Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. März 2016 (720 15 199 / 59) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Verletzung der Mitwirkungs- und Schadenminderungspflichten: Durchführung des ge- setzlichen Mahn- und Bedenkzeitverfahrens, Rechtsfolgen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Berufliche Massnahmen (756.0356.9123.01) A.1 Der 1967 geborene A.____ war zuletzt als Logist ikassistent tätig, bis ihm diese Stelle im Jahr 2010 aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt wurde. Im Dezember 2009 zog sich A.____ bei einem Unfall eine Schulterkontusion mit einer Labrumläsion und einer Partialruptur der Supraspinatussehne zu. Am 12. September 2011 er litt er anlässlich eines Treppensturzes zudem eine Rotationsverletzung C6/7 mit einer Proce ssus articularis superior-Fraktur C7 und Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht einem diskreten Reiz- und sensiblen Ausfallsyndrom C7. Als Folge dieser Verletzungen war der Versicherte nicht mehr in der Lage, seine angestammte Tätigkeit als Logistikassistent auszu- üben. A.2 Am 29. März 2010 hatte sich A.____ unter Hinweis a uf Rückenschmerzen zum Bezug von Leistungen im Sinne von Massnahmen für die beruflich e Eingliederung bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) angemeldet. Nach Abklärung der gesundheitlichen Verhältnis- se erteilte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 4. September 2012 dem Versicherten Kostengutspra- che für eine Umschulung zum Koch mit eidgenössischem Fähi gkeitszeugnis für die Dauer vom 1. August 2012 bis 31. Juli 2015. Die dreijährige Lehr e begann er im B.____ in X____. Im Jahr 2014 suchte er wegen internen Veränderungen eine Anschlusslösung. Auf den Beginn des drit- ten Lehrjahres wechselte er zur C.____ AG als neuen Ausbi ldungsort. Ende November 2014 schnitt sich der Versicherte mit einem Küchenmesser in den Finger. Aufgrund dieses Unfalles kam es zu Fehlzeiten im Betrieb, was zur Folge hatte, dass ihm die Teilnahme an der Lehrab- schlussprüfung im Frühjahr/Sommer nicht bewilligt wurd e. Im Rahmen eines Gesprächs über das weitere Vorgehen teilte der Versicherte den dortigen Verantwortlichen mit, dass er sich eine Zukunft in der C.____ AG nicht vorstellen könne. In der Folge veranlasste die C.____ AG die Auflösung des Lehrvertrags, worauf die IV-Stelle mit Ve rfügung vom 5. Mai 2015 dem Versi- cherten mitteilte, dass die Umschulung wegen selbstverschul deten Stellenverlusts nicht mehr durch die IV unterstützt werde. B. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertre ten durch Advokat Daniel Alter- matt, am 4. Juni 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, i n Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung vom 5. Mai 2015 sei festzustellen, dass er weiterhin Anspruch auf berufliche Massnahmen in Form der Umschulung zum Koch habe. In seiner innert e rstreckter Frist eingereichten Be- schwerdebegründung vom 25. Juni 2015 stellte er zusätzlich den Antrag auf Durchführung einer Parteiverhandlung. Zur Begründung seiner Rechtsbegehre n machte er im Wesentlichen gel- tend, dass es zwischen ihm und seinem Vorgesetzten zu Spannu ngen gekommen sei, da ihm zu wenig Gelegenheit geboten worden sei, die vom Lehr plan geforderten Fähigkeiten und Kenntnisse zu erwerben. Seine seit dem Unfall vom 30. November 2014 bestehende Arbeitsun- fähigkeit habe diese Spannungen noch erhöht. Im Rahmen des Gesprächs zur Klärung des weiteren Verlaufs mit den Verantwortlichen der C.___ _ AG habe er seine Kritik, dass er zu we- nig gefördert werde, angebracht und den Wunsch geäuss ert, den Lehrbetrieb zu wechseln. Er habe aber auch angeführt, dass er den Lehrvertag nicht auflösen wolle, solange der Wechsel nicht bewilligt sei. Die fristlose Kündigung durch die C.___ AG sei schon allein deshalb unzu- lässig gewesen, weil sie während der aufgrund der unfal lbedingten Arbeitsunfähigkeit zum Tra- gen kommenden Sperrfrist erfolgt sei. Dessen ungeachtet habe er sich keiner Pflichtverletzung schuldig gemacht. C. In ihrer Vernehmlassung vom 9. September 2015 bean tragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. Zu Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass der Beschwerdefüh- rer die zumutbare Weiterführung seiner Ausbildung bei der C.____ AG ohne zureichende Grün- de abgelehnt und damit seine Mitwirkungspflicht verletzt habe. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 16. September 2015 wurde der Verfahrensan- trag des Beschwerdeführers auf Durchführung einer Parte iverhandlung mit der Begründung abgewiesen, dass der Antrag ein eigentlicher Beweisant rag auf Anhörung des Beschwerdefüh- rers und nicht ein Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne der Europä- ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) sei. Nach summarischer Durchsicht der Akten er- scheine die Durchführung einer Beweisabnahme aber weder angezeigt noch erforderlich, wes- halb die (Beweis-)Anträge des Beschwerdeführers auf Dur chführung einer Parteiverhandlung vorerst abgewiesen würden. E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten so wohl der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 23. November 2015 als auch die Beschwerdege gnerin mit ihrem Schreiben vom 18. Dezember 2015 an ihren Anträgen und Standpunkten fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. In formeller Hinsicht ist zunächst der Verfahrensantr ag, es sei eine öffentliche Partei- verhandlung durchzuführen, zu beurteilen. 2.1.1 Ein solcher Antrag kann zum einen auf die Durc hführung einer öffentlichen Verhand- lung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK abzielen. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung be- darf es hierfür im Sozialversicherungsprozess grundsätzlich eines klaren und unmissverständli- chen Parteiantrags (BGE 120 V 8 E. 3d, 119 V 381 E. 3 b/dd, je mit Hinweisen; vgl. auch BGE 121 I 38 E. 5f). Fehlt es an einem solchen, lässt si ch in der Regel gegen ein ausschliess- lich schriftliches Verfahren nichts einwenden. Insbesonder e in Verfahren, die nach der Praxis des betroffenen Kantons üblicherweise ausschliesslich in Schr iftform durchgeführt werden, muss sich die Partei, die eine öffentliche Verhandlung i m Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK wünscht, der Notwendigkeit eines entsprechenden Antrags bewusst sein, weshalb dessen Feh- len als Verzicht zu werten ist (BGE 121 I 40 f. E. 6a, 119 Ib 329 ff.). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1.2 Ein Antrag auf Durchführung einer Parteiverha ndlung kann sodann aber auch zum Zwecke einer Parteibefragung oder -anhörung gestellt werden oder im Zusammenhang mit wei- teren Beweisanträgen wie der Einvernahme eines Zeugen, der Anhörung eines Sachverständi- gen oder der Vornahme eines Augenscheins erfolgen. In all diesen Fällen handelt es sich beim Antrag auf Durchführung einer Parteiverhandlung ledig lich um einen Beweisantrag. Aus ihm allein ist denn auch (noch) nicht auf den Wunsch nach einer konventionskonformen Verhand- lung mit Publikums- und Presseanwesenheit zu schliessen (BG E 122 V 55 E. 3a mit Hinwei- sen). 2.2 Vorliegend beantragt der Beschwerdeführer nicht die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK, sonder n er begründet seinen Antrag aus- schliesslich damit, dass er und die zuständige Sachbearbeiter in der IV-Stelle im Rahmen einer Parteiverhandlung direkt zur Sache befragt werden kön nten. Nach dem vorstehend Gesagten handelt es sich beim entsprechenden Begehren somit ledi glich um einen Beweisantrag. Zu be- achten ist in diesem Zusammenhang, dass der entscheidwes entliche Sachverhalt anhand der vorliegenden Akten rechtsgenüglich erstellt ist. Die wesen tlichen Aussagen des Beschwerde- führers lassen sich bereits den Akten entnehmen. Vor die sem Hintergrund kann in antizipierter Beweiswürdigung von der Durchführung einer Parteiverh andlung mit Abnahme von Beweisen abgesehen werden. 3. Materiell streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Ste lle die bewilligte berufliche Massnahme in Form einer Berufslehre zum Koch für die Dauer von drei Jahren zu Recht vorzeitig aufgeho- ben hat. 4.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. a IVG haben invalide ode r von einer Invalidität unmittelbar bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahme n, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit , sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern. Die Eingliederungsmassnahmen umfas- sen gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG insbesondere auch Massnahmen beruflicher Art, unter ande- rem die Umschulung (Art. 17 IVG). 4.2 Die versicherte Person hat Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist u nd die Erwerbsfähigkeit dadurch vor- aussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Der Umschulungsan- spruch setzt folglich eine Invalidität oder die unmittelb are Bedrohung durch eine solche voraus (Art. 8 Abs. 1 IVG). Als invalid im Sinne von Art. 17 IVG gilt, wer nicht hinreichend eingegliedert ist, weil der Gesundheitsschaden eine Art und Schwere erreicht hat, welche die Ausübung der bisherigen Erwerbstätigkeit ganz oder teilweise unzumut bar macht. Dabei muss der Invalidi- tätsgrad ein bestimmtes erhebliches Mass erreicht haben. Nach der Rechtsprechung ist dies der Fall, wenn der Versicherte in den ohne zusätzliche b erufliche Ausbildung noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20% erleidet (BGE 124 V 110 f. E. 2b mit weiteren Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Der Anspruch auf Umschulung in einen neuen Beruf set zt ferner – wie jede Eingliede- rungsmassnahme – voraus, dass sie sich zur Erreichung des vo n ihr bezweckten Eingliede- rungsziels eignet (Urteile des Bundesgerichts vom 17. Febr uar 2015, 9C_905/2014, E. 2.2 und vom 10. November 2014, 9C_506/2014, E. 4.1). Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Art. 8 Abs. 1 bis Satz 2 IVG). Verlangt ist neben der Notwendigkeit und Eig nung der Massnahme auch die Eignung der versicherten Person, d.h. ihre subjektive und objekt ive Eingliederungsfähigkeit. Für den An- spruch auf Umschulung sind dabei Berufsneigungen der versich erten Person zwar zu berück- sichtigen; sie sind indessen nicht ausschlaggebend (BGE 139 V 403 E. 5.4; U LRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], in: S tau- ffer/Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl., Zürich 2014, Rz. 45 f. zu Art. 17). 4.4 Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person ei ner zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentli che Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder träg t sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr gemäss Art. 7b Abs. 1 IVG i.V.m Art. 21 Abs. 4 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche rungsrechts (ATSG) vom 6. Ok- tober 2000 die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Damit der Versicherungsträger diese Rechtsfolgen eintreten lassen kann, muss er aber vorgängig das in Art. 21 Abs. 4 Satz 2 ATSG vorgeschriebene Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchführen, d.h. er hat die versicherte Person schriftlich zu mahnen, sie über die rechtlichen Konsequenzen einer weiteren Verweigerung zu informieren und ihr eine angemessene Bedenkzeit einzuräu- men (vgl. BGE 134 V 195 E. 3.1). Diese Vorgehensweise ist zwingend einzuhalten. 5.1 Die IV-Stelle begründet die Verweigerung der we iteren Unterstützung der Umschu- lungsmassnahme im Wesentlichen damit, dass der Beschwerdefüh rer den Verlust seiner Lehr- stelle selbst verschuldet und damit die ihm obliegende Mitwirkungspflicht nach Art. 7 Abs. 2 IVG verletzt habe. Der Auffassung der IV-Stelle kann aus den nachfolgenden Gründen nicht beige- pflichtet werden: 5.2 Was zunächst den Vorwurf der selbstverschuldeten Auf lösung des Lehrverhältnisses angeht, so ist dieser rechtlich nicht haltbar. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle kann vorliegend nicht von einer einvernehmlichen Auflösung des Arbeitsver hältnisses ausgegangen werden, da der Beschwerdeführer – wie im Kündigungsschreiben der C .____ AG vom 17. Februar 2015 zitiert – ausdrücklich darum gebeten hat, mit der Aufl ösung des Vertrages noch zuzuwarten. Ferner fehlt es vorliegend an der für eine rechtswirksa me fristlose Kündigung erforderlichen Voraussetzung des wichtigen Grundes. Dass sich der Beschwerdef ührer im Lehrbetrieb nicht wohlfühlte und daher ohne Wissen des Lehrmeisters und de r IV-Stelle nach einem anderen Betrieb umgesehen hatte, reicht als Grund für eine fri stlose Kündigung nicht aus. Wie der Be- schwerdeführer sodann zutreffend ausführt, ist die Kün digung schon deshalb nichtig, weil sie während der Sperrfrist nach Art. 336c Abs. 1 lit. b de s Bundesgesetzes betreffend die Ergän- zung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR), vom 30. März 1911 erfolgt ist. Liegt nach dem Gesagten wed er eine einvernehmliche Auflösung des Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsverhältnisses noch eine rechtswirksame Kündigung vor , kann nicht von einer selbstver- schuldeten Auflösung des Arbeitsverhältnisses gesprochen werden. 5.3 Des Weiteren setzt die Leistungsaufhebung namentl ich ein korrekt durchgeführtes Mahn- und Bedenkzeitverfahren voraus (vgl. E. 4.4 hiervor). Dies bedingt, dass der versicherten Person unter substanziierter Bezugnahme auf das von ihr geforderte Verhalten schriftlich mitzu- teilen ist, welche Folgen ihre Widersetzlichkeit nach sich ziehen kann, und sie ist aufzufordern, ihrer (zumutbaren) Schadenminderungspflicht nachzukomme n (vgl. U ELI KIESER , ATSG- Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 21 Rz. 136) . Sinn und Zweck des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens ist es, die versicherte Person auf die möglichen nachteiligen Folgen ihres Widerstandes gegen Eingliederungsmassnahmen aufmer ksam zu machen und sie so in die Lage zu versetzen, in Kenntnis der wesentlichen Fakt oren ihre Entscheidung zu treffen. Die versicherte Person soll nicht Folgen eines Verhaltens t ragen, über dessen Auswirkungen sie sich möglicherweise keine Rechenschaft abgelegt hat (vg l. BGE 134 V 194 E. 2.3, 122 V 218 ff.; SVR 2005 IV Nr. 30 E. 2.2). 5.4 Mit Schreiben vom 19. Februar 2015 teilte die IV -Stelle dem Beschwerdeführer unter dem Titel "Ermahnung mit Bedenkzeit Aufforderung zur Mitwirkung / Schadenminderung" mit, dass er sein Arbeitsverhältnis entgegen ihren Anweisungen aufgelöst habe. Für einen erneuten Wechsel des Ausbildungsplatzes gebe es aber keine nachvollzi ehbaren Gründe. Gleichzeitig forderte die IV-Stelle ihn auf, zu seinem eigenmächtig en Handeln Stellung zu nehmen und sich bis spätestens 2. März 2015 mit der IV-Stelle in Verbind ung zu setzen, wobei sie ihn darauf hinwies, dass ansonsten die Leistungen gekürzt oder aufgeh oben würden. Mit E-Mail vom 27. Februar 2015 ist der Beschwerdeführer dieser Aufforderung nachgekommen. Darin führte er aus, dass er seine Ausbildung nicht abbrechen möchte, abe r in der Fortsetzung seiner Lehre bei der C.____ AG keinen Sinn mehr sehe, da keine gu te Basis und kaum mehr Respekt vor- handen seien. Gleichwohl hat die IV-Stelle die anged rohte Leistungsaufhebung vorgenommen, obwohl die Kündigung durch die C.___ AG nicht auf se lbstverschuldetes Verhalten des Be- schwerdeführers zurückzuführen war und er aufgrund des be reits aufgelösten Arbeitsverhält- nisses damit faktisch gar keine Möglichkeit mehr hatte, der angedrohten Leistungsaufhebung zu entgehen. Wie hiervor dargelegt, ist es indes gerade S inn und Zweck des Mahn- und Bedenk- zeitverfahrens der versicherten Person die Möglichkeit zu geben, im Bewusstsein der nachteili- gen Folgen eines Widerstandes gegen Eingliederungsmassna hmen ihre Entscheidung zu tref- fen. Dies bedingt aber auch, dass die jeweilige, für die konkrete Eingliederungsmassnahme zuständige Durchführungsstelle im Wissen um die Bedeutung des Mahn- und Bedenkzeitver- fahrens die zuständige IV-Stelle informiert, bevor sie allfällige Massnahmen – wie bspw. die Auflösung des Arbeitsverhältnisses – trifft. Mit anderen Worten hat die Zusammenarbeit zwi- schen der IV-Stelle und der Durchführungsstelle so eng zu erfolgen, dass erstere im Sinne der Verfahrensvorschriften rechtzeitig handeln kann. Vorlieg end hat die IV-Stelle das Mahn- und Bedenkzeitverfahren lediglich noch der Form halber dur chgeführt, um den gesetzlichen Vorga- ben zu genügen. Überdies hat sie die angedrohte Leistun gsaufhebung vorgenommen, obwohl der Beschwerdeführer dem von ihm im Schreiben vom 19. Februar 2015 geforderten Verhalten, nämlich der Einreichung einer schriftlichen Stellungnah me, nachgekommen ist und ihm daher keine Pflichtverletzung vorgeworfen werden kann. Da die IV-Stelle das Mahn- und Bedenkzeit- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht verfahren nach dem Gesagten nicht korrekt durchgeführt h at, war die Einstellung der Unterstüt- zung folglich auch nicht zulässig. 5.5 Abgesehen davon bestehen Ungereimtheiten zwischen d er angefochtenen Verfügung und den sich in den Akten befindlichen Protokollnotize n der IV-Stelle. Während die Verfügung eine weitere Unterstützung bedingungslos ausschliesst, ist einer Protokollnotiz der Berufsbera- tung vom 7. April 2015 zu entnehmen, dass der Beschwe rdeführer, falls er eine neue Stelle finden sollte, sich nach bestandener Probezeit wieder mit einem neuen Gesuch melden könne, um im Anschluss daran die Unterstützung bezüglich der Wiederholung des dritten Lehrjahres zu prüfen. Diese Möglichkeit hätte auch Eingang in die angefochtene Verfügung finden müssen. 5.6 Schliesslich ist aufgrund der medizinischen Aktenlage unklar, ob eine Fortsetzung der Kochlehre überhaupt möglich wäre. In diesem Zusammenha ng ist die sich in den Akten befind- liche, durch die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) veranlasste kreisärztliche Untersuchung vom 21. April 2015 zu berücksichtigen. Dari n kommt Dr. med. D.____, FMH Or- thopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsa pparates, zum Schluss, dass dem Versicherten die Tätigkeit als Koch nicht mehr zumutbar sei. Der Versicherte zeige eine deutli- che Einschränkung (aktiv und passiv) der linken Schulter und der Halswirbelsäule aus den früheren Schadenfällen. Aktuell komme noch die Bewegung seinschränkung des Kleinfingers rechts hinzu. Die volle körperliche Einsatzfähigkeit sei u nter Berücksichtigung dieser Folgezu- stände der Schadenfälle als Koch nicht gegeben. Demge genüber attestiert der Handchirurg Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Tra umatologie des Bewegungsapparates und Handchirurgie, einer Protokollnotiz der IV-Stell e vom 27. März 2015 zufolge dem Be- schwerdeführer eine volle Arbeitsfähigkeit ab Mai 2015. Angesichts dieser Diskrepanzen zwi- schen den Einschätzungen der involvierten Fachärzte kann n icht zuverlässig beurteilt werden, ob der Versicherte weiterhin die Voraussetzungen für d ie zur Diskussion stehende Umschu- lungsmassnahme erfüllt. 6. Zusammenfassend erweist sich die sanktionsweise Einstellu ng der Unterstützung der Umschulungsmassnahme mangels korrekt durchgeführten Mahn- und Bedenkzeitverfahrens als gesetzlich nicht zulässig, weshalb die angefochtene Verfü gung bereits aus diesem Grund auf- zuheben ist. Da sich anhand der medizinischen Aktenlage ni cht beurteilen lässt, ob dem Be- schwerdeführer eine allfällige Fortsetzung der Kochleh re in medizinischer Hinsicht überhaupt noch zumutbar wäre und auch die Frage ungeklärt bleibt , wie es sich mit einer allfälligen Unter- stützung bezüglich der Wiederholung des dritten Lehrja hres verhält, ist die Streitsache in Auf- hebung der angefochtenen Verfügung zur weiteren Abklä rung an die Beschwerdegegnerin zu- rückzuweisen. Diese wird angehalten, diese offenen Frag en zu klären und gestützt auf die Er- gebnisse der entsprechenden Abklärungen in korrekter B eachtung der Verfahrensvorschriften neu zu verfügen. 7. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die B eschwerdegegnerin zurück, so gilt in Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht prozessualer Hinsicht die beschwerdeführende Partei als (vo llständig) obsiegende und die Be- schwerdegegnerin als unterliegende Partei (vgl. BGE 137 V 61 f. E. 2.1, 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). Gestützt auf Art. 61 lit. a ATSG sind für das vorliegende Verfahren keine ordentli- chen Kosten zu erheben. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat d ie obsiegende beschwerdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsiegende Partei ist demnach eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerd egegnerin zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 18. Januar 2016 für das vorliege nde Verfahren geltend gemachte Zeit- aufwand von 13.5 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sodan n auch die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von Fr. 139.–. De m Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der geltend gemachten Höhe von F r. 3‘795.10 (13.5 Stunden à Fr. 250.– + Auslagen von Fr. 139.-- zuzüglich 8 % Me hrwertsteuer) zu Lasten der Beschwer- degegnerin zuzusprechen. 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zu ständigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öff entlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs