Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Juli 2021 (720 19 351 / 185) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts / Gerichtsgutachten Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Matthias Aeberli, Advokat, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1961 geborene, zuletzt als Service-Angestellte im Gastgewerbe tätig gewesene A.____ meldete sich am 18. September 2011 unter Hinwe is auf verschiedene gesundheitliche Beeinträchtigungen bei der Eidgenössischen Invalidenversic herung (IV) zum Bezug von Leis- tungen an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft klärte in d er Folge die gesundheitlichen und die er- werblichen Verhältnisse der Versicherten ab, insbesonder e holte sie bei der Ärztlichen Begut- achtungsinstitut (ABI) GmbH das polydisziplinäre Gutacht en vom 9. November 2015 ein. Auf der Grundlage dieser Expertise und einer Beurteilun g des Regionalen Ärztlichen Dienstes Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht (RAD) beider Basel vom 2. Oktober 2017 ermittelte die IV-Stelle bei der Versicherten folgende Invaliditätsgrade: Ab 30. Mai 2012 (Ablauf des Wartej ahres): 50 %, ab 1. Juni 2013: 100 %, ab 1. Dezember 2013: 50 % und ab 1. Juni 2014: 27 %. G estützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle der Versicherten nach durchgeführtem Vorbesche idverfahren mit Verfügung vom 27. September 2019 folgende befristete Renten zu: Vo m 1. Mai 2012 bis 31. August 2013 eine halbe Rente, vom 1. September 2013 bis 28. Februar 2 014 eine ganze Rente und vom 1. März 2014 bis 31. August 2014 eine halbe Rente. Gleichzeiti g lehnte sie einen weiteren Rentenan- spruch ab 1. September 2014 ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durc h Advokat Dr. Matthias Aeberli, am 29. Oktober 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die ange fochtene Verfügung insoweit aufzuhe- ben, als dass ihr rückwirkend per 1. März 2012 eine ganze R ente, basierend auf einem Invalidi- tätsgrad von mindestens 70 %, auszurichten sei; unter o/e-Kostenfolge. C. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 16. Dezember 2019 die Abwei- sung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausfü hrungen eine Beurteilung der RAD- Ärztin Dr. med. B.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 6. November 2019 bei. D. Anlässlich der Urteilsberatung vom 20. Februar 2020 gelangte das Kantonsgericht zum Ergebnis, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Das Kantonsgericht beschloss deshalb, den Fall aus- zustellen und zur Klärung der medizinischen Sachlage beim Zentrum für Medizinische Begut- achtung (ZMB) Basel ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Im Anhang zu diesem Beschluss unterbreitete das Kantonsgericht den P arteien den Entwurf des entspre- chenden Auftrags und den vorgesehenen Fragenkatalog. Die Parteien erklärten sich in der Fol- ge mit dem Fragenkatalog einverstanden und verzichteten darauf, Zusatzfragen zu stellen. Am 8. April 2020 erging der Begutachtungsauftrag des Gerichts an das ZMB. E. Am 16. November 2020 erstattete das ZMB das polydiszi plinäre Gerichtsgutachten. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Inhalt der Expertise und zur Frage zu äussern, wie sich deren Ergebnisse auf den Leistungsanspruch der Versiche rten auswirken würden. Die Be- schwerdegegnerin reichte die entsprechende Stellungnah me am 23. Dezember 2020 samt ei- ner Beurteilung der RAD-Ärztin Dr. B.____ vom 5. Dezember 2020 ein. Die Beschwerdeführerin äusserte sich am 2. März 2021, wobei sie zusammen mit ihr en Ausführungen einen Bericht der Klinik C.____ vom 10. Februar 2021 zu den Akten gab. In der Folge nahmen die Versicherte am 12. März 2021 und die Beschwerdegegnerin am 22. März 2021 zu den jeweiligen Standpunkten der Gegenpartei Stellung. Die Beschwerdegegnerin leg te ihrer Eingabe eine weitere Beurtei- lung der RAD-Ärztin Dr. B.____ vom 17. März 2021 bei. F. Mit Verfügung vom 25. März 2021 überwies der instru ierende Präsident die Angele- genheit dem Dreiergericht zur (erneuten) Beurteilung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. L aut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf di e Beschwerde der Versicherten vom 29. Oktober 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). 3.3.1 So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach de r Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholt es Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Eine abw eichende Beurteilung kann ferner ge- rechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserung en anderer Fachexperten dem Ge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht richt als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens a bweichende Schlussfolgerun- gen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). 3.3.2 Im Weiteren ist den im Rahmen des Verwaltungsver fahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4. Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 5.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszusta nds und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten das polydisziplinäre ABI-Gutachten vom 9 . November 2015 ein. Darin erhob das beteiligte Ärzteteam folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: (1) Vestibula- risschwannom rechts (ICD-10 D33.3) mit/bei Zustand nach k urativer stereotaktischer Radiothe- rapie, vestibulärer Funktionsstörung rechts und panton aler Schallempfindungsschwerhörigkeit rechts; (2) Tinnitus rechts (ICD-10 H93.1), mittelgra dig kompensiert; (3) Chronische Kniebe- schwerden rechts (ICD-10 M79.66/Z98.8/Z96.6) mit/bei St atus nach arthroskopischer medialer Teilmeniskektomie am 29.10.2012, Status nach unikondylä rer Knieprothese medial am 21.06.2013, radiologisch klaren Zeichen der Femoropate llararthrose (Röntgen 09/2015) und reizlosem, frei beweglichem Gelenk; (4) Chronische Kniebe schwerden links (ICD-10 M17.0/ Z98.8) mit/bei (anamnestisch) Status nach arthropskopische m Eingriff circa 2010, radiologisch beginnender Degeneration medial (Röntgen 09/2015) u nd reizlosem, frei beweglichem Gelenk ohne Hinweise für Meniskusläsion oder Instabilität; (5) L eichte depressive Episode (ICD-10 F32.0). Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbei tsfähigkeit hielten die Gutachter ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5), eine chronische Cephalea mit Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Spannungskopfschmerzen (ICD-10 G44.2), analgetikainduzier ten Kopfschmerzen (ICD-10 G44.4) und anamnestisch einer Migräne (ICD-10 G43) sowie eine Eisenmangelanämie (ICD-10 D80.0) fest. In ihrer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gelangten die Gutachter zum Schluss, dass die Explorandin aus polydisziplinärer Sicht für eine körp erlich leichte, vorwiegend sitzende Tä- tigkeit ohne hohe Umgebungsgeräuschpegel in einem gan ztägigen Pensum zu 70 % arbeits- und leistungsfähig sei. Aufgrund der Schwindelproble matik und der möglichen Lärmbelastung sei die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Service-Angestellt e eher nicht mehr geeignet. Körperlich andauernd mittelschwere und schwere Tätigkeiten seien der Versicherten nicht mehr zumutbar. Die Arbeitsunfähigkeiten aus otorhinolaryngologischer und psychiatrischer Sicht könnten nicht kumuliert werden, da dieselben Zeitabschnitte für vermehrt notwendige Pausen genutzt werden könnten. Was den Beginn und den Verlauf der Arbeitsunf ähigkeit betreffe, sei davon auszuge- hen, dass die festgestellte 30%-ige Arbeitsunfähigkeit s eit spätestens anfangs 2014 bestehe. Nach der Knieoperation im Juni 2013 habe vorübergehend eine volle Arbeitsunfähigkeit vorge- legen. Vorher könne pragmatisch gesehen eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit über die Zeit gemit- telt seit der Krankschreibung im Jahr 2011 angenommen werden. 5.2 Nachdem die Versicherte im Rahmen des Vorbescheidverf ahrens - unter anderem - die graduelle Abstufung der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht beanstandet hatte, nahm die RAD-Ärztin pract. med. D.____ am 2. Oktober 2017 auf Ersuchen der Beschwerdegegnerin hierzu Stellung. Sie hielt fest, es müsse mit der Versicherten davon ausgegangen werden, dass wegen der im Juni 2013 durchgeführten Knieoperation und der nachfolgenden Rekonvaleszenz nicht nur eine halbjährige, bis November 2013 dauernd e vollständige Arbeitsunfähigkeit, son- dern daran anschliessend für ein weiteres halbes Jahr, d .h. bis Ende Mai 2014, zusätzlich noch eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Som it sei die Arbeitsunfähigkeit von 30 %, welche die ABI-Gutachter aufgrund der otoneurologischen Problematik attestiert hätten, erst ab Juni 2014 massgebend. 5.3 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 27. September 2019 bei der Würdigung des medizinischen Sachverhalts auf die Erg ebnisse des polydisziplinären ABI- Gutachtens vom 9. November 2015 und die ergänzende Beur teilung der Arbeitsfähigkeit durch die RAD-Ärztin pract. med. D.____vom 2. Oktober 2017. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Versicherte ab Mai 2012 (Ablauf des Wartejahres) bis Mai 2013 zu 50 %, von Juni 2013 bis November 2013 vollständig, von Dezember 2013 bis Mai 20 14 wieder zu 50 % und ab Juni 2014 bis auf Weiteres noch zu 30 % arbeitsunfähig war. 5.4.1 Das Kantonsgericht gelangte anlässlich der ersten Urteilsberatung vom 20. Februar 2020 zum Schluss, dass dem ABI-Gutachten vom 9. November 2015 keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. Es erwog, dass insbesondere der psych iatrische Fachteil dieses Gut- achtens nicht zu überzeugen vermöge. Dieser erweise sich teilweise als unvollständig. So habe der psychiatrische Experte die kognitiven Probleme der V ersicherten zu wenig abgeklärt und er habe Themen wie etwa die im Zusammenhang mit ihrer Schwannom-Erkrankung stehenden Ängste der Explorandin gar nicht angesprochen. Sodan n habe ihm anlässlich seiner Untersu- chungen - soweit ersichtlich - der Bericht der Klinik E._ ___ vom 14. Januar 2015 nicht vorgele- gen. In anderen Punkten erweise sich der psychiatrische Fach teil als eher oberflächlich, so bei- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht spielsweise in der Beschreibung der Ressourcen der Explorandin. Zu beachten sei ferner, dass die im Bericht der Klinik C._____ vom 2. Mai 2018 au sführlich wiedergegebenen Schilderungen der Versicherten auf eine zwischenzeitlich erfolgte Ver schlechterung des Gesundheitszustands hindeuten würden. Eine solche Entwicklung schliesse denn auch die RAD-Ärztin Dr. B.____ nicht aus, halte sie in ihrer Beurteilung vom 9. Oktobe r 2018 doch ausdrücklich fest, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustands nicht ausgeschlosse n werden könne. In diesem Zusammenhang sei zu beachten, dass die ABI-Begutachtung i m September 2015 erfolgt sei und somit in zeitlicher Hinsicht schon länger zurückliege, w eshalb auch vor diesem Hintergrund fraglich sei, ob das Gutachten im Zeitpunkt des Erlasse s der angefochtenen Verfügung (27.September 2019) noch den aktuellen medizinischen Sachverhalt wiedergegeben habe. 5.4.2 Da die übrigen damals vorliegenden medizinischen Berichte ebenfalls keine ausrei- chende Grundlage für eine abschliessende Beurteilung d er Beschwerde bildeten, beschloss das Kantonsgericht, den Fall auszustellen und zur weite ren Klärung des medizinischen Sach- verhalts ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Das Kantonsgericht hielt im Hinblick auf die Erteilung des Begutachtungsauftrags fest, es sei zwar in erster Linie der psychische Gesund- heitszustand der Versicherten, der zusätzlicher Abklärung bedürfe, aufgrund des Umstands, dass die Beschwerdeführerin auch an verschiedenen somatische n Gesundheitsbeeinträchti- gungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit leide, sei jedoch eine erneute polydisziplinäre Begutachtung erforderlich. Mit der Erstellung des betr effenden Gutachtens wurde in der Folge das ZMB beauftragt. 6. Am 16. November 2020 erstattete das ZMB das polydiszi plinäre Gutachten, das Abklä- rungen in den Fachgebieten Allgemeinmedizin, Orthopä die, Neurologie, HNO, Psychiatrie und Neuropsychologie beinhaltet. 6.1 Die involvierten ZMB-Gutachter erhoben folgende D iagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: (1) Chronische Schmerzstörung mit somat ischen und psychischen Faktoren mit/bei (1.1) Chronischen Kniebeschwerden beidseits mit/ bei (1.1.1) Status nach arthroskopi- scher medialer Teilmeniskektomie rechts (10/2012), (1.1 .2) Status nach unikondylärer Kniepro- these medial rechts (06/2013), (1.1.3) Femoropatell ararthrose (Röntgen 09/2015, MRI 05/2020); (1.1.4) Status nach arthroskopischem Eingriff links (2010), (1.1.5) beginnender Dege- neration mediales Kniekompartiment links (Röntgen 09/2 015); (1.1.6) residueller Sensibilitäts- störung infrapatellär mit Reizsymptomen des Ramus infrapa tellaris des Nervus saphenus; (1.2) Chronischem lumbo-spondylogenem Schmerzsyndrom ohne radi kuläre Reiz- und Ausfalls- symptome an den unteren Extremitäten bei degenerativen Veränderungen geringer Ausprä- gung in den distalen lumbalen Segmenten (Röntgen 09/ 2020); (2) Vestibularisschwannom rechts Grad II nach Koos (ED 07/2011) bei/mit (2.1) St atus nach fraktionierter stereotaktischer Radiotherapie (vom 01.11. bis 18.11.2011), (2.2) cochleovestibulärem Defizit rechts, (2.3) Tinni- tus und (2.4) vestibulärer Funktionsstörung mit unsystema tischem Belastungsschwindel; (3) Chronische Migräne ohne Aura; (4) Chronifizierte depressive Störung, gegenwärtig leichte Aus- prägung, und (5) Leichte neuropsychologische Störung. Als Leiden ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden Spannungskopfschmerzen, Überge wicht, anamnestisch ein Status nach Hysterektomie 2017 oder 2018, ein Status nach App endektomie 1972 oder 1973, ein Sta- tus nach Verkehrsunfall am 02.12.2018 und ein Schädel-H irn-Trauma mit kleinen Kontusions- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht blutungen bifrontal sowie multiplen Kontusionen, aktu ell ohne neurologische Residuen, festge- halten. 6.2.1 In ihrer Konsensbeurteilung äusserten sich die Gut achter vorab zu den funktionellen Auswirkungen der erhobenen Befunde und Diagnosen. Diesb ezüglich hielten sie fest, dass aus orthopädischer Sicht eine Minderbelastbarkeit des Achs enorgans und beider Kniegelenke rechtsbetont vorliege. Aus neurologischer Sicht sei die Explorandin aufgrund der Schwindelbe- schwerden insoweit eingeschränkt, als Tätigkeiten auf L eitern und Gerüsten mit Sturzgefahr nicht geeignet seien. Die Kopfschmerzen, die überwiege nd wahrscheinlich Arbeitsausfälle mit sich bringen würden, hätten eine verminderte Konzentra tions- und Durchhaltefähigkeit zur Fol- ge, sodass der Versicherten aus neurologischer Sicht in jegl icher Tätigkeit eine Verminderung des Rendements um 20 % attestiert werden müsse. Aus HN O-Sicht bestehe durch das Recrui- tement und die Schwerhörigkeit vor allem dann ein Prob lem, wenn sich die Explorandin länger in lärmiger Umgebung befinde. Sie könne im Lärm dem Gesprochenen kaum folgen und ermü- de schnell. Es seien deshalb keine Tätigkeiten mit Anfor derungen an das Gehör, das Rich- tungshören oder das Gleichgewichtssystem geeignet. Aus psychiatrischer Sicht bestünden eine Antriebs- und Initiativlosigkeit, eine verminderte emot ionale und physische Belastbarkeit sowie ein erhöhter Erholungs- und Pausenbedarf. Aus neuropsychologischer Sicht führe die Kombina- tion aus geringer schulischer Bildung und leichter neur opsychologischer Störung zu einer Min- derung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von 30 %. 6.2.2 Als nächstes diskutierten die Gutachter eventuell relevante Persönlichkeitsaspekte der Versicherten. Dabei gelangten sie zur Auffassung, dass sich aufgrund der Anamnese, der Ak- tenanamnese und des klinischen Befunds nicht auf eine präm orbide Persönlichkeitsproblematik schliessen lasse. Es könne aber anhand der Biographie ang enommen werden, dass die Versi- cherte über einen niedrigen Bildungsstand und entsprec hend begrenzte Ressourcen verfüge. Ihre eher passive Bewältigungsstrategie müsse vor diesem Hintergrund und im Rahmen ihrer kulturellen Prägung interpretiert werden und nicht als Korrelat einer Persönlichkeitsstörung oder -akzentuierung gemäss ICD-10. 6.2.3 Zu allfälligen Belastungsfaktoren und den Ressou rcen der Explorandin führten die Gutachter aus, die Versicherte sei in stabile familiäre Verhältnisse eingebunden, ansonsten aber sozial isoliert. Sie sei finanziell abhängig von ihrem Ehemann und habe sich auf einen sehr passiven und minimalistischen Lebensstil zurückgezogen. Si e pflege weder Hobbies noch aus- serfamiliäre Kontakte. Sie sei sozial und kulturell schlecht integriert, positive Aktivitäten habe sie aufgegeben und die Selbstpflege sei mangelhaft. Die V ersicherte sei durch ihre praktisch feh- lenden Deutschkenntnisse und ihre geringe Bildung in ihrer Integrationsfähigkeit beeinträchtigt. 6.2.4 Im Rahmen der Konsistenzprüfung gelangten die G utachter zum Ergebnis, dass die Aktenanamnese und der klinische Befund im Zusammenhang m it der Eigenanamnese ein in sich konsistentes und plausibles Gesamtbild ergeben würden. Die vermeintlichen Diskrepanzen angesichts der teilweise divergenten Vorberichte würde n einerseits aus dem schwankenden Verlauf der depressiven Symptomatik und andererseits aus der bisher nicht ausreichenden di- agnostischen Würdigung der Schmerzfehlverarbeitung im Sinne der chronischen Schmerzstö- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung gemäss ICD-10 resultieren. Aus der Kombination der chronischen Schmerzstörung und der chronischen depressiven Störung ergebe sich die aktu ell schlechtere Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit. 6.3.1 Zur Frage der Arbeitsfähigkeit in der bisherige n Tätigkeit hielten die Gutachter fest, die Versicherte habe nach ihrer Einreise in die Schweiz zuers t als Näherin gearbeitet. Diese Tätig- keit könnte die Versicherte weiterhin im Umfang von 60 % ausüben, da es sich dabei um eine mehrheitlich sitzend zu verrichtende Arbeit handle. Vor ausgesetzt sei allerdings, dass sich der Arbeitsplatz nicht in einem lärmigen Umfeld befinde u nd dass wegen der Migräneneigung kein allzu greller Lichteinfall bestehe. Diese Einschränkung des Rendements ergebe sich aufgrund des psychischen Leidens und gelte ab Januar 2015. Damals seien im Bericht der Klinik E.____ eine mittelschwere depressive Episode und ein chronische s, wahrscheinlich kombiniertes Kopf- schmerzsyndrom sowie eine leichte neuropsychologische Störun g mit verminderter Belastbar- keit und psychomotorischer Verlangsamung beschrieben worden . Die Versicherte habe zwi- schenzeitlich auch als Verpackerin von Seifen und Parfums gearbeitet. Wenn diese Tätigkeit mehrheitlich in sitzender Position erfolgen könne, sei die Explorandin - unter Einhaltung der vorgenannten Bedingungen bezüglich Lärm und Lichteinfal l - ebenfalls zu 60 % arbeitsfähig. Die zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Raumpflegerin un d als Service-Angestellte im Gastge- werbe hingegen seien der Versicherten aufgrund der Ko mbination der Minderbelastbarkeit der LWS sowie beider Kniegelenke ab Oktober 2012, dem Ze itpunkt der arthroskopischen Teil- meniskektomie, nicht mehr zumutbar. 6.3.2 Die Arbeitsfähigkeit in einer den Leiden angep assten Tätigkeit beurteilten die Gutach- ter wie folgt: Die Versicherte sei in einer Beschäftigu ng ohne Arbeiten in Zwangspositionen, vor allem nicht in kauernder/gebückter oder kniender Haltun g, ohne repetitives Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, mehrheitlich sitzend, ohne Tätigke iten auf Leitern und Gerüsten, ohne Tätigkeiten in lärmender Umgebung oder in einer Umg ebung mit starker Lichteinwirkung, ohne Tätigkeiten an Maschinen mit Eigen- und Fremdgefährdu ng, mit nur geringen Ansprüchen an die Eigeninitiative, mit einer überschaubaren Tätigkei t und der Möglichkeit, bei Bedarf Pausen einzulegen, ab Januar 2015 im Umfang von 60 % arbeitsfähig. 6.3.3 Im Weiteren äusserten sich die ZMB-Gutachter zur (leicht) abweichenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die ABI-Administrativgutach ter, die der Versicherten in angepasster Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % attestiert hatten. Die ZMB-Gutachter hielten fest, sie würden davon ausgehen, dass die Versicherte in einer ang epassten Tätigkeit aufgrund der Kopfschmerzsymptomatik zu 20 % eingeschränkt sei. Demgegenüber hätten die ABI-Gutachter keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus neurol ogischer Sicht attestiert. Dazu geselle sich aktuell eine zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähi gkeit um weitere 20 % - auf insge- samt 40 % - aufgrund der Summe der psychischen Leiden, nämlich der chronischen Schmerz- störung und der Depression. Die Versicherte erlebe die d iversen Körperschmerzen im Rahmen der chronischen Schmerzstörung sehr intensiv und sei auf grund ihrer depressiven Symptoma- tik, insbesondere wegen der damit verbundenen Antrieb sminderung, nur reduziert in der Lage, ihre Schmerzsymptomatik zu überwinden und eine auf dem A rbeitsmarkt verwertbare Tätigkeit Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht auszuüben. Man sei der Auffassung, dass im ABI-Gutachten die Schmerzfehlverarbeitung im Hinblick auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht ausreichend gewürdigt worden sei. 6.3.4 Abschliessend verneinten die ZMB-Gutachter die Fr age, ob sich die in den einzelnen Disziplinen erhobenen (Teil-) Arbeitsunfähigkeiten in der Gesamtbeurteilung der Arbeitsunfä- higkeit ganz oder teilweise addieren würden. Sie vertra ten die Auffassung, dass die Arbeitsun- fähigkeit von 20 % aus neurologischer Sicht und diejenig e von 30 % aus neuropsychologischer Sicht in der Arbeitsunfähigkeit von 40 % aus psychiatrischer Sicht enthalten seien. 7. In ihrer Stellungnahme vom 23. Dezember 2020 zum Z MB-Gerichtsgutachten äusserte sich die Beschwerdegegnerin nicht zu dessen Inhalt, sondern sie beschränkte sich auf kurze Ausführungen zu den Auswirkungen der medizinischen Beurt eilung auf den Leistungsanspruch der Versicherten. Sie hielt fest, dass neu von einem Inva liditätsgrad von 38 % auszugehen sei, was aber ebenfalls keinen Rentenanspruch zu begründen vermöge. Die Beschwerdeführerin wiederum machte in ihrer Stellungnahme vom 2. März 2021 gestützt auf einen Bericht der Klinik C.____ vom 10. Februar 2021 geltend, ihr psychischer Ges undheitszustand sei deutlich stärker beeinträchtigt, als im psychiatrischen Teil-Gutachten de s ZMB angenommen worden sei. Aus diesem Grund erweise sich auch die von den Gutachtern er mittelte Restarbeitsfähigkeit von 60 % in einer leidensangepassten Tätigkeit als unzutre ffend. Es sei vielmehr auf die Einschät- zungen der Ärzte der Klinik C.____ abzustellen, die ihr bereits im früheren Bericht vom 2. Mai 2018 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestieret hätten. Sie halte deshalb, so das Fazit der Beschwerdeführerin, an ihrem Rechtsbegehren fest, wonach ihr rückwirkend eine ganze Rente auszurichten sei. 8.1 Nach den oben geschilderten Beweismaximen (vgl. E. 3.3.1 hiervor) weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre F achkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise w idersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerun- gen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner ger echtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht al s triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, s ei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Er- gebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerung en zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). 8.2 Vorliegend lassen sich den Akten keine solchen zwinge nden Gründe entnehmen, auf- grund derer von den Ergebnissen des ZMB-Gerichtsgutachte ns vom 16. November 2020 abzu- weichen wäre. Ebenso wenig ist aufgrund der Einwände, welche die Beschwerdeführerin gegen die Ergebnisse der Gerichtsexpertise erhebt, ein solches Abweichen angezeigt (vgl. dazu die nachfolgende E. 8.3). Es ist vielmehr festzuhalten, dass das ZMB-Gerichtsgutachten die recht- sprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage erfüllt: Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es i st - wie dies vom Bundesgericht verlangt Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die streitigen Belan ge umfassend, es stützt sich auf eine sorgfälti- ge persönliche Untersuchung der Explorandin und auf versch iedene fremdanamnestische Er- hebungen durch den Gutachter, es berücksichtigt die geklag ten Beschwerden und es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden. Inhaltlich ist das Gutachten widerspruchsfrei und es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizi- nischen Situation ein. 8.3.1 Im Zusammenhang mit den Einwänden der Beschwerd eführerin gegen die Ergebnisse der Gerichtsexpertise ist vorab festzuhalten, dass sich die Kritik der Versicherten ausschliess- lich gegen den psychiatrischen Fachteil des Gutachtens richte t. Die Beurteilungen der jeweili- gen Fachärzte bzw. der Fachpsychologin im allgemeinmedizin ischen, orthopädischen, neurolo- gischen, otorhinolaryngologischen und neuropsychologischen T eilgutachten werden von der Versicherten - zu Recht - nicht in Frage gestellt. 8.3.2 In ihrer Stellungnahme vom 2. März 2021 beansta ndet die Beschwerdeführerin das psychiatrische Teilgutachten des ZMB hauptsächlich mit dem A rgument, ihr psychischer Ge- sundheitszustand sei deutlich stärker beeinträchtigt, als die psychiatrische Gerichtsgutachterin angenommen habe. Zur Begründung dieser Einschätzung verweist sie auf den Bericht derKlinik C.____ vom 10. Februar 2021. Darin wird ausgeführt, die Versicherte leide seit Jahren an einer chronisch depressiven Erkrankung. Man habe die Patientin im Januar 2021 anlässlich zweier Untersuchungen erneut eingehend psychiatrisch abgeklärt un d dabei keine wesentliche Verän- derung der Beschwerden und Symptomatik seit dem letzten Bericht vom 2. Mai 2018 festge- stellt. Es sei weiterhin von einer chronischen, primär depressiven Erkrankung von mindestens mittelgradigem Ausmass - und nicht von einer somatoformen Schmerzstörung - auszugehen. 8.3.3 Diese Ausführungen der behandelnden Ärzte der K linik C.____ vermögen entgegen der Auffassung der Versicherten die ausschlaggebende Beweiskraft des (psychiatrischen Fach- teils) des ZMB-Gerichtsgutachtens nicht in Frage zu stelle n. Vorab ist die Beschwerdeführerin auf die Rechtsprechung hinzuweisen, wonach es die unt erschiedliche Natur von Behandlungs- auftrag des therapeutisch tätigen (Fach-) Arztes einers eits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits n icht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anl ass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten blei- ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interp retation entspringende - Aspekte schildern, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewü rdigt geblieben sind (Urteile des Bun- desgerichts vom 26. November 2019, 8C_549/2019, E. 3.2 mit Hinweis, und vom 8. April 2020, 8C_60/2020, E. 3.2). Eine solche Konstellation liegt hier nicht vor, benennen die Ärzte der Klinik C.____ doch keine relevanten Punkte, die im Rahmen d er Exploration unerkannt oder unge- würdigt geblieben wären. Es verhält sich vielmehr so, da ss sich die Einschätzungen der Ge- richtsgutachter und der behandelnden psychiatrischen Fach ärzte vor allem in der Frage unter- scheiden, durch welche(s) psychische Leiden die Arbeitsfähig keit in erster Linie beeinträchtigt wird. Während für die ZMB-Experten diesbezüglich eher die chronische Schmerzstörung im Vordergrund steht, sind die behandelnden Ärzte der Auf fassung, dass die Beeinträchtigung der Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht hauptsächlich auf eine chronische, primär depressive Erkrankung von mindestens mittelgradiger Ausprägung zu rückzuführen sei. Wie es sich damit verhält, ist nun allerdings nicht von entscheidender B edeutung, kommt es doch bei der Bemes- sung der (Rest-) Arbeitsfähigkeit weniger auf die Di agnosestellung, sondern vielmehr auf die konkreten Auswirkungen der bestehenden Leiden auf die Ar beits- und Leistungsfähigkeit an. Während die ZMB-Gutachter diesbezüglich von einer Beeint rächtigung von 40 % ausgehen, sehen die Ärzte der Klinik C.____ in ihrem Bericht vom 10. Februar 2021 davon ab, das Aus- mass der (Rest-) Arbeitsfähigkeit der Versicherten zu bezi ffern. Auch unter diesem Gesichts- punkt ist der betreffende Bericht nicht geeignet, die Ergebnisse des ZMB-Gerichtsgutachtens erheblich in Zweifel zu ziehen. 8.4 Zusammenfassend ist demnach gestützt auf die schlüssigen Ergebnisse des Gerichts- gutachtens des ZMB davon auszugehen, dass der Versicherten die Ausübung einer leidens- adaptierten Verweistätigkeit ab Ablauf des Wartejahres (30. Mai 2012) zu 50 %, ab 1. Juni 2013 zu 0 %, ab 1. Dezember 2013 wieder zu 50 %, ab 1. Jun i 2014 zu 70 % und ab 1. Januar 2015 noch zu 60 % zumutbar war. 9.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimme n. In der Verfügung vom 27. September 2019 nahm die IV-Stelle auf der Basis d er durch die ABI-Gutachter und die RAD-Ärztin pract. med. D.____ ermittelten verschiedenen Arbeitsunfähigkeitsgrade die erfor- derlichen Einkommensvergleiche vor. Da die Beschwerdefüh rerin seit Eintritt der gesundheitli- chen Beeinträchtigungen keiner oder jedenfalls keiner zumutbaren Erwerbstätigkeit mehr nach- ging, setzte die IV-Stelle das Invalideneinkommen zu Recht unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamte s für Statistik fest (vgl. dazu BGE 126 V 75 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 321 E . 3b/aa). Die auf diese Weise errechne- ten Beträge stellte sie dem gestützt auf die Angaben der letzten Arbeitgeberin ermittelten Vali- deneinkommen gegenüber und gelangte so zu Invaliditäts graden von 50 % ab 30. Mai 2012, von 100 % ab 1. Juni 2013, von 50 % ab 1. Dezember 201 3 und von 27 % ab 1. Juni 2014. Nachdem laut dem ZMB-Gerichtsgutachten nunmehr ab 1. Ja nuar 2015 von einer leicht höhe- ren Arbeitsunfähigkeit von 40 % (statt 30 %, wie sie i n der angefochtenen Verfügung dem ab 1. Juni 2014 massgebenden Einkommensvergleich zu Grunde gelegen hatte) auszugehen ist, ermittelte die IV-Stelle in ihren Eingaben vom 23. Dezember 2020 und 22. März 2021 auf der Grundlage dieser gutachterlich attestierten Arbeitsunfä higkeit von nunmehr 40 % und unter Gewährung eines Tabellenlohnabzugs von 5 % für die Zei t ab 1. Januar 2015 einen Invalidi- tätsgrad von 38 %. 9.2 Die Beschwerdeführerin beanstandet im Zusammenhan g mit all den genannten Be- rechnungen einzig, dass ihr die IV-Stelle bei der Bemess ung der Invalideneinkommen jeweils einen unzureichenden Abzug vom Tabellenlohn gewährt habe. 9.2.1 Wird das Invalideneinkommen wie im vorliegenden Fall auf der Grundlage von statisti- schen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich ber ücksichtigt, dass versicherte Per- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht sonen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Sch werarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nur noch beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht errei- chen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugela ssene Abzug entwickelte sich in der Fol- ge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, w obei die Rechtsprechung dem Um- stand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes h aben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, we nn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür be- stehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehr erer dieser Merkmale ihre gesund- heitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem al lgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- schnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmun g der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insg esamt auf höchstens 25 % des Tabel- lenlohnes zu begrenzen (BGE 134 V 322 E. 5.2; vgl. zum Ganzen auch BGE 126 V 75 E. 5b/bb und cc). 9.2.2 Vorliegend nahm die IV-Stelle bei ihren Berech nungen der verschiedenen Invaliden- einkommen jeweils einen Abzug vom Tabellenlohn von 5 % vor. Demgegenüber ist die Be- schwerdeführerin der Auffassung, dass ihr in Anbetracht i hrer zahlreichen gesundheitlichen Einschränkungen und der damit verbundenen Schwierigkei t, eine entsprechende Arbeitsstelle zu finden, der maximale leidensbedingte Abzug von 25 % zu gewähren sei. Entgegen der Auf- fassung der Versicherten lässt sich in ihrem Fall ein Abzug im geforderten Umfang klarerweise nicht rechtfertigen. In diesem Zusammenhang ist vorab d arauf hinzuweisen, dass der gesamt- haft vorzunehmende Abzug vom Tabellenlohn grundsätzlich eine Schätzung darstellt. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrolli erende richterliche Behörde ihr Er- messen an die Stelle des Sozialversicherers setzt (BGE 126 V 75 E. 6). Das kantonale Versi- cherungsgericht greift daher in das Ermessen des Sozialversi cherers nur bei triftigen Gründen ein. Dabei muss sich das kantonale Gericht auf Gegebenhe iten abstützen können, die eine ab- weichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen l assen (BGE 123 V 150 E. 2). Vorliegend sind keine solche triftigen Gründe ersichtlich, aufgrund derer sich ein Abweichen von der vorinstanzlichen Ermessensausübung aufdrängen würde. Es ist vielmehr festzuhalten, dass den bei der Versicherten durchaus vorhandenen verschiedenartigen Einschränkungen in erheb- lichem Masse durch die gutachterlich attestierte Leistungseinschränkung von 40 % (ab 1. Janu- ar 2015) Rechnung getragen wurde, sodass diesbezüglich d ie Gewährung des von der Be- schwerdeführerin als angemessen erachteten leidensbedingt en Abzugs zu einer unzulässigen doppelten Berücksichtigung dieser Beeinträchtigungen führen würde. Weitere Kriterien, die eine Erhöhung des Abzugs vom Tabellenlohn rechtfertigen wü rden, sind ebenfalls nicht ersichtlich. So nehmen sowohl die Bedeutung des Alters als auch die jenige der Dienstjahre der Versicher- ten ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist, wesha lb diese Faktoren bei Tätigkeiten, die dem Kompetenzniveau 1 der Tätigkeit gemäss LSE (“einfache Tä tigkeiten körperlicher oder hand- werklicher Art“) entsprechen, in der Regel keinen Anlass zu einem (weiteren) Abzug vom Tabel- lenlohn geben (vgl. BGE 126 V 75 E. 5a/cc). Unter Würdigung der gegebenen Umstände und in Berücksichtigung der in Betracht fallenden Merkmale lässt sich deshalb die von der Beschwer- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht deführerin in ihrem Fall verlangte Gewährung des Maxim alabzugs von 25 % vom Tabellenlohn nicht begründen. 9.3 Die vorinstanzliche Bemessung des massgebenden Validen - und des zumutbaren In- valideneinkommens erweist sich (auch) in den übrigen Punkte n als korrekt. Die von der IV- Stelle ermittelten Zahlen sind denn auch - abgesehen vom vorstehend erörterten Einwand - von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet worden. Unter diesen Umständen kann hier von wei- teren Ausführungen zu den Einkommensvergleichen abgesehen und stattdessen vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle i n der Verfügung vom 27. September 2019 bzw. in den Eingaben vom 23. Dezember 2020 und 22. März 2021 verwiesen werden. 9.4 Zu prüfen bleibt, wie sich die ermittelten Invali ditätsgrade von 50 % ab 30. Mai 2012, von 100 % ab 1. Juni 2013, von 50 % ab 1. Dezember 20 13, von 27 % ab 1. Juni 2014 und von 38 % ab 1. Januar 2015 auf die Höhe sowie den Beginn und die Dauer des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin auswirken. Bei einem Invaliditätsgrad von 50 % hat die Versicherte mit Ablauf des Wartejahres ab 1. Mai 2012 Anspruch auf e ine halbe Rente. Nach Art. 88a Abs. 1 und Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherun g (IVV) vom 17. Januar 1961 sind Verbesserungen oder Verschlechterungen der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Auf- hebung bzw. die Erhöhung der Leistung von dem Zeitpun kt an zu berücksichtigen, in dem an- genommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Ze it dauern werden. Sie sind in je- dem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate ge- dauert haben und voraussichtlich weiterhin andauern we rden. Nach dem Gesagten lagen bei der Versicherten ab 1. Juni 2013 ein Invaliditätsgrad von 100 % und ab 1. Dezember 2013 wie- derum ein solcher von 50 % vor. In Berücksichtigung der g enannten Bestimmungen führt dies zu einem Anspruch auf eine ganze Rente ab 1. Septembe r 2013 (drei Monate nach eingetrete- ner Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit), die mit Wir kung ab 1. März 2014 (drei Monate nach eingetretener Verbesserung der Erwerbsfähigkeit) jedoch wieder auf eine halbe Rente herabzusetzen ist. Ab 1. Juni 2014 lag dann lediglich noch ein Invaliditätsgrad von 27 % vor. In Berücksichtigung der genannten Bestimmung von Art. 88 Abs. 1 lit. a IVV besteht der Anspruch auf die halbe Rente noch während dreier Monate seit der eingetretenen Verbesserung der Er- werbsfähigkeit, also noch bis zum 31. August 2014. Für den Zeitraum danach besteht kein Ren- tenanspruch mehr, da der ermittelte Invaliditätsgrad von 27 % ab 1. Juni 2014 unter dem für einen Rentenanspruch mindestens erforderlichen Wert vo n 40 % liegt. Ab 1. Januar 2015 kam es zwar wieder zu einer (leichten) Verschlechterung der Er werbsfähigkeit mit einem Invalidi- tätsgrad von nunmehr 38 %, da aber auch dieser Wert u nter dem Schwellenwert von 40 % für einen Rentenanspruch liegt, führt diese Verschlechteru ng der Erwerbsfähigkeit nicht zu einem (erneuten) Rentenanspruch der Versicherten. 10. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass di e IV-Stelle der Versicherten zu Recht folgende befristete Renten zusprach: Vom 1. Mai 2 012 bis 31. August 2013 eine halbe Rente, vom 1. September 2013 bis 28. Februar 2014 ei ne ganze Rente und vom 1. März 2014 bis 31. August 2014 eine halbe Rente. Nicht zu beanstan den ist sodann, dass sie einen weite- ren Rentenanspruch ab 1. September 2014 verneinte. D ie gegen die betreffende Verfügung Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 27. September 2019 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. 11. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. 11.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 11.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträ ger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die M assnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV- Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht wei ter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 210 E. 4.4.2). Vorliegend war das Kan- tonsgericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 2 0. Februar 2020 zum Ergebnis ge- langt, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelege nheit gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Es beschloss daher , die erforderliche zusätzliche Abklärung des medizinischen Sachverhalts im Rahmen eines po lydisziplinären Gerichtsgutach- tens vornehmen zu lassen. Das in der Folge eingeholte polydisziplinäre ZMB-Gerichtsgutachten vom 16. November 2020 war mit anderen Worten für eine abschliessende Beurteilung des Ren- tenanspruchs der Versicherten unerlässlich. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind demnach die Kosten dieses Gutachtens der IV-Stelle zu auferlegen. Die Kosten belaufen sich gemäss der eingereichten Honorarnote des ZMB vom 17. November 2020 auf Fr. 19'616.25. 11.3 Dem Prozessausgang entsprechend hat die Beschwerde führerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. 3. Die Kosten der gerichtlichen Begutachtung in der Höhe von Fr. 19'616.25 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht