200 14 742 IV SCI/IMD/ARJ Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 16. Dezember 2014 Verwaltungsrichter Schwegler, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Ackermann, Verwaltungsrichterin Fuhrer Gerichtsschreiber Imhasly A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 17. Juni 2014 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1968 geborene A.________ (nachfolgend Versicherter bzw. Be- schwerdeführer) meldete sich im September 2012 unter Hinweis auf "psy- chische Probleme" bei der IV-Stelle Bern (nachfolgend IVB bzw. Be- schwerdegegnerin) zum Leistungsbezug an (Akten der IVB, Antwortbeilage [AB] 1). Die IVB nahm Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hin- sicht vor, veranlasste insbesondere eine psychiatrische Begutachtung durch Dr. med. C.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH (Gutachten vom 3. März 2014 [AB 26.1]), und stellte dem Versicher- ten mit Vorbescheid vom 14. März 2014 die Abweisung des Leistungsge- suchs mangels eines invalidisierenden Gesundheitsschadens in Aussicht (AB 28). Am 17. Juni 2014 verfügte die IVB nach dagegen vorgebrachten Einwänden (AB 29, 35) dem Vorbescheid entsprechend und verneinte ei- nen Leistungsanspruch (AB 37). B. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, mit Eingabe vom 14. August 2014 Beschwerde. Er beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin, damit diese den Gesundheitszustand und die verbleibende Arbeits- und Leistungsfähigkeit rechtsgenüglich eruie- re. Im Wesentlichen macht er geltend, der relevante Sachverhalt sei falsch bzw. ungenügend erhoben worden. Auf das Gutachten von Dr. med. C.________ könne nicht abgestellt werden. Dieser habe offensichtlich eine falsche Einschätzung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers vorgenommen, was sich insbesondere dadurch zeige, dass sich der Be- schwerdeführer drei Monate nach der Begutachtung stationär habe behan- deln lassen müssen. Es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass sich der im Gutachten positiv dargestellte Gesundheitszustand innert kurzer Zeit derart verschlechtert haben könne.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 3 Mit Eingabe vom 16. September 2014 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht der Klinik D.________ vom 14. August 2014 zu den Akten (Be- schwerdebeilage [BB] 5). Die Beschwerdegegnerin schliesst mit Beschwerdeantwort vom 17. Okto- ber 2014 auf Abweisung der Beschwerde. Sie bringt vor, das Gutachten von Dr. med. C.________ sei schlüssig und nachvollziehbar, woran die eingereichten medizinischen Berichte – soweit sie aufgrund deren Erstel- lung nach dem massgebenden Zeitpunkt der Verfügung überhaupt zu be- achten seien – nichts ändern würden. Sie habe sich somit zu Recht auf das Gutachten gestützt und von weiteren medizinischen Abklärungen abgese- hen. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi- cherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 4 vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 17. Juni 2014 (AB 37). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversi- cherung. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 ATSG). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschrän- kungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, ab- wenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; SVR 2007 IV Nr. 47 S. 154 E. 2.4). 2.3Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 5 wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz- lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. 2.4Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 2.5Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99). 2.6Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander wi- dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, oh- ne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 6 warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a). 3. 3.1Zur Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ist den Akten im Wesentlichen das Folgende zu entnehmen: 3.1.1In einem undatierten Bericht (Eingang bei der Beschwerdegegnerin am 24. Oktober 2012; AB 8) diagnostizierte Dr. med. E.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, Depressionen sowie eine Angst- und Anpassungsstörung, bestehend seit 2006. Das Ausmass des psychiatri- schen Leidens sei ihm mangels Betreuung in diesem Bereich nicht vollständig geläufig. Unter psychiatrischer Behandlung bestünden offenbar ein adäquater Zustand und eine kompensierte Alltagssituation. Die Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit sei höchstens geringgradig eingeschränkt, die Fra- ge könne jedoch nicht schlüssig beantwortet werden, da sich der Patient nicht in einer stabilen Arbeitssituation befinde. 3.1.2Dr. med. F.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera- pie FMH, hielt im Bericht vom 8. November 2012 (AB 10) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: Generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1), rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F33.0), Persönlichkeit mit asthenischen, ängstlich-vermeidenden und zwanghaften Zügen (ICD-10: F61.0). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte sie einen riskanten Konsum von Alkohol (ein bis zwei mal wöchentlich bis zu zwei Liter Bier), der weder die diagnosti- schen Kriterien nach ICD-10 für ein Abhängigkeitssyndrom noch diejenigen für einen schädlichen Gebrauch erfülle. Der Patient zeige ein über mehrere Jahre hinweg bestehendes komplexes Krankheitsbild mit mehreren Ko- morbiditäten, das trotz regelmässiger psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung einen chronifizierten Verlauf zeige. Die Therapie sei erschwert, da der Patient durch seine starken Ängste und seine Ambivalenz häufig blockiert sei und es ihm dadurch nicht möglich sei, anstehende Entschei- dungen zu treffen und umzusetzen. Es müsse von einem weiteren chronifi- zierten Verlauf ausgegangen werden. Die Einschränkungen bestünden aus Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 7 psychiatrischer Sicht aus einer eingeschränkten Aufmerksamkeit und Kon- zentrationsfähigkeit, Gedankenkreisen, starker Angstsymptomatik und wahnhafter Verarbeitung, sobald sich der Patient unter Druck und Anforde- rungen fühle. Es bestehe eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit sowie eine verminderte Belastungs- und Konfliktfähigkeit. Seit mindestens einem Jahr liege eine Arbeitsunfähigkeit von zirka 50 % vor. Im Bericht vom 20. August 2013 (AB 20) wies Dr. med. F.________ auf einen stationären Gesundheitszustand hin. Seit Mai 2013 fänden aufgrund von verstärkter Verunsicherung infolge Ausschlusses vom Universitätsstu- dium wöchentliche statt wie bisher 14-tägliche Konsultationen statt. Zudem sei die Begleitung durch die G.________ zur Prävention einer Zunahme des Alkoholkonsums bis Juli 2013 weitergeführt worden. Es sei zwar von einem chronifizierten Verlauf auszugehen, dennoch erscheine eine Ver- besserung der Arbeitsfähigkeit als möglich und in Bezug auf den Krank- heitsverlauf als erwünscht. Berufliche Massnahmen bzw. die Wiederauf- nahme einer Tätigkeit bei reduziertem Pensum in einem wohlwollenden, geschützten Rahmen seien als sinnvoll zu erachten. 3.1.3Dr. med. H.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH und Arzt beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stellen Bern/Freiburg/Solothurn, erachtete die psychiatrische Situation aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen im Bericht vom 22. Oktober 2013 (AB 22) als unklar. Die Herleitung der Diagnosen, im Besonderen jene der Persönlichkeitsstörung, gehe nicht eindeutig hervor und die Anga- ben zum Alkoholkonsum seien vage. Die Beurteilung der Arbeits- und Leis- tungsfähigkeit und insbesondere die Angabe, wonach der Versicherte nur noch in einem geschützten Rahmen eine Tätigkeit aufnehmen könne, seien schwer nachvollziehbar. Zur Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit sowie zur Erstellung eines Zumutbarkeitsprofils sei eine psychiatrisch- psychotherapeutische Begutachtung angezeigt. 3.1.4Dr. med. C.________ hielt im Gutachten vom 3. März 2014 (AB 26.1) fest, es könne keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Als Diagnosen ohne Auswirkung seien eine rezidivierende depressive Störung, seit Herbst 2013 grossteils remittiert (ICD-10: F33.4), akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1), eine phasenweise auf-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 8 tretende soziale Phobie (ICD-10: F40.1) sowie ein schädlicher Alkoholkon- sum (ICD-10: F10.1) zu nennen (AB 26.1 S. 6). Der Gutachter führte aus, ein psychiatrisches Krankheitsbild sei nicht dominierend. Als sicher gelte, dass der Versicherte einen schädlichen Alkoholkonsum betreibe, trinke er doch seit einem Jahr ohne Pause zweieinhalb Liter Bier pro Tag. Diesbe- züglich stehe er in einer ambulanten Therapie. Irreversible Gesundheits- schäden seien keine erkennbar. Der Versicherte zeige keinen Persönlich- keitsabbau und kein amnestisches Syndrom. Der Alkoholkonsum sei aber keine günstige Voraussetzung, um in der Arbeitswelt zu reüssieren. Eine Abstinenz sei zu empfehlen bzw. zumutbar (AB 26.1 S. 7). Beim Versicherten sei bekannt, dass er seit Jahren an Ängsten leide. Es lasse sich eine soziale Phobie diagnostizieren, da die Ängste in der Regel bei Begegnungen mit Mitmenschen aufträten. Phasenweise würden hypo- chondrisch gefärbte Ängste auftreten, dies in körperlicher Hinsicht. Eine generalisierte Angststörung sei aber nicht nachweisbar, auch komme es nicht zu Panikattacken. Schwer zu erfassen sei die Persönlichkeit des Ver- sicherten. Es fänden sich asthenische Anteile, er sei zudem eher vermei- dend. Zwanghafte Anteile hätten im Rahmen der Untersuchung nicht beob- achtet werden können. Gemäss seinen eigenen Angaben gehe es dem Versicherten seit zirka Herbst 2013 hinsichtlich seiner Psyche besser. Bei der Untersuchung hätten sich zwar akzentuierte Persönlichkeitszüge ge- zeigt, eine Persönlichkeitsstörung finde sich aber nicht; die Kriterien der ICD-10 seien nicht erfüllt. Es lägen markante ungünstige krankheitsfremde Faktoren vor: Berufliche Unschlüssigkeit seit vielen Jahren, Durchführung eines …-Studiums ohne Elan, längere Phase von Arbeitsuntätigkeit, etwas eigensinnige Lebensführung. Der Versicherte lebe zudem seit Jahren al- lein. Er habe sich einen eigenen Lebensstil angeeignet, weshalb es für ihn eher schwierig sei, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen. Der Versicherte pflege eine regelmässige Tagesgestaltung, habe einen Kollegenkreis und betreibe intensiv Sport (Velofahren). Er sei auch fähig, sich um seine Kleidung und den Haushalt zu kümmern. Zudem habe er Lieblingsbeschäftigungen wie Bücher lesen, Arbeit mit dem Computer, Mu- sikhören, usw. Diese positiven Verhaltensweisen liessen annehmen, dass er nicht psychisch krank sei. Auch der Versicherte selbst sei zu diesem Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 9 Schluss gekommen, habe er doch vor eineinhalb Monaten die Psychothe- rapie abgebrochen. Auch die Psychopharmaka habe er weitgehend abge- setzt, Risperdal nehme er nur unregelmässig und in kleiner Dosierung ein. Von einer effektiven medikamentösen Behandlung könne nicht gesprochen werden (AB 26.1 S. 7 f.). In Beantwortung der Fragen der Beschwerdegegnerin hielt der Gutachter fest, beim Versicherten bestünden mässige psychische Beeinträchtigun- gen. Er habe im mitmenschlichen Kontakt eher Probleme, er könne sich nicht leicht in die Gesellschaft einfügen. Früher sei es zu depressiven Pha- sen gekommen. Der Versicherte sei zuletzt u.a. als … tätig gewesen. Bei dieser Tätigkeit sei er nicht eingeschränkt, da diese nicht mit engen mit- menschlichen Kontakten verbunden sei. Die Funktionen seien teilweise eingeschränkt, dies u.a. aus krankheitsfremden Gründen. Der Alkoholabu- sus wirke sich negativ auf seine Leistungsfähigkeit aus. Die Belastbarkeit sei angesichts der akzentuierten Persönlichkeitszüge seit jeher reduziert. Sowohl die bisherigen als auch angepasste Tätigkeiten seien dem Versi- cherten zu zirka 90 % zumutbar (AB 26.1 S. 8 ff.). 3.2Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia- lärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte- rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 10 E. 3b bb S. 353; SVR 2009 IV Nr. 50 S. 154 E. 4.3). Eine von anderen mit der versicherten Person befassten Ärzten abweichende Beurteilung ver- mag die Objektivität des Experten nicht in Frage zu stellen. Es gehört viel- mehr zu den Pflichten eines Gutachters, sich kritisch mit dem Aktenmaterial auseinanderzusetzen und eine eigenständige Beurteilung abzugeben. Auf welche Einschätzung letztlich abgestellt werden kann, ist eine im Verwal- tungs- und allenfalls Gerichtsverfahren zu klärende Frage der Beweiswür- digung (BGE 132 V 93 E. 7.2.2 S. 110). 3.3 3.3.1Die Beschwerdegegnerin hat sich in der angefochtenen Verfügung massgeblich auf das psychiatrische Gutachten von Dr. med. C.________ vom 3. März 2014 (AB 26.1) gestützt. Dieses erfüllt die von der höchstrich- terlichen Rechtsprechung an den Beweiswert eines derartigen Berichts gestellten Anforderungen (vgl. E. 3.2 hiervor). Es ist für die streitigen Be- lange umfassend, berücksichtigt die geklagten Beschwerden sowie die erhobenen Befunde und wurde in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) ab- gegeben. Im Weiteren ist es in der Darlegung der medizinischen Zusam- menhänge einleuchtend und die Schlussfolgerungen sind begründet. In Übereinstimmung mit dem Gutachter sehen auch die behandelnden Ärz- te die Problematik primär im Bereich des Alkohols (AB 20 S. 2; 35 S. 1). Dass der Alkoholkonsum (bereits) zu nicht mehr umkehrbaren Folgeschä- den geführt hätte, wurde auch von den behandelnden Ärzten zu keinem Zeitpunkt geltend gemacht und kann ausgeschlossen werden (AB 26.1 S. 11). Gleichermassen hat der Gutachter den Alkoholkonsum nicht als zwingende und nicht vermeidbare Folge eines psychischen Leidens be- zeichnet. Auch dies scheint vor dem Hintergrund der übrigen Berichte durchaus korrekt. Die Tatsache, dass die Ärzte des Spitals I.________ im vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers im Einwandverfahren einge- brachten Bericht vom 15. Mai 2014 (AB 35) die Arbeitsunfähigkeit höher einstuften, ändert am Ganzen nichts. Sie führten zwar Komorbiditäten auf, konnten diese jedoch nicht im Rahmen einer psychiatrisch umfassenden Zuordnung als eigentliche Störungen festhalten. Als einschränkend hin- sichtlich der Leistungsfähigkeit bezeichneten sie in erster Linie denn auch den chronischen Alkoholabusus. In dieser Hinsicht stimmt die Einschätzung Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 11 des Gutachters mit diesem (späteren) Bericht der behandelnden Ärzte ebenfalls überein. Der dem Gutachter nicht vorliegende Bericht des lic. phil. J.________, Fachpsychologe für Psychotherapie, vom 11. August 2008 (AB 36 S. 3 f.) vermag die Würdigung des Experten ebenfalls nicht zu er- schüttern, ist dem Bericht doch nichts zu entnehmen, das nicht bereits be- kannt gewesen wäre. 3.3.2Nichts an der Massgeblichkeit des Gutachtens ändern auch die im vorliegenden Verfahren erstmals aufgelegten medizinischen Unterlagen: Die Berichte der psychiatrischen Klinik K.________ vom 14. Juli und 4. Au- gust 2014 (Beschwerdebeilage [BB] 2 und 3) beschlagen einen Zeitraum nach Erlass der angefochtenen Verfügung. Eine in diesem Zeitraum einge- tretene Veränderung des Gesundheitszustands wäre im Rahmen einer Neuanmeldung bei der Beschwerdegegnerin geltend zu machen. Allein soweit aus den Berichten Rückschlüsse auf die Zeit vor Erlass der ange- fochtenen Verfügung abgeleitet werden können, sind sie allenfalls geeig- net, die Beurteilung des vorliegenden Falls zu beeinflussen: Im Bericht vom 4. August 2014 (BB 3), adressiert an den Rechtsvertreter, hielt der zustän- dige Arzt fest, die stationäre Behandlung vom 20. Juni bis 1. Juli 2014 habe lediglich den Charakter einer Krisenintervention mit Entgiftung von Alkohol gehabt. Er sei dementsprechend nicht in der Lage, weitergehende Aussa- gen über die Arbeitsfähigkeit zu machen. Insoweit ist dieser Bericht nicht direkt massgeblich und zudem auch inhaltlich nicht geeignet, das Gutach- ten in Frage zu stellen. Im Austrittsbericht an die behandelnden Ärzte des Spitals I.________ vom 14. Juli 2014 (BB 2) haben die Ärzte psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (Abhängigkeitssyndrom [ICD-10: F10.2]) attestiert, einen Verdacht auf eine schizotype Störung (ICD-10: F21) gestellt und ergänzend die Diagnose einer Angst- und depressive Störung gemischt (ICD-10: F41.2) aufgeführt. Insgesamt wurde auch in diesem Bericht auf die grosse Bedeutung des Alkoholkonsums hingewiesen. Insoweit bestätigt auch die- ser Bericht hinsichtlich der invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz des gezeigten Störungsbilds letztlich das Gutachten und das voranstehend hierzu Ausgeführte. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 12 Nichts ändert auch der Bericht der Ärzte der Klinik D.________ vom 14. August 2014 (BB 5) an den Rechtsvertreter, haben doch auch diese Ärzte eine starke Verknüpfung von (entgleister) Alkoholproblematik und den psy- chischen Symptomen festgehalten. Die Gebotenheit eines Alkoholentzugs und anschliessender Abstinenz ist offensichtlich. So gehen auch die behandelnden Ärzte davon aus, dass bei der bestehenden Diagnosekonstellation eine vollständige Abstinenz vom Alkohol die Situation sehr wohl verbessern könnte, da der Alkohol das Auf- treten sowohl depressiver wie auch ängstlicher Symptome eher fördere (BB 5 S. 2). Dies allein besagt jedoch nicht, dass vor dem Entzug die Arbeits- fähigkeit deswegen aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht massge- blich eingeschränkt (gewesen) wäre. Denn nach ständiger Rechtsprechung begründen Alkoholismus, Medikamentenmissbrauch und Drogensucht für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird eine sol- che Sucht invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Ge- sundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem Krank- heitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c S. 268; SVR 2012 BVG Nr. 14 S. 62 E. 4.4.2). Gestützt auf die medizinischen Unterlagen ist erstellt, dass dies auf den Beschwerdeführer nicht zutrifft (vgl. E. 3.3.1 hiervor). In diagnostischer Hinsicht stimmt der in Unkenntnis des Gutachtens von der Klinik D.________ erstellte Bericht mit dem Gutachten überein. Auch diese Ärzte haben (gleich wie der Gutachter und anders als die psychiatri- sche Klinik K.________) nicht eine Angst- und depressive Störung ge- mischt sondern eine rein depressive Störung attestiert. Dass der Gutachter diese Störung – wie bereits erwähnt – im Zusammenhang mit dem Alkohol- konsum sieht und diese ohne Alkoholkonsum kontrolliert werden könnte, ist nachvollziehbar und überzeugt. Insoweit liegt auch mit dem Bericht der Klinik D.________ kein die Massgeblichkeit des Gutachtens von Dr. med. C.________ in Zweifel ziehender Bericht vor. 3.4Nicht gefolgt werden kann Dr. med. C.________ insoweit, als er eine Leistungseinschränkung von 10 % (AB 26.1 S. 9 f.) attestierte. Bei Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 13 fehlender invalidenversicherungsrechtlich relevanter psychiatrischer Störung hat eine ärztlich attestierte Einschränkung bei der Festlegung des Leistungsanspruchs unbeachtet zu bleiben. Mangels versicherungsrechtlich relevanter Invalidität besteht kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung. Daran würde sich im Übrigen auch nichts ändern, wenn die attestierte Einschränkung berücksichtigt wür- de und mit Blick auf die Invaliditätsbemessung sowohl das Validen- wie auch das Invalideneinkommen (angesichts der gemäss IK-Auszug erzielten Einkommen [AB 7] zu Gunsten des Beschwerdeführers) auf der gleichen statistischen Basis berechnet würden. Der Invaliditätsgrad entspräche so der Einschränkung von 10 % (Entscheid des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht] vom 15. April 2003, I 1/03, E. 5.2). Ein Abzug vom Tabellenlohn wäre nicht vorzunehmen, sind doch einerseits die rechtsprechungsgemäss hierfür erforderlichen Kriterien zwei- fellos nicht erfüllt (vgl. dazu BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2011 IV Nr. 31 S. 91 E. 4.1.1) und wären andererseits invali- ditätsfremde Faktoren im Rahmen des Einkommensvergleichs entweder überhaupt nicht oder dann sowohl beim Validen- als auch beim Invaliden- einkommen zu berücksichtigen (Entscheid des EVG vom 29. August 2002, I 97/00, E. 3.3). 3.5Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin einen Leistungs- anspruch des Beschwerdeführers gestützt auf das Gutachten von Dr. med. C.________ zu Recht abgewiesen. Die angefochtene Verfügung ist nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 4. 4.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dez. 2014, IV/14/742, Seite 14 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdefüh- rer die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 700.--, zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 1'000.-- entnommen. Der Restbetrag des Kostenvorschusses ist dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zurück- zuerstatten. 4.2Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 61 lit. g ATSG (Umkehrschluss) besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.-- werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss ent- nommen. Der Restbetrag des Kostenvorschusses, ausmachend Fr. 300.--, wird nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zurückerstattet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.