<h2>SubmittedText<h2><p>Bei den Hochwasserschäden vom 22. und 23. August 2005 war ich Direktbetroffener. Die Ilfis (Nebenfluss der Emme) hat dabei zum vierten Mal innerhalb von acht Jahren Keller, Garage und Heizung überflutet.</p><p>Ein besorgter Bürger aus dem Kanton Luzern hat mich drei Wochen nach den Überschwemmungen ins Gebiet, wo die Ilfis entspringt (Hilferntal), gerufen. Er hat mich vor Ort auf den katastrophalen Zustand des dortigen Staatswaldes aufmerksam gemacht. Was ich gesehen habe, ist erschreckend: Der Staatswald, der nach den Lothar-Schäden seinem Schicksal überlassen wurde, ist in einem verheerenden Zustand. In wenigen Jahren wird er total zerstört sein.</p><p>Bei den wenigen grünen Waldflächen im Hilferntal dagegen handelt es sich ausschliesslich um Privatwald, der nach den Lothar-Schäden aufgeräumt und seither intensiv bewirtschaftet worden ist.</p><p>In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Ist er sich bewusst, dass nur ein gesunder, gepflegter und intensiv bewirtschafteter Wald seine Funktion als Wasserreservoir und Auffangbecken wahrnehmen und so zur Hochwasserprävention beitragen kann?</p><p>2. Die extensive Bewirtschaftung des Waldes - wie sie u. a. im Kanton Luzern gehandhabt wird - ist zudem Ursprung für die Problematik des Schwemmholzes bei Hochwasser. Nimmt der Bundesrat in Zusammenhang mit den Präventionsmassnahmen gegen Hochwasserschäden Einfluss auf die Bewirtschaftung des Waldes?</p><p>3. Ist er bereit, ein gesamtschweizerisches Konzept zur Waldbewirtschaftung vorzulegen und dabei die neuesten Erfahrungen einfliessen zu lassen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Es ist unbestritten, dass ein gesunder Wald einen wichtigen Beitrag für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt und für die Funktion als Trinkwasserspeicher leistet. Eine standortgerechte Zusammensetzung der Baumarten unterstützt diese Funktionen. Die quantitative Speicherwirkung des Waldes hängt vom Untergrund ab und kann je nach Standort langfristig mehr oder weniger stark durch die Waldpflege positiv beeinflusst werden. Der Einfluss des Waldes auf die Abflussbildung bei extremen Niederschlägen ist allerdings beschränkt, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Anleitungen zur Waldpflege und eine Klassierung der Standortstypen finden sich in der Buwal-Wegleitung "Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald" (Frehner et al., 2005).</p><p>2. Das Aufkommen von Schwemmholz lässt sich bei einem extremen Hochwasserereignis nie vollständig verhindern. Erste Erkenntnisse aus den Hochwasserschäden deuten darauf hin, dass es sich bei einem Grossteil des Schwemmholzes um "grünes", lebendes Holz handelte und nicht um Totholz aus extensiv bewirtschafteten Wäldern. Im Übrigen müssen in allen Kantonen, unabhängig von der Bewirtschaftungsweise, die Gerinne unterhalten (Totholz aus Gerinnen entfernen) und die Bacheinhänge gepflegt werden (vgl. oben erwähnte Buwal-Wegleitung). Dafür werden auch öffentliche Mittel eingesetzt. Wasserbauliche Massnahmen zur Entschärfung von Engstellen tragen ebenfalls zur Verhinderung von Schäden bei.</p><p>3. Grundsätzlich ist die Waldbewirtschaftung Sache des Waldeigentümers.</p><p>Ein gesamtschweizerisches Konzept zur Waldbewirtschaftung gibt es bereits, nämlich das Waldprogramm Schweiz (WAP-CH). Das WAP-CH ist ein Handlungsprogramm, welches die Bundesaktivitäten für den Bereich Wald festlegt und die Zusammenarbeit mit anderen Sektoren koordiniert.</p><p>Darüber hinaus nimmt der Bund eine gewisse Qualitätssicherung vor, indem er für die Waldbewirtschaftung Standards erlässt. Bei der Pflege von Schutzwald z. B. knüpft er seine Beitragsauszahlungen daran, dass nach einer nachhaltigen Konzeption vorgegangen wird, die dem aktuellen Wissen der Schutzwaldpflege entspricht. Diese Konzeption wurde in enger Zusammenarbeit mit Forschung und Praxis erarbeitet (Wegleitung "Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald").</p><p>Je nach den Resultaten der noch laufenden Dokumentation und Analyse des Unwetters 2005 werden die Standards für die Waldbewirtschaftung wo nötig angepasst werden.</p>  Antwort des Bundesrates.