B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5780/2011 U r t e i l v o m 1 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Kurt Gysi (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Jean-Pierre Monnet; Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli. Parteien A._______, Nigeria, vertreten durch lic. iur. Domenique Wetli, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwä- gungsentscheid); Verfügung des BFM vom 16. September 2011 / N (…). E-5780/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer Nigeria am 26. März 2009 und gelangte am folgenden Tag in die Schweiz, wo er am 30. März 2009 um Asyl nachsuchte. Mit Verfügung vom 24. April 2009 trat das BFM auf das Asylgesuch nicht ein, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Mit Eingabe vom 28. Mai 2009 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht ein G e- such um Wiederherstellung der Beschwerdefrist ein. Mit Urteil vom 8. Ju- ni 2009 trat das Bundesverwaltungsgericht auf das Gesuch nicht ein. B. Am 6. September 2011 reichte der Beschwerdeführer beim BFM ein Wi e- dererwägungsgesuch ein und beantragte, die Verfügung vom 30. März 2009 (recte: vom 24. April 2009) sei in Bezug auf den Wegweisungsvoll- zug in Wiedererwägung zu ziehen. Zur Begründung wurde angeführt, der Beschwerdeführer habe während der Ausschaffungshaft einen Suizidve r- such unternommen. In der Folge sei er in einen achtwöchigen Hunge r- streik getreten. Sei n Gesundheitszustand habe sich insgesamt merklich verschlechtert. C. Mit Verfügung vom 16. September 2011 wies das BFM das Wiedererw ä- gungsgesuch a b, erklärte die Verfügung vom 24 . April 2009 als recht s- kräftig sowie vollstreckbar und stellte fest, einer allfälligen Bes chwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. D. Gegen diesen Entscheid reichte der Beschwerdeführer am 19. Oktober 2011 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein und beantragt, die Verfügung des BFM sei aufzuheben. Es sei festzustellen, dass seit Erlass der ursprünglichen Verfügung eine wiedererwägungsrechtlich massgebl i- che Änderung der Sachlage eingetreten sei. Es sei wiedererwägungswe i- se festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzumutbar sei und die Vorinstanz anzuweisen, die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In pro- zessualer Hinsicht beantragt der Beschwerdeführer, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren und der Vollzug der Wegwe i- sung sei bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens zu sistieren. Es sei ihm die unentgeltliche Re chtspflege zu gewähren und von der E r- hebung eines Kostenvorschusses abzusehen. E-5780/2011 Seite 3 Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer ein ärztliches Zeugnis des Regionalspitals B._______, datiert vom 2. August 2011, zu den Akten. E. Mit Zwischenverfügung vom 9. November 2011 setzte der Instruktion s- richter den Vollzug der Wegweisung vorderhand provisorisch aus. Den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Recht s- pflege verwies er auf einen späteren Zeitpunkt und verzichtete auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses. F. Mit Schreiben vom 10. November 2011 ersuchte der Instruktionsrichter den behandelnden Arzt des Beschwerdeführers um Beantwortung offener Fragen. Innert der angesetzten Frist reichten Dr. med. C._______, Ober- arzt, und lic. phil. hum. D._______, Psychologin, ihre Antwort vom 30. November 2011 ein. G. Das BFM beantragt in der Vernehmlassung vom 13. Dezember 2011 die Abweisung der Beschwerde. H. Mit Zwischenverfügung vom 19. Dezember 2011 unterbreitete der Instruk- tionsrichter dem Beschwerdeführer die V ernehmlassung zur Stellun g- nahme. Innert erstreckter Frist replizierte der Beschwerdeführer am 31. Januar 2012. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt da s Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM g e- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltu ngsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des E-5780/2011 Seite 4 Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 2. Der Beschwerdeführer ist durch die Verfügung vom 16. September 2011 besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung und ist daher zur Einreichung der Beschwe r- de legitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 208 Abs. 1 AsylG und 52 VwVG). 3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4. Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein gesetzlich nicht g e- regelter Rechtsbehelf, auf dessen Behandlung durch die verfügende B e- hörde grundsätzlich kein Anspruch besteht. Gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis der obersten Gerichte der Schweiz wird je doch aus Art. 29 d er Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge nossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) unter bestimmten Vor aussetzungen ein verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abgeleitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 mit weiteren Hinweisen). Da nach ist auf e in Wiedererwä- gungsgesuch einzutreten, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid be ziehungsweise seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz in wesentlicher Weise verändert hat, und es ist gutzuheis sen, wenn die ursprüngliche (fehle r- freie) Verfügung an nach träglich eingetretene Veränderungen der Sac h- lage anzupassen ist. So dann können auch Revisionsgründe einen A n- spruch auf Wiedererwägung begründen, sofern sie sich auf eine in mat e- rielle Rechtskraf t erwachsene Verfügung beziehen, die entweder nicht angefochten oder deren Beschwerdeverfahren mit einem formellen Pr o- zessurteil abgeschlossen worden ist. Ein solchermassen als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist grunds ätz- lich nach den Regeln des Revisionsverfahrens zu behandeln (vgl. statt vieler Urteil des Bundesverwaltungsgericht E -3676/2011 vom 1 6. April 2012). E-5780/2011 Seite 5 Nachdem sich bereits das Wiedererwägungsgesuch auf die Frage der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung beschränkt hat und das BFM darauf eingetreten ist, bildet Gegenstand des Beschwerdeverfahrens ei n- zig die Frage, ob sich seit dem vorinstanzlichen Entscheid vom 24. April 2009 die rechtserhebliche Sachlage so erheblich verändert hat, dass die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung im Vollzugspunkt an nachträglich eingetretene Veränderungen der Sachlage anzupassen ist, respektive ob das BFM zu Recht den Wegweisungsvollzug als durchführbar erkannt und das Wiedererwägungesuch abgewiesen hat. 5. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus- länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Art. 83 Abs. 4 AuG findet insbesonde- re Anwendung auf Personen, die nach ihrer Rückkehr einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie aus objektiver Sicht wegen der vo r- herrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit in völlige und andauernde Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.1). Auf Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung aufgrund einer med i- zinischen Notlage kann nur dann geschlossen werden, wenn eine no t- wendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beei n- trächtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person führen würde. Als wesentlich gilt dabei die allgemeine und dringende medizin i- sche Behandlung, welche zur Gewährleistung einer men schenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweiz e- rischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). 6. 6.1. Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die beim Beschwerdeführer gestellten Diagnosen, paranoide Schizophre- nie, posttraumatische Belastungsstörung und Wahrscheinlichkeit eines Suizidversuches bei einer zwangsweisen Rückführung , w ürden keine E-5780/2011 Seite 6 Gründe darstellen, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 24. April 2009 beseitigen könnten. Zur Begründung führt die Vorinstanz aus, praxisgemäss erfolge eine vo r- läufige Aufnahme aus medizinischen Gründen nur dann, wenn eine no t- wendige medi zinische Behandlung im Herkunftsstaat nicht vorhanden und die betroffene Person durch den Wegweisungsvollzug an Leib und Leben gefährdet sei. Die vorliegenden Krankheitsbilder würden keine so l- che lebensbedrohliche Situation darstellen. Zudem seien sie durc h das Verhalten des Beschwerdeführers in der Schweiz zu relativieren. Gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft E._______ vom 30. März 2011 sei der Beschwerdeführer wegen Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung und wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Konsum von Marihu- ana) verzeigt worden. Weiter stellt die Vorinstanz fest, in Nigeria würden Behandlungsmöglic h- keiten für psychische Erkrankungen bestehen. Allein die Tatsache, dass diese nicht dem medizinischen Standard in der Schweiz entsprechen würden, führe noch nicht zur Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegwe i- sung. Von einer solchen wäre auszugehen, wenn die ungenügende Mö g- lichkeit der Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach sich ziehe. Für eine Behandlung im Heimatland könne der Beschwerdeführer einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe stellen. Im Übrigen habe eine Rückkehr in den angestammten Sprach - und Kulturkreis positive Folgen auf die L e- benssituation des Beschwerdeführers und damit auf seine Gesundheit. In Nigeria verfüge er über ein Beziehungsnetz und habe vor der Ausreise als (…) gearbeitet. Schliesslich bestehe gemäss Rechtsprechung des Eu- ropäischen Gerichtshofs für Menschenrechte keine Verpflichtung von e i- ner zu vollziehenden Wegweisung Abstand zu nehmen, wenn die betro f- fene Person mit Suizid drohe. 6.2. In der Rechtsmitteleingabe wird die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung in Frage gestellt und ausgeführt, eine nicht adäquat beha n- delte paranoide Schizophrenie bei suizidal en Tendenzen stelle eine l e- bensbedrohliche Situation dar. Zwar gebe es in Nigeria Behandlungsmög- lichkeiten für an Schizophrenie erkrankte Personen, indes würden nicht alle Betroffenen in den Genuss einer Behandlung kommen, zumal diese kostenpflichtig sei. Der Beschwerdeführer verfüge nicht über die erforder- lichen finanziellen Mittel und könne auch nicht auf ein tragfähiges Bezi e- hungsnetz zurückgreifen. Weiter weigere er sich, Medikamente einz u-E-5780/2011 Seite 7 nehmen, da ihm die Einsicht in die Krankheit fehle. In Nigeria wü rden in- des psychisch kranke Menschen vorwiegend medikamentös behandelt, was ein weiteres Vollzugshindernis darstelle. 6.3. In der Vernehmlassung verweist die Vorinstanz auf ihre Erwägungen in der angefochtenen Verfügung sowie auf mehrere Urteile des Bunde s- verwaltungsgerichts, in welchen das Gericht von der Behandelbarkeit psychischer Erkrankungen in Nigeria ausgeht. 6.4. Im Zeugnis vom 2. August 2011 diagnostiziert der behandelnde Arzt beim Beschwerdeführer eine p aranoide Schiz ophrenie (ICD -10: F20.0) sowie eine p osttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) . Dazu führt er aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 16. Juni 2010 in psychiat- rischer Behandlung. In diesem Zeitraum hätten 57 Konsultationen à 60 Minuten stattgefunden. Gemäss seinen persönlichen An gaben leide der Beschwerdeführer an starken Ängsten vor der Schweizer Polizei. Auch al- le anderen Personen in der Schweiz und in seinem Heimatland würden ihm Böses wünschen. Ferner leide er an Albträumen und Wiedererleben von traumatischen Ereignissen, an s tarker Einsamkeit, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Zum Psychostatus (psychiatrische Einschätzung) hält der Arzt fest, das Bewusstsein des Beschwerdeführers sei zeitweise quantitativ leicht ei n- geschränkt (Benommenheit) und qualitativ auf inneres Erleb en eingeengt in dem Sinne, dass der Beschwerdeführer vermindert auf Aussenrei ze anspreche. Die Erinnerungsfähigkeit des Langzeitgedächtnisses sei stark gestört. Der Affekt sei stark schwankend, von hoffnungslos, traurig, miss- trauisch, verzweifelt ängstlich und para noid bis fröhlich und motiviert. Weiter seien formale Denkstörungen wie Ideenflucht mit gelockerten A s- soziationen, teils inkohärentes Denken sowie Grübeln über Leid, Tod und Einsamkeit auszumachen. Das inhaltliche Denken sei gekennzeichnet durch W ahngedanken, Verfolgungs - und Grössenwahn mit mittlerer Wahndynamik sowie Beziehungswahn. Auch seien akustische und visuel- le Halluzinationen sowie schwere Depersonalisation auszumachen. Der Beschwerdeführer habe konkrete Suizidabsichten im Falle eines Gefäng- nisaufenthalts sowie einer Rückschaffung ins Heimatland geäussert. Zur Behandlung wird ausgeführt, es finde eine ambulante Psychotherapie im Einzelsetting mit wöchentlichen Sitzungen statt. Die hohe Basissuiz i- dalität bedürfe besonderer Aufmerksamkeit. Au fgrund des bisherige n schlechten Verlaufs sowie der fehlenden Krankheitseinsicht sei nicht von E-5780/2011 Seite 8 einer Besserung auszugehen. Die weitere Prognose sei davon abhängig, wie viel Stress der Besch werdeführer erlebe. Bei einer Rückführung in den Heimatstaat sei mi t einer gravierenden Schädigung der psychischen Gesundheit zu rechnen. Im ärztlichen Bericht vom 30. November 2011 wird zum Inhalt der Sitzu n- gen ausgeführt, deren Ziel bestehe darin, die Lebensumstände des B e- schwerdeführers möglichst stressfrei zu gestalte n. Dazu gehöre das Thematisieren der Tagesstruktur, des Schlaf-Wach-Rhythmus, das Lösen von zwischenmenschlichen Konflikten sowie das Vermitteln und Anwe n- den von Fertigkeiten, welche dem Beschwerdeführer ein subjektives G e- fühl von Sicherheit geben würden. Der Beschwerdeführer glaube nicht, dass er krank sei, weshalb er keinen Grund für die Einnahme von Med i- kamenten sehe. Es könne nicht sicher gesagt werden, wie sich eine m e- dikamentöse Behandlung auf die psychotische Symptomatik auswirken würde. Was den Kons um von zentralaktiven Substanzen (Drogen) anb e- lange, so sei dieser krankheitsimmanent. 6.5. Das Gericht geht davon aus, dass d er Beschwerdeführer an einer paranoiden Schizophrenie sowie einer posttraumatischen Belastungsst ö- rung leidet. Zudem hat der Beschwerdef ührer konkrete Suizidabsichten im Falle eines Gefängnisaufenthalts oder einer Rückschaffung in den Heimatstaat geäussert. 6.5.1. Zu den geäusserten Suizidabsichten ist festzustellen, dass der B e- schwerdeführer im Jahre 2009 anlässlich seiner geplanten Ausschaffung nach Nigeria einen Suizidversuch unternommen hat. Dass er einen weite- ren Versuch, sich selbst zu töten, unternommen hätte, ist den Akten nicht zu entnehmen. Soweit den ärztlichen Unterlagen zu entnehmen ist, äu s- serte der Beschwerdeführer wieder Suizidabsichten im Zusammenhang mit einem drohenden Gefängnisaufenthalt beziehungsweise einer bevo r- stehenden Ausschaffung nach Nigeria. Vor diesem Hintergrund liegt der Schluss nahe, der Beschwerdeführer habe den damaligen Suizidversuch und seine wiederholten suizidalen Absichten einzig im Hinblick auf einen weiteren Verbleib in der Schweiz unternommen beziehungsweise geäus- sert. Indes ist diesbezüglich festzustellen, dass gemäss konstanter Rechtsprechung des Bundesverwal tungsgerichts bei einer Konfrontatio n mit Suiziddrohungen von einer zu vollziehenden Weg - oder Ausweisung Abstand zu nehmen ist, solange konkrete Massnahmen zwecks Verh ü- tung der Umsetzung der Suiziddrohung getroffen werden (vgl. statt vieler E-5780/2011 Seite 9 Urteil des Bundesverwaltungsgericht s E-5822/2008 v om 17. Februar 2011). Der Beschwerdeführer ist seit rund zwei Jahren in psychotherapeutischer Behandlung. Er hat demnach die Möglichkeit, sich in nächster Zeit z u- sammen mit seinem ihn bereits jetzt betreuenden Arzt im Rahmen von – allenfalls auch engmasch igeren – therapeutischen Sitzungen gezielt auf einen Vollzug der Wegweisung und auf eine Rückkehr nach Nigeria vo r- zubereiten (vgl. auch nachstehend Ziff. 6.5.3.). Ebenso können seitens der Vollzugsbehörden nötigenfalls geeignete Massnahmen ergriffen we r- den, um die Umsetzung allfälliger Suizidabsichten im Zusammenhang mit der Ausschaffung zu verhindern (beispielsweise begleitete Rückführung). 6.5.2. Aufgrund der vorstehenden ärztlichen Ausführungen ist festzuste l- len, dass Inhalt der wöchentlichen Therapiesitzungen des Beschwerde- führers die Tagesstruktur, das Lösen zwischenmenschlicher Probleme und das Anleiten von besonderen Fertigkeiten bilden. Namentlich die bei- den ersten Themenkreise stehen offensichtlich in engem Zusammenhang mit der hier in der Schweiz bestehen den Lebenssituation des Beschwe r- deführers. Er hat keine Arbeit, welche die Tage strukturiert. Zudem b e- lasten ihn offenbar auch die zwischenmenschlichen Beziehungen au f- grund seiner Wohn - und Lebenssituation. Diese Belastung würde bei e i- ner Rückkehr des Besc hwerdeführers in den Heimatstaat wegfallen und hätte sowohl bezüglich der Anpassungsmöglichkeit als auch der sprachli- chen Verständigung positive Folgen, wie dies die Vorinstanz in der ang e- fochtenen Verfügung richtigerweise festgestellt hat. Zusätzlich ist festzu- halten, dass nach den Erkenntnissen des Gerichts in Nigeria eine psychi- atrische Behandlung entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers durchaus möglich ist. Insgesamt gibt es im Heimatland des Beschwerd e- führers 35 psychiatrische Kliniken oder psychiatrische Abteilungen an Spitälern. In diesen können alle psychiatrischen Krankheiten behandelt werden, inklusive schwere Depression, suizidale Tendenzen, Paranoia, Posttraumatische Belastungsstörungen und Schizophrenie. Darüber hin- aus bestehen in ein igen Bundesstaaten für Personen mit psychischen Störungen Einrichtungen auf Gemeindeebene, die von Nicht -Regier- ungsinstitutionen, privaten Ärzten und Ärztinnen und vor allem von relig i- ösen Einrichtungen betrieben werden. Demnach stehen dem Beschwe r- deführer hinreichende Möglichkeiten zum Besuch einer Therapie zur Ver- fügung. Was die Finanzierung einer Therapie anbelangt, so ist die B e- handlung in ein igen Kliniken kostenlos, die Medikamente müssen indes selber bezahlt werden. (vgl. Schweizerische Flüchtlingshi lfe [SFH], Al e-E-5780/2011 Seite 10 xandra Geiser, Nigeria: Behandlung von Schizophrenie, Asthma bronchia- le und Hepatitis B, Bern, 18. Januar 2010; UK Home Office and Danish Immigration Service, Report of Joint British -Danish Fact-Finding Mission to Lagos and Abuja, Nigeria 9 - 27 September 2007 and 5 - 12 January 2008, 28.10.2008 , Urteil des Bundesverwaltungsgericht s D-3819/2010 vom 21. November 2011). Nachdem sich der Beschwerdeführer weigert, Medikamente einzunehmen, ist dieser Umstand für ihn vorderhand ohne Belang. Sodann ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer bis zu se i- ner Ausreise rund 18 Jahre in Nigeria gelebt hat. Er wird daher in eine für ihn in jeder Hinsicht bekannte Kultur zurückkehren. Gemäss seinen A n- gaben leben seine Mutter und Schwester, sowie mit hoher Wahrschein- lichkeit weitere Verwandte nach wie vor in Nigeria. Damit verfügt der Be- schwerdeführer in Nigeria über ein bestehendes soziales Beziehungs- netz, auf welches er bei Bedarf zu seiner Unterstützung zurückgreifen kann. Im Weiteren hat er vor der Ausrei se als (...) gearbeitet, eine Tätig- keit, welche er nach Ansicht des Gerichts erneut aufnehmen kann. Dass er nicht arbeitsfähig wäre, wird weder in der Beschwerdeschrift noch in den ärztlichen Berichten angeführt. Schliesslich stellt der Umstand, dass es in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Wohnortes des Beschwerdefüh- rers allenfalls keine Behandlungsmöglichkeit gibt, kein Vollzugshindernis dar. Es ist dem Beschwerdeführer zuzumuten, sich auch an eine n von seinem ehemaligen Wohnort entfernteren Behandlungso rt niederzulas- sen. Zusätzlich kann das BFM bei der Ausreise aus der Schweiz die no t- wendigen Rückkehrhilfen leisten und im Rahmen von flankierenden Massnahmen, beispielsweise durch Kontaktaufnahme mit der Schweizer Vertretung vor Ort oder anderen zuständigen Stellen, sicherstellen, dass die Weiterführung der psychotherapeutischen Behandlungen in Nigeria eingeleitet wird (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylver- ordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312] sowie die Weisungen des BFM vom 1. Januar 2008 betreffend Rückkehr- und Wiedereingliederungshilfe, Ziffer 4.2.5). Dementsprechend steht es dem Beschwerdeführer offen, beim BFM einen entsprechenden Antrag auf Rückkehrhilfe zu stellen. 6.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aus wiedererwägungsrecht- licher Sicht keine Gründe vorliegen, welche es rechtfertigen würden, auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG zu schliessen. E-5780/2011 Seite 11 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügu ng Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Verfügung der Vorinstanz ist demzufolge zu bestätigen und d ie Beschwerde abz u- weisen. Damit ist das Gesuch um Wieder herstellung der aufschiebenden Wirkung (recte: Aussetzung des Vollzugs) gegenstandslos geworden. 8. 8.1. Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Diese wird gewährt, wenn die Partei nicht über die e rforderlichen Mittel verfügt und ihre Begehren nicht aussichtslos erscheinen. 8.2. Der Beschwerdeführer hat in der Rechtsmitteleingabe eine Fürso r- gebestätigung in Aussicht gestellt. Ein entsprechendes Schreiben ist bis heute beim Gericht nicht eingegangen. Aufgrund der Akten ist indes klar von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführer s auszugehen. Zudem sind die Rechtsbegehren nicht als aussichtslos zu bezeichnen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist daher gutzuheissen. (Dispositiv nächste Seite) E-5780/2011 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, womit das Gesuch um Wiederherste l- lung der aufschiebenden Wirkung gegenstandslos wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gut- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Kurt Gysi Barbara Balmelli Versand: