Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. August 2021 (720 21 91 / 216) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Revision einer IV-Rente: Bejahung des Vorliegens einer anspruchserheblichen Änderung des Gesundheitszustands Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichte r Christof Enderle, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber i.V. Benjamin Appius Parteien A.____ , vertreten durch Elisabeth Maier, Advokatin, Hauptstrasse 104, Postfach, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1992 geborene A.____, meldete sich am 10. Janu ar 2000 erstmals unter Hinweis auf ein Psychoorganisches Syndrom (POS) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. In der Folge bewilligte ihm die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) verschiedene Leistungen, u.a. für Sonderschulung und Massna hmen therapeutischer Art. Mit Verfügung vom 25. Juni 2013 sprach sie ihm ab dem 1. Mai 2010 eine halbe Rente und ab dem Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. April 2012 eine Dreiviertelsrente zu. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft. Der Rentenan- spruch wurde in der Folge wiederholt revisionsweise überprüft und bestätigt. A.2 Am 31. August 2020 ersuchte A.____, die IV-Stelle zufolge Verschlechterung des Ge- sundheitszustands um eine revisionsweise Erhöhung der Rente . Nachdem die IV-Stelle beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) beider Basel hierzu Stellungnahmen eingeholt hatte, trat sie nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfüg ung vom 3. Februar 2021 auf das Revisionsbegehren nicht ein. Zur Begründung führte di e IV-Stelle aus, der Versicherte habe nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die tatsächlichen Ver hältnisse seit der Verfügung vom 25. Juni 2013 verändert hätten. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Elisabeth Maier, am 9. März 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Er be- antragte, es sei die Verfügung vom 3. Februar 2021 au fzuheben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese auf das L eistungsbegehren eintrete und weitere Abklärungen vornehme; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht bean- tragte er die unentgeltliche Prozessführung und unent geltliche Verbeiständung mit Advokatin Elisabeth Maier als Rechtsvertreterin. Zur Begründung fü hrte er im Wesentlichen aus, dass die Gesundheitsverschlechterung glaubhaft gemacht worden sei und die Beschwerdegegnerin auf das Revisionsbegehren hätte eintreten müssen. C. Mit Verfügung vom 11. März 2021 bewilligte das Kan tonsgericht dem Beschwerdefüh- rer für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgel tliche Prozessführung und die unent- geltliche Verbeiständung mit Advokatin Elisabeth Maier als Rechtsvertreterin. D. In ihrer Vernehmlassung vom 9. April 2021 schloss die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf die Stellungnahme des RAD vom 29. März 2021 auf Abweisung der Beschwerde. E. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 27 . April 2021, Duplik vom 25. Mai 2021) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht erhobene Beschwerde vom 9. März 2021 ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Wird ein Gesuch um Revision eingereicht, so ist darin glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität oder Hilflosigkeit oder die Höhe des invaliditätsbedingten Betreuungs- aufwands oder Hilfebedarfs der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Wei- se geändert hat (Art. 87 Abs. 2 der Verordnung über d ie Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Gelingt ihr dies nicht, so wird auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die an- spruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die V erwaltung verpflichtet, auf das Revisi- onsgesuch einzutreten und es in tatsächlicher und recht licher Hinsicht umfassend zu prüfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C_3 25/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 2 IVV soll verhi ndern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Anspruchsprüfung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten Rentengesuchen befassen muss (vg l. BGE 130 V 71 E. 3.2.3 mit Hin- weisen). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht ei ner neuen Prüfung so lange entgegen, wie der seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht verändert hat. Die Ver- waltung verfügt bei der Beurteilung der Eintretensvor aussetzungen über einen gewissen Spiel- raum. So wird sie zu berücksichtigen haben, ob die früher e Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und an die Glaubhaftmachung dementsprechend mehr oder weniger hohe Anforderungen stellen (vgl. Urteil des Bundesgeri chts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). 2.2 Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgese tzte Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nich t nach dem im Sozialversiche- rungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrsche inlichkeit (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensei n des geltend gemachten rechtserhebli- chen Sachumstands wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Ände- rung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverha ltsänderung, wenn angenommen wer- den kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente oder de ren Erhöhung sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen soll ten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C_325/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). 2.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person , substanzielle Anhaltspunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs da rzulegen (vgl. auch bezüglich Nach- fristansetzung zur Einreichung ergänzender, in der Neu anmeldung lediglich in Aussicht gestell- ter Beweismittel BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Wenn die de m Revisionsgesuch beigelegten ärztli- chen Berichte so wenig substantiiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse allenfalls rechtfertigen würde, ist die IV- Stelle unter Umständen zur Nachforde- rung weiterer Angaben gehalten. Dies ist nur, aber immerhin dann der Fall, wenn den – für sich allein genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden – Arztberichten konkrete Hinweise ent- nommen werden können, wonach möglicherweise eine mit w eiteren Erhebungen erstellbare rechtserhebliche Änderung vorliegt (vgl. Urteil des Bu ndesgerichts vom 21. Juni 2016, 8C_244/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). Im Übrigen bede utet eine blosse Abklärung durch die Verwaltung, so das Einholen eines einfachen Arztberichte s, allein noch kein materielles Eintre- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten auf das Revisionsgesuch (vgl. Urteil des Bundesgerich ts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). 2.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrads bildet die letzte (der versicherten Pe rson eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustands) beruht. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen er- folgt ist, die ein Eintreten auf das Revisionsgesuch rech tfertigen würde, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Rentenverfügung vom 25. Juni 2013 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen N ichteintretensverfügung vom 3. Februar 2021; dies ist unbestritten. 3.1 Die IV-Stelle stützte ihre rentenzusprechende Ver fügung vom 25. Juni 2013 auf das von ihr bei der B.____ in Auftrag gegebene Gutachten vom 19. März 2013. Darin diagnostizier- ten Prof. Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychothe rapie und Neurologie, sowie Dr. med. D.____, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit eine anamnestisch hyperkinetische Störung des Sozialver haltens (ICD-10 F90.1), ein Auf- merksamkeitsdefizit bei Hyperaktivitätsstörung (ICD-10 F90. 0) bei einem anamnestisch psychoorganischen Syndrom seit Geburt, differenzialdiagnostisch eine organisch bedingte Per- sönlichkeits- und Verhaltensstörung (ICD-10 F07.0) und vordiagnostisch eine niedrige Intelli- genz. Prof. Dr. C.____ und Dr. D.____ bescheinigten dem Exploranden eine theoretisch quanti- tative höchstens 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer Täti gkeit auf dem freien Arbeitsmarkt. Dabei bedinge diese sehr geringe Anforderungen an das kogni tive Leistungsniveau, die Selbstbe- hauptungsfähigkeit sowie die Flexibilität und Gruppen fähigkeit. Weiter führten die Gutachter aus, dem Exploranden müsse es bei allfälligen Beschäftigungen möglich sein, sich ausreichend zurückzuziehen, da er erhebliche interaktionelle Schwieri gkeiten habe. Demgemäss erscheine die 100%ige Anstellung im geschützten Rahmen optimal, insofern sei zu überlegen, ob mit ei- nem Wiedereingliederungsversuch auf dem freien Arbeitsm arkt zugewartet werden sollte, bis sich der Explorand weiter stabilisiert habe. Deshalb würd en sie eine erneute Begutachtung in zwei Jahren empfehlen. Schliesslich wird hinsichtlich dem bisherigen Verlauf der Arbeitstätigkeit festgehalten, der junge Explorand habe nach der Sond erschulung soeben erst eine Ausbildung im geschützten Rahmen abgeschlossen. Er sei in einer geschüt zten Wohnsituation und in ei- nem gut strukturierten Tagesablauf derzeit psychisch bzw. psych osozial in einem stabilen Zu- stand, sodass mittelfristig eine teilzeitliche Erwerbstäti gkeit auf dem freien Arbeitsmarkt ver- sucht werden könne. Diese sei auch schon jetzt theoretisc h denkbar, jedoch werde dringend zunächst eine Stabilisierung der erreichten Kompetenzn iveaus durch Weiterführung einer Tä- tigkeit im geschützten Rahmen empfohlen. 3.2 Am 26. März 2013 empfahl der RAD-Arzt Dr. med. E. ____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, auf das Gutachten abzustellen. Im Weiteren führte er aus, dass die vorhandene Teilarbeitsfähigkeit unter erleichterter Einarbeitun g mithilfe beruflicher Massnahmen auch in freier Wirtschaft zu verwirklichen sein sollte. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer zweimalig – im Herbst 2018 und im Frühling 2019 – in der B.____ stationär behan delt wurde. Der erste Austrittsbericht vom 6. September 2018 zeigt auf, dass er infolge einer krise nhaft verlaufenen Liebesbeziehung de- stabilisiert gewesen sei. Der zweite Eintritt erfolgte gemäss dem Austrittsbericht vom 29. Mai 2019 nach Verlust der Arbeitsstelle im ersten Arbeitsmarkt , wobei zusätzlich Beziehungsprob- leme vorlagen. 3.4 Im Zuge seines Revisionsgesuchs vom 31. August 2020 reic hte der Versicherte einen Bericht seines behandelnden Psychotherapeuten lic. phil. F .____ vom 30. Juli 2020 ein. Darin wird ausgeführt, dass der Beschwerdeführer in den letzte n fünf Jahren aufgrund seiner krank- heitsbedingten Verhaltensschwierigkeiten sechs Arbeitsstel len verloren habe. Dabei seien fünf geschützte Arbeitsplätze mit kompetenter, – teils über durchschnittlich intensiver – arbeitsagogi- scher Betreuung gewesen. Die einzige Anstellung im erste n Arbeitsmarkt habe der Versicherte im September 2018 bei einem privaten Bekannten erhalt en. Diese sei ihm jedoch Ende April 2019 gekündigt worden. Die persönlichen Ressourcen sei en stark begrenzt und es gelinge ihm nicht, sein Verhalten zu steuern. Ihm fehle die Einsi cht, was sein übergriffiges und impulsives Verhalten bei anderen auslöse. Nach lic. phil F.____ würden die psychischen Erkrankungen den Versicherten in seinen sozialen Interaktionen schwer wiegend behindern. Wenngleich der Versicherte Arbeitschancen erhalte, mitunter auch im erst en Arbeitsmarkt, werde er innert Wo- chen bis Monaten als untragbar empfunden und verliere deshalb die Anstellung. Von einer ver- wertbaren Restarbeitsfähigkeit sei er weit entfernt. 3.5 Am 8. Oktober 2020 folgerte RAD-Arzt Dr. E.____, dass der Versicherte fähig sei, sein dysfunktionales Verhalten über längere Zeit zu steuern. Zusätzliche Einschränkungen der Ar- beitsfähigkeit liessen sich bei unveränderten Diagnosen und psychopathologischen Befunden nicht begründen. Die erheblichen Einschränkungen des Ver sicherten seien bereits im hohen Invaliditätsgrad von 62 % abgebildet. Eine massgebliche Veränderung des Gesundheitszu- stands und der Arbeitsfähigkeit sei nicht erkennbar, w eshalb bei unveränderter Diagnose kein Anhalt für eine erneute Abklärung bestehe. 3.6 Im Bericht vom 26. November 2020 diagnostizierte Dr . med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähi gkeit eine kombinierte Persönlichkeits- störung mit narzisstischer, emotional instabiler, parano ider und kindlich-abhängiger Färbung (ICD-10 F61.0) sowie eine rezidivierende depressive Stö rung, gegenwärtig leichtgradige Episo- de (ICD-10 F33.0). Sie führte aus, der Therapieverlau f zeige eine Chronifizierung der psychi- schen Leiden. Obwohl sämtliche Behandlungen lege artis durchgeführt worden seien und der Versicherte stets gut kooperiert habe, seien alle Bemüh ungen gescheitert. Der mangelnde Ein- gliederungserfolg sei unmittelbar auf die Persönlichke itsstörung rückführbar. Die Gesundheits- schädigung wirke sich konsistent sowohl auf die Privatsphäre als auch in der Berufswelt aus. Das Mini-ICF-APP-Rating zeige lediglich die volle Fähigkeit zur Selbstpflege und Teilnahme am Verkehr, während sämtliche übrigen Fähigkeiten starken Schwankungen unterlägen. Der Versi- cherte zeige keine realistische Selbsteinschätzung, wobei e r sich mitunter überschätze und meine, im ersten Arbeitsmarkt arbeiten zu können. Dr. G.____ stellte fest, dass eine Chronifizie- rung des psychischen Zustands mit Verschlechterung von im Einze lnen genannten Komponen- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten bestünde. Insbesondere sei die frühere, damals berec htigte prognostische Annahme hin- sichtlich der Arbeitsfähigkeit in der Zwischenzeit durch den Verlauf widerlegt worden. Dies zeige das Scheitern des Arbeitsversuchs im ersten Arbeitsmarkt. Zudem sei der Beschwerdeführer 2018 und 2019 stationär psychiatrisch behandelt worden, was zuvor nie vorgekommen sei. Ins- gesamt habe sich eine erhebliche Veränderung des Gesundheitszustands eingestellt. 3.7 Am 1. Dezember 2020 führte der RAD-Arzt E.____ au s, dass bereits im Gutachten der B.____ vom 19. März 2013 eine dauerhafte 50%ige Arbe itsfähigkeit für Arbeiten mit geringen Anforderungen an das kognitive Leistungsniveau, die Sel bstbehauptungsfähigkeit sowie die Flexibilität attestiert worden sei. Damit liege berei ts ein stark qualitativ und quantitativ einge- schränktes Zumutbarkeitsprofil vor. Die von G.____ festgest ellten Diagnosen seien im Wesent- lichen gleich wie die ursprünglichen. Die von den beh andelnden Personen vorgebrachte wenig realistische Selbsteinschätzung des Versicherten sei ein bezeichnendes Symptom für die attes- tierte unreife Persönlichkeit und Verhaltensstörung bei niedriger Intelligenz. Die von lic. phil. F.____ genannten Einzelkomponenten seien durchwegs erfa sst worden. Auch sei die gegen- wärtig leichtgradige depressive Episode wirksam und zweckm ässig behandelbar. Sie sei nicht geeignet, eine höhere Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Die Aufenthalte in der Kriseninterventi- onsstation seien kein Hinweis für eine erhebliche Gesundheitsverschlechterung, zumal dadurch der Gesundheitszustand stabilisiert und verbessert worden sei. Schliesslich sei der gescheiterte Arbeitsversuch im ersten Arbeitsmarkt kein Beweis für eine massgebliche gesundheitliche Ver- schlechterung. 3.8 Im Rahmen der Vernehmlassung der IV-Stelle hielt RAD-Arzt Dr. E.____ am 29. März 2021 fest, beim Versicherten liege eine Persönlichkeitsstö rung vor, welche bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bereits berücksichtigt worden sei. Somit sei das defizitäre Sozialverhalten, welches seit Jahren bekannt und lange vor dem Erstentsc heid beschrieben worden sei, hinrei- chend berücksichtigt worden. Eine höhere Arbeitsunfähigkei t als 50 % lasse sich nicht begrün- den. Der Versicherten könne durchaus motiviert arbeiten . Ebenso wenig würden die beiden stationären Aufenthalte eine dauerhafte 100%ige Arbe itsunfähigkeit begründen, zumal der Ver- sicherte jeweils in deutlich stabilisiertem Zustand aus der Klinik ausgetreten sei. 3.9 Im Rahmen der Duplik der Beschwerdegegnerin führte der RAD-Arzt Dr. E.____ am 18. Mai 2021 aus, die vorliegenden Akten würden dur chgehend einen unveränderten Gesund- heitszustand beschreiben. Seit September 2019 seien kein e stationären psychiatrischen Kri- senaufenthalte notwendig gewesen. Die sozial schwierige n Verhaltensweisen des Versicherten seien allesamt im Profil der zumutbaren Verweistätigkei t berücksichtigt worden. Da der Ge- sundheitszustand unverändert sei, bestehe kein Grund für die Annahme einer höheren Arbeits- unfähigkeit. 4.1 Die IV-Stelle ging in der angefochtenen Verfügu ng vom 3. Februar 2021 gestützt auf die Ausführungen von Dr. E.____ vom 8. Oktober 2020 und vom 1. Dezember 2020 davon aus, dass im Rahmen des Revisionsgesuchs vom 31. August 2020 ei ne Veränderung der Verhält- nisse nicht glaubhaft gemacht worden sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Der Auffassung der IV-Stelle kann nicht beigepfl ichtet werden. Wie oben (vgl. E. 2.2 hiervor) ausgeführt, genügt es für das Glaubhaftmachen i m Sinne von Art. 87 Abs. 2 IVV, dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklä- rung werde sich die behauptete Sachverhaltsänderung nich t erstellen lassen. Solche Anhalts- punkte sind vorliegend aufgrund der neu aufgelegten me dizinischen Unterlagen zu bejahen. So diagnostizierte die behandelnde Psychiaterin Dr. G.____ mit Bericht vom 26. November 2020 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (neu) eine ko mbinierte Persönlichkeitsstörung mit nar- zisstischer, emotional instabiler, paranoider und kindlich -abhängiger Färbung (ICD-10 F61.0) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0). Zudem stützte sie sich bei ihrer Untersuchung auf das Mini -ICF-APP-Rating und zeigte auf, dass sich die psychischen Beschwerden einschränkender auf die A rbeitsfähigkeit auswirken würden, indem einzig die volle Fähigkeit zur Selbstpfle ge und Teilnahme am Verkehr dauernd gegeben seien. Aufgrund der neuen Diagnosen und der Auswirkung dieser gesundheitlichen Beeinträchtigung bestehen gewichtige Anhaltspunkte für eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands – weshalb Dr. G.____ insgesamt ein en deutlich verschlechterten Ge- sundheitszustand bejahte. 4.3 Des Weiteren lässt das Gutachten der B.____ vom 19. März 2013 erkennen, dass die bescheinigte theoretisch quantitative 50%ige Arbeitsfä higkeit im ersten Arbeitsmarkt einer Prognose entspricht, wobei die Stabilisierung im geschützten Rahmen abzuwarten sei. Es zeig- te sich aber, dass sämtliche Arbeitsverhältnisse des Versiche rten infolge Verhaltensschwierig- keiten scheiterten. Die im Gutachten der B.____ als optimal eingeschätzte Tätigkeit beim dama- ligen geschützten Arbeitsplatz verlief nicht erfolgreich. Die weiteren Arbeitsverhältnisse im ge- schützten Arbeitsbereich führten ebenfalls nicht zum pro gnostizierten Erfolg und mussten auf- gelöst werden. Auch das teilzeitliche Arbeitsverhältnis im ersten Arbeitsmarkt musste beendet werden. Demzufolge war die Prognose der H.____ zur (Teil)Arbeitsfähigkeit unzutreffend. Hinzu tritt, dass die Gutachter eine erneute Beurteilung in ca. zwei Jahren empfahlen; diese wurde aber nie vorgenommen. Damit liegt aktuell keine klar e Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor. Schliesslich sind auch die beiden stationären Aufenthalt e mit Blick auf die Gesamtsituation ge- eignet, als Anhaltspunkt einer eingetretenen Verschlechterung zu gelten, zumal diese zuvor nie vorgekommen sind. Demnach ist insgesamt eine relevante Ver schlechterung des Gesundheits- zustandes rechtsgenügend glaubhaft gemacht. 4.4 Soweit die IV-Stelle ausführt, die Einschränkunge n, insbesondere die sozialen Defizite des Beschwerdeführers seien bereits seit Jahren bekannt, hinlänglich berücksichtigt und be- schrieben worden, ist ihr entgegenzuhalten, dass sich die se nunmehr anhand der medizini- schen Berichte und tatsächlichen Erfahrungen schwerwiegen der als im Gutachten der B.____ vom 19. März 2013 präsentieren. Bei dieser Ausgangslage und einer Zeitspanne von fast acht Jahren zwischen den beiden zu vergleichenden Sachverhalten kann es die IV-Stelle nicht dabei bewenden lassen, die neu vorgelegten Berichte lediglich einer internen Prüfung durch den Psy- chiater des RAD zuzuführen. Vielmehr muss sie die Sache a n die Hand nehmen und nach Durchführung entsprechender medizinischer Abklärungen mat eriell über den geltend gemach- ten Leistungsanspruch des Versicherten verfügen. Folgli ch ist die IV-Stelle zu Unrecht auf das Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Revisionsgesuch nicht eingetreten. Die Angelegenheit ist daher an die Vorinstanz zurückzuwei- sen, damit diese die glaubhaft gemachte Verschlechterun g des Gesundheitszustandes weiter abklärt. Demnach ist in Gutheissung der Beschwerde die V erfügung der IV-Stelle Basel- Landschaft vom 3. Februar 2021 aufzuheben und diese anzuweisen, auf das Revisionsgesuch des Beschwerdeführers vom 31. August 2020 einzutreten. 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferleg t. Vorliegend ist die IV-Stelle unter- liegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- aufzuerlegen sind. 5.2 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die Beschwerde führen de Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und o hne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schw ierigkeit des Prozesses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts genügt für den bundesrechtlichen Anspruch auf eine Parteientschädigung auch ein formelles Obsiegen in dem S inne, dass der Beschwerde führen- den Person durch die Aufhebung der angefochtenen Verf ügung und der Rückweisung der Sa- che an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neue n Beurteilung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewahrt bleiben (vgl. BGE 132 V 215 E. 6.2). Nachdem die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur weiteren Abklä rung im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle zurückzuweisen ist, hat diese dem Versiche rten eine Parteientschädigung auszu- richten. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat mit Honorarnote vom 22. April 2021 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von in sgesamt 8 Stunden und 50 Minuten geltend gemacht. Zu beachten ist, dass vorprozessualer Aufwand (Positionen vom 8. Januar bis 2. Februar 2021: 1 Stunde 35 Minuten) praxisgemäss nicht berücksichtigt werden kann. Folglich bleibt ein Aufwand von 7 Stunden und 15 Minuten zu entschädigen. Dieser Aufwand ist mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Stundenansatz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Die Auslagen sind mit Fr.118.30.-- zu veranschlagen. Dem Beschwerdeführer ist d eshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'079.35 (7 Stunden und 15 Minuten à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 118.30 plus 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 6.1 Laut Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbstständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewi rken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Ko sten für ein weitläufiges Beweisverfah- ren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich nicht nur bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung um einen Zwischenentscheid im Sinne Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Art. 93 Abs. 1 BGG, sondern insbesondere auch bei F ällen, in welchen die Vorinstanz die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens an die Vorinstanz zurückweist (Urteil des Bundesge- richts vom 1. Juli 2009, 4A_128/2009, E. 1.1 ff.). Bei m vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässi g. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrun g erfolgt unter diesem ausdrückli- chen Vorbehalt. 6.2 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g – wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst – einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BG G) darstellt, der in der Regel keinen nicht wiedergutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (vgl. BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2 - 4; vgl. auch Urteil des Bundesge- richts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 3. Februar 2021 aufgehoben, und die IV-Stelle Basel -Landschaft an- gewiesen, auf das Leistungsbegehren des Beschwerdeführ ers vom 31. August 2020 einzutreten. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2'079.40 (inkl. Aus lagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht