B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4143/2021 Drid U r t e i l v o m 2 9 . S e p t e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), Richterin Claudia Cotting-Schalch, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiber Patrick Blumer. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Urs Jehle, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 7. September 2021 / N (…). D-4143/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer suchte am 19. Juni 2021 in der Schweiz um Asyl nach. Er liess auf dem Personalienblatt eintragen, er sei am (…) ge- boren. A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro- dac) ergab, dass der Beschwerdeführer am (…) in B._______ und am (…) in C._______ um Asyl ersucht hatte. A.c Am (…) bevollmächtigte der Beschwerdeführer die Mitarbeitenden des Rechtsschutzes für Asylsuchende im Bundesa sylzentrum Region D._______ mit der Wahrung seiner Interessen. A.d Am (…) stellte das SEM bei den (…) Behörden je ein Informationser- suchen nach Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei- nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit- gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz (Dublin-III-VO). A.e Am (…) teilten die (…) Behörden dem SEM mit, der Beschwerdeführer sei entsprechend seinen Angaben unter den Personalien E._______, ge- boren am (…), Afghanistan, in B._______ registriert worden. Er habe kei- nerlei Identitätsdokumente zu den Akten gereicht. A.f Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom (…) teilte der Beschwerde- führer dem SEM mit, sein Geburtsdatum sei falsch erfasst worden. Er sei am (…) geboren. Bei der Ankunft in der Schweiz sei er aufgrund der an- strengenden Reise müde, erkrankt und daher nicht konzentriert gewesen. Zudem könne er mangels Schulunterricht kaum l esen und schreiben und verstehe von Zahlen nicht viel, geschweige denn von Geburtszahlen. Man- gels Sprachkenntnissen habe er sich auch nicht verständigen können. Der Eingabe legte er das korrigierte und von ihm unterschriebene Personalien- blatt bei. A.g Am (…) führte das SEM eine Erstbefragung (Erstbefragung unbeglei- teter minderjähriger Asylsuchender [EB UMA]) durch. Dabei korrigierte der Beschwerdeführer sein Geburtsdatum auf den (…). Es sei bei der Eingabe am Vortag (vgl. Bst. A.e hievor) offenbar zu einem Missverständnis mit sei- ner Rechtsvertretung gekommen. Nach dem afghanischen Kalender habe D-4143/2021 Seite 3 er «(…) oder irgendwie so» Geburtstag. Er kenne sein genaues Datum nur nach dem hiesigen Kalender, nach welchem ihm sein Vater, der in F._______ gearbeitet habe, dieses aufgeschrieben habe. Er sei in der Pro- vinz G._______, Stadt H._______, Quartier I._______ geboren. Er habe die Merkblätter nicht lesen können, weil er die Schule nicht besucht habe. Als (…) sei er für rund (…) Jahre in die Koranschule gegangen, wo er den Koran zu Ende und auch ein paar andere Bücher gelesen habe. Etwa mit (…) Jahren habe er angefangen, in einer Werkstatt zu arbeiten. Diese Ar- beit habe er ausgeführt, bis er sein Heimatland am Abend vor dem afgha- nischen Nationalfeiertag (19. August, Anmerkung BVGer) im Jahr (…) – er sei dannzumal etwa (…) Jahre alt gewesen – verlassen habe. In B._______ seien ihm die Fingerabdrücke abgenommen worden. Er habe dort kein Asylgesuch stellen wollen und keinen Dolmetscher gehabt . Er habe angegeben, minderjährig zu sein beziehungsweise habe er kein Da- tum angegeben. Er wisse nicht, welches Geburtsdatum die (…) Behörden registriert hätten. In B._______ habe er einen anderen Nachnamen ange- geben in der Hoffnung, dass seine Daten nicht ausfindig gemacht werden könnten. Er könne sich nicht erinnern, welches Geburtsdatum er in C._______ angegeben habe. Er brachte zudem vor, gesund zu sein, und verneinte die regelmässige Einnahme von Medikamenten. A.h Am (…) teilten die (…) Behörden dem SEM mit, der Beschwerdeführer habe sich unter den Personalien J._______, geboren am (…), Afghanistan, registrieren lassen. Sein Asylgesuch sei am (…) abgelehnt worden. B. B.a Die am (…) am Institut für Rechtsmedizin de s Kantonsspitals K._______ erstellte 3 -Säulen-Modell-Analyse (körperliche, radiologische und zahnärztliche Untersuchung/Beurteilung) zur Altersbestimmung ergab ein durchschnittliches Lebensalter von 18 bis 22 Jahren. Im Zusammen- schau der Untersuchungsbefunde ergebe sich beim Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Untersuchung ein Mindestalter von 17 Jahren (17.4 Jah- ren). Das angegebene Geburtsdatum (chronologisches Lebensalter von (…) Jahren und […] Monaten) könne somit aufgrund der Ergebnisse der forensischen Altersschätzung nicht zutreffen. B.b Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am (…) das rechtliche Ge- hör zur beabsichtigten Anpassung seines Alters im Zentralen Migrationsin- formationssystem ZEMIS mit Geburtsdatum vom (…). Gleichzeitig wurde ihm das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit C._______ und B._______ zur Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens gemäss Dublin -III-D-4143/2021 Seite 4 VO, zum Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31 a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) sowie zur Wegweisung nach C._______ oder B._______ ge- währt. B.c Der Beschwerdeführer hielt mit Eingabe vom (…) unter Hinweis auf zahlreiche Anhaltspunkte (angebliche Reaktion auf geplante Altersanpas- sung; überzeugende Erklärung für das Fehlen von Identitätsdokumenten; nicht verwertbare, von den (…) Behörden erfasste, bestrittene Geburtsda- ten sowie wenig aussagekräftiges Ergebnis aus Altersabklärung) und seine als glaubhaft zu erachtenden Angaben an seiner Minderjährigkeit, welche einer Wegweisung nach B._______ oder C._______ klar entgegenstehe, fest. In B._______ drohe ihm die Abschiebung nach Afghanistan. In C._______ sei er schlimmer als ein Tier behandelt, gänzlich ignoriert oder geschlagen und angeschrien worden. C. Das Geburtsdatum des Beschwerdeführers wurde in der Folge im ZEMIS – mit Bestreitungsvermerk – auf den (…) angepasst und der Beschwerde- führer wurde vom SEM für das weitere Verfahren als volljährig erachtet. D. D.a Am (…) ersuchte das SEM die (…) Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO. D.b Am (…) reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht des Ambula- toriums (…) vom (…) mit der Diagnose Vitamin-D-Mangel, (…), (…) und (…) zu den Akten. D.c Mit Eingabe vom (…) ersuchte der Beschwerdeführer um einen Selbst- eintritt der Schweiz und (erneut) um Rückgängigmachung der Altersanpas- sung. Der Eingabe lagen ein USB -Stick mit Videoaufnahmen aus B._______ und C._______ und zwei Arztberichte vom (…). und (..) des Ambulatoriums (…) mit den zusätzlichen Diagnosen chronische (…) ohne Delta-Virus und Schlafstörungen. D.d Die (…) Behörden hiessen das Wiederaufnahmeersuchen des SEM mit Schreiben vom (…) im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. d der Dublin-III-VO gut. D.e Mit Arztbericht des Ambulatoriums (…) vom (…) wurden beim Be- schwerdeführer ein (…) ([…] oder […], Anmerkung BVGer) an den Händen D-4143/2021 Seite 5 beidseits und (…) (spontaner Austritt von […] aus einem oder beiden […], Anmerkung BVGer) diagnostiziert. E. Mit Verfügung vom 8. September 2021 – eröffnet am 9. September 2021 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asyl- gesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz nach C._______ an und forderte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf des Beschwerdeverfah- rens zu verlassen. Zudem stellte es fest, das Geburtsdatum des Beschwer- deführers im ZEMIS laute auf den (…), mit Bestreitungsvermerk. Schliess- lich hielt es fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu und verfügte die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwerdeführer. F. Der Beschwerdeführer focht die Verfügung des SEM vom 8. September 2021 mit Beschwerde vom 16. September 2021 beim Bundesverwaltungs- gericht an. Er beantragt, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und das SEM anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. Zudem sei sein Geburtsdatum im ZEMIS auf den (…), eventualiter auf den (…), zu ändern. Subeventualiter sei das Verfahren zwecks vollständiger Abklärung des Sachverhalts und Neubeurteilung an das SEM zurückz uweisen. In pro- zessualer Hinsicht sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu ge- währen und im Sinne einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme seien die Vollzugsbehörden anzuweisen, von einer Überstellung abzuse- hen, bis das Bundesverwaltungsgericht in der Sache entschieden habe. Es sei die unentgeltliche Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses zu gewähren. Der Beschwerde lagen der angefochtene Entscheid (ohne Seite 1) sowie die Empfangsbestätigung, je in Kopie, bei. G. Am 17. September 2021 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die vor - instanzlichen Akten in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Gleichentags setzte die Instruktionsrichterin mit superprovisorischer Mass- nahme den Vollzug der Überstellung des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus. D-4143/2021 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh- rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.3 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif- tenwechsel verzichtet. 2. Über das Begehren, das Geburtsdatum im ZEMIS sei auf den (…), even- tualiter auf den (…), zu ändern, ist nicht im vorliegenden Dublin-Verfahren zu entscheiden, zumal auch die dazu vorgesehene Beschwerdefrist noch nicht abgelaufen ist, weshalb im Nachgang ein separates Verfahren bezüg- lich der beantragten Datenänderung im ZEMIS zu führen ist (vgl. auch Ur- teil des BVGer D-3041/2021 vom 7. Juli 2021 E. 2). 3. 3.1 Der Beschwerdeführer rügt mehrere Verletzungen der Untersuchungs- pflicht (vgl. Beschwerde, Ziff. 4.2.4, S. 11 ff., Ziff. 6.2, S. 20 f. und Ziff. 7, S. 25 f.). Er macht geltend, die Vorinstanz habe durch die mangelnde Ab- klärung der Umstände der Registrierung in C._______ und B._______ ihre Pflicht zur Abklärung des vollständigen Sachverhalts verletzt. In vergleich- baren Fällen seien von den (…) Behörden die Akten der Registrierung oder der Erstbefragung angefordert worden. Die Vorinstanz habe sich im Asyl- entscheid nur rudimentär zur Situation für Asylsuchende in C._______ ge- äussert und habe lediglich die völkerrechtlichen Verpflichtungen C._______ aufgeführt. Schliesslich habe sie sich mit der medizinischen Versorgung in C._______ nicht auseinandergesetzt und damit den medizi- nischen Sachverhalt nicht erstellt . Diese formellen Rügen si nd vorab zu prüfen, da sie allenfalls zur Kassation und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz führen können. D-4143/2021 Seite 7 3.2 Die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Verfügung ein falscher und aktenwidri- ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor- den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe- sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT- SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 3.3 Die Rüge, die Vorinstanz habe im Zusammenhang mit ihren Erwägun- gen bezüglich der vom Beschwerdeführer behaupteten Minderjährigkeit und bezüglich seines Gesundheitszustandes mehrfach den Untersu- chungsgrundsatz verletzt, erweist sich als unbegründet. Die Vorinstanz hat diese Fragen in ihren Erwägungen unter Berücksichtigung der wesentli- chen Sachverhaltselemente einlässlich und hinreichend differenziert ge- prüft sowie die mehreren Überlegungen genannt, welche ihrer Gesamtwür- digung aller vorliegenden Anhaltspunkte zugrunde lagen. Die in der Be- schwerde geäusserte – weitestgehend unsubstantiierte – Unzufriedenheit mit den Schlussfolgerungen der Vorinstanz und insbesondere deren Wür- digung der Aussagen des Beschwerdeführers kann nicht unter den Tatbe- stand der ungenügenden und unvollständigen Sachverhaltsfeststellung subsumiert werden, sondern stellt vielmehr eine Kritik in der Sache selbst dar, zumal der Beschwerdeführer selber ausführt, es könne der Vorinstanz nicht der Vorwurf gemacht werden, dass sie das Einholen von Informatio- nen zumindest nicht versucht habe (vgl. Beschwerde, Ziff. 4.2.4, S. 12) . Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, den angefochtenen Ent- scheid aus einem formellen Grund aufzuheben. 4. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2 je m.w.H.). Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetre- ten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zu- ständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin- III-VO zur Anwendung. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asyl- antrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des D-4143/2021 Seite 8 Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Im Falle einer unbegleite- ten minderjährigen Person ohne familiäre Anknüp fungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 2 Dublin-III-VO der Staat zu- ständig, in welchem jene einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat. Unbegleitete Minderjährige sind vom Wiederaufnahmeverfahren aus- genommen (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-VO, Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8, m.H.). Vorliegend bestünde deshalb bei Minderjährigkeit des Be- schwerdeführers eine der grundsätzlichen Wiederaufnahmezuständigkeit C._______ vorrangige Zuständigkeit der Schweiz (vgl. statt vi eler: Urteile des BVGer D-3041/2021 vom 7. Juli 2021 E. 4.3). 5. 5.1 Die Vorinstanz hielt zur Begründung der angefochtenen Verfügung fest, der Beschwerdeführer sei als volljährige Person zu behandeln und sein Geburtsdatum auf den (…) mit Bestreitungsvermerk festzulegen. Im Lichte der bundesverwaltungsrechtlichen Rechtsprechung würden sich anhand des medizinischen Altersguthabens vom (…) keine Aussagen zu seiner Minder- beziehungsweise Volljährigkeit machen lassen, weshalb es auch nicht als Indiz hierfür herangezo gen werden dürfe. Es lasse sich anhand des festgestellten Gutachtens jedoch klar feststellen, dass das von ihm geltend gemachte Alter ([…] Jahre und […] Monate) nicht zutreffen könne. Für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Minderjäh- rigkeit sei entsprechend einzig die Gesamtwürdigung seiner Aussagen und der übrigen Indizien ausschlaggebend: So habe der Beschwerdeführer bei der Einreichung seines Gesuches unterstützt durch eine Drittperson gel- tend gemacht, am (…) geboren zu sein. Am (…) habe er eine Eingabe be- treffend Korrektur des erfassten Geburtsdatums gemacht und darin als kor- rektes Geburtsdatum den (…) aufgeführt. Anlässlich der EB UMA habe er sodann angegeben, er sei am (…) geboren und ein offenbares Missver- ständnis zwischen ihm und seiner Rechtsvertretung für das tags zuvor gel- tend gemachte Geburtsdatum vom (…) angeführt. Dies vermöge in keiner Weise zu überzeugen, zumal er die Korrektheit des Datums «(…)» als Ge- burtsdatum auf der eingereichten Korrektur des Personalienblatts unter- schriftlich bestätigt habe, weshalb die geltend gemachte Korrektur der Ein- gabe vom (…) mithin als nachgeschobene Schutzbehauptung zu seinen Gunsten zu qualifizieren sei. Zwar habe er an der EB UMA einige im Grund- satz widerspruchslose Angaben zum Datum seiner Ausreise gemacht und seinen Wohnort geographisch sehr präzise nennen können , seine restli- chen Angaben (Alter, Geburtsdatum, Kenntnisse über afghanischen und hiesigen Kalender, Schulbildung und insbesondere Registrierungen in B._______ und C._______) seien jedoch vage, unglaubhaft und teilweise D-4143/2021 Seite 9 widersprüchlich ausgefallen. Es sei nicht plausibel, dass die (…) Behörden ihn mit einem spezifischen Geburtsdatum als volljährige Person registriert hätten, hätte er sich tatsächlich als minderjährige Person ausgegeben. Weiter sei unwahrscheinlich, dass er in C._______ als volljährige Person unter einem spezifischen Geburtsdatum registriert worden sei und so ein gesamtes Verfahren durchlaufen hätte, hätte er diese Personalien nicht selber so zu Protokoll gegeben. Diese Erkenntnisse liessen sich mit seinen Aussagen in der Schweiz in keiner Weise vereinbaren. Es falle auf, dass die dortigen Registrierungen unter identischem Jahrgang (…) erfolgt seien, womit eine fehlerhafte Registrierung sehr unwahrscheinlich se i. Zudem nähre insbesondere die Information aus B._______, wo er aufgrund seiner Aussagen als volljährige Person aufgenommen worden sei, die Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Angaben gegenüber den schweizerischen Behör- den. Er vermöge die abweichenden Regis trierungen in C._______ und B._______ nicht plausibel zu erklären. Seine Pauschalerklärungen, wo- nach sein Geburtsdatum falsch registriert worden sei, ohne dass er eine Möglichkeit zu deren Berichtigung gehabt habe, stelle keinen begründen- den, fundierten und konkreten Hinweis dar, um an der völkerrechtskonfor- men Durchführung seiner Asylverfahren in B._______ und C._______ zu zweifeln. Die Abgleiche der Fingerabdrücke mit der Datenbank Eurodac würden nachweisen, dass der Beschwerdeführer in C._______ ein Asylgesuch ein- gereicht habe. Die (…) Behörden hätten das Wiederaufnahmeersuchen am (…) gutgeheissen, womit die Zuständigkeit bei C._______ liege, das weitere V erfahren durchzuführen. C._______ sei gemäss der jüngsten bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung ein Rechtsstaat mit funk- tionierendem Justizsystem und Polizeibehörden, weshalb der Beschwer- deführer sich mit einer Beschwerde oder Anzeige an die zuständigen Be- hörden wenden könne, sollte er sich durch (…) Behörden oder Drittperso- nen ungerecht oder rechtswidrig behandelt fühlen. Sein Vorbringen betref- fend die erlebte Gewalt durch die (…) Behörden habe er sodann nicht be- legen können. C._______ sei weiterhin für sein Verfahren bis zu einem all- fälligen Wegweisungsvollzug oder einer allfälligen Regelung des Aufent- haltsstatus zuständig. Es lägen – trotz der Einreichung seiner vier Video- aufnahmen – keine ausreichend begründeten Hinweise vor, dass C._______ seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachgekommen wäre und das Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchgeführt hätte. Seine Ausführungen vermöchten die Zuständigkeit C._______s zur Durchführung seines weiteren Verfahrens nicht zu widerlegen. Es sei nicht D-4143/2021 Seite 10 davon auszugehen, d ass er bei einer Überstellung nach C._______ gra- vierenden Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO und Art. 3 EMRK ausgesetzt werde, in eine existenzielle Notlage ge- rate oder unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in seinen Heimat- oder Herkunftsstaat überstellt werde. Zudem lägen weder systemischen Mängel in C._______s Asyl- und Aufnahmesystem noch Gründe gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO vor, die die Schweiz verpflichten würden, sein Asylgesuch zu prüfen. C._______ verfüge über eine ausreichende medizi- nische Infrastruktur und sei aufgrund der Aufnahmerichtlinie verpflichtet, ihm die erforderliche medizinische Versorgung zu gewähren. Es lägen keine Hinweise vor, wonach ihm C._______ eine medizinische Behandlung verweigert hätte oder zukünftig verweigern würde. Die Behandlung seiner chronischen (…) sowie mögliche Psychotherapien könnten auch in C._______ erfolgen. 5.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in der Rechtsmittelschrift, dass im Übernachmeersuchen an die (…) Behörden das Altersgutachten übermit- telt und angeführt worden sei, dessen Ergebnis sei nicht mit seinen Anga- ben vereinbar. Damit gebe die Vorinstanz das Ergebnis des Altersgutach- ten sowie dessen Verwertbarkeit verkürzt und unvollständig wieder. Ohne die Angaben zur Verwertbarkeit des Gutachtens hätten die (…) Behörden davon ausgehen müssen, dass ein Altersgutachten vorliege, welches ein starkes Indiz gegen seine in der Schweiz geltend gemachte Minderjährig- keit darstelle. Die Vorinstanz sei zu Unrecht von einer rechtsgültig en Zu- stimmung C._______ auf das Aufnahmegesuch ausgegangen. Er habe weiter überzeugend erklären können, warum er keine Identitätsdokumente einreichen könne. Insbesondere sei zu berücksichtigen, dass aufgrund der Machtübernahme der Taliban und der damit uns icheren Lage in ganz Af- ghanistan eine Situation herrsche, welche es ihm aktuell verunmögliche, neue Identitätsdokumente zu erhalten. Er habe weiter versucht, die unter- schiedliche Registrierung in B._______ und C._______ nach bestem Wis- sen zu erklären. In B._______ sei bei der Registrierung des Asylgesuchs kein Dolmetscher anwesend gewesen. Er spreche kein Englisch oder (…). Die Polizisten, welche das Asylgesuch erfasst hätten, hätten ihn ange- schrien und geschlagen. Er habe sehr wenig beziehungsweise sehr schlechtes Essen erhalten und sei in einem körperlich sehr angeschlage- nen Zustand gewesen. Angesichts dieser Umstände sei nachvollziehbar, dass er nicht habe überprüfen können, welche Personaleingaben die (…) Behörden erfasst hätten. In C._______ habe er led iglich seinen Namen genannt, die weiteren Angaben seien von den Polizisten erfasst worden. D-4143/2021 Seite 11 Die Registrierung sei unter grossem Druck erfolgt, wobei er durch die Po- lizisten angeschrien und geschlagen worden sei. Da weder in B._______ noch in C._______ Abklärungen (z.B. Altersgutachten) getätigt worden seien und auch keine Identitätspapiere vorgelegen hätten, seien die dort erfassten Personalien falsch, dürften nicht herangezogen werden und wür- den kein Indiz gegen seine Minderjährigkeit darstellen. Es könne ihm auch nicht vorgehalten werden, dass er in der Schweiz mit dem Geburtsdatum (…) zunächst falsch registriert worden sei, habe er doch mangels Schreib- und Lesekenntnissen das Personalienblatt nicht selber ausfüllen können . Dass seine Rechtsvertretung bei der entsprechenden Eingabe zur Korrek- tur seines – tatsächlich – falsch registrierten Geburtsdatums wohl aufgrund eines Übersetzungsfehlers/Missverständnisses den (…) (statt […]) (…) an- gegeben habe, sei ihm nicht anzulasten. Er habe bei der EB UMA mit «Ko- ran lesen» das Vorlesen des Korans in der Koranschule durch den Mullah gemeint, weshalb seine Aussage vielmehr im soziokulturellen Kontext mit Bezug auf Afghanistan und den Betrieb/Ablauf einer Koranschule sowie unter Berücksichtigung, dass es sich bei ihm um einen UMA handle, zu würdigen sei. In Gesamtbetrachtung aller vorliegenden Indizien und Um- stände sowie unter Berücksichtigung des Grundsatzes, dass im Zweifels- fall von der Minderjährigkeit einer unbegleite ten, asylsuchenden Person auszugehen sei, habe er seine Minderjährigkeit glaubhaft machen können, weshalb er wegen Fehlens von Verwandten oder anderen Bezugsperso- nen in den Anwendungsbereich von Art. 8 Abs. 4 Dublin -III-VO falle und deshalb der Umstand der Zustimmung durch die (…) Behörden an der Zu- ständigkeit der Schweiz nichts zu ändern vermöge. Selbst wenn das Gericht wider Erwarten von seiner Volljährigkeit ausginge, müsste die Schweiz wegen der systemischen Schwachstellen im (…) Asyl- system vom Selbsteintritt gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO Gebrauch machen. C._______ habe sich in den vergangenen Monaten zu einem der wichtigsten Transitländer auf der Balkanroute von (…) nach Westeuropa entwickelt. Das (…) Asylsystem gerate daher zunehmend unter Druck und es sei dringend eine neue Evaluation der dort bestehenden Situation und damit der bisherigen Rechtsprechung angezeigt. Zahlreiche Medien wür- den darüber berichten, dass in C._______ selbst die normale Bevölkerung keinen ausreichend en Zugang zu psychiatrischer Versorgung erhalte. Dazu gebe es aktuell aufgrund der anhaltenden Covid-19-Pandemie einen Rückgang von medizinischer Versorgung, namentlich psychologischer und psychotherapeutischer Dienstleistungen. D-4143/2021 Seite 12 6. 6.1 Nachdem unbegleitete Mind erjährige vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen sind (vgl. E. 4 hievor), bestünde bei Minderjährigkeit des Beschwerdeführers eine der grundsätzlichen Wiederaufnahmezuständig- keit C._______ vorrangige Zuständigkeit der Schweiz. Es ist deshalb zu- nächst zu prüfen, ob die Vorinstanz die dargelegte Minderjährigkeit des Beschwerdeführers zutreffend verneint hat. Im Asylverfahren ist die Min- derjährigkeit – der allgemeinen asylrechtlichen Beweisregel folgend – von der beschwerdeführenden Person zumindest glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3 und 4.2.3). Über die Glaubhaftigkeit ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu befinden. 6.2 Gegen die behauptete Minderjährigkeit des Beschwerdeführers spre- chen mehrere gewichtige Indizien und nicht – wie von ihm vorgebracht – lediglich seine Registrierungen in B._______ und C._______. Die Vor - instanz hielt in der angefochtenen Verfügung gestützt auf die bundesver- waltungsrechtliche Rechtsprechung (BVGE 2018 VI/3) zunächst zu Recht fest, dass sich aus dem vorliegenden Altersgu tachten keine verlässliche Aussage darüber machen liesse, ob eine Voll- oder Minderjährigkeit wahr- scheinlicher sei. Dennoch hält das Gutachten als Fazit fest, dass aus wis- senschaftlicher Sicht das vom Beschwerdeführer angegebene Geburtsda- tum ausgeschlossen werden könne (vgl. Altersgutachten, Ziff. 6.5, S. 5). Zudem verwies die Vorinstanz überzeugend auf die vagen, unsubstanziier- ten und widersprüchlichen Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Al- ter, Geburtsdatum, Schulbildung und Registrierungen in anderen europäi- schen Ländern sowie auf seine gänzlich fehlenden Identitätsdokumente. Auf die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz kann zur Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich verwiesen werden. In der Beschwerde wurde diesen Argumenten nebst der Wiederholung, stets die Wahrheit ge- sagt zu haben , weder Konkretes noch Stichhaltiges entgegengesetzt. Im Übrigen kann er auch aus seinem Hinweis auf den angeblich ähnlich gela- gerten Fall im kürzlich ergangenen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2079/2021 vom 28. Mai 2021 nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal jener Beschwerdeführer einheitlich jeweils das gleiche Geburtsdatum ge- nannt hatte und es sich im Übrigen ohnehin stets um eine Einzelfallbeur- teilung handelt. Zudem erklärt er durch diesen Verweis auch nicht, weshalb er im vorliegenden Verfahren (inklusive seiner Angabe im afghanischen Kalender) sechs verschiedene Geburtsdaten genannt hat. Nach dem Ge- sagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine Minderjähr ig- keit nachzuweisen respektive glaubhaft zu machen. Somit liegt auch kein D-4143/2021 Seite 13 Zweifelsfall vor, weshalb für eine Anwendung des in der Beschwerde ge- nannten Grundsatzes «in dubio pro minore» kein Raum besteht (vgl. dazu auch das Urteil des BVGer D-3944/2021 vom 21. September 2021 E. 9.2 m.w.H.), zumal diesem Grundsatz bereits mit dem herabgesetzten Beweis- massstab der Glaubhaftigkeit Rechnung getragen wird. 7. 7.1 Die Dublin -III-VO räumt den Schutzsuchenden grundsätzlich kein Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am (…) in C._______ Asyl beantragte. Am (…) er- suchte die Vorinstanz die (…) Behörden um Wiederaufnahme des Be- schwerdeführers. Dieses Ersuchen wurde am (…) (Eingang SEM: […]) gut- geheissen. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Vorinstanz habe beim Übernahmeersuchen an die (…) Behörden verkürzte und unvollständige Angaben zum Ergebnis des Altersgutachtens gemacht, geht er fehl. Zum einen lag das vollständige Altersgutachten dem Ersuchen vorschriftsge- mäss (vgl. Art. 22 Abs. 3 Dublin -III-VO) bei, zum anderen übersetzte die Vorinstanz lediglich das im Gutachten fes tgehaltene Fazit (vgl. SEM act. […]-38/5, S. 4). Überdies ist es gemäss Du blin-III-VO gerade an den schweizerischen Behörden gemäss Art. 8 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob es sich beim Beschwerdeführer um einen UMA handelt, welches das Wiederaufnahmeverfahren ausschliessen würde (vgl. E. 4 hievor) und nicht an den (…) Behörden. Die Vorinstanz ist demnach mit einem ord- nungsgemässen Wiederaufnahmeersuchen an die (…) Behörden gelangt. Die grundsätzliche Zuständigkeit C._______ ist somit gegeben. 7.2 Soweit der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe entgeg- net, er sei während se ines Aufenthalts in C._______ schlecht behandelt worden, es sei bei einer Schlägerei auch zu Messerangriffen gekommen und die Polizei schütze die Asylsuchenden nicht, sodass er in C._______ auf sich selber gestellt gewesen sei , ist Folgendes festzuhalten: Es sind keine Gründe für die Annahme ersichtlich, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in C._______ systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden. D-4143/2021 Seite 14 7.2.1 C._______ hat die EMRK, das Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie das Zusatzprotokoll der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ra- tifiziert und kommt seinen diesbezüglichen völkerrec htlichen Verpflichtun- gen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per- sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er- geben. Zwar ist den in der Beschwerdeschrift zitierten Berichten zu ent- nehmen, dass die Situation von (abgewiesenen) Asylsuchenden in C._______ teilweise problematisch ist. Dennoch geht das Gericht nicht da- von aus, die bekannten Unzulänglichkeiten würden in ein er Weise auftre- ten, welche darauf schliessen liesse, dass C._______ grundsätzlich nicht gewillt oder nicht fähig sei, Schutzberechtigten die ihnen zustehenden Rechte und Ansprüche zu gewähren beziehungsweise dass diese bei Be- darf nicht auf dem Rechtsweg du rchgesetzt werden könnten. Bislang ha- ben weder das Bundesverwaltungsgericht noch der Europäische Gerichts- hof für Menschenrechte (EGMR) – und im Übrigen auch nicht der Gerichts- hof der Europäischen Union (EuGH) – systemische Schwachstellen im (…) Asylsystem erkannt (vgl. in letzter Zeit etwa die Urteile BVGer E-3252/2021 vom 2. September 2021 E. 9.1.1, E -2591/2021 vom 3. August 2021 E. 7.4.2 und E-2412/2021 vom 31. Mai 2021 E. 6.2.2). Für eine Änderung der geltenden Rechtsprechung besteht auch in Würdigung de r vom Be- schwerdeführer gemachten Äusserungen zu seiner Behandlung in C._______ keine Veranlassung. Im Übrigen steht es dem Beschwerdefüh- rer frei bei den (…) Behörden die seit der Abweisung seines Asylantrages veränderte Lage in Afghanistan geltend zu machen. 7.2.2 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO nicht gerechtfertigt. 7.3 Es besteht auch kein Grund für eine Anwendung der Ermessensklau seln von Art. 17 Dublin-III-VO. D-4143/2021 Seite 15 7.3.1 Droht ein Verstoss gegen übergeordnetes Recht, namentlich gegen eine Norm des Völkerrechts, so besteht ein einklagbarer Anspruch auf Aus- übung des Selbsteintrittsrechts (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2). Die Schweiz ist demnach zum Selbsteintritt verpflichtet, wenn andernfalls eine Verlet- zung des Non -Refoulement-Gebots nach Art. 33 FK, von Art. 3 EMRK, Art. 7 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt II, SR 0.103.2) oder Art. 3 FoK droht. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der Dublin-Mitgliedstaat, in den eine Überstellung erfol- gen soll, bei der Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens die aus dem Völkerrecht fliessenden Verpflichtungen respektiert. Diese Ver- mutung kann im Einzelfall widerlegt werden. Die beschwerdeführende Per- son muss jedoch konkret darlegen, dass eine aktuelle und ernsthafte Ge- fahr einer Verletzung einer direkt anwendbaren Norm des Völkerrechts droht, wobei es genügt, wenn eine solche Gefahr glaubhaft gemacht wird (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f. und Urteil BVGer D -5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1). 7.3.2 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar- getan, die (…) Behörden würden sich we igern, ihn wieder aufzunehmen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, C._______ werde in seinem Fall den Grundsatz des Non -Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol- ches Land gezwungen zu werden. Überdies steht es ihm – wie erwähnt – frei bei den (…) Behörden die, seit der Abweisung seines Asylantrages, veränderte Lage in Afghanistan geltend zu machen. Ausserdem hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwarten- den Bedingungen in C._______ seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis davon aus, das (…) Asylsystem weise keine systemischen Mängel auf (vgl. oben E. 8.2.1). Das Asylverfahren des Beschwerdeführers in C._______ ist nach Auskunft der (…) Behörden zwar abgeschlossen (vgl. SEM act. […]-25/1). Es liegen aber keine Hinweise dafür vor, dass die Be- handlung seines Asylgesuchs mangelhaft sein könnte und seine Wegwei- sung in Ve rletzung des Non -Refoulement-Prinzips verfügt würde. Anzu- merken gilt es an dieser Stelle, dass sich der Betroffene eigenen Angaben zufolge nur knapp (…) Wochen in C._______ aufgehalten hat und danach nach L._______ weitergereist ist. Seine Ausreise erfolgte mit anderen Wor-D-4143/2021 Seite 16 ten freiwillig und die (…) Behörden haben nicht versucht, ihn nach Afgha- nistan oder in ein anderes Land auszuschaffen. Des Weiteren gibt es auch keine konkreten Hinweise für die Annahme, C._______ würde dem Be- schwerdeführer dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehen- den minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Etwas anderes vermag der Beschwerdeführer auch nicht aus den im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Videosequenzen abzuleiten , zumal daraus nicht eindeutig hervorgeht, wann beziehungsweise in welchem Land die Aufnahmen ent- standen sind. Es ist vorliegend nicht zu erwarten, dass die bei einer Rück- führung zu erwartenden Bedingungen in C._______ derart schlecht sind, dass sie zu ein er Verletzung von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten (vgl. Urteil des BVGer F-3773/2020 vom 28. Juli 2020 E. 5.3). 7.4 Hinsichtlich der geltend gemachten gesundheitlichen Überstellungs- hindernisse ist im Einzelnen Folge ndes festzuhalten: Auch wenn die An- nahme einer Verletzung von Art. 3 EMRK aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ein fortgeschrittenes oder terminales Krankheitsstadium bezie- hungsweise eine Todesnähe voraussetzt (vgl. etwa noch BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H.), bleibt die Schwelle hoch. Sie kann erreicht sein, wenn eine schwer kranke Person durch die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfron- tiert würde, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechte- rung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezem- ber 2016, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Die vorliegenden gesundheitli- chen Probleme – (…) an den Händen beidseits, (…)störungen, chronische (…) Erkrankung ohne Delta-Virus, welche zur Zeit keiner Therapie bedarf (vgl. SEM act. […]-43/6, S. 3), ein Vitamin-D-Mangel, (…), (…) und (…) und eine (…) – stellen jedenfalls kein völkerrechtliches Vollzugshindernis im Sinne von Art. 3 EMRK dar, welches zwingend zu einem Selbsteintritt führen müsste, da C._______ über eine ausreichende medizinische Infra- struktur verfügt (vgl. Urteil des BVGer E -350/2021 vom 1. Februar 2021 E. 8.2.2). Der auf den (…) vereinbarte Termin beim Psychiater ändert nichts daran (vgl. SEM act. […]-47/2, S. 2). Die Mitgliedstaaten sind ver- pflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugäng- lich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige D-4143/2021 Seite 17 Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Be- treuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach C._______ dem Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung verweigern würde. Die Vollzugsbehörden wer- den die (…) Behörden im Sinne von Art. 31 und 32 Dublin -III-VO vor der Überstellung über den Gesundheit szustand und die not wendige Behand- lung informieren; dies ist vorliegend geschehen, sind doch die Hauptdiag- nosen bei den Überstellungsmodalitäten aufgeführt (vgl. SEM act. […]- 49/1). Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. 7.5 Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zu- sammenhang mit der COVID -19-Pandemie stellen – gemäss aktuellem Kenntnisstand – lediglich temporäre Vollzugshindernisse dar und vermö- gen am Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern (vgl. Urteil des BVGer F -949/2021 vom 24. März 2021 m.H. auf F -1829/2020 vom 9. April 2020 E. 5.2). 7.6 Somit bleibt C._______ der für die Behandlung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO und ist verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 23, 24, 25 und 29 Dublin-III-VO wiederaufzunehmen. 8. Die Vorinstanz ist demnach zutreffend zur Erkenntnis gelangt, es sei in An- wendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch nicht einzu- treten und hat – weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach C._______ (Art. 32 Bst. a der Asylver- ordnung 1 über Verfahrensfragen [Asylverordnung 1, AsylV 1, SR 142.311]) angeordnet. 9. Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). D-4143/2021 Seite 18 10. Der am 17. September 2021 verfügte Vollzugsstopp fällt mit dem vorlie- genden Urteil dahin. 11. 11.1 Mit dem vorliegenden Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Befreiung von der Kosten- vorschusspflicht gegenstandslos geworden. 11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle- ments vom 21. Februar 20 08 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da die Rechtsbe- gehren jedoch nicht als aussichtslos zu betrachten waren und aufgrund der Akten von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, ist das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung in Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. (Dispositiv nächste Seite) D-4143/2021 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das Begehren, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers sei im ZEMIS auf den (…) zurückzusetzen, eventualiter auf den (…) anzupassen, wird im separaten Verfahren D-4187/2021 behandelt. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Patrick Blumer Versand: