B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4001/2020 U r t e i l v o m 2 . M ä r z 2 0 2 1 Besetzung Richterin Esther Marti (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Muriel Beck Kadima, Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch lic. iur. Monika Böckle, (…) Beratungsstelle für Asylsuchende, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 8. Juli 2020 / N (…). E-4001/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer suchte am (…) August 2018 in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person vom 31. August 2018 (BzP; Protokoll in den SEM-Akten A8/17) und der Anhörung vom 14. November 2019 (Anhörung; Protokoll in den SEM -Akten A23/22) machte er im We- sentlichen Folgendes geltend: Er sei ethnischer Perser, in B._______ geboren, wo er bis zu seiner Aus- reise wohnhaft gewesen sei. Er habe die Schule im Jahr (…) mit der Matura abgeschlossen und danach vier Semester (…) studiert. Dieses Studium habe er im Frühling (…) abgebrochen. Am (…) 2012 habe er seine Ehefrau geheiratet, welche noch immer im Iran sei. Die Sepāh -e Pāsdārān-e En- qelāb-e Eslāmī (Sepah, dt. Armee der Wächter der Islamischen Revolution oder Iranische Revolutionsgarde) habe ihn im Jahr (…) einmal vier Nächte lang festgehalten. Damals habe er begonnen, sich über das Christentum zu informieren und sei aus diesem Grund oft zur (…) Kirche in B._______ gegangen, wo er sich auch mit dem Pfarrer unterhalten habe. Ausserdem habe er ein Kreuz um den Hals getragen. Bei der Festnahme hätten sie ihn gefragt, ob er mit Organisationen in Verbindung stehe. Er sei bedroht und nach der Unterzeichnung einer Vereinbarung – mit welcher er eingewilligt habe, künftig nichts mehr im Zusammenhang mit dem christlichen Glauben zu unternehmen – freigelassen worden. 2014 sei er zum Christentum kon- vertiert. Bis (…) 2015 habe er in einer Firma als (…) gearbeitet. Danach sei er C._______ gereist, um sich taufen zu lassen , und habe sich in der Folge im Iran stark für seine Religion engagiert, indem er Bibeln verteilt und Leute, die hätten konvertieren wollen, in einem Hotel in B._______ getauft habe. Die Sepah habe von seinen Aktivitäten erfahren und ihn im besagten Hotel aufgesucht. Danach sei er sofort mit seiner Ehefrau nach D._______ gefahren, wo er zwei Tage später von seiner Schwester darüber informiert worden sei, dass die Sep ah ihn auch zu Hause gesucht habe. Noch am selben Tag, dem (…) 2016, habe er den Iran endgültig und legal verlassen. In E._______ habe er den Aufenthaltsstatus eines Flüchtlings erhalten und seinen Lebensunterhalt als (…) verdient. Er sei weiterhin für das Christen- tum – vor allem in den sozialen Medien – aktiv gewesen, weshalb im (…) 2017 im Iran ein Verfahren wegen "Massnahmen gegen die nationale S i- cherheit durch christliche Propaganda" gegen ihn eröffnet worden sei. Die Sicherheitsbehörden hätten seinen Vater zum Verhör vorgeladen und auch den Rest seiner Familie behelligt. Nachdem er sich an die UNO gewendet habe, sei sein Vater erneut vorgeladen und darüber informiert worden, E-4001/2020 Seite 3 dass die Einheit Sepah 400 seinen Sohn (den Beschwerdeführer) auf irre- guläre Weise in den Iran holen würde, sollte er seine Tätigkeit nicht einstel- len. Ausserdem habe er während seines Aufenthalts in C._______ wieder- holt Telefonanrufe einer Person erhalten, die gesagt habe, sie sei von E- telaat Sepah, und ihm ebenfalls gedroht habe, ihn in den Iran zurückzuho- len, sollte er mit seinen Aktivitäten fortfahren . Seine Ehefrau sei in dieser Zeit zwischen C._______ und dem Iran gependelt, bis ihr einmal die Aus- reise aus dem Iran verboten worden sei. Nachdem sie ihren Vornamen habe ändern und sich einen neuen Pass ausstellen lassen, habe sie ihn wieder besuchen können. Für den Fall weiterer Besuche durch die Behör- den bei seiner Ehefrau hätten sie fiktive Scheidungsunterlagen angefertigt, wonach sie tatsächlich in Ruhe gelassen worden sei. Am (…) 2018 sei er schliesslich C._______ ausgereist und habe nach F._______ – dem Zent- rum seiner Kirche – reisen wollen. Die Schlepper hätten ihn aber in Bern nicht wie abgemacht abgeholt, weshalb er in der Schweiz um Asyl ersucht habe. Nach seiner Ausreise sei en Verwandte behelligt und die Telefone überwacht worden, weshalb er den Kontakt minimiert habe. Sollte er in den Iran zurückkehren müssen, würden ihn im besten Fall fünfzehn Jahre Haft, im schlechtesten Fall die Hinrichtung erwarten. Im (…) 2019 habe man sein Handy gehackt und eine Person mit einer (…) IP-Adresse habe versucht, auf seine E -Mail zuzugreifen. Er leite mittler- weile die grösste persische Predigerkampagne, dies auf (…), (…) und (…). A.b Im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerde- führer diverse Dokumente zu seiner Identität und seinem Personenstand – teilweise im Original – ein. Des Weiteren gab er seinen Führerschein (Ori- ginal vom SEM zurückgegeben) und einen Militärausweis zu den Akten. Als weitere Beweismittel reichte der Beschwerdeführer insbesondere ein: – fremdsprachige Dokumente, bei denen es sich um Scheidungsunterla- gen aus C._______ handle (in Kopie), – eine handschriftliche Notiz mit biografischen Eckdaten , die er anläss- lich der BzP vor sich hatte und vom SEM zu den Akten genommen wurde (vgl. A8 Ziff. 1.17.05), – ein Taufzertifikat der G._______ vom 15. Dezember 2015 (Original), – ein Unterstützungsschreiben von G._______ vom 26. Mai 2018 (Ko- pie), E-4001/2020 Seite 4 – ein Unterstützungsschreiben einer Privatperson namens H._______ vom 6. November 2019 (Original), – ein Unterstützungsschreiben eines Pastors der I._______ vom 10. No- vember 2019 (Original) sowie eine Kopie einer Mitgliederkarte der I._______, – einen USB-Stick, enthaltend insbesondere diverse Fotografien, Filme und Dokumente betreffend seine Tätigkeiten für das Christentum, – eine handschriftliche Notiz betreffend seine Profilnamen auf den sozi- alen Medien, – einen Screenshot einer Meldung betreffend einen Hackerangriff auf sein E-Mailkonto. A.c Seinen Gesundheitszustand betreffend gab er zu Protokoll, seit seiner Kindheit Probleme mit (…) zu leiden, dies sei aber nicht akut. B. Mit Schreiben vom 17. Dezember 2018 stellte der Beschwerdeführer ein sinngemässes Gesuch um Familiennachzug betreffend seine Ehefrau , welches das SEM mit Schreiben vom 20. Dezember 2018 aufgrund des hängigen Asylverfahrens ad acta legte. C. Am 11. November 2019 ging beim SEM ein Schreiben des Beschwerde- führers ein, wonach sein Email-Konto erneut, möglicherweise von einer Regierung, gehackt worden sei, und gab einen Ausdruck dieser Nachricht sowie einen Screenshot seines Nachrichteneingangs zu den Akten. D. D.a Am 8. Mai 2020 forderte die Vorinstanz den Beschwerdeführer dazu auf, seine in der Schweiz ausgeübten religiösen Aktivitäten detailliert zu beschreiben und mit entsprechenden Unterlagen zu belegen. D.b Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer mit Schreibe n vom 19. Mai 2020 nach . Er gab an, dass er bereits im Iran und auch auf der Flucht C._______ und in J._______ als christlicher Priester tätig gewesen sei. Aktuell halte er bereits den 18. Online -Kurs ab. Die Kurse fänden je- weils montags und freitags statt und dauerten etwa eineinhalb Stunden. Am Ende der Lektion gäbe es Zeit für Fragen der Kursteilnehmer. Zum Abschluss des Kurses finde eine mündliche Prüfung statt und nach Beste-E-4001/2020 Seite 5 hen erhielten die Teilnehmer ein Zertifikat. Solche habe er dem SEM be- reits als Beweismittel eingereicht. Zusammen mit der Eingabe reichte er eine Liste der Kursteilnehmenden sowie einen Screenshot der Gruppe und ein weiteres Referenzschreiben von H._______ vom 16. Mai 2020 zu den Akten. E. Mit Verfügung vom 8. Juli 2020 – eröffnet am 10. Juli 2020 – verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an. F. Mit Beschwerde vom 9. August 2020 an das Bundesverwaltungsgericht be- antragt der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei der Vollzug der Wegweisung aufgrund der Unzu- lässigkeit – subeventualiter wegen Unzumutbarkeit – auszusetzen und er sei vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. Subsubeventualiter sei die Sa- che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersucht er u m Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechts- beiständin. Nebst einer Fürsorgebestätigung des Amts für Migration und Zivilrecht K._______ vom 30. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer folgende Be- weismittel zu den Akten: – einen USB-Stick enthaltend zahlreiche Fotos und fremdsprachige Vi- deos, – Ausdruck eines Fotos betreffend das Hotel in B._______, in dem er Taufen vorgenommen habe – ein Unterstützungsschreiben von L._______, Präsident von M._______ vom 3. August 2020, – ein Unterstützungsschreiben von N._______ vom 2. August 2020 so- wie das bereits bei der Vorinstanz eingereichte Unterstützungsschrei- ben der G._______ vom 26. Mai 2018, – einen Ausdruck der Titelseite seines Facebook-Accounts. E-4001/2020 Seite 6 G. Mit Instruktionsverfügung vom 12. August 2020 bestätigte das Bundesver- waltungsgericht den Eingang der Beschwerde und stellte fest , der Be- schwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in de r Schweiz abwarten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). In Bezug auf das AsylG gilt das alte Recht (Abs. 1 der Übergangsbestim- mungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-4001/2020 Seite 7 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen a usgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub haft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 4. 4.1 Zur Begründung des Asylentscheids führte die Vorinstanz aus, die Vor- bringen de s Beschwerdeführers genügten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht, da es ihnen an Nachvollziehbarkeit und innerer Logik fehle. Zwar habe sich der Beschwerdeführer möglicherweise mit dem christlichen Glauben auseinandergesetzt. Dass er jedoch im v on ihm gel- tend gemachten Ausmass missionarisch tätig gewesen sei und die Sicher- heitskräfte davon Kenntnis erlangt sowie ihn deswegen verfolgt hätten, könne nicht geglaubt werden. Seine Ausführungen zur Annäherung an das Christentum seien überaus stereotyp ausgefallen und entsprächen gängi- gen Begründungen für vorgeschobene Konversionen. Es wäre zu erwarten gewesen, dass er nicht nur individueller und substantiierter, sondern auch fundierter vom Moment hätte erzählen können, als er begonnen habe, sich für das Christentum zu interessieren. Die Schilderungen seiner Tätigkeiten seien auch nicht mit seinem angeblichen "Auffliegen" vereinbar. Einerseits habe er Kopien von Bibeln und CD in B._______ hinter die Scheibenwi- scher der Autos geklemmt, in Briefkästen geworfen und auf den Friedhöfen E-4001/2020 Seite 8 verteilt. Andererseits führe er die angebliche Suche der Sep ah nach ihm darauf zurück, dass er wohl seit (…) auf deren Radar gewesen und beo- bachtet worden sei. Hätten die Sicherheitskräfte ihn tatsächlich seit (…) beobachtet, wäre es ihm wohl kaum möglich gewesen, unbemerkt und un- behelligt christliche Materialien in der Stadt zu verteilen. Des Weiteren sei er ausserstande gewesen, plausibel zu erklären, weshalb die Sicherheits- kräfte von seinen Taufen im Hotel Kenntnis haben sollten, vor allem, da die Beobachtung seit (…) nicht geglaubt werden könne und der Zweck des Hotelbesuchs auf den Aufnahmen nicht ersichtlich sei. Dieser Eindruck werde durch seine Aussagen hinsichtlich der Intensität der missionarischen Tätigkeit erhärtet. Gem äss eigenen Angaben habe er erst nach seiner Taufe im (…) 2015 – bis zu seiner Ausreise im (…) 2016 – damit begonnen, selbst weitere Konvertiten zu taufen. Insgesamt habe er in dieser Zeit- spanne 25 bis 30 ihm bekannte Personen getauft. Es sei unwahrscheinlich, dass sich so viele konversionswillige Personen in seinem engeren Bekann- tenkreis befunden hätten. Ausserdem entbehre es angesichts des Umfelds im Iran jeglicher Nachvollziehbarkeit, dass all seine Freunde sich in derart kurzer Zeit – insbesondere vor dem Hintergrund der möglichen Folgen in einem Staat wie Iran – zu diesem einschneidenden Schritt entschieden hätten. Im Übrigen erstaune auch, dass er keinerlei Probleme seiner an- geblichen Täuflinge geltend mache, obwohl zu erwarten gewesen sei, dass diese einvernommen worden wären, wäre er tatsächlich im Fokus der Be- hörden gestanden. Schliesslich seien auch seine Aussagen zum angebli- chen Strafverfahren durchwegs substanzlos und vage ausgefallen. Er habe nicht darlegen können, wie er davon Kenntnis erhalten habe. Zum einen habe er gesagt, es sei im bewusst geworden, als sein Vater verhört worden sei, zum anderen wolle er erst durch den Hackerangriff auf sein Handy davon erfahren haben. Beide Antworten seien unzureichend, um auf ein tatsächlich eröffnetes Strafverfahren wegen missionarischer Tätig- keit zu schliessen. An diesen Erörterungen vermöchten auch die einge- reichten Beweismittel nichts zu ändern. Auf den verschiedenen Fotos seien Leute zu sehen, die offenbar in Badewannen oder in einem See getauft würden, die Örtlichkeiten seien jedoch nicht erkennbar. Auf den V ideos seien Personen zu sehen, die Parolen auf Wände sprayten, ein Zusam- menhang zum Beschwerdeführer sei aber nicht ersichtlich. Dasselbe gelte für die Fotos und Videos von Frauen mit zahlreichen offenbar persischspra- chigen Bibeln sowie der Liste mit iranischen Adressen. Es erscheine zwar plausibel, dass der Beschwerdeführer seinen christli- chen Glauben in der Schweiz in verschiedener Form ausübe, jedoch nicht im geltend gemachten Umfang. Es sei daher nicht davon auszugehen, E-4001/2020 Seite 9 dass das iranische Regime von seiner Glaubensausübung erfahren könne oder bereits erfahren habe, und dass seine Tätigkeiten vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen würden. Dagegen spreche insbesondere, dass er offenbar die meisten seiner Tätigkeiten nicht unter seinem Namen ausübe, sondern jeweils unter einem Pseudonym auftrete. Die verschiede- nen Schreiben der christlichen Gemeinschaften erwähnten ihn teils unter dem Pseudonym, teils unter seinem richtigen Namen. Es sei somit davon auszugehen, dass er allenfalls in christlichen Geme inschaften unter sei- nem richtigen Namen bekannt sei, in diesem Zusammenhang mache er jedoch keine besonders exponierten Tätigkeiten geltend. Es bestehe folg- lich kein Grund zur Annahme, dass der Beschwerdeführer bei einer Rück- kehr in den Iran deswegen begrü ndete Furcht vor Verfolgung durch die Behörden habe. 4.2 Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, seine Aussagen seien durchaus glaubhaft. Die Nachbarschaft zu einem imposanten Bau wie der O._______ könne ohne Zweifel die Aufmerksamkeit eines Jugendlichen für die entsprechende Glaubensgemeinschaft wecken, insbesondere aber auch das tägliche Glockengeläut und der persönliche Kontakt mit einzel- nen, besonders sympathisch erscheinenden Exponenten dieser Glaubens- gemeinschaft. Komme die einfühlsame persönliche Unterweisung durch ei- nen Geistlichen hinzu, erscheine die Bereitschaft zur vertieften Beschäfti- gung damit wahrscheinlich. Es sei wohl kaum je der Gegenbeweis zu einer vorgeschobenen Konversion erbracht worden, zumal sich solche innere n Vorgänge schlecht beweisen liessen. Im Übrigen fänden sich zahlreiche persönliche Schilderungen zur Bekehrung in den Akten, so unter anderem jene zum Erweckungstraum. Ausserdem weise er eine überdurchschnittli- che Bibelfestigkeit auf. Dass er seit (…) unter Beobachtung stehe, sei l ediglich eine Vermutung gewesen. Es sei möglich, dass die Beobachtung durch die Sepah punktuell erfolgt und anfänglich nicht intensiv oder nicht permanent gewesen, son- dern erst mit Feststellung weiterer Indizien dichter geworden sei . Er habe erklärt, sich bei seiner Verteilaktionen auf die Quartiere der Armen kon- zentriert zu haben, wo die Überwachung des öffentlichen Raumes nicht verbreitet gewesen sei. Der Verdacht, der im Jahr (…) bereits zu einer In- haftierung geführt habe, dürfte insbesondere durch die auffällige Art seiner Hotelbesuche im Jahr (…) aktualisiert worden sein und in den geschilder- ten Behelligungen seiner Verwandten gemündet haben. Auf den bereits beigebrachten Fotos der Taufen im Hotel sei zu sehen, dass es sich um E-4001/2020 Seite 10 dieselben Vorhänge und Dekoration handle, wie auf den Bildern des Ho- tels, die im Internet zu finden seien. Er könne damit seine missionarische Tätigkeit im Iran und in seiner Heimatstadt B._______ rechtsgenüglich nachweisen. Dass er über die Vorgehensweise der Revolutionsgarden keine genauen Angaben machen könne, liege in der Natur der Sache, da die Sepah Teil eines willkürlich handelnden Staates sei. Aufgrund seiner charismatischen Art und dem Beginn seiner missionarischen Tätigkeit im Jahr (…) habe er bereits vor seiner Taufe Personen gefunden, die ebenfalls hätten konvertieren wollen, was die hohe Zahl an Täuflingen in der kurzen Zeit erkläre. Leider habe er nicht zu allen Täuflingen den Kontakt aufrecht- erhalten können, weshalb es ihm nicht möglich sei, über deren allfällige Probleme zu berichten. Anlässlich der BzP habe er erklärt, dass sein Vater und auch ein entfernter Schwager berichtet hätten, gegen ihn sei ein Strafverfahren eröffnet wor- den. Es liege in der Natur der wenig gesetzlichen Verfolgung durch den iranischen Staat, dass er darüber nur Vermutungen anstellen könne. Das Fazit des SEM, wonach er eine Verfolgung konstruiert habe, sei nicht nach- vollziehbar. Er hätte zu diesem Zweck vor langer Zeit im Iran die Filme drehen, die Fotos aufnehmen und in C._______ zum Schein viele weitere Menschen taufen sowie dies filmisch festhalten müssen. Ausserdem hätten sowohl die Kontaktaufnahme zur (…) Bewegung als auch die online Missi- onskampagnen aus rein taktischen Gründen erfolgen müssen. Auch könn- ten die Sprayaktionen und die Kleber kampagne deutlich im Iran verortet werden. Dass der iranische Staat, welcher bereits seine Ehefrau, sei nen Vater und seinen Schwager einvernommen habe nicht ihn hinter den Akti- onen vermute, sei unwahrscheinlich; dies auch angesichts der Tatsache, dass sein e Schweizer Telefonnummer auf den Klebebildern angegeben sei. Suche man im Internet nach seinem Pseudonym, stosse man schnell auf seinen Facebook-Account, auf welchem sein Gesicht deutlich erkenn- bar sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass die iranischen Strafverfolgungsbehör- den beziehungsweise die Sep ah keine Kenntnis davon hätten, sei ver- schwindend gering. Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, der Umstand, dass er nicht von derselben Person angehört worden sei, die später den Asylentscheid verfasst habe, wirke sich negativ auf die Beurteilung der Glaubhaftigkeit aus. Das Plausibilitätsargument dürfe ferner nur in be- schränktem Masse zur Bewertung der Glaubhaftigkeit beigezogen werden. Dass er als Person mit hohem Sendungsbewusstsein seine Tätigkeit trotz einer gewissen Gefährdung Angehöriger nicht einschränke, sei jedenfalls entgegen der Einschätzung des SEM nicht unplausibel. Zu betonen sei schliesslich, dass konvertierte Christen im Iran auch als westliche Spione E-4001/2020 Seite 11 und als politische Aktivisten wahrgenommen würde n. Deshalb sei davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr in den Iran aufgrund seiner bereits im Iran erfolgten und entdeckten Missionstätigkeit praxisgemäss asylrele- vante Verfolgung zu gewärtigen hätte. Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, er habe sich auch in der Schweiz nachweislich intensiv der Missionstätigkeit im Iran, in der Schweiz sowie international gewidmet. Er habe folglich zumindest subjektive Nachflucht- gründe. Entgegen der Einschätzung des SEM, sei er auch mit Nutzung ei- nes Pseudonyms leicht identifizierbar. Die Frage, ob und inwieweit von ei- ner Person vernünftigerweise erwartet werden könne, die drohende Verfol- gung durch das eigene Verhalten abzuwenden, habe die Vorinstanz nicht beantwortet. Es könne von ihm klarerweise nicht verlangt werden, sich ei- ner Verfolgungsgefahr durch diskretes Verhalten zu entziehen, indem er seine Konversion verheimliche, den christlichen Glauben und Lebensstil im Verborgenen lebe und sich entgegen seiner Überzeugung gemäss den is- lamischen und landesüblichen Sit ten und Gebräuchen verhalte. Solches würde zu einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG führen. Unter diesem Aspekt sei seine Verfolgung im Übrigen von der Vorinstanz nicht gewürdigt worden. 5. 5.1 Es ist dem Beschwerdeführer insofern beizupflichten, als dass es sich bei einem Glaubenswechsel um einen inneren Vorgang handelt, weshalb bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit Zurückhaltung angebracht ist. Dass sein Interesse am Christentum aufgrund seines Wohnsit zes in der Nähe der O._______ und im Umfeld von (…) Christen geweckt worden sei, ist nachvollziehbar und kann für sich alleine seine Bekennung zum Christen- tum noch nicht in Frage stellen. Auch muss nicht in Frage gestellt werden, dass er sich im Rahmen einer evangelikalen Bewegung G._______ im Jahr 2015 hat taufen lassen. Demgegenüber ist dem SEM beizupflichten, wenn es ausführt, es wären von ihm rund um sein Bekenn tnis substantiiertere und individuellere Aussagen zu erwarten gewesen. Auch geht aus ihnen – entgegen der Vorbringen in der Beschwerde – nicht ansatzweise eine über- durchschnittliche Bibelfestigkeit hervor, auch nicht aus den explizit genann- ten Protokollstellen. Gleiches gilt hinsichtlich angeblicher Realkennzeichen in der Schilderung des Erweckungstraumes (vgl. A23 F68f.); dieser könnte ebenso gut nacherzählt sein. Auch erstaunt etwa, dass der Beschwerde- führer an keiner Stelle eine Reaktion seiner angeblich streng gläubigen, muslimischen Eltern erwähnt e (vgl. A23 F46 -48). Hinsichtlich seiner Zu- wendung zum Christentum ergibt sich nicht zuletzt auch ein Widerspruch E-4001/2020 Seite 12 aus den vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismitteln und seinen eigenen Aussagen. Dem Schreiben der G._______ vom 26. Mai 2018 ist nämlich zu entnehmen, der Beschwerdeführer sei 2014 Ch rist geworden, nachdem er zwei Jahre lang Hauskirchen besucht habe. Dass er zwischen 2012 und 2014 Hauskirchen besucht habe, machte der Beschwerdeführer selbst nie geltend. Gewisse Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Glaubens- wechsels des Beschwerdeführers sind insgesamt durchaus berechtigt. Da- ran vermag die Bezeugung in den Unterstützungsschreiben, beim Be- schwerdeführer handle sich um einen ernsthaften Christen, für sich alleine noch nichts zu ändern. Letztlich kann die Frage aus den folgenden Grün- den aber offenbleiben. Das SEM stellt die Auseinandersetzung des Beschwerdeführers mit dem christlichen Glauben nicht grundsätzlich in Frage, sondern glaubt ihm viel- mehr das Ausmass seiner diesbezüglichen mis sionarischen Tätigkeiten vor seiner Ausreise aus dem Iran nicht, und auch nicht, dass er damit in entscheidender Weise die Aufmerksamkeit der iranischen Behörden auf sich gezogen habe. Das Bundesverwaltungsgericht teilt diese Einschät- zung. Die zu den Akten gegebenen Fotos von angeblichen Taufen in einem Hotel in B._______ vermögen nichts Entscheidendes auszusagen, wie das SEM zutreffend feststellt. Dass es sich alleine von der Anzahl her um zahl- reiche Fotos und Videos handelt, ändert daran nichts. Die Beweismittel, auf denen immer wieder dieselben Personen zu sehen sind, belegen zum einen den Umfang der geltend gemachten priesterlichen Tätigkeit nicht , und im Übrigen auch nicht deren Ernsthaftigkeit , zumal auch die Schilde- rung der Ausbildung zum Pastor und s einer damit einhergehenden Er- mächtigung, andere zu taufen, sehr schemenhaft erfolgt ist (vgl. A23 F69 und F97). Unabhängig davon ist nicht davon auszugehen, die iranischen Behörden hätten davon Kenntnis erlangt. Dass der Beschwerdeführer nun mit Fotos auf Beschwerdeebene nachweisen könne, dass es sich tatsäch- lich um das angegebene Hotel in B._______ gehandelt habe, trägt nichts zu seinen Gunsten bei . Denn die Besuche der Sep ah im Hotel sind nicht glaubhaft geschildert worden. Wie die Vorinstanz zutreffend f esthält, ist auch nicht ersichtlich, wie die iranischen Behörden von seinen Hotelbesu- chen auf seine Tätigkeit als Pastor hätten schliessen sollen. Diesbezüglich sind auch seine Aussagen widersprüchlich, wonach er sich auf der einen Seite grosse Mühe gegeben habe, bei den Hotelbesuchen nicht aufzufallen (vgl. A23 F98 f.), aber andererseits seine Besuche im Hotel sehr auffälliger Art gewesen seien (vgl. Beschwerdeschrift S. 4). Dem Argument des SEM, wonach es ihm wohl kaum möglich gewesen wäre, unbemerkt und unbe-E-4001/2020 Seite 13 helligt christliche Materialien in der Stadt zu verteilen, sollten die Sicher- heitskräfte ihn tatsächlich seit (…) beobachtet haben, kann sodann unein- geschränkt beigepflichtet werden. Dass er dies nur an Orten getan habe, die weniger im Fokus der iranischen Behörden seien, überzeugt offensicht- lich nicht. Bezeichnenderweise konnte der Beschwerdeführer im (…) 2015 den Iran problemlos legal über den Flughafen verlassen und später auch wieder über die offizielle Grenze einreisen (vgl. A8 Ziff. 2.04). Zutreffend sind auch die Argumente des SEM im Zusammenhang mit der angeblichen Taufe zahlreicher Personen innert kurzer Zeitspanne am immer selben Ort; dies insbesondere angesichts der damit einhergehenden Gefahr des "Auf- fliegens". Dass er keinerlei Kontakt mehr zu seinen Täuflingen und engen Weggefährten haben will und nichts über deren Schicksal habe in Erfah- rung bringen können, vermag gerade vor dem Hintergrund des von ihm geltend gemachten grossen Netzwerks sowie des regen Kontakts und Aus- tauschs mit seinen Gl aubensgenossen (vgl. A23 F113 ff., Beschwerde- schrift S. 5) nicht zu überzeugen. Dass ihm eine Kontaktaufnahme zu ge- fährlich scheine, überzeugt ebenfalls nicht, zumal er ja angibt, trotz der Ge- fahr für ihn und seine Familie, ein grosses Netzwerk an Kontakten aufrecht zu erhalten, Schulungen zu geben und Leute für ihn Wände bemalen sowie Bibeln und Flyer verteilen zu lassen (vgl. ebd. F85 f., Beschwerde S. 5 und 7). Er geht dabei sogar selbst nur von einer "gewissen Gefährdung" und nicht von einer grossen Gefahr aus (vgl. Beschwerde S. 7). Dass sein e Ehefrau nur aufgrund der angeblichen Scheidung nicht mehr behelligt wor- den sei (vgl. A8 Ziff. 7.02) , ist nicht nachvollziehbar, zumal sie ebenfalls zum Christentum konvertiert (vgl. A23 F36 f.) sowie sogar seine christliche Leiterin im Iran gewesen sei (vgl. Referenzschreiben von L._______ vom 3. August 2020). Wäre der Beschwerdeführer in den Fokus der iranischen Behörden geraten, hätten diese offenkundig auch ein Interesse an seiner Ehefrau, sowohl aufgrund von deren eigenen Tätigkeiten, aber auch, weil sie über viele den Beschwerdeführe r betreffende Informationen verfügen muss. Hinzu kommt, dass sie die Taufen angeblich teilweise fotografiert habe – so auch im fraglichen Hotel – wodurch sie ebenfalls auf den angeb- lichen Überwachungsvideos hätte zu sehen sein müssen (vgl. A23 F110). Zwar wird im oben genannten Referenzschreiben sowie in jenem von H._______ vom 6. November 2019 davon gesprochen, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers – nach der Entdeckung dessen Verteilerrings und Netzwerks im Iran sowie ihrer Verhaftung und Misshandlung – das Land habe verlassen müssen. Dies verträgt sich aber wiederum nicht mit den Vorbringen des Beschwerdeführers, der so etwas nie vorgebracht hat, auch nicht auf Beschwerdestufe. Ausserdem widerspricht er sich hinsicht- lich des Scheidungsgrunds. Zum einen legte er dar, sich scheiden lassen E-4001/2020 Seite 14 zu haben, da die Familie seiner Ehefrau dies verlangt habe (vgl. A23 F35), zum anderen habe er dies zum Schutz seiner E hefrau gemacht (vgl. A8 Ziff. 7.02 und A23 F39). Schliesslich kann dem SEM auch hinsichtlich de r Unglaubhaftigkeit des geltend gemachten Strafverfahrens beigepflichtet , und es kann vollumfänglich auf seine Begründung verwiesen werden. Der Einwand in der Be schwerde, es handle sich beim Iran um einen Willkür- staat, ändert daran nichts . Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, nähere und weitere Verwandte von ihm seien nach seiner Ausreise behel- ligt worden, kann er daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten, nachdem er nicht glaubhaft machen kann, er sei aufgrund seiner Glaubensbetäti- gung in den Fokus der iranischen Behörden gelangt. Auch ist nicht nach- vollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer den Kontakt zu seinem Schwa- ger gänzlich eingestellt habe, nachdem dieser ihm erzählt habe, sämtliche Nummern seiner Familie w ürden überwacht, demgegenüber den Kontakt mit der übrigen Familie aber trotzdem weitergeführt habe, wenn auch ein- geschränkt (vgl. A23 F75). Nicht nachvollziehbar ist sodann, dass er die angeblichen Vorladungen seines Vaters zeitlich nicht näher einordnen kann (vgl. ebd. F80). 5.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass zwar eine Beschäftigung des Beschwerdeführers mit dem Christentum vor seiner Ausreise aus dem Iran im Jahr 2016 nicht auszuschliessen ist und auch seine Taufe durch eine evangelikale Bewegung nicht bezweifelt zu werden braucht. Demgegen- über ist nicht glaubhaft, dass er sich im geltend gemachten Ausmass mis- sionarisch exponiert hat . Daran vermögen weder die eingereichten Be- weismittel noch seine Aussage, diese seien nur Beispiele und vom Umfang her lediglich ein Zehntel de ssen, was er beibringen könne, etwas zu än- dern. Wie erwähnt widerspricht er sich gar mit einzelnen Beweismitteln, auch hinsichtlich des Inhalts seiner Aktivitäten im Iran. So ist etwa dem bereits erwähnten Unterstützungsschreiben von H._______ vom 6. No- vember 2019 zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer angeblich im Hei- matstaat Leiter einer Hauskirche gewesen sei, was er im Asylverfahren nie vorgebracht hatte. Nicht glaubhaft ist aber insbesondere, und dies ist ent- scheidend, dass die iranischen Behörden ihn aufgrund seines Glaubens oder seiner entsprechenden Aktivitäten in asylrechtlich relevanter Weise im Fokus gehabt hätten. Sollte das für das Jahr 2013 geltend gemachte Ereignis tatsächlich stattgefunden haben, hat es offensichtlich keine weite- ren Folgen gehabt. Diese Einschätzung wird nicht zuletzt dadurch bestä- tigt, dass der Beschwerdeführer im (…) 2016 legal ausreisen konnte (vgl. A8 Ziff. 5.01). E-4001/2020 Seite 15 Es ist schliesslich nicht ersichtlich, inwiefern sich der Umstand, dass nicht dieselbe Person den Asylentscheid verfasst habe, die die Anhörung durch- geführt habe, nachteilig auf die Glaubhaftigkeitsprüfung ausgewirkt hätte; bezeichnenderweise wird auch nicht konkret vorgebracht, wo dieser Um- stand sich negativ ausgewirkt habe. Es erübrigt sich auf weitere Einwände in der Beschwerde und die eingereichten Beweismittel einzugehen; sie ver- mögen an der vorgenommenen Würdigung nichts zu ändern. 6. 6.1 In einem weiteren Schritt sind die geltend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe zu prüfen. Der Beschwerdeführer bringt vor, bei einer Rückkehr ins Heimatland aufgrund seiner Konversion, verbunden mit sei- ner missionarischen Tätigkeit, flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungs- massnahmen ausgesetzt zu werden. 6.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsland eine Gefährdungssituation erst ge- schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flücht- lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuch- lich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Das vom Gesetzgeber vor- gesehene Konzept, wonach das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgrün- den die Gewährung von Asyl ausschliesst, verbietet auch ein Addieren sol- cher Gründe mit Fluchtgründen, welche vor der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat entstanden sind und die für sich allein nicht zur Beja- hung der Flüchtlingseigenschaft und zur Asylgewährung ausreichen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis- sion [EMARK] 1995 Nr. 7 E. 7b und 8 S. 67 ff.; EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a S. 141 f., m.w.H.). 6.3 6.3.1 Hinsichtlich der Menschenrechtssituation im Iran , ist festzuhalten, dass diese schon seit geraumer Zeit in genereller Hinsicht als schlecht be- zeichnet werden muss. Jegliche Kritik am System der Islamischen Repub- lik und an deren Würdenträgern ist tabu. Auch die vorliegend interessie- rende Religionsfreiheit ist nicht gewährleistet. Das Judentum, das Chris- tentum und der Zoroastrismus geniessen zwar innerhalb des gesetzlichen Rahmens das Recht auf freie Ausübung ihrer religiösen Riten und Zeremo- nien und ihre Anhängerinnen und Anhänger dürfen sich in persönlichen und glaubensspezifischen Belangen gemäss ihren religiösen Vorschriften E-4001/2020 Seite 16 verhalten. Die diskrete und private Gla ubensausübung ist im Iran damit grundsätzlich möglich, auch wenn d ieser Grundsatz nicht nur im alltägli- chen Leben, sondern auch durch verschiedene Paragraphen des irani- schen Rechts durchbrochen wird. Christen werden im Iran insbesondere in wirtschaftlicher, beruflicher und sozialer Hinsicht diskriminiert, was auch deren Schlechterstellung in ehe-, erb- und strafrechtlichen Angelegenhei- ten zur Folge hat. Obwohl die offiziellen christlichen Kirchen im Iran gedul- det werden, sind zudem keine Hauskirchen erlaubt. 6.3.2 Allein der Übertritt vom muslimischen Glauben zum Christentum führt grundsätzlich noch zu keiner individuellen staatlichen Verfolgung im Iran. Eine christliche Glaubensausübung vermag gegebenenfalls dann flücht- lingsrechtlich relevante Massnahmen auszulösen, wenn sie in der Schweiz aktiv und sichtbar nach aussen praktiziert wird und im Einzelfall davon aus- gegangen werden muss, dass das heimatliche Umfeld von einer solchen aktiven, allenfalls gar missionierende Züge annehmenden Glaubensaus- übung erfährt. Missionierende Tätigkeit wird als Verstoss gegen allgemein geltende religiöse Grundprinzipien angesehen und als solche verfolgt. Da- bei richtet sich das Vorgehen der Sicherheitskräfte im Besonderen gegen Kirchenführer und gegen in der Öffentlichkeit besonders aktive Christen. Mit einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung durch den iranischen Staat ist mithin dann zu rechnen, wenn sich eine Person durch eine missi- onierende Tätigkeit exponiert und Aktivitäten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.1 ff. und Urteile des BVGer D-4795/2016 vom 15. März 2019 E. 6 m.w.H. und D-6142/2017 vom 20. Juni 2018 E. 7.3.3). 6.3.3 Die politische Betätigung für staatsfeindliche Organisationen im Aus- land ist im Iran unter Strafe gestellt. Einschlägigen Berichten zufolge wur- den in der Vergangenheit Personen verhaftet, angeklagt und verurteilt, die sich unter anderem im Internet kritisch zum iranischen Staat geäussert hat- ten. Es ist im Übrigen bekannt, dass die iranischen Behö rden die politi- schen Aktivitäten ihrer Staatsbürger im Ausland überwachen und erfassen. Mittels Einsatzes moderner Software dürfte es den iranischen Behörden auch möglich sein, die im Internet vorhandenen grossen Datenmengen ge- zielt und umfassend zu überwachen. Es ist im Einzelfall zu prüfen, ob die Aktivitäten einer asylsuchenden Person bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im flüchtlingsrechtlichen Sinn nach sich ziehen. Dabei ist davon auszugehen, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen E-4001/2020 Seite 17 konzentrieren, die über die massentypischen, niedrigprofilierten Erschei- nungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/ o- der Aktivitäten vorgenommen haben, welche die jeweiligen Personen aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausstechen und als ernsthafte und gefährliche Regimegegner erscheinen lassen. Zu einem ge- wissen Mass darf zudem davon ausgegangen werden, dass die iranischen Sicherheitsbehörden zwischen tatsächlich politisch engagierten Regime- kritikern und Exilaktivisten, die mit ihren Aktionen in erster Linie die Chan- cen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen, unterscheiden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-830/2016 vom 20. Juli 2016 E. 4.2 und E -5292/2014 vom 25. Februar 2016 E. 7.4 m.w.H). 6.4 6.4.1 Es stellt sich nun die Frage, inwiefern der Beschwerdeführer vor dem umschriebenen Länderhintergrund bei einer allfälligen Rückkehr ins Hei- matland aufgrund seiner Aktivitäten nach seiner Ausreise aus dem Iran ei- ner Verfolgung durch die iranischen Behörden ausgesetzt wäre. D er Be- schwerdeführer macht insbesondere geltend, bereits während seines Auf- enthaltes in C._______ und später in J._______ weitere Personen getauft zu haben, sich selbst weiter mit dem Christentum beschäftigt, Kampagnen auf sozialen Medien geführt sowie Schüler unterrichte t zu haben. Auch habe er Bibelversände in den Iran veranlasst und Personen vor Ort seien für ihn aktiv geworden, indem sie unter anderem Wände besprayt und Flyer verteilt hätten. Diese Aktivitäten führe er von der Schweiz aus fort. Hier besuche er auch regelmässig Gottesdienste verschiedener christlicher Ge- meinden. 6.4.2 Vorab ist festzustellen, dass der Behauptung des Beschwerdefüh- rers, er sei in C._______ seitens einer Person der Sepah bedroht worden, mit der Feststellung, er sei bis zur Ausreise aus dem Iran nicht in den Fokus der iranischen Behörden gelangt, weitestgehend die Grundlage entzogen ist. Es ist aber auch nicht anzunehmen, er sei aufgrund seiner Aktivitäten nach der Ausreise in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise in deren Fokus geraten. 6.4.3 Das Gericht bezweifelt, wie das SEM , nicht, dass der Beschwerde- führer seinen Glauben in der Schweiz ausübt. Wie erwähnt, führt der Über- tritt zum christlichen Glauben für sich alleine jedoch noch nicht zu einer staatlichen Verfolgung im Iran (vgl. oben E. 6.3.2 ; vgl. auch bestätig t u.a. in: DFAT Country Information Report - Iran - 14 April 2020; Ziff. 3.56 ff. , E-4001/2020 Seite 18 abgerufen 24. Februar 2021). Dies wird gar vom Beschwerdeführer selbst bestätigt, wenn er angibt, ein Christ werde allein aufgrund seines Glaubens nicht verfolgt im Iran, sondern nur, wenn er entsprechend Propaganda be- treibe; nur wegen seiner Propaganda sei er ausgereist (vgl. A23 F71f.). Damit ist gleichzeitig seinem Argument, für den Fall seiner Rückkehr sei alleine im Zusamm enhang mit seinem Bekenntnis zum Christentum von einem unerträglichen psychischen Druck auszugehen, die Grundlage ent- zogen. Warum das SEM sich ausdrücklich damit hätte befassen müssen ist nicht ersichtlich, und der entsprechende Rückweisungsantrag ist abzu- weisen. 6.4.4 Es ergibt sich sodann aus den eingereichten Beweismitteln, dass der Beschwerdeführer sich auch in der Schweiz für das Christentum, vorab im Rahmen evangelikaler Gemeinschaften, engagiert. So schreibt H._______ in seinen Unterstützungsschreiben , dass der Beschwerdeführer seit Be- ginn 2019 wöchentlich eine Kleingruppe besuche und hin und wieder den Sonntagsgottesdienst der Kirche P ._______ in Q._______, und dass er seit der Corona-Krise auch online an Treffen teilnehme. Von den Persisch spre- chenden Personen werde er zuweilen als Pastor angesprochen, da er im Iran eine Hauskirche geleitet habe. Dem Unterstützungsschreiben eines Pastors der I._______ vom 10. November 2019 ist einzig zu entnehmen, dass er Mitglied sei und die Gemeinde regelmässig besuche. Dem auf Be- schwerdestufe eingereichten Unterstützungsschreiben von N._______ ist schliesslich zu entnehmen, dass Pastor R._______ (G._______) in einem Gespräch die Ernsthaftigkeit langjährige missionarischen Tätigkeit des Be- schwerdeführers bestätigt, sowie diesen 2019 in S._______ getroffen zu haben, wobei der Pastor darin bestärkt worden sei, den Beschwerdeführer in seinen Aktivitäten zu unterstützen. Auch habe er erfahren, dass der Be- schwerdeführer seit einigen Monaten an einer Online-Bibelschule in T._______ eingeschrieben sei. Die mittels USB -Stick eingereichten Be- weismittel enthalten unter anderem zahlreiche Fotos und (fremdsprachige) Videos einer weiblichen Person mit Paketen voller Bücher (vermutlich Bi- beln), die auch in Einzelumschläge weiterverpackt werden, zahlreiche Fo- tos und Videos von einigen Personen, die in Badezimmern oder einem See getauft würden, Fotos von Zertifikaten, gezeichnet U._______, wonach die Absolvierung eines Einführungskurses zum Christentum bestätigt werde, Bilder eines Hotels drinnen und draussen, Ausdruck "mein Buch" (fremd- sprachig). Aus all diesen Beweismitteln ergibt sich zwar, dass der Beschwerdeführer möglicherweise Online-Kurse mit christlichem Inhalt abhält und auch Posts E-4001/2020 Seite 19 mit entsprechendem Inhalt auf verschiedenen sozialen Medien veröffent- licht und in Gruppen aktiv ist. Das von ihm geltend gemachte Ausmass sei- nes Engagements, dessen überdurchschnittliche Reichweite, aber insbe- sondere, dass die iranischen Behörden darin einen Angriff auf das Regime sehen würden, vermag er aber auch damit nicht glaubhaft zu machen. Da- ran ändert der Umstand, dass die Anzahl der eingereichten Fotos und Vi- deos hoch sei und ausserdem nur einem Zehntel entsprächen, noch nichts. Es kann an dieser Stelle zunächst auf die vo rinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. Gegen die Grösse und den Umfang seines Netzwerkes und seiner Reichweite spricht auch, wie bereits dargelegt, dass er trotz der angeblich "grössten Predigerkampagne der Welt" zu keinem seiner 25 bis 30 iranischen Täuflingen mehr Kontakt haben will. Den beigebrachten Vi- deos und Fotos betreffend angeblichen Versand und Verteilung von Bibeln in den Iran ist sodann auch nichts zu entnehmen, was überhaupt mit dem Beschwerdeführer in Zusammenhang gebracht werden könn te. Dasselbe gilt für die Videos von Personen, die Wände bemalen. Die verteilten Kleber und Zettel verweisen zwar au f seine Profile in den sozialen Medien, auf diesen verwendet er aber immer sein Pseudonym. Schliesslich ist erneut darauf hinzuweisen, dass ihm nicht geglaubt wird, dass seine Familienan- gehörigen im Iran nach seiner Ausreise durch die iranischen Behörden be- helligt worden sind. Er macht auch nicht geltend, seine Anhänger, die im Iran für ihn Flyer verteilt und aufgeklebt sowie Wände bemalt hätten, seien irgendwie belangt beziehungsweise verfolgt oder auch nur zu ihm befragt worden, obwohl diese offensichtlich nicht sehr vorsichtig vorgegangen sind. Soweit der Beschwerdeführer schliesslich geltend macht, sein E-Mail- konto sei gehackt worden, vermutet er nur, dies seien die iranischen Be- hörden gewesen (vgl. A23 F84). Den eingereichten diesbezüglichen Doku- menten ist zum einen einzig ein Hacking -Versuch zu entnehmen und es kann zum andern der Meldung kein Zusammenhang zu seinem Konto ent- nommen werden. Wie bereits dargelegt, ist nur dann mit der notwendigen hohen Wahr- scheinlichkeit von ernsthaften Nachteilen in naher Zukunft, das heisst von einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG durch iranischen Staat auszu- gehen, wenn der Glaubenswechsel aufgrund aktiver oder missionierender Tätigkeiten bekannt wird und zugleich Aktivitäten des Konvertiten vorlie- gen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden. Der Beschwerdeführer war weder vor seiner Ausreise noch nachher politisch gegen das iranische Re gime aktiv. Es ist nicht davon auszugehen, dass seine Tätigkeit inhaltlich und vom Ausmass her die Aufmerksamkeit der ira- nischen Behörden erregen dürfte. Selbst wenn sie aber tatsächlich auf ihn E-4001/2020 Seite 20 aufmerksam würden, ist nicht mit der notwendigen Wahrscheinlichkeit da- von auszugehen, sie sähen in seinen Tätigkeiten einen Angriff auf das ira- nische Regime. Es ist eher anzunehmen, sie würden davon ausgehen, er versuche mit seinen Aktionen in erster Linie die Chance auf Erlangung ei- nes Aufenthaltsrechts in der Schweiz zu verbessern (vgl. E. 6.3.3). Es er- übrigt sich, auf weitere Vorbringen oder Beweismittel einzugehen, zumal sich der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit allfälligen subjektiven Nachfluchtgründen auf Beschwerdestufe im Wesentlichen darauf be- schränkt, pauschal zu behaupten, Konvertiten würden vom iranischen Re- gime als westliche Spione angesehen und deshalb verfolgt, was in dieser Allgemeinheit offensichtlich nicht zutrifft, und auch nicht in Bezug auf den Beschwerdeführer. 6.5 Das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen ist somit zu vernei- nen. 7. Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer weder zum Zeitpunkt seiner Ausreise noch zum heutigen Zeitpunkt oder in absehbarer Zukunft in begründeter Weise droht, aufgrund seiner Konversion oder wegen seinen missionarischen Ak- tivitäten in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise in seinem Heimatland ver- folgt zu werden. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). E-4001/2020 Seite 21 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und a ndere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter E-4001/2020 Seite 22 oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Dies ist ihm nicht gelungen. Auch der EGMR sieht in der all- gemeinen Menschenrechtssituation im Iran per se kein Abschiebungshin- dernis (vgl. EGMR, A. vs. Switzerland vom 19. Dezember 2017, Nr. 60342- 16). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.4.1 Im Iran herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückk ehr generell unzumutbar wäre (vgl. statt vieler zuletzt Urteil des BVGer E -3673/2018 vom 10. De- zember 2020 E. 8.4.1). 9.4.2 In Bezug auf die individuellen Gründe, die gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen könnten, kann der Argumentation der Vorinstanz vollumfänglich gefolgt werden. Der Beschwerdeführer ist jung und macht nicht geltend, akute gesundheitliche Probleme zu haben, die nicht gegebenenfalls auch im Iran behandelt werden könnten. Er hat eine gute Ausbildung absolviert und verfügt über mehrjährige Arbeitserfahrung (vgl. A8 Ziff. 1.17.04 f., A23 F25 ff.). Grössere finanzielle Probleme hat er nicht geltend gemacht. Es ist davon auszugehen, dass er nach seiner Rückkehr wieder eine Arbeit finden und für seinen Lebensunterhalt sorgen kann. Ausserdem leben seinen Angaben gemäss seine Ehefrau, seine El- tern, seine zwei Schwestern und weitere Verwandte im Iran (vgl. A8 Ziff. 2.02, Ziff. 3.01, A23 F15 –24.). Die vorgebrachte Scheidung sei nur zum Schutz der Ehefrau erfolgt. Er verfügt somit über ein solides und tragbares Beziehungsnetz, das ihn bei der Rückkehr unterstützen kann. 9.4.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. E-4001/2020 Seite 23 9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 -3 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). D ie Beschwerde konnte im Zeitpunkt ihrer Einreichung jedoch nicht als aussichtslos be- trachtet werden und aufgrund der Fürsorgebestätigung vom 30. Juli 2020 ist von der Mittellosigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Davon kann auch nach der vor kurzem aufgenommenen Tätigkeit als Küchenhilfe – welche einem Eintrag im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) zu entnehmen ist – noch ausgegangen werden. Folglich sind in Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG keine Kosten zu erheben. Mit vorliegen- dem Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses sodann gegenstandslos. 11.2 Nachdem der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung gutgeheissen wurde und das Bundesverwaltungsgericht nach aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG der asylsuchenden Person, welche von der Be- zahlung der Verfahrenskosten befreit wurde, auf Antrag eine amtliche Rechtsbeiständin oder einen amtlichen Rechtsbeistand beste llt, ist auch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gutzuheissen und antragsgemäss lic. iur. Monika Böckle als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers einzusetzen. Ihr ist ein amtliches Honorar zu entrichten. E-4001/2020 Seite 24 Bei amtlicher Vertretung geht das Bundesverwaltungsgericht in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die Rechtsvertreterin hat in der Beschwerdeeingabe die Nachreichung ei- ner Kostennote in Aussicht gestellt. Bis zum heutigen Datum wurde diese jedoch nicht eingereicht. Auf eine entsprechende Nachforderung kann in- des verzichtet werden, da der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Akten zuverlässi g abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren ist ein amtliches Honorar von insgesamt Fr. 950.– (inkl. Auslagen) als an- gemessen zu veranschlagen und vom Bundesverwaltungsgericht auszu- richten. Es umfasst keinen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE. (Dispositiv nächste Seite) E-4001/2020 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das Gesuch um amtliche Verbeiständung wird gutgeheissen. Frau lic. iur. Monika Böckle wird als amtliche Rechtsvertreterin beigeord- net. 4. Frau lic. iur. Monika Böckle wird ein amtliches Honorar von Fr. 950.– zuge- sprochen, das ihr vom Bundesverwaltungsgericht ausgerichtet wird. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Esther Marti Regina Seraina Goll Versand: