<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 64 S.278</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">278</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>64 Varianten;</b></span> <span class="ft2"><b>Globalangebote.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Eine Vergütungsart, welche von den Bedingungen der Ausschreibung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>abweicht, stellt nicht eine Variante, sondern ein ausschreibungswid-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>riges Angebot dar. Die Vergabestelle muss die Zulässigkeit abwei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>chender Vergütungsarten in den Ausschreibungsunterlagen aus-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>drücklich vorsehen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 20. Oktober 2003 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen M. AG gegen Gemeinderat Möriken-Wildegg.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">279</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. Es stellt sich die Frage, ob es sich beim Globalangebot der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdegegnerin um eine zulässige Variante zum Grundangebot</span><br/> <span class="ft1">handelt oder ob ein ausschreibungswidriges Angebot vorliegt, das</span><br/> <span class="ft1">von der Vergabe hätte ausgeschlossen werden müssen.</span><br/> <span class="ft1">a) Den Anbietenden steht es frei, Offerten für Varianten und</span><br/> <span class="ft1">Teilangebote einzureichen (§ 16 Abs. 1 SubmD). Die Vergabestelle</span><br/> <span class="ft1">bezeichnet in den Ausschreibungsunterlagen die Mindestanforde-</span><br/> <span class="ft1">rungen an Varianten und Teilangebote (§ 16 Abs. 2 SubmD). Das</span><br/> <span class="ft1">Angebot einer Variante ist ungültig, wenn damit nicht eine Offerte</span><br/> <span class="ft1">für das Grundangebot eingereicht wird (§ 16 Abs. 3 SubmD).</span><br/> <span class="ft1">b) In der Baubranche wird als Variante üblicherweise jeder Of-</span><br/> <span class="ft1">fertvorschlag bezeichnet, der inhaltlich von der ausgeschriebenen</span><br/> <span class="ft1">Bauleistung abweicht. Bei der Projektvariante offeriert ein Unter-</span><br/> <span class="ft1">nehmer die Werkausführung mit einer Projektierung, die von den</span><br/> <span class="ft1">ausgeschriebenen Planunterlagen ganz oder teilweise abweicht. Bei</span><br/> <span class="ft1">einer Ausführungsvariante bietet ein Unternehmer die Ausführung in</span><br/> <span class="ft1">einer Art und Weise an, die sich von den Ausschreibungsunterlagen</span><br/> <span class="ft1">(z.B. bezüglich Baumethode, Konstruktionsart, Reihenfolge der Ar-</span><br/> <span class="ft1">beiten) unterscheidet (vgl. AGVE 2001, S. 337 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Keine Unternehmervariante im soeben umschriebenen Sinne</span><br/> <span class="ft1">liegt vor, wenn ein Anbieter nicht eine leistungsbezogene Abwei-</span><br/> <span class="ft1">chung von den Ausschreibungsbedingungen, sondern lediglich eine</span><br/> <span class="ft1">von den Ausschreibungsunterlagen abweichende Vergütungsart (z.B.</span><br/> <span class="ft1">Pauschal- statt Einheitspreise) vorschlägt (Roland Hürlimann, Unter-</span><br/> <span class="ft1">nehmervarianten - Risiken und Problembereiche, in: BR 1996,</span><br/> <span class="ft1">S.</span> <span class="ft1">3</span> <span class="ft1">f.). Die Frage, ob als Variante auch ein von den Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibungsunterlagen abweichender Vergütungsmodus, insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere ein Pauschal- oder Globalpreisangebot zusätzlich zum</span><br/> <span class="ft1">Grundangebot nach Einheitspreisen (oft in Verbindung mit einem</span><br/> <span class="ft1">Preis nach Aufwand) vorgeschlagen werden kann, ist in der Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung und Lehre umstritten. Die eine Seite bejaht die Frage.</span><br/> <span class="ft1">Eine Variante sei eine Abweichung von etwas Vorgegebenem. Im</span><br/> <span class="ft1">Submissionsverfahren sei das Vorgegebene das, was der Auftragge-</span><br/> <span class="ft1">ber in der Ausschreibung bzw. in den entsprechenden Unterlagen an</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">280</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Bedingungen für die Offerte bekannt gebe. Verlange ein</span><br/> <span class="ft1">Auftraggeber für die Grundofferte ausschliesslich Einheitspreisan-</span><br/> <span class="ft1">gebote, so stelle ein Pauschal- oder ein Globalangebot eine</span><br/> <span class="ft1">Abweichung von den Ausschreibungsbedingungen und somit</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich ebenfalls eine Variante dar (Peter Rechsteiner, in:</span><br/> <span class="ft1">BR 2001, S. 60; ebenfalls bejahend: Urteil der Eidgenössischen</span><br/> <span class="ft1">Rekurskommission für das öffentliche Beschaffungswesen vom</span><br/> <span class="ft1">7. November 1997, in: BR 1998, S. 126 Nr. 335 E. 5). Andere</span><br/> <span class="ft1">wiederum vertreten die Auffassung, dass eine Variante immer (auch)</span><br/> <span class="ft1">eine leistungsbezogene Abweichung von den Ausschrei-</span><br/> <span class="ft1">bungsunterlagen enthalte; wähle der Anbieter lediglich eine Preisart,</span><br/> <span class="ft1">die von den Bedingungen der Ausschreibung abweiche, liege keine</span><br/> <span class="ft1">Variante, sondern ein ausschreibungswidriges Angebot vor (Peter</span><br/> <span class="ft1">Gauch/Hubert Stöckli, Vergabethesen 1999, Thesen zum neuen Ver-</span><br/> <span class="ft1">gaberecht des Bundes, Freiburg 1999, S. 46, Rz. 19.2). Das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht des Kantons Zürich hat sich in einem neueren Entscheid</span><br/> <span class="ft1">ebenfalls mit der Problematik befasst und festgehalten, dass die</span><br/> <span class="ft1">Preisbestimmung bei den verschiedenen Preisarten nach ganz ande-</span><br/> <span class="ft1">ren Grundsätzen erfolge. Pauschal- und Einheitspreisangebote seien</span><br/> <span class="ft1">damit nicht oder höchstens bedingt miteinander vergleichbar. Weiche</span><br/> <span class="ft1">beispielsweise die im Leistungsverzeichnis zu den einzelnen</span><br/> <span class="ft1">Leistungen angenommenen Mengen von der für die geschuldete</span><br/> <span class="ft1">Einheitspreisvergütung massgeblichen tatsächlichen Menge ab, so</span><br/> <span class="ft1">könne ein höherer Einheitspreis preislich günstiger sein als ein tiefe-</span><br/> <span class="ft1">res Pauschalangebot. Umgekehrt könne ein höherer Pauschalpreis</span><br/> <span class="ft1">günstiger sein als ein Angebot mit Einheitspreisen und zusätzlich</span><br/> <span class="ft1">separat zu entschädigenden Regiearbeiten. Art. 6 Abs. 2 SIA-Norm</span><br/> <span class="ft1">118 sehe denn auch für die dieser Norm unterstellten privaten Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibungen vor, dass der Bauherr in der Ausschreibung die ge-</span><br/> <span class="ft1">wünschte Preisart bekannt gebe. Werde ein Pauschalpreis verlangt,</span><br/> <span class="ft1">so sei dies in den Ausschreibungsunterlagen ausdrücklich festzuhal-</span><br/> <span class="ft1">ten (Art. 6 Abs. 2 und Art. 41 Abs. 3 SIA-Norm 118). Im konkreten</span><br/> <span class="ft1">Fall konnte es das Zürcher Verwaltungsgericht allerdings offen las-</span><br/> <span class="ft1">sen, ob eine zusätzlich zur ausgeschriebenen Preisart offerierte, an-</span><br/> <span class="ft1">dere Vergütungsart zulässig sei (Urteil des Verwaltungsgerichts des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Zürich vom 23. Januar 2003 [VB.2002.00195], E. 4a).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">281</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Auch nach Auffassung des Aargauischen Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">stellt eine Vergütungsart, welche von den Bedingungen der Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibung abweicht, nicht eine Variante, sondern ein ausschrei-</span><br/> <span class="ft1">bungswidriges Angebot dar. Eine Variante im Sinne von § 16</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 SubmD beinhaltet immer eine leistungsbezogene Abweichung</span><br/> <span class="ft1">von den Ausschreibungsbedingungen (z.B. Projektierungs- oder</span><br/> <span class="ft1">Ausführungsvariante); mit ihr soll den Anbietern die Möglichkeit</span><br/> <span class="ft1">eingeräumt werden, von der Amtslösung abweichende, innovative</span><br/> <span class="ft1">Alternativen anzubieten. Demgegenüber wird bei einer von den</span><br/> <span class="ft1">Bedingungen der Ausschreibung abweichenden Vergütungsart in</span><br/> <span class="ft1">Bezug auf die nachgefragte Leistung - gleich wie beim</span><br/> <span class="ft1">Grundangebot - lediglich die Amtslösung angeboten. Wesentlich er-</span><br/> <span class="ft1">scheint auch, dass sich Pauschal- und Einheitspreisangebote nicht</span><br/> <span class="ft1">bzw. höchstens bedingt miteinander vergleichen lassen und dadurch</span><br/> <span class="ft1">die seriöse sachliche Ermittlung des wirtschaftlich günstigsten Ange-</span><br/> <span class="ft1">bots erheblich erschwert wird. Es kann diesbezüglich auf die über-</span><br/> <span class="ft1">zeugenden Ausführungen des Zürcher Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">verwiesen werden. Angesichts der bestehenden Problematik muss</span><br/> <span class="ft1">verlangt werden, dass die Vergabebehörde die Zulässigkeit</span><br/> <span class="ft1">abweichender Vergütungsarten in den Ausschreibungsunterlagen</span><br/> <span class="ft1">ausdrücklich vorsieht, wie dies auch §</span> <span class="ft1">12 Abs.</span> <span class="ft1">2 SubmD in</span><br/> <span class="ft1">Verbindung mit Ziffer 6 von Anhang 5 vorschreibt; andernfalls ist ein</span><br/> <span class="ft1">solches Angebot als ausschreibungswidrig von der Vergabe aus-</span><br/> <span class="ft1">zuschliessen.</span><br/> <span class="ft1">c) Die vorliegenden Ausschreibungsunterlagen enthalten keine</span><br/> <span class="ft1">Vorschriften über Zulässigkeit und Bedingungen für Pauschal- oder</span><br/> <span class="ft1">Globalangebote. Folglich hätte die Vergabebehörde das Globalan-</span><br/> <span class="ft1">gebot der Beschwerdegegnerin als ausschreibungswidrig von der</span><br/> <span class="ft1">Vergabe ausschliessen müssen. Der an die Beschwerdegegnerin für</span><br/> <span class="ft1">das Globalangebot erteilte Zuschlag ist daher in Gutheissung von</span><br/> <span class="ft1">Ziffer 1 der Beschwerdebegehren aufzuheben.</span><br/></div> </div> </body> </html>