<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 472</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">472</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>103 Meldewesen; Eintritt in ein Alters- und Pflegeheim</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Erfolgt der Eintritt in ein Alters- und Pflegeheim aus freien Stücken, um</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dort den Lebensmittelpunkt zu pflegen, wird damit ein Hauptwohnsitz</b></span><br/> <span class="ft2"><b>im Sinne des Register- und Meldegesetzes begründet.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Departements Volkswirtschaft und Inneres, Ge-</span><br/> <span class="ft3">meindeabteilung, vom 11. Oktober 2011 in Sachen B. gegen die Einwohner-</span><br/> <span class="ft3">gemeinde Z. (74093/25.4).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">B. (Beschwerdeführerin) war mit Hauptwohnsitz in Y. gemel-</span><br/> <span class="ft1">det. Seit ihrem Eintritt vom 1. September 2004 ins Alters- und Pfle-</span><br/> <span class="ft1">geheim Z. wurde sie zudem von der Einwohnerkontrolle Z. mit Ne-</span><br/> <span class="ft1">benwohnsitz geführt. Nachdem die Tochter von B. am 1. September</span><br/> <span class="ft1">2010 bei der Einwohnerkontrolle Z. darum ersucht hatte, den Neben-</span><br/> <span class="ft1">wohnsitz von B. in einen Hauptwohnsitz umzuwandeln, stellte die</span><br/> <span class="ft1">Einwohnerkontrolle zunächst eine Meldebestätigung für den Haupt-</span><br/> <span class="ft1">wohnsitz aus. In der Folge machte der Gemeinderat Z. an seiner Sit-</span><br/> <span class="ft1">zung vom 18. Januar 2011 die Anmeldung mit Hauptwohnsitz wieder</span><br/> <span class="ft1">rückgängig. Detailabklärungen hätten im Nachhinein ergeben, dass</span><br/> <span class="ft1">B. zum Zeitpunkt der Gesuchstellung eine BESA-Einstufung von 4</span><br/> <span class="ft1">(das heisst grosse Pflegebedürftigkeit) aufgewiesen habe. Gemäss</span><br/> <span class="ft1">ständiger Praxis der schweizerischen Einwohnerkontrollen sei eine</span><br/> <span class="ft1">Wohnsitznahme mit Hauptwohnsitz aber bei einer Einstufung von 3</span><br/> <span class="ft1">und höher nicht mehr möglich.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">473</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a)</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 24 BV haben Schweizerinnen und Schweizer das</span><br/> <span class="ft1">Recht, sich an jedem Ort des Landes niederzulassen. Die Niederlas-</span><br/> <span class="ft1">sungsfreiheit gewährleistet damit die Möglichkeit persönlichen Ver-</span><br/> <span class="ft1">weilens an jedem beliebigen Ort der Schweiz (BGE 108 Ia 249). Da-</span><br/> <span class="ft1">runter fallen sowohl das auf eine gewisse Dauer ausgerichtete Ver-</span><br/> <span class="ft1">weilen an einem Ort, also insbesondere die Wohnsitznahme, wie</span><br/> <span class="ft1">auch der bloss vorübergehende Aufenthalt. Sie gebietet den Kanto-</span><br/> <span class="ft1">nen und Gemeinden, jedem Schweizerbürger und jeder Schweizer-</span><br/> <span class="ft1">bürgerin die Niederlassung auf ihrem Gebiet zu erlauben und unter-</span><br/> <span class="ft1">sagt ihnen gleichzeitig, die Verlegung des einmal gewählten Wohn-</span><br/> <span class="ft1">sitzes in einen anderen Kanton, eine andere Gemeinde oder ins Aus-</span><br/> <span class="ft1">land zu verhindern oder zu erschweren. Die Niederlassungsfreiheit</span><br/> <span class="ft1">berechtigt jedoch nicht, einen beliebigen Ort der Niederlassung zu</span><br/> <span class="ft1">bezeichnen, ohne dass gewisse tatsächliche Voraussetzungen dafür</span><br/> <span class="ft1">gegeben sind. Das heisst, für die Bestimmung des Niederlassungsorts</span><br/> <span class="ft1">ist nicht die Willenserklärung der betreffenden Person massgebend,</span><br/> <span class="ft1">sondern der äussere Sachverhalt (vgl. AGVE 1997, S. 450).</span><br/> <span class="ft1">b)</span><br/> <span class="ft1">Das kantonale Recht verpflichtet in § 7 Abs. 1 des Gesetzes</span><br/> <span class="ft1">über die Einwohner- und Objektregister sowie das Meldewesen (Re-</span><br/> <span class="ft1">gister- und Meldegesetz; RMG) vom 18. November 2008 Personen,</span><br/> <span class="ft1">die in der Gemeinde einen Haupt- oder Nebenwohnsitz begründen,</span><br/> <span class="ft1">sich bei der Einwohnerkontrolle anzumelden. Hauptwohnsitz hat</span><br/> <span class="ft1">eine Person in einer Gemeinde, in der sie beabsichtigt, dauernd zu</span><br/> <span class="ft1">verbleiben, um dort den Mittelpunkt ihres Lebens zu pflegen, der für</span><br/> <span class="ft1">Dritte erkennbar sein muss. Eine Person kann nur einen Hauptwohn-</span><br/> <span class="ft1">sitz haben (§ 2 RMG). Nebenwohnsitz hat eine Person in einer Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde, in der sie zu einem bestimmten Zweck während mindestens</span><br/> <span class="ft1">drei aufeinanderfolgenden Monaten oder drei Monaten innerhalb</span><br/> <span class="ft1">eines Jahrs anwesend ist. Eine Person kann mehrere Nebenwohnsitze</span><br/> <span class="ft1">haben (§ 3 RMG). Unter den Begriff des bestimmten Zwecks von § 3</span><br/> <span class="ft1">RMG fallen etwa der Aufenthalt zum Besuch einer Lehranstalt oder</span><br/> <span class="ft1">Schule (Art. 3 lit. c des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">474</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Einwohnerregister und anderer amtlicher Personenregister [RHG]</span><br/> <span class="ft1">vom 23. Juni 2006) und die Unterbringung in einem Alters- und</span><br/> <span class="ft1">Pflegeheim, einer Erziehungs-, Versorgungs-, Heil-, oder Strafanstalt</span><br/> <span class="ft1">sowie vergleichbarer Kollektivhaushalte (vgl. §§ 3 und 4 der Verord-</span><br/> <span class="ft1">nung zum Gesetz über die Einwohner- und Objektregister sowie das</span><br/> <span class="ft1">Meldewesen (RMV) vom 11. März 2009). Schweizerische Staatsan-</span><br/> <span class="ft1">gehörige haben Niederlassung in der Hauptwohnsitzgemeinde und</span><br/> <span class="ft1">Aufenthalt in der Nebenwohnsitzgemeinde (§ 4 Abs. 2 RMG).</span><br/> <span class="ft1">c)</span><br/> <span class="ft1">Das kantonale Register- und Meldegesetz ist im Wesentlichen</span><br/> <span class="ft1">von zwei Zwecken geprägt. Zum Einen regelt es das Meldewesen</span><br/> <span class="ft1">(vgl. § 1 lit. b RMG). Dieses erfüllt primär eine polizeiliche Funk-</span><br/> <span class="ft1">tion, nämlich die Erfassung des Bevölkerungsstands zur Sicherung</span><br/> <span class="ft1">der allgemeinen Ordnung im weitesten Sinne. Das Gemeinwesen hat</span><br/> <span class="ft1">ein vielfältiges Interesse daran zu wissen, wer sich innerhalb seines</span><br/> <span class="ft1">Gebiets aufhält. Aus dieser polizeilichen Funktion des Meldewesens</span><br/> <span class="ft1">folgt die Anknüpfung der Meldepflicht an das sogenannte polizei-</span><br/> <span class="ft1">liche Domizil (vgl. Karl Spühler, Die Rechtsprechung zur polizei-</span><br/> <span class="ft1">lichen Meldepflicht bei Niederlassung und Aufenthalt, in ZBl 1992,</span><br/> <span class="ft1">S. 337). Zum Anderen wird durch das Gesetz der Vollzug der Re-</span><br/> <span class="ft1">gisterharmonisierung des Bundes sichergestellt. Die gesetzlichen Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmungen dienen damit der Bereitstellung der Grundlagen für sta-</span><br/> <span class="ft1">tistische Aufgaben des Bundes und des Kantons (vgl. § 1 lit. d</span><br/> <span class="ft1">RMG).</span><br/> <span class="ft1">d)</span><br/> <span class="ft1">Für die Wohnsitze des öffentlichen Rechts ist zu beachten, dass</span><br/> <span class="ft1">das öffentliche Recht diese Wohnsitzbegriffe autonom auslegt (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Daniel Stähelin, in Basler Kommentar zum Schweizerischen Zivilge-</span><br/> <span class="ft1">setzbuch, 4. Auflage, Basel 2010, Art. 23 Rz. 3). Aufgrund der Be-</span><br/> <span class="ft1">griffsbestimmung des polizeilichen Domizils ergibt sich, dass dieses</span><br/> <span class="ft1">insbesondere nicht mit dem zivilrechtlichen Wohnsitz gemäss §§ 23</span><br/> <span class="ft1">ff. ZGB oder dem Steuerdomizil gleichgesetzt werden kann, obschon</span><br/> <span class="ft1">die verschiedenen Domizilarten in der Regel zusammenfallen. Die</span><br/> <span class="ft1">Anmeldung an einem bestimmten Ort (durch Hinterlegung der</span><br/> <span class="ft1">Schriften) wird deshalb bei der Bestimmung des zivilrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Wohnsitzes oder des Steuerdomizils höchstens als Indiz, nicht aber</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">475</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">als Voraussetzung behandelt. Selbst im Bereich des Unterstützungs-</span><br/> <span class="ft1">wohnsitzes legt die polizeiliche Anmeldung nur die widerlegbare</span><br/> <span class="ft1">Vermutung für das Vorliegen des Unterstützungswohnsitzes nahe.</span><br/> <span class="ft1">Ansonsten wird auch dort in erster Linie an die tatsächliche Anwe-</span><br/> <span class="ft1">senheit angeknüpft (vgl. Art. 4 Abs. 2 und 11 ZUG). Sodann geht</span><br/> <span class="ft1">auch die Annahme der Beschwerdeführerin fehl, dass das RMG auf</span><br/> <span class="ft1">die Bestimmungen des ZGB (wie etwa in anderen Rechtsbereichen)</span><br/> <span class="ft1">verweisen würde. Allerdings bezieht sich der Wortlaut von Art. 2</span><br/> <span class="ft1">RMG auf Art. 23 ZGB, so dass nichts dagegen spricht, die von der</span><br/> <span class="ft1">Lehre und Rechtsprechung zu den Art. 23 ff. ZGB entwickelten</span><br/> <span class="ft1">Grundsätze für die Auslegung des RMG heranzuziehen (so schon</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1997, S. 451). Es ist dennoch möglich, dass sich der zivil-</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Wohnsitz einer Person nicht am Haupt-, sondern an deren</span><br/> <span class="ft1">Nebenwohnsitz befindet. Diejenigen staatlichen Organe (Admini-</span><br/> <span class="ft1">strativbehörden und Gerichte), welche ihre örtlichen Kompetenzen</span><br/> <span class="ft1">und Amtspflichten vom zivilrechtlichen Wohnsitz natürlicher Perso-</span><br/> <span class="ft1">nen herleiten, haben über deren zivilrechtlichen Wohnsitz selbst zu</span><br/> <span class="ft1">befinden.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall geht es um die Bestimmung des Haupt-</span><br/> <span class="ft1">bzw. des Nebenwohnsitzes von B. Diese ist, nachdem sie mehrere</span><br/> <span class="ft1">Jahrzehnte in Y. niedergelassen war, per 1. September 2004 ins Al-</span><br/> <span class="ft1">ters- und Pflegeheim Z. eingetreten.</span><br/> <span class="ft1">a)</span><br/> <span class="ft1">In den meisten Fällen bereitet die Zuordnung zu Haupt- und</span><br/> <span class="ft1">Nebenwohnsitz keine grösseren Probleme. Der Aufenthalt zum</span><br/> <span class="ft1">Zweck des Besuchs einer Lehranstalt oder Schule wie auch die meis-</span><br/> <span class="ft1">ten anderen Aufenthalte zu einem bestimmten Zweck (bzw. Sonder-</span><br/> <span class="ft1">zweck) zeichnen sich dadurch aus, dass eine Person entweder den</span><br/> <span class="ft1">Entschluss zum Aufenthalt nicht aus freien Stücken getroffen hat</span><br/> <span class="ft1">(z.B. weil sie sich einer erforderlich gewordenen Behandlung unter-</span><br/> <span class="ft1">ziehen muss) oder dass die Absicht des dauernden Verbleibs fehlt</span><br/> <span class="ft1">(weil etwa die Aufenthaltsdauer durch den Sonderzweck bestimmt</span><br/> <span class="ft1">wird). Insoweit spricht der Gesetzgeber bei den Nebenwohnsitzen</span><br/> <span class="ft1">teilweise auch von einer Unterbringung (vgl. Art. 3 lit. c RHG;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1997, S. 451). Der Eintritt in ein Alters- und Pflegeheim ist</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">476</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">insoweit als Spezialfall zu betrachten, als die Gründe für einen sol-</span><br/> <span class="ft1">chen Wohnsitzwechsel sehr weit auseinanderfallen können. Personen</span><br/> <span class="ft1">können in ihrer angestammten Niederlassungsgemeinde verwurzelt</span><br/> <span class="ft1">bleiben und lediglich zum Zweck einer medizinischen Betreuung in</span><br/> <span class="ft1">ein Alters- und Pflegeheim eintreten. Häufig bleibt das gesamte Um-</span><br/> <span class="ft1">feld in der bisherigen Gemeinde erhalten. In einem solchen Fall ist es</span><br/> <span class="ft1">gerechtfertigt, den bisherigen Hauptwohnsitz in der früheren Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde zu belassen und die Person ins Register der Standortge-</span><br/> <span class="ft1">meinde des Alters- und Pflegeheims mit Nebenwohnsitz einzutragen.</span><br/> <span class="ft1">Auf der anderen Seite gibt es auch Fälle, in denen Personen sich</span><br/> <span class="ft1">frühzeitig und insofern aus freien Stücken, bei geistiger und körper-</span><br/> <span class="ft1">licher Gesundheit, für den Eintritt in ein Alters- und Pflegeheim ent-</span><br/> <span class="ft1">scheiden, die Beziehungen zur Herkunftsgemeinde abbrechen und</span><br/> <span class="ft1">ihren Lebensmittelpunkt in die neue Wohngemeinde verlagern. In</span><br/> <span class="ft1">diesen Fällen spricht alles dafür, die Person in der neuen Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">mit Hauptwohnsitz ins Register einzutragen (vgl. dazu insbesondere</span><br/> <span class="ft1">den in AGVE 1997, S. 449 ff. geschilderten Sachverhalt). Ob sich</span><br/> <span class="ft1">nun eine Person aus freien Stücken (d.h. ohne darauf angewiesen zu</span><br/> <span class="ft1">sein) für einen Eintritt in ein Alters- oder Pflegeheim entscheiden</span><br/> <span class="ft1">kann, hängt nicht unwesentlich vom Gesundheitszustand der betref-</span><br/> <span class="ft1">fenden Person ab. Die Beurteilung des Gesundheitszustands ist dem-</span><br/> <span class="ft1">zufolge kein sachfremdes Kriterium. Die BESA-Einstufungen (Be-</span><br/> <span class="ft1">wohnerInnen-Einstufungs-und-Abrechnungssystem) sind ihrerseits</span><br/> <span class="ft1">wiederum ein Indiz, um den Gesundheitszustand der betreffenden</span><br/> <span class="ft1">Personen einzuschätzen. Ein starres Abstellen auf bestimmte Einstu-</span><br/> <span class="ft1">fungen wäre allerdings nicht sachgerecht. Es ist jeweils eine Einzel-</span><br/> <span class="ft1">fallbeurteilung notwendig. Kann aufgrund des Gesundheitszustands</span><br/> <span class="ft1">davon ausgegangen werden, dass eine Wahlfreiheit in Bezug auf den</span><br/> <span class="ft1">Eintritt ins Alters- oder Pflegeheim besteht, sind immer auch noch</span><br/> <span class="ft1">die übrigen Voraussetzungen für einen Hauptwohnsitz zu prüfen (al-</span><br/> <span class="ft1">so die Absicht des dauernden Verbleibs sowie die objektiv erkenn-</span><br/> <span class="ft1">bare Verlegung des Lebensmittelpunkts [vgl. AGVE 1997,</span><br/> <span class="ft1">S. 449 ff.]).</span><br/> <span class="ft1">b)</span><br/> <span class="ft1">Weiter ist zu beachten, dass es sich bei der Unterscheidung von</span><br/> <span class="ft1">Haupt- oder Nebenwohnsitz um eine registertechnische Zuordnung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">477</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">handelt, welche im Wesentlichen durch das Bundesrecht bestimmt</span><br/> <span class="ft1">wird und insofern in der Hauptsache einem statistischen Zweck</span><br/> <span class="ft1">dient. Die Niederlassungsfreiheit ist auch unabhängig von der kon-</span><br/> <span class="ft1">kreten meldetechnischen Zuordnung gewährleistet. Die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin bringt diesbezüglich auch nichts vor, was darauf schliessen</span><br/> <span class="ft1">würde, dass sie durch die bisherige Meldesituation rechtliche Nach-</span><br/> <span class="ft1">teile gehabt hätte oder für die Zukunft zu gegenwärtigen hätte. So</span><br/> <span class="ft1">kann insbesondere auch das Stimmrecht in der Nebenwohnsitzge-</span><br/> <span class="ft1">meinde ausgeübt werden (vgl. § 4 Abs. 2 GPR).</span><br/> <span class="ft1">c)</span><br/> <span class="ft1">Unter Würdigung des sich aus den Akten ergebenden Sachver-</span><br/> <span class="ft1">halts ist anzunehmen, dass der Eintritt ins Alters- und Pflegeheim im</span><br/> <span class="ft1">September 2004 bei guter Gesundheit, insofern auch aus freien</span><br/> <span class="ft1">Stücken, erfolgte. Demnach wäre eine Anmeldung damals wohl</span><br/> <span class="ft1">denkbar gewesen. Weshalb dies unterlassen wurde, lässt sich zum</span><br/> <span class="ft1">heutigen Zeitpunkt nicht mehr klären. Es sind jedenfalls keine derar-</span><br/> <span class="ft1">tigen Bemühungen durch die Beschwerdeführerin belegt. Ohnehin ist</span><br/> <span class="ft1">die damalige Meldesituation über Jahre hinweg belassen worden</span><br/> <span class="ft1">(auch über die von der Beschwerdeführerin genannte 5-Jahres-Frist</span><br/> <span class="ft1">hinaus), so dass davon ausgegangen werden kann, sie sei mit der</span><br/> <span class="ft1">Meldesituation einverstanden gewesen. Es besteht demnach keine</span><br/> <span class="ft1">Veranlassung darauf zurückzukommen. Darüber hinaus ist auch der</span><br/> <span class="ft1">Zweck des Meldewesens (siehe oben Erwägung 2.c)) zu berücksich-</span><br/> <span class="ft1">tigen. Der polizeiliche (wie auch der statistische) Zweck entfällt</span><br/> <span class="ft1">nämlich weitgehend in Bezug auf vergangene Verhältnisse. Bei Strei-</span><br/> <span class="ft1">tigkeiten über An- und Abmeldungen ist deshalb regelmässig auf die</span><br/> <span class="ft1">aktuelle Meldesituation abzustellen.</span><br/> <span class="ft1">d)</span><br/> <span class="ft1">Wie oben angeführt, ist der Gesundheitszustand von B. mit ein</span><br/> <span class="ft1">relevantes Indiz für die Möglichkeit der Begründung eines Haupt-</span><br/> <span class="ft1">wohnsitzes. Nachdem sich dieser seit dem Zeitpunkt der Gesuchs-</span><br/> <span class="ft1">einreichung vom September 2010 verbessert hat und damit ein we-</span><br/> <span class="ft1">sentliches Argument des Gemeinderats (BESA-Einstufung 3 und hö-</span><br/> <span class="ft1">her, worauf er auch die angefochtene Verfügung abstützt) hinfällig</span><br/> <span class="ft1">geworden ist, ist es gerechtfertigt die Meldesituation von B. neu ab-</span><br/> <span class="ft1">zuklären. Da es nicht Aufgabe der Beschwerdeinstanz sein kann, der-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">478</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">artige erstinstanzliche Erhebungen zum relevanten Sachverhalt bei</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin, der Altersheimleitung oder anderen geeig-</span><br/> <span class="ft1">neten Auskunftsstellen selbst zu tätigen, ist das Verfahren an den Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat zurückzuweisen, damit dieser die dazu erforderlichen Ab-</span><br/> <span class="ft1">klärungen in die Wege leiten kann.</span><br/></div> </div> </body> </html>