2020 Anwalts- und Notariatsrecht 421 In Erw. 4 des Entscheids gelangte das Verwaltungsgericht zum Schluss, eine Nichtanerkennung des bernischen Fähigkeitsausweises als Notarin wäre aufgund der konkreten Umstände des Einzelfalls unverhältnismässig. 44 Verletzung von Berufspflichten Ein Anwalt, der sich weigert, der Klientin eine detaillierte Abrechnung zu erstellen, verletzt die Berufspflichten, unabhängig davon, ob ein Pauschalhonorar vereinbart wurde. Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 11. Februar 2020, in Sachen A. gegen Anwaltskommission (WBE.2019.327). Aus den Erwägungen 3. 3.1. Das BGFA regelt in Art. 12 die Berufspflichten der Anwältinnen und An wälte. Nach Art. 12 lit. i BGFA muss der Anwalt die Klientschaft bei Übernahme des Mandats über die Grundsätze seiner Rechnungsstellung aufklären und periodisch oder auf Verlangen über die Höhe des geschuldeten Honorars informieren. Die Pflicht des Anwalts, auf Verlangen detailliert Rechnung zu stellen, ergibt sich bereits aus Art. 400 Abs. 1 OR. Die Klienten können zu jeder be liebigen Zeit eine detaillierte Zwischenabrechnung verlangen. Ob die A brechnung nach Meinung des Anwalts tunlich, notwendig oder ange bracht ist, ist nicht von Bedeutung. Der Klient kann auch nach Bezahlung des Honorars noch ein legitimes Interesse an der Detaillierung der Rechnung ha ben, beispielsweise im Hinblick auf ei n weiteres Mandat bei demselben Rechtsanwalt oder zum Vergleich mit Honoraren anderer Anwälte (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni 2012 [2C_133/2012], 422 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2020 Erw. 4.3.2; WALTER FELLMANN, in: WALTER FELLMANN/GAUDENZ G. ZINDEL [Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgeset z, 2. Auflage, Zürich 2011, Art. 12 N 172). 3.2. Die Detaillierung der Rechnung bezweckt, dass die Angemessenheit des Honorars bzw. der in Rechnung gestellten Forderungen überprüft werden kann. Die detaillierte Abrechnung hat deshalb die einzelnen Bemühung en und die jeweils dafür aufgewendete Zeit auszuweisen. Die Rechenschafts pflicht des Anwalts gilt auch bei der Vereinbarung eines Pauschalhonorars, denn die Überprüfung der Angemessenheit des Honorars ist nur mit einer Abrechnung möglich, welcher die einz elnen Bemühungen und die dafür aufgewendete Zeit entnommen werden kann. Es genügt deshalb nicht, le diglich die Gesamtzeit anzu geben (vgl. WALTER FELLMANN, Anwaltsrecht, 2. Auflage, Bern 2017, N 506; BARBARA KLETT, Aufklärungspflicht des Anwalts und Folgen ihrer Verletzung, in: STEPHAN WEBER/WALTER FELLMANN [Hrsg.], HA VE Haftpflichtprozess 2017, Zürich 2017, S. 49). Der Rechenschaftsanspruch des Mandanten ist unver zichtbar, wes halb der Rechtsvertreter seine Berufstätigkeit derart zu orga nisieren hat, dass er den genannten Pflichten jederzeit nachkommen kann. Über - prüfbar ist das Honorar insbesondere nicht, wenn keine Aufzeichnun- gen vorliegen oder diese vorzeitig vernichtet werden (vgl. MARKUS BORLE, V orprozessuale Anwaltskosten – es führt kein Weg an der Substanziierung vorbei, in: HA VE 1/2012, S. 8; KARL-FRANZ SPÄH, Aus der neueren Rechtsprechung der Aufsichts kommission über die Rechtsanwälte, in: SJZ 91/1995, S. 405). 4. Mit V ollmachten vom 11. April 2017 mandatierte die Anzeigerin den Be schwerdeführer betreffend Eheschutz und Ehescheidung. Gleichentags unterzeichnete sie eine Honorarvereinbarung, mit welcher u.a. ein Stun denansatz von Fr. 350.00 pro Stunde vereinbart wurde. Für das Eheschutz verfahren und die vorprozessualen Bemühungen stellte der Beschwerdeführer der Anzeigerin am 18. Juli 2017 eine detaillierte Honorarabrechnung zu. 2020 Anwalts- und Notariatsrecht 423 Während der V orbereitung des anschliessenden Scheidungsverfahrens kam es zu Differenzen zwischen der Anzeigerin und dem Beschwerde führer. Im Schreiben vom 19. Oktober 2017 warf dieser deshalb die Frage auf, ob die Anzeigerin an der Zusammenarbeit mit ihm festhalten wolle. Zu den Kosten führte er Folgendes aus: "Ausgehend von einem zu Ihren Gunsten reduzierten Streitwert von CHF 500'000.00 – effektiv sind Ihre gü terrechtlichen Ansprüche doppelt so hoch – wird sich mein Honorar bis Abschluss des Ehescheidungsverfahrens auf ca. CHF 34'000.00, nämlich Honorar CHF 30'800.00, Auslagen und MWSt beziffern. In diesem Honorar wären meine bisherigen, für Sie seit 13. Juli 2017 erbrachten Bemühungen, die Ausfertigung der Ehescheidungskonvention, alle Korrespondenz, die spä tere, nach Abschluss der Ehescheidungskonvention auszufertigende Klage an das Bezirksgericht Bremgarten, meine Teilnahme an der dann folgen- den Verhandlung vor Bezirksgericht Bremgarten bis dann Erlass des Ehescheidungsurteils enthalten. (…) Diese Kostenschätzung basiert wie er wähnt auf der V orgabe wie damit Annahme, dass eine vollständige Ehescheidungskonvention effektiv unterzeichnet werden kann, selbs tverständlich wären die Kosten in einem sogenannt strittigen Ehescheidungsverfah ren mit dann zusätz lichen Rechtsschriften und Verhandlungen natürlich (nicht unerheblich) höher (…). Ich bin bereit und gewillt, Sie unter diesen V orgaben weiter an waltlich zu vertreten, weshalb Sie mir das beiliegende Briefdoppel dann unterzeichnet retournieren wollen, wenn Sie weiter mit mir zusammen arbeiten möchten (…). Selbstverständlich würde ich Sie dann im Folgenden rechtzeitig informieren, wenn sich meine Kostenschätzung als nicht richtig, so beispielhaft eben dann überholt erweisen würde, wenn der Abschluss einer Ehescheidungskonvention wider unserer aktuel len Erwartung doch nicht möglich und so ein strittiges Ehescheidungsver fahren durchzuführen sein sollte (…)" . Die Anzeigerin unterzeichnete dieses Schreiben am 27. Oktober 2017. Nach Abschluss des Ehescheidungsverfahrens stellte der Beschwerdeführer der Anzeigerin am 20. März 2018 die Honorarnote für seine Be mühungen im Ehescheidungsverfahren zu 424 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2020 (13. Juli 20 17 bis 20. März 2018). Darin werden das Honorar von Fr. 30'800.00 und Auslagen in Höhe von Fr. 769.10 aufgeführt. Das Honorar enthält die Klammerbemerkung "gemäss Vereinbarung vom 19./27.10.2017", die Auslagen werden wie folgt spezifiziert: "für Porti, Ko pien, Telefon, Mails, Grundbuchauszüge, Fami lienschein, Deplacement Wohlen -Bremgarten-Wohlen vom 28.02.2018, Parkgebühren, Archivierung etc.". In den Akten finden sich mehrere Hinweise darauf, dass die Anzeigerin den Beschwerdeführer um eine detaillierte Abrechnung seiner Aufwendungen ersuchte: Entsprechend der Anzeige hat sie den Beschwerdeführer mehr mals aufgefordert, ihr wie im Eheschutzverfahren eine Abrechnung zuzu stellen. Auch der Anwalt, welchen die Anzeigerin betreffend Honorar forderung mandati ert hatte, forderte den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 16. Mai 2018 auf, eine nachvollziehbare und detaillierte Rechnung für seine Bemühungen und Auslagen zuzustellen. Der Be schwerdeführer räumt ein, diesem Ersuchen nicht nachgekommen zu sein. 5. Die Anzeigerin ersuchte den Beschwerdeführer erwiesenermassen um Er stellung einer detaillierten Honorarabrechnung. Dieser Aufforderung ist er nicht nachgekommen. Die Rechnung vom 20. März 2018 genügt den An- forderungen von Art. 12 lit. i BGFA nicht, da sie ke inerlei Angaben zur Zu sammensetzung der verrechneten Honorarsumme und der Summe der Auslagen enthält. Die Anzeigerin wird damit nicht in die Lage versetzt, die Angemessenheit des Honorars zu überprüfen. Hinzu kommt, dass der Be schwerdeführer entgegen sei nen Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde das Honorar in der Höhe von CHF 30'800.00 ursprünglich selbst als Kostenschätzung qualifizierte und der Anzeigerin in Aussicht stellte, sie rechtzeitig zu informieren, falls sich die Kostenschätzung n icht als richtig bzw. aufgrund der Umstände als überholt erweisen sollte. Die Vereinbarung zwischen der Anzeigerin und dem Beschwerdeführer lässt somit auf eine Abrechnung nach Aufwand schliessen und nicht auf die Vereinbarung eines Pauschal honorars. Unabhängig davon muss die Überprüfbarkeit der Rechnung so wohl 2020 Anwalts- und Notariatsrecht 425 bei der Vereinbarung eines Stundenansatzes als auch eines Pau - schalhonorars ohnehin gewährleistet sein. Aufgrund von Art. 12 lit. i BGFA wäre der Beschwerdeführer dazu verpflichtet gewesen, der Anzeigerin auf ihre Aufforderung hin eine detaillierte Zu sammenstellung seiner Aufwendungen zu erstellen. Keine Rolle spielt da bei die Art des vereinbarten Honorars (Stunden- oder Pauschalhonorar). Indem es der Beschwerdeführer unterlassen hat, der Anzeigerin auf ihr Verlangen hin eine detaillierte Honorarabrechnung zuzustellen, hat er Be rufspflichten (Art. 12 lit. i BGFA) verletzt. (Anmerkung: Das Bundesgericht hat eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten m it Urteil vom 3. Juli 2020 [2C_314/2020] abgewiesen, soweit es darauf eingetreten ist.) 45 Notariatstarif  Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts im Klageverfahren für Forderungen aus der Beurkundungstätigkeit  Unterbleibt die Beurkundung aus Gründen, welche die Urkundsperson nicht zu vertreten hat, ist sie zur Honorarstellung berechtigt; im Verhältnis zu einer vollzogenen Beurkundung erfolgt eine angemessene Herabsetzung. Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 28. April 2020, in Sachen A. gegen B. (WKL.2020.3). Aus den Erwägungen I. 1. Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden verwaltungsrechtlichen Klage ergibt sich aus § 74