B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5696/2018 U r t e i l v o m 1 . M a i 2 0 1 9 Besetzung Richterin Esther Marti (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Nina Klaus. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Daniel Hoffmann, Rechtsanwalt Rechtsanwaltsbüro Daniel Hoffmann, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 4. September 2018 / N (…). E-5696/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer Ethnie mit letztem Aufenthalt in B._______, verliess Eritrea gemäss eige- nen Angaben illegal im (…) und gelangte über Äthiopien, den Sudan, Li- byen und Italien am 22. August 2015 in die Schweiz. Am darauffolgenden Tag reichte er ein A sylgesuch ein. Die Befragung zur Person fand am 26. August 2015 (BzP; Protokoll in den SEM-Akten: A6/11) und die Anhö- rung zu den Asylgründen am 2. Mai 2017 (Protokoll in den SEM -Akten: A24/23) statt. A.b Zu seinen Asylgründen führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er habe sein Heimatland verlassen, da ihm der Schulbesuch verwehrt worden sei. Er habe jeweils die Tiere seiner Familie gehütet, weshalb er nicht zur Schule habe gehen können. Später, im Jahr (…), als er den Schul- direktor gefragt habe, ob er nun doch noch die Schule besuchen dürfe, habe dieser es ihm verweigert mit der Begründung, er sei nun zu alt. Ferner hätten ihn im April (…) um fünf Uhr morgens Soldaten verhaftet, als er das Haus wie üblich h abe verlassen wollen, um den wiederholten Razzien in seinem Dorf zu entkommen. Die Soldaten hätten ihn geschlagen und ihn mit einem LKW mitgenommen, um ihn zur militärischen Ausbildung zu brin- gen. Insgesamt hätten sich etwa 20 Personen im Lastwagen befunden. Er und vier andere Personen aus seinem Dorf hätten aus dem Fahrzeug springen können, wodurch sie sich verletzt hätten. Als sie in verschiedene Richtungen davongerannt seien, hätten die Soldaten auf sie geschossen , jedoch sei es ihnen nicht gelungen, sie aufzuhalten. Sie hätten sich sodann bei einem nahe gelegenen Berg einen Tag lang vor den Soldaten versteckt; anschliessend sei er nach Hause gegangen. Da weiterhin Razzien in seinem Dorf durchgeführt und er gesucht worden sei, habe er nicht in Ruhe leben können und sich grösstenteils in der Wild- nis versteckt. Er habe sich davor gefürchtet, in den Militärdienst eingezo- gen zu werden, und sich deshalb zur Ausreise aus Eritrea entschlossen. A.c Zu seinen Lebensverhältnissen gab der Beschwerdeführer an, er sei in C._______, Äthiopien geboren und anschliessend mit seiner Familie nach Eritrea gezogen, wo er bis zu seiner Ausreise gelebt habe. Seine Fa- milie sei in der (…) tätig und besitze eigene Felder und Tiere. Seine Eltern und Geschwister lebten nach wie vor in Eritrea, auch habe er dort (…) On- kel und (…) Tanten. (…) seiner Cousins wohnten in D._______ und einer E-5696/2018 Seite 3 in den E._______. Schliesslich brachte er vor, es gehe ihm gesundheitlich gut. A.d Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer eine Kopie der Identi- tätskarte seiner Mutter zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 4. September 2018 – eröffnet am 6. September 2018 – verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch vom 23. August 2015 ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. C. Der Beschwerdeführer gelangte mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 4. Oktober 2018 an das Bundesverwaltungsgericht und beantragt die Auf- hebung der vor instanzlichen Verfügung und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen , subeventualiter sei die Sache zur Sachverhaltsabklärung und Neuentscheidung an die Vor - instanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung einer Nachfrist von 30 Tagen zur Einreichung weiterer Beweismittel, um unentgeltliche Pro zess- führung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand. Ferner beantragte er die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. D. Mit Zwischenverfügung vom 17. Oktober 2018 trat das Bundesverwal- tungsgericht auf das Begehren um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde nicht ein und wies das Ersuchen um Ansetzung einer Nachfrist mit dem Hinweis auf Art. 32 Abs. 2 VwVG ab. Zudem wies es das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Beigabe eines amtlichen Rechtsbeistandes wegen fehlender Erfolgs- aussichten der Beschwerde ab und forderte den Beschwerdeführer auf, ei- nen Kostenvorschuss zu leisten. Dieser wurde fristgerecht bezahlt. E. Mit Schreiben vom 19. November 2018 reichte der Beschwerdeführer eine psychologisch-psychiatrische Exploration von Dr. med. F._______, FMH Psychiatrie & Psychotherapie, (…), vom 13. November 2018 zu den Akten. E-5696/2018 Seite 4 F. Mit Zwischenverfügung vom 8. Februar 2019 lud die Instruktionsrichterin die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. In ihrer Ver- nehmlassung vom 19. Februar 2019 hielt die Vorinstanz mit ergänzenden Bemerkungen an ihrer Verfügung fest. G. Mit Zwischenverfügung vom 21. Februar 2019 gewährte die Instruktions- richterin dem Beschwerdeführer die Möglichkeit, bis zum 8. März 2019 eine Replik und entsprechende Beweismittel einzureichen, wovon dieser keinen Gebrauch machte. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. Septem- ber 2015 [SR 142.31]). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht (in der Folge: BVGer) zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 1 08 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.5 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezem- ber 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende E-5696/2018 Seite 5 Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1 – 4) ist unverändert vom AuG ins AIG über- nommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbe- zeichnung verwenden wird. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Der Beschwerdeführer erhebt als Subeventualantrag formelle Rügen. Er macht geltend, das SEM habe das rechtliche Gehör, insbesondere die Begründungspflicht verletzt. Auch habe es den Sachverhalt teilweise will- kürlich, jedenfalls aber unrichtig oder unvollständig festgestellt. Diese for- mellen Rügen sind vorab zu prüfen, da deren Gutheissung geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen (Art. 30 und 32 VwVG). Schliesslich ergibt sich daraus die Begründungspflicht (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistand- punkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus- drücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid we- sentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiter- ziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2 m.w.H.). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bi ldet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri- ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-E-5696/2018 Seite 6 den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe- sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT- SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 3.3 3.3.1 Eine Überprüfung der Akten ergibt, dass die angefochtene Verfügung offensichtlich diesen formellen Anforderungen genügt. Es fällt zunächst auf, dass der Antrag nicht ordentlich begründet worden ist , sondern die Einwände im Rahmen der materiellen Begründung dargelegt sind. Den- noch ist kurz darauf einzugehen. 3.3.2 Der Beschwerdeführer rügt unter anderem sinngemäss eine Verlet- zung der Begründungspflicht, indem das SEM am Wahrheitsgehalt der Vor- bringen des Beschwerdeführers zwar erhebliche Zweifel anbringe, weil er „hierzu“ lediglich unsubstantiierte und vage Angaben ge macht habe. Auf was sich dieses „hierzu“ beziehe, bleibe aber offen. Ein Blick in die ange- fochtene Verfügung ergibt, dass sich dieses „hierzu“ ohne jeden Zweifel auf den vorherigen Satz und gleichzeitig das Kernvorbringen des Be- schwerdeführers bezieht, nämlich auf die Aussage: „Sie machen geltend, Sie seien in Eritrea während einer Razzia festgenommen worden und hät- ten unterwegs aus dem LKW fliehen können. “ (vgl. angefochtene Verfü- gung, Abschnitt II, Ziff. 1, S. 3). Des Weiteren habe das SEM dem Be- schwerdeführer hinsichtlich der geltend gemachten Festnahme zu Unrecht einen Nachschub vorgeworfen und daraus die Unglaubhaftigkeit abgelei- tet, weil er diese anlässlich der BzP noch nicht erwähnt habe. Die Frage- stellung an der entsprechenden Fundstelle, Frage 7.01 im Protokoll der BzP, sei so gewesen, dass der Beschwerdeführer daraufhin seine Verhaf- tung nicht unbedingt hätte erwähnen sollen. Auch in diesem Zusammen- hang ist aber keine Verletzung von Verfahrensrecht erkennbar, zumal die Vorinstanz den Beschwerdeführer sehr wohl explizit gefragt hatte, ob er je konkrete persönliche Probleme oder Konflikte mit den eritreischen Behör- den, der Polizei, dem Militär oder irgendwelchen anderen Organisationen gehabt habe, was dieser ebenso ausdrücklich verneinte , wie die An- schlussfrage, ob er je in Haft oder vor Gericht gewesen sei (vgl. A6 Ziff. 7.02). Schliesslich ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdefüh- rer für aktenwidrig hält, wenn das SEM zum Schluss gekommen sei, er habe nie Probleme mit den eritreischen Behörd en gehabt, während der Beschwerdeführer angegeben habe, er habe sich häufig vor Razzien ver- stecken müssen. Er verkennt dabei offensichtlich den Umstand, dass die Behörde nur gehalten ist, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und E-5696/2018 Seite 7 vollständig festzustellen; im vorliegenden Kontext wäre aber gerade nur ein konkreter Kontakt mit den eritreischen Militärbehörden (der glaubhaft ge- macht werden muss) relevant (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 3 E. 4.11). 3.3.3 Berechtigt ist eine gewisse Kritik letztlich einzig an der Begründung des SEM, weshalb dem Beschwerdeführer keine Verletzung unter dem As- pekt von Art. 4 EMRK drohe. Es gibt keinen Grund, aufgrund von unglaub- haften Angaben des Beschwerdeführers sinngemäss auf eine Mitwirkungs- pflichtsverletzung zu schliessen, welche die Prüfung des Risikos einer Ver- letzung quasi verunmögliche. Alleine darin liegt allerdings noch keine Rechtfertigung, die Verfügung zu kassieren, zumal das SEM zumindest er- gänzend in zutreffender Art und Weise begründet, weshalb selbst bei einer Einberufung des Beschwerdeführers in den Nationaldienst nicht mit hinrei- chender Wahrscheinlichkeit von einer solchen Verletzung auszugehen wäre. 3.4 Es erübrigt sich, auf weitere Einwände formeller Art – die zumindest teilweise auch eine Kritik materieller Art sind – einzugehen, da sie offen- sichtlich keine Mängel zu begründen vermögen, die eine Kassation recht- fertigen könnten. Der Willkürrüge kommt schliesslich vorliegend keine selb- ständige Bedeutung zu. Das Rechtsbegehren um Rückweisung an die Vor- instanz zu neuem Entscheid ist somit abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer b estimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdun g des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die we- gen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und die weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind. Vorbehalten bleibt die Flüchtlingskonvention vom 28. Juli 1951 (Art. 3 Abs. 4 AsylG). E-5696/2018 Seite 8 Dementsprechend begründen subjektive Nachfluchtgründe zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von A rt. 3 AsylG. Sie führen aber nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Stattdess en werden Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig auf- genommen. 4.3 Die Flüchtlingseigenschaft ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlic h sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit- tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegen- satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Be - schwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es jedoch nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 5. 5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers als weder den Anforde- rungen an die Glaubhaftigkeit noch an die Flüchtlingseigenschaft genü- gend. Den Vollzug der Wegweisung erachtete sie als zulässig, zumutbar und möglich. Zunächst erwog sie unter dem Aspekt der Glaubhaft igkeit zur geltend gemachten Festnahme im Rahmen einer Razzia und der anschliessenden Flucht aus dem LKW im Wesentlichen, seine diesbezüglichen Schilder- ungen seien unsubstantiiert und vage ausgefallen ; d ies obwohl er wiederholt zu den konkreten Umständen der angeblichen Festnahme zu Hause bei der Familie befragt worden sei. Statt auf die diversen Fragen einzugehen, habe er lediglich in wieder holender Weise oberflächliche Handlungsabfolgen zu Pr otokoll gegeben. Gleich vage seien auch die Aussagen zur Flucht vom LKW ausgefallen. Zahlreiche Fragen zum Ablauf und den genauen Umständen der Flucht habe er auch immer gleich E-5696/2018 Seite 9 substanzlos beantwortet. Ausserdem habe er seine angebliche Festnahme trotz expliziter Nachfrage anlässlich der BzP nicht erwähnt. Das Vorbri ngen, es sei ihm in Eritrea verwehrt worden , die Schule zu besuchen, stelle mangels entsprechendem Motiv keine asylrelevante Verfolgung dar, sondern beziehe sich vorwiegend auf seine wirtschaft - lichen und sozialen Lebensbedingungen beziehungsweise auf die allge- meinen Lebensumstände in seinem Heimatland. Im Weiteren sei auch die Befürchtung des Beschwerdeführers, eines Tages im Rahmen einer Razzia in den Militärdienst eingezogen zu werden, nicht asylrelevant. Gemäss eigenen Angaben sei er bis zu seiner Aus reise nie zum Militärdienst aufgeboten worden und habe – abgesehen von der als unglaubhaft eingestuften Festnahme – keinen direkten Kontakt mit den eritreischen Behörden gehabt. Vielmehr sei er offensichtlich in der Lage gewesen, während mehreren Jahren seinen gewohnten Alltag fortzuführen und bei seiner Familie zu wohnen. Folglich bestünden keine Hinweise, wo- nach er im Zeitpunkt seiner Ausreise oder in absehbarer Zukunft einer asyl- relevanten Verfolgung ausgesetzt gewesen wäre. Bezüglich der geltend gemachten illegalen Ausreise erwog die Vorinstanz, daran seien aufgrund der unglaubhaften Vorgeschichte erhebliche Zweifel angebracht. Unabhängig davon sei sie flüchtlingsrechtlich ohnehin nicht relevant, weil keine zusätzlichen Anknüpfungspunkte ersichtlich seien, wel- che den Beschwerdeführer in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen liessen. Hinsichtlich allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse hielt die Vo- rinstanz unter anderem fest, es ergäben sich aus den Akten keine Anhalts- punkte, dass dem Beschwerdeführer mit hinreichender Wahrscheinlichkeit bei der Rückkehr nach Eritrea eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Auch unter dem Blickwinkel von Art. 4 EMRK er- weise sich der Vollzug der Wegweisung als zulässig . Betreffend einer all- fälligen konkreten Gefährdung lägen weder allgemeine noch individuelle Gründe vor, die zur Unzumutbarkeit führen könnten. 5.2 In seiner Beschwerdeschrift bringt der Beschwerdeführer im Wesentli- chen vor, er habe die Verhaftung nicht bereit s anlässlich der BzP vorge- bracht, da der lange und beschwerliche Reiseweg bei ihm Spuren hinter- lassen habe. Dem Vorwurf der unsubstantiierten und vagen Angaben hält er entgegen, es sei ihm nicht klar, was er zu seiner Festnahme und Flucht noch detaillierter hätte vorbringen können. Zudem sei zu berücksichtigen, E-5696/2018 Seite 10 dass er bei der Verhaftung in einem Schock -Zustand gewesen sei. Viel- mehr sei ihm zugutezuhalten, dass er fast zwei Jahre nach der BzP diese Ereignisse bei der Anhörung nicht ausgeschmückt habe , was für deren Glaubhaftigkeit spreche. Zudem drohe ihm aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit, seines jungen Alters und der f ehlenden Schulbildung der Einzug in den Nationaldienst , weswegen die Voraussetzungen von Art. 3 AsylG erfüllt seien. Zusätzlich seien diese Faktoren im Zusammenhang mit seiner illegalen Ausreise re- levant. Im Zusammenhang mit allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen macht der Beschwerdeführer mit Verweis auf die Website der Schweizeri- schen Flüchtlingshilfe (SFH) insbesondere geltend, aufgrund der drohen- den Verletzung von Art. 3 und 4 EMRK sei der Wegweisungsvollzug sowohl unzulässig als auch unzumutbar. 6. 6.1 Die Einschätzung des SEM, die Vorbringen des Beschwerdef ührers seien weder glaubhaft noch asylrelevant, ist zutreffend. 6.1.1 In Eritrea ist die Bestrafung von Dienstverweigerung und Desertion unverhältnismässig streng; sie ist als politisch motiviert einzustufen. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweigerung oder Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person in einem konkreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein solcher Kontakt ist regelmässig anzunehmen, wenn die Person im aktiven Dienst stand und desertierte. Darüber hinaus ist jeglicher Kontakt zu den Behörden relevant, aus dem erkennbar wird, dass die betroffene Person rekrutiert werden sollte (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs - kommission [EMARK] 2006 Nr. 3). Diese gilt auch heute noch. Zu Recht ist das SEM zum Schluss gelangt, dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, einen solchen Kontakt zu den eritreischen Behörden glaub- haft zu machen. Seine diesbezüglichen Vorbringen lassen jegliche Interak- tionsschilderungen, Realkennzeichen oder i ndividualisierte Beschreibun- gen vermissen und das Argument, es spreche für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen, dass er sie anlässlich der Anhörung nicht ausgeschmückt habe, ist offensichtlich unzutreffend. Es ist insbesondere nicht nachvollziehbar, weshalb er die Festnahme bei sich zu Hause nicht näher hat beschreiben E-5696/2018 Seite 11 können, wobei auffällt, wie oft ihm diesbezügliche konkrete Nachfragen ge- stellt wurden. Weder das Datum war er in der Lage anzugeben (A24 F159) noch ist dem Protokoll sonst eine einigermassen konkrete Aussage zu die- sem Kernvorbringen zu entnehmen. Dasselbe gilt für die geltend gemachte anschliessende Flucht vom Lastwagen. Es kann ergänzend auf die aus- führliche Erwägung in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden, in- klusive der Verweise auf die Protokollstellen. Der Beschwerdeführer mag demgegenüber nichts Entscheidendes vorzubringen. Wie bereits unter den formellen Erwägungen ausgeführt, hatte er anlässlich der BzP durchaus Gelegenheit beziehungsweise wäre er gehalten gewesen, die Festnahme zu nennen. Z u Recht hat das SEM demzufolge auch erwogen, die Fest- nahme sei verspätet vorgebracht worden. Der Einwand, der Beschwerde- führer sei von der Reise noch derart geprägt gewesen, dass dies nicht von ihm hätte verlangt werden können, taugt offensichtlich nicht. 6.1.2 Soweit der Beschwerdeführer moniert, die wiederkehrenden Raz- zien, vor welchen er sich habe verstecken müssen, vermöchten seine Furcht vor Verfolgung zu begründen, liegt er ebenfalls falsch. Das SEM erwog diesbezüglich zu Recht, eine blosse Möglichkeit einer künftigen Ver- folgung vermöge die Furcht nicht objektiv zu begründen. Weiter ist festzu- halten, dass, selbst wenn der Beschwerdeführer tatsächlich in den Natio- naldienst eingezogen würde, dieser Umstand für sich alleine keine Asylre- levanz entfaltet, da es der Massnahme an einem asylrechtlich relevanten Motiv fehlt (vgl. Urteile des BVGer D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 5.1 und D- 2311/2016 vom 17. August 2017 E. 13.2 [als Referenzurteile publiziert]). Dasselbe gilt im Übrigen für das Vorbringen, der Beschwerde- führer habe die Schule nicht besuchen können. Diesbezüglich kann voll- umfänglich auf die zutreffende Erwägung in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (ebd. Abschnitt II, Ziff. 2, S. 4). Der Einwand in der Be- schwerde, dies sei jedenfalls deshalb asylrechtlich relevant, weil Jugendli- che, die – wie der Beschwerdeführer – die „Secondary School“ nicht hätten besuchen können, sich einem grösseren Risiko, in den militärischen Zweig des Militärdienstes eingezogen zu werden, gegenübersähen, vermag nach dem oben Gesagten (vgl. E. 6.1.1) nichts zu bewirken. Zusammenfassend gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, glaubhaft zu machen, er habe im Zeitpunkt der Ausreise ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG bereits erlitten beziehungsweise begründete Furcht vor solchen gehabt. E-5696/2018 Seite 12 6.2 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, er erfülle spätestens mit seiner illegalen Ausreise die Flüchtlingseigenschaft im Sinne subjektiver Nach- fluchtgründe, ist das SEM ebenfalls zutreffend zur Einschä tzung gelangt, dies sei nicht der Fall. 6.2.1 Vorab ist festzuhalten, dass die Vorinstanz durchaus Zweifel am Vor- bringen des Beschwerdeführers, er habe Eritrea illegal verlassen, erhoben hat (vgl. angefochtene Verfügung Abschnitt II, Ziffer 3, S. 5). Die Feststel- lung in der Beschwerde, die illegale Ausreise sei unbestritten geblieben, ist somit unzutreffend. Unabhängig davon ist der Hinweis der Vorinstanz auf das bereits erwähnte Referenzurteil D-7898/2015 zutreffend. Demnach ist nicht mehr davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer un- erlaubten Ausreise aus Eritrea eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfol- gung droh t. Von der begründeten Furcht vor intensiven und flüchtlings- rechtlich begründeten Nachteilen ist nur dann auszugehen, wenn zur ille- galen Ausreise weitere Faktoren hinzukämen, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person er- scheinen liessen (vgl. a.a.O., E. 5). 6.2.2 Der Beschwerdeführer vermochte nicht glaubhaft zu machen, dass er bereits in Kontakt mit den eritreischen Behörden gewesen sei und sich entsprechend der Militärdienstpflicht entzogen hätte. Inwiefern sein Alter, seine ethnische Zugehörigkeit, die fehlende Schulbildung oder seine Her- kunft als (…) als zusätzliche Faktoren zu werten sind, die ihn in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könn- ten, ist nicht ersichtlich, nachdem, wie bereits mehrfach erwähnt, die Ein- ziehung in den Nationaldienst für sich alleine keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfaltet. Sonstige zusätzliche Faktoren sind aus den Akten nicht ersichtlich. 6.3 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. Die Vorbringen in der Beschwerde vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). E-5696/2018 Seite 13 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 8.2.1 In der Sache ist vorab festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Rahmen des Beschwerdeverfahrens einen neuen Umstand geltend macht, nämlich einen verschlechterten Gesundheitszustand, der bei der Ent- scheidfindung zu berücksichtigen sei. Er liess dazu einen psychologisch- psychiatrischen Bericht von Dr. med. F._______ (a.a.O.) zu den Akten rei- chen. Darin wird eine „kumulative Traumatisierung während der Pubertät mit depressivem Zustandsbild mit somatischen und Angststörungen bei kindlich-abhängiger Persönlichkeit“ (ohne ICD-10 Klassifikation) diagnosti- ziert. Der Arzt führt weiter aus, er habe den Beschwerdeführer am 25., 26. und 29. Oktober 2018 exploriert. Die Traumatisierung sei beim Beschwer- deführer durch die Bedrohung einer möglichen Inhaftierung, Zwangsrekru- tierung und einem darauffolgenden jahrelangem Militärdienst ausgelöst worden. Der Beschwerdeführer be nötige eine psychiatrisch-psychothera- peutische Behandlung sowie kontinuierliche psychopharmalogische Medi- kation mit Cipralex (Antidepressivum) und einem Anxiolyticum (erregende traumatische Affekt- und Erregungsüberflutungen). Beide Behandlungen würden durch ihn fortgesetzt. Eine Rückkehr nach Eritrea beinhalte das hohe Risiko einer Krankheitsaggravation oder einer Krankheits-Chronifizie- rung. Auf den negativen Asylentscheid habe der Beschwerdeführer mit Schlafstörungen, Inappetenz mit Gewichtsabnahme, Unruh ezuständen, Apathie sowie depressiver Verstimmung reagiert, und er habe nicht mehr an den Sporttrainings teilgenommen. E-5696/2018 Seite 14 8.2.2 Bezogen auf diesen neu geltend gemachten Sachumstand äusserte das SEM in seiner Vernehmlassung zunächst Zweifel an der Glaubhaf- tigkeit der vorgebrachten gesundheitlichen Beeinträchtigung . Abgesehen davon, sei nicht davon auszugehen, dass ein allfälliger Militärdienst weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen für den Beschwerdeführer zur Folge hätte. So sei der Beschwerdeführer gemäss ärzt lichem Bericht insbeson- dere auf Halt und Struktur angewiesen, was ihm sein familiäres und weite- res soziales Umfeld bieten könne. Zudem bestünden auch im Militärdienst gewisse Strukturen. Sollte sich der Gesundheitszustand des Beschwerde- führers wider Erwarten im Rahmen eines zu leistenden Militärdienstes ver- schlechtern, sei darauf hinzuweisen, dass für Personen mit gesundheitli- chen Problemen respektive mit einer psychischen Störung grundsätzlich die Möglichkeit bestehe, vom Militärdienst befreit beziehungswe ise leich- teren Aufgaben im zivilen Teil des Nationaldienstes zugeteilt zu werden (mit Hinweisen auf Art. 15 Nationaldienst-Proklamation sowie Urteil des BVGer E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 E. 5.1.3 [zur Publikation vorgesehen]). Be- züglich der medizinischen Behandlungsmöglichkeiten des Beschwerde- führers in Eritrea sei festzuhalten, dass Asmara über ein psychiatrisches Spital verfüge, wo ambulante und stationäre Behandlungen durch einen Psychiater möglich seien. Im Spital seien wenige Psychopharmaka erhält- lich. Schliesslich sei dem Arztbericht weder eine konkrete Anamnese und Diagnose noch eine detaillierte Prognose zu entnehmen. Zudem habe der Beschwerdeführer während des Asylverfahrens nie allfällige gesundheitli- che Probleme gel tend gemacht. Sowohl anlässlich der BzP auch an der Bundesanhörung habe er zu Protokoll gegeben, bei guter Gesundheit zu sein (vgl. A6 S. 8 und A24 F7) 8.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht kommt hinsichtlich des Gesundheits- zustandes des Beschwerdeführers zu folgendem Schluss: Dem SEM ist beizupflichten, dass dem nachgereichten ärztlichen Bericht bereits aus formellen Gründen kein hoher Beweiswert beigemessen wer- den kann, selbst wenn er von einem Facharzt ausgestellt worden ist. In einer Gesamtwürdigung fällt ebenfalls ins Gewicht, dass der Beschwerde- führer stets angegeben hatte, gesund zu sein. Noch in der Beschwerde führte der Rechtsvertreter aus, der Beschwerdeführer sei, als er in die Schweiz gekommen sei, kerngesund gewesen (vgl. Beschwerdeschrift, Zif- fer 6, S. 9). Spätestens an dieser Stelle hätte sich aufgedrängt, geltend zu machen, der Beschwerdeführer sei aktuell gesundheitlich erheblich ange- schlagen. Erst gut einen Monat später wurde aber der ärztliche Bericht zu den Akten gereicht, einzig mit der Bitte, di esen zu berücksichtigen. Zwar E-5696/2018 Seite 15 soll nicht bestritten werden, dass die Lebenssituation des Beschwerdefüh- rers – die Reise vom Heimatland bis in die Schweiz , die mit dem Asylver- fahren verbunden Ungewissheiten, das Getrenntsein von der Familie – auch angesichts seines jungen Alters, belastend für ihn gewesen sein dürf- ten. Vor diesem Hintergrund soll auch nicht in Abrede gestellt werden, dass der abweisende erstinstanzliche Entscheid und gegebenenfalls auch die Zwischenverfügung des Gerichts vom 17. Oktober 2018 eine fachärztliche Behandlung als angezeigt erscheinen liessen. Die zeitlichen Umstände le- gen dies jedenfalls nahe. Demgegenüber kann aber insgesamt nicht von einer schwer wiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgegangen werden. Gestützt wird diese Einschätzung durch den Umstand, dass der Beschwerdeführer auf eine Replik zur ausführlichen vorinstanzlichen Ver- nehmlassung verzichtet hat. 8.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 8.3.1 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen- den Verfahren keine Anwendung finden. Die Zulässigkeit des Vollzuges be- urteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtli- chen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105], Art. 3 und 4 EMRK). 8.3.2 Der Beschwerdeführer vermochte, wie oben dargelegt, keine Einbe- rufung in den eritreischen militärischen Nationaldienst glaubhaft zu ma- chen. Zwar ist mit dem Beschwerdeführer einig zu gehen, dass die An- nahme des SEM, der Beschwerdeführer könnte bereits aus dem National- dienst entlassen worden sein, angesichts seines Alters nicht überzeugt. Demgegenüber ist er möglicherweise vom Dienst suspendiert worden, nachdem er gemäss seinen eigenen Angaben derjenige gewesen sei, der E-5696/2018 Seite 16 für seine Familie gesorgt habe (u.a. A24 F18 sowie Urteil des BVGer E- 5022/2017 E. 5.3 m.H.). Da sich der Beschwerdeführer aber grundsätz- lich im wehrpflichtigen Alter befindet, und aufgrund der Akten nicht davon auszugehen ist, dass er bereits aus dem Nationaldienst entlassen wurde, kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass er tatsächlich bei einer Rückkehr nach Eritrea in den Nationaldienst eingezogen würde. 8.3.3 Die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei bevorste- hender Einziehung in den eritreischen Nationaldienst ist vom Bundesver- waltungsgericht im bereits erwähnten Urteil E-5022/2017 [a.a.O.] E. 6.1 geklärt worden. Das Gericht hat die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im genannten Urteil sowohl unter dem Gesichtspunkt des Verbots der Skla- verei und Leibeigenschaft (Art. 4 Abs. 1 EMRK) und des Zwangsarbeits- verbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK) als auch unter jenem des Verbots der Folter und der unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung (Art. 3 EMRK) geprüft und grundsätzlich bejaht. Der Beschwerdeführer vermag nicht darzutun, dass für ihn das erforderli- che ernsthafte Risiko einer Verletzung des Sklavereiverbots, einer flagran- ten Verletzung des Zwangsarbeitsverbots oder des Verbots der unmensch- lichen Behandlung bestünde. Letzteres gilt selbst bei der Annahme, der Beschwerdeführer würde in den militärischen Zweig des Nationaldienstes – inklusive Grundausbildung – eingezogen, wobei diesbezüglich festzuhal- ten ist, dass das Gericht – gestützt auf entsprechende Quellen – davon ausgeht, die überwiegende Zahl der dienstpflichtigen Personen arbeite in zivilen Bereichen des eritreischen Nationaldienstes (vgl. a.a.O., E. 5.1.5) . Anzumerken ist ebenfalls, dass gemäss EGMR eine blosse Möglichkeit ei- ner zukünftigen unmenschlichen Behandlung zur Annahme eines ernsthaf- ten Risikos nicht genügt, vielmehr bedarf es einer hohen Wahrscheinlich- keit einer solchen (a.a.O., E. 6.1.3 m.w.H.). Das neue Vorbringen betref- fend den angeschlagenen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vermag unter Berücksichtigung der entsprechenden Gewichtung durch das Gericht (vgl. oben E. 8.2.3) offensichtlich nicht zu einer anderen Einschät- zung zu führen. Dies gilt ebenso für die allgemeine Kritik an der erwähnten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts. Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, der Beschwerdeführer müsste bei einer Rückkehr in den Heimatstaat dort aus anderen Gründen mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung befürchten. Ein E-5696/2018 Seite 17 „real risk“ im Sinne der Praxis des EGMR (vgl. u.a. EGMR [Grosse Kam- mer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.) vermag der Beschwerd eführer insbesondere auch nicht glaubhaft zu machen für den Fall, dass von der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten illegalen Ausreise auszugehen wäre, weil – bei einer freiwilligen Rückkehr – deswegen nicht mit hinreichender Wahrscheinlich- keit eine damit zusammenhängende Verhaftung droht (vgl. Urteil E- 5022/2017 E. 6.1.8 m.H. ). Die problematische allgemeine Menschen- rechtssituation in Eritrea lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit- punkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen. 8.3.4 Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesverwaltungs- gericht die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuge s – aufgrund des Feh- lens eines Rückübernahmeabkommens zwischen der Schweiz und Eritrea – lediglich für freiwillige Rückkehrer beurteilte und die Zulässigkeit zwangs- weiser Rückführungen ausdrücklich offen liess (vgl. Urteil E -5022/2017 E. 6.1.7). 8.3.5 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich damit – sowohl im Sinn der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestim- mungen – als zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1 Im bereits erwähnten Referenzurteil E-5022/2017 kam das Bundes- verwaltungsgericht auch zum Schluss, dass die drohende Einziehung in den Nationaldienst nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führe (a.a.O. E. 6.2.3 - 6.2.5). Auch hier vermag die allgemeine Kritik an dieser Einschätzung in der Beschwerdeeingabe nichts zu Gunsten des Be- schwerdeführers zu bewirken. Wie bereits erwähnt, liegt es durchaus im Bereich des Möglichen, dass der Beschwerdeführer von der Leistung von Nationaldienst suspendiert wor- den ist. Auch eine allfällige Einziehung des Beschwerdeführers in den Na- tionaldienst bei einer (freiwilligen) Rückkehr nach Eritrea führt aber nach E-5696/2018 Seite 18 dem Gesagten nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Hin- sichtlich der geltend gemachten gesundheitlichen Probleme ist einerseits auf die Einschätzung zu deren Schwere in Erwägung 8.2.3 zu verweisen. Ergänzend kann auf die Ausführungen in der Ver nehmlassung des SEM verwiesen werden, die der Beschwerdeführer unbestritten liess. 8.4.2 Weder in der allgemeinen Lage in Eritrea noch in den individuellen Umständen des Beschwerdeführers liegt sodann eine konkrete Gefähr- dung im Sinne der massgeblichen Bestimmung. Im Referenzurteil D -2311/2016 hatte sich das Bundesverwaltungsgericht ausführlich mit der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea beschäftigt. Dabei kam es nach Auswertung der zur Verfügung stehenden Quellen zum Schluss, angesichts der dokumentie rten Verbesserungen in der Nahrungsmittel- und Wasserversorgung, im Bildungswesen sowie im Gesundheitssystem Eritreas sei die frühere Praxis, wonach eine Rückkehr nur bei begünstigenden individuellen Umständen zumutbar sei (vgl. E- MARK 2005 Nr. 12), nicht l änger berechtigt. Angesichts der schwierigen allgemeinen – und insbesondere wirtschaftlichen – Lage des Landes müsse bei Vorliegen besonderer individueller Umstände aber nach wie vor von einer Existenzbedrohung ausgegangen werden. Seit Ergehen dieses Urteils haben sich zwar in Eritrea weitere Verbesserungen ergeben; na- mentlich haben Äthiopien und Eritrea jüngst ein Friedensabkommen ge- schlossen (vgl. Neue Zürcher Zeitung, Trotz Friedensabkommen in Eritrea – Asylpraxis bei Eritreern ändert sich vorerst nicht, 11. Juli 2018); diese ändern aber vorläufig an der Einschätzung nichts. Die Frage der Zumut- barkeit bleibe daher im Einzelfall zu beurteilen (vgl. Referenzurteil D - 2311/2016 E. 17.2). Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen, alleinstehenden Mann. Seine Eltern sind beide an seinem Herkunf tsort wohnhaft, und er hat zahlreiche Geschwister und weitere Verwandte in Eritrea (A6 Ziff. 3.01, A24 F19 ff.). Zwar gab der Beschwerdeführer an, aus einem abgelegenen Dorf und einfachen Lebensverhältnissen zu kommen; er selbst habe die Schule nicht besuchen dürfen, weil er hauptverantwortlich für die Versor- gung der Familie zuständig gewesen sei. Gleichzeitig gab er aber an, dass sie ein gutes Leben gehabt hätten; sie lebten von der (…), wie auch die Familien m ehrerer Onkel und einer Tante , wobei sich Felder, Tiere und Häuser in ihrem Besitz befänden (u.a. A24 F25 ff., F32, F52, F65 f.). Auch habe die Familie seine Reise finanziert und dazu unter anderem (…) ver- kauft (A6 Ziff. 5.02). In der Stadt G._______ habe er auch eine (…) zu der E-5696/2018 Seite 19 seine (…) jeweils reise, um mit ihm (Beschwerdeführer) zu telefonieren. Vor diesem Hintergrund ist für den Fall der Rückkehr des Beschwerdefüh- rers an seinen Herkunftsort nicht von seiner existenziellen Gefährdung auszugehen. Daran vermag die neu geltend gemachte gesundheitliche Si- tuation nichts zu ändern, auch angesichts der unter E. 8.2.3 vorgenomme- nen Würdigung. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass das grosse fami- liäre Netz dem Beschwerdeführer einen gewissen Halt zu geben vermag. Sollte der Beschwerdeführer weiterhin Medikamente benötigen, kann da- von ausgegangen werden, dass er sie entweder im Rahmen der Rückkehr- hilfe oder aber über seine zahlreichen Verwandten erhältlich machen kann. Unter anderem leben insgesamt vier Cousins in E._______ und D._______ (A6 Ziff. 3.03 und A24 F69 ff.). Zusammenfassend liegen keine Umstände vor, aufgrund derer bei einer Rückkehr von einer Existenzbedrohung aus- gegangen werden müsste. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch al s zumutbar. 8.5 Die zwangsweise Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach Eritrea ist zurzeit generell nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerde- führer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist deshalb auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG) und, soweit überprüfbar, angemessen ist (Art. 49 Bst. c VwVG). Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der Beschwerde näher einzugehen. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-E-5696/2018 Seite 20 führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in dieser Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Be- zahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. E-5696/2018 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in derselben Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezah- lung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Esther Marti Nina Klaus Versand: