<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 17 S.68</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">68</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>17</b></span> <span class="ft2"><b>§ 125 ZPO.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Nachweis der Steuerschuldzahlungen. Steuerschulden können bei der Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rechnung des Existenzminimums nur berücksichtigt werden, sofern re-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gelmässige Zahlungen belegt sind. Dies gilt sowohl für alte als auch für</b></span><br/> <span class="ft2"><b>aktuelle Steuerschulden. Einer anwaltlich vertretenen Partei ist indessen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>keine Nachfrist zur Einreichung entsprechender Belege anzusetzen, da</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ein Anwalt weiss oder wissen muss, dass er sämtliche Behauptungen bele-</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">69</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>gen und deshalb für alle von seiner Partei geltend gemachten Beträge un-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>aufgefordert Belege einzureichen hat.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 24. September</span><br/> <span class="ft3">2002 in Sachen B. W.-K.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. b) Die Gesuchstellerin verlangt die Berücksichtigung von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 500.-- pro Monat zur Vornahme von Rückstellungen für Steuern,</span><br/> <span class="ft1">ohne weder die Höhe der Steuerpflicht noch eigene Zahlungen zu be-</span><br/> <span class="ft1">legen. Nach bisheriger Praxis wurde der aktuellen Steuerbelastung</span><br/> <span class="ft1">der gesuchstellenden Partei mit einem angemessenen Betrag Rech-</span><br/> <span class="ft1">nung getragen, ohne dass der Nachweis regelmässiger Zahlungen</span><br/> <span class="ft1">verlangt wurde. Im Sinne einer Präzisierung der Praxis werden künf-</span><br/> <span class="ft1">tig Rückstellungen für Steuern nur noch in die Berechnung des er-</span><br/> <span class="ft1">weiterten Existenzminimums einbezogen, wenn die regelmässige</span><br/> <span class="ft1">Zahlung der bisherigen Steuern belegt ist. Damit werden sie der Pra-</span><br/> <span class="ft1">xis betreffend die Berücksichtigung von Abzahlungen von früheren</span><br/> <span class="ft1">Steuerschulden gleichgestellt, die schon bisher vom Nachweis bereits</span><br/> <span class="ft1">geleisteter Zahlungen abhing. Abweichungen von diesem Grundsatz</span><br/> <span class="ft1">sind dann möglich, wenn auf andere Art dargetan ist, dass der anzu-</span><br/> <span class="ft1">rechnende Betrag einer effektiv erfolgten oder noch erfolgenden</span><br/> <span class="ft1">Leistung der gesuchstellenden Partei entspricht.</span><br/> <span class="ft1">Während von einer nicht anwaltlich vertretenen Partei in der</span><br/> <span class="ft1">Regel nicht verlangt werden kann, dass sie mit ihrem Gesuch um un-</span><br/> <span class="ft1">entgeltliche Rechtspflege bereits alle notwendigen Belege einreicht,</span><br/> <span class="ft1">und ihr deshalb - je nach den Umständen im konkreten Fall - in An-</span><br/> <span class="ft1">wendung des Untersuchungsgrundsatzes Frist zur Nachreichung der</span><br/> <span class="ft1">fehlenden Belege anzusetzen ist, gilt dies für anwaltlich vertretene</span><br/> <span class="ft1">Parteien nicht. Ein Anwalt weiss, dass er sämtliche Behauptungen</span><br/> <span class="ft1">belegen muss, will er damit vor Gericht gehört werden. Auch bei</span><br/> <span class="ft1">Geltung der Untersuchungsmaxime hat er deshalb für alle von seiner</span><br/> <span class="ft1">Partei geltend gemachten Beträge, die sich nicht bereits aus dem</span><br/> <span class="ft1">Kreisschreiben für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Exis-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">70</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tenzminimums ergeben, unaufgefordert Belege vorzulegen. Der Par-</span><br/> <span class="ft1">tei, deren Anwalt dies unterlässt, ist deshalb keine Nachfrist anzuset-</span><br/> <span class="ft1">zen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>