<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 8 S.44</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">44</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>8</b></span> <span class="ft1"><b>Art. 12 lit. a BGFA</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Verpasste Rechtsmittelfrist ist, wenn sie auf unsorgfältige Geschäftsfüh-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>rung zurückzuführen ist, disziplinarrechtlich relevant</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid der Anwaltskommission vom 7. Dezember 2007 i.S. M. S.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">2.2.</span><br/> <span class="ft4">Gemäss Art. 12 lit. a BGFA übt der Anwalt seinen Beruf sorg-</span><br/> <span class="ft4">fältig und gewissenhaft aus. Diese Pflicht gebietet ihm, die Interes-</span><br/> <span class="ft4">sen des Auftraggebers nach besten Kräften zu wahren und alles zu</span><br/> <span class="ft4">unterlassen, was diese Interessen schädigen könnte. Disziplinarrecht-</span><br/> <span class="ft4">lich relevant sind aber nur grobe Verstösse gegen diese mandats-</span><br/> <span class="ft4">rechtliche Treuepflicht. Das Berufsrecht soll sicherstellen, dass der</span><br/> <span class="ft4">Anwalt seine Aufgabe nicht wissentlich unrichtig oder grobfahrlässig</span><br/> <span class="ft4">fehlerhaft erfüllt. Verpasst ein Anwalt versehentlich eine Frist, ist</span><br/> <span class="ft4">dies disziplinarrechtlich grundsätzlich nicht von Bedeutung. Die Auf-</span><br/> <span class="ft4">sichtsbehörde hat hierbei nur einzuschreiten, wenn erschwerende</span><br/> <span class="ft4">Umstände vorliegen, die auf eine unverantwortliche Berufsausübung</span><br/> <span class="ft4">schliessen lassen (F</span><span class="ft2">ELLMANN</span> <span class="ft4">in: W</span><span class="ft2">ALTER</span> <span class="ft4">F</span><span class="ft2">ELLMANN</span> <span class="ft4">/</span> <span class="ft4">G</span><span class="ft2">AUDENZ</span> <span class="ft4">G.</span><br/> <span class="ft4">Z</span><span class="ft2">INDEL</span> <span class="ft4">[Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgesetz, Zürich 2005, N 26</span><br/> <span class="ft4">zur Art. 12 [zit. N</span><span class="ft2">AME</span><span class="ft4">, BGFA-Kommentar]). Das versehentliche Ver-</span><br/> <span class="ft4">passen einer Frist kann auch einem gewissenhaften Anwalt gelegent-</span><br/> <span class="ft4">lich einmal unterlaufen. Von einer disziplinarisch relevanten Verlet-</span><br/> <span class="ft4">zung der Berufspflicht kann erst dann gesprochen werden, wenn ein</span><br/> <span class="ft4">Anwalt die üblichen Vorsichtsmassnahmen zur Vermeidung solcher</span><br/> <span class="ft4">Fehlleistungen unterlässt. Ohne weiteres dürfte ein Disziplinartatbe-</span><br/> <span class="ft4">stand sodann auch dann vorliegen, wenn ein Anwalt eine Fristeinhal-</span><br/> <span class="ft4">tung aus böswilliger Absicht zum Nachteil seines Mandanten unter-</span><br/> <span class="ft4">lässt. Eine Fristversäumnis fällt beispielsweise disziplinarisch dann</span><br/> <span class="ft4">nicht ins Gewicht, wenn in Bezug auf die Postaufgabe die Sekretärin</span><br/> <span class="ft4">irrtümlicherweise annahm, der Anwalt selbst habe das fristgerecht</span><br/> <span class="ft4">niedergeschriebene Fristerstreckungsgesuch auf die nahe Post ge-</span><br/> <span class="ft4">bracht, was er aber krankheitsbedingt nicht tat (G</span><span class="ft2">IOVANNI</span> <span class="ft4">A</span><span class="ft2">NDREA</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">45</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">T</span><span class="ft2">ESTA</span><span class="ft4">, Die zivil- und standesrechtlichen Pflichten des Rechtsanwal-</span><br/> <span class="ft4">tes gegenüber dem Klienten, Zürich 2001, S. 87 ff.; vgl. auch ZR</span><br/> <span class="ft4">1995, Bd. 94, Nr. 33, 105ff.).</span><br/> <span class="ft4">2.3.</span><br/> <span class="ft4">2.3.1.</span><br/> <span class="ft4">[...]</span><br/> <span class="ft4">2.3.2.</span><br/> <span class="ft4">Die Eintragung einer Frist in der internen Kontrolle im falschen</span><br/> <span class="ft4">Monat stellt ein grobes Fehlverhalten seitens des beanzeigten Anwal-</span><br/> <span class="ft4">tes dar. Es ist von einem Anwalt zu erwarten, dass er eine Frist sorg-</span><br/> <span class="ft4">fältig und mit Bedacht richtig in seiner Agenda einträgt. Es sind auch</span><br/> <span class="ft4">keine Anhaltspunkte ersichtlich, die den beanzeigten Anwalt im</span><br/> <span class="ft4">Sinne des unter Ziffer 2.2. angeführten Beispieles entlasten könnten.</span><br/> <span class="ft4">Solche werden vom beanzeigten Anwalt auch nicht vorgebracht.</span><br/> <span class="ft4">Schliesslich lässt nichts darauf schliessen, dass der beanzeigte An-</span><br/> <span class="ft4">walt entsprechende Vorsichtsmassnahmen vorgenommen hat, die</span><br/> <span class="ft4">eine solche Fehlleistung verhindern könnten. Das Verpassen der Frist</span><br/> <span class="ft4">ist somit grobfahrlässig und unverantwortlich und lässt auf eine un-</span><br/> <span class="ft4">sorgfältige Geschäftsführung schliessen, welche mit dem Erfordernis</span><br/> <span class="ft4">einer gewissenhaften Berufsausübung nicht zu vereinbaren ist. Das</span><br/> <span class="ft4">Verschulden liegt voll und ganz beim beanzeigten Anwalt. Es liegen</span><br/> <span class="ft4">demnach erschwerende Umstände vor, weshalb der beanzeigte An-</span><br/> <span class="ft4">walt mit seinem Verhalten die Berufsregel von Art. 12 lit. a BGFA</span><br/> <span class="ft4">verletzt hat.</span><br/></div> </div> </body> </html>