<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 47</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Strafrecht</span> <span class="page_no">47</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Strafrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>11</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 57 Abs. 3, 62c Abs. 2 StGB</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gegenstand der Anrechnung von Massnahmeaufenthalten auf den zu</b></span><br/> <span class="ft2"><b>verbüssenden Rest einer Freiheitsstrafe ist nach dem Wortlaut des Geset-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zes der mit der Massnahme verbundene Freiheitsentzug. Entgegen dem</b></span><br/> <span class="ft2"><b>früheren Gesetz ist nach der Revision des Allgemeinen Teils des Strafge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>setzbuches die Frage der Eingriffsintensität nicht mehr zu prüfen. Ent-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>scheidend ist einzig die zeitliche Dauer der Massnahme, nicht aber eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>verobjektivierte konkrete Belastung des Betroffenen durch die Mass-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nahme im Verhältnis zu einem Freiheitsentzug.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Für die Anrechnung von Massnahmen vor dem Strafurteil ist zumindest</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ein direkter Zusammenhang mit dem Strafverfahren und bei der Art der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Massnahme eine Antizipierung der nachträglich vom Gericht zu treffen-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den Massnahme zu verlangen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 1. Strafkammer, vom 1. September</span><br/> <span class="ft3">2011 i.S. Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach gegen D.S. (SST.2011.119).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">3.2.</span><br/> <span class="ft5">Streitig ist hingegen der Umfang der anzurechnenden Verweil-</span><br/> <span class="ft5">dauer in Massnahmeinstitutionen:</span><br/> <span class="ft5">Gemäss Art. 57 StGB ordnet das Gericht, wenn die Vorausset-</span><br/> <span class="ft5">zungen sowohl für eine Strafe wie auch für eine Massnahme erfüllt</span><br/> <span class="ft5">sind, beide Sanktionen an (Art. 57 Abs. 1 StGB). Der Vollzug einer</span><br/> <span class="ft5">Massnahme geht einer zugleich ausgesprochenen vollziehbaren Frei-</span><br/> <span class="ft5">heitsstrafe voraus (Art. 57 Abs. 2 StGB). Der mit der Massnahme</span><br/> <span class="ft5">verbundene Freiheitsentzug ist auf die Strafe anzurechnen (Art. 57</span><br/> <span class="ft5">Abs. 3 StGB). Ist die Massnahme i.S.v. Art. 62c Abs. 2 StGB aufzu-</span><br/> <span class="ft5">heben und muss noch ein Rest der Freiheitsstrafe vollzogen werden,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">48</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">weil der mit der Massnahme verbundene Freiheitsentzug kürzer ist</span><br/> <span class="ft5">als die aufgeschobene Freiheitsstrafe (Art. 62c Abs. 2 StGB), so stellt</span><br/> <span class="ft5">sich in der Praxis die Frage der Anrechnung von Massnahmeaufent-</span><br/> <span class="ft5">halten auf die zu verbüssende Reststrafe. Diese Frage stellt sich so-</span><br/> <span class="ft5">wohl bezüglich Umfang der Massnahme als auch deren Art. Gegen-</span><br/> <span class="ft5">stand der Anrechnung ist nach dem Wortlaut des Gesetzes der mit der</span><br/> <span class="ft5">Massnahme verbundene Freiheitsentzug. Entgegen dem früheren</span><br/> <span class="ft5">Gesetz ist nach der Revision des Allgemeinen Teils des Strafgesetz-</span><br/> <span class="ft5">buches die Frage der Eingriffsintensität nicht mehr zu prüfen. Ent-</span><br/> <span class="ft5">scheidend ist einzig die zeitliche Dauer der Massnahme, nicht aber</span><br/> <span class="ft5">eine verobjektivierte konkrete Belastung des Betroffenen durch die</span><br/> <span class="ft5">Massnahme im Verhältnis zu einem Freiheitsentzug (M</span><span class="ft3">ARIANNE</span><br/> <span class="ft5">H</span><span class="ft3">EER</span><span class="ft5">, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 2. Aufl. 2007, N. 9 zu</span><br/> <span class="ft5">Art. 57 StGB).</span><br/> <span class="ft5">Umstritten und in der Praxis nicht völlig geklärt ist, wie weit</span><br/> <span class="ft5">therapeutische Massnahmen vor dem Strafurteil, z.B. fürsorgerische</span><br/> <span class="ft5">Freiheitsentziehungen oder freiwillig eingegangene stationäre thera-</span><br/> <span class="ft5">peutische Massnahmen, anzurechnen sind. Dabei ist zumindest ein</span><br/> <span class="ft5">direkter Zusammenhang mit dem Strafverfahren und bei der Art der</span><br/> <span class="ft5">Massnahme eine Antizipierung der nachträglich vom Gericht zu</span><br/> <span class="ft5">treffenden Massnahme zu verlangen. Es kann insbesondere bei Ver-</span><br/> <span class="ft5">urteilten, welche unabhängig von strafrechtlichen Sanktionen einen</span><br/> <span class="ft5">Grossteil ihres Lebens in therapeutischen Institutionen und Mass-</span><br/> <span class="ft5">nahmen verbracht haben, nicht angehen, jegliche private oder fürsor-</span><br/> <span class="ft5">gerisch eingeleitete stationäre Massnahme an spätere Freiheitsstrafen</span><br/> <span class="ft5">anzurechnen.</span><br/></div> </div> </body> </html>