B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1396/2023 U r t e i l v o m 2 3 . F e b r u a r 2 0 2 4 Besetzung Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), Richter Basil Cupa, Richterin Susanne Bolz-Reimann, Gerichtsschreiber Matthias Schmutz. Parteien A._______, geboren am (…), Burundi, vertreten durch Stephanie Arévalo Menchaca, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 2. März 2023. D-1396/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer suchte am (…) in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck - Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am (…) in Kroatien bei der illegalen Einreise in das Hoheitsgebiet der Dublin -Mitgliedstaaten aufgegriffen und registriert worden war. A.b Am 21. Oktober 2 022 erfolgte die Personalienaufnahme und am 17. November 2022 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör (Dublin -Gespräch) zu einem allfälligen Nichteintretens- entscheid und einer Überstellung nach Kroatien. Dabei brachte der Beschwerdeführer vor, er wolle nicht nach Kroatien zu- rückkehren. Er sei mit seiner jüngeren Schwester ( B._______, N […]) ge- reist. Als sie die kroatische Grenze überschritten hätten, sei ein Polizeiauto gekommen und die Polizisten seien aus dem Polizeiauto gestiegen. Einer habe in die Luft geschossen, woraufhin sich die Gruppe von Geflüchteten, in der er unterwegs gewesen sei, aufgelöst habe. Er sei mit seiner Schwes- ter weggerannt und umgefallen und wegen seinem Herz ohnmächtig ge- worden. Er sei mit einem Stock geschlagen und mit vielen Leuten in einen engen Transporter ohne Fenster geladen worden. Er habe Todesangst ge- habt. Später in der Haft habe er kein Essen erhalten und seine persönli- chen Effekte seien ihm weggenommen worden. Er habe zwar nicht ver- standen, was die Polizisten geredet hätten, ihm sei aber sofort klar gewe- sen, dass es böse Worte gewesen seien. Er habe in diesem Moment mit seinem Leben abgeschlossen. Die Polizisten hätten ihm nicht erlaubt, Fra- gen zu stellen. Am zweiten Tag habe er Magenprobleme bekommen und Blut erbrochen. Er habe trotz Nachfrage keine Medikamente erhalten. Er habe kein Asylgesuch eingereicht. Die kroatische Polizei habe seine Fin- gerabrücke abgenommen und ein Schreiben abgegeben, wonach er Kroa- tien innert sieben Tagen zu verlassen habe. Als er festgestellt habe, dass die Polizei seinen Nachnamen falsch geschrieben habe, habe die Polizei dies nicht korrigiert. Seine Schwester sei mit ihm zusammen in die Schweiz eingereist. Er habe noch zwei Brüder, welche ebenfalls in die Schweiz geflüchtet seien. Er sei aufgrund der schlechten Behandlung in Kroatien und in Slowenien traumatisiert und leide unter Schlafstörungen. Er sei deswegen in C._______ in ärztlicher Behandlung gewesen. Wenn er über Kroatien oder D-1396/2023 Seite 3 Slowenien sprechen müsse, bekomme er Herzschmerzen. Dies erwecke auch ältere Traumata, welche er in Burundi und Uganda erlitten habe. Phy- sisch leide er unter Magenproblemen. Er erbreche aber kein Blut mehr. Ihm seien in der Schweiz diesbezüglich Medikamente gegeben worden. Weiter habe er von den Schlägen der kroatischen Polizisten ab und zu noch Schmerzen im (…), wenn er Fussball spiele oder lange auf dem Bein stehe. A.c Am 17. November 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 der Verord- nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö- rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter- nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin -III-VO). Die kroati- schen Behörden stimmten dem Ersuchen am 17. Januar 2023 zu. A.d Im Verlaufe des Verfahrens wurden eine Refugee Family Attestation der Republik Uganda vom (…), eine Refugee Identity Card der Republik Uganda vom (…), eine Wegweisungsentscheidung der Republik Kroatien vom (…) (alles als Fotokopie) sowie ein ärztliches Schreiben vom (…) der Medbase AG, ein Verlaufsblatt des Medic-Help und ein Zuweisungsschrei- ben vom (…) des Medic-Help zu den Akten gereicht. B. Mit Verfügung vom 2. März 2023 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien an, forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ab- lauf der Beschwerdefrist zu verlassen und beauftragte den Kanton D._______ mit dem Vollzug der Wegweisung. Ferner ordnete sie die Aus- händigung der editionspflichtigen Akten an und stellte fest, dass einer all- fälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme. C. Am 9. März 2023 wurde der Vorinstanz ein «Medic-Help Zuweisungs- schreiben Arzt» vom (…) zu den Akten gereicht. D. Der Beschwerdeführer erhob gegen die Verfügung vom 2. März 2023 mit Eingabe vom 13. März 2023 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei die D-1396/2023 Seite 4 Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventu- aliter sei die Sache zur Einholung einer individuellen schriftlichen Zusiche- rung von den kroatischen Behörden an das SEM zurückzuweisen. In pro- zessualer Hinsicht beantragte er, es sei der Beschwerde die aufschie- bende Wirkung zu gewähren und die Vollzugsbehörden seien im Rahmen einer superprovisorischen Massnahme anzuweisen, bis zum Entscheid über die Erteilung der aufschiebend en Wirkung von einer Überstellung nach Kroatien abzusehen. Ferner ersuchte er um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung, die entsprechende Empfangsbestätigung, eine Vollmacht vom 18. Oktober 2022, ein nicht un- terzeichnetes Schreiben der Schwester des Beschwerdeführers, das Zu- weisungsschreiben vom (…) sowie Vorakten (alles in Kopie) bei. E. Am 14. März 2023 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Überstel- lung einstweilen aus. F. Mit Zwischenverfügung vom 16. März 2023 gewährte sie der Beschwerde die aufschiebende Wirkung, hiess das Gesuch um unentgeltliche Prozess- führung gut und lud das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. G. Mit Vernehmlassung vom 20. März 2023 hielt die Vorinstanz an ihrer Ver- fügung fest. H. Mit Replik vom 3. April 2023 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlas- sung des SEM Stellung. Beigelegt waren ein Schreiben des SEM vom (…) (Ausschluss aus Bundesasylzentrum C._______ inklusive Voranmeldung Spezialfall) und Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH), Polizeigewalt in Bulgarien und Kroatien: Konsequenzen für Dublin -Überstellungen, Bern 13. September 2022. I. Der Beschwerdeführer reichte unaufgefordert m it Eingaben vom 4. April und 30. Juni 2023 einen Kurzbericht der Psychiatrie E._______ vom (…) und einen Austrittsbericht der Psychiatrie E._______ vom (…) zu den Ak- ten. D-1396/2023 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 105 AsylG (SR 142.31) i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundes- verwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zuständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch hier – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BG G). Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung de s rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungsk ompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3. 3.1 In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer eine ungenüg ende Sachverhaltsfeststellung. Das SEM habe ohne weitere Abklärungen ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihm und seiner Schwester verneint, ob- wohl er bereits anlässlich des Dublin-Gesprächs angegeben habe, dass er mit seiner Schwester ausgereist sei. Zudem sei der medizinische Sachver- halt nicht ermittelt worden. 3.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Be- hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklär ung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu D-1396/2023 Seite 6 jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12). Ihre Grenze findet die Untersuchungspflicht in der Mitwirkungspflicht der Asyl- suchenden (vgl. Art. 8 AsylG). Unrichtig ist die Sachve rhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. BVGE 2008/43 E. 7.5.6; KÖLZ/HÄNER/BERT- SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043). 3.3 Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 17. November 2022 gab der Be- schwerdeführer an, er sei traumatisiert und leide unter Schlafstörungen. Zudem klagte er über Herzschmerzen, Magenprobleme und Schmerzen im (…) (vgl. act. SEM 1203827-25/20 S. 3). Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in der Folge regelmässig bei den medizinischen Ab- teilungen der Bundesasylzentren (BAZ) vorstellig wurde. Zudem hatte er am (…) einen Arzttermin bei der Medbase AG (vgl. act. SEM 1203827 - 22/1). Die gesundheitlichen Beschwerden wurden jeweils behandelt und hinreichend detailliert in den Verlaufsbericht aufgenommen (vgl. act. SEM 1203827-23/2). Zudem lag der Vorinstanz der Arztbericht der Medbase AG vom (…) vor (vgl. act. SEM 1203827-22/1). Insgesamt lagen der Vorinstanz zum Zeitpunkt des Erlasses ihres Nichteintretensentscheids sämtliche me- dizinischen Unterlagen vor und diese wurden von ihr bei der Beurteilung des Asylgesuchs berücksichtigt. So hat die Vorinstanz gestützt auf diese Unterlagen bereits im angefochtenen E ntscheid erwogen, dass beim Be- schwerdeführer (…) diagnostiziert worden sei und er diesbezüglich mit (…) behandelt werde (vgl. angefochtene Verfügung S. 9). Vor diesem Hinter- grund wurde der medizinische Sachverhalt – soweit entscheidrelevant – vollständig erstellt und es bestand keine Veranlassung für weitere Abklä- rungen. Daran vermag die erst auf Beschwerdeebene geltend gemachte Verschlechterung des Gesundheitszustands und die geltend gemachten Herzprobleme, die trotz regelmässiger ärztlicher Betreuung keine Stütze in den Diagnosen finden, nichts zu ändern. 3.4 Im Übrigen geht das Gericht auch zum aktuellen Zeitpunkt davon aus, dass der Sachverhalt als erstellt zu erachten ist. Nachdem der Beschwer- deführer seiner Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG nachgekommen ist D-1396/2023 Seite 7 und auf Beschwerdeebene (unaufgefordert) zwei weitere Arztberichte zu den Akten gereicht hat, ist davon auszugehen, dass sich seine gesundheit- liche Situation zwischenzeitlich jedenfalls nicht verschlechtert hat . Es be- steht damit auch für das Gericht keine Veranlassung, weitere Abklärungen zu treffen (vgl. unten E. 6.5). 3.5 Weiter hat sich die Vorinstanz mit einem allfälligen Abhängigkeit sver- hältnis zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Schwester auseinan- dergesetzt. Dabei ist sie – gestützt auf fehlende Hinweise in den Akten und den Umstand, dass sich die Schwester nach dem Tod des Vaters nicht beim Beschwerdeführer, sondern bei einem a nderen Bruder aufgehalten habe – zum Schluss gekommen, dass die Beziehung zwischen dem Be- schwerdeführer und seiner Schwester den Ansprüchen an ein rechtlich re- levantes Abhängigkeitsverhältnis nicht genügt (vgl. angefochtene Verfü- gung S. 8). Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Mangels Hinweisen in den Akten auf eine rechtlich relevante Abhängigkeit und mit Blick auf die Mitwirkungspflicht waren zusätzliche Abklärungen nicht angezeigt. Eine Verletzung der Untersuchungspflicht liegt nicht vor. Im Übrigen bringt der rechtlich vertretene Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene erneut nicht vor, inwiefern über die gewöhnliche (vom SEM berücksichtigte) Geschwis- terbeziehung hinaus ein Abhängigkeitsverhältnis bestehen soll (vgl. unten E. 6). Vielmehr würdigt er die aktenkundige Beziehung zu seiner Schwester lediglich materiell-rechtlich anders als die Vorinstanz. 3.6 Insgesamt liegt keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes vor. Die formelle Rüge erweis t sich als unbegründet. Es besteht keine Veran- lassung, die ang efochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entsprechende Eventualbegehren ist ab- zuweisen. 4. 4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dubl in-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird. Wird festge- stellt, dass ein Antragsteller aus einem Drittstaat kommend die Land-, See- D-1396/2023 Seite 8 oder Luftgrenze eines Mitgliedstaats illegal überschritten hat, so ist dieser Mitgliedstaat für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zu- ständig (Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO). 4.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu- ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei- sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand- lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund der Kri- terien des Kapitels III ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt wer- den kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mit- gliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 4.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver- ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Ge- mäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein an- derer Staat zuständig wäre. Der Selbsteintritt ist zwingend, wenn individu- elle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vorliegen (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 5. Der Beschwerdeführer ist am (…) in Kroatien rechtswidrig in das Hoheits- gebiet der Dublin -Mitgliedstaaten eingereist, bevor er am (…) in der Schweiz um Asyl nachgesucht hat. Da die kroatischen Behörden der Auf- nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin -III-VO zugestimmt haben, steht die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens fest. 6. 6.1 Der Beschwerdeführer beruft sich indes auf eine Zuständigkeit der Schweiz, weil zwischen ihm und seine r volljährigen Schwester, die in der Schweiz das materielle Asylverfahren durchläuft, nachdem das SEM auf D-1396/2023 Seite 9 ihr Asylgesuch eingetreten ist, ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der Bestimmung von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO vorliege. 6.2 Gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO entscheiden die Mitgliedstaaten in der Regel, die Beteiligten nicht zu trennen beziehungsweise sie zusam- menzuführen, wenn ein Antragsteller insbesondere wegen schwerer Krankheit, ernsthafter Behinderung oder hohen Alters auf die Unterstüt- zung seines Kindes, eines seiner Geschwister oder eines Elternteils ange- wiesen ist, das/der sich rechtmässig in einem Mitgliedstaat aufhält, oder bei umgekehrter Konstellation, sofern die familiäre Bindung bereits im Her- kunftsland bestanden hat, wenn der nahe Angehörige in der Lage ist, die abhängige Person zu unterstützen und die Betroffenen diesen Wunsch schriftlich kundgetan haben. 6.3 Zur Beurteilung, ob ein rechtlich relevantes Abhängigkeitsverhältnis be- steht, ist auf eine Gesamtwürdigung des konkreten Einzelfalls unter Einbe- zug der individuellen und soziokulturellen Lebenssituation der betroffenen Personen abzustellen (vgl. ULRICH KOEHLER, Praxiskommentar zum Euro- päischen Asylzuständigkeitssystem, 2018, Art. 16 N. 8; CHRISTIAN FILZWIE- SER/ANDREA SPRUNG, Dublin III-Verordnung, 2014, K3 zu Art. 16; Urteil des BVGer E-3894/2023 vom 17. Juli 2023 E. 9.3.2). Das die Zuständigkeit be- gründende Abhängigkeitsverhältnis bleibt auf Ausnahmesituationen be- sonderer Hilfsbedürftigkeit beschränkt (vgl. Urteil des BVGer E-3660/2019 vom 29. August 2019 E. 6.2.2). 6.4 In der Beschwerde und in der Replik wird diesbezüglich ausgeführt, der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme eine verletzliche Person. Es sei offensichtlich, dass die Nähe zu seiner Schwes- ter einen starken positiven Einfluss auf seinen Gesundheitszustand habe. Sie hätten in Burundi zusammengelebt, gemeinsam viel durchgemacht und sich stets gegenseitig unterstützt und seien deshalb schliesslich gemein- sam geflohen. Beide hätten psychische Probleme und seien durch die Ver- folgung im Heimatland und die Erlebnisse i n Kroatien traumatisiert. Sie müssten zusammenbleiben, um das Leben in Europa bewältigen zu kön- nen. Eine Trennung könne sich auf ihre psychische Erkrankung auswirken. Der diesbezügliche Wunsch sei von der Schwester schriftlich festgehalten worden (mit Verweis auf die Beschwerdebeilage 3). 6.5 Der Beschwerdeführer leidet an (…) bei vermutlich (…) – die Diagnose (…) konnte nicht eindeutig gestellt werden. Er befand sich deshalb zwi- schen dem (…) und dem (…) in der Psychiatrie E._______ in stationärer D-1396/2023 Seite 10 Behandlung. Als Auslöser für die akute Verschlechterung komm t gemäss Angaben des Beschwerdeführers am ehesten die Belastung durch eine mögliche Rückführung nach Kroatien und der damit verbundenen Tren- nung von seiner Schwester in Betracht ; die Schwester leide ebenfalls an psychischen Problemen (vgl. Kurzbericht vom […] und Austrittsbericht vom […]). 6.6 Das Gericht verkennt nicht, dass sich der Beschwerdeführer und seine Schwester aufgrund ihrer familiären Bindung und ihren gemeinsamen Er- lebnissen in ihrer Jugend und der gemeinsamen Reise in die Schweiz ver- bunden fühlen und sich gegenseitig affektiv und psychologisch unterstüt- zen. Zudem sind der Beschwerdeführer und seine Schwester gesundheit- lich belastet und die Möglichkeit des Beisammenseins könnte zum psychi- schen Wohlergehen beitragen und einen stabilisierenden Einfluss auf ihre Lebenssituationen ausüben. Vor diesem Hintergrund ist auch verständlich, dass der Beschwerdeführer das Asylverfahren gerne in der Schweiz mit seiner Schwester durchlaufen möchte. Jedoch lässt die beschriebene Be- ziehung und das Bedürfnis nach gegenseitiger psychischer Unterstützung zwischen dem volljährigen Beschwerde führer und seiner volljährigen Schwester weder in der einen noch der anderen Konstellation ein Abhän- gigkeitsverhältnis im Sinne der obgenannten Rechtsprechung begründen (vgl. auch Urteil des BVGer D -4301/2023 vom 11. Januar 2024 E. 5.3.3). Die geltend gemachte gegenseitige Unterstützung ist gemäss den Ausfüh- rungen des Beschwerdeführers rein affektiver und psychologischer Natur. Dagegen wird nicht ausgeführt – und geht aus den Akten (insbesondere den medizinischen Unterlagen) nicht hervor, inwiefern sie über eine affek- tive respektive psychologische Unterstützung hinaus auf sich angewiesen sein sollen. Bezeichnend ist namentlich, dass die Schwester bei den Be- handlungsmöglichkeiten und Empfehlungen der Psychiatrie E._______ be- züglich des Beschwerdeführers nicht thematisiert wird (vgl. Austrittsbericht vom […]). Es ergeben sich auch sonst keine konkreten Hinweise dafür, dass die volljährigen Geschwister zur Bewältigung des alltäglichen Lebens, namentlich in gesundheitlicher, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht, zwin- gend in gewichtigem Masse von der gegenseitigen Betreuung abhängen oder sie sich bis anhin entsprechend betreut hätten (vgl. Urteil des BVGer E-1105/2023 vom 18. April 2023 E. 8.3.3). Die dargelegte, rein affektive und psychologische Unterstützung genügt nicht, um ein relevantes Abhän- gigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO zu begründen (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 8.3.5; Urteile des BVGer E -317/2022 vom 10. Februar 2023 E. 7.2.1; D-5051/2023 vom 28. September 2023 E. 7.4). D-1396/2023 Seite 11 6.7 Ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin -III-VO liegt nach dem Gesagten nicht vor, weshalb auf die Prüfung der weiteren in diesem Zusammenhang relevanten Aspekte verzichtet werden kann. Die Zuständigkeit der Schweiz gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO ist dem- nach zu verneinen. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe systemi- sche Mängel im Asyl- und Aufnahmesystem Kroatiens geltend und fordert mithin die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO. 7.2 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmensch liche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30). Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass es seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich tungen nachkommt. Es darf ausserdem davon ausgegangen werden, Kroatien anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäi- schen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge- meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna- tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. 7.3 Im Referenzurteil E-1488/2020 vom 22. März 2023 hat das Bundesver- waltungsgericht – unter Berücksichtigung der Kritik am Verhalten der kroa- tischen Behörden und der dortigen Verhältnisse, insbesondere auch der problematischen Push -Back-Praxis der kroatischen Behö rden – die seit dem Referenzurteil D -1611/2016 vom 22. März 2016 bestehende Praxis der grundsätzlichen Zulässigkeit von Dublin-Überstellungen nach Kroatien bestätigt. Es stellte fest, dass nicht davon auszugehen sei, das Asylverfah- ren und die Aufnahmebedin gungen in Kroatien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf, die eine Überstellung von Gesuchstellenden generell als unzulässig er- scheinen lassen würden. Dies gelte sowohl für das Aufnahmeverfahren (Take-Charge) als auch für das Wiederaufnahmeverfahren (Take -Back, vgl. a.a.O. E. 9, insb. E. 9.5). 7.4 Vor diesem Hintergrund erübrigt sich eine weitere Auseinandersetzung mit den diesbezüglichen Beschwerdevorbringen und erweist sich eine D-1396/2023 Seite 12 Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO als nicht gerecht- fertigt. 8. 8.1 Weiter ist der Frage nachzugehen, ob völkerrechtliche Vollzugshinder- nisse bestehen, woraus sich Gründe für einen Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 ergeben würden. 8.2 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass das Verhalten der kroatischen Grenzbehörden und die Behandlung von Asylsuchenden im Rahmen der Erstaufnahme problematisch sein können. Der Beschwerde- führer vermag mit seinen Ausführungen zu seiner erlebten Behandlung (er- lebte Gewalt, Demütigungen und Haft ohne Nahrung) indessen nicht dar- zutun, dass er dort – nach legaler Rückkehr aus einem Dublin -Mitglied- staat – kein faires Asylverfahren erhalten und ernsthaft Gefahr laufen würde, bei einer Rückkehr dorthin unmenschlich oder erniedrigend im Sinne von Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK behandelt zu werden. Er wird sich nach der Dublin-Überstellung in einer anderen Situation als bei seiner ers- ten (illegalen) Einreise nach Kroatien befin den. Das Bundesverwaltungs- gericht geht davon aus, dass Kroatien grundsätzlich als Rechtsstaat mit einem funktionierenden Justizsystem einzustufen ist. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihm zustehenden Aufnahmebedin- gungen könnte er sic h an die kroatischen Behörden wenden und seine Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie; vgl. Urteil des BVGer D-1065/2023 vom 17. Mai 2023 E. 7.1). Im Übrigen steht ihm die Möglichkeit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren. 8.3 Ferner fehlt es zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Schwester entsprechend dem oben Gesagten (E. 6) an einem besonderen Abhängig- keitsverhältnis im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK, weshalb das darin verbürgte Recht auf Achtung des Familienlebens nicht tangiert ist (vgl. Urteil des BVGer F-3239/2023 vom 14. Juni 2023 E. 7.7). 8.4 8.4.1 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahms weise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod D-1396/2023 Seite 13 rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Euro- päischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Sch werkranke, die durch die Ab- schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel- staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Pa- poshvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H., bestätigt durch Savran gegen Dänemark vom 7. De- zember 2021, Grosse Kammer 57467/15, §§ 121 ff.). 8.4.2 Wie bereits erwähnt (vgl. oben E. 6.5), leidet der Beschwerdeführer an (…) bei vermutlich (…). Zudem gibt er Todeswünsche an, distanzier t sich aber von akuter Suizidalität. Weiter leidet er an (…), aufgrund welcher ihm Medikamente gegen (…) verschrieben worden sind, und an Schmer- zen im (…) und in (…), die mit Schmerzmitteln behandelt worden sind. Im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens hat er sich zudem einmal (…) ge- fühlt und sich über (…) beklagt (vgl. act. SEM 1203827-23/2). 8.4.3 Diese geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen, ins- besondere die (…), sollen nicht verharmlost werden. Dennoch sind sie an- gesichts der von der obgenannten Rechtsprechung geforderten hohen Schwelle gesamthaft nicht derart gravierend, dass mit Blick auf Art. 3 EMRK von einer Überstellung nach Kroatien abgesehen werden müsste. Im Austrittsbericht der Psychiatrie E._______ wird empfohlen, beim Be- schwerdeführer regelmässig Laborkontrollen durchzuführen und eine am- bulante psychiatrisch-psychotherapeutische Weiterbehandlung zu organi- sieren. Eine Weiterbehandlung des Beschwerdeführers ist somit medizi- nisch zwar indiziert. Der Beschwerdeführer kann jedoch auch in Kroatien adäquat behandelt werden, da das Land über eine dazu ausreichende me- dizinische Infrastruktur verfügt (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D - 3385/2023 E. 7.3.3). Insbesondere ist auch der Zugang zu psychologischer Behandlung gewährleistet (vgl. Urteil des BVGer F-4725/2023 E. 7.5 m.w.H.). Kroatien ist durch die Aufnahmerichtlinie zudem verpflichtet, an- tragstellenden Personen die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, z ugäng- lich zu machen (vgl. Art. 19 Abs. 1 und 2 Aufnahmerichtlinie). Im Übrigen ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer von den vorgebrachten D-1396/2023 Seite 14 Suizidgedanken gemäss Austrittsbericht der Psychiatrie E._______ zu dis- tanzieren vermochte. Ohnehin stellt Suizidalität gemäss bundesgerichtli- cher Rechtsprechung nicht per se ein Vollzugshindernis dar (vgl. BGE 139 II 393 E. 5.5.5). Dies entspricht auch der Praxis des Bundesverwaltungs- gerichts (vgl. Urteil des BVGer F -4369/2023 vom 21. August 2023 E. 8.6. m.w.H.). 8.5 Nach dem Ausgeführten konnte der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko dartun, dass seine Überstellung nach Kroatien die Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. Es besteht kein zwingender Grund für eine Anwendun g der Ermessensklausel von Art. 17 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1. 8.6 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Praxis ebenso wie das SEM davon aus, dass die schweizerischen Behörden bei den kroatischen Behörden in der Regel keine individu ellen Zusicherungen bezüglich des Zugangs zu adäquater Unterbringung, Betreuung und medizinischer Ver- sorgung einzuholen haben (vgl. Referenzurteil des BVGer E -1488/2020 vom 22. März 2023 E. 12). Vorliegend bestehen keine Gründe, die ein Ab- weichen von dieser Regel aufdrängen würden. Der entsprechende Sube- ventualantrag ist abzuweisen. 8.7 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der Anwendung von Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspiel- raum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist auch un- ter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 8.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder völkerrechtliche Voll- zugshindernisse vorliegen, welche die Schweiz zum Selbsteintritt verpflich- ten würden, noch Rechtsfehler bei der Ermessensbetätigung. Es liegt folg- lich kein Grund für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dublin -III-VO vor. Kroatien bleibt somit zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dublin -III-VO und ist verpflichtet, den Beschwerdeführer wiederaufzunehmen. D-1396/2023 Seite 15 9. Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem aber mit Zwischenverfügung vom 16. März 2023 die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-1396/2023 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Matthias Schmutz Versand: