Entscheid vom 6. Februar 2014 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Cornelia Cova und Nathalie Zufferey Franciolli, Gerichtsschreiberin Santina Pizzonia Parteien 1. A. SA, 2. B. SA, beide vertreten durch Rechtsanwalt Rossano Pinna, Beschwerdeführerinnen 1 und 2 gegen UNTERSUCHUNGSAMT ST. GALLEN, Beschwerdegegner Gegenstand Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Deutsch- land Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: RR.2013.160 -161 - 2 - Sachverhalt: A. Die Staatsanwaltschaft Augsburg führt gegen diverse Personen ein Ermitt- lungsverfahren wegen banden- und gewerbsmässiger Steuerhinterziehung. In diesem Verfahren wird C. der Beihilfe zu banden- und gewerbsmässiger Steuerhinterziehung beschuldigt. Gegenstand des Strafverfahrens bilden mutmassliche Umsatzsteuerhinter- ziehungen mit einem Schaden von geschätzt über EUR 100 Mio. im Ra h- men eines europaweit agiere nden Umsatzsteuerkarussells. Im Jahre 200 8 sollen sich diverse Personen in Deutschland und den Niederlanden ent- schlossen haben, ein gross angelegtes Umsatzsteuerkarussell zu initiieren. Dazu hätten sie in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken ein G e- flecht aus zahlreichen Gesellschaften im In - und Ausland geschaffen, über welche die kriminelle Vereinigung Waren, in sbesondere Computerspiele und -zubehör, gesteuert habe. Die Mitglieder der Bande sollen zahlreiche Gesellschaften im In - und Ausland gegründet haben , insbesondere in Österreich, Italien und Grossbritannien. Sie sollen in gemeinsamer Abspra- che Gesellschaften installiert und beherrscht haben, über welche die Ware vom Ausland, namentlich vo n der niederländischen D. BV über die in Ö s- terreich und Italien beteiligten Gesellschaften , ins Inland gekommen und wo die W are um 20 % verbilligt wor den s ei. Diese Gesells chaften hätten gemäss der gemeinsamen Bandenabrede die vereinnahmte Umsatzsteuer nicht gegen über dem Finanzamt erklärt und diese auch nicht abg eführt. Sodann sei die Ware durch mehrere inländische Gesellschaften, welche von Bandenmitgliedern geführt worden seien, geschleust worden. Diese Gesellschaften hätten kein unternehmerisches Risiko getragen, da bereits vor Erhalt der War e die Bande die Warenwege, die Käu fer und die j eweili- gen Kaufpreise der Waren bestimmt habe. Diese Gesellschaften hätten ei- nen Teil der hinterzogenen Umsatzsteuer dadurch abgeschöpft, indem sie auf die War e einen vorher zwischen den Bandenmitglieder n vereinbarten Preisaufschlag vo rgenommen hätten . Schliesslich sei die Ware, um die noch verbliebene hinterzogene Umsatzsteuer vollständig abzuschöpfen, mit einem hohen Preisaufschlag an von der Bande geführte Gesellschaften mit Sitz ausserhalb Deutschlands, insbesondere Italien, veräussert worden. Anschliessend sei die Ware nach dem selben Muster aus Italien teilweise wieder über Österreich nach Deutschland veräussert worden. Auf diese Weise sei die Ware mehrmals monatlich durch verschiedene Kreisläufe in mehreren europäischen Ländern geschleust worden. Es sei zwar tatsäc h- lich Ware geliefert worden, jedoch sei die Ware, um die Kosten hierfür möglichst gering zu halten, nur zwischen Lagern in Grossbritannien, nä m- lich der E. Ltd. in Z., Italien, einem Lager in Österreich der F., einem Lager - 3 - in der Nähe von München sowie Firmenlagern bewegt worden. Diese von der Bande kontrollierten Gesellschafte n mit Sitz ausserhalb Deutschland s seien entweder überhaupt nicht steuerlich erfasst worden oder hätten ihre Umsätze nicht oder nicht richtig gegenüber dem zuständigen Finanzamt erklärt. Bei allen in der Lieferkette beteiligten Unternehmen habe es sich um keine Unternehmen im Sinne des Umsatzsteuergesetzes gehandelt, mit der Folge dass aus diesen Rechnungen keine Vorsteuern gegenüber dem Finanzamt hätten geltend gemacht werden dürfen. C. wird verdächtigt, dass er als Verantwortlicher der A. SA mit Sitz in Luga- no von November 2011 bis Mai 201 2 mehrfach Waren an deutsche Unte r- nehmen, namentlich die am Umsatzsteuerkarussell beteiligten Gesellschaf- ten G. GmbH, H. GmbH, I. GmbH, J. AG und K. AG geliefert habe. Dabei bestehe der Verdacht, dass diesen Geschäften keine tatsächliche unte r- nehmerische Tätigkeit beider Firmen zugrunde gelegen habe, sondern die Warenwege und Verkaufspreise vorab vorgegeben gewesen seien. Es be- stehe der Verdacht, dass die Ware in Deutschland in ein Umsatzsteuerk a- russell eingebunden gewes en sei, um so durch unberechtigten Vorsteue r- abzug Umsatzsteuern zu hinterziehen. Durch diese Handlungen sei ein Steuerschaden in der Höhe von insgesamt EUR 1'323'548.74 entstanden. Es bestehe daher der Verdacht, dass C. in einer noch nicht bekannten A n- zahl von Fällen durch Teilnahme an einem Umsatzsteuerkarussel l, insbe- sondere durch die willentliche und wissentliche Weitergabe der Ware in vorgegebenen Lieferwegen, einem anderen dazu Beihilfe geleistet habe, Steuern zu hinterziehen. B. In diesem Zusammenhang gelangte die Staatsanwaltschaft Augsburg mit Rechtshilfeersuchen vom 14. Februar 2013 und Ergänzung vom 18. März 2013 an die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Untersuchungsamt St. Gallen (nachfolgend "Staatsanwaltscha ft"). Darin ersuchte n die deu t- schen Strafverfolgungsbehörden u.a. um Einvernahme von C. als Beschul- digter sowie um Durchsuchung der Geschäftsräume sowie der Fahrzeuge der A. SA in Lugano und Herausgabe der sichergestellten Beweismittel, welche mit der untersuchten Tat in Zusammenhang stehen könnten. Dabei sei den im Rechtshilfeersuchen genannten Steuerbeamten und Krimina l- kommissaren die Teilnahme an den erbetenen Ermittlungshandlungen (ins- besondere Durchsuchung und Auswertung der Unterlagen) zu genehmigen (Verfahrensakten Staatsanwaltschaft, rosa Mäppchen, Urk. 2 und 4). - 4 - C. Mit Eintretens - und Zwischenverfügung vom 19. Februar und 19 . März 2013 trat die Staatsanwaltschaft auf das Rechtshilfeersuchen samt Ergä n- zung ein und delegierte u.a. den Vollzug der Durchsuchun g der A. SA so- wie die Einvernahme von C. an die zuständige Behörde des Kantons Te s- sin. Gleichzeitig bewilligte sie die Anwesenheit der Beamten des Finanzam- tes Konstanz und der Polizeibeamten des Landeskriminalamts München (Verfahrensakten Staatsanwaltschaft, rosa Mäppchen, Urk. 3 und 5). Am 9. April 2013 führte die Tessiner Kantonspolizei unter Teilnahme der deutschen Beamten die angeordnete Hausdu rchsuchung bei der A. SA durch und beschlagnahmte dabei verschiedene Beweismittel (Verfahrens- akten Staatsanwaltschaft, rosa Mäppchen, Urk. 6). Die Daten auf dem an- lässlich der Durchsuchung sichergestellten MacBook Pro wurden herunter- geladen und von den Tessiner Behörden auf der Grundlage einer Schlü s- selwortliste der deutschen Behörden auf einer DVD ausgeschieden (s. Ver- fahrensakten Staatsanwaltschaft, weisses Mäppchen B 7). Anlässlich dieser Durchsuchung vom 9. April 2013 erklärte der einzige Verwaltungsrat der A. SA, L., dass sich weitere Unterlagen bei der B. SA in Lugano als Treuhänderin de r A. SA befinden würden (Verfahrensakten Staatsanwaltschaft, rosa Mäppchen, Urk. 6 S. 2). In der Folge durchsuchte die Tessiner Kantonspolizei auch die Büroräumlichkeiten der B. SA und beschlagnahmte dabei diverse Dokumente sowie einen USB-Stick (Verfah- rensakten Staatsanwaltschaft, rosa Mäppchen, Urk. 6). Die Daten auf dem USB-Stick wurden auf denselben Datenträger wie schon die Daten aus dem MacBook Pro kopiert und der USB -Stick dem Berechtigten retourniert (Verfahrensakten Staatsanwaltschaft, rosa Mäppche n, Urk. 7 ; weisses Mäppchen B 7). Ebenfalls am 9. April 2013 wurden zuerst L. als Auskunftsperson und in der Folge C. als Beschuldigter, je in Anwesenheit der deutschen Beamten, ein- vernommen (Verfahrensakten Staatsanwaltschaft, rosa Mäppchen, Urk. 7 und B6). D. Mit Schlussverfügung vom 29. April 2013 ordnete die Staatsanwaltschaft die rechtshilfeweise Herausgabe folgender Dokumente und Beweismittel an: - 5 - "- Sicherstellung B4 A. SA (3 Ordner […], 1 Ordner […]) - Sicherstellung B5 B. SA (1 Ordner […],1 Ordner […], 1 Ordner […], 2 Ordner […]) - 2 Einvernahmen L. B6 - 2 DVD B7" Entgegen dem Anschein ordnete die Staatsanwaltschaft betreffend die u n- tersten zwei Positionen nicht die Herausgabe von jeweils zwei verschied e- nen Einvernahmen bzw. DVD an, sondern von einer Einvernahme und e i- ner DVD, beide jedoch mit entsprechender Kopie (s. vorstehend lit. C). E. Mit Eingabe vom 3. Juni 2013 erheben die A. SA und die B. SA durch ihren gemeinsamen Rechtsvertreter bei der Beschwerdekammer des Bunde s- strafgerichts B eschwerde gegen die vorgenannte Schlussverfügung und beantragen, die angefochtene Verfügung sei als nichtig zu erklären (act. 1). Der Beschwerdegegner reichte mit Schreiben vom 26. Juni 2013 seine B e- schwerdeantwort ein und hielt unte r Hinweis auf die Schlussverfügung "an den darin gemachten Erwägungen und Freistellungen" fest (act. 6). Das Bundesamt für Justiz (nachfolgend "BJ") führt in seiner Vernehmla s- sung 23. Juli 2013 aus, dass die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zum neuen Entscheid an den Beschwerdegegner zu rückzuweisen sei (act. 8 S. 4). Beide vorstehenden Eingaben wurden dem Rechtsvertreter der Beschwe r- deführerinnen zur Kenntnis gebracht (act. 9). Auf Ersuchen des Rechtsver- treters der Beschwerdeführerinnen wurde ihm Fri st für die Einreichung e i- ner allfälligen Beschwerdereplik eingeräumt (act. 9 und 10), welche mit Schreiben vom 8. August 2013 einging (act. 12). Diese Eingabe wurde mit Schreiben vom 9. August 2013 der Gegenseite zur Kenntnis zugestellt (act. 13). Auf die Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird, s o- weit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen. - 6 - Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 1. 1.1 Für die Rechtshilfe zwischen Deutschland und der Schweiz sind in erster Linie das Europäische Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. April 1959 (EUeR; SR 0.351.1), dem beide Staaten beigetreten sind, der zwischen ihnen abgeschlossene Zusatzvertrag vom 13. Nove m- ber 1969 (ZV -D/EUeR; SR 0.351.913.1), sowie die Bestimmungen der Art. 48 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durc h- führungsübereinkommen, SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19 - 62) massgebend. Zusätzlich kann das von beiden Ländern ratifizier- te Übereinkommen vom 8. November 1990 über Geldwäscherei sowie E r- mittlung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten (GwUe; SR 0.311.53) zur Anwendung gelangen. 1.2 Bereits an dieser Stelle ist festzuhalten, dass im Bereich der indirekten Fiskalität sich die Schweiz gemäss Art. 50 SDÜ unter den dort genannten Bedingungen zur gegenseitigen Rechtshilfe bei den abschliessenden au f- gezählten Verbrauchsteuern, Mehrwertsteuern und Zollabgaben verpflichtet hat (s. auch Ent scheid des Bundesstrafgerichts RR.2009.316 vom 9. Apr il 2010, E. 3.2, mit Hinweisen). Vorliegend ersuchen die deutschen Behörden um Rechtshilfe in einem Strafverfahren u.a. wegen gewerbsmässiger Um- satzsteuerhinterziehung mit einem Schaden von geschätzt übe r EUR 100 Mio. Die gewerbsmässige und damit qualifizierte Steuerhinterziehung im Sinne von Art. 96 Abs. 1 i.V.m. Art. 97 Abs. 2 lit. b des Bundesgesetzes über die Mehrwertsteuer vom 12. Juni 2009 (Mehrwertsteuergesetz, MWSTG; SR 641.20) stellt ein Delikt d er indirekten Fiskalität dar, das u.a. mit Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bedroht wird. Mit Blick auf die Rechtshilfevoraussetzungen von Art. 50 bzw. Art. 51 lit. a SDÜ (so wie Art. 31 Ziff. 1 BBA; s. nachfolgend) stellt die gewerbsmässige Steuerhin ter- ziehung im Sinne von Art. 96 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 97 Abs. 2 lit. b MWSTG grundsätzlich eine rechtshilfefähige Tat dar. 1.3 Im Verhältnis zu Deutschland sind ebenfalls in Kraft getreten die Besti m- mungen des Abkommens vom 26. Oktober 2004 über die Zusammenarbeit zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der E u- ropäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits zur B e- kämpfung von Betrug und sonstigen rechtswidrigen Handlungen, die ihre finanziellen Interessen beeinträchtige n (nachfolgend: Betrugsbekäm p- fungsabkommen bzw. BBA; SR 0.351.926.81, BBl 2004 S. 6184 ff., 6503 ff.). Das Betrugsbekämpfungsabkommen ermöglicht die Amts- und Rechts-- 7 - hilfe einschliesslich Zwangsmassnahmen im Bereich der indirekten Ste u- ern, namentlich Mehrwertsteuern, um die es vorliegend geht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Betrugsbekämpfungsabkommen gemäss dessen Art. 46 für Ersuchen wegen Straftaten gilt, die mindestens sechs Monate nach seiner am 26. Oktober 2004 erfolgten Unterzeichnung, d. h. nach dem 26. April 2005, begangen wurden. Für die vorliegend zur Diskussion st e- henden Delikte ist das Betrugsbekämpfungsabkommen demnach anwend- bar, wobei günstigere Bestimmungen bilateraler oder mul tilateraler Übe r- einkünfte zwischen den Vertragsparteien unberührt bleiben (Art. 25 Ziff. 2 BBA). 1.4 Soweit das Staatsvertragsrecht bestimmte Fragen nicht abschliessend r e- gelt, gelangen das Bundesgesetz über internationale Rechtshilfe in Stra f- sachen vom 20. März 1981 (IRSG; SR 351.1) und die Verordnung über i n- ternationale Rechtshilfe in Strafsachen vom 24. Februar 1982 (IRSV; SR 351.11) zur Anwendung (Art. 1 Abs. 1 IRSG; BGE 130 II 337 E. 1 S. 339; 128 II 355 E. 1 S. 357; 124 II 180 E. 1a S. 181). Das innerstaatliche Recht gilt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann, wenn dieses geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 137 IV 33 E. 2.2.2 S. 40 f.; 136 IV 82 E. 3.1; 129 II 462 E. 1.1 S. 464 , mit weiteren Hinweisen). Vorbe- halten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c). 2. 2.1 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Schlussverfügung der ausführenden kantonalen Behörde, welche zusammen mit den vora n- gehenden Zwischenverfügungen der Beschwerde an die Beschwerd e- kammer des Bundesstrafgerichts unterliegt (Art. 80e Abs. 1 IRSG; Art. 37 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bundes [Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71] in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 des Organisationsreglements für das B undesstrafgericht vom 31. August 2010 [Organisationsreglement BStGer, BStGerOG; SR 173.713.161]). Gemäss der sowohl vom Beschwerdegegner als auch vom BJ unbestritten gebliebenen Darstellung der Beschwerdeführerinnen sei der angefochtene Entscheid frühestens am 2. Mai 2013 zugestellt worden (act. 1 S. 5). Die der Beschwerdeführerin 1 am 29. April 2013 per Einschreiben zugestellte Schlussverfügung bzw. der Briefumschlag wurde nach unbenütztem Ablauf der Abholfrist am 7. Mai 2013 von der Post mit dem Vermerk „Nicht abge- holt" ungeöffnet retourniert (Verfahrensakten Staatsanwaltschaft, rosa - 8 - Mäppchen, Urk. 13) . Die der Beschwerdeführerin 2 am 2. Mai 2013 per Einschreiben zugestellte Schlussverfügung wurde ihr am 3. Mai 2013 eröff- net (Verfahrensakten Staat sanwaltschaft, rosa Mäppchen, Urk. 12) . Die Beschwerde vom 3. Juni 2013 gegen die Schlussverfügung der Beschwer- degegnerin vom 29 . April 2013 wurde somit rechtzeitig im Sinne von Art. 80k IRSG erhoben. 2.2 2.2.1 Zur Beschwerdeführung ist berechtigt, wer persönlich und direkt von einer Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80 h lit. b IRSG). Personen, g e- gen die sich das ausländische Strafverfahren richtet, sind unter denselben Bedingungen beschwerdelegitimiert (Art. 21 Abs. 3 IRSG). Ein schutzwürdiges Interesse liegt nicht schon dann vor, wenn jemand i r- gendeine Beziehung zum Streitobjekt zu haben behauptet. Vielmehr muss eine vom einschlägigen Bundesrecht erfasste "spezifische Beziehungsn ä- he" da rgetan sein. Eine blosse mittelbare Betroffenheit genügt hingegen nicht (BGE 129 II 268 E. 2.3.3 S. 269; 128 II 211 E. 2.2 S. 216 f.; 127 II 104 E. 3 S. 107 ff.; 198 E. 2d S. 205; 126 II 258 E. 2d S. 259; 125 II 356 E. 3b/aa S. 361 f.; 123 II 153 E. 2b S. 156, je mit Hinweisen). Nicht einzutreten ist mangels eines eigenen schutzwürdigen Interesses auf stellvertretend für einen Dritten und einzig im Interesse Dritter erhobene Beschwerden (BGE 128 II 211 E. 2.3 und 2.4 S. 217 ff.; Urteil des Bunde s- gerichts 1A.110/2002 vom 26. November 2002, E. 1.2; T PF 2007 79 E. 1.6 m.w.H.). 2.2.2 Als persönlich und direkt betroffen gilt im Falle von Hausdurchsuchungen der jeweilige Eigentümer oder Mieter, der im Besitz der sichergestellten Un- terlagen war (Art. 9a lit. b IRSV; TPF 2007 79 E. 1.6 S. 82; 136 E. 3.1 und 3.3). Das Gleiche gilt nach der Rechtsprechung für Personen, gegen die unmittelbar Zwangsmassnahmen angeordnet wurden ( BGE 128 II 211 E. 2.3-2.5 S. 217 ff.; 123 II 153 E. 2b S. 157, je mit Hinweisen). Folglich ist beispielsweise der Verfasser von Schriftstücken, welche im Besitz eines Dritten beschlagnahmt werden, nicht zur Beschwerde befugt (BGE 130 II 162 E. 1.1 S. 164; 123 II 161 E. 1d S. 164 f.; 116 Ib 106 E. 2a S. 1 09 ff.). Das gilt auch für Personen, auf welche sich die Unterlagen beziehen oder die Eigentümer sind, sofern sie nicht selbst im Besitz der betroffenen Unter- lagen waren und sich nicht der Hausdurchsuchung unterziehen mussten (Entscheide des Bundesstrafger ichts RR.2009.13 vom 16. März 2009, E. 2.2-2.3; RR.2007.101 vom 12. Juli 2007, E. 2.1). Daran ändert auch ein Mandatsverhältnis nichts, welches zwischen demjenigen, der sich einer - 9 - Zwangsmassnahme unterziehen musste, und dem Auftraggeber besteht (Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2008.126 vom 24. Juli 2008, E. 2.2 und RR.2009.13 vom 16. März 2009, E. 2.2). 2.2.3 Ordnet die ausführende Behörde die rechtshilfeweise Herausgabe eines Einvernahmeprotokolls an, gilt es mit Blick auf die Beschwerdelegitimation zu unterscheiden, ob die betreffende Einvernahme bereits im Rahmen ei - nes schweizerischen Strafverfahrens (s. hierzu im Einzelnen TPF 2007 79) oder auf Rechtshilfeersuchen hin erfolgt ist. Besteht die angefochtene Rechtshilfemassnahme wie hier in einer in der Sc hweiz ausschliesslich auf Rechtshilfeersuchen hin erfolgten Einvernahme und in der Herausgabe des betreffenden Einvernahmeprotokolls, ist nach der strafprozessualen Rolle zu differenzieren, welche die einvernommene Person im ausländischen Strafverfahren einnimmt und in welcher sie rechtshilfeweise für das auslän - dische Strafverfahren einvernommen wurde: Der auf ein Rechtshilfeersuchen hin einvernommene Zeuge kann sich nur gegen die Weitergabe des Einvernahmeprotokolls zur Wehr setzen, soweit die von ihm ve rlangten Auskünfte ihn persönlich betreffen oder wenn er sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht beruft (BGE 126 II 258 E. 2d/bb; 122 II 130 E. 2b S. 133; 121 II 459 E. 2c S. 461 f.; Entscheid des Bunde s- strafgerichts RR.2007.52 vom 13. Juni 2007, E. 2.2). Demgegenüber kommt einem Dritten, selbst wenn er durch die protokollierten Aussagen persönlich berührt wird, keine Beschwerdebefugnis zu ( BGE 124 II 180 E. 2b S. 182). Dies gilt auch für Gesellschaften, über deren Geschäftsakt i- vitäten und Organisation die Zeugenaussagen erfolgen ( BGE 121 II 459 E. 2c S. 461 f.). Daher ist eine juristische Person grundsätzlich nicht befugt, gegen die Herausgabe eines Einvernahmeprotokolls Beschwerde zu fü h- ren, in dem ihr Verwaltungsratspräsident sowie eine Angestellte als Zeugen befragt wurden (BGE 137 IV 134 E. 5.2.4; Urteil 1A.282/2003 vom 18. N o- vember 2004, E. 1.3.1). Die Legitimation eines im ausländischen Strafverfahren beschuldigten B e- schwerdeführers zur Beschwerde gegen die Herausgabe des Protokolls seiner rechtshilfeweise erfolgten Einvernahme als Beschuldigter ist hing e- gen ohne Einschränkung zu bejahen. Wurde die beschwerdeführende Pe r- son rechtshilfeweise als Auskunftsperson einvernommen, ist im Einzelnen zu prüfen, ob eine grössere Nähe zur Stellung des Zeugen oder zur derj e- nigen des Beschuldigten besteht. Wurde eine Person rechtshilfeweise als Auskunftsperson einvernommen, weil sie ohne selber beschuldigt zu sein, als Täterin oder Teilnehmerin der abzuklärenden Straftat ni cht ausg e- schlossen werden kann (vgl. Art. 178 lit. d StPO), erscheint es als gerech t- fertigt, deren Beschwerdelegitimation gleich zu handhaben wie diejenige - 10 - der beschuldigten Person, d.h. ohne Einschränkung (s. im Einzelnen Ent- scheid des Bundesstrafgerichts RR.2012.268 vom 2. Mai 2013, E. 2.2 , mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur; sowie zuletzt RR.2013.116- 117 vom 29. August 2013, E. 3.2). 2.2.4 Was die Herausgabe der Beweismittel anbelangt, welche anlässlich der Durchsuchung der Büroräumlichkeiten der Beschwerdeführerin 1 an deren Sitz beschlagnahmt wurden, gilt demnach die Beschwerdeführerin 1 a ls persönlich und dir ekt betroffen im Sinne von Art . 80h lit. b IRSG i.V.m. Art. 9a lit. b IRSV. Sie ist daher diesbezüglich zur Beschwerde legitimiert . Entgegen der Darstellung in Disp. Ziff. 3 der Schlussverfügung (s. auch supra lit. D) wurden die "3 Ordner […]" nicht anlässlich der Hausdurchs u- chung bei der Beschwerdeführerin 1, sondern bei der Beschwerdeführerin 2 beschlagnahmt (s. Hausdurchsuchungsprotokoll, Verfahrensakten Staatsanwaltschaft, rosa Mäppchen, Urk. 6). Die Beschwerdeführerin 1 ist demnach lediglich zur Beschwerde gegen die Herausgabe des Ordners "[…]" legitimiert. Mit Bezug auf die Herausgabe der Dokumente , welche anlässlich der Durchsuchung der Büroräumlichkeiten der Beschwerdeführerin 2 an d eren Sitz beschlagnahmt wurden, gilt entsprechend die Beschwerdeführerin 2 als persönlich und direkt betroffen im Sinne von Art. 80h lit. b IRSG i.V.m. Art. 9a lit. b IRSV. Demzufolge ist d ie Beschwerdeführerin 2 diesbezüglich (d.h. "Sicherstellung B5 B. SA" […] und die vorgenannten "3 Ordner […]") beschwerdelegitimiert. Demgegenüber ist die Beschwerdeführerin 1 entge- gen ihrer Annahme in diesem Punkt nicht beschwerdebefugt, da sie sich in diesem Zusammenhang nicht der Hausdurchsuchung unterziehen musste. Der Umstand, dass die bei der Beschwerdeführerin 2 beschlagnahmten Unterlagen, wie von der Beschwerdeführerin 1 vorgebracht (act. 1 S. 5), ihr gehören und aufgrund eines diesbezüglichen Treuhandvertrags die ganze Zeit zur direkten Verfügung gestanden sein sollen , ist nach der Rechtspre- chung (s.o.) nicht geeignet, die fehlende Beschw erdelegitimation zu b e- gründen. Die auf der zu übermittelnden DVD enthaltenen Daten stammen aus dem MacBook Pro, welcher anlässlich der Hausdurchsuchung bei der B e- schwerdeführerin 1 sichergestellt wurde, und aus dem USB -Stick, welcher anlässlich der Hausdurchsuchung bei der Beschwerdeführerin 2 sicherg e- stellt wurde (s. Hausdurchsuchungsprotokoll, Verfahrensakten Staatsa n- waltschaft, rosa Mäppchen, Urk. 6). Unter diesen Umständen sind beide Beschwerdeführerinnen befugt, gegen die rechtshilfeweise Herausgabe der DVD (und deren Kopie) Beschwerde zu erheben. - 11 - Im Lichte der zitierten Rechtsprechung sind beide Beschwerdeführerinnen als Dritte sodann nicht legitimiert, die Herausgabe des Protokolls der Ei n- vernahme von L. als Auskunftsperson anzufechten, selbst wenn sie durch die protokollierten Aussagen berührt sein sollten. Der Umstand, d ass der als Auskunftsperson befragte L. gleichzeitig einziger Verwaltungsrat der Beschwerdeführerin 1 ist, lässt die se Gesellschaft nicht als von de r Rechtshilfemassnahme unmittelbar und direkt betroffen erscheinen. Indem er strafprozessual als Auskunftsperson über die Geschäftstätigkeit der Be- schwerdeführerin 1 , deren vertraglichen Beziehungen zu Dritten und zu seinen Aktivitäten als Organ der Beschwerdeführerin 1 befragt wurde, hat er nicht primär (organschaftlich) ihre statutarischen zivilrechtlichen Gesel l- schaftsinteressen bzw. Geschäftszwecke wahrgenommen. Von der Übe r- mittlung seines Einvernahmeprotokolls direkt und unmittelbar tan giert ist demnach grundsätzlich die einvernommene Person als natürliche Person, welche bei Vorliegen der unter den supra Ziff. 2.2.3 dargelegten Vorau s- setzungen beschwerdebefugt wäre. L. hat vorliegend keine Beschwerde gegen die Herausgabe seines Einve r- nahmeprotokolls (und dessen Kopie) erhoben. Die Beschwerdeführerinnen führen in ihrer Beschwerde aus, es sei fraglich, ob die diesbezügliche Ve r- fügung an L. zustellt worden sei (act. 1 S. 8). Die ausführende Behörde hat ihre Verfügungen dem in der Schweiz wohnhaften Berechtigen zuzustellen (Art. 80m Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 80 h lit. b IRSG), weshalb die Schlussve r- fügung nach dem Gesagten auch L. persönlich zuzustellen war . Den Be- schwerdeführerinnen ist insofern beizupflichten, als i n den eingereichten Akten des Beschwerdegegners ein entsprechender Zustellnachweis fehlt. Indes sind die Beschwerdeführerinnen auch bei ausgebliebener Zustellung nicht befugt, stellvertretend für L. und einzig in seinem Interesse B e- schwerde zu erheben (s.o.) […]. Darüber hinaus steht fest, dass L. als ein- ziger Verwaltungsrat der Beschwerdeführerin 1 mit Zustellung der Schlus s- verfügung an diese bzw. an die Beschwerdeführerin 2 als deren Treuhan d- gesellschaft sichere Kenntnis der auch ihn betreffenden Verfügung erlangt hat. Er hätte damit ohne weiteres die Mög lichkeit gehabt, fristwahrend Be- schwerde einzureichen. Trotz des Eröffnungsmangels hat demnach die Schlussverfügung vorliegend auch in Bezug auf die angeordnete Herau s- gabe des Einvernahmeprotokolls Rechtswirkung. 2.3 Zusammenfassend steht fest, dass auf die Beschwerde der Beschwerd e- führerinnen 1 und 2 gegen die Herausgabe der anlässlich der entspr e- chenden Hausdurchsuchungen beschlagnahmten Beweismittel im darg e- legten Umfang einzutreten ist. Im Übrigen sind beide Beschwerdeführerin-- 12 - nen grundsätzlich nicht beschwerdelegitimiert (s. aber nachfolgend Ziff. 5.8). 3. Zulässige Beschwerdegründe sind die Verletzung von Bundesrecht (inklu - sive Staatsvertragsrecht), einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unzulässige oder offensichtlich unrichtige An - wendung ausländischen Rechts in den Fällen nach Art. 65 IRSG i.V. mit Art. 80 i Abs. 1 IRSG. Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts überprüft zudem die Richtigkeit und die Vollständigkeit der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Angemessenheit des angefoch - tenen Entscheides gemäss Art. 49 lit. b und c des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021) i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bundes, Strafbehördenorganisations - gesetz (StBOG; SR 173.71; s. TPF 2007 57 E. 3.2). 4. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden (Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Rechtshilfevoraussetzungen grundsätz- lich mit freier Kognition. Die Beschwerdekammer befasst sich jedoch nur mit Tat - und Rechtsfragen, die Streitgegenstand der Beschwerde bilden (vgl. BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 E. 1.4, je m.w.H.; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2007.89 vom 20. August 2007, E. 2.4; RR.2007.34 vom 29. März 2007 , E. 3; LAURENT MOREILLON, Entraide internationale en matière pénale, Basel 2004, Art. 25 IRSG N. 22). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss sich die urteilende In- stanz sodann nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinande r- setzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Es g e- nügt, wenn die Behör de wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von d e- nen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom 16. Juli 2004, E. 5.2, mit weiteren Hinwe i- sen). - 13 - 5. 5.1 Die Beschwerdeführerinnen rügen in verschiedene n Punkten, dass die a n- gefochtene Schlussverfügung eine mangelhafte Begründung enthalte (act. 8 ff., S. 11). Trotz den vielen (lauten) zum Ausdruck gebrachten B e- denken werde nichtdestotrotz dem Rechtshilfeersuchen entsprochen (act. 1 S. 8). Gerade diese Bedenken hätten es erforderlich gemacht, dass seitens der verfügenden Behörde die Gründe, die ihrer Ansicht nach nichtdesto t- rotz die Aktenherausgabe rechtfertigen würden, in der Verfügung eing e- hend geschildert würden, was nicht der Fall gewesen sei (act. 1 S. 10). Es sei auch nicht begründet worden, weshalb eine Rückfrage an die ers u- chende Behörde schlussendlich unterblieben sei (act. 1 S. 11). 5.2 Das BJ führt aus, der angefochtenen Verfügung lasse sich nicht entne h- men, weshalb seitens des Beschwerdegegner keine Rückfrage erfolgt und die rechtshilfeweise Herausgabe der beschlagnahmten Unterlagen/Daten trotz bestehender Zweifel angeordnet worden sei. Der Beschwerdegegner habe im Widerspruch zu den Erwägungen in der Schlussverfügung, die rechtshilfeweise Herausgabe der Beweismittel verfügt. Aus diesem Grund sei die Sache zum neuen Entscheid an den Beschwerdegegner zurückz u- weisen (act. 8 S. 4). 5.3 Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör durch eine angemessene Begründung wird im Bereich der i nternationalen Rechtshilfe durch Verweis in Art. 12 Abs. 1 IRSG auf Art. 35 VwVG konkre- tisiert, welche sowohl in Verfahren vor den Bundesbehörden als auch vor kantonalen Behörden zur Anwendung gelangen ( ROBERT ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en matière pénale, 3. Aufl., Bern 2009, S. 449 f. N. 486 f. i.V.m. S. 437 f. N. 472). Das Recht auf eine begründete Verfügung respektive einen begründeten Entscheid bedeutet, dass die B e- gründung den Entscheid für die Partei verständlich machen und ihr erlau- ben muss, ihn zu akzeptieren oder anzufechten ( PETER POPP, Grundzüge der internationalen Rechtshilfe in Str afsachen, Basel 2001, S. 320 N. 470). Bei Abschluss des Rechtshilfeverfahrens durch eine Verfügung ist die B e- gründungspflicht auch im IRSG e rwähnt (Art. 80 d). Die Behörde muss die Vorbringen des Betroffenen sorgfältig und ernsthaft prüfen und in der Entscheidfindung berücksichtigen. Die Überlegungen, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt, müssen daher wenigstens kurz genannt werden. Die Behörde hat demnach in der B e- gründung ihres Entscheids diejenigen Argumente aufzuführen, die tatsäc h- lich ihrem Entscheid zugrunde liegen (vgl. zum Ganzen BGE 126 I 97 E. 2b m.w.H.). Ob diese Überlegungen zutreffend sind und inhaltlich für den En t-- 14 - scheid ausreichen, ist nicht eine Frage des rechtlichen Gehörs, sondern betrifft den Entscheid in seinem materiellen Gehalt. 5.4 Gemäss Art. 9 BV hat jede Person Anspruch darauf, von den staatlichen Organen ohne Willkür und nach Tr eu und Glauben behandelt zu werden. Das Willkürverbot verpflichtet die staatlichen Organe unter anderem zu ra- tionalem Staatshandeln (s. FELIX UHLMANN, Das Willkürverbot (Art. 9 BV ), Bern 2005, N 361 ff.). Dieses setzt voraus, dass es einem in sich schlüssi- gen, folgerichtigen und widerspruchsfreien Denkvorgang folgt (s. UHLMANN, a.a.O., N 361). Leidet ein staatlicher Akt an einem schweren inneren W i- derspruch, so ist er willkürlich (s. BGE 106 Ia 337 E. 2; Urteil des Bundes- gerichts 1P.45/2000 vom 10. Februar 2000, E. 3c; UHLMANN, a.a.O., N 78 mit weiteren Hinweisen zu Lehre und Praxis). 5.5 Die Beschwerdegegnerin führt in der Schlussverfügung unter Ziff. II/3. Fo l- gendes aus: "Allein die Durchsicht der erwähnten DVD lässt Zwei fel an der potentiel- len Erheblichkeit der erhobenen Daten im Zusammenhang mit dem Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Augsburg aufkommen. Der einzige Konnex zu den L. im Rahmen der Einvernahme vorgehaltenen deutschen Firmen besteht bezüglich der […], indem eine […] AGB, wel- che aber jedermann von der Internetseite der […] herunterladen kann, festgestellt wurde. Demgegenüber erscheinen auch in anderem Z u- sammenhang im Rechtshilfeersuchen erwähnten T ransportfirmen […], denen offenbar bloss (Schein -) Gesc häfte im Rahmen des Umsat z- steuerkarussells unterstellt werden. Eine summarische Durchsicht der Akten der A. SA erweckt jedoch den Anschein von ganz normaler G e- schäftstätigkeit. Aus der Anwaltskorrespondent auf der DVD zwischen […] und der A. SA (Berufsgehe imnis!) geht hervor, dass offenbar vor einem Jahr von den deutschen Behörden eine Warenladung mit Sof t- ware und Elektronikartikel im Wert von gut Euro 350'000.00 beschla g- nahmt wurde und darüber ein Rechtsstreit entbrannte, der vom La n- desgericht Augsburg zug unsten der A. SA entschieden wurde, so dass Ende Januar 2013 die Warenladung wieder herausgegeben werden musste. Offenbar hat sich die Staatsanwaltschaft Augsburg damit nicht abgefunden. Das Ganze erweckt den Anschein, als hat die Staatsa n- waltschaft Aug sburg gegenüber den ersuchten Behörden in der Schweiz nicht mit offenen Karten gespielt. Zusammenfassend erscheint es fraglich, ob die beschlagnahmten Unterlagen/Daten herauszugeben sind, weshalb man sich auch eine Rückfrage an die ersuchen de Behör- de überlegt hat." - 15 - 5.6 Den vorstehenden Ausführungen des Beschwerdegegners ist zu entne h- men, dass dieser grundsätzlich den von den deutschen Behörden gege n- über der Beschwerdeführerin 1 erhobenen Verdacht in Frage stellt. Seine Schlussfolgerungen stützt er im Wesentlichen auf seine summarische Wür- digung der anlässlich der Hausdurchsuchung sichergestellten Beweismittel, welche den Anschein von ganz normaler Geschäftstätigkeit erwecken wü r- den. Die Zweifel an der potentiellen Erheblichkeit der erhobenen Daten b e- gründet der Beschwerdegegner somit mit seinen Vorbehalten in Bezug auf den Sachverhaltsvorwurf der deutschen Behörden. Bezweifelt der B e- schwerdegegner den im Rechtshilfeersuchen geschilderten Tatverdacht, stellt er das Vorliegen der entsprechenden Rechtshilfevoraussetzu ng in Frage. Trotz dieser Zweifel entsprach der Beschwerdegegner mit Schlus s- verfügung vom 29. April 2013 dem deutschen Rechtshilfeersuchen und ver- fügte die rechtshilfeweise Herausgabe der fraglichen Beweismittel. Ohne damit einen Entscheid darüber vorweg z u nehmen, ob diese Zweifel an sich berechtigt sind oder nicht, steht fest, dass z wischen den Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und dem Wortlaut des Dispositivs somit ein offensichtlicher Widerspruch besteht. 5.7 Besteht zwischen dem Dispositiv und den Entscheidgründen ein Wide r- spruch, so ist der wirkliche Rechtssinn der Entscheidung festzustellen. Verwaltungsverfügungen sind - unter Vorbehalt der Problematik von Treu und Glauben - nicht nach ihrem Wortlaut, sondern nach ihrem tatsächlichen rechtlichen Bedeutungsgehalt zu verstehen (vgl. BGE 120 V 496 E. 1a mit Hinweisen, 123 V 106 nicht publ. E. 1c; s.a. BGE 116 II 614 E. 5a mit Hin- weisen). Vorliegend liegt allerdings nicht ein unbeabsichtigter Widerspruch zwischen Erwägung und Dispositiv vor. Ebenso wenig ist von einem Ve r- sehen auszugehen. In der Beschwerdeantwort vom 26. Juni 2013 hielt der Beschwerdegegner an seinen in der Schl ussverfügung gemachten "Erw ä- gungen und Freistellungen" fest und fügt hinzu, dass die "ersuchten Schweizer Behörden, nachdem auf das Rechtshilfeersuchen der Staatsa n- waltschaft Augsburg eingetreten wurde, nach Möglichkeit im Sinne des E r- suchens Rechtshilfe an Deutschland zu leisten hatten, dies allenfalls unter Wahrung von tangierten Berufsgeheimnisse und höherwertigen Privat - und Geschäftsinteressen" (act. 6). Es steht damit ausser Frage, dass der Be- schwerdegegner in der angefochtenen Schlussverfügung die re chtshilfe- weise Herausgabe der Beweismittel verfügt hat und d er offene Wider- spruch zwischen Dispositiv und Erwägungen vom Beschwerdegegner g e- wollt ist. 5.8 Der Beschwerdegegner hat in der angefochtenen Verfügung nicht keine Begründung für seinen Entscheid geliefert, sondern verschiedene Gründe - 16 - aufgeführt, welche seinem Entscheid im Grundsatz diametral entgegen stehen. Ungeachtet dessen, ob die aufgeführten Gründe zutreffen d sind oder nicht, leidet dieser Entscheid an einem schweren inneren Widerspruch und ist daher willkürlich. Die Beschwerde ist bereits aus diesem Grund b e- gründet und gutzuheissen. Die angefochtene Schlussverfügung ist vollum- fänglich aufzuheben und die Sache ist der Vorinstanz zu neuem Entscheid zurückzuweisen. 6. 6.1 Da die Sache der Vorinstanz zu neuem Entscheid zurückzuweisen und der Verfahrensausgang noch offen ist, entfällt grundsätzlich eine weitergehe n- de Überprüfung des angefochtenen Entscheids. Vorliegend kommt hinzu, dass aufgrund seiner schweren inneren Widersprü chlichkeit der materielle Gehalt des angefochtenen Entscheid s nicht festgelegt und daher auch nicht konkret überprüft werden kann . Allerdings wurden sowohl von den Beschwerdeführerinnen als auch vom BJ als Aufsichtsbe hörde diverse Rü- gen erhoben, welche das bisherige Vorgehen des Beschwerdegegners be- treffen, weshalb sich grundsätzliche Erwägungen zuhanden aller Parteien rechtfertigen. 6.2 6.2.1 In formeller Hinsicht muss das Rechtshilfeersuchen insbesondere Angaben über den Gegenstand und den Grund des Ersuchens nennen (Art. 14 Ziff. 1 lit. b EUeR). Ausserdem muss das Ersuchen in Fällen wie dem vorliegen - den die strafbare Handlung bezeichnen und eine kurze Darstellung des Sachverhalts enthalten (Art. 14 Ziff. 2 EUeR; Art. 27 Ziff. 1 GwUe). Art. 28 Abs. 2 und 3 IRSG i .V.m. Art. 10 IRSV stellen entsprechende Anforderun - gen an das Rechtshilfeersuchen. Die Rechtsprechung stellt an die Schilderung des Sachverhalts im Recht s- hilfeersuchen keine hohen Anforderungen. Von den Behörden des ers u- chenden Staates kann nicht verlangt werden, dass sie den Sachverhalt, der Gegenstand des hängigen Strafverfahrens bildet, bereits lückenlos und völ- lig widerspruchsfrei darstellen. Das wäre mit dem Sinn und Zweck des Rechtshilfeverfahrens nicht vereinbar, ersucht doch ein Staat einen and e- ren gerade deswegen um Unterstützung, damit er die bisher im Dunkeln gebliebenen Punkte aufgrund von Beweismitteln, die sich im ersuchten Staat befinden, klären kann. Es reicht daher aus, wenn die Angaben im Rechtshilfeersuchen den schweizerischen Behörden ermöglichen zu pr ü- fen, ob ausreichend e Anhaltspunkte für eine rechtshilfefähige Straftat vo r- liegen (vgl. Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR), ob Verweigerungsgründe gegeben sind (Art. 2 lit. a EUeR) bzw. in welchem Umfang dem Begehren allenfalls - 17 - entsprochen werden muss (BGE 129 II 97 E. 3.1 S. 98 m.w.H.). Es kann auch nicht verlangt werden, dass die ersuchende Behörde die Tatvorwürfe bereits abschliessend mit Beweisen belegt. Entspricht ein Ersuchen den formellen Anforderungen nicht, so kann verlangt werden, dass e s verbes- sert oder ergänzt wird (Art. 28 Abs. 6 IRSG). Sind ergänzende Informati o- nen notwendig, so holt gemäss Art. 80o Abs. 1 IRSG das Bundesamt diese auf Verlangen der ausführenden Behörde oder der Rechtsmittelinstanz beim ersuchenden Staat ein. Solange das Rechtshilfeersuchen den formel- len Anforderungen nicht entspricht, darf die ausführende Behörde ihm nicht entsprechen. Entgegen der Annahme des Beschwerdegegners (act. 6 S. 1) ist dabei nicht entscheidend, dass auf das Rechtshilfeersuc hen zunächst eingetreten wurde. Die ersuchte Behörde hat sich beim Entscheid über ein Rechtshilfe ersu- chen ebenso wenig dazu auszusprechen, ob die darin angeführten Tats a- chen zutreffen oder nicht. So hat d er Rechtshilferichter weder Tat - noch Schuldfragen zu prüfen und grundsätzlich auch keine Beweiswürdigung vorzunehmen, sondern ist vielmehr an die Sachdarstellung im Ersuchen gebunden, soweit sie nicht durch offensichtliche Fehler, Lücken oder W i- dersprüche sofort entkräftet wird (vgl. BGE 132 II 81 E. 2.1 S. 85 mit Hin- weisen; Urteil des Bundesgerichts 1A.90/2006 und weitere vom 30. August 2006, E. 2.1; TPF 2007 150 E. 3.2.4). 6.2.2 Beim Tatbestand des Abgabebetrugs stellt die Rechtsprechung an den I n- halt des Rechtshilfeersuchens erhöhte Anforderungen. Eine hinreichend präzise Umschreibung der Verdachtsgründe soll verhindern, dass sich die ersuchende Behörde unter dem Deckmantel eines von ihr ohne Ve r- dachtsmomente lediglich behaupteten Abgabebetrugs Beweise verschafft, die zur Ahndung anderer Fiskaldelikte dienen sollen, für welche die Schweiz keine Rechtshilfe gewährt (BGE 116 Ib 96 E. 4c S. 103; 115 Ib 68 E. 3b/bb S. 78) . Diese erhöhten Anforderungen gelten allerdings im Rechtshilfeverkehr mit einem Schengen Staat im Bereich der indirekten Fiskalität insoweit gerade nicht, als sich diesbezüglich die Schweiz zur Leistung von Rechtshilfe gemäss Art. 50 SDÜ verpflichtet hat (vgl. supra Ziff. 1.2) und in diesem Bereich der Ausschlussgrund gemäss Art. 3 Abs. 3 Satz 1 IRSG aufgrund des Vorranges des Staats vertragsrechts (s. ZIMMERMANN, a.a.O., S. 222 f. N. 227 mit Hinweisen auf die Rech t- sprechung) nicht greift. Vorliegend lautet der Vorwurf der deutschen B e- hörden auf banden - und gewerbsmässige Umsatzsteuerhinterziehung. Da die Umsatzsteuer im Bereich der indirekten Fiskalität anzusiedeln ist, ge l- ten die erhöhten Anforderungen an den Inhalt des Rechtshilfeersuchens in casu nicht. - 18 - 6.3 6.3.1 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör fliesst auch das Recht des Be- rechtigten auf Teilnahme an der Aussonderung der beschlagnahmten Un- terlagen, welche an die ersuchende Behörde herauszugeben sind (BGE 126 II 258 E. 9b/aa). In diesem Zusammenhang genügt es, wenn dem Berechtigten Gelegenheit gegeben wird, sich schriftlich zur Aussonde- rung zu äussern (Urteil des Bundesgeri chts 1A.228/2006, mit weiteren Hinweisen). In concreto muss die ausführende Behörde nach der bunde s- gerichtlichen Rechtsprechung dem gemäss Art. 80h lit. b IRSG und Art. 9 a lit. b IRSV Berechtigten zur Wahrung des rechtlichen Gehörs vorgängig an den Erlass der Schlussverfügung auf konkrete und wirkungsvolle Weise die Gelegenheit geben, sich zum Rechtshilfeersuchen zu äussern und unter Angabe der Gründe geltend zu machen, welche Unterlagen etwa in A n- wendung des Verhältnismässigkeitsprinzips nicht herauszugeben sind (vgl. Art. 30 Abs. 1 VwVG; BGE 130 II 14 E. 4.3 S. 16; 126 II 258 E. 9b/aa S. 262; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2007.24 vom 8. Mai 2007, E. 3.1). 6.3.2 Ziel der Triage ist es, vor der rechtshilfeweisen Herausgabe der beschla g- nahmten Beweismittel diejenigen auszuscheiden, welche für die ausländ i- sche Strafuntersuchung offensichtlich nicht relevant sind. Das Prinzip der Verhältnismässigkeit, welchem Rechtshilfemassnahmen generell zu gen ü- gen haben (Z IMMERMANN, a.a.O., S. 669 f., N. 715 mit Verweisen a uf die Rechtsprechung; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2007.64 vom 3. September 2007, E. 3.2), gebietet ein solches Vorgehen. Die akzessor i- sche Rechtshilfe ist nur zulässig, soweit sie für ein Verfahren in strafrechtl i- chen Angelegenheiten im Ausland e rforderlich erscheint oder dem Beibri n- gen der Beute dient (vgl. Art. 63 Abs. 1 IRSG). Umgekehrt kann die interna- tionale Zusammenarbeit nur abgelehnt werden, wenn die verlangten Unte r- lagen mit der verfolgten Straftat in keinem Zusammenhang stehen und o f- fensichtlich ungeeignet sind, die Untersuchung voranzutreiben, so dass das Ersuchen nur als Vorwand für eine unzulässige Beweisausforschung (“fishing expedition“) erscheint. 6.3.3 Die Sichtung der beschlagnahmten Unterlagen mit dem Ziel der Aussche i- dung der für die ausländische Strafuntersuchung offensichtlich nicht rel e- vanten Unterlagen hat dabei grundsätzlich durch die zuständige Rechtshi l- febehörde zu erfolgen (vgl. BGE 122 II 367 E. 2c S. 371; zur Delegation der Triage durch den Leitkanton an den beauftragten Kanton s. nachfolgend Ziff. 6.3.4 f. ). Sie kann diese Pflicht nicht auf den ersuchenden Staat a b- schieben und ihm die Belege unsortiert übergeben (BGE 130 II 14 E. 4.3). Da der ers uchte Staat im Allgemeinen nicht über die Mittel verfügt, die es ihm erlauben würden, sich über die Zweckmässigkeit bestimmter Beweise - 19 - im ausländischen Verfahren auszusprechen, hat er insoweit die Würdigung der mit der Untersuchung befassten Behörde nicht durch seine eigene zu ersetzen und ist verpflichtet, dem ersuchenden Staat alle diejenigen Akte n- stücke zu übermitteln, die sich auf den im Rechtshilfeersuchen dargelegten Sachverhalt beziehen können (sog. potentielle Erheblichkeit). Nicht zuläs- sig ist es, den ausländischen Behörden nur diejenigen Unterlagen zu übe r- lassen, die den im Rechtshilfeersuchen festgestellten Sachverhalt mit S i- cherheit beweisen (zum Ganzen BGE 122 II 367 E. 2c S. 371; 121 II 241 E. 3a S. 242 f.; Urteile des Bundesgerichts 1A.115/200 0 vom 16. Juni 2000, E. 2a; 1A.182/2001 vom 26. März 2002, E. 4.2; 1A.234/2005 vom 31. Januar 2006, E. 3.2; 1A.270/2006 vom 13. März 2007, E. 3 ; En t- scheide des Bundesstrafgerichts RR.2007.24 vom 8. Mai 2007, E. 4.1; RR.2007.90 vom 26. September 2007, E. 7 .2). Hierbei ist auch zu beac h- ten, dass für das ausländische Strafverfahren nicht nur belastende, so n- dern – entgegen der Annahme des Beschwerdegegners sowie der B e- schwerdeführerinnen – auch entlastende Beweismittel von Bedeutung sein können, um einen beste henden Verdacht allenfalls widerlegen zu können (TPF 2011 97 E. 5.1 S. 106 m.w.H.). 6.3.4 Für die vorzunehmende Ausscheidung der Unterlagen stützt sich die au s- führende Behörde auf den Inhaber der Unterlagen ab, welcher nicht nur das Recht auf Teilnahme an der Tr iage im vorgenannten Sinne (s. supra Ziff. 6.3.1), sondern auch die Obliegenheit hat, die Rechtshilfebehörde bei dieser Triage zu unterstützen (vgl. BGE 130 II 14 E. 4.3 S. 16 f.; 126 II 258 E.9b/aa S. 262; 122 II 367 E. 2d S. 372, je mit Hinweisen). Der von der Rechtshilfemassnahme Betroffene hat die Obliegenheit, schon im Stadium der Ausführung des Ersuchens (bzw. der erstinstanzlichen Rechtshilfeve r- fügung) an der sachgerechten Ausscheidung beschlagnahmter Dokumente nötigenfalls mitzuwirken, allfällige Einwände gegen die W eiterleitung ei n- zelner Aktenstücke (bzw. Passagen daraus), welche für die Strafunters u- chung offensichtlich entbehrlich sind, im Rahmen seiner Parteirechte g e- genüber der ausführenden Behörde rechtzeitig und konkret darzulegen und diese Einwände auch ausreic hend zu begründen (BGE 122 II 367 E. 2c S. 371 f.). Dies gilt besonders bei einer komplexen Untersuchung mit zah l- reichen Akten. Kommt der Beschwerdeführer dieser Obliegenheit nicht nach, hat er im Beschwerdeverfahren sein Rügerecht verwirkt. Diese Ob- liegenheit gilt auch dann, wenn der Betroffene erst nach Erlass der Schlussverfügung über die zu übermittelnden Beweismittel in Kenntnis ge- setzt wurde und Gelegenheit erhielt, seine Einwände gegen die Herausg a- be zu begründen. Macht der Betroffene in der Folge im Beschwerdeverfah- ren die Verletzung seiner Parteirechte und des Verhältnismässigkeitspri n- zips geltend, ohne seine konkreten Einwände gegen die Weiterleitung ei n- zelner Aktenstücke darzulegen, ist er seiner Obliegenheit nicht nachg e-- 20 - kommen und hat im Beschwerdeverfahren sein Rügerecht verwirkt. Die Beschwerdeinstanz forscht nicht von sich aus nach Aktenstücken, die im ausländischen Verfahren (mit Sicherheit) nicht erheblich sein könnten (BGE 130 II 14 E. 4.3 S. 16; 126 II 258 E. 9b/aa S. 262; Urteile des Bu n- desgerichts 1A.223/2006 vom 2. April 2007, E. 4.1, sowie 1A.184/2004 vom 22. April 2005, E. 3.1). Entgegen der Annahme des Beschwerdege g- ners bleibt die Rechtshilfebehörde in jedem Fall verpflichtet, eine Triage der beschlagnahmten Unterlagen vorzunehmen, selbst wenn die Berechtigten sich der Herausgabe nicht oder nicht genügend substantiiert widersetzen (BGE 130 II 14 E. 4.4 S. 17 f.). 6.3.5 Wie bereits vorstehend ausgeführt, genügt es nach der Rechtsprechung, wenn dem Berechtigten Gelegenheit gegeben wird, sich schriftlich zur Aus- sonderung zu äussern. In der Regel setzt sie dem Inhaber hiefür eine Frist an, die kurz sein kann, um in Bezug auf jeden einzelnen Beleg die Arg u- mente zu nennen, die seines Erachtens der Übermittlung entgegen steh en (BGE 130 II 14 E. 4.4). Darüber hinaus ist die ausführende Behörde frei, wie sie bei der Triage vorgehen will. Eine Durchsuchung von Datenträgern anhand von Suchbegriffen ist zulässig und kann ausreichend sein (s. En t- scheide des Bundesstrafgerichts RR.2 009.260-262 vom 18. März 2010, E. 3.2; RR.2009.203 vom 23. Februar 2010, E. 4.2) . Ob zusätzlich noch ei- ne händische Auswahl erfolgen muss, wird im Einzelfall davon abhängen, ob aufgrund der, allenfalls auch in Kombination, verwendeten Suchbegriffe im Grundsatz bereits davon ausgegangen werden kann, dass die ausg e- schiedenen Daten einen Zusammenhang mit dem untersuchten Strafve r- fahren aufweisen und folglich als potentiell erheblich einzustufen sind (En t- scheide des Bundesstrafgerichts RR.2010.262 vom 11. Juni 2012, E. 6.3; RR.2013.151-152 vom 17. Dezember 2013, E. 2). Werden elektronische Datenträger wegen ihrer Daten beschlagnahmt, sind diese so schnell wie möglich zu spiegeln und dem I nhaber zurückzugeben. Diese Aufgabe (Spiegelung der Daten) kann vom Leitkanton ohne weiteres dem beauftrag- ten Kanton übertragen werden. Dadurch wird verhindert, dass elektron i- sche Datenträger länger als nötig beschlagnahmt bleiben , was bei aktiven Geschäftsunternehmen zu erheblichen Störungen führen kann. Jedoch kann der Leitkant on die Triage, d.h. die Aussonderung der elektronischen Daten nach potentieller Erheblichkeit nicht vollständig an den beauftragten Kanton delegieren. Vielmehr obliegt es dem Leitkanton, diese potentielle Erheblichkeit festzustellen (und in der Schlussverf ügung zu begründen), denn nur der Leitkanton hat letztlich die Verantwortung für die juristisch kor- rekte Durchführung des Rechtshilfeverfahrens und auch nur er hat bei komplexen Verfahren den Überblick. Im vorliegenden Fall wurde die Daten- triage offenbar mittels einer Stichwortliste durch den Kanton Tessin durc h- geführt. Diese Stichwortliste befindet sich hingegen nicht in den Akten. - 21 - Weder der Beschwerdegegner noch die Betroffenen konnten sich daher e i- nen Eindruck darüber verschaffe n, inwieweit die Stichwortliste sinn voll ist mit Blick auf die potentielle Erheblichkeit. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdegegner, welchem als verfügende Vorinstanz keine Verfahrenskosten auferlegt we r- den (Art. 63 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art . 39 Abs. 2 lit. b StBOG). Die Bundes- strafgerichtskasse ist anzuweisen, den Beschwerdeführer innen den einb e- zahlten Kostenvorschuss von Fr. 6'000.-- zurückzuerstatten. 7.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG kann die Beschwerdeinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwen - dige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen. Im Verfahren vor Bundesstrafgericht besteht die Parteientschädigung aus den Anwaltskosten (Art. 11 des Reglement des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren vom 31. August 2010 [BStKR; SR 173.713.162]). Diese umfassen das Honorar und den Ersatz der notwendigen Auslagen (Art. 11 des Reglements). Ge- mäss Art. 12 Abs. 2 BStKR setzt die Beschwerdekammer das Honorar nach Ermessen fest, wenn der Rechtsanwalt die Kostennote nicht späte s- tens mit der letzten Eingabe einreicht. Eine Kostennote wurde vorliegend nicht eingereicht. Unter Berücksichtigung aller Umstände erscheint vorli e- gend eine Entschädigung von insgesamt Fr. 1'000.-- inkl. MwSt. als ang e- messen. - 22 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Schlussverfügung des Unters u- chungsamtes St. Gallen vom 29. April 2013 wird aufgehoben und die Sache zu neuem Entscheid zurückgewiesen. 2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben. Die Bundesstrafgerichtskasse wird angewiesen, den Beschwerdeführerinnen den einbezahlten Kostenvo r- schuss von Fr. 6'000.-- zurückzuerstatten. 3. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, den Beschwerdeführerinnen für das Beschwerdeverfahren eine Entschädigung v on Fr. 1'000.-- inkl. MwSt. aus - zurichten. Bellinzona, 7. Februar 2014 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: Zustellung an - Rechtsanwalt Rossano Pinna - Untersuchungsamt St. Gallen - Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe Rechtsmittelbelehrung Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 BGG). Ein besonders bed eutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).