<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 39 S.204</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">204</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>39 Legitimation</b></span> <span class="ft2"><b>Dritter.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Legitimation im Falle einer Drittbeschwerde zugunsten des Verfü-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gungsadressaten (Erw. I/3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Ausstand eines Gemeinderats, der von Amtes wegen Präsident der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Forstbetriebskommission Y. ist und dessen Forstbetrieb Y. für den</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Flurstrassenunterhalt seiner Einwohnergemeinde ein Angebot einge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>reicht hat (Erw. II/4.1).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 17. Januar 2006 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">A und B gegen den Gemeinderat X.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I.</span><br/> <span class="ft1">1.-2. (...)</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Gemeinderat bestreitet die Beschwerdelegitimation des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers 1. Da er nicht zum Kreis der zur Offertabgabe Ein-</span><br/> <span class="ft1">geladenen gehöre, sei er weder am Verfahren beteiligt noch von den</span><br/> <span class="ft1">angefochtenen Verfügungen betroffen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">205</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Demgegenüber machen die Beschwerdeführer geltend, das</span><br/> <span class="ft1">landwirtschaftliche Gewerbe "W." werde als Familienunternehmen</span><br/> <span class="ft1">geführt. Bis zum 31. Dezember 2002 sei A Eigentümer des Familien-</span><br/> <span class="ft1">unternehmens gewesen. Er habe den "W." an seinen Sohn B per</span><br/> <span class="ft1">1. Januar 2003 übergeben. Ab diesem Zeitpunkt sei A bei seinem</span><br/> <span class="ft1">Sohn B im Betrieb angestellt. Vom Generationswechsel habe die</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde X bereits anlässlich der Hofübergabe Kenntnis erhalten.</span><br/> <span class="ft1">Jedoch habe sie darauf verzichtet, A den Auftrag für den Unterhalt</span><br/> <span class="ft1">der gemeindeeigenen Flurstrasse anlässlich der Hofübergabe zu ent-</span><br/> <span class="ft1">ziehen und ein neues Submissionsverfahren durchzuführen. Die</span><br/> <span class="ft1">Fakturierung für die nach der Hofübergabe an gemeindeeigenen</span><br/> <span class="ft1">Strassen geleistete Unterhaltsarbeiten sei durch A und B gemeinsam</span><br/> <span class="ft1">erfolgt. Im Frühjahr 2004 sei eine Rechnung dann nur noch mit dem</span><br/> <span class="ft1">Absender B versehen gewesen, woraufhin die Gemeinde das Auf-</span><br/> <span class="ft1">tragsverhältnis mit A per 31. Dezember 2004 aufgelöst habe. Die</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde habe somit zwischen dem 1. Januar 2003 und dem 31. De-</span><br/> <span class="ft1">zember 2004 mit B als dem Eigentümer des "W." ein faktisches</span><br/> <span class="ft1">Auftragsverhältnis aufrechterhalten und gleichzeitig das bestehende</span><br/> <span class="ft1">Vertragsverhältnis mit A bis zum 31. Dezember 2004 weitergeführt.</span><br/> <span class="ft1">Die Maschinen und Werkzeuge der Gemeinde seien auch heute noch</span><br/> <span class="ft1">im "W." eingestellt. Wenn die Hofübergabe seitens der Gemeinde X</span><br/> <span class="ft1">zum Anlass genommen werde, ein neues Submissionsverfahren</span><br/> <span class="ft1">durchzuführen, so hätte dies bereits im Jahr 2003 erfolgen müssen.</span><br/> <span class="ft1">Es sei befremdend, dass die Gemeinde erst 2005 mit dem Submis-</span><br/> <span class="ft1">sionsverfahren begonnen habe. Deshalb sei auch A als Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer legitimiert.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Verfügungen und Entscheide kann jedermann durch Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde anfechten, der ein schutzwürdiges eigenes Interesse gel-</span><br/> <span class="ft1">tend macht (§ 38 Abs. 1 VRPG in Verbindung mit § 23 SubmD). Der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsschutz im öffentlichen Beschaffungswesen hat zum Zweck,</span><br/> <span class="ft1">dass die Anbietenden gegen vermutete Verletzungen von Submissi-</span><br/> <span class="ft1">onsvorschriften im Zusammenhang mit Beschaffungen, an denen sie</span><br/> <span class="ft1">ein Interesse haben oder gehabt haben, sollen Beschwerde führen</span><br/> <span class="ft1">können. Die nicht berücksichtigten oder ausgeschlossenen Mitbewer-</span><br/> <span class="ft1">ber gehören bei einem öffentlichen Vergabeverfahren zu den pri-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">206</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mären Verfügungsadressaten. Sie sind vom Entscheid der Vergabe-</span><br/> <span class="ft1">behörde direkt und unmittelbar betroffen. Ihnen soll daher grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich die Möglichkeit zukommen, widerrechtliche Entscheide der</span><br/> <span class="ft1">Vergabebehörde, namentlich einen widerrechtlichen Ausschluss oder</span><br/> <span class="ft1">einen widerrechtlich erteilten Zuschlag, durch förmliche Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">anzufechten (§ 24 Abs. 1 SubmD; vgl. AGVE 1998, S. 350 ff. mit</span><br/> <span class="ft1">Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">In erster Linie sind es somit die Adressaten einer Verfügung,</span><br/> <span class="ft1">welche befugt sind, diese anzufechten. Der Beschwerdeführer 2 ist</span><br/> <span class="ft1">vom Gemeinderat zur Einreichung einer Offerte eingeladen worden.</span><br/> <span class="ft1">Er hat fristgerecht ein Angebot eingereicht. Dieses Angebot ist vom</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat nicht berücksichtigt worden, was dem Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer 2 mit Verfügung vom 20. Juni 2005 mitgeteilt worden ist. Als</span><br/> <span class="ft1">nicht berücksichtigter Anbieter ist der Beschwerdeführer 2 unbe-</span><br/> <span class="ft1">strittenermassen zur Beschwerde legitimiert. Demgegenüber ist der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer 1 am vorliegenden Verfahren nicht als Anbieter in</span><br/> <span class="ft1">Erscheinung getreten. Er ist folgerichtig auch nicht Adressat der Ver-</span><br/> <span class="ft1">fügung vom 20. Juni 2005. Mithin handelt es sich bei der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde des Beschwerdeführers 1 um eine Drittbeschwerde zu-</span><br/> <span class="ft1">gunsten des Verfügungsadressaten, des Beschwerdeführers 2.</span><br/> <span class="ft1">Beschwerden zugunsten Dritter sind nur in Ausnahmefällen</span><br/> <span class="ft1">zulässig (Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontroll-</span><br/> <span class="ft1">verfahren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtspflege [Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG], Diss. Zürich</span><br/> <span class="ft1">1998, § 38 N 136), in der Regel aufgrund ausdrücklicher Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mungen oder bei Sachverhalten, wo sich der Beschwerdeführer zwar</span><br/> <span class="ft1">selber auf Vertrauensschutz berufen, aber nicht Leistung an sich sel-</span><br/> <span class="ft1">ber beantragen kann. Letzteres Kriterium ist insbesondere bei Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerden von Vertragspartnern eines Leistungsempfängers zu be-</span><br/> <span class="ft1">achten. Die Praxis bejaht die Beschwerdelegitimation solcher Perso-</span><br/> <span class="ft1">nen nur zurückhaltend. Die Tatsache, dass ein Vertrag mit dem Ver-</span><br/> <span class="ft1">fügungsadressaten besteht, genügt für sich allein nicht, um das Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerderecht des Dritten zu begründen; es bedarf dazu in der Regel</span><br/> <span class="ft1">zusätzlicher, besonderer Gründe. Das Beschwerderecht des Vertrags-</span><br/> <span class="ft1">partners des Verfügungsadressaten wird anerkannt, wenn er in be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">207</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rechtigtem Vertrauen auf den Fortbestand der privatrechtlichen Be-</span><br/> <span class="ft1">ziehung bereits umfangreiche Dispositionen getroffen hat, die ihm</span><br/> <span class="ft1">aufgrund der vertraglichen Beziehung nicht ersetzt werden, wenn er</span><br/> <span class="ft1">also ein gewichtiges spezifisches, konkretisiertes Interesse nach-</span><br/> <span class="ft1">weist, das durch die Aufhebung oder Änderung der angefochtenen</span><br/> <span class="ft1">Verfügung gewahrt werden könnte (VGE II/28 vom 9. April 2003</span><br/> <span class="ft1">[BE.2003.00038], S. 10; AGVE 1985, S. 356 ff.).</span><br/> <span class="ft1">3.4.</span><br/> <span class="ft1">Die Übergabe des "W." vom Beschwerdeführer 1 an den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer 2 erfolgte am 1. Januar 2003. Seither ist der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer 1 lediglich noch Angestellter des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rers 2. In seiner Eigenschaft als Arbeitnehmer ist der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer 1 nach dem Gesagten nicht zur Beschwerde legitimiert. Be-</span><br/> <span class="ft1">sondere Gründe, welche die Beschwerdelegitimation ausnahmsweise</span><br/> <span class="ft1">zu begründen vermögen, wurden nicht geltend gemacht. Der Hinweis</span><br/> <span class="ft1">auf das bis zum 31. Dezember 2004 für die fraglichen Arbeiten be-</span><br/> <span class="ft1">stehende Vertragsverhältnis zwischen der Einwohnergemeinde X und</span><br/> <span class="ft1">dem Beschwerdeführer 1 genügt jedenfalls nicht, nachdem der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer 1 die Kündigung des Vertrages akzeptiert hat. Folg-</span><br/> <span class="ft1">lich darf auf die Beschwerde des Beschwerdeführers 1 nicht einge-</span><br/> <span class="ft1">treten werden.</span><br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">1.-3. (...)</span><br/> <span class="ft1">4. (...)</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Soweit der Beschwerdeführer</span> <span class="ft1">2 eine Verletzung der Aus-</span><br/> <span class="ft1">standspflicht rügt, erweist sich seine Beschwerde ebenfalls als be-</span><br/> <span class="ft1">gründet. Gemeinderat X. ist von Amtes wegen Präsident der Forst-</span><br/> <span class="ft1">betriebskommission Y. Der Forstbetrieb Y. hat für den Flurstrassen-</span><br/> <span class="ft1">unterhalt der Einwohnergemeinde A ein Angebot eingereicht. Als</span><br/> <span class="ft1">Mitglied der Forstkommission und damit als Verwaltungsorgan des</span><br/> <span class="ft1">Forstbetriebes war X. wegen des bestehenden Interessenkonflikts</span><br/> <span class="ft1">verpflichtet, sich bei sämtlichen Gemeinderatssitzungen, welche die</span><br/> <span class="ft1">Vergebung des Flurstrassenunterhalts zum Geschäftsgegenstand hat-</span><br/> <span class="ft1">ten, in den Ausstand zu begeben (§ 5 Abs. 1 VRPG i.V.m. § 2 lit. a</span><br/> <span class="ft1">Ziff. 7 ZPO). Dies gilt namentlich für die Sitzung vom 9. Mai 2005,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">208</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">anlässlich welcher über die Zuschlagserteilung beschlossen wurde.</span><br/> <span class="ft1">Wie dem fraglichen Protokollauszug entnommen werden kann, hat Y</span><br/> <span class="ft1">bei der Beschlussfassung mitgewirkt. Mithin liegt tatsächlich eine</span><br/> <span class="ft1">Verletzung der Ausstandpflicht vor. Die in § 2 ZPO geregelten Aus-</span><br/> <span class="ft1">schliessungsgründe wirken absolut. Solche unter der Mitwirkung ei-</span><br/> <span class="ft1">nes ausstandspflichtigen Behördenmitglieds zustande gekommene</span><br/> <span class="ft1">Entscheide bleiben anfechtbar, auch wenn ein erkennbarer Aus-</span><br/> <span class="ft1">standsgrund während des Verfahrens nicht sofort gerügt wurde oder</span><br/> <span class="ft1">unbemerkt blieb. Auch die erst im Rechtsmittelverfahren gerügte</span><br/> <span class="ft1">Nichtbeachtung der Ausstandspflicht führt zur Aufhebung des Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheids (AVGE 2004, S. 170 ff.).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>