11/22 Raumordnung PVG 2016 176 BAB-Bewilligung. Rechtmässige vorbestehende Wohn- nutzung. Bestimmungsgemässe Nutzbarkeit. – Gesetzliche Grundlagen zur Beurteilung eines bewilli- gungspflichtigen, nicht zonenkonformen Bauvorhabens in der Landwirtschaftszone (E.4a, b). – Beurteilung der rechtmässig vorbestehenden Wohnnut- zung und der bestimmungsgemässen Nutzbarkeit der fraglichen Baute (E.4c–h). – Der Abbruch der an der Nordseite des Stalls liegenden Kochhütte und der Wiederaufbau derselben an der Süd- seite des Stalls ist vorliegend im Grundsatz nicht zu be- anstanden (E.5a, b). – Alternativ steht der Bauherrschaft entweder eine 60%ige Erweiterung der zur Verfügung stehenden BGF für die Erweiterung der Wohnnutzung nach innen oder eine Erweiterung ausserhalb des bestehenden Gebäu- devolumens im Umfang von 30 % der zur Verfügung ste- henden BGF offen; zudem steht es der Bauherrschaft im Rahmen der Bestandesgarantie frei, im Umfang der Fläche, für welche die vorbestehende Wohnnutzung zu verneinen ist, einen «Abstellraum» zu realisieren, wel- cher nicht zu Wohnzwecken genutzt werden darf (E.6). Licenza EFZ. Precedente impiego legale a scopo abitativo. Utilizzazione conforme alla destinazione. – Base legale per giudicare un progetto edilizio non con- forme alla funzione di zona in zona agricola che sottostà all‘obbligo della licenza edilizia (cons. 4a, b). – Valutazione del precedente legale impiego a scopo abi- tativo e dell’utilizzazione conforme alla destinazione della problematica costruzione (cons. 4c–h). – La demolizione dell’angolo cucina ubicato lungo la pa- rete nord della stalla e la sua ricostruzione sul lato sud della stalla non è nell’evenienza in principio criticabile (cons. 5a, b). – Alla committenza rimane alternativamente la possibi- lità di un ampliamento all‘interno del volume esistente dell‘edificio del 60 % della SUL computabile o un ampli- amento esterno all’esistente volume dell’immobile in ragione del 30 % della SUL a disposizione; aggiuntiva- mente la committenza resta libera – in ossequio al prin- cipio della garanzia dei diritti acquisiti del proprietario 2211/22 Raumordnung PVG 2016 177 – di realizzare, entro i limiti della mole della superficie per la quale la preesistente utilizzazione a scopo ab- itativo è stata negata, un ripostiglio che non potrà es- sere utilizzato a scopo abitativo (cons. 6). Erwägungen: 4. Streitgegenstand des vorliegenden verwaltungsgericht- lichen Beschwerdeverfahrens bildet in erster Linie die Frage, ob die fragliche Kochhütte über vorbestandene, bestimmungsgemäss nutzbare Wohneinrichtungen verfü gt. Alsdann ist zu prüfen, ob der geplante Abbruch der auf der Nordseite des Stalls angebauten und ursprünglich lan d w irtsch aftlich gen u tzten Temporärwohnbaute und deren Wiederaufbau auf der Südseite des Stalls, einschliess- lich der vorgesehenen Erweiterung der Wohnnutzung nach innen zu Ferien -/W o ch en en d zw ecken , bewilligungsfähig ist. a) Gemäss A rt. 83 KRG richtet sich die Zulässigkeit von nicht zonenkonformen Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen nach dem Bundesrecht (Abs. 1). Die Umnutzung lan d w irtsch aftli- cher Wohnbauten zu lan d w irtsch aftsfrem d en Wohnzwecken wird im Rahmen des Bundesrechts bewilligt (Abs. 2 ). Nach A rt. 22 A b s. 1 RPG d ü rfen Bauten und Anlagen nur mit behördlicher Bewilligung errichtet oder geändert werden. Voraussetzung einer Bewilligung ist gemäss A rt. 22 A b s. 2 RPG, dass die Bauten und Anlagen dem Zweck der Nutzungszone entsprechen (lit. a) und das Land erschlos- sen ist (lit. b ). Die übrigen Voraussetzungen des Bundesrechts und des kantonalen Rechts bleiben vorbehalten (A rt. 22 A b s. 3 R P G ). Nach A rt. 24 RPG − welcher die Ausnahmen für Bauten und Anla- gen ausserhalb der Bauzonen regelt (BAB-Bewilligung) − können, abweichend von A rt. 22 A b s. 2 lit. a RPG, solche (B A B -)B ew illigu n - gen erteilt werden, wenn der Zweck der Bauten und Anlagen einen Stan d o rt ausserhalb der Bauzonen erfo rd ert (lit. a) und keine über- wiegenden Interessen entgegenstehen (lit. b ). b) Ist also − wie im konkreten Fall − ein bewilligungspflich- tiges Bauvorhaben in der Landwirtschaftszone zu beurteilen, das nicht im Sinne von Art. 22 RPG zonenkonform ist, gilt es zu unter- suchen, ob allenfalls ein bundesrechtlicher Ausnahmetatbestand gemäss Art. 24a – 24e RPG Anwendung findet. Die einschlägigen Normen des RPG und der RPV lauten wie folgt: Art. 24c RPG Bestehende zonenwidrige Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzonen 1 Bestimmungsgemäss nutzbare Bauten und Anlagen ausserhalb der11/22 Raumordnung PVG 2016 178 Bauzonen, die nicht mehr zonenkonform sind, werden in ihrem Bestand grundsätzlich geschützt. 2 Solche Bauten und Anlagen können mit Bewilligung der zuständigen Be- hörde erneuert, teilweise geändert, massvoll erweitert oder wiederaufge- baut werden, sofern sie rechtmässig erstellt oder geändert worden sind. 3 Dies gilt auch für landwirtschaftliche Wohnbauten sowie angebaute Ökonomiebauten, die rechtmässig erstellt oder geändert worden sind, bevor das betreffende Grundstück Bestandteil des Nichtbaugebiets im Sinne des Bundesrechts wurde. Der Bundesrat erlässt Vorschriften, um negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft zu vermeiden. 4 Veränderungen am äusseren Erscheinungsbild müssen für eine zeitge- mässe Wohnnutzung oder eine energetische Sanierung nötig oder dar- auf ausgerichtet sein, die Einpassung in die Landschaft zu verbessern. 5 In jedem Fall bleibt die Vereinbarkeit mit den wichtigen Anliegen der Raumplanung vorbehalten. Art. 41 RPV Anwendungsbereich von Art. 24c RPG 1 Artikel 24c RPG ist anwendbar auf Bauten und Anlagen, die rechtmäs- sig erstellt oder geändert worden sind, bevor das betreffende Grund- stück Bestandteil des Nichtbaugebiets im Sinne des Bundesrechts wur- de (altrechtliche Bauten und Anlagen). 2 Er ist nicht anwendbar auf allein stehende, unbewohnte landwirt- schaftliche Bauten und Anlagen. Art. 42 RPV Änderung altrechtlicher Bauten und Anlagen 1 Eine Änderung gilt als teilweise und eine Erw eiterung als massvoll, wenn die Identität der Baute oder Anlage einschliesslich ihrer Um ge- bung in den w esentlichen Zügen gew ahrt bleibt. Verbesserungen ge- stalterischer Art sind zulässig. 2 Massgeblicher Vergleichszustand für die Beurteilung der Identität ist der Zustand, in dem sich die Baute oder Anlage im Zeitpunkt der Zuwei- sung zum Nichtbaugebiet befand. 3 Ob die Identität der Baute oder Anlage im Wesentlichen gew ahrt bleibt, ist unter Würdigung der gesam ten Um stände zu beurteilen. In jedem Fall gelten folgende Regeln:11/22 Raumordnung PVG 2016 179 a. Innerhalb des bestehenden Gebäudevolumens darf die anrechen- bare Bruttogeschossfläche nicht um mehr als 60 Prozent erw eitert werden, wobei das Anbringen einer Aussenisolation als Erw eite- rung innerhalb des bestehenden Gebäudevolumens gilt. b. Unter den Voraussetzungen von Artikel 24c Absatz 4 RPG kann eine Erw eiterung ausserhalb des bestehenden Gebäudevolumens erfol- gen; die gesam te Erw eiterung darf in diesem Fall sowohl bezüglich der anrechenbaren Bruttogeschossfläche als auch bezüglich der Gesam tfläche (Summe von anrechenbarer Bruttogeschossfläche und Bruttonebenfläche) weder 30 Prozent noch 100 m 2 überschrei- ten; die Erw eiterungen innerhalb des bestehenden Gebäudevolu- mens werden nur halb angerechnet. c. Bauliche Veränderungen dürfen keine w esentlich veränderte Nutzung ursprünglich bloss zeitw eise bew ohnter Bauten ermögli- chen. 4 Eine Baute oder Anlage darf nur w ieder aufgebaut w erden, w enn sie im Zeitpunkt der Zerstörung oder des Abbruchs noch bestim m ungs- gem äss nutzbar w ar und an ihrer N utzung ein ununterbrochenes In- teresse besteht. Das G ebäudevolum en darf nur so w eit w ieder auf- gebaut w erden, dass es die nach A bsatz 3 zulässige Fläche um fassen kann. A bsatz 3 Buchstabe a ist nicht anw endbar. Sofern dies objektiv geboten erscheint, darf der Standort der Ersatzbaute oder -anlage von dem jenigen der früheren Baute oder Anlage geringfügig abw ei- chen. Art. 43a RPV Gemeinsame Bestimmungen Bewilligungen nach diesem Abschnitt dürfen nur erteilt werden, w enn: a. die Baute für den bisherigen zonenkonformen oder standortgebun- denen Zweck nicht mehr benötigt wird oder sichergestellt wird, dass sie zu diesem Zweck erhalten bleibt; b. die neue Nutzung keine Ersatzbaute zur Folge hat, die nicht notw en- dig ist; c. höchstens eine geringfügige Erw eiterung der bestehenden Er- schliessung notw endig ist und säm tliche Infrastrukturkosten, die im Zusammenhang mit der bewilligten Nutzung anfallen, auf die Eigentümerin oder den Eigentümer überw älzt w erden;11/22 Raumordnung PVG 2016 180 d. die landw irtschaftliche Bew irtschaftung der umliegenden Grund- stücke nicht gefährdet ist; e. keine überw iegenden Interessen entgegenstehen. c) Vorliegend geht es hauptsächlich um die Beurteilung, ob eine zumindest partielle Wohnnutzung in der Kochhütte recht- mässig vorbestanden hat und ob die lan d w irtsch aftlich e Tempo- rärbaute bestimmungsgemäss nutzbar ist. Hat eine – wenn auch nur sehr rudimentäre bzw. ursprünglich primitive – Wohnnutzung in der b etreffen d en Kleinbaute (Raumfläche 15,25 m 2) zulässiger- weise bestanden, so käme die Bestandesgarantie gemäss A rt. 24c RPG und somit der Grundsatz «Wohnen bleibt Wohnen» zur A n - wendung, solange zwischenzeitlich das fragliche Gebäude nicht einer anderen Nutzung zugeführt wurde. Wäre eine frühere Wohn- nutzung bzw. die Rechtmässigkeit einer früheren Wohnnutzung zu verneinen, so läge von Beginn weg ein Fall einer zonenwidrigen Umnutzung vor, die in der Regel nicht bewilligt werden könnte (vgl. dazu das Urteil des Verwaltungsgerichtes des Kantons Grau- bünden [VGU] R 15 3 vom 24. September 2015 E.3c mit weiteren Hinweisen). Bei der hier behaupteten vorbestehenden Wohnnut- zung handelt es sich offensichtlich um eine solche als temporäre lan d w irtsch aftlich e Wohnbaute durch die Voreigentümer. Nachfol- gend ist somit die Frage zu b ean tw o rten , wie dieser frühere, zeit- weilige Aufenthalt im fraglichen Gebäude im Dienste der A lp - und Lan d w irtsch aft aus heutiger Sicht zu w erten ist. d) Die Beschwerdegegnerin macht im Wesentlichen gel- tend, die fragliche Kochhütte sei keine bestimmungsgemäss nutz- bare Baute. Für die Umschreibung der bestimmungsgemässen Nutzbarkeit stützt sie sich auf die Umschreibung aus einem Ent- scheid des damaligen Departem ents des Innern und der Volkswirt- schaft Graubünden (DIV) vom 15. September 1993, welcher noch unter dem Regime des KRG 1973 und der KRVO 1986 ergangen ist. Gemäss dieser Umschreibung verlangte das Verwaltungsgericht, damit eine Wohnbaute bestimmungsgemäss nutzbar sei, dass «die tragenden Konstruktionen, Fussböden und das Dach mehrheitlich intakt, Fenster und Türen vorhanden, Kücheneinrichtungen, wenn auch äusserst einfach, und Kaminanlage betriebstüchtig, zumin- dest aber sanierungsbedürftig» seien. Die Baute müsse, gemessen an ihrer Zwecksetzung, noch betriebstüchtig sein. Das ARE führt in seiner Vernehmlassung vom 18. Januar 2016 aus, dass gemäss konstanter Praxis des Verwaltungsgerichtes11/22 Raumordnung PVG 2016 181 dann von einer vorbestandener Wohnnutzung auf Maiensässstufe ausgegangen werden könne, wenn die fragliche Baute im Regelfall unter anderem über eine einfache Feuerstelle, eine entsprechend dimensionierte separate Türöffnung sowie allenfalls auch über Fenster verfüge. Anzeichen für eine vorbestandene Wohnnutzung könnten aber auch die historische Zweckbestimmung und die B e- sch affen h eit der Baute als Ganzes inklusive ihrer baulichen Umge- bung resp ektive die Distanz zur nächsten, permanent bewohnten Siedlung bilden. Auch solche Indizien könnten darauf schliessen lassen, dass in der H ü tte während der Heuernte resp ektive Ausfüt- terungszeit geschlafen worden sei. Weitere Anhaltspunkte, die auf eine vorbestandene Wohnnutzung hindeuteten, könnten sich auch aus Sachverständigengutachten sowie aufgrund der Aussagen von Zeitzeugen ergeben. Als bestimmungsgemäss nutzbar gälten lan d w irtsch aftlich e Temporärwohnbauten praxisgemäss dann, so - fern unter anderem die Fundamente, die Tragkonstruktion und das Dach mehrheitlich in takt und die Feuerstelle, wenn auch altertü m - lich und sanierungswürdig, so doch vorhanden seien. Insgesamt müsse der Zustand des gesamten Gebäudes den Schluss zulassen, dass dieses in seinen Grundfesten noch solide sei. e) Im Kern ist die verwaltungsgerichtliche Praxis bezüglich der bestimmungsgemäss nutzbaren lan d w irtsch aftlich en Tem- porärwohnbauten folglich gleich geblieben. Wenn das streitberu- fene Gericht im Urteil R 15 3 vom 24. September 2015 unter ande- rem ausgeführt hat, dass die Existenz von Fenstern, eine gewisse Entfernung von der nächsten permanent bewohnten Siedlung, das Vorhandensein einer Feuerstelle, die Dimensionierung der Türöff- nung und die historische Zweckbestimmung Indizien für eine tem- poräre lan d w irtsch aftlich e Wohnnutzung seien, zeigt sich eben, dass neben der Sanierungswürdigkeit auch andere Beweismittel resp ektive Gegebenheiten eine Rolle für die bestimmungsgemäs- se Nutzbarkeit spielen können. Im vorliegenden Fall liegen die Dif- ferenzen zw isch en der Beschwerdegegnerin und dem A R E denn auch weniger in einer unterschiedlichen Praxis, sondern vielmehr in der Beurteilung der bestehenden Situation. • Die Beschw erdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, dass für die Feuerstelle kein objektiv nachvollziehbarer Nachweis vorliege. Insbesondere fehlten Russablagerungen, w elche auf eine Kochstel- le hindeuten w ürden. Sodann weise der einfache Tisch weniger auf eine Wohnnutzung als vielmehr auf eine Gelegenheitsessstelle hin, wo bei schlechter W itterung eine Verpflegung eingenommen w orden11/22 Raumordnung PVG 2016 182 sei. Weiter fehle der Hinweis auf eine Schlafgelegenheit. In traditio- nellen Prättigauer M aiensässhütten der gleichen Grössenordnung habe üblicherw eise im Viehstall ein sogenanntes Borbett bestanden, für w elches hier entsprechende Hinweise fehlten. Solche Schlafge- legenheiten im Viehstall w ürden aber auch bei Vorhandensein als Notschlafstelle erachtet und nicht als Wohnnutzung qualifiziert. Es sei unwahrscheinlich, dass der hinterliegende, bergseitige und fens- terlose Raum als Schlafgelegenheit gedient habe. Schliesslich fänden sich auch in der Schätzungseröffnung vom 14. Mai 2008 und in der Handänderungsanzeige vom 3. M ärz 2010 keine Hinweise auf eine Verwendung des Anbaus für W ohnzw ecke. Die vorbestandene Wohn- nutzung der Stallanbaute sei nicht nachgew iesen. • D em gegen ü b er ist das A R E der A n sich t, d ass die Fundamente und die Tragkonstruktion re sp e ktive das D ach mehrheitlich in ta kt resp ek- tive san ieru n gsw ü rd ig seien. Fern er verfü ge die H ü tte über einen se - paraten Eingang und im vorderen w estlich en Teil über eine einfache K o ch gelegen h eit. Zudem sei gem äss glaubwürdiger A u ssage d es B e - sch w erd efü h rers im hinteren ö stlich en Teil der K o ch h ü tte während der Erntezeit und beim A u sfü tte rn gelegen tlich gesch lafen worden. Folglich sei die b estim m u n gsgem ässe N u tzb arkeit der K o ch h ü tte zu bejahen. f) Anhand der bei den A kte n liegenden R ech tssch riften und Entscheidungsgrundlagen erscheint die Darstellung des fachkundi- gen ARE, wonach eine vorbestandene, bestimmungsgemäss nutz- bare Wohneinrichtung vorliegt, grundsätzlich als nachvollziehbar und plausibel. Dies zumal die Position des A R E auch von F. ge stü tzt wird, welcher − obschon er vorliegend ein Parteigutachten abgegeben hat − als ausgewiesener und anerkannter Fachmann für die Typisierung und die Charakterisierung alter Nutz- und Wohn- bauten in Berggebieten gilt. Das A R E und F. erachten die Bau- te insgesamt als sanierungswürdig. Nach A u ffassu n g des A R E ist die Feuerstelle (wenn auch ohne Abzug) genauso vorhanden wie auch der separate Eingang. Dem Umstand, dass die Baute fenster- los ist, misst das A R E keine Bedeutung bei, weil es im Walsergebiet auch fensterlose Wohnformen (z. B. Kleinsennereien) gibt (vgl. VGU R 15 3 vom 24. September 2014 E.3d ). Die Distanz zum besiedel- ten Gebiet wird nicht thematisiert, wohl weil es sich bei der Baute um eine typ isch e Prättigauer Vorwinterungsbaute mit geringerem A b stan d zum D o rf handelt als bei einer Maiensässbaute (vgl. G io - v a n o l i, A lp s cherm en und Maiens äs s e in G raubünden, 2. A ufl., B ern11/22 Raumordnung PVG 2016 183 2004, S. 3 3 4 ). U n b estritten ist zudem, dass die fragliche Baute bis 1970 lan d w irtsch aftlich gen u tzt wurde. Der Umstand, dass in der Schätzungseröffnung vom 14. Mai 2008 einzig ein Stall figuriert und auch in der Handänderungsanzeige vom 3. März 2010 nur von ei- nem Ökonomiegebäude die Rede ist, ist nicht massgebend, da die- se B egriffe von den entsprechenden Behörden anders resp ektive nicht technisch im Sinne der Raumplanung verwendet werden. Um le tzte Zweifel auszuräumen, erschien dem Gericht ein Augenschein angezeigt. Anlässlich der Ortsbegehung sollte die Gesamtsitua- tion der Baute betrachtet und analysiert werden; neben den Indizien zugunsten einer vorbestehenden temporären lan d w irtsch aftlich en Wohnnutzung sollte dabei insbesondere auch die vorbestehende Wohnnutzung und die bestimmungsgemässe Nutzbarkeit des hin- teren östlichen Teils der Kochhütte gep rü ft werden, in welchem ge- mäss Aussagen des Beschwerdeführers während der Erntezeit und beim A u sfü ttern gelegentlich geschlafen worden sei. g) Am 8. April 2016 fü h rte die 5. Kammer des Verwaltungs- gerichtes einen Augenschein durch und besichtigte den aktuellen Ausbaustandard der strittigen Baute. Das Gericht ist dabei zur Überzeugung gelangt, dass der bisher aufgrund der A kte n gewon- nene Eindruck, wonach die Existenz einer früheren temporären lan d w irtsch aftlich en Wohnnutzung zu bejahen sei − zumindest für den westlichen Teil der Kochhütte (im Bestandesplan «Grundrisse, Schnitt + Fassaden» vom 14. April 2015 als «Wohnküche» bezeich- net) − b estätigt werden kann. Insbesondere hat der Augenschein gezeigt, dass die Fundamente und die Tragkonstruktion sowie das Dach der Kochhütte mehrheitlich in takt resp ektive zumindest sa- nierungswürdig sind. Ferner stellte das Gericht fest, dass die frag- liche Kochhütte über einen separaten Eingang sowie über eine einfachste Kochgelegenheit (ohne Rauchfang) und eine Tisch - und Sitzgelegenheit verfü gt. Demnach ist die vorbestehende Wohn- nutzung und die bestimmungsgemässe Nutzbarkeit bezüglich des westlichen Teils der Kochhütte (Wohnküche) mit einer Wohnfläche von 7,93 m 2 (= 2,6 m [gemessen Aussenwand bis M itte Trennwand] x 3,05 m) in Übereinstimmung mit dem A R E und dem ausgewiese- nen Exp erten F. zu bejahen. Nicht gefolgt werden kann der in der Vernehmlassung des A R E vom 18. Januar 2016 vertretenen A u ffassu n g bezüglich des östlichen Teils der Kochhütte (im Bestandesplan «Grundrisse, Schnitt + Fassaden» vom 14. April 2015 als «Schlafraum» bezeich- n et), für welchen das A R E die vorbestehende, bestimmungsge- mässe Wohnnutzung ge stü tzt auf die Aussagen des heutigen B e -11/22 Raumordnung PVG 2016 184 schwerdeführers, wonach im hinteren östlichen Teil der Kochhütte während der Erntezeit und beim A u sfü ttern gelegentlich geschla- fen worden sei, ebenfalls bejaht hat. Wie der als A u sku n ftsp erso n beigezogene F. anlässlich des Augenscheins vom 8. April 2016 nämlich einleuchtend und schlüssig darlegte, war es früher im Prättigau üblich, dass die Leute in den Ställen und nicht in den Kochhütten geschlafen haben. Dementsprechend qualifizierte F. den östlichen Teil der Kochhütte denn auch als (M ilch -)K el- ler und nicht als Schlafraum. Dieser A u ffassu n g vermag sich das Gericht anzuschliessen. Selbst wenn es sich bei den im östlichen Teil der Kochhütte deponierten Holzbalken um ein demontiertes B ettgestell handeln sollte, gilt es vorliegend doch zu beachten, dass − wie F. in seinem Schreiben an den Beschwerdeführer vom 12. November 2015 zu Recht ausführt − im fraglichen östlichen Teil der Kochhütte die Ablagen für die Milchlagerung teilweise noch vorhanden sind, wovon sich das Gericht anlässlich des Au- genscheins vom 8. April 2016 überzeugen konnte. Sodann musste der Beschwerdeführer am erwähnten Augenschein selber einge- stehen, dass er nicht beweisen könne, dass im östlichen Teil der Kochhütte früher tatsächlich geschlafen worden sei. Und schliess- lich hat der Beschwerdeführer anlässlich des Augenscheins auch auf einen Stan d o rt im Stall hingewiesen, wo früher angeblich ein B o rb ett gestanden habe. Davon ausgehend, dass eine solche Not- schlafstelle im Viehstall tatsächlich b estan d en hat, ist eine weitere Schlafgelegenheit in der Kochhütte nicht nahe liegend und eher zu verneinen. Nach dem Gesagten ergibt sich für das Gericht, dass es sich beim östlichen Teil der Kochhütte vielmehr um einen (M ilch -) Keller als einen Schlafraum gehandelt hat. Dementsprechend ist aber die vorbestehende Wohnnutzung und die bestimmungsge- mässe Nutzbarkeit bezüglich dieses Teils der Kochhütte mit einer Wohnfläche von 7,32 m 2 (= 2,4 m [gemessen Aussenwand bis M itte Trennwand] x 3,05 m) zu verneinen. Nur am Rande sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass auch E. (Kreisplaner des ARE) an- lässlich des Augenscheins vom 8. April 2016 explizit b estätigt hat, dass die Frage, ob im östlichen Teil der Kochhütte früher tatsächlich übernachtet worden sei, von entscheidender Bedeutung sei, weil die entsprechende Fläche nur bei einer e ffe ktiv vorbestehenden Wohnnutzung BGF-anerkannt sei. Weil dieser Nachweis im vorlie- genden Verfahren aber nicht erbracht wurde, ist die vorbestehende Wohnnutzung des östlichen Teils der Kochhütte zu verneinen. h) Zusammenfassend lässt sich nach dem vorstehend G e- sagten festhalten, dass die vorbestandene Wohnnutzung und die11/22 Raumordnung PVG 2016 185 bestimmungsgemässe Nutzbarkeit der Kochhütte bezüglich des westlichen Teils der Baute im Umfang von 7,93 m 2 zu bejahen ist, während die vorbestandene, bestimmungsgemässe Wohnnutzung bezüglich des östlichen Teils der Baute mit einer Fläche von 7,32 m 2 verneint werden muss. Dementsprechend kann aber nicht die ge- samte Fläche der Kochhütte von 15,25 m 2 (5 m x 3,05 m ), sondern nur die Fläche des westlichen Teils der Kochhütte im Flächenmass von 7,93 m 2 (2,6 m x 3,05 m ), der massgeblichen BGF zugerechnet werden. 5. Zu prüfen bleibt, ob der geplante Abbruch und Wieder- aufbau der betreffenden, an der Nordseite des Stalls angebauten und ursprünglich landwirtschaftlich genutzten Kochhütte auf der Südseite des Stalls, einschliesslich der vorgesehenen Erweiterung der Wohnnutzung nach innen zu Ferien-/Wochenendzwecken, be- willigungsfähig ist. a) Wie gesehen (vgl. vorstehend E.4b) können b estim - mungsgemäss nutzbare Bauten ausserhalb der Bauzonen gemäss A rt. 24c A b s. 2 und 3 RPG ern eu ert, teilweise geändert, massvoll erw eitert oder wiederaufgebaut werden, sofern sie rechtmässig er- stellt oder geändert worden sind, das Vorhaben mit den wichtigen Anliegen der Raumplanung vereinbar ist (A rt. 24c A b s. 5 RPG) und auch die übrigen Bewilligungsvoraussetzungen nach A rt. 4 3 a RPV gegeben sind. Eine Änderung gilt als teilweise und eine Erw eite- rung als massvoll, wenn die Identität der Baute oder Anlage ein- schliesslich ihrer Umgebung in den wesentlichen Zügen gewahrt bleibt, wobei Verbesserungen gestalterischer A rt zulässig sind (A rt. 42 A b s. 1 R P V ). Gemäss A rt. 42 A b s. 3 lit. a RPV d arf im G e - bäudeinnern die anrechenbare BGF um höchstens 60 % erw eitert werden. Eine Baute d arf nur dann wieder aufgebaut werden, wenn sie im Zeitpunkt des Abbruchs noch bestimmungsgemäss nutzbar war und an ihrer Nutzung ein ununterbrochenes Interesse b esteh t. Sofern es objektiv geboten erscheint, d arf der Stan d o rt der Ersatz- baute oder -anlage von demjenigen der früheren Baute oder Anla- ge geringfügig abweichen (A rt. 42 A b s. 4 R P V ). In Frage kommen dafür etw a p olizeiliche oder äs thetis che G ründe (Wa l d ma n n /H ä n n i, Stämpflis Handkommentar SHK zum Raumplanungsgesetz [R P G ], Bern 2006, A rt. 24c Rz. 2 3 ). b) Nach dem vorstehend unter Erwägung 4 Gesagten ist die vorbestandene Wohnnutzung und die bestimmungsgemässe Nutzbarkeit der Kochhütte bezüglich des westlichen Teils der Baute im Umfang von 7,93 m 2 zu bejahen. U n b estritten gegeben ist so - dann auch das ununterbrochene Interesse an der Nutzung der frag-11/22 Raumordnung PVG 2016 186 lichen Baute. Wie der Augenschein vom 8. April 2016 gezeigt hat, grenzt die Kochhütte nahe an ein steil abfallendes Tobel und liegt unmittelbar am Waldrand. Dementsprechend rech tfertigen die objektiven Gegebenheiten (Absturzgefahr, Gefahr durch nieder- stürzende Ä ste und Bäume) eine geringfügige Verschiebung der Kochhütte von der Nordseite an die Südseite des Stalls. Gemäss F. bewahrt das fragliche Bauprojekt die historische G estalt und ein stufenkonformes Aussehen der Baute und p asst sich über- dies gut in das bestehende Lan d sch aftsb ild ein (vgl. das Schreiben von F. an den Beschwerdeführer vom 12. November 2015 S. 2). Schliesslich ist die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der umliegenden Grundstücke durch das Bauprojekt unbestritten nicht gefährdet, weshalb der geplante Abbruch der an der Nordseite des Stalls liegenden Kochhütte und der Wiederaufbau derselben an der Südseite des Stalls − im Grundsatz − nicht zu beanstanden ist. Zu beachten gilt es jedoch, dass die vorbestehende, b e - stimmungsgemässe Wohnnutzung der Kochhütte lediglich bezüg- lich des westlichen Teils der Baute mit einer Fläche von 7,93 m 2 zu bejahen ist (vgl. vorstehend E.4). Dementsprechend steht für die fragliche Ersatzbaute auf der Südseite des Stalls aber lediglich eine BGF von 7,93 m 2 bzw. für die vorgesehene Erweiterung der Wohn- nutzung nach innen zu Ferien -/W o ch en en d zw ecken bloss eine sol- che von 4,76 m 2 (6 0 % von 7,93 m 2 gemäss A rt. 42 A b s. 3 lit. a R P V ), gesam th aft somit eine BGF von 12,69 m 2, zur Verfügung. Für ein redimensioniertes Projekt unter Beachtung und Einhaltung dieser Flächenmasse h ätte der Beschwerdeführer − soweit auch die ü b - rigen Baubewilligungsvoraussetzungen (z. B. hinsichtlich Ästhetik) erfüllt sind − Anspruch auf Erteilung der Baubewilligung. Alterna- tiv stünde es dem Beschwerdeführer auch frei, auf die vorgese- hene Erweiterung der Wohnnutzung nach innen zu verzichten und stattd e sse n ge stü tzt auf A rt. 42 A b s. 3 lit. b RPV eine Erweiterung ausserhalb des bestehenden Gebäudevolumens von maximal 30 % zu realisieren. Für ein solches Bauprojekt stünde dem Beschwerde- führer gesam th aft eine BGF von 10,31 m 2 (= 7,93 m2 x 1,3) zur Ver- fügung. Nur am Rande sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass es dem Beschwerdeführer im Rahmen der Bestandesgarantie darüber hinaus auch freistünde, im Umfang der Fläche des östlichen Teils der Kochhütte von 7,32 m 2, für welchen die vorbestehende Wohn- nutzung − wie gesehen − zu verneinen ist, einen «Abstellraum» zu realisieren, welcher indes nicht zu Wohnzwecken gen u tzt werden d ü rfte . Die Entscheidung, ob der Beschwerdeführer unter den ge- gebenen Umständen ein neues Projekt mit redimensionierten Flä-11/22 Raumordnung PVG 2016 187 chenmassen einreichen oder auf das Projekt verzichten möchte, steht ihm selbstverständlich frei. 6. a) Zusammenfassend ergibt sich nach dem vorstehend Gesagten, dass die vorbestehende Wohnnutzung und die bestim- mungsgemässe Nutzbarkeit bezüglich des westlichen Teils der Kochhütte mit einer Wohnfläche von 7,93 m 2 zu bejahen ist, wäh- rend die vorbestehende, bestimmungsgemässe Wohnnutzung bezüglich des östlichen Teils der Kochhütte mit einer Fläche von 7,32 m 2 verneint werden muss. Im Grundsatz nicht zu beanstanden ist der geplante Abbruch der an der Nordseite des Stalls liegenden Kochhütte und der Wiederaufbau derselben an der Südseite des Stalls, wobei zu beachten ist, dass für die fragliche Ersatzbaute auf der Südseite des Stalls lediglich eine BGF von 7,93 m 2 bzw. für die vorgesehene Erweiterung der Wohnnutzung nach innen zu Ferien-/ Wochenendzwecken bloss eine solche von 4,76 m 2 zur Verfügung steht. Alternativ stünde es dem Beschwerdeführer − wie gesehen − auch frei, auf die vorgesehene Erweiterung der Wohnnutzung nach innen zu verzichten und stattdessen gestützt auf Art. 42 Abs. 3 lit. b RPV eine Erweiterung ausserhalb des bestehenden Gebäudevolu- mens von maximal 30 % zu realisieren. Darüber hinaus stünde es dem Beschwerdeführer im Rahmen der Bestandesgarantie auch frei, im Umfang der Fläche des östlichen Teils der Kochhütte von 7,32 m 2 einen nicht zu Wohnzwecken genutzten «Abstellraum» zu realisieren. Die Beschwerde erweist sich somit als teilweise be- gründet, was zur teilweisen Gutheissung derselben im Sinne der Erwägungen und zur Aufhebung des angefochtenen Bauentscheids vom 27., mitgeteilt am 28. Oktober 2015, führt. R 15 95 Urteil vom 12. April 2016