Abteilung IV D-1694/2009 sch/bah {T 0/2} U r t e i l v o m 2 7 . M ä r z 2 0 0 9 Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn; Gerichtsschreiber Christoph Basler. A._______, geboren (...), Syrien, (...), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration BFM, vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 5. März 2009 / N (...). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-1694/2009 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 5. Mai 1997 in der Schweiz zum ersten Mal um Asyl nachsuchte, dass er Syrien eigenen Angaben zufolge am 25. März 1997 verlassen und sich anschliessend während eines Monats im Libanon aufgehalten habe, bevor er seine Reise in die Schweiz angetreten habe (vgl. act. A1/8 S. 1), dass er im Wesentlichen geltend machte, er sei wegen politischer Akti- vitäten für die kurdische Sache festgenommen und ab 1990 zirka sie- ben Jahre lang inhaftiert worden, dass er im Rahmen einer Amnestie am 17. März 1997 freigelassen worden sei, wobei er aufgefordert worden sei, den Militärdienst zu leis- ten und mit den Behörden zusammenzuarbeiten, dass das BFF das erste Asylgesuch mit Verfügung vom 26. November 1999 zufolge Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Asylvorbringen ablehnte, und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der- selben anordnete (vgl. act. A13/7), dass die Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) eine gegen die- se Verfügung gerichtete Beschwerde vom 28. Dezember 1999 mit Ur- teil vom 2. Mai 2001 abwies, dass die ARK ein gegen dieses Urteil gerichtetes Revisionsgesuch vom 7. Juni 2001 mit Urteil vom 3. Oktober 2001 als offensichtlich un- begründet abwies, dass für den Inhalt dieser Verfahren auf die Akten zu verweisen ist, dass der Beschwerdeführer gemäss einer Meldung der kantonalen Be- hörden vom 22. August 2001 seit dem 1. August 2001 unbekannten Aufenthalts war, dass der Beschwerdeführer am 18. März 2002 in der Schweiz zum zweiten Mal um Asyl nachsuchte, dass er bei der Kurzbefragung vom 21. März 2002, die in der Emp- fangsstelle Kreuzlingen stattfand, geltend machte, er habe Syrien am Seite 2D-1694/2009 16. Februar 1989 legal verlassen und sei auf dem Luftweg nach Lybien gereist, wo er sich bis am 2. Mai 1997 aufgehalten habe (vgl. act. B4/8 S. 5), dass er einräumte, alles, was er im ersten Asylverfahren gesagt habe, sei gelogen gewesen, dass er sich vom 7. August 2001 bis zum 18. März 2002 in Deutsch- land aufgehalten habe, wo er im September 2001 um Asyl nachge- sucht habe, dass das Asylgesuch und eine gegen den ersten Entscheid gerichtete Beschwerde abgelehnt worden seien, dass das BFF mit Verfügung vom 27. März 2002 die sofortige vorsorg- liche Wegweisung des Beschwerdeführers nach Deutschland anordne- te, dass der Beschwerdeführer gemäss einer Meldung der kantonalen Be- hörde vom 9. April 2002 am 28. März 2002 nach Deutschland ausge- schafft wurde, dass das BFF das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers am 2. Mai 2002 als gegenstandslos abschrieb, dass der Beschwerdeführer sich mit einem Schreiben vom 26. April 2008, dem diverse Unterlagen zu seinem Asylverfahren in Deutsch- land beilagen, an das BFM wandte, dass das BFM ihm am 28. Mai 2008 mitteilte, seine beiden Asylverfah- ren in der Schweiz seien rechtskräftig abgeschlossen, dass der Beschwerdeführer mit fremdsprachiger Eingabe vom 12. Juni 2008, der zahlreiche Beweismittel aus seinem Asylverfahren in Deutschland beilagen (vgl. act. C4), beim Schweizerischen General- konsulat in B._______ ein drittes Asylgesuch stellte, welches seine U nterlagen am 18. Juni 2008 an das BFM weiterleitete, dass das BFM den Beschwerdeführer am 4. Juli 2008 zur Einreichung einer Übersetzung seiner Eingabe vom 12. Juni 2008 aufforderte, Seite 3D-1694/2009 dass der Beschwerdeführer dem BFM am 16. Juli 2008 eine Überset- zung seiner Eingabe nachreichte, dass das BFM dem Beschwerdeführer am 28. August 2008 mitteilte, die eingereichte Übersetzung sei nicht verständlich und es könnten ihr keine klar formulierten Rechtsbegehren entnommen werden, weshalb er eine verständliche Übersetzung nachzureichen habe, dass der Beschwerdeführer am 16. September 2008 eine weitere Übersetzung seiner Eingabe vom 12. Juni 2008 einreichte, dass das BFM den Beschwerdeführer am 19. September 2008 auffor- derte, sich zwecks Durchführung einer Anhörung beim Generalkonsu- lat in B._______ zu melden, dass das Generalkonsulat den Beschwerdeführer am 10. November 2008 aufforderte, am 19. November 2008 zu einer Befragung zu er- scheinen, die in deutscher Sprache durchgeführt werde, dass das Generalkonsulat dem BFM am 19. November 2008 einen Le- benslauf des Beschwerdeführers, eine schriftliche Begründung für das dritte Asylgesuch und Kopien diverser Akten aus dem deutschen Asyl- verfahren übermittelte (vgl. act. C17), dass dem BFM zudem mitgeteilt wurde, das Generalkonsulat sei nicht in der Lage, ausführliche Asylinterviews unter Beizug eines Dolmet- schers durchzuführen, dass der Beschwerdeführer sich mit einem Telefax vom 20. November 2008 nochmals an das BFM wandte, dass das BFM dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 13. Februar 2009 mitteilte, es beabsichtige, sein drittes Asylgesuch abzulehnen, und ihm dazu das rechtliche Gehör gewährte, dass der Beschwerdeführer dem BFM am 25. Februar 2009 per Telefax eine Stellungnahme übermittelte, dass das BFM mit Verfügung vom 5. März 2009 dem Beschwerdefüh- rer gestützt auf Art. 52 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) die Einreise verweigerte und sein drittes Asylge- such ablehnte, Seite 4D-1694/2009 dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, der Be- schwerdeführer mache in seinem Gesuch keine besonders nahen Be- ziehungen zur Schweiz geltend, weshalb es ihm offen stehe, in einem anderen Land, beispielsweise in Deutschland, wo er sich seit Jahren aufhalte, um Asylgewährung nachzusuchen, dass seinen Eingaben zur Begründung des dritten Asylgesuchs keine neuen Gründe zu entnehmen seien, und die geltend gemachten Grün- de bereits Gegenstand der früheren Verfahren gewesen seien, dass er nicht mehr eine Verfolgung durch die heimatlichen Behörden geltend mache, sondern angebe, in Libyen Schwierigkeiten gehabt zu haben, denen er sich durch Wegzug in ein anderes Land entziehen könne, dass er sich in seiner Stellungnahme vom 23. Februar 2009 damit be- gnüge, die von Deutschland und der Schweiz über ihn vertretenen Po- sitionen als feindlich zu bezeichnen, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 12. März 2009 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei sinngemäss beantragte, sein Asylgesuch sei gutzuheissen, dass für die Begründung der Beschwerde auf die Akten zu verweisen ist und, soweit entscheidwesentlich, nachfolgend darauf Bezug genom- men wird, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge- gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) des BFM ent- scheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-34 des Verwaltungsgerichtsge- setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legiti- miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG), Seite 5D-1694/2009 dass somit auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ein- zutreten ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 50 und 52 VwVG), dass aufgrund der als abschliessend zu berteilenden Beschwerde ein Entscheid während laufender Beschwerdefrist möglich ist (vgl. Ent- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskom- mission [EMARK] 1997 Nr. 13), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli- cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters bezie- hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif- tenwechsel verzichtet wurde, dass der Umstand, wonach vorliegend auf eine Befragung des Be- schwerdeführers verzichtet wurde, vom BFM hinreichend begründet wurde, dem Beschwerdeführer die Gelegenheit gegeben wurde, seine Asylgründe schriftlich darzulegen und ihm zur beabsichtigen Ableh- nung des dritten Asylgesuchs das rechtliche Gehör gewährt wurde, weshalb diese Vorgehensweise mit der in BVGE 2007/30 festgelegten Vorgehensweise vereinbar ist, dass das BFM ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen kann, wenn der Gesuchsteller keine Verfolgung glaubhaft macht oder ihm die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, 7, 52 Abs. 2 und 20 Abs. 2 AsylG), dass restriktive Voraussetzungen für die Erteilung einer Einreisebewil- ligung gelten, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu- kommt, indem neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumut- Seite 6D-1694/2009 barkeit zur anderweitigen Schutzsuche, sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen sind (vgl. EMARK 1997 Nr. 15, insbesondere S. 131 ff., welcher ange- sichts bloss redaktioneller Änderungen bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit hat), dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zutreffend festge- stellt hat, der Beschwerdeführer habe keine besonders nahe Bezie- hungen zur Schweiz, zumal der Umstand, wonach er sich während des ersten Asylverfahrens gut vier Jahre lang in der Schweiz aufhielt (Mai 1997 bis August 2001) für sich allein noch keine nahe Beziehung zur Schweiz entstehen lässt, dass die Behauptung in der Beschwerde, er habe in der Schweiz Ver- wandte, die schon über zehn Jahre hier lebten, nicht mit den Aussagen übereinstimmen, die er am 21. März 2002 bei der Empfangsstelle Kreuzlingen machte, gemäss denen er in der Schweiz keine Verwand- ten habe (vgl. act. B4/8 S. 2), dass, selbst wenn Verwandte des Beschwerdeführers in der Schweiz leben würden, damit noch keine besonders nahen Beziehungen des Beschwerdeführers zur Schweiz vorliegen würden, zumal seine acht Geschwister in Damaskus leben (vgl. act. C16/9 S. 5), dass das Bundesamt im Weiteren zu Recht erwogen hat, dem Be- schwerdeführer sei es zuzumuten, in einem anderen Land um Asylge- währung nachzusuchen (vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG), dass Deutschland, wo der Beschwerdeführer um Asyl nachgesucht hat, die Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Men- schenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskon- vention, EMRK, SR 0.101), das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30) sowie das Europäische Übereinkommen zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe ratifiziert hat, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorbringen im deut- schen Asylverfahren genügend berücksichtigt und geprüft worden sind bzw. bei einem Folgegesuch berücksichtigt und geprüft würden, dass diese Einschätzung in analoger Anwendung der in EMARK 1998 Nr. 24 präzisierten Praxis betreffend vorsorglicher Wegweisung in ei- Seite 7D-1694/2009 nen Drittstaat auch dann gilt, wenn das Asylverfahren in Deutschland rechtskräftig abgeschlossen ist, da Deutschland, wie aufgezeigt, grundsätzlich Gewähr für Rechtsstaatlichkeit und Einhaltung der völ- kerrechtlichen Normen bietet, dass aus den Akten keine konkreten Hinweise auf eine drohende Ver- letzung des Grundsatzes des Non-refoulements durch Deutschland zu entnehmen sind, dass sich aus der Beschwerdeschrift und den bei der Vorinstanz ein- gereichten Eingaben keine Anhaltspunkte ergeben, die darauf schlie- ssen liessen, es sei dem Beschwerdeführer unmöglich oder objektiv unzumutbar, sich auch in einen anderen Staat als Deutschland, insbe- sondere nach Syrien, zu begeben, dass bereits im ersten, in der Schweiz durchgeführten Asylverfahren rechtskräftig befunden wurde, der Beschwerdeführer erfülle die Flücht- lingseigenschaft nicht, weil die geltend gemachten Asylgründe nicht glaubhaft seien, dass diese Einschätzung durch das Eingeständnis des Beschwerde- führers, die Aussagen, die er im ersten Asylverfahren gemacht habe, hätten nicht der Wahrheit entsprochen, gestützt wird, dass die Probleme, welche er in Libyen mit Anhängern der PKK ge- habt habe, irrelevant sind, da eine Rückkehr nach Libyen nicht zur Dis- kussion steht, dass somit zusammenfassend festzuhalten ist, dass der Beschwerde- führer aufgrund der Akten über keine Beziehungsnähe zur Schweiz verfügt, hingegen die Möglichkeit der anderweitigen Schutzsuche hat, dass daher die Vorinstanz dem Beschwerdeführer zu Recht die Ertei- lung der Einreisebewilligung verweigert und sein Asylgesuch abgewie- sen hat, dass die angefochtene Verfügung, da diese weder Bundesrecht ver- letzt noch unangemessen ist und der rechtserhebliche Sachverhalt von der Vorinstanz richtig und vollständig festgestellt wurde (Art. 106 AsylG) zu bestätigen und die Beschwerde daher abzuweisen ist, Seite 8D-1694/2009 dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.-- grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG), dass indessen aus verwaltungsökonomischen Gründen in Anwendung von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom (VGKE, SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet wird. (Dispositiv nächste Seite) Seite 9D-1694/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an: - den Beschwerdeführer (Einschreiben) - das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie) - das Schweizerische Generalkonsulat in B._______ zur Kenntnisnahme (in Kopie) Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand: Seite 10