B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1692/2015 U r t e i l v o m 1. S e p t e m b e r 2 0 1 7 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter David Wenger, Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Jürg Walker, Fürsprech und Notar, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 18. Februar 2015 / N (…). E-1692/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reiste gemäss eigenen Angaben am 5. November 2012 illegal in die Schweiz ein und bevollmächtigte am 6. November 2012 den rubrizierten Fürsprech zu seiner Vertretung im Asylverfahren. In einem gleichentags verfassten Schreiben des Rechtsvertreters an das SEM er- wähnte dieser die Furcht seines noch minderjährigen und unbegleiteten Mandanten vor einer Einberufung in den Militärdienst und ersuchte um des- sen Zuweisung in den Wohnkanton seines in der Schweiz als Flüchtling anerkannten Onkels B._______ (N […]). Am 7. November 2012 stellte der Beschwerdeführer im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylgesuch. In der Folge wurde ihm von der zuständigen kantonalen Be- hörde für die verbleibende Dauer seiner Minderjährigkeit eine Vertrauens- person für unbegleitete minderjährige Asylsuchende beigeordnet. Anläss- lich der im EVZ durchgeführten Befragung zur Person (BzP) vom 16. No- vember 2012 sowie der Anhörungen vom 12. September 2014 zu den Asyl- gründen – der Rechtsvertreter verzichtete beide Male auf sein Beisein – machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei syrischer Staatsangehöriger islamischen Glaubens und kurdischer Ethnie und stamme aus de m in der Provinz Al-Hasaka, nahe C._______ (arabisch D._______) gelegenen Dorf E._______, wo er bei seinen Eltern und Geschwistern gelebt habe. Bis etwa 2010 habe er die Primarschule besucht und anschliessend seinem Vater im (…)geschäft geholfen. Der Va- ter habe dann aber aufgrund der instabilen und gefährlichen allgemeinen Situation seinen (…) verkauft und sie hätten keine Arbeit mehr gehabt. Bis zur Einbürgerung im November 2011 seien er und die ganze Familie Ajanib (in Syrien lebende, staatenlose, aber registrierte kurdische Ausländer) und als solche gegenüber syrischen Staatsbürgern weitgehend rechtlos und benachteiligt gewesen. Ansonsten hätten sie keine Probleme gehabt , je- doch sei die Perspektivlosigkeit in Syrien belastend gewesen. Im Sommer 2012 sei ihm anlässlich einer Id entitätskontrolle vom Beamten mitgeteilt worden, dass altersbedingt sein Militärdienst bevorstehe. Um diesen nicht leisten zu müssen – er befürchte seine Tötung und seinen Einsatz im Kampf gegen sein eigenes Volk – und weitere Kontrollen zu vermeiden , habe er Syrien auf Geheiss seines Vaters am 1. Oktober 2012 mithilfe ei- nes Schleppers illegal in Richtung Türkei verlassen. Auf dem Landweg sei er sechs Wochen später in die Schweiz gelangt. Nach der Ausreise hätten Behördenvertreter seinen Eltern eine für ihn bestimmte Aufforderung zur E-1692/2015 Seite 3 Ausstellung seines Dienstbüchleins ausgehändigt. Ein eigentliches Aufge- bot zum Militärdienst habe er nicht erhalten beziehungsweise ein solches sei bei seinen Eltern eingegangen, könne aber nicht beschafft werden . Sein ältest er Bruder habe übrigens aufgrund dessen nicht militärdienst- pflichtigen Alters kein Aufgebot zum Militärdienst erhalten. Er selber habe in Syrien nie etwas mit Politik zu tun gehabt, sei nun aber Sympathisant der „Parti-Partei“ und habe in der Schweiz wiederholt an gegen das syri- sche Regime gerichteten Demonstrationen teilgenommen. Der Beschwerdeführer gab als Beweismittel seine am (…) 2011 ausge- stellte Identitätskarte, eine Kopie seines Ajanib-Ausweises, die Kopie eines militärischen Aufgebots seines Vaters – dieser sei dann aber altersbedingt durch ein Regierungsdekret von der Dienstpflicht befreit worden – sowie drei Fotos von Demonstrationsteilnahmen in der Schweiz zu den Akten . Den Ajanib-Ausweis und das Militäraufgebot des Vaters habe ein anderer, in der Schweiz wohnhafter Onkel nach einem Besuch in Syrien mitge- bracht. Einen Reisepass habe er nie gehabt. Zwar sei ihm ein solcher vom Passamt Al-Hasaka auf den Zeitpunkt seiner Volljährigkeit in Aussicht ge- stellt worden, jedoch habe er sich nicht mehr getraut dorthin zu gehen, da er seinen Einzug in den Militärdienst befürchtet habe. B. Mit Verfügung vom 18. Februar 2015 – eröffnet tags darauf – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht (Dispositivziffer 1), und lehnte dessen Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2). Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz an (Dispositiv- ziffer 3), gewährte ihm jedoch zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzuges die vorläufige Aufnahme (Dispositivziffern 4 bis 7). C. Mit Eingabe vom 16. März 2015 und Ergänzung vom 22. April 2015 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ge- gen diese Verfügung. Darin beantragt er deren Aufhebung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft, die Gewährung von Asyl , eventualiter die vorläufige Aufnahme als Flüchtling, subeventualiter die Bestätigung der an- geordneten vorläufigen Aufnahme sowie in prozessualer Hinsicht die Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG (in- klusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses) und die amt- liche Verbeiständung durch seinen Rechtsvertreter nach Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31). E-1692/2015 Seite 4 D. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. April 2015 wurden die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege und um amtliche Rechtsverbeiständung gutgeheissen. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlas sung bis zum 15. Mai 2015 eingeladen. E. Mit Vernehmlassung vom 20. Mai 2015 beantragt das SEM sinngemäss die Abweisung der Beschwerde. F. Mit Replik vom 10. Juni 2015 hält der Beschwerdeführer an seinen Begeh- ren fest. Gleichzeitig g ab er eine Kostennote seine s Rechtsvertreters zu den Akten. G. Mit Ergänzungseingabe vom 6. März 2017 ersuchte der Beschwerdeführer das Bundesverwaltungsgericht um Beizug der Asylverfahrensakten seines zwischenzeitlich in der Schweiz als Flüchtling anerkannten Bruders F._______ (N […]). Das Bundesverwaltungsgericht zog in der Folge diese Akten – wie im Üb- rigen zuvor bereits die Akten des Onkels B._______ (N […]) – antragsge- mäss bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. E-1692/2015 Seite 5 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, d es Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf- gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu werden drohen. Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Die Furcht vor künftiger Verfolgung umfasst allgemein ein auf tatsächlichen Gegebenheiten beru- hendes objektives Element einerseits sowie die persönliche Furchtempfin- dung der betroffenen Person als subjektiv es Element andererseits. Be- gründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat demnach, E-1692/2015 Seite 6 wer gute – d.h. von Dritten nachvollziehbare – Gründe (objektives Element) für seine Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser Wahrschein- lichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; BVGE 2011/50 E. 3.1.1; BVGE 2011/51 E. 6; BVGE 2008/4 E. 5.2, je m.w.H.). Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). Wer erst durch die Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgungssituation be- gründet hat (sog. subjektive Nachfluchtgründe), hat grundsätzlich ebenfalls Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft; verwehrt bleibt einzig das Asyl (vgl. Art. 54 AsylG). Keine Flüchtlinge sind jedoch Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung der FK dennoch vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). Wesentlich ist, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten des Asylsu- chenden als staatsfeindlich einstufen würden und dieser deswegen bei ei- ner Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten müsste. Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseig enschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Die Vorbringen einer asylsuchenden Person müssen genügend substanzi- iert, in sich schlüs sig und plausibel sein; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus m uss die ge-E-1692/2015 Seite 7 suchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeson- dere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tat- sachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangeln- des Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Ein- wände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die für die Richtig- keit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überwie- gen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142; 2010/57 E. 2.3 S. 826 f). 4. 4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheides qualifizierte die Vorinstanz die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen als den Anforde- rungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines Asyl begründen- den Sachverhalts und jenen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügend. So reiche es zur Annahme einer begründe- ten Furcht vor Verfolgung praxisgemäss nicht aus, im militärdienstfähigen Alter zu sein und die militärische Aushebung zu befürchten. Der Beschwer- deführer sei bis zur Ausreise nicht in Kontakt mit den Militärbehörden ge- treten, sondern habe sich mit dem Verlassen Syriens im Oktober 2012 der Erfassung und Aushebung durch die Militärbehörden entzogen. Damit be- stehe kein Grund zur Annahme, dass er von den syrischen Behörden als Refraktär betrachtet und deshalb mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in ab- sehbarer Zukunft verfolgt worden wäre. Auch die geltend gemachten und mit Fotos unterlegten exilpolitischen Aktivitäten seien nicht geeignet, eine Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung zu begründen. Es lägen keine konkreten Hinweise vor, wonach er sich über massentypische und niedrig- profilierte Erscheinungsformen exilpolitsicher Proteste hinaus in qualifizier- ter Weise exilpolitisch betätigt hätte. Die blosse Teilnahme an regimekriti- schen Demonstrationen ohne organisatorische Mithilfe oder Funktionsbe- kleidung reiche praxisgemäss nicht, um von den syrischen Geheimdiens- ten als ernsthaften, gefährlichen Regimegegner wahrgenommen zu wer- den, denn hierzu sei eine öffentliche Exponierung nötig, die über eine blosse optische Erkennbarkeit und Individualisierbarkeit hinausgehe. Wei- ter erscheine das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe nach seiner Ausreise ein auf ihn lautendes Aufgebot zum Militärdienst erhalten, nicht glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG. Dabei erstaune zunächst, dass er eine E-1692/2015 Seite 8 Kopie des Militäraufgebotes seines Vaters, nicht aber das eigene Aufgebot habe einreichen können; die hierzu deponierte Erklärung, wonach der On- kel nur die vorgelegten Dokumente habe beschaffen können , überzeuge nicht. Zudem seien die Schilderungen zum angeblichen Aufgebot vage und zu wenig konkret geblieben und die ihm hierzu gestellten Fragen zu Art und Inhalt des Dokumentes seien ausweichend und substanzarm ausgefallen. Im Übrigen verwundere der Umstand, dass angeblich sein älterer Bruder aufgrund dessen nicht militärdienstpflichtigen Alters kein Aufgebot zum Mi- litärdienst erhalten habe und er selber keine exakten Angaben über das Militärdienstalter in Syrien machen könne. Angesichts der erkannten Un- glaubhaftigkeit erübrige es sich, die Frage der Asylrelevanz dieser behaup- teten militäri schen Einberufung zu prüfen. Die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft und an die Asylgewährung seien daher nicht erfüllt. Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die Weg- weisung. Die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges ergebe sich aus der Sicherheitslage in Syrien. 4.2 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Beschwerde eine unvollständige und teilweise unrichtige Sachverhaltsfeststellung und eine Verletzung des AsylG. Zunächst stellt er unter Bezugnahme auf Art. 3 Abs. 3 AsylG klar, dass seine Absicht zur Militärdienstverweigerung im Umstand gründe, dass er als vor seiner Einbürgerung jahrelang vom Assad-Regime unterdrückter Ajanib nun nicht als Soldat für dieses Regime dienen wolle und er durch seine Flucht vor der Einberufung wohl auf eine „schwarze Liste“ gekommen sei, welcher Umstand ihn bei einer Rückkehr Verfolgung befürchten lasse. Nach Erreichen des 18. Lebensjahres sei er nämlich weder zur Rekrutie- rung erschienen noch habe er in der Folge seinen Militärdienst geleistet. Da er mangels eines Reisepasses nicht legal habe ausreisen können, dürf- ten die syrischen Behörden in der Annahme seines weiteren Aufenthaltes in Syrien nun nach ihm suchen , was eine drohende asylrelevante Verfol- gung darstelle. Das SEM gehe bei seiner gegenteilige n Auffassung von blossen Vermutungen aus. Unter Bezugnahme auf Art. 3 Abs. 4 AsylG macht er darauf aufmerksam, dass er als ursprünglich staatenloser Kurde schon immer politisiert gewesen sei, weshalb die betreffende Ausnahmere- gelung in seinem Fall nicht zur Anwendung gelange. In der Schweiz seien neben den bereits geltend gemachten Demonstrationsteilnahmen – hierfür könne er nunmehr weitere Fotos vorlegen – auch regimekritische, insbe- sondere den Präsidenten Assad beleidigende Publikationen unter seinem eigenen Namen auf Facebook hinzugekommen. Diese subjektiven Nach- fluchtgründe seien durchaus relevant und begründeten Anspruch auf Zuer-E-1692/2015 Seite 9 kennung der Flüchtlingseigenschaft. Das SEM stütze sich in seinen dies- bezüglichen Erwägungen auf eine überholte Praxis. In einem neueren Ur- teil D-1242/2010 vom 4. Januar 2013 werde die Situationsveränderung in Syrien berücksichtigt und das Risiko einer Rückkehr nach Syrien bei Exil- aktivisten dahingehend neu eingeschätzt, dass die Anforderungen an den Exponierungsgrad eines exilpolitisch Tätigen zur Bejahung einer Gefähr- dung bei einer Rückkehr tiefer als bisher angesetzt würden. Diese neue Lageeinschätzung sei zu Recht ergangen, denn entgegen der Ansicht des SEM überwache der syrische Geheimdienst lückenlos alle regimefeindli- chen Kundgebungen und identifiziere in der Folge die fotografierten Teil- nehmer mittels auf Gesichtserkennung spezifizierter Programme. Dadurch gerieten auch gewöhnliche Demonstrationsteilnehmer in Gefahr. Er selber müsse deshalb ebenfalls damit rechnen, nach seiner Rückkehr festgenom- men, verhört, bedroht, nach weiteren Demonstrationsteilnehmern befragt und misshandelt zu werden. Als objektiver Nachfluchtgrund sei hinzuge- kommen, dass er seit seiner Einreise in die Schweiz enge Beziehungen zu seinem in der Schweiz als Flüchtling anerkannten Onkel B._______ unter- halte und damit einer Reflexverfolgung unterworfen werden könnte. Insbe- sondere sei anzunehmen, dass er im Falle einer Rückkehr nach Syrien betreffend diesen Onkel und dessen exilpolitische Aktivitäten befragt würde. Hinsichtlich der erkannten Unglaubhaftigkeit der Zustellung eines für den Beschwerdeführer bestimmten militärischen Aufgebots an seine El- tern missachte das SEM die in Art. 7 AsylG definierten Beweismassanfor- derungen. Insbesondere gehe es nicht an, aus dem Fehlen von Beweis- mitteln auf die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen zu schliessen. Die Un- glaubhaftigkeitserkenntnis sei aber auch als solche nicht gerechtfertigt. So sei die im Zusammenhang mit der Erhältlichmachung des Militäraufgebots des Vaters, nicht aber auch desjenigen des Beschwerdeführers deponierte Erklärung betreffend den Onkel durchaus nachvoll ziehbar. Das den Be- schwerdeführer betreffende Aufgebot sei nämlich erst nach dem Weggang des Onkels bei der Familie eingetroffen und es hätte diesem nicht zuge- mutet werden können, von der Türkei aus erneut den gefährlichen Weg nach Syrien auf sich zu nehmen, um das Dokument zu holen und von der (postalisch funktionierenden) Türkei aus ebenfalls in die Schweiz zu schi- cken. Das Dokument habe er aber nunmehr dennoch (zunächst via Mobil- telefon und sodann im Original) erhältlich gemacht und könne es vorlegen. Auch der Vorwurf vager und ausweichender Schilderungen zum Erhalt des Aufgebots sei nicht gerechtfertigt, denn er habe in der Anhörung klarge- macht, dass es sich um ein gleiches Dokument wie das betreffend seinen Vater handle, und zudem erwähnt, dass die Sicherheitskräfte dem Vater die Auslandabwesenheit des Beschwerdeführers geglaubt hätten. Sodann E-1692/2015 Seite 10 habe er durchaus exakte Angaben zum in Syrien geltenden Militärdienstal- ter machen können (Aushebung im 18. Lebensjahr und – bei Diensttaug- lichkeit – Militärdienst im Folgejahr). Das SEM verkenne aber den Spezial- fall der selbst für den syrischen Staat unklaren und uneinheitlichen Einbe- rufungspraxis bei eingebürgerten Ajanib. Sein Bruder F._______ habe üb- rigens durchaus ein Aufgebot erhalten, was er (Beschwerdeführer) aber bei seiner Befragung und Anhörung noch nicht gewusst habe. Die Einber u- fungsumstände betreffend diesen Bruder hätte das SEM bei pflichtgemäs- sem Aktenbeizug feststellen können. Er selber habe zwischenzeitlich über seine Familie nun auch noch ein Aufgebot der PYD (Partei der Demokrati- schen Einheit) erhalten, gemäss welchem die Familie zur Entsendung ei- nes Kämpfers in deren Reihen verpflichtet werde. Schliesslich macht der Beschwerdeführer auf den Umstand aufmerksam, dass sein Bruder F._______ in der Zwischenzeit in der Schweiz als Flüchtling anerkannt wor- den sei. Damit erhöhe sich das bereits bezüglich des Onkels B._______ geltend gemachte Risiko einer Reflexverfolgung seiner selbst, zumal er auch mit diesem Bruder in Kontakt stehe. Auch hierbei handle es sich um einen objektiven Nachfluchtgrund, der somit Anspruch nicht nur auf Fest- stellung der Flüchtlingseigenschaft, sondern auch auf Gewährung des Asyls verleihe. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer mit der Rechtsmitteleingabe und mit der Beschwerdeergänzung nebst den bereits erwähnten (Fotos von Demonstrationsteilnahmen sowie je ein militärisches Aufgebot der sy- rischen Armee und des kurdischen Selbstverteidigungszentrums im Origi- nal, beide mit Übersetzung) Ausdrucke seines Facebook-Profils mit Assad- kritischen Inhalten zu den Akten. 4.3 In seiner Vernehmlassung spricht das SEM den beiden Marschbefeh- len die Beweiskraft weitgehend ab, da deren Eigenanfertigung einfach sei und syrische Stempel und Marken leicht käuflich erwerbbar seien. Die Zweifel an der Echtheit de s Aufgebots der syrischen Armee würden dadurch verstärkt, dass das Dokument am 12. Mai 2014 in D._______ aus- gestellt worden sein soll, es dort aber nach Erkenntnissen des SEM seit Oktober 2012 keine Rekrutierungsbüros der syrischen Armee mehr gebe. Zudem habe der Beschwerdeführer in der Anhörung geltend gemacht, er habe das Aufgebot erhalten, als er noch im Durchgangszentrum gewesen sei, was mit dem Ausstelldatum aber nicht vereinbar sei. Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben in Syrien nie Kontakt mit den Armeebehörden gehabt habe und er bis zur Ausreise altersbedingt noch nicht ausgehoben worden sei, weshalb ihm auch kein Dienstbüchlein E-1692/2015 Seite 11 hätte ausgehändigt werden können. Dies schliesse aber den Erhalt eines Marschbefehls aus, zumal laut diesem das Dienstbüchlein zur Vorsprache mitzubringen gewesen wäre. Diese Einschätzung treffe ebenso auf das Aufgebot des kurdischen Selbstverteidigungszentrums zu. Das Dokument sei auch gar nicht auf den Beschwerdeführer persönlich ausgestellt. Der vor seiner Aushebung ausgereiste Beschwerdeführer habe somit keine be- gründete Furcht vor einer Rekrutierung. Betreffend die exilpolitischen Tä- tigkeiten sei sodann auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-4301/2006 vom 28. Februar 2011 hinzuweisen, gemäss welchem zur An- nahme einer begründeten Furcht vor Verfolgung eine spezifische öffentli- che Exponierung (aufgrund Persönlichkeit, Form des Auftritts, Inhalt der abgegebenen Erklärungen) nötig sei, die aus Sicht des syrischen Regimes als potenzielle Bedrohung wahrgenommen werde. Die Konstellation im in der Beschwerde erwähnten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts sei eine andere, da der dortige Beschwerdeführer gefilmt und die Bilder im Fernse- hen ausgestrahlt worden seien. Im Übrigen halte das SEM an seinen Er- wägungen gemäss seiner Verfügung fest. 4.4 Replikweise hält der Beschwerdeführer der Beweiswürdigung des SEM entgegen, dass mangels vorgehaltener konkreter Fälschungsmerkmale von der Echtheit der Beweisdokumente auszugehen sei. Ferner verkenne das SEM, dass die syrischen Behörden im Kurdengebiet immer noch prä- sent seien und insbesondere in D._______ noch Rekrutierungsbüros der syrischen Armee und Gerichte existierten; nur uniformierte Polizisten seien, im Gegensatz zur zivilen und von den kurdischen Behörden tolerier- ten Polizei, nicht mehr gegenwärtig. Sodann macht er darauf aufmerksam, dass er in der Anhörung (F47) erwähnt habe, alle eingebürgerten Ajanib hätten ein Aufgebot zur Ausstellung des Dienstbüchleins erhalten, und er damit nicht das nunmehr auf Beschwerdestufe eingereichte Dokument ge- meint habe. Das Dienstbüchlein werde zudem in Syrien vor der eigentli- chen Rekrutierung ausgestellt und müsse bei dieser vorgewiesen werden. Die Nichtabholung des Dienstbüchleins schütze nicht vor einem Rekrutie- rungsaufgebot. Sodann sei das Aufgebot des kurdischen Selbstverteidi- gungszentrums zwar tatsächlich kein persönliches, sondern richte sich an die Familie, was aber nicht heisse, dass ein Nichtbefolgen keine Folgen für ihn nach sich ziehen würde. Da die syrischen Behörden aufgrund des feh- lenden Reisepasses von der Annahme seines weiteren Verbleibs in Syrien und mithin von seiner Nichtbeachtung beider Aufgebote (Abholen des Dienstbüchleins sowie Rekrutierung) ausgingen, sei er in seiner Heimat gefährdet und folglich als Flüchtling zu betrachten. Hinsichtlich der Beur- teilung seiner exilpolitischen Tätigkeiten hält der Beschwerdeführer daran E-1692/2015 Seite 12 fest, dass das SEM auf eine überholte Praxis abstelle und es die in der Beschwerde ausführlich dargelegte aktuelle Praxis (mit den tieferen Anfor- derungen an den Exponierungsgrad) verkenne. Auch in dieser Hinsicht er- fülle er daher die Flüchtlingseigenschaft. 4.5 In seiner Ergänzungseingabe vom 6. März 2015 macht der Beschwer- deführer auf den zwischenzeitlich ergangenen A sylentscheid seines Bru- ders F._______ aufmerksam. Diesem sei die Flüchtlingseigenschaft zuge- sprochen worden. Ihm selber würde es heute – zumal nach dem erhaltenen Aufgebot – gleich ergehen, wie diesem Bruder, weshalb dessen Akten bei- zuziehen seien. 5. 5.1 Das SEM ist in seinen Erwägungen mit überzeugender, hinlänglich auf die Akten abgestützter und praxiskonformer Begründung zur zutreffenden Erkenntnis gelangt, die Vorbringen der Beschwerdeführenden würden we- der den Anforderungen an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit im Sinne von Art. 3 AsylG noch jenen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines Asyl begründenden Sachverhalts genügen, weshalb er keinen An- spruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und auf Gewährung des Asyls habe. Es kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf diese Erwägungen gemäss angefochtener Verfügung und Vernehmlassung ver- wiesen werden. Berechtigt ist immerhin der Einwand in der Beschwerde (dort S. 11), wonach der Beschwerdeführer entgegen der Behauptung des SEM durchaus klare Angaben zur Art des ihn betreffenden Schreibens be- ziehungsweise Aufgebots der Militärbehörden machen konnte. Der Hin- weis auf die Gleichartigkeit des Dokuments mit jenem, das sein Vater er- halten habe, genügt, weil das letztere als Beweismittel vorgelegt wu rde. Die Würdigung des Dokumentes erfolgt in E. 5.3.1 unten. Unter Bezug- nahme auf E. II/1a der angefochtenen Verfügung ist ferner eine redaktio- nelle Ungenauigkeit des SEM insofern festzustellen, dass eine Furcht vor einer militärischen Rekrutierung durchaus begründet sein kann (z.B. alters- bedingt), damit aber noch keineswegs eine begründete Furcht vor Verfol- gung einhergehen muss (vgl. dazu ebenso unten E. 5.3.1). Auch unter Be- rücksichtigung dieser punktuellen und marginalen Beanstandungen der angefochtenen Verfügung führen die Inhalte der Beschwerde und der Rep- lik zu keiner gegenüber dem SEM anderen Betrachtungsweise. Im Einzel- nen ist Folgendes festzuhalten: 5.2 E-1692/2015 Seite 13 5.2.1 Die Pflicht zur Leistung von Militärdienst und allfällige Sanktionierun- gen für den Fall einer Missachtung der Dienstpflicht durch Refraktion oder Desertion sind praxisgemäss – und durch den neuen Art. 3 Abs. 3 AsylG nunmehr auch gesetzesgemäss – flüchtlingsrechtlich nicht beachtlich, so- lange entspr echende Massnahmen nicht darauf abzielen, einem Wehr- pflichtigen aus einem der in Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG genannten Gründe erhebliche Nachteile zuzufügen. Dies wurde im Grundsatzurteil des Bun- desverwaltungsgerichts BVGE 2015/3 (E. 5) bestätigt und gilt vo rliegend auch für den Beschwerdeführer. Dessen Hinweis auf eine letztlich ethnisch motivierte und mithin dennoch asylrelevante Verfolgungslage aufgrund sei- ner früheren Eigenschaft als Ajanib mag als innerer Beweggrund für eine Unlust zur Militärdienstleist ung dienen, bleibt aber vorliegend ohne kon- krete Auswirkung bezüglich seine potenzielle Dienstpflicht ab dem 18. Le- bensjahr. Er ist daher unbeachtlich. 5.2.2 Von entscheidender Bedeutung ist vorliegend die unbestrittene Tat- sache, dass der Beschwerdeführer im Zei tpunkt seiner Ausreise in keiner Art und Weise militärisch aufgeboten wurde, weder zur Aushebung noch zur Beschaffung seines Dienstbüchleins noch zum eigentlichen Militär- dienst. Darüber hinaus hat er sogar jegliche Kontakte mit den Militärbehör- den im Hinblick auf eine unmittelbar bevorstehende militärische Aufbietung in Abrede gestellt. Selbstredend kann eine militärische oder anderweitige behördliche Aufmerksammachung auf die allgemeine Wehrdienstpflicht ab dem 18. Lebensjahr nicht als relevante Kontaktnahme in diesem Sinn ge- wertet werden. Auf dieser Grundlage hat das SEM den offensichtlich zu- treffenden Schluss gezogen, dass er zum Ausreisezeitpunkt den Tatbe- stand einer Dienstverweigerung gar nicht erfüllen konnte und mithin eine entsprechende vorfluchtweis e Verfolgung zum vornherein auszuschlies- sen ist. Gestützt wird diese Auffassung durch den Umstand, dass dem – in Syrien gänzlich apolitischen und somit auch insoweit nicht vorbelasteten – Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben auf seine Volljährigkeit hin vom Passamt die Ausstellung eines Reisepass es in Aussicht gestellt wurde. 5.2.3 Als Zwischenergebnis ist daher festzustellen, dass der Beschwerde- führer für den Zeitpunkt seiner Ausreise keine Gründe im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. 5.3 Nach Lehre und Praxis wird dann auf die Gefährdungslage im Moment des Asyl- beziehungsweise Beschwerdeentscheides (statt auf den Ausrei-E-1692/2015 Seite 14 sezeitpunkt) abgestellt, wenn sich die Lage im Heimatstaat zwischen Aus- reise und Entscheid massgeblich zugunsten oder zulasten der asylsuchen- den Person verändert hat (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.1, m.w.H.). Nachfolgend ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Falle seiner (hypothetischen) Rückkehr nach Syrien im heutigen Zeitpunkt aufgrund objektiver oder sub- jektiver Nachfluchtgründe befürchten muss, flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung ausgesetzt zu werden. 5.3.1 Objektive Nachfluchtgründe sind gegeben, wenn nach der Ausreise entstandene äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Person kei- nen Einfluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen. Eine be- gründete Furcht vor künftiger Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung werde sich – aus heutiger Sicht – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müs- sen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachtei- ligung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als rea- listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 sowie BVGE 2011/50 E. 3.1.1). Von Interesse ist dabei zunächst die Frage, ob der Beschwerdeführer den zuvor vorfluchtweise noch verneinten Tatbestand der Dienstverweigerung allenfalls nachfluchtweise erfüllt und er daraus eine flüchtlingsrechtlich re- levante Furcht vor ernsthafter Benachteiligung ableiten kann. Wie oben (E. 5.1) gesehen, ist eine Furcht des Beschwerdeführers vor einer militäri- schen Musterung und Rekrutierung durch die syrische Armee für den Fall einer Rückkehr nach Syrien keinesfalls von der Hand zu weisen, zumal er inzwischen volljährig ist. Damit ist aber unter Hinweis auf die Erkenntnisse in E. 5.2.1 oben noch keineswegs eine begründete Furcht vor Verfolgung verbunden. Dies gilt im Besonderen für den Beschwerdeführer, der offen- sichtlich nicht als Unterstützer einer gegnerischen Konfliktpartei oder als politaktivistisch vorbelasteter Regimegegner aufgefallen ist. Hinzu kommt, dass die behauptete militärdienstliche Aufbietung nach seiner Ausreise mit- tels eines persönlichen, an seinen Vater ausgehändigten Aufgebots der sy- rischen Militärbehörden weder glaubhaft noch bewiesen ist. Dabei ist vorab auf die betreffenden Erwägungen des SEM in der ange fochtenen Verfü- gung und in der Vernehmlassung zu verweisen; diese sind nicht zu bean- standen. In Ergänzung dazu ist unter Bezugnahme auf das auf Beschwer- destufe nachgereichte Aufgebot Folgendes festzuhalten. Dabei handelt es E-1692/2015 Seite 15 sich zwar um ein originales Beweismittel. Den strikten Beweis für die mili- tärische Aufbietung erbringt es dennoch nicht. Der Beschwerdeführer wurde bis anhin nie militärisch gemustert. Seine Diensttauglichkeit kann daher gar nicht feststehen und er kann unmöglich im Besitze eines ( ge- mäss Aufgebot mitzubringenden) Dienstbüchleins sein. Zudem wurde oben (E. 5.1) als Korrektiv zum vorinstanzlichen Vorhalt einer ungenauen Beschreibung des (damals noch nicht vorgel egten) Dokuments zwar zu- gunsten des Beschwerdeführers festgehalten, sein Hinweis auf die Gleich- artigkeit des Dokuments mit jenem, das sein Vater erhalten habe, genüge den Anforderungen an die Beschreibung der Dokumentenart durchaus. Damit setzt sich der Beschwerdeführer aber gleichzeitig der ihn belasten- den Argumentation aus, dass sein Vater ein Aufgebot zur Ausstellung sei- nes Dienstbüchleins erhalten hat (vgl. die im vorinstanzlichen Verfahren zu den Akten gegebene Dokumentenkopie), wogegen es sich beim den Be- schwerdeführer selber betreffenden und auf Rekursebene nachgereichten Dokument um ein konkretes Aufgebot zum Wehrdienst unter Mitnahme sei- nes Dienstbüchleins handelt. Die beiden Dokumente entsprechen sich we- der formal noch inhaltlich. Hinsichtlich der strittigen und vom Beschwerde- führer standhaft bekräftigten Präsenz syrischer Behörden in der Herkunfts- region des Beschwerdeführers ist im Übrigen auf die Aussagen des Bru- ders F._______ hinzuweisen, wonach in der fraglichen Zeit die syris chen Behörden nicht präsent gewesen seien (vgl. die antragsgemäss beigezo- genen Akten N […], dort das Aktenstück A1 Ziff. 7.01 S. 7). Nur wenige Protokollzeilen später stellte dieser Bruder zudem klar, dass abgesehen von der Aufbietung des Vaters als Reserv ist niemand von der Familie je- mals Probleme mit den heimatlichen Behörden gehabt habe (a.a.O S. 8). Die genannten Umstände lassen keinen anderen Schluss zu, als dass es sich beim den Beschwerdeführer betreffenden Beweismittel um ein Falsifi- kat beziehungsweise um ein unredlich erhältlich gemachtes Dokument handelt. Beweiskraft und Beweiswert sind ihm somit abzusprechen. Feh- lende Beweiskraft für die Annahme einer begründeten Furcht vor künftiger, flüchtlingsrechtlich bedeutsamer Benachteiligung kommt gleichsa m dem eingereichten Aufgebot des „kurdischen Selbstverteidigungszentrums“ zu. Es kann hierzu auf die Beweiswürdigung des SEM in seiner Vernehmlas- sung verwiesen werden. Der Beschwerdeführer vermag der Erkenntnis ei- ner fehlenden persönlichen Zielgerichtetheit des Aufgebots nichts Beach- tenswertes entgegenzusetzen. Der replikweise Hinweis auf eine dennoch denkbare und nicht gänzlich auszuschliessende Furcht vor allfälligen Fol- gen bei Nichtbeachtung des Aufgebots genügt der nach Art. 3 AsylG gefor- derten Ernsthaftigkeit, Konkretheit und Gezieltheit nicht. Die Beurteilung des Beweiswerts des Dokuments kann daher offen bleiben . Im Übrigen E-1692/2015 Seite 16 kann allgemein hinsichtlich der (verneinten) asylrelevanten Verfolgungsge- fahr für Personen, welche sich einer drohenden Rekrutier ung durch die YPG/PYD entziehen, auf das als Referenzurteil publizierte Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.3 verwiesen werden. Ebenfalls unter dem Aspekt objektiver Nachfluchtgründe zu würdigen ist die bürgerkriegsbedingt veränderte politische Lage in Syrien unter Berück- sichtigung der Eigenschaft des Beschwerdeführers als Kurde: Für die Ent- wicklungen in Syrien von 2011 bis Anfang 2015 kann im Sinne eines Über- blicks auf das Urteil BVGE 2015/3 vom 18. Februar 2015 (dort E. 6.2) und das Referenzurteil D-5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.2 f. (je m.w.H.) verwiesen werden: Die Situation in Syrien wurde als anhaltend instabil und in stetiger Veränderung begriffen eingeschätzt, ohne Anzeichen für eine substanzielle Verbesserung der Lage und mit gänzlicher Unabschätzbar- keit, in welcher Weise ethnische, religiöse und/oder politische Zugehörig- keiten im Rahmen einer künftigen Herrschaftsordnung eine Rolle spielen könnten. An dieser Situationsbeschreibung und insbesondere der anha l- tenden Volatilität und Dynamik der Kriegsentwicklung hat sich seither im Wesentlichen nichts verändert und der Bürgerkriegsfortgang hat nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung der allgemeinen Situation der Kurden (mit oder ohne Staatsbürgerschaft) geführt. Trotz der bestehenden Unklar- heiten bezüglich der weiteren Entwicklung der Situation in Syrien ist es dem Bundesverwaltungsgericht als zuständige Instanz aufgetragen, die Fluchtgründe von Asylsuchenden syrischer Herkunft im Rahmen hängiger Beschwerdeverfahren abschliessend zu beurteilen (vgl . das Urteil D- 5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.3.1, 5.3.2 und 5.4.5). Im Rahmen von Krieg oder Situationen allgemeiner Gewalt erlittene oder zu befürch- tende Nachteile weisen indessen keine Asylrelevanz auf, soweit sie nicht auf der Absicht beruhen, einen Menschen aus den in Art. 3 AsylG erwähn- ten Gründen zu treffen. Bislang hat das Bundesverwaltungsgericht die all- gemeine Gefährdungslage der Kurden denn auch ausschliesslich unter dem Aspekt der Zumutbarkeitsfrage nach Art. 83 Abs. 4 AuG eingeordnet und die sich stets verändernde Bürgerkriegslage für diese Personengruppe nicht als flüchtlingsrechtlich bedeutsam erachtet. Dies gilt auch für den Be- schwerdeführer. Er weist wie gesehen keine oppositionspolitische oder an- derweitige besondere Vorbelastung aus Vorfluchtgründen auf und hat nicht bereits aufgrund seiner kurdischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Syrien ernsthafte Nachteile seitens der syrischen Behörden, des IS oder anderer Kriegsparteien zu befürchten. Seine ethnische Zugehörigkeit führt nicht zur faktischen Vermutung einer individuellen Verfolgungslage. Ein ethnisch E-1692/2015 Seite 17 oder religiös motiviertes Verfolgungsmuster gegenüber den Kurden, wel- ches die praxisgemässen Anforderungen an eine Kollektivverfolgung nach BVGE 2011/16 (gezielte und intensive gegen das Kollektiv gerichtete Ver- folgungsmassnahmen, die eine genügende Dichte aufweisen und über das hinausgehen, was andere Teile der Bevölkerung hinzunehmen haben) er- füllen würde, hat das Bundesverwaltungsgericht bislang nicht festgestellt. 5.3.2 Der Beschwerdeführer macht subjektive Nachfluchtgründe in Form exilpolitischer Betätigung gegen die syrische Regierung durch Demonstra- tionsteilnahmen und seinen Facebookauftritt geltend . Im Rahmen eines durch konstante Praxis nach wie vo r Gültigkeit beanspruchenden asyl- rechtlichen Koordinationsurteils vom 28. Oktober 2015 hat sich das Bun- desverwaltungsgericht ausführlich mit der Frage befasst, unter welchen Umständen angesichts der in Syrien herrschenden Situation eine regime- kritische exi lpolitische Betätigung zur Annahme subjektiver Nachflucht- gründe führt (Urteil D-3839/2013 [als Referenzurteil publiziert] E. 6.3). Ge- mäss diesem Urteil vermag a llein der Umstand, dass syrische Geheim- dienste im Ausland aktiv sind und gezielt Informationen ü ber regimekriti- sche Personen und oppositionelle Organisationen sammeln, die Annahme, aufgrund geheimdienstlicher Informationen über exilpolitische Tätigkeiten im Falle der Rückkehr nach Syrien in asylrechtlich relevantem Ausmass zur Rechenschaft gezogen zu werden, nicht zu rechtfertigen. Damit die Furcht vor Verfolgung als begründet erscheint, müssen vielmehr über die theoretische Möglichkeit hinausgehende konkrete Anhaltspunkte vorlie- gen, die den Schluss zulassen, dass die asylsuchende Person tatsächlich das Interesse der syrischen Behörden auf sich gezogen hat und als re- gimefeindliches Element namentlich identifiziert und registriert wurde. Diesbezüglich geht die Rechtsprechung davon aus, dass sich die syri- schen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die über niedrigprofilierte Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen wahrgenommen und/oder Aktivitäten entwickelt haben, welche die betreffende Person als Individuum aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausheben und als ernsthaften und potenziell gefährli- chen Regimegegner erscheinen lassen. Für die Annahme begründeter Furcht ist insofern nicht primär das Hervortreten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit und Individualisierbarkeit massgebend; ausschlaggeben d ist vielmehr eine öffentliche Exponiertheit, die aufgrund der Persönlichkeit der asylsuchenden Person, der Form des Auftritts und aufgrund des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklärungen den Eindruck erweckt, dass sie aus Sicht des syrischen Regimes als potenzielle Bedrohung wahr-E-1692/2015 Seite 18 genommen wird. Der vom Beschwerdeführer geltend gemachte Exilaktivis- mus lässt klar nicht darauf schliessen, er sei der Kategorie von Personen zuzurechnen, die wegen ihrer Tätigkeiten oder Funktionen im Exil als ernst- hafte und potenziell gefährliche Regimegegner die Aufmerksamkeit der sy- rischen Geheimdienste auf sich gezogen haben könnten. Das durch Fotos dokumentierte exilpolitische Engagement in Form von Demonstrationsteil- nahmen überschreitet nicht die Schwelle der m assentypischen Erschei- nungsformen exilpolitischer Proteste Tausender syrischer Staatsangehöri- ger und staatenloser Kurden syrischer Herkunft in der Schweiz und ande- ren europäischen Staaten. Die Niedrigprofilierung des Beschwerdeführers lässt sich auch unschwer aus dessen Aussagen zu den vorgelegten Fotos entnehmen (vgl. A22 F59 -67). Es ist deshalb höchst unwahrscheinlich, dass seitens des syrischen Regimes ein besonderes Interesse am (nicht durch Vorfluchtgründe vorbelasteten und in Syrien weitgehend apolit i- schen) Beschwerdeführer bestehen könnte. Auch das Facebookprofil des Beschwerdeführers ergibt kein anderes Bild. Zwar sind das syrische Re- gime und insbesondere Präsident Assad als persönliche Anfeindungsziele des Beschwerdeführers unschwer erkennbar, indem Assad beispielsweise als (…) bezeichnet wird. Von einer aufwieglerischen oder gar staatsunter- grabenden Dynamik ist ein solcher, weitgehend unprofilierter Auftritt indes- sen weit entfernt und nicht von verfolgungswürdigem Interesse für die sy- rischen Behörden. Die Einschätzungen des SEM in dessen Verfügung und in der Vernehmlassung werden somit durch die erwähnte aktuelle Praxis des Bundesverwaltungsgerichts bestätigt und sind vollumfänglic h zu stüt- zen. Gemäss Praxis führen sodann weder eine illegale Ausreise aus Syrien noch das Stellen eines Asylgesuchs im Ausland bereits zur begründeten Furcht, bei einer Rückkehr in das Heimatland mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt zu werden. Der Beschwerdeführer war gemäss obigen Erkenntnissen im Zeitpunkt der Ausreise keiner Verfolgungssituation im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt und weist keine besondere Vorbelastung anderer Art auf, zumal er sich als politisch inaktiv zu erkennen gab. Vor diesem Hintergrund ist das Vorliegen konkreter Indizien für die Annahme einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne der Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 sowie BVGE 2011/50 E. 3.1.1) auch in dieser Hinsicht zu verneinen. Daran ver- mag der Umstand nichts zu ändern, dass er aufgrund seiner längeren Lan- desabwesenheit bei einer Wiedereinreise in Syrien wahrscheinlich einer Befragung durch die heimatlichen Behörden unterzogen würde. E-1692/2015 Seite 19 Hinsichtlich der ge ltend gemachten, auf die Verfolgungssituationen des Onkels und des Bruders abgestützten Reflexverfolgung des Beschwerde- führers ist vorab festzuhalten, dass diese unter dem Aspekt subjektiver statt objektiver Nachfluchtgründe zu würdigen ist. Auslöser der b ehaup- tungsgemässen Verfolgung ist laut dem Beschwerdeführer nämlich dessen Kontaktpflege mit diesen beiden Personen, mithin ein eigenes und von ihm steuerbares Verhalten. Der Beschwerdeführer vermag jedoch abgesehen von der Tatsache der Flüchtlingseigensch aft der beiden Verwandten kei- nen reflexiven Verfolgungskonnex hinreichend darzutun und zu spezifizie- ren. Der dennoch vorgenommene Aktenbeizug durch das Bundesverwal- tungsgericht legt zudem offen , dass d er Bruder im Gegensatz zum Be- schwerdeführer im Besitze eines Dienstbüchleins und somit rekrutiert wor- den ist. Der Onkel erhielt die Flüchtlingseigenschaft aufgrund dessen poli- tischen Exilaktivismus, allerdings erging der letztinstanzliche Entscheid be- reits im Jahre 2004. Die Akten ergeben keinerlei Hinweis auf einen seithe- rigen Exilaktivismus des Onkels. Solche werden auch vom Beschwerde- führer nicht näher konkretisiert und ein zeitlich oder sachlich kausaler re- flexiver Zusammenhang mit dem Beschwerdeführer kann nicht eruiert wer- den. Somit ergibt sich, dass kein e ausreichenden Anhaltspunkte dafür vorlie- gen, dass der Beschwerdeführer aufgrund des Stellens eines Asylgesuchs in der Schweiz, der längeren Abwesenheit aus Syrien, exilpolitischer Akti- vitäten in der Schweiz oder aufgrund seiner Kontakte und verwandtschaft- lichen Nähe zu einem Onkel und zu einem Bruder bei einer Rückkehr nach Syrien einer flüchtlingsrelevanten Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sein könnten. Das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe ist deshalb zu verneinen. 5.4 Aufgrund des Gesagten ist festzuhalten, dass das SEM das Bestehen einer Verfolgungssituation des Beschwerdeführers, dessen Flüchtlingsei- genschaft und den behauptungsgemässen Anspruch auf Gewährung des Asyls zu Recht verneint hat. 5.5 Im Sinne einer Klarstellung bleibt zu erwähnen, dass Im Rahmen von Krieg oder Situationen allgemeiner Gewalt erlittene oder zu befürchtende Nachteile keine Asylrelevanz aufweisen, soweit sie nicht auf der Absicht beruhen, einen Menschen aus den in Art. 3 AsylG erwähnten Gründen zu treffen. Bislang hat das Bundesverwaltungsgericht bürgerkriegsbedingten Gefährdungslagen mitsamt damit verbundenen Nachteilen wirtschaftlicher und beruflicher Art und der fortbestehenden Volatilität und Dynamik der E-1692/2015 Seite 20 Kriegsentwicklung in Syrien ausschliesslich unter dem Aspekt der Zumut- barkeitsfrage nach Art. 83 Abs. 4 AuG Rechnung getragen. Aus den vor- stehenden Erwägungen ergibt sich nicht der Schluss, der Beschwerdefüh- rer sei zum heutigen Zeitpunkt angesichts der politischen und kr iegeri- schen Entwicklung in Syrien und/oder aus individuellen Gründen in seinem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen sind solche Gefährdungsaspekte wie auch eine allgemeine Perspektivlosigkeit vorliegend ausschliesslich unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AuG einzuordnen und ihnen wurde mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs durch das SEM Rechnung getragen. Eine darüber hinausgehende, beim Beschwerdeführer konkret bestehende und flücht- lingsrechtliche Beachtli chkeit aufweisende Gefährdungs - oder Bedro- hungslage liegt wie gesehen nicht vor. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2 013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.), was der Be- schwerdeführer substanziell auch nicht bestreitet. 6.3 Die mit Verfügung des SEM vom 18. Februar 2015 gewährte und aus- drücklich unangefochten gebliebene vorläufige Aufnahme hat mit der Ab- weisung der vorliegenden Beschwerde in den Hauptanträgen weiterhin Be- stand. Ein Anspruch auf eine formelle Bestätigung (vgl. Subeventualantrag der vorliegenden Beschwerde Ziff. 5) besteht indessen nicht. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. E-1692/2015 Seite 21 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem ohnehin unentgeltliche Rechtspflege geniessenden Beschwerdeführer keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG sowie Bst. D oben). 8.2 Dem Beschwerdeführer wurde mit Zwischenverfügung vom 24. April 2015 die amtliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG gewährt und in der Folge der rubrizierte Fürsprech als Rechts- beistand eingesetzt. Dieser präsentierte eine Kostennote vom 10. Juni 2015, mit welcher er einen zeitlichen Aufwand von 7.83 Stunden zu Fr. 230.–, Auslagen von Fr. 148.33 und einen Totalbetrag von Fr. 2‘002.50 (inkl. MwSt) ausweist. Der Aufwand erscheint angemessen und ist unter Berücksichtigung der (kurzen) Ergänzungseingabe vom 6. März 2017 leicht aufzurechnen. Eine geringfügige Reduktion des auszurichtenden Be- trags ist aber deshalb vorzunehmen, weil d as Bundesverwaltungsgericht bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwälte ausgeht (vgl. Art. 12 i.V.m Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] ). Dem Rechtsbeistand ist vom Bundesverwaltungsgericht der Gesamtbetrag von Fr. 2‘000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag i.S.v. Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-1692/2015 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird durch das Bundesverwaltungsgericht eine Entschädigung von Fr. 2000.– ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand: