Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 1. März 2016 (460 15 161) ____________________________________________________________________ Strafrecht mehrfache sexuelle Nötigung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref. ), Richterin Susanne Afheldt, Richter Stephan Gass, Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiberin Nicole Schneider Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde A.____ , vertreten durch C.____, wiederum vertreten durch Advokatin Kathrin Bichsel, Blumenrain 3, 4001 Basel, Privatklägerin gegen B.____ , vertreten durch Advokat Urs Grob, Advokatur und Notariat Stadthof, Hauptstrasse 47, 4153 Reinach 1, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand mehrfache sexuelle Nötigung etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 10. April 2015 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (Drei erkammer 5) vom 10. April 2015 wur- de B.____ der mehrfachen sexuellen Nötigung, der me hrfachen sexuellen Handlungen mit Kin- dern sowie der mehrfachen Pornographie schuldig erk lärt und zu einer Freiheitsstrafe von 3 ½ Jahren verurteilt, unter Anrechnung der vom 14. Jan uar 2013 bis zum 17. Januar 2013 ausge- standenen Untersuchungshaft von 4 Tagen (Ziffer 1 U rteilsdispositiv). Der Beschuldigte wurde in Bezug auf den Vorfall 1 gemäss Ziffer 1 der Ankl ageschrift vom Vorwurf der sexuellen Nöti- gung und in Bezug auf die Darstellungen mit menschl ichen Ausscheidungen gemäss Ziffer 2 der Anklageschrift vom Vorwurf der mehrfachen Porno graphie freigesprochen (Ziffer 2 Urteils- dispositiv). Das Strafgericht Basel-Landschaft ordnete gestützt auf Art. 63 Abs. 1 StGB die am- bulante Behandlung des Beschuldigten an (Ziffer 3 U rteilsdispositiv). B.____ wurde bei seiner Anerkennung behaftet, der Privatklägerin Fr. 345.95 zuzüglich Zins zu 5% seit dem 15. April 2014 als Schadenersatz zu schulden. Die darüber hinausgehende Zivilforderung wurde gestützt auf Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg ve rwiesen. Der Beschuldigte wurde ausserdem verurteilt, der Privatklägerin eine Genugtuungssumm e von Fr. 15‘000.-- zuzüglich Zins zu 5% seit dem 15. Juni 2012 zu bezahlen (Ziffer 4 Urteil sdispositiv). Mit Bezug auf die Kosten der Opfervertretung, das Honorar der amtlichen Verteidi gung, das Beschlagnahmegut sowie die ordentlichen Kosten des Strafverfahrens wird auf di e Ziffern 5-9 des erstinstanzlichen Urteils- dispositivs verwiesen. B. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte mit E ingabe vom 14. April 2015 die Beru- fung an. Mit Berufungserklärung vom 9. Juli 2015 stellte er folgende Anträge: „1. Es sei Ziff. 1 des Urteils des Strafgerichts B asel-Landschaft vom 24.6.2015 (recte vom 10. April 2015) dahingehend abzuändern, dass der Be rufungskläger zu einer Freiheits- strafe von 2 Jahren verurteilt wird, wobei dem Berufungskläger der bedingte Strafvollzug zu gewähren sei. Eventualiter sei die Freiheitsstrafe zugunsten der angeordneten ambulanten Massnah- me aufzuschieben. 2. Es sei Ziff. 4 Abs. 2 des Urteils des Strafgeri chts Basel-Landschaft vom 24.6.2015 (recte vom 10. April 2015) dahingehend abzuändern, dass de r Berufungskläger dazu verurteilt wird, der Privatklägerin eine Genugtuung von CHF 10 ‘000.00 zuzüglich 5% Zins seit dem 15.6.2012 zu bezahlen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Es sei dem Berufungskläger die amtliche Verteid igung mit dem Unterzeichneten als un- entgeltlichen Rechtsbeistand zu bewilligen. 4. Unter o/e Kostenfolge.“ In seiner Berufungsbegründung vom 7. Oktober 2015 e rweiterte der Berufungskläger seine Rechtsbegehren und verlangte zusätzlich zu den bere its erwähnten Anträgen, dass Ziffer 8 Abs. 2 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs dah ingehend abzuändern sei, als die Beschlag- nahme des PC No Name, silber (Position 8) aufzuhebe n und ihm dieser Computer auszuhändi- gen sei. Zudem sei die Dispositiv-Ziffer 8 Absatz 3 des strafgerichtlichen Urteils dahingehend zu ergänzen, als ihm die Festplatte SSD 160 GB nach Ei ntritt der Rechtskraft des Urteils zurück- zugeben sei. C. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft beantragte mit Berufungsantwort vom 9. November 2015 die vollumfängliche und kostenfällige Abweisung der Berufung. D. Die Privatklägerin beantragte mit Berufungsantwort vom 9. Dezember 2015, die Beru- fung sowie sämtliche Anträge des Berufungsklägers seien abzuweisen und das erstinstanzliche Urteil unter o/e-Kostenfolge zu bestätigen. E. Mit Verfügung vom 8. Oktober 2015 bewilligte der z uständige Präsident des Kantonsge- richts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, dem Berufungskläger die amtliche Verteidigung für das zweitinstanzliche Verfahren mit Advokat Urs Grob. Gleichzeitig wies der Präsident den Berufungskläger indessen darauf hin, dass er, sofer n er zu den Verfahrenskosten verurteilt werde, dem Kanton die Entschädigung für die amtlich e Verteidigung zurückzuzahlen und der Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen E ntschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten habe, sobald es seine wirtschaftlichen Ve rhältnisse erlauben würden. Mit kantonsge- richtlicher Verfügung vom 10. Dezember 2015 wurde d er Privatklägerin die unentgeltliche Rechtspflege für das zweitinstanzliche Verfahren mi t Advokatin Kathrin Bichsel als unentgeltli- che Rechtsbeiständin bewilligt. Am 22. Dezember 201 5 verfügte der zuständige Präsident des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafre cht, sodann in Gutheissung der entspre- chenden Gesuche des Berufungsklägers resp. der Priv atklägerin, dass bei den Therapeuten dieser beiden Parteien ein aktueller Bericht über d en Verlauf der Therapie des Berufungsklä- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gers resp. über die Behandlung der Privatklägerin eingeholt werde. Der Schriftenwechsel wurde geschlossen und die Parteien zur kantonsgerichtlich en Hauptverhandlung geladen, wobei die Privatklägerin von der Teilnahme an der Verhandlung dispensiert und der Auftritt ihrer Rechts- vertreterin vor Kantonsgericht in ihr Ermessen gestellt wurde. F. Anlässlich der heutigen zweitinstanzlichen Hauptve rhandlung, zu welcher der Beru- fungskläger zusammen mit seinem Vertreter, Advokat Urs Grob, Staatsanwalt Martin Hälg für die Staatsanwaltschaft sowie die Mutter der Privatk lägerin, C.____, mit Advokatin Kathrin Bich- sel erscheinen, wird der Berufungskläger zu seinen aktuellen persönlichen Verhältnissen sowie zum Verlauf der ambulanten Therapie eingehend befra gt. In ihren Parteivorträgen halten die Parteien an den schriftlich gestellten Begehren fest. Auf die Depositionen des Berufungsklägers und die Ausführungen der Parteien wird - soweit notwendig - in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zuläs sig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilwei se abgeschlossen worden ist. Es können Rechtsverletzungen, die unvollständige oder unricht ige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungs gericht das Urteil in allen angefochte- nen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs . 2 und Abs. 3 StPO). Die Berufung ist zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Ta gen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden. Danach muss beim Berufung sgericht innert 20 Tagen seit der Zu- stellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung eingereicht werden (Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO). 2. Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist schliesslich jede P artei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, zur Berufung legitimiert. Die Berechtigung zur Einlegung eines Rechtsmittels ist eine Eintretensvoraussetzung. Die Legitima- tion ist dann gegeben, wenn die Partei ein aktuelle s rechtlich geschütztes Interesse an der Auf- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht hebung oder Änderung eines Entscheides hat, d.h. we nn sie durch den angefochtenen Ent- scheid beschwert ist. 3. In casu wird das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 10. April 2015 angefoch- ten. Dieses Urteil stellt ein taugliches Anfechtung sobjekt dar. Das Urteilsdispositiv wurde dem Vertreter des Beschuldigten am 14. April 2015 eröff net (act. 1139). Die Berufungsanmeldung, die vom 14. April 2015 datiert (act. 1287), ist als o fristgerecht erfolgt. Das begründete Strafge- richtsurteil wurde dem Vertreter des Beschuldigten am 24. Juni 2015 zugestellt (act. 1207). Die Berufungserklärung des Beschuldigten vom 9. Juli 20 15 ist damit ebenfalls rechtzeitig erfolgt. Der Beschuldigte hat zweifellos ein rechtlich gesch ütztes Interesse an der Aufhebung oder Än- derung des Entscheides und ist damit zur Berufung l egitimiert. Die Zuständigkeit der Fünfer- kammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, a ls Berufungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. b EG StPO. Die Voraussetzungen für ein Eintreten auf die Berufung sind also grundsätzlich er- füllt. Wie zuvor unter Litera B. erwähnt, hat der B erufungskläger nun aber mit Berufungsbe- gründung vom 7. Oktober 2015 seine ursprünglichen A nträge erweitert. Es stellt sich daher die Frage, welche Rechtsbegehren für das Berufungsverfa hren massgebend sind resp. ob auf sämtliche Anträge eingetreten werden kann. 4. Gemäss Art. 399 Abs. 3 lit. a StPO muss diejenige Partei, die Berufung angemeldet hat, in der schriftlichen Berufungserklärung unter anderem angeben, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht. Wer nur Teile des Urtei ls anficht, hat sodann in der Berufungserklä- rung verbindlich anzugeben, auf welche Teile sich d ie Berufung beschränkt (Art. 399 Abs. 4 StPO). Mit der Berufungserklärung ist also der Umfa ng der Überprüfung des angefochtenen Entscheides mitzuteilen. Nach Ablauf der gesetzlich en Frist von 20 Tagen ist eine Ausdehnung des Berufungsantrags auf bisher nicht angefochtene Teile eines Urteils nicht mehr möglich (L UZIUS EUGSTER , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 399 N 3). Angesichts dieser Ausführungen steht fest, dass nur diejenigen Rechtsbegehren, die der Be- schuldigte in der Berufungserklärung vom 9. Juli 20 15 gestellt hat, für das Berufungsverfahren massgebend sind. Die beiden in der Berufungsbegründ ung vom 7. Oktober 2015 zusätzlich geltend gemachten Anträge betreffend das Beschlagna hmegut können also nicht geprüft wer- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht den bzw. es wird nicht darauf eingetreten. Auf die übrigen in der Berufungserklärung gestellten Rechtsbegehren kann hingegen eingetreten werden. II. Gegenstand des Berufungsverfahrens 1. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufung sgericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Es ist daher vora b darzulegen, was im zweitinstanzlichen Verfahren noch zur Diskussion steht. 2. Im vorliegenden Fall hat nur der Beschuldigte Beru fung erklärt. Aufgrund seiner Anträge in der Berufungserklärung vom 9. Juli 2015 stehen einzig die Strafzumessung und die Höhe der Genugtuung an die Privatklägerin zur Diskussion. Di e vom Berufungskläger in seiner Beru- fungsbegründung vom 7. Oktober 2015 ebenfalls beanstandete Einziehung des Computers, PC No Name, silber (Position 8) sowie der Festplatte S SD 160 GB kann - wie zuvor bereits darge- legt - wegen der verspäteten Geltendmachung keiner Prüfung mehr unterzogen werden. Die übrigen erstinstanzlichen Erkenntnisse, namentlich die Schuldsprüche, die Freisprüche und die Anordnung der ambulanten Behandlung, sind ebenfalls nicht mehr Gegenstand des Berufungs- verfahrens. III. Tatsächliches und Rechtliches 1.1 Gemäss Anklageschrift vom 23. Juli 2014 wurde B.__ __ vorgeworfen, in der Zeitspanne von ca. 14. Januar 2010 bis zum 30. September 2011 in seiner Wohnung in W.____ und vom 1. Oktober 2011 bis ca. September 2012, eventualiter bis P.____, in seiner Wohnung in X.____, sein Patenkind A.____, das ihm von dessen Mutter an spezifischen, jedoch teilweise nicht mehr genauer bestimmbaren Daten innerhalb der erwähnten Zeitspanne zur alleinigen Betreuung anvertraut worden war, mehrfach sexuell genötigt un d mit ihm mehrere sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben. Konkret wurden ihm folgende Handlungen resp. Vorfälle vorgehalten: „Vorfall 1: Im Verlauf der folgenden Monate kam es zu einem ers ten Vorfall in W.____. Dabei griff der Be- schuldigte dem Opfer an dessen Scheide und streichelte dessen äussere Schamlippen. Vorfall 2: Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am M.____ (Opferalter: ca. 7.5 Jahre) kam es in W._ ___, mutmasslich im Ehebett des Be- schuldigten, zum zweiten Vorfall. Der Beschuldigte war damals ebenfalls mit dem Opfer und seiner Tochter D.____ allein zu Hause, wobei Letztere bereits schlief. Dabei versuchte er zuerst mit einem Finger vaginal beim Opfer einzudringen. D ies bereitete dem Opfer jedoch Schmer- zen, was es auch sagte. Daraufhin zog der Beschuldi gte seinen Finger wieder aus dessen Scheide heraus. In der Folge drang er mit einem Fin ger sowie einem kleinen Vibrator anal in das Opfer ein. Vorfall 3: Beim dritten Vorfall kam es im Schlafzimmer am zwis chenzeitlich neuen Wohnort des Beschul- digten, in X.____, sowohl am N.____ (Opferalter: ca . 8.5 Jahre) als auch am O.____, jeweils nach 20:00 Uhr, zu weiteren, gleichgelagerten Vorfä llen. Dies jedoch erst, nachdem der Be- schuldigte seine eigene, damals rund 5 Jahre 7 Mona te alte Tochter D.____, jeweils erneut zu Bett gebracht hatte und diese jeweils eingeschlafen war. In der Folge forderte der Beschuldigte das noch wache Opfer auf, ins Schlafzimmer zu komme n, um mit ihm „sexuelle Handlungen zu praktizieren“. Dort zog er zuerst dieses, danach si ch selbst aus. Danach drang er jeweils mit seinem kleinen Finger und dem bereits erwähnten sow ie einem zwischenzeitlich zusätzlich er- standenen Vibrator anal beim Opfer ein. Im Anschlus s an dieses jeweilige anale Eindringen mittels Vibratoren drang er am Montag, N.____ und/o der am Dienstag, O.____, mehrfach, mutmasslich mindestens vier Mal, in verschiedenen Stellungen, anal mit seinem Geschlechtsteil in das Opfer ein. Dies bereitete dem Opfer jeweils Schmerzen. Bei diesem Eindringen gab er dem Opfer je nach probierter Stellung entsprechende Positionierungsanweisungen. Überdies kam es in der Wohnung in X.____, jeweils w enn sich die Gelegenheit dazu bot, auch zu Zungenküssen und Oralverkehr zwischen dem Opfer und dem Beschuldigten. Bei Letzterem leckte der Beschuldigte das Opfer, jeweils als Vors piel für das jeweilige Einführen der Vibrato- ren, sowohl vaginal als auch anal. Gesamthaft leckt e er das Opfer mindestens vier Mal vaginal und oral. Zudem befriedigte sich der Beschuldigte am selben O rt zumindest einmal im Beisein des Op- fers, nachdem er zuvor anal in dieses eingedrungen war, das Opfer jedoch Schmerzen äusser- te und er sich deshalb wieder aus dem Opfer zurückg ezogen hatte. Während er sich mit der rechten Hand befriedigte, lag das Opfer in seinem linken Arm. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorfall 4: Letztmalig kam es im September 2012 (Opferalter: ca . 9 Jahre), eventualiter am Wochenende vom P.____ zu einer sexuellen Handlung des Beschuld igten an seinem Patenkind in Form von Zungenküssen .“ 1.2 B.____ wurde überdies der mehrfachen Pornographie beschuldigt (vgl. dazu Anklage- schrift vom 23. Juli 2014, Ziffer 2). 2.1 B.____ gestand die sexuellen Handlungen zum Nachte il von A.____ in den vier ange- klagten Vorfällen weitgehend zu. Mit Bezug auf den Vorfall 1 blieb trotz der Angaben der Betei- ligten unklar, ob B.____ die Scheide des Opfers über oder unter den Kleidern gestreichelt hatte. Die Vorinstanz ging daher zu Gunsten des heutigen B erufungsklägers davon aus, dass er die Scheide über den Kleidern der damals höchstens 7 Ja hre alten A.____ berührt hatte. Sie quali- fizierte dies als Handlung mit sexuellem Bezug und sprach B.____ daher wegen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig. Den Tatbestand der sexuellen Nötigung verneinte das Strafgericht hingegen (vgl. Strafgerichtsurteil S. 8 ff.). 2.2 Was den zweiten Vorfall betrifft, so gab B.____ in der Voruntersuchung zu, dass er am M.____ versucht habe, mit einem Finger vaginal beim Opfer einzudringen. Dies habe A.____ Schmerzen bereitet. Deshalb sei er dann mit dem Fin ger sowie einem kleinen Vibrator anal in sie eingedrungen. Er habe A.____ jeweils gefragt, o b es ihr weh täte oder ihr gefiele. Wenn sie ihm explizit mitgeteilt habe, dass ihr etwas wehtue, habe er umgehend damit aufgehört. Anläss- lich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung räumte B.____ ein, dass er am fraglichen M.____ 2011 zunächst seine Tochter ins Bett gebracht und d araufhin A.____ beschwatzt und manipu- liert habe. Dann sei es aber wie von alleine gelauf en, ohne Plan oder Skript. Er sei sich nicht bewusst gewesen, dass es einen Loyalitätskonflikt g egeben habe. Er habe sich auch vorge- macht, dass er A.____ jeweils um ihre Einwilligung nachgefragt habe. Die Vorinstanz sprach B.____ wegen diesem Fall der sexuellen Handlungen m it Kindern und der sexuellen Nötigung schuldig (vgl. Strafgerichtsurteil S. 10 ff.). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Mit Bezug auf den Vorfall 3 gab B.____ zu, dass er mit dem kleinen Finger, mit den Vib- ratoren und seinem Glied anal in das Opfer eingedru ngen sei. Er gab in der Voruntersuchung insbesondere zu, dass er im Jahre 2012, sowohl am M ontag als auch am Dienstag, jeweils mehrmals versucht habe, in verschiedenen Stellungen mit seinem Glied in das Opfer einzudrin- gen. Er sei dabei nur mit der Spitze resp. ca. 6 cm anal eingedrungen und habe immer aufge- hört, wenn A.____ gesagt habe, dass es ihr wehtue. Es habe im Endeffekt nie geklappt. B.____ wurde von der Vorinstanz wegen diesen Taten der meh rfachen sexuellen Handlungen mit Kin- dern sowie der sexuellen Nötigung schuldig gesprochen (vgl. Strafgerichtsurteil S. 13 f.). 2.4 Der vierte Vorfall wurde von B.____ ebenfalls zuge standen. Der Berufungskläger räumte also ein, dass er A.____ einen Zungenkuss gegeben h abe. Die Vorinstanz sprach ihn deswe- gen der sexuellen Handlungen mit Kindern und der se xuellen Nötigung schuldig (vgl. Strafge- richtsurteil S. 14 f.). 2.5 Die Vorinstanz ging schliesslich davon aus, dass B .____ verschiedene Male verbotenes pornographisches Material aus dem Internet heruntergeladen und auf Datenträgern gespeichert habe und erklärte ihn deshalb der mehrfachen Pornog raphie für schuldig. Mit Bezug auf die Exkrementenpornographie wurde er hingegen freigesprochen (vgl. Strafgerichtsurteil S. 15 ff.). All diese Schuldsprüche werden vom Berufungskläger nicht mehr bestritten, weshalb sich wei- tere Ausführungen dazu erübrigen. Beanstandet wird indessen die Strafzumessung, weshalb nachfolgend der Fokus darauf zu legen ist. IV. Strafzumessung 1.1 Im vorliegenden Fall wies die Vorinstanz bei der S trafzumessung zunächst darauf hin, dass von der abstrakt schwersten Straftat, in casu also von sexueller Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB mit einem Strafrahmen von Freiheitsstra fe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe, auszugehen sei. In Anwendung des Asperationsprinzip s gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB sei die dafür auszufällende Strafe wegen mehrfachen verschi edenen Tathandlungen angemessen zu erhöhen. Der Strafrahmen gehe somit von einer Gelds trafe mit mindestens 2 Tagessätzen bis zu Freiheitsstrafe von höchstens 15 Jahren, wobei d ie Strafe bei Fehlen aussergewöhnlicher Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Umstände grundsätzlich innerhalb des ordentlichen S trafrahmens, also bis maximal 10 Jahre Freiheitsstrafe, auszufällen sei. 1.2 Bei den Tatkomponenten berücksichtigte die Vorinst anz, dass A.____ im Zeitpunkt der zu beurteilenden Taten zwischen ungefähr 7 und 9 Ja hre alt gewesen sei und B.____ somit ein kleines Kind sexuell missbraucht habe. Überdies geh e es bei den von ihm vorgenommenen sexuellen Handlungen, die bis zum analen Eindringen mit dem Penis und mit Gegenständen gereicht hätten, um sehr schwerwiegende Übergriffe auf die sexuelle Integrität des Opfers. Es sei insbesondere zu berücksichtigen, dass sich das Gericht bei beischlafsähnlichen Handlun- gen, worunter das anale Eindringen des Penis zu sub sumieren sei, an der einjährigen Mindest- strafe bei Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 St GB zu orientieren habe. Die Folgen des sexuellen Missbrauchs für die persönliche Entwicklu ng von A.____ seien sodann gravierend. So sei dem aktuellen Verlaufsbericht der Familien-, Paar- und Erziehungsberatung Basel-Stadt (fabe) zu entnehmen, dass es A.____ gegen Ende 2013 immer schlechter gegangen sei. Eine zunehmende depressive Symptomatik verbunden mit massiver Antriebsminderung habe sich so stark entwickelt, dass der Schulbesuch für A.____ n icht mehr möglich gewesen sei. Das ambu- lante Setting habe nicht mehr genügt. A.____ habe dann insgesamt 6 Wochen lang im Universi- täts-Kinderspital beider Basel (UKBB) stationär beh andelt werden müssen. Bis zum Sommer 2014 habe sich bei A.____ immer wieder eine depress ive Symptomatik gezeigt, die sich na- mentlich durch Schlafstörung und Antriebslosigkeit geäussert habe. Dass diese erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen von A.____ durc h den erlittenen sexuellen Missbrauch zumindest massgeblich mitverursacht worden seien, k önne nicht ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Auch in Zukunft werde A.____ mit einiger Sicherheit mit Beeinträchtigungen, insbeson- dere in Bezug auf Sexualität und Partnerbeziehungen, leben müssen. Das Strafgericht wies weiter darauf hin, dass B.____ die sexuellen Übergriffe über einen langen Zeitraum von über zwei Jahren begangen habe und das s dies ausgehend vom Erfahrungshori- zont von A.____ eine enorme Zeitspanne gewesen sei. Zugunsten von B.____ berücksichtigte die Vorinstanz , dass die Schuldfähigkeit gemäss foren- sisch-psychiatrischem Gutachten vom 28. Juni 2013 bezüglich der sexuellen Übergriffe in leich- tem Grade vermindert gewesen sei. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit Bezug auf die mehrfache Pornographie hielt die Vorinstanz fest, dass der Beschuldigte in einem langen Zeitraum von mehreren Jahren gegen sämtliche im Tatzeitraum geltenden Verbo- te bezüglich harter Pornographie verstossen habe. Insgesamt erachtete die Vorinstanz das Tat- verschulden von B.____ als mittelschwer (vgl. Strafgerichtsurteil S. 19 f.). 1.3 Bei den Täterkomponenten legte das Strafgericht zu nächst die Lebensgeschichte des Beschuldigten dar und erwähnte dabei, dass B.____ m it ca. 3 Jahren für insgesamt 5 Jahre in einem Kinderheim aufgewachsen und erst m it ca. 8 Jahren wieder zu seiner Mutter gekommen sei. Die Vorinstanz erwähnte auch, dass de r Beschuldigte nach seiner Verhaftung von seiner Ehefrau und den beiden gemeinsamen Kinde rn, E.____ und D.____ verlassen wor- den sei und dass er seit Oktober 2013 eine neue Par tnerin habe. Sie wies weiter darauf hin, dass der Beschuldigte seit 2011 bei der Firma F.___ _ angestellt sei, wobei er seit 1. Dezember 2014 eine neue Führungsposition übernommen habe und nun Fr. 10‘000.-- netto im Monat ver- diene. B.____ sei nicht vorbestraft. Die Vorinstanz beachtete auch das Nachtatverhalten des Beschuldigten. Dieser sei nämlich von Anfang an umf assend geständig gewesen, was bei Se- xualdelikten selten zu beobachten sei. Dadurch habe er nicht nur die Strafuntersuchung be- schleunigt, sondern auch eine zweite Einvernahme de s Opfers verhindert. Diese Kooperation sei bei der Strafzumessung erheblich zu Gunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen. Der Beschuldigte habe auch in der Voruntersuchung und a nlässlich der Hauptverhandlung grund- sätzlich Reue bekundet für das, was er A.____, aber auch deren und seiner eigenen Familie angetan habe. Allerdings hegte das Gericht gewisse Zweifel daran, ob der Beschuldigte tat- sächlich die Tragweite der von ihm begangenen Taten realisiert habe. In der Einvernahme vom 19. November 2013 habe er nämlich folgende Aussagen gemacht: „Das war eine der Stellun- gen, die wir ausprobiert haben“; als ob es sich um einen einver nehmlichen Sexualkontakt zwi- schen gleichberechtigten Partnern und nicht um eine n sexuellen Missbrauch eines Kindes ge- handelt habe. In derselben Einvernahme sei er gefra gt worden, warum er diese Schritte [das heisst die Verwendung des Vibrators] stets erläuter t habe, woraufhin er wie folgt geantwortet habe: „Weil ich ihr damit keine Angst einflössen wo llte. Ich wollte ihr erklären, was ich tue. Mei- ner Ansicht nach gehört erklären, was man macht ode r benutzt, in diesem Zusammenhang da- zu. Und wenn man, in meinem damaligen Verständnis, keine Angst fördern will. Heute weiss ich, dass dies sowieso falsch ist“. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Vorinstanz erklärte sodann, dass sich die Täter komponente erheblich zu Gunsten des Be- schuldigten auswirke und dass daher - in Berücksichtigung sämtlicher Tat- und Täterkomponen- ten sowie in Relation zum Strafrahmen - von einem n och leichten Verschulden an der Grenze zum mittelschweren Verschulden auszugehen sei. Nach Festlegung der hypothetischen Ein- satzstrafe für das Hauptdelikt und der Bemessung de r Strafe für die weiteren Delikte sei nach erfolgter Asperation gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB des halb eine schuldangemessene - also tat- und täterangemessene - Freiheitsstrafe von 3 ½ Jahren auszufällen, wobei die vom 14. bis zum 17. Januar 2013 ausgestandene Untersuchungshaft gem äss Art. 51 StGB an die Strafe anzu- rechnen sei (Strafgerichtsurteil S. 20 ff.). 2.1 Die Berufung des Beschuldigten richtet sich haupts ächlich gegen diese Strafzumessung. Der Berufungskläger beantragt eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und die Gewährung des be- dingten Strafvollzugs. Zur Begründung macht sein Ve rtreter zunächst mit Bezug auf die Tat- komponenten sinngemäss geltend, dass es fraglich se i, ob der schlechte psychische Zustand des Opfers tatsächlich durch die Handlungen seines Mandanten verursacht worden sei. Die in den Berichten des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) sowie der Familien-, Paar- und Erziehungsberatung Basel-Stadt geschilderten Symptome seien erst aufgetreten, nachdem das Opfer mit der Therapie begonnen habe. Zuvor sei jedoch nie etwas Ungewöhnliches be- merkt worden. Es stelle sich daher die Frage, ob di e psychischen Probleme nicht erst durch die Therapie ausgelöst resp. verschlimmert worden seien . Die Tatsache, dass die Eltern von A.____ schon seit längerem getrennt leben und dass dies auch einen Einfluss auf A.____s psy- chischen Zustand haben könne, sei ebenfalls nicht b erücksichtigt worden. Die Vorinstanz habe nicht abgeklärt, ob A.____ durch diese familiäre Si tuation eventuell negativ beeinflusst worden sei. A.____ befinde sich nun überdies in der Pubertät, d.h. einer Phase, in der viele Jugendliche Probleme entwickeln würden. Schamhaftigkeit könne b ei jedem normalen Teenager auftreten und Schlafprobleme auch. Die Vorinstanz habe sich d azu ebenfalls nicht geäussert. Schliess- lich sei nicht berücksichtigt worden, dass es A.____ jetzt wieder gut gehe. 2.2 Der vom Berufungskläger erwähnte Bericht des Unive rsitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) vom 24. März 2014 wurde im Anschluss an die Hospitalisation von A.____ in diesem Spital, die vom 8. Januar 2014 bis zum 21. Februar 2014 gedauert hatte, verfasst. Darin wird zunächst festgehalten, dass A.____ wegen einer zune hmenden depressiven Symptomatik mit massiver Antriebsverminderung und Lebensüberdrussge danken eingewiesen worden sei. Bei Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht der familiären Situation wird unter anderem darauf hingewiesen, dass die Eltern von A.____ getrennt seien, A.____ zusammen mit ihrem Bruder be i der Mutter lebe und zum Vater aktuell keinen Kontakt habe. A.____ sei im Übrigen eine gut e Schülerin und sozial gut integriert. Aus dem Bericht ergibt sich schliesslich unter dem Tite l „Verlauf und Beurteilung“, dass die depres- sive Symptomatik, die punktuelle, insbesondere aben dliche Angst, die Schulängstlichkeit und die Anziehproblematik vor dem Hintergrund des über Jahre stattgefundenen sexuellen Miss- brauchs zu verstehen seien und deshalb als konkrete Massnahme nach der Entlassung aus dem Spital die Fortsetzung der ambulanten Psychotherapie empfohlen werde (act. 999/1 ff.). Im Bericht der Familien-, Paar- und Erziehungsberat ung Basel-Stadt (fabe) vom 3. März 2015 führt die zuständige Psychologin G.____ zunächst au s, dass sie A.____ im Januar 2013 ken- nen gelernt habe, über die Hintergründe des sexuell en Missbrauchs informiert sei und seit Ja- nuar 2013 in 44 Sitzungen mehrheitlich einzeltherap eutisch mit A.____ gearbeitet habe. Nach ihrem letzten Bericht vom 27. November 2013 sei es A.____ immer schlechter gegangen. Ein Schulbesuch sei wegen einer zunehmenden depressiven Symptomatik nicht mehr möglich ge- wesen, weshalb A.____ im Januar 2014 für eine stati onäre Behandlung ins UKBB eingetreten sei. Die Psychologin hält sodann weiter fest, dass es A.____ seit August 2014 recht gut gehe, dass sie den Lehrerwechsel gut gemeistert habe und gute Schulleistungen erbringe. Die im Bericht vom 27. November 2013 geschilderten Symptom e wie Schlafstörung, plötzliche Wut- ausbrüche, grosse Scham, Antriebs- und Lustlosigkei t sowie medizinisch unerklärliche Bauch- schmerzen seien im letzten halben Jahr weitgehend a bgeklungen. Diese Symptome würden klar im Zusammenhang mit der erlittenen Straftat st ehen. Aufgrund der guten Phase sei die Frequenz der Psychotherapie auf ca. zwei monatliche Termine festgelegt worden. Unklar sei aber, wie lange die Phase der Stabilisierung anhalt en werde, denn A.____ befinde sich mitten in der Adoleszenz, in der Themen wie Verliebtheit u nd Sexualität zentral würden. Eine stärkere Konfrontation mit diesen Aspekten könne sich belast end auf A.____ auswirken und es bestehe die Gefahr, dass sich die gleichen Symptome wieder zeigen oder neue hinzukommen könnten. Oft würden sich auch erst im Erwachsenenalter wiede r Symptome zeigen, die auf den erlebten sexuellen Missbrauch zurückzuführen seien. Eine abs chliessende Prognose sei daher nicht möglich (act. 1001 ff.). Im Hinblick auf die heutige Berufungsverhandlung wu rde bei der neuen Psychologin von A.____, H.____, ein Therapieverlaufsbericht eingeho lt. Aus diesem aktuellsten Bericht vom 28. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Januar 2016 geht zunächst hervor, dass A.____ seit den Sommerferien 2015 wieder verstärkt antriebs- und lustlos wirke und am liebsten todkran k sein wolle und deshalb von ihrer Mutter Anfang September 2015 angemeldet worden sei. Seit d em 16. September 2015 seien 14 Ein- zelsitzungen mit A.____ und sechs beratende Gespräc he mit der Mutter von A.____ durchge- führt worden. Die Psychologin führt beim klinischen Befund sodann aus, dass A.____ an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide (F43.1 na ch ICD-10). Diese Belastungsstörung sei eindeutig durch den sexuellen Missbrauch ausgelöst worden und zeige sich insbesondere auf- grund der nachfolgenden Kriterien: aufdringliche Na chhallerinnerungen, erhöhte psychische Sensitivität und Erregung, Einschlafstörungen, Reiz barkeit, Wutausbrüche, Konzentrations- schwierigkeiten und erhöhte Schreckhaftigkeit. Dies e Kriterien würden sich innert sechs Mona- ten nach dem Belastungsereignis oder nach dem Ende der Belastungsperiode zeigen, wobei sich der Beginn aber auch verzögern könne. Die Über griffe seien schwerwiegend, weil sie durch A.____s Taufpaten begangen worden seien, der für sie eine Vertrauensperson gewesen sei. Hinzu komme, dass dieser Berufung eingelegt ha be, was die Verarbeitung des sexuellen Missbrauchs für A.____ zusätzlich erschwere. Es bes tehe sodann weiterhin eine depressive Symptomatik, die vor dem Hintergrund der posttrauma tischen Belastungsstörung zu sehen sei. Neben Erschöpfungssymptomen, Stimmungsschwankungen, übermässiger Reizbarkeit und Einschlafstörungen leide A.____ unter Verspannungen im Nackenbereich, Kopfschmerzen und gerate regelmässig in einen dissoziativen, d.h. apa thischen und nicht mehr ansprechbaren Zu- stand. A.____ zeige selbstverletzendes Verhalten, i ndem sie sich absichtlich fallen lasse und Verletzungen provoziere. Ihr Selbstwertgefühl sei s ehr niedrig. Für A.____, die aufgrund des erlittenen sexuellen Missbrauchs emotional ohnehin massiv belastet sei, bedeute schliesslich die labile Phase der Pubertät ein zusätzliches Risi ko für das Auftreten einer psychischen Stö- rung. Mit der aktuellen Psychotherapie werde nun ve rsucht, die depressiven Symptome zu re- duzieren, Eigenständigkeit und Selbstwertgefühl aufzubauen und zu stabilisieren. A.____ kenne bereits hilfreiche Strategien, die es ihr zwischendurch ermöglichen würden, das Abgleiten in ein Stimmungstief resp. in einen dissoziativen Zustand zu vermeiden. Ihre guten intellektuellen Fä- higkeiten seien eine grosse Ressource, weshalb sie trotz erheblicher emotionaler Belastung gute Schulleistungen zeige. Zudem sei sie in der Sc hule, Pfadi und Fasnachtsclique sozial gut integriert und gehe - wenn auch gegenwärtig mit vie l Anstrengung - ihren Hobbys nach. Positiv sei schliesslich auch, dass es dem Vater von A.____ besser gehe. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 In der Lehre wird vereinzelt darauf hingewiesen, d ass es - abgesehen von krassen Fäl- len eindeutigen Missbrauchs eines Kindes - praktisc h keine gesicherten Erkenntnisse über die möglichen negativen Folgen früher Sexualkontakte im Kindes- und Jugendalter gebe und dass es daher nach wie vor umstritten sei, ob sexuelle H andlungen mit Kindern durch Erwachsene bei den Betroffenen unmittelbar Schäden verursachen würden (G ÜNTHER STRATENWERTH / GUIDO JENNY /F ELIX BOMMER , Schweizerisches Strafrecht, BT I, 7. Aufl. 2010, § 7 N 2 und PHILIPP MAIER , Basler Kommentar StGB II, 3. Aufl. 2013, Art. 187 N 2). Gleichzeitig wird aber auch auf zahlreiche Untersuchungen Bezug genommen, aus denen hervorgehe, dass miss- brauchte Kinder im Vergleich zu nicht ausgebeuteten vermehrt krisenhafte Reaktionen zeigen würden. Die Folgen und Traumatisierungen würden unt er anderem von der Art und Intensität der sexuellen Ausbeutung, vom Alter der betroffenen Kinder, vom Geschlecht und Alter des Täters sowie von der Intensität der Beziehung zwisc hen Opfer und Täter abhängen. Im Einzel- fall bleibe es jedoch unvorhersehbar, welcher einze lne Faktor sich in welchem Ausmass schä- digend auswirke. Gesichert sei einzig, dass ein sexueller Übergriff für jedes Kind das ernsthafte Risiko berge, dass es dadurch in seiner persönliche n Entwicklung durch das Erlebte in irgend- einer Form beeinträchtigt werde (PHILIPP MAIER , a.a.O., Art. 187 N 2). 2.4 Wie bereits die Vorinstanz festgehalten hat, sind die sexuellen Handlungen des Beru- fungsklägers als schwerwiegende Übergriffe auf die sexuelle Integrität von A.____ zu qualifizie- ren. Es ist zweifelsohne von einem krassen eindeuti gen Missbrauch eines Kindes auszugehen. Selbst wenn man sich also der zuvor erwähnten Unsicherheit anschliessen und einen automati- schen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen sexuell en Handlungen mit Kindern und un- mittelbaren Schäden für die Betroffenen in Zweifel ziehen sollte, kann im vorliegenden Fall nicht ernsthaft in Frage gestellt werden, dass in hohem M asse mit negativen Folgen für die Entwick- lung von A.____ gerechnet werden muss. Aus den erwähnten Berichten geht sodann ganz klar h ervor, dass sowohl die bei A.____ diag- nostizierte posttraumatische Belastungsstörung als auch die depressive Symptomatik auf den erlittenen sexuellen Missbrauch zurückzuführen sind . Im Bericht der Psychologin H.____ vom 28. Januar 2016 wird überdies ausdrücklich festgeha lten, dass die Auswirkungen einer Belas- tungsstörung erst einige Zeit nach dem belastenden Ereignis zum Vorschein kommen. Dass A.____ vor dem Bekanntwerden der sexuellen Übergrif fe durch den Berufungskläger kein auf- fälliges Verhalten zeigte, ist daher nicht von Bela ng. Es gibt auch überhaupt keine Anzeichen Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht dafür, dass die psychischen Probleme von A.____ auf die Trennung der Eltern oder aus- schliesslich generell auf die Pubertät zurückzuführ en wären, geschweige denn, dass sie erst durch die Therapie ausgelöst wurden. Für die Behauptung, A.____ sei immer wieder eingeredet worden, wie schrecklich das Geschehene sei und dass sie nie mehr ein normales Leben führen könne, gibt es ebenfalls keine konkreten Hinweise. In Anbetracht des aktuellsten Berichts vom 28. Januar 2016 kann schliesslich keine Rede davon sein, dass es A.____ jetzt wieder gut ge- he. Die Argumente des Berufungsklägers resp. seines Vertreters sind also nicht geeignet, die erstinstanzlichen Ausführungen in Frage zu stellen. Die erstinstanzliche Feststellung, dass die Folgen des sexuellen Missbrauchs für die persönlich e Entwicklung von A.____ gravierend sei- en, ist nicht zu beanstanden. Im Gegenteil ist hier festzuhalten, dass die Annahme der Vor- instanz, wonach die erheblichen gesundheitlichen Be einträchtigungen von A.____ durch den erlittenen sexuellen Missbrauch zumindest massgeblich mitverursacht worden seien, ange- sichts der neusten therapeutischen Einschätzung ehe r zu Gunsten des Berufungsklägers aus- gefallen ist. 3.1 Der Berufungskläger macht weiter geltend, die Tats ache, dass die Übergriffe über einen längeren Zeitraum hinweg stattgefunden hätten, wirke sich entgegen der Ansicht der Vorinstanz nicht verschlimmernd aus. Es sei nämlich nur zu vie r Vorfällen gekommen mit grossen zeitli- chen Abständen dazwischen, weshalb eine geringe Int ensität der Tatfrequenz vorliege und A.____ nicht ständigen und wiederholten Übergriffen ausgesetzt gewesen sei. 3.2 Es trifft zu, dass es nur zu vier Vorfällen gekomm en ist. Dies wurde im angefochtenen Urteil auch gar nicht in Frage gestellt, zumal von einem leichten, an der Grenze zum mittel- schweren Verschulden ausgegangen wurde. Bei einer g rösseren Intensität der Tatfrequenz wäre das Verschulden wohl höher eingestuft worden. Die Vorinstanz wies lediglich darauf hin, dass die sexuellen Übergriffe über einen langen Zei traum von über zwei Jahren begangen wur- den und dass es sich dabei ausgehend vom Erfahrungs horizont von A.____ um eine enorme Zeitspanne handelte. Dass dieser Aspekt zu Lasten d es Berufungsklägers resp. als verschul- denserschwerender Faktor berücksichtigt wurde, ist nicht zu beanstanden. Wie die Vorinstanz bereits festhielt, waren zwei Jahre für die damals etwa 7 Jahre alte A.____ eine sehr lange Phase. Während dieser Zeit nützte es der Berufungsk läger in ausgewählten Situationen gezielt aus, dass A.____ bei ihm übernachtete. Sein Patenki nd war also nicht ständig bei ihm, so dass er in der Zwischenzeit durchaus die Möglichkeit geh abt hätte, sein Verhalten zu überdenken. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Tatsache, dass die Übergriffe innerhalb der zwei Jahre nur vereinzelt vorkamen, musste für A.____ überdies eine unvorhersehbare und daher auch schlimmere Bedrohung dargestellt ha- ben. Die erstinstanzliche Würdigung dieser zeitlich en Tatkomponente ist somit ebenfalls nicht zu beanstanden. 4.1 Der Berufungskläger rügt das Strafgerichtsurteil a uch hinsichtlich der Täterkomponente und bemängelt insbesondere die Feststellung der Vor instanz, dass er die Tragweite seiner Ta- ten nicht realisiert habe. Es werde dabei auf Aussa gen abgestellt, die zum Urteilszeitpunkt fast 1 ½ Jahre alt gewesen seien. Damals sei er mit sein er Therapie am Anfang gestanden. Derarti- ge Depositionen würde er heute nicht mehr machen. M assgebend müsse daher seine Haltung im Zeitpunkt des erstinstanzlichen Urteils sein. Na ch zahlreichen Therapiestunden sei ihm be- wusst geworden, dass er mit seinen Taten vielen Men schen wehgetan und Schaden zugefügt habe. Er empfinde heute aufrichtige Reue und bedaue re wahrhaft, was er A.____, seiner Ehe- frau und seinen eigenen Kindern angetan habe. 4.2 Die Vorinstanz ging in ihrem Urteil vom 10. April 2015 davon aus, dass der Beschuldigte zwar grundsätzlich Reue bekundet habe, zog diese Fe ststellung dann aber in der Tat unter Hinweis auf einige Aussagen, die der Beschuldigte i n der Einvernahme vom 19. November 2013 gemacht hatte, wieder in Zweifel (vgl. dazu oben Ziffer 1.3). Der Einwand des Berufungsklägers ist berechtigt. Es kann durchaus sein, dass er sich damals der Tragweite seiner Taten noch nicht wirklich bewu sst war, wobei der Berufungskläger aber immerhin bereits im Verlaufe der Einvernahme vom 19 . November 2013 selber darauf hinwies, dass seine frühere Vorstellung, er habe ja nur einv ernehmlichen Sexualkontakt mit seinem Pa- tenkind gehabt, falsch gewesen sei (act. 645). Dies er fehlende Bezug zur Realität ist indessen auf seine gutachterlich diagnostizierte heterosexue lle Pädophilie zurückzuführen. Wie sich nun aber unter anderem aus dem aktuellsten Bericht der Universitären Psychiatrischen Klinik Basel (UPK) vom 28. Januar 2016 ergibt, befindet sich der Berufungskläger seit Mitte Februar 2013 regelmässig in einer verhaltenstherapeutischen, del iktsorientierten Psychotherapie und nimmt überdies an einer Gruppentherapie für pädophile Sexualstraftäter teil (vgl. auch Bericht der UPK vom 6. Mai 2014, act. 919 ff.). Anlässlich der kant onsgerichtlichen Hauptverhandlung weist der Vertreter des Berufungsklägers darauf hin, dass sei n Mandant zum zweiten Mal freiwillig bei einem Forschungsprojekt der UPK mitmache, in dem es um die Untersuchung von Personen Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit abweichenden Sexualpräferenzen gehe (Protokoll der Hauptverhandlung, S. 6 und 11). Der Berufungskläger erklärt seinerseits wiederholt, das s er zutiefst bereue, was er A.____ angetan habe. Seine Taten seien ekelhaft, beschämend und er hasse sich selber dafür. Er habe A.____ zu Sachen genötigt, die sie so sicher nicht gewollt habe und er könne sich mittlerweile auch vorstellen, wie traumatisierend seine Handlungen fü r sie gewesen seien. Damals und auch bei den ersten Einvernahmen habe er noch gar nicht erfa sst, was er seinem Patenkind angetan habe (Protokoll der Hauptverhandlung, S. 11 f. und 17). Aufgrund dieser mehrfach und überaus glaubwürdig geäusserten Haltung sowie des ausserord entlichen Engagements des Berufungs- klägers, sich ernsthaft und nachhaltig mit seinen T aten und seiner Störung auseinanderzuset- zen, namentlich der nunmehr seit drei Jahren andaue rnden Therapiebemühungen des Beru- fungsklägers und seiner freiwilligen Mitwirkung bei Forschungsprojekten im Bereich der Pädo- philie, ist das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, überzeugt, dass der Beru- fungskläger nunmehr wirklich einsichtig ist und echte Reue zeigt. 5.1 Der Berufungskläger moniert weiter, dass die Vorin stanz die Auswirkungen der ausge- sprochenen Freiheitsstrafe von 3 ½ Jahren auf sein Leben und sein Umfeld nicht berücksichtigt habe. Wenn er für so lange Zeit ins Gefängnis müsse , verliere er seinen Job, mit der Folge, dass seine Ehefrau und seine beiden Kinder, die von ihm finanziell abhängig seien, ihre Le- bensgrundlage verlieren würden und Sozialhilfe bezi ehen müssten. Nach der Entlassung aus dem Vollzug werde es schwierig sein, wieder eine St elle zu finden geschweige denn ein ver- gleichbares Einkommen wie heute zu erzielen. Auch sein soziales Umfeld würde womöglich bei einer längeren Freiheitsstrafe zerbrechen. Die Beziehung zu seiner Freundin würde wohl eben- falls in die Brüche gehen. Seine gesamte Existenz w ürde also vernichtet. Dies wiederum hätte eine erhöhte Rückfallgefahr zur Folge, wie auch im Gutachten ausgeführt werde, was aber nicht der Sinn und Zweck einer Strafe sein könne. 5.2 In der Lehre und Rechtsprechung ist grundsätzlich anerkannt, dass die schuldangemes- sene Strafe je nach dem Grad der Strafempfindlichke it des Täters verschieden sein kann, dass also bei gleicher Schuld die Strafe nicht unbedingt gleich hoch, sondern nur gleich schwer be- messen sein muss. Bei der Berücksichtigung der Stra fempfindlichkeit ist indessen Zurückhal- tung geboten, um eine diskriminierende Klassenjusti z zu vermeiden. Es geht nämlich nicht an, die Strafe für einen „unempfindlichen“ einfachen Tä ter, der wenig zu verlieren hat, schärfer zu bemessen, als diejenige für einen beruflich integri erten, gut situierten Täter. Die Verbüssung Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Freiheitsstrafe ist für jeden arbeitstätigen und in ein familiäres Umfeld eingebetteten Täter mit einer gewissen Härte verbunden. Als unmittelbare Folge jeder Sanktion darf sich diese Kon- sequenz daher nur bei Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände erheblich strafmindernd aus- wirken. Die allgemeine Lebensführung darf bei der S trafzumessung unter dem Schuldaspekt nur dann berücksichtigt werden, wenn sie im Sinne e iner Indizwirkung wegen ihrer engen Be- ziehung zur Tat Schlüsse auf das verschuldete Unrec ht zulässt (H ANS WIPRÄCHTIGER /S TEFAN KELLER , Basler Kommentar StGB I, 3. Aufl. 2013, Art. 47 N 150 ff.). 5.3 Im vorliegenden Fall ist der blosse Hinweis des Be rufungsklägers auf den drohenden Verlust seiner Arbeitsstelle resp. seiner ganzen Ex istenz kein hinreichender Grund für eine Strafminderung. Bei der Strafzumessung ist indessen zu berücksichtigen, dass der Gutachter I.____ anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhan dlung zu bedenken gab, dass der Verlust des Arbeitsplatzes zu einer Destabilisierung des Be rufungsklägers und damit verbunden zu einer Erhöhung der Rückfallgefahr führen könnte (ac t. 1053). Ebenso hielt I.____ in seinem Gutachten vom 28. Juni 2013 auf die Frage, ob die e mpfohlene ambulante Behandlung auch bei gleichzeitigem oder vorherigem Strafvollzug dur chgeführt werden könne, fest, dass dies zwar möglich sei, die Erfolgsaussichten einer Thera pie aufgrund der ungünstigeren Behand- lungsbedingungen in diesem Fall aber eher gemindert würden (act. 129). Diese gutachterlichen Einschätzungen dürfen bei der Strafzumessung nicht einfach ausser Acht gelassen werden. Insoweit erweist sich das Argument des Berufungsklägers also als berechtigt. 6.1 Der Berufungskläger rügt schliesslich im Zusammenh ang mit der Strafzumessung, dass die Vorinstanz in ihrem Urteil nicht dargelegt habe , wie die einzelnen Taten gewichtet worden seien. Damit macht er sinngemäss geltend, dass sich die konkrete Bemessung der ausgefällten Freiheitsstrafe von 3 ½ Jahren nicht nachvollziehen lasse. 6.2 Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Str afrecht, erachtet diesen Einwand als berechtigt. Die Vorinstanz legte zwar fast alle für die Strafzumessung relevanten Faktoren dar und benannte auch das Tatverschulden, versäumte es dann aber, die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt festzulegen und im Einzelnen aufzu zeigen, wie sie unter Berücksichtigung der massgeblichen straferhöhenden resp. strafmindernden Tat- und Täterkomponenten sowie der weiteren Taten schliesslich auf eine Freiheitsstraf e von 3 ½ Jahren kam. Dies ist nunmehr nachzuholen. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Gemäss Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe n ach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt dabei das Vorleben und die persön lichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Versc hulden wird nach der Schwere der Verlet- zung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bes timmt, wie weit der Täter nach den in- neren und äusseren Umständen in der Lage war, die G efährdung oder Verletzung zu vermei- den (Abs. 2). Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen di e Voraussetzungen für mehrere gleichar- tige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das gesetzliche Höc hstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Die Strafe ist auch bei Deliktsmehrhe it grundsätzlich innerhalb des ordentlichen, für die schwerste Tat anzuwendenden Strafrahmens au szufällen. Dieser Rahmen ist vom Ge- setzgeber nämlich in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen konkreten Umstän- den Rechnung zu tragen. Aus diesem Grund ist der ordentliche Rahmen nur dann zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart beziehungsweise zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Bei der Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist also zunächst der für die schwerste Straftat vorgesehene Strafrahmen zu besti mmen und danach die Einsatzstrafe für die schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens fes tzusetzen. Diese Einsatzstrafe ist unter Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des As perationsprinzips angemessen zu erhö- hen. Das Gericht hat also in einem ersten Schritt gedanklich die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt festzulegen und zwar unter Einbezug aller di eses Delikt betreffenden verschuldenserhö- henden und verschuldensmindernden tat- und täterbez ogenen Umstände. In einem zweiten Schritt hat es diese dem effektiven Tatverschulden entsprechend festgesetzte Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen Straftaten zu einer Gesa mtstrafe zu erhöhen, wobei wiederum den jeweiligen verschuldenserhöhenden und verschuldensm indernden tat- und täterbezogenen Umständen Rechnung zu tragen ist (BGer 6B_218/2010 vom 8. Juni 2010 E. 2.1 und 6B_865/2009 vom 25.3.2010 E. 1.2.2, mit weiteren Hinweisen). Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Gericht hat das Gesamtverschulden zu qualifizieren und die Gesamteinschätzung des Tat- verschuldens gestützt auf Art. 50 StGB im Urteil au sdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad, nämli ch entweder leicht, mittelschwer, schwer oder sehr schwer, auszugehen ist (BGE 136 IV 55 E. 5.7). 7.2 Es ist also zunächst die schwerste Straftat zu bes timmen und danach innerhalb des da- für massgeblichen Strafrahmens die Einsatzstrafe fe stzusetzen. Im vorliegenden Fall stellt die sexuelle Nötigung die schwerste Straftat dar. Gemäs s Art. 189 Abs. 1 StGB ist dafür ein or- dentlicher Strafrahmen von bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vorgesehen. Da der Berufungskläger mit seinem kleinen Finger, mit Vibr atoren und mit seinem Glied anal in das Opfer eindrang, steht - wie bereits die Vorinstanz zutreffend festhielt - eine sehr schwerwiegen- de sexuelle Nötigung mit beischlafsähnlichem Charak ter im Raum. Das Gericht hat sich daher an der einjährigen Mindeststrafe, die bei Vergewalt igung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB vorge- sehen ist, zu orientieren resp. im konkreten Fall v on einem Strafrahmen von mindestens 1 Jahr bis maximal 10 Jahren Freiheitsstrafe auszugehen. A ufgrund der konkret erfolgten vergewalti- gungsähnlichen Tathandlung erweist sich das Verschulden des Berufungsklägers als erheblich. Für die Festlegung der für diese Tat schuldangemessenen Einsatzstrafe ist sodann mit der Vor- instanz bei den Tatkomponenten zu Lasten des Berufu ngsklägers zu berücksichtigen, dass A.____ im Zeitpunkt der zu beurteilenden Tat erst z wischen 7 ½ und 8 ½ Jahre alt war, der Be- rufungskläger somit ein sehr junges Kind sexuell mi ssbrauchte und dass sich dieser sexuelle Missbrauch für die persönliche Entwicklung von A.____ zurzeit immer noch äusserst gravierend auswirkt, d.h. dass die erheblichen gesundheitliche n Beeinträchtigungen, unter denen sie im- mer noch leidet, unbestreitbar durch die erlittene sexuelle Nötigung verursacht wurden (vgl. dazu oben Ziffer 2.2 ff.). Verschuldenserschwerend wirkt sich zudem aus, dass A.____ eine sehr gute Beziehung zum Berufungskläger hatte, ihm vertraute und er dieses nahe Verhältnis missbrauchte. Die Ausnüt- zung dieser vertrauensvollen Beziehung erscheint be sonders verwerflich. Verschuldensmin- dernd ist demgegenüber das grundsätzlich schonende Vorgehen des Berufungsklägers zu be- rücksichtigen. Die Tatsache, dass sich der Berufung skläger glaubhaft darum bemühte, A.____ keine unnötigen Schmerzen zuzufügen, ist daher trotz der prinzipiellen Tatschwere bzw. wegen derselben nur leicht zu seinen Gunsten zu gewichten . In Anbetracht dieser Tatfaktoren ist mit Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bezug auf das schwerste Delikt von einem mittelschw eren Verschulden auszugehen und die Einsatzstrafe innerhalb des zuvor erwähnten Strafrahmens vorerst auf 4 ½ Jahre Freiheitsstrafe festzusetzen. 7.3 Diese hypothetische Strafe ist nun aufgrund divers er Täterkomponenten anzupassen. Besonders hervorzuheben ist hier zunächst das Geständnis des Berufungsklägers, insbesonde- re hinsichtlich der schwersten Straftat. Es kommt s ehr selten vor, dass ein Täter von der ersten Minute an ein derart umfassendes Geständnis ablegt. Damit ersparte der Berufungskläger sei- nem Opfer eine nochmalige Befragung und ein Glaubha ftigkeitsgutachten. Ohne dieses Ge- ständnis hätten vermutlich nicht sämtliche einzelne n Tathandlungen, namentlich die sexuelle Nötigung resp. der konkrete Ablauf und damit das Au smass derselben, nachgewiesen werden können. Der Berufungskläger trug also aktiv zur Auf deckung der materiellen Wahrheit bei. In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass er v on sich aus mithalf, dass selbst Be- weismittel, die bei der Hausdurchsuchung nicht gefu nden wurden, nämlich die von A.____ er- wähnten Vibratoren (vgl. dazu act. 851 ff. und Protokoll der kantonsgerichtlichen Hauptverhand- lung, S. 14), beschlagnahmt werden konnten. Auch di es hat sich positiv auszuwirken. Zu be- achten ist sodann, dass der Berufungskläger gerade mit Bezug auf seine schwerste Tat glaub- hafte Einsicht und echte Reue zeigt und dass er sic h ernsthaft bemüht, seine pädophile Nei- gung mit therapeutischer Hilfe in den Griff zu beko mmen. Diese täterspezifischen Faktoren wir- ken sich in erheblichem Ausmass verschuldensmindern d aus, sodass die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt auf 3 ½ Jahre festzusetzen ist. 7.4 In einem nächsten Schritt ist zu Gunsten des Beruf ungsklägers zu berücksichtigen, dass seine Schuldfähigkeit gemäss dem forensisch-psychia trischem Gutachten vom 28. Juni 2013 bezüglich der sexuellen Übergriffe in leichtem Grad e vermindert war. Dies rechtfertigt nach An- sicht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilu ng Strafrecht, eine Reduktion der Einsatz- strafe um 1 Jahr auf 2 ½ Jahre. Aufgrund der weiter en Taten des Berufungsklägers, insbeson- dere der Tatsache, dass er sich der mehrfachen sexu ellen Nötigung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern sowie der mehrfachen Pornographie schuldig gemacht hat, ist die aus- zufällende Strafe wiederum angemessen zu erhöhen. A n dieser Stelle ist auch zu erwähnen, dass sich der lange Zeitraum von über zwei Jahren, während dem die Übergriffe geschahen - auch wenn es insgesamt nur um vier einzelne Vorfäll e ging - verschuldenserschwerend aus- wirkt. Das Vorleben und die persönlichen Verhältnis se des Berufungsklägers - diesbezüglich Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird hier vollumfänglich auf die Ausführungen der V orinstanz verwiesen (vgl. Strafgerichtsurteil S. 20 f.) - sind mit Blick auf die Strafzumessung n eutral zu bewerten. Als besonders positiv her- vorzuheben ist demgegenüber das Nachtatverhalten de s Berufungsklägers, das nicht nur mit Bezug auf die sexuelle Nötigung als schwerste Straf tat, sondern mit Bezug auf alle Delikte zu berücksichtigen ist. Aufgrund des umfassenden und ohne Umschweife erfolgten Geständnisses sowie der glaubhaften und mit der konsequenten Ther apie auch unter Beweis gestellten Ein- sicht und Reue kann gerade noch von einem leichten, an der Grenze zum mittelschweren Ver- schulden des Berufungsklägers ausgegangen werden. N ebst diesem vorbildlichen Nachtatver- halten, das im Vergleich zur Vorinstanz stärker zu Gunsten des Berufungsklägers zu gewichten ist, muss zu guter Letzt auch die gutachterliche Einschätzung hinsichtlich der Rückfallgefahr bei der Festlegung der Strafe beachtet werden. In Anbet racht all dieser verschuldenserhöhenden resp. -mindernden Faktoren erscheint im Ergebnis ei ne Freiheitsstrafe von 3 Jahren als ange- messen. 8.1 Das Gericht kann den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr und höchstens drei Jahren nur teilweise aufschieben, we nn dies notwendig ist, um dem Verschul- den des Täters genügend Rechnung zu tragen (Art. 43 Abs. 1 StGB). Der unbedingt vollziehba- re Teil darf die Hälfte der Strafe nicht übersteige n (Art. 43 Abs. 2 StGB), wobei sowohl der auf- geschobene wie auch der zu vollziehende Teil mindes tens sechs Monate betragen muss (Art. 43 Abs. 3 StGB). Im Bereich der Freiheitsstrafen von über zwei Jahre n bis maximal drei Jahren tritt der teilbe- dingte an die Stelle des bedingten Strafvollzugs (MARKUS HUG , Kommentar StGB, 19. Aufl., Art. 43 N 2). Damit eine teilbedingte Strafe verhängt we rden kann, müssen die materiellen Voraus- setzungen für die Gewährung des bedingten Strafvollzugs gemäss Art. 42 StGB (keine ungüns- tige Prognose, straffreie Zeit, zumutbare Schadensb ehebung) erfüllt sein (R OLAND M. SCHNEIDER /R OY GARRÉ , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl., Art. 43 N 11, mi t Hinweis u.a. auf BGE 134 IV 1 E. 5.3.3 und 5.5.1). Bei der Festsetzu ng des unbedingt zu vollziehenden Teils nennt das Gesetz in Art. 43 Abs. 2 und 3 StGB nur z wei quantitative Schranken, die zu respek- tieren sind. Innerhalb dieser Schranken liegt es im richterlichen Ermessen, die genaue Höhe der Strafe festzusetzen, die zu vollziehen ist. Bei seiner Entscheidung muss das Gericht sowohl Elemente der Prognose als auch des Verschuldens ber ücksichtigen. Das Verhältnis der Straf- teile ist so festzusetzen, dass darin die Wahrschei nlichkeit der Legalbewährung des Täters ei- Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht nerseits und dessen Einzeltatschuld andererseits hinreichend zum Ausdruck kommen (ROLAND M. SCHNEIDER /R OY GARRÉ , a.a.O., Art. 43 N 17). Der zu vollziehende Teil muss schuldangemessen sein (R OLAND M. SCHNEIDER /R OY GARRÉ , a.a.O., Art. 43 N 18). Das Bundesgericht verweist in diesem Zusammenhang a uf die Legaldefi- nition des Verschuldens in Art. 47 StGB (BGE 134 IV 15; BGer 6B_251/2012 vom 2. Oktober 2012 E. 5.4), betont aber an anderer Stelle, die Be urteilung des Verschuldens bei der teilbe- dingten Freiheitsstrafe entspreche nicht jener bei der Strafzumessungsschuld (BGer 6B_245/2008 vom 4. September 2008 E. 2.4). Bei der Festsetzung der Strafteile sei demnach auch unbeachtlich, wie weit der Strafrahmen der im konkreten Fall verletzten Norm reiche. Im Ergebnis läuft die Rechtsprechung des Bundesgericht s darauf hinaus, die Bemessung der Strafteile ins freie Ermessen des Sachgerichts zu s tellen (MARKUS HUG , a.a.O., N 6). Zweites massgebendes Element ist die Prognose, welche in ei ne Wechselbeziehung zum Verschulden tritt. Je schwerer das Verschulden und je negativer die Prognose, desto grösser muss der zu vollziehende Teil der Strafe sein - und umgekehrt. Denkbar ist auch eine „Kompensation“ von schwerem Verschulden und positiver Prognose sowie von leichtem Verschulden und schlechter Prognose. Der unbedingte Strafteil darf dabei das u nter Verschuldensgesichtspunkten gebote- ne Mass nicht unterschreiten (ROLAND M. SCHNEIDER /ROY GARRÉ , a.a.O., Art. 43 N 19, mit Hin- weis auf BGE 134 IV 1 E. 5.6). 8.2 In Anbetracht der überaus glaubhaften Reue und Ein sicht sowie des vorbildlichen Nachtatverhaltens des Berufungsklägers geht das Kan tonsgericht, Abteilung Strafrecht, von einer ausgesprochen guten Prognose aus. Der teilbedingte Vollzug, der aufgrund der ausgefäll- ten Freiheitstrafe von 3 Jahren im Raum steht, kann daher ohne weiteres gewährt werden. Um dem eher leichten Verschulden des Berufungsklägers hinreichend Rechnung zu tragen, ist der unbedingt zu vollziehende Teil der Freiheitsstrafe auf 8 Monate festzusetzen. 9.1 Der Berufungskläger begehrt schliesslich im Sinne eines Eventualantrags, dass die Freiheitsstrafe zu Gunsten der erstinstanzlich angeordneten Massnahme aufzuschieben sei. 9.2 Dieser Eventualantrag braucht indes nicht beurteil t zu werden, da sich aus der Beru- fungsbegründung vom 7. Oktober 2015 ergibt, dass de r Berufungskläger dieses Begehren nur für den Fall stellt, dass auch vom Kantonsgericht e ine unbedingte Freiheitsstrafe von 3 ½ Jah- Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren verhängt werden sollte. Da diese Bedingung nich t eingetreten ist, erübrigt es sich, auf den besagten Eventualantrag näher einzugehen. V. Genugtuung 1. Der Berufungskläger beantragt zu guter Letzt, dass er anstelle der erstinstanzlich zuge- sprochenen Genugtuungssumme von Fr. 15‘000.-- dazu verurteilt wird, der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 10‘000.-- zuzüglich 5% Zins seit dem 15. Juni 2012 zu bezahlen. Zur Be- gründung macht der Berufungskläger im Wesentlichen geltend, dass die vom Strafgericht fest- gelegte Genugtuung zu hoch sei und die diesbezüglic hen erstinstanzlichen Erwägungen nicht überzeugen würden. Ausserdem seien in anderen vergleichbaren Fällen geringfügigere Genug- tuungssummen ausgerichtet worden. 2. Die Vorinstanz bejahte unter Hinweis auf Art. 49 A bs. 1 OR die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung. Mit Bezug auf die Höhe hielt sie fest, dass zunächst das junge Alter der Privatklägerin für die Bestimmung der ang emessenen Genugtuung ins Gewicht falle. Die lange Zeitdauer, über welche die sexuellen Über griffe erfolgt seien, dass diese von einer Person begangen worden seien, die A.____ sehr gerne gehabt habe und die für sie eine Autori- tätsperson gewesen sei und schliesslich dass sie nu nmehr mit gravierenden gesundheitlichen Folgen zu leben habe, müsse ebenfalls beachtet werden. 3. Bei der Festsetzung der Genugtuung ist vor allem a uf die Art und Schwere der Verlet- zung, die Intensität und die Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit der betroffenen Per- son sowie auf den Grad des Verschuldens des Schädig ers abzustellen. Die Bemessung einer Genugtuung ist sodann eine Billigkeitsentscheidung. Demzufolge steht dem erkennenden Ge- richt ein erheblicher Ermessensspielraum zu und das Bundesgericht greift nur dann in solche Ermessensentscheide ein, wenn es diese als offensic htlich unbillig oder in stossender Weise ungerecht erachtet sowie in Fällen, in denen grundlos erhebliche Tatsachen nicht berücksichtigt resp. unerhebliche Tatsachen berücksichtigt wurden. In den vergangenen Jahren wurden so- dann in schweren Fällen viel höhere Genugtuungssumm en zugesprochen als früher (vgl. C HRISTIAN HEIERLI /A NTON K. SCHNYDER , Basler Kommentar zum OR I, 5. Aufl. 2011, Art. 47 N 20a, 21 und 21a). Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Angesichts des grossen Ermessensspielraums kann au f einen Vergleich mit anderen Fällen, selbst wenn diese ähnlich gelagert sein sol lten, verzichtet werden. Die konkreten Um- stände sind nämlich auch in vergleichbaren Situatio nen kaum je identisch und es gibt immer Punkte, die eine abweichende Beurteilung resp. die Festlegung einer höheren oder tieferen Genugtuung als im angeführten Vergleichsfall rechtf ertigen, ohne dass es dadurch zu einem Ermessensmissbrauch kommt. Die erstinstanzlich genannten Kriterien sind im Übrigen nicht zu beanstanden. Die Tatsache, dass A.____ noch ein kleines Kind war, als sie sexuell missbraucht wurde und nunmehr mit den Folgen dieser Übergriffe leben muss, durfte bei der Bemessung der Genugtuungshöhe ohne weiteres berücksichtigt we rden. Dies gilt auch für die zeitliche Komponente, zumal 2 Jahre in Anbetracht des damalig en Alters der Privatklägerin in der Tat eine lange Zeit ist. Ob der Berufungskläger für A._ ___ tatsächlich eine Autoritätsperson war, was von diesem wiederholt in Abrede gestellt wird, kann hier dahingestellt bleiben. Massgebend ist vielmehr, dass sie den Berufungskläger gern hat te und ihm vertraute und die sexuellen Übergriffe damit von einer Vertrauensperson begange n wurden. Dieser Punkt wiegt sehr schwer, was auch im Therapieverlaufsbericht vom 28. Januar 2016 explizit hervorgehoben wird. Die erstinstanzlich zugesprochene Genugtuungssumme von Fr. 15‘000.-- ist angesichts dieser Fakten überaus angemessen. Die Berufung ist in dies em Punkt demnach vollumfänglich abzu- weisen. VI. Kosten 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien di e Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegen s. Als unterliegend gilt auch diejenige Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wi rd. Im vorliegenden Fall ist der Berufungsklä- ger nur geringfügig mit seiner Berufung durchgedrun gen. Er beantragte vor Kantonsgericht nämlich zunächst eine bedingt vollziehbare Freiheitsstrafe von 2 Jahren und damit eine Reduk- tion der erstinstanzlich ausgefällten Strafe um 1 ½ Jahre. Das Kantonsgericht, Abteilung Straf- recht, hat die erstinstanzliche Freiheitsstrafe um ein halbes Jahr auf 3 Jahre Freiheitsstrafe ge- senkt. Die Berufung ist damit in diesem Punkt teilw eise gutgeheissen worden. Zudem verlangte der Berufungskläger die Reduktion der Genugtuung un d die Herausgabe von Beschlagnahme- gut. Auf den zuletzt genannten Antrag tritt das Kantonsgericht nicht ein und weist das Begehren betreffend Genugtuung ab. Angesichts dieses Ergebni sses sind dem Berufungskläger 75% der ordentlichen Kosten aufzuerlegen. Die Kosten des Be rufungsverfahrens von total Fr. 19‘000.-- Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Gerichtsgebühr von Fr. 18‘750.-- und Auslagen von Fr. 250.--) gehen somit zu 75% resp. im Umfang von Fr. 14‘250.-- zu Lasten des Berufungsklägers und zu 25% resp. im Umfang von Fr. 4‘750.-- zu Lasten des Staates. 2. Mit Bezug auf die ausserordentlichen Kosten fällt das Kantonsgericht, Abteilung Straf- recht, folgende Entscheide: Dem Vertreter des Beruf ungsklägers, Advokat Urs Grob, ist ange- sichts der bewilligten amtlichen Verteidigung für s eine Bemühungen im Berufungsverfahren ein Honorar von Fr. 7‘733.40 zuzüglich Auslagen von Fr. 121.-- und Mehrwertsteuer von Fr. 628.35, total Fr. 8‘482.75, aus der Staatskasse zu entricht en. Der Berufungskläger ist indessen ver- pflichtet, dem Kanton 75% des zuvor erwähnten Honor ars, mithin Fr. 6‘362.05, zurückzuzahlen und der Verteidigung in diesem Umfang die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es sein e wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspfleg e ist schliesslich der Vertreterin der Privat- klägerin, Advokatin Kathrin Bichsel, für ihre Bemüh ungen im Berufungsverfahren eine Entschä- digung von Fr. 4‘066.65 zuzüglich Auslagen von Fr. 237.45 und Mehrwertsteuer von Fr. 344.35, total Fr. 4‘648.45, aus der Staatskasse zu entrichten. Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft (Dreierkammer 5) vom 10. April 2015, das auszugsweise wie folgt lautet: „1. B.____ wird schuldig erklärt der mehrfachen sex uellen Nöti- gung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kinde rn sowie der mehrfachen Pornographie und verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 3 ½ Jahren, unter Anrechnung der vom 14. Januar 2013 bis zum 1 7. Januar 2013 ausgestandenen Untersuchungshaft von 4 Tagen, in Anwendung von Art. 187 Ziff. 1 StGB, Art. 189 Ab s. 1 StGB, neuArt. 197 Abs. 4 StGB, Art. 19 Abs. 2 StGB, Art. 40 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB sowie Art. 51 StGB. 2. B.____ wird in Bezug auf den Vorfall 1 gemäss Z iffer 1 der Anklageschrift vom Vorwurf der sexuellen Nötigung u nd in Be- zug auf die Darstellungen mit menschlichen Ausschei dungen gemäss Ziffer 2 der Anklageschrift vom Vorwurf der mehrfachen Pornographie freigesprochen. 3. Es wird gestützt auf Art. 63 Abs. 1 StGB die am bulante Behand- lung angeordnet. 4. B.____ wird bei seiner Anerkennung behaftet, de r Privatklägerin Fr. 345.95 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 15. April 2014 als Schadenersatz zu schulden. Die darüber hinausgehend e Zivil- forderung wird gestützt auf Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen. Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht B.____ wird verurteilt, der Privatklägerin Fr. 15‘ 000.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 15. Juni 2012 als Genugtuung z u bezah- len. 5. Advokatin Kathrin Bichsel wird für die Opferver tretung aus der Staatskasse ein Honorar in der Höhe von Fr. 5‘167.1 0 (inkl. Auslagen und 8 % MwStr.) zugesprochen. 6. B.____ wird dazu verurteilt, der Privatklägerin gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO eine Entschädigung in Höhe von Fr. 5‘16 7.10 zu bezahlen. Diese fällt gemäss Art. 138 Abs. 2 StPO a n den Staat. B.____ hat den Betrag von Fr. 5‘167.10 somit direkt dem Staat zu entrichten. 7. Das Honorar der amtlichen Verteidigung in der H öhe von Fr. 11‘621.45 (inkl. Auslagen und 8 % MwStr.) wird unte r Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung von B.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Gerichtskasse entrichtet. 8. Folgende Gegenstände werden gestützt auf Art. 6 9 StGB zur Vernichtung eingezogen: - 1 Vibrator, orange (Pos. 1.0); - 1 Dildo, violett (Pos. 1.1); - 1 Vibrator, violett (Pos. 1.2). Folgende beschlagnahmten Gegenstände werden gestüt zt auf Art. 197 Abs. 6 StGB eingezogen: - 1 PC No Name, silber (Pos. 8); - DVD 901, 902, 903, 904, 905, 906, 907 (Pos. 9); - CD und DVD 1001A/B, DVD 1002A/B, DVD 1003, CD 100 4, CD 1005, CD 1006, DVD 1007 (Pos. 10); - 4 DVD Urotsukidoji 1-4 (Pos. 13); - 1 Festplatte PN 413431-001 (Pos. 14); Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht - 1 USB Memory Stick Kingston DT R500 (aus Effekten ); - 1 Festplatte Hitachi HDT722525DLA38 (Pos. I); - 1 Festplatte Western Digital WD5000AAKS (Pos. K). Folgende beschlagnahmten Gegenstände werden nach E intritt der Rechtskraft des Urteils gestützt auf Art. 267 A bs. 1 StPO der berechtigten Person zurückgegeben: - 1 Vibrator klein, Rot (Pos. 1); - 1 Vibrator violett, gross (Pos. 2). Diese Gegenstände sind innerhalb von drei Monaten ab Mittei- lung der Rechtskraft des vorliegenden Urteils am Ge richts- standort in Empfang zu nehmen, anderenfalls sie der Verwer- tung zugeführt werden. 9. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorver- fahrens in der Höhe von Fr. 26‘915.--, den Expertis ekosten des gerichtlichen Verfahrens in der Höhe von Fr. 1‘347.50 sowie der Gerichtsgebühr von Fr. 8‘000.--, gehen zulasten von B.____. 10. …. (Mitteilungen).“ wird in teilweiser Gutheissung der Berufung des Beschuldigt en in Ziffer 1 aufgehoben und wie folgt neu gefasst: „1. B.____ wird schuldig erklärt der mehrfachen sex uellen Nöti- gung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kinde rn sowie der mehrfachen Pornographie und verurteilt zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe vo n 3 Jahren , davon 8 Monate unbedingt vollziehbar, Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter Anrechnung der vom 14. Januar 2013 bis zum 1 7. Januar 2013 ausgestandenen Untersuchungshaft von 4 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren für den bedingten Teil der Strafe, in Anwendung von Art. 187 Ziff. 1 StGB, Art. 189 Ab s. 1 StGB, neuArt. 197 Abs. 4 StGB, Art. 19 Abs. 2 StGB, Art. 40 StGB, Art. 43 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB sowie Art. 51 StGB." Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts Basel- Landschaft vom 10. April 2015 bestätigt. II. Die Kosten des Berufungsverfahrens, die sich a us einer Gerichtsge- bühr von Fr. 18‘750.-- und den Auslagen von Fr. 250 .-- zusammen- setzen, total also Fr. 19‘000.--, gehen zu 75% resp . im Umfang von Fr. 14‘250.-- zu Lasten des Berufungsklägers und zu 25% resp. im Umfang von Fr. 4‘750.-- zu Lasten des Staates. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigun g wird dem Vertreter des Berufungsklägers, Advokat Urs Grob, für seine B emühungen im Berufungsverfahren ein Honorar von Fr. 7‘733.40 zuz üglich Ausla- gen von Fr. 121.-- und Mehrwertsteuer von Fr. 628.3 5, total Fr. 8‘482.75, aus der Staatskasse entrichtet. Der Berufungskläger ist verpflichtet, dem Kanton 75 % des zuvor erwähnten Honorars, mithin Fr. 6‘362.05, zurückzuza hlen und der Verteidigung in diesem Umfang die Differenz zwische n der amtli- chen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht IV. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechts pflege wird der Ver- treterin der Privatklägerin, Advokatin Kathrin Bich sel, für ihre Bemü- hungen im Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 4‘066.65 zuzüglich Auslagen von Fr. 237.45 und Mehrwertsteue r von Fr. 344.35, total Fr. 4‘648.45, aus der Staatskasse entrichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin Nicole Schneider