<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">I 669/99 Md </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>II. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Präsident Lustenberger, Bundesrichter Meyer und Ferrari; </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Riedi Hunold </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 31. März 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">K.________, 1953, Beschwerdeführerin, vertreten durch </div> <div class="para">Fürsprecher S.________, </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Speichergasse 12, </div> <div class="para">Bern, Beschwerdegegner </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- K.________ (geboren 1953) erlitt am 24. November </div> <div class="para">1994 bei einem Sturz eine offene Unterschenkelfraktur </div> <div class="para">rechts. In der Folge meldete sie sich mit Gesuch vom </div> <div class="para">9. Oktober 1996 bei der IV-Stelle des Kantons Bern zum </div> <div class="para">Bezug von Leistungen an. Auf das Gesuch vom 19. Januar </div> <div class="para">1999, mit welchem K.________ die Aufhebung der jegliche </div> <div class="para">Leistungen ablehnenden Verfügung vom 14. Januar 1998 hatte </div> <div class="para">beantragen lassen, trat die IV-Stelle mit Verfügung vom </div> <div class="para">19. Mai 1999 nicht ein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Hiegegen liess K.________ Beschwerde einreichen </div> <div class="para">und die Aufhebung der Verfügung vom 19. Mai 1999 sowie die </div> <div class="para">Rückwesung der Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an </div> <div class="para">die IV-Stelle beantragen. Ferner ersuchte sie um die Gewäh- </div> <div class="para">rung der unentgeltlichen Verbeiständung. Zum Nachweis ihrer </div> <div class="para">Bedürftigkeit legte sie das vom Fürsorgeamt, Sozialdienst </div> <div class="para">B.________ (Sozialdienst) erstellte Budgetblatt Mai 1999, </div> <div class="para">eine schriftliche Bestätigung des Sozialdienstes, dass die </div> <div class="para">Familie K.________ seit Monaten finanziell unterstützt </div> <div class="para">werde, sowie das Zeugnis zur unentgeltlichen Prozessführung </div> <div class="para">bei. </div> <div class="para"> Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern forderte </div> <div class="para">K.________ mit Verfügung vom 26. August 1999 auf, ein </div> <div class="para">"formgerechtes Gesuch mit den erforderlichen Beweismitteln" </div> <div class="para">einzureichen. Diese legte ein Schreiben des Sozialdienstes </div> <div class="para">vom 23. September 1999 sowie die amtlich erstellten Budget- </div> <div class="para">blätter Januar bis September 1999 auf. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Das Verwaltungsgericht wies mit Zwischenentscheid vom </div> <div class="para">26. Oktober 1999 das Gesuch um unentgeltliche Verbeistän- </div> <div class="para">dung ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde lässt K.________ </div> <div class="para">die Aufhebung des Zwischenentscheids vom 26. Oktober 1999 </div> <div class="para">sowie Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung im </div> <div class="para">vorinstanzlichen Verfahren beantragen. </div> <div class="para"> Das Verwaltungsgericht verzichtet auf eine Stellung- </div> <div class="para">nahme. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- a) Der kantonale Entscheid über die Verweigerung </div> <div class="para">der unentgeltlichen Rechtspflege gehört zu den Zwischenver- </div> <div class="para">fügungen, die einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil </div> <div class="para">bewirken können. Er kann daher selbstständig mit Verwal- </div> <div class="para">tungsgerichtsbeschwerde beim Eidgenössischen Versicherungs- </div> <div class="para">gericht angefochten werden (Art. 5 Abs. 2 in Verbindung mit </div> <div class="para"><span class="artref"><artref id="CH/172.021/45/1" type="start"></artref>Art. 45 Abs. 1 und 2 lit. h VwVG</span><artref id="CH/172.021/45/2/h" type="end"></artref> sowie <span class="artref"><artref id="CH/173.110/97/128" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/97/1" type="start"></artref>Art. 97 Abs. 1 und </span></div> <div class="para">128 OG<artref id="CH/173.110/97/128" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/128" type="end"></artref>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F100-V-61%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page62">BGE 100 V 62</a> Erw. 1, 98 V 115). </div> <div class="para"> b) Im Beschwerdeverfahren über die Verweigerung der </div> <div class="para">unentgeltlichen Rechtspflege durch das kantonale Versiche- </div> <div class="para">rungsgericht sind keine Versicherungsleistungen streitig, </div> <div class="para">weshalb das Eidgenössische Versicherungsgericht nur zu prü- </div> <div class="para">fen hat, ob die Vorinstanz Bundesrecht verletzt hat, ein- </div> <div class="para">schliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, </div> <div class="para">oder ob der rechtserhebliche Sachverhalt offensichtlich </div> <div class="para">unrichtig, unvollständig oder unter Verletzung wesentlicher </div> <div class="para">Verfahrensbestimmungen festgestellt worden ist (Art. 132 in </div> <div class="para">Verbindung mit Art. 104 lit. a und b sowie <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 </span></div> <div class="para">OG; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F100-V-61%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page62">BGE 100 V 62</a> Erw. 2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Im Rahmen von <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 OG</span> ist die Möglich- </div> <div class="para">keit, im Verfahren vor dem Eidgenössischen Versicherungsge- </div> <div class="para">richt neue tatsächliche Behauptungen aufzustellen oder neue </div> <div class="para">Beweismittel geltend zu machen, weitgehend eingeschränkt. </div> <div class="para">Nach der Rechtsprechung sind nur jene neuen Beweismittel </div> <div class="para">zulässig, welche die Vorinstanz von Amtes wegen hätte erhe- </div> <div class="para">ben müssen und deren Nichterheben eine Verletzung wesent- </div> <div class="para">licher Verfahrensvorschriften darstellt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-II-97%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page99">BGE 121 II 99</a> </div> <div class="para">Erw. 1c, 120 V 485 Erw. 1b, je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) Gemäss <span class="artref">Art. 85 Abs. 2 lit. f AHVG</span> (im Bereich der </div> <div class="para">Invalidenversicherung sinngemäss anwendbar auf Grund von </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 69 IVG</span>) ist das Recht, sich verbeiständen zu lassen, </div> <div class="para">gewährleistet (Satz 1). Wo die Verhältnisse es rechtfer- </div> <div class="para">tigen, kann dem Versicherten ein unentgeltlicher Rechts- </div> <div class="para">beistand gewährt werden (Satz 2). Nach Gesetz und Recht- </div> <div class="para">sprechung sind in der Regel die Voraussetzungen für die </div> <div class="para">Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung erfüllt, </div> <div class="para">wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig </div> <div class="para">und die Verbeiständung durch einen Anwalt notwendig oder </div> <div class="para">doch geboten ist. Die Bedürftigkeit als eine der Voraus- </div> <div class="para">setzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Verbei- </div> <div class="para">ständung, wie sie <span class="artref">Art. 85 Abs. 2 lit. f AHVG</span> zu Grunde </div> <div class="para">gelegt ist, muss gleich ausgelegt werden wie der Begriff </div> <div class="para">der Bedürftigkeit im Sinne von <span class="artref">Art. 152 Abs. 1 OG</span>. Als </div> <div class="para">bedürftig gilt eine Person, wenn sie ohne Beenträchtigung </div> <div class="para">des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhalts nicht </div> <div class="para">in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten. Massge- </div> <div class="para">bend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt </div> <div class="para">des Entscheids über das Gesuch. Bei der Bedürftigkeit ist </div> <div class="para">das Einkommen beider Ehegatten zu berücksichtigen (vgl. zum </div> <div class="para">Ganzen SVR 1998 UV Nr. 11 S. 31 Erw. 4b, RKUV 1996 Nr. U </div> <div class="para">254 S. 209 Erw. 2, je mit Hinweisen). Die um unentgeltliche </div> <div class="para">Verbeiständung ersuchende Partei hat ihre Einkommens- und </div> <div class="para">Vermögensverhältnisse umfassend darzustellen und soweit </div> <div class="para">möglich zu belegen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IA-179%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page181">BGE 120 Ia 181</a> f. Erw. 3a). Das Gericht </div> <div class="para">klärt dann anhand der eingereichten Unterlagen ab, ob Be- </div> <div class="para">dürftigkeit vorliegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- a) Streitig ist vorliegend die Bedürftigkeit der </div> <div class="para">Beschwerdeführerin als Voraussetzung für den Anspruch auf </div> <div class="para">unentgeltliche Verbeiständung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Bei den eingereichten Unterlagen handelt es sich um </div> <div class="para">die Berechnungsblätter des Sozialamtes, mit denen die fi- </div> <div class="para">nanzielle Unterstützung ermittelt wird (sowohl das Budget- </div> <div class="para">blatt Mai 1999 vom 22. April 1999 wie auch das Schreiben </div> <div class="para">des Sozialdienstes vom 22. April 1999 wurden von J.________ </div> <div class="para">signiert). Die Vorinstanz hat festgestellt, dass die Ver- </div> <div class="para">sicherte ihre finanziellen Verhältnisse ungenügend dokumen- </div> <div class="para">tiert hat; denn die eingereichten Budgetblätter seien kein </div> <div class="para">ausreichender Beleg zur Ermittlung der Bedürftigkeit. Dem </div> <div class="para">ist beizupflichten. Vorliegend hätte die Beschwerdeführerin </div> <div class="para">angeben müssen, mit welchen Personen sie in Hausgemein- </div> <div class="para">schaft lebt. Ebenso war sie verpflichtet, den Lohn ihres </div> <div class="para">Ehemannes anhand von Lohnabrechnungen oder anderen Unter- </div> <div class="para">lagen nachzuweisen. Dasselbe gilt für den Mietzins sowie </div> <div class="para">allfällige Versicherungsprämien. Auch hätte sie sich </div> <div class="para">äussern müssen, ob sie Prämienverbilligung bezieht oder ob </div> <div class="para">die Bezahlung der Krankenpflegeversicherung durch Dritte </div> <div class="para">übernommen wird. Da bei der Beurteilung der Bedürftigkeit </div> <div class="para">auch die (ausgewiesenen) Steuern als Ausgaben zu berück- </div> <div class="para">sichtigen sind (RKUV 1996 U 254 S. 208 Erw. 2), wäre sie </div> <div class="para">überdies gehalten gewesen, diesbezüglich genauere Angaben </div> <div class="para">zu machen (steuerbares Einkommen und Vermögen bzw. all- </div> <div class="para">fällige Quellensteuerpflicht). Anhand der Unterlagen, auf </div> <div class="para">welche sich die Vorinstanz bei ihrem Entscheid abzustützen </div> <div class="para">hatte, war es ihr nicht möglich, eine Berechnung des pro- </div> <div class="para">zessualen Notbedarfs vorzunehmen. Nachdem die Beschwerde- </div> <div class="para">führerin trotz Aufforderung der Vorinstanz ihre Einkommens- </div> <div class="para">und Vermögenslage nicht ausreichend belegt hat, erfolgte </div> <div class="para">die Abweisung des Gesuches um unentgeltliche Verbeiständung </div> <div class="para">zu Recht (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IA-179%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page182">BGE 120 Ia 182</a>). Beim letztinstanzlich </div> <div class="para">aufgelegten Schreiben des Sozialdienstes vom 20. November </div> <div class="para">1999 handelt es sich um ein im Rahmen von <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 </span></div> <div class="para">OG unzulässiges neues Beweismittel, da dieses bereits im </div> <div class="para">vorinstanzlichen Verfahren hätte eingereicht werden können. </div> <div class="para">Im Übrigen bringt die Beschwerdeführerin nichts vor, was </div> <div class="para">die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz als mangelhaft </div> <div class="para">im Sinne von <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 OG</span> oder die rechtliche Würdi- </div> <div class="para">gung als bundesrechtswidrig erscheinen liesse. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- In Verfahren, welche die Frage der Gewährung der </div> <div class="para">unentgeltlichen Rechtspflege für das kantonale Gerichts- </div> <div class="para">verfahren zum Gegenstand haben, werden praxisgemäss keine </div> <div class="para">Gerichtskosten erhoben (SVR 1994 IV Nr. 29 S. 76 Erw. 4). </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Dieses Urteil wird den Parteien, der IV-Stelle des </div> <div class="para"> Kantons Bern und dem Bundesamt für Sozialversicherung </div> <div class="para"> zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 31. März 2000 </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der II. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>