Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 24. April 2012 (100 10 1613) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Scheidung - nachehelicher Unterhaltsbeitrag, Zumutbarkeit und Möglichkeit der Ehefrau zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nach langer, lebensprägender Ehe Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader, Richterin Barbara Jermann Richterich (Ref.), Richter Edgar Schürmann; Gerichtsschreiberin Karin Arber Parteien A. ____, vertreten durch Advokatin Dr. Catherine Westenberg, Bäumleingas- se 14, 4051 Basel, Klägerin und Appellantin gegen B. ____, vertreten durch Advokat Roger Wirz, Anton von Blarerweg 2, 4147 Aesch BL, Beklagter und Appellant Gegenstand Scheidung Appellationen gegen das Urteil des Bezirksgerichts Arlesheim vom 7. Dezember 2010 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Die Parteien heirateten am 15. September 1989. Der Ehe sind zwei inzwischen volljährige Kinder entsprungen. Die Ehegatten leben seit dem 26 . April 2007 getrennt. Mit Eingabe vom 10. Juni 2009 reichte die Ehefrau die Scheidungsklage ein. In der Folge schied das Bezirksgericht Arlesheim mit Urtei l vom 7. Dezember 2010 die Ehe der Parteien gemäss Art. 112 ZGB (Ziff. 1). Das Bezirksgericht Arlesheim verpflichtete den Ehe- mann, der Ehefrau gemäss Art. 125 ZGB monatliche und v orauszahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 4'500.-- ab Rechtskraft des Urteils bis 31. Deze mber 2011 und danach von CHF 2'500.-- bis zum 31. Dezember 2020 zu bezahlen (Zi ff. 2). Diese Unterhaltsbeiträge wur- den indexiert (Ziff. 3). Weiter wurde die Vereinbaru ng der Ehegatten über die hälftige Teilung ihrer während der Ehe angesparten Vorsorgeguthaben gerichtlich genehmigt und die Vorsorge- einrichtung des Ehemannes angewiesen, den Betrag von CH F 193'758.75 sowie von CHF 100'566.35 auf ein Freizügigkeitskonto der Ehefra u zu überweisen (Ziff. 4). Der Ehemann wurde weiter verpflichtet, der Ehefrau das Motorrad En field 350cc Modell 2000 zu unbeschwer- tem Eigentum herauszugeben (Ziff. 5a) und der Ehefra u aus Güterrecht CHF 5'000.-- und Ve- nezolanische Bolivares 57'500.-- zu bezahlen (Ziff. 5b) . Im Übrigen wurde festgestellt, dass die Ehegatten güterrechtlich vollständig auseinandergesetzt sind (Ziff. 5c). Die Gerichtsgebühr wurde den Parteien je zur Hälfte auferlegt und die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen (Ziff. 6). B. Gegen dieses Urteil haben beide Ehegatten mit Einga ben vom 15. bzw. 17. Dezember 2010 je die Appellation erklärt. Die Appellantin stel lte mit der Appellationserklärung ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung für das Appellationsverfahren. Im Folgenden werden die Parteien der Einfachheit halber Appellant und Appellantin genannt. C. Mit Verfügung vom 4. April 2011 wurde das Gesuch der Appellantin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung abgewiesen wie auch ih r Antrag auf Zusprechung eines An- waltskostenvorschusses. Weiter wurde das schriftliche Verfah ren angeordnet und den Parteien je Frist zur Einreichung der Appellationsbegründung gesetzt. D. Mit Appellationsbegründung vom 31. Mai 2011 beantra gte die Appellantin, es sei die Ehe der Parteien gemäss Art. 114 ZGB zu scheiden. In Abände rung des Urteils des Bezirksgerichts Arlesheim vom 7. Dezember 2010 beantragte sie, der App ellant sei zu verurteilen, ihr aus Gü- terrecht den Betrag von mindestens CHF 500'000.-- bei R echtskraft der Ehescheidung zu be- zahlen. Mehrforderung und Klagänderung nach Eingang d er verlangten Auskünfte würden vor- behalten. Weiter seien die während der Ehe geäufneten Vorsorge- und Freizügigkeitsleistungen hälftig zu teilen und die Pensionskasse des Appellanten anzuweisen, den resultierenden Betrag auf ein noch zu eröffnendes Freizügigkeitskonto der App ellantin zu überweisen. Der Appellant sei weiter zu verurteilen, ihr einen monatlichen und monatlich vorauszahlbaren Unterhaltsbei- trag von CHF 7'500.-- zu bezahlen bis zu seinem Eintritt in das AHV-Alter; dieser Unterhaltsbei- trag sei zu indexieren. Weiter stellte die Appellantin diverse Beweisanträge in Form von Editi- onsbegehren, amtlichen Erkundigungen und einem Gutach terauftrag. Eventualiter beantragte Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht sie, es sei das Urteil aufzuheben und zur Neubeurteilu ng an die Vorinstanz zurück zu weisen, mit der Verpflichtung der Erhebung der von ihr aufgef ührten Beweisanträge. Weiter beantragte die Appellantin, der Appellant sei zu verpflichten, sei ne sämtlichen Bankkonten im In- und Aus- land sowie von seinen Sparversicherungen im Zeitraum von 1989 bis 2010 gemäss Art. 192 ZPO mit Hinweis auf Art. 306 StGB bekannt zu geben. Alles unter o/e-Kostenfolge. E. Mit Appellationsbegründung vom 6. Juni 2011 beantra gte der Appellant, es sei Ziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichts Arlesheim vom 7. Dezember 2010 insofern abzuändern, als der Appellant bei seiner Bereitschaft zu behaften sei, der Appellantin monatlich und im voraus einen Unterhaltsbeitrag von CHF 2'500.-- für die Dauer ei nes Jahres ab Rechtskraft des Scheidungs- urteils zu bezahlen; unter o/e-Kostenfolge. F. Die Appellantin beantragte mit Appellationsantwort vom 3. August 2011 die vollumfängli- che Abweisung der Appellation des Appellanten, unter o/e-Kostenfolge. G. Mit Appellationsantwort vom 8. August 2011 beantragt e der Appellant, es seien die Rechtsbegehren 2 bis 8 der Appellationsbegründung der Appellantin abzuweisen, unter o/e- Kostenfolge. H. Am 18. Oktober 2011 fand eine Schlusseinleitungsverhandl ung statt, an welcher über die Beweisanträge entschieden wurde. Der Appellant wurde bei der Bereitschaft behaftet, eine Bes- tätigung über den Verkauf der Polopferde sowie den Kaufvertrag/die Kaufpreisabrechnung für das Auto einzureichen. Weiter wurde ihm Frist gesetzt zu r Einreichung der Steuererklärungen der Jahre 2008 und 2009 je mit der definitiven Steue rveranlagung inkl. Details. Die weiteren Beweisanträge wurden abgewiesen, wobei neue Beweisan träge gestützt auf die vom Appellant noch einzureichenden Steuererklärungen vorbehalten blieben. I. Mit Eingabe vom 19. Dezember 2011 reichte der Appella nt die von ihm mit Verfügung vom 18. Oktober 2011 einverlangten Unterlagen ein. Mit Stellungnahme vom 20. Januar 2012 stellte die Appellantin weitere Beweisanträge auf Ei nholung von detaillierten Auszügen der Pensionskasse des Appellanten und wiederholte gewisse Editionsbegehren. Mit Verfügung vom 2. Februar 2012 wurden diese Beweisanträge abgewiesen. J. Mit Eingabe vom 5. April 2012 reichte die Appellant in ein Arztzeugnis vom 3. April 2012 sowie einen von ihr verfassten Ehebericht ein. K. Zur heutigen Verhandlung erscheinen beide Parteien mit der Rechtsvertreterin bzw. dem Rechtsvertreter. Die Appellantin reicht einen Arztbericht vom 13. April 2012 sowie zwei Mails an den Gegenanwalt vom 6. bzw. 7 Dezember 2011 ein. Die Appellantin zieht die Appellation in Bezug auf Ziffer 5 (Güterrecht) des vorinstanzlichen Ur teils protestando Kosten zurück. Das Rechtsbegehren betreffend Unterhaltsbeitrag ändert si e insofern, als sie beantragt, der Appel- lant sei zu verpflichten, der Appellantin eine Kapital abfindung von CHF 797'510.-- zu bezahlen, eventualiter einen monatlichen und monatlich vorauszahlba ren Unterhaltsbeitrag von CHF 7'500.-- bis zum Eintritt des Appellanten in sein sc hweizerisches AHV-Alter. Die Parteien Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden befragt und die Plädoyers gehalten. Auf die P arteiaussagen sowie die in den Rechts- schriften und Plädoyers vorgebrachten Ausführungen wird - soweit erforderlich - in den Erwä- gungen eingegangen. Erwägungen 1. Vorab ist zu klären, ob für das vorliegende Rechtsmittel verfahren die kantonale Zivilpro- zessordnung (ZPO BL) oder die neue Schweizerische Zivilpr ozessordnung (ZPO CH) anwend- bar ist. Die Appellantin stellt sich auf den Standpunkt, für die Frage, welches Rechtsmittel zu ergreifen sei, sei zwar die ZPO BL anwendbar, das Rech tsmittelverfahren selber laufe jedoch nach der ZPO CH, weil die Urteilsbegründung der Vori nstanz erst im Januar 2011 erfolgt sei. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz hat an der Hauptverhandlung vom 7. Dezember 2010 - und damit vor Inkrafttreten der S chweizerischen Zivilprozessordnung am 1. Januar 2011 - das Urteil beraten und den Parteien mündlich eröffnet. Für das Rechtsmittel galt daher entsprechend Art. 405 Abs. 1 ZPO CH die d amals noch geltende kantonale Zivilpro- zessordnung. Mit Eingaben vom 15. bzw. 17. Dezember 2010 erklärten die Parteien entspre- chend der ZPO BL die Appellation. Mit diesen Appella tionserklärungen war das Rechtsmittel- verfahren hängig. Die erste Verfügung des Kantonsgericht s Basel-Landschaft im vorliegenden Appellationsverfahren erging denn auch bereits am 21. Dezember 2010, d.h. ebenfalls noch vor Inkrafttreten der neuen ZPO CH. Für Verfahren, die b ei Inkrafttreten der ZPO CH rechtshängig sind, gilt das bisherige Verfahrensrecht bis zum Abschluss vor der betroffenen Instanz (Art. 404 Abs. 1 ZPO CH). Diese Bestimmung gilt für erst- und zwe itinstanzliche Verfahren (T HOMAS SUTTER -SOMM /B ENEDIKT SEILER , in: Thomas Sutter-Somm / Franz Hasenböhler / Christo ph Leuenberger (Hrsg.), Kommentar zur Schweizerischen Zivilp rozessordnung, Art. 404 N 5). Da das Appellationsverfahren am 1. Januar 2011 bereits hän gig war, gilt daher bis zum Abschluss des Rechtsmittelverfahrens noch die ZPO BL. In welchem Zeitpunkt die schriftliche Begründung der Vorinstanz erfolgte, ist nicht massgebend. Im Übrig en wurde das gesamte Appellationsver- fahren nach den Regeln der ZPO BL durchgeführt (beispi elsweise ersichtlich in den erfolgten Fristerstreckungen für die Einreichung der Rechtsschriften, was gemäss ZPO CH aufgrund der gesetzlichen Fristen nicht mehr möglich ist), ohne dass d ie Appellantin jemals dagegen oppo- niert hätte. 2. Gemäss § 9 Abs. 1 lit. a ZPO BL kann gegen Urteile de r Dreierkammern der Bezirksge- richte appelliert werden, sofern der Streitwert am E nde der Parteiverhandlung ohne Zinsen und Kosten CHF 8'000.-- erreicht oder der durch das Urteil erlittene Nachteil, Zinsen und Kosten nicht gerechnet, mehr als CHF 5'000.-- beträgt; gemäss § 9 Abs. 1 lit. b ZPO ist die Appellation möglich, wenn das Urteil Leistungen und Verpflichtunge n zum Gegenstand hat, die durch ihre wiederkehrende Natur den appellablen Betrag erreiche n. Im vorliegenden Fall erreichen beide Appellationen den vorausgesetzten Streitwert. Beide Appellationen erfolgten zudem rechtzeitig. Nachdem auch die weiteren Formalien eingehalten sind, ist auf beide Appellationen einzutreten. Zuständig für die Beurteilung ist gemäss § 11 Ziff. 2 Z PO die Dreierkammer der Abteilung Zivil- recht des Kantonsgerichts. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Neue Tatsachen und Beweismittel können gemäss Art. 13 8 Abs. 1 aZGB in der oberen kantonalen Instanz ohne Einschränkung vorgebracht werden. In der Bestimmung des massgeb- lichen Zeitpunkts für die Geltendmachung von Noven in de r zweiten Instanz ist der kantonale Gesetzgeber frei. § 130 Abs. 3 ZPO BL hält dazu fest, dass in Scheidungssachen neue Tatsa- chen und Beweismittel im zweitinstanzlichen Verfahren mi t der ersten Rechtsschrift und im mündlichen Verfahren bis zum Abschluss des Beweisverfahrens eingebracht werden können. Mit Eingabe vom 5. April 2012 sowie an der heutigen Verhandlung hat die Appellantin nach ih- rer ersten Rechtsschrift weitere Unterlagen eingereicht . Der Appellant hat gegen den Beizug dieser Unterlagen jedoch nicht opponiert und deren Z ulassung explizit zugestanden. Diese Un- terlagen sind daher nicht aus dem Recht zu weisen. Ob sie relevant sind, wird in den nachfol- genden Erwägungen geprüft. 4. Die Appellantin hat ihre Appellation bezüglich Güter recht bzw. Ziffer 5 des vorinstanzli- chen Urteils an der heutigen Hauptverhandlung zurückgezo gen. Auf die diesbezüglichen Aus- führungen in ihrer Appellationsbegründung vom 31. Mai 2011 ist daher nicht mehr weiter einzu- gehen. 5.1 Die Appellantin bringt im Zusammenhang mit dem Vor sorgeausgleich vor, die Ehe der Parteien sei noch nicht rechtskräftig geschieden, weshalb von einer noch andauernden Ehe auszugehen sei. Dementsprechend seien die in der Zwi schenzeit angesparten Freizügigkeits- leistungen des Appellanten bis zum mutmasslichen Scheidungsurteil hälftig zu teilen. Die in der geschlossenen Vereinbarung vom 7. Dezember 2010 zum Vo rsorgeausgleich aufgeführten Be- träge seien unter der Bedingung definiert worden, da ss die Scheidung an diesem Tag ausge- sprochen und bei Appellationsverzicht dann oder wenig spät er rechtskräftig würden. Die Appel- lantin habe auf die nun während des Appellationsverfa hrens auflaufenden Freizügigkeitsgutha- ben nicht verzichtet. Die "Vereinbarung" sei aufgrund d er Appellation nicht rechtskräftig gewor- den. Die Parteien seien sich einig, dass die Austrittslei stungen während der ganzen Ehedauer hälftig zu teilen seien. Gemäss Art. 122 ZGB dürfe nur ausnahmsweise von einer hälftigen Tei- lung abgewichen werden. Falls das Gericht zum Schluss kommen sollte, dass eine Teileinigung im Sinne von Art. 123 ZGB vorliege, so seien die Regeln des Irrtums gemäss Art. 23 ff. OR an- zuwenden und die Vereinbarung als unverbindlich zu erklär en. Die Appellantin habe gegen das ganze Scheidungsurteil die Appellation erklärt. Das Sche idungsverfahren sei noch hängig und die Ehe noch nicht aufgelöst, so dass auch keine Teileinig ung gemäss Art. 122 ZGB erfolgen könne. Der Appellant entgegnet in seiner Appellationsantwor t, die Parteien hätten anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Arlesheim vom 7. Dezember 2010 eine Vereinbarung über die Teilung der Freizügigkeitsguthaben abgeschlossen , welche richterlich genehmigt wor- den sei. Diese Vereinbarung werde durch die Appellation nicht einfach hinfällig. Sie sei an keine Bedingung geknüpft gewesen und nicht unter dem Vorbe halt gestanden, dass die Scheidung gleichentags rechtskräftig würde. Die Voraussetzungen fü r eine Irrtumsanfechtung seien eben- falls nicht gegeben. Diese würden von der Appellantin auch nicht substantiiert. 5.2 Die Appellantin hat bei der Vorinstanz die Klage ein gereicht und die Scheidung der Ehe beantragt. Der Appellant hat mit Klagantwort vom 31. März 2010 ebenfalls die Scheidung bean- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tragt. Die Scheidung als solche war daher schon bei der Vorinstanz nicht strittig; vielmehr be- stand der übereinstimmende Wille beider Parteien auf Scheidung der Ehe. Die Vorinstanz hat die Ehe der Parteien denn auch mit Urteil vom 7. De zember 2010 geschieden und ist damit betreffend Statusfolge dem Antrag beider Ehegatten nachgekommen. Es ist daher kein Rechts- schutzinteresse für die Anfechtung des Scheidungspunktes als solchen ersichtlich, unabhängig davon, ob die Scheidung gestützt auf Art. 112 oder 114 ZGB ausgesprochen wurde. Die Appel- lantin kann sich auch nicht auf den Standpunkt stellen, si e habe das gesamte Scheidungsurteil angefochten. Die Vorinstanz hat die Ehe der Parteien geschieden und die Appellantin beantragt in ihrer Appellationsbegründung vom 31. Mai 2011 ebe nfalls die Scheidung der Ehe. Hinsicht- lich der Statusfolge verlangt die Appellantin somit gar keine Änderung des vorinstanzlichen Ur- teils, so dass diesbezüglich auch gar kein Rechtsmittel ergri ffen wurde. Gestützt auf diese Aus- führungen ist die Scheidung weder anfechtbar noch ang efochten worden. Gemäss Art. 148 aZGB hemmt die Einlegung eines Rechtsmittels den Eintri tt der Rechtskraft nur im Umfang der Anträge. Da die Appellantin mit ihrer Appellation d ie Scheidung als solche nicht angefochten hat, ist diesbezüglich der Eintritt der Rechtskraft nicht g ehemmt. Die von der Vorinstanz mit Ur- teil vom 7. Dezember 2010 ausgesprochene Scheidung ist somit rechtskräftig geworden und die Ehe seit diesem Datum geschieden. Wenn die Ehe also seit dem 7. Dezember 2010 rechts- kräftig geschieden ist, hat die Appellantin folglich kein en Anspruch auf die Teilung der seither erworbenen Freizügigkeitsleistungen des Appellanten. S oweit die Appellantin die Vereinbarung der Ehegatten vom 7. Dezember 2010 über die Teilung der Vorsorgeguthaben wegen Irrtums gemäss Art. 23 ff. OR anfechten will, ist festzustellen, dass ein Willensmangel nicht substantiiert wurde. Im Übrigen sind keine Unregelmässigkeiten weder in der Höhe der Altersguthaben des Appellanten noch in den Aufstellungen der Pensionskasse des Appellanten noch in der Berech- nung der hälftigen Teilung gemäss Parteivereinbarung vo m 7. Dezember 2010 ersichtlich. Vielmehr sind die in der Vereinbarung und im Scheidun gsurteil festgehaltenen Beträge korrekt (vgl. auch die diesbezüglichen Ausführungen in der Ver fügung vom 2. Februar 2012, Erw. a). Gestützt auf diese Ausführungen ist die Appellation de r Appellantin zum Vorsorgeausgleich abzuweisen. 6. Gegen den von der Vorinstanz festgelegten Unterhalt sbeitrag haben beide Parteien die Appellation erklärt. Die Vorinstanz hat mit Ziffer 2 d es Urteils vom 10. Dezember 2010 den Ap- pellanten verpflichtet, der Appellantin gemäss Art. 1 25 ZGB mit Wirkung ab Rechtskraft des Urteils monatliche und vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 4'500.-- bis zum 31. De- zember 2011 und danach von CHF 2'500.-- bis zum 31. Deze mber 2020 zu bezahlen. Die Ap- pellantin fordert mit ihrer Appellation einen monat lichen Unterhaltsbeitrag von CHF 7'500.-- bis zum Eintritt des Appellanten in sein AHV-Alter. Der Ap pellant beantragt dagegen mit seiner Ap- pellation, er sei in Abänderung von Ziffer 2 des vorin stanzlichen Urteils bei seiner Bereitschaft zu behaften, der Appellantin einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 2'500.-- für die Dau- er eines Jahres ab Rechtskraft des Scheidungsurteils zu bezahlen. 6.1 Die Vorinstanz führt aus, die Appellantin erziele kein e igenes Einkommen und es sei zu prüfen, ob ihr die Aufnahme einer Erwerbsmöglichkeit möglich und zumutbar sei. Sie hält fest, die Appellantin stehe kurz vor ihrem 50. Geburtstag, sei gesund, sei seit einigen Jahren mit kei- nerlei Obhutspflichten mehr betraut und habe in ihrem Leben mehr als 12 Jahre in der Schweiz Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gelebt. Ihre Deutschkenntnisse seien mangelhaft und sie verfüge über keine abgeschlossene Ausbildung. Der Appellant habe ihr nach der Trennun g ein Nagelstudio finanziert. Dieses laufe nach Angaben der Appellantin defizitär, so dass daraus ke ine Einkünfte zu erwarten seien. Sie habe zwar einige erfolglose Bewerbungsversuche unterno mmen, sich jedoch vorwiegend auf Stellen im Verkaufsbereich gemeldet. In diesem Tätigke itsbereich seien jedoch gewisse Deutschkenntnisse vorausgesetzt, über welche die Appella ntin nach eigenen Angaben nicht verfüge. Für andere Arbeitstätigkeiten habe sie praktisc h keine Bewerbungsversuche unter- nommen. Die Sprachprobleme und die fehlende Ausbild ung würden ihre Stellensuche nicht erleichtern. Aufgrund ihres Alters und ihrer Gesundhei t sei ihr jedoch durchaus möglich, eine Anstellung zu finden. So gebe es Arbeitstätigkeiten (z .B. in der Produktion) für ungelernte Ar- beitskräfte mit mangelhaften Deutschkenntnissen, deren A usführung der Appellantin möglich sei. Der Appellantin sei auch zumutbar, ein eigenes Einkommen zu erzielen, wenn auch nicht in der von ihr bevorzugten Branche. Es sei unbestritten, das s die Ehegatten einen hohen Lebens- standard gelebt hätten. Seit der Rückkehr in die Schweiz im Jahre 2007 und der Trennung müsse der Appellantin jedoch klar gewesen sein, dass sie nic ht mehr auf die Weiterführung der Ehe habe vertrauen dürfen. Sie weise zwar einige Bewer bungsversuche nach, ansonsten sei aber nicht ersichtlich, was sie für die Verbesserung ihre r Chancen auf dem Arbeitsmarkt getan habe. So seien etwa keine Bemühungen für die Beseiti gung der bestehenden Sprachbarrieren ersichtlich. Bei der Trennung sei die Appellantin 47 Ja hre alt, ohne gesundheitliche Probleme und ohne Obhutspflichten gewesen. Der Zumutbarkeit der Aufnahme einer Arbeitstätigkeit habe nichts im Wege gestanden. Sie habe versucht, sich mit d em Aufbau eines Nagelstudios selb- ständig zu machen und habe dadurch auch gezeigt, dass ihr eine Erwerbstätigkeit grundsätzlich zumutbar sei und sie nicht davon ausgegangen sei, keiner solchen nachgehen zu müssen. Spätestens seit der Trennung sei ihr zumutbar gewesen, eine Arbeitstätigkeit in irgendeiner Form aufzunehmen. Die Vorinstanz legt das hypothetische Einkommen der Appellantin sodann auf CHF 3'500.-- netto fest. Sie führt aus, da die A ppellantin weder über eine Ausbildung noch über Berufserfahrung verfüge, sei der Lohn einer unge lernten Arbeitskraft beizuziehen. Betref- fend Umstellungsfrist ging die Vorinstanz von einer Über gangsfrist von einem Jahr aus, wobei angenommen wurde, dass die Appellantin innert kurzer Frist einen monatlichen Zuverdienst von CHF 1'500.-- erzielen könne, welcher ihr für die einjährige Übergangsfrist angerechnet wurde. Die Appellantin führt in ihrer Appellationsbegründun g aus, sie habe einen Anspruch auf einen angemessenen und gebührenden Unterhalt. Es liege eine Ehedauer von 20 Jahren und damit eine langjährige Ehe vor. Die Ehe sei lebensprägend ge wesen. Sie selber stamme aus V.____ und weise keine besondere Berufsausbildung aus. Die Eheg atten hätten eine Ehe in klassi- scher Rollenverteilung geführt. Die Appellantin habe den Haushalt besorgt und die Kinder gross gezogen. Es sei dem Appellant ein Anliegen gewesen, d ass die Appellantin nicht berufstätig sei. Der Appellant sei als Expat im Ausland tätig gewese n. Die Familie habe vor der Trennung dreieinhalb Jahre in W.____ und sechs Jahre in X.____ ge lebt. Aufgrund des Umzugs in diese Länder habe die Appellantin keiner Arbeitstätigkeit n achgehen können, zum einen wegen man- gelnder Arbeitserlaubnis und zum anderen, weil der Ap pellant das nicht gewollt habe. Das Le- ben als Expat habe ihnen ein sehr luxuriöses Leben ermögl icht, da alle Ausgaben vom Arbeit- geber übernommen worden seien. Sie hätten in W.____ und X.____ über ein luxuriöses Haus, Dienstboten und Chauffeure verfügt. Der Appellant hab e sich mehrere Polopferde, Autos und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein Motorrad leisten können. Da die Ehe langjährig un d lebensprägend gewesen sei, sei nicht an die vorehelichen Verhältnisse anzuknüpfen, sondern an den Standard, der während der Ehe gelebt worden sei. Es bestehe ein voller Vertrauensschutz in die Versorgungsgemeinschaft und das Prinzip des clean break müsse in den Hintergrund tret en. Die Lebensstellung schränke auch den Kreis der zumutbaren Erwerbstätigkeit ein. Di e Vorinstanz sei an der Hauptverhand- lung davon ausgegangen, dass die Appellantin eine Stel le als Putzfrau annehmen könne und ihr dies zumutbar sei. In der schriftlichen Urteilsbegrün dung sei eine Stelle als ungelernte Kraft, z.B. in der Produktion, als zumutbar dargelegt worden. Aufgrund des Lebensstandards sei je- doch eine Arbeitsstelle am Fliessband absolut unzumutba r. Die Appellantin sei heute 50 Jahre alt. Im Zeitpunkt der Trennung sei sie 48 Jahre alt gew esen. Es sei ihr nicht mehr zumutbar, eine angemessene Stelle zu finden, die ihren Lebensun terhalt sichere. Dies, weil ihr eine Be- rufsausbildung fehle und es ihr an Deutschkenntnissen mang le. Zudem sei eine Wiedereinglie- derung einer 50-Jährigen, die 20 Jahre nicht erwerbstä tig gewesen sei, ein Ding der Unmög- lichkeit. Sie habe trotzdem versucht, eine Arbeitsstell e zu finden und sich auch beim RAV be- worben. Die Bemühungen seien jedoch gescheitert. Weiter habe sie versucht, mit einem Nagel- studio einen Eigenerwerb zu erzielen. Das Geschäft sei j edoch defizitär, weil die Appellantin aufgrund der mangelnden Finanzen keine Möglichkeit habe, Werbung zu machen. Aufgrund der langen Auslandsabwesenheit fehle ihr auch ein Netzwerk. Zudem trage die heutige Rezession auch dazu bei, dass solche Dienstleistungen nicht in Anspr uch genommen würden. Ihre Eigen- versorgungskapazität sei gleich null. Der Appellant bringt vor, bei der Frage, ob die Auf nahme einer Erwerbstätigkeit zumutbar sei, sei auch den gewandelten gesellschaftlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Diese seien gekennzeichnet von einer starken Ausdehnung der Erwer bstätigkeit auch verheirateter Frauen und von Frauen im fortgeschrittenen Alter. Die Erwerb stätigkeit sei heute auch für solche Per- sonen längst die Regel. Die Ehe als nachwirkende Versorg ungseinrichtung entspreche den heutigen gesellschaftlichen Vorstellungen ebenso wenig w ie das Bild der Gattin, die sich von jeder Erwerbstätigkeit fern halte. Die Vorinstanz habe zu Recht festgestellt, dass es der Appel- lantin möglich und zumutbar sei, einer Arbeitstätigkeit nachzugehen. Sie habe spätestens seit der Trennung im August 2007 keinerlei Obhutspflichte n mehr und habe schon damals davon ausgehen müssen, dass die Trennung definitiv sei. Mit dem Versuch, ein Nagelstudio aufzu- bauen, habe die Appellantin selber eine Arbeitstätigkeit als zumutbar erachtet. Im Zeitpunkt der Trennung sei sie 47 Jahre alt gewesen. Die Vorinstanz ha be während einer Übergangsfrist von einem Jahr ein Erwerbseinkommen von CHF 1'500.-- pro Mo nat als möglich und zumutbar er- achtet. Die Appellantin habe jedoch angesichts der erwä hnten Fakten die Übergangszeit zur Erlangung zusätzlicher Kenntnisse und Fähigkeiten längst gehabt. Nach der Übergangsfrist von einem Jahr halte die Vorinstanz zwar zu Recht die Auf nahme einer vollen Erwerbstätigkeit für möglich und zumutbar, gehe jedoch mit einem Einkommen von CHF 3'500.-- von einem viel zu tiefen Lohn aus. Dass die Appellantin keinen eigentlich en Berufsabschluss und schlechte Deutschkenntnisse habe, seien keine ehebedingten Nachtei le. Im Zeitpunkt der Heirat sei sie 28 Jahre alt gewesen und habe die Zeit ihrer berufl ichen Ausbildung hinter sich gehabt. Wäh- rend ihres insgesamt 12-jährigen Aufenthalts in der Sch weiz hätte sie auch ausreichend Mög- lichkeit gehabt, die deutsche Sprache besser zu erlernen, wenn sie dies gewollt hätte. In all diesen Jahren habe sie keinerlei Bemühungen gezeigt, i hre Deutschkenntnisse oder andere Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fähigkeiten zu verbessern, die ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöht hätten. Die Nachteile in der Sprache und Ausbildung könne die Appellantin jedoch kompensieren oder beheben. Sie verfüge über Kenntnisse und Fähigkeiten im künstlerischen B ereich, verstehe sich in der Ge- sellschaft gewandt zu bewegen und verfüge aufgrund der b isherigen Lebenshaltung auch über eine Weltgewandtheit und über eine überdurchschnittli che Lebenserfahrung. Wenn sie ihre Kenntnisse und Fähigkeiten gezielt ausbauen und einsetzen würde, könne sie deutlich mehr als CHF 3'500.-- netto pro Monat verdienen. Im Kunstbere ich (Galerien, Messen, Museen) oder in der Mode-, Kosmetik- oder Designerbranche würde sie besse r bezahlte Beschäftigungsmög- lichkeiten finden, sei es Empfang und Betreuung, Organ isation, Administration oder Repräsen- tation. 6.2 Bei der Festsetzung von Unterhaltsbeiträgen darf vom tatsächlichen Leistungsvermögen der Unterhaltsberechtigten (wie auch des Unterhaltsverpflichteten) abgewichen und stattdessen von einem hypothetischen Einkommen ausgegangen werden, sofern dieses zu erreichen zu- mutbar und möglich ist. Dabei handelt es sich um zwei Vor aussetzungen, die kumulativ erfüllt sein müssen. Damit ein Einkommen überhaupt oder ein h öheres Einkommen als das tatsäch- lich erzielte angerechnet werden kann, genügt es nicht, dass der betroffenen Partei weitere An- strengungen zugemutet werden können. Vielmehr muss es a uch möglich sein, aufgrund dieser Anstrengungen ein höheres Einkommen zu erzielen (Bger 5 A_435/2011 vom 14.11.2011, E. 6.2; Bger 5A_340/2011 vom 07.09.2011, E. 5.2.1). Die Ehe der Parteien dauerte von der Heirat am 15. September 1989 bis zur Trennung im Jahre 2007 rund 18 Jahre bzw. bis zur Einreichung der Scheidun gsklage im Juni 2009 rund 20 Jahre. Der Ehe sind zwei Kinder entsprungen und die Appellantin war während der Ehe nicht erwerbs- tätig. Es handelt sich zweifellos um eine lange und lebe nsprägende Ehe. Die Appellantin ist inzwischen 51 Jahre alt und seit der Trennung im Jahre 2 007 mit keinen Obhutspflichten mehr betraut. Sie weist nur wenige Bewerbungsversuche nach u nd gibt betreffend ihrem Nagelstudio an, dieses sei defizitär. Die Appellantin hat weder um fangreiche Bemühungen für das Finden einer Arbeitsstelle nachgewiesen, noch dargelegt, welch e Initiative sie für das Nagelstudio un- ternommen hat. Sie hat somit nicht bewiesen, dass sie t rotz umfangreichen Bemühungen kein Einkommen generieren kann. Vielmehr hat sie nur behau ptet, kein solches erzielen zu können. Es ist davon auszugehen, dass die Appellantin mit entspre chenden Bemühungen auch ein Ein- kommen erzielen kann. Weiter ist nicht ersichtlich, was sie für die Verbesserung ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt konkret getan hat. So hat sie insb esondere ihre Deutschkenntnisse nicht verbessert. Auch diesbezügliche Bemühungen sollten ihre C hancen steigern und ihr ein Er- werbseinkommen ermöglichen. Sie hat in ihrem Leben 12 Jahre in der Schweiz gelebt. Ihre Deutschkenntnisse sind mangelhaft, wie anlässlich der heu tigen Hauptverhandlung festgestellt werden konnte, und sie verfügt über keine abgeschlossene Ausbildung. Obwohl die mangelhaf- ten Deutschkenntnisse und eine fehlende Ausbildung die Erwerbstätigkeit erschweren, ist eine solche nach Auffassung des Kantonsgerichts dennoch möglich. So steht der Appellantin ein eingerichtetes Nagelstudio zur Verfügung und sie hat ent sprechende Schulungen absolviert, so dass sie in ihrem Nagelstudio erwerbstätig sein kann. A ber auch Einsätze an Messen oder mit sonstigen Repräsentationsaufgaben sind möglich. Die App ellantin verfügt über Fremdspra- chenkenntnisse und aufgrund ihrer Repräsentationspflich ten als Ehegattin eines Expatriates Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht kennt sie das Auftreten in gehobenen Kreisen und ist sich dieses gewohnt. Weiter hat sie durch ihre mehrjährigen Aufenthalte in ganz verschiedenen Ku lturkreisen (V.____, Schweiz, W.____, X.____) vielseitige kulturelle Erfahrungen. In Basel f inden jährlich diverse Messen statt, an wel- chen die Appellantin aufgrund ihrer Sprachkenntnisse, ihres Auftretens, ihrer Weltgewandtheit und ihrer kulturellen Erfahrungen als Messe-Hostess durchaus gefragt ist. Dies gilt insbesonde- re für Messen, in welchen Leute der gehobenen Kreise v erkehren, wie beispielsweise die Uh- ren- und Schmuckmesse oder die Kunstmesse Art Basel. Als weiterer Tätigkeitsbereich der Appellantin ist auch das Erteilen von Privatunterricht der portugiesischen Sprache möglich, hat sie doch den Appellanten durch eine solche Vermittlung von Sprachunterricht kennen gelernt, auch wenn sie ihn in der Folge nicht unterrichtet hat. Das Kantonsgericht sieht in diesen ge- nannten Tätigkeiten durchaus Erwerbsmöglichkeiten der A ppellantin. Nicht realistisch scheint jedoch eine 100%-Anstellung. Die Appellantin hat kei ne Ausbildung und war seit 20 Jahren nicht mehr angestellt. Es ist daher nicht realistisch, dass sie in der heutigen Wirtschaftslage mit ihrem Alter von inzwischen 51 Jahren noch eine 100%-Anstellung findet. Die Appellantin beruft sich auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach einem haushalt- führenden Ehegatten die Wiederaufnahme einer Erwerb stätigkeit dann nicht mehr zuzumuten sei, wenn er im Zeitpunkt der Scheidung das 45. Alter sjahr erreicht hat. Dabei handelt es sich jedoch um keine starre Regel, sondern vielmehr um eine Vermutung, die durch andere Anhalts- punkte, die für die Wiederaufnahme sprechen, umgestossen werden kann. Nach der heutigen Praxis wird auf den Zeitpunkt der definitiven Trennung abgestellt, es sei denn, der ansprechen- de Ehegatte habe nach Treu und Glauben davon ausgehen können, er müsse sich nicht um ein eigenes Einkommen bemühen (Bger 5A_206/2010 vom 21. Ju ni 2010, E. 5.3). Das Kantonsge- richt schliesst sich den Ausführungen der Vorinstanz in Erw ägung 6.3.2 an. Der Appellantin musste nach der Rückkehr in die Schweiz im Jahre 2007 und der folgenden Bestätigung der Trennung klar gewesen sein, dass sie nicht mehr auf die Weiterführung der Ehe vertrauen konnte. Sie war in diesem Zeitpunkt 47 Jahre alt, ohne gesundheitliche Probleme und ohne Obhutspflichten, so dass ihr die Aufnahme einer Arbeit durchaus zuzumuten war. Sie hat einige Bewerbungen vorgenommen und versucht, sich mit dem Aufba u eines Nagelstudios selbstän- dig zu machen. Dadurch hat sie gezeigt, dass ihr eine Er werbstätigkeit grundsätzlich zumutbar ist und sie auch selber nicht davon ausgegangen ist, keiner solchen nachgehen zu müssen. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist das Kantonsgericht jedoch der Auffassung, dass der Appellantin die Aufnahme einer Arbeit als Hilfsarbeit erin, als Putzfrau, am Fliessband etc. nicht zumutbar ist aufgrund des hohen Lebensstandards, welche n die Ehegatten während der lang- jährigen Ehe gelebt haben. Zumutbar und möglich sind dagegen die bereits oben beschriebe- nen Tätigkeiten in ihrem Nagelstudio, an Messen, durch portugiesischen Sprachunterricht oder mit allgemeinen Repräsentationsaufgaben. 6.3 Die Appellantin bringt in der Hauptverhandlung vor , eine Erwerbstätigkeit sei ihr aus ge- sundheitlichen Gründen nicht möglich. Aufgrund der psychi schen Verfassung habe die Ärztin der Appellantin eine IV-Anmeldung empfohlen, welche nun in die Wege geleitet werde. Zudem sei letzte Woche festgestellt worden, dass sie an Osteoporo se leide. Auch aus diesen Gründen seien gewisse Arbeiten nicht mehr möglich. Sie habe deshalb auch Schmerzen beim Feilen der Fingernägel gehabt. An der Parteinbefragung anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptver- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht handlung hat die Appellantin ausgesagt, vom vielen Feilen der Nägel seien ihre Knochen kaputt gegangen. Die Appellantin hat mit Eingabe vom 5. April 2012 ein Schreiben vom 3. April 2012 von Dr. med. C.____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, ei ngereicht. Die Ärztin bestätigt, dass die Appellantin seit dem 13.09.2011 in ihrer Behandl ung stehe. Aus gesundheitlichen Gründen sei diese nicht in der Lage, einer Erwerbstätigkeit nach zugehen. Eine IV-Abklärung solle einge- leitet werden. Weiter reicht die Appellantin an der Hauptverhandlung den ärztlichen Bericht von Dr. med. D.____ vom 13. April 2012 ein. Aus diesem Ber icht geht hervor, dass die Appellantin an therapieresistenten Ellenbogenschmerzen, einer neu fe stgestellten Osteoporose und einem leicht neurologisch verifiziertem Karpaltunnelsyndrom l eide. Im Vordergrund stehe die Behand- lung der neu festgestellten Osteoporose. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entsche idend, ob der Bericht für die strei- tigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchung en beruht, die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtend ist und ob die Schlussfolgerungen der Fac hperson begründet sind (vgl. dazu die von der Rechtsprechung aufgestellten Richtlinien im Berei ch des Sozialversicherungsrechts, BGE 125 V 351, E. 3). Der Erfahrungstatsache, wonach H ausärzte mitunter wegen ihrer auf- tragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zu G unsten ihrer Patienten aussagen, ist dabei ebenfalls Rechnung zu tragen (vgl. BGE 125 V 351 , E. 3.b.cc). Der Bericht von Dr. med. C.____ enthält keinerlei Ausführungen zu medizinischen Zusammenhängen und Beurteilungen, sondern lapidar die Aussage, die Appellantin könne aus g esundheitlichen Gründen keiner Er- werbstätigkeit nachgehen, ohne jegliche Begründung. D ieser Bericht ist nicht aussagekräftig und daher nicht zu berücksichtigen. Der Bericht von Dr. me d. D.____ nennt drei verschiedene Diagnosen und die aktuelle Behandlung der Osteoporose. Dieser Bericht enthält keine Ausfüh- rungen dazu, dass die Arbeitsfähigkeit der Appellanti n eingeschränkt sein soll. Aufgrund der beiden eingereichten Arztberichte kann daher nicht davo n ausgegangen werden, dass die Ap- pellantin aus gesundheitlichen Gründen in der Erwerbs fähigkeit eingeschränkt ist. Die von der Appellantin vorgebrachten gesundheitlichen Aspekte stehen daher einer Arbeitstätigkeit nicht entgegen. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass der Ap pellantin die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit möglich und zumutbar ist. 6.4 Es stellt sich nunmehr die Frage, welches Einkommen die Appellantin erzielen kann. Ihre Aussagen zum Nagelstudio sind insofern widersprüchlich, al s sie einerseits sagt, dieses sei defizitär, und andererseits vorbringt, wegen dem vielen Feilen an den Nägeln hätten ihre Kno- chen gelitten. Dieses viele Feilen deutet eher auf zahlr eiche Kundschaft hin. Da die Appellantin insgesamt auch schon mindestens 12 Jahre in der Schweiz gel ebt hat, ist auch fraglich, ob das Netzwerk fehlt, wie sie behauptet. Es wird davon ausgegangen, dass die Appellantin ein gewis- ses Grundeinkommen aus dem Nagelstudio erzielen kann. Da neben kann sie puzzleartig mit Nebenerwerben aus Einsätzen an Messen, mit Repräsentati onsjobs und mit Sprachunterricht ein kleines Zusatzeinkommen generieren. Aufgrund des selb ständig geführten Nagelstudios Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht verfügt sie hierfür auch über die nötigen zeitlichen Di spositionsmöglichkeiten. Die Einkommen werden aus diesen verschiedenen Quellen nicht konstant sei n und variieren. Insgesamt dürfte jedoch ein durchschnittliches monatliches Einkommen von run d CHF 2'000.-- netto realistisch sein. Von einem Einkommen von CHF 3'500.-- oder gar no ch deutlich höher, wie der Appellant ausführt, kann nicht ausgegangen werden, da eine 100 %-Anstellung nicht realistisch ist (siehe Erwägung 6.2 hiervor), sondern die Appellantin ihr Einkommen mit verschiedenen, z.T. nur spo- radischen Arbeitsmöglichkeiten, erzielen kann. Weiter ist zu berücksichtigen, dass sie bei Krankheit und Ferienabwesenheiten keine Lohnfortzahlu ng geniessen kann, sondern diesfalls Ausfälle hinzunehmen hat. Hinzu kommt, dass die Appella ntin ab 1. Januar 2021 (AHV-Alter des Appellanten) keinen Unterhaltsbeitrag mehr erhält und alsdann bis zu ihrer eigenen AHV- Rente fünf Jahre überbrücken muss. Für diese Lücke muss sie vorsorgen, so dass auch aus diesem Grund kein höheres Einkommen als CHF 2'000.-- an zurechnen ist, bzw. allfällige höhe- re Einnahmen für die Vorsorge während dieser Lücke dienen sollen. Für die Erzielung dieses Einkommens ist der Appellantin eine gewisse Umstellungsfrist zu ge- währen. Zum einen muss sie das Einkommen aus den geschilderten Nebenerwerben erst orga- nisieren und zum anderen ist ihr auch für ihr Nagelstud io eine kurze Zeit für den Ausbau bzw. die Wiederaufnahme des Betriebes zu gewähren. Entspreche nd diesen Ausführungen wird der Appellantin das hypothetische Einkommen von CHF 2'000.-- erst ab Juli 2012 angerechnet. Bis Juni 2012 wird ein Einkommen von monatlich CHF 1'000.- - eingesetzt. Dabei wird aufgrund der Aussage der Appellantin, dass sie vom vielen Feilen selbe r Knochenprobleme bekommen ha- be, davon ausgegangen, dass sie auch in dieser Phase in ihrem Nagelstudio tätig war und ein geringes Einkommen im Durchschnitt von monatlich CHF 1'000.-- erzielen konnte. 6.5 In einem nächsten Schritt bestimmte die Vorinstanz den monatlichen Bedarf der Appellan- tin (Erwägung 6.4 des vorinstanzlichen Urteils). Sie gi ng von einer lebensprägenden Ehe aus und erläuterte, diese berechtige zur Weiterführung d es ehelichen Standards. Ein Leben, wie es die Ehegatten an ihrem letzten Wohnort in X.____ ge führt hätten, inkl. hauseigenem Swim- mingpool, Tennisplatz und eigenen Polopferden, stelle sich in der Schweiz aufgrund der höhe- ren Lebenshaltungskosten als unrealistisch dar. Auch für den Appellant sei ein derartiger Le- bensstandard mit seinem Einkommen nicht zu erreichen. D ie Klägerin anerkenne mit Klagebe- gründung vom 30. November 2009 selber, dass der damals von ihr geforderte Unterhaltsbeitrag von CHF 6'300.-- ihrem Lebensstandard entspreche, was da rauf hinweise, dass der anlässlich der Hauptverhandlung geltend gemachte Grundbedarf vo n CHF 7'581.50 zu hoch sei. In der Berechnung der Appellantin seien die Positionen "Feri en" und "Kosmetik" von monatlich je CHF 500.-- zu streichen, da diese Ausgaben bereits im G rundbetrag enthalten seien. Auch die CHF 500.-- für die Beherbergung der Töchter seien zu streichen. Ausgehend von dem durch die Appellantin geltend gemachten monatlichen Bedarf und abzüglich der genannten Positionen, resultiere ein monatlicher Bedarf der Appellantin von rund CHF 6'000.--. Unter Berücksichtigung der hypothetischen Eigenleistungsfähigkeit der Appell antin von monatlich CHF 3'500.-- netto, respektive CHF 1'500.-- netto während der Übergangsfrist von einem Jahr, bestehe eine monat- liche Unterdeckung von CHF 2'500.--, resp. während de r Übergangsfrist von CHF 4'500.--. Da eine lebensprägende Ehe vorliege, habe die Appellanti n im Rahmen der nachehelichen Solida- rität einen Anspruch auf nachehelichen Unterhalt. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Appellantin beziffert ihren monatlichen Grundbed arf auf CHF 7'582.10 (Grundbetrag CHF 1'200.00, Miete CHF 1'585.00, Krankenkasse CHF 4 05.50, U-Abo CHF 70.00, Hausrat- versicherung CHF 21.60, Ferien/Zug CHF 500.00, Kosmetik /Coiffeur/Kleidung CHF 500.00, Altersvorsorge CHF 1'500.00, Arzt/Zahnarzt CHF 500.00, Steuern CHF 800.00, Kosten für die Beherbergung/Ferien der Töchter CHF 500.00). Sie füh rt aus, sie habe Anspruch auf die Fort- führung der luxuriösen Lebenshaltung, die während der Ehe geführt worden sei. Der Appellant bestreitet, dass ein monatlicher Bedarf der Appellantin von rund CHF 6'000.-- pro Monat bestehe und angemessen sei, ohne jedoch den ange messenen Bedarf zu beziffern. Er führt aus, dieser Betrag sei für eine Einzelperson zu hoc h und nicht gerechtfertigt. Der Grund- satz des "clean break" habe auch zur Folge, dass die Appe llantin sich nicht bis zum Erreichen des ordentlichen Pensionsalters des Appellanten einfach auf ihren bisher gelebten Lebensstan- dard berufen könne. Vielmehr müsse sie sich in Bezug auf den Lebensstandard und den Bedarf gegebenenfalls einschränken. Der Lebensstandard, wie ihn die Parteien in W.____ oder X.____ aufgrund des Status des Appellanten als Expat eine Zei t lang hatten, sei in der Schweiz zum vornherein nicht mehr finanzierbar. Die Lebenshaltungsk osten in der Schweiz und in Y.____ (jetziger Wohnort des Appellanten) seien um ein Vielf aches höher. Als er mit seinen beiden Töchtern in der Schweiz gelebt habe, habe er nach Abzug der Kosten für die Töchter niemals CHF 6'000.-- pro Monat für seinen eigenen Bedarf übr ig gehabt. Heute sei er durch die Kosten für die beiden Töchter nach wie vor finanziell sehr sta rk belastet und habe ausserdem die Le- benshaltung seiner neuen Familie zu finanzieren. Es ist unbestritten, dass aufgrund der Ehedauer und der klassischen Rollenverteilung eine lan- ge und lebensprägende Ehe vorliegt. Damit haben grundsätzlich beide Ehegatten Anspruch auf Fortführung der ehelichen Lebenshaltung. Der gebühren de Unterhalt im Sinne von Art. 125 ZGB knüpft an den in der Ehe zuletzt gemeinsam gelebten Standard, zuzüglich scheidungsbe- dingter Mehrkosten, an. Auf dessen Fortführung haben bei genügenden Mitteln beide Teile An- spruch; er bildet gleichzeitig auch die Obergrenze des gebührenden Unterhalts (Bger 5A_435/2011 vom 14. November 2011, E. 3.2, mit weiteren Hinweisen). Das Kantonsgericht geht mit der Vorinstanz einig, dass ei n Leben, wie es die Ehegatten an ih- rem letzten Wohnort in X.____ geführt haben, inklusive Hauspersonal, hauseigenem Swim- mingpool, Tennisplatz und eigenen Polopferden, aufgr und der höheren Lebenshaltungskosten in der Schweiz unrealistisch ist. Dies gilt umso mehr, als scheidungsbedingte Mehrkosten auf- grund der getrennten Haushalte hinzukommen. Das Kanton sgericht erachtet die folgenden Po- sitionen als angemessen: - Grundbetrag CHF 1'200.-- - Miete CHF 1'585.-- - Krankenkasse CHF 405.-- - U-Abo CHF 70.-- - Hausratversicherung CHF 0.-- (im Grundbetrag enthalten) - Arztkosten CHF 100.-- (Franchise CHF 300.-- zuzü glich Selbstbehalt) Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht - Steuern CHF 650.-- - Vorsorge/Hobby/Ferien/Kosmetik CHF 2'000.-- Die Steuern von CHF 650.-- basieren auf einem Einkomme n von monatlich CHF 6'000.--, unter Berücksichtigung von steuerlichen Abzügen für Berufsauslagen und Altersvorsorge. Für die Altersvorsorge, Hobbys, Ferien und Kosmetik wird ein Betrag von pauschal CHF 2'000.- eingesetzt. Dieser Betrag ist insoweit angemessen, als d ie Parteien einen hohen Lebensstan- dard gelebt haben und daher ein entsprechender Zuschla g im Grundbedarf vorzunehmen ist. Zu berücksichtigen ist jedoch auch, dass scheidungsbedingte M ehrkosten bestehen, der Le- bensunterhalt nunmehr höher ist als in X.____ und der Überschuss während der Ehe einer vier- köpfigen Familie diente. Ein monatlicher Betrag von C HF 2'000.-- nur für die Appellantin alleine scheint angesichts dieser Ausführungen angemessen. Diese Pauschale wird nicht aufgesplittet, da die einzelnen Beträge stark variieren können. Fliegt die Appellantin beispielsweise in einem Jahr nach V.____ zu ihrer Familie, werden die Ferienkosten höher sein; dafür kann sie in einem anderen Jahr mehr in die Altersvorsorge investieren. Entsprechend diesen Ausführungen beträgt der gebühre nde monatliche Grundbedarf der Ap- pellantin rund CHF 6'000.--. 6.6 Den gebührenden Unterhalt von CHF 6'000.-- kann die Appellantin mit ihrem hypothetisch anrechenbaren Einkommen von CHF 2'000.-- ab Juli 2012 bzw. davor von CHF 1'000.-- nicht selber finanzieren. Es besteht eine monatliche Unterdeck ung von CHF 4'000.-- ab Juli 2012 bzw. davor von CHF 5'000.--. Es gilt nun zu prüfen, ob d ie finanzielle Leistungsfähigkeit des Appellanten die Bezahlung von Unterhaltsbeiträgen zulässt. Die Appellantin geht von einem aktuellen monatlichen G rundgehalt des Appellanten von min- destens CHF 15'726.-- aus und kommt nach Hinzurechnung e ines Bonus sowie zusätzlichen Expat-Allowences auf einen durchschnittlichen Monatslohn von CHF 30'000.--. Sie führt weiter aus, auch aus dem Lohnausweis bis August 2009 ergebe sich ein monatliches Einkommen von CHF 28'750.--. Der Appellant entgegnet, der Lohnausw eis 2009 beziehe sich auf das frühere Arbeitsverhältnis und sei nicht mehr relevant. Er werde aber von der Appellantin auch falsch gewürdigt. Der Lohnausweis enthalte Bonuszahlungen für 12 Monate, eine Mobilitätszulage wegen des vorübergehenden Umzuges in die Schweiz und von d er Arbeitgeberin bezahlte Schulkosten für die Töchter. Der "Nettolohn" entspreche daher nicht dem, was effektiv ausbe- zahlt worden sei. Weiter führt er aus, Expats-Allowances seien nicht einkommensrelevant. Der Appellant verdient gemäss Arbeitsvertrag vom 7. Augu st 2009 jährlich CHF 138'922 sowie MYR (RM) 170'753.-- (= gemäss aktuellem Kurs ca. CHF 51 '000.--). Die Appellantin führte in der Klagebegründung als Fixum den Betrag von CHF 15'7 26.-- auf, was vom Appellant in der Klagantwort als richtig zugestanden wurde. An der heut igen Verhandlung sagte er aus, der Bo- nus habe letztes Jahr ca. CHF 30'000.-- betragen. Gem äss Lohnausweis 2009 betrug der Bo- nus damals CHF 47'994.-- und im Jahr 2008 gemäss Lohnausw eis CHF 62'307.--. Der Bonus ist schwankend. Es kann jedoch ohne Weiteres davon ausgega ngen werden, dass der Appel- lant mit dem unstrittigen Fixum von CHF 15'726.-- zuzügl ich Bonus im Durchschnitt monatlich rund netto CHF 18'000.-- bis CHF 20'000.-- verdient. Der Appellant führte in der Klagantwort Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 31. März 2010 auf Seite 11 aus, sein Bedarf betrag e monatlich CHF 14'462.--, wovon die Arbeitgeberin ca. CHF 2'878.75 übernehme und somit e in ungedeckter Betrag von CHF 11'583.25 verbleibe. Wird dieser Bedarf mit dem E inkommen von CHF 18'000.-- bis CHF 20'000.-- verglichen, ist die Leistungsfähigkeit de s Appellanten für die Bezahlung der Un- terdeckung der Appellantin von CHF 4'000.-- bzw. CHF 5'000.-- klar zu bejahen. 6.7 Den Ausführungen des Appellanten, die Appellantin k önne sich nicht bis zum Erreichen des ordentlichen Pensionsalters des Appellanten auf ihr en bisher gelebten Lebensstandard berufen, sondern müsse den Bedarf gegebenenfalls einschr änken, kann nicht gefolgt werden. Soweit ein Ehegatte für den ihm zustehenden, gebühren den Unterhalt auf Dauer nicht oder nur teilweise aufzukommen vermag, ist der andere Ehegatte b ei lebensprägenden Ehen verpflich- tet, diese Eigenversorgungslücke nach Massgabe seiner Leistun gsfähigkeit zu decken. Der so berechnete nacheheliche Unterhalt ist im Grundsatz un befristet geschuldet, wobei in der Praxis der Senkung des Lebensstandards nach Erreichen des AHV-A lters auch bei fortgeführter Ehe insoweit Rechnung getragen wird, als das Ende der Unter haltspflicht an das Erreichen des AHV-Alters des Unterhaltspflichtigen geknüpft wird (Bge r 5A_435/2011 vom 14. November 2011, E. 7.2, mit weiteren Hinweisen). Die Vorinstan z hat den Unterhaltsbeitrag bis zum 31. Dezember 2020, d.h. bis zum Erreichen des AHV-Al ters des Appellanten festgelegt (der Appellant wird am 5. Januar 2021 65 Jahre alt), was vo n der Appellantin auch so beantragt wurde. Es besteht, angesichts der Ehedauer und des Zeitlaufs bis zum AHV-Alter des Appellan- ten, keine Veranlassung, den Grundbedarf der Appellan tin bzw. den darauf gründenden Unter- haltsbeitrag auf einen früheren Zeitpunkt zu befristen. 6.8 Der Appellant ist entsprechend den vorstehenden Ausfüh rungen zu verpflichten, der Ap- pellantin bis und mit Juni 2012 einen monatlichen und monatlich vorauszahlbaren Unterhalts- beitrag von CHF 5'000.-- und danach bis 31. Dezember 2020 von CHF 4'000.-- zu bezahlen. 7. Die Appellantin beantragt an der Hauptverhandlung v or Kantonsgericht als Klagänderung, der Unterhaltsbeitrag sei zu kapitalisieren und der Ap pellant sei zu verpflichten, der Appellantin eine Kapitalabfindung von CHF 797'510.-- zu bezahlen. Sie führt aus, der Appellant wohne in Y.____ und bezahle die Unterhaltsbeiträge oft unpünkt lich. Der Appellant habe seinen Kindern gemäss Schilderungen mitgeteilt, dass er sich im kommende n Jahr in Z.____ zur Ruhe setzen wolle. Wenn der Appellant nicht mehr bei der jetzigen Arbeitgeberin arbeite und im Ausland wohne, würde die Einbringlichkeit der Unterhaltsbeit räge erschwert, wenn nicht gar verunmög- licht. Deshalb sei eine Kapitalabfindung zu leisten. Der Appellant habe hierzu genügend Geld zur Verfügung. So besitze er Ländereien in Z.____. Der Appellant bestreitet diese Ausführun- gen und stellt sich auf den Standpunkt, die Klagänderu ng sei unzulässig und deshalb auf diese nicht einzutreten. Dem Appellant sei eine Kapitalleist ung ohnehin nicht zumutbar, da er nicht über die nötigen Mittel verfüge. Es stimme auch nicht, dass er nach Z.____ gehen wolle. Er müsse an seiner Arbeitsstelle bleiben, da er nur so seine Eigenversorgungskapazität ausüben könne. Gemäss Art. 138 Abs. 1 aZGB müssen neue Rechtsbegehren zugelassen werden, sofern sie durch neue Tatsachen oder Beweismittel veranlasst worden sind. Wie bereits unter Erwägung 3 Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausgeführt wurde, sind Noven mit der ersten Rechtsschri ft vorzubringen. Die erst in der Haupt- verhandlung ausgeführten neuen Vorbringen und Rechtsbe gehren der Appellantin sind daher verspätet und nicht zu hören. Auf die Klagänderung ist somit nicht einzutreten. Im Übrigen han- delt es sich bei der Ausführung der Appellantin, der A ppellant wolle sich im kommenden Jahr in Z.____ zur Ruhe setzen, ohnehin lediglich um eine Behau ptung die unbewiesen ist und vom Appellant bestritten wurde. Auch die Behauptung, won ach der Appellant die Unterhaltsbeiträge oft unpünktlich bezahle, ist verspätet und betreffend H äufigkeit auch unbewiesen, wurden doch nur gerade zwei Mails betreffend Unterhaltsbeitrag fü r den Monat Dezember 2011 eingereicht. Schliesslich würde eine Kapitalisierung auch an der feh lenden Finanzierungsmöglichkeit des Appellanten scheitern, so dass eine solche ohnehin abzuweisen wäre. 8. Die Vorinstanz hat den Unterhaltsbeitrag gerichtsübl ich indexiert auf der Basis des BFS- Landesindex. Der Appellant hat betreffend Indexierung kein Rechtsmittel ergriffen. Die Appel- lantin beantragte in ihrer Appellationsbegründung di e Indexierung ebenfalls gemäss Landesin- dex der Konsumentenpreise, ohne ergänzende Formulierung. Die Appellantin hat keine konkre- ten Anträge betreffend der Indexierung gestellt, welch e vom vorinstanzlichen Urteil abweichen. Da die Vorinstanz die Unterhaltsbeiträge gemäss BFS-Land esindex indexiert hat, ist die Appel- lantin entsprechend ihrem Antrag nicht beschwert. Auf d as Rechtsbegehren der Appellantin betreffend Indexierung ist daher mangels Beschwer nicht einzutreten. 9. Die vorinstanzliche Kostenverteilung - halbieren der o rdentlichen Kosten und wettschla- gen der ausserordentlichen Kosten - ist zu bestätigen. Auch wenn die Appellantin im Güterrecht unterlegen ist, hat sie den vorinstanzlichen Prozess - ange sichts ihrer Unkenntnis der finanziel- len Belange der Ehegatten - in guten Treuen geführt . Weiter ist zu berücksichtigen, dass der Appellant leistungsfähiger ist und in Beachtung der ehelichen Beistandspflicht daher auch unter diesem Aspekt - trotz seinem Obsiegen im Güterrecht - die erstinstanzliche Kostenverlegung angemessen erscheint. Zudem hat keine der Parteien in d er Appellationsbegründung Ausfüh- rungen zur vorinstanzlichen Kostenverteilung gemacht. 10. Abschliessend ist noch über die Verlegung der Prozess- un d Parteikosten für das Appella- tionsverfahren zu befinden. Massgebend für die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfol- gen sind die Bestimmungen der §§ 209 ff. ZPO BL. Danach gilt der Grundsatz, dass die ordent- lichen Prozesskosten in der Regel der unterliegenden Par tei aufzuerlegen sind, bzw. bei teil- weiser Gutheissung resp. Abweisung sollen die ordentli chen Kosten entsprechend aufgeteilt werden. Eine Abweichung vom materiellen Prozessergebnis muss als Ausnahme von der Regel durch besondere Umstände begründet sein. In allen Fällen steht dem Gericht für die Kostenver- teilung ein gewisses Ermessen zu. Betreffend Unterhaltsbeitrag ist der Appellant mit se iner Appellation vollumfänglich unterlegen und die Appellantin bezüglich Höhe mit ihrem Rechtsbe gehren rund zur Hälfte durchgekom- men, jedoch mit dem Antrag auf Kapitalisierung unterlegen. Beim Güterrecht gilt die Appellantin als Unterlegene, nachdem sie den diesbezüglichen Antrag an der Hauptverhandlung zurück gezogen hat. Entsprechend diesem Ausgang des Verfahr ens hat die Appellantin einen grösse- ren Teil der ordentlichen Kosten zu übernehmen. Die Verteilung der Kosten zu 3/5 zu Lasten der Appellantin und zu 2/5 zu Lasten des Appellanten ist gerechtfertigt und entspricht ungefähr Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Ergebnis des Appellationsverfahrens. Die Gerichtsgeb ühr für die Beurteilung der vorlie- genden Appellation wird in Anwendung von § 9 Abs. 1 i .V. mit § 8 Abs. 1 lit. i GebT (SGS 170.31) auf CHF 8'000.-- inkl. Auslagen festgelegt. F erner sind noch Dolmetscherkosten von CHF 375.-- (je CHF 187.50 für die Schlusseinleitungsverh andlung und die Hauptverhandlung) angefallen, so dass sich die Gerichtskosten auf insgesamt CHF 8'375.-- belaufen. Die Parteikosten werden grundsätzlich ebenfalls nach Ma ssgabe des Prozessausganges ver- legt, wobei die basellandschaftliche Praxis die Kriteri en über die Tragung der Gerichtskosten analog zur Anwendung zu bringen pflegt (vgl. WEIBEL /R UTZ , Gerichtspraxis zur basellandschaft- lichen Zivilprozessordnung, 4. Aufl., S. 224; AB 1998, S. 63). Dementsprechend werden die ausserordentlichen Kosten ebenfalls zu ca. 3/5 der Appellantin und ca. 2/5 dem Appellant aufer- legt. Die Anwaltskosten beider Parteivertreter betragen insgesamt rund CHF 40'000.--. Entspre- chend dem genannten Verteilschlüssel hat die Appellant in ca. 3/5 bzw. rund CHF 24'000.-- der gesamten Anwaltskosten zu übernehmen; dies durch Bezahlun g von rund CHF 20'000.-- für ihre eigene Anwältin und einer reduzierten Parteientschädigung von CHF 4'000.-- an den Appel- lant. Demgemäss hat die Appellantin dem Appellant ein e reduzierte Parteientschädigung von pauschal CHF 4'000.-- (inkl. Spesen und MWSt.) zu bezahlen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Die Appellation des Appellanten wird vollumfä nglich abgewiesen. II. Die Appellation der Appellantin wird teilweise gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. Die Ziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichts Arlesheim vom 7. Dezember 2010 wird abgeändert und lau tet neu wie folgt: 2. Der Ehemann wird verpflichtet, der Ehefrau gemäss A rt. 125 ZGB folgende monatliche und vorauszahlbare Unterhalts bei- träge zu bezahlen: • CHF 5'000.-- bis und mit Juni 2012, danach • CHF 4'000.-- bis 31. Dezember 2020. Im Übrigen wird das erstinstanzliche Urteil bestätigt, soweit an der Appellation festgehalten wird. III. Die Gerichtsgebühr inkl. Auslagen für das zweitinsta nzliche Verfah- ren von pauschal CHF 8'000.-- zuzüglich Dolmetscherkosten von CHF 375.-- werden der Appellantin zu 3/5 und dem App ellant zu 2/5 auferlegt. IV. Die Appellantin hat dem Appellant für das Appel lationsverfahren eine reduzierte Parteientschädigung von pauschal CHF 4' 000.-- (inkl. Spesen und MWSt.) zu bezahlen. V. Dieses Urteil wird den Parteien schriftlich eröffne t. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiberin Karin Arber Der Appellant hat gegen diesen Entscheid Beschwerde an das Schweizerische Bundesgericht (Verfahrensnummer: 5A_481/2012) erhoben.