BRKE I Nr. 161/1999 vom 20. August 1999 in BEZ 1999 Nr. 28 … 4. Die Nachbarrekurrenten wenden sich gegen die der diAx mobile erteilten Bewilligung für die Erstellung einer Antennenanlage, welche als Basisstation deren Mobiltelefonnetz GSM (Dualband 900/1800 MHz [Megahertz]) ergänzen soll. Die projektierte Sende - und Empfangsanlage besteht im W esentlichen aus drei Ante n- nen des Modells Kathrein Eurocell A -Panel – Dual Polarization (Typennummer 739623) mit je einem Sende- und Empfangsmodul, welche bei voller Auslastung eine Leistung von maximal je 316 W ERP (Watt, effective radiated power) aufweisen. Zur Anlage geh ören zudem zwei Richtfunkantennen zur Sicherstellung der Verbindung zum übrigen Netz der privaten Rekursgegneri n. Diese Antennen weisen eine Au s- gangsleistung von u nter 0,1 W auf und sind daher zum vornherein immissionsmä s- sig nicht beach tlich. Die strittige Anlage, welche auf den Hauptstrahlrichtungen AZ (Azimut) 70°, 160° und 330° betrieben werden soll, ist auf dem Dach des bestehen- den rund 18,50 m hohen Geschäftsgebäudes F.-strasse 44 geplant. … 7. Das Bundesgesetz über den Umweltschutz vom 7. Oktober 1983 (USG) b e- zweckt im W esentlichen, den Menschen und seine Umwelt gegen schädliche oder lästige Einwirkungen zu schützen (Art. 1 Abs. 1 USG). Zu diesen Einwirkun gen zäh- len n eben Lärm, Verunreinigungen und Erschütterungen u.a. auch Strahlen (Art. 7 Abs. 1 USG). In den Anwendungsbereich des Umweltschutzgesetzes fallen alle r-- 2 - dings nur nichtionisierende Strahlen, da ionisi erende Strahlung (v.a. Radioaktivität) einer speziellen Gesetzgebung, nämlich dem Strahlenschutzgesetz untersteht (URP 1996, S. 673). G emäss Art. 11 Abs. 1 USG sind Emissionen grundsätzlich durch g e- eignete Massnahmen an der Quelle zu begrenzen. Nach dem zw eistufigen Konzept der Emissionsbegrenzung sind, unabhängig von bestehenden U mweltbelastungen, zunächst alle Emissionen im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 U SG). Wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirku ngen schädlich oder lästig sind, werden die Emissionsbegrenzungen verschärft (Art. 11 Abs. 3 USG), wobei dann die wirtschaftliche Tragbarkeit keine abs olute Grenze mehr darstellt (vgl. An d- ré Schrade, Kommentar zum USG, 1987, N. 43 zu Art. 11). Ab welchem Mass Ei n- wirkungen u.a. von Strahlen schädlich oder lästig sind, bestimmt sich gemäss Art. 13 Abs. 1 USG aufgrund von Immissionsgrenzwerten (IGW ), welche der Bundesrat auf dem Verordnungsweg festzule gen hat. Nachstehend wird zu prüfen sein, ob die r e- kursbetroffene Antennenanlage den genannten Anford erungen der Umweltschut z- gesetzgebung genügt. 8. a) Nichtionisierende Strahlung (NIS) ist teils natürlichen Ursprungs und wird teils durch technische Anlage n künstlich erzeugt. Im Gegensatz zur ionisierenden Strahlung weisen nichtionisierende Strahlen zu wenig Energie auf, um Atome und Moleküle zu ve rändern. Zur nichtionisierenden Strahlung gehören elektrische, ma g- netische und elektr omagnetische Felder, W ärmestrahlung, Licht und Ultraviolet t- strahlung sowie nach häuf iger Terminologie auch der Ultraschall. Die umgang s- sprachlich, aber zunehmend auch in der Fachliteratur als Elektrosmog b ezeichneten Strahlenemissionen umfassen elektr ische, magnetische und elektr omagnetische Felder im Frequenzbereich von 0 Hz (Hertz) bis circa 300 GHz (Gigahertz). Es wird zwischen Nieder - und Hochfrequenzfeldern u nterschieden. Niederfrequenzfelder (Bereich bis 100 kHz [Kilohertz]) werden in erster L inie von dem in Hochspannungs - und Hausleitungen sowie Trafostationen fliessenden Haushalt -, Eisenbahn- und In- dustriestrom (50 Hz -Wechselstrom) erzeugt; Hochfr equenzfelder (Bereich zwischen 100 kHz und 300 GHz) hingegen hauptsächlich von R adio- und Fernsehsendern, Mobilfunkstationen und Ri chtstrahlanlagen. Vorliegend sind somit die Einwirkungen von Hochfrequenzfeldern auf die menschliche Umwelt zu beu rteilen. b) Für elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder hat der Bunde s- rat noch keine Immission sgrenzwerte im Sinne von Art. 13 Abs. 1 USG rechtskräftig festgelegt. Seit dem 16. Februar 1999 liegt allerdings der bundesrätliche Entwurf e i- ner Veror dnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV -E) vor, zu welchem Wirtschafts- und Fachorganisationen sowie weitere interess ierte Kreise bis zum 15. Mai 1999 Stellung nehmen konnten. Zurzeit erfolgt die Auswertung der zahlreich eingega ngenen Vernehmlassungen durch das zuständige Bundesamt (BUWAL). Mit der Inkraf tsetzung der Verordnung ist kaum vor Ende 1999 zu rec h- nen. Mit Schr eiben vom 16. Februar 1999 hat der Vorsteher des Eidgenössischen Departementes für Umwelt, Ve rkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) den z u- ständigen kantonalen und kommun alen Behörden empfohlen, bei der Beurteilung von Ante nnenanlagen für das Mobiltelefo nnetz den Verordnungsentwurf "bereits heute als vo rläufige Beurteilungsgrundlage für die Immissionen nichtionisierender Strahlung a nzuwenden". Diese Empfehlung war zum Zeitpunkt der vorliegenden Bewilligungserteilung (15. Januar 1999) noch nicht bekannt und wurde daher bei der baurechtlichen Beurteilung des strittigen Bauvorhabens auch nicht berücksichtigt. - 3 - Hingegen ist die Vorinstanz im Rahmen der Rekur svernehmlassung auf den NISV-E eingegangen und hat die Anlage der diAx mobile im Lichte dieses Verordnungse nt- wurfes geprüft. Die positive Voranwendung noch nicht rechtskräftig festgelegter Normen ist aus rechtsstaatlichen Gründen äusserst problematisch und daher unzulässig ( Alfred Kölz, Intertemporales Verwaltungsrecht, in: ZSR 102 [1983] II, 173). Gestützt auf das Legalitätsprinzip darf generell nur gültig beschlossenes und geltendes Recht ang e- wendet werden ( René Rhinow/Beat Krähenmann, Schweizerische Verwaltung s- rechtsprechung, Ergänzungsband, Basel 1990, Nr. 17 B 1). Eine Abweichung von diesem Grundsatz ist na ch höchstrichterlicher Rechtsprechung in ganz eing e- schränkter W eise nur dann mö glich, wenn das geltende Recht eine positive Vorwi r- kung für eine bestimmte Regelung e xplizit vorsieht und das künftige Recht völlig u n- bestritten ist (BGE 119 la 259 = Pr 83 [199 4] N5. 52, S. 186). Beides trifft vorliegend nicht zu. Die Voranwendung der künftigen bundesrätlichen Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung, deren I nkraftsetzung zeitlich noch nicht festgesetzt ist und deren Überarbeitung aufgrund der stark kontroversen Meinungen in den Vernehmlassungen zumindest geprüft wird, kommt folglich nicht in Frage. I n- soweit hält die Empfehlung des UVEK vom 16. Februar 1999 den genannten verfa s- sungsrechtlichen Grundsätzen nicht stand und ist daher nicht b eachtlich. c) Fehlen auf dem Verordnungsweg festgelegte Immissionsgrenzwerte, ist g e- stützt auf Art. 12 Abs. 2 USG im Einzelfall zu prüfen, ob die Immissionen schädlich oder lästig seien. Die Einzelfallbeurteilung hat sich an die materiellen Grundsätze des Umwel tschutzgesetzes für die verordnungsmässige Festsetzung der Immiss i- onsgrenzwerte zu halten. Sie berücksichtigt das Schutzbedürfnis der betroffenen Bevölkerung, eing eschlossen Personen mit erhöhter Em pfindlichkeit wie Kinder, Schwangere, Kranke und Betagte (A rt. 13 Abs. 2 USG), und legt die Immission s- grenzwerte so fest, dass nach dem Stand der W issenschaft oder der Erfahrung I m- missionen unterhalb dieser W erte Menschen, Tiere und Pflanzen, ihre Lebensg e- meinschaft und Lebensräume nicht g efährden und die Bevölker ung in ihrem Wohl- befinden nicht erheblich stören (Art. 14 USG). Die Anforderungen nach Art. 14 USG gelten zwar vorab für Luftverunreinigu ngen, sie sind jedoch auch auf die Einwirku n- gen von Strahlen anzuwenden, weil sie allgemeine Regeln wiedergeben (BGE 124 II 230 Erw. 7a). Für die Beurteilung der Immi ssionen im Einzelfall dürfen u.a. fac h- technisch genügend abgestützte Grenzwertrichtl inien privater und internationaler Organisationen berücksichtigt werden. Die wisse nschaftlichen Erkenntnisse über die Auswirkungen elektromagnetischer Nieder - und Hochfrequenzfelder auf den menschlichen Körper sind bis dato wenig gefestigt, was zur Folge hat, dass teils u n- terschiedliche Grenzwerte als notwendig erachtet werden. Die zahlreichen Publikat i- onen sind diesbezüglich of tmals kontrovers. Gerade bei den hier strittigen hochfr e- quenten Strahlen fehlen repräsentative medizinische bzw. epidemiolog ische Lan g- zeituntersuchungen (Biologische Auswirkungen nichtionisierender elektr omagneti- scher Strahlung auf den Menschen und seine U mwelt, BUWAL, Schriftenreihe U m- weltschutz Nr. 121, Bern 1990, S. 26 und 29). Die Mehrzahl der europäischen Lä n- der hat bis anhin keine eigenen rechtsverbindlichen Grenzwerte statuiert, sondern orientiert sich bei der Beurteilung nichtionisierender Strahlung in erster Linie an den Richtlinien der internationalen Strahlenschutzvereinigung (International Non -lonizing Radiation Co mmittee of the International Radiation Protection Association [IRPA]) bzw. der daraus hervorgegangenen International Commission on Non-lonizing Radi-- 4 - ation Protection (I CNIRP), welche u.a. auf Empfehlungen der W eltgesundheitsorga- nisation W HO b asieren. Diese IRPA -oder ICNIRP -Richtlinien wurden bis anhin in der Schweiz rege lmässig zur Beurteilung elektromagnetischer Felder herang ezogen (BGE 117 Ib 32 E. 4b; 124 II 230 Erw. b.aa; Robert W olf, Elektrosmog: Zur Recht s- lage bei Erstellung und Betrieb von ortsfesten Anlagen, URP 1996, S. 109 ff., Erw. 2.1.2.b). Die dort empfohlene Gren zwertregelung basiert auf dem aktuellsten allg e- meingültigen W issensstand über die e rwiesenen biologischen Auswirkungen nich t- ionisierender Stra hlen (URP 1996, S. 674 und 1997, S. 253). Die gemäss Veror d- nungsentwurf für die Schweiz vorgesehenen I mmissionsgrenzwerte entsprechen im Grundsatz den ICNIRP-Richtlinien (Erläuternder Bericht zur NISV-E; S. 11). Ausgangspunkt für die Festlegung der Grenzwerte ist die spezifische Absorpt i- onsrate (SAR). Mit dieser dosimetrischen Grösse wird die durch elektromagnetische Felder verursachte thermische Belastung des Körpers in W /kg (Watt pro kg Körpe r- gewicht) d efiniert. Die sogenannte Ganzkörper -SAR stellt einen repräsentativen, über den ganzen Körper gemittelten W ert dar; die aktuelle W issenschaft geht bei Menschen von einer G efährdungsschwelle von 4 W /kg aus. Die biologischen Au s- wirkungen elektromagnetischer Felder auf den menschlichen Organi smus sind zwar, was bereits dargelegt wurde, keineswegs bis ins Detail erforscht. Auch die von den Rekurrenten angeführten Publik ationen vermögen dieses Detailwissen nicht zu ve r- mitteln. Insbesonder e kann aus der unbestrittenen Erkenntnis, dass hochfrequente elektromagnetische Felder auf gewisse Teile des menschlichen Körpers (etwa A u- gen, Blut - und Immunsystem, Herz - und Krei slauf, Fortpflanzungsorgane, Zentra l- nervensystem usw.) wahrnehmbar stärker einwirken als auf andere, in keiner W eise schlüssig abgeleitet werden, dass an diesen Körperteilen dadurch physische Sch ä- digungen verursacht werden. Bei der Festlegung der für die Bestimmung der Grenzwerte massgebenden spezifischen Absorptionsrate wurde u.a . der mögliche r- weise stark unterschiedlichen Empfindlichkeit einzelner Personen sowie der allfäll i- gen Exi stenz von Risikogruppen (etwa Kinder) mit einem Sicherheitsfaktor von 50 Rechnung getragen, so dass die Ganzkörper -SAR den Bereich von 0,08 W /kg nicht überschreiten darf (Helmut Krueger, Elektrosmog, URP 1996, S. 37 ff.). Auf diesem Schwellenwert basiert im W esentlichen die von der ICNIRP empfohlene Grenzwer t- regelung. Es ist zwar nicht au szuschliessen, dass diese dereinst den neuesten E r- kenntnissen angepasst werden muss. Es besteht jedoch im Rahmen der vorliegend vorzunehmenden Einzelfallentscheidung keine Veranlassung, von der bisherigen Praxis a bzuweichen und andere Richtlinien als diejenigen der I CNIRP heranzuzi e- hen, weil die übrigen Berechnungsarten u nd Wirkungsmodelle mit noch weit gröss e- ren Unsiche rheitsfaktoren behaftet sind (BGE 124 II 231; Jürg Baumann, Elektr o- smog, BUWAL-Bulletin 2/97; R obert Wolf, a.a.O., S. 111 f.; Helmut Krueger, a.a.O., S. 43). d) Die vorliegend strittige Basisstation der diA x mobile sendet elektromagnet i- sche Felder im Hochfrequenzbereich von rund 900 MHz aus, was 0,9 GHz en t- spricht. Für diesen Frequenzbereich (f) legen die massgebenden ICNIRP -Richtlinien eine äquivale nte Leistungsdichte (auch als Leistungsflussdichte bezeichn et) von f/200 W /m 2 (Watt pro m 2 ) sowie ungestörte Feldstärken von elektrisch (E) 1,375 . f V/m (Volt pro Meter) und von magnetisch (H) 0,0037 . f A/m (Ampere pro Meter) als Immissionsgrenzwerte fest (vgl. dazu Messung nichtionisierender elektromagn e- tischer S trahlung, BUW AL, Schriftenreihe Umweltschutz Nr. 164, Bern 1992, S. 8). Der Entwurf der bundesrätlichen Ve rordnung geht im W esentlichen vom gleichen - 5 - Grenzwertschema aus, ersetzt aber das Kriterium der äquivalenten Leistung sdichte aus Praktikabilitätsgründe n durch die magn etische Flussdichte (Anhang 3 NISV -E). Bei der Frequenz der strittigen Anlage von 900 MHz ergeben sich somit einzuha l- tende Grenzwerte von 4,5 W /m 2 , 41,25 V/m und 0,111 A/m. Sie gelten b ezüglich Or- ten, an welchen sich über längere Zeit Mensc hen aufhalten. Die private Rekursgegnerin hat die elektromagnetischen Auswirkungen ihrer geplanten Basisstation auf die Umgebung u.a. mittels eines Rechenmodelles darg e- legt, welches Bestandteil des strittigen Baugesuches war. Im Nachhinein hat die Bauherrschaft auf Verlangen der Vorinstanz noch zusätzlich eine Grenzwertermit t- lung aufgrund eines vom BUW AL konzipierten Prüfungsblattes (als Standortdate n- blatt bezeichnet) vorgenommen. Obwohl dort im W esentlichen die Berechnungsm o- delle des vorliegend nicht anwen dbaren NISV-E Anwendung fanden, können daraus doch die notwendigen Daten für die Grenzwertberechnung nach den hier massg e- benden ICNIRP-Richtlinen entnommen werden. Bei der Berechnung der von einer Antennenanlage emittierten elektromagnet i- schen Feldern ist vorab die jeweilige äquivalente Leistungsdichte (S) zu bestimmen, wobei zu berücksichtigen ist, dass sich diese mit Zunahme der elektrischen Send e- leistung (P) und des Antennengewinnfaktors (G) vergrössert, dag egen zum Abstand (d) zwischen Antenne und Immis sionsort quadratisch abnimmt, was folgende B e- rechnungsformel ergibt: S = (P . G) : (4 . p . d 2 ). Eine Grenzwertüberschreitung liegt dann vor, wenn der 6 -Minuten-Mittelwert über dem Grenzwert liegt (Schriftenreihe Umweltschutz Nr. 164; a.a.O., S. 8; URP 1996, S. 674 f.). Der Antennengewinnfaktor (G) des vorliegenden A nlagetyps beträgt 17 dBi. Die elektrische Sendeleistung (P = [1.64 . WERP] : G) beträgt 30,48 W . Die nächstgelegenen rekurrentischen W ohnräu- me (Liegenschaften F. -strasse 48 und 40) liegen 15 m bzw. 16 m von der strittigen Anlage entfernt, was dort nach der genannten Formel äquiv alente Leistungsdichten von 0,183 W /m 2 bzw. 0,161 W/m 2 ergibt. Diese W erte liegen damit rund 25mal unter dem massgebenden Grenzwert von 4,5 W /m 2 . Die rechnerische Ermittlung der elekt- rischen Feldstärke (E = 377 ×S ) ergibt bei den genannten Messpunkten 8,31 V/m (Gebäude F. -strasse 48) und 7,79 V/m (Gebä ude F.-strasse 40), womit der Gren z- wert von 41,25 V/m bei weitem nicht überschritten wird. Konsequenterweise hält sich damit auch die vom Streitobjekt ausgestrahlte magn etische Feldstärke (H = S/377 ) im Rahmen des ICNIRP -Grenzwertes von 0,111 A/m, weil sich diese ab einem Strahlungsbereich von 2 m bei Anlagen der vorliegenden Art g egenüber der elektr i- schen Feldstärke interdependent verhäl t (Schriftenreihe Umwel tschutz Nr. 164, a.a.O., S. 5 f.). Bei den erwähnten Messpunkten resultieren nämlich fo lgende Werte: 0,022 A/m (Gebäude F.-strasse 48) bzw. 0,020 A/m (Gebäude F.-strasse 40). Bei all diesen Grenzwertberechnungen wurde eine allfällige Leistungsabschwächung der Antenne gegenüber der Haup tstrahlrichtung nicht berücksichtigt, d.h. es wu rde nicht geprüft, ob die am nächsten bei der Basisstation liegenden bewohnten rekurre nti- schen Räume (15 m bzw. 16 m) auch wirklich in der Hauptstrahlricht ung liegen oder doch bereits in einem abgeschwächten Bereich. Zudem wurde auch die Abschw ä- chung der Strahlung durch die Gebäudehülle (Gebäudedämpfung) nicht berücksic h- tigt. Da die massgebenden Grenzwerte ohnehin eingehalten sind, konnte dies auch unterbleiben. Bei der Ermittlung der von der strittigen Antenne ausgehenden Lei s- tungsdichten und Feldstärken wurde überdies praxisgemäss von permanent voller Auslastung der Anlage ausgegangen, was betrieblich jedoch unrealistisch ist. Ger a- de nachts und auch zu g ewissen Randzeiten am Tag wird erfahrungsgemäss weit - 6 - weniger tel efoniert als zu den Spitzenzeiten tagsüber. Da bei der Basisstation der privaten Rekursgegnerin die jeweil ige Antennenleistung aufgrund technischer Mas s- nahmen von der Anzahl der geführten Gespräc he abhängig ist (vgl. die nachfolge n- den Erwägungen unter Ziffer 9), ist davon auszugehen, dass die Maximalleistung von je 316 WERP während längeren Zeitphasen nicht ausgeschöpft werden dürfte. Realiter ist daher von einer erheblich geringeren als der vorhe r berechneten Stra h- lenbelastung auszugehen. Folglich liegen die elektrom agnetischen Auswirkungen der strittigen Anlage auf die baurechtsrelevante Umgebung, selbst unter Annahme des "worst-case", klar un- terhalb der hier zur Anwendung kommenden ICNIRP -Grenzwerte, weshalb das Bau- vorhaben diesbezüglich den massgebenden Bestimmungen des Umweltschutzg e- setzes entspricht und insoweit bewilligungsfähig ist. 9. Schliesslich sind nach dem in Art. 11 Abs. 2 USG statuierten Vorsorgeprinzip alle Emissionen so weit zu beg renzen, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist. Dies gilt auch für Anlagen, welche - wie vorliegend - die m assgebenden Immissionsgrenzwerte einhalten und daher weder schädliche noch lästige Einwirkungen im Sinne des Ges etzes verursachen. Die g enannte Norm verfolgt das Ziel, Auswirkungen von Anlagen auf die Umwelt generell möglichst g e- ring zu halten (André Schrade, a.a.O., N. 19 f. zu Art. 11). Vorab soll damit im Sinne einer Risikominimierung eine Sicherheitsmarge gescha ffen werden, welche die of t- malige Unsicherheit über die längerfristigen Auswirkungen von Umweltbelastungen berücksichtigt, was gerade bei elektromagnetischen Feldern von besonderer Bede u- tung ist (BGE 117 Ib 34 E. 6a , Schriftenreihe Umweltschutz Nr. 121, a. a.O, S. 1 und II). Die Anwendung des Vorso rgeprinzips findet jedoch dort seine Grenze, wo die Durchsetzung entsprechender Mas snahmen nicht mehr verhältnismässig ist. Unter dem Aspekt der Vorsorge dürfen insb esondere auch keine Vorkehren verlangt we r- den, welche die Anlage als solche in Frage stellen ( Robert Wolf, a.a.O., S. 122, Ziff. 2.1.4). Die Verhältnismässigkeit ist nur g ewahrt, wenn die öffentlichen Interessen an weitergehenden Emissionsbeschränkungen die entgegenstehenden privaten Int e- ressen des Anlagebetreibers überwiegen. W enn also zum vornherein feststeht, dass eine Anlage nur unbedeutende Emissionen veru rsacht, ist nach gefestigter Rech t- sprechung das Vorsorgeprinzip nicht anwendbar (u.a. BEZ 1998 Nr. 21). So haben etwa die Baurekurskommissionen eine Basisstation mit 50 WERP für das NATEL-City- Netz als sogenannten umweltrechtlichen Bagatellfall qualif iziert und keine Mas s- nahmen zur vorsorglichen Emissionsbegrenzung statuiert. Die A nlage hatte die I m- missionsgrenzwerte zwischen 29 - bis 800 -mal untersch ritten. Bei derart massiven Grenzwertunterschreitungen rechtfertigt sich eine Vorsorge auch mit Blick auf die Ungewissheit über längerfristige Auswirkungen einer Belastung nicht mehr (Robert Wolf, a.a.O., S. 117 f., Erw. d). Die von einer solchen Anlage au sgehenden Immissi- onen sind daher in der Regel hinzunehmen, ohne dass im Einzelfall zu prüfen wäre, ob Massnahmen zu deren Begrenzung in Frage kämen, d.h. technisch und betrie b- lich m öglich bzw. wir tschaftlich tragbar wären. Dabei ist zu berücksichtigen, das s das Vorsorgepri nzip nach der Konzeption des Umweltschutzgesetzes emissionsb e- grenzenden und nicht emissionseliminierenden Charakter hat (BGE 124 II 233). Die Anlage der diAx mobile hält die massgebenden Immissionsgrenzwerte zwar allesamt klar ein. Trotzde m ist die Strahlenbelastung für die Umgebung nicht derart unbedeutend, dass noch von einem sogenannten umweltrechtlichen Bagatellfall g e-- 7 - sprochen werden kann. Damit ist vorliegend zu prüfen, in welchem Umfang dem Vorsorgeprinzip Rechnung zu tragen ist. Bas isstationen für das Mobilfunknetz kö n- nen mit einer Aut omatik versehen werden, welche die Sendeleistung der Anlage stets auf den Bedarf, d.h. auf das für die jeweilige Gesprächszahl notwendige Mass beschränkt. Solche Einrichtungen (als Down -Link-Power-Control-System oder p o- wer-ramping bezeichnet) gehören heute zum Standard und müssen bei der Erste l- lung neuer Stationen im Rahmen des Vorsorgeprinzips zwingend eingebaut werden. Gemäss Angaben der privaten Rekursgegnerin sind ihre Basisstationen regelmässig mit einer solchen leistungsbeschränkenden Aut omatik versehen, was auch im vo r- liegenden Fall zutrifft. Im Übrigen drängen sich ang esichts dessen, dass die von der strittigen Antennenanlage ausgehenden elektromagnet ischen Felder die massg e- benden Grenzwerte erheb lich unterschreiten und technisch -betrieblich keine zusät z- liche Strahlungsreduktion erreicht werden kann, ohne dass die Anlage als solche grundsätzlich in Frage gestellt würde (was im Rahmen des Vorsorg eprinzips unz u- lässig wäre), keine weiteren emissionsbe schränkenden Massnahmen im Lichte des Vorsorgeprinzips auf. Insbesondere kann die diAx mobile nicht zum Betrieb einer gemeinsamen Anlage mit der Swisscom und/oder der Orange Communicat ions SA verpflichtet werden. Die diesbezügliche rekurrentische Forderung findet weder in der Mobilfunkkonzession noch in einer gesetzlichen Regelung Stütze. Art. 3.2.4 der Konzession Nr. 25100002 vom 29. Mai 1998 hält diesbezüglich einzig fest, die Ko n- zessionärin habe "alle zumutbaren Anstrengungen zu unternehmen, um bei der E r- richtung sowie beim Betreiben von Sendestandorten die Mitbenutzung dieser Stan d- orte für andere M obilfunkkonzessionäre zu ermöglichen, sofern genügend Kapazität vorhanden ist und technische sowie wirtschaftliche Gründe der Standortmitbenu t- zung nicht entgeg enstehen". Daraus kann keineswegs eine Pflicht zur Beteiligung an einer bereits bestehenden oder projektierten Basisstation eines Drittkonzessi o- närs (sog enanntes Roaming) abgele itet werden. Folglich erweist sich der Rekurs auch insoweit als nicht stichhaltig. Sollten sich im Übrigen aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse de r- einst ernsthafte Hinweise auf gesundheitsschädigende Auswirkungen der streitb e- troffenen Anlage ergeben, wäre die vorliegend angefochtene Baubewilligung nac h- träglich mit den gebotenen Auflagen zu verknüpfen oder nötigenfalls gar zu widerr u- fen (BEZ 1998 Nr. 21, Erw. 4d mit zahlreichen Hinweisen).