B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4542/2014, E-4539/2014 U r t e i l v o m 2 3. M ä r z 2 0 1 6 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richterin Esther Marti, Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A.______, geboren am (…) (Beschwerdeführer 1), dessen Frau B._______, geboren am (…) (Beschwerdeführerin 2), und das Kind C._______, geboren am (…) (Beschwerdeführerin 3), Syrien, vertreten durch Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM) (zuvor Bundesamt für Migration [BFM]), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügungen des BFM vom 11. Juli 2014 / N (…). E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer 1, ein Araber mit letztem Wohnsitz in D._______ (Gouvernement Idlib), seinen Heimatstaat am 28. Februar 2012. Er reiste auf dem Landweg in die Schweiz und suchte am 7. März 2012 im Empfangs - und Verfahrenszentrum Kreuzlin- gen um Asyl nach. Die Beschwerdeführerin 2 , eine Araberin mit letztem Wohnsitz in E._______ (Gouvernement Hama), reiste Mitte August 2012 aus Syrien aus und gelangte am 11. Oktober 2012 von der Türkei aus auf dem Luftweg in die Sc hweiz, wo sie am darauffolgenden Tag ein Gesuch um Gewährung von Asyl stellte. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 20. März 2012 und der einlässlichen Anhörung zu den Asylgründen vom 18. September 2013 brachte der Beschwerdeführer 1 im Wesentlichen vor, er sei von 1990 bis 2003 Mitglied einer kommunistischen Partei gewesen. Zudem habe er zur Revolutionsorganisation von D._______ gehört, die sich aus Angehörigen verschiedener Religionen zusammengesetzt habe. Mit dieser habe er seit Beginn der Revolution Aktivitäten unternommen und Demonstrationen or- ganisiert. Er habe Informations- und Kommunikationsarbeit geleistet; ins- besondere habe er Informationsblätter hergestellt , Tafeln ausgedruckt, Flaggen organisiert und aufgehängt sowie Leute zur Teilnahme an Mani- festationen motiviert. Zunächst hätten sie vermummt an den Kundgebun- gen teilgenommen. Nachdem es im ganzen Land Demonstrationen gege- ben habe, hätten sie auch unvermummt öffentlich demonstriert. Der Ge- heimdienst habe von seinen Aktivitäten gewusst. Während den Manifesta- tionen seien jeweils Mitglieder des Geheimdienstes gekommen und hätten nach ihnen gesucht; sie hätten aber Leute gehabt, die die Strassen beo- bachtet und ihn und seine Kollegen rechtzeitig informiert hätten, weshalb er sich habe verstecken können . Einmal sei die Shabha gekommen und habe die Namen der Demonstranten aufgenommen; aufgrund dieser Lis- ten habe der Geheimdienst einige seiner Freunde festgenommen, über de- ren weiteren Verbleib er nichts wisse. Ferner habe die Al-Nusra Front ihn verfolgt, weil sie ihn und die Mitglieder der Revolutionsorganisation zu ei- nen extremen Islam habe zwingen wollen. Als Anhänger der Al-Nusra Front ihn gesucht hätten, habe er sich ausserhalb von D._______ versteckt. Im November 2011 sei bekanntgegeben worden, dass sich die Soldaten der 4. Division – zu der er gehört habe – bei der Rekrutenschule in D._______ melden müssten, um sich ihrer Einheit anzuschliessen. Er habe sich dort nicht gemeldet. Im Dezember habe er in E._______ seine Frau (Beschwer- deführerin 2) geheiratet. Nach e twa einer Woche sei er nach D._______ E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 3 zurückgekehrt. Kurze Zeit später sei er nach F._______ (an der türkischen Grenze) gegangen und habe sich dort etwa zwei Monate lang bei einem Freund versteckt. Am Tag seiner Re ise nach F._______ sei der Geheim- dienst gekommen und habe viele Leute verhaftet. Am 12. Februar 2012 habe er zum letzten Mal an einer Demonstration teilgenommen. Es habe sich um eine bekannte Demonstration gehandelt, bei der eine Statue des Präsidenten im Quartier G._______ zerstört worden sei. Ferner gab der Beschwerdeführer 1 an, Syrien auch wegen seiner gesundheitlichen Prob- leme verlassen zu haben. Schliesslich brachte er vor, er habe etwa zwei Monate nach seiner Ausreise von seinen Eltern erfahren , dass er als Re- servist ins Militär einberufen worden sei. Die Beschwerdeführerin 2 führte bei der BzP vom 18. Oktober 2012 und der Anhörung vom 18. September 2013 insbesondere aus, sie habe zu Hause und an einer Schule (…) unterrichtet. Im Frühjahr 2011 h abe sie begonnen, die Eltern ihrer Schüler zu Hause zu besuchen und sie zu bitten, ihre Kinder nicht mit zu Demonstrationen zu nehmen. Sie habe etwa 100 solcher Besuche gemacht und dadurch Probleme mit dem Schulleiter und den Eltern ihrer Schüler bekommen. Ersterer habe ihre Aktivitäten unlo- gisch gefunden und sie bedroht; letztere hätten gedacht, sie setze sich für das Regime ein. Sie habe mitansehen müssen, wie mehrere ihrer Schüler gestorben seien. Ebenfalls zu jener Zeit habe sie mitangesehen, wie bei einer Demonstration einem Kind in den Nacken geschossen worden sei. Sie sei zu den Sicherheitsbeamten auf den Posten gegangen und habe gesagt, dass diese, wenn sie gegen Demonstr ierende schon ihre Waffen einsetzen müssten, auf die Beine und nicht auf den Kopf schiessen sollten. Daraufhin hätten die B eamten ihren Namen aufgenommen. Da sie fortan registriert gewesen sei, habe sie an jedem Kontrollpunkt befragt werden können. Kurze Zeit nach ihrem Gespräch mit den Sicherheitsbeamten habe sie gesehen, dass ihr Name aus der Liste der Lehrpersonen für das neue Schuljahr entfernt worden sei ; daher habe sie ihre Arbeit nicht fort- führen können. Ende 2011 beziehungsweise Anfang 2012 seien mehrfach Mitarbeiter des Geheimdienstes zur Familie ihres Mannes, bei der sie sich zu jenem Zeitpunkt aufgehalten habe, nach Hause gekommen und hätten nach ihrem Mann gefragt , weil dieser an Ma nifestationen teilgenommen habe. Er sei zu jenem Zeitpunkt bereits geflohen gewesen. Als seine Mutter den Beamten gesagt habe, er sei nicht da, seien diese wieder gegangen. Ein Verwandter, der bei der allgemeinen Sicherheit arbeite, habe ihr ge- sagt, der Name ihres Mannes stehe auf einer Liste gesuchter Personen. Am 14. April 2012 habe sie in Aleppo eine Prüfung in Islamwissenschaft ablegen wollen. Auf dem Weg dorthin sei aus einem Panzer auf ihren Bus geschossen worden. Zwei Personen seien gestorben, mehrere weitere E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 4 seien verletzt worden. Bei einem Checkpoint habe ein Offizier verlangt, dass die Passagiere unterschriftlich bestätigten, dass die Freie Syrische Armee (FSA) auf sie geschossen habe. Sie habe sich um eine kranke Frau gekümmert und sich so um eine Unterschrift drücken können. Einen Tag später sei ihr Vate r an einem Herzanfall gestorben. Sie habe keine Hilfe organisieren können, da gerade ein Angriff der FSA auf den Militärstütz- punkt der Regierungsarmee stattgefunden habe. Zum Beweis ihrer Identität und ihrer Vorbringen reichten die Beschwerde- führenden dive rse Dokumente zu den Akten: Kopien ihrer Reisepässe, Identitätskarte der Beschwerdeführerin 2, Geburtsurkunde der Beschwer- deführerin 2 (in Kopie), zwei Studentenausweise und einen Bibliotheksaus- weis betreffend die Beschwerdeführerin 2, fünf Fotografien, selbst gemalte Kunstbilder, Auszug des Facebook-Profils der Beschwerdeführerin 2, Ehe- schein (Kopie) inklusive Übersetzung, Bestätigung der Absolvierung der Universität Aleppo betreffend die Beschwerdeführerin 2 (in Kopie), Todes- schein betreffend den Vater der Beschwerdeführerin 2 (in Kopie), Militär- büchlein des Beschwerdeführers 1, einen Arztbericht betreffend den Be- schwerdeführer 1 (samt CD-ROM), ein Schreiben einer Psychotherapeutin betreffend die Beschwerdeführerin 2 im Zusammenhang mit einer Woh- nungssuche vom 10. Juni 2013 , sechs Sprachzertifikate (Deutsch bis Ni- veau B1) betreffend die Beschwerdeführerin 2 sowie drei Dokumente be- treffend den Masterabschluss der Beschwerdeführerin 2 in (…) und ihre Unterrichtstätigkeit. B. Am 25. Oktober 2013 wurde die Beschwerdeführerin 3 geboren und in das Asylverfahren ihrer Mutter einbezogen. C. Mit separaten Verfügungen vom 11. Juli 2014 stellte das BFM fest, der Be- schwerdeführer 1 respektive die Beschwerdeführenden 2 und 3 würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, wies die Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug erachtete es als unzu- mutbar und verfügte die vorläufige Aufnahme. D. Dagegen gelangten die Beschwerdeführenden mit Beschwerde n vom 14. August 2014 an das Bundesverwaltungsgericht und beantragten in ma- terieller Hinsicht die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügungen und die Rückweisung der Sac he an das BFM unter Feststellung der Rechtskraft betreffend die Dispositivziffer n 4, eventualiter die Gewährung von Asyl, E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 5 subeventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft gestützt auf Nachfluchtgründe, subsubeventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Einsicht in die Akten A1/2 (Personalienblatt des Beschwerdeführers 1), A6/1, A7/1 und A13/1 (Meldung von Kopfschmerzen durch den Beschwer- deführer 1), A9/1 (Übersicht Pe rsonendaten), A18/1 (Information über grenzsanitätsdienstliche Massnahmen betreffend die Beschwerdeführerin 2), A20/5 (Prüfbericht der durch die Beschwerdeführerin 2 eingereichten Ausweisdokumente), A23/1 (Mailverkehr innerhalb des BFM) , A36/1 (Er- fassung der Beschwerdeführerin 3 im Zemis), sämtliche eingereichten Be- weismittel, den Beweismittelumschlag und die internen Anträge betreffend die Anordnung der vorläufigen Aufnahme n, eventualiter um Gewährung des rechtlichen Gehörs beziehungsweise Ausfertigung ein er schriftlichen Begründung betreffend den Inh alt dieser Akten und um Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeergänzung. Zum Beweis ihrer Vorbringen verwiesen die Beschwerdeführenden auf Ur- teile des Refugee Review Tribunal Australia vom 1. Mai 2012, des Ober- verwaltungsgerichts des Landes Sachsen -Anhalt vom 17. Juli 2012, Be- richte des UK Home Office vom 21. Februar 2014 , des UNHCR vom 22. Oktober 2013, des Nachrichtendienstes des Bundes (Lagebericht 2013), von Amnesty International vom Oktober 2011 und von Human Rights Watch aus dem Jahr 2011, sowie 24 Internetartikel und -videos. Ausserdem reichten sie einen Mitgliederausweis der Revolutionary Youth Union betref- fend die Beschwerdeführerin 2 (in Kopie, mit englischer Übersetzung) und einen Ausdruck einer Rede des syrischen Präsidenten Baschar al -Assad (mit deutscher Internetübersetzung) ein. E. Mit Zwischenverfügungen vom 21. August 2014 forderte das Bundesver- waltungsgericht die Beschwerdeführenden zur Leistung von Kostenvor- schüssen in der Höhe der mutmasslichen Verfahrenskosten auf. F. Am 26. August 2014 ersuchten die Beschwerdeführenden unter Einrei- chung von Fürsorgebestätigungen um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. G. Am 9. September 2014 stellte das (…)amt der Stadt H. _______ gestützt auf Art. 10 Abs. 2 AsylG (SR 142.31) zu Handen des BFM die Originale der E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 6 Heiratsurkunde der Beschwerdeführenden und der Geburtsurkunde der Beschwerdeführerin 2 sicher. H. Mit Verfügungen vom 18. September 2014 hiess das Bundesverwaltungs- gericht die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung der Kostenvorschüsse. Die Gesuche um Gewährung der Akteneinsicht hiess es teilweise gut und wies die Vo- rinstanz an, den Beschwerdeführenden Einsicht in die Akten A1/2, A6/1, A7/1, A9/1, A13/1, A18/1, A30/5 und A31 zu gewähren. Den Beschwerde- führenden setzte es eine Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergän- zung an. Im Übrigen wurden die Gesuche um Gewäh rung der Aktenein- sicht abgewiesen. I. Am 22. September 2014 reichte der Beschwerdeführer 1 einen Arztbericht vom 9. September 2014 ein. J. Mit Eingaben vom 2. Oktober 2014 führte der Rechtsvertreter betreffend die Beschwerdeführerin 2 aus, die Vorinstanz habe ihr trotz Anweisung sei- tens des Gerichts keine Einsicht in die Akte A18/1 gegeben, weshalb die Frist zur Beschwerdeergänzung noch nicht zu laufen begonnen habe. Be- treffend den Beschwerdeführer 1 und gewisse Vorbringen der Beschwer- deführerin 2 wurden ergänzende Ausführungen gemacht. K. Am 27. Oktober 2014 reichte die Beschwerdeführerin 2 einen Bericht ihrer Psychotherapeutin vom 21. Oktober 2014 zu den Akten. L. Mit Eingaben vom 10. November 2015 machten die Beschwerdeführenden weitere Ausführungen zu ihren Asy lvorbringen sowie zur aktuellen Situa- tion in Syrien. In diesem Zusammenhang verwiesen sie auf acht Internet- artikel. M. Mit Verfügungen vom 4. Januar 2016 ersuchte das Bundesverwaltungsge- richt die Vorinstanz um Einreichung einer Vernehmlassung. E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 7 N. Das SEM lies s sich mit Eingabe n vom 15. Januar 2016 – die den Be- schwerdeführenden am 18. Januar 2016 zur Kenntnis gebracht wurden – dahingehend vernehmen, dass keine neuen und erheblichen Tatsachen o- der Beweismittel vorliegen würden, die eine Änderung seines Standpun k- tes rechtfertigen könnten. An den Erwägungen der angefochtenen Verfü- gungen werde vollumfänglich festgehalten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerden und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end- gültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerden wurden frist - und formgerecht eingereicht. Die Be- schwerdeführenden haben an den Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerden legitimiert (Art. 105 und Art . 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Da die Vorinstanz die Beschwerdeführenden wegen unzumutbaren Weg- weisungsvollzugs vorläufig aufgenommen hat und die Vollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4), beste ht entgegen den Ausführungen auf Beschwerdeebene kein schutzwürdiges Interesse an der Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Selbiges gilt betreffend die Rüge, die Vorinstanz habe bei der Beurteilung des Weg- weisungsvollzugs die Begründungspflicht verletzt, indem sie auf eine indi- E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 8 viduelle Prüfung verzichtet und den Vollzug lediglich aufgrund der Sicher- heitslage in Syrien ausgesetzt habe. Auf die entsprechenden Subeventu- alanträge beziehungsweise Rügen ist daher nicht einzutreten. Im Übrigen ist auf die Beschwerden einzutreten. 1.4 Aufgrund des engen persönlichen und sachlichen Zusammenhangs sowie aus prozessökonomischen Gründen werden die Beschwerdeverfah- ren des Beschwerdeführers 1 und der Beschwerdeführenden 2 und 3 ver- einigt, und über die beiden Beschwerden wird in einem Urteil befunden. 2. Die Kognition und die Rügemöglichkeiten richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Vorab sind die formellen Einwände der Beschwerdeführenden gegen die angefochtenen Verfügungen zu prüfen. 3.1 Am 9. Januar 2014 gewährte die Vorinstanz den Beschwerdeführen- den auf Anweisung des Bundesverwaltungsgerichts hin Einsicht in die in den Verfügungen vom 18. September 2014 genannten Akten (vgl. Sach- verhalt Bst. H), mit Ausnahme der Akte A18/1 (Information über grenzsani- tätsdienstliche Massnahmen betreffend die Beschwerdeführerin 2). Dabei handelt es sich offensichtlich um ein Versehen des SEM. Da die Beschwer- deführerinnen 2 und 3 bis dato darauf verzichteten, die nicht gewährte Ein- sicht bei der Vor instanz zu monieren beziehungsweise erneut einzufor- dern, ist davon auszugehen, dass sie daran kein Interesse mehr haben . Der Vollständigkeit halber wird ihnen m it vorliegendem Urteil eine Kopie der Akte A18/1 zugestellt. Die Rüge, die angesetzte Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung habe nie zu laufen begonnen, stösst ins Leere. Das Fehlen des Dokuments A18/1 hat es dem Rechtsvertreter we- der verunmöglicht, eine Beschwerdeergänzung einzureichen noch ihn da- ran gehindert, in verschiedenen Eingaben seit dem 2. Oktober 2014 – da- runter auch in der Beschwerdeergänzung betreffend den Beschwerdefüh- rer 1 – betreffend die Asylvorbringen und den Gesundheitszustand der Be- schwerdeführerin 2 Stellung zu nehmen. Nach dem Gesagten ist auf die in der Beschwerde erhobene Rüge betref- fend Verweigerung der Akteneinsicht nicht weiter einzugehen. E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 9 3.2 Die Beschwerdeführenden monieren, die Vorinstanz habe den rechts- erheblichen Sachverhalt unvollständig und unrichtig festgestellt und den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, weshalb die angefochtenen Ver- fügungen aufzuheben seien und die Sache zur Neubeurteilung an die Vo- rinstanz zurückzuweisen sei. Die erwähnten Verletzungen von Rechts- grundsätzen würden ausserdem eine Verletzung des Willkürverbots be- deuten. Sie begründen ihre Rüge insbesondere damit, dass zahlreiche Beweismit- tel weder erwähnt noch gewürdigt worden seien. So seien die Ausweisprüf- berichte in der Verfügung betreffend den Beschwerdeführer 1 nicht erwähnt worden. Das eingereichte Militärbüchlein sei abgesehen von e iner pau- schalen Behauptung nicht gewürdigt worden. Darin stehe jedoch, dass der Beschwerdeführer 1 in der 4. Division Militärdienst geleistet habe. Diese Gruppe sei zusammen mit den Soldaten der 10. Division aufgefordert wor- den, sich ihrer Einheit anzuschliessen. Diese Einheiten seien verantwort- lich für alle Anschläge auf Zivilisten in Syrien. Mit der Einreichung des Mili- tärbüchleins sei der Beweis dafür erbracht, dass ihm im Fall der Rückkehr nach Syrien der Einzug ins Militär drohe. Auch habe das BFM mit keinem Wort zu den gesundheitlichen Problemen des Beschwerdeführers 1 Stel- lung genommen und keine Abklärungen vornehmen lassen , obgleich es dazu zwingend gehalten gewesen wäre . Den eingereichte n Arztbericht vom 11. April 2012 habe es zwar erwähnt, aber nicht gewürdigt. Dieses widerrechtliche Ignorieren von Beweismitteln stelle eine Verletzung des An- spruchs auf rechtliches Gehör, der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und des Willkürverbots dar. Des Weiteren sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 1 auf- grund seiner ständigen Kopfschmerzen bei der Anhörung Konzentrations- schwierigkeiten gehabt habe, was sich auf die Befragung ausgewirkt habe. Dies würden auch die Akten A6/1 und A13/1 (Meldung von Kopfschmerzen durch den Beschwerdeführer 1) illustrieren . Ferner habe das BFM in der angefochtenen Verfügung nicht erwähnt, dass er bereits in Syrien gesund- heitliche Probleme gehabt habe, aufgrund dere r er seine politischen Akti- vitäten habe einstellen müssen, und dass er während seines Militärdiens- tes (Anfang der 1990er Jahre) aufgrund seiner Mitgliedschaft bei einer kommunistischen Partei sechs Tage lang inhaftiert worden sei. Die von der Beschwerdefü hrerin 2 beigebrachten Beweismittel habe die Vorinstanz gänzlich unberücksichtigt gelassen, obgleich sie die mit den Be- weismitteln bewiesenen Tatsachen im Zusammenhang mit den nicht be- wiesenen Vorbringen in einer Gesamtbetrachtung hätte würdigen müssen. Beispielsweise habe das BFM einen von der Beschwerdeführerin 2 bei der E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 10 Anhörung eingereichten Arztbericht in der sie betreffenden Verfügung we- der erwähnt noch gewürdigt. Der Bericht sei nicht einmal in der Liste der eingereichten Beweismittel aufgeführt worden. Auch seien der Beschwer- deführerin 2 keine weiteren Fragen zu ihren psychischen Problemen ge- stellt worden. Das BFM habe sie zudem nicht zur Einreichung eines p sy- chiatrischen Gutachtens aufgefordert, obwohl sie auf die Existenz eines solchen hingewiesen habe. Damit habe es auch die Pflicht zur vollständi- gen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts schwer- wiegend verletzt. Für den Fall, dass die Verfügung betreffend die Be- schwerdeführerin 2 nicht aufgehoben werden sollte, werde ausdrücklic h die Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einreichung ärztlicher Be- richte beantragt. Ausserdem habe das BFM auch durch den Beschwerde- führer 1 eingereichte Beweismittel nicht ins Akten verzeichnis aufgenom- men und diese teilweise nicht auf der Liste der Beweismittel nachgeführt. Dadurch sei es seiner Paginierungs- und Aktenführungspflicht nicht ausrei- chend nachgekommen. Das BFM habe es überdies unterlassen, die Vorbringen der Beschwerde- führenden vollständig abzuklären und sich darauf beschränkt, ihre Asyl- gründe als nicht glaubhaft und widersprüchlich beziehungsweise nicht asylrelevant einzustufen. Schliesslich stelle es eine schwerwiegende Ver- letzung der Abklärungspflicht dar, dass die Vor instanz die Anhörung erst ein Jahr nach der Einreichung der Asylgesuche durchgeführt habe. Es sei willkürlich, die Asylverfahren zeitlich zu verschleppen und den Beschwer- deführenden gleichzeitig vorzuwerfen, die anlässlich der Anhörung ge- machten Aussagen seien zu allgemein. 3.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sach verhalt von Amtes wegen fest. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Be- weise falsch gewürdigt werden; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden. Mit dem Gehörsanspruch von Art. 29 VwVG korreliert die Pflicht der Behör- den, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Be- gründung muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person den Ent- scheid sachgerecht anfechten kann . Sie muss die wesentlichen Überle- gungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 11 sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich die Be- gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1 S. 188). 3.3.1 Anlässlich der vorinstanzlichen Befragungen hatten die Beschwerde- führenden Gelegenheit, ihre Vorbringen ausführlich darzulegen, womit der Sachverhalt grundsätzlich als vollständig und richtig erstellt erscheint. Aus der Zeitdauer von eineinhalb Jahren (Beschwerdeführer 1) beziehungs- weise 11 Monaten (Beschwerdeführerin 2) zwischen der Einreichung des Asylgesuchs und der Anhörung kann ebenfalls keine Verletzung der Abklä- rungspflicht abgeleitet werden. 3.3.2 Hinsichtlich der durch den Beschwerdeführer 1 eingereichten Be- weismittel ist zu bemerken, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Ver- fügung im Sachverhalt sämtliche Beweismittel anführte. Die Berichte be- treffend die Prüfung von Ausweispapieren durch das Urkundenlabor der Kantonspolizei H._______, bei denen es sich nicht um durch die Be- schwerdeführenden eingereichte Dokumente handelt, beziehen sich ledig- lich auf die Beschwerdeführerin 2 und betreffen deren Identität, die durch die Vorinstanz nicht infrage gestellt wird. Die Würdigung des beigebrachten Militärbüchleins erfolgte im Rahmen der Beurteilung der Aussagen des Be- schwerdeführers 1 zur Einberufung in die Armee, was nicht zu beanstan- den ist. Den eingereichten Arztbericht vom 11. April 2012 musste die Vo- rinstanz bei der Prüfung der Asylgründe nicht berücksichtigen, ergibt sich doch daraus – ebenso wie aus dem auf Beschwerdeebene eingereichten weiteren Bericht – keine Einschränkung des Beschwerdeführers 1 im Hin- blick auf seine Aussagefähigkeiten. Eine solche ergibt sich entgegen der Behauptungen in der Beschwerdeschrift auch nicht aus der mehrmaligen Meldung von Kopfschmerzen durch den Beschwerdeführer 1. Überdies machte der Beschwerdeführer 1 anlässlich der Anhörung keine Konzentra- tionsschwierigkeiten oder sonstigen Beeinträchtigungen geltend, sondern gab vielmehr an, es gehe ihm mit seiner Medikamententherapie gesund- heitlich gut (vgl. die vorinstanzliche Akte A33/13 F80 S. 10). In der Be- schwerde betreffend den Be schwerdeführer 1 wird sodann nicht ausge- führt, weshalb dessen Gesundheitszustand zwingend weiter hätte abge- klärt werden müssen. Dass er bereits in Syrien gesundheitliche Probleme gehabt hatte und in den 1990er Jahren einmal sechs Tage lang in Haft verbrachte, ist für die Beurteilung des Asylgesuchs schliesslich nicht we- sentlich (vgl. auch A8/13 Ziff. 7.02 S. 10, wonach die damalige Haft nichts mit den aktuellen Problemen zu tun habe ), so dass die Vorinstanz diese Vorbringen nicht berücksichtigen musste. E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 12 Die vorangehenden Ausführungen über den Gesundheitszustand des Be- schwerdeführers 1 gelten sinngemäss auch für die Beschwerdeführerin 2. Der Antrag um Einreichung eines weiteren Arztberichts ist abzuweisen, da in der Beschwerde nicht begründet w ird und überdies nicht ersichtlich ist, welche asylrelevanten Vorbringen der Beschwerdeführerin 2 damit belegt werden sollen. Im Übrigen führte das BFM einige der durch die Beschwer- deführerin 2 eingereichten Beweismittel (Fotografien, Kunstbilder, Auszug des Facebook-Profils, Bestätigung der Absolvierung der Universität Al- eppo, Schreiben im Zusammenhang mit der Wohnungssuche, Sprachzer- tifikate) in der angefochtenen Verfügung nicht auf. Dies ist zulässig, soweit sich die durch das SEM offensichtlich als unwesentlich beurteilten Beweis- mittel auf Tatsachen beziehen, die für die Prüfung des Asylgesuchs nicht relevant sind. Auf die nicht benannten Beweismittel trifft dies zu. 3.3.3 Die Beschwerdeführenden rügen hingegen zu Recht, dass einige der durch die Beschwerdeführerin 2 eingereichten Beweismittel weder ins Ver- zeichnis des Beweismittelumschlags (A31) noch ins Aktenverzeichnis auf- genommen wurden. Im Einzelnen handelt es sich um das Schreiben einer Psychotherapeutin betreffend die Beschwerdeführerin 2 im Zusammen- hang mit einer Wohnungssuche vom 10. Juni 2013 (vgl. A34/14 F46), die Sprachzertifikate der Beschwerdeführerin 2 (vgl. A34/14 F80) und drei Do- kumente betreffend den Masterabschluss der Beschwerdeführerin 2 in (...) sowie ihre Unterrichtstätigkeit (vgl. A34/14 F16 und 79). Das Versäumnis der Vorinstanz stellt eine Verletzung der aus Art. 26 VwVG fliessenden Pa- ginierungs- und Aktenführungspflicht dar. Da es sich bei den nicht erfass- ten Akten jedoch lediglich um Dokumente handelt, die für den Asylent- scheid unwesentlich sind, erscheint eine Kassation der angefochtenen Ver- fügung betreffend die Beschwerdeführerinnen 2 und 3 nicht gerechtfertigt. 3.4 Nach Prüfu ng der Akten ist festzustellen, dass die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig und richtig abklärte und sich in den angefochtenen Entscheiden hinreichend mit den Vorbringen der Be- schwerdeführenden auseinandersetzte. Es ergeben sich – abgesehen von der festgestellten Verletzung der Paginierungs- und Aktenführungspflicht – keine Anhaltspunkte für eine Verletzung des Grundsatzes des rechtlichen Gehörs oder des Willkürverbots. Bei dieser Sachlage besteht keine Veran- lassung, die vorinstanzlich e Verfügung aus formellen Gründen aufzuhe- ben, weshalb die entsprechenden Anträge abzuweisen sind. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schwe iz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 13 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträgli chen psy- chischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rech- nung zu tragen (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von be- stimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr ge- zielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei- matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie- hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälscht e oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung der angefochtenen Entscheide insbesondere Folgendes aus: Der Beschwerdeführer 1 habe geltend gemacht, er sei ab 2011 in D._______ regimekritisch aktiv gewesen; er habe regelmässig Demonst- rationen organisiert und Informationsmaterial produziert. Aufgrund dieser Aktivitäten sei er vom syrischen Geheimdienst und der Al-Nusra Front ge- sucht worden. Seine diesbezüglichen Schilderungen seien in wesentlichen Punkten widersprüchlich. So habe er im Zuge der Erstbefragung zu Proto- koll gegeben, er habe erst im Oktober 2011 begonnen, an Demonstratio- nen teilzunehmen und sei zuletzt am 12. Februar 2012 an einer Kundge- bung dabei gewesen (vgl. A8/13 S. 9). Bei der Anhörun g habe er demge- genüber angegeben, seit Juli 2011 an Demonstrationen teilgenommen zu haben und bis zum 25. Dezember 2011 aktiv gewesen zu sein (vgl. A33/13 F40 und 65 f.). Da er bei der BzP angegeben habe, er erinnere sich sehr gut an die letzte Demonstrati on, weil diese wichtig gewesen sei, sei der E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 14 Widerspruch in seinen Darstellungen nicht nachvollziehbar und lasse grosse Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Vorbringen aufkommen. Sodann hätten sich auch seine Aussagen in Bezug auf das Untertauchen unter- schieden. Bei der BzP habe er vorgebracht, er habe sich während 13 oder 14 Tagen versteckt gehalten (vgl. A8/13 S. 10), während er bei der Anhö- rung angegeben habe, er sei während zwei er Monate untergetaucht (vgl. A33/13 F66). Es sei indessen davon auszugehen, dass ihm gerade die letzte Zeit im Heimatstaat in nachhaltiger Erinnerung geblieben sei. Ferner seien die Beschreibungen der ausgeführten Tätigkeiten (Organisation von Demonstrationen) selbst auf Nachfrage hin oberflächlich geblieben (vgl. A33/13 F35 f.). Da ihm die geltend gemachten politischen Aktivitäten nicht geglaubt werden könnten, müsse auch die behördliche Suche nach ihm, die er in einen kausalen Zusammenhang zu seinen regimekritischen Akti- vitäten stelle, grundsätzlich in Frage gestellt werden. Dieser Eindruck werde dadurch erhärtet, dass er sic h in seinen Schilderungen anlässlich der Anhörung in Widersprüche verstrickt habe. Zunächst habe er gesagt, ein maskierter Mann des Geheimdienstes sei zu ihm nach Hause gekom- men und habe ihn dort gesucht (vgl. A33/13 F27). Als er aufgefordert wor- den sei, die Suche detaillierter zu schildern, habe er angegeben, der Ge- heimdienst sei nicht direkt zu ihm nach Hause gekommen; stattdessen habe dieser einfach alle Demonstranten gesucht (vgl. A33/13 F49 f.). Aus- serdem seien seine diesbezüglichen Erläuterungen stereotyp ausgefallen. Seine Aussagen seien sehr allgemein gehalten und enthielten kaum per- sönliche Erlebnisse (vgl. A33/13 F 49 f.). Dasselbe gelte für die angebliche Suche durch die Al-Nusra Front, bei welcher er sogar angegeben habe, er habe nur davon gehört , dass er gesucht werde (vgl. A33/13 F27). Nach dem Gesagten könnten ihm die geltend gemachten regimekritischen Akti- vitäten und die daraus resultierende Suche durch den Geheimdienst nicht geglaubt werden. Des Weiteren habe der Beschwerdeführer 1 geltend g emacht, er sei von der syrischen Regierung in den Militärdienst einberufen worden, habe die- ser Aufforderung aber keine Folge geleistet. Auch diesen Asylgrund habe er widersprüchlich dargelegt. Bei der Erstbefragung habe er zu Protokoll gegeben, er habe im November 2011 eine schriftliche Aufforderung für den Militärdienst erhalten (vgl. A8/13 S. 9). Bei der Anhörung habe er hingegen ausgeführt, erst nach seiner Einreise in die Schweiz hätten seine Eltern in Syrien eine Aufforderung erhalten, dass er in den Militärdienst einzurücken habe. Auf diesen Widerspruch angesprochen habe er erklärt, es habe nur eine Einberufung gegeben und zwar jene, von der er erst in der Schweiz erfahren habe (vgl. A33/13 F79). Dies vermöge die unterschiedlichen Aus- sagen nicht zu erk lären. Die Einberufung in den Militärdienst könne ihm E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 15 daher nicht geglaubt werden, woran auch das eingereichte Militärbüchlein nichts ändere. Die Beschwerdeführerin 2 habe vorgebracht, sie habe aufgrund der krie- gerischen Auseinandersetzungen in Syrien ihr e Arbeit, ihre Ausbildungs- möglichkeiten und ihren Vater verloren. Ausserdem sei sie wegen ihres Einsatzes für das Wohl ihrer Schüler gesellschaftlich stigmatisiert und den Behörden bekannt gewesen. Diese Vorbringen stellten keine Gründe dar, die nach Art. 3 AsylG asylbeachtlich wären. Zwar mache sie diverse Nach- teile geltend und es sei nicht in Abrede zu stellen, dass der Tod ihres Vaters und der Verlust ihrer Arbeitsstelle und der Ausbildungsmöglichkeiten fol- genschwere Erlebnisse darstellen würden. Von solch schwierigen Lebens- bedingungen sei derzeit jedoch ein Grossteil der Bevölkerung in Syrien be- troffen und diese Vorbringen würden die Anforderungen nicht erfüllen, die an eine asylrelevante Verfolgungsmassnahme gestellt würden. Es werde anerkannt, dass die Beschwerdeführerin 2 couragiert gehandelt und sich damit einem gewissen Risiko ausgesetzt habe. Dennoch seien ihren Schil- derungen keine Indizien zu entnehmen, die auf eine gezielt gegen sie ge- richtete Verfolgungsmassnahme durch die syrischen Behörden hindeuten würden. So habe sie zwar angegeben, sie sei den Behörden bekannt und auf einer Liste verzeichnet ge wesen und d ie Personen auf dieser Liste seien nach ihrer Ausreise festgenommen worden (vgl. A34/14 F48). Dass es sich bei den Festgenommenen um genau j ene Personen auf der Liste gehandelt habe, beruhe jedoch vorwiegend auf Mutmassungen , und aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 2 seien keine Hinweise ersichtlich, die darauf hindeuten würden, dass gerade sie ebenfalls festgenommen werden sollte. Ausserdem seien auch keine Gründe erkennbar, weshalb die Regierung ein Interesse daran gehabt haben sollte, sie zu verfolgen, habe sie doch versucht, die Leute von der Teilnahme an regimekritischen Demonstrationen abzuhalten. Schliesslich habe sie vorgebracht, de n Be- hörden bereits seit dem Besuch auf dem Sicherheitsposten im Frühjahr 2011 bekannt gewesen zu sein. Sollten diese tatsächlich ein grosses Inte- resse an ihr gehabt haben, hätten sie sie (Beschwerdeführerin) bis zu ihrer Ausreise im August 2012 auch finden können, zumal sie fast während der ganzen Zeit an derselben Adresse in E._______ gewohnt habe. Zusammenfassend hielten die Vorbringen des Beschwerdeführers 1 den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG respektive jene der Beschwerdeführerin 2 den Anforderungen an die Asylrelevanz gemäss Art. 3 AsylG nicht stand, weshalb die Asylgesuche abzulehnen seien. E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 16 5.2 Die Beschwerdeführenden halten den Erwägungen des BFM im We- sentlichen entgegen, der Beschwerdeführer 1 sei seit Beginn der Revolu- tion politisch aktiv gewesen. Er habe Informationsblätter angefertigt, Flag- gen aufgehängt und zunächst heimlich und anschliessend auch öffentlich Demonstrationen organisiert. Zum ersten Mal an einer Demonstration teil- genommen habe er im Oktober 2011, aber er habe schon vorher, im Juli 2011, damit begonnen, Flaggen zu produzieren und Leute für Demonstra- tionen anzuwerben. Insofern würden keine Widersprüche zwischen seinen Aussagen bestehen. Er habe bei der BzP und bei der Anhörung konsistent ausgesagt, dass er schon zu Beginn der Revolution aktiv gewesen sei (vgl. A8/13 S. 9 und A33/13 F22 f., F37 und F40). Seine letzte Teilnahme an einer Demonstration sei am 12. Februar 2012 gewesen (vgl. A8/13 S. 9 und A33/13 F66). Er habe bei der Anhörung nicht gesagt, dass er am 25. Dezember 2011 zum letzten Mal demonstriert habe, sondern dass der Massakertag etwa am 25. Dezember gewesen sei. Entgegen der Auffas- sung der Vorinstanz habe er sodann detaillierte Angaben zu seine r Tätig- keit gemacht. Er habe Informationsblätter und Flaggen produziert, Flaggen aufgehängt und verteilt, Tafeln ausgedruckt, Plakate angefertigt und Leute zur Teilnahme an Demonstrationen motiviert. Er habe auch genau angeben können, wie viele Personen di e Demonstrationen organisiert hätten und wer die Entscheidungen bezüglich der Aufgabenteilung getroffen habe (vgl. A8/13 S. 9 und A33/13 F23, F37, F39, F44 f.). Betreffend die Dauer des Untertauchens sei davon auszugehen, dass es sich bei de r Antwort von zwei Monaten (statt zwei Wochen) um ein Missverständnis handle. Wie er- wähnt, leide er aufgrund seiner ständigen Kopfschmerzen, ausgelöst durch eine chronische, beträchtliche (…) (vgl. den Arztbericht vom 11. April 2012) an Konzentrationsproblemen. Nachdem seine regimekritischen Aktivitäten bekannt geworden seien, habe ihn der Geheimdienst gesucht. Anlässlich der Demonstrationen hätten aber immer einige Personen die Strassen be- obachtet und die Teilnehmer über allfällige G efahren informiert. Darum habe er sich stets verstecken können. Einmal sei die Shabha gekommen und habe Namen von Demonstranten aufgenommen. Aufgrund der Listen habe der Geheimdienst einige seiner Freunde festgenommen (vgl. A33/13 F 23 f. und F 49 ff.). Seine diesbezüglichen Vorbringen würden sich nicht widersprechen. Mit der Aussage "Sie sind nicht gerade zu mir nach Hause gekommen" (A33/13 F49 letzter Satz) habe er vielmehr gemeint, dass der Geheimdienst ihn, anders als andere Personen, nicht mitgenommen habe. Seine Aussagen seien im Übrigen weder allgemein gehalten noch stereo- typ, sondern konsistent. Er habe detailliert geschildert, wie der Geheim- dienst die einzelnen Demonstranten ausfindig gemacht habe. Auch die E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 17 Verfolgung durch die Al-Nusra Front habe er detailliert und konsistent be- schrieben. Er sei von dieser gesucht, aber nicht gefunden worden, weil er sich ausserhalb von D._______ versteckt habe. Hinsichtlich der Einberufung in den Militärdienst führt der Beschwerdefüh- rer 1 aus, er habe in der 4. Division im Kurs (…) Dienst geleistet. Diese Einheit sei (mittlerweile) verantwortlich für Anschläge auf Zivilisten und habe die Aufgabe, Damaskus zu verteidigen. Er sei Mitglied der nationalen Sicherheit in dieser militärischen Gruppe gewesen. Als er noch in Syrien gewesen sei, sei er erneut zum Militärdienst aufgeboten worden; er sei die- ser Aufforderung aber nicht nachgekommen. Die schriftliche Vorladung sei zur Rekrutenschule geschickt worden. Es sei bekanntgegeben worden, dass sich die Soldaten der 4. und der 10. Division bei ihrer Rekrutenschule in D._______ melden müssten, um sich ihren Einheiten anzuschliessen. Die entsprechenden Abkürzungen würden im Militärbüchlein stehen. Er habe sich nicht gemeldet. Die zweite Aufforderung sei erfolgt, als er sich bereits in der Schweiz aufgehalten habe (vgl. A8/13 S. 9 und A33/13 F5, F67, F69 ff.). Es liege auf der Hand, dass er bei seiner Rückkehr nach Syrien erneut rekrutiert beziehungsweise aufgrund seiner Flucht verhaftet würde. Verschiedenen Medienberichten sei zu entnehmen, dass Syrien die Mobilisierung von Reservisten stark intensiviert habe und Militärdienstver- weigerer und Deserteure umgehend und auf brutale Weise töte (vgl. die Beschwerdeschrift betreffend den Beschwerdeführer 1 S. 24 f. und S. 26– 28 sowie die Beschwerdeergänzung vom 10. November 2015 S. 2–4). Zu seinem Status als Regierungsgegner komme jener des Dienstverweigerers sowie des abgewiesenen Asylgesuchstellers hinzu. Die Voraussetzungen der begründeten Furcht vor asylrelevanter Verfolgung seien vor diesem Hintergrund ohne weiteres erfüllt (vgl. die Beschwerdeschrift betreffe nd den Beschwerdeführer 1 S. 28–30). Die Beschwerdeführerin 2 bringt vor, bei ihr liege eine sehr spezifische Ver- folgung vor. Sie habe mehrmals mitansehen müssen, wie Schüler von ihr getötet worden seien. Deshalb habe sie versucht, Teilnahmen von Kindern an Demonstrationen zu verhindern. Dies sei von den Familien als Einsatz für das Regime gedeutet worden, obwohl sie mit dem Vorgehen der Regie- rung nicht einverstanden gewesen sei. Sie sei von einigen Eltern be- schimpft und aus den Wohnungen gewiesen worden. Sie sei den Sicher- heitsbeamten bekannt, da diese ihren Namen registriert hätten, als sie sich für einen ihrer Schüler ei ngesetzt habe, der am Nacken angeschossen worden sei. Dieser Vorfall habe sie traumatisiert; sie leide seither an psy- chischen Problemen und befinde sich in ärztlicher Behandlung. Da sie als Lehrerin Staatsangestellte gewesen sei, hätten die Sicherheitsleut e ihre E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 18 Bemerkung als Kritik gegen das Regime verstanden. Als sie einmal bei ei- nem Kontrollpunkt im Taxi angehalten worden sei, hätten die Sicherheits- leute ihren Ausweis kontrolliert und ihr gesagt, ihr Name sei auf einer Liste. Dies bedeute, dass sie bei e iner Rückkehr nach Syrien verhaftet würde. Bei der Ausführung des BFM, die Sicherheitsleute hätten sie gefunden, wenn sie tatsächlich Interesse an ihr gehabt hätten, handle es sich um eine schlichte Behauptung der Vorinstanz. Selbiges gelte für die Aussag e, sie habe Leute davon abgehalten, an Demonstrationen teilzunehmen. Sie habe nicht allgemein Personen von der Teilnahme abgehalten, sondern zu verhindern versucht, dass ihre 13 - bis 14-jährigen Schüler sich daran be- teiligten, weil sie sich für die Kinder verantwortlich gefühlt und sie habe schützen wollen. Dass sie die Sicherheitsbeamten darum gebeten habe, nicht auf die Köpfe der Kinder zu schiessen, sei als Opposition gegen die Regierung gedeutet und ihr Name auf die besagte Liste aufgenommen worden. Es sei willkürlich, eine asylrelevante Verfolgung mit Ausführungen wie jenen der Vorinstanz zu verneinen. Es handle sich in ihrem Fall nicht um allgemeine Nachteile, von denen die Mehrheit der Bevölkerung betrof- fen sei, sondern um eine konkrete Verfolgung seitens der syrischen Sicher- heitskräfte. Im Falle einer Rückkehr nach Syrien drohe ihr die Verhaftung durch syrische Sicherheitsbeamte, Misshandlung, Folter, Hinrichtung oder Verschwindenlassen. In der eingereichten Rede (Beweismittel 4 im Be- schwerdeverfahren E-4539/2014) habe Baschar al-Assad angekündigt, das syrische Regime verfolge sämtliche Personen, die sich, wie sie, vom Regime abgewendet hätten. Dabei würden die syrischen Behörden äus- serst menschenverachtend vorgehen (vgl. die Beschwerdeschrift betref- fend die Besc hwerdeführerinnen 2 und 3 S. 19 –21). Das UNHCR stelle sodann fest, dass eine asylsuchende Person aus Syrien weder das Krite- rium einer bereits stattgefundenen noch jenes einer Bedrohung durch zu- künftige Verfolgung erfüllen müsse, um die Flüchtlingseigenschaft zu erfül- len (vgl. die Beschwerdes chrift betreffend die Beschwerdeführerinnen 2 und 3 S. 22 f.). Schliesslich bringen die Beschwerdeführenden vor, die Vorinstanz habe es unterlassen, ausführlich zur Frage der Gefährdung wegen subjektiver Nachfluchtgründe Stellung zu nehmen. Sie seien aus Sicht der syrischen Behörden zweifelsohne Oppositionelle. Aufgrund der aktuellen Entwicklun- gen in und in Bezug auf Syrien (vgl. die Beschwerdeschrift betreffend den Beschwerdeführer 1 S. 30–37, die Beschwerdeergänzung S. 4–8 und die Beschwerdeschrift betreffend die Beschwerdeführerinnen 2 und 3 S. 27 – 29 sowie die Eingabe vom 10. November 2015 S. 3-5) sei eine Besserung der menschenrechtlichen Situation noch lange nicht absehbar, insbeson- E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 19 dere für identifizierte Regimegegner wie sie, die nach ihrer Flucht ins Aus- land wieder nach Syrien zurückkehren müssten. Nach einem längeren Auslandsaufenthalt sei ausserdem mit einer ausführlichen, willkürlichen Befragung bei der Wiedereinreise zu rechnen. Ferner seien die Beschwer- deführerinnen 2 und 3 aufgrund der Verfolgung des Beschwerdeführers 1 der Gefahr einer Reflexverfolgung ausgesetzt. Zudem müsse auch die Ge- fahr berücksichtigt werden, die von islamistischen Gruppierungen in Syrien gegen sie ausgehe. 6. Nachfolgend prüft das Bundesverwaltungsgericht die angefochtenen Ver- fügungen auf ihre Rechtmässigkeit. Vorgängig ist anzumerken, dass die Erwägungen des UNHCR zum Schutz- bedarf von Personen, die aus der Arabischen Republik Syrien flüchten (zur aktuellen Ve rsion [Update IV vom November 2015] vgl. <http://www.refworld.org/docid/5641ef894.html>, besucht am 26. Februar 2016) für das Bundesverwaltungsgericht zwar eine wichtige Quelle darstel- len, etwa betreffend aktuelle Entwicklunge n in Syrien oder Risikoprofile . Die dort gemachte Feststellung, für die Erfüllung der Kriterien der Flücht- lingsdefinition sei es nicht erforderlich, dass eine tatsächliche oder dro- hende Verfolgung persönlich auf eine Person abziele, ist für das Bundes- verwaltungsgericht indes nicht bindend. Entsprechend der konstanten Pra- xis des Gerichts reicht eine allgemeine Gefährdung aufgrund von Krieg o- der einer Situation allgemeiner Gewalt nicht aus, um die Flüchtlingseigen- schaft zu erfüllen. 6.1 Die Ausführungen der Vorinstanz betreffend die Asylgründe der Be- schwerdeführerin 2 sind vollumfänglich z u bestätigen, weshalb auf die diesbezüglichen Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann. Ebenso wie das BFM stellt das Gericht nicht in Abrede, dass das Erlebte für die Beschwerdeführerin 2 psychisch belastend ist. Aus ih- ren Aussagen lässt sich jedoch entgegen den Ausführungen auf Beschwer- deebene keine überwiegende Wahrscheinlichkeit dafür ableiten, dass sie im Falle einer Rückkehr nach Syrien verhaftet und menschenunwürdig be- handelt beziehungsweise in anderer Weise asylrelevant verfolgt würde. Für diese Einschätzung spricht insbesondere der Umstand, dass sie bis zu ih- rer Ausreise im August 2012 trotz mehrmaligen Behördenkontakts zu kei- ner Zeit von den syrischen Behörden auf ihre Aktivitäten angesprochen o- der deswegen behelligt wurde. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass sie von diesen als Regimegegnerin eingestuft wird. Gegenteiliges lässt sich E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 20 auch aus den beigebrachten Beweismitteln nicht ableiten. Vor diesem Hin- tergrund erweist sich der Vorwurf der willkürlichen Argumentation durch die Vorinstanz als haltlos. 6.2 Die Erwägungen der Vorinstanz betreffend die Asylgründe des Be- schwerdeführers 1 erweisen sich im Ergebnis ebenfalls als zutreffend. 6.2.1 Betreffend das geltend gemachte politische Engagement wendet der Beschwerdeführer 1 auf Beschwerdeebene zwar zu Recht ein, er habe keine widersprüchlichen Aussagen hinsichtlich des Beginns seiner Tätig- keiten gemacht. Bei der Erstbefragung gab er an, im Oktober 2011 zum ersten Mal an einer Demonstration teilgenommen zu haben (vgl. A8/13 Ziff. 7.02 S. 9). Anlässlich der Anhörung brachte er vor, im Juli 2011 mit der Produktion von Flaggen und der Anwerbung von Leuten für Demonstratio- nen begonnen zu haben (vgl. A33/13 F40 S. 6). Über seine erste Teilnahme an einer Demonstration äusserte er sich hingegen nicht. Dagegen machte er betreffend die letzte Demonstrationsteilnahme widersprüchliche Aussa- gen. Im Rahmen der BzP führte er aus, die letzte Demonstration, an der er teilgenommen habe, sei am 12. Februar 2012 gewesen. Es sei eine sehr bekannte Kundgebung gewesen, weil dabei eine Statue des Präsidenten zerstört worden sei (vgl. A8/13 Ziff. 7.02 S. 9). Bei der Anhörung brachte er hingegen vor, er sei bis zum Massakertag aktiv gewe sen. An jenem Tag habe es einen Bombenanschlag gegeben und 12 Personen seien gestor- ben. Dies sei Ende Dezember gewesen, etwa am 25. Dezember 2011. Da- nach sei er nach F._______ geflohen und habe sich dort zwei Monate lang versteckt, bis seine Reisepapiere in der Türkei bereit gewesen seien (vgl. A33/13 F65 f. S. 8). Eine weitere Demonstration oder sonstige Aktivitäten vor der Ausreise erwähnte er nicht, weshalb die Vorinstanz zu Recht einen Widerspruch in seinen Aussagen ausmachte. Nicht überzeugend ist so- dann der Einwand auf Beschwerdeebene, bei der Angabe von zwei Mona- ten für die Dauer des Untertauchens liege ein Missverständnis vor. Wie erwähnt machte der Beschwerdeführer 1 bei der Anhörung geltend, sich direkt nach dem Massakertag Ende Dezember 2011 bei einem Freund ver- steckt zu haben, bis seine Ausreisedokumente bereit gewesen seien. Bei der BzP gab er hingegen ausdrücklich an, er habe sich etwa 13 oder 14 Tage lang bei verschiedenen Freunden, Verwandten und Bekannten ver- steckt (vgl. A8/13 Ziff. 7.02 S. 10). Die diesbezüglichen Vorbringen anläss- lich der BzP und der Anhörung erscheinen je für sich nicht als widersprüch- lich, wohl aber im Vergleich der beiden Befragungen. Ebenfalls wider- sprüchlich schilderte der Beschwerdeführer 1 die angebliche Suche durch E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 21 den Geheimdienst. Die Entgegnungen auf Beschwerdeebene sind u n- behelflich, da sie seine divergierenden Aussagen nicht zu erklären vermö- gen. Stärker als die Ungereimtheiten in den Aussagen des Beschwerdeführers 1 ins Gewicht fällt indessen die unsubstanziierte Schilderung seiner Asyl- gründe. So gab er auf die Frage zu seinen Organisationstätigkeiten für die Revolutionsorganisation etwa an: " Wir fertigten Plakate an, ein andere r stand mit dem Motorrad am Ende der Strasse und beobachtete die Ge- heimdienstleute. Wir, die jungen Männer, halfen uns einfach gegenseitig " (A8/13 Ziff. 7.02 S. 9) . Bei der Anhörung antwortete er auf Fragen nach konkreten Aktivitäten zunächst ausweichend (vgl. A33/13 F36 S. 5). Auf Nachfrage hin brachte er vor, seine Aufgabe sei es gewesen, Flaggen zu organisieren und zu produzieren. Er sei im Informationsbereich aktiv ge- wesen. Er habe die Leute zu Manifestationen motiviert. Er wolle nicht viel sagen. Es seien immer die gleichen Geschichten gelaufen: Manifestatio- nen, Verfolgungsjagd, Geheimdienstauto, Probleme, Streit und spezielle Probleme mit der Al-Nusra Front (vgl. A33/13 F37 ff. S. 6). Die Demonstra- tionen seien von 50, 100 oder 150 Personen organisiert worden, wobei ein Zahnarzt namens I._______, der zuvor ein Mitglied der Baath Partei gewe- sen sei, über die Arbeitsverteilung entschieden habe (vgl. A33/13 F44 ff. S. 6 f.). Diese Aussagen erwecken nicht den Eindruck, der Beschwerdeführer 1 habe sich tatsächlich organisatorisch betätigt und zuletzt täglich Aktivitä- ten für die Revolutionsorganisation ausgeführt. Die angebliche Suche durch den Geheimdienst schilderte er ebenfalls vage und oberflächlich (vgl. A33/13 F49 ff. S. 7). Zudem antwortete er auf die Frage, wie er davon erfahren habe, dass der Geheimdienst über seine Tätig keiten Bescheid gewusst habe, alle Leute hätten davon gesprochen, jeder habe es dem anderen erzählt und so habe jeder davon gewusst (vgl. A8/13 Ziff. 7.02 S. 10). Die auf Beschwerdeebene behauptete Detailliertheit seiner Aussagen ist aus den Befragungsprotokollen nicht erkennbar, weder betreffend seine Aktivitäten noch die ihm angeblich drohende Verfolgung. Hinsichtlich der angeblichen Bedrohung seitens der Al-Nusra Front bestätigt der Beschwer- deführer 1 in seiner Beschwerdeschrift schliesslich lediglich seine bei den Befragungen gemachten Ausführungen, wonach er und seine Kollegen von der Al-Nusra Front verfolgt und bedroht worden seien. Worin diese Verfol- gung und Bedrohung bestanden haben soll, bleibt hingegen offen. Im Übrigen kann auf die Au sführungen der Vorinstanz in der angefochte- nen Verfügung verwiesen werden. Insgesamt erweisen sich die Asylgründe des Beschwerdeführers 1 als unglaubhaft. Zwar ist nicht auszuschliessen, dass er an Demonstrationen gegen das Regime teilgenommen hat. Indes E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 22 kann ihm aufgrund seiner oberflächlichen Darstellung nicht geglaubt wer- den, dass er mit seinen allfälligen Aktivitäten die Aufmerksamkeit der syri- schen Behörden auf sich gezogen hat respektive ihm von diesen Verfol- gung drohte. Eine andere Einschätzung vermögen auch die Aussagen der Beschwerdeführerin 2 und die angerufenen beziehungsweise eingereich- ten Beweismittel nicht zu begründen. 6.2.2 Mit seinen Ausführungen, wonach er nach seiner Ausreise aus Syrien in seiner Funktion als Reservist in den Militärdienst einberufen worden sei, macht der Beschwerdeführer 1 das Vorliegen von objektiven Nachflucht- gründen geltend. Solche sind gegeben, wenn äussere Umstände, auf wel- che die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen konnte, zur drohen- den Verfolgung führen. Die Einberufung in den Militärdienst kann dem Beschwerdeführer ebenfalls nicht geglaubt werden. Die Aussage anlässlich der BzP , er sei im Novem- ber 2011 aufgefordert worden, sich bei der Rekrutenschule in D._______ zu melden (vgl. A8/13 Ziff. 7.02 S. 9), widerrief er im Rahmen der Anhörung ausdrücklich (vgl. A33/13 F78 f. S. 10). In diesem Zusammenhang mutet ausserdem seltsam an, dass er bei der Erstbefragung geltend machte, noch in Syrien im November 2011 als Reservist einberufen worden zu sein (vgl. A8/13 Ziff. 7.01 und 7.02 S. 9), während er bei der Anhörung angab, etwa zwei Monate nach der Ausreise – folglich erst etwa einen Monat nach der BzP – einberufen worden zu sein (vgl. A33/13 F69 S. 9). Anlässlich der Anhörung führte er weiter aus, die Aufforderung zum Mil itärdienst sei sei- nen Eltern übermittelt worden. Jemand sei mit dem Auto zu diesen nach Hause gegangen und habe gefragt, wo er sich befinde. Seine Mutter habe gesagt, er sei unterwegs und komme später. Sie habe sich geweigert, den Rekrutierungsbrief zu unterschreiben. Daraufhin hätten die Personen ge- sagt, er solle sich bei der Abteilung in F._______ melden (vgl. A33/13 F68– 76 S. 9 f.). Diese Aussagen stehen im Widerspruch zu seinen Vorbringen anlässlich der Erstbefragung. Zudem vermag der Beschwerdeführer 1 sie nicht mit der Einreichung von Dokumenten zu belegen. Dem eingereichten Militärdienstbüchlein sind diesbezüg lich keine Informationen zu entneh- men, bestätigt dieses doch lediglich, dass der Beschwerdeführer 1 – der im Jahr (…) in die Rekrutenschule einberufen und (…) in die Reserve ein- geteilt wurde – in der 4. Division Dienst geleistet hat . Die tatsächliche Einb erufung des Be- schwerdeführers 1 in den Militärdienst ist mithin weder belegt noch glaub- haft gemacht. E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 23 6.3 Die Beschwerdeführenden verliessen ihren Heimatstaat im Februar be- ziehungsweise August 2012, also nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges. Derzeit lässt sich die Feststellung treffen, dass die Situation in Syrien an- haltend instabil und in stetiger Veränderung begriffen ist. Dabei ist als voll- kommen offen zu bezeichnen, in welcher Weise ethnische, religiöse und/o- der politische Zugehörigkeiten im Rahmen einer künftigen Herrschaftsord- nung eine Rolle spielen werden. Trotz der bestehenden Unklarheiten be- züglich der weiteren Entwicklung der Situation in Syrien ist es dem Bun- desverwaltungsgericht als zuständige Instanz aufgetragen, die Flucht- gründe von Asylsuchenden syr ischer Herkunft im Rahmen hängiger Be- schwerdeverfahren abschliessend zu beurteilen (vgl. dazu ausführlich das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5779/2013 vom 25. Februar 2015 [als Referenzurteil publiziert], E. 5.3.1, 5.3.2 und 5.4.5). Wie die syrischen Behörden die Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr im jetzigen Zeitpunkt konkret behandeln würden, ist aufgrund der aktuellen Lage in Syrien nicht abschliessend beurteilbar. Wie betreffend die Beschwerdeführerin 2 bereits in Erw. 6.1 ausgeführt, ist auch für den Be- schwerdeführer 1 – insbesondere vor dem Hintergrund der Unglaubhaf- tigkeit seiner Vorbringen betreffend seine politischen Aktivitäten – keine überwiegende Wahrscheinlichkeit dafür ersichtlich, dass er als Regime- gegner eingestuft und asylrelevant verfolgt würde. Daraus ist nicht etwa zu schliessen, die Beschwerdeführenden seien aktuell in ihrem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist die aus der aktuellen Situation in Syrien resul- tierende Gefährdung ausschliesslich unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AuG (SR 142.20) einzuordnen. Dieser generellen Gefährdung wurde durch die Vorinstanz mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen (vgl. die Dispo- sitivziffern 4–7 der angefochtenen Verfügungen). Überdies ist nicht auszumachen, inwiefern die Flucht als solche im Falle einer Rückkehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine flüchtlings- rechtlich relevante Verfolgung zur Folge hätte. Die Stellung von Asylgesu- chen in der Schweiz führt nicht zur Annahme, dass die Beschwerdeführen- den bei der Rückkehr in ihr Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine menschenrechtswidrige B ehandlung zu befürchten hätten. Zwar ist aufgrund der längeren Landesabwesenheit nicht auszus chliessen, dass sie bei der Wiedereinreise nach Syrien einer Befragung durch die heimat- lichen Behörden unterzogen würden. Da sie jedoch nicht glaubhaft ma- chen, in der Vergangenheit in massgeblicher Weise politisch aktiv gewesen zu sein, ist nicht anzunehmen, dass die syrischen Behörden sie als staats- E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 24 gefährdend einstufen würden und sie asylrelevante Massnahmen zu be- fürchten hätten. Eine gezielte Gefährdung seitens islamistischer Gruppen machen die Beschwerdeführenden schliesslich ebenfalls nicht glaubhaft. 6.4 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerdeführenden keine erlittene oder drohende asylrelevante Verfolgung glaubhaft gemacht ha- ben. Die Vor instanz hat daher zu Recht das Bestehen der Flüchtlingsei- genschaft verneint und die Asylgesuche abgewiesen. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtenen Verfügungen Bundesrecht nicht verletzen und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellen (Art.106 Abs.1 AsylG). Die Beschwerden sind daher abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den unterliegenden Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhebung ist j edoch angesichts der mit Verfügungen vom 18. September 2014 gutgeheissenen Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-4542/2014, E-4539/2014 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerden werden abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi