Motion du groupe radical-démocratique 2484 N 13 décembre 1991 Zu den einzelnen Fragen: 1. Die ökologischen Landbaumethoden werden an der Abtei- lung Landwirtschaft der ETH Zürich in allen Instituten lehr- und forschungsmässig bearbeitet In der Lehre wird das gesamte Spektrum von den extensiven bis zu den intensiven Produk- tionsweisen berücksichtigt, wobei auch die ökologischen Zu- sammenhänge behandelt werden. Im Rahmen eines ergän- zenden Lehrangebotes werden besondere Probleme des bio- logischen Landbaues fallmässig diskutiert (Betriebsumstel- lungen, Marktaspekte, Tierhaltungsformen, ethische Pro- bleme usw.) und im Rahmen von Semester-, Diplom-und Dok- torarbeiten bearbeitet. Im Bereich Phytomedizin (Entomologie, Phytopathologie, Herbologie) fördern Lehre und Forschung umweltschonende Landbaumethoden. Eine Verstärkung der Forschung über ökologische Fragen wird als notwendig erachtet Ob dies mit der Schaffung einer Professur, die den gesamten Fachbereich betreuen soll, der richtige Weg ist, wird indessen bezweifelt Mit der Verstärkung einzelner Fachgebiete wie z. B. die Besetzung der vorgesehenen Professur für Herbologie kann dem Anliegen besser entsprochen werden, da die Her- bologie eine wesentliche Komponente des umweltschonen- den Pflanzenbaues darstellt 2. Die Ausbildung in ökologischen Landbaumethoden ist an den landwirtschaftlichen Techniken und Berufsschulen mit der Einführung freiwilliger Fächer an die Hand genommen worden. Das Bundesamt für Landwirtschaft hat bereits im Jahre 1988 einen Lehrplan für die Fächer «Oekologie» und «Biologischer Landbau» herausgegeben. Er findet Anwen- dung in zahlreichen Landwirtschaftsschulen. Zurzeit werden Lehrmittel für diese Stufe erarbeitet, welche den Unterricht un- terstützen. Bei der nächsten Revision des Landwirtschaftsge- setzes ist vorgesehen, dem Anliegen der Motionäre in geeig- neter Weise Rechnung zu tragen. 3. Der Bundesrat ist bereit, angemessene finanzielle Mittel für Forschungsprojekte im Bereich ökologischer und biologi- scher Landbaumethoden an Hochschulen, Forschungsan- stalten sowie im Rahmen der Forschungstätigkeit anerkannter privater Organisationen zur Verfügung zu stellen. Es wird je- doch von Fall zu Fall zu prüfen sein, ob die Forschungspro- jekte in qualitativer Hinsicht genügen, Gewähr für eine sachge- rechte und effiziente Bearbeitung geboten ist und Doppelspu- rigkeiten vermieden werden. Beim heutigen Stand der Abklärungen kann der Vorstoss nicht als Motion entgegengenommen werden. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwan- deln. Ueberwiesen als Postulat-Transmis comme postulat #ST# 90.505 Motion der freisinnig-demokratischen Fraktion Landwirtschaftspolitik Motion du groupe radical-démocratique Politique agricole Wortlaut der Motion vom 23. März 1990 Der Bundesrat wird beauftragt, zur Beseitigung der strukturel- len landwirtschaftlichen Ueberproduktion und der damit ver- bundenen Erschwernisse bei der Realisierung der einkom- menspolitischen Ziele der Agrarpolitik gesetzliche Grundla- gen für die beiden folgenden Instrumentarien zu schaffen: 1. Oeffentliche Direktzahlungen an Produzenten als Gegenlei- stung für umweltgerechte Produktionsverfahren im Rahmen der «Oberziele» der Agrarpolitik. Die Bemessungskriterien sind dabei nach regionalen, betriebs- und produktionsstruktu- rellen Gesichtspunkten auszugestalten. Die Finanzierung die- ser Direktzahlungen ist in erster Linie durch Einsparungen als Folge des Abbaus von Ueberproduktion sicherzustellen. 2. Festsetzung von Qualitäts- und Bewirtschaftungskriterien als Rahmenbedingungen eines Vorzugspreissystems für Er- zeugnisse von optimaler Qualität auis ökologischer und damit umweltgerechter Produktion. Solche Preise müssen durch Vereinbarungen zwischen der Produktionsstufe (Produzen- tenorganisationen) und der Handelsistufe (namentlich Gross- verteilerorganisationen) gesichert werden. Texte de la motion du 23 mars 1990 Afin d'éliminer la surproduction agricole structurelle et les diffi- cultés qui en résultent pour réaliser les objectifs fixés pour les revenus dans la politique agricole, le Conseil fédéral est chargé de proposer des bases légales régissant les deux ins- truments suivants: 1. Paiements directs des pouvoirs publics aux producteurs, en contre-partie de modes de production respectueux de l'envi- ronnement dans le cadre des «objectifs suprêmes» de la politi- que agricole. Les critères d'évaluation seront fixés en tenant compte des aspects régionaux ainsi que des structures d'ex- ploitation et de production. Le financement de ces paiements directs sera assuré en premier lieu par les économies réali- sées du fait de l'élimination de la surproduction. 2. Système de prix préférentiels, fondé sur des critères d'ex- ploitation et de qualité, pour les produits d'une qualité opti- male obtenus selon un procédé écologique et donc respec- tueux de l'environnement. De tels prix doivent être garantis par des conventions passées entre les organisations de produc- teurs et celles de la vente (notamment les grands distribu- teurs). Schriftliche Begründung Die Urheber verzichten auf eine Begründung und wünschen eine schriftliche Antwort. Développement par écrit Les auteurs renoncent au développement et demandent une réponse écrite. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 17. September 1990 Die Motion der FDP-Fraktion verlangt neue gesetzliche Grund- lagen für Direktzahlungen in der Landwirtschaft sowie für die «Festsetzung von Qualitäts- und Bewirtschaftungskriterien als Rahmenbedingungen eines Vorzugspreissystems für Erzeug- nisse von optimaler Qualität aus ökologischer und damit um- weltgerechter Produktion». Die in der Motion angesprochenen Themen sind auch im Be- richt der vom Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement eingesetzten Kommission Direktzahlungen behandelt wor- den. Der Bundesrat wird den Bericht, der nun vorliegt, prüfen und hierauf dem Parlament, soweit nötig, eine Anpassung der Rechtsgrundlagen vorschlagen. Ob die Begehren der Motion in der vorliegenden Form verwirklicht werden können, kann zurzeit noch nicht gesagt werden. Rapport écrit du Conseil fédéral du 17 septembre 1990 La motion du groupe radical-démocratique demande la créa- tion de nouvelles bases légales devant régir le versement de paiements directs aux exploitations agricoles. Ces bases de- vront aussi permettre de fixer les critères de qualité et d'exploi- tation utilisés dans un système de prix préférentiels pour les produits de qualité optimale, obtenus selon un procédé écolo- gique et donc respectueux de l'environnement. Les questions abordées dans la motion sont aussi traitées dans le rapport de la Commission des paiements directs, insti- tuée par le Département fédéral de l'économie publique. Le Conseil fédéral prendra connaissance du rapport qui lui a été13. Dezember 1991 2485 Motion Mauch Rolf soumis et, au besoin, proposera au Parlement d'adapter les bases légales correspondantes. Pour l'heure, il n'est pas en- core possible de préciser s'il sera donné suite à la motion dans la forme exigée. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwan- deln. Déclaration écrite du Conseil fédéral Le Conseil fédéral propose de transformer la motion en postu- lat Ueberwiesen aïs Postulat - Transmis comme postulat #ST# 91.3298 Motion Mauch Rolf Initiative für gesamteuropäischen Freihandelsraum Création d'une grande zone européenne de libre-échange Wortlaut der Motion vom 19. September 1991 Der Bundesrat wird eingeladen, unverzüglich die Initiative zum Aufbau eines das gesamte Europa-vom Atlantik bis zum Ural - umfassenden Freihandelsraumes zu ergreifen. fexfe de la motion du 19 septembre 1991 Le Conseil fédéral est chargé de prendre sans retard une initia- tive en faveur de la création d'une zone de libre-échange en- globant l'Europe entière de l'Atlantique à l'Oural. Mitunterzeichner-Cosignataires: Keine -Aucun Schriftliche Begründung - Développement par écrit EG und Efta verhandeln seit längerer Zeit intensiv über Ziel, Art und Modalitäten der Schaffung eines Europäischen Wirt- schaftsraums (EWR). Ein solcher sollte die bisherigen Mit- gliedländer der EG und der Efta umfassen, also vereinfacht ausgedrückt, die mehr oder weniger industrialisierten Staaten des bisher als «freies Westeuropa» umschriebenen Raums. Auf dem Weg zu diesem Ziel zeigen sich sowohl beträchtliche sachliche und politische Probleme und Widerstände als auch neue ausserordentliche, bisher nicht für möglich gehaltene Veränderungen in Mittel- und Osteuropa, welche die gesamte Entwicklung Europas im Rahmen der Weltordnung wie auch die anvisierten bzw. neu anzuvisierenden Ziele in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen. Bezüglich der westeuropäischen Wirtschaftsländer ist an die im wesentlichen unterschiedlichen Zielsetzungen des EG- Wirtschaftsblocks mit (macht-)politischen Wertvorstellungen einerseits und die politisch freiheitlich, selbständig und unab- hängig strukturierten Staaten der Efta andererseits zu erin- nern. Schon aufgrund der bisher gegebenen Verhältnisse scheint eine Einigung der beiden Staatengruppen bzw. die ge- forderte Unterwerfung der Efta-Staaten unter die EG-Rechts- normen ohne Mitspracherecht ein zurzeit noch absolut Unge- wisses Unterfangen zu sein. Schon allein aus schweizeri- scher, innenpolitischer Sicht dürfte die auf Erhaltung der staat- lichen Selbständigkeit und Unabhängigkeit gegründete Hal- tung des Souveräns, wie sie anlässlich des 700-Jahr-Jubilä- ums in grosser Breite und repräsentativ zum Ausdruck kam, bei realistischer Betrachtungsweise einer Eingliederung unter den monolithischen und zentralistischen, nicht demokrati- schen und föderalistischen Aufbau der EG, der sich seiner- seits nicht substantiell ändern wird und kann, unüberwindbare Hindernisse in den Weg stellen. Darüber hinaus bilden durch das Hinzukommen der früheren DDR als neue deutsche Bundesländer die Unsicherheit über die Form der Assoziierung derost-mitteleuropäischen Staaten sowie Instabilität und Entwicklungsbedürftigkeit der südlichen EG-Staaten selbst Unsicherheitsfaktoren, die von der EG (noch) nicht bewältigt sind. Schliesslich stellen die neuesten Entwicklungen im Osten Eu- ropas bisher völlig unbekannte, nicht einkalkulierte und noch nirgends abschliessend durchdachte, mächtige Faktoren dar, welche alle bisherigen Konstellationen als nicht mehr gültig er- scheinen lassen, aber unausweichlich bewältigt werden müs- sen. Das fordert zweifellos einen lang andauernden Prozess in der zeitlichen Grössenordnung von mindestens einer Genera- tion. Während nämlich EG-Westeuropa einer politischen Ver- einheitlichung (wenigstens oberflächlich-verbal) und einer umfassend marktgerichteten Wirtschaftsordnung zustrebt, läuft im Osten Europas gerade der gegenteilige Prozess ab: Unabhängigerklärung und Verselbständigung von zuneh- mend mehr Nationalstaaten mit einer angestrebten Autonomi- sierung der Wirtschaft gegenüber dem bisherigen zentralen Machtkoloss UdSSR. Dieser Gegensatz zwischen dem politischen Koloss auf töner- nen Füssen mit Zentral-Brüssel auf der einen und der buch- stäblich vitalen Notwendigkeit des Auf- und Ausbaus einer li- beralen Marktwirtschaft auf der anderen Seite lahmt gegen- wärtig und wohl noch auf einige Zeit die dringend notwendige wirtschaftliche Weiterentwicklung. Politik und Wirtschaft ent- wickeln sich nicht im Gleichschritt Das ist aber auch nicht nö- tig; ein grosser Wirtschaftsraum setzt nicht einen gleich gros- sen einheitlichen Staat voraus, sondern auch viele autonome Einzelstaaten können sich in einem nach den Regeln der Marktwirtschaft funktionierenden Freihandelsraum zusam- menfinden. Politische Blockierung verhindert die wirtschaftli- che Dynamik nicht - darf sie nicht verhindern. Die Schweiz ist aufgerufen, die drohende bzw. absehbare Blockierung des wirtschaftlichen Liberalisierungs- und Auf- bauprozesses in Europa durch innovatives, konstruktives Tä- tigwerden zu überwinden und den Anstoss für die wirtschaftli- che europäische Weiterentwicklung bei nationaler staatlicher Selbständigkeit der Völker zu geben. Analog zur Liberalisie- rung des weltweiten Handels im Rahmen des Gatt ist deshalb - über die Brüsseler Wirtschafts-, Währungs- und politische Union hinaus und davon im Prinzip unabhängig - der Rahmen für einen gesamteuropäischen Freihandelsraum zu schaffen. In Marktwirtschaft und Freihandel liegt die Zukunft für einen breit abgestützten Wohlstand und gesicherte Vollbeschäfti- gung im gesamten Europa Nur so wird es gelingen, allen Eu- ropäern - auch den jungen Staaten und ihren wirtschaftlich unterentwickelten Bevölkerungen - die notwendigen Impulse zu verleihen und die befürchteten Erschütterungen zu vermei- den. Andernfalls geht Europa schweren Zeiten entgegen. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 6. November 1991 Rapport écrit du Conseil fédéral du 6 novembre 1991 Der Bundesrat teilt nicht alle Einschätzungen über die europäi- sche Architektur, die in der Begründung zur vorliegenden Mo- tion wiedergegeben sind. Der Bundesrat ist andererseits im wesentlichen einverstanden mit der Idee der Motion: für ihn ist die Ausarbeitung von Handelsverträgen, die bis zum Freihan- del mit den mittel- und osteuropäischen Staaten führen sollen, ein prioritäres Ziel. Das Ziel ist verfolgt worden, seit die Staaten jener Region den Uebergang zu einem demokratischen, plu- ralistischen und marktwirtschaftlichen System begonnen ha- ben. Gegenwärtig werden im Rahmen der Efta Verhandlungen ge- führt, die zum Abschluss von Freihandelsverträgen für Indu- strieprodukte mit Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei führen sollen. Diese Verträge umfassen nicht nur den Güter- handel, sondern auch andere Bereiche wie die öffentlichen Märkte, die Staatsbeihilfen und das geistige Eigentum. Ein asymmetrischer Zollabbau wird nach einer Uebergangszeit (10 Jahre) zum Freihandel führen. Sobald die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen erfüllt sind, könnte diese Vorge-Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Motion der freisinnig-demokratischen Fraktion Landwirtschaftspolitik Motion du groupe radical-démocratique Politique agricole In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1991 Année Anno Band V Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 90.505 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 13.12.1991 - 08:00 Date Data Seite 2484-2485 Page Pagina Ref. No 20 020 724 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. 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