TPF 2005 177 177 3.3.3 Die Zuständigkeitf ürdieFeststellungderabsolutenNichtigkeiteines Bundesstrafgerichtsurteilsistgesetzlichnichtgeregelt.Eserscheintjedoch sachgemäss, dief ürdieRevisiongeltenden Zuständigkeitsbestimmungen analoganzuwenden. FürRevisionsgesuchegegenStrafurteiledesheutigen BundesstrafgerichtsistdessenStrafkammer zuständig (Art.232BStP).Wie essichmitdenUrteilendesbisherigenBundesstrafgerichtsver hält,ist übergangsrechtlichnichtgeregelt(vgl.Art.33SGG).Biszum31. März 2004warhierf ürdera.o.KassationshofdesBundesgerichtszus tändig (Art. 12Abs.2OGa.F.;Art.232BStPa.F.).DaderGesetzgeberdena.o. Kassationshofper1.April2004aufgehobenundkeineandereRevisionsin- stanzbestimmthat,mussinAusf üllung dergesetzlichen Lücke vonder ZuständigkeitderStrafkammerdesheutigenBundesstrafgerichtsauchf ür dieBeurteilungvonRevisionsgesuchengegenUrteiledesfr üherenBundes- strafgerichtsausgegangenwerden(UrteildesBundesgerichts6S.239/2004 vom7.Juli2004E.2).Gleichesmussf ürdieBehandlungvonBegehrenum FeststellungderabsolutenNichtigkeiteinesUrteilsdesfr üherenBundes- strafgerichts gelten. TPF 2005177 47.AuszugausdemEntscheidderBeschwerdekammerinSachenA.gegen Bundesanwaltschaft,E idgenössischesUntersuchungsrichteramtvom 19. Oktober2005(BB.2005.49) Begründung des Entscheids; Heilung des Gehörsmangels im Rahmen des Be- schwerdeverfahrens. Art. 29 Abs. 2 BV Ausflussdesrechtlichen Gehörs bildetdiePflichtder Behörde, ihre Überlegun- gendemBetroffenen gegenüber namhaftzumachenundsich ausdrücklichmit denentscheidrelevantenEinw änden auseinanderzusetzenoderaberzumindest die Gründe anzugeben,weshalbsiegewisseGesichtspunktenicht berücksichti- genkann (E.2.3). DieHeilungeinerVerletzungdesrechtlichen Gehörs vorderBeschwerdein- stanz ist nur möglich, wenn diese in freier Kognition entscheidet (E. 2.3). TPF 2005 177 178 Motivation de la décision; guérison d’une violation du droit d’être entendu dans le cadre de la procédure de plainte. Art. 29 al. 2 Cst. Découle dudroit d’êtreentendu l’obligationquiincombe àl’autorité dedonner àl’intéressé connaissancedeses réflexionsetdeprendreexpres sément position surlesobjectionspertinentesauregarddelad écision ou, à toutlemoins, d’indiquer lesraisonspourlesquellescertainsargumentsnepeuventpas être pris en considération (consid. 2.3). Uneviolationdudroitd ’être entendunepeut êtreguérie devant l’instance de recours que si celle-ci statue avec un plein pouvoir de cognition (consid. 2.3). Motivazione della decisione; sanatoria della nullità del diritto d’essere sentito nel quadro della procedura di reclamo. Art. 29 cpv. 2 Cost. Costituisceunaconseguenzadeldiritto d’esseresentiti l’obbligodell’autorità di renderenote all’interessato leproprieriflessioniedioccuparsiespressamente delleobiezionirilevantiaifinidelladecisioneoalloradiindicarealmenoimo- tivi per i quali essa non può tener conto di determinati aspetti (consid. 2.3). Lasanatoriadellanullit à deldirittod ’essere sentitodavantiallagiurisdizione direclamo è possibileunicamentese quest’ultima decideconliberopotere cognitivo (consid. 2.3). Zusammenfassung des Sachverhalts: ImVerfahrengegenA.undB.wegenGef ährdungdurchdieLuftfahrtim SinnevonArt.90desBundesgesetzes überdieLuftfahrtvom21.Dezember 1948(Luftfahrtgesetz,LFG;SR748.0)beantragtederengemeinsamerVer- teidigereinerseitsdieEinstellungderUntersuchunggegenA.,andererseits mehrereZeugeneinvernahmen.DasUntersuchungsrichteramtwiesdieAn- träge mit Verfügung vom 13. Juni 2005 ab. DieBeschwerdekammerhiessdieBeschwerdevonA.gut,hobdieVerf ü- gungaufundwiesdieSachezuneuerEntscheidungimSinnederEr wägun- gen an die Vorinstanz zurück.TPF 2005 177 179 Aus den Erwägungen: 2.2 (… )MitderBeschwerdekannklarerweisenichtdurchgesetztwerden, derUntersuchungsrichterhabeeineihmnachGesetznichtzustehendeBe- fugnisausz uüben. DieVerf ügungwä resomitimErgebnisgr undsätzlich nicht zu beanstanden. 2.3 DerBeschwerdef ührerr ügtinderReplikindessinngem äss eineVerlet- zungdesverfassungsrechtlichenAnspruchsaufdasrechtliche Gehörim SinneeinerPr üfungs-undBegr ündungspflicht,indemerausf ührt,erh ätte voneinerBeschwerdeabsehen können, wenndieAusf ührungeninderBe- schwerdeantwortbereitsInhaltderangefochtenenVerf ügung gebildet hät- ten.Diese Rüge erfolgtzuRecht:Ausflussdesrechtlichen Gehörsbildetdie Pflichtder Behörde,ihre ÜberlegungendemBetroffeneng egenübernam- haftzumachenundsichausdr ücklichmitden(entscheidrelevanten)Ein- wänden auseinanderzusetzenoderaberzumindestdieGr ünde anzugeben, weshalbsiegewisseGesichtspunktenichtber ücksichtigenkann.Andern- fallsistf ürdenBetroffenen – wieauchf ürdieRechtsmittelinstanz – nicht nachvollziehbar,obundinwieweitdievorgebrachtenE inwändegewü rdigt wurden. Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung desrechtlichen Gehörsf ührtungeachtetderErfolgsaussichtenderBe- schwerdeinderSacheselbstzurAufhebungderangefochtenenVerf ügung. NachderRechtsprechungkannallerdingseinenichtbesondersschwerwie- gendeVerletzungdesrechtlichen Gehörsalsgeheiltgelten,wennderBe- troffenedie Möglichkeiterh ält,sichvoreinerBeschwerdeinstanzzu äus- sern,diesowohldenSachverhaltwiedieRechtslagefrei überprüfenkann. DieHeilungeines – allfälligen – MangelssollaberdieAusnahmebleiben (UrteildesBundesgerichts1S.13/2005vom22.April2005E.4.1;BGE130 II530,562E.7.3;BGE126V130,131f.E.2b;BGE124V180,183 E. 2b,4a).NachdemdieangefochteneVerf ügung ohne nähereAusf ührun- genlediglichdamitbegr ündet wurde,dassdieRechtsfolgedervomBe- schwerdeführervorgebrachtenE inwände nichteineEinstellungdesStraf- verfahrenssein könne, sonderndieseFolgevielmehr „strafrechtlicherNa- tur“ zusein hätte, imBeschwerdeverfahrenhingegenalsneueBegr ündung vorgetragenwird,derUntersuchungsrichterhabegarkeinegesetzliche KompetenzzurEinstellungeinerVoruntersuchung,kamdieVorinstanz offensichtlichihrerPr üfungs-undBegr ündungspflichtnichtbzw.nichtin genügenderArtundWeisenach.Wiebereitsge genüberderBundesanwalt- schaftimRahmenderAufsichtst ätigkeitdesBundesstrafgerichtsunter HinweisaufdievorstehendzitierteRechtsprechungdesBundesgerichtsTPF 2005 180 180 demGrundsatznachzumAusdruckgebrachtwurde,verletzteinEntscheid odereineVerf ügung desBundesanwalts,welchekeineoderblosseineun- genügende Begründung aufweist,dasrechtliche GehördesBetroffenen (SchreibendesBundesstrafgerichtsandieSchweizerischeBundesanwalt- schaftvom2.Juni2005).Dieshatmutatismutandisauchf ürentsprechende EntscheideundVerf ügungendesUntersuchungsrichtersGeltung.Dadie Beschwerdekammerpraxisgem äss nurBeschwerdenbetreffendZwangs- massnahmenunddamitzusammen hängende Amtshandlungenmitvoller Kognitionpr üft(EntscheiddesBundesstrafgerichtsBB.2005.4vom 27. April2005E.2),isteineHeilungdes Gehörsmangelsimvorliegenden Beschwerdeverfahrenausgeschlossen.Daran ändertderUmstandnichts, dasseineEinstellungdesStrafverfahrensaufGrundderdargelegtenKom- petenzabgrenzungzwischenUntersuchungsrichterundBundesanwaltnicht inBetrachtfallenkann,denneskommtnichtdaraufan,obdie Anhörung (hier:imSinnederPr üfungs-undBegr ündungspflicht)imkonkretenFall fürdenAusgangdermateriellenEntscheidungvonBedeutungist,dasheisst die Behördezueiner ÄnderungihresEntscheidesveranlasstwirdoder nicht. TPF 2005180 48.AuszugausdemEntscheidderBeschwerdekammerinSachenA.undB. gegen Eidg.Steuerverwaltung vom24. Oktober2005(BV.2005.16) Art der mit einer Zwangsmassnahme zusammenhängenden Amtshandlung. An- spruch auf Wiedererwägung. Unterrichtung über den Gegenstand der Anschuldi- gung; rechtliches Gehör. Beschlagnahme; Verhältnismässigkeit. Art.29,32Abs.2BV,Art.6Ziff.3lit.aEMRK,Art.26Abs.1,46Abs.1lit.b VStrR WahrungderBeschwerdefrist(E.1.3.1).DerWiedererw ägungsentscheid,der sichaufeine frühere Beschlagnahmeverfügung indergleichenSachebezieht, isteinemiteinerZwangsmassnahmezusammenh ängende Amtshandlungim Sinne von Art. 26 Abs. 1 VStrR (E. 1.3.2). EinAnspruchaufWiedererw ägungeiner Verfügungbestehtnurbeiwesentli- cher Änderung der Umstände oder bei echten Noven (E. 2.2).