Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 19. November 2014 (810 14 293) ___________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Aufhebung Entzug Aufenthaltsbestimmungsrecht/Sozialpädagogische Familienbeglei- tung/Aufsuchen der Mütterberatung/Beistandschaft/Anordnung Besuchsrecht Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen , Helena Hess, Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Parteien A.____ , Beschwerdeführe rin , vertreten durch Silvan Ulrich , Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Beschwerdege g- nerin Beigeladener C.____ , vertreten durch Corinne Gadola , Advokatin Betreff Aufhebung Entzug Aufenthaltsbestimmungsrech t/Sozialpädagogische Familienbegleitung/Aufsuchen der Mütterberatung/Beistandschaft/ Anordnung Besuchsrecht (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 30. September 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 7. März 2014 teilte C.____ der Kindes- und Erwa chsenenschutzbehörde B.____ (KESB) mit, dass die von ihm im 8. Monat schwangere A.__ __ in desolaten Wohnverhältnissen lebe und das Wohl des Säuglings in dieser Umgebung gefährdet wäre. B. Am 10. April 2014 übermittelte die Hebamme D.___ _ der KESB eine Gefährdungsmel- dung betreffend A.____, von welcher sie zwecks Unterstützu ng bei der Geburt aufgesucht wor- den sei. C. Daraufhin führte die KESB am 17. April 2014 eine n unangemeldeten Hausbesuch bei A.____ durch, wobei ihr der Zutritt in das Innere der Liegenschaft verwehrt wurde. D. Am 9. Mai 2014 informierte C.____ die KESB darüb er, dass am Vorabend das Kind E.____ im Kantonsspital F.____ geboren worden sei. E. Mit Präsidialentscheid der KESB vom 9. Mai 2014 wurd e der Kindsmutter A.____ die elterliche Obhut über E.____ gestützt auf Art. 310 Ab s. 1 ZGB per sofort vorläufig entzogen. E.____ wurde per sofort vorläufig in der Wöchnerinnen -Station des Kantonsspitals F.____ und später in einem Mutter-Kind-Haus platziert. Überdies wu rde für E.____ eine Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB errichtet, wobei als B eistand G.____, Berufsbeistandschaft B.____, ernannt wurde. Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzo- gen. F. Mit Eingabe vom 11. Mai 2014 reichte A.____ der KE SB eine Stellungnahme zu den angeordneten Massnahmen ein, in welcher sinngemäss um de ren Aufhebung ersucht wurde. Die KESB führte am 12. Mai 2014 eine mündliche Anhör ung von A.____ und am 14. Mai 2014 eine Besichtigung des Inneren der Liegenschaft durch. G. Am 15. Mai 2014 erhob A.____ gegen den Entscheid der KESB vom 9. Mai 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), welche mit Urteil der Präsidentin vom 12. Juni 2014 (Verfahren 810 14 133) nach vorgängiger Durchführung einer Parteiverhandlung abgewiesen wurde. Das Bundesge- richt ist auf die dagegen erhobene Beschwerde nicht eing etreten (Urteil des Bundesgerichts 5A_579/2014 vom 18. August 2014). H. Am 25. Juni 2014 erhob A.____, vertreten durch Silva n Ulrich, Advokat, beim Kantons- gericht Beschwerde wegen Rechtsverweigerung/Rechtsverzögerung. Sie stellte das Begehren, es sei der Entscheid der KESB vom 9. Mai 2014 aufzuhebe n (Ziffer 1). Eventualiter sei die Auf- hebung dieses Entscheids mit der Einsetzung eines neuen E rziehungsbeistands zu verbinden (Ziffer 2). Subeventualiter sei die KESB anzuweisen, bi s zum 30. Juni 2014 einen neuen Ent- scheid zu treffen, unter Androhung einer angemessenen Strafzahlung (Tagessatz: Fr. 200.--) im Unterlassungs- bzw. Verzugsfall (Ziffer 3). Die Beschwerd e wurde vom Kantonsgericht gutge- heissen, soweit darauf eingetreten wurde. Über die B egehren um Aufhebung bzw. Änderung des Entscheids der Beschwerdegegnerin vom 9. Mai 2014 (R echtsbegehren Ziffer 1 und 2) wurde bereits mit Urteil der Präsidentin vom 12. Juni 2 014 entschieden. Ebenfalls nicht einge- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht treten wurde auf den Antrag der Beschwerdeführerin, es sei die Anweisung auf Erlass eines Entscheids mit der Androhung einer angemessenen Strafza hlung im Unterlassens- bzw. Ver- zugsfall zu verbinden. I. Mit Präsidialentscheid der KESB vom 7. Juli 2014 wur de dem Kindsvater C.____ vor- sorglich ein Besuchsrecht für E.____ eingeräumt. Auf die von der Beschwerdeführerin am 9. Juli 2014 dagegen erhobene Beschwerde wurde mit U rteil der Präsidentin des Kantonsge- richts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, vom 28. Juli 2014 nicht eingetreten (Ver- fahren 810 14 188). J. Mit Entscheid der KESB vom 30. September 2014 wurde der Entzug des elterlichen Aufenthaltsbestimmungsrechts der Beschwerdeführerin über E.____ per 1. Oktober 2014 auf- gehoben (Ziffer 1) und die Platzierung von E.____ in der H.____-Stiftung ebenfalls per 1. Oktober 2014 beendet (Ziffer 2). Weiter wurde di e für E.____ errichtete vorläufige Beistand- schaft als definitive Massnahme bestätigt und G.____ defi nitiv als Beistand ernannt. Seine Auf- gaben umfassen die Rückführung von E.____ und der Kind smutter in die Herkunftsfamilie, die Organisation und Durchsetzung einer sozialpädagogischen Familienbegleitung (Familienbeglei- tung), die Koordination und Kontrolle der Sitzungen bei der Mütterberatung sowie die monatli- che Berichterstattung über den Ablauf des Besuchsrechts des Kindsvaters, C.____ (Ziffer 3). Entsprechend wurde für E.____ eine wöchentliche Familienbegleitung für die Dauer von vorerst 6 Monaten angeordnet (Ziffer 4). Parallel dazu habe die Kindsmutter alle vierzehn Tage die Mütterberatung aufzusuchen und der KESB die Besuche mo natlich zu belegen (Ziffer 5). Bis zum 15. Dezember 2014 wurde dem Kindsvater ein Besuchsrech t im Umfang von mindestens dreimal wöchentlich für jeweils zwei Stunden eingeräum t (Ziffer 6); die Kindsmutter wurde an- gewiesen, E.____ dabei kindsgerecht zu übergeben (Zif fer 7). Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Ziffer 8). K. Gegen den Entscheid der KESB vom 30. September 201 4 erhob die Beschwerdeführe- rin, wiederum vertreten durch Silvan Ulrich, Advokat, am 13. Oktober 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie beantragt die Aufhebung der Ziffe rn 3 bis 8 des angefochtenen Entscheids und in verfahrensrechtlicher Hinsicht zusätzlich den Beizug der Verfahrensakten 810 14 133 und 810 14 169. Unter o/e-Kostenfolge, wobei der Besc hwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen sei. L. Mit Präsidialverfügung vom 14. Oktober 2014 wurde von der superprovisorischen Ertei- lung der aufschiebenden Wirkung abgesehen. Ferner wurd en die Akten der Verfahren 810 14 133 und 810 14 169 beigezogen. M. Mit Eingabe vom 28. Oktober 2014 beantragt der Bei geladene C.____, vertreten durch Corinne Gadola, Advokatin, es sei die aufschiebende Wir kung nicht zu erteilen, und die Akten der Verfahren 810 14 133 und 810 14 169 beizuziehen. Unter o/e-Kostenfolge, wobei dem Bei- geladenen die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen sei. Gleichentags liess sich auch die KESB vernehmen und hält hinsichtlich der aufschiebende n Wirkung an deren Entzug fest. Sie macht geltend, es liege nach wie vor eine Kindswohlgef ährdung vor, welche einerseits in den Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht unzumutbaren Wohnverhältnissen und andererseits im geschl ossenen Familiensystem der Grossfamilie I.____ begründet liege. Sie beantragt d eshalb die Durchführung eines Augen- scheins. Dieser wurde mit präsidialer Verfügung vom 7. November 2014 angeordnet. N. Am 3. November 2014 reichte die Beschwerdeführerin eine ergänzende Beschwer- debegründung ein. O. Mit Präsidialverfügung vom 7. November 2014 wurde d er Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen. Gleichzeitig wurde das Gesuch der Beschw erdeführerin um Erteilung der auf- schiebenden Wirkung begründet abgewiesen, dasjenige um B ewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen. Am 11. November 2014 hat die Beschwerdeführerin Einsprache gegen die Nichterteilung der aufschiebenden Wirkung erhoben. P. Die Beschwerdegegnerin liess sich am 13. November 2014 vernehmen und beantragt die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Q. Mit Fax-Eingabe vom 17. November 2014 reichte die K ESB die E-Mail der H.____ vom 23. September 2014 nach. R. Mit Fax-Eingabe vom 19. November 2014 orientierte die Beschwerdeführerin das Kan- tonsgericht darüber, dass sie eine Klage auf Bezahlung des Kindesunterhalts einreichen muss- te, weil der Kindsvater nicht bezahle. Hinsichtlich des a uf den gleichen Tag angesetzten Au- genscheins teilte sie dem Gericht mit, dass dem beigeladen en Kindsvater sowie seiner Rechts- vertreterin der Zutritt zum Haus verwehrt würde. Der Be igeladene nahm zur Fax-Eingabe der Beschwerdeführerin vom 19. November 2014 gleichentags S tellung. Insbesondere weist er auf seine (angeblich) am 18. November 2014 eingereichten Lo hnabrechnungen hin, aus welchen ersichtlich sei, dass er keine Kinderzulagen erhalte. S. Anlässlich der heutigen Verhandlung hat das Kanton sgericht vorgängig einen Augen- schein in den Räumlichkeiten an der X.____strasse 3, J.____, durchgeführt. Die Parteien sowie der Beigeladene und seine Rechtsvertreterin haben sich explizit daraufhin verständigt, dass die Rechtsvertreterin des Beigeladenen die Räumlichkeiten b etritt, der Beigeladene hingegen auf den Zutritt verzichtet. An der anschliessenden Parteiver handlung haben die Parteien an ihren schriftlich gestellten Anträgen festgehalten. Auf die Ei nzelheiten der Parteistandpunkte wird, soweit erforderlich, in den Urteilserwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz buches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann ge gen Entscheide einer Kindesschutzbe- hörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werd en. § 66 Abs. 1 des kantonalen Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsgericht, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfah ren richtet sich nach den Art. 450 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ZGB bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmunge n des kantonalen Verwaltungspro- zessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Demnach ist d ie Fünferkammer der Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Be- schwerde zuständig (§ 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungsprozess- ordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Nach Art. 450 A bs. 2 ZGB sind Personen zur Be- schwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff . 1), die der betroffenen Person nahe ste- hen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Intere sse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist als direkte Verfahrensbe- teiligte zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch d ie übrigen formellen Voraussetzungen gegeben sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. Allerdings auferlegt sich das Kantonsgericht entsprechend der Rechtsprechung des Bundesgerichts bei de r Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe und bei der Ermessenskontrolle eine gewisse Zurückhaltung. Dies insbesondere deshalb, weil die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden als Fachbehörden anzusehen sind (vgl. Art. 440 Abs. 1 ZGB). Verfügt eine Behörde über besonderes Fachwissen, so ist ihr bei der Bewertung von ausgesprochenen Fachfragen ein gewisser Beurteilungsspielraum zu belassen, soweit sie die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkt e geprüft und die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat ( vgl. DANIEL STECK , in: Thomas Gei- ser/Ruth E. Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwach senenschutz, Basel 2012, Art. 450a N 17 ff.; U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungs- recht, 6. Auflage, Zürich 2010, N 446c f.; Urteil des K antonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 8. Mai 2013 [810 13 10], E. 1.4; BGE 135 II 384 E. 2.2.2, jeweils mit weiteren Hinweisen). 2. Vorliegend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht e ine Erziehungsbeistandschaft (Ziffer 3) errichtet, eine aufsuchende wöchentliche Fa milienbegleitung (Ziffer 4) resp. eine vier- zehntägige Mütterberatung (Ziffer 5) für die Dauer vo n jeweils sechs Monaten angeordnet und dem Kindsvater ein minimales Besuchsrecht eingeräumt hat (Ziffer 6). 3.1 Gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB ist die KESB dazu verpf lichtet, bei einer Gefährdung des Kindeswohls die geeigneten Massnahmen zum Schutze des Kin des zu ergreifen, wenn die El- tern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder dazu ausserstande sind. In diesem Rahmen sind beispielsweise Weisungen, mit welchem ein Elternteil ve rpflichtet wird, bei einer geeigneten Therapie wie der sozialpädagogischen Familientherapie teilzunehmen, gestattet (Y VO BIDERBOST , in: Breitschmid/Rumo-Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Personen- und Familienrecht inkl. Kindes- und Erwachsene nschutz, 2. Auflage, Zü- rich/Basel/Genf 2012, N 16 zu Art. 307). Erfordern e s die Verhältnisse, ernennt die KESB dem Kind gestützt auf Art. 308 Abs. 1 ZGB einen Beistand, der die Eltern in ihrer Sorge um das Kind mit Rat und Tat unterstützt. Die Beistandschaft zielt au f aktives, autoritatives und kontinuierli- ches Einwirken auf die Erziehungsarbeit der Eltern und d as Gebaren des Kindes ab (P ETER Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht BREITSCHMID , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Z ivilgesetzbuch I, Art. 1 - 456 ZGB, 4. Auflage, Basel 2010, N 2 zu Art. 308). Die Erziehungsbeistandschaft soll durch Kontakt mit Eltern und Kind erzieherische Missstände abbauen. Dem Beistand stehen dafür Instrumente wie Vermittlung, Anleitung oder Weisung gegenüber d en Eltern, dem Kind und Dritten zur Ver- fügung, wobei alle Beteiligten zur Zusammenarbeit m it dem Beistand verpflichtet sind. Das el- terliche oder familiäre Umfeld bleibt erhalten, soll aber durch stete persönliche Kontakte (insbe- sondere auch Hausbesuche) beobachtet werden. Der Beistand ist Vertrauens- und Ansprech- person aller Betroffenen und soll zum Kind eine tragf ähige Beziehung aufbauen (P ETER BREITSCHMID, a.a.O., N 4 zu Art. 308). 3.2 Kindesschutzmassnahmen bezwecken im Allgemeinen die Ab wendung einer Gefähr- dung des Kindeswohls (C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Auflage, Bern 1999, N 27.09). Von einer Gefährdung des Kindeswohls wird na ch herrschender Auffassung dann ausgegangen, wenn nach den konkreten Umständen die ernstliche Möglichkeit einer gegenwär- tigen oder zumindest unmittelbar bevorstehenden Gefahr für die Kindesentwicklung abzusehen ist, die bei ihrer Fortdauer eine erhebliche Beeintr ächtigung des physischen oder psychischen Wohls des Kindes voraussehen lässt (P ETER BREITSCHMID , a.a.O., N 18 zu Art. 307; A LBERT GULER , in: Jolanta Kren Kostkiewicz et al. [Hrsg.], Orell Füssli Kommentar zum Zivilgesetzbuch, 2. Auflage, Zürich 2011, N 5 zu Art. 307; P ATRICK FASSBIND , Systematik der elterlichen Perso- nensorge in der Schweiz, Basel 2006, S. 357). Unerheb lich ist, auf welche Ursachen die Ge- fährdung zurückzuführen ist: Sie können in den Anlagen od er in einem Fehlverhalten des Kin- des, der Eltern oder der weiteren Umgebung liegen. D esgleichen spielt es keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefährdung trifft. Massgebend sind die Verhältnisse im Zeitpunkt der Anordnung. Alle Kindesschutzmassnahmen müssen erforderlich sein (Subsidiarität), und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme a nzuordnen (Proportionalität); diese sollen elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergä nzen (Komplementarität, vgl. Art. 389 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB, s. zum Ganze n HEGNAUER , a.a.O., N 27.10 ff.; Urteil des Bundesgerichts 5A_701/2011 vom 12. März 2012 E. 4.2 .1, in: FamPra.ch 2012, S. 821 mit weiteren Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung). 3.3 Für die Ernennung eines Beistands wird gemäss Art. 308 Abs. 1 ZGB vorausgesetzt, dass die Verhältnisse den Einsatz einer solchen erfordern. Das heisst, es braucht zunächst eine rechtsrelevante Gefährdung des Kindeswohls und impliziert gleichzeitig, dass die Massnahme alle Aspekte der Verhältnismässigkeit berücksichtigen muss (Y VO BIDERBOST , a.a.O., N 3 zu Art. 308). Der Begriff des Kindeswohls entzieht sich eine r genauen Definition, vielmehr sind zu dessen Beurteilung sämtliche Umstände im Einzelfall zu beachten. Unter Gefährdung wird im Allgemeinen die objektiv fassbare Gefahr einer Beeintr ächtigung des körperlichen, sittlichen oder geistigen Wohls verstanden. Diese muss – wenn auch re gelmässig prognostische Elemen- te miteinzubeziehen sind – einigermassen konkret sein (Y VO BIDERBOST , a.a.O., N 9 zu Art. 307). Vorausgesetzt ist ferner eine Gefährdung de s Kindeswohls von bestimmter Erheb- lichkeit. Für die generelle Aufgabe nach Art. 308 Abs. 1 ZGB muss der zugrunde liegende Tat- bestand der Natur der Sache nach im generellen Bedür fnis nach begleitender Hilfe und Unter- stützung liegen, während für die Hilfestellung nach A rt. 308 Abs. 2 ZGB ein besonderer Schwä- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht chezustand bei der Erfüllung der Einzelaufgabe festzustellen ist (YVO BIDERBOST , a.a.O., N 5 zu Art. 308). 3.4 Die Vorinstanz hielt in der Begründung des angefo chtenen Entscheids zusammenge- fasst fest, aufgrund der Gefährdungsmeldungen und der Beobachtungen der KESB sei zu be- fürchten, dass die Beschwerdeführerin in desolaten Woh nverhältnissen lebe, welche nicht den Bedürfnissen eines Neugeborenen entsprechen würden. Auf grund des geschlossenen Famili- ensystems sei die Betreuung von E.____ durch die Beschwer deführerin womöglich nicht mehr gewährleistet. Da die Kindsmutter offenbar in der Lag e sei, die Versorgung und Pflege von E.____ ausserhalb der H.____ selbständig zu übernehmen , sei der weitere Aufenthalt in einem Mutter-Kind-Heim nicht mehr eine geeignete und erfo rderliche Massnahme. Das Ziel der ange- ordneten Kindesschutzmassnahmen sei, die Kindsmutter auch nach der Heimkehr in ihr Wohn- haus in ihrer Betreuungsfunktion, wie sie diese in de r H.____ ausgeführt hat, zu unterstützen und zu stärken. 3.5 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die angeordn ete Beistandschaft entbehre mangels Erforderlichkeit jeglicher Grundlage und verletze dadurch das Prinzip der Subsidiarität. Der eingesetzte Beistand sei ungeeignet, weil er einseitig die Interessen des Kindsvaters vertre- te und sich bis anhin nicht um die Durchsetzung von Unterhalt gekümmert habe. Ebenfalls fehle eine gesetzliche Grundlage in Bezug auf die Anordnung einer aufsuchenden Familienbegleitung bzw. der Mütterberatung, weil es dabei einzig darum ge he, den Familienkreis I.____ aufzubre- chen. Hinsichtlich der Mütterberatung sei zu vermerken, dass die Beschwerdeführerin diese freiwillig wahrnehme und es deshalb keiner behördlich en Anordnung bedürfe. Das verfügte Be- suchsrecht liege nicht im Kindswohl begründet, sondern e ntspreche einzig den Interessen des Kindsvaters, was nicht erstaunlich sei, da dieser ein Be kannter der Präsidentin der KESB sei. Nach neuen kinderpsychologischen Erkenntnissen reiche es aus, wenn das Besuchsrecht ohne Mutter mindestens einmal pro Woche stattfinde. Zusamme nfassend seien daher die Ziffern 3 bis 8 im angefochtenen Entscheid aufzuheben. 3.6 Die Vorinstanz beantragt in ihrer Eingabe vom 13. November 2014 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde und begründet dies vornehmli ch damit, dass das geschlossene Familiensystem der Familie I.____ eine Kindswohlgefährd ung darstelle. In einem geschlosse- nen Familiensystem aufwachsende Kinder könnten Entwicklungsstörungen kognitiv-emotionaler Art oder Störungen des Sozialverhaltens aufweisen. Da d ie Kindsmutter ihre elterliche Kompe- tenz in diesem Familiensystem nicht mehr vollumfänglich wa hrnehmen könne, sei die Anord- nung betreffend Familienbegleitung und Mütterberatu ng erforderlich. Auch die Beistandschaft sei notwendig, um die angeordneten Massnahmen umzusetze n. Schliesslich räumt sie die Be- fangenheit der Präsidentin der KESB ein, welche sich de shalb von Beginn an im Ausstand be- finde. Im Übrigen verweist sie auf die Vorakten und die Stellungnahme vom 28. Oktober 2014. 4.1 Aus den vorinstanzlichen Akten geht hervor, dass die Vorinstanz in der vorliegenden Angelegenheit verschiedene Abklärungen vorgenommen hat. Aufgrund der Gefährdungsmel- dungen hat sie mit Entscheid vom 9. Mai 2014 der Kindsmu tter die elterliche Obhut entzogen und E.____ vorläufig in der Wöchnerinnen-Station de s Kantonsspitals F.____ und später in ei- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nem Mutter-Kind-Haus platziert. Gleichzeitig wurde ein e Beistandschaft errichtet und G.____ als Beistand eingesetzt (Schreiben des Kindsvaters vom 7. M ärz 2014, Gefährdungsmeldung der Hebamme D.____ vom 10. April 2014, Präsidialentsch eid KESB vom 9. Mai 2014). Am 12. Mai 2014 wurde die Beschwerdeführerin betreffend Prüfung von Kindesschutzmassnahmen angehört (vgl. Anhörungsprotokoll KESB vom 12. Mai 2014). Die Vorinstanz hat sich beim Kan- tonsspital F.____ erkundigt, wie die Beschwerdeführer in mit ihrem Sohn umgehe. Die Pflege- fachfrauen würden den Umgang als liebevoll beschreiben. Wenn das Kind schreie, sei die Kindsmutter noch etwas unsicher. Sie würde beim Stille n unterstützt; das Wickeln des Kindes führe sie unaufgefordert, eigenständig und gut durch. Aufgrund der Einschätzung der Pflege- fachfrauen würde die Beschwerdeführerin noch eine daue rhafte Begleitung im Umgang mit ih- rem Sohn benötigen (vgl. Schreiben Kantonsspital F.___ _ vom 15. Mai 2014). Nachdem die Beschwerdeführerin sich weigerte, das bis anhin dem Kin dsvater einvernehmlich eingeräumte Besuchsrecht weiterhin zu gewähren, ordnete die KESB ei n vorsorgliches Besuchsrecht an (Schreiben Beschwerdeführerin vom 25. Juni 2014, Präsid ialentscheid der KESB vom 7. Juli 2014). Nach Anhörung der Kindsmutter zum vorsorglichen B esuchsrecht bzw. Obhutsentzug hat die KESB mit Entscheid vom 18. August 2014 ein defi nitives Besuchsrecht in der H.____ verfügt (vgl. Anhörungsprotokoll KESB vom 6. August 2014) . Anschliessend erhielt auch der Kindsvater Gelegenheit, sich zum vorsorglichen Entscheid vo m 9. Mai 2014 zu äussern (Anhö- rungsprotokoll der KESB vom 25. September 2014). Der Erziehungsbeistand äusserte sich im Rahmen seines Situationsberichts dahingehend, dass die Zu sammenarbeit mit dem Kindsvater gut verlaufe, während kein direkter Kontakt zur Kindsmutter möglich sei. Er sei besorgt, weil die Kindsmutter dem Kindsvater den Kontakt zu E.____ vollständig verweigere und weise nochmals auf ihre angebliche Abhängigkeit von “höheren“ Instanze n wie die Familie oder den Anwalt hin (Situationsbericht G.____ vom 25. Juli 2014). Weiter hat die Vorinstanz bei der H.____ einen Standortbericht eingeholt. Demgemäss zeichne sich die Kin dsmutter durch einen positiven und umsichtigen Umgang mit E.____ aus. Die ihr zugetragenen Ratschläge wie auch die weiterfüh- rende Hilfe des Kinderarztes und der Mütterberatung K. ____ im Rahmen der ordentlichen Rou- tineuntersuchungen nahm sie willig an. Die zuständige Hebamme sei überzeugt, die Beschwer- deführerin könne E.____ auch ausserhalb der H.____ selb ständig und qualitativ gleich gut be- treuen (Schreiben der H.____ vom 25. Juli 2014). Fer ner bemühte sich die Vorinstanz verge- bens um ein Erstgespräch zwischen der Beschwerdeführerin, ihrer Schwester L.____ und der Familienbegleitung resp. dem Beistand (vgl. etwa Schreiben der KESB vom 11. August 2014). 4.2 Anlässlich der heutigen Verhandlung führt die Besch werdeführerin aus, sie sei mit der errichteten Beistandschaft nicht einverstanden. Die Geei gnetheit des gewählten Beistands wird von der Beschwerdeführerin nicht mehr explizit in Abrede gestellt und es bestehen auch keine Anzeichen dafür, dass der ernannte Beistand nicht geei gnet ist. Aus Sicht der Beschwerdefüh- rerin sei eine Beistandschaft nicht erforderlich, da d er Kindsvater E.____ – wie von der KESB angeordnet – dienstags, donnerstags und sonntags für je zw ei Stunden sehe. Die Betreuung von E.____ sei sichergestellt, auch wenn die Beschwerdeführerin aktuell wieder zu 100% arbei- te. Während ihrer Abwesenheit würde E.____ abwechslu ngsweise von ihrer Mutter, der Schwester oder der Nichte betreut. Ferner bestätigt di e Beschwerdeführerin heute nochmals, nicht aus der X.____strasse 3 in J.____ ausziehen zu wollen. Es sei dem Kindswohl nur zuträg- lich, nicht ständig den Wohnort wechseln zu müssen. Sie verfüge ferner über ein gutes Verhält- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht nis zu ihren Schwestern. Es gehe bei den vorliegenden An ordnungen einzig um das Aufbre- chen des “geschlossenen Familiensystems“ und nicht um die Er ziehungsfähigkeit der Be- schwerdeführerin, welche massgebend sei und von der KES B nicht in Abrede gestellt würde. Dennoch halte sie an den angeordneten Kindesschutzmassna hmen fest, was unhaltbar sei. Das Wohnhaus sei zwar tendenziell eng und vielleicht auch etwas aussergewöhnlich, es sei jedoch sauber und biete E.____ genügend Platz. Das Haus stehe zudem unter Denkmalschutz, weshalb keine grösseren Veränderungen vorgenommen werden könnten. An der heutigen Be- fragung bestätigt die Beschwerdeführerin ferner die nicht vorhandene Kommunikation zum Kindsvater. Sie räumt auch ein, dass sie dazu aktuell nic ht bereit sei; vielmehr komme für sie derzeit nur eine Verständigung über die Anwälte in Fr age. Sie besuche die Mütterberatung re- gelmässig, jedoch nicht in K.____, sondern im M.____. A ufgrund der freiwilligen Besuche erüb- rige sich die diesbezügliche behördliche Anordnung. 4.3 Demgegenüber erklärt die Vorinstanz an der heutig en Verhandlung, die Familienbe- gleitung sei angeordnet worden, um die Betreuung und Pflege von E.____ sicherzustellen, und die Mütterberatung um die gesundheitliche Entwicklung des Kindes zu gewährleisten. Gemäss Abklärung des Beistands nehme die Beschwerdeführerin die Mütterberatung in K.____ nicht mehr wahr, seit sie aus der H.____ ausgetreten sei (vgl. E-Mail von G.____ vom 7. November 2014). Die Vorinstanz bestätigt das Vorbringen der Besch werdeführerin, wonach wohl keine Kindesschutzmassnahmen verfügt worden wären, würde die B eschwerdeführerin alleine woh- nen. Die Vorinstanz führt aus, die Beschwerdeführerin als erziehungsfähig einzustufen; sie zweifle hingegen an der Erziehungsfähigkeit der Betreu ungspersonen und gesamthaft am vor- handenen Familiensystem, sie sieht darin eine Gefährdung von E.____ (vgl. dazu E. 3.7). Ein weiterer gefährdender Faktor liege nach wie vor in de n unklaren Wohnverhältnissen begründet, zumal nach dem heutigen Augenschein nicht feststehe, ob im Rahmen einer einmaligen Auf- räumaktion akzeptable Wohnverhältnisse geschaffen worden seien oder ob dieser Zustand dauerhaft sei. Für die Anordnung von Kindesschutzmassnahm en bedürfe es schliesslich keiner Schädigung, eine Gefährdung des Kindeswohls reiche aus, weshalb die Anordnungen aufrecht- zuerhalten seien. Der Kindsvater bestätigt anlässlich der heutigen Parteiv erhandlung, dass er sein Besuchsrecht regelmässig wahrnehme. Die Übergabe von E.____ erfolg e jedoch entweder über die Mutter oder die Schwester der Beschwerdeführerin; sie selber se i bis anhin nie anwesend gewesen. Die Beschwerdeführerin verweigere die persönliche Komm unikation vollständig, was nicht an- gehen könne, da auch er in Bezug auf die Kinderbelage das Recht habe, informiert zu sein. Insbesondere deshalb halte er dafür, die errichtete Beistandschaft beizubehalten. 4.4 Auf der Grundlage der vorstehenden Feststellungen gelan gt das Kantonsgericht mit der Vorinstanz zunächst zum Schluss, dass im vorliegenden F all grundsätzlich eine Indikation für die Anordnung von Kindesschutzmassnahmen gegeben ist. 4.4.1 Zunächst ist zu prüfen, ob die Anordnung des Besu chs der Mütterberatung alle 14 Ta- ge zu Recht erfolgt ist. An der heutigen Anhörung füh rt die KESB aus, dass es bei der Mütter- beratung um Fragen bezüglich Stillen, Ernährung, Pfle ge, Erziehung und Entwicklung des Kin- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht des geht, wobei die gesundheitliche Entwicklung des Kind es im Vordergrund stehe. Die Kinds- mutter könne sich aber auch bei medizinischen oder psychos ozialen Fragen beraten lassen. Die Beschwerdeführerin war zu Beginn ihres Mutterdase ins mit Pflege und Versorgung von E.____ unbestrittenermassen etwas überfordert. Die im Rahmen ihres Aufenthalts erhaltenen diesbezüglichen Ratschläge hat sie positiv aufgenommen und umgesetzt. Die Mütterberatung findet regelmässig statt, was den Vorteil mit sich bringt , dass dadurch eine zeitnahe Beratung der Beschwerdeführerin bei allfälligen Fragen oder Sch wierigkeiten ermöglicht wird. Überdies wird kein Bericht über diese Besprechungen erstellt, w as allenfalls eine offenere Kommunikati- on fördert. Entgegen der Behauptung der Beschwerdefü hrerin geht es bei der Anordnung der Mütterberatung nicht um die “Aufspaltung des Familie nsystems I.____“, sondern vielmehr da- rum, die Beschwerdeführerin und E.____ in gesundheitlichen oder psychosozialen Belangen zu unterstützen. Die Mütterberatung erweist sich sodann als sinnvolle Ergänzung zur Beistand- schaft, zumal der ernannte Beistand in diesem Bereich womöglich nicht umfassend Hand bieten kann. Die Beschwerdeführerin hat anlässlich der heutigen Parteiverhandlung ausgeführt, dass sie die Mütterberatung bereits freiwillig aufsuche. Da sie die Besuche jedoch nicht belegen konnte, erscheint eine behördliche Anordnung als gerechtf ertigt. Eine weitere Unterstützung in diesem spezifischen Bereich verletzt daher den Grundsatz der Subsidiarität nicht. Die Mütterbe- ratung als Weisung im Sinne von Art. 307 Abs. 1 ZGB ist in der Stufenfolge der Kindesschutz- massnahmen zuunterst angesiedelt und im vorliegenden Fall auf sechs Monate beschränkt. Sie erweist sich vor diesem Hintergrund als mit dem Grundsat z der Verhältnismässigkeit vereinbar und der angefochtene Entscheid ist hinsichtlich der ange ordneten Mütterberatung nicht zu be- anstanden. 4.4.2 In Bezug auf die angeordnete aufsuchende Famili enbegleitung ist zunächst festzuhal- ten, dass es dabei vornehmlich um Erziehungs- und Famil ienhilfe geht. Die Vorinstanz führt aus, dass die Erziehung eines Kindes bereits im Zeitpunkt der Geburt beginne und daher eine solche Hilfestellung geboten sei. Auch wenn die Erziehungsaufgabe der Eltern grundsätzlich ab Geburt beginnen mag und das Angebot der Familienbegl eitung grundsätzlich zu befürworten ist, ist deren Anordnung im vorliegenden Fall deshalb n och nicht gerechtfertigt. Gemäss der Vorinstanz würden das “geschlossene Familiensystem“ sowie die “gesundheitsgefährdenden Wohnverhältnisse“ die Anordnung einer Familienbeglei tung notwendig machen (vgl. etwa Ver- nehmlassung KESB vom 28. Oktober 2014, S. 2). Konkrete A nhaltspunkte, welche zufolge des “geschlossenen Familiensystems“ auf eine mangelnde Erziehungsfähigkeit der Beschwerdefüh- rerin schliessen bzw. eine Kindeswohlgefährdung befürchte n liessen, sind jedoch nicht ersicht- lich. Vielmehr ist das Gericht anlässlich der Durchführun g des heutigen Augenscheins zum Schluss gekommen, dass die Wohnverhältnisse akzeptabel sind u nd keine Gefährdung für die Gesundheit von E.____ darstellen. Bereits diese Feststell ung lässt die verfügte Familienbeglei- tung als ungerechtfertigt erscheinen. Hinzu kommt, dass d ie Fachpersonen der Familienbeglei- tung ihre Unterstützung bei der Beschwerdeführerin zu Hause umsetzen würden, wodurch nicht nur die Beschwerdeführerin und ihr Kind, sondern alle im gleichen Haushalt lebenden Famili- enmitglieder betroffen wären. Die aufsuchende Famili enbegleitung weist somit eine deutlich höhere Eingriffsintensität als die Mütterberatung auf, weshalb das Gericht diese Anordnung gestützt auf die vorstehenden Ausführungen als unverhäl tnismässig erachtet. Sie ist daher auf- zuheben. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.3 Weiter ist zu prüfen, ob die Errichtung einer Er ziehungsbeistandschaft nach Art. 308 ZGB zu Recht erfolgt ist. Auseinandersetzungen resp. vollständig fehlende Kommunika tion un- ter den Eltern, wie sie vorliegend von allen Verfahre nsbeteiligten übereinstimmend geschildert werden, können eine erhebliche Gefährdung des seelische n Wohles des Kindes mit sich brin- gen. Nach Lehre und Rechtsprechung genügt deshalb für die Errichtung einer Erziehungsbei- standschaft bereits eine punktuelle Gefährdung des Kinde s bei Schwierigkeiten der Eltern im Umfeld des Besuchsrechts (Urteil des Bundesgerichts 5C.151/ 2000 vom 6. September 2000 E. 3b; BGE 108 II 372 E. 1; B REITSCHMID , a.a.O., Art. 308 N 14; Y VO BIDERBOST , Die Erzie- hungsbeistandschaft [Art. 308 ZGB], Freiburg 1996, S. 176 f.). Anlässlich der heutigen Partei- verhandlung haben die Eltern übereinstimmend ausgesag t, dass E.____ bisher nie durch die Kindsmutter, sondern jeweils von deren Schwester oder Mu tter übergeben worden ist. Die Be- schwerdeführerin hat ferner eingeräumt, dies weiterhi n so handhaben zu wollen und aus- schliesslich über die Anwälte zu kommunizieren. Auch wenn dem Kindsvater das Besuchsrecht im gewährten Umfang ermöglicht wurde, verunmöglicht die Haltung der Kindsmutter einen Aus- tausch der Eltern in Kindsbelangen. Aufgrund der vorste henden Ausführungen erscheint eine Begleitung und Unterstützung durch eine Fachperson al s sinnvolle Massnahme. Eine akute erhebliche Gefährdung des Kindeswohls, die eine über di e Mütterberatung und die Beistand- schaft hinausgehende behördliche Intervention gebieten würde, ist für das Kantonsgericht je- doch nicht ersichtlich. 5. Die Beschwerdeführerin rügt ferner das angeordnete Besuchsrecht; ein solches sei im Umfang von drei Mal wöchentlich zu je zwei Stunden unangemessen. Hinsichtlich des Besuchs- rechts gegenüber einem Kind unter einem Jahr gelte, da ss kaum ein Besuchsrecht ohne die Mutter im Ausmass von mehreren Stunden alle 14 Tage anzu ordnen sei. Vielmehr solle ge- mäss neuen kinderpsychologischen Erkenntnissen das Besuchsrecht ( nicht ohne die Mutter) jedenfalls mindestens einmal pro Woche wahrgenommen wer den, da der Zeitraum von 14 Ta- gen für das Kind zu lange sei und so eine Beziehung nich t aufgebaut werden könne (vgl. Be- schwerdebegründung vom 3. November 2014, S. 9). Gemäss A rt. 273 Abs. 1 ZGB haben El- tern, denen die elterliche Sorge oder Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind gegensei- tig Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr. Dab ei ist stets das Wohl des Kindes zu berücksichtigen. Im vorliegenden Fall ist bei der Ausgestaltung des Besuchsrechts zu beachten, dass zwischen einem Baby und dem Kindsvater ein regelmässig stattfindender Kontakt wichtig ist und der Zeitraum zwischen den Besuchen nicht allzu la nge sein darf, ansonsten keine Be- ziehung aufgebaut werden kann. Für die Beziehungsaufnah me erscheint eine Regelung, wel- che dem Kindsvater mehrere Besuche wöchentlich ermöglich t, als angemessen, soweit auch die zeitliche Verfügbarkeit aller Beteiligten eine s olche erlaubt. Dies ist vorliegend der Fall. Ein Besuchsrecht von drei Mal wöchentlich zwei Stunden förder t die Vater-Kind-Beziehung und entspricht demnach dem Kindeswohl. Insofern ist das von der KESB verfügte Besuchsrecht gemäss Ziffer 6 des angefochtenen Entscheids nicht zu be anstanden. Gestützt auf die vorste- henden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. 6. Das Einspracheverfahren betreffend die Frage der auf schiebenden Wirkung wird mit dem Entscheid in der Hauptsache gegenstandslos und kann de mentsprechend abgeschrieben werden. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsg ericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise un terliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Angesichts des Ausgangs des Verfahrens erachtet das Kantonsgericht die Auferlegung von zwei Dritteln der Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 2‘200.-- zulasten der Beschwerdeführerin und ein Drittel zulasten der Vorinstanz als gerechtfertigt. Da der Vorinstanz nach § 20 Abs. 3 und § 20 Abs. 4 VPO keine Verfahren skosten auferlegt werden können, ist der KESB kein Verfahrenskostenanteil aufzuerlegen. De r Beschwerdeführerin ist ein Verfah- renskostenanteil von Fr. 1‘467.-- aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechts- pflege geht dieser Verfahrenskostenanteil zulasten der Gerichtskasse. 7.3 Gemäss § 22 Abs. 1 VPO wird eine Partei auf ihr B egehren von der Bezahlung der Verfahrenskosten und der Kosten von Beweismassnahmen befre it, wenn ihr die nötigen Mittel fehlen und ihr Begehren nicht offensichtlich aussichtslos e rscheint. Unter den gleichen Voraus- setzungen wird einer Partei der kostenlose Beizug eines Anwaltes bzw. einer Anwältin gewährt, sofern dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig erscheint (§ 22 Abs. 2 VPO). Der Beigeladene beantragt mit Eingabe vom 28. Oktober 2014 die Gewä hrung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung und Verbeiständung mit der Advokatin Corinne Ga dola. In Berücksichtigung der erforderli- chen und anlässlich der heutigen Parteiverhandlung nachge reichten Unterlagen ist die Bedürf- tigkeit hinsichtlich der den Selbstbehalt von Fr. 900.-- übersteigenden Kosten nachgewiesen. Die Beschwerde ist zudem nicht als offensichtlich aussichtslos an zusehen und die Notwendig- keit der Verbeiständung ist gestützt auf die sich im vorlie genden Verfahren stellenden Rechts- fragen zu bejahen. Somit sind die Voraussetzungen gemäss § 22 Abs. 1 VPO für die Bewilli- gung der unentgeltlichen Rechtspflege grundsätzlich geg eben, weshalb dem entsprechenden Gesuch des Beigeladenen entsprochen werden kann, soweit die Gerichts- und Anwaltskosten den Betrag von Fr. 900.--, den der Beigeladene bestreiten kann, übersteigen. 7.4 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Gemäss dem Ausgang des Verfahrens h at die Vorinstanz einen Drittel des Honorars des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin zu be zahlen. Der in der Honorarnote vom 19. November 2014 geltend gemachte Aufwand von 15 .17 Stunden zu einem Stundenan- satz von Fr. 250.-- ist als angemessen zu beurteilen. Zusam men mit der heutigen Parteiver- handlung resultiert daraus ein Gesamtaufwand von 18.5 Stunden bzw. ein Gesamthonorar von Fr. 4‘625.00, zuzüglich Auslagen von Fr. 73.40 und 8 % MWSt, d.h. Fr. 5‘074.25. Dementspre- chend ist der unterlegenen Vorinstanz ein Drittel davon, also Fr. 1‘691.40, aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege ist dem Rechtsvertreter der Beschwerde- führerin ein Honorar im Umfang des Unterliegens, d.h . zu zwei Dritteln, zulasten der Gerichts- kasse auszurichten. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltl icher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Gemäss seiner Honorarnote vom 19. November 2014 zu einem Stundenansatz von Fr. 200.-- beläuft sich sein Honorar auf Fr. 3‘700.-- (18.5 Stunden à Fr. 200.--), zuzüglich Ausla- gen von Fr. 73.40 und 8% MWSt, d.h. insgesamt auf Fr. 4‘075.30. Daraus ergibt sich ein aus der Gerichtskasse auszurichtendes Honorar für das vorliegende Verfahren von Fr. 2‘716.85. Die Rechtsvertreterin des Beigeladenen macht in ihrer Honorarnote vom 18. November 2014 einen als angemessen zu beurteilenden Aufwand von 6 Stu nden à Fr. 200.-- geltend. Zusam- men mit der heutigen Parteiverhandlung resultiert d araus ein Gesamtaufwand von 9.5 Stunden bzw. ein Gesamthonorar von Fr. 1‘900.--, zuzüglich Auslagen von Fr. 13.-- und 8 % MWSt, d.h. Fr. 2‘066.05. Abzüglich des Selbstbehalts des Beigeladen en in der Höhe von Fr. 900.-- resul- tiert daraus ein aus der Gerichtskasse auszurichtendes Honor ar von Fr. 1‘166.05. Im Übrigen sind die Parteikosten wettzuschlagen. 7.5 Die Beschwerdeführerin und der Beigeladene werde n ausdrücklich darauf hingewie- sen, dass sie zur Nachzahlung der in diesem Verfahren in folge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet sind, sobald sie dazu in der Lage sind (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation d er Gerichte [Gerichtsorganisationsge- setz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid der Be- schwerdegegnerin vom 30. September 2014 bezüglich der Z iffern 3b, 3c und 4 aufgehoben; die übrigen Ziffern werden bestätigt. 2. Dem Beigeladenen wird für das vorliegende Verfahr en die unentgeltli- che Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Corinne Gadola, Advokatin, mit einem Selbstbehalt von Fr. 900.-- bewilligt. 3. Das Einspracheverfahren wird zufolge Gegenstandslosig keit abge- schrieben. 4. Der Beschwerdeführerin werden Verfahrenskosten in d er Höhe von Fr. 1‘467.-- auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 5. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 1‘691.40 auszurichten. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 2‘716.85 (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) zu lasten der Gerichtskasse ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird der Rechtsvertreterin des Beigeladenen eine Entschädigung i n der Höhe von Fr. 1‘166.05 (inkl. Auslagen und 8 % MWSt, abzügli ch des Selbst- behaltes des Beigeladenen in der Höhe von Fr. 900.--) zulasten der Gerichtskasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiberin Gegen diesen Entscheid wurde am 25. Februar 2015 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 5A_151/2015) erhoben.