<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2005.00050</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=205160&amp;W10_KEY=4467138&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2005.00050</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 22.06.2005</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">4. Abteilung/4. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Aufenthaltsbewilligung / Wegweisung (Feststellung der formellen Rechtskraft)</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Eröffnung von Verfügungen<br/><br/>Solange eine Verfügung nach einem ersten gescheiterten Zustellungsversuch nicht ein zweites Mal zugestellt wurde, bleibt sie ohne rechtliche Wirkungen (E. 2). Eine mündliche Eröffnung ist nur in Ausnahmefällen zulässig (E. 3.1). Vorliegend konnte von der beschwerdeführenden Ausländerin nicht erwartet werden, während einer polizeilichen Befragung die Tragweite eines kurzen Hinweises auf ihr abgelehntes Gesuch um Bewilligungsverlängerung zu erkennen (E. 3.2).<br/>Die Eröffnung einer Verfügung ist mit einem schwer wiegenden Mangel behaftet, wenn sie dadurch erfolgt, dass die Behörde dem Betroffenen nach Abschluss des Verfahrens Akteneinsicht gewährt und sich die Verfügung unter den Akten befindet (E. 4.2). Wurde eine Verfügung mangelhaft eröffnet, ist anhand der besonderen Umstände des Einzelfalls zu prüfen, wann dem Betroffenen zuzumuten ist, dagegen vorzugehen (E. 5.1). Der von der Beschwerdeführerin mandatierte Anwalt musste mangels eines entsprechenden Hinweises durch die Behörde und wegen der übrigen Umstände nicht davon ausgehen, dass sich unter den zur Einsicht übermittelten Akten auch eine noch nicht eröffnete Verfügung befand (E. 5.2). Nachdem der Anwalt vom Bundesamt für Migration auf die (angebliche) Rechtskraft der kantonalen Wegweisungsverfügung hingewiesen wurde, ging er rechtzeitig gegen die Verfügung vor (E. 5.3). Sie ist deshalb noch nicht in Rechtskraft erwachsen (E. 6).<br/>Gutheissung und Überweisung an den Regierungsrat zur Behandlung als Rekurs</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AKTENEINSICHT">AKTENEINSICHT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ANFECHTBARKEIT">ANFECHTBARKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsprozessrecht UR: Allgemeines ST: ERÃFFNUNG DER VERFÃGUNG">ERÃFFNUNG DER VERFÃGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FESTSTELLUNGSINTERESSE">FESTSTELLUNGSINTERESSE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FORMELLE RECHTSKRAFT">FORMELLE RECHTSKRAFT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FORMFEHLER">FORMFEHLER</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: MANGELHAFTE ERÃFFNUNG">MANGELHAFTE ERÃFFNUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: MITTEILUNG">MITTEILUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: MÃNDLICHE ERÃFFNUNG">MÃNDLICHE ERÃFFNUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTSKRAFT">RECHTSKRAFT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTSSICHERHEIT">RECHTSSICHERHEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTZEITIGKEIT">RECHTZEITIGKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SORGFALTSPFLICHT">SORGFALTSPFLICHT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: TREU UND GLAUBEN">TREU UND GLAUBEN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ÃBERWEISUNG">ÃBERWEISUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ZUSTELLUNG">ZUSTELLUNG</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 5 Abs. 3 BV</span><br/><span class="gerade">Art. 29 Abs. 1 BV</span><br/><span class="ungerade">§ 179 Abs. 1 GVG</span><br/><span class="gerade">§ 181 GVG</span><br/><span class="ungerade">§ 5 Abs. 2 VRG</span><br/><span class="gerade">§ 10 Abs. I VRG</span><br/><span class="ungerade">§ 10 Abs. I lit. a VRG</span><br/><span class="gerade">Art. 5 Abs. 1 lit. c VwVG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Urteilstext">Im April 2003 stellte A, im Jahr 1979 geborene StaatsangehÃ¶rige Brasiliens, bei der Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit (Migrationsamt) ein Gesuch um VerlÃ¤ngerung ihrer Aufenthaltsbewilligung. Die Direktion wies das Gesuch mit VerfÃ¼gung vom 14. Oktober 2003 ab. Zwei Versuche, die VerfÃ¼gung an verschiedene Adressen zuzustellen, scheiterten.</p> <p class="Urteilstext">Am 3. Juni 2004 teilte das Bundesamt fÃ¼r Zuwanderung, Integration und Auswanderung (IMES; nunmehr Bundesamt fÃ¼r Migration) A mit, dass die kantonale WegweisungsverfÃ¼gung rechtskrÃ¤ftig geworden sei und auf die ganze Schweiz ausgedehnt werde.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Am 28. Juni 2004 ersuchte A das IMES um die Feststellung, dass die erwÃ¤hnte WegweisungsverfÃ¼gung nicht in Rechtskraft erwachsen sei. Nachdem sich das IMES in einem Brief fÃ¼r unzustÃ¤ndig erklÃ¤rte hatte, gelangte A am 6. Juli 2004 mit demselben Begehren an die Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit. Am 14. Oktober stellte sie den Antrag sodann auch beim Regierungsrat.</p> <p class="Urteilstext">Mit Beschluss vom 15. Dezember 2004 stellte der Regierungsrat fest, dass die WegweisungsverfÃ¼gung formell rechtskrÃ¤ftig geworden sei. Nach der BegrÃ¼ndung des Entscheids hat die Frist zur Anfechtung der VerfÃ¼gung mit der Akteneinsicht zu laufen begonnen, die dem Anwalt von A im April 2004 gewÃ¤hrt wurde.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Mit Beschwerde vom 3. Februar 2005 beantragte A neben der Aufhebung des regierungsrÃ¤tlichen Entscheids die Feststellung, dass die VerfÃ¼gung vom 14. Oktober 2003 nicht in Rechtskraft erwachsen sei. Weiter beantragte sie die Zusprechung einer ParteientschÃ¤digung. Der Regierungsrat beantragte die Abweisung der Beschwerde; die Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit liess sich nicht vernehmen.</p> <p class="Zwischentitel">Die Kammer zieht in ErwÃ¤gung:</p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Das Verwaltungsgericht ist in auslÃ¤nderrechtlichen FÃ¤llen zustÃ¤ndig, soweit die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht offen steht (§ 43 Abs. 2 in Verbindung mit Abs. 1 lit. h des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959, VRG, LS 175.2).</p> <p class="Urteilstext">GemÃ¤ss Art. 97 Abs. 1 des Bundesrechtspflegegesetzes vom 16. Dezember 1943 (OG, SR 173.110) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 Ã¼ber das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde auch gegen die Abweisung von Feststellungsbegehren gegeben (vgl. Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 19 N. 64). Die vorliegend zu beurteilende Angelegenheit fÃ¤llt sodann nicht in den bundesrechtlichen Ausnahmekatalog (vgl. Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 OG), da die BeschwerdefÃ¼hrerin mit einem Schweizer verheiratet ist und somit grundsÃ¤tzlich einen Anspruch auf BewilligungsverlÃ¤ngerung hat (Art. 7 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes vom 26. MÃ¤rz 1931 Ã¼ber Aufenthalt und Niederlassung der AuslÃ¤nder, ANAG, SR 142.20). Mit einem Feststellungsentscheid, dass die ablehnende VerfÃ¼gung der Beschwerdegegnerin (Verweigerung der BewilligungsverlÃ¤ngerung; im Folgenden kurz WegweisungsverfÃ¼gung) noch nicht rechtskrÃ¤ftig geworden ist, wÃ¼rde im Ãbrigen lediglich gesagt, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin die Frist zur Einreichung eines Rekurses eingehalten hat. Einen Entscheid in der Sache hÃ¤tte das Verwaltungsgericht schon deshalb nicht zu fÃ¤llen, da der Regierungsrat die Anordnung der Beschwerdegegnerin inhaltlich nicht Ã¼berprÃ¼fte. Eine Gutheissung der vorliegenden Beschwerde hÃ¤tte lediglich zur Folge, dass die Sache an den Regierungsrat zu Ã¼berweisen wÃ¤re, worauf dieser einen Sachentscheid zu fÃ¤llen hÃ¤tte.</p> <p class="Urteilstext">Einem Feststellungsentscheid steht damit auch nicht § 43 Abs. 2 VRG in Verbindung mit Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 OG im Wege, wonach das Verwaltungsgericht die Frage der Wegweisung nicht Ã¼berprÃ¼fen darf. Vorliegend geht es weder um die Frage der RechtmÃ¤ssigkeit der Bewilligungsverweigerung noch um die daraus folgende Wegweisung, sondern einzig um die Frage der Zustellung der WegweisungsverfÃ¼gung und damit um die Rechtzeitigkeit der Rekurserhebung. Aus Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 OG folgt dagegen, dass auf die Beschwerde nicht einzutreten ist, soweit damit die Aufhebung der vorinstanzlichen Vollzugsanordnungen beantragt wird.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>GemÃ¤ss § 41 VRG sind letztinstanzliche Anordnungen von VerwaltungsbehÃ¶rden an das Verwaltungsgericht weiterziehbar. Unter diesen Begriff fallen sowohl Rechtsmittelentscheide als auch VerfÃ¼gungen des Regierungsrats (KÃ¶lz/Boss­hart/RÃ¶hl, § 41 N. 5 in Verbindung mit N. 28 f.). Im Rahmen der Eintretensfrage kann deshalb offen gelassen werden, ob der Regierungsrat als verfÃ¼gende BehÃ¶rde oder als Rechtsmittelinstanz tÃ¤tig wurde.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.3 </b>Wenn die Verwaltungsgerichtsbeschwerde, wie hier, zulÃ¤ssig ist, ergeben sich die Anforderungen an die Beschwerdelegitimation aus Art. 103 lit. a in Verbindung mit Art. 98a Abs. 3 OG. Danach ist zur Beschwerde legitimiert, wer durch die angefochtene Anordnung berÃ¼hrt ist und ein schutzwÃ¼rdiges Interesse an deren Aufhebung oder Ãnderung hat. FÃ¼r das Stellen von Feststellungsbegehren gelten dieselben Anforderungen (Alfred KÃ¶lz/Isa­belle HÃ¤ner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. A., ZÃ¼rich 1998, N. 201).</p> <p class="Urteilstext">Die BeschwerdefÃ¼hrerin ist durch den angefochtenen Feststellungsbeschluss berÃ¼hrt. Sie hat ein schutzwÃ¼rdiges Interesse, einen umgekehrt lautenden Feststellungsentscheid des Verwaltungsgerichts zu erwirken, da damit gesagt wÃ¼rde, dass die Frist zur Erhebung eines Rekurses eingehalten wurde und die Sache somit zur materiellen Behandlung an den Regierungsrat zu Ã¼berweisen wÃ¤re (vorn 1.1). WÃ¼rde der angefochtene Entscheid dagegen bestÃ¤tigt, stÃ¼nde einer Ausdehnung der WegweisungsverfÃ¼gung auf die ganze Schweiz nichts mehr entgegen (vgl. Art. 12 Abs. 3 Satz 4 ANAG). Nach dem Gesagten wÃ¼rde die BeschwerdefÃ¼hrerin ohne einen Feststellungsentscheid nachteilige Massnahmen in Kauf nehmen mÃ¼ssen (vgl. BGE 108 Ib 540 E. 3). Ihre Legitimation ist damit zu bejahen. Da auch die Ã¼brigen Sachurteilsvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Urteilstext">Die BeschwerdefÃ¼hrerin macht geltend, die WegweisungsverfÃ¼gung sei ihr anfÃ¤nglich nie erÃ¶ffnet worden und deshalb nichtig.</p> <p class="Urteilstext">Ein Entscheid, der nie erÃ¶ffnet wurde, existiert nicht und entfaltet demgemÃ¤ss auch keine Rechtswirkungen. Die fehlende ErÃ¶ffnung stellt einen schwerwiegenden und offensichtlichen Mangel dar und bewirkt die Nichtigkeit des Entscheids (BGE 129 I 361 E. 2.1, 122 I 97 E. 3a/bb, 101 II 149 E. 4b; RB 1983 Nr. 62, 1982 Nr. 22 = ZBl 83/1982, S. 470 f.; KÃ¶lz/Boss­hart/RÃ¶hl, § 10 N. 3). â Auf welche Weise ein Entscheid zu erÃ¶ffnen ist, wird in § 10 Abs. 1 VRG geregelt. Danach hat die BehÃ¶rde ihre VerfÃ¼gung schriftlich mitzuteilen. Die Zustellung des Entscheids bildet Bestandteil der schriftlichen ErÃ¶ffnung (KÃ¶lz/Boss­hart/RÃ¶hl, § 10 N. 3 und 20 f.). Das Zustellungsverfahren wird im Gerichtsverfassungsgesetz vom 13. Juni 1976 (GVG, LS 211.1) geregelt. VerwaltungsbehÃ¶rden haben §§ 176 ff. GVG analog anzuwenden (RB 1998 Nr. 2 E. 1).</p> <p class="Urteilstext">GemÃ¤ss § 181 Satz 1 GVG haben die Parteien wÃ¤hrend der Dauer des Verfahrens die Ãnderung ihres gewÃ¶hnlichen Aufenthaltsortes unverzÃ¼glich anzeigen. Die BeschwerdefÃ¼hrerin ist dieser Pflicht Ende August 2003 nachgekommen. Die Beschwerdegegnerin stellte ihre WegweisungsverfÃ¼gung in der Folge dennoch an die alte Adresse der BeschwerdefÃ¼hrerin zu. Aufgrund von § 181 Satz 2 GVG entfaltet diese Zustellung keine rechtlichen Wirkungen.</p> <p class="Urteilstext">Aufgrund von § 179 Abs. 1 GVG ist die Zustellung zu wiederholen, wenn ein erster Zustellungsversuch scheiterte. â Am 24. Oktober 2003 unternahm die Beschwerdegegnerin den ersten rechtserheblichen Versuch einer Zustellung an die von der BeschwerdefÃ¼hrerin zuletzt gemeldete Adresse. Diese Sendung wurde in der Folge als "nicht abgeholt" retourniert. In der Folge unterliess es die Beschwerdegegnerin, den Entscheid ein zweites Mal zuzustellen. Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts darf indes erst nach zweimaliger erfolgloser Zustellung davon ausgegangen werden, dass zumindest eine Abholungseinladung richtig hinterlegt worden ist und daher als zugestellt gelten kann (RB 1998 Nr. 2 E. 4). Die Beschwerdegegnerin legte im Ãbrigen nicht dar, inwiefern die BeschwerdefÃ¼hrerin beim ersten (und einzigen) rechtserheblichen Zustellungsversuch die Zustellung im Sinne von § 179 Abs. 2 GVG schuldhaft verhindert haben soll. Nach dem Gesagten wurde die WegweisungsverfÃ¼gung anfÃ¤nglich nicht erÃ¶ffnet und blieb solange ohne rechtliche Wirkungen.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Urteilstext">Es fragt sich, ob die WegweisungsverfÃ¼gung bei einer Befragung der Polizei mÃ¼ndlich erÃ¶ffnet werden durfte (dazu sogleich unter 3.1). Ist diese Frage zu verneinen, fragt sich weiter, ob die BeschwerdefÃ¼hrerin die Tragweite des Gesagten erkennen musste und gehalten gewesen wÃ¤re, den Inhalt der VerfÃ¼gung in Erfahrung zu bringen (hinten 3.2).</p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Die BehÃ¶rde kann ein Verfahren mÃ¼ndlich oder schriftlich abschliessen. Die schriftliche Erledigung in VerfÃ¼gungsform bildet die Regel; sie ist immer dann zu wÃ¤hlen, wenn ein Verwaltungsakt in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift und ihn dadurch in schutzwÃ¼rdigen Interessen berÃ¼hrt (RB 1984 Nr. 2 E. 4a Abs. 2 = ZBl 86/1985, S. 82, 87; KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 10 N. 15; vgl. § 21 lit. a VRG, § 173 GVG sowie fÃ¼r das Verwaltungsverfahren des Bundes Art. 34 VwVG). Die Erledigung der Angelegenheit ist sodann dem Betroffenen mitzuteilen. DafÃ¼r sieht § 10 Abs. 1 VRG das Prinzip der Schriftlichkeit als Regel vor. Die mÃ¼ndliche ErÃ¶ffnung kommt somit nur in AusnahmefÃ¤llen in Frage (KÃ¶lz/Boss­hart/RÃ¶hl, § 10 N. 16). Sie fÃ¤llt zunÃ¤chst dann in Betracht, wenn Gefahr im Verzug ist und die Zeit nicht mehr reicht, um eine schriftliche, begrÃ¼ndete und mit einer Rechtsmittelbelehrung versehene Ausfertigung zu erlassen (Peter Saladin, Das Verwaltungsverfahrensrecht des Bundes, Basel/Stuttgart 1979, N. 17.214). Eine mÃ¼ndliche Mitteilung ist sodann bei Realakten denkbar (vgl. Pierre Tschannen/Ulrich Zimmerli, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. A., Bern 2005, § 38 N. 5 ff.). Sie kommt weiter dann in Frage, wenn die BehÃ¶rde (vorab in alltÃ¤glichen Verwaltungsangelegenheiten) zu einem Gesuch sofort mÃ¼ndlich Stellung bezieht (§ 10 Abs. 1 lit. a VRG). Eine mÃ¼ndlich erÃ¶ffnete Anordnung ist sodann in der Regel auf Begehren hin nachtrÃ¤glich schriftlich zu bestÃ¤tigen (KÃ¶lz/ Boss­hart/RÃ¶hl, § 10 N. 7 und 16; Tschannen/Zimmerli, § 38 N. 18).</p> <p class="Urteilstext">Die BeschwerdefÃ¼hrerin wurde im Februar 2004 zu einer polizeilichen Befragung bezÃ¼glich ihrer ehelichen VerhÃ¤ltnisse vorgeladen, da sie zuvor erneut um eine Aufenthaltsbewilligung ersucht hatte. WÃ¤hrend der Befragung wies sie der Beamte darauf hin, dass die Beschwerdegegnerin ihre Aufenthaltsbewilligung nicht verlÃ¤ngert habe. Daraufhin zeigte er ihr die WegweisungsverfÃ¼gung und fragte die BeschwerdefÃ¼hrerin, ob sie die VerfÃ¼gung erhalten habe, was von ihr verneint wurde. â Ein zureichender Grund fÃ¼r eine mÃ¼ndliche ErÃ¶ffnung ist hier nicht ersichtlich. Die Beschwerdegegnerin hatte erst nach einem halben Jahr und dazu in schriftlicher Form zum Gesuch der BeschwerdefÃ¼hrerin Stellung bezogen, womit § 10 Abs. 1 lit. a VRG von vornherein keine Anwendung findet. Ebenso wenig war Gefahr im Verzug; die Beschwerdegegnerin hatte vielmehr Gelegenheit, ihre VerfÃ¼gung schriftlich zu begrÃ¼nden und mit einer Rechtsmittelbelehrung zu versehen. Die mÃ¼ndliche ErÃ¶ffnung im Rahmen der polizeilichen Befragung stellt damit keine zulÃ¤ssige Ausnahme von der Regel der Schriftlichkeit in § 10 Abs. 1 VRG dar.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Die Verfahrensparteien sind verpflichtet, nach Treu und Glauben zu handeln (Art. 5 Abs. 3 der Bundesverfassung vom 18. April 1999, BV). Hat eine Person erst einmal von einer sie betreffenden VerfÃ¼gung Kenntnis erhalten, muss sie darum besorgt sein, den Inhalt der VerfÃ¼gung und deren BegrÃ¼ndung in Erfahrung zu bringen (BGE 102 Ib 91 E. 3 S. 94). Es fragt sich somit zunÃ¤chst, ob die BeschwerdefÃ¼hrerin erkennen musste, dass sie wÃ¤hrend der Befragung auf die WegweisungsverfÃ¼gung hingewiesen wurde.</p> <p class="Urteilstext">Die BeschwerdefÃ¼hrerin wusste vor der Einvernahme nur, dass sie zu ihren ehelichen VerhÃ¤ltnissen befragt wÃ¼rde. Sie erschien zur Befragung ohne Rechtsbeistand. Laut Protokoll war kein Ãbersetzer anwesend. Der Beamte fÃ¼hrte die Befragung auf Portugiesisch durch und teilte ihr dabei mit, dass ihre "Aufenthaltsbewilligung B" nicht verlÃ¤ngert worden sei. Das entsprechende Gesuch hatte die BeschwerdefÃ¼hrerin bereits ein Jahr zuvor gestellt; Ã¼ber das Schicksal ihres Antrags wurde sie nicht informiert, weshalb sie ein zweites Gesuch einreichte. Als sie zur Befragung erschien, musste sie davon ausgehen, dass sie wegen dieses neuen Gesuches befragt wÃ¼rde und nicht zu jenem des Vorjahres. Zudem wurde ihr die WegweisungsverfÃ¼gung, die auf Deutsch abgefasst war, bloss vorgelegt. Zieht man all diese UmstÃ¤nde in Betracht, konnte von der BeschwerdefÃ¼hrerin nicht erwartet werden, die Tragweite des mÃ¼ndlichen Hinweises zu erkennen. Damit war ihr gestÃ¼tzt auf den Grundsatz von Treu und Glauben nicht zuzumuten, weitere Nachforschungen anzustellen. Der Hinweis wÃ¤hrend der Befragung blieb damit ohne rechtliche Wirkungen.</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Urteilstext">Die BeschwerdefÃ¼hrerin wendet sich gegen die Auffassung der Vorinstanz, die Beschwerdegegnerin habe die WegweisungsverfÃ¼gung rechtsgÃ¼ltig zugestellt. Nach Ansicht des Regierungsrats erfolgte die Zustellung dadurch, dass dem Rechtsvertreter der BeschwerdefÃ¼hrerin Akteneinsicht gewÃ¤hrt wurde und sich die VerfÃ¼gung in den Akten befand.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Die ErÃ¶ffnung von VerfÃ¼gungen und die GewÃ¤hrung von Akteneinsicht sind voneinander zu unterscheiden. Die Akteneinsicht wird grundsÃ¤tzlich nur auf Antrag des Betroffenen gewÃ¤hrt; die BehÃ¶rde wird somit in der Regel nicht von sich aus tÃ¤tig (KÃ¶lz/Boss­hart/RÃ¶hl, § 8 N. 71; vgl. BGE 108 Ia 5 E. 2b, 101 Ia 309 E. 2b sowie § 8 Abs. 1 VRG). Ob eine Akteneinsicht Ã¼berhaupt stattfindet, hÃ¤ngt somit in den meisten FÃ¤llen davon ab, ob der Betroffene vor oder nach Abschluss des Verfahrens die Initiative ergreift (vgl. KÃ¶lz/Boss­hart/RÃ¶hl, § 8 N. 61). Ginge man davon aus, dass mit der GewÃ¤hrung von Einsicht in die Akten alle darin enthaltenen VerfÃ¼gungen erÃ¶ffnet werden, wÃ¼rde die entsprechenden Rechtsmittelfristen unter UmstÃ¤nden Ã¼berhaupt nie oder beispielsweise in einem Zeitpunkt zu laufen beginnen, in dem das Verfahren schon lÃ¤ngst abgeschlossen ist. § 10 Abs. 1 VRG sieht demgegenÃ¼ber vor, dass die BehÃ¶rde ihren Entscheid nach Erledigung des Verfahrens von sich aus schriftlich mitteilt. Ein Antrag des Betroffenen ist dazu nicht erforderlich. Auf diese Weise wird verhindert, dass ein Entscheid mangels entsprechenden (Akteneinsichts-)Gesuchs gar nicht oder erst Jahre spÃ¤ter erÃ¶ffnet wird.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Den Vorschriften Ã¼ber Form und ErÃ¶ffnung von Verwaltungsentscheiden und jenen Ã¼ber die ModalitÃ¤ten der Akteneinsicht liegen denn auch unterschiedliche Zwecke zugrunde. Da eine VerfÃ¼gung erst mit ihrer ErÃ¶ffnung wirksam wird, dienen die gesetzlichen Anforderungen an die Mitteilung von Verwaltungsakten vorab der Rechtssicherheit (vgl. Tschannen/Zimmerli, § 31 N. 4). Die Formerfordernisse wollen gleichzeitig den VerfÃ¼gungsadressaten schÃ¼tzen. Die fÃ¶rmliche Mitteilung soll bei ihm einen Warneffekt auslÃ¶sen: Ab sofort kann er nicht mehr darÃ¼ber im Zweifel sein, welches seine Rechte und Pflichten sind (Tschannen/Zimmerli, § 29 N. 2). Durch die ErÃ¶ffnung des Entscheids weiss er, dass er nun seinerseits in gesetzlich vorgesehenen Formen handeln (also ein Rechtsmittel ergreifen) muss, wenn er mit dem VerfÃ¼gten nicht einverstanden ist (vgl. BGE 113 Ib 296 E. 2a S. 297).</p> <p class="Urteilstext">Die GewÃ¤hrung von Akteneinsicht hat demgegenÃ¼ber nicht die Funktion, den Betroffenen zu warnen. Sie ist auch nicht Ausdruck einer Verpflichtung, sondern einer Berechtigung (vgl. Art. 35 Abs. 2 BV). Der ihr zugrunde liegende GehÃ¶rs­anspruch (Art. 29 Abs. 2 BV) konkretisiert das Recht auf ein faires Verfahren (Art. 29 Abs. 1 BV); er trÃ¤gt dazu bei, den zu treffenden Sachentscheid zu legitimieren (Benjamin Schindler, Die "formelle Natur" von Verfahrensgrundrechten, ZBl 106/2005, S. 169, 181). Indem das Akteneinsichtsrecht Verfahrensbeteiligung ermÃ¶glicht, bringt es zum Ausdruck, dass die Verfahrensparteien Subjekt (Art. 7 BV) und nicht Objekt staatlicher Entscheidungsfindung sind (BGr, 11. September 1963, ZBl 65/1964, S. 216; Tschannen/Zimmerli, § 30 N. 36; Georg MÃ¼ller in: Kommentar aBV, 1995, Art. 4 N. 85; Michele Albertini, Der verfassungsmÃ¤ssige Anspruch auf rechtliches GehÃ¶r im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 71). Das Akteneinsichtsrecht will in erster Linie nicht Verpflichtungen und Obliegenheiten auf Seiten der Verfahrenspartei auslÃ¶sen, sondern seitens der BehÃ¶rde (sprich alles in den Akten festzuhalten, was zur Sache gehÃ¶rt; BGE 115 Ia 97 E. 4c). Akteneinsichtsrecht und Formvorschriften lassen sich nach dem Gesagten nur insoweit miteinander vergleichen, als sie die BehÃ¶rde zur Umsicht im Verkehr mit den Parteien und zur Sorgfalt beim Entscheid in der Sache anhalten (vgl. Tschannen/Zimmerli, § 29 N. 2). Ein weiterer BerÃ¼hrungspunkt besteht im Ãbrigen darin, dass man die Pflicht zur Mitteilung von Verwaltungsakten ebenfalls aus dem GehÃ¶rsanspruch ableiten kann (BGE 113 V 1 E. 2; RB 1983 Nr. 62).</p> <p class="Urteilstext">Aus den unterschiedlichen Zielrichtungen der beiden Institute folgt, dass die Akteneinsicht nicht dazu verwendet darf, sich der Verpflichtung zur Mitteilung von Entscheiden zu entledigen. KÃ¶nnte eine BehÃ¶rde ihre Entscheidungen dadurch erÃ¶ffnen, dass sie nach Abschluss des Verfahrens auf ein Akteneinsichtsgesuch des Betroffenen wartet, wÃ¼rde sie von ihrer Verpflichtung zur korrekten Zustellung von Verwaltungsakten entbunden. Es wÃ¤re vielmehr ausreichend, dass sie irgendwann im Verlaufe des spÃ¤teren Verfahrens auf Ersuchen des Betroffenen Akteneinsicht gewÃ¤hrt und sich die nicht erÃ¶ffnete VerfÃ¼gung irgendwo in den Akten befindet.</p> <p class="Urteilstext">Nach dem Gesagten war die Ãbermittlung des Entscheids auf dem Weg der GewÃ¤hrung von Akteneinsicht mit einem schwerwiegenden Mangel behaftet. Im Folgenden ist zu prÃ¼fen, wie sich dieser Mangel auf die Rechtswirksamkeit des Entscheids auswirkt.</p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>Wenn eine VerfÃ¼gung mangelhaft erÃ¶ffnet wurde, bewirkt dies nicht automatisch ihre Nichtigkeit, sondern in der Regel bloss ihre Anfechtbarkeit. BezÃ¼glich des Zeitpunkts der Anfechtung muss die Beschwerdeinstanz zwischen der Rechtssicherheit und dem Rechtsschutzinteresse des Betroffenen abwÃ¤gen (dazu und zum Folgenden BGE 102 Ib 91 E. 3; BGr, 14. MÃ¤rz 1984, ZBl 85/1984, S. 425 f. E. 3; KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 10 N. 62 ff., JÃ¼rg Stadelwieser, Die ErÃ¶ffnung von VerfÃ¼gungen, St. Gallen 1994, S. 153 ff., 157 ff.; vgl. auch BGE 119 Ib 64 E. 3b S. 71 f., 111 V 149 E. 4c, 98 V 277 E. 1; BGr, 4. Juli 1979, ZBl 81/1980, S. 24, 29 E. 5a). Die Rechtssicherheit verlangt auf der einen Seite, dass der ungewissen Situation Ã¼ber die Rechtskraft einer VerfÃ¼gung einmal ein Ende gesetzt wird. Ein Verwaltungsakt soll nicht auf unbestimmte Zeit beliebig in Frage gestellt werden kÃ¶nnen. So fÃ¤llt aus GrÃ¼nden der Rechtssicherheit ein Formfehler nicht ins Gewicht, wenn eine objektiv mangelhafte ErÃ¶ffnung trotz ihrer Mangelhaftigkeit den Zweck erfÃ¼llt hat. Auf der anderen Seite folgt aus dem Anspruch auf faire Behandlung (Art. 29 Abs. 1 BV), dass dem Adressaten einer VerfÃ¼gung aus deren mangelhafter ErÃ¶ffnung keine Nachteile erwachsen dÃ¼rfen (Thomas Merkli/Arthur Aeschlimann/Ruth Herzog, Kommentar zum Gesetz Ã¼ber die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Bern 1997, Art. 44 N. 25; explizit Art. 38 VwVG und Art. 107 Abs. 3 OG). Bei der AbwÃ¤gung ist anhand der besonderen UmstÃ¤nde des Einzelfalls zu prÃ¼fen, ob die betroffene Partei durch den gerÃ¼gten ErÃ¶ffnungsmangel tatsÃ¤chlich irregefÃ¼hrt und dadurch benachteiligt worden ist. Dabei kommt der Verpflichtung der Verfahrensparteien zum Handeln nach Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 BV) besonderes Gewicht zu. In Rechtsmittelverfahren ist jeweils anhand der besonderen UmstÃ¤nde des Einzelfalls die Frage zu beantworten, wann einer Person zugemutet werden konnte, gegen einen Verwaltungsakt vorzugehen (BGE 111 Ia 280 E. 2b S. 283; BGr, 14. MÃ¤rz 1984, ZBl 85/1984, S. 425 f. E. 3; Thomas GÃ¤chter, Rechtsmissbrauch im Ã¶ffentlichen Recht, ZÃ¼rich etc. 2005, S. 545). ErfÃ¤hrt sie auf Umwegen oder durch Zufall von einem sie betreffenden Verwaltungsakt, ist zu prÃ¼fen, wann von ihr erwartet werden kann, den vollstÃ¤ndigen Inhalt der VerfÃ¼gung in Erfahrung zu bringen (BGE 107 Ia 72 E. 4a S. 76, 102 Ib 91 E. 3; vgl. BGE 117 Ib 270 E. 1d). Schnelles Handeln ist von ihr dann zu verlangen, wenn der Entscheid in der Sache dringlichen Charakter hat oder wenn er bereits von einem anderen Verfahrensbeteiligten angefochten wurde (BGr, 31. Dezember 1993, ZBl 95/1994, S. 529 f. E. 2a).</p> <p class="Urteilstext">Die BeschwerdefÃ¼hrerin mandatierte im April 2004 einen Rechtsanwalt, um ihre Scheidung vorzubereiten. Dieser stellte daraufhin bei der Beschwerdegegnerin ein Akteneinsichtsgesuch, da er in deren Akten fÃ¼r die Scheidung relevante Tatsachen vermutete. Am 21. April 2004 stellte ihm die Beschwerdegegnerin ihre Akten zu. Darin befand sich unter anderem auch die WegweisungsverfÃ¼gung vom 14. Oktober 2003. â Aufgrund der Verpflichtung zur sorgfÃ¤ltigen und gewissenhaften BerufsausÃ¼bung (Art. 12 lit. a des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 Ã¼ber die FreizÃ¼gigkeit der AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte, BGFA, SR 935.61) hat ein Anwalt die ihm zugestellten Akten sorgfÃ¤ltig zu behandeln und diese wieder an die BehÃ¶rde zurÃ¼ckzusenden (Walter Feldmann in: Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2005, Art. 12 N. 46 f.; vgl. auch Art. 2 Abs. 1 BGFA sowie §§ 11 und 14 je Abs. 1 des Anwaltsgesetzes vom 17. November 2003, LS 215.1). Dieser Pflicht kam der Anwalt der BeschwerdefÃ¼hrerin nach, indem er von den Akten Kopien erstellen liess und deren RÃ¼cksendung veranlasste.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Aus der Pflicht zur getreuen und sorgfÃ¤ltigen MandatsfÃ¼hrung (Art. 398 Abs. 2 des Obligationenrechts) resultieren weiter gehende Verpflichtungen (vgl. Feldmann in: BGFA-Kommentar, Art. 12 N. 15 und 26). Danach ist der Rechtsanwalt verpflichtet, Kopien der erhaltenen BehÃ¶rdenakten sorgfÃ¤ltig zu studieren. Fallen ihm dabei unauflÃ¶sbare WidersprÃ¼che auf, muss er durch geeignete AbklÃ¤rungen (etwa durch eine RÃ¼ckfrage beim Klienten oder bei der BehÃ¶rde) den Ungereimtheiten nachgehen (Giovanni Andrea Testa, Die zivil- und standesrechtlichen Pflichten des Rechtsanwalts gegenÃ¼ber dem Klienten, ZÃ¼rich 2001, S. 60 f.). Der Zeitpunkt, in dem der Anwalt verpflichtet ist, die Aktenkopien zu studieren, lÃ¤sst sich nicht allgemein, sondern nur aufgrund der besonderen UmstÃ¤nde des Einzelfalls festlegen. So versteht es sich von selbst, dass ein Anwalt die Rechtsmittelfrist einzuhalten hat, wenn ihm der Klient bei der Instruktion einen anfechtbaren Entscheid vorlegt. Hier war dies indessen gerade nicht der Fall. Die BeschwerdefÃ¼hrerin mandatierte den Anwalt in einer scheidungsrechtlichen Angelegenheit. Von einer anfechtbaren fremdenpolizeilichen VerfÃ¼gung hatte sie keine Kenntnis. Vielmehr hatte sie ein zweites Gesuch um eine Aufenthaltsbewilligung gestellt, nachdem sie nicht wusste, wie Ã¼ber ihr Gesuch vom Vorjahr entschieden worden war. Die Beschwerdegegnerin unterliess es, die BeschwerdefÃ¼hrerin nach Eingang des zweiten Gesuches in zureichender Weise Ã¼ber die Ablehnung des ersten Gesuches zu informieren (vorn 3.2). Auch wenn man von einer umfassenden Instruktion durch die Klientin ausginge, musste der Anwalt davon ausgehen, dass die Gesuche bezÃ¼glich der Aufenthaltsbewilligung noch hÃ¤ngig waren.</p> <p class="Urteilstext">Nach dem Gesagten musste der Anwalt bei der Ãbermittlung der Akten nicht vermuten, dass sich darin eine VerfÃ¼gung befindet, die mÃ¶glicherweise noch gar nicht zugestellt wurde. Ausschlaggebend sind hierbei nicht nur die UmstÃ¤nde der Mandatierung, sondern vor allem die Tatsache, dass ihn die Beschwerdegegnerin nicht auf die WegweisungsverfÃ¼gung hingewiesen hatte. Dem Rechtsvertreter war es folglich nicht zuzumuten, die Akten unmittelbar nach deren Erhalt daraufhin zu Ã¼berprÃ¼fen, ob sich unter ihnen eine mitteilungsbedÃ¼rftige und noch nicht erÃ¶ffnete Anordnung befindet. Zu welchem Zeitpunkt der Anwalt die Akten erstmals eingehend hÃ¤tte studieren sollen, bestimmt sich im Wesentlichen aufgrund seines scheidungsrechtlichen Mandats. Die Frage kann hier indessen offen gelassen werden, da der Anwalt bereits eineinhalb Monate nach der Akteneinsicht darauf hingewiesen wurde, dass die kantonale WegweisungsverfÃ¼gung nach Ansicht des IMES in Rechtskraft erwachsen sei. Mit der Zustellung dieser Mitteilung vom 3. Juni 2004 musste der Anwalt die notwendigen Schritte ergreifen, um gegen die WegweisungsverfÃ¼gung vorzugehen. Dies hat er getan, indem er beim Bundesamt am 28. Juni 2004 die Feststellung beantragte, dass die VerfÃ¼gung der Beschwerdegegnerin nicht in Rechtskraft erwachsen sei. Damit wurde der ungewissen Situation Ã¼ber die Rechtskraft der VerfÃ¼gung schon relativ bald ein Ende gesetzt. Das Rechtsschutzinteresse der BeschwerdefÃ¼hrerin Ã¼berwiegt demgemÃ¤ss die Forderung nach Rechtssicherheit.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.3 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin rÃ¼gte in ihren Eingaben an das IMES und die Beschwerdegegnerin, die WegweisungsverfÃ¼gung sei nicht korrekt zugestellt worden. ErÃ¶ffnungsmÃ¤ngel sind mit einem Rechtsmittel, hier also mit Rekurs geltend zu machen (vgl. § 20 Abs. 1 VRG; KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 20 N. 15). Schwer wiegende Verfahrensfehler (also etwa die fehlende Zustellung eines Entscheids) kÃ¶nnen die Nichtigkeit des Entscheids nach sich ziehen (vgl. vorn 2). Auch ein nichtiger Verwaltungsakt kann jedoch trotz seiner rechtlichen Unwirksamkeit Anfechtungsobjekt eines Rekurses sein (RB 1977 Nr. 8; Yvo Hangartner, Die Anfechtung nichtiger VerfÃ¼gungen und von ScheinverfÃ¼gungen, AJP 2003, S. 1053 f.). Dies muss hier umso mehr gelten, als die BeschwerdefÃ¼hrerin sowohl die fehlende als auch die mangelhafte ErÃ¶ffnung der WegweisungsverfÃ¼gung beanstandete (vgl. RB 1986 Nr. 11 am Ende). Das IMES und die Beschwerdegegnerin hÃ¤tten die entsprechenden Eingaben somit an den Regierungsrat Ã¼berweisen mÃ¼ssen (§ 5 Abs. 2 Satz 1 VRG; Art. 8 Abs. 1 VwVG, BGE 97 I 852 E. 3a). Damit ging die BeschwerdefÃ¼hrerin rechtzeitig gegen die WegweisungsverfÃ¼gung vor (§ 5 Abs. 2 Satz 2 VRG).</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Urteilstext">Nach dem Gesagten ist der angefochtene Entscheid aufzuheben und festzustellen, dass die VerfÃ¼gung der Beschwerdegegnerin vom 14. Oktober 2003 noch nicht in Rechtskraft erwachsen ist. Die Sache ist in analoger Anwendung von § 5 Abs. 2 Satz 1 in Verbindung mit § 70 VRG zur Behandlung als Rekurs an den Regierungsrat zu Ã¼berweisen. Die Kosten von Rekurs- und Beschwerdeverfahren sind ausgangsgemÃ¤ss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (§ 70 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG). Diese ist zudem zur Leistung einer ParteientschÃ¤digung zu verpflichten (§ 17 Abs. 2 lit. a VRG).</p> <p class="Zwischentitel">DemgemÃ¤ss <a id="Text25"></a>entscheidet die Kammer:</p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. Dispositiv-Zif­fern I, III und IV des Beschlusses des Regierungsrats vom 15. Dezember 2004 werden aufgehoben. Es wird festgestellt, dass die VerfÃ¼gung der Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit vom 14. Oktober 2003 nicht in Rechtskraft erwachsen ist.</span></p> <p class="Einzug2"><span> Die Sache wird zur Behandlung als Rekurs an den Regierungsrat Ã¼berwiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 2'060.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der BeschwerdefÃ¼hrerin eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 800.- (Mehrwert­steuer inbegriffen) auszurichten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht erhoben werden.</span></p> <p class="Urteilstext">6. Mitteilung an â¦</p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>