B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-8113/2015 lan U r t e i l v o m 2 6 . M ä r z 2 0 1 8 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Barbara Balmelli, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren (…), sowie dessen Ehefrau B._______, geboren (…), unbekannter Staatsangehörigkeit, vertreten durch Vijitha Schniepper-Muthuthamby, Advokatin, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Aargau, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 10. November 2015 / N (…). D-8113/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess eigenen Angaben zufolge den Heimat- staat am 29. Mai 2013 in Richtung C._______ und gelangte nach einem knapp dreimonatigen dortigen Aufenthalt auf dem Luftweg am 21. August 2013 in die Schweiz, wo sie am gleiche n Tag um Asyl nachsuchte. Am 2. September 2013 fand die Befragung zur Person (BzP) im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ statt. In der Folge wurde die Be- schwerdeführerin für die Dauer des Verfahrens dem Kanton E._______ zu- gewiesen. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge den Heimatstaat am 10. September 2013 Richtung C._______ und gelangte nach einem mehr als zehnmonatigen dortigen Aufenthalt auf dem Luftweg am 29. Juli 2014 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am 11. August 2014 fand die BzP im EVZ F._______ statt. In der Folge wurde der Beschwerdeführer für die Dauer des Verfahrens dem Kanton E._______ zugewiesen. B. Am 13. Oktober 2014 wurden die Beschwerdeführenden vom BFM vertieft zu ihren Asylgründen angehört. Im Wesentlichen machte die Beschwerdeführerin bei den Befragungen gel- tend, sie sei im Dorf G._______ in der Gemeinde H._______ im gleichna- migen Kreis geboren. Eine Schule habe sie nie besucht. Sie sei nach Brauch mit dem Beschwerdeführer verheiratet, in der Landwirtschaft tätig gewesen und habe als I._______ bei einem Nachbarn gearbeitet. Als fluchtauslösendes Ereignis gab sie an, anlässlich eines von den Chinesen organisierten Auftritts des Panchen Lama, Gyaltsen Norbu, habe sie sich lautstark gegen die Segn ung durch diesen gewehrt, weil sie diesen von den Chinesen ernannten Panchen Lama nicht akzeptiere. In der Folge sei sie verhaftet und (…) Tage lang festgehalten worden. Nachdem der Be- schwerdeführer und ihr Arbeitgeber eine Busse von (…) chinesische Gormo bezahlt hätten, sei sie freigelassen geworden. Sie sei aber ver- pflichtet worden, bei den chinesischen Behörden monatlich Unterschrift zu leisten. Sie habe acht Monate Unterschrift geleistet, sei dabei aber wäh- rend der letzten drei Mal von Beamten J._______ worden, worauf es ihr physisch und psychisch derart schlecht gegangen sei, dass der Beschwer-D-8113/2015 Seite 3 deführer anstelle von ihr die Unterschrift bei den Behörden leisten gegan- gen sei. Nach etwa drei Mal hätten die Behörden ihm mitgeteilt, dass sie (die Beschwerdeführerin) wieder vorbeikommen müsse. Vor diesem Hin- tergrund habe sie sich zur Ausreise entschlossen. Mit Hilfe des Arbeitge- bers hätten sie die Ausreise und einen Passierschein organisiert. Der Be- schwerdeführer habe sie nach K._______ begleitet, von wo aus si e als- dann zu Fuss mit einem Schlepper über die Grenze nach C._______ ge- langt sei. Der Beschwerdeführer führte aus, er sei im Dorf L._______ geboren, wo er bis zu seiner Ausreise gelebt habe. Eine Schule habe er nie besucht. Er sei in der Landwirtschaft, als M._______ und N._______ tätig gewesen. Er sei nicht politisch aktiv gewesen. Nachdem die Beschwerdeführerin sich aus gesundheitlichen Gründen bei den Behörden nicht mehr habe melden können, sei er an ihrer Stelle mit einem Bestätigungsschreiben des Dorf- vorstehers monatlich zu den Behörden zwecks Leistung der Unterschrift gegangen. Nach der Ausreise seiner Lebenspartnerin seien die Behörden bei ihm zu Hause vorbeigekommen und hätten alle Identitätsdokumente beschlagnahmt. Auch sei seinen Kindern verboten worden, die Schule wei- ter zu besuchen. Aufgrund der ständigen Kontrollen durch die chinesischen Behörden habe er sich ebenfalls zur Ausreise entschlossen. Die Kinder habe er bei seiner Mutter zurückgelassen. In C._______ habe er erfahren, dass die Beschwerdeführerin in die Schweiz gereist sei. Die Beschwerdeführenden reichten keine Identitätspapiere oder Beweis- mittel zu den Akten. C. Am 20. Oktober 2014 führte ein Experte der Fachstelle LINGUA im Auftrag des BFM mit dem Beschwerdeführer ein Telefongespräch (Evaluation des Alltagswissens) durch. In seinem Bericht gelangte der Experte zum Schluss, aufgrund der inhaltlichen Evaluation des Gesprächs beziehungs- weise der Angaben des Beschwerdeführers sei die Wahrscheinlichkeit klein, dass er im behaupteten geografischen Raum gelebt haben könnte. Am 1. April 2015 führte der gleiche Experte der Fachstelle LINGUA im Auf- trag des SEM mit der Beschwerdeführerin ein Telefongespräch (Evaluation des Alltagswissens) durch. In seinem Bericht gelangte der Experte zum Schluss, aufgrund der inhaltlichen Evaluation des Gesprächs beziehungs- weise der Angaben der Beschwerdeführerin sei die Wahrscheinlichkeit klein, dass sie im behaupteten geografischen Raum gelebt haben könnte. D-8113/2015 Seite 4 Am 17. August 2015 fanden ergänzende Anhörungen der Beschwerdefüh- renden durch das SEM statt. Im Rahmen dieser Anhörungen wurde ihm das rechtliche Gehör zu den Berichten des Experten der Fachstelle LIN- GUA gewährt (vgl. Bst. B). Darauf wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D. Das SEM st ellte mit Verfügung vom 10. November 2015 – eröffnet am 12. November 2015 – fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flücht- lingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig ver- fügte es die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug unter Ausschluss in die Volksrepublik China an. Zur Begründung wurde zusammenfassend aus geführt, die Be- schwerdeführenden vermöchten keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG (SR 142.31) nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Beschwerdeführenden hätten geltend gemacht , chinesische Staats- bürger zu sein und im Kreis H._______ in der Präfektur O._______ in der Volksrepublik China (Tibet) zur Welt gekommen zu sein und bis zur Aus- reise dort gelebt zu haben. Mit einem spezialisierten Test habe das SEM ihr Alltagswissen und geografischen Kenntnisse über den angeblichen Her- kunftsort prüfen lassen. In den erwähnten Evaluationen sei die sachkun- dige Person zum Schluss gelangt, dass die Wahrscheinlichkeit , im von ihnen behaupteten geografischen Raum gelebt zu haben, klein sei. Unter Angabe der jeweiligen Fundstellen in den Protokollen wurde ausgeführt, die Beschwerdeführenden würden kein Chinesisch sprechen, was nicht den Erwartungen an eine Bewohnerin bezi ehungsweise einen Bewohner mit ihren Profilen aus dem Kreis H._______ entspreche. Chinesisch werde heute auch in Zentraltibet im Alltag gebraucht, weshalb zu erwarten gewe- sen wäre, dass sie sich zumindest auf einfache Art und Weise verständigen könnten. Be i den wenigen Wörtern, welche die Beschwerdeführerin auf Chinesisch gesagt habe, handle es sich gemäss der sachkundigen Person um Begriffe, welche leicht zu erlernen seien. Anlässlich der BzP und der Anhörung habe die Beschwerdeführerin im Un- terschied zum Telefongespräch und der ergänzenden Anhörung divergie- rende Angaben zum Ort, wo sie zuletzt gelebt habe, zu Protokoll gegeben (Dorf Drei; Dorf P ._______ respektive L._______). Die Erklärung, bei der BzP nach der genauen Adresse gefragt worden zu sein, weshalb sie nicht von Anfang an, sondern erst beim Telefongespräch und der ergänzenden Anhörung den Namen des Dorfes genannt habe, sei unbehelflich und lasse D-8113/2015 Seite 5 die Vermutung aufkommen, sie habe sich explizit für das Gespräch am Te- lefon vorbereitet. Nicht einheitlich seien auch ihre Angaben zum Geburtsort ausgefallen. So habe sie angegeben, in Alt H._______ geboren worden zu sein (BzP/Anhörung). Gemäss dem Telefongespräch und der ergänzenden Anhörung habe sie das Dorf G._______ in der Gemeinde H._______ be- zeichnet. Auf Vorhalt habe sie angegeben, G._______ liege in der Ge- meinde Alt H._______. Damit habe sie aber nicht erklären können, wes- halb sie erst im Telefongespräch den Namen des Dorfes genannt habe und nicht bereits bei der BzP und der Anhörung. Gemäss der sach kundigen Person würden – entgegen ihren Aussagen – in ihrer Herkunftsregion Gerste und Weizen nur einmal im Jahr angebaut. Ferner seien ihre Anga- ben zum Zeitpunkt des Ackerbaus nicht korrekt gewesen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie als mutmassliche Landwirtin falsche Angaben hierzu gemacht habe. Nach den Ämtern in der Kreisstadt gefragt, habe sie einen chinesischen Begriff verwendet, was übersetzt chinesische Verwal- tung bedeute. Sie habe jedoch nicht erklären können, wofür diese Verwal- tung zuständig sei. Gemäss der sachkundigen Person gebe es keine Büros unter diesem Namen. Nicht nachvollziehbar sei zudem, dass sie keine Äm- ter mit Namen kenne, zumal diese den Bewohnern des jeweiligen Kreises bekannt sein sollten (u.a. Bezeichnung des Gefängnisses b loss auf Tibe- tisch respektive Unkenntnis hinsichtlich des chinesischen Ausdrucks). Sie habe bei den Anhörungen kein einziges Amt auf Chinesisch benennen kön- nen, sondern habe alle Büros mit „Sheng“ bezeichnet, was so viel wie Be- zirk bedeute. Die Angaben wür den nicht nachvollziehbar erscheinen, zu- mal sie sich regelmässig in H._______ beziehungsweise Q._______ auf- gehalten haben wolle. Gemäss der sachkundigen Person sowie der auf dem Internet zugänglichen Karte habe sie unzutreffende und damit tatsa- chenwidrige Angaben zu den Nachbardörfern gemacht. Im Zusammen- hang mit ihrer Stelle als R._______ würden ihre Angaben gemäss sach- kundiger Person nicht der Realität in Tibet entsprechen (Höhe des Lohnes; Anstellung von Haushaltshilfen in Dörfern, wie von ihr angegeben). Der Beschwerdeführer habe (…) respektive als M._______ in K._______ gearbeitet, weshalb er immer wieder mit dem Bus oder dem Auto von L._______ nach K._______ gefahren sei. Hierzu habe er eine Spezialge- nehmigung für die Grenzgebiete in einem chinesische n Büro ausstellen lassen. Dies treffe zu, indessen habe er die korrekte chinesische Bezeich- nung der für die Ausstellung zuständigen Verwaltung nicht angeben kön- nen. Nach den Ortschaften zwischen L._______ und K._______ gefragt, habe er nur grössere Städte und einige wenige Nachbardörfer bei L._______ aufgezählt, was nicht ausreichend für jemanden sei, der mehr D-8113/2015 Seite 6 als (…) Jahre seines Lebens in Tibet verbracht haben wolle. Hinsichtlich der staatlichen Verkehrsmittel habe er im Telefongespräch angegeben, beim Bezahlen im Bus würden Fahrkarten ausgestellt. Zudem gebe es Mo- nats-Abonnemente. Gemäss der sachkundigen Person würden diese An- gaben nicht zutreffen. Auf die diesbezügliche Nachfrage in der ergänzen- den Anhörung habe er pauschal behauptet, diese Angaben im Telefonge- spräch nicht gemacht zu haben. Beim Telefongespräch habe er ein Wort für Haltestelle benutzt, was laut sachkundiger Person in der exiltibetischen Gemeinschaft, aber nicht in Tibet ein gängiger Begriff sei. Bei der ergän- zenden Anhörung darauf angesprochen, habe er geantwortet, immer die- sen Begriff für Haltestelle benutzt zu haben. Den chinesischen Begriff für Haltestelle habe er nicht gekannt, auch als ihm dieser vorgetragen worden sei. Bei der gleichen Anhörung habe er aus geführt, für die chinesische Währung habe er immer das Wort Gormo und Ngü verwendet. Den offizi- ellen Namen der chinesischen Währung kenne er nicht. Insgesamt würden seine länderspezifischen Antworten nicht überzeugen und es dränge sich die Vermutung auf, dass er rein geografische Aussagen wie die Situierung seines angeblichen Heimatdorfes oder die eher ungenügende Nennung von Nachbardörfern et cetera gelernt beziehungsweise in Erfahrung ge- bracht habe, um den Anschein zu erwecken, aus dieser Gegend zu stam- men. Zusätzlich zum mangelnden Alltagswissen sei zu erwähnen, dass er weder Ausweispapiere noch andere Beweismittel zu den Akten gereicht habe. Bei dem von der Beschwerdeführerin angegebenen falschen Panchen Lama handle es sich um den durch die chinesische Regierung gekürten Religionsführer des tibetischen Buddhismus in China. Dieser stelle eine berühmte Persönlichkeit dar. Seine Auftritte würden von den chinesischen Behörden streng überwacht und seien stark eingeschränkt, was unweiger- lich in den Medien dokumentiert sei (u.a. Hong Kong-Besuch des Panchen Lama im April 2012). Es sei davon auszugehen, dass eine entsprechende Berichterstattung über den Besuch des Panchen Lama – wie von ihr be- hauptet – einen Monat später im Kreis H._______ auch erfolgt wäre. Nach eingehender Internetrecherche habe kein derartiger Bericht gefunden wer- den können. Ihre Vorbringen, sie habe an einer Veranstaltung in Anwesen- heit des Panchen Lama in Q._______ teilgenommen, seien höchst un- wahrscheinlich, wenn nicht sogar tatsachenwidrig. Ihre Vorbringen sowie die in diesem Zusammenhang geltend gemachte Verfolgung könnten des- halb nicht geglaubt werden. Vor diesem Hintergrund könne auch die in die- sem Zusammenhang vorgebrachte J._______ nicht geglaubt werden. Die D-8113/2015 Seite 7 vom Beschwerdeführer behauptete Reflexverfolgung wegen der politi- schen Tätigkeit der Beschwerdeführerin sei bei dieser Sachlage ebenso als unglaubhaft zu qualifizieren. Insgesamt hielten die Vorbringen den An- forderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, wes- halb auf ein Eingehen von weiteren Unglaubhaftigkeitselementen verzich- tet werden könne. Das SEM erwog weiter, das Bundesverwaltungsgericht habe in Präzisie- rung der Rechtsprechung in seinem Urteil BVGE 2014/12 (Anmerkung des Gerichts) festgehalten, dass für eine asylsuchende Person tibetischer Eth- nie, welche unglaubhafte Angaben über ihren angeblichen Sozialisierungs- raum in der Volksrepublik China mache, grundsätzlich davon ausgegangen werden könne, dass sie eine Aufenthaltsbewilligung oder eine Duldung in einem Drittstaat oder aber sogar eine andere Staatsangehörigkeit besitze. Somit sei zu prüfen, ob eine asylsuchende Person tibetischer Ethnie in ei- nem Drittstaat beziehungsweise ihrem effektiven Heimatland ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 AsylG ausgesetzt sei. Verunmögliche sie jedoch durch Verletzung der Mitwirkungspflicht die dafür nötigen Abklärungen, müsse das SEM davon ausgehen, dass keine flüchtlings - oder wegwei- sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Auf- enthaltsort bestünden. Da bei einer asylsuchenden Person, die unbestrit- tenermassen tibetischer Ethnie sei, die Möglichkeit nicht auszuschliessen sei, sie besitze die chinesische Staatsangehörigkeit, sei ein Wegweisungs- vollzug in die Volksrepublik China ausgeschlossen, da ihr dort gegebenen- falls unmenschliche Behandlung oder Folter drohen würde. Den Beschwer- deführenden sei es nicht gelungen, ihre Hauptsozialisierung in der Volks- republik China sowie ihre Asylgründe glaubhaft darzulegen. Vielmehr sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie vor ih- rer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt hätten. Da sie aber keine konkreten, glaub- haften Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert hätten, komme das SEM zum Schluss, dass keine flüchtlings - oder weg- weisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort bestünden. Die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, wes- halb auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewandt werden könne. Aus den Akten würden sich zudem keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ihnen im Falle einer Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort mit beachtli cher Wahrscheinlichkeit eine D-8113/2015 Seite 8 durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Da vorlie- gend die Möglichkeit nicht auszuschliessen sei, dass sie die chinesische Staatsangehörigkeit besitzen könnten, werde ein Wegweisungsvollzug in die Volksrepublik China ausgeschlossen. Zudem stelle sich die Lehre auf den Standpunkt, dass eine grobe Verletzung der Mitwirkungspflicht den Vollzug der Wegweisung nicht verhindern könne. Die Zulässigkeit, Zumut- barkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs sei zwar grun dsätzlich von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersuchungspflicht finde jedoch ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden, die auch die Sub- stanziierungslast trügen. Es könne nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts nicht Sache der Asylbehörden sein, bei fehlen- den Hinweisen seitens einer Person nach etwaigen Wegweisungsvollzugs- hindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Aus Grün- den der Rechtsgleichheit könne im vorliegenden Verfahren nicht von der geltenden Praxis abgewichen werden. Die Beschwerdeführenden h ätten die Folgen ihrer unglaubhaften Identitätsangaben und der Unglaubhaf- tigkeit ihrer Sachverhaltsvorträge zu tragen, indem vermutungsweise da- von auszugehen sei, es stünden einer Wegweisung an ihren bisherig en Aufenthaltsort keine Vollzugshindernisse entgegen. Hinsichtlich der Frage nach der Möglichkeit eines allfälligen Wegweisungsvollzugs bei der Ver- heimlichung der wahren Identität könne zum heutigen Zeitpunkt nicht ge- sagt werden, dieser sei von vornherein nicht möglich oder technisch nicht durchführbar. Den Beschwerdeführenden sei es zuzumuten, sich bei der zuständigen Vertretung die allenfalls benötigten Reisepapiere zu beschaf- fen. Auch das Bundesverwaltungsgericht erachte in seiner Rechtspre- chung den Vollzug der Wegweisung grundsätzlich als möglich, selbst wenn ein Gesuchsteller seine wahre Identität oder Staatsangehörigkeit verheim- liche. E. Mit Eingabe vom 14. Dezember 2015 reichten die Beschwerdeführenden gegen den Entscheid des SEM beim Bundesverwaltun gsgericht Be- schwerde ein und beantragten unter Kosten- und Entschädigungsfolge die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und festzustellen, dass die Wegweisung unzulässig se i, und es sei ihnen in der Folge die vorläufige Aufnahme als Flüchtling zu erteilen. Subeventualiter sei die an- gefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht wurde um die un- entgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung D-8113/2015 Seite 9 mit Art. 110a Abs. 1 AsylG (unentgeltliche Verbeiständung durch eine Per- son ihrer Wahl) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses ersucht. Ferner seien ihnen die Protokolle des Alltagswissenstests und zumindest auszugsweise die Evaluationen zum Alltagswissen zuzustellen. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. F. Nach vorgängiger Bestätigung des Eingangs der Beschwerde mit Schrei- ben des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. Dezember 2015 wurde den Beschwerdeführenden mit Zwischenverfügung vom 26. Februar 2016 mit- geteilt, sie dürften den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG, um amtliche Verbeiständung gemäss Art. 110a Abs. 1 AsylG sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses wurden gutgeheissen. Die Beschwerdeführenden wurden aufgefor- dert, bis zum 14. März 2016 eine Rechtsvertretung zu benennen, welch e allenfalls amtlich beigeordnet werden soll. Im Unterlassungsfall werde vom Bundesverwaltungsgericht von Amtes wegen ein Rechtsbeistand ernannt. G. Die Beschwerdeführenden liessen die ihnen angesetzte Frist unbenutzt verstreichen. Mit Schreiben des Bundes verwaltungsgerichts vom 6. April 2016 wurde die im Rubrum genannte Advokatin angefragt, innert Frist mit- zuteilen, ob sie bereit wäre, sich vorliegend als amtliche Rechtsbeiständin gemäss Art. 110a AsylG einsetzen zu lassen. Mit Eingabe vom 20. April 2016 erklärte die Advokatin die Bereitschaft zur Übernahme des Mandats. Gleichzeitig ersuchte sie um Zustellung der Akten zur Einsichtnahme. H. Mit Instruktionsverfügung vom 25. April 2016 wurde die im Rubrum ge- nannte Advokatin den Beschwerdeführenden als amtliche Rechtsbeistän- din beigeordnet. Die Rechtsvertreterin wurde aufgefordert, die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens bei den Beschwerdeführenden erhältlich zu machen. Die wesentlichen Akten des Beschwerdeverfahrens wurden der Rechtsvertreterin in Kopie zugestellt (Beschwerdeschrift vom 14. Dezem- ber 2015, Zwischenverfügung vom 26. Februar 2016, Aktenverzeichnis des Beschwerdeverfahrens). D-8113/2015 Seite 10 I. In seiner Vernehmlassung vom 13. Mai 2016 hielt das SEM an seiner Ver- fügung fest und beantragte die Abweisung der Bes chwerde. Zur Begrün- dung wurde im Wesentlichen ausgeführt, im Zusammenhang mit der von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Verletzung des rechtlichen Gehörs (Verwehrung der Einsicht in die Akten A 31 und A 37 gemäss Ak- tenverzeichnis SEM; Evaluationen des Alltagswissens) sei festzuhalten, dass das Recht auf Akteneinsicht eingeschränkt werde könne, wenn ein überwiegendes öffentliches oder privates Interesse an der Geheimhaltung der betreffenden Akten bestehe (Art. 27 VwVG). Vorliegend bestehe das überwiegende Interesse an der Geheimhaltung darin, einen Lerneffekt zu verhindern, damit nicht ähnliche Abklärungen in zukünftigen Verfahren er- schwert oder gar verunmöglicht würden. Deshalb könne keine vollumfäng- liche Akteneinsicht in die besagten Evaluationen de s Alltagswissens ge- währt werden. In einem solchen Fall müsse der Partei jedoch der wesent- liche Inhalt zur Kenntnis gebracht und Gelegenheit gegeben werden, sich dazu zu äussern und Gegenbeweismittel zu bezeichnen (Art. 28 VwVG). In Bezug auf eine Analyse der Fachstelle LINGUA – namentlich auf die Evaluation zum Alltagswissen – bedeute dies, dass der asylsuchenden Person in zusammen gefasster Weise die von der Fachperson gestellten Fragen und der wesentliche Inhalt der darauf erhaltenen Antworten offen- gelegt werden müssten. Wesentlich seien alle Informationen, die als Ent- scheidungsgrundlage in Frage kämen. Diese Informationen könnten in ei- ner aktenkundigen Notiz festgehalten oder anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs im Rahmen einer protokollierten mündlichen Anhörung offengelegt werden (vgl. Urteil E-3907/2014 E. 6.4.4 des BVGer vom 11. März 2015). Diesen Mindestgrundsätzen sei das SEM im erstinstanzlichen Verfahren nachgekommen. In den ergänzenden Anhörungen vom 17. Au- gust 2015 seien die Beschwerde führenden einleitend über den Sinn und Zweck der Anhörungen informiert worden (A 41 Frage 3 und A 42 Frage 3). Daraufhin seien ihnen der wesentliche Inhalt der Evaluationen des Alltags- wissens zur Kenntnis gebracht und zu den entscheidrelevanten Elementen der Evaluationen mündlich Gelegenheit zur Stellungnahme geboten und damit das rechtliche Gehör gewährt worden. Dies ergebe sich auch aus dem Asylentscheid. Neben den relevanten Textpassagen aus den Evalua- tionen, seien auch die entsprechenden Stellen aus den Protokollen zitiert worden. Schliesslich liege es auf der Hand, dass es sich bei den als „RG + ergänzende Anhörung“ bezeichneten Aktenstücken (A41 und A 42) um die Protokolle betreffend das rechtliche Gehör zu den Evaluationen handle. Entgegen der Behauptung in der Beschwerdeschrift seien das Recht auf Akteneinsicht und damit das rechtliche Gehör nicht verletzt worden. Was D-8113/2015 Seite 11 die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte J._______ anbelange, so sei wiederholt festzuhalten, dass diese im vorgebrachten Kontext nicht geglaubt werden könne. Ferner würden es die unwahren Angaben zu den Umständen der J._______ verunmöglichen, deren Asylrelevanz zu prüfen. J. Mit Instruktionsverfügung vom 19. Mai 2016 wurde den Beschwerdefüh- renden unter Fristansetzung die Vernehmlassung der Vorinstanz zur Replik zugestellt. Auf die nach wiederholt gewährter Fristerstreckung (unfallbe- dingte Abwesenheit der Rechtsvertreterin) eingereichte Stellungnahme vom 8. August 2016 wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Der Stellungnahme lag als Beilagen die Kostennote bei. Ein medizinischer Austrittsbericht betreffend den Beschwerdeführer des Kan- tonsspitals S._______ vom 22. Juli 2015 wurde am 18. August 2016 nach- gereicht. K. Am 10. Mai 2017 heirateten die Beschwerdeführenden in Lenzburg. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein D-8113/2015 Seite 12 schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgericht s und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zunächst ist auf die Rüge einzugehen, das rechtliche Gehör sei verletzt worden, da die Evaluationen des Altagstests nicht vollumfänglich offenge- legt worden seien. Was diese Rüge anbelangt, so erweist sich diese a ls verfehlt. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann in diesem Zusammen- hang zunächst auf die zutreffenden Erwägungen des SEM in seiner Ver- nehmlassung vom 13. Mai 2016 verwiesen werden. Es entspricht der gel- tenden Praxis, dass solche Analyseberichte nicht voll ständig offengelegt werden, da dem gewichtige öffentliche Interessen entgegenstehen. Das rechtliche Gehör in den ergänzenden Anhörungen wurde ausführlich und zu zahlreichen Details sowie den wesentlichen Unstimmigkeiten gewährt. D-8113/2015 Seite 13 Die Beschwerdeführenden hat ten Gelegenheit, eingehend Stellung zu nehmen und Unklarheiten auszuräumen. Zwar wird in der Replik zu Recht ausgeführt, die Vorinstanz habe es dabei versäumt, die Unstimmigkeit zum Zeitpunkt des Ackerbaus anzuführen, was jedoch im Urteil seinen Nieder- schlag gefunden habe. Es trifft zu, dass die Beschwerdeführerin zu diesem Begründungselement im Rahmen der ergänzenden Anhörung nicht wie zu den übrigen im Analysebericht des Experten als unkorrekt festgehaltenen Teilaspekten, welche ihr in der diesbezüglichen Anhörung vorgehalten und wozu ihr Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt wurde, befragt wurde. Dieser Einwand erfolgt demnach zu Recht und diesbezüglich ist von einer Gehörsverletzung auszugehen. Die Vorinstanz wäre gehalten gewesen, auch diese Unstimmigkeit im Rahmen der ergänzenden Anhörung vorzu- bringen, zumal sie offenbar von deren Relevanz ausging, was aber wohl vergessen gegangen ist. Allein dieser Umstand rechtfertigt angesichts sei- nes im Gesamtkontext doch eher marginalen Charakters eine Kassation der angefochtenen Verfügung jedoch nicht. Die Beschwerdeführerin hatte denn auch genügend Gelegenheit in ihrer Beschwerde beziehungsweise der Replik inhaltlich klärend Stellung zu nehmen. Die entsprechende Ge- hörsverletzung ist deshalb als geheilt zu betra chten. Der Vorwurf, die Vo- rinstanz sei auf die entsprechenden Erklärungen und Stellungnahmen zu wenig eingegangen und habe damit das rechtliche Gehör verletzt, vermag sodann nicht zu überzeugen, obwohl die Auseinandersetzung mit den Aus- führungen der Beschw erdeführenden in der Tat recht dürftig ausfiel. Im- merhin hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung unter Angabe der jeweiligen Fundstellen in den Protokollen aufgezeigt, dass sie die Ant- worten der Beschwerdeführenden als teilweise nicht nachvollzie hbar, tat- sachenwidrig, realitätsfremd, die Einschätzung der sachverständigen Per- son nicht entkräftend, nicht überzeugend oder klärend und damit unglaub- haft einstufte. In ihrer Verfügung erachtete die Vorinstanz demnach letztlich die Erkenntnisse der sachkundigen Person als überzeugender als die Aus- führungen der Beschwerdeführenden. Ob diese Einschätzung zu schützen ist, ist jedoch Gegenstand der nachfolgenden materiellen Prüfung. 4.2 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es den Beschwerdeführenden nicht gelingt, ihren Aufenthalt in Tibet bis ins Jahr 2013 glaubhaft zu machen. 4.2.1 Zunächst ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden bis zum heutigen Zeitpunkt keinerlei Reise- oder Identitätspapiere zu den Akten ga- ben, die es erlauben würden, Rückschlüsse auf ihre Identität zu geben. Es liegen auch keine anderweitigen Dokumente vor, die zumindest Hinweise D-8113/2015 Seite 14 auf ihre Herkunft aus Tibet geben könnten. Gemäss Art. 8 AsylG obliegt es den Asylsuchenden im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht unter anderem, ihre Identität offenzulegen und Reisepapiere und Identitätsausweise abzu- geben. Ihre stereotypen Antworten anlässlich der Befragungen erschöpften sich lediglich in den Behauptungen, dass sie keine Papiere hätten, da sämtliche von den chinesischen Behörden konfisziert worden seien. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Erhältlichmachen von Unterlagen und Dokumenten oder allfälligen weiteren für das vorliegende Verfahren dienli- chen Beweismitteln aus ihrem angeblichen Heimatstaat nicht ausgeschlos- sen wäre. Die Beschwerdeführenden verfügten angeblich über enge Kon- takte nach Tibet, nicht zuletzt auch zum angeblich früheren Arbeitgeber der Beschwerdeführerin, bei dem es sich um einen bekannten T._______ mit guten Beziehungen z u Chinesen handle und über den es hätte möglich sein müssen, entsprechende Beweismittel erhältlich zu machen. Diese Sichtweise wird nicht zuletzt durch die Ausführungen in der Rechtsmitte- leingabe (S. 8 zweiter Absatz) klar bestätigt. Der Hinweis auf die Ge fähr- lichkeit jeglicher Kontaktnahme mit Personen in Tibet vermag dabei nicht zu überzeugen. 4.2.2 Den Ausführungen des SEM im Zusammenhang mit den fehlenden Chinesisch-Kenntnissen der Beschwerdeführenden wird in der Rechtsmit- teleingabe nicht überzeugend begegnet. Im Gegenteil, einerseits findet die Behauptung, sehr wohl über grundlegende Chinesisch-Kenntnisse zu ver- fügen, letztlich in den Akten keine Stütze (vgl. A 41 Frage 4 S. 2 und Fragen 54 ff. S. 8; A 42 Frage 3 S. 2, Fragen 14 ff. S. 3 f. und 27 ff. S. 5 sowie Frage 57 S. 7). Andererseits geht aus den Akten hervor, dass die Be- schwerdeführenden auch nicht in völliger Abgeschiedenheit lebten, son- dern durchaus mit der Aussenwelt in Kontakt kamen (u.a. Behördengänge, Besorgungen für den täglichen Gebrauch, im Rahmen der Ausübung ihrer Erwerbstätigkeiten). Ferner ist zu erwähnen, dass gerade die Berufung der Beschwerdeführerin darauf, nie eine Schule besucht zu haben, um ihre Unwissenheit hinsichtlich der Verwaltung (Nennung von Ämtern und deren chinesische Bezeichnung) zu erklären, nicht zu überzeugen vermag. 4.2.3 Für das Bundesverwaltungsgericht besteht insgesamt kein Anlass, an der fachlichen Qualifikation der sachkundigen Person zu zweifeln. Die Beschwerdeführenden, welchen im Rahmen der Akteneinsicht ein Blatt mit der Qualifikation des Alltagswissensspezialisten zugestellt wurde, melde- ten keine Vorbehalte in dieser Hinsicht auf Beschwerdestufe an. Auf das in der Replik vom 8. August 2016 auf Seite 3 geäusserte Ersuchen, die Ant-D-8113/2015 Seite 15 worten der Beschwerdeführenden seien im Rahmen der im Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts aufgestellten Kriterien (BVGE 2015/10; Mindest- anforderungen an die Herkunftsanalyse im Rahmen der Anhörung) zu überprüfen, ist nicht weiter einzugehen. Im Unterschied zum zitierten Urteil wurde der Alltagswissenstest vorliegend durch einen Fachspezialisten vor- genommen (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/10 E. 5 S. 135 ff.). 4.2.4 Es gelingt den Beschwerdeführenden sodann auch nicht, die vom Experten der Fachstelle LINGUA getroffenen Feststellungen und gezoge- nen Schlussfolgerungen zu entkräften. Anders als die Beschwerdeführen- den in ihrer Beschwerde ausführen, ist auch gemäss der Einschätzung des Gerichts nicht von nur geringen Zweifeln oder kleineren Unstimmigkeiten bezüglich der Sozialisation in Tibet auszugehen. 4.2.4.1 Zwar ist mit den Beschwerdeführenden festzuhalten, dass die Un- stimmigkeiten zur Namensnennung des Heimatdorfes (Dorf Nummer drei oder L._______ beziehungsweise P ._______) kaum ins Gewicht fallen dürften. Auch ist nicht gänzlich auszuschliessen, dass es bezüglich der Lage einzelner Dörfer zu Missverständnissen kommen kann. Zweifel ent- stehen aber insoweit, als die Beschwerdeführerin kaum in der Lage war, Nachbardörfer und Klöster anzugeben. Die Erklärung, sie seien nicht viel herumgekommen, vermag dies ni cht zu entkräften. Ausserdem sprechen die fehlenden oder falschen Informationen zur Landwirtschaftsarbeit gegen die von den Beschwerdeführenden dargestellten Lebensumstände. Dass dank dem Einsatz von Düngemitteln heute im Gegensatz zu früher zweimal geerntet werden könne und ein Fehler bei den Kalenderangaben passiert sein müsse, vermag dabei nicht zu überzeugen. Sodann lässt sich nicht erklären, dass die Beschwerdeführerin die Namen der chinesischen Ämter nicht kannte und über die Schulstufen und die Unifo rm falsche Angaben machte, seien doch ihre beiden Kinder zur Schule gegangen. 4.2.4.2 Auch die Aussagen des Beschwerdeführers vermögen nicht zu ei- ner anderen Einschätzung der Sachlage zu führen. Die Angaben des Be- schwerdeführers zu den Ortschaften um L._______ oder zwischen L._______ und K._______ waren zu dürftig, zumal er diese Strecke zwei bis drei Mal pro Jahr zurückgelegt haben will. Besonders gewichtig ist auch, dass der Beschwerdeführer die chinesische Währung offenbar nicht kannte, gleichzeitig aber Ausdrü cke benutzte, die gemäss sachkundige r Person nur in der exiltibetischen Gemeinschaft benutzt werden. Dass die Bezeichnung der Währung nun in der Beschwerde genannt wird, mit der D-8113/2015 Seite 16 Aussage, natürlich kenne der Beschwerdeführer diese, erscheint nachge- schoben, zumal der Beschwerdeführer an der zweiten Anhörung ausdrück- lich dazu befragt worden ist (vgl. F27 f.). Das gleiche gilt auch in Bezug auf die Unkenntnis der chinesischen Bezeichnung der für die Ausstellung von Spezialgenehmigungen für die Grenzorte zuständigen Verwaltung. Weiter konnte der Beschwerdeführer nicht überzeugend klären, wie es zu den un- gleichen Angaben des Herkunftsdorfes der Beschwerdeführerin kam. 4.2.4.3 Die diesbezüglichen Ausführungen auf Beschwerdestufe sind nicht genügend, als dass sie die wesen tlichen Unstimmigkeiten erklären könn- ten, zumal sie sich nur auf einzelne Details beziehen und wie oben darge- stellt nicht zu überzeugen vermögen. Im Grunde genommen wird bloss der Sachverhalt mit einer etwas anderen Interpretationsgebung wiederholt, wobei den diesbezüglichen Vorbringen letztlich der Charakter von nach- träglichen Sachverhaltsanpassungen oder wenig überzeugenden und un- behelflichen Erklärungsversuchen zu attestieren ist. Klärende Aufschlüsse bleiben indes insgesamt aus. 4.3 Zur Vermeidung von Wied erholungen, ist im Übrigen auf die diesbe- züglich zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu verweisen ( vgl. II/Ziff.1 S. 4 f.). Nach dem Gesagten ist es den Beschwerdeführenden nicht gelungen, glaubhaft darzutun oder nach- zuweisen, dass sie aus der von ihnen behaupteten Region stammen res- pektive dort sozialisiert worden sind. 4.4 Aufgrund dieser Feststellung ist den von der Beschwerdeführerin vor- gebrachten Asylgründen somit die Grundlage entzogen. Ebenfalls kann die vom Beschwerdeführer daraus abgeleitete Reflexverfolgung aufgrund der politischen Tätigkeit seiner Ehefrau nicht geglaubt werden. Angesichts die- ser Sachlage erübrigen sich weitere Erörterungen im Asylpunkt. Nach dem Gesagten kann vielmehr auf eine Beurteilung der von der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung vorgenommenen Würdigung hinsichtlich der geltend gemachten Verfolgungsvorbringen verzichtet werden. Zwar ist mit den Beschwerdeführenden darin einig zu gehen, dass insbesondere die Beschwerdeführerin bei der Schilderung der von ihr dargelegten Übergriffe sehr emotional reagierte, weshalb tatsächliche Gewalterfahrungen nicht ausgeschlossen werden können. Es muss angesichts der oben erwähnten Unglaubhaftigkeit der Anwesenheit in Tibet bis ins Jahr 2013 aber davon ausgegangen werden, dass diese jedenfalls nicht im dargelegten Kontext und Zeitpunkt erlebt worden sein konnten. Da die Beschwerdeführenden D-8113/2015 Seite 17 keine glaubhaften Auskünfte über die Aufenthaltsdauer und Status in ei- nem Drittstaat machen, kann die Flüchtlingseigenschaft nicht geprüft wer- den beziehungsweise ist praxisgemäss auf die fehlende asylrechtliche Ver- folgung zu schliessen. Diesbezüglich ist nochmals auf die Rechtsprechung (BVGE 2014/12 E. 5.10) zu verweisen, die in Präzisierung der bis anhin gültigen Praxis (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.3 sowie BVGE 2009/29) fest- hält, dass bei Personen tibeti scher Ethnie, die ihre wahre Herkunft ver- schleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon auszugehen ist, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsrechtlichen Gründe ge gen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestehen. Ebenfalls kann in diesem Zusammenhang aufgrund dieser Überlegungen nicht – wie in der Replik vom 8. August 2016 ausgeführt – von einer Verletzung der Begrün- dungspflicht durch das SEM (vgl. Repl ik S. 4) gesprochen werden. Schliesslich erübrigen sich in diesem Sinne auch Erörterungen im Zusam- menhang mit dem Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen (vgl. Be- schwerde S. 9.), da die Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf China gar nicht Prozessgegenstand ist. 4.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder zumindest glaubhaft zu machen vermögen und deshalb nicht als Flüchtlinge aner- kannt werden können. Die Vorinstanz hat demnach zu Recht die Flücht- lingseigenschaft verneint und die Asylgesuche abgelehnt. Das Subeventu- albegehren, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist abzuweisen. 5. 5.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 5.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 6. 6.1 Bezüglich des Wegweisung svollzugs stellt sich das SEM vorweg auf den Standpunkt, die von den Beschwerdeführenden geltend gemachte D-8113/2015 Seite 18 Herkunft aus Tibet sei nicht glaubhaft, indes könne bei einer asylsuchen- den Personen, die unbestrittenermassen tibetischer Ethnie sei, die Mög- lichkeit des Besitzes der chinesischen Staatsangehörigkeit nicht ausge- schlossen werden, weshalb ein Vollzug der Wegweisung unter Ausschluss in die Volksrepublik China zu erfolgen habe. Das Gericht folgt der Vo rin- stanz sowohl in diesem Punkt als auch den weiteren diesbezüglichen Er- wägungen des SEM. 6.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll- zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungspflicht findet ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführenden. Es ist in der Tat nicht Sache der Behörden, bei fehlenden Hinweisen – vor- liegend offensichtlich gezielt vorenthaltenen – nach etwaigen Wegwei- sungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu for- schen. Vermutungsweise ist davon auszugehen, einer Wegweisung stün- den keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entgegen. Insbeson- dere ist der den Beschwerdeführer betreffende Austrittsbericht des Kan- tonsspitals S._______ vom 22. Juli 2015 nicht geeignet, einen Vollzug der Wegweisung unter dem Zumutbarkeitsasp ekt zu verhindern. Dem Be- schwerdeführer wird in diesem Bericht eine (…) diagnostiziert. Gemäss der Replikeingabe vom 8. August 2016 soll sich „eine (…)“ seit der Einreise in die Schweiz entwickelt haben. Hierzu ist festzuhalten, dass der Beschwer- deführer in den diversen Verfahrensabschritten, inklusive der Beschwerde- schrift vom 14. Dezember 2015, nie diesbezügliche gesundheitliche Schwierigkeiten erwähnte. Insgesamt ist aufgrund der Akten nicht von ei- nem schwerwiegenden Krankheitsbild auszugehen. Erhärtet w ird diese Sichtweise dadurch, dass seit dem erwähnten Austrittsbericht bis zum Ur- teilzeitpunkt keine weiteren medizinischen Unterlagen eingereicht wurden, weder in diesem noch in einem anderen relevanten Zusammenhang, ob- wohl solche Dokumente unaufgefordert einzureichen sind (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.2). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 8. 8.1 Mit Zwischenverfügung vom 26. Februar 2016 wurden die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 D-8113/2015 Seite 19 VwVG und um amtliche Verbeiständung gemäss Art. 110a Abs. 1 AsylG gutgeheissen. Auf Verfahrenskosten ist daher zu verzichten 8.2 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden macht in der einge- reichten Kostennote vom 8. August 2016 einen Aufwand für die Be- schwerde von Fr. 3375. – (11 Stunden und 1 5 Minuten à Fr. 300. –) und einen zusätzlichen Aufwand von Fr. 25.70 (Fotokopie, Porti, Tel. -/Faxge- bühr) geltend. Insgesamt belaufen sich die Aufwendungen auf Fr. 3400.70. Eine Mehrwertsteuerpflicht wird ausdrücklich verneint. Für den Fall des Un- terliegens wird ohne weitere Begründung ein Stundenansatz von Fr. 250.– geltend gemacht. Mit Instruktionsverfügung vom 25. April 2016 wurde der amtlich beigeordneten Rechtsbeiständin mitgeteilt, dass bei amtlicher Ver- tretung in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte ausgegangen werde (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), wobei nur der notwendige Aufwand zu entschädigen sei (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Bei Anwältinnen und Anwälten, die in einer Rechtsberatungsstelle tätig sind, wird praxisgemäss von einem Stundenansatz von Fr. 200.– aus- gegangen. Vorliegend ergeben sich keine Hinweise darauf, dass dieser An- satz die Kosten nicht zu decken vermöchte. Die eingereichte Kostennot erscheint auch in Bezug auf den geltend gemachten zeitlichen Aufwand nicht angemessen. Angesichts dessen, dass das amtliche Mandat erst nach Beschwerdeerhebung übernommen wurde, sich die Aktenlage nicht als komplex erweist und unter Berücksichtigung der seither erfolgten Ein- gaben, erscheint ein zeitlicher Aufwand von über 11 Stunden nicht notwen- dig und ist entsprechend deutlich zu kürzen. Für das vorliegende Verfahren ist damit pauschal von einem Honorar von insgesamt Fr. 1000.– auszuge- hen. Dieser Betrag ist der Rechtsvertreterin durch das Bundesverwaltungs- gericht zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) D-8113/2015 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird zu Lasten der Gerichtskasse ein Ho- norar von Fr. 1000.– entrichtet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Regula Frey Versand: