<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VK.2018.00003</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=219044&amp;W10_KEY=13013494&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VK.2018.00003</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 06.03.2019</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">4. Abteilung/4. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Bildung</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Tragung der Sonderschulungskosten</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>[A (geboren 1999) leidet seit Geburt an einer Autismus-Spektrum-Störung und war ab dem Sommer 2004 praktisch durchgehend (teil-)stationär in der Institution E untergebracht; zuletzt waren die in diesem Zusammenhang angefallenen Fremdplatzierungskosten je zur Hälfte von der Klägerin und der Beklagten getragen worden, bis Letztere die Zahlungen der ihr von der (vorleistenden) Klägerin jeweils in Rechnung gestellten Kostenanteile mit dem Hinweis darauf einstellte, die Platzierung von A in der Institution E diene aus ihrer Sicht seit dessen Volljährigkeit nicht mehr der Sonderschulung.] Gemäss Art. 62 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 19 BV haben die Kantone für einen ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht zu sorgen. Dieser muss angemessen und geeignet sein; er soll genügen, um alle Schülerinnen und Schüler sachgerecht auf ein selbstverantwortliches Leben im modernen Alltag vorzubereiten. Behinderten Kindern und Jugendlichen kommt in diesem Rahmen ein Anspruch auf geeignete Sonderschulung zu. Nach Art. 62 Abs. 3 BV haben sich die Kantone entsprechend um eine ausreichende Sonderschulung aller behinderten Kinder und Jugendlichen bis längstens zum vollendeten 20. Lebensjahr zu kümmern (zum Ganzen E. 2.1). Materialien und Entstehungsgeschichte von Art. 62 Abs. 3 BV (E. 5.1) deuten darauf hin, dass aus dieser an die Kantone gerichteten Bestimmung ein einklagbares verfassungsmässiges Individualrecht auf Sonderschulung längstens bis zum 20. Altersjahr abgeleitet werden kann, während der Anspruch auf Grundschulunterricht nach Art. 19 BV in jedem Fall dahinfällt, wenn das Kind die Volljährigkeit erreicht; ob dem so ist, braucht hier nicht beantwortet zu werden, da mit § 36 Abs. 2 VSG jedenfalls auf kantonaler Ebene eine einschlägige Anspruchsgrundlage gegeben ist (E. 5.2). Wie sich bereits aus dem Wortlaut und dem systematischen Zusammenhang des § 36 Abs. 2 VSG ergibt, wurde mit dem Hinweis auf das 20. Altersjahr darin freilich lediglich eine Obergrenze festgelegt und besteht kein absoluter Anspruch auf Sonderschulung bis zu diesem Alter. Damit die Bestimmung nicht ihres Gehalts entleert wird, hat die Sonderschulung vielmehr immer der Grundschulbildung zu dienen und kann der Anspruch im konkreten Einzelfall insofern bereits vor dem vollendeten 20. Altersjahr enden (E. 5.3). Die Tragweite bzw. der Umfang des Sonderschulungsanspruchs nach § 36 Abs. 2 VSG hängt somit in erster Linie vom Bildungsbedürfnis der betroffenen Kinder und Jugendlichen ab (E. 5.4). Im Fall von A bedeutete dies, ihn in die Lage zu versetzen, nach der Sonderschulung in eine seiner Behinderung angemessene Tages- sowie Betreuungsstruktur wechseln zu können, wo er adäquat am sozialen Leben teilhaben und einer geregelten Beschäftigung nachgehen kann. Seine weitere Sonderschulung in der Institution E wäre deshalb nur dann jedenfalls nicht bis April 2018 weiterzuführen gewesen, wenn dieses individuelle Förderziel bereits früher erreicht worden wäre bzw. hätte erreicht werden können, das heisst, die Grund- respektive Sonderschulung des jungen Manns schon eher abgeschlossen gewesen wäre, was nicht der Fall war (E. 6.2). Die Beklagte hat sich demnach an den bis April 2018 im Zusammenhang mit der Sonderschulung von A angefallenen notwendigen Kosten (Versorgertaxen, ausserordentliche Betreuungskosten) zu beteiligen (E. 6.3). Gutheissung der Klage, soweit sie nicht als durch Anerkennung erledigt abgeschrieben wird. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ANSPRUCH AUF GRUNDSCHULBILDUNG">ANSPRUCH AUF GRUNDSCHULBILDUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEDÃRFNIS">BEDÃRFNIS</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEHINDERTES KIND">BEHINDERTES KIND</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GEEIGNETE SONDERSCHULUNG">GEEIGNETE SONDERSCHULUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GEMISCHTE INDIKATION">GEMISCHTE INDIKATION</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GRUNDSCHULUNTERRICHT">GRUNDSCHULUNTERRICHT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KOSTENTRAGUNG SONDERSCHULUNG">KOSTENTRAGUNG SONDERSCHULUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHT AUF BILDUNG">RECHT AUF BILDUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHULGEMEINDE">SCHULGEMEINDE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHULOBLIGATORIUM">SCHULOBLIGATORIUM</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SONDERSCHULBEDÃRFTIGKEIT">SONDERSCHULBEDÃRFTIGKEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SONDERSCHULUNG">SONDERSCHULUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: STATIONÃRE MASSNAHME">STATIONÃRE MASSNAHME</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VOLLJÃHRIGKEIT">VOLLJÃHRIGKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WOHNGEMEINDE">WOHNGEMEINDE</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 20 BehiG</span><br/><span class="ungerade">Art. 19 BV</span><br/><span class="gerade">Art. 62 Abs. 2 BV</span><br/><span class="ungerade">Art. 62 Abs. 3 BV</span><br/><span class="gerade">§ 34 Abs. 6 VSG</span><br/><span class="ungerade">§ 36 Abs. 2 VSG</span><br/><span class="gerade">§ 64 Abs. 1 VSG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 2 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="0"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>4. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=40928" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoCaption"> </p> <p class="MsoCaption"><span>VK.2018.00003</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoTitle"><span>Urteil</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoBodyText">der 4. Kammer</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoBodyText">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">6. MÃ¤rz 2019</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoBodyText">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Jso Schumacher<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichter AndrÃ© Moser, Verwaltungsrichter Marco Donatsch, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Sonja GÃ¼ntert. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Bezugszeile">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoBodyText">Schulgemeinde B, <br/> vertreten durch RA C, <br/> <b>KlÃ¤gerin,</b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="Urteilstext"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoSalutation"><span>Politische Gemeinde B, </span></p> <p class="MsoBodyText"> vertreten durch RA D, <br/> <b>Beklagte,</b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Betreffzeile"><b>betreffend Tragung der Sonderschulungskosten,</b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>Der 1999 geborene A leidet seit Geburt an einer Autismus-Spektrum-StÃ¶rung (Geburtsgebrechen gemÃ¤ss Ziff. 405 der Verordnung vom 9. Dezember 1985 Ã¼ber die Geburtsgebrechen [SR 831.232.21]) mit einer BeeintrÃ¤chtigung der mentalen und sprachlichen Entwicklung sowie autistischen ZÃ¼gen. Bei Erreichen der VolljÃ¤hrigkeit lag sein mentales Alter bei drei bis unter sechs Jahren und war ihm die Aufnahme einer Arbeit bzw. Berufsausbildung selbst in geschÃ¼tzter Umgebung nicht mÃ¶glich. Ausgehend von einem InvaliditÃ¤tsgrad von 100 % sprach ihm die IV-Stelle des Kantons ZÃ¼rich deshalb mit VerfÃ¼gung vom 7. Dezember 2017 rÃ¼ckwirkend ab 1. April 2017 eine ganze Invalidenrente zu.</p> <p class="Sachverhalt2">Aufgrund seines EntwicklungsrÃ¼ckstands hatte A schon im Vorschulalter heilpÃ¤dagogische UnterstÃ¼tzung erfahren; ab dem Sommer 2004 war er praktisch durchgehend (teil-)stationÃ¤r in der Institution E untergebracht, einer Sonderschule mit Internat fÃ¼r Kinder und Jugendliche mit geistigen und mehrfachen Behinderungen ab vier Jahren. Zuletzt waren die in diesem Zusammenhang angefallenen Fremdplatzierungskosten (Versorgertaxen) je zur HÃ¤lfte von der Schulgemeinde B und der Politischen Gemeinde B getragen worden, bis Letztere die Zahlungen der ihr von der (vorleistenden) Schulgemeinde jeweils in Rechnung gestellten Kostenanteile per 1. April 2016 mit dem Hinweis darauf einstellte, die Platzierung von A sei aus ihrer Sicht seit dem Ende der obligatorischen Schulzeit rein "invaliditÃ¤tsbedingt", weshalb die von der Schulgemeinde B seither geleisteten Kostengutsprachen fÃ¼r dessen weitere Sonderschulung in der Institution E "fehlerhaft" seien. </p> <p class="Sachverhalt2">Nach dem Scheitern der BemÃ¼hungen insbesondere seitens der Institution E, bis Sommer 2016 bzw. 2017 fÃ¼r A eine geeignete AnschlusslÃ¶sung in einer Einrichtung fÃ¼r Erwachsene zu finden, gewÃ¤hrte die Schulgemeinde B am 8. November 2017 auch fÃ¼r das Schuljahr 2017/2018 nochmals subsidiÃ¤re Kostengutsprache fÃ¼r den Aufenthalt von A in der Institution E. Gleichentags unterbreitete sie der Politischen Gemeinde B den Antrag, zu deren Lasten die HÃ¤lfte der Kosten zu Ã¼bernehmen. Hierauf liess die Politische Gemeinde B die Schulgemeinde B mit Schreiben vom 16. Februar 2018 wissen, dass sie daran festhalte, keinen Kostenbeitrag an die Platzierung von A (mehr) zu leisten, weil es keinen "sichtlichen Grund" gebe, jenen noch lÃ¤nger "im Sonderschulheim zu belassen". </p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Am 8. Mai 2018 liess die Schulgemeinde B Klage beim Verwaltungsgericht einreichen und beantragen, unter EntschÃ¤digungsfolge "(zuzÃ¼glich Mehrwertsteuer)" sei die Politische Gemeinde B zu verpflichten, sich hÃ¤lftig an den gesamten Kosten der Sonderschulung von A in der Institution E zu beteiligen und ihr Fr. 73'583.- zu bezahlen, "nÃ¤mlich ½ Versorgertaxen fÃ¼r die Sonderschulung vom 1. April bis 30. Juni 2016 im Betrag von Fr. 13'500.-, ½ Versorgertaxe fÃ¼r die Sonderschulung vom 1. April 2017 bis 30. April 2018 im Betrag von Fr. 58'500.- sowie ½ der Kosten fÃ¼r ausserordentlichen Betreuungsaufwand fÃ¼r die Sonderschulung vom 1. bis 31. Juli 2017 im Betrag von Fr. 1'583.-"; sie brachte zudem ausdrÃ¼cklich einen Nachklagevorbehalt bezÃ¼glich einer weiteren "Schulheimplatzierung ab 1. Mai 2018" an und wies in der KlagebegrÃ¼ndung darauf hin, dass die Politische Gemeinde B ihren hÃ¤lftigen Kostenbeitrag fÃ¼r die Rechnungsperiode vom 1. Juli 2016 bis zum 31. MÃ¤rz 2017 nachtrÃ¤glich geleistet habe, weshalb dieser auch nicht eingeklagt wurde. </p> <p class="Sachverhalt2">Die Politische Gemeinde B liess in der Klageantwort vom 13. Juli 2018 darauf schliessen, die Klage sei unter EntschÃ¤digungsfolge "fÃ¼r den Zeitraum vom 01.04.2017 bis zum 30.04.2018 im Umfang von CHF 58'500.00 sowie fÃ¼r ½ der Kosten fÃ¼r den ausserordentlichen Betreuungsaufwand fÃ¼r die Sonderschulung vom 01.07.2017 bis zum 31.07.2017 im Umfang von CHF 1'583.00 abzuweisen"; im Ãbrigen, das heisst "fÃ¼r den Zeitraum vom 01.04.2016 bis zum 30.06.2016 im Umfang von CHF 13'500.00", werde sie hingegen anerkannt. <span>Die </span>Schulgemeinde B<span> mit Replik vom 14. September und die Politische Gemeinde B mit Duplik vom 19. November 2018 hielten jeweils an ihren Begehren fest. Die </span>Schulgemeinde B<span> machte am 3. Dezember 2018 eine weitere Eingabe.</span></p> <p class="Urteilstext">A ist inzwischen aus der Institution E ausgetreten und besucht seit Anfang August 2018 tagsÃ¼ber eine Einrichtung, die der Betreuung und Eingliederung kÃ¶rperlich, psychisch oder geistig beeintrÃ¤chtigter Menschen (vorwiegend ab 18 Jahren) dient.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Das Verwaltungsgericht beurteilt nach § 81 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2) im Klageverfahren als einzige Instanz Streitigkeiten aus dem Ã¶ffentlichen Recht, sofern darÃ¼ber weder eine beteiligte Partei noch ein anderes staatliches Organ mittels VerfÃ¼gung entscheiden kann. </p> <p class="Erwgung2">Ist zwischen zwei (politischen oder Schul-)Gemeinden strittig, wer fÃ¼r die Kosten einer Sonderschulung oder Fremdplatzierung aufzukommen habe, kann darÃ¼ber kein im Beschwerdeverfahren anfechtbarer Entscheid einer VerwaltungsbehÃ¶rde erwirkt werden (vgl. VGr, 17. September 2014, VK.2014.00003, E. 1.1 mit Hinweisen; ferner Tobias Jaag in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich [VRG], 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014, § 81 N. 5). Das Verwaltungsgericht ist daher fÃ¼r die Behandlung der vorliegenden Klage zustÃ¤ndig.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Da auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Klage einzutreten. Anzumerken bleibt, dass das Klageverfahren â anders als das Beschwerdeverfahren â durch Vergleich, Verzicht oder Anerkennung materiell erledigt werden kann, soweit die Parteien Ã¼ber die streitbetroffenen RechtsverhÃ¤ltnisse verfÃ¼gen kÃ¶nnen (vgl. Jaag, § 85 N. 14), was hier der Fall ist. Im Umfang der Anerkennung durch die Beklagte ist die Klage daher als erledigt abzuschreiben und bezieht sich die nachfolgende gerichtliche Beurteilung nur noch auf den nicht anerkannten Teil des ursprÃ¼nglichen Streitgegenstands.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.3 </b>Streitig sind (insofern [vorn 1.2] noch) Fremdplatzierungskosten in der HÃ¶he von rund Fr. 60'000.-, weshalb der Entscheid in die ZustÃ¤ndigkeit der Kammer fÃ¤llt (§ 86 in Verbindung mit § 38 Abs. 1 und § 38b Abs. 1 lit. c e contrario VRG).</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>GemÃ¤ss Art. 62 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 19 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV, SR 101) haben die Kantone fÃ¼r einen ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht zu sorgen. Dieser muss angemessen und geeignet sein; er soll genÃ¼gen, um alle SchÃ¼lerinnen und SchÃ¼ler sachgerecht auf ein selbstverantwortliches Leben im modernen Alltag vorzubereiten (BGE 133 I 156 E. 3.1, 129 I 35 E. 7.3). </p> <p class="Erwgung2">Behinderten Kindern und Jugendlichen kommt in diesem Rahmen ein Anspruch auf geeignete Sonderschulung zu (BGE 141 I 9 E. 3.2, 130 I 352 E. 3.3). Nach Art. 62 Abs. 3 BV (in Kraft seit dem 1. Januar 2008 [AS 2007 5765 und 5771]) haben sich die Kantone entsprechend um eine ausreichende Sonderschulung aller behinderten Kinder und Jugendlichen bis lÃ¤ngstens zum vollendeten 20. Lebensjahr zu kÃ¼mmern (vgl. BGE 140 I 153 E. 2.3.4). Auf Gesetzesstufe ergibt sich dasselbe aus Art. 20 des Behindertengleichstellungsgesetzes vom 13. Dezember 2002 (BehiG, SR 151.3). Danach sind die Kantone zum Angebot einer Grundschulung verpflichtet, die den besonderen BedÃ¼rfnissen behinderter Kinder und Jugendlicher angepasst ist (Abs. 1); sie haben zudem, soweit dies mÃ¶glich ist und dem Wohl der behinderten Kinder oder Jugendlichen dient, mit entsprechenden Schulungsformen die Integration behinderter Kinder und Jugendlicher in die Regelschule zu fÃ¶rdern (Abs. 2) und insbesondere dafÃ¼r zu sorgen, dass wahrnehmungs- oder artikulationsbehinderte Kinder und Jugendliche und ihnen besonders nahestehende Personen eine auf die Behinderung abgestimmte Kommunikationstechnik erlernen kÃ¶nnen (Art. 20 Abs. 3 BehiG).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>In Umsetzung dieses verfassungs- bzw. bundesrechtlichen Auftrags rÃ¤umt (der per 18. August 2008 in Kraft gesetzte) § 36 Abs. 2 des Volksschulgesetzes vom 7. Februar 2005 (VSG, LS 412.100) Kindern und Jugendlichen mit hohem FÃ¶rderbedarf, die im Rahmen der bestehenden Angebote der Regelschule nicht genÃ¼gend gefÃ¶rdert werden kÃ¶nnen (§ 34 Abs. 6 VSG), einen Anspruch auf Sonderschulung ein, welcher vom Zeitpunkt des Eintritts in die Kindergartenstufe bis zum Abschluss der Schule, lÃ¤ngstens jedoch bis zur Vollendung des 20. Altersjahrs besteht. Die Sonderschulung umfasst nach § 36 Abs. 1 VSG Therapie, Erziehung sowie Betreuung (Satz 1) und <span class="SC2646"><span>erfolgt in einer Ã¶ffentlichen oder privaten Sonderschule, als integrierte Sonderschulung oder als Einzelunterricht (Satz 2)</span></span>. Den Zuweisungsentscheid trifft die Schulpflege (§ 37 Abs. 2 VSG).</p> <p class="Erwgung2">Die Kosten der Sonderschulung trÃ¤gt die Wohngemeinde der Eltern der behinderten Kinder oder Jugendlichen (§ 64 Abs. 1 Satz 1 VSG), wobei der<span> Begriff "Wohngemeinde" nicht nur die Schul-, sondern auch die politische Gemeinde am Wohnsitz der Eltern umfasst (VGr, 8. Januar 2014, VB.2013.00498, E. 3.2 mit Hinweisen). </span>Die Aufteilung der Kosten der Sonderschulung zwischen Schulgemeinde und politischer Gemeinde ist in der Verordnung vom 5. Dezember 2007 Ã¼ber die Finanzierung der Sonderschulung (VFiSo, LS 412.106) nÃ¤her geregelt. Danach trÃ¤gt etwa bei stationÃ¤ren Massnahmen (Einweisung in ein Sonderschulheim) die Schulgemeinde (gemÃ¤ss § 64 VSG jene am Wohnort der Eltern) die Kosten fÃ¼r den Unterricht und die Therapien gemÃ¤ss der Verordnung vom 11. Juli 2007 Ã¼ber die sonderpÃ¤dagogischen Massnahmen (VSM, LS 412.103), wenn die Einweisung vorwiegend aus sozialen GrÃ¼nden erfolgt (§ 4 Abs. 1 lit. a VFiSo). Ist die Einweisung hingegen aus schulischen und aus sozialen GrÃ¼nden erfolgt oder sind die GrÃ¼nde fÃ¼r die Einweisung nicht eindeutig feststellbar, trÃ¤gt die Schulgemeinde die HÃ¤lfte der gesamten Kosten (§ 4 Abs. 1 lit. b VFiSo).</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2">Die (jÃ¼ngste) Zuweisung von A zur Institution E im Jahr 2010 erfolgte â den unbestritten gebliebenen Angaben der KlÃ¤gerin zufolge â aufgrund einer sogenannten gemischten Indikation, das heisst aus schulischen und sozialen GrÃ¼nden, weshalb sich die Beklagte bis MÃ¤rz 2016 auch regelmÃ¤ssig zur HÃ¤lfte an den Fremdplatzierungskosten beteiligte. Vor diesem Hintergrund sowie mit Blick auf die (damals unverÃ¤ndert) fortbestehende Unterbringung des Knaben bzw. jungen Manns in der Institution E leistete die KlÃ¤gerin mit BeschlÃ¼ssen vom 22. Juni 2016 und vom 8. November 2017 auch Ã¼ber die VolljÃ¤hrigkeit von A hinaus Kostengutsprachen fÃ¼r dessen Sonderschulung in der genannten Einrichtung (letztes Quartal des Schuljahrs 2016/2017 und Schuljahr 2017/2018) und ersuchte die Beklagte jeweils wie in den Vorjahren unter Hinweis auf § 4 Abs. 1 lit. b VFiSo um Ãbernahme "der HÃ¤lfte der gesamten Platzierungskosten".</p> <p class="Urteilstext">BezÃ¼glich der auf die Zeit ab dem 1. April 2017 entfallenden Sonderschulungskosten lehnt die solcherart angegangene Beklagte eine (weitere) Kostenbeteiligung nun aber kategorisch ab, da die Unterbringung von A in der Institution E "<span>Ã¼ber den 31. MÃ¤rz 2017 hinaus</span>" keine sonderschulischen GrÃ¼nde (mehr) gehabt habe, sondern lediglich notgedrungen bzw. im Sinn einer "VerlegenheitslÃ¶sung" erfolgt sei, um die Zeit bis zu seiner Unterbringung in einer Einrichtung fÃ¼r Erwachsene zu Ã¼berbrÃ¼cken. <span>Mit der monatelangen Suche nach einer AnschlusslÃ¶sung habe die KlÃ¤gerin mithin "selber belegt", dass die Zielsetzung der Sonderschulung bei </span>A <span>lÃ¤ngst erreicht bzw. von seiner weiteren Schulung kein Erfolg mehr zu erwarten gewesen sei. Die KlÃ¤gerin hÃ¤tte die Sonderschulung von A daher mangels Weiterbestehens eines Sonderschulungsanspruchs abbrechen und dieser einen Antrag auf Sozialhilfe stellen mÃ¼ssen.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Das Recht auf Grundschulbildung in Art. 19 BV ist ein justiziables, das heisst gegenÃ¼ber den kantonalen SchulbehÃ¶rden und vor Gericht durchsetzbares soziales Grundrecht, dessen Inhalt durch Art. 62 Abs. 2 BV konkretisiert wird (Peter HÃ¤nni, Basler Kommentar, 2015, Art. 19 BV N. 9). Letztgenannte Bestimmung begrenzt die kantonale Schulhoheit durch eine Reihe bundes(verfassungs)rechtlicher Minimalvorgaben inhaltlicher Natur und legt insbesondere fest, dass der Grundschulunterricht ausreichend, allgemein zugÃ¤nglich und an Ã¶ffentlichen Schulen unentgeltlich zu sein hat. </p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Nach der herrschenden Rechtsprechung und Lehre ist unter dem Begriff "Grundschulunterricht" der allgemeinbildende, nicht weiterfÃ¼hrende Elementarunterricht von der Primarstufe bis zur abgeschlossenen Sekundarstufe I zu verstehen (HÃ¤nni, Art. 62 BV N. 15; <span>Herbert Plotke, Schweizerisches Schulrecht, 2. A., Bern 2003, S. 103</span>; Bernhard Ehrenzeller, St. Galler Kommentar zur Schweizerischen Bundesverfassung, 2014, Art. 62 N. 14 mit Hinweisen; BGE 133 I 156 E. 3.6.2). Der auf diesen Schulstufen vermittelte Stoff soll grundsÃ¤tzlich jedem bildungsfÃ¤higen heranwachsenden Menschen vertraut gemacht werden, wobei das Grundschulangebot der Kantone sich nicht auf Personen mit einem allgemein anerkannten Standard hinsichtlich ihrer BildungsfÃ¤higkeit beschrÃ¤nken darf, sondern grundsÃ¤tzlich auch bildungsschwachen und behinderten Menschen offenstehen muss (vgl. HÃ¤nni, Art. 62 BV N. 18; Ehrenzeller, Art. 62 N. 23; Giovanni Biaggini, BV [â] Kommentar [‒] Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 2. A., ZÃ¼rich 2017, Art. 19 N. 8 mit Hinweisen auf abweichende Lehrmeinungen); die vom Ã¼blicherweise erforderlichen Bildungsangebot der Grundschule abweichenden individuellen BedÃ¼rfnisse dieser SchÃ¼lerinnen und SchÃ¼ler werden durch die GewÃ¤hrleistung des "ausreichenden" Unterrichts grundrechtlich erfasst. Hilfs- und Sonderschulen zÃ¤hlen demzufolge ebenfalls zum Grundschulunterricht gemÃ¤ss Art. 19 BV (vgl. bereits BGE 117 Ia 27 E. 6b).</p> <p class="Erwgung2">BezÃ¼glich der Festlegung der Dauer des von Art. 19 BV garantierten Grundschulunterrichts verfÃ¼gen die Kantone Ã¼ber einen gewissen Spielraum. Die Praxis orientierte sich dabei in der Vergangenheit an der harmonisierenden Regelung in Art. 2 lit. b des Konkordats vom 29. Oktober 1970 Ã¼ber die Schulkoordination (vgl. das Gesetz Ã¼ber den Beitritt des Kantons ZÃ¼rich zum Konkordat Ã¼ber die Schulkoordination vom 6. Juni 1971, LS 410.3), dem alle Kantone mit Ausnahme des Kantons Tessin angehÃ¶ren (Biaggini, Art. 62 N. 6; Regula KÃ¤gi-Diener, St. Galler Kommentar zur Schweizerischen Bundesverfassung, 2014, Art. 19 N. 29). Danach beginnt bzw. begann der Anspruch nach dem vollendeten sechsten Altersjahr und dauert(e) bei mindestens 38 Schulwochen neun Jahre (sogenanntes Schulobligatorium), was das Bundesgericht als "ausreichend" im Sinn von Art. 62 Abs. 2 BV einstufte (BGE 133 I 156 E. 3.1, 129 I 12 E. 4.2). GemÃ¤ss der interkantonalen Vereinbarung vom 14. Juni 2007 Ã¼ber die Harmonisierung der obligatorischen Schule (Harmos-Konkordat [vgl. das Gesetz Ã¼ber den Beitritt zur interkantonalen Vereinbarung Ã¼ber die Harmonisierung der obligatorischen Schule vom 30. Juni 2008, LS 410.31]), welche das Schulkonkordat fÃ¼r die zustimmenden Kantone ablÃ¶st, beginnt die Einschulung nun allerdings neu nach dem vollendeten vierten Altersjahr und dauert die Primarstufe (inklusive Kindergarten) anschliessend acht, die Sekundarstufe I drei weitere Jahre; eine obere Altersgrenze wird lediglich noch implizit festgelegt und stattdessen darauf hingewiesen, dass die Zeit fÃ¼r das Durchlaufen der Schulstufen im Einzelfall abhÃ¤ngig ist von der individuellen Entwicklung der SchÃ¼lerin bzw. des SchÃ¼lers (Art. 5 f. des Harmos-Konkordats; vgl. ferner die inhaltlichen Ziele in Art. 3 des Harmos-Konkordats). Ein Teil der Lehre hÃ¤lt deshalb dafÃ¼r, dass heute von einer altersmÃ¤ssig flexiblen Dauer bzw. Obergrenze des obligatorischen Grundschulunterrichts auszugehen sei, welchem Umstand es auch bei der Ausgestaltung des grundrechtlichen Anspruchs Rechnung zu tragen gelte (JÃ¶rg Paul MÃ¼ller/Markus Schefer, Grundrecht in der Schweiz, 4. A., Bern 2008, S. 784 f. unter Hinweis insbesondere auf Art. 6 Abs. 5 des Harmos-Konkordats sowie BGE 129 I 35 E. 7.5; in diese Richtung auch KÃ¤gi-Diener, Art. 19 N. 29 und 40; anderer Auffassung Biaggini, Art. 19 N. 8, und Ulrich HÃ¤felin et al., Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 9. A., ZÃ¼rich 2016, N. 925, denen zufolge sich der Individualanspruch nur auf die Ã¶ffentliche Grundschule wÃ¤hrend der obligatorischen Schulzeit von neun bzw. elf Jahren bezieht; vgl. fÃ¼r eine umfassendere Ãbersicht Ã¼ber diese und weitere Lehrmeinungen Andrea Aeschlimann-Ziegler, Der Anspruch auf ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung, Bern 2011, S. 191). UnabhÃ¤ngig davon, welcher dieser Lehrmeinungen man folgt, fÃ¤llt der Anspruch auf Grundschulunterricht nach Art. 19 BV in jedem Fall dahin, wenn das Kind bzw. die oder der Jugendliche die VolljÃ¤hrigkeit erreicht; ob die betreffende Person in ihrer Kindheit einen ausreichenden Grundschulunterricht genossen hat oder nicht, spielt keine Rolle (KÃ¤gi-Diener, Art. 19 N. 30; Biaggini, Art. 19 N. 6).</p> <p class="Erwgung2">In diesem Punkt scheint sich der Art. 19 BV somit wesentlich vom (jÃ¼ngeren) Art. 62 Abs. 3 BV zu unterscheiden; es fragt sich deshalb, in welchem VerhÃ¤ltnis diese Bestimmung zu Art. 19 BV steht bzw. ob sie behinderten Kindern und Jugendlichen einen darÃ¼berhinausgehenden Anspruch auf Grund- bzw. Sonderschulung vermittelt.</p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>Art. 62 Abs. 3 BV wurde im Zuge der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) in die Verfassung eingefÃ¼gt (AS 2007 5779; BBl 2005 6029). Bis dahin bzw. vor dem Inkrafttreten des Bundesbeschlusses zur NFA am 1. Januar 2008 lag die ZustÃ¤ndigkeit fÃ¼r die Finanzierung des Sonderschulwesens aufgrund von Art. 111 BV (Ã¼ber die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung) beim Bund. Entsprechend erbrachte die Invalidenversicherung (IV) einerseits individuelle Leistungen an "die Sonderschulung bildungsfÃ¤higer Versicherter, die das 20. Altersjahr noch nicht vollendet haben und denen infolge InvaliditÃ¤t der Besuch der Volksschule nicht mÃ¶glich oder nicht zumutbar" war<span> </span>(Art. 19 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 Ã¼ber die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20] in der bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung [AS 1995 1131]); andererseits gewÃ¤hrte sie kollektive Leistungen (Bau- und EinrichtungsbeitrÃ¤ge, BetriebsbeitrÃ¤ge) an die DurchfÃ¼hrungsstellen der Sonderschulung (vgl. Art. 73 Abs. 1 und 2 lit. a IVG in der bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung [AS 1987 455]). Mit Inkrafttreten des Bundesbeschlusses ging die volle sachliche und finanzielle Verantwortung hinsichtlich der Sonderschulung auf die Kantone Ã¼ber (Biaggini, Art. 62 N. 9; <span>BGE 138 I 162</span> E. 3.1).</p> <p class="Erwgung2">Der Vorentwurf zur NFA-Vorlage hatte noch keine dem Art. 62 Abs. 3 BV entsprechende Bestimmung enthalten. Im Vernehmlassungsverfahren wurde jedoch verschiedentlich die BefÃ¼rchtung geÃ¤ussert, dass die Ãbertragung der Sonderschulung in den Kompetenzbereich der Kantone zu einem Abbau der entsprechenden Leistungen fÃ¼hren kÃ¶nnte. Der Bundesrat schlug deshalb einen gegenÃ¼ber den Kantonen bestehenden "Individualanspruch aller Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen auf Sonderschulung fÃ¼r eine optimale FÃ¶rderung und Schulung" in der Bundesverfassung vor. Art. 62 Abs. 3 BV trat somit in gewisser Weise an die Stelle der Leistungen der Invalidenversicherung (alt Art. 19 IVG), was bei der Auslegung der Bestimmung bedacht werden muss (zum Ganzen Aeschlimann-Ziegler, S. 36 f. mit Hinweisen; ferner Botschaft vom 14. November 2001 zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen, BBl 2002 2291 ff. [Botschaft NFA], 2415 ff., 2467; Peter Uebersax, Der Anspruch Behinderter auf ausreichende Grund- und Sonderschulung, in: Gabriela Riemer-Kafka [Hrsg.], Kinder und Jugendliche mit Behinderungen â Zwischen Sozialversicherung und SonderpÃ¤dagogik, ZÃ¼rich etc. 2011, S. 17 ff., 26 f., ferner 53; Peter Lienhard, Herausforderungen an die SonderpÃ¤dagogik seit EinfÃ¼hrung der NFA, in: Riemer-Kafka, S. 1 ff., 2 ff.; Markus Schefer/Caroline Hess-Klein, Behindertengleichstellungsrecht, Bern 2014, S. 335 f.).</p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Materialien und Entstehungsgeschichte von Art. 62 Abs. 3 BV deuten demnach darauf hin, dass aus dieser an die Kantone gerichteten Bestimmung ein einklagbares verfassungsmÃ¤ssiges Individualrecht auf Sonderschulung lÃ¤ngstens bis zum 20. Altersjahr abgeleitet werden kann. Diese Auffassung wird denn auch von einer klaren Mehrheit der Lehre vertreten, wÃ¤hrend ein kleinerer Teil unter Hinweis insbesondere auf die systematische Stellung des Art. 62 Abs. 3 BV sowie darauf, dass der darin formulierte Auftrag zeitlich Ã¼ber den verfassungsmÃ¤ssigen Anspruch gemÃ¤ss Art. 19 BV bzw. das Schulobligatorium von derzeit neun bzw. elf Jahren hinausreiche, einen grundrechtlichen Anspruch tendenziell eher verneint (bejahend: Ehrenzeller, Art. 62 N. 39; Uebersax, S. 26 f.; Aeschlimann-Ziegler, S. 35, 38 und 219; MÃ¼ller/Schefer, S. 784 f.; Giovanni Biaggini/Thomas GÃ¤chter/Regina Kiener [Hrsg.], Staatsrecht, 2. A., ZÃ¼rich/St. Gallen 2015, S. 580 f.; kritisch und eher ablehnend Biaggini, Art. 62 N. 10; HÃ¤felin et al., N. 923). Folgte man der Minderheitsmeinung, kÃ¶nnte dies zur Folge haben, dass die Sonderschulung im "postobligatorischen" Bereich bis zum vollendeten 20. Altersjahr der betroffenen Personen dem GutdÃ¼nken der Kantone ausgesetzt wÃ¤re.</p> <p class="Urteilstext">Die kontrovers diskutierte Frage, ob es sich bei dem Art. 62 Abs. 3 BV um einen "blossen" Verfassungsauftrag handelt oder ob die Bestimmung den betroffenen Kindern und Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen bis zum Alter von 20 Jahren einen Individualanspruch auf Sonderschulung einrÃ¤umt, braucht hier allerdings nicht beantwortet zu werden, ist doch mit § 36 Abs. 2 VSG jedenfalls auf kantonaler Ebene eine einschlÃ¤gige Anspruchsgrundlage gegeben. Danach besteht â wie oben aufgezeigt â "vom Zeitpunkt des Eintritts in die Kindergartenstufe bis zum Abschluss der Schule, lÃ¤ngstens jedoch bis zur Vollendung des 20. Altersjahrs", ein Anspruch auf (unentgeltliche [§ 11 VSG]) Sonderschulung (vgl. zur Unentgeltlichkeit des [von den Autoren bejahten] verfassungsrechtlichen Anspruchs auf Sonderschulung bis lÃ¤ngstens zum vollendeten 20. Altersjahr auch Aeschlimann-Ziegler, S. 211 f., und Ehrenzeller, Art. 62 N. 41; siehe in diesem Zusammenhang ebenso die unmittelbar rechtsetzenden [Aeschlimann-Ziegler, S. 247] Art. 2 lit. c und Art. 3 der interkantonalen Vereinbarung vom 25. Oktober 2007 Ã¼ber die Zusammenarbeit im Bereich der SonderpÃ¤dagogik, die der Kanton ZÃ¼rich im Juni 2014 abgeschlossen hat [vgl. das Gesetz zum Beitritt zur interkantonalen Vereinbarung Ã¼ber die Zusammenarbeit im Bereich der SonderpÃ¤dagogik vom 30. Juni 2014, LS 410.32]). </p> <p class="Erwgung2"><b>5.3 </b>Wie sich bereits aus dem Wortlaut ("lÃ¤ngstens", "bis zum Abschluss der Schule") und dem systematischen Zusammenhang des § 36 Abs. 2 VSG ergibt, wurde mit dem Hinweis auf das 20. Altersjahr darin freilich lediglich eine Obergrenze festgelegt und besteht kein absoluter Anspruch auf Sonderschulung bis zu diesem Alter. Damit die Bestimmung nicht ihres Gehalts entleert wird, hat die Sonderschulung vielmehr immer der Grundschulbildung zu dienen, das heisst der ErfÃ¼llung des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Grund- bzw. Volksschule, und kann der Anspruch im konkreten Einzelfall insofern bereits vor dem vollendeten 20. Altersjahr enden. </p> <p class="Erwgung2">FÃ¼r eine solche Auslegung spricht denn auch der Vergleich mit der massgeblichen Regelung im Invalidenversicherungsrecht, die vor der Zuweisung der Sonderschulung zum Kompetenzbereich der Kantone bestand. So differenzierte der in Verbindung mit Art. 19 IVG zu lesende Art. 8 der Verordnung vom 17. Januar 1961 Ã¼ber die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) in der bis Ende Dezember 2007 geltenden Fassung (AS 1986 1190) zwischen dem Sonderschulunterricht, welcher anstatt der Volksschule besucht wird, Massnahmen zur ErmÃ¶glichung des Volksschulbesuchs und Massnahmen zur Vorbereitung auf den Sonder- und den Volksschulunterricht. Der Sonderschulunterricht begann mit der Kindergartenstufe und konnte, sofern notwendig, Ã¼ber das ordentliche Schulalter bzw. die obligatorische Schulpflicht hinaus bis lÃ¤ngstens zur Vollendung des 20. Altersjahrs fortgesetzt werden, wenn BildungslÃ¼cken geschlossen werden mussten oder wenn er der Vorbereitung auf die Berufsbildung diente. Daraus erhellt, dass der Anspruch auf Sonderschulung dann endete, wenn jene Lerninhalte vermittelt worden waren, die fÃ¼r eine gleichberechtigte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erforderlich sind, oder wenn die bzw. der Einzelne jene FÃ¤higkeiten erworben hatte, die es ihr bzw. ihm erlaubten, so selbstÃ¤ndig wie mÃ¶glich am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. In diesem Sinn ist heute auch Art. 62 Abs. 3 BV bzw. die in Umsetzung dieser Verfassungsnorm mit § 36 Abs. 2 VSG statuierte Regelung zu verstehen (vgl. zum Ganzen Schefer/Hess-Klein, S. 339; Aeschlimann-Ziegler, S. 210; so ausdrÃ¼cklich das Merkblatt des Volksschulamts des Kantons ZÃ¼rich "ÃberprÃ¼fung von sonderpÃ¤dagogischen Massnahmen, Beschlussfassung bei Aufhebung oder WeiterfÃ¼hrung der Sonderschulung" vom 26. August 2015, S. 1 [www.vsa.zh.ch &gt; Schulbetrieb &amp; Unterricht &gt; SonderpÃ¤dagogisches &gt; Zuweisungsverfahren]).</p> <p class="Erwgung2"><b>5.4 </b>Die Tragweite bzw. der Umfang des Sonderschulanspruchs nach § 36 Abs. 2 VSG hÃ¤ngt somit in erster Linie vom BildungsbedÃ¼rfnis der betroffenen Kinder und Jugendlichen ab. Soweit ein behindertes Kind trotz seiner Behinderung das Bildungsziel der Volksschule, selbstverantwortlich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu kÃ¶nnen, innerhalb der Regelschulzeit erreichen kann, endet sein Sonderschulanspruch "ordentlich" mit 15 bzw. 16 Jahren (vgl. § 3 Abs. 2 f. VSG, wonach die Schulpflicht im Kanton ZÃ¼rich elf Jahre dauert und SchÃ¼lerinnen und SchÃ¼ler, die das 16. Altersjahr vollendet haben, aus der Schulpflicht entlassen werden). Gelingt ihm dies nicht, das heisst, konnten dem behinderten Kind diejenigen Bildungsinhalte, welche ihm ein selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft ermÃ¶glichen (also eine "ausreichende" Grundschulbildung), bis zum Erreichen des 16. Altersjahrs noch nicht vermittelt werden, darf ihm die dazu erforderliche LernfÃ¤higkeit demgegenÃ¼ber nicht einfach abgesprochen werden. In solchen FÃ¤llen muss das Kind weiter ausgebildet werden, bis es eine Berufs- bzw. eine weiterfÃ¼hrende Ausbildung absolvieren kann oder aber â bei schweren Behinderungen â durch den (weiteren) Volksschulunterricht zumindest in der Lage ist, sein Leben mit jener SelbstÃ¤ndigkeit zu fÃ¼hren, die aufgrund der Schwere seiner Behinderung mit vertretbarem Aufwand erreicht werden kann; mit dieser Zielsetzung ist die Sonderschulung lÃ¤ngstens bis zum vollendeten 20. Altersjahr der bzw. des Betroffenen fortzufÃ¼hren.</p> <p class="Erwgung2">Dahingehend lÃ¤sst sich auch dem aktuellen Merkblatt "Sonderschulung im Kanton ZÃ¼rich" der Bildungsdirektion entnehmen, dass eine Sonderschulung im Kanton ZÃ¼rich erst dann als abgeschlossen zu betrachten sei, wenn die SchÃ¼lerin oder der SchÃ¼ler in der Lage sei, eine den FÃ¤higkeiten entsprechende Berufsbildung oder ein geschÃ¼tztes Arbeits- respektive BeschÃ¤ftigungsangebot zu ergreifen; sofern also die WeiterfÃ¼hrung der Sonderschulung Ã¼ber die Dauer der obligatorischen Schulzeit hinaus fÃ¼r eine geeignete AnschlussmÃ¶glichkeit erforderlich sei, bestehe ein Anspruch auf verlÃ¤ngerte Sonderschulung (Ziff. 6.1, www.vsa.zh.ch &gt; Schulbetrieb &amp; Unterricht &gt; SonderpÃ¤dagogisches &gt; Sonderschulung; vgl. auch das â am gleichen Ort abrufbare â aktuelle Rahmenkonzept "Berufswahl- und Lebensvorbereitung in der Sonderschulung" des Amts fÃ¼r Jugend und Berufsberatung des Kantons ZÃ¼rich [Rahmenkonzept], Ziff. 3 S. 6; ferner zur vergleichbaren Praxis und Rechtsprechung bereits unter dem vor dem 18. August 2008 geltenden Recht VGr, 28. August 2002, VK.2001.00005, E. 7; siehe sodann Bundesamt fÃ¼r Sozialversicherungen, Kreisschreiben Ã¼ber die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art, Version 19, Ziff. 16.1 [www.sozialversicherungen.admin.ch &gt; Grundlagen IV &gt; Individuelle Leistungen &gt; Kreisschreiben], wonach Massnahmen der IV zur Vorbereitung invalider Personen auf die erstmalige berufliche Ausbildung [Art. 16 IVG] immer erst greifen, wenn der Grundschulunterricht bzw. die "schulischen Vorkehrungen [â¦] abgeschlossen" ist bzw. sind).</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>6.1 </b>A weist eine schwere Intelligenzminderung mit VerhaltensstÃ¶rungen, erheblichen sprachlichen EinschrÃ¤nkungen sowie autistischen ZÃ¼gen auf und wird Zeit seines Lebens auf eine intensive Betreuung bzw. die Hilfe Dritter angewiesen. Eine eigenstÃ¤ndige LebensfÃ¼hrung bzw. ein selbstverantwortliches Leben im Alltag wird ihm nie mÃ¶glich sein. </p> <p class="Erwgung2">Da das ordentliche Bildungsziel bzw. die regulÃ¤ren Zielsetzungen des Lehrplans fÃ¼r A vor diesem Hintergrund â auch mit gezielter UnterstÃ¼tzung â unerreichbar war bzw. waren, konnte die ihm zuteilwerdende Grund- bzw. Sonderschulbildung von Beginn seiner Schullaufbahn an "nur" darauf ausgerichtet sein, ihm eine angemessene Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben in seinem sozialen Umfeld zu ermÃ¶glichen. Es wurden ihm daher â wie in solchen FÃ¤llen vorgeschrieben â statt der im Lehrplan festgelegten Lern- jeweils individuelle Entwicklungsziele vorgegeben und â sich soweit wie mÃ¶glich an den Kompetenzaufbauten des Lehrplans bzw. der Regelschule orientierende â FÃ¶rderthemen ("Deutsch", "Mathematik", "Sport" usw.) festgelegt (vgl. hierzu den Lehrplan fÃ¼r die Volksschule des Kantons ZÃ¼rich [www.vsa.zh.ch &gt; Schulbetrieb &amp; Unterricht &gt; LehrplÃ¤ne], S. 10, sowie die BroschÃ¼re des Volksschulamts "Umsetzung des ZÃ¼rcher Lehrplans 21 fÃ¼r SchÃ¼lerinnen und SchÃ¼ler mit besonderen pÃ¤dagogischen BedÃ¼rfnissen in Regel- und Sonderschulen" [www.vsa.zh.ch &gt; Projekte &gt; ZÃ¼rcher Lehrplan 21 &gt; Materialien], S. 5, 6 ff., 13). </p> <p class="Erwgung2">Nachdem A auf Beginn des Schuljahrs 2014/2015 innerhalb der Institution E auf eine Stufe gewechselt hatte, welche dem Konzept der Schule zufolge dazu dient, behinderten Jugendlichen ab 15 Jahren im Hinblick auf das baldige Ende der Schulzeit dabei zu helfen, sich in neuen, ungewohnten Situationen zurechtzufinden, fand â so die Zeugnisberichte der Schuljahre 2015/2016 und 2017/2018 â eine zunehmende Ausrichtung der Entwicklungsziele und FÃ¶rderthemen auf die Erwachsenen- und Arbeitswelt statt (vgl. etwa die Themen berufliche Ausbildung, MobilitÃ¤t, Kommunikation und Selbstversorgung; zum Ganzen auch Rahmenkonzept, Ziff. 3.4 ff.). Die Gestaltung des Unterrichts bzw. der individuellen Lernumgebung richtete sich dabei nach dem TEACCH-Ansatz (Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children), einem pÃ¤dagogischen Konzept zur FÃ¶rderung von Menschen mit Autismus (vgl. www.teacch.ch; Bundesamt fÃ¼r Sozialversicherungen, Kinder und Jugendliche mit tiefgreifenden EntwicklungsstÃ¶rungen in der Schweiz, Bern, MÃ¤rz 2015 [www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/39992.pdf], Ziff. 5.2.1 f.). Im Zentrum dieses Ansatzes steht die Verbesserung der Vorhersehbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Lerninhalte durch Visualisierung, Routinen, klare zeitliche Strukturen, Vertrautheit der eingesetzten Mittel, kleinschrittige Vorgehensweisen, klare Verhaltensregeln usw.; damit verbunden ist eine klare FÃ¼hrung durch die Lehrperson (hierzu Andreas Eckert/Waltraud Sempert, Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-StÃ¶rungen in der Schule <span>[www.hfh.ch/fileadmin/files/documents/Dokumente_Expertenwissenonline/</span><span>Fachstelle</span><span>_</span>Autismus/VHN_3-12_Eckert_nb.pdf], Ziff. 3.3). Entgegen der Beklagten handelt es sich hierbei nicht um eine Therapieform, welche von der IV zu vergÃ¼ten gewesen wÃ¤re, ist diese doch seit dem 1. Januar 2008 lediglich noch bei â hier nicht durchgefÃ¼hrten â medizinischen oder beruflichen (nicht aber [sonder]pÃ¤dagogischen) Massnahmen leistungspflichtig (Art. 12 ff. IVG in Verbindung mit Art. 2 f. IVV; vgl. SVGr, 17. September 2014, IV.2013.00320, E. 2.4; siehe aber fÃ¼r eine â hier nicht gegebene â Ausnahme das IV-Rundschreiben Nr. 357 "VergÃ¼tung von medizinischen Massnahmen im Rahmen der Intensivbehandlung bei frÃ¼hkindlichem Autismus" vom 13. Dezember 2016, www.sozialversicherungen.admin.ch &gt; IV &gt; Grundlagen IV &gt; Individuelle Leistungen &gt; Rundschreiben).</p> <p class="Erwgung2"><b>6.2 </b>Der Unterricht von A orientierte sich demzufolge (bis zuletzt) an den Zielsetzungen des allgemeinen Lehrplans bzw. der Volksschule und war darauf ausgerichtet, seine Integration in die Gesellschaft zu fÃ¶rdern. Dass dieser Unterricht sinn- bzw. zwecklos gewesen wÃ¤re, bloss weil er dem jungen Mann letztlich nicht zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen vermochte, und diesem heute etwa selbst die Aufnahme einer Ausbildung im geschÃ¼tzten Rahmen nicht mÃ¶glich ist, lÃ¤sst sich dabei nicht sagen. So ist der Sonderschulunterricht â wie oben aufgezeigt â immer den spezifischen BedÃ¼rfnissen der behinderten Kinder und Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen angepasst, was bedeutet, dass es gerade bei schweren Formen von Autismus-Spektrum-StÃ¶rungen sowie allfÃ¤lligen KomorbiditÃ¤ten oftmals nur darum gehen kann, die Entwicklung der betroffenen SchÃ¼lerin bzw. des betroffenen SchÃ¼lers mit Hilfe der Sonderschulung im Rahmen des Angemessenen so weit wie mÃ¶glich zu fÃ¶rdern. Im Fall von A bedeutete dies, ihn in die Lage zu versetzen, nach der Sonderschulung in eine seiner Behinderung angemessene Tages- sowie Betreuungsstruktur wechseln zu kÃ¶nnen, wo er adÃ¤quat am sozialen Leben teilhaben und einer geregelten BeschÃ¤ftigung nachgehen kann.</p> <p class="Urteilstext">Die weitere Sonderschulung von A wÃ¤re deshalb nur dann nicht jedenfalls bis April 2018 weiterzufÃ¼hren gewesen, wenn dieses individuelle FÃ¶rderziel bereits frÃ¼her erreicht worden wÃ¤re bzw. hÃ¤tte erreicht werden kÃ¶nnen, das heisst, die Grund- respektive Sonderschulung des jungen Manns schon eher abgeschlossen gewesen wÃ¤re, was nicht der Fall war: GemÃ¤ss einem Bericht des â bei den Entscheiden betreffend die VerlÃ¤ngerung der Sonderschulung jeweils beigezogenen (vgl. § 25 Abs. 4 und § 28 Abs. 2 VSM) â zustÃ¤ndigen schulpsychologischen Diensts vom 4. September 2018 war der Sonderschulbedarf von A vielmehr "klar ausgewiesen" und dessen Sonderschulung auch wÃ¤hrend des Zeitraums vom 1. April 2017 bis zum 31. Juli 2018 notwendig. Bis dahin sei A noch nicht bereit fÃ¼r eine AnschlusslÃ¶sung gewesen, sondern habe sein Verhalten noch der Stabilisierung bedurft. Nur dank der Betreuung sowie der sehr professionellen und strukturierten FÃ¶rderung und Begleitung in der Institution E und der altersbedingten Entwicklung von A habe dieser im Sommer 2018 ein BeschÃ¤ftigungsprogramm antreten kÃ¶nnen; bei einem frÃ¼heren Austritt aus der Institution E aber hÃ¤tte keine AnschlusslÃ¶sung bestanden.</p> <p class="Urteilstext">Die Situation von A lÃ¤sst sich insofern nicht mit derjenigen (behinderter) junger Erwachsener vergleichen, die nach Abschluss der Sekundarstufe I schulisch nicht mehr gefÃ¶rdert werden kÃ¶nnen, aber noch keinen passenden Ausbildungsplatz gefunden haben (vgl. Martin Boltshauser, SonderpÃ¤dagogische Massnahmen wÃ¤hrend der beruflichen Ausbildung. Wer bezahlt?, in: Riemer-Kafka, S. 199 ff., 214 f.). Wie sich nicht nur aus dem vorerwÃ¤hnten schulpsychologischen Bericht, sondern auch aus den massgeblichen Zeugnisberichten der Schuljahre 2015 bis 2018 ergibt, war A â anders als die jungen Erwachsenen der Vergleichsgruppe â wÃ¤hrend seiner FÃ¶rderung auf der Orientierungsstufe unverÃ¤ndert auf pÃ¤dagogische UnterstÃ¼tzung angewiesen, um seine individuellen FÃ¶rderziele bzw. das Ziel mÃ¶glichst weitreichender UnabhÃ¤ngigkeit zu erreichen, wobei es aufgrund der Schwere seiner Behinderung wÃ¤hrend dieser Zeit nebst verschiedenen Entwicklungsfortschritten (so lernte er etwa, von fÃ¼nf bis auf zehn zu zÃ¤hlen, mit wenig Hilfe nicht nur seinen Namen, sondern auch ganze SÃ¤tze auf dem Laptop zu reproduzieren, sich statt in Zweiwort- in DreiwortsÃ¤tzen mitzuteilen, den Weg zu einem LebensmittelgeschÃ¤ft selbstÃ¤ndig zu bewÃ¤ltigen usw.) vereinzelt auch EntwicklungsrÃ¼ckschritte insbesondere im Bereich Impulskontrolle zu verzeichnen gab. Dass bereits ab dem Jahr 2016 intensiv nach einer AnschlusslÃ¶sung fÃ¼r ihn gesucht wurde, war denn auch primÃ¤r darauf zurÃ¼ckzufÃ¼hren, dass er in der ersten HÃ¤lfte des Schuljahrs 2015/2016 immer wieder impulsive und unberechenbare AusbrÃ¼che gezeigt hatte, denen wegen seiner zunehmenden Kraft und GrÃ¶sse nur mit einem (massiv) erhÃ¶hten Personalaufwand begegnet werden konnte, was die Strukturen der Institution E sprengte, nicht aber darauf, dass seine Sonderschulung als abgeschlossen betrachtet worden wÃ¤re. Im Gegenteil wurde â dem Anliegen der Sonderschulung auf der Sekundarstufe I entsprechend <span>(vgl. Rahmenkonzept, Ziff. 4.2 ff.) </span>â auch noch im vorliegenden strittigen Schuljahr 2017/2018 darauf hingearbeitet<span>, </span>die <span>AnschlussfÃ¤higkeit von A </span>mit Hilfe gezielter â in die Sonderschulung eingebetteter â Massnahmen zur Impulskontrolle sowie zur <span>Berufswahl- und Lebensvorbereitung</span><span> (weiter) zu verbessern und ihn so letztlich davor zu bewahren, mit Vollendung des 20. Altersjahrs mangels Alternativen in einer psychiatrischen Klinik bzw. einer therapeutischen Wohngruppe untergebracht zu werden. Nach der Stabilisierung des Gesamtzustands von A konnte so im FrÃ¼hjahr 2018 </span>eine von allen Beteiligten als geeignet eingestufte AnschlusslÃ¶sung fÃ¼r den jungen Mann gefunden werden, wobei der KlÃ¤gerin bzw. der Institution E in Anbetracht der konkreten UmstÃ¤nde sowie des begrenzten Angebots an BeschÃ¤ftigungsplÃ¤tzen fÃ¼r Erwachsene mit schweren Behinderungen nicht zum Vorwurf gemacht werden kann, sich nicht ausreichend um einen solchen bemÃ¼ht zu haben.</p> <p class="Erwgung2"><b>6.3 </b>Die Sonderschulung von A war somit jedenfalls bis Ende April 2018 noch nicht abgeschlossen, weshalb sich die Beklagte gemÃ¤ss § 64 Abs. 1 VSG bis zu diesem Zeitpunkt an den in diesem Zusammenhang angefallenen notwendigen Kosten (Versorgertaxen, ausserordentliche Betreuungskosten) zu beteiligen hat. </p> <p class="Erwgung2">Die Kosten fÃ¼r den Aufenthalt von A und seine ausserordentliche Betreuung in der Institution E belaufen sich fÃ¼r den â hier strittigen â Zeitraum vom 1. April 2017 bis zum 30. April 2018 auf insgesamt Fr. 120'166.65. Davon hat die Beklagte die HÃ¤lfte, mithin Fr. 60'083.35 bzw. gemÃ¤ss dem klÃ¤gerischen Antrag abgerundet Fr. 60'083.- zu Ã¼bernehmen (§ 4 Abs. 1 lit. b VFiSo). </p> <p class="Erwgung1"><b>7. </b> </p> <p class="Urteilstext">Nach dem Gesagten ist die Klage im nicht durch Anerkennung erledigten Umfang gutzuheissen und die Beklagte zu verpflichten, der KlÃ¤gerin Fr. 60'083.- an die Kosten fÃ¼r die Fremdplatzierung und die ausserordentliche Betreuung von A in der Institution E vom 1. April 2017 bis zum 30. April 2018 zu bezahlen. Der Nachklagevorbehalt der KlÃ¤gerin bezÃ¼glich der Kosten fÃ¼r die Unterbringung von A in der Institution E ab 1. Mai 2018 wird zur Kenntnis genommen.</p> <p class="Erwgung1"><b>8. </b> </p> <p class="Urteilstext">AusgangsgemÃ¤ss sind die Gerichtskosten der Beklagten aufzuerlegen und (§ 86 in Verbindung mit §§ 65a Abs. 2 und 13 Abs. 2 Satz 1 VRG; Jaag, § 85 N. 15) und ist diese zur Leistung einer angemessenen ParteientschÃ¤digung an die KlÃ¤gerin zu verpflichten (§ 17 Abs. 2 VRG; Jaag, § 85 N. 16).</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Klage wird, soweit sie nicht (im Umfang von Fr. 13'500.-) durch Anerkennung erledigt abgeschrieben wird, gutgeheissen und die Beklagte verpflichtet, der KlÃ¤gerin Fr. 60'083.- zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 5'500.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 220.-- Zustellkosten,<br/> Fr. 5'720.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden der Beklagten auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Beklagte wird verpflichtet, der KlÃ¤gerin eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 4'000.- (zuzÃ¼glich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in Ã¶ffentlichrechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Sie ist binnen 30 Tagen ab Zustellung einzureichen beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Mitteilung an â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>