Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Mai 2019 (720 19 37 / 127) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte, Einkommensvergleich Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Markus Trottmann, Advo- kat, Eisengasse 5, 4051 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1982 geborene A.____ gelernter Carrosseriespen gler, war zuletzt vom 1. April 2007 bis 31. Mai 2010 bei der B.____AG als Hilfsarbeiter angestellt. Am 20. Dezember 2010 meldete er sich unter Hinweis auf Tuberkulose bei der Eidgenössisc hen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-St elle) klärte in der Folge die gesund- heitlichen und erwerblichen Verhältnisse ab und liess A. ____ von Dr. med. C.____, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie, begutachten (Expertise vom 4. Dezember 2012). Gestützt auf die daraus gewonnenen Erkenntnisse stellte sie fest, dass die Arbeitsunfähigkeit vor allem durch Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Abhängigkeitsverhalten begründet sei und somit keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege. In der Folge verneinte sie mit Verfügung vo m 15. April 2013 einen Anspruch von A.____ auf eine Rente. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. A.2 Vom 2. Mai 2012 bis 28. November 2014 arbeitete A .____ bei der D.____GmbH und nach deren Konkurs bei der E.____GmbH als Kurierfahre r. Am 13. Juli 2017 meldete sich A.____ unter Hinweis auf Ängste, Depressionen, Niederge schlagenheit und eine Sozialphobie erneut zum Leistungsbezug an. Nachdem die IV-Stelle die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, wobei sie A.____ von Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten liess (Expertise vom 18. Apri l 2018), ermittelte sie einen IV-Grad von 20 %, worauf sie nach durchgeführtem Vorbescheidverf ahren mit Verfügung vom 21. De- zember 2018 einen Rentenanspruch von A.____ abermals abwies. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Mar kus Trottmann, am 1. Februar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die V erfügung vom 21. Dezember 2018 auf- zuheben und die Beschwerdegegnerin sei unter o/e-Kostenf olge zu verpflichten, die gesetzli- chen Leistungen, mindestens jedoch eine Viertelsrente, zu erbringen. Eventualiter sei die ange- fochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit se i zwecks weiterer Abklärungen nach Massgabe der Vorgaben des Kantonsgerichts an die Beschwerd egegnerin zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Verbeiständung mit Advokat Markus Trottmann als Rechtsvertreter. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass die Verf ügung vom 21. Dezember 2018 auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe und zud em der Einkommensvergleich nicht zutreffend durchgeführt worden sei. C. Mit Verfügung vom 6. Februar 2019 wurde dem Beschw erdeführer für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advo- kat Markus Trottmann als Rechtsvertreter bewilligt. D. Am 7. Februar 2019 reichte der Beschwerdeführer ei nen Nachtrag/Noven zur Be- schwerde vom 1. Februar 2019 und das Wiedererwägungsg esuch an die Beschwerdegegnerin vom 4. Februar 2019 betreffend die Verfügung vom 15. April 2103 zu den Akten. E. In ihrer Vernehmlassung vom 25. März 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes übe r die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 1. Februar 2019 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Be schwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 21. Dezember 2018 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län- gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfäh igkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzug eltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstä nden kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundes- gericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturier- ten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatore n, die – unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerse its und von Kompensationspotentia- len (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich e rreichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gel ingt, auf objektivierter Beurteilungs- grundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeit s- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente , wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, d as die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invalidit ätsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 3.5 Auf ein Revisionsgesuch oder eine Neuanmeldung nach rechtskräftiger Verneinung ei- nes Rentenanspruchs hat die Verwaltung nur einzutreten , wenn die versicherte Person glaub- haft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise ge- ändert hat (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die I nvalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der An- spruch auf eine Invalidenrente (oder deren Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend ge- machten Umstände als richtig erweisen sollten (SVR 2014 IV Nr. 33 E. 2). Tritt die Verwaltung auf ein Revisionsgesuch oder eine Neuanmeldung ein, so h at sie die Sache materiell abzuklä- ren und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Verände- rung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist (SVR 2011 IV Nr. 2 E. 3.2; BGE 117 V 198 E. 4b). Stellt sie fest, dass der Invalid itätsgrad seit Erlass der früheren rechts- kräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andern- falls hat sie zu prüfen, ob die festgestellte Veränder ung genügt, um nunmehr eine rentenbe- gründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschl iessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (SV R 2008 IV Nr. 35 E. 2.1; BGE 117 V 198 E. 3a). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwalt ungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach- )Arztes einerseits und von Begutach- tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/ 00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administra- tiv- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen un d zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautende n Einschätzungen gelangen. Vorbe- halten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behan- delnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver är ztlicher Interpretation entspringende – As- pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkan nt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falles liegen za hlreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, wel che sich für den vorliegenden Ent- scheid als zentral erweisen. 6.2 In der Verfügung vom 15. April 2013, mit welcher ein Rentenanspruch des Beschwerde- führers abgewiesen wurde, stützte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszu- stands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf das G utachten von Dr. C.____ vom 4. Dezember 2012. Demnach bestünden eine Störung du rch Cannabinoide (ICD-10 F12.2), eine Dysthymie (ICD-10 F34.1), akzentuierte Persönlichkei tszüge (ICD-10 Z73.1) und ein ste- reotyper Konsum von PC-Spielen (ICD-10 Z72.6). Beim V ersicherten würden sich eine abge- flachte, bedrückte Stimmungslage, ein passives Gesprächsverh alten und eine Erwartungshal- tung zeigen. Die Ausführungen hinsichtlich der eigenen Situation seien blass, eher unverbind- lich und unbestimmt. Trotz der Stimmungsschwankungen mi t depressiver Auslenkung komme der Versicherte mit den wesentlichen Anforderungen seine s Alltags zurecht. Er verbringe den Tag mit Computerspielen, schaue Filme und treffe sich regelmässig mit seinem Freundeskreis. Aktuell würden sich keine Anhaltspunkte für eine deutlich depressive Störung zeigen. Die psy- chiatrische Behandlung sei eingestellt worden. Offenbar empfinde der Versicherte eine gewisse innere Leere, was die Neigung zu THC erklären dürfte, da er damit eine Intensivierung seines Gefühlslebens erzielen könne. Die eigenen Ressourcen seie n etwas unklar. Der Versicherte zeige eine hohe Passivität und lasse die Dinge auf sich zu kommen, statt sie aktiv zu gestalten. Seine Persönlichkeit sei offenbar seit der Kindheit ehe r introvertiert-asthenisch ausgelegt. Ak- zentuierte Persönlichkeitszüge mit teils passiven und teils vermeidenden Zügen seien vorhan- den. Eine Persönlichkeitsstörung liege indes nicht vor. D er Versicherte zeige zwar seit Kindheit eine eher zur Passivität und Vermeidung neigende Persönl ichkeit. Diese Merkmale seien aber nicht so stark ausgeprägt, dass sie eine berufliche Ausbild ung und/oder eine spätere Tätigkeit während gut 10 Jahren verhindert hätten. Zudem sei ke ine spezifische Therapie eingeleitet worden. Beim Versicherten würde durch den langjährigen Cannabiskonsum ein amotivationales Syndrom vorliegen, welches aber von einer eigentlichen depressiven Störung zu unterscheiden sei. Dieses umfasse eine Lethargie in der Bewältigung von Alltagsaufgaben und sozialen Ver- pflichtungen, eine Einengung der kulturellen Interesse n und sozialen Kontakte, geringere Sorg- faltsleistungen und eine Verflachung der Affekte. Die bisherige Tätigkeit im erlernten Beruf oder in einer alternativen Tätigkeit sei aber uneingeschrä nkt zumutbar. Ein Cannabisentzug würde die Leistungsfähigkeit des Versicherten erhöhen. Nach A ngaben des Versicherten habe er selbstständig einen Entzug durchgeführt. Die Urinprobe mit Drogenscreening vom 29. Novem- ber 2012 weise indes einen positiven Befund auf Cannab is auf. Zufolge der Arbeitspause sei ein „langsamer“ Einstieg mit zunächst 50 % während zwei bis drei Monaten zu empfehlen. 6.3 Nachdem sich der Versicherte am 13. Juli 2017 erneu t zum Leistungsbezug angemeldet hatte, hielt der behandelnde Arzt Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, am Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 26. September 2017 fest, dass er den Versicherten von N ovember 2010 bis August 2012 be- gleitet habe. Die Therapie sei am 23. August 2016 wi eder aufgenommen worden. Seither wür- den sich Symptome aus dem schizophrenen Formenkreis zeigen. Der Versicherte berichte von fremden Stimmen, welche ihn zu aggressiven Handlungen drängen würden. Die Behandlung mit Seroquel habe eine gewisse Besserung gebracht; die Fortführung der Therapie sei erforder- lich. 6.4 Am 17. Januar 2018 diagnostizierte Dr. G.____ mi t Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Erkrankung aus den schizophrenen Formenkreis (ICD-10 F20). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünde ein Status nach einem aktiven TBC und THC Konsum. Der Versicher- te sei der Auffassung, seine Gedanken laut hören zu können. Es bestünde ein sozialer Rückzug und Angst, sich aggressiv zu verhalten. Das Verlassen der Wohnung bereite ihm Mühe. Es be- stünde seit Jahren eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die Prognose sei schlecht. 6.5 In der Folge beauftragte die IV-Stelle Dr. F.__ __ mit einem Gutachten. Am 18. April 2018 hielt er fest, dass sich beim Versicherten insofern pa ranoide Tendenzen gezeigt hätten, als er während der Untersuchung zunehmend misstrauisch u nd aggressiv geworden sei. Das Aggressionsniveau habe gegen Ende der Untersuchung zu einem Zittern im Körper geführt. Die paranoiden Tendenzen seien in der Besprechung der Inko nsistenzen bezüglich der Arbeitsfä- higkeit ausgelöst worden. Der Versicherte habe immer wi eder leer, affektiv labil, gelegentlich ruhig, dann wieder verzweifelt, wütend und ratlos gew irkt. Es würde sich Scham in Bezug auf die bestehenden Insuffizienzgefühle zeigen. Im Mittelpunkt stünde die Angst vor Ablehnung. Es sei ein schizoider Rückzug mit ängstlich vermeidenden Tende nzen feststellbar. Die anamnesti- schen und die Untersuchungsbefunde seien vereinbar mit ei ner kombinierten Persönlichkeits- störung mit paranoiden, schizoiden und emotional instabilen und ängstlich vermeidenden Antei- len (ICD-10 F61.0). Differentialdiagnostisch sei eine paranoide Schizophrenie zu erwähnen. Eine Wahnbildung resp. akustische oder andere Halluzinat ionen seien jedoch nicht festzustel- len. Bei den angegebenen Stimmen handle es sich eher um intrapsychische Konflikte zwischen Iibidinösen und destruktiven Trieben. Ein bizarrer Wahn , ein Gedankenabreissen, Einschiebun- gen in den Gedankenfluss, Neologismen oder katatone Sym ptome bestünden nicht. Eine Schi- zophrenie könne nicht diagnostiziert werden, different ialdiagnostisch müsse sie aber im Auge behalten werden. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig keit bestünden anamnestisch ein de- primierter, hoffnungsloser Affekt, Verzweiflung, Lustlo sigkeit, Ängstlichkeit, Insuffizienzgefühle, Freudlosigkeit, negative pessimistische Zukunftsgedanken, M üdigkeit, Kraftlosigkeit, ein sozia- ler Rückzug sowie Ein- und Durchschlafstörungen. Die Befu nde seien vereinbar mit der Diag- nose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwä rtig leichtgradige depressive Episode (ICD-10 F33.0), mit vorgängigen mittel- und schwergra digen depressiven Episoden. Zudem sei ein Cannabinoide-Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.20; anamnestisch abstinent seit 2011) festzustellen. Laboruntersuchungen seien nicht durchgefüh rt worden. Die Untersuchungser- gebnisse seien – abgesehen von der Selbstbeurteilung der Arbeitsfähigkeit – valide und nach- vollziehbar. Der Versicherte habe ein teilweise intaktes s oziales Umfeld, Kontakt zu seiner Fa- milie und zu zwei Kollegen, die er regelmässig treffe. Zudem habe er verschiedene Interessen, insbesondere an Computerspielen, TV-Sendungen und Scien ce-Fiction Romanen. Die Alltags- arbeiten könne er gut bewältigen und die Therapieadh ärenz sei gut. Die Motivation sei, insbe- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sondere auf dem Boden der Angst, an einem neuen Arbei tsplatz erneut zu scheitern, einge- schränkt. Gemäss Mini-ICF-APP Rating seien die Fähigkeit en zur Anpassung an Regeln, zur Selbstpflege und zur Teilnahme am Verkehr intakt. Die Fähigkeiten zur Planung und Strukturie- rung von Aufgaben, zur Flexibilität, zur Umstellung, zur Anwendung fachlicher Kompetenzen, Entscheidungen und Urteile zu fällen, durchzuhalten, sich selbst zu behaupten, Kontakte zu Dritten zu pflegen, zur Gruppenfähigkeit und die Fähi gkeit zu Spontanaktivitäten schwankend, mit Einschränkungen zwischen leicht- bis schwergradig. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei dem Versicherten 7 Stunden pro Tag (80 % bei einer Leistungsfähigkeit von 100 %) möglich. In einer optimal angepassten Tätigkeit (wohlwollende, konflikta rme und entspannte Arbeitsatmosphäre ohne permanenten Zeit- und Termindruck und mit gerin gem Publikumsverkehr) betrage die Ar- beitsfähigkeit bei einer maximalen Präsenz von 6-7 Stun den pro Tag 70 %-80 %. Der Arbeits- platz bei der E.____GmbH sei optimal, aber offenbar nicht ausbaufähig. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich in der Verfügung vom 21 . Dezember 2018 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Versi cherten vollumfänglich auf die Er- gebnisse im Gutachten von Dr. F.____ vom 18. April 201 8. Sie ging davon aus, dass der Be- schwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit im Umfan g von 80 % arbeitsfähig sei. Wie in Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, prüft das Gericht fre i, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ge statten. Hinsichtlich des Beweis- werts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob diese r für die streitigen Belange umfas- send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in Ke nntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ei nleuchtet und seine Schlussfolge- rungen begründet sind. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Gutachten von Dr. F.____ vom 18. April 2018 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutac hten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsicht erfüllt. So weist es weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.3 hiervor) – umfassend und beruht auf einer persönlichen Untersuchung. Aufgrund der Tatsache, dass der Versicherte im Rahmen der Begutachtung durch Dr. C.____ – entgegen der anamnestisch erhobenen Drogenabstinenz – positiv auf Cann abis getestet wurde und Dr. F.____ keine Laboruntersuchung durchführen liess, ist zwar nicht abschliessend geklärt, ob der Versicherte sein Suchtverhalten definitiv geändert hat. Dies vermag die Aussagekraft des Gutachtens aber nicht zu mindern, da die Beurteilung der Leistungsfähigkeit unter der Annahme einer vollständig remittierten Suchtproblematik verstand en werden kann. Demnach ist davon auszugehen, dass sich die Arbeitsfähigkeit des Versichert en seit der letzten Begutachtung durch Dr. C.____ im Jahr 2012 massgeblich verändert hat und nunmehr in der vom Gutachter festgelegten Höhe von 70 %-80 % bewegt. Die entspreche nden, in Erwägung 6.5 wiedergege- benen Darlegungen im Gutachten vom 18. April 2018 ve rmögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. 7.2 Die Vorbringen des Beschwerdeführers sind nicht geei gnet, dieses Beweisergebnis in Frage zu stellen. Er macht zunächst geltend, dass die bei ihm festgestellten Krankheitsbilder (Persönlichkeitsstörung, depressive Störung) nicht voneinande r getrennt betrachtet werden könnten. Zudem sei nicht nachvollziehbar, weshalb eine schubweise depressive Störung, wel- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht che auch schwergradige Episoden erreiche, ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sein soll. Dem ist vorab entgegenzuhalten, dass keine medizinischen U nterlagen vorliegen, die Zweifel an der Beurteilung des psychiatrischen Experten wecken w ürden. Auch der behandelnde Arzt Dr. G.____ bringt in seinen Berichten vom 13. Juli 2 017 und 17. Januar 2018 keine Gesichts- punkte vor, die im Rahmen der psychiatrischen Begutachtun g nicht beachtet worden wären. Vielmehr differenziert Dr. F.____ unter Berücksichtigung der Berichte des behandelnden Arztes zwischen den subjektiv empfundenen Beschwerden, den Angaben des Beschwerdeführers und den objektiv feststellbaren Befunden. Er kam aufgrund der bisher durchgeführten Abklärungen und vorliegenden Berichte sowie seiner Erkenntnisse aus de r klinischen Untersuchung zum überzeugenden Schluss, dass die depressive Störung derzeit keinen Einfluss auf die Arbeitsfä- higkeit hat. An der Schlüssigkeit des Gutachtens ändert auch nichts, dass Dr. F.____ die Aktivi- tät im Bereich Computerspiele und TV-Konsum in einem gewissen Mass als Ressourcen sieht. Dem Beschwerdeführer ist zwar insofern beizupflichten, al s ein Suchtverhalten in Bezug auf Computerspiele wohl eher nicht zu den Ressourcen zu zählen ist. Aufgrund der nicht besonders stark ausgeprägten Persönlichkeitsstörung und der Tatsache , dass der Beschwerdeführer ge- mäss den Angaben im Gutachten die Alltagsarbeiten recht gut bewältigen kann, sind indes zweifellos Ressourcen vorhanden. Es bestehen deshalb kei ne hinreichenden Gründe, um von der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit a bzuweichen. Schliesslich ist auch die Rüge, wonach die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit wi dersprüchlich sei, nicht stichhaltig. Selbst wenn angesichts der angegebenen Spannbreite (70 % - 8 0 %) die massgebende Arbeitsfähig- keit in einer angepassten Erwerbstätigkeit rechtsprechungsgemäss auf den Mittelwert von 75 % festzulegen ist (vgl. die in BGE 137 V 71 nicht publizie rte E. 4.2 von Urteil des Bundesgerichts vom 12. April 2011, 9C_280/2010, mit Hinweisen), reicht dies zur Begründung eines Rentenan- spruchs nicht aus, wie nachfolgend darzulegen ist. Insgesamt lässt das Gutachten von Dr. F.____ eine zuverlässige Beurteilung der verbleiben den Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf die beantragte zusätzliche Abklärung verzichtet werden kann. 8.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ver- sicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dabei ist in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des fr ühestmöglichen Rentenbeginns abzu- stellen (vgl. BGE 129 V 222, 128 V 174), welcher – gem äss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG – auf den 1. Februar 2018 (Neuanmeldung bei der IV-Stelle am 13. Juli 2017) zu liegen kommt. Für den nachfolgend durchzuführenden Einkommensvergleich sind de mnach die in diesem Zeitpunkt gegebenen Einkommensverhältnisse massgebend. 8.2.1 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entsch eidend, was die versicherte Per- son nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlic hkeit im Zeitpunkt des Rentenbe- ginns tatsächlich verdienen würde, wenn sie nicht invali d geworden wäre (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 16. Dezember 2012, 8C_600/2012, E. 4.1 .1). Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Reg el von der Tätigkeit, welche die versi- cherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens ausge übt hat, auszugehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. November 2002, I 491/01, E. 2.3.1). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2.2 Die IV-Stelle stützte sich bei der Bemessung des V alideneinkommens auf die Tabellen- löhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch he rausgegebenen Lohnstrukturerhe- bungen (LSE 2014) und ging davon aus, dass Beschwerdefüh rer ohne Gesundheitsschaden in einer Tätigkeit als Kurierfahrer (TA 1_triage_skill_le vel, Sektor 53) ein Jahreseinkommen von Fr. 67‘160.-- erzielen könnte. Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Stand- punkt, dass er bereits nach Abschluss seiner Lehre zum Carro sseriespengler krankheitsbedingt nicht in der Lage gewesen sei, auf seinem anspruchsvoll en Beruf zu arbeiten, weshalb der Wechsel auf Hilfsarbeiten krankheitsbedingt erfolgt s ei. Aus diesem Grund sei bei der Bemes- sung des Valideneinkommens das theoretische Einkommen eine s Carrosseriespenglers ge- mäss LSE einzusetzen. Wie es sich damit verhält, braucht vor liegend nicht abschliessend ge- klärt zu werden. Selbst wenn den Ausführungen des Beschw erdeführers gefolgt und das Vali- deneinkommen mit Fr. 67‘184.15 (LSE 2014, Privater S ektor, Tabelle TA1_triage_skill_level, Sektor 45-47 [Handel; Instandhaltung und Reparatur von Motorfahrzeugen], Männer, Kompe- tenzniveau 2, durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41, 9 Stunden [BSV Tabelle 03.02.03.01.04.01], Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2018 von 2 % [T1.1.10]) beziffert wür- de, resultiert daraus keine rentenbegründende Invalidität. 8.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist n ach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in we lcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzun ehmen ist, dass sie die ihr verbleiben- de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Sozia llohn, gilt grundsätzlich der tatsäch- lich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkom- men gegeben, namentlich weil die versicherte Person nac h Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue E rwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung die Tabellenlöhne heran gezogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2). 8.3.2 Da der Beschwerdeführer seine Tätigkeit als Kuri er bei der E.____GmbH – obwohl diese Tätigkeit den Einschränkungen des Beschwerdeführers opt imal Rechnung tragen würde – aus wirtschaftlichen Gründen nicht voll ausschöpfen kann, bemi sst sich das Invalideneinkommen nach dem Gesagten aufgrund der LSE-Tabellen. Laut Tabelle TA1 der LSE 2014 belief sich das Total aller Männerlöhne im Kompetenzniveau 1 (einfach e Tätigkeiten körperlicher oder hand- werklicher Art) im Jahre 2014 auf Fr. 5'312.-- (LSE 20 14, Privater Sektor, Tabelle TA1_triage_skill_level, Männer, Kompetenzniveau 1, Zeil e “Total“). Dieser Tabellenlohn beruht auf einer einheitlichen Arbeitszeit von 40 Wochenstunden und ist deshalb auf die durchschnittli- che Wochenarbeitszeit des Jahres 2018 von 41,7 Stunden (BSV Tabelle 03.02.03.01.04.0) um- zurechnen. Unter Berücksichtigung eines zumutbaren Pensum s von 75 % in angepassten Ver- weistätigkeiten und einer Nominallohnentwicklung von 1,8 % (Total) resultiert ein jährliches In- valideneinkommen von Fr. 50‘736.95 (Fr. 5'312.-- x 12 x 41,7 / 40 x 101,8 % x 75 %). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3.3 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage so lcher statistischer Durchschnittswer- te ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert alle nfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versic herte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsscha- dens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt ein satzfähig sind, in der Regel das ent- sprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbei ter nicht erreichen. Der ursprüng- lich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwicke lte sich in der Folge zu einem allge- meinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Rechts prechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Auf enthaltskategorie sowie Beschäftigungs- grad Auswirkungen auf die Höhe des Lohns haben können. Ein Abzug soll aber nicht automa- tisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall A nhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Mer kmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsma rkt nur mit unterdurchschnittlichem Ein- kommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höch stens 25% des Tabellenlohns zu be- grenzen (BGE 134 V 322 E. 5.2; vgl. zum Ganzen auch BGE 126 V 75 E. 5b/bb und cc). 8.3.4 Wie sich aus der massgebenden Zumutbarkeitsbeurtei lung im massgebenden Gutach- ten von Dr. F.____ vom 18. April 2018 ergibt, wurden die gesundheitlichen Beschwerden und die damit verbundene beeinträchtigte Leistungsfähigkeit des Versicherten bereits durch die An- nahme eines reduzierten Arbeitspensums im Umfang von 75 % hinreichend berücksichtigt. Eine zusätzliche Veranschlagung dieser Einschränkungen unter dem Titel des leidensbedingten Ab- zugs im Sinne von BGE 126 V 75 würde zu einer unzulässig en doppelten Anrechnung dessel- ben Faktors führen. Zu beachten ist aber, dass Teilzeitar beit bei Männern statistisch gesehen vergleichsweise weniger gut entlöhnt wird als eine Vol lzeittätigkeit (vgl. dazu SVR 2011 IV Nr. 37 S. 109, 9C_721/2010 E. 4.2 in fine und E. 4.2.2 mit Hinweisen). Schliesslich rechtfertigen die Kriterien Alter, Dienstjahre und Nationalität/Aufenthaltskategorie vorliegend keinen Abzug. 8.4 Selbst wenn in Würdigung sämtlicher Kriterien ei n Abzug vom Tabellenlohn von maximal 10 % (Teilzeitarbeit) zustanden und von einem massgeben den Invalideneinkommen Fr. 45‘663.25 (Fr. 50‘736.95 x 90 %) ausgegangen wür de, liesse sich nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers ableiten: Aus der Gegenüberstellung mit dem Valideneinkommen von Fr. 67‘184.15 resultiert ein rentenausschliessender Inva liditätsgrad von rund 32 % ([Fr. 67‘184.15 - Fr. 45‘663.25] : Fr. 67‘184.15 x 100); vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 ff.). Die angefochtene Verfügung vom 21. Dezember 2018, mit welcher ein Rentenanspruch des Beschwerdeführers abgewiesen wurde, ist im Ergebnis nich t zu beanstanden, weshalb die Be- schwerde abzuweisen ist. Anzumerken bleibt, dass das Wied ererwägungsgesuch des Be- schwerdeführers an die Beschwerdegegnerin vom 4. Februa r 2019 betreffend die Verfügung vom 15. April 2103 nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist, sodass es mit der Ver- neinung eines Rentenanspruchs sein Bewenden hat. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkei ten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ve rfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlege n sind. Da ihm mit Verfügung vom 6. Februar 2019 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde, gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird keine Par teientschädigung ausgerichtet. Da dem Beschwerdeführer ebenfalls mit Verfügung vom 6. Februar 2019 die unentgeltliche Verbei- ständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt wurde, i st dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Rechtsvertreter des Besch werdeführers hat in seiner Ho- norarnote vom 8. Mai 2019 für das vorliegende Verfah ren einen Zeitaufwand von 10 Stunden und 25 Minuten sowie Auslagen von Fr. 89.40 geltend g emacht. Dieser Aufwand ist in Anbe- tracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwä lte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist demnach eine Parteientschädigung i n der Höhe von Fr. 2‘340.05 (10 Stunden und 25 Minuten x Fr. 200.-- + Auslagen vo n Fr. 89.40 inkl. 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘340.05 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse bezahlt. http://www.bl.ch/kantonsgericht