B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1586/2023 U r t e i l v o m 2 8 . M ä r z 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richterin Barbara Balmelli; Gerichtsschreiberin Nina Ermanni. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 14. März 2023 / N (…). E-1586/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 21. Februar 2023 in der Schweiz ein Asylgesuch ein. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der «Eurodac» - Datenbank ergab, dass er am 9. Dezember 2015 ein Asyl gesuch in B._______ eingereicht, den Dublin-Raum am 11. Mai 2016 wieder verlas- sen sowie am 16. Februar 2023 in Kroatien erneut illegal in den Dublin - Raum eingereist war und dort gleichentags um Asyl nachgesucht hatte. B. Am 24. Februar 2023 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm zuge- wiesene Rechtsvertretung. C. C.a Am 27. Februar 2023 ersuchte die Vorinstanz die kroatischen Behör- den um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla- ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied- staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol- gend: Dublin-III-VO). C.b Gleichentags wurden die (…) Behörden gestützt auf Art. 34 Dublin-III- VO von der Vorinstanz darum ersucht, mitzuteilen, unter welchen Angaben der Beschwerdeführer im Jahr 2015 bei der Stel lung seines Asylgesuchs registriert worden war und wie beziehungsweise weshalb er den Dublin - Raum wieder verlassen hatte. D. Am 1. März 2023 erfolgte die Personalienaufnahme (PA) des Beschwerde- führers. E. Mit Schreiben vom 5. März 2023 teilten die (...) Behörden der Vorinstanz die bei ihnen anlässlich des am 10. Dezember 2015 gestellten Asylge- suchs registrierten Personalien des Beschwerdeführers mit . Zudem infor- mierten sie die Vorinstanz darüber, dass das Asylverfahren am 10. Mai 2016 infolge Rückzugs durch den Beschwerdeführer geschlossen worden sei. Der Beschwerdeführer sei anschliessend am 11. Mai 2016 in sein E-1586/2023 Seite 3 Heimatland überstellt worden und seither nicht mehr mit den (...) Behörden in Kontakt getreten. F. F.a Am 13. März 2023 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer – im Rahmen des persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 Dublin-III-VO und im Beisein seiner Rechtsvertretung – das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälligen Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt. F.b Gleichentags stimmten die kroatischen Behörden dem Ersuchen des SEM vom 27. Februar 2023 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO aus- drücklich zu. Zudem informierten sie die schweizerischen Behörden da - rüber, dass der Be schwerdeführer am 16. Februar 2023 in Kroatien um Asyl nachgesucht und das Aufnahmezentrum vor seiner Anhörung wieder verlassen habe. G. Am 14. März 2023 erkundigte sich das SEM beim Gesundheitsdienst des zuständigen Bundesasylzentrums (BAZ) nach allfälligen gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdeführers. Dabei wurde festgestellt, dass der Beschwerdeführer beim Gesundheitsdienst nie vorstellig geworden sei. H. Mit Verfügung vom 14. März 2023 (eröffnet am 15. März 2023) trat die Vor- instanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Überstellung nach Kroatien und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den zu- ständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem Be- schwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme. I. Mit Schreiben vom 15. März 2023 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung dem SEM die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit. J. Mit Eingabe vom 21. März 2023 erhob der Beschwerdeführer beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die angefochtene Ver- fügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das E-1586/2023 Seite 4 Asylgesuch einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzufüh- ren. Eventualiter sei der Entscheid der Vorinstanz aufzuheben und die An- gelegenheit zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, von den zu- ständigen Behörden Zusicherungen einzuholen, dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft in Kroatien umgehend Obdach, Nahrun g, eine adäquate und regelmässige medizinische sowie psychologische Behandlung zur Verfü- gung stehe. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Kostenvorschusserhebung. Des Weiteren beantragte er im Sinne vorsorglicher Massnahmen, der vorlie- genden Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörde sei anzuweisen, von einer Überstellung nach Kroatien ab- zusehen, b is das Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende Be- schwerde entschieden habe. K. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 22. März 2023 in elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Er ist daher zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge- reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). E-1586/2023 Seite 5 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver- fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch- führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe den rechtserheblichen Sachverhalt unzureichend festgestellt, da es seine individuelle Situation bei einer Rückkehr nach Kroatien nicht genügend abgeklärt und damit sein rechtliches Gehör verletzt habe. Zudem habe es den Sachverhalt bezüg- lich der systemischen Schwachstellen in Kroatien nicht ausreichend abge- klärt und namentlich Berichte von Nichtregierungsorganisationen (NGO) nicht beachtet, sondern lediglich pauschal darauf verwiesen, es gebe keine wesentlichen Gründe für Schwachstellen im Asylverfahren/den Aufnahme- bedingungen für Asylsuchende in Kroatien. 4.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers hat die Vorinstanz seine individuellen Vorbringen in den Erwägungen durchaus berücksichtigt (Verfügung des SEM vom 14. März 2023 Ziff. II). Das SEM hat sich in sei- ner Verfügung einlässlich mit der Situation von Asylsuchenden in Kroatien, namentlich derjenigen von Dublin -Rückkehrenden, auseinandergesetzt und die Frage erörtert (un d letztlich verneint), ob von systemischen Män- geln im kroatischen Asylsystem auszugehen sei. Es hat dabei auf die fun- dierten Abklärungen der Schweizer Botschaft in Kroatien (zuletzt im März 2022) verwiesen. Ferner hat es festgestellt, es sei nicht davon au szuge- hen, dass bei einer Überstellung des Beschwerdeführers nach Kroatien E-1586/2023 Seite 6 eine Verletzung von Art. 3 EMRK oder des Non -Refoulement-Gebots drohe. Damit ist das SEM der ihm obliegenden Untersuchungs-, Prüfungs- und Begründungs pflicht (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 12 VwVG; Art. 35 Abs. 1 VwVG; Art. 29 BV) in genügender Weise nachgekommen, und es ist auch keine fehlerhafte Sachverhaltsfeststellung ersichtlich. Der Um- stand, dass sich das SEM bei seinen Erwägungen auf andere als die vom Beschwerdeführer als opportun erachteten Quellen stützt respektive zu ei- ner anderen Einschätzung der Lage kommt als der Beschwerdeführer, än- dert daran nichts. Die formellen Rügen erweisen sich somit als unbegrün- det, und das eventualiter gestellte Rückweisungsbegehren ist abzuweisen. 5. 5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin -III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref- fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien de s Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannte n Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit- gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah- men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) – wie vorliegend – findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprü- fung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän- digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die E-1586/2023 Seite 7 Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat syst emische Schwachstellen aufwei- sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand- lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin- gen, ist zu prüfe n, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied- staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 5.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an- deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO). Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei von den kroatischen Behör- den zur Abgabe seiner Fingerabdrücke genötigt worden und habe in Kroa- tien gar kein Asylgesuch einreichen wollen. Ungeachtet dessen ist indes aufgrund der Aktenlage davon auszugehen, dass in Kroatien am 16. Feb- ruar 2023 ein Verfahren auf internationalen Schutz zugunsten des Be- schwerdeführers eingeleitet worden ist (vgl. den Eurodac-Hit vom 16. Feb- ruar 2023 [SEM-Akte 1235738-7/2]). Die Frage der erfolgten Asylgesuch- stellung ist indes ohnehin insoweit irrelevant, als dass bereits der illegale Grenzübertritt die Zuständigkeit Kroatiens begründen würde. Der Be- schwerdeführer macht weiter geltend, er habe von den kroatischen Behör- den eine Wegweisungsverfügung erhalten. Eine solche lässt sich den Ak- ten nicht entnehmen. Die zuständigen kroatischen Behörden haben dem Wiederaufnahmegesuch des SEM gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO ausdrücklich zugestimmt und dabei ausgeführt, der Beschwerdeführer habe am 16. Februar 2023 in Kroatien um Asyl nachgesucht und das Auf- nahmezentrum vor sei ner Anhörung wieder verlassen (SEM-Akte 1235738-20/2). Demnach ist ohne weiteres d avon auszugehen, dass das kroatische Verfahren zur Bestimmung des für die Prüfung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständigen Mitgliedstaats noch nicht abgeschlos- sen war und nach seiner Überstellung nach Kroatien fortgesetzt wird. Nach dem Gesagten ist die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens für die Durch- führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens betreffend den Beschwer- deführer gegeben. E-1586/2023 Seite 8 6. 6.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli- che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe- dingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische Schwachstel- len aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta mit sich brin- gen würden. 6.1.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, der FoK sowie der FK, und es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass es seinen diesbezüglichen völ- kerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Es darf ausserdem davon aus- gegangen werden, Kroatien anerkenne und schütze die Rech te, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. Wie das SEM in der ange- fochtenen Verfügung zu Recht dargelegt hat, bestehen zurzeit – auch unter Berücksichtigung der in der Beschwerde erwähnten Berichte diverser Or- ganisationen, in welchen das kroatische Asylwesen kritisiert wird – im Be- reich der (hier interessierenden) Wiederaufnahmeverfahren («take back») keine Gründe für die Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebe- dingungen für Antragstellende in Kroatien würden systemische Schwach- stellen im Sinn von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO auf- weisen (vgl. dazu statt vieler die Urteile des BVGer D -1069/2023 vom 1. März 2023 E. 7.2.1, D -5422/2022 vom 23. Januar 2023 E. 8.2 und E-5984/2022 vom 3. Januar 2023 E. 7.2). 6.1.2 Insbesondere lassen auch die vom Beschwerdeführer bei seiner ille- galen Einreise nach Kroatien angeblich erlebten Vorkommnisse (er sei ge- schlagen worden, habe mit drei weiteren Personen einen kleinen Raum teilen müssen, in welchem es nur eine offene Toilette gegeben habe, es habe nur wenig Nahrung gegeben, weshalb er Hunger und Durst gehabt habe, ihm seien seine Wertgegenstände abgenommen und sein Telefon sei von einem Beamten ze rtreten worden), nicht den Schluss zu, er habe bei einer Überstellung nach Kroatien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine un- menschliche oder erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU-Grundrechtecharta zu gewärtigen. Das auf Be- schwerdeebene erstmals eingereichte «TikTok»-Video ändert daran nichts, zumal daraus nicht hervorgeht, wann beziehungsweise wo sich die gefilmte E-1586/2023 Seite 9 Szene ereignet haben soll , und der Beschwerdeführer selbst ausführt, dass nicht er auf dem Video zu s ehen sei. Gegen das Fehlverhalten von einzelnen Polizeibeamten könnte er im Übrigen in Kroatien rechtlich vor- gehen, allenfalls mit Hilfe der vor Ort tätigen karitativen Organisationen. Der Umstand, dass dies möglicherweise mit grösseren Hürden und Schwierigkeiten verbunden sein könnte als in der Schweiz, weist per se nicht auf systemische Schwachstellen im kroatischen Asylsystem hin (vgl. das Urteil des BVGer E-5614/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 5.2). 6.1.3 In der Beschwerde wird darauf verwiesen, dass es an der kroatischen Grenze regelmässig zu sogenannten Push -backs komme und der Be- schwerdeführer befürchte, im Falle seiner Rückkehr davon betroffen zu sei. Diesbezüglich hat bereits das SEM in der angefochtenen Verfügung ge- stützt auf Abklärungen durch die Schweizer Botschaft in Kroatien ausführ- lich und zutreffend dargelegt, dass von Push -backs allenfalls jene Perso- nen betroffen sind, welche illegal und direkt, in der Regel von Bosnien und Herzegowina herkommend, nach Kroatien einreisen, nicht hingegen Per- sonen, welche im Rahmen eines Dublin -Verfahrens nach Kroatien über- stellt werden (vgl. dazu auch die Urteile des BVGer D-1069/2023 E. 7.2.3, E-113/2023 vom 12. Januar 2023 E. 7.4 und E-5984/2022 vom 3. Januar 2023 E. 7.4). Diesen droht grundsätzlich weder eine (Ketten-)Abschiebung noch systematische Gewaltanwendung durch die kroatische Polizei, und der Zugang zu einem rechtsstaatlichen Asyl - und Wegweisungsverfahren steht ihnen offen. 6.1.4 Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III- VO nicht gerechtfertigt. 6.2 Eine Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III- VO respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisieren- den – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. Au- gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) ist aus nachfolgenden Gründen ebenfalls nicht angezeigt. 6.2.1 Es gilt die Vermutung, dass Kroatien – als Dublin-Mitgliedstaat – bei der Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens die einschlägi- gen völkerrechtlichen Verpflichtungen respektiert. Der Beschwerdeführer bringt nichts vor, was diese Vermutung widerlegen könnte, und auch eine Durchsicht der Akten fördert keinerlei Hinweise auf das Bestehen eines völkerrechtlichen Vollzugshindernisses im Sinne von Art. 3 EMRK – wel- ches zwingend zu einem Selbsteintritt führen müsste – zutage. Insbeson-E-1586/2023 Seite 10 dere lässt das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei während seines Aufenthalts in Kroatien gewalttätig behandelt, bestohlen und gedemütigt worden, habe unter Hunger gelitten und sei von den kroatischen Behörden in Verletzung von Art. 4 Abs. 1 und 2 Dublin-III-VO unzureichend über das Verfahren informiert worden, nicht den Schluss zu, es bestehe ein konkre- tes und ernsthaftes Risiko, dass sich die kroatischen Behörden weigern würden, ihn wieder aufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der massgeblichen Bestimmungen der Verfah- rensrichtlinie zu prüfen, oder dass ihm in Kroatien dauerhaft die ihm ge- mäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vor- enthalten würden; denn im Falle einer Überstellung nach Kroatien im Rah- men eines Dublin -Wiederaufnahmeverfahrens befände er sich in einer grundsätzlich anderen Situation, als bei seiner ersten, illegal Einreise nach Kroatien (vgl. dazu auch das Urteil des BVGer D-1069/2023 E. 7.3.1 und F-37/2023 vom 6. Januar 2023 E. 8.2). Gegebenenfalls wäre es ihm zu- dem zuzumuten, die ihm zustehenden Rechte und Leistungen auf dem Rechtsweg einzufordern, wobei er bei Bedarf die Hilfsangebote von lokalen karitativen Organisationen in Anspruch nehmen könnte. 6.2.2 Gemäss vorliegender Aktenlage sind keine gesundheitlichen Prob- leme ausgewiesen, der Beschwerdeführer gilt demnach als gesund (SEM- Akte 1235738-18/2 S. 2; 1235738-21/1). Der beschwerdeweise Hinweis, er sei aufgrund seiner Erlebnisse in Kroatien sehr angespannt, ändert da- ran nichts. Es liegen keine Hinweise vor, wonach Kroatien dem Beschwer- deführer eine nach dessen Überstellung allenfalls notwen dig werdende medizinische Behandlung verweigern würde. Der Beschwerdeführer legte nicht dar, dass er nicht reisefähig sei oder eine Überstellung seine Gesund- heit ernsthaft gefährden würde. Es besteht keine Veranlassung dazu, bei den kroatischen Behörden individuelle Zusicherungen bezüglich Obda- ches, Nahrung, adäquater und regelmässiger medizinischer sowie psycho- logischer Behandlung einzuholen, weshalb der entsprechende Subeventu- alantrag abzuweisen ist. 6.2.3 Bei der Anwendung der Kann -Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 verfügt das SEM über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Vorliegend bestehen keine Hinweise auf eine Er- messensunterschreitung oder andere, nicht gesetzeskonforme Ausübung des Ermessens (Ermessensmissbrauch, Überschreitung des Ermessens). Bei dieser Sachlage enthält sich das Gericht in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. E-1586/2023 Seite 11 6.3 Nach dem Gesagten bleibt Kroatien der für die Behandlung der Asyl- gesuche des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin- III-VO. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin -III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den i hren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). 7. Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da dieser nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbe- willigung ist, wurde die Überstellung nach Kroatien in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 8. Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 9. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde ab zuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, weshalb der Antrag auf Gewährung der aufschieben- den Wirkung gegenstandslos geworden ist. 10. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – aussichtlos waren, weshalb die Vor - aussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Das Gesuch um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wird mit dem vorliegenden Ent- scheid in der Sache gegenstandslos. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Ar t. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-1586/2023 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge- wiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Nina Ermanni Versand: