Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 31. Januar 2013 (725 12 269 / 14) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Beurteilung der Arbeitsfähigkeit / Würdigung von Arztberichten im Hinblick auf die Be- messung des Rentenanspruchs Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin Elisabe th Berger Götz, Kan- tonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Monica Armesto, Advo- katin, indemnis, Spalenberg 20, 4001 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer-Münch, Advokat, Güter- strasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. Die 1948 geborene A.____ war seit November 1974 b ei der B.____ AG als Postbotin angestellt und durch ihre Arbeitgeberin bei der Schwei zerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen un d Berufskrankheiten versichert. Am 28. September 2004 stolperte A.____ an ihrem Arbeits ort beim Rückwärtsgehen über einen Postrolli und stürzte auf die linke Hand (vgl. Unfallm eldung vom 29. September 2004). Dabei zog sie sich eine Radiusfraktur links mit Abriss des Processus st yloideus ulnae zu (vgl. “Arzt- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zeugnis UVG“ der Chirurgischen Poliklinik C.____). Nach Eingang der Unfallmeldung erbrachte die SUVA die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung, Taggelder) für die Folgen dieses Un- falls. Am 25. Januar 2006 meldete A.____ der SUVA ei nen Verkehrsunfall, den sie am 4. November 2005 während eines Ferienaufenthaltes in D .____ erlitten habe. Demnach sei sie als Beifahrerin in einem Geländefahrzeug unterwegs gew esen, als dieses von der Strasse ab- gekommen sei und sich überschlagen habe. Die Erstbehandlung habe in einem Spital in E.____ stattgefunden. Bereits vor der Unfallmeldung habe die Versicherte den Verkehrsunfall gegen- über ihrer Hausärztin, Dr. med. F.____, FMH Chirurgi e, gemeldet. Im Rahmen einer MRT- Untersuchung vom 11. Januar 2006 sei ein Status nach nicht mehr ganz frischen Kompressi- onsfrakturen der Wirbelsegmente Th5 und Th8 diagnostizi ert worden (vgl. Bericht des Instituts G.____ vom 11. Januar 2006). Die SUVA richtete der Versicherten in der Folge auch für dieses Ereignis die gesetzlichen Leistungen in Form von Heilbehandlung und Taggeldern aus. Mit Verfügung vom 15. Dezember 2006 sprach die SUVA der Versicherten für die verbliebenen Beeinträchtigungen aus den beiden Unfallereignissen v om 28. September 2004 und 4. Novem- ber 2005 eine Invalidenrente auf der Basis einer Erwer bsunfähigkeit von 26 % und eine Integri- tätsentschädigung in der Höhe von insgesamt 30 % (Handve rletzung 10 %, Rückenverletzung 20 %) zu. Daran hielt die SUVA auf Einsprache der Versi cherten hin mit Einspracheentscheid vom 4. April 2007 fest. Eine von A.____ gegen diesen Einspracheentscheid erhobene Be- schwerde hiess das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 6. Juni 2008 in dem Sinne gut, als es den an gefochtenen Einspracheentscheid auf- hob und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im S inne der Erwägungen und zur an- schliessenden Neuverfügung an die SUVA zurückwies. In Nachachtung dieses Urteils holte die SUVA bei Dr. me d. H.____, Facharzt für Neurochirur- gie, und bei Dr. med. I.____, Fachärztin für Handch irurgie, zwei Gutachten ein, welche am 29. Juni 2009 bzw. am 5. Dezember 2009 erstattet wurden . Gestützt auf deren Ergebnisse sprach die SUVA A.____ mit Verfügung vom 20. Januar 201 2 eine Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von nunmehr 35 % und eine In tegritätsentschädigung, nach wie vor basierend auf einer Integritätseinbusse von 30 %, zu. Dar an hielt die SUVA auf Einsprache der Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 12. Juli 2012 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Advokatin Mo nica Armesto namens und im Auftrag von A.____ am 5. September 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin beantragte sie, es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuhebe n und die SUVA sei zu verpflich- ten, der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. November 2006 eine Invalidenrente nach Mass- gabe eines Invaliditätsgrades von mindestens 51 % auszur ichten. Überdies sei die Beschwer- degegnerin zu verpflichten, die Vertretungskosten der Beschwerdeführerin zu übernehmen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, die beiden in Auftrag gegebenen Gut- achten würden die Frage nach der gesamthaften Arbeit sunfähigkeit unter Berücksichtigung der Folgen beider Unfälle immer noch nicht beantworten. Auch die nachträglich eingeholten Stel- lungnahmen der beiden Gutachter würden keinen Aufschlu ss geben, welche Tätigkeiten der Versicherten aus wirbelsäulen- und handchirurgischer Sicht in welchem Ausmass zumutbar seien. Dies sei deshalb mittels eines bidisziplinären Gerichtsgutachtens zu klären. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. In ihrer Vernehmlassung vom 5. November 2012 bean tragte die SUVA, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer-Münch, die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in J.____, weshalb die ör tliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 5. Sep tember 2012 ist demnach einzutre- ten. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenren- te (Art. 18 Abs. 1 UVG). Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durc h den Unfall eine dauernde erhebli- che Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychisch en Integrität erleidet. Die Leistungs- pflicht des Unfallversicherers setzt dabei immer voraus, dass zwischen dem versicherten Ereig- nis und dem eingetretenen Schaden (Invalidität, Integr itätseinbusse) ein natürlicher (vgl. dazu BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen) und ein adäquate r (vgl. dazu BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinweis) Kausalzusammenhang besteht. 2.2 Im vorliegenden Verfahren ist unbestritten, dass zw ischen den Unfallereignissen vom 28. September 2004 und 4. November 2005 und dem eingetretenen Schaden (Invalidität, Integ- ritätseinbusse) sowohl ein natürlicher als auch ein adäqu ater Kausalzusammenhang besteht. Die Beschwerdegegnerin sprach der Versicherten denn au ch mit Verfügung vom 20. Januar 2012 für die verbleibenden Beeinträchtigungen aus den beiden Unfallereignissen mit Wirkung ab 1. November 2006 eine auf einer Erwerbsunfähigkeit von 35 % basierende und gestützt auf einen versicherten Jahresverdienst von Fr. 72'540.-- festg esetzte Invalidenrente sowie eine Integritätsentschädigung in der Höhe von Fr. 32’040.-- zu. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Zu beachten ist, dass sich die von der Versicherten geg en diese Verfügung vom 20. Januar 2012 erhobene Einsprache ausschliesslich gegen die Festsetzung der Invalidenren- te richtete. Darüber hinaus enthielt die Eingabe kein e Anhaltspunkte, dass die Versicherte zu- sätzlich auch die Höhe der Integritätsentschädigung, wi e sie in der Verfügung festgesetzt wor- den war, anfechten wollte. Die Beschwerdegegnerin sah somit keine Veranlassung, diese im Rahmen des Einsprachentscheides von Amtes wegen in die B eurteilung einzubeziehen, son- dern sie durfte sich in Ziffer 1 der Erwägungen des Ent scheides - zu Recht - auf den Hinweis beschränken, dass die Verfügung vom 20. Januar 2012 bezüglich der darin festgesetzten Integ- ritätsentschädigung nicht angefochten sei. Im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Rügeprinzip im Einspracheverfahren und zur Frage de r Teilrechtskraft von nicht angefoch- tenen Verfügungsbestandteilen (vgl. BGE 119 V 347 ff.) kann demnach festgehalten werden, dass die in der Verfügung vom 20. Januar 2012 festgesetzt e Integritätsentschädigung in der Höhe von Fr. 32'040.-- in (Teil-) Rechtskraft erwachsen ist. Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet somit einzig die Höhe der d er Versicherten zustehenden Invali- denrente der Unfallversicherung. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person unfallbedingt arbeitsunfähig ist. 3.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) bleibt f olglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beo- bachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Nachdem das Kantonsgericht die Angelegenheit mit U rteil vom 6. Jun 2008 zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhaltes an die Beschwerdeg egnerin zurückgewiesen hat- te, holte diese bei den Dres. H.____ und I.____ zwei fachärztliche Gutachten ein. In seinem Gutachten vom 29. Juni 2009 gab der Neurochirurg Dr. H.____ als Diagnosen eine traumati- sche BWK5- und BWK8-Kompressionsfraktur und - als Nebenbefund - eine Bursitis trochanteri- ca links an. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte der Experte aus, diese werde von Seiten der Brustwirbelsäule nicht eingeschränkt. Der Versicherten sei es durchaus zumutbar, eine ange- passte Tätigkeit, die wechselnde Belastungen zulasse und das Heben und Tragen schwerer Lasten von weniger als 10 kg beinhalte, ganztägig auszuübe n. Allerdings sollte nach entspre- chenden statischen Belastungen (Sitzen, Stehen von 20 - 30 Minuten) eine kurze Pause mit Lagenwechsel von 5 Minuten durchgeführt werden. Die Handchirurgin Dr. I.____ diagnostizierte in ihrem Gutachten vom 5. Dezember 2009 einen Status n ach intraartikulärer distaler Radius- fraktur, welche in Fehlstellung verheilt sei, eine ni cht dislozierte Fraktur des Processus styloi- deus ulnae links, eine radiocarpale und radioskaphoidal e Arthrose im Handgelenk links sowie einen Status nach posttraumatischem schwerem CRPS Typ II. Vom linken Handgelenk her sei- en repetitive oder schwere bis mässig schwere Arbeiten ni cht mehr ohne Schmerzen und ohne Gefahr einer Arthroseprogression durchführbar. Arbeiten, bei denen die Versicherte nicht beide Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arme im gleichen Masse benötige und bei denen sie keine Gewichte heben müsse, seien ihr zu 100 % zumutbar. Dies gelte auch für einhändige Arbeite n. Keine Einschränkungen würden so- dann bei sitzender, stehender und laufender Körperhalt ung ohne Stoss- und repetitive Bewe- gungen im Bereich der linken oberen Extremität bestehe n. Das Heben und Tragen von schwe- ren Gegenständen mit der linken Hand sei bis 4 kg möglich ; bei repetitiven Bewegungen wie dem Sortieren von Gegenständen sei die Bewegung mehr als das Gewicht massgebend. Gar nicht zumutbar seien dagegen Über-Kopf-Arbeiten, das Steigen auf Leitern oder Gerüste sowie kauernd oder kniend zu verrichtende Tätigkeiten. 4.2 Im Rahmen des Einspracheverfahrens wurden die beide n Gutachter angefragt, wie sie die zumutbare Arbeitsfähigkeit gesamthaft, d.h. unt er Berücksichtigung de Einschränkungen an der Hand und am Rücken, beurteilen würden. Dr. H.___ _ antwortete darauf am 6. Juni 2011 wie folgt: „Diese Frage ist aus meiner Sicht letztendli ch durch einen Arbeitsmediziner zu beant- worten. Eine Tätigkeit, z.B. an einer Kasse oder in ein em Call-Center, ist aus meiner Sicht der Patientin sicher zu 100 % möglich, während körperlich sch wer belastende Arbeiten mit Heben und Tragen schwerer Lasten über 10 kg der Patientin nich t auf Dauer zuzumuten sind, d.h. hier schwankt die Arbeitsfähigkeit doch sehr stark in Abhängigk eit des möglichen Berufes zwischen 0 und 100 %. Eine abschliessende Beurteilung ist somit nur im Hinblick auf den spezifizierten Beruf, bzw. die spezifizierte Tätigkeit möglich.“ Die zwe ite Gutachterin, Dr. I.____, wiederholte in ihrem Antwortschreiben vom 26. Juni 2011 im Wesent lichen ihre ursprüngliche Zumutbar- keitsbeurteilung, wie sie sie im Gutachten vom 5. Dezember 2009 festgehalten hatte. 4.3 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse, zu denen die Dres. H.____ und I.____ in ihren Gutachten vom 29. Juni 2 009 und 5. Dezember 2009 gelangt sind. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Beschwerdeführe rin in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig se i. Diese vorinstanzliche Beweiswürdi- gung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indi zien liegen hier keine vor. Die Gutach- ten der Dres. H.____ und I.____ vom 29 Juni 2009 und 5. Dezember 2009 weisen weder forma- le noch inhaltliche Mängel auf, sie sind - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.3 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, sie ber uhen auf allseitigen Untersuchungen, sie berücksichtigen die geklagten Beschwerden, sie sind in Ke nntnis der Vorakten abgegeben wor- den und sie leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurtei- lung der medizinischen Situation ein. 4.4 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht gee ignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft der Gutachten der Dres. H.____ und I.____ in Frage zu stellen. Nach Auffassung der Beschwerdeführerin kann auf deren Ergebnisse nicht abge stellt werden, da die beiden Gutach- ter keine gesamthafte Beurteilung der Arbeitsfähigkei t vorgenommen hätten. Zutreffend und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zweifellos unbefriedigend ist, dass die Dres. H.____ und I.____ den Umfang der Arbeitsfähig- keit der Versicherten nicht gemeinsam - im Rahmen eine r bidisziplinären Konsensbesprechung - beurteilt, sondern ihre Einschätzungen trotz anderslau tender Nachfrage der Beschwerdegeg- nerin auch in ihren ergänzenden Stellungnahmen vom 6. bzw. 26. Juni 2011 erneut weitgehend nur aus eigener fachärztlicher Sicht abgegeben haben. Nichtsdestotrotz kann vorliegend aus den nachfolgenden Überlegungen von zusätzlichen medizini schen Abklärungen abgesehen werden: Wesentlich ist vorab, dass beide Fachärzte - je f ür sich - sehr genau beschreiben, bei welchen Tätigkeiten Einschränkungen bestehen. Sodann lä sst eine einlässlichere Würdigung der beiden Zumutbarkeitsbeurteilungen durchaus den Sch luss zu, dass der Versicherten in ei- ner angepassten Tätigkeit eine vollzeitliche Beschäftigu ng möglich wäre, denn entgegen ihrer Auffassung wirken sich die einzelnen Leistungseinschränkungen nicht in zeitlicher, sondern nur in qualitativer Hinsicht überlagernd aus. So steht fest, dass das Heben und Tragen von Gewich- ten auf 10 kg beschränkt ist und bezogen auf den linken Arm 4 kg nicht überschreiten darf. In einer wechselbelastenden Tätigkeit, welche gemäss Dr. H._ ___ zwanzig- bis dreissigminütigen Zeitlimiten Rechnung trägt, besteht hingegen keine zu sätzliche zeitliche Einschränkung, da die von Dr. H.____ als nötig erachteten fünfminütigen Paus en pro zwanzig- bis dreissigminütigem Sitzen oder Stehen nur nötig sind, wenn nachher nahtl os wieder in der gleichen Position gear- beitet werden muss. In diesem Zusammenhang ist aber zu berücksichtigen, dass der Arbeits- markt durchaus körperlich leichte Tätigkeiten anbietet, welche wechselbelastend, d.h. ohne län- geres Arbeiten in derselben Position, ausgeübt werde n können. Zu Recht nennt denn auch Dr. H.____ beispielhaft eine Tätigkeit in einem Call -Center, welche im Fall der Versicherten die Anforderungen einer leidensadaptierten Tätigkeit effektiv erfüllt. 5. Auf der Basis dieser medizinischen Sachlage ist der In validitätsgrad der Versicherten zu ermitteln. 5.1 Nach Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Inval iditätsgrades das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der In validität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie- hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat i n der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffe rnmässig möglichst genau ermit- telt und einander gegenübergestellt werden. Aus der E inkommensdifferenz lässt sich der Invali- ditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 5..2 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Ein spracheentscheid vom 19. Februar 2012 den erforderlichen Einkommensvergleich vorgenomme n. Dabei hat sie anhand der Ge- genüberstellung des unbestritten gebliebenen Validene inkommens von Fr. 65'299.-- und eines als zumutbar erachteten Invalideneinkommens von Fr. 42'736.-- einen Invaliditätsgrad von 35 % ermittelt. Die konkrete Berechnung erweist sich grundsätzli ch als rechtens, weshalb diesbezüg- lich auf die entsprechenden Ausführungen der Beschwer degegnerin im angefochtenen Ein- spracheentscheid vom 19. Februar 2012 verwiesen werden ka nn. Insbesondere ist die Be- schwerdegegnerin gestützt auf die Ergebnisse ihrer medizin ischen Sachverhaltsabklärungen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. E. 4.3 und 4.4 hiervor) zu Recht von einer zumutbaren vollzeitlichen Beschäftigung in einer leidenadaptierten Tätigkeit ausgegangen. Ebenfalls als korrekt erweist sich, dass sie das Invali- deneinkommen unter Beizug der Tabellenlöhne der Schw eizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik ermittelt hat, wobei sie in zutreffender Weise vom Durch- schnittslohn sämtlicher Sektoren für die im Anforderungs niveau 4 (einfache und repetitive Auf- gaben) beschäftigten Frauen ausgegangen ist. Schliesslich ist auch nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin der Versicherten einen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b /aa) in der Höhe von 15 % gewährt hat. Ein höherer Abzug rechtfertigt sich nicht, weil mit d em Anforderungsniveau 4 als Grundlage für die Bemessung des Invalideneinkommens berücksichtigt wir d, dass die Versicherte gesund- heitsbedingt auf die Verrichtung körperlich leichter Hilfsarbeiten beschränkt ist. 5.3 Zusammenfassend ist somit nicht zu beanstanden, dass d ie Beschwerdegegnerin der Versicherten eine Invalidenrente auf der Basis einer Erw erbsunfähigkeit von 35 % zugespro- chen hat. Die gegen den betreffenden Einspracheentsch eid erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor de m kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegend e Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen; die obsiegende Beschwerdegegne- rin ist zwar anwaltlich vertreten, Art. 61 lit. g ATSG schränkt den Anspruch auf eine Parteient- schädigung jedoch ausdrücklich auf die Beschwerde führende Person ein. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht