgfältige Abklärung sei indiziert. Die Arbeitsfähigkeit der Versicherten so llte durch eine Gutachterperson mit traumadiagnostischer Erfahrung beurteilt werden. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung vom 20. April 2020 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts auf d as zitierte Gutachten der asim vom 9. Oktober 2017. Sie ging gestützt auf die hierzu erga ngenen RAD-Stellungnahmen vom 20. November 2018 und 14. Mai 2019 davon aus, dass sich die krankheitsbedingten und real vorhandenen Funktionseinschränkungen nicht von den aggr avatorisch bedingten Verhaltens- auffälligkeiten trennen liessen, weshalb eine valide Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht mög- lich und der Rentenanspruch wegen Vorliegens eines Ausschl ussgrunds abzulehnen sei. Wie oben (vgl. E. 4.3 hiervor) dargelegt, ist den im Rahme n des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen. Solche Indizien liegen keine vor. Das Gutachten de r asim vom 9. Oktober 2017 erfüllt sowohl in formeller als auch in inhaltlicher Hinsicht d ie bundesgerichtlichen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage. Die Gutachter hatten Kenntnis von sämtlichen medizinischen Vorakten, sie setzten sich in angemessener Weise mit den geäusser- ten Beschwerden auseinander und begründeten die Schlu ssfolgerungen in nachvollziehbarer Weise. In inhaltlicher Hinsicht vermag sodann zu überze ugen, dass die Versicherte aus rein rheumatologischer und neurologischer Sicht keine (fassbaren) Funktionseinschränkungen resp. relevante Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit aufwei st, indes aufgrund der mittelschweren depressiven Episode und der chronischen Schmerzstörung mi t somatischen und psychischen Faktoren von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vo n 50 % auszugehen ist. Insgesamt bestehen keine Anhaltspunkte, dass die klinische Untersuchu ng mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung als wichtigst e Grundlage gutachtlicher Fest- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellungen und Schlussfolgerungen nicht lege artis erf olgt wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. August 2016, 9C_410/2016, E. 2.2.1 mit Hinweis, in: SVR 2016 IV Nr. 53 S. 178). 7.2 Soweit die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Beu rteilung des RAD davon ausgeht, dass sich die krankheitsbedingten Funktionseinschränkunge n nicht von den aggravatorischen Verhaltensauffälligkeiten trennen liessen und eine val ide Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht möglich sei, kann ihr nicht beigepflichtet werden. Zwar stellte (auch) der psychiatrische Gutach- ter ein auffälliges Verhalten der Versicherten währen d der Begutachtung fest. Er legte aber dif- ferenziert und nachvollziehbar begründet dar, weshalb eine die Arbeitsfähigkeit einschränkende mittelgradige depressive Episode sowie eine chronische S chmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu bejahen und das auffällige Verhal ten der Versicherten teilweise krankheitsbedingt ist. Dabei zeigte er schlüssig auf, dass sic h die funktionellen Einschränkun- gen durch die Merkmale einer mittelgradigen depressiven Störung, namentlich durch eine Be- einträchtigung der Konzentration und der Stimmung, Energiemangel, Insuffizienzgefühle sowie durch Antriebs- und Schlafstörung manifestieren. Die Ver sicherte sei gemäss den Erkenntnis- sen des Gutachters in der Planung und Strukturierung von Aufgaben und in der Flexibilität so- wie in der Selbstbehauptungs- und Kontaktfähigkeit zu Dritten einschränkt. Zudem erachtete er die Durchhaltefähigkeit als beeinträchtigt und legte nachvollziehbar dar, dass die chronische Schmerzstörung v.a. im Zusammenhang mit der ausserordent lichen Symptomausweitung zu einer deutlichen Einschränkung der funktionellen Fähigk eiten führt. Damit ist eine verselbst- ständigte Gesundheitsschädigung ausgewiesen. Soweit der RAD diese Beurteilung in Frage stellt und davon ausgeht, dass sich die krankheitsbedingten Funktionseinschränkungen nicht von den aggravatorischen Verhaltensauffälligkeiten tren nen liessen, ist dem entgegenzuhalten, dass er die Beschwerdeführerin nicht selbst persönlich un tersucht hatte und zudem nicht diffe- renziert aufzeigt, weshalb die Erkenntnisse aus der psychia trischen Begutachtung nicht zutref- fen. Daher vermag seine abweichende Einschätzung der me dizinischen Sachlage die Beurtei- lung des psychiatrischen Gutachters nicht in Zweifel zu zieh en. Offenbar war es diesem – trotz des Verhaltens der Beschwerdeführerin – möglich, die kr ankheitswertige psychische Störung zu erkennen und deren Auswirkung auf die Leistungsfähigke it zu beurteilen. Zu beachten ist fer- ner, dass das Vorliegen von Aggravation rechtsprechungsge mäss nicht automatisch zur Beja- hung eines Ausschlussgrunds resp. zur Verneinung jeglicher versicherten Gesundheitsschädi- gung führt, sondern nur insoweit, als die Leistungseinschr änkung auf der Aggravation beruht (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.1 mit Hinweis) oder als der en Folge nicht mit ausreichender Wahr- scheinlichkeit festgestellt werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9C_659/2017, E. 4.4 mit Hinweis u.a. auf BGE 138 V 218 E. 6). Letzteres g ilt vorliegend (lediglich) für die vom psy- chiatrischen Gutachter als möglich erachteten, aber aufgr und der Symptomausweitung und der Aggravation der Versicherten nicht abschliessend beurtei lbaren zusätzlichen Symptome im Rahmen einer PTBS und/oder einer MTBI. Die Tatsache, dass der psychiatrische Gutachter diesbezüglich keine abschliessende Beurteilung vornehmen konnte und (mögliche) weitere Be- schwerdebilder in seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ausklammerte, tut aber der Beweis- kraft seiner Expertise keinen Abbruch. Vielmehr ist aufg rund seiner überzeugenden Angaben davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin eine krankheitsbedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von 50 % aufweist. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin sind ebenfa lls nicht geeignet, das vorstehende Beweisergebnis in Frage zu stellen. Wenn sie sich auf d ie abweichende Beurteilung der behan- delnden Ärzte beruft und geltend macht, das asim-Gutac hten sei nicht verwertbar, da die Gut- achter den Schweregrad der Beeinträchtigungen und di e Ressourcen nicht zutreffend erfasst hätten, ist zunächst in Erinnerung zu rufen, dass es die unterschiedliche Natur von Behand- lungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person e inerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vg l. BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu- lässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weite- rer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arzt personen bzw. Therapiekräfte zu an- derslautenden Einschätzungen gelangen. Weiter ist zu beachten, dass eine Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet den Gutachtern praktisch immer einen Spielraum für verschiedene medizinische Inte rpretationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern der Gutachter – wie hier – le ge artis vorgegangen ist. Vorbehalten blei- ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – A spekte benennen, die bei der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Mai 2018, 8C_874/2017, E. 5.2.2). Vorliegend fällt aber entscheidend ins Gewicht, dass es den Gutachtern wegen des aggravatorischen Verhaltens der Besch werdeführerin anlässlich der Explorationen nicht möglich war, deren Gesundheitszustan d vollständig zu erfassen. Diesbe- züglich hat die Beschwerdeführerin selbst die Ursache gese tzt, dass allfällige weitere Beein- trächtigungen nicht mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sind. Diese Beweislosigkeit geht zu Lasten der Beschwerdeführer in (vgl. BGE 141 V 281 E. 6). Die gegenteilige Auffassung ist nicht stichhaltig. Wenn sie die im Gutachten klar bejahte Aggravati- ons- oder Simulationstendenz unter Hinweis auf die Ste llungnahmen der behandelnden Ärzte bestreitet, kann ihr unter Mitberücksichtigung der Erfa hrungstatsache, wonach behandelnde Arztpersonen bzw. Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens- stellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patien ten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5), nicht gefolgt werden. Jedenfalls vermögen die abweiche nden Einschätzungen der behandeln- den Ärzte die Beurteilung im Gutachten nicht in Zweife l zu ziehen. Hinweise darauf, dass der psychiatrische Gutachter den massgeblichen Sachverhalt nicht zu treffend erfasste, sind nicht ersichtlich. Neuere fachärztliche Berichte, die im hier zu beurteilenden Zeitraum bis 20. April 2020 nach der Begutachtung durch die asim eine massgebliche Verschlechterung des Gesund- heitszustands beschreiben würden oder an den Feststellung en im aktuellen Gutachten Zweifel zu begründen vermögen, liegen ebenfalls nicht vor. Zwar wurde im Bericht der Klinik H.____ vom 5. Dezember 2019 und im Bericht der Psychiatrie F._ ___ vom 2. Januar 2020 eine rezidi- vierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3), diagnostiziert. Nach den Angaben der behandelnden Ärzteschaft konnte aber der Gesundheitszustand der Versicherten nach der stationä ren Behandlung resp. nach Neuin- stallierung resp. Umstellung der Medikation innerhalb weniger Wochen verbessert werden. Es kommt hinzu, dass im Rahmen der Abklärung durch das Kompet enzzentrum D.____ (Bericht vom 30. Juli 2020) wegen der fehlenden Mitwirkung und dem aggravatorischen Verhalten der Versicherten keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit möglich war, was gegen eine Verschlech- terung des psychischen Gesundheitszustands spricht und einen validen Vergleich mit dem Ge- sundheitszustand, wie er sich anlässlich der Begutachtung d urch die asim präsentierte, verun- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht möglicht. Der rund ein Jahr nach Verfügungserlass datier ende Bericht der Psychiatrie F.____ vom 15. April 2021 kann in diesem Verfahren nicht ber ücksichtigt werden (vgl. E. 2 hiervor). Eine allfällige zwischenzeitliche Verschlechterung des Ge sundheitszustands wäre im Rahmen einer Revision zu beurteilen. Bei dieser Sach- und Rech tslage kann in antizipierter Beweiswür- digung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hin weisen) auf die beantragten weiteren Ab- klärungen verzichtet werden. 8.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist der Inva liditätsgrad bei erwerbstätigen Versicher- ten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. D abei ist in zeitlicher Hinsicht grund- sätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns abzustellen (vgl. BGE 129 V 222, 128 V 174), welcher gemäss Art. 2 9 Abs. 1 und 2 IVG auf den 1. Mai 2017 (Beginn des Wartejahrs: April 2012; vgl. E. 6.4 hiervor) zu liegen kommt. Für den nachfol- gend durchzuführenden Einkommensvergleich sind demnach die in diesem Zeitpunkt gegebe- nen Einkommensverhältnisse massgebend. 8.2.1 Bei der Ermittlung des ohne Invalidität erzielba ren Einkommens (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 126 V 36 0 E. 5b) als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkre t wie möglich zu erfolgen. Massge- bend ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer ber uflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Weiterentwicklung, soweit hiefür hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen, zu erwarten gehabt hätt e (vgl. BGE 96 V 29; ZAK 1985 S. 635 E. 3a sowie RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 f. E. 3b). Da im Gesundheitsfall erfahrungs- gemäss die bisherige Tätigkeit in der Regel weitergefü hrt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens häufig der zuletzt erzielte, der Teuerung sowie der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 101 E. 3b am Ende; vgl. auch ZAK 1990 S. 519 E. 3c). 8.2.2 Die Versicherte arbeitete zuletzt vom 1. Oktober 2 001 bis 31. März 2013 als Pflegerin (Pensum 50 %) im Alterszentrum B.____ in X.____. Zude m arbeitete sie vom 1. November 2009 bis 30. September 2014 ebenfalls mit einem 50%-P ensum im Büro des Unternehmens ihres Ehemanns, der C.____GmbH in Y.____. Da aufgrund der Akten mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit davon auszugehen ist, dass sie im Gesundheitsf all die bisherigen Tätigkeiten weitergeführt hätte und bei der Bemessung des Valideneinkommens entscheidend ist, was eine versicherte Person als Gesunde überwiegend wahrscheinlich tatsächlich verdienen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte (vgl. BGE 131 V 51 E. 5.1), ist das Valideneinkom- men aufgrund der Lohnangaben der ehemaligen Arbeitg eberinnen zu bemessen. Als Pflegerin erzielte die Versicherte seit 1. November 2011 einen Ver dienst von Fr. 35'279.25 (vgl. Jahres- lohnkonto 2011 [act. 22] und IK-Auszug [act. 10]). Unte r Berücksichtigung einer Nominallohn- entwicklung bis ins Jahr 2017 (+0,3 % [2012], +0,4 % [2 013], +0,0 % [2014], +0,3 % [2015], +0,7 % [2016], +0,2 % [2017]; vgl. BFS T1.2.10 Nomi nallohnentwicklung Frauen 2011-2019, Wirtschaftszweig 86-88) resultiert ein Einkommen von Fr. 35'954.40. Zudem hätte die Versi- cherte bei der C.____GmbH ein Jahreseinkommen von Fr. 31'850.-- erzielt (vgl. Fragebogen für Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitgebende vom 17. Januar 2017; act. 32), weshalb da s massgebende Valideneinkommen Fr. 67'804.40 (Fr. 35'954.40 + Fr. 31'850.--) beträgt. 8.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in we lcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzun ehmen ist, dass sie die ihr verbleiben- de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Sozia llohn, gilt grundsätzlich der tatsäch- lich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzielte Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Ei ntritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung die Tabellenlöhne gemäss den vo m Bundesamt für Statistik perio- disch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) her angezogen werden (vgl. BGE 143 V 295 E. 2.2). Beansprucht eine versicher te Person eine Rente, ist sie kraft Schadenminderungspflicht gehalten, die Restarbeitsfäh igkeit so gut als möglich zu verwerten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Januar 2009, 9C_733/2008, E. 4.2). 8.3.2 Der Versicherten ist es nach der massgebenden Beurt eilung im asim-Gutachten zumut- bar, im angestammten Beruf (angelernte Pflegehelferin) ein 50 %-Pensum auszuüben, weshalb das Invalideneinkommen aufgrund der LSE 2016 Tabelle TA 1_triage_skill_level, Wirtschafts- zweig 86-88 (Gesundheits- und Sozialwesen) zu bestimmen ist. Demnach belief sich der Zent- ralwert für die im Anforderungsniveau 1 beschäftigten Frauen im Jahr 2016 auf Fr. 4‘636.--. Un- ter Berücksichtigung der durchschnittlichen Wochenarbeitsze it von 41,6 Stunden im Wirt- schaftszweig 86-88 (vgl. BfS, T 03.02.03.01.04.01) einer Nominallohnentwicklung von 0,2 % im Jahr 2017 (vgl. BFS Nominallohnindex, Frauen 2016-201 9, T1.2.15, Wirtschaftszweig 86-88) und einem Pensum von 50 % resultiert ein Invalideneinko mmen von Fr. 28'986.50 (Fr. 4‘636.--: 40 x 41,6 x 12 x 100,2 % x 50 %). 8.3.3 Die Beschwerdeführerin verlangt aufgrund der kra nkheitsbedingt wiederkehrenden und nicht voraussehbaren Absenzen am Arbeitsplatz, dem erhöhten Einarbeitungsaufwand und den Nachteilen von invaliden Personen auf dem Arbeitsmarkt eine Reduktion des Invalideneinkom- mens um 10 %. 8.3.4 Mit dem Abzug vom Tabellenlohn nach BGE 126 V 75 soll der Tatsache Rechnung getra- gen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthal tskategorie und Beschäftigungsgrad, Aus- wirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach A usprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juli 2017, 8C_114/2017, E. 3. 1). Der Abzug soll aber nicht auto- matisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Er- messen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht überstei gen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2). Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3.5 Wie sich aus der Zumutbarkeitsbeurteilung im massge benden Gutachten der asim vom 9. Oktober 2017 ergibt, wurden die gesundheitlichen Beschwerden und die damit verbundene beeinträchtigte Leistungsfähigkeit der Versicherten be reits durch die Annahme eines reduzier- ten Arbeitspensums im Umfang von 50 % berücksichtigt. Ein e zusätzliche Veranschlagung die- ser Einschränkungen unter dem Titel des leidensbedingten Abzugs im Sinne von BGE 126 V 75 würde zu einer unzulässigen doppelten Anrechnung desselbe n Faktors führen. Die weiteren Kriterien (Alter, Dienstjahre, Beschäftigungsgrad und Nationalität/Aufenthaltskategorie) rechtfer- tigen vorliegend keinen Abzug. 8.4 Aus einer Gegenüberstellung des Valideneinkommens v on Fr. 67'804.40 und des Invali- deneinkommens von Fr. 28'986.50 resultiert ein Invalid itätsgrad von rund 57 %, was unter Be- rücksichtigung von Art. 29 Abs. 1 IVG und der Anmeldung zum Leistungsbezug am 14. November 2016 ab 1. Mai 2017 Anspruch auf eine halbe Rente gibt. 9. Die Beschwerdeführerin beantragt die Ausrichtung vo n Verzugszinsen im Umfang von 5 % ab 1. Mai 2019. Gemäss Art. 26 Abs. 2 ATSG werden die Sozialversicherungen, sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfängli ch nachgekommen ist, für ihre Leistun- gen nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entstehung de s Anspruchs, frühestens aber 12 Mo- nate nach dessen Geltendmachung verzugszinspflichtig. Vorliegend ist der Rentenanspruch am 1. Mai 2017 entstanden. In Anwendung von Art. 26 Abs. 2 ATSG hat dies zur Folge, dass die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin die rückwirken d nachzuzahlenden Rentenleis- tungen ab 1. Mai 2019 mit 5 % zu verzinsen hat. 10. Im Ergebnis ist die Beschwerde vom 25. Mai 2020 demn ach in dem Sinne teilweise gut- zuheissen, als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 20. April 2020 aufgehoben und festgestellt wird, dass die Beschwerdefü hrerin ab 1. Mai 2017 Anspruch auf eine halbe Rente zuzüglich Zins von 5 % ab dem 1. Mai 2019 auf den ausstehenden Renten- leistungen hat. 11.1 Es bleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss A rt. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerde- verfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfah- rensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge- legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen eine Parteiverhandlung durchgeführt wurde, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrah- mens einheitlich auf Fr. 1’000.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend hat die IV-Stelle als unterliegende Partei die Verfahrenskosten zu tragen. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1’000.-- zurückerstattet. 11.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Bes chwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Fraglich ist, ob die Parteien tschädigung allenfalls wegen bloss teilwei- sen Obsiegens zu reduzieren ist. In diesem Zusammenhang i st vorab klarzustellen, dass es Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht bundesrechtswidrig wäre, die Parteientschädigung ausschlie sslich nach dem anteilsmässigen Prozesserfolg zu bemessen. Mit einem solchen Vorgehen würde in unzulässiger Weise von den bundesrechtlichen Bemessungskriterien der „Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses“ (Art. 61 lit. g Satz 2 ATSG) abgewichen ( vgl. BGE 117 V 407 E. 2c). Gegen eine Reduktion der Parteientschädigung wegen bloss tei lweisen Obsiegens sprechen zudem folgende Überlegungen: Die Beschwerdeführerin hätte sich damit begnügen können, in ihren Rechtsbegehren die Zusprechung einer Rente zu verlange n (vgl. BGE 101 V 223 E. 4). In die- sem Fall wäre der Prozesserfolg nicht anteilsmässig quantifizierbar und der Beschwerdeführerin würde wegen Obsiegens eine volle Parteientschädigung zug esprochen (vgl. BGE 117 V 406 E. 2b). Zu beachten ist sodann, dass praxisgemäss selbst d ann eine volle Parteientschädigung ausgerichtet wird, wenn das kantonale Gericht in einem Rentenverfahren keinen materiellen Entscheid trifft, sondern die Sache zu ergänzender Ab klärung und anschliessender Neubeurtei- lung an den Versicherungsträger zurückweist (vgl. BGE 117 V 406 f. E. 2b mit Hinweisen). Be- rücksichtigt man diese Überlegungen, so rechtfertigt es si ch, der Beschwerdeführerin für das vorliegende Verfahren eine volle Parteientschädigung z u Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter hat in seiner Honorarnote vom 21. A pril 2021 für das vorliegende Be- schwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 21 Stunden und 25 Minuten geltend gemacht, was umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverha lts- und Rechtsfragen, des doppel- ten Schriftenwechsels und der Parteiverhandlung angem essen ist. Dieser Aufwand ist mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Stundenansatz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17 . November 2003). Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Ausla gen von insgesamt Fr. 200.30. Somit ist der Beschwerdeführerin für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'982.15 (21,42 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen von Fr. 200.30 zuzüg- lich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise gu tgeheissen, als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vo m 20. April 2020 aufgehoben und festgestellt wird, dass die Beschw erdeführerin ab 1. Mai 2017 Anspruch auf eine halbe Rente hat. 2. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat die rückwirkend n achzuzahlenden Leistungen mit Wirkung ab 1. Mai 2019 zu 5 % pro Jahr zu verzinsen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1’000.-- w erden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenv orschuss in der Höhe von Fr. 1’000.-- zurückerstattet. 5. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht teientschädigung in der Höhe von Fr. 5'982.15 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. Gegen diesen Entscheid hat die IV-Stelle am 23. August 2021 Beschwerde erhoben (siehe nach Vorliegen des Urteils des Bundesgerichts: 8C_548/2021). http://www.bl.ch/kantonsgericht