A bteilung III C -707/2006 {T 0/2} U rteil vom 15. M ai 2007 M itw irkung: R ichter Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Trom m er und Vaudan; G erichtsschreiberin Kaufm ann. E._______, Beschw erdeführer, vertreten durch G ew erkschaft U N IA, H err R es Senft, M onbijoustrasse 61, Postfach 1111, 3000 Bern 23, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung für V._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie m azedonische Staatsangehörige V._______ (im Folgenden: G esuch- stellerin) beantragte am 31. O ktober 2005 bei der Schw eizerischen Bot- schaft in Skopje ein Visum für einen dreim onatigen Besuchsaufenthalt bei ihrem Sohn E._______ (im Folgenden: G astgeber bzw . Beschw erdeführer) in Zollikofen (BE). D ie Schw eizer Vertretung überw ies das G esuch in der Folge der Vorinstanz zum Entscheid. B. N achdem der M igrationsdienst des Kantons Bern über die W ohngem einde beim G astgeber w eitere Abklärungen in Auftrag gegeben hatte, verw eiger- te die Vorinstanz in einer Verfügung vom 19. D ezem ber 2005 die nachge- suchte Einreisebew illigung. D ies im W esentlichen m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise könne angesichts der w irt- schaftlichen und soziokulturellen Lage im H erkunftsland der G esuchstelle- rin sow ie aufgrund deren persönlicher Verhältnisse nicht als einw andfrei gesichert betrachtet w erden. C . M it Beschw erde vom 17. Januar 2006 liess der G astgeber beim dam als zuständigen Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) be- antragen, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und der G esuch- stellerin sei die Einreise in die Schw eiz für einen höchstens 90 Tage dau- ernden Besuchsaufenthalt zu gestatten. Zur Begründung w urde im W e- sentlichen vorgebracht, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die an- standslose und fristgerechte W iederausreise der G esuchstellerin sei nicht gesichert. D iese habe den Beschw erdeführer bereits einm al im Jahre 2003 und zw eim al im Jahre 2004 besucht, und sie sei jedes M al w ieder nach M azedonien zurückgekehrt. Es m ache den Anschein, dass die Vorinstanz einen w eiteren Besuchsaufenthalt ablehne, w eil zuvor um Erteilung einer Aufenthaltsbew illigung ersucht w orden sei. D em gegenüber gebe es kei- nen G rund zur Annahm e, dass die G esuchstellerin bei einem erneuten Be- such in der Schw eiz nicht in ihre H eim at zurückkehren sollte. Sie sei w ei- terhin bei guter G esundheit und führe einen eigenen H aushalt, w eshalb die im Aufenthaltsbew illigungsverfahren abgegebene Erklärung, w onach die drei in M azedonien lebenden Töchter sich nicht um ihre M utter küm m ern könnten, zu relativieren sei. Seit den Jahren 2003 und 2004 habe sich nichts in den persönlichen Verhältnissen der G esuchstellerin geändert. Sie w erde seit dem Tode des Ehegatten im Jahre 1989 von den beiden in der Schw eiz lebenden Söhnen finanziell unterstützt, und diese U nterstützung w erde auch in Zukunft geleistet. D ie beiden Söhne w ürden auch dafür be- sorgt sein, dass die G esuchstellerin nach ihrem Besuchsaufenthalt w ieder ordnungsgem äss zurückkehre. D . D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 17. Februar 2006 die Abw eisung der Beschw erde. D er G esuchstellerin oblägen in ihrer H ei- m at keine besonderen Verpflichtungen, die G ew ähr für eine anstandslose und fristgerechte W iederausreise bieten könnten. Zudem habe sie am 16. Februar 2005 ein G esuch um Fam iliennachzug eingereicht, w elches 3 vom Am t für M igration (recte: M igrationsdienst) des Kantons Bern m it Ent- scheid vom 18. August 2005 abgelehnt w orden sei. E. In einer R eplik vom 23. Februar 2006 hält der Beschw erdeführer an seinen R echtsbegehren und an deren Begründung fest. F. In einer w eiteren Eingabe vom 2. M ärz 2007 lässt der Beschw erdeführer den prozessualen Antrag stellen, angesichts des "langen Prozederes" sei unabhängig vom Ausgang des Verfahrens der Kostenvorschuss zurückzu- erstatten. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM betr. Einreiseverw eigerung unterliegen der Be- schw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesge- setzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20], Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelverfahren w erden vom Bundesverw al- tungsgericht übernom m en. D ie Beurteilung erfolgt nach neuem Verfah- rensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Artikel 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz über das Verw altungsverfahren vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021), sofern dieses G esetz nichts an- deres bestim m t. D as U rteil ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 D er Beschw erdeführer ist als "M itbeteiligter" (G astgeber) gem äss Art. 20 Abs. 2 AN AG zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist – vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe – von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]; PETER U EBE R SAX, Einreise und Aufenthalt, in: Peter U ebersax / Peter M ünch / Thom as G eiser / M artin Arnold (H rsg.), Auslän- derrecht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M ., 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La pro-4 tection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D ie G esuchstellerin benötigt aufgrund ihrer N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass ein Visum . D ie Vorinstanz verw eigerte die Ertei- lung eines solchen Visum s m it der Begründung, die anstandslose und frist- gerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.3 D ie w irtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen in M azedonien ge- stalten sich nach w ie vor schw ierig. O bschon das W irtschaftsw achstum seit dem Krisenjahr 2001 kontinuierlich gesteigert w erden konnte, lag die Arbeitslosenquote im europäischen Vergleich m it 37,3% im Jahr 2005 w ei- terhin überdurchschnittlich hoch (vgl. w w w .ausw aertiges-am t.de, Stand: N ovem ber 2006). G em äss W orld Bank R eport lebten im Jahre 2005 rund 22% der m azedonischen Bevölkerung in absoluter Arm ut (siehe auch Am - nesty International R eport 2006). Für einen echten Aufholprozess der sich im m er noch in der Transform ation befindlichen Volksw irtschaft m üssten die W achstum sraten nach Einschätzung von Experten deutlich höher lie- gen als heute. Auf entsprechendem N iveau bew egt sich der Anteil derer, die sich zur Em igration entschliessen. D er W ille zur Ausw anderung w ird erfahrungsgem äss in jenen Fällen noch begünstigt, in denen sich Ver- w andte, Bekannte oder Freunde dauerhaft im Ausland aufhalten bzw . sich dort etabliert haben. 4. Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller oder einer G e- suchstellerin im H eim atland beispielsw eise eine besondere berufliche, ge- sellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durch- aus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m - gekehrt m uss bei G esuchstellern, die in ihrer H eim at keine besonderen 5 Verpflichtungen haben, das R isiko für ein frem denpolizeilich nicht vor- schriftsgem ässes Verhalten (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchs- aufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 5. 5.1 Bei der G esuchstellerin handelt es sich um eine beinahe 64-jährige, ver- w itw ete Frau. Ihre drei erw achsenen Töchter w ohnen in M azedonien, die beiden Söhne seit 1990 bzw . 1991 in der Schw eiz. Besondere Verpflich- tungen oder Verknüpfungen an ihr angestam m tes U m feld w erden keine geltend gem acht. H ingegen legt der Beschw erdeführer W ert auf die Fest- stellung, w onach sich die G esuchstellerin in den Jahren 2003 und 2004 insgesam t dreim al zu Besuchen in der Schw eiz aufgehalten und das Land jedes M al fristgerecht w ieder verlassen habe. 5.2 Es trifft zu, dass sich die G esuchstellerin schon w iederholt zu Besuchen bei ihren Söhnen in der Schw eiz aufgehalten hat. Tatsache ist aber auch, dass sie anfangs 2005 bei der Schw eizerischen Botschaft in Skopje ein Vi- sum zur Einreise und zum anschliessenden dauerhaften Verbleib bei ei- nem ihrer Söhne (dem Beschw erdeführer) stellte. Aus den in diesem Zu- sam m enhang eingereichten U nterlagen ergibt sich, dass ihr Ehem ann im Jahre 1989 verstarb und sie danach in M azedonien bei der Fam ilie des zw eiten, in der Schw eiz w ohnhaften Sohnes lebte. Im Jahre 2003 zog be- sagter Sohn seine Fam ilie (Ehefrau und 3 Kinder) in die Schw eiz nach. D as G esuch um Fam iliennachzug zugunsten der M utter w urde vom Sohn dam it begründet, dass sie in M azedonien ganz alleine sei und niem and für sie sorgen könne. D em G esuch w urde eine notariell beglaubigte Erklärung der drei in M azedonien lebenden Töchter der G esuchstellerin beigelegt, w onach sie verheiratet seien und sich nicht um die M utter küm m ern könn- ten. D ie M utter sei auf sich selbst gestellt, könne aber nicht alleine leben. Sie w olle und m üsse zu ihren Söhnen in die Schw eiz ziehen, w eil nur die- se in der Lage seien, sich um sie zu küm m ern. D as G esuch um Erteilung einer Aufenthaltsbew illigung w urde vom M igrationsdienst des Kantons Bern m it einer Verfügung vom 18. August 2005 abgelehnt. W enn nun in ei- nem nur w enige M onate später eingeleiteten G esuchsverfahren um Ertei- lung eines Besuchervisum s vom Beschw erdeführer pauschal behauptet w ird, die Schilderung der persönlichen Verhältnisse im vorangegangenen Aufenthaltsbew illigungsverfahren seien zu relativieren, w eil es der M utter nach w ie vor gesundheitlich gut gehe, sie selbständig den H aushalt führen könne und sie w eiterhin aus der Schw eiz finanziell unterstützt w erde, so w ird dam it zu kurz gegriffen. N icht nur, dass sich aus diesen unterschiedli- chen Schilderungen W idersprüche ergeben, die einer besonderen Erklä- rung bedürften. D er Beschw erdeführer äussert sich auch m it keinem W ort zur Frage, w ie die Fam ilie die Betreuung der M utter im Alter plant. 5.3 Vor diesem allgem einen und persönlichen H intergrund ist die Beurteilung der Vorinstanz nicht zu beanstanden, w onach keine genügende G ew ähr für die fristgerechte und anstandslose W iederausreise der G esuchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt bestehe. 6. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte 6 von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist deshalb abzuw eisen. 7. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w ird der unterliegende Be- schw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). Entgegen der Auf- fassung des Beschw erdeführers besteht kein Anlass, nur schon gestützt auf die Verfahrensdauer auf eine U nverhältnism ässigkeit zu schliessen und von der Kostenauferlegung Abstand zu nehm en (Art. 6 Bst. b des R e- glem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw al- tungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D ie Verfah- renskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b VG KE). D ispositiv S. 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdeführer aufer- legt. Sie sind durch den am 1. Februar 2006 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten 2 013 065 zurück). D er Kam m erpräsident: D ie G erichtsschreiberin: A. Im oberdorf D . Kaufm ann Versand am :