A bteilung IV D -7585/2006 {T 0/2} U rteil vom 14. M ai 2007 M itw irkung: R ichter Bendicht Tellenbach, Beat W eber, G érard Scherrer G erichtsschreiber Jürg H ünerw adel A ._______, Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Susanne Sadri, c/o Asylhilfe Bern, Bahnhöhew eg 44, 3018 Bern, G esuchsteller betreffend G esuch um R evision des U rteils der Schw eizerischen A sylrekurskom m ission (A R K ) vom 10. Januar 2006 i.S. A syl und W egw eisung B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er G esuchsteller – ein ethnischer H azara aus Kabul – stellte am 6. Juni 2002 ein Asylgesuch in der Schw eiz. D as Bundesam t für Flüchtlinge (BFF; heute: Bundes- am t für M igration [BFM ]) w ies dieses G esuch m it Verfügung vom 25. M ärz 2003 ab und ordnete die W egw eisung des G esuchstellers aus der Schw eiz an. Eine gegen diese Verfügung gerichtete Beschw erde w urde von der AR K m it U rteil vom 10. Ja- nuar 2006 ebenfalls abgew iesen. B. M it an das BFM gerichteter Eingabe seiner R echtsvertreterin vom 29. Septem ber 2006 ersuchte der G esuchsteller unter Einreichung diverser Bew eism ittel um w ie- dererw ägungsw eise Aufhebung der Verfügung des Bundesam tes vom 25. M ärz 2003 und um G ew ährung von Asyl beziehungsw eise eventualiter um Anordnung der vorläufigen Aufnahm e in der Schw eiz. In verfahrensrechtlicher H insicht bean- tragte er die Aussetzung des W egw eisungsvollzuges für die D auer des Verfah- rens. Auf die Begründung w ird, sow eit entscheidw esentlich, in den nachfolgenden Erw ägungen eingegangen. C . Am 27. D ezem ber 2006 überm ittelte das BFM die Eingabe an die AR K zur Prüfung unter revisionsrechtlichen G esichtspunkten (Posteingang bei der AR K am 29. D e- zem ber 2006); der Instruktionsrichter w ies die zuständige kantonale Behörde am 29. D ezem ber 2006 telefonisch an, einstw eilen keine Vollzugshandlungen vorzu- nehm en. D . M it Zw ischenverfügung vom 12. Januar 2007 teilte der Instruktionsrichter dem G e- suchsteller m it, dass die Eingabe vom 29. Septem ber 2006 durch das inzw ischen zuständige Bundesverw altungsgericht als G esuch um R evision des U rteils der AR K vom 10. Januar 2006 entgegen genom m en w erde. G leichzeitig w ies er das G esuch um Aussetzung des Vollzuges der W egw eisung w egen Aussichtslosigkeit des R evisionsgesuches ab und forderte den G esuchsteller zur Leistung eines Kos- tenvorschusses von Fr. 1'200.-- bis zum 29. Januar 2007 auf. E. D er G esuchsteller zahlte den einverlangten Kostenvorschuss am 26. Januar 2007 ein. F. Am 24. Januar 2007 ging beim Bundesverw altungsgericht ein Brief eines m it dem G esuchsteller befreundeten Ehepaares vom 23. Januar 2007 ein. M it Eingaben seiner R echtsvertreterin vom 24. Januar 2007 und vom 6. Februar 2007 reichte der G esuchsteller eine polizeiliche Bestätigung vom 10. D ezem ber 2006 sow ie ein ärztliches Zeugnis vom 23. Januar 2007 zu den Akten. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 D ie Eingabe des G esuchstellers vom 29. Septem ber 2006 ist als W iedererw ä- gungsgesuch gegen die Verfügung des BFF vom 25. M ärz 2003 bezeichnet und 3 w urde beim Bundesam t eingereicht. W ie in der Zw ischenverfügung des Instruk- tionsrichters vom 12. Januar 2007 bereits ausgeführt, m acht der G esuchsteller in- dessen hauptsächlich das Vorliegen von Tatsachen und Bew eism itteln geltend, w elche sich auf Sachverhalte beziehen, die sich angeblich vor der Ausfällung des U rteils der AR K vom 10. Januar 2006 ergeben haben. D ie Eingabe ist daher als R evisionsgesuch gegen diesen Beschw erdeentscheid zu beurteilen. 1.2 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgeset- zes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). Als letztinstanzliche Behörde im Asyl- bereich ist das Bundesverw altungsgericht sodann auch zuständig für die Beurtei- lung von R evisionsgesuchen. 1.3 D as Bundesverw altungsgericht hat per 1. Januar 2007 die bei der per 31. D ezem - ber 2006 aufgelösten AR K hängigen R echtsm ittel übernom m en. D abei ist grund- sätzlich das neue Verfahrensrecht anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 45 VG G gelten im R evisionsverfahren vor dem Bundesverw altungsgericht die Art. 121 – 128 BG G sinngem äss. Angesichts des W ortlautes von Art. 45 VG G – gem äss w elchem diese R egelung bei Entscheiden des Bundesverw altungsgerich- tes gilt – stellt sich allerdings die Frage, ob diese N orm en auch bei übernom m enen R evisionsgesuchen gegen U rteile der AR K Anw endung finden, oder ob diesbezüg- lich nach w ie vor ausschliesslich die Art. 66 ff. Vw VG zu beachten sind; diese Fra- ge kann im vorliegenden Verfahren indessen letztlich offen bleiben, da das R evi- sionsgesuch – w ie nachstehend aufgezeigt – unter Berücksichtigung sow ohl der einen w ie auch der anderen R egelung abzuw eisen ist, sow eit darauf einzutreten ist. Auf Inhalt, Form und Ergänzung des R evisionsgesuches findet schliesslich Art. 67 Abs. 3 Vw VG Anw endung (Art. 47 VG G ). 1.4 D er G esuchsteller ist durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzw ürdiges Interesse an dessen Aufhebung beziehungsw eise Änderung. D ie Legitim ation ist dam it gegeben (Art. 48 Vw VG ). 2. 2.1 Vorw eg ist festzuhalten, dass an die Begründung ausserordentlicher R echtsm ittel erhöhte Anforderungen gestellt w erden (Art. 125 BG G ; Art. 66 Abs. 3 und Art. 67 Abs. 3 Vw VG ). In der R echtsschrift ist die R echtzeitigkeit des R evisionsbegehrens darzutun; zudem ist anzugeben, w elcher gesetzliche R evisionstatbestand angeru- fen w ird und in w iew eit Anlass besteht, gerade diesen G rund geltend zu m achen. Sind dem G esuch nicht genügend substanziierte, w irkliche R echtsm ittelgründe zu entnehm en, ist darauf überhaupt nicht einzutreten (vgl. FR ITZ G YG I, Bundesverw al- tungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 229 f.). D em gegenüber ist nicht erforder- lich, dass die angerufenen R evisionsgründe w irklich bestehen, sondern es genügt, 4 w enn der G esuchsteller deren Vorliegen behauptet (vgl. BG E 96 I 279; U R SIN A BEER LI-BO N O R AN D , D ie ausserordentlichen R echtsm ittel in der Verw altungsrechtspfle- ge des Bundes und der Kantone, Zürich 1985, S. 148 f.). 2.2 Im vorliegenden Fall w ird der R evisionsgrund der neuen erheblichen Tatsachen oder Bew eism ittel geltend gem acht (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BG G ; Art. 66 Abs. 2 Bst. a Vw VG ); auf das R evisionsgesuch ist m ithin einzutreten, sow eit sich die vor- gebrachten Tatsachen und eingereichten Bew eism ittel auf Sachverhalte beziehen, die sich vor der Ausfällung des Beschw erdeentscheides der AR K vom 10. Januar 2006 ereignet haben. Sow eit der G esuchsteller darüber hinaus Sachverhalte vor- bringt, w elche sich erst nach Abschluss des ordentlichen Asylverfahrens ereignet haben sollen (so das geltend gem achte Verschw inden seines Bruders in Afghanis- tan im Jahre 2006 und dessen Erm ordung, w elche er m it einer polizeilichen Bestä- tigung vom 10. D ezem ber 2006 belegt, sow ie die m it ärztlichem Zeugnis vom 23. Januar 2007 attestierte und auch im Brief des Ehepaares B._______ vom 23. Januar 2007 bestätigte Beeinträchtigung seines G esundheitszustandes) fällt hingegen eine Prüfung unter revisionsrechtlichen G esichtspunkten nicht in Be- tracht (vgl. nachfolgende E. 3.1.), w eshalb insow eit auf das R evisionsgesuch nicht einzutreten ist. Angesichts des U m standes, dass sich – ungeachtet der Frage der G laubhaftigkeit dieses Vorbringens – aus den Akten kein konkreter Bezug zw i- schen dem Tod des Bruders des G esuchstellers und dessen eigener Situation er- gibt, insbesondere keine H inw eise auf einen Zusam m enhang m it den im ordent- lichen Asylverfahren als unglaubhaft beurteilten Asylgründen des G esuchstellers bestehen, und die dem G esuchsteller nur sum m arisch attestierten gesundheit- lichen Problem e (G ew ichtsverlust, Angstzustände, Schlafstörungen etc.) nicht per se auf das Vorliegen eines W egw eisungshindernisses schliessen lassen, besteht diesbezüglich sodann auch keine Veranlassung zur Ü berw eisung der Akten von Am tes w egen an das BFM zur Prüfung unter w iedererw ägungsrechtlichen G e- sichtspunkten; dies gilt auch hinsichtlich der eingereichten R eisew arnung des deutschen Ausw ärtigen Am tes zu Afghanistan vom 6. Septem ber 2006, w elche eine Ü berprüfung der aktuellen Praxis der schw eizerischen Asylbehörden zur Fra- ge der Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzuges in dieses Land und insbesondere in den G rossraum Kabul – w oher der G esuchsteller stam m t – (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 2006 N r. 9) nicht angezeigt erscheinen lässt. 3. 3.1 N ach Lehre und R echtsprechung gelten Tatsachen dann als neu, w enn sie zur Zeit der Erstbeurteilung der Sache bereits verw irklicht w aren, im ordentlichen Verfah- ren jedoch trotz aller pflichtgem ässen Sorgfalt nicht bekannt w aren und daher nicht geltend gem acht w erden konnten beziehungsw eise deren rechtzeitige G eltendm a- chung nicht zum utbar w aren. Erheblich sind die Tatsachen sodann, w enn sie ge- eignet sind, die tatbeständliche G rundlage des angefochtenen Entscheides zu ver- ändern und bei zutreffender rechtlicher W ürdigung zu einem anderen, für den G e- suchsteller günstigeren Ergebnis zu führen (vgl. EM AR K 1995 N r. 21 E. 3a S. 207 und 1995 N r. 9 E. 5 S. 80 ff., jew eils m it w eiteren H inw eisen). Ähnliches gilt für re- visionsw eise eingereichte Bew eism ittel: Sie sind nur dann als neu zu qualifizieren 5 und beachtlich, w enn sie entw eder neue erhebliche Tatsachen erhärten oder ge- eignet sind, dem Bew eis von Tatsachen zu dienen, die zw ar im früheren Verfahren bekannt gew esen, aber zum N achteil der gesuchstellenden Partei unbew iesen ge- blieben sind, respektive w enn sie bei Vorliegen im ordentlichen Verfahren verm ut- lich zu einem anderen Entscheid geführt hätten. G em äss ständiger Praxis zu Art. 66 Abs. 2 Bst. a Vw VG ist es im G egensatz zu geltend gem achten neuen Tatsa- chen indessen nicht notw endig, dass die Bew eism ittel selber aus der Zeit vor dem in R echtskraft erw achsenen Entscheid stam m en (vgl. EM AR K 1994 N r. 27 E. 5c S. 199); die Frage, inw iew eit diese Praxis für das R evisionsverfahren vor dem Bun- desverw altungsgericht bei allfälliger Anw endbarkeit der R egelung von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BG G – nach dessen W ortlaut erst nach dem Beschw erdeentscheid entstandene Bew eism ittel revisionsrechtlich ohne Belang sind – noch G eltung hat, kann im vorliegenden Verfahren offen bleiben, da die vom G esuchsteller einge- reichten Bew eism ittel, sow eit sie revisionsrechtlich zu beurteilen sind, bis auf die Bestätigung der W ahdat-Partei vom 10. Septem ber 2006 ausnahm slos aus der Zeit vor dem Beschw erdeentscheid vom 10. Januar 2006 stam m en; die Bestäti- gung der W ahdat-Partei ist sodann offensichtlich nicht erheblich im Sinne der revi- sionsrechtlichen Bestim m ungen, zum al dem G esuchsteller darin – entgegen sei- nen eigenen Aussagen im Asylverfahren – bestätigt w ird, dass er sich als Partei- soldat und Leibw ächter eines Kom m andanten betätigt habe. 3.2 N ach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverw altungsgericht zum Schluss, dass die vom G esuchsteller vorgebrachten Tatsachen und eingereichten Bew eism ittel – ungeachtet der Frage, ob es dem G esuchsteller nicht m öglich gew esen w äre, die nunm ehr vorgelegten D okum ente bereits im R ahm en des ordentlichen Asylverfah- rens beizubringen – den genannten Anforderungen an die Erheblichkeit nicht zu genügen verm ögen. D as BFM hat das Asylgesuch des G esuchstellers w egen klar w idersprüchlicher Angaben gestützt auf Art. 7 AsylG abgew iesen und die AR K hat diesen Entscheid – unter Anführung w eiterer U nglaubhaftigkeitselem ente – vollum - fänglich geschützt. D ie vom G esuchsteller in der Eingabe vom 29. Septem ber 2006 geltend gem achten Tatsachen und die dam it zusam m enhängenden Bew eis- m ittel sind nicht geeignet, diese W idersprüche zu erklären. H insichtlich des H aft- befehls vom 28. Januar 2002 ist festzuhalten, dass in Afghanistan derartige D oku- m ente nach den Erkenntnissen der Asylbehörden auch ohne entsprechenden H in- tergrund einfach beschaffbar und dem entsprechend nur beschränkt bew eistauglich sind. Zudem erscheint es w enig plausibel, dass der H aftbefehl gegen den G esuch- steller erst über sieben Jahre nach den angeblichen Ereignissen von 1994/1995 ausgestellt w orden w äre. G leiches gilt für den in einer Zeitung vom 26. Juli 2005 erfolgten Aufruf an den G esuchsteller, sich bei einem G ericht zu m elden. 4. Zusam m enfassend ist festzuhalten, dass kein revisionsrechtlich relevanter Sach- verhalt dargetan ist. D as G esuch um R evision des U rteils der AR K vom 10. Januar 2006 ist dem zufolge abzuw eisen, sow eit darauf einzutreten ist; der Beschw erde- entscheid bleibt in R echtskraft. 5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von insgesam t Fr. 1'200.-- dem G esuchsteller aufzuerlegen (Art. 37 VG G i.V.m . Art. 63 Abs. 1 Vw VG ; Art. 16 6 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 2 und 3 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D ie Kosten sind durch den vom G esuchsteller am 26. Januar 2007 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und m it diesem zu verrech- nen. (D ispositiv nächste Seite)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D as R evisionsgesuch w ird abgew iesen, sow eit darauf einzutreten ist. 2. D ie Verfahrenskosten, bestim m t auf Fr. 1'200.--, w erden dem G esuchsteller aufer- legt. D ie Kosten sind durch den vom G esuchsteller in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und w erden m it diesem verrechnet. 3. D ieses U rteil geht an: - die R echtsvertreterin des G esuchstellers, 2 Expl. (eingeschrieben; Beilagen: H aftbefehl, Zeitungsausschnitt, Bestätigung W ahdat-Partei, Verm isstenanzei- ge, Todesbescheinigung) - das BFM , Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it dessen Akten D er R ichter: D er G erichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Jürg H ünerw adel Versand am :