B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1436/2018 U r t e i l v o m 3 . M a i 2 0 2 1 Besetzung Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), Richter William Waeber, Richter Markus König, Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Eva Malikova, Verein KUMA, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 1. Februar 2018 / N (…). E-1436/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer stellte am 20. Februar 2017 im damaligen Emp- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylgesuch. Aufgrund sei- ner (…) wurde ihm in der Folge eine (…) zugewiesen, die per (…) – (…) – auch das Rechtsvertretungsmandat für das Asylverfahren innehatte . An- lässlich der im EVZ durchgeführten Befragung zur Person (BzP) vom 10. März 2017, der Anhörung vom 21. April 2017 zu den Asylgründen und einer schriftlichen Eingabe vom 2 2. November 2017 machte der Beschwerde- führer im Wesentlichen Folgendes geltend: Er habe keine Staatszugehörigkeit beziehungsweise er sei türkischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und im nordirakischen Flüchtlingsla- ger B._______ (Provinz C._______) geboren, welches von der PKK (Kur- dische Arbeiterpartei) kontrolliert und verwaltet werde; die Stadt B._______ werde aber von den Peshmergas kontrolliert . Seine Eltern stammten aus der türkischen Provinz D._______ und seien im Jahre 1993 – der Vater sei damals (…) Jahre alt gewesen – von dort nach C._______ (Irak) geflohen, nachdem türkische Streitkräfte in ihrer Provinz Dörfer angegriffen, Men- schen getötet, Frauen vergewaltigt und Häuser in Brand gesteckt hätten. In B._______ habe er mit den Eltern, (…) Geschwistern und zahlreichen Verwandten zusammengelebt und eine von der PKK geführte Schule be- sucht. Sein Vater sei nie bei der PKK gewesen und habe einige Jahre im Spital von C._______ gearbeitet; es sei ihnen recht gut gegangen. Der Va- ter sei aber manchmal auf dem Arbeitsweg am Kontrollposten der Pe- schmerga angehalten und ins Flüchtlingslager zurückgeschickt worden , und die PKK habe ihn drei oder vier Mal festgenommen und ihm Geld ab- genommen. Im Jahre 2014 sei das Flüchtlingslager vom sogenannten «Is- lamischen Staat» (IS) angegriffen worden. Die PKK habe aber den IS wie- der vertreiben können und sie seien nach einem Monat wieder ins Lager zurückgekehrt. Im selben Jahr habe die PKK ihn mit sechs Mitschülern un- ter falschen Versprechungen (Unterstützung der Zivilb evölkerung) nach E._______, nahe F._______, gebracht, gegen ihren Willen mit (munitions- losen) Waffen ausgerüstet und als Wächter gegen mögliche Angriffe des IS eingesetzt. Er sei nie in Kämpfe verwickelt gewesen. D ennoch hätten sie nach zwei Wochen weinend verlangt, abmachungsgemäss wieder nach Hause zurückkehren zu dürfen. Sie seien schliesslich zunächst voneinan- der getrennt, nach zwei Monaten Dienst ins kurdische Gebiet in Syrien transportiert und – wetterbedingt – erst einen Monat später zu ihren Fami- lien zurückgebracht worden. Die PKK habe ihm die Fortsetzung des (…) E-1436/2018 Seite 3 Schuljahres verweigert und ihn wegen seiner längeren Absenz eine Klasse zurückversetzen wollen, weshalb er die Schule abgebrochen habe. Der IS habe regelmässig ins Flüchtlingslager einzudringen versucht, sei aber meist schon in der Umgebung von B._______ erfolgreich bekämpft wor- den. Es sei jedoch auch zu Bomben- und Selbstmordanschlägen des IS gekommen. 2015 beispielsweise hätten zwei sich ins Flüchtlingslager ein- schleichende IS-Angehörige einen suizidalen Sprengstoffanschlag verübt. Er selber habe persönlich mit niemandem irgendwelche Probleme gehabt und zuletzt fünf Monate als (…) in C._______ gearbeitet. Die Peschmerga hätten ihn dann aber aufgefordert, dies zu unterlassen. Deshalb, wegen der Bedrohungslage durch den IS und weil er nicht wieder durch die PKK zu Dienstleistungen habe verpflichtet werden wollen, sei er am 7. Septem- ber 2016 zusammen mit seinem Cousin G._______ (N […]) auf dem Land- weg in die Türkei ausgereist und weiter auf dem Seeweg nach Griechen- land gelangt, wo sie sich etwa fünf Monate in H._______ aufgehalten hät- ten. Über ihm unbekannte Länder und Routen seien sie auf dem Landweg schliesslich illegal in die Schweiz gelangt, wo sie gleichentags um Asyl er- sucht hätten. Hier habe er erfahren, dass die PKK seine Familie wegen seiner Flucht belästigt habe und die Peschmerga seinen Vater nicht mehr hätten arbeiten lassen. Die Türkei – dort habe er auch noch Verwandte – sei für ihn keine Niederlassungsalternative, denn die türkischen Behörden wüssten über seinen Aufenthalt im von der PKK kontrollierten Flüchtlings- lager B._______ Bescheid und würden ihm deshalb Probleme bereiten. Er fühle sich daher heimatlos. Gesundheitlich gehe es ihm gut; er habe jedoch zeitweise Schmerzen am (…), das er im Irak nicht habe operieren lassen wollen, aus Angst vor einer dadurch womöglich eintretenden vollständigen Gehbehinderung. Ergänzend machte der Beschwerdeführer darauf auf- merksam, dass sich die Sicherheits - und Versorgungslage in der Provinz C._______ seit dem Unabhängigkeitsreferendum der Kurden verschärft habe. Die Strassenverbindung nach C._______ sei nunmehr unterbro- chen. Seine Mutter habe zudem eine (…) erlitten und sei danach auf dem beschwerlichen Weg zur Krankenstation fast gestorben. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer eine Registrierungsbestäti- gung des UNHCR vom (…) 2007 und einen Identitätsausweis der Flücht- lingsbehörde des irakischen Innenministeriums vom (…) 2013 (lautend auf I._______, Nationalität: Türkei, Geburtsort: Irak, geboren […]) zu den Ak- ten. In der Anhörung erklärte der Beschwerdeführer auf Nachfrage die Ab- weichungen auf dem Identitätsausweis beim Vornamen mit dem Ortsge- brauch und beim Geburtsdatum mit dem Hintergedanken seiner Eltern, E-1436/2018 Seite 4 dadurch mehr Lebensmittel beziehen zu kön nen; er sei im Jahre (…) ge- boren. Betreffend die Staatsangehörigkeit teilte das SEM dem Beschwerdeführer bereits anlässlich der BzP mit, dass er zumindest Anspruch auf die türki- sche Staatsangehörigkeit habe und er daher als türkischer Staatsangehö- rige erfasst werde. Der Beschwerdeführer erklärte sich damit einverstan- den. B. Mit Verfügung vom 1. Februar 2018 – eröffnet am 7. Februar 2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht (Dispositiv Ziff. 1), und lehnte dessen Asylgesuch ab (Dispositiv Ziff. 2). Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz an (Dispositiv Ziff. 3), verzichtete jedoch infolge Unzumutbarkeit auf den Voll- zug der Wegweisung und gewährte ihm die vorläufige Aufnahme (Disposi- tiv Ziff. 4-6). C. Nach wunschgemäss erhaltener Akteneinsicht erhob der nunmehr vertre- tungslos handelnde Beschwerdeführer mit Eingabe vom 8. März 2018 ge- gen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgerich t. Darin beantragt er die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh- rung von Asyl unter entsprechender Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung. In prozessualer Hinsicht ersuchte er zudem um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung mitsamt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. D. Mit Zwischenverfügung vom 13 . März 2018 hiess die damals zuständige Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung mit Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut. E. Am 3. Juni 2019 orientierte die rubrizierte Rechtsvertreterin das Bundes- verwaltungsgericht mittels Zustellung der Vollmacht über ihr Vertretungs- mandat. Gleichzeitig erkundigte sie sich nach dem Stand des Verfahrens. Mit Antwortschreiben vom 5. Juni 2019 teilte ihr das Bundesverwaltungs- gerichts mit, dass zur voraussichtlichen Verfahrensdauer derzeit keine nä- heren Angaben gemacht werden könnten. Gleichzeitig wurde die Rechts-E-1436/2018 Seite 5 vertreterin über den zwischenzeitlich erfolgten Wechsel in der Verfahrens- führung von Instruktionsrichterin Regula Schenker Senn auf die neu zu- ständige Instruktionsrichterin Roswitha Petry in Kenntnis gesetzt. F. Mit Eingabe vom 17. April 2020 ergänzte der Beschwerdeführer persönlich seine Beschwerde vom 8. März 2018. G. Mit heutigem Datum ergeht auch das verfahrensabschliessende Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -1443/2018 im Asylverfahren des Cousin s G._______ (N […]). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist E-1436/2018 Seite 6 daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Wer erst durch die Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgungssituation be- gründet hat (sog. subjektive Nachfluchtgründe), hat grundsätzlich ebenfalls Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft; verwehrt bleibt einzig das Asyl (vgl. Art. 54 AsylG). Keine Flüchtlinge sin d jedoch Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) dennoch vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer be- gründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG). Objektive Nachflucht- gründe sind gegeben, wenn nach der Ausreise entstandene äussere Um- stände, auf welche die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen; die Restriktion von Art. 54 AsylG gilt hier nicht. 3.1.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw ei- sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für E-1436/2018 Seite 7 gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM aus, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen. Da der Beschwerdeführer sich lediglich im September 2016 auf der Durch- reise in der Türkei aufgehalten habe, sei er dort bisher offensichtlich von keinen gezielt gegen ihn selbst gerichteten staatlichen Verfolgungsmass- nahmen betroffen. Es sei bekannt, dass Angehörige der kurdischen Bevöl- kerung in der Türkei Schikanen und Benachteiligungen verschiedenster Art ausgesetzt sein könnt en, welche bezüglich ihrer Intensität jedoch in der Regel kein asylbeachtliches Ausmass annehmen würden. Die Befürchtung zusätzlicher, auf seinen Aufenthalt im Flüchtlingslager B._______ und die Herkunft seiner Eltern aus der Provinz D._______ zurückzuführender Nachteile sei nicht begründet, denn gestützt auf seine Aussagen bestün- den keine Hinweise auf ein eigenes politisches Engagement, weshalb nicht von einem erheblichen Verfolgungsinteresse der türkischen Behörden aus- zugehen sei. Somit sei zwar nicht auszuschliessen, dass er bei einer Rück- kehr in die Türkei einer erhöhten Aufmerksamkeit der Behörden oder auch Schikanen ausgesetzt würde, wogegen aber keine hinreichenden Gründe zur Annahme vorlägen, er wäre in der Türkei in absehbarer Zukunft mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit von ernsthaften Nachteilen betroffen. Er erfülle daher insoweit die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht. Bezüglich der geltend gemachten Umstände und Ereignisse im Irak sei festzuhalten, dass der in Art. 3 Abs. 1 AsylG er wähnte Passus, wonach Flüchtlinge Personen seien, die „in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten", verfolgt seien, nicht wörtlich, sondern im L ichte von Art. 1A Abs. 2 FK auszulegen sei und demzufolge nur staatenlose Gesuch- steller beträfe. Der Irak sei aber in diesem Sinne weder sein Heimatstaat noch sein Herkunftsland. Die bezogen auf dieses Land geltend gemachten Schwierigkeiten würden sich daher auf einen Drittstaat beziehen, weshalb E-1436/2018 Seite 8 sie ebenfalls nicht geeignet seien, die Flüchtlings eigenschaft zu begrün- den. Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die Wegweisung aus der Schweiz. Der Wegweisungsvollzug in die Türkei sei jedoch in Würdigung sämtlicher Umstände und unter Berücksichtigung der persönlichen Situation de s Beschwerdeführers nicht zumutbar, weshalb ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren sei. 4.2 In seiner Rechtsmitteleingabe be stätigt der Beschwerdeführer seine türkische Staatsangehörigkeit und den geltend gemachten Verfolgungs- sachverhalt. Letzteren präzisiert und ergänzt er dahingehend, dass er von der PKK nach E._______ gebracht worden sei, um dort an Kämpfen gegen den IS teilzunehmen. Zu diesem Zweck sei er an der Waffe ausgebildet worden. Die beiliegenden, während seiner Ausbildung und dem insgesamt rund zweimonatigen Dienst für die PKK erstellten Fotografien würden dies beweisen. Die Ausreise sei sodann nicht nur mit seinem Cousin G._______, sondern auch mit dem gemeinsamen Onkel J._______ erfolgt; J._______ und ihre beiden Väter seien Brüder. J._______ sei ein ehema- liger PKK-Kämpfer in der Türkei, Syrien und Irak gewesen. Ihre W ege – nicht aber ihre Kontakte – hätten sich in Griechenland getrennt und J._______ habe dann in K._______ ein Asylgesuch gestellt. Dieses sei gutgeheissen worden und mit beiliegenden Kopien des (…) Aufenthaltsti- tels und des (…) Flüchtlingspasses (je ausgestellt am (…) 2017) belegbar; ebenso würden zwei Fotografien J._______ bei dessen Tätigkeit für die PKK zeigen. Die Glaubhaftigkeit des von ihm (Beschwerdeführer) geltend gemachten Sachverhalts werde vom SEM nicht bestritten, weshalb dieser als erstellt zu betrachten sei. Betreffend die vom SEM verneinte flüchtlings- rechtliche Beachtlichkeit seiner Vorbringen lasse die Vorinstanz jedoch sein Risikoprofil und die aktuelle politische Lage in der Türkei weitgehend unberücksichtigt. Er habe praktisch sein ganzes Leben im Flüchtlingslager B._______ verbracht, welches Zufluchtsort von mehr als zehntausend kur- dischen Flüchtlingen sei, die in den 90er -Jahren vor den Kämpfen zwi- schen türkischer Armee und PKK aus den südöstlichen türkischen Provin- zen geflohen seien. Das Lager sei bis 2014 unter dem Schutz des UNHCR gewesen, bei dem auch er registriert gewesen sei. Gemäss verschiedenen Berichten und Quellen kontrolliere, verwalte und verteidige seither die PKK das Lager. Wie aus diesen eingereichten Berichten hervorgehe, werde das Lager seitens der türkischen Behörden als Hochburg der PKK einge- schätzt, in dem auch PK K-Kämpfer und -Attentäter ausgebildet würden. In der Türkei selber habe sich die Sicher- heits- und Menschenrechtslage seit dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 erheblich verschlechtert. Gemäss SFH und weiteren Berichten E-1436/2018 Seite 9 hätten sich seither immer stärkere autoritäre Tendenzen der aktuellen Re- gierung beobachten lassen, und mit der in einem umstrittenen Referendum vom April 2017 bestätigten Verfassungsänderung sei ein Präsidialsystem errichtet worden, das die Macht des Präsidenten weiter ausbaue und damit den autoritären Tendenzen eine dauerhafte Grundlage biete. Der Kurden- konflikt sei weiter eskaliert und Todesfälle bei Zusammenstössen zwischen PKK und türkischen Sicherheitskräften hätten stark zugenommen, ebenso die Anschläge und Angriffe durch die PKK und den IS. Rechtsstaatlichkeit und Unabhängigkeit der Justiz seien nicht mehr gewährleistet, die Judika- tive werde zunehmend von der Exekutive beeinflusst und verliere weiter an Unabhängigkeit. Die Menschenrechtslage habe sich gravierend ver- schlechtert. Mit der Ausrufung des Ausnahmezustands habe die türkische Regierung verschiedene Artikel der Europäischen Menschenrechtskon- vention und des internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte temporär ausgesetzt. Es komme zu willkürlichen Verhaftungen, In- haftierungen und Misshandlungen ohne Beweise oder überzeugende Gründe für angebliche Straftaten. Versammlungs - und Meinungsfreiheit würden immer stärker eingeschränkt, regierungskritische Demonstrationen verboten oder gewaltsam aufgelöst, Presse - und Meinungsfreiheit einge- schränkt sowie die Internetzensur und die Überwachung von Kommunika- tion und sozialen Medien intensiviert. Die Menschenrechtssituation in der Türkei habe sich, wie Urteile des Bundesverwaltungsgerichts bestätigten, insbesondere auch für Kurden aus den südöstlichen Regionen der Türkei verschlechtert. Er selber weise ein besonderes Risiko- und Gefährdungs- profil auf , indem er praktisch sein ganzes Leben im Flüchtlingslager B._______ verbracht, in den Jahren 2014 und 2015 eine Ausbildung an der Waffe durch die PKK durchlaufen und für diese bewaffneten Dienst geleis- tet habe. Ferner sei er Fluchtgefährte und Verwandter des PKK-Kämpfers J._______ sowie ein Kind von aus der umstrittenen Kurden region D._______ stammenden Eltern und würde im Falle einer Rückkehr dorthin zum ersten Mal in seinem Leben offiziell türkisches Territorium betreten . Aus Sicht der türkischen Behörden stünde er damit im dringenden Verdacht PKK-Mitglied zu sein und würde als bislang Papierloser im Falle einer erst- maligen Einreise in die Türkei mit grösster Wahrscheinlichkeit einer einge- henden Befragung unterzogen. Bei dieser Einvernahme würde sein oben erwähnter Hintergrund den türkischen Behörden bekannt und mit grosser Wahrscheinlichkeit seine intensive Beziehung z ur PKK festgestellt. Die Wahrscheinlichkeit einer menschenrechtswidrigen Behandlung wäre damit hoch und demzufolge habe er asylrelevante Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten . Aufgrund dieser vom Staat ausgehenden Verfol- gungslage habe er Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl, E-1436/2018 Seite 10 zumal ihm keine Aufenthaltsalternative in der Türkei zur Verfügung stünde. In seiner Rechtsmittelergänzung verweist der Beschwerdeführer auf zwi- schenzeitlich veröffentlichte Berichte, welche die in der Beschw erde er- wähnte Einschätzung von B._______ durch den türkischen Staat als PKK- Hochburg bestätigen würden. Zudem bekräftigt er sein in der Beschwerde dargestelltes Risiko- und Gefährdungsprofil. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer verschiedene ihn in K ampf- kleidung und teilweise bewaffnet abbildende Fotos, ferner Fotografien des (…) Flüchtlingsausweises und des (…) Aufenthaltsausweises von J._______, zwei Fotos von J._______, einen Wikipedia-Bericht betreffend die Stadt und das Flüchtlingslager B._______ sowie verschiedene Inter- netmedienberichte über die Situation in Nordirak und speziell in B._______ zu den Akten. 5. 5.1 In sachverhaltlicher Hinsicht ist festzuhalten, dass das SEM den vom Beschwerdeführer vorgetragenen Verfolgungssachverhalt in der angefoch- tenen Verfügung nicht nach Massgabe von Art. 7 AsylG auf seine Glaub- haftigkeit hin geprüft hat und diesen somit offenbar nicht anzweifelt. Bezo- gen auf den Verfügungszeitpunkt sieht dies das Bundesverwaltungsgericht trotz gewisser Unstimmigkeiten insbesondere im chronologischen Ereig- nisgefüge nicht grundsätzlich anders und es bestehen auch keine erhebli- chen Zweifel an der persönlichen Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers. Demgegenüber sind der Beschwerde gewisse sachverhaltliche Weiterun- gen zu entnehmen, die e iner differenzierteren Betrachtung bedürfen. Der Beschwerdeführer vermag mit Fotos seine im erstinstanzlichen Verfahren vorgebrachte bewaffnete Tätigkeit für die PKK zu unterlegen, bauscht diese Tätigkeit aber nunmehr offensichtlich auf. Den vorinstanzlichen Ak- ten ist nämlich gerade nicht zu entnehmen, dass er zwecks Kampfeinsat- zes gegen den IS nach E._______ gebracht worden sei, sondern – nach Nichteinhaltung falscher Versprechungen der PKK – zum zwar unfreiwillig bewaffneten, aber munitionslosen Wachdienst (vgl. vorinstanzliche Akte A8 F26 ff.). Eine eigentliche Ausbildung an der Waffe durchlief er dementspre- chend nicht und schon gar nicht über zwei Kalenderjahre hinweg. Die Trag- weite dieses Sachverhaltselements im Hinblick auf die flüchtlingsrechtliche Würdigung ist in Anbetracht der nachfolgenden Erwägungen (E. 5.2 f.) oh- nehin bescheiden. Neu ist ebenfalls die Darstellung des Onkels J._______ als Fluchtgefährte und ehemaliger PKK-Kämpfer in der Türkei, Syrien und Irak. Dass die Reise des Beschwerdeführers teilweise in Begleitung von E-1436/2018 Seite 11 J._______ erfolgt ist, erscheint immerhin plausibel, zumal G._______ die- ses Sachverhaltselement gemäss dessen vorinstanzlichen Akten er- wähnte. Dass J._______ ehemaliger Angehöriger und Kämpfer der PKK gewesen sei, ist ebenfalls nicht grundsätzlich in Abrede zu stellen. Ein über das Verwandtschaftsverhältnis und den gemeinsamen Wohnort in B._______ hinausgehender engerer Konnex zwischen dem Beschwerde- führer und G._______ einerseits und J._______ anderseits ist den vorlie- genden Akten und jenen von G._______ aber offensichtlich nicht zu ent- nehmen und wird auch auf Beschwerdestufe nicht geltend gemacht. 5.2 Die Eltern des Be schwerdeführers stammen aus der Türkei und sind türkische Staatsangehörige. Der Beschwerdeführer betrachtet sich selber ebenfalls als türkischer Staatsangehöriger, was er in seiner Beschwerde auch bestätigt (vgl. zur diesbezüglichen türkischen Gesetzeslage auch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -779/2018 vom 8. April 2019 E. 8.3). Demgegenüber ist der Irak beziehungsweise der Nordirak, wo er sich seit seiner Geburt aufhielt, weder sein Heimatstaat noch sein Her- kunftsstaat. Beim Beschwerdeführer handelt es sich , obwohl er mangels Beantragung (noch) nicht im Besitze eines türkischen Reisepasses ist, auch nicht um einen formell anerkannten Staatenlosen. Der Begriff Wohn- sitzstaat in Art. 3 AsylG ist als Herkunftsstaat zu interpretieren und nur auf formell Staatenlose anwendbar und somit nicht auf den Beschwerdeführer, wogegen für nicht staatenlose Personen die Flüchtlingseigenschaft einzig in Bezug auf den Heimatstaat und nicht auch auf den Herkunftsstaat zu prüfen ist (vgl. dazu das am 13. Oktober 2015 ergangene Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts E -5534/15 E. 6.1 m.w.H.; vgl. auch das Urteil E-917/2016 vom 12. November 2018 E. 5.1). Damit steht fest, dass der Irak vorliegend als Drittstaat zu bezeichnen ist , was vom SEM zutreffend erkannt wurde. Massgeblich zur Beurteilung der Verfolgungssituation und darauf basierenden Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers kön- nen somit nur erlebte oder befürchtete Verfolgungshandlungen durch den türkischen Staat oder diesem zurechenbare Verfolgungshandlungen von Dritten sein, wogegen Verfolgungshandlungen durch (staatliche oder nicht- staatliche) Akteure auf irakischem Staatsgebiet in Stützung der vorinstanz- lichen Erwägungen irrelevant sind. Als Vorfluchtgründe bedeutsam sind so- mit nur solche Verfolgungshandlungen, die sich bis zum Zeitpunkt des Ver- lassens des Heimatstaates zugetragen haben oder zu jenem Zeitpunkt be- fürchtet wurden. Zum andern sind gleichsam subjektive wie objektive Nachfluchtgründe bedeutsam, die nach diesem Zeitpunkt entstanden sind. Massgeblicher Zeitpunkt der Ausreise aus dem Heimatstaat (Türkei) ist da- bei vorliegend nicht der Wegzug der Eltern des Beschwerdeführers in den E-1436/2018 Seite 12 Nordirak im Jahre 199 3, sondern d essen eigenes Verlassen der Türkei nach seiner Durchreise im September 2016 , und zwar u nbesehen der Frage, ob er auf türkischem Boden Kontakt mit den dortigen Behörden hatte. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass erlebte oder befürchtete Be- nachteiligungen im Nordirak vorliegend nicht in den Prüfungsraster zur Be- urteilung der Flüchtlingseigensch aft fallen. Damit kann offen bleiben, ob hierbei die gesetzlichen und praxisgemässen Anforderungen an die flücht- lingsrechtliche Beachtlichkeit (insb. Ernsthaftigkeit, Intensität, staatliche bzw. quasistaatliche Zurechenbarkeit, Gezieltheit sowie Kausalität zur Aus- reise) erfüllt wären. Bedeutsam bleiben hingegen eine allfällige Furcht vor Verfolgung durch die türkischen Behörden aufgrund seines Aufenthalts im Nordirak und seiner dortigen Aktivitäten, wobei im Sinne eines objektiven Nachfluchtgrundes eine Verschärfung dieser Verfolgungsfurcht aufgrund in der Beschwerde hervorgehobener zwischenzeitlicher Veränderungen in der Türkei ebenfalls relevant sein können (autoritäre Tendenzen im Präsi- dialsystem, Verschärfung des Kurdenkonflikts, defizitäre Rechtsstaatlich- keit und Unabhängigkeit der Justiz, Verschlechterung der Menschen- rechtslage, Ausnahmezustand, Einschränkung von Versammlungs- und Meinungsfreiheit usw.). 5.3 5.3.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wie erwähnt, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, res- pektive zugefügt zu werden drohen. Die erlittene Verfolgung oder die be- gründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeit- lich kausal für die Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Die Furcht vor künftiger Verfolgung umfasst allgemein ein auf tatsächlichen Ge- gebenheiten beruhendes objektives Element einerseits sowie die persönli- che Furchtempfindung der betroffenen Person als subjektives Element an- dererseits. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat demnach, wer gute – d.h. von Dritten nachvollziehbare – Gründe (objekti- ves Element) für seine Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, je m.w.H.). Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine E-1436/2018 Seite 13 konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleich- barer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht her- vorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer ob- jektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen und ist andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konse- quenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Ver- folgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine stär- ker ausgeprägte (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57, E. 2.5). 5.3.2 Das SEM ist nach zutreffender Sachverhaltsfeststellung in seinen Er- wägungen mit überzeugender Begründung zur zutreffenden Erkenntnis ge- langt, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen des Beschwerdefüh- rers würden den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtli- che Beachtlichkeit nicht genügen, weshalb er keinen Anspruch auf Zuer- kennung der Flüchtlingseigenschaf t und Gewährung des Asyls habe. Es kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf die betreffenden Erwägun- gen gemäss angefochtener Verfügung und deren Zusammenfassung oben (E. 4.1) verwiesen werden. Diese sind nicht zu beanstanden. Die Ausfüh- rungen in der Besc hwerde führen zu keiner anderen Betrachtungsweise. Zum einen erschöpfen sie sich in blossen Bekräftigungen der deponierten Verfolgungsvorbringen. Soweit diese die Zeit im Nordirak betreffen, ist auf die Erwägungen in E. 5.2 oben zu verweisen. Zum andern ist das SEM in seiner Erkenntnis zu bestätigen, dass der Beschwerdeführer während sei- ner Durchreise durch die Türkei im September 2016 von keinen gezielt ge- gen ihn selbst gerichteten staatlichen Verfolgungsmassnahmen betroffen war. Solche hat er für diesen kurzen Zeitraum denn auch bislang nie gel- tend gemacht. Der Hinweis des Beschwerdeführers, wonach die türkischen Behörden sei- nen Aufenthalt im Camp B._______ – in den Augen des türkischen Staates eine Hochburg und Ausbildungsstätte der PKK – spätestens bei s einer Rückkehr in Erfahrung bringen würden, ist nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Beim Lager B._______ handelt es sich um ein kurdisches Flücht- lingslager, welches sich inmitten des Dreiecks (…) befindet. Es dient seit Anfang der neunziger Jahre als Zufluchtsort von kurdischen Flüchtlingen aus der türkischen Region Südostanatolien, die seit 1993 während der Kämpfe zwischen der türkischen Armee und der kurdischen PKK aus ihren Heimatregionen, insb esondere aus den Regionen Mardin, Hakkari und D._______, geflohen sind. Es stand seit dem Jahr 1998 offiziell unter dem Schutz und der Kontrolle des UNHCR sowie der irakischen Regierung. Das UNHCR hat sich im Jahr 2003 aufgrund der herrschenden Sicherheitslage E-1436/2018 Seite 14 aus dem Lager zurückgezogen. Es unterstützt die Bewohner aber nach wie vor mit Hilfs- und Lebensmitteln und ist vor Ort präsent. Das Lager organi- siert sich inzwischen weitgehend autonom. Die Bewohner des Lagers sind stark von der PKK beeinflusst und ein Teil der jüngeren Lagerbewohner schliesst sich denn auch dem bewaffneten Kampf der PKK an. Es handelt sich beim Lager B._______ dennoch nicht um ein Trainingscamp der PKK. Die türkischen Behörden gehen gleichwohl davon aus, dass die PKK in B._______ aktiv ist und das Lager eine wichtige Basis darstellt. Die Türkei ist nicht nur militärisch, sondern auch geheimdienstlich vor Ort aktiv und es ist zumindest denkbar, dass die türkischen Behörden generell in Kenntnis über den Aufenthalt ihrer kurdischen Landsleute sind (vgl. zum Ganzen das Urteil E-27/2017 E. 6.5.2 m.w.H.). Einzig aufgrund des Aufenthalts im La- ger B._______ ist indessen nicht davon auszugehen, dass der Beschwer- deführer bei einer Rückkehr in die Türkei einer asylrelevanten Gefährdung ausgesetzt wäre (vgl. das am 8. April 2019 ergangene Urteil des BVGer D- 779/2018 E. 9.1, bestätigt z.B. im Urteil E-6582/2019 vom 3. Februar 2020 E. 7.4). Ein darüber hinausgehendes Gefährdungsprofil weist er nicht auf: Zwar leistete er ausserhalb B._______ als Schüler unfreiwillig und muniti- onslos Wachdienst für die PKK, der aber nur von k urzer Dauer war und den türkischen Behörd en zudem kaum bekannt sein dürfte. Mitglied der PKK war er wie sein Vater nie. In B._______ selber entwickelte er weder ein politisches Engagement noch setzte er sich militant oder in anderer Weise insbesondere für die PKK ein. Dies gilt für seine ganze Familie, wel- che sich gemäss seinen Ausführungen gar von der PKK distanzierte (vgl. z.B. A8 F75 ff.). Von einer in der Beschwerde erwähnten intensiven Bezie- hung des Beschwerdeführers kann daher keine Rede sein. Auch das blosse Verwandtschaftsverhältnis zu J._______ begründet noch keine re- flexive Verfolgungslage, zumal dieser den Beschwerdeführer auch in kei- ner Weise in irgendwelche Aktivitäten involviert hat. Für die türkischen Be- hörden wird zudem der Umstand bedeutsam sein, dass der Beschwerde- führer während der (für die PKK) aktiven Zeit von J._______ noch ein Kind oder sogar noch nicht einmal geboren war. Mit diesen Erkenntnissen rü- cken auch die in der Beschwerde erwähnten und vom Bundesverwaltungs- gericht nicht grundsätzlich in Abrede zu stellenden Veränderun gen der Lage in der Türkei in den vergangenen rund fünf Jahren als objektive Nach- fluchtgründe in den Hintergrund. Der Beschwerdeführer vermag denn auch einen gefährdungsbegründenden Konnex zu seinem Onkel nicht konkret und schlüssig darzutun und dessen Grü nde für die Asylgewährung in K._______ sind ihm offensichtlich nicht näher bekannt. Schliesslich bleibt festzuhalten, dass eine begründete Furcht des Beschwerdeführers vor E-1436/2018 Seite 15 flüchtlingsrechtlich bedeutsamer Benachteiligung in der Türkei auch inso- fern für das Bundesverwaltungsgericht nur schwer nachvollziehbar ist, als er zwischen seiner Ausreise aus dem Irak und der Schutzsuche in der Schweiz ausgerechnet den angeblichen (türkischen) Verfolgerstaat als Transitland benutzte und dabei gar erstmals in seinem Leben türkisches Territorium betrat. Mithin scheint auch seine subjektive Perspektive nicht von einer asylrelevanten Furcht vor Verfolgung geprägt gewesen zu sein. Mit dem SEM ist im Übrigen festzuhalten, dass Angehörige der kurdischen Bevölkerung in der Türkei Schikanen und Benachteiligungen verschie- denster Art ausgesetzt sein können, welche bezüglich ihrer Intensität je- doch in der Regel kein asylbeachtliches Ausmass annehmen. Insgesamt ist somit nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer habe bei einer heutigen Rückkehr in die Türkei mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit und in absehbarer Zukunft die Zufügung ernsthafter Nachteile im flüchtlingsrechtlichen Sinn zu befürchten. 5.4 Das SEM hat somit das Bestehen einer Verfolgungssituation des Be- schwerdeführers und mithin dessen Anspruch auf Feststellung der Flücht- lingseigenschaft und Gewährung des Asyls zu Recht verneint. Im Übrigen hat es die Wegweisung als solche unbestrittenermassen ebenfalls zu Recht angeordnet, zumal der Beschwerdeführer insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen verfügt (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfü gung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es erübrigt sich, auf die weiteren Inhalte der Beschwerde und die vorgelegten Beweismittel näher einzugehen, da sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen Die Be- schwerde ist abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhebung ist jedoch angesichts der mit Zwischenverfügung vom 13. März 2018 gewährten un- entgeltlichen Prozessführung zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-1436/2018 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Roswitha Petry Urs David Versand: