B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5938/2017 U r t e i l v o m 2. A u g u s t 2 0 2 1 Besetzung Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richterin Mia Fuchs, Gerichtsschreiberin Sandra Bisig. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Rachel Brunnschweiler, Bündner Beratungsstelle für Asylsuchende, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 21. September 2017 / N (…). D-5938/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu- folge anfangs Juni 2015 und gelangte am 25. September 2015 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. B. B.a Anlässlich der stark verkürzten Befragung zur Person (BzP) vom 15. Oktober 2015 sowie insbesondere anlässlich der Anhörung zu den Asylgründen vom 31. August 2017 brachte er im Wesentlichen vor, er sei afghanischer Staatsangehöriger tadschikischer Ethnie und in B._______ (Provinz C._______) zur Welt gekommen. Nach der Machtübernahme der Taliban – er sei (…) alt gewesen – sei seine Familie in den Iran geflohen, da sein Vater ein Mudschahed gewesen sei. Als er ungefähr (…) alt gewe- sen sei, sei seine Familie nach Afghanistan zurückgekehrt, weil sich die Lage nach dem Sturz der Taliban verbessert habe. Sie hätten fortan in Ka- bul gelebt. Sein Heimatland habe er im Juni 2015 verlassen müssen, weil er aufgrund einer Familienfehde gefährdet gewesen sei. Diese habe damit begonnen, dass sein Onkel seinen Cousin zwangsmässig – und ohne Einwilligung de- ren Eltern – mit einer jungen Frau respektive einem Mädchen ha be ver- mählen lassen. Sein Onkel sei daraufhin von einem Man n namens D._______, der bei der al -Qaida gewesen sei, getötet und das Mädchen seinem Cousin wieder weggenommen worden. Der Konflikt sei durch Ver- mittlung der Dorfältesten gelöst worden, indem seiner Tante und seinem Cousin Land abgetreten und eine Geldsum me bezahlt worden sei. Zwei Jahre später sei seine Tante an Brustkrebs gestorben und sein Cousin habe sich entschlossen, gegen die Familie von D._______ Rache zu üben. Zusammen mit seinem Bruder E._______ (Bruder des Beschwerdefüh- rers) und zwei weiteren Personen habe sein Cousin die Familie von D._______ angegriffen. Sein Cousin sei dabei ums Leben gekommen. Sein Bruder habe sich gestellt und sei inhaftiert worden. Daraufhin hät ten er (der Beschwerdeführer) und sein Vater sich aus Furcht vor einem Ra- cheakt der Familie von D._______ versteckt aufgehalten, jedoch an unter- schiedlichen Orten. Er sei bei verschiedenen Kollegen gewesen und nur noch selten für ganz kurze Zeit nach Hause gegangen; sein Vater sei gar nicht mehr nach Hause gegangen. Etwa zwei Mona te nach dem Vorfall seien Familienangehörige von D._______ nachts gewaltsam in das Haus D-5938/2017 Seite 3 seiner Familie eingedrungen und hätten nach ihm sowie seinem Vater ge- sucht. Elf Tage später seien sie tagsüber ein weiteres Mal gekommen. Nach diesen Vorfällen habe er sich zu einem Bergwerk in der Provinz C._______ begeben, wo nach (…) geschürft worden sei. Dort habe er in Zelten der Arbeiter Unterschlupf gefunden und sei nur noch sporadisch zu seinen Freunden nach Kabul gegangen. Einer der Bergarbeite r habe mit ihm Mitleid gehabt und habe ihm daher die Ausreise aus Afghanistan orga- nisiert und bezahlt. Etwa im Mai 2017 habe seine Mutter ihm mitgeteilt, dass seine Familie Kabul respektive Afghanistan verlassen müsse, weil sich die Lage ver- schlechtert habe. Seither habe er keinen Kontakt mehr mit seinen Eltern. Sein Bruder sei sodann etwa Ende Juli 2017 aus dem Gefängnis entlassen worden und vermutlich nach Russland gegangen. Für die weitergehenden Aussagen wird auf die Protokolle in den Akten und die nachfolgenden Erwägungen verwiesen. B.b Der Beschwerdeführer reichte im vorinstanzlichen Verfahren seine Tazkira, Kopien der Tazkiras seines Vaters und seines Bruders, zwei Foto- grafien seines getöteten Onkels (vor und nach dessen Tod) sowie zwei Schreiben, welche seine Gefährdung aufgrund der Familienfehde bestäti- gen würden, zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 21. September 2017 – tags darauf eröffnet – stellte das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er- fülle, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. D. Am 2. Oktober 2017 ging beim Bundesverwaltungsgericht eine Fürsorge- bestätigung betreffend den Beschwerdeführer ein. E. Mit Eingabe vom 19. Oktober 2017 (Datum Postaufgabe) erhob der Be- schwerdeführer gegen die Verfügung des SEM vom 21. September 2017 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Dabei bezog er sich – ins- besondere in seinen rechtlichen Ausführungen – im Wesentlichen auf den durch das SEM verfügten Wegweisungsvollzug respektive dessen Zumut- barkeit, ohne jedoch konkrete materielle Anträge zu stellen. In verfahrens-D-5938/2017 Seite 4 rechtlicher Hinsicht ersuchte er sinngemäss um Gewährung der unentgelt- lichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und insbesondere um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Mit der Beschwer- deschrift reichte er eine Bestätigung des (…) zu seinen Integrationsbemü- hungen in der Schweiz ein. F. Mit Verfügung vom 25. Oktober 2017 hielt die Instruktionsrichterin fest, dass das Bundesverwaltungsgerich t angesichts der Ausführungen in der Beschwerdeschrift davon ausgehe, dass sich die Beschwerde nur gegen den von der Vorinstanz verfügten Wegweisungsvollzug richte. Gleichzeitig stellte sie fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe. Zudem hiess sie das sinngemässe Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege – unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers – gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. G. Mit Verfügung vom 9. November 2017 wurde die Vorinstanz ersucht, eine Vernehmlassung einzureichen. Das SEM kam diesem Ersuchen mit Ver- nehmlassung vom 24. November 2017 nach. H. H.a Mit Verfügung vom 12. März 2020 wurde dem Beschwerdeführer die Gelegenheit zur Einreichung einer Replik bis zum 27. März 2020 einge- räumt. H.b Mit Schreiben vom 17. März 2020 zeigte die rubrizierte Rechtsvertre- terin dem Bundesverwaltungsgericht die Mandatsübernahme an und er- suchte um Zustellung einer Kopie der Beschwerdeschrift sowie um Erstre- ckung der Frist zur Einreichung einer Replik bis zum 7. April 2020. Die In- struktionsrichterin liess der Rechtsvertreterin am 18. März 2020 eine Kopie der Beschwerdeschrift zukommen und erstreckte die Frist zur Einreichung einer Replik bis zum 2. April 2020. H.c Mit Eingabe vom 26. März 2020 reichte der Beschwerdeführer – han- delnd durch seine Rechtsvertreterin – eine Replik ein. Darin beantragte er seine vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sowie gegebenenfalls die Rückweisung der Sache an das SEM zur vollständigen Erstellung des massgeblichen Sachverhalts, D-5938/2017 Seite 5 umfassenden Beweiswürdigung und neuen Entscheidung. Der Replik la- gen zwei Fotografien im Z usammenhang mit seinen Asylgründen (vgl. E. 5.2 nachstehend) und diverse Unterlagen bezüglich seiner Arbeitstätig- keit in der Schweiz sowie eine Kostennote bei. I. Mit Verfügung vom 24. Februar 2021 stellte die Instruktionsrichterin fest, dass nach genauerer Betrachtung der Vorbringen in der Beschwerdeschrift und insbesondere angesichts der Ausführungen in der Replik davon aus- zugehen sei, der Beschwerdeführer habe mit seiner Laienbeschwerde die Verfügung des SEM vom 21. September 2017 auch betreffend Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und Ablehnung des Asylgesuchs anfechten wol- len. Entsprechend hielt sie fest, dass entgegen den Erwägungen in der In- struktionsverfügung vom 25. Oktober 2017 auch die se Aspekte Gegen- stand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden würden. Sie lud das SEM daher zur Einreichung ein er ergänzenden Vernehmlassung ein. Gleichzeitig forderte sie den Beschwerdeführer auf, innert sieben Tagen ab Erhalt der Verfügung seine aktuellen finanziellen Verhältnisse darzulegen und zu belegen, andernfalls davon ausgegangen werde, es liege keine pro- zessuale Bedürftigkeit mehr vor. J. Das SEM reichte am 2. März 2021 eine ergänzende Stellungnahme ein. K. Der Beschwerdeführer machte mit Eingabe vom 15. März 2021 – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – von dem ihm mit Verfügung vom 11. März 2021 eingeräumten Äusserungsrecht Gebrauch. Er ersuchte dabei explizit um Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl so- wie eventualiter um Erteilung der vorläufigen Aufnahme infolge Unzuläs- sigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvo llzugs. Gleichzeitig gab er an, dass keine prozessuale Bedürftigkeit mehr vorliege, weshalb er die diesbezüglich angesetzte Frist habe verstreichen lassen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltung sgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den D-5938/2017 Seite 6 Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bun desverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integ- rationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Geset- zesartikel sind unverändert vom AuG ins AIG übernommen worden. 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden, wobei zu berücksichtigen ist, dass an eine Laienbeschwerde keine hohen formel- len Anforderungen zu stellen sind. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe- bung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Be- schwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Sofern der Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift (S. 2: "Materielles" Ziff. 3) in formeller Hinsicht rügt, das SEM habe mangels zureichender Fra- gestellung den Sachverhalt nicht vo llständig abgeklärt, ist vorweg darauf einzugehen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass er anlässlich der Anhö- rung ausreichend Gelegenheit erhielt, seine Asylgründe und die für die Prü- fung des Wegweisungsvollzugs wesentlichen Umstände darzulegen. Aus dem Anhörungsprotokoll – und insbesondere den in der Replik vom D-5938/2017 Seite 7 26. März 2020 in diesem Zusammenhang zitierten Protokollstellen – erge- ben sich sodann keine massgeblichen Hinweise dafür, dass es bei der An- hörung zu wesentlichen Problemen bei der Übersetzung oder Protokollie- rung gekommen wäre. Die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststel- lung zielt damit ins Leere. Auch sonst besteht keine Veranlassung, die Sa- che aus formellen Gründen an das SEM zurückzuweisen, weshalb der ent- sprechende Antrag in der Replik vom 26. März 2020 abzuweisen ist. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werde n (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Gegen- satz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwer- deführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sach- verhaltsdarstellung sprechen, überwiegen od er nicht. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanzi- iertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen die beschwerdeführende Person sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte D-5938/2017 Seite 8 wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sach- verhaltsdarstellung sprechen (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 5. 5.1 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung zur Begründung der Verneinung der Flüchtlingseigenschaft im Wesentlichen an, der Beschwer- deführer habe sich bei seiner Asylbegründung in mehrere zeitliche Wider- sprüche verstrickt. In der BzP habe er den Zeitpunkt seiner Ausreise aus Afghanistan auf etwa anfangs Juni 2015 festgesetzt. In der Anhörung habe er angegeben, er sei noch bis zwei Monate vor seiner Ausreise in die Schu- le gegangen. Am (…) 2015 habe er sich eine Tazkira ausstellen lassen, weil er gerade angefangen habe, für das Geschäft seines Vaters zu arbei- ten. Weiter habe er erwähnt, er sei sieben Monate nach dem Vorfall, in welchen sein Bruder involviert gewesen sei und weswegen er bedroht sei, aus Afghanistan ausgereist. Unmittelbar nach diesem Vorfall sei der Laden seines Vaters geschlossen worden und habe er versteckt gelebt. Von die- sen sieben Monaten sei er etwa viereinhalb Monate in einem Bergwerk in der Provinz C._______ gewesen. Auf den Hinweis, dass der Vorfall nach seinen Angaben etwa Ende des Jahres 2014 hätte stattfinden müssen und er sich nicht gleichzeitig auf der Flucht habe befinden und in einem Laden habe arbeiten können, der bereits geschlossen worden sei, habe er aus- weichend geantwortet. Auf die Nachfrage, wann der Vorfall gewesen sei, habe er den 25. Februar 2015 genannt; er sei am 25. September 2015 in die Schweiz eingereist . Am Schluss der Anhörung habe er konkretisiert, dass die von ihm erwähnten sieben Monate seine Reise in die Schweiz mitbeinhalten würden, er also nur dreie inhalb Monate nach dem folgen- schweren Vorfall in Afghanistan geblieben und etwa ebenso lange auf der Reise nach Europa gewesen sei. Diese Angaben würden jedoch in klarem Widerspruch mit einigen der erwähnten Zeitangaben stehen. Seine Versu- che, die Widersprüche während der Rückübersetzung aufzulösen, indem er Bemerkungen (bzgl. des zeitlichen Bezugspunkts) zu den entsprechen- den Passagen habe anbringen lassen, würden schon deshalb nicht über- zeugen, weil er damit nicht alle Widersprüche aufheben könne. So stehe seine Aussage, wonach er bis zwei Monate vor seiner Ausreise die Schule besucht habe, in einem unauflösbaren Widerspruch mit beiden Versionen, also ob der Vorfall nun Ende 2014 o der im Februar 2015 gewesen sei . Überdies sei nicht ersichtlich, weshalb er seine Ausreise aus Afghanistan mit seiner Einreise in die Schweiz als zeitlichen Bezugspunkt hätte ver- wechseln sollen. Diese Häufung von zeitlichen Unstimmigkeiten, die er nicht schlüssig habe erklären können, lege die Vermutung nahe, dass es D-5938/2017 Seite 9 sich bei seiner Asylbegründung um eine konstruierte Geschichte hand le. Ihm könne daher die vorgebrachte Bedrohung aufgrund einer Familien- fehde nicht geglaubt werden. Die vielen kleineren Ungereimtheiten in sei- nen Aussagen würden diese Einschätzung unterstreichen. So habe er etwa das angeblich einzige Telefongespräch mit seinem Vater nach seiner Aus- reise wenig substanziiert und stereotyp geschildert. Interessanterweise ha- be er auch erwähnt, dass sein Vater ihm am Telefon ausgerichtet habe, es tue ihm leid, dass er ihm nur bei der Ausreise aus Afghanistan habe behilf- lich sein können und nicht mehr, was seiner Aussage widerspreche, wo- nach es ein Bergarbeiter gewesen sei, der ihm seine Ausreise organisiert und finanziert habe. In diesem Zusammenhang habe er zunächst angege- ben, es sei ihm nicht bekannt, wieviel die Reise gekostet habe. Wenig spä- ter habe er aber ausgesagt, dass die Reise ihn etwa 9000 Dollar gekostet habe. Sein Vorbringen zur Verfolgungssituation vermöge daher den Anfor- derungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen. 5.2 Der Beschwerdeführer hielt diesen vorinstanzlichen Erwägungen in der Beschwerdeschrift noch nichts entgegen und bekräftigte sinngemäss le- diglich die Wahrheit seiner Aussagen. Erst in der Replik vom 26. März 2020 äusserte er sich durch seine Rechtsvertreterin zu den vom SEM aufgezeig- ten Unglaubhaftigkeitselementen und machte geltend, dass den Protokol- len zahlreiche Realkennzeichen (insb. logisch konsistente Erzählung der Vorgeschichte, Verwendung der direkten Rede bei Aussagen Dritter) zu entnehmen seien, die deutlich auf die Glaubhaftigkeit seiner Schilderungen schliessen lassen würden . Ausserdem wies er darin auf die Fortsetzung der Familienfehde hin. So habe der Bergarbeiter F._______, der mit ihm und seinem Bruder E._______ befreundet sei, das Geld, welches er für seine Flucht ausgegeben habe, von seinem Bruder zurückverlangt. Sein Bruder sei daher von Russland nach C._______ zurückgekehrt, um das Land der Familie zu verkaufen und F._______ anschliessend auszuzahlen. Sein Bruder sei bei diesem Vorhaben von F._______ begleitet worden. Da- bei seien beide von der verfeindeten Familie getötet worden. Dies belege – unter Hinweis auf das in den "UN HCR-Richtlinien zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs afghanischer Asylsuchender" betreffend Blutfehden Festgehaltene – dass seine Furcht, als Bruder von E._______ ebenfalls Ziel der Blutrache zu werden, begründet (gewesen) sei. Zu den neuen Vorbringen reichte er zwei Fotografien (von ihm und F._______ resp. von F._______ auf dem Totenbett) ein. D-5938/2017 Seite 10 5.3 In der ergänzenden Vernehmlassung hielt das SEM im Wesentlichen fest, dass die mit der Replik eingereichten Fotografien keine konkrete ur- sächliche Verbindung zwischen dem angeblichen Tod von F._______ und der vom Beschwerdeführer vorgebrachten Familienfehde herzustellen ver- möchten, weshalb die in der angefochtenen Verfügung dargelegte Ein- schätzung nach wie vor als zutreffend erachtet werde. 5.4 In der ergänzenden Stellungnahme vom 15. März 2021 führte der Be- schwerdeführer aus, dass die eingereichten Fotografien zwar selbst keinen eindeutigen Beweis für die Familienfehde darstellen würden, sich jedoch nahtlos in seine von Beginn weg stringenten Ausführungen einfügen wür- den. 6. 6.1 Das Gericht schliesst sich der vorinstanzlichen Einschätzung, wonach die Asylvorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht standzuhalten vermöchten, an. Zur Vermeidung von unnötigen Wiederholungen kann zunächst auf die ausführlichen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung zu den zeitli- chen Widersprüchen in den Aussagen des Beschwerdeführers verwiesen werden, welche im Wesentlichen zu bestätigen sind. In der Replik wurde diesbezüglich geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe die Gescheh- nisse in der Heimat zu vergessen versucht und es sei nachvollziehbar, dass zeitliche Abläufe, die über zwei Jahre (Zeitspanne zwischen angebli- chen Ereignissen und Anhörung) zurückliegen würden, nicht mehr korrekt wiedergegeben werden könnten. Diese Einwände vermögen nicht zu über- zeugen. So wurde der Beschwerdeführer bereits in der BzP auf seine Mit- wirkungspflicht und auf die Wichtigkeit genauer, lückenloser, widerspruchs- freier und richtiger Angaben hingewiesen (vgl. Akten SEM A7/11 S. 2). Aus- serdem schilderte er eine Verfolgungssituation und nicht irgendwelche un- bedeutenden Ereignisse, bei welchen zeitlich genaue Abläufe tatsächlich nicht erwartet werden könnten. 6.2 Neben den zeitlichen Widersprüchen fällt insbesondere auf, da ss die Aussagen des Beschwerdeführers zu den Asylgründen weitestgehend oberflächlich und unsubstanziiert ausgefallen sind. In Bezug auf seine Aus- führungen zum Hergang der Familienfehde ist dies insofern nachvollzieh- bar, als er dadurch bis zur angeblichen Involvierung seines Bruders nicht direkt betroffen war (vgl. A21/23 F64, 66). Es wäre aber zu erwarten gewe- sen, dass er im Zusammenhang mit dem behaupteten Angriff seines Cous- ins und seines Bruders auf die Familie von D._______ und insbesondere D-5938/2017 Seite 11 über die daraus entstandenen Konsequenzen (von sich aus) detaillierter und in einer zeitlichen Abfolge berichtet hätte. Er erwähnte beispielsweise weder während der freien Schilderung noch bei den anschliessend gestell- ten Fragen, wie sich der geschilderte Konflikt auf ihn ausgewirkt habe und weshalb er und sein Vater beim ersten Angriff durch Angehörige von D._______ nicht zu Hause gewesen seien, dass sie umgehend ihr Haus verlassen hätten und er sich nur noch bei Freunden aufgehalten habe (vgl. A21/23 F62, 64 und 70). Erst auf die erneute Frage, wieso er und sein Vater beim ersten Angriff nicht zuhause gewesen seien, gab er an, dass sie nach dem Vorfall mit Involvierung seines Bruders kaum beziehungsweise gar nicht mehr zuhause gewesen seien (vgl. A21/23 F74). Sodann erklärte er erstmals auf die konkrete Frage, wo er sich in dieser Zeit aufgehalten habe, dass er bei seinen Freunden und Schulkollegen gewesen sei; eine Nacht habe er bei dem einen und die andere Nacht bei dem anderen verbracht (vgl. A21/23 F77). Selbst unter Berücksichtigung des Umstandes, dass er bereits im Zusamme nhang mit den zuvor gestellten Fragen zu seinem Schulbesuch in äusserst unsubstanziierter Weise davon sprach, dass er während zweier Monate vor seiner A usreise aus Afghanistan von einem Haus zum anderen habe gehen und sich habe verstecken müssen (vgl. A21/23 F45), ist die nachfolgende späte Erwähnung des Untertau- chens bei Freunden nicht nachvollziehbar. Betreffend den genannten sowie den weiteren Angriff durch D._______s Angehörige gab er ferner nur in oberflächlicher und stereotyper Weise wie- der, was ihm davon angeblich erzählt worden war. Er äusserte sich jedoch gar nicht respektive nicht konkret zum Zeitpunkt und Kontext, in welchem ihm jeweils davon berichtet worden sein soll oder zu seiner Reaktion auf das Geschilderte (vgl. etwa A21/23 F64, 67, 69, 84 ff.). Aus seinen Ausfüh- rungen geht ferner nicht hervor, wann (nach dem zweiten Angriff) er genau den Entschluss gefasst haben will, sich im Bergwerk zu verstecken und wie er überhaupt auf diese Idee gekommen sein will (vgl. A21/23 F88). Seine Aussagen zu seinem dortigen Aufenthalt sind ebenfalls äusserst oberfläch- lich ausgefallen (vgl. A21/23 F88, 92 f.). Es ist ihnen insbesondere nicht zu entnehmen, dass er sich hinsichtlich seiner durch einen (vormals) fremden Bergarbeiter organisierten Ausreise aus Afgh anistan, deren Bezahlung durch diesen und dem Zurücklassen seiner (gefährdeten) Familienange- hörigen irgendwelche Überlegungen gemacht hätte und diesbezüglich eine Diskussion mit dem Bergarbeiter oder eine Absprache mit seinen Familien- angehörigen stattgefunden hätte (vgl. A21/23 F97, 133, 138 ff.). D-5938/2017 Seite 12 6.3 Schliesslich ist etwa darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer in der BzP im Widerspruch zu seinen Aussagen in der Anhörung, wonach sein Vater gar nicht mehr nach Hause zurückgekehrt sei (vgl. A21/23 F124) noch angab, sein Vater wohne an der von ihm angegebenen Adresse (vgl. A7/11 Ziff. 3.01). Es ist – auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die BzP stark verkürzt durchgeführt wurde, wobei der Zeitdruck für den Beschwerdeführer gemäss Ausführungen in der Replik vom 26. März 2020 spürbar gewesen sei – nicht nachvollziehbar, weshalb er an dieser Stelle nicht angab, dass er den Aufenthaltsort seines Vaters nicht kenne (vgl. A21/23 F77, 165). Dies gilt umso mehr, als er in der BzP den angebli- chen Gefängnisaufenthalt seines Bruders bereits erwähnte. 6.4 Es ist sodann festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Beweis- mittel zum behaupteten Angriff seines Cousins und seines Bruders auf die Familie von D._______, zur Inhaftierung seines Bruders oder zu den bei- den Vorfällen bei sich zu Hause, welche die Behörden gemäss seinen Aus- sagen veranlasst haben sollen, seine Familie " mehr zu schützen und un- terstützen" (vgl. A21/23 F120), zu den Akten reichte. Die beiden Schreiben, welche er im vorinstanzlichen Verfahren einreichte, beziehen sich gemäss seinen Aussagen auf die Tötung seines Onkels und einer sich daraus an- geblich ergebenden Gefährdung für ihn (vgl. A21/23 F104, 114), was je- doch so nicht mit seine r Asylbegründung übereinstimmt. Der Beweiswert dieser Schreiben ist daher sowie aufgrund der naheliegenden Möglichkeit, dass es sich um blosse Gefälligkeitsbestätigungen handelt, ohnehin ge- ring. 6.5 Nach dem Gesagten – und ohne auf weitere Unglaubhaftigkeitsele- mente in den Aussagen des Besc hwerdeführers einzugehen – ist festzu- halten, dass es sich bei der von ihm dargelegten Familienfehde – zumin- dest betreffend den durch seinen Cousin initiierten Angriff sowie die Invol- vierung seines Bruders und die nachfolgenden Probleme – um ein Sach- verhaltskonstrukt handelt. Es kann ihm mithin nicht geglaubt werden, dass er deswegen in seinem Heimatland gefährdet gewesen wäre oder noch sein würde. Der Umstand, dass er in der Anhörung bezüglich angeblicher Äusserungen anderer Personen ihm gegenüber immer wie der die direkte Rede verwendete, vermag angesichts der vorstehend aufgezeigten Un- glaubhaftigkeitselemente keinen massgeblichen Hinweis auf Selbsterleb- tes darzustellen und ist nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung be- treffend Unglaubhaftigkeit des vorgetragenen Sachverhalts zu gelangen. D-5938/2017 Seite 13 Den Ausführungen des Beschwerdeführers in der Replik zur angeblichen Fortsetzung der Familienfehde (Tötung u.a. seines Bruders durch die ver- feindete Familie) ist daher die Grundlage entzogen. Die entsprechenden Ausführungen werfen sodann ohnehin weitere Fragen auf. So erstaunt es etwa, dass der zumindest vormals fremde Bergarbeiter aus G._______, der dem Beschwerdeführer die Ausreise bezahlt haben soll und den er in der Anhörung nie namentlich nannte, auch mit seinem B ruder befreundet gewesen sein soll. D iesbezüglich wären jedenfalls weiterführende Erklä- rungen zu erwarten gewesen. In Bezug auf die in diesem Zusammenhang eingereichten Fotografien kann sodann auf die zutreffenden Erwägungen des SEM in der ergänzenden Vernehmlassung verwiesen werden. 6.6 Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle festzustellen, dass sich in den Aussagen des Beschwerdeführers keine konkreten Anhaltspunkte fin- den lassen, aufgrund derer davon ausgegangen werden müsste, dass er in Afghanistan aus anderen als den von ihm genannten Gründen (etwa we- gen seiner behaupteten Arbeitstätigkeit) gefährdet sein könnte (vgl. A21/23 F15, 171 f.). Angesichts seiner Ausführungen in der Beschwerde zur Dis- kriminierung von Tadschiken und gewaltsamen Übergriffen auf diese ist insbesondere festzuhalten, dass er die Flüchtlingseigenschaft auch auf- grund seiner Ethnie nicht erfüllt. 6.7 Zusammenfassend hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgewiesen. Es er- übrigt sich an dieser Stelle, auf die weiteren vorinstanzlichen Erwägungen und die übrigen Vorbringen in der Replik einzugehen, da sie nicht geeignet sind, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewirken. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). D-5938/2017 Seite 14 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar o der nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur A usreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. 8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung D-5938/2017 Seite 15 ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 Bezüglich der allgemeinen Lage in Afghanistan hat das Bundesver- waltungsgericht nach eingehender Lageanalyse in dem als Referenzurteil publizierten Entscheid D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 festgestellt, seit dem letzten Länderurteil im Jahr 2011 (BVGE 2011/7) ergebe sich eine deutliche Verschlechterung der Sicherheitslage über alle Regionen hinweg und es bestünden derart schwierige huma nitäre Bedingungen in weiten Teilen Afghanistans, dass die Situation als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu qualifizieren sei. Der Wegweisungsvollzug sei deshalb als unzumutbar zu beurteilen. Von dieser allgemeinen Feststellung könne im Falle der Hauptstadt Kabul abgewichen werden, falls besonders begünstigende Faktoren gegeben seien. Würden solche besonders be- günstigenden Faktoren vorliegen, was insbesondere bei alleinstehenden, gesunden Männern mit einem tragfähigen Beziehungsnetz, einer Möglich- keit zur Sicherung des Existenzminimums und einer gesicherten Wohnsi- tuation der Fall sei, sei der Wegweisungsvollzug als zumutbar zu qualifi- zieren (vgl. E. 8.4). Diese Lageanalyse und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen sind weiterhin zutreffend und das Bundesverwaltungs- gericht stützt sich nach wie vor darauf ab (vgl. etwa Urteile des BVGer D-2858/2020 vom 9. Juli 2021 E. 5; D-691/2020 vom 1. Juli 2021 E. 8.3.3.2) D-5938/2017 Seite 16 8.3.3 8.3.3.1 Das SEM führte diesbezüglich in der angefochtenen Verfügung – teilweise im Rahmen der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft sowie unter Hinweis auf das (damals aktuellste) Länderurteil des Bundesverwaltungs- gerichts betreffend die Lage in Afghanistan beziehungsweise Kabul (BVGE 2011/7) – im Wesentlichen an, dass der Beschwerdeführer aus Kabul stamme und verschiedene begünstigende Faktoren für den Wegweisungs- vollzug sprechen würden. Er sei jung, gesund, alleinstehend und verfüge über eine knapp zwölfjährige Schulbildung. Neben seiner Schulbildung ha- be er für seinen Vater in dessen Laden gearbeitet. Zwar habe er angegeben, dass er mit seiner Kernfamilie seit ungefähr an- fangs Juni (2017) keinen Kontakt mehr gehabt habe und diese aus Afgha- nistan ausgereist sei. Auch würden sich alle seine Verwandten, die er in Kabul gehabt habe, nicht mehr dort befinden. In der BzP habe er immerhin angegeben, in Kabul würden eine Tante und fünf Onkel mütterlicherseits sowie drei Onkel väterlicherseits wohnen. Der Wegzug all seiner Verwand- ten aus Kabul erscheine sehr unwahrscheinlich, wobei diese Einschätzung durch Ungereimtheiten untermauert werde, die sich während der Anhörung ergeben hätten. So habe er auf die Frage, weshalb seine Familie nicht mit den drei Onkeln väterlicherseits aus Kabul weggereist sei, um sich der Be- drohung der von ihm vorgebrachten Familienfehde zu entziehen, geant- wortet, dass diese Onkel bereits einige Zeit vor dem Vorfall mit seinem Bruder ausgereist sei en. Auf diese Ungereimtheit angesprochen habe er zunächst erwidert, er habe in der BzP nicht er wähnt, dass sie in Kabul wohnhaft seien. Danach habe er vermutliche Verständigungsprobleme mit dem Dolmetscher angeführt, was jedoch als blosse Schutzbehauptung zu werten sei. Einerseits sei ihm das Protokoll der BzP rückübersetzt worden und er habe dessen Richtigkeit mit seiner Unterschrift bestätigt. Anderer- seits handle es sich bei der Ortsbezeichnung Kabul nicht um ein Wort, wel- ches eine Doppeldeutigkeit aufweise oder derart unterschiedlich ausge- sprochen werde, dass es leicht zu Missverständnissen führen könnte. Auch sein Hinweis, er habe zu Beginn der A nhörung bereits ausgesagt, dass seine Onkel väterlicherseits aufgrund der wirtschaftlichen Situation wegge- zogen seien, überzeuge nicht, da er nur bezüglich seiner Verwandten müt- terlicherseits von wirtschaftlichen Problemen gesprochen habe. In Bezug auf den Wegzug seiner Familie aus Kabul habe er sodann unklare und va- ge Antworten gegeben, welche die Glaubhaftigkeit seiner diesbezüglichen Aussagen in Zweifel ziehen würden. Er habe gesagt, seine Eltern hätte n Afghanistan verlassen müssen, weil sich die Lage verschlechtert habe. Auf die Fragen, weshalb genau und wieso zu diesem Zeitpunkt seine Familie D-5938/2017 Seite 17 Afghanistan verlassen habe, habe er eine ganze Reihe von Vermutungen angestellt. Es erscheine nicht plausibel, dass er zwar mit seiner Mutter vor deren Ausreise gesprochen habe, aber von ihr nicht ins Bild gesetzt wor- den sei, weshalb genau sich die Lage verschlechtert habe. Auch habe er nicht überzeugend darlegen können, weshalb seine Familie erst nach über zwei Jahren (seit Beginn der angeblichen Bedrohungslage) Afghanistan verlassen habe. Seine Aussagen bezüglich Aufenthaltsort seiner Familien- angehörigen und Verwandten seien somit unglaubhaft und es sei viel mehr davon auszugehen, dass sich diese immer noch in Kabul befinden würden. Zwar sei von Amtes wegen zu prüfen, ob alle Voraussetzungen für die Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs erfüllt seien. Diese Untersuchungs- pflicht finde jedoch nach Treu und Glauben ihre vernünftigen Grenzen an der Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht des Gesuchstellers, welcher auch die Substanziierungslast trage. Es sei nach ständiger Rechtspr echung nicht Sache der Asylbehörden, bei fehlenden respektive widersprüchlichen Hinweisen seitens des Gesuchstellers nach etwaigen Wegweisungsvoll- zugshindernissen zu forschen. Somit könne davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer in Kabul ein stabiles und tragfähiges soziales und wirtschaftliches Netz vorfinden wer de. Demzufolge erweise sich der Wegweisungsvollzug als zumutbar. 8.3.3.2 Der Beschwerdeführer brachte in der Beschwerde betreffend Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Wesentlichen (erneut) vor, dass er aus der sehr unsicheren Provinz C._______ stamme, in Kabul über kein familiäres Netz verfüge und kein Haus oder eine andere Wohnmöglichkeit besitze. Ansonsten machte er hauptsächlich Ausführungen zur generellen Situation in Afghanistan (und i n diesem Zusammenhang auch zu einem Clan namens […]). 8.3.3.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM im Wesentlichen fest, dass der Wegweisungsvollzug auch unter Berücksichtigung des neuen Re- ferenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts D-5800/2016 vom 13. Okto- ber 2017 als zumutbar zu erachten sei, wobei es bezüglich des Vorliegens eines tragfähigen Beziehungsnetzes, einer Möglichkeit zur Sicherung des Existenzminimums sowie einer gesicherten Wohnsituation wiederum auf die Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht des Beschwerdeführers respektive die widersprüchlichen und wenig überzeugenden Aussagen zum Verbleib seiner Verwandten und Kernfamilie verwies. Es sei dabei insbesondere zu D-5938/2017 Seite 18 berücksichtigen, dass die geltend gemachte Verschlechterung seines Be- ziehungsnetzes mit seinen Asylvorbringen verknüpft sei, die ihrerseits ins- gesamt als unglaubhaft eingestuft worden seien. 8.3.3.4 In der Replik wurde diesbezüglich zunächst auf die Argumente in der angefochtenen Verfügung zur Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Be- schwerdeführers hinsichtlich des Verbleibs seiner Kernfamilie und Ver- wandten eingegangen. Dazu wurde insbesondere auf die vormalige Flucht seiner Familie aus Afghanistan in den Iran im Jahr 1996 wegen der Taliban, deren Rückkehr nach Afghanistan nach dem Sturz der Taliban sowie die erneute Rückeroberung weiter Teile Afghanistans durch die Taliban nach seiner Ausreise hingewiesen. Es sei mithin naheliegend, dass sein Vater wieder vor den Taliban geflohen sei. Ausserdem habe seine Mutter davon ausgehen können, dass ihr Sohn über das Geschehen in der Heimat infor- miert sei, weshalb es durchaus plausibel sei, dass sie beim letzten Telefo- nat nicht genau erklärt habe, warum und wie genau sich die Lage ver- schlechtert habe. Das SEM habe dem Beschwerdeführer sodann im Zu- sammenhang mi t dem Aufenthaltsort seiner Onkel eine Aussage unter- stellt, die er nicht gemacht habe. So habe er nicht ausgesagt, dass sie ausgereist, sondern dass sie von Kabul weggereist seien. Schliesslich wurde angeführt, dass sich der Beschwerdeführer in der Schweiz – sowohl in sprachlicher Hinsicht, als auch beruflich und privat – ausgesprochen gut integriert habe. Er habe sich vollends von der afghanischen Kultur abge- wandt und habe den Islam hinter sich gelassen. Seine Weltanschauung habe sich vollkommen verändert und er habe hier erkannt, dass die Ge- walt, welche auch innerhalb seiner Familie üblich gewesen sei, verwerflich sei. Eine Rückkehr sei nicht mehr vorstellbar. Er pfle ge keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern, da er sich einerseits vor schlechten Neuigkeiten fürchte und andererseits der Familie nicht von seinem Gesinnungswandel, welchen diese nicht verstehen würde, erzählen wolle. Die Reintegration in seinem Heimatland sei sodann durch die lange Abwesenheit zusätzlich er- schwert. 8.3.4 8.3.4.1 Das Gericht gelangt – in Übereinstimmung mit dem SEM – zum Schluss, dass sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung als zumutbar erweist. Wie bereits in der angefochtenen Verfügung festgehalten, handelt es sich beim Beschwerdeführer – soweit aus den Akten ersichtlich – um einen gesunden, jungen Mann, der über eine beinahe zwölfjährige Schul- bildung und ausserdem etwas Arbeitserfahrung in seinem Heimatland ver-D-5938/2017 Seite 19 fügt. Auch darf aufgrund seiner unglaubhaften Angaben zum Verbleib sei- ner Kernfamilie sowie seiner Verwandten davon ausgegangen we rden, dass sich sowohl erstere als auch ein Grossteil seiner Verwandten nach wie vor in Kabul aufhält. Zur Vermeidung von unnötigen Wiederholungen kann – auch bezüglich Verletzung der Mitwirkungs - und Wahrheitspflicht sowie deren Folgen – auf die entsprechenden Ausführungen in der ange- fochtenen Verfügung und der Vernehmlassung verwiesen werden. Die diesbezüglichen Vorbringen in der Replik vermögen nicht zu überzeugen. Entgegen der darin vertretenen Ansicht ist insbesondere nicht plausibel, dass die Mutter des Beschwerdeführers ihm beim angeblich letzten Telefo- nat nicht erklärt haben soll, warum und wie genau sich die Lage für sie verschlechtert respektive aufgrund welcher Ereignisse und Überlegungen sich ein Wegzug aus Kabul für sie aufgedrängt habe. Dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer in der Anhörung selbst zu Protokoll gab, bei die- sem Telefongespräch hätten sie über die aktuelle Lage bei seiner Familie gesprochen (vgl. A21/23 F19). Seine Aussagen zu einem Telefonat mit sei- nem Nachbarn in Afghanistan nach der behaupteten letzten Kontaktauf- nahme mit seinen Eltern vermögen deren Wegzug aus Kabul ebenfalls nicht glaubhaft zu machen. Einerseits ist die persönliche Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers nach dem bereits Ausgeführten erheblich reduziert und er verweist auch darin auf seine als unglaubhaft erkannten Probleme mit D._______. Andererseits sind auch die entsprechenden Ausführungen letztlich als unsubstanziiert zu bezeichnen (vgl. A21/23 F22 ff.). Betreffend den Aufenthalt der Onkel väterlicherseits trifft es sodann zwar zu, dass der Beschwerdeführer nicht aussagte, diese seien ausgereist, sondern dass diese nach H._______ gezogen seien (vgl. A21/23 F26). Dies ändert je- doch nichts daran, dass seine diesbezüglichen Aussagen widersprüchlich ausgefallen sind. Damit liegen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit be- sonders begünstigende Faktoren im Sinne der aktuellen Praxis vor, sodass vorliegend ausnahmsweise nicht von einer existenz bedrohenden Lage auszugehen ist. 8.3.4.2 Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer zu seinem in Kabul vorhandenen Beziehungsnetz unglaubhafte Angaben mach te, kann ihm auch nicht geglaubt werden, dass er – wie in der Replik vorgebracht – kei- nen Kontakt mehr mit seiner Kernfamilie hat. Was sodann die Ausführun- gen in der Replik im Zusammenhang mit der Abkehr von der heimatlichen Kultur und Religion betrifft, ist zunächst festzuhalten, dass aufgrund seiner reduzierten persönlichen Glaubwürdigkeit sowie der Unsubst anziiertheit der entsprechenden Vorbringen Zweifel an deren Wahrheitsgehalt beste-D-5938/2017 Seite 20 hen. Diese Vorbringen sind sodann ohnehin nicht geeignet, den Wegwei- sungsvollzug als unzumutbar erscheinen zu lassen, zumal sich daraus kei- ne konkrete Gefährdung seinerseits im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG ergibt. Auch wenn er einen innerlichen Gesinnungswandel vollzogen hat, lässt nichts darauf schliessen, dass ihm deshalb sein tragfähiges familiäres Be- ziehungsnetz in Kabul bei einer Rückkehr nicht zur Verfügung stehen und ihm bei seiner Reintegration nicht behilflich sein würde. 8.3.4.3 Was ferner seine durchaus anerkennenswerte Integration betrifft, ist festzuhalten, dass der Grad der Integration in der Schweiz grundsätzlich kein Kriterium für die Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darstellt. Die Beurteilung einer Här- tefallsituation infolge fortgeschrittener Integration im Sinne von Art. 14 Abs. 2 AsylG – dessen formelle Voraussetzungen der Beschwerdeführer grundsätzlich erfüllen dürfte – fällt in die Zuständigkeit der kantonalen Mig- rationsbehörden, die einen entsprechenden Antrag beim SEM stellen kön- nen (vgl. Art. 14 Abs. 3 AsylG; BVGE 2009/52 E. 10.3). Auf die diesbezüg- lichen Vorbringen und die eingereichten Unterlagen ist daher nicht weiter einzugehen. 8.3.4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der Wegweisungs- vollzug nicht als unzumutbar erweist. Die weiteren Beschwerdevorbringen – insbesondere die Ausführungen zur generellen Situation in Afghanistan in der Beschwerdeschrift, die n ur eine Woche nach dem massgeblichen Referenzurteil datiert – sind (auch heute) nicht geeignet, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewirken, weshalb nicht weiter darauf einzugehen ist. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung D-5938/2017 Seite 21 Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Der Beschwerdeführer ist im vorliegenden Verfahren unterlegen, wes- halb er grundsätzlich kostenpflichtig ist (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 10.2 Mit Instruktionsverfügung vom 25. Oktober 2017 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen. Zum damaligen Zeitpunkt war der Beschwer- deführer fürsorgeabhängig. Mit (ergänzender) Replik vom 15. März 2021 bestätigte er dem Gericht jedoch, dass keine prozessuale Bedürftig keit mehr vorliege. Damit sind die kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege heute nicht mehr gege- ben. Dementsprechend ist die Ziffer 2 des Dispositivs der Instruktionsver- fügung vom 25. Oktober 2017 in diesem P unkt wiedererwägungsweise aufzuheben und der Antrag auf Bewilligung der unentgeltlichen Prozess- führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Wirkung ex nunc abzuweisen (vgl. Urteil des BVGer E-3115/2019 vom 12. Mai 2021 E. 9.1). Folglich sind dem Beschwerdeführer mangels heutiger prozessualer Bedürftigkeit die Kosten des Verfahrens von Fr. 750.– aufzuerlegen (Art. 1–3 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-5938/2017 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Ziffer 2 des Dispositivs der Instruktionsverfügung vom 25. Oktober 2017 wird im Sinne der Erwägungen aufgehoben. Das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Daniela Brüschweiler Sandra Bisig Versand: