<h2>SubmittedText<h2><p>Gemäss Artikel 89 Ziffer 1 Bundesverfassung sorgen Bund und Kantone "für eine ausreichende, breit gefächerte, sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung". In den Energieperspektiven 2050+ des Bundes wird unter einer Reihe von Annahmen dargelegt, wie bei einer erwarteten durchschnittlichen Stromproduktion und einem durchschnittlichen Energieverbrauch die Versorgung sichergestellt ist. Nun weisen Photovoltaik und Windkraft, welche im Jahr 2050 zusammen mehr als die halbe Stromproduktion leisten sollen, erhebliche Schwankungen auf. Die Produktionsschwankungen (gemessen als monatlicher Variationskoeffizient = Streuung durch Mittelwert) sind bei Photovoltaik im Winter sogar zwei- bis dreimal höher als im Sommer und können zu monatelanger massiver Mindererzeugung im Winter führen. Darüber hinaus wird wetterbedingt auch der Verbrauch wegen zunehmender Wärmepumpen und Elektromobilität im Winter stärker schwanken. </p><p>Dazu zeigt die aktuelle Situation drastisch, dass Strom- und Gasimporte in die Schweiz unsicher sein können, sofern die Nachbarländer selbst unter Knappheit leiden. </p><p>Um eine sichere und ausreichende Energieversorgung jederzeit zu gewährleisten, muss der Bund deshalb wissen, wie sich die Angebots- und Nachfrageseite in Stressjahren verhält. Eine stochastische Modellierung aller relevanten Angebots- und Nachfragekategorien unter Einbeziehung von Abhängigkeiten (Kovarianzen) in stündlicher Auflösung ist dafür unverzichtbar. </p><p>Wir bitten den Bundesrat, folgende Analyse zu veranlassen: Durch stochastische Fachexperten soll ein stochastisches Modell erstellt werden, welches mit den Angebots- und Nachfrageannahmen aus der Energiestrategie 2050 für das Zieljahr 2050 berechnet, wie gross die stündlichen Energielücken im schlechtesten von 20 respektive im schlechtesten von 50 Winterhalbjahren (den "Stressjahren") sind und wie häufig sie auftreten, unter der Annahme, dass im Winterhalbjahr sowohl Strom- wie Gasimporte blockiert sind. </p><p>Basierend auf den Ergebnissen der Analyse bitten wir den Bundesrat zu erläutern, mit welchen Massnahmen eine sichere, ausreichende und wirtschaftliche Versorgung ab 2050 in den zwei erwähnten Stressjahren jederzeit (zu jeder Stunde) gewährleistet werden kann.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Aktuelle und robuste Szenarien zur Entwicklung des Energiesystems der Schweiz unter Berücksichtigung der Entwicklungen im Ausland sind für die schweizerische Energie- und Klimapolitik wichtig. Für die Versorgungssicherheit ist es auch zentral, dass das Energiesystem nicht nur unter Normalbedingungen zuverlässig funktioniert, sondern auch in Extremsituationen standhält. Dafür sind Stresstests erforderlich. Beides gibt das Bundesamt für Energie (BFE) regelmässig in Auftrag.</p><p>Mit den Energieperspektiven 2050+ (EP 2050+; www.bfe.admin.ch &gt; Politik &gt; Energieperspektiven 2050+) von 2020 verfügt der Bund über eine breit abgestützte und robuste Grundlage für die langfristige Energie- und Klimapolitik. Die Annahmen und Ergebnisse wurden in einer breit angelegten Begleitgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Bundesämter, der Kantone und Städte, der Energiewirtschaft, der Wirtschafts- und Umweltverbände, der Gewerkschaften und des Konsumentenschutzes diskutiert. Auch der Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist sichergestellt. Schwankungen der Produktion und des Verbrauchs werden in den Szenarien der EP 2050+ durch stündliche Modellierung der Stromnachfrage und -produktion abgebildet. Dafür wurden reale Wetterjahre zugrunde gelegt, welche eine realistische Abbildung der fluktuierenden Erzeugung ermöglicht. Für die Integration der erneuerbaren Produktion im Stromsystem vor allem auch im Winter gilt es, die Flexibilitätspotenziale sowohl auf der Angebots- (z.B. Speicherwasserkraft) als auch auf der Nachfrageseite (Pumpspeicher, Elektromobilität, etc.) auszunutzen. Auf der Nachfrageseite werden stündliche Lastprofile inklusiv möglicher Flexibilitäten insbesondere beim Stromverbrauch der Elektromobilität und der Wärmepumpen berücksichtigt.</p><p>Ergänzend zu den Energieperspektiven werden periodisch systemische Analysen (Stresstests) zur kurz-, mittel- und langfristigen Stromversorgungssicherheit durchgeführt (System Adequacy). Hier werden insbesondere auch ungünstige Wetterkonditionen (z.B. trockenes Jahr, Dunkelflaute) sowie verschiedene nationale und internationale Entwicklungen bezüglich Stromproduktion, -verbrauch und -austausch berücksichtigt. Das Stromversorgungssystem wird damit verschiedenen Stresstests unterzogen, welche auch Nichtverfügbarkeiten von Kraftwerken sowie Einschränkungen bei den Importmöglichkeiten berücksichtigen. Das Bundesamt für Energie (BFE) hat Ende 2022 eine neue systemische Analyse mit mittel- bis langfristigem Fokus für die Jahre 2025 bis 2040 publiziert (siehe Medienmitteilung des Bundesrates vom 21. Dezember 2022). Bei Bedarf werden zusätzlich kurzfristige Analysen erstellt (bspw. Studie zur kurzfristigen Stromversorgungssicherheit Schweiz - Winter 2022/2023, BFE, 2022). Auch die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) führt regelmässig Studien zur System Adequacy durch. Die Analysen der System Adequacy (Stresstests) werden in der Regel all zwei Jahre durchgeführt - bei der nächsten Aktualisierung der langfristen Stromversorgungssicherheit wird auch das Jahr 2050 mitberücksichtigt, sofern die nötigen Datengrundlagen hierzu verfügbar sind. Ergebnisse neuer Energieperspektiven fliessen sobald vorliegend in diese Analysen mit ein.</p><p>Der Bundesrat überprüft zudem die Fortschritte der Energiestrategie gemäss Artikel 55 des Energiegesetzes vom 30. September 2016 (EnG; SR 730.0) regelmässig. Alle fünf Jahre macht der Bundesrat in einem Bericht zuhanden des Parlaments eine vertiefte energiepolitische Standortbestimmung und gibt Handlungsempfehlungen ab. Diesen Bericht hat der Bundesrat am Freitag 16. Dezember 2022 zuhanden des Parlaments verabschiedet.</p><p>Energieperspektiven und System Adequacy Studien werden in Abhängigkeit von den aktuell im Energiebereich laufenden Gesetzgebungsprozessen und der technischen Entwicklungen zu gegebener Zeit aktualisiert bzw. durchgeführt. Deshalb erachtet der Bundesrat die Erarbeitung eines zusätzlichen Berichts in Erfüllung des vorliegenden Postulats als nicht zielführend.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.