Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 29. März 2023 (810 22 187) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Umgehungsehe Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Stef an Schulthess, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl, Kantonsrichterin Ana Dettwiler , Gerichtsschreiber i.V. Lucius Schweizer Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer 1 B.____ , Beschwerdeführer 2 C.____ , gesetzlich vertreten durch A.____, Beschwerdeführerin 3 D.____ , whft. in Serbien, Beschwerdeführerin 4 alle vertreten durch Joël Naef, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Vorinstanz Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligungen/Nicht verlängerung der Aufenthaltsbewilligung/Gesuch um Einreise in die Schweiz zwecks Vorbereitung der Heirat (RRB Nr. 1334 vom 6. September 2022) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der serbische Staatsangehörige A.____ (geb. 1984) f ührte in der Republik Serbien von 2003 bis 2009 eine Beziehung mit der Landsfrau D.____ (geb. 1986). Aus dieser Beziehung gingen die beiden Kinder B.____, geboren 2004, und C.____, geboren 2008, hervor. B. Am 2. Mai 2013 heiratete A.____ die Schweizer Bü rgerin E.____, geboren 1965, und nahm in der Folge den Nachnamen der Ehefrau an. Am 2 6. Mai 2013 reiste er im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein und erhielt eine A ufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau. C. Am 9. September 2015 stellte A.____ ein Gesuch um Familiennachzug zugunsten seiner beiden Kinder B.____ und C.____, welche am 9. Januar 2016 in die Schweiz einreisten. Sie erhielten im Rahmen des Familiennachzugs eine Aufe nthaltsbewilligung zum Verbleib bei ihrem Vater. D. Am 30. Mai 2018 erhielten A.____ und C.____ ein e Niederlassungsbewilligung. B.____ erhielt keine Niederlassungsbewilligung, da er zum Zei tpunkt der Prüfung des Gesuchs bereits 12 Jahre alt war und daher die zeitlichen Voraussetzun gen für eine Niederlassungsbewilligung selbst nicht erfüllte. E. E.____ zog am 1. Juli 2018 aus der gemeinsamen Wohn ung aus. Die Ehe zwischen A.____ und E.____ wurde später mit Urteil vom 20. Februar 2019 rechtskräftig geschieden. F. Am 17. Juni 2020 stellte D.____ über die Schweizer Botschaft in Belgrad einen Antrag zur Einreise in die Schweiz zwecks Vorbereitung der Ehe mit A.____. A.____ stellte ein ent- sprechendes Gesuch am 30. Juli 2020 beim Amt für Migrat ion und Bürgerrecht des Kantons Basel-Landschaft (AFMB). In der Folge veranlasste das AFMB diverse Abklärungen, um dem Verdacht nachzugehen, ob es sich bei der Ehe zwischen A.__ __ und E.____ um eine Umge- hungsehe gehandelt habe. Zu diesem Verdacht wurden A.____ und E.____ sowie D.____ (auf der Botschaft in Belgrad) persönlich befragt. G. Mit Schreiben vom 1. Dezember 2021 wurde A.____ un d seinen Kindern das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Widerruf der Niederlassungsbewilligung bzw. im Fall des Sohnes zur allfälligen Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewillig ung gewährt. A.____ nahm dazu, vertreten durch Oliver Borer, Advokat in Basel, am 17. Februar 20 22 Stellung und reichte diverse Unterlagen ein. Im Wesentlichen führte er aus, dass k eine Umgehungsehe vorgelegen habe und ein Wegzug nach Serbien mit dem Kindswohl nicht vereinbar sei. H. Am 28. Februar 2022 verfügte das AFMB den Widerruf der Niederlassungsbewilligung von A.____ und seiner Tochter und die Nichtverlängerun g der Aufenthaltsbewilligung von B.____ sowie deren Wegweisung aus der Schweiz. Gleich zeitig lehnte das AFMB das Gesuch von D.____ um Einreise in die Schweiz zwecks Vorbereitung der Heirat ab. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. A.____, B.____, C.____ und D.____, alle vertreten durch Advokat Oliver Borer, erhoben am 11. März 2022 Beschwerde beim Regierungsrat Basel-Landschaft (Regierungsrat) gegen die Verfügung vom 28. Februar 2022. Der Regie rungsrat wies die Beschwerde mit Beschluss Nr. 2022-1334 vom 6. September 2022 (RRB) ab und wies A.____ sowie B.____ und C.____ an, die Schweiz innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Beschlusses zu verlassen. J. Gegen diesen Beschluss erhoben A.____ (Beschwerdeführe r 1), B.____ (Beschwerde- führer 2), C.____ (Beschwerdeführerin 3), gesetzlich ve rtreten durch A.____, und D.____ (Beschwerdeführerin 4), alle vertreten durch Joël Naef , Advokat in Aesch BL, am 14. Septem- ber 2022 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragen, dass der angefochtene Beschluss aufzuheben und das AFMB anzuweisen sei, die Niederlassungsbewillig ung der Beschwerdeführer 1 und 3 zu belassen, die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdefüh rers 2 zu verlängern und der Be- schwerdeführerin 4 die Einreise zwecks Vorbereitung der H eirat zu bewilligen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Abklärung des Sachverhalts und z ur neuerlichen Entscheidung an die Vorinstanz oder an das AFMB zurückzuweisen. Alles unter o/e-Kostenfolge. Subeventualiter sei zumindest den Kindern unter dem Titel des Härtefalls na ch Art. 30 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG) vom 16. Dezember 2005 die Niederlassungsbewilligung zu belassen resp. die Aufe nthaltsbewilligung zu verlängern. In der Folge sei dann aufgrund von Art. 8 der Konventio n zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 bzw. dem Recht auf Achtung des Fami- lienlebens dem Beschwerdeführer 1 und der Beschwerdefü hrerin 4 der Aufenthalt in der Schweiz zu bewilligen. K. Am 24. November 2022 liess sich die Vorinstanz verneh men und beantragt, die Beschwerde sei unter o/e-Kostenfolge abzuweisen. L. Am 13. Januar 2023 reichte der Vertreter der Beschwe rdeführer seine Honorarnote ein. M. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung wurden di e Beschwerdeführer sowie E.____ (Ex-Ehefrau) als Auskunftsperson befragt. Die Parteien h ielten an den schriftlich gestellten An- trägen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügun gen und Entscheide des Regierungs- rats die verwaltungsrechtliche Beschwerde beim Kantonsgeri cht zulässig. Zur Beschwerde ist befugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder de n angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat (§ 47 Abs. 1 lit. a VPO). Da die Beschwerdeführer Adressaten des angefocht enen Entscheides sind und ein Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung haben und d ie übrigen formellen Vorausset- zungen erfüllt sind, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetreten werden. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt werden. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochtenen Rechtsaktes ist dem Kantons- gericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegende n Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet zunächst die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligungen der Beschwerdeführer 1 und 3 beziehungsweise die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschw erdeführers 2 und die damit einher- gehende Wegweisung zu Recht erfolgten. 4.1 Nach Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. a AIG kann die Niederlassungsbewilli- gung einer Person widerrufen werden, wenn sie oder ih r Vertreter im Bewilligungsverfahren falsche Angaben macht oder wesentliche Tatsachen verschwiegen hat. Im Fall einer sogenann- ten Schein-, Ausländerrechts- oder Umgehungsehe kommt ebenfalls dieser Widerrufsgrund zur Anwendung (vgl. BGE 135 II 1 E. 4.2; Urteile des BGe r 2C_334/2017 vom 9. April 2018 E. 2.1 und 2C_279/2017 vom 25. September 2017 E. 3.1). 4.2 Für die Annahme, es liege eine Ausländerrechtsehe vor bzw. der Bewilligungsan- spruch werde rechtsmissbräuchlich geltend gemacht, bedarf e s konkreter Hinweise dafür, dass die Ehegatten nicht eine eigentliche Lebensgemeinscha ft führen wollen bzw. wollten, sondern die Ehe nur aus aufenthaltsrechtlichen Überlegungen ei ngegangen sind. Ob im massgeblichen Zeitpunkt zumindest seitens eines Ehepartners die Absicht bestand, keine Ehe führen zu wol- len, entzieht sich in der Regel dem direkten Beweis und ist oft nur durch Indizien festzustellen. Solche Hinweise können äussere Gegebenheiten, aber auch innere psychische Vorgänge (Wil- le der Ehegatten) betreffen; der Rechtsmissbrauch muss o ffensichtlich sein (vgl. Urteil des BGer 2C_491/2022 vom 17. November 2022 E. 2.1 mit Hinweisen). 4.3 Diesbezügliche Indizien lassen sich praxisgemäss unter anderem darin erblicken, dass der ausländischen Person die Wegweisung droht, etwa wei l sie ohne Heirat keine Aufenthalts- bewilligung erhalten hätte oder sie ihr nicht verläng ert worden wäre. Für das Vorliegen einer Ausländerrechtsehe können sodann die Umstände des Kennenlernens und die kurze Dauer der Bekanntschaft sprechen. Dasselbe gilt, wenn ein grosser Altersunterschied vorliegt oder wenn die Ehegatten eine Wohngemeinschaft gar nie aufgenom men haben bzw. aufgrund unter- schiedlicher Kulturkreise Schwierigkeiten bei der Kommuni kation haben oder einer von ihnen eine Parallelbeziehung lebt. Als weitere Hinweise für eine Umgehungsehe sprechen die Verein- barung einer Bezahlung für die Heirat sowie allgemei n widersprüchliche Angaben über die Lebensgeschichte des Partners oder der Partnerin, über die Heirat oder das Eheleben und eine fehlende Eingliederung in den jeweiligen (erweiterten) Familienverband des anderen (vgl. Urteil des BGer 2C_491/2022 vom 17. November 2022 E. 2.2 mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Eine Umgehungsehe liegt umgekehrt nicht bereits da nn vor, wenn auch ausländer- rechtliche Motive für den Eheschluss entscheidend waren. Erf orderlich ist, dass der Wille zur Führung der Lebensgemeinschaft im Sinne einer auf Dau er angelegten wirtschaftlichen, kör- perlichen und spirituellen Verbindung zumindest bei einem der Ehepartner fehlt. Nach dem Wil- len des Gesetzgebers muss eine Realbeziehung bestehen, der eine auf Dauer konzipierte, wirt- schaftliche, körperliche und spirituelle Vereinigung zugru nde liegt, wobei minimale wechsel- seitige Kenntnisse des Partners und ein gewisses solidarische s, nicht auf Gleichgültigkeit beru- hendes Verhalten vorausgesetzt wird (vgl. Urteil des BGe r 2C_491/2022 vom 17. November 2022 E. 2.3 mit Hinweisen). 4.5 Grundsätzlich muss die Migrationsbehörde die Umgehung sehe nachweisen; dass eine solche vorliegt, darf dabei nicht leichthin angenommen w erden. Die Behörden müssen den Sachverhalt von Amtes wegen möglichst zuverlässig abklären ; indessen wird der Untersu- chungsgrundsatz durch die Mitwirkungspflicht der Partei en relativiert. Diese kommt naturge- mäss insbesondere bei Tatsachen zum Tragen, die eine Par tei besser kennt als die Behörden und die ohne ihre Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erhoben werden können. Das gilt insbesondere, wenn bereits gewichtige Hinweise für eine Umgehungsehe sprechen; dann kann und muss von den Eheleuten erwartet werden, dass sie von sich aus Umstände vorbringen und belegen, um den echten Ehewil len und die gelebte gemeinsame Beziehung glaubhaft zu machen (Urteil des BGer 2C_1033 /2014 vom 29. April 2015 E. 2.3). Lässt die Indizienlage keinen klaren und unzweideutigen Schluss zu, ist das Vorliegen einer Scheinehe nicht erstellt. In diesem Fall ist dem ausländ ischen Ehegatten trotz allenfalls bestehender Zweifel die Aufenthaltsbewilligung zu er teilen bzw. die Niederlassungsbewilligung zu belassen auf das Risiko hin, dass sich die Ehe aufgrund d es späteren Verhaltens der Beteiligten in Verbindung mit den heute bereits bekan nten, in diese Richtung deutenden, Indi- zien als Umgehungsehe erweist und die Bewilligung gest ützt auf die dannzumaligen Erkennt- nisse widerrufen werden muss bzw. nicht mehr verlängert we rden kann (vgl. Urteil des BGer 2C_491/2022 vom 17. November 2022 E. 2.4 mit Hinweisen). 5. Die Vorinstanz erwog, dass die Ehe zwischen dem Beschw erdeführer 1 und seiner Ex-Ehefrau lediglich eingegangen worden sei, um ihm un d in einem nächsten Schritt seiner Familie einen Aufenthaltstitel in der Schweiz zu versch affen. Die vom AFMB herangezogenen Indizien würden klar für das Vorliegen einer Umgehung sehe sprechen. Zwar habe sicherlich eine "Art Beziehung" zwischen dem Beschwerdeführer 1 und seiner Ex-Ehefrau bestanden, von einem Ehewillen könne aber nicht ausgegangen werden. Z unächst sei der Altersunterschied zwischen den Ehegatten gross. Weiter sei auffällig, dass di e ehemaligen Ehegatten unter- schiedliche Angaben über das gegenseitige Kennenlernen g emacht hätten, und auch die Zeit des Kennenlernens vor der Ehe sei auffällig kurz gewesen. Von der Hochzeit und dem späteren Beziehungsleben gebe es weiter auch keine Fotos. Hinzu k omme, dass der Beschwerde- führer 1 zusammen mit seinen Kindern regelmässig die Be schwerdeführerin 4 in Serbien be- sucht habe und diese regelmässig in der Schweiz gewesen sei. Dabei sei davon auszugehen, dass sie jeweils zusammen mit der Beschwerdeführerin 4 gewohnt hätten, weshalb die Tren- nung zwischen den Beschwerdeführern 1 und 4 lediglich al s räumlich zu bezeichnen sei und Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Familien- resp. Beziehungsleben fortgeführt worde n sei. Hinweise auf eine gemeinsame Freizeitgestaltung zusammen mit seiner Ex-Ehefrau liess en sich hingegen keine bzw. kaum welche finden. Schlussendlich würde auch die zeitlich kurze Abfolge der Geschehnisse auf ein planmässiges Vorgehen hinweisen. Der Widerrufsgrund eine r Umgehungsehe nach Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. a AIG betre ffe sowohl die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers 1 und der Beschwerdeführerin 3 als au ch die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers 2, da sich Familienangehörige im Bewi lligungsverfahren die Aussagen, Handlungen und das Verhalten des gesuchstellenden auslä ndischen Familienmitglieds anzu- rechnen lassen hätten. 6. Die Beschwerdeführer führen dagegen im Wesentliche n aus, dass die Indizien für eine Umgehungsehe unvollständig, falsch und einseitig beachtet worden seien. Dem Altersunter- schied zwischen dem Beschwerdeführer 1 und seiner Ex-Ehefr au dürfe im 21. Jahrhundert kaum Gewicht zukommen. Hinzu komme, dass die Ehe während fünf Jahren gelebt worden sei. Dass ein echter Ehewille bestanden habe, habe das Zivilst andesamt, als eine auf diese Frage spezialisierte Behörde, festgestellt. Nicht in Betracht gezogen habe die Vorinstanz, dass die Ex- Ehefrau auch kein Heiratsgeld erhalten habe, was bei Umgehungsehen typischerweise vom aufenthaltswilligen Ausländer bezahlt werde. Dass im Z eitraum der Eheanbahnung nur wenig Kontakt zwischen dem Beschwerdeführer 1 und der Ex-Ehefr au bestanden habe, sei der besonderen Situation geschuldet gewesen, dass er als D rittstaatsangehöriger nicht beliebig häufig und lange in der Schweiz habe sein können. Dass die Beschwerdeführerin 4 für Besuche in die Schweiz gekommen sei, habe lediglich dem Kindswo hl gedient und nicht, wie die Vorin- stanz annehme, der Fortführung der früheren Beziehung . Dass sie während den Besuchen beim Beschwerdeführer 1, den gemeinsamen Kindern und dessen Ex-Ehefrau gelebt habe, habe finanzielle Gründe gehabt. Dasselbe gelte für di e Besuche der Beschwerdeführer und der Ex-Ehefrau in Serbien. Zwischen der Ex-Ehefrau und dem Beschwerdeführer 1 habe eine echte und gelebte Ehe bestanden. Alles in allem würden die Indizien gegen eine Umgehungsehe sprechen. 7.1 Vorliegend lässt sich der relativ grosse Altersuntersch ied zwischen dem Beschwerde- führer 1 und seiner Ex-Ehefrau nicht von der Hand we isen. Indizien, die darauf hindeuten wür- den, dass die Heirat gegen Bezahlung einer Geldsumme a rrangiert wurde, existieren hingegen nicht. Hinsichtlich der Umstände des Kennenlernens ist fest zuhalten, dass zwischen dem Ken- nenlernen und der Hochzeit des Beschwerdeführers 1 und seiner Ex-Ehefrau eine Zeitdauer von rund 18 Monaten lagen. Während dieser Zeit haben sie sich – gemäss den übereinstim- menden und glaubwürdigen Aussagen – im Rahmen von per sönlichen Kontakten in der Schweiz kontinuierlich besser kennengelernt, was letztlich zu einer Beziehung und der Ehe geführt hat. Soweit die Vorinstanz auf das Fehlen von Fotos von der Hochzeit oder gemeinsa- men Ausflügen als Indiz für eine Umgehungsehe verweist, ist festzustellen, dass die Beschwer- deführer mit der Beschwerde diverse Fotos eingereicht haben, die sowohl die Ex-Ehefrau als auch den Beschwerdeführer 1 bei gemeinsamen Anlässen mit Freunden wie auch das Ehepaar und die Kinder bei gemeinsamen Ausflügen, Anlässen un d im Alltag zeigen. An der heutigen Parteiverhandlung gab die Ex-Ehefrau zudem an, dass si e als Familie ein Zoo-Abonnement gehabt hätten, gerne die Langen Erlen besucht hätten und sie mit den Kindern viel in der Badi Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewesen sei. Diese Umstände sprechen für ein gelebtes Fa milien- und Beziehungsleben. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz existieren auch k eine Indizien dafür, dass der Be- schwerdeführer 1 und die Beschwerdeführerin 4 ihre frühere Beziehung während der bestehen- den Ehe mit der Ex-Ehefrau gewissermassen fortgeführt u nd durch häufige gegenseitige Besuche in der Schweiz und Serbien gepflegt hätten. An lässlich der heutigen Parteiverhand- lung gab die Ex-Ehefrau an, dass sie nicht das Gefühl g ehabt habe, dass noch eine Beziehung zwischen den Beschwerdeführern 1 und 4 bestanden habe. D er Beschwerdeführer sei von Anfang an sehr transparent gewesen, was die Existenz der Beschwerdeführerin 4 und die gemeinsamen Kinder betreffe. Die Beschwerdeführerin 4 habe bei den Besuchen bei ihnen gelebt, weil sie kein Geld für ein Hotel gehabt hätten. Zudem sei sie immer nur dann auf Besuch gewesen, wenn die Kinder Ferien gehabt hätten. Es ersch eint nachvollziehbar, dass die Besuche der Beschwerdeführerin 4 mit dem Blick auf das Ki ndswohl erfolgten. Weiter bleibt unbestritten, dass die Beschwerdeführerin 4 bei ihren Be suchen in der Schweiz im Zimmer der Kinder schlief, während das Ehepaar im ehelichen Schla fzimmer schlief. Ebenso führten die Beteiligten übereinstimmend aus, dass die Beschwerdeführ erin 4 oft zusammen mit den Kin- dern ihre Mutter in Zürich besuchte, damit der Beschwerdeführer 1 und seine Ehefrau während- dessen Zeit ohne die Kinder verbringen konnten. Ähnl iches gilt für die Besuche des Beschwer- deführers 1 in Serbien. Auch hier zeigen die Beschwerde führer nachvollziehbar auf, dass die Besuche dem Kindswohl geschuldet waren und sich die Beschwerdeführer 1 und 4 kein Zimmer geteilt haben. Unter den konkreten Umständen bleibt es eine unbelegte Mutmassung der Vorinstanzen, dass die Beziehung zwischen dem Beschwerdefüh rer 1 und der Beschwerde- führerin 4 während der Ehe mit der Ex-Ehefrau aufrech terhalten worden sei. Dass die Be- schwerdeführer 1 und 4 – nach der gescheiterten Ehe des Beschwerdeführers 1 – nun Hoch- zeitsabsichten haben, spricht sodann nicht notwendigerwe ise für eine geführte Parallelbe- ziehung. Hinsichtlich des Umstands, dass die Ex-Ehefrau die Familie der Beschwerdeführer nie näher kennengelernt hat, führen die Beschwerdeführer und die Ex-Ehefrau glaubhaft an, dass ihre Familien die Ehe aufgrund des Altersunterschieds u nd der anderen Nationalitäten nicht gutgeheissen hätten. Daher erscheint es ebenfalls nachvo llziehbar, dass die Ex-Ehefrau bei ihren Besuchen in Serbien in einem Hotel gewohnt hat und nicht bei der Familie der Beschwer- deführer. 7.2 Die Vorinstanz wertete die zeitliche Abfolge der Ge schehnisse als Indiz für ein planmässiges Vorgehen des Beschwerdeführers 1, um für die Familie einen Aufenthaltstitel in der Schweiz zu erlangen. Diesbezüglich ist zu würdigen, dass die Beziehung von der Ex-Ehe- frau und dem Beschwerdeführer 1 nicht nahtlos an die f rühere Beziehung mit der Beschwerde- führerin 4 anschloss. Gemäss übereinstimmender Aussagen fü hrten die Beschwerdeführer 1 und 4 in den Jahren 2003 bis 2009 eine Beziehung. Der Beschwerdeführer 1 und seine Ex-Ehe- frau lernten sich gemäss ebenfalls übereinstimmender Aussag en erst Ende des Jahres 2011 kennen. Gegen die Schlussfolgerung, dass ein planmässiges Vorgehen vorliegt, spricht zudem, dass die Initiative zur Scheidung von der Ex-Ehefrau aus gegangen ist und beim Beschwerde- führer 1 in diesem Zeitpunkt noch ein Ehewille bestand . Auch wenn einzelne Verdachts- momente auf eine Umgehungsehe bestehen bleiben, lässt die geschilderte Indizienlage keinen klaren Schluss zu, dass zwischen der Ex-Ehefrau und dem Besc hwerdeführer 1 eine Umge- hungsehe bestanden hat, weshalb das Vorliegen einer Umgehungsehe nicht erstellt ist. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Da eine Umgehungsehe nicht erstellt ist, ist der Wid errufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. a AIG nicht erfüllt. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. Der angefochtene Beschluss des Regierungsrats ist aufzuheben und dem Beschwerdeführer 2 ist die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. 9. Bezüglich des Gesuchs um Einreise zwecks Vorbereitung d er Heirat der Beschwer- deführerin 4, wird die Angelegenheit zur Abklärung de s Sachverhalts und neuen Entscheidung an das AFMB zurückgewiesen, da dieses die entsprechenden V oraussetzungen noch nicht ge- prüft hat. 10.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 2 0 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden in der Regel der unt erliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'000.-- dem Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft aufzuerlegen. 10.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann gemäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der in der Honorarno te vom 13. Januar 2023 geltend gemachte Aufwand von 16 Stunden und 20 Minuten à Fr . 250.-- erweist sich als angemessen. Dem Rechtsvertreter sind zudem noch fünf Stunden Aufwan d zusätzlich für die Vorbereitung und Teilnahme an der Parteiverhandlung zu gewähren. Den Beschwerdeführern ist somit eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6'136.65 (inkl . Auslagen und 7.7% MWST) zulasten des Regierungsrats des Kantons Basel-Landschaft zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Regierun gsratsbeschluss Nr. 1334 vom 6. September 2022 aufgehoben und das Am t für Migration und Bürgerrecht des Kantons Basel-Landschaft an gewie- sen, die die Aufenthaltsbewilligung von B.____ zu verlängern. 2. Bezüglich des Gesuchs um Einreise zwecks Vorbereitung de r Heirat von D.____ wird die Angelegenheit zur Abklärung des Sa chverhalts und Entscheidung an das Amt für Migration und Bürgerr echt des Kantons Basel-Landschaft zurückgewiesen. 3. Bezüglich der Kosten für das vorinstanzliche Verfahr en wird die Angelegenheit zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück- gewiesen. 4. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'000.-- werden dem Regierungsrat des Kanton-Basel-Landschaft auferlegt. 5. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat den Beschwer- deführern eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6'136.65 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) auszurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.