<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2005.00203</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=205214&amp;W10_KEY=4467138&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2005.00203</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 13.07.2005</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">3. Abteilung/3. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Gesundheitswesen</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>lebensmittelpolizeiliche Massnahmen</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Eisteegetränk, Deklaration des Produktionslandes:<br/><br/>Gestützt auf die gesetzlichen Grundlagen im Lebensmittelgesetz und in der Lebensmittelverordnung erachtete das Kantonale Labor die Deklaration "Hergestellt in der EU" als ungenügend und verlangte eine Präzisierung (E.1). Es besteht eine gesetzliche Grundlage dafür, die Angabe eines Produktionslandes zu verlangen (E.2.1 und 2.2). Die Auslegung ergibt, dass als Produktionsland ein Nationalstaat angegeben werden muss. Nur in gesetzlich vorgesehenen Ausnahemfällen reicht ein geografischer Raum wie die EU aus. Die Beschwerdeführerin macht keinen gesetzlich vorgesehenen Ausnahmefall geltend (E.2.3). Das Bundesgesetz über die technischen Handelshemmnisse kommt vorliegend nicht zur Anwendung (E.2.4). Die durch die Neuetikettierung entstehenden Mehrkosten von Fr. 40'500.- erweisen sich angesichts des vom Gesetzgeber als massgebend erachteten Informationsbedürfnisses des Konsumenten als nicht übermässig (E.2.6) Abweisung der Beschwerde (E.2.7). Kostenfolge (E.3).</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DEKLARATIONSPFLICHT">DEKLARATIONSPFLICHT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DELEGATION">DELEGATION</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GESETZESDELEGATION">GESETZESDELEGATION</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GETRÃNK">GETRÃNK</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: HERKUNFTSORT">HERKUNFTSORT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Gesundheit ST: ÃBRIGES FÃRSORGE UND GESUNDHEIT">ÃBRIGES FÃRSORGE UND GESUNDHEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT">VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 21 Abs. 1 LMG</span><br/><span class="ungerade">Art. 22 Abs. 1 lit. d LMV</span><br/><span class="gerade">Art. 22 Abs. 1 lit. e LMV</span><br/><span class="ungerade">Art. 22a LMV</span><br/><span class="gerade">Art. 22a Abs. 3 LMV</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">RB 2005 Nr. 46 S. 133</span><br/> </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>Das EisteegetrÃ¤nk "D-Tee, 1,5 l PET", das im Wesentlichen aus Wasser, Zucker und Tee-Extrakt zusammengesetzt ist, wird von der A AG in Zusammenarbeit mit der C AG hergestellt und auf dem schweizerischen Markt vertrieben. Wegen des geringen Absatzvolumens in der Schweiz wird das GetrÃ¤nk je nach den vorhandenen KapazitÃ¤ten in verschiedenen europÃ¤ischen ProduktionsstÃ¤tten in Italien, Frankreich oder Deutschland gemischt und abgefÃ¼llt.</p> <p class="Urteilstext">Aufgrund einer Untersuchung Ã¼bermittelte der Kantonschemiker des Kantons Aargau am 6. Dezember 2003 dem Kantonalen Labor ZÃ¼rich eine Produktetikette/Verschluss­beschriftung des D-Tee unter Hinweis auf die unklare Produktionslandangabe <span>"</span>AbgefÃ¼llt in Italien<span>"</span>. Auf eine entsprechende Beanstandung hin teilte die A AG dem Kantonalen Labor mit, dass auf den D-Tee-Etiketten seit Oktober 2003 nunmehr <span>"</span>Hergestellt in der EU<span>"</span> stehe.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Nach weiteren Briefwechseln in der Sache verfÃ¼gte das Kantonale Labor ZÃ¼rich am 9. Juli 2004, die Deklaration "Hergestellt in der EU" mÃ¼sse prÃ¤zisiert werden und setzte dafÃ¼r eine Frist bis Ende Juni 2005. Danach dÃ¼rften die beiden beanstandeten Produkte und identische Produkte mit anderer Verpackungseinheit nur noch mit der Angabe des Produktionslandes in Verkehr gebracht werden. Eine gegen diese VerfÃ¼gung gerichtete Einsprache der A AG wies das Kantonale Labor am 18. August 2004 ab.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Hiergegen erhob die A AG Rekurs an die Gesundheitsdirektion und beantragte, es sei die VerfÃ¼gung vom 9. Juli 2004 aufzuheben und die Einsprache gutzuheissen. In formeller Hinsicht verlangte die Rekurrentin die Sistierung des Verfahrens, um mit dem Kantonalen Labor zu verhandeln, eventuell die MÃ¶glichkeit, die Rekursschrift zu ergÃ¤nzen. Die Gesundheitsdirektion setzte das Rekursverfahren aufgrund der ablehnenden Haltung des Kantonalen Labors ohne Sistierung fort, liess die RekursbegrÃ¼ndung ergÃ¤nzen, holte die Vernehmlassung ein und wies den Rekurs schliesslich am 4. April 2005 ab.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Gegen den Rekursentscheid erhob die A AG am 6. Mai 2005 Beschwerde an das Verwaltungsgericht und beantragte, die angefochtenen VerfÃ¼gungen seien aufzuheben und die Einsprache der BeschwerdefÃ¼hrerin gutzuheissen, alles unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen zulasten des Beschwerdegegners. Unter Berufung auf einen Entscheid des Bundesrates vom 8. Mai 2005 ergÃ¤nzte die BeschwerdefÃ¼hrerin ihre Beschwerdeschrift und reichte diverse zusÃ¤tzliche Unterlagen ein. </p> <p class="Urteilstext">Das Kantonale Labor verzichtete am 14. Juni 2005 auf weitere AusfÃ¼hrungen in der Sache. Die Gesundheitsdirektion reichte am 16. Juni 2005 ihre Beschwerdeantwort mit dem Antrag auf Abweisung der Beschwerde ein.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Nach Art. 20 des Bundesgesetzes vom 9. Oktober 1992 Ã¼ber Lebensmittel und GebrauchsgegenstÃ¤nde (Lebensmittelgesetz, LMG, SR 817.0) hat, wer Lebensmittel abgibt, Abnehmer auf Verlangen Ã¼ber Herkunft (Produktionsland), Sachbezeichnung und Zusammensetzung (Zutaten) sowie Ã¼ber die weiteren nach Art. 21 LMG vorgeschriebenen Angaben zu informieren. Ob dem Konsumenten solche weitere Angaben, namentlich Ã¼ber Haltbarkeit, Aufbewahrungsart, Herkunft (Ort, Hersteller, Importeur oder VerkÃ¤ufer), Produktionsart, Zubereitungsart, besondere Wirkungen, Warnaufschriften sowie NÃ¤hrwert zu machen sind, bestimmt der Bundesrat (Art. 21 Abs. 1 Satz 1 LMG). </p> <p class="Urteilstext">GestÃ¼tzt auf das LMG hat der Bundesrat am 1. MÃ¤rz 1995 die Lebensmittelverordnung (LMV, SR 817.02) erlassen. Nach Art. 22 Abs. 1 LMV mÃ¼ssen vorverpackte Lebensmittel bei der Abgabe an die Konsumentinnen und Konsumenten auf den Packungen oder Etiketten verschiedene Angaben aufweisen, so unter anderem den Namen oder die Firma sowie die Adresse derjenigen Person, welche Lebensmittel herstellt oder importiert oder abpackt bzw. abfÃ¼llt oder verkauft (lit. d), und das Produktionsland, sofern dieses nicht aus der Sachbezeichnung oder aus der Adresse nach Buchstabe d ersichtlich ist (lit. e). Nach Art. 22a LMV gilt ein Lebensmittel als in der Schweiz produziert, wenn es hier vollstÃ¤ndig erzeugt (Abs. 1 lit. a, was in Abs. 2 nÃ¤her umschrieben ist) oder wenn es hier genÃ¼gend bearbeitet oder verarbeitet worden ist (Abs. 1 lit. b). Als in der Schweiz genÃ¼gend bearbeitet oder verarbeitet gilt ein Lebensmittel, wenn es in einer Weise bearbeitet worden ist, dass es hier seine charakteristischen Eigenschaften oder eine neue Sachbezeichnung gemÃ¤ss dieser Verordnung erhalten hat (Art. 22a Abs. 3 LMV). FÃ¼r Lebensmittel, die in anderen LÃ¤ndern als der Schweiz produziert wurden, gelten diese Legaldefinitionen sinngemÃ¤ss (Abs. 6). Kann einem Lebensmittel aufgrund der AbsÃ¤tze 1-3 kein bestimmtes Produktionsland zugeordnet werden oder lÃ¤sst sich das Land, aus dem die Rohstoffe oder Zutaten stammen, nicht eindeutig bestimmen, so ist nach Abs. 7 der Bestimmung der kleinste geografische Raum anzugeben, aus dem das Lebensmittel, die Rohstoffe oder die Zutaten stammen (zum Beispiel Schnittsalat aus der EuropÃ¤ischen Union, Fisch aus der Ostsee).</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>GestÃ¼tzt auf diese Bestimmungen hat das Kantonale Labor die BeschwerdefÃ¼hrerin zur PrÃ¤zisierung des Produktionslandes auf den verwendeten Etiketten verpflichtet. Es ging dabei davon aus, dass das beanstandete GetrÃ¤nk erst durch die Mischung der einzelnen Zutaten seine charakteristischen Eigenschaften und seine neue in der LMV mit Eistee umschriebene Sachbezeichnung erhalte. Damit liege eine Bearbeitung im Sinne von Art. 22a Abs. 3 LMV vor. Da jedem einzelnen Gebinde ein bestimmtes Produktionsland zugeordnet werden kÃ¶nne, lÃ¤gen die Voraussetzungen fÃ¼r die ausnahmsweise Angabe eines blossen geografischen Raums wie der EU nicht vor und mÃ¼sse das nationale Produktionsland zwingend angegeben werden.</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin bezweifelte im Rekursverfahren noch, dass eine genÃ¼gende gesetzliche Grundlage fÃ¼r die in den Art. 22 Abs. 1 lit. e und Art. 22a LMV geforderte Angabe eines Produktionslandes bestehe, und berief sich hierzu insbesondere auf den in dieser Hinsicht ungenÃ¼genden Art. 20 Abs. 1 LMG. Im Rekursentscheid legte die Gesundheitsdirektion dar, dass sich die Forderung nach einer Produktionslandbezeichnung nicht auf diese Bestimmung, sondern auf Art. 21 LMG stÃ¼tze, welche den Bundesrat ausdrÃ¼cklich ermÃ¤chtige, Angaben Ã¼ber die Herkunft zu verlangen. Diese Kompetenz des Bundesrates werde im Gesetz weder eingeschrÃ¤nkt noch an besondere Voraussetzungen geknÃ¼pft. Nach der Ãberschrift von Art. 21 LMG handle es sich bei der Angabe eines Produktionslandes um eine besondere Kennzeichnung. Die entsprechende Information habe daher nicht nur auf Verlangen, sondern eben als Kennzeichnung und schriftlich zu erfolgen.</p> <p class="Urteilstext">Auf diese Ã¼berzeugenden ErwÃ¤gungen der Vorinstanz kann verwiesen werden (§ 28 Abs. 1 in Verbindung mit § 70 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]). Die BeschwerdefÃ¼hrerin bringt gegen diese Rechtsauffassung nichts Substanzielles vor.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Weiter macht die BeschwerdefÃ¼hrerin geltend, die LMV gehe mit ihren Art. 22 Abs. 1 lit. e und 22a LMV Ã¼ber die Zielsetzung des Lebensmittelrechts hinaus und sei deshalb nicht anwendbar. </p> <p class="Urteilstext">Bei bundesrÃ¤tlichen Verordnungen, welche wie die LMV gestÃ¼tzt auf eine gesetzliche Delegationsnorm erlassen werden, Ã¼berprÃ¼fen das Bundesgericht und die kantonalen Verwaltungsgerichte, ob sich der Bundesrat an die Grenzen der ihm im Gesetz eingerÃ¤umten Befugnisse gehalten hat. Dabei ist, wenn das Gesetz den Bundesrat nicht zu einer Verfassungsabweichung ermÃ¤chtigt, auch die VerfassungsmÃ¤ssigkeit der Verordnung zu Ã¼berprÃ¼fen. RÃ¤umt die Delegationsnorm dem Bundesrat einen weiten Ermessensspielraum fÃ¼r die Regelung auf Verordnungsstufe ein, ist dieser jedoch fÃ¼r die Gerichte nach Art. 191 der Bundesverfassung (BV) verbindlich. In diesem Fall darf das Gericht nicht sein eigenes Ermessen an die Stelle jenes des Bundesrats setzen, sondern kann lediglich prÃ¼fen, ob die Verordnung den Rahmen der dem Bundesrat delegierten Kompetenzen offensichtlich sprengt oder sich aus anderen GrÃ¼nden als gesetz- oder verfassungswidrig erweist (BGE 124 II 581 E. 2a mit Hinweisen, 120 Ib 97 E. 3a und 4a/b).</p> <p class="Urteilstext">Der Gesetzgeber rÃ¤umte dem Bundesrat in seiner Delegationsnorm von Art. 21 LMG grundsÃ¤tzlich einen weiten Ermessensspielraum fÃ¼r eine Regelung der besonderen Kennzeichnung auf Verordnungsstufe ein. Die in Abs. 1 der Bestimmung genannten Herkunftsangaben sind im Gegensatz zu den in Abs. 2 der Bestimmung erwÃ¤hnten weiteren Vorschriften Ã¼ber die Kennzeichnung auch nicht einmal auf eine spezifische Zielsetzung wie etwa den Schutz der Gesundheit von besonders gesundheitsgefÃ¤hrdeten Menschen oder den Schutz vor TÃ¤uschung bei tÃ¤uschungsanfÃ¤lligen Waren und Handelsarten fixiert worden. Art. 22 Abs. 1 lit. e und Art. 22a LMV halten sich an diese weiten Grenzen der dem Bundesrat in Art. 21 Abs. 1 LMG eingerÃ¤umten Befugnisse. Nach Art. 1 LMG bezweckt das Gesetz, die Konsumenten vor gesundheitsgefÃ¤hrdenden Lebensmitteln und GebrauchsgegenstÃ¤nden zu schÃ¼tzen, den hygienischen Umgang mit Lebensmitteln sicherzustellen und die Konsumenten im Zusammenhang mit Lebensmitteln vor TÃ¤uschungen zu schÃ¼tzen. Die in Art. 22 Abs. 1 lit. e und Art. 22a LMV verlangte Angabe eines Produktionslandes bei vorverpackten Lebensmitteln orientiert sich grundsÃ¤tzlich an der genannten Zielsetzung. Mit dem Produktionsland wird in der Regel auch eine bestimmte Vorstellung Ã¼ber die konkreten Bedingungen der Lebensmittelproduktion verbunden. Durch dessen Angabe wird der Konsument daher in die Lage versetzt, eine sich nach seinen persÃ¶nlichen Kriterien orientierende Kaufentscheidung zu treffen. Dass es dem Konsumenten dabei nicht ausschliesslich nur um die Transparenz im Interesse des Gesundheitsschutzes geht, sondern fÃ¼r seinen Kaufentschluss auch Ã¶kologische Aspekte des Transportweges oder politische BeweggrÃ¼nde eine Rolle spielen kÃ¶nnen, ist grundsÃ¤tzlich ohne Bedeutung. Der Schutz der Konsumenten vor TÃ¤uschungen ist ein eigenstÃ¤ndiger und unabhÃ¤ngig vom Gesundheitsschutz bestehender Gesetzeszweck, welcher in Art. 97 BV seine Verfassungsgrundlage findet. Er lÃ¤sst auf der Verordnungsebene grundsÃ¤tzlich jede Forderung nach Spezifikationen zu, welche der Transparenz dienen und fÃ¼r den Konsumenten Ã¼berhaupt von Interesse sein kÃ¶nnen. Damit kann offen bleiben, ob zusÃ¤tzlich auch Art. 104 Abs. 3 lit. c BV, welcher dem Bund den Erlass von Deklarationsvorschriften (Herkunft, QualitÃ¤t, Produktionsmethode und Verarbeitungsverfahren) fÃ¼r Lebensmittel aus der Landwirtschaft Ã¼bertrÃ¤gt, eine weitere verfassungsrechtliche Grundlage fÃ¼r die verlangte Angabe des Produktionslandes im vorliegenden Fall bildet. </p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin anerkennt offenbar, dass ihr Produkt fÃ¼r jedes einzelne Gebinde einem bestimmten nationalen Produktionsland zugeordnet werden kann und dieses daher bei einer wortgetreuen Auslegung von Art. 22a LMV angegeben werden mÃ¼sste. Jedoch bringt sie vor, bei einer systematischen und teleologischen Auslegung bestehe keine Grundlage dafÃ¼r, im konkreten Fall die Angabe eines nationalen Produktionslandes aus dem Kreis der EU-LÃ¤nder zu verlangen. </p> <p class="Urteilstext">Der in Art. 22 Abs. 1 lit. e und Art. 22a LMG verwendete Begriff Produktionsland ist offensichtlich im Sinne eines Nationalstaates und nicht im Sinne eines einheitlichen Wirtschaftsraumes oder einer geografischen Region zu verstehen. So werden in Art. 22a Abs. 1-3 die Voraussetzungen umschrieben, unter denen die Schweiz als Produktionsland zu gelten hat, dies im Gegensatz zu anderen LÃ¤ndern (Abs. 6) und auch im Gegensatz zu einem geografischen Raum wie die EU oder die Ostsee, welche in Abs. 7 ausdrÃ¼cklich als Beispiele aufgefÃ¼hrt sind. Aus der Gesetzessystematik ergibt sich nichts Anderes. Nach Abs. 6 der Bestimmung gelten fÃ¼r Lebensmittel, die in anderen LÃ¤ndern als der Schweiz produziert wurden, die Abs. 1-5 sinngemÃ¤ss. Dank diesem Verweis ist klar, dass ein Lebensmittel dann einem bestimmten Produktionsland zugeordnet werden kann, wenn es dort entweder vollstÃ¤ndig erzeugt oder genÃ¼gend bearbeitet oder verarbeitet worden ist (Abs. 1-3). Auf die Angabe des Produktionslandes kann nur unter den Voraussetzungen von Abs. 7 der Bestimmung zu Gunsten des kleinsten geografischen Raums verzichtet werden. Die BeschwerdefÃ¼hrerin behauptet zu Recht nicht, dass im vorliegenden Fall diese Voraussetzungen erfÃ¼llt wÃ¤ren. Auch eine sich am Sinn und Zweck des Lebensmittelrechts orientierende Auslegung fÃ¼hrt zu keinem gegenteiligen Schluss. Der Zweck der fraglichen Bestimmungen liegt nach den Ã¼berzeugenden AusfÃ¼hrungen der Gesundheitsdirektion in erster Linie darin, dem Konsumenten eine informierte Kaufentscheidung zu ermÃ¶glichen. Weiter verweist die Vorinstanz zu Recht darauf, dass die Voraussetzungen der Lebensmittelproduktion (Rahmenbedingungen, Produktionsarten, Infrastrukturen, Ausbildungen, Transporte etc.) in den verschiedenen EU-Staaten, insbesondere in den neuen Mitgliedstaaten, nicht homogen seien. Die BeschwerdefÃ¼hrerin bringt dagegen zwar vor, die BeitrittslÃ¤nder hÃ¤tten 2004 alle Bestimmungen der EU Ã¼ber die Lebensmittelsicherheit und den Konsumentenschutz Ã¼bernommen. Gleichzeitig aber zeigen die von ihr eingereichten Belege, dass sechs der neuen Mitgliedstaaten bis ins Jahr 2006 und 2007 geltende Ãbergangsfristen fÃ¼r die Umstellung der Lebensmittel verarbeitenden Betriebe beantragt haben bzw. dass fÃ¼r ungefÃ¤hr 8 % der Betriebe, darunter Lebensmittel verarbeitende Betriebe, ÃbergangszeitrÃ¤ume gewÃ¤hrt wurden. </p> <p class="Urteilstext">Der Umstand, dass gemÃ¤ss Art. 22 Abs. 1 lit. e in Verbindung mit lit. d LMV auf die Angabe des Produktionslandes verzichtet werden kann, wenn dieses aus der Adresse derjenigen Person, welche Lebensmittel herstellt oder importiert oder abpackt bzw. abfÃ¼llt oder verkauft, ersichtlich ist, hilft der BeschwerdefÃ¼hrerin auch nicht weiter. Im vorliegenden Fall bezeichnet die fragliche Etikette die BeschwerdefÃ¼hrerin mit Sitz in der Schweiz als verantwortlich, sodass diese Angabe gerade keinen Hinweis auf das konkrete in der EU liegende Produktionsland liefert. Auf die VertrauenswÃ¼rdigkeit des Herstellers, der eine gleich bleibende ProduktqualitÃ¤t gewÃ¤hrleisten soll, kann es bei der Anwendung der Verordnung im Einzelfall nicht ankommen. Der vorliegende Sachverhalt ist denn auch entgegen der Auffassung der BeschwerdefÃ¼hrerin keineswegs vergleichbar mit dem in Art. 22a Abs. 7 genannten Schnittsalat aus der EU. Bei diesem Produkt stammen die einzelnen pflanzlichen Erzeugnisse aus verschiedenen EU-LÃ¤ndern und werden alsdann vermischt. Die nach Art. 22a Abs. 1 lit. a und Abs. 2 LMV massgebende Produktion erfolgt damit in mehreren EU-LÃ¤ndern gleichzeitig und rechtfertigt eine entsprechende Herkunftsangabe. Vorliegend jedoch liegt der entscheidende Vorgang in der Mischung von Wasser, Zucker und Teeextrakt zu Eistee, was gemÃ¤ss Art. 22a Abs. 3 LMV als charakteristische Verarbeitung zu betrachten ist. Damit hat das konkrete Land, in welchem dieser Vorgang stattfindet, als alleiniges Produktionsland zu gelten. </p> <p class="Erwgung2"><b>2.4 </b>Die Beschwerdegegnerin macht sodann geltend, die verlangte Spezifikation des Produktionslandes stelle ein verpÃ¶ntes technisches Handelshemmnis dar, ohne dass dafÃ¼r ein Ã¼berwiegendes Ã¶ffentliches Interesse bestÃ¼nde. </p> <p class="Urteilstext">Das Bundesgesetz vom 6. Oktober 1995 Ã¼ber die technischen Handelshemmnisse (THG, SR 946.51), welches in Anwendung des WTO-Ãbereinkommens vom 15. April 1994 zur Errichtung der Welthandelskommission, insbesondere des Ãbereinkommens Ã¼ber technische Handelshemmnisse (SR 0.632.20, Anhang 1A.6) erlassen wurde, ist als reiner Rahmenerlass konzipiert. Es soll lenkend und koordinierend auf die sektoriellen Produktegesetzgebungen einwirken und diese, soweit erforderlich, ergÃ¤nzen (Botschaft des Bundesrats zu einem Bundesgesetz Ã¼ber die technischen Handelshemmnisse, BBl 1995 II 521 ff., S. 522). Nach Art. 2 THG gilt das Gesetz fÃ¼r alle Bereiche, in denen der Bund technische Vorschriften aufstellt (Abs. 1). Es findet nur Anwendung, soweit nicht andere Bundesgesetze, allgemeinverbindliche BundesbeschlÃ¼sse oder internationale Abkommen abweichende oder weitergehende Bestimmungen enthalten (Abs. 2). Die Art. 3 (Begriffe) und Art. 19 (Befugnisse der fÃ¼r nachtrÃ¤gliche Kontrolle zustÃ¤ndigen Organe) gelten, soweit nicht andere Bundesvorschriften etwas Abweichendes regeln (Abs. 3). Das bedeutet, dass das THG, abgesehen von hier nicht interessierenden Ausnahmen (Art. 3 und Art. 19 THG), im VerhÃ¤ltnis zu Bundesverordnungsrecht zwar insofern Vorrang beansprucht, als nicht ohne ausdrÃ¼ckliche oder implizite ErmÃ¤chtigung durch den Bundesgesetzgeber von den GrundsÃ¤tzen des THG abgewichen werden darf (Botschaft, S. 563 f.). Dieser Vorrang setzt jedoch vorab Ã¼berhaupt das Bestehen einer Konkurrenz zwischen den materiellen Bestimmungen des THG und den sektoriellen Bundesvorschriften voraus. Da das THG indessen keine eigenen Bestimmungen Ã¼ber die notwendigen Angaben auf vorverpackten Lebensmitteln enthÃ¤lt, kommt es im vorliegenden Zusammenhang gar nicht zur Anwendung. Selbst wenn sich demnach die Art. 22 Abs. 1 lit. e und Art. 22a LMV im Endeffekt als technisches Handelshemmnis auswirken sollten, bedeutet dies nicht, dass diese Verordnungsvorschriften seit dem In-Kraft-Treten des THG am 1. Juli 1996 nicht mehr anwendbar wÃ¤ren (vgl. auch BGE 124 IV 225 E. 3).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.5 </b>In ihrer ErgÃ¤nzungseingabe vom 19. Mai 2005 beruft sich die BeschwerdefÃ¼hrerin auf eine neuere Mitteilung des Volkswirtschaftsdepartementes, wonach der Bundesrat das in der EU geltende Cassis-de-Dijon-Prinzip Ã¼bernehmen und damit den schweizerischen Markt fÃ¼r in der EU zugelassene Produkte Ã¶ffnen wolle. Aus dieser AbsichtserklÃ¤rung kann die BeschwerdefÃ¼hrerin jedoch nichts zu ihren Gunsten ableiten, da deren Umsetzung eine GesetzesÃ¤nderung, insbesondere eine ErgÃ¤nzung des THG verlangt.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.6 </b>SinngemÃ¤ss macht die BeschwerdefÃ¼hrerin schliesslich geltend, die geforderte Produktionslandangabe erweise sich im konkreten Fall als unverhÃ¤ltnismÃ¤ssig. Das Interesse an der Bezeichnung eines nationalen EU-Produktionslandes sei angesichts der einheitlichen Standards in der EU gering und stehe in keinem VerhÃ¤ltnis zu den mit Fr. 40'500.- bezifferten Mehrkosten, die ihr durch die verÃ¤nderten Etikettierungen fÃ¼r den Schweizer Markt erwÃ¼chsen.</p> <p class="Urteilstext">Strittig ist vorab, ob die Ursprungsbezeichnung <span>"</span>Hergestellt in der EU<span>"</span> innerhalb der EU fÃ¼r ein Produkt wie das vorliegend strittige Ã¼berhaupt notwendig bzw. ausreichend ist. Die Gesundheitsdirektion ging davon aus, dass Art. 3 Abs. 1 Ziff. 8 der Kennzeichnungsrichtlinie RL 2000/13/EG, soweit sie eine Kennzeichnung des Ursprungs- oder Herkunftsorts verlange, die Bezeichnung <span>"</span>Hergestellt in der EU<span>"</span> nicht zulasse. DemgegenÃ¼ber bringt die BeschwerdefÃ¼hrerin vor, die Angabe des Produktionslandes sei bei einem Eistee gar nicht erforderlich, da dieser nicht zu den tÃ¤uschungsgefÃ¤hrdeten Lebensmitteln gehÃ¶re. Wie es sich damit verhÃ¤lt, kann offen bleiben, da die Gesundheitsdirektion zumindest anerkennt, dass die EU-BehÃ¶rden in der Praxis bei multinationalen Unternehmen die Ursprungsbezeichnung âHergestellt in der EUâ tatsÃ¤chlich anerkennen. Demnach kann davon ausgegangen werden, dass der BeschwerdefÃ¼hrerin aus den unterschiedlichen Kennzeichnungsanforderungen der EU und der Schweiz durchaus Mehrkosten in der Produktion entstehen. </p> <p class="Urteilstext">Diese Mehrkosten erscheinen jedoch angesichts des vom schweizerischen Gesetz- und Verordnungsgeber als massgebend erachteten InformationsbedÃ¼rfnisses des Konsumenten als nicht Ã¼bermÃ¤ssig. Sie treffen gleichermassen auch andere multinationale GetrÃ¤nkehersteller, welche den Schweizer Markt beliefern, und kÃ¶nnen letztlich auf den schweizerischen Endpreis abgewÃ¤lzt werden. Es liegt am Bundesgesetzgeber, solche verteuernden Kennzeichnungsvorschriften entweder sektoriell oder durch generelle Anpassung des THG zu lockern und dem EU-Recht anzupassen. </p> <p class="Erwgung2"><b>2.7 </b>DemgemÃ¤ss ist die Beschwerde abzuweisen. Der BeschwerdefÃ¼hrerin ist eine neue Frist bis Ende 2005 fÃ¼r die notwendige PrÃ¤zisierung der Kennzeichnung anzusetzen.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Urteilstext">Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind die Kosten der BeschwerdefÃ¼hrerin aufzuerlegen (§ 13 in Verbindung mit § 70 VRG). Eine ParteientschÃ¤digung steht ihr damit von vornherein nicht zu (§ 17 Abs. 2 VRG). </p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss </span><span><a id="Text25"></a>entscheidet</span><span> </span><span>die Kammer</span><span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird abgewiesen. Der BeschwerdefÃ¼hrerin wird eine Frist bis Ende 2005 angesetzt, um die notwendige PrÃ¤zisierung der Kennzeichnung vorzunehmen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 3'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 3'060.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden der BeschwerdefÃ¼hrerin auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Es wird keine ParteientschÃ¤digung zugesprochen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht erhoben werden.</span></p> <p class="Urteilstext">6. Mitteilung an â¦</p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>