Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 31. März 2022 (720 21 236 / 68) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts / Bemessung des Valideneinkom- mens / Höhe des leidensbedingten Abzugs vom Tabellenlohn Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Heiner Schärrer, Advokat, Grosspeteranlage 29, Postfach, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1964 geborene A.____ war als Inhaber und Geschä ftsführer der B.____ GmbH tätig und in dieser Eigenschaft bei der Schweizersuchen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obli- gatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankh eiten versichert. Am 7. August 2014 zog er sich während der Ferien bei einem Sturz eine Fra ktur des rechten Unterschenkels zu. Nachdem die Suva nach Eingang der Unfallmeldung für d ie Folgen dieses Ereignisses die ge- setzlichen Leistungen in Form von Taggeldern und Heilbeh andlung erbracht hatte, stellte sie Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht diese vorübergehenden Leistungen per Ende September 2 018 ein. Gleichzeitig lehnte sie mit Verfügung vom 7. September 2018 einen Anspruch von A._ ___ auf eine Invalidenrente mit der Begründung ab, es liege rein unfallbedingt keine erhe bliche Erwerbseinbusse (mindestens 10%) vor. Am 3. September 2015 (Eingangsdatum) hatte sich A.____ unter Hinweis auf die Unfallfolgen auch bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zu m Bezug von Leistungen angemel- det. Nach Abklärung der gesundheitlichen und der erwer blichen Verhältnisse sprach die IV- Stelle Basel-Landschaft A.____ mit Verfügung vom 14. F ebruar 2019 für den Zeitraum vom 1. März 2016 bis 31. August 2016 eine ganze Rente und für den Zeitraum vom 1. September 2016 bis 31. August 2017 eine halbe Rente zu. Gleichz eitig lehnte sie einen weiteren Renten- anspruch ab 1. September 2017 ab. Die vom Versicherten, vertreten durch Advokat Dr. Heiner Schärrer, gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde h iess das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 27. September 2019 (Verfahren-Nr. 720 19 76/242) in dem Sinne gut, als es die angefocht ene Verfügung aufhob und die Angele- genheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägunge n und zum Erlass einer neuen Verfü- gung an die IV-Stelle zurückwies. In Nachachtung dieses Urteils liess die Verwaltung A.__ __ bidisziplinär begutachten (Expertise vom 11. August 2020). Auf dieser Grundlage ermittelte die IV-Stelle beim Versicherten folgende Invaliditätsgrade: Ab 7. August 2015 (Ablauf des Wart ejahres): 57 %, ab 24. September 2015: 100 %, ab 6. Oktober 2016: 56 % und ab 15. Januar 2020: 39 %. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle A.____ - nach entsprechender Ankündigung mittels Vorbescheids - mit Ver- fügung vom 29. Juli 2021 für den Zeitraum vom 1. Mä rz 2016 bis 31. Januar 2017 eine ganze Rente und für den Zeitraum vom 1. Februar 2017 bis 30 . April 2020 eine halbe Rente zu. Gleichzeitig lehnte sie einen weiteren Rentenanspruch a b 1. Mai 2020 ab. In Bezug auf den Rentenbeginn hatte die IV-Stelle den Versicherten ber eits in der vorausgegangenen Verfügung vom 14. Februar 2019 darauf hingewiesen, dass der Rent enanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspr uchs entstehe. Seine Anmel- dung sei am 3. September 2015 eingegangen, weshalb d ie ganze Rente erst ab 1. März 2016 ausgerichtet werden könne. Mit einer weiteren Verfügung vom 29. Juli 2021 setzte die IV-Stelle die dem Versicherten für seine Tochter C.____ zustehenden Kinderrenten fest. B. Gegen diese beiden Verfügungen vom 29. Juli 2021 er hob A.____, wiederum vertreten durch Advokat Dr. Heiner Schärrer, am 16. August 202 1 Beschwerde beim Kantonsgericht. Da- rin beantragte er, es seien die angefochtenen Verfügu ngen aufzuheben und es seien ihm und seiner Tochter C.____ (Kinderrente) vom 1. März 2016 b is 31. Juli 2018 eine ganze Rente und ab 1. August 2018 eine halbe Rente auszurichten. Zudem sei ihm bei Obsiegen eine Parteient- schädigung zuzusprechen. Ferner ersuchte der Beschwerdefüh rer um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter. C. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 25. August 2021 die Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Mit Verfügung vom 29. Oktober 2021 bewilligte das Kantonsgericht A.____ gestützt auf die nachgereichten Unterlagen für das vorliegende Be schwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mi t Advokat Dr. Heiner Schärrer als Rechtsvertreter. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die Beschwerde des Versicherten vom 16. August 2021 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19 . Juni 2020 beschlossene Ände- rung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kra ft. Die vorliegend angefochtene Verfü- gung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgeme inen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmun gen des IVG und diejenigen der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (AT SG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendb ar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wie- dergegeben, zitiert und angewendet. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die vo raussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der g esundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2, 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die ander e medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2). Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist demnach entschei- dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntn is der Vorakten (Anamnese) abge- geben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Z usammenhänge und in der Beurteilung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schl ussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4. Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 5.1 In Nachachtung des Rückweisungsentscheids des Kantonsger ichts vom 27. Septem- ber 2019 (Verfahren-Nr. 720 19 76/242) holte die IV -Stelle zur Abklärung des Gesundheitszu- stands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten bei Dr. med. D.____, Fachärztin für Psychiat- rie und Psychotherapie, und Dr. med. E.____, Facharzt f ür Orthopädie, Manuelle Medizin und Chiropathie, das bidisziplinäre (orthopädische/psychiatrisc he) Gutachten vom 11. August 2020 ein. Darin erhoben die Expertin und der Experte folg ende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: (1) Pseudarthrose der Tibia nach (1. 1) distaler Unterschenkelfraktur rechts (Tibiaschaftschrägfraktur und mehrfragmentäre Fibulafra ktur, ICD-10 S82.21) am 07.08.2014 (ICD-10 M84.16), (1.2) Status nach Tibiamarknagelung am 19.08.2014, (1.3) Entfernung proxi- male Schraube am 16.02.2015 und (1.4) Entfernung di stale Schraube am 24.04.2015; (2) OSME Tibianagel am 24.09.2015; (3) Débridement Pate llarsehne, Biopsie intramedullär Tibia rechts und Implantation Gentamycinschwamm am 23.02.2016 nach Kontamination mit Strep- tococcus parasanguinis/Ausschluss Osteomyelitis; (4) Biopsie Tibia rechts und Ostephytabtra- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung distale Fibula rechts bei Verdacht auf Osteomyelit is am 24.01.2017/kein Keimnachweis und (5) chronisches lumbospondylogenes, nicht-radikuläres Schmerzsyndrom bei (5.1) Spon- dylarthrose LWK4/5 links, Osteochondrose BWK12/LWK 1 (I CD-10 M47.16) und (5.2) somati- scher, hypomobiler Dysfunktion ISG rechts (ICD-10 M53.88) . Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden (akten-)anamnestisch depre ssive Episoden 2016 und 2018, derzeit gegebenenfalls ohne Behandlung remittiert (gegebenenfalls ICD-10 F32/33.4), festgehalten. Zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten führte das Gutachterteam aus, in der angestammten, kör- perlich schweren Tätigkeit im Baugewerbe sei durchgehend und bleibend keine Arbeitsfähigkeit mehr anzunehmen. Diese Einschätzung resultiere aus der vo rhandenen Pseudarthrose im Be- reich des rechten Unterschenkels und sie gelte ab dem Datum des Unfalls. Aus rein psychiatri- scher Sicht wäre der Explorand in seinen bisherigen Tät igkeiten im Baugewerbe uneinge- schränkt, d.h. zu 100 %, arbeitsfähig. Die Arbeitsfähig keit in einer angepassten Tätigkeit um- schrieb das Gutachterteam wie folgt: "Muskuloskelettär le icht- bis intermittierend (Anteil maxi- mal 25 %) mittelbelastende Tätigkeiten sind mit einem Pensum von 70 % ausübbar. Im Rah- men der Pseudarthrose mit einhergehenden Schmerzen best eht ein erhöhter Pausenbedarf. Aus rein psychiatrischer Sicht ist der Explorand auch in e iner nötigenfalls somatischen Limiten angepassten Tätigkeit, so lange sie sein Ausbildungs- u nd kognitives Leistungsniveau berück- sichtigt, uneingeschränkt, d.h. 100 %-ig, arbeitsfähig. " Aktuell sei der Explorand somit aus or- thopädischer Sicht zu 70 % und aus psychiatrischer Sicht z u 100 % arbeitsfähig. Was den Ver- lauf der Arbeitsfähigkeit betreffe, sei, da die psychiatrische Einschränkung nie limitierend gewe- sen sei, die orthopädische Beurteilung massgebend. Demna ch sei nach dem Unfall vom 7. Au- gust 2014 und der Tibiamarknagelung am 19. August 2014 für vier Monate eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten anzunehme n. In der Folge habe bei wiederholten Eingriffen mit Metallentfernung und zweimaligem Reha bilitationsaufenthalt bis zur Entlassung aus der Klinik F.____ am 5. Juli 2018 bei instabilem Z ustand eine volle Arbeitsunfähigkeit be- standen. Ab dem 6. Juli 2018 sei von einer 50 %-igen Arbeitsfähigkeit mit einer schrittweisen Steigerung auf die aktuell vorliegende Arbeitsfähigkei t von 70 % auszugehen. Letztere Ein- schätzung gelte ab dem Begutachtungszeitpunkt (Mitte Januar 2020). 5.2 Auf Rückfrage der IV-Stelle befasste sich der ortho pädische Gutachter Dr. E.____ in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 21. Januar 2021 ge stützt auf die echtzeitlichen medi- zinischen Unterlagen nochmals einlässlich mit dem Verlauf d er Arbeitsunfähigkeit. Dabei ge- langte er zu folgender abschliessenden Einschätzung: Nach Ablauf der einjährigen Wartefrist am 7. August 2015 habe der Versicherte eine leidensada ptierte Tätigkeit mit einem Pensum von 50 % verrichten können. Vom 24. September 2015 bis 5. Oktober 2016 habe eine 100 %- ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten bestan den. Anschliessend sei dem Exploranden vom 6. Oktober 2016 bis zur gutachterlichen Untersuchung von Mitte Januar 2020 - unterbro- chen von kürzeren, durch Hospitalisierungen bedingte voll ständige Arbeitsunfähigkeiten vom 24. Januar 2017 bis 6. März 2017 und vom 11. Juni 2018 bis 5. Juli 2018 - wiederum die Aus- übung einer leidensadaptierten Tätigkeit mit einem Pe nsum von 50 % zumutbar gewesen. Ab 15. Januar 2020 schliesslich gelte die in einer angepasste n Tätigkeit attestierte Arbeitsfähigkeit von 70 %. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in den angefochtenen V erfügungen vom 29. Juli 2021 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähi gkeit des Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse, zu denen die Dres. D.____ und E.___ _ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 11. August 2020 (samt ergänzender Stellungnahme vom 21. Januar 2021) gelangt waren. Sie ging demzufolge von folgenden Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit aus: Ab 7. August 2015 (Ablauf des Wartejahres) sei dem Versicherten die Ausübung einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 50 % zumutbar gewesen. Vom 24. Septemb er 2015 bis 5. Oktober 2016 habe der Versicherte keiner Arbeitstätigkeit nachgehen können. Ab 6. Oktober 2016 sei ihm - unterbro- chen durch zwei kurze, für den Rentenanspruch nicht rel evante Phasen - die Ausübung einer dem Leiden angepassten Tätigkeit wieder zu 50 % und a b 15. Januar 2020 schliesslich wieder zu 70 % zumutbar gewesen. Diese vorinstanzliche Beweiswür digung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist den im R ahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vom 11. August 2020 (samt ergänzende r Stellungnahme vom 21. Januar 2021) weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf , es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die streitig en Belange umfassend, es beruht auf allseiti- gen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschw erden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situati on ein, es setzt sich mit den vorhande- nen abweichenden ärztlichen Einschätzungen auseinander und schliesslich nimmt der orthopä- dische Gutachter in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 21. Januar 2021 auch eine über- zeugende Beurteilung des Verlaufs der Arbeits(un-)fähigkeit vor. 6.2 Was der Beschwerdeführer vorbringt, vermag die vor instanzliche Beurteilung des me- dizinischen Sachverhalts nicht in Frage zu stellen. 6.2.1 Der Versicherte zieht zwar die Ergebnisse des Gutach tens der Dres. D.____ und E.____ als solche nicht in Zweifel, er ist jedoch der An sicht, dass die IV-Stelle diese in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit falsch interpretiere. Der Expertise sei zu entnehmen, dass er eine leichte bis maximal zu 25 % mi ttelschwere Tätigkeit in einem Pensum von 70 % verrichten könne. Weiter werde aber auch festge halten, dass in einem solchen Pen- sum ebenfalls ein erhöhter Pausenbedarf bestehe. Diese Feststellung im Gutachten könne nur so verstanden werden, dass beim attestierten Pensum von 70 % die notwendigen Pausen zu- sätzlich anfallen würden und diese entsprechend in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit mitein- zubeziehen seien. Indem die IV-Stelle bei der Ermittlu ng des Invaliditätsgrades nicht nur von einem Pensum, sondern auch von einer Leistungsfähigkeit von genau 70 % ausgehe, trage sie diesen gutachterlichen Vorgaben unzureichend Rechnung. Berücksichtige man hingegen den in der Expertise postulierten zusätzlichen Pausenbedarf in korrekter Weise, so könne nicht (mehr) von einer 70 %-igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werd en. Realistischer sei diesbezüglich die Annahme einer effektiven Leistungsfähigkeit in einer le idensangepassten Tätigkeit von höchs- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht tens noch 65 % oder eher nur noch von 60 %. Dieser Bet rachtungsweise des Beschwerdefüh- rers kann jedoch nicht gefolgt werden. Wie oben ausgef ührt (vgl. E. 5.1 hiervor), hielt das Gut- achterteam zur Frage der Arbeitsfähigkeit in einer ang epassten Tätigkeit ab Mitte Januar 2020 Folgendes fest: "Muskuloskelettär leicht- bis intermittiere nd (Anteil maximal 25 %) mittelbelas- tende Tätigkeiten sind mit einem Pensum von 70 % ausübb ar. Im Rahmen der Pseudarthrose mit einhergehenden Schmerzen besteht ein erhöhter Paus enbedarf." Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers wird mit letzterem Satz nicht eine zusätzlich zu beachtende Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit formuliert. Mit dem Hinweis auf den "erhöhten Pausenbedarf" nennt das Gutachterteam vielmehr den Grund, weshalb der Ver sicherte in einer leidensadaptierten Tätigkeit nicht mehr ein Voll-, sondern lediglich noch ein 70 %-Pensum verrichten kann. 6.2.2 Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, dass b ei ihm zwischen August 2014 und Juli 2018 ein instabiler Gesundheitszustand mit immer wieder erforderlichen Eingriffen, Hospita- lisationen und Reha-Aufenthalten vorgelegen habe. Au s diesem Grund habe er im genannten Zeitraum seine Arbeitsfähigkeit nicht verwerten können mit der Folge, dass für die genannte Periode von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausz ugehen sei. Dieser Einschätzung kann jedoch ebenfalls nicht beigepflichtet werden. Wie wei ter oben geschildert (vgl. E. 5.2 hiervor), nahm der orthopädische Gutachter Dr. E.____ in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 21. Januar 2021 gestützt auf die echtzeitlichen medizinisc hen Unterlagen eine detaillierte, ins- besondere auch den vom Beschwerdeführer angesprochenen Zeitraum von August 2014 bis Juli 2018 betreffende Beurteilung des Verlaufs der Ar beitsunfähigkeit des Versicherten vor. Nach dem ebenfalls bereits Gesagten (vgl. E. 6.1 hiervor) vermag die entsprechende gutachter- liche Beurteilung zu überzeugen, weshalb die Vorinstan z bei der Würdigung des medizinischen Sachverhalts zu Recht vollumfänglich darauf abgestellt hat. 6.3 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach festzu halten, dass die vorinstanzli- che Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten nicht zu beanstanden ist. 7.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu besti mmen. In der angefochtenen Ren- tenverfügung vom 29. Juli 2021 nahm die IV-Stelle de n erforderlichen Einkommensvergleich vor. Da der Beschwerdeführer seit Eintritt der gesundhe itlichen Beeinträchtigungen nicht mehr im zumutbaren Rahmen einer Erwerbstätigkeit nachging, setzte die IV-Stelle das Invalidenein- kommen zu Recht unter Beizug der Tabellenlöhne der Sc hweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik fest (vgl. dazu BG E 126 V 75 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 321 E. 3b/aa). Auf diese Weise errechnete sie ab 7. August 2015 (Ablauf des Wartejah- res) bei einem zumutbaren Pensum von 50 % ein Invaliden einkommen von Fr. 31'660.--. Für den Zeitraum vom 24. September 2015 bis 5. Oktober 2016 ging sie davon aus, dass der Versi- cherte aufgrund seiner vorübergehenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit nicht in der Lage war, ein Erwerbseinkommen zu erzielen. Ab 6. Oktober 2016 e rrechnete sie auf der Grundlage des nunmehr wieder zumutbaren Pensums von 50 % ein Invalideneinkommen von Fr. 31'459.-- und ab 15. Januar 2020 auf der Basis der ab diesem Zeitpun kt als zumutbar erachteten Arbeitsfä- higkeit von 70 % ein solches von Fr. 45'127.--. Diese Be träge stellte sie den ebenfalls gestützt auf die LSE-Tabellenlöhne berechneten Valideneinkomm en von Fr. 73‘092.-- ab 7. August Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2015, von Fr. 73'384.-- ab 6. Oktober 2016 und von Fr. 73'972.-- ab 15. Januar 2020 gegenüber und gelangte so zu folgenden Invaliditätsgraden: Ab 7 . August 2015 (Ablauf des Wartejahres): 57 %, ab 24.September 2015: 100 %, ab 6.Oktober 2016: 56 % und ab15. Januar 2020: 39 %. 7.2 Der Beschwerdeführer wendet gegen diese vorinstanzlic hen Berechnungen als erstes ein, die IV-Stelle sei von zu tiefen Valideneinkommen ausgegangen. 7.2.1 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entsch eidend, was die versicherte Per- son im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach d em Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. Die Ermittlung des im Gesundheitsfall von der versicherten Person erzielbaren E inkommens hat so konkret wie mög- lich zu geschehen (U LRICH MEYER / MARCO REICHMUTH , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalide nversicherung, 3. Auflage, Zü- rich/Basel/Genf 2014, Art. 28a N. 48 ff.). In der Re gel wird am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepasste n Verdienst angeknüpft, da er- fahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitssch aden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 322 E. 4.1). Ist ein entsprechendes Einkomme n nicht konkret zu ermitteln, können nach der Rechtsprechung die vom Bundesamt für Statistik p eriodisch herausgegebenen LSE- Tabellenlöhne herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3.). 7.2.2 Da der Versicherte zuletzt sowohl als selbständig e rwerbender Schaler in der eigenen GmbH als zusätzlich auch in befristeten Anstellungen tätig war und die GmbH heute nicht mehr existiert, ermittelte die IV-Stelle sein Valideneinkom men zu Recht unter Beizug der LSE- Tabellenlöhne. Dabei ging sie vom Tabellenlohn aus, de n der Versicherte im Sektor Baugewer- be (Kompetenzniveau 2) erzielt hätte. Auf diese Weise e rrechnete sie für das Jahr 2015 ein Valideneinkommen von Fr. 73‘092.-- sowie - unter jewe iliger Berücksichtigung der Nominalloh- nentwicklung - für das Jahr 2016 ein solches von Fr. 73'384.-- und für das Jahr 2020 ein Gehalt von Fr. 73'972.--. Mit diesen Beträgen wird sowohl d er effektiven Einkommenssituation des Versicherten als auch derjenigen, wie sie wohl auch künf tig ohne Gesundheitsschaden zu er- warten gewesen wäre, durchaus grosszügig Rechnung getrag en. Die genannten Validenein- kommen erweisen sich jedenfalls - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - klarer- weise nicht als zu niedrig, die Berechnungen sind vielmeh r eher zu seinen Gunsten ausgefal- len. Die IV-Stelle weist in diesem Zusammenhang denn auch zu Recht darauf hin, dass der Beschwerdeführer gemäss den IK-Auszügen in seinen bishe rigen - selbständigen oder unselb- ständigen - Tätigkeiten nie Löhne abgerechnet hatte, die auch nur annähernd diesen hypothe- tisch berechneten Valideneinkommen entsprechen. 7.3 Im Weiteren moniert der Beschwerdeführer, dass ihm bei der Bemessung des ab Mitte Januar 2020 massgebenden Invalideneinkommens ein unzure ichender Abzug vom Tabellen- lohn gewährt worden sei. 7.3.1 Wird das Invalideneinkommen wie im vorliegenden Fall auf der Grundlage von statisti- schen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem Abzug vom Tabellenlohn nach BGE 126 V 75 soll der Tatsache Rechnung getragen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie A rt und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthal tskategorie und Beschäftigungsgrad Aus- wirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach A usprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf ein em ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. dazu BG 134 V 64 E. 4.2.1) nur mit unterdurchschnittl ichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. E r ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schä tzen und darf 25 % nicht über- steigen. Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalidenein- kommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körp erlich leichter Hilfsarbeitertätig- keit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzu gs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit zahl- reichen Hinweisen). 7.3.2 Vorliegend nahm die IV-Stelle bei der Berechnu ng des Invalideneinkommens einen Abzug vom Tabellenlohn von 5 % vor. Sie begründete d ies damit, dass der Versicherte behin- derungsbedingt nur noch einer Teilzeitarbeit nachgehe n könne. Da bei Männern statistisch ge- sehen Teilzeitarbeit vergleichsweise weniger gut entlö hnt werde als eine Vollzeittätigkeit (vgl. dazu: Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 2017, 8C_8 05/2016, E. 3.2), könne ihm ein ent- sprechender Abzug gewährt werden. Demgegenüber verlan gt der Beschwerdeführer sinnge- mäss die Vornahme eines höheren Tabellenlohnabzugs. Er beanstandet insbesondere, dass ihm "keinerlei Abzug" für den im Gutachten als notwendi g erachteten erhöhten Pausenbedarf gewährt worden sei. Entgegen der Auffassung des Versicherten lässt sich jedoch in seinem Fall ein höherer Abzug nicht rechtfertigen. In diesem Zusa mmenhang ist vorab darauf hinzuweisen, dass der gesamthaft vorzunehmende Abzug vom Tabellenlohn grundsätzlich eine Schätzung darstellt. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum ge hen, dass die kontrollierende richterli- che Behörde ihr Ermessen an die Stelle des Sozialversicherers setzt (BGE 126 V 75 E. 6). Das kantonale Versicherungsgericht greift daher in das Erm essen des Sozialversicherers nur bei triftigen Gründen ein. Dabei muss sich das kantonale Ger icht auf Gegebenheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 123 V 150 E. 2). Vorliegend sind keine solche triftig en Gründe ersichtlich, aufgrund derer sich ein Abweichen von der vorinstanzlichen Ermessensausübung aufdrängen würde. Insbesondere gilt es festzuhalten, dass die im Gutachten attestierte Arbeitsfähigkeit von 70 % dem erhöhten Pausenbedarf des Versicherten genügend Rechnung trägt, weshalb sich unter diesem Aspekt kein (zusätzlicher) leidensbedingter Abzug vom Tabellenlo hn rechtfertigt. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 7.3.1 hiervor), dürfen allfällige bereits bei der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfä- higkeit berücksichtigte Beeinträchtigungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbe- dingten Abzugs einfliessen, da dies ansonsten zu einer doppelten Anrechnung desselben Ge- sichtspunkts führen würde. 7.4 Die vorinstanzliche Bemessung des massgebenden Validen - und des zumutbaren In- valideneinkommens erweist sich (auch) in den übrigen Punkte n als korrekt. Die von der IV- Stelle ermittelten Zahlen sind denn auch - abgesehen von den vorstehend erörterten Einwän- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht den - in der vorliegenden Beschwerde nicht beanstandet w orden. Unter diesen Umständen kann hier von weiteren Ausführungen zu den vorinstanzlich en Einkommensvergleichen abge- sehen und stattdessen vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in der Rentenverfügung vom 29. Juli 2021 verwiesen werden. 8.1 Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG setzt der Renten anspruch unter anderem voraus, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne wesen tlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist. Zusätzlich bestimmt Art. 29 Abs. 1 IVG, dass der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leis- tungsanspruchs entsteht. Vorliegend machte der Versicher te diesen am 3. September 2015 (Eingangsdatum) geltend. Dies bedeutet, dass ihm eine Rente nicht bereits nach Ablauf des Wartejahres per 7. August 2015, sondern erst ab 1. März 2016 ausgerichtet werden kann. 8.2 Zu prüfen bleibt, wie sich die ermittelten Invali ditätsgrade von 100 % ab 1. März 2016 (dem Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns, vgl. E. 8.1 hiervor), von 56 % ab 6. Okto- ber 2016 und von 39 % ab 15. Januar 2020 auf die Höhe und die Dauer des Rentenanspruchs des Beschwerdeführers auswirken. Bei einem Invaliditätsgrad von 100 % hat der Versicherte ab 1. März 2016 Anspruch auf eine ganze Rente. Nach Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich länge re Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentl iche Unterbrechung drei Monate ge- dauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Nach dem Gesagten lag beim Versi- cherten ab 6. Oktober 2016 noch ein Invaliditätsgrad v on 56 % vor. In Berücksichtigung der genannten Bestimmung ist die ganze Rente deshalb mit Wirkung ab 1. Februar 2017 (drei Mo- nate nach eingetretener Verbesserung der Erwerbsfähi gkeit) auf eine halbe Rente herabzuset- zen. Ab 15. Januar 2020 lag dann lediglich noch ein Invaliditätsgrad von 39 % vor. Aufgrund der erwähnten Bestimmung von Art. 88 Abs. 1 lit. a IVV be steht auch der Anspruch auf die halbe Rente noch während dreier Monate seit der eingetretenen erneuten Verbesserung der Erwerbs- fähigkeit, also noch bis zum 30. April 2020. Für den Zeitraum danach besteht kein Rentenan- spruch mehr, da der ab 15. Januar 2020 ermittelte Invaliditätsgrad von 39 % unter dem Schwel- lenwert von 40 % für einen Rentenanspruch liegt. 8.3 Im Lichte der vorstehenden Ausführungen ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle dem Versicherten vom 1. März 2016 bis 31. Januar 2017 eine befristete ganze und vom 1. Feb- ruar 2017 bis 30. April 2020 eine befristete halbe Re nte zusprach. Ebenso zutreffend lehnte sie einen weiteren Rentenanspruch des Beschwerdeführers ab 1. Mai 2020 ab. 8.4 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die an gefochtenen Verfügungen der IV-Stelle vom 29. Juli 2021 nicht zu beanstanden sind. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Verfügung vom 29. Oktober 2021 die une ntgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse ge- nommen. 9.2 Dem Prozessausgang entsprechend ist dem Beschwerdef ührer keine Parteientschädi- gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. In der Verfüg ung vom 29. Oktober 2021 ist ihm jedoch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Re chtsvertreter bewilligt worden, weshalb dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entsch ädigen ist. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (T O) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers reichte am 5. November 2021 drei Honora rnoten ein. Die erste umfasst alle seine Bemühungen seit dem Rückweisungsentscheid des Kanton sgerichts vom 27. September 2019, die zweite die Bemühungen seit Vorliegen des Vo rbescheids vom Februar 2021 und die dritte das eigentliche Beschwerdeverfahren ab Zustellu ng der strittigen Rentenverfügungen. In diesem Zusammenhang ist der Rechtsvertreter darauf hin zuweisen, dass bei der Bemessung des Honorars des Rechtsbeistands für das versicherungsgeric htliche Verfahren nur der im Rahmen des eigentlichen Beschwerdeverfahrens, d.h. der nach der Zustellung der Verfügung entstandene Aufwand berücksichtigt werden kann. Dies b edeutet, dass vorliegend nur der in der dritten Honorarnote vom 5. November 2021 für da s eigentliche Beschwerdeverfahren aus- gewiesene Aufwand von 10 Stunden, der sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist, und die ab diesem Zeitpunkt ent- standenen Auslagen von Fr. 70.-- entschädigt werden können. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘070.-- (10 Stunde n à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 70.--) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘070.-- (inkl. Auslagen) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 24. Juni 2022 Beschwerde beim Bundesgericht (vgl. nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_407/2022 ). http://www.bl.ch/kantonsgericht