B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-8095/2009/wif U r t e i l v o m 2 3 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. November 2009 / N (…). D-8095/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Eth - nie, mit angeblich letztem Wohnsitz in B._______, verliess seine Heimat eigenen Angaben zufolge am (…) und gelangte via Malaysia, Thailand und Hongkong in die Schweiz, wo er am 30. April 2008 (…) ein Asylge- such stellte. Er wurde am 3. Mai 2008 (…) summarisch befragt und am 8. Mai 2008 eingehend zu seinen Asylgründen angehört. Am 20. Mai 2008 wurde ihm gestützt auf Art. 21 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) die Einreise in die Schweiz bewilligt. Für die Dauer des Asylverfahrens wurde er dem Kanton C._______ zugewiesen. B. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, dass er mit seiner Familie in D._______, im Distrikt E._______, gelebt und zusammen mit (…) einen Coiffeursalon betrieben habe. Am (…) seien Soldaten der s ri-lankischen Armee (SLA) in den S a- lon gekommen und hätten plötzlich auf (…) geschossen. Die Sol daten und ein Kunde seien unmittelbar im Anschluss an diesen Zwischenfall ins Armeelager geflüch tet. (…) sei auf dem Weg ins Spital verstorben. Im Spital und später auch Zuhause seien e r und seine Familie immer wieder von der Polizei und der SLA aufgesucht und aufgefordert worden, Stil l- schweigen über die Ermordung zu bewahren und sich ruhig zu verhalten, ansonsten auch sie umgebracht würden. Er habe bei der Polizei Anzeige erstattet, die Untersuchung sei aber eingestellt worden. Weiter habe er den Vorfall Menschenrechtsorganisationen und dem UNHCR gemeldet, diese hätten ihm jedoch auch nicht weitergeholfen. Er erachte die Tat als äusserst willkürlich, da weder (…) noch er oder sonst jemand aus seiner Familie politisch aktiv gewesen seien. Da er im Salon immer wieder auf die Ermordung (…) angesprochen und auch auf der Strasse von Soldaten und dem Geheimdienst kontrolliert, belästigt und bedroht worden sei, h a- be er D._______ im Oktober 2005 verlassen und sei nach B._______ ge- zogen. Doch auch dort sei er ständigen Kontrollen und Hausbesuchen der SLA und der Polizei ausgesetzt gewesen, weshalb er sich schliesslich zur Ausreise entschlossen habe. Er sei am (…) von Colombo nach Ma- laysia geflogen und nach zehn Monaten sodann via Thailand und Hon g- kong in die Schweiz gereist. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er, jeweils in Kopie, zwei Seiten seines mittlerweile verloren gegangenen respektive verkauften sri -lanki-D-8095/2009 Seite 3 schen Passes, seine Identitätskarte, Fotos der Beerdigung (…), seine Geburtsurkunde (A 8/6, Dokument 1), die von seinem Vater eingereichte Beschwerde vor der Menschenrechtskommission von Sri Lanka der Se k- tion E._______, vom 20. September 2005 datierend (A 8/6, Dokument 2), die von ihm eingereichte Beschwerde vor der Menschenrechtskommiss i- on von Sri Lanka der Sektion B._______, vom 6. Februar 2006 datierend (A 15/3), den Totenschein (…) vom 19. September 2005, die Einladung zum Leichenmahl (…) (A 8/6, Dokument 3), fünf nicht näher bezeichnete Zeitungsartikel zum Tod (…) und den dadurch ausgelösten Unruhen, das Original eines Fotos (…) und zwei CD -ROMs ohne Daten inhalt (vgl. Be- weismittelcouvert der Vorinstanz A 26) zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 23. November 2009 stellte das BFM fest, dass der Be- schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erf ülle, lehnte sein Asy l- gesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und schob den Vollzug zuguns- ten einer vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit auf. Zur Begrü n- dung führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, es erscheine unl o- gisch, dass er und seine Familie vo n der SLA und der Polizei derart b e- droht worden seien, um die Veröffentlichung der Geschehnisse zu verhin- dern. Aus den eingereichten Zeitungsartikeln und dem Umstand, dass sich nach dem Zwischenfall mehrere hundert Menschen vor dem Coi f- feursalon versammelt haben sollen (vgl. A 13/14 S. 5), folge unweigerlich, dass bereits unmittelbar nach dem Tod (…) eine breite Öffentlichkeit über die Vorkommnisse informiert gewesen sei . Es sei davon auszugehen, dass die Sicherheitskräfte sehr wohl darüber Bescheid gewusst hätten, dass die kurz nach dem Tod (…) getätigte Anzeige keine Wirkung gezei- tigt und in einer Verfahrenseinstellung gemündet habe, weshalb sie ke i- nen Grund gehabt hätten, den Beschwerdeführer und sei ne Familie wei- ter zu behelligen und zu belästigen. Die angebliche Verfolgung des Be - schwerdeführers durch die SLA zwischen 2005 und 2007 müsse deshalb als unglaubhaft qualifiziert werden. Hinsichtlich der Tötung (…), welche zweifelsohne ein tragisches und ei n- schneidendes Ereignis darstelle, müsse sodann festgestellt werden, dass diese keine gezielte Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar stelle. Wie der Beschwerdeführer in der Anhörung selber ausgeführt habe, erscheine die Tat völlig willkürlich, da weder er noch (…) oder sonst jemand in se i- ner Familie politisch aktiv gewesen sei. Obwohl die Tötung (…) ein schwerwiegender Einschnitt in seinem Leben darstelle, könne vorliegend nicht von einer gezielten Verfolgung im Sinne des Flüchtlings rechts aus-D-8095/2009 Seite 4 gegangen werden. Schliesslich müsse gemäss konstan ter Praxis der schweizerischen Asylbehörden zwischen der Verfol gungshandlung und der Flucht auch ein zeitlicher und sachlicher Kausalzusammenhang exis- tieren. Da die Ereignisse zu weit in der Vergangenheit liegen würden, sei- en diese für die Ausreise nicht kausal und somit auch nicht asylrelevant. Die Vorbringen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit im Si n- ne von Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhalten, weshalb der Beschwerdeführer die Flüchtlingseige n- schaft nicht erfülle und das Asylgesuch abgewiesen werde. Aus den A k- ten würden sich auch keinerlei Anhaltspunkte ergeben, die gegen die Z u- lässigkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen würden. Da sich die S i- cherheits- und Menschenrechtslage im Norden und Osten Sri Lan kas aber nicht massgeblich verbessert habe und der Beschwerdeführer über keine angemessene innerstaatliche Aufenthaltsalternative verfüge, sei der Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar, weshalb eine vorläufige Aufnah- me anzuordnen sei. D. Mit Eingabe vom 28 . Dezember 2009 liess der Beschwerdeführer durch seinen neu mandatierten Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesve r- waltungsgericht einreichen und beantragen , die Verfügung des BFM sei in den Punkten 1 bis 3 des Dispositivs aufzuheben und zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen; eventualiter sei d ie Verfügung des BFM aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Dem Rechtsvertreter se i vor der Gutheissung der Beschwerde eine angemessene Frist zur Einreichung einer detaillierten Kostennote zur Bestimmung der Parteientschädigung anzusetzen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, dass das BFM den vorgebrachten Sachverhalt völlig verkannt und wesentliche Teile nicht ab- geklärt habe. Anders als in der Verfügung des BFM festgestellt, habe der Beschwerdeführer nicht nur einen Zeitungsartikel und Bildmaterial zum Begräbnis (…) zu den Akten gereicht , sondern auch Kopien der bei den Menschenrechtskommissionen von Sri Lanka der Sektion E._______ und der Sektion B._______ am 20. September 2005 respektive 6. Februar 2006 eingereichten Beschwerden, d er Todesurkunde (…) vom 19. Se p- tember 2005, des Passes, der Identitätskarte und von vier Zeitungsarti- keln. Den Zeitungsartikel n könne übereinstimmend entnommen werden, dass es aufgrund der Ermordung (…) zu Unruhen und schliesslich zu e i-D-8095/2009 Seite 5 nem Lynchmord am F._______ der Polizei von E._______ gekommen sei. Daraufhin sei ein Ausgehverbot verhä ngt worden, in der Folge sich sogar die damalige Präsidentin Sri Lankas zu einer Stellungnahme veran- lasst gesehen habe . Dies sei ein wesentlicher Bestandteil der Verfo l- gungsgeschichte des Beschwerdeführers, welcher vom BFM nicht b e- rücksichtigt worden sei. Es sei nicht unbedingt der Mord (…), der ein Ver- folgungsinteresse begründe, sondern die klar ermittelbare Täterschaft, das grosse Aufsehen, die Unruhen und de r Lynchmord. Im vorliegenden Fall sei es der SL A nicht ohne weiteres möglich gewesen, diese extral e- gale Tötung zu vertuschen. Das BFM habe es verpasst , den Kausalzu- sammenhang zwischen den Ereignissen zu erkennen und die Abfolge in ihrer Gesamtheit zu begreifen, wodurch es den rechtserheblichen Sac h- verhalt weder vollständig noch richtig abgeklärt habe, sich eine Rückwei- sung an die Vorinstanz mithin rechtfertige. Dasselbe habe hinsichtlich des Umstandes, dass die Ausführungen des Beschwerdeführers zum Zeugen der Ermordung (…) völlig unberücksichtigt geblieben seien, zu gelten. Wie dem bereits beim BFM ei ngereichten Zeitungsartikel "(...)" (vgl. A 26, Beilage 4) zu entnehmen sei, sei die Tötung des Polizeibeam ten als ein terroristischer, von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) inszenier- ter Akt interpretiert und die Ermordung (…) zu einem Nebenschauplatz degradiert worden. Um diese Manipulation weiterhin aufrecht erhalten zu können, würden die sri -lankischen Behörden alles daran setzen , dass sich der Beschwerdeführer und der andere Zeuge nicht zur Tat äusserten. Bei einer Rückkehr hätte der Beschwerdeführer schlimmstenfalls mit sei- ner Liquidation zu rechnen. Dass sich die Lage immer noch nicht beruhigt habe, werde insofern klar, als der Tatzeuge G._______ im November 2009 verhaftet, sodann aber aus Mangel an Beweisen wieder freigel as- sen worden sei, was durch zwei weitere, ebenfalls der Beschwerde be i- liegende Zeitungsartikel belegt sei. Es sei G._______ unterstellt worden, für die LTTE tätig zu sein. Die se falsche Behauptung der sri -lankischen Behörden erhärte den Eindruck, dass die Behörden alles unternehmen würden, um den Vorfall weiter zu verschleiern. Aus den ge machten Ausführungen folge, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr an seinem Leben oder seiner Freiheit bedroht wäre. Als Zeuge eines Kapitalverbrechens und aufgrund der Tatsache, dass er nach wie vor zur Einleitung eines Strafverfahrens berechtigt wäre, erfülle er die Flüchtlingseigenschaft, weshalb ihm in der Schweiz Asyl zu gewäh- ren sei. Falls die angefochtene Verfügung doch nicht aufgehoben werde, müsse der rechtserhebliche Sachverhalt durch das Bundesverwaltung s-D-8095/2009 Seite 6 gericht abgeklärt werden. Hierzu bedürfe es der korrekten Erfassung der eingereichten Beweismittel und allenfalls der erneuten Anhörung des B e- schwerdeführers sowie der Durchführung einer Botschaftsabk lärung. Zu- dem werde der Beschwerdeführer in den nächsten Tagen weitere Beweis- mittel sowie eine Beschwerdeergänzung einreichen, weshalb um Anse t- zung einer Nachfrist ersucht werde. Zur Stützung der Vorbringen wurden fünf Zeitungsartikel ([…]), das Origi- nal der Beschwerde vor der Menschenrechtskom mission von Sri Lanka der Sektion in B._______, vom 6. Februar 2006 datierend – worin bestä- tigt wird, dass der Beschwerdeführer aufgrund der drohenden landeswei- ten Verfolgung nicht mehr nach Sri Lanka zurückkehren könne – zu den Akten gereicht. E. Mit Verfügung vom 12. Januar 2010 wurde der Beschwerdeführer zur Be- zahlung eines Kostenvorschusses aufgefordert, ansonsten auf die B e- schwerde nicht eingetreten werde. U nter Hinweis auf Art. 32 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 2 0. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfa h- ren (VwVG, SR 172.021) lehnte die damals zuständige Instruktionsrichte- rin das Gesuch um Ansetzung einer Frist zur Einreichung einer detaillier- ten Kostennote ab. F. Am 27. Januar 2010 wurde der Kostenvorschuss vom Beschwerdeführer fristgerecht geleistet. G. Mit Eingabe vom 24. März 2011 reichte der Rechtsvertreter zahlreiche Dokumente zur aktuellen Situation in Sri Lanka zu den Akten. Wie der Be- schwerdeschrift entnommen werden könne, bestehe die Verfolgungssit u- ation des Beschwerdeführers darin, dass er Zeuge der Ermordung (…) durch die SLA geworden sei und ein berechtigtes Interesse an der Durch- führung eines gerichtlichen Strafverfahrens habe, weshalb er im Falle ei- ner Rückkehr nach Sri Lanka mit schwerwiegenden Nachteilen zu rec h- nen hätte. In den Augen der Sicherheitskräfte verkörpere er einen poten- tiellen Regimekritiker, welcher präventiv mundtot gemacht werden müsse. Dies werde dadurch verstärkt, dass das Unrecht grosse mediale Res o- nanz gefunden und er sich auch bei Menschenrechtsorganisationen b e- klagt habe. In Sri Lanka herrsche nach wie vor ein Klima eines Genera l- verdachts gegen Tamilen, in welchem Systemkri tiker in den allermeisten D-8095/2009 Seite 7 Fällen mit Terroristen gleichgesetzt würden. Der sri-lankische Prevention of Terrorism Act (PTA) lasse den Sicherheitskräften bei der Bestrafung von Systemkritikern einen grossen Handlungsspielraum . Aus mehreren Länderberichten gehe hervor, dass die sri -lankischen Behörden auf die Publikation von Menschenrechtsverletzungen besonders sensibel reagie- ren. Als besonders gefährdete Personen hätten dabei unter anderem auch Angehörige von Opfern staatlicher Übergriffe zu gelten. Da im Norden und Osten Sri Lankas nach wie vor die SLA faktisch die Kontrolle innehabe, habe sich die individu elle, asylrelevante Gefäh r- dungslage des Beschwerdeführers nicht merklich verbessert. Wie ihm seine Verwandten mitgeteilt hätten, kämen auch heute noch regelmässig in zivil gekleidete Personen im Salon vorbei und erkundigten sich nach ihm. Dies deute auf e in hohes und landesweites Verfolgungsrisiko hin, was durch das eingereichte Schreiben der Menschenrechtskommission von Sri Lanka in B._______ vom 6. Februar 2006 auch bestätigt werde. Ferner bestünden keine Zweifel, dass die sri -lankischen Behörden in der Lage wären, den Beschwerdeführer bereits am Flughafen abzufangen und ihn zu verhören . Er laufe somit Gefahr – im Falle einer Rückkehr – gefoltert und auf unbestimmte Zeit inhaftiert zu werden. Zudem sei die sri- lankische Armee nun dazu übergangen, ihre Einwohner systematisch zu registrieren, um die tamilische Bevölkerung verstärkt unter Kontrolle zu halten. Schliesslich drohe ihm auch durch die Kollegen des getöteten Po- lizisten Gefahr, da er aus ihrer Sicht die Verantwortung für dessen Tod trage. Da er über keine angemessene innerstaatliche Fluchtalternative verfüge – eine Wohnsitznahme in Colombo komme aufgrund der dort praktizierten Registrierungspflicht nicht in Frage – sei den gestellten Rechtsbegehren zu entsprechen. Zur Stützung der Vorbringen wu rden folgende Berichte zu den Akten g e- reicht: Report from the Danish Immigration Service's fact -finding mission to Colombo, Human Rights and Security Issues concerning Tamils in Sri Lanka, Sri Lanka 19. Juni - 3. Juli 2010, publiziert im Oktober 2010; Schweizerische Flüchtlingshilfe, Sri Lanka: Aktuelle Situation, Update, 1. Dezember 2010; UNHCR-Richtlinien zur Feststellung des internationa- len Schutzbedarfs sri-lankischer Asylsuchender vom 5. Juli 2010; Amnes- ty International, Forgotten Prisoners, Sri Lanka uses anti-terrorism laws to detain thousands, Februar 2011; Asian Tribune, Sri Lanka Parliament e x- tends emergency with majority supp orting fight against terrorism vom D-8095/2009 Seite 8 9. Februar 2011; Amnesty International, Sri Lankan asylum seekers to r- tured after being forcibly returned from Australia vom 3. September 2010; Green Left, Three tamil refugees disappear after forcibly returned to Sri Lanka vom 8. Oktober 2010; Tamilnet, Police instruct Tamils in Colombo to register their presence vom 15. Oktober 2010; Asian Tribune, Sri Lan- ka: AG gives undertaking to stop forthwith the forced registration of res i- dents by Army in North, 3. März 2011; Tamilnet, Nazi-style registration of civilians in Jaffna vom 6. Februar 2011; Asian Tribune, Sri Lanka brings back infamous Tamil registrations to its capital, 17. Juli 2010. H. Mit Verfügung vom 23. November 2011 wurde d ie Vorinstanz aufgefo r- dert, bis zum 8. Dezember 2011 eine Vernehmlassung einzureichen. I. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 5. Dezember 2011 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung wurde im Wesent- lichen ausgeführt, der Beschwerdeführer habe keine aktuelle, objektiv begründete Furcht vor Verfolgung. Er habe sich nach dem Tod (…) noch fast zwei Jahre in Sri Lanka aufgehalten , ohne in asylr elevanter Weise behelligt worden zu sein. So sei er zwar unmittelbar nach dem Zwi - schenfall von Polizeibeamten aufgefordert worden, sich ruhig zu verha l- ten, ansonsten auch er umgebracht w ürde. Später habe er jedoch nur noch kleinere Probleme gehabt, indem seine Kunden im Salon über den Vorfall sprechen wollten, er von Soldaten auf der Strasse belästigt oder zu (…) befragt worden und der Geheimdienst omnipräsent gewesen sei. Diese Vorbringen seien jedoch im Kontext des damaligen Bür gerkrieges zu betrachten und vermöchten den Anforderungen an die Intensität von Verfolgungshandlungen im Sinne von Art. 3 AsylG nicht zu genü gen. Da seit der Ermordung (…) mittlerweile sechs Jahre vergangen seien und der Krieg beendet sei, habe der Beschwerdeführer heute keine begründe- te Furcht vor asylrelevanter Verfolgung. An dieser Einschätzung vermöch- ten schliesslich weder die eingereichten Zeitungsarti kel noch die Bestäti- gungen der Menschenrechtskommissionen etwas zu ändern. Zu derjeni- gen der Sektion B._______ – wonach der Beschwer deführer landesweit gesucht werde – sei zu bemerken, dass es bekannt sei, dass diese Or- ganisation solche Bestätigungen auf Wunsch aus stelle; ihr komme des- halb nur ein geringer Beweiswert zu. Angesichts der Vorbringen und de s apolitischen Profils des Beschwerdeführers und seiner Familie erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht. D-8095/2009 Seite 9 J. Mit Verfügung vom 7. Dezember 2011 wurde dem Beschwerdeführer G e- legenheit eingeräumt, bis zum 22. Dezember 2011 eine Replik einzurei- chen. K. Mit Eingabe vom 22. Dezember 2011 reichte der Rechtsvertreter eine 19 Seiten umfassende Replik und seine Kostennote zu den Akten . Im Wesentlichen wurde ausgeführt, dass der Beschwerdeführer auch nach dem Tod (…) immer wieder von Polizisten und dem Militär behelligt und belästigt worden sei. Er und d ie Familie des Beschwerdeführers hätten sich aufgrund dieser Belästigungen veranlasst gesehen, D._______ zu verlassen und nach B._______ zu ziehen. Die Armee und die P olizei sei- en aber auch in sein Haus in B._______ eingedrungen, weshalb er nicht mehr z uhause, sondern in der Werkstatt habe schlafen müssen . Dabei handle es sich nicht , wie vom BFM festgestellt , um kleine re Probleme, sondern sehr wohl um asylrelevante Vorb ringen. Die Situation sei einzig deshalb nicht eskaliert, weil der Beschwerdeführer ins Ausland geflüchtet sei. Bis heute würden ungefähr einmal pro Monat Armeeangehörige im Coiffeursalon des Onkels auftauchen und sich nach ihm erkundigen. Der Onkel sehe s ich aufgrund dieser furchteinflössenden Besuche mit der Schliessung seines Geschäfts konfrontiert, da er kaum noch Angestellte finde; Vergleichbares ereigne sich auch im Salon seines Vaters in B._______. In diesem Zusammenhang werde der Beschwerdeführer wei- tere Beweismittel beibringen, weshalb um Ansetzung einer Nach frist e r- sucht werde. Von der breit angelegten Registrierungspraxis der tamilischen Bevölk e- rung sei auch seine Familie betroffen , und aus der im Coiffeursalon auf- gehängten Registrierungskarte gehe klar hervor, dass sich der Beschwer- deführer gegenwärtig in der Schweiz aufhalte. Er sei bemüht diese Karte einzureichen, weshalb auch hier um Ansetzung einer Beweismittelfrist e r- sucht werde. Ferner sei er aufgrund eines weiteren Zwischenfalls – der Bruder der Freundin des Beschwerdeführers sei angesichts seiner schmutzigen Bekleidung fälschlicherweise verdächtigt worden, zu den "Grease Devils" zu gehören – wieder vermehrt in den Fokus der Behö r- den geraten. Auch hierzu würden noch w eitere Beweismittel eingereicht . Schliesslich habe er erfahren, dass sein Freund G._______, welcher ebenfalls Zeuge der Ermordung (…) gewesen sei, gegen Bestechung aus dem Gefängnis entkommen und sich nach Frankreich habe absetzen können. Er sei bemüht den Kontakt herzustellen, weshalb auch hier um D-8095/2009 Seite 10 Ansetzung einer Nachfrist ersucht werde. Im Weiteren sei noch anzumer- ken, dass er am 27. November 2011 am Heldengedenktag in H._______ teilgenommen habe. Wie dem Grundsatzurteil de s Bundesverwaltungsgerichts (Entscheide des Schweizerischen Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2011/24, E. 8) entnommen werden könne, erfülle der Beschwerdeführer als Zeuge, A n- zeiger und potentieller Privatkläger der rechtswidrigen Tötung (…) durch die SLA ein Risikoprofil . Das besagte Grundsatzurteil des Bun - desverwaltungsgerichts gehe zwar nicht von einer Kollektivverfolgung von tamilischen Rückkehrenden aus – eine konkrete Prüfung müsse aber in jedem Fall vorgenommen werden (vgl. auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 2008, Nr. 25904/07). Im Ausland lebende Tamilen seien einem Ge - neralverdacht unterstellt, die LTTE zu unterstützen , und würden d eshalb im Falle einer Rückkehr einer besonderen Beobachtung und Kontrolle un- terstellt. Aktivitäten von im Ausland lebenden Tamilen würden durch den sri-lankische Geheimdienst sehr genau überwacht. Als regierungskrit i- scher Aktivist sei er deshalb im Falle einer Rückkehr aktuell und reell g e- fährdet, verhaftet oder sogar getötet zu werden. Zu dem laufe er Gefahr, Opfer von Racheakten von Angehörigen und Arbeitskollegen des getöt e- ten Polizisten zu werden. Anschliessend daran folgten Ausführungen des Rechtsvertreters zur Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, auf die in den Erwägungen ei n- gegangen wird. Zur Stützung der Vorbringen wurden folgende Dokumente zu den Akten gereicht: Schweizerische Flüchtlingshilfe, Sri Lanka: Situation für aus dem Norden oder Osten stammende Ta milInnen in Colombo und für RückkehrerInnen nach Sri Lanka vom 22. September 2011; Prevention of Terrorism (Temporary Provisions) Act No. 48 vom 20. Juli 1979; Berner Zeitung, Grosse Leere im Exil nach de m Ende des Kriegs in der Heimat, 21. August 2010; Schweizer Radio und Fernsehen, Sri Lanka zieht Vize - Botschafter Jagath Dias aus der Schweiz zurück , 13. September 2011; Immigration and Refugee Board of Canada, Sri Lanka: Information on the treatment of Tamil returnees to Sri Lanka, including failed refugee appli- cants; repercussions, upon return, for not having proper government a u- thorization to leave the country, such as a passport, vom 22. August 2011; UK Border Agency, Sri Lanka Country of Origin Information (COI) Report, 4. Juli 2011; International Commi ssion of Jurists, ICJ Briefing Note, D-8095/2009 Seite 11 Beyond Lawful Constraints: Sri Lanka's Mass Detention of LTTE Su s- pects, September 2010; United States Department of State, 2010 Country Reports on Human Rights Practices – Sri Lanka, vom 8. April 2011; H u- man Rights Watc h, Sri Lanka: Diplomat ic Offensive Won't make Killing Fields Disappear, 30. Juni 2011; Human Rights Watch, Sri Lanka: Official Report Whitewashes Military Abuses, 1. August 2011; Tamilnet, Nazi- Style registration of civilians in Jaffna, 6. Februar 2011; Tamilnet, Forced registration in Batticaloa, 3. April 2011; Asian Tribune, Sri Lanka: AG gives undertaking to stop forthwith the forced registration of residents by Army in North, 3. März 2011; Gesellschaft für bedrohte Völker, Recht - und Straflosigkeit in S ri Lanka: Tamilische Frauen in Angst, 29. August 2011; stuff.co.nz, Sri Lankan 'grease devils' cause panic, 12. August 2011; Asian Human Rights Commission – Urgent Appeal Programme, Sri La n- ka: Innocent villagers illegally arrested, tortured and charged with fabri- cated charges, 26. August 2011. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bu ndesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges D-8095/2009 Seite 12 Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes , des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substan tiiert, in sich schlüs sig und plaus i- bel sind; sie dür fen sich nicht in va gen Schilderungen erschöpfen, dürfen in wesentlichen Punkten nicht wider sprüchlich sein oder der inneren L o- gik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfah- rung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person pe r- sönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel ab- stützt. Aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unter drückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Ein wände und Zweifel an den Vorbri n- gen des Beschwer deführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaub haft gemacht, wenn der Richter oder die Richterin von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber für überwiegend wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma chung reicht es dem - gegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbrin gen zwar möglich ist, D-8095/2009 Seite 13 aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände ge gen die vorgebrachte Sach verhaltsdarstellung spre chen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Rich tigkeit der S achverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekti vierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylr e- kurskommission [EMARK] 2004 Nr. 1, S. 4f., E. 5a). 4. 4.1 In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht sinngemäss geltend g e- macht, das Recht des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör sei ve r- letzt worden, indem das BFM die Relevanz des vom Beschwerdeführer vorgebrachten Sachverhaltes völlig verkannt und wesentliche Teile de s Sachverhaltes nicht abgeklärt habe. Unter diesen Umständen sei die a n- gefochtene Verfügung infolge Verletzung des Grundsatzes des rechtl i- chen Gehörs und zur Feststellung des rechtserheblichen und vollständ i- gen Sachverhalts an das BFM zurückzuweisen. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesve r- fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV; SR 101]; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 und Art. 29 AsylG) ergibt sich, dass Asylsuchenden die Akten offenzulegen sind und ihnen das Recht zur Äus- serung (vgl. Art. 30 Abs. 1 VwVG) sowie die Möglichkeit, Einfluss auf die Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts zu nehmen, zu gewähren ist. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt weiter, dass die verfügende Behö r- de die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und erns t- haft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entspr e- chend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). 4.2 Hinsichtlich der Rüge, die Vorinstanz habe wesentliche Teile des Sachverhalts nicht abgeklärt und somit den rechtserheblichen Sachve r- halt ungenügend festgestellt, ist festzuhalten, dass die Vorinstanz grun d- sätzlich nur diejenigen Sac hverhaltselemente abklärt, die sie auch für glaubhaft hält. So kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die vom B e- schwerdeführer vorgebrachten Vorbringen hinsichtlich der erlittenen Ver- folgungshandlungen unglaubhaft seien, da sie in wesentlichen Punkten der a llgemeinen Logik des Handeln s widersprächen. Demgegenüber macht der Rechtsvertreter geltend, dass das BFM die Auswirkungen der Ermordung (…) auf den Beschwerdeführer, nämlich die daraus re -D-8095/2009 Seite 14 sultierenden Unruhen und de n Lynchmord am Polizisten nicht untersu cht habe, und dass betreffend des Zeugens G._______ nähere Abklärungen hätten vorgenommen werden müssen. Entgegen den Ausführungen in der Verfügung habe der Beschwerdeführer nicht nur einen Zeitungsartikel und Bildmaterial zu den Akten gereicht, sondern auch Kopien von Bestäti- gungen der Menschenrechtskommissionen der Sektionen E._______ und B._______, die Todesurkunde (…), Kopien des Passes und der Ident i- tätskarte sowie vier Zeitungsartikel. 4.3 Der Rechtsvertreter hat zwar richtigerweise festgestellt, dass die Vor- instanz in ihrer Verfügung lediglich einen Zeitungsartikel und Bildmaterial erwähnte, die tatsächlich eingereichten Unterlagen (zwei Seiten seines mittlerweile verloren gegangenen respektive verkauften sri -lankischen Passes, seine Identitätskarte, Fo tos der Beerdigung (…), seine Geburt s- urkunde [A 8/6, Dokument 1], die von seinem Vater eingereichte B e- schwerde vor der Menschenrechtskommission von Sri Lanka der Sektion E._______, vom 20. September 2005 datierend [A 8/6, Dokument 2], die von ihm eingereichte Beschwerde vor der Menschenrechtskommission von Sri Lanka der Sektion B._______, vom 6. Februar 2006 datierend [A 15/3], den Totenschein (…) vom 19. September 2005, die Einlad ung zum Leichenmahl (…) [A 8/6, Dokument 3], fünf nicht näher bezeichnete Ze i- tungsartikel zum Tod (…) und den dadurch ausgelösten Unruhen sowie das Original eines Fotos (…) und zwei CD -ROMs ohne Dateninhalt zu den Akten [vgl. Beweismittelcouvert der Vorinstanz A 26]) jedoch sehr viel umfassender sind. Entgegen diesen Ausführungen ist aber davon auszugehen, dass die Vor- instanz diese Beweismittel hinreichend gewürdigt hat. In der Vernehmlas- sung wird ausgeführt, dass der Beweiswert der eingereichte Bestätigung der Menschenrechtskommission Sri Lanka der Sektion B._______ gering sei, da bekannt sei, dass diese derartige Bestätigungen auf Wunsch der Betroffenen ausstelle. Ferner vermöchten die eingereichten Beweismittel an der Einschätzung des BFM, wonach der Bes chwerdeführer keine o b- jektiv begründete Furcht vor Verfolgung h abe, nichts zu ändern. Das Ge- richt kommt diesbezüglich zu keinem anderen Schluss. Die eingereichten Beweismittel beweisen lediglich die Identität des Beschwerdeführers, den Tod (…), die daran anschliessenden Unruhen und den Lynchmord am Po- lizisten – Sachverhaltselemente, die weder vom BFM noch vom Gericht in irgendeiner Weise bestritten werden. Die Vorinstanz hat ihre Entsche i- dung auf die Protokolle abgestützt und diese richtig in die Entscheid fin- dung mit einbezogen. Insgesamt hat sie den vorgebrachten Sachverhalt D-8095/2009 Seite 15 in genügender Weise abgeklärt und gewürdigt. Nach dem Gesagten ist demnach davon auszugehen, dass die vom Beschwerdeführer eing e- reichten Beweismittel in der Entscheidf indung des BFM Ei ngang gefu n- den haben und nicht unberücksichtigt geblieben sind. Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachve r- halt ausreichend festgestellt. Bei dieser Sachlage besteht daher keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung wegen unvollständiger Sach- verhaltsfeststellung aufzuheben, weshalb die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen ist. 5. 5.1 Das BFM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbri n- gen des Beschwerdeführers würden einerseits den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten und seien anderer- seits als nicht asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG zu qualifizieren . Es sei nicht nachvollziehbar , dass der Beschwerdeführer im Anschluss an die Tötung (…) über fast zwei Jahre hinweg von der SLA und der Polizei behelligt und belästigt worden sei. Der Tod (…) sei nicht als gezielte Ver- folgung zu verstehen und liege zudem zu weit in der Vergangen heit, um in zeitlicher und sachlicher Hinsicht kausal für die Ausreise zu sein. Der Beschwerdeführer hat zu Protokoll gegeben, dass sich unmittelbar nach dem Tod (…) ungefähr zwei- bis dreihundert Menschen vor dem Sa- lon versammelt hätten (vgl. A 13/14, A 25). Später seien er und seine F a- milie aufgefordert worden, über die Angelegenheit zu schweigen, ansons- ten ihnen der Leichnam nicht übergeben werde oder sie selber getötet würden. Ungeachtet dessen hätten er und sein Vater Beschwerden bei den Sicherheitskräften und Menschenrechtsorganisationen eingereicht. Nach dem Tod (…) seien sie immer wieder von der SLA belästigt worden, da die Soldaten immer noch befürchtet hätten, dass gegen sie ein Verfah- ren eingeleitet werde. Daran habe sich auch mit dem Weg zug nach B._______ nichts geändert (vgl. A 13/14, S. 7). Das Gericht erachtet es – wie nachfolgend aufzuzeigen und den zutre f- fenden Ausführungen der Vorinstanz entsprechend – als nicht nachvol l- ziehbar, dass der Beschwerdeführer und seine Familie von der SLA und der Polizei derart bedroht worden sein sollen, nur um zu verhindern, dass das Geschehene öffentlich werde. Der Beschwerdeführer hat sowohl in der Befragung als auch in der Anhörung zu Protokoll gegeben, dass er angehalten worden sei, die Angelegenheit nicht an die grosse Glocke zu D-8095/2009 Seite 16 hängen und diese mit viel Diskreti on zu handhaben. Diese Aussagen des Beschwerdeführers erwecken den Eindruck , der Vorfall habe kein gro s- ses Aufsehen erregt und dies müsse für die Behörden auch so bleiben , und stehen damit im eklatanten Widerspruch zu den eingereichten B e- weismitteln. In der Beschwerde w ird immer wieder betont, dass die T ö- tung (…) Auslöser für Unruhen und dem Lynchmord am F._______ der Polizei gewesen sei. Unter Berücksichtigung der etlichen Be weismittel stellt das Gericht fest, dass der Tod (…) ein viel beachtetes Ereignis in Sri Lanka gewesen sein muss. Unmittelbar nach dem Vorfall haben sich – gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers und den eingereichten Zeitungsberichten – mehrere hundert Menschen vor dem Salon versa m- melten; der Vorfall hat den eingereichten Zeitungs artikeln entsprechend ein grosses mediales Echo gefunden. Sämtliche angebliche Geheimhal- tungsversuche von Seiten der Regierung haben sich mit der grossen Be- achtung, die der Vorfall offen bar im unmittelbaren Anschluss an die T ö- tung gefunden hat, erübrigt. Ferner hat der Vater des Beschwerdeführers bei der Polizei (vgl. A 13/14 S. 6) und später bei der Menschenrecht s- kommission Sri Lanka von E._______ Anzeige erstattet, sich somit erneut nicht an die angeblichen Vorgaben der Sicherheitskräfte gehalten, die Sache totzuschweigen. Des Weiteren finden sich i n den Anhörungsproto- kollen zur angeblichen jahrelangen Verfolgung durch die SLA nur u n- substantiierte Angaben: Er sei belästigt und eingeschüchtert worden und habe kein Ruhe gefunden (A 13/14 S. 12). Schliesslich finden sich in den Befragungs- und Anhörungsprotokollen wi- dersprüchliche Angaben den angeblichen Tatzeugen G._______ betref- fend. So gab der Beschwerdeführer erst zu Protokoll, es gebe keine Ze u- gen (vgl. A 13/14 F 51, F 66) respektive der angebliche Zeug e gehöre ebenfalls zur Gruppe der Soldaten (vgl. A 13/14 F 67), um sodann in der Beschwerde vom Zeugen und Freund namens G._______ zu sprechen. In der Beschwerde wurde ausgeführt, G._______ sei im Zusammenhang mit dem Lynchmord am F._______ und angeblicher Unterstützung der LTTE festgenommen, sodann aber aus Mangel an Bew eisen wieder frei- gelassen worden; in der Eingabe vom 22. Dezember 2011 wurde fes t- gehalten, G._______ sei gegen Bestechung aus der Haft entkommen und nach Frankreich geflüchtet. Aufgrund der etlichen Rollenwechsel, die G._______ im Laufe des Beschwerdeverfahrens durchlaufen hat und der damit geschaffenen Widersprüche, müssen auch diese Vorbringen als unglaubhaft qualifiziert werden. Unbesehen davon verm öchte der Zeuge G._______ gemäss Aktenlage ohnehin nur ein Sachverhaltselement – D-8095/2009 Seite 17 nämlich den Tod (…) – zu bezeugen, welches weder von der Vorinstanz noch vom Gericht bestritten wird. In Anbetracht dieser Umstände – insbesondere auch hinsichtlich der Tat- sache, dass weder der Beschwerdeführer noch sonst jemand aus seiner Familie jemals politisch aktiv gewesen ist – ist es für das Gericht nicht nachvollziehbar, warum die Sicherheitskräfte ein Interesse daran gehabt haben sollten, den Beschwerdeführer während zweier Jahre weiter zu be- helligen. Schliesslich vermögen auch die Ausführungen und die eing e- reichten Beweismittel die von der Vorinstanz zu Recht gehegten Zweifel an der angeblichen Verfolgung des Beschwerdeführers durch die SLA nicht zu entkräften. Dem Beschwerdeführer ist es de mnach nicht gelu n- gen, die angeblich fast zwei Jahre dauernde Verfolgung durch die SLA glaubhaft zu machen. Da die angeblich zwischen dem Tod (…) und seiner Ausreise erlittenen Behelligungen und Benachteiligungen zu Recht als unglaubhaft qualifiziert wurden, ist deren Asylrelevanz nicht zu prüfen. Demgegenüber sind die Vorbringen des Beschwerdeführers den Tod (…) betreffend durchaus glaubhaft, jedoch – wie nachfolgend aufzu zeigen – als nicht asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG zu qualifizieren. Dass der Tod (…) ein äusserst tragisches und traumatisierendes Erlebnis für den Beschwerdeführer darstellt, ist für das Gericht verständlich und wird auch von der Vorinstanz in ihrer Verfügung nirgends bestrit ten. W ie der B e- schwerdeführer in der Anhörung vom 8. Mai 2008 zu Pr otokoll gab, war weder er (…) noch sonst jemand aus der Fa milie politisch aktiv. Der B e- schwerdeführer stellte fest , dass es ihm rätselhaft sei, warum (…) er- schossen wurde, er sei ein anständiger und ruhiger Kerl gewesen, eine Person, die mit Gewalt nichts zu tun gehabt habe. Es ist demnach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich beim Tod (…) um ein, wenn auch äusserst tragisches , Versehen handelt, wel- ches nicht als gezielte Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu verstehen ist. Ferner liegen z wischen dem Tod (…) und der Ausreise des B e- schwerdeführers am (…) fast zwei Jahre , weshalb zwischen diesen E r- eignissen kein ausreichender zeitlicher und sachlicher Kausalzusammen- hang besteht. 5.2 Wer sich darauf beruft, da ss durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exilaktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, sich somit auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG) beruft, hat begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn D-8095/2009 Seite 18 der Heimat - oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich rel evanter Weise verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f., BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, EMARK 2006 Nr. 1 E. 6.1 S. 10, UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Genf 1993, Ziff. 94 ff.). Sub- jektive Nach fluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Au s- schluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Perso nen, w elche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, mit weiteren Hinweisen). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte in seiner Eingabe vom 22. De zember 2011 die Teilnahme des Beschwerdeführers am Hel - dengedenktag vom 27. November 2011 in H._______ und somit subjekti- ve Nachfluchtgründe geltend. Der Beschwerdeführer verfügt aufgrund der einmaligen Teilnahme an einer Veranstaltung in der Schweiz nicht übe r ein ausreichendes politisches Profil, welches ihn bei einer Rückkehr in den Heimatstaat als gefährde t erscheinen l ässt. Darüber hinausgehend handelt es sich um eine nicht weiter substantiierte Tatsachenbehauptung, weshalb sich weitere Ausführungen erübrigen. 5.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen zu beseitigen. Den zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz in der Verf ü- gung vom 23. November 2009, wonach die Vorbri ngen des Beschwerde- führers betreffend der fast zwei Jahre dauernden Verfolgung durch die SLA als unglaubhaft und der Tod (…) als nicht asylrelevant qualifiziert wurden, ist mithin vollumfänglich zu entsprechen. Nach dem Gesagten erübrigt es sich, auf die in der Beschwerde weiter gemachten Ausführun- gen und Einwände sowie die eingereichten Beweismittel im Einzelnen weiter einzugehen, da sie am Ergebnis nichts ändern. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in de r Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). D-8095/2009 Seite 19 6.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 6.3 Der Vollzug der Wegweisung wurde mit der Verfügung vom 23. N o- vember 2009 zugunsten einer vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbar- keit aufgeschoben, weshalb sich zum jetzigen Zeitpun kt Ausführungen hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs erübrigen. Auf die in der Eingabe vom 22. Dezember 2011 diesbezüglich gemachten Ausführungen ist so- mit nicht weiter einzugehen. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist abzuweisen. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf ins gesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Betrag ist mit dem am 27. Januar 2010 geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) D-8095/2009 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt und mit dem am 27. Januar 2010 bezahlten Kostenvorschuss ve r- rechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Eva Hostettler Versand: