B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-7251/2013 U r t e i l v o m 1 5 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Daniel Willisegger, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch Peter Huber, Fürsprecher, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. November 2013 / N (…). D-7251/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin verliess eigenen Angaben zufolge ihren Hei- matstaat am 15. März 2010 auf dem Landweg und gelangte über ihr un- bekannte Länder am 18. März 2010 illegal in die Schweiz . Gleichentags suchte sie in B._______ um Asyl nach. Am 23. März 2010 fand im dort i- gen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) eine erste Befragung statt. Am 26. April 2010 wurde sie, ebenfalls im EVZ B._______, durch das Bundesamt in A nwendung von Art. 29 Abs. 1 Asylgesetz ( AsylG, SR 142.31) angehört. A.b Die Beschwerdeführerin machte im Wesentlichen geltend, sie sei tür- kische Staatsangehörige kurdischer Ethnie und in C._______ im Gross- raum D._______ geboren, habe jedoch seit dem Jahr 2005 in E._______ in der gleichnamigen Provinz gewohnt. Sie habe nach zwei abgebroche- nen Studien seit Dezember 1997 bei der Firma "F._______, welche elekt- rische Boiler verkauft habe, als Telefonistin und bei der Personalorganisa- tion gearbeitet. Eines Tages im Jahr 1999 seien Schachteln geliefert wor- den, deren Inhalt als Käse deklariert gewesen sei. Als sie diese geöffnet habe, hätten sich aber Waffen darin befunden. Da sie mit illegalem Wa f- fenhandel nichts zu tun gewollt habe, habe sie gekündigt. In der Firma habe man jedoch von ihrer Entdeckung gewusst, weshalb ihr Austritt im August 1999 nicht friedlich verlaufen sei und man sie sogar mit einer Waf- fe bedroht habe. Sie selbst habe Aktien de r Firma besessen, die sie trotzdem behalten habe. Zusätzlich sei in der Firma auch Urkundenfä l- schung betrieben worden. Deshalb sei im Jahr 2004 ein Verfahren wegen Steuerbetrugs eingeleitet worden, in welches sie als ehemalige Angestell- te ebenfalls einbezogen worden sei. In diesem Zusammenhang habe sie mit Verwandten des Firmeninhabers M.A.G. Kontakt aufgenommen. Da- bei sei sie bedroht und im Februar 2010 auf dem Nachhauseweg sogar entführt worden. Die Entführer hätten sie in ein Möbellager gebracht und dort vergew altigt. Diese Verfolgungshandlungen seien wegen ihres g e- heimen Wissens über die Firma erfolgt. Die Verfolger hätten auch Nack t- aufnahmen von ihr gemacht und damit gedroht, diese ihren Familienan- gehörigen zu schicken, wenn sie wegen der Vergewaltigung etwas unter- nehmen würde. Sie habe diesbezüglich keine Anzeige erstattet. Darüber hinaus sei sie im Jahr 2007 im Zusammenhang mit Demonstrati- onen zweimal für kurze Zeit festgenommen worden. D-7251/2013 Seite 3 A.c Für die weiteren Aussagen de r Beschwerdeführerin wird, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. A.d Zum Nachweis ihrer Identität reichte die Beschwerdeführerin ihren Nüfus und zur Stützung ihrer Vorbringen eine Anklageschrift und ein Ve r- handlungsprotokoll im Zusammenhang mit dem Strafverfahr en wegen Steuerhinterziehung zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 20. November 2013 – die Zustellung an den vormal i- gen Rechtsvertreter erfolgte am 28. November 2013 – stellte das Bu n- desamt fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die We g- weisung de r Beschwerdeführerin aus der Schweiz und beauftragte den Kanton G._______ mit dem Vollzug. B.a Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführerin genügten we- der den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft. So habe sie erklärt, dass ihre Arbeitstätigkeit in der Bedienung des Telefons und der Organisation des Personals bestan- den h abe, die Entgegennahme und Überprüfung von Warenlieferungen jedoch nicht als Tätigkeitsfeld erwähnt. Deshalb sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie Käseschachteln hätte öffnen sollen. Zudem wären allfällige il- legale Warenlieferungen an die Firma zweifellos so organisiert gewesen, dass unbeteiligte Drittpersonen davon nichts bemerkt hätten. Auch habe sie nach ihrem Ausscheiden aus der Firma weiterhin Anteile am Unte r- nehmen gehalten. Wäre die Firma in illegale Waffengeschäfte verwickelt gewesen und hätte die Beschwerdeführerin damit unter keinen Umstä n- den etwas zu tun haben wollen, weswegen sie auch gekündigt habe, so hätte sie die Aktien mit Bestimmtheit so schnell wie möglich abgestossen. Der Umstand, dass sie darauf verzichtet habe, erhärte die Unglaubhafti g- keit ihrer angeblichen Entdeckung illegaler Waffengeschäfte der Firma. Ihre diesbezüglichen Begründungen seien gewunden beziehungsweise ohne Sinn und nicht überzeugend. B.b Dass die Beschwerdeführerin wegen kompromittierender Firmeng e- heimnisse von ihrem e hemaligen Arbeitgeber in der geschilderten Weise bedroht und vergewaltigt worden sei, mache keinen Sinn, da er damit umso mehr hätte befürchten müssen, von ihr belastet zu werden. Viel n a- heliegender wäre gewesen, dass er sie beschwichtigt oder gar umgarnt D-7251/2013 Seite 4 hätte, um sie auf seine Seite zu bringen, damit sie die Firmengeheimni s- se nicht verrate. Mit dem allfälligen Versand von Nacktfotos der Beschwerdeführerin an deren Familienangehörige hätten sich die Täter selber massiv belastet, weswegen bezweifelt werden müsse, dass sie auf diese Art gehandelt hätten. Die Beschwerdeführerin habe angeblich seit dem Jahr 1999 über ko m- promittierendes Firmenwissen verfügt, ohne dieses weitergegeben zu haben. Vor diesem Hintergrund bleibe nicht einsichtig, weshalb der Fi r- meninhaber erst zirka elf Jahre später – angeblich im Februar 2010 – die erwähnte Gewalthandlung an ihr hätte verüben sollen. Damit entstünden mangels Logik in ihren Schilderungen massive Zweifel an der von ihr geltend gemachten Vorgehensweise. B.c Zudem habe si ch die Beschwerdeführerin in mehreren Punkten, so etwa bezüglich der Anzahl Vergewaltiger, widersprochen, indem es sich zunächst um vier, schliesslich um nur einen Täter gehandelt habe. Ihre Darstellung der Entführung sei sodann äusserst vage ausgefallen, insbesondere bezüglich der präzisen Bezeichnung des Entführungsortes. Auch sei sie anlässlich der Anhörung vom 23. März 2010 nicht in der L a- ge gewesen, das genaue Datum des Delikts zu nennen, obwohl damals seit dem Vorfall erst zirka ein Monat vergangen se i. Ereignisse dieser Art würden gut memorisiert, weswegen bei Tatsachenentsprechung eine g e- naue Angabe zu erwarten gewesen wäre. B.d Im Weiteren handle es sich bei einer Vergewaltigung um ein gemei n- rechtliches Delikt, welches von staatlicher Seite geahndet werde. Somit wäre es der Beschwerdeführerin offen gestanden, sich an die Behörden ihres Heimatstaates beziehungsweise einen Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin zu wenden oder eine Menschenrechtsorganisation einz u- schalten, welche ihr Unterstützung hätten gewähren können. Da sie da r- auf verzichtet habe, bleibe das geltend gemacht e Gewaltereignis unbe- wiesen. Zusätzlich zu den erwähnten Unglaubhaftigkeitselementen stelle der Verzicht auf eine Anzeige ein weiteres Indiz dafür dar, dass es nicht zum geltend gem achten Delikt gekommen sei, ansonsten sie anders g e- handelt hätte. D-7251/2013 Seite 5 Das Verfahren wegen Steuerhinterziehung sei gemeinrechtlicher Natur. Deshalb seien die entsprechenden staatlichen Massnahmen als legitim zu werten und somit asylrechtlich nicht relevant. Den beiden geltend gemachten Kurzfestnahmen im Jahr 2007 fehle es an der vom AsylG geforderten Intensität des Eingriffs. Dies gehe auch da r- aus hervor, dass sich die Beschwerdeführerin deswegen damals offe n- sichtlich nicht zur Ausreise veranlasst gesehen habe. Damit seien die be- sagten Vorfälle asylrechtlich ebenfalls nicht relevant. B.e Schliesslich sei der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich. C. Mit Eingabe vom 23. Dezember 2013 (Datum des Poststempels) an das Bundesverwaltungsgericht beantragte die Beschwerdeführerin durch ih- ren neu bestellten Rechtsvertreter unter Kosten- und Entschädigungsfol- ge, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zu e r- gänzender Abklärung und neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückz u- weisen; eventualiter seien Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 14. (recte: 20.) November 2013 aufzuheben und festzustel- len, dass der Vollzug der Wegweisung gemäss Art. 3 EMRK unzulässig, eventualiter unzumutbar sei. Gleichzeitig wurden acht Beweisdokumente eingereicht. Darauf sowie auf d ie Begründung wird, soweit für den En t- scheid wesentlich, in den Erwägungen unter E. 8.2 eingegangen. D. Mit Schreiben vom 27. Dezember 2013 bestätigte das Bundesverwal- tungsgericht den Erhalt der Beschwerde vom 23. Dezember 2013. E. Mit Zwischenverfügung vom 8. Januar 2014 teilte das Bundesverwal- tungsgericht der Beschwerdeführerin mit, dass sie den Ausgang des Ver- fahrens in der Schweiz abwarten könne, und setzte ihr Frist zur Bezah- lung eines Kostenvorschusses. Dieser wurde am 22. Januar 2014 geleis- tet. F. F.a Mit Vernehmlassung vom 21. Februar 2014 beantragte das Bunde s- amt die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte es aus, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel, welche eine Änderung seines Standpunkts rechtfertigten, und D-7251/2013 Seite 6 verwies auf seine Erwägungen, an welchen es festhielt. Zudem wurde weiter ausgeführt, i n der Beschwerde werde gestützt auf die schriftliche Bemerkung der Hilfswerksvertreterin (nachfolgend: HWV) der Vorwurf er- hoben, die Befragungssituation sei dem schlechten psychischen Zustand der Beschwerdeführerin nicht angemessen gewesen. Demgegenüber – so das BFM – handle es sich bei der Notiz der HWV um einen subjekt i- ven Beschrieb. Aus dem Protoko ll selber gehe die angeblich nicht ang e- messene Befragungssituation nicht hervor. Die Fragen seien neutral und sachdienlich formuliert . Die Beschwerdeführerin sei lediglich einmal u n- terbrochen worden. Im Übrigen verwies es auf seine Erwägungen, an d e- nen vollumfänglich festgehalten wurde. F.b Die Vernehmlassung wurde de r Beschwerdeführerin am 25. Februar 2014 zur Kenntnis gebracht. G. Mit Schreiben vom 10. März 2014 und 22. April 2014 ersuchte das regio- nale Zivilstandsamt H._______ das Bundesamt um Akteneinsicht im Zu- sammenhang mit einem Ehevorbereitungsverfahren der Beschwerdefü h- rerin, welchem Begehren die Vorinstanz am 9. Mai 2014 nachgekommen ist. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser – was in casu nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführe nde Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). D-7251/2013 Seite 7 1.3 Das vorliegende Verfahren war zum Zeitpunkt des In krafttretens der Änderung des AsylG vom 14. Dezember 2012 – mithin am 1. Februar 2014 – hängig, weshalb vorliegend das neue Recht gilt (vgl. Abs. 1 der entsprechenden Übergangsbestimmungen). 2. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerde- führerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung . Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist nach der fristgerechten Leistung des Kostenvo r- schusses einzutreten. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen bestimmen sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 4. 4.1 In der Beschwerde werden vorweg eine unvollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und eine damit einhergehende Verle t- zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör gerügt. Diese verfahrensrecht- lichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wäre n, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. Entscheidu n- gen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asy lrekurskom- mission [EMARK] 2004 Nr. 38; vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs- verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl., 2013, S. 403 f., m.w.H.). 4.2 So wird im Zusammenhang mit der Anhörung vom 26. April 2010 in der Beschwerde eingewendet, die damals anwesende Hilfswerksvertrete- rin HWV habe gemäss ihren schriftlichen Aufzeichnungen Folgendes b e- obachtet: "Die GS hatte grosse Mühe, von der Vergewaltigung zu erzä h- len; sie zitterte, weinte und war aufgewühlt. Ihre psychische Verfassung scheint schlecht zu sein, sie sagte, es gehe ihr überhaupt nicht gut. Die Befragungssituation war dem schlechten Zustand der GS mehrmals nicht angemessen: hektisch, ungeduldig; die GS wurde immer wieder unte r- brochen." Sodann wird unter Bezugnahme auf den als Beilag e 3 zusam- men mit der Beschwerde eingereichten, undatierten Arztbericht, in we l- chem einem Schreiben des Rechtsvertreters vom 12. Dezember 2013 D-7251/2013 Seite 8 nachkommend Fragen beantwortet werden, ausgeführt, die Beschwerd e- führerin befinde sich seit dem 7. Oktober 2013 in psychiatrischer Behand- lung bei I._______. Bei der depressiven Patientin bestünden verstärkte Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung; sie habe ana m- nestisch bisher keine definitiven Angaben gemacht, aber Andeutungen; traumatisierte Patienten benötigten erfahrungsgemäss längere Zeit, um in der Therapie Vertrauen zu fassen, und hätten aufgrund von Schamgefüh- len Schwierigkeiten, über das Erlebte zu sprechen; dieses Verschweigen sei krankheitsbedingt (vgl. Arztbericht). Schliesslich wird in der B e- schwerde ausgeführt, die Befragungssituation zur Vergewaltigung habe die Beschwerdeführerin derart überfordert, dass es ihr unverschuldet nicht möglich gewesen sei, die Vorfälle mit mehr Klarheit darzulegen. Soweit die Vorinstanz der Beschwerdeführerin im an gefochtenen En t- scheid anlaste, ihre Vorbringen zur Entführung und Vergewaltigung seien widersprüchlich, zu wenig konkret und detailliert, falle dieser Vorwurf, s o- weit er überhaupt zutreffe, zufolge der völlig inadäquaten Sachverhalt s- ermittlung durch die Befragerin auf die Vorinstanz zurück. Soweit sodann behauptet werde, die Beschwerdeführerin habe widersprüchliche oder ungenaue Angaben gemacht, wäre ein geduldiges Nachfragen mit der Möglichkeit, Unklarheiten zu bereinigen, erforderlich gewesen. Da die e r- littene Vergewaltigung durch skrupellose, mafiöse Geschäftsmänner, die damit verbundene Bedrohungslage, durch Nacktfotos an den Pranger ge- stellt zu werden, und die daraus resultierende Unmöglichkeit der Anforde- rung von Hilfe und Schutz für den Fluchtentschlu ss ausschlaggebend gewesen seien, und gerade diese Sachverhaltselemente im Entscheid angezweifelt würden, erweise sich dieser in seiner Sachverhaltsgrundl a- ge als ungenügend und unfair. Die Verpflichtung zur rechtsgenüglichen Abklärung des entscheidrelevant en Sachverhalts in einer fairen und der Belastbarkeit der befragten Person angemessenen Befragung sei vorli e- gendenfalls missachtet worden. Damit sei der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden und die Sache zur ergänzenden Abklärung und neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen, weil der Beschwe r- deführerin andernfalls der Anspruch auf Überprüfung des erstinstanzl i- chen Entscheids in einem wirksamen Beschwerdeverfahren beschnitten würde (vgl. Beschwerde S. 3-5, Akten BFM A11/19 S. 19). 4.3 Es trifft zu, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der Anhörung vom 26. April 2010 (an dieser waren ausschliesslich Frauen – neben der Befragerin eine Dolmetscherin und die HWV, nicht jedoch der ebenfalls eingeladene Rechtsvertreter – zugegen) bei der Schilderung der Situati- on, als sie nach der geltend gemachten Vergewaltigung das Bewusstsein D-7251/2013 Seite 9 wiedererlangt habe, weinte und sehr aufgewühlt war (vgl. Akten a.a.O. BFM A11/19 F92). Zudem wurde sie ein Mal unterbrochen (vgl. a.a.O. F144) und beantwortete am Schluss der Anhörung die Frage der HWV nach ihrem aktuellen Befinden mit "Überhaupt nicht gut", wobei sie auf die Anschlussfrage der HWV hin, was sie damit meine, erklärte, ihr Erleb- nis sei in ihrer Kultur etwas Schwerwiegendes, etwas Schamhaftes und sie schäme sich d afür, weil sie es habe erzählen müssen (vgl. a.a.O. F155-156). Doch abgesehen davon können den Akten, insbesondere dem Protokoll der Anhörung vom 26. April 2010, keine Anhaltspunkte ent- nommen werden, welche die in der Beschwerde erhobenen Rügen zu stützen vermöchten. Entgegen den Ausführungen der HWV wurde die Beschwerdeführerin nicht immer wieder, sondern ein einziges Mal unte r- brochen, nämlich als sie, aufgefordert, die die Jahre 2001, 2002 und 2003 betreffende Anklage wegen Steuerhinterziehung zu erklären , obwohl sie im Jahr 1999 aus der Firma ausgeschieden sei, ausführte, sie sei als normale Arbeiterin angestellt gewesen, woraufhin sie von der Befragerin darauf hingewiesen wurde, dass es nicht um diese Frage gehe (vgl. a.a.O. F144-145). Im Übrigen sind dem Protokoll keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin mit der Befragungssituation überfordert gewesen wäre, die Befragerin voreingenommen beziehung s- weise die Sachverhaltsermittlung inadäquat gewesen wäre. Diesbezü g- lich ist auch auf die Ausführungen in der Vernehmlassung der Vorinstanz zu verweisen, welche sich als zutreffend erweisen (vgl. Sachverhalt Bst. F. a). Zudem ging die Befragerin immer wieder auf die Beschwerd e- führerin ein, indem sie, wenn diese – was des Öfteren vorkam – nicht plausible oder ungenaue Antworten gab, entsprechende Nachfragen stell- te. 4.4 Nach dem Gesagten ergeben sich aus der angefochtenen Verfügung keine hinreichenden Anhaltspunkte , welche den Schluss zulassen wü r- den, das Bundesamt habe den Sachverhalt unvollständig abgeklärt r e- spektive d en Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt. Die nicht bestrittene und offenkundige Tatsache, dass die B e- schwerdeführerin sich anlässlich der besagten Anhörung in schlechter psychischer Verfassung befand, vermag jedenfalls für sich allein betrac h- tet keine Kassation der angefochtenen Verfügung zu rechtfertigen . Der in diesem Zusammenhang gestellte Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks ergänzender Abklärung des Sachverhalts und neuen Entscheids erweist sich nach dem Gesagten als unbegründet und wird deshalb abgelehnt. D-7251/2013 Seite 10 5. 5.1 In materieller Hinsicht wird in der Beschwerde der Vorinstanz darin beigepflichtet, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin asylrechtlich nicht schutzbegründend seien, weil es i m Zusammenhang mit den B e- drohungen und Gewaltübergriffen durch den Firmeninhaber an einem flüchtlingsrechtlich erforderlichen Verfolgungsmotiv fehle. Zudem wird nicht bestritten, dass die zweimalige Kurzfestnahme wegen der Teilna h- me an politischen Demonstr ationen nicht asylbegründend sei. Demen t- sprechend wird der vorinstanzliche Entscheid im Asylpunkt und hinsich t- lich der Flüchtlingseigenschaft nicht angefochten. Indessen wird daran festgehalten, dass die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen den An- forderungen an die Glaubhaftigkeit genüg ten, weshalb die angefochtene Verfügung Art. 3 EMRK und damit die Bestimmungen über die völke r- rechtliche Zulässigkeit, eventuell die Unzumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs gemäss Art. 83 Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) verletze (vgl. Beschwerde S. 3). 5.2 Nachdem mithin die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die A b- lehnung des Asylgesuchs sowie die Wegweisung an sich vorliegend un- angefochten blieben und mit Ablauf der Beschwerdefrist in Rechtskraft erwachsen sind, bildet ei nzig die Frage des Vollzugs der Wegweisung (Art. 44 AsylG) Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. 6. Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist und andernfalls wenigs- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 S. 502). 7. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar od er nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslä n- dern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 8. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). D-7251/2013 Seite 11 8.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Le ib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Dieses flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG respektive Art. 1A FK er- füllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gel ungen ist, eine asylrechtlich e r- hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Rückschi e- bungsverbots vorliegend nicht zur Anwendung gelangen. Der Vollzug der Wegweisung in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand in einen Staat ausgeschafft werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art unmenschlicher oder erniedrige n- der Strafe oder Behandlung droht. 8.2.1 In der Beschwerde wird an der Glaubhaftigkeit der geltend gemac h- ten Verfolgungsvorbringen festgehalten. Insbesondere sei die Beschwe r- deführerin als Sekretärin bei der F._______ angestellt gewesen. In der Morgenpause sei es üblich gewesen, zum Tee Brot und Käse zu essen, was jeweils von der Firma angeboten worden sei. Am besagten Morg en sei die Beschwerdeführerin mit einem Monteur allein gewesen und es habe im Personalraum keine n Käse mehr gehabt. Sie habe deshalb e i- nen Käse aus der als Käselieferung deklarierten Schachtel holen wollen und dabei die darin versteckten Waffen gesehen. Sodann hätte die Vorin- stanz erkennen müssen, dass es sich um Anteil sscheine einer GmbH , und nicht um Aktien gehandelt habe. Diese Papiere seien beim Notar für einen befristeten Zeitraum von drei Monaten ohne Aushändigung an die Beschwerdeführerin übertragen worden und hätten mithin nicht ohne Mitwirkung der Firma zurückgegeben werden können. Sie seien vom Buchhalter der Firma aufbewahrt worden. Als die Schwester des Firmen- mitinhabers I.K. nach drei Monaten nicht erschienen sei, um die Anteil s- scheine zu übernehmen, sei die Beschwerdeführerin damit be-schwichtigt D-7251/2013 Seite 12 worden, dass ihr Engagement ohnehin auf diesen Zeitraum befristet g e- wesen sei. Dass ihr die Inhaberstellung nach dem Mai 1999 nach wie vor zugekommen sei, habe sie erst im Juni 1999 vom Buchhalter aufgr und eines Handelsregisterauszugs erfahren. Ohne ihr Wissen sei ihre Inh a- berstellung mittel s ihrer gefälschten Unterschrift im Mai 1998 unb e- schränkt verlängert worden. Dies habe die Beschwerdeführerin erst im Rahmen der Instruktion der vorliegenden Beschwer de erkannt, weil ihr der von ihr im Verfahren wegen Steuerhinterziehung mandatierte Rechts- anwalt K._______ die damaligen notariellen Eintragungen erst dann in Kopie habe zukommen lassen. Gemäss dessen als Beweismittel eing e- reichten Schreibens vom 5. Dezember 2013 sei die besagte Vorgehen s- weise zur Vorschiebung gutgläubiger und unerfahrener Personen bei ill e- gal tätigen, mafiösen Unternehmen in der Türkei durchaus üblich. Schliesslich könne das Motiv des ehemaligen Arbeitgebers für seine G e- walttat auch von der Beschwerdeführerin nicht eindeutig benennt werden. Zum einen sei davon auszugehen, dass ihre Aussagen im Prozess w e- gen Steuerhinterziehung und die daraus resultierende Verurteilung von M.A.G. Anlass gegeben hätten, Vergeltung zu üben und sie zu bestrafen . Zum andern sei es angesichts ihres kompromittierenden Wissens über die Tarnvorkehrungen und die illegalen Waffengeschäfte der Firma, we l- che unter M.A.G. mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fortg e- führt, wenn nicht gar ausgedehnt worden seien, zugleich ein willkomme- ner Zusatzzweck gewesen, die Beschwerdeführerin mittel s Vergewalti- gung in eine soziale Isolation und psychische Destabilisierung zu verse t- zen, welche es verunmöglichen würde, ihr Wissen preis zugeben. Der Grund dafür, dass die Täter nicht bereits früher zugeschlagen hätten, li e- ge offensichtlich darin, dass sich die Beschwerdeführerin ab 2004 ve r- steckt gehalten habe und in E._______ untergetaucht sei. Wie es die T ä- ter geschafft hätten, sie nach über fünf Jahren ausfindig zu machen, ent- ziehe sich der Kenntnis der Beschwerdeführerin. Mithin bestehe für sie auch weiterhin eine massive Gefährdung durch diese Personen (vgl. B e- schwerde S. 5-11; notarielle Urkunde vom 27. Mai 1998 zur Verlängerung der Inhaberstellung der Beschwerdeführerin mit deren gefälschter Unte r- schrift [Kopie]; notarielle Urkunde vom 21. November 2001 zur Überna h- me der Inhaberstellung durch H.A. mit gefälschter Unterschrift der B e- schwerdeführerin [Kopie]; Untersuchungsbericht der St euerbehörde D._______ vom 20. Februar 2004, wonach Ende 2001 H.A. und M.A.G. Mitinhaber der Firma gewesen seien; Gerichtsgutachten vom 8. März 2007; Schreiben von Rechtsanwalt K._______ vom 4. November 2013, mit Übersetzung; undatiertes Schreiben von L._______ [Schwester der D-7251/2013 Seite 13 Beschwerdeführerin] mit Übersetzung und Zustellcouvert; Urteil des 7. Instanzgerichts D._______ vom 14. April 2009, mit Übersetzung). 8.2.2 Aufgrund der Akten hat folgender Sachverhalt als erstellt zu gelten: Neben M.A.G. wurde auch gegen die Beschwerdeführerin im Zusa m- menhang mit der F._______ Anklage wegen Steuerhinterziehung er ho- ben, welches Verfahren mit Urteil vom 14. April 2009 für sie und M.A.G bezüglich im Jahr 2001 begangener Steuerdelikte wegen Verjährung ein- gestellt wurde, während M .A.G. gleichzeitig bezüglich solcher im Jahr 2002 (und bis zum Jahr 2003) begangener Delikte zu einer unbedingten Gefängnisstrafe von 35 Monaten verurteilt wurde. Aus den eingereichten Beweismitteln geht weiter hervor, dass am 16. Februar 1998 sämtliche 32 GmbH-Anteile auf die Beschwerdeführerin übertragen wurden und diese bis zum 13. Dezember 2001 die alleinige gesetzliche Vertreterin der Fi r- ma und allein unterschriftsberechtigt war, wogegen diese Funktion ab dem 14. Dezember 2001 M.A.G. zukam . D ie Anklageschrift datiert vom 4. Mai 2004 und am 14. Oktober 2004 kam es in dieser Angelegenheit zu einer ersten Verhandlung (vgl. Urteil des 7. Instanzgerichts D._______ vom 14. April 2009, Gerichtsgutachten vom 8. März 2007 und Akten BFM A1). Des Weiteren dürfte als erstellt gelten, dass die Beschwerdeführerin sexuell misshandelt wurde, wobei die Täterschaft nicht zweifelsfrei fes t- gestellt werden konnte. 8.2.3 Demgegenüber bleiben – selbst wenn zugunsten der Beschwerd e- führerin davon ausgegangen werden kann, dass sie im Rahmen ihrer T ä- tigkeit als Sekretärin in als Käse deklarierten Schachteln eine illegale Waffenlieferung entdeckt hätte und sie, ohne allerdings den genauen Z u- sammenhang und Zeitpunkt sowie die Täterschaft plausibel bestimmen zu können, sexuell missbraucht wurde – in Würdigung der vorinstanzl i- chen Akten, der Aussagen der Beschwerdeführerin, de r Ausführungen in der Beschwerde und der eingereichten Beweismittel folgende Elemente unstimmig und damit nicht glaubhaft:  So wurde die Beschwerdeführerin ihren Aussagen zufolge nach ihrer Kündigung im August 1999 zum ersten Mal erst dann von Personen aus dem Umfeld der F._______ bedroht, als sie sich, nachdem sie im April 2004 vom Verfahren wegen Steuerhinterziehung erfahren hatte, an jene wandte , beziehungsweise unmittelbar vor der diesbezügl i- chen, ersten Gerichtsverhandlung vom 14. Oktober 2004. In diesem Zusammenhang erscheint für den Fall, dass die Verantwortlichen der F._______ wussten, dass die Beschwerdeführerin Kenntnis von ill e-D-7251/2013 Seite 14 galen Machenschaften ihrer Firma hatte, nicht nachvollziehbar, wes- halb sie von diesen Personen während mehr als vier Jahren unbehe l- ligt blieb, insbesondere namentlich im Zeitraum bis zum 13. Dezember 2001, als sie auch formell als einzig zeichnungsbe- rechtigte, alleinige gesetzliche Vertreterin aus der Firma ausschied. Dies gilt umso mehr, als die betroffenen Personen die Beschwerd e- führerin nicht aus eigener Initiative bedrohten, sondern damit erst b e- gannen, als sie ihrerseits diese Personen wegen des Steuerhinterzie- hungsverfahrens kontaktiert hatte. Die geltend gemachten Drohungen erscheinen auch insofern unglaubhaft, als die Täterschaft aus der Sicht der Beschwerdeführerin ohnehin mit der Polizei (und auch dem Militär) zusammenarbeitete.  Sodann ist die Beschwerdeführerin ihren Aussagen zufolge nicht b e- reits im Jahr 2004 in D._______ untergetaucht, sondern lebte bis zum Jahr 2005 bei ihren Eltern i m Grossraum D._______, um sich von dort in E._______ niederzulassen. Ihr diesbezügliches Vorbringen er- scheint umso weniger glaubhaft, als sie ihre Abreise ihren Eltern g e- genüber damit begründete, dass sie in Europa eine sehr gute Arbeits- stelle antreten werde; dies, nachdem ihr autoritärer Vater seine Toch- ter im Jahr 1995 trotz bestandener Aufnahmeprüfung daran ge hindert hatte, ihr Studium in Ankara aufzunehmen, weil er wollte, dass sie weiterhin bei der Familie wohne, und ihr deshalb lediglich ein Fer n- studium an der Universität M._______ erlaubte. Des Weiteren will sie in E._______ sowohl bei Studienfreunden als auch bei Familienang e- hörigen, namentlich bei ihrem Onkel N._______, gewohnt haben. Letzteres ist umso weniger nachvollziehbar, als sie ihren Auszug bei ihren Eltern diesen gegenüber mit einem Arbeitsaufenthalt in Europa begründet hatte beziehungsweise ihre Problem e mit ihrem ehemal i- gen Arbeitgeber und ihren weiteren Aufenthalt in der Türkei verheimli- chen wollte. Dasselbe gilt auch für ihre Aussagen, dass sie sich ihre Reisekosten von 5000 Euro ausgerechnet vom besagten Onkel finan- zieren liess , welcher auch einen Schlepper organisiert haben soll, obwohl die Beschwerdeführerin einen gültigen Reisepass besass.  Die Beschwerdeführerin vermag in keiner Weise zu erklären, wie sie von ihren angeblichen Verfolgern erst Anfang 2010 – mithin nahezu sechs Jahre nach der Bedrohung vor der Gerichtsverhand lung im Jahr 2004 – im drei Stunden von D._______ entfernten E._______ ausfindig gemacht werden konnte. Schliesslich vermögen auch die in der Beschwerde erwähnten möglichen Motive für die Ge walttat nicht D-7251/2013 Seite 15 zu überzeugen. So ist die Beschwerdeführerin seit dem 13. Dezember 2001 auch formell definitiv aus der F._______ ausge- schieden. Dass sie im Rahmen des Verfahrens wegen Steuerhinte r- ziehung oder ausserhalb davon ihr Wissen von den illegalen Machen- schaften der Firma Drittpersonen gegenüber preisgegeben hätte, wird von ihr nicht geltend gemacht ; sodann wurde die angebliche Gewal t- tat erst knapp zehn Monate nach der Verurteilung von M.A.G. am 14. April 2009 zu einer unbedingten Gefängnisstrafe von 35 Monaten be- gangen, weshalb sich dieser kaum am Tatort aufgehalten haben dürf- te. Auch das von der Beschwerdeführerin selbst genannte Tatmotiv, wonach die verantwortlichen Personen aus dem Umfeld der Firma be- fürchtet hätten, im Zusammenhang mit ihren illega len Machenschaf- ten identifiziert zu werden, ist unter den gegebenen Umständen als kaum wahrscheinlich zu qualifizieren. Dasselbe muss auch in Bezug auf die angeblich im Rahmen der Gewalttat vom Februar 2010 von der Beschwerdeführerin erstellten Nacktaufnah men gelten. Daran vermag nichts zu ändern, dass der Kontakt der Beschwerdeführerin zu ihren Eltern zirka im November 2009 wegen der Fotos abgebr o- chen sei, wären doch die Aufnahmen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gemacht gewesen, abgesehen davon, dass si ch die Beschwe r- deführerin zu diesem Vorbringen auch widersprüchlich äusserste, i n- dem sie den Kontaktabbruch auch mit dem autoritären Verhalten ihres Vaters beziehungsweise damit begründete, dass dieser ihretwegen mit ihrer Mutter gestritten und diese dabei geohrfeigt hätte. 8.2.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass allfällige Behelligun- gen der Beschwerdeführerin durch Personen aus dem Umfeld der F._______ im Zusammenhang mit ihrer Kenntnis von illegalen Mache n- schaften der Firma spätestens unmittelbar vor der ersten Gerichtsver- handlung im Verfahren wegen Steuerhinterziehung im Jahr 2004 erfolgt sein dürften . Demgegenüber erscheint die Täterschaft dieser Personen für die geltend gemachte Vergewaltigung und die Nacktaufnahmen der Beschwerdeführerin – welche Straftaten im Februar 2010 erfolgt sein so l- len – als unwahrscheinlich. Mithin gelingt es der Beschwerdeführerin – entgegen den Ausführungen in der Beschwerde und im diesbezüglichen Schreiben von Rechtsanwalt K._______ vom 4. November 2013 – nicht, eine weiterhin bestehende massive Gefährdung durch die erwähnten Personen glaubhaft zu machen. In Würdigung der gesamten Umstände und Vorbringen der Beschwerdeführerin kann eine weitergehende Pr ü- fung der Ausführungen in der Beschwerde und in den ei ngereichten Be-D-7251/2013 Seite 16 weismitteln unterbleiben, da diese an der vorgenommenen Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. 8.2.5 Mithin ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh- rerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des E uropäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (E GMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste d ie Beschwerdeführerin eine konkrete Gefährdung ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ih r im Falle einer Rückschi e- bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Ital ien, Urteil vom 28. Februar 2008, Be- schwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, m.w.H.). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Es besteht kein konkreter Anlass zur Annahme, de r Beschwerdefüh- rerin würde bei einer Rückkehr in ihr Heimatland eine menschenrecht s- widrige Behandlung drohen, zumal es ih r – wie oben unter Ziff. 8.2.3 der Erwägungen festgehalten wurde – nicht gelungen ist, eine aktuelle Ve r- folgungssituation darzutun. 8.3 Der Vollzug der Wegweisung ist damit sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung für Au s- länderinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, all - gemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748; 2009/41 E. 7.1 S. 576 f.; Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 9.1 Die aus dem Grossraum D._______ stammende Beschwerdeführerin hat eigenen Angaben zufolge d as Gymnasium im Jahr 1995 abgeschlo s- sen und daraufhin die Aufnahmeprüfung für die Universität D._______ bestanden. Ab Dezember 1997 bis 2004 war sie als Sekretärin tätig. Ab dem Jahr 2005 arbeitete sie unregelmässig als Verkäuferin. Im Juni 2007 schloss sie das erste Jahr des Fernstudiums im Fach Buchhaltung an der Universität M._______ ab (vgl. Akten BFM A11/19 F13-33). Nebst ihrer kurdischen Muttersprache spricht sie Türkisch (vgl. Akten BFM A 2/10 D-7251/2013 Seite 17 S. 2). Ihre näc hsten Familienangehörigen (E ltern, ein Bruder, zwei Schwestern, je drei Onkel und eine Tante väterlicher- und mütterliche r- seits) sind nach wie vor in der Türkei wohnhaft, wo ihr Vater als Baumeis- ter tätig ist (vgl. Akten BFM A2/10 S. 3; A11/19 F49). 9.2 Was die psychischen Probleme der noch jungen Beschwerdeführerin anbelangt, ist Folgendes festzuhalten: Die Beschwerdeführerin gab we der bei der Einreichung ihres Asylg e- suchs noch anlässlich der Erstbefragung vom 23. März 2010 ein mediz i- nisches Problem oder anderweitige gesundheitliche Leiden an (vgl. Akten BFM A3/1; A2/10). Anlässlich der Anhörung vom 26. April 2010 erklärte sie, es ge he ihr "überhaupt nicht gut" und sie habe sich geschämt, über das Erlebte zu erzählen (vgl. Akten BFM A11/19 F155-156). Erstmals in der Beschwerde wird unter Bezugnahme auf den gleichzeitig eingereic h- ten, undatierten Arztbericht (Beilage 3) geltend gemacht, die Beschwe r- deführerin befinde sich seit dem 7. Oktober 2013 in Behandlung, wobei die Diagnose (nach ICD-10) "mittel- bis schwergradig depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32.1/32.2) und Verdacht auf posttraumat i- sche Belastungsstörung (F43.1) " gestellt wird; des Weiteren sei die ps y- chiatrisch-psychotherapeutische Behandlung im verhaltenstherapeut i- schen Setting fortzuführen, wobei als Medikation das Antidepressivum Remeron erwähnt und bezüglich Prognose ausgeführt wird, dass gemäss wissenschaftlichen Studien eine Depression zur Chronifizierung, schlimmstenfalls sogar zu Suizidalität führen könne (vgl. Beschwerde S. 4-5 und Arztbericht, Beilage 3). In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass bei einer Erkrankung nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland schlicht nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der b e- troffenen Person führt. Als wesentlich wird die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet, die zur Gewährleistung einer me n- schenwürdigen Behandlung absolut notwendig ist, wobei Unzumutbarkeit jedenfalls noch nicht vorliegt, wenn im Heimatstaat eine nicht de m schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). In der Beschwerde wird nicht bestritten, dass es in der Türkei psychotherap eutische Hilfestellung für Traumatisierungsopfer gibt. Sodann ist es der Beschwerdeführerin entge- gen den diesbezüglichen Ausführungen in der Beschwerde (vgl. S. 11 f.) D-7251/2013 Seite 18 zuzumuten, sich – selbst wenn ihre gesundheitlichen Probleme auf eine tabuisierte sexuelle Gewalterfahrung durch Drittpersonen im privaten b e- ziehungsweise beruflichen Umfeld zurückzuführen wären – in der Türkei in Behandlung zu begeben beziehungsweise diese dort fortzusetzen , wo- bei aufgrund des Sachverhalts ein konkretes Risiko, erneut entsprechen- den Übergriffen ausgeliefert zu sein, zu verneinen ist (vgl. Ziff. 8.2 der vorstehenden Erwägungen). 9.3 Demnach liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Beschwerde- führerin bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat aus individuellen Grü n- den wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine exi s- tenzbedrohende Situation geraten würde. Nach dem Gesagten kann der Vollzug der Wegweisung – entgegen der in der Rechtsmitteleingabe ve r- tretenen Auffassung – sowohl in genereller als auch in individueller Hi n- sicht als zumutbar bezeichnet werden, wobei an dieser Stelle auf di e Möglichkeit flankierender Massnahmen und einer individuellen medizin i- schen Rückkehrhilfe hinzuweisen ist: Diese Hilfe könnte nicht nur in Form der Mitgabe von Medikamenten, sondern beispielsweise auch in der O r- ganisation und Übernahme von Kosten für alle nfalls notwendige Ther a- pien bestehen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG; Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]). 10. Schliesslich obliegt es de r Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi gen Vertretung ihres Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Re i- sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 11. Insgesamt hat das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 12. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist abzuweisen. D-7251/2013 Seite 19 13. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde - führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320 .2]). Sie sind durch den am 22. Januar 2014 einbezahlten Kostenvorschuss gedeckt. (Dispositiv nächste Seite) D-7251/2013 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfa h- renskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand: