B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5134/2020 U r t e i l v o m 2 2 . O k t o b e r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter David R. Wenger, Richterin Constance Leisinger, Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. Parteien A._______, geboren am (…), (Gesuchsteller), B._______, geboren am (…), (Gesuchstellerin), und ihre Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), alle eritreische Staatsangehörige, alle vertreten durch Alfred Ngoyi Wa Mwanza, Consultation juridique pour étrangers, Gesuchstellende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Revision des Urteils E-317/2019 vom 3 Mai 2019) / N (…) E-5134/2020 Seite 2 Sachverhalt: I. A. Die Gesuchstellenden stellten am 9. Dezember 2016 ein erstes Asylge- such in der Schweiz. Dieses begründeten sie im Wesentlichen damit, dass der Gesuchsteller anlässlich einer Razzia in Asmara im Juni 2015 festge- nommen und anschliessend zwei Monate respektive drei bis vier Wochen lang festgehalten worden sei, bis ihm die Flucht gelungen sei. Er habe sich während einer Sitzung gegenüber einem Vorgesetzten kritisch zur Dauer des Nationaldienstes geäussert. Nach der S itzung habe man ihn darauf hingewiesen, dass er sich den Behörden zur Verfügung stellen müsse, sollte dies erforderlich sein. Er habe dies als Drohung aufgefasst und sich zur Flucht entschlossen. Zu dritt hätten sie sich frühmorgens aus dem La- ger geschlichen. Als ihre Flucht bemerkt worden sei, habe man auf sie ge- schossen. Nach einwöchigem beziehungsweise einmonatigem Aufenthalt zu Hause sei er schliesslich am 10. September 2015 ausgereist. Die Gesuchstellerin ihrerseits habe sich wiederholt vor Razzien in ihrer Wohngegend verstecken müssen. Nach einer dieser Razzien habe sie sich spontan zur Ausreise entschlossen und ihren Heimatstaat am 14. Juli 2015 verlassen. B. Mit Verfügung vom 17. Dezember 2018 stellte die Vorinstanz fest, die Ge- suchstellenden würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte das SEM die geltend gemachten Vorbringen de s Gesuchstellers als den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht genügend. Die Vorbringen der Gesuchstellerin seien demgegenüber nicht asylrelevant im Sinn von Art. 3 AsylG. Die illegale Ausreise der Ge- suchstellenden vermöge für sich alleine keine Furcht vor einer zukünftigen asylrelevanten Verfolgung zu begründen. Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die Wegweisung aus der Schweiz und de- ren Vollzug sei zulässig, zumutbar und möglich. E-5134/2020 Seite 3 C. Die gegen diese Verfügung erhobenen Beschwerden vom 16. Januar 2019 und 17. Januar 2019 wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-317/2019 vom 3. Mai 2019 ab. II. D. D.a Mit einer als "Demande d'asile" bezeichneten Eingabe wandten sich die Gesuchstellenden durch ihren heutigen Recht svertreter am 24. De- zember 2019 erneut ans SEM. D.b In der Begründung machte die Gesuchstellerin im Wesentlichen gel- tend, im Oktober 2019 von der Inhaftierung ihres Vaters in Eritrea erfahren zu haben. Ihm sei vorgeworfen worden, eine bewaffnete Gruppierung im Ausland zu unterstützen, um das Regime zu destabilisieren. Ihre Mutter und Geschwister würden seither versteckt leben, da sie – wie sie selbst auch – begründete Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter Reflexverfol- gung hätten. Ende November 2019 habe ei n Bekannter der Familie, der beim eritreischen Sicherheitsdienst arbeite, die Familie über den Tod des Vaters in der Haft informiert. Im Falle einer Rückkehr habe sie nun zusätz- lich zur illegalen Ausreise mit investigativen Massnahmen der Behörden zu rechnen, welche eine Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung begründen würden. Die Informationen betreffend ihren Vater hätten sie ausserdem traumatisiert und ihr psychischer Zustand habe sich in der Folge verschlechtert. Ebenfalls zu berücksichtigen sei der Gesundheitszu- stand ihres Kindes und in diesem Zusammenhang das Kindeswohl. Zudem könnten sie im Falle einer Rückkehr nicht auf die Unterstützung der Familie ihres Ehemannes zählen, da dieser ebenfalls aus ärmlichen Verhältnissen stamme. D.c Der Gesuchsteller machte selbst keine neuen Vorbringen geltend, son- dern führte lediglich bestätigend aus, dass er aus ärmlichen Verhältnissen stamme und im Falle einer Rückkehr deshalb nicht mit der Unterstützung seiner Familie rechnen könne. D.d Zur Untermauerung i hrer Vorbringen reichten die Gesuchstellenden eine ärztliche Stellungnahme vom 17. Dezember 2019 betreffend die Ge- suchstellerin sowie einen provisorischen Spitalaustrittsbericht vom 31. Ok- tober 2019 betreffend ihr Kind zu den Akten. E-5134/2020 Seite 4 E. E.a Das SEM qualifizierte die Eingabe der Gesuchstellenden vom 24. De- zember 2019 – soweit die Inhaftierung des Vaters der Gesuchstellerin und die daraus abgeleitete Furcht vor Reflexverfolgung betreffend – als Mehr- fachgesuch im Sinn von Art. 111c AsylG. Die Vorbringen betreffend d en Gesundheitszustand der Gesuchstellerin und ihres Kindes seien zwar als einfaches Wiedererwägungsgesuch im Sinn von Art. 111b AsylG zu quali- fizieren, würden aber im Rahmen der Behandlung des Mehrfachgesuchs unter dem Wegweisungspunkt berücksichtigt. E.b Mit Verfügung vom 22. Januar 2020 – eröffnet am 24. Januar 2020 – stellte das SEM fest, die Gesuchstellenden würden die Flüchtlingseigen- schaft nicht erfüllen, und lehnte das zweite Asylgesuch ab. Es verfügte gleichzeitig deren Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Zudem erhob es eine Gebühr von Fr. 600.–. E.c Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 24. Februar 2020 wies das Bundesverwaltungsgericht mit dem Urteil E-1112/2020 vom 1. April 2020 ab. E.d Am (…) wurde das zweite Kind der Gesuchs tellenden, die Tochter D._______, geboren. III. F. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 23. September 2020 reichten die Gesuchstellenden beim SEM ein Wiedererwägungsgesuch ein. Zur Be- gründung führten sie im Wesentlichen aus , die Wegweisung sei aufgrund ihrer neu geborenen Tochter D._______ unzumutbar. Eine Reintegration in Eritrea mit zwei Kleinkindern würde sich aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen als unmöglich erweisen. Zudem trugen sie die gleichen Vorbrin- gen wie in ihrem Gesuch vom 24. Dezember 20 19 (zweites Asylgesuch, vgl. oben Bst. D) vor. Zur Stützung ihres Wiedererwägungsgesuchs reich- ten die Gesuchstellenden die Geburtsmeldung betreffend ihre Tochter D._______ zu den Akten. G. Dieses Wiedererwägungsgesuch wurde gestützt auf Art. 111b Abs. 4 AsylG E-5134/2020 Seite 5 mit Abschreibungsbeschluss vom 14. Oktober 2020 vom SEM formlos ab- geschrieben. Zur Begründung führte das SEM insbesondere aus, das Bun- desverwaltungsgericht habe sich bereit in seinem Urteil vom 1. April 2020 mit dem Umstand, dass die Gesuchstellerin im fünften Monat schwanger gewesen sei, und mit der bevorstehenden Geburt des zweiten Kindes der Gesuchstellenden auseinandergesetzt. Dabei sei das Gericht zum Schluss gekommen, dass diesen Umständen im Zusammenhang mit den Ausreise- modalitäten Rechnung getragen werden müsse. Ferner habe sich das Ge- richt zum Kindeswohl des erstgeborenen Kindes geäussert und erwogen, dass angesichts des Alters von C._______, seiner Beziehungen und Ab- hängigkeiten davon auszugehen sei, dass er sic h vornehmlich an seinen Eltern, insbesondere seiner Mutter, orientiere und sich auf sie stütze. Seit dem Urteil des Gerichts seien lediglich sieben Monate verstrichen, womit die Einschätzung des Kindeswohl unverändert bleibe. Aus der Geburtsmel- dung betreffend die Tochter D._______ gehe nichts hervor, was gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges spreche. Bei der Eingabe vom 23. September 2020 handle es sich um ein wiederholt gleich begründetes Wiedererwägungsgesuch im Sinne von Art. 111b Abs. 4 AsylG, weshalb es formlos abgeschrieben werde. Dieser Abschreibungsbeschluss blieb unangefochten. IV. H. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 16. Oktober 2020 (Postaufgabe) liessen die Gesuchstellenden für sich und ihre beiden Kinder ein Revisi- onsgesuch einreichen. Dabei wurde beantragt, es sei auf das Revisions- gesuch einzutreten; das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 3. Mai 2019 sei in Revision zu ziehen, die Flüchtlingseigenschaft der Gesuchstel- lenden und ihrer Kinder sei anzuerkennen und ihnen sei Asyl zu gewähren; eventualiter sei wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges ihre vor- läufige Aufnahme anzuordnen; subeventualiter sei die Sache dem SEM zur neuen Instruktion und zum neuen Entscheid zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und der Verzicht auf einen Kostenvorschuss beantragt. E-5134/2020 Seite 6 Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Gesuchsteller habe seit seiner Ausreise aus Eritrea (im September 2015) jeglichen Kon- takt zu seiner Familie verloren. Seit April 2020 habe er mit seiner in Eritrea verbliebenen Familie, insbesondere mit seiner Mutter, wieder Kontakt auf- genommen. Anlässlich seiner Gespräche mit seiner Mutter habe er erfah- ren, dass diese seit seiner Ausreise aus Eritrea mit den eritreischen Behör- den, die den Gesuchsteller im Zusammenhang mit dem Militärdienst ge- sucht hätten, Schwierigkeiten gehabt habe. Im Januar 2016 sei seine Mut- ter drei Monate lang von den Behörden inhaftiert worden, nachdem sie auf- gefordert worden sei, den Aufenthaltsort ihres Sohnes bekanntzugeben. Sie sei nur wegen der Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes aus der Haft entlassen worden. Nach dem Gespräch mit seiner Mutter hab e der Gesuchsteller von seiner Familie verlangt, dass sie ihm die Vorladung, die die eritreischen Behörden an seinem eritreischen Wohnort zurückge- lassen hätten, in die Schweiz nachsende. Weil er seit April 2020 keine Mit- tel und Wege gefunden habe, dieses D okument erhältlich zu machen, sei sein Bruder aus Eritrea illegal nach Äthiopien gereist und habe die Vorla- dung einem äthiopischen Bekannten mit Wohnsitz in der Schweiz, welcher sich in Äthiopien aufgehalten habe, übergeben. Bei diesem Originaldokument handle es sich um ein revisionsrechtlich re- levantes Beweismittel. Die entsprechende Vorladung der eritreischen Be- hörden richte sich gegen den Gesuchsteller . Dieses neue Beweismittel müsse zu einer neuen Einschätzung der Asylvorbringen der Gesuchstel- lenden führen; der Gesuchsteller habe sich seiner Militärdienstpflicht ent- zogen und habe Eritrea illegal verlassen , weshalb er zusätzliche Anknüp- fungspunkte als Gefährdungselemente im Sinne der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (D-7898/2017 vom 30. Januar 2017) habe und deshalb die Flüchtlingseigenschaft erfülle. I. Mit superprovisorischer Instruktionsv erfügung vom 19. Oktober 2020 setzte die zuständige Instruktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts gestützt auf Art. 126 BGG den Vollzug der Wegweisung einstweilen aus. E-5134/2020 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG (SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be- schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1). 1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes- verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67 Abs. 3 VwVG Anwendung. 1.3 Die Gesuchstellenden sind durch das Beschwerdeurteil des Bundes- verwaltungsgerichts vom 3. Mai 2019 besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung. Sie sind daher zur Einreichung des Revisionsgesuches legitimiert (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG). 2. 2.1 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision wird d ie Unab- änderlichkeit und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwerdeent- scheids angefochten, im Hinblick darauf, dass die Rechtskraft beseitigt wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl. BVGE 2012/7 E. 2.4.2 mit Verweis auf BVGE 2007/21 sowie: MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH- LER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 303 Rz. 5.36 und TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwal- tungsrecht, 4. Aufl., 2014, S. 304 f.). 2.2 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus den in Art. 121–123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG). Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revi- sion nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte gel- tend machen können (sinngemäss Art. 46 VGG). 2.3 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von Art. 124 BGG darzutun. E-5134/2020 Seite 8 An die Begründung ausserordentlicher Rechtsmittel werden erhöhte Anfor- derungen gestellt. Reine Urteilskritik genügt den gesetzlichen Anforderun- gen an die Begründung eines Revisionsgesuchs nicht. Das Gesetz um- schreibt die Revisionsgründe eng, die Rechtsprechung handhabt sie rest- riktiv (vgl. ELISABETH ESCHER, Basler Kommentar zum Bundesgerichtsge- setz, 3. Aufl. 2018, Art. 121 BGG N 1, NICOLAS VON WERDT, in: Seiler/von Werdt/Güngerich/Oberholzer, Stämpflis Handkommentar SHK, Bundesge- richtsgesetz, 2. Aufl. 2015, Art. 121 N 9). 3. 3.1 In der Revisionseingabe ihres Rechtsvertreters berufen sich die Ge- suchstellenden explizit auf die Bestimmungen von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG. Dabei übersehen sie, dass für Revisionsgesuche vor dem Bundes- verwaltungsgericht die revisionsrechtlichen Bestimmu ngen des BGG gel- ten (vgl. Art. 121-128 BGG i.V.m. Art. 45 VGG). In ihrer Revisionseingabe vom 16. Oktober 2020 machen sie sinngemäss den Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG geltend. 3.2 In der Revisionseingabe wird behauptet, die Gesuchstellenden hätten im April 2020 vo n einem neuen Beweismittel erfahren; es sei ihnen erst durch die Übergabe des Dokuments an einen Bekannten in Äthiopien ge- lungen, das Dokument in die Schweiz überbringen zu lassen. Zugunsten der Gesuchsteller wird seitens des Gerichts davon ausgegangen, dass sie innert 90 Tagen seit der Beschaffung des Dokumentes in der Schweiz ihre Revisionseingabe eingereicht haben. Auf das frist- und formgerecht einge- reichte Revisionsgesuch ist deshalb einzutreten. 4. Im Folgenden ist der Frage nachzugehen, ob das von den Gesuchstellen- den eingereichte neue Beweismittel den revisionsrechtlichen materiellen Anforderungen genügt. 4.1 Nachträglich erfahrene Tatsachen und aufgefundene Beweismittel im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG bilden nur dann einen Rev isions- grund, wenn sie einerseits rechtserheblich, das heisst geeignet sind, den rechtserheblichen Sachverhalt so zu verändern, dass das Urteil anders ausfällt, und andererseits vor dem in Revision zu ziehenden Entscheid ent- standen sind, im früheren Verfahren aber nicht vorgebracht werden konn- ten, weil sie der gesuchstellenden Person damals nicht bekannt waren be- ziehungsweise trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt sein konnten E-5134/2020 Seite 9 oder ihr die Geltendmachung oder Beibringung aus entschuldbaren Grün- den nicht möglich war. 4.2 Vorweg ist festzustellen, dass es sich bei dem zur Begründung des Re- visionsgesuchs eingereichten Dokument um eine Vorladung der eritrei- schen Behörden («Verwaltungsbüro E._______/Der Verwalter: F._______») handelt, welche sich direkt an die Mutter des Gesuchstellers richtet («Frau G._______»). Das Dokument datiert vom 18.09.2015. Darin wird der Mutter mitgeteilt, dass ihr Sohn – der Gesuchsteller – ohne Er- laubnis aus seiner militärischen Ausbildung geflohen sei; die Militärbehör- den hätten ihn gesucht und nicht angetroffen. Die Mutter wird darüber in- formiert, dass ihr eine «schwere Strafe» drohe, falls ihr Sohn nicht gefun- den werde. 4.3 Dieses Beweismittel enthält einen Original-Stempel, es ist jedoch we- der vom angeblich ausstellende n Beamten handschriftlich unterzeichnet noch enthält es sonstige, überprüfbare Elemente. Dem äusseren Erschei- nungsbild nach – es handelt sich um ein maschinell respektive elektronisch angefertiges Schreiben mit Stempel – ist es leicht konstruierbar und als solches leicht (käuflich) erhältlich. 4.4 Zudem bleibt nicht nachvollziehbar, weshalb die Gesuchstellenden zwar eine Vorladung der Mutter des Gesuchstellenden eingereicht haben, jedoch weder im Verlauf des ordentlichen Asylverfahrens noch im Rahmen des zwei ten Asylverfahrens oder des Wiedererwägungsverfahrens vor dem SEM Dokumente eingereicht haben, die die vom Gesuchsteller gel- tend gemachten Probleme mit den militärischen Behörden in Eritrea direkt belegen. Die im ordentlichen Asylverfahren vorgetragene Inh aftierung, seine angebliche Haft im Gefängnis in H._______ respektive im Militärla- ger von I._______ und die Flucht aus der Haft wurde vom Bundesverwal- tungsgericht als unglaubhaft qualifiziert (vgl. hierzu: Urteil E -317/2019, E. 6.1). Hieran vermag die neu eingereichte, angebliche Vorladung an die Mutter des Gesuchstellers nichts zu ändern. 4.5 Die an die Mutter des Gesuchstellers gerichtete Vorladung ist insge- samt nicht geeignet, die behauptete Inhaftierung des Gesuchstellers und die Flucht aus der Haft als ü berwiegend wahrscheinlich darzutun ; diese wurden im ordentlichen Asyl- und Beschwerdeverfahren sowohl vom SEM als auch vom Gericht angesichts unsubstantiierter, teils widersprüchlicher, wenig lebensnaher und oberflächlicher Aussagen als nicht glaubhaft ge- macht eingeschätzt (vgl. Urteil E-317/20198 vom 3. Mai 2019 E. 6.1). Auch E-5134/2020 Seite 10 wenn das Dokument – zumal dessen Authentizität nicht zuverlässig bejaht werden kann – bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren vorgelegen hätte, wäre es nicht geeignet gewesen, an den Erwägungen im Beschwer- deurteil etwas zu ändern. Im Revisionsgesuch wird nichts vorgetragen, was die rechtskräftige Fest- stellung der Unglaubhaftigkeit dieser Vorbingen in einem neuen Licht be- trachten liesse. Der Umstand, dass die Gesuchstellenden ihr He imatland illegal verlassen haben sollen, war bereits im ordentlichen Verfahren be- kannt und wurde im Rahmen der Erwägungen des Gerichts mitberücksich- tigt (vgl. Urteil E -317/2019 E. 6.2). Zusätzliche Gefährdungsfaktoren im Sinne der von den Gesuchstellenden angerufenen Rechtsprechung (vgl. Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017) wurden damals vom Gericht verneint. Diesbezüglich wird in der Revisionseingabe nichts Neues glaubhaft vorgetragen. Auch mit dem Vorbringen des bevorstehenden Militärdienstes hat sich das Gericht im Urteil E-317/2019 (vgl. E. 10.3) einlässlich auseinandergesetzt und namentlich, unter Hinweis auf BVGE 2018 VI/4, ausgeführt, dass ein bevorstehender Militärdienst nicht zur Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs führt. Auch diesbezüglich wird nichts revisionsrecht- lich Relevantes vorgetragen. Das revisionsweise eingereichte Beweismittel muss demnach als nicht rechtserheblich im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG qualifiziert wer- den. 4.6 Zudem erscheint fraglich, dass das nun vorgelegte Beweismittel bei zu- mutbarer Sorgfalt nicht hätte im ordentlichen Verfahren beigebracht wer- den können. Insbesondere erscheint es nicht plausibel, dass der Gesuchsteller erst fünf Jahre nach seiner Ausreise aus Eritrea mit seiner Familie in Eritrea Kontakt aufgenommen haben will. Es ist nicht nachvollziehbar und wird von den Gesuchstellenden auch nicht erläutert, weshalb es ihnen nicht gelungen sein soll, die Vorladung der eritreischen Behörden an die Mutter des Ge- suchstellers vom 18. September 2015 bereits im Rahmen des ordentlichen Asyl- und Beschwerdeverfahrens respektive im Rahmen des zweiten Asyl- verfahrens (vgl. Sachverhalt oben, Bst. D), in welchem die Gesuchstellen- den rechtlich vertreten waren, einzureichen. Wenn die Mutter respektive die in Eritrea zurückgebliebenen Familienangehörigen des Gesuchstellers E-5134/2020 Seite 11 tatsächlich seit dessen Ausreise aus Eritrea im September 2015 Schwie- rigkeiten mit den eritreischen Behörden gehabt hätten, bleibt nicht nach- vollziehbar, weshalb die Gesuchstellenden diesen Umstand nicht bereits zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt geltend gemacht haben, zumal nachdem die Gesuchstellenden angeblich einen familiären Bekannten ha- ben, der beim eritreischen Sicherheitsdienst arbeiten soll (vgl. Vorbringen im zweiten Asylverfahren, Sachverhalt oben, Bst. D.a und D.b). Nachdem es ohnehin an der revisionsrechtlichen Erheblichkeit des vorge- legten Beweismittels fehlt, kann diese Frage jedoch letztlich offenbleiben. 5. Zusammenfassend ist festzustellen, dass es den G esuchstellenden nicht gelungen ist, relevante Gründe darzutun, die eine Revision des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts E-317/2019 vom 3. Mai 201 9 rechtfertigen würden. Das Revisionsgesuch vom 16. Oktober 2020 ist deshalb abzuwei- sen. 6. Der am 19. Oktober 2020 einstweilig verfügte Vollzugsstopp wird mit dem vorliegenden Entscheid in der Sache selbst hinfällig. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten de n Ge- suchstellenden aufzuerlegen. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem Ergehen des vorliegenden Urteils in der Sache gegenstandslos. Da das Revisionsgesuch nach dem Gesag- ten als aussichtslos zu erachten ist, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzu- weisen. Zudem sind die Verfahrenskosten praxisgemäss bei Fr. 1‘500.- an- zusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]; Art. 63 Abs. 1 i.V.m. Art. 68 Abs. 2 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-5134/2020 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Revisionsgesuch wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.- werden den Gesuchstellenden aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Gesuchstellenden, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sandra Bodenmann Versand: