Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. Dezember 2020 (725 20 230 / 303) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Verkehrsunfall einer jungen versicherten Person mit natürlich-kausalen somatischen und psychischen Unfallfolgen; Prüfung gemäss BGE 115 V 133 ergibt, dass dem Unfallereig- nis eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der psychisch bedingten Arbeits- unfähigkeit zukommt, da es sich um einen mittelschweren Unfall im mittleren Bereich handelt und fünf der sieben Adäquanzkriterien gegeben sind Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Jan Herrmann , Rechtsan- walt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. A.____, geboren 1989, machte bei der B.____ AG e ine Lehre als Logistikassistent und war bei der Suva obligatorisch unfallversichert. Am 14. November 2008 verunfallte er mit seinem Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auto und zog sich eine Femurschaftfraktur, eine komplexe erstgradige offene Unterschenkelfrak- tur links (Pilon tibiale, Talus- und Calcaneusfraktur) mit Décollement und ein Kontusionstrauma des rechten Sprunggelenks mit Fibulafraktur zu. Die Suva erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (Taggeld und Heilbehandlung). Ende März 2010 wurde dem Versicherten vom Spital C.____ wieder eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit im Rah men des Möglichen attestiert, worauf die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) die erstmalige berufliche Ausbildung des Versicherten in die Wege leitete. A.____ absolvierte während eineinhalb Jahren die Handelsschule und schloss diese per XX.XX.2014 erfolgreich ab. Gestützt auf eine kreisärztliche Untersuchung lehnte die Suva mit Verfügung vom 16. Juli 2014 (act. 183) einen Anspruch auf eine Invalidenrente ab und sprach eine Integritätsentschädigung basierend auf einem Integritätsschaden von 15 % zu. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Da der Gesundheitszustand von A.____ in der Folge instabil blieb, wurde der Suva Ende Dezember 20 14 ein Rückfall gemeldet, worauf sie wieder Leistungen ausrichtete (act. 200). In den Jahre n 2015 bis 2019 unterzog sich der Versi- cherte im Spital C.____ weiteren Operationen zur Behebung der Unfallfolgen. Ab dem Jahr 2015 traten zudem psychische Gesundheitsstörungen auf, die die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigten und eine mehrwöchige stationäre Behandlung in der Klinik D.____ notwendig machten. Nach einer weiteren kreisärztlichen Untersuchung lehnte die Suva mit Verfügung vom 19. Dezember 2019 einen Anspruch auf eine Invalidenrente mangels einer erheblichen unfallbedingten Beeinträchti- gung der Erwerbsfähigkeit ab und sprach dem Versicherten eine weitere Integritätsentschädigung basierend auf einem 15 %-igen Integritätsschaden zu. In der Begründung führte sie aus, dass der Versicherte im Rahmen der IV-Eingliederungsmassnahme n das Handelsdiplom erworben habe. Eine Bürotätigkeit entspreche durchaus dem kreisär ztlichen Zumutbarkeitsprofil. Neben den organisch bedingten Unfallfolgen würden auch psychi sche Störungen die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigen. Für diese Beschwerden habe sie nur ei nzustehen, wenn diese eine natürliche und adäquate Folge des Unfalles seien. Aufgrund der vorhandenen Unterlagen sei davon auszu- gehen, dass die psychischen Störungen nicht in einem adäq uat-kausalen Zusammenhang zum Unfallereignis stehen würden, weshalb eine diesbezügli che Leistungspflicht entfalle. Die gegen diese Verfügung vom Versicherten, vertreten durch Rechtsanwalt Jan Herrmann, am 23. Januar 2020 erhobene Einsprache wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 18. Mai 2020 ab. B. Mit Eingabe vom 10. Juni 2020 erhob A.____, erneut vertreten durch Rechtsanwalt Jan Herrmann, gegen den Einspracheentscheid Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, wobei die folgenden Rechtsbegehren gestellt wurden: 1. Es sei der Einspracheentscheid vom 18. Mai 2020 au fzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen zurückgehend auf das Unfall- ereignis vom 14. November 2008 zuzusprechen und auszurichten. a. Es seien dem Beschwerdeführer über das Einstellun gsdatum vom 31. Januar 2020 weiter- hin kurzfristige Leistungen in Form insbesondere von Taggeldern und der Übernahme von Heilungskosten zuzusprechen und auszurichten. b. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer ab dem 1. F ebruar 2020 eine Rente bei einem In- validitätsgrad von mindestens 10 % zuzusprechen und auszurichten. 2. Eventualiter sei der Einspracheentscheid vom 18. M ai 2020 aufzuheben und es sei eine gerichtliche medizinische Expertise zur Klärung der Unfallkausalitä t und des Zeitpunkts des Erreichens des Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Endzustands der gesundheitlichen Beeinträchtigungen – eventualiter zur Klärung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit – des Beschwerdeführers einzuholen und neu über den Anspruch des Beschwer- deführers zu entscheiden. 3. Es sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Ver beiständung mit Rechtsanwalt Jan Herrmann zu bewilligen. 4. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegn erin. C. Mit Beschwerdeantwort vom 3. Juli 2020 beantragte d ie Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der Akten wird in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die frist- und formgerecht beim örtlich wie sac hlich zuständigen Kantonsgericht er- hobene Beschwerde vom 10. Juni 2020 ist einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob der Entsch eid auf einer genügenden Aktenlage basiert und die Leistungseinstellung zu Recht ohne Berücksichtigung der Auswirkungen der psy- chischen Beeinträchtigungen auf die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers per 31. Januar 2020 vorgenommen wurde. 3.1 Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmunge n des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangs- bestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Un- fälle, die sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben , nach bisherigem Recht gewährt. Da der vorliegend zu beurteilenden Streitigkeit ein Ereignis aus dem Jahr 2008 zugrunde liegt, finden nachfolgend die bis 31. Dezember 2016 massgebenden Bestimmungen Anwendung. 3.2 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsun- fällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Okto- ber 2000), so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruc h auf ein Taggeld. Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid ( Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG An- spruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Di ese wird mit der Invalidenrente fest- gesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). Für diese Leistungen h at der Unfallversicherer grundsätzlich nur Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter der Voraussetzung aufzukommen, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem ein- getretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürli- cher und ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. 3.3 Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhang s sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Um- schreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzus ammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige In- tegrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weg- gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene g esundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kau- salzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber di e rechtsanwendende Behörde im Rah- men der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im S ozialversicherungsrecht üblichen Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 126 V 360 E. 5b) zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1). 3.4 Ursachen im Sinn des adäquaten Kausalzusammenhangs si nd diejenigen Ereignisse, die nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet sind, einen Erfolg von der Art des eingetretenen her beizuführen, der Eintritt des Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint. De r Voraussetzung des adäquaten Kau- salzusammenhangs kommt die Funktion einer Haftungsbegre nzung zu (BGE 129 V 177 E. 3.2 f.). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem versicherten Er- eignis und der eingetretenen gesundheitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate Kau- salzusammenhang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickel- ten Regeln zu beurteilen ist (BGE 112 V 30 E. 1b). Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingre nzung der sich aus dem natürlichen Kau- salzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1, 127 V 102 E. 5b/bb). Stehen hingegen psychische Unfallfolgeschäden zur Beurteilung, so hat eine beson- dere Adäquanzprüfung zu erfolgen. Danach ist für die Be jahung des adäquaten Kausalzusam- menhangs im Einzelfall erforderlich, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Ent- stehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist bzw. ernsthaft ins Gewicht fällt (BGE 115 V 133 E. 7). 3.5 Die vorübergehenden Leistungen wie Taggelder und Heilbehandlung hat der Unfallver- sicherer – sofern allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind – nur so lange zu gewähren, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann. Was darunter zu verste- hen ist, bestimmt sich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der unfallbedingt beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit. Dabei muss die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen (BGE 134 V 109 E. 4.3). Trifft dies nicht mehr zu, ist Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistu ngen mit gleichzeitiger Prüfung des An- spruches auf eine Invalidenrente und/oder eine Integritätsentschädigung abzuschliessen (Art. 19 Abs. 1 UVG). Die Prüfung der Adäquanz, d.h. der Falla bschluss, ist bei Anwendung der Praxis gemäss BGE 115 V 133 in jenem Zeitpunkt vorzunehmen, i n dem von der Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Ge- sundheitszustandes mehr erwartet werden kann (BGE 134 V 109 E. 6.1, 144 V 354 E. 4.2). Ob der Fallabschluss rechtzeitig erfolgt ist, kann erst geprüft werden, wenn der medizinische Sach- verhalt rechtsgenüglich erstellt ist (Urteil des Bundesge richts vom 29. September 2015, 8C_170/2015, E. 4.2). 3.6 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche – insbesondere bei der Feststellung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person – ist die rechtsanwendende Behörde auf verlässliche medizinisch e Entscheidungsgrundlagen ange- wiesen (BGE 134 V 231 E. 5.1, 132 V 93 E. 4). Das Ger icht hat diese Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der fre ien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisrege ln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass alle Beweismittel, una bhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen sind und danach zu entscheiden ist, o b die verfügbaren Unterlagen eine zu- verlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf bei einander widersprechenden medizinischen Berichten der Prozess nicht erledigt werden, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abgestellt wird (BGE 125 V 351 E. 3a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf all- seitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1). Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen kommt nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu. An die Beweiswürdigung sind strenge Anforderungen zu stellen, w enn ein Versicherungsfall ohne Ein- holung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E . 5.1). Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren und der Sozialversi- cherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG) beherrscht sind. Danach haben Verwaltung und Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie dürfen eine Tatsa- che nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. 4.1 Zu prüfen ist in einem ersten Schritt die Rüge des Beschwerdeführers, der medizinische Endzustand sei im Dezember 2019 noch nicht erreicht gewes en, sodass die Voraussetzungen für eine Einstellung der vorübergehenden Leistungen im genannten Zeitpunkt nicht erfüllt gewe- sen seien. Der Entscheid basiere zudem auf einer unzurei chenden Aktenlage, weshalb er den Untersuchungsgrundsatz nach Art. 43 ATSG verletze. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Nachdem die Beschwerdegegnerin den Fall erstmals mit Verfügung vom 16. Juli 2014 abgeschlossen, einen Anspruch auf eine Invalidenrente mangels erheblicher unfallbedingter Be- einträchtigung der Erwerbsfähigkeit verneint und dem Beschwerdeführer eine Integritätsentschä- digung basierend auf einem Integritätsschaden von 15 % ausgerichtet hatte, liess der Beschwer- deführer aufgrund von Schmerzen am linken Innenknöchel per Dezember 2014 einen Rückfall melden. Nach umfangreichen somatischen und psychischen Hei lbehandlungen, deren Kosten von der Beschwerdegegnerin übernommen wurden, prüfte diese den Anspruch des Beschwer- deführers auf eine Invalidenrente und eine Integritä tsentschädigung erneut. Sie stützte sich bei der Beurteilung der Frage, ob der Fall unter gleichzeitiger Prüfung der Adäquanz abgeschlossen kann, auf den kreisärztlichen Bericht von Dr. med. E.____, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 15. Novemb er 2019 (act. 421). Dr. E.____ führt darin aus, dass rein auf unfallchirurgisch-orthopädischem Gebiet aktuell ein Zeitpunkt erreicht sei, an dem von einer weiteren Behandlung keine namhafte Verbesserung der Unfallfolgen mehr erwartet werden könne. Es sei zwar bei dem jungen Versicherten wahrscheinlich, dass mittel- bis langfristig bei grösser werdendem Leidensdruck und gege benenfalls auch einer Verbesserung der aktuellen seelischen Situation wieder Behandlungen vorgenommen würden, aktuell sei nach Berichtslage und auch aus kreisärztlicher Sicht ein solches Vo rgehen jedoch nicht sinnvoll oder wirksam. 4.3 Die Schlussfolgerungen von Dr. E.____ betreffend das Erreichen eines Endzustands der somatischen Unfallfolgen sind nachvollziehbar und schlüssig. Es liegen auch keine Indizien vor, die Zweifel an seiner Beurteilung wecken würden. Sie stimmt einerseits mit der Einschätzung der behandelnden Ärzte des Spitals C.____ überein, die im Bericht vom 16. Oktober 2019 (act. 408) und damit vier Monate nach dem letzten operativen Eingriff zwar einen protrahierten Verlauf be- schreiben, aufgrund der komplexen Vorgeschichte und der Schmerzsituation aber von einer wei- teren Operation abraten, eine Verlaufskontrolle in sechs Monaten empfehlen und weiter festhal- ten, dass grundsätzlich eine Arbeitsfähigkeit für eine sitzende und leichte wechselnde Tätigkeit bestehe. Andererseits erklärte der Beschwerdeführer gegenüber Dr. E.____, dass er noch einmal pro Woche Physiotherapie habe, er aber bezüglich seiner Beschwerden am Körper schon seit längerem keine Fortschritte mehr bemerke. Durch die Operation vom Juni 2019, und auch durch die Operation davor, habe er keinerlei Beschwerdebesserung erfahren. Er habe überhaupt nicht von den Operationen profitiert. Er wolle auch keine w eitere Operation mehr, auch wenn sie ihm angeboten würde. Die Beschwerdegegnerin geht somit zu Recht davon aus, dass in Bezug auf die somatischen Unfallfolgen per Dezember 2019 eine namhafte Besserung des Gesundheitszu- stands und damit eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit nicht mehr überwiegend wahrscheinlich erscheint. 5.1 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob zur Beurteilung der Auswirkungen der soma- tischen Unfallfolgen auf die Arbeitsfähigkeit und damit die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdefüh- rers auf die Beurteilung von Dr. E.____ vom 15. November 2019 abzustellen ist. Dr. E.____ führt aus, dass der Versicherte aufgrund der Unfallfolgen aus somatischer Sicht noch in der Lage sei, eine leichte wechselbelastende Arbeit ganztags auszuüben. Diese Tätigkeit sollte überwiegend, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht d.h. mindestens 50 %, sitzend erfolgen. Arbeiten in unebenem Gelände, Tätigkeiten in der Hocke und Klettern auf Leitern und Gerüste seien nicht mehr möglich. 5.2.1 Die Beschwerdegegnerin vertritt die Auffassung, die Beurteilung von Dr. E.____ sei um- fassend, beruhe auf allseitigen Untersuchungen, berücksich tige alle Beschwerden und sei in Kenntnis der Vorakten erfolgt. Hinsichtlich der Ausführungen zu den medizinisch noch möglichen Tätigkeiten aufgrund der Beinverletzungen sei sie einleuchtend und schlüssig. Es fänden sich im Dossier keine Hinweise, die daran Zweifel wecken würden. 5.2.2 Der Beschwerdeführer zieht das Arbeitsplatzprofi l von Dr. E.____ in Zweifel, da mit eini- ger Wahrscheinlichkeit zu vermuten sei, dass ihm auch eine vorwiegend sitzende Tätigkeit nicht ohne Leistungsbeeinträchtigung möglich sei. Er sei durchgehend schmerzgeplagt und es bestehe tagsüber auch in sitzender Position eine erhebliche Sch wellneigung mit zunehmenden Schmer- zen und einem Druckgefühl. Er leide an permanentem Ruh eschmerz, der bei Belastung noch zunehme. Es sei ihm lediglich möglich, 20 Minuten am Stück zu gehen. Ohne Pausen sei lediglich eine Gehstrecke von 400 m möglich. Bewegungen mit dem ve rletzten linken Fuss auf einem rollenden Bürostuhl würden Schmerzen und Schwellungen verursachen. Der Unterschenkel schwelle beim Sitzen ohne Hochlagerung des Beins nach rund ein bis zwei Stunden an. Es ent- stehe ein sehr unangenehmes Spannungsgefühl und ein Druckschmerz. Hierbei würden sich mit- unter auch elektrisierende einschiessende Schmerzen einste llen. Er sei daher immer noch auf die Einnahme von Schmerzmitteln angewiesen. Er müsse den Fuss auch sitzend – insbesondere aufgrund der Schwellneigung – hochlagern und dementspr echend benötige er einen angepass- ten Arbeitsplatz. Im Übrigen beklage er tagsüber, una bhängig von den psychischen Beschwer- den, eine im Tagesverlauf zunehmende Unkonzentriertheit und Müdigkeit. Zweifel am Beweis- wert des Berichts bestünden auch, da eine qualitative und quantitative Analyse der Funktionsstö- rung und ihrer Folgen sowie die Umschreibung der Belastbarkeit des Gelenks und die Darstellung der praktischen Leistungsfähigkeit bzw. der Behinderung im täglichen Leben fehlen würden. Die Definition des Arbeitsplatz- und Belastbarkeitsprofils durch Dr. E.____ sei nicht nachvollziehbar und es sei nicht ersichtlich, wie sich dieses herleite. Er zeige nicht auf, inwiefern das linke Fuss- gelenk nur vermindert leistungsfähig und belastbar sei und wie sich dies im täglichen Leben und vor allem bei beruflicher Belastung auswirke. Es fehle eine Umschreibung der Geh- und Stehfä- higkeit des Beschwerdeführers über einen längeren Zeitr aum und an mehreren aufeinanderfol- genden Werktagen. Es fehle auch die Begründung, weshalb der Beschwerdeführer nur zu 50 % wechselbelastend tätig sein könne und er mindestens zu 50 % rein sitzend tätig sein sollte. 5.3 Die Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. E.____ umfasst lediglich wenige Zeilen und ist damit knapp ausgefallen, insbesondere wenn man sich di e Beschwerden und Funktionsein- schränkungen des Beschwerdeführers vor Augen führt: Erheb liche belastungsindizierte Be- schwerden am linken oberen Sprunggelenk (OSG) bei schwerer OSG-Arthrose und fortgeschrit- tener Arthrose am unteren Sprunggelenk (USG), Berührungsempfindlichkeit am gesamten linken Unterschenkel und am linken Fuss mit Sensibilitätsstörungen, eine Funktionseinschränkung der linken Hüfte, ein Muskeldefizit am linken Bein und gewisse belastungsindizierte Beschwerden am rechten OSG. Fraglich ist vor allem, ob aufgrund der geltend gemachten Schwellneigung und der erheblichen belastungsindizierten Beschwerden am linken OSG bei einem 100 % Pensum nicht Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein reduziertes Rendement und/oder ein erhöhter Pausenbedarf erforderlich sind. Soweit die Be- schwerdegegnerin geltend macht, die Einschätzung von Dr . E.____ stimme mit derjenigen des Spitals C.____ im Bericht vom 16. Oktober 2019 (act. 408) überein, kann ihr nicht gefolgt werden. Das Spital C.____ attestierte dem Beschwerdeführer bis zu dieser Kontrolluntersuchung weitest- gehend eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit. Der Beschwerdeführer schilderte gegenüber den be- handelnden Ärzten, dass keine wesentliche Änderung der Beschwerden im Vergleich zu präope- rativ bestehe. Die Beschwerden bestünden vor allem auf d er ventralen Kante und nach wie vor belastungsabhängig. Die behandelnden Ärzte halten fest, dass sich vier Monate postoperativ lei- der ein protrahierter Verlauf zeige. Aufgrund der komplexen Vorgeschichte und Schmerzsituation rate man dem Patienten von einer weiteren Operation ab. Geplant werde ein abwartendes Ver- halten mit einer Verlaufskontrolle in sechs Monaten. D ie Arbeitsfähigkeit für sitzende und leicht wechselnde Tätigkeiten sei grundsätzlich freigegeben. Dieser Formulierung kann nun aber keine vollschichtige Arbeitsfähigkeit, wie sie von Dr. E.____ festgelegt wurde, entnommen werden, da- für ist sie aufgrund der Verwendung des Wortes "grundsät zlich" zu vorsichtig formuliert. Auf der anderen Seite können die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Einschränkungen nicht alle dem Bericht des Spitals C.____ entnommen werden, so zum Beispiel der Ruheschmerz, dessen Vorliegen aufgrund der schweren OSG-Arthrose aber auch nicht völlig abwegig erscheint. Damit liegen mehrere Indizien vor, die Zweifel am Zumutbarkeitsprofil von Dr. E.____ wecken, weshalb zur Beurteilung der Auswirkungen der somatischen Unfallfolgen auf die Arbeitsfähigkeit und damit die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht darauf abgestellt werden kann. In diesem Punkt sind neue Abklärungen angezeigt, eventuell auch unter Zuhilfenahme einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL). 6.1 Damit ist als nächstes zu prüfen, ob psychische Beschwerde n vorliegen, die unfallkausal sind und die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers beeinflussen. Folgende psychiatrische Be- richte liegen bei den Akten: 6.2.1 Mit Bericht vom 20. November 2017 (act. 307) nim mt Dr. med. F.____, Allgemeinmedizin FMH und FA Psychosomatik, aus psychosomatischer Sicht Stellung. Als aktuelle Befunde hält er ein schweres depressives Symptom, eine Angststörung mit Pan ikattacken und sozialer Phobie, eine chronische Schmerzstörung resp. somatische Belastungsstörung, eine Unverträglichkeit von diversen Antidepressiva und den Verdacht auf ADHS im Erwa chsenenalter fest. Der Patient weise biographische Besonderheiten auf, die ihn als erh öht vulnerabel erscheinen liessen. Der Autounfall mit 19 Jahren müsse, neben den bekannten Folgen, als psychisch traumatisierend bezeichnet werden. Die Operationen hätten wohl vieles zur Genesung beigetragen, deren Um- stände jedoch, und dies teilweise wiederholt, hätten ungünstig auf den psychischen Zustand des Patienten eingewirkt. Es sei daher anzunehmen, dass der überwiegende Teil der psychiatrischen Symptomatik durch den Unfall im Jahr 2008 resp. durch die Unfallfolgen entstanden sei. Die Be- rufsalternative Handelsdiplom, obwohl in guter Absicht angeboten, müsse angesichts der Priori- täten und Fähigkeiten des Patienten als ungünstig bezeichnet werden. Eine Abklärung des ADHS und weitere Psychodiagnostik seien unumgänglich. In Anbet racht dieser Faktoren werde die Suva gebeten, für die psychosomatische Behandlung des Patienten aufzukommen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.2 Dr. med. G.____, Facharzt für Psychiatrie und P sychotherapie und Kreisarzt der Be- schwerdegegnerin, hält in Rahmen einer Aktennotiz am 4. Dezember 2017 fest (act. 308), dass der ausführliche Bericht von Dr. F.____ ein plastisches B ild des Versicherten zeichne, mit einer belasteten Biographie, Suchterkrankung des Vaters, lan gjährigen Konflikten, Scheidungssitua- tion, Tod der Schwester und der Vermutung, dass ein A DHS in der Jugend vorgelegen haben könnte (ereignisfremde Faktoren). Ferner würden Hinweise auf eine Suchterkrankung vorliegen. Anamnestisch werde der Konsum von Cannabis erwähnt. F ür die Beurteilung der natürlichen Kausalität reiche dieser Bericht nicht aus. Daher schlage er vor, dass der Versicherte für einen stationären Aufenthalt aufgeboten werde. 6.2.3 Im Auftrag des Krankentaggeldversicherers wurde de r Beschwerdeführer von Dr. H.____, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, psychi atrisch begutachtet. Mit Gutachten vom 21. September 2017 (act. 321) diagnostiziert dieser mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig- keit eine leicht- bis mittelgradige depressive Episode, wahrscheinlich im Rahmen einer rezidivie- renden depressiven Störung (ICD-10: F33.01). Dr. H.____ vermerkt, dass der Explorand deutlich deprimiert, wenig schwingungsfähig und nicht affektlabil sei (Gutachten, S. 5). Weiter hält er fest, dass sich der Explorand in reduziertem Allgemein- und sc hlankem Ernährungszustand präsen- tiere. Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen würden a uffallen und auch geltend gemacht. Schuldgefühle seien in Bezug auf den Autounfall deutlich vorhanden und Insuffizienzgefühle be- stünden ebenfalls. Panik- und Angstsymptome bestünden und träten vor allem bei Arztterminen auf, aber auch bei anderen Terminen. Der Antrieb und die Interessen seien reduziert und es bestehe eine erhöhte Ermüdbarkeit. Der Appetit sei re duziert, Ein- und Durchschlafstörungen bestünden regelmässig. Der Explorand sei auch verzweifelt . Aufgrund der deutlich depressiven Symptomatik bestehe eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit f ür sämtliche Tätigkeiten (Gutachten, S. 10). 6.2.4 Mit Bericht vom 22. Dezember 2017 (act. 321) häl t Dr. F.____ fest, dass der Bericht von Dr. H.____ sicher konzis abgefasst worden sei, die komplexe Situation des Patienten jedoch nicht berücksichtige. Dr. F.____ diagnostiziert eine depressive Episode, aktuell mittelschwer bei Status nach schwerer depressiver Episode im August 2017, somat ischer Belastungsstörung und ge- mischter Angststörung. Für die reduzierte Arbeitsfähigke it verantwortlich seien nicht nur die de- pressive Symptomatik, sondern auch die somatische Belastungsst örung mit der Angabe von Schmerzen, die gemäss Aussagen des Patienten keinen Arbei tseinsatz länger als ein bis zwei Stunden erlauben würden. Der Patient sei derzeit zu 0 % arbeitsfähig (vgl. insbesondere Bericht an die IV-Stelle vom 7. Dezember 2017, act. 321). 6.2.5 In der Folge absolvierte der Beschwerdeführer v om 30. Mai 2018 bis 14. August 2018 einen stationären Aufenthalt in der Klinik D.____ ( Bericht vom 23. April 2018, act. 326 ff.). Im Austrittsbericht vom 19. September 2018 (act. 342, korri gierte Version act. 360, vgl. auch act. 365) diagnostizieren die behandelnden Ärztinnen: 1. Po sttraumatische Belastungsstörung mit wechselnder Ausprägung, 2. Mittelgradige depressive Ep isode mit Rahmen der Diagnose 1, 3. Chronisches Schmerzsyndrom des linken OSG bei Status nach Auto-Selbstunfall im November 2008 mit Polytrauma und Entwicklung einer OSG-Arthrose und Tibiarotationsfehler nach offener Reposition und mehreren Osteosynthesen sowie Reoperatione n im Verlauf und mangelnder Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Krankheitsakzeptanz mit Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen, 4. Agoraphobie mit Panikstörung, 5. Benzodiazepinabhängigkeit, 6. OSG-Arthrose und Tibi arotationsfehler links bei Status nach Polytrauma, 7. Schädlicher Gebrauch von Cannabis, 8. V itamin D-Mangel sowie 9. Hypercholesterinämie. Für die Dauer des Aufenthalts habe eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit bestanden. 6.2.6 Dr. G.____ hält im Rahmen einer Aktennotiz am 6. Dezember 2018 (act. 348) fest, dass eine natürliche Teil-Kausalität der psychischen Beschwerde n zum Unfallereignis gegeben sei. Eine weitere Traumabehandlung sei indiziert, da eine stationäre traumafokussierte Behandlung den Gesundheitszustand noch namhaft verbessern könne. Ein Endzustand und eine eigenstän- dige sekundäre psychische Erkrankung lägen nicht vor. 6.2.7 In der Folge wechselte der Beschwerdeführer zu Dr . med. I.____, Psychiatrie und Psy- chotherapie FMH. Im Bericht vom 16. Februar 2019 (act. 373) diagnostiziert Dr. I.____ eine re- zidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradi g, eine Agoraphobie mit Panikstörung sowie psychische und Verhaltensstörungen durch Zolpidem / Alprazolam gegenwärtiger Sub- stanzgebrauch, Cannabis gemäss Eigenangabe / Bericht Klinik D.____ sistiert und ein nicht nä- her bezeichneter Gebrauch von Alkohol. Mit Arztzeugnis v om 16. Oktober 2019 hält Dr. I.____ eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit vom 14. Oktober 20 19 bis 31. Dezember 2019 aufgrund von Krankheit fest (act. 407, vgl. auch ärztlicher Zwischenbericht vom 1. Oktober 2019, act. 417). 6.2.8 Anlässlich der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 13. November 2019 hält Dr. E.____ fest, dass sich das Gespräch mit dem Versicherten schwierig gestalte, er recht wortkarg und einsilbig sei und ein Gefühl der Resignation, Mut losigkeit und etwas Traurigkeit verströme und sich in einem deutlich reduzierten Allgemeinzustand b efinde. An der abschliessenden Be- sprechung habe der Versicherte aufgrund der seelischen Si tuation teils einen abwesenden Ein- druck gemacht, habe aber angegeben, alles verstanden zu haben. Der Versicherte habe keine Überlegungen angestellt, wie es in seiner Situation b eruflich weitergehe, er sei momentan nicht dazu in der Lage. 6.3 Die Würdigung dieser Berichte zeigt, dass sich die p sychische Gesundheit des Be- schwerdeführers nach der Rückfallmeldung Ende 2014 versch lechterte. Er selbst gibt an, dass er erstmals im Jahr 2015 eine Panikattacke erlebt habe, als ihm von der Orthopädie des Spitals C.____ mitgeteilt worden sei, dass sein Bein nicht meh r gut werde (Bericht der Klinik D.____, S. 4). Zeitgleich mit der Tätigkeit bei der J.____ von Februar 2016 bis September 2017 verstärk- ten sich die psychischen Probleme weiter, insbesondere di e Angst- und Panikattacken. Im Jahr 2017 wurde eine psychoanalytische Behandlung aufgenommen , die aber nicht weitergeführt wurde. Im November 2017 erfolgte eine psychosomatische A bklärung bei Dr. F.____ mit an- schliessender Therapie. Der mehrwöchige Aufenthalt in der Klinik D.____ während des Sommers 2018 brachte eine gewisse Verbesserung (vgl. S. 5 des A ustrittsberichts vom 19. September 2018, act. 365). In der Folge hält Dr. G.____ fest, dass eine traumafokussierte Behandlung noch eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands bewirken könne. Daraufhin begab sich der Beschwerdeführer bei Dr. I.____ in Behandlung. Im Rahmen des Fallabschlusses verzichtete die Beschwerdegegnerin darauf, von Dr. G.____ eine weitere Beurteilung einzuholen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausgehend von diesen Berichten und der Beurteilung von Dr. G.____ steht fest, dass psychiatri- sche Beschwerden bestehen, die sowohl behandlungsbedürftig sind als auch die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers einschränken. Gestützt auf die Aktenn otiz von Dr. G.____ vom 6. De- zember 2018 steht weiter fest, dass die psychischen Beschwerden teilursächlich auf das Unfall- ereignis vom 14. November 2008 zurückzuführen sind. Der natürliche Kausalzusammenhang wird von der Beschwerdegegnerin ausdrücklich anerkannt. Weitere Schlussfolgerungen in Bezug auf die psychischen Unfallfolgen lassen sich gestützt auf die jetzige Aktenlage aber nicht zuver- lässig ziehen, da sich die vorgenannten medizinischen Berichte sowohl in der Diagnosestellung als auch in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zum Teil erheblich unterscheiden. Unklar ist damit, unter welchen psychiatrischen Beschwerdebildern der Beschwerdeführer leidet, ob durch die Be- handlung derselben noch eine namhafte Verbesserung de r Erwerbsfähigkeit erreicht werden kann und inwiefern die Arbeitsfähigkeit und das Zumutbarkeitsprofil durch die psychischen Leiden beeinflusst werden. Derzeit kann auch keine verlässliche A ussage über das Zusammenwirken der verschiedenen somatischen und psychischen Beschwerden ge macht werden. Auch hierzu fehlen verlässliche medizinische Unterlagen. Soweit sich somit nachfolgend ergeben sollte, dass die psychischen Beschwerden adäquat-kausal auf das Unfaller eignis vom 14. November 2008 zurückzuführen sind, ist der medizinische Sachverhalt nicht nur in somatischer, sondern auch in psychiatrischer Hinsicht neu abzuklären, und zwar unter Zuhil fe- nahme eines externen bi- oder polydisziplinären Gutachtens gemäss Art. 44 ATSG. Dieses Gut- achten wird sich auch aus einer Gesamtsicht zu den Auswirkun gen der Gesundheitsstörungen auf die Erwerbsfähigkeit zu äussern zu haben. 7.1 Für die Beurteilung der Frage, ob dem Unfall ei ne massgebende Bedeutung für die Ent- stehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit zukommt (vgl. dazu Erwägung 3.4 hiervor), ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei das Bundesgericht folgende Einteilung vornimmt: banale bzw. leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle andersei ts und schliesslich der dazwischenlie- gende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6). Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquate r Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es si nd daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusamme nhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kri- terien sind zu nennen (BGE 129 V 177 E. 4.1): - besonders dramatische Begleitumstände oder besonde re Eindrücklichkeit des Unfalls; - die Schwere oder besondere Art der erlittenen (som atischen) Verletzungen, insbesondere ihre er- fahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; - ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; - körperliche Dauerschmerzen; - ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen er heblich verschlimmert; - schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikat ionen; - Grad und Dauer der körperlich bedingten Arbeitsunfä higkeit. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erfor- derlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be urteilung des adäquaten Kausalzu- sammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies triff t einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist. Andererseits kann im gesamten mitt- leren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit in- folge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die zu berücksichtigenden Krite- rien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten. Er- weist sich ein Unfall bei gegebenem natürlichem Kausalzusammenhang nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung als geeignet, eine psychisch bedingte Er- werbsunfähigkeit zu verursachen, so darf die Adäquanz des Kausalzusammenhangs nicht etwa deshalb verneint werden, weil die betroffene Person mit ihrer besonderen psychischen Prädispo- sition ausserhalb der weiten Gruppe der Versicherten lie gt, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen weniger anfälliger sind. Andernfalls würde von der betroffenen Person zu Unrecht verlangt, dem Unfallereignis einen grösseren psych ischen Widerstand entgegenzuset- zen, als es von einer der erwähnten Bandbreite angehör enden versicherten Person erwartet würde (BGE 115 V 133 E. 4 und 6c/bb). 7.2.1 Im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise ist zu prüfen, ob der Verkehrsunfall vom 14. November 2008 eher als leicht, als mittelschwer o der als schwer erscheint, wobei im mittleren Bereich gegebenenfalls eine weitere Differ enzierung nach der Nähe zu den leichten oder schweren Unfällen erfolgt. Massgebend sind der aug enfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften, nicht jedoch die Folgen des Unfalles oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können. Derartigen Faktoren ist gege- benenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen. Dies gilt etwa für die ein eigenes Kri- terium bildenden Verletzungen, die sich die versicherte Person zuzieht, oder auch für äussere Umstände, wie eine allfällige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder Verletzungs- resp. gar Todesfol- gen, die der Unfall für andere Personen nach sich zieht . Diese äusseren Umstände sind unter dem Gesichtspunkt der besonders dramatischen Begleitumstä nde oder besonderen Eindrück- lichkeit des Unfalls zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Februar 2009, 8C_799/2008, E. 3.2.1). 7.2.2 Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Ein spracheentscheid davon aus, dass es sich um ein mittelschweres Ereignis, nicht im Grenzbereich zu den schweren liegend, handle. Daher könne die Adäquanz nur bejaht werden, wenn drei der sieben Kriterien erfüllt seien oder eines davon besonders ausgeprägt. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, es Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht liege ein schweres Ereignis vor, weshalb die psychischen Be schwerden ohne eigentliche Adä- quanzprüfung kausal auf das Unfallereignis zurückzuführen seien. Es handle sich nicht um eine einfache Kollision, tatsächlich seien für das Unfallereig nis zusätzliche erschwerende Umstände aufzuführen. Als solche seien insbesondere zu nennen eine hohe, übersetzte Geschwindigkeit mit Kontrollverlust über das Fahrzeug, eine Irrfahrt abseits der Strasse und Mehrfachkollisionen, Beteiligung einer mitfahrenden Person mit entsprechenden Ängsten und Schuldgefühlen des Be- schwerdeführers, Wegschleudern des Fahrzeugs über mehre re Meter mit einem zusätzlichen Überschlagen des Fahrzeugs, Todesangst des Beschwerdeführers, Angst, ein Bein zu verlieren und eine Invalidität zu erleiden, Eingeklemmt sein während rund zwei Stunden im Fahrzeugwrack mit Gefühllosigkeit der Beine und zusätzlichem Ausbruch des Feuers sowie eine langwierige und schwierige Bergung aus dem Fahrzeugwrack. Die Irrfahrt und Mehrfachkollision (Grenzstein, stei- les Waldbord, Baumstrunk, Rücksturz mit Überschlag auf die Strasse) habe er sehenden Auges und machtlos erlebt. Das subjektive Erleben sei auch aus objektiver Sicht nachvollziehbar. Auch nach dem Unfall hätten ihn Schuldgefühle und Todes- und Invaliditätsängste geplagt. 7.2.3 Laut Bericht der Kantonspolizei Z.____ vom 5. D ezember 2008 (act. 17) fuhr der Be- schwerdeführer mit seinem Personenwagen um 15:22 Uhr mit übersetzter Geschwindigkeit – an- geblich mit ca. 110 km/h, Zeugen berichten von einer no ch höheren Geschwindigkeit – auf der Hauptstrasse. In einer leichten Rechtskurve verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug, schleu- derte nach links quer über die Strasse, prallte am linksseitigen Strassenrand gegen einen Grenz- stein, fuhr in der Folge schräg das steile Waldbord hin auf, hob dort auf einem Hubbel ab und prallte anschliessend gegen einen Baumstrunk. Danach stürzte das Auto frontal auf die Strasse zurück, geriet über den rechtsseitigen Strassenrand hinaus und kam an der steilen Strassenbö- schung zum Stillstand. Die Distanz von der ersten Stopp-/S chleuderspur des Unfallwagens bis zum Stillstand an der steilen Strassenböschung betrug gen au 100 m. Der Wagen flog aufgrund eines Hubbels auf seiner Schleuderfahrt 18 m durch die Luft und prallte danach frontal gegen einen am steilen Waldbord, 3,4 m von der Strasse entfernten Baumstrunk. Im Fahrzeug befanden sich der Beschwerdeführer und ein Kollege. Der Beschwer deführer war mit beiden Beinen im Fahrzeug eingeklemmt. Bis zum Eintreffen der Sanität u nd der Feuerwehr wurde er durch Dritt- personen betreut. In der Folge musste er durch die Feuerwehr geborgen werden und wurde an- schliessend mit der Sanität ins Spital C.____ gebracht. Der leicht verletzte Beifahrer konnte sich selber aus dem Fahrzeug befreien und wurde ebenfalls mi t der Ambulanz ins Spital C.____ ge- fahren. Die Bilder des Unfallwagens zeigen sodann ein total zerstörtes Wrack. 7.3 Die bundesgerichtliche Praxis zur Schwere des Unfaller eignisses in Zusammenhang mit Fahrzeugunfällen ist äusserst streng. Vergleicht man die vorliegenden Umstände mit der Kasuis- tik, wie sie vom Bundesgericht im Urteil vom 21. August 2019, 8C_212/2019, in Erwägung 4.2.2 dargestellt wird, so zeigt sich, dass der Unfall zwar be i hoher Geschwindigkeit auf einer Land- strasse erfolgte, sich das Fahrzeug überschlug und fast 20 m durch die Luft flog. Damit waren aber nicht höhere Krafteinwirkungen verbunden als bei zahlreichen anderen Unfallereignissen, bei denen ein Fahrzeug bei hoher Geschwindigkeit ins S chleudern geriet, sich überschlug, und die von der Rechtsprechung noch als im engeren Sinne m ittelschwer beurteilt wurden. Das vor- liegende Unfallereignis kann auch nicht mit demjenigen aus dem Urteil des Bundesgerichts vom Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11. Februar 2009, 8C_799/2008, E. 3.2.2, verglichen werden, das aufgrund der sich dabei entwi- ckelten Kräfte als im Grenzbereich zu den schweren Unfälle n qualifiziert wurde. Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer vorgebrachten erschwerenden Umstände, die er gleichzeitig zur Qualifi- zierung des Ereignisses als schwer wie auch zur Bejahung des Kriteriums der besonders drama- tischen Begleitumstände oder der besonderen Eindrücklichke it des Unfalles erwähnt, weist die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hin, dass diese Umstä nde, die nicht direkt dem Unfallge- schehen zugeordnet werden können, bei der Frage der Un fallschwere nicht zu berücksichtigen sind. Soweit sich der Beschwerdeführer auf die Kasuistik des Bundesgerichts im Zusammenhang mit Kollisionen zwischen Motorrädern und Motorfahrzeug en beruft, kann er daraus ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten. Zum Einen qualifiziert das Bundesgericht diese Unfälle in der Regel als mittelschwer im engeren Sinn. Das Unfallereig nis ist zudem nicht ohne Weiteres ver- gleichbar mit einer Motorradkollision; insbesondere unt erscheiden sich die Geschehensabläufe dadurch, dass der Insasse eines Personenwagens durch die Rückhaltesysteme (Sicherheitsgur- ten; Airbag) geschützt wird, wogegen sich der Motorradf ahrer oder dessen Beifahrer im freien Raum befinden. Zum anderen absorbiert die Knautschzone an Personenwagen einen Teil der Kollisionsenergie (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Mä rz 2020, 8C_627/2019, E. 5.3.2 und 5.3.3 mit weiteren Hinweisen). Diese Kasuistik ist damit nicht einschlägig. Damit zeigt sich, dass das Ereignis vom 14. November 2008 als mittelschwerer Unfall im engeren Sinne zu qualifizieren ist, weshalb zur Bejahung der Adäquanz der psychischen Unfallfolgen mindestens drei der Krite- rien gegeben sein müssen oder eines sehr ausgeprägt (ANDRÉ NABOLD in: Kommentar zum Bun- desgesetz über die Unfallversicherung, Bern 2018, Art . 6 UVG Rz. 70). Der Beschwerdeführer macht geltend, es seien drei Kriterien erfüllt: das de r besonders dramatischen Begleitumstände oder der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles, das der ungewöhnlich langen Dauer der ärzt- lichen Behandlung und das Kriterium des körperlichen Dauerschmerzes. Die Beschwerdegegne- rin stellt sich auf den Standpunkt, dass keines der Kriterien bejaht werden könne. 7.4.1 Zunächst ist zu prüfen, ob dramatische Begleitums tände oder eine besondere Eindrück- lichkeit des Unfalles vorliegen. Die besondere Eindrücklichkeit des Ereignisses ist nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person zu beurteilen (BGE 140 V 356 E. 5.6.1). Dem Kriterium liegt der Gedanke zug runde, dass solche Umstände geeignet sind, bei der betroffenen Person während des Unfallge schehens oder nachher psychische Ab- läufe in Bewegung zu setzen, die an den nachfolgenden p sychischen Fehlentwicklungen mitbe- teiligt sein können. Dabei sind objektive Massstäbe anzuwe nden. Nicht was in der betroffenen Person beim Unfall psychisch vorgeht soll entscheidend sein, sondern die objektive Eignung sol- cher Begleitumstände, bei den betroffenen Personen psych ische Vorgänge der genannten Art auszulösen. Zu beachten ist zudem, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist (Urteile des Bundesgerichts vom 12. März 2018, 8C_720/2017, E. 4.4, und vom 10. März 2020, 8C_627/2019, E. 5.4.1, je mit Hinweisen). In jüngerer Zeit bejahte das Bundesgericht dieses Kriterium etwa bei einer Massenkaramb olage auf einer Autobahn (Urteil vom 22. August 2008, 8C_623/2007, E. 8.1; vgl. auch U rteil vom 7. Mai 2008, 8C_633/2007, E. 6.3), bei einem Zusammenstoss zwischen einem Personenwagen und einem Lastwagen in einem Autobahntunnel mit mehreren sich anschliessenden Kollisionen mit der Tunnelwand (Urteil vom 4. September 2008, 8C_257/2008, E. 3.3.3), bei eine m Zusammenprall zwischen einem Sattel- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlepper und einem Personenwagen, wobei der Fahrer de s Sattelschleppers die Kollision zu- nächst nicht bemerkte und den Personenwagen der versicherten Person noch auf einer längeren Distanz vor sich herschob, und die Insassen des Personenwage ns verzweifelt versuchten, den Unfallverursacher auf sie aufmerksam zu machen (Urteil vo m 22. Oktober 2008, 8C_508/2008, E. 5.3) oder bei einem in der 29. Woche schwangeren Unfallopfer (Urteil vom 3. Dezember 2008, 8C_590/2008, E. 5.3). 7.4.2 Vorliegend sind keine Umstände ersichtlich, mit de nen sich dieses Kriterium begründen liesse. Daran vermag auch der Unfallhergang (hohe, übersetzte Geschwindigkeit mit Kontrollver- lust, Irrfahrt abseits der Strasse und Mehrfachkollision en, Wegschleudern des Fahrzeugs über insgesamt 18 m mit Überschlag) nichts zu ändern, da die beim Unfall entwickelten Kräfte bereits bei der Einteilung in die Kategorien leicht, mittelschwer und schwer berücksichtigt wurden. Auch die zweistündige schwierige Bergung mit einem zusätzlichen Ausbruch eines Feuers – wobei dieses in den Akten nicht dokumentiert ist – ist nicht als a ussergewöhnlich zu bezeichnen. Die Rettungskräfte waren schnell vor Ort, da sie unmittelbar nach dem Unfallereignis von Drittperso- nen alarmiert wurden. Der Beschwerdeführer beruft sich darauf, dass sein Kollege beteiligt ge- wesen sei. In Zusammenhang mit der Beteiligung einer Drittperson bejahte das Bundesgericht das Kriterium bei einem Unfall, bei dem der Beifahrer durch das Dach aus dem Wagen geschleu- dert wurde, verneinte es aber bei einer hochschwangeren Frau als Mitfahrerin, die nur leicht ver- letzt wurde oder beim 16-jährigen Sohn als Mitfahrer (Urteile vom 21. August 2019, 8C_212/2019, E. 4.3.3, und vom 10. Juli 2009, 8C_673/2008, E. 5. 3.2). Der Kollege des Beschwerdeführers verletzte sich nur leicht am Rücken (Rückenprellung), konnte selber aus dem Wagen aussteigen und sich sogar noch um den Beschwerdeführer kümmern. Dam it sind im Lichte der Praxis des Bundesgerichts weder besonders dramatische Begleitumstände noch eine besondere Eindrück- lichkeit gegeben. Das Kriterium wurde von der Beschwerdegegnerin zu Recht verneint. 7.5.1 Weiter zu prüfen ist die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbe- sondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlent wicklungen auszulösen. Der Be- schwerdeführer macht diesbezüglich nichts geltend. Die Beschwerdegegnerin legt im angefoch- tenen Einspracheentscheid unter Hinweis auf verschiedene Urteile des Bundesgerichts dar, dass die vorliegend erlittenen Femurschaft-, Unterschenkel- und Fibulafrakturen, auch wenn sie kom- plex seien, das Kriterium nicht erfüllen würden. 7.5.2 Die Beschwerdegegnerin weist auf Urteile des Bun desgerichts hin, in denen die versi- cherte Person ein Polytrauma erlitten hatte und das Kriterium mit der Begründung verneint wurde, die Verletzungen erschienen nicht als geeignet, erheb liche psychische Fehlreaktionen auszulö- sen. In BGE 140 V 356 E. 5.5.1 legte das Bundesgericht seine Praxis zu diesem Kriterium dar. Dabei zeigt sich, dass es bei einem schweren Polytrauma d ie Schwere oder besondere Art der Verletzungen, die dazu geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen zu begünstigen, in der Re- gel verneint. Das Bundesgericht zeigte aber nicht auf, warum multiple Verletzungen nicht geeig- net sind, psychische Fehlentwicklungen zu begünstigen. Daher sind aus diesem Entscheid keine Erkenntnisse für den konkreten Einzelfall zu gewinnen. Das Urteil zeigt aber, dass das Bundes- gericht, wenn es denn das Kriterium bejahte, in Bezug auf die erlittenen Verletzungen von einer besonderen Vulnerabilität der versicherten Person ausging. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.5.3 Vorliegend handelt es sich um einen im Unfallzei tpunkt knapp 19-jährigen Versicherten, dem kurz vor dem Unfallereignis die Lehrstelle als Logist iker fristlos gekündigt wurde. Aufgrund der bleibenden körperlichen Unfallfolgen konnte er seinen Berufswunsch als Logistiker nicht mehr verwirklichen, sondern wurde von der IV in eine sitzende Bürotätigkeit umgeschult, die seinen persönlichen Fähigkeiten nicht entspricht und in der er in der Folge auch nie Fuss fassen konnte. Die genauen Gründe, weshalb der Beschwerdeführer keine Praktikumsstelle fand, sind nicht be- kannt. Aus den medizinischen Berichten geht zudem hervor, dass für den Beschwerdeführer eine Welt zusammengebrach, als ihm von den behandelnden Är zten im Jahr 2015 eröffnet wurde, dass keine weitere Besserung mehr eintreten und ihm da mit letztlich nur eine vorwiegend sit- zende berufliche Tätigkeit möglich sein werde. Damit war der Beschwerdeführer aufgrund des an den Beinen erlittenen schweren Polytraumas und dessen F olgen für sein weiteres Berufsleben einer besonderen psychischen Belastung ausgesetzt, die geeignet ist, das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen zu erfüllen. 7.6.1 Das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung setzt eine län- ger dauernde, kontinuierliche und zielgerichtete Behandlung somatisch begründbarer Beschwer- den voraus (BGE 140 V 356 E. 5.6.2 mit Hinweisen), wobei dies nicht allein nach einem zeitlichen Massstab zu beurteilen ist. Von Bedeutung sind auch Art u nd Intensität der Behandlung sowie der Umstand, inwieweit noch eine Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist (Urteile des Bundesgerichts vom 19. Februar 2020, 8C_518/2019, E. 4.4.4, und vom 11. November 2019, 8C_473/2019, E. 5.4). 7.6.2 Die Beschwerdegegnerin verneint dieses Kriterium. Ausgehend von der Zeitdauer der effektiven Behandlungen über die massgebenden etwas mehr als 11 Jahre und in Anbetracht der komplexen Verletzungen könne nicht von einer ungewöh nlich langen Dauer der ärztlichen Be- handlung gesprochen werden. Der Beschwerdeführer führt aus, dass bei einem Unterbruch von rund zwei Jahren (2012 bis 2014) gesamthaft von einer a chtjährigen Behandlungsdauer auszu- gehen sei (2008 bis 2012, 2015 bis Ende 2019). Diese B ehandlungszeit mit insgesamt 11 Ein- griffen könne nicht anders als ungewöhnlich lang angesehen werden. 7.6.3 Am Tag des Unfallereignisses wurde im Spital C.__ __ eine offene Reposition und Plat- tenosteosynthese Femur links sowie die Anlage eines gele nksüberbrückenden Fixateurs extern des linken oberen Sprunggelenks mit intraoperativer Logendruckmessung durchgeführt (act. 5). Am 16. November 2008 wurde der Beschwerdeführer aufgrund von Komplikationen, die eine in- tensivmedizinische Überwachung notwendig machten, ins Spital K.____ verlegt. Am 24. Novem- ber 2008 wurden im Spital C.____ die Entfernung des Fixateurs extern, eine offene Reposition, eine Zugschrauben- und Plattenosteosynthese Tibia, eine Zugschraubenosteosynthese Pilon tibiale, eine Stellschraubenosteosynthese Talus und eine Sehnennaht des Musculus Tibialis an- terior (act 7) und am 11. Dezember 2008 eine offene R eposition und Plattenosteosynthese der Fibula links (act. 9) durchgeführt. Während des Rehabil itationsaufenthaltes in der Klinik L.____ (ab dem 16. Dezember 2008) musste der Beschwerdeführer wegen einer Infektion ins Spital C.____ rückverlegt werden (act. 10). Dort wurde er nach einer Abklärung am 23. Dezember 2008 Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht erneut ins Spital K.____ überwiesen, um die plastische D eckung der Hautnekrosen an den Un- terschenkeln vornehmen zu lassen (act. 13). Am 31. Dezem ber 2008 wurden ein Débridement Malleolus lateralis links und VAC-Anlage vorgenommen (O perationsbericht des Spitals K.____ vom 13. Januar 2009, act. 25), anschliessend am 7. Januar 2009 im Rahmen einer weiteren Operation die Behebung der Weichteildefekte und eine Neurotomie des Nervus fibularis superfi- cialis links (act. 24). Am 2. Februar 2009 wurde der Besc hwerdeführer aus dem Spital K.____ nach Hause entlassen (vgl. Austrittsbericht vom 3. Februar 2009, act. 26). Im Bericht des Spitals C.____ vom 4. Februar 2009 wird festgehalten, dass eine wenig fortgeschrittene Frakturkonsoli- dation im Bereich des Unterschenkels bestehe. Die Belastung an Stöcken betrage daher 15 kg. Die Beweglichkeit solle aktiv durch ein Heimprogramm un d Physiotherapie gesteigert werden. Die Schwellungszustände seien noch ausgeprägt. Im Rahmen der Verlaufskontrolle in sechs Wo- chen sei zu beurteilen, ob eine Spongiosaplastik durchzu führen sei (act. 18). Anlässlich der Sprechstunde vom 30. Juli 2009 wird festgehalten, dass der Patient notfallmässig in die Sprech- stunde gekommen sei, da er seit zwei bis drei Tagen zune hmend Schmerzen im Bereich des distalen Unterschenkels medialseits verspüre. Da am 24. Ju li 2009 eine Inzision eines Panariti- ums der rechten Grosszehe durchgeführt worden sei, und eine Verschleppung von Keimen vom Grosszeh in das Operationsgebiet möglich sei, werde eine antibiotische Therapie eingeleitet (act. 46). Anlässlich der Kontrolle vom 11. August 2009 wird der Verdacht auf einen Low-Grade Infekt im Bereich des Plattenlagers der Tibia bei delayed Unio n festgehalten und weitere Abklärungs- schritte wurden in die Wege geleitet (act. 47). Dem Bericht des Spitals C.____ vom 20. Oktober 2009 (act. 54) kann der Verdacht auf eine infizierte Pseudoarthrose der rechten Tibia, die zudem eine verzögerte Knochenheilung zeige, entnommen werden. Symptomatisch sei das Ganze nach der Panarizium-Operation am linken Grosszeh geworden, wobei im Prinzip bereits vorher die Indikation zur Revision der verzögerten Knochenheilung gestellt worden sei. Es werde ein Spital- aufenthalt von drei bis vier Wochen geplant. Am 20. November 2009 wurde das Osteosynthese- material der Tibia sowie des Malleolus lateralis links entfernt mit Débridement der Pseudoarthrose und der Entnahme von Gewebeproben, zudem wurde eine Keilexzision nach Kocher am Dig. I Fuss links lateral durchgeführt (Operationsbericht vom 23. November 2009, act. 56). Am 4. De- zember 2009 wurden eine korrigierende, varisierende Re-Osteosynthese der Tibia mit Dekortika- tion und Spongiosaplastik sowie eine Medial-Sliding-Ost eotomie des Calcaneus sowie eine Spongiosa vom Beckenkamm links vorgenommen (act. 57). Anlässlich der Kontrolle vom 15. Juni 2010 wird vom Spital C.____ ein positiver Verlauf bezüglich der Pseudoarthrose und der letzten Revisionsoperation festgehalten. Man werde den Patient en weiterhin halbjährlich kontrollieren und insbesondere ein Augenmerk auf die Rückfussstellung und die aktuell deutliche Sklerose- zone am Talus, die immer noch differenzialdiagnostisch al s Nekrose imponiere, richten (Bericht vom 22. Juni 2010, act. 81). Anlässlich der Kontrolle im Spital C.____ vom 13. Janua r 2011 habe der Versicherte mitgeteilt, dass er medial betonte OSG-Beschwerden links verspüre, die plötzlich seit dem 5. Januar 2011 ohne adäquates Trauma aufgetreten seien. Diese würd en sich unter Belastung verschlechtern. Es wurden weitere Abklärungen in die Wege geleitet (Bericht vom 21. Januar 2011, act. 94). Mit Bericht vom 10. Februar 2011 hält das Spital C.____ ( act. 95) fest, dass es zu einer medialen Überlastung des linken OSG gekommen sei. Es bestehe eine komplexe Situation mit zunehmen- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht der OSG-Arthrose und zystischen Veränderungen im Talus und einer Überlastung des Innenknö- chels. Insgesamt bestehe noch eine valgische Achse im Rückfuss. Bei diesem jungen Patienten sollten weitere gelenkserhaltende Massnahmen durchgeführ t werden. Mit Bericht vom 5. April 2011 (act. 101) hält das Spital C.____ fest, dass in An betracht des jungen Alters des Patienten empfohlen werde, die komplexe Fehlstellung, die die die OSG-Valgusarthrose wesentlich mitun- terhalte, zu korrigieren. Die Operation sei für den S ommer geplant. Nach der Einholung einer Zweitmeinung im Spital M.____ wurde der Beschwerdefü hrer am 23. August 2011 im Spital C.____ operiert (Operationsbericht vom 24. August 2011, act. 111). Dabei wurden bei einer post- traumatischen Arthrose am linken OSG und dem Status nach Osteosynthese Femur links eine medial zuklappende supramalleoläre Osteotomie OSG li nks und eine Metallentfernung Femur links durchgeführt. Anlässlich der Besprechung vom 23. Januar 2011 teilte der behandelnde Chi- rurg mit, dass sich die Schraube im Oberschenkel leider gelockert habe und auf dem Röntgenbild noch ein kleiner Riss im Knochen erkennbar sei. Dies sei die Ursache der Schmerzen. Falls der Knochen den Riss nicht kompensieren könne, bleibe nur eine operative Stabilisation übrig. Der Patient solle vorerst die Stöcke gebrauchen (act. 128). Mit Bericht vom 2. Juli 2012 hält das Spital C.____ als Diagnosen eine posttraumatische Arthrose OSG links bei Status nach komplexer Ober- und Unterschenkelverletzung November 2008 fest (act. 142). Der Patient berichte nun über einen praktisch beschwerdefreien Verlauf vonseiten des Oberschenkels. Demgegenüber bestün- den Schmerzen im Bereich des oberen Sprunggelenks. Am 19. Januar 2015 wurde aufgrund von Schmerzen am lin ken Innenknöchel (vgl. Bericht des Spitals C.____ vom 13. Januar 2015; act. 193) ein Rückf all gemeldet (act. 194). Dem Operati- onsbericht des Spitals C.____ vom 23. Januar 2015 (act. 204) kann entnommen werden, dass das störende Osteosynthesematerial am distalen Unterschen kel links entfernt worden sei. Am 19. Mai 2015 erfolgte eine weitere Operation im Spital C.____ (act. 224). Dabei wurden ein arth- roskopisches Débridement, Cheilektomie, Rekonstruktion der Peronealsehnen sowie des Pe- ronealsehnengleitlagers links vorgenommen. Mit ärztlichem Zwischenbericht vom 11. September 2015 (act. 244) hält Dr. med. N.____, Facharzt für All gemeinmedizin FMH, fest, dass ein lang- wieriger Heilungsverlauf bestehe und der linke Fuss in Beweglichkeit und Belastbarkeit stark re- duziert sei. Als bleibender Nachteil sei eine Gangbehinderung durch den schmerzhaften Restzu- stand des linken Fusses zu erwarten. Anlässlich einer weite ren Kontrolluntersuchung im Spital C.____ vom 12. Oktober 2015 wird die Diagnose des Ver dachts auf eine posttraumatische Tibiainnentorsion links Talushalsverkürzung gestellt (act. 253). Der Patient klage aktuell wieder über Schmerzen im Bereich des linken OSG, welche unte r konservativer Therapie sowie nach Peronealsehnenrevision nicht regredient gewesen seien. Es würden sich deutliche, posttrauma- tische, degenerative Veränderungen im Bereich des OSG zeigen. Es bestünden eine konsoli- dierte Osteotomie und keine Anzeichen einer Lockerung des noch liegenden Osteosynthesema- terials im Talus. Dieser scheine verkürzt zu sein. Weitere bildgebende Abklärungen würden daher in die Wege geleitet werden. Dem Bericht vom 3. Novemb er 2015 (act. 257) ist zu entnehmen, dass eine Innentorsionsstellung Tibia links von mindestens 8° im Vergleich zur Gegenseite mit/bei schwerem Autounfall 2008 und Zustand nach mehrfachen op erativen Eingriffen bestehe. Eine weitere Operation werde vorgeschlagen. Mit Arztbericht vom 11. Dezember 2015 (act. 269) hält Dr. med. O.____, Facharzt FMH für Anästhesie, fest, dass die Schmerzen am Rist sicher neuro- pathische Schmerzen seien, die auf eine Nervenläsion zurü ckzuführen seien. Die Schmerzen Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht entlang der Tibia-Vorderkante könnten zu einem Tibialis anterios-Syndrom passen. Denkbar sei aber auch eine Reizung des Nervus peroneus communis, die auch für die Schmerzen am Rist verantwortlich sein könnte. Die Schmerzen am Sprunggele nk seien etwas schwieriger zu beur- teilen. Einerseits sei eine Chronifizierung möglich als F olge der dortigen Operationen. Die Schmerzverstärkung durch Belastung lasse aber auch an einen akuten Schmerz denken, wobei der Schmerzauslöser noch unbekannt sei. Für eine genaue Be urteilung seien noch weitere Ab- klärungen notwendig. Mit Schreiben vom 25. März 2016 (act. 279) überwies Dr. O.____ den Ver- sicherten zur orthopädischen Beurteilung ins Spital M.____. Dieses schlug mit Bericht vom 4. Mai 2016 (act. 282) eine weitere Operation vor. Dr. O.__ __ machte verschiedene Behandlungsvor- schläge und empfahl dem Versicherten, sich weiter zu informieren (am 17. Juni 2016, act. 285). Am 28. August 2017 wurde der Beschwerdeführer erneut im Spital C.____ (act. 295) und am 20. November 2017 nochmals im Spital M.____ untersucht (Ber icht vom 22. November 2017, act. 313). Am 5. Dezember 2018 fand aufgrund der posttraum atische Arthrose mit Supinations- und Flexionskontraktur in Tibiainnenrotationsfehlstellung i m OSG links erneut ein Eingriff im Spital C.____ statt (act. 350). In der Folge kam es zu einer ve rzögerten Wundheilung mit möglicher Weichteil-Infektion (Bericht des Spitals C.____ vom 15. Januar 2019, act. 364). Am 26. Juni 2019 wurde ein weiteres Mal operiert. Dabei wurden eine Narbenrevision, eine Metallentfernung und eine ventrale Gelenktoilette und eine Gelenkmobilisation am linken OSG durchgeführt (act. 389). 7.6.4 Die Würdigung der vorstehenden Berichte zeigt, d ass eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Operationen durchgeführt wurde. Der Beschwerdeführer befand sich in einer ersten Behand- lungsphase vom 14. November 2008 bis 3. Februar 2009 in Spitalpflege und musste fünf Opera- tionen über sich ergehen lassen. Zudem traten in mehrfacher Hinsicht schwerwiegende Kompli- kationen auf, die eine Überweisung auf die Intensivpfle gestation des Spitals K.____ notwendig machten. Im Rahmen des zweiten Behandlungsintervalls End e 2009 kam es erneut zu einer schwerwiegenden Komplikation, die eine intensive Antib iotikatherapie sowie einen stationären Aufenthalt und zwei weitere Operationen erforderlich machte. Im Rahmen des dritten Behand- lungsintervalls im Jahr 2011 fand eine Operation statt, in einer vierten Behandlungsphase nach der Rückfallmeldung wurden im Jahr 2015 zwei weitere Eingriffe und im Jahr 2019 nochmals zwei Operationen vorgenommen. In den 11 Jahren zwischen de m Unfall und dem Fallabschluss musste sich der Beschwerdeführer somit insgesamt 12 Operationen unterziehen. Im Bericht von Dr. E.____ vom 15. November 2019 wird der am 7. Januar 2009 im Spital K.____ durchgeführte Eingriff nicht aufgeführt. Gesamthaft betrachtet ergib t sich im Durchschnitt eine Operation pro Jahr. Wenn nun die jeweilige Rehabilitationsphase dazu gezählt wird, ist von einer über das Mass hinausgehenden und damit im Sinne der Rechtsprechung la ngen und intensiven Behandlungs- dauer auszugehen, bei der es auch immer wieder zu schwerwiegenden Komplikationen kam, und die nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet er scheint, bei dem noch sehr jungen Be- schwerdeführer die Entwicklung einer psychischen Fehlentwickl ung zu begünstigen. Gemäss bundesgerichtlicher Praxis kann sodann die Schmerzmitteltherapie im Rahmen einer Gesamtbe- trachtung ebenfalls miteinbezogen werden (Urteil des Bu ndesgerichts vom 29. Januar 2010, 8C_897/2009, E. 4.3). Hinzu kommt, dass dem Beschwerdefü hrer mehrmals mitgeteilt wurde, dass er sich mit den Schmerzen und den körperlichen Beeint rächtigungen abzufinden habe, da keine Hoffnung auf Besserung des Gesundheitszustands mehr zu erwarten sei, was gemäss Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht bundesgerichtlicher Rechtsprechung ebenfalls dazu geeignet ist, eine psychische Fehlentwick- lung zu begünstigen. Demzufolge ist das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung als erfüllt zu betrachten. 7.7.1 Die Beschwerdegegnerin verneint sodann das Vorl iegen eines schwierigen Heilungsver- laufs und der erheblichen Komplikationen. Der Umstand, dass mehrere chirurgische Eingriffe er- forderlich gewesen seien, bei denen zuweilen die Wundheilung etwas verzögert gewesen sei, sei kein Grund für die Annahme des Kriteriums. Der Beschwerdeführer äussert sich nicht zu diesem Kriterium. 7.7.2 Auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebl iche Komplikationen darf nicht schon aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden geschlossen werden. Es bedarf vielmehr besonderer Gründe, welche d ie Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert haben. Der Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine Be- schwerdefreiheit erreicht werden konnte und der Heilungsverlauf nicht linear verlief, genügt nicht (Urteile des Bundesgerichts vom 14. Februar 2014, 8C_68 2/2013, E. 11.3). Die beiden Teilas- pekte des Kriteriums des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen müs- sen nicht kumulativ erfüllt sein. 7.7.3 Wie in Erwägung 7.6.4 ausgeführt, wurden 12 O perationen vorgenommen. In relativ kur- zer Zeit entwickelten sich schwere Arthrosen im linken OSG und USG, weshalb es zu einem verzögerten Heilungsverlauf kam. Darüber hinaus musste der Beschwerdeführer im Rahmen der ersten Eingriffe im Spital C.____ aufgrund einer Komplikation auf die Intensivstation des Spitals K.____ verlegt werden, gemäss eigener Aussage aufgrun d eines Medikationsfehlers (vgl. Aus- trittsbericht der Klinik D.____ vom 23. April 2018). Weiter kam es immer wieder zu Wundheilungs- störungen, die teilweise auch zu Nekrosen führten, zudem konsolidierten sich die Frakturen nur verzögert. Dem Beschwerdeführer wurde zur Bekämpfung der körperlichen Schmerzen über län- gere Zeit starke Schmerzmittel verabreicht, die zu einer Abhängigkeit führen können. Der Be- schwerdeführer entwickelte in der Folge eine Schmerzmittelabhängigkeit, denn er war über lange Zeit von Benzodiazepinen abhängig. Der Eintritt einer Schmerzmittelabhängigkeit gilt gemäss Bundesgericht ebenfalls als besonderer Grund, der die H eilung beeinträchtigt, und ist somit zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juni 2009, 8C_116/2009, E. 4.5). Insgesamt ist daher dieses Kriterium zu bejahen. 7.8.1 Adäquanzrelevant können nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss ohne wesentlichen Unterbruch bestehende körperliche Dauerschmerzen sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die ver- unfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4). 7.8.2 Die Beschwerdegegnerin verneint auch dieses Krit erium. Die Schmerzen seien nicht über den gesamten Zeitraum vorhanden gewesen bzw. es se i auch immer wieder über belas- tungsabhängige Beschwerden berichtet worden und der Beschwerdeführer sei nicht konstant auf Schmerzmedikamente angewiesen gewesen. Zudem seien gewisse Beschwerden durch Schmerzmittel und Infiltrationen beeinflussbar gewesen. Der Beschwerdeführer führt aus, dass Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich die Schmerzproblematik wie ein roter Faden durch das gesamte Aktendossier ziehe und sogar zu einer Benzodiazepin-Abhängigkeit geführt habe. Es sei zwar so, dass er vorübergehend nur reduziert schmerzgeplagt gewesen sei. Durchgehend habe aber im Bereich des oberen linken Sprunggelenks eine Schmerzhaftigkeit bestanden. 7.8.3 Der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann nich t gefolgt werden. Der Umstand, dass die Beschwerden nicht jede Minute während der elfjäh rigen Zeitperiode vorhanden waren, son- dern teilweise auch nur unter Belastung auftraten, kann nicht ausschlaggebend sein. Ebenfalls kann nicht entscheidend sein, dass die Beschwerden mit starken Schmerzmitteln zeitweise unter Kontrolle gehalten haben werden können. Entscheidend i st, dass der Beschwerdeführer regel- mässig über Beschwerden klagte und diese zu weiteren Op erationen führten. Das Kriterium ist daher zu bejahen. 7.9 Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfo lgen erheblich verschlimmert hat, liegt nicht vor. 7.10.1 Als letztes Kriterium zu prüfen sind der Grad un d die Dauer der physisch bedingten Ar- beitsunfähigkeit. Das Bundesgericht bejahte dieses Kriterium in einem Fall, bei welchem während drei Jahren eine volle Arbeitsunfähigkeit aus physischen Gründen bestand (Urteil des Bundesge- richts vom 10. März 2020, 8C_627/2019, E. 5.4.5). Diese Dauer ist aber nicht als Mindestdauer zu verstehen. 7.10.2 Die Beschwerdegegnerin verneint das Kriterium m it dem Argument, auch hier müssten die verschiedenen Phasen berücksichtigt werden. So sei ab Mitte März 2010 eine volle Arbeits- fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit gegeben gewese n, ab Ende August 2011 sei der Be- schwerdeführer zwar wieder arbeitsunfähig gewesen, ab Fe bruar 2012 hätten sich die behan- delnden Ärzte jedoch für die Aufnahme der beruflichen Umschulung ausgesprochen. Erst vom 22. Januar 2015 bis 8. Februar 2015 sei dann wieder eine kurze Arbeitsunfähigkeit aufgrund der somatischen Unfallfolgen gegeben gewesen, so auch wiede r ab Mai 2015 bis November 2015. Erst drei Jahre später ab 4. Dezember 2018 sei der Versicherte wieder aufgrund der physischen Beschwerden arbeitsunfähig gewesen. Der Beschwerdeführer äussert sich nicht zu diesem Kri- terium. 7.10.3 Das Aktendossier der Beschwerdegegnerin zeigt fol gendes: Ab dem 14. Dezember 2008 bestand eine volle Arbeitsunfähigkeit. Mit Aktennotiz vom 14. Mai 2009 hält Dr. P.____ fest, eine kreisärztliche Untersuchung mache noch keinen Sinn, da noch keine Vollbelastung bestehe (act. 37). Anlässlich einer Kontrolluntersuchung im Spital C.____ am 16. Juni 2009 wird festgehalten, dass man den Patienten mit Vollbelastung gehen lassen könne. In einem Telefonat mit dem Pa- tienten drei Wochen nach der Untersuchung habe dieser a ngegeben, unter Vollbelastung prak- tisch beschwerdefrei zu sein. Bezüglich der Arbeitsfähigk eit bestehe daher eine volle Arbeitsfä- higkeit für eine leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit, die Umschulung werde in Angriff genom- men (act. 45). Am 13. Juli 2009 begann der Beschwerdef ührer eine von der IV finanzierte vier- wöchige Sondierungsabklärung in der BEFAS (act. 42 und 43). Anlässlich der Schlussbespre- chung der Abklärung am 26. August 2009 wurde festgeha lten, dass aufgrund der medizinisch Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht unklaren Situation und der Komplikationen eine sofor tige Anschlusslösung keinen Sinn mache, obwohl der Versicherte die Abklärung als sehr interessant und hilfreich empfunden habe. Bevor weitere berufliche Massnahmen durchgeführt werden könnten, müsse der Heilverlauf abgewartet werden. Wegen Komplikationen komme es zu Verzögerungen ( act. 49). Der Beschwerdeführer informierte in der Folge die Beschwerdegegnerin darüb er, dass er am 19. November 2009 ins Spital C.____ eintreten werde. Am 20. November 2009 würden eine Biopsie und eine antibioti- sche Medikation während 14 Tagen durchgeführt. Dann werde die Re-Operation des Unterschen- kels erfolgen (act. 53). Dem Bericht des Spitals C.____ vom 12. Februar 2010 (act. 68) anlässlich der Verlaufskontrolle vom 2. Februar 2010 ist sodann z u entnehmen, dass der Versicherte an Gehstöcken unter Teilbelastung mobilisiert gewesen sei und dabei praktisch keine Beschwerden gehabt habe. Die Arbeitsunfähigkeit betrage noch 100 %. Es sei davon auszugehen, dass ab April 2010 eine volle Arbeitsfähigkeit im Rahmen des Zumutbaren attestiert werden könne. Dies würde bedeuten, dass der Patient zu diesem Zeitpunkt eine Arbeitsstelle suchen oder sich für ein Praktikum oder eine Ausbildung qualifizieren könne. Im B ericht vom 26. März 2010 attestierte das Spital C.____ basierend auf einer Kontrolluntersuchung am 16. März 2010 wieder eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit im Rahmen des Möglichen. Aufgrund der schweren Fussverletzung sei ein stehender oder gehender Beruf nicht möglich. In Frage komme eine vorwiegend sitzende Tätig- keit mit kurzen Botengängen und stehenden Phasen bis zu e iner Stunde (act. 75). Im Herbst 2010 traten erneut verstärkte Beschwerden auf, sodass dem Beschwerdeführer ab dem 5. Januar 2011 bis 27. Januar 2011 vom Spital C.____ wieder eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (act. 94). Anlässlich einer Untersuchung vom 27. Januar 2011 attestierte das Spital C.____ eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit mit einer verminderten Leistungsfähigkeit. Der Patient könne ma- ximal 30 bis 40 Minuten gehen. Es sollte eine vorwiege nd sitzende Tätigkeit gefunden werden (act. 95). Mit Bericht vom 5. April 2011 legte das Spi tal C.____ für eine sitzende Tätigkeit eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit fest (act. 101). Die Umschulung wurde bis nach der für den 23. August 2011 geplanten Operation und Rehabilitation aufgeschoben. Ab dem Operationsdatum vom 23. August 2011 bestand wieder eine volle Arbeitsunfähigkeit. Anlässlich einer Besprechung im Spital C.____ äusserte sich der behandelnde Orthopäde am 23. Ja nuar 2012 dahingehend, dass der Versicherte noch die Stöcke zur Entlastung brauche, sei ner Sicht aber einer beruflichen Abklä- rung nichts im Wege stehe und eine sitzende Tätigkeit oh nehin möglich sei (act. 128). Dem Be- richt vom Spital C.____ vom 21. Februar 2012 ist sodan n zu entnehmen, dass die Umschulung zum Informatiker stattfinden könne, hierfür werde eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit ausgestellt. In vier Wochen werde eine weitere Kontrolle erfolgen (a ct. 129). Anlässlich der Kontrolluntersu- chung vom 21. März 2012 hält des Spital C.____ fest, da ss in drei Monaten die weitere Festle- gung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen werde (act. 131 ). Am 13. August 2012 begann der Be- schwerdeführer in der Handelsschule die Bürofachdiplom-Ausbildung. Dr. Q.____ hält anlässlich der erstmaligen kreisärztlichen Beurteilung vom 23. Mai 2014 (act. 177) eine Zumutbarkeit für eine ganztägige Tätigkeit, mittelschwer, wechselbelastend, fest. Kein Besteigen von Leitern und Gerüsten. Kein Laufen auf unebenem Gelände (vgl. Beri cht vom 23. Mai 2014, act. 178). Im Rahmen des dritten Behandlungsintervalls bestand vom 22. Januar 2015 bis zum 8. Februar 2015 eine volle Arbeitsunfähigkeit (act. 210), und ab dem 19. Mai 2015 wurde dem Beschwerde- führer durch Dr. N.____ und das Spital C.____ erneut eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. 234, 242, 243, 250, 259). Am 24. November 2015 fand eine weitere kreisärztliche Untersu- chung durch Dr. Q.____ statt (Bericht vom 25. November 2015, act. 264). In der Beurteilung hält Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht er fest, die Zumutbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sehe eine ganztägige Tätigkeit, mit- telschwer, wechselbelastend vor. Es handle sich um eine vo rwiegend sitzende Tätigkeit. Kein Besteigen von Leitern und Gerüsten. Kein Laufen in unebenem Gelände. Kein Knien oder Kauern mit dem linken Knie, keine Zwangshaltungen mit dem l inken Bein. Die Arbeitsfähigkeit bestehe im Rahmen des Zumutbaren. Im Rahmen der letzten Behandlungsphase vor Fallabschluss ergibt sich, dass bis zur Operation vom 4. Dezember 2018 keine Arbeitsunfähigkeiten aus somatischen Gründen attestiert wurden. Damit liegt hier eine fa st dreijährige Zeitspanne vor, in welcher das Zumutbarkeitsprofil von Dr. Q.____ galt. Anschliessend an die Operation wird der Beschwerde- führer vom Spital C.____ vom 4. Dezember 2018 bis 1. September 2019 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben (act. 359, 366f., 375, 377, 383, 388, 389 , 394). In der Folge attestiert Dr. med. R.____, Allg. Innere Medizin FMH, mit Zeugnis vom 20 . September 2019 (act. 406) noch eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit bis 14. Oktober 2019. Die ses Datum stimmt mit dem Sprechstun- denbericht vom 16. Oktober 2019 des Spitals C.____ übe rein, in welchem eine Arbeitsfähigkeit für sitzende und leicht wechselbelastende Tätigkeiten attestiert wird (act. 408). 7.10.4 Vorliegend zeigen die Akten, dass in einer erst en Phase während sechs Monaten eine volle Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten bestand u nd danach eine volle Arbeitsfähigkeit für eine leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit. Nach ein em nur wenige Monate andauernden be- schwerdefreien Zeitintervall lag ab September 2009 bis Ende März 2010 eine siebenmonatige 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit vor. In einer dritten Pha se bestand während des Monats Januar 2011 eine volle Arbeitsunfähigkeit, dann während zwei Monaten eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit für eine sitzende Tätigkeit und ab April 2011 bis 22. August 2011 während ca. fünf Monaten eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit für sitzende Tätigkeiten. Ab dem 23. August 2011 bis Ende Januar 2012 lag wieder für fünf Monate eine volle Arbeitsunf ähigkeit aufgrund der Rehabilitation vor, danach wurde wiederum eine 100 %-ige Arbeitsfähigke it für sitzende Tätigkeiten festgelegt. Im Rahmen der vierten Behandlungsphase im Jahr 2015 wurden aus rein somatischen Gründen während sechseinhalb Monaten eine 100 %-ige Arbeitsun fähigkeit und in der letzten Behand- lungsphase in den Jahren 2018 und 2019 eine somatisch bedingte 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit von ca. zehn Monaten festgelegt. Zusammengefasst ergibt sich damit eine Zeitspanne von min- destens 35.5 Monaten, in denen eine 100 %-ige Arbeit sunfähigkeit vorlag und eine Zeitspanne von zwei Monaten, in denen eine 50 %-igen Arbeitsunfäh igkeit gegeben war. In Anbetracht der bundesgerichtlichen Praxis ist dieses Kriterium somit zweifellos gegeben. 7.11 Somit sind mindestens fünf der sieben Adäquanzkrit erien erfüllt. Das Unfallereignis vom 14. November 2008 fällt ernsthaft ins Gewicht und es kommt ihm eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der psychisch bedingten Arbeitsunfähig keit zu. Damit stehen die vom Be- schwerdeführer geklagten psychischen Beschwerden in einem natürlichen und adäquaten Kau- salzusammenhang zum Unfallereignis vom 14. November 2008 und der Einspracheentscheid in diesem Punkt nicht zu schützen. 8. Zusammenfassend ist nach dem Gesagten als Ergebnis fest zuhalten, dass die physi- schen und psychischen Beschwerden in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammen- hang zum Unfallereignis vom 14. November 2008 stehen. A ufgrund der Unklarheiten in Bezug auf die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit sowohl in p sychischer als auch in physischer Hinsicht Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind zum jetzigen Zeitpunkt weder ein Einkommensvergleich und damit die Klärung des Renten- anspruchs möglich noch kann rechtsgenüglich beurteilt werden, ob aus psychischen Gründen ein Integritätsschaden und damit Anspruch auf eine zusätzliche I ntegritätsentschädigung besteht. Nach Einholung eines mindestens bidisziplinären medizinischen Gutachtens im Rahmen von Art. 44 ATSG sind die Anspruchsvoraussetzungen von der Beschwerd egegnerin neu zu beurteilen. Damit ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, als der angefochtene Einspracheentscheid vom 20. Mai 2020 aufgehoben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewie- sen wird. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 2020 massgebenden Fassung hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 28. Juli 2020 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 12.25 Stunden geltend gemacht. Dieser Aufwand erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnitt liche Fälle zur Anwendung ge- langenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die geltend gemachten Auslagen von Fr. 86.60. Dem Beschwer deführer ist deshalb eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3'391.60 (12.25 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 86.60 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 10. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 E. 4.2). Bei m vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässi g. Ob diese erfüllt sind, entscheidet Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrun g erfolgt unter diesem ausdrückli- chen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefoch- tene Einspracheentscheid vom 18. Mai 2020 aufgehoben und die Ange- legenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägun gen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückge- wiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 3'391.60 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht