B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2861/2011 U r t e i l v o m 3. S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B._______, geboren (…), sowie die Kinder C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), E._______, geboren (…), Sri Lanka, alle vertreten durch Manuela Schiller, Rechtsanwältin, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. April 2011 / N (…). D-2861/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden (Eltern sowie [das Kind] C._______) gelang- ten mit in englischer Sprache verfasstem Schreiben vom 9. Oktober 2006 an die Schweizer Vertretung in Colombo (nachfolgend: Botschaft) und suchten um Asyl in der Schweiz nach. Mit Schreiben vom 6. August 2007 übermittelte die Botschaft dem BFM die bis dahin eingegangenen Unte r- lagen. Nach Eingang weiterer Korrespondenz der Beschwerdeführenden teilte das Bundesamt der Botschaft mit Schreiben vom 30. Mai 2008 mit, den Beschwerdeführenden werde die Einreise in die Schweiz bewilligt. B. Am 12. Juni 2008 reisten die Beschwerdeführenden in die Schweiz ein und stellten gleichentags im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) F._______ ihre Asylgesuche . Dort erhob das BFM am 18. Juni 2008 (Ehefrau) und am 26. Juni 2008 (Ehemann) die Personalien der B e- schwerdeführenden und befragte sie summarisch zu ihren Asylgründen. C. Am (…) wurde [das Kind] der Beschwerdeführenden, D._______, gebo- ren. D. Das Bundesamt hörte die Beschwerdeführenden am 18. Mai 2010 ei n- lässlich zu ihren Asylgründen an. Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuches – schriftlich gegenüber der Botschaft sowie anlässlich der Befragungen in der Schweiz – im Wesentlichen geltend, er sei tamilischer Ethnie und stamme ursprünglich aus G._______. Im Jahr 1997 sei er während eines Granatenangriffs der Armee verletzt worden, im Jahr 2002 habe er durch eine Landmine Verletzungen davongetragen. Die Spuren der damals erlit- tenen Verletzungen (insbesondere Verlust [Gliedmassen] und weitere […]verletzungen) behinderten ihn seither. Im November 2005 sei er vom Geheimdienst der LTTE (Liberation Tigers of Tamil E elam) zum Verhör mitgenommen worden . Man habe ihn schliesslich freigelassen, nachdem er sich bereit erklärt habe, für eine Ze- remonie eine grosse (…) von Jaffna nach Vanni zu transportieren. Bei diesem Transport sei er am Checkpoint H._______ aufgehalten und kon- trolliert worden, wobei die versteckten (…) gefunden worden sei en. Er D-2861/2011 Seite 3 habe daraufhin zugegeben, von de n LTTE zu diesem Transport gezwun- gen worden zu sein. Am 5. März 2006 sei er beim Checkpoint in I._______ vom sri -lankischen Militär verhaftet und misshandelt worden. Währenddem er sich zwei Tage später im Vanni ayurvedische Medizin zur Behandlung seiner Verletzungen besorgt habe, sei das Militär in seine Wohnung in G._______ eingedrungen und habe seine Ehefrau über ihn befragt. Er befürchte, das Militär habe beabsichtigt, ihn umzubringen. Er habe deshalb am 8. März 2006 zusammen mit Ehefrau und Kind das Haus verlassen und sie seien nach J._______ gereist. Dort hätten sie er- fahren, dass Unbekannte in ihr Haus in G._______ eingedrungen seien, weshalb sie am 14. März 2006 nach Colombo weitergereist seien. In Colombo seien er und seine Frau mehrmals kontrolliert worden, wobei er insbesondere auf seine Verletzungen angesprochen worden sei. Eines Tages im Jahr 2008 seien sie auf dem Weg zum Tempel angehalten wor- den und man habe sie zu einer Schule gebracht, wo bereits andere Tami- len gewartet hätten. Nachdem sie verhört worden seien, habe man von ihnen verlangt, sie sollten nach Jaffna zurückkehren. Etwa fünf Tage nach diesem Vorfall seien Angehörige der Sicherheitskräfte in Zivil zu ihrer Wohnung gekommen und hätten diese durchsucht. Angesichts der vorge- fundenen Röntgenbilder des Beschwerdeführers hätten sie ihn besch ul- digt, zu den LTTE zu gehören. Zudem hätten sie die Beschwerdeführe n- den aufgefordert, sich bis zum 30. März 2008 für weitere Befragungen zur Verfügung zu halten, am 31. März 2 008 hätten sie Colombo jedoch zu verlassen. In der Folge hätten sich die Besch werdeführenden an eine Menschenrechtsorganisation gewandt, die angekündigt habe, mit dem zuständigen Polizeichef und Militärkommandanten Kontakt aufzunehmen. Am 3. April 2008 seien die Zivilbeamten erneut erschienen und hätten den Beschwerdeführenden vorge worfen, die gesetzte Frist zum Verla s- sen der Region Colombo nicht eingehalten zu haben. Sie seien b e- schimpft und erneut aufgefordert worden, die Region unbedingt zu ve r- lassen. Danach hätten sie sich zu einem Umzug in eine ruhigere Gegend entschlossen. Am 2 8. April 2008 habe der Beschwerdeführer erfahren, dass sein Bruder S. ermordet worden sei. Zudem seien am 27. Mai 2008 zwei Unbekannte zu dem in der Nähe des Hauses der Beschwerdefü h- renden in G._______ lebenden Schwager des Beschwerdeführers g e- kommen, um diesen nach dem Aufenthaltsort des Beschwerdeführers zu fragen. D-2861/2011 Seite 4 Die Beschwerdeführerin bestätigte die Vorbringen ihres Ehemannes und legte dar, sie selber habe keine persönlichen Probleme gehabt. Sie habe jedoch unter der Verfolgung ihres Ehemannes gelitten. E. Mit Verfügung vom 15. April 2011 – eröffnet am 19. April 2011 – verneinte das BFM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte die Asylgesuche ab und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung d es negativen Asylen t- scheides wurde im Wesentlichen ausgeführt, die vom Beschwerdeführer geltend gemacht e Furcht vor relevanter Verfolgung aufgrund eines auf ihm lastenden Verdachts der LTTE-Unterstützung sei nicht asylbeachtlich. Dasselbe gelte für die vorgebrachte Furcht vor einer Verfolgung seitens des sri -lankischen Staates. Ebenso wenig seien Übergriffe seitens der LTTE zu befürchten. Insgesamt hielten die Vorbringen der Beschwerd e- führenden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand. F. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 19. Mai 2011 liessen die Beschwerdeführenden durch ihre Rechtsvertreterin in mat e- rieller Hinsicht beantragen, das Verfahren sei an die Vorinstanz zurück- zuweisen, mit der Auflage, eine Zweitbefragung des Beschwerdeführers durchzuführen und beim internationalen Komitee des roten Kreuzes (IKRK) die Akten über den Beschwerdeführer einzuholen; eventuell sei das Verfahren bis nach Eingang der A kten des IKRK zu sistieren. Eve n- tualiter beantragten sie die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und sie seien als Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG anzuerkennen, sub e- ventualiter sei festzustellen, dass die Wegweisung der Beschwerdefü h- renden unmöglich, unzulässig und unzumutbar sei, und es sei das Bu n- desamt anzuweisen, sie gemeinsam mit ihren Kindern vorläufig aufz u- nehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten die Beschwerdefü h- renden um Befreiung von der Pflicht zur Leistung eines Kostenvorschu s- ses. Weiter machten sie geltend, in den von ihnen eingesehenen Akten fehlten die Unterlagen beziehungsweise die Korrespondenz der B e- schwerdeführenden mit der Botschaft in Colombo. Diese Dokumente sei- en beizuziehen, den Beschwerdeführenden offenzulegen und es sei i h- nen eine Stellungnahme zu diesen Akten zu ermöglichen. D-2861/2011 Seite 5 Zur Begründung der Beschwerdebegehren wird im Wesentlichen ausge- führt, der Beschwerdeführer habe bis anhin verschwiegen, dass er ta t- sächlich bereits als 15 -jähriger Jugendlicher als Kämpfer z u den LTTE gestossen und diese erst 2002 verlassen habe. Er habe dies gegenüber der Botschaft nicht angegeben, weil er befürchtet habe, die Aussagen könnten doch noch in die Hände des Militärs geraten. In der Schweiz a n- gekommen hätten ihm bereits im EVZ un d auch später alle gesagt, er dürfe nicht angeben, dass er für die LTTE (erst noch in vorgesetzter Posi- tion) gekämpft habe, sonst werde er umgehend aus der Schweiz wegg e- wiesen. G. Am 23. Mai 2011 ging die Fürsorgebestätigung der zuständigen Gemein- debehörde für die Beschwerdeführenden beim Gericht ein. H. Mit Verfügung vom 31. Mai 2011 teilte der zuständige Instruktionsrichter den Beschwerdeführenden mit, sie könnten den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig verzichtete er auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses und die Vorinstanz wurde zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. I. Das BFM erachtete in seiner Stellungnahme vom 3. Juni 2011 die auf Be- schwerdeebene neu vorgebrachten Sachverhaltselemente als nachg e- schoben sowie unglaubhaf t und beantragte die Abweisung der B e- schwerde. J. Mit Verfügungen vom 8. Juni 2011 sowie vom 22. August 2011 wurde das Bundesamt aufgefordert, die Akten des Auslandverfahrens der B e- schwerdeführenden ordnungsgemäss zu akturieren und den Beschwe r- deführenden Akteneinsicht zu gewähren. K. Nachdem die Vorinstanz der Aufforderung zur Aktenzustellung an die Be- schwerdeführenden nicht nachgekommen war, gewährte d as Bunde s- verwaltungsgericht den Beschwerdeführenden mit Verfügung vom 5. Dezember 2011 Einsicht in die Akten des Auslandverfahrens und räum- te ihnen gleichzeitig Frist zur Einreichung einer Stellungnahme zur vor - instanzlichen Vernehmlassung ein. Mit Eingabe vom 3. Januar 2012 D-2861/2011 Seite 6 machten die Beschwerdeführenden innert erstreckter Frist von ihrem Äusserungsrecht Gebrauch. L. Am (…) wurde (das Kind) der Beschwerdeführenden, E._______, gebo- ren. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nic hts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Die am (…) und am (…) in der Schweiz geborene n (Kinder) D._______ und E._______ werden in das vorliegende Urteil miteinbez o- gen. D-2861/2011 Seite 7 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Wie bereits vorstehend erwähnt (vgl. vorstehend Bst. K) wurde den B e- schwerdeführenden vom Bundesverwaltungsgericht Einsicht in die Akten des Auslandverfahrens gewährt und es stand ihnen frei, sich im Rahmen ihrer Replik dazu zu äussern. Die diesbezüglichen Anträge der B e- schwerdeführenden sind damit gegenstandslos geworden. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Die Beschwerdeführenden tragen auf Beschwerdeebene – neu – vor, der Beschwerdeführer habe sich (…) als f ünfzehnjähriger Jugend licher den LTTE als Kämpfer angeschlossen. Nachdem er 1986 während eines Kampfes verletzt worden sei, habe er ab 1987 längere Zeit im LTTE - Camp in K._______ in Südindien verbracht . Aufgrund der veränderten Haltung Indiens gegenüber der Organisation sei er dort verhaftet und nach rund drei Monaten nach Sri Lanka verbracht worden. Dort seien die Gefangenen nach einiger Zeit dem Roten Kreuz in L._______ übergeben D-2861/2011 Seite 8 worden, wo sie für zirka drei Monate im (…) untergebracht worden seien. Sowohl die indische Regier ung als auch das IKRK müssten Unterlagen über den Beschwerdeführer besit zen, weshalb er beantrage, es seien beim IKRK die Akten über seinen Aufenthalt im (…) heraus zu verlangen. In der Folge habe er sich erneut den LTTE angeschlossen, habe eine mi- litärische Ausbildung genossen und sei bald zum Ausbildner befördert worden. Ab 1995 sei er verantwortlicher Offizier für das Gebiet M._______ gewesen. Sein erstes Rücktrittsgesuch anfangs 1997 sei nicht akzeptiert worden, man habe ihn aber von seinen Offi ziersaufgaben entbunden. Als er sich nach dem Abzug der sri -lankischen Armee einem Minensuchtrupp angeschlossen habe, sei es zu der Verletzung am (…) (u.a. Verlust [Gliedmassen]) gekommen. Nach seinem Aufenthalt im L a- zarett sei ihm erlaubt worden, das Gebi et M ._______ zu verlassen. Er habe aber in dem von de n LTTE kontrollierten Gebiet verbleiben und auf Anfrage gewisse Dienste leisten müssen. Zwischen 2002 und 2005 habe es dank einer ruhigeren Phase keine grossen Probleme gegeben. Ab 2005 habe er jedoch Transporte für die LTTE übernehmen müssen. Dabei sei es schliesslich 2006 zu der bereits im Auslandverfahren und im erstin- stanzlichen Verfahren geschilderten Kontrolle durch das Militär geko m- men. Weiter fügt der Beschwerdeführer an, er sei innerhalb der LTT E mit se i- nem Kämpfernamen N._______ (O._______) bekannt gewesen. In der Schweiz habe er es zwar vermieden, zu den LTTE und ihren Organisatio- nen Kontakt aufzunehmen, doch sei er erkannt und kontaktiert worden. Man habe ihn aufgefordert, sich am Kampf hier i n der Schweiz zu beteil i- gen, was er jedoch strikt abgelehnt habe. Mindestens zehn in der Schweiz wohnende Personen würden gegenüber den Behörden beze u- gen, dass sie den Beschwerdef ührer als O._______ kennen und er Offi- zier bei den LTTE gewesen sei. Die Namen dieser Zeugen würden sofort bekannt gegeben, wenn dies erforderlich sei, es werde die Befragung dieser Zeugen beantragt. Zusammenfassend wird in der Beschwerdeschrift festgehalten, aufgrund dieser neuen Vorbringen sei die Furcht de r Beschwerdeführenden vor re- levanter Verfolgung durch das Militär und die Regierung aufgrund des auf dem Beschwerdeführer lastenden Verdachts der LTTE -Unterstützung asylbeachtlich. Auch die Furcht vor den LTTE sei nicht unbegründet, habe er sich doch in einer entscheidenden Phase abgesetzt und seine Solidari- tät aufgekündigt. D-2861/2011 Seite 9 5.2 Das Bundesamt führt in seiner Vernehmlassung aus, in den bisher i- gen Akten – namentlich den zahlreichen schriftlichen Eingaben des B e- schwerdeführers und seiner vertieften Anhörung vor dem BFM – liessen sich keine Anhaltspunkte dafür finden, dass er Kämpfer der LTTE gew e- sen sei. Dieses Vorbringen sei nachgeschoben und somit nicht glaubhaft. Diese Beurteilung werde dadurch erhärtet, dass der Beschwerdefüh rer – obschon er im Verlaufe seines vor seiner Ausreise aus Sri Lanka erfolg- ten mehr als zweijährigen Aufenthalts in Colombo mehrmals von den S i- cherheitskräften angehalten und hinsichtlich seiner mutmasslichen Zug e- hörigkeit zu den LTTE verhört worden sein wolle – in kein entsprechendes Untersuchungsverfahren verwickelt worden sei. Daraus sei zu schliessen, dass ein allfälliger ernsthafter Verdacht, der Beschwerd eführer stehe in Verbindung zu den LTTE, der Grundlage entbehre. Abgesehen davon sei festzuhalten, dass der Zeitpunkt der in der Beschwerdeschrift aufgez ähl- ten und dem Beschwerdeführer angeblich im Verlaufe seiner Aktivitäten für die LTTE zugefügten Verletzungen nicht mit den Angaben im ärztl i- chen Zeugnis des (…) 5.3 von Colombo übereinstimme , w eshalb der LTTE -Hintergrund auch aus diesem Grund nicht glaubhaft sei. 5.4 Die Beschwerdeführenden lassen in ihrer Replik vor tragen, das BFM gehe nicht auf die detaillierten Ausführungen in der Beschwerde ein , ins- besondere äussere es sich nicht zur Begründung des Beschwerdefü h- rers, weshalb er erst jetzt mit den Tatsachen "h erausgerückt" se i. Das Arztzeugnis des (…) beruhe auf den Angaben des Beschwerdeführers, die er seinerzeit gegenüber den Ärzten gemacht habe. Es müssten die Akten über seine Aufenthalte bei der indischen Regierung und beim R o- ten Kreuz vorhanden sein. Das IKRK habe bis anhin auf die Anfrage des Beschwerdeführers nicht reagiert, weshalb er erneut ein Schreiben ve r- fasst habe. Des Weiteren reichen die Beschwerdeführenden eine Dok u- mentation "Wanangaman" ein und machen geltend, darin sei ein Foto ab- gebildet, welches den Beschwerdeführer zusammen mit seinem zustä n- digen Kommandanten, P ._______ (bekannt als " Q._______") zeige, als sie die Truppen inspizierten. Zudem erneuert der Beschwerdeführer seine Offerte, eine Namensliste von Personen einzureichen, welche seine An- gaben bestätigen könnten. 6. 6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie g e- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich D-2861/2011 Seite 10 nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss ein Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder be- wusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahren Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Be weismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen eines Ge- suchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, im Rahmen einer Gesamtwürd i- gung aller Elemente (über einstimmende Angaben bezüglich des vorg e- brachten Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Vorbri n- gen, persönliche Glaubwürdigkeit) überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.; Entscheidungen und Mitteilungen der [vormal i- gen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 6.2 Zunächst ist im Hinblick auf die persönliche Glaubwürdigkeit des B e- schwerdeführers festzuhalten, dass die Erklär ung für das späte Vorbri n- gen seiner angeblichen LTTE -Vergangenheit nicht zu überzeugen ve r- mag. Die Beschwerdeführenden wurden bereits nach Eingang ihres Asy l- gesuches bei der Botschaft in Colombo schriftlich – mittels eines entspre- chenden Merkblattes (vgl. Akten Auslandverfahren A 8/7) – auf die Wahr- heitspflicht einerseits sowie auf die Verschwiegenheitspflicht aller mit dem Asylverfahren betrauten Personen anderseits hingewiesen. Zudem e r- scheint es wenig wahrscheinlich, dass die sri -lankischen Behörden die behauptete LTTE-Vergangenheit des Beschwerdeführers nicht gekannt, oder eine solche nicht zumindest nach dessen Kontrollen und der Kündi- gung des Waffenstillstandsabkommens anfangs 2008 abgeklärt hätten. Die Erklärung des Beschwerdeführers, er habe befürcht et, seine Auss a- gen gegenüber der Botschaft würden in die Hände des Militärs gelangen, erscheinen deshalb nicht nachvollziehbar. Überdies wurden die B e- schwerdeführenden anlässlich ihrer Summarbefragungen (vgl. Akten BFM B 1/9 S. 1 und B 2/11 je S. 2) erneut auf die Wahrheitspflicht au f- merksam gemacht und sie bestätigten anlässlich ihrer A nhörungen (vgl. Akten BFM B 17/8 S. 1 und B 18/19 S. 1), ihre Pflichten zu kennen . Ebenso bestätigten sie ausdrücklich, alle Gründe für ihr e Asylgesuche angegeben zu haben ( vgl. Akten BFM B 17/8 S. 7 und B 18/19 S. 18). D-2861/2011 Seite 11 Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Anhörung en der Beschwerde- führenden erst am 18. Mai 2010 und damit fast zwei Jahre nach ihrer Ein- reise in die Schweiz erfolgte n. Es ist nicht ersichtlich, weshalb die B e- schwerdeführenden nicht spätestens in diesem Zeitpunkt wahrheitsg e- mässe Aussagen hätten machen können. Die Darstellung, man habe i h- nen bereits im EVZ geraten, eine LTTE-Vergangenheit zu verschweigen, erscheint als Schutzbehauptung. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer in seinem Schreiben an die Botschaft vom 20. November 2006 (vgl. Akten BFM A 4/19 S. 2 f.) schwere Folterungen durch das Militär schilderte, welche in diesem Umfang in keinem weiteren Befragungsprotokoll erwähnt werden. Angesichts des Grades der g e- schilderten Übergriffe ist nicht erklärbar, weshalb der Beschwerdeführer diese Ereignisse nicht zu Protokoll gab. Auch dieses Aussageverhalten schmälert die persönliche Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers. 6.3 Unter Berücksichtigung der vorstehend aufgeführten Überlegungen kommt das Bundesverwaltungsgericht sodann zum Schluss, dass der Beschwerdeführer seine neuen Vorbringen insgesamt nicht glaubhaft zu machen vermag. Dabei ist zunächst auf die allgemeine Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 13 VwVG) sowie die im Asylverfahren besondere Mi t- wirkungspflicht einer asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG) hinzuweisen. Für die asylsuchende Person bringt dies insbesondere mit sich, dass sie der Behörde alle Gründe mitzuteilen hat, die für die Asylgewährung oder für den Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung relevant sein könnten. Ferner ergibt sich aus Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG, dass die asylsuchende Person verpflichtet ist, allfällige Beweismittel vollständig zu bezeichnen und sie unverzüglich einzureichen oder, soweit dies zumutbar erscheint, sich darum zu bemühen, sie innerhalb einer angemessenen Frist zu b e- schaffen (vgl. BVGE 2007/21 E. 11.1.3). Diese Mitwirkungspflicht ergänzt nicht nur die behördliche Untersu chungspflicht, sie schränkt diese auch ein. Mithin kann nicht jede Behauptung einer möglichen Verfolgungshand- lung genügen, um weitere behördliche Abklärungen zu veranlassen. Dies gilt auch für die neuen Vorbringen des Beschwerdeführers. Dabei fällt z u- nächst auf, dass die Schilderungen in der Beschwerdeschrift überwi e- gend allgemein gehaltene wie auch allgemein bekannte Behauptungen beinhalten, für welche Belege fehlen. So sind beispielsweise die zeitl i- chen Angaben nur sehr vage und die Ausführungen enthalten keine Schilderungen, welche die Annahme nahelegen, der Beschwerdeführer habe sich tatsächlich während vieler Jahre selber am Kampf der LTTE beteiligt. Aus den Darlegungen geht nicht hervor, was der Beschwerd e- führer wann ganz konkret für die LTTE geleistet haben soll, an welchen D-2861/2011 Seite 12 Kampfhandlungen er beteiligt war, wie der jeweilige Tagesablauf ausge - staltet war, wie genau er seine konkreten Aufgaben als Vorgesetzter erle- digt haben will. Angesichts der späten Geltendmachung der Vorbringen hätte es am – anwaltlich vertretenen – Beschwerdeführer gelegen, seine Ausführungen derart substanziiert vorzutragen, dass sich eine Zweitb e- fragung des Beschwerdeführers zur Verifizierung seiner Angaben au f- drängte. Es genügt nicht, lediglich eine Zweitbefragung zu beantragen , und darauf zu hoffen, dann schon noch detaillierte Angaben machen zu können. Dies lässt sich mit der Mitwirkungspflicht einer asylsuchenden Person nicht vereinbaren. Dasselbe gilt für die von der Rechtsvertreterin in Aussicht gestellte Nachreichung einer N amensliste von Personen, die angeblich die Vorbringen des Beschwerdeführers bestätigen könnten. Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb eine solche Liste nicht bereits hätte eingereicht werden können. Lediglich das Anbieten von Beweismitteln genügt nicht. H inzu kommt, dass die Befragung von Auskunftspersonen beziehungsweise von Zeugen nur dann angezeigt ist, wenn hierzu au f- grund bestimmter, sich aus den Akten oder der Beschwerdeschrift erg e- bener Anhaltspunkte hinreichend Anlass besteht (vgl. BVGE 2008/24; 2007/21; EMARK 2003 Nr. 15 E. 2.a S. 94, mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 13). Beim Beizug von Beweismitteln ist zu beachten, dass die Wa h- rung des rechtlichen Gehörs grundsätzlich verlangt, die zur Verfügung stehenden Beweise abzunehmen. Davon darf indessen im Sinne einer vorweggenommenen (antizipierten) Beweiswürdigung abgesehen we r- den, wenn aufgrund bereits abgenommener Beweise der rechtlich erhe b- liche Sachverhalt für genügend geklärt erachtet wird und ohne Willkür vorweg die Annahme getroffen werden kann, di e rechtliche Einschätzung würde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert (vgl. EMARK 2003 Nr. 13 E. 4.c S. 84; PATRICK KRAUSKOPF/KATHRIN EMMENEGGER, in: Praxiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), Zürich 2009, Art. 12 N 29; PATRICK SUTTER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommen- tar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Z ü- rich/St. Gallen 2008, Art. 33 N 2). Was die von den Beschwerdeführenden beantragte Auskunft des IKRK anbelangt, besteht schon deshalb kein An- lass für weite re behördliche Abklärungen, weil es offenbar nicht einmal den Beschwerdeführenden selber gelingt, entsprechende Auskünfte zu erhalten. Nicht ernsthaft ist sodann zu erwarten, dass die indischen B e- hörden Auskünfte über militärische Angelegenheiten, und dazu gehörte wohl die Verhaftung von LTTE-Angehörigen, erteilen würden, zumal diese schon Jahre zurückliegt . Schliesslich kommt hinzu, dass die vom B e- schwerdeführer geschilderte LTTE-Vergangenheit im umschriebenen Um- fang auch deshalb nicht zu überzeugen vermag, als er während seines D-2861/2011 Seite 13 Aufenthaltes in Colombo zwar mehrmals von den sri -lankischen Behör- den kontrolliert worden sein will, ohne dass diese jedoch Kenntnis von seinem Vorleben erhalten haben sollten. Es kann mit dem Bundesamt ohne Weiteres davon aus gegangen werden, dass es den Behörden bei einem ernsthaften Verdacht – zu welchem aufgrund der Verletzungen des Beschwerdeführers durchaus Anlass bestanden haben k önnte – möglich gewesen wäre, entsprechende Abklärungen vorzunehmen und eine T ä- tigkeit des Be schwerdeführers als Vorgesetzter bei den LTTE aufzude- cken. Die von den Beschwerdeführenden eingereichte Dokumentation vermag an vorstehendem Ergebnis nichts zu ändern. Zunächst unterlassen es die Beschwerdeführenden, überhaupt Angaben über den Inhalt der f remd- sprachigen Dokumentation zu machen. Zudem ist die Qualität des b e- zeichneten Fotos derart schlecht, dass der Beschwerdeführer daraus von vornherein nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag. 6.4 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass keine neuen Beweiserhebu n- gen angezeigt erscheinen. Die entsprechenden Anträge der Beschwerde- führenden sind abzuweisen. 6.5 Abschliessend ist der Vollständigkeit halber darauf hinzuweisen, dass für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides massgeblich ist. Ausgangspunkt der Prüfung ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Furcht vor einer bereits erfolgten oder absehbaren Verfolgung im Heimatstaat. Veränd e- rungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwis chen Ausreise und Asylentscheid sind zugunsten und zulasten der ein Asylbesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 und BVGE 2007/31 E. 5.3 mit weiteren Hinweisen). Die erlittene Verfolgung oder die begrü n- dete Furcht vor zukünftige r Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat und grun d- sätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.2. und dort zitierte Urteile). 6.5.1 Soweit der Besch werdeführer eine Verfolgung durch die LTTE ge l- ten machen will, ist einerseits daran zu erinnern, dass er die LTTE bereits lange vor seiner Ausreise verlassen ha ben will und allfällige Verfolgungs- beziehungsweise Vergeltungsmassnahmen während des Aufenthal ts in Colombo möglich gewesen wären. Anderseits ist davon auszugehen, dass eine Verfolgung durch die LTTE aus heutiger Sicht ausgeschlossen D-2861/2011 Seite 14 werden kann, nachdem die LTTE gemäss weitgehend übereinstimme n- den Quellen im gesamten Staatsgebiet von Sri Lanka als zerschlagen gilt (vgl. BVGE 2011/24 E. 7.1 S. 488 ff. und 9.1.1 S. 498). 6.5.2 Entgegen der Darstellung auf Beschwerdeebene bestehen auch keine genügenden Hinweise auf eine künftige Verfolgung der Beschwe r- deführenden durch sri-lankische Sicherheitskräfte . Die v on den B e- schwerdeführenden geschilderten Kontrollen während ihres Aufenthaltes in Colombo gehen in ihrer Intensität nicht über das hinaus, womit Ang e- hörige der tamilischen Ethnie bedauerlicherweise regelmässig rechnen mussten. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich sodann in seinem Grundsatzurteil BVGE 2011/24 eingehend mit der Situation in Sri Lanka nach Beendigung des Bürgerkrieges auseinandergesetzt. Dabei kam das Gericht zum Schluss, dass aufgrund der aktuell in Sri Lanka he rrschen- den allgemeinen politischen, sicherheits- und menschenrechtlichen Situa- tion – im Sinne von Risikogruppen – Personenkreise definiert werden müssten, deren Zugehörige einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegen würden. Angesichts der Schilderungen de r Beschwerdeführenden ihres Aufenthaltes in Colombo ist nicht davon auszugehen, sie würden erns t- haft verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen bezi e- hungsweise gestanden zu haben. Dafür, dass die Beschwerdeführenden einer der weiteren, im gen annten Grundsatzentscheid aufgeführten Ris i- kogruppe angehören w ürden, bestehen nach dem Gesagten keine An- haltspunkte. 6.5.3 Angesichts der gesamten Aktenlage geht das Bundesverwaltung s- gericht nicht davon aus, die Beschwerdeführenden würden von den sri - lankischen Sicherheitskräften oder anderen Gruppierungen landesweit gesucht wurden beziehungsweise in Zukunft verfolgt. 6.6 Was die Beurteilung der Vorbringen der Beschwerdeführenden im Auslandverfahren beziehungsweise im erstinstanzlichen Verfahren anb e- langt, legen d ie Beschwerdeführenden auf Beschwerdeebene nicht dar, dass und inwiefern die vorinstanzlichen Argumente in der angefochtenen Verfügung unzutreffend wären. Solches ist auch nicht ersichtlich. Sodann ist aufgrund des Gesagten nicht davon auszugehen, dass die B eschwer- deführenden im Heimatstaat einer asylbeachtlichen Verfolgungssituation ausgesetzt wurden, und es muss auch im heutigen Zeitpunkt nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass ihnen bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylge- setzes drohen würden. Damit erübrigt es sich, auf die weiteren Ausfü h-D-2861/2011 Seite 15 rungen in den Rechtsmitteleingaben der Beschwerdeführenden im Ei n- zelnen einzugehen, da sie am Ergebnis des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern vermögen. Un ter Berücksichtigung der gesamten U m- stände folgt, dass die Beschwerdeführenden keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machten konn ten. Das BFM hat die Asylgesuche demnach zu Recht abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, mit Hinweis auf EMARK 2001 Nr. 21). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist , und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz ei ner Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ih re Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, D-2861/2011 Seite 16 zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied rigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann d er in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerde - führenden nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde - führenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlic h- keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder B e- handlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gericht s- hofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti- Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Ge- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Für die Rechtsprechung des EGMR zur Gefährdungssituat i- on von Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka z u- rückkehren müssen, kann auf BVGE 2011/24 E. 10.4.2 verwiesen we r- den. Nachdem die Beschwerdeführenden nicht glaubhaft gemacht haben, dass sie befürchten müssen, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Au f- merksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich r e- levanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspun k-D-2861/2011 Seite 17 te dafür, ihnen würde aus demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung im Heimatland drohen. Weder die allgemeine Mensche n- rechtssituation in Sri Lanka noch individuelle Faktoren in Bezug auf die Situation der Beschwerdeführenden lassen demnach den Wegwei sungs- vollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Grundsatzurteil BVGE 2011/24 eine neue Beurteilung der allgemeinen Lage sowie der Situation in den Nord- und Ostprovinzen Sri Lankas unter dem Sicherheitsasp ekt vorgenommen und dazu im Wesentlichen folgendes festgehalten: Seit Beendigung des bewaffneten Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 hat sich die allgemeine Lage in Sri Lanka erheblich verbessert (vgl. BVGE a.a.O. E. 7.6). Die LTTE wurden militärisch vernichtend geschlagen; von den LTTE geht heute keine Ve r- folgung mehr aus. Die Situation in der Ostprovinz hat sich weitgehend stabilisiert und normalisiert, so dass der Wegweisungsvollzug in das g e- samte Gebiet der Ostprovinz al s grundsätzlich zumutbar zu erachten ist (vgl. BVGE a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist indes g e- bietsweise sehr unterschiedlich. So ist in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierungskontrolle stehen, das heisst in den Distri k- ten Jaffna und in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar, weitestgehend der Alltag eingekehrt. Die Lage in Jaffna hat sich namen t- lich nach der Öffnung der Verbindungsstrasse A9 (Hauptverkehrsachse zwischen Kandy in der Zentralprovinz nach J affna) im November 2009 deutlich gebessert und die Versorgungslage ist entspannt. Die Militärpr ä- senz in Jaffna hat zwar abgenommen, ist aber nach wie vor praktisch auf jeder Strasse sichtbar. Gleichzeitig haben die Polizei - und Zivilbehörden ihre Funktionen und Tätigkeiten aufgenommen beziehungsweise von den Militärbehörden übernommen. Gemäss UNOCHA ( UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs) hat die UNO guten Zugang zu den Rückkehrgebieten im Norden ("return areas"). Der Fortschritt in diesen D-2861/2011 Seite 18 Gebieten soll beeindruckend sein. Einige Schulen sind wieder eröffnet und Spitäler wieder eingerichtet worden, wobei noch Lücken innerhalb des Basisdienstleistungsangebots feststellbar sind und die wirtschaftl i- chen Aktivitäten limitiert bleiben. Das UNHCR betont, dass der Zugang zu Land und Wohnraum für die Rückkehrer ein massgebliches Problem da r- stellt; das UNHCR und andere Organisationen in Mannar, Jaffna, Vav u- niya, Batticaloa und Trincomalee stellen unentgeltlichen Rechtsbeistand zur Verfügung, um die Rü ckkehrer in rechtlichen Angelegenheiten zu u n- terstützen, wobei nicht alle Regionen abgedeckt sind. In den genannten Gebieten (Distrikt Jaffna und die südlichen Teile der Distrikte Vavuniya und Mannar, mit anderen Worten: die Nordprovinz unter Ausschluss de s sogenannten "Vanni-Gebietes") herrscht keine Situation allgemeiner G e- walt und die dortige politische Lage ist nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste. Angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber beim Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zurückhaltende Beurteilung der individuellen Zumutba r- keitskriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit (u.a. sozio - ökonomische und medizinische Aspekte, Kindeswohl etc.), ist dabei auch dem zeitlichen Element gebührend Rechnung zu tragen. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der Nordprovinz längere Zeit z u- rück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder ge hen kon- krete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Leben s- umstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben können, sind die aktuell vorliegenden Lebens - und Wohnverhältnisse sorgfältig abz u- klären und auf die Zumutbarkeit des Wegweisun gsvollzuges hin zu übe r- prüfen. In diesem Zusammenhang erscheinen namentlich die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation als massgebl i- che Faktoren. Falls solche beg ünstigende Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsa l- ternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. BVGE a.a.O. E. 13.2.1). 8.4.2 Das Bundesamt hielt zu r Frage der Zumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzuges fest, die Beschwerdeführenden stammten aus G._______ im Distrikt Jaffna, wohin der Wegweisungsvollzug grundsätzlich als z u- mutbar erachtet werde. Sowohl der Beschwerdeführer als auch seine Ehefrau besässen in der Heimat Verwandte – und damit ein tragfähiges Beziehungsnetz – und ein Haus in G._______. Der Beschwerdeführer verfüge über grosse Erfahrung als Händler und habe diesen Beruf bis D-2861/2011 Seite 19 zum Verlassen des Nordens und trotz seiner Behinderungen ausgeübt. Es sei davon auszugehen, dass er zu r Ausübung dieser Tätigkeit – na- mentlich nach der Behandlung seiner (…) respektive der guten, auch in Sri Lanka gewährleisteten Einstellung seiner (…) – auch in Zukunft in der Lage sein werde. Diese vorinstanzlichen Erwägungen sind mit den Ausführungen im meh r- fach erwähnten Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgericht s verein- bar. Die Beschwerdeführenden erheben dagegen auf Beschwerdeebene denn auch keine konkreten Einwände. Die Kinder der Beschwerdefü h- renden sind noch verhältnismässig klein – [Alter der Kinder] – und ent- sprechend anpassungsfähig, soda ss auch im Hinblick auf das Kinde s- wohl kein Anlass besteht, vom Wegweisungsvollzug abzusehen. Insge- samt ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte, au f- grund derer allenfalls geschlossen werden könnte, die Beschwerdefü h- renden gerieten im Falle der Rückkehr aus individuellen Gründen wir t- schaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedr o- hende Situation, selbst unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die Eltern mit ihrem älteren Kind vor dem Ende des Bürgerkrieges ausgereist sind. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden , sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der We g- weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesag ten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. D-2861/2011 Seite 20 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. 0Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-2861/2011 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand: