200 18 593 IV SCJ/GET/STA Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 11. Februar 2019 Verwaltungsrichter Scheidegger, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Kölliker, Verwaltungsrichter Knapp Gerichtsschreiber Germann A.________ vertreten durch Rechtsanwältin MLaw B.________ Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin C.________ Beigeladene betreffend Verfügung vom 20. Juli 2018 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 2 Sachverhalt: A. Die … geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwerde- führerin), zuletzt bzw. bis Juli 2014 bei der H.________ Winterthur (nach- folgend H.________) als … im … angestellt, meldete sich im April 2015 unter Hinweis auf die Folgen einer im Jahr 2001 diagnostizierten multiplen Sklerose (MS) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV-Stelle Bern [nachfolgend IVB bzw. Be- schwerdegegnerin], [act. II] 4; 12 S. 1). Die IVB gewährte der Versicherten Hilfsmittel (act. II 25; 29) sowie Arbeitsvermittlung (act. II 35). Ferner sprach sie ihr mit Verfügung vom 30. November 2016 (act. II 53 S. 2 ff.) bei einem Invaliditätsgrad von 40% eine Viertelsrente zu. Die dagegen gerichtete Be- schwerde mit dem Antrag auf Ausrichtung einer halben Invalidenrente (act. II 58 S. 4) hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversiche- rungsrechtliche Abteilung, mit Urteil vom 12. Juli 2017 (VGE IV/2017/27 [act. II 96]) insoweit gut, als es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache an die IVB zwecks Durchführung eines polydisziplinären Gutachtens zurückwies. B. In der Folge veranlasste die IVB bei der D.________ (MEDAS) eine inter- disziplinäre Begutachtung, beinhaltend die Fachdisziplinen der Allgemeinen Inneren Medizin, Neurologie, Psychiatrie und Neuropsychologie (Expertise vom 5. April 2018 [act. II 141.1 ff.]). Nach Durchführung des Vorbescheid- verfahrens (act. II 144) sprach sie der Versicherten mit Verfügung vom 20. Juli 2018 (act. II 147 S. 2 ff.) bei einem Invaliditätsgrad von 50% eine halbe Invalidenrente zu. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 3 C. Dagegen liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin B.________, mit Eingabe vom 27. August 2018 Beschwerde erheben. Sie stellt die folgenden Anträge: 1. Es sei die Verfügung vom 20. Juli 2018 aufzuheben. 2. Es seien der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen, insbesonde- re mindestens eine Dreiviertelsrente, zuzusprechen. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegne- rin. Verfahrensanträge 1. Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen. In der Begründung beanstandet die Beschwerdeführerin die Höhe der der Ermittlung des Invaliditätsgrades zugrunde gelegten Vergleichseinkommen. Mit Beschwerdeantwort vom 28. September 2018 beantragt die Beschwer- degegnerin die Abweisung der Beschwerde. In Bezug auf das Validenein- kommen bringt sie vor, anders als in der angefochtenen Verfügung vom 20. Juli 2018 sei auf das Kompetenzniveau 3 (anstelle des Wertes „Total“ aller Kompetenzniveaus [vgl. act. II 147 S. 5]) von Tabelle TA1, Ziffer 64-66 (Finanz- und Versicherungsdienstleistungen), Frauen, der Lohnstrukturer- hebung (LSE) 2014 abzustellen (S. 3 Ziffer 4). Sodann betrage das Invali- deneinkommen (statt Fr. 46‘644.-- [vgl. act. II 147 S. 5]) Fr. 39‘855.-- (S. 3 Ziffer 5). Dies alles ändere jedoch nichts daran, dass weiterhin kein An- spruch auf eine Dreiviertelsrente bestehe (S. 3 Ziffer 6). Mit Replik vom 5. Dezember 2018 hält die Beschwerdeführerin an ihren beschwerdeweise gestellten Rechtsbegehren fest. Sie bringt vor, für die Bemessung des Valideneinkommens sei auf den in der Verfügung vom 30. November 2016 ermittelten Wert von Fr. 105‘922.-- (vgl. act. II 53 S. 6) abzustellen (S. 3 Ziffer 7). Sodann sei den Ausführungen der Beschwerde- gegnerin in der Beschwerdeantwort vom 28. September 2018 zum neu berechneten Invalideneinkommen von Fr. 39‘855.-- zuzustimmen (S. 3 Zif- fer 8). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 4 Mit Eingabe vom 4. Januar 2019 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine umfassende Stellungnahme im Rahmen einer Duplik. Mit prozessleitender Verfügung vom 10. Januar 2019 lud der Instruktions- richter den zuständigen BVG-Versicherer, die C.________ (nachfolgend Beigeladene), zum Verfahren bei und gewährte ihr die Möglichkeit zur Ein- reichung einer Stellungnahme, wovon die Beigeladene ausdrücklich keinen Gebrauch machte (Eingabe vom 16. Januar 2019). Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde grundsätzlich einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 20. Juli 2018 (act. II 147 S. 2 ff.). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 5 und dabei insbesondere jener auf eine Dreiviertelsrente. Soweit die Be- schwerdeführerin die Zusprache von darüber hinausgehenden „gesetzli- chen Leistungen“ beantragt (vgl. Ziffer 2 der Rechtsbegehren), ist auf die Beschwerde nicht einzutreten, fehlt es doch insoweit an einem Anfech- tungsobjekt. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufga- benbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnah- men wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 6 mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente. 2.3Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weite- ren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 3. 3.1Die medizinische Aktenlage präsentiert sich im Wesentlichen wie folgt: 3.1.1Im Bericht vom 17. Mai 2015 (act. II 14 S. 2 - 7) hielt der Hausarzt der Beschwerdeführerin (vgl. act. II 4 S. 6), Dr. med. E.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, als Diagnose mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit eine seit 2001 bestehende MS fest (act. II 14 S. 2). Die Be- handlung bei ihm erfolge seit November 2013. Hauptbefund sei ein unsicherer Gang, seit er die Beschwerdeführerin betreue; zudem falle bei der Sprache eine Dysarthrie auf (S. 3). Er habe der Beschwerdeführerin lediglich vom 29. April bis 5. Mai 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Allerdings habe bereits bei Übernahme der Behandlung durch ihn eine allein 50%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Aktuell bestehe eine 50%ige Leistungsfähigkeit „in 100% Zeit“ – dies aufgrund der krankheitsbedingten Ausfälle (S. 4). 3.1.2Dr. med. F.________, Fachärztin für Neurologie, hielt im Bericht vom 13. Juli 2015 (act. II 24 S. 2 - 6) fest, an aktuellen Symptomen bestehe eine Gehbehinderung bei rascher motorischer Erschöpfbarkeit, subjektiv spastischer Beinschwäche rechts und Gleichgewichtsstörungen, Feinmoto-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 7 rikstörungen sowie eine Schwäche der rechten Hand. Auch kognitiv beste- he eine etwas raschere Erschöpfbarkeit, die Beschwerdeführerin brauche mehr Zeit für ihre Arbeit; subjektiv aber nur, wenn vorher ein kraftraubender Arbeitsweg stattgefunden habe. Die etwas verwaschene Sprache gehöre zu ihr und sei nicht MS-bedingt (S. 3). Mit weiterem Bericht vom 7. Mai 2016 (act. II 41 S. 2 ff.) hielt Dr. med. F.________ fest, der Gesundheitszustand habe sich leicht verschlechtert. Die Beschwerdeführerin sei allgemein langsamer geworden; die Sprache sei etwas verwaschen (keine sichere Verschlechterung in den letzten Jah- ren, „nicht sicher MS-bedingt“) und die physikalischen Therapiemassnah- men hätten ausgebaut werden müssen (S. 3). Die bisherige Erwerbstätigkeit sei wegen der häufigen Kundenbesuche (Wege anstren- gend, danach auch verminderte kognitive Leistungsfähigkeit) ungünstig und in einem Pensum von 60% wahrscheinlich nicht möglich. Körperlich an- strengende Tätigkeiten und auch lange Arbeitswege seien generell ungüns- tig. Für sitzende Tätigkeiten wäre unter Mitberücksichtigung der eingeschränkten Feinmotorik, des verlangsamten Arbeitstempos und der verstärkten kognitiven Erschöpfbarkeit ein Arbeitspensum von ca. 60% in einer angepassten Tätigkeit angemessen (S. 3). 3.1.3Im polydisziplinären Gutachten der MEDAS vom 5. April 2018 (act. II 141.1 ff.) wurden interdisziplinär im Wesentlichen die folgenden Diagno- sen gestellt (act. II 141.1 S. 8): Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 1. Multiple Sklerose von schubförmigem Verlauf (ES 1991, ED 09/01) 2. Persönlichkeits- und Verhaltensauffälligkeiten, am ehesten organisch be- dingt (ICD-10 F07.9) 3. Leichte neuropsychologische Störung Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 1. Substituierte Hypothyreose 2. Makrozytäres Blutbild a.e. bei Vitamin B12-Mangel 3. Osteoporosegefährdung 4. Rezidivierende Sturzereignisse mit Frakturen im Rahmen der multiplen Sklerose In der interdisziplinären Beurteilung hielten die Gutachter fest, aus neurolo- gischer Sicht scheine die Beschwerdeführerin die klinisch imponierenden Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 8 Befunde eher zu bagatellisieren, es beständen eine Einschränkung des Sprechens bei Dysarthrie sowie deutliche neurologische Einschränkungen bei objektivierbarer Feinmotorik-Störung der rechten Hand, Spastik im rechten Bein, Ermüdbarkeit, Drangsymptomatik und gelegentlich aufgetre- tenen phonematischen Paraphasien. Bei der vorliegend leichten neuropsy- chologischen Störung sei die Funktionsfähigkeit im Alltag und bei den meisten beruflichen Anforderungen nicht eingeschränkt. Bei beruflichen Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an das kognitive Leistungsvermögen oder bei hohem Arbeitstakt könne die Leistungsfähigkeit relevant einge- schränkt sein (S. 9). In psychiatrischer Hinsicht bestehe eine deutliche psy- chomotorische und formalgedanklich-sprachliche Verlangsamung, kombiniert mit einer Tendenz zur Selbstüberschätzung bzw. Leugnung of- fensichtlicher Defizite. Dies lege eine Einschränkung in der Fähigkeit zur Flexibilität und Umstellung und zur Gruppenfähigkeit nahe. Eine Einschrän- kung der Durchhaltefähigkeit müsse angenommen werden. In internisti- scher Hinsicht könne es aufgrund des Sturzrisikos und der Osteoporosegefährdung im Verlauf auch zu schwerwiegenden (klassischen osteoporotischen) Frakturen z.B. am Schenkelhals, Humerus, Wirbelsäule etc. kommen. In diesem Falle läge eine Diagnose mit Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit vor, da diese Frakturen komplikationsbehaftet seien und auch die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit beeinflussen würden (S. 10). Aufgrund der Gesamtheit der Einschränkungen (psychiatrisch, neurolo- gisch, neuropsychologisch) sei die Beschwerdeführerin in ihrem ursprüngli- chen Tätigkeitsgebiet als …/… (…, …, …) nicht mehr arbeitsfähig. Ihr sei jedoch eine angepasste, sitzende Tätigkeit (keine stehende Tätigkeit) zu- mutbar. Hierbei sollten geringe Anforderungen an das kognitive und in- teraktive Funktionsniveau bestehen, keine Leitungsfunktion, kein Kundenkontakt, kein Umgang mit heiklen Daten. In einer solchen Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 60% (Pensum). Der Beschwerdeführerin sollte ein erhöhter und flexibel einsetzbarer Pausenbedarf ermöglicht wer- den. Aufgrund einer vermutlich leichtgradigen kognitiven Beeinträchtigung sei die Qualität reduziert, so dass insgesamt eine Leistungsfähigkeit von maximal 50% resultiere. Diese Einschätzung gelte seit August 2014 (S. 11). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 9 3.2Mit Blick auf die im Recht liegenden ärztlichen Berichte, nament- lich das umfassende, den beweismässigen Anforderungen an medizinische Berichte (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352) genügende polydisziplinäre Gutachten der MEDAS vom 5. April 2018 (act. II 141.1 ff.), steht fest und ist unbestritten, dass die Be- schwerdeführerin an einer MS und daraus resultierenden, diversen funktio- nellen Einschränkungen (Dysarthrie, Feinmotorik-Störung der rechten Hand, Spastik im rechten Bein, Ermüdbarkeit, Drangsymptomatik, gele- gentliche phonematische Paraphasien [vgl. act. II 141.1 S. 9]) leidet. Diese Beeinträchtigungen schränken die Arbeitsfähigkeit – in weitgehender Über- einstimmung mit den Einschätzungen der behandelnden Neurologin Dr. med. F.________ im Bericht vom 7. Mai 2016 (vgl. act. II 41 S. 3) sowie des Hausarztes Dr. med. E.________ (vgl. act. II 14 S. 4) – in einer den Leiden angepassten Tätigkeit um 40% (Pensum) bzw. die Leistungsfähig- keit um 50% ein; in der angestammten, zuletzt ausgeübten Tätigkeit als … im … besteht keine Arbeitsfähigkeit mehr (act. II 141.1 S. 11). Diese Ein- schätzung gilt gemäss den Gutachtern seit August 2014, was mit Blick auf den Bericht von Dr. med. E.________ vom 17. Mai 2015 (act. II 14 S. 2 - 7) überzeugt (vgl. E. 3.1.1 vorne). Auf dieser medizinisch-theoretischen Grundlage ist nachfolgend der Invali- ditätsgrad zu ermitteln. 4. 4.1Zwischen den Parteien steht zu Recht ausser Streit, dass der Ren- tenanspruch unter Berücksichtigung der im August 2014 eröffneten Warte- frist (act. II 141.1 S. 11) sowie der im April 2015 erfolgten Anmeldung zum Leistungsbezug (act. II 4) frühestens ab Oktober 2015 entstehen kann (Art. 28 Abs. 1 lit. b und 29 Abs. 1 IVG), womit der Einkommensvergleich für das Jahr 2015 vorzunehmen ist. 4.2Für die Bestimmung des lnvaliditätsgrades nach Massgabe der – vorliegend unbestrittenermassen zur Anwendung gelangenden – Ein- kommensvergleichsmethode (Art. 16 ATSG) wird bei einer erwerbstätigen versicherten Person das Erwerbseinkommen, das sie nach Eintritt der Inva-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 10 lidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausge- glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. 4.2.1Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange- passten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1). Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung rea- lisierbare Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte gemäss Tabellenlohn nach den vom Bundesamt für Statistik (BFS) herausgegebenen LSE abzustellen. Auf sie darf jedoch im Rahmen der Invaliditätsbemessung nur unter Mitberücksichtigung der für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren abgestellt werden (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute BGer] vom 30. Oktober 2002, I 517/02, E. 1.2). 4.2.2Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss der vom BFS herausge- gebenen LSE herangezogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297). 4.3Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung vom 20. Juli 2018 (act. II 147 S. 2 ff.) für die Ermittlung des Valideneinkommens auf den Wert gemäss Tabelle TA1 von LSE 2014, Ziffer 64-66 (Finanz- und Versicherungsdienstleistungen), Total, Frauen, abgestellt und dergestalt einen massgeblichen, pro 2015 indexierten Jahresverdienst von Fr. 93‘288.-- ermittelt (S. 5). In der Beschwerdeantwort vom 20. September Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 11 2018 macht sie demgegenüber geltend, es sei auf den (tieferen) Monats- lohn gemäss Kompetenzniveau 3 der betreffenden Tabellenposition abzu- stellen, zumal die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als … im … bei der H.________ keine Einkommen über Fr. 100‘000.-- mehr erzielt habe (vgl. S. 2 f. Ziffer 4). Demgegenüber stellt sich die Be- schwerdeführerin auf den Standpunkt, das im Vergleich zur Voranstellung bei der G.________ (vgl. act. II 34 S. 3) tiefere Einkommen bei der H.________ ab 2010 sei eine Folge krankheitsbedingter Einschränkungen. Massgebend sei deshalb das bereits der Verfügung vom 30. November 2016 zugrunde gelegte Jahreseinkommen von Fr. 105‘922.-- (vgl. act. II 53 S. 6; Replik S. 2 f. Ziffern 5 und 7). 4.3.1Zur Einkommensentwicklung lässt sich dem Auszug aus dem indi- viduellen Konto vom 1. Mai 2015 (act. II 11 S. 2 ff.) entnehmen, dass der von der Beschwerdeführerin erzielte Jahresverdienst in den Jahren 2011 bis 2014 – somit während der Anstellung bei der H.________ – zwischen Fr. 46‘881.-- (2014) und maximal Fr. 64‘469.-- (2011) schwankte, mithin deutlich unter Fr. 100‘000.-- lag. Anders sieht es jedoch in Bezug auf die vorangegangenen Jahre aus: Zwar ist für das Jahr 2010 „nur“ ein Einkom- men von Fr. 84‘893.-- dokumentiert, was jedoch keinen Referenzwert dar- stellt, legte die Beschwerdeführerin doch im Jahr 2010 gemäss eigenen, unbestritten gebliebenen Angaben eine Berufspause ein (act. II 34 S. 3). Hingegen lag in den Jahren 1999 bis 2009 das durchschnittliche Jahres- einkommen bei gut Fr. 100‘000.--, gegen Ende dieses Zeitraums bzw. in den Jahren 2008 und 2009 sogar bei Fr. 102‘898.-- bzw. Fr. 105‘532.--. Daraus erhellt, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2011 – respektive nach der Anstellung bei der H.________ per Dezember 2010 (act. II 33 S. 9) – einen erheblichen Einkommenseinbruch zu verzeichnen hatte. Zum Krankheitsverlauf lässt sich dem Bericht von Dr. med. F.________ vom 13. Juli 2015 (act. II 24 S. 2 - 6) entnehmen, dass die MS erstmals im Jahr 2001 diagnostiziert wurde, wobei bereits nach dem ersten Schub kei- ne vollständige Rückbildung der Sensibilitätsstörungen in den Händen er- folgt war. Im Jahr 2011 gesellten sich allmählich Probleme mit der Feinmotorik und auch mit dem Gleichgewicht hinzu. Seit Frühling 2012 wurden Fussheberschienen notwendig und die Beschwerdeführerin begann Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 12 wegen Feinmotorikstörungen mit Ergotherapie. Im selben Jahr erfolgte ein nächster MS-Schub mit neu festgestellter Beinschwäche rechts sowie ent- sprechender Verschlechterung des Gangbildes. Obgleich die Beschwerde- führerin auf eine hochdosierte Kortisonkur gut ansprach, erlitt sie (wie auch in den Folgejahren [vgl. act. II 2]) mehrere Stürze mit erheblichen Verlet- zungen – unter anderem einer Wadenbeinfraktur rechts mit schlechter Wundheilung. Im August 2013 kam es zum nächsten MS-Schub mit ver- stärkter Stand- und Gangunsicherheit sowie einer Parese des rechten Bei- nes, wobei sich die Behandlung problembehaftet gestaltete. Wohl besserte sich das Elektrisieren im rechten Bein, jedoch persistierte die Spastik da- selbst, was wiederum zu mehreren Stürzen führte (vgl. S. 3). Aufgrund dieser – von keiner Seite in Frage gestellten bzw. auch im Bericht von Dr. med. L.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), vom 21. März 2017 (act. II 66 S. 3 - 5) wiedergegebenen (S. 3 f.) – anamnestischen Angaben steht fest, dass die Progredienz der MS und der daraus resultierenden funktionellen Einschränkungen massgeblich in den Zeitraum der Anstellung bei der H.________ fiel, welche vom 1. Dezember 2010 bis am 31. Juli 2014 dauerte (vgl. act. II 33 S. 9). Daraus kann ohne weiteres geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin bei der Ausübung ihrer Tätigkeit als … im … bereits ab 2011 u.a. infolge zunehmender Gehschwierigkeiten immer mehr beeinträchtigt war, auch wenn sie bis zuletzt in zeitlicher Hin- sicht ein volles Pensum versehen hat. Dies entspricht denn auch den An- gaben der Beschwerdeführerin im Erstgespräch vom 13. Mai 2015 (act. II 12), wonach ab 2012 zunehmende und zu verschiedenen kleinen Unfällen führende Gehschwierigkeiten bestanden hätten (S. 2). Sodann hat sie auch gegenüber den Gutachtern der MEDAS ausgeführt, sie habe die von der H.________ geforderten Abschlüsse und Ziele nie erreicht, sie sei „damals wohl zu langsam gewesen“ (act. II 141.4 S. 4, 141.6 S. 4). Damit ist erstellt, dass der eingangs dargelegte, im Jahr 2011 erfolgte Ein- kommenseinbruch massgeblich auf die Progredienz der MS-bedingten Funktionseinschränkungen zurückzuführen ist. Gegenteiliges bzw. Um- stände, welche darauf schliessen lassen könnten, dass der Verdienstrück- gang im Wesentlichen auf ausserhalb der Krankheit liegende Faktoren Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 13 zurückzuführen wäre, sind nicht aktenkundig und werden auch nicht be- hauptet. Dergleichen lässt sich namentlich nicht aus dem Arbeitszeugnis der H.________ vom 31. Juli 2014 ableiten (vgl. act. II 33 S. 9). Damit kann für die Ermittlung des Valideneinkommens nicht auf die während der An- stellung bei der H.________ erzielten Einkünfte abgestellt werden. Indem schliesslich das zuvor innegehabte, lediglich knapp zwei Jahre dauernde Arbeitsverhältnis bei der G.________ bereits im Mai 2010 geendet hatte (vgl. act. II 34 S. 3) und demnach insoweit ebenfalls keine zuverlässigen Rückschlüsse auf das hypothetische Einkommen der Beschwerdeführerin als Gesunde im Zeitpunkt des Rentenbeginns im Oktober 2015 (vgl. E. 4.1 vorne) erlaubt, ist – was unter den Parteien unbestritten ist – auf Tabellen- löhne gemäss LSE abzustellen (vgl. E. 4.2.1 vorne). 4.3.2Beschwerdeführerin und -gegnerin stimmen – zu Recht – darin überein, dass innerhalb von TA1 der LSE 2014 die Löhne gemäss Ziffer 64-66 (Finanz- und Versicherungsdienstleistungen) zu berücksichtigen sind. Uneins sind sich die Parteien hinsichtlich des dem Valideneinkommen zugrunde zu legenden Kompetenzniveaus: Während die Beschwerdeführe- rin (im Ergebnis) auf Kompetenzniveau 4 abstellen will, erachtet die Be- schwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort Kompetenzniveau 3 als massgebend (vgl. Beschwerde S. 6 Ziffer 20 i.V.m. act. II 53 S. 6 und Re- plik S. 3 Ziffer 7; Beschwerdeantwort S. 2 f. Ziffer 4). Die Beschwerdeführerin erwarb 1984 das Fähigkeitszeugnis als Kaufmän- nische Angestellte (act. II 33 S. 5) und absolvierte 1990 mit Erfolg die Prü- fung der Höheren … (S. 4). Es kamen weitere Ausbildungen hinzu, so jene als … mit eidgenössischem Fachausweis (S. 3) und ein – während der An- stellung bei der K.________ (betriebsintern) erworbenes – Zertifikat als „…“ (S. 2). Zum beruflichen Werdegang folgt aus den Akten, dass die Be- schwerdeführerin ihre Lehre beim damaligen I.________ absolvierte, wo sie bereits 1992 aufgrund ihrer guten Leistungen zur Handlungsbevoll- mächtigten befördert wurde (S. 15). Aufgrund der Fusion mit der J.________ ging das damalige Arbeitsverhältnis 1998 auf die K.________ über, wo sie im Jahr 2000 zur … befördert wurde (S. 14), wobei ihr im wei- teren Verlauf die Aneignung profunder Prozess- und Produktkenntnisse attestiert wurde (S. 12). Im Lichte dieser Ausbildungs- und Erwerbsbiogra-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 14 phie sowie mit Blick auf die hohe Komplexität der während ihrer langjähri- gen Anstellung beim I.________ bzw. bei der K.________ verrichteten Tätigkeiten (vgl. S. 12) und die durchwegs sehr guten Arbeitszeugnisse ist für die Bestimmung des Validenlohns auf Kompetenzniveau 4 (Tätigkeiten mit komplexer Problemlösung und Entscheidfindung, welche ein grosses Fakten- und theoretisches Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen) abzustellen, wie dies bereits in der Verfügung vom 30. November 2016 (act. II 53 S. 6) sowie im Rahmen sämtlicher Taggeldverfügungen erfolgt war bzw. erfolgte (vgl. act. II 85; 95; 148; 155). Daran ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin bei der H.________ bloss unterdurchschnittlich verdient hatte, war die damalige negative Lohnentwicklung doch – wie dar- gelegt (vgl. E. 4.3.1 vorne) – massgeblich durch die fortschreitende Krank- heit beeinflusst. 4.3.3Demnach ist das Valideneinkommen basierend auf den LSE 2014, Tabelle TA1, Ziffer 64-66, Frauen, Kompetenzniveau 4 zu bestimmen. Das Valideneinkommen ist der Teuerung und der realen Einkommensent- wicklung anzupassen, wobei auf den Nominallohnindex gemäss der ent- sprechenden Erhebung des BFS abzustellen ist (vgl. Entscheid des BGer vom 10. Mai 2013, 8C_67/2013, E. 3.3.5). Ferner gilt es bei der Anwendung von Tabellenlöhnen zu berücksichtigen, dass ihnen generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu Grunde liegt, welcher Wert etwas tiefer ist als die betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit im Bereich der Tabellenposition 64-66, welche sich im Jahr 2015 auf 41.5 Wochenstunden belief (vgl. BGE 126 V 75 E. 3b bb S. 77; BFS, Betriebs- übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Ziffer 64-66). Demnach betrug das jährliche Valideneinkommen pro 2015 unter Berück- sichtigung der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 41.5 Stunden so- wie der statistischen Lohnerhöhungen (BFS, T1.2.10 Nominallohnindex, Frauen, 2011 - 2017, Abschnitt K) Fr. 108‘729.75 (Fr. 8‘651.-- x 12 Monate / 40 x 41.5 Wochenstunden / 105.1 x 106.1). 4.4 4.4.1Indem die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit nicht aus- schöpft respektive keiner ihr zumutbaren Erwerbstätigkeit mehr nachgeht, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 15 ist für die Ermittlung des Invalideneinkommens ebenfalls auf statistische Werte gemäss LSE 2014 abzustellen (vgl. E. 4.2.2 vorne). Die in der Be- schwerdeantwort vorgenommene Berechnung (S. 3 Ziffer 5) ist zu Recht unbestritten (vgl. Replik, S. 3 Ziffer 8), hat die Beschwerdegegnerin doch berücksichtigt, dass in Anbetracht des medizinisch-theoretischen Anforde- rungsprofils (vgl. act. II 141.1 S. 11) nur mehr Tätigkeiten gemäss Kompe- tenzniveau 2 zumutbar sind. Damit ist den leidensbedingten Einschränkungen umfassend Rechnung getragen, so dass es eines zusätz- lichen leidensbedingten Abzugs (zu den Voraussetzungen, vgl. BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481) nicht bedarf, zumal sämtliche funktionellen Beeinträchtigungen in der medizinisch-theoretischen Leis- tungsfähigkeit von 50% Berücksichtigung fanden (vgl. act. II 141.1 S. 11; SVR 2018 IV Nr. 45 S. 145 E. 2.2). 4.4.2Basierend auf der LSE 2014, Tabelle TA1, Ziffer 64-66, Frauen, Kompetenzniveau 2, resultiert somit – bei einer Arbeits- bzw. Leistungs- fähigkeit von 50%, im Übrigen jedoch identischen Berechnungsparametern wie beim Valideneinkommen (vgl. E. 4.3.3 vorne) – ein Invalideneinkom- men von Fr. 39‘855.-- (vgl. hierzu die zutreffende Berechnung in der Be- schwerdeantwort, S. 3 Ziffer 5, auf welche verwiesen werden kann). 4.5Aus der Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 68‘874.75 (Fr. 108‘729.75 - Fr. 39‘855.--) und damit ein Invaliditätsgrad von gerundet 63% (Fr. 68‘874.75 / Fr. 108‘729.75 x 100; zur Rundung: vgl. BGE 130 V 121 E. 3.2 S. 123). Damit besteht (ab Oktober 2015) Anspruch auf Ausrichtung einer Dreiviertelsrente (vgl. E. 2.2 vorne). Die Beschwerdegegnerin wird jedoch zu prüfen haben, ob und wenn ja inwieweit Rentennachzahlungen mit Taggeldern zu verrechnen sind (vgl. auch act. II 147 S. 3). 4.6Zusammenfassend ist die Beschwerde – soweit darauf einzutreten ist – gutzuheissen und der Beschwerdeführerin ab Oktober 2015 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 16 5. 5.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.-- ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zurückzu- erstatten. 5.2Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Mit am 5. Dezember 2018 eingereichter Kostennote macht Rechtsanwältin B.________ ein Honorar von Fr. 4‘975.--, Spesen von Fr. 149.25 und die Mehrwertsteuer (MWSt) von Fr. 394.55, insgesamt ausmachend einen Aufwand von Fr. 5‘518.80, geltend. Dieser Betrag erweist sich in Anbe- tracht der auf die Höhe der Vergleichseinkommen beschränkten rechtlichen Fragestellung und dem damit einhergehenden beschränkten Aufwand – auch unter Berücksichtigung des doppelten Schriftenwechsels – als zu hoch, weshalb der Parteikostenersatz auf pauschal Fr. 4‘000.-- (inkl. Aus- lagen und MWSt) festgesetzt wird. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird, soweit darauf einzutreten ist, gutgeheissen. Die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Bern vom 20. Juli 2018 wird aufgehoben und der Beschwerdeführerin ab 1. Oktober 2015 eine Dreiviertelsrente zugesprochen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Feb. 2019, IV/18/593, Seite 17 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.-- wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, gerichtlich bestimmt auf pauschal Fr. 4‘000.-- (inkl. Auslagen und MWSt), zu ersetzen. 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwältin MLaw B.________ z.H. der Beschwerdeführerin - IV-Stelle Bern - C.________ - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.