Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 27. Januar 2016 (810 15 38) ____________________________________________________________________ Gesundheit Auflage zur Bewilligung zur selbständigen Ausübung der Komplementärmedizin Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Jgnaz Jermann, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin i.V. Alexandra Zumsteg Beteiligte A.____, Beschwerdeführer, vertreten durc h Dr. Christian von Wartburg, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Verfügung einer Auflage zur Bewilligung vom 15. Juli 2009 zur selb- ständigen Ausübung der Komplementärmedizin (RRB Nr. 236 vom 10. Februar 2015) A. A.____ ist gelernter Physiotherapeut und Osteopa th mit eigener Praxis in B.____. Mitt- lerweile hat er sich auf die Osteopathie spezialisiert und ist nicht mehr als Physiotherapeut tätig. Am 23. Juni 2006 kam es im Rahmen einer osteopathis chen Behandlung von Seiten A.____s zu einem sexuellen Übergriff auf eine Patientin. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 16. November 2009 wur- de A.____ der Schändung schuldig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je Fr. 210.-- bei einer Probezeit v on 2 Jahren verurteilt. Das Strafgericht begründete sein Urteil damit, dass einerseits die Glau bhaftigkeit der Aussagen des Opfers als sehr hoch einzustufen sei und andererseits eine weitere Patientin ähnliche Aussagen bezüglich A.____ gemacht habe. A.____, vertreten durch Dr. Christian von Wartburg, erhob gegen dieses Urteil sowie gegen die ergangenen Folgeurteile diverse Rechtsmittel. Das Bundesgericht wies mit Urteil vom 15. Juli 2013 die Beschwerde von A.____ bezüglich der Schändung ab. C. Aufgrund der rechtskräftigen Verurteilung leitete die Volkswirtschafts- und Gesund- heitsdirektion (VGD) ein aufsichtsrechtliches Verfahren g egen A.____ ein und beabsichtigte, ihm im Rahmen dieses Verfahrens die Bewilligung zur selbständigen Berufsausübung als Oste- opath und Physiotherapeut im Kanton Basel-Landschaft ge stützt auf § 15 Abs. 1 i.V.m. § 13 Abs. 1 lit. b des Gesundheitsgesetzes (GesG) vom 21 . Februar 2008 zu entziehen. Mit Schreiben vom 27. September 2013 gewährte die VGD A._ ___ diesbezüglich das rechtliche Gehör. Dieses nahm er, wiederum vertreten durch Dr. C hristian von Wartburg, mit Stellung- nahme vom 31. Januar 2014 wahr. Nach Erhalt der Ste llungnahme und Durchführung einer Besprechung mit A.____, seinem rechtlichen Vertreter, dem Kantonsarzt und einer Vertreterin des Rechtsdienstes der VGD, entschied diese mit Verfügung vom 17. Juni 2014, dass die Be- willigung von A.____ vom 15. Juli 2009 zur selbständige n Ausübung der Komplementärmedizin im Kanton Basel-Landschaft mit der Auflage versehen wer de, weibliche Patienten nur noch in Anwesenheit von mindestens einer weiteren Person im Beh andlungsraum zu behandeln. Be- gründet wurde diese Massnahme mit der strafrechtlichen Verurteilung von A.____. D. Gegen den Entscheid der VGD vom 17. Juni 2014 erho b A.____, vertreten durch Dr. Christian von Wartburg, am 30. Juni 2014 Beschwerd e beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat). Die Beschwerdebegründ ung reichte er am 1. September 2014 ein. In seiner Beschwerde beantragte er die Aufhe bung der von der VGD erlassenen Ver- fügung vom 17. Juni 2014 sowie den Verzicht auf jeglich e Sanktion. Eventualiter beantragte er, dass die Verfügung aufzuheben und er lediglich zu verwar nen sei. Subeventualiter beantragte er die Aufhebung der Verfügung und die Aussprache eine r Verwarnung sowie, dass ihm die Auflage erteilt werde, den Vorfall therapeutisch auf zuarbeiten und sich für einen Zeitraum von einem Jahr regelmässig supervidieren zu lassen, alles unt er o/e-Kostenfolge. In seiner Begrün- dung machte er unter anderem geltend, dass er den Vorfall, der zur Verurteilung wegen Schän- dung führte, nach wie vor bestreite, weshalb er das Urt eil an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) weitergezogen habe. Ausserdem machte er geltend, dass die mit der angefochtenen Verfügung auferlegte Auflage einen unzu lässigen Eingriff in die verfassungs- mässig geschützte Wirtschaftsfreiheit darstelle und somit den verfassungsmässigen und den gesetzlichen Bestimmungen widerspreche, weshalb sie zu beseitigen sei. E. Die VGD hingegen beantragte in ihrer Vernehmlassun g vom 27. November 2014 die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Ihren Antrag begründete sie mit dem Verlust der Vertrauenswürdigkeit von A.____, welche zur Ausübung eines solchen Berufes unabding- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht bar sei. Es sei die Aufgabe der VGD, die erforderlichen Massnahmen zu treffen, um weiteren Verfehlungen gegenüber Patienten oder Patientinnen vorzubeugen. Deswegen sei die ausge- sprochene Sanktion notwendig. F. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 0236 vom 10. Feb ruar 2015 wies der Regie- rungsrat die Beschwerde von A.____ ab. In seinem Entscheid wurde festgehalten, dass die von der VGD ausgesprochene Auflage in die Wirtschaftsfreih eit von A.____ eingreife, weshalb sie einer genügenden gesetzlichen Grundlage bedürfe und v erhältnismässig sein müsse. Aufgrund der rechtskräftigen Verurteilung durch das Kantonsgericht und der Bestätigung des Urteils durch das Bundesgericht gelte der Tatbestand der Schändu ng als erfüllt, weshalb A.____ die Voraussetzungen für den Entzug oder die Einschränkung se iner Bewilligung gemäss § 15 Abs. 1 und § 13 Abs. 4 GesG gleich mehrfach erfülle. So mit sei eine genügende gesetzliche Grundlage gegeben. In Bezug auf die Verhältnismässigkei t bejahte der Regierungsrat das Vor- liegen eines überwiegenden öffentlichen Interesses, di e Eignung der Massnahme sowie ihre Erforderlichkeit, um den erstrebten Zweck (Schutz der Patientinnen) zu erfüllen. G. Am 12. Februar 2015 erhob A.____, weiterhin vert reten durch Dr. Christian von Wart- burg, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, A bteilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht) gegen den Entscheid des Reg ierungsrates. Er beantragte, in Gut- heissung der Beschwerde sei der Entscheid des Regierung srates vom 10. Februar 2015 sowie die Verfügung der VGD vom 17. Juni 2014 aufzuheben u nd es sei auf jegliche Sanktion zu ver- zichten. Eventualiter sei in Aufhebung des Entscheides de s Regierungsrates sowie der Verfü- gung der VGD ihm gegenüber eine Verwarnung auszusprech en. Subeventualiter sei in Aufhe- bung des Entscheids des Regierungsrates sowie der Verfügu ng der VGD ihm gegenüber eine Verwarnung auszusprechen und es sei ihm die Auflage zu erteilen, den Vorfall therapeutisch aufzuarbeiten sowie sich für einen Zeitraum von einem Jahr regelmässig supervidieren zu las- sen, unter o/e-Kostenfolge. Die Beschwerdebegründung reichte der Beschwerdeführer am 17. April 2015 ein. In dieser führte er aus, dass die mit der angefochtenen Verfügung angeord- nete Auflage – entgegen der Auffassung der Vorinstanz – einen unzulässigen Eingriff in die verfassungsmässig geschützte Wirtschaftsfreiheit darstelle und somit den verfassungsmässigen und den gesetzlichen Bestimmungen widerspreche. H. Der Regierungsrat beantragte in seiner Vernehmlassun g vom 17. Juni 2015 die Abwei- sung der Beschwerde. I. Mit Präsidialverfügung vom 23. Juni 2015 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist die verwaltung sgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsre cht, zulässig gegen Verfügungen und Entscheide des Regierungsrates. Nach § 47 Abs. 1 li t. a VPO ist zur Beschwerde befugt, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefo chtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebun g hat. Der Beschwerdeführer ist von den angefochtenen Entscheiden direkt betroffen und daher zur Beschwerde legitimiert. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetreten werden. 1.2 Gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO können mit der verwaltungsgerichtlichen Be- schwerde Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens und die unrichtige oder unvollständige Festst ellung des Sachverhalts gerügt werden. Demgegenüber ist die Angemessenheitsüberprüfung gemäss § 45 Abs. 1 lit. c VPO, von hier nicht vorliegenden Ausnahmen abgesehen, ausgeschlossen. 2. Zu beurteilen ist vorliegend die Frage, ob die von der VGD mit Verfügung vom 17. Juni 2014 ausgesprochene Auflage, dass der Beschwe rdeführer weibliche Patienten nur noch in Anwesenheit einer weiteren Person im Behandl ungsraum behandeln darf, in unzulässi- ger Weise in seine Wirtschaftsfreiheit eingreift. 3.1 Die angeordnete Auflage stützt sich auf § 15 Abs. 1 GesG, wonach eine Bewilligung entzogen wird, wenn die Voraussetzungen für ihre Erte ilung nicht mehr gegeben sind oder wenn die Bewilligungsinhaberin oder der Bewilligungsi nhaber schwerwiegend oder wiederholt Berufspflichten verletzt (lit. a), die berufliche St ellung missbräuchlich ausgenützt (lit. b) oder Handlungen vorgenommen hat, die mit ihrer oder seiner Vertrauensstellung nicht vereinbar sind (lit. c). In weniger schweren Fällen kann laut Abs. 2 d ie Bewilligung eingeschränkt oder mit Auf- lagen versehen werden. § 16 GesG sieht diverse Disziplina rmassnahmen vor. Gemäss § 7 i.V.m. § 33 Abs. 1 lit. f. GesG bedarf die selbständige Ausübung der Osteopathie einer Bewilli- gung. Diese Bewilligung wird nach § 33 Abs. 2 GesG a n Personen erteilt, die einen eidgenös- sisch oder gesamtschweizerisch anerkannten komplementärmedizini schen Ausbildungsab- schluss nachweisen können. Ausserdem muss die Bewerberin oder der Bewerber gemäss § 13 Abs. 1 GesG physisch und psychisch Gewähr für eine einwa ndfreie Berufsausübung bie- ten (lit. a) sowie vertrauenswürdig sein (lit. b). Die Voraussetzung der Vertrauenswürdigkeit ist insbesondere nicht gegeben, solange ein Eintrag im Zent ralstrafregister aus einer Straftat be- steht, die im Zusammenhang mit der Berufsausübung steht oder besonders verwerflich ist (Abs. 4). 3.2 Wie die Parteien zu Recht ausführen, stellt die Tätigkeit des Beschwerdeführers als Osteopath keinen universitären Medizinalberuf dar und fä llt daher unbestrittenermassen unter die bewilligungspflichtigen Tätigkeiten nach dem GesG (vgl. § 7 i.V.m. § 33 Abs. 1 lit. f. GesG). Der Beschwerdeführer bringt vor, dass die Regeln des Bund esgesetzes über die universitären Medizinalberufe (MedBG) vom 23. Juni 2006 dennoch anal og auf den vorliegenden Fall an- wendbar sind. Wie von der Vorinstanz richtig festgestel lt, wurde das kantonale Gesundheitsge- setz aufgrund des MedBG komplett revidiert, um vor allem für diejenigen Berufe des Gesund- heitswesen, die nicht unter das MedBG fallen, gewisse Reg eln dieses Gesetzes zu überneh- men. Dieser Grundsatz wurde in der Landratsvorlage vom 19. Juni 2007 in Ziff. 3.1.1 festgehal- ten (vgl. Landratsvorlage [LRV] 2007-151 vom 19. Juni 2007). Eine Analogie drängt sich jedoch Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht in denjenigen Fällen auf, in denen im GesG keine absch liessende Regelung zu finden ist. Wie noch darzulegen sein wird, enthält das GesG jedoch für den in Frage stehenden Sachverhalt eine abschliessende Regelung, weshalb sich eine analog e Anwendung des MedBG nicht auf- drängt und somit auf weitere Ausführungen hierzu ver zichtet werden kann (vgl. E. 4.4.3 nach- folgend). 3.3 Vorliegend hat das Bundesgericht den Beschwerdeführ er mit rechtskräftigem Urteil vom 15. Juli 2013 wegen Schändung einer Patientin ve rurteilt. Daran vermag die Tatsache, dass der Beschwerdeführer nach wie vor seine Unschuld beteu ert, nichts zu ändern. Gemäss herrschender Lehre ist die urteilende Instanz bei Vorlie gen eines rechtskräftigen Entscheides der zuständigen Behörde mit Blick auf die Rechtssicherheit grundsätzlich an diesen gebunden (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL - MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N 1006 f.). Die Individualbeschwer- de des Beschwerdeführers gegen das bundesgerichtliche Urte il beim EGMR hat dabei keinen Einfluss. Die rechtskräftige Verurteilung hat zur Konsequ enz, dass der Beschwerdeführer die gesetzlichen Voraussetzungen für den Entzug oder die Ein schränkung der Bewilligung gleich mehrfach erfüllt. Wie bereits ausgeführt, ist gemäss § 15 Abs. 1 i.V.m. § 13 Abs. 4 GesG die Voraussetzung einer Bewilligungserteilung solange nicht gegeben, als ein Eintrag im Zentral- strafregister aus einer Straftat besteht, die im Zusamme nhang mit der Berufsausübung steht oder besonders verwerflich ist. Aus den vorliegenden Akten geht hervor, dass der Beschwerde- führer im Rahmen einer osteopathischen Behandlung Han dlungen mit sexuellem Bezug vor- nahm, indem er einer Patientin während der Behandlu ng ohne Vorwarnung ihren Slip hinunter- zog und im Intimbereich berührte. Da die Tat während einer Behandlung geschah, steht sie zweifellos im Zusammenhang mit der Berufsausübung. Zudem ist sie besonders verwerflich, da die Patientin durch den Beschwerdeführer zuerst widersta ndsunfähig gemacht wurde, um sich dann an ihr zu vergehen (vgl. Urteil des Strafgerichtspr äsidiums vom 16. November 2009 E. II. 2.). Mit dieser Tat hat er auch schwerwiegende Berufspflichten verletzt (§ 15 Abs. 1 lit. a GesG), seine berufliche Stellung missbräuchlich ausgenützt (§ 15 Abs. 1 lit. b GesG) und Handlungen vorgenommen, die mit seiner Vertrauensstellu ng nicht vereinbar waren (§ 15 Abs. 1 lit. c GesG). Die Voraussetzungen gemäss § 15 Abs. 1 GesG sind vorliegend er- füllt. 4.1. Der Beschwerdeführer macht die Verletzung der Wi rtschaftsfreiheit gemäss Art. 27 der Bundesverfassung (BV) vom 18. April 1999 geltend. Wirtsch aftsfreiheit bedeutet insbesondere die freie Wahl des Berufes als auch den freien Zugang zu einer privatwirtschaftlichen Erwerbs- tätigkeit und deren freie Ausübung (U LRICH HÄFELIN /W ALTER HALLER /H ELEN KELLER , Schweize- risches Bundesstaatsrecht, 8. Auflage, Zürich/Basel/Genf 201 2, N 628). Wie alle Grundrechte gilt auch die Wirtschaftsfreiheit nicht unbeschränkt. D iese kann bei Vorliegen der nötigen Vo- raussetzungen nach Art. 36 BV eingeschränkt werden. Gemäss Art. 36 BV bedürfen Einschrän- kungen von Grundrechten einer gesetzlichen Grundlage, wo bei schwerwiegende Grund- rechtseinschränkungen in einem Gesetz im formellen Sinn vorgesehen sein müssen (Abs. 1). Zudem müssen sie durch ein öffentliches Interesse oder de n Schutz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt (Abs. 2) und verhältnismässig sein (Abs. 3 ). Der Kerngehalt der Grundrechte ist unantastbar (Abs. 4). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Aufgrund seiner strafrechtlichen Verurteilung wur de die Bewilligung des Beschwerde- führers zur selbständigen Ausübung der Osteopathie mit de r Auflage versehen, dass er Patien- tinnen nur noch in Anwesenheit von mindestens einer wei teren Person im Behandlungsraum behandeln darf. Wie vorstehend aufgeführt, wäre eine genügende gesetzliche Grundlage für den Entzug der Bewilligung des Beschwerdeführers gemäss Ar t. 15 Abs. 1 GesG gegeben ge- wesen, weshalb dies umso mehr für die verfügte Auflage gelten muss, die seine Bewilligung lediglich einschränkt. Somit ist eine genügende gesetzlic he Grundlage im Sinne von Art. 36 BV gegeben. Diese Tatsache wird denn auch vom Beschwerdeführer nicht bestritten. 4.3 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde weite r geltend, dass ein öffentli- ches Interesse an der angeordneten Auflage zum jetzigen Z eitpunkt nicht vorliege bzw. gering sei. Dies begründet er einerseits mit seiner tadellose n Berufsausübung seit dem Jahre 2006 und andererseits mit der Tatsache, dass der bestrittene Vorfall als Bagatelldelikt qualifiziert werden müsse. Zudem sei die Geldstrafe nur bedingt ausgesprochen worden, was nur dann möglich sei, wenn das Strafgericht von einer günstigen Prognose ausgehe. Ausserdem habe das Strafgericht keine Rückfallgefahr ausmachen können. All diese Gründe würden im Ergebnis dafür sprechen, dass das öffentliche Interesse betreffend die ausgesprochene Auflage gering sei. Dabei verkennt der Beschwerdeführer jedoch, dass tro tz der geringen Strafe, die Tat als solche betrachtet besonders verwerflich ist und ihn ein schweres Verschulden daran trifft. Er hat seine Stellung als Therapeut ausgenutzt, um die wehrl ose Patientin unsittlich zu berühren. Mit diesem Vorgehen hat er das Vertrauen dieser Patienti n in eine korrekt durchgeführte Behand- lung schwer missbraucht. Deshalb kann die Tat nicht als “ Bagatelldelikt“ qualifiziert werden. Folglich besteht ein öffentliches Interesse zukünftiger P atientinnen am Schutz ihrer sexuellen Integrität und ihres Vertrauens in eine korrekt durchgef ührte Behandlung. Ziel ist es, eine ge- fahrlose Betätigung seitens des Therapeuten während einer Behandlung garantieren zu können (Urteil des Bundesgerichts 2C_1011/2014 vom 18. Juni 2015 E. 6.1). Aufgrund des hohen Stel- lenwerts dieser Rechtsgüter, muss das öffentliche Interesse sogar als hoch eingestuft werden. Die gegenteiligen Ausführungen des Beschwerdeführers ve rmögen an dieser Tatsache nichts zu ändern. Somit ist das öffentliche Interesse an der mi t der Bewilligung ausgesprochenen Auf- lage gegeben. Die tadellose Berufsausübung des Beschwerdeführers seit dem Jahre 2006 wird im Rahmen der Verhältnismässigkeit zu beurteilen sein. 4.4.1 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, dass die verfügte Auflage nicht verhält- nismässig sei. Gemäss Lehre und Praxis umfasst der Grundsatz d er Verhältnismässigkeit drei Elemente, die kumulativ gegeben sein müssen: Eignung, Erforderlichkeit und Verhältnismässig- keit im engeren Sinne. Eine staatliche Massnahme ist dann geeignet, wenn sie den im öffentli- chen Interesse verfolgten Zweck herbeizuführen vermag. Die Erforderlichkeit ist dann gegeben, wenn die Massnahme im Hinblick auf den angestrebten Zwe ck erforderlich ist. Dies bedeutet, dass sie zu unterbleiben hat, wenn eine gleich geeignet e, aber mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg ausreichen würde. Bei der Verhält nismässigkeit im engeren Sinne geht es um eine Abwägung von öffentlichem und betroffenem pr ivatem Interesse (vgl. zum Ganzen ULRICH HÄFELIN /W ALTER HALLER /H ELEN KELLER , a.a.O., N 320 ff.). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.2 Der Beschwerdeführer bestreitet mangels Vorliege n eines Sicherheitsbedürfnisses die Eignung der angefochtenen Auflage. Dieser Auffassung ka nn nicht gefolgt werden. Wie bereits erörtert, besteht aufgrund der rechtskräftigen Verurte ilung des Beschwerdeführers ein Bedürf- nis, weibliche Patienten vor ähnlichen Überfällen zu sch ützen. Mit anderen Worten liegt das öffentliche Interesse im Schutz der sexuellen Integrit ät der Patientinnen. Mittels der verhängten Auflage kann eine abstrakte Patientengefährdung verhin dert und die Patientinnen vor weiteren Verfehlungen des Beschwerdeführers geschützt werden. So mit ist die Massnahme geeignet, den im öffentlichen Interesse verfolgten Zweck herbeizuführen. 4.4.3 In Bezug auf die Erforderlichkeit muss vorweg da rauf hingewiesen werden, dass der Gesetzgeber in § 15 Abs.1 i.V.m. § 13 Abs. 4 GesG für den Fall einer strafrechtlichen Verurtei- lung, die im Zusammenhang mit der Berufsausübung steh t oder besonders verwerflich ist, auf- grund des Verlusts der Vertrauenswürdigkeit den Entzug d er Bewilligung vorgesehen hat. Im vorliegenden Fall wurde der Beschwerdeführer wegen Sch ändung einer Patientin rechtskräftig verurteilt. Damit erfüllt der Beschwerdeführer infolg e des Verlusts seiner Vertrauenswürdigkeit grundsätzlich die Voraussetzungen für den Entzug seiner Bewilligung zur Ausübung der selb- ständigen Osteopathie (vgl. E. 3.3). Gemäss bundesgeri chtlicher Rechtsprechung kennt die Vertrauenswürdigkeit keine Abstufungen. Entweder jeman d ist vertrauenswürdig oder eben nicht. Die Konsequenz des Verlusts der Vertrauenswürdig keit sieht die bundesgerichtliche Rechtsprechung darin, dass für die Anordnung einer Auf lage als mildere Massnahme im Ver- gleich zum Bewilligungsentzug kein Raum mehr besteht. D abei darf die fehlende Vertrauens- würdigkeit jedoch nicht leichtfertig angenommen werde n (vgl. zu den Ausführungen Urteil des Bundesgerichts 2C_1011/2014 vom 18. Juni 2015 E 6.2). D er Beschwerdeführer entgeht somit einem Entzug der Bewilligung einzig und allein desha lb, weil er sich im Verlaufe der letzten zehn Jahre unauffällig verhalten hat und seine Vertraue nswürdigkeit somit wieder hergestellt hat. Nichtsdestotrotz muss das Wohlverhalten des Beschwerde führers relativiert werden, da das strafrechtliche Urteil erst im Juli 2013 rechtskräfti g wurde und die Probezeit somit erst vor kurzem abgelaufen ist. Das Wohlverhalten des Beschwerdeführ ers ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die anderen Voraussetzungen, die einen E ntzug oder eine Einschränkung der Bewilligung rechtfertigen, gemäss § 15 Abs.1 und 2 Ges G gegeben sind. Aufgrund dieser ab- schliessenden Regelung im GesG drängt sich denn auch eine Analogie zum MedBG nicht auf, da es sich einerseits bei der Osteopathie nicht um eine n universitären Medizinalberuf handelt und andererseits – entgegen der Behauptung des Beschwe rdeführers – der Wortlaut des GesG keinen Hinweis dafür enthält, dass der Gesetzgeber zwischen retrospektiven und prospektiven Massnahmen unterscheiden wollte. Der Vorinstanz ist demnac h in diesem Punkt zu folgen und auch darin beizupflichten, dass zum jetzigen Zeitpunkt kein milderes Mittel zur Verfügung steht, um den im öffentlichen Interesse verfolgten Zweck herbei zuführen. Die Vorinstanz hat substan- tiiert dargelegt, warum die angeordnete Auflage erf orderlich ist, weshalb sich die Rüge des Be- schwerdeführers, die Vorinstanz hätte ihre Begründungsp flicht verletzt, als unbegründet er- weist. Allerdings ist aufgrund seiner bisherigen erfolg reichen Bewährung eine unbefristete An- ordnung der Auflage nicht erforderlich, weshalb diese a uf fünf Jahre zu beschränken ist. Vorlie- gend ist die Erforderlichkeit der Auflage zum jetzigen Zeitpunkt zu bejahen, aufgrund des Wohl- verhaltens des Beschwerdeführers seit 10 Jahren jedoch z eitlich auf fünf Jahre zu beschrän- ken. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.4 Der Beschwerdeführer macht ferner geltend, dass di e Massnahme nicht verhältnis- mässig sei. Seine privaten finanziellen Interessen würden die öffentlichen Interessen überstei- gen. Er führt aus, dass der finanzielle Aufwand für die Anstellung einer Praxisassistentin im Verhältnis zum Gewinn, den er im Rahmen der selbständ igen Erwerbstätigkeit erzielen könne, in keinem Verhältnis stehe. Auch die Eröffnung einer Ge meinschaftspraxis hätte seiner Ansicht nach schwerwiegende finanzielle Auswirkungen für ihn, da 75% seiner Patienten weiblich seien. Unterlagen, die diese Tatsache beweisen oder deren fi nanzielle Auswirkungen aufzeigen wür- den, reichte der Beschwerdeführer allerdings nicht ein. Insbesondere sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Anstellung einer Praxisassistentin auch einen gewissen Mehrwert brin- gen kann, indem die administrativen Arbeiten nicht meh r durch den Beschwerdeführer erledigt werden müssten und er damit mehr Behandlungszeit generi eren könnte. Aber auch wenn da- von ausgegangen werden müsste, dass diese Tatsachen tatsäch lich gegeben sein sollten, so ändern sie nichts daran, dass vorliegend die öffentliche n Interessen am Schutz der sexuellen Integrität der Patientinnen höher einzustufen sind al s die finanziellen Interessen des Beschwer- deführers. Dies umso mehr, als dem Beschwerdeführer zum Zeitpunkt des Übergriffes hätte bewusst sein müssen, dass ein solches Verhalten nicht folgen los bleiben würde, weshalb auf seine Interessen nicht im gleichen Masse Rücksicht genommen werden kann und muss wie auf die öffentlichen Interessen der zukünftigen Patientinn en, die seinem Verhalten wehrlos ausge- setzt wären. Der Beschwerdeführer hat sich nämlich im Geg ensatz zu ihnen die Folgen seines Verhaltens selbst zuzuschreiben. Daran ändert auch die se ither klaglose Durchführung seiner Behandlungen nichts, da diese die begangene Tat nicht rückgängig machen kann. Folglich kommt die zeitlich auf fünf Jahre befristete Auflage kei neswegs einem Bewilligungsentzug gleich und erweist sich unter den gegebenen Umständen al s verhältnismässig im engeren Sin- ne. Sie stellt zudem das mildeste Mittel dar, um zukünft ige Patientinnen vor Übergriffen zu schützen. Somit erübrigt sich auch die Beurteilung der E ventualanträge des Beschwerdefüh- rers. 5. In Zusammenfassung der vorstehenden Erwägungen können die vorinstanzlichen Ent- scheide, wonach dem Beschwerdeführer die Auflage erteilt wurde, weibliche Patienten nur noch in Anwesenheit einer Drittperson zu behandeln, als rechtmässig ergangen beurteilt werden. Der Beschwerdeführer wurde unbestrittenermassen letztinsta nzlich vom Bundesgericht wegen Schändung rechtskräftig verurteilt. Diese Verurteilung erfüllt die Voraussetzungen gemäss § 15 Abs. 1 und 2 i.V.m. § 13 Abs. 1 und 4 GesG zum E ntzug bzw. zur Einschränkung seiner Berufsausübungsbewilligung. Die angeordnete Auflage ve rfügt somit über eine genügende ge- setzliche Grundlage. Des Weiteren verlangt es das öffentl iche Interesse am Schutz der sexuel- len Integrität seiner Patientinnen, dass sich ein behand elnder Osteopath tadellos verhält und sich keinerlei Verfehlungen zu Schulden kommen lässt. Es ist überdies nicht unverhältnismäs- sig, die vom Beschwerdeführer durchgeführten Behandlung en aufgrund seiner Tat zu überwa- chen. Allerdings muss die Auflage, um dem Verhältnismäs sigkeitsgrundsatz Rechnung zu tra- gen, zeitlich auf fünf Jahre begrenzt werden. Die Besc hwerde ist demnach teilweise gutzuheis- sen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahre ns zu befinden. 6.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kanto nsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise un terliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Angesichts des Ausgangs des Verfahren s sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- dem Beschwerdeführer aufzuerleg en und mit dem geleisteten Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- zu verrechnen. Der zuviel geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 400.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 6.2 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zu- gesprochen werden. Der Rechtsvertreter des Beschwerdefüh rers macht in seiner Honorarnote vom 3. Juli 2015 einen Stundenaufwand von total 8 Stu nden à Fr. 250.-- sowie Auslagen im Betrag von Fr. 59.-- (insgesamt Fr. 2‘223.70 inkl. 8% MWST) geltend. Dieser Aufwand ist für das vorliegende Verfahren angemessen. Da der Beschwerde führer im vorliegenden Verfahren teilweise obsiegt hat, hat der Regierungsrat ihm einen Drittel der Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 741.20 (inkl. Auslagen und 8% MWSt.) auszurichten. 6.3 Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verf ahrens ist die Angelegenheit an den Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft zurückzuweisen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen un d die in Verbindung mit der Bewilligung zur selbständigen Ausübung der Komplementärmedizin vom 15. Juli 2009 verhängte Auflage bis zum 27. Januar 2021 befris- tet. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Dem Beschwerdeführer wird ein Verfahrenskostenante il in der Höhe von Fr. 1‘400.-- auferlegt und mit dem geleisteten K ostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800.-- verrechnet. Der zuviel gelei stete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 400.-- wird dem Beschwerdeführ er zurück- erstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d em Beschwer- deführer für das Verfahren vor Kantonsgericht eine redu zierte Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 741.20 (inkl. Auslag en und 8% MWSt.) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschla- gen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 1. Juni 2016 vom Beschw erdeführer Beschwerde beim Bundesgericht (Verfahrensnummer 2C_501/2016) erhoben.