VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI R 18 95 5. Kammer Vorsitz Meisser Richter Audétat, Racioppi Aktuarin Kuster URTEIL vom 4. März 2020 in der Streitsache Erbengemeinschaft A._____, bestehend aus: - B._____, und - C._____, alle vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Christian Fey, Beschwerdeführerin gegen Gemeinde X._____, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Otmar Bänziger, Beschwerdegegnerin 1 Erbengemeinschaft D._____, bestehend aus: - E._____, - F._____, und - G._____, alle vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Q._____, Beschwerdegegnerin 2 H._____ und I._____,- 2 - K._____, L._____ und M._____, alle vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Marc E. Wieser, Beschwerdegegner Stockwerkeigentümergemeinschaft "N._____", vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Armon Vital, Beschwerdegegnerin 3 betreffend Baugesuch- 3 - 1. Die Erbengemeinschaft A._____, bestehend aus B._____ und C._____, ist Gesamteigentümerin der Parzellen 1638, 1810 und 2081 in X._____. Am 30. April 2018 ersuchte die Erbengemeinschaft A._____ die Gemeinde X._____ (Bauamt) um Erteilung einer Baubewilligung für die Aufstockung des auf der Parzelle 1810 bestehenden Geschäftshauses mit einer dreistö- ckigen Parkierungsanlage (total 58 Parkplätze). In ihrem Begleitschreiben zum Baugesuch vom 30. April 2018 hielt die Erbengemeinschaft A._____ insbesondere folgendes fest: "Die Gesuchseinreichung erfolgt selbstverständlich unter Vorbehalt der Tei- lung eines Näherbaurechts durch die Gemeinde X._____ in Bezug auf die Strassenparzelle der Via O._____. Das Näherbaurecht wird gleichzeitig mit der vorliegenden Baueingabe mit separatem Brief an den Gemeinderat bean- tragt." Mit Schreiben vom 30. April 2018 ersuchte die Erbengemeinschaft A._____ die Gemeinde X._____ (Gemeinderat) um Erteilung eines Näher- baurechts zu Gunsten der Parzelle 1810 und zu Lasten der im Eigentum der Gemeinde X._____ stehenden Strassenparzelle 1319 (Via O._____). Die Erbengemeinschaft A._____ hielt fest, dass sie beabsichtige, auf der Parzelle 1810 einen Neubau für eine Autogarage zu erstellen, um gesetz- lich geforderte Pflichtparkplätze nachträglich real zu erfüllen. Der Neubau erfordere eine Überschreitung der Baulinie für den Mindestabstand der Ge- bäude von Strassen (Art. 91 Abs. 8 BG) um 1.56 m. Die Überschreitung der Baulinie sei notwendig, weil das geplante Gebäude die erforderliche Grösse aufweisen müsse, um die geplanten Parkplätze beherbergen zu können. Auch gebe das darunterliegende Gebäude die Linie für die Statik vor. Es handle sich hier um die Erfüllung von gesetzlich geforderten Pflicht- parkplätzen, womit die Parkierungssituation auf den Parzellen 1638, 1810 und 2081 verbessert und bereinigt werden könne. Das Gesuch um Ertei- lung eines Näherbaurechts sei somit begründet und es seien auch keine entgegenstehenden überwiegenden öffentlichen Interessen ersichtlich. Der Neubau der Autogarage führe zu keiner Beeinträchtigung der Ver- kehrssicherheit auf der Via O._____ und auch zu keinen sonstigen nach-- 4 - teiligen Auswirkungen für die Öffentlichkeit (Art. 77 KRG). Diese Aspekte würden zudem im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens von der Bau- behörde geprüft. 2. Gegen das Baugesuch der Erbengemeinschaft A._____ vom 30. April 2018 wurden drei Einsprachen eingereicht, woraufhin ein doppel- ter Schriftenwechsel durchgeführt wurde. Mit Entscheid vom 22. Okto- ber 2018, mitgeteilt am 25. Oktober 2018, hiess der Gemeindevorstand X._____ die Einsprachen im Sinne der Erwägungen gut und er verweigerte die Baubewilligung für die Aufstockung des bestehenden Geschäftshauses mit einer dreigeschossigen Parkierungsanlage, unter Kostenfolge zu Las- ten der Erbengemeinschaft A._____. Der Gemeindevorstand erwog, dass die Zonenkonformität der geplanten Parkierungsanlage nicht gegeben sei und der Perimeter "Gemeinschafts-Parkierungsanlagen" verletzt werde. Weiter hielt er fest, dass sich die Berufung der Erbengemeinschaft A._____ auf den Grundsatz der Gleichbehandlung als unbegründet erweise. Aus- serdem vermöge die geplante Parkierungsanlage den kommunalen und bundesrechtlichen Anforderungen in Bezug auf die Emissionen kaum zu genügen. Schliesslich hielt der Gemeindevorstand insbesondere fest, dass das Gesuch um Erteilung eines Näherbaurechts nicht beantwortet zu wer- den brauche, weil die geplante Parkierungsanlage mangels Zonenkonfor- mität nicht bewilligt werde. 3. Gegen den Bau- und Einspracheentscheid vom 22. Oktober 2018, mitge- teilt am 25. Oktober 2018, erhob die Erbengemeinschaft A._____ (nachfol- gend: Beschwerdeführerin) am 14. November 2018 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie beantragte, es sei der angefochtene Bau- und Einspracheentscheid aufzuheben und es sei die Baubewilligung zu erteilen. Eventualiter sei der angefochtene Bau- und Einspracheentscheid aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubeurtei-- 5 - lung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 4. In ihrer Vernehmlassung vom 6. Dezember 2018 beantragte die Gemeinde X._____ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin 1) die vollumfängliche Abwei- sung der Beschwerde, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin. Die Beschwerdegegnerin 1 hielt im Wesentlichen fest, dass eine Baubewilligung nur erteilt werden könne, wenn ein Bauvor- haben alle baugesetzlichen Vorgaben einhalte. Sie sei zu verweigern, wenn bloss eine einzige Vorschrift verletzt sei. Da dies im vorliegenden Fall mit Bezug auf den Strassenabstand offensichtlich zutreffe und ein Näher- baurecht nicht erteilt worden sei bzw. nicht habe erteilt werden können, führe dies zwangsläufig zur Abweisung der Beschwerde und zwar unge- achtet dessen, wie es sich mit Bezug auf die übrige Problematik verhalte. 5. Am 7. Januar 2019 (Poststempel) beantragte auch die Stockwerkeigentü- mergemeinschaft "N._____" (nachfolgend: Beschwerdegegnerin 3) die Ab- weisung der Beschwerde, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Las- ten der Beschwerdeführerin. Sie begründete ihren Antrag u.a. mit dem feh- lenden Näherbaurecht gegenüber der Via O._____. 6. Mit Vernehmlassung vom 10. Januar 2019 beantragten auch H._____ und I._____, K._____ sowie L._____ und M._____ (nachfolgend: Beschwerde- gegner) die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde, soweit überhaupt darauf eingetreten werden könne, unter voller Kosten- und Entschädi- gungsfolge nebst 7.7 % MWST unter solidarischer Haftung zu Lasten der Beschwerdeführerin. Die Beschwerdegegner hielten ebenfalls fest, dass dem Bauvorhaben eine unabdingbare Voraussetzung fehle, nachdem die Beschwerdegegnerin 1 das Näherbaurecht und die Unterschreitung des Grenzabstandes nicht vereinbart und genehmigt habe. - 6 - 7. Schliesslich beantragte auch die Erbengemeinschaft D._____ (nachfol- gend: Beschwerdegegnerin 2) in ihrer Vernehmlassung vom 10. Ja- nuar 2019 die Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und Entschädi- gungsfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin. Sie hielt u.a. fest, dass das Bauvorhaben – ohne die formelle Zustimmung der Beschwerdegegnerin 1 als Strasseneigentümerin zur Unterschreitung des Bauabstandes – den Mindestabstand gegenüber der angrenzenden Via O._____ nicht einhalte, so dass die Beschwerde abzuweisen sei. 8. Am 19. Februar 2019 hielt die Beschwerdeführerin replicando an ihren An- trägen fest. Sie führte insbesondere aus, dass sie das Baubewilligungsge- such selbstverständlich unter dem Vorbehalt der Erteilung eines Näherbau- rechts gestellt habe. Über die Erteilung oder Nichterteilung des Näherbau- rechts sei im angefochtenen Entscheid nicht entschieden worden, weshalb es erstaune, dass sie in der Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin 1 lesen müsse, die Baubehörde habe sich gegen die Erteilung eines Näher- baurechts entschieden. Ein solcher Entscheid liege ihr bis heute nicht vor. Zudem übersehe die Beschwerdegegnerin 1, dass die Kompetenz zur Er- teilung von Näherbaurechten in X._____ beim Gemeinderat liege. Das ent- sprechende Gesuch sei bis heute vom Gemeinderat nicht beantwortet wor- den und somit noch hängig. Die Gemeindeexekutive dürfe deshalb im vor- liegenden Verfahren ohne Einbezug des Gemeinderates nicht über diese Frage entscheiden. Der diesbezügliche Einwand sei unbegründet und nicht zu hören. 9. In ihrer Duplik vom 25. Februar 2019 hielt die Beschwerdegegnerin 1 an ihren Anträgen fest. Sie machte u.a. nochmals geltend, dass das Bauvor- haben in jedem Fall an dem nicht eingehaltenen Abstand zur Via O._____ (Strassenabstand) scheitere.- 7 - 10. Mit Schreiben vom 27. und 28. Februar 2019 (Poststempel) verzichteten die Beschwerdegegnerin 3 und die Beschwerdegegner auf die Einreichung einer Duplik. Die Beschwerdegegnerin 2 liess sich nicht erneut vernehmen. 11. Am 8. März 2019 reichte die Beschwerdeführerin unaufgefordert eine wei- tere Stellungnahme ein. Sie hielt im Wesentlichen fest, dass die Beschwer- degegnerin 1 das ganze Vorhaben mit dem Argument der fehlenden Zu- stimmung zur Unterschreitung des Strassenabstandes scheitern lassen wolle. Davon sei im Baubewilligungsentscheid keine Rede gewesen. Wäre das Baugesuch von allem Anfang an aufgrund der fehlenden Zustimmung zur Abstandsunterschreitung nicht bewilligungsfähig gewesen, hätte das gar nicht zur Publikation desselben geführt. 12. Mit Schreiben vom 11., 12., 14. und 18. März 2019 (Poststempel) reichten die Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, der Beschwerdegegner und der Beschwerdegegnerinnen 3 und 2 dem Gericht ihre Honorarnoten ein. Am 21. März 2019 nahm die Beschwerdeführerin zu den Honorarnoten der beschwerdegegnerischen Rechtsvertreter Stellung. 13. Im Oktober/November 2019 fand ein weiterer Schriftenwechsel statt, wel- cher vorliegend allerdings nicht von Bedeutung ist. 14. Am 14. Februar 2020 ersuchte der Instruktionsrichter die Beschwerdegeg- nerin 1 um Edition des aktuellen Generellen Erschliessungsplans der Ge- meinde X._____ (Gebiet O._____; GEP). Diesem Gesuch kam die Be- schwerdegegnerin 1 am 17. Februar 2020 nach. Der Auszug aus dem ak- tuellen Generellen Erschliessungsplan wurde den weiteren Verfahrensbe- teiligten am 19. Februar 2020 zur Kenntnis gebracht. Sie liessen sich dazu nicht vernehmen.- 8 - Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen Bau- und Einspracheentscheid sowie die weiteren Akten wird, soweit erfor- derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Gericht zieht in Erwägung: 1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Bau- und Einspra- cheentscheid der Gemeinde X._____ (nachfolgend: Beschwerdegegne- rin 1) vom 22. Oktober 2018, mitgeteilt am 25. Oktober 2018, worin die Baubewilligung für die Aufstockung des bestehenden Geschäftshauses mit einer dreigeschossigen Parkierungsanlage verweigert wurde und die hier- gegen erhobenen Einsprachen im Sinne der Erwägungen gutgeheissen wurden. Gegen Entscheide von Gemeinden, die bei keiner anderen Instanz angefochten werden können und weder nach kantonalem noch nach eid- genössischem Recht endgültig sind, kann gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beim Ver- waltungsgericht des Kantons Graubünden Beschwerde geführt werden. Die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde fällt demzufolge in die Zu- ständigkeit des angerufenen Gerichts. Als (formelle und materielle) Adres- satin des angefochtenen Bau- und Einspracheentscheids ist die Beschwer- deführerin davon über berührt und sie weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen gerichtlicher Überprüfung auf (Art. 50 VRG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 52 Abs. 1 VRG). 2. Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob die Baubewilligung für die Aufstockung des auf der Parzelle 1810 bestehenden Geschäftshauses mit einer dreistö- ckigen Parkierungsanlage zu Recht verweigert wurde. Vorweg kann fest- gehalten werden, dass kein Augenschein durchzuführen ist, da sich der rechtserhebliche Sachverhalt genügend aus den Akten ergibt. Die wesent-- 9 - lichen Editionen (aktueller GEP; Akten des Baubewilligungs- und Einspra- cheverfahrens Z.1._____) wurden getätigt. 3. Die Parzelle 1810 liegt in der äusseren Dorfzone (ÄDZ) und grenzt im Nord- westen an die Via O._____. Gemäss Art. 86 Abs. 4 des Baugesetzes der Gemeinde X._____ (BG) gilt für die äussere Dorfzone ein kleiner Grenzab- stand von 4 m. Für den Mindestabstand der Gebäude von Strassen ist die Baulinie massgebend. Fehlt eine solche und erweist es sich nicht als nötig, eine Baulinie festzulegen, so ist ab Fahrbahnrand der kleine Grenzabstand, wenigstens aber 4 m einzuhalten; bei Strassen, die eines Ausbaus bedür- fen, bemisst sich der Abstand vom zukünftigen Fahrbahnrand aus (Art. 91 Abs. 8 BG). 3.1. Die Beschwerdegegnerin 1 macht in ihrer Vernehmlassung geltend, dass das geplante Parkhaus um 1.56 m in den Strassenabstand hineinrage, was einer offensichtlichen Verletzung von Art. 91 Abs. 8 BG gleichkomme. Auch die Beschwerdegegnerinnen 2 und 3 sowie die Beschwerdegegner sind der Auffassung, dass das Bauvorhaben die Strassenabstandsvorschriften gemäss Art. 91 Abs. 8 BG verletze. 3.2. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerinnen und der Beschwerde- gegner handelt es sich vorliegend allerdings nicht um eine Strassenab- standsproblematik gemäss Art. 91 Abs. 8 BG, sondern um eine Unter- schreitung des Grenzabstandes gemäss Art. 86 Abs. 4 BG. Bei den Akten des – mittlerweile überholten – Baugesuchs vom 10. Mai 2016 (BG 1- act. 2) liegt ein Plan 1:200 "Situation Näherbaurecht", welcher in Bezug auf die der Via O._____ zugewandte Nordwestseite des geplanten Parkhauses dem mit dem aktuellen Baugesuch vom 30. April 2018 eingereichten Plan 1:500 "Situation" vom 27. April 2018 (BG 1-act. 13) im Wesentlichen ent- spricht. Daraus kann abgelesen werden, dass das geplante Parkhaus zwar den Strassenabstand zur Via O._____ von mindestens 4 m (vgl. Art. 91 - 10 - Abs. 8 BG) mit 5 m einhält, jedoch den Grenzabstand von 4 m (vgl. Art. 86 Abs. 4 BG) mit (vermassten) 2.36 m und 2.32 m klar unterschreitet. 4. Gemäss Art. 77 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. Art. 75 Abs. 1 des Raumplanungsge- setzes für den Kanton Graubünden (KRG; BR 801.100) kann die kommu- nale Baubehörde Unterschreitungen der im KRG und im Baugesetz der Ge- meinde festgelegten Grenzabstände bewilligen, wenn eine Vereinbarung zwischen den Betroffenen vorliegt und keine überwiegenden öffentlichen Interessen entgegenstehen. 4.1. Die Beschwerdegegnerin 1 hält im Wesentlichen fest, dass kein Anspruch auf ein solches Näherbaurecht bestehe, weshalb es im Ermessen der Bau- behörde liege, ob sie einem entsprechenden Gesuch stattgeben wolle oder nicht. Im vorliegenden Fall habe sich die Baubehörde dagegen entschie- den. Für diesen Entscheid habe die Baubehörde gute Gründe gehabt. Zum einen handle es sich bei dem erwähnten Abstand nicht um irgendeinen Grenzabstand, sondern um einen Abstand zur Strasse, bei dem sowohl der Sicherheitsaspekt von grosser Bedeutung sei wie auch die Bewahrung der Möglichkeit zu einem späteren Zeitpunkt die Strasse (Via O._____) auszu- bauen. Schon deshalb sei bei der Einräumung von Näherbaurechten ge- genüber Strassen grösste Zurückhaltung geboten, insbesondere wenn der Strassenraum wie hier im Bereich der Via O._____ beschränkt sei. Deshalb sei es denn auch Sache der Projektierenden, sich an diese im öffentlichen Interesse liegenden Vorgaben im Baugesetz zu halten und eine Lösung zu suchen, die in jeder Hinsicht gesetzeskonform sei. Eine ähnliche Argumen- tationslinie vertraten auch die übrigen Beschwerdegegnerinnen und die Be- schwerdegegner. 4.2. Dem hält die Beschwerdeführerin entgegen, dass sie das Baubewilligungs- gesuch selbstverständlich unter dem Vorbehalt der Erteilung eines Näher- baurechts gestellt habe. Über die Erteilung oder Nichterteilung des Näher-- 11 - baurechts sei im angefochtenen Entscheid nicht entschieden worden, wes- halb es erstaune, dass sie in der Vernehmlassung der Beschwerdegegne- rin 1 lesen müsse, die Baubehörde habe sich gegen die Erteilung eines Näherbaurechts entschieden. Ein solcher Entscheid liege ihr bis heute nicht vor. Zudem übersehe die Beschwerdegegnerin 1, dass die Kompe- tenz zur Erteilung von Näherbaurechten in X._____ beim Gemeinderat liege. Das entsprechende Gesuch sei bis heute vom Gemeinderat nicht be- antwortet worden und somit noch hängig. Die Gemeindeexekutive dürfe deshalb im vorliegenden Verfahren ohne Einbezug des Gemeinderates nicht über diese Frage entscheiden. Der diesbezügliche Einwand sei unbe- gründet und nicht zu hören. 4.3.1. Unbestritten ist, dass es sich bei der Bestimmung von Art. 77 Abs. 1 KRG um eine sog. Kann-Bestimmung handelt. Die Beschwerdegegnerin 1 erhält dadurch einen gewissen Spielraum für den Entscheid im Einzelfall. Dies bedeutet aber nicht, dass sie in ihrer Entscheidung völlig frei ist. Sie ist vielmehr an die Verfassung gebunden und muss insbesondere das Rechts- gleichheitsgebot, das Verhältnismässigkeitsprinzip und die Pflicht zur Wah- rung der öffentlichen Interessen befolgen (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, All- gemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich/St. Gallen 016, Rz. 408 f.). Das Verwaltungsgericht verfügt im Bereich der Raumplanung infolge von Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG; SR 700) grundsätzlich über eine volle Kognition. Hinsichtlich einer eigentlichen Ermessenskontrolle hat es sich aber trotzdem seiner Funktion als Rechts- mittelinstanz bewusst zu sein (vgl. WALDMANN/HÄNNI, Handkommentar RPG, Bern 2006, Art. 33 Rz. 64; BGE 145 I 52 E.3.1 ff.; Urteile des Verwal- tungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] R 18 6 vom 2. Oktober 2018 E.2.1, R 17 63 vom 14. November 2017 E.4a, R 16 68 vom 8. Juni 2017 E.2b, R 16 26 vom 22. März 2017 E.3c); denn im Kanton Graubünden ver- fügen die Gemeinden im Bereich des kommunalen Bau- und Raumpla- nungsrechts grundsätzlich über eine relativ weitgehende Entscheidungs-- 12 - freiheit bzw. Autonomie (vgl. BGE 128 I 3 E.2b, 118 Ia 446 E.3c; Urteile des Bundesgerichts 1C_532/2015 vom 26. Januar 2016 E.2.4, 1C_163/2015 vom 10. November 2015 E.3.1). 4.3.2. Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts legt die Beschwerdegegne- rin 1 überzeugend dar, dass einer Bewilligung zur Unterschreitung des Grenzabstandes im vorliegenden Fall überwiegende öffentliche Interessen entgegenstehen – so insbesondere die Verkehrssicherheit und die Bewah- rung der Möglichkeit, die Via O._____ zu einem späteren Zeitpunkt auszu- bauen. Die geplante Rampeneinfahrt von der Via O._____ zur Parkgarage und die geplante Rampenausfahrt von der Parkgarage zur Via O._____, welche eine durchgehende kommunale Erschliessungsstrasse ist, würden die Verkehrssicherheit tangieren. Ausserdem wäre im Falle der Erstellung der beiden Rampen eine Verbreiterung der Via O._____ nordwestlich der Parzelle 1810 nicht mehr möglich, obwohl der Strassenraum im Bereich der gemeinsamen Grenze der Parzellen 1810 und 1319 bis zur nahen Ein- mündung der Via O._____ in die Via P._____ nur beschränkt breit ist. 4.3.3. Dass die Beschwerdegegnerin 1 eine Unterschreitung des Grenzabstands gemäss Art. 77 Abs. 1 KRG nicht bewilligen würde, ist somit nicht zu bean- standen. Vor diesem Hintergrund kann denn auch offenbleiben, ob der Ge- meinderat für den Abschluss einer Vereinbarung betreffend die Einräu- mung eines Näherbaurechts zuständig gewesen wäre resp. ob er einer sol- chen Vereinbarung zugestimmt hätte. 5. Im Ergebnis kann also festgehalten werden, dass die Baubewilligung für die Aufstockung des auf der Parzelle 1810 bestehenden Geschäftshauses – zufolge Nichteinhaltung des Grenzabstandes gegenüber der Via O._____ – zu Recht verweigert wurde. Die Beschwerde ist somit abzuweisen und es erübrigt sich, auf die weiteren Rügen der Beschwerdeführerin einzugehen.- 13 - Der Vollständigkeit halber gilt es allerdings darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin das Baugesuch betreffend die Aufstockung des auf der Parzelle 1810 bestehenden Geschäftshauses unbestrittenermassen unter dem Vorbehalt der Erteilung eines Näherbaurechts durch die Ge- meinde in Bezug auf die Strassenparzelle der Via O._____ stellte. Der an- gefochtene Bau- und Einspracheentscheid wurde jedoch gefällt, ohne dass (zuvor) über die (Nicht-)Erteilung dieses Näherbaurechts befunden worden wäre. Diesem Umstand gilt es bei der Kostenverlegung Rechnung zu tra- gen. 6.1. Im Rechtsmittelverfahren hat in der Regel die unterliegende Partei die Kos- ten des Verfahrens zu tragen (Art. 73 Abs. 1 VRG). Aufgrund der Aus- führungen in vorstehender Erwägung 5 scheint es allerdings gerechtfertigt, von diesem Grundsatz abzuweichen und die Kosten des vorliegenden Ver- fahrens der obsiegenden Beschwerdegegnerin 1 aufzuerlegen. Die Staats- gebühr wird ermessensweise auf Fr. 4'000.-- festgesetzt (vgl. Art. 75 Abs. 2 VRG). 6.2. Gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG wird die unterliegende Partei in der Regel ver- pflichtet, der obsiegenden Partei die durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen. Aufgrund der Ausführungen in vorste- hender Erwägung 5 scheint es allerdings auch hier gerechtfertigt, von die- sem Grundsatz abzuweichen und die obsiegende Beschwerdegegnerin 1 zu verpflichten, den ebenfalls obsiegenden, anwaltlich vertretenen Be- schwerdegegnern und Beschwerdegegnerinnen 2 und 3 sowie der unter- liegenden Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung zu bezahlen. Die Parteientschädigung wird gemäss Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarvereinbarung, HV; BR 310.250) i.V.m. Art. 19 des kantonalen An- waltsgesetzes (BR 310.100) durch die urteilende Instanz nach Ermessen - 14 - festgesetzt. Ausgangspunkt bildet die Kostennote (Art. 2 Abs. 2 HV). Dabei hat insbesondere der vereinbarte Stundensatz üblich (vgl. Art. 3 Abs. 1 HV) und der geltend gemachte Aufwand angemessen und für die Prozess- führung erforderlich zu sein. In Bezug auf die Festlegung der Parteientschädigungen hat das Verwal- tungsgericht am 5. September 2017 (vgl. VGU R 17 86 vom 17. April 2018 E.5.2, U 17 57 vom 31. Januar 2018 E.5b und U 16 92 vom 25. Okto- ber 2017 E.13b) folgende Praxisänderung beschlossen, um die Praxis der oberen kantonalen Gerichte zu vereinheitlichen: Bei Einreichung einer Ho- norarvereinbarung mit einem geltend gemachten Stundenansatz über Fr. 270.-- wird dieser auf Fr. 270.-- gekürzt; bei in der Kostennote geltend gemachtem Stundenansatz bis und mit Fr. 270.-- wird der Stundenansatz entsprechend der Honorarvereinbarung übernommen. Bei Nichteinrei- chung einer Honorarvereinbarung wird der in der Kostennote geltend ge- machte Stundenansatz, höchstens aber ein Stundenansatz von Fr. 240.--, übernommen, da die Höhe des Stundenansatzes mangels Honorarverein- barung nicht verifiziert werden kann (vgl. auch Art. 4 Abs. 1 HV). Geltend gemachte Pauschalspesen werden maximal im Umfang von 3 % des fest- gelegten Honorars nach Zeitaufwand zugesprochen. 6.2.1. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte dem Gericht mit Schreiben vom 11. März 2019 eine Kostennote über Fr. 7'413.-- ein. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus einem Honorar von Fr. 6'682.50 für 24.75 Arbeitsstunden à Fr. 270.-- zzgl. 3 % Auslagen (Fr. 200.50) und 7.7 % MWST (Fr. 530.--). Der geltend gemachte Arbeitsaufwand von 24.75 Ar- beitsstunden erscheint als angemessen. Ausserdem liegt dem Gericht eine Honorarvereinbarung vor (worin allerdings ein Stundenansatz von Fr. 300.- - vereinbart wurde). Die Beschwerdegegnerin 1 hat der Beschwerdeführe- rin also eine Parteientschädigung von Fr. 7'413.-- zu bezahlen. - 15 - 6.2.2. Der Rechtsvertreter der Beschwerdegegner reichte dem Gericht mit Schreiben vom 12. März 2019 (Poststempel) eine Kostennote über Fr. 4'294.95 ein. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus einem Honorar von Fr. 3'780.-- für 14 Arbeitsstunden à Fr. 270.-- zzgl. "Spesen inkl. Über- setzung" (Fr. 207.90) und 7.7 % MWST (Fr. 307.05). Wie die Beschwerde- führerin zu Recht festhält, ist der Zeitaufwand in Bezug auf die erbrachten Einzelleistungen nicht hinreichend detailliert ausgewiesen. Zudem ist we- der die ins Vorverfahren fallende Position "Studium Beschwerde / Mail H._____ und Mitbeteiligte" vom 19. August 2018 noch die Position "Über- setzung Beschwerde ins Italienische" vom 31. Dezember 2018 (interne, nicht notwendige bzw. nicht anwaltliche Kosten) verrechenbar. Demge- genüber ergibt sich aus den vorinstanzlichen Akten (BG 1-act. 17), dass ein Stundenansatz von Fr. 270.-- vereinbart wurde, weshalb dieser entge- gen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht herabzusetzen ist (vgl. vorstehende Erwägung 6.2). Vor diesem Hintergrund scheint es gerecht- fertigt, die Parteientschädigung ermessenweise auf Fr. 3'600.-- (inkl. Aus- lagen und MWST) festzusetzen. Die Beschwerdegegnerin 1 hat den Be- schwerdegegnern also eine Parteientschädigung von Fr. 3'600.-- zu bezah- len. 6.2.3. Der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin 3 reichte dem Gericht mit Schreiben vom 14. März 2019 (Poststempel) eine Kostennote über Fr. 3'904.10 ein. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus einem Honorar von 3'625.-- für 14.5 Arbeitsstunden à Fr. 250.-- zzgl. 7.7 % MWST (Fr. 279.10). Wie die Beschwerdeführerin zu Recht festhält, ist der Zeitauf- wand in Bezug auf die erbrachten Einzelleistungen nicht hinreichend de- tailliert ausgewiesen. Demgegenüber ergibt sich aus den vorinstanzlichen Akten (BG 1-act. 16), dass ein Stundenansatz von Fr. 250.-- vereinbart wurde, weshalb dieser entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht herabzusetzen ist (vgl. vorstehende Erwägung 6.2). Vor diesem Hin- tergrund scheint es gerechtfertigt, die Parteientschädigung ermessenweise - 16 - auf Fr. 3'800.-- (inkl. Auslagen und MWST) festzusetzen. Die Beschwerde- gegnerin 1 hat der Beschwerdegegnerin 3 also eine Parteientschädigung von Fr. 3'800.-- zu bezahlen. 6.2.4. Der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin 2 reichte dem Gericht mit Schreiben vom 18. März 2019 eine Kostennote über Fr. 4'936.-- ein. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus einem Honorar von Fr. 4'455.-- für 16.5 Arbeitsstunden à Fr. 270.-- zzgl. Auslagen von Fr. 129.-- und 7.7 % MWST (Fr. 352.--). Der geltend gemachte Arbeitsaufwand von 16.5 Arbeitsstun- den erscheint als angemessen. Ausserdem ergibt sich aus den vorinstanz- lichen Akten (BG 1-act. 15), dass ein Stundenansatz von Fr. 270.-- verein- bart wurde, weshalb dieser entgegen der Auffassung der Beschwerdefüh- rerin nicht herabzusetzen ist (vgl. vorstehende Erwägung 6.2). Da der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin 2 neben F._____ und G._____ selber Mitglied der Erbengemeinschaft D._____ ist und insofern in eigener Sache tätig war, scheint es allerdings gerechtfertigt, die Kostennote um ei- nen Drittel zu kürzen (vgl. PVG 2013 Nr. 1). Die Beschwerdegegnerin 1 hat der Beschwerdegegnerin 2 somit eine Parteientschädigung von Fr. 3'290.65 (inkl. Auslagen und MWST) zu bezahlen.- 17 - Demnach erkennt das Gericht: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen abgewiesen. 2. Die Gerichtskosten, bestehend - aus einer Staatsgebühr von Fr. 4'000.-- - und den Kanzleiauslagen von Fr. 458.-- zusammen Fr. 4'458.-- gehen zulasten der Gemeinde X._____ und sind innert 30 Tagen seit Zu- stellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubün- den, Chur, zu bezahlen. 3. Die Gemeinde X._____ hat die Erbengemeinschaft A._____ mit Fr. 7'413.-- (inkl. MWST), die Erbengemeinschaft D._____ mit Fr. 3'290.65 (inkl. MWST), H._____, I._____, K._____, L._____ und M._____ mit je Fr. 720.-- (inkl. MWST) und die Stockwerkeigentümergemeinschaft "N._____" mit Fr. 3'800.-- (inkl. MWST) aussergerichtlich zu entschädigen. 4. [Rechtsmittelbelehrung] 5. [Mitteilungen]