<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 104 S.487</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">487</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>104 Beschwerdebefugnis der Voristanz. Schulhauszuteilung ist eine organisa-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>torische Massnahme.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Vorinstanz ist zur Beschwerde befugt, wenn sie durch den Ent-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>scheid der übergeordneten Instanz in ihrem Selbstverantwortungs-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>bereich berührt ist.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Schulinterne Anordnungen sind nicht mit Beschwerde anfechtbar</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Regierungsrats vom 5. November 2008 i.S. Schulpflege W.</span><br/> <span class="ft6">gegen den Entscheid des Schulrats des Bezirks B.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">A. Am 15. Juni 2007 teilte die Schulpflege W. der Familie K.</span><br/> <span class="ft8">mit, dass L. K. in die erste Klasse des Schulhauses J. eingeschult</span><br/> <span class="ft8">werde. (...)</span><br/> <span class="ft8">Die Zusteilung erfolgte formlos, dennoch erhoben die Eltern</span><br/> <span class="ft8">Beschwerde beim Schulrat des Bezirks B.</span><br/> <span class="ft8">B. (...) Der Schulrat des Bezirks B. trat auf diese Beschwerde</span><br/> <span class="ft8">ein und wies die Schulpflege W. mit Entscheid vom 23. April 2008</span><br/> <span class="ft8">an, L. K. in das Schulhaus H. umzuteilen.</span><br/> <span class="ft8">C. Mit Eingabe vom 4. Juni 2008 erhob die Schulpflege W. (im</span><br/> <span class="ft8">Folgenden: Beschwerdeführerin) gegen den am 15. Mai 2008 einge-</span><br/> <span class="ft8">gangenen Entscheid des Schulrats des Bezirks B. fristgerecht Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerde beim Regierungsrat und stellte den Antrag, es sei der Ent-</span><br/> <span class="ft8">scheid des Bezirksschulrats B. aufzuheben. Eventualiter sei zu ent-</span><br/> <span class="ft8">scheiden, ob schulorganisatorische Massnahmen beim Bezirksschul-</span><br/> <span class="ft8">rat anfechtbar seien oder nicht.</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">488</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">2. a) Gemäss § 38 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft8">rechtspflege vom 9. Juli 1968 (VRPG; SAR 271.100) kann jeder-</span><br/> <span class="ft8">mann Verfügungen und Entscheide anfechten, der ein schutzwürdi-</span><br/> <span class="ft8">ges eigenes Interesse geltend macht. Nach § 38 Abs. 2 VRPG kann</span><br/> <span class="ft8">die als Vorinstanz beteiligte Behörde nur dann gegen Entscheide der</span><br/> <span class="ft8">oberen Instanz Beschwerde führen, wenn sie ein eigenes Interesse</span><br/> <span class="ft8">hat, oder wenn ihr die Beschwerdebefugnis durch besondere Bestim-</span><br/> <span class="ft8">mung verliehen wird.</span><br/> <span class="ft8">b) aa) Im vorliegenden Verfahren hat eine Behörde, die Schul-</span><br/> <span class="ft8">pflege W., Beschwerde gegen den Entscheid des Schulrats des Be-</span><br/> <span class="ft8">zirks B. erhoben. Die Behördenbeschwerde ist die Beschwerde einer</span><br/> <span class="ft8">Verwaltungsstelle, die gestützt auf eine gesetzliche Ordnung regel-</span><br/> <span class="ft8">haft in ihre Zuständigkeit fallende Materien durch einen Verwal-</span><br/> <span class="ft8">tungsakt entscheidet, gegen den Entscheid einer Behörde desselben</span><br/> <span class="ft8">Rechtsträgers (Michael Merker; Rechtsmittel, Klage und Normen-</span><br/> <span class="ft8">kontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwal-</span><br/> <span class="ft8">tungsrechtspflege, Zürich 1998, § 38 Abs. 2 Rz 190). Nach dem</span><br/> <span class="ft8">Wortlauf des Gesetzes verleiht § 38 Abs. 2 VRPG der als Vorinstanz</span><br/> <span class="ft8">am Verfahren beteiligten Behörde die Partei- und Prozessfähigkeit,</span><br/> <span class="ft8">sofern sie ein eigenes, nach der Praxis des Verwaltungsgerichts auch</span><br/> <span class="ft8">schutzwürdiges Interesse am Verfahrensausgang nachweisen kann</span><br/> <span class="ft8">(Merker, a.a.O. § 38 Rz 195). Um Beschwerde erheben zu können</span><br/> <span class="ft8">genügt es nicht, dass die Vorinstanz ein öffentliches Interesse geltend</span><br/> <span class="ft8">macht; es muss ein behördenspezifisches Interesse vorliegen. Dieses</span><br/> <span class="ft8">liegt vor, wenn der Selbstverantwortungsbereich einer Behörde durch</span><br/> <span class="ft8">den Entscheid der übergeordneten Instanz tangiert wird (Merker,</span><br/> <span class="ft8">a.a.O. Rz 198).</span><br/> <span class="ft8">Wird durch einen Entscheid einer übergeordneten Behörde in</span><br/> <span class="ft8">einen in die organisatorische Zuständigkeit fallenden Bereich einer</span><br/> <span class="ft8">untergeordneten Behörde eingegriffen, so ist diese zur Beschwerde</span><br/> <span class="ft8">legitimiert.</span><br/> <span class="ft8">Bei der Klassenverteilung oder Schulhauszuteilungen handelt es</span><br/> <span class="ft8">sich zweifelsfrei um organisatorische Entscheidungen, die in den</span><br/> <span class="ft8">Selbstverantwortungsbereich einer Schulpflege fallen. Mit dem Ent-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">489</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">scheid des Schulrats des Bezirks B., die Schulhauszuteilung der</span><br/> <span class="ft8">Schulpflege W. aufzuheben, ist diese in ihrem schutzwürdigen,</span><br/> <span class="ft8">behördenspezifischen Interesse berührt und damit im Sinne von § 38</span><br/> <span class="ft8">Abs. 2 VRPG zur Beschwerde legitimiert.</span><br/> <span class="ft8">bb) Ein Merkmal von schulinternen Anordnungen ist, dass sie</span><br/> <span class="ft8">formlos ergehen, da sie in Erfüllung gesetzlicher Vorschriften (Ver-</span><br/> <span class="ft8">ordnung über die Schülerzahlen der Abteilungen und die Zuteilung</span><br/> <span class="ft8">der Lektionen an der Volksschule und an Kindergärten vom 12. Ja-</span><br/> <span class="ft8">nuar 2005 (SAR 421.336), Verordnung über die Anstellung und Löh-</span><br/> <span class="ft8">ne der Lehrpersonen (VALL) vom 13. Oktober 2004 (SAR 411.211),</span><br/> <span class="ft8">etc. oder in einem Sonderstatusverhältnis erfolgen. Das Recht bezie-</span><br/> <span class="ft8">hungsweise die Pflicht eines Schulkindes, die Schule zu besuchen,</span><br/> <span class="ft8">wird durch eine solche Anordnung nicht tangiert, weshalb eine</span><br/> <span class="ft8">Schulhauszuteilung nach kantonaler Praxis (AGVE 1994 S. 631ff.)</span><br/> <span class="ft8">nicht beschwerdefähig ist. Diese Praxis wurde vom Schulrat des Be-</span><br/> <span class="ft8">zirks B. in seinem Entscheid vom 13. November 2007 auch nicht be-</span><br/> <span class="ft8">stritten. Der Bezirksschulrat B. ist aber auf die ,,Beschwerde" von L.</span><br/> <span class="ft8">K. eingetreten, weil er die Pflicht der Schulpflege W., eine dem Ein-</span><br/> <span class="ft8">zelfall angemessenen Lösung zu treffen, als verletzt erachtet hat. Er</span><br/> <span class="ft8">hat in seiner Stellungnahme vom 27. August 2008 aber zu Recht dar-</span><br/> <span class="ft8">auf hingewiesen, dass die Anordnungen der Schulbehörde, wenn</span><br/> <span class="ft8">nicht mittels Beschwerde, in jedem Fall aber aufsichtsrechtlich über-</span><br/> <span class="ft8">prüft werden können.</span><br/> <span class="ft8">Die Aufsichtsanzeige kann unabhängig vom Vorliegen einer an-</span><br/> <span class="ft8">fechtbaren Verfügung erhoben werden. Der Schulrat des Bezirks B.</span><br/> <span class="ft8">hätte im vorliegenden Fall nicht auf die Beschwerde eintreten, son-</span><br/> <span class="ft8">dern diese als Aufsichtsanzeige entgegennehmen müssen. Mit seinem</span><br/> <span class="ft8">Entscheid vom 23. April 2008 hat der Bezirksschulrat B. aber seiner-</span><br/> <span class="ft8">seits ein Anfechtungsobjekt geschaffen. Auf die Beschwerde der</span><br/> <span class="ft8">Schulpflege W. wird deshalb eingetreten.</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>