<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 259</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">259</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>61 Vollstreckung</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Das Vollstreckungsverfahren besteht in der Regel aus drei Verfah-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rensetappen.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Androhung der Zwangsvollstreckung unter Fristansetzung (§ 81</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abs. 1 VRPG) und die Anordnung über die Art der Zwangsmittel</b></span><br/> <span class="ft2"><b>und den Zeitpunkt der Vollstreckung (§ 80 VRPG) sind anfechtbare</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zwischenentscheide.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Wiederholung eines Vollstreckungsentscheides mit einer Zwangs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>androhung (§ 81 VRPG) oder einer Anordnung von Sanktionsmass-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nahmen (§ 80 VRPG) bewirkt keinen Rechtsmittelausschluss.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 23. September 2011 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen A. gegen Gemeinderat B. (WBE.2011.201/202).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">260</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">Im Vollstreckungsverfahren wird über die Art und Weise der</span><br/> <span class="ft1">Durchsetzung des in der Sachverfügung geregelten Rechtsverhältnis-</span><br/> <span class="ft1">ses entschieden. Die §§ 80 ff. VRPG legen das Vollstreckungsverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren von Verwaltungsentscheiden zur Realerfüllung mittels sog.</span><br/> <span class="ft1">exekutorischer Massnahmen (Ersatzvornahme oder Anwendung un-</span><br/> <span class="ft1">mittelbaren Zwangs) fest. Die (materielle) Sachverfügung, welche</span><br/> <span class="ft1">die Rechte und Pflichten des Betroffenen im Einzelfall regelt, ist</span><br/> <span class="ft1">Grundlage der Vollstreckung und muss im Sinne von § 76 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">VRPG vollstreckbar sein. Das Vollstreckungsverfahren besteht in der</span><br/> <span class="ft1">Regel aus drei Verfahrensetappen. In einem ersten Schritt wird die</span><br/> <span class="ft1">Zwangsvollstreckung unter Fristansetzung angedroht (§ 81 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">VRPG), damit wird dem Betroffenen die Möglichkeit zur freiwilli-</span><br/> <span class="ft1">gen Erfüllung eingeräumt. Anschliessend ergeht die Anordnung über</span><br/> <span class="ft1">die Art der Zwangsmittel und den Zeitpunkt der Zwangsvollstre-</span><br/> <span class="ft1">ckung (§ 80 VRPG) und schliesslich wird die Realvollstreckung oder</span><br/> <span class="ft1">die Ersatzvornahme durchgeführt (vgl. zum Ganzen: Thomas Gäch-</span><br/> <span class="ft1">ter/Philipp Egli, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsverfahren [VwVG)], Zürich/St. Gallen 2008, Art. 41 N 3; Pierre</span><br/> <span class="ft1">Tschannen/Ulrich Zimmerli/Markus Müller, Allgemeines Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsrecht, 3. Auflage, Bern 2009, § 32 Rz. 15). Der massgebende</span><br/> <span class="ft1">Vollstreckungsentscheid ist der Entscheid, mit welchem die Art des</span><br/> <span class="ft1">Zwangsmittels und der Zeitpunkt des Einsatzes der Zwangsmittel</span><br/> <span class="ft1">festgesetzt werden. In diesem Entscheid ordnet die Vollstreckungs-</span><br/> <span class="ft1">behörde die Sanktion gemäss § 80 VRPG an und trifft selbständige</span><br/> <span class="ft1">Anordnungen über die zwangweise Durchsetzung eines Sachent-</span><br/> <span class="ft1">scheides (vgl. Thomas Gächter/Philip Egli, a.a.O., Art. 41 N 50 mit</span><br/> <span class="ft1">Hinweis; AGVE 2010, S. 261; BVR 2009, S. 557). Die in der Lehre</span><br/> <span class="ft1">diskutierte Frage, ob die Androhung Verfügungscharakter habe, ist</span><br/> <span class="ft1">im Verwaltungsrechtspflegegesetz entschieden. § 81 Abs. 2 VRPG</span><br/> <span class="ft1">schreibt vor, dass die Zwangsandrohung im Sachentscheid selbst</span><br/> <span class="ft1">oder durch nachträglichen <i>Entscheid</i> ergehen kann (vgl. dazu Ulrich</span><br/> <span class="ft1">Häfelin/Georg Müller/Walter Uhlmann, Allgemeines Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">recht, 6. Auflage, Zürich 2010, Rz. 1151). Die Beschwerde gemäss</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">261</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">§ 83 VRPG ist daher gegen Entscheide über Androhung und Anord-</span><br/> <span class="ft1">nung von Zwangsmitteln zulässig, sofern diese Massnahmen nicht</span><br/> <span class="ft1">bereits im Sachentscheid enthalten sind (§ 81 Abs. 2 VRPG). Nicht</span><br/> <span class="ft1">ausgeschlossen ist, dass die Anordnung der Ersatzvornahme zusam-</span><br/> <span class="ft1">men mit der Androhung der Zwangsvollstreckung verfügt wird. Dies</span><br/> <span class="ft1">erfordert eine klare Unterscheidung zwischen Androhung und An-</span><br/> <span class="ft1">ordnung auch in den Dispositivbestimmungen eines Entscheides.</span><br/> <span class="ft1">Gegen Vollstreckungsentscheide, die nach der Androhung den</span><br/> <span class="ft1">Vollzug im konkreten Fall anordnen, können Rügen vorgebracht</span><br/> <span class="ft1">werden, die in der Vollstreckungsanordnung selbst begründet sind.</span><br/> <span class="ft1">Es kann zudem geltend gemacht werden, der konkrete Vollzug gehe</span><br/> <span class="ft1">über die angedrohte Zwangsmassnahme hinaus oder missachte eine</span><br/> <span class="ft1">in der Sachverfügung enthaltene Anordnung. Weiter können durch</span><br/> <span class="ft1">die Wahl der Vollstreckungsmittel das Gesetzmässigkeits- oder das</span><br/> <span class="ft1">Verhältnismässigkeitsprinzip verletzt sein (vgl. zum Ganzen: Alfred</span><br/> <span class="ft1">Kölz/Jürg Bosshardt/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zürich 1999, § 30</span><br/> <span class="ft1">N 59). Nur die reinen Vollzugsmodalitäten, welche im Anschluss an</span><br/> <span class="ft1">den Vollstreckungsentscheid ergehen und gegenüber dem Betroffe-</span><br/> <span class="ft1">nen keine neuen (Zwangs-) Anordnungen beinhalten, sondern sich</span><br/> <span class="ft1">auf die behördeninternen organisatorischen Vorkehren bei der Durch-</span><br/> <span class="ft1">führung einer angedrohten und angeordneten Ersatzvornahme be-</span><br/> <span class="ft1">schränken, sind keine anfechtbaren Entscheide.</span><br/> <span class="ft1">Aus Rücksicht oder Kulanz gegenüber den Betroffenen werden</span><br/> <span class="ft1">in der Praxis Vollstreckungsanordnungen häufig nicht vollzogen,</span><br/> <span class="ft1">wiederholt angedroht oder mehrmals angeordnet. Die Wiederholung</span><br/> <span class="ft1">eines Vollstreckungsentscheides mit einer Zwangsandrohung (§ 81</span><br/> <span class="ft1">VRPG) oder einer Anordnung von Sanktionsmassnahmen (§ 80</span><br/> <span class="ft1">VRPG) bewirkt keinen Rechtsmittelausschluss. Auch die wiederholte</span><br/> <span class="ft1">Anordnung ist ein Entscheid, der den Formvorschriften in § 26</span><br/> <span class="ft1">VRPG zu genügen hat. Die Wiederholung von Vollstreckungsent-</span><br/> <span class="ft1">scheiden bewirkt nur, dass die früheren Vollstreckungsentscheide</span><br/> <span class="ft1">infolge Wiedererwägung dahinfallen. Die Beschwerde gemäss § 83</span><br/> <span class="ft1">VRPG ist gegen jeden Entscheid, mit welchem Zwangsmassnahmen</span><br/> <span class="ft1">angeordnet oder angedroht werden, zulässig.</span><br/></div> </div> </body> </html>