B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7683/2015 U r t e i l v o m 1 7 . O k t o b e r 2 0 1 7 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richterin Mia Fuchs, Richter David R. Wenger, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am (…), palästinensischer Herkunft aus Syrien, alle vertreten durch lic. iur. Ricardo Lumengo, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des SEM vom 23. Oktober 2015 / N (…). E-7683/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden – gemäss eigener Darstellung aus dem Flücht- lingslager B._______ stammende Staatenlose palästinensischer Ethnie – reisten am (…) November 2013 zusammen mit ihrer Ehefrau beziehungs- weise Mutter in die Schweiz ein und stellten am 9. November 2013 im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ Asylgesuche. Am 25. No- vember 2013 fand die Kurzbefragung zur Person (BzP) im EVZ und am 19. Juni 2015 die Anhörung z u den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) des Beschwerdeführers 1 statt. B. B.a Der Beschwerdeführer 1 brachte anlässlich der Befragung zur Person zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen vor, er habe den Mi- litärdienst in der palästinens ischen Befreiungsarmee in Syrien von 1995 bis (…) 1997 absolviert. Das Haus seiner Familie sei mehrmals beschos- sen worden. Anhänger des syrischen Regimes hätten seinen Bruder er- schossen und seine ältere Schwester verhaftet ; seither hätten sie nichts mehr von ihr gehört. Er habe die letzten vier bis fünf Monate vor seiner Ausreise bei der Versorgung von Verletzten und der Bergung von Leichen im Lager B._______ sowie in anderen Stadtteilen von Damaskus geholfen. Er wisse nicht, ob er des wegen von den syrisch en Behörden gesucht werde. Am (…) 2012 seien er und seine Ehefrau mit den Kindern legal per Flugzeug von Syrien nach D._______ gereist. Nach einigen Tagen seien sie nach Libyen weitergereist, wo sie sich etwa ein Jahr aufgehalten hätten. Ungefähr am (…) Oktober 2013 seien sie auf einem Boot nach Lampedusa gefahren, von wo sie von den italien ischen Behörden nach Sizilien ge- bracht worden seien. Von dort aus seien sie per Zug in die Schweiz weiter- gereist. B.b Im Rahmen der Anhörung gab der Beschwerdeführer 1 zu Protokoll, er habe sich etwa ein Jahr vor seiner Ausreise der „Al -Hurr-Armee“ (al-Jaysh as-Sūrī al-Ḥurr; Freie Syrische Armee) angeschlossen, wobei er in erster Linie bei der Versorgung von verletzten Armeeangehörigen und Zivilpersonen geholfen habe. Im Rahmen seiner Tätigkeit für die „Al-Hurr- Armee“ habe er auch an Kämpfen gegen die Regierungsarmee teilgenom- men; insbesondere habe er auf Regimeangehörige geschossen, um den Zugang zu Verletzten und zu Leichen zu erzwingen . Mitglieder des Re- gimes hätten zweimal, ungefähr im (…) und im (…) 2012, das Haus seiner E-7683/2015 Seite 3 Familie sowie andere Häuser in ihrem Quartier auf der Suche nach be- stimmten Personen durchsucht. Er sei im Zeitpunkt beider Hausdurchsu- chungen nicht zu Hause gewesen . Er habe vermutet, dass er gesuc ht werde. Seine Angehörigen hätten ihm zur Flucht geraten, weil er der ein- zige Versorger seiner Familie gewesen sei. Ihre Ausreise sei nur mit Hilfe eines bestochenen Geheimdienstbeamten am Flughafen möglich gewe- sen, weil er nicht im Besitz des aufgrund seines Alters für die Ausreise ei- gentlich notwendigen Visums gewesen sei. B.c Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden nebst Identitätspapieren (syrische Reisedokumente für palästinensische Flüchtlinge, provisorische Aufenthaltsbewilligungskarten für Palästinenser, Familienbüchlein, Family Registration Card der United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East [UNRWA], UNRWA- Registrierungskarte des Beschwerdeführers) das Militärbüchlein des Be- schwerdeführers 1, Dokumente betreffend den geleisteten Militärdienst und die Entlassung aus dem Militärdienst sowie einen Todesschein des Vaters des Beschwerdeführers 1 zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 23. Oktober 2015 (eröffnet am 27. Oktober 2015) stellte das SEM fest, d ie Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigen- schaft nicht erfüllen, wies ihre Asylgesuche ab und ordnete die Weg - weisung aus der Schweiz an. Hingegen verfügte es, dass der Vollzug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Auf- nahme aufgeschoben werde. D. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 26. November 2015 erhoben die Beschwerdeführenden – gemeinsam mit ihrer Ehefrau respektive Mutter – Beschwerde gegen die Verfügung der Vorinstanz und beantragten, diese sei soweit die Frage des Asyls betreffend aufzuheben und sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. E. Mit Eingabe vom 1. Dezember 2015 machten die Beschwerdeführenden ergänzende Angaben, insbesondere zum G esundheitszustand des Be- schwerdeführers 1. In der Beilage wurde ein Arztbericht des Schweizeri-E-7683/2015 Seite 4 schen Roten Kreuzes vom 20. November 2015 betreffend den Beschwer- deführer und eine Fürsorgebestätigung des Kompetenzzentrums Integra- tion vom 26. November 2015 zu den Akten gereicht. F. Mit Zwischenverfügung vom 3. Dezember 2015 hiess der Instruktionsrich- ter das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlas- sung eingeladen. G. Mit Vernehmlassung vom 15. Dezember 2015 hielt die Vorinstanz an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. H. Der Instruktionsrichter räumte den Beschwerdeführenden mit Instruktions- verfügung vom 17. Dezember 2015 Gelegenheit zur Replik ein. Die Beschwerdeführenden liessen sich innert Frist nicht vernehmen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-7683/2015 Seite 5 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz stellte si ch zur Begründung ihrer Verfügung auf den Standpunkt, die Ausführungen des Beschwerdeführers 1 zu den Haus- durchsuchungen in seinem Quartier, bei welchen er vermutlich durch Re- gimevertreter gesucht worden sei, seien sehr vage, allgemein und unsub- stanziiert ausgefallen. Auch den diesbezüglichen Schilderungen seiner Ehefrau liessen sich keine konkreten Anhaltspunkte für eine gezielte Suche nach dem Beschwerdeführer entnehmen. Es könne davon ausgegangen werden, dass die Behördenvertreter sich diesfalls explizit an seine Ehefrau E-7683/2015 Seite 6 gewendet hätten; zudem sei die Wohnung der Beschwerdeführenden ge- mäss ihren Angaben eine von vielen gewesen, die durchsucht worden seien. Die Angaben des Beschwerdeführers 1 zu den Gründen für die Su- che der Behörden nach ihm und insbesondere zu seinem angeblichen En- gagement für die Al-Hurr-Armee seien knapp und unsubstanziiert . Es sei ihm somit nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass er von den syrischen Behörden gesucht werde. Die Angaben des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau zu den Hausdurchsuchungen seien als nachgeschoben und daher unglaubhaft zu erachten. Diese Einschätzung werde dadurch bestätigt, dass sie widersprüchliche Angaben zu den Umständen ihrer Ausreise gemacht hätten. Bei den Be- fragungen zur Person hätten sie angegeben, Syrien legal verlassen zu ha- ben. Hingegen habe der Beschwerdeführer bei der Anhörung aus geführt, er sei mithilfe von Beziehungen ausgereist, während seine Ehefrau zu Pro- tokoll gegeben habe, sie wisse nicht, ob die Ausreise legal oder illegal ge- wesen sei. Der Verweis des Beschwerdeführers auf den summarischen Charakter der BzP vermöge nicht zu überzeugen, da dessen ungeachtet zu erwarten gewesen wäre, dass er die Umstände der Ausreise erwähnt hätte. Den eingereichten Reisepässen würden sich zudem auch keine Hin- weise auf eine illegale Ausreise entnehmen lassen. Ferner erweise sich die vom Besch werdeführer vorgebrachte Furcht vor Verfolgung wegen seiner Teilnahme an Kampfhandlungen der Al-Hurr- Armee und Hilfeleistungen für Verletzte als unbegründet, da sich sowohl die angebliche Suche der Behörden nach ihm als auch die illegale Ausreise als unglaubhaft erwiesen hätten. Es würden sich aus den Akten keine Hin- weise dafür ergeben, dass die Behörden Kenntnis seines Engagements für die Al-Hurr-Armee hätten. Es könne davon ausgegangen werden, dass den Beschwerdeführenden keine asylrelevante Verfolgung durch das syrische Regime drohe. Bei der allgemeinen Kriegssituation und fehlenden Sicher- heit in Syrien, auf welche der Beschwerdeführer 1 im Weiteren verwiesen habe, handle es sich um Nachteile, die sich aus der allgemeinen Kriegs - und Sicherheitslage ergeben würden. Ein konkreter Hinweis auf eine ge- zielte Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG sei nicht ersichtlich. 4.2 In ihren Eingaben vom 26. November 2015 und 1. Dezember 2015 ver- wiesen die Beschwerdeführenden zur Begründung ihrer Beschwerde da- rauf, dass der Beschwerdeführer durch die aktive Beteiligung an Kampf- handlungen der Al-Hurr-Armee sich und seine F amilie einer grossen Ge- fährdung ausgesetzt habe. Aus diesem Grund sei er durch das syrische E-7683/2015 Seite 7 Regime verfolgt worden. Sie seien daher auf die Gewährung von Sch utz angewiesen. Der Beschwerdeführer sei durch die erlebten Kampfhandlun- gen traumatisiert und sei de shalb nicht in de r Lage gewesen, darüber zu berichten. Er fürchte im Übrigen eine strafrechtliche Verfolgung wegen der von ihm in Syrien begangenen Taten. 4.3 In ihrer Vernehmlassung betreffend den Beschwerdeführer führte die Vorinstanz aus, es würden sich aus den Befragungsprotokollen keine Hin- weise dafür ergeben, dass er sich nicht frei über das Erlebte habe äussern können. Die im Arztzeugnis vom 20. Novem ber 2015 gestellte Diagnose vermöge das Vorhandensein einer asylrelevanten Verfolgung weder zu be- gründen noch zu bestätigen. Traumatische Erlebnisse des Beschwerde- führers seien nicht auszuschliessen, da er in einem Kriegsgebiet gelebt habe. 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tat sachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe- sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Lauf e des Verfahrens Vorbringen aus- wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mit - wirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asyl - rekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). Aussagewidersprüche dürfen für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit her- angezogen werden, wenn klare Angaben bei der Befragung zur Person in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anhörung zu den Asylgründen diametral abweichen, oder wenn be- stimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asyl- gründe genannt werden, nicht bereits in der Empfangsstelle zumindest an- satzweise erwähnt werden (vgl. EMARK 1993 Nr. 3). E-7683/2015 Seite 8 5.2 5.2.1 Demnach muss der Beschwerdeführer 1 sich entgegenhalten lassen, dass er die Hausdurchsuchungen im (…) und (…) 2012, welche sowohl er als auch seine Ehefrau im Rahmen der Anhörungen als das für ihre Aus- reise auslösende Ereignis beschrieben, anlässlich der Befragung zur Per- son auch nicht ansatzweise erwähnte. Vielmehr gab er bei der BzP zu Pro- tokoll, er wisse nicht, ob er vom Regime gesucht werde (vgl. Protokoll BzP A6 S. 9). Ebenso gab der Beschwerdeführer bei der BzP zwar zu Protokoll, bei der Bergung von Toten und Verletzten geholfen zu haben, brachte je- doch erst bei der Anhörung vor, diese Tätigkeit für die Al-Hurr-Armee aus- geübt und für diese auch an Kampfhandlungen teilgenommen zu haben . Da es sich hierbei um wesentliche Elemente seiner Asylvorbringen handelt, sind diese von der Vorinstanz zu Recht als nachgeschoben bezeichnet worden. 5.2.2 Die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Tätigkeit des Beschwerdefüh- rers für die Al-Hurr-Armee werden dadurch verstärkt, dass er widersprüch- liche Angaben zur Dauer derselben machte. Während er bei der BzP aus- sagte, er habe in den letzten vier bis fünf Monaten vor der Ausreise bei der Versorgung von Verletzten und Toten geholfen (vgl. Protokoll BzP A6 S. 9), gab er bei der Anhörung an, die entsprechenden Aufgaben für die Al-Hurr- Armee ein Jahr vor der Ausreise begonnen zu haben (vgl. Protokoll Anhö- rung A38 S. 7). 5.2.3 Selbst bei Wahrunterstellung lassen diese Vorbringen nicht mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit auf eine gezielte Verfolgung des B eschwer- deführers durch die Regierungskräfte schliessen : Gemäss den Aussagen von ihm und seiner Ehefrau wurden neben ihrem auch andere Häuser im Quartier durchsucht und er gab ausdrücklich zu Protokoll, dass er bloss vermute, gesucht zu werden. Eine blosse Mutmassung, es hätte eine Ver- folgung einsetzen können, reicht für die Glaubhaftmachung einer konkre- ten Gefährdung nicht aus. 5.2.4 Sodann hat der Beschwerdeführer auch im Zusammenhang mit der von ihm vorgebrachten Tötung beziehungsweise Inhaftierung mehrerer Fa- milienangehöriger keine gezielten gegen ihn gerichteten Verfolgungsmass- nahmen geltend gemacht. Ebenso wenig ist aus der palästinensischen Herkunft des Beschwerdeführers zu schliessen, dass ihm konkret und ge- zielt eine regimefeindliche Haltung und entsprechende Taten vorgeworfen worden seien oder werden könnten. E-7683/2015 Seite 9 5.2.5 Gegen eine begrün dete Furcht des Beschwerdeführers und seiner Familie vor Verfolgung durch das syrische Regime spricht schliesslich auch, dass sie sich kurz vor der Ausreise die eingereichten Reisepapiere haben ausstellen lassen und trotz der zu erwartenden intensiven Kontrol- len über den Flughafen Damaskus aus ihrem Heimatland ausreisten, sowie dass sie auf dem Weg zum Flughafen unbehelligt eine Strassensperre der Regierungskräfte passieren konnten (vgl. Protokoll Anhörung A38 S. 9 f. F84). Die gewaltsamen Auseinandersetzungen im Flüchtlingslager B._______ sind der allgemeinen Bürgerkriegssituation in Syrien geschul- det, welcher mit der Gewährung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs hinreichend Rechnung getrag en wurde. 5.3 Die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe, in welcher der Be- schwerdeführer im Wesentlichen auf eine Gefährdung wegen seines En- gagements für die Al-Hurr- Armee verweist, ohne sich im Einzelnen mit den Argumenten der Vorinstanz auseinanderzusetzen, ist nicht geeignet, diese Einschätzung in Frage zu stellen. Das eingereichte ärztliche Zeugnis vom 20. November 2015 vermag eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ebenfalls nicht zu belegen, da die diagnostizierten psychischen Probleme (Posttraumatische Belastungsstörung, mittelgradige depressive Episode) auch durch nicht asylrechtlich relevante Erlebnisse, namentlich die allge- meine Bürgerkriegssituation in seinem Herkunftsland, ausgel öst worden sein können. 5.4 Zusammenfassend ist festzuhal ten, dass es de n Beschwerdeführen- den nicht gelungen ist, eine Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat demzufolge zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). E-7683/2015 Seite 10 6.3 Da das SEM in seiner Verfügung vom 23. Oktober 2015 die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz angeordnet hat, er- übrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. Mit Urteil vom heutigen Tag wird auch die Beschwerde der Ehefrau / Mutter der Beschwerdeführenden vom Bundesverwaltungsgericht abgewiesen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dem Beschwerdeführer die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mi t Zwischenverfügung vom 3. Dezember 2015 sein Gesuch um unentgeltli- che Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle Lage seit- her entscheidrelevant verändert hätte, ist auf die Auflage von Verfahrens- kosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-7683/2015 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: