Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. Oktober 2012 (720 12 167) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Diet er Freiburghaus, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Daniel Tschopp, Advo- kat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.4979.8473.54) A. A.____, geb. 1954, bezog gemäss Verfügung vom 7. Ap ril 2005 eine halbe IV-Rente rückwirkend ab 1. August 2003. Mit Verfügung vom 8. Janua r 2007 gewährte ihr die IV-Stelle infolge einer Tumorerkrankung eine ganze IV-Rente ab September 2006. Im November 2008 leitete sie eine Rentenrevision von Amtes wegen ein. Ges tützt auf das Gutachten der B.____ vom 31. Dezember 2011 ging die IV-Stelle von einer Ver besserung des Gesundheitszustandes aus und hob mit Verfügung vom 18. April 2012 die IV-R ente bei einem ermittelten IV-Grad von 28% auf. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Daniel Tschopp, mit Eingabe vom 21. Mai 2012 Beschwerde ans Kantonsgericht , Abteilung Sozialversicherungs- recht. Sie beantragte die Aufhebung der angefochtene n Verfügung sowie die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente. Zur Begründung führte sie an, es sei u nbestritten, dass aus onkologischer und psychiatrischer Sicht eine wesentliche Verbesserung des G esundheitszustandes eingetre- ten sei. Die Beeinträchtigungen, die damals zur Rentenerhöhung geführt hätten, seien nunmehr wieder weggefallen. Keinesfalls könne jedoch einer vollständigen Rentenaufhebung zugestimmt werden. Die rheumatologischen Beschwerden, welche massgebend für die Gewährung der hal- ben IV-Rente am 7. April 2005 gewesen seien, seien na ch wie vor vorhanden. Wenn die IV- Stelle nun geltend mache, dass die asim aus rein rheumatologischer Sicht eine 80%ige Arbeits- fähigkeit für leichte Arbeiten attestiere, so verkenne sie, dass es sich hierbei lediglich um eine andere Beurteilung eines im Wesentlichen gleich geblie benen Gesundheitszustandes handle, über den bereits rechtskräftig entschieden worden sei. Zudem beständen noch pneumologische Restbeschwerden, welche die Arbeitsfähigkeit zusätzlich einschränkten. C. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 5. September 2012 die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Beschwerdefüh- rerin weiterhin Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat. 1.2 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende ode r längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Di e Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 1.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2 , 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vor- aussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 1.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Renten für die Zukunft zu erhöhen, herabzu- setzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Die Rechtsprechung anerkennt als Revisionsgrund namentlich die erhebliche Verbes- serung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes; eine Rente kann ferner auch revi- diert werden, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen ei nes an sich gleich gebliebenen Ge- sundheitsschadens erheblich verändert haben (vgl. BGE 109 V 116 E. 3b mit Hinweisen). 2.2 Das Bundesgericht hat mit BGE 133 V 108 ff. in Än derung seiner Praxis entschieden, dass der zeitliche Referenzpunkt für die Prüfung einer a nspruchserheblichen Änderung bei der Rentenrevision - sei es auf Gesuch hin oder von Amtes wege n - gleich wie bei der Neuanmel- dung (vgl. BGE 130 V 71) die letzte der versicherten P erson eröffnete rechtskräftige Verfügung ist, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenan spruchs mit rechtskonformer Sachver- haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei An- haltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen A uswirkungen des Gesundheitszustandes) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (vgl. BGE 133 V 108 ff.). 3. Gestützt darauf ist im Folgenden zu prüfen, ob sich d er Gesundheitszustand und - da- mit einhergehend - der Grad der Arbeitsfähigkeit ta tsächlich, wie von der IV-Stelle in der ange- fochtenen Verfügung vom 18. April 2012 geltend gemacht, seit der Zusprechung der ganzen IV- Rente am 8. Januar 2007 in einer anspruchserheblichen Weise gebessert hat. 3.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arb eitsunfähigkeit die durch eine Be- einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundh eit bedingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 3.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht s vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 4. Mit Verfügung vom 7. April 2005 wurde der Versich erten aufgrund einer Überlastungs- symptomatik des Bewegungsapparates eine halbe IV-Rente zu gesprochen. Am 8. Januar 2007 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht erhöhte die IV-Stelle die IV-Rente infolge einer Tu morerkrankung auf eine ganze. Im Rahmen des im November 2008 eingeleiteten Revisionsverfahrens stellten die Gutachter der B.____ am 31. Dezember 2009 eine Verbesserung der Weichteilsympto matik fest und attestierten diesbe- züglich eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Die Begutachtung ergab aber auch, dass die Versicherte an einer mittelgradigen depressiven Erkrankung litt, w elche die Arbeitsfähigkeit zu 50% ein- schränke. Weiter bestand der Verdacht auf eine Bronchu s-Restenose sowie auf eine stumme koronare Herzerkrankung, weshalb weitere Untersuchungen u nd Behandlungen angezeigt wa- ren und vorläufig eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde. Die ganze IV-Rente wurde somit weiter ausgerichtet. Mit Verlaufsgutachten vom 31. De zember 2011 stellten die Gutachter eine Verbesserung des Gesundheitszustandes fest und konnten keine psychiatrischen oder pneu- mologischen Diagnosen mehr mit Auswirkung auf die Arbe itsfähigkeit stellen. Geltung habe aber weiterhin die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20% aus rheumatologischer Sicht. 5. Die Gesundheitsverbesserung aus onkologischer Sicht se it der Verfügung vom 8. Janu- ar 2007 ist unbestritten. Weiter besteht auch Einigkeit der Parteien bezüglich der Verbesserung des psychischen Zustandes seit dem Gutachten der B.____ vom 3 1. Dezember 2009. Dies er- gibt sich ohne Weiteres aus dem Verlaufsgutachten der B .____ vom 31. Dezember 2011. Ein Revisionsgrund ist damit gegeben und die seit der Rente nverfügung eingetretenen Verände- rungen können im gesamten Spektrum der rentenrelevant en Sachverhalte als Ganzes geprüft werden (THOMAS LOCHER , Revision der Invalidenrente - Diskussion aktueller Frage stellungen, in: Invalidität im Wandel, René Schaffhauser/Ueli Kieser (Hrsg), St. Gallen 2005, S. 130). 6.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass die rhe umatologische Problematik, welche mit Verfügung vom 7. April 2005 zur halben IV-Rente geführt habe, unverändert sei. Bei der Beurteilung von Dr. med. C.____, FMH Innere Medizin u nd Rheumatologie, gemäss B.____- Gutachten vom 31. Dezember 2009 handle es sich lediglich um eine unterschiedliche Beurtei- lung eines an sich gleich gebliebenen Sachverhalts, weshalb diesbezüglich eine Rentenrevision nicht rechtens sei. 6.2 Die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentl ichen gleich gebliebenen Sachver- halts ist revisionsrechtlich unbeachtlich. Entscheidend für die Frage, ob die Rentenaufhebung durch die IV-Stelle vor Bundesrecht Stand hält, ist all ein, ob im seit der letztmaligen umfassen- den materiellen Überprüfung zu Recht eine wesentliche tatsächliche Veränderung bejaht wurde. Eine anspruchserhebliche Änderung kann auch gegeben sein , wenn sich ein Leiden bei glei- cher Diagnose in seiner Intensität und in seinen Auswirkun gen auf die Arbeitsfähigkeit verän- dert hat (Urteil des Bundesgerichts vom 5. September 201 2, 8C_437/2012, E. 5.1 und 5.2 mit Hinweisen). 7.1 Die ursprüngliche halbe IV-Rente der Versicherten ( Verfügung vom 7. April 2005) ba- sierte auf den Diagnosen von Dr. med. D.____, FMH Ph ysikalische Medizin und Rehabilitation, und Prof. Dr. med. E.____, FMH Chirurgie und Trauma tologie des Bewegungsapparates, ge- mäss Gutachten vom 4. Oktober 2004. Sie stellten mit Auswi rkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Zervikobrachialgie, einen Status nach CTS-Operation rech ts 1998, einen Status nach CTS- Operation links 2002, rezidivierende Lumbalgien, eine depressive Verstimmung sowie eine Adi- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht positas fest. In der Ergänzung vom 22. Oktober 2004 bestä tigte Dr. D.____, dass eine ange- passte 50%ige Arbeitsfähigkeit aus rein somatischer Sich t für den gesamten Bewegungsappa- rat bestehe. Neben den über Jahren persistierenden Nac ken-, Schulter- und Armschmerzen linksseitig beständen tieflumbale Schmerzen mit diffuser Ausstrahlung ins linke Bein sowie ein Status nach Karpaltunnelsyndromoperation beidseits. Die aktuelle Weichteilsituation mit Über- lastungssymptomatik des Muskel-, Sehnen- und Bandapparates d er oberen Extremitäten und der linken unteren Extremität stehe seitens des Bewegungsapparates deutlich im Vordergrund. 7.2 Dr. C.____ diagnostizierte gemäss B.____-Gutachten vom 31. Dezember 2009 ein un- spezifisches generalisiertes Schmerzsyndrom mit fokalen, teil s degenerativ bedingten Akzentu- ierungen sowie eine schwere Dekonditionierung und eine Adipositas. Aktuell schildere die Ver- sicherte in der Untersuchung Schmerzen am ganzen Körper, die seit 10 Jahren immer gleich seien. Muskuloskelettär beklage sie Schulterschmerzen rechts mehr als links, im Charakter ähnlich wie früher, jedoch intensiver, Ellenbogenschmerze n, lumbale und nuchale Schmerzen, Kopfschmerzen, Flankenschmerzen und Knieschmerzen ventral beidseits sowie diffuse Hand- schmerzen rechts mehr als links. In der klinischen Untersuchu ng sei das Gangbild seitengleich, das Sitzen und Aufstehen ohne positionelle Auffälligkei ten, Schonhaltungen oder Behinderun- gen. Das Schemelsteigen erscheine mühsam, jedoch seiteng leich möglich, ebenso das Ein- nehmen der Hocke mit Abstützen sowie der Zehenspitzen- u nd Fersengang. Bei der Liegebe- nutzung zeigten sich schwerfällige Abläufe, aber keine umschriebenen Schmerzbehinderungen, ebenso nicht beim Aus- und Ankleiden. Das Achsenskelett sei im Lot, die Inklination und Rekli- nation seien weitgehend frei, auch die Seitenneigung der LWS. Radikuläre Symptome könnten nicht provoziert werden. Die HWS sei globrotativ beid seits nur leichtgradig eingeschränkt und unbeobachtet frei beweglich. Diffuse Dolenzen der Wei chteile bestünden an der Linea nuchali und entlang der HWS und BWS, im Schultergürtel- und Ellenbogenbereich sowie lumbal. An den Händen bestünden keine Besonderheiten, insbesonde re keine tendovaginitischen Rezidiv- Auffälligkeiten oder Hinweise auf Ringbandstenosen. In sgesamt bestehe aus muskuloskelettä- rer Sicht eine grosse Diskrepanz zwischen den klinischen Befun den und dem Ausmass an gel- tend gemachter Behinderung und Leidensschilderung. Ni cht muskuloskelettäre Faktoren seien signifikant an der Leidenswahrnehmung beteiligt. Klinische Hinweise, dass tumoröse Manifesta- tionen am Bewegungsapparat das Leidensbild mitprägten , seien keine vorhanden. Der Versi- cherten seien körperlich leichte, ohne signifikant über kopf oder gebückt zu verrichtende Tätig- keiten, ohne repetitives Heben, Stossen oder Ziehen von Lasten von mehr als 2-3 kg, ohne re- petitiv greifende Bewegungen, ohne feinmotorische Tät igkeitsanteile und ohne wiederholtes Treppensteigen zu 80% zumutbar. Es bestünden irreversibl e Reintegrationshindernisse auf- grund der langjährigen Erwerbsuntätigkeit und der fi xierten Krankheits- und Behinderungsüber- zeugung (auf dem Hintergrund teils schwerer internistische r Leiden in der Vergangenheit). Die aktuell attestierte Reduktion gegenüber einem Vollpe nsum sei zu begründen mit einer nicht näher fassbaren verminderten Arbeitsgeschwindigkeit, ei ner gewissen Motilitätsverlangsamung und der Notwendigkeit zu vermehrten Pausen während de r Arbeit. Eine höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei aus rheumatologischer Sicht nicht gerechtfertigt. 7.3 Aus dem Gutachten von Dr. C.____ geht hervor, dass d ie von Dr. D.____ und Prof. E.____ im Oktober 2004 festgestellte Überlastungssymptomat ik des Muskel-Sehnen- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bandapparates der oberen Extremitäten und der linken Extremität sowie die Problematik nach Karpaltunnelsyndromoperation nicht mehr bestätigt werden können. Aufgrund der eingehenden klinischen Untersuchung kam Dr. C.____ zum nachvollziehbaren Schluss, dass heute von einer Überlagerung der Schmerzen auszugehen sei. Dies wurde noch in der Ergänzung von Dr. D.____ vom 22. Oktober 2004 ausgeschlossen, indem sie b estätigte, dass die 50%ige Arbeits- unfähigkeit aus rein somatischer Sicht für den ganzen B ewegungsapparat aufgrund der Über- lastungssymptomatik gelte. Es muss folglich davon ausgegang en werden, dass es in der Zwi- schenzeit zwar zu einer Verbesserung der Überlastungssymptomatik des Bewegungsapparates gekommen ist und sich die Arbeitsfähigkeit diesbezüglich von 50% auf 80% erhöht hat. Die Schmerzen jedoch noch gleich erlebt werden, die Erklä rung dafür jedoch nicht mehr in einem somatischen Befund liegt. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung wurde zwar sowohl anlässlich der ersten Begutachtung von den psychiatrischen Fachärztinnen als auch in der nachfolgenden Untersuchung von Dr. med. F.____, FMH P sychiatrie und Psychotherapie, ge- mäss Gutachten vom 31. Dezember 2011 diagnostiziert. Diese habe jedoch keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Im Zeitpunkt des Gutachtens der B.____ vom 31. Dezember 2009 ist folglich davon auszugehen, dass in Bezug auf die rheumato logischen Beschwerden eine Ge- sundheitsverbesserung eingetreten war. Dieser Schluss ergi bt sich auch aus der Konsensbe- sprechung der B.____-Gutachter Dr. C.____, med. pract. G.____, Psychiatrie und Psychothe- rapie, Prof. med. H.____, FMH Psychiatrie, Psychotherapi e und Psychoanalyse, sowie von med. pract. I.____, Arbeitsmedizin, und Prof. Dr. med. J.____, FMH Medizinische Onkologie und Allgemeine Innere Medizin, indem ausdrücklich darau f hingewiesen wurde, dass in rheu- matologischer Sicht von einer somatisch verbesserten Gesundheitssituation auszugehen sei. 8. Die Versicherte führt weiter an, dass anlässlich des Ve rlaufsgutachtens vom 31. De- zember 2011 zu Unrecht auf eine erneute rheumatologisch e Untersuchung verzichtet worden sei. Aus dem Verlaufsgutachten vom 31. Dezember 2011 geht he rvor, dass von einer weiteren rheumatologischen Begutachtung abgesehen wurde, da ei ne Verschlechterung im Bereich des Bewegungsapparates seit der vergangenen Begutachtung von der Versicherten explizit verneint wurde. Diese Vorgehensweise ist nicht zu beanstanden. Auch eine orthopädische Untersu- chung drängte sich nicht auf. Aus dem Gutachten der K._ ___ vom 4. Oktober 2004 ergibt sich, dass die Weichteilsituation und damit eine typische rh eumatologische Problematik im Vorder- grund gestanden ist. Die diesbezügliche Rüge erweist sich somit als unbegründet. 9. Weiter macht die Versicherte geltend, dass aus pneumo logischer Sicht Restbeschwer- den bestünden, die die Arbeitsfähigkeit zusätzlich einschränkten. 9.1 Im Rahmen des Verlaufsgutachtens vom 31. Dezember 2011 diagnostizierte Dr. med. K.____, FMH Allgemeine und Innere Medizin, einen Sta tus nach narbiger Stenose des Hauptbronchus rechts mit Sleeve-Resektion am 8. Dezemb er 2011 bei Status nach anaplasti- schem grosszelligem T-Zell-Lymphom sowie einen Verdacht auf Schlafapnoe-Syndrom. Lun- genfunktionell liege aktuell ein normaler Befund vor. Am 6. April 2011 sei eine Bronchoskopie durchgeführt worden, welche eine relevante Restenosierun g nicht nachgewiesen habe, sodass Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Moment kein Verdacht auf ein erneutes Rezidiv der Bronchialstenose bestehe. Auch im kon- ventionellen Thoraxröntgen vom 11. August 2011 fände sich keine pulmonale Pathologie. Aus rein pneumologischer Sicht sei die Versicherte unter Ber ücksichtigung der eingeschränkten Leistungsfähigkeit in der Spiroergometrie trotz und wegen des poor efforts zumindest für leichte Tätigkeiten (sitzende Tätigkeit ohne Kraftaufwand) in staub- und allergiefreier Umgebung ar- beitsfähig. In der Lungenfunktionsprüfung zeige sich led iglich eine leichte Einschränkung der Diffusionskapazität ohne obstruktive oder restriktive Ventila tionsstörung. Damit könne der gute Operationserfolg bestätigt werden. In der Spiroergometrie (Leistungstest) zeige sich eine mittel- schwer eingeschränkte Leistungsfähigkeit, ohne dass diese r Befund krankheitsbedingt erklärt werden könne. Das Ergebnis sei im Rahmen einer unzureic henden Compliance der Versicher- ten zu sehen. Zusätzlich sei von einer Dekonditionierung und einem Einfluss der Adipositas auszugehen. 9.2 Es trifft zu, dass Dr. med. L.____, FMH Pneumologi e, aufgrund der Lungenfunktionsprü- fung vom 7. November 2011 eine mittelschwere obstruktive Ventilationsstörung ohne Reversibi- lität und eine vermehrte Anstrengungsdyspnoe feststell te (vgl. Bericht vom 16. November 2011). Dr. K.____ führte in Kenntnis des Berichts von Dr . L.____ eine erneute Lungenfunkti- onsprüfung durch und kam zum abweichenden Ergebnis, dass aktuell ein normaler Befund vor- liege. Da dem Gutachten volle Beweiskraft zukommt, kann auf die neuesten Testergebnisse abgestellt werden. Zudem decken sich diese Ergebnisse mit d en Ausführungen von Dr. med. M.____ von der Klinik N.____, dass ab 22. Januar 2011 au s pneumologischer Sicht keine kör- perlichen Einschränkungen bestehen würden und die Versicherte voll arbeitsfähig sei. Dagegen stellte Dr. K.____ eine mittelschwer eingeschränkte Leist ungsfähigkeit aufgrund der Spiroergo- metrie fest. Ursächlich dafür sind jedoch nicht pneumolo gische Gründe, sondern die Dekonditi- onierung und das Übergewicht der Versicherten. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit attestierte sie der Versicherten in Berücksichtigung dieser Situation auch nur leichte Tätigkeiten ohne Kraftan- strengung. Das Arbeitsprofil deckt sich demnach mit der Leistungsfähigkeit. 9.3. Im Ergebnis ist die IV-Stelle zu Recht gestützt au f das Verlaufsgutachten vom 31. De- zember 2011 von einer wesentlichen Verbesserung der Gesu ndheitssituation seit der letzten Verfügung ausgegangen. Die gestellten Diagnosen "statu s nach narbiger Stenose des Hauptbronchus rechts mit Sleeve-Resektion des Hauptbronc hus rechts am 8. Dezember 2011 bei Status nach anaplastischem grosszelligem T-Zell-Lymph om, depressive Störung, gegen- wärtig remittiert, anhaltende somatoforme Schmerzstör ung, Diabetes mellitus, Vitamin D Man- gel, Anämie, Adipositas sowie Verdacht auf Schlafapnoe -Syndrom" haben keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Berücksichtigt werden muss dagegen d ie Einschränkung aus rheumatolo- gischer Sicht gemäss Gutachten vom 31. Dezember 2009. Die V ersicherte ist für körperlich leichte Tätigkeiten im Umfang von 80% arbeitsfähig. Un günstig sind häufig überkopf oder ge- bückt zu verrichtende Arbeiten, weiterhin sind repetitives Heben, Stossen oder Ziehen von Las- ten von mehr als 2-3 kg, repetitive greifende Bewegun gen sowie ausgeprägte feinmotorische Tätigkeitsanteile und wiederholtes Treppensteigen zu vermeiden. Aufgrund des Diabetes melli- tus sollten ebenfalls keine Arbeiten mit regelmässiger Na chtschicht ausgeübt werden. Diese Zumutbarkeitsbeurteilung gilt ab 22. Januar 2011. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. Gemäss dem von der Vorinstanz getätigtem Einkommensver gleich resultiert ein ren- tenausschliessender IV-Grad von 28%. Da die Bemessung de s Valideneinkommens und die Ermittlung des Invalideneinkommens anhand der Tabellen löhne der Schweizerischen Lohn- strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik nicht bean standet werden, besteht kein Anlass für eine nähere Prüfung von Amtes wegen (BGE 125 V 41 3 E. 1b und 2c). Einzig in Bezug auf die Gewährung eines leidensbedingten Abzugs vom Invalid eneinkommen beantragte der Rechtsvertreter, dass die gesundheitsbedingten Einschränk ungen angemessen zu berücksich- tigen seien. Ein Abzug vom statistischen Lohn ist unter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (vgl. BGE 126 V 80 E. 5b). Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dan n erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts- punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer der genannten Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsf ähigkeit auf dem allgemeinen Arbeits- markt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Die Versicherte ist ohne Frage in der Ausübung einer T ätigkeit behinderungsbedingt einge- schränkt und hat einen erhöhten Pausenbedarf, weshalb e in diesbezüglicher leidensbedingter Abzug vorzunehmen ist. Dagegen rechtfertigt sich weder ein Abzug für Teilzeitarbeit noch we- gen ihrer Nationalität oder ihres Alters. Unter diesen Umständen bewegt sich der Abzug von 15%, wie er von der IV-Stelle berücksichtigt worden ist, bereits an der oberen Grenze. 11.1 Gemäss Urteil des Bundesgerichts vom 10. September 2 010, 9C_163/2009 (SVR 2011 IV Nr. 30 S. 86) setzt eine rentenbestimmende Invalidi tätsbemessung auch im Revisionsfall voraus, dass angezeigte Eingliederungsmassnahmen durchg eführt worden sind. Dementspre- chend muss der Eingliederungsbedarf im Falle einer Revision in gleicher Weise wie im Rahmen einer erstmaligen Invaliditätsbemessung abgeklärt werde n. Wie das Bundesgericht in einem neueren Urteil erkannt hat, ist diese Praxis jedoch au f Sachverhalte zu beschränken, in denen die Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente ein e versicherte Person betrifft, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente mehr als 15 Jahre bezogen hat (Urteil des Bundes- gerichts vom 26. April 2011, 9C_228/2010, E. 3.4). 11.2 Die Verwaltung muss sich nach dem Gesagten vor der Herabsetzung oder Aufhebung einer IV-Rente grundsätzlich vergewissern, ob Eingliederungsmassnahmen angezeigt sind oder die versicherte Person auf den Weg der Selbsteinglieder ung verwiesen werden kann. Da die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Revisionsverfügung über 55-jährig war, zählt sie zur Gruppe der Versicherten, bei welchen Massnahmen zu prüf en wären. Dies hat die IV-Stelle versäumt. Wie aus dem Gutachten vom 31. Dezember 2009 u nd dem Verlaufsgutachten vom 31. Dezember 2011 hervorgeht, hat die Versicherte jedo ch mehrmals betont, keiner Tätigkeit mehr nachgehen zu können. Auf die Zukunftsvorstellung a ngesprochen, erklärte sie, dass es mit der Rente so weiter gehen solle wie bisher. Sie könne sich unter keinen Umständen vorstel- len, erneut berufstätig zu werden. Dr. C.____ spricht vo n einer ausgeprägten Krankheits- und Behinderungsüberzeugung. Aufgrund dieser Umstände schei nen Eingliederungsmassnahmen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht von vorne herein als aussichtslos, weshalb hier von einer w eiteren Prüfung solcher abgesehen werden kann. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2'645.-- (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Gerichts- kasse ausgerichtet. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Sozialversicherungen Präsident Gerichtsschreiberin Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht