B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Abteilung V E-5308/2009 U r t e i l v o m 8 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______, Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Juli 2009 / N (…). E-5308/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer , ein srilankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, reichte am 3. Juli 2007 bei der schweizerischen Vertretung in C o- lombo ein schriftliches Asylgesuch ein. Mit Eingaben vom 27. August 2007 sowie vom 18. September 2007 legte er – auf Aufforderung der Ver- tretung – seine Asylgründe dar und reichte verschiedene Dokumente ein (Kopien von Todesscheinen zweier Onkel väterlicherseits , Kopie des Passes sowie beglaubig te Kopien der Todesscheine der Eltern, seinen Geburtsschein, seine Identitätskarte, eine Bestätigung seiner Festnahme, ein Gerichtsdokument bezüglich seine r Festnahme [alle mit englischer Übersetzung]). Mit Schreiben vom 31. Juli 2008 teilte die schw eizerische Vertretung dem BFM mit, der Beschwerdeführer sei nicht auf der Botschaft befragt wo r- den, da er im Gesuch keine ernsthafte Bedrohung seines Lebens inne r- halb des letzten Jahres geltend mache. B. Gemäss eigenen Angaben verl iess der Beschwerdeführer Sri Lanka am 13. November 2007 . Über Katar und Italien reiste er am 15. November 2007 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Au f- grund seiner Schreiben an die Vertretung in Colombo sowie der Kurzbe- fragung vom 27. November 2007 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ und der An hörung vom 25. Januar 2008 zu den Asy l- gründen machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er habe im Mai 2005 nach Colombo fliehen müssen, da er von den Lib e- ration Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zwangsrekrutiert worden sei. Von den Sicherheitskräften in Colombo werde er verdächtigt, den LTTE anzugehö- ren, da er eine ID -Karte mit einer Adresse im Vanni -Gebiet habe. In der Zeit, als er im Vanni-Gebiet gelebt habe, habe er einen Laden geführt und den LTTE Nahrungsmittel an die Kriegsf ront gebracht. Er habe an der Front auch Fotos gemacht, könne dies e aber nicht beibringen, da seine Schwester sich aus Angst vor Konsequenzen weigere, ihm diese zu schi- cken. Alle Post aus dem Vanni -Gebiet werde kontro lliert. Er sei am (…) bei einer Kontrolle in C._______, Colombo, zusammen mit insgesamt 450 Tamilen verhaftet worden. Er und sechs weitere seien wegen des Ver- dachts, den LTTE anzugehören, festgehalten und zum Polizeiposten in C._______ gebracht wo rden, während die anderen freigelassen worden seien. Er sei während vier Tagen im Gefängnis festgehalten und von elf E-5308/2009 Seite 3 Personen befragt worden. Am vierten Tag sei er zum Bezirksgericht g e- bracht worden, wo er durch einen von seinem Schwager beauftragten Anwalt vertreten und gegen Bezahlung freige kommen sei, unter der B e- dingung, dass er sich einmal im Monat melde . Dass er nicht misshandelt und freigelassen worden sei, liege daran, dass seine Verwandten mit dem Minister D._______ (damals noch Parlamentsvertreter) Kontakt auf ge- nommen hätten. Anlässlich des folgenden Gerichtstermins vom Mai 2006 sei das Verfahren gegen ihn eingestellt worden. Er sei dabei von der Pol i- zei aufgefordert worden, sich nicht weiter in Colombo aufzuhalten. De s- halb habe er sich danach fast nur noch im Haus seiner Tante in Colombo und im Laden seines Cousins, wo er gearbeitet habe , aufgehalten und habe sich so wenig wie möglich auf der Strasse sehen lassen. Eines Nachts, im Mai 2007 , hätten die Sicherheitskräfte alle Tamilen aufgefo r- dert, Colombo zu verlassen, und auch einige Tamilen unter Zwang a bge- führt. Am folgenden Tag sei er auf dem Weg vom Laden seines Cousin s zu seiner Tante von einem Beamten des Criminal Investigation Depar t- ments (CID) angehalten und befragt worden, weshalb er sich immer noch in Colombo aufhalte , obschon er aufgefordert worden sei, die Stadt zu verlassen. Daraufhin habe er unverzüglich ein Visum für Indien beantragt und sein Onkel habe ein Flugticket organisiert. Er sei am nächsten Tag nach Indien geflogen, wo er bis am 24. Aug ust 2007 geblieben sei. Nach seiner Rückkehr habe er im Lebensmittelladen eines (anderen) entfernten Cousins gearbeitet. Im November 2007 sei ein CID -Beamter beim zuerst erwähnten Cousin erschienen, um die Adresse des Beschwerdeführers zu erfahren. Deshalb sei er untergetaucht und habe sich während ung e- fähr einer Woche bei einem weiteren Cousin in E._______ versteckt gehalten, während sein Onkel seine Ausreise vorbereitete habe. Nach seiner Ausreise in die Schweiz seien Leute zu den Häusern seiner beiden Tanten gegang en und hätten jeweils das ganze Haus nach ihm durc h- sucht. Bei einem Onkel sei ebenfalls nach ihm gefragt worden. Auch sein Cousin, der dem CID-Beamten seine Adresse nicht habe angeben wollen, habe wegen ihm Probleme bekommen und könne deshalb ni cht mehr nach Hause gehen. Er wisse nicht, wo sich dieser nun aufhalte. Am 3. Dezember 2007 reichte der Beschwerdeführer zwei Schreiben der Schweizerischen Botschaft vom 6. u nd 30. August 2007, Gerichtsakten mit englischer Übersetzu ng, den Todesschein der Mutter, einen Auszug aus dem Todesregister sowie fünf Zeitungsartikel zu den Akten. Im Rah- men der Anhörung vom 25. Januar 2008 brachte er seine Identitätskarte, einen Todesschein der Mutter sowie die Übersetzung eines Auszugs aus dem Geburten- und Todesregister als Beweismittel bei. E-5308/2009 Seite 4 C. Mit Verfügung vom 21. Juli 2009 (eröffnet am 24. Juli 2009 ) lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Die Vorinstanz b e- gründete den ablehnenden Asylentscheid damit, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) sowie je- nen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten würden. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und mö g- lich. Für die detaillierte Begründung wird, soweit wesentlich, auf die E r- wägungen verwiesen. D. Mit Beschwerde vom 2 4. August 2009 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdefürer die Aufhebung der vorinstanzlichen Ver- fügung und die Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz, eventuali- ter die Gutheissung des Asylgesuchs, subeventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. E. Mit Zwischenverfügung vom 27. August 2009 stellte die Instruktionsrichte- rin den legalen Aufenthalt des Beschwerdeführers während des Verfa h- rens fest und erhob einen Kostenvorschuss , welcher am 3. September 2009 fristgerecht geleistet wurde. F. Mit Eingabe vom 6. September 2009 reichte der Beschwerdeführer zum Beweis, dass er kein Beziehungsnetz mehr habe in Colombo eine indi- sche Wohnsitzbestätigung seiner Tante vom 2. März 2009 zu den Akten. G. Mit Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2011 machte die Instruktions- richterin die Vorinstanz auf das Grundsatzurteil vom 27. Oktober 2011 (E-6220/2006) betreffend die Sicherheitslage und die humanitäre Situati- on in Sri Lanka aufmerksam und setzte Frist zur Stellungnahme. H. Mit Vernehmlassung vom 30. Dezember 2011 hielt da s Bundesamt an seiner Verfügung vollumfänglich fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. E-5308/2009 Seite 5 I. Mit Replik vom 26. Januar 2012 ergänzte der Beschwerdeführer seine Rechtsmitteleingabe. Auf den Inhalt und die eingereichten Beweismittel (Fotos vom I._______-Gedenktag vom 22. Januar 2012, Zeugnis des A r- beitsgebers) wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM g e- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu ndesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-5308/2009 Seite 6 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ern sthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträgli chen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erli t- ten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinli chkeit und in a b- sehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund b e- stimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/ 4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subs i- diarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). 3.2. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind des - halb zugunsten und zulasten der das Asylges uch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f.; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 2 E. 8a S. 20; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländer recht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 3.3. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den E-5308/2009 Seite 7 Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Grundsätzlich sind die Vorbringen eines Gesuchstellers dann glaubhaft, wenn sie genü - gend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erschei - nen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorb ringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegen - satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durch - aus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Ge - suchstellers. En tscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asy l- suchenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 4. 4.1. Die Vorinstanz begründet e ihren ablehnenden Asylentscheid damit, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand, teilweise au f- grund mangelnder Intensität, teilweise da sie den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht genügten . So stelle die viert ä- gige Haft vom (…), die mit einer Freilassung geendet habe, und aus der dem Beschwerdeführer in der Folge anscheinend keine weiteren Nachte i- le erwachsen seien, keinen ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG dar. Da die Furcht vor weiteren Verfolgungsmassnahmen nicht begründet werde , sei dieses Vorbringen unter Berücksichtigung der b e- stehenden Akten unbeachtlich und es sei nicht weiter darauf einzugehen . Die Ausführungen des Beschwerdeführers, er sei aufgefordert worden, Colombo zu verlassen, g ingen mit namhaften Unstimmigkeiten einher und seien deshalb nicht glaubhaft. So habe der Beschwerdeführer an e i- ner Stell e zu Protokoll gegeben, er sei von Sicherheitskräften bedrängt worden, Colombo zu verlassen ; an einer anderen habe er angegeben, er wisse nicht, ob es Polizeibeamte, Angehörige des Geheimdienstes oder Zivilisten gewesen seien. Weiter führe er einmal aus, e in Beamter des E-5308/2009 Seite 8 Geheimdienstes habe ihm die Identitätskarte abgenommen und nicht mehr zurückgegeben, während er an einer an deren Stelle darlege, die Identitätskarte gegen Bestechung wieder zurückerhalten zu haben . Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei vom Geheimdienst beschuldigt worden, sich als LTTE -Anhänger in Colombo aufzuhalten, weswegen er die Stadt habe verlassen müsse n, widerspreche den gesicherten E r- kenntnissen des BFM und sei somit tatsachenwidrig. Wäre er tatsächlich während des Aufenthalts in Colombo von den srilankischen Behörden der LTTE-Angehörigkeit verdächtigt worden, so wären strenge Massnahmen gegen ihn ergriffen worden und ihm wäre nicht ohne Weiteres von den srilankischen Behörden in Colombo im Januar 2007 ein Reisepass au s- gestellt worden. Schliesslich erstaune, dass der Beschwerdeführer im Jahre 2007 nach Indien ge reist sei und nach drei Monate n problemlos wieder nach Colombo habe zurückkehren können, obwohl er dort ange b- lich zuvor behördliche Schwierigkeiten gehabt habe. 4.2. In seine r Rechtsmitteleingabe entgegnet e der Beschwerdeführer , seine Aussagen seien sehr wohl glaubhaft und beim von der Vorinstanz aufgezeigten Widerspruch bezüglich seiner Identitätskarte handle es sich um einen Scheinwiderspruch. Den Umstand, dass er verdächtigt worden sei, LTTE-Anhänger zu sein , und deshalb aufgefordert worden sei, C o- lombo zu verlassen, aber offenbar keine strengen Massnahmen gegen ihn ergriffen worden seien, erklärte der Beschwerdeführer damit, dass zu diesem Zeitpunkt offensichtlich keine eind eutigen Be weismittel vorgel e- gen hätten. Weiter argumentierte der Beschwerdeführer, a us seinem Auf- enthalt in Indien lasse sich ebenfalls nichts zu seinen Ungunsten ableiten. Ausserdem führte er auf Beschwerdeebene aus, er habe nach seiner Zwangsrekrutierung durch die LTTE nicht nur von (…) bis (…) das Trai- ning absolviert, sondern in der Folge auch an verschiedenen Kampfeinsätzen teilgenommen, beispielsweise sei er zusammen mit 250 Personen in F._______ bei Bodengefechten eingesetzt worden. Auch bei der Eroberung G._______ durch die LTTE sei er bei den anschliessenden Gefechten zwischen der srilanki schen Armee (SLA) und den LTTE dabei gewesen. Er habe die LTTE in der Folge verlassen wollen, was aber nicht akzeptiert worden sei. Diese Aktivitäten habe er bei der Befra gung nicht angegeben, da ihm Landsleute gesagt hätten, dies e hätten die sofortige Ablehnung seines Asylgesuchs zur Folge. Da die srilankischen Siche r- heitskräfte die tamilische Bevölkerung und zahlreiche Personen in den geschlossenen Flüchtlingslagern deta illiert über frühere Aktivitäten der LTTE befragen würden, hätten die Sicherheitskräfte mit grosser Wah r- scheinlichkeit von der Mitgliedschaft des Beschwerdeführers bei den E-5308/2009 Seite 9 LTTE Kenntnis erhalten. Er habe deshalb mit einer staatlichen Verfolgung aufgrund seiner früheren LTTE -Tätigkeit zu rechnen. Diese Gefahr sei nach wie vor aktuell. Da das BFM – zum Teil wegen des Aussageverhal- tens des Beschwerdeführers – den Sachverhalt nur ansatzweise aufg e- nommen habe und diese n in verschiedener Hinsicht falsch und unang e- messen interpretiert habe, dränge sich eine Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz auf. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren. 4.3. In seiner die Abweisung beantragenden Vernehmlassung vom 30. Dezember 2011 verwies das Bundesamt vollumfänglich auf seine bi s- herigen Standpunkte und Erwägungen. 4.4. In seiner Replik vom 26. Januar 2012 wiederholt e der Beschwerde- führer kurz seine Asylgründe und machte geltend, er habe längere Zeit im Vanni-Gebiet gelebt, und auch auf seiner Identitätskarte sei eine Adresse im Vanni -Gebiet, H._______, vermerkt. Dies deute zusätzlich auf eine LTTE-Mitgliedschaft hin. Ausserdem würden seine exilpolitischen Täti g- keiten die Verfolgungsgefahr verstärken, so habe er unter anderem an Demonstrationen in Bern und Genf teilgenommen sowie am (…) am tradi- tionellen Gedenktag von I._______. Ferner sei darauf hinzuweisen, dass er mit Ausnahme seiner Schwester in J._______ über keine Verwandten in Sri Lanka mehr verf üge. In der Schweiz sei er demgegenüber sozial und beruflich gut integriert. Als Beweismittel reicht e er vier Fotografien der erwähnten Gedenkfeier sowie ein Zwischenzeugnis seines Arbeitg e- bers vom 19. Januar 2012 zu den Akten. 5. 5.1. Das Bundesverwaltungsg ericht gelangt zur Erkenntnis, dass die in der angefochtenen Verfügung (dort E. I) getroffene Würdigung der Asy l- vorbringen des Beschwerdeführers den Ansprüchen gemäss Gesetz und Praxis genügt. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die einläss- lichen vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. Die Vorinstanz ist insbesondere in ihrer Feststellung zu stützen, wonach nicht glaubhaft sei, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2007 nach seinem dreimonatigen Aufenthalt in Indien wieder problemlos nach Colombo hätte zurückkehren können, wenn er dort tatsächlich behördliche Schwierigkeiten gehabt hät- te. Weiter ist dem BFM zuzustimmen, dass das vom Beschwerdeführer geschilderte Verhalten der Behörden – er sei vom Geheimdienst beschu l- digt worden, sich als LTTE -Anhänger i n Colombo aufzuhalten und de s-E-5308/2009 Seite 10 halb aufgefordert worden, die Stadt zu verlassen – nicht dem sonst b e- kannten Vorgehen der srilankischen Behörden entspricht. Vielmehr wäre zu erwarten, dass gegen der LTTE-Angehörigkeit verdächtigte Personen, die sich im Ra um C olombo aufhalten, strenge Massnahmen ergriffen würden. Die Ausstellung eines Reisepasses durch die Behörden im Ja- nuar 2007 spricht ebenfalls gegen die Glaubhaftigkeit beziehungsweise Asylrelevanz seiner Vorbringen. Bezüglich der in der Beschwerde geltend gemachten Vorbringen betreffend LTTE -Tätigkeiten des Beschwerdefü h- rers ist darauf hinzuweisen, dass er diese weder im Rahmen des Bo t- schaftsverfahrens noch anlässlich der Befragung zur Person oder der Anhörung zu den Asylgründen erwähnt hat , obwohl er ausdrü cklich nach LTTE- beziehungsweise politischen Tätigkeiten gefragt wurde (vgl. v o- rinstanzliche Akten A16 S. 19, A1 S. 10). Die neuen Vorbringen werden in der Beschwerde überdies nur sehr summarisch umschrieben, was mit Übersetzungsproblemen begründet wird. Die verspätete Geltendmachung begründet der Beschwerdefüh rer damit, Landsleute hätten ihm gesagt, diese Vorbringen hätten die sofortige Ablehnung seines Asylgesuchs zur Folge. Diese Erklärung vermag jedoch nicht zu überzeugen, zumal er spätestens bei der A nhörung, welche zwei Monate nach der Befragung zur Person stattfand, hätte wissen müs sen, dass dies nicht zutr ifft. Dazu kommt, dass er mehrmals auf seine Wahrheits - und Mitwirkungspflicht aufmerksam gemacht wurde und ihm alle seine Aussagen rückübersetzt wurden, was er mit seiner Unterschrift bestätigt hat. Demzufolge müssen die erstmals in der Rechtsmitteleingabe gemachten Ausführungen als nachgeschoben und unglaubhaft qualifiziert werden. Nach dem Gesagten sind die vom BFM vorgenommene Feststellung des Sachverhalts und dessen Würdigung insgesamt nicht zu beanstanden, weshalb weder eine Neubeurteilung der vorgebrachten Asylgründe noch eine weit ere Befr a- gung erforderlich sind, und das entsprechende Begehren d es Beschwer- deführers abzulehnen ist. Im Übrigen ist festzuhalten, dass die eingereichten Beweismittel in keiner Weise geeignet sind, eine andere als die soeben getroffene Ein schätzung herbeizuführen. So sind die Beweismittel zur familiären Situation des Be- schwerdeführers (Todesscheine, Auszüge aus Geburts - und Todesregis- ter) betreffend Flüchtlingseigenschaft nicht rele vant. Die Vorbringen betreffend die Festnahme und Inhaftierung des Beschwerdeführers im Jahre (…) wurden von der Vorinstanz zutreffend als n icht asylrelevant qualifiziert, weshalb auf eine Prüfung der diesbezüglichen Beweismittel verzichtet werden kann, und auf die beim BFM eingereichten Zeitungsb e- richte ist ebenfalls nicht weiter einzugehen, da deren Inhalt in keinem d i-E-5308/2009 Seite 11 rekten Bezug zu der vom Beschwerdeführer geschilderten Gefährdung s- situation steht. 5.2. Seit Erlass der angefochtenen Verfügung vom 7. April 2009 hat sich die allgemeine Lage in Sri Lanka massgeblich verändert. Nach Beendi - gung des militärischen Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 ist von einer inzwischen erheblich verbesserten Lage in Sri Lanka auszugehen. Militärisch gelten die LTTE als vernichtet. Die Sicherheitslage hat sich in bedeutsamer Weise stabilisiert, auch wenn sich das Land immer noch in einem Entwicklungsprozess befindet. Die Menschenrechtslage hat sich allerdings namentlich hinsichtlich der Me i- nungsäusserungs- und der Pressefreiheit verschlechtert. Politisch Opp o- sitionelle jeglicher Couleur werden seitens der Regierung als Staatsfeinde betrachtet und müssen mit entsprechenden Verfolgungsmassnahmen rechnen (vgl. das zur Publikation bestimmte Urteil E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 7) und es bestehen verschiedene Risikogruppen, welche auch nach Beendigung des Krieges verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen beziehungsweise gestanden zu haben. Auch unabhängige Journalisten beziehungsweise regierungskritische Me - dienschaffende haben ein erhöhtes Risikoprofil. Im Weiteren ist bei Op - fern und Zeugen von Menschenrechtsverletzun gen und Personen, die entsprechende Übergriffe behördlich angezeigt haben, mit erhöhter Ve r- folgungsgefahr zu rechnen. Ausserdem laufen abgewiesene tamili sche Asylsuchende aus der Schweiz unter Umständen Gefahr, bei der Rüc k- kehr behördlich belangt zu werde n, weil ihnen Kontakte zu führen den LTTE-Kadern in der Schweiz unterstellt werden. Wegen drohender E r- pressung, Kidnapping und anderen Verfolgungshandlungen bilden schliesslich Personen, welche über be trächtliche finanzielle Mittel verfü - gen, eine weitere Risikogruppe. Bei allen Personen, die dieser Risiko - gruppe angehören, muss allerdings bei der Prüfung der Flüchtlingseigen - schaft das Motiv der jeweiligen Verfolgungshandlungen sorgfältig unter - sucht werden. (vgl. Urteil E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 8). Zufolge seiner nicht glaubhaften beziehungsweise nachgeschobenen Aussagen hinsichtlich seiner Tätigkeit für die LTTE kann nicht davon aus- gegangen werden, der Be schwerdeführer habe b ei seiner Ausreise im Jahre 2007 dieser militanten tamilischen Reb ellenorganisation angehört. Anhaltspunkte dafür, dass er verdächtigt werden könnte, mit den LTTE respektive einem ranghohen Mitglied der LTTE in Verbindung gestanden zu haben, liegen – wie in den obigen Erwägungen dargestellt – ebenfalls keine vor. Die Ver fahrensakten lassen auch nicht darauf schliessen, der E-5308/2009 Seite 12 Beschwerdeführer habe während seines Aufenthaltes in der Schweiz n a- he Kontakte zu den LTTE respektive einem LTTE -Kader unterhalten. Die angebliche Teilnahme an Demonstrationen in Bern und Genf und an ei- nem – gemäss den Fotos eher im kleineren Rahmen gefeierten – Ge- denkfest an I._______ vom vergangenen Januar vermag eine Annahme solcher Kontakte nicht zu begründen. Auch sonst gehört der Beschwerde- führer keiner Risikogruppen an. Er ist seinen Angaben zufolge in Sri Lan- ka nicht politisch tätig gewesen, stammt nicht aus einer politisch aktiven Familie und wurde nie verurteilt. Es ist demnach nicht davon auszugehen, dass er von den srilankischen Sicherheitskräften oder von paramilitär i- schen Gruppierungen landesweit gesucht wird beziehungs weise in Z u- kunft verfolgt würde. Alleine der Umstand, dass er seit etwas mehr als vier Jahren landesabwesend ist und in der Schweiz ein Asylgesuch ei n- gereicht hat, vermag seine Flüchtlingseigenschaft e benfalls nicht zu b e- gründen. 5.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ke i- ne Gründe nach Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen vermag. Das BFM hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 6. 6.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). 7. 7.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bund esamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). E-5308/2009 Seite 13 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfall s wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, a.a.O, Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittst aat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.1. Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwe r- deführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG veran- kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegend en Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den He i- matstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i-E-5308/2009 Seite 14 sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). 7.2.2. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat sich wiederholt mit der Gef ahr einer EMRK-widrigen Behandlung für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen , befasst (vgl. E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 10.4.2 mit weiteren Hinweisen). Der Gerichtshof unterstreicht da bei, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehren den Tamile n drohe u n- menschliche Behandlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich in s- gesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die B ehörden hätten an seiner Fes t- nahme und Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühere Registrie- rung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE -Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheit s- kräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka vo n London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE -Fi- nanzmittelbeschaffungszentrum gelte, das Fehlen von ID -Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Ver - wandtschaft mit einem LTTE -Mitglied. Gleichzeitig hält der EGMR fest, dass dem Umstand gebührende Beachtung geschenkt werden müsse, dass diese einzelnen Faktoren, für sich alleine betrachtet, möglicherweise kein "real risk" darstellten, jedoch bei einer kumulativen Würdigung diese Schwelle erreicht sein könnte, nament lich unter der weiteren Berücksic h- tigung der aktuellen, gegebenenfalls erhöhten, Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der im Lande herrschenden allgemeinen Lage. 7.2.3. Was die Prüfung derartiger Risikofaktoren betreffend de n Be- schwerdeführer anbelangt, kann an die ser Stelle – zwecks Vermeidung von Wiederholungen – auf die vorangegangenen Erwägungen verw iesen werden, aus welchen sich ergibt, dass er keiner Risikogruppe zu zurech- nen ist. Weder die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka noch individuelle Fakto ren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers lassen demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwe i-E-5308/2009 Seite 15 sung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Besti m- mungen zulässig. 7.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefähr det sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1. In der angefochtenen Verfügung vom 21. Juli 2009 hielt das BFM zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges im Wesentlich en fest, der dem Bürgerkrieg zu grunde liegende Konflikt bleibe auch nach Beend i- gung des Krieges zwischen der srilankischen Regierung und den LTTE im Mai 2009 vorerst ungelöst. Da sich zudem die Sicherheits - und Me n- schenrechtslage namentlich im Norden aber auch im Osten des Landes nicht massgeblich verändert habe, erscheine der Vollzug der Wegwe i- sung des Beschwerdeführers in den Norden Sri Lankas als unzumutbar. Gestützt auf die Niederlassungsfreiheit könne er jedoch in einem anderen Teil des Landes – beispielsweise im Grossraum Colombo – Wohnsitz nehmen. Zwar gebe es dort sehr strenge Sicherheitskontrollen, es sei aber davon auszugehen, dass sich die Sicherheitslage mit Beendigung des Krieges stabilisieren und allmählich verbessern werde. Insgesamt bestehe i m Süden und Westen des Landes keine Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. Der Beschwerdeführer habe sich die letzten zweieinhalb Jahre bis zu seiner Ausreise im Raum C o- lombo aufgehalten, ohne dass er dort behördliche Probleme gehabt habe. Er habe dort mehrere Verwandte von denen er unterstützt werde. Er ve r- füge ausserdem über entsprechende Kenntnisse des Singhalesischen. Deshalb erachte das BFM den Vollzug der Wegweisung als zumutbar. 7.3.2. Seit Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der srilankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 hat sich die allgemeine Lage in Sri Lanka erheblich verbessert. Die Situation in der Ostprovinz hat sich wei t- gehend stabilisiert und normalisiert, so dass der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprov inz als grundsätzlich zumutbar zu erac h- ten ist (vgl. Urteil E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz von Sri Lanka ist indes differenziert zu betrach ten, da sich die Situation gebietsweise sehr unterschiedlich präsentiert. So ist in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierungskon trolle stehen, das heisst in den Distrikten Jaffna und in den südlichen Teilen der E-5308/2009 Seite 16 Distrikte Vavuniya und Mannar, der Alltag eingekehrt. Eine Rückkehr in die Nordprovinz – mit Ausnahme des Vanni-Gebiets – wird demnach nicht als generell unzumutbar eingestuft. Angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber beim Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zurückhaltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf. Nebst der allg e- meinen Zumutbarkeit (u.a.: sozioökonomische und medizinische As pekte etc.), ist dabei auch dem zeitlichen Element gebüh rend Rechnung zu tr a- gen. Liegt der letzte Aufenthalt der betref fenden Person in der Nordpr o- vinz längere Zeit zurück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben können, sind die akt uell vorliegenden Le bens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutbar keit des Wegweisungsvollz u- ges hin zu überprüfen. In diesem Zusammen hang erscheinen namentlich die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkreten Mö g- lichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation als massgebliche Faktoren. Falls solche begünstigenden Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im Übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. Ur teil E -6620/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2.1). 7.3.3. Der heute (…) jährige, gemäss Akten gesunde Beschwerdeführer wurde eigenen Angaben zufolge in K._______ geboren. (…), im Alter von 16 Jahren, sei er m it der Familie ins Vanni -Gebiet gezogen, wo er bis im Mai 2005 gelebt habe. Danach habe er bis zu seiner Ausreise in Colombo gelebt. Da der Wegweisungsvollzug ins Vanni -Gebiet als generell unz u- mutbar gilt, ist vorerst zu prüfen, ob der Vollzug nach K._______ zumut- bar ist. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise auf ein familiäres Netz in diesem Gebiet. Da der Besch werdeführer ausserdem seit 16 Jah- ren nicht mehr dort gelebt hat und keine Hinweise für das Vorliegen ko n- kreter Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und d er Wohnsituation sprechen, kann nicht davon ausgegangen werden, dass er dort über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügt. Der Wegweisungsvol l- zug nach K._______ erweist sich somit als unzumutbar. Es ist deshalb die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative in Colombo, wo sich der Beschwerdeführer während zweieinhalb Jahren vor seiner Ausreise aufgehalten hat, zu prüfen. E-5308/2009 Seite 17 Anlässlich der Befragung zur Person gab er an, neben einer Schwester in J._______ über zwei Tanten in Colombo zu verfügen. Aus seinen Schilde- rungen ergibt sich ferner, dass er dort auch über mehrere Cousins und weitere Bekannte verfügt. Eigenen Angaben zufolge hat er in Colombo im Lebensmittelladen eines Cousins gearbeitet und auch in der Schweiz hat er eine berufliche Tätigkeit ausgeübt. Er ver fügt somit über Berufserfah- rung. Zwar macht der Beschwerdeführer geltend, seine Tante in Colombo, bei welcher er gelebt habe, sei inzwischen nach Indien ausgereist. Als Beleg reichte er am 6. September 2009 die Faxkopie einer indischen Wohnsitzbestätigung dieser Tante zu den Akten; das in Aussicht gestellte Original wurde jedoch bis heute nicht nachgereicht. Selbst wenn ange- nommen wird, dass diese Tante tatsächlich nicht mehr in Colombo woh n- haft ist, ist dennoch davo n auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit seiner anderen Tante und verschiedenen Cousins und Bekannten über ein tragfähiges Beziehungsnetzt in Colombo verfügt. Die als Beweismittel eingereichten Todesscheine seiner Eltern vermögen dar an nichts zu ä n- dern, zumal die Eltern schon geraume Zeit vor seiner Ausreise verstorben sind, sich diesbezüglich für ihn also nichts geändert hat. Es ist demnach davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in Colombo auf ein existierendes, tr agfähiges familiäres Netz zählen kann und ihm, der neben Tamilisch - über Singhalesisch- und we- nig Englischkenntnisse verfügt, der Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz möglich sein wird. Auch wenn er seit Ende 2007 und somit mehrere Jahre lang landesabwe send gewesen ist, bestehen keine konkreten Anhalt s- punkte dafür, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existe n- zielle Notlage geraten würde. 7.3.4. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach nicht als unz u- mutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 7.4. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar un d möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). E-5308/2009 Seite 18 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwe rde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge richt [VGKE, SR 173.320.2]). Diese sind durch den am 3 . September 2009 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem ve r- rechnet. (Dispositiv nächste Seite) E-5308/2009 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist durch den am 3. September 2009 geleisteten Ko s- tenvorschuss gedeckt und wird mit diesem verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel Versand: