<h2>SubmittedText<h2><p>Ich stelle dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Welche präventiven und aufklärenden Anstrengungen unternimmt der Bund, um - in Ergänzung der Gastgewerbe-Kampagne zur besseren Durchsetzung der entsprechenden Gesetze - den beträchtlichen Alkoholkonsum bei Jugendlichen zu senken?</p><p>2. Welche personellen und finanziellen Mittel stehen dem Bund für diese Aufgabe - in Koordination mit den Kantonen, Gemeinden und Partnerorganisationen - zur Verfügung?</p><p>3. Besteht ein Zusammenhang zwischen dem im europäischen und internationalen Vergleich hohen Alkoholkonsum pro Kopf in der Schweiz und dem hohen Konsum bei Jugendlichen?</p><p>4. Bei gegebenem Zusammenhang, welche Aktionen plant der Bund, um den Durchschnittskonsum von Alkohol in der Schweizer Bevölkerung zu senken?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>In der Schweiz gibt es rund 150 000 Alkoholkranke. Der Alkoholmissbrauch kostet jährlich rund 3000 Menschen das Leben. Er verursacht beträchtliche gesundheitliche Schäden. So ist in internistischen Spitalabteilungen bei männlichen Patienten im erwerbsfähigen Alter "Alkoholismus" die häufigste Diagnose. Die wirtschaftlichen Kosten werden jährlich auf 3 Milliarden Franken geschätzt. Zusätzlich kommen nicht messbare soziale Belastungen hinzu.</p><p>Der Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen ist besonders problematisch:</p><p>- Bei Kindern und Jugendlichen führen bereits tiefere Alkoholkonzentrationen im Körper zur körperlichen Schwäche als bei Erwachsenen.</p><p>- Bei jugendlichen Mofafahrern steht die fehlende fahrtechnische Routine oft einer erhöhten Risikofreudigkeit gegenüber. Alkoholkonsum kombiniert mit diesem Umstand erhöht das Unfallrisiko beträchtlich.</p><p>- Der Konsum von alkoholischen Getränken im Jugendalter erhöht die Gefahr, später einmal alkoholabhängig zu werden (d. h., je früher der Konsum beginnt, desto häufiger, früher und stärker die Abhängigkeit mit den entsprechenden Schädigungen).</p><p>- Alkoholkonsum ist oft verbunden mit dem Konsum von weiteren Suchtmitteln. Die Kombination von mehreren Suchtmitteln, wie Alkohol, Medikamente oder Drogen, (Polytoxikomanie) stellt ein zusätzliches Problem dar.</p><p>Aus diesen Gründen ist es für Jugendliche bis 16 Jahre ratsam, gar keinen Alkohol zu konsumieren.</p><p>1. Bei der Unterstützung der Alkoholprävention hat der Bund das Subsidiaritätsprinzip zu beachten: Die erzieherische Prävention fällt grundsätzlich in die Zuständigkeit der Kantone sowie der privaten Organisationen und Institutionen. Sie haben die betreffenden Massnahmen zum grössten Teil auch selber zu finanzieren. Im weiteren stehen ihnen gewisse Mittel aus dem sogenannten Alkoholzehntel (10 Prozent des Reinertrages der Eidgenössischen Alkoholverwaltung sowie aus der Rechnung dieses Regiebetriebes, Art. 43a des Alkoholgesetzes, rund 700 000 Franken) zur Verfügung. Schliesslich unterstützt der Bund direkt bestimmte Präventionsprojekte auf nationaler oder regionaler Ebene.</p><p>Gegenwärtig werden vom Bund folgende Präventionsprojekte für Jugendliche mitfinanziert, die sich auch an Kinder und Jugendliche richten:</p><p>- Beim Projekt "Schüler Multiplikatoren Alkohol und Tabak" (SMAT) werden Schüler ausgebildet, damit sie ihre Mitschüler zu gesundheitsbewusstem Verhalten im Umgang mit Alkohol und Tabak anhalten.</p><p>- Die Kampagne "Spass im Glas - mit Mineral, Most und Milch" bezweckt, auf ansprechende Art und Weise alkoholfreie Getränke für den Gast in Gaststätten des Kantons Bern attraktiver zu gestalten.</p><p>- Die Schweizer Ärztegesellschaft (FMH) entwickelt (zusammen mit Partnern) ein Fortbildungsprogramm, damit Ärztinnen und Ärzte bei ihren Patienten (Jugendliche eingeschlossen) einen problematischen Alkoholkonsum frühzeitig (d. h. vor der Abhängigkeitsentwicklung) erkennen und entsprechend sekundär präventiv einwirken können.</p><p>2. In der Bundesverwaltung ist es vor allem das Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG), welches sich mit der Alkoholprävention bei Jugendlichen befasst.</p><p>In der Sektion Alkohol- und Tabakfragen des BAG stehen zurzeit drei Mitarbeitende für die Alkoholprävention zur Verfügung. Diese betreuen auch das Sekretariat der Eidgenössischen Kommission für Alkoholfragen (EKA) und überwachen die Verwendung des Alkoholzehntels durch die Kantone. Dem BAG stehen für die Alkoholprävention insgesamt für das Jahr 1994 rund 300 000 Franken zur Verfügung.</p><p>Berücksichtigt man die grosse Bedeutung der alkoholbedingten negativen gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen für die Schweizer Bevölkerung, so nehmen sich die personellen und finanziellen Mittel des Bundes bescheiden aus.</p><p>3. Das Trinkverhalten Jugendlicher ist nicht unabhängig von jenem der Gesamtgesellschaft. Es ist sogar eine wesentlich von der Gesellschaft mitgeprägte Verhaltensweise. Wie neuere Zahlen der Schweizerischen Gesundheitsbefragungen und der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) zeigen, scheint sich der in den letzten Jahren festzustellende Rückgang des Durchschnittskonsums der Gesamtbevölkerung auch im Trinkverhalten der Jugendlichen widerzuspiegeln. Wie die Interpellantin zutreffend ausführt, ist der Alkoholkonsum bei Jugendlichen aber nach wie vor stark verbreitet und beginnt relativ früh. Bereits 60 Prozent der 11- bis 12jährigen und 90 Prozent der 15- bis 16jährigen haben Erfahrungen mit Alkohol. 25 Prozent der Knaben und 7 Prozent der Mädchen im Alter von 10 Jahren geben an, wenigstens einmal pro Woche Alkohol zu konsumieren. In der Altersklasse 15 bis 19 Jahre belaufen sich diese Anteile auf über 40 Prozent bei Knaben und 25 Prozent bei Mädchen.</p><p>4. Der Bund ist bestrebt, auch im Sinne des von der Schweiz unterstützten Europäischen Aktionsplans Alkohol der WHO, den Problemkonsum und damit auch den Durchschnittskonsum in der Schweizer Bevölkerung zu senken. Deshalb sollte unter anderem in der breiten Öffentlichkeit der verantwortungsbewusstere Umgang mit Alkohol gefördert werden.</p><p>Dieses Ziel bezieht sich sowohl auf die Menge des konsumierten Alkohols wie auch auf das Trinken in nicht adäquaten Situationen (z. B. Alkohol am Steuer, am Arbeitsplatz, im Haushalt, bei Freizeittätigkeiten mit erhöhtem Risiko wie Velofahren, Skifahren, Gleitschirmspringen usw.).</p><p>Der Bundesrat ist sich der grossen Bedeutung der Alkoholprävention für die Volksgesundheit bewusst. Er hat sich deshalb in der Legislaturplanung 1991-1995 für einen Ausbau der Alkoholprävention ausgesprochen. Ein verstärktes Engagement des Bundes bedingt allerdings auch mehr Mittel. Eine Aufstockung der Mittel für den Ausbau der Alkoholprävention ist im Budget 1995 angesichts der prekären Situation der Bundesfinanzen nicht vorgesehen. Der Bundesrat hat das Eidgenössische Finanzdepartement beauftragt, die Verfassungsgrundlage der Alkoholpolitik zu überprüfen und ein Konzept für die gesundheitspolitisch ausgerichtete Suchtmittelbewirtschaftung vorzulegen.</p>  Antwort des Bundesrates.