B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6016/2012 D-6013/2012 U r t e i l v o m 6. D e z e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter Walter Lang; Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren (…), und dessen Sohn B._______, geboren (…), Sri Lanka, beide vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügungen des BFM vom 18. Oktober 2012 / N (…). D-6016/2012, D-6013/2012 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführer am 2. Juni 2009 (Vater) beziehungsweise 20. Juli 2009 (Sohn) in der Schweiz um Asyl nachsuchten, dass das BFM mit separaten Ver fügungen vom 18. Oktober 2012 (wobei es in der den Vater betreffenden Verfügung fälschlicherweise auch den mittlerweile volljährig gewordenen Sohn im Rubrum aufführte) feststellte, dass die Beschwerdeführe r die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten, die Asylgesuche ablehnte und die Wegwe isung der Beschwerde führer aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisungen anordnete, dass die Beschwerdeführer mit separaten Eingaben vom 19. November 2012 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben, worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügungen wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs und um Rückweisung an das BFM zur richtigen Fest- stellung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung, eventualiter um Au f- hebung der vorinstanzlichen Verfügungen und um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführer und um Gewährung des Asyls, subeventualiter um Aufhebung der Dispositivziffern 4 und 5 der vo- rinstanzlichen Verfügungen und um Feststellung der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisungen, ersucht wurde, dass die Beschwerdeführer unter anderem geltend machten, sie hätten anlässlich der Anhörung des Sohnes vo m 7. April 2010 mit der Geburts- urkunde und dem Todesschein des (Verwandten) respektive (Verwan d- ten) zwei Beweismit tel eingereicht, die das fluchtauslösende Ereignis – die Tötung des (Verwandten)/(Verwandten) am (…) – belegen würden, dass das BFM die betreffenden Beweismittel jedoch nicht in den Akte n- verzeichnissen aufgeführt und sich nicht dazu geäussert habe, und in die es trotz der Akteneinsichtsgesuche vom 9. November 2012 auch keine Einsicht gewährt habe, dass der Beschwerdeführer 1 zudem im Rahmen seiner Anhörung vom 25. Juni 2009 auf physische und psychische Folgen erlittener Folter (…) hingewiesen und der anwesende Hilfswerksvertreter eine psychiatrische Abklärung angeregt habe, das BFM jedoch weder Abklärungen getätigt noch sich in der angefochtenen Ver fügung zu den diesbezüglichen Vo r- bringen geäussert habe, dass der Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung en vom 26. November 2012 feststellte, dass die Beschwerdeführer den Ausgang der Verfahren D-6016/2012, D-6013/2012 Seite 3 in der Schweiz abwarten können, und die Koordination der beiden Be- schwerdeverfahren D-6013/2012 (Sohn) und D-6016/2012 (Vater) in Aus- sicht stellte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfa h- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, ausser – was in den vorliegenden Fällen nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [ AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31 – 33 des Verwa l- tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass die Beschwerdeführer an den Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen haben, durch die angefochtenen Verfügungen besonders b e- rührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezi e- hungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwe r- den legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichten Beschwerden ein- zutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG), dass es sich bei den Beschwerdeführer n um Familienmitglieder handel t, die im Wesentlichen denselben fluchtauslösenden Sachverhalt geltend machen und gleiche Beschwerdebegehren vorbringen, weshalb sich die gemeinsame Behandlung in einem Beschwerdeentscheid rechtfertigt, dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, D-6016/2012, D-6013/2012 Seite 4 wie nachfolgend aufgezeigt, um solche handelt, weshalb der Beschwe r- deentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ve r- zichtet wurde, dass im Asylverfahren – wie im übrigen Verw altungsverfahren – der Un- tersuchungsgrundsatz gilt, dass die Behörde demnach verpflichtet ist, von Amtes wegen für die ric h- tige und vollständige Abklärung de s rechtserheblichen Sachverhalt s zu sorgen (Art. 12 VwVG) und es ihr im Rahmen des rechtlichen Gehörs ob- liegt (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidg e- nossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG), die Vorbringen eines Gesuchstellers entgegen zu ne h- men, diese auch wirklich zu hören, sorgfältig zu prüfen und in der En t- scheidfindung zu berücksichtigen, wobei die Begründung des Entscheids so abgefasst sein muss, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachg e- recht anfechten kann (vgl. BVGE 2008/47 mit weiteren Hinweisen), dass festzustellen ist, dass die angefochtenen Verfügungen diesen Krite- rien nicht gerecht werden, dass die Beschwerdeführer am 7. April 2010 zum Nachweis ihrer Vorbrin- gen zwei Dokumente einreichten, bei denen es sich um die Geburtsu r- kunde und den Todesschein des (Verwandten) beziehu ngsweise (Ve r- wandten) handle, dessen Tötung am (…) zu ihrer Flucht vom C._______ in das D._______ geführt habe (vgl. vorinstanzliche Akten des Sohnes A25 F121), dass das BFM die von d en Beschwerdeführern eingereichten Beweisdo- kumente, die es nicht übersetzen liess, nicht in den Aktenverzeichnissen aufführte, diese in den angefochtenen Verfügungen mit keinem Wort er- wähnte und sich nicht mit diesen auseinandersetzte, sondern die Dok u- mente lediglich in der Hülle des N-Dossiers ablegte, dass sich das BFM auch nicht zu den vom Beschwerdeführer 1 anlässlich der Anhörung vom 25. Juni 2009 geltend gemachten physischen und psychischen Beeinträchtigungen (vgl. vorinstanzliche Akten des Vaters A8 F13/F91/F98/F112 und Anhang) äusserte und keine diesbezüglichen Ab- klärungen aktenkundig sind, D-6016/2012, D-6013/2012 Seite 5 dass das BFM damit die rechtserheblichen Sachverhalt e unvollständig erhoben und die Begründungspflicht und damit den Anspruch der B e- schwerdeführer auf rechtliches Gehör verletzt hat, dass der Anspruch auf rechtliches Gehör formeller Natur ist und eine Ver- letzung desselben grundsätzlich zur Aufhebung des daraufhin ergang e- nen Entscheides führt (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4. S. 676), dass eine Heilung einer Gehörsverletzung nur ausnahmsweise und unter bestimmten Voraussetzungen stattfinden kann, mithin nur dann, wenn die Gehörsverletzung nicht schwerwiegender Natur ist (vgl. BVGE 2008/47 a.a.O.), dass vorliegend eine Hei lung nicht in Betracht kommt, zumal es nicht Sinn und Zweck des Beschwerdeverfahrens vor dem Bundesverwa l- tungsgericht ist, den Sachverhalt rechtsgenüglich festzustellen, dass darüber hinaus von Amtes wegen festzustellen ist, dass dem zum Zeitpunkt seiner Anhörung vom 7. April 2010 noch minderjährigen B e- schwerdeführer 2 keine Vertrauensperson beigegeben und diese Ta tsa- che vom BFM schriftlich fest gehalten wurde (vgl. vorinstanzliche Akten des Sohnes A24), dass die Beschwerden demnach gutzuheissen sind, soweit darin die Au f- hebung der angefochtenen Verfügungen und die Rückweisung beantragt wird, und die Verfahren zur vollständigen Feststellung der rechtserhebli- chen Sachverhalte und zur Neubeurte ilung an das BFM zurück zuweisen sind, dass es sich damit erübrigt, auf die weiteren Beschwerdevorbringen n ä- her einzugehen, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahre nskosten zu er- heben sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG), dass den anwaltlich vertretenen Beschwerdeführern in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für die ihnen in den B e- schwerdeverfahren erwachsenen Vertretungskosten zuzus prechen ist (Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [V GKE, SR 173.320.2]), D-6016/2012, D-6013/2012 Seite 6 dass der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer in den Eingaben vom 19. November 2012 – wie regelmässig in seinen Rechtsmittelschriften an das Bundesverwaltungsgericht – beantragte, es sei ihm im Gutheissungs- fall eine Frist zur Einreichung von Kostennoten zu setzen, dass das Bundesverwaltungsgericht den Rechtsvertreter indes bereits in diversen anderen Beschwerdeverfahren (vgl. etwa Verfügung vom […] im Verfahren […]) darauf aufmerksam gemacht hat, dass Kostennoten u n- aufgefordert und rechtzeitig einzureichen sind, dass demnach der notwendige Vert retungsaufwand aufgrund der Akten zu schätzen und unter Berücksic htigung der massgeblichen Beme s- sungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) sowie der Tatsache, dass die beiden B e- schwerdeeingaben vom 19. November 2012 teils identische Passagen enthalten, auf insgesamt Fr. 1200.– (inklusive Auslagen und M ehr- wertsteuer) festzusetzen ist. (Dispositiv nächste Seite) D-6016/2012, D-6013/2012 Seite 7 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerden werden gutgeheissen, soweit die Aufhebung der vor - instanzlichen Verfügungen und die Rückweisung beantragt wird. 2. Die Verfügungen des BFM vom 18. Oktober 2012 werden aufgehoben und die Verfahren im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführern für die Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1200.– zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand: