B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-2884/2019 U r t e i l v o m 1 7 . F e b r u a r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Christine Ackermann (Vorsitz), Richter Maurizio Greppi, Richter Jérôme Candrian, Gerichtsschreiberin Rahel Gresch. Parteien A._______ AG, vertreten durch MLaw Ursina Müller, Rechtsanwältin, Müller, Streiff & Partner AG, Burgstrasse 14, Postfach 621, 8750 Glarus, Beschwerdeführerin, gegen Kommando Ausbildung (Kdo Ausb), Rodtmattstrasse 110, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Arbeitgeberregistratur zwecks Vornahme von Dienstbefreiungen nach Art. 18 MG. A-2884/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Die A._______ AG reichte am 7. Januar 2019 bei m Kommando Ausbil- dung, Personelles der Armee, ein Gesuch um Dienstbefreiung ihrer Mitar- beiter im Sinne von Art. 18 des Militärgesetzes vom 3. Februar 1995 (MG, SR 510.10) ein. Dieses teilte ihr mit Schreiben vom 22. März 2019 mit, dass eine Arbeitgeberregistratur zwecks Vornahme von Dienstbefreiungen für unentbehrliche Tätigkeiten nach Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG aus rechtli- chen Gründen ausser Betracht falle (kein konzessioniertes Transportunter- nehmen). Daraufhin ersuchte die A._______ AG um Erlass einer be- schwerdefähigen Verfügung. B. Am 7. Mai 2019 verfügte das Kommando Ausbildung die Abweisung des Gesuchs der A._______ AG um Arbeitgeberregistratur zwecks Vornahme von Dienstbefreiungen für unentbehrliche Tätigkeiten nach Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG. In seiner Begründung führt das Komman do Ausbildung aus, Art. 18 Abs. 1 MG sei gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts abschliessend zu verstehen und die darin enthaltene Liste zähle die we- sentlichsten Funktionen auf, die für die Gesamtverteidigung als unentbehr- lich gelten könn ten. Diese Liste müsse knapp gehalten werden, da die Dienstbefreiung einen gewissen Einbruch in die allgemeine Militärdienst- pflicht bedeute und sie sei daher restriktiv zu handhaben. Zudem würden die aktuellen Rechtsgrundlagen für eine Dienstbefreiung nach Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG kumulativ eine Personenbeförderungskonzession und eine Infrastrukturkonzession voraussetzen. Zwar treffe es zu, dass die A._______ AG regelmässig Güterverkehr für die Grundversorgung der Be- völkerung und der Wirtschaft mit wichtigen Schlüsselgütern durchführe und es sei unbestritten, dass sie über eine Infrastrukturkonzession und Sicher- heitsgenehmigung sowie über eine Netzzugangsbewilligung und Sicher- heitsbescheinigung verfüge. Dies ändere jedoch nichts am Umstand, dass sie keine Personenbeförderungskonzession besitze und ohne diese keine Arbeitgeberregistratur zwecks Vornahme von Dienstbefreiungen für unent- behrliche Tätigkeiten erfolgen könne. C. Gegen diese Verfügung erhebt die A._______ AG (nachfolgend: Be- schwerdeführerin) am 11. Juni 20 19 Beschwerde beim Bundesverwal- tungsgericht. Sie beantragt die Aufhebung der Verfügung des Kommandos A-2884/2019 Seite 3 Ausbildung (nachfolgend: Vorinstanz) sowie die Bewilligung ihres Gesuchs vom 7. Januar 2019 um Arbeitgeberregistratur zwecks Vornahme von Dienstbefreiungen für unentbehrliche Tätigkeiten nach Art. 18 MG. Even- tualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen. Zur Begründung bringt sie vor, weder aus dem Militärgesetz noch aus der dazugehörigen Verordnung über die Militärdienstpflicht vom 22. No- vember 2017 (VMDP , SR 512.21) gehe hervor, dass unter einem konzes- sionierten Transportunternehmen lediglich Unternehmen zu verstehen seien, die sowohl über ein e Infrastrukturkonzession wie auch über eine Personenbeförderungskonzession verfüg ten. Es sei offensichtlich und dürfte unbestritten sei n, dass sie lebensnotwendige Dienste oder für die Bewältigung von Katastrophen unentbehrliche Dienstleistungen erbringe. Diese Wichtigkeit ihrer Di enstleistungen werde auch von der Vorinstanz anerkannt. Diese halte in ihrer Verfügung sogar fest, dass sie regelmässi- gen Güterverkehr für die Grundversorgung der Bevölkerung und Wirtschaft durchführe, indem sie den Flughafen X.______ mit Kerosin beliefere sowie verschiedene Tanklager mit Benzin- und Dieselzügen versorge. D. Mit Vernehmlassung vom 24. Juli 2019 beantragt die Vorinstanz die Abwei- sung der Beschwerde und hält an ihrer Verfügung vom 7. Mai 2019 vollum- fänglich fest. Bei einer Bundeskonzession nach Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG handle es sich gemäss Bestätigung des Bundesamtes für Verkehr (BAV) um eine Personenbeförderungskonzession nach Art. 6 des Personenbe- förderungsgesetzes vom 20. März 2009 (PBG, SR 745.1) oder um eine Infrastrukturkonzession mit Sic herheitsgenehmigung nach Art. 5 des Ei- senbahngesetzes vom 20. Dezember 1957 (EBG, SR 742.101). Die Be- schwerdeführerin verfüge jedoch über keine Bundeskonzession in diesem Sinne, sondern lediglich über eine Netzzugangsbewilligung und Sicher- heitsbescheinigung nach Art. 8c EBG. Im Übrigen habe die Beschwerde- führerin den Nachweis für die Vorbereitungsmassnahmen für besondere und ausserordentliche Lagen, die sie nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung über den Einsatz und die Aufgaben konzessionierter Transportunterne h- men in besonderen und ausserordentlichen Lagen vom 4. November 2009 (SR 531.40) – die gemäss Art. 2 Bst. b auch für Unternehmen mit einer Bewilligung nach Art. 8c EBG gelte – treffen müsste, nicht erbracht. E. Die Beschwerdeführerin hält in ihren Schlussbem erkungen vom 26. Au- gust 2019 an ihren Anträgen gemäss Beschwerde vom 11. Juni 2019 fest. Sie stellt die Voraussetzungen, die die Vorinstanz für eine Dienstbefreiung A-2884/2019 Seite 4 nach Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG darlegt, in Frage, sei doch aus de m E-Mail des Leiters der Ge schäftsstelle der Koordination des Verkehrswesens im Hinblick auf Ereignisfälle (KVOE) des BAV vom 17. Juli 2019 an die Vor- instanz – das diese nachträglich eingereicht habe – ersichtlich, dass auch solche Unternehmen von der Dienstpflicht befreit werden könnten, die über eine Netzzugangsbewilligung und Sicherheitsbescheinigung nach Art. 8c EBG verfügen würden. Insbesondere werde sie in dieser E-Mail selbst un- ter dieselbe Kategorie wie die B.______ und die C.______ subsumiert, de- ren Mitarbeiter von der Dienstpflicht befreit seien und ebenfalls über keine Personenbeförderungskonzession oder eine Infrastrukturkonzession ver- fügen würden. Eine Ungleichbehandlung sei vorliegend somit nicht ge- rechtfertigt. Zudem solle die Dienstbefreiung plötzlich zusätzlich aufgrund des mangelnden Nachweises für die Vorbereitungsmassnahmen für be- sondere und ausserordentliche Lagen nicht erfolgen können. Dies sei eine neue Voraussetzung, die die Vorinstanz erstmalig verlange und bis anhin kein Thema gewesen sei, geschweige denn seien diesbezüglich Unterla- gen von ihr verlangt worden. F. Die Vorinstanz wiederholt in ihrer Stellungnahme vom 24. Oktober 2019 ihre Argumente, die sie bereits in ihrer Verfügung und Vernehmlassung vor- gebracht hat. Sie weist des Weiteren darauf hin, dass andere Güterver- kehrsunternehmen wie die B._______ und die C._______ in Zukunft nicht mehr dienstbefreit würden, sondern jeweils erst nach Vorliegen der konkre- ten Situation nach Art. 145 MG eine Dispensation bzw. B eurlaubung ge- währt werde. G. Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten be- findlichen Dokumente wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfolgen- den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Nach Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden A-2884/2019 Seite 5 gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwal- tungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofer n keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Da keine solche Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt, mit dem Kommando Ausbildung eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG verfügt hat und die erlassene Verfügung ein zulässiges Anfechtungsobjekt darstellt, ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. 1.2 Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesver- waltungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes be- stimmt. 1.3 Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teil- nahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren An- trägen nicht durchgedrungen, durch die angefochtene Verfügung auch ma- teriell beschwert und deshalb zur Beschwerde befugt. 1.4 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 und 52 VwVG) ist demnach einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Ausübung des Ermessens – sowie auf Angemessenheit hin (vgl. Art. 49 VwVG). Es stellt – wie die Vorinstanz – den Sachverhalt unter Vorbehalt der Mitwirkungspflicht der Parteien von Amtes wegen fest (Art. 12 und Art. 13 VwVG). 3. Vorliegend ist strittig, ob die Beschwerdeführerin in die Arbeitgeberregist- ratur der Vorinstanz zwecks Vornahme von Dienstbefreiungen nach Art. 18 MG eingetragen werden kann bzw. ob dienstpflichtige Angestellte der Be- schwerdeführerin von der Militärdienstpflicht nach Art. 2 ff. MG i.V.m. Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG und Art. 30 Abs. 1 Bst. b VMDP befreit werden können. Um dies beantworten zu können, werden zunächst die Rechts-A-2884/2019 Seite 6 grundlagen dargelegt (E. 4). Anschliessend wird durch Auslegung zu klä- ren sein, wie Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG, insbesondere der Begriff "der vom Bund konzessionierten Transportunternehmen" zu verstehen ist und wel- che Folgerungen sich daraus ergeben (E. 5). 4. 4.1 Das Militärgesetz stützt sich auf Art. 58 Abs. 2 und Art. 60 Abs. 1 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV, SR 101). Art. 58 Abs. 2 BV hält fest, dass die Armee der Kriegsverhinderung dient und zur Erhaltung des Friedens beiträgt; sie verteidigt das Land und seine Bevölkerung und un- terstützt die zivilen Behörden bei der Abwehr schwerwiegender Bedrohun- gen der inneren Sicherheit und bei der Bewältigung anderer ausseror- dentlicher Lagen. Gemäss Art. 60 Abs. 1 BV kommt dem Bund die aus- schliessliche Gesetzgebungskompetenz für den gesamten Bereich des Mi- litärwesens zu (vgl. Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996, BBl 1997 I 1, S. 242). Er hat diese insbesondere mit dem Erlass des Militärgesetzes wahrgenommen, das die Wehrverfassung konkretisiert. Neben dieser generellen Rechtsetzungskompetenz zählt Art. 60 Abs. 1 BV im Speziellen die Organisation, Ausbildung und Ausrüs- tung als Zuständigkeiten des Bundes auf. Auch diese Bereiche sind im Mi- litärgesetz geregelt (HANSJÖRG MEYER, in: Ehrenzeller/Schindler/Schwei- zer/Vallender, Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommen- tar, 3. Aufl. 2014, Art. 60 Rz. 3 f.). 4.2 Das Militärgesetz umschreibt neben dem sicherheitspolitischen Auftrag der Armee im ersten Titel (Art. 1) auch die Militärdienstpflicht im zweiten Titel (Art. 2 – 27), die Rechte und Pfl ichten der Angehörigen der Armee (dritter Titel) sowie die Ausbildung, den Einsatz der Armee, deren Organi- sation sowie das Armeematerial und die Armeeleitung in den Titeln 4 – 8. Gemäss dem Grundsatz in Art. 2 Abs. 1 MG ist jeder Schweizer militär- dienstpflichtig. In Art. 12 MG werden die verschiedenen Dienste aufgeführt, die Militärdienstpflichtige leisten müssen, z.B. Ausbildungsdienste, Frie- densförderungsdienste oder Assistenzdienste. Neben dem Grundsatz der allgemeinen Militärdienstpflicht werden in Art. 17 und 18 MG Ausnahmen davon, nämlich die Dienstbefreiung für Parlamentarier und Parlamentarie- rinnen (Art. 17) und für unentbehrliche Tätigkeiten (Art. 18), statuiert. Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG lautet in der Fassung vom 1. Januar 2018 wie folgt: A-2884/2019 Seite 7 1 "Für die Dauer ihres Amtes oder ihrer Anstellung werden von der Militär- dienstpflicht befreit: (…). h. Angestellte der Postdienste, der vom Bund konzessionierten Transportunternehmen sowie der Verwaltung, die in ausseror- dentlichen Lagen für den Sicherheitsverbund Schweiz unentbehr- lich sind; (…)." 4.3 Gestützt auf das Militärgesetz führt die Verordnung über die Militär- dienstpflicht in Art. 30 Abs. 1 zu Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG näher aus, dass Angestellte aller vom Bund konzessionierten Transportunternehmen sowie Angestellte von Eisenbahnunternehmen, die auf der Grundlage einer schweizerischen Netzzugangsbewilligung nach Art. 8c Abs. 1 des Eisen- bahngesetzes vom 20. Dezember 1957 regelmässig Güterverkehr durch- führen und für die Erfüllung der Leistungsaufträge der ko nzessionierten Transportunternehmen unentbehrlich sind, für den Sicherheitsverbund Schweiz in ausserordentlichen Lagen unentbehrlich sind (Bst. b). 4.4 Aus dem soeben Dargelegten folgt und ist unter den Parteien unbestrit- ten, dass sowohl das Militärgesetz als auch die Verordnung über die Mili- tärdienstpflicht auf die dienstpflichtigen Angestellten der Beschwerdeführe- rin grundsätzlich anwendbar ist, sei es, dass sie während ihrer Anstellung bei der Beschwerdeführerin Militärdienst leisten müssen oder aber als Aus- nahme von dieser befreit werden. Ob Letzteres der Fall ist, ist nachfolgend mittels Auslegung von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG zu klären. 5. 5.1 Ausgangspunkt jeder Auslegung ist der Wortlaut (grammatikalische Auslegung). Die grammatikalische Auslegung stellt auf Wortlaut, Wortsinn und Sprachgebrauch ab, wobei die Formulierungen in den Amtssprachen Deutsch, Französisch und Italienisch gleichwertig sind (vgl. Art. 14 Abs. 1 Satz 2 des Bundesgesetzes über die Sammlungen des Bundesrechts und das Bundesblatt [Publikationsgesetz, PublG, SR 170.512]). Vom klaren, eindeutigen und unmissverständlichen Wortlaut darf nur ausnahmsweise abgewichen werden, so et wa dann, wenn triftige Gründe dafür vorliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Norm wiedergibt. Solche Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus ihrem Sinn und Zweck oder aus dem Zusammenhang mit anderen Vor- schriften ergeben. A-2884/2019 Seite 8 Ist der Text nicht klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden (ratio legis) unter Berück- sichtigung aller Auslegungselemente (sog. Methodenpluralismus). Dabei ist namentlich auf die Entste hungsgeschichte (historisches Element), den Zweck der Norm (teleologisches Element), die ihr zugrundeliegenden Wer- tungen und ihre Bedeutung im Kontext mit anderen Bestimmungen (syste- matisches Element) abzustellen. Bleiben bei nicht klarem Wortlaut letztlich mehrere Auslegungen möglich, so ist jene zu wählen, die der Verfassung am besten entspricht (v gl. zum Ganzen BGE 145 II 182 E. 5.1 und 142 I 135 E. 1.1.1 m.w.H.). Die Gesetzesmaterialien sind nicht unmittelbar ent- scheidend, dienen aber als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu erkennen. Bei der Auslegung neuerer Bestimmungen kommt den Materialien eine be- sondere Bedeutung zu, weil veränderte Umstände oder ein gewandeltes Rechtsverständnis eine andere Lösung weniger rasch nahelegen (vgl. BGE 141 II 262 E. 4.2 m.w.H). 5.2 5.2.1 Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG spricht von Angestellten der vom Bund kon- zessionierten Transportunternehmen, die in ausserordentlichen Lagen für den Sicherheitsverbund Schweiz unentbehrlich sind. Der Begriff "der vom Bund konzessionierten Transportunternehmen" ist zu hinterfragen, zumal das Militärgesetz aus dem Jahr 1995 stammt und im Jahr 1999 mit der Bahnreform 1 das Eisenbahn- und Güterverkehrsrecht verschiedene, zum Teil grundlegende Veränderungen erfahren hat, insbesondere was das We- sen der Konzes sion betrifft (vgl. STÜCKELBERGER/HALDIMANN, in: Müller [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Verkehrsrecht, Band IV, 2008, S. 301, Rz. 112 und UHLMANN/HINDERLING, in : Müller [Hrsg.], a.a.O, S. 92, Rz. 39). Aus der italienischen Fassung ("[…], delle imprese di trasporto titolari di una concessione federale […]") und dem französischen Text ("[…], des ent- reprises de transport titulaires d ’une concession fédérale […]") ergeben sich keine Hinweise für die Klärung des Begriffs. Damit ist der Wortlaut der Bestimmung nicht klar und es sind die weiteren Auslegungsmethoden her- anzuziehen, um mit Hilfe des Methodenpluralismus' die wahre Tragweite dieser Bestimmung zu ermitteln. 5.2.2 Die historische Auslegung stellt auf den Sinn und Zweck ab, den man einer Norm zur Zeit ihrer Entstehung gab. Eine Norm soll so gelten, wie sie A-2884/2019 Seite 9 vom Gesetzgeber vorgesehen worden war. Insbesondere bei jungen Er- lassen muss dem Willen des Gesetzgebers ein gro sses Gewicht beige- messen werden (vgl. BGE 136 V 216 E. 5.1, BGE 135 II 78 E. 2.2; HÄFE- LIN/HALLER/KELLER/THURNHERR, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 9. Aufl. 2016, Rz. 101). Im Rahmen der historischen Auslegung sind vor- liegend neben dem MG auch die VMDP, das PBG, das EBG und die Ver- ordnung über den Einsatz und die Aufgaben konzessionierter Transportun- ternehmen in besonderen und ausserordentlichen Lagen vom 4. Novem- ber 2009 (AS 2009 5937 , nachfolgend: VEAKT), die Bahnreform 1 sowie die dazugehörigen Materialien hinzuzuziehen. Bei der systematischen Auslegung ist die Tragweite einer Norm unter Be- rücksichtigung des umgebenden Normengefüges und der institutionellen Rahmenbedingungen zu erforschen (BGE 138 I 305 E. 1.4.4). 5.2.2.1 Um die Bedeutung des Begriffs "der vom Bund konzessionierten Transportunternehmen" im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG zu erfassen, ist es unumgänglich, zunächst die zeitliche Entwicklung der massgeben- den Rechtsgrundlagen näher zu erläutern: Aus der Botschaft des Bundesrates betreffend das Militärgesetz von 1995 (BBl 1993 IV 1) geht zu Art. 18 hervor, dass als vom Bund konzessionierte Transportunternehmen beispielsweise die privaten Bahnen, private kon- zessionierte Carunternehmen und städtische Verkehrsbetriebe gelten. Es sollten jedoch nicht alle Angestellten dieser Transportunternehmen einen "Freipass" für eine Dienstbefreiung erhalten. Der Bundesrat wurde beauf- tragt in einer Verordnung die für die Gesamtverteidigung unentbehrlichen Tätigkeiten und Stellen zu definieren (BBl 1993 IV 1, 42; v gl. auch Art. 18 Abs. 4 MG). Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG wurde seit Inkrafttreten am 1. Januar 1996 nur marginal geändert. Der Teilsatz "der staatlichen und vom Bund konzessionierten Transportunternehmen" wurde per 1. Januar 2011 nach der Bahnreform 2 zu "der vom Bund konzessionierten Transportunterneh- men" verkürzt. Der Grund hierfür lag darin, dass die Schweizerischen Bun- desbahnen (SBB) nun ebenfalls eine Konzession nach den Art. 6 – 8 PBG und Art. 5 EBG benötigten und eine Unterscheidung zwischen den SBB und anderen konzessionierten Transportunternehmen (KTU) daher nicht mehr notwendig war (vgl. Zusatzbotschaft zur Bahnreform 2 vom 9. März 2007 [BBl 2007 2681 S. 2732]). Das stand im Gegensatz zum vorherigen Recht, als die SBB von Gesetzes wegen über das Recht zur Personenbe- förderung verfügt hatten (vgl. Botschaft zur Bahnreform vom 13. November A-2884/2019 Seite 10 1996 [BBl 1997 I 937, S. 957], nachfolgend: Bahnreform 1; Botschaft zur Bahnreform 2 vom 23. Februar 2005, [BBl 2005 2415, S. 2530]). Am 1. Januar 1999 wurde die Bahnreform 1 in Kraft gesetzt (vgl. AS 1998 2835, 2845, 2847, 2856, 2859), mit welcher die Effizienz im öffentlichen Verkehr bzw. Schienenverkehr gesteigert und das Kosten-Nutzen-Verhält- nis für die öffentliche Hand verbessert werden sollte (vgl. Botschaft Bahn- reform 1, S. 913, BGE 138 I 274 E. 1.3). Mit Inkrafttreten der Bahnreform 1 wurde der Güterverkehr weitestgehend liberalisiert (KERN/KÖNIG, in: Biag- gini/Häner/Saxer/Schott [Hrsg.], Fachhandbuch Verwaltungsrecht, 2015, Rz. 9.63 und 9.71). Anders als bei einer regelmässigen Personenbeförde- rung entfiel im Zuge dieser Liberalisierung die Konzessionspflicht für die Gütertransporte auf der Schiene (vgl. Botschaft Bahnreform 1, S. 925; UHL- MANN/HINDERLING, a.a.O., S. 92, Rz. 39; STÜCKELBERGER/HALDIMANN, a.a.O., S. 291, Rz. 82 und 112). Stattdessen ist für die Durchführung von gewerbsmässigen Gütertransporten eine Bewilligung erforderlich. Für Schienentransporte ist eine sog. Netzzugangsbewilligung mit Sicherheits- bescheinigung notwendig (vgl. Art. 8c ff. EBG i.V.m. der Eisenbahn-Netz- zugangsverordnung vom 25. November 1998 [NZV, SR 742.122]; STÜ- CKELBERGER/HALDIMANN, a.a.O., S. 292, Rz. 86). Die Einführung der neuen Kategorie des Netzzugangs ermöglicht einen diskriminierungsfreien Zugang für den Güte rverkehr und die Öffnung des Marktes im Schienen- verkehr allgemein (vgl. Botschaft Bahnreform 1, S. 923; Art. 9a EBG). Mit dem Netzzugang ist ein Transportunternehmen berechtigt, die Bahninfra- struktur eines anderen Bahnunternehmens gegen Bezahlung eines Entgel- tes zu benützen. Mit dem Erwerb einer Trasse für ein bestimmtes Zeitfens- ter (sog. slot) erhält das Transportunternehmen das Recht, zu einer defi- nierten Zeit eine bestimmte Strecke gegen Entgelt (sog. Trassenpreis) zu befahren (Art. 9a Abs. 4 EBG und Art. 9c Abs. 1 EBG; KERN/KÖNIG, a.a.O., Rz. 9.88 f.). Mit der Bahnreform 1 wurde somit die Einheitskonzession abgeschafft und die drei Kategorien Personenbeförderungskonzession, Infrastrukturkon- zession (Art. 5 EBG) und Netzzugangsbewilligung (Art. 8c EBG) geschaf- fen (vgl. Botschaft Bahnreform 1, S. 923). 5.2.2.2 In der Verordnung vom 31. August 1994 über die Ausbildungs- dienste (VAD, AS 1994 2907), die vom 1. Januar 1995 bis 31. Dezember 1999 galt, sind zu Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG keine Einzelheiten zu entneh- men. Hingegen fanden sich solche in der Verordnung vom 19. November 2003 über die Militärdienstpflicht (MDV, AS 2003 4609). Der 7. Titel regelte A-2884/2019 Seite 11 die Befreiung von der Militärdienstpflicht (Art. 70 – 82) und nach den allge- meinen Bestimmungen über das Gesuch, die Änderung der Tätigkeit und die Zuständigkeit (Art. 70 – 72) wurden in Art. 79 Abs. 1 Definitionen der verschiedenen Dienste von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG aufgeführt. Unter die Kategorie der als vom Bund konzessionierten Transportunternehmen fielen demnach alle konzessionierten Transportunternehmen bestehend aus Ei- senbahn-, Seilbahn -, Trolleybus-, Autobus- und Schifffahrtsunternehmen (Bst. c). Zudem galten als Angestellte, die in ausserordentlichen Lagen für die nationale Sicherheitskooperation unentbehrlich sind: Personen, welche Aufgaben erfüllen, die auch in ausserordentlichen Lagen für die Besorgung des Postdienstes, der Grundversorgung der Telekommunikation und für die Erfüllung der Leistungsaufträge der konzessionierten Transportunterneh- men erbracht werden müssen (Bst. d). Mit der Änderung der MDV vom 21. November 2007 (AS 2007 6751, 6757) per 1. Januar 2008 wurden in Art. 79 Abs. 1 Bst. c MDV neben den kon- zessionierten Eisenbahn -, Seilbahn -, Trolleybus -, Autobus - und Schiff- fahrtsunternehmen neu die "Eisenbahnunternehmen, die auf der Grund- lage einer schweizerischen Netzzugangsbewilligung nach Artikel 9 a Ab- satz 1 des Eisenbahngesetzes vom 20. Dezember 1957 regelmässig Gü- terverkehr durchführen" aufgeführt. Es sind keine Materialien ersichtlich, die erklären würden, weshalb diese Änderung vom Bundesrat vorgenom- men wurde. Es ist jedoch naheliegend und davon auszugehen, dass die Ergänzung klarstellen sollte, dass die Bahnreform 1 diesbezüglich keine Änderung nach sich zog. Zu erwähnen ist sodann, dass diese Formulie- rung auch in Art. 30 Abs. 1 Bst. b VMDP von 2007 wörtlich übernommen wurde, um die Unternehmen zu definieren, die für den Sicherheitsverbund Schweiz in ausserordentlichen Lagen unentbehrlich sind. 5.2.2.3 Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG setzt des Weiteren voraus, dass konzes- sionierte Transportunternehmen in "ausserordentlichen Lagen" unentbehr- lich sind. Zum Verständnis der Bestimmung sind deshalb insbesondere auch die Verordnung über den Einsatz und die Aufgaben konzessionierter Transportunternehmen in besonderen und ausserordentlichen Lagen (VE- AKT) von 2009 sowie deren Totalrevision und Umbenennung in "Verord- nung über vorrangige Transporte in Ausnahmesituationen" vom 28. August 2019 (VVTA, SR 531.40) von Bedeutung und heranzuziehen (systemati- sche Auslegung). A-2884/2019 Seite 12 In ihrem Titel sprach die VEAKT über "den Einsatz und die Aufgaben kon- zessionierter Transportunternehmen". In Art. 2 wurde der Geltungsbereich aufgeführt. Die VEAKT galt demnach für Unternehmen, die Inhaberinnen a. "einer Konzession für die regelmässige und gewerbsmässige Beförderung von Personen oder Gütern mit Eisenbahnen, Trolleybussen, Seilbahnen, Schiffen oder Motorfahrzeugen; oder b. einer Bewilligung nach Artikel 8c des Eisenbahngesetzes vom 20. Dezem- ber 1957." waren. In Bst. a war die Konzeption des Geltungsb ereichs somit nicht – mehr – kohärent, da seit der Bahnreform 1 (1999) und der damit einherge- henden Liberalisierung des Güterverkehrs nicht mehr vorgesehen war, dass Güterverkehrsunternehmen eine Konzession benötigen, sondern mit- tels Netzzugangsbewilligung die Infrastruktur benützen dürfen. Wesentlich ist sodann, dass in Bst. b die Netzzugangsbewilligung nach Art. 8c EBG ausdrücklich aufgeführt war, obwohl der Titel der Verordnung dies nicht vermuten lassen würde. Die aktuell gültige Verordnung, die VVTA vom 28. August 2018, lässt denn auch den Begriff der "konzessionierten Transportunternehmen" im Titel weg und sorgt betreffend Geltungsbereich in Art. 3 für eine klare und aktu- elle Auflistung der Konzessionen und Bewilligungen: So gilt die Verordnung für Unternehmen mit einer Personenbeförderungskonzession nach Art. 6 PBG (Bst. a), einer Infrastrukturkonzession und Sicherheitsgenehmigung nach Art. 5 EBG (Bst. b) sowie einer Netzzugangsbewilligung und Sicher- heitsbescheinigung nach Art. 8c EBG. Den Erläuterungen zur totalrevidierten VVTA ist ausserdem zu entnehmen, dass die Totalrevision das Ziel hatte, den Anwendungsbereich den gegen- wärtigen Bedürfnissen anzupassen, die Verständlichkeit zu verbessern so- wie die Definitionen und Formulierungen zu schärfen und z u vereinheitli- chen, dies vor allem aufgrund der Änderungen im EBG, PBG und Güter- transportgesetz vom 25. September 2015 (GüTG, SR 742.41; vgl. Erläute- rung des BAV zur Verordnung über vorrangige Transporte in Ausnahmesi- tuationen vom August 2019 [nachfolgend: Erläuterungen VVTA], S. 1). Zu Art. 3 Abs.1 Bst. c VVTA wird ferner konkret ausgeführt, dass Schienengü- tertransportunternehmen eine Netzzugangsbewilligung und eine Sicher- heitsbescheinigung nach Art. 8c EBG benötigen würden, um auf dem Schienennetz Transporte durchführen zu können (vgl. Erläuterungen VVTA, S. 4); Art. 3 Abs. 1 Bst. c VVTA entspricht dem früheren Art. 2 Bst. b A-2884/2019 Seite 13 VEAKT. Die Umformulierung des Titels der Verordnung zeigt sodann klar, dass nicht nur konzessionierte Transportunternehmen Aufgaben in ausser- ordentlichen Lagen wahrnehmen müssen, sondern auch solche, die eine Netzzugangsbewilligung besitzen. Das ist zwar nicht neu, da dies bereits unter der VEAKT galt, dennoch wurde dem Verordnungsgeber offenbar be- wusst, dass die Formulierungen zu schärfen sind, um diesbezüglich Klar- heit zu schaffen. 5.2.3 Als Zwischenfazit ergibt sich aus der historischen und systemati- schen Auslegung somit folgendes Bild: Zum Zei tpunkt des Inkrafttretens des Militärgesetzes am 1. Januar 1996 benötigte auch ein Gütertransport- unternehmen eine Konzession, um seine Güter auf der Schiene zu beför- dern und gehörte deshalb zu den "vom Bund konzessionierten Transport- unternehmen". Der Wortlaut von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG hat sich nach der Liberalisierung des Güterverkehrs nach der Bahnreform 1 nicht grundle- gend geändert, obwohl diese für den Güterverkehr grosse Veränderungen mit sich brachte. So ist es seit der Bahnreform 1 für die Gütertransportun- ternehmen nicht mehr nötig, eine Konzession des Bundes zu beantragen, sondern es ist ihnen mit der Netzzugangsbewilligung den diskriminierungs- freien Zugang zur Infrastruktur, die ihnen durch ein Eisenbahnunterneh- men mit einer Infrastrukturkonzession (vgl. Art. 5 ff. EBG) zur Verfügung gestellt wird, gegen ein Entgelt zu gewähren. Eine Anpassung des Militär- gesetzes hätte somit überlegt werden müssen, was jedoch – soweit er- sichtlich – nicht gemacht wurde. Die Ergänzung in der MDV vom 21. No- vember 2007 deutet darauf hin, dass die Verordnung ausf ormulierte, was bereits vor der Bahnreform 1 Praxis war und weiterhin gelten soll te. An- haltspunkte, die einen anderen Schluss zuliessen, liegen keine vor. Die er- wähnten Erlasse deuten somit darauf hin, dass unter Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG auch Schienengütertransportunternehmen mit einer Netzzugangsbe- willigung und Sicherheitsbescheinigung nach Art. 8c EBG fallen, um in aus- serordentlichen Lagen für den Sicherheitsverbund Schweiz die unentbehr- lichen Dienstleistungen zu erbringen. 5.3 Schliesslich ist Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG aus teleologischer Sicht zu be- trachten. Gemäss Botschaft zum Militärgesetz ist Sinn und Zweck der Dienstbefrei- ung die Aufrechterhaltung unentbehrlicher Dienste in ausserordentlichen Lagen (vgl. Botschaft MG, S. 42). Die Aufzählung in Art. 18 Abs. 1 MG listet die Personen in bestimmten Funktionen auf , die für die Belange der Ge- samtverteidigung als unentbehrlich erachtet werden. Damit die Arbeitgeber A-2884/2019 Seite 14 ihre Dienstleistungen zur Gesamtverteidigung in genügender Art und Weise anbieten können, sind sie auf die volle Kapazität ihrer Mitarbeiten- den angewiesen. Eine Einschränkung der berücksichtigten Tätigkeiten könnte von eine m Grossteil der Arbeitgeber in personeller Hinsicht nicht verkraftet werden (vgl. Botschaft zum MG, S. 41). "Konzessionierte Trans- portunternehmen" sollen demnach in ausserordentlichen Lagen ihre unent- behrliche Leistung uneingeschränkt erbringen können und nicht durch den Einzug ihrer dienstpflichtigen Mitarbeitenden am Leistungsauftrag der Ge- samtverteidigung gehindert werden. Dieser in der Botschaft festgehaltene Grundgedanke hat auch heute noch Gültigkeit. Es kann nicht Sinn und Zweck von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG sein, dass der Schienengüterverkehr gänzlich von einer Dienstbefreiung ausgeschlossen sein und somit anders behandelt werden soll als Transportunternehmen, die über eine Personen- beförderungskonzession oder eine Infrastrukturkonzession verfügen. Auch Schienengüterverkehrsunternehmen können in einem Katastrophenfall un- entbehrliche Leistungen, die oft Voraussetzung für das Funktionieren von Konzessionsinhabern – wie z.B. eines Flughafens (vgl. Art. 36a Luftfahrt- gesetz vom 21. Dezember 1948 [LFG, SR 748.0]), sind, erbringen. 5.4 Zusammengefasst folgt aus historischer, systematischer und teleologi- scher Auslegung, dass Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG Unternehmen, die eine Netzzugangsbewilligung nach Art. 8c EBG besitzen, miteinschliesst. Damit erweist sich zudem Art. 30 Abs. 1 Bst. b VMDP diesbezüglich als gesetzes- konform. 5.5 Der Vorinstanz, die der Meinung ist, die Beschwerdeführerin würde we- der die Voraussetzungen auf Gesetzes- noch auf Verordnungsstufe erfül- len, da die aktuellen Rechtsgrundlagen zwingend und kumulat iv voraus- setzen würden, dass lediglich Angestellte von Unternehmen mit einer Per- sonenbeförderungskonzession nach Art. 6 PBG sowie einer Infrastruktur- konzession und Sicherheitsgenehmigung nach Art. 5 EBG von der Militär- dienstpflicht befreit werden können, k ann somit nicht gefolgt werden. Ku- mulative Voraussetzungen gehen weder aus den Rechtsgrundlagen noch aus der von der Vorinstanz zitierten Rechtsprechung (Urteile des BVGer B- 251/2009 vom 26. Mai 2009 E. 3.1, B-1832/2009 vom 27. Mai 2009 E. 2.3 und B-487/2010 vom 9. März 2010 E. 2) hervor. Demzufolge ist der Be- schwerdeführerin beizupflichten, dass sie – obwohl sie über keine Konzes- sion verfügt (entgegen den Angaben auf ihrer Website) – mit einer Netzzu- gangsbewilligung nach Art. 8c Abs. 1 EBG vom Anwendungsbereich von A-2884/2019 Seite 15 Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG erfasst wird und somit ihre dienstpflichtigen Mitar- beitenden – sofern alle übrigen Voraussetzungen erfüllt sind – von der Mi- litärdienstpflicht zu befreien sind. 6. Im Weiteren ist auf die von der Vorinstanz geltend gemachte subsidiäre Anwendbarkeit von Art. 18 MG zu Art. 145 MG einzugehen. 6.1 Die Vorinstanz bringt vor, im Notfall stehe es jedem Militärdienstpflich- tigen frei, ein Gesuch um Dienstverschiebung aus persönlichen Gründen nach Art. 90 VMDP einzureichen. Zudem gelte aus Gründen der Wehrge- rechtigkeit für eine Dienstbefreiung nach Art. 18 MG das absolute Subsidi- aritätsprinzip. Die Wehrgerechtigkeit beinhalte die Erfüllung der allgemei- nen Wehrpflicht durch die persönliche Dienstleistung in der Armee oder im Zivildienst gemäss Art. 59 Abs. 1 BV. Das Subsidiaritätsprinzip gebiete, dass bei einem Dienstbefreiungsgesuch nach Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG, der explizit auf die ausserordentliche Lage verweise, immer zuerst eine Dis- pensation oder Beurlaubung nach Art. 145 MG zu p rüfen sei. Bei der ab- schliessenden Aufzählung der anspruchsberechtigten Tätigkeiten nach Art. 18 MG werde ausschliesslich in Bst. h zwischen ordentlicher und aus- serordentlicher Lage unterschieden. Diese restriktive Präzisierung spreche umso mehr für die Anwendbarkeit von Art. 145 MG. Es stelle sich nämlich die Frage, weshalb Personen, die (erst) in ausserordentlichen Lagen un- entbehrlich seien, bereits in der ordentlichen Lage für die Dauer ihres Am- tes oder ihrer Anstellung von der Militärdienstpflicht befreit werden sollten. Denn aufgrund des Wortlautes von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG werde für die Unverzichtbarkeit eine ausserordentliche Lage vorausgesetzt. 6.2 Die Beschwerdeführerin äussert sich zu diesen erst im Beschwerde- verfahren vorgebrachten Ausführungen nicht näher. 6.3 Der Argumentation der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden. 6.3.1 Der Dienstbefreiung nach Art. 18 MG und der Dispensation bzw. Be- urlaubung nach Art. 145 MG liegen verschiedene Konzepte zu Grunde : Das Gesuch um Dienstbefreiung wird vom Arbeitgeber und der militär- dienstpflichtigen Person gemeinsam gestellt (Art. 18 Abs. 3 MG). So geht es dabei nicht allein um eine Dienstbefreiung der dienstpflichtigen Person, sondern auch um den Arbeitgeber, der dadurch seine Funktionsfähigkeit in einer ausserordentlichen Lage aufrechterhalten können soll (vgl. Botschaft A-2884/2019 Seite 16 MG, S. 43). Anders Art. 145 MG, wonach Militärdienstpflichtige für die Er- füllung wichtiger Aufgaben in den zivilen Bereichen des Sicherheitsverbun- des Schweiz individuell vom Assistenz - und Aktivdienst dispensiert oder beurlaubt werden können. 6.3.2 Des Weiteren handelt es sich bei Art. 145 MG um eine "Kann -Vor- schrift", bei der kein Anspruch auf eine Dispensation besteht (vgl. Botschaft MG, S. 115). Nach Art. 18 MG dagegen besteht ein Anspruch auf Dienst- befreiung, wenn die Voraussetzungen hierzu erfüllt sind. 6.3.3 Sodann hält die Botschaft zum Militärgesetz u.a. fest, dass wenn die Voraussetzungen einer Dienstbefreiung nicht erfüllt würden, eine Dispen- sation vom Aktivdienst gewährt werden könne (vgl. Botschaft MG, S. 42). Es führt ferner aus, dass die für eine Dienstbefreiung geltende Liste mög- lichst knapp gehalten werden müsse, da die Dienstbefreiung einen gewis- sen Einbruch in die allgemeine Wehrpflicht bedeute und daher restriktiv zu handhaben sei. Soweit es um die Erhaltung der Funktionsfähigkeit von In- stitutionen in ausserordentlichen Lagen gehe, könne dieser Zweck oftmals durch die weniger weit gehende Dispensation vom Assistenz - und Aktiv- dienst erreicht werden (Botschaft MG, S. 43). 6.3.4 Das Vorbringen der Vorinstanz, dass ausschliesslich in Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG zwischen " ordentlicher (strategischer Normalfall de s relativen Friedens)" und "ausserordentlicher Lage (Situation, in welcher in zahlrei- chen Bereichen und Sektoren die ordentlichen Abläufe nicht genügen, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen, beispielsweise bei Katastrophen und in Notlagen, die das ganze Land betreffen oder im Falle eines bewaff- neten Konflikts)" unterschieden werde, ist sodann unzutreffend. Die Be- stimmung trifft keine explizite Unterscheidung, sondern erwähnt einzig die ausserordentlichen Lagen: "Angestellte (…) der vom Bund konzessionier- ten Transportunternehmen (…), die in ausserordentlichen Lagen für den Sicherheitsverbund Schweiz unentbehrlich sind". 6.3.5 Auch die Positionen von Art. 18 und Art. 145 im Militärgesetz deuten nicht auf eine subsidiäre Anwendbarkeit von Art. 18 MG zu Art. 145 MG hin. Art. 18 MG ist dem zweiten Titel "Militärdienstpflicht" angegliedert, während Art. 145 MG unter dem achten Titel "Armeeleitung und Militärver- waltung" aufgeführt wird. Weder Art. 18 MG noch Art. 145 MG weist auf den anderen Artikel hin, der den Vorrang des einen oder anderen statuie- ren würde. Es ist vielmehr auch in systematischer Hinsicht darauf zu schliessen, dass die beiden Rechtsgrundlagen nebeneinander existieren. A-2884/2019 Seite 17 6.3.6 Eine Subsidiarität von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG zu Art. 145 MG ist nach dem Gesagten nicht ersichtlich. Die beiden Rechtsgrundlagen exis- tieren nebeneinander und sind je nac h den Umständen vom Arbeitgeber und der dienstpflichtigen Person/Arbeitnehmer bzw. von der dienstpflichti- gen Person allein zu beantragen. 7. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass Gütertransportunterneh- men mit einer Netzzugangsbewilligung und Sicherheitsbescheinigung nach Art. 8c EBG ebenso unter Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG fallen wie Unter- nehmen, die eine Infrastrukturkonzession nach Art. 5 EBG oder eine Per- sonenbeförderungskonzession nach PBG besitzen. Zudem ist aus dem Mi- litärgesetz keine Subsidiarität von Art. 18 MG zu Art. 145 MG abzuleiten. 8. 8.1 Art. 61 Abs. 1 VwVG sieht für das Beschwerdeverfahren im Allgemei- nen vor, dass die Beschwerdeinstanz in der Sache selbst entscheidet oder diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zu- rückweist. Bei der Wahl steht dem Gericht grundsätzlich ein weiter Ermes- sensspielraum zu. Liegen sachliche Gründe vor, ist eine Rückweisung re- gelmässig mit dem Untersuchungsgrundsatz und dem Prinzip eines einfa- chen und raschen Verfahrens vereinbar. Die Vorinstanz ist mit den tatsäch- lichen Verhältnissen besser vertraut und darum im Allgemeinen besser in der Lage, die erforderlichen Abklärungen durchzuführen. Ebenso ist eine Rückweisung angezeigt, wenn der Vorinstanz ein Ermessen zukommt, bei dessen Überprüfung sich das Gericht Zurückhaltung auferlegt. Schliesslich bleibt der betroffenen Partei dergestalt der gesetzlich vorgesehene Instan- zenzug erhalten (vgl. statt vieler BGE 131 V 407 E. 2.1.1; BVGE 2012/21 E. 5.1; Urteile des BVGer A-4153/2016 vom 16. Mai 2018 E. 9.1, A‑6519/2016 vom 3. Mai 2017 E. 6.1 und A‑5766/2016 vom 2 0. Februar 2017 E. 10.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bun- desverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.194). 8.2 Da sich die Vorinstanz mit den weiteren Voraussetzungen von Art. 18 Abs. 1 Bst. h MG nicht näher auseinandergesetzt hat, ist die Sache an sie zurückzuweisen. Dem Bundesverwaltungsgericht ist es vorliegend nicht möglich, selbst zu prüfen, ob die Voraussetzungen gegeben sind und ein Anspruch auf einen Arbeitgeberregistratureintrag besteht, oh ne ein auf- wändiges Beweisverfahren vorzunehmen. Die Vorinstanz und das allen- falls von dieser als Fachbehörde beizuziehende BAV sind überdies besser A-2884/2019 Seite 18 mit der Materie vertraut al s das Bundesverwaltungsgericht. Ausserdem geht die Beschwerdeführerin so keiner Instanz verlustig. 9. Im Ergebnis sind somit der erste Hauptantrag und der Eventualantrag der Beschwerdeführerin gutzuheissen (Ziff. 1 und 3) . Die Verfügung der Vorinstanz vom 7. Mai 2019 ist aufzuheben und die Angelegenheit zu neuem Entscheid im Sinn e der Erwägungen an d ie Vorinstanz zurückzu- weisen. 10. 10.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG). In der Verwal- tungsrechtspflege des Bundes gilt die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu weiteren Abklärungen und neuem Entscheid (mit noch offe- nem Ausgang) praxisgemäss als volles Obsiegen der beschwerdefü hren- den Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 ff.; 137 V 271 E. 7.1; Urteile des BVGer A-6259/2018 vom 8. Juli 2019 E. 6.1, A-358/2018 vom 10. Januar 2019 und A-2601/2012 vom 3. Januar 2013 E. 4). Demzufolge sind der Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten aufzuer- legen. Der gel eistete Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– wird ihr zurücker- stattet. Der Vorinstanz können keine Verfahrenskosten auferlegt werden (vgl. Art. 63 Abs. 2 VwVG). 10.2 Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat nach Massgabe ih- res Obsiegens Anspruch auf eine Parteientschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG). Da dem Bundesverwaltungsgericht keine Kostennote übermittelt wurde, ist die Parteientschädigung vorliegend aufgrund der Akten auf pauschal Fr. 4'500.– festzusetzen (vgl. Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). (Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.) A-2884/2019 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. D ie Verfügung der Vorinstanz vom 7. Mai 2019 wird aufgehoben und die Angelegenheit zu neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 3. Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils eine Parteientschädigung von Fr. 4'500.– zu be- zahlen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Einschreiben) – das Generalsekretariat VBS (Gerichtsurkunde) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christine Ackermann Rahel Gresch A-2884/2019 Seite 20 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Fr ist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver- tretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der ange- fochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerde- führende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: