B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4761/2024 U r t e i l v o m 8 . A u g u s t 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat); Verfügung des SEM vom 19. Juli 2024. E-4761/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 4. Juni 2024 zusammen mit ihrer Mutter (N […]) sowie ihrem Bruder B._______ inklusive dessen Ehefrau und Kinder (N […]) in der Schweiz um Asyl nach. A.b Am 7. Juni 2024 fand die Personalienaufnahme (PA) der Beschwerde- führerin statt, wobei sie eine griechische Aufenthaltsbewilligung für Flücht- linge, ausgestellt am (…) April 2024, sowie einen griechischen Reise - ausweis für Flüchtlinge, ausgestellt am (…) Mai 2024, zu den Akten reichte. A.c Mit Verfügung vom 7. Juni 2024 gewährte das SEM der Beschwerde- führerin Gelegenheit, sich zum Nichteintretensentscheid und zur beabsich- tigten Wegweisung nach Griechenland, sowie namentlich zu ihrer Lebens- situation in Griechenland zu äussern. A.d Gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Ra tes vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt- staatsangehöriger (Rückführungsrichtlinie) und das Abkommen vom 28. August 2006 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Re- gierung der Hellenischen Republik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt (SR 0.142.113.729) ersuchte das SEM die grie- chischen Behörden am 13. Juni 2024 um Rückübernahme der Beschwer- deführerin. Diese stimmten dem Ersuchen am 17. Juni 2024 zu. A.e In ihrer Stellungnahme zum rechtlichen Gehör vom 17. Juni 2024 er- suchte die Beschwerdeführerin um eine koordinierte Behandlung ihres Ver- fahrens mit denjenigen ihrer Mutter und ihres Bruders (sowie dessen Familie). Sie wies auf die schlechten Leb ensumstände und die unzu- reichende Gesundheitsversorgung hin, welche sie in Griechenland erlebt habe. Sie habe trotz entsprechende r Bemühungen keine Unterstützungs- leistungen und keine Medikamente gegen ihre Schwindelanfälle erhalten. Mangels beruflicher Qualifikationen und Sprachkenntnissen sei es ihr nicht möglich gewesen, eine Stelle zu finden. Es wäre sehr schlimm für sie, als einziges Mitglied ihrer Familie nach Griechenland zurückkehren zu müs- sen, insbesondere weil sie ein sehr enges Verhältnis zu ihrem sich in der Schweiz aufhaltenden minderjährigen Bruder habe. In Griechenland habe sie weder Familienangehörige noch sonstige soziale Beziehungen. Sie falle in die vom Bundesverwaltungsgericht im Referenzurteil E-3427/2021 vom 28. März 2022 definierte Kategorie der besonders vulnerablen Perso- nen und es würden keine besonders begünstigenden Umstände vorliegen. E-4761/2024 Seite 3 A.f In der Folge wurden mehrere medizinische Unterlagen zu den Akten genommen (Zuweisungsschreiben C._______ vom 20. Juni 2024, Konsul- tationsbericht D._______ – Gesundheitszentrum E._______ vom 2. Juli 2024). B. In ihrer Stellungnahme vom 18. Juli 2024 zu dem ihr am 17. Juli 2024 un- terbreiteten Entscheidentwurf rügte die Beschwerdeführerin insbesondere, dieser äussere sich ungenügend zu ihrer speziellen familiären Konstella- tion und l asse unberücksichtigt, dass sie als a lleinstehende junge Frau ohne den Schutz und die Unterstützung ihrer Familie nach Griechenland zurückkehren müsste. Ausserdem gehe der Entscheidentwurf ungenügend darauf ein, das s ihr in der Schweiz leb ender minderjähriger Bruder stark auf ihre Unterstützung angewiesen sei. Aufgrund dieses Abhängigkeitsver- hältnisses werde beantragt, dass die Familienmitglieder individuell im Rah- men einer Befragung anzuhören seien. Im Übrigen habe sie am 24. Juli 2024 ihren ersten Termin bei einer Psychologin wegen ihrer psychischen Erkrankung. C. Mit Verfügung vom 19. Juli 2024 – eröffnet am gleichen Tag – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das Asyl- gesuch der Beschwerdeführerin nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. D. Mit Eingabe vom 26. Juli 2024 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und beantrag- te dabei, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf ihr Asylgesuch einzutreten; eventualiter sei ihr die vorläufige Aufnahme zu gewähren, subeventualiter die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, subsubeventualiter seien von den griechischen Behörden spezifische Garantien betreffend Un- terbringung und medizinischer Versorgung einzuholen. In verfahrensrecht- liche Hinsicht wurde beantragt, das Verfahren der Beschwerdeführerin sei mit jenen ihrer Mutter sowie ihres Bruders B._______ zu vereinigen. Ferner sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf einen Kosten- vorschuss sei zu verzichten und ihre R echtsvertreterin sei als amtliche Rechtsbeiständin einzusetzen. Schliesslich sei der Beschwe rde die auf- schiebende Wirkung zu gewähren und der Wegweisungsvollzug sei super- provisorisch auszusetzen. E-4761/2024 Seite 4 In der Beschwerdebeilage wurden mehrere Screen-Shots von Bildern der Unterkunft der Beschwerdeführerin und ihrer Familie in Griechenland so- wie ein mediz inischer Bericht von Dr. med. F._______, Psychiatrie und Psychotherapie, G._______, vom 26. Juli 2024 eingereicht. E. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 29. Juli 2024 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). F. Mit Instruktionsverfügung vom 30. Juli 2024 stellte der Instruktionsrichter fest, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt ni cht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. E-4761/2024 Seite 5 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage be schränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung prüft. 4. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Ri chterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 In der Beschwerdeschrift wurde betreffend die persönliche Situation der Beschwerdeführerin in Griechenland – ergänzend zu ihren Angaben in den Stellungnahmen im erstinstanzlichen Verfahren – vorgebracht, das Le- ben im Camp sei vor allem für Frauen sehr unsicher gewesen, da es dort zu Vergewaltigungen gekommen sei. Sie und ihre Angehörigen seien nach Erhalt der griechischen Aufenthaltsbewilligung auf sehr forsche Art dazu aufgefordert worden, das Lager innert drei Tagen zu verlassen. Zudem seien sämtliche Unterstützungsleistungen eingestellt worden, so dass sie letztlich obdachlos gewesen seien. Sie habe keine medizinische Behand- lung erhalten, obwohl eine solche dringend erforderlich gewesen wäre. Seit der Flucht hätten sich ihre Schwindelanfälle massiv zugespitzt, und sie sei auf die Einnahme mehrere r Medikamente angewiesen. Im Bericht ihrer E-4761/2024 Seite 6 behandelnden Psychotherapeutin sei bei ihr eine Posttraumatische Belas- tungsstörung (PTBS) dia gnostiziert worden. Ein e Rückkehr nach Grie- chenland ohne ihre Kernfamilie würde zu einer rapiden Verschlechterung ihres psychischen Gesundheitszustands führen. Im Weiteren bestehe ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihr und ihrer Mutter, die aufgrund ihre r gesundheitlichen Probleme auf Unterstützung durch ihre Kinder angewie- sen sei. Da ihre Mutter voraussichtlich in der Schweiz eine vorläufige Auf- nahme erhalten werde, müsste sie alleine nach Griechenland zurückkeh- ren. Als alleinstehende, psychisch angeschlagene Frau befinde sie sich in einer besonders vulnerablen Situation. Realistischerweise werde ihr der Zugang zu staatlichen Strukturen weiterhin verwehrt bleiben, was als klare Verletzung von Art. 3 EMRK zu bewerten sei. Die Vorinstanz habe ihr vor- geworfen, diesbezüglich nicht alles Zumutbare unternommen zu haben, ohne aber aufzuzeigen, welche Vorkehrungen sie hätte treffen können. Es gebe keinen Anlass zur Vermutung, d ass sie aus eigner Kraft die ihr zustehenden Rechte vor Ort einfordern oder sich sonst wie aus der ihr dro- henden erneuten Obdachlosigkeit befreien könnte; sie würde demnach in eine existenzielle Notlage geraten. Das SEM habe es unterlassen, einzel- fallgerechte Abklärungen vorzunehmen und ihrer vulnerablen S ituation Rechnung zu tragen. 5.2 Falls einer schutzsuchenden Person in einem anderen Mitgliedstaat eine Verletzung von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (GRC) beziehungsweise von Art. 3 EMRK drohe, beschlage dies ge- mäss Rechtsprechung d es Europäischen Gerichtshofs (EuGH) nicht nur die Prüfung der Rechtmässigkeit einer Abschiebeandrohung, sondern führe zur Rechtswidrigkeit des Nichteintretensentscheids. Diese Voraus- setzungen seien vorliegend erfüllt. Alle in Griechenland Schutzberechtigten würden sich in einer Situation oder Gefahr extremer materieller Not befin- den, und eine Wegweisung verstosse unabhängig vom individuellen Ge- sundheitszustand der betroffenen Person gegen Art. 3 EMRK. Die Situa- tion für Personen mit Schutzstatus in Griechen land sei in verschiedener Hinsicht als prekär zu bewerten; der gewährte Schutz existiere lediglich auf dem Papier. Es stehe keine Unterstützung beim Zugang zu Wohnraum zur Verfügung, und die wenigsten international Schutzberechtigten hätten ef- fektiven Zugang zum Arbeitsmarkt. Ebenso seien sie zumeist nicht in der Lage, die hohen Voraussetzungen zu erfüllen, um Sozialleistungen und staatliche Beihilfen beantragen zu können. Psychologische und psychiatri- sche Angebote für Asylsuchende und Inhaber beziehungsweise Inhaber- innen des Schutzstatus fehlten gänzlich. Es existiere keine staatliche Unterstützung, was dazu führe, dass Personen mit Schutzstatus in Grie -E-4761/2024 Seite 7 chenland in aller Regel mit Obdachlosigkeit konfrontiert seien und da für kämpfen müssten, ihre elementa rsten Bedürfnisse zu befriedigen. Dies gelte in einem besonderen Masse für international Schutzberechtigte, die, wie die Beschwerdeführerin, nach Griechenland zurückgeführt werden sollten. 5.3 Überdies sei die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Gesundheitsprob- leme als spezifisch vulnerabel einzustufen. Die drohende Verletzung von Art. 3 EMRK beziehungsweise Art. 4 GRC im Falle von Schutzberechtigten in Griechenland we rde von der int ernationalen und europäischen Praxi s anerkannt. Überdies wären auch die Voraussetzungen für die Gewährung einer vorläufigen Aufnahme erfüllt, da die Beschwerdeführerin zur Gruppe der besonders vulnerablen Schutzsuchenden gehöre. Sie sei psychisch stark angeschlagen und müsste als alleinstehende Frau nach Griechen- land zurückkehren. Eine Trennung von ihren Familienangehörigen würde ihren psychischen Zustand nochmals verschlechtern. Sie habe in Gri e- chenland kein soziales Netzwerk, und es würden ihr die Ressourcen f eh- len, um dort ihre Recht e geltend zu machen und durchzusetzen. Daher drohe ihr die Obdachlosigkeit. Sie würde in eine existenzielle Notlage ge- raten und wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit Gewalt ausgesetzt. Eine Aus- schaffung nach Griechenland würde Art. 3 und 4 EMRK s owie Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (Folter- konvention, FoK; SR 0.105) widersprechen, da sie dort einem realen Risiko gravierender Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt wäre. 5.4 Das SEM habe es unterlassen, die konk rete Situation der Beschwer- deführerin in Griechenland hinreichend detailliert zu analysieren und diese Analyse bezogen auf den Einzelfall zu würdigen . Daher sei die Sache eventualiter zu vertiefen Abklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 6. 6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu beurteilen sind, da sie gegebenen falls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BGE 138 I 232 E. 5). 6.2 Die Beschwerdeführerin macht eine unvollständige Erstellung des Sachverhalts geltend und führt aus, die Vorin stanz habe es unterlassen, eingehende Abklärungen betreffend ihre Vulnerabilität vorzunehmen, die Situation in Griechenland detailliert zu analysieren und diese im vorliegen- den Einzelfall konkret zu würdigen. E-4761/2024 Seite 8 6.3 6.3.1 Das Asylverfahren wird vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachver- halts zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaf- fen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsge mäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfang- reiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind viel- mehr nur dann vorzunehmen, wenn sie auf grund der Aktenlage als ange- zeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12). 6.3.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) haben die Parteien eines Verfahrens Anspruch auf rechtliches Gehör, welches einerseits der Aufklärung des Sachverhalts dient, andererseits ein persönlichkeitsbezo- genes Mitwirkungsrecht der Partei darstellt. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff. VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt insbesondere, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (BVGE 2015/10 E. 3.3 m.w.H.). 6.4 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die Situation de r Beschwerdeführerin in Griechenland sorgfältig und ernsth aft geprüft und ihren Entscheid ausführlich begründet, wobei sie insbesondere auf ihren familiären Hintergrund sowie die aktenkundigen gesundheitlichen Prob- leme Bezug genommen hat. Der Umstand, dass das SEM einer anderen Lageeinschätzung zu Griechenland folgt, als von der Beschwerdeführerin verlangt, betrifft – wie auch die geltend gemachten Mängel des griechi- schen Asylsystems – nicht das rechtliche Gehör oder die Erstellung des Sachverhalts, sondern ist Gegenstand der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts. Das SEM ist seiner Abklärungspflicht insgesamt hinreichend nachgekommen, hat den Sachverhalt vollständig festgestellt und seine Verfügung rechtsgenüglich begründet. 6.5 Nach dem Gesagten erweisen sich die verfahrensrechtlichen Rügen der Beschwerdeführerin als unberechtigt. Es besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache ans SEM zurückzuweisen. E-4761/2024 Seite 9 7. 7.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn die asylsuchende Person in einen gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in wel- chem sie sich vorher aufgehalten hat. 7.2 Den Akten zufolge wurde die Beschwerdeführerin in Griechenland als Flüchtling anerkannt; sie verfügt über eine gültige griechische Aufenthalts- bewilligung. Zudem haben die griechischen Behörden ihrer Rücküber- nahme vorbehaltlos zugestimmt. Es ist ohne Weiteres davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nach Griechenland zurückkehren und sich dort legal aufhalten kann. 7.3 Griechenland ist ein EU -Staat und gilt gemäss einem – bisher nicht revidierten – Beschluss des Bundesrats vom 14. Dezember 2007 als sicherer Drittstaat im Sinn von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG. 7.4 Das SEM ist demnach in Anwendung von Art. Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht einge- treten. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die sehr hohe Schwelle für die Feststellung einer Unzulässigkeit, die der EuGH in den in der Beschwerde zitierten Urteilen definiert hat, vorliegend nicht er- reicht wird ; dieser Aspekt ist gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge- richts bei der Prüfung des Wegweisungsvollzuges zu beurteilen ist (nach- folgend E. 9.2.2 ff.; vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 E. 10 und 11). 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesu ch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). E-4761/2024 Seite 10 9. 9.1 Ist der Vollzu g der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter un d andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.2.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin erweist sich der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland in Beachtung der vorstehend genannten völker- und landesrechtlichen Bestimmungen als zulässig. Bei Griechenland handelt es sich um einen sicheren Drittstaat, in welchem die Beschwerdeführerin Schutz vor Rückschiebung im Sinn von Art. 5 Abs. 1 AsylG findet. Das Land ist sodann Signatarstaat der EMRK, der FoK und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen grundsätzlich nach. Zwar anerkennt das Bundesverwaltungs- gericht, dass die Lebensbedingungen in Griechenland für dort anerkannte Schutzberechtigte in fast allen Bereichen des täglichen Lebens sehr E-4761/2024 Seite 11 schwierig sind und sich die Alltagsbewä ltigung beschwerlich gestaltet. Gemäss koordinierter Praxis ist aber nicht von einer Situation auszugehen, in der jeder Person mit Schutzstatus eine unangemessene und erniedri- gende Behandlung im Sinn einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde (vgl. das Referenzurteil des BVGer E -3427/2021, E-3431/2021 a.a.O. E. 11.2). 9.2.3 Die Argumentation der Beschwerdeführerin, die in der Beschwerde- schrift zitierten Berichte sowie der Verweis auf die europäische Praxis zum Umgang mit Schutzberechtigten in Griechenland fügen den der Rechtspre- chung des Bundesverwaltungsgerichts zugrundeliegenden Informationen zur Situation in Griechenland keine neue Dimension hinzu und vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Der Beschwerdeführerin wurde in Griechenland die Flüchtli ngseigenschaft zuerkannt. Sie kann sich dort somit – wie auch die Vorinstanz in ihrer Verfügung zu Recht aufgezeigt hat – auf die Garantien der Qualifikationsrichtlinie berufen (insbesondere die Regeln betreffend den Zugang zu Beschäftigung [Art. 26], zu B ildung [Art. 27], zu Sozialhilfeleistungen [Art. 29], zu medizinischer Versorgung [Art. 30] und zu Wohnraum [Art. 32]), auf die sich Griechenland als EU - Mitgliedstaat behaften lassen muss. Es ist unbestritten, dass die Lebens- bedingungen in Griechenland schwierig sind; dennoch ist nicht von einem "real risk" auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Griechenland einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt wäre. Es obliegt ihr, bei den zuständigen Behörden ihre Rechte geltend zu machen, nötigenfalls mithilfe einer der in Griechenland zahlreich vorhan- denen Hilfsorganisationen. Bei ihrem Vorbringen, sie und ihre Angehörigen hätten sich wiederholt vergeblich um Unterstützung bemüht, handelt es sich um eine unbelegte Behauptung. Sie vermag insgesamt die Annahme der grundsätzlichen Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nach Grie- chenland nicht zu widerlegen. 9.2.4 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen (vgl. BVGE 2011/9 E. 7; Urteil des Europäischen Ge- richtshofs für Menschenrechte [EGMR] Paposhvili gegen Belgien 13. De- zember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Eine sol- che Situation ist vorliegend offensichtlich nicht gegeben. Die medizinischen Probleme der Beschwerdeführerin sind nicht derart gravierend, dass sie bei einer Überstellung nach Griechen land eine ernsthafte, rapide und irreversible Verschlechterung ihrer Lage, verbunden mit übermässigem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung ihrer Lebenserwartung zu E-4761/2024 Seite 12 erwarten hätte, wie dies für eine Annahme der Unzulässigkeit des Wegwei- sungsvollzugs aus medizinischen Gründen praxisgemäss gefordert wird. 9.2.5 Es liegen damit keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass d ie Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Griechenland einer men- schenunwürdigen oder erniedrigenden Behandlung ausgesetzt wäre. 9.3 9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.3.2 Gemäss Art. 83 Abs. 5 AIG ist eine Wegweisung in einen EU - oder EFTA-Staat vermutungsweise zumutbar. Diese Legalvermutung gilt mit Be- zug auf Griechenland grundsätzlich auch für vulnerable Personen wie bei- spielsweise Menschen, welche an gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind; hingegen erachtet das Gericht den Vollzug der Wegweisung von äussert vulnerablen, schutz- berechtigten Personen grundsätzlich als unzumutbar, ausser, es bestün- den besonders begünstigende Umstände, aufgrund derer ausnahmsweise von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden kann (vgl. zum Ganzen das Re ferenzurteil E -3427/2021, E -3431/2021 a.a.O. E. 11.5.1 und E. 11.5.3). Wird im konkreten Einzelfall festgestellt, dass die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs besteht, hat die betroffene Person die Möglichkeit, diese umzustossen. Dazu hat sie jedoch ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen, dass sie in Griechenland aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaft- licher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. a.a.O. E. 11.4). 9.3.3 Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung rechtfertigt es sich gestützt auf die Aktenlage nicht, davon auszugehen, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine äusserst vulnerable Person handelt. Sie ist volljährig und damit nicht mehr in einem per se besonders verletzli- chen (jugendlichen) Alter. Eine besondere Abhängigkeit von ihren sich in der Schweiz aufhaltenden Familienangehörigen wurde ebensowenig über- zeugend dargetan, wie eine Abhängigkeit dieser Angehörigen – namentlich ihrer Mutter und ihres minderjährigen Bruders – von ihr. Demnach besteht kein Anlass für eine Vereinigung des Verfahrens der Beschwerdeführerin E-4761/2024 Seite 13 mit denjenigen ihrer Angehörigen. Das entsprechende Begehren ist abzu- weisen. 9.3.4 Die Beschwerdeführerin hat überdies keine ernsthaften Anh alts- punkte dafür vorgebracht, dass sie aufgrund von individuellen Umständen sozialer oder wirtschaftlicher Art bei einer Rückkehr nach Griechenland in eine existenzielle Notlage geraten würde. Zwar dürfte sie bei einer Rück- kehr nach Griechenland mit Hinder nissen zu kämpfen haben; diese er- scheinen bei zumutbarer Eigeninitiative jedoch nicht unüberwindbar. Es ist erneut darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin sich als aner- kannter Flüchtling auf die Qualifikationsrichtlinie berufen kann und es ihr obliegt, ihre Rechte vor Ort bei den zuständigen Behörden geltend zu ma- chen und nötigenfalls auf dem Rechtsweg durchzusetzen. Die eingereich- ten Screenshots von Bildern eines Camps in Griechenland vermögen keine andere Einschätzung zu rechtfertigen, zumal eine Rückkehr dorthin ohne- hin nicht zu erwarten ist. 9.3.5 Gemäss den medizinischen Unterlagen in den erstinstanzlichen Ver- fahrensakten leidet die Beschwerdeführerin unter Schwindelanfälle unkla- rer Ursache, Schlafstörungen, schweren Kopfschmerzen sowie Varizen (Krampfadern) in beiden Beinen. In dem mit der Beschwerdeschrift einge- reichten Arztbericht vom 26. Juli 2024 wurde bei der Beschwerdeführerin eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD 10 F43.1) diagnos- tiziert und ihr eine latente Suizidalität attestiert. Es wurde ihr eine medika- mentöse Behandlung verschrieben (Saroten). Diese gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin sind, ohne diese verharmlosen zu wol- len, nicht von einer derartigen Schwere, dass sie der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenstehen. Es liegen keine Anhaltspunkte da- für vor, dass die Beschwerdeführerin in Griechenland keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung – beispielsweise zu einer allfälligen psychologi- schen Behandlung – erhalten sollte. Die erwähnten psychischen Probleme sind zwar als nicht unerheblich zu erachten. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist aber davon auszugehen, dass sowohl eine PTBS als auch eine depressive Episode in Griechenland behandelt werden können und entsprechende Medikamente erhält lich sind (vgl. Urteile des BVGer E-2779/2023 vom 23. November 2023 E. 7.3.3, D-4879/2022 vom 27. April 2023 E. 8.6.1, je m.w.H.). Zudem haben in lebensbedrohlichen Situationen alle Personen, unabhängig von ihrem rechtlichen Status, in Griechenland Zugang zu Notfallstationen (vgl. Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 a.a.O. E. 9.8.2). Betreffend die im Arztbericht vom 26. Juli 2024 erwähnte latente Suizidalität der Beschwerdeführerin ist festzuhalten, E-4761/2024 Seite 14 dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung Suizidalität für sich allein kein Vollzugshindernis darstellt (vgl. Urteil des BGer 2C_221/2020 vom 19. Juni 2020 E. 2), was auch der Praxis des Bundesverwaltungsge- richts entspricht (vgl. etwa Urteile des BVGer E -964/2024 vom 7. März 2024 E. 7.5, F-2034/2022 vom 23. Mai 2022 E. 9.5 m.H.). Sodann ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin die Mög- lichkeit hat, mediz inische Rückkehrhilfe, beispielsweise in Form der Mit- gabe von Medikamenten oder der Übernahme von Kosten für notwendige Therapien, in Anspruch zu nehmen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Darüber hinaus hat die Vorinstanz bei der Organisation des Wegweisungs- vollzugs dem aktuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin Rechnung zu tragen und die zuständigen Behörden vor dem Wegwei- sungsvollzug über den Gesundheitszustand und ei ne allfällig notwendige medizinische Behandlung zu informieren. 9.3.6 Nach dem Gesagten liegen keine konkreten und glaubhaften An- haltspunkte dafür vor, dass d ie Beschwerdeführerin in Griechenland auf- grund von individuellen Umständen in eine existenzielle Notlage geraten würde. Es ist ihr nicht gelungen, die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs umzustossen. 9.3.7 Bei dieser Sachlage besteht auch kein Anlass zur Einholung indivi- dueller Garantien die adäquate Unterbringung sowie den benötigten Zu- gang zu nahtloser fachärztlicher Behandlung betreffend (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E -319/2021 vom 27. Januar 2021 E. 5.5), weshalb der entsprechende, subeventualiter gestellte Antrag ebenfalls abzuweisen ist. 9.3.8 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.4 Nachdem die griechischen Behörden der Überstellung der Beschwer- deführerin zugestimmt haben und sie über ein bis zum 25. Mai 2029 gülti- ges Reisepapier verfügt, ist der Vollzug der Wegweisung auch möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). E-4761/2024 Seite 15 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die an gefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 11.2 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung sind ungeachtet der geltend gemachten prozessualen Be- dürftigkeit abzuwe isen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos erwiesen haben (Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 102m Abs. 1 AsylG). 11.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-4761/2024 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain