<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 48 S.171</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">171</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>48</b></span> <span class="ft2"><b>Ausstandsregeln im Nutzungsplanungsverfahren.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Gestützt auf Bundesrecht besteht keine Ausstandspflicht von betroffe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nen Grundeigentümern für die Mitwirkung in Planungskommissionen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>oder im Gemeinderat (Erw. 2/c).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- An der Gemeindeversammlung und bei der Genehmigung im Grossen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rat müssen direkt von Planungsmassnahmen betroffene Grundeigen-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tümer nicht in den Ausstand treten (Erw. 2/d).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">172</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>- Den Entscheidungen der kommunalen Planungskommission bei der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Festsetzung oder Abgrenzung der Bauzone kommt so entscheidende</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bedeutung zu, dass deren Mitglieder in den Ausstand treten müssen,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wenn sie oder ihnen nahestehende Personen von einem konkret um-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>strittenen Planungsentscheid betroffen sind (Erw. 2/d/aa-ff).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 1. November 2002, in</span><br/> <span class="ft3">Sachen R. AG und Mitb. gegen den Grossen Rat und den Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Einen formellen Mangel der Nutzungsplanung sehen die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerinnen in der Tatsache, dass der Gemeindeammann</span><br/> <span class="ft1">A. sowohl als Präsident der Planungskommission als auch als Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat an der Ausarbeitung des Zonenplanentwurfs massgeblich</span><br/> <span class="ft1">beteiligt gewesen sei, obwohl seine Frau als Miterbin Eigentümerin</span><br/> <span class="ft1">der Parzelle Nr. X sei, welche im umstrittenen Gebiet "M." liege.</span><br/> <span class="ft1">Darin liege eine Verletzung der Ausstandspflicht durch den Gemein-</span><br/> <span class="ft1">deammann. Dies umso mehr, als das Baudepartement, Abteilung</span><br/> <span class="ft1">Raumentwicklung, der Gemeinde im Vorprüfungsverfahren noch</span><br/> <span class="ft1">nahegelegt habe, die Baugebietsgrösse zusätzlich im Gebiet "M." zu</span><br/> <span class="ft1">reduzieren, womit die Parzelle Nr. X aus dem Baugebiet herausge-</span><br/> <span class="ft1">fallen wäre.</span><br/> <span class="ft1">b) Die umstrittene Parzelle Nr. X gehörte dem Schwiegervater</span><br/> <span class="ft1">des Gemeindeammanns, Herrn B. Dieser ist am 23. Mai 2000, somit</span><br/> <span class="ft1">einen Monat vor der Gemeindeversammlung über die Nutzungspla-</span><br/> <span class="ft1">nung, verstorben. Zur Erbengemeinschaft gehört unter anderen auch</span><br/> <span class="ft1">die Ehefrau des Gemeindeammanns. Der Gemeindeammann präsi-</span><br/> <span class="ft1">dierte die Planungskommission, welche den Entwurf für die neue</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsplanung zuhanden des Gemeinderates vorbereitete. In sei-</span><br/> <span class="ft1">nem Amt als Gemeindeammann leitete er auch die Sitzungen des</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderates während des Planungsverfahrens (§ 43 Abs. 1 GG).</span><br/> <span class="ft1">Im Laufe des Einspracheverfahrens ist er auf Verlangen der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerinnen in den Ausstand getreten. Unbestritten ist</span><br/> <span class="ft1">jedoch, dass er bei der Gestaltung des definitiven Planentwurfs auch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">173</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">hinsichtlich des Gebiets "M." sowohl in der Planungskommission als</span><br/> <span class="ft1">auch im Gemeinderat mitgewirkt hat.</span><br/> <span class="ft1">c) Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis festgehalten, dass</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf Art. 8 und 29 Abs. 1 BV hinsichtlich der Ausstands-</span><br/> <span class="ft1">pflicht für Mitglieder der Behörden in kleineren Landgemeinden</span><br/> <span class="ft1">keine allzu strengen Anforderungen gestellt werden dürfen. In ländli-</span><br/> <span class="ft1">chen Verhältnissen komme es häufig vor, dass Mitglieder des</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderates durch eine Planungsmassnahme, welche im öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Interesse erfolge, in ihrer Eigenschaft als Grundeigentümer</span><br/> <span class="ft1">selber irgendwie betroffen werden, sei es im positiven oder im nega-</span><br/> <span class="ft1">tiven Sinne. Die Selbstverwaltung der Gemeinden im Bau- und Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungswesen würde erheblich erschwert, nähme man in all diesen</span><br/> <span class="ft1">Fällen eine Ausstandspflicht gestützt auf Bundesrecht an (Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richt, in: ZBl 103/2002, S. 37 f. mit Hinweis auf ZBl 80/1979,</span><br/> <span class="ft1">S. 488 f.). Eine Ausstandspflicht des Gemeindeammanns in der Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungskommission und im Gemeinderat bestand gestützt auf Bundes-</span><br/> <span class="ft1">recht nicht.</span><br/> <span class="ft1">d) Auf kantonaler Ebene haben nach der Rechtsprechung die</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümer, welche direkt von einer Planungsmassnahme be-</span><br/> <span class="ft1">troffen sind, an der Gemeindeversammlung beim Beschluss über die</span><br/> <span class="ft1">Zonenplanung entgegen § 25 Abs. 1 GG nicht in den Ausstand zu</span><br/> <span class="ft1">treten. Dies gilt selbst für Teilrevisionen, bei denen nur einzelne</span><br/> <span class="ft1">Grundstücke betroffen sind (VGE III/4 vom 31. Januar 1973 in Sa-</span><br/> <span class="ft1">chen R. AG, S. 8; AGVE 1994, S. 547; 1985, S. 531; 1980, S. 497).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 30 Abs. 3 des Gesetzes über die Organisation des Grossen</span><br/> <span class="ft1">Rates und über den Verkehr zwischen dem Grossen Rat, dem Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat und dem Obergericht [GVG; SAR 152.200] vom 19. Juni</span><br/> <span class="ft1">1990) gilt auch beim Erlass und bei der Genehmigung eines Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsplanes durch den Grossen Rat keine Ausstandspflicht.</span><br/> <span class="ft1">aa) § 25 Abs. 1 GG verlangt, dass im kommunalen Gesetzge-</span><br/> <span class="ft1">bungsverfahren diejenigen Stimmberechtigten das Versammlungs-</span><br/> <span class="ft1">lokal vor der Abstimmung zu verlassen haben, welche ein unmittel-</span><br/> <span class="ft1">bares und persönliches Interesse an einem Verhandlungsgegenstand</span><br/> <span class="ft1">der Einwohnergemeindeversammlung haben, weil dieser für sie di-</span><br/> <span class="ft1">rekte und genau bestimmte, insbesondere finanzielle Folgen bewirkt.</span><br/> <span class="ft1">Diese Ausstandspflicht trifft nicht nur die persönlich interessierten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">174</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Personen selbst, sondern ebenso deren Ehegatten, Eltern und Kinder</span><br/> <span class="ft1">mit ihren Ehegatten. Ziel und Zweck dieser Bestimmung ist, dass</span><br/> <span class="ft1">niemand, der vom Ausgang eines Geschäfts in seinen persönlichen</span><br/> <span class="ft1">Rechten oder materiellen Interessen betroffen ist, durch seine Anwe-</span><br/> <span class="ft1">senheit numerisch das Stimmenverhältnis verändern oder im Rahmen</span><br/> <span class="ft1">des politischen Entscheidungsprozesses Einfluss nehmen kann. So</span><br/> <span class="ft1">soll verhindert werden, dass sachfremde Argumente das demokrati-</span><br/> <span class="ft1">sche Rechtsetzungsverfahren beeinflussen.</span><br/> <span class="ft1">In seinem Kerngehalt geht es bei diesen Ausstandspflichten</span><br/> <span class="ft1">darum, den durch die Verfassung den Stimmberechtigten gewährleis-</span><br/> <span class="ft1">teten Anspruch auf ein unverfälschtes Abstimmungsresultat, das den</span><br/> <span class="ft1">freien und unverfälschten Willen zum Ausdruck bringt, zu gewähr-</span><br/> <span class="ft1">leisten (Bernhard Ehrenzeller/Philippe Mastronardi/ Rainer</span><br/> <span class="ft1">J. Schweizer/Klaus A. Vallender, Die schweizerische Bundesverfas-</span><br/> <span class="ft1">sung, Kommentar, Zürich 2002, Art. 34 N 10 f. mit Hinweisen). Da-</span><br/> <span class="ft1">mit soll andererseits auch gewährleistet werden, dass der massgebli-</span><br/> <span class="ft1">che Wille der Gemeindeversammlung korrekt ermittelt und die</span><br/> <span class="ft1">demokratische und pluralistische Abstimmung auf einem offenen</span><br/> <span class="ft1">und transparenten Meinungsbildungsprozess beruht. Die Abstim-</span><br/> <span class="ft1">mungsfreiheit beinhaltet insoweit auch eine institutionelle Garantie.</span><br/> <span class="ft1">bb) Beim Beschluss der Gemeindeversammlung über allge-</span><br/> <span class="ft1">meine Nutzungspläne und -vorschriften ergeben sich einerseits aus</span><br/> <span class="ft1">der Rechtsnatur des Planes (vgl. hiezu Pierre Moor, in: Heinz Aemi-</span><br/> <span class="ft1">segger/Alfred Kuttler/Pierre Moor/Alexander Ruch [Hrsg.], Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung, Zürich 1999,</span><br/> <span class="ft1">Art. 14 N 4 ff.; Ulrich Häfelin/Georg Müller, Allgemeines Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsrecht, 4. Auflage, Zürich 2002, Rz. 939 ff.) und andererseits aus</span><br/> <span class="ft1">dem Planungsablauf Besonderheiten. Diesen Besonderheiten gerade</span><br/> <span class="ft1">im Hinblick auf die Abstimmungsfreiheit trägt § 25 Abs. 1 BauG</span><br/> <span class="ft1">insoweit Rechnung, als die Einspracheentscheide des Gemeinderates</span><br/> <span class="ft1">der Gemeindeversammlung bzw. dem Einwohnerrat bekannt</span><br/> <span class="ft1">zugeben sind und andererseits der Gemeinderat verpflichtet ist, die</span><br/> <span class="ft1">Gemeindeversammlung als zuständiges Organ über die von ihm</span><br/> <span class="ft1">vorgeschlagenen Abweichungen zum kantonalen Vorprüfungsbericht</span><br/> <span class="ft1">(vgl. § 23 Abs. 1 BauG) nicht nur zu orientieren, sondern diese Dif-</span><br/> <span class="ft1">ferenzen auch zu begründen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">175</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Der Ablauf eines Planungsverfahrens von den ersten Entwürfen,</span><br/> <span class="ft1">in der Regel eines beauftragten Planungsbüros, über die Behandlun-</span><br/> <span class="ft1">gen in kommunalen Planungskommissionen, im Gemeinderat mit der</span><br/> <span class="ft1">üblichen Begleitung durch das Baudepartement (§ 23 Abs. 2 BauG)</span><br/> <span class="ft1">und das institutionalisierte Mitwirkungsverfahren (§ 22 BauG), des-</span><br/> <span class="ft1">sen Ergebnisse im Mitwirkungsbericht des Gemeinderates ebenfalls</span><br/> <span class="ft1">öffentlich sind und der Abstimmungsfreiheit dienen, über das</span><br/> <span class="ft1">Einspracheverfahren bis zum Antrag des Gemeinderates an die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindeversammlung lässt erkennen, dass massgebende Grundsteine</span><br/> <span class="ft1">und Entscheidungen gerade über die Zonierung in der Entwurf- und</span><br/> <span class="ft1">Beurteilungsphase vor der Planungskommission stattfinden. In der</span><br/> <span class="ft1">Planungskommission werden vor dem Mitwirkungsverfahren insbe-</span><br/> <span class="ft1">sondere umstrittene Einzelpunkte der zukünftigen Nutzungsordnung</span><br/> <span class="ft1">behandelt. In dieser Kommission, zu deren Sitzungen auch der</span><br/> <span class="ft1">zuständige kantonale Raumplaner beigezogen werden kann, können</span><br/> <span class="ft1">auch Differenzen in gegenläufigen Interessen diskutiert und im</span><br/> <span class="ft1">Schosse der Planungskommission einer Entscheidung zugeführt wer-</span><br/> <span class="ft1">den. Nicht ausgeschlossen ist, dass bereits in dieser Phase alternative</span><br/> <span class="ft1">Planungsentscheide oder Varianten unter Mitwirkung des Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">rates entschieden werden, bevor der Entwurf der Nutzungsplanung</span><br/> <span class="ft1">öffentlich aufgelegt und das eigentliche Mitwirkungsverfahren und</span><br/> <span class="ft1">die (abschliessende) Vorprüfung durch die kantonalen Behörden</span><br/> <span class="ft1">stattfindet. Der den Stimmberechtigten an der Gemeindeversamm-</span><br/> <span class="ft1">lung unterbreitete Nutzungsplanentwurf ist damit das Resultat eines</span><br/> <span class="ft1">Planungsprozesses am Ende des Mitwirkungs-, Vorprüfungs- und</span><br/> <span class="ft1">Einspracheverfahrens. Der Abstimmung in der Gemeindeversamm-</span><br/> <span class="ft1">lung mit ihren Bestimmungen zur Transparenz geht so eine entschei-</span><br/> <span class="ft1">dende Phase in der Planungskommission voraus. In der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindeversammlung kommt naturgemäss das gesamte Plangefüge</span><br/> <span class="ft1">zur Diskussion, ohne dass einzelne Entscheidungen noch einmal ver-</span><br/> <span class="ft1">tieft diskutiert werden. So ist es denn auch ausgesprochen schwierig,</span><br/> <span class="ft1">in der Entwurfphase getroffene Entscheidungen über die Zonierung</span><br/> <span class="ft1">einzelner Grundstücke an der Gemeindeversammlung noch zu än-</span><br/> <span class="ft1">dern, weil als Folge davon oft weitere Grundstücke einer anderen</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsordnung zugeführt werden müssten. Daraus erhellt, dass</span><br/> <span class="ft1">den Mitgliedern der Planungskommission und ihren Entscheidungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">176</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">beim Entwurf der Nutzungsplanung, insbesondere bei der Festset-</span><br/> <span class="ft1">zung der Bauzone nach Art. 15 RPG und deren Abgrenzung eine her-</span><br/> <span class="ft1">ausragende Bedeutung zukommt. Faktisch wird das planerische Er-</span><br/> <span class="ft1">messen, welches der Gemeinde bei der Festsetzung der Bauzone</span><br/> <span class="ft1">zusteht (vgl. dazu § 106 Abs. 1 KV i.V.m. § 13 Abs. 1 BauG; AGVE</span><br/> <span class="ft1">1980, S. 204; Peter Hänni, Planungs- Bau- und besonderes Umwelt-</span><br/> <span class="ft1">recht, 4. Auflage, Bern 2002, S. 218) im umfassenden Sinne von der</span><br/> <span class="ft1">Planungskommission ausgeübt. Sie entscheidet - allenfalls unter</span><br/> <span class="ft1">Mitwirkung des Gemeinderates - insbesondere über die Grösse und</span><br/> <span class="ft1">die Abgrenzung sowie die Nutzung des Baugebietes. Vor allem be-</span><br/> <span class="ft1">stimmt die Planungskommission, welche Grundstücke am Siedlungs-</span><br/> <span class="ft1">rand ein- oder ausgezont werden, allenfalls welche ausgezont werden</span><br/> <span class="ft1">müssen. Ist eine Gemeinde zur Reduktion der Bauzone auf Grund</span><br/> <span class="ft1">von Art. 15 lit. b RPG verpflichtet, kann es über Gebiete, welche die</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Vorgaben und planerischen Parameter zwar erfüllen, zu</span><br/> <span class="ft1">Interessenabwägungen mit involvierten Grundeigentümerinteressen</span><br/> <span class="ft1">kommen, denen unter Umständen entscheidende Bedeutung zuge-</span><br/> <span class="ft1">messen wird.</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen ist daher im vorliegenden Fall, ob die Mitwirkung</span><br/> <span class="ft1">des Gemeindeammanns in der Planungskommission bei der Festset-</span><br/> <span class="ft1">zung der Bauzone und deren Abgrenzung im umstrittenen Gebiet</span><br/> <span class="ft1">objektiv geeignet war, den der Gemeindeversammlung schliesslich</span><br/> <span class="ft1">unterbreiteten Entwurf massgeblich zu beeinflussen.</span><br/> <span class="ft1">cc) Der Schwiegervater des Gemeindeammanns und ab 23. Mai</span><br/> <span class="ft1">2000 seine Ehefrau als Mitglied der Erbengemeinschaft waren u.a.</span><br/> <span class="ft1">Eigentümer der Parzelle Nr. X im Gebiet "M.", welches in der Bau-</span><br/> <span class="ft1">zone 2. Etappe lag. Sowohl für den Schwiegervater als auch für die</span><br/> <span class="ft1">Ehefrau des Gemeindeammanns hatte die konkrete Zonierung im</span><br/> <span class="ft1">Gebiet "M." direkte finanzielle Folgen. Wäre die umstrittene Parzelle</span><br/> <span class="ft1">Nr. X nicht mehr der Bauzone zugeteilt worden, hätte dies zu einem</span><br/> <span class="ft1">erheblichen Minderwert der Parzelle geführt.</span><br/> <span class="ft1">Das Baudepartement hat in seinem provisorischen Vorprüfungs-</span><br/> <span class="ft1">bericht vom 11. Januar 1999 der Gemeinde eine weitere Reduktion</span><br/> <span class="ft1">der Bauzone empfohlen und als geeignete Fläche für diese Reduktion</span><br/> <span class="ft1">den obersten Teil des Gebiets "M." (u.a. Parzelle Nr. X) genannt, da</span><br/> <span class="ft1">aus "landschaftlichen und biologischen Gründen" eine weitere Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">177</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">breiterung des Grüngürtels zwischen den Gemeinden O. und U.</span><br/> <span class="ft1">anzustreben sei. Die Planungskommission hat an ihrer Sitzung vom</span><br/> <span class="ft1">19.</span> <span class="ft1">Januar 1999 in Anwesenheit des Gemeindeammanns den</span><br/> <span class="ft1">provisorischen Vorprüfungsbericht behandelt. Der Planer hat dabei</span><br/> <span class="ft1">auf die von den kantonalen Behörden vorgeschlagene Reduktion der</span><br/> <span class="ft1">Wohn- und Mischzonen im Gebiet "M." hingewiesen und die</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeiten einer Verschiebung der Baugrenze aufgezeigt. Die</span><br/> <span class="ft1">Kommission beschloss, an der Grösse des Baugebietes festzuhalten</span><br/> <span class="ft1">und hat bei der Behandlung von Eingaben die privaten Auszo-</span><br/> <span class="ft1">nungsbegehren für das Gebiet "M." ausdrücklich abgelehnt. Eine</span><br/> <span class="ft1">weitere Sitzung der Planungskommission in Anwesenheit des zu-</span><br/> <span class="ft1">ständigen Raumplaners fand am 16. März 1999 statt. Unter Traktan-</span><br/> <span class="ft1">dum 4 wurde das Gebiet "M." behandelt. Der von der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">beauftragte Planer zeigte Fotografien über ein Baugespann und der</span><br/> <span class="ft1">Raumplaner des Kantons erläuterte die kantonale Auffassung, dass</span><br/> <span class="ft1">trotz der vorgenommenen Rückzonung das ausgeschiedene Bauge-</span><br/> <span class="ft1">biet immer noch zu gross und eine weitere Reduktion des Baugebie-</span><br/> <span class="ft1">tes anzustreben sei. In dieser Diskussion hat der Gemeindeammann</span><br/> <span class="ft1">die kantonalen Zahlen in Frage gestellt.</span><br/> <span class="ft1">Der definitive Vorprüfungsbericht der Abteilung Raumplanung</span><br/> <span class="ft1">(heute Abteilung Raumentwicklung) vom 14. Juli 1999 erwähnt un-</span><br/> <span class="ft1">ter Ziff. 3.1 zwar die, nach kantonaler Auffassung, bestehende Über-</span><br/> <span class="ft1">grösse der Bauzone, kommt aber zum Ergebnis, dass auf Grund des</span><br/> <span class="ft1">Flächenverbrauchs in den letzten 15 Jahren die rechnerische Über-</span><br/> <span class="ft1">grösse der Bauzone akzeptiert werden kann. An der Sitzung vom</span><br/> <span class="ft1">21. Juli 1999 hat die Planungskommission den Vorprüfungsbericht</span><br/> <span class="ft1">zur Kenntnis genommen; Diskussionen über das Gebiet "M." fanden</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr statt.</span><br/> <span class="ft1">Somit ist festzuhalten, dass mit Bezug auf die konkrete Zonie-</span><br/> <span class="ft1">rung der im Gebiet "M." liegenden Parzelle Nr. X noch im provisori-</span><br/> <span class="ft1">schen Vorprüfungsbericht eine Differenz zu den kantonalen Behör-</span><br/> <span class="ft1">den bestand. Die Planungskommission hat den Vorschlag der kanto-</span><br/> <span class="ft1">nalen Behörden diskutiert und in ablehnendem Sinn entschieden.</span><br/> <span class="ft1">Diese Differenz war im definitiven Vorprüfungsbericht nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">aufgeführt und demgemäss entfiel eine Orientierung über diese Dif-</span><br/> <span class="ft1">ferenz und deren Begründung zuhanden der Gemeindeversammlung.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">178</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Anerkannt ist, dass der Gemeindeammann bei der Festlegung der</span><br/> <span class="ft1">Zonierung des Gebietes "M." nicht in den Ausstand getreten ist. In</span><br/> <span class="ft1">der Einladung zur Einwohnergemeindeversammlung vom 23. Juni</span><br/> <span class="ft1">2000 wird zwar der provisorische Vorprüfungsbericht erwähnt, ohne</span><br/> <span class="ft1">indessen inhaltliche Differenzen zwischen Kanton und Gemeinde zu</span><br/> <span class="ft1">erläutern.</span><br/> <span class="ft1">Diese Differenzen in der Zonierung des Gebiets "M." wurden</span><br/> <span class="ft1">auch an der Gemeindeversammlung vom 23. Juni 2000 nicht thema-</span><br/> <span class="ft1">tisiert.</span><br/> <span class="ft1">dd) Aus den Gemeinderatsprotokollen ergeben sich keine Hin-</span><br/> <span class="ft1">weise dafür, dass der Gemeinderat über die Zonierung des Gebiets</span><br/> <span class="ft1">"M." gesondert beraten und entschieden hat.</span><br/> <span class="ft1">ee) Zusammenfassend kommt das Verwaltungsgericht zum Er-</span><br/> <span class="ft1">gebnis, dass im vorliegenden Fall, wo es beim Entscheid über eine</span><br/> <span class="ft1">Bauzone und deren Abgrenzung am Zonenrand in der Planungskom-</span><br/> <span class="ft1">mission zu einer Differenz mit dem Kanton über Grundstücke ge-</span><br/> <span class="ft1">kommen ist, welche im Eigentum einer im Sinne von § 25 GG nahe-</span><br/> <span class="ft1">stehenden, verwandten Person eines Mitglieds der Planungskommis-</span><br/> <span class="ft1">sion steht, die Abstimmungsfreiheit in ihrer institutionellen Mei-</span><br/> <span class="ft1">nungsbildungskomponente tangiert ist. Der objektive Anschein, dass</span><br/> <span class="ft1">bei diesem Planungsentscheid mit einer solcherart konkret beurteil-</span><br/> <span class="ft1">ten Planfestsetzung die Interessenabwägung in der Planungskommis-</span><br/> <span class="ft1">sion durch persönliche Interessen eines Kommissionsmitglieds be-</span><br/> <span class="ft1">einflusst wurde, was ausserdem im Entwurf zuhanden der Gemein-</span><br/> <span class="ft1">deversammlung nicht mehr transparent gemacht wurde, erscheint</span><br/> <span class="ft1">dem Verwaltungsgericht gegeben. Ob sich der Gemeindeammann</span><br/> <span class="ft1">tatsächlich mehr von privaten Interessen statt vom Gemeindewohl</span><br/> <span class="ft1">leiten liess, ist irrelevant und wird damit nicht unterstellt. Der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindeammann hätte somit an den beiden Sitzungen der Planungs-</span><br/> <span class="ft1">kommission vom 19. Januar bzw. 16. März 1999 beim Beschluss der</span><br/> <span class="ft1">Planungskommission über die Differenz zum provisorischen Vorprü-</span><br/> <span class="ft1">fungsbericht in den Ausstand treten müssen. Dieses Ergebnis ent-</span><br/> <span class="ft1">spricht auch dem Zweckgedanken, wonach der Gemeinderat die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindeversammlung über Differenzen zum kantonalen Vorprüfungs-</span><br/> <span class="ft1">bericht zu orientieren hat. In diesem Zusammenhang ist auch darauf</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">179</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">hinzuweisen, dass das Baugesetz keinen provisorischen Vorprüfungs-</span><br/> <span class="ft1">bericht vorsieht.</span><br/> <span class="ft1">An diesem Ergebnis vermag nichts zu ändern, dass eine andere</span><br/> <span class="ft1">Parzelle der Erbengemeinschaft, an welcher die Ehefrau des Gemein-</span><br/> <span class="ft1">deammanns beteiligt ist, einer Nichtbauzone zugewiesen wurde und</span><br/> <span class="ft1">bereits bei früheren Planungsrevisionen Teilflächen im Eigentum der</span><br/> <span class="ft1">Erbengemeinschaft ausgezont wurden. Zutreffend ist, dass in ländli-</span><br/> <span class="ft1">chen Gemeinden die Ausstandspflicht im Interesse der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">nicht leicht zu bejahen ist. Die hier erfolgte Mitwirkung des Gemein-</span><br/> <span class="ft1">deammanns unterscheidet sich sodann vom Normalfall einer</span><br/> <span class="ft1">Totalrevision insofern, als vorliegend in der Planungskommission</span><br/> <span class="ft1">konkret über das Gebiet mit dem Grundstück der ihn zumindest indi-</span><br/> <span class="ft1">rekt betreffenden Erbengemeinschaft diskutiert und über deren Zo-</span><br/> <span class="ft1">nierung separat beschlossen wurde. Keinen Einfluss auf die Beurtei-</span><br/> <span class="ft1">lung der Ausstandspflicht kann die an sich zutreffende Auffassung</span><br/> <span class="ft1">haben, dass die Beschwerdeführerinnen aus der Verletzung der Aus-</span><br/> <span class="ft1">standspflicht keinen Anspruch auf Zuweisung ihrer Parzellen in die</span><br/> <span class="ft1">Bauzone ableiten können. Wie erwähnt, geht es bei dieser Frage um</span><br/> <span class="ft1">die Garantie der institutionellen Meinungsbildungsfreiheit der</span><br/> <span class="ft1">Stimmberechtigten.</span><br/> <span class="ft1">ff) Das Verwandtschaftsverhältnis des Gemeindeammanns zu</span><br/> <span class="ft1">seinem Schwiegervater begründet analog zur Regelung in § 25</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 GG eine Befangenheit infolge verwandtschaftlicher Nähe.</span><br/> <span class="ft1">Der Kreis der Ausstandspflichtigen vorliegend enger zu fassen,</span><br/> <span class="ft1">rechtfertigt sich auch in Anbetracht anderer prozessualer Ausstands-</span><br/> <span class="ft1">vorschriften nicht (vgl. § 5 VRPG, § 2 ZPO und Art. 22 OG).</span><br/> <span class="ft4"><i>Redaktionelle Anmerkung:</i></span><br/> <span class="ft4"><i>Das Bundesgericht hat mit Urteil vom 14.</i></span> <span class="ft4"><i>Oktober 2003</i></span><br/> <span class="ft4"><i>(1P.316/2003) eine staatsrechtliche Beschwerde gegen den Entscheid</i></span><br/> <span class="ft4"><i>vom 1. November 2002 abgewiesen.</i></span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen des Bundesgerichts</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.5 Gemäss § 5 Abs. 1 VRPG dürfen Behördemitglieder und</span><br/> <span class="ft1">Sachbearbeiter beim Erlass von Verfügungen und Entscheiden nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">180</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mitwirken, wenn ein Ausstandsgrund im Sinne der Zivilprozessord-</span><br/> <span class="ft1">nung vorliegt. Abs. 2 der zitierten Bestimmung sieht vor, dass Be-</span><br/> <span class="ft1">hördemitglieder und Sachbearbeiter sich insbesondere in den Aus-</span><br/> <span class="ft1">stand zu begeben haben, wenn sie selbst oder ihnen nahe verbundene</span><br/> <span class="ft1">Personen an der Verfügung oder dem Entscheid persönlich interes-</span><br/> <span class="ft1">siert sind, sowie in Angelegenheiten von juristischen Personen, deren</span><br/> <span class="ft1">Verwaltung sie oder ihnen nahe verbundene Personen angehören,</span><br/> <span class="ft1">ferner wenn sie in der Sache schon in einer untern Instanz oder als</span><br/> <span class="ft1">Berater oder Vertreter eines Beteiligten mitgewirkt haben. Nach § 2</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 lit. a ZPO ist der Richter u.a. von der Ausübung seines Amtes</span><br/> <span class="ft1">ausgeschlossen in Streitsachen, in denen er selbst oder sein Ehegatte</span><br/> <span class="ft1">Partei sind, auch wenn die Ehe aufgelöst worden ist (Ziff. 1) oder in</span><br/> <span class="ft1">denen Personen, die mit ihm oder seinem Ehegatten in gerader Linie</span><br/> <span class="ft1">oder in der Seitenlinie bis zum Grad der Geschwisterkinder verwandt</span><br/> <span class="ft1">oder verschwägert sind, Partei sind (Ziff. 2).</span><br/> <span class="ft1">Nachdem der Gemeindeammann sowohl in der Planungskom-</span><br/> <span class="ft1">mission als auch im Gemeinderat in präsidierender Funktion tätig</span><br/> <span class="ft1">war bei einer Planung, von welcher sein Schwiegervater resp. seine</span><br/> <span class="ft1">Ehefrau direkt betroffen waren, ist nicht ersichtlich, inwiefern das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht in Anwendung der zitierten Normen willkürlich</span><br/> <span class="ft1">gehandelt hätte. Das Argument der Beschwerdeführerin, § 25</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 GG lasse sich nicht auf die Verhandlungen in der Planungs-</span><br/> <span class="ft1">kommission anwenden, da diese Bestimmung lediglich verlange, der</span><br/> <span class="ft1">Betroffene habe das Verhandlungslokal vor der Abstimmung zu</span><br/> <span class="ft1">verlassen, überzeugt nicht. Das Verwaltungsgericht hat die</span><br/> <span class="ft1">Ausstandsregeln von § 25 Abs. 1 GG im Sachzusammenhang mit § 5</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 Satz 3 BauG angewandt: Gemäss § 25 Abs. 1 Satz 3 BauG</span><br/> <span class="ft1">orientiert der Gemeinderat das zuständige Organ über die von ihm</span><br/> <span class="ft1">vorgeschlagenen Abweichungen vom (definitiven) Vorprüfungsbe-</span><br/> <span class="ft1">richt und begründet sie. Die Organisation und das Verfahren in der</span><br/> <span class="ft1">Planungskommission sind gesetzlich nicht explizit geregelt. Es ist</span><br/> <span class="ft1">indessen unbestritten, dass die Planungskommission vom provisori-</span><br/> <span class="ft1">schen Vorprüfungsbericht des Kantons abgewichen ist. Diese Abwei-</span><br/> <span class="ft1">chung wurde an der Gemeindeversammlung vom 23. Juni 2000 nicht</span><br/> <span class="ft1">erwähnt. Wenn das Verwaltungsgericht in Anbetracht der Stellung,</span><br/> <span class="ft1">welche der Planungskommission als vorbereitender kommunaler</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">181</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Behörde im Nutzungsplanverfahren zukommt, die Ausstandsbestim-</span><br/> <span class="ft1">mungen des Verwaltungsrechtspflegegesetzes in Verbindung mit dem</span><br/> <span class="ft1">Gemeindegesetz analog anwendet, ist dies nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft1">Zudem ist schwerlich in Abrede zu stellen, dass die Ehefrau (als</span><br/> <span class="ft1">Mitglied der Erbengemeinschaft) resp. zuvor der Schwiegervater als</span><br/> <span class="ft1">dem Präsidenten nahestehende Personen ein direktes Interesse daran</span><br/> <span class="ft1">hatten, dass die Parzelle der Bauzone zugeteilt wird. Dass Ausstands-</span><br/> <span class="ft1">regeln im Übrigen auch für die Vorbereitung von Entscheiden gelten,</span><br/> <span class="ft1">ist weitgehend unbestritten (Michael Merker, Rechtsmittel, Klage</span><br/> <span class="ft1">und Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über</span><br/> <span class="ft1">die Verwaltungsrechtspflege, Kommentar zu den §§ 38 - 72 VRPG,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 1998, § 50 N 8).</span><br/> <span class="ft1">Steht fest, dass sich das Verwaltungsgericht zulässigerweise auf</span><br/> <span class="ft1">die genannten kantonalen Ausstandsregeln berufen hat, ist zu prüfen,</span><br/> <span class="ft1">ob die Teilnahme des Planungskommissionspräsidenten und Gemein-</span><br/> <span class="ft1">deammanns an der Planung im Gebiet "M." geeignet war, den An-</span><br/> <span class="ft1">schein von Befangenheit zu erwecken.</span><br/> <span class="ft1">3.6</span><br/> <span class="ft1">3.6.1 Die vom Verwaltungsgericht zitierten kantonalen Verfah-</span><br/> <span class="ft1">rensbestimmungen verfolgen den gleichen Sinn und Zweck wie auf</span><br/> <span class="ft1">Verfassungsstufe Art. 8 Abs. 1 und Art. 29 Abs. 1 BV. Nach der bun-</span><br/> <span class="ft1">desgerichtlichen Praxis können Stellung und Aufgaben von Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungs- und Verwaltungsbehörden eine differenzierte Ausstandsre-</span><br/> <span class="ft1">gelung nahe legen. Politische Behörden (Kantonsregierungen, Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindeexekutiven usw.) sind auf Grund ihres Amtes, anders als ein</span><br/> <span class="ft1">Gericht, nicht allein zur (neutralen) Rechtsanwendung oder Streitent-</span><br/> <span class="ft1">scheidung berufen. Sie tragen zugleich eine besondere Verantwor-</span><br/> <span class="ft1">tung für die Erfüllung bestimmter öffentlicher Aufgaben (Urteil</span><br/> <span class="ft1">2A.364/1995 des Bundesgerichtes vom 14.</span> <span class="ft1">Februar 1997 in:</span><br/> <span class="ft1">ZBl 99/1998 S. 289 E. 3b). Das Bundesgericht hat denn auch wieder-</span><br/> <span class="ft1">holt entschieden, dass Behördenmitglieder nur dann in den Ausstand</span><br/> <span class="ft1">zu treten haben, wenn sie an der zu behandelnden Sache ein persönli-</span><br/> <span class="ft1">ches Interesse haben (BGE 107 Ia 135 E. 2b S. 137; 125 I 119 E. 3b-</span><br/> <span class="ft1">e S. 123 f.); nimmt ein Behördenmitglied jedoch öffentliche Interes-</span><br/> <span class="ft1">sen wahr, so besteht grundsätzlich keine Ausstandspflicht (Urteil</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">182</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">1P.426/1999 des Bundesgerichtes vom 20.</span> <span class="ft1">Juni 2000 in: ZBl</span><br/> <span class="ft1">103/2002 S. 36 E. 2a S. 37 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">3.6.2 Im vorliegenden Fall gilt es zu beachten, dass der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindeammann nicht einfach Mitglied der Planungskommission und</span><br/> <span class="ft1">des Gemeinderates war, sondern in beiden Behörden die leitende</span><br/> <span class="ft1">Funktion innehatte. Das Verwaltungsgericht hat zu Recht erwogen,</span><br/> <span class="ft1">dass die massgeblichen Entscheide und Interessenabwägungen im</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsplanverfahren in der vorberatenden Planungskommission</span><br/> <span class="ft1">gefällt werden. In der Planungskommission wird insbesondere die</span><br/> <span class="ft1">Siedlungsabgrenzung ein erstes Mal festgelegt, wird beraten und</span><br/> <span class="ft1">entschieden, wo die Bauzone vergrössert oder reduziert werden soll.</span><br/> <span class="ft1">Selbst wenn der Gemeinderat das Geschäft von Anfang an formell in</span><br/> <span class="ft1">den Händen hält, werden im Gemeinderat doch hauptsächlich die</span><br/> <span class="ft1">Vorschläge der Planungskommission besprochen, allenfalls noch</span><br/> <span class="ft1">abgeändert und dann beschlossen. Im Stadium, da die Planung in der</span><br/> <span class="ft1">Gemeindeversammlung zur Abstimmung gelangt, werden kaum</span><br/> <span class="ft1">mehr Änderungen angebracht. Zu schwierig scheint es, Entscheidun-</span><br/> <span class="ft1">gen über die Zonierung einzelner Grundstücke zu diesem Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft1">noch umzustossen, weil dies wiederum zur Folge hätte, dass allen-</span><br/> <span class="ft1">falls weitere Grundstücke einer anderen Zone zuzuweisen wären,</span><br/> <span class="ft1">womit die gesamte Planung in Frage gestellt würde. Dieser Verfah-</span><br/> <span class="ft1">rensablauf zeigt auf, welche entscheidende Stellung den jeweils prä-</span><br/> <span class="ft1">sidierenden Mitgliedern der Planungskommission und des Gemein-</span><br/> <span class="ft1">derates zukommt. Übt eine Person beide Ämter aus, werden die Ein-</span><br/> <span class="ft1">flussmöglichkeiten noch erheblich verstärkt. Zwar ist eine solche</span><br/> <span class="ft1">Ämterkumulierung nicht schon an sich unzulässig, da der Amtsinha-</span><br/> <span class="ft1">ber in erster Linie öffentliche Interessen wahrzunehmen hat. Gibt</span><br/> <span class="ft1">allerdings eine (Teil-)Planung Anlass zu kontroversen Diskussionen</span><br/> <span class="ft1">und haben dem Präsidenten nahestehende Personen oder er selbst</span><br/> <span class="ft1">direkte Interessen, welche dieser auf Grund seiner leitenden Funktion</span><br/> <span class="ft1">relativ einfach gleichsam nebenher wahrnehmen kann, lässt sich der</span><br/> <span class="ft1">Anschein der Befangenheit kaum unterdrücken. Damit ist freilich</span><br/> <span class="ft1">auch gesagt, dass dann, wenn der Gemeindeammann oder eine ihm</span><br/> <span class="ft1">nahestehende Person Grundeigentum im Gemeindegebiet besitzt und</span><br/> <span class="ft1">die planerische Zukunft des betreffenden Grundstücks im Rahmen</span><br/> <span class="ft1">einer Ortsplanung unbestritten ist, sich nicht schon auf Grund dieser</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">183</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Interessenkonstellation eine Ausstandspflicht des Gemeindeammanns</span><br/> <span class="ft1">aufdrängt. Anders entscheiden hiesse die Arbeit der kommunalen</span><br/> <span class="ft1">Behörde verunmöglichen.</span><br/> <span class="ft1">3.6.3 (...) Unbestritten gab das Gebiet "M.", welches im Plan-</span><br/> <span class="ft1">verfahren der Bauzone zugewiesen wurde, zu vertieften Diskussio-</span><br/> <span class="ft1">nen Anlass. Der objektive Anschein, dass bei diesem Planungsent-</span><br/> <span class="ft1">scheid private Interessen des Kommissionspräsidenten und Gemein-</span><br/> <span class="ft1">deammanns mitgespielt haben, lässt sich nicht unterdrücken. Dies</span><br/> <span class="ft1">umso weniger, als der Gemeindeversammlung das Abweichen von</span><br/> <span class="ft1">der (ursprünglichen) Meinung des Kantons bei der Präsentation des</span><br/> <span class="ft1">Entwurfs nicht aufgezeigt wurde. Zwar ist dem Gemeindeammann</span><br/> <span class="ft1">zu Gute zu halten, dass er bei der Behandlung der Einsprachen auf</span><br/> <span class="ft1">Wunsch der Einsprecherinnen in den Ausstand getreten ist. Bei den</span><br/> <span class="ft1">massgeblichen Entscheidfindungen hingegen war er sowohl in der</span><br/> <span class="ft1">Planungskommission als auch im Gemeinderat in führender Rolle</span><br/> <span class="ft1">anwesend. Damit wird dem Gemeindeammann nicht unterstellt, er</span><br/> <span class="ft1">hätte in der Tat die privaten Interessen seiner Frau (und indirekt seine</span><br/> <span class="ft1">eigenen) zu stark gewichtet - jedoch genügt der objektive Anschein</span><br/> <span class="ft1">von Befangenheit.</span><br/> <span class="ft1">3.7 Das Verwaltungsgericht hat die Verletzung der Ausstandsre-</span><br/> <span class="ft1">geln zu Recht bejaht. Mithin hat es die Gemeindeautonomie nicht</span><br/> <span class="ft1">verletzt, denn die Gemeinde muss verfassungsrechtlich festgelegte</span><br/> <span class="ft1">Verfahrensgrundsätze auch im Rahmen ihrer Autonomie beachten.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>