Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 24. Februar 2016 (810 15 249) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Gemeinsame elterliche Sorge Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret , Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Martina de Roche , Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Eveline Roos, Rechtsanwältin Betreff Gemeinsame elterliche Sorge (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 23. Juli 2015) A. Mit Eingabe vom 22. Januar 2015 beantragte C.___ _, vertreten durch Eveline Roos, Rechtsanwältin, bei der Kindes- und Erwachsenenschu tzbehörde B.____ (KESB) die gemein- same elterliche Sorge über seine Tochter, D.____, g eboren 2007. Zur Begründung wurde aus- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht geführt, die Kindsmutter, A.____, sei nicht bereit, dem gemeinsamen Sorgerecht zuzustimmen, obwohl keine objektiven Gründe für diese Haltung auszumachen seien. B. Die KESB beauftragte E.____, Soziale Dienste F.___ _, mit Schreiben vom 5. Februar 2015 mit der Abklärung der Besuchsrechtssitua tion und des gemeinsamen Sorge- rechts. Am 20. Mai 2015 reichte E.____ seinen Abklärungsb ericht sowie seine Rechnung für den erstellten Bericht ein. C. Mit Entscheid der KESB vom 24. Juni 2015 wurde für D.____ eine Erziehungsbei- standschaft gemäss Art. 308 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilg esetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 mit der Aufgabe errichtet, den per sönlichen Verkehr zu regeln und im Kon- fliktfall die Besuchsdaten festzulegen. Als Beistand wur de G.____, Soziale Dienste F.____, er- nannt. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘280 .-- wurden den Kindseltern je hälftig auf- erlegt. Die Kindseltern erklärten sich mit der Errichtung dieser Beistandschaft einverstanden. D. Mit Entscheid der KESB vom 23. Juli 2015 wurde A.__ __ und C.____ gestützt auf Art. 298b Abs. 2 ZGB die gemeinsame elterliche Sorge für D.____ zugesprochen und auf die Anordnung einer Mediation verzichtet. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 440.-- wurden den Kindseltern je hälftig auferlegt. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass sich die Kindsmutter geweigert habe, die Erklärung betreffend die gemeinsame elterliche Sorge zu unterzeichnen. Die Kindseltern seien sich insbesonder e in Fragen bezüglich des Besuchs- rechts des Kindsvaters und in alltäglichen Angelegenheite n uneinig. Dies seien jedoch Berei- che, auf welche eine Änderung der elterlichen Sorgerec htsausübung keinen Einfluss hätte. Die Kindsmutter habe auch anlässlich der Anhörung vom 3. Juli 2015 angegeben, dass sie den Kindsvater bereits jetzt in wesentliche Entscheide in den Bereichen Schule oder Gesundheit mit einbeziehe. Demzufolge sei den Kindseltern die gemeinsame elterliche Sorge zuzusprechen. E. Mit Eingabe vom 2. September 2015 erhob A.____, v ertreten durch Martina de Roche, Advokatin, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaf t, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei der Entscheid der KESB aufzuheben und die alleinige Sorge für D.____ bei der Kindsmut ter zu belassen. Eventualiter sei der Ent- scheid der KESB vollumfänglich aufzuheben und zur Neube urteilung zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge, wobei der Beschwerdeführerin die une ntgeltliche Rechtspflege zu bewilligen sei. F. Mit Eingabe vom 22. September 2015 liess sich die KE SB vernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. G. C.____, vertreten durch Eveline Roos, liess sich mit Eingabe vom 22. September 2015 vernehmen und beantragte die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. H. Mit Eingabe vom 24. September 2015 reichte die KES B dem Gericht eine Kopie einer Internetseite ein, wonach die Beschwerdeführerin zusätzliche Einnahmen aus einer Tätigkeit an einer Kosmetikfachschule generiere. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Verfügung vom 20. Oktober 2015 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen, die Beweisanträge auf Anhörung von D.____ sowie auf Befragung von G.____ und E.____ abgewiesen und festgestellt, dass die von der Be schwerdeführerin beantragte Bewilli- gung der unentgeltlichen Rechtspflege von der Kammer entschieden werde. J. Am 2. November 2015 reichte A.____, vertreten durch Martina de Roche, das Formular “Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege“ samt Beilagen ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz buches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann ge gen Entscheide einer Kindesschutzbe- hörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werd en. § 66 Abs. 1 des kantonalen Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsgericht, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des k antonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), d ie der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufheb ung oder Änderung des angefochte- nen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin i st als direkte Verfahrensbeteiligte zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen P rozessvoraussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. des Ge setzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfü llt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2.1 Die Beschwerdeführerin rügt vorerst in formeller Hi nsicht die Verletzung des rechtli- chen Gehörs. Sie bringt vor, weder sie noch ihre Tochter seien im Vorfeld des angefochtenen Entscheids von der KESB in geeigneter Weise angehört w orden. Insbesondere sei die Bespre- chung in den Räumlichkeiten der KESB am 3. Juli 2015 weder als eine eigentliche der Urteils- findung dienende Anhörung angekündigt worden, noch se i eine formelle Einladung erfolgt. Zu- dem gehe aus dem Entscheid der KESB nicht hervor, weshal b sie sich über die Empfehlung von E.____, die gemeinsame elterliche Sorge nicht zu erteilen, hinweggesetzt habe. 2.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich zunäch st aus Art. 29 Abs. 2 der Bun- desverfassung (BV) vom 18. April 1999. Er umfasst die Rechte der Parteien auf Teilnahme am Verfahren und auf Einflussnahme auf den Prozess der En tscheidfindung. In diesem Sinne dient das rechtliche Gehör einerseits der Sachaufklärung, ander erseits stellt es ein persönlichkeits- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar , welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört das Recht des Betrof fenen, sich vor Erlass eines Ent- scheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubrin gen, Einsicht in die Akten zu neh- men, mit erheblichen Beweisen entweder mitzuwirken ode r sich zumindest zum Beweisergeb- nis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 370, 127 I 56, 122 II 469, je mit Hinweisen). Art. 29 Abs. 2 BV räumt keinen Anspruch auf persönliche An- hörung der betroffenen Person ein (BGE 134 I 140 E. 5.3). Der verfassungsrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör wurde jedoch in Art. 447 ZGB au sgedehnt, indem darin die persönliche Anhörung der betroffenen Person vorgeschrieben wird, soweit dies nicht als unverhältnismässig erscheint (CHRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 6 zu Art. 447). Art. 4 47 ZGB verpflichtet somit die KESB, die betroffene Person persönlich anzuhören. Der bet roffenen Person steht es indessen frei, auf die persönliche Anhörung zu verzichten, soweit sich die An hörung im Mitwirkungsrecht er- schöpft (C HRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , a.a.O., N 9 und N 36 zu Art. 447; Praxisanleitung Erwachsenenschutzrecht, KOKES [Hrsg.], Zürich/St.Gallen 2012, N 10.18). Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV wird zudem die Pflicht der Behörden abgeleitet, ihre Entscheide so zu begründen, dass sie sachgerecht ange fochten werden können. Die Be- gründung muss daher kurz die Überlegungen nennen, auf welche die Behörde ihren Entscheid stützt. Dagegen ist nicht erforderlich, dass sie sich mit jeder tatsächlichen Behauptung und mit jedem rechtlichen Einwand ausdrücklich auseinandersetzt (Ur teil des Bundesgerichts 1C_205/2015 vom 29. Oktober 2015 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 2.3 Die KESB führt in ihrer Vernehmlassung vom 22. Se ptember 2015 aus, dass es auf- grund von Absagen und Terminwünschen beider Elterntei le sehr schwierig gewesen sei, einen Termin für die Anhörung zu finden. Aus diesem Grund se i es stossend, wenn die Beschwerde- führerin moniere, sie habe keine formelle Einladung e rhalten. Zudem sei die Beschwerdeführe- rin im E-Mail vom 18. Juni 2015 darauf hingewiesen wo rden, dass anlässlich der Anhörung am 3. Juli 2015 besprochen werde, ob die gemeinsame elte rliche Sorge erteilt werden könne. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin sei somit über den Inhalt und die Bedeutung der An- hörung informiert gewesen und habe sich dementsprechen d vorbereiten können, was in ihrem Plädoyer am 3. Juli 2015 deutlich geworden sei. Auf ei ne Anhörung von D.____ sei aufgrund ihres Alters sowie der Abstraktheit der Thematik verzicht et worden. Ausserdem sei D.____ an- lässlich des Abklärungsauftrages durch die Sozialen Dienst e F.____ zu den Besuchen beim Vater befragt worden und sie habe angegeben, gerne b ei ihrem Vater zu sein. Die KESB führte weiter aus, dass sie ihre Begründungspflicht nicht verlet zt sehe, zumal sie in ihrem Entscheid dargelegt habe, weshalb sie der Empfehlung von E.____ nicht gefolgt sei. 2.4 Der Beigeladene schliesst sich in Bezug auf die form ellen Rügen der Beschwerdefüh- rerin den Ausführungen der KESB an und bestreitet da s Vorliegen einer Gehörsverletzung durch die KESB. 2.5 Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass die Besch werdeführerin erstmals mit Schreiben vom 5. Juni 2015 von der KESB eingeladen wu rde, um die Anträge von E.____ zu besprechen. In ihrer E-Mail an die Beschwerdeführerin vom 10. Juni 2015 hielt die KESB fest, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass der Beschwerdeführerin auch schriftlich das rechtliche Gehör zur gemeinsamen elterlichen Sorge erteilt werden könne, wenn sie nicht bereit sei, an einer persönlichen Besprechung teil- zunehmen. Nach diversen Terminverschiebungen, welche dur ch beide Elternteile verursacht wurden, hielt die KESB im E-Mail an die Kindseltern vom 18. Juni 2015 fest, dass für die Be- sprechung, ob die gemeinsame elterliche Sorge erteilt w erden könne oder nicht, ein neuer Ter- min gefunden werden müsse und die Eltern Terminvorschläge zu unterbreiten hätten. Unbestrit- ten ist, dass schliesslich am 3. Juli 2015 die Anhörung der Kindseltern zur gemeinsamen elterli- chen Sorge stattgefunden hat, wobei die Beschwerdefüh rerin in Begleitung ihrer Anwältin teil- nahm. Im Rahmen dieser Anhörung legte die Anwältin den Standpunkt der Beschwerdeführerin dar und vertrat ihre Argumentation gegen die Erteilung der elterlichen Sorge (vgl. Aktennotiz der KESB von der Anhörung vom 3. Juli 2015). Dies wird vo n der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten. Es ist demnach erstellt, dass die Beschwerdefü hrerin im Beisein ihrer Anwältin vor dem Erlass des angefochtenen Entscheids durch die KESB pe rsönlich zur Erteilung der ge- meinsamen elterlichen Sorge angehört wurde und bereit s im Vorfeld über den Grund und den Inhalt dieser Anhörung durch die KESB informiert wu rde, was ihr sowie ihrer Anwältin eine ge- nügende Vorbereitung ermöglichte. Eine Verletzung de s Anspruchs auf rechtliches Gehör liegt diesbezüglich nicht vor und die dahingehende Rüge der Beschwerdeführerin ist unbegründet. 2.6 Ebenso wenig liegt eine Verletzung der Begründun gspflicht vor. Der Beschwerdeführe- rin ist zwar darin zuzustimmen, dass die KESB der Empfehl ung von E.____, die gemeinsame elterliche Sorge aufgrund des Dauerkonflikts zwischen den E ltern nicht zu erteilen, in ihrem Entscheid nicht gefolgt ist. Zur Begründung ihres Entscheids führt die KESB jedoch an, dass sie keinen direkten Zusammenhang zwischen dem bestehenden Elt ernkonflikt und der gemeinsa- men elterlichen Sorge erkenne. Die Eltern seien sich in erster Linie in Fragen bezüglich des Besuchsrechts und in alltäglichen Angelegenheiten unein ig; dies seien jedoch Bereiche, auf welche eine Änderung der elterlichen Sorgerechtsausübu ng keinen Einfluss hätte. Insofern ist die KESB auf den Abklärungsbericht von E.____ eingegan gen und hat dargelegt, aus welchen Gründen sie von seinen Empfehlungen abweicht bzw. wesh alb sie nicht davon ausgeht, dass der Dauerkonflikt zwischen den Eltern die gemeinsame Au sübung des elterlichen Sorgerechts beeinflusst. Die dahingehende Rüge der Beschwerdeführerin ist somit unbegründet. 3.1 In Bezug auf die Rüge der Verletzung der Anhörung spflicht von D.____ ist festzuhal- ten, dass gemäss des in Art. 12 Abs. 2 des Übereinkomme ns über die Rechte des Kindes (UKRK) vom 20. November 1989 verankerten Grundsatzes, Ki nder anzuhören sind, wenn ein Gerichts- oder Verwaltungsverfahren ihre Angelegenheiten betrifft (CHRISTOPH HÄFELI , Die Auf- hebung der elterlichen Obhut nach Art. 310 ZGB, in: Zeitschrift für Vormundschaftswesen [ZVW], 56 1-2/200 S. 111 ff., S. 122). Gemäss bundes gerichtlicher Praxis ist Art. 12 Abs. 2 UKRK direkt anwendbar (BGE 124 III 93 E. 3a). Die Anhörung dient einerseits der Wahrung der Persönlichkeitsrechte des Kindes und andererseits der Sach verhaltsermittlung (P ETER TUOR /B ERNAHRD SCHNYDER/J ÖRG SCHMID /A LEXANDRA RUMO -JUNGO , Das Schweizerische Zivil- gesetzbuch, 12. Auflage, Zürich 2002, S. 260). Die re chtsanwendenden Behörden sind grund- sätzlich jedoch nur dann verpflichtet, dem Kind Gelege nheit zur Meinungsäusserung zu geben – und anschliessend diese Meinung auch angemessen zu berück sichtigen – wenn das Kind fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden (vgl. Ar t. 12 Abs. 2 und Abs. 1 UKRK). Als Richtli- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nie ist eine Kindesanhörung grundsätzlich ab dem vollende ten sechsten Altersjahr möglich (BGE 131 III 553 E. 1.2.3). Die Interessen eines Kind es können in vielerlei Verwaltungs- und Gerichtsverfahren in irgendeiner Weise "berührt" sein, ohne dass sich deswegen eine Anhörung des Kindes sachlich rechtfertigen würde. Der konventionsr echtliche Anhörungsanspruch muss sich vernünftigerweise auf Verfahren beschränken, in den en persönlichkeitsrelevante essentiel- le eigene Interessen des Kindes unmittelbar auf dem Spi ele stehen, wie dies insbesondere et- wa bei Trennung des Kindes von seiner Familie (vgl. Art. 314a Abs. 1 ZGB [Verfahren bei Kin- desschutzmassnahmen]) oder in eherechtlichen Verfahren (vg l. Art. 298 Abs. 1 ZPO) der Fall ist (Urteil des Bundesgerichts 5A_61/2008 vom 16. Juni 2008 E. 2.3). 3.2 Das Bundesgericht hat in seinem Entscheid vom 27. August 2015 festgehalten, dass es sich bei der Alleinzuteilung des Sorgerechts gemäss Art. 298 ff. ZGB nicht um einen Sorge- rechtsentzug in Form einer Kindesschutzmassnahme nach Art. 311 ZGB handelt, weshalb auch nicht der gleiche Massstab bzw. die gleichen Voraussetzunge n gelten. Bei der Alleinzuteilung des Sorgerechts gehe es primär um das “Kindeswohl“ und nicht um eine Kindesgefährdung. So sei offensichtlich, dass die Fremdplatzierung gemäss Art. 310 ZGB – nach vorgängigem Entzug des Sorgerechts nach Art. 311 ZGB – von den Auswirkunge n her einen ungleich grösseren Eingriff darstelle als die Alleinzuteilung des Sorgerechts gestützt auf Art. 298 ff. ZGB. Bei dieser bleibt das Kind in aller Regel beim hauptbetreuenden Elternteil und es wird oft gar nicht wahr- nehmen, dass die rechtliche Entscheidzuständigkeit eine Änderung erfahren hat (vgl. zum Gan- zen Urteil des Bundesgerichts 5A_61/2008 vom 16. Juni 2008). 3.3 Aufgrund dieser bundesgerichtlichen Einordnung von Art. 298 ff. ZGB ist die Alleinzu- teilung des Sorgerechts gemäss Art. 298 Abs. 1 ZGB grund sätzlich nicht als Kindesschutz- massnahme im Sinne von Art. 307 ff. ZGB anzusehen, wes halb vorliegend insbesondere die diesbezügliche Verfahrensbestimmung gemäss Art. 314a Abs. 1 ZGB, wonach das Kind im Rahmen von Kindesschutzmassnahmen durch die Kindesschutzbe hörde oder durch eine be- auftragte Drittperson in geeigneter Weise persönlich anzuhören ist, nicht zwingend anzuwenden ist. Weiter ist anzumerken, dass D.____ bei Erteilung de r gemeinsamen elterlichen Sorge bzw. bei Ausweitung der diesbezüglichen Entscheidkompetenz auf beide Elternteile nicht unmittelbar in ihren persönlichkeitsrelevanten essentiellen eigene n Interessen betroffen ist, sondern allen- falls erst durch die konkreten Entscheide als solche. Davon abgesehen wurde D.____ vom So- zialarbeiter, E.____, im Rahmen seiner Abklärung, welch e von der KESB in Auftrag gegeben wurde, am 4. März 2015 sowie am 21. April 2015 im Bei sein ihrer Mutter angehört (vgl. Zeiter- fassung von E.____ vom 20. Mai 2015). D.____ äusserte sich dahingehend, dass sie gerne bei ihrem Vater sei und auch die Ferien gerne bei ihm ver bringe. E.____ stellte fest, dass D.____ den Kontakt zu ihrem Vater grundsätzlich positiv empfind e und daran nichts zu ändern sei (vgl. Abklärungsbericht von E.____ vom 20. Mai 2015 S. 2). Auch wenn die Erteilung des ge- meinsamen Sorgerechts nicht eigentlicher Gegenstand dies er Befragung und die Beschwerde- führerin bei der Anhörung von D.____ anwesend war, i st ein grundlegender Standpunkt von D.____ auf diese Weise ins Verfahren eingeflossen und ihre Meinungsäusserung ist in ihrer Richtigkeit von den Parteien auch nicht angezweifelt w orden. Die Rüge der Beschwerdeführe- rin, das Anhörungsrecht von D.____ sei verletzt worden, ist somit unbegründet. Entgegen der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Behauptung der Beschwerdeführerin ist nach dem Gesagten zudem erstellt, dass der Untersu- chungsgrundsatz von der Vorinstanz nicht verletzt wurde. 4. In materieller Hinsicht ist weiter zu prüfen, ob d ie Vorinstanz den Kindseltern zu Recht die gemeinsame elterliche Sorge über D.____ übertragen hat. 5.1 Die elterliche Sorge dient dem Wohl des Kindes (A rt. 296 Abs. 1 ZGB). Sie umfasst die Gesamtheit der elterlichen Verantwortlichkeiten und Befugnisse in Bezug auf das Kind, d.h. die Bestimmung des Aufenthaltsorts, die Erziehung und d ie gesetzliche Vertretung des Kindes sowie die Verwaltung seines Vermögens (I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilge setzbuch I, Art. 1 - 456, 5. Auflage, Ba- sel 2014, N 2 zu Art. 296). Die Eltern leiten im Bli ck auf das Wohl des Kindes seine Pflege und Erziehung und treffen unter Vorbehalt seiner eigenen Handlungsfähigkeit die nötigen Entschei- dungen (Art. 301 Abs. 1 ZGB), d.h. die Eltern üben ihre Entscheidungskompetenz grundsätzlich gemeinsam aus. Um allfällige Streitigkeiten um alltä gliche Angelegenheiten zu vermeiden, wur- de dem betreuenden Elternteil mit Art. 301 Abs. 1 bis ZGB eine Alleinentscheidungskompetenz eingeräumt. Danach kann der Elternteil, der das Kind betreut, allein entscheiden, wenn die An- gelegenheit alltäglich oder dringlich ist (Ziff. 1) od er der andere Elternteil nicht mit vernünftigem Aufwand zu erreichen ist (Ziff. 2). Als alltäglich gelte n Entscheidungen über Ernährung, Beklei- dung und Freizeitgestaltung des Kindes. Nicht alltäglich en Charakter haben Angelegenheiten, die das Leben des Kindes in einschneidender Weise präge n, beispielsweise der Wechsel der Schule oder der Konfession des Kindes, medizinische Eingrif fe, die Ausübung von Hochleis- tungssport oder die dauerhafte Übertragung der Tagesb etreuung des Kindes auf Dritte (INGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., N 3c zu Art. 301). 5.2 Sind die Eltern nicht miteinander verheiratet und anerkennt der Vater das Kind oder wird das Kindesverhältnis durch Urteil festgestellt und d ie gemeinsame elterliche Sorge nicht bereits im Zeitpunkt des Urteils verfügt, so kommt die ge meinsame elterliche Sorge aufgrund einer gemeinsamen Erklärung der Eltern zustande (Art. 298a Abs. 1 ZGB). Weigert sich ein Elternteil, die Erklärung über die gemeinsame elterl iche Sorge abzugeben, so kann der andere Elternteil die Kindesschutzbehörde am Wohnsitz des Kinde s anrufen (Art. 298b Abs. 1 ZGB). Gemäss Art. 298b Abs. 2 ZGB verfügt die Kindesschutzbehör de die gemeinsame elterliche Sorge, sofern nicht zur Wahrung des Kindeswohls an der alleinigen elterlichen Sorge der Mutter festzuhalten ist oder die alleinige elterliche Sorge dem Vater zu übertragen ist. Demnach ist neu die Möglichkeit der gemeinsamen elterlichen Sorge bei unverheirateten Eltern gegen den Willen eines Elternteils vorgesehen (I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., N 1 zu Art. 298b). 5.3 Nach neuem Recht gilt die gemeinsame elterliche So rge als gesetzlicher Regelfall. Voraussetzung ist, dass kein Grund für die Alleinsorge eine s Elternteils besteht (I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., N 5 zu Art. 298b). Mit anderen Worten muss d ie Wah- rung der Kinderinteressen eine alleinige elterliche S orge notwendig machen, ansonsten der gesetzliche Regelfall zum Tragen kommt (Botschaft vom 1 6. November 2011 zu einer Ände- rung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Elterliche So rge], BBl 2011 S. 9104). Die mass- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gebende Leitlinie für die Zuteilung der elterlichen Sorge ist demnach das Kindeswohl. Wie vor- stehend ausgeführt, können für die Alleinzuteilung d er elterlichen Sorge gemäss Art. 298 ff. ZGB nicht die gleichen Voraussetzungen gelten wie für den auf Art. 311 ZGB gestützten Ent- zug des Sorgerechts (vgl. E. 3.2 hiervor). Vielmehr kann auch beispielsweise ein schwerwie- gender elterlicher Dauerkonflikt oder die anhaltende K ommunikationsunfähigkeit eine Alleinzu- teilung des Sorgerechts gebieten, wenn sich der Mangel negativ auf das Kindeswohl auswirkt und von einer Alleinzuteilung eine Verbesserung erwar tet werden kann (vgl. Urteil des Bundes- gerichts 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 4.6). Erfor derlich ist hingegen, dass eine Erheb- lichkeit und Chronizität des Konflikts oder der gestörten Kommunikation vorliegt; punktuelle Auseinandersetzungen oder Meinungsverschiedenheiten, wie sie in allen Familien vorkommen und insbesondere bei einer Trennung oder Scheidung auftreten können, reichen für eine Allein- zuteilung des elterlichen Sorgerechts nicht aus (vgl. Urtei le des Bundesgerichts 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 4.7; 5A_202/2015 vom 26. November 2015 E. 3.3). 5.4 Des Weiteren müssen für die elterliche Sorge die Vo raussetzungen nach Art. 296 ZGB vorliegen. Notwendig sind hierfür das Vorliegen eines r echtlichen Kindsverhältnisses sowie die Volljährigkeit und das Fehlen einer umfassenden Beistandschaft der Elternteile. 5.5 Der Kindsvater erfüllt die Voraussetzungen gemäss A rt. 296 ZGB unbestrittenermas- sen. Somit ist nachfolgend einzig zu prüfen, ob zur Wah rung des Kindeswohls an der alleinigen elterlichen Sorge der Kindsmutter festzuhalten ist. 6.1 Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, dass sich der K indsvater bei der Zuteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge in alltägliche Angelegenheiten einmischen und diese dann zum Gegenstand kontroverser Verhandlungen machen würde. Di e Kindseltern seien seit Jahren zerstritten und bei einer gemeinsamen elterlichen Sorge würde sich die Situation zwischen den Eltern noch weiter verschärfen, was das Wohl von D.____ gefährden würde. Die Situation sei schon einige Male bei der Kindsübergabe eskaliert, was so gar in einer Strafanzeige gegen den Kindsvater gemündet habe. Zudem sei zu beachten, dass D.____ hauptsächlich bei ihrer Mutter wohne und nur jedes zweite Wochenende beim Vater in H. ____ zu Besuch sei. Auch unter die- sem Aspekt sei es angezeigt, die elterliche Sorge alleine bei der Kindsmutter zu belassen, da sie diejenige sei, die im alltäglichen Leben für D.___ _ sorge und die hiermit verbundenen Ent- scheidungen treffe. 6.2 In seiner Stellungnahme vom 12. Januar 2015 wies de r Kindsvater sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe ausdrücklich und vehement von sich. Sie seien frei erfunden und wür- den jeglicher Grundlage entbehren. Die Strafanzeige, welche die Beschwerdeführerin gegen ihn eingereicht habe, habe sich als unbegründet erwiesen, was die Beschwerdeführerin bereits bei der Beschwerdeeingabe gewusst habe. Der Kindsmutter geh e es einzig darum, einen Macht- kampf auszutragen, was auch deren Weigerung, eine Media tion durchzuführen, zeige. Die Un- stimmigkeiten zwischen ihm und der Beschwerdeführerin wü rden sich in erster Linie auf das Besuchs- und Ferienrecht beschränken. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Vorliegend sind Defizite beim Kooperationswillen d er Kindseltern im Zusammenhang mit dem Besuchsrecht dargelegt worden. Indes ist die Behauptung der Beschwerdeführerin, bei der Erteilung des gemeinsamen Sorgerechtes sei eine Ausw eitung dieses Konflikts vorpro- grammiert, für die Zuteilung der Alleinsorge kein g enügender Grund. Es war nicht die Meinung des Gesetzgebers, dass ein Elternteil in abstrakter Weise a uf einen Konflikt verweisen und dar- aus einen Anspruch auf Alleinsorge ableiten kann (Urteil des Bundesgerichts 5A_202/2015 vom 26. November 2015 E. 3.4). Im Zentrum steht die Tats ache, dass es sich beim elterlichen Sor- gerecht um ein Pflichtrecht handelt (BGE 136 III 353 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 5A_198/2013 vom 14. November 2013 E. 4.1), wie dies auch beim Besuchsrecht der Fall ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 5A_719/2013 vom 17. Okto ber 2014 E. 4.2; 5A_160/2011 vom 29. März 2011 E. 4). Die mit der elterlichen Sorge ver bundenen Rechte und Pflichten sind zum Wohle des Kindes auszuüben. Die Eltern haben mithin im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles zu unternehmen, was zur gedeihlichen Entwicklung des Kindes erforderlich ist. Daraus folgt im vorliegenden Kontext, dass sie sich zu bemühen haben, zwischen der konfliktbehafteten Eltern- ebene und dem Eltern-Kind-Verhältnis zu unterscheiden und das Kind aus dem elterlichen Kon- flikt herauszuhalten. Sodann haben sich beide Elterntei le um ein kooperatives Verhalten zu bemühen und die zumutbaren Anstrengungen bei der ge genseitigen Kommunikation zu unter- nehmen, ohne die ein gemeinsames Sorgerecht nicht in effektiver Weise und zum Vorteil des Kindes ausgeübt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 5A_ 202/2015 vom 26. November 2015 E. 3.4). 6.4 Es ist allgemein anerkannt, dass sich die im Besuchs-, wie auch im Sorgerecht aus- drückende Beziehung des Kindes zu beiden Elternteilen wichtig ist und bei dessen Identitätsfin- dung eine entscheidende Rolle spielen kann (BGE 130 II I 585 E. 2.2.2; 131 III 209 E. 4). Beide Elternteile haben aus diesem Grund mit Blick auf das Woh l des Kindes die Pflicht, eine gute Beziehung zum jeweils anderen Elternteil zu fördern. De r hauptbetreuende Elternteil hat das Kind beispielsweise positiv auf Besuche oder Kontakte be im oder mit dem anderen Elternteil vorzubereiten. Diese Pflichten stehen zwar vorab in Zusamme nhang mit der Ausübung des persönlichen Verkehrs (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_505 /2013 vom 20. August 2013 E. 6.3); ihre Beachtung ist aber auch für eine tragf ähige und kindeswohlorientierte Ausübung des gemeinsamen Sorgerechts wichtig, weshalb der Bind ungstoleranz bei der Zuteilung der elterlichen Sorge eine entscheidende Bedeutung zukommen kann (Urteile des Bundesgerichts 5A_202/2015 vom 26. November 2015 E. 3.4; 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 5.1). 6.5 In seinem Abklärungsbericht hält E.____ fest, dass D._ ___ die Wochenenden gerne beim Kindsvater verbringe, auch wenn dieser strenger sei als die Kindsmutter. D.____ empfinde den Kontakt zu ihrem Vater grundsätzlich als positiv, wesh alb daran nichts zu ändern sei. E.____ hält weiter fest, dass die Kindseltern die Kindsübergabe zurzeit so geregelt hätten, dass kein persönlicher Kontakt bestehe. Dieser Zustand könne j edoch nicht lange so bestehen blei- ben, da er längerfristig die Differenzen zwischen den Kindseltern erhärte. Zur Veranschauli- chung des Elternkonflikts führt die Beschwerdeführerin di e Besuchsrechtssituation an und ins- besondere den Vorfall, bei welchem es zu einer Strafa nzeige gegen den Kindsvater gekommen ist. Im darauf eröffneten Strafverfahren stellte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft den Par- teien am 1. April 2015 eine Einstellungsverfügung in Aussicht. Die von der Beschwerdeführerin Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht darauf eingereichten Beweisanträge wurden sodann mit Beweisverfügung vom 2. Juni 2015 abgewiesen, da bezüglich des Vorfalls kein strafrechtlich relevantes Verhalten ersichtlich, bzw. kein Straftatbestand erfüllt sei. Um den Besuchsre chtskonflikt zwischen den Eltern zu ent- schärfen, hat die KESB kurz darauf mit Entscheid vom 24. Juni 2015 eine Erziehungsbeistand- schaft errichtet, mit der Aufgabe, den persönlichen Ver kehr zu regeln und im Konfliktfall die Be- suchsdaten festzulegen. Dieser Entscheid wurde von beiden Elternteilen so akzeptiert. Es ist deshalb davon auszugehen, dass sich der Konflikt rund um das Besuchsrecht in der Zwischen- zeit beruhigt hat. Ferner ist die Ausübung und Regelu ng des Besuchsrechts nicht Gegenstand der gemeinsamen elterlichen Sorge und bleibt von diese r unberührt. Ob sich der Besuchs- rechtskonflikt – sofern er in der geschilderten Intensit ät überhaupt noch besteht – auf die Berei- che der gemeinsamen elterlichen Sorge ausweiten könnte , wird von der Beschwerdeführerin vorliegend zwar in abstrakter Weise geltend gemacht, jedoch nicht durch Hinweise belegt. Dem Protokoll der KESB von der Anhörung am 3. Juli 2015 kan n zudem entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin keine konkreten Beispiele für Ei nigungsschwierigkeiten mit dem Kinds- vater habe nennen können, sie jedoch auf den sehr streng en Erziehungsstil des Kindsvaters hingewiesen habe. Die Beschwerdeführerin hat zudem i m Rahmen der Anhörung vom 3. Juli 2015 dargelegt, dass sie den Kindsvater über wi chtige Sachen informiere und ihn in we- sentliche Entscheide betreffend Schule oder medizinische Eingriffe einbeziehe. Der Kindsvater gab im Rahmen der Anhörung am 3. Juli 2015 zu Proto koll, dass er seine Verpflichtungen als Vater wahrnehmen und für seine Tochter da sein wolle. Bei Fragen der Erziehung, der schuli- schen Ausbildung oder betreffend medizinische Eingriffe möchte er mitentscheiden können. Einigungsschwierigkeiten gebe es nach Ansicht des Kindsvaters nur wenige. 6.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es vorliegend um die Zuteilung der elterlichen Sorge bzw. um das Mitspracherecht des Kindsvaters und nich t um die Ausgestaltung des per- sönlichen Verkehrs oder des persönlichen Kontakts zwischen dem Kindsvater und D.____ geht. Abgesehen von dem elterlichen Konflikt im Zusammenhang mit dem Besuchsrecht sind keine konkreten Anhaltspunkte aktenkundig, dass sich die Eltern in grundsätzlicher Weise über die Belange von D.____ gestritten hätten. Die Beschwerdefü hrerin erwähnt auch in der vorliegen- den Beschwerde keine derartigen konkreten Vorfälle (abgesehen von dem Ereignis im Rahmen der Kindsübergabe). Vielmehr spricht sie relativ abstrakt von einer befürchteten Ausweitung des Konflikts, was für eine Abweichung vom Regelfall der g emeinsamen elterlichen Sorge nach dem bereits Gesagten nicht genügt (vgl. E. 6.3). Es ist d er Kindsmutter daher zumutbar, den Kindsvater bei Entscheidungen betreffend D.____, welch e von besonderer Tragweite sind, mit- einzubeziehen. Dies wird von den Eltern nach Angabe de r Beschwerdeführerin auch bereits jetzt schon so gehandhabt (vgl. E. 6.5). Den Aussagen des Kindsvaters zufolge ist diesem auch der Umfang der gemeinsamen elterlichen Sorge grundsätzl ich bekannt (vgl. E. 6.5), weshalb vorerst nicht zu befürchten ist, dass er sich in alltäglich e Entscheidungen D.____ betreffend einmischen wird. Allfällige unterschiedliche Erziehungsvorstellungen der Eltern können nicht zu einer Alleinzuteilung der elterlichen Sorge führen. Der allfällige strengere Erziehungsstil des Kindsvaters ändert daran nichts. Schliesslich ist entgege n den Ausführungen der Beschwerde- führerin nicht massgeblich, bei welchem Elternteil sich D.____ hauptsächlich aufhält. Entschei- dend ist hingegen, dass die für die gemeinsame Ausübu ng der elterlichen Sorge notwendige Abstimmung zwischen den Eltern und dem Kind möglich ist ( vgl. I NGEBORG Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., N 16 zu Art. 298). Wie vorstehend ausgeführt, ist eine diesbezügliche Abstimmung zwischen den Eltern möglich und zumutbar. Vorliegend ergeben sich somit keine Anhaltspunkte, welche gegen die Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge sprechen würden. Ein erheblicher chronischer Dauerkonflikt , wie er nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung für die Alleinsorge vorliegen muss, ist vorliegend weder dargelegt worden noch aus den Akten ersichtlich. Die Kindseltern haben sich somi t um ein kooperatives Verhalten zu bemühen, um das gemeinsame Sorgerecht in effektiver We ise und zum Wohle von D.____ auszuüben. Demzufolge ergibt sich, dass die Voraussetzunge n für eine Alleinzuteilung des Sorgerechts im vorliegenden Fall nicht erfüllt sind. D er vorinstanzliche Entscheid ist daher nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Im vorliege nden Verfahren hat die Beschwerde- führerin mit Beschwerdeeingabe vom 2. September 2015 ein Gesuch um Bewilligung der un- entgeltlichen Rechtspflege gestellt und die erforder lichen Belege eingereicht. In Berücksichti- gung dieser Unterlagen ist ihre Bedürftigkeit für das vorliegende Beschwerdeverfahren nach- gewiesen. Die Beschwerde ist zudem bei summarischer Prüf ung nicht als offensichtlich aus- sichtslos anzusehen und die Notwendigkeit der Verbeistän dung der Beschwerdeführerin ist ge- stützt auf die sich im vorliegenden Verfahren stellenden Rechtsfragen zu bejahen. Die Voraus- setzungen von § 22 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über die Verf assungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 sind damit erfül lt, weshalb das Gesuch der Be- schwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bewilligen ist. 7.2 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsg ericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise un terliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Entsprechend dem Ausgang des Verfahr ens sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- der Beschwerdeführerin auf zuerlegen und zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung der Gerichtskasse zu belasten. 7.3 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Die Rechtsvertreterin des Beigeladenen macht in ihrer Ho- norarnote vom 16. November 2015 einen als angemessen z u beurteilenden Aufwand von 6.08 Stunden à Fr. 250.-- geltend, zuzüglich Auslagen von Fr . 166.50 und 8 % MWSt, d.h. Fr. 1‘819.70. Entsprechend dem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin dem Beigela- denen eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘ 819.70 (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) auszurichten. Im Übrigen sind die Parteikosten wettzuschl agen. Die Rechtsvertreterin der Be- schwerdeführerin macht in ihrer Honorarnote vom 17. No vember 2015 einen als angemessen zu beurteilenden Aufwand von 16.58 Stunden à Fr. 200. -- geltend, zuzüglich Auslagen von Fr. 175.40 und 8 % MWSt, d.h. Fr. 3‘771.60. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbei- ständung ist der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 3‘771.60 (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4 Die Beschwerdeführerin, wird ausdrücklich darauf hi ngewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessfüh- rung und Verbeiständung wird gutgeheissen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 4. Die Beschwerdeführerin hat dem Beigeladenen eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 1‘819.70 (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) auszurichten. Die übrigen Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine Entschädig ung in der Höhe von Fr. 3‘771.60 (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) au s der Ge- richtskasse entrichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin