BRKE II Nr. 239/1997 vom 21. Oktober 1997 in BEZ 2003 Nr. 30 Der Rekurrent beabsichtigt, seinem an der Grenze zum Nachbargrundstück unte r- irdisch gelegenen Garagengebäude ein Vordach über der Einfahrt anzufügen. Das g e- plante Vordach weist eine Ausladung von 2,4 m auf und grenzt seitlich ebenfalls an die Nachbar-Parzelle. Die Oberseite des Vordaches soll humusiert werden und den über der Garage befindlichen Umschwungsbereich vergrössern. Der Rekurrent bringt im W e- sentlichen vor, bal konartige Vordachkonstruktionen seien im seitlichen Verhältnis nicht abstandspflichtig. 5. Die Ausführungen des Rekurrenten über die Abstandspflicht geben die Rech t- sprechung der Baurekurskommissionen wieder und erweisen sich daher als zutreffend (vgl. z uletzt BRKE I Nr. 170/1997). Demnach unterstehen Gebäude, Teile von Gebä u- den und Gebäudebestandteile grundsätzlich der Abstandspflicht, soweit sie nicht wegen ihrer unterird ischen oder das gewachsene Terrain nicht mehr als 0,5 m überragenden Lage von den Abstandsvorschriften befreit sind (§§ 260 ff. PBG). Nicht abstandspflichtig sind Bauten und A nlagen, die weder ein Gebäude noch einen Bestandteil eines Gebä u- des darstellen (z.B. Ga rtencheminées, Schwimmbecken, freistehende Sichtschutzma u- ern oder Fahnenmaste; zum Begrif f des Gebäudebestandteils vgl. ZBl 70 S. 434). Nicht abstandspflichtig sind ausse rdem vorspringende Gebäudebestandteile, welche für den Bestand des Gebäudes und die Nutzung des Gebäudeinnern notwendig sind und ins o- fern keine selbständige Funktion erfü llen (z.B. Dachtraufen, Fensterläden oder ang e- baute Sichtschutzwände; vgl. VB 95/0074). Eine selbständige Funktion erfüllen demg e- genüber Gebäude(bestand)teile wie Balkone, Erker, Vordächer und auch Aussentre p- pen; sie sind grundsätzlich abstandspflichtig (zu den Aussentreppen vgl. BRKE III Nr. 38/1997 = BEZ 1997 Nr. 12). Soweit indessen solche G ebäudebestandteile mit sel b- ständiger Funktion als einzelne Vorsprünge im Sinne von § 260 Abs. 3 PBG qualifiziert werden können, gilt ihre Abstandspflicht gemäss dem Planun gs- und Baugesetz und un- ter Vorbehalt abweichender kommunaler Bestimmungen nur in rechtwin kliger Richtung zu der dahinter liegenden Gebäudefassade (und dort nur reduziert; vgl. § 260 Abs. 3 PBG), grundsätzlich nicht jedoch auch im seitlichen Verhältnis (VB 90/0209 in RB 1991 Nr. 65; VB 95/0074; VB 97.0150 in RB 1997 Nr. 99). 6. Die strittige balkonartige Vordachkonstruktion stellt einen Bestandteil des Gar a- gengebäudes dar und erfüllt zumindest mit seiner Oberseite eine selbständige Funktion. Da das Bauvorha ben zudem das gewachsene Terrain allseitig um mehr als 0,5 m übe r- ragt, un tersteht es grundsätzlich der Abstandspflicht. Die Bau - und Zonenordnung der Gemeinde X erlaubt keinen zustimmungsfreien Grenzbau im Sinne von § 287 lit. b PBG, schreibt indes sen auch keinen seitlichen Abstand für einzelne Gebäudevorsprünge vor. Daraus folgt, dass das umstrittene Vordach bewilligungsfähig ist, wenn es als einzelner Vorsprung im Sinne von § 260 Abs. 3 PBG unter das genannte seitliche Abstandspriv i- leg fällt. 7. Einzelne Gebäudevorsprünge sind, wie bereits erwähnt, gemäss § 260 Abs. 3 PBG in rechtwinkliger Richtung zur dahinterliegenden Fassade beschränkt abstandspr i-- 2 - vilegiert, indem sie 2 m in den Abstandsbereich hineinragen dürfen. Mit diesem maxim a- len Zug eständnis eracht et der Gesetzgeber die nachbarschützende Funktion der A b- standsregelungen als gerade noch eingehalten. Da einzelne Vorsprünge auch im seitl i- chen Verhältnis e ine Beschattung mit sich bringen und dort sogar grenzbündig erstellt werden dürfen, wäre es stossend , wenn hier dem Nachbarschutz nicht das selbe G e- wicht zukäme und die Anstos slänge des Vorsprungs nicht ebenso strikte beschränkt würde, sondern einzig von der En tfernung des dem Vorsprung vorgelagerten Drittgrun d- stücks abhinge. Zugunsten des seitlich ansto ssenden Grundstücks muss demnach eine analoge Beschränkung des Abstandspriv ilegs auf 2 m gelten, gemessen ab der Gebä u- defassade hinter dem Vorsprung. Ein einze lner Vorsprung kann mit anderen W orten (unter Vorbehalt des erlaubten zustimmungsfreien Grenzbaus i.S.v. § 287 PBG) nur bis zu einer Ausladung von 2 m grenzbündig oder gren znah erstellt werden; weiter reicht das seitliche Abstandsprivileg nicht. 8. Die strittige Vordachkonstruktion weist, wie bereits erwähnt, eine Ausladung von 2,4 m auf. Mangels Vor liegens eines Grenzbaurechts verletzt das Bauvorhaben daher die Abstandsvorschriften und ist im nachgesuchten Ausmass nicht bewilligungsfähig. 9. Das rekurrentische Vordach kann ohne weiteres um 0,4 m auf das höchstzulä s- sige Mass verkürzt werden. Daraus fo lgt, dass die Abstandsverletzung des Bauvorh a- bens keine Bewilligungsverweigerung rechtfertigt, sondern nebenbestimmungsweise zu beheben ist (§ 321 Abs. 1 PBG).