<h2>SubmittedText<h2><p>Eine Umfrage zeigt, dass der Zugang zu den Fachhochschulen über die Berufsmaturität an der gewerblichen Wirtschaft vorbeiläuft. In diesem Zusammenhang frage ich den Bundesrat:</p><p>1. Wie viele Lehrlinge besuchen gegenwärtig Berufsmaturitätskurse?</p><p>2. Wie hoch ist der Anteil bei den Lehrberufen im gewerblich-handwerklichen Bereich mit dreijähriger Lehrzeit?</p><p>3. Welche Möglichkeiten bestehen auch in diesen Lehrberufen, den Zugang zu den Berufsmaturitätskursen zu ermöglichen? Welche Empfehlungen kann der Bund den Kantonen geben?</p><p>4. Mit welchen Massnahmen soll die Zusammenarbeit zwischen den jeweiligen Berufsbranchen und den zukünftigen Fachhochschulen verstärkt werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Auffassung des Interpellanten, dass die neuen Fachhochschulen eng mit der Wirtschaft zusammenarbeiten sollen. Ebenso hat er in der Botschaft zum Fachhochschulgesetz (BBl 1994 III 789, S. 21 Separatum) sowie in der parlamentarischen Beratung des Gesetzes wiederholt auf die Bedeutung der Berufslehre als Grundlage für Fachhochschulstudien hingewiesen. Schliesslich bleibt Artikel 2 des Fachhochschulgesetzes zu erwähnen, der die Fachhochschulen als Ausbildungsstätten der Hochschulstufe definiert, "die grundsätzlich auf einer beruflichen Grundausbildung aufbauen".</p><p>Die Einführung von Berufsmaturitäten erfolgte zeitlich gestaffelt, was auf die Zahlen in der Beantwortung der Fragen 1 und 2 auch einen gewissen Einfluss hat. So wurde/wird die technische Berufsmaturität auf das Schuljahr 1993/94 eingeführt, die kaufmännische auf 1994/95, die gewerbliche auf 1995/96 und die gestalterische auf 1996/97.</p><p>1. Im Auftrag des Biga evaluieren das Institut für Wirtschaftspädagogik der Universität St. Gallen und die Schweizerische Gesellschaft für angewandte Berufsbildungsforschung die Einführung der Berufsmaturität. Die folgenden Zahlen beziehen sich auf Personen, die im Schuljahr 1995/96 mit dem Berufsmaturitätsunterricht begonnen haben, als Schülerinnen und Schüler eines einzelnen Jahrgangs, wobei Angaben weniger Schulen noch nicht vorlagen. Die Daten beziehen sich nur auf die technische, gewerbliche und die kaufmännische Berufsmaturität. Bei der technischen sind die Teilnehmer und Teilnehmerinnen vier- und dreijähriger Lehren aus gewerblichen und industriellen Lehrbetrieben zusammengezählt.</p><p>Berufsmaturitätsschüler und -schülerinnen mit Beginn Schuljahr 1995/96 im 1. und 2. Semester:</p><p>- Technische Berufsmatura lehrbegleitend: Deutschschweiz 1940, Westschweiz 345, Tessin 84, Schweiz 2369;</p><p>- Technische Berufsmatura Lehrwerkstätten: Deutschschweiz 19, Westschweiz 115, Tessin 74, Schweiz 208;</p><p>- Kaufmännische Berufsmatura lehrbegleitend: Deutschschweiz 1263, Westschweiz 169, Tessin 119, Schweiz 1551;</p><p>- Handelsmittelschulen: Deuschschweiz 156, Westschweiz 185, Tessin 61, Schweiz 402;</p><p>Total Berufsmatura in der Grundausbildung: Deutschschweiz 3378, Westschweiz 814, Tessin 338, Schweiz 4530.</p><p>- Technische Berufsmatura Berufsleute berufsbegleitend: Deutschweiz 76, Tessin 10, Schweiz 86;</p><p>- Kaufmännische Berufsmatura Berufsleute berufsbegleitend: Deutschschweiz 46, Schweiz 46;</p><p>- Technische Berufsmatura Berufsleute Vollzeit: Deutschschweiz 285, Westschweiz 175, Tessin 57, Schweiz 517;</p><p>- Kaufmännische Berufsmatura Berufsleute Vollzeit: Deutschschweiz 36, Westschweiz 35, Tessin 36, Schweiz 107;</p><p>- Total Berufsmatura nach der Grundausbildung: Deutschschweiz 443, Westschweiz 210, Tessin 103, Schweiz 756.</p><p>2. Um den Schulen bei der Organisation des Berufsmaturitätsunterrichts entgegenzukommen, wurde der Lehrplan für die gewerbliche Berufsmaturität in sehr enger Anlehnung an denjenigen für die technische erlassen. In der Regel besuchen deshalb Lehrtöchter und Lehrlinge aus Gewerbebetrieben den Berufsmaturitätsunterricht gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus industriellen Betrieben. Im weiteren gibt es keine Definitionen, die eine klare Zuordnung von Betrieben zum gewerblichen bzw. zum industriellen Bereich erlauben. Aus diesen Gründen werden bei der Evaluation der Einführung der Berufsmaturitäten die Angaben über die Schülerinnen und Schüler aus gewerblichen Betrieben nicht gesondert erfasst.</p><p>3. Die Einführung der Berufsmaturitäten hat gezeigt, dass die Verbände diese Neuerung sehr unterstützen; hingegen bekunden viele Lehrbetriebe Mühe mit der zusätzlichen Abwesenheit für schulische Zwecke. In diesem Zusammenhang bedauern wir auch, dass von der in der Verordnung vorgesehenen Möglichkeit, die Berufsmaturitätskurse in Form von Blockunterricht anzubieten, kaum Gebrauch gemacht wird. Die Kantone sollten deshalb in Absprache mit den Lehrbetrieben den rechtlichen Spielraum vermehrt nutzen.</p><p>4. Der Leistungsauftrag an die Fachhochschulen zielt auf die Diffusion von neuem Wissen und neuer Technologie. Um den Praxisbezug der Fachhochschulstudien zu gewährleisten, wird es von zentraler Bedeutung sein, dass die Berufsbranchen und die in ihrem Bereich tätigen Unternehmen ihre Bedürfnisse an die Fachhochschulen herantragen und an der Schaffung von Ausbildungs- und Forschungsschwerpunkten mitarbeiten. Umgekehrt wird es notwendig sein, dass die Fachhochschulen mit den Berufsbranchen im ständigen Dialog stehen, unter anderem dadurch, dass sie sie an der Aufsicht beteiligen.</p>  Antwort des Bundesrates.