<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 44 S.187</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">187</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>44 Beitragsplan.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Folgen beim Fehlen einer genügenden gesetzlichen Grundlage und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>deren nachträglicher Schaffung (Erw. 1/a).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Rad- und Fusswege sowie Beleuchtung als Bestandteil der Strasse und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>damit der massgeblichen Strassenbaukosten (Erw. 5/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Zu kleiner Perimeter, Folgen für den Beitragsplan (Erw. 6/d/cc).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Behandlung freiwilliger Beiträge von Privaten im Beitragsplan</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 6/e).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 26. Juni 2001 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen J. AG und Z. AG gegen Entscheid des Baudepartements.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Mit Entscheid vom 9. September 1998 hiess das Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">gericht die Beschwerde der J. AG und der Z. AG gegen die ihnen mit</span><br/> <span class="ft1">dem Beitragsplan auferlegten Beiträge an die Kosten der S.-Strasse</span><br/> <span class="ft1">gut, weil die Bestimmungen im Bundes- und im kantonalen Recht</span><br/> <span class="ft1">dafür keine ausreichende Grundlage bildeten und es an einer gesetz-</span><br/> <span class="ft1">lichen Grundlage im kommunalen Recht fehlte (zur Begründung vgl.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">188</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">AGVE 1998, S. 181 ff.). In der Folge erliess die Gemeindever-</span><br/> <span class="ft1">sammlung M. ein "Übergangsreglement für die Erhebung von Stras-</span><br/> <span class="ft1">senbaubeiträgen". Gestützt auf dieses legte der Gemeinderat erneut</span><br/> <span class="ft1">einen Beitragsplan auf.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. a) Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat die Fest-</span><br/> <span class="ft1">stellung, dass eine Abgabenverfügung auf einer ungenügenden ge-</span><br/> <span class="ft1">setzlichen Grundlage beruht (sodass es an der gesetzlichen Grund-</span><br/> <span class="ft1">lage fehlt), nicht zur Folge, dass der beschwerdeführende Private</span><br/> <span class="ft1">überhaupt keine Abgabe bezahlen muss. Vielmehr bestehen ver-</span><br/> <span class="ft1">schiedene Möglichkeiten, die Abgabe trotzdem zu erheben, u.a.</span><br/> <span class="ft1">durch die Schaffung einer rückwirkenden neuen Abgabenordnung</span><br/> <span class="ft1">(URP 1998, S. 741 f.). Im VGE vom 9. September 1998 hat das Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgericht denn auch ausdrücklich festgehalten, die Gutheis-</span><br/> <span class="ft1">sung der Beschwerde schliesse die Erhebung eines Beitrags gestützt</span><br/> <span class="ft1">auf eine noch zu schaffende, ausreichende gesetzliche Grundlage</span><br/> <span class="ft1">nicht aus. Das von der Gemeinde M. erlassene Übergangsreglement</span><br/> <span class="ft1">sieht vor, dass es bis zum Inkrafttreten einschlägiger kantonaler Vor-</span><br/> <span class="ft1">schriften für die Beitragserhebung an Kosten des Strassenbaues gilt</span><br/> <span class="ft1">(§ 1) und dass es rückwirkend für alle hängigen Verfahren zur</span><br/> <span class="ft1">Festsetzung von Grundeigentümerbeiträgen Anwendung findet (§ 4).</span><br/> <span class="ft1">Zu Recht machen die Beschwerdeführerinnen nicht geltend, die ge-</span><br/> <span class="ft1">setzliche Grundlage für die angefochtenen Beiträge sei ungenügend.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">5. b) aa) Öffentliche Strassen sind alle dem Gemeingebrauch</span><br/> <span class="ft1">offen stehenden Strassen, Wege und Plätze mit ihren Bestandteilen</span><br/> <span class="ft1">(§ 80 Abs. 1 BauG). Bestandteile sind alle Bauten und Vorrichtun-</span><br/> <span class="ft1">gen, die zur technisch zweckmässigen und umweltschonenden Aus-</span><br/> <span class="ft1">gestaltung dienen (§ 80 Abs. 2 BauG), so die für den Schutz der</span><br/> <span class="ft1">Fussgänger und Radfahrer notwendigen Anlagen (lit. a; vgl. auch</span><br/> <span class="ft1">§ 84 Abs. 2 BauG) sowie Anlagen für die Einpassung in die Land-</span><br/> <span class="ft1">schaft (lit. f). Dass im vorliegenden Fall die Rad- und Fusswege (die</span><br/> <span class="ft1">bei einer Sammelstrasse im Industriegebiet aus Sicherheitsgründen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">189</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">klarerweise notwendig sind) sowie die Grünstreifen als Bestandteile</span><br/> <span class="ft1">zur Strasse gehören, kann demnach nicht zweifelhaft sein. Wenn die</span><br/> <span class="ft1">Erstellung (auch) im Interesse der Öffentlichkeit erfolgt, hat dies</span><br/> <span class="ft1">nicht zur Folge, dass die entsprechenden Kosten aus dem Beitrags-</span><br/> <span class="ft1">plan auszuscheiden wären, sondern beeinflusst vielmehr die Höhe</span><br/> <span class="ft1">des Gemeindeanteils.</span><br/> <span class="ft1">bb) Auch die Beleuchtung gehört, soweit sie notwendig ist, zu</span><br/> <span class="ft1">den Strassenbestandteilen (vgl. Ernst Kistler/René Müller, Baugesetz</span><br/> <span class="ft1">des Kantons Aargau [Kommentar], 1994, § 80 N 6 i.V.m. § 37 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">des Baugesetzes des Kantons Aargau vom 2. Februar 1971 [altes</span><br/> <span class="ft1">Baugesetz; aBauG]; Erich Zimmerlin, [Kommentar zum alten] Bau-</span><br/> <span class="ft1">gesetz des Kantons Aargau, 2. Auflage, Aarau 1985, § 11 N 5, § 37</span><br/> <span class="ft1">N 1). Den Ausführungen der Gemeinde, bei der S.-Strasse sei die</span><br/> <span class="ft1">Beleuchtung aus Gründen der Verkehrssicherheit notwendig, ist bei-</span><br/> <span class="ft1">zupflichten.</span><br/> <span class="ft1">Die Ansicht der Beschwerdeführerinnen, die Gemeinde müsse</span><br/> <span class="ft1">die Kosten der Beleuchtung vollumfänglich tragen (sodass sie richti-</span><br/> <span class="ft1">gerweise gar nicht in den Beitragsplan aufzunehmen wären), dürfte</span><br/> <span class="ft1">auf das frühere Recht zurückgehen, wo aus § 37 Abs. 3 aBauG ab-</span><br/> <span class="ft1">geleitet wurde, die Kostentragung bei der Beleuchtung sei unabhän-</span><br/> <span class="ft1">gig von derjenigen der Strassen geregelt, weshalb diese Kosten bei</span><br/> <span class="ft1">der Beitragserhebung gemäss § 31 ff. aBauG nicht einbezogen wer-</span><br/> <span class="ft1">den dürften (vgl. Zimmerlin, a.a.O., § 37 N 1 i.V.m. Vorbemerkungen</span><br/> <span class="ft1">zu §§ 23-25; Armin Knecht, Grundeigentümerbeiträge an Strassen</span><br/> <span class="ft1">im aargauischen Recht, Berner Diss., Aarau 1975, S. 54). Ob diese</span><br/> <span class="ft1">Interpretation zwingend sei, kann hier offen bleiben. Das BauG ent-</span><br/> <span class="ft1">hält keine Spezialbestimmungen zur Tragung der Kosten für die Er-</span><br/> <span class="ft1">stellung der Beleuchtungsanlagen, sodass diese wie andere Strassen-</span><br/> <span class="ft1">bestandteile zu behandeln sind; § 99 Abs. 2 BauG, auf den sich die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerinnen beziehen, beschlägt einzig den Unterhalt.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">6. d) cc) (...) Somit wurde der Beitragsperimeter im nördlichen</span><br/> <span class="ft1">Teil zu eng gezogen. Konsequenz davon ist, dass der Kostenanteil,</span><br/> <span class="ft1">der schätzungsweise auf die fälschlicherweise befreiten Grundstücke</span><br/> <span class="ft1">entfiele, dem Gemeindeanteil zugeschlagen wird, da ein Verzicht der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde auf mögliche Einnahmen nicht zu Lasten der beitrags-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">190</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">pflichtigen Grundeigentümer gehen darf (vgl. AGVE 1982, S. 158);</span><br/> <span class="ft1">die mögliche Alternative, nämlich die Aufhebung des gesamten Bei-</span><br/> <span class="ft1">tragsplans und Rückweisung zur Überarbeitung, steht dem Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht nicht offen, da es nicht über die Beschwerdebegehren</span><br/> <span class="ft1">hinausgehen darf (§ 43 Abs. 2 VRPG) und die Beschwerdeführerin-</span><br/> <span class="ft1">nen nur ihre eigenen Beiträge, nicht aber den gesamten Beitragsplan</span><br/> <span class="ft1">anfechten können (vgl. AGVE 1981, S. 152; 1982, S. 154 f.).</span><br/> <span class="ft1">(Durch den Einbezug der fälschlicherweise nicht einbezogenen</span><br/> <span class="ft1">Grundstücke) würde sich die Perimeterfläche um rund 15'000 m</span><span class="ft3">2</span><br/> <span class="ft1">erhöhen. (</span><span class="ft5">...)</span> <span class="ft1">Dementsprechend wäre der auf die Privaten entfallende</span><br/> <span class="ft1">Kostenanteil von Fr. 1'800'000.-- statt auf 85'339 m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">gewichteter</span><br/> <span class="ft1">Fläche auf 100'339 m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">zu verteilen, entsprechend Fr. 17.939/m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">ge-</span><br/> <span class="ft1">wichteter Fläche. (Die Erhöhung des Gemeindeanteils um 15'000 x</span><br/> <span class="ft1">Fr. 17.939 = rund Fr. 270'000.-- hebt diesen auf knapp 44 % an.)</span><br/> <span class="ft1">e) Der Gemeinderat hat durch Verhandlungen erreicht, dass ver-</span><br/> <span class="ft1">schiedene Grundeigentümer freiwillige Beiträge zusicherten, was</span><br/> <span class="ft1">nach der Beurteilung des Gemeinderats den Strassenbau bzw. dessen</span><br/> <span class="ft1">Finanzierung überhaupt erst ermöglichte. Dass die Gemeinde diese</span><br/> <span class="ft1">Beiträge auf ihren Gemeindeanteil anrechnen will, ist grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">nicht zu beanstanden (AGVE 1981, S. 162 f.). Unzulässig wäre es</span><br/> <span class="ft1">allerdings, diese Grundeigentümer im Gegenzug von ihrem gesetzli-</span><br/> <span class="ft1">chen Beitrag zu entlasten, weil dies zu einer unzulässigen Benachtei-</span><br/> <span class="ft1">ligung der übrigen Beitragspflichtigen führen würde (vgl. AGVE</span><br/> <span class="ft1">1982, S. 158; 1981, S. 163 oben). Im vorliegenden Fall enthält der</span><br/> <span class="ft1">Beitragsplan und insbesondere die Perimeterabgrenzung nicht die</span><br/> <span class="ft1">geringsten Hinweise auf eine unzulässige Privilegierung der leisten-</span><br/> <span class="ft1">den Grundeigentümer (der Rückzug ihrer Beitragszusage durch die</span><br/> <span class="ft1">A. SA erfolgte gerade deshalb, weil der Gemeinderat keine Gegen-</span><br/> <span class="ft1">leistungen zugestand). Sie wurden mit ihren Grundstücken offen-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich gleich behandelt wie alle anderen. Dies anerkennen letztlich</span><br/> <span class="ft1">auch die Beschwerdeführerinnen. Ihr ganz generell gehaltenes Ar-</span><br/> <span class="ft1">gument, solche Leistungen von Firmen seien immer irgendwie</span><br/> <span class="ft1">suspekt, genügt nicht, um das Vorgehen der Gemeinde als unzulässig</span><br/> <span class="ft1">erscheinen zu lassen.</span><br/></div> </div> </body> </html>