Motion Portmann 1508 N 18 septembre 1991 #ST# 89.709 Interpellation Bäumlin Einhaltung der Anti-Folter-Konvention durch die Schweiz Respect de la Convention internationale sur la torture Diskussion - Discussion Siehe Jahrgang 1990, Seite 739 - Voir année 1990, page 739 Frau Bäumlin: Ich kann dort weiterfahren, wo ich vorhin bei den Uno-Menschenrechtspakten aufgehört habe. Ich habe dort schon gesagt, dass Menschenrechtspolitik nie fertig sein kann, sondern die verschiedensten Facetten hat, die wie in ei- nem Kaleidoskop in verschiedensten Mustern erscheinen. Ei- ner der für mich wichtigsten Aspekte der Menschenrechte ist derjenige der Sorgfalt, mit der mit in ihren Menschenrechten Verletzten und Bedrohten umgegangen wird. In diesem heik- len Bereich war ich von der Antwort des Bundesrates auf meine Interpellation nicht befriedigt, weil zu den konkreten Fragen und Fällen, die ich in dieser Interpellation formuliert hatte, nur formal und mit Absichtserklärungen Stellung ge- nommen wurde. Zum zweiten war ich von der Antwort des Bundesrates nicht befriedigt, weil mein oder unser Malaise bezüglich Sorgfalt beim Non-refoulement weniger das Departement für auswär- tige Angelegenheiten betrifft als das EJPD. Ich habe deswe- gen grosse Mühe, die Antwort des Bundesrates, besonders zu meiner Frage 5, zu akzeptieren, wo er schreibt, der DFW - diese Interpellation wurde vor zwei Jahren eingereicht und auch beantwortet -, der Delegierte für das Flüchtlingswesen also, prüfe sorgfältig, ob es Gründe zur Annahme gebe, dass Asylbewerber eine Behandlung riskierten, welche gegen die Menschenrechte verstosse. Vor allem im Stadium der Beschwerde findet eben alles an- dere als eine Zusammenarbeit mit den Hilfswerken und zum Beispiel Amnesty International statt. Der DFW heisst heute nicht mehr so, aber der Beschwerdedienst ist noch nicht durch die unabhängige Beschwerdeinstanz - sie heisst heute ARK, Asyl-Rekurskommission - ersetzt. Meine diesbezügli- chen Erfahrungen sind so unerfreulich wie vor zwei Jahren. Das bewog mich seinerzeit, mich spontan als nicht befriedigt zu erklären. In einem Bereich wäre vielleicht teilweise befrie- digt als Einschätzung möglich gewesen, weil die Antwort des Bundesrates immerhin das Eingeständnis enthält, dass Ein- zelfälle schiefgehen können und auch schiefgehen, wie wir wissen. Er hat zudem für diese Fälle Entschädigung angekün- digt. Aber eine solche Entschädigung ist natürlich ziemlich mickerig, wenn sie erst expost, also im nachhinein, erfolgt. Das bedeutet im konkreten Fall, den wir angesprochen hatten, im Fall des jugoslawischen Asylbewerbers, der zurückge- schafft wurde, erst nach sechs Jahren, wenn er seine Gefäng- nisstrafe abgesessen hat, für die wir ihn von der Schweiz aus- geliefert haben. Die Schweiz könnte sich punkto Entschädigung, zum Beispiel an die Familien der Betroffenen, in einem früheren Stadium wirklich etwas einfallen lassen. Sie sollte nicht vorder Ausrich- tung einer solchen Entschädigung noch ein Verfahren beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof einbauen, das die Eingekerkerten oder Untergetauchten gar nicht in Gang set- zen können. Einer der anderen genannten Fälle in meiner Interpellation, der Fall des Kurden Veli Tasch, hat sich in den letzten zwei Jah- ren folgendermassen entwickelt: Veli Tasch ist nach grossem Einsatz von Flüchtlingsorganisationen in die Schweiz zurück- gekehrt und hat ein Aufenthaltsrecht erhalten - er ist in der Tür- kei gefoltert worden. Ich stelle die Frage an Sie, ob Folterun- gen wirklich entschädigt werden können und ob eine Aufent- haltsbewilligung eine angemessene Entschädigung für Folte- rung sein kann. Menschenrechte sollten meines Erachtens deswegen je län- ger, je mehr folterpräventive Wirkung entfalten können, auch für die wirklich und ganz konkret Betroffenen. Wenn sich das EDA, das Departement für auswärtige Angele- genheiten, in diesem Sinne vermehrt einsetzen wird und den Rechtsformalismus des EJPD zurückbindet, bin ich ausseror- dentlich dankbar. Ein Anlass dazu könnte ein selbstkritischer Bericht vor dem Uno-Ausschuss gegen die Folter 1993 sein, wie ihn der Bundesrat in seiner Botschaft angekündigt hat. Da- für würde ich bereits heute danken und ankündigen, dass ich dann keine Interpellation deponieren müsste. M. Felber, conseiller fédéral: Je serai bref dans la mesure où les cas qui ont suscité l'interpellation de Mme Bäumlin sont ceux dont nous avons reconnu l'existence, qui n'étaient pas le fait d'une politique volontaire d'expulsion mais qui ont, malgré les contrôles effectués, abouti à des échecs. Nous pouvons simplement ajouter que nous avons donné les instructions, en accord avec le Délégué aux réfugiés et le Département fédéral de justice et police, afin que, dans tous les cas d'expulsion re- lativement douteux, nous puissions analyser la situation de manière plus précise. Cela n'est pas si facile. Il y aura malheu- reusement toujours quelques erreurs d'appréciation, mais nous essayons de les limiter. Le cas qui a suscité votre interpellation, soit celui d'un Yougo- slave, M. Janus Salihi en particulier, semble avoir été réglé. Nous avons reconnu l'erreur commise. En effet, nous n'au- rions pas dû le renvoyer, malgré les avis positifs que nous avions reçus. Il semble que ce monsieur, suite à de nombreu- ses interventions de notre pays, ait bénéficié d'une remise de peine et devrait, selon nos informations, non confirmées ce- pendant, être aujourd'hui libéré. Telle est la voie dans laquelle nous tenterons de nous engager afin de limiter les cas les plus tragiques. Cependant, il est par- fois difficile de pénétrer au coeur du problème. On peut nous faire des promesses et ne pas les tenir. #ST# 90.326 Motion Portmann Mitwirkung der Gewalten bei der Sicherheits- und Staatsvertragspolitik der Schweiz Politique de sécurité et traités avec l'étranger. Participation active du Parlement Wortlaut der Motion vom 7. Februar 1990 Der Bundesrat wird eingeladen, die zusammenhängenden Ar- tikel 85 Ziffer 6 und 7 sowie 102 Ziffer 8 und 9 unseres Grund- gesetzes, wie sie seit der ersten Verfassung von 1848 unverän- dert lauten, neugefasst so vorzulegen, dass sie einerseits die heutige Verfassungswirklichkeit prospektiv einfangen und an- dererseits festschreiben, dass die Bundesversammlung -als oberste Gewalt im Staat - an der Bildung neuen Staatsver- tragswillens von Anfang an bestimmend mitwirkt, wenn es um die Sicherheit und um die Stellung der Schweiz in Europa und in der Völkerfamilie geht. Texte de la motion du 7 février 1990 Le Conseil fédéral est chargé de présenter une nouvelle ver- sion des articles 85, chiffres 6 et 7, et 102, chiffres 8 et 9, de no- tre constitution, articles dont la teneur n'a pas changé depuis l'adoption de notre première constitution en 1848, de sorte qu'ils tiennent compte d'une part de la réalité constitutionnelle d'aujourd'hui et qu'ils stipulent d'autre part que l'AssembléeSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Bäumlin Einhaltung der Anti-Folter-Konvention durch die Schweiz Interpellation Bäumlin Respect de la Convention internationale sur la torture In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1991 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 03 Séance Seduta Geschäftsnummer 89.709 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 18.09.1991 - 08:00 Date Data Seite 1508-1508 Page Pagina Ref. No 20 020 292 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.