Interpellation urgente du groupe socialiste 2134 N 13 décembre 1989 der grauen Liste befindet, macht die Sache nicht durchsichti- ger. Dass man mit der Traktandenliste bzw. mit der Plazierung von Geschäften Politik betreiben kann, ist an sich nichts Neues, und das habe ich in sechs Jahren Parlamentsarbeit in diesem Haus auch gelernt. Dass man nun aber zum zwei- ten Mal eine Debatte in diesem Parlament verwässern will - das erste Mal, weil Herr Bundesrat Koller beide Postulate zusammen behandeln will, und nun schon wieder anlässlich dieser Behandlung der dringlichen Interpellation -, grenzt, mit Verlaub, an Manipulation. Und es lässt eigentlich auch ahnen, wie entsetzlich unangenehm es sein muss, über ge- wisse Realitäten in diesem Land nachzudenken, so dass man es vorzieht, nach bewährter Manier einen Links-Rechts- Pingpong zu veranstalten in einem Brei von «ich nicht, er auch», ohne Verantwortung und ohne Verantwortlichkeiten, anstatt einmal ernsthaft und vor allem ausschliesslich über die rassistischen und neofaschistischen Tendenzen in der Schweiz, über ihre Ursachen und ihre allfälligen Therapien zu reden. Deshalb bitte ich Sie, das Postulat Steffen von der Traktanden- liste von heute abzusetzen und es dann separat zu diskutie- ren. Darüber entscheiden wir nach der grauen Traktanden- liste am nächsten Freitag, d. h. übermorgen. Reimann Maximilian: Ich glaube, man muss schon auf einem Auge blind sein, um einen solchen Ordnungsantrag einzubrin- gen. Wir haben es in der Schweiz doch wirklich mit extremisti- schen Uebeln zu tun, die man beim besten Willen nicht einfach ins herkömmliche Links-Rechts-Spektrum einordnen kann. Auch ich gehöre zu den 105 Unterzeichnern des Postulates von Frau Grendelmeier. Aber ich habe Frau Grendelmeier schon bei meiner Unterzeichnung gesagt, das sei nur ein Teil- bereich der gesamten Gewaltszene. Entsprechend habe ich ein eigenes Postulat über gewalttätige Gruppierungen ganz allgemein-also weder links noch rechts-eingereicht. Es trägt die Nummer 89.643 und ergänzt Ihren Vorstoss, Frau Grendel- meier. Der Bundesrat hat sich bereit erklärt, es ebenfalls ent- gegenzunehmen. In der Fragestunde vom letzten Montag - Sie haben auch dar- auf hingewiesen - hat Herr Bundesrat Koller ja noch einmal ganz klar unterstrichen, dass Gewalttätigkeiten und Extremis- mus schlicht nicht mit einem Federstrich in die Links-oder- Rechts-Schablone hineingepresst werden können. Es gibt also nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir bekämpfen Extre- mismus, Gewalttätigkeiten, Chaotentum usw. als solche; dann lehnen wir Ihren Ordnungsantrag ab. Oder wir kochen ein gesellschaftspolitisches Links-Rechts-Süppchen; dann stimmen wir dem Antrag zu. Ich spreche mich für ersteres aus und bitte Sie, meine Damen und Herren, mit einer klaren Ablehnung des Ordnungsantra- ges der gleichen Erkenntnis zu folgen. M. Couchepin: Comme M. Reimann Maximilian, je vous invite à refuser la motion d'ordre de Mme Grendelmeier. Je suis d'accord cependant sur un point avec elle, à savoir que le débat que nous allons aborder, bien qu'il n'ait pas d'influence concrète, est extrêmement important, puisqu'il porte sur les valeurs essentielles qui soutiennent notre vie sociale et politi- que. Mais je crois que c'est une erreur, et une erreur grave, d'aborder ce débat sur le racisme, l'extrémisme, le totalita- risme en commençant par empêcher certains d'entre nous de s'exprimer. Je pense qu'on ne sert pas la cause de la liberté en agissant ainsi. En outre, le racisme a des racines profondes, psychologiques qui, certainement, en souterrain, rejoignent l'extrémisme qu'il soit de droite ou de gauche. En excluant du débat l'analyse de l'extrémisme de gauche, puisque c'est le but, pour des raisons techniques que poursuit Mme Grendelmeier, on se prive sans doute de la possibilité de mieux comprendre ce phénomène désastreux qu'est le racisme. Dès lors, pour la clarté du débat, pour permettre aussi de com- prendre l'ensemble du problème et d'aller plus en profondeur dans l'analyse de la question, il est essentiel qu'on accepte que chacun puisse prendre la parole et apporter son éclai- rage, et, par là même, refusons la proposition de Mme Gren- delmeier. Abstimmung - Vote Für den Ordnungsantrag Grendelmeier 36 Stimmen Dagegen 96 Stimmen #ST# 89.710 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion Rassismus und Rechtsextremismus in der Schweiz Interpellation urgente du groupe socialiste Racisme et mouvements d'extrême-droite Wortlaut der Interpellation vom 27. November 1989 Brandanschläge und Ueberfälle von Rechtsextremen auf Asyl- zentren und Uebergriffe gegen Flüchtlinge häufen sich. Innert weniger Monate sind diesen schon sechs Menschen zum Op- fer gefallen, allein vier tamilische Flüchtlinge einem Brandan- schlag in Chur. In Steinhausen/ZG bleibt die Polizei bei einem Ueberfall auf eine Flüchtlingsunterkunft passiv. Als Reaktion wird die Unterkunft mit Stacheldrahtrollen umzäunt. Der aufflammende Rassismus und Rechtsextremismus darf von den Bundesbehörden, aber auch vom Parlament, nicht schweigend hingenommen werden. Wir ersuchen den Bundesrat um Beantwortung folgender Fra- gen: 1. Wie beurteilt er das Problem des Rassismus in der Schweiz, die Uebergriffe und Anschläge gegen Flüchtlinge und gegen Ausländerinnen und Ausländer in den letzten Monaten? Was gedenkt er zu unternehmen? 2. Weshalb ist das Abkommen gegen Rassendiskriminierung bis heute nicht ratifiziert worden, obwohl die Absicht dazu schon im Bericht über die schweizerische Menschenrechtspo- litik vom 2. Juni 1982 angekündigt worden war? Ist der Bun- desrat bereit, das Abkommen umgehend zur Ratifikation zu unterbreiten? 3. Was ist davon zu halten, dass gemäss Aeusserungen der Bundesanwaltschaft gegenüber der Presse («WoZ» vom 10.11.89) der durch das überwiesene Postulat Grendelmeier (89.533) ausgelöste Bericht über «rechtsextreme Umtriebe in der Schweiz» plötzlich ein Bericht «auch über den Linksextre- mismus» werden soll, wie dies ein noch nicht überwiesenes Postulat Steffen vom 6. Oktober 1989 (89.678) fordert? 4. Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass ein bestimmtes in den letzten Jahren von Flüchtlingen und Asylsuchenden ge- zeichnetes Menschenbild («Kampf gegen Asylanten») das heutige Klima mitzuverantworten hat? Sind die Bundesbehör- den bereit, zur Korrektur dieses Menschenbildes beizutragen? Texte de l'interpellation du 27 novembre 1989 Les incendies criminels et les attaques de centres d'héberge- ment par des groupements d'extrême-droite, de même que les agressions contre les réfugiés se multiplient. En l'espace de quelques mois, six personnes ont déjà été victi- mes de ces événements, dont quatre réfugiés tamouls dans un incendie à Coire. A Steinhausen/ZG, la police n'est pas intervenue lors d'une attaque d'un centre d'hébergement; tout ce que l'on a su faire, c'est d'entourer ce centre de fils de fer barbelés. Les autorités fédérales, mais aussi les parlementai- res ne peuvent ignorer plus longtemps la montée du racisme et des mouvements d'extrême-droite. Nous prions le Conseil fédéral de bien vouloir répondre aux questions suivantes:13. Dezember 1989 N 2135 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion 1. Que pense-t-il du problème du racisme en Suisse, des atta- ques dirigées, ces derniers mois, contre des réfugiés et des ressortissants et ressortissantes étrangers? Que pense-t-il faire? 2. Pourquoi la Convention sur l'élimination de toutes les for- mes de discrimination raciale n'a-t-elle pas encore été ratifiée, bien que l'on en ait déjà exprimé l'intention dans le rapport du 2 juin 1982 sur la politique de la Suisse en faveur des droits de l'homme? Le Conseil fédéral est-il prêt à soumettre sans tarder cette convention à ratification? 3. Que doit-on penser du fait que, selon des déclarations faites par le Ministère public de la Confédération à la presse (WoZ du 10 novembre 1989), le rapport sur les «actes de violence perpétrés par l'extrême-droite en Suisse» - rapport élaboré en réponse au postulat Grendelmeier (89.533) - devrait subite- ment porter également sur l'extrême-gauche, comme le préconise le postulat Steffen du 6 octobre 1989 (89.678),, qui n'a pas encore été transmis? 4. Le Conseil fédéral est-il d'avis que l'image que certains veu- lent donner des réfugiés et des demandeurs d'asile, depuis quelques années («Kampf gegen Asylanten/Lutte contre les demandeurs d'asile») est partiellement responsable du climat actuel? Sprecher-Porte-parole: Rechsteiner Rechsteiner: Rechtsextreme und Rassisten treten in der Schweiz in den letzten Monaten immer offener, immer dreister auf. Brennende Kreuze auf der Rigi und im schaffhausischen Buch symbolisieren den aufflammenden Rechtsextremismus. Brandanschläge und Ueberfälle auf Flüchtlinge und Flücht- lingsheime häufen sich. Klosters, Bachenbülach, Beckenried, Schattdorf, Embrach, Steinhausen, Wald und Chur stehen für Ueberfälle, Sprengstoff- und Brandanschläge, in denen eine abgrundtiefe Menschenverachtung zum Ausdruck kommt. Al- lein beim Brandanschlag in Chur sind vier tamilische Flücht- linge bei lebendigem Leib verbrannt, darunter zwei Kinder. Im zugerischen Steinhausen schaut die Polizei passiv zu, wie die Patriotische Front im Flüchtlingsheim wütet. Als Reaktion auf die Kritik, die Flüchtlinge schutzlos gelassen zu haben, kommt der Polizei nichts anderes in den Sinn, als die Flüchtlingsunter- kunft mit Stacheldrahtrollen zu umzäunen. Es ist soweit, dass Flüchtlinge in der Schweiz vor Ueberfällen, vor Angriffen und sogar ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich Rassismus, Fremdenhass und Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft erschreckend ausgebreitet haben. Rassismus und Rechtsextremismus sind geschichtlich leider nichts Neues. Es gehört zum Repertoire des Faschismus und faschistischer Strömungen, die Wut und die Frustrationen der in einer Gesellschaft zu kurz Gekommenen auf bestimmte Minderheiten, auf sogenannte «Sündenböcke», zu lenken. Im Dritten Reich waren es für die Nazis die Juden, die Zigeuner und andere sogenannte «Nichtarier», die für den gezielten und gesteuerten Hass herhalten mussten. Heute sind es in erster Linie die Flüchtlinge. Der Hass derjenigen, denen es dreckig geht, wird auf diejeni- gen gelenkt, denen es noch dreckiger geht. Wer unter Woh- nungsnot oder unter den zu tiefen, nicht existenzsichernden Renten leidet, soll dafür nicht diejenigen, die diese Verhält- nisse zu verantworten haben, sondern die Flüchtlinge verant- wortlich machen. Rassisten und Rechtsextreme wählen für ih- ren gezielten Hass nicht von ungefähr die schwächste und die rechtloseste Gruppe in unserer Gesellschaft. Wir müssen uns fragen, welches Menschenbild diesen Rassis- mus, diesen Hass gegen Flüchtlinge möglich gemacht hat und welchen Beitrag die Bundesbehörden dazu geleistet ha- ben. Es bleibt nicht ohne Folgen, wenn die Behörden nicht mehr von Flüchtlingen und asylsuchenden Menschen, son- dern von Asylanten sprechen, Asylanten in Anlehnung an Si- mulanten, Querulanten, Ignoranten, und damit den Sprach- gebrauch von rechts aussen übernehmen. Das Menschenbild, das der Delegierte für Flüchtlingswesen, HerrArbenz, von den Flüchtlingen nun jahrelang im Sog einer bestimmten Presse gezeichnet hat, hinterlässt Spuren. Die in den letzten Jahren betriebene Asylpolitik ist für das Klima in den letzten Monaten mitverantwortlich. Die SP-Fraktion verlangt als Massnahme gegen den zuneh- menden Rassismus eine menschliche Asylpolitik, die diesen Namen verdient. Wir verlangen, dass das Abkommen gegen die Rassendiskri- minierung endlich ratifiziert wird. Wir können es nicht verste- hen und nicht billigen, dass die Ratifizierung seit Jahren lie- gengeblieben ist. Die Ratifizierung ist ja schon 1982 angekün- digt worden. Die Antirassismus-Konvention muss nun im be- schleunigten Verfahren verabschiedet werden, wie dies ja auch bei der Insiderstrafnorm und beim Geldwäschereiartikel möglich war. Ausserordentlich bedenklich ist es, dass der Bundesrat das Postulat der Nationalen Aktion über extreme'Umtriebe entge- gennehmen möchte, wie dies ein Beamter der Bundesanwalt- schaft sofort nach der Ueberweisung des Postulates Grendel- meier über den Rechtsextremismus angekündigt hat. Bei der Bundesanwaltschaft kann dies leider nicht mehr überraschen, hat doch inzwischen der Puk-Bericht hochoffiziell festgestellt, wie blind die Bundesanwaltschaft auf dem rechten Auge ist und in welch scharfmacherischer Art und Weise sie sich mit der Aktion «Tam-Tam» in die Asylpolitik eingemischt hat. Wenn man die Vorgänge in den letzten Jahren betrachtet, dann könnte man fast annehmen, dass die NA über einen privile- gierten Draht zur Bundesanwaltschaft verfügt und dass in ge- wisser Art und Weise eine Geistesverwandtschaft besteht. An- ders wäre es kaum zu erklären, dass 1984 der üble und ketzeri- sche Bericht der Bundesanwaltschaft mit dem Titel «Einige Er- kenntnisse und Gedanken zu Asylgesuchen in der letzten Zeit» ausgerechnet der NA zugänglich geworden und durch diese propagiert worden ist und dass Fragen von Herrn Stef- fen in diesem Bereich in der letzten Zeit immer positiv beant- wortet werden. Herr Bundesrat Koller-wir möchten ihm dies nicht unterschie- ben - hat sicher keine Sympathien für die Nationale Aktion. Um so weniger verstehen wir aber, weshalb auch er und der Bundesrat in corpore auf den Entlastungsangriff der Nationa- len Aktion mit diesem Postulat Steffen hereinfallen. Das Bundesgericht hat festgestellt, dass Aeusserungen der Nationalen Aktion «erschreckende Aehnlichkeiten zur natio- nalsozialistischen Lehre aufweisen». Und weiter ist nach ei- nem Urteil des Bundesgerichts die Aeusserung nicht ehrver- letzend, dass sich die NA immer mehr von einer biedermänni- schen Fremdenfeindlichkeit zu einem nazihaften Rassismus gemausert habe. Wenn das feststeht, dann kann doch in die- sem sensiblen Bereich ein offizieller Bericht der Bundesbehör- den nicht aufgrund eines Postulats dieser Nationalen Aktion ausgearbeitet werden. Bei Rassismus und bei Rechtsextremismus hört die Toleranz in der Demokratie auf! Bei Rassismus und Rechtsextremismus wird der Respekt vor der Haltung des Andersdenkenden zum Zynismus. Es geht hier um unverzichtbare menschliche Grundwerte, ja um Humanität schlechthin. Hier kann es nicht mehr zwei Meinungen geben. Der Antirassismus, die Ableh- nung jeder Rassendiskriminierung, muss ein Grundwert sein, der alle Demokratinnen und Demokraten verbindet. Bundesrat Koller: In Beantwortung der Interpellation hält der Bundesrat fest, dass sich seit einiger Zeit innerhalb des rechts- extremen Spektrums unseres Landes in der Tat eine Radikali- sierung mit zunehmend fremdenfeindlicher Tendenz abzeich- net. Wie die diversen Angriffe auf Unterkünfte von Asylsuchenden zeigen, wächst die Bereitschaft zur Gewaltanwendung erheb- lich. Der Bundesrat hat nach den Vorkommnissen von Stein- hausen seine Besorgnis über diese Entwicklung ausgespro- chen, die Gewaltanwendung verurteilt und dazu aufgerufen, Asylsuchende und Flüchtlinge menschenwürdig zu behan- deln. Er erwartet von allen Verantwortlichen in Bund und Kan- tonen, dass alles unternommen wird, um solche oder ähnliche gewalttätige Aktionen zu verhindern. Der Delegierte für das Flüchtlingswesen beabsichtigt, noch diesen Monat zusam- men mit der Bundesanwaltschaft eine Konferenz mit den kan- tonalen Polizeibehörden durchzuführen, um Sicherheits-Interpellation urgente du groupe socialiste 2136 N 13 décembre 1989 massnahmen zum Schütze von Asylbewerbern und Flücht- lingen zu treffen. Die Bundesanwaltschaft wird zudem Anfang des nächsten Jahres mit den Kantonen eine Sachbearbeiter- konferenz durchführen. Gegenstand dieser Beratungen wird sein, wie die laufenden kantonalen Ermittlungen besser auf- einander abgestimmt werden können. Was die Ratifikation des Uno-Uebereinkommens zur Beseiti- gung jeder Form von Rassendiskriminierung anbelangt, hat der Bundesrat tatsächlich bereits im Jahre 1982 seine Absicht angekündigt, diesem Uebereinkommen beizutreten. Es ist jedoch in diesem Zusammenhang darauf zu venweisen, dass in letzter Zeit eine ungeheuer grosse Zahl von Begehren zur Revision des Strafgesetzbuches gestellt worden ist. Unser Strafgesetzbuch erweist sich heute als eine eigentliche Gross- baustelle. Seit Beginn der achtziger Jahre wurden denn auch verschiedene Revisionen im Bereich des Strafrechts zum Teil bereits durchgeführt. Ich erinnere Sie an die Revision der Be- stimmungen über Gewaltverbrechen (Freiheitsberaubung, Entführung, Geiselnahme), an die Schaffung eines neues Strafrechtsartikels über Insidergeschäfte, an die Revision der Bestimmungen über die strafbaren Handlungen gegen Leib, Leben und Familie, die wir in diesem Jahr verabschiedet ha- ben und die bekanntlich auf den 1. Januar 1990 in Kraft treten sollen. Ausserdem haben wir Ihnen neue Strafnormen über die Geldwäscherei und die mangelnde Sorgfalt bei Finanz- geschäften unterbreitet, die Sie in dieser Session behandelt haben. Ferner sind wir in der vorberatenden Kommission mit- ten in der Behandlung der Revision der Artikel betreffend die Delikte gegen die Sittlichkeit. Expertenkommissionen sind an • der Arbeit, um die Strafnorm über die Einziehung zu revidieren und einen allgemeinen Tatbestand über das organisierte Ver- brechen im Allgemeinen Teil vorzubereiten. Auch das Kapitel über die Vermögensdelikte ist in Revision; zu lösen ist vor al- lem das dringende Problem der Computerdelinquenz. Der All- gemeine Teil des Strafgesetzbuches ist ebenfalls in Revision. Das dritte Buch des Strafgesetzbuches über die Einführung und Anwendung des Gesetzes wird ebenso überarbeitet. Wenn Sie diese Liste zur Kenntnis nehmen, liegt es auf der Hand, dass es schlicht nicht möglich war, mit einem Personal- bestand von sechs Personen, die wir für das Strafrecht seit 1982 beschäftigt haben, alle Anliegen mit gleicher Priorität zu behandeln. Das erklärt, weshalb wir Ihnen die entsprechende Ratifikationsbotschaft bis heute nicht unterbreiten konnten. Eine Ergänzung unseres Strafgesetzbuches bildet nämlich die Voraussetzung für die Ratifikation des Uno-Uebereinkom- mens gegen die Rassendiskriminierung. Aufgrund der neuesten Entwicklungen hat der Bundesrat die- sem Geschäft aber eine erhöhte Priorität eingeräumt. Die Bot- schaft zur Ratifikation mitsamt Ergänzung des Strafgesetz- buches ist für die Vernehmlassung bereit. Mit grösster Wahr- scheinlichkeit kann dieses Gesetzgebungsprojekt Anfang des nächsten Jahres in die Vernehmlassung gegeben werden. Zu Ihrer dritten Frage, Herr Nationalrat Rechsteiner: Die Natio- nalräte Reimann und Steffen haben nach Einreichung des Po- stulats von Frau Grendelmeier in Anschlusspostulaten eine Ausweitung des vom Bundesrat zu erarbeitenden Berichtes verlangt. In der Meinung, dass radikale bzw. gewalttätige Um- triebe der letzten Zeit zu einem Teil auf Rechtsextremismus zu- rückzuführen waren, dass aber ebenfalls Extremismus und Gewalttätigkeit linker Provenienz nach wie vor ein ernstzuneh- mendes Problem sind, hat sich der Bundesrat entschlossen, einen generellen Bericht über den Extremismus zu verfassen - und keineswegs, wie Sie es formulieren, den Bericht über den Rechtsextremismus in einen solchen über den Linksextremis- mus umzufunktionieren. Angestrebt wird vielmehr eine mög- lichst vollständige Darstellung der Lage des gewalttätigen Ex- tremismus, denn Gewalt ist und bleibt verabscheuungswür- dig, wo immer sie politisch herkommt. Es muss in diesem zu erstattenden Bericht darum gehen, den gewalttätigen Extremismus ungeachtet der hinter ihm stehen- den Ideologie zu bekämpfen. In Grenzbereichen kann zudem eine Unterscheidung zwischen links und rechts, wie ich be- reits in der Fragestunde ausgeführt habe, gar nicht immer klar vorgenommen werden. Der Bundesrat hält deshalb eine mög- lichst umfassende Darstellung als Ausgangspunkt für Mass- nahmen für zweckmässig. Er hat sich aus diesem Grunde be- reit erklärt, die Postulate Reimann und Steffen ebenfalls anzu- nehmen. Der Bundesrat geht im übrigen mit dem Interpellanten darin ei- nig, dass ein unsorgfältiger Umgang mit der Sprache einer un- terschwelligen Fremdenfeindlichkeit Vorschub leisten kann. Der Bundesrat hat sich deshalb in seinen eigenen Verlaut- barungen immer gegen jede herabwürdigende Qualifizierung gewehrt, wie sie beispielsweise in den Begriffen «Asylanten», «Wirtschaftsflüchtlinge» usw. zum Ausdruck kommt. In Hun- derten von Antworten auf Eingaben Privater wurde und wird immer neu versucht, Verständnis für unsere Asylpolitik zu wecken und für vermehrte Toleranz einzustehen. Der Bundesrat wird dies auch weiterhin tun. Es wäre indes falsch, vor der Tatsache die Augen zu verschliessen, dass ein grosser Teil der Asylsuchenden nicht aus asylrelevanten Gründen, sondern zum Zwecke der Arbeitsaufnahme und sehr oft unter Umgehung der Vorschriften über die Einwande- rung in unser Land kommt. Auch dieser Umstand trägt zweifel- los ebenfalls zu einem gewissen Unbehagen in einem Teil un- serer Bevölkerung bei. Der Bundesrat ist daher überzeugt, dass er mit den bereits ge- troffenen Massnahmen - Ausdehnung des beschleunigten Verfahrens 88, Personalaufstockung, intensivere Bekämpfung des Schlepperunwesens und vor allem künftige Massnahmen zur Verfahrensbeschleunigung basierend auf den Erkennt- nissen der zurzeit sehr aktiven Expertenkommission - die nöti- gen Schritte beschlossen und zum Teil bereits vollzogen hat. Rechsteiner: Namens der SP-Fraktion erkläre ich mich nur als teilweise befriedigt und beantrage Diskussion. Präsident: Wird dieser Antrag bekämpft? - Das ist nicht der Fall. Sie haben Diskussion beschlossen. Diskussion - Discussion Rechsteiner: Die Antwort des Bundesrates konnte nur teil- weise befriedigen. Ich habe von der Besorgnis des Bundes- rates gegenüber dem aufflammenden Rassismus und Rechts- extremismus Kenntnis genommen. Insoweit ist die Antwort des Bundesrates positiv zu würdigen. Positiv ist auch, dass der Bundesrat bereit ist, das Abkommen über Rassendiskrimi- nierung beschleunigt zur Ratifikation vorzulegen und das Ver- nehmlassungsverfahren endlich einzuleiten. Der Bundesrat muss sich in dieser Frage sagen lassen, dass dies eine Frage der Prioritäten ist. Wir sehen, dass im Strafgesetzbuch eine ganze Reihe von Revisionen anhängig waren. Die Frage des Rassismus und der Rassendiskriminierung ist aber so bedeu- tend, dass sie es verdient hätte, der Revision anderer Bestim- mungen vorgezogen zu werden. Wir sind der Auffassung, dass die Revision der Strafbestimmungen in diesem Bereich den ökonomisch orientierten Strafbestimmungen (Insider- strafnorm) hätte vorgezogen werden müssen. Nicht befriedigend und sogar skandalös finden wir die Aus- führungen des Bundesrats im Bereich der Stellungnahme zum Postulat der Nationalen Aktion, zum Postulat von Herrn Steffen: Wir können nicht begreifen, dass der Bundesrat in der gleichen Woche, in der der Puk-Bericht in diesem Rat verab- schiedet und diskutiert worden ist, erklärt - gestützt auf eine Stellungnahme der Bundesanwaltschaft -, dass ein Bericht auch über den Linksextremismus, über den Extremismus im allgemeinen entstehen müsse. Es handelt sich doch bei die- sem Postulat Steffen um nichts anderes - wie ich das bereits erklärt habe - als um ein Ablenkungsmanöver, ein Ablen- kungsmanöver von den braunen Flecken auf der Weste der NA. Die Puk hat festgestellt, dass die Bundesanwaltschaft auf dem rechten Auge blind ist, dass die Prioritäten vollkommen falsch gesetzt worden sind. Unter diesen Umständen kann aber das Bedrohungsbild, das die Bundesanwaltschaft schon immer gehabt hat und das in der Sichtweite des Postulates Steffen liegt, durch den Bundesrat nicht wiederholt werden, und insoweit sind wir von der Antwort des Bundesrates zu die- sem Punkt 3 sehr enttäuscht; diese Antwort ist nicht akzepta- bel.13. Dezember 1989 N 2137 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion Wir haben weiter zur Kenntnis genommen, dass der Bundes- rat bemüht ist, ein anderes Menschenbild zu zeichnen, als es teilweise in der Boulevardpresse geschieht oder von rechten Kreisen gewünscht wird; dass er beispielsweise bestrebt ist, den Begriff «Asylant» zu vermeiden. Wir haben davon in positi- vem Sinn Kenntnis genommen. Es wäre wünschenswert, dass diese Umsetzung des Menschenbildes auch in dem Bereich, wo dies relevant ist, nämlich beim Delegierten für das Flücht- lingswesen, durchgesetzt werden könnte und hier eine Verän- derung der Zeichnung des Menschenbildes wie auch der Fluchthintergründe dieser Menschen erfolgen würde. Nötig wäre insgesamt - das muss man festhalten - eine Inte- grationspolitik seitens des Bundesrates gegenüber Auslände- rinnen und Ausländern, gegenüber Flüchtlingen, die diesen Namen verdient. Es ist eine Binsenwahrheit, dass gerade die Isolation von Flüchtlingen, z. B. auf dem Land in isolierten Zen- tren, geeignet ist, die Fremdenfeindlichkeit zu verstärken. Per- sönliche Kontakte, persönliche Begegnungen dagegen hel- fen, den Realitätsbezug herzustellen, und helfen mit, die Frem- denfeindlichkeit und den Rassismus abzubauen. In diesem Sinne möchte ich Herrn Bundesrat Koller zusätzlich fragen, wo der Bericht über die Integrationspolitik steckt. Die- ser Bericht ist vor etwa zwei Jahren vom Parlament verlangt worden. Es ist zu befürchten, dass dieser Integrationsbericht noch immer in den Schubladen der Bundesverwaltung steckt. Ich wäre Herrn Bundesrat Koller dankbar, wenn er sich darum bemühen könnte, die Integrationspolitik in einem positiven Sinn voranzutreiben. Herr Bundesrat Koller hat in seiner Antwort wiederum auf den dringlichen Bundesbeschluss im Asylbereich verwiesen, der nun ausgearbeitet werden soll. Dieser dringliche Bundesbe- schluss hätte wiederum zum Ziel - und das ist das Bedenkli- che daran -, die Verfahrensrechte von asylsuchenden Men- schen, von Flüchtlingen, abzubauen. Nötig wäre aber nicht ein Beschluss zum Abbau der Rechte der asylsuchenden Men- schen, sondern ein dringlicher Bundesbeschluss zum Schutz dieser asylsuchenden Menschen, denn sie bedürfen heute des Schutzes. Ein solcher dringlicher Bundesbeschluss ge- gen Rassismus könnte beispielsweise ein Klagerecht von anti- rassistischen Organisationen, von Flüchtlingsorganisationen, und ein Nottelefon gegen Uebergriffe enthalten, weil wir die Er- fahrung gemacht haben, dass die Polizei in diesen Fällen nur zu oft passiv und gleichgültig bleibt oder sich sogar den Op- fern gegenüber feindselig verhält. Es müssen Korrektive ge- schaffen werden, damit die Verfahrensrechte auch für Flücht- linge gelten, damit das Schweigen gebrochen werden kann. Der Bundesrat könnte sich weiter überlegen, ob er nicht eine Kommission zum Studium des Problems des Rassismus ein- setzen möchte: eine Kommission - zusammengesetzt aus Vertreterinnen und Vertretern aller relevanten gesellschaftli- chen Gruppierungen, unter Ausschluss der Rechtsextremen, aber mit Einbezug der betroffenen Ausländerinnen und Aus- länder, der Flüchtlinge -, welche die Ursachen der Fremden- feindlichkeit und des Rassismus in unserer Gesellschaft zu un- tersuchen und Lösungsansätze zu erarbeiten hätte. Denn Ras- sismus und Fremdenfeindlichkeit sind nicht in erster Linie Sa- che der Polizei oder der Bundesanwaltschaft- das ist auch die Schwäche des Postulates Grendelmeier-, sondern sie sind in erster Linie gesamtgesellschaftliche Probleme, und als ge- samtgesellschaftliches Problem müssen Rassismus und Fremdenhass angegangen werden. Schliesslich zum Menschenbild: Dieses Menschenbild liegt nicht nur in der Verantwortung des Bundesrates, das überse- hen wir nicht; es liegt auch in der Verantwortung der Presse, auch in der Mitverantwortung des Parlamentes. Diesbezüglich müssen wir unsere Besorgnis noch in zweierlei Hinsicht an- merken, gerade bezüglich dieses Parlamentes: Stichworte «Haltung der Organisation AUNS» und «Haltung des Frei- sinns». Zum ersten Stichwort: Es ist bekannt, dass Herr Nationalrat Blochers überparteiliche bürgerliche Organisation AUNS sich inzwischen damit brüstet, 63 Mitglieder dieses Parlamentes zu organisieren. Ueber die Namen dieser Mitglieder wird auf An- frage die Auskunft verweigert. Wir wissen, dass Herr Blocher offen verkündet, dass das Stimm- und Wahlrecht für die Schwarzen in Südafrika keine Lösung sei. Wir wissen, dass die Flüchtlinge seit längerem bevorzugte Zielscheibe seiner An- griffe sind, und wir haben zur Kenntnis nehmen müssen, dass an den von Herr Blocher präsidierten AUNS-Mitgliederver- sammlungen offen rassistische Aeusserungen gefallen sind, ohne dass dagegen wirksam eingeschritten worden wäre. Wir haben hören müssen, dass diese AUNS den Kampf gegen die Antirassismus-Konvention auf ihre Fahnen geschrieben hat, in Uebereinstimmung mit dem NA-Organ «Volk und Heimat». Aber dass diese Blochersche AUNS für sich in Anspruch neh- men kann, bei diesem heiklen Thema 63 eidgenössische Par- lamentarier zu organisieren, das kann in diesem Parlament nicht stillschweigend hingenommen werden. Zum zweiten Stichwort, der Haltung der FDP und insbeson- dere der Sprache ihres zurzeit immer abwesenden Präsiden- ten Steinegger: In einem Interview mit der «Schweizer Illu- strierten» hat sich Herr Steinegger offen unter dem Titel «Kampf gegen Asylanten» geäussert: Er hat gegen Flüchtlinge eine härtere Gangart, gegenüber Asylsuchenden notrechtli- che Massnahmen gefordert und verlangt, den Flüchtlingen ei- nen Teil ihres Lohnes abzunehmen, um damit dem Bund die Kosten im Asylbereich auszugleichen. Im FDP-Pressedienst werden diese Forderungen von einer Karikatur begleitet, die formal und inhaltlich an Fronten-Propaganda erinnert, ohne dass dies bis heute zu einer Entschuldigung dieser staatstra- genden Partei geführt hätte. Ich werde diese Karikatur im An- schluss noch verteilen lassen, damit Sie sich ein Bild davon machen können. Wenn aber eine Partei wie die FDP bzw. ihr Präsident den Kampf gegen die Flüchtlinge auf ihre bzw. seine Fahne schreibt, wenn also Flüchtlinge - die Schwächsten der Gesell- schaft - als Schmarotzer an den Pranger gestellt werden und nicht etwa Geldwäscher, Waffenhändler und Diktatoren, die ihr Geld auf Schweizer Konten deponieren, dann bleibt dies nicht ohne Folgen für das Klima in diesem Land. Es wird damit ein Klima erzeugt oder eine Saat gesät, die das begünstigt, was Flüchtlingen in diesem Land in den letzten Monaten pas- siert ist. Wir sind der Auffassung, dass es durchaus Unterschiede gibt. Wir wollen nicht alle bürgerlichen Parteien, auch nicht die bür- gerlichen Politiker, in den gleichen Topf werfen. Wir wissen z. B., dass es in Fribourg den mutigen Herrn Rimaz von der SVP gibt. Aber wir können das, was in den letzten Monaten passiert ist, nicht einfach hinnehmen oder im normalen Politik- betrieb abhaken. Es braucht in diesem Land ein neues Klima gegen Rassismus. Aber es braucht auch in diesem Parlament ein neues Klima gegen Rassismus. Frau Diener: Wer die Ohren und die Augen aufmacht und die Zeitungen aufmerksam liest, dem bleibt der alltägliche Rassis- mus und Fremdenhass bei uns in der Schweiz nicht verbor- gen. Die Skala reicht von spiessbürgerlichem, selbsternann- tem Superpatriotismus bis zum gewalttätigen Neonazismus. Die Schweizerische Gesellschaft für politische und wirtschaft- liche Forschung hat festgestellt, dass rund ein Drittel unserer Bevölkerung ausländerfeindlich eingestellt ist. Empfänglich für diesen Fremdenhass sind oft Menschen, die Angst haben um ihre ohnehin bescheidene Existenz und deren Gesell- schaftsbild oft nicht mehr mit der rasanten Entwicklung unse- rer modernen Gesellschaft übereinstimmt. Die sozial und oft auch schulisch zu kurz gekommenen Mitglieder unserer Wachstumsgesellschaft fühlen sich in ihrer persönlichen und in ihrer nationalen Identität bedroht. Die Angst, persönliche, politische oder auch wirtschaftliche Vorteile an Fremde zu ver- lieren, steigt mit der starken Zunahme von ausländischen Menschen in unserem Land. Heute sind rund 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung Ausländer, die wir für unser Wirt- schaftswachstum brauchten, die wir brauchten zur Mehrung unseres materiellen Wohlstands. Das wachsende Unbehagen gegenüber den Folgeerschei- nungen - dazu gehört die Ueberfremdung oder die Ueberbe- völkerung, oder es zeigt sich auch beim Thema Wohnungsnot - begann sich dann über die Flüchtlingsfrage neu zu manife- stieren. Endlich waren die erwünschten Sündenböcke für die aufgestauten Aggressionen gefunden. Negative Medien-Interpellation urgente du groupe socialiste 2138 N 13 décembre 1989 Schlagzeilen über Drogenhandel, Schlägereien, Sexualdelikte im Zusammenhang mit Asylanten steigern die Abwehrreflexe gegen die Fremden, obwohl Untersuchungen klar beweisen, dass die Kriminalitätsrate unter Ausländern nicht höher ist als unter Schweizern in vergleichbaren sozialen Milieus. Frust am Arbeitsplatz, Wohnungsmarktmisere, Zwänge unse- rer hochtechnisierten und arbeitsteiligen Industriegesellschaft lassen den Kult der Gewalt ganz speziell bei den Jugendlichen wachsen. Gerade die Gewaltverherrlichung vieler Medien spielthiereine wichtige Rolle. Eine schwedische Untersuchung belegt, dass die Hälfte der zehn-bis vierzehnjährigen Jugendli- chen sich einen natürlichen, biologischen Tod schon gar nicht mehr vorstellen können, so sehr sind sie durch die Medien an Erschiessungen, Erwürgen, Erstechen usw. gewöhnt. Wo sind denn in unserem Land die Medien, die den Jugendlichen Leit- bilder der Friedfertigkeit oder der Solidarität vermitteln? Wo die Schulen, die ein Hauptfach Sozialkunde anbieten? Wo der Sport, der Identifikationsträger mit humanen Positionen vermit- telt? Wo die politischen Parteien, die globale ökologische und ökonomische Zukunftsperspektiven vertreten? Wir müssen doch erkennen, dass Rassismus nur in einem entsprechenden gesellschaftlichen Klimagedeihen kann! Es ist einfach, im Parlament mit schönen Worten über die Vor- kommnisse in Fribourg oder im Kanton Zug zu debattieren. Das tönt so gut und erleichtert ein bisschen das schlechte Ge- wissen. Aber wo bleibt die politische Verantwortung hier im Parlament bei den laufenden Geschäften? Flüchtlingsströme und Parlamentsarbeit haben nämlich sehr wohl etwas mitein- anderzutun! Wir sind mit unserem politischen Verhalten mitverantwortlich an der Vergrösserung z. B. des Nord-Süd-Gefälles und dem daraus resultierenden wirtschaftlichen und menschlichen Elend. Mit unserem egoistischen Verhalten - ich erinnere Sie gerne noch einmal an den Zuckerbeschluss - erzeugen wir wachsende Flüchtlingsströme. Diese werden bei der heutigen Bevölkerungsexplosion weiter anschwellen. Wir alle hier in der Schweiz sind ja so klar auf ein weiteres Wachstum des Brutto- sozialproduktes ausgerichtet. Wir sollten doch ganz speziell Verständnis haben für ärmere Menschen, die an unserem Wirt- schafts- und Wohlstandswachstum teilhaben wollen. Die ma- chen ja letztlich nichts anderes, als was wir alle auch tun, pro- pagieren, anstreben. Ich komme nochmals kurz auf die Medien zu sprechen. In ei- ner Seminararbeit an der Universität Fribourg ist die Berichter- stattung der Boulevardpresse analysiert worden, und sie ist sehr aufschlussreich. Von 34 Meldungen über Asylanten oder Flüchtlinge waren 22 negativ wertend, neun neutral, eine posi- tiv und zwei ausgeglichen. Die Schlagzeilen im Zusammen- hang mit Flüchtlingen strotzten vor Drogendelikten, Morden, Missbrauch von Fürsorgegeldern und Sexgeschichten. Ge- wisse Medienschlagzeilen also sowie auch plakatierte Partei- slogans z. B. der Zürcher SVP - es ist interessant, dass von diesen Herren praktisch keiner hier im Saal ist -, der NA und auch der Autopartei leben davon, Vorurteile, Aengste und Fru- strationen von Menschen auszubeuten und zum Abreagieren an sogenannten Sündenböcken anzuheizen. Sie säen - und wollen dann mit der Ernte nichts zu tun haben. Interessant ist auch der Wortbegriff, die Wortwahl. Ueberfrem- dung ist ein Wort, das schon 1912 im Parlament gebraucht wurde. Später sagte man dann Verausländerung, das war zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Dann nahm die NA das Wort Ueberfremdung wieder auf, wertete es dann aus ihrer Sicht noch zusätzlich im Sinne von Ueberflutung. Ich weiss nicht, ob sie da an die Sintflut gedacht hat. Es gab für sie eine Asylanten- flut, Rekordzahlen von Asylgesuchen z. B., obwohl im Jahre .1983 nicht einmal ein ganzes Prozent der Schweizer Bevölke- rung Flüchtlinge waren. Im Zweiten Weltkrieg waren unter viel schwierigeren Umständen 3 Prozent der Schweizer Bevölke- rung Flüchtlinge. Die NA betrachtete ein knappes Prozent schon als Asylantenflut und als Rekordzahl. Das Wort «Flüchtling» - Paul Rechsteiner hat es schon gesagt - für einen aktiven Menschen wurde zu «Asylant» für einen passiven Menschen, einen Menschen ohne Identität. Dann gab es plötzlich den Scheinasylanten und den Wirtschaftsasy- lanten. Er wurde zum arbeitsscheuen Nutzniesseran unserem Wohlstand gestempelt. Ich frage Sie: Ist das ein Zufall, oder ist das eine ganz klare Strategie? Interessant ist auch die Akzeptanz von rechtsextremen Grup- pierungen wie «Patriotische Front» oder «Bürgeraktion» oder «nationalrevolutionäre Partei» oder wie sich diese Gruppen alle nennen. Warum jagen diese Namen nicht annähernd ei- nen so grossen Schrecken ein wie zum Beispiel das Wort «Linksextremismus», «Grüne», «Frauenbewegung» oder «Frie- densbewegung»? Sind unsere gesellschaftlichen Schreck- und Feindbilder ähnlich aufgebaut wie die Flehen in der Bun- desanwaltschaft? Ich denke, es ist höchste Zeit, die Puk-Dis- kussion, die wir letzte Woche in diesem Saal hatten, hinaus ins Volk zu verlegen und beide Augen zu öffnen. Es geht nicht an, dass Aktionen von rechtsextremen Gruppierungen letztlich bloss als jugendlich, unbedacht und leichtsinnig tituliert wer- den. Was bleibt uns und dem Parlament zu tun? Es gibt die Uno- Konvention - wir haben es schon gehört - gegen Rassismus. Wir müssen dieser Konvention beitreten, weil sie auch be- inhaltet, dass das Aufhetzen zu Rassendiskriminierung unter Strafe zu stellen ist. Herr Blocher, der sinnigerweise jetzt wie- der nicht im Saal ist, hat ja dieser Konvention den Kampf ange- sagt, weil er behauptet, Rassismus existiere nicht bei uns in der Schweiz. Er hat es auch nicht nötig, sich dieser Diskussion zu stellen. Ich denke, wir müssen einerseits die asylpolitische Diskussion wieder versachlichen und sie andererseits vermenschlichen. Wir müssen unsere fremdenfeindlichen Vorurteile abbauen, und da liegt eine grosse Verantwortung bei den Medien. Wir müssen auch unsere globale Verantwortung als reiches Indu- strieland wahrnehmen und Arbeitsplätze und Existenzmög- lichkeiten in den unterentwickelten Ländern schaffen. Was wir wahrscheinlich auch vermehrt tun müssen: die Angst vor Ueberfremdung ernst nehmen. Diese Angst ist gross, und es gehört vielleicht mit dazu, dass wir erkennen, dass sehr oft die Fremden Projektionsflächen werden für unsere eigenen, unerkannten Aengste. Wir müssen also der Wucht des Hasses und der Gewalt die Kraft der Menschlichkeit und der Solidarität entgegensetzen. Gedankenloser, passiver und unbewusster, täglich gelebter und geschriebener Rassismus ist in der lang- fristigen Wirkung oft noch verheerender als die offenen Ge- waltakte, die zur heutigen Diskussion geführt haben. Seiler Hanspeter: Die SVP ist besorgt über die in letzter Zeit festgestellten Aktivitäten extremistischer Gruppen. Wohl jeder- mann hier verurteilt die anonymen Telefonanrufe und Schrei- ben, in denen Bürger, Mitglieder kommunaler Behörden und Parlamentarier in Kantonen und Bund - ich selber kann da aus Erfahrung sprechen - bedroht oder unter Androhung von Brandstiftung oder Entführung von Familienangehörigen ein- geschüchtert werden, wie es letzte Woche in einer Zürcher Ge- meinde versucht worden ist. Extremismus - Rassismus ist eine Form davon - ist aber nicht ein Charakteristikum unserer Zeit allein. Wir begegnen extre- mistischem Verhalten von Gruppen in der Geschichte der Menschheit immer und immer wieder. Auch der Kanton Bern - nebenbei gesagt - blieb ja nicht davor verschont. Diese Tatsa- che darf uns natürlich weder ein Trost sein, noch kann sie die extremistischen Aktivitäten in unserer Zeit rechtfertigen. Extremismus bewegt sich ausserhalb der Legalität, ausser- halb der in einem demokratischen Staat gesetzten Schranken, weil er sich zur Durchsetzung seiner oft gruppenegoistischen, einäugigen und meist gemeinschaftsfeindlichen Zielsetzun- gen - sofern er überhaupt eine Zielsetzung hat - der Mittel der Bedrohung, der Gewalt, ja des verbrecherischen Tuns be- dient. Extremismus darf deshalb in einem demokratischen Staat, in einem Rechtsstaat keinen Platz finden. Er kann sich auch nicht gut auf Pluralismus berufen, weil ja Pluralismus in einem Staat demokratisches Verhalten all seiner Bürgerinnen und Bürger und seiner Gruppen voraussetzt. Extremismus passiert aber nicht einfach, extremistisches Verhalten wird ver- ursacht. Dabei sind z. B. Aengste - und solche gibt es in grossen Teilen unserer Bevölkerung, nicht nursolche, wie sie Frau Diener vor- hin erwähnte -, Verunsicherung, Desinformation, Unwissen-13. Dezember 1989 N 2139 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion heit Mitverursacher solchen Verhaltens. Zu diesen Mitverursa- chern sind wohl auch die Enttäuschungen über das Fehlen von versprochenen Massnahmen durch Behörden zu zählen. Hingegen kann es nicht angehen, mittels Schuldzuweisung, wie es am letzten Samstag auf dem Bundesplatz geschehen ist, die bürgerlichen Parteien für den Rassismus verantwortlich zu machen. Das ist nun doch zu billig und zu einfach, zeugt von wenig politischer Verantwortung und ist mit aller Entschie- denheit zurückzuweisen. Es schiene mir zudem unklug, sich im Sinne der dringlich er- klärten Interpellation bloss mit Rechtsextremismus auseinan- derzusetzen. Extremismus kann man mit einem Pendel ver- gleichen. Mir ist kein Pendel bekannt, das nur einseitig aus- schlägt. Es kann ja sogar so weit gehen, dass sich die beiden Endpunkte berühren. Nicht umsonst sagt man: «Les extrêmes se touchent.» So gesehen kann Extremismus weder allein mit «links» noch mit «rechts» definiert werden. Wir erwarten des- halb vom Bundesrat eine umfassende Beurteilung des ge- samten Problembereiches Extremismus und können in die- sem Sinne auch der Ueberweisung des Postulates Steffen zu- stimmen. Mit einem Bericht und mit Worten ist es aber nicht getan. Es soll zugleich Auftrag an den Bundesrat und an uns alle sein und bleiben, auch etwas dagegen zu tun. M. Eggly: Les libéraux partagent les préoccupations du groupe socialiste au sujet des violences d'inspiration raciste, perpétrées notamment contre des requérants d'asile. Comme tout le monde, je pense, nous avons été étonnés, pour ne pas dire choqués, par la passivité de la police zougoise lors de la descente contre un centre d'hébergement dans ce canton. Il est parfaitement juste de se méfier du racisme dès que l'on en voit poindre les germes. Trop souvent dans l'histoire on s'est repenti d'avoir sous-estime, banalisé, des phénomènes qui sont allés en grossissant tragiquement. Il faut donc suivre at- tentivement ce qui se passe, même lorsque les mouvements et les actes paraissent être marginaux, même s'il convient aussi de garder le sens des proportions dans l'analyse. C'est pourquoi je n'ai pas hésité, personnellement, à soutenir par exemple le postulat de Mme Grendelmeier. Cela étant dit clai- rement et sans aucune ambiguïté de notre part, permettez- moi, à l'adresse notamment de la gauche socialiste, deux réflexions sur cette affaire. En ce qui concerne les réfugiés, ou plutôt les requérants d'asile, la clarté dans la défense des principes non racistes ne doit pas éliminer toute lucidité, tout esprit critique, chez les res- ponsables politiques, et nous, au Parlement, nous les partis politiques, nous sommes ou nous devrions être des politiques responsables. Etre responsable, c'est notamment compren- dre et expliquer les conditions et les limites d'une politique d'asile pour un pays comme la Suisse. Harceler les autorités, parler à tout propos de scandale de la politique d'asile, ap- puyer tous les recours, toutes les obstructions, pousser déli- bérément à l'enlisement des dossiers dans les procédures - et je pense notamment à certains avocats professionnels de ces dossiers - refuser précisément l'idée même d'une procédure accélérée, concourir enfin à la confusion des termes en ma- tière d'asile et à l'encouragement du flux croissant des requé- rants, c'est objectivement, dans les faits, faire le lit des réflexes xénophobes et des réactions racistes. Notre peuple, avec son énorme proportion d'étrangers, ses collectivités urbaines et villageoises, doit être informé, per- suadé et éduqué à l'accueil. Il y a en effet aujourd'hui un pro- blème de cohésion sociale à cet égard. Mais nos collectivités urbaines et villageoises ne peuvent pas sans risque être bous- culées, psychologiquement perturbées, constamment provo- quées. Mesdames et messieurs de la gauche, nous sommes d'accord pour combattre le racisme, mais nous vous le di- sons: parce que nous ne faisons pas, nous, de ce thème un sujet électoral constant, parce que nous ne tournons pas le dos aux faits et aux réalités, parce que nous cherchons des équilibres qui précisément tendent à conjurer les situations où le racisme peut fermenter, nous croyons que nous sommes fi- nalement plus efficaces dans cette lutte préventive. Nous ne sommes pas de ceux qui soufflent le vent, avec les délices de se faire plaisir à soi-même, et qui ensuite s'étonnent de récol- ter la tempête. J'en arrive à ma deuxième réflexion. L'interpellation du groupe socialiste s'étonne que l'on puisse imaginer d'élargir l'analyse sur les actes de violence à ceux qui sont commis sous l'inspi- ration de l'extrême-gauche. Dans les débats sur l'armée aux- quels j'ai participé, il m'est arrivé de décontenancer mes contradicteurs en évoquant une possibilité d'intervention pour protéger nos libertés et notre démocratie face à des menées parfaitement imaginables de l'extrême-droite. Pensez par exemple à l'attentat de Bologne, à des mouvements comme Action directe. Mais faut-il pour autant oublier que, durant ces dernières décennies, les exemples les plus fréquents en Eu- rope, avec des ricochets heureusement bien atténués en Suisse, d'atteinte à la paix publique et à notre ordre démocrati- que sont venus de l'extrême-gauche, soutenus parfois, ce qui n'est heureusement pas encore tellement le cas en ce qui con- cerne les mouvements d'extrême-droite, par des mouvements ou des pays entiers extrêmement puissants - je pense au mouvement iranien, à certains extrémistes palestiniens, et no- tamment à l'arrière-fond libyen du terrorisme. D'ailleurs, la di- mension du racisme, puisque c'est de racisme qu'il s'agit, dans des actions d'extrême-gauche, est tout aussi évidente que dans les actions d'extrême-droite si l'on pense au con- texte international. Je trouve assez étonnante, Mesdames et Messieurs de la gauche socialiste, votre intransigeance démo- cratique à géométrie variable! Vous avez raison de vous méfier de l'extrême-droite d'esprit non démocratique, et je m'en méfie autant que vous, mais vous avez tort de vous méfier beaucoup moins, et quelquefois pas du tout, de l'extrême- gauche d'esprit non démocratique, même lorsque parfois elle s'en donne l'apparence. Le fait marquant aujourd'hui en Europe, c'est l'effondrement politique, économique, moral et intellectuel du totalitarisme rouge, longtemps accepté et justifié par quelques-uns chez nous, fût-ce avec une apparence de recul plus ou moins sa- vamment dosée. Mais même en laissant ces notables habiles à leur profession de foi démocratique - après tout, lorsque la réalité rattrape le discours c'est rassurant! - comment ignorer qu'existent aujourd'hui chez nous aussi des mouvements, des groupements, des ramifications d'extrême-gauche, avec en- core une fois un arrière-fond international, pour lesquels notre démocratie, quitte à être utilisée, est l'ennemi à déstabiliser, à secouer, à miner, en le faisant glisser dans l'engrenage des actions et des réactions violentes -je pense à certaines mani- festations de rue? Même si le Ministère public s'est en effet trop concentré sur ces dangers-là et n'a pas assez vu d'autres dangers, dont la question de l'argent sale, comme le souligne très justement le rapport de la Commission parlementaire d'enquête, sa tâche restera aussi, demain comme hier, de sur- veiller ces mouvements, ces groupements et ces ramifica- tions-là. Peu nous importe à nous, à la lettre, que les mouvements d'extrême-droite et le racisme en Suisse, d'origine nationa- liste, fassent l'objet d'un rapport séparé ou qu'ils soient en- globés dans une analyse plus large sur les menaces contre notre démocratie et notre sécurité. Cela dit, je ne comprends pas que l'on puisse combattre le postulat Steffen, à l'adresse du Conseil fédéral, qui est parfaitement raisonnable et justifié et signé, d'ailleurs, par beaucoup de nos collègues. Mais, au-delà des postulats, ce qui compte à nos yeux, c'est que toutes les menaces, de tous ordres, soient en effet per- çues, analysées, senties et contrées dans leur totalité, toutes autant qu'elles sont, avec intelligence et sans exclusion. Nous ne professons pas de vigilance démocratique à géométrie va- riable: notre vigilance démocratique, à nous, libéraux, nous la voulons totale, impartiale, indivisible comme la justice et la démocratie. Si donc nous partageons les préoccupations socialistes sur le racisme, nous abordons, vous l'aurez compris, le contexte général de la violence contre la démocratie dans un esprit as- sez différent que nous croyons finalement plus juste, plus sain, et porteur de plus d'efficacité pour la protection de notre démocratie.Interpellation urgente du groupe socialiste 2140 N 13 décembre 1989 M. Couchepin: Le groupe radical, lui aussi, considère que les questions posées par l'interpellation socialiste sont importan- tes. En effet, même si des attaques contre des réfugiés ou res- sortissants étrangers sont peu nombreuses, elles n'en sont pas moins inquiétantes. Dans ce domaine, tout incident doit être pris au sérieux dans la mesure où il pourrait être le signe extrême d'une montée de l'intolérance ou du racisme. Pour notre groupe, de tels faits portent tout simplement at- teinte à la dignité de l'homme. Il n'y a pour nous jamais de ra- cisme tolérable. L'intolérance, qu'elle vienne de droite ou de gauche, doit toujours être condamnée. Pour cela, il nous sem- ble important que deux conditions soient respectées. Tout d'abord, la lutte contre le racisme ne doit jamais se dégra- der en une arme de propagande. Elle ne peut être l'occasion d'atteindre d'autres buts politiques. C'est une lutte pour la di- gnité de l'homme et non pas contre un autre groupe politique ou contre ceux qui ne partagent pas nos opinions. Sur ce point, je pense, Monsieur Rechsteiner, que vous avez dégradé la lutte contre le racisme. Vous avez attaqué avec tellement de force et de violence M. Steinegger, notre président, que l'on ne peut penser autre chose que vous avez peur. Vous avez peur, en vous défendant avec une telle violence, que l'opinion publi- que se rende compte que l'extrémisme de droite et l'ex- trémisme de gauche puisent leurs forces dans le même milieu psychologique et ont les mêmes sources. Vous avez aussi peur, sans doute, que l'opinion publique se rende compte que, souvent, votre lutte contre le racisme est moins l'expres- sion de la tolérance que celle d'une passion idéologique. La deuxième condition pour lutter efficacement contre le ra- cisme est, à notre avis, qu'il ne faut jamais faire d'angélisme. Biaise Pascal, le grand Pascal disait: «qui veut faire l'ange fait la bête.» Cela signifie en clair que l'on doit tenir compte des cir- constances précises et des faits afin d'éviter de tomber dans des extrêmes. On ne peut ignorer l'environnement de l'homme concret qui, parfois, facilite la fièvre raciste. Chacun sait, par exemple, qu'il existe - c'est malheureux mais c'est ainsi - des seuils statistiques de tolérance de l'étranger qui, lorsqu'ils sont dépassés, suscitent des risques de racisme. Il faut donc, dans la mesure du possible, éviter que ces seuils ne soient atteints et, pour ce faire, mettre sur pied des lois sur l'asile qui distinguent les véritables réfugiés des réfugiés éco- nomiques. Vous avez également attaqué M. Steinegger qui, sur ce point, est plus proche d'un autre socialiste, le président François Mit- terrand qui, dimanche soir, à la télévision française, parlait dans le même sens et dans le même esprit que M. Steinegger à plusieurs occasions. La différence entre M. Mitterrand et vous, c'est que lui a la responsabilité de maintenir la paix so- ciale et la paix tout simplement dans son pays. Vous, vous pouvez faire part de vos passions idéologiques. En résumé, le groupe radical sera de tous les combats, pour la lutte contre l'intolérance et contre le racisme, à la condition qu'ils ne soient pas détournés de leur véritable objectif qui est de promouvoir la dignité humaine. Pour cela, nous dénonce- rons et dénonçons toujours toute utilisation partisane de la lutte contre le racisme. Nous voulons aussi éviter tout an- gélisme qui finit par nourrir le mal qu'il prétend ignorer. Dans cet esprit, nous approuvons les propositions concrètes du Conseil fédéral et nous le soutenons. Frau Nabholz: Was an Gewalt, Ausschreitungen und Drohun- gen gegenüber Asylbewerbern passiert ist, kann nicht anders als beschämend genannt werden. Die freisinnig-demokrati- sche Fraktion wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen Auswüchse, wie wir sie in jüngster Zeit erleben mussten. Rassismus und Fremdenhass sind extreme Formen der Dis- kriminierung. Sie grassieren dort, wo die Bereitschaft zu Tole- ranz, Offenheit und Vielfalt degeneriert ist. Auch wenn diese Ausschreitungen nur von einer kleinen, radikalen Minderheit ausgegangen sind, müssen sie uns aufhorchen lassen. Es geht darum nicht an, diese jüngsten Ereignisse zu verharmlo- sen oder einfach als jugendliches Rowdytum abzutun. Das Problem ist ernster - obgleich hier ganz klar und deutlich fest- zuhalten ist, dass von einer generellen Fremdenfeindlichkeit oder gar von Rassismus in unserer Bevölkerung nicht die Rede sein kann. Wer solches behauptet, tut einem grossen Teil unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger erhebliches Un- recht. Die erwähnten Uebergriffe sind Ausdruck einer extremisti- schen Geisteshaltung. Diese manifestiert sich in Aggressio- nen gegen Menschen, die andersartig sind, sei dies wegen ih- rer Rassenzugehörigkeit, ihrer Hautfarbe, ihrer Nationalität oder ihrer Religion. Es wäre falsch, diese Vorurteile und Ag- gressionen politisch und gesetzgeberisch nicht ernst zu neh- men. Es wäre aber ebenso falsch zu glauben, man könne diese letztlich ethisch-moralischen Probleme allein auf dem Weg neuer Gesetze oder mit Abschlüssen von Konventionen lösen. Dazu braucht es wesentlich mehr, denn Integration von fremden Menschen in unserem Land lässt sich -wie überall - nicht einfach von oben durch den Gesetzgeber dekretieren. Für die FDP-Fraktion ist es deshalb ein wesentliches Anliegen, dass die Hintergründe extremer Umtriebe mit aller Sorgfalt analysiert werden. Wir möchten, dass nachgefragt wird, wel- ches Menschenbild Leute in sich tragen, die glauben, andere Menschen seien Freiwild, nur weil sie eben fremd sind. Was er- mutigt extreme Gruppierungen - kommen diese nun aus der linken oder aus der rechten Ecke -, Faustrecht und men- schenverachtende Praktiken zur Durchsetzung ihrer extremen Ansichten oder ihrer extremen politischen Ziele walten zu las- sen? Fragen müssen wir uns aber auch, woher es kommt, dass Fremdenängste offenbar so tief sitzen, dass gegenüber Min- derheiten oder Randgruppen überhaupt Abwehrreflexe in der- art übersteigerter Form ausgelöst werden können. Ich will da- mit sagen, dass es nicht damit getan sein kann, dass wir uns jetzt und hier ausgiebig über das Vorgefallene empören, um dann jeder fürsich wieder zurTagesordnung zurückzukehren. Es ist darum auch zu billig, im Sinne von Schuldzuweisungen so etwas wie ein politisches Schwarzpeter-Spiel zu spielen und die Verantwortung für all diese Vorfälle einfach denjenigen zuschieben zu wollen, die sich für den Vollzug und die Einhal- tung unserer Asylgesetzgebung einsetzen oder die sich ge- gen Missbräuche wenden. Anwürfe, wie sie von Herrn Rech- steiner an die Adresse der Freisnnigen in diesem Zusammen- hang gemacht wurden, sind entschieden zurückzuweisen. Ein Letztes: Dank der demokratischen Einrichtungen bietet unser politisches System viele Freiheiten. Ein Preis dafür aller- dings ist, dass sich an den Rändern des politischen Spek- trums radikale und extreme Kräfte sammeln können. Solches wird sich wahrscheinlich nie verhindern lassen. Dezidiert ist in- des dagegen einzuschreiten, wenn diese Gruppierungen ihr politisches Credo mit Gewalt zu verfolgen beginnen. Gewalt war noch nie ein legitimes und akzeptables politisches Mittel, ob sie nun von links oder von rechts komme. Die Herkunft spielt keine Rolle, und schon gar nicht verhilft sie der Gewalt zu irgendeiner Qualität oder legitimiert sie gar. Gegenüber ihren Propheten kann es darum keine Toleranz geben. Wir sind es unserer Glaubwürdigkeit, unserem Engagement für Men- schenrechte, für Minderheitenschutz und humanitäre Anlie- gen schuldig, diese Saat der Gewalt - woher sie auch komme - nicht aufgehen zu lassen. Die FDP-Fraktion wird sich dafür einsetzen! Frau Dormano: In zehn Tagen feiern wir Weihnachten. Seit Wochen werden die Vorbereitungen für dieses Fest getroffen. Wir zerbrechen uns die Köpfe, weil wir nicht mehr wissen, was wir wem schenken wollen, und hier im Saal diskutieren wir über Rassismus und Rechtsextremismus in der Schweiz. Wir suchen Argumente und Worte für Menschen, die nichts ha- ben, die auf der Flucht sind wegen behördlicher Gewalt im Herkunftsland, wegen Krieg, Hunger, Armut, Ausbeutung oder Naturkatastrophen. Es sind Menschen, die ums Ueberle- ben kämpfen. Es fällt mir nicht leicht, hier Worte zu finden, da es eigentlich keine Worte, sondern Taten brauchen würde. Doch scheint es, dass Wohlstand und Reichtum unfähig machen, die Not des ändern zu sehen und ihr mit Verständnis, Engagement und Hilfe zu begegnen. Statt dessen erfahren die Flüchtlinge von einem Teil des Schweizervolkes Misstrauen und Vorbehalte. Was in den letzten Monaten sogar an Hass und Abneigung13. Dezember 1989 N 2141 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion durch rassistische und rechtsextreme Gruppierungen gegen- über asylsuchenden Menschen in der Schweiz zum Ausdruck kam, ist beschämend. Die geballten Aggressionen und Ueber- griffe von rechtsextremistischen Kreisen auf Asylzentren und Flüchtlinge machen uns betroffen und sprachlos. Namens der CVP-Fraktion spreche ich solchem Ausdruck von Hass auf heimat- und mittellose Mitmenschen jegliches Ver- ständnis ab. Wir verurteilen in aller Form diese unmenschliche Haltung von rassistischen Schweizer Bürgern. . Es ist kein Trost, geschweige denn ein Rechtfertigungsgrund, zu sagen, dass unsere asylsuchenden Menschen nicht die er- sten sind, die auf ihrer Herbergssuche abgewiesen werden. Es gehört zum menschlichen Wesen, dass wir einzelne Mit- menschen sympathischer finden, andere weniger oder gar nicht. Wir müssen akzeptieren, dass wir Gefühle der Abnei- gung haben, haben können. Niemals aber akzeptieren wir eine menschenunwürdige Haltung, die sogar nach Leib und Leben des ändern trachtet. Ich frage mich allen Ernstes, wie solche Abneigung von Schweizern und Schweizerinnen dem heimat- und mittellosen Menschen gegenüber möglich ist. Einerseits schwelgen viele von uns in einem überschwenglichen Konsumrausch, ander- seits haben wir Angst, die Flüchtlinge könnten uns den Reich- tum schmälern. Es ist, als ob der Wohlstand bei einem Teil des Volkes zu einer Entsolidarisierung führen würde. Wir verges- sen, dass vor hundert Jahren unsere Vorfahren - meist aus ökonomischen Gründen -die Schweiz verlassen haben, um in Uebersee, in Australien oder Kanada, eine bessere Zukunft zu finden. Zwischen 1824 und 1960 emigrierten 61 Millionen Eu- ropäer nach Uebersee. Sie alle waren in unserem Fachjargon Wirtschaftsflüchtlinge. Soviel mir bekannt ist, hat damals die Schweiz das Auswandern durch Prämienzahlungen sogar ge- fördert, um damit dem verbleibenden Volk hier eine Existenz zu sichern. Wir tun heute, als ob wir das einzige Land auf der Welt wären, das Flüchtlinge zu beherbergen hat, und vergessen, dass die grössten Flüchtlingsströme heute vor allem in Süd-Süd-Rich- tung verlaufen. Neun von zehn Flüchtlingen aus Entwick- lungsländern bleiben auch dort. Kein Staat, ob Flucht- oder Gastland, bleibt heute von der weltweiten Flüchtlingsproble- matik verschont. Wir müssen uns bewusst werden, dass es sich dabei nicht einfach um eine Krise der Dritten Welt handelt, sondern um ein Weltordnungsproblem, das nur durch interna- tionale Anstrengungen angemessen gelöst werden kann. Denken wir nur an die Volksbewegungen in den vergangenen zwei Monaten in unsern osteuropäischen Nachbarländern. Durch unsern Tourismus haben wir armen Völkern den Ein- druck gegeben, dass unsere Schweiz ein paradiesisches, al- les möglich machendes Land ist. Trotz Massentourismus in alle Länder hat sich der Horizont nicht bei allen Reisenden er- weitert. Wir glauben zwar, die ganze Welt zu sehen, wenn wir aus dem Fenster schauen. Wir haben die Tendenz, die Auslän- der als Arbeitnehmer von ungeliebten Arbeiten zu schätzen. Als Menschen bleiben sie uns aber fremd. In der Schweiz kennen wir leider keine Integrationspolitik, son- dern viel eher eine Politik von Separatismus und Klassen. Trotz Tourismus in alle Welt wissen wir in der Schweiz nicht, wer unsere Flüchtlinge sind. Wir interessieren uns nicht für ihre Herkunft, ihre Kultur, ihre Religion, die klimatischen Bedingun- gen in ihrem Heimatland. Letzte Woche habe ich in Gesprächen mit Jugendlichen, mit Schweizer Bürgern, wiederholt hören müssen, dass die Flüchtlinge bei uns in der Schweiz unverschämte Forderun- gen stellen würden, z. B. Forderungen nach Schuhen, Klei- dern, Betten und Wohnungen, alles Utensilien, die sie zu Hause auch nicht hätten. Viele von uns Schweizern haben keine Ahnung, dass auf der Insel Sri Lanka z. B. praktisch das ganze Jahr 30 Grad Wärme herrscht und dass dort Schuhe tat- sächlich nicht nötig sind. Aufklärung über Herkunft und Eigenart der Flüchtlinge durch Bund und Kantone sind dringend notwendig. Wir haben ver- säumt, unserem Schweizervolk die Gäste aus den Flüchtlings- staaten vorzustellen. Nur so kann ich mir erklären, weshalb die Bundesdeutschen ihren ostdeutschen Flüchtlingen mit Offen- heit und Herzlichkeit begegnen. Sie wissen, wer jene sind, die Gastrecht suchen. Das Klima um unsere Flüchtlinge muss ver- bessert werden, muss von jedem Mitbürger und jeder Mitbür- gerin ernst genommen werden. Statt schnoddrige Tamilen- witze und unwahre Geschichten über Lederjacken zu erzäh- len, müssen wir versuchen, uns in die Rolle der Asylsuchen- den zu versetzen und ihre Position zu spüren; denn sie wollen bloss eine menschliche Aufnahme und keine Unterhöhlung unseres Reichtums. Fragen Sie Asylsuchende, was sie von uns Schweizern punkto Arbeit, Mitmenschlichkeit und Geld halten. Die meisten von ihnen ziehen dem Einfachheit und Ar- mut im Herkunftsland vor. Rechtsextremisten und Rassisten fühlen sich durch die An- wesenheit von Flüchtlingen in der Schweiz bedroht und her- ausgefordert. Sie bangen um unsere Kultur, um unsere Eigen- art und Einmaligkeit. Haben aber Rechtsextremisten über- haupt eine Kultur? Sind sie nicht vielfach kleinkarierte und kleinbürgerliche Egoisten, die mit ihrem schmalen Blickwinkel und der engstirnigen Haltung einer Ideologie nachrennen, die sich nur um sie selbst dreht? Sie nehmen nicht Teil am öffent- lichen Leben und bringen keine Energie auf für ein soziales Wertsystem. Sie sind arm an Lebensqualitäten, weil sie nie ge- lernt haben, Verantwortung zu übernehmen. Eine Kultur, die die Pflege des Menschen, seine Bildung - im Gegensatz zur blossen Ausbildung auf Arbeitsleistung - aner- kennt, eine Kultur, die die Pflege des Umgangs der Menschen untereinander, die Pflege des Rechts, des Sports, des Spiels, der Sprache - kurz: die Pflege der sinnvollen Freizeitbetäti- gung - fördert, tut dringend not. Kultur ist ein dauerndes und unablässiges Bemühen der men- schlichen Gesellschaft, das Dasein des Menschen zu deuten, dem menschlichen Leben in seinem Werden und Vergehen eine Richtung und einen Sinn zu geben. Rechtsextremisten leiden unter Sinnlosigkeit, Unerfülltsein und Frustration. Sie sind nicht nur Fremden gegenüber extrem. Statt ihnen auch mit Gewalt zu begegnen, müssen wir vermehrt versuchen, sie anzusprechen. Wir haben diese Kreise zu lange nicht oder zu- wenig ernst genommen und uns bloss auf die Veränderer der Gesellschaft von links konzentriert. Wir müssen diese Rechts- extremistenkreise mit aller Deutlichkeit angehen. Da die Schweiz vom Faschismus und vom Neonazismus ver- schont blieb, besteht ein grosses Bedürfnis nach Grundlagen- arbeit. Wir müssen ganz effiziente Nachholarbeit leisten, um die Ursachen des Rassismus zu ergründen. Nur so wird es möglich sein, in allen Klassen und Schichten wieder eine hö- here Achtung vor dem Menschenleben zu erzielen und zu er- wirken. Frau Grendelmeier: Wir schätzen es, dass eine erste Diskus- sion bereits heute zu einem Thema, zu dem ich bereits im Sommer einen Bericht verlangt habe, stattfinden kann. So können wir uns bewusst werden, dass es nicht mehr reicht, weiterhin so intensiv wegzuschauen, wie das bisher gesche- hen ist. Die Antwort von Herrn Bundesrat Koller auf die Interpellations- fragen konnte zwangsläufig keine umfassende sein. Sie hat vor allem punktuell, instrumenteil Massnahmen angekündigt, mit denen es die extremsten Auswüchse einzudämmen gilt und mit denen man diese-so hoffe ich mindestens-auch ein- dämmen kann. Das ist aber noch keine grundsätzliche Auseinandersetzung mit einem Phänomen, das wir in Europa nach der unendlichen Katastrophe des Zweiten Weltkrieges für endgültig erledigt ge- halten haben. Ich finde es tragisch, dass ausgerechnet 50 Jahre nach dem Zusammenbruch Europas durch den Fa- schismus dieses Gespenst wieder auflebt. Worum muss es gehen, wenn wir den ausführlichen Bericht haben und aufgrund von zusammengetragenen Untersu- chungen diskutieren können? Es geht in diesem Parlament doch zuerst einmal um eine ungeschminkte Wahrnehmung des Neofaschismus, des Rechtsextremismus. Es hat keinen Sinn, wenn wir uns zu sehr in Wortklauberei vertun. Was wir zurzeit an Gewalttätigkeiten erleben, so fürchte ich, ist nur die Spitze des Eisberges. Es handelt sich um die direkten und fassbaren Gewalttätigkeiten. Es ist von den Vorrednern in der einen oder anderen Art gesagt worden, Rechtsextremis-Interpellation urgente du groupe socialiste 2142 N 13 décembre 1989 mus oder Faschismus sei Ausdruck eines offenbar tiefsitzen- den Unbehagens. Dieses Unbehagen gilt es zu ergründen, wenn wir eine zweite faschistische Katastrophe abwenden wollen. Da sich seit der Einreichung meines Postulates die Ereignisse überstürzt haben und ich immer mehr und immer neu gezwun- gen bin, über mögliche Ursachen nachzudenken, bitte ich Herrn Bundesrat Koller, folgende Fragen in diesem Bericht, der bestimmt noch nicht fertig ist, miteinzubeziehen: Da ist z. B. die Frage, warum ausgerechnet die ganz jungen Leute involviert sind. Warum sind es die Jahrgänge der sieb- ziger Jahre? Warum sind diese so anfällig für solche Bewegun- gen? Dabei haben wir gegenteilige Verhältnisse, wie sie vor fünfzig oder sechzig Jahren herrschten. Damals bestand ma- terielle Not- heute haben wir Ueberfluss. Heute leben wir in ei- nem Wohlstand, der möglicherweise diesen Jugendlichen sehr viel Materielles bietet und sehr wenig an Immateriellem, an Ideellem - ein Wohlstand, der auch Langeweile erzeugt, ei- nen Mangel an echten Herausforderungen spüren lässt. Alles das sind Fragen. Zudem muss man sich auch fragen, ob es nicht einfach historisch bedingt ist: Für diese jungen, zwanzig- jährigen Leute ist Hitler möglicherweise, was für uns Napoleon oder eine andere geschichtliche Grosse war. Das heisst, es sträuben sich ihnen nicht automatisch die Nackenhärchen, wie das den meisten von uns in diesem Saale noch geschieht, wenn man abschätzige Witze hört, wie man sie seinerzeit über die Juden gehört hat und wie sie nun im alten Aufguss wieder- kommen, nur dass es diesmal Tamilen, Türken oder andere Nicht-Nordeuropäer betrifft. Eine weitere Frage lautet, warum eine solche Abwehr gegen das Andersartige herrscht, warum es uns dermassen ängstigt, ' wenn uns Leute mit dunkler Hautfarbe begegnen; warum Flüchtlinge von uns eingeteilt werden in echte und in soge- nannte unechte, also in Wirtschaftsflüchtlinge. Ist es vielleicht denkbar, dass wir das, was wir hier zum höchsten Ziel unseres Daseins erhoben haben - Geld zu verdienen, Wohlstand zu er- werben -, diesen Leuten nicht gönnen? Dass wir nicht wollen, dass diese Menschen die gleichen Ziele, sogar egoistische Ziele wie wir verfolgen? Vielleicht müsste auch die Frage nach der Rolle des Touris- mus - und was er angerichtet hat - gestellt werden. Wenn Sie in einem südlichen Land in einem Luxushotel einen Whisky oder Tee bestellen und dafür ebensoviel bezahlen, wie dort der Kellner in einer ganzen Woche verdient, dürfen wir uns doch nicht darüber wundern, wenn uns diese Leute hier «be- suchen» kommen, wenn sie eine ganz falsche Vorstellung un- seres Wohlstandes haben und genau das machen, was wir ih- nen vorleben. Sie imitieren uns und benützen unsere Instru- mente - in diesem Fall ist es das Flugzeug - und kommen her, und dann wollen wir von der Wirkung dieses Vorbilds nichts mehr wissen. Ist es aber auch denkbar, dass wir alle durch Veränderungen verunsichert sind, die in unserer eigenen Ersten Welt stattfin- den? Denken Sie an die EG : Das geht so rasant, dass wir kaum mit Denken nachkommen - ganz besonders wir Schweizer. Denken Sie vor allem auch an die sehr verunsichernden, wenn auch erfreulichen rasantesten Veränderungen in Osteuropa. Ist es vielleicht denkbar, dass der Flüchtlingsstrom überhaupt erst begonnen hat? Dass es sich vielleicht nicht einfach um ei- nen Flüchtlingsstrom handelt mit guten, d. h. «echten», und schlechten Wirtschaftsflüchtlingen, sondern dass wir eine echte Völkerwanderung haben werden, deren Beginn wir zur- zeit miterleben, und dass wir auf eine solche Migration nicht vorbereitet sind? Das verängstigt vor allem uns in der Ersten Welt. Denn wir wollen ja unter uns bleiben und die Ferien in den ändern Ländern geniessen, und zwar in allem Luxus, den die Erste Welt zu bieten hat. Ist es schliesslich denkbar, dass wir insgesamt über die Rolle des Kolonialismus nachdenken müssen, der vor Hunderten von Jahren begonnen hat, und dass wir nun dessen späte Rechnung bezahlen müssen, ob wir es wollen oder nicht? Es sind alles Fragen, die ich hier aufwerte, und ich hoffe, dass diese Fragen in den ausführlichen Bericht von Herrn Bundes- rat Koller miteinbezogen werden. Ich gebe Ihnen gerne zu, ich habe keine Antwort, ich weiss nur etwas: Faschismus kann und darf nicht die Antwort auf alle diese Fragen sein. Wohin erführt, das wissen wir zur Genüge. Was wir hier, vor allem in diesem Saal, tun können, ist: die Ver- antwortung wahrnehmen, die ein Parlament wahrnehmen muss.. Wir müssen das Gespräch, das Einzelgespräch mit ver- ängstigten Bürgern suchen, um ihnen die Zusammenhänge klarzumachen: beispielsweise den Zusammenhang, dass hohe Mietzinse und Spekulation nichts mit Flüchtlingen zu tun haben und dass man infolgedessen die Frage auch nicht auf dem Buckel der Flüchtlinge lösen kann. Was mir ganz klar ist: Was wir heute tun müssen, das ist, den Anfängen zu wehren - den Anfängen einer Entwicklung, für die ich keine Verantwortung übernehmen möchte. M. Spielmann: Ce problème est important, central. En juin 1988, j'étais intervenu à cette tribune pour questionner Mme Kopp concernant les signes inquiétants de montée du ra- cisme dans notre pays. A cette époque déjà, on avait attaqué des camps de réfugiés avec violence. A cette époque déjà, on avait vu certains signes de racisme monter, ce qui m'avait in- cité à poser la question suivante au Conseil fédéral: ne consi- dère-t-il pas urgent et nécessaire d'entreprendre une vaste campagne contre l'intolérance, le racisme et la violence et de prendre des mesures contre les responsables? Il m'avait été répondu qu'il s'agissait de problèmes mineurs et que le Con- seil fédéral n'était pas d'avis de prendre des mesures et de se lancer dans une campagne d'information. Il m'avait été aussi répondu que le Conseil fédéral avait préparé une ratification de la Convention de l'ONU et qu'il allait la concrétiser très rapi- dement l'année prochaine à la consultation. Je rappelle que c'était en 1988. Tout à l'heure, j'ai entendu la même réponse: on était prêt et on allait, si j'ai bien compris, l'année prochaine, lancer la procédure de consultation. J'espère simplement que les années ne passeront pas et que l'on ne nous donnera ici les mêmes réponses. Je ne voudrais pas revenir sur les postu- lats qui ont déjà été déposés à ce sujet. Le problème de fond est celui-ci: il s'agit d'intervenir et de réprimer des actes contraires à l'éthique de l'humanité et de condamner le racisme. Il ne s'agit pas là de l'expression d'une opinion, mais d'un délit. Il faut surtout prendre des mesures préventives, discuter et établir un climat de discussions et de débats permettant d'isoler totalement ceux qui préconisent le racisme et des actes contraires à l'éthique de l'humanité. A ce niveau-là, je peux dire qu'il est important - c'est aussi le rôle du Parlement - de faire le front le plus large possible contre le racisme. Pour ce faire, il est inutile de se jeter l'anathème verbal les uns les autres, en fonction de ses sensi- bilités politiques, en fonction de ses intérêts. Pour cela, il faut faire attention à ne pas entrer en matière dans un tel débat qui rendrait service à ceux qui, précisément, par le biais de ces ac- tes, tentent de déstabiliser notre société. Jene voudrais pas non plus laisser passer ceux qui font l'amal- game entre les idées racistes et les politiques dites «extrémis- tes». Que l'on comprenne bien que je suis contre les poseurs de bombes, contre ceux qui utilisent la violence, de quelque bord qu'ils soient et quelle que soit leur justification politique. Il s'agit d'abord de savoir où placer la barre de l'extrémisme et je me sens souvent particulièrement visé, notamment par l'intervention antérieure de M. Eggly. Il est bien clair que si l'on met en cause un système, si l'on fait des critiques - on l'a vu dans le cas du rapport qui vient d'être discuté dans ce conseil - il y a un certain nombre d'éléments à changer. Il y a des for- mes de violence qui peuvent être particulièrement propres pour notre pays, mais avoir des conséquences désastreuses dans le tiers monde. Il faut donc modifier et transformer notre société, ce que je fais à chaque occasion, et mon parti l'a fait en respectant à chaque occasion la démocratie dans notre pays, non seulement verbalement, mais aussi par les actes. Nous n'avons jamais pratiqué de discrimination à l'égard de quiconque, et il est bien loin de notre esprit de le faire. Je voudrais aussi dire qu'il est dangereux de faire cet amal- game et que le problème qui est posé à notre collectivité au- jourd'hui, c'est d'avoir la force de faire le front le plus large pos- sible contre les idées du racisme, contre ceux qui, par des ac- tes contraires à l'éthique de l'humanité, tentent d'introduire13. Dezember 1989 N 2143 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion une période qui, hélas, a déjà trop duré. Il a été rappelé tout à l'heure que depuis cinquante ans, on va, mois par mois, fêter ces événements. Les émissions de télévision et le rappel des actes de la dernière guerre devraient, pour le moins, nous per- mettre de nous mettre d'accord sur un point: il s'agit d'isoler le racisme, d'isoler ceux qui le prônent et de tenter par tous les moyens de le combattre. Cela ne se fera pas seulement par la répression, mais aussi par une culture politique et par une cul- ture de discussions contradictoires permettant d'isoler ceux qui se prennent à de tels actes. Dreher: Zuerst äussere ich mich im Sinne einer persönlichen Erklärung, überdies auch im Namen meines Kollegen Jürg Scherrer: Der Inhalt des Postulats Grendelmeier, welches eine Untersuchung über rechtsextreme Umtriebe in der Schweiz verlangt, war in der Oeffentlichkeit durch die Associated Press verbreitet worden. Am Schluss der Meldung wurde geschrie- ben, Vertreter aller Parteien hätten das Postulat unterzeichnet, ausser jenen der Nationalen Aktion und der Autopartei. Dazu halte ich fest: Weder Kollege Scherrer noch ich wurden von der Postulantin zur Unterzeichnung des Postulats eingeladen. Ich bin erstmals von Herrn Dr. Paul Ehinger, Chefredaktor des «Zofinger Tagblatts», auf die Existenz dieses Vorstosses auf- merksam gemacht worden, nachdem er die Meldung der As- sociated Press gelesen hatte. Herrn Kollegen Dr. Kurt Müller danke ich für die prompte Darstellung der richtigen Sachlage anhand der Fakten in der «NZZ». So wie die Dinge liegen, er- übrigt sich nun das Nachdenken über die Frage, ob wir dieses Postulat aus dem linken politischen Abseits im konkreten Fall überhaupt unterzeichnet hätten. Ein Mitglied des Rates hat also versucht, vorsätzlich und ge- gen besseres Wissen einen falschen Sachverhalt über die Schweizer Autopartei und ihre beiden Exponenten zu verbrei- ten, indem diese, zumindest indirekt, der Sympathie oder der wohlwollenden Duldung der rechten Chaotenszene bezichtigt werden. Das Vorgehen der Postulantin war nicht zufällig. Sie hat auch gegenüber dem Präsidenten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes SIG, Herrn Michael Kohn, mit Bezug auf ihr Postulat erklärt, man müsse ja nur schauen, wel- che Parteien ihren Vorstoss nicht unterschrieben hätten. Dies erklärte mir Herr Kohn anlässlich eines Treffens am 13. No- vember 1989. Die Absicht der Postulantin war also klar und kann nicht mit Ausflüchten oder einer persönlichen Erklärung, die ja sicher folgen wird, beschönigt werden. Ich habe heute morgen mit Herrn Kohn telefoniert, um mich zu vergewissern, dass meinerseits kein Hörfehler vorgelegen hat, und er hat mir den Sachverhalt bestätigt. Mich beeindruckt die Liste der Un- terzeichner nicht, da die meisten namhaften Ratskollegen der freiheitlichen Parteien darauf ebenfalls nicht aufgeführt sind. Aber wir haben es nicht nötig, uns von einer Vertreterin des lin- ken Flügels dieses Rates in hinterhältiger und niederträchtiger Weise in die rechte Ecke drängen zu lassen. Soweit meine per- sönliche Erklärung. Zur Interpellation führe ich folgendes aus, und ich beschränke mich praktisch auf Fragen: Wer sprengt eigentlich Hochlei- tungsmasten, die der Stromversorgung dienen? Sind das Rechtsextremisten? Wer hat den Informationspavillon in Kaiseraugst angezündet? Waren das Rechtsextremisten? Wer hat das Ferienhaus von Nagra-Präsident Rometsch in Brand gesteckt? Rechtsextremisten? Wer hat an Weihnachten 1988 auf dem Gelände der Garage Emil Frey Zürich-Nord einen Grossbrand stiften wollen, der nur knapp verhindert werden konnte? Rechtsextremisten? Welcher Parteipräsident war bei den Zürcher Unruhen 1980 an der Spitze der Demonstranten zu finden? Ein Rechtsextre- mist? Wer zündet in der Stadt Zürich am Laufmeter Baubaracken an? Sind das Rechtsextremisten? Wer beschädigte in Zürich-Albisrieden 1988 Hunderte von par- kierten Autos, hat Pneus durchstochen, Scheiben eingeschla- gen? Nicht an Bonzenautos, sondern den fahrbaren Untersät- zen kleiner Leute, die viele hundert Franken Schaden selbst zu tragen haben, weil nicht versicherbar! Waren das Rechtsex- treme? Wer macht vermummt sogenannte Wohnungsnot-Demonstra- tionen durch die Stadt Zürich, mit Sachbeschädigungen und verletzten Polizisten im Gefolge? Rechtsextreme? Welche Parteien gewähren diesen linken Chaoten diskret oder offen politische Deckung? Sind das die Rechtsextremen? Welche Partei hat in Zürich einen gerichtsnotorischen Lügner in Amtsgeschäften im Stadtrat? Rechtsextreme? Wer gibt in Bern dem Zaffaraya und den Reitschulchaoten poli- tische Deckung? Sind das Rechtsextreme? Welche Parteien bekämpfen Vermummungsverbote? Rechts- extreme? Welche Parteien gewähren der Drogenkriminalität z. B., auf dem Spritzplatz Platzspitz in Zürich und auf der Berner Kleinen Schanze politischen Schutz? Rechtsextreme? Welche Parteien haben es noch nie für nötig befunden, sich von den linken Chaoten und ihren Saubannerzügen zu distan- zieren? Ich warte noch heute auf eine solche Distanzierung z. B. der Grünen Partei Zürichs. Sie erfolgt nicht. Und welche Parteien haben diese erwähnten Sachbeschädi- gungen noch nie verurteilt? Die Rechtsextremen? Ich gebe keine Antwort, Sie sind intelligent genug, um alles zu erken- nen. (Unruhe) Diese pogromartigen Zustände, die wir in einigen Teilen der Schweiz haben, sind eine Folge der bankrotten bundesrätli- chen Asylpolitik. Das müssen wir einmal klar festhalten. Am 5. April 1987 haben 65 Prozent des Schweizervolkes die Zustimmung zu einer Aenderung des Asylgesetzes gegeben. Das heisst mit anderen Worten: Man wollte eine andere Asy- lantenpraxis, eine andere Einwanderungspraxis. Was ist ge- schehen? Das Gesetz tritt in Kraft, und wir haben eine Verdop- pelung der Asylantenzugänge! Das Volk will eine andere Asyl- politik, und die erhalten wir nicht. Wir bekommen dafür den Vorschlag, ein Bundesamt für Flüchtlingswesen zu schaffen. Das ist offenbar eine schweizerische Art der Lösung. Was ist in Nidau passiert, um einmal den Vorwurf auszuräu- men, es sei Rassismus gewesen? Da sollte eine Asylantenun- terkunft gebaut werden. Die Schweizer Autopartei hat das Re- ferendum ergriffen, und das Referendum wurde vom Volk überzeugend gutgeheissen. Das heisst: Die Asylantenunter- kunft darf nicht gebaut werden. Das sind doch Demonstratio- nen der Mehrheit, an denen wir nicht vorbeikommen. Dann schreibt ein Herr Urs Frey, Zeitungsschreiber aus Epsach, in der Zeitung «Biel/Bienne», die Nidauer, die das abgelehnt hät- ten, seien Rassisten. Dann besteht also die Mehrheit des Vol- kes aus Rassisten? Eine andere Interpretation wäre nicht zu- lässig. Auf der anderen Seite sind wir äusserst restriktiv gegenüber ar- beitswilligen Europäern, gegenüber Italienern, Spaniern, Deutschen, die hier arbeiten wollen. Wenn der Bundesrat seiner Sache in der Asylpolitik so sicher ist, dann soll er die Voraussetzungen für eine Volksabstim- mung schaffen und sich das Ja des Volkes zur gegenwärtigen Asylpolitik geben lassen. Dann haben wir klare Verhältnisse. Etwas anderes ist nicht möglich. Persönliche Erklärung - Déclaration personnelle Frau Grendelmeier: Ich begreife, dass sich Herr Dreher über die Tatsache aufgehalten hat, dass in der Presse stand, ausser der Autopartei und der NA hätten alle Parteien unterschrieben. So gesagt ist das falsch. Es trifft zu, dass ich natürlich nicht zu- erst in diesem Lager versuche, Unterschriften zu bekommen, und dass ich diese Unterschriften auch gar nicht brauche. Aber es war nicht eine Diskriminierung im Sinne von Herrn Dreher. Ich glaube, nach dem, was er heute gesagt hat, hätte er wohl kaum einem «linksextremen» Postulat die Unterschrift gegeben, das von mehr als der Hälfte dieses Rates unterzeich- net worden ist. Brügger: Mit dem tragischen Ereignis in der düsteren Novem- bernacht vor nun bald drei Wochen sind auch wir Freiburger um eine Illusion ärmer geworden: um die Illusion zu glauben, dass fremdenfeindliche Verhaltensweisen einzelner Bürger bei uns nicht zu jenen Grobheiten und Auswüchsen führenInterpellation urgente du groupe socialiste 2144 N 13 décembre 1989 würden, wie sie in jüngster Vergangenheit andernorts mehr in Erscheinung getreten sind. Der Tod des Kurden Yildirim mitten in der Stadt hat unserer Bevölkerung auf brutale Art und Weise eine schmerzliche und angstvolle Erkenntnis auf- gezwungen: Die Erkenntnis, dass Fremdenfeindlichkeit auch bei uns zu einem wuchernden Krebsgeschwür werden kann, wenn gegen diese Erscheinungen nicht rasch und mit Be- stimmtheit wirksame Massnahmen ergriffen werden. Was sich in Zug, in Schaffhausen, in Chur, in Freiburg zugetragen hat, kann sich schon morgen anderswo wiederholen. Gewiss sind Massnahmen auf verschiedenen Stufen zu treffen; denn Fremdenfeindlichkeit ist ein vielfach vernetztes Problem, des- sen Lösung nicht so einfach zu finden ist. Ich bin mir bewusst, dass es schon ganz unten beginnt, in der Erziehung, in der Familie, in der Schule. Aber das ge- nügt bei weitem nicht, und die Anstrengungen auf dieser Ebene sind bald einmal vergebliche Mühe, wenn nicht paral- lel dazu auch staatliche Instanzen, die politischen Behörden auf Kantons- und Bundesstufe, sich der Ernsthaftigkeit des Problems bewusst werden. So war ich erschüttert und be- sorgt zugleich zu sehen, wie im konkreten Fall des Kurden Yildirim die Polizei und auch der Untersuchungsrichter durch voreilige und einseitige Stellungnahmen und Verlautbarun- gen zur kaum begonnenen Untersuchung den Vorfall zu bagatellisieren versuchten. Es sei eine gewöhnliche Schläge- rei mit bedauerlichem Ausgang gewesen, Fremdenhass sei überhaupt nicht im Spiel gewesen, Provokationen seien von beiden Seiten ausgegangen, die Kurden hätten eine Milieu- dame belästigt usw. Diese plumpe Beschwichtigungstaktik der Ermittlungsbehörde und des Untersuchungsrichters, diese durchsichtige Absicht, einen offensichtlichen Tatbe- stand totzuschweigen, musste zu Emotionen führen. MUSS es dann noch erstaunen, wenn dieses Fehlverhalten zu bissi- gen Kommentaren in der Tagespresse führten, mit denen hüben wie drüben Empörung und Entrüstung nur noch ange- heizt wurden? Voreilige Interpretationen und einseitige Schlussfolgerungen der untersuchenden Instanzen können zu Ungerechtigkeiten führen, die eine objektive Tatbestandesaufnahme verun- möglichen. Sie tragen dazu bei, dass das Vertrauen der Bürger in die Ermittlungsarbeit von Polizei und Untersu- chungsrichtern verlorengeht. Dann ist es kaum verwunder- lich, wenn eine verunsicherte Bevölkerung in zwei deutlich voneinander getrennte Lager geteilt wird und eine gefährliche Polarisierung die Folge ist. Dann wächst gegenseitiges Miss- trauen. Angst und Empörung machen sich breit. Und plötz- lich realisieren viele Menschen verbittert, dass sich eine läh- mende Ohnmacht breitmacht, die gerechte Lösungen men- schlicher Probleme verunmöglicht. Behördliche Instanzen müssen in solchen heiklen Fällen bei ihren Verlautbarungen wahrhaftig mehr Objektivität und Sorgfalt an den Tag legen. Vor allem dürfen damit nicht unangenehme Gesellschaftspro- bleme fahrlässig verdrängt werden. Aber auch auf Bundesebene - so will mir scheinen - ist eine eigenartige Verniedlichung des Phänomens zu beobachten. Wie kommt es dazu, dass seit nun bald acht Jahren von ei- ner Ratifizierung eines Abkommens gegen Rassendiskrimi- nierung die Rede ist? Von selten des Bundesrates wird während Jahren verspro- chen, deklamiert, erklärt und weiter verschoben, bis es zu spät ist. MUSS es denn immer zuerst zum verheerenden Brand- ausbruch kommen? Warum muss zuerst etwas passieren, bevor gehandelt wird? Die Zeit der besinnlichen Analyse ist vorbei, nun müssen auf Bundesebene Taten folgen. Auch ich erwarte vom Bundesrat entschiedenes Handeln und ver- lange, dass nun in erster Dringlichkeit rassendiskriminatori- sche Strafnormen dem Parlament zur Diskussion vorgelegt werden. Wir können nicht mehr zuschauen. Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit zwingen uns zum Handeln, ob wir es wollen oder nicht. Loeb: Extremismus, aus welcher weltanschaulichen oder politischen Richtung er auch kommt, führt zu extremen, un- haltbaren, zu intoleranten Verhältnissen. Minderheiten - das zeigt die Weltgeschichte, und unser Land besteht aus lauter Minderheiten - hatten unter jedem Extremismus zu leiden und werden weiterhin darunter zu leiden haben. Gerade als Freisinniger - die Toleranz gehört zu unserer tief- sten Grundüberzeugung - verurteile ich die Ereignisse, die zu dieser Debatte geführt haben. Wer aber nach altbekanntem Muster die Schuld an solchen Ereignissen den Betroffenen in die Schuhe schiebt, ist ebenso zu verurteilen wie derjenige, welcher Schönfärberei betreibt; aber auch derjenige, welcher aus solchen schrecklichen Ereignissen parteipolitischen Nut- zen ziehen will, geht einen gefährlichen Weg. Wir alle sind per- sönlich aufgerufen, auf allen politischen Stufen gegen extreme Aktivitäten einzuschreiten, die nötigen gesetzlichen Massnah- men, wie z. B. die Unter-Strafe-Stellung von rassischer Diskri- minierung, zu erlassen; aber - und das scheint mir das Ent- scheidende -jeder von uns, jeder Bürger dieses Landes muss sich auch an seinem Ort, mit seinen Mitteln, in seiner Verant- wortung und durch eigenes Verhalten für Verständnis und To- leranz allen Menschen gegenüber einsetzen, aktiv gegen jede noch so geringe Diskriminierung auftreten und seine persön- liche Verantwortung wahrnehmen. Dass Sie diese Botschaft heraustragen helfen und vorleben, dafür danke ich Ihnen al- len. Mme Pitteloud: Lorsque nous avons discuté au printemps 1988 de la sixième initiative de l'Action nationale, nous avons dit à cette tribune que nous étions surpris de l'attitude du Con- seil fédéral et de la majorité, car nous avions l'impression que l'on minimisait largement les problèmes posés par l'immigra- tion. On laissait entendre que la politique actuelle ou passée était satisfaisante, avait fait ses preuves et, à cette époque déjà, nous avions affirmé qu'en réalité il n'y avait à nos yeux pas de politique d'intégration conséquente aux différents échelons de nos institutions et qu'au contraire, malgré l'exis- tence de nombreux documents en provenance, notamment de la Commission fédérale pour les étrangers, préconisant des mesures d'intégration possible dans différents domaines, bien peu avait été fait jusqu'ici. On se demanda où restait alors cette vigilance démocratique qui, à notre avis, doit s'exercer avant que le pire ne se passe. Nous avions aussi relevé que l'attitude de beaucoup de représentants de nos autorités avait été et reste très ambiguë sur le sujet des étrangers et des réfu- giés, sujette à confusion. Bien sûr, les ténors des partis bourgeois montent aux barrica- des pour défendre les étrangers lors des votations sur les ini- tiatives xénophobes, car il s'agit alors de défendre les intérêts de l'économie. Mais ces échéances passées, ils distillent trop souvent un discours fait d'amalgames, de schémas simplifica- teurs où il est question de fraudeurs, de profiteurs, de migra- tions incontrôlées et de mesures de dissuasion, en oubliant, bien évidemment, de relever les responsabilités qui sont celles de la Suisse en matière de migrations. On a même vu dans mon canton un conseiller d'Etat nommer responsable de l'Office cantonal des étrangers un raciste notoire, ce qui est bien représentatif de l'état d'esprit de certaines de nos auto- rités, comme le relevait M. Rechsteiner. On feint d'ignorer aussi que, dans le département que dirige aujourd'hui M. Koller, cette terminologie négative a été en usage ces dernières années, avec tous les dangers que cela comporte, car il ne faut pas jouer avec le feu en matière de ra- cisme et de haine de l'étranger. Je dois dire que M. Koller, conseiller fédéral - il l'a dit lui-même - n'a jamais cédé à la tentation d'utiliser cette terminologie négative et je crois qu'il faut l'en remercier mais il faut lui dire qu'il porte une responsabilité très lourde pour le futur et le Par- lement aussi, puisque nous attendons maintenant des actes. Nous attendons une loi qui réprime les actes racistes, l'incita- tion au racisme; nous attendons la ratification de la conven- tion, mais nous attendons aussi la réponse du Conseil fédéral au postulat Rechsteiner qui devrait faire le point en matière d'intégration de la population étrangère en Suisse, mais qui devrait surtout déboucher sur des actes concrets, qui soient compris de tous. Je crois que le racisme est toujours un déficit d'intégration. Déficit d'intégration des immigrés sans doute qui ne se résout pas à coup de mesures simplistes ou fallacieuses, telles que13. Dezember 1989 N 2145 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion l'ont fait les autorités françaises en autorisant le port des fou- lards à l'école, mais déficit d'intégration aussi de nombreux citoyens suisses. On l'a dit, ce sont des citoyens de conditions défavorisées, qui ne sont pas intégrés dans leur propre patrie, qui se sentent les laissés pour compte de la société suisse et qui sont à la recherche de boucs émissaires sur qui déchar- ger leurs sentiments d'injustice et de frustration. On ne peut pas ignorer que ce sont ces catégories-là qui sont le plus tou- chées par les difficultés que posent inévitablement les rela- tions interculturelles. Ce sont eux qui cohabitent dans les loge- ments, les écoles et sur les lieux de travail avec les étrangers et non les milieux aisés que l'argent met à l'abri de ces fric- tions quotidiennes. Je crois qu'il faut y penser, Monsieur Eggly, lorsqu'on vote dans ce Parlement des crédits de politique sociale, lorsqu'on parle de mesures en faveur des rentiers AVS, Al, des familles monoparentales ou des familles du quart monde. Je crois qu'il faut agir par des actes plutôt que par des discours ron- flants du type 1 er août où se côtoient la morale et des phrases qui n'engagent à rien. Je pense qu'il est très important que le Conseil fédéral et le Parlement soient conscients que la lutte contre le racisme passe par une politique sociale consé- quente, qui ne laisse pas se constituer des poches de pau- vreté et d'exclusion sociale, car elles sont le terreau le plus fertile pour les actes de violence et de terrorisme. C'est aussi sur ce sujet-là que j'aimerais vous entendre, Monsieur le Con- seiller fédéral. Wanner: Allen, für die der Rechtsstaat ein entscheidendes Anliegen ist, ist es klar: Die Diskriminierung von Ausländern oder.die tätlichen Angriffe gegen sie sind strikte abzulehnen. Entsprechende Verstösse gegen das Recht und den inneren Frieden sind zu bestrafen. Wir haben bereits im Oktober dar- auf hingewiesen, und unsere Partei hat nach den Vorfällen in Steinhausen nachgedoppelt: Für uns gibt es keine politisch zu rechtfertigende Gewalt. Rechtsverletzungen und Gewalt dür- fen nie Mittel des politischen Kampfes sein. Die FDP hat im September 1989 der Oeffentlichkeit ihre Vor- schläge für weitere Massnahmen im Bereich der Asylpolitik vorgestellt. Das entsprechende Papier enthielt eine Analyse der damals aktuellen Situation, und es enthielt Vorschläge für weitere Massnahmen. In der Zwischenzeit ist der Bundesrat zu ähnlichen Schlüssen gekommen, und eine Arbeitsgruppe ist an der Arbeit. Die Sozialdemokraten und die Asylkoordination Schweiz ha- ben auf unsere Vorschläge negativ reagiert. Das ist selbstver- ständlich ihr gutes Recht. Es wurde gar von Rassismus ge- sprochen. Sie sehen aber daraus, dass man vorsichtig werden muss, wenn von Rassismus gesprochen wird. Für viele sind offenbar die ungeschminkte Analyse der heutigen Situation und die Unterbreitung von Vorschlägen Rassismus. Dieses Vorgehen ist gefährlich. Wenn die Analyse und die Forderung nach Vollzugsmassnahmen zur Erfüllung eines vom Souverän ausdrücklich gutgeheissenen Asylgesetzes als Rassismus be- zeichnet werden, dann verhindert man eine sachliche Diskus- sion über das bedrängende Thema der Asylpolitik. Man tabui- siert die heutigen Missbräuche im Asylwesen. Die Etikettierung der heutigen Asylpolitik als Rassismus, wie dies erfolgt ist, ist aber nicht nur politisch verhängnisvoll. Die Verweigerung der sachlichen Diskussion über das Thema der Asylpolitik und über die damit abgesegneten Missbräuche im Asylwesen ist gerade der Nährboden für die ausländerfeindli- chen Aktionen. Dieser Nährboden rechtfertigt diese Aktionen aber nicht. Es gibt dafür keine Rechtfertigung. Es gibt aber eine politische Verantwortung, wenn man sich der politischen Diskussion und der Suche nach Lösungen verweigert. Viele Bürger dieses Landes kritisieren zunehmend die nicht weg- zudiskutierenden Missbräuche im Asylwesen. Heute ist damit nicht nur der Delegierte konfrontiert. Alle Kantone und viele Gemeinden unseres Landes haben Schwierigkeiten zu bewäl- tigen, und - Herr Rechsteiner - ich könnte Ihnen aus meinen Erfahrungen als Gemeindeammann einiges erzählen. Ich war wiederholt enttäuscht darüber, wie viele Leute, die sich an und für sich der Humanität verschrieben haben, sich geweigert ha- ben, entsprechend tätig zu werden, und die Verantwortung lie- bend gern wieder der Gemeindebehörde zugeschoben ha- ben. Gescheiter wäre es, das Vorliegen der Probleme zu akzeptie- ren und an der Erarbeitung von Lösungen mitzuwirken. Wir können beispielsweise das Kurdenproblem nicht in der Schweiz lösen. Wir können nur den individuell Gefährdeten Asyl gewähren. Das ist vermutlich die Lösung unseres Asylge- setzes. Wir unterstützen die Polizei bei der Bekämpfung rechtswidri- ger, ausländerfeindlicher Aktionen. Wir bekämpfen aber auch rechtswidrige Aktionen zugunsten abgewiesener Asylgesuch- steller oder die Aufhetzung von Gesuchstellern für Demonstra- tionen und andere mehr oder weniger gewaltfreie Aktionen. Wer aber, wie Sie, Herr Rechsteiner, Angriffe in einer undiffe- renzierten, ja beleidigenden Art und Weise ausübt, wird kaum je einen entscheidenden Beitrag zur Lösung anstehender Pro- bleme leisten. Wir bedauern zusätzlich, dass Sie, Herr Rech- steiner, ein sehr wichtiges, ungelöstes Problem zu einer partei- politischen Auseinandersetzung missbraucht haben. Ent- schuldigen Sie diese deutlichen Worte; aber Sie sind uns nichts schuldig geblieben! Sie haben damit zusätzlich eine Chance vertan, eine echte, sachbezogene Diskussion auszu- lösen. Ich bedaure das auch persönlich. Reimann Maximilian: Man kann sich darüber wundern, nach welchen Regeln unsere Fraktionspräsidentenkonferenz einer Interpellation den Kranz der Dringlichkeit verleiht. Vor andert- halb Jahren - um ein Beispiel zu nennen - diskutierten wir hier auf Antrag der Sozialdemokraten im Dringlichkeitsverfahren über die Restrukturierungsmassnahmen der BBC. Viel Negati- ves, Schwarzgemaltes ging über dieses Mikrophon hinaus ins Land. Die Unternehmensleitung wurde massiv kritisiert. Und was haben wir heute? Eine florierende Asea Brown Boveri wie nie zuvor, den weltweit führenden Elektrokonzern par excel- lence. In der Junisession dieses Jahres verlangte die SVP-Fraktion Dringlicherklärung einer Interpellation über das Asylwesen, ein Thema, das heute in breiten Kreisen der Bevölkerung viel hitzigen Diskussionsstoff abgibt. Auch aus den Voten mehre- rer Vorredner ist dies heute wieder recht deutlich zum Aus- druck gekommen. Die Dringlichkeit wurde uns aber nicht ge- währt. Dabei war schon in jener Interpellation klar aufgezeigt worden, wie nachhaltig der Fremdenhass in unserem Lande durch die unhaltbaren Zustände beim Vollzug des Asylgeset- zes geschürt wird. Die Kantone und namentlich viele Gemein- den stehen vor einem effektiven Vollzugskollaps. Ich möchte die in der Interpellation skizzierte Tendenz zu rassi- stischen Auswüchsen aber keineswegs bagatellisieren. Auch ich bin empört über gewisse Vorfälle der jüngsten Zeit in unse- rem Land. Aber ich wehre mich dagegen, dass einmal mehr versucht wird, dieses Thema ins herkömmliche Links-Rechts- Bild und namentlich hier ins Rechts-Klischee hineinzupres- sen. Ich wehre mich dagegen, dass Fremdenhass stets mit Rechtsextremismus gleichgesetzt wird. Und ich bin empört, dass die zu zwei Dritteln staatlich finanzierte SRG in vielen ihrer Sendegefässe nicht müde wird, in eigenmächtiger Verzerrung der Dinge in dieses gleiche Hörn zu blasen. Das leidige Tö- tungsdelikt in Freiburg diene als typisches Beispiel. Herr Brüg- ger, ich habe da mehr Vertrauen in die Freiburger Untersu- chungsbehörden als Sie. An diesem Beispiel wurde offen- sichtlich wieder einmal am falschen Objekt schwer und unnöti- gerweise an der Fremdenhass-Spirale gedreht. Ich appelliere deshalb an alle, die es angeht: Hört endlich auf mit der Simplifizierung, Fremdenhass und Rassismus gleich- zusetzen mit rechts oder mit rechtsextrem! Ist denn die alte Rentnerin eine Rechtsextremistin, wenn sie sich darüber be- klagt, dass ein Asylbewerber offenbar mehr an Staatsgeldern kostet, als sie AHV-Rente erhält? Oder ist jener Bauarbeiter ein Rechtsextremist, der darüber zutiefst empört ist, dass neben ihm auf dem gleichen Bau ein Schwarzarbeiteraus der Türkei tätig ist, der keine Steuern und keine Sozialabgaben zu ent- richten hat? Oder ist jener Landwirt ein Rechtsextremist, der sich am sonntäglichen Stammtisch - zu Recht oder Unrecht - mit wüsten Worten darüber beschwert, dass er in seiner Arbeit fast ertrinkt und daneben die Asylanten drei Monate lang aufInterpellation urgente du groupe socialiste 2146 N 13 décembre 1989 der faulen Haut liegen müssen oder liegen können? Oder - um ein letztes Beispiel zu erwähnen, das auch schon Herr Couchepin angeführt hat - ist der französische Staatspräsi- dent Mitterrand ein Rechtsextremist, weil er am letzten Sonn- tagabend im Fernsehen erklärt hat, seine Regierung werde nun unerbittlich gegen illegale Einwanderer vorgehen und sie unter Beachtung der Gesetze raschmöglichst wieder aus- schaffen? Die Unruhe in breiten Kreisen der französischen Be- völkerung - so Mitterrand - beruht auf der Flut der illegalen Einwanderung und der damit zusammenhängenden Schwarzarbeit. Die gleichen Faktoren sind zu einem wesentlichen Teil doch auch mitverantwortlich für den zunehmenden Fremdenhass in der Schweiz. Wir bieten mit unserer Asylgesetzgebung den vielen unechten Flüchtlingen de facto paradiesische Zustände an. Gegenüber echten Flüchtlingen - ich verwende nach wie vor diesen Ausdruck - erhebt sich in der Schweiz kein Rassis- mus. Sorgen wir also dafür, dass auch bei uns möglichst rasch die echten von den unechten Flüchtlingen unterschieden wer- den können. Herr Bundesrat Koller, in der Antwort, die Sie am 25. Septem- ber auf die Interpellation der SVP-Fraktion abgegeben haben, haben Sie sich ganz klar für eine wesentliche Beschleunigung des Asylverfahrens sowohl in erster als auch in zweiter Instanz ausgesprochen. Setzen Sie diesen Vorsatz möglichst rasch in die Tat um! Das wäre das zweckmässigste Mittel zum Abbau des aktuellen Fremdenhasses und zur Rückkehr zu einem or- dentlichen und gesitteten Verhältnis zwischen Schweizern und Ausländern in unserem Lande. M. Longet: Je considère qu'on peut observer deux types de racisme qui s'appuient l'un sur l'autre. D'une part, nous avons le racisme comme idéologie et, d'autre part, celui que l'on peut appeler le racisme de terrain ou le racisme vulgaire. Au- jourd'hui, nous avons peu parlé du racisme en tant qu'idéolo- gie. Il faut rappeler que c'est la théorie de la suprématie des ra- ces, radicalement contraire à tout ce qui fait la quintessence de notre culture politique et de nos valeurs communes, à sa- voir les droits de l'homme. Il ne peut y avoir aucune espèce de complicité avec ce type de philosophie. Avec le racisme idéo- logique, nous trouvons aussi le révisionnisme historique comme moyen particulièrement pervers de la renaissance d'une excroissance monstrueuse de l'histoire, à savoir l'anti- sémitisme: c'est le révisionnisme historique qui nourrit au- jourd'hui le retour de l'antisémitisme. Le racisme que j'appellerai de terrain se fonde sur une double exclusion: l'exclusion des nationaux et celle des étrangers. De cela non plus, nous n'avons pas beaucoup parlé aujourd'hui. Ce racisme est le fait d'exclus qui cherchent plus exclus qu'eux. Le combat contre le racisme passe évidemment par le Code pénal; on risque de payer cher le temps perdu par le Conseil fédéral, six, huit ans, depuis qu'on lui demande de rati- fier la convention à ce propos. Toutefois, il passe également par une politique sociale plus efficace et plus solidaire. La lutte contre la pauvreté est un élément essentiel de prévention du racisme. Lorsque nous apprenons qu'il y a 400 000 pauvres en Suisse, autant de témoins des lacunes de notre sécurité so- ciale, cela nous indique une priorité absolument essentielle. Le racisme naît également de l'exclusion des étrangers. Il est la conséquence du refus d'une réflexion sur l'intégration, d'évolutions qui vont vers la «ghettoïsation», vers l'absence de communication entre des communautés qui se tournent le dos. C'est aussi la conséquence de l'absence de droits. Peut-on à la fois combattre le racisme et refuser des solutions concrètes d'intégration aux étrangers? L'intégration des étran- gers passe par l'octroi de droits sociaux, de droits d'expres- sion et de participation, jusqu'au droit de vote sur le plan com- munal. Le choc des cultures sera ressenti, non comme une menace, mais comme un enrichissement dans la mesure où cette double exclusion sera vaincue. Nous pouvons y contri- buer. Je suis très reconnaissant, notamment à Mme Diener, d'avoir souligné une autre perspective: en arrière-plan se dessine la question fondamentale de notre fin de siècle, le déséquilibre majeur de la planète, le déséquilibre Nord-Sud. Le débat sur le racisme nous amène inévitablement à nous demander de quelle façon nous voulons aborder ce problème. Dans ce débat, nous devons avoir à l'esprit la nécessité de développer une conscience et une prise de responsabilités à l'échelon planétaire. Cela également est une manière de dépasser la catégorisation des êtres humains dans des boîtes, d'espérer que les uns pourront être sauvés au détriment des autres. Or, sur cette planète, nous ne nous sauverons que tous ensemble. Nous devons porter ce message à l'extérieur de cette salle et dire au peuple suisse dans quelles conditions vit la majorité de l'hu- manité. Nous ne tolérerons jamais de telles conditions de vie économique, d'environnement, de démocratie et de violation des Droits de l'homme. Expliquer ce qui se passe sur la planète et faire naître un sentiment d'appartenance commune, c'est aussi une contribution à la lutte contre le racisme. Frau Hafner Ursula: Ich spreche zu Punkt 3 der Interpellation. Ich wende mich dagegen, dass der Bericht über rechtsex- treme Umtriebe in der Schweiz nun auch zu einem Bericht über den Linksextremismus werden soll. Wie ein solcher Be- richt herauskäme, ist unschwer vorauszusehen, nachdem die Bundespolizei vor allem Beobachtungen über linke und grüne politische Gruppierungen notiert und Umtriebe von Rechtsex- tremen kaum wahrgenommen hat. Die Bundesanwaltschaft will nun offenbar eine Umfrage bei den Kantonen machen und die Antworten zusammen mit ih- ren eigenen Erkenntnissen zu einem Bericht verarbeiten. Lei- der müssen wir davon ausgehen, dass auch die kantonalen Polizeibehörden alte Bedrohungsbilder pflegen und neue Ge- fahren nicht erkennen. Dies gilt nicht nur für den Kanton Schaffhausen, der heute abend schon wiederholt genannt worden ist und von dem auch ich vor allem reden werde. In Schaffhausen nennt sich die Neue Front NPS. Folglich stammt der von der Puk erwähnte Rapport eines kantonalen Beamten aus einem ändern Kanton. Darin heisst es zu einer Versammlung der Neuen Front: «Die Anwesenden haben sich immerhin befriedigt darüber gezeigt, dass wir uns Mühe neh- men, sie überhaupt anzuhören .... und nicht zuletzt ihnen et- was Geduld und auch teilweise Verständnis entgegenbrin- gen.» Ich finde es richtig, dass auch Rechtsextreme angehört wer- den. Auch sie haben das Rechtauf freie Meinungsäusserung. Auch für sie gilt, dass Freiheit immer auch die Freiheit der An- dersdenkenden ist. Das Verständnis der Polizei darf jedoch nicht so weit gehen, dass sie Gewalttaten der Rechtsextremen duldet und ihre Opfer abwimmelt, wenn sie Strafanzeige ein- reichen wollen. Im Oktober dieses Jahres erschien in der «Schaffhauser AZ» ein Interview mit dem Kommandanten der Kantonspolizei. Der Journalist stellte fest, dass in den letzten vier Jahren in Schaff- hausen mindestens vierzig Personen von rechtsradikalen An- greifern misshandelt worden sind, und erfragte, wieviele die- ser Angriffe angezeigt worden seien. Ich zitiere die Antwort: «Der Informationsdienst der Kantonspolizei hat mir 14 Anzei- gen seit 1985 gemeldet. In 10 Fällen konnten insgesamt 15 Tä- ter ermittelt werden. Die ganze Gewaltserie startete ja mit einer Kulturveranstaltung im Jahre 1985. Damals wurden drei Ver- letzte von der Stadtpolizei ins Kantonsspital verbracht, von Pri- vaten weitere drei Personen. Bei der Kantonspolizei ist damals keine einzige Anzeige eingegangen.» «Aufgrund des Wirbels», so fährt der Kommandant fort, «der um jene Ereignisse ge- macht wurde, hat die Kantonspolizei nachträglich von Amtes wegen gegen einen Beteiligten ermittelt.» Die Polizei ermittelte also erst, als sie durch die Oeffentlichkeit dazu gedrängt wurde. Und weshalb geht oft keine Anzeige ein? Die Opfer sind meist Jugendliche oder Ausländer. Zu den Sprachproblemen der Ausländer kommt die Angst vor Re- pressalien der rechtsextremen Schläger und die mangelnde Bereitschaft der Polizei, diesen Straftaten nachzugehen. Ich weiss von einem Mann, der von Skinheads angerempelt und in eine Schaufensterscheibe geworfen wurde. Die Polizei kam dazu, unternahm nichts und sagte dem Verletzten, es habe keinen Sinn, gegen Unbekannt Anzeige zu erstatten, er habe ohnehin keine Aussicht auf Schadenersatz. Aehnlich ging es13. Dezember 1989 N 2147 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion einem Schüler meiner Schule. Er wurde von einem Rechtsex- tremen mit einem Messer bedroht, von einem ändern von hinten auf den Kopf geschlagen und blieb benommen auf der Strasse liegen. Bei der Polizei wurde er gefragt, ob er seine Anzeige nicht lieber gerade wieder zurückziehen wolle, das täten die meisten. Ich habe Ihnen in der Puk-Debatte den Fall eines Mannes aus dem linken Umfeld dargelegt, der eine Stelle nicht be- kam, weil er bei der Sicherheitsüberprüfung durchfiel. Im Gegensatz dazu wurde ein Rechtsradikaler aus meinem Kan- ton bei der Zürcher Stadtpolizei angestellt. Diese sagte dazu: «Wenn wir Hinweise haben, dass sich der Bewerber rechts- oder linksextrem betätigt hat, wird er bei uns nicht einge- stellt.» Aber eben, im Falle der Rechtsextremen kommen mit dem Leumundsbericht keine Hinweise. Im betreffenden Fall hatte sich der Polizeirekrut öffentlich zur Neonazigruppe SSJ bekannt. Ein tadelloses Leumundszeugnis erhielt auch ein Mitglied der NPS. Der Mann wurde diesen Herbst zum Leutnant der Infanterie befördert. Die NPS ist aber eine Organisation, die vor Straftaten nicht zurückschreckt. Eines ihrer Mitglieder wurde dieses Jahr für zwei anonyme Bombendrohungen zu neunzig Tagen Gefängnis verurteilt. Ein anderer junger Mann schlug als Mutprobe für die Aufnahme in die NPS Fenster- scheiben im Embracher Flüchtlingsheim ein. Die kurze Redezeit erlaubt mir nicht, Ihnen weitere Aktionen der Rechtsextremen zu schildern. Ich möchte nur noch erwähnen, dass die Schaffhauser Kan- tonspolizei wiederholt einen PTT-Spätkurs überwachen musste, weil Rechtsextreme die Passagiere tätlich angriffen. Trotzdem hält der Kommandant der Kapo Linksextreme, von denen mir in Schaffhausen keine Gewalttätigkeiten bekannt sind, immer noch für gefährlicher als Rechtsextreme. Herr Bundesrat, auf die vorgesehene Weise kann kein objekti- ver Bericht über die rechtsextremen Umtriebe in der Schweiz entstehen. Da liefern Leute, die ein Auge zudrücken, Informa- tionen an die Bundesanwaltschaft, die auf demselben Auge sehbehindert ist: Was sie für Linksextremismus hält, ist seit Jahren schon so gründlich unter die Lupe genommen wor- den, dass viel zuviel Material dazu bei der Bundesanwalt- schaft liegt. Ein ausgewogenes Bild kann nur entstehen, wenn jetzt einmal unbehindert und unbefangen nach rechts geschaut wird. Scheidegger: Ich fasse mich kurz. Die Welt ist ja übervöl- kert von Wörtern, auch im Bundeshaus. Frau Diener hat richtig das Klima angesprochen, das politi- sche, gesellschaftliche Umfeld, in dem schliesslich Rassis- mus, Extremismus gedeihen können. Wollen Sie sich, Herr Rechsteiner, aus der Mitverantwortung für dieses Klima weg- stehlen? Fragen Sie sich heute abend spätestens vor dem Ein- schlafen, ob es angebracht ist, einige politische Gruppen, vor allem die FDP, für die ernstzunehmende und beängstigende Situation speziell verantwortlich zu machen? Es war einer Ihrer Bundesräte, der gesagt hat, dass man selbst nicht besser werde, wenn man andere schlechter mache. Ich nehme an, dass Sie einige Untersuchungen zu diesem schwierigen, komplexen Problem gelesen haben, dass Sie sich über die sozialpsychologischen, sozioökonomischen, politischen, kulturhistorischen Faktoren des Phänomens ei- nige Gedanken gemacht haben. Da§ würde es aber eigentlich verbieten, solche Vereinfachungen vorzunehmen. Sie wollen den Feuerwehrmann markieren und spielen den Brandstifter. Es gibt viel zu tun. Viele bürgerliche Politiker leisten an vorderr ster Front bereits heute im Bund, in den Kantonen und vor al- lem mit praktischer Arbeit in vielen Gemeinden viel gegen jene Umtriebe, wie wir sie heute im Bundeshaus diskutieren. Ein Lösungsansatz heisst doch auch praktizierte Toleranz anstatt Scharfmacherei. In dieser Beziehung haben wir noch dazuzu- lernen, auch hier im Bundeshaus. Und diese praktizierte Tole- ranz müssen wir nach aussen auch mit Taten, nicht nur mit Worten demonstrieren. Zu diesen Taten gehören leider auch Rechtsnormen. Frau alt Bundesrätin Kopp hat 1988 in diesem Saal versprochen, in diesem Zusammenhang eine Revision des Strafgesetzbuches zu unterbreiten. Ich bitte den Bundesrat, diese Revision zu be- schleunigen. Aber noch einmal sei zum Schluss festgestellt, dass dieses schwierige Problem nur zum kleinsten Teil mit neuen Rechts- normen zu lösen ist. Steffen: Ich wende mich an Herrn Rechsteiner. Ihre Toleranz hört dort auf, wo es um Ihren Kollegen Steffen und um die Na- tionale Aktion geht. Sie haben das vorhin erklärt. Ich finde, da fängt Extremismus an. Bei mir soll die Toleranz nie aufhören. Nicht Ihnen gegenüber, Herr Rechsteiner, und auch nicht Ihrer Partei gegenüber. Ich möchte nach dem Grundsatz handeln: Liebet eure Feinde und tut Gutes denen, die euch hassen. Und wenn man Ihr Votum zur Kenntnis genommen hat, so spürt man Ihren Hass. Hass gegen eine machtlose, kleine, unbe- queme Gruppe. Ich kümmere mich auch nicht um das von Ih- nen erwähnte seltsame Bundesgerichtsurteil vom Herbst 1987, das die Nationale Aktion und ihre Exponenten in einer Form von Sippenhaftung den linken Medien zum Frass vor- warf. Und das ausgerechnet zwei Wochen vor den National- ratswahlen: meiner Meinung nach ein Skandal, der seinesglei- chen sucht! Ich weise also, Herr Rechsteiner, Ihre Vorwürfe an die Natio- nale Aktion und an mich vehement zurück. Diese Partei be- steht seit 1961 und hat ihre Ziele zu jeder Zeit mit demokrati- schen Mitteln zu erreichen versucht. Sie distanziert sich seit eh und je von der Anwendung von Gewalt zur Erreichung politi- scher Ziele. Sie hat auch nie zu Gewalt aufgerufen. Sie wirft keine Farbbeutel, wirft keine Scheiben ein, vermummt sich nicht, ja sie demonstriert nicht einmal. Sie hat alle politischen Niederlagen in demokratischer Manier als Mehrheitsbe- schlüsse akzeptiert und nie versucht, einen Misserfolg um- zudeuten. Die NA hat keine Verbindungen zu gewalttätigen Organisationen. Sie schliesst Exponenten aus, welche die Ziele der Partei missachten, und zwar unter Beachtung demo- kratischer Spielregeln. Ich bitte Sie, diese Verteidigungsrede zugunsten meiner Partei wohlwollend zur Kenntnis zu neh- men. Nun einige Gedanken zum Thema Klima der Fremdenfeind- lichkeit. Seinerzeit wurde Alexander Hunziker, Direktor des Bundesamtes für Ausländerfragen, nach dem Ziel der Auslän- derpolitik des Bundesrates gefragt. Er erklärte, es sei dies das Gleichgewicht zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung. Auf die Frage, woran das ausgewogene Verhältnis zu erkennen sei, tat erfolgenden Ausspruch: «Man kann so lange von Gleichgewicht sprechen, als man keine übertriebenen Demonstrationen der Fremdenfeindlichkeit feststellt.» Heute müssen wir leider ein Ansteigen von bedauer- lichen Uebergriffen gegen Ausländer feststellen. Ich schliesse daraus, dass das Gleichgewicht zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung gestört ist. Wäre ich Bundesrat, würde ich meinen Kollegen in Partei und Rat drin- gend eine Begrenzung der Einwanderung und eine Revision des Asylgesetzes als Massnahmen zum Abbau der Spannun- gen vorschlagen. Noch einige Gedanken, die ich unter das Motto «Medien als Motor» stellen möchte. Das Milieu und Klima für fremdenfeind- liche Ausbrüche kann bewusst oder unbewusst geschürt wer- den. Ich erwähne zwei Fälle, die Ihnen bekannt sein dürften. Erstens: In Zürich wird ein Brasilianer von einem Skinhead schwerverletzt. Aufschrei der Medien, unter den Stichworten «Fremdenhass» und «Rassismus». Später dann die Feststel- lung der Behörden: Der Täter ist ein arbeitsscheuer Franzose. Zweitens: Ermordung des kurdischen Asylbewerbers in Frei- burg. Reaktionen in obigem Sinn, Erklärungen von zwei Natio- nalratspräsidenten unter den Stichworten «Rassismus» und «Fremdenfeindlichkeit». Jetzt ist uns bekannt, dass es wegen einer Dirne zum Streit gekommen ist. Missverstehen Sie mich nicht: Ich will diese Anschläge keines- wegs beschönigen, im Gegenteil, sie treffen mich so tief wie Sie. Aber ich warne Sie, Herr Bundesrat, Herr Ratspräsident, Sie, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, und mich selber: Wir dürfen uns als Politiker nicht durch Medien- schlagworte zu Reaktionen verführen lassen, die wir im nach- hinein bedauern und lieber ungeschehen machten. Wir müs-Interpellation urgente du groupe socialiste 2148 N 13 décembre 1989 sen doch mindestens das kriminalpolizeiliche Ermittlungsver- fahren abwarten, um dann unsere Stellungnahme abzuge- ben, sonst giessen wir Oel ins Feuer und heizen so die Ausein- andersetzungen um Rassismus und Fremdenhass zusätzlich an. Die Demonstrationen von zwei entgegengesetzten Lagern in Freiburg mögen diese Feststellung untermauern. Zum Schluss: Ich glaube nicht, dass gehässige Diskussionen um dringliche Interpellationen uns in der Sache weiterhelfen; es müssen Massnahmen eingeleitet werden. Die Postulate Grendelmeier, Reimann Maximilian und Steffen dürften eine Massnahme des Bundesrates auslösen! Frau Bäumlin Ursula: In meiner Fiche sind drei Einträge von 1987: der erste zu meiner Forderung nach einer menschlichen Asylpolitik; der zweite zu meinem Widerstand gegen Atom- staat und Atomkirche; der dritte zu meiner Teilnahme an der Antirassismusdemonstration in Langenthal ein paar Tage vor meiner ersten Session in diesem Hause. Diese Demo hatte eine sehr interessante Begleiterscheinung. Die Gemeinde Langenthal versuchte, den Organisatoren die Rechnung für die Polizeipräsenz an der Demo zur Sicherung der Demon- stration aufzubrummen. Das Demonstrationsrecht darf jedoch nicht mit Kosten dermassen eingeschränkt werden, dass De- monstrationen nicht mehr durchführbar sind. Dieser behördli- che Angriff auf das Demonstrationsrecht gelang nicht. Kürz- lich jedoch ist auch eine Demo gegen Rassismus in Freiburg abgeschreckt worden, und zwar mit einem, wie sich später herausstellte, falschen Telefonanruf aus einer Phantompoli- zeistation aus dem Wallis, es seien bewaffnete Skinheads in Freiburg zu erwarten, wenn die Demo durchgeführt werde. Hinter solchen Vorgängen steht meiner Meinung nach die weitverbreitete Ansicht, ein Sich-Wehren gegen rassistische, rechtsextreme Auftritte schaukle den Konflikt empor- und da- mit auch Rassismus und Rechtsextremismus. Oft wird auch ar- gumentiert, es sollte diesen rassistischen Strömungen gar nicht Gelegenheit gegeben werden, sich in Szene zu setzen, dann würden sie von selbst verschwinden. Als ob das so ein- fach wäre, besonders wenn honorige und einflussreiche Schweizer Bürger (auch aus Ihrer Partei, Herr Seiler, leider!) gezielt mit der Fremdenangst operieren. Ich zitiere aus dem Oktober-Papier der AUNS: «Die Zeit ist da, im Flüchtlingswe- sen den Notstand auszurufen und die Vollzugspraxis rigoros anzuwenden. Alle Kirchenbesetzer müssen unverzüglich aus- gewiesen werden, ebenso alle Asylanten, die streiken, de- monstrieren, Flugblätter verteilen usw. Noch kurz an Politiker und Behörden: Handeln Sie schnell, bevor sich die angestau- ten Gefühle der bis anhin geduldigen schweigenden Mehrheit unseres Volkes explosionsartig entladen!» Warum sollten sich diese Gefühle unserer geduldigen schweizerischen Mehrheit entladen? Das hänge damit zusammen, dass «der Druck die- ser Ueberbevölkerung von den unterentwickelten Ländern auf die Industriestaaten immer grösser wird», und das sei eben- falls niemandes Sorge in diesem Saal, «obwohl der Zustrom von immer mehr arbeitslosen Leuten unter dem Titel 'Flücht- ling' eigentlich ein Warnsignal sein sollte». Dadurch, und nicht nur dadurch, müssen sich doch Rassisten - und mit ihnen er- fahrungsgemäss im ständigen Verein Rechtsextremisten -voll bestätigt und zu ihren Auftritten legitimiert fühlen. Ich hoffte eigentlich, dass wir hier im Parlament das Problem vertiefen könnten. Leider hat bereits Herr Eggly mich wieder eines anderen belehrt, und Herr Couchepin hat ihn bestätigt und unsere Interpellation und die Fraktionserklärung von Paul Rechsteiner der politischen Propaganda verdächtigt. Aber we- der Verdrängen noch Beschuldigen bringt etwas. Ganz sicher bringt auch das Verweisen auf das andere Extrem nicht mehr als heuchlerische Ausgewogenheit. Ich möchte noch etwas zu Frau Nabholz sagen, aber sie ist jetzt leider nicht mehr da. Ich glaube, wir müssen die Ränder unserer Gesellschaft so in unsere Arbeit und Debatten hinein- nehmen, dass sie eben nicht alleingelassen werden und den Aufhetzern anheimfallen, und so, dass sie ihre Angst nicht in Hass ausarten lassen müssen. Das ist nicht einfach, das weiss ich. Aber es ist wohl unsere Aufgabe, und zwar in allen Ge- schäften und nicht nur jetzt in dieser Debatte. Cincera: Herr Rechsteiner hat ziemlich zu Beginn seines Vo- tums einen sehr bemerkenswerten Satz gesagt. Er erklärte, die Toleranz der Demokratie hätte beim Rechtsextremismus aufzuhören. Dieser Satz stimmt nur zur Hälfte. Sachlich wert- frei und dann eben auch als politischer Grundsatz verwendbar müsste er eigentlich lauten: Die Toleranz der Demokratie hat bei jeder Form von politischem Extremismus aufzuhören; denn der politische Extremismus ist genau jene Grenze, hinter welcher politische Tätigkeiten nicht mehr als Opposition aner- kannt werden können, weil die Spielregeln verletzt werden. Deshalb muss gegen diesen politischen Extremismus zum Schütze der offenen Gesellschaft eingeschritten, müssen Massnahmen getroffen werden. Herr Rechsteiner hat dann noch eine zweite Feststellung ge- macht. Er sprach davon, dass rassistische und rechtsextreme Gruppen die Wut gewisser Leute aufstacheln würden, damit diese sich dann gegen andere wende. Wut aufzustacheln, Herr Rechsteiner, ist die Taktik eines jeden politischen Extre- mismus, immer in einer sehr frühen Phase, weil das seine Vor- aussetzung ist, dass er dann überhaupt wirksam werden kann. Nun ist es richtig, dass auch in der Schweiz seit ungefähr den letzten zehn Jahren immer wieder rechtsextreme - neue und alte - Gruppen und Organisationen tätig wurden. Es stimmt auch, dass rechtsextreme Gruppen recht rasch zur Gewalt greifen. Der Rechtsextremismus stützt sich ja auf die Theorie der falschen Rassenzugehörigkeit ab, und wenn man diese Theorie gutheisst, dann ist man immer in der Gefahr, dass man den Kampf gegen diese falsche Rasse eben mit Gewalt führt. Im Gegensatz dazu stützt der Linksextremismus seine Theo- rien auf die Idee der falschen Klassenzugehörigkeit ab. Es stimmt auch, dass diese rechtsextremen Gruppen in der Schweiz immer wieder mit ausländischen Gruppierungen in Kontakt stehen, gemeinsame - mindestens verbale - Aktionen durchführen, und es ist selbstverständlich, dass wir alle diese Aktivitäten aufs schärfste verurteilen. Das heisst aber nicht, dass es deswegen nicht auch andere Formen des Extremismus gibt oder dass diese jetzt plötzlich von der Bildfläche verschwunden wären. Wir haben nach wie vor in der Schweiz Organisationen z. B. aus dem kurdischen Bereich - die terroristische kurdische Arbeiterpartei, AKP - und aus dem palästinensischen Bereich, und wir kennen nach wie vor die Tätigkeiten und Ausläufer linksextremer und anar- chistischer europäischer Terrorgruppen. Herr Rechsteiner, was Sie alles in den Topf des Rechtsextre- mismus zu werfen versuchten, ist geeignet, den eigentlichen Rechtsextremismus gerade wieder zu verharmlosen. Das hat denn auch dazu geführt, dass wir hier anstatt einer Grundsatz- debatte über die politischen, meinetwegen auch philosophi- schen, gesellschaftlichen Erscheinungen des Rechtsextre- mismus im Grunde genommen die Fortsetzung der Puk- Debatte und den Beginn einer neuen Asyldebatte führen. In der Frage der Politik gegenüber Südafrika anderer Meinung zu sein als Sie, Herr Rechsteiner, gehört vorläufig noch zu den Freiheitsrechten in diesem Lande, sofern man sich an die de- mokratischen Spielregeln hält. Zurück nun zu den extremistischen Umtrieben. Um sie zu ver- hindern, braucht es Staatsschutz. Genau diesen Staatsschutz wollen Sie ja als Folge der Puk-Debatte jetzt vollständig de- montieren. Ich glaube, wir täten gut daran, aus der Puk- Debatte die Lehren zu ziehen, damit unser Staatsschutz- reor- ganisiert, effizient mit modernen Mitteln ausgerüstet - auch in der Lage ist, den rechten Extremismus schon in einer frühen Phase zu verhindern und nicht erst dann eingreifen zu müs- sen, wenn die Verbrechen und die Untaten schon geschehen sind. Maeder: Obwohl ich im Archiv von Herrn Cincera und auf der Fiche der Bundesanwaltschaft als Linker und potentieller Staatsfeind geführt werde, will ich nicht über Links- oder Rechtsextremismus reden, sondern über Fremdenfeindlich- keit und Rassismus. Ich habe in den letzten Tagen in der Ver- wandtschaft Erlebnisse gehabt, die mich sehr bedrücken. Wir sind ja sonst ein weltoffenes Volk, wir reisen in der ganzen Welt herum, wir sind stolz, wenn die Swissair weit über hundert De-13. Dezember 1989 N 2149 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion stinationen anfliegt. Wir reisen zu Hunderttausenden an alle warmen und weniger warmen Meere, wir sind weltoffen, wir zeigen uns dort gerne auch mit den Farbigen. Wir lassen uns fotografieren oder fotografieren Negerli oder andere Farbige, wir finden das sehr schön. Aber was passiert, wenn nun solche Farbige, nicht etwa in grosser Zahl, Hunderte von Tamilen, Asylanten, sondern ein- zelne Farbige in die Schweiz einreisen? Was passiert mit ih- nen? Wie erleben sie die Schweiz? Ich habe einen farbigen, einen sehr dunkelhäutigen Schwie- gersohn, Ali Hassan Manik aus Male (Malediven). Vor acht Jahren hat er meine älteste Tochter Sabina geheiratet, und ich muss sagen: Er ist ein wunderbarer Schwiegersohn; ich bin stolz auf ihn, er ist ein herrlicher Mann und ein sehr liebevoller Vater. Dieser Ali ist nun vergangenen Donnerstag mit einem gültigen Reisepass, mit einem Visum, mit genügend Devisen- alles vollkommen in Ordnung - in die Schweiz eingereist. Er sieht auch nicht wie ein Strolch aus. Aber obwohl er jetzt be- reits zum achten Mal in die Schweiz einreist, um hier die Fami- lie zu besuchen, wird er im Flughafen Zürich wie ein Schwer- verbrecher empfangen. Also da landet der Airbus der Baiair, 249 frischgeröstete Schweizer - aus Male kommend - steigen aus, passieren die Kontrollen, haben nicht die geringsten An- stände mit ihrem Gepäck, und jetzt kommt dieser 250ste Flug- gast, das ist nun mein Schwiegersohn Ali. Dann braucht er we- nigstens eine halbe Stunde, um dort die Kontrollen zu passie- ren. Man nimmt ihm die Richtigkeit seines Passes nicht ab, es werden andere Beamte aufgesucht, es wird irgendwas in Computer getippt usw. Man glaubt ihm nicht, dass er ein an- ständiger Mensch ist und ganz einfach seine Familie besu- chen will. Wenn er nach 20 Minuten oder einer halben Stunde die Polizeikontrolle passiert hat, kommt er zur Gepäckkon- trolle. Dort, wo 249 Schweizer problemlos vorbeigelaufen sind, wird er richtiggehend gefilzt. Die geheimsten Nähte und Täschchen seines Reisegepäcks werden da aufgestöbert. Also: Er kommt als hochanständiger Mann, als Ausländer mit dunkler Hautfarbe, in die Schweiz jjnd wird empfangen und behandelt wie ein übler Rauschgifthändler, wie irgendein Schurke oder Ganove. Das ist Rassismus, Rassismus am Flughafen Zürich, und ich schäme mich, ich schäme mich manchmal in Grund und Boden, in einem solchen Land zu le- ben, wo Polizeibeamte, Schalterbeamte oder Zöllner ganz ein- fach Rassisten sind. Noch ein zweites kleines Müsterchen soll diese Aufzählung abrunden: Im Herbst vor einem Jahr war dieser Ali auch in St. Gallen und musstefolgende Erfahrung machen: Bestieg er den Bus mit Frau und Kind, keine Probleme. Stand er allein an der Bushaltestelle, hielt der Bus nie. Ein einziges Mal kann das ja ein Versehen sein, der Buschauffeur hat ihn nicht beachtet. Aber es ist ihm immer wieder passiert - das ist Rassismus, Rassismus in St. Gallen! Ein kleiner Buschauffeur, städtische Beamte, kantonale Beamte, Bundesbeamte, die einen Auslän- der, der nichts von uns will, der uns nicht berauben will und bestehlen will, der nur hier seine Familie besuchen will, so be- handeln. Ich glaube, das sind doch Zeichen von Rassismus, die sehr, sehr bedenklich sind. Es muss ja nicht immer gleich Mord und Totschlag sein. Diese Gesinnung, finde ich, gehört ausgerot- tet. Stucky: Ich möchte Ihnen - Herr Bundesrat - vor allem zuerst einmal danken, dass Sie bereit sind, die kantonalen Schutz- massnahmen für Unterkünfte der Asylsuchenden zu koordi- nieren. Es ist dies eine Notwendigkeit, die wir im Kanton Zug erfahren mussten; wir sind bekanntlich Ziel von Aktionen der Patriotischen Front gewesen. Wir haben einige Erfahrungen gemacht, u. a., dass das Abwehrsystem verstärkt werden muss, ferner dass Rechtsextremismus und Rassismus nicht auf die leichte Schulter genommen werden dürfen. Analysiert man die Vorgänge von Steinhausen, so kann man folgendes feststellen: 1. Die Polizei hat einen Fehler gemacht, aber von Liebäugeln der Zuger Polizei mit der Patriotischen Front kann keine Rede sein. 2. Wir mussten als Provisorium einen Stacheldrahtziehen, der übrigens seinen Zweck bei einer weiteren Aktion erfüllt hat. Aber es ist klar, dass dieses Provisorium durch einen Ma- schendraht ersetzt werden muss. Es ist dies ein Uebel, aber immer noch ein kleineres Uebel als die Schutzlosigkeit. 3. Die Vorfälle wurden leider in einer gewissen Presse auf- gebauscht. Das hat nur zur Publizität für die Patriotische Front, zu einer Einladung für weitere Aktionen geführt. 4. Die Patriotische Front hat einen harten Kern mit einer ideolo- gischen Ausrichtung, einer allerdings wirren, aber mit neona- zistischen Inhalten. Um diesen Kern herum - das eine weitere Feststellung - scharen sich erstens einmal Jugendliche, die die Provokation und Aktionen suchen - man kann von Schlä- gertypen reden -, und dann auch Mitläufer, hauptsächlich Gegner der Asylpolitik, die ihren Aerger auf die Asylsuchen- den projizieren. Will man nun dieser Situation begegnen, so ist gegenüber Rechtsextremisten genauso die Rechtsordnung aufrechtzuer- halten und durchzusetzen wie gegenüber Linksextremisten. Gewalt und Liebäugeln mit Gewalt respektive revolutionärer Umwälzung können und wollen wir von keiner Seite hinneh- men. In diesem Zusammenhang, Herr Bundesrat, würde mich noch eine Frage interessieren, auch zuhanden des Berichtes, den Sie abfassen müssen: woher die Finanzen bei diesen Fronten und Bewegungen kommen. Ich schliesse auch die Frage nach der Finanzierung des Hetzblattes «Der Eidge- noss»ein. Auch bei den gewalttätigen Jugendlichen gilt es, das Recht anzuwenden. Das gilt nicht nur für die rechtsextremen Schlä- gertrupps, sondern auch für die Chaoten oder die sogenann- ten «Glaser» in Zürich. Es kann nicht angehen, polizeilich mit der Begründung nicht einzugreifen, es liege ja nur eine Sach- beschädigung vor. Das gilt sowohl für das Heim in Steinhau- sen oder an anderen Orten wie für die Zürcher Bahnhof- strasse. Der schwierigste Teil liegt eindeutig darin, dieasylantenfeindli- chen Mitläufer von den Neonazi-Ideologen zu trennen; ihnen einerseits deutlich zu machen, wie inhuman ihre Haltung ge- genüber den Asylsuchenden ist und wie antidemokratisch es ist, den neonazistischen Schalmeien nachzulaufen, anderer- seits aber ihnen unsere Asylpolitik plausibler zu machen. In diesem Zusammenhang erinnere ich daran, dass die FDP- Fraktion schon vor Jahren vorgeschlagen hat, präventive Massnahmen in den Heimatstaaten der Asylsuchenden zu fi- nanzieren, damit die moderne Völkerwanderung in unser Land erst gar nicht eintritt. Vielleicht ist auch unsere Entwicklungshilfepolitik diesbezüg- lich zu überprüfen. Zum Schluss: Wenn wir rechtsextreme Tendenzen bekämpfen wollen, dürfen wir die Auseinandersetzung nicht in die partei- politischen Niederungen, wie das heute hier geschehen ist, hinabzerren. Einige Redner haben schon darauf hingewiesen. Ich will nur daran erinnern, dass genau dieser Fehler vor sieb- zig Jahren in der Weimarer Republik begangen worden ist und dann die Rechtsextremen im Kampf gegen die Linksextremen die Mitte aufgerieben haben. Persönliche Erklärung - Déclaration personnelle Seiler Rolf: Ich bin Personalvertreter. Ich vertrete Eisenbah- ner, Buschauffeure, Zöllner, Grenzwächter und Festungs- wächter. In dieser Eigenschaft macht mich das Votum von Herrn Maeder betroffen. Ich glaube, so geht es auch nicht. Bei allem Verständnis für seinen Aerger, den er mit diesen Leuten hat, die seinen Schwiegersohn nicht so behandeln, wie er das erwartet und eigentlich verdient, muss ich die Verallgemeine- rungen gegenüber all diesen Beamten, die er aufgeführt hat, in aller Form zurückweisen. Ich bitte Sie auch um Verständnis. Braunschweig: Herr Bundesrat Koller, ich erwarte von Ihnen einen Bericht, der auch wissenschaftlichen Ansprüchen genü- gen sollte. Sie bringen die Voraussetzungen dafür mit. Aber ich befürchte, dass wir einen Feld-, Wald- und Wiesenbericht erhalten werden.Postulat Steffen 2150 N 13 décembre 1989 Das Postulat von Frau Grendelmeier «Rechtsextreme Um- triebe in der Schweiz» verlangte über dieses Thema einen Be- richt. Nun nehmen Sie - für mich unbegreiflich - als Zusatz ein Postulat an, das verlangt, links- und rechtsextreme sowie reli- giös motivierte Aktivitäten von Schweizern und Ausländern in der Schweiz seien zu untersuchen und eine Erfassung des po- litischen Terrorismus sei vorzunehmen. Im folgenden Absatz geht die Aufzählung noch weiter. Ich meine: Seriös kann man darüber nicht berichten. Das wird ein Sammelsurium von Platitüden geben, wenn Sie nicht be- reit sind, sich auf ein Thema zu konzentrieren, nämlich auf das Thema, das in den letzten Jahren vernachlässigt worden ist und das heute von besonderer Aktualität ist: die rechtsextre- men Umtriebe in der Schweiz. Ich erwarte von Ihnen eine geschichtliche Darstellung, auch psychologische, soziologische und vor allem wirtschaftliche Ueberlegungen. Das haben andere auch schon gesagt. Wenn Sie dem gerecht werden wollen, dann können Sie nicht gleich- zeitig über vier oder fünf verschiedenartige Bewegungen und Erscheinungen der letzten Jahre berichten. Das wäre unse- riös, unwissenschaftlich. Ich erinnere Sie daran: Seit 15 oder 20 Jahren sprechen wir in diesem Saal und draussen regelmässig von Terrorismus. Diese Diskussion hat in den letzten Jahren in unserem Land keinen Fortschritt erzielt, und zwar deswegen nicht, weil wir immer im Allgemeinen steckengeblieben sind. Wir haben uns nicht einmal darum bemüht - mit einer oder zwei Ausnahmen auch heute in dieser Diskussion nicht-, zu unterscheiden zwi- schen den Formen des Terrorismus in der Bundesrepublik Deutschland, in Italien, bei den Basken, in Nordirland oder in Palästina. Daneben gibt es auch eine andere Systematik. Wenn wir das Phänomen nämlich ernst nehmen wollten, dann müssten wir nach den Motiven fragen: Ist der Beweggrund eine persönliche Rache? Eine persönliche Verbitterung? Ist der Terrorismus System? Ist er Staatsterrorismus? Oder ist er individuell? Ist er die Folge einer falschen geschichtlichen Lö- sung, die einmal getroffen worden ist? Das sind Fragen, die wir beantworten müssten. Wenn wir dar- auf eine Antwort bekämen und darüber reden könnten, dann würden uns Bericht und Diskussion weiterführen. Aber wenn wir nur alles über Gott und die Welt zusammenfassen, dann wird es zu gar nichts führen, wird im Unverbindlichen bleiben, etwa so, wie es heute auch geheissen hat: «Les extrêmes se touchent». Dieser Satz kommt seit Jahrzehnten immer wieder und sagt eigentlich nichts aus; auch das Bild vom Pendel - eine Leerformel, ein schönes Bild - sagt nichts aus, hilft uns politisch nicht, führt uns nicht weiter. Ich bitte Sie, Herr Bundesrat Koller, sich um einen konzentrier- ten Bericht zu bemühen. Das hätte zur Folge, dass Sie sich auf ein Thema konzentrieren, das Rundumschlag-Postulat ableh- nen und uns in dieser Sache eine gründliche Arbeit liefern müssten. Darum bitte ich Sie. / Bundesrat Koller: Ich kann mich kurz fassen, zumal ich jenem Bericht nicht vorgreifen möchte, den wir Ihnen erstatten wer- den. Dieser wird mit der nötigen Gründlichkeit ausgearbeitet werden und, wie ich schon gesagt habe, alle Formen des Ex- tremismus umfassen. Denn ich verstehe eigentlich nicht, wie man angesichts des grossen Problems, das der Extremismus in allen seinen Formen darstellt, diesen nun zum Gegenstand parteipolitischer - ich muss das harte Wort brauchen - Spie- gelfechterei machen will. Extremismus und Gewaltanwen- dung sind dafür eine zu ernste Angelegenheit. Wenn auch im Bericht der Parlamentarischen Untersuchungs- kommission der Bundesanwaltschaft Einäugigkeit vorgewor- fen worden ist, wäre es doch eindeutig falsch, wenn wir nun in eine neue, in eine andere Einäugigkeit verfallen würden. Es gibt meiner Meinung nach nur eine Möglichkeit, dieses ganze Problem des Extremismus und der Gewaltanwendung in der Politik einheitlich anzugehen, und ich versichere Sie, dass wir das gründlich tun werden. Im übrigen darf ich all jene, die Befürchtungen geäussert ha- ben, der Bundesrat vertröste wiederum auf spätere Zeiten, darauf aufmerksam machen, dass die von Herrn Kollega Fel- ber und mir unterschriebene Botschaft betreffend Unterzeich- nung und Ratifikation dieses Uno-Abkommens auf der Basis einer Ergänzung unseres Strafgesetzbuches beim Bundesrat liegt, so dass Sie wirklich damit rechnen können, dass sie An- fang nächsten Jahres in Vernehmlassung geht. Aber erwarten Sie bitte von neuen strafrechtlichen Normen keine Wunder. Mit strafrechtlichen Normen allein sind noch nie gesellschaftspoli- tische Probleme gelöst worden. Viel entscheidender ist doch, in welchem Geist wir die grossen anstehenden Probleme an- gehen, die wir tatsächlich zu lösen haben. In diesem Zusam- menhang erlauben Sie mir noch ein Wort zur Asylpolitik. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir uns in bezug auf die Asylpolitik in einer sehr schwierigen Phase befinden. Die Briefe von Verantwortlichen in den Kantonen und aus den Ge- meinden mehren sich, in denen sie mir erklären, sie seien an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt und wüssten nicht mehr weiter. Und wie Sie wissen, hat der Bundesrat als wichtigste Massnahme in Aussicht gestellt, dass wir Ihnen demnächst ein neues beschleunigtes Asylverfahren unterbrei- ten, das uns erlauben muss, diese wichtige Triage zwischen den politischen Flüchtlingen und jenen, die in unserm Land Arbeit und bessere Lebensbedingungen suchen, viel, viel ra- scher vorzunehmen. Ich habe zu diesem Zweck eine Exper- tenkommission beauftragt, ein Verfahren auszuarbeiten, bei dem ein rechtskräftiger Entscheid über das Gesuch eines Asylbewerbers spätestens drei bis vier Monate nach seiner Einreise vorliegt. Da möchte ich Sie, Herr Nationalrat Rechsteiner, nun schon ganz persönlich bitten, dieses neue beschleunigte Asylverfah- ren nicht schon wieder zu diffamieren, bevor Sie es überhaupt gesehen haben, denn es ist mir wirklich ernst. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses neue beschleunigte Asylverfah- ren unsere letzte Chance ist, um in Zusammenarbeit mit dem Parlament und nötigenfalls mit dem Volk - wenn das Referen- dum ergriffen würde - die schwerwiegenden Probleme der Asylpolitik demokratisch zu lösen. Noch eine abschliessende Bemerkung. Ich glaube, die Ge- schichte lehrt uns doch eines: Ein Volk hat nur eine Chance, mit dem Extremismus fertig zu werden, wenn alle demokrati- schen Kräfte dieses Volkes zusammenrücken und sich von Ex- tremismus und Gewalt jeder Form und jeder politischen Ob- servanz klar distanzieren. Dazu rufe ich Sie auf! #ST# 89.678 Postulat Steffen Extreme Umtriebe in der Schweiz Organisations extrémistes en Suisse Wortlaut des Postulates vom 6. Oktober 1989 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat Grendelmeier 89.533 vom 22. Juni 1989 entgegenzunehmen. Jener Vorstoss beschäftigt sich sehr einseitig mit der rechtsex- tremen gewalttätigen Szene und mit neonazistischen Umtrie- ben. Nötig wären aber Abklärungen und Auskünfte über links- und rechtsextreme sowie religiös motivierte Aktivitäten von Schweizern und Ausländern in der Schweiz und eine Erfas- sung des politischen Terrorismus. Der Bundesrat wird ersucht, dem Parlament einen Bericht über Anwesenheit, Organisation, personelle Zusammenset- zung und Aktivitäten von staatsgefährdenden und gewalttäti- gen Organisationen und Gruppen in der Schweiz zu unterbrei- ten. Dabei sollen die Verflechtung mit anderen in- und auslän- dischen politischen und religiösen Gruppierungen wie auch allfällige Verbindungen zu ausländischen diplomatischen Ver- tretungen zur Darstellung gebracht werden.Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion Rassismus und Rechtsextremismus in der Schweiz Interpellation urgente du groupe socialiste Racisme et mouvements d'extrême-droite In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1989 Année Anno Band V Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 12 Séance Seduta Geschäftsnummer 89.710 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 13.12.1989 - 15:00 Date Data Seite 2134-2150 Page Pagina Ref. No 20 018 069 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.