<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 3 S.29</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">29</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>3</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 85a Abs. 2 SchKG. Vorläufige Einstellung der Betreibung.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Gegen den Entscheid über die vorläufige Einstellung der Betreibung ge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>mäss Art. 85a Abs. 2 SchKG gibt es kein kantonales Rechtsmittel (Bestäti-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gung der Rechtsprechung in AGVE 1997 Nr. 10 S. 51).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 14. August 2006</span><br/> <span class="ft4">in Sachen M. AG gegen J.E.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3. Von Bundesrechts wegen wird die Klage gemäss Art. 85</span><br/> <span class="ft6">SchKG im summarischen und die Klage gemäss Art. 85a SchKG im</span><br/> <span class="ft6">beschleunigten Verfahren durchgeführt. Das gilt auch für die vorläu-</span><br/> <span class="ft6">fige Einstellung der Betreibung gemäss Art. 85a Abs. 2 SchKG</span><br/> <span class="ft6">(Art. 85a Abs. 4 SchKG; AGVE 1997 Nr. 10 S. 51 ff. Erw. 1b). Die-</span><br/> <span class="ft6">ser publizierte Entscheid gilt nach wie vor, da das revidierte kanto-</span><br/> <span class="ft6">nale Recht keine Änderung in dieser Frage brachte. Gemäss § 301</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 ZPO entscheidet der Gerichtspräsident im summarischen Ver-</span><br/> <span class="ft6">fahren die durch § 20 Abs. 1 und 2 des Einführungsgesetzes zum</span><br/> <span class="ft6">Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (EG SchKG) vom</span><br/> <span class="ft6">22. Februar 2005 in dieses Verfahren gewiesenen Rechtssachen. Ge-</span><br/> <span class="ft6">mäss § 20 Abs. 1 lit. c EG SchKG entscheidet der Präsident des Be-</span><br/> <span class="ft6">zirksgerichts im summarischen Verfahren lediglich über die Aufhe-</span><br/> <span class="ft6">bung oder Einstellung der Betreibung gemäss Art. 85 SchKG, nicht</span><br/> <span class="ft6">aber über die vorläufige Einstellung der Betreibung gemäss Art. 85a</span><br/> <span class="ft6">Abs. 2 SchKG. Nachdem das erst kürzlich revidierte kantonale Recht</span><br/> <span class="ft6">die vorläufige Einstellung der Betreibung gemäss Art. 85a Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">SchKG nicht in das summarische Verfahren verweist (§ 23 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">i.V.m. § 20 EG SchKG), geht es nicht an, die Bestimmung von § 20</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 lit. c EG SchKG analog auf die vorläufige Einstellung der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">30</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Betreibung gemäss Art. 85a Abs. 2 SchKG anzuwenden, auch wenn</span><br/> <span class="ft6">es sich sachlich um eine vorsorgliche Massnahme handelt und solche</span><br/> <span class="ft6">üblicherweise im summarischen Verfahren erlassen werden. Den</span><br/> <span class="ft6">Materialien zum EG SchKG lässt sich nicht entnehmen, weshalb</span><br/> <span class="ft6">Art. 85a Abs. 2 SchKG nicht in der (abschliessenden) Aufzählung</span><br/> <span class="ft6">von § 20 EG SchKG erscheint. Dass dies so ist, hat aber seinen guten</span><br/> <span class="ft6">Grund, denn andernfalls wären die (vorläufigen) Zwischenentscheide</span><br/> <span class="ft6">gemäss Art. 85a Abs. 2 SchKG mit Beschwerde anfechtbar (§ 21 EG</span><br/> <span class="ft6">SchKG), was dem Beschleunigungsgebot von Art. 85a Abs. 4 SchKG</span><br/> <span class="ft6">(i.V.m. Art. 25 Ziff. 1 SchKG) zuwiderliefe (vgl. dazu Jaeger/Walder/</span><br/> <span class="ft6">Kull/Kottmann, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs,</span><br/> <span class="ft6">4. A., Zürich 1997, N 30 zu Art. 85a SchKG, welche kantonale</span><br/> <span class="ft6">Rechtsmittel gegen die vorläufige Einstellung der Betreibung gemäss</span><br/> <span class="ft6">Art. 85a Abs. 2 SchKG aus diesem Grund für bundesrechtswidrig</span><br/> <span class="ft6">halten).</span><br/> <span class="ft6">4.1. Die Frage, ob gegen einen Massnahmeentscheid gemäss</span><br/> <span class="ft6">Art. 85a Abs. 2 SchKG ein Rechtsmittel gegeben ist, beurteilt sich</span><br/> <span class="ft6">gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nach kantonalem Recht</span><br/> <span class="ft6">(BGE 125 III 440 ff. Erw. 2b). Nach kantonalem Recht gibt es aber</span><br/> <span class="ft6">kein Rechtsmittel gegen die vorläufige Einstellung der Betreibung</span><br/> <span class="ft6">gemäss Art. 85a Abs. 2 SchKG (AGVE 1997 Nr. 10 S. 51 ff.). Dieser</span><br/> <span class="ft6">publizierte Entscheid gilt, wie bereits erwähnt, nach wie vor, da das</span><br/> <span class="ft6">revidierte kantonale Recht keine Änderung in dieser Frage brachte.</span><br/> <span class="ft6">Auch ändert BGE 125 III 440 ff. daran nichts, weil dieser Entscheid</span><br/> <span class="ft6">einzig das solothurnische Zivilprozessrecht beschlägt, das vom aar-</span><br/> <span class="ft6">gauischen Zivilprozessrecht in wesentlichen Punkten abweicht.</span><br/> <span class="ft6">4.2. Gemäss § 21 EG SchKG sind die Entscheide der Ge-</span><br/> <span class="ft6">richtspräsidentin oder des Gerichtspräsidenten und des Bezirksge-</span><br/> <span class="ft6">richts gemäss § 20 EG SchKG an das Obergericht weiterziehbar, mit</span><br/> <span class="ft6">Ausnahme der Fälle gemäss § 20 Abs. 1 lit. d, g, l, m, n und p. § 20</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 EG SchKG, auf welchen sich § 21 EG SchKG bezieht, enthält</span><br/> <span class="ft6">aber - wie dargelegt zu Recht - keine Ausführungsbestimmung zu</span><br/> <span class="ft6">Art. 85a SchKG, sondern nur eine solche zu Art. 85 SchKG (§ 20</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 lit. c EG SchKG). Aus dem Einführungsgesetz zum SchKG</span><br/> <span class="ft6">ergibt sich somit keine Möglichkeit der Weiterziehung des Ent-</span><br/> <span class="ft6">scheids über die vorläufige Einstellung der Betreibung gemäss</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">31</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Art. 85a Abs. 2 SchKG und eine analoge Anwendung von § 20 lit. c</span><br/> <span class="ft6">EG SchKG ist aus den erwähnten Gründen abzulehnen.</span><br/> <span class="ft6">4.3. Der Entscheid über die vorläufige Einstellung der Betrei-</span><br/> <span class="ft6">bung gemäss Art. 85a Abs. 2 SchKG ist per definitionem kein</span><br/> <span class="ft6">Endentscheid, sondern lediglich ein (vorläufiger) Zwischenentscheid</span><br/> <span class="ft6">im beschleunigten Verfahren gemäss Art. 85a SchKG (Art. 85a</span><br/> <span class="ft6">Abs. 3 SchKG), so dass sowohl die Appellation gemäss § 317 ZPO</span><br/> <span class="ft6">als auch die Beschwerde gemäss § 335 lit. a ZPO von vornherein</span><br/> <span class="ft6">ausscheiden (§ 318 ZPO ist nicht anwendbar, da die vorläufige Ein-</span><br/> <span class="ft6">stellung der Betreibung kein Zwischenentscheid im Sinne von § 274</span><br/> <span class="ft6">ZPO ist). In Frage kommt demnach höchstens die Beschwerde ge-</span><br/> <span class="ft6">mäss § 335 lit. b ZPO. Danach ist die Beschwerde zulässig gegen</span><br/> <span class="ft6">prozessleitende Entscheide, wenn sie nach dem Gesetz selbständig</span><br/> <span class="ft6">weiterziehbar sind, sowie wenn sie gegen grundlegende gesetzliche</span><br/> <span class="ft6">Bestimmungen verstossen und daraus einer Partei ein schwer wieder</span><br/> <span class="ft6">gutzumachender Nachteil entsteht. Die erste Eventualität liegt nicht</span><br/> <span class="ft6">vor, da weder im revidierten Einführungsgesetz zum SchKG noch in</span><br/> <span class="ft6">der Zivilprozessordnung die Möglichkeit der Weiterziehung der Ent-</span><br/> <span class="ft6">scheide nach Art. 85a Abs. 2 SchKG vorgesehen ist. Aber auch eine</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdemöglichkeit nach der zweiten Eventualität ist zu vernei-</span><br/> <span class="ft6">nen, da der angefochtene Entscheid des Präsidenten des Bezirksge-</span><br/> <span class="ft6">richts K. vom 27. Juni 2006 nicht gegen grundlegende gesetzliche</span><br/> <span class="ft6">Bestimmungen verstösst (AGVE 1997 Nr. 10 S. 51 ff. Erw. 2a).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>