Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 8. Juni 2016 (810 15 196) ____________________________________________________________________ Anwaltsrecht Staatszugehörigkeit als Kriterium für die Erteilung des Anwaltspatents Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Stefan Schulthess, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret , Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Stefan Suter Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Alain Joset , Advokat gegen Anwaltsaufsichtskommission Basel -Landschaft , Kantonsgericht , Bahnhofplatz 16, Postfach 635, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Betreff Anwaltspatent (Beschluss der Anwaltsaufsichtskommission Basel-Landschaft vom 8. Juni 2015) A. Der deutsche Staatsangehörige A.____, zum damali gen Zeitpunkt in B.____ (D) wohnhaft, meldete sich am 28. Mai 2014 zu den Herbs texamen 2014 der Anwaltsprüfung im Kanton Basel-Landschaft an. Die Anwaltsprüfungskomm ission des Kantons Basel-Landschaft bestätigte mit Schreiben vom 4. Juni 2014 die Zulas sung zur Prüfung und wies ihn gleichzeitig Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht darauf hin, dass das Anwaltspatent gemäss der Regelung im kantonalen Anwaltsgesetz nur Bewerberinnen und Bewerbern erteilt werde, welche da s schweizerische Bürgerrecht oder die schweizerische Niederlassung besässen. Das Anwaltspatent könne ihm im Falle des Bestehens der Prüfung erst erteilt werden, wenn er seinen Wohnsitz in die Schweiz verlegt habe. B. Die Anwaltsprüfungskommission wertete A.____s Prüfu ng in der Folge als bestan- den und überwies die Angelegenheit mit Schreiben vo m 9. Januar 2015 an die Anwaltsauf- sichtskommission des Kantons Basel-Landschaft zur Prüfung der Frage, ob A.____ das An- waltspatent erteilt werden könne. C. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs entschied die An waltsaufsichtskommissi- on mit Beschluss vom 8. Juni 2015 (Versand an die Wohna dresse am 25. Juni 2015 mittels eingeschriebener Briefpost mit Rückschein), dass die Ertei lung des Anwaltspatentes an A.____ aufgeschoben werde bis zum Vorliegen sämtlicher gesetzli cher Voraussetzungen. Zur Begrün- dung wurde zusammenfassend ausgeführt, das kantonale Anwaltsgesetz setze für die Erteilung des Anwaltspatents unter anderem voraus, dass Bewerber d as schweizerische Bürgerrecht oder die schweizerische Niederlassung besässen. A.____ ver füge weder über das eine noch das andere. Mit der schweizerischen Niederlassung sei v om Gesetz klarerweise eine Nieder- lassungsbewilligung im Sinne des Ausländergesetzes gemei nt, weshalb eine schlichte Wohn- sitznahme in der Schweiz nicht ausreiche. Es entspreche eine r gängigen Praxis, dass für den Erwerb des Anwaltspatentes neben der juristischen Fachke nntnis auch eine gewisse persönli- che Vertrautheit mit den hiesigen Verhältnissen verlang t werde. Aufgrund des eindeutigen Aus- legungsergebnisses könne A.____ - obwohl er die übrige n gesetzlichen Voraussetzungen dazu erfülle - das Anwaltspatent des Kantons Basel-Landschaft zur Zeit nicht erteilt werden. D. Gegen diesen Beschluss hat A.____ mit Eingabe vom 7. Juli 2015 beim Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Ka ntonsgericht), Beschwerde erhoben mit den Begehren, der angefochtene Beschluss sei aufzuheben u nd ihm sei das Anwaltspatent zu erteilen. Eventualiter sei das Anwaltspatent bei Wohnsi tznahme des Beschwerdeführers in der Schweiz zu erteilen. Dies habe unter o/e-Kostenfolge z u geschehen. In seiner Beschwerdebe- gründung vom 5. Oktober 2015 rügt der Beschwerdeführ er, nunmehr vertreten durch Alain Jo- set, Advokat, die Vorinstanz habe den Wortlaut des Gesetzes hinsichtlich der geforderten schweizerischen Niederlassung falsch ausgelegt. Die richtig e Auslegung führe zum Ergebnis, dass für die Erteilung des Anwaltspatentes keine auslände rrechtliche Niederlassungsbewilli- gung, sondern lediglich eine Wohnsitznahme oder die Begründung eines Geschäftssitzes in der Schweiz vorausgesetzt werde. In seinem Falle bestehe oh nehin kein öffentliches Interesse, am Bürgerrechtserfordernis starr festzuhalten, verfüge er do ch über einen engen Bezug zur Schweiz und sei mit den hiesigen Verhältnissen bestens vert raut. Er wohne im grenznahen Ausland und habe sich in den letzten Jahren praktisch tägli ch in der Schweiz aufgehalten. So habe er in der Schweiz ein juristisches Studium abgeschloss en und darüber hinaus ein juristi- sches Volontariat im Kanton Basel-Landschaft absolviert. Der angefochtene Entscheid halte des Weiteren auch vor dem übergeordneten Recht nicht St and, denn das Freizügigkeitsab- kommen mit der Europäischen Union verbiete beim Zugan g zu einer Erwerbstätigkeit die Dis- kriminierung von EU-Bürgern aufgrund der Staatsangehörigkeit. Ungeachtet dessen verfüge der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer auch über einen Anspruch auf Vertrauensschutz, da er sich auf die schriftlich erteilte Auskunft der Anwaltsprüfungskommission habe ve rlassen dürfen, wonach ihm bei einer Verlegung seines Wohnsitzes in die Schweiz das Anwaltspatent erteilt werde. E. In ihrer Vernehmlassung vom 7. Dezember 2015 beant ragt die Anwaltsaufsichts- kommission die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde un ter o/e-Kostenfolge. Sie ver- weist in erster Linie auf die Erwägungen des angefoch tenen Beschlusses und betont, dass das Gesetz mit dem Begriff der schweizerischen Niederlassung ein en eindeutigen Wortlaut verwen- de, von dem nicht abgewichen werden dürfe. Bezüglich d es bemängelten Verstosses gegen das Freizügigkeitsabkommen sei festzuhalten, dass es im vorliegenden Verfahren um die Ertei- lung eines Fähigkeitsausweises gehe und nicht um das grundsätzliche Recht auf Aufenthalt und Zugang zu einer Erwerbstätigkeit. Ausserdem halte sich d er Beschwerdeführer nicht im Ho- heitsgebiet der Schweiz auf, weshalb das Freizügigkeitsabkommen nicht anwendbar sei. F. Der Beschwerdeführer repliziert an 21. Januar 2016 und gibt unter anderem be- kannt, dass er mittlerweile über eine Anstellung an de r Universität C.____ verfüge und per 1. Februar 2016 seinen Wohnsitz nach D.____ (CH) verlege, weshalb er ab diesem Datum eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA vorweisen könne. Damit erfülle er die Kriterien für die Erteilung des Anwaltspatents im Kanton Basel-Landschaft und er kö nne sich auch auf das im Freizügig- keitsabkommen statuierte Diskriminierungsverbot berufen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 i.V.m. § 28 des An waltsgesetzes Basel-Landschaft (Anwaltsgesetz, AnwG) vom 25. Oktober 2001 ist gegen E ntscheide der Anwaltsaufsichtskom- mission die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kanton sgericht zulässig. Der Beschwer- deführer hat die Beschwerde innert 10 Tagen nach Erhalt des Entscheids formgerecht erhoben, er ist als Adressat vom angefochtenen Beschluss berührt un d hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. 2. Vorab stellt sich die Frage, ob der Beschluss der Anwa ltsaufsichtskommission vom 8. Juni 2015 Rechtswirkungen zeitigt. 2.1 Damit eine Verfügung überhaupt wirksam werden kann , muss sie gehörig eröffnet werden. Die Eröffnung ist eine einseitige empfangs-, aber nicht annahmebedürftige Rechts- handlung, welche dem Empfänger die individuelle Kenn tnisnahme des Verfügungsinhalts er- möglicht. Die tatsächliche und korrekte Eröffnung ist dabei grundlegende Voraussetzung für die Gültigkeit. Eine nicht eröffnete Verfügung gilt als nicht existent und ihre Unwirksamkeit ist jeder- zeit und von sämtlichen staatlichen Instanzen von Amtes weg en zu beachten; ihre Nichtigkeit kann auch im Rechtsmittelverfahren festgestellt werden (FELIX UHLMANN /ALEXANDRA SCHILLING - SCHWANK , in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar zum VwVG, 2. Aufl., Zürich 2016, Rz. 2 ff. zu Art. 34 VwVG; J ÜRG STADELWIESER , Die Eröffnung von Verfügungen, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht St. Gallen 1993, S. 171; BGE 137 III 217 E. 2.4.3; BGE 132 II 342 E. 2.1; Urteil des Kantonsge- richts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 20. Mai 2015 [810 14 263] E. 3.1). 2.2 Wesentliche Teilhandlung im Rahmen des Eröffnungsvo rgangs einer Verfügung ist deren Zustellung an den Verfügungsadressaten. Diese e rfolgt in der Regel auf postalischem Weg, sei es mit eingeschriebener oder uneingeschriebener Sendung oder mittels Gerichtsur- kunde. Die Zustellung ist dabei als staatlicher Hoheitsa kt zu qualifizieren, wobei die Postzustel- lung einem eigentlichen hoheitlichen Tätigwerden am Ort des Empfangs gleichgestellt wird (STADELWIESER , a.a.O., S. 88 und S. 196 f.). Spezielle Regeln gelten für die Zustellung von Ver- fügungen ins Ausland, denn nach international weit ver breitetem und auch von der Schweiz geteiltem völkerrechtlichem Verständnis gilt die Zustell ung gerichtlicher und aussergerichtlicher Urkunden als ein dem betreffenden Staat auf seinem Ter ritorium vorbehaltener Hoheitsakt (ANNE PETERS , Völkerrecht: Allgemeiner Teil, 3. Aufl., Zürich 201 2, S. 146 f.; J ÖRG PAUL MÜLLER /LUZIUS WILDHABER , Praxis des Völkerrechts, 3. Aufl., Bern 2001, S. 428; Gutachten der Direktion für Völkerrecht vom 10. April 2000, in: VPB 66 (2002) Nr. 128 Ziff. 1; BGE 105 Ia 307 E. 3b; BGE 103 III 1 E. 2b). Das völkerrechtliche Prin zip der staatlichen Souveränität hat zur Folge, dass den Territorialstaaten die Ausübung der He rrschaft in ihrem jeweiligen Gebiet zu- kommt. Das Völkerrecht schliesst schweizerisches Verwaltungsh andeln im Ausland somit grundsätzlich aus. Eine direkte postalische Zustellung ins A usland ist deshalb grundsätzlich nicht zulässig, ausser, wenn ein Staatsvertrag mit dem en tsprechenden Staat dies vorsieht. Davon abgesehen stellt eine direkte Zustellung von Verfügungen ins Ausland ohne Einwilligung oder Vermittlung des fremden Staates eine Verletzung der territorialen Integrität des betroffenen Staates dar und ist in der Regel nichtig (BGE 142 III 355 E. 3.3.3; BGE 135 III 623 E. 2 f.; BGE 131 III 448 E. 2; BGE 124 V 47 E. 3a; BGE 105 IA 307 E. 3b; VERA MARANTELLI /SAID HUBER , in: Praxiskommentar VwVG, a.a.O., Rz. 6 zu Art. 11b VwVG; R ES NYFFENEGGER , in: Auer/Müller/ Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Ve rwaltungsverfahren, Zürich 2008, Rz. 4 zu Art. 11b VwVG; U LRICH HÄFELIN /GEORG MÜLLER /FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwal- tungsrecht, 7. Aufl., Zürich 2016, Rz. 1124). Am Eröff nungsmangel ändert auch nichts, dass etliche Behörden trotz dieses Grundsatzes die direkte Post zustellung vornehmen und diese in der Praxis auch funktioniert, solange der Verfügungsadr essat beziehungsweise der ausländi- sche Staat nicht dagegen intervenieren (KGE VV vom 20. Mai 2015 [810 14 263] E. 3.5; STADELWIESER , a.a.O., S. 214). 2.3 Die direkte Zustellung von Verfügungen an einen Adressaten mit Zustelldomizil im Ausland kommt nur dann in Frage, wenn ein Staatsvertra g dies gestattet. So ist es den Behör- den im Rahmen der bilateralen Abkommen zwischen der S chweiz und der Europäischen Union im Bereich der sozialen Sicherheit gestattet, direkt mit Adressaten in anderen Abkommensstaa- ten zu verkehren (vgl. Art. 84 Abs. 3 der Verordnung E WG Nr. 1408/71 in der Fassung von An- hang II zum Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten einerseits und der schweizerischen Eidgenoss enschaft andererseits über die Freizügigkeit [Freizügigkeitsabkommen, FZA]). Im Übrig en bestehen im Bereich des Verwal- tungsrechts - abgesehen von einzelnen vorliegend nicht einschlägigen Ausnahmen im Bereich des Steuerrechts und des Sozialversicherungsrechts - im Gegen satz zu den Rechtsgebieten Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Handels- und Zivilrechts sowie des Strafrechts, in welch en die Schweiz mit anderen Natio- nen diverse Übereinkommen bezüglich der Zustellung geri chtlicher Akten geschlossen hat, kei- ne von der Schweiz ratifizierten Staatsverträge, welche die Zustellung von Verfügungen oder Entscheiden ins Ausland zum Gegenstand haben (Gutachte n der Direktion für Völkerrecht vom 10. April 2000, a.a.O., Ziff. 1; K ASPAR PLÜSS , in: Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungs- rechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl., Zürich 2014, Rz. 5 zu § 6b VRG; NYFFENEGGER , a.a.O., Rz. 5 zu Art. 11b VwVG). Liegt weder ein e ntsprechender Staatsvertrag noch die Bezeichnung eines Zustelldomizils in der Schweiz vor, haben behördliche Mitteilungen ins Ausland auf dem diplomatischen oder konsularischen We g zu erfolgen. Davon ausgenom- men sind lediglich Mitteilungen ohne rechtsgestaltend e Wirkung, wie etwa die ohne Androhung von Rechtsnachteilen ergehende Empfehlung an eine Partei, ein Prozessdomizil in der Schweiz zu errichten (Bericht des Bundesamtes für Justiz vom 14. M ärz 2011 zu Rechtsfragen im Zu- sammenhang mit der Zusammenarbeit mit ausländischen Behö rden, S. 43 f. [abrufbar unter www.bj.admin.ch]; MARANTELLI /HUBER , a.a.O., Rz. 6 zu Art. 11b VwVG; P LÜSS , a.a.O., Rz. 8 zu § 6b VRG). 2.4 Gemäss § 19 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes Ba sel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 werden Verfügungen den Partei en bzw. deren Vertretungen und der Vorinstanz schriftlich eröffnet. Das Verwaltungsverfahre nsgesetz stellt keine Vorschriften be- züglich der Beförderung und Zustellung von Verfügungen auf (vgl. KGE VV vom 20. Mai 2015 [810 14 263] E. 4.3 zur de lege lata unbefriedigende n Situation bei Parteien mit Auslanddo- mizil). Es stehen daher grundsätzlich mehrere Möglichkeite n dafür offen. Verfügungen werden im Verwaltungsalltag überwiegend durch postalische Zu stellung eröffnet. Im vorliegenden Fall wurde der Beschluss der Anwaltsaufsichtskommission vom 8. Juni 2015 dem damals in der Bundesrepublik Deutschland wohnhaften Beschwerdeführer mittels eingeschriebener Briefpost mit Rückschein an seine Wohnadresse zugestellt. Diese postal ische Auslandzustellung ohne staatsvertragliche Grundlage oder sonstige Einwilligung der Bundesrepublik Deutschland erfolg- te nach dem soeben Ausgeführten in Verletzung des Te rritorialitätsprinzips. Nach ständiger Rechtsprechung des Kantonsgerichts folgt aus diesem schwerwiegenden Eröffnungsmangel die von Amtes wegen festzustellende Nichtigkeit des angefo chtenen Entscheids (vgl. KGE VV vom 9. März 2016 [810 15 167] E. 5; KGE VV vom 20. Mai 2015 [810 14 263] E. 3.7). Da in casu die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird, kein treuwid- riges Verhalten der Beschwerde führenden Partei vorliegt und auch sonst keine aussergewöhn- lichen Gründe erkennbar sind, die ein ausnahmsweises Abweichen von dieser Praxis rechtferti- gen könnten, ist der vorliegend angefochtene Beschluss eben falls als nichtig einzustufen. Ihm geht aus diesem Grund jede Verbindlichkeit und Rechtswir ksamkeit ab. Auch ist eine Heilung durch Einlassung oder Akzeptanz ausgeschlossen. Liegt kein z ulässiges Anfechtungsobjekt vor, so wäre grundsätzlich auf die Beschwerde ohne jede materielle Prüfung nicht einzutreten und hätte das kantonsgerichtliche Urteil bei der im Rah men der Rechtsanwendung von Amtes wegen (§ 16 Abs. 2 VPO) vorzunehmenden Feststellung der Nichtigkeit sein Bewenden. 3. Nachdem die Parteien in (nachträglicher) Kenntnis de r Zustellungsproblematik aus- drücklich einen gerichtlichen Entscheid in der Sache beant ragen, dieses Vorgehen für den Be- schwerdeführer mit keinem Nachteil verbunden ist und ein über den Einzelfall hinausgehendes, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht für die künftige Rechtsanwendungspraxis relevantes öffentl iches Interesse an der Klärung der vorliegend aufgeworfenen Rechtsfrage besteht, rechtfert igen sich nicht zuletzt auch unter dem Gesichtspunkt der Rechtssicherheit die nachfolgenden Erwägungen. 4. Zu klären ist die Rechtsfrage, ob ausländische Staats angehörige im Besitz einer schweizerischen Niederlassungsbewilligung sein müssen, um i m Kanton Basel-Landschaft das Anwaltspatent erwerben zu können. 4.1 Im Bereich des öffentlich-rechtlichen Berufsrechts vo n Anwältinnen und Anwälten besteht in der Schweiz eine konkurrierende Zuständigkeit von Bund und Kantonen. Art. 95 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 räumt dem Bund die Kompetenz ein, Vorschriften über di e privatwirtschaftliche Tätigkeit zu er- lassen. Die Verfassungsnorm begründet eine Bundeskompet enz mit nachträglich derogatori- scher Wirkung. Bereiche oder Teilbereiche, die bundesrec htlich nicht geregelt sind, fallen wei- terhin in die kantonale Kompetenz (vgl. P ETER HETTICH , in: Ehrenzeller et al. [Hrsg.], St. Galler Kommentar zur schweizerischen Bundesverfassung, 3. Aufl., Zürich 2014, Rz. 4 zu Art. 95 BV). Art. 95 Abs. 2 BV verpflichtet den Bund, für einen e inheitlichen schweizerischen Wirtschafts- raum zu sorgen und zu gewährleisten, dass Personen mit ei ner wissenschaftlichen Ausbildung oder mit einem eidgenössischen, kantonalen oder kantonal anerkannten Ausbildungsabschluss ihren Beruf in der ganzen Schweiz ausüben zu können. D er Bund hat diesen Regelungsauftrag für die freien Berufe namentlich durch den Erlass des B undesgesetzes über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte (Bundesanwaltsgesetz, BGFA) vom 23. Juni 2000 wahrgenom- men. Das BGFA gewährleistet die erleichterte (interka ntonale und europäische) Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte in der Schweiz und legt die Grundsätze für die Ausübung des Anwaltsberufs in der Schweiz fest (vgl. Art. 1 BGFA). I m Bereich der Freizügigkeit, der Berufs- regeln und der Parteivertretung vor Gericht hat der B und abschliessend legiferiert (vgl. H ANS NATER , in: Fellmann/Zindel [Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsg esetz, 2. Aufl., Zürich 2011, Rz. 1a zu Art. 3 BGFA). Der Bundesgesetzgeber hat jed och auf die Schaffung eines eidgenös- sischen Anwaltspatents verzichtet. Es bleibt den Kantonen überlassen, im Rahmen des Bun- desanwaltsgesetzes die Anforderungen für den Erwerb des Anwaltspatents festzulegen (Art. 3 Abs. 1 BGFA, unechter Vorbehalt zugunsten der Kantone). 4.2 Art. 7 Abs. 1 BGFA bestimmt zusammenfassend, dass e in Anwaltspatent nur erteilt werden kann, wenn ein juristisches Studium mit einem Mastertitel und ein mindestens einjähri- ges Praktikum in der Schweiz mit einem Examen abgeschloss en wurden. Mit Ausnahme dieser Bestimmung (minimaler) fachlicher Voraussetzungen schweig t das Bundesanwaltsgesetz zum kantonalen Patent. Darüber hinaus dürfen die Kantone weitere fachliche und persönliche Vo- raussetzungen statuieren. Die Regelung der Voraussetzunge n für die Erteilung des Anwaltspa- tents (Anwaltspraktikum, Anwaltsprüfung und die persön lichen Voraussetzungen) bildet denn auch den eigentlichen Kern des kantonalen Anwaltsrecht s (W ALTER FELLMANN , Anwaltsrecht, Bern 2010, Rz. 664 ff.; N ATER , a.a.O., Rz. 3 zu Art. 3 BGFA; BGE 134 II 329 E. 5. 1). Der Kan- ton Basel-Landschaft regelt die Erteilung des Anwaltsp atents in § 5 des Anwaltsgesetzes. Die Anwaltsaufsichtskommission erteilt gemäss dieser Bestimmung das Anwaltspatent Bewerberin- nen und Bewerbern, die das schweizerische Bürgerrecht od er die schweizerische Niederlas- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sung besitzen (lit. a), die fachlichen Voraussetzungen ge mäss Bundesanwaltsgesetz für den Eintrag ins Anwaltsregister erfüllen (lit. b), die persönlichen Voraussetzungen mit Ausnahme der unabhängigen Berufsausübung gemäss Bundesanwaltsgesetz für den Eintrag ins Anwaltsregis- ter erfüllen (lit. c) und die Anwaltsprüfung des Kant ons Basel-Landschaft bestanden haben (lit. d). Wer diese fachlichen und persönlichen Vorauss etzungen erfüllt, hat Anspruch auf die Erteilung des Anwaltspatents (vgl. T HOMAS POLEDNA , Anwaltsmonopol und Zulassung zum An- waltsberuf - Streiflichter in vier Thesen, in: Fellman n et al. [Hrsg.], Schweizerisches Anwalts- recht, Bern 1998, S. 91). 5.1 Mit dem Erfordernis des schweizerischen Bürgerrechts od er der schweizerischen Niederlassung statuiert § 5 lit. a AnwG eine insbesond ere für ältere kantonale Anwaltsgesetze typische persönliche Voraussetzung (vgl. F ELLMANN , a.a.O., Rz. 673). Währenddem das Bür- gerrechtserfordernis keine Auslegungsschwierigkeiten ber eitet, ist weniger klar und vorliegend umstritten, wie die Voraussetzung einer schweizerischen Niederlassung genau zu verstehen ist. Die Vorinstanz kommt im angefochtenen Entscheid zum S chluss, dass mit der Formulierung nur die Niederlassungsbewilligung nach den Vorgaben de s Ausländergesetzes gemeint sein könne. Der Beschwerdeführer vertritt hingegen den Stan dpunkt, dass für ausländische Staats- angehörige ein gesetzlicher Wohnsitz in der Schweiz genüg e, um das persönliche Kriterium zu erfüllen. 5.2 Die Auslegung einer Rechtsnorm ist ein rechtsschöpfer ischer Vorgang und dient dazu, den wahren Sinn und Zweck einer Bestimmung zu erm itteln. Das Gesetz muss dabei in erster Linie aus sich selbst heraus, das heisst nach dem Wortlaut, Sinn und Zweck und den ihm zu Grunde liegenden Wertungen auf der Basis einer tele ologischen Verständnismethode aus- gelegt werden. Insbesondere bei jüngeren Gesetzen sind auch die Gesetzesmaterialien zu be- achten, wenn sie auf die streitige Frage eine klare Ant wort geben und die Auslegung erleich- tern. Die Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass nicht schon der Wortlaut die Norm darstellt, sondern erst das an Sachve rhalten verstandene und konkretisierte Gesetz. Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung im normativen Gefüge, ausgerichtet auf ein befriedigendes Ergebnis der ratio legis. Dabei be folgt das Kantonsgericht nach den Vorga- ben des Bundesgerichts einen pragmatischen Methodenplur alismus und lehnt es namentlich ab, die einzelnen Auslegungselemente einer hierarchischen Ordnung zu unterstellen (KGE VV vom 11. Dezember 2013 [810 13 263] E. 5.1; KGE VV vom 26. Oktober 2005 [810 05 282] E. 5; BGE 142 II 100 E. 4.1; BGE 140 I 305 E. 6.1; BGE 140 V 8 E. 2.2.1). 5.3 Zur Ermittlung des Gehalts von § 5 lit. a AnwG ist von dessen Wortlaut auszugehen (vgl. BGE 140 II 80 E. 2.5; BGE 138 III 359 E. 6.2). Gemäss der hier interessierenden Formulie- rung wird von ausländischen Bewerbern verlangt, dass sie d ie "schweizerische Niederlassung besitzen". Das Gesetz spricht nicht von der Niederlassungsbew illigung, die eine spezifische ausländerrechtliche Bedeutung aufweist und dadurch vorl iegend ein sofort ins Auge springen- des Auslegungsergebnis geliefert hätte. Der Begriff Ni ederlassung ist hingegen weder anwalts- berufsrechtlicher terminus technicus noch enthält das Gese tz eine Legaldefinition. Das Wort Niederlassung meint - hier und nachfolgend immer auf Privatpersonen bezogen - nach allge- meinem Sprachgebrauch die Gründung eines Wohnsitzes (G ERHARD WAHRIG , Deutsches Wör- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht terbuch, 7. Aufl., Gütersloh 2000). Sich niederzulassen b edeutet, an einen bestimmten Ort zu ziehen und dort ansässig zu werden. Das Verb wird insbesondere im Zusammenhang mit freien Berufen verwendet (DUDEN, Das Bedeutungswörterbuch, 4. Aufl., Mannheim 2010, mit dem Beispielsatz "sie hat sich als Ärztin, als Anwältin niederg elassen"). Allerdings ist vorliegend zu beachten, dass das Gesetz von "besitzen" spricht. Ein Wohnsit z wird weder in der Umgangs- sprache noch in der juristischen Fachsprache besessen, eine Niederlassungsbewilligung hin- gegen sehr wohl. Der Wortlaut des Gesetzes liefert au f die streitige Frage somit keine genü- gend präzise Antwort. 5.4 Wichtige Aufschlüsse für den Normsinn können sich aus d er systematischen Stel- lung einer einzelnen gesetzlichen Regelung im Gefüge d er Rechtsordnung insgesamt ergeben. So kennen das Bundesrecht und darauf beruhend das harm onisierte kantonale Recht im regis- terrechtlichen, schriftenpolizeilichen Sinne eine überei nstimmende Begrifflichkeit hinsichtlich Niederlassung und Aufenthalt (Urteil des BGer 2C_919/ 2011 vom 9. Februar 2012 E. 2.3.2; Urteil des BGer 2C_599/2011 vom 13. Dezember 2011 E. 2.3). Art. 3 lit. b des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der Einwohnerregister und and erer amtlicher Personenregister (RHG) vom 23. Juni 2006 definiert die Niederlassungsgemeinde zusammengefasst als diejenige Ge- meinde, in der sich eine Person in der Absicht dauernden Verbleibens aufhält und in der sie ihre Schriften hinterlegt hat. Davon zu unterscheiden ist di e Aufenthaltsgemeinde, in der sich eine Person ohne Absicht dauernden Verbleibens aufhält (vgl. Art. 3 lit. c RHG). § 4 des kantonalen Anmeldungs- und Registergesetzes (ARG) vom 19. Juni 200 8 hält Personen, die für Niederlas- sung oder Aufenthalt in die Einwohnergemeinde zuziehen , zur Anmeldung bei der Gemeinde- verwaltung an. Mit der Niederlassung ist somit registerr echtlich die Begründung eines Wohnsit- zes und kein ausländerrechtlicher Status umschrieben. Auch die Verfassung des Kantons Ba- sel-Landschaft (KV) vom 17. Mai 1984 geht von diesem Be griffsverständnis aus, wenn sie in § 23 Abs. 2 KV die Ausübung der politischen Rechte an die Niederlassung knüpft. In gleicher Weise regelt das kantonale Recht in § 39 des Gesetzes übe r die Organisation und die Verwal- tung der Gemeinden (GemG) vom 28. Mai 1970 die Zugeh örigkeit zur Einwohnergemeinde oder wird niedergelassenen Kindern die Alimentenbevo rschussung resp. Inkassohilfe von Un- terhaltsansprüchen gewährt (§ 22 Abs. 1 und § 25 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über die Sozial-, die Jugend- und die Behindertenhilfe [SHG] vom 21. Ju ni 2001). Soweit das für die systemati- sche Auslegung einer kantonalen Norm in erster Linie her anzuziehende übrige kantonale Ver- fassungs- und Gesetzesrecht mit dem Begriff der Niederlassu ng operiert, wird demnach durch- wegs auf den Wohnsitz einer Person Bezug genommen. Allerdings ist nicht zu übersehen, dass einzig in § 5 lit. a AnwG von der "schweizerischen Nieder lassung" die Rede ist und es sich im Gegensatz zu den anderen erwähnten Normen um eine Be stimmung handelt, die auf Schwei- zer Bürger nicht anwendbar ist. Für das Normverständnis ist deshalb auch auf das Ausländer- recht zurückzugreifen. Das geltende Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 verwendet das Wort Nieder lassung zwar nicht und spricht kon- sequent von der Niederlassungsbewilligung. In dieser Hin sicht ist aber zu beachten, dass zum Erlasszeitpunkt des Anwaltsgesetzes das Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG) vom 26. März 1931 (BS 1 121) in Kraf t stand. Dieses Gesetz enthält das Wort Niederlassung bereits im Titel und verwendet es in dem Sinne, dass unter bestimmten Voraussetzungen die Niederlassung bewilligt werden kann (Art. 4 ANAG, Art. 17 Abs. 1 ANAG). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht § 5 lit. a AnwG kann somit auch so gelesen werden, dass e ine bewilligte schweizerische Nie- derlassung verlangt wird. Das systematische Element vermag nach dem Ausgeführten nicht entscheidend zur Lösung der sich stellenden Auslegungsfrage beizutragen. 5.5 Entstehungsgeschichtlich ist für die Interpretation von Belang, dass das Anwaltsge- setz aus einer Totalrevision des Advokaturgesetzes vom 6. De zember 1976 (GS 26.306) her- vorgegangen ist. Anlass zur Revision gab das bevorstehende Inkrafttreten des Freizügigkeits- abkommens zwischen der Schweiz und der damaligen Europäi schen Gemeinschaft sowie das neu erlassene Bundesgesetz über die Freizügigkeit der An wältinnen und Anwälte. Im Anwalts- gesetz wurden die entsprechenden staatsvertraglichen Ver pflichtungen und neuen bundes- rechtlichen Vorgaben in das kantonale Recht überführt. Daneben übernahm das Anwaltsgesetz ohne grosse inhaltliche Änderungen die bestehenden St rukturen des bisherigen Advokaturge- setzes. So wurden auch die Voraussetzungen für die Erteilu ng des Anwaltspatents weitgehend beibehalten und in Anlehnung an das Bundesrecht lediglich neu formuliert (vgl. Landratsvorlage vom 23. Januar 2001 betreffend Erlass des Anwaltsgesetzes Basel-Landschaft [2001-021], S. 2 und S. 14). Gemäss § 4 Abs. 1 des Advokaturgesetzes erteil te das Obergericht die Advokatur- bewilligung Bewerbern, die das Schweizer Bürgerrecht od er die schweizerische Niederlassung besassen, voll handlungsfähig und vertrauenswürdig ware n und die kantonale Fähigkeitsprü- fung für Advokaten bestanden hatten. Zur Fähigkeitsp rüfung für Advokaten wurden nur Bewer- ber mit Wohnsitz im Kanton Basel-Landschaft zugelassen (§ 6 Abs. 1 Advokaturgesetz). Wenn das Gesetz bereits die Prüfungszulassung vom Wohnsitz im Kanton abhängig machte, so konn- te es vernünftigerweise in § 4 für die Erteilung des Pa tentes nicht ebenfalls ein Wohnsitzerfor- dernis aufgestellt haben. Vielmehr zeigt die explizite E rwähnung des Wohnsitzes an anderer Stelle, dass die persönliche Voraussetzung der schweizerische n Niederlassung in § 4 Abs. 1 Advokaturgesetz nicht den Wohnsitz, sondern den ausländer rechtlichen Status zum Gegen- stand haben musste. Das Wohnsitzerfordernis für Prüfungskand idaten wurde im Rahmen der Totalrevision fallen gelassen, weil es sich in der Praxis a ls für die Region Basel zu eng erwie- sen hatte (Landratsvorlage, a.a.O., S. 14). Da aber da s Niederlassungserfordernis unverändert in das geltende Anwaltsgesetz übernommen wurde, deutet das historische Auslegungselement stark darauf hin, dass § 5 lit. a AnwG mit Niederlassung die entsprechende ausländerrechtliche Bewilligung meint. 5.6 Diese Auslegungshypothese verdichtet sich zur Gewissheit, wenn im Rahmen der teleologischen Auslegung die Zweckvorstellung vor Augen g ehalten wird, die mit der Rechts- norm verbunden ist. Das Erfordernis des schweizerischen Bürge rrechts für die Zulassung zur Advokatur steht in einer langen Tradition der Schweizer Kantone. Solche Vorbehalte zugunsten der Schweizer Bürger waren vor allem im Bereich der wi ssenschaftlichen Berufe weit verbreitet (vgl. BGE 108 Ia 148 E. 2b). Die meisten früheren kan tonalen Anwaltsgesetze liessen aus- schliesslich Schweizer Bürger und (später) Bürgerinnen zum Patenterwerb zu (vgl. M AX GULDENER , Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 1979, S. 637). So verlangte auch der Kanton Basel-Landschaft von Prüfungskandidaten ursprünglich den Besitz des Aktivbürger- rechts (vgl. § 156 des Gesetzes betreffend die Einführung des schweizerischen Zivilgesetzbu- ches vom 30. Mai 1911 [Ges.-S. XVI.104]). Das Bürgerrecht serfordernis für Anwälte wurde ur- sprünglich mit verschiedenen Argumenten begründet. Der Ausschluss von Ausländern vom Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anwaltsberuf wurde zunächst mit der Organstellung bzw. H ilfsorganstellung in der staatlichen Rechtsprechung in Zusammenhang gebracht. Der Anwalt stehe in dieser Funktion in enger Be- ziehung zum Staat und nehme eine für den Rechtsstaat tr agende Aufgabe wahr. Es entsprach der lange vorherrschenden Rechtsanschauung, dass der An walt mit diesem Staat durch das Bürgerrecht verbunden sein soll. Der Bezug des Anwaltsbe rufs zu den Rechten und Pflichten des Aktivbürgers wurde auch durch die Erwartung hergestel lt, dass sich der Anwalt einerseits an der Rechtsfortbildung beteilige und er anderersei ts im Interesse des Klienten dem Richter oder (im Verwaltungsverfahren) dem Beamten als gleich berechtigter Bürger gegenübertreten könne. Weiter diente das Bürgerrechtserfordernis über lange Jahre dem wirtschaftspolitisch motivierten Schutz der einheimischen Anwälte vor ausländ ischer Konkurrenz (vgl. BGE 116 Ia 237 E. 3c; Urteil des BGer vom 24. Februar 1984, ZBl 1 984, S. 457, E. 3c; GULDENER , a.a.O., S. 636). Später wurde der Ausschluss von Ausländern über wiegend damit gerechtfertigt, dass vom Anwalt eine enge Vertrautheit mit den gesellschaft lichen und politischen Verhältnissen des Landes gefordert werden müsse, da die Rechtsordnung wi e auch die Rechtspflege stark von nationalen Traditionen geprägt sei (vgl. F ELIX WOLFFERS , Der Rechtsanwalt in der Schweiz, Zürich 1986, S. 68, mit weiteren Hinweisen). Dieses Erfordernis ist nicht identisch mit jenem des umfassenden Rechtswissens, welches mit dem Anwaltsexamen übe rprüft wird. Anwälte benöti- gen für eine Berufsausübung lege artis neben juristi schen Fertigkeiten auch gründliche Kennt- nisse der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Das Bürgerrechtserf ordernis erfüllt insofern eine er- gänzende Funktion (BGE 119 Ia 35 E. 5). Auch nach der im Advokaturgesetz von 1976 vollzo- genen Öffnung der Advokatur für ausländische Staatsangehörige blieb und bleibt dieses Kriteri- um relevant. Bei Schweizer Bürgerinnen und Bürgern wir d die Vertrautheit mit den lokalen Sit- ten und Gebräuchen aufgrund der Staatsangehörigkeit g esetzlich vermutet. Im Falle von aus- ländischen Staatsangehörigen kann nicht ohne Weiteres da von ausgegangen werden, dass sie über den nötigen Horizont verfügen. Hier kommt der Int egrationsgedanke ins Spiel: Die Nieder- lassungsbewilligung wird grundsätzlich erst nach zehn Jahren bewilligter Anwesenheit und bei gelungener Integration erteilt, letztere ist vor Erte ilung der Bewilligung durch die Behörden nochmals eingehend zu prüfen (vgl. Art. 34 Abs. 2 AuG und Art. 60 der Verordnung über Zulas- sung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE] vom 24. Oktober 2007; diese Regelung entspricht der früheren Behördenpraxis zum ANAG, vgl. hierzu M ARC SPESCHA , Handbuch zum Auslän- derrecht, Bern 1999, S. 107). Die Niederlassungsbewil ligung vermittelt den für ausländische Staatsangehörige günstigsten Anwesenheitsstatus mit gefe stigtem Anwesenheitsrecht. Die Niedergelassenen sind gleichsam "Einheimische ohne Schwei zer Staatsangehörigkeit" (P ETER UEBERSAX , in: Uebersax et al. [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. , Basel 2009, Rz. 7.244). Das Erfordernis der Niederlassungsbewilligung stellt somit ein taugliches, einfaches und einheitlich handhabbares Kriterium dar, um sicherzustellen, dass die ausländische Person mit den schwei- zerischen Gegeben- und Gepflogenheiten genügend vertraut ist (vgl. auch BGE 123 I 19 E. 2b; WOLFFERS , a.a.O., S. 70 Fn. 47). 5.7 Die Auslegung des Begriffs der schweizerischen Niederl assung in § 5 lit. a AnwG ergibt zusammenfassend, dass das Gesetz für die Erteilung d es Anwaltspatents an Bewerbe- rinnen und Bewerber ohne Schweizer Bürgerrecht kein Wohnsitzerfordernis in der Schweiz auf- stellt, sondern deren ausländerrechtlichen Status meint. Die Vorinstanz ist somit zu Recht da- von ausgegangen, dass nach dem Anwaltsgesetz ausländische B ewerberinnen und Bewerber Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht als persönliche Voraussetzung für die Erteilung des Anw altspatents über eine ausländerrechtli- che Niederlassungsbewilligung verfügen müssen. Es stellt sich allerdings die vom Beschwerde- führer berechtigterweise aufgeworfene Anschlussfrage, ob dieses Niederlassungserfordernis vor dem übergeordneten Recht standhält. 6. Das kantonale Recht darf wie oben bereits ausgefüh rt die persönlichen Anforderun- gen für den Erwerb des Anwaltspatents festlegen. Dabei sind aber insbesondere die Grundsät- ze der Wirtschaftsverfassung zu wahren. 6.1 In der schweizerischen Wirtschaftsverfassung spielt das in Art. 27 BV gewährleiste- te Grundrecht der Wirtschaftsfreiheit eine zentrale Ro lle. Diese umfasst insbesondere die freie Wahl des Berufes sowie den freien Zugang zu einer privat wirtschaftlichen Erwerbstätigkeit und deren freie Ausübung (Art. 27 Abs. 2 BV). Unter dem Schutz der Wirtschaftsfreiheit steht nach Lehre und Rechtsprechung jede auf die Erzielung eines G ewinns oder eines Erwerbseinkom- mens gerichtete privatwirtschaftliche Betätigung, er umfasst insbesondere den freien Zugang zu einer solchen Erwerbstätigkeit (BGE 140 I 218 E. 6.3; BGE 137 I 167 E. 3.1; K LAUS A. VALLENDER , in: St. Galler Kommentar, a.a.O., Rz. 7 ff. zu Art . 27 BV; J ÖRG PAUL MÜLLER / MARKUS SCHEFER , Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S. 1052 ff.). Die selbständi- ge wie auch die unselbständige Berufsausübung der An wältinnen und Anwälte ist eine privat- wirtschaftliche Tätigkeit, die in den sachlichen Schutzb ereich der Wirtschaftsfreiheit fällt (FELLMANN , a.a.O., Rz. 26; K ASPAR SCHILLER , Schweizerisches Anwaltsrecht, Zürich 2009, Rz. 116; POLEDNA , a.a.O., S. 89 f.; BGE 125 I 417 E. 3b; BGE 123 I 12 E. 2a). Ausnahmen be- stehen einzig dort, wo Anwälte - etwa als amtliche Ver teidiger oder unentgeltliche Rechtsbei- stände - öffentliche Aufgaben wahrnehmen, denn staatli che Funktionen werden vom Schutzbe- reich nicht erfasst (BGE 141 I 124 E. 4.1; BGE 138 I 217 E. 3.4.4; BGE 109 Ia 107 E. 2b; BGE 131 I 223 E. 1.1). 6.2 Träger der Wirtschaftsfreiheit sind zunächst Schweizerb ürgerinnen und -bürger so- wie die inländischen juristischen Personen des Privatrechts (MÜLLER /SCHEFER , a.a.O., S. 1064; BGE 138 II 440 E. 16). Hinsichtlich natürlicher ausländi scher Personen hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zum persönlichen Schutzbereich der Wirtschaftsfreiheit in den letzten 35 Jahren schöpferisch modifiziert. Ursprünglich ging es in jah rzehntelanger konstanter Recht- sprechung davon aus, dass sich Ausländerinnen und Auslände r grundsätzlich nicht auf die Wirtschaftsfreiheit berufen können (vgl. H ANS MARTI , Die Wirtschaftsfreiheit der schweizeri- schen Bundesverfassung, Basel 1976, S. 30 ff.; BGE 55 I 221 E. 1, BGE 48 I 281 E. 1). Ab 1982 hat es seine Rechtsprechung weiterentwickelt und Ausländerinnen und Ausländer bei Vor- liegen bestimmter rechtlicher Voraussetzungen in den K reis der Träger dieses Freiheitsrechts einbezogen (BGE 108 Ia 148 E. 2; BGE 116 Ia 237 E. 2 ; BGE 119 Ia 35 E. 2). Nach der neue- ren Rechtsprechung können sich ausländische natürliche Perso nen auf die Wirtschaftsfreiheit berufen, soweit sie fremdenpolizeilich uneingeschränkt auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt zugelassen sind, d.h., wenn sie eine Niederlassungsbewill igung (Art. 34 Abs. 1 AuG) besitzen oder gestützt auf das Ausländergesetz oder allenfalls eine n Staatsvertrag einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung haben (für ei ne Übersicht über in Frage kommende An- spruchsgrundlagen vgl. U EBERSAX , a.a.O., Rz. 7.122 ff.). Keine Rolle spielt der Wohn sitz. Ent- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheidend ist, dass sich die ausländische Person auf einen Anspruch auf wirtschaftliche Betäti- gung in der Schweiz berufen kann (V ALLENDER , a.a.O., Rz. 47 zu Art. 27 BV; F ELIX UHLMANN , in: Waldmann/Belser/Epiney [Hrsg.], Basler Kommentar zu r Bundesverfassung, Basel 2015, Rz. 29 zu Art. 27 BV; M ÜLLER /SCHEFER , a.a.O., S. 1064; BGE 131 I 223 E. 1.1; BGE 123 I 19 E. 2; Urteil des BGer 2D_62/2015 vom 14. Oktober 2015 E. 3). 6.3 Um im Kanton Basel-Landschaft Rechtsberatung anbie ten zu können, ist weder eine juristische Ausbildung noch ein Anwaltspatent erf orderlich. Diese Beratungstätigkeit ist in keinem Kanton dem Anwaltsberuf vorbehalten (P OLEDNA , a.a.O., S. 90; W OLFFERS , a.a.O., S. 79). Der wirksame Zugang zum Recht erfolgt aber über die Anwaltschaft; ohne sie ist es dem Einzelnen regelmässig verwehrt, seinen Standpunkt in jur istischen Angelegenheiten wirksam zur Geltung zu bringen (S CHILLER , a.a.O., Rz. 73 ff.). Es besteht daher ein besonderes ö ffentli- ches Interesse an einer sorgfältigen und gewissenhaften Berufsausübung (vgl. Art. 12 lit. a BGFA). Entsprechend haben Bund und Kantone zum Publiku msschutz sowie zur Wahrung von Treu und Glauben im Geschäftsverkehr Regeln für eine o rdnungsgemässe und qualitativ hoch- stehende Ausübung der Anwaltstätigkeit aufgestellt (B GE 139 II 173 E. 5.1; BGE 125 I 417 E. 5a; ROBERT BAUMANN , Der Anwalt im Visier des Staates, AJP 2008, S. 51). Das kantonale Anwaltsrecht kennt seit dem Inkrafttreten des Bundesanwal tsgesetzes zwei Berufskategorien von Anwältinnen und Anwälten. Die klassische - wenn auch weitaus nicht die einzige (vgl. SCHILLER , a.a.O., Rz. 20 ff.) - Tätigkeit des Rechtsanwalts ist di e Vertretung von Parteien vor Gerichtsbehörden (forensische Tätigkeit). Diese (berufsmä ssig und entgeltlich ausgeübte) Tä- tigkeit bedarf zwingend einer Bewilligung in der Form der Eintragung im Anwaltsregister, wofür unter anderem das Anwaltspatent vorausgesetzt wird (§ 4 Abs. 1 und § 13 Abs. 1 AnwG; Art. 7 Abs. 1 BGFA). Nur eingetragene Anwälte kommen in den Genuss der interkantonalen Freizü- gigkeit (Art. 4 BGFA). Neben dieser Gruppe der prozessi erenden und damit dem BGFA unter- stellten Anwältinnen und Anwälte kennt das Anwaltsgesetz eine zweite Kategorie der (bundes- rechtlich nicht erfassten) beratenden Anwälte, die in der Rechtsberatung und in nicht streitigen Angelegenheiten tätig sind. Sie können im Kanton Base l-Landschaft auch berufsmässig Partei- en vor den Verwaltungsbehörden vertreten, da dafür d ie Eintragung im Anwaltsregister nicht erforderlich ist (vgl. Landratsvorlage, a.a.O., S. 4; VINCENZO AMBERG , Das neue Anwaltsgesetz, ZBJV 2015, S. 635 f.). Für diese Kategorie gilt nicht das BGFA, sondern das kantonale An- waltsgesetz, das in § 18 AnwG allerdings bezüglich Berufsr egeln, Aufsicht und Disziplinarrecht die entsprechenden Bestimmungen des BGFA durch Verweisu ng zum kantonalen Recht er- hebt. Die berufliche Tätigkeit unter Berufung auf d en Anwaltstitel ist Rechtsberatern ohne An- waltspatent untersagt (§ 10 und § 10a AnwG). Das Anwa ltspatent ist diesfalls als Polizeibewilli- gung für die Berufsausübung als beratender Anwalt im Kanton Basel-Landschaft zu qualifizie- ren (vgl. auch BEAT HESS , Das Anwaltsgesetz des Bundes [BGFA] und seine Umsetzung durch die Kantone am Beispiel des Kantons Bern, ZBJV 2004, S. 93 ff.). Potenzielle Klienten assoziie- ren mit diesem Titel nicht nur Fachkompetenz, sondern auch Integrität und Unbescholtenheit (SCHILLER , a.a.O., Rz. 363). Erst die Erteilung des Anwaltspaten ts unterstellt Rechtsberater beispielsweise dem Berufsgeheimnis (Art. 13 BGFA i.V.m . § 18 AnwG). Das Berufsgeheimnis ist eine der wichtigsten Grundlagen für eine sorgfälti ge und gewissenhafte Rechtsberatung. Es ist zudem eine Voraussetzung dafür, dass der Klient den A nwalt überhaupt aufsucht (FELLMANN , a.a.O., Rz. 457). Das Anwaltspatent ist somit nicht nur Bewilligung zur Berufsaus- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht übung als beratende Anwältin oder Anwalt, es stellt au ch einen starken Vorteil auf dem Markt der Rechtsberatung dar. Ein weiteres Betätigungsfeld b ietet sich Rechtsanwälten in der Privat- wirtschaft, Verwaltung oder Justiz; hier gilt das Anwalt spatent als reiner Fähigkeitsausweis. Teilweise ist das Anwaltspatent auch Voraussetzung für di e Wahl in ein richterliches Amt. Zu- sammenfassend hat es - ähnlich wie das Doktorat - auch d ie Funktion einer Zusatzausbildung zur juristischen Grundausbildung (Lizentiat oder Master) u nd verschafft dem Inhaber einen Wettbewerbsvorteil bei der Stellensuche (Urteil des BGe r 2C_897/2015 vom 25. Mai 2016 E. 7.2.1). Ausländische Bewerberinnen und Bewerber oh ne Niederlassungsbewilligung werden somit durch das ausländerrechtliche Bewilligungserforde rnis für den Patenterwerb in ihren be- ruflichen Entfaltungsmöglichkeiten in nicht unerheblichem Masse eingeschränkt. 6.4 Wie alle Grundrechte gilt auch die Wirtschaftsfrei heit nicht unbeschränkt. Soweit sich der staatliche Eingriff nicht gegen den Grundsatz de r Wirtschaftsfreiheit, insbesondere ge- gen den Wettbewerb, richtet (vgl. Art. 94 Abs. 4 BV), ist die Beschränkung der Wirtschaftsfrei- heit unter den für Grundrechte allgemein geltenden Einschränkungsvoraussetzungen zulässig, wie sie in Art. 36 BV festgehalten werden (M ÜLLER /SCHEFER , a.a.O., S. 1067 ff.). In § 5 lit. a AnwG findet das Erfordernis der Niederlassungsbewilligung die von Art. 36 Abs. 1 BV verlangte genügende gesetzliche Grundlage. Nach Art. 36 Abs. 2 und 3 BV muss eine Einschränkung der Wirtschaftsfreiheit durch ein öffentliches Interesse oder durch den Schutz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt sein; sie muss sich überdies als verhältnismässig erweisen. 6.5 Soweit der Ausschluss von Ausländern ohne Niederlassun gsbewilligung ursprüng- lich damit gerechtfertigt wurde, dass Anwälte als "Mita rbeiter der Rechtspflege" oder "Gehilfen des Richters" in enger Beziehung zum Staat stünden, hat das Bundesgericht dieses Argument bereits im Jahr 1993 verworfen. Es hielt dafür, dass An wälte gerade nicht staatliche Organe seien, ihre Funktion gebiete gegenteils Unabhängigkei t vom Staat. Eine besondere Sorgfalts- und Loyalitätspflicht gegenüber dem Staat besteht de nn auch nicht. Der Anwalt unterliegt zwar bestimmten öffentlichen Berufspflichten. Diese können aber auch von einem Ausländer ohne Niederlassungsbewilligung erfüllt werden (vgl. BGE 119 Ia 35 E. 4; SCHILLER , a.a.O., Rz. 1567). Wegen der verfassungsrechtlichen Grundentscheidung zugunste n einer wettbewerbsorientier- ten Wirtschaftsordnung kann das öffentliche Interesse am Niederlassungserfordernis auch nicht mit dem Schutz der einheimischen Anwälte vor zugewander ter ausländischer Konkurrenz be- gründet werden. Die Wirtschaftsfreiheit verbietet de n Kantonen gerade wirtschaftspolitische Massnahmen, die der Abschirmung vor Konkurrenz dienen (B GE 140 I 218 E. 6.2; U HLMANN , a.a.O., Rz. 47 zu Art. 27 BV). Hingegen liegt es im öffentlichen Interesse, zum Publikumsschutz sicherzustellen, dass die Anwaltschaft mit den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen des Landes vertraut ist (vgl. oben E. 5.6). 6.6 Das in Art. 36 Abs. 3 BV verankerte Verhältnismässig keitsprinzip gebietet weiter, dass eine Grundrechtseinschränkung zur Erreichung des angestr ebten Ziels geeignet und er- forderlich sowie für die betroffene Person zumutbar sein muss (BGE 139 I 218 E. 4.3; BGE 134 I 140 E. 6). Wie oben aufgezeigt wurde, ist die Vorau ssetzung einer Niederlassungsbewilligung geeignet, um eine ausreichende Vertrautheit mit den l okalen Verhältnissen zu gewährleisten (vgl. oben E. 5.6). Erforderlich ist sie allerdings nur, wenn das angestrebte Ziel nicht mit einem Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht milderen Mittel erreicht werden kann (H ÄFELIN /MÜLLER /UHLMANN , a.a.O., Rz. 527 ff.). In dieser Hinsicht geht das Erfordernis einer Niederlassungsbewilli gung als einzig zulässigem Nachweis einer genügenden Integration über das für die legiti me Zielerreichung Notwendige hinaus. Ein Ausländer ohne Niederlassungsbewilligung kann die Verhältnisse der Schweiz ebenso gut ken- nen und mit ihnen verbunden sein wie ein niedergela ssener Ausländer oder ein Schweizerbür- ger. Ist dies der Fall, so erschiene es unverhältnismässig, die Erteilung des Anwaltspatents dennoch zu verweigern. Die ausländische Person muss daher z um Nachweis zugelassen wer- den, dass sie - gleichsam wie eine einheimische - mit den hiesigen politischen und gesellschaft- lichen Verhältnissen vertraut ist (vgl. BGE 119 Ia 35 E. 5). Die Anwaltsaufsichtskommission wird in einem solchen Fall jeweils unter Zugrundelegung de r Akten und der allenfalls zusätzlich er- hobenen resp. eingereichten Beweise im konkreten Einzelfall zu prüfen haben, ob ein ausländi- scher Bewerber das Kriterium der Vertrautheit mit den lokalen Verhältnissen erfüllt. War eine Person zuvor während Jahren in der Schweiz berufstätig od er hat sie ihr juristisches Hoch- schulstudium in der Schweiz abgeschlossen, so hat der Beweis als erbracht zu gelten, denn die bei diesen Tätigkeiten gewonnenen Erfahrungen bring en zwangsläufig vertiefte Kenntnisse der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse mit sich. S ind solche Kenntnisse nachgewiesen, ist das Niederlassungserfordernis unverhältnismässig und au s diesem Grund mit der Wirt- schaftsfreiheit unvereinbar. Die persönliche Voraussetzu ng von § 5 lit. a AnwG ist in diesen Fällen als erfüllt anzusehen. 7. Für Staatsangehörige von Mitgliedstaaten der Europ äischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) bestimmen ausse rdem das Freizügigkeitsab- kommen resp. das nachgeführte Übereinkommen zur Erricht ung der Europäischen Freihan- delsassoziation (EFTA-Übereinkommen) vom 4. Januar 1960 im Rahmen ihres sachlichen An- wendungsbereichs den Zugang zum schweizerischen Arbeitsma rkt. Die unmittelbar anwendba- ren völkerrechtlichen Bestimmungen der Abkommen gehen entgegenstehendem kantonalem Recht vor (BGE 140 II 285 E. 3 f.; S TEPHAN BREITENMOSER /ROBERT WEYENETH , Europäische Bezüge und Bilaterale Verträge, in: Biaggini et al. [Hrsg.], Fachhandbuch Verwaltungsrecht, Zürich 2015, Rz. 31.16). 7.1 Das Freizügigkeitsabkommen bezweckt insbesondere di e diskriminierungsfreie (schrittweise) Einführung des freien Personenverkehrs für E rwerbstätige (vgl. Art. 1 lit. a FZA). Der freie Personenverkehr umfasst das Recht, in die Schw eiz oder einen Mitgliedstaat der EU einzureisen, sich dort aufzuhalten, Zugang zu einer Be schäftigung zu suchen, sich als selbst- ständigerwerbende Person niederzulassen und gegebenenf alls nach der Ausübung einer Er- werbstätigkeit im Aufnahmestaat zu verbleiben (A NDREAS ZÜND /THOMAS HUGI YAR , Staatliche Leistungen und Aufenthaltsbeendigung unter dem FZA, in: Epiney/Gordzielik [Hrsg.], Personen- freizügigkeit und Zugang zu staatlichen Leistungen, Züri ch 2015, S. 163 ff.). Analoge Bestim- mungen enthält das EFTA-Übereinkommen für die Angehö rigen der EFTA-Staaten (vgl. An- hang K Anlage I zum EFTA-Übereinkommen; U EBERSAX , a.a.O., Rz. 7.134). Auf die freizügig- keitsrechtlichen Positionen können sich Staatsangehörige a us einem EU/EFTA-Staat berufen, die von ihrem Freizügigkeitsrecht Gebrauch gemacht haben. Gelangt ein Ausländer an eine schweizerische Behörde, genügt grundsätzlich ungeachtet d es Wohnorts die Staatsangehörig- keit eines anderen Vertragsstaats für die Annahme eines g renzüberschreitenden Sachverhalts, Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht der den Anwendungsbereich des Abkommens eröffnet (Z ÜND /HUGI YAR , a.a.O., S. 167; BGE 135 II 369 E. 2; vgl. auch Art. 1 Abs. 1 der [als Tei l des Acquis communautaire übernommenen] Verordnung 1612/68/EWG vom 15. Oktober 1968 über die Freizügigkeit der Arbeitnehmer in- nerhalb der Gemeinschaft, ABl. 1968 L 257, S. 2). 7.2 Die Schweiz hat das Unionsrecht, den sog. "Acquis commu nautaire", nur in dem Umfang übernommen, wie er vor der Unterzeichnung der Bilateralen Verträge I am 21. Juni 1999 bestand und in den Anhängen umschrieben ist (B REITENMOSER /WEYENETH , a.a.O., Rz. 31.21). Gemäss Art. 16 Abs. 2 FZA ist für die Anwe ndung des Freizügigkeitsab- kommens - soweit für die Anwendung des Abkommens Begrif fe des Unionsrechts herangezo- gen werden - die einschlägige Rechtsprechung des Geri chtshofes der Europäischen Gemein- schaften (heute: Europäischer Gerichtshof [EuGH]) vor de m Zeitpunkt der Unterzeichnung massgebend. Da es Ziel des Abkommens ist, die Freizügigkeit auf der Grundlage der in der Europäischen Union geltenden Bestimmungen zu verwirkli chen (Präambel), und die Vertrags- staaten übereingekommen sind, in den vom Abkommen erfass ten Bereichen alle erforderlichen Massnahmen zu treffen, damit in ihren Beziehungen eine möglichst parallele Rechtslage be- steht (Art. 16 Abs. 1 FZA), weicht das Bundesgericht in st ändiger Rechtsprechung bei der Aus- legung abkommensrelevanter unionsrechtlicher Bestimmungen von der nach dem Unterzeich- nungsdatum ergangenen Rechtsprechung des EuGH nur bei Vorliegen triftiger Gründe ab (BGE 142 II 35 E. 3.1; BGE 140 II 447 E. 4.3; BGE 140 II 112 E. 3.2; BGE 136 II 364 E. 5.3). So rich- tet sich im Rahmen des FZA unter anderem die Auslegung der Begriffe der Arbeitnehmereigen- schaft, der öffentlichen Gewalt oder der Diskriminierung als EU-rechtliche Begriffe nach der zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Abkommens bestehenden Jurisdiktion des EuGH, wobei grundsätzlich auch dessen nach dem Stichtag ergangene Rec htsprechung in angemessener Weise mitzuberücksichtigen ist (Z ÜND /HUGI YAR , a.a.O., S. 172 f.; H ÄFELIN /MÜLLER /UHLMANN , a.a.O., Rz. 200; BREITENMOSER /WEYENETH , a.a.O., Rz. 31.21; BGE 140 II 447 E. 4.5; BGE 140 II 112 E. 3.2.4). 7.3 Die Art. 2 bis 7 des Freizügigkeitsabkommens umschreib en die Grundsätze der Personenfreizügigkeit. Gemäss Art. 4 FZA wird den freizü gigkeitsberechtigten Personen das Recht auf Aufenthalt und Zugang zu einer Erwerbstätigk eit eingeräumt. Die Einzelheiten regelt Anhang I für die Arbeitnehmenden in seinen Art. 6 b is 11, für die Selbständigerwerbstätigen in den Art. 12 bis 16. Die entsprechenden Bestimmungen sind in der Schweiz unmittelbar an- wendbar (self-executing) und verleihen dem Einzelnen ei nen direkt anrufbaren Anspruch auf Aufenthalt und Zugang zu einer Erwerbstätigkeit (UEBERSAX , a.a.O., Rz. 7.133). Der Zugang zu einer Erwerbstätigkeit kann verweigert werden, wenn da mit die dauernde oder zeitweise Aus- übung öffentlicher Gewalt verbunden ist (Art. 10 Anha ng I FZA und Art. 16 Anhang I FZA). Tä- tigkeiten, die in diese sog. "Bereichsausnahme" fallen, sind vom Anwendungsbereich der Ab- kommen ausgenommen und dürfen - auch ohne Anrufung von Rechtfertigungsgründen - eige- nen Staatsangehörigen vorbehalten bleiben (T OBIAS JAAG /JULIA HÄNNI , Europarecht, 4. Aufl., Zürich 2015, Rz. 4112a; BGE 140 II 112 E. 3.2.1). Hoh eitlichen Tätigkeiten müssen nach der Rechtsprechung Entscheidungsautonomie und eine gewisse Le tztverantwortung inhärent sein, damit sie als Ausübung hoheitlicher Gewalt qualifizier t werden können. Die Vorschrift ist als Ausnahmebestimmung eng auszulegen. Die beruflichen Tä tigkeitsbereiche eines Rechtsanwal- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht tes stellen keine Teilnahme an der Ausübung öffentlich er Gewalt dar und fallen nicht unter die Bereichsausnahme, selbst wenn sie im Verkehr mit Behörde n und Gerichten regelmässig er- bracht werden, organisch in das Gerichtsverfahren eingeb ettet sind und auf eine obligatorische Mitarbeit bei der Erfüllung der Aufgaben der Gericht e hinauslaufen (Urteil des EuGH vom 21. Juni 1974 C-2/74 Reyners , Slg. 1974 I-631, Rz. 51 ff.; A LEXANDER SCHEUER , in: Lenz/ Borchardt [Hrsg.], Kommentar EU- und EG-Vertrag, 3. A ufl., Basel/Köln/Wien 2003, Rz. 4 zu Art. 45 EGV [heute: Art. 51 AEUV]). Der Zugang zum A nwaltsberuf fällt demnach in den An- wendungsbereich des Freizügigkeitsabkommens. 7.4 Die Personenfreizügigkeit des FZA geht mit einem B eschränkungs- und Diskriminie- rungsverbot einher. Art. 2 FZA statuiert den für die Freizügigkeitsrechte zentralen Grundsatz, dass die Staatsangehörigen einer Vertragspartei, die sich rechtmässig im Hoheitsgebiet einer anderen Vertragspartei aufhalten, bei der Anwendung des Abkommens nicht auf Grund ihrer Staatsangehörigkeit diskriminiert werden dürfen. Nebe n dem allgemeinen Diskriminierungsver- bot von Art. 2 FZA enthält das Abkommen in Art. 9 Anh ang I FZA und Art. 15 Anhang I FZA spezifische Diskriminierungsverbote mit Bezug auf unselbstä ndig und selbständig Erwerbende. Danach dürfen Unionsbürger im Anwendungsbereich des F ZA nicht weniger günstig als Inlän- der behandelt werden (Grundsatz der Inländerbehandlu ng). Dies gilt insbesondere für den Zu- gang zu einer Erwerbstätigkeit (Art. 9 Abs. 1 Anhang I FZA, Art. 15 Abs. 1 Anhang I FZA). Die- se Bestimmungen der Anhänge sind derart präzis, dass sie gr undsätzlich keiner näheren Aus- führungsvorschriften bedürfen. Sie sind justiziabel und demnach unmittelbar anwendbar (BREITENMOSER /WEYENETH , a.a.O., Rz. 31.37; Y VO HANGARTNER , Der Grundsatz der Nichtdis- kriminierung wegen der Staatsangehörigkeit im Freizügi gkeitsabkommen der Schweiz mit der Europäischen Gemeinschaft, AJP 2003, S. 259 f.). Das Diskr iminierungsverbot von Art. 2 FZA entspricht inhaltlich dem unionsrechtlichen Diskriminieru ngsverbot von Art. 18 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV, frü her: Art. 12 des Vertrags zur Grün- dung der Europäischen Gemeinschaft [EGV]; vgl. BGE 140 II 167 E. 4.3). Die Auslegung des Art. 2 FZA und damit seine rechtliche Tragweite ist vo r diesem Hintergrund grundsätzlich an diejenige der Art. 18 AEUV und Art. 12 EGV anzulehn en (ASTRID EPINEY , Das Verbot der Dis- kriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit im Pe rsonenfreizügigkeitsabkommen, SJZ 2009, S. 27 f.; BGE 130 I 26 E. 3.2). Das Diskriminier ungsverbot gemäss Art. 2 FZA verbietet sowohl die offene oder direkte (formelle) Diskriminieru ng, d.h. jede Unterscheidung, die aus- drücklich auf die Staatsangehörigkeit abstellt, als auch die versteckte oder indirekte (materielle) Diskriminierung, die durch die Anwendung anderer Unter scheidungsmerkmale als der Staats- angehörigkeit tatsächlich zu dem gleichen Ergebnis führt (BGE 140 II 167 E. 4.1; Urteil des EuGH vom 23. Januar 1997 C-29/95 Pastoors und Trans-Cap GmbH , Slg. 1997 I-285, Rz. 16; Urteil des EuGH vom 29. Oktober 1980 C-22/80 Boussac , Slg. 1980 I-3427, Rz. 9). Art. 2 FZA erfasst dabei all diejenigen Diskriminierungen aus Gründen der Staatsangehörigkeit, welche die Wahrnehmung der im Abkommen gewährleisteten Rechte be hindern bzw. mit diesen im Zu- sammenhang stehen. Ausreichend ist dabei auch ein nur i ndirekter oder potenzieller Bezug (EPINEY , a.a.O., S. 30). Während indirekte Diskriminierungen und sonstige Beschränkungen unter Umständen durch zwingende Gründe des Allgemeininteresses gerechtfertigt sein können, sind Ungleichbehandlungen, die ausdrücklich an die Staatsangehörigkeit anknüpfen, als direkte Diskriminierung sowohl im EU-Binnenmarkt als auch in de m diesen ergänzenden FZA stets Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht absolut unzulässig (B REITENMOSER /WEYENETH , a.a.O., Rz. 31.38; H ANGARTNER , a.a.O., S. 263 ff.; EPINEY , a.a.O., S. 32; BGE 140 II 112 E. 3.4). Der Grundsatz der Inländerbehandlung verlangt in Bezug auf den Zugang zur Erwerbstätigkeit d ie vollständige Gleichbehandlung der Personen, die sich in einer freizügigkeitsrechtlich geregelten Situation befinden, mit den inländi- schen Staatsangehörigen (vgl. auch J AAG /HÄNNI , a.a.O., Rz. 4110; Z ÜND /HUGI YAR , a.a.O., S. 176; C ARL OTTO LENZ , in: Kommentar EU- und EG-Vertrag, a.a.O., Rz. 1 zu Art. 12 EGV; Urteil des EuGH vom 26. September 1996 C-43/95 Data Delecta Aktiebolag , Slg. 1996 I-4661, Rz. 16; Urteil Reyners , a.a.O., betreffend die Zulassung von Ausländern zum B eruf des Rechtsanwalts in Belgien). 7.5 Nach dem Gesagten darf Bürgerinnen und Bürgern au s EU-/EFTA-Staaten, die von ihrem Freizügigkeitsrecht Gebrauch gemacht haben, die Zu lassung zum Anwaltsberuf nicht wegen ihrer fehlenden Schweizer Staatsangehörigkeit versagt werden. 8. Zusammenfassend erfüllen Bewerberinnen und Bewerber die persönliche Voraus- setzung zur Patenterteilung gemäss § 5 lit. a AnwG, wenn sie das schweizerische Bürgerrecht, das Bürgerrecht eines Mitgliedstaats der EU/EFTA oder e ine ausländerrechtliche Niederlas- sungsbewilligung besitzen. Ebenfalls darunter fallen Staatsangehörige von Drittstaaten, die sich auf einen Anspruch auf wirtschaftliche Betätigung in der Schweiz berufen können und vertiefte Kenntnisse der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse nachgewiesen haben. 9. Die im Einzelfall freizügigkeitsrechtlich resp. grund rechtlich gebotene Erteilung des Anwaltspatents an ausländische Personen ohne Niederlassun gsbewilligung führt nicht dazu, dass inskünftig mit einem Zustrom schlecht integrierter Bewerber zu rechnen sein wird, denn einer Patenterteilung an neu zuziehende ausländische Personen stehen nach wie vor hohe fak- tische Hürden im Weg (zur grundsätzlichen Zulässigkeit derartiger Bedingungen für den Zugang zu einem Beruf vgl. Urteil des EuGH vom 10. Dezember 2 009 C ‑345/08 Pe śla , Slg. 2009 I- 11677, Rz. 34 ff.). So ist bereits für die Zulassung zu r Anwaltsprüfung eine mindestens einjähri- ge praktische juristische Tätigkeit, wovon mindestens sechs Monate im Kanton Basel- Landschaft, auszuweisen (§ 7 Abs. 1 lit. b AnwG) und die Anwaltsprüfung selber ist praxisbezo- gen auf das Bundesrecht und das Recht des Kantons Basel-La ndschaft ausgerichtet (§ 8 Abs. 2 AnwG). Die Kenntnis des Landesrechts lässt sich nicht im Ausland erwerben. In der Pra- xis kommen als ausländische Bewerberinnen und Bewerber für das Anwaltspatent somit von Vornherein nur Personen in Frage, die seit Jahren mi t der Schweiz verbunden sind (vgl. WOLFFERS , a.a.O., S. 72). 10. Fallbezogen bedeuten die vorstehenden Ausführunge n, dass der Beschwerdeführer hinsichtlich des Zugangs zu einer juristischen Erwerbstätig keit und deren Ausübung Inländer- behandlung geniesst. Die Vorinstanz durfte demnach nicht auf das in § 5 lit. a AnwG genannte Kriterium der Staatszugehörigkeit abstellen, um ihm di e Erteilung des Anwaltspatents zu ver- weigern. Als deutscher Staatsangehöriger erfüllt der Beschwerdeführer die persönliche Voraus- setzung von § 5 lit. a AnwG. Die Vorinstanz wird die bea ntragte Erteilung des Anwaltspatents demnach neu zu prüfen haben. Sollte der Beschwerdeführ er die übrigen persönlichen Voraus- setzungen zum Entscheidungszeitpunkt (weiterhin) erfülle n, wird ihm das Patent zu erteilen Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht sein. Die Beschwerde ist aus diesem Grund teilweise gutzu heissen und zur neuen Beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Anwaltsaufsichtskommission zurückzuweisen. 11. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 11.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterlie genden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt. Kantonalen Behörden werden nur Verfah renskosten auferlegt, wenn sie das Kantonsgericht in Anspruch nehmen (§ 20 Abs. 4 VPO). D emgemäss sind vorliegend keine Verfahrenskosten zu erheben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 11.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden (§ 21 Abs. 1 VPO). Gemäss dem Ausgang des Verfah rens ist dem anwaltlich vertrete- nen Beschwerdeführer antragsgemäss eine Parteientschädig ung zu Lasten der Vorinstanz zu- zusprechen. In der Honorarnote vom 21. Januar 2016 weist der Rechtsvertreter des Beschwer- deführers ein Honorar von 16.08 Stunden à Fr. 250.-- aus. Der geltend gemachte Stundenauf- wand und der Honoraransatz erscheinen der Sache angem essen. Hinzu kommen nicht zu be- anstandende Auslagen in der Höhe von Fr. 71.60 und die Mehrwertsteuer. Demzufolge hat die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 4'418.95 (inkl. Auslagen und 8% MWST) auszurichten. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird d ie Angelegenheit an die Anwaltsaufsichtskommission Basel-Landschaft zur Neubeurteilun g im Sinne der Erwägungen zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der gele istete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- wird dem Beschwerdefü hrer zurück- erstattet. 3. Die Anwaltsaufsichtskommission Basel-Landschaft hat de m Beschwer- deführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'418.95 (inkl. Auslagen und 8% MWST) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiber