Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Januar 2018 (720 17 299 / 10) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung medizinischer Unterlagen Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Daniel Gfel- ler Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Nicolai Fullin , Advokat , Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1956 geborene A.____ war zuletzt als technis cher Angestellter in den B.____ in einem Teilzeitpensum tätig. Am 25. März 2013 meldet e er sich mit Hinweis auf multiple Be- schwerden bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-St elle) zum Leistungsbezug an. Nach Abklä- rung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sprach die IV-Stelle dem Versicherten nach erfolglos vorgenommenen beruflichen Massnahmen und durchgeführtem Vorbescheidver- fahren mit Verfügung vom 20. Juli 2017 eine befristete ganze Rente vom 1. September 2013 bis 30. Juni 2015 gestützt auf ein Gutachten der medexperts ag vom 15. Oktober 2015 zu. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Nicolai Fullin, am 14. September 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es se i die angefochtene Verfügung abzuän- dern und es sei ihm auch nach dem 30. Juni 2017 eine Invalidenrente nach den gesetzlichen Bestimmungen zuzusprechen. Eventualiter seien weitere me dizinische Abklärungen zu seinem Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit zu tätigen. Ausserdem sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. C. Mit Verfügung vom 18. Oktober 2017 bewilligte das Kantonsgericht dem Beschwerde- führer gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Nicolai Fullin als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 15. November 2017 beant ragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. E. Mit Replik vom 11. Dezember 2017 machte der Beschwerd eführer im Wesentlichen gel- tend, dass sich sein Gesundheitszustand in den letzten zwei Jahren, also seit der Begutachtung im Oktober 2015, verschlechtert habe. F. Mit Schreiben vom 18. Dezember 2017 verzichtete die IV-Stelle auf die Einreichung ei- ner Duplik. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 14. September 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstä nden kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Vo- raussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den i m Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der E rfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtlic he Vertrauensstellung in Zweifelsfällen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussa gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therape utisch tätigen (Fach-)Arztes einer- seits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander- seits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu a nderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich e ine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rei n subjektiver ärztlicher Interpretation ent- springende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begut achtung unerkannt oder ungewür- digt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arb eitsfähigkeit der Beschwerde- führerin liegen im Wesentlichen folgende ärztliche Unterlagen vor: 5.1 Die IV-Stelle hat für die Einschätzung der Arbeit sfähigkeit auf das polydisziplinäre Gut- achten (mit den Disziplinen Psychiatrie, Neuropsychologie, Rheumatologie und Pneumologie) der medexperts ag vom 15. Oktober 2015 (basierend auf den Untersuchungen vom 31. August, 1. September und 14. September 2015) mit Ergänzung vom 1. Februar 2016, abgestellt. Die Fachärzte haben in der polydisziplinären Zusammenfassung m it Auswirkungen auf die Arbeits- fähigkeit residuelle postoperative Beschwerden in der li nken Schulter nach Schulterarthrosko- pien und Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion links und ei ne Kontusion/Distorsion radiale Hand rechts mit Rissquetschwunde im Thenarbereich rechts i m Mai 2015 angegeben. Ohne wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben sie unter anderem eine unspezifische An- passungsstörung und eine schwere obstruktive Schlafapnoe mi t persistierender Tagesmüdig- keit festgestellt. Die Gutachter haben qualitative Ein schränkungen in der körperlichen Belas- tungsfähigkeit betreffend linken Arm respektive Schulter und rechte Hand attestiert. Tätigkeiten, welche Kraft und Arbeiten über Kopfhöhe und Kraftanw endung mit der rechten Hand erfordern, seien nicht geeignet. In der zuletzt ausgeübten und in der angestammten sowie in einer ande- ren leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einem Vollpensum. 5.2 In ihrem Bericht vom 1. August 2016 hat Dr. med. C .____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit mittelgradiger Depression und Schlaf- störungen, eine Lese- und Schreibstörung bei Linkshändi gkeit und als Z-Diagnosen Probleme mit Bezug auf psychosoziale Umstände und unangebrachten elterlichen Druck in der Kindheit zur Rechtsschreibung angegeben. Sie schätzte den Versicherten zur Zeit als 100%ig arbeitsun- fähig ein. Der Beschwerdeführer sei verbittert, resign iert und erschöpft und fühle sich im Mo- ment nicht arbeitsfähig. 5.3 Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirurgie un d Traumatologie des Bewegungs- apparates, Kantonsspital Baselland, beschrieb mit Bericht vom 1. September 2016 eine gute Schulterfunktion mit kompensierter Schmerzsituation nach Sehnentransfer. Für wechselnd be- lastende Tätigkeiten sei der Versicherte zu 100 % arbei tsfähig. Ausgenommen seien repetitive Bewegungen, Überkopfarbeiten sowie mittelschwere und schwer belastende Tätigkeiten. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Im Austrittsbericht der E.____ vom 10. Juli 2017 w urden eine chronische Schmerzstö- rung mit somatischen und psychischen Faktoren unter ande rem mit kombinierter Persönlich- keitsstörung und rezidivierende depressive Episoden, aktuel l leichtgradig, angegeben. Dem Versicherten wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis 24. Juni 2017 attestiert und unter ande- rem ein Eintritt in die Tagesklinik empfohlen, um den Ausbau der Tagesstruktur sicherzustellen. Eine leidensangepasste Tätigkeit zu 40 % wurde als sinnvoll und angemessen erachtet. 5.5 Der RAD-Arzt Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und P sychotherapie, führte mit Arzt- bericht vom 14. November 2017 zur neu diagnostizierten Persönlichkeitsstörung Vorbehalte an. Zur Diagnose einer solchen Persönlichkeitsstörung würden d efinitionsgemäss überdauernde, schwer dysfunktionale Verhaltensweisen mit Auswirkungen au f alle Achsen des Lebens, die in aller Regel nicht plötzlich im Alter von 61 Jahren auft reten würden, sondern seit der Jugend oder dem frühen Erwachsenenalter erhebliche Funktions einbussen auf mehreren Säulen des Lebens zur Folge hätten, gehören. Dies sei beim Versicherten nicht festzustellen 6. Die IV-Stelle hat bei der Beurteilung des Gesund heitszustandes und der Arbeitsfähig- keit des Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse a bgestellt, zu denen die Ärzte im Gut- achten der medexperts ag vom 15. Oktober 2015 bzw. im S chreiben vom 1. Februar 2016 ge- langt sind und die von Dr. F.____ in seinem Bericht vom 14. November 2017 bestätigt wurden. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Versicherten ab April 2015 eine Verweistätigkeit ganztags zumutbar sei. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4. 3 hiervor), ist den im Rahmen des Ver- waltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezia lärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie n ach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Dies ist vorliegend n icht der Fall. Wie ebenfalls bereits ausgeführt, darf und soll das Gericht in Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen. Mit der IV-Stelle ist festzuhalten, dass das Gutachten der medexperts AG vom 15. Oktober 2015 weder formale noch inhaltliche Mängel aufweist u nd dass es – wie dies vom Bundesge- richt verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) – für die st reitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berüc ksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinische n Zusammenhänge bzw. der Beurtei- lung der aktuellen medizinischen Situation einleuchtet, sich mit den vorhandenen abweichen- den ärztlichen Einschätzungen auseinander setzt und in den Schlussfolgerungen überzeugend ist. Was die abweichende Beurteilung von Dr. C.____ vom 1. August 2016 und des Spitals H.____ vom 10. Juli 2017 bezüglich der Diagnose einer Persönlich keitsstörung anbelangt, weist Dr. F.____ zu Recht darauf hin, dass der Beschwerdeführer t rotz Problemen am Arbeitsplatz mit einer Unterbeschäftigungskomponente und gekoppelt an p rivate Probleme mit einer kranken Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ehefrau und einem drogenabhängigen Sohn, der zeitwei se unauffindbar gewesen ist, lange Jahre ein erfolgreiches Berufsleben gehabt habe. Zudem erklärt Dr. C.____ die Bestätigung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit nicht weiter, sonder n belässt es mehrheitlich bei der Be- schreibung der schulischen und beruflichen Entwicklung und der Wiedergabe der sozialen Um- stände und zwar so, wie sie ihr vom Beschwerdeführer beric htet wurden. Im Bericht von Dr. C.____ werden jedoch keine objektiven Befunde erhoben und es fehlt eine Herleitung der Diag- nose der Persönlichkeitsstörung. Des Weiteren setzt Dr. F.____ der leichtgradigen bzw. der von Dr. C.____ festgestellten mittelgradigen depressiven Episode nachvollziehbar die unspezifische Anpassungsstörung gleich, die im medexperts-Gutachten als Nebendiagnose ohne wesentli- chen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit genannt worden ist. Die Symptome, welche für eine An- passungsstörung bzw. eine leichte depressive Episode sprechen , sind zu gering, als dass sich daraus eine krankheitswertige Diagnose ergeben würde, die für die Invaliditätsbemessung rele- vant sein könnte. Auch ist eine wesentliche Verschlechteru ng des psychischen Zustands des Beschwerdeführers seit der Begutachtung nicht ersichtli ch. Unabhängig von der Diagnose liegt jedenfalls keine Beeinträchtigung der psychischen Gesundhe it im Sinne von Art. 6 ATSG vor. Deshalb können auch mit Blick auf die neue bundesgerichtl iche Rechtsprechung zu den de- pressiven Erkrankungen (vgl. die zur Publikation vorgesehenen Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_841/2016 und 8C_130/2017) weitere medizinische Abklärungen unter- bleiben. Auch hinsichtlich des Schlafapnoe-Syndroms, we lches lege artis behandelt wird, als auch betreffend Tinnitus-Problematik ergeben sich keine Weiterungen. Diese Gesundheitsprob- leme sind in ihrer Ausprägung nicht geeignet, sich negativ auf die Arbeitsfähigkeit auszuwirken. Nach dem Ausgeführten bleibt es bei der Einschätzung ei ner 100%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit gemäss dem medexperts-Gutachten. 7. Der Beschwerdeführer bringt des Weiteren vor, dass die IV-Stelle im Einkommensver- gleich für die Festlegung des Invalideneinkommens zu Unr echt das Kompetenzniveau 3 der LSE 2012, Tabelle A1, Männer total, herangezogen ha t. In der Tat erscheint fraglich, ob der Beschwerdeführer die Voraussetzungen für das Kompetenzni veau 3, welches für komplexe praktische Tätigkeiten, die ein grosses Wissen in einem S pezialgebiet voraussetzen, erfüllt. Selbst wenn jedoch das Kompetenzniveau 2 für praktische T ätigkeiten, wie Verkauf oder Admi- nistration und Bedienen von Maschinen, herangezogen wür de, würde sich ein rentenaus- schliessender IV-Grad von weit unter 40 % ergeben. Kom petenzniveau 1 für einfache Tätigkei- ten körperlicher oder handwerklicher Art kommt bei seine r Ausbildung als Sanitärzeichner, sei- ner langjährigen Berufserfahrung (zwölf Jahre als ED V-Mitarbeiter) und in Anbetracht der Tat- sache, dass die bisherige Tätigkeit uneingeschränkt weiter hin möglich wäre, entgegen der Auf- fassung des Beschwerdeführers nicht in Frage. Kriterien f ür einen zusätzlichen leidensbeding- ten Abzug sind ebenfalls nicht gegeben. Zu Recht nicht beanstandet wurde im Übrigen die Be- rechnung des Valideneinkommens. Damit ergibt sich, dass die IV-Stelle die Ausrichtung einer IV-Rente über den 30. Juni 2015 hin- aus zu Recht abgelehnt hat, weshalb die vorliegende Beschwerde abzuweisen ist. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlege n sind. Da ihm mit Verfügung vom 18. Oktober 2017 die unentgeltliche Prozessführung be willigt wurde, gehen die Verfahrenskos- ten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 8.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer ebenfalls mit Verfügung vom 18. Oktober 2017 die unentgeltli- che Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewillig t wurde, ist dieser für seine Bemühun- gen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die An- wältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbei- ständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Hono- rarnote vom 11. Dezember 2017 für das vorliegende Verf ahren einen Zeitaufwand von 14,5 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetr acht der sich stellenden Sachver- halts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Dem Beschw erdeführer ist deshalb eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘233.70 (13,5 S tunden à Fr. 200.-- und Auslagen von Fr. 94.70 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer sowie 1 Stunde à Fr. 200.-- zuzüglich 7,7 % Mehrwert- steuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 8.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘233.70 (inkl. Auslagen und 8 % bzw. 7,7 % Mehrwe rtsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht