A bteilung V E -6514/2006/bec {T 0/2} U rte il v o m 1 4 . S e p te m b e r 2 0 0 7 R ichter Kurt G ysi (Vorsitz), R ichter D aniel Schm id, R ichter Bruno H uber, G erichtsschreiber C hristoph Berger. X._______, geboren _______, Afghanistan, vertreten durch _______ Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Verfügung vom 18. Juni 2003 i.S. Asyl und W egw eisung N _______. B esetzung P arteien G egenstand B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra lE -5614/2006 Sachverhalt: A . D er Beschw erdeführer verliess seinen H eim atstaat nach eigenen An- gaben zirka anfangs Juli 2001. Er sei über ihm unbekannte Länder auf dem Landw eg in die Schw eiz gelangt, w o er am 25. Juli 2001 um Asyl nachsuchte. Am 2. August 2001 w urde er in der Em pfangsstelle C hias- so zu seinen Asylgründen angehört. Am 12. Septem ber 2001 führte die zuständige kantonale Behörde eine Befragung durch. B . D er Beschw erdeführer - Angehöriger der Ethnie der Tadschiken, aus Pandjschir, Parw an, stam m end und seit dem Jahre 1998 m it letztem W ohnsitz in Kabul - m achte im W esentlichen folgenden Sachverhalt geltend. In den Jahren 1992 bis 1996 habe er unter der dam aligen R e- gierung im N achrichten- und Sicherheitsdienst im Verw altungsbereich (...) gearbeitet. Kurz bevor die Taliban im Jahre 1996 nach Kabul vorgestossen seien, habe er sich in seine H eim atgegend von Pandjschir zurückgezogen. Im Jahre 1998 habe er sich im Auftrag (...) zurück nach Kabul begeben. Seine Aufgabe habe im nächtlichen Verteilen und Anbringen von Flugblättern bestanden, die er jew eils m onatlich vom G ruppenleiter erhalten habe. N achdem der G rup- penführer von den Taliban festgenom m en und unter Folter gezw ungen w orden sei, N am en und Adressen bekannt zu geben, sei er selbst im N ovem ber 2000 von den Taliban aufgespürt und inhaftiert w orden. W ährend des ersten M onats seiner H aft sei er m ehrm als unter Schlägen verhört und insbesondere erpresst w orden, Adressen G leichgesinnter bekannt zu geben. D abei habe er einm al die Adresse eines Pandjschiri verraten. Bis im Juni 2001 habe er sich in der G ew alt der Taliban befunden, bevor sein Vater durch Bestechung eines hohen Talibanbeam ten seine Freilassung habe erkaufen können, jedoch unter der Bedingung, dass er das Land verlasse. N och in der auf die Freilassung folgenden N acht habe er m it H ilfe eines Schleppers die Ausreise aus seinem H eim atland angetreten. Für Einzelheiten des vorgebrachten Sachverhaltes ist auf die Akten zu verw eisen. S eite 2E -5614/2006 C . M it Verfügung vom 18. Juni 2003 stellte das Bundesam t fest, der Be- schw erdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch ab. G leichzeitig verfügte es die W egw eisung des Be- schw erdeführers aus der Schw eiz und ordnete den Vollzug der W eg- w eisung an. Zur Begründung führte das Bundesam t im W esentlichen an, die geltend gem achte Furcht vor einer Verfolgung durch die Tali- ban sei im aktuellen Zeitpunkt des Asylentscheides nicht m ehr begrün- det, da die Taliban ihre M acht zw ischenzeitlich verloren hätten. D ie An- forderungen an die Flüchtlingseigenschaft seien dem nach nicht gege- ben. D en Vollzug der W egw eisung erachtete die Vorinstanz als zuläs- sig und zum utbar, da in Afghanistan kein offener Bürgerkrieg herrsche und auch nicht von einer Situation allgem einer G ew alt gesprochen w erden könne. Auch sei der Vollzug der W egw eisung technisch m ög- lich und praktisch durchführbar. D . M it Beschw erdeeingabe an die dam als zuständige Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) vom 5. Juli 2003 beantragte der Be- schw erdeführer die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die G ew ährung von Asyl. Eventualiter sei die vorläufige Aufnahm e zu ge- w ähren. Es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzich- ten. E. Zur Begründung der Beschw erde w urde im W esentlichen eine in ver- schiedener H insicht allgem ein prekäre Lage in Afghanistan beschrie- ben, die von politischer U nsicherheit, Korruption, H ass unter den Völ- kern, G ew alt, C haos und A rm ut gekennzeichnet sei. In persönlicher H insicht brachte der Beschw erdeführer vor, er sei als M itarbeiter des früheren N achrichtendienstes und Verräter gew isser Inform ationen an die Taliban w ährend seiner H aft der Blutrache sow ie der Bestrafung durch die heutige R egierung ausgesetzt und befürchte seine E rm or- dung. D iese Befürchtung sei um so berechtigter, als sein B ruder - m it überw iegender W ahrscheinlichkeit von den neuen M achthabern - er- schossen w orden sei. Zur Stützung dieses Vorbringens reichte der Be- schw erdeführer ein D okum ent in afghanischer Sprache m it deutscher Ü bersetzung ein, das ein G esuch um die Ausstellung eines Todes- scheines seinen B ruder betreffend beinhalte. S eite 3E -5614/2006 F. M it Zw ischenverfügung der AR K vom 15. Juli 2003 w urde aufgrund ei- nes bestehenden Sicherheitskontos auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses verzichtet, das G esuch um unentgeltliche R echtspflege abgew iesen und die Sache der Vorinstanz zur Vernehm lassung über- w iesen. G . M it Vernehm lassung vom 19. August 2003 hielt das Bundesam t an sei- ner Verfügung vollum fänglich fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. Zur Begründung hielt die Vorinstanz fest, es sei unbestrit- ten, dass sich Afghanistan in einer schw ierigen Situation befinde, der Prozess des W iederaufbaus und der Stabilisierung sei jedoch im G an- ge. H insichtlich des eingereichten D okum entes, w onach der Bruder w ahrscheinlich von den neuen M achthabern um gebracht w orden sei, handle es sich um eine Faxkopie, deren Bew eisw ert gem äss der allge- m einen Erfahrung des Bundesam tes gering einzuschätzen sei, zum al es sich bei dem Schreiben des Kom m andanten der G arnison ohnehin um ein G efälligkeitsschreiben handeln könne. D ass der Beschw erde- führer ausserdem w egen seiner früheren Tätigkeit für den N achrich- tendienst und des Verrats von Inform ationen an die Taliban von den heutigen M achthabern verfolgt sein soll, sei eine durch nichts belegte Behauptung. So verm öge allein seine Angabe bei der kantonalen Be- fragung, er habe die Adresse eines Pandjiri an die Taliban verraten, in W ürdigung der übrigen U m stände noch keine Furcht vor einer Verfol- gung durch die neuen M achthaber zu begründen. D iesbezügliche kon- krete H inw eise w ürden fehlen. H . M it Eingabe vom 3. Septem ber 2003 entgegnete der Beschw erdefüh- rer, es sei unhaltbar, das eingereichte afghanische D okum ent ohne eingehende U ntersuchung pauschal als G efälligkeitsschreiben zu qua- lifizieren. Zudem reichte er ein vom 3. August 2002 datiertes D oku- m ent m it deutscher Ü bersetzung zu den Akten, w onach er vom natio- nalen Sicherheitsdienst m it H aftbefehl gesucht sei. I. M it Eingabe vom 19. O ktober 2005 reichte der Beschw erdeführer ein D okum ent datiert vom 12. Juni 2005 zu den Akten, w onach er w eiter- hin zur Festnahm e ausgeschrieben sei und eine H ausdurchsuchung angeordnet w erde, w obei gem äss deutscher Ü bersetzung die „Allge- S eite 4E -5614/2006 m eine Abteilung für die N ationale Sicherheit, Abteilung für die Stadt Kabul, Sektor für Fahndung und U ntersuchung“ zuständig zeichnet. J. Im R ahm en der Vernehm lassung vom 9. N ovem ber 2005 zur Frage ei- ner schw erw iegenden persönlichen N otlage äusserte sich die Vorins- tanz auch zum nachgereichten D okum ent und hält dafür, beim einge- reichten Bew eisdokum ent (H aftbefehl der Sicherheitsbehörde Kabul) handle es sich lediglich um eine Kopie, deren Bew eisw ert ohnehin als gering einzuschätzen sei. K . M it Eingabe vom 14. N ovem ber 2005 nahm der Beschw erdeführer zur Vernehm lassung der Vorinstanz vom 9. N ovem ber 2005 Stellung. L. M it Eingabe vom 7. Septem ber 2006 reichte der Beschw erdeführer ein w eiteres D okum ent datiert vom 22. M ärz 2006 m it deutscher Ü berset- zung zu Akten, w onach er von der „N ationalen Sicherheit der Stadt Kabul“ w eiterhin zur Festnahm e gesucht und eine H ausdurchsuchung angeordnet w orden sei. Im w eiteren w urde eine ärztliche Bestätigung eines Facharztes für plastische C hirurgie eingereicht, w onach die Ehe- frau des Beschw erdeführers am 24. M ärz 2006 infolge von Schlägen am R ücken und an den Beinen verletzt und ärztlich behandelt w orden sei. D er Beschw erdeführer brachte dabei vor, seine Ehefrau habe an- lässlich einer H ausdurchsuchung W iderstand geleistet, w as zu ihrer M isshandlung geführt habe. M . M it Eingabe vom 31. Januar 2007 reichte der Beschw erdeführer ein Schreiben des Büros des Internationalen Kom ittees des R oten Kreu- zes in Afghanistan vom 17. O ktober 2006 m it deutscher Ü bersetzung zu den Akten, w onach die W ohnung der Ehefrau des Beschw erdefüh- rers nach Aussagen der O rtsbevölkerung und des O rtsvorstehers m ehrm als durchsucht und sie unrechtm ässsig geschlagen w orden sei. D er Beschw erdeführer führte dazu aus, seine Frau w erde von der Poli- zei im m er w ieder belästigt und beschim pft. W eil die afghanischen Be- hörden denken w ürden, dass er sich w eiterhin in Afghanistan befinde, w erde seine Frau gedrängt, seinen Aufenthaltsort zu verraten. S eite 5E -5614/2006 N . M it Eingabe vom 21. Juli 2007 reichte der Beschw erdeführer ein Be- stätigungsschreiben eines Volksvertreters vom 2. M ai 2007 m it deut- scher Ü bersetzung zu den Akten, w orin dieser festhält, nach w ieder- holter polizeilicher Suche und unbefolgter polizeilichen Vorladungen sei er von der Polizei beauftragt w orden, beim Antreffen des Be- schw erdeführers unverzüglich den Polizeiposten zu benachrichtigen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss A rt. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Be- schw erden gegen Verfügungen nach A rt. 5 des Verw altungsverfahrens- gesetzes vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach A rt. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in A rt. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Be- reich endgültig (A rt. 105 AsylG ; A rt. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der ehem aligen AR K hängi- gen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. A rt. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichti- ge oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die U nangem essenheit gerügt w erden (A rt. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw er- deführer ist legitim iert (A rt. 6 AsylG i.V.m . A rt. 48 Abs. 1 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist einzutreten. S eite 6E -5614/2006 3. 3.1 G em äss A rt. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem H eim atstaat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnten, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationalität, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausge- setzt sind oder begründete Furcht haben, solchen N achteilen ausge- setzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gelten nam entlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sow ie M assnah- m en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken. D en frau- enspezifischen Fluchtgründen ist R echnung zu tragen (A rt. 3 AsylG ). 3.2 W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw ei- sen oder zum indest glaubhaft m achen. D iese ist glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vorhandensein m it überw iegender W ahrschein- lichkeit für gegeben hält. U nglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begründet oder in sich w ider- sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeblich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (A rt. 7 AsylG ). 4. 4.1 D er Beschw erdeführer räum t in seiner R echtsm itteleingabe sinn- gem äss ein, von Seiten der Taliban keine ernsthaften N achteile m ehr befürchten zu m üssen und folgt insow eit den Erw ägungen der Vorins- tanz in der angefochtenen Verfügung. H ingegen bringt er vor, aufgrund der Preisgabe von Inform ationen an die Taliban nach deren Sturz von der neuen R egierung gesucht w orden und auch aktuell noch von der heutigen R egierung zur Festnahm e ausgeschrieben zu sein und in diesem Zusam m enhang flüchtlingsrechtlich relevante M assnahm en befürchten zu m üssen. 4.2 Im Verlaufe des Beschw erdeverfahrens reichte der Beschw erde- führer m ehrere D okum ente zu den Akten, die diese geltend gem achte Befürchtung stützen sollen. S eite 7E -5614/2006 4.3 Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides m assgebend. D abei ist einerseits die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise aktuell vorhandenen Furcht zu stellen und anderseits zu prüfen, ob die Furcht vor einer absehba- ren Verfolgung (noch) begründet ist. Veränderungen der objektiven Si- tuation im H eim atstaat zw ischen Ausreise und Asylentscheid sind zu- gunsten und zulasten des Beschw erdeführers zu berücksichtigen (vgl. die w eiterhin geltende Praxis in Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 2000 N r. 2 E. 8b und EM AR K 1994 N r. 24 E. 8a). M assgebend für den Asylentscheid ist dem nach die Situation im gegenw ärtigen Zeitpunkt. 4.4 D azu ist festzustellen, dass es bereits höchst unw ahrscheinlich erscheint, dass die nach dem Sturz der Taliban im O ktober 2001 sich installierten neuen M achthaber überhaupt Kenntnis davon erhalten ha- ben sollen, dass der Beschw erdeführer w ährend den Verhören durch die Taliban Ende des Jahres 2000 die Adresse eines G esinnungsge- nossen verraten haben soll. Eine diesbezügliche Inform ation an die neuen M achthaber durch den engen Kreis der Kenntnisträger inner- halb der Taliban ist nicht vorstellbar. Selbst w enn die diesbezügliche Inform ation auf nicht geklärtem W eg den neuen M achthabern zugetra- gen w orden w äre, ist der entsprechenden Einschätzung der Vorinstanz in der Vernehm lassung vom 19. August 2003 zuzustim m en, w onach konkrete H inw eise einer begründeten Furcht vor Verfolgung durch die neuen M achthaber fehlen w ürden. M it Eingabe vom 3. Septem ber 2003 versucht der Beschw erdeführer diese Einschätzung der Vorins- tanz durch Einreichung eines H aftbefehls der „G eneraldirektion von Kabul N ationale Sicherheit“ datiert vom 3. August 2002 zu w iderlegen. Im H aftbefehl w ird angeführt, der Beschw erdeführer w ürde verdäch- tigt, m it den Taliban verbündet zu sein. D en Akten kann jedoch nicht entnom m en w erden, dass sich der Beschw erdeführer durch w eitere Aktivitäten zugunsten der Taliban, durch regim ekritische intellektuelle Tätigkeit oder sonstw ie aus der heutigen politischen Situation betrach- tet persönlich in gefährdender W eise exponiert hätte; dem zufolge w eist er schon aus diesem G rund kein Persönlichkeits- bzw. Politprofil auf, w elches auf eine m ögliche G efährdung durch staatliche Behörden in Afghanistan hindeuten w ürde (vgl. EM AR K 2003 N r. 10 E. 8c S. 64). Ein erhebliches Interesse der heutigen Sicherheitsdienste, den Be- schw erdeführer flüchtlingsrechtlich relevanten N achteilen auszuset- zen, ist nicht nachvollziehbar, zum al er in seiner früheren Tätigkeit ge- rade den Talibangegnern zugedient hatte. Im W eiteren sind grosse S eite 8E -5614/2006 Zw eifel an der Authentizität des eingereichten H aftbefehls berechtigt. D ie Identitätsangaben im H aftbefehlsgesuch sind nur rudim entär und som it einer gezielten erfolgreichen Fahndung nur beschränkt dienlich, w erden doch lediglich der Vornam e des Beschw erdeführers und der N am e des Vaters des Beschw erdeführers, ohne Angabe des G eburts- datum s oder auch nur des ungefähres Alters und ohne Bezeichnung einer genaueren Adresse, genannt. W eiter ist es schw er erklärlich und vom Beschw erdeführer nicht dargetan, w ie er in den Besitz dieser rein internen schriflichen W eisungen des Sicherheitsdienstes, w enn auch nur in Kopie, gelangen konnte und dies zudem im unm ittelbaren An- schluss an die Kenntnisnahm e der vorinstanzlichen Vernehm lassung vom 19. August 2003. 4.5 Zum Inhalt und zur Verfügbarkeit der vom Beschw erdeführer im Verlaufe des Verfahrens eingereichten w eiteren H aftbefehle gilt Ana- loges. Zusätzlich ist hiezu festzustellen, dass es nicht nachvollziehbar erscheint, dass der Beschw erdeführer nach angeblich m ehreren er- folglosen Suchen und angeblich m ehreren H ausdurchsuchungen, an- lässlich derer die Ehefrau im m er belästigt und beschim pft und anläss- lich einer H ausdurchsuchung vom 24. M ärz 2006 verletzt w orden sei, nach über fünf Jahren w eiterhin m it ständig neu ausgestellten H aftbe- fehlen gesucht w erden soll. Es w äre für den Beschw erdeführer und seine Fam ilienangehörigen m it geringem Aufw and m öglich gew esen, die zuständigen Sicherheitsbehörden von seinem Aufenthalt in W est- europa zu überzeugen und dadurch die Ehefrau vor w eiteren Belästi- gungen zu schützen. Ein anderes Verhalten bei tatsächlich vorgefalle- nen ständigen Behelligungen der Ehefrau w äre nicht verständlich. D en als Such- und H ausdurchsuchungsbefehlen bezeichneten D okum en- ten kann nach den gesam ten U m ständen kein entscheidrelevanter Be- w eisw ert zukom m en. 4.6 Vor diesem H intergrund erscheint auch die geltend gem achte Furcht des Beschw erdeführers vor privaten R acheakten nicht als ob- jektiv begründet, zum al die diesbezüglichen Angaben als äusserst vage ohne verw ertbare konkrete Anhaltspunkte bezeichnet w erden m üssen. D er Beschw erdeführer hat im Verlaufe des vorliegenden Ver- fahrens keine in persönlicher oder sachlicher H insicht auch nur an- satzw eise hinreichende G rundlagen erbringen können, die zur Annah- m e privater ernsthafter N achstellungen berechtigen könnten. Es ist so- m it davon auszugehen, dass dem Beschw erdeführer seitens privater Seite keine N achteile in flüchtlichsrechtlich relevanter Intensität dro- S eite 9E -5614/2006 hen. Auch bleiben die geltend gem achten Verm utungen über den Tod eines Bruders des Beschw erdeführers, die Todesursachen und deren H intergründe gänzlich ungeklärt. Es sind seit dem geltend gem achten Vorfall inzw ischen m ehrere Jahre vergangen, ohne dass der Be- schw erdeführer auch nur versucht hätte, diesbezüglich U nterlagen bei- zubringen, die die Sachlage hätten erhellen können. Eine begründete Furcht des Beschw erdeführers vor asylrelevanter Verfolgung ist dem - nach zu verneinen. 4.7 Aufgrund der vorstehenden Erw ägungen erübrigt es sich, auf die w eiteren Ausführungen in der Beschw erde und die eingereichten D o- kum ente im Einzelnen einzugehen, w eil sie am Ergebnis nichts ändern können. U nter Berücksichtigung der gesam ten U m stände folgt, dass der Beschw erdeführer keine G ründe nach A rt. 3 AsylG nachw eisen oder glaubhaft m achen kann. D as Bundesam t hat sein Asylgesuch im Ergebnis zu R echt abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesam t das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an; dabei ist der G rundsatz der Einheit der Fam ilie zu berücksichtigen (A rt. 44 Abs. 1 AsylG ). Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zum utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (A rt. 44 Abs. 2 AsylG ; A rt. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 5.2 D er Beschw erdeführer verfügt w eder über eine frem denpolizeiliche Aufenthaltsbew illigung noch einen Anspruch auf E rteilung einer solchen. D ie W egw eisung w urde dem nach zu R echt angeordnet (A rt. 44 Abs. 1 AsylG ; EM AR K 2001 N r. 21). 6. 6.1 Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zum utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis S eite 10E -5614/2006 nach den gesetzlichen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (A rt. 44 Abs. 2 AsylG ; A rt. 14a Abs. 1 des Bundesge- setzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20]). 6.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat ausreisen oder dorthin gebracht w erden kann. Er ist nicht zulässig, w enn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Auslän- ders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenste- hen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (A rt. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 6.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge- zw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach A rt. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (A rt. 5 Abs. 1 AsylG und A rt. 25 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]). 6.4 G em äss A rt. 25 Abs. 3 BV, A rt. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D ezem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschli- che oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu A rt. 3 der Konvention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101) darf niem and in einen Staat ausgeschafft w erden, in dem ihm Folter oder eine andere A rt unm enschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung droht. 7. 7.1 D ie Vorinstanz erachtete den Vollzug der W egw eisung des Be- schw erdeführers in den H eim atstaat als zulässig, zum utbar und m ög- lich. 7.1.1 In seinen Erw ägungen hält das BFM zunächst fest, der Be- schw erdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, w eshalb der G rundsatz der N ichtrückschiebung gem äss A rt. 5 Abs. 1 AsylG keine Anw endung finde. Ferner seien aus den Akten keine Anhaltspunkte er- S eite 11E -5614/2006 sichtlich, w onach der Beschw erdeführer im Falle seiner R ückkehr in den H eim atstaat dort m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit einer durch A rt. 3 EM R K verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt w äre. D er Vollzug der W egw eisung sei dam it zulässig. 7.1.2 Im W eiteren führt das BFM aus, die R ückschaffung des Be- schw erdeführers in dessen H eim atland erscheine angesichts der all- gem einen Lage in Afghanistan grundsätzlich als zum utbar, da in Af- ghanistan keine Situation allgem einer G ew alt herrsche. Ferner sei die internationale G em einschaft m it H ilfeleistungen vor O rt und in Kabul sei die ISAF zur G ew ährleistung der Sicherheit stationiert. Zudem sei- en keine individuellen G ründe ersichtlich, die gegen die Zum utbarkeit eines W egw eisungsvollzuges sprechen w ürden. N am entlich verfüge der Beschw erdeführer über ein Beziehungsnetz in Afghanistan. 7.1.3 D er Vollzug der W egw eisung sei schliesslich technisch m öglich und praktisch durchführbar. 7.2 In seiner Beschw erdeschrift hält der Beschw erdeführer den vorins- tanzlichen Ausführungen im W esentlichen eine allgem ein prekäre Situation in Afghanistan entgegen. 8. 8.1 D er Beschw erdeführer konnte eine gem äss A rt. 3 AsylG relevante G efährdung nicht nachw eisen oder glaubhaft m achen. D ie N orm en des flüchtlingsrelevanten N on-refoulem ent-Prinzips (A rt. 5 AsylG , A rt. 25 Abs. 2 BV, A rt. 33 des Abkom m ens vom 28. Juli 1951 über die R echtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) schützen jedoch nur Personen, w elche die Flüchtlingseigenschaft gem äss A rt. 3 AsylG be- ziehungsw eise A rt. 1 A FK erfüllen. Auf abgew iesene Asylbew erber m it fehlender Flüchtlingseigenschaft findet dieses R ückschiebeverbot kei- ne Anw endung. Eine R ückkehr des Beschw erdeführers in seinen H ei- m atstaat ist unter dem Aspekt von A rt. 5 AsylG und A rt. 33 FK dam it rechtm ässig. 8.2 Sodann ergeben sich w eder aus den Vorbringen des Beschw erde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass ihm für den Fall einer R ückkehr nach Afghanistan dort m it beachtlicher W ahrscheinlich- keit eine nach A rt. 3 EM R K oder A rt. 1 FoK verbotene Strafe oder Be- S eite 12E -5614/2006 handlung drohen w ürde. G em äss Praxis des Europäischen G erichts- hofes für M enschenrechte sow ie jener des U N -Anti-Folterausschusses m üsste der Beschw erdeführer eine konkrete G efahr nachw eisen oder glaubhaft m achen, dass ihm im Falle einer R ückschiebung Folter oder unm enschliche Behandlung drohen (vgl. EM AR K 2001 N r. 16 S. 122, N r. 17 S. 130 f. sow ie EM AR K 1996 N r. 18 S. 182 ff. m it w eiteren H inw eisen). D ies kann der Beschw erdeführer jedoch nicht dartun. 8.3 D er Vollzug der W egw eisung des Beschw erdeführers nach Afgha- nistan ist folglich zulässig. 8.4 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung verzich- tet, w enn die R ückkehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung darstellt und aus diesem G rund nicht zum utbar ist. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herr- schenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürger- krieg oder durch eine Situation allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om ente, w ie beispielsw eise dem Fehlen einer notw endigen m edizinischen Behandlungsm öglichkeit, angenom - m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylver- fahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 8.5 D ie vorm alige AR K hat sich in EM AR K 2003 N r. 10 und 30 einge- hend zur Lage in Kabul geäussert und die U nterschiede zw ischen dem G rossraum Kabul und anderen R egionen Afghanistans dargestellt. In- folge der vergleichsw eise günstigeren Situation hat sie den W egw ei- sungsvollzug nach Kabul unter bestim m ten strengen Voraussetzungen, insbesondere einem tragfähigen Beziehungsnetz und einer gesicher- ten W ohnsituation, als zum utbar erachtet. In einem w eiteren U rteil vom 25. Januar 2006, publiziert in EM AR K 2006 N r. 9, bestätigte und aktua- lisierte die AR K ihre R echtsprechung aus dem Jahre 2003. Zusätzlich zu Kabul erachtete sie den W egw eisungsvollzug in w eitere Provinzen im N orden von Kabul (Parw an, Baghlan, Takhar, Badakhshan, Kunduz, Balkh, Sari Pul, H erat und die G egend von Sam angan) unter den in EM AR K 2003 N r. 10 erw ogenen strengen Bedingungen als zum utbar. In den übrigen Provinzen - nam entlich im Süden und O sten - w ürden hingegen w eiterhin m ilitärische Aktivitäten stattfinden und eine perm a- nente U nsicherheit bestehen, w eshalb ein W egw eisungsvollzug dort- hin nach w ie vor als unzum utbar zu betrachten sei. D as Bundesverw al- S eite 13E -5614/2006 tungsgericht sieht aktuell keine Veranlassung, von dieser R echtspre- chung abzuw eichen. 8.6 D er Beschw erdeführer ist eigenen Angaben zufolge ethnischer Tadschike und lebte in der Provinz Parw an und in der H auptstadt Ka- bul. Laut seinen Angaben w ohnten im Zeitpunkt seiner Ausreise seine Eltern, seine Ehefrau zw ei Brüder und eine Schw ester in ihrem H ei- m atdorf in der Provinz Parw an. D ie finanzielle Situation der Fam ilie sei gut gew esen. Sie hätten zw ei H äuser besessen (A2/9 S. 6). D er Be- schw erdeführer verfügt som it in seiner H eim atprovinz über ein breites und gefestigtes Beziehungsnetz und die W ohnsituation des Beschw er- deführers darf als gesichert gelten. 8.7 Im W eiteren hat der Beschw erdeführer m it absolvierten sieben Jahren M ittelschule und drei Jahren G ym nasium eine solide und über- durchschnittliche Schulbildung und verfügt gem äss eigenen Angaben über Berufserfahrung. Es ist som it davon auszugehen, dass der Be- schw erdeführer nach seiner R ückkehr w ieder bei seiner Fam ilie w ird leben und sich m it deren U nterstützung und aufgrund seiner eigenen Fähigkeiten auch eine w irtschaftliche Existenz w ird aufbauen können. Es steht dem Beschw erdeführer folglich offen und es ist ihm zuzum u- ten, sich w ieder in den ihm vertrauten O rten seines H eim atlandes nie- derzulassen. Insgesam t ergeben sich aus den Akten dam it keine H in- w eise auf ein spezifisches Schutzbedürfnis des Beschw erdeführers. 8.8 N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung durch R ück- schaffung des Beschw erdeführers zum utbar. 8.9 D er R ückkehr des Beschw erdeführers stellen sich schliesslich auch keine unüberw indlichen H indernisse tatsächlicher N atur entge- gen. Insbesonderer obliegt es dem Beschw erdeführer, sich in Zusam - m enarbeit m ir der Vorinstanz bei der zuständigen Vertretung seines H eim atlandes die für eine R ückreise notw endigen D okum ente zu be- schaffen (A rt. 8 Abs. 4 AsylG ), w eshalb der Vollzug der W egw eisung auch m öglich ist. 8.10 D er vom Bundesam t verfügte W egw eisungsvollzug steht daher in Ü bereinstim m ung m it den zu beachtenden Bestim m ungen und ist ins- gesam t zu bestätigen. D ie Vorinstanz hat den Vollzug der W egw eisung zu R echt als zulässig, zum utbar und m öglich erachtet. N ach dem G e- sagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahm e ausser Betracht (A rt. 14a Abs. 1 - 4 AN AG ). S eite 14E -5614/2006 9. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angem essen ist (A rt. 106 AsylG ). D ie Be- schw erde ist abzuw eisen. 10. Bei diesem Ausgang des Beschw erdeverfahrens sind die Kosten dem Beschw erdeführer aufzuerlegen (A rt. 63 Abs. 1 Vw VG ). D as G esuch um unentgeltliche R echtspflege (A rt. 65 Abs. 1 Vw VG ) w urde m it Zw i- schenverfügung vom 15. Juli 2003 abgew iesen. D ie Kosten des Verfah- rens sind auf Fr. 600.-- festzulegen (A rt. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . A rt. 2 und 3 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). (D ispositiv nächste Seite) S eite 15E -5614/2006 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdeführer auferlegt. D er Betrag ist innert 30 Tagen zu G unsten der G erichtskas- se zu überw eisen. 3. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer durch Verm ittlung seiner R echtsvertretung (Einschreiben; Beilagen: angefochtene Verfügung im O riginal, Ein- zahlungsschein) - die Vorinstanz (R ef-N r. N _______; m it den Akten) - Y._______ D er vorsitzender R ichter: D er G erichtsschreiber: Kurt G ysi C hristoph Berger Versand: S eite 16