Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 9. November 2022 (810 22 34) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Baugesuch für Mehrfamilienhaus mit Autoeinstellhalle und Schopf mit Unterstand / Messweise der Fassaden- bzw. Gebäudehöhe Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer, Daniel Noll, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer gegen Baurekurskommission des Kantons Basel -Landschaft , Vorinstanz B.____ GmbH , c/o C.____ , Beschwerdegegnerin D.____ , Beschwerdegegner Einwohnergemeinde Binningen , Beigeladene Betreff Baugesuch für Mehrfamilienhaus mit Autoeinstel lhalle und Schopf mit Unterstand (Entscheid Nr. 20-080 der Baurekurskommission vom 23. März 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 22. April 2020 reichten C.____ und D.____ bei m Bauinspektorat Basel-Landschaft (BIT) ein Baugesuch für ein Mehrfamilienhaus mit Aut oeinstellhalle und Schopf mit Unterstand auf der Parzelle Nr. XX in Binningen ein. B. Gegen das Baugesuch erhoben die Gemeinde Binningen , E.____ und F.____ sowie A.____ beim BIT Einsprachen. Während des Einspracheverf ahrens reichten die Baugesuch- steller mehrfach (letztmals am 27. August 2020) berein igte Pläne ein, woraufhin die Gemeinde Binningen sowie E.____ und F.____ ihre Einsprachen zur ückzogen. A.____ hielt an seiner Ein- sprache fest und rügte insbesondere eine Verletzung der zulässigen Fassadenhöhe. C. Mit Entscheid Nr. 200/20 vom 7. Dezember 2020 wies d as BIT die Einsprache von A.____ im Sinne der Erwägungen ab, soweit es darauf eintrat. D. Die von A.____ dagegen erhobene Beschwerde wies die Baurekurskommission Basel- Landschaft mit Entscheid Nr. 20-080 vom 23. März 2021 im Sinne der Erwägungen ab. E. Dagegen erhebt A.____ mit Eingabe vom 14. Februa r 2022 Beschwerde beim Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- un d Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit den Rechtsbegehren, es sei der Entscheid der Baure kurskommission vom 23. März 2021 und dementsprechend die Baubewilligung aufzuheben, unter o/e-Kostenfolge. F. Mit Vernehmlassung vom 17. Mai 2022 schliesst die Gem einde Binningen auf Abwei- sung der Beschwerde. G. Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 20. Mai 2022 die Abweisung der Beschwerde. H. Das Kantonsgericht hat heute einen Augenschein und eine Parteiverhandlung durch- geführt, an welcher die Parteien vollumfänglich an ihren gestellten Rechtsbegehren festhielten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 134 Abs. 5 des Raumplanungs- und Baugese tzes (RBG) vom 8. Januar 1998 in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über di e Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können Entscheide der Baurekurskommission durch die Betroffenen und die Gemeinden beim Kantonsg ericht angefochten werden. Die Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der Beschwerde ist somit gegeben. Da die wei- teren formellen Voraussetzungen ebenfalls erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2 Die Kognition des Kantonsgerichts ist gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO grundsätz- lich auf Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts beschränkt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kantonsger icht – abgesehen von hier nicht vorlie- genden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c V PO e contrario). 2. Strittig ist vorliegend einzig die Frage der Einhal tung der zulässigen Fassaden- und Gebäudehöhe durch das Bauprojekt und damit verbunden die Frage der Messweise der beiden Höhen. Das umstrittene Bauvorhaben für ein Mehrfamili enhaus (inkl. Autoeinstellhalle) mit Sat- teldach sowie Nebenbauten befindet sich gemäss rechtskräf tigem Zonenplan Siedlung und Landschaft der Einwohnergemeinde Binningen vom 26. S eptember 2011 in einer Wohnzone W2b. In Wohnzonen W2b sind gemäss Ziff. 3 des Zonenregl ements Siedlung und Landschaft der Einwohnergemeinde Binningen (nachfolgend: ZRS) vo m 26. September 2011 Bauten mit einer maximalen Fassadenhöhe von 7.5 m und einer maxim alen Gebäudehöhe von 10.5 m zu- lässig. 3.1 Die Vorinstanz ging davon aus, dass das Bauprojekt sowohl die Fassaden- als auch die Gebäudehöhe einhalte. Wie die Gemeinde richtig e rkannt habe, sei für die Fassadenhöhe der Schnittpunkt der Fassade mit der Oberkante der rohe n Dachkonstruktion an der Traufe und für die Gebäudehöhe der Schnittpunkt der Fassade mit der Oberkante der rohen Dachkonstruk- tion am First relevant. Aus den Plänen ergebe sich ausn ahmslos einerseits eine Fassadenhöhe von 6.9 m und andererseits eine Gebäudehöhe von 10.5 m . Somit liege die Fassadenhöhe 0.6 m unterhalb des Maximums, während die Gebäudehöhe das Maximalmass zulässigerweise ausreize. Der Vollständigkeit halber sei festzuhalten, dass das in den Baugesuchsplänen für die Oberkante der Flachdächer über den nordwestseitigen Ba lkonen angegebene Mass von +5.595 m für die Berechnung der Fassaden- und Gebäude höhe nicht relevant sei. Weiter seien weder die Zonenvorschriften für Attikageschosse noch die Bestimmungen der Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der Baubegriffe (IVHB) relevant, da die Gemeinde Binningen die Bestimmungen der IVHB noch nicht übernommen habe. 3.2.1 Dagegen bringt der Beschwerdeführer vor, die Be messung der Fassadenhöhe gemäss dem ZRS sei umstritten. Im angefochtenen Entscheid wer de nicht begründet, weshalb der obere Messpunkt – entgegen dem Wortlaut des ZRS – "an der Traufe" festzulegen sei. Unstrit- tig sei der untere Messpunkt der Fassadenhöhe (der tiefste Punkt des gewachsenen Terrains [- 1.00 m]) und das zulässige Mass der Fassadenhöhe (max. 7. 5 m). Strittig sei einzig der obere Messpunkt der Fassadenhöhe. Aus Ziff. 33 Abs. 1 ZRS ergebe sich nicht, dass die Dachkon- struktion "an der Traufe" für die Festlegung des obere n Schnittpunktes massgeblich sei. Die Auffassung der Vorinstanz ergänze faktisch und implizit d en Wortlaut von Ziff. 33 Abs. 1 des ZRS mit den Worten "an der Traufe". Die von der Vori nstanz vorgenommene Festlegung des oberen Messpunktes der Fassadenhöhe widerspreche dem klaren Wortlaut des ZRS. Die vorin- stanzliche Fixierung des oberen Schnittpunktes bedeute, d ass zur Bemessung der Fassaden- höhe der untere Messpunkt und der obere Messpunkt nicht a uf derselben Fassade (Fläche) zu liegen kämen. Es werde sozusagen "um die Ecke" gemessen . Die vorinstanzlichen Ausführun- gen zur Gebäudehöhe gingen sodann an der Sache vorbei und seien falsch. Der obere Mess- punkt liege nicht beim "Schnittpunkt der Fassade mit de r … Dachkonstruktion am First", son- dern beim "… höchsten Punkt der rohen Dachkonstruktion (R ohmass)…" (ZRS Ziff. 33.2), ob dieser nun auf der Fassade liege oder nicht. Die Gebä udehöhe sei – im Gegensatz zur Fassa-Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht denhöhe – nicht auf einer Fläche zu messen. Insoweit se ien auch die Ausführungen zur Ge- bäudehöhe falsch. Hätte der Gesetzgeber die Bemessung d er Fassadenhöhe so vornehmen wollen, wie es die Vorinstanz verstehe, hätte dies im Text zum Ausdruck kommen müssen. Dies wäre einfach gewesen, wenn z.B. der obere Messpunkt mit "Schnittpunkt der Fassade mit der Oberkante der rohen Dachkonstruktion des letzten Vollgeschosses" definiert worden wäre. Dies habe der Gesetzgeber nicht getan und nur für Attikage schosse eine Ausnahme vorgesehen. Diese Ausnahme der Bemessung der Fassadenhöhe für Attika geschosse sei hier jedoch nicht anwendbar, weil kein Attika-, sondern ein Dachgeschoss vorliege. 3.2.2 Weiter verweist der Beschwerdeführer darauf, da ss die (hier allerdings nicht direkt an- wendbare) IVHB in Ziff. 5.2 die Messweise für die Fassa denhöhe wie folgt bestimme: "Die Fas- sadenhöhe ist der grösste Höhenunterschied zwischen der Sch nittlinie der Fassadenflucht mit der Oberkante der Dachkonstruktion und der dazugehörige n Fassadenlinie." Diese Beschrei- bung der Fassadenhöhe in der IVHB decke sich inhaltlich m it derjenigen im ZRS, auch wenn sie nicht wörtlich übereinstimmten. Die Skizzen im Anhan g 2 der IVHB würden verdeutlichen, dass die Giebelfläche zur (Giebel-)Fassade gehöre und die Fassadenhöhe inklusive des Giebeldreiecks zu bestimmen sei. Das geplante Mehrfamil ienhaus übersteige damit die maxi- mal zulässige Fassadenhöhe mindestens an den Nord- (und S üd-)Fassaden (Giebelfassaden) um mindestens 3 m. Richtig gemessen liege der untere Me sspunkt bei Kote -1.00 m und der obere Schnittpunkt auf +9.5 m über dem Fertigboden E G. Die Fassadenhöhe betrage somit mindestens 10.5 m und übersteige damit das zulässige Mass um mindestens 3 m. Somit sei das Baugesuch nicht bewilligungsfähig. 4.1 Neben der Beachtung der Vorschriften über die Zone nkonformität und die Erschlies- sung müssen Bauten und Anlagen diverse öffentlich-rechtl iche Bauvorschriften, z.B. Umwelt- oder Nutzungsvorschriften, einhalten (vgl. Art. 22 Abs. 2 und 3 des Bundesgesetzes über die Raumplanung [Raumplanungsgesetz, RPG] vom 22. Juni 19 79). Die Nutzungsvorschriften konkretisieren die in den massgebenden Raumplänen aufge stellte Nutzungsordnung und die- nen daher neben (bau-)polizeilichen Interessen auch raumplanerischen Anliegen, insbesondere dem verfassungsmässigen Auftrag nach Art. 75 Abs. 1 der Bu ndesverfassung der Schweizeri- schen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999, wonach d ie Planungsträger verpflichtet werden, für eine zweckmässige und haushälterische Nutzung des Bodens und eine geordnete Besiedlung des Landes zu sorgen (vgl. D ANIELA IVANOV , Die Harmonisierung des Baupolizei- rechts unter Einbezug der übrigen Baugesetzgebung, 2 006, S. 42). In den Nutzungs- bzw. Zonenvorschriften werden unter anderem die Dichte der Überbauung (sog. Nutzungsziffern), der Standort der Bauten und Anlagen innerhalb der B augrundstücke (namentlich Grenz- und Gebäudeabstände), die Dimensionierung der Bauten (Länge, Breite und Höhe eines Gebäudes sowie Geschosszahl) und die Nutzungsweise der Bauten gerege lt (vgl. A RNOLD MARTI , Bau- und Planungsrecht in der Schweiz: Vereinheitlichung, Ha rmonisierung oder Status Quo?, in: Zeitschrift für Schweizerisches Recht [ZSR] 2008, S. 176). 4.2 Das öffentliche Baurecht ist in der Schweiz tradition ell Sache der Kantone, da die BV dem Bund auf diesem Gebiet keine Kompetenzen einräum t. Die Kantone können daher die wesentlichen Aspekte im öffentlichen Baurecht selbst be stimmen oder deren Normierung den Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gemeinden überlassen (vgl. I VANOV , a.a.O., S. 1). Infolge der erwähnten verfassungsmässigen Zuständigkeitsordnung darf jeder Kanton – und gegebene nfalls jede Gemeinde – für sich ent- scheiden, welche baupolizeilichen Instrumente auf seinem bzw. ihrem Hoheitsgebiet Geltung haben. Die Nutzungsvorschriften finden sich daher heute zum Teil in den kantonalen Baugeset- zen, zum Teil in den kommunalen Bau- und Zonenordnung en, wobei verschiedenartige Kombi- nationen bestehen. Zum Teil legen die Kantone die w ichtigsten Nutzungsvorschriften selber fest. Oft regeln sie aber auch nur die Begriffe und Me ssweisen in einem kantonalen Erlass und überlassen den Gemeinden die Festlegung der konkret anwendbaren Masse. Einzelne Kantone gehen noch weiter und überlassen den Gemeinden auch we itgehend die Definition der Begriffe und Messweisen (vgl. MARTI , a.a.O., S. 176 f.). Entsprechend zersplittert sind di e Rechtsgrund- lagen im Planungs- und Bauwesen in der Schweiz mit 26 Planungs- und Baugesetzen sowie über 2'000 kommunalen Bauordnungen und -reglementen , was eine weltweit einzigartige Vielfalt an Begriffen zur Folge hat. Selbst wenn die gleichen Begriffe verwendet werden, liegen zudem zum Teil unterschiedliche Messweisen vor, wobei sich di e Unterschiede teilweise auch erst aus der Gerichtspraxis ergeben und auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind (vgl. B EAT STALDER /N ICOLE TSCHIRKY , in: Fachhandbuch [FHB] Öffentliches Baurecht, 2016, Rz. 3.414 und 3.424). Die Definitionen der Gebäude-, First- un d Fassadenhöhe sind beispielsweise sehr unterschiedlich; alleine in den deutsch- und zweisprachi gen Kantonen gibt es mindestens sieben verschiedene Methoden zur Bemessung der Gebäudeh öhe (vgl. illustrativ dazu: Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz [BPUK], Harm onisierung bei gleichzeitiger Wah- rung der Eigenständigkeit, 2007, S. 5; IVANOV , a.a.O., S. 48). Dies führt in der Praxis zu grosser Rechtsunsicherheit und vermeidbaren hohen volkswirtschaft lichen Kosten (vgl. M ARTI , a.a.O., S. 176 f.; vgl. STALDER /T SCHIRKY , a.a.O., Rz. 3.348). 4.3 Aufgrund des daraus resultierenden zunehmenden Dr ucks von Politik und Wirtschaft erarbeitete die BPUK eine Konkordatslösung zur Verein heitlichung der wichtigsten Baubegriffe und Messweisen, die IVHB, welche am 22. September 200 5 von der BPUK verabschiedet wurde (vgl. MARTI , a.a.O., S. 177). Inhaltlich ist die IVHB als mittelbar rechtsetzender Vertrag zu qualifizieren, welcher nicht direkt anwendbar ist, sond ern die (beigetretenen) Kantone verpflich- tet, ihr eigenes Recht nach den Bestimmungen des Vertrags zu gestalten (Art. 2 IVHB). Erst mit dem Erlass entsprechender kantonaler Bestimmungen erlang en die Bestimmungen der IVHB Gültigkeit für die Rechtsunterworfenen. Die Beitritt skantone verpflichteten sich, ihre Gesetz- gebung bis spätestens Ende 2015 an die Vorgaben der IVHB anzupassen und ihrerseits Fristen für deren Umsetzung in der Nutzungsplanung, d.h. für die Anpassung der kommunalen Zonen- vorschriften, festzulegen (Art. 2 Abs. 3 IVHB; vgl. S TALDER /T SCHIRKY , a.a.O., Rz. 3.352 ff.). Der Kanton Basel-Landschaft ist der IVHB mit Landratsbeschluss vom 23. April 2009 beigetreten. Er verpflichtete sich mit dem Beitritt zur IVHB zur Anpassun g der kantonalen Gesetzgebung bis Ende 2012 (vgl. Erstfassung IVHB vom 23. April 2009, GS -Nr. 37.0180) und verlangt von den Gemeinden eine Anpassung der kommunalen Zonenvorschrift en innert einer Umsetzungsfrist bis zum 1. Januar 2030, welche erstreckbar ist (§ 139a Abs. 1 und 2 RBG). Für diejenigen Gemeinden, die ihre Zonenvorschriften noch nicht an die IVHB angepasst haben, gilt weiterhin das bisherige Recht (§ 139a Abs. 3 RBG). Vorliegend i st unbestritten, dass die Gemeinde Bin- ningen ihre Zonenvorschriften noch nicht an die IVHB an gepasst hat, weshalb weiterhin das bisherige Recht gilt. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Das Schwergewicht der Ortsplanung liegt im Kanton Basel-Landschaft seit jeher bei den Gemeinden. Sie sind in weitem Masse befugt, über die Nutzung des Bodens, insbesondere die bauliche Nutzung, Recht zu setzen (vgl. zum frühere n übereinstimmenden Recht: A RMIN STIEGER , Das Ortsplanungsrecht der Basellandschaftlichen Gemein de, 1968, S. 4). Dement- sprechend bestimmt § 18 Abs. 1 RBG, dass im Kanton Base l-Landschaft die einzelnen Ge- meinden eigene Zonenvorschriften für das gesamte Gemei ndegebiet erlassen. Die allgemein verbindlichen Zonenvorschriften bestehen aus Zonenplänen und -reglementen (§ 18 Abs. 2 und 5 RBG). Gemäss § 18 Abs. 3 RBG bestimmen die Zonenreglemente Art und Mass der Nutzung, insbesondere die Bauweise, die Gebäudemasse (Gebäudelän ge, Gebäudetiefe, Gebäudehöhe oder Geschosszahl), die maximal zulässige bauliche Nutzung sowie die Dachformen und ihre Ausgestaltung. Das kantonale Recht enthält folglich kei ne eigenen Bestimmungen über die Bemessung des Gebäudeprofils, sondern verweist diesbezügl ich ausschliesslich auf die kom- munalen Zonenvorschriften (§ 9 der Verordnung zum Raum planungs- und Baugesetz [RBV] vom 27. Oktober 1998). Die Zulässigkeit des vorliegend u mstrittenen Gebäudeprofils richtet sich somit nach dem kommunalen Recht. 5.2 Im kommunalen Recht werden die Gebäudeprofile/Dac hformen in Ziff. 33 ZRS gere- gelt. Ziff. 33 ZRS (inkl. Anhang zur Messweise) lautet wie folgt: Ziff. 33 Gebäudeprofil/Dachformen 1 Die Fassadenhöhe wird gemessen ab dem Schnittpunkt der F assade mit dem tiefsten Punkt des ge- wachsenen resp. tiefer gelegten Terrains bis zum Schni ttpunkt der Fassade mit der Oberkante der rohen Dachkonstruktion (Rohmass), bei Gebäuden mit Attikageschoss bis zum Schnittpunkt der Fassade mit der Oberkante der rohen Dachkonstruktion (Rohmass) des oberen Vollgeschosses (siehe auch Anhang). (…) 2 Die Gebäudehöhe wird gemessen ab dem Schnittpunkt der Fassade mit dem tiefsten Punkt des ge- wachsenen resp. tiefer gelegten Terrains bis zum höchsten Punkt der rohen Dachkonstruktion (Rohmass), bei Gebäuden mit Attikageschoss bis zum höchsten Punkt de r rohen Dachkonstruktion (Rohmass) des Attikageschosses (siehe auch Anhang). (…) 3 Das Gebäudeprofil wird im Dachgeschoss durch den "wand elnden First" beschränkt. Der First muss min- destens 1.0 m hinter der Fassade liegen. Der "wandelnde First" definiert das Gebäudeprofil in direkten Linien von den Oberkanten zweier sich gegenüberliegende n Fassaden bis zum Punkt der maximal möglichen Gebäudehöhe. Dabei kann der Punkt auf Niveau Gebäudehöhe frei gewählt werden (wandelnd), solange der vorgeschriebene Abstand zur Fassadenflucht eingehalten wird (siehe Anhang). (…) Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anhang: Es stellt sich die Frage, welcher Sinn der Bestimmung von Ziff. 33 ZRS beizumessen ist. 6.1 Die Gesetzesauslegung hat zum Ziel, den rechtsv erbindlichen Sinn eines Rechts- satzes, über dessen Tragweite Unklarheiten bestehen , zu ermitteln. Auslegung ist notwendig, wo der Gesetzeswortlaut nicht klar ist oder wo Zwei fel bestehen, ob ein scheinbar klarer Wort- laut den wahren Sinn der Norm wiedergibt. Die Gründ e für die Auslegungsbedürftigkeit von Rechtsnormen liegen einerseits in der Unzulänglichk eit der Sprache; andererseits kann die Tragweite einer abstrakten Regelung bezüglich zukünftiger Anwendungsfälle oft nur unvollkom- men vorausgesehen werden. Diese Auslegungsbedürftig keit besteht auch bei den Rechtssät- zen des Verwaltungsrechts, die häufig offene Formul ierungen aufweisen und unbestimmte Rechtsbegriffe verwenden (U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Ver- waltungsrecht, 8. Auflage, 2020, Rz. 175 ff.). 6.2 Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortla ut der Bestimmung. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Interpretationen Au slegungen möglich, so muss unter Berück- sichtigung aller Auslegungselemente nach seiner wah ren Tragweite gesucht werden. Abzustel- len ist dabei namentlich auf die Entstehungsgeschic hte der Norm und ihren Zweck sowie auf die Bedeutung, die der Norm im Kontext mit anderen Bestimmungen zukommt. Die Gesetzes- materialien sind zwar nicht unmittelbar entscheiden d, dienen aber als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu erkennen (BGE 131 II 697 E. 4.1 mit Hin weisen). Namentlich bei neueren Texten kommt den Materialien eine besondere Stellung zu, w eil veränderte Umstände oder ein gewan- deltes Rechtsverständnis eine andere Lösung weniger nahelegen. Das Bundesgericht hat sich Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei der Auslegung von Erlassen stets von einem Methodenpl uralismus leiten lassen und nur dann allein auf das grammatikalische Element abgestell t, wenn sich daraus zweifelsfrei die sachlich richtige Lösung ergab (BGE 124 II 372 E. 5 mit Hinweisen). 6.3.1 Soweit der Beschwerdeführer eine Auslegung der kommunalen Bestimmung im Sinne der IVHB möchte, kann ihm nicht gefolgt werden. Diesb ezüglich ist darauf hinzuweisen, dass sich der Kanton Basel-Landschaft im Rahmen der Umsetzung der IVHB ausdrücklich dagegen entschieden hat, die Messweisen und Begriffe der IVHB i n Bezug auf die vertikalen Gebäude- masse ins kantonale Recht zu übernehmen. Insbesondere hat d er Kanton Basel-Landschaft im Rahmen der Umsetzung der IVHB den in der IVHB verwen deten Begriff der Gesamthöhe (Ziff. 5.1 IVHB) nicht übernommen. Vielmehr wurde a nstelle des Begriffs der Gesamthöhe der- jenige der Gebäudehöhe in der Verordnung zum Raumpl anungs- und Baugesetz (RBV) vom 27. Oktober 1998 übernommen (vgl. § 52c RBV IVHB), d a diese Messweise bereits mehrere Gemeinden im Kanton kannten und sie sich in der Praxis auch auf Gemeindeebene bestens be- währt hatte (vgl. Vorlage 2013/139 an den Landrat be treffend Anpassungen des kantonalen RBG an die IVHB vom 30. April 2013 S. 16 ff.). Aus de n Materialen zur Revision der kommu- nalen Zonenvorschriften ergibt sich sodann zweifelsfrei, dass sich das kommunale Reglement gerade nicht an den Definitionen der IVHB orientiert hatte. Vielmehr wurden neben anderen Ge- bäudemassen im geltenden ZRS auch die Definitionen zur Bestimmung der Fassaden- und Ge- bäudehöhen angepasst, sodass die neue Regelung dem kant onalen Muster-Zonenreglement Siedlung 2001 (MZRS) entspricht. Dies bedeutete für d ie Gemeinde Binningen einen Systemwechsel, da die früheren Bestimmungen zum Sockelgesch oss entfielen und die Fas- saden- und Gebäudehöhen entsprechend angehoben wurden (vgl. Planungsbericht zur Orts- planungsrevision der Gemeinde Binningen vom 15. Februar 2012, S. 43). Das MZRS hat zwar nicht den Stellenwert einer verbindlichen Anordnung, sondern es soll eine Arbeitshilfe und eine Empfehlung für die Gemeinden sein (Erläuterungen MZR S, Dezember 2001, S. 3). Indem die Gemeinde Binningen ihre Bestimmungen indes ausdrücklich a n diejenigen des MZRS anpassen wollte, ist die vorgeschlagene Definition im kantonalen MZRS bei der Auslegung der kommunalen Bestimmung mitzuberücksichtigen. Gemäss § 15 Abs. 1 MZRS wird die Fassa- denhöhe ab dem Schnittpunkt der Fassade mit dem tiefst en Punkt des gewachsenen Terrains bzw. des abgegrabenen Terrains bis zum Schnittpunkt der Fassade mit der Oberkante der Sparren (rohe Dachkonstruktion) gemessen. Die Gebäudehöhe wird gemäss § 15 Abs. 2 MZRS ab dem Schnittpunkt der Fassade mit dem tiefsten Punkt d es gewachsenen Terrains bzw. des abgegrabenen Terrains bis zum höchsten Punkt der rohen D achkonstruktion gemessen (vgl. illustrativ dazu: Skizzen, Erläuterungen MZRS, Dezember 2001, S. 13 f.). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.2 Nicht von der Hand zu weisen ist, dass eine Ergänz ung des Wortlauts von Ziff. 33 Abs. 1 ZRS (… bis zum Schnittpunkt der Fassade mit der Oberkante der rohen Dachkonstruk- tion) mit dem Zusatz "an der Traufe" für zusätzliche Klarheit gesorgt hätte. Auch wenn Ziff. 33 Abs. 1 ZRS – wie im Übrigen auch § 15 MZRS – jedoch di e Formulierung "an der Traufe" für die Fixierung des oberen Messpunktes der Fassadenhöhe nicht ent hält, sind unter Berücksich- tigung der Entstehungsgeschichte der Bestimmungen und d er inhaltlich übereinstimmenden Definitionen der Fassaden- und Gebäudehöhen im ZRS u nd MZRS (und der überein- stimmenden erläuternden Skizzen in den Anhängen des ZRS und MZRS) keine Gründe dafür ersichtlich, dass der Wortlaut von Ziff. 33 Abs. 1 ZRS ni cht so zu verstehen wäre, dass sich der obere Messpunkt für die Bemessung der Fassadenhöhe bei S atteldächern an der Traufe befindet. Vielmehr ist der Gemeinde zuzustimmen, dass es im ZRS keine "giebelseitige Fas- sadenhöhe" gibt, die für die Definition der Fassadenh öhe im Sinne von Ziff. 33 Abs. 1 ZRS massgebend wäre. Die entsprechende kommunale Praxis zur Bemessung der Fassaden- und Gebäudehöhen, die der kantonalen Empfehlung im MZRS entspricht, ist nicht zu beanstanden. Die Anwendung dieser Bemessungsmethode wurde im Übrig en auch bereits vom Kantonsgericht mit Urteil vom 6. November 2002 implizit in Bezug auf ein Bauprojekt mit einem Kreuzgiebeldach geschützt (vgl. Urteil des Kantonsgeri chts, Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht, vom 6. November 2002, in: Basellandschaft liche Verwaltungsgerichtsentscheide [BLVGE] 2002/2003, S. 189 ff.). 7. Bei Anwendung der kommunalen Bemessungsmethode erg ibt sich – wie die Vorin- stanz zutreffend festgestellt hat – in Bezug auf das u mstrittene Bauvorhaben eine Fassaden- höhe von 6.90 m, da sich der tiefste Punkt des gewachsen en Terrains bei -1.00 m und der Schnittpunkt für die Fassadenhöhe bei +5.90 m befindet (Plan Anrechenbare GFZ UG: An- sichten Süd- und Westfassade [BIT-Eingang: 2. Juli 2020] ; Plan Westfassade [BIT-Eingang: 2. Juli 2020]; Plan Südfassade [BIT-Eingang: 2. Juli 2 020]; Plan Schnitt A-A [BIT-Eingang: 27. August 2020]; Plan Schnitt B-B [BIT-Eingang: 27. August 2020]). Damit ist die in Ziff. 3 ZRS vorgesehene maximale Fassadenhöhe von 7.5 m eingehalten . Aus den genannten Plänen ergibt sich sodann eine Gebäudehöhe von 10.5 m, da sich der tiefste Punkt des gewachsenen Terrains bei -1.00 m und der Schnittpunkt für die Gebä udehöhe bei +9.50 m befindet. Die in Ziff. 3 ZRS definierte maximale Gebäudehöhe von 10.5 m ist somit ebenfalls eingehalten. 8. Zusammenfassend hält das Bauvorhaben die im kommunale n ZRS vorgesehenen Fas- saden- und Gebäudehöhen ein, was zur vollumfänglichen Abweisung der Beschwerde führt. 9.1 Es bleibt über die Kostenverlegung zu befinden. G emäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Ver- fahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Hö- he von Fr. 2'500.-- dem unterliegenden Beschwerdeführ er aufzuerlegen und mit dem geleiste- ten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'000.-- zu verrec hnen. Der Beschwerdeführer hat demnach restliche Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500.-- zu bezahlen. 9.2 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Pa rteikosten wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'500.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 2'000.-- verrechnet. Der Beschwerdeführer hat restliche Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500.-- zu bezahlen. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber Vermerk eines allfälligen Weiterzugs