Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Februar 2013 (725 12 214 / 37) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente und Höhe der Integritätsentschädigung Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Markus Mat tle, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin i.V. Nadja Wenger Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Vaudoise Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft AG , Place de Milan, Case postale 120, 1001 Lausanne, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1975 geborene A.____ war seit 1995 als Pflege assistentin bei der B.____ AG tätig und durch die Arbeitgeberin bei der Vaudoise Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft AG (Vau- doise) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 10. Januar 2008 stürzte A.____ beim Snowboarden auf d as rechte Handgelenk. Dr. med C.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, Spital D.____ , diagnostizierte eine distale intraartiku- läre Radiusfraktur mit ulnarem Gelenkfragment. Nach Eingang der Unfallmeldung erbrachte die Vaudois e die gesetzlichen Leistungen für die Folgen des Unfalles. Unter Hinweis der Unfallfolgen ha t sich die Versicherte auch bei der Eid- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht genössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an gemeldet. Mit Kostengutspra- che vom 21. Oktober 2009 bewilligte die IV-Stelle Basel-Landschaft A.____ als berufliche Mass- nahme eine Umschulung zur diplomierten Praxisgehilfin . Die Versicherte schloss die Umschu- lung am 31. Januar 2011 erfolgreich ab. Mit Verfügung vom 23. Juni 2011 lehnte die Vaudoise den Anspruch auf eine Invalidenrente mit der Begründung ab, es bestehe infolge abgeschlossener B erufsumschulung vom 31. Januar 2011 keine Beeinträchtigung der beruflichen Leistungsfähigkeit. Sie sprach A.____ eine Integri- tätsentschädigung von 5 % des Höchstbetrages des versicherte n Jahresverdienstes zu. Daran hielt die Vaudoise auf Einsprache der Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 31. Mai 2012 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Advokat André M. Brunner namens von A.____ am 2. Juli 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte e r, es sei der Einspracheentscheid vom 31. Mai 2012 aufzuheben und es sei der Beschwerdeführ erin ab 1. Februar 2011 eine UVG- Invalidenrente von mindestens 32 % auszurichten. Ferner sei der Beschwerdeführerin eine In- tegritätsentschädigung von mindestens 10 % auszurichten, u nter o/e-Kostenfolge. In seiner Begründung führte er unter anderem aus, das Validen- und das Invalideneinkommen seien falsch berechnet worden. Mangels Lehrabschluss sei bei de r Berechnung mittels LSE- Tabellenlöhne das Anforderungsnivau 4 massgebend. Überdies könne die Indexierung nicht nur bis ins Jahr 2010 erfolgen, zumal der Rentenbeginn per 1. Februar 2011 datiert sei. Die Integri- tätsentschädigung von 5 % sei angesichts der unschönen Narbe und der Schmerzen zu tief. Abschliessend hielt der Rechtsanwalt fest, er lege sein Mandat mit Einreichung der Beschwerde nieder. C. In ihrer Vernehmlassung vom 16. August 2012 beantr agte die Vaudoise die Abweisung der Beschwerde. D. Am 20. August 2012 räumte das Gericht der Versichert en die Möglichkeit zur Einrei- chung einer Replik ein. Die Beschwerdeführerin hat von dieser Gelegenheit keinen Gebrauch gemacht. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Sissach, weshalb die örtl iche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger, gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 2. Juli 2012 ist demnach einzutreten. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Die Leistungspflicht des Un- fallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Erei gnis und dem eingetretenen Schaden (Invalidität, Integritätseinbusse) ein natürliche r (vgl. dazu BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen) und ein adäquater (vgl. dazu BGE 129 V 18 1 E. 3.2 mit Hinweis) Kausalzusam- menhang besteht. 2.2 Im vorliegenden Verfahren ist unbestritten, dass zwi schen dem Unfallereignis vom 10. Januar 2008 und dem eingetretenen Schaden (Invali dität, Integritätseinbusse) sowohl ein natürlicher als auch ein adäquater Kausalzusammenhang be steht. Strittig ist hingegen einer- seits, ob ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht und andererseits ob die Höhe der Integri- tätsentschädigung angemessen ist. Während dem die Vaudoi se mit Verfügung vom 23. Juni 2011 den Anspruch auf eine Invalidenrente verneinte, be antragt die Beschwerdeführerin die Ausrichtung einer Invalidenrente von mindestens 32 %. Überdies verlangt die Beschwerdefüh- rerin anstelle der ihr zugesprochenen Integritätsentschäd igung von 5% eine Integritätsentschä- digung von mindestens 10 %. 3.1 Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu m indestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit da uernde ganze oder teilweise Erwerbs- unfähigkeit. Diese wiederum entspricht dem durch Beeintr ächtigung der körperlichen oder geis- tigen Gesundheit verursachten und nach zumutbarer Beha ndlung und Eingliederung verblei- benden ganzen oder teilweisen Verlust der Erwerbsmögli chkeiten auf dem in Betracht kom- menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Art. 16 ATSG schliesslich hält fest, dass die Bestimmung des Invaliditätsgrades bei erwerbstätigen Versicherten anhand eines Einkom- mensvergleichs zu erfolgen hat. 3.2 Im Zusammenhang mit der Beurteilung des Rentenan spruchs der Versicherten ist als erstes zu prüfen, in welchem Ausmass die Beschwerdeführeri n unfallbedingt arbeitsunfähig ist. Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arbeits unfähigkeit eine durch die Beeinträchti- gung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingt e, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe der Ä rztin bzw. des Arztes ist es, den Ge- sundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehm en, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits unfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hin- weisen). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellung nahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialver si- cherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.4 In seinem Bericht vom 29. April 2011 hielt Dr. me d. E.____, FMH Orthopädische Chirur- gie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Handchi rurgie, fest, die Behandlung der Be- schwerdeführerin sei am 23. Februar 2011 abgeschlossen worden. Die Beschwerdeführerin sei in ihrem neuen Beruf als Medizinische Praxisgehilfin sei t 1. Februar 2011 zu 100 % arbeitsfä- hig. Als bleibender Nachteil sei zu erwarten, dass die belastungsabhängigen Handgelenksbe- schwerden sowie eine leichte Bewegungseinschränkung und eine reduzierte Belastbarkeit der rechten Hand bestehen bleiben würden. Längerfristig könne die Entwicklung von degenerativen Veränderungen im rechten Handgelenk nicht ausgeschlossen werden. Gestützt auf den Bericht von Dr. E.____ verneinte die Vaudoise mit Verfügung bzw . Einspracheentscheid den Anspruch auf eine Invalidenrente. Der von Dr. E.____ dargeleg te medizinische Sachverhalt wird von der Beschwerdeführerin nicht in Frage gestellt. 4.1 Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 3.1 h iervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufg rund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Danach wird das Erwerbseinkommen, das die ve rsicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Einglied erungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzi elen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen kö nnte, wenn sie nicht invalid ge- worden wäre (Valideneinkommen). Der Vergleich hat i n der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernm ässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkomm ensdifferenz lässt sich der Invalidi- tätsgrad bestimmen (BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4.2.1 Bei der Bemessung des für die Bestimmung des Inva liditätsgrades massgebenden hypothetischen Einkommens ohne Gesundheitsschaden (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. Die Einkommens- ermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, wesha lb in der Regel vom letzten Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt hat, auszugehen ist (Urteil I. des EVG I 491/01 vom 26. November 2002 E. 2.3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.2 Vorliegend ist die Vaudoise zu Recht davon ausge gangen, dass die Beschwerdeführerin ohne unfallbedingte Gesundheitsbeeinträchtigung weit erhin als Pflegeassistentin in der B.____AG tätig wäre. Bei der Berechnung des Valideneinkommens stützt sie sich auf die Lohn- blätter aus den Jahren 2006-2008 der B.____AG. Da sich der Snowboardunfall am 10. Januar 2008 ereignete, berücksichtigt die Beschwerdegegnerin da s Valideneinkommen 2007 von Fr. 69`656.-- als Basis für den Einkommensvergleich. Als Zu lage für Nachtwache, Wochenend- und Feiertagdienste sei vom Durchschnittswert der Jahre 20 06 und 2007 in der Höhe von Fr. 9`449.-- auszugehen. Die in der Unfallmeldung beze ichnete Lohnzulage in der Höhe von Fr. 1`027.-- pro Monat, bzw. Fr. 12`324.-- pro Jahr, welche die Beschwerdeführerin als massge- bend erachte, entspreche nicht der wirtschaftlichen Realit ät und werde von der Vaudoise nicht übernommen. Folglich betrage das Valideneinkommen 2008 Fr. 71`814.-- (Fr. 4`643.50 x 13 + Zulagen Fr. 9`448.-- + Leistungsbonus Fr. 2`000.--) . Das indexierte Valideneinkommen belaufe sich laut nominaler Lohnentwicklung des Bundesamtes für St atistik für das Jahr 2011 auf Fr. 74`832.-- (Fr. 71`814.-- / 2499 x 2604; vgl. Vern ehmlassung der Vaudoise vom 16. August 2012). Demgegenüber ergibt sich nach den Berechnungen der Beschwerdeführerin ein Valide- neinkommen in der Höhe von Fr. 76`174.--. 4.2.3 Das angenommene Valideneinkommen der Vaudoise is t nicht zu beanstanden. Es ist in der Tat naheliegender, auf die durchschnittlichen Lohn zulagen der Jahre 2007 und 2008 abzu- stellen, als auf die in der Unfallmeldung angegebene Zulage in der Höhe von Fr. 1`027.-- pro Monat, bzw. Fr. 12`324.-- pro Jahr, welche auf den Jah reslohnkonten 2006, 2007 und 2008 nirgends ersichtlich ist. Die Vaudoise hat deshalb dem Ei nkommensvergleich zu Recht den Be- trag von Fr. 74`832.-- als massgebendes Valideneinkommen zu Grunde gelegt. 4.3.1 Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisier- baren Einkommens (Invalideneinkommen) ist primär von de r beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steh t. Entscheidend ist demnach, was die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen d urch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte. Ist die versicherte Person seit Eintritt des Ge- sundheitsschadens nicht oder nicht in zumutbarem Umfang in einem leidensangepassten Beruf tätig, so ist das Invalideneinkommen nach der Rechtsprech ung gestützt auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausg egebenen Lohnstrukturerhebun- gen (LSE) zu ermitteln (BGE 126 V 76 E. 3b mit Hinw eisen). Von dem auf statistischen Werten basierenden Invalideneinkommen kann ein behinderungsb edingter Abzug vorgenommen wer- den. Ob und in welchem Ausmass ein Abzug erfolgen soll, h ängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab ( leidensbedingte Einschränkung, Le- bensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität/Aufentha ltskategorie und Beschäftigungsgrad) und ist von der Vorinstanz nach pflichtgemässem Ermessen gesamth aft zu beurteilen (BGE 126 V 75 E. 5b). 4.3.2 Nachdem die Versicherte eine Ausbildung als Kranke nschwester abgebrochen hat, war sie bis zum Unfallereignis als Medizinische Pflegeassistentin tätig. Nach dem Snowboardunfall Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat sich die Beschwerdeführerin im Institut F._____ zur diplomierten Praxisgehilfin umschulen lassen. Heute ist die Beschwerdeführerin in ihrem neuen Beruf als Medizinische Praxisgehilfin zu 100 % arbeitsfähig (vgl. E. 3 hiervor). Im vorliegen d massgebenden Zeitpunkt eines mögli- chen Rentenbeginns arbeitete die Beschwerdeführerin jed och lediglich im Rahmen eines Teil- pensums in diesem neuen Beruf. Die Vaudoise hat deshalb das Invalideneinkommen zu Recht gestützt auf die LSE-Tabellenlöhne ermittelt. Dabei ging sie in ihrer Berechnung von einem Mo- natslohn in der Höhe von Fr. 5`782.-- aus (Lohntabelle TA1 der LSE 2010, Frauen im Anforde- rungsniveau 3 "Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt", P osition 86 "Gesundheitswesen"). Berechnet auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitsz eit von 41,7 Stunden ergebe dies für das Jahr 2010 einen jährlich indexierten Invalidenlohn von Fr. 73`034.-- (vgl. Einspracheent- scheid vom 31. Mai 2012 und Vernehmlassung vom 16. August 2012). Die Vaudoise hat in ih- rem Einspracheentscheid keinen behinderungsbedingten A bzug vom genannten Invalidenein- kommen vorgenommen. 4.3.3 Demgegenüber ist die Beschwerdeführerin der Auff assung, dass das Invalideneinkom- men gestützt auf die (Mindest-) Lohnempfehlungen für A rztgehilfinnen DVSA und MPA der Me- dizinischen Gesellschaft Basel (MEDGES) zu bemessen sei und somit Fr. 52`000.-- (Fr. 4`000.-- x 13) betrage. Würde das Invalideneinkommen h ingegen mittels LSE-Tabellenlöhnen berechnet, sei das Anforderungsniveau 4 als massgebend z u betrachten und es hätte ein be- hinderungsbedingter Abzug vom Tabellenlohn zu erfolgen. Die Einstufung i n das Anforde- rungsniveau 4 lasse sich damit begründen, dass die Beschwerdeführerin über keinen beruf- lichen Lehrabschluss verfüge. Das erworbene schuleigene Di plom zur Arztgehilfin sei mit einem Lehrabschluss nicht vergleichbar und ermögliche deshalb keinesfalls ein Einkommen gemäss dem Anforderungsniveau 3. 4.3.4 Der Auffassung der Beschwerdeführerin kann nicht be igepflichtet werden. Im vorlie- genden Fall ist es naheliegender auf die LSE-Tabellen löhne, als auf die Mindestlohnemp- fehlung für Arztgehilfinnen der MEDGES abzustellen. D ie Mindestlohnempfehlung in der Höhe von Fr. 4`000.-- erweist sich als zu tief, zumal d ie Beschwerdeführerin über eine ins- gesamt mehr als zehnjährige Erfahrung in den Berufen P flegeassistentin und Medizinische Praxisgehilfin verfügt. Das Abstellen auf die LSE-Tabel le für die Berechnung des Invaliden- einkommens ist somit geboten und gerechtfertigt. Die Vaudoise hat im Weiteren in der Inva- lideneinkommensberechnung auch zu Recht das Anforderun gsniveau 3 angenommen. Die Beschwerdeführerin war ab dem Jahr 1995 bis Januar 2008 als Pflegeassistentin in der B.____AG tätig. Aufgrund ihrer langjährigen Berufser fahrung konnte die Beschwerdeführe- rin beim Institut F._____ eine 15-monatige Ausbildun g als diplomierte Medizinische Praxis- gehilfin absolvieren. Zu den Aufgabenbereichen einer Medizinischen Praxisgehilfin gehören administrative und organisatorische Arbeiten, Betreuung der Patientinnen und Patienten sowie Arztlabor- und Sprechstundenassistenz. Entgegen der Auffassung der Beschwerde- führerin beinhaltet der Beruf der Medizinischen Praxisge hilfin demnach nicht nur einfache und repetitive Tätigkeiten, sondern erfordert Berufs - und Fachkenntnisse. Auch in der Recht- sprechung des Bundesgerichts wurde für die Berechnung des I nvalideneinkommens einer Me- dizinischen Praxisassistentin das Anforderungsniveau 3 verwend et (Urteil des Bundesgerichts 8C_206/2012 vom 12. April 2012, E. 4.2). Folglich i st die Beschwerdeführerin zu Recht im An- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht forderungsniveau 3 eingestuft worden. Die Vorinstanz h at schliesslich auch keinen behinde- rungsbedingten Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen mit der Begründung, der Beschwerde- führerin sei ab dem 1. Februar 2011 eine Arbeitsfähi gkeit zu 100 % attestiert worden. Die Vau- doise hat ihr Ermessen korrekt ausgeübt und zu Recht die Vornahme eines Tabellenlohnabzu- ges verneint. Somit ist die von der Vaudoise vorgenom mene Berechnung des Invalidenein- kommens, mit Ausnahme der angenommenen Arbeitszeit vo n 41,7 Stunden pro Woche, nicht zu beanstanden. Es ist darauf hinzuweisen, dass die betr iebsübliche wöchentliche Arbeitszeit für das Jahr 2011 im Gesundheits- und Sozialwesen, entgeg en der Auffassung der Beschwer- degegnerin, 41,5 Stunden beträgt (vgl. Die Volkswirtsch aft 12/2012 S. 90 Tabelle B 9.2). Dar- aus ergibt sich ein Jahresgehalt von Fr. 72`490.--. Da die Versicherte laut den massgebenden medizinischen Unterlagen (vgl. E. 3 hiervor) in einer s olchen Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig ist, resultiert für die Beschwerdeführerin grundsätzlich ein Invalideneinkommen in genannter Höhe. 4.4. Setzt man dieses Invalideneinkommen von Fr. 72`49 0.-- dem oben erwähnten Valide- neinkommen von Fr. 74`832.-- gegenüber, so resultiert aus dem Einkommensvergleich eine Erwerbseinbusse von Fr. 2`342.--, was rein rechnerisch eine n Invaliditätsgrad der Versicherten von 3,13 % ergibt. Laut der Rechtsprechung des EVG ist ein solcher rechnerisch exakt ermittel- ter Invaliditätsgrad nach den Regeln der Mathematik auf die nächste ganze Prozentzahl auf- oder abzurunden (BGE 130 V 121 E. 3.3), woraus vorlieg end als Ergebnis ein Invaliditätsgrad von 3 % resultiert. Somit liegt der Invaliditätsgrad u nter den 10 %, welche gemäss Art. 18 Abs. 1 UVG für den Anspruch auf eine Invalidenrente erf orderlich sind. Als Zwischenergebnis ist demnach festzuhalten, dass sich die Beschwerde als unbegr ündet erweist, soweit mit ihr die Zusprechung einer Invalidenrente beantragt wird. 5.1 Strittig und zu prüfen bleibt die Höhe der Inte gritätsentschädigung, welche der Be- schwerdeführerin für die verbleibenden Unfallfolgen zusteht. 5.2.1 Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Ansp ruch auf eine angemesse- ne Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Verord- nung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 gilt ein Integritätsschaden als dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, un- abhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2). Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschä den aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigu ng nach der gesamten Beeinträchtigung festgesetzt (Art. 36 Abs. 3 Satz 1 UVV). 5.2.2 Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsent schädigung in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie wird entsprechend der Schwere des Integ ritätsschadens abgestuft, wobei sie den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jah resverdienstes nicht übersteigen darf. Letzteres gilt auch, wenn eine Gesamtentschädigun g für mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschäden zur Ausrichtung gelangt (Art. 36 Abs. 3 Satz 2 UVV). Nach Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befug- nis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der Bundes- rat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessend en Skala (BGE 113 V 219 E. 2a; RKUV 1988 Nr. U 48 S. 236 E. 2a mit Hinweisen) häuf ig vorkommende und typische Schäden prozentual gewichtet. 5.2.3 Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integrit ätsschäden entspricht die Entschädi- gung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höch stbetrages des versicherten Ver- dienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für speziel le oder nicht aufgeführte Integritätsschä- den wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert ab geleitet. Das gilt auch für das Zu- sammenfallen mehrerer körperlicher, geistiger und psychisc her Integritätsschäden (Ziff. 1 Abs. 2). In diesem Zusammenhang hat die SUVA in Weiterent wicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet. Diese in den Mitteilungen der Medizinischen Abteilung der SUVA Nr. 57 bis 59 her ausgegebenen Tabellen (teilweise ge- ändert und ergänzt in den Mitteilungen Nr. 60, 62 un d 66) sind, soweit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Ver sicherten gewährleistet werden soll, mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32 E. 1c, 1 16 V 157 E. 3a mit Hinweis). Zu er- gänzen bleibt, dass das ATSG an der dargestellten unfal lversicherungsrechtlichen Regelung der Integritätsentschädigung nichts geändert hat. Die bisherige zu Art. 24 f. UVG und Art. 36 UVV ergangene Gerichts- und Verwaltungspraxis hat somit nach wie vor Gültigkeit (Urteil M. des EVG vom 2. September 2004, U 251/04, E. 1). 5.2.4 Bei der Bestimmung des Schweregrades einer gesun dheitlichen Beeinträchtigung han- delt es sich um eine Tatfrage, für deren Beantwortung Verwaltung und Gerichte auf fachärztli- che Mithilfe angewiesen sind. Dem Gericht ist es nicht mö glich, die Beurteilung aufgrund der aktenkundigen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfung des in den Tabellen offen gelassenen Bemessungsspielraums entsprechende Fachkenntnisse voraussetzt und von einem medizinischen Laien eine zuverlässige Zuordnung nicht er wartet werden kann. Die Beurteilung der einzelnen Integritätseinbussen obliegt somit den ä rztlichen Sachverständigen (Urteil des Bundesgerichts U 121/06 vom 23. April 2007, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 5.3.1 Der beratende Arzt der Vaudoise, Dr. med. G.__ __, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, setzte den erli ttenen Integritätsschaden der Versi- cherten unter Würdigung der gesamten Unfallfolgen am Handgelenk rechts sowie in Anwen- dung der SUVA-Tabellen auf 5 % fest. Es sei lediglich die Flexion des rechten Handgelenkes zur Hälfte limitiert (Einschränkung bei 45° ), wobei di e anderen Funktionswerte nicht einge- schränkt seien. In Anlehnung an diese Beurteilung sprach die Vaudoise der Beschwerdeführe- rin eine Integritätsentschädigung in der Höhe von 5 % des Höchstbetrages des versicherten Jahresverdienstes zu. In ihrer Begründung führte die Vo rinstanz aus, eine persönliche Untersu- chung und Befragung durch Dr. G.____ sei nicht notwend ig gewesen, da die handchirurgische Problematik mit den vorhandenen medizinischen Dokumenten und der Bilddiagnostik der Spi- talärzte klar, detailliert und umfassend Auskunft geben würden. Es haben keine nicht objekti- vierbaren Gesundheitsbeeinträchtigungen vorgelegen, w elche eher eine Untersuchung und Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine persönliche Befragung der Versicherten erfordern würden. Im Weiteren hielt die Vaudoise fest, sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt eine unfa llbedingte Arthrose im Handgelenk rechts entwickeln, würde sie die Höhe des Dauerschadens nochmals überprüfen. Bei einer rein speku- lativen Arthrosenentwicklung am Handgelenk rechts sei die Kausalität als "möglich", jedoch nicht als "überwiegend wahrscheinlich" einzustufen. Die " mögliche" Kausalität genüge nicht, eine allfällige Leistungspflicht der Vaudoise zu begr ünden. Zudem seien für Dr. F.____ keine Anzeichen für eine Arthrose am Handgelenk rechts ersichtlich gewesen. 5.3.2 Demgegenüber fordert die Beschwerdeführerin ein e nachzuholende ärztliche Untersu- chung sowie eine neue Festlegung der Integritätsentschädigung, wobei eine Entschädigung von mindestens 10 % auszurichten sei. Die Beschwerdeführeri n macht geltend, für die Bemessung der Integritätsentschädigung seien neben der eingeschränkten Beweglichkeit auch die limitierte Tragfähigkeit sowie die bestehenden Schmerzen und di e sichtbare unschöne Narbe zu beach- ten. Ausserdem hätte der ärztlichen Einschätzung eine pe rsönliche Untersuchung vorausgehen müssen. 5.3.3 Der Beschwerdeführerin kann nicht gefolgt werden , soweit sie geltend macht, auf den Bericht von Dr. G.____ könne schon deshalb nicht abgestellt werden, weil dessen Einschätzung lediglich auf einer Beurteilung der Akten und nicht auf einer persönlichen Untersuchung beruhe. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine re ine Aktenbeurteilung bzw. ein reines Aktengutachten nicht an sich als unzuverlässig zu beurteilen . Dem reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehe nden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts 8C_540/2007 vom 27. März 2008, E. 3.2 mit Hinweisen). Die fach- ärztliche Einschätzung von Dr. G.____ in Bezug auf den In tegritätsschaden stützt sich auf die vorhandenen medizinischen Dokumente und Bilder, welche von der Beschwerdeführerin nicht bestritten wurden (vgl. E. 3.4 ). Folglich beruht die Beurteilung des beratenden Facharztes auf einem an sich feststehenden und widerspruchsfreien medizin ischen Sachverhalt. Im Übrigen macht die Vorinstanz auch zu Recht geltend, dass sich die ha ndchirurgische Problematik sehr gut mittels Untersuchungen und bilddiagnostischen Massnahmen objektivieren lässt. Die vorlie- gende reine Aktenbeurteilung erweist sich somit im Hinb lick auf die bundesgerichtliche Recht- sprechung als zulässig. 5.4 Insgesamt ist festzustellen, dass die Begründung der I ntegritätsentschädigung sehr kurz ausgefallen ist. Gleichwohl wird aus der Einschätzung vo n Dr. G.____ klar, welche Leiden und Einschränkungen bei der Bemessung der Integritätsentschä digung berücksichtigt worden sind. Überdies ist keine rechtsfehlerhafte Handhabung des Erm essens ersichtlich und es besteht für das Gericht kein Anlass, in den Bemessungsspielraum des Fac harztes einzugreifen. Nach dem Gesagten ist die Beurteilung von Dr. G.____ und die v orinstanzliche Zusprechung einer Integri- tätsentschädigung von 5 % (für die belastungsabhängigen Handgelenksbeschwerden, die leich- te Bewegungseinschränkung, die reduzierte Belastbarkeit und die unschöne Narbe) nicht zu beanstanden. Die Beschwerde erweist sich daher auch als unbegründet, soweit mit ihr die Aus- richtung einer höheren Integritätsentschädigung beantragt wird. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht