<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 83 S.406</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">406</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>83 Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung; Recht auf Achtung des</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Eingriff in das durch Art. 8 EMRK geschützte Rechtsgut i.c. verneint, da</b></span><br/> <span class="ft1"><b>der Betroffene noch über eine Aufenthaltsberechtigung verfügt</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. II./5.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 22. Septem-</span><br/> <span class="ft2">ber 2006 in Sachen A.N. betreffend Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung</span><br/> <span class="ft2">(1-BE.2005.57).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">A. Der Beschwerdeführer reiste am 29. Oktober 2000 in die</span><br/> <span class="ft4">Schweiz ein und ersuchte um Asyl. Mit Verfügung vom 5. April 2001</span><br/> <span class="ft4">lehnte das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; heute Bundesamt für</span><br/> <span class="ft4">Migration [BFM]) das Asylgesuch ab und wies ihn aus der Schweiz</span><br/> <span class="ft4">weg. Da der Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar erschien, ord-</span><br/> <span class="ft4">nete das BFM gleichzeitig die vorläufige Aufnahme des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führers an.</span><br/> <span class="ft4">Am 30. November 2003 kam die Tochter des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft4">rers zur Welt, welche er am 22. April 2004 als sein Kind anerkannte.</span><br/> <span class="ft4">Mit Schreiben vom 11. Februar 2005 ersuchte der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führer um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung.</span><br/> <span class="ft4">Mit Verfügung vom 7. Juli 2005 verweigerte das Migrations-</span><br/> <span class="ft4">amt, Sektion Einreise und Arbeit, dem Beschwerdeführer die Ertei-</span><br/> <span class="ft4">lung einer Aufenthaltsbewilligung.</span><br/> <span class="ft4">B. Gegen die Verfügung des Migrationsamtes erhob der Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführer Einsprache.</span><br/> <span class="ft4">Mit Verfügung vom 16. August 2005 hob das BFM die vorläu-</span><br/> <span class="ft4">fige Aufnahme des Beschwerdeführers auf und wies ihn an, bis</span><br/> <span class="ft4">11. Oktober 2005 die Schweiz zu verlassen. Dagegen reichte der Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführer am 15. September 2005 Beschwerde bei der schwei-</span><br/> <span class="ft4">zerischen Asylrekurskommission (ARK) ein.</span><br/> <span class="ft4">Am 29. August 2005 wies der Rechtsdienst des Migrationsam-</span><br/> <span class="ft4">tes (Vorinstanz) die Einsprache des Beschwerdeführers ab.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">407</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">C. Mit Eingabe vom 10. November 2005 erhob der Beschwer-</span><br/> <span class="ft4">deführer gegen den vorinstanzlichen Entscheid Beschwerde.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">II. 5.1. Zu prüfen bleibt, ob die Weigerung der Vorinstanz, das</span><br/> <span class="ft4">Gesuch des Beschwerdeführers um Erteilung einer Härtefallbewilli-</span><br/> <span class="ft4">gung dem zuständigen Bundesamt für Migration zur Zustimmung zu</span><br/> <span class="ft4">unterbreiten, vor Art. 8 EMRK standhält.</span><br/> <span class="ft4">5.2. Art. 8 Ziff. 1 EMRK garantiert den Schutz des Familienle-</span><br/> <span class="ft4">bens. Grundsätzlich umfasst der Schutzbereich von Art. 8 EMRK ne-</span><br/> <span class="ft4">ben der eigentlichen Kernfamilie (Beziehungen zwischen Ehegatten</span><br/> <span class="ft4">sowie zwischen Eltern und minderjährigen Kindern) auch die Bezie-</span><br/> <span class="ft4">hung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern sowie die Bezie-</span><br/> <span class="ft4">hung zwischen Geschwistern. In ausländerrechtlichen Fällen gewähr-</span><br/> <span class="ft4">leistet Art. 8 Ziff. 1 EMRK gemäss der Rechtsprechung des Europäi-</span><br/> <span class="ft4">schen Gerichtshofes für Menschenrechte das Familienleben ausser-</span><br/> <span class="ft4">halb der Kernfamilie jedoch nur dann, wenn eine faktische Familien-</span><br/> <span class="ft4">einheit vorliegt, die zusätzliche Elemente einer Abhängigkeit auf-</span><br/> <span class="ft4">weist, die über normale, gefühlsmässige Verbindungen hinausgehen</span><br/> <span class="ft4">(vgl. hierzu Niccolò Raselli / Cristina Hausammann, in: Ueber-</span><br/> <span class="ft4">sax/Münch/Geiser/Arnold, Ausländerrecht, Rz. 13.65).</span><br/> <span class="ft4">Der Beschwerdeführer hat eine Tochter, welche Schweizer Bür-</span><br/> <span class="ft4">gerin ist und mit der er eine - wenn auch beschränkte - Beziehung</span><br/> <span class="ft4">unterhält. Es liegt damit ein durch Art. 8 Ziffer 1 EMRK geschütztes</span><br/> <span class="ft4">Familienleben vor.</span><br/> <span class="ft4">5.3. Fraglich ist, ob die Weigerung der Vorinstanz, das Gesuch</span><br/> <span class="ft4">des Beschwerdeführers um Erteilung einer Härtefallbewilligung dem</span><br/> <span class="ft4">zuständigen Bundesamt für Migration zur Zustimmung zu unterbrei-</span><br/> <span class="ft4">ten, den Schutzbereich von Art. 8 EMRK tangiert.</span><br/> <span class="ft4">Die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers wurde im Au-</span><br/> <span class="ft4">gust 2005 aufgehoben, wogegen er bei der ARK Beschwerde ein-</span><br/> <span class="ft4">reichte. Der entsprechende Entscheid der ARK steht noch aus, wobei</span><br/> <span class="ft4">der Beschwerdeführer berechtigt ist, das Verfahren in der Schweiz</span><br/> <span class="ft4">abzuwarten. Er verfügt damit (noch) über eine Aufenthaltsberechti-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">408</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">gung in der Schweiz und kann die Beziehung zu seiner Tochter trotz</span><br/> <span class="ft4">des abschlägigen Entscheides der Vorinstanz im bisherigen Umfang</span><br/> <span class="ft4">pflegen. Sein durch Art. 8 EMRK grundsätzlich geschütztes Famili-</span><br/> <span class="ft4">enleben wird damit nicht tangiert, weshalb sich eine weitergehende</span><br/> <span class="ft4">Prüfung erübrigt. Es wird Aufgabe der ARK sein, eine allfällige Ver-</span><br/> <span class="ft4">letzung von Art. 8 EMRK mit zu berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft4">Festzuhalten bleibt, dass aus Art. 8 EMRK kein Recht auf eine</span><br/> <span class="ft4">bestimmte Bewilligungsart abgeleitet werden kann. Entscheidend ist</span><br/> <span class="ft4">allein, dass - was vorliegend der Fall ist - der Ausländer faktisch die</span><br/> <span class="ft4">Möglichkeit hat, das Verhältnis zu seinen Familienangehörigen in an-</span><br/> <span class="ft4">gemessener Weise zu pflegen, wozu mit Blick auf Art. 8 EMRK jede</span><br/> <span class="ft4">Anwesenheitsberechtigung - insbesondere auch eine vorläufige Auf-</span><br/> <span class="ft4">nahme - genügt, welche dies zulässt (vgl. BGE 126 II 335, E. 3a, mit</span><br/> <span class="ft4">Hinweisen).</span><br/> <span class="ft4">Nach dem Gesagten steht fest, dass der Schutzbereich von</span><br/> <span class="ft4">Art. 8 Ziffer 1 EMRK im vorliegenden Fall nicht tangiert ist und</span><br/> <span class="ft4">kein Verstoss gegen Art. 8 EMRK vorliegt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>