200 15 393 IV GRD/ZID/ARJ Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 22. September 2015 Verwaltungsrichter Grütter, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Scheidegger, Verwaltungsrichter Schütz Gerichtsschreiber Zimmermann A.________ vertreten durch B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Bundesgerichtsentscheid vom 30. April 2015 (Rückweisung an Vorinstanz / IV 1099/14) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1967 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherter bzw. Be- schwerdeführer) meldete sich unter Hinweis auf seit längerem bestehenden Diabetes im Juni 2004 bei der IV-Stelle Bern (nachfolgend: IVB bzw. Be- schwerdegegnerin) zum Leistungsbezug an (Akten der IVB, Antwortbeilage [AB] 2). Nach erwerblichen und medizinischen Abklärungen (AB 5 ff.) wies die IVB das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 7. September 2004 ab mit der Begründung, bei einer vollständigen Alkoholabstinenz und einem gut eingestellten Diabetes wäre ihm die bisherige Tätigkeit weiterhin in ei- nem vollen Arbeitspensum zumutbar (AB 9). Diese Verfügung blieb unan- gefochten. B. Nachdem sich der Versicherte im Juni 2009 erneut bei der IVB angemeldet (AB 12) und diese mit Vorbescheid vom 8. Juni 2010 zunächst wieder eine Abweisung des Leistungsbegehrens mit der Begründung, ohne die Alko- holsucht wäre der Diabetes gut behandelbar und die Hypoglykämien könn- ten verhindert werden, in Aussicht gestellt hatte (AB 39), liess sie ihn neu- ropsychologisch untersuchen (Bericht vom 23. März 2011; AB 57) und als- dann durch die C.________ (MEDAS) polydisziplinär begutachten (Gutach- ten vom 14. Oktober 2011; AB 64.1). Entsprechend annullierte die IVB den Vorbescheid (AB 49) und ersetzte ihn mit einem solchen vom 29. Novem- ber 2011, in welchem sie gestützt auf einen ermittelten Invaliditätsgrad (IV- Grad) von 55% eine halbe Rente ab 1. März 2010 in Aussicht stellte (AB 66). Nach erhobenem Einwand durch die Pensionskasse des letzten Ar- beitgebers (AB 69, 71) verfügte die IVB am 1. bzw. 21. Februar 2012 (AB 76 f.) wie im Vorbescheid in Aussicht gestellt. Auf eine hiergegen von der Pensionskasse erhobene Beschwerde trat das Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, mit Entscheid vom 27. Februar 2012, IV/12/2007, nicht ein (AB 79).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 3 C. Im Rahmen einer im Juni 2014 eingeleiteten Revision von Amtes wegen gingen der Versicherte (AB 102/1 Ziff. 1.1) und der Hausarzt (AB 103/1 Ziff. 1) von einem gleich gebliebenen Gesundheitszustand aus. Entspre- chend teilte die IVB dem Beschwerdeführer am 30. Juli 2014 mit, er habe weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente (IV-Rente; unveränder- ter IV-Grad von 55% [AB 105]). Damit zeigte sich der Versicherte, vertreten durch die B.________, unter Verweis auf ein Schreiben des Hausarztes vom 12. September 2014 (AB 108/2) nicht einverstanden (AB 108/1), wor- auf die IVB am 14. Oktober 2014 eine beschwerdefähige Verfügung erliess (AB 110). D. Auf eine gegen die Verfügung vom 14. Oktober 2014 (AB 110), gerichtete, am 15. November 2014 datierte und am 17. November 2014 der Post übergebene Beschwerde trat das Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, mit Entscheid vom 7. Januar 2015, IV/14/1099, nicht ein. Diesen Entscheid hob das Bundesgericht auf Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten hin mit Urteil vom 30. April 2015, 8C_101/2015, auf und wies die Sache an die Vorinstanz zurück, damit diese über die ihr eingereichte Beschwerde vom 15. Novem- ber 2015 befinde. Auf die mit prozessleitender Verfügung vom 7. Mai 2015 eingeräumte Mög- lichkeit zur Einreichung von Schlussbemerkungen verzichteten beide Par- teien.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 4 Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi- cherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet – nach der Rückweisung der Sache gemäss Bundesgerichtsentscheid vom 30. April 2015 – nach wie vor die Verfügung vom 14. Oktober 2014 (AB 110), mit welcher die Beschwerde- gegnerin mangels Veränderung des Gesundheitszustandes im Vergleich zur ursprünglich rentenzusprechenden Verfügung vom 1. Februar 2012 (AB 76) den Anspruch auf eine halbe IV-Rente bestätigte. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbe- sondere, ob die laufende halbe Rente zu erhöhen ist. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 5 2. Der Beschwerdeführer macht vorab eine Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw. eine Verletzung der Begründungspflicht in der angefochtenen Verfügung (AB 110) geltend. Er beanstandet, eine inhaltliche Begründung fehle weitgehend (Beschwerde, S. 4 Art. 5). 2.1Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101]). Die Begründungspflicht ist wesentli- cher Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV. Sie soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und den Betroffenen ermöglichen, die Verfügung ge- gebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl die betroffene Person als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Trag- weite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständli- chen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Ge- sichtspunkte beschränken (BGE 136 I 229 E. 5.2 S. 236, 124 V 180 E. 1a S. 181). 2.2Die angefochtene Verfügung vom 14. Oktober 2014 (AB 110) er- weist sich – entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers – als hin- länglich begründet. Die Beschwerdegegnerin hat sich mit den entspre- chenden Vorbringen des Beschwerdeführers zwar nicht im Einzelnen aus- einandergesetzt, ihrer Begründungspflicht kam sie aber trotzdem nach, indem sie ausführte, weshalb sie nicht von einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes ausging. Damit hat die Beschwerdegegnerin die wesentlichen Überlegungen genannt, von denen sie sich leiten liess und auf welche sie ihre Verfügung stützte, was hinreichend ist (vgl. E. 2.1 hier- vor). Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs erweist sich somit als unbegründet. 2.3Soweit der Beschwerdeführer mit seinen Einwänden eine Verlet- zung der Pflicht zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsfeststellung Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 6 geltend macht, handelt es sich nicht um eine Frage des rechtlichen Gehörs, sondern um eine Frage der materiellen Richtigkeit der Verfügung, welche nachfolgend zu prüfen ist (vgl. E. 4 nachfolgend). 3. 3.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar- beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Nach ständiger Rechtsprechung begründen Alkoholismus, Medikamenten- missbrauch und Drogensucht für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird eine solche Sucht invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in de- ren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheits- schadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c S. 268; SVR 2012 BVG Nr. 14 S. 62 E. 4.4.2). 3.2Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem IV-Grad von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 7 3.3Für die Bestimmung des IV-Grades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durch- führung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmass- nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits- marktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). 3.4Um den IV-Grad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be- urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 3.5Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a). 3.5.1Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 8 dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.5.2Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2009 IV Nr. 50 S. 154 E. 4.3). 3.5.3Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeu- tisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amt- lich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits lässt es nicht zu, ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stel- len und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behan- delnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher In- terpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Be- gutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (SVR 2008 IV Nr. 15 S. 44 E. 2.2.1). 3.5.4In Bezug auf Atteste von Hausärzten darf und soll das Gericht im Übrigen auch der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei- felsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b cc S. 353). Dies gilt nicht nur für den allgemein praktizierenden Hausarzt, sondern ebenso für den behandelnden Spezialarzt und erst recht für den schmerztherapeutisch tätigen Arzt mit seinem besonderen Vertrau- ensverhältnis und dem Erfordernis, den geklagten Schmerz zunächst be- dingungslos zu akzeptieren (Entscheid des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht {BGer}] vom 20. März 2006, I 655/05, E. 5.4). 3.6Ändert sich der IV-Grad einer Rentenbezügerin oder eines Renten- bezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 9 hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). 3.6.1Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den IV-Grad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben. Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349, 117 V 198 E. 3b S. 199; SVR 2013 IV Nr. 44 S. 135 E. 3.1.1). 3.6.2Als zeitliche Vergleichsbasis ist einerseits der Sachverhalt im Zeit- punkt der ursprünglichen Rentenverfügung und anderseits derjenige zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung zu berücksichtigen (BGE 130 V 343 E. 3.5.2 S. 351, 125 V 368 E. 2 S. 369, SVR 2010 IV Nr. 53 S. 166 E. 3.1). Wurde die Rente zuvor bereits revidiert oder bestätigt, so ist als zeitliche Vergleichsbasis die letzte rechtskräftige Verfügung heranzuziehen, sofern eine materielle Überprüfung des Leistungsanspruches tatsächlich stattge- funden hat, d.h. eine rechtskonforme (medizinische) Sachverhaltsab- klärung, eine Beweiswürdigung und gegebenenfalls – sofern Hinweise für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszu- stands bestanden – ein Einkommensvergleich durchgeführt worden sind (BGE 133 V 108 E. 5.4 S. 114; SVR 2013 IV Nr. 44 S. 135 E. 3.1.2). 3.6.3Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren- tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag- gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali- ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 4b S. 200; SVR 2011 IV Nr. 37 S. 109 E. 1.1).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 10 4. Vorliegend ist der Sachverhalt im Zeitpunkt der ursprünglich rentenzuspre- chenden Verfügung vom 1. Februar 2012 (AB 76) mit demjenigen im Zeit- punkt der angefochtenen Verfügung vom 14. Oktober 2014 (AB 110) zu vergleichen und zu prüfen, ob in den für den Leistungsanspruch relevanten Tatsachen eine wesentliche Änderung eingetreten ist, die geeignet ist, den IV-Grad in anspruchsrelevanter Weise zu beeinflussen (vgl. E. 3.5 hiervor). 4.1Die Feststellung einer revisionsbegründenden Veränderung erfolgt durch eine Gegenüberstellung eines vergangenen und des aktuellen Zu- standes. Gegenstand des Beweises ist somit das Vorhandensein einer entscheidungserheblichen Differenz in den den medizinischen Unterlagen zu entnehmenden Tatsachen. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevisi- on erstellten Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) des Sach- verhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvoll- ziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre, mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vorbehalten bleiben Sachla- gen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben (SVR 2013 IV Nr. 44 S. 135 E. 6.1.2). Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrechtlichen Be- weisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich wer- den, dass die Fakten, mit denen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in ihrer Beschaffenheit oder ih- rem Ausmass substantiell verändert haben. Eine verlässliche Abgrenzung der tatsächlich eingetretenen von der nur angenommenen Veränderung ist als erforderliche Beweisgrundlage nicht erreicht, wenn bloss nominelle Dif- ferenzen diagnostischer Art bestehen. Die Feststellung über eine seit der früheren Beurteilung eingetretene tatsächliche Änderung ist hingegen genügend untermauert, wenn die ärztlichen Sachverständigen aufzeigen, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 11 welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Ver- lauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben (SVR 2013 IV Nr. 44 S. 136 E. 6.1.3). 4.2Die ursprüngliche Verfügung vom 1. Februar 2012 (AB 76), mit der dem Beschwerdeführer eine halbe Rente zugesprochen worden ist (AB 76), stützte sich in medizinischer Hinsicht massgeblich auf das poly- disziplinäre Gutachten der MEDAS vom 14. Oktober 2011 (AB 64.1). 4.2.1Dem polydisziplinären Gutachten zufolge begannen die gesundheit- lichen Probleme des Beschwerdeführers 1995 mit einer schweren akuten Pankreatitis bei schädlichem Alkoholkonsum. 2003 sei ein insulinpflichtiger Diabetes mellitus diagnostiziert worden. In der Folge sei es zu zahlreichen Spitalaufenthalten wegen Einstellungsproblemen des Diabetes mellitus und der exokrinen Pankreasinsuffizienz bei Malcompliance und fortgesetztem Alkoholabusus gekommen. Während eines Aufenthalts in einem Pflege- heim von Juni 2009 bis Januar 2010 habe die gesundheitliche Situation stabilisiert werden können. Seither bewohne er wieder eine eigene Woh- nung, erhalte das Mittagessen vom Mahlzeitendienst und werde zweimal täglich von der Spitex zur Blutzuckerkontrolle und Insulin-Verordnung be- sucht. Der Alkoholkonsum sei nicht aufgegeben worden, scheine aber re- duziert worden zu sein (AB 64.1/3 Mitte). Gestützt darauf diagnostizierten die Gutachter mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Diabetes melli- tus, insulinabhängig mit Polyneuropathie, und einen Verdacht auf begin- nende alkoholische Encephalopathie nach jahrzehntelangem Alkoholkon- sum (ICD-10: F06.7), sowie ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach schwerer Pankreatitis 1995 und eine Tendenz zu orthostati- scher Hypotonie (AB 64.1/16 oben). Aktuelles Hauptproblem sei einerseits eine deutliche, wahrscheinlich diabetische Polyneuropathie mit Gang- Problemen, die seit Januar 2009 einen Rollator nötig mache, von dem sich der Beschwerdeführer zu entwöhnen versuchen sollte. Das zweite Problem sei eine leichte kognitive Einschränkung bei wahrscheinlich alkoholischer Encephalopathie. Eine gesundheitlich bedingte Arbeitsunfähigkeit von 100% sei seit März 2009 gut nachvollziehbar (vgl. E. 4.1.2 nachfolgend). Eine Wiederaufnahme einer körperlich leichten, ganz überwiegend sitzen-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 12 den Arbeit, die keine grossen Ansprüche an feinmotorische manuelle Ge- schicklichkeit stelle und auch den leicht eingeschränkten kognitiven Fähig- keiten Rechnung trage, sollte fortan zu 50% möglich sein. Arbeiten in wechselnden Schichten kämen wegen den Einstellungsproblemen mit dem Diabetes nicht in Frage. Auch eine Tätigkeit in Betrieben mit Alkoholaus- schank sollte vermieden werden. Zusätzlich sollten Tätigkeiten mit erhöh- ten Anforderungen an Zeit-/Leistungsdruck, Schnelligkeit oder Notwendig- keit komplexen Handelns nicht mehr durchgeführt werden. Vermieden wer- den sollten weiter Tätigkeiten mit Absturzgefahr oder an laufenden, unfall- gefährdeten Maschinen. Auch das Erlernen neuer Arbeitsfelder mit erhöh- ten intellektuellen Anforderungen würde den Versicherten überfordern (AB 64.1/17 f.). 4.2.2Der Hausarzt Dr. med. D.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, bescheinigte im undatierten, am 4. August 2009 bei der Be- schwerdegegnerin eingegangenen Bericht (AB 26) sowie im Verlaufsbe- richt vom 22. April 2010 (AB 37/1 f.) eine volle Arbeitsunfähigkeit seit Mai 2009 (AB 26/6) bzw. schon seit März 2009 und September 2008 (je mit Unterbrüchen; AB 26/3 Ziff. 1.6; vgl. auch AB 37/1 Ziff. 5). Seit 2001 beste- he eine insulinpflichtige Diabetes und seit 2008 eine schwere Kachexie; es sei im Rahmen dieser Diagnosen zu mehreren Spitalaufenthalten wegen Hypoglykämien und Verwirrungszuständen gekommen (AB 26/3 Ziff. 1.4). Es bestehe eine ausgeprägte Beeinträchtigung der körperlichen Leistungs- fähigkeit; der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, einer Beschäftigung nachzugehen (AB 26/4 Ziff. 1.7), und ihm seien keine beruflichen Tätigkei- ten zuzumuten (AB 26/6, 37/2 Ziff. 2 ff.). 4.3Hinsichtlich des Verlaufs des Gesundheitszustands nach Erlass der Verfügung vom 1. Februar 2012 (AB 76) ergibt sich aus den medizinischen Unterlagen das Folgende: 4.3.1Gemäss Bericht des Spitals E.________ vom 20. Februar 2013 (AB 103/8 f.) unterzog sich der Beschwerdeführer am 14. August 2012 ei- ner Rückfussarthrodese durch Marknagelung links bei Charcot-Arthropathie mit Luxationsfraktur OSG links, wobei die Marknagelentfernung am 11. Ja- nuar 2013 erfolgte. Er habe keine Schmerzen bei Belastung und benutze zur Sicherheit weiterhin einen Gehstock.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 13 4.3.2Im Rahmen einer Hospitalisation im Spital F.________ vom 3. bis 7. Januar 2014 (Bericht vom 7.Januar 2014; AB 103/10 f.) wurden eine Refluxösophagitis Grad C bei insuffizientem Kardiaschluss, der Verdacht auf Barrettösophagus, eine exokrine Pankreasinsuffizienz, ein pankreato- priver Diabetes mellitus und ein Status nach chronischem Alkoholabusus bis Februar 2010 diagnostiziert. Unter einer Behandlung mit hochdosiertem Protonenpumpeninhibitor sowie Ulcogant seien die geschilderten Be- schwerden stark rückläufig gewesen. Gemäss Verlaufskontrolle vom 14. Juli 2014 war der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt beschwerde- frei (AB 103/4). 4.3.3Der Hausarzt ging im Verlaufsbericht vom 18. Juli 2014 (AB 103/1 ff.) von einem stationären Gesundheitszustand aus; seit der letz- ten Diagnosestellung habe sich keine Änderung ergeben (AB 103/1 Ziff. 1 f.). Der Beschwerdeführer sei seit September 2008 weiterhin zu 100% arbeitsunfähig (AB 103/1 Ziff. 5; vgl. vgl. E. 3.1.2 hiervor). Eine er- gänzende medizinische Abklärung hielt der Hausarzt nicht für angezeigt (AB 103/2 Ziff. 8). Mit Schreiben vom 12. September 2014 (AB 108/2) bestätigte der Hausarzt gegenüber der Vertreterin des Beschwerdeführers eine deutliche Ver- schlechterung dessen Gesundheitszustandes in den letzten zwei bis drei Jahren wegen eines schweren chronischen Alkoholabusus bis 2010 mit daraus folgendem pankreatogenem Diabetes mellitus, exokriner Pankreas- insuffizienz und schwerer Kachexie. Seiner Ansicht nach sei es durchaus berechtigt, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner sehr schweren Er- krankung und der zunehmenden Verschlechterung des Allgemeinzustan- des als voll arbeitsunfähig anzusehen sei und eine ganze IV-Rente bezie- hen könne. Mit weiterem Schreiben vom 5. November 2014 zuhanden der Beschwer- degegnerin (AB 111) führte der Hausarzt aus, er habe im Revisionsfrage- bogen (AB 103) dem Umstand zu wenig Rechnung getragen, dass der Be- schwerdeführer unter einer chronischen, sehr schweren Erkrankung leide, welche im Verlauf der Jahre progredient sei und zu einer kontinuierlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes mit letztendlich vollständi- ger Invalidität und sehr wahrscheinlich einem frühen Tode führen werde. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 14 Aus hausärztlicher und medizinischer Sicht könne nicht davon ausgegan- gen werden, dass er je wieder einer Arbeitstätigkeit werde nachgehen kön- nen. Deshalb sei die Möglichkeit einer Erhöhung auf eine ganze IV-Rente in Betracht zu ziehen. 4.4Dem Beschwerdeführer wurde mit Verfügung vom 1. Februar 2012 (AB 76) basierend auf einem ausführlichen polydisziplinären MEDAS- Gutachten vom 14. Oktober 2011 aufgrund eines somatischen Gesund- heitsschadens mit diabetischer Polyneuropathie und leichten kognitiven Defiziten bei alkoholischer Encephalopathie (rückwirkend) ab 1. März 2010 eine halbe Rente bei einem IV-Grad von 55% zugesprochen; eine leichte, überwiegend sitzende Tätigkeit ohne grosse Anforderungen an die feinmo- torische manuelle Geschicklichkeit und die kognitive Leistungsfähigkeit wurde zu 50% als zumutbar erachtet (vgl. E. 4.2.1 hiervor). Diese Verfü- gung erwuchs in Rechtskraft. 4.4.1Dem Gutachten zufolge (AB 84.1/17 unten) lässt sich das Krank- heitsgeschehen aufgrund der vorhandenen Arzt- und Spitalberichte gut nachvollziehen. Die Polyneuropathie sei erstmals 2009 erwähnt und werde mit dem Diabetes mellitus in Zusammenhang gebracht. In einer neuropsy- chologischen Untersuchung (vgl. Bericht vom 23. März 2011; AB 57) wür- den leichte kognitive Defizite im Rahmen einer wahrscheinlich alkoholi- schen Enzephalopathie beschrieben, die mit der Einschätzung des begut- achtenden Psychiaters übereinstimmten und eine Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit von 20% ergäben. 4.4.2Weiter wird eine gesundheitlich bedingte Arbeitsunfähigkeit von 100% seit März 2009 bis zur Begutachtung als gut nachvollziehbar be- zeichnet (AB 64.1/17 oben). Damit scheinen die Gutachter Bezug auf die vom Hausarzt im undatierten, am 4. August 2009 bei der Beschwerdegeg- nerin eingegangenen Bericht zu nehmen, der (nebst dem Zeitraum vom 5. September bis 31. Dezember 2008) vom 18. März bis 7. April 2009 und vom 5. Mai 2009 bis auf weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte (AB 26/3 Ziff. 1.6; vgl. auch AB 21/7 und AB 21/5). In diesem Zeit- raum erfolgte eine Hospitalisation vom 19. bis 26. März 2009, nachdem der Beschwerdeführer sechs Monate zuvor die Diabetes-Therapie und die Substitutionstherapie gegen die exokrine Pankreasinsuffizienz mit Creon Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 15 von sich aus abgesetzt hatte; es bestand zudem eine erhebliche Kachexie (Gewicht von noch 42 kg; AB 22/12 ff.). Vom 5. bis 14. Mai 2009 kam es zu einer erneuten Hospitalisation wegen eines unklaren multifaktoriellen Ver- wirrtheitszustands bei mittelschwerer Hyponatriämie, schwerer Malnutrition und Alkoholabusus sowie pankreatopriven Diabetes mellitus (AB 22/2 ff.). Nochmals eine Hospitalisation erfolgte vom 25. Mai bis 17. Juni 2009 we- gen rezidvierenden schweren Hypoglykämien und einer Aspirationspneu- monie, wobei erneut über Hyponatriämien unklarer Ätiologie und über eine problematische psychosoziale Situation bei chronischem Alkoholüberkon- sum sowie Kachexie berichtet wurde (AB 22/7 ff). Vom 17. Juni 2009 bis 31. Januar 2010 schliesslich war der Beschwerdeführer in einem Pflege- heim untergebracht, worauf er nach Stabilisierung der Situation (laufende Gewichtszunahme, besser eingestellter Diabetes, keine Halluzinationen mehr, selbstständiges Gehen) in eine eigene Wohnung entlassen worden ist (AB 24, 34). In Anbetracht dessen ist seine bisherige Tätigkeit als kaum mehr möglich bezeichnet worden; indem aber eine Abklärung, welche re- gelmässige Tätigkeit er noch ausführen könnte, dringend angeregt worden ist, erschien schon damals eine angepasste Tätigkeit nicht von vornerein ausgeschlossen (AB 34/2 Ziff. 7). 4.4.3Die Gutachter erachteten den Beschwerdeführer aufgrund der eben dokumentierten Besserung des Gesundheitszustandes (vgl. E. 4.4.2 hier- vor) in einer angepassten Tätigkeit seit der Begutachtung in einem Pensum von 50% als arbeitsfähig (AB 64.1/17 f.); ob allenfalls schon etwas früher von einer teilweise Arbeitsfähigkeit hätte ausgegangen werden können, lasse sich in Ermangelung von dafür verbindlichen Daten nicht sicher sa- gen (AB 64.1/14 Mitte). 4.5Anders als die Gutachter geht der Hausarzt im Bericht vom 18. Juli 2014 weiterhin ununterbrochen von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus (Arbeitsunfähigkeit von 100% seit 5. September 2008; AB 103/1 Ziff. 5; vgl. auch AB 108/2 und 111), dies bei stationärem Gesundheitszustand (AB 103/1 Ziff. 1), unveränderten Diagnosen (AB 103/1 Ziff. 2 f.) und ohne Notwendigkeit ergänzender medizinischer Abklärungen (AB 103/2 Ziff. 9). Nicht einmal zwei Monate später hält er in einem ergänzenden, jedoch nicht unterzeichneten Bericht vom 12. September 2014 (AB 108) fest, es Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 16 sei wegen eines schweren chronischen Alkoholabusus bis 2010 mit daraus folgendem pankreatogenem Diabetes mellitus, exokriner Pankreasinsuffizi- enz und schwerer Kachexie in den letzten zwei bis drei Jahren zu einer deutlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerde- führers gekommen. Diesbezüglich hält er im Bericht vom 5. November 2014 (AB 111) fest, er habe im Revisionsfragebogen (AB 103) dem Um- stand zu wenig Rechnung getragen dass der Beschwerdeführer unter einer chronischen, sehr schweren Erkrankung leide, welche im Verlauf der Jahre progredient sei und zu einer kontinuierlichen Verschlechterung seines Ge- sundheitszustandes mit letztendlich vollständiger Invalidität und sehr wahr- scheinlich einem frühen Tode führen werde. 4.5.1Der Hausarzt begründet nicht, weshalb er abweichend vom akten- und gutachtenmässig erstellten gebesserten Gesundheitszustand während des Heimaufenthalts mit anschliessendem Bezug einer eigenen Wohnung (vgl. E. 4.4.2 hiervor) ununterbrochen von einem stationären Gesundheits- zustand mit weiterhin voller Arbeitsunfähigkeit ausgegangen ist (AB 103/1). Soweit er gar von einer Verschlechterung spricht, ist dem entgegenzuhal- ten, dass seit dem polydisziplinären Gutachten (AB 64.1) keine neuen Dia- gnosen dazugekommen sind, nach Ansicht der Gutachter schon damals eine zufriedenstellende Diabetes-Einstellung hat erreicht werden können (AB 64.1/20 Ziff. 9) und sich auch wieder ein höheres Gewicht (66 kg; AB 64.1/11 Mitte) eingestellt hat. Der Hausarzt gelangt somit bloss zu einer anderslautenden Einschätzung, ohne neue, den Experten bislang unbe- kannte Aspekte zu benennen (vgl. E. 3.5.3 und 4.1 zweiter Abschnitt hier- vor). Insoweit ist davon auszugehen, dass er als Hausarzt eher zugunsten des Beschwerdeführers aussagt (vgl. E. 3.5.4 hiervor) und allenfalls vom in der Medizin verbreiteten und weiter gefassten bio-psycho-sozialen Krank- heitsmodell statt dem für die Belange der Rechtsanwendung massgeben- den sozialversicherungsrechtlichen Begriff der gesundheitlichen Beein- trächtigung ausgeht (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a S. 299). Unbeachtlich sind vorliegend ohnehin die vorübergehenden und somit nicht invalidisierenden (vgl. E. 3.1 hiervor) Gesundheitsschäden gemäss E. 4.3.1 f. hiervor. 4.5.2Zu berücksichtigen ist schliesslich, dass der Beschwerdeführer selbst von einen gleich gebliebenen Gesundheitszustand ausgeht Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 17 (AB 102/1 Ziff. 1.1). In diesem Zusammenhang macht er weiter geltend, weder regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter noch auf an- dauernde Pflege und persönliche Überwachung angewiesen zu sein (AB 102/5 f. Ziff. 3); er könne sich unter Beachtung seiner gesundheitlichen Probleme eine leichte Arbeit vorstellen (AB 102/5 Ziff. 2.8) und habe denn auch Bewerbungen geschrieben (AB 102/4 Ziff. 2.7). Hierzu scheint er aber nicht sonderlich motiviert, zumal die Aufnahme einer Tätigkeit seines Er- achtens keinen positiven Einfluss auf sein Befinden haben würde, er sich einen Arbeitsversuch nur mässig vorstellen kann und sich diesbezüglich nicht gerade zuversichtlich zeigt (AB 102/2 Ziff. 1.4 ff.). Die Aufnahme einer Teilerwerbstätigkeit scheint somit weniger eine Frage des Könnens, son- dern eher eine Frage des Wollens zu sein, zumal er selber von der Mög- lichkeit einer Teilerwerbstätigkeit ausgeht. 4.6Nach dem Dargelegten ist eine vom Beschwerdeführer behauptete Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht überwiegend wahr- scheinlich. Das Ausmass der (aktuellen) Arbeitsunfähigkeit lässt sich auf- grund dessen nach wie vor anhand des polydisziplinären Gutachtens (AB 64.1) bestimmen. Mangels neuer Diagnosen erweist sich dieses Gut- achten weiterhin als schlüssig, zumal es die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Beweiswert eines medizinischen Berichts gestell- ten Anforderungen erfüllt (vgl. E. 3.5.1 hiervor). Es besteht deshalb kein Anlass für zusätzliche medizinische Abklärungen, weshalb dem entspre- chenden (Eventual-)Antrag in der Beschwerde nicht zu entsprechen ist (antizipierte Beweiswürdigung: BGE 122 V 157 E. 1d S. 162). Entspre- chend liegt – entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers – keine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, weshalb der Rentenanspruch nicht weiter zu prüfen ist (vgl. E. 3.6.3 hiervor). Deshalb erübrigen sich denn auch Ausführungen zu den vom Beschwerdeführer nur der Vollstän- digkeit halber vorgebrachten Hinweisen zum Einkommensvergleich (Be- schwerde, S. 5 Art. 7). Mangels eines ausgewiesenen Revisionsgrundes ist somit keine Invaliditätsbemessung (vgl. E. 3.3 hiervor) durchzuführen. 4.7Damit ist die angefochtene Verfügung (AB 110) nicht zu beanstan- den und die Beschwerde abzuweisen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 18 5. 5.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdefüh- rer die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 700.--, zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnommen. 5.2Bei vorliegendem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.-- werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Sept. 2015, IV/15/393, Seite 19 Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.