U r t e i l v o m 2 8 . S e p t e m b e r 2 0 2 2 Besetzung Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, mit Zustimmung von Richter Gérald Bovier; Gerichtsschreiber Matthias Schmutz. Parteien 1. A._______, geboren am (…), 2. B._______, geboren am (…), 3. C._______, geboren am (…), 4. D._______, geboren am (…), Burundi, alle vertreten durch Urs Jehle, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 9. September 2022 / N (…). B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4160/2022 D-4160/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden suchten am (…) in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zent- raleinheit-Eurodac) ergab, dass sie am (…) bereits in Kroatien um Asyl er- sucht hatten. A.b Am 12. August 2022 fanden die Personalienaufnahmen (PA) der Be- schwerdeführenden statt. A.c Am 17. August 2022 beauftragten die Beschwerdeführenden die Mit- arbeitenden des Rechtsschutzes für Asylsuchende im Bundesasylzentrum Region (…) mit der Wahrung ihrer Rechte im Asylverfahren. A.d Am 25. August 2022 erfolgten jeweils einzeln die sogenannten Dublin- Gespräche mit den Beschwerdeführenden 1 und 2. Beide brachten vor, sie seien in Kroatien im Wald von der Polizei erwischt worden. Die Polizei habe grosse Hunde gehabt und scharf auf sie geschos- sen. Bei ihrem Fluchtversuch habe sich der Beschwerdeführer am Fuss verletzt und die Beschwerdeführerin 2 sei gestürzt, wovon sie Rückenprob- leme habe. Als sie von der Polizei erwischt worden seien, seien sie in ein Polizeigefängnis gebracht worden. Die Versorgung, auch die medizinische, und ihre Behandlung seien sehr schlecht gewesen. Die Beschwerdeführe- rin 2 habe davon Nasenbluten und der Beschwerdeführer 1 Migräne be- kommen. Es seien ihnen unter Zwang die Fingerabdrücke abgenommen worden; sie hätten in Kroatien weder ein Interview gehabt noch einen Ent- scheid erhalten. A.e Am 26. August 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Rückübernahme der Beschwerdeführenden gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An- trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Die kroatischen Behörden hiessen das Ersuchen am 8. September 2022 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO gut. A.f Am 9. September 2022 wurden ärztliche Kurzberichte vom (…) betref- fend den Beschwerdeführer 1 und die Beschwerdeführerin 2 eingereicht. D-4160/2022 Seite 3 A.g Mit Verfügung vom 9. September 2022 (eröffnet am 12. September 2022) trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, ord- nete die Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien an, forderte die Be- schwerdeführenden auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen , und beauftragte den Ka nton (…) mit dem Vollzug der Wegweisung. Gleichzeitig stellte es fest, einer allfälligen Be- schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und verfügte die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Ak- tenverzeichnis an die Beschwerdeführenden. B. Mit Eingabe vom 16. September 2022 erhoben die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte n die Aufhe- bung der vorinstanzlichen Verfügung. Die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durch- zuführen. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstan z zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, individuelle Zusicherungen bezüglich des Zugangs zum Asylverfahren, adäquater medizinischer Ver- sorgung sowie Unterbringung von den kroatischen Behörden einzuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, um Anordnung eines Vollzugsstopps sowie um unentgeltliche Prozessführung unter Verzicht auf das Erheben eines Kos- tenvorschusses ersucht. Der Beschwerde lag ein Konsultationsbericht der (Nennung Institution) vom (…) bei. C. Mit Verfügung vom 20. September 2022 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs- gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu- ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführenden sind D-4160/2022 Seite 4 zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf di e Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zwei- ten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenw echsels und mit summari- scher Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 4. 4.1 Die Beschwerdeführenden rügen eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör und der Pflicht zur vollständigen Abklärung des rechts- erheblichen Sachverhalts. 4.2 Die Beschwerdeführenden vermögen aus ihrer Kritik, das SEM habe in der angefochtenen Verfügung widersprüchlich einerseits ausgeführt, die kroatischen Behörden hätten das Gesuch um Rückübernahme gutgeheis- sen und andererseits festgehalten, die kroatischen Behörden hätten innert Frist keine Stellung genommen, nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Dem SEM ist in dieser Hinsicht zwar offensichtlich ein redaktioneller Fehler un- terlaufen. Hieraus ist den Beschwerdeführenden aber kein Nachteil ent- standen. Bezeichnenderweise wird von ihnen die grundsätzliche Zustän- digkeit Kroatiens denn auch nicht bestritten. D-4160/2022 Seite 5 4.3 Soweit sie geltend machen, das SEM habe ihnen in die – in der ange- fochtenen Verfügung erwähnten – Abklärungen der Schweizer Botschaft in Kroatien keine Einsicht gewährt, ist festzuhalten, dass sie Akteneinsicht in diese Abklärungen weder verlangen noch jemals verlangt haben, obwohl sie durch rechtskundige und auf Asylverfahren spezialisierte Mitarbeitende des Rechtsschutzes für Asylsuchende im Bundesasylzentrum Region (…) vertreten werden, welche von der Existenz und Relevanz der Abklärungen zweifellos wussten. Zudem hat das SEM in der angefochtenen Verfügung die Erkenntnisse aus den Abklärungen zu den Push-backs und zu Dublin- Rückkehrern in zusammengefasster Form wiedergegeben (vgl. die ange- fochtene Verfügung S. 5 f.). Weiter wurde im vorliegenden Verfahren keine Botschaftsabklärung durchgeführt und somit sind in den vorinstanzlichen Akten auch keine entsprechenden Aktenstücke vorhanden, in welche Ein- sicht hätte gewährt werden müssen. So bezog sich die Vorinstanz in ihren Erwägungen auf bereits getätigte Abklärungen der Schweizer Vertretung, die in Nachachtung des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts E- 3078/2019 vom 12. Juli 2019 vorgenommen wurden. Damit liegt keine Ver- letzung des rechtlichen Gehörs oder des daraus fliessenden Aktenein- sichtsrechts vor (vgl. auch Urteil des BVGer D -735/2022 vom 28. Februar 2022 E. 5.3.1). 4.4 Ferner wird geltend gemacht, der medizinische Sachverhalt sei nicht hinreichend abgeklärt. Bei der Beschwerdeführerin 2 seien im Zeitpunkt der Entscheideröffnung die neurologischen Abklärungen ausstehend ge- wesen. Zwar seien diese mittlerweile durchgeführt worden, es seien aber weitere Folgetermine vorgesehen. Dabei sei insbesondere abzuklären, wo- her die migräneartigen, täglichen Kopfschmerzen herrühren würden. Es sei nicht ausgeschlossen, dass diese auf psychischen Problemen beruhen würden. Auch die psychische Situation der Kinder sei nicht fachärztlich ab- geklärt worden. Anlässlich der Dublin -Gespräche vom 25. August 2022 gaben die Be- schwerdeführenden an, dass es den Töchtern gut gehe, sie gesund seien und keine physischen oder psychischen Probleme hätten, einzig Kroatien und Slowenien würde ihnen in schlechter Erinnerung bleiben (vgl. act. SEM 1187739-35/4 S. 3 f. und 1187769-37/3 S. 3). Psychische Probleme wur- den nicht geltend gemacht. Somit bestand für das SEM keine Veranlas- sung, weitere Untersuchung bezüglich den beiden Kindern vorzunehmen. Die Beschwerdeführerin 2 machte anlässlich des Du blin-Gesprächs be- züglich ihrem medizinischen Sachverhalt geltend, sie habe Probleme mit D-4160/2022 Seite 6 dem (…) und (…). Sie hätte auch einen Termin bei einem Psychiater ge- habt. Dieser habe gesagt, sie habe einen Schock erlitten, weshalb diese Probleme wohl gravierender geworden seien (vgl. act. SEM 1187769-37/3 S. 3). Aus den bis zum vorinstanzlichen Asylentscheid vorliegenden ärztli- chen Berichten geht dazu hervor, dass bei der Beschwerdeführerin 2 Ein- und Durchschlafstörungen sowie sonstige Rückenschmerzen (…) diagnos- tiziert wurden. Zudem habe sie sich über Migräne und Schwindel beklagt (vgl. Ärztlicher Kurzbericht vom […]). Aufgrund dieser Angaben bezie- hungsweise der fehlenden Hinweise auf gravierendere gesundheitliche Probleme durfte das SEM in antizipierter Beweiswürdigung davon ausge- hen, dass auch in den damals noch ausstehenden ärztlichen Untersuchun- gen keine schwerwiegenden Diagnosen gestellt würden. Damit bestand keine Veranlassung, weitergehende Abklärungen zu tätigen beziehungs- weise fachärztliche Untersuchungen betreffend die Beschwerdeführenden abzuwarten. Das SEM ging zutreffend von einem erstellten medizinischen Sachverhalt aus. 4.5 Auch zum aktuellen Zeitpunkt geht das Gericht von einem erstellten Sachverhalt aus. Dem der Beschwerde beigelegten Konsultationsbericht vom (…) ist betreffend die Beschwerdeführerin 2 eine Rückenkontusion zu entnehmen und ein für die Besprechung der Röntgenaufnahmen und La- borwerte vereinbarter Folgetermin. Der Beschwerde (vgl. Beschwerde Ziff. II/3.5) zufolge leidet die Beschwerdeführerin 3 sodann an Albträumen und Angstzuständen. Damit sind auch zum gegebenen Zeitpunkt keine Hin- weise auf mögliche ernsthafte psychische Beschwerden der Kinder oder der Beschwerdeführerin 2 ersichtlich. Es ist in antizipierter Würdigung der gesamten Aspekte auch nicht zu erwarten, dass am Folgetermin der Be- schwerdeführerin 2 medizinische Befunde erhoben werden, welche in ent- scheidwesentlicher Hinsicht die nachstehende Einschätzung umzustossen vermöchten, weshalb für das Gericht keine Veranlassung besteht, weitere Abklärungen zu treffen oder eine allfällige medizinische Untersuchung ab- zuwarten. 4.6 Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet. Der Eventualan- trag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur N eubeurteilung ist abzuweisen. 5. 5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a D-4160/2022 Seite 7 Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kap itels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des in den Art. 23–25 Dublin-III-VO geregelten sogenannten Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt. Die Zuständigkeit be- ziehungsweise die Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil des EuGH [Grosse Kammer] vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 und C -583/17, EU:C:2019:280, Rn. 47–50; BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän- digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An- nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An- tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu- ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän- dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten An- trag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). 6. Die Beschwerdeführenden machen in der Rechtsmittelschrift mit Hinweis auf Berichte der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) und Amnesty In- ternational im Wesentlichen geltend, in Kroatien würden systemische Män- gel vorliegen . Das Asylverfahren in Kroatien leide an schwerwiegenden Mängeln und es sei fraglich, ob ihnen im Hinblick auf ihre Erlebnisse in D-4160/2022 Seite 8 Kroatien dort tatsächlich ein faires Asylverfahren gewährt werde und ob Verstösse gegen Art. 3 EMRK und Art. 4 der EU -Grundrechtecharta aus- zuschliessen seien. Soweit in der angefochtenen Verfügung ein spezielles Auffangzentrum in Kroatien für vulnerable Personen erwähn t werde, handle es sich dabei vermutlich um das Asylzentrum Kutina. Angesichts der hohen Zahl der Wegweisungen vulnerabler Personen nach Kroatien und der ukrainischen Flüchtlinge in Kroatien sei die Kapazität dieses Zent- rums zu gering. Zudem sei dieses Zentrum derzeit wegen Renovation ge- schlossen. Da keine Garantien oder Zusicherungen der kroatischen Behör- den vorliegen würden, sei nicht davon auszugehen, dass sie bei einer Wegweisung in das Privileg dieser Unterbringung kommen würden. Auch zeige der Umstand, dass nichtstaatliche Organisationen ein spezielles Zentrum aufgebaut hätten und Asylsuchende auf Unterstützung nichtstaat- licher Organisationen angewiesen seien, dass die Versorgung durch den Staat nicht sichergestellt sei. Aufgrund von Berichten von Menschenrechts- organisationen könne auch nicht davon ausgegangen werden, dass sie in Kroatien Zugang zur notwendigen medizinischen Behandlung hätten. Die Kinder würden unter den Erlebnissen, welche sie in Kroatien gemacht ha- ben, psychisch leiden. Im Falle einer Überstellung nach Kroatien würden sie eine Verletzung ihrer Grundrechte im Sinne von Art. 3 EMRK erleiden. Bei der Prüfung des Selbsteintritts aus humanitären Gründen habe das SEM zudem sein Ermessen unterschritten, indem es nicht auf die individu- ellen Vorbringen eingegangen sei und den Selbsteintritt lediglich pauschal mit einer textbausteinartigen Abhandlung geprüft habe. 7. 7.1 Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthalts- titel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO). Diese Bestimmung findet auch – wie vorliegend – im Falle der Weiterreise eines Antragstellers in einen anderen Mitgliedstaat bei noch nicht abgeschlossenem Zuständigkeitsverfahren Anwendung (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-Verordnung, 2014, K. 19 zu Art. 20). 7.2 Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführenden mit der Fingerabdruck-Datenbank ergab, dass diese am (…) in Kroatien Asylgesu-D-4160/2022 Seite 9 che eingereicht hatten. Das SEM ersuchte deshalb die kroatischen Behör- den am 26. August 2022 um Wiederaufnahme der Beschwer-deführenden. Die kroatischen Behörden stimmten dem Gesuch um Rückübernahme in- nert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist zu. Die grundsätz- liche Zuständigkeit Kroatiens ist damit gegeben und wird auf Beschwerde- ebene zu Recht auch nicht bestritten (vgl. insbesondere Beschwerde Ziff. II/3). 7.3 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli- che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe- dingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische Schwachstel- len aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU -Grundrechtecharta mit sich bringen würden. 7.3.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner- kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus der Richt- linie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber- kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie aus der Aufnahmerichtlinie ergeben. Die Vorinstanz hat im Sinne der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts zutreffend dargelegt, dass aktuell, auch unter Würdigung der in der Beschwerde erwähnten kritischen Berichten bezüglich dem kroatischen Asylverfahren, im Bereich der Wiederaufnah- meverfahren keine Gründe für die Annahme vorliegen, das Asylverfah ren und die Aufnahmebedingungen für Antragstellende in Kroatien würden sys- temische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin- III-VO aufweisen (vgl. dazu beispielsweise das Urteil des BVGer D-1418/2022 vom 4. April 2022 E. 5.2, m.w.H.). Auch unter Berücksichtigung der von de n Beschwerdeführenden geschil- derten Erlebnisse ist nicht davon auszugehen, Kroatien verstosse syste- matisch gegen seine vertraglichen Verpflichtungen. Die geltend gemachten Drohungen, Erniedrigungen und schlechten Auf nahmebedingungen, wel- che die Beschwerdeführenden bei ihrem Aufenthalt Kroatien erlebt hätten, rechtfertigen es nicht, davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr mit D-4160/2022 Seite 10 hoher Wahrscheinlichkeit Opfer einer unmenschlichen oder erniedrigen- den Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU - Grundrechtecharta werden. Bei Fehlverhalten einzelner Beamter oder von Privatpersonen könnten sie sich zudem an die zustä ndigen kroatischen Stellen wenden. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass sie bei einer Wegweisung nach Kroatien in eine existenzielle Notlage geraten könnten. Die geltend gemachten Erlebnisse stehen zudem im Zusammenhang mit ihrer illegalen Einreise nach Kroatien von Serbien aus. Diesbezüglich sieht sich Kroatien schon seit geraumer Zeit mit teils schweren Vorwürfen kon- frontiert. Diese Vorwürfe beziehen sich jedoch primär auf das Verhalten des Landes an seiner Aussengrenze zu Bosnien und Herzegowina und zu Serbien. Damit ist aber nichts zur vorliegend interessierenden Situation der Rückkehr nach Kroatien nach Durchlaufen eines Dublin-Verfahrens gesagt (vgl. Urteil des BVGer D -419/2022 vom 13. April 2022 E. 4.3). Bei einer Rücküberstellung nach Kroatien, würden die Beschwerdeführenden auf le- galem Weg in die Hauptstadt Zagreb überstellt. Zudem würden die kroati- schen Behörden vorgängig über die familiäre Situation informiert. Die Vor- instanz hat in Beachtung des Referenzurteils des Bundesverwaltungsge- richts E‑3078/2019 vom 12. Juli 2019 eine Einzelfallprüfung vorgenommen und ist unter Verweis auf Abklärungen durch die Schweizer Botschaft in Kroatien zu Recht zum Schluss gekommen, dass Personen, welche im Rahmen eines Dublin -Verfahrens nach Kroatien zurückgefüh rt werden, nicht von der problematischen Push-back-Praxis betroffen sind (vgl. Urteil des BVGer F-1653/2022 vom 21. April 2022 E. 6.3 m.w.H.). 7.3.2 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO nicht gerechtfertigt. 7.4 7.4.1 Soweit die Beschwerdeführenden vorbringen, sie seien gesundheit- lich angeschlagen und besonders vulnerabel, was einer Überstellung nach Kroatien entgegenstehe, ist festzuhalten, dass e ine zwangsweise Rück- weisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz aus- nahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellt. Dies ist insbe- sondere dann der Fall, wenn die betroffene Person sich in einem fortge- schrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäi- schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab-D-4160/2022 Seite 11 schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel- staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werd en, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Pa- poshvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 7.4.2 Eine solche Situation ist vorliegend offenkundig n icht gegeben. Der Beschwerdeführer 1 leidet an einer (…) und an einer (…) (vgl. Ärztlicher Kurzbericht vom […] und Beschwerde Ziff. II/3.5). Die Beschwerdeführerin 2 leidet an (…) (vgl. Ärztlicher Kurzbericht vom […]; Beschwerde Ziff. II/3.5 und Konsultationsbericht vom […] der [Nennung Institution] ). Auf Be- schwerdeebene wird zudem geltend gemacht, die Beschwerdeführerin 3 leide an Albträumen und Angstzuständen (vgl. Beschwerde Ziff. II/3.5). Diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind nicht von derartiger Schwere, dass sie die Feststellung der Unzulässigkeit im Sinne der restrik- tiven Rechtsprechung zu rechtfertigen vermöchten. Auch unter Berücksich- tigung des Hinweises in der Rechtsmitteleingabe auf allfällige Komplikatio- nen und Schwierigkeiten be im Zugang zu medizinischer Versorgung ist nicht davon auszugehen, dass Kroatien seinen Verpflichtungen im Rah- men der Dublin-III-VO in medizinischer Hinsicht in genereller Weise nicht nachkommen könnte beziehungsweise nicht nachkommen wollte. Die gel- tend gemachten Gesundheitsrisiken beziehungsweise Beschwerden könn- ten alsdann höchstens die Reisefähigkeit tangieren, welche im Zeitpunkt der tatsächlichen Überstellung konkret abzuklären ist. Weiter wird den ge- sundheitlichen Beschwerden der Beschwerdeführenden bei den Überstel- lungsmodalitäten Rechnung getragen werden (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Der aktuelle Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden führt somit für den Fall einer Überstellung nach Kroatien nicht zur Annahme einer drohen- den Verletzung von Art. 3 EMRK. 7.4.3 Es sind im Weiteren – entgegen der Behauptung der Beschwerde- führenden – keine Hinweise ersichtlich, welche im konkreten Fall ihrer Überstellung als Familie mit minderjährigen Kindern nach Kroatien entge- genstehen würden. In dieser Hinsicht sind keine Sachverhaltsumstände er- sichtlich gemacht, welche die vorinstanzlichen Feststellungen und Schlüsse betreffend das Vorhandensein von genügenden Aufenthaltsstruk- turen massgeblich erschüttern könnten. Auch wenn das Zentrum Katina – wie geltend gemacht – aufgrund von Renovationsarbeiten vorübergehend geschlossen wäre, ist Kroatien gehalten, für vulnerable Personen entspre-D-4160/2022 Seite 12 chende Ausweichmöglichkeiten bereitzustellen. Es darf im Falle der Be- schwerdeführenden davon ausgegangen werden, dass auch sie Zugang zu diesen Strukturen finden. Die Beschwerdeführenden sind jedoch gehal- ten, sich anlässlich ihrer Rückkehr auch an die in Kroatien zuständigen Be- hörden zu wenden, um ihre Rechte wahrzunehmen. Dies ist ihnen durch- aus zuzumuten. Die Beschwerdeführenden konnten sodann nicht darlegen und dem Gericht sind keine entsprechenden Berichte bekannt, wonach Kroatien nicht vorübergehend entsprechende Ausweichmöglichkeiten be- reitstellen würde. Selbst wenn sie vorübergehend in Erstaufnahmeeinrich- tungen untergebracht würden, könnten sie in dieser Zeit die ihnen notwen- digen Dienstleistungen, insbesondere medizinische und psychologische Betreuung, in Anspruch nehmen. 7.4.4 Im Zusammenhang mit dem Kindeswohl ist festzuhalten, dass Kroa- tien Signatarstaat der KRK ist, weshalb eine Überstellung nach Kroatien weder eine Verletzung von Art. 3 KRK noch Art. 3 EMRK bedeutet. Die dargelegte psychische Situation der Kinder überrascht aufgrund der von der Familie unternommenen Reise und der damit verbundenen Erlebnisse nicht. Gemäss Akten sind indes keine Hinweise auf unverzüglich behand- lungsbedürftige Beeinträchtigungen der Töchter ersichtlich. 7.4.5 Aufgrund des derzeitigen Erkenntnisstandes ist es nicht angezeigt, das SEM dazu zu verpflichten, bei den kroatischen Behörden Garantien dafür einzuholen, dass diese sich an die von ihnen eingegangenen völker- rechtlichen Verpflichtungen inklusive die adäquate und nahtlose medizini- sche Versorgung sowie eine nahtlose Unterbringung in den Strukturen für vulnerable Personen halten. 7.4.6 Nach dem Gesagten konnten die Beschwerdeführenden kein konkre- tes und ernsthaftes Risiko dartun, dass ihre Überstellung nach Kroatien die Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. 7.5 7.5.1 Es bleibt zu prüfen, ob eine Verletzung der Souveränitätsklausel vor- liegt. 7.5.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der Anwendung der Kann -Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitions- beschränkung durch die Asylgesetzrevision v om 1. Februar 2014 (Strei- chung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts ge- mäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den vor-D-4160/2022 Seite 13 instanzlichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht mehr auf Angemessenheit hin ; das Gericht beschränkt seine Beurteilung nunmehr im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbe- züglich korrekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung getragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). 7.5.3 Das SEM hat gewürdigt, dass es sich bei den Beschwerdeführenden um eine Familie mit Kindern handelt , und ihre gesundheitliche Situation berücksichtigt. Da die diesbezügliche Auseinandersetzung der Vorinstanz insgesamt nicht zu bemängeln sind, hält die angefochtene Verfügung auch unter dieser Optik einer Prüfung stand (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/9). Aus dem redaktionellen Fehler (Nennung falscher Namen) vermögen die Beschwerdeführenden nichts zu ihren Gunsten ab zuleiten. Ferner ist of- fenkundig, dass das SEM die Verfügung nicht bloss mit pauschalen Text- bausteinen abgehandelt hat. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern das SEM den spezifischen Umständen des Einzelfalles nicht Rechnung getragen haben sollte. Dass die Beschwerdeführenden in ihrer Einschätzung bezüglich Selbsteintritt zu einer anderen Beurteilung gelangen, ist nicht genügend, um von einer Ermessensunterschreitung und entsprechend einer Rechts- verletzung auszugehen. 7.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein Grund für einen Selbst- eintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO vorliegt. Kroatien bleibt somit zuständiger Mitglied- staat gemäss Dublin-III-VO und ist verpflichtet, die Beschwerdeführenden wiederaufzunehmen. 8. Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. Da die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungsbewilligung sind, wurde die Überstellung nach Kroa- tien in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). Unter diesen Umständen sind allfällige Vollzugs- hindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen, da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Vorausset- zung des Nichteintretensentscheids gemäss Art. 31a A bs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). D-4160/2022 Seite 14 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 10. 10.1 Der am 20. September 2022 verfügte Vollzugsstopp fällt mit dem vor- liegenden Urteil dahin. 10.2 Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses gegenstandslos geworden. 10.3 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. 10.4 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-4160/2022 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Matthias Schmutz Versand: