2015 Kantonale Steuern 117 Migrationsrecht 117 spracheentscheid der Steuerkommission Y . vom 30. April 2014 wie- derhergestellt. 16 § 96 und 102 StG Berücksichtigung eines Entgelts, welches an den Berechtigten für die Auf- gabe eines Wohnrechts bezahlt wird (Umzug der überlebenden Witwe ins Altersheim), bei der Einkommenssteuer. Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 31 . März 2015, i.S. KStA gegen X. (WBE.2014.382). Aus den Erwägungen 1. Nicht mehr streitig ist die Besteuerung des Werts der Wohn nut- zung der Liegenschaft bis zum Auszug Ende Juni 2012; auch die Be- schwerdegegnerin anerkennt dies nunmehr ausdrücklich. Ums tritten ist einzig die Erfassung der Abgeltung für den "unver brauchten" Teil des auf zehn Jahre festgelegten, vom Verkäufer für sich und seine Ehefrau vorbehaltenen Wohnrechts. 2.-3. (identisch mit 2015 15 112, Erw. 1-2) 4. 4.1. Liegt in der Errichtung eines V orbehaltswohnrechts wie darge- legt konzeptionell gesehen ein echter V orbehalt (nicht etwa der ent- geltliche Erwerb einer Personaldienstbarkeit ), mit dem aber nicht in die Substanz des Grundstücks eingegr iffen wird, so liegt auf der Hand, dass der als Abgeltung für die Nichtweiterausübung des Wohnrechts gezahlte bzw. hier lediglich vereinbarte und kreditierte Betrag entgegen der Auffassung des Spezialverwaltungsgerichts keine blosse Vermögensumschichtung bewirkt, sondern einen echten Vermögenszufluss. Der Wohnrechtsbe rechtigte, d.h. hier die Be -118 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2015 schwerdegegnerin, hat mit der Aufgabe des Wohnrechts nämlich nichts anderes getan, als den Wert des Wohnrechts (genauer: der vor- aussichtlichen, künftig noch v erbleibenden Nutzung) zu realisie ren. Damit stellt das Entgelt für die Aufgabe des Wohnrechts, wie die Be- schwerdeführerin zutreffend ausführt, entgegen der Auffassung des Spezialverwaltungsgerichts einen steuerbaren Vermögenszugang dar, und zwar unabhäng ig davon, ob das Entgelt nun als Entschädi gung für die Nichtausübung eines Rechts gemäss § 32 lit. d StG (so KLÖTI-WEBER, in: MARIANNE KLÖTI-WEBER/DA VE SIEGRIST/ DIETER WEBER [Hrsg.], Kommentar zum Aargauer Steuerge setz, 4. Aufl., Muri 2015, § 102 N 9a) oder als Einkommen aus unbeweg - lichem Vermögen qualifiziert wird (so HANS-JÖRG MÜLLHAUPT, in: KLÖTI-WEBER/SIEGRIST/WEBER, a.a.O., § 32 N 11; ebenso schon in der V orauflage. 4.2. Dieses Resultat ergibt sich im Übrigen schon aufgrund der Prä - misse, dass Ein kommens- und Grundstückgewinnsteuerrecht nach dem Willen des Bundesgesetzgebers – abgesehen von der Steuerfrei- heit von Kapi talgewinnen aus der Veräusserung von beweglichem Privatvermögen – ein lückenloses System der Einkommensbesteue - rung darstellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Februar 2012 [2C_622/2011] Erw. 4 mit Hinweisen). Die Lückenlosigkeit hat zur Folge, dass Zuflüsse von aussen entweder der allgemeinen Einkom - menssteuer oder der den Kantonen vorbehaltenen Grundstück ge- winnsteuer unt erliegen (vgl. dazu MARKUS REICH, in: PETER ATHANAS/MARTIN ZWEIFEL [Hrsg.], Kommentar zum Schwei zeri- schen Steuerrecht, Bd. I/1, 2. Aufl., Basel 2002, Art. 7 N 16 ff. und 84). Dieses Bestreben nach Lückenlosigkeit des Sys tems ergibt sich im Übrigen auch für das kantonale Recht aus § 25 Abs. 1 i.V .m. § 95 Abs. 2 StG. Dabei bleibt zwar die Besteuerung der Grundstückgewinne aus- drücklich den Kantonen überlassen (vgl. REICH, a.a.O., Art. 12 N 1 f.). Dementspre chend hat der Bundesgesetzgeber aus steuer - systematischen Gründen in Art. 7 Abs. 4 lit. c StHG bestimmte Arten von Einkünften, welche traditionell, ob wohl nicht di rekt Ein künfte aus der Veräusserung eines Grundstücks, der Grund stückgewinn-2015 Kantonale Steuern 119 Migrationsrecht 119 steuer unterliegen (z.B. Geschäfte über Mobilien, die je doch hin - sichtlich der Verfügungsgewalt über ein Grundstück wirt schaftlich wie eine Veräusserung wirken), dem Bereich der Einkom menssteuer ausdrücklich entzogen und allein der Grundstückgewinn steuer zugewiesen. Unter die dort genannten Einkünfte fäl lt die hier streiti - ge Ablösungszahlung nicht. Abgesehen von den in Art. 7 Abs. 4 lit. c StHG genannten Einkünften unterliegt, von hier nicht zu treffenden Ausnahmen abgesehen (z.B. Steuerfreiheit von auf beweglichem Pri- vatvermögen erzielten Kapitalgewinnen), jeder geldwerte Zufluss der Einkommenssteuer. Es steht fest, dass der Verzicht auf die weitere Ausübung des Wohnrechts am Grundstück GB Y . im Jahr 2012 bei der Beschwerdegegnerin einen geldwerten Zufluss bewirkt hat. Auch deshalb ist die Beschwer de gutzuheissen und das Ur teil des Spezialverwaltungsgerichts vom 18 . September 2014 aufzuhe ben. Damit wird ohne weitere Anordnung der Einspracheent scheid der Steuerkommission Y . wiederhergestellt. 4.3. Nicht zu übersehen ist, dass die Besteuerung der Abgeltung für die Aufgabe des Wohnrechts als Einkommen bei der Beschwerde - gegnerin im Ergebnis dazu führt, dass der Geldwert der weiteren Nutzung der Liegen schaft jedenfalls für die Restdauer des Wohn - rechts im Ergebnis nicht nur bei der Beschwerdegeg nerin, son dern darüber hinaus beim Erwerber – als Eigenmietwert, sofern er die Lie- genschaft nach dem Auszug der Be schwerdegegnerin selbst nutzt, oder als Mietertrag aus der Vermietung der Liegenschaft – nochmals steuerlich erfasst wird. Aus steuersyste matischer Sicht stellt sich da - her die Frage, ob diese steuerliche Doppel belastung der Ver mö- genszuflüsse aus der Nutzung bzw. der Entschädi gung für die Auf - gabe der Nutzung der Liegenschaft nicht durch eine der einkom - menssteuerlichen Belastung der Beschwerdegegnerin korrespon die- rende einkommenssteuerliche Entlastung des Erwerbers beseitigt bzw. zumindest gemildert werden müsste. Darüber ist indessen hier, wo nur die Besteuerung der Beschwerdegegnerin streitig war, nicht zu entscheiden. 120 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2015 17 Liegenschaftsschätzung Tragweite einer von der vertraglich vereinbarten Nutzung abweichenden tatsächlichen Nutzung einer Liegenschaft (andere Aufteilung als bei Mit - eigentum vereinbart) bei Schätzung der Liegenschaft Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 8 . Juni 2015, i. S. A.X., B.X., C.X. und D.X. gegen KStA (WBE.2014.383). Aus den Erwägungen 2. 2.1. Das den Eltern der Beschwerdeführer 1 und 3 eingeräumte Wohnrecht ist für die Berechnung der den Beschwerdeführern 1 und 2 bzw. 3 und 4 zuzuweisenden Vermögenssteuerwerte unbeachtlich, da ein Wohnrecht kein vermögenssteuerlich relevantes Nutz nies- sungsverhältnis begründet (vgl. BARBARA SRAMEK, in: MARIANNE KLÖTI-WEBER/DA VE SIEGRIST/DIETER WEBER [Hrsg.], Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 4. Aufl., Muri 2015, § 46 N 25). Zu beantworten bleibt damit, ob, nachdem der Vermögenssteuerwert der Liegenschaft zutreffend allein den Beschwerdeführern (und nicht etwa teilweise auch den Eltern der Beschwerdeführer 1 und 3) zugewiesen wurde, die zwische n ihnen vorgenommene hälf tige Aufteilung des Gesamtvermögenssteuerwerts rechtmässig ist. 2.2. 2.2.1. Die Beschwerdeführer 1 und 3 sind Miteigentümer je zur Hälfte des Wohnteils. Das spricht dafür, ihnen auch den Vermögenssteuer - wert des Wohnteils je zur Hälfte zuzuweisen. Dagegen wird in der Beschwerde vorgebracht, die tatsächliche Nutzung der Liegenschaft, wie sie zwischen den Parteien vereinbart worden sei, weiche von der eigentumsmässigen Aufteilung der Liegenschaft ab. Der Sache nach