Kantonsgericht Schwyz Urteil vom 5. Juli 2022 STK 2021 21 Mitwirkend Kantonsgerichtspräsident Prof. Dr. Reto Heizmann, Kantonsrichter lic. iur. Walter Züger, Reto Fedrizzi, Bettina Krienbühl und Dr. Stephan Zurfluh, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch. In Sachen A.________, Beschuldigte und Berufungsführerin, erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt B.________, gegen 1. Staatsanwaltschaft, 2. Abteilung, Postfach 1201, 6431 Schwyz, Anklagebehörde und Berufungsgegnerin, vertreten durch Staatsanwalt C.________, 2. D.________, Privatkläger und Berufungsgegner, vertreten durch Rechtsanwältin E.________, betreffend Verleumdung (Berufung gegen das Urteil der Einzelrichterin am Bezirksgericht Schwyz vom 29. Januar 2021, SEO 2020 30);- hat die Strafkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. D.________ liess durch seine Rechtsanwältin gegen A.________ und deren Tochter, J.________, am 23. Oktober 2017 „Strafanzeige wegen Nöti- gung und falscher Anschuldigung“ erstatten und beantragen, die Beschuldig- ten seien wegen Nötigung, falscher Anschuldigung und Irreführung der Rechtspflege zu verurteilen und angemessen zu bestrafen. Er liess zudem seinen Willen bekunden, als Privat- und Strafkläger am Strafverfahren teilzu- nehmen (U-act. 2.1.01). Die Staatsanwaltschaft überwies den Strafbefehl vom 19. August 2020 der Einzelrichterin am Bezirksgericht Schwyz und klagte da- mit A.________ der falschen Anschuldigung wie folgt an (Vi-act. 2): Am 12.06.2017 stellte Rechtsanwalt K.________ namens und im Auftrag der Tochter von A.________, J.________, Strafantrag und erstattete Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Innerschwyz gegen D.________ wegen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, Körperver- letzung, Tätlichkeit, Nötigung und Unterlassung der Nothilfe, angeblich begangen am 13.03.2017 in Steinerberg. Am 17.07.2017 wurde J.________ in Goldau von der Kantonspolizei Schwyz als Auskunftsper- son zum Vorfall befragt. Am 24.07.2017, zwischen 15.53 Uhr und 16.53 Uhr, wurde A.________ im Rahmen der Strafuntersuchung gegen D.________ von der Kantonspolizei Schwyz auf dem Polizeiposten an der Bahnhofstrasse 19 in Goldau protokollarisch als Auskunftsperson be- fragt. Dabei bestätigte sie im Wesentlichen die Aussagen von J.________ und sagte unter anderem sinngemäss aus, D.________ ha- be am 13.03.2017 um ca. 18.00 Uhr gegenüber ihrer Tochter den Vortritt beim Fussgängerstreifen missachtet, D.________ habe Gas gegeben und eine Kollision habe nur deshalb vermieden werden können, weil sie ihre Tochter an den Kleidern zurückgezogen habe. Rund 20 Minuten später habe D.________ im Quartier G.________ in Steinerberg ihre Tochter überfahren, wodurch diese auf die Motorhaube und anschlies- send seitwärts auf die Strasse geflogen sei. Nachher sei der Personen- wagen einfach weiter gefahren. Aufgrund der Aussagen von A.________ und J.________ führte die Staatsanwaltschaft Innerschwyz ein Verfahren gegen D.________ und erhob am 14.05.2019 Anklage beim Bezirksge- richt Schwyz gegen ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung (eventuali- ter einfacher Körperverletzung/Tätlichkeiten), Vereitelung von Massnah- men zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall und Verletzung von Verkehrsregeln, begangen am 13.03.2017 in Steinerberg. D.________ bestritt während der Strafuntersuchung, beim Fussgängerstreifen Gas gegeben zu haben und den Vortritt gegenüber J.________ missachtet sowie in sie hineingefahren zu sein bzw. sie ver- letzt zu haben. Kantonsgericht Schwyz 3 Mit Urteil des Bezirksgerichts Schwyz vom 18.12.2019 (SGO 2019 6) wurde D.________ rechtskräftig vollumfänglich freigesprochen. Das Ge- richt sah es als erwiesen an, dass sich J.________ noch nicht auf Höhe des Fussgängerstreifens befand respektive im Begriffe war, diesen zu betreten und D.________ somit nicht verpflichtet, J.________ den Vortritt zu lassen. Auch sah es das Gericht als erwiesen an, dass es am 13.03.2017 nicht zu einer Kollision zwischen dem von D.________ ge- lenkten Fahrzeug und J.________ kam. In Tat und Wahrheit spielte sich der Vorfall zwischen D.________ und J.________ am 13.03.2017 somit nicht so ab, wie es J.________ am 17.07.2017 und A.________ am 24.07.2017 gegenüber der Kantonspolizei Schwyz schilderten. A.________ war sich bewusst, dass ihre Aussagen gegenüber der Kan- tonspolizei Schwyz vom 24.07.2017, wonach D.________ ihrer Tochter gegenüber den Vortritt missachtet und sie später überfahren haben soll, nicht der Wahrheit entsprach. Mit ihren Aussagen gegenüber der Kan- tonspolizei Schwyz beabsichtigte sie, dass gegen D.________ eine Straf- untersuchung durchgeführt wird. An der Hauptverhandlung teilte die Einzelrichterin den anwesenden Parteien mit, den Anklagesachverhalt zusätzlich nach Art. 174 StGB zu prüfen (HVP Vi- act. 22 S. 1). Am 29. Januar 2021 verurteilte sie die Beschuldigte wegen Ver- leumdung gemäss Art. 174 Ziff. 1 StGB zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 380.00, einer Verbindungsbusse von Fr. 5‘700.00 und Zahlung einer Genugtuung von Fr. 500.00 an den Privatkläger. Gegen das Urteil erklärte die Beschuldigte die innert Frist angemeldete Berufung rechtzei- tig und vollumfänglich. Sie beantragte dem Kantonsgericht, sie von Schuld und Strafe freizusprechen, eventualiter sei das Strafverfahren einzustellen und der Genugtuungsanspruch des Privatklägers abzuweisen (KG-act. 4). Im mit Einverständnis der Parteien schriftlich durchgeführten Verfahren begründete die Beschuldigte ihre Berufung am 11. Januar 2022 (KG-act. 18). Die Staats- anwaltschaft beantragte ohne weitere Begründung, die Berufung sei abzuwei- sen und das angefochtene Urteil zu bestätigen (KG-act. 20). Ebenso verlangte der Privatkläger am 4. April 2022, die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen (KG-act. 25). 2. Zufolge der Anfechtung eines einzelrichterlichen Urteils und der nicht erforderlichen Anwesenheit der Beschuldigten im Berufungsverfahren kann im Einverständnis mit den Parteien das Berufungsverfahren schriftlich durchge-Kantonsgericht Schwyz 4 führt werden (Art. 406 Abs. 2 StPO). Abgesehen davon sind hier im Wesentli- chen Rechtsfragen zu entscheiden (Art. 406 Abs. 1 lit. a StPO, Auslegung des Strafantrags und Anklageprinzip, s. E. 3 f.), macht doch die Beschuldigte mit Berufung geltend, der Strafantrag lasse keine gerichtliche Beurteilung einer Verleumdung im Sinne von Art. 174 StGB zu und dieser Straftatbestand sei weder in objektiver noch subjektiver Hinsicht genügend angeklagt. 3. Der Strafantrag als von der Konstituierung als Privatkläger unabhängi- gen Prozessvoraussetzung (BGE 145 IV 190 E. 1.5.2) muss nicht als solcher benannt sein und eine falsche Bezeichnung schadet nicht; es genügt eine Umschreibung des Sachverhalts ohne (richtige) rechtliche Qualifikation (s. Riedo, BSK, 4. A. 2019, Art. 30 StGB N 53 f. m.H.). Es steht jedoch im Be- lieben des Verletzten, ob er sein Antragsrecht ausüben will. Eine sachliche Beschränkung durch eine bewusste Darstellung des Sachverhalts ist zulässig (ebd. N 54a und 55). An die rechtliche Würdigung des Antragstellers ist die Behörde bei der von Amtes wegen zu erfolgenden Prüfung und mithin Ausle- gung des im Strafantrag erklärten Sachverhalts indes nicht gebunden (ebd. N 93). Es stellt sich mithin die Frage, ob vorliegender Strafantrag in der Darstellung des Sachverhalts auf die angeklagte falsche Anschuldigung (Art. 303 StGB) beschränkt ist, oder auch eine Verurteilung wegen Verleum- dung (Art. 174 StGB) zulässt. Letzteres bejahte die Vorderrichterin mit der nicht näher begründeten Feststellung, „der Sachverhalt, für den die Strafver- folgung verlangt wurde, wurde damit umfassend umschrieben“. Dabei bezog sie sich auf die in der Strafanzeige dargelegten und als nachweislich falsch bezeichneten Aussagen der Beschuldigten, der Privatkläger habe den Vortritt gegenüber ihrer Tochter missachtet und sei mit seinem Auto in diese hinein- gefahren (angef. Urteil E. I/2.1.2). Zudem geht die Vorderrichterin gestützt auf Lehre und Rechtsprechung davon aus, ein Strafantrag wegen falscher An- schuldigung umfasse auch einen solchen wegen Ehrverletzung, wenn daraus nicht hervorgehe, dass für die Ehrverletzung gerade kein Antrag gestellt wer-Kantonsgericht Schwyz 5 den möchte (angef. Urteil E. I./2.1.2 m.H. auf Riklin, BSK, vor Art. 173 StGB N 73 und BGE 115 IV 1 E. 2.b). a) Im Gegensatz zu dem im Berufungsverfahren nicht mehr erheblichen Offizialdelikt der falschen Anschuldigung (Art. 303 StGB) setzt die Strafverfol- gung einer Verleumdung einen Strafantrag des Verletzten voraus (Art. 174 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 30 Abs. 1 StGB). In der „Strafanzeige wegen Nötigung und falscher Anschuldigung“ des Privatklägers (U-act. 2.1.01) findet sich hin- sichtlich einer Ehrverletzung bzw. Verleumdung weder in positiver noch in negativer Hinsicht eine ausdrückliche Erklärung. Im Unterschied zu dem von der Vorderrichterin erwähnten und von der Lehre rezipierten Bundesgerichts- fall stellte indes nicht ein juristischer Laie, sondern die Rechtsanwältin des Privatklägers, die um die rechtliche Bedeutung der Unterscheidung zwischen Antrags- und Offizialdelikten weiss, nicht einen „Strafantrag“, sondern erstatte- te, wie die Berufungsführerin geltend macht, einzig eine auf Offizialdelikte (Nötigung und falsche Anschuldigung) beschränkte „Strafanzeige“. Hinzu kommt, dass aus dieser Strafanzeige an keiner Stelle der Sachverhaltsdarstel- lung annähernd deutlich würde, dass der Privatkläger die inkriminierten Aus- sagen der Beschuldigten verfolgt wissen wollte, weil er sich durch diese in seiner Ehre bzw. in seiner äusseren Geltung als Persönlichkeit verletzt be- trachtete. Diese Eingabe kann daher nur dahingehend ausgelegt werden, dass sie im Interesse bzw. Willen des Privatklägers einzig die Strafverfolgung in Bezug auf die aufgeführten und in rechtlicher Hinsicht auch begründeten Offizialdelikte verlangte. Treffen verschiedene Tatbestände zusammen, steht es der antragsberechtigten Person frei, falls sie eine Anzeige in Bezug auf Offizialdelikte einreicht, auf eine Strafverfolgung von daneben einhergehenden Antragsdelikten zu verzichten (BGer 6B_941/2019 vom 14. Februar 2020 E. 1.3 m.H.), was nach dem Gesagten in Auslegung der Strafanzeige anzuneh- men ist.Kantonsgericht Schwyz 6 b) An diesem Verzicht ändert nichts, dass die Vorderrichterin die Verleum- dung durch eine falsche Anschuldigung konsumiert sieht (vgl. dazu auch BGE 144 IV 444 = Pra 2016 Nr. 75 E. 3.2; kritisch Stratenwerth/Jenny/Bom- mer, Schweizerisches Strafrecht, BT I, 7. A. 2010, § 11 N 63; a.A. Wohl- ers/Godenzi/Schlegel, HK, 4. A. 2020, Art. 173 StGB N 27 i.V.m. Art. 174 StGB N 4). Konkurrenzprobleme bestehen indes in rechtlicher Hinsicht im Verhältnis verschiedener Straftatbestände untereinander und betreffen nicht die Auslegungsfrage, ob und auf welchen von mehreren möglichen Straftat- beständen ein Strafantrag in tatsächlicher Hinsicht beschränkt wurde. Ebenso wenig ist erheblich, dass die Rechtsprechung allgemein die Bezichtigung einer Straftat als ehrverletzend betrachtet (etwa BGE 145 IV 462 = Pra 2020 Nr. 39 E. 4.2.2), weil dies nicht die Auslegung des Inhalts der vorliegenden Strafan- zeige betrifft. Der Strafanzeige lässt sich denn auch nur entnehmen, dass der Privatkläger die Beschuldigung einer Vortrittsmissachtung am Fussgänger- streifen zufolge Gasgebens sowie des plötzlichen Wiederlosfahrens bzw. Hin- einfahrens in die Tochter als falsch betrachtet. Er macht indes nicht geltend, er sei durch die entsprechenden Aussagen der Beschuldigten direkt eines strafbaren oder moralisch zu missbilligenden Verhaltens bezichtigt worden. Er gibt keine als ehrverletzend bewertete Aussagen an, wie dies indes für einen Strafantrag formell vorauszusetzen wäre (dazu Riklin, a.a.O., vor Art. 173 StGB N 72). 4. Zufolge fehlenden gültigen Strafantrags (oben E. 3) ist mithin in Gut- heissung der Berufung die angefochtene Verurteilung wegen Verleumdung aufzuheben. Die Beschuldigte rügt weiter Verletzungen des Anklageprinzips: a) Die Beschuldigte macht zunächst geltend, der objektive Tatbestand von Art. 174 StGB werde in der Anklageschrift nicht dahingehend umschrieben, dass die Staatsanwaltschaft den Privatkläger wegen eines unehrenhaften Verhaltens oder anderer Tatsachen, die geeignet sind, seinen Ruf zu schädi- gen, beschuldigt oder verdächtigt.Kantonsgericht Schwyz 7 Im ersten Abschnitt der Anklage werden die wesentlichen Aussagen der Be- schuldigten, die neben denjenigen ihrer Tochter zur Strafverfolgung des Pri- vatklägers führten, zusammenfassend wiedergegeben, ohne dass beschrie- ben wird, inwiefern diese rufschädigend wären. Im zweiten Abschnitt wird das den Privatkläger freisprechende Urteil dargelegt, weil es das Gericht nicht als erwiesen betrachtete, dass im ersten Sachverhalt sich die vortrittsberechtigte Fussgängerin bereits auf der Höhe des Fussgängerstreifens befand und im zweiten Sachverhalt es zu einer Kollision kam. Aufgrund dieser Beurteilungen beschliesst die Staatsanwaltschaft den zweiten Absatz der Anklage und damit die Darlegung des Sachverhalts im Objektiven mit ihrer Folgerung, dass sich der Vorfall zwischen dem Privatkläger und der Tochter der Beschuldigten nicht so abspielte, wie es Mutter und Tochter gegenüber der Polizei schilderten. Die Anklage führt indes keine Gründe der Beweiswürdigung des Gerichts auf, die belegen würden, dass die Sachverhaltsdarstellungen der Beschuldigten (Gas- geben trotz Vortritts und Überfahren bzw. Kollision) ehrverletzend zu bewerten wären. Ebenso wenig beschreibt sie, welcher unehrenhaften Tatsachen die Beschuldigte den Privatkläger in seiner Person wider besseres Wissen be- zichtigt haben soll. b) Die Beschuldigte hält weiter dafür, dass in der Anklage der subjektive Tatbestand von Art. 174 StGB in Bezug auf das vorausgesetzte Handeln wi- der besseres Wissen nicht umschrieben werde. Immerhin geht die Anklage im dritten Abschnitt davon aus, die Beschuldigte sei sich bewusst gewesen, dass ihre Aussagen über die Vortrittsmissachtung und des Überfahrens nicht der Wahrheit entsprachen. Dennoch wird auch hier im Subjektiven nicht hinrei- chend klar, inwiefern die Beschuldigte den Privatkläger dadurch wider besse- res Wissen unehrenhaften Verhaltens bezichtigt haben soll, weil die Anklage nicht präzisiert, was sie in ihren ersten beiden Absätzen schon zu wenig deut- lich im Objektiven beschreibt (vgl. oben lit. a), nämlich, dass die Aussagen der Beschuldigten den Vorwurf strafbaren Verhaltens enthielten und daher ge- genüber dem Privatkläger verleumderisch seien.Kantonsgericht Schwyz 8 c) Soweit die Vorinstanz unter Verweis auf die Konkurrenzlehre die Ver- leumdung durch eine falsche Anschuldigung konsumiert betrachtet, vermag sie hinsichtlich der Kompatibilität ihrer Verurteilung wegen Verleumdung mit dem Anklageprinzip nichts zu gewinnen: Die Konkurrenzlehre befasst sich in rechtlicher Hinsicht mit dem Verhältnis verschiedener Straftatbestände unter- einander (s. oben E. 3.b). Dieses Verhältnis muss die Anklage nicht fixieren, sondern möglichst kurz, aber genau die Art und Folgen der Tatausführung beschreiben (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Sie hat mithin auch bei einfachen Handlungen durch die prägnante auf die fraglichen Straftatbestände ausge- richteten Darstellung des Tatgeschehens den Parteien und dem Gericht zu ermöglichen, sofort zu erkennen, welche Straftaten der Beschuldigten vorge- worfen werden (vgl. etwa Riklin, OFK, 2. A. 2014, Art. 325 StPO N 5). Soll die Anklage auch einen Verleumdungssachverhalt enthalten, muss sie zusätzlich zu den Tatfolgen unwahrer Beschuldigungen wegen Verbrechen oder Verge- hen bei der falschen Anschuldigung die Auswirkungen der Bezichtigungen eines unehrenhaften oder rufschädigenden Verhaltens beschreiben, was vor- liegend nicht der Fall ist. 5. Damit entbehrt die vorinstanzliche Verurteilung wegen Verleumdung nicht nur eines gültigen Strafantrags (oben E. 3), sondern auch der hinrei- chenden Anklage (E. 4). Im Übrigen geht auch die Vorderrichterin davon aus, dass (mit objektiven Beweisen) nicht nachweisbar sei, was am 13. März 2017 tatsächlich passiert sei (angef. Urteil E. II./2.1.6). Sie nahm in erneuter (zur Analyse der Aussagen der Beschuldigten schon das Bezirksgericht in SGO 2019 6 vom 18. Dezember 2019 E. II/2.2.9.5) Beurteilung der Glaubwür- digkeit der Beteiligten und der Glaubhaftigkeit deren Aussagen an, dass kei- ner der Beteiligten eine neutrale Position einnehmen könne (angef. Urteil E. II./2.1.7). Jedoch hält sie die Aussagen der Beschuldigten und ihrer Tochter im Unterschied zu denjenigen des Privatklägers nicht für glaubhaft. Daher liesse sich nicht erstellen, dass es im zweiten Sachverhalt zu einer Kollision gekommen sei (ebd. 2.1.8 insbesondere zu den Aussagen der Beschuldigten Kantonsgericht Schwyz 9 sowie 2.1.11.4 die Aussagen aller Beteiligten resümierend) und habe die Be- schuldigte rechtlich betrachtet mindestens mit dem eine Körperverletzung bzw. ein pflichtwidriges Verhalten bei Unfall und damit strafbare Handlungen implizierenden Vorwurf des Über- und Weiterfahrens den Privatkläger ver- leumdet, weil dieser unter Berücksichtigung der im Recht liegenden Aussagen diese Handlungen nicht vorgenommen habe (ebd. 3.3.3). Mit dieser Begrün- dung lässt sich jedoch nicht ausschliessen, die Beschuldigte als zur Strafan- zeige ihrer Tochter gegen den Privatkläger befragte Auskunftsperson könnte wenn auch widersprüchlich versucht haben, eine im Kern irrtümliche Vorstel- lung (Kollision) richtig wiederzugeben. Diesfalls hätte sie weder vorsätzlich falsch noch wider besseres Wissen ausgesagt. Zudem könnten ihre Aussagen gerechtfertigt gewesen sein (vgl. dazu BEK 2017 195 und 196 vom 23. März 2018 E. 3.b m.H. auf EGV-SZ 2014 A 5.4 E. 4.b und BGE 135 IV 177 E. 4), zumal noch fraglich wäre, ob die Aussagen bei den Strafverfolgungsbehörden überhaupt tatbestandsmässig gegenüber einer Drittperson erfolgten (dazu BGE 145 IV 462 = Pra 2020 Nr. 39 E. 4.3.3). Darauf muss aufgrund des Ver- zichts auf einen Strafantrag (dazu oben E. 3) nicht mehr weiter eingegangen werden. Ebenso wenig enthält die Anklage abgesehen von der erläuterten fehlenden Ausrichtung auf Ehrverletzungsdelikte (E. 4) tatsächliche Umstände einer positiven Kenntnis der Beschuldigten über die Nichtschuld des Privat- klägers, so dass die Beschuldigte auch in tatsächlicher Hinsicht nicht über den Vorwurf eines verleumderischen Aussageverhaltens informiert war. 6. Aus diesen Gründen ist in Gutheissung der Berufung das angefochtene Urteil aufzuheben und die Beschuldigte von Schuld und Strafe freizusprechen, weil im Berufungsverfahren der implizite Freispruch von der falschen Anschul- digung unbeanstandet blieb. Mit dem umfassenden Freispruch ist der erstin- stanzlich teilweise gutgeheissene Genugtuungsanspruch zufolge mangelnder Spruchreife hinsichtlich einer Ehrverletzung auf den Zivilweg zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO). Ausgangsgemäss gehen die Kosten zu Lasten des Staates (Art. 428 Abs. 1 StPO). Entsprechend ist die Beschuldigte für das Kantonsgericht Schwyz 10 Verfahren vor beiden Instanzen angemessen zu entschädigen (Art. 429 Abs. 1 lit. a und 436 Abs. 1 StPO; §§ 2,6 und 13 GebTRA). Der Privatkläger wird nicht entschädigungspflichtig, weil er keinen Strafantrag wegen Verleumdung stellte, sondern erst die Vorderrichterin diesen Vorwurf aufgriff;- erkannt: 1. Die Berufung wird gutgeheissen, das angefochtene Urteil aufgehoben und die Beschuldigte von Schuld und Strafe freigesprochen sowie der Genugtuungsanspruch des Privatklägers auf den Zivilweg verwiesen. 2. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens von Fr. 3‘053.50 (inkl. Un- tersuchungs- und Anklagekosten) gehen zu Lasten des Bezirks und die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2‘500.00 gehen zu Lasten des Kantons. 3. Die Beschuldigte wird für das erstinstanzliche Verfahren aus der Be- zirksgerichtskasse mit Fr. 4‘000.00 und für das Berufungsverfahren aus der Kantonsgerichtskasse mit Fr. 2‘000.00 entschädigt. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsa- chen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Be- schwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.Kantonsgericht Schwyz 11 5. Zufertigung an die Rechtsvertreter der Parteien (je 2/R), die Staatsan- waltschaft (1/A an die 2. Abteilung und 1/R an die Amtsleitung/zentraler Dienst), die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die 2. Abteilung der Staatsanwaltschaft (1/R, mit den Akten), die KOST (Strafregister; Meldung Freispruch mit Formular) und die Kantonsge- richtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der Strafkammer Der Kantonsgerichtspräsident Der Gerichtsschreiber Versand 8. Juli 2022 kau