B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2527/2016 U r t e i l v o m 1 0 . A u g u s t 2 0 1 6 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Kolumbien, vertreten durch MLaw Joël Müller, Rechtsanwalt, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende – Testbetrieb VZ Zürich, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 13. April 2016 / N (…). D-2527/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein kolumbianischer Staatsangehöriger mit letztem Wohnsitz in B._______, verliess sein Heimatland eigenen Angaben gemäss zusammen mit seiner Tochter und deren Familie (N […]) am 14. Dezember 2015 und gelangte am folgenden Tag in die Schweiz, wo er am 22. Februar 2016 um Asyl nachsuchte. A.b Das SEM teilte dem Beschwerdeführer am 22. Februar 2016 mit, er werde in Anwendung von Art. 4 Abs. 3 der Verordnung über die Durchfüh- rung von Testphasen zu den Beschleunigungsmassnahmen im Asylbereich vom 4. September 2013 (TestV, SR 142.318.1) für den Aufenthalt und das Verfahren dem Verfahrenszentrum Zürich zugewiesen. A.c Am 25. Februar 2016 nahm das SEM die Personalien des Beschwer- deführers auf und befragte ihn zum Reiseweg. A.d Das SEM führte mit dem Beschwerdeführer am 7. März 2016 ein be- ratendes Vorgespräch durch. Er wies auf entsprechende Frage auf sein vermindertes Sehvermögen hin und sagte, er benutze Augentropfen. A.e Am 22. März 2016 hörte das SEM den Beschwerdeführer zu seinen Asylgründen an. Er machte im Wesentlichen geltend, dass er in die Schweiz gekommen sei, um seine hier lebenden Töchter zu besuchen. Erst in der Schweiz habe er erfahren, dass sein Schwiegersohn, der mit seiner Familie ebenfalls in die Schweiz gekommen sei, in Kolumbien von Parami- litärs mit dem Tod bedroht worden sei. Er wisse, dass es um (…) seines Schwiegersohnes gehe. Er persönlich habe keine Probleme gehabt, denke aber, dass er nach einer Rückkehr in die Heimat solche haben könnte. Zur- zeit leide er unter Bluthochdruck, er habe aber entsprechende Medika- mente erhalten. Der Rechtsvertreter wies darauf hin, dass der Beschwer- deführer gemäss Angaben seiner Tochter vergesslich sei. A.f Am 7. April 2016 erhielt der Beschwerdeführer vom SEM die Gelegen- heit, zum Verfügungsentwurf Stellung zu nehmen. Er machte von dieser Möglichkeit mit Eingabe vom 8. April 2016 Gebrauch. B. Mit Verfügung vom 13. April 2016 – eröffnet am selben Tag – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, D-2527/2016 Seite 3 und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. Der Beschwerdeführer beantragte mit Eingabe seines Rechtsvertreters an das Bundesverwaltungsgericht vom 22. April 2016, die angefochtene Ver- fügung sei aufzuheben und er sei als Flüchtling anzuerkennen. Eventuali- ter sei die V erfügung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aufzuheben. Subeventualiter sei die Sache zur korrekten Sachverhalts - und Beweiswürdigung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerde sei mit derjenigen im Verfahren N (…) zu vereinen. Es sei ihm d ie unent- geltliche Prozessführung zu gewähren und von der Erhebung eines Kos- tenvorschusses abzusehen. Der Eingabe lagen Informationen vom 7. April 2016 über gesundheitliche Probleme des Beschwerdeführers bei. D. Der Instruktionsrichter entsprach mit Zwischenv erfügung vom 29. April 2016 dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Das Gesuch um Vereinigung des Beschwerdeverfahrens mit dem Verfahren der Tochter und deren Familie wies er ab; er legte indessen fest, die Verfahren würden koordiniert weitergeführt. Die Akten übermittelte er zur Vernehm- lassung an das SEM. E. In seiner Vernehmlassung vom 12. Mai 2016 beantragte das SEM die Ab- weisung der Beschwerde. F. Der Instruktionsrichter stellte dem Beschwerdeführer am 18. Mai 2016 ein Doppel der Vernehmlassung zu und gewährte ihm die Möglichkeit, bis zum 2. Juni 2016 eine Stellungnahme einzureichen. Innerhalb der Frist und bis heute ging keine Stellungnahme ein. G. Der Beschwerdeführer übermittelte dem Bundesverwaltungsgericht am 26. Juli 2016 den Zuweisungsentscheid an den Kanton C._______ vom 13. Juli 2016, eine Vollmacht an seinen Rechtsvertreter und „medizinische In- formationen“ vom 14. Juni, 12. Juli und 21. Juli 2016. Aufgrund der Zuwei- sung ins erweiterte Verfahren, ersuchte er um Beiordnung des unterzeich- nenden Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsbeistand. D-2527/2016 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und e ntschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG, Art. 38 der Verordnung über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleunigungsmassnahmen im Asylbereich [TestV, SR 142.318.1] i.V.m. Art. 112b Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdu ng D-2527/2016 Seite 5 des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das SEM begründet seinen Entscheid damit, die Asylgesuche der Tochter und des Ehemannes des Beschwerdeführers, auf deren Probleme er sich stütze, seien abgelehn t worden. Deren Vorbringen hielten weder den Voraussetzungen an die Glaubhaftigkeit von Art. 7 AsylG noch denje- nigen an die Flüchtlingseigenschaft von Art. 3 AsylG stand. Das SEM ziehe den Schluss, dass er wegen den angeblichen Problemen der Tochter und des Schwiegersohnes keine Nachteile zu befürchten habe. Mit der Stel- lungnahme vom 11. April 2016 seien keine Tatsachen oder Beweismittel vorgelegt worden, die eine Änderung des Standpunkts rechtfertigen könn- ten. Es sei auf die Ausführungen zur Stellungnahme im Falle der Tochter und des Schwiegersohnes (N […]) zu verweisen. 4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer ma- che eine Reflexverfolgung geltend. Zur Begründung sei auf die im Verfah- ren N (...) eingereichte Beschwerde zu verweisen. Er sei in einem ange- schlagenen Gesundheitszustand. Gemäss Angaben seiner Tochter sei er vergesslich und müsse ständig begleitet werden. Dies sei bei den Fragen der Zumutbarkeit des Vollzugs und einer zumutbaren inländischen Flucht- alternative zu berücksichtigen. 4.3 Das SEM führt in der Vernehmlassung aus, der Beschwerdeführer leide an verschiedenen, nicht gravierenden gesundheitlichen Beschwerden, die alle in Kolumbien behandelt werden könnten. 5. Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil D -2529/2016 vom heutigen Tag befunden, dass die von den Angehörigen des Beschwerdeführers er- hobenen formellen Rügen nicht stichhaltig sind und den Subeventualan-D-2527/2016 Seite 6 trag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abgewiesen. Unter Hin- weis auf die Erwägungen in diesem Urteil, ist auch der entsprechende Sub- eventualantrag im vorliegend zu beurteilenden Verfahren abzuweisen. 6. 6.1 Nach konstanter Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn si e Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive (vgl. vorstehende Ziff. 3.1) zugefügt worden sind, oder wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft solche Nachteile be fürchten muss. Die erlittene Verfolgung oder die be- gründete Furcht vor künftiger Verfolgung muss nicht nur sachlich und zeit- lich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat, sondern auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. 6.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist im Urteil D-2529/2016 vom heutigen Tag zum Schluss gelangt, dass unbesehen der Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Angehörigen des Beschwerdeführers de n von den Urabeños ausgehenden Behelligungen finanzielle Motive o der die Suche nach Waffen, die der Schwiegersohn des Beschwerdeführers (vermeint- lich) aufbewahrt hätte, zugrunde gelegen hätten. In der Beschwerde be- züglich den Schwiegersohn und dessen Familie wird explizit darauf hinge- wiesen, dass das Motiv der Verfolgung Geld und die vom Schwiegersohn eingereichte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gewesen sei. In BVGE 2011/24 wurde in Bezug auf Sri Lanka hinsichtlich der Risikogruppe der vermögenden Personen festgehalten, dass bei der Prüfung der Flücht- lingseigenschaft das Motiv der jeweiligen Verfolgungshandlungen sorgfäl- tig untersucht werden müsse. Sei ausschliesslich ein finanzielles Verfol- gungsinteresse auszumachen, wäre diesem Aspekt bei der Prüfung der Wegweisungshindernisse Rechnung zu tragen. Diese Prüfung ist auch hin- sichtlich der Situation vermögender Personen in Kolumbien analog vorzu- nehmen. Vorliegend kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Urabeños ein anderes Motiv als finanzielle Interessen oder die eingelager- ten Waffen am Schwiegersohn und dessen Familie hatten. Die Erpressun- gen und Drohungen der Urabeños sind somit als gemeinrechtliche Strafta- ten und nicht als Verfolgung aus flüchtlingsrechtlich relevanten Gründen zu werten. Damit ist auch gesagt, dass allfällige Probleme, die der Beschwer- deführer zukünftig mit den Urabeños haben könnte, flüchtlingsrechtlich ir- relevant wären. Es kann ihm somit keine begründete Furcht vor zukünftiger (Reflex-)Verfolgung zuerkannt werden. D-2527/2016 Seite 7 6.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flücht- lingseigenschaft nicht erfüllt und die Vorinstanz sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zul ässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land ge zwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 D-2527/2016 Seite 8 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung nach Kolumbien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un- menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Der Beschwerdeführer hatte s einen letzten Wohnsitz in B._______ im Haushalt seiner Tochter. Die Urabeños, mit denen sein Schwiegersohn Probleme gehabt habe, sind gemäss allgemein zugänglichen Berichten in der Lage, in ganz Kolumbien ihre Aktivitäten zu entfalten. Indessen ging das Bundesverwaltungsgericht im Urteil D-2529/2016 vom heutigen Tag in Anbetracht der gesamten Aktenlage in Übereinstimmung mit der Vo- rinstanz nicht davon aus, dass sie den Schwiegersohn und dessen Familie, wenn überhaupt, im ganzen Land suchten. Auf die entsprechenden Erwä- gungen ist an dieser Stelle vollumfänglich zu verweisen. Dem Beschwer- deführer steht es offen, sich zusammen mit seiner Tochter und deren Fa- milie an einem anderen Ort in Kolumbien niederzulassen, wo er keinen Nachstellungen ausgesetzt sein wird. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation i n Kolumbien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei- nen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. D-2527/2016 Seite 9 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Weder die allgemeine Lage in Kolumbien noch individuelle Gründe wirt- schaftlicher und sozialer Natur lassen auf eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers in seinem Heimatland schliessen. Die Tochter und der Schwiegersohn, bei denen er in Kolumbien lebte, haben beide eine gute Berufsausbildung und verfügen in ihrem Heimatland eigenen Angaben ge- mäss über Vermöge nswerte, weshalb nicht zu befürchten ist, der Be- schwerdeführer geriete nach einer Rückkehr in wirtschaftlicher Hinsicht in eine existenzbedrohende Situation. Angesichts der Erwägungen zur Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs ist zu schliessen, dass es ihm zumutbar ist, sich zusammen mit seiner Tochter und deren Familie an ei- nem anderen Ort als in B._______ niederzulassen, sollten sie sich dort vor Problemen mit den Urabeños fürchten. Der Beschwerdeführer leidet gemäss den „Medizinischen Informatio nen“ vom April, Juni und Juli 2016 an einer Hypocholesterinämie (zu hoher Cho- lesterinspiegel), einer Hypertonie (Bluthochdruck), einem Glaukom (grüner Star), einer Vitiligo (Hautkrankheit), einer Prostatahyperplasie (Prostata- vergrösserung), Herzproblemen und einer seborrhoischen Keratose (Al- terswarze). Zudem wurde eine depressive Episode diagnostiziert. Es wur- den ihm Medikamente verschrieben und weitere Kontrollen (…), der Radi- ologie im D._______ und bei einer Psychiaterin vereinbart. Hinsichtlich der gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers ist Folgendes zu er- wägen: Beim vorberatenden Gespräch vom 7. März 2016 sagte er , er sei generell gesund, leide aber unter einer erheblichen Sehschwäche, wes- halb er Augentropfen benutze. Die weiteren, in der Schweiz diagnostizier- ten gesundheitlichen Probleme sind teilweise medikamentös angegangen worden. Dem Beschwerdeführer wird es möglich sein, die ihm verordneten oder gleichwertige Medikamente auch in seiner Heimat weiterhin einzu- nehmen, wo auch die notwendigen ärztlichen Kontrollen durchgeführt wer- den können. Auch eine psychiatrische Behandlung könnte in Kolumbien durchgeführt werden, sollte sie sich als notwendig erweisen. Seine Tochter und deren Familie, mit denen er nach Kolumbien zurückkehren wird, kön- nen entsprechend instruiert und es kann ein Medikamentenvorrat mitgege- ben werden, so dass der Beschwerdeführer medizinisch versorgt werden D-2527/2016 Seite 10 kann, bis er sich im Heimatland zu einem Arzt begeben kann. Die gesund- heitlichen Probleme des Beschwerdeführers lassen eine Rückkehr in die Heimat nicht als unzumutbar erscheinen. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.5 Der Beschwerdeführer ist im Besitz eines gültigen, beim SEM abgege- benen Reisepasses, weshalb der Vollzug der Wegweisung ohne weiteres als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwi- schenverfügung vom 29. April 2016 die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und sich an den Vorausset- zungen dazu nichts geändert hat, sind keine Verfahrenskosten aufzuerle- gen. 11. 11.1 Das Bundesverwaltungsgericht bestellt auf Antrag der asylsuchenden Person, die von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit wurde, eine amtliche Rechtsbeiständin oder einen amtlichen Rechtsbeistand insbeson- dere bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide (ausser Dublin - Verfahren) und ablehnende Asyl - sowie Wegweis ungsentscheide (Art. 110a Abs. 1 AsylG). Dabei sind grundsätzlich auch Personen mit uni- versitärem juristischem Hochschulabschluss zur amtlichen Verbeiständung zugelassen, die sich beruflich mit der Beratung und Vertretung von Asylsu- chenden befassen (Art. 110a Abs. 3 AsylG). D-2527/2016 Seite 11 11.2 Da das Verfahren nach Abschluss des Schriftenwechsels spruchreif war und seitens der Rechtsvertretung keine notwendigen und entschädi- gungspflichtigen Vorkehrungen mehr zu treffen waren, ist das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung gegenstandslos. Die vorherigen Bemühun- gen der Rechtsvertretung erfolgten im Rahmen des Testverfahrens und waren im Sinne von Art. 28 TestV abgedeckt. (Dispositiv nächste Seite) D-2527/2016 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand: