<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 17 S.72</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">72</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>17</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 14 Abs. 2 AVIG; § 33 des kantonalen Gesetzes über die öffentliche</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Sozialhilfe und soziale Prävention (SPG)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Der Wegfall der Alimentenbevorschussung stellt keinen ,,ähnlichen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Grund" im Sinne von Art. 14 Abs. 2 AVIG und damit keinen Grund zur</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Befreiung von der Beitragszeit dar.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 4. Kammer, vom 21. Februar</span><br/> <span class="ft4">2006 in Sachen U.S. gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse des Kantons Aar-</span><br/> <span class="ft4">gau.</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführerin wurde im Trennungsurteil des Bezirks-</span><br/> <span class="ft1">gerichts Rheinfelden für ihre beiden, 1985 und 1991 geborenen Kin-</span><br/> <span class="ft1">der X. und Y. Unterhaltsbeiträge in Höhe von monatlich je Fr. 750.--</span><br/> <span class="ft1">zugesprochen. Mangels finanzieller Möglichkeiten des Unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">pflichtigen übernahm die Gemeinde K. im Rahmen der Alimentenbe-</span><br/> <span class="ft1">vorschussung die Zahlung der Unterhaltsbeiträge. Gemäss § 33 des</span><br/> <span class="ft1">Sozialhilfe- und Präventionsgesetzes des Kantons Aargau wird die</span><br/> <span class="ft1">Alimentenbevorschussung für Personen in Ausbildung maximal bis</span><br/> <span class="ft1">zur Vollendung des 20. Altersjahres gewährt. Entsprechend teilte der</span><br/> <span class="ft1">Soziale Dienst der Gemeinde K. der Beschwerdeführerin mit, dass</span><br/> <span class="ft1">im August 2005 die Alimentenzahlungen für X. enden würden. Da-</span><br/> <span class="ft1">durch ergab sich bei den Lebenskosten der Beschwerdeführerin und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">73</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ihrer beiden Kinder eine Unterdeckung, welche nur teilwese durch</span><br/> <span class="ft1">die X. zugesprochenen Stipendien gedeckt werden können.</span><br/> <span class="ft1">2.2.1.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Im nicht veröffentlichten Urteil J. vom 16. November 1993</span><br/> <span class="ft1">(C 10/92) hat das EVG entschieden, dass der Wegfall einer kantona-</span><br/> <span class="ft1">len Erwerbsersatzleistung für alleinerziehende Mütter keinen "ähnli-</span><br/> <span class="ft1">chen Grund" im Sinne von Art. 14 Abs. 2 AVIG darstelle. In der Be-</span><br/> <span class="ft1">gründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, das Besondere an der</span><br/> <span class="ft1">in Art. 14 Abs. 2 AVIG anvisierten Versichertengruppe sei darin zu</span><br/> <span class="ft1">sehen, dass sie nicht eigentlich auf den Eintritt oder Wiedereintritt in</span><br/> <span class="ft1">das Erwerbsleben vorbereitet sei. Die Regelung begünstige Personen,</span><br/> <span class="ft1">die von besonderen Ereignissen überrascht worden seien, welche das</span><br/> <span class="ft1">Leben vielfach grundsätzlich änderten. Dies treffe im zu beurteilen-</span><br/> <span class="ft1">den Fall nicht zu. Denn die Versicherte habe von vornherein gewusst,</span><br/> <span class="ft1">dass der Anspruch auf kantonale Erwerbsersatzleistungen gemäss</span><br/> <span class="ft1">dem in jenem Fall massgebend gewesenen kantonalen Gesetz über</span><br/> <span class="ft1">Familien- und Sozialzulagen mit der Vollendung des 2. Altersjahres</span><br/> <span class="ft1">ihres Kindes erlösche. Ebenso entschied das EVG in einem gleich</span><br/> <span class="ft1">gelagerten Fall aus dem Jahr 1997 (SVR 1997 ALV Nr. 100).</span><br/> <span class="ft1">2.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Wie in den vorstehend beschriebenen Fällen geht es auch vor-</span><br/> <span class="ft1">liegend um den Wegfall kantonaler Unterstützungsbeiträge, in con-</span><br/> <span class="ft1">creto um die Alimentenbevorschussung durch die Wohngemeinde.</span><br/> <span class="ft1">Da die Tochter der Beschwerdeführerin noch in Ausbildung steht,</span><br/> <span class="ft1">wurde ihr die Alimentenbevorschussung über die Mündigkeit hinaus</span><br/> <span class="ft1">gewährt. Jedoch endet gemäss § 33 des kantonalen Sozialhilfe- und</span><br/> <span class="ft1">Präventionsgesetzes die Alimentenbevorschussung auch bei Perso-</span><br/> <span class="ft1">nen, die noch in Ausbildung sind, spätestens nach Erfüllung des</span><br/> <span class="ft1">20. Altersjahres, was bei X. im August 2005 der Fall war. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin macht geltend, sie habe von dieser Gesetzesbestim-</span><br/> <span class="ft1">mung nichts gewusst und sie sei seitens der Behörde auch nie da-</span><br/> <span class="ft1">rüber informiert worden. Jedoch vermag diese Rechtsunkenntnis aus</span><br/> <span class="ft1">dem Wegfall der Alimentenzahlungen kein besonderes, unerwartetes</span><br/> <span class="ft1">Ereignis im Sinne von Art. 14 Abs. 2 AVIG zu machen. Viele Unter-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">74</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">stützungszahlungen und Vergünstigungen der öffentlichen Hand en-</span><br/> <span class="ft1">den mit Eintritt der Mündigkeit oder bei Erreichen des</span><br/> <span class="ft1">20. Altersjahres. Es wäre daher Sache der Beschwerdeführerin gewe-</span><br/> <span class="ft1">sen, sich diesbezüglich rechtzeitig zu informieren. Zudem fällt der</span><br/> <span class="ft1">Anspruch der Tochter auf Unterhaltsleistungen an sich nicht grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich weg, doch hat sie diesen nunmehr direkt gegenüber ihrem</span><br/> <span class="ft1">Vater geltend zu machen bzw. durchzusetzen.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend kann der Wegfall der Alimentenbevorschus-</span><br/> <span class="ft1">sung somit nicht als "ähnlicher Grund" im Sinne von Art. 14 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">AVIG qualifiziert werden. Entsprechend liegt bezüglich der Ausdeh-</span><br/> <span class="ft1">nung der Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin kein Befreiungs-</span><br/> <span class="ft1">grund von der Beitragszeit gemäss Art. 14 AVIG vor.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>