18. März 1983 N 523 Interpellation Fischer-Bern #ST# 82.548 Interpellation Fischer-Bern Propaganda für den UNO-Beitritt Propagande en faveur de l'adhésion à l'ONU Wortlaut der Interpellation vom 4. Oktober 1982 Der Bundesrat wird um Stellungnahme zu folgenden Fragen ersucht: I.Aus welchen Gründen wird zugunsten des Antrags auf UNO-Beitritt zu Lasten der Steuerzahler eine besondere Kampagne in Aussicht genommen, während für andere ebenso komplizierte, politisch wichtige und brisante Geschäfte der öffentlichen Auseinandersetzung freier Lauf gelassen wird? 2. Wie viele Beamte des EDA befassen sich heute schon mit Presse- und Informationsfragen, und welches sind die totalen Aufwendungen hierzu? 3. Wie gross ist die vom Bundesrat in Aussicht genommene neue Stabsstelle mit einem «UNO-Informationsbeauftrag- ten», und welches Budget steht ihr zu Verfügung (inkl. Per- sonal- und Sachkosten)? 4. Welche Propagandamittel beabsichtigt der Bundesrat zugunsten des UNO-Beitritts einzusetzen? 5. Wie kommt es, dass das EDA heute schon die Botschaft und andere Schriften zugunsten des UNO-Beitritts gratis abgibt, während die Botschaften und Druckschriften für andere Geschäfte bei der EDMZ bezahlt werden müssen? 6. Nachdem der Bunderat betont, dass es ihm bei der gan- zen Angelegenheit um eine «Information» der Öffentlichkeit gehe, wird er gebeten, darzulegen, wie Gewähr dafür gebo- ten wird, dass die vom EDA betriebene Aufklärung streng neutral erfolgt, das heisst, dass die Gründe für und gegen einen Beitritt der Schweiz zur UNO dem Stimmbürger zur selbständigen Urteilsbildung gleichwertig präsentiert wer- den. Texte de l'interpellation du 4 octobre 1982 Le Conseil fédéral est invité à se prononcer sur les ques- tions suivantes: 1. Pour quelles raisons envisage-t-on de mener, aux frais des contribuables, une campagne spéciale en faveur de l'adhésion de la Suisse à l'ONU alors que d'autres pro- blèmes d'intérêt général, tout aussi complexes, importants et controversés, ne font l'objet d'aucune action particu- lière? 2. A ce jour, combien de fonctionnaires du Département fédéral des affaires étrangères sont-ils déjà occupés par les questions relatives à la presse et à l'information et quel est le montant des dépenses prévues à cet effet? 3. Le Conseil fédéral a prévu de mettre sur pied un nouvel état-major, dirigé par un chargé de l'information pour les questions relatives à l'adhésion de la Suisse à l'ONU. Com- bien de membres comptera cet état-major et de quel bud- get (frais de matériel et de personnel inclus) disposera-t-il? 4. Quels moyens de propagande le Conseil fédéral entend-il mettre en œuvre pour l'adhésion de la Suisse à l'ONU? 5. Comment se fait-il que le Département fédéral des affaires étrangères distribue d'ores et déjà, gratuitement, le message et diverses brochures à l'appui de l'adhésion à l'ONU, alors qu'en d'autres occasions il faut se procurer les messages et autres imprimés auprès de l'OFCIM contre paiement? 6. Le Conseil fédéral a souligné que toutes ces disposi- tions étaient prises pour informer le public, mais quelle garantie peut-il donner que l'information fournie par le Département fédéral des affaires étrangères est parfaite- ment objective, c'est-à-dire qu'elle met bien sur un pied d'égalité les arguments pour et les arguments contre l'adhésion de la Suisse à l'ONU de manière que le citoyen puisse former son propre jugement? Mitunterzeichner - Cosignataires: Akeret, Allenspach, Ammann-Bern, Aregger, Aubry, Augsburger, Barras, Bas- ler, Blocher, Bonnard, Bremi, Bürer-Walenstadt, de Capi- tani, de Chastonay, Couchepin, Dürr, Eisenring, Eppenber- ger-Nesslau, Fischer-Weinfelden, Fischer-Hägglingen, Flu- bacher, Frei-Romanshorn, Früh, Füeg, Gautier, Geissbüh- ler, Graf, Mari, Hofmann, Hösli, Hunziker, Iten, Jeanneret, Jost, Junod, Kloter, Kopp, Kühne, Kunz, Landoli, Loretan, Lüchinger, Martin, Massy, Meier Kaspar, Messmer, Nef, Oehler, Oester, Ogi, Räz, Reichling, Roth, Rüegg, Rutishau- ser, Rüttimann, Schalcher, Schärli, Schnider-Luzern, Schny- der-Bern, Schwarz, Soldini, Steinegger, Stucky, Teuscher, Thévoz, Vetsch, Villiger, Weber-Schwyz, Weber Leo, Wel- lauer, Wyss, Zbinden, Zwygart (74) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates Rapport écrit du Coneil fédéral 1. Der Bundesrat hat nach dem Gesetz die Pflicht, dafür zu sorgen, «dass die Öffentlichkeit über seine Absichten, Ent- scheidungen und Massnahmen ... dauernd orientiert wird». (Art. 8, Verwaltungsorganisationsgesetz vom 19. Septem- ber 1978.) Ausgehend von dieser Pflicht, erachtet es der Bundesrat als wichtig, dass der Stimmbürger Kenntnis von den Gründen erhält, die die Landesregierung bewogen haben, den eidgenössischen Räten mit Botschaft vom 21. Dezember 1981 den Beitritt der Schweiz zur UNO zu beantragen. Die Rolle der Bundesverwaltung besteht in erster Linie darin, den interessierten Personen und Organisationen die verlangten Auskünfte zu erteilen und sich für Vorträge und Diskussionen zur Verfügung zu halten. Dieses Vorgehen ist keineswegs neu, wie der Vergleich mit der Abstimmung über den Beitritt der Schweiz zum Völker- bund (1920) oder der Abstimmung über das Freihandelsab- kommen mit der EG (1972) zeigt. 2. Abgesehen von den entsprechenden Diensten der DEH, die sich ausschliesslich mit der Information über Fragen der technischen Zusammenarbeit und der humanitären Hilfe befassen, erfolgt die Information der Öffentlichkeit über die Tätigkeit des EDA sowie der schweizerischen diplomati- schen Vertretungen im Ausland durch den Informations- und Pressedienst (IPD). Mit dieser Arbeit sind beim IPD drei Mitarbeiter betraut. Dem IPD steht jährlich ein Kredit von 130000 Franken für die Anschaffung von Geschenkbüchern für hohe ausländi- sche Gäste, für schweizerische Fachliteratur zuhanden aus- ländischer Journalisten sowie für die Einladung und Betreu- ung ausländischer Journalisten in der Schweiz zur Verfü- gung. In der Direktion für internationale Organisationen beschäfti- gen sich zwei Mitarbeiter teilweise mit der Information und Dokumentation über die Frage des Beitritts der Schweiz zur UNO und die Mitwirkung der Schweiz in den internationalen Organisationen. Der Aufwand für die dazu erforderlichen Informationsmittel beträgt im Jahre 1982 62000 Franken. 3. Es gibt keine neue Stabsstelle für die UNO-Information. Wie schon erwähnt, sind zwei Mitarbeiter der Direktion für internationale Organisation neben anderen Aufgaben seit längerer Zeit mit der Erfüllung der sehr zahlreichen Doku- mentationsbegehren betraut und stehen für die Vermittlung von Referenten und Diskussionsteilnehmern zur Verfügung. Eine kürzlich stattgefundene personelle Ablösung hat keine Veränderung der bestehenden Situation zur Folge. Das Schwergewicht ihrer Tätigkeit liegt bei der mündlichen und schriftlichen Auskunfterteilung an Journalisten, Lehrer, Politiker, Verbände, Parteien sowie interessierte Organisa-Interpellation Pini 524 N 18 mars 1983 tionen und Gesellschaften. Im Durchschnitt werden pro Woche etwa 30 bis 40 Begehren beantwortet. Ferner stellen sich die Mitarbeiter des EDA auf ausdrückliche Einladung hin auch für Vorträge zur Verfügung. Dem EDA stehen für die erwähnten Aufgaben 1983 Mittel von 150000 Franken zur Verfügung. Damit müssen unter anderem sämtliche Drucksachenkosten bestritten werden. 4. Der Bundesrat wird keine Propagandamittel einsetzen, sondern um eine sachliche Aufklärung bemüht «ein. Die Grundlage für die Information der Öffentlichkeit stellt seine Botschaft dar. Seit kurzem steht zudem eine Zusammenfassung der UNO-Botschaft in Form einer einfachen Broschüre zur Ver- fügung. Geplant sind die Herausgabe einer Broschüre über die Teilnahme der Schweiz an der internationalen Zusam- menarbeit im Rahmen des Systems der Vereinten Nationen und eine Kurzfassung der UNO-Botschaft. Dies alies sind Hilfsmittel, um den Informationsbegehren aus der Öffentlichkeit in geeigneter Weise begegnen zu können. Der Bundesrat beabsichtigt zudem, durch ein per- sönliches Engagement den Stimmbürger über seine Beweggründe in der Frage des UNO-Beitritts in Kenntnis zu setzen. 5. Nachdem der Bundesrat in den Schlussfolgerungen sei- ner drei UNO-Berichte an die eidgenössischen Räte, die von diesen jeweils mit grosser Mehrheit gutgeheissen wor- den sind, immer wieder die Notwendigkeit einer verstärkten Information unterstrichen hat, wäre es geradezu wider- sprüchlich und gegen den Willen des Parlaments, den inter- essierten Bürgern und Bürgerinnen das grundlegende Dokument vorzuenthalten. Bei grösseren Bestellungen wer- den einzelne Exemplare der UNO-Botschaft und ergänzend die gewünschte Anzahl der Zusammenfassung abgegeben. Im übrigen ist die Gratisabgabe von Botschaften keines- wegs neu; für staatspolitisch wichtige Vorlagen entspricht sie einer gängigen Praxis. 6. Bei den Informationsanstrengungen des EDA gelangen alle Aspekte der Beitrittsfrage zur Darstellung. Aufgabe des EDA ist es, Sachkenntnisse zu vermitteln und über die vom Bundesrat verfolgten Ziele zu informieren. Mit dem Beginn der parlamentarischen Behandlung der UNO-Vorlage wer- den zudem Politiker, Parteien und interessierte Organisatio- nen mehr und mehr zu Trägern der Information. Es versteht sich von selbst, dass die Auskunfterteilung des EDA nach streng sachlichen Kriterien erfolgt. Dazu gehört beispielsweise auch die Vermittlung von Gegnern des Bei- tritts für kontradiktorische Veranstaltungen. Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates nicht befriedigt. #ST# 82.584 Interpellation Pini Tätigkeit der Orbital Transport AG Interpellazione Pini Attività sussidiarie dell'Orbitai Transport AG Interpellation Pini Activité de la SA Orbital Transport Wortlaut der Interpellation vom 7. Oktober 1982 Kürzlich hat das italienische Fernsehen in einem Dokumen- tarfilm über die Tätigkeit der OTRAG - Orbital Transport AG Deutschland - berichtet. Die Gesellschaft soll zum Zweck haben, auf privater Ebene wissenschaftliche Raumfor- schungsversuche mit Raketen durchzuführen. Im Doku- mentarfilm, den sich natürlich auch zahlreiche Fernsehzu- schauer unseres Landes anschauten, wurde jedoch darge- legt, dass die Versuche militärstrategische Ziele hätten. Der Film hat weiter aufgezeigt, dass die OTRAG mit einer Gesellschaft in der Schweiz verbunden ist, die allem Anschein nach die Aufgabe hat, die Privatkapitalien zur Finanzierung der Tätigkeit der deutschen AG aufzutreiben. Ich bitte den Bundesrat abzuklären: 1. ob die OTRAG tatsächlich auf die direkte Mitarbeit einer Gesellschaft in der Schweiz, und zwar mit Sitz in Zürich, zählen kann; 2. wie sich, falls die OTRAG tatsächlich auf privater Ebene militärstrategische Ziele verfolgt, die aktive Mitarbeit der Gesellschaft in der Schweiz mit der eidgenössischen Gesetzgebung vereinbaren lässt, welche die Ausfuhr und die Finanzierung von Kriegswaffen regelt, die fürs Ausland bestimmt sind. Testo della interpellazione di 7 ottobre 1982 Recentemente la Televisione italiana ha trasmesso un docu- mentario riguardante le attività della OTRAG - Orbital Trans- port AG Deutschland - i cui scopi sarebbero l'attuazione, a titolo privato, di esperimenti missilistici per ricerche scienti- ficospaziali. Tuttavia il documentario, seguito ovviamente anche da molti telespettatori del nostro Paese, denuncia che tali esperimenti missilistici avrebbero obiettivi strate- gico-militari. Per di più, il citato documentario televisivo, ha rilevato che l'OTRAG fa capo ad une Società sussidiaria in Svizzera, verosimilmente destinata al reperimento di capitali privati per il finanziamento delle attività della citata Società germanica. L'interpellante chiede al Consiglio federale di appurare: 1. Se effettivamente la OTRAG beneficia di una collabora- zione diretta con una Società sussidiaria in Svizzera e più precisamente con sede a Zurigo; 2. Se l'attività della OTRAG perseguisse in effetti, a titolo privato, scopi strategico-militari, come può conciliarsi la col- laborazione attiva di una Società sussidiaria in Svizzera con la legislazione federale che disciplina l'esportazione o il finanziamento di armi belliche destinate a Paesi esteri. Texte de l'interpellation du /octobre 1982 La télévision italienne a diffusé récemment un document sur les activités de l'OTRAG - Orbital Transport AG Deutschland - dont l'objectif serait la réalisation, à titre privé, d'expériences en matière de missiles en vue de recherches scientifiques dans l'espace. Toutefois, ce docu- mentaire, qui a manifestement été vu par beaucoup de spectateurs de notre pays, dénonce le fait que de telles expériences auraient un but stratégique et militaire. De plus, ledit film a souligné que l'OTRAG est rattachée à une société auxiliaire en Suisse, qui tente vraisemblablement de trouver des capitaux privés pour financer les activités de la société allemande susmentionnée. L'interpellateur demande au Conseil fédéral de dire: 1. Si, effectivement, l'OTRAG bénéficie d'une collaboration directe avec une société auxiliaire en Suisse, et plus préci- sément une entreprise ayant son siège à Zurich; 2. Au cas où l'activité de l'OTRAG consisterait en effet à poursuivre des objectifs stratégiques et militaires à titre privé, comment on peut concilier la collaboration active d'une société auxiliaire en Suisse avec la législation fédé- rale qui règle l'exportation et le financement d'armes de guerre destinées à des pays étrangers. Mitunterzeichner - Cofirmatari - Cosignataires: Bacciarini, Sarchi, Carobbio, Cotti, Delamuraz, Dupont, Jelmini, Pedrazzini, Robbiani (9) Schriftliche Begründung - Sviluppo scritto Développement par écrit Recentemente la Televisione italiana ha messo in onda un lungo, dettagliato documentario sulle attività della OTRAGSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Fischer-Bern Propaganda für den UNO-Beitritt Interpellation Fischer-Bern Propagande en faveur de l'adhésion à l'ONU In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1983 Année Anno Band II Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 82.548 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 18.03.1983 - 08:00 Date Data Seite 523-524 Page Pagina Ref. No 20 011 333 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.