<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 130 S.555</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">555</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>130 Kommunale Nutzungsplanung, akzessorische Normenkontrolle; Voraus-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>setzungen für die vorsorgliche Unterschutzstellung einer Bachaue.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Aufgrund einer akzessorischen Prüfung wird einem rechtskräftigen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Nutzungsplan die Gefolgschaft nur dann verweigert, wenn dessen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Rechts- und Verfassungswidrigkeit klar zu Tage tritt und der festge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>stellte Mangel den Rahmen einer blossen relativen Unzweckmässig-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>keit sprengt (Erw. 3 a).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Prüfung, ob das Kriterium der Überflutungsgefahr die Zuweisung ei-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ner Fläche zum Nichtbaugebiet zur Folge hat (Erw. 3 b und c aa-cc).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Lässt sich die Frage nach der Eignung zur Überbauung nicht klar be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>antworten, ist eine Querverbindung unter den Bauzonenkriterien zu-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>lässig und die Eignung einer Fläche als Bauland um so eher zu bejah-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>en, wenn diese "weitgehend überbaut" und erschlossen ist (Erw. 3 c</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dd).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Damit eine Landschaft mit vorsorglichen Schutzmassnahmen belegt</b></span><br/> <span class="ft3"><b>werden kann, muss sie im kantonalen Richtplan als Objekt von</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kantonaler Bedeutung ausgewiesen sein (Erw. 4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Regierungsrates vom 5. April 2000 in Sachen P.N.A. und</span><br/> <span class="ft4">P.N.S. gegen Baudepartement und Gemeinderat S.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3. a) Gemäss § 90 Abs. 4 der Verfassung des Kantons Aargau</span><br/> <span class="ft6">vom 25. Juni 1980 (KV) ist der Regierungsrat gehalten, Erlassen die</span><br/> <span class="ft6">Anwendung zu versagen, die Bundesrecht oder kantonalem Verfas-</span><br/> <span class="ft6">sungs- oder Gesetzesrecht widersprechen (vgl. dazu Kurt Eichenber-</span><br/> <span class="ft6">ger, Verfassung des Kantons Aargau, Aarau 1986, N 18 ff. zu § 90).</span><br/> <span class="ft6">Nach aargauischem Recht unterliegen dieser vorfrageweisen Nor-</span><br/> <span class="ft6">menkontrolle auch Bauordnungen und Zonenpläne. Mit Rücksicht</span><br/> <span class="ft6">auf die autonome Stellung der Gemeinden (§ 106 KV) und unter</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">556</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Berücksichtigung des Umstandes, dass es nicht seine Aufgabe ist,</span><br/> <span class="ft6">eine allgemeine Aufsicht über die zuständigen Planungsinstanzen</span><br/> <span class="ft6">vorzunehmen, übt der Regierungsrat bei der Überprüfung von Zo-</span><br/> <span class="ft6">nenplänen Zurückhaltung. So wird einem rechtskräftigen Nutzungs-</span><br/> <span class="ft6">plan die Gefolgschaft aufgrund einer akzessorischen Prüfung nur</span><br/> <span class="ft6">dann verweigert, wenn dessen Rechts- und Verfassungswidrigkeit</span><br/> <span class="ft6">klar zutage tritt und der festgestellte Mangel den Rahmen einer</span><br/> <span class="ft6">blossen relativen Unzweckmässigkeit sprengt, deren Behebung in</span><br/> <span class="ft6">das nächste Revisionsverfahren verwiesen werden kann. Ein strenger</span><br/> <span class="ft6">Massstab muss namentlich dann gelten, wenn es um die Rechtsbe-</span><br/> <span class="ft6">ständigkeit einer bestehenden Abgrenzung von Baugebiet und Nicht-</span><br/> <span class="ft6">baugebiet geht, wo das Bedürfnis nach Rechtssicherheit besonders</span><br/> <span class="ft6">hoch ist und regelmässig erhebliche planerische Interessen im Spiele</span><br/> <span class="ft6">sind. Die Vorwegnahme einer diesbezüglichen Zonenplanrevision</span><br/> <span class="ft6">kann nur dann zulässig sein, wenn die bestehende Zoneneinteilung</span><br/> <span class="ft6">oder der Verlauf der Zonengrenze planerisch schlechterdings unver-</span><br/> <span class="ft6">tretbar oder sinnlos ist und damit gegen das Willkürverbot verstösst.</span><br/> <span class="ft6">Im Übrigen soll die Anpassung von Zonenplänen an geänderte</span><br/> <span class="ft6">rechtliche oder tatsächliche Verhältnisse nach Möglichkeit im Rah-</span><br/> <span class="ft6">men einer Zonenplanrevision durch das für die Nutzungsplanung</span><br/> <span class="ft6">zuständige demokratische Organ erfolgen. Nur so bleiben die Kohä-</span><br/> <span class="ft6">renz der Planung und eine sachgerechte und umfassende Abwägung</span><br/> <span class="ft6">der berührten Interessen gewährleistet (vgl. zum Ganzen RRB Nr. ...;</span><br/> <span class="ft6">AGVE 1989 S. 522 f.; AGVE 1990 S. 305; Walter Haller/Peter Kar-</span><br/> <span class="ft6">len, Raumplanungs- und Baurecht, 2. Aufl., Zürich 1992, S. 246 f.).</span><br/> <span class="ft6">b) Gemäss Art. 15 RPG umfassen Bauzonen Land, das sich für</span><br/> <span class="ft6">die Überbauung eignet und weitgehend überbaut ist oder voraus-</span><br/> <span class="ft6">sichtlich innert 15 Jahren benötigt oder erschlossen wird.</span><br/> <span class="ft6">Die Parzelle 3535 wird durch den Aabach von der östlich be-</span><br/> <span class="ft6">nachbarten Landwirtschaftszone getrennt, grenzt ansonsten jedoch an</span><br/> <span class="ft6">überbautes Gebiet: Im Westen liegt ein Einfamilienhausquartier, auf</span><br/> <span class="ft6">der im Süden angrenzenden Parzelle befindet sich eine Schreinerei</span><br/> <span class="ft6">und nördlich von Parzelle 3535 beginnt das Areal einer Giesserei.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">557</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Die Parzelle 3535 ist klarerweise Bestandteil des Siedlungsbereiches</span><br/> <span class="ft6">westlich des Aabaches und stellt daselbst eine eigentliche Baulücke</span><br/> <span class="ft6">dar. Es wird denn zu Recht auch nicht geltend gemacht, das fragliche</span><br/> <span class="ft6">Gebiet könne nicht als weitgehend überbaut qualifiziert werden.</span><br/> <span class="ft6">c) aa) Unter Verweis auf die im Februar und Mai 1999 aufge-</span><br/> <span class="ft6">tretenen Überflutungen der Parzelle 3535 stellen die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rerinnen indessen in Frage, ob diese für eine Überbauung geeignet</span><br/> <span class="ft6">sei.</span><br/> <span class="ft6">Land ist zur Überbauung geeignet, "wenn die Eigenschaften des</span><br/> <span class="ft6">betreffenden Gebietes den Anforderungen genügen, die aus der Sicht</span><br/> <span class="ft6">der dafür vorgesehenen Nutzung zu stellen sind" (vgl. BGE 114 Ia</span><br/> <span class="ft6">251). Einschränkend wirken sich in diesem Zusammenhang weniger</span><br/> <span class="ft6">bautechnische Anforderungen aus als die natürlichen Gegebenheiten</span><br/> <span class="ft6">(Topographie, Exposition, Klima) und die vorhandene öffentliche</span><br/> <span class="ft6">Infrastruktur (vgl. Walter Haller/Peter Karlen, Raumplanungs- und</span><br/> <span class="ft6">Baurecht, 3. Aufl., Zürich 1999, S. 76). Die Parzelle 3535 ist gemäss</span><br/> <span class="ft6">den unbestrittenen Angaben der Gemeindevertreter und des Vertre-</span><br/> <span class="ft6">ters der Abteilung Raumplanung sowohl wasser- und abwassertech-</span><br/> <span class="ft6">nisch als auch verkehrsmässig vollständig erschlossen. Die Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführerinnen bezweifeln die Rechtmässigkeit der Zonierung</span><br/> <span class="ft6">denn auch nicht unter dem Gesichtspunkt der genügenden Infra-</span><br/> <span class="ft6">struktur, sondern weisen vielmehr auf die Anforderungen der Natur-</span><br/> <span class="ft6">und Landschaftspflege und der Wohnhygiene hin.</span><br/> <span class="ft6">bb) Zu berücksichtigen ist vorab, dass sich die Planungsorgane</span><br/> <span class="ft6">bei der Zonierung im fraglichen Geländebereich offensichtlich am</span><br/> <span class="ft6">Lauf des Aabaches orientierten; dieser bildet gleichsam eine natürli-</span><br/> <span class="ft6">che Grenze zwischen Wohn- und Gewerbezone einerseits und Land-</span><br/> <span class="ft6">wirtschaftszone andererseits. Es kann demgemäss nicht davon ge-</span><br/> <span class="ft6">sprochen werden, indem die Parzelle 3535 der Bauzone zugeschla-</span><br/> <span class="ft6">gen worden sei, entwickle sich das Siedlungsgebiet auf nicht nach-</span><br/> <span class="ft6">vollziehbare Art und Weise - beispielsweise in Form eines isolierten</span><br/> <span class="ft6">Spickels - in das Nichtbaugebiet hinein (vgl. EJPD/BRP, Erläuterun-</span><br/> <span class="ft6">gen zum Bundesgesetz über die Raumplanung, Bern 1981, S. 205).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">558</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">cc) Nach den Angaben der Gemeindevertreter, die sowohl die</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerinnen als auch die D. AG (Bauherrin und Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdegegnerin) bestätigen, staut sich das Wasser des Aabaches</span><br/> <span class="ft6">nach ausgiebigen Regenfällen bei der Brücke am südlichen Ende von</span><br/> <span class="ft6">Parzelle 3535 und tritt dort über das Ufer; alsdann fliesst es auf der</span><br/> <span class="ft6">Aabachstrasse in nördlicher Richtung und gelangt über den gemäss</span><br/> <span class="ft6">dem umstrittenen Bauvorhaben zu überbauenden Bereich der Par-</span><br/> <span class="ft6">zelle 3535 zurück in den Aabach. Es wird in der Folge von keiner</span><br/> <span class="ft6">Seite bestritten, dass ein grosser Teil von Parzelle 3535 durchschnitt-</span><br/> <span class="ft6">lich etwa einmal jährlich überflutet wird.</span><br/> <span class="ft6">Das Kriterium der Überflutungsgefahr muss indessen nicht</span><br/> <span class="ft6">zwingend die Zuweisung einer Fläche zum Nichtbaugebiet zur Folge</span><br/> <span class="ft6">haben; solange die Wohnhygiene gewährleistet ist, können diesbe-</span><br/> <span class="ft6">zügliche Mängel einer Parzelle nämlich im Hinblick auf die Baureife</span><br/> <span class="ft6">des Grundstückes mittels baulicher Massnahmen behoben werden</span><br/> <span class="ft6">(vgl. § 32 BauG; Stellungnahme der Abteilung Raumplanung ...;</span><br/> <span class="ft6">Erich Zimmerlin, Baugesetz des Kantons Aargau, 2. Auflage, Aarau</span><br/> <span class="ft6">1985, Rz 6 zu § 156 des alten Baugesetzes vom 2. Februar 1971</span><br/> <span class="ft6">[aBauG]; die Definition des Begriffes der Baureife wurde bezüglich</span><br/> <span class="ft6">der hier interessierenden Fragen unverändert in das heute geltende</span><br/> <span class="ft6">Baugesetz übernommen). Im vorliegenden Fall führte nun der Ver-</span><br/> <span class="ft6">treter der Abteilung Raumplanung an der Augenscheinsverhandlung</span><br/> <span class="ft6">aus, es gäbe im Kanton unzählige Bauzonen, die in viel stärkerem</span><br/> <span class="ft6">Ausmass Überflutungen ausgesetzt seien, als die Parzelle 3535; zu</span><br/> <span class="ft6">denken sei beispielsweise an die Altstadt von Rheinfelden. Es könne</span><br/> <span class="ft6">denn auch keinesfalls davon gesprochen werden, die Wohnhygiene</span><br/> <span class="ft6">auf Parzelle 3535 sei gefährdet. Die Auswirkungen von allfälligen</span><br/> <span class="ft6">Überflutungen könnten nämlich bei der Erwirkung der Baureife ein-</span><br/> <span class="ft6">gedämmt werden. Für den Regierungsrat besteht keine Veranlassung,</span><br/> <span class="ft6">von dieser Beurteilung abzuweichen. Zwar ist die Überflutungsge-</span><br/> <span class="ft6">fahr von Parzelle 3535 nicht von der Hand zu weisen; dafür, dass es</span><br/> <span class="ft6">sich bei Parzelle 3535 um ein eigentliches Feuchtgebiet handelt, das</span><br/> <span class="ft6">eine Wohnnutzung unmöglich erscheinen liesse, finden sich indessen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">559</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">keinerlei Anhaltspunkte; dies wird auch von niemandem geltend</span><br/> <span class="ft6">gemacht. Hinzu kommt, dass das Bachbett am 14. Oktober 1999 im</span><br/> <span class="ft6">Rahmen von Unterhaltsarbeiten von abgelagertem Kies befreit wurde</span><br/> <span class="ft6">und diese Massnahme dazu beitragen soll, dass Überschwemmungen</span><br/> <span class="ft6">in Zukunft weniger oft auftreten. Der Regierungsrat betrachtet die</span><br/> <span class="ft6">Voraussetzung der Wohnhygiene mit Bezug auf Parzelle 3535 somit</span><br/> <span class="ft6">als erfüllt.</span><br/> <span class="ft6">dd) Aufgrund des Gesagten gelangt der Regierungsrat zur Auf-</span><br/> <span class="ft6">fassung, dass sich die Qualifikation der Parzelle 3535 als "zur Über-</span><br/> <span class="ft6">bauung geeignet" jedenfalls nicht als willkürlich bezeichnen lässt. Zu</span><br/> <span class="ft6">berücksichtigen ist dabei auch, dass in Fällen, in denen sich die</span><br/> <span class="ft6">Frage nach der Eignung zur Überbauung nicht mit einem klaren Ja</span><br/> <span class="ft6">oder Nein beantworten lässt, nach der bundesgerichtlichen Recht-</span><br/> <span class="ft6">sprechung eine Querverbindung unter den Bauzonenkriterien durch-</span><br/> <span class="ft6">aus zulässig ist und die Eignung einer Fläche als Bauland um so eher</span><br/> <span class="ft6">zu bejahen ist, wenn diese wie vorliegendenfalls bereits "weitgehend</span><br/> <span class="ft6">überbaut" und erschlossen ist (vgl. BGE 114 Ia 251 f.). (...)</span><br/> <span class="ft6">4. a) Zwar steht somit fest, dass die Parzelle 3535 die Voraus-</span><br/> <span class="ft6">setzungen erfüllt, um gemäss Art. 15 RPG grundsätzlich Bestandteil</span><br/> <span class="ft6">der Bauzonen bilden zu können. Damit ist allerdings noch nichts</span><br/> <span class="ft6">über die Schutzwürdigkeit der Auenwaldpartien und Streuwiesen auf</span><br/> <span class="ft6">der Parzelle gesagt. Die Beschwerdeführerinnen beantragen denn</span><br/> <span class="ft6">auch diesbezügliche planerische Massnahmen und verlangen zur</span><br/> <span class="ft6">Sicherung des Uferbereiches vorab den Erlass einer Planungszone.</span><br/> <span class="ft6">b) Gegenstand des Naturschutzes ist gemäss § 1 Abs. 2 des De-</span><br/> <span class="ft6">kretes über den Natur- und Landschaftsschutz vom 26. Februar 1985</span><br/> <span class="ft6">(NLD) die natürliche Eigenart der Landschaft. Zu deren schutzwür-</span><br/> <span class="ft6">digen Elementen gehören u.a. Ufervegetationen mit Ufergehölzen</span><br/> <span class="ft6">sowie weitere Lebensräume seltener oder bedrohter Pflanzen- und</span><br/> <span class="ft6">Tierarten (§ 4 Abs. 1 NLD). Der Schutz solcher Biotope ist in erster</span><br/> <span class="ft6">Linie über die Nutzungsplanung sicherzustellen (§ 4 Abs. 2 und § 7</span><br/> <span class="ft6">NLD). Hiezu hat das Baudepartement Bestandesaufnahmen von</span><br/> <span class="ft6">schutzwürdigen Landschaften, Landschaftselementen oder gefähr-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">560</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">deten Pflanzen- und Tierarten zu beschaffen (sog. Inventare des Na-</span><br/> <span class="ft6">tur- und Landschaftsschutzes), wobei die Inventarobjekte nach ihrer</span><br/> <span class="ft6">Schutzwürdigkeit in solche von nationaler, kantonaler und lokaler</span><br/> <span class="ft6">Bedeutung einzuteilen sind (§ 6 NLD). Im Hinblick auf die Aus-</span><br/> <span class="ft6">scheidung von Landschafts- und Naturschutzzonen oder Naturob-</span><br/> <span class="ft6">jekten von kantonaler Bedeutung kann das Baudepartement - oder</span><br/> <span class="ft6">kraft seiner aufsichtsrechtlichen Funktion der Regierungsrat - als</span><br/> <span class="ft6">Sicherungsmassnahmen vorsorgliche Schutzmassnahmen erlassen,</span><br/> <span class="ft6">die solange in Kraft bleiben, bis der definitive Erlass sichergestellt</span><br/> <span class="ft6">ist, längstens aber fünf Jahre (§ 9 Abs. 1 und 3 NLD).</span><br/> <span class="ft6">c) Im vorliegenden Verfahren kann es einzig um die Frage einer</span><br/> <span class="ft6">vorsorglichen Unterschutzstellung nach § 9 NLD gehen. Mit einer</span><br/> <span class="ft6">solchen würde verhindert, dass die auf Parzelle 3535 vorhandene</span><br/> <span class="ft6">Flora und Fauna verändert oder zerstört würde, bevor allfällige defi-</span><br/> <span class="ft6">nitive Schutzmassnahmen Platz greifen könnten. Ob überhaupt und</span><br/> <span class="ft6">allenfalls welche definitiven Schutzmassnahmen zu ergreifen sein</span><br/> <span class="ft6">werden, ist dagegen (noch) nicht zu beantworten; die Prüfung dieser</span><br/> <span class="ft6">Frage wäre von den Planungsorganen im Rahmen einer Revision der</span><br/> <span class="ft6">Nutzungsplanung Kulturland vorzunehmen. Aus diesem Zusammen-</span><br/> <span class="ft6">spiel zwischen vorsorglicher Massnahme und definitiven Schutz-</span><br/> <span class="ft6">massnahmen folgt, dass erstere nur dann zulässig ist, wenn letztere</span><br/> <span class="ft6">nicht von vornherein ausgeschlossen erscheinen; ein Interesse an der</span><br/> <span class="ft6">Erhaltung eines Entscheidungsspielraumes besteht nur dann, wenn</span><br/> <span class="ft6">eine in Aussicht genommene Planung sich vernünftigerweise auch</span><br/> <span class="ft6">realisieren lässt (vgl. AGVE 1988 S. 375 f.; AGVE 1990 S. 260 ff.;</span><br/> <span class="ft6">RRB Nr. ...).</span><br/> <span class="ft6">d) Gemäss den Aussagen der Abteilung Landschaft und Gewäs-</span><br/> <span class="ft6">ser als diesbezüglicher Fachinstanz ist die Parzelle 3535, insbeson-</span><br/> <span class="ft6">dere der am Ufer des Aabaches gelegene Bereich, als schützenswer-</span><br/> <span class="ft6">tes Gebiet im Sinne von § 4 NLD einzustufen; es handle sich um</span><br/> <span class="ft6">eine wertvolle Bachaue. Dieses Planungsbedürfnis findet seinen</span><br/> <span class="ft6">Ausdruck denn auch darin, dass der Gemeinderat S. zurzeit auf der</span><br/> <span class="ft6">Parzelle 3535 den Erlass einer Uferschutzzone plant. Die Vorausset-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">561</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">zung, wonach die Schutzmassnahmen, die mit der vorsorglichen</span><br/> <span class="ft6">Massnahme gesichert werden sollen, "durchführbar und haltbar" sein</span><br/> <span class="ft6">müssen (vgl. AGVE 1990 S. 264, mit Hinweis auf BGE 113 Ia 266),</span><br/> <span class="ft6">ist somit zweifellos gegeben. Zu prüfen bleibt, ob nicht ein umfas-</span><br/> <span class="ft6">senderer, sich nicht nur auf den Uferstreifen beziehender Schutzbe-</span><br/> <span class="ft6">reich ausgeschieden werden müsste, so dass sich vorsorgliche Mass-</span><br/> <span class="ft6">nahmen insbesondere unter diesem Aspekt aufdrängen würden. Dazu</span><br/> <span class="ft6">müsste es sich bei Parzelle 3535 bzw. beim Uferbereich um ein Ob-</span><br/> <span class="ft6">jekt kantonaler Bedeutung handeln, dürfen doch vorsorgliche</span><br/> <span class="ft6">Schutzmassnahmen gemäss § 9 NLD nur für Objekte von kantonaler</span><br/> <span class="ft6">Bedeutung erlassen werden; bei Objekten lokaler Bedeutung liegt die</span><br/> <span class="ft6">Zuständigkeit allein beim Gemeinderat.</span><br/> <span class="ft6">e) Das umstrittene Gebiet wird im kommunalen Landschaftsin-</span><br/> <span class="ft6">ventar als Landschaft von kantonaler Bedeutung bezeichnet. Dies</span><br/> <span class="ft6">genügt indessen nicht, damit das Gebiet tatsächlich als Objekt von</span><br/> <span class="ft6">kantonaler Bedeutung im Sinne von § 9 NLD gilt. Gemäss der</span><br/> <span class="ft6">Rechtsprechung des Regierungsrates müsste die fragliche Fläche</span><br/> <span class="ft6">nämlich zudem im kantonalen Richtplan entsprechend ausgewiesen</span><br/> <span class="ft6">sein (vgl. RRB Nr. ...). Dies ist mit Bezug auf Parzelle 3535 unbe-</span><br/> <span class="ft6">strittenermassen nicht der Fall. Obwohl sich der Richtplantext und</span><br/> <span class="ft6">die Richtplan-Gesamtkarte vom 17. Dezember 1997 - anders als der</span><br/> <span class="ft6">frühere Gesamtplan Kulturland - auch über Bauzonen aussprechen</span><br/> <span class="ft6">(vgl. z.B. die verschiedenen Interessengebiete für die Grundwasser-</span><br/> <span class="ft6">nutzung), enthält er zur Ufervegetation und zum Auengebiet auf</span><br/> <span class="ft6">Parzelle 3535 keinerlei Aussagen. Der Grosse Rat brachte somit zum</span><br/> <span class="ft6">Ausdruck, dass er als kantonales Planungsorgan die Parzelle 3535 -</span><br/> <span class="ft6">wohl insbesondere aufgrund der geringen Dimension - nicht als</span><br/> <span class="ft6">kantonales Interessengebiet für den Naturschutz betrachtet. Damit</span><br/> <span class="ft6">deckt sich denn auch, dass das Gebiet weder im nationalen noch im</span><br/> <span class="ft6">kantonalen Aueninventar enthalten ist.</span><br/> <span class="ft6">Somit ergibt sich, dass die Voraussetzungen für den Erlass vor-</span><br/> <span class="ft6">sorglicher Massnahmen mangels eines Objektes von kantonaler Be-</span><br/> <span class="ft6">deutung nicht gegeben sind. (...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">562</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">5. Nach dem Gesagten und unter Berücksichtigung sämtlicher</span><br/> <span class="ft6">dargelegter Argumente ergibt sich somit, dass die vorliegende Pla-</span><br/> <span class="ft6">nung den verfassungsrechtlichen Ansprüchen zu genügen vermag; im</span><br/> <span class="ft6">Hinblick auf die Ausscheidung einer Schutzzone sind seitens des</span><br/> <span class="ft6">Kantons keine vorsorgliche Massnahmen geboten. (...)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>