Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Juni 2022 (720 20 108 / 137) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Würdigung des Gerichtsgutachtens Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dieter Roth, Advokat, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff Berufliche Massnahmen A.a Der 1973 geborene A.____ war zuletzt als selbstän diger B.____ tätig. Am 9. August 2012 meldete er sich unter Hinweis auf Beschwerden am Bewegungsapparat bei der Eidgenös- sischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Na ch Abklärung der gesundheitli- chen und beruflichen Verhältnisse von A.____ sowie durchge führtem Vorbescheidverfahren lehnte die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) das Begehren mit Verfügung vom 4. Dezember 2012 mangels Invalidität ab. Diese Verfügu ng erwuchs unangefochten in Rechts- kraft. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.b Am 3. April 2013 stellte der Versicherte erneut e in Leistungsbegehren, welches von der IV-Stelle als Gesuch um berufliche Massnahme entgegen genommen und mit Verfügung vom 4. Juni 2014 abgelehnt wurde. Auch diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft. A.c Am 13. Juni 2018 meldete sich A.____ wiederum bei der IV zur beruflichen Integration bzw. für eine Rente an. Nach Abklärung der medizinischen und beruflichen Verhältnisse sowie Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfü- gung vom 6. Februar 2020 erneut ab, wobei sie sich im Wesentlichen auf das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten der MediCore (Bad Ragaz) AG (MediCore) vom 3. Januar 2020 stützte. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Dieter Roth, mit Schrei- ben vom 9. März 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung auf- zuheben und ihm eine halbe IV-Rente auszurichten. Eventu aliter sei die Verfügung aufzuheben und ihm berufliche Massnahmen (Kapitalhilfe) zu gewähren. Subeventualiter sei die Angelegen- heit zur Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen. C. Mit Vernehmlassung vom 25. März 2020 beantragte die IV-Stelle, es sei die Beschwerde abzuweisen. D. Der Versicherte beantragte mit Schreiben vom 17. A pril 2020, es sei das Beschwerde- verfahren um mindestens drei Monate zu sistieren, da er derzeit auf eine Abklärung des chroni- que fatigue syndroms warte, welche er bei Dr. med. D.____ in die Wege geleitet habe. Das Glei- che gelte für die weiteren Behandlungen und Untersuchungen durch die E.____-Klinik. Schliess- lich warte der Beschwerdeführer ebenfalls seit Monaten a uf eine Darmuntersuchung am Kan- tonsspital K.____. E. Mit Schreiben vom 27. April 2020 führte die IV-St elle aus, ihrer Ansicht nach sei eine Sistierung des Verfahrens nicht notwendig. F. Mit Verfügung vom 6. Mai 2020 wies das Kantonsgeri cht das Sistierungsgesuch zurzeit ab. G. Der Beschwerdeführer reichte in der Folge mit Schr eiben vom 20. Mai 2020 diverse Un- terlagen ein. H. Mit Schreiben vom 29. Juni 2020 bzw. vom 17. Juli 2 020 hielten sowohl die IV-Stelle unter Hinweis auf die Stellungnahme des Regionalen Är ztlichen Dienstes (RAD) als auch der Beschwerdeführer an ihren Anträgen fest. I. Anlässlich der Urteilsberatung vom 3. September 2020 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der An gelegenheit gestützt auf die medizini- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht sche Aktenlage nicht möglich sei. Es beschloss deshalb, den Fall auszustellen und ein polydis- ziplinäres Gerichtsgutachten mit den Disziplinen Rheumatol ogie, Handchirurgie, Psychiatrie, Neurologie und Oto-Rhino-Laryngologie bei der Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) einzuholen. Gleichzeitig unterbreitete das Gericht den Parteien den Entwurf des Auftrages an die asim sowie den vorgesehenen Fragenkatalog. Die IV-Stell e stellte dem Gericht mit Schreiben vom 1. Oktober 2020 eine Stellungnahme des RAD mit sich aus rheumatologischer Sicht auf- drängenden Fragen zu. Der Beschwerdeführer hielt mit Schreiben vom 16. Oktober 2020 fest, es sei bei der Neubegutachtung auf jeden Fall wichtig, dass die Gutachter eine umfassende Abklä- rung vornehmen und insbesondere die neusten Unterlagen betreffend "chronic fatigue syndrome" berücksichtigen würden. Nachdem das asim das Kantonsgericht darüber informiert hatte, dass zusätzlich eine kardiologi- sche Untersuchung inklusive Kipptisch-Untersuchung sowie eine neuropsychologische Untersu- chung vorgenommen werden müssten, verfügte das Kantonsg ericht am 3. März 2021, dass es beachsichte, diese Abklärungen vornehmen zu lassen und ga b den Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme. Sowohl der Beschwerdeführer als auch die Beschwerdegegnerin brachten keine Einwände gegen die zusätzlichen Abklärungen vor. J. Das von der asim erstellte Gerichtsgutachten datiert vom 14. September 2021. In der Folge wurde den Parteien Gelegenheit gegeben, sich zum Gutachten sowie zu den Auswirkun- gen der medizinischen Beurteilung auf den Leistungsanspruch zu äussern. Die Beschwerdegeg- nerin führte mit Schreiben vom 7. Oktober 2021 unter Hinweis auf eine Stellungnahme sowie eine Aktennotiz des RAD aus, dass das asim-Gutachten diverse Mänge l aufweise und deshalb auf dieses nicht abgestellt werden könne. Der Beschwerdeführer hielt mit Schreiben vom 18. Oktober 2021 fest, dass auf das Gerichtsgutachten abgestellt werden könne. Mit Schreiben vom 25. Ok- tober bzw. 12. November 2021 hielten sowohl die Beschwerdegegnerin als auch der Beschwer- deführer an ihren zuletzt gestellten Begehren und Ausführungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen fo rm- und fristgerecht eingereichte Be- schwerde ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. D ie vorliegend angefochtene Verfügung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. De- zember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden j eweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die I V-Stelle das Leistungsbegehren des Be- schwerdeführers zu Recht abgewiesen hat. 3.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich- tigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nu r vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.2 Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltend e somatoforme Schmerzstö- rung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur (B GE 143 V 409, 143 V 418), sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berücksichti- gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät- zen (BGE 141 V 281 E. 2., 3.4-3.6 und 4.1). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen An- näherungswerte miteinander zu vergleichen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist i n Anlehnung an die spezifische Me- thode für Nichterwerbstätige ein Betätigungsvergleich anzustellen und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen (ausserordentliches Bemessungsverfahren; BGE 128 V 29 E. 1, Urteil des Bundesgerichts vom 17. November 2015 , 8C_492/2015, E. 2.1). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Aus- künfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Per- son noch zugemutet werden können (BGE 132 V 97 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu-ge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht b ei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des m edizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergut- achten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerung en gelangt. Eine abweichende Be- urteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gege nsätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis de s Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). Im Weiteren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezial- ärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auc h der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung de s medizinischen Sachverhalts auf das polydisziplinäre Gutachten der MediCore vom 3. Januar 2020, erstellt durch pract. med. F.____, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med. G.____, FMH Rheumatologie, Dr. med. H.____, FMH Handchirurgie und FMH Orthopä- dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappara tes, Dr. med. I.____, Facharzt für Neurologie, und Dr. med. J.____, FMH Oto-Rhino-Laryngologie. 6.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen. Anlässlich der ersten in dieser Angelegenh eit erfolgten Urteilsberatung vom 3. September 2020 folgte das Kantonsgericht in wesentlichen Punkten den Argumenten des Be- schwerdeführers und gelangte zur Auffassung, dass dem dazumal vorliegenden polydisziplinären Gutachten der MediCore vom 3. Januar 2020 keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. 6.3 Das Kantonsgericht führte mit Beschluss vom 3. Sept ember 2020 im Wesentlichen aus, dass zunächst das rheumatologische Teilgutachten zu Zweif eln Anlass gebe. So widerspreche Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Einschätzung des Gutachters, dass der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit (als B.____) voll arbeitsfähig sei, dem Beschrieb des noch möglichen Leistungsprofils. Des Weiteren erscheine es widersprüchlich, wenn der Gutachter eine vol le Arbeitsfähigkeit attestiere, in der Folge jedoch zur relevanten Verbesserung der Arbeitsfähigkeit eine mindestens vierwöchige Re- habilitation mit Einbezug eines multimodalen Therapie konzeptes, die Gabe von Antidepressiva zwecks Schmerzdistanzierung, eine epidurale Steroidinfiltration auf der Höhe L4/L5 sowie alter- native Heilmethoden empfehle. Das Kantonsgericht hielt weiter fest, auch das psychiatri sche Teilgutachten gebe Anlass zu Be- anstandungen. So stelle die Gutachterin einerseits fest , dass der Explorand seine eigenen Be- strebungen bisher stets umsetzen und seine Ziele jeweils erreichen konnte. Die exekutiven Funk- tionen wie die Fähigkeit zu Analyse und Problemlösung seien nicht beeinträchtigt. Demgegen- über stehen andererseits die von der Gutachterin gemacht en Feststellungen, wonach eine Selbstverleugnung im gesamten Lebenslauf des Patienten festzustellen sei und es an einer Aus- einandersetzung mit seinen Problemen fehle. Zudem hab e er nicht nachvollziehbare respektive nicht realistische Absichten bezüglich einer möglichen sel bständigen Erwerbstätigkeit seiner Partnerin. Weiter werde, so das Gericht, der Abklärun gsbericht der E.____-Klinik vom 20. De- zember 2018 im allgemeinen Aktenauszug wiedergegeben, es finde in der Folge aber keine Aus- einandersetzung mit der im Bericht gestellten Diagnose einer rezidivierenden Depression mit ge- genwärtig leichter Episode statt. Auch die weiteren im Bericht gestellten Diagnosen würden nicht gewürdigt. Die Gutachterin verweise lediglich darauf, dass sie mit der Dokumentation der E.____- Klinik einiggehe, um dann aber einzig die Verdachtsdiagnose einer dissoziativen Bewegungsstö- rung zu stellen. Das Kantonsgericht hielt fest, damit finde keine kritische und ausführliche Würdi- gung divergierender Vorberichte statt. Ausserdem sei das psychiatrische Teilgutachten auch hin- sichtlich der Gegenüberstellung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen andererseits nicht schlüssig. Eine eingängige Diskussion, wie die Be- lastungsfaktoren und Ressourcen letztendlich zu gewichten seien, fehle im Gutachten. Das Kantonsgericht führte ausserdem aus, das handchirurgische Teilgutachten sei mehrheitlich überzeugend, allerdings bestehe ein Widerspruch zwischen der vom Gutachter gestellten Diag- nose und der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Patienten. So werde diesem eine Arbeitsfä- higkeit von 90 % in der angestammten Tätigkeit attestie rt ohne dass eine Diagnose mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werde. Zu beanstanden sei auch die Konsensbeurteilung der MediCore-Gutachter. So werde festgehal- ten die Arbeitsfähigkeit im angestammten Tätigkeitsbereich betrage aus rheumatologischer und handchirurgischer Sicht je 100 %. Damit widerspreche die Konsensbeurteilung jedoch den Fest- stellungen im rheumatologischen und im handchirurgischen Teilgutachten. Nicht zu beanstanden seien hingegen das neurologische und das oto-rhino-laryngologische Teilgutachten. Da der neu- rologische sowie der oto-rhino-laryngolgische Aspekt in der Konsensbeurteilung jedoch von den anderen Teilgutachten abhängig sei, würden deren Mängel mittelbar auch jene Teilgutachten be- schlagen. Daraus folgernd hielt das Kantonsgericht fest, dass sich in mehrfacher Hinsicht Zweifel am poly- disziplinären der MediCore vom 3. Januar 2020 ergeben würden, weshalb darauf nicht abgestellt Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden könne (vgl. dazu die ausführliche Begründung i m Beschluss des Kantonsgerichts vom 3. September 2020). Weiter hielt das Kantonsgericht f est, dass auch die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte keine verlässliche Entscheid ungsgrundlage bilden würden, weshalb die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren nicht beweiskräftig seien. Da- her hat das Kantonsgericht in der Folge ein polydiszipli näres Gutachten bei der asim in Auftrag gegeben. 7. Am 14. September 2021 ergeht das polydisziplinäre G utachten der asim mit den Diszip- linen Psychiatrie, Rheumatologie, Neurologie, Otorhinolaryngologie, Handchirurgie sowie weite- rer durchgeführter Zusatzdiagnostik, unter anderem einer neuropsychologischen Untersuchung. 7.1 In der Konsensbeurteilung des polydisziplinären Gut achtens werden folgende Diagno- sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: 1. Neurasthenie (lCD-10: F48.0) 2 Persönlichkeitsstörung mit v.a. narzisstischen Zügen (lCD- 10: F60.9, DD F61.0) - DD traumaassoziiert bei diversen kindheitsbiographisch e Belastungsfaktoren (entsprechend Z50.5, Z61.3, Z61.8, Z62.3, Z63.6, ki ndlichem Z73.7 ) 3. Leichte neuropsychologische Störung bei unterdurchschnittlicher lntelligenz 4. Chronisch-rezidivierendes lumbovertebrales Schmerzsyndrom seit Jahrzehnten - intermittierende tieflumbale Wurzelreizsymptomatik l inks nicht auszuschliessen - klinisch allseitig schmerzhaft eingeschränkte LWS-Bewegl ichkeit, diffuse Dolenzen - bildgebend deutliche Osteochondrose L5/S1 mit Anul usriss ohne aktuelle Hernierung, dehydrierte Bandscheibe L4/5 mit Anulusriss nach links fo raminal, derzeit ohne Nervenwur- zelkompression (MRI 18.01.2021), St. n. diskogener Wurze laffektion L5 beidseits und S1 rechts (MRI 13.01.2017) und L4links (MRI 06.06.2016) 5. Beginnende minime Coxarthrose beidseits, links inguinal symptomatisch mit klinischen und radiologischen Impingement-Zeichen (Röntgen Becken 17. 02.2021) - St. n. Leistenhernien-Operation 2010, keine Zeich en von Rezidivhernie zurzeit (Sonogra- phie Leistenkanal 17.02.2021) 6. Rotatorenmanschetten-tendopathische Schulterschmerzen b eidseits mit Abduktionsbe- hinderung klinisch - bildgebend minime degenerative Supraspinatussehnen -Veränderungen beidseits, leichte Impingement-Symptomatik rechts denkbar (Röntgen re chts 17.02.2021, Sonographie beid- seits 18.02.2021) 7. Unklarer Schwellungszustand der Finger und Kraftlosi gkeit Hände bds. DD: beginnende He- berden- und Bouchard-Arthrose und Rhizarthrose Grad 1 8. Elektrophysiologisch nachgewiesenes mildes Karpaltunnelsyndrom bds. 7.2 In der Herleitung und Begründung der Diagnosen wurde vorweg ausgeführt, beim nun 48-jährigen Exploranden stehe die psychiatrische Beurteil ung im Vordergrund. Es wird auf eine schwierige Zeit im Jugendalter hingewiesen, unter anderem bedingt durch eine Kieferfehlstellung, aufgrund welcher er ein käfigartiges "Gestell" habe tragen müssen. Weiter sei er mit einem geistig behinderten älteren Bruder aufgewachsen. Er sei stets ausgeschlossen und gehänselt worden. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Respekt habe er sich mit seiner körperlichen Kraft verschafft, er habe sich viel geprügelt und sei in der Schule zum "Beschützer der Schwachen" geworden. Zu dem Zeitpunkt, als er seine kiefer- orthopädische Apparatur habe ablegen können, er sei d amals 12-13-jährig gewesen, sei seine Mutter schwer an einer "Ermüdungskrankheit" erkrankt, die sie über 9 Monate ans Bett gefesselt habe und hilf- und pflegebedürftig habe werden lassen . Der frühpubertäre Explorand habe sie wesentlich unterstützt (Begleitung zur Toilette, Eingeben von Essen). Auch das Kochen sowie die Versorgung des geistig behinderten älteren Bruders habe er übernommen (der Vater habe sich nur wenig um seine Familie gekümmert und sich sehr abwer tend gegenüber seinen Söhnen, insbesondere dem Exploranden, verhalten). Der Explorand habe zwei Lehren abgeschlossen, als C.____ und als B.____. Ab 2001 habe er sich mit einer eigenen Firma im B.____-Sektor selbst- ständig gemacht. Eine erste Ehe (zwischen den beiden Ausb ildungen) sei geschieden worden, da seine Ehefrau anamnestisch schwer psychisch krank gewesen sei. Für den Exploranden habe etwa 25-jährig eine für ihn unerklärliche "Schwäche" bzw. Ermüdbarkeit begonnen, jedoch habe er die damals kurzdauernden Schwächezustände mit seiner psychischen Belastung durch die damalige Ehesituation erklärt. Eine zweite Ehe (ab 200 7) sei gescheitert und 2013 geschieden worden. Zunehmend habe er den Eindruck bekommen, unter Schwierigkeiten mit dem Gedächt- nis und der Konzentrationsfähigkeit zu leiden, bis es na ch schleichendem Verlauf, circa 2014/2015, zu einer rapiden und erheblichen Verschlechterung der Symptomatik gekommen sei. Anfang 2021 habe er einen Kompagnon in die Firma aufgenommen. Aufgrund des über Jahre entwickelten, anhaltenden und quälenden Erschöpfungsgefühls nach geringer geistiger und/oder körperlicher Anstrengung bzw. der Bewältigung alltäglicher Aufgaben werde, in Übereinstimmung mit der E.____-Klinik im Jahr 2018, eine Neurasthenie diagnostiziert. Gemäss ICD-10 sei das Hauptcharakteristikum einer Neurast henie die Klage über vermehrte Müdigkeit nach geistigen Anstrengungen, häufig verbunden mit abnehmender Arbeitsleistung o- der Effektivität bei der Bewältigung täglicher Aufgab en. Innerhalb eines normal üblichen Zeit- raums sei es dem Exploranden nicht möglich, sich zu erhol en. In der zusätzlich anberaumten neuropsychologischen Untersuchung hätten sich bei validen Testergebnissen eine leichte neu- ropsychologische Störung mit kognitiven Minderleistungen vor allem der Daueraufmerksamkeit und eine unterdurchschnittliche Intelligenz gezeigt. In sgesamt sei die leichte neuropsychologi- sche Störung im Rahmen der psychiatrischen Diagnosen zu er klären. Neben der unterdurch- schnittlichen Intelligenz und der leichten neuropsycholog ischen Störung verfüge der Explorand über ein sozialisationsbedingt sehr geringes (faktisch fehlendes) Introspektions- und Reflexions- vermögen und seit der Adoleszenz überdauernde narzisstische Persönlichkeitszüge. Diese wür- den sich durch ein Grössengefühl in Bezug auf die eigene Bedeutung, Beschäftigung und Fanta- sien über unbegrenzten Erfolg und ideale Liebe sowie die Überzeugung, besonders und einmalig zu sein, ausdrücken. Rein formal könne die Diagnose einer narzisstischen Pers önlichkeitsstörung nicht gestellt wer- den, da eines der geforderten Kriterien nicht erfüllt werde, sodass die Diagnose "Persönlichkeits- störung mit vor allem narzisstischen Zügen" gewählt worden sei. Differentialdiagnostisch sei auch eine "kombinierte Persönlichkeitsstörung" in Betracht zu ziehen. lm Rahmen der Persönlichkeits- pathologie sei auch das über Jahre dysfunktionale Beharren des Exploranden auf eine weiterge- hende Tätigkeit im erlernten Beruf zu verstehen, entgegen ärztlichem Rat aufgrund der körperlich Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schweren Tätigkeitsanteile. Umschulungsmassnahmen seien vom Exploranden jeweils abge- lehnt worden. Die praktisch ausgerichteten Berufsausbil dungen sowie der praktische Teil der Selbstständigkeit in seiner Tätigkeit als B.___ seien dem Exploranden jeweils möglich. Administ- rative Aufgaben im Zusammenhang mit seiner Selbstständigkeit seien früher durch seine ehema- lige Ehefrau, dann durch seine Partnerin erledigt wo rden. Nach ihrem jeweiligen Weggang sei der Explorand mit den administrativen Tätigkeiten akten- und eigenanamnestisch ("ich bin Prak- tiker") überfordert gewesen, was aus aktuell gutachterlicher Sicht, die Ergebnisse der neuropsy- chologischen und psychiatrischen Untersuchung berücksichtigend, nachvollziehbar sei. Eine Stö- rung durch Alkohol sei gemäss klinischem Eindruck und aktue llen Laborbefunden nicht vorlie- gend. Die psychiatrische Störung sei als schwergradig einzuschätzen. Bezüglich die psychiatrische Vorbeurteilung im Gutachten aus dem Jahr 2020 wurde ausgeführt, die damalige psychiatrische Einschätzung werde dem Gesamtbild des Exploranden nicht gerecht, was am ehesten Folge einer unvollständigen Anamneseerheb ung und einer unzureichenden Psycho- bzw. Persönlichkeitsdiagnostik sei. Eine neuropsychologische Untersuchung habe erst- malig im Rahmen des aktuellen Gutachtens stattgefunden. Die 2020 gutachterlich attestierte dis- soziative Bewegungsstörung stelle tatsächlich einen Teil aspekt der Störung dar, werde jedoch dem Gesamtbild nicht gerecht und sei bei der nun geste llten Diagnose einer Neurasthenie ver- zichtbar. Bei anamnestisch sich verschlechternden tieflumbalen Rückenschmerzen würden sich rheumatologisch klinisch wie auch radiomorphologisch weni g eindrückliche Befunde ergeben. Eine Wurzelaffektion liege dem natürlichen Verlauf folgend nicht mehr, weder aus rheumatologi- scher noch aus neurologischer Sicht, vor. Ein entzündlich rh eumatisches Leiden sei nicht fest- stellbar und eine in den Vorakten diskutierte Gicht-Arthropathie sei gemäss Unterlagen und auch jetzigen Abklärungen nicht sicher nachweisbar. Aktuell se i der Serum-Harnsäure-Spiegel nur leicht erhöht und die beklagten Grosszehengrundgelenksbeschwerden dürften eher Arthrose-Be- schwerde-Äquivalenten entsprechen. Beidseits sei eine be ginnende minime Coxarthrose fest- stellbar. An beiden Schultern würden sich Rotatorenma nschetten-tendopathische Schulter- schmerzen mit Abduktionsbehinderung bei minimen degenerativen Supraspinatussehnen-Verän- derungen beidseits und denkbarer leichter Impingement-Symptomatik rechts zeigen. Die Diskre- panz in der rheumatologischen Untersuchung zwischen gerin ger Eindrücklichkeit der aktuell zu erhebenden somatischen Befunde und einer (hochgradig) g eltend gemachten Leistungsein- schränkung sei im Rahmen der psychiatrischen Diagnosen zu erklären. In Bezug auf den Verlauf des rheumatologischen Gesund heitszustands wurde ausgeführt, seit der Vorbeurteilung im Jahr 2019 habe sich dieser kaum signifikant verschlechtert und gegenüber den Jahren 2014-2016 wohl im unteren Achsenskelettbere ich eher leicht gebessert. Dennoch bestehe für körperlich schwere und sehr schwere Tätigkeiten eine aufgehobene Arbeitsfähigkeit. Anamnestisch würden an beiden Händen Schwellungszustände bestehen, ständig fluktuierend und undulierend. Ursächlich komme ein Karpaltunnelsyndrom und eine beginnende Arthrose in- frage bei beginnender Heberden- und Bouchard-Arthrose und Rhizarthrose Grad I. Höhergradige strukturelle Schäden könnten an den Händen aus handchirurgischer Sicht nicht festgestellt wer- den. Bei anamnestisch seit vielen Jahren, erstmals 2001, bestehender Schwindelsymptomatik würden sich in aktueller Hals-Nasen-Ohren-ärztlicher Abklärung lediglich in zwei Untersuchungen sehr diskrete Zeichen finden lassen, die zu einer zentral- vestibulären Funktionsstörung passen Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht würden. Da aber keine weiteren eindeutigen Zeichen einer zentralen Gleichgewichtsstörung vor- liegen würden, sei den beiden einzigen sehr diskreten Zeichen aus fachärztlicher Sicht keine übermässige Bedeutung beizumessen. Zeichen einer periph er-vestibulären Funktionsstörung würden nicht vorliegen. Eine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei aus Hals-Nasen- Ohren-ärztlicher Sicht nicht zu stellen und anamnestisch würden diese Beschwerden auch nicht im Vordergrund stehen. Insgesamt würden die Gutachter die Schwindel-/Schwächesymptomatik bei fehlenden somatischen Hinweisen als am ehesten im Z usammenhang mit dem psychiatri- schen Krankheitsbild stehend erachten. Neurologisch liege eine Hypästhesie im Areal des Nervus cu taneus femoris lateralis links vor, welche am ehesten auf eine operative Intervention 2010 zurückzuführen sei. Diese Hypästhesie sei bereits 2012 und auch 2019 vorbeschrieben worden. Ein im März 2021 angefertigtes MRI des Schädels habe einen Normalbefund gezeigt. Gastroentero logisch sei in den Akten ein Reizdarmsyndrom vorbeschrieben, wobei es unter regelmässi ger Stuhlregulation zu einer Bes- serung der Stuhlunregelmässigkeiten gekommen sei. Eine E inschränkung der Arbeitsfähigkeit ergebe sich daraus nicht. 7.3 Im Weiteren wurden im Gutachten der asim die funk tionellen Auswirkungen der Be- funde/Diagnosen aufgeführt. Die psychiatrische Störung sei als schwergradig zu beurteilen. Die ungünstigen Interaktionen der am ehesten kongenitalen Lernbehinderung mit unterdur chschnittlichem Intelligenz-Quotienten (IQ) sowie leichter neurokognitiver Störung mit der psychiatrischen Komorbidität wirke sich nega- tiv auf den Alltag des Exploranden aus. Bezogen auf relevante Partizipationsfähigkeiten gemäss Mini-ICF-APP seien aufgrund der festgestellten Störun gen (Neurasthenie, leichtgradige neu- ropsychologische Störung, unterdurchschnittliche Intellig enz, narzisstische Persönlichkeitsstö- rung) aus integriert psychiatrisch-neuropsychologischer Sicht die Fähigkeit des Exploranden zur Planung und Strukturierung von Aufgaben ebenso wie seine Flexibilität leicht (bis allenfalls fluk- tuierend mittelgradig), die Durchhaltefähigkeit schw ergradig, interaktive (Selbstbehauptungs-, Kontakt-, Gruppenfähigkeit-)Fähigkeiten leicht bis kontextbezogen mittelgradig, sowie die Fähig- keit zur Aufrechterhaltung intimer bzw. familiärer Bezi ehungen mindestens mittel- (bis aspekt- weise schwer-)gradig eingeschränkt. Wesentliche psychologisc he Ressourcen seien defizitär ausgebildet, wobei der psychodynamisch nachvollziehbar erheblichen Selbstwertproblematik mit einem "falschen" Grössenselbst in Kombination mit dem Mangel an Introspektions- und Reflexi- onsfähigkeit funktional besondere Bedeutung zukomme. De m Exploranden sei dadurch derzeit eine notwendige Anpassung von Selbstbild und Lebenskonze pt störungsbedingt erheblich er- schwert bis verunmöglicht. Rheumatologisch sei die Ausprä gung der Befunde klinisch und bild- gebend leicht bis mässiggradig, eine Unmöglichkeit für körperlich schwere und sehr schwere Tä- tigkeiten sei aber aus den Befunden ableitbar. Die maximale Handkraft des Exploranden sei beid- seits leicht reduziert. Aufgrund der sehr diskreten Zeichen einer zentralvestibulären Funktions- störung sollte der Explorand sturzgefährdete Arbeiten vermeiden. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht In Bezug auf Belastungsfaktoren und Ressourcen wurde ausg eführt, aktuell sei der Explorand einerseits durch sein störungsbedingtes Verhalten mit ausgelöst und andererseits durch wahr- scheinlich inzwischen realbegründete finanzielle und betr iebliche Schwierigkeiten belastet und gemäss aktueller psychiatrischer Beurteilung auch mehrseitig (psychisch und als Selbstständiger auch kognitiv-organisatorisch) überfordert. Eine subjektive erhebliche Belastung empfinde er auch spürbar durch die Beziehungstrennung im Jahr 2020 und das Fehlen einer Partnerschaft. Des Weiteren wurde ausgeführt, es würden sich weder klinisch noch testpsychologisch und we- der in der psychiatrischen Exploration noch in der neuropsychologischen Untersuchung Hinweise auf eine eingeschränkte Beschwerdenvalidität ergeben, auch kein Anhalt für eine Verdeutlichung. lm Gegensatz habe der Explorand sich und seine Lebensgeschichte tendenziell selbstüberschät- zend bzw. beschönigend dargestellt, indem er sich als "sei t Kindheit gelernter Kämpfer" quasi selbst in der Lage sehe, auch schwerste Misserfolge und Entt äuschungen zu bewältigen. Stö- rungsimmanent (Persönlichkeitspathologie, akzentuiert durch eine neuropsychologische Störung und unterdurchschnittliche Intelligenz) liege eine verminderte Fähigkeit zur Krankheitseinsicht (in psychiatrisch-psychodynamischer Hinsicht) und Behandlungseinsicht vor, die zum Beispiel dazu führe, dass der Explorand sich selbst "quasi als Psychologen" empfinde und derzeit, nach ohne- hin nur diskontinuierlicher Inanspruchnahme, keine spezifische Therapie wahrnehme. Sein Akti- vitätsniveau sei in allen vergleichbaren Lebensbereichen, also auch Alltag und Freizeit, gleicher- massen eingeschränkt. Insgesamt seien die beobachtbaren u nd berichteten Beschwerden des Exploranden als medizinisch-psychiatrisch plausibel und valide einzuschätzen und die Gutachter würden davon ausgehen, dass die hier anamnestisch und (soweit ambulant möglich) befundlich erhobenen Symptome und Einschränkungen auch in seiner realen Lebenswelt reflektiert würden und wirksam seien. 7.4 Hinsichtlich der aktuellen Arbeitsfähigkeit wurde fe stgehalten, die angestammte Tätig- keit als selbstständig erwerbender B.____, einer körperlich schweren Tätigkeit mit aufgrund der Selbständigkeit auch hohen kognitiven Anforderungen, sei dem Exploranden nicht mehr möglich. Diese Einschätzung erfolge aufgrund der rheumatologischen als auch der psychiatrischen Be- urtei lung. Das Belastungsprofil in einer angepassten Tätigkeit wurde wie folgt umschrieben: Keine körper- lich schweren Tätigkeiten. Möglichst körperlich leichte und gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten mit nicht mehr als geringgradiger Anforderung an da s kognitive Leistungsniveau und interaktive Kompetenzen (Teamstruktur, Kundenkontakt), vorzugsweise aufgeteilt auf zwei tägliche Arbeits- phasen mit einer angemessenen Pause dazwischen. Kein Hantieren von Lasten mehr als 5-7 kg, vereinzelt maximal bis 12 kg, ohne wiederholt über Kop f, gebückt, kauernd oder kniend zu ver- richtende Tätigkeitsanteile. Keine Arbeiten mit vorwi egendem Gehen oder Stehen (erlaubt 1/3 der Zeit), kein wiederholtes Benutzen-Müssen von Treppen, Stufen oder Leitern. Keine sturzge- fährdenden Arbeiten. Freier Toilettenzugang. In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine 40%-ige Arbeitsfähigkeit in einer gedachten 5-Tage- Woche. Die Einschränkung erfolge aufgrund der psychiatrischen Beurteilung. Diese Arbeitsfähig- keit könne wahrscheinlich in der Firma des Exploranden umgesetzt werden, da er (neu) einen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kompagnon habe, der den Betrieb einmal übernehmen solle und den er anlerne. Dabei könne er sich die Arbeiten, die er ausüben wolle, aussuchen. Zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit seit der letzten leistungsabweisenden Verfügung der IV-Stelle im Juni 2014 wurde Folgendes ausgeführt: Bereits im Mai 2013 sei dem Exploranden rheumatologisch eine maximal 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert und eine Umschu- lung empfohlen worden. Es bestehe ein chronisches Lumbovertebralsyndrom mit rezidivierenden Exazerbationen. Bei nur leichtgradiger Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustan- des gegenüber 2012 bis 2014 dürfte eine hochgradige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit schon damals bestanden haben, wobei das Ausmass retrospektiv schwer einzuschätzen sei, zumal sich das Belastungsprofil seiner ausgeübten Tätigkeit im Ve rlauf der Jahre geändert habe. Dem selbstständig erwerbenden Exploranden sei es anamnestisch möglich gewesen, Aufträge ent- sprechend seiner körperlichen Belastbarkeit anzunehmen bzw. körperlich schwere Tätigkeitsan- teile abzugeben (er habe beschrieben, ein Netzwerk von i hm helfenden kleinen Firmen zu ha- ben). Dies dürfte jedoch nicht ein Ausmass erreicht ha ben, welches die ausgeübte Tätigkeit als vollständig adaptiert erscheinen liesse. Aber selbst wenn er seine somatischen Einschränkungen somit zumindest teilweise "kompensieren" könnte, bliebe n die psychisch-kognitiven Einschrän- kungen bestehen. Diese wiederum habe er mit Hilfe seiner jeweiligen Partnerin ausgleichen kön- nen, indem sie die administrativen Tätigkeiten überno mmen hätten. Aktuell (seit 2020) sei der Explorand ohne Partnerschaft. Eine im Verlauf schleichende Verschlechterung des Gesundheits- zustandes sei auch aus psychiatrischer Sicht nachvollziehbar. Gesamthaft könne angenommen werden, dass dem Exploranden, die somatischen Einschränkung en, die Intelligenzminderung und die psychiatrische Beurteilung berücksichtigend, eine Se lbstständigkeit mit selbstständiger Buchführung und Gesamtverantwortung für den Betrieb nicht möglich, d.h. er hierfür nicht geeig- net gewesen sei. In der vom Exploranden ausgeübten Tä tigkeit sei von einer relevanten Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen mit zunehmender Verschlechterung im Verlauf. Ab 2014 könne gestützt auf die Akten und anamnestischen Ang aben eine Einschränkung der Ge- samt-Arbeitsfähigkeit von ca. 30 % (Arbeitsfähigkeit 70 %) angenommen werden, ab 2016 habe eine Einschränkung von 50 % (Arbeitsfähigkeit 50 %) u nd ab Sommer/Herbst 2018 eine Ein- schränkung von 70 % (Arbeitsfähigkeit 30 %) bestanden. Ab Gutachtenszeitpunkt sei von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Auch in einer optimal adaptierten Tätigkeit habe sich die Arbeitsfähigkeit mit schleichender Ver- schlechterung reduziert. In einer solchen Tätigkeit ohne starke körperliche Beanspruchung und mit nur geringgradiger Anforderung an das kognitive Leistungsprofil sei seit Juni 2014 von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % auszugehen, ab Juni 2016 von einer Arbeitsfähigkeit von 60 %, ab Sommer 2018 von einer Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen. Ab Sommer 2020 habe die aktuell attestierte Arbeitsfähigkeit von 40 % bestanden. In der aktuellen Bemessung der Arbeitsfähigkeit stehe die psychiatrische Beurteilung im Vorder- grund. Eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung zur Beurteilung eines Therapiefortschritts und der Symptomentwicklung sei in 2-3 ½ Jahren zu empfehlen. Dringend zu empfehlen sei aus the- rapeutischer Sicht eine initial ausreichend lange int ensive stationäre, sowie anschliessend kon- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht sequente ambulante multimodale psychiatrisch-psychotherapeu tisch-psychosoma-tische Be- handlung mit besonderer Schwerpunktlegung auf dem Zi el einer Entwicklung von reiferen Per- sönlichkeitskomponenten, Förderung der Einsichtsfähigkei t des Exploranden, mit Entwicklung von psychologischen Ressourcen und einem (auch Schwächen, Misserfolge, "negative Gefühle" wie Trauer und Wut etc.) integrierenden Selbstbild und Lebenskonzept. Die Prognose bleibe bei den in der Kindheit wurzelnden und über Jahr(zehnt)e in persönlichkeitsassoziierten und somati- sierenden Symptomen unsicher; eine Verbesserung des psychia trischen Gesundheitszustands sowie der allgemeinen Funktions- und der Arbeitsfähigkeit des Exploranden sei mittel- bis länger- fristig aber möglich. Aus rheumatologischer Sicht könnten sich massorthopädische Schuheinla- gen günstig auf die Beschwerdesymptomatik auswirken, weiter konsequente Physiotherapie zur Dehnung der verkürzten Beinmuskulatur, rumpfmuskelkräftige nde Übungen und eine Beratung bezüglich ergonomischer Rückenhygiene. Infiltrative Massnahmen im Rückenbereich könnten al- lenfalls symptomatisch günstig sein. Rumpfmuskelkräftigende Behandlungen könnten eventuell die Verletzlichkeit des Achsenskeletts gegenüber Überla stungen reduzieren, wobei entspre- chende Rumpfmuskelkräftigungsbehandlungen ein stringentes entsprechendes Training voraus- setzen würden, was an ungünstigen nicht-muskulo-skelettären Faktoren in der Durchführung öf- ters zu scheitern pflege. 8. Das polydisziplinäre asim-Gutachten vom 14. November 2 021 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesge richt verlangt wird (vgl. E. 5.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakt en abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Si- tuation ein, es setzt sich mit den vorhandenen abweichend en ärztlichen Einschätzungen ausei- nander und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend . Insbesondere nimmt es auch eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten vor. 8.1 Was die Beschwerdegegnerin vorbringt, ist nicht ge eignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des polydisziplinären asim-Gutachtens vom 14. November 2021 in Frage zu stellen. 8.1.1 Die Beschwerdegegnerin bringt gegen das Gutach ten insbesondere vor, dass die psy- chiatrische Gutachterin keine spezifische narzisstische Persönli chkeitsstörung diagnostiziert habe, weshalb nicht verständlich sei, dass diese trotzdem unter den Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt worden sei. Dieser Vorhalt ist nicht nachvollziehbar. Als Diagnose wird eben gerade keine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, weil eines der ge- mäss ICD-10 vorausgesetzten Kriterien nicht erfüllt ist. Vielmehr hat die Gutachterin eine Persön- lichkeitsstörung mit vor allem narzisstischen Zügen (ICD-10 F60.9, DD F 61.0) diagnostiziert und diese Diagnose ausführlich begründet. In Bezug auf di e von der Vorinstanz getätigten Ausfüh- rungen zur Neurasthenie ist festzuhalten, dass diese auf d er bundesgerichtlichen Rechtspre- chung vor BGE 141 V 281 ff. beruhen und deshalb vorlie gend nicht einschlägig sind. Auch was die von der IV-Stelle geltend gemachte fehlende Prüf ung der Standardindikatoren anbelangt, kann ihr nicht gefolgt werden. Wohl hat die psychiatrische Gutachterin unter dem Titel "Würdigung von Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen" eher knappe Ausführungen gemacht. Aber diese Ausführungen genügen den Anforderungen an eine Standardindikatoren-Prüfung, insbesondere Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch unter Berücksichtigung der im psychiatrischen Teilgut achten insgesamt dargelegten Le- bensumstände. So hat die Gutachterin vorweg auf die gemäss Mini-ICF-APP bestehenden Par- tizipationsfähigkeiten hingewiesen (vgl. dazu ausführlich E. 7.3 hiervor). Unter Verweis auf Kapi- tel 7.1. hält die Gutachterin fest, dass diverse weiter wirksame störungsrelevante kindheitsbio- graphische Belastungen vorliegen würden. Aktuell sei der Explorand zudem einerseits sehr wahr- scheinlich infolge der durch sein störungsbedingtes Verhalten mit ausgelösten und andererseits wahrscheinlich inzwischen real begründeten finanziellen un d betrieblichen Schwierigkeiten be- lastet und auch mehrseitig (psychisch und als Selbständiger möglicherweise auch kognitiv-orga- nisatorisch) überfordert. Eine subjektive erhebliche Bela stung empfinde er auch spürbar durch die Beziehungstrennung im Jahr 2020 und das Fehlen einer Partnerschaft. Des Weiteren zeigt auch der auf S. 11 des psychiatrischen Gu tachtens festgehaltene Tagesab- lauf des Beschwerdeführers, dass von sehr reduzierten Ressourcen auszugehen ist. Soweit der Beschwerdeführer in der sozialen Anamnese angibt, viele und gute Kontakte zu verschiedenen "guten Leuten" zu haben, ist darauf hinzuweisen, dass er gemäss Gutachterin dazu neigt, seine Situation beschönigend darzustellen. Jedenfalls konnte er diese Angaben nicht weiter spezifizie- ren. Im Gegenteil fällt auf, dass er kaum Kontakte zu anderen Personen pflegt, abgesehen vom Kontakt zu seinem Kompagnon, mit dem er zusammenarbei tet und auch gelegentlich abends Filme schaut, und seinem geistig behinderten Bruder, um den er sich kümmert. So hat er bei- spielsweise keinen Kontakt mehr zu seinen Ex-Frauen, seiner Ex-Partnerin und seit Anfang 2021 zu seiner Mutter. Auch zu seinen beiden Töchtern hat er kaum Kontakt, so hat er im Rahmen der Begutachtung durch die fallführende Ärztin angegeben, seine ältere Tochter letztmals vor vier Jahren gesehen zu haben und seine jüngere Tochter habe er im gesamten letzten Jahr nur fünf Stunden sehen dürfen. Zusammenfassend zeigt sich, dass sowo hl die Belastungsfaktoren, die fehlenden Ressourcen sowie die therapeutischen Optionen und auch die Konsistenz ausführlich geprüft wurden. Soweit die Beschwerdegegnerin auf Diskrepanzen hinweist, welche der rheuma- tologische Gutachter angegeben habe, so ist festzuhalten, dass dieser diesbezüglich explizit auf das psychiatrische Fachgutachten verweist. Unter dem Titel "Konsistenzprüfung" hat dieser zu- dem angegeben, eine Verdeutlichungstendenz habe sich im Interview nicht identifizieren lassen. 8.1.2 In Bezug auf das neurologische Teilgutachten ist die Kritik des RAD insoweit nachvoll- ziehbar, als der Gutachter tatsächlich vereinzelt von einer Intelligenzminderung oder Minderintel- ligenz spricht, eine solche jedoch nicht diagnostiziert wird. Massgebend ist insoweit aber ohnehin das neuropsychologische Fachgutachten, das gestützt auf die entsprechenden Abklärungen un- ter anderem die Diagnose einer leichten neuropsychologischen Störung vor allem der Dauerauf- merksamkeit bei unterdurchschnittlicher Intelligenz stellt, die wiederum – entgegen der Auffas- sung des RAD – durchaus Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hat (vgl. E. 7.3 und 7.4 hiervor). Demgegenüber enthält das neurologische Teilgutachten keine neurologischen Diagnosen im en- geren Sinn mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, weshalb ihm für die Gesamtbeurteilung und namentlich die Einschätzung der medizinisch theoreti schen Arbeitsfähigkeit letztlich keine Relevanz zukommt und damit auch die Rüge des RAD nicht ge eignet ist, die Beweiskraft des Gutachtens anzuzweifeln. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1.3 Was die Vorbringen der IV-Stelle bzw. des RAD h insichtlich des neuropsychologischen Fachberichts anbelangt, so sind auch diese nicht geeignet, das Gesamtgutachten in Frage zu stellen. Mit dem Beschwerdeführer ist festzuhalten, dass die Angabe des Beschwerdeführers, er könne in gewissen Momenten noch selber Auto fahren, nicht in Widerspruch zu den Feststellun- gen der Gutachter, auch nicht des Neuropsychologen steht. Die Feststellung der Gutachter, dass der Beschwerdeführer nicht mehr in der Lage sei, den B.____-Betrieb alleine zu führen, ist nach- vollziehbar. So hatte er in der Vergangenheit Hilfe d urch die Ex-Frau, die Ex-Partnerin und nun durch den Kompagnon, nur so konnte er den Betrieb aufr echterhalten. Es sind zudem keine In- konsistenzen ersichtlich, die eine Kombination mehrerer Validitätsprüfungstests erforderlich ma- chen würden. 9. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), weicht das Gericht bei einem Gerichtsgutach- ten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit z ur Verfügung zu stellen, um einen be- stimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Solche Gründe liegen im vorliegenden Fall keine vor, weshalb kein Anlass besteht, von den Ergebnissen des Gerichtsgutachtens abzuweichen. Für die Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arb eitsfähigkeit des Versicherten kann demnach auf das überzeugende Gutachten der asim abgest ellt werden, worin die begutachten- den Fachpersonen zu einem nachvollziehbaren Ergebnis in Bezug auf die verbleibende Arbeits- fähigkeit gelangt sind. Demzufolge ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in der an- gestammten Tätigkeit ab 2014 zu 70 %, ab 2016 zu 50 % , ab Sommer/Herbst zu 30 % und ab Gutachtenszeitpunkt bzw. der zweiten Exploration durch di e psychiatrische Gutachterin (Juni 2021) zu 0 % arbeitsfähig war. In einer optimal adap tierten Tätigkeit bestand bzw. besteht seit Juni 2014 eine Arbeitsfähigkeit von 70 %, ab Juni 2016 eine Arbeitsfähigkeit von 60 %, ab Som- mer 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 50% und ab Sommer 2020 die aktuell attestierte Arbeitsfähig- keit von 40 %. 10. Die IV-Stelle ging in der angefochtenen Verfügu ng vom 6. Februar 2020 davon aus, dass der Beschwerdeführer voll arbeitsfähig sei und demzufo lge kein invaliditätsrelevanter Gesund- heitsschaden bestehe, weshalb ein Anspruch auf berufliche Massnahmen abgelehnt wurde. Das vom Beschwerdeführer eingereichte Formular zum Leistungsbegehren vom 13. Juni 2018 lautete wie folgt: "Anmeldung für Erwachsene: Berufliche Integration/Rente". In der gegen die Verfügung vom 6. Februar 2020 erhobenen Beschwerde stellte der Beschwerdeführer nicht nur ein Begeh- ren um berufliche Massnahmen, sondern in erster Linie ein Begehren um Zusprache einer halben Invalidenrente. Da die IV-Stelle von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausging, hat sie auf weitere Ab- klärungen, insbesondere auf einen Einkommensvergleich, verzichtet. Die Angelegenheit ist dem- zufolge zur Vornahme weiterer Abklärungen in Bezug auf eine allfällige Rente bzw. allfällige be- rufliche Massnahmen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Die IV-Stelle wird dabei von der im asim- Gutachten festgehaltenen Arbeitsfähigkeit auszugehen haben (vgl. E. 9 hievor). 11.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befind en. Da es vorliegend um die Bewilli- gung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts- kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1bis IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind sie von Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Beschwerdegegnerin zu tragen. Der vom Beschwerdefüh rer geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- wird ihm zurückerstattet. 11.2 Wie oben in Ziff. 6.3 und insbesondere im Beschlu ss des Kantonsgerichts vom 3. Sep- tember 2020 ausführlich dargelegt, lag der angefochte nen Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 6. Februar 2020 ein in medizinischer Hinsicht ungenüg end abgeklärter Sachverhalt zu- grunde. Deshalb sind die Kosten für das Gerichtsgutachten der asim in der Höhe von insgesamt Fr. 29'845.65 gemäss Honorarnote vom 31. Oktober 2021 der Beschwerdegegnerin aufzuerle- gen (BGE 140 V 75 E. 6.1 und 139 V 502 E. 4.4). 11.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist dem Beschwerdeführer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertre- ter des Beschwerdeführers hat in seinen Honorarnoten vom 17. Juli 2020 und 3. Dezember 2021 für das vorliegende Beschwerdeverfahren ein Honorar von insgesamt Fr. 8'385.25, basierend unter anderem auf einem Zeitaufwand von 28,08 Stund en, geltend gemacht. Der geltend ge- machte Aufwand erweist sich angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie des Aktenumfangs grundsätzlich als angemessen. Allerdi ngs ist der Aufwand praxisge- mäss um den vor Erlass der angefochtenen Verfügung vom 6. Februar 2020 geltend gemachten Aufwand sowie um den Aufwand für die Anwesenheit wäh rend der Urteilsberatung vom 3. Sep- tember 2020 zu kürzen. Die Teilnahme an der Urteilsberatung wird praxisgemäss nicht entschä- digt. Demzufolge ist der Aufwand insgesamt um pauschal 1,5 Stunden zu reduzieren, womit ein zu entschädigender Aufwand von 26,58 Stunden verbleibt. Die Bemühungen sind zu dem in So- zialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangen- den Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Als angemessen erweisen sich auch die gel- tend gemachten Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 764.90. Damit ist dem Beschwerdefüh- rer für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine reduzie rte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 7'980.45 (26.58 Std. à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 764.90 zuzüglich Mehrwertsteuer von 7,7 %) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 12.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bunde sgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewi rken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vor-aus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen g utgeheissen, die an- gefochtene Verfügung vom 6. Februar 2020 aufgehoben und die Ange- legenheit zur Festlegung der Leistungen an die IV-Stel le Basel-Land- schaft zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 800.-- sowie die Kosten für das Gutachten der Academy of Swiss Insurance Medicine vom 14. Septem- ber 2021 in der Höhe von insgesamt Fr. 29'845.65 wer den der Be- schwerdegegnerin auferlegt. 3. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 4. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer ei ne reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 7'980.45 (inkl. Aus- lagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht