B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6328/2013 U r t e i l v o m 8 . J a n u a r 2 0 1 4 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), Iran, vertreten durch Angela Roos, Rechtsanwältin, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. September 2013 / N (…). D-6328/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge gelangte der Beschwerdeführer am 23. November 2009 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ ein Asylgesuch einreichte. Da- zu wurde er am 1. Dezember 2009 im EVZ C._______ befragt (Kurzbe- fragung) und am 23. Dezember 2009 am selben Ort angehört (Anh ö- rung). A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen ge l- tend, er sei kurdischer Ethnie und habe vor seiner Ausreise aus dem Iran in D._______ gelebt. Er sei Sympathisant der Kurdischen Demokrat i- schen Partei Irans (KDPI) , habe als Dichter an verschiedenen Anlässen teilgenommen sowie Anlässe für Kinder organisiert. Er sei Mitgründer e i- nes Li teraturvereins. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten sei er , g e- mäss dem iranischen Kalender, im Herbst 1384 (umgerechnet: 2005), im Winter 1385 (umgerechnet: 2006), im Sommer 1387 (umgerechnet: 2008) und Anfang Sommer 1388 (umgerechnet: 2009) festgenommen, verhört und jeweils maximal eine Woche inhaftiert worden. Bei der letzten Fes t- nahme sei er von den Behörden beschuldigt worden, Sympathisant der Oppositionsparteien zu sein und für die Rechte der Kurden zu kämpfen; es sei von ihm verlangt worden, seine politischen Aktivitäten einzustellen. Gegen Zahlung einer Kaution sei er wieder freigelassen worden. Eines Tages sei er von jemandem darüber informiert worden, dass die iran i- schen Behörden in de r Nähe des Dorfes E._______ Chemieabfälle ver- steckten. Daraufhin habe er auf seinem Computer dazu ein Flugblatt be- ziehungsweise einen Bericht verfasst; dieses Dokument habe er ausge- druckt und verteilen lassen, nachdem er es vervielfältig habe. Auf diesem Flugblatt respektive in diesem Bericht sei gestanden, dass die Behörden wieder einen Angriff auf Kurden verübt hätten und sie umweltschädigende Stoffe (bei uns ) deponierten. Bei der Verteilung der Flugblätter bezie- hungsweise der Berichte sei sein Freund beziehungsweise Kollege F._______ verhaftet worden, was er jedoch erst später erfahren habe. Am nächsten Morgen, als er bei der Arbeit gewesen sei, seien die iranischen Behörden zu ihm nach Hause gekommen und hätten sein Haus durc h- sucht, wobei sie die Dateien auf seinem Computer sowie einige der Flug- blätter beschlagnahmt hätten. Aus Angst, von den Behörden erneut fest- genommen oder sogar getötet zu werden, habe er sich entschieden, das Land zu verlassen. Am 9. November 2009 sei er auf illegalem Weg in die Türkei gereist, von wo er per LKW in die Schweiz gelangt sei. Nach sei-D-6328/2013 Seite 3 ner Ausreise hätten die iranischen Behörden mehrmals bei ihm zu Hause sowie im Laden seines Vaters nach ihm gesucht. Für den detaillierten I n- halt der Sachverhaltsvorbringen ist auf die aktenkundigen Befragungspro- tokolle zu verweisen. A.c Anlässlich der Befragungen reichte der Beschwerdeführer unter a n- derem Auszüge aus einem fremdsprachigen Internet-Blog sowie einen Führerausweis (in Kopie) zu den Akten. B. Zur Untermauerung seiner Asylvorbringen gab der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 16. April 2010 sow ie 24. Mai 2010 einen USB-Stick mit verschiedenen Videos bezüglich seiner Person, ein ihn betreffendes, eng- lischsprachiges Bestätigungsschreiben der KDPI vom 18. Dezember 2009 (in Kopie) , mehrere fremdsprachige Internetausdrucke sowie eine iranische Identitätskarte zu den Akten. C. Mit Eingabe vom 22. März 2012 reichte der Beschwerdeführer verschi e- dene Fotos von Kundgebungen in der Schweiz (in Kopie) sowie einen USB-Stick mit verschiedenen Videos ein. D. Am 2. Oktober 2012 sowie am 3. Ap ril 2013 trafen beim BFM die folgen- den den Beschwerdeführer betreffenden Dokumente ein: Ein undatiertes Bestätigungsschreiben der "Kurdischen Menschenrechtsorganisation" sowie ein englischsprachiges Bestätigungsschreiben der Komala Party of Iranian Kurdistan Abroad Committee (in Kopie) vom 31. März 2013. E. Mit Verfügung vom 9. September 2013 – eröffnet am 11. Oktober 2013 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, u nd lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug. Zur Begründung wurde von der Vorinstanz ausgeführt, der Beschwerd e- führer mache geltend, er sei vier Mal festgenommen und jeweils bis eine Woche inhaftiert worden. Bei der letzten Festnahme sei er von den B e- hörden beschuldigt worden, andere Leute gegen sie aufzuhetzen, Sy m- pathisant der Oppositionsparteien zu sein und für die Rechte der Kurden zu kämpfen; er sei dann aber auf Kaution freigelassen worden. Indes ent- spreche es dem Vorgehen der iranischen Behörden, gegen politische Ak-D-6328/2013 Seite 4 tivitäten der vorgebrachten Art entschieden vorzugehen. Im Weiteren se i- en bei einer Freilassung auf Kaution – wie in casu vorgebracht – gerichtli- che Unterlagen zu erwarten, die e r jedoch schuldig geblieben sei; s eine Darstellung sei aufgrund dieser Unsti mmigkeiten nicht glaubhaft. Der Be- schwerdeführer bringe zudem vor , er sei wegen regimefeindlicher Aktivi- täten mehrmals festgenommen worden und unter behördlicher Kontrolle gestanden. Angesichts dieser Darstellung erstaune, dass er als angebl i- cher Regimefei nd dessen ungeachtet von der iranischen Regierung oft Arbeitsaufträge erhalten haben solle. Er mache geltend, er sei gesucht worden, weil er sich gegen eine Chemieabfalldeponie der iranischen R e- gierung eingesetzt habe. Dabei sei nicht nachvollziehbar, dass er nicht gewusst habe, um was es sich bei m chemischen Müll überhaupt handle, und er die betreffende Deponie gemäss seiner Darstellung selber auch nicht gekannt habe. Er habe erklärt, er habe die zur Frage stehenden Flugblätter nicht selber weitergegeben, weil er unter behördlicher Kontrol- le gestanden sei. Seine Darstellung, er habe diese Aufgabe seinem Br u- der, einem Analphabeten, übertragen, bleibe auch nicht nachvollziehbar, weil er ihn dadurch nämlich ei nem hohen Risiko ausgesetzt hätte . Er schildere, er habe den zur Frage stehenden Bericht auf seinem Computer gespeichert, obwohl davon auszugehen wäre, dass er diesen im Intere s- se seiner eigenen Sicherheit gelöscht hätte, umso mehr als er spontan erklärt habe, es sei im Iran vorsichtig vorzugehen. Er mache geltend, sein Kollege F._______ sei wegen des Verteilens der besagten Flugblätter verhaftet worden. Dabei erstaune, dass er nicht wisse, wo sein Kollege gewohnt habe und er auch keinerlei weite r gehende Angaben zur vorg e- brachten Verhaftung habe machen können. Da er gemäss seiner Darstel- lung behördlich kontrolliert worden sei, wäre schliesslich auch davon aus- zugehen, dass die Behörden gewusst hätten, wo er sich befinde, als sie ihn, wiederum gemäss seiner Darstellung, in seiner Abwesenheit zu Ha u- se gesucht hätten. Da seine Aussagen nicht logisch nachvollziehbar se i- en, könnten sie nicht geglaubt werden. Der Beschwerdeführer mache geltend, er habe im vorgebrachten Z u- sammenhang auf seinem Computer einen Bericht verfasst und diesen dann verteilen lassen, weswegen die Behörden in seiner Abwesenheit zu ihm nach Hause gekommen seien, sein Haus durchsucht und Materialien beschlagnahmt hätten, was ihn dann zur Ausreise bewogen habe. A n- lässlich der Kurzbefragung habe er dazu erklärt, er habe mehrere Exemp- lare seinem Fr eund F._______ zukommen lassen, der sie dann verteilt habe. Demgegenüber habe er an der Anhörung geschildert, diese Flu g- blätter seien an zwei Personen beziehungsweise gemäss wiederum a n-D-6328/2013 Seite 5 derer Aussage, an verschiedene Freunde weitergeleitet worden. An der einen Stelle habe er angegeben, sein Bruder habe diese Flugblätter we i- tergeleitet, wogegen er später ausgesagt habe , er habe diese selber an seinen Kollegen F._______ ausgehändigt. Bei der Kurzbefragung habe er zu Protokoll gegeben, er sei an seinem Arbeitsplatz gewesen, als er zu Hause gesucht worden sei; demgegenüber habe er an der Anhörung ge- schildert, er habe sich zum besagten Zeitpunkt in einem Dorf in der Nähe von D._______ aufgehalten. Daher hielten diese Vorbringen den Anforde- rungen an die Gla ubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31 ) nicht stand, sodass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Daran vermöchten auch di e von ihm eing e- reichten Beweismittel nichts zu ändern, zumal die beiden von Exilorgan i- sationen ausgestellten Bestätigungen als Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiskraft zu werten seien. Der Beschwerdeführer führe aus, hier in der Schweiz an Demonstrati o- nen teilgenommen und regimekritische Beiträge im Internet publiziert zu haben, was er mit entsprechenden Ausdrucken von Texten dokumentiere. Allein in der Schweiz fänden innert weniger Monate unzählige exilpolit i- sche Anlässe statt, von denen anschliessend gestellte schulfotomässige Gruppenaufnahmen von insgesamt Hunderten von Teilnehmern in ei n- schlägigen Internetseiten publiziert würden, sodass es den iranischen Behörden unmöglich sein dürfte, all diese, oftmals schlecht erkennbaren Gesichter, konkreten Namen zuzuordnen. Selbst wenn die iranischen Be- hörden über die politischen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen im Au s- land informiert seien, könnten sie angesichts der grossen Zahl der im Ausland lebenden iranischen Staatsangehörigen nicht jede einzelne Pe r- son übe rwachen und identifizieren. Die iranischen Behörden hätten nur dann ein Interesse an der Identifizierung von Personen, wenn die Aktivitä- ten als konkrete Bedrohung für das politische System wahrgenommen würden. Die Aktivitäten des Beschwerdeführers und sein e Teilnahme an Kundgebungen sowie die Verteilung von Flugblättern oder Publikationen im Internet vermöchten keine konkrete Gefährdung im Falle einer Rüc k- kehr in den Iran zu begründen, insbesondere auch deshalb, weil seine geltend gemachten Aktivitäten im Iran und die darauf abgeleiteten Verfo l- gungsmassnahmen unglaubhaft seien, weshalb davon auszugehen sei, dass er den iranischen Behörden nicht als regimekritischer Aktivist b e- kannt sei. Es sei somit zusammenfassend davon auszugehen, dass er über kein politisches Profil verfüge, das ihn bei der Rückkehr in den Iran einer konkreten Gefährdung aussetzen würde. Die geltend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe hielten somit den Anforderungen an die D-6328/2013 Seite 6 Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Überdies sei der Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeic h- nen. Für die weitere Begründung wird auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen. F. Mit Beschwerde vom 11. November 2013 an das Bundesverwaltungsg e- richt lies s der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin in mat e- rieller Hinsicht beantragen, die Verfügung des BFM vom 9. September 2013 sei aufzuheben und es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzue r- kennen sowie ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Beur- teilung der Asylrelevanz an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventuali- ter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzumutbar, unzu- lässig sowie unmöglich sei und es sei ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit fü r den Entscheid w e- sentlich, in den Erwägungen eingegangen. Mit der Beschwerde lagen ein fremdsprachiges Bestätigungsschreiben der Komala Party – Iranian Kurdistan Switzerlands Committee vom 28. Oktober 2013 (inklusi ve Übersetzung auf Deutsch), zwei DVD's, die schriftliche Zusammenfassung eines TV-Interviews, mehrere Fotos in Ko- pie, Auszüge aus einem fremdsprachigen Internet-Blog, ein Bericht betreffend den Iran, eine Auskunft der SFH-Länderanalyse mit dem Titel: "Iran: Illegale Ausreise/Situation von Mitgliedern der PDKI/Politische Akti- vitäten im Exil" vom 16. November 2010 sowie eine Fürsorgebestätigung bei. G. Mit Verfügung des Bundes verwaltungsgerichts vom 15. November 2013 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Ve r- fahrens in der Schweiz abwarten dürfe, auf die Erhebung eines Koste n- vorschusses verzichtet und über das Gesuch um Gewährung der unen t- geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG im Enden t- scheid befunden werde. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Einre i- chung einer Vernehmlassung bis zum 2. Dezember 2013 eingeladen. D-6328/2013 Seite 7 H. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 29. November 2013 an seiner Verfügung fest und beantragte (sinngemäss) die Abweisung der Beschwerde. Die Stellungnahme der Vorinstanz wurde dem Beschwerde- führer am 3. Dezember 2013 in Kopie zur Kenntnisnahme zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zustä n- dig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; A rt. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Au s- nahmekonstellation liegt nicht vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom men, ist durch die angefochtene Verfügun g besonders berührt und ha t ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-6328/2013 Seite 8 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Sc hweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, w e- gen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist nicht nur der Zei t- punkt der Ausreise aus dem Heimatstaat, sondern insbesondere auch die Situation zum Zeitpunkt des Asylentscheids massgebend. Wer geltend macht, dass durch sein V erhalten nach der Ausreise aus dem Hei mat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exilaktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, sich somit auf das Vo r- liegen subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG) beruft, hat beg ründe- ten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat - oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüch - tlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f.). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtling s- eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuc h- lich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. 4. 4.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer den Wort- laut sämtlicher Protokolle mit seiner Unterschrift bestätigt hat und sich deshalb seine Aussagen grundsätzlich entgegenhalten lassen muss, z u-D-6328/2013 Seite 9 mal er die übersetzenden Personen bei der Kurzbefragung beziehung s- weise Anhörung gut verstanden haben will (vgl. Akten BFM A 1/9 S. 7, A 7/16 F1). Die Behauptung in der Rechtsmittelschrift, wonach das Anhö- rungsprotokoll Übersetzungsfehler und Ungenauigkeiten aufweise, da ein Dolmetscher aus dem Irak die Übersetzung vorgenommen habe, dessen kurdisch stark arabisch geprägt gewesen sei, überzeugt nicht, da das An- hörungsprotokoll dem Beschwerdeführer rückübersetzt wurde und er u n- terschriftlich bestätigte , dass das Protokoll seinen Aussagen und der Wahrheit entspreche. Entgegen der Behauptung in der Beschwerde e r- gibt sich aus dem Anhörungsprotokoll kein Hinweis darauf, dass es bei der Übersetzung der Anhörung Schwierigkeiten gab. Der Einwand, das Anhörungsprotokoll weise Übersetzungsfehler und Ungenauigkeiten auf, ist folglich lediglich als Schutzbehauptung zu wer ten, um die in der ang e- fochtenen Verfügung aufgeführten, widersprüchlichen Aussagen zu recht- fertigen. 4.2 Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass den Aussagen einer asylsu- chenden Person im Empfangszentrum zu den Asylgründen angesichts des summarischen Charak ters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein beschränkter Beweiswert zukommt (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-7950/2009 vom 30. Dezember 2011 E. 5.1; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekursko m- mission [EMARK] 1993 Nr. 3). Widersprüche dürfen nur dann herangezo- gen werden, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anh ö- rung beim BFM diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt we r- den, nicht bereits in der Befragung im Empfangszentrum zumindest a n- satzweise erwähnt werden. 5. 5.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist festzustellen, dass die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers, welche sich auf den Zei t- raum bis zu seiner Ausreise aus dem Heimatland beziehen, den Anford e- rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standzuhalten vermögen, da seine Aussagen in wesentlichen Punkten widersprüchlich ausgefallen sind. So gab er beispielsweise anlässlich der Kurzbefragung zu Protokoll, er habe mehrere Exemplare seines Berichts, den er über die Chemieabfälle geschrieben habe, seinem Freund F._______ zukommen lassen, der sie dann verteilt habe (A 1/9 S. 5). Demgegenüber machte der Beschwerdeführer bei der Anhörung zuerst geltend, er habe das Flu g-D-6328/2013 Seite 10 blatt, das er über die Chemieabfälle verfasst habe, durch Kollegen zu verschiedenen Freunden bringen lassen; danach sei es vervielfältigt wo r- den (A 7/16 F56). Dem widersprechend führte er kurz darauf an der An- hörung aus, sein Bruder habe die Flugblätter zwei Personen ge bracht (A 7/16 F57 ff.). Der Beschwerdeführer äusserte sich auch widersprüch- lich bezüglich des Verteilens der Flugblätter beziehungsweise der Berich- te, zumal er anlässlich der Kurzbefragung vorbrachte, F._______ habe die Berichte verteilt (A 1/9 S. 5), während er bei der Anhörung vorbrach- te, die Flugblätter seien durch mehrere Personen verteilt worden (A 7/16 F67). Die diesbezüglichen Vorbringen in der Rechtsmittelschrift sind nicht geeignet, die soeben aufgezeigten klaren Widersprüche aufzulösen. Zu- dem machte der Beschwerdeführer anlässlich der Anhö rung zuerst ge l- tend, er habe sich nicht nach F._______ erkundigt, nachdem dieser ve r- haftet worden sei und sich entgegen der Abmachung nicht mehr gemeldet habe (A 7/16 F77 f.), um kurz darauf zu Protokoll zugeben , er habe sich doch bei seinen Freunden nach dem Verbleib von F._______ erkundigt (A 7/16 F79). Überdies brachte der Beschwerdefü hrer in der Rechtsmitte l- schrift vor, er habe F._______ , dem er die Flugblätter übergeben habe, nicht persönlich gekannt (vgl. Beschwerdeschrift S. 5) . Demgegenüber bezeichnete er F._______ anlässlich der Kurzbefragung noch als Freund (A 1/9 S. 5). Divergierend äusserte sich der Beschwerdeführer auch bezüglich der Art der Deponie, von der er im Herbst 2009 erfahren habe. Anlässlich der Be- fragungen sagte er nämlich aus, es habe sich um eine Deponie für Ch e- mieabfälle gehandelt (A 1/9 S. 4 f.; A 7/16 F35). In der Rechtsmittelschrift brachte er dagegen vor, es habe sich um eine Deponie für Atomabfall ge- handelt (vgl. Beschwerdeschrift S. 5). Die Behauptung in der Beschwe r- de, dieser Widerspruch sei auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen, vermag nicht zu überzeugen (vgl. vorstehend E. 4.1). Als realitätsfremd erscheint überdies die Aussage des Beschwerdefüh- rers, wonach er von den iranischen Behörden aufgrund seiner politischen Aktivitäten vier Mal maximal für eine Woche festgenommen worden sei, wobei ihn die Behörden das letzte Mal beschuldigt hätten, andere Leute gegen sie aufzuhetzen, Sympathisant der Oppositionsparteien zu sein und für die Rechte der Kurden zu kämp fen (A 1/9 S. 5). Es ist nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer von den iranischen Behörden nach nur einer Woche wieder freigelassen w orden sein soll, obwohl diese ihn angeblich verdächtigt haben, andere Leute gegen die Behörden aufz u- hetzen, Sympathisant der Oppositionsparteien zu sein und für die Rechte D-6328/2013 Seite 11 der Kurden zu kämpfen, zumal bekannt ist, dass die iranischen Behörden gegen Personen, die eines solchen Verhalten s verdächtigt werden, ent- schieden vorgehen und diese nicht nach derart kurzer Zeit wieder freilas- sen. Unglaubhaft ist zudem die Aussage des Beschwerdeführers, er sei nach seiner vierte n Inhaftierung auf Kaution wieder f reigelassen worden (A 1/9 S. 5), zumal er diesbezüglich – trotz der ihm obliegenden Mitwi r- kungspflicht (Art. 8 AsylG) – keine Unterlagen zu den Akten reich te, ob- wohl davon auszugehen ist, dass er über solche verfügen würd e, hät te sich das Geschilderte tatsächlich wie behauptet zugetragen. Gegen die Glaubh aftigkeit der Verfolgungsvorbringen des Beschwerd e- führers spricht ausserdem der Um stand, dass seine Aussagen bezüglich seiner Verfolgung durch die iranischen Behörden wenig detailliert und un- substanziiert ausgefallen sind. Den diesbezüglichen Vorbringen des B e- schwerdeführers fehlen die erforderlichen Realkennzeichen einer Erzä h- lung. Namentlich ist den Äusserungen weder persönliche Betroffenheit noch der erforderliche Detailreichtum einer auf tatsächlich erlebten Ereig- nissen basierenden Schilderung zu entnehmen. Diesbezüglich ist insb e- sondere darauf hinzuweisen, dass der Bes chwerdeführer anlässlich der Anhörung nicht in der Lage war anzugeben, was für Müll in de r Nähe des Dorfes E._______ von den iranischen Behörden deponiert wurde, obwohl er darüber ausgiebig recherchiert haben will (A 7/16 F43 ff.). Gestützt auf das soeben Ausgeführte ist zu schliessen, dass es sich bei den vom Beschwerdef ührer geltend gemachten Verfolgungs vorbringen lediglich um ein Konstrukt handelt. An dieser Einschätzung vermag auch die Behauptung des Beschwerdeführers nichts zu ändern, wonach die iranischen Behörden nach seiner Ausreise mehrmals bei ihm zu Hause und im Laden seines Vaters nach ihm gesuc ht hätten, da dieses Vorbrin- gen in keiner Weise belegt wird. Die eingereichten Beweismittel vermö- gen zu keinem anderen Ergebnis zu führen . Bezüglich der zu den Akten gegebenen Bestätigungsschreiben der KDPI, der "Kurdischen Menschen- rechtsorganisation" sowie der Komala Party ist festzuhalten, dass keine Gewähr für die Echtheit beziehungsweise (inhaltliche) Richtigkeit dieser Dokumente besteht, und gerichtsnotorisch ist, dass insbesondere Asy l- bewerber aus dem Iran unter Inanspruchnahme unlauterer Machenschaf- ten behördliche und andere Dokumente zur Stützung ihrer Asylvorträge beibringen, weshalb Zweifel an der inhaltlichen Richtigkeit dieser Bestäti- gungsschreiben bestehen. Da die Vorinstanz – wie soeben aufgezeigt – zu Recht von de r Unglaubhaftigkeit der Verfolgungsvorbringen des B e- schwerdeführers ausgegangen ist, hat sie es – entgegen der Behauptung D-6328/2013 Seite 12 in der Beschwerde – richtigerweise auch unterlas sen, bezüglich dieser geltend gemachten Vorkommnisse die Asylrelevanz zu prüfen. Soweit vom Beschwerdeführer in der Rechtsmittelschrift (sinngemäss) gerügt wird, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unvollständig abgeklärt, da sie sich mit den Beweismitteln, die seine politischen Aktivitäten im Iran bel e- gen, nicht auseinander gesetzt habe, ist fes tzuhalten, dass den Akten keine Hinweise zu entnehmen sind, wonach das BFM die eingereichten Beweismittel bei ihrem Entscheid nicht berücksichtigt hätte, weshalb die Rüge, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unvollständig abgeklärt, u n- begründet ist, weshalb der Eventualantrag abzuweisen ist. 5.2 Nach dem Gesagten teilt das Bundesverwaltungsgericht die Ei n- schätzung der Vorinstanz, wonach der Bes chwerdeführer zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Heimatstaat nicht verfolgt war beziehungsweise keine begründete Fur cht vor einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hatte. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass er im Heimatstaat in gewissem Umfang politisch tätig gewesen ist , zumal daraus nicht aut o- matisch auf eine Verfolgung geschlossen werden kann. Aufgrund der vor- stehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde und die eingereichten Beweismittel weiter einzugehen, weil sie am Ergebni s nichts ändern. Aufgrund der offensichtlichen U n- glaubhaftigkeit der geltend gemachten Verfolgungsvorbringen ist die Ein- reichung der in der Beschwerde in Aussic ht gestellten Beweismittel (amt- liche Erlasse, Diplom [vgl. Beschwerdeschrift S. 9]) nicht abzuwarten (an- tizipierte Beweiswürdigung: vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2). Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers in Bezug auf die Vorfluchtgründe demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den von ihm geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten – mithin wegen subjektiver Nachfluchtgründe – bei einer Rückkehr in sein Heimatland be- fürchten müsste, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG aus- gesetzt zu werden. 6.2 Exilpolitische Aktivitäten führen grundsätzlich nur dann zur Zuerken - nung der Flüchtlingseigenschaft auf grund von subjektiven Nachfluch t- gründen, wenn zumindest glaubhaft gemacht wird, dass im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat infolge dieser Aktivitäten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit mit asylrelevanter Verfolgung zu rechnen wäre. D-6328/2013 Seite 13 6.3 In diesem Zusammenhang wird in der Beschwerde im Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdeführer sei seit seiner Einreise in die Schweiz auch hier politisch aktiv. Er habe insbesondere Texte publiziert und an An- lässen der Komala-Partei teilgenommen. Er sei im Frühling dieses Jahres an ein Treffen mit dem Chef der Komala-Partei in G._______ eingeladen gewesen und habe ein persönliches Gespräch mit ihm geführt. Durc h ein Fernsehinterview, das auf H._______ TV ausgestrahlt worden sei , habe er sich enorm exponiert. Er habe sich in diesem Interview zur schwierigen Situation der Kurden im Iran geäussert und er habe auch konkret die Umweltzerstörung durch die Entsorgung von Atomabfällen angesprochen; er habe zudem zum Kampf gegen die Unterdrückung der Kurden auf ge- rufen. Da solche exilpolitischen Medien mit Sicherheit von den iranischen Behörden überprüft würden, sei jenen auch dieses Interview mit dem B e- schwerdeführer bekannt, womit er nicht einer von vielen, sondern ein Ex- ponent sei, den die Behörden kennen würden. Ein Aufruf zum Kampf für die Freiheit der Kurden werde im Iran als Verbrechen angesehen, das entsprechend sanktioniert werde. Der Beschwerdeführer habe sich s o- wohl im Iran als auch in der Schweiz dermassen politisch engagiert, dass er einer Verfolgung durch die iranischen Behörden ausgesetzt sei und bei einer Rückkehr an Leib und Leben gefährdet wäre. 6.4 Der Beschwerdeführer hat seinen Angaben und den eingereichten Beweismitteln zufolge in der Schweiz an mehreren Demonstrationen und Protestkundgebungen gegen das iranisc he Regime teilgenommen, bei denen er teilweise auch (mehr oder weniger) erkennbar fotografiert und gefilmt wurde. Zudem wurde im kurdischen Fernsehsender H._______ TV ein Interview mit ihm ausgestrahlt , in dem er sich zur schwierigen S i- tuation der Kurden im Iran und zur Entsorgung der Atomabfälle in diesem Land geäussert haben soll. Überdies hat er an Anlässen der Komala - Partei teilgenommen; an einem dieser Anlässe will er ein persönliches Gespräch mit dem Chef der Komala -Partei geführt haben. Ausserdem lässt sich aus den Akten entnehmen, dass er auf einer Internetseite meh- rere in persischer Sprache verfasste regimekritische Texte veröffentlichte. 6.5 Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Rechtsprechung davon aus, dass die iranisch en Sicherheitsbehörden durchaus in der L a- ge sind, zwischen tatsächlich politisch engagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die es geradezu darauf anlegen, sich durch ihre Aktionen bekannt zu machen, zu unterscheiden ( BVGE 2009/28 E. 7.4.3 S. 366). Vor diesem Hintergrund konzentrieren sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen, welche über die massentypischen und D-6328/2013 Seite 14 niedrig profilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hina us Funktionen wahrnehmen und/oder Aktivitäten entwickeln, die sie aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausheben und als erns t- hafte und potentiell gefährliche Regimegegner erscheinen lassen. De s- halb unterliegen Mitglieder in Exilorganisationen von im Iran verbotenen oppositionellen Parteien, Teilnehmer an Veranstaltungen dieser Organisa- tionen, Mitwirkende an regimekritischen Demonstrationen, welche die d a- bei üblichen Plakate tragen und Parolen rufen, Teilnehmer von sonstigen regimekritischen Ver anstaltungen sowie Personen, die Büchertische betreuen und Informations- und Propagandamaterial in Fussgängerzonen verteilen, keiner allgemeinen Überwachungsgefahr durch iranische Exi l- behörden und werden von den iranischen Behörden nicht als politisch exponierte Personen und somit als Bedrohung für das politische System im Iran wahrgenommen (vgl. BVGE a.a.O. S. 364 ff.). Bei der Evaluierung des politischen Profils spielt die Quantität der exilpolitischen A ktivitäten eine untergeordnete Rolle; entscheidend ist vielmehr deren Qualität: So sind insbesondere exponierte Positionen in exilpolitischen Gruppen und Vereinigungen (Führungs- und Funktionsaufgaben) sowie die Form (z.B. gewaltsame Proteste) und der Einfluss (öffentliche Wirkung) von Aktionen bei der Beurteilung der Gefährdung einer Person von Bedeutung (vgl. MI- CHAEL KIRSCHNER, Iran: Rückkehrgefährdung für AktivistInnen und Mi t- glieder exilpolitischer Organisationen - Informationsgewinnung iranischer Behörden, Auskunft der SFH-Länderanalyse, 4. April 2006, S. 7 f.). 6.6 Der Beschwerdeführer fällt nach Prüfung der Beweisunterlagen nicht in die Kategorie von Personen, die aufgrund ihrer Tätigkeit oder Funkti o- nen als ernsthafte und potentiell gefährliche Regimegeg ner wahrgenom- men werden: Aufgrund der einge reichten Beweismittel und seiner Einga- ben im Asylverfahren ist nicht davon auszugehen, dass er innerhalb einer der exilpolitisch tätigen Organisationen und Parteien eine exponierte K a- derstelle innehat. Er hat wie tausende sich in der Schweiz und anderen europäischen Staaten befindliche i ranische Staatsangehörige an Kund- gebungen gegen das iranische Regime teilgenommen, ohne dabei eine herausragende Stellung innezuhaben. Mit Blick auf Art und Umfang se i- ner exilpoliti schen Tätigkeit beziehungsweise deren Qualität kann dem Beschwerdeführer keinen Exponierungsgrad attestiert werden, der auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe schliessen lässt. Daran ä n- dert nichts, dass er auf einer Internetseite mehrere in persischer Sprache verfasste regimekritische Texte veröffentlichte und an Anlässen der K o- mala-Partei teilgenommen hat, wo er einmal ein persönliches Gespräch mit dem Chef der Komala -Partei geführt hat, da ihm dies nicht das Profil D-6328/2013 Seite 15 eines gewichtigen und staatsgefä hrdenden Exilaktivisten verleiht. Auch die Tatsache, dass er auf H._______ TV ein Interview gegeben und sich kritisch über die iranische Regierung geäussert hat, ist nicht geeignet, ein flüchtlingsrechtlich relevantes exilpolitisches Profil zu begrün den, d a er durch diesen TV-Auftritt nicht ins Rampenlicht einer breiten Öffentlichkeit getreten ist, auch wenn davon auszugehen ist, dass der Bekanntheit s- grad des Beschwerdeführers durch dieses TV-Interview innerhalb der ira- nischen Diaspora wuchs. Es ist nicht e rsichtlich, dass ihm insgesamt, mithin auch ausserhalb der Diaspora, besondere Beachtung zugeko m- men wäre, er somit auch gegen aussen exponiert als tonangebender Gegner des iranischen Regimes zu erkennen gewesen wäre. Selbst für den Fall des Bekanntwerdens der exilpolitischen Tätigkeiten des B e- schwerdeführers hätte dieser bei einer Rückkehr in den Iran mit überwi e- gender Wahrscheinlichkeit keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung seitens der heimatlichen Behörden zu gewärtigen, zumal es insgesamt als u nwahrscheinlich erscheint, dass die iranischen Behörden von den Exilaktivitäten des Beschwerdeführers soweit Notiz genommen hätten, als dass sie jene als konkrete und ernsthafte Bedrohung für das politische System empfinden würden. Es ist darauf hinzuweisen, dass im vorliegen- den Fall jegliche aktenkundigen Hinweise darauf fehlen, dass im Iran au f- grund der genannten politischen Aktivitäten im Exil gegen den Beschwe r- deführer ein Strafverfahren oder andere behördliche Massnahmen eing e- leitet worden sind, was eb enfalls ein Indiz für eine fehlende Verfolgung s- gefahr im Heimatland darstellt. Somit übersteigt das exilpolitische Eng a- gement des Beschwerdeführers die Schwelle jener in BVGE 2009/28 E. 7.4.3 S. 364 ff. umschriebenen Erscheinungsformen exilpolitischer Pro- teste iranischer Staatsangehöriger nicht. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer auch aufgrund seiner (illegalen) Ausreise aus dem Iran sowie der Einreichung des Asylgesuchs in der Schweiz keine flüchtlingsrechtlich relevante Ve r- folgung in seinem Heimatland befürchten muss (BVGE a.a.O. E. 7.4.4 S. 367). 6.7 Zusammenfassend ergibt sich, dass die geltend gemachten subjekt i- ven Nachfluchtgründe keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung s- furcht begründen. 7. In Würdigung der gesamten Umstände und Vorbringen des Beschwerd e- führers ist zusammenfassend festzustellen, dass dieser keine Gründe D-6328/2013 Seite 16 nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen kann, weshalb die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt sind. Die Vorinstanz hat demnach das Asylgesuch des Beschwe r- deführers zu Recht abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es be rücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutba r oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen u nd Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht - lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Be - weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2). 9.2 9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder de s Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 D-6328/2013 Seite 17 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Deze m- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder e r- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, S R 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Me n- schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.2.2 Die Vorinst anz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich er hebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefü h- rers in den Iran ist demnach unter dem Aspekt v on Art. 5 AsylG rech t- mässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in den Iran dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder A rt. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausg e- setzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN -Anti- Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Febr u- ar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinwe i- sen). Dies ist ihm nach den vorstehenden Erwägungen nicht gelungen . Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den Wegwe i- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.3 9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt D-6328/2013 Seite 18 und medizinischer Notlage konkret gefährd et sind. Wird eine konkret e Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 9.3.2 Im Iran besteht keine Situation generalisierter Gewalt, die sich noch dazu über das ganze Staatsgebiet oder weite Teile desselben erstrecken würde. Eine gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder perm a- nent drohenden Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer der Beschwe r- deführer sich bei einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten Gefäh r- dung ausgesetzt sehen würde, besteht mithin nicht. 9.3.3 Auch aufgrund der persönlichen Situation des Beschwerdeführers sind keine Grün de ersichtlich, die gegen die Zumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzugs sprechen. Der junge und – soweit den Akten zu entne h- men ist – gesunde Beschwerdeführer hat bis zu seiner Ausreise im N o- vember 2009 immer im Iran gewohnt und ist daher mit den dortigen L e- bensumständen bestens vertraut. Gemäss den Akten leben seine Eltern sowie sechs seiner Geschwister in D._______, wo er vor seiner Ausreise lebte, weshalb er dort über ein tragfähiges soziales Netz verfügt , welches ihn bei Bedarf, insbesondere bei der Beschaffung von Wohnraum sowie bei der Stellensuche unterstützen könnte. Überdies verfügt der B e- schwerdeführer üb er Berufserfahrung als (…) (A 1/9 S. 2), weshalb zu schliessen ist, er könne sich in seiner Heimat auch in wirtschaftlicher Hin- sicht wieder integrieren. Blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigke i- ten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, genügen nicht, um eine Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG dar- zustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung somit auch als z u- mutbar zu bezeichnen. 9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zu - ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not - wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegwe i- sung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat den Vollzug zu Recht als zulässig, D-6328/2013 Seite 19 zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die B e- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. Da der Beschwerdeführer mit seiner Beschwerde vollumfänglich unterl e- gen ist, wären ihm grund sätzlich die Verfahrenskosten im Betrage von Fr. 600.– aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Der Beschwerdefüh- rer hat jedoch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersucht. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird die Partei, die nicht über die erforderli- chen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Vorliegend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mittellos ist. Zudem e r- schien sein Begehren im Zeitpunkt der Bes chwerdeeinreichung als nicht aussichtslos. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Recht s- pflege ist demnach gutzuheissen und es sind dem Beschwerdeführer ke i- ne Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-6328/2013 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: