B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-703/2014 U r t e i l v o m 1 2 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richterin Esther Karpathakis, Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer-Bänziger. Parteien A._______, geboren (…), Syrien, vertreten durch Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl; Verfügung des BFM vom 7. Januar 2014 / N (…). E-703/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin, eine Kurdin aus (…) mit letztem Wohnsitz daselbst, verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zu folge am (…) . Sie sei von ihrem Schlepper an einen ihr unbekannten Flughafen g e- bracht worden; wo sie gelandet seien, wisse sie nicht. Anschliessend sei sie in einem Auto weitergereist. Am 4. Januar 2010 in die Schweiz g e- langt, suchte sie am 7. Januar 2010 um Asyl nach. Die Befragung fand am 18. Januar 2010 und die Anhörung am 4. Februar 2010 sowie am 25. Februar 2010 statt. A.b Zur Begründung ihres Asylgesuches brachte die Beschwerdeführerin vor, sie werde seit dem Jahr (…) von den syrischen Behörden verfolgt. Diese hätten sie festgenommen , misshandelt und i hr mit Vergewaltigung gedroht. Ihre beiden Brüder B._______ und C._______ seien geflohen. Aus di e- sem Grunde seien die Behörden immer wieder nach Hause gekommen und hätten gefragt, wo diese sich befinden würden. Schliesslich h abe man sie mitgenommen und ihr gesagt, die Brüder seien in der Schweiz und würden an Demonstrationen teilnehmen. Sie sei geschlagen worden. Als sie freigekommen sei, habe der Vater mit der Vorbereitung ihrer Aus- reise begonnen. Er sei mit ihr zu einem Mann namens D._______ ge- gangen, der sie zwecks Beschaffung von Ausweispapieren zu einem (…) gebracht habe. Nach etwa einem Monat seien die Behörden erneut ge- kommen und hätten sie dorthin gebracht, wo man sie schon das erste Mal festgehalten habe. Sie sei in ein Zimmer gebracht worden , wo der gefolterte D._______ gewesen sei. Als sie gesagt habe, sie kenne diesen Mann nicht, habe man sie geschlagen. Immer wieder sei sie gefragt wo r- den, was ihre Brüder machen würden und welcher Partei sie angehörten. Sie habe D._______ schreien gehört. Man habe ihr gesagt, wenn sie nicht rede, werde auch sie so behandelt. Später habe sie erfahren, dass dieser Mann ums Leben gekommen sei. Sie sei wiederholt einvernommen worden; die Behörden hätten ihr jeweils gesagt, sie müsse sich am folge nden Tag wieder melden. Letztmals sei sie im (…) einvernommen worden. Danach sei es ihr immer schlechter gegangen, sie habe sich in ärztliche Behandlung begeben müssen. Als Folge davon s ei sie an einem (…) erkrankt und man habe sie operieren müssen. E-703/2014 Seite 3 Nach der letzten Einvernahme habe ihr Vater sie zu Verwandten in einem anderen Dorf gebracht, wo sie sich habe verstecken können. Sie habe es nicht mehr ausgehalten und deshalb das Land verlassen. A.c Die Beschwerdeführerin gab bei der Befragung keine Ausweispapiere zu den Akten. Der (…) habe ihr sowohl den Pass als auch die Identität s- karte abgenommen. Sie gab einzig eine Bestätigung in Kopie ab, wonach sie eine Identitätskarte erhalten habe. B. Am 5. Januar 2010 zeigte der Rechtsvertreter dem Bundesamt sein Man- dat an. Er sei von der Beschwerdeführerin, welche soeben in die Schweiz gelangt sei, und deren Bruder C._______ aufgesucht worden. Beide Brüder der Beschwerdeführerin – C._______ und B._______ – hät- ten in der Schweiz Asyl erhalten. Der Eingabe liege die Kopie eines Beweismittels bei, bei welchem es sich um eine Passsperre für die Beschwerdeführerin handle, ausgestellt am (…). C. C.a Am 27. September 2010 teilte das BFM der Beschwerdeführerin mit, es habe die Schweizer Botschaft in Damaskus (…) um Abklärungen zu ihrer Identität, zu den Umständen der Ausreise aus Syrien und zu einer allfälligen Gefährdung im Heimatstaat ersucht. Dem Bericht der Botschaft vom (…) sei zu entnehmen, dass sie im Besitze eines Reisepasses und am (…) nach Frankreich ausgereist sei. Weiter gehe daraus hervor, dass sie von den syrischen Behörden nicht gesucht werde. Sie erhalte bis zum 7. Oktober 2010 Gelegenheit, sich zum Ergebnis der Botschaftsabklärung zu äussern. Daraufhin ersuchte d er Rechtsvertreter das Bundesamt am 5. Oktober 2010 um Zustellung sämtlicher Verfahrensakten und um Fristerstreckung zum Einreichen der Stellungnahme ; das vorgenannte Schreiben sei ir r- tümlich direkt der Beschwerdeführerin zugestellt worden. Das BFM gab dem Ersuchen um Akteneinsicht mit Schreiben vom 14. Oktober 2010 nicht statt. Die Untersuchungen seien noch nicht abg e- schlossen, nach deren Abschluss werde auf das Gesuch zurückgeko m- men. E-703/2014 Seite 4 Die Frist für eine Stellungnahme zum Bericht der Botschaft wurde bis am 28. Oktober 2010 erstreckt. C.b In Ergänzung seines Schreibens vom 14. Oktober 2010 entschuldigte sich das Bundesamt am 18. Oktober 2010 für die vorerwähnte fehlerhafte Zustellung und bot der Beschwerdeführerin Gelegenheit, sich bis zum 28. Oktober 2010 zum Abklärungsergebnis der Botschaft zu äussern. C.c In ihrer Stellungnahme vom 28. Oktober 2010 führte die Beschwerde- führerin aus, sie sei nicht im Besitz eines syrischen Reisepasses. Sie h a- be zwar im Jahr (…) versucht, ein solches Ausweispapier zu erhalten , habe aber nur die Kopie ein es internen Dokuments ausgehändigt b e- kommen. Ihr Vater habe das sie belastende Schriftstück aus Sicherheit s- gründen über eine Kontaktperson in die Schweiz bringen lassen. Dem Papier sei zu entnehmen, dass eine Passsperre gegen sie verhängt wo r- den sei. Die Ausreise sei am (…) über den Flughafen von (…) erfolgt. Alles habe der Schlepper organisiert, weshalb sie zur Ausreise keine Angaben m a- chen könne. In Bezug auf die Botschaftsabklärungen in Syrien sei von der Schweizer i- schen Flüchtlingshilfe (SFH) am 8. September 2010 ein ausführliches Gutachten erstellt worden. Demnach sei die Z uverlässigkeit solcher Ab- klärungen fragwürdig. Auch das Bundesverwaltungsgericht sei in seinem Urteil D -3608/2010 vom 29. September 2010 zum Sch luss gekommen, dass die Abklärungen in Syrien jeweils sehr knapp ausfallen würden. Die Beschwerdeführerin, welche aus einer politisch äusserst aktiven F a- milie stamme, werde in Syrien tatsächlich gesucht. Zwei ihrer Brüder würden in der Schweiz leben, der eine "hat hier Asyl erhalten und der zweite Bruder […] hat (…) erhalten." Bereits diese Umstände würden ausreichen, um eine Verfolgung zu begründen . Die Feststellung, die Be- schwerdeführerin werde von den Behörden nicht gesucht, sei unglau b- haft. Schliesslich sei auf einen Fall zu verweisen, in welchem das Bu n- desverwaltungsgericht die Reflexverfolgung klar bejaht habe ( Urteil E- 6623/2006 vom 14. November 2008 ), nachdem der Bruder e ines Be- schwerdeführers aus Syrien in der Schweiz in vergleichbarem Umfan g wie die Brüder der Beschwerdefü hrerin aktiv gewesen und deshalb als Flüchtling anerkannt worden sei. E-703/2014 Seite 5 "Zensierte Botschaftsabklärungen" seien auch im Hinblick auf das rechtli- che Gehör problematisch. Eine kritische Würdigung der Ergebniss e der Abklärungen durch das Bundesamt unterbleibe meist, diese würden ohne Einschränkung als wahre Tatsachen hingestellt. Von der Beschwerdefüh- rerin könne nicht verlangt werden, die Ergebnisse der Abklärungen mit eigenen Beweismitteln umzustossen. Im Asylverfahren dürfe vom Ge- suchsteller nur die Glaubhaftmachung und nicht der Beweis der geltend gemachten Vorbringen erwartet werden. Die Botschaftsabklärung vermöge nichts daran zu ändern, dass es sich um ein begründetes Asylgesuch handle und die Besch werdeführerin als Flüchtling anzuerkennen sei. D. Nachdem das E._______ am 31. Januar 2012 im Zusammenhang mit der Ehevorbereitung der Beschwerdeführerin das BFM um Ermächtigung zur Einsichtnahme in dere n Asyldossier nachgesucht hatte, teilte das Bu n- desamt dem E._______ am 16. Februar 2012 mit, das Asylverfahren der Beschwerdeführerin sei hängig , und übermittelte die verfügbaren Unte r- lagen in Kopie. Gleichze itig ersuchte es darum, ihm nach erfolgtem Ei n- trag einen Auszug aus dem Zivilstandsregister zuzustellen. E. Mit Eingangsdatum vom 22. Februar 2012 ging dem BFM eine Bestät i- gung der (…) zu, wonach die Beschwerdeführerin Parteimitglied sei. F. Der Rechtsvertreter machte das Bundesamt mit Schreiben vom 24. A u- gust 2012 darauf aufmerksam, dass er im vorliegenden Verfahren seit sehr langer Zeit nichts mehr gehört habe. Er ersuchte darum, das Dossier einem Entscheid zuzuführen. In einer Mail vom 27. August 2012 verwies das BFM auf seine Priorit ä- tenordnung. G. Erneut gelangte das E._______ am 5. April 2013 mit dem Ersuchen an das Bundesamt, in das Asyldossier der Beschwerdeführerin Einsicht nehmen zu können, dies im Zusammenhang mit deren Ehevorbereitung. Diesem Ersuchen wurde am 15. April 2013 stattgegeben, verbunden mit dem Hinweis, dass das Asylverfahren nach wie vor hängig sei. E-703/2014 Seite 6 H. Mit Schreiben vom 7. Januar 2014 wandte sich das BFM unter Bezu g- nahme auf das Ersuchen vom 5. Januar 2010 um Einsicht in die Verfah- rensakten der Beschwerdeführerin an de ren Rechtsvertreter und liess diesem eine Kopie des Aktenverzeichnisses sowie Kopien der gewünsch- ten Akten zugehen, soweit die Einsicht nicht abzulehnen sei. I. Das Bundesamt stellte mit am 10. Januar 2014 eröffneter Verfügung vom 7. Januar 2014 fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, und lehnte deren Asylgesuch ab. Es wies sie aus der Schweiz weg, verfügte indessen, dass die Wegweisung wegen aktueller Unzumutbarkeit nicht vollzogen werde; der Vollzug werde zu Gunsten e i- ner vorläufigen Aufnahme aufgeschoben. Auf die Begründung dieser Verfügung wird nachstehend in den Erwägun- gen des Gerichts eingegangen. J. Die Beschwerdeführerin liess diese Verfügung durch ihren Rechtsvertre- ter mit Beschw erde vom 10. Februar 2014 beim Bundesverwaltungsg e- richt anfechten. In materieller Hinsicht beantragte sie, die angefochtene Verfügung sei in den Dispositivziffern 1 –3 aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und es sei ihr Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Sache zur vollständigen Feststellung des erheblichen Sachverhalts sowie zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Gewährung der u n- entgeltlichen Prozessführung, den Verzicht auf Erhebung eines Koste n- vorschusses und das Bestellen ihres Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsbeistand. Ferner wurde darum ersucht, dem Rechtsvertreter vor der Urteilsverkündung die Möglichkeit zur Nachreichung einer Honorarno- te einzuräumen. K. Mit Zwischenverfügung vom 13. Februar 2014 hiess der Instruktionsric h- ter d en Antrag um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses . Weiter hiess er d en Antrag um Gewährung der unentgeltlichen Recht s- verbeiständung gut und ordnete Rechtsanwalt Bernhard Jüsi als unen t-E-703/2014 Seite 7 geltlichen Rechtsbeistand bei; ebenfalls hiess er den Antrag auf Nachre i- chung einer Honorarnote gut. L. Vom Instruktionsrichter um Einreichen einer Vernehmlassung bis zum 28. Februar 2 014 ersucht, liess sich das Bundesamt nach erstreckter Frist am 3. März 2014 vernehmen. Auf Einzelheiten wird nachstehend in den Erwägungen des Gerichts eingegangen. Der Instruktionsrichter räumte anschliessend der Beschwerdeführerin das Replikrecht ein, wovon diese mit Eingabe vom 27. März 2014 Gebrauch machte. Auf Einzelheiten wird nachstehend eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltu ngsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.3]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Ve rfügungsadressatin zur Beschwer- deführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge- reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung aus den in Art. 106 AsylG vorgesehenen Gründen. 3. 3.1 Das BFM hat seine Verfügung vom 7. Januar 2014 nach einer chr o- nologisch gegliederten Rekapitulation des Geschehens wie folgt begrü n- det: E-703/2014 Seite 8 3.1.1 Die Schweiz gewähre Asyl, wenn eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zumindest glaubhaft gemacht werden könne (Art. 7 AsylG) und keine gesetzlichen Ausschlussgründe vorliegen würden. Die Flüchtlingseigenschaft sei dann glaubhaft gemacht, wen n sie zumi n- dest als überwiegend wahrsche inlich erscheine. Vorbringen seien dann unglaubhaft, wenn sie bei objektiver Betrachtung und unter Berücks ichti- gung soziokultureller Faktoren in wesentlichen Punkten der allgemeinen Erfahrung oder der Logik des Handelns widersprechen würden. Die Beschwerdeführerin habe nicht erklären können, weshalb die Behö r- den für offenkundig unbrauchbare Resultate einen so grossen Aufwand hätten betreiben sollen. Auch sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie nicht zu drastischere n Mitteln gegriffen hätten und es bei Drohungen hätten bewenden lassen. Ebenfalls habe sie nicht plausibel darlegen können, weshalb sie trotz der angeblich seit (…) andauernden Drohungen erst im (…) ausgereist sei. 3.1.2 Der Wahrheitsgehalt wesentlicher Vorbringen sei zweifelhaft, wenn sie ohne zwingenden Grund erst im späteren Verlauf des Verfahrens gel- tend gemacht würden. Während die Beschwerdeführerin bei der Befragung nur von einem Br u- der gesprochen habe, sei anlässlich der Anhörung plötzlich von zwei Brü- dern die Rede gewesen. Auch habe sie die Folterung und Ermordung ihres Helfers D._______ erst anlässlich der Anhörung erwähnt. Angesichts der geschilderten Schreie des Folteropfers wäre indessen zu erwarten, dass sie dieses Vorkommnis bereits bei der Befragung erwähnt hätte. 3.1.3 Beweismittel seien untauglich, wenn sie den asylrelevanten Sac h- verhalt nicht glaubhaft machen könnten. Die eingereichte Bescheinigung der (…) vermöge die geltend gemachte Verfolgungssituation in Syrien nicht zu belegen, und die s umso weniger, als die Behauptung, die Beschwerdeführerin habe an Demonstrationen teilgenommen, ihren eigenen Aussagen widerspreche. Die Bescheinigung sei als Gefälligkeitsschreiben einzustufen, dem kein Beweiswert zuko m- me, und dies umso mehr, als der Unterzeichner ihr Bruder sei. E-703/2014 Seite 9 3.1.4 Vorbringen seien tatsachenwidrig, wenn sie in wesentlichen Pun k- ten den gesicherten Erkenntnissen des BFM widersprechen würden. Aus dem Bericht der Botschaft gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin im Besitze eines syrischen Passes sei, dass sie am (…) nach Frankreich ausgereist sei und dass sie von den syrischen Behörden nicht gesucht werde. Die dazu abgegebene Erklärung, man habe ihr einzig die Kopie eines internen Dokuments ausgehändigt, stehe nicht nur im Widerspruch zur Botschaftsabklärung, sonder n auch zur anlässlich der Befragung ge- machten Angabe, sie sei im Besitze eines legal erworbenen, (…) ausge- stellten Passes gewesen, der zudem ein (…) Visum enthalten habe. Die Vorbringen hielten den Anforderungen an die Glaub haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Demzufolge erfülle die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseige n- schaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei. 3.1.5 Da das Asylgesuch abgeleh nt werde, sei die Beschwerdeführerin grundsätzlich zur Ausreise aus der Schweiz verpflichtet (Art. 44 Abs. 1 AsylG). H insichtlich des Vollzugs der Wegweisung komme das BFM zu folgendem Schluss: Die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewandt werden könne. Ferner würden sich aus den Akten keine Hinweise dafür ergeben, dass ihr im Falle einer Rückkehr in den Heima t- staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine d urch Art. 3 EMRK verbo- tene Strafe oder Behandlung drohe. Vorliegend werde indessen der Vollzug der Wegweisung nach Syrien auf- grund der aktuellen dortigen Lage als nicht zumutbar erachtet (Art. 83 Abs. 4 AuG (SR 142.20), weshalb die Beschwerdeführerin in der Schweiz vorläufig aufzunehmen sei. 3.2 In der Beschwerde wird diesen Erwägungen nach einer detaillierten Dar- legung der angeblichen Vorkommnisse insbesondere Folgendes entg e- gengehalten: 3.2.1 Das Argument des BFM, wonach die Vorbringen unglaubhaft seien – etwa was den grossen Aufwand der Behörden anbelange und warum diese es bei Drohungen hätten bewenden lassen – greife nicht. D ie Vor-E-703/2014 Seite 10 instanz vernachlässige bei ihren Überlegungen, die hiesiger Amtslogik folgten, das ab solut willkürliche Vorgehen der syrischen Behörden. Wer ihnen missliebig sei, werde über Sippenhaft drangsaliert. Die sich in der Schweiz befindenden Brüder der Beschwerdeführerin hätten ein ausse r- ordentliches Profil, weshalb dem einen Asyl zugesprochen und der ande- re als Flüchtling anerkannt worden sei . Der Bruder B._______ habe im Übrigen eine (…), was dem BFM bekannt sein müsste. Was die ausgebliebene Verwirklichung der Drohung en anbelange, sei festzuhalten, dass im Falle des Verschwindens ode r des Todes der Be- schwerdeführerin diese nicht mehr als Druckmittel hätte dienen können. 3.2.2 Zur Frage, weshalb di e Beschwerdeführerin trotz der seit (…) an- dauernden Drohungen erst im (…) ausgereist sei, sei anzumerken, dass sie und ihr Vater nicht untätig geblieben seien. So sei sie nach der ersten Festnahme zu ihrem Cousin gegangen, der sie mit D._______ bekannt- gemacht habe. Dieser hätte sich um ihre Ausreise kümmern sollen. Auf- grund seiner Tötung im (…) habe dieser Plan jedoch ein jähes Ende g e- funden. Danach hätten die Behelligungen etw as abgenommen, weshalb die Beschwerdeführerin gehofft habe, die Behörden würden sie schlies s- lich ganz in Ruhe lassen. Diese Hoffnung sei indessen gänzlich zerstört worden, als sie im (…) erneut inhaftiert worden sei, wobei man sie g e- schlagen und ihr mit Vergew altigung gedroht habe. Nach diesem Vorfall habe ihr Vater sie in ein anderes Dorf gebracht, wo sie sich bis zu ihrer Ausreise versteckt habe. 3.2.3 Der Vorwurf, sie habe an der Befragung nur von einem Bruder g e- sprochen, bei der Anhörung aber von zwei Brüd ern, sei nicht haltbar. Die Vorinstanz habe in krasser Weise übersehen, dass die Beschwerdeführe- rin bereits anlässlich der Befragung beide in die Schweiz geflohenen Brü- der erwähnt habe. D as BFM unterstelle eine aktenwi drige angeblich w i- dersprüchliche Aussage. Was die Erwähnung der Folterung und Ermordung von D._______ anbe- lange, so sei dieses Geschehen zwar nicht bei der Befragung vorge- bracht worden, aber das sei entschu ldbar und könne die Glaubhaftigkeit nicht mindern. Bereits die Schweizerische Asylr ekurskommission (ARK) habe anerkannt, dass aufgrund erlittener Traumatisierung das verspäte te Vorbringen von Vergewaltigung et cetera entschuldbar sei. E-703/2014 Seite 11 3.2.4 Die Bescheinigung der (…) belege zum einen, dass die Beschwer- deführerin seit ihrer Ankunft in der Schweiz politisch tätig sei, und zum anderen das hohe politische Profil ihres Bruders B._______. Dem Dok u- ment könne nicht allein deswegen der Beweiswert abgesprochen werden, weil es vom Bruder unterzeichnet sei. 3.2.5 Schliesslich mache die Vorinstanz Widersprüche in wesentlichen Punkten geltend. So habe die Botschaftsabklärung ergeben, dass die Be- schwerdeführerin im Besitze eines syrischen Passes und am (…) nach Frankreich ausgereist sei, zudem werde sie von den syrischen Behörden nicht gesucht. Entgegen der Meinung des BFM liege indessen kein Widers pruch vor. Die Beschwerdeführerin sei im Jahr (…) noch im Besitz ihres Passes g e- wesen. Zwecks Vorbereitung ihrer Ausreise habe D._______ den Pass an sich genommen. Als sie im (…) festgenommen worden sei, habe man ihr die Identitätskarte abgenommen; bei der Festnahme von D._______ hät- ten die Behörden auch ihren Pass beschlagnahmt . Als ihr Vater versucht habe, Reisepapiere zu beschaffen, sei er an der gegen sie verhängten Passsperre gescheitert. Das Dokument, welches die Passsperre verfüge, weise keinerlei Fälschungsmerkmale auf, auch die Vorinstanz behaupte keine solchen. Es sei demnach von der Echtheit des Papieres auszug e- hen, das in Übereinstimmung mit sämtlichen Aussagen stehe. Zur Botschaft sabklärung sei festzuhalten, dass diese sehr knapp und lückenhaft ausgefallen sei. Es werde in diesem Zusammenhang auf das Gutachten der SFH vom 8. September 2010 verwiesen. Auch das Bu n- desverwaltungsgericht komme in seinem Urteil E -5617/2010 vom 11. Juli 2012 zum Schluss, dass grundsätzlich davon ausgegangen werde, Abklä- rungen Schweizerischer Vertretungen im Ausland würden seriös durchge- führt und seien daher zuverlässig; in Bezug auf Syrien sei jedoch festz u- stellen, dass die Botschaftsan tworten in der Regel sehr k napp ausfielen, beispielsweise würde ohne nähere Angaben erklärt, die fragliche Person werde von den Behörden nicht gesucht. Vor diesem Hintergrund sei vorliegend die Botschaftsabklärung mit Bezug auf das Gesuchtwerden höchst zweifelhaft. Neben zahlreichen Unklarhei- ten sei auch die Erlangung der Informationen zweifelhaft. Ein internes sy- risches Dokument belege zudem, dass eine Passsperre verhängt worden sei, weil der (…) ein Dossier bezüglich der Beschwerdeführerin angelegt E-703/2014 Seite 12 habe. Demnach würden an der Richtigkeit der Botschaftsabklärung z u- sätzliche Zweifel aufkommen. Zensierte Botschaftsabklärungsergebnisse seien auch im Hinblick auf das rechtliche Gehör problematisch , und die Verwendung von geheimen I n- formationsquellen erscheine zudem bezüglich des Prinzips der Waffe n- gleichheit im Verfahren bedenklich. Es könne von der Beschwerdeführerin nicht verlangt werden, die Erge b- nisse der Abklärungen der Botschaft mit eigenen Beweismitteln umz u- stossen, was ihr jedoch mit der Pass sperre beziehungsweise dem en t- sprechenden eingereichten Dokument dennoch gelinge. 3.2.6 Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG gehe es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente. Entscheiden d sei, ob die Gründe, die für die Richt igkeit der Sachverhaltsdarstellung sprächen, überwiegen würden. Dabei verbiete sich ein allzu schematisch- es Vorgehen. Die Vorinstanz habe den herabgesetzten Beweisanforderungen gemäss Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen. 3.2.7 Dass die Besch werdeführerin in Syrien tatsächlich gesucht werde, gehe aus ihren Aussagen und der eingereichten Kopie der Passsperre klar hervor. Sie stamme aus einer politisch sehr aktiven Familie, ihre Br ü- der würden in der Schweiz leben und hätten Asyl beziehungsweise eine (…) und (…) erhalten. Bereits diese Umstände würden ausreichen, um eine Verfolgung zu begründen. Mit Blick auf das vorerwähnte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts sei auch vorliegend von einer Reflexverfolgung auszugehen. E s stehe fest, dass für die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr die offensichtliche Gefahr einer solchen Verfolgung bestehe. Das Bundesverwaltungsgericht habe in einem vergleichbaren Fall (Urteil E-6623/2006 vom 14. November 2008) ein solches Risiko ausdrücklich bejaht. Bei einer Rückkehr müsste mit Übergriffen gerechnet werde n, die den Vollzug der Wegweisung vor Art. 3 EMRK und Art. 3 CAT (Comitee Against Torture) verbieten würden. Es bestehe ein „real risk“ für eine so l- che verbotene Behandlung oder Folter. E-703/2014 Seite 13 3.2.8 Die Beschwerdeführerin sei seit ihrer Ankunft in der Schweiz exilpo- litisch tätig und habe an mehreren Demonstrationen und Veranstaltungen gegen das syrische Regime teilgenommen. Es sei bekannt, dass solche Aktivitäten vom Regime beobachtet und registriert würden. Folglich erfülle die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft auch aufgrund des Vorliegens subjektiver Nachfluchtgründe. 3.3 In seiner Vernehmlassung führte das BFM Folgendes aus: 3.3.1 Bezüglich des Vorwurfs der Unterstellung einer aktenwidrigen w i- dersprüchlichen Aussage hinsichtlich der Erwähnung der Brüder sei fes t- zustellen, dass zwischen den geltend gemachten Ausführungen bei der Befragung und der Anhörung ein klarer Widerspruch bestehe, sei es, dass die Beschwerdeführerin bewusst oder nachlässigerweise a bwei- chende Angaben gemacht habe. 3.3.2 Im Weiteren sei stark daran zu zweifeln, dass die syrischen Behö r- den (…) nach der Ausreise des einen und (…) nach der Ausreise des an- deren Bruders zu Druckmitteln gegriffen hätten. Dieser Umstand könne auch nicht mit absoluter staatlicher Willkür erklärt werden. 3.3.3 Die Beschwerdeschrift versuche , aus einem undatierten Schreiben der (…) eine nicht einmal mündlich vorgebrachte exilpolitische Aktivität der Beschwerdeführerin in der Schweiz, mithin subjektive Nachfluch t- gründe, zu konstruieren. 3.3.4 Betreffend die immer wieder kritisierten Botschaftsabklärungen h a- be das Bundesverwaltungsgericht die Rechtmässigkeit des Vorgehens in mehreren Urteilen bestätigt. 3.3.5 Was die beiden Brüder anbelange, sei festzuhalten, dass C._______ nicht als politischer Flüchtling vorläufig aufgenommen worden sei. Sein Asylgesuch sei zweimal abgelehnt worden, wobei die erste Ve r- fügung mit Urteil der damaligen ARK vom (…) rechtskräftig geworden sei. Das mit der Geltendmachung von exi lpolitischen Aktivitäten eingereichte Wiedererwägungsgesuch sei trotz erfüllter Flüchtlingseigenschaft erneut abgelehnt worden. B._______ habe am (…) in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht. Ihm sei mit Entscheid vom (…) Asyl gewährt worden, indessen nicht aufgrund E-703/2014 Seite 14 von Reflexverfolgung, sondern aufgrund exilpolitischer Tätigkeit und eines als gesichert geltenden politischen Engagements im Heimatland. 3.3.6 Der Umstand, dass die angebliche Folterung und Ermordung des potenziellen Schleppers erst bei der Anhörung z ur Sprache gekommen sei, sei nicht entschuldbar und vermindere die Glaubhaftigkeit der Vo r- bringen entscheidend. 3.3.7 Hinsichtlich der mehrfach und euphemistisch Passsperre genannten Eingabe sei anzumerken, d ass der Übersetzung des teilweise unleserli- chen Papiers keine Sperrung eines Passes zu entnehmen sei. Es sei ihm zwar die Ablehnung eines Gesuchs zu entnehmen, aber was konkret ab- gelehnt werde, könne dem Inhalt nicht entnommen werden. 3.4 Die Replik geht auf diese Ausführungen wir folgt ein: 3.4.1 Die Vorinstanz gestehe ein, dass die Akten klare Aussagen zu allen Geschwistern enthalte. Es sei bedauerlich, dass das BFM weiterhin auf einem offensichtlich geringfügigen beziehungsweise unwesentlichen W i- derspruch beharre. Dies entspreche nicht der Vorge hensweise bei der sorgfältigen Prüfung von Verfolgungsgefahr, sondern zeuge von vorei n- genommener Haltung gegen die Beschwerdeführerin. 3.4.2 Das Bundesamt meine, es fehle eine Erklärung dafür, dass die B e- schwerdeführerin geglaubt habe, die Lage würde sich bessern. Diesbe- züglich einen inneren Widerspruch zu erkennen, zeuge von fehlendem Vermögen, sich in die Lage von verfolgten Personen zu versetzen. Es gebe für jeden Menschen eine Grenze, bis zu der er Gefahren aushalte , und dann nicht mehr. 3.4.3 Ganz unverständlich sei das Argument, der Bruder C._______ sei nicht etwa als Flüchtling aufgenommen worden, sondern weil er bereits im Besitze einer Aufenthaltsbewilligung gewesen sei. Seine Flüchtlingse i- genschaft habe wegen (…) bestanden und bestehe weiterhin, s ie sei an- erkannt worden. Die Reflexverfolgungsgefahr sei begründet. Die übe r- spitzt formalistische Frage, ob technisch eine vorläufige Aufnahme erfolgt sei oder nicht, sei irrelevant. Dass dem anderen Bruder nicht aufgrund von blosser Reflexverfolgung Asyl gewährt worden sei, sondern wegen seiner eigenen Vor - und Nach-E-703/2014 Seite 15 fluchtgründe, stelle eine weitere Ursache für die Reflexverfolgung der Schwester dar. 3.4.4 Es sei notorisch, dass es aufgrund einer Traumatisierung und en t- sprechender Flashbacks bei de r Schilderung einer Flucht zu Auslassu n- gen kommen könne, was nicht gegen die Beschwerdeführerin verwendet werden dürfe. Das Papier, dessen Echtheit von der Vorinstanz nicht bezweifelt werde, stelle auch gemäss BFM die Ablehnung des Antrages dar, einen Pass zu erhalten. Demnach sei es zumindest ein Beleg für die glaubhaft gemac h- te Aussage, wonach eine Passsperre bestehe. 4. Das Gericht kommt zu folgenden Schlüssen: 4.1 Soweit die Beschwerdeführerin beantragt, die Sache sei zur vollstän- digen Feststellung des erheblichen Sachverhalts und zu neuer Entsche i- dung an die Vorinstanz zurückzuweisen , kann die Berechtigung dieser verfahrensrechtlichen Rüge offenbleiben, weil die Beschwerde materiell gutzuheissen und die angefochtene Verfügung aufzuheben ist. Indessen ist an d ieser Stelle fes tzuhalten, dass die angefochtene Verf ü- gung sehr entscheidorientiert wirkt und einem generell -abstrakten starren Argumentationsschema zu folgen scheint, welches dem vorliegenden Fall nicht gerecht wird. Es geht auch nicht an, Vermutungen in eine Sprache zu kleiden, die im Amtsdeutsch keinen Platz hat. Um nur ein Be ispiel zu nennen, sei auf die Vernehmlassung des BFM verwiesen, wo im Zusam- menhang mit de m Schreiben der (…) von einem „dreisten Unterfangen“ die Rede ist. Solche Formulierungen lassen Zweifel an der U nvoreinge- nommenheit einer Behörde aufkommen. 4.2 In materiell-rechtlicher Hinsicht ist zu prüfen, ob die Asylvorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG zu gen ü- gen vermögen und bejahendenfalls, ob sie im Sinne von Art. 3 AsylG als asylrelevant zu beurteilen sind. 4.2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, i n dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder E-703/2014 Seite 16 wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausges etzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen uner- träglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluch t- gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwe i- sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlic h- keit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesond ere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.2.3 Bei einer Gesamtwürdigun g aller Aspekte, die in tatsächlicher Hin- sicht für beziehungsweise gegen die Sachverhaltsdarstellung de r Be- schwerdeführerin sprechen, ist festzuhalten, dass die Vorbringen in casu durchaus vereinzelt zu gewissen Zweifeln Anlass geben. Der Beschwer- deführerin ist es insbesondere nicht in allen Teilen gelungen, hinreichend überzeugende und glaubhafte Indizien vorzubringen, die eine gezielte Vorverfolgung als glaubhaft erscheinen liessen. Indessen kann die Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen de r Beschwerdeführerin – soweit die- se die Zeit vor der Ausreise betreffen – aufgrund der nachstehenden Er- wägungen letztlich offen gelassen werden. 4.2.4 Für das Gericht steht aufgrund der Akten fest, dass die Beschwe r- deführerin vor dem Verlassen ihres Heimatsstaates ü ber Jahre hinweg staatlicher Willkür in Form von Behelligungen, körperlichen Übergriffen und massiven Drohungen ausgesetzt war, denen sie nur entkommen konnte, indem sie das Land schliesslich verlassen hat. Es steht weiter fest, dass sich die beiden Brüder exilpolitisch betätigen, einer davon in qualifizierter Weise, der andere war bereits im Heimatland regimekritisch aktiv. Sie sind den syrischen Behörden als Regime gegner bekannt, und die Beschwerdeführerin ist denn auch gemäss ihren Angaben mit diesen Aktivitäten konfrontiert worden. 4.3 In der Folge ist daher – wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht wurde – zu prüfen, ob für sie im Falle einer Rückkehr nach Syrien eine begründete Furcht vor Reflexverfolgung besteht. E-703/2014 Seite 17 4.3.1 Bereits die ARK kam bezüglich der Verfolgungssituation in Syrien zum Schluss, dass nahe Angehörige besonders verdächtiger Personen, welche sich ins Ausland abgesetzt hätten oder anderweitig untergetaucht seien, zumindest intensive Bef ragungen durch den syrischen Gehei m- dienst befürchten müssen, und dass auch Beispiele sippenhaftartiger Ver- folgungsmassnahmen zu verzeichnen seien, eine Einschätzung die das Bundesverwaltungsgericht in mehreren Urteilen teilt (vgl. Entscheidungen und Mittei lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 7 E. 8 S. 72 m.w.H. und BVGE 2011/51). In der Zwischenzeit hat sich die Lage in Syrien weiter verschärft, das Regime bekämpft vermeint- liche und tatsächliche Gegner mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mit- teln und ausufernder Härte. 4.3.2 Vor diesem Hintergrund und insbesondere in Berücksichtigung des Umstands, dass davon ausgegangen werden muss, dass d ie Brüder der Beschwerdeführerin den syrischen Sicherheitskräften als aktive Regime- gegner bekannt sind, ist von einer begründeten Furcht de r Beschwerde- führerin vor Reflexverfolgung auszugehen. Die Beschwerdeführerin wäre im Falle einer Rückkehr nach Syrien einem nicht unerheblichen Risiko von Reflexverfolgung ausgesetzt. Die entsprechende Furcht ist demnach als begründet im Sinne von Art. 3 AsylG zu erachten. 4.4. Auf die exilpolitische Tätigkeit der Beschwerdeführerin ist angesichts der vorstehenden Erwägungen nicht einzugehen. Das Gericht beschränkt sich deshalb auf die Feststellung, dass die Beschwerdeführerin sich in diesem Punkt wohl nicht von den allermeisten Personen unte rscheidet, die Syrien wegen der dortigen Lage in den letzten Jahren verlassen ha- ben. 4.5 Das Gericht fasst seine Erkenntnisse wie folgt zusammen: Die Beschwerdeführerin stammt aus einer Kurdenfamilie mit regimekrit i- schen Angehörigen, die aufgrund ihrer Aktivitäten Syrien verlassen ha- ben. Sie ist selber in den Fokus der syrischen Behörden gelangt und b e- helligt, inhaftiert sowie Zeugin von Folter geworden. Bei dieser Aktenlage und angesichts der aktuellen Verhältnisse in Syrien ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in den Heimatstaat erneut beachtlichen ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt würde, zuma l ihr – wie sich bereits aus der vorläufigen Aufnahme infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs E-703/2014 Seite 18 ergibt – auch keine zumutbare innerstaatliche Fluchtalternative zur Verfü- gung stehen würde. 5. Die Beschwerde ist gutzuheissen und die Verfügung des BFM vom 7. Ja- nuar 2014 i st aufzuheben. Nachdem den Akten keine Hinweise auf Au s- schlussgründe gemäss Art. 53 AsylG zu entnehmen sind, ist das Bundes- amt anzuweisen, der Beschwerdeführerin in der Schweiz Asyl zu gewä h- ren. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten a ufzuerlegen (Art. 63 VwVG). 6.2 Der Beschwerdeführerin ist angesichts des Obsiegens im Beschwe r- deverfahren in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Par teientschä- digung für ih r erwachsene notwendige Vertretungskosten zuzusprechen (vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Zwischenverfügung 13. Februar 2014 hat das Gericht den Antrag um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gut geheissen und Rechtsanwalt Bernhard Jüsi als unentgeltlicher Rechtsbeistand bei geord- net. Dieser reichte am 27. März 2014 eine detaillierte Honorarnote zu den Akten, lautend auf den Gesamtbetrag Fr. 3268.75. Der ausgewiesene Aufwand erscheint notwendig und ist nicht zu beanstanden. (Dispositiv nächste Seite) E-703/2014 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 7. Januar 2014 wird aufgehoben und das Bundesamt wird angewiesen, der Beschwerdeführerin in der Schwei z Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin eine Parteientsch ä- digung in der Höhe Fr. 3268.75 auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und G._______. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Jeannine Scherrer-Bänziger Versand: