B. Gerichtsentscheide 3570 61 2. Zivilrecht 3570 Urteilsänderung. Gemäss der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts kann sich die neue Ehefrau bei bestehenden Kinderbetreuungspflichten nicht auf die bei Scheidung einer lebensprägenden Ehe entwickelten Grundsätze zur Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit berufen (Art. 286 Abs. 2 ZGB). Sachverhalt: Die Parteien heirateten im Jahre 1996. Der Ehe entsprossen die gemei n- samen Kinder A., geb. 1997, B., geb. 1998 und C., geb. 2000. Die Ehegatten wurden mit Urteil des Bezirksgericht s Zürich vom 17. August 2004 geschi e- den. Der Vater X. wurde verpflichtet, der Mutter Y. an den Unterhalt der drei bei ihr lebenden Kinder monatliche Unterhaltsbeiträge zu bezahlen. Am 27. Juni 2009 hat X. wieder geheiratet und mit seiner zweiten Ehefrau di e Tochter D., geb. 2010. Sie erwarten weiteren Nachwuchs. Aus den Erwägungen: Aufgrund der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts stellt sich die Frage, ob es der heutigen Ehefrau von X. zugemutet werden kann, ihren Ehemann mit der Aufnahme einer Erwer bstätigkeit in der Erfüllung seiner U n- terhaltspflichten zu unterstützen. Das Bundesgericht hielt dazu in sei nem Ur- teil 5A_241/2010 , E. 5, fest, dass die bei Scheidung einer lebensprägenden Ehe entwickelten Grundsätze zur Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkei t bei b e- stehenden Kinderbetreuungspflichten nicht auf Zweitehen übertragen werden könnten. Der neuen Ehefrau könne gerade deshalb z ugemutet werden, ihren Ehegatten in der Erbringung seiner Unterhaltsleistungen zu unterstützen, weil sie ihn in Kenntnis der Unterhaltsverpflichtung geheiratet habe. In jenem En t- scheid – das Kind war knapp 2 -jährig – führte das Bundesgericht indessen aus, dass der Beschwerdeführer voll erwerbstätig sei und damit seine Ehefrau in der Kinderbetreuung nicht unterstützten könne, we shalb seiner Ehefrau grundsätzlich nicht zumutbar sei, bereits ab dem 2. Lebensjahr des Kindes ei- ne Teilzeitarbeit von 40 % aufzunehmen (siehe auch Thomas Gabathuler, Neue Familienlasten und Scheidungsunterhalt, in: Praxismagazin des B. Gerichtsentscheide 3571 62 Schweizerischen Anwalt sverbandes, Anwaltsrevue 4/2011, S. 179 ff.; Urteil BGer 5A_272/2010, E. 4.4). X. hat mit seiner zweiten Ehefrau das gemeinsame Kind D., das heute 20 Monate alt ist. In Berücksichtigung des Alters von D. und de m naturgemässen Grundbedürfnis eines Kleinkind es nach einer stabilen Betreuung durch mi n- destens einen Elternteil ist nach Ansicht des Obergerichts der heutigen Eh e- frau von X. zurzeit keine Erwerb stätigkeit zumutbar. Eine Aufnahme einer ausserhäuslichen Tätigkeit dürfte ihr jedoch – im Sinne der vorer wähnten Rechtsprechung – in absehbarer Zeit, sicher aber vor dem 10. Altersjahr des Kindes D., zumutbar sein. Dies ist nicht zuletzt angesichts der enormen A n- strengungen von Y., ein Einkommen zur Deckung ihres eigenen Lebensu n- terhaltes und desjenigen der drei Kinder zu erzielen, angebracht und zumu t- bar. Einer Wie deraufnahme der Erwerbstätigkeit der zweiten Ehefrau werden zweifellos die in den letzten Jahren unternommenen grossen Anstrengun gen zur Verbesserung der Ver einbarkeit von Beruf und Familie, konkre t mit der Schaffung von ausserfamiliären Betreuungsplätzen (Kinderkrippen, Mittag s- tisch, schulergänzende Betreuungsangebote etc.) entgegenkommen. OGer, 25.10.2011 Auf eine gegen diesen Entscheid gerichtete Beschwerde in Zivilsachen ist das Bundesgericht mit Urteil vom 10. Mai 2012 (5A_273/2012) nicht eingetreten. 3571 Ermittlung des Parteiwillens (Art. 18 OR). Vorvertrag (Art. 22 OR). Sind in einem Vorvertrag bereits alle objektiv und subjektiv wesent lichen Punkte en t- halten, so bedarf es keines Hauptvertr ages mehr. Es kann die vereinbarte Leistung gestützt auf den Vorvertrag eingeklagt werden. Sachverhalt: Die Parteien waren beide Aktionäre der X. Spezialitäten AG (nac hfolgend „AG“), sowie Gesellschafter der Y. Spezialitäten GmbH (nachfolgend „GmbH“). Dies e Verflechtung sollte aufgehoben werden, weshalb sie am 29. Oktober 2009 eine „Absichtserklärung (Vorvertrag über den Abschluss e i- nes Aktienkaufvertrags“; nachfolgend „Absichtserklärung“) unterzeichneten. Danach sollten sämtliche Aktien der AG auf den Bekl agten und sämtliche An- teile an der GmbH auf den Kläger übergehen. Strittig ist, ob die in der A b- sichtserklärung vereinbarten Zahlungen mit Ablauf der dafür vereinbarten Zahlungsdaten fällig geworden sind. Dies ist dann der Fall, wenn die A b- sichtserklärung auch beim Fehlen eines separaten Aktienkaufvertrages als Grundlage geeignet ist, das Verpflichtungsgeschäft zwischen den Pa rteien zu