<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 60 S.229</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">229</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>60</b></span> <span class="ft2"><b>Entzug einer Gewässernutzungsbewilligung nach GNG für eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Fischerhütte in einem Auengebiet von nationaler Bedeutung aufgrund</b></span><br/> <span class="ft2"><b>eines Widerrufsvorbehalts.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Anwendbarkeit des GNG auf Bauten im ufernahen Bereich, wenn sie</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sich auf der öffentlichen Gewässerparzelle befinden (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die auf unbestimmte Zeit vorgesehene feste Verbindung einer Baute</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mit dem öffentlichen Grund deutet dogmatisch auf eine Sondernut-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zung hin; dessen ungeachtet wollte der aargauische Gesetzgeber</b></span><br/> <span class="ft2"><b>solche Tatbestände lediglich unter dem Vorbehalt des Widerrufs er-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lauben (§ 6 Ziff. 1 und § 28 GNG; Erw. 3/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Ausschluss der Ersitzung dinglicher Rechte an einem öffentlichen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gewässer (§ 115 Abs. 1 BauG); Berufung auf ein ehehaftes Recht?</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 3/c).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Rechtsnatur und Aktualisierung des Widerrufsvorbehalts (Erw. 4/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Begriff und Bedeutung der Auengebiete; Rechtsgrundlagen, Schutz-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ziele und zulässige Nutzung (Erw. 4/c/aa).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Öffentliches Interesse an der Wiederherstellung des rechtmässigen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zustands (Erw. 4/c/bb).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Privates Interesse an der Beibehaltung der Baute (Erw. 4/c/cc).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Interessenabwägung (Erw. 4/c/dd).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Verhältnismässigkeit des Widerrufs (Erw. 4/d).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 17. Dezember 1999 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen Fischerzunft L. und E. gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Streitgegenstand bildet der angefochtene Widerruf der was-</span><br/> <span class="ft1">serpolizeilichen Bewilligung vom 8. August 1975. Darin war der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin 1 vom Baudepartement die Beibehaltung einer be-</span><br/> <span class="ft1">stehenden Fischerhütte und eines bestehenden Netzflickstandes</span><br/> <span class="ft1">sowie die Stationierung verschiedener Boote an näher bezeichneten</span><br/> <span class="ft1">Stellen am und auf dem Rhein bewilligt worden. Das Baudeparte-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">230</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ment qualifiziert diese Bewilligung als Nutzungserlaubnis gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 6 Ziff. 1 GNG, die gemäss § 28 GNG jederzeit und entschädi-</span><br/> <span class="ft1">gungslos widerrufen werden könne, wenn es das öffentliche Interesse</span><br/> <span class="ft1">erfordere; mit dem Erlöschen der Bewilligung seien nach § 30 GNG</span><br/> <span class="ft1">auch die Nutzungsanlagen zu beseitigen.</span><br/> <span class="ft1">2. Die Beschwerdeführer bestreiten vorab die Anwendbarkeit</span><br/> <span class="ft1">des GNG im vorliegenden Zusammenhang. Dieses bezwecke, die</span><br/> <span class="ft1">Nutzung und den Schutz der eigentlichen Gewässer im öffentlich-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Sinne zu regeln, und knüpfe nicht an die See- oder Fluss-</span><br/> <span class="ft1">parzellen an. Die Fischerhütte befinde sich ca. 100 m vom Rheinufer</span><br/> <span class="ft1">entfernt und habe mit der Gewässernutzung grundsätzlich nichts</span><br/> <span class="ft1">mehr zu tun, zumal sie in einem Gebiet mit Waldcharakter stehe.</span><br/> <span class="ft1">Den Gemeingebrauch übersteigende Nutzungen an oberirdi-</span><br/> <span class="ft1">schen Gewässern und ihrem Gebiet sind - von hier nicht interes-</span><br/> <span class="ft1">sierenden ,,geringfügigen" Nutzungen abgesehen - bewilligungs-</span><br/> <span class="ft1">pflichtig (§ 4 Abs. 2 GNG). Insbesondere ist die Inanspruchnahme</span><br/> <span class="ft1">der öffentlichen Gewässer und ihrer Gebiete ,,durch Bauten jeder Art</span><br/> <span class="ft1">(...)" bewilligungspflichtig (§ 5 Abs. 2 lit. a VGNG). Diese Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mungen sind nach wie vor gültig (vgl. AGVE 1994, S. 268 mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weisen). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer vermag die</span><br/> <span class="ft1">örtliche Distanz der Bauten zum Rhein von 80 oder 100 m an der</span><br/> <span class="ft1">Anwendbarkeit des GNG nichts zu ändern. Entscheidend ist, dass die</span><br/> <span class="ft1">Bauten sich, was nicht bestritten wird, auf der in öffentlichem Eigen-</span><br/> <span class="ft1">tum stehenden, ausgemarkten Rheinparzelle befinden und damit die</span><br/> <span class="ft1">gesamte - innerhalb des Marks liegende - Fläche als Gebiet des</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Gewässers ausgeschieden ist (vgl. Erich Zimmerlin,</span><br/> <span class="ft1">Baugesetz des Kantons Aargau vom 2. Februar 1971, 2. Auflage,</span><br/> <span class="ft1">Aarau 1985, § 80 N 3; § 4 des Regulativs zur Vollziehungsverord-</span><br/> <span class="ft1">nung über die Grundbuchvermessung vom 17. Oktober 1921). Auch</span><br/> <span class="ft1">das GNG erklärt die über den Gemeingebrauch hinausgehende Nut-</span><br/> <span class="ft1">zung ,,an oberirdischen Gewässern <i>und ihrem Gebiet</i>" für bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungspflichtig (§ 4 Abs. 2 und insoweit identisch § 5 Abs. 2 lit. a</span><br/> <span class="ft1">VGNG; vgl. auch den Wortlaut der Bewilligung vom 8. August</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">231</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">1975). Es sollen klarerweise sämtliche Nutzungen, die im Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhang mit dem öffentlichen Gewässer stehen, und insbesondere</span><br/> <span class="ft1">Bauten und Anlagen am Wasser oder in Ufernähe vom GNG erfasst</span><br/> <span class="ft1">werden (AGVE 1994, S. 268 mit Hinweis). Nur am Rande sei er-</span><br/> <span class="ft1">wähnt, dass inzwischen durch Hochwasser mindestens 30 Meter</span><br/> <span class="ft1">Land an der Uferzone abgetragen sind, so dass die streitige Hütte</span><br/> <span class="ft1">heute entsprechend näher am Ufer steht. Entgegen der Ansicht der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer ist das GNG jedenfalls sehr wohl auf den vorlie-</span><br/> <span class="ft1">genden Tatbestand anwendbar. Wäre dies anders, würden sich die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer zu ihren übrigen Ausführungen bezüglich des</span><br/> <span class="ft1">Zwecks der Hütte (Fischerei, Pflege des Fischbestandes, Aufbewah-</span><br/> <span class="ft1">ren von Fischereiutensilien usw.) in Widerspruch setzen, und es wäre</span><br/> <span class="ft1">von einer widerrechtlichen Nutzung der Hütte auszugehen.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Die Beschwerdeführer machen geltend, die über 80 Jahre</span><br/> <span class="ft1">dauernde Nutzung des Gebäudeplatzes stelle nicht gesteigerten Ge-</span><br/> <span class="ft1">meingebrauch, sondern eine Sondernutzung dar. Diese habe mit der</span><br/> <span class="ft1">wasserpolizeilichen Bewilligung vom 8. August 1975 nicht aufgeho-</span><br/> <span class="ft1">ben werden können. Hierzu sei vielmehr der Weg der Enteignung zu</span><br/> <span class="ft1">beschreiten, zumal gestützt auf die Verleihung erhebliche Investitio-</span><br/> <span class="ft1">nen vorgenommen worden seien. Selbst wenn keine formelle Kon-</span><br/> <span class="ft1">zession erteilt worden sei, hätten die Beschwerdeführer eine solche</span><br/> <span class="ft1">nach Jahrzehnten ausschliesslichen Gebrauchs spätestens im Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt der Bewilligungserteilung im August 1975 bereits ersessen.</span><br/> <span class="ft1">Das Baudepartement bestreitet demgegenüber, dass die Bauten</span><br/> <span class="ft1">seit rund 80 Jahren bestehen. Es lässt in seiner Vernehmlassung vom</span><br/> <span class="ft1">17. Dezember 1996 offen, ob bereits vor Jahrzehnten einzelne</span><br/> <span class="ft1">Kleinstunterstände für eine damals angeblich betriebene Fasanerie</span><br/> <span class="ft1">bestanden haben, datiert den Hüttenbau auf das Jahr 1957 und ver-</span><br/> <span class="ft1">weist auf eigene Angaben des Beschwerdeführers 2 und auf diejeni-</span><br/> <span class="ft1">gen des Aargauischen Versicherungsamtes.</span><br/> <span class="ft1">b) Den Beschwerdeführern ist insoweit beizupflichten, als rein</span><br/> <span class="ft1">dogmatisch betrachtet eine auf unbestimmte Zeit vorgesehene feste</span><br/> <span class="ft1">Verbindung einer Baute mit dem öffentlichen Grund auf eine Son-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">232</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dernutzung hindeutet (vgl. Ulrich Häfelin / Georg Müller, Grundriss</span><br/> <span class="ft1">des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. Auflage, Zürich 1999,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 1892; Tobias Jaag, Gemeingebrauch und Sondernutzung öffentli-</span><br/> <span class="ft1">cher Sachen, in: ZBl 93/1992, S. 155 f.; AGVE 1994, S. 278); diese</span><br/> <span class="ft1">Art von Nutzung setzt die Erteilung einer Konzession voraus, und</span><br/> <span class="ft1">deren Erteilung begründet ein wohlerworbenes Recht, das unter dem</span><br/> <span class="ft1">Schutz der Eigentumsgarantie steht (Häfelin/Müller, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 1888, 1898, 2010; AGVE 1994, 278). Der aargauische Gesetz-</span><br/> <span class="ft1">geber wollte nun aber Sondernutzungen nicht konzessionieren, son-</span><br/> <span class="ft1">dern - nach Massgabe von § 6 Ziffer 1 und § 28 GNG - lediglich</span><br/> <span class="ft1">unter dem Vorbehalt des Widerrufs erlauben. Der Grund für diese</span><br/> <span class="ft1">von der Dogmatik abweichende Regelung liegt auf der Hand (vgl.</span><br/> <span class="ft1">dazu und zum Folgenden: AGVE 1994, S. 278 f. mit Hinweisen, u. a.</span><br/> <span class="ft1">auf die Materialien): Besonders bei der Gewässernutzung durch Pri-</span><br/> <span class="ft1">vate muss der Staat auf Erkenntnisse im Bereich des Gewässer-</span><br/> <span class="ft1">schutzes reagieren können; es kann ihm nicht zugemutet werden,</span><br/> <span class="ft1">Nutzungen an öffentlichen Sachen, die Einzelne unter Ausschluss der</span><br/> <span class="ft1">Allgemeinheit vornehmen, auf Jahrzehnte hinaus tolerieren zu</span><br/> <span class="ft1">müssen. Die Enteignung ist in diesem Zusammenhang ein wenig</span><br/> <span class="ft1">geeignetes Mittel, Rechtsänderungen durchzusetzen; diesem Zweck</span><br/> <span class="ft1">dient vielmehr der Vorbehalt des öffentlichen Interesses. Der gesetz-</span><br/> <span class="ft1">liche Widerrufsvorbehalt bewirkt, dass ein schutzwürdiger Vertrau-</span><br/> <span class="ft1">enstatbestand im Grundsatz nicht entstehen kann.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer gehen daher fehl in der Annahme, sie</span><br/> <span class="ft1">seien im Besitz einer vor 1975 erworbenen, unter dem Schutz der Ei-</span><br/> <span class="ft1">gentumsgarantie stehenden Sondernutzungskonzession zur Beibehal-</span><br/> <span class="ft1">tung der Fischerhütte samt Netzflickstand. Das Alter dieser Bauten</span><br/> <span class="ft1">ist dabei irrelevant. Eine Konzession müsste im Übrigen in die Form</span><br/> <span class="ft1">eines staatlichen Verleihungsakts gekleidet sein (§ 6 Ziff. 2 GNG;</span><br/> <span class="ft1">vgl. auch Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 1894, 2010). Ein entsprechen-</span><br/> <span class="ft1">des Dokument können die Beschwerdeführer aber nicht vorlegen. Sie</span><br/> <span class="ft1">verfügen einzig über die wasserbaupolizeiliche Bewilligung vom</span><br/> <span class="ft1">8. August 1975, mit welcher die von den Behörden zuvor während</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">233</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">längerer Zeit geduldete Nutzung formalrechtlich erfasst und legali-</span><br/> <span class="ft1">siert worden ist (vgl. AGVE 1994, S. 272 f.). Diesen Verwaltungsakt</span><br/> <span class="ft1">hat die Beschwerdeführerin 1 als Bewilligungsnehmerin formell</span><br/> <span class="ft1">rechtskräftig werden lassen. Auch dem Beschwerdeführer 2, der</span><br/> <span class="ft1">damals bereits Mitglied der Fischerzunft Laufenburg war, wäre es</span><br/> <span class="ft1">möglich gewesen, auf eine Abänderung der Bewilligung im Rechts-</span><br/> <span class="ft1">mittelverfahren hinzuwirken. Unbehelflich ist in diesem Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang schliesslich der Hinweis, die Beschwerdeführer seien stets</span><br/> <span class="ft1">davon ausgegangen, mit der Bewilligung vom 8. August 1975 habe</span><br/> <span class="ft1">der Staat in erster Linie Gebührenfragen regeln wollen; der Inhalt der</span><br/> <span class="ft1">Bewilligung liess eine solche Annahme schlechterdings nicht zu.</span><br/> <span class="ft1">c) Die Beschwerdeführer erblicken einen weiteren Rechtstitel</span><br/> <span class="ft1">darin, dass die faktische Sondernutzung nach Jahrzehnten des aus-</span><br/> <span class="ft1">schliesslichen Gebrauchs im August 1975 ersessen gewesen sei;</span><br/> <span class="ft1">massgebend sei die ausserordentliche Ersitzungsfrist von 30 Jahren</span><br/> <span class="ft1">gemäss Art. 622 ZGB. An einem öffentlichen Gewässer können nun</span><br/> <span class="ft1">aber weder Eigentum noch andere dingliche Rechte ersessen werden</span><br/> <span class="ft1">(§ 115 Abs. 1 BauG; vgl. schon § 78 Abs. 1 des Baugesetzes des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Aargau vom 2. Februar 1971 [aBauG]; ferner BGE 97 II 32</span><br/> <span class="ft1">und Zimmerlin, a.a.O., § 78 N 1, je mit Hinweisen). Die langjährige</span><br/> <span class="ft1">Tolerierung der fraglichen Bauten durch die Behörden bedeutet zwar</span><br/> <span class="ft1">rechtlich, dass die Bauten insoweit als bewilligt gelten, gleichgültig</span><br/> <span class="ft1">ob eine förmliche Bewilligung besteht oder nicht (AGVE 1994,</span><br/> <span class="ft1">S. 272). Von einer Ersitzung, die ein wohlerworbenes Recht an der</span><br/> <span class="ft1">ersessenen Sache begründet, kann aber keine Rede sein.</span><br/> <span class="ft1">Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass auch die Berufung auf</span><br/> <span class="ft1">ein sog. ehehaftes, historisches Recht hier versagen würde. Gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 60 Abs. 1 GNG gelten vor dem 1. Januar 1912 (Inkrafttreten des</span><br/> <span class="ft1">ZGB) begonnene und ohne erheblichen Unterbruch getätigte Grund-</span><br/> <span class="ft1">wassernutzungen in dem Umfange als wohlerworben, in dem sie am</span><br/> <span class="ft1">1. Januar 1912 tatsächlich ausgeübt worden sind. Nach diesem Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt können solche Rechte nicht mehr neu begründet werden</span><br/> <span class="ft1">(Zimmerlin, a.a.O., § 78 N 1 mit Hinweisen). Dasselbe muss, wenn</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">234</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">diesbezüglich nicht gar das Inkrafttreten des ersten Baugesetzes,</span><br/> <span class="ft1">nämlich des Gesetzes über den Strassen-, Wasser- und Hochbau vom</span><br/> <span class="ft1">23. März 1859 als Stichtag massgebend sein soll, analog für den</span><br/> <span class="ft1">Gemeingebrauch übersteigende Nutzungen an oberirdischen Gewäs-</span><br/> <span class="ft1">sern und ihrem Gebiet im Sinne von § 4 Abs. 2 GNG gelten. Hin-</span><br/> <span class="ft1">weise auf eine derart lange zurückliegende Nutzung gibt es nun aber</span><br/> <span class="ft1">keine. Nach den eigenen Angaben der Beschwerdeführer reicht der</span><br/> <span class="ft1">Ursprung der Fischerhütte in die Zehner- bzw. Zwanzigerjahre, und</span><br/> <span class="ft1">im heutigen Zustand hergerichtet wurde sie unmittelbar vor dem</span><br/> <span class="ft1">Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.</span><br/> <span class="ft1">d) Zusammenfassend ist unter diesem Titel somit festzuhalten,</span><br/> <span class="ft1">dass die Nutzung der Fischerhütte und des Netzflickstands der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer auf der staatlichen Rheinparzelle im Gebiet ,,Ross-</span><br/> <span class="ft1">garten" weder konzessioniert noch ersessen ist und auch auf kein</span><br/> <span class="ft1">ehehaftes Recht zurückgeht.</span><br/> <span class="ft1">4. Damit ist weiter zu prüfen, ob das Baudepartement den in der</span><br/> <span class="ft1">wasserbaupolizeilichen Bewilligung vom 8. August 1975 vorbehalte-</span><br/> <span class="ft1">nen Bewilligungswiderruf zu Recht verfügt hat.</span><br/> <span class="ft1">a) Das Baudepartement begründet den Widerruf und die damit</span><br/> <span class="ft1">verbundene Beseitigungsanordnung wie folgt: Die Bauten lägen in</span><br/> <span class="ft1">einem Auengebiet von nationaler Bedeutung. Die Kantone seien</span><br/> <span class="ft1">gemäss Art. 5 Auenverordnung verpflichtet, Auenbereiche mit einem</span><br/> <span class="ft1">vollständig oder weitgehend intakten Gewässer- und Geschiebehaus-</span><br/> <span class="ft1">halt vollumfänglich zu schützen und dafür zu sorgen, dass beste-</span><br/> <span class="ft1">hende und neue Nutzungen mit dem Schutzziel in Einklang stünden.</span><br/> <span class="ft1">Mit § 42 Abs. 5 KV (in der Fassung vom 6. Juni 1993) sei der Kan-</span><br/> <span class="ft1">ton beauftragt worden, zum Schutz des bedrohten Lebensraums der</span><br/> <span class="ft1">Flussauen und zur Erhaltung der landschaftlich und biologisch ein-</span><br/> <span class="ft1">zigartigen, national bedeutsamen Reste der ehemaligen Auengebiete</span><br/> <span class="ft1">einen Auen-Schutzpark zu schaffen. Die Schutzziele hätten ihren</span><br/> <span class="ft1">Niederschlag in § 40 BauG gefunden. Während sich für Bauten am</span><br/> <span class="ft1">Rande von Auengebieten oder Naturschutzzonen, welche sich durch</span><br/> <span class="ft1">ihren Bestand und Betrieb nicht störend auswirken, keine Beseiti-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">235</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gung aufdränge, seien solche Objekte in eigentlichen Schutzgebieten</span><br/> <span class="ft1">mit störenden Auswirkungen gemäss den erwähnten Rechts-</span><br/> <span class="ft1">grundlagen zu beseitigen. Vorliegendenfalls wirke sich der Publi-</span><br/> <span class="ft1">kumsverkehr mit Zugängen und Zufahrten zu den Objekten negativ</span><br/> <span class="ft1">aus und widerspreche den Schutzzielen. Die Beschwerdeführerin 1</span><br/> <span class="ft1">sei zudem auf diese Bauten nicht angewiesen, sondern könne ihre</span><br/> <span class="ft1">Utensilien - wie auch das Boot - auch ausserhalb des Auengebiets</span><br/> <span class="ft1">lagern. Zudem liege die Fischereistrecke der Beschwerdeführerin 1</span><br/> <span class="ft1">auf dem Rhein nur zu einem kleinen Teil im Bereich des Auen-</span><br/> <span class="ft1">schutzgebiets.</span><br/> <span class="ft1">Dem halten die Beschwerdeführer entgegen, die bestehende Fi-</span><br/> <span class="ft1">scherhütte habe stets dazu gedient, das Gebiet ,,Rossgarten" und</span><br/> <span class="ft1">insbesondere den Fischbestand zu pflegen. Dieses Unterfangen habe</span><br/> <span class="ft1">man trotz der massiven Eingriffe in Rhein- und Flusslandschaft</span><br/> <span class="ft1">(Kraftwerkbau, Kiesausbeutung, Zerstörung der natürlichen Rhein-</span><br/> <span class="ft1">ufer aus Nagelfluhfelsen) weitergeführt. Nun wolle der Kanton, unter</span><br/> <span class="ft1">dessen Ägide die tiefgreifenden Eingriffe erfolgt seien, das Gebiet</span><br/> <span class="ft1">renaturieren, wobei unersichtlich sei, wie beispielsweise die ausge-</span><br/> <span class="ft1">baggerten Fischgründe artgerecht wiederhergestellt werden könnten.</span><br/> <span class="ft1">Zudem sei geplant, unmittelbar neben der heutigen Fischerhütte</span><br/> <span class="ft1">einen künstlichen Kieslagerplatz zu errichten. Diesfalls würde die</span><br/> <span class="ft1">Hütte sicherlich nicht störend wirken. Kein stichhaltiges Argument</span><br/> <span class="ft1">stelle der angebliche Publikumsverkehr dar, welcher mit der Hütte</span><br/> <span class="ft1">angeblich gefördert werde. Die Beschwerdeführer würden ihre Auf-</span><br/> <span class="ft1">gaben im Zusammenhang mit der Fischerei mit oder ohne Hütte</span><br/> <span class="ft1">wahrnehmen, weshalb diese in keiner Art und Weise ein zusätzliches</span><br/> <span class="ft1">Verkehrsaufkommen verursache. Schliesslich sei der Widerruf auch</span><br/> <span class="ft1">unverhältnismässig, zumal der unmittelbar bei der Hütte gelegene -</span><br/> <span class="ft1">keinem militärischem Nutzen dienende - Bunker ebenfalls nicht ent-</span><br/> <span class="ft1">fernt werde. Das Unterlassen einer Beseitigungsverfügung bezüglich</span><br/> <span class="ft1">dieses Bunkers verletze das Rechtsgleichheitsgebot.</span><br/> <span class="ft1">b) Die verfügende Behörde kann sich von Anfang an aus-</span><br/> <span class="ft1">drücklich das Recht vorbehalten, ihre Verfügung unter bestimmten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">236</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen zu widerrufen. In Ziffer 14 der ,,Allgemeinen Be-</span><br/> <span class="ft1">dingungen und Auflagen" in der Bewilligung vom 8. August 1975</span><br/> <span class="ft1">hat das Baudepartement dies getan (vgl. § 28 GNG). Es handelt sich</span><br/> <span class="ft1">hiebei um eine resolutiv bedingte Verfügung mit Widerrufsvorbehalt.</span><br/> <span class="ft1">Enthält eine Bewilligung einen solchen, darf sie widerrufen werden,</span><br/> <span class="ft1">wenn die darin genannten Voraussetzungen erfüllt sind und keine</span><br/> <span class="ft1">Willkür vorliegt. Der Unterschied zu einer bedingungslos erteilten</span><br/> <span class="ft1">Bewilligung besteht darin, dass bestimmte Widerrufsgründe bereits</span><br/> <span class="ft1">zum Voraus festgelegt sind und der Bewilligungsnehmer insofern</span><br/> <span class="ft1">eher mit einem Widerruf rechnen muss, womit sein Ver-</span><br/> <span class="ft1">trauensschutzinteresse an Gewicht verliert. Jedenfalls ist so oder so</span><br/> <span class="ft1">- nach den Widerrufsregeln - die allgemeine Interessenabwägung</span><br/> <span class="ft1">vorzunehmen (vgl. René A. Rhinow / Beat Krähenmann, Schweize-</span><br/> <span class="ft1">rische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel/Frankfurt</span><br/> <span class="ft1">a. M. 1990, Nr. 41/B/I/b mit Hinweisen; BGE 109 Ia 130 f.; 101 Ia</span><br/> <span class="ft1">191; 99 Ia 458; AGVE 1993, S. 249; 1996, S. 292; VGE III/140 vom</span><br/> <span class="ft1">16. Oktober 1998 in Sachen S. AG, S. 5).</span><br/> <span class="ft1">c) Die wasserbaupolizeiliche Bewilligung vom 8. August 1975</span><br/> <span class="ft1">ist widerrufbar, wenn sie an wesentlichen Mängeln leidet, insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere gegen zwingendes Recht verstösst, und/oder das öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Interesse es erfordert (vgl. § 26 Abs. 1 VRPG).</span><br/> <span class="ft1">aa) Kanton und Gemeinden treffen in Erfüllung des Bundes-</span><br/> <span class="ft1">auftrages (Art. 24 sexies Abs. 4 aBV bzw. Art. 78 nBV; Art. 1 lit. d</span><br/> <span class="ft1">und Art. 18a NHG in der Fassung vom 19. Juni 1987; Art. 5 der</span><br/> <span class="ft1">Auenverordnung) Massnahmen, um die landschaftlich und biolo-</span><br/> <span class="ft1">gisch bedeutenden Auengebiete des Kantons zu erhalten oder wie-</span><br/> <span class="ft1">derherzustellen (§ 42 Abs. 5 KV in der Fassung vom 6. Juni 1993;</span><br/> <span class="ft1">§ 40 Abs. 1 lit. e BauG). Auen sind jene Bereiche von Bächen, Flüs-</span><br/> <span class="ft1">sen und Strömen und teils auch Seen, die mit jeweils unterschiedli-</span><br/> <span class="ft1">cher Dauer periodisch oder episodisch von Wasser überflutet werden</span><br/> <span class="ft1">und in denen das Grundwasser zeitweise die Wurzeln der Pflanzen</span><br/> <span class="ft1">erreicht, sonst jedoch stark schwankt (Jean-Daniel Gallandat,</span><br/> <span class="ft1">Kartierung der Auengebiete von nationaler Bedeutung, Nr. 199 der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">237</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">BUWAL-Schriftenreihe, Bern 1993, Ziff. 3.1.1). Auengebiete erfül-</span><br/> <span class="ft1">len eine überragende biologische Funktion, indem sie etwa die ans</span><br/> <span class="ft1">Wasser gebundenen Lebensgemeinschaften mit organischen Stoffen</span><br/> <span class="ft1">versorgen, das Grundwasser reinigen und ein Reservoir an Mineral-</span><br/> <span class="ft1">stoffen enthalten; in den Auen liegt auch die Verbindungsstelle zahl-</span><br/> <span class="ft1">reicher aquatischer und terrestrischer Nahrungsketten (Gallandat,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., Ziff. 3.2).</span><br/> <span class="ft1">Die ins Bundesinventar aufgenommenen Auengebiete von</span><br/> <span class="ft1">nationaler Bedeutung (das betroffene Auen-Gebiet ,,Rossgarten"</span><br/> <span class="ft1">figuriert im Inventar als Objekt Nr. 220 [Anhang 1 zur Auenverord-</span><br/> <span class="ft1">nung]) sollen gemäss Art. 4 Satz 1 der Auenverordnung ungeschmä-</span><br/> <span class="ft1">lert erhalten werden. Die generelle Bedeutung des Erhaltungsziels</span><br/> <span class="ft1">wird dabei manifest, wenn bedacht wird, dass aus verschiedensten</span><br/> <span class="ft1">Gründen (vorrangig sind es die Gewässerkorrektionen und die Ent-</span><br/> <span class="ft1">wässerung der Flussebenen, später der Bau von Verkehrsträgern) seit</span><br/> <span class="ft1">1850 etwa 90 % der Schweizer Auen verschwunden sind (Faltblatt</span><br/> <span class="ft1">,,Die Auen der Schweiz", herausgegeben vom Bundesamt für Um-</span><br/> <span class="ft1">welt, Wald und Landschaft [im Folgenden: Faltblatt BUWAL], S. 2).</span><br/> <span class="ft1">Zum Schutzziel gehören insbesondere die Erhaltung und Förderung</span><br/> <span class="ft1">der auentypischen einheimischen Pflanzen- und Tierwelt und ihrer</span><br/> <span class="ft1">ökologischen Voraussetzungen sowie die Erhaltung und, soweit es</span><br/> <span class="ft1">sinnvoll und machbar ist, die Wiederherstellung der natürlichen</span><br/> <span class="ft1">Dynamik des Gewässer- und Geschiebehaushalts (Art. 4 Satz 2 der</span><br/> <span class="ft1">Auenverordnung). Nach Art. 5 Abs. 2 der Auenverordnung haben die</span><br/> <span class="ft1">Kantone insbesondere dafür zu sorgen, dass Pläne und Vorschriften,</span><br/> <span class="ft1">welche die zulässige Nutzung des Bodens im Sinne der Raum-</span><br/> <span class="ft1">planungsgesetzgebung regeln, mit der Verordnung übereinstimmen</span><br/> <span class="ft1">(lit. a), Auenbereiche mit einem vollständig oder weitgehend intakten</span><br/> <span class="ft1">Gewässer- und Geschiebehaushalt vollumfänglich geschützt werden</span><br/> <span class="ft1">(lit. b), bestehende und neue Nutzungen, u. a. die Erholungsnutzung</span><br/> <span class="ft1">einschliesslich der Fischerei, mit dem Schutzziel in Einklang stehen</span><br/> <span class="ft1">(lit. c), seltene und gefährdete Pflanzen und Tiere sowie ihre</span><br/> <span class="ft1">Lebensgemeinschaften gezielt gefördert werden (lit. d) sowie die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">238</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Wasser- und Bodenqualität durch Verminderung des Nähr- und</span><br/> <span class="ft1">Schadstoffeintrags verbessert wird (lit. e). Der Kanton Aargau hat</span><br/> <span class="ft1">sich dazu verpflichtet, zum Schutz des bedrohten Lebensraums der</span><br/> <span class="ft1">Flussauen und zur Erhaltung der landschaftlich und biologisch einzi-</span><br/> <span class="ft1">gartigen, national bedeutsamen Reste der ehemaligen Auengebiete</span><br/> <span class="ft1">innert zwanzig Jahren einen Auen-Schutzpark zu schaffen, der eine</span><br/> <span class="ft1">Gesamtfläche von mindestens einem Prozent der Kantonsfläche auf-</span><br/> <span class="ft1">weist (§ 42 Abs. 5 KV in der Fassung vom 6. Juni 1993).</span><br/> <span class="ft1">Die streitige Fischerhütte samt Netzflickstand liegt vollständig</span><br/> <span class="ft1">innerhalb des Inventar-Objekts Nr. 220, zudem innerhalb des Schutz-</span><br/> <span class="ft1">gebiets gemäss dem Kantonalen Nutzungsplan mit Rheinuferschutz-</span><br/> <span class="ft1">dekret (RhD in der Fassung vom 2. Juli 1996). Gemäss § 2 RhD</span><br/> <span class="ft1">schliesst das geschützte Gebiet die Wasser- und die Sperrzone ein.</span><br/> <span class="ft1">Sowohl in der Wasser- als auch in der Sperrzone sind Bauten jeder</span><br/> <span class="ft1">Art grundsätzlich verboten (§§ 3 f. RhD). Gesuche für Bauten und</span><br/> <span class="ft1">Anlagen in beiden Zonen, einschliesslich Umgestaltung und Zweck-</span><br/> <span class="ft1">änderungen, dürfen nur mit Zustimmung des Baudepartements be-</span><br/> <span class="ft1">willigt werden; für Bauten in der Wasserzone ist zudem eine Bewil-</span><br/> <span class="ft1">ligung gemäss GNG erforderlich (§ 5 RhD). Das Baudepartement</span><br/> <span class="ft1">kann Ausnahmen bewilligen, wenn ausserordentliche Verhältnisse</span><br/> <span class="ft1">vorliegen und die Anwendung der Zonenvorschriften zu hart wäre</span><br/> <span class="ft1">und sofern es mit dem öffentlichen Wohl vereinbar ist (§ 6 RhD).</span><br/> <span class="ft1">bb) Das öffentliche Interesse an der Aktualisierung des er-</span><br/> <span class="ft1">wähnten Widerrufsvorbehalts erhellt allein schon daraus, dass die</span><br/> <span class="ft1">beiden fraglichen Bauten in einem Auengebiet von nationaler Be-</span><br/> <span class="ft1">deutung liegen, dessen ungeschmälerter Schutz erklärtes Ziel ist</span><br/> <span class="ft1">(Art. 1 und 4 der Auenverordnung). Im Aargau befinden sich 12 der-</span><br/> <span class="ft1">artige Auengebiete mit einer Fläche von 804 ha, nebst 21 Auen von</span><br/> <span class="ft1">kantonaler Bedeutung mit einer Fläche von 784 ha (vgl. die vom</span><br/> <span class="ft1">Baudepartement herausgegebene Broschüre ,,Auenschutzpark Aar-</span><br/> <span class="ft1">gau - ein dynamischer Lebensraum für Natur und Mensch" [im Fol-</span><br/> <span class="ft1">genden: Broschüre Auenschutzpark], S. 6). Das 13 ha haltende</span><br/> <span class="ft1">Auengebiet ,,Rossgarten" zeichnet sich dadurch aus, dass es den ein-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">239</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zigen noch erhaltenen Silberweiden-Auenwald (,,Weichholzaue" als</span><br/> <span class="ft1">eine der drei Auenzonen) am Rhein aufweist (Bericht ,,Renaturie-</span><br/> <span class="ft1">rungskonzept Rossgarten Gemeinde Schwaderloch AG" vom</span><br/> <span class="ft1">15. März 1994, verfasst vom Büro Stöckli, Kienast &amp; Koeppel,</span><br/> <span class="ft1">Landschaftsarchitekten/Landschaftsplaner, Wettingen [im Folgenden:</span><br/> <span class="ft1">Bericht SKK], S. 3, 8, 17; Faltblatt BUWAL, S. 1; Broschüre</span><br/> <span class="ft1">Auenschutzpark, S. 5). Im Gebiet kommen auch zahlreiche auen-</span><br/> <span class="ft1">typische Tierarten wie Kleinspecht, Pirol oder Grosser Schillerfalter</span><br/> <span class="ft1">vor (Bericht SKK, S. 25, 29; Homepage: www.ag.ch/natur2001/pro-</span><br/> <span class="ft1">gramme/auenschutzpark).</span><br/> <span class="ft1">Hinzu kommt, dass der Kanton im Gebiet ,,Rossgarten" schritt-</span><br/> <span class="ft1">weise mit erheblichen finanziellen Aufwendungen ein Renaturie-</span><br/> <span class="ft1">rungs- bzw. Revitalisierungskonzept umsetzt (vgl. das entsprechende</span><br/> <span class="ft1">Dossier des Baudepartements mit dem Bericht SKK). Dessen</span><br/> <span class="ft1">Hintergrund bildet namentlich der Umstand, dass das Auengebiet</span><br/> <span class="ft1">,,Rossgarten" im Laufe der Zeit immer weniger überschwemmt</span><br/> <span class="ft1">wurde und infolgedessen die Silberweide sich wegen fehlender offe-</span><br/> <span class="ft1">ner Sand- und Kiesflächen nicht mehr verjüngen konnte; deshalb</span><br/> <span class="ft1">wurde bereits eine bestehende Flutmulde abgesenkt und ausgeweitet,</span><br/> <span class="ft1">so dass die erwähnten Flächen wieder vermehrt dem Hochwasser</span><br/> <span class="ft1">ausgesetzt sind (Bericht SKK, S. 32 f.; erwähnte Homepage). Die</span><br/> <span class="ft1">positiven Auswirkungen dieser Massnahmen zeigten sich am</span><br/> <span class="ft1">Augenschein bereits darin, dass in Ufernähe wieder junge Silber-</span><br/> <span class="ft1">weiden stocken. Ob die wieder häufigeren Überschwemmungen des</span><br/> <span class="ft1">Auenwaldgebiets weniger durch die künstlich ausgebaggerte Flut-</span><br/> <span class="ft1">mulde im Uferbereich als durch eine natürliche Flutmulde im hinter-</span><br/> <span class="ft1">liegenden Bereich bedingt sind, ist dabei von zweitrangiger Bedeu-</span><br/> <span class="ft1">tung; wesentlich ist, dass wirksame Anstrengungen zur Aufwertung</span><br/> <span class="ft1">des Auengebiets ,,Rossgarten" unternommen werden und die damit</span><br/> <span class="ft1">verknüpften Erwartungen nicht einfach mit ,,Zweckoptimismus" ab-</span><br/> <span class="ft1">getan werden können. Im Weitern ist auch vorgesehen, im Rahmen</span><br/> <span class="ft1">der Neukonzessionierung das Abflussregime des Rheinkraftwerks</span><br/> <span class="ft1">Albbruck-Dogern zu verbessern.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">240</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Bestrebungen des Kantons, Bauten beseitigen zu lassen,</span><br/> <span class="ft1">welche sich innerhalb des Schutzbereichs befinden, erweisen sich</span><br/> <span class="ft1">vor diesem Hintergrund als durchaus verständlich. Zunächst ist die</span><br/> <span class="ft1">Annahme nicht von der Hand zu weisen, dass dort, wo es Bauten hat,</span><br/> <span class="ft1">verstärkter Publikumsverkehr entstehen kann, der dem Schutzgedan-</span><br/> <span class="ft1">ken zuwiderläuft (vgl. den Bericht des Baudepartements ,,Nutzungs-</span><br/> <span class="ft1">bewilligungen für Boots- und Badehäuser und ähnliche Bauten auf</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Gewässerparzellen des Kantons; Frage der Bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungserneuerung" vom 28. Juli 1995, S. 13). Dabei darf auch Ge-</span><br/> <span class="ft1">sichtspunkten präjudizieller Natur angemessen Rechnung getragen</span><br/> <span class="ft1">werden; mit Blick auf die Anforderungen des Rechtsgleichheitsge-</span><br/> <span class="ft1">bots besteht gerade in sensiblen Bereichen bei Bauten, die - wie dies</span><br/> <span class="ft1">für die Fischerhütte und den Netzflickstand zutrifft - als Neubauten</span><br/> <span class="ft1">klarerweise nicht mehr zulässig wären (§§ 3 f. und 6 RhD), ein ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend hohes Interesse daran, dass der ungesetzliche Zustand</span><br/> <span class="ft1">beseitigt wird (vgl. BGE 123 II 255 mit Hinweis; AGVE 1994,</span><br/> <span class="ft1">S. 419 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">cc) Dem öffentlichen Interesse an der Aktualisierung des Wi-</span><br/> <span class="ft1">derrufsvorbehalts ist das Interesse der Beschwerdeführer an der Bei-</span><br/> <span class="ft1">behaltung der Fischerhütte und des Netzflickstands gegenüberzu-</span><br/> <span class="ft1">stellen. Unter diesem Gesichtspunkt fällt namentlich ins Gewicht,</span><br/> <span class="ft1">dass ein objektives Bedürfnis, die Fischerhütte an ihrem jetzigen</span><br/> <span class="ft1">Standort belassen zu können, kaum vorhanden ist. So wird nur der</span><br/> <span class="ft1">Keller der Hütte für Fischereizwecke genutzt, indem dort die Fi-</span><br/> <span class="ft1">schernetze zwischengelagert werden. Wie sich am Augenschein ge-</span><br/> <span class="ft1">zeigt hat, ist der Keller aber seit dem letzten Hochwasser eingesandet</span><br/> <span class="ft1">und demzufolge nicht brauchbar; die Netze sind in einem Werkhof in</span><br/> <span class="ft1">Laufenburg eingelagert. Auch das früher bei der Fischerhütte statio-</span><br/> <span class="ft1">nierte Boot hat seit fünf Jahren seinen Standplatz in Laufenburg.</span><br/> <span class="ft1">Dass es komfortabler wäre, die Fischereiutensilien und das Boot in</span><br/> <span class="ft1">oder bei der bestehenden Fischerhütte zu lagern, ist kein stichhaltiges</span><br/> <span class="ft1">Argument, da bei Bauten ausserhalb der Bauzonen die Frage der</span><br/> <span class="ft1">Standortgebundenheit strikt nach objektiven Massstäben und nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">241</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">aufgrund subjektiver Vorstellungen und Wünsche oder persönlicher</span><br/> <span class="ft1">Zweckmässigkeit und Bequemlichkeit zu beurteilen ist (vgl. BGE</span><br/> <span class="ft1">117 Ib 281 mit Hinweisen). Die Bedeutung der Hütte als Geräteraum</span><br/> <span class="ft1">für die Fischer wird im Übrigen allein schon deswegen relativiert,</span><br/> <span class="ft1">weil sich die Fischereistrecke der Beschwerdeführer von Laufenburg</span><br/> <span class="ft1">bis Leibstadt erstreckt, wovon das Gebiet ,,Rossgarten" nur einen</span><br/> <span class="ft1">verhältnismässig kleinen Teil ausmacht. Schliesslich ist die - mit</span><br/> <span class="ft1">einem Holzherd sowie einem Tisch und Stühlen bestückte - Hütte</span><br/> <span class="ft1">auch nicht als allgemeiner Unterstand für die Mitglieder der</span><br/> <span class="ft1">Fischerzunft gedacht; Zutritt hat ausschliesslich der Zunftrat.</span><br/> <span class="ft1">dd) Werden diese einander widerstrebenden Interessen gegen-</span><br/> <span class="ft1">einander abgewogen, so überwiegen die öffentlichen Interessen klar.</span><br/> <span class="ft1">Das vom Bund vorgegebene Gesamtziel, das national bedeutsame</span><br/> <span class="ft1">Auengebiet ,,Rossgarten" ungeschmälert zu erhalten (Erw. aa hie-</span><br/> <span class="ft1">vor), und das vom Kanton gesteckte Teilziel, die Urtümlichkeit und</span><br/> <span class="ft1">Ungestörtheit des Gebiets zu bewahren, zu verstärken und auf grös-</span><br/> <span class="ft1">sere Flächen auszudehnen (Bericht SKK, S. 33), lassen sich letztlich</span><br/> <span class="ft1">nur erreichen, wenn Bauten, die nicht zwingend nötig sind, beseitigt</span><br/> <span class="ft1">werden. Das Störungspotential, das von der Fischerhütte ausgeht, ist</span><br/> <span class="ft1">gewiss nicht überaus gross; auch die Vertreter des Kantons haben am</span><br/> <span class="ft1">Augenschein nicht behauptet, rund um die Hütte sei ein ,,Rummel-</span><br/> <span class="ft1">platz" entstanden. Ebenso wenig lässt sich aber bestreiten, dass die</span><br/> <span class="ft1">für eine Baute erforderliche Infrastruktur (Zufahrtswege usw.) ver-</span><br/> <span class="ft1">mehrten Besucherverkehr anziehen kann; während der warmen Jah-</span><br/> <span class="ft1">reszeit herrscht denn offenbar am Rheinufer auch ein reger Badebe-</span><br/> <span class="ft1">trieb. Wird zudem berücksichtigt, dass im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft1">Fischerhütte keine nennenswerten Investitionen getätigt worden sind</span><br/> <span class="ft1">und die Beschwerdeführer gestützt auf den Vorbehalt in der wasser-</span><br/> <span class="ft1">baupolizeilichen Bewilligung vom 8. August 1975 mit dem Widerruf</span><br/> <span class="ft1">rechnen mussten (Erw. b hievor), erweist sich dieser als rechtmässig.</span><br/> <span class="ft1">d) Dass die Beseitigung der Fischerhütte und des Netzflick-</span><br/> <span class="ft1">stands eine gemessen am übergeordneten Schutzziel geeignete und</span><br/> <span class="ft1">notwendige Massnahme darstellt (vgl. Häfelin/Müller, a.a.O.,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">242</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Rz. 486), ist offensichtlich. Das Verhältnismässigkeitsgebot wird es</span><br/> <span class="ft1">allerdings auch erforderlich machen, geeignete Massnahmen zu tref-</span><br/> <span class="ft1">fen, damit die Erholungsfunktion des Gebiets ,,Rossgarten" nicht zu</span><br/> <span class="ft1">unerwünschten Auswüchsen führt; in dieser Richtung ist offenbar</span><br/> <span class="ft1">zumindest geplant, die Zufahrt zum Rheinufer mit einem Schlag-</span><br/> <span class="ft1">baum zu versperren.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>