B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-207/2015/brl U r t e i l v o m 1 4 . M ä r z 2 0 1 6 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Sylvie Cossy, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau B._______, geboren am (…), und deren Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), alle Syrien, alle vertreten durch Ozan Polatli, Advokat, Advokatur Gysin + Roth, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (ohne Vollzug); Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2014 / N (…). D-207/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden, syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie mit letzten Wohnsitz in E._______ (F._______ beziehungsweise G._______) in der Provinz H._______, verliessen ihr Heimatland gemäss eigenen Aussagen am 25. Januar 2014 in Richtung I._______, wo sie sich bis zum Erhalt des Visums für die Schweiz aufhielten. Am 19. Februar 2014 reisten sie über den Luftweg in die Schweiz ein, wo sie am folgenden Tag ihre Asylgesuche einreichten. Am 4. März 2014 fand die Befragung im Empfangs- und Verfahrenszentrum J._______ statt und am 24. November 2014 wurden sie vom BFM zu ihren Asylgründen angehört. Der Beschwerdeführer machte anlässlich der Befragung geltend, er sei in E._______ geboren worden, habe jedoch seit dem Jahr 2005 in K._______ gelebt und in einem (…) gearbeitet. Im Jahr 2012 habe sich sein Bruder im Militärdienst befunden und sei in der Nähe von K._______ stationiert ge- wesen. Der Beschwerdeführer habe ihn an seinem Dienstort besucht. Der Bruder habe desertieren wollen. Kurze Zeit später, im Jun i 2012, sei der Bruder desertiert, zum Beschwerdeführer gekommen, zwei Tage dort ge- blieben und anschliessend mit Hilfe des Beschwerdeführers ins Heimatdorf und von dort in Q._______ geflohen. Ungefähr eine Woche später sei der Beschwerdeführer von den syri schen Behörden am Arbeitsplatz aufge- sucht worden. Sie hätten sich nach dem Verbleib des Bruders erkundigt und von ihm verlangt, den Bruder den Behörden auszuliefern. Aus Angst vor den Behörden, insbesondere vor einer Verhaftung anstelle des Bru- ders, sei der Beschwerdeführer mit seiner Ehefrau und den Kindern nach E._______ gezogen, wo sie noch bis im Januar 2014 gelebt hätten. Der Beschwerdeführer habe dort im Laden seines Vaters als (…) gearbeitet. Zudem habe er an Demonstrationen teilgenommen und sei Mitg lied der Demokratischen Kurdischen Partei, habe deswegen jedoch nie Probleme gehabt. Im Fall einer Rückkehr ins Heimatland könne er sich nur im Hei- matdorf aufhalten, weil es für ihn und seine Familie ausserhalb keine Si- cherheit gebe. Er könne nicht einmal nach Damaskus reisen. Anlässlich der Anhörung machte der Beschwerdeführer zusätzlich bezie- hungsweise in Abweichung zu den vorangehenden Aussagen geltend, er sei im Jahr 2004 beziehungsweise anfangs 2005 nach K._______ gezo- gen, um dort zu arbeiten. Nach Ausbruch des Krieges sei er von seinen Eltern unter Druck gesetzt worden, seinen im Militärdienst befindlichen Bru- der ausfindig zu machen und ihn zu kontaktieren, da sie sich Sorgen um D-207/2015 Seite 3 ihn gemacht hätten und der Beschwerdeführer in K._______, wo der Bru- der stationiert gewesen sei, gelebt habe. Aus diesem Grund sei er im Mai 2012 am Dienstort des Bruders erschienen und habe dort um eine Be- suchserlaubnis gebeten. Diese sei ihm jedoch zunächst verweigert wor- den. Dabei habe man seinen Namen registriert. Schlies slich habe er mit seinem Bruder sprechen können und ihm zur Desertion geraten, nachdem der Bruder ihm gesagt habe, er müsse auf Zivilisten schiessen und wenn er diesen Befehl nicht befolge, werde er getötet. Zwei Tage später habe sich der Bruder telefonisc h gemeldet und ihm gesagt, dass er desertiert sei, worauf ihm der Beschwerdeführer geraten habe, nicht bei ihm, sondern bei seiner Schwester in L._______ unterzukommen. Ein paar Tage später hätten er und sein Schwager eine Identitätskarte mit einem schlechten Foto gefunden und dem Bruder geraten, vom Busbahnhof aus nach M._______ zu fahren. Dieser sei jedoch in Q._______ geflohen. Etwa eine Woche spä- ter seien Angehör ige des Nachrichtendienstes bei m Beschwerdeführer vorbeigekommen und hätten sich nach dem Bruder erkundigt. Sie hätten ihn beauftragt, Informationen über den Bruder zu beschaffen und diese in einer Woche zu liefern. Nach dieser Woche seien die gleichen Angehörigen des Nachrichtendienstes erneut erschienen und hätten ihm vorgeworfen, den Bruder zur Desertion motiviert zu haben und zu wissen, wo sich dieser befinde. Dabei hätten sie ihm auch gesagt, dass sie seinen Namen regis- triert hätten, weil er vor der Desertion als Letzter seinen Bruder besucht habe. Zudem hätten sie damit gedroht, den Beschwerdeführer an Stelle des Bruders mitzunehmen, wenn er ihn nicht ausliefere. Da sei ihm klar geworden, dass er fliehen müsse, weil er sonst festgenommen werde und seine Familie dann auf der Strasse sei. Zwei Tage später sei er mit seiner Familie ins Heimatdorf zurückgekehrt. Während die Ehefrau und die Kinder bei seinen Eltern untergekommen seien, habe er sich zunächst beim Onkel in einem anderen Dorf versteckt. Sein Vater habe einen Telefonanruf be- kommen, wonach sich die Behörden nach dem flüchtigen Bruder erkundigt hätten. Schliesslich habe er sich dennoch entschlossen, bei seiner Familie zu leben und wieder an die Öffentlichkeit zu treten, insbesondere weil es keine weiteren Vorfälle gegeben habe und er seit dem Jahr 2004 Mitglied der "Parti Demokrati" sei. So habe er sechs Monate vor der Ausreise wie- der – etwa drei oder vier Mal, letztmals anfangs Dezember (Anmerkung Gericht: Gemeint ist 2013) – an Demonstrationen gegen die Regierung teil- genommen, obwohl er sich der Gefahr bewusst gewesen sei, weil die Re- gierung überall Spitzel habe. Er habe sich indessen nur selten bei seiner Familie aufgehalten. Am 20. Dezember 2013 sei in seiner Abwesenheit ein Schreiben des Nachrichtendienstes zu seinem Vater gekommen, gemäss D-207/2015 Seite 4 welchem er sich bei diesem Dienst hätte melden müssen, weshalb er da- von ausgehe, dass er von den Behörden wiedererkannt worden sei. Bei seinen Angehörigen im Dorf sei er jedoch nicht gesucht worden. Dies habe ihn zur Flucht motiviert. Die Grenze zur I._______ hätten sie illegal und zu Fuss überquert. In Ergänzung zum bisherigen Sachverhalt legte der Beschwerdeführer nach der Pause anlässlich der Anhörung zusätzlich dar, dass er mit seiner Familie im Jahr 2013 – am Ende des Jahres oder vielleicht im September – bereits ein erstes Mal in I._______ gereist sei, um dort nach Arbeit zu suchen, weil in der Region M._______ die Lebensmittel knapp geworden seien. Die Arbeitssuche habe jedoch nicht geklappt und ein Asylgesuch hätten sie in I._______ nicht gestellt. Schliesslich seien sie wieder illegal ins Heimatland zurückgereist. Er habe vergessen, das geltend zu machen, aber seine Ehefrau habe dies erwähnt. Die Beschwerdeführerin legte anlässlich der Befragung dar, in N._______ geboren worden zu sein. Sie habe persö nlich im Heimatland keine P rob- leme mit den Behörden gehabt, sei politisch nicht aktiv gewesen und auf- grund der Probleme ihres Ehemannes ausgereist. Dieser habe seinem Bruder zur Desertion verholfen und sei in K._______ von den Behörden am Arbeitsplatz aufgesucht und aufgefordert worden, den flüchtigen Bruder zurückzubringen. Sie wisse, dass die Behörden ein Mal vorbeigekommen seien, und könne nicht sagen, ob dies weitere Male geschehen sei. Später hätten sie in E._______ gelebt. Weil dort Krieg herrsche, hä tten sie das Land verlassen. Vor etwa einem Jahr (Aussage vom 4. März 2014, vgl. Akte A6/11) sei sie mit ihrer Familie in I._______ gereist, um dort nach Ar- beit zu suchen, was ihnen aber nicht gelungen sei. Deshalb seien sie nach Syrien zurückgekehrt. In Ergänzung beziehungsweise in Abwei chung zum bisherigen Sachver- halt legte die Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung dar, dass die Behörden ihren Ehemann nach der Desertion seines Bruders nicht mehr in Ruhe gelassen hätten. Der militärische Nachrichtendi enst sei beim Ehe- mann vorbeigekommen und habe nach dessen flüchtigem Bruder gefragt. Sie hätten ihm eine Woche Zeit gegeben, um ihnen Informationen über den Verbleib des Bruders zu geben. Als der Nachrichtendienst eine Woche spä- ter den Ehemann wieder aufgesucht habe, sei ihm damit gedroht worden, dass sich entweder der Bruder stelle, oder wenn nicht, der Ehemann mit- genommen werde. Aus diesem Grund seien sie ins Dorf zurückgekehrt. Sie habe Angst, mit den Kindern allein auf der Strasse zurückzubleiben. Einen D-207/2015 Seite 5 Monat nach der Rückkehr ins Dorf habe sie ihr Kind zur Welt gebracht und nicht einmal ein Spital aufsuchen können, weil ihr Ehemann nicht bei ihr gewesen sei und es sich die Schwiegereltern, bei welchen sie und die Kin- der gelebt hätten, nicht hätten leisten können. Sie selber sei von den syri- schen Behörden nie kontaktiert worden. Das erst e Mal hätten sie sich in I._______ nur während 20 Tagen aufgehalten. Sie hätten damals dort man- gels Arbeit nicht leben und wegen der fehlenden finanziellen Ressourcen nicht nach Europa reisen können, weshalb sie nach Syrien hätten zurück- kehren müssen. Die Beschwerdeführenden reichten ihre syrischen Identitätskarten, einen Impfausweis des Sohnes, die Kopien eines Mitgliedformulars der "Parti De- mokrati" und eines Schreibens des syrischen Nachrichtendienstes sowie Kopien von Fotos einer Demonstration vom Juli 2013 im Heimatland und Fotos einer Demonstration gegen den Islamischen Staat (IS) in O._______ vom (…) 2014 zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2014 – eröffnet am 16. Dezember 2015 – stellte das BFM fest, dass die Beschwerdeführenden die Flücht lingsei- genschaft nicht erfüllten, und lehnte ihre Asylgesuch ab. Sie wurden aus der Schweiz weggewiesen, der Vollzug der Wegweisung indessen zuguns- ten einer vorläufigen Aufnahme infolge fehlender Zumutbarkeit aufgescho- ben. Der zuständige Kanton wurde mit der Umsetzung der vorläufigen Auf- nahme beauftragt. Auf die Begründung wird in den nachfolgenden Erwä- gungen näher eingegangen. C. Mit Eingabe vom 12. Januar 2015 reichte der Rechtsvertreter der Be- schwerdeführenden eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgerich t ein und beantragte die Aufhebung der Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung, die Gutheissung der Asylgesuche und die Ge- währung von Asyl. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Rechtsverbeiständung in der Person des die Beschwerde Unterzeichnenden, um Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses und um Einräumung eines Replikrechts bei allfälligen Stellungnahmen seitens des SEM ersucht. Hinsichtlich der Be- gründung wird auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen. Der Be- schwerde lagen nebst einer Kopie der angefochtenen Verfügung, der Voll-D-207/2015 Seite 6 macht und der Fürsorgebestätigung vom 5. Januar 2015 die Farbkopie ei- nes Fotos mit einem Post-it und die Kopie eines fremdsprachigen Doku- ments bei. D. Mit Eingabe vom 19. Januar 2015 (Eingang beim Bundesverwaltungsge- richt am 20. Januar 2015) wurde die deutsche Übersetzung des eingereich- ten fremdsprachigen Dokuments nachgereicht und darum ersucht, auch das zweite Kind der Beschwerdeführenden ins Beschwerdeverfahren mit- einzubeziehen, zumal dieses in der Beschwerdeschrift versehentlich nicht aufgeführt worden sei. E. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. Januar 2015 wurde den Beschwerdeführenden mitgeteilt, dass sie den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten könnten. Sie wurden aufgefordert, innert der ihnen angesetzten Frist das eingereichte fremd- sprachige Dokument und die im erstinstanzlichen Verfahren zu den Akten gegebenen fremdsprachigen Beweismittel in eine s chweizerische Amts- sprache übersetzt nachzureichen, verbunden mit der Androhung, im Un- terlassungsfall werde gestützt auf die bestehende Aktenlage entschieden. Den Beschwerdeführenden wurde mitgeteilt, dass auf die Gesuche um Ge- währung der vollständigen unen tgeltlichen Rechtspflege zu einem späte- ren Zeitpunkt zurückzukommen sei. Einstweilen wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. F. Mit Eingabe vom 4. Februar 2015 wurde um Fristerstreckung für die Über- setzungen ersucht. G. Mit Zwischenverfügung vom 6. Februar 2015 wurde das Fristerstreckungs- gesuch abgewiesen und den Beschwerdeführenden eine Notfrist von drei Tagen zur Einreichung der verlangten Übersetzungen gewährt. H. Mit Eingabe vom 6. Februar 2015 wurden die verlangten Übersetzungen nachgereicht. I. Mit Eingabe vom 8. September 2015 wurde das an den Beschwerdeführer gerichtete Original einer Mobilisierungsbenachrichtigung vom 13. Juni D-207/2015 Seite 7 2015 zu den Akten gegeben mit der Angabe, es sei ihm über seinen Bruder von einem Bekannten in die Schweiz geb racht worden. Damit sei ersicht- lich, dass der Beschwerdeführer auch dem Militäraufgebot keine Folge ge- leistet habe, weshalb er als Deserteur gelte und auch aus diesem Grund als Flüchtling anzuerkennen sei. Der Eingabe lag ein fremdsprachiges Ori- ginaldokument mit deutscher Übersetzung und Rechnung für die Überset- zung bei. J. Mit Zwischenverfügung vom 16. Oktober 2015 wurde das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Das Bunde sverwaltungsge- richt hiess auch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- verbeiständung gut und ordnete den Beschwerdeführenden Advokat Özan Polatli bei. Das SEM wurde zur Vernehmlassung eingeladen. K. In seiner Vernehmlassung vom 4. November 2015 s tellte das SEM fest, dass keine neuen und erheblichen Tatsachen oder Beweismittel vorlägen, die eine Änderung des Standpunktes rechtfertigen könnten. Es verwies auf seine Erwägungen und stellte fest, dass an diesen vo llumfänglich festge- halten werde. Auf die nähere Begründung wird in den nachfolgenden Er- wägungen eingegangen. Der Vernehmlassung lag der Bericht einer Aus- weisprüfung bei. L. Mit Instruktionsverfügung vom 5. November 2015 wurde den Beschwerde- führenden ein Replikrecht eingeräumt. M. In ihrer Replik vom 20. November 2015 äusserte n sich die Beschwerde- führenden zur vorinstanzlichen Vernehmlassung vom 4. November 2015 und legten Kopien von zwei Berichten der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) betreffend Rekrutierung durch die syrische Armee und betre ffend Mobilisierung in der syrischen Armee sowie eine Honorarnote zu den Ak- ten. Zur Begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen Stellung ge- nommen. D-207/2015 Seite 8 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Bes chwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtli ngen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). D-207/2015 Seite 9 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massge blich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung seiner Verfügung vom 12. Dezember 2014 legte das BFM zunächst dar, dass der vom Beschwerdeführer geltend gemachte zweite Besuch der Behörden in K._______ und die Verfolgung durch den Nachrichtendienst in E._______ als nachgeschoben zu qualifizieren seien. An der Befragung habe der Beschwerdeführer ausdrücklich ausgesagt, nach der Desertion seines Bruders nur einmal in K._______ von den Be- hörden aufgesucht worden zu sein. Die Behörden hätten sich nach dem Verbleib des Bruders erkundigt. Trotz der Frage, ob es Hinweise für eine mögliche Verhaftung gegeben habe, sei kein weiterer Vorfall geschildert worden. Der Beschwerdeführer habe ausgesagt, nach dem einen Besuch der Behörden in K._______ während etwa zweier Jahre in E._______ ge- lebt zu haben und erst ausgereist zu sein, als die Visa-Regelung für Syrer beschlossen worden sei. Mit den Behörden habe er nie persönliche Prob- leme gehabt. Anlässlich der Anhörung habe er einen zweiten Besuch der Behörden vorgebracht und erklärt, er habe im Zeitpunkt der Befragung das Schriftstück des Nachrichtendienstes nicht bei sich gehabt, weshalb er es auch nicht erwähnt habe. Da er seine Befürchtungen b etreffend die syri- schen Behörden bereits anlässlich der Befragung hätte vorbringen können, vermöge seine Erklärung nicht zu überzeugen, weil sie nicht logisch sei. Auch die Angabe des Beschwerdeführers bei der Befragung, wonach er aufgrund seiner Mitgliedschaft für die Demokratische Kurdische Partei und wegen seiner Teilnahme an Demonstrationen keine Probl eme gehabt habe, widerspreche den später vorgetragenen Verfolgungsmassnahmen durch den Nachrichtendienst in E._______. Damit bestünden grosse Zwei- fel an der Glaubhaftigkeit dieser Angaben. Zudem seien seine Schilderun- gen teilweise wenig substanziiert und stereotyp ausgefallen. So habe er kaum Informationen über das Schreiben des Nachrichtendienstes mit der Begründung, er habe nach dessen Erhalt weder nach d em Überbringer noch nach dem Verbleib des Schriftstückes gefragt. Da das Schreiben zur Ausreise geführt habe, könne indessen ein grösseres Interesse daran er- wartet werden. Der zweite Besuch der syrischen Behörden in K._______ und die spätere Verfolgung durch diese in E._______ könnten infolge der D-207/2015 Seite 10 Nachschiebung nicht geglaubt werden. An dieser Einschätzung vermöge das eingereichte Beweismittel nichts zu ändern, zumal es sich nur um eine Kopie handle, der per se kein Beweiswert zukomme. Allein aus den glaubh aften Vorbringen des Beschwerdeführers, nämlich dass er seinem Bruder bei der Desertion geholfen habe und eine Woche später von den syrischen Behörden aufgesucht und nach dem Verbleib des Bruders gefragt worden sei, worauf er aus Angst vor weiteren Behelli gun- gen durch die Behörden nach E._______ gegangen sei, könne nicht auf das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft geschlossen werden. Der Be- schwerdeführer habe nach dem geltend gemachten Behördenkontakt im Juni 2012 noch während eineinhalb Jahren in E._______ gelebt und gear- beitet und für diese Zeitspanne keine glaubhaften Verfolgungsmassnah- men vorgebracht. Zudem habe sich das Interesse der Behörden auf den desertierten Bruder und nicht auf den Beschwerdeführer selber gerichtet. Unter diesen Umständen sei zwischen dem Behördenkontakt im Juni 2012 und der Ausreise im Januar 2014 kein kausaler Zusammenhang ersicht- lich. Aus den Akten ergäben sich zudem keine Hinweise darauf, dass er für die syrischen Behörden nach Juni 2012 noch von Interesse gewesen sei. Folglich bestehe kein Grund für die Befürchtung, in absehbarer Zukunft ei- ner asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt zu sein. Die eingereichten Be- weismittel – die Kopie des Mitgliederformulars der "Parti Demokrati" sowie je ein Foto einer Demonstration in Syrien und in O._______ seien wenig aussagekräftig und nicht geeignet, eine Gefährdung zu begründen. 4.2 In seiner Beschwerde vom 12. Januar 2015 machte der Beschwerde- führer geltend, das BFM bezweifle zu Recht nicht, dass er seinen Bruder im Militärdienst besucht und ihm bei der Flucht geholfen habe. Als Flucht- helfer habe er in Syrien indessen mit ernsthaften Nachteilen zu rechnen. Allein aus der fehlenden Protokollierung des zweiten Behördenbesuchs anlässlich der Befragung sei nicht der Schluss zu ziehen, dass er nicht die Wahrheit erzähle. Anlässlich der Anhörung habe er schliesslich erklärt, schon bei der Befragung beide Behördenbesuche erwähnt zu haben. Zu- dem sei er bei der Befragung unterbrochen worden und man habe ihm ver- sichert, er könne seine weiteren Asylgründe un d Beweismittel anlässlich der Anhörung einreichen. Da er in diesem Zeitpunkt weder das Original noch eine Kopie des Schreibens des syrischen Nachrichtendienstes bei sich gehabt habe, sei er davon ausgegangen, diesen Asylgrund später an- lässlich der Anhörung zusammen mit dem Beweismittel vorbringen zu kön- nen. Damit sei nicht nur glaubhaft gemacht, sondern bewiesen, dass er sich beim syrischen Nachrichtendienst hätte melden müssen. Das BFM D-207/2015 Seite 11 selber habe in seiner Erwägung II.2. bestätigt, dem Beschwerdeführer den Behördenkontakt zu glauben. Seine Verfolgung durch den syrischen Ge- heimdienst aufgrund der dem Bruder gewährten Hilfe bei der Desertion müsse als erstellt gelten und geglaubt werden. Da überdies der – auch vom BFM geglaubte – Behördenkontakt zum Verlassen des eigenen Hauses in K._______ und zum Aufenthaltsortswechsel nach E._______, wo er unter- getaucht sei und seine Ausreise vorbereitet habe, und schliesslich zur Flucht in die Schweiz geführt habe, sei der sachliche und zeitliche Kausal- zusammenhang zwisch en dem Behördenkontakt im Juni 2012 und der Ausreise aus Syrien im Januar 2014 nicht unterbrochen. Dass er in E._______ die Geburt des zweiten Kindes und die Erteilung eines Visums abgewartet habe, um auf sicherem Weg in die Schweiz reisen zu können, sei erklärbar und könne nicht zur Abweisung des Asylgesuchs führen. 4.3 In Ergänzung zum bisherigen Sachverhalt machte der Beschwerdefüh- rer mit Eingabe vom 8. September 2015 geltend, er habe ein militärisches Aufgebot – eine Mobilisierungsbenachrichtigung vom 13. Juni 2015 – er- halten, welche er nicht befolgt habe. Sein Vater habe dieses Dokument in Empfang genommen. Über den Bruder und einen Bekannten sei es in die Schweiz gekommen. Da er nun auch als Deserteur gelte, sei seine Furcht, bei einer Rückkehr nach Syrien ernsthaften Nachteilen an Leib und Leben ausgesetzt zu werden, begründet. 4.4 In seiner Vernehmlassung vom 4. November 2015 brachte das SEM vor, dass es sich bei dem vom Beschwerdeführer zu den Akten gegebenen Dokument des syrischen Geheimdienstes nicht um ein Originaldokument handle, da die vom SEM durchgeführte Dokumentenprüfung ergeben habe, dass der Briefkopf, der Stempel und die dazugehörige Unterschrift mit einem tintenbasierenden Druckverfahren aufgebracht worden sei en, während man den übrigen Text und das Datum von Hand zugefügt habe. Es müsse angenommen werden, dass es sich um einen vorsätzlichen Täu- schungsversuch handle, weshalb die Glaubwürdigkeit des Beschwerde- führers insgesamt in Frage gestellt sei. Ferner sei fraglich, warum der Be- schwerdeführer das Original dieses Beweismittels erst im Beschwerdever- fahren habe einreichen können. Zudem sei der Beweiswert der nachge- reichten Mobilisierungsbenachrichtigung vom 13. Juni 2015 angesichts der grassierenden Korruption und des Bürgerkrieges in Syrien äusserst gering. Derartige Dokumente könnten leicht unrechtmässig erworben werden. 4.5 In seiner Replik vom 20. November 2015 wandte der Beschwerdefüh- rer ein, dass dem Beschwerdeführer nicht vorgeworfen werden könne, er D-207/2015 Seite 12 habe das Original des Schreibens des syrisc hen Geheimdienstes erst im Beschwerdeverfahren zu den Akten gereicht, zumal der Entscheid des BFM nur drei Wochen nach der Anhörung, an welcher er die Kopie dieses Dokumentes abgegeben habe, erfolgt und er nicht aufgefordert worden sei, das Original unverzüglich nachzureichen. Dem Beschwerdeführer könne man unter diesen Umständen nicht unterstellen, er sei seiner Editions- pflicht nicht nachgekommen. Dem Beschwerdeführer sei z udem nicht be- kannt, welcher Geheimdienst seine Schriftstücke in welcher Art produziere und welche Sicherheitsmerkmale – sowie ob überhaupt solche – enthalten sein müssten. Gemäss der Ausweisprüfung vom 2. November 2015 habe auch das SEM das Dokument mangel s Vergleichsmaterials nicht ab- schliessend beurteilen können. Warum das Schriftstück Sicherheitsmerk- male aufweisen müsste, gehe aus der Dokumentenprüfung nicht hervor. Verfügungen des SEM würden schliesslich auch keine solchen enthalten. Auch wenn die Ausweisprüfung ergeben habe, dass es sich um ein unech- tes Dokument handle, gehe der Beschwerdeführer nicht davon aus, dass die zuständige Behörde seinem Vater ein unechtes Dokument aushändi- gen würde. Insgesamt könne das SEM nicht mit Sicherheit sagen, dass es sich um ein unechtes Dokument handle. Bei der militärischen Mobilisie- rungsbenachrichtigung vom 13. Juni 2015 handle es sich um eine öffentli- che Urkunde, welche grundsätzlich – im Gegensatz zur privaten Urkunde – den vollen Beweis für die durch sie erbrachte n Tatsachen erbringe. Der Urkundeninhalt geniesse somit erhöhte Beweiskraft. Aus der Vernehmlas- sung des SEM würden weder Beweise noch überzeugende Indizien ge- nannt, welche auf die Unrichtigkeit des Inhalts der eingereichten Urkunde schliessen liessen, weshalb in Berücksichtigung der Lehre und Praxis zu Art. 9 ZGB in Verbindung mit Art. 8 ZGB der Inhalt dieses Beweismittels als erwiesen zu betrachten sei, solange die Asylbehörden nicht beweisen könnten, dass er unrichtig sei. Es reiche nicht aus, auf die Kor ruption und den Bürgerkrieg in Syrien zu verweisen. In Syrien werde jeder wehrdienst- pflichtige Mann, auch wenn er sich im Ausland befinde, zum Militärdienst aufgeboten, mithin auch der Beschwerdeführer, weshalb er im Fall einer Rückkehr dorthin mit einer Inhaftierung und Verurteilung zu rechnen habe, zumal sein Name mit grosser Wahrscheinlichkeit auf einer Liste von ge- suchten Deserteuren aufgeführt sei. Seine Furcht vor asylrelevanten Nach- teilen sei somit sowohl wegen seines politischen Engagements als auch wegen der Wehrdienstverweigerung begründet. Insgesamt habe das SEM die Unrichtigkeit der Moblilisierungsbenachrichtigung nicht substanziiert nachweisen können, sondern habe mit seiner Beweiswürdigung das Will- kürverbot verletzt. D-207/2015 Seite 13 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbr ingen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art . 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Für die Glaubhaftigkeit von Fluchtvorbringen sprechen insbesondere die Übereinstimmung der Aussagen zwischen den verschie- denen Befragungen sowie die Vereinbarkeit von Aussagen mit den einge- reichten Beweismitteln und den Erkenntnissen über die Situation im Hei- mat- oder Herkunftsland. Auch aus der Kohärenz, der Substanziiertheit, der Nachvollziehbarkeit, der Schlüssigkeit, der Korrektheit und der Origi- nalität der Angaben lässt sich die Glaubhaftigkeit der Aussagen schliessen. Glaubhaftmachung bedeutet ferner im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der asylsuchenden Person. Eine Behaup- tung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihre r Wahr- heit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es dem- gegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um- stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Ent- scheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzus tellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.3). Insbesondere reicht die blosse Plausibilität nicht aus, wenn gewichtige Umstände gegen die Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in : PETER UEBERSAX/BEAT RU- DIN/THOMAS HUGI YAR/THOMAS GEISER {Hrsg.}, Ausländerrecht, Handbü- cher für die Anwaltspraxis, Band VIII, Basel u.a. 2009, S. 568, Rz. 11.149; EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a S. 270). Zudem darf sich die Argumentation der Behörden nicht in blossen Gegenbehauptungen oder allgemeinen Vermu- tungen erschöpfen. D-207/2015 Seite 14 5.2 Aufgrund der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht vorliegend insgesamt zum Schluss, dass den Erwägungen der Vorinstanz im Resultat zuzustimmen ist, wie den nachfolgenden Erwägungen entnommen werden kann. 5.2.1 Dabei fällt insbesondere auf, dass die beiden Darstellungen des Be- schwerdeführers anlässlich der Befragung und der Anhörung, warum er im Juni 2012 K._______ verlassen habe und in sein Heimatdorf E._______ zu seinen Angehörigen zurückgekehrt sei, inhaltlich in wesentlichen Punk- ten unterschiedlich dargelegt worden sind. Gemäss der Befragung habe der Bruder K. aus dem Militärdienst desertieren wollen und sei vom Be- schwerdeführer kurz davor besucht worden. Nac h der Desertion im Juni 2012 sei der Bruder zum Beschwerdeführer nach Hause gekommen, wäh- rend zweier Tage geblieben und - nachdem ihm der Beschwerdeführer die Identitätskarte ei ner fremden Person besorgt habe - ins Heimatdorf E._______ gereist, von wo aus e r in Q._______ gegangen sei. Kurz da- nach beziehungsweise eine Woche nach der Desertion des Bruders sei der Beschwerdeführer von den Behörden am Arbeitsplatz aufgesucht und nach dem Bruder K. gefragt worden. Es sei ihm gesagt worden, er müsse den Bruder den Behörden ausliefern, weshalb er Angst vor einer Verhaftung anstelle des Bruders bekommen habe und ebenfalls ins Heimatdorf E._______ zurückgekehrt sei. Die Behörden hätten den Beschwerdeführer nur einmal aufgesucht (vgl. Akte A5/12 S. 8 f.). Demgegenüber brachte er anlässlich der Anhörung vor, die Eltern hätten sich um seinen im Militär dienenden Bruder K. Sorgen gemacht, weshalb er von ihnen unter Druck gesetzt worden sei, Kontakt mit dem Bruder aufzunehmen. Er habe seinen Bruder dazu bringen wollen, vom Militärdienst zu desertieren, weshalb er ihn anfangs Juni 2012 an dessen Dienstort aufgesucht habe. Zwei Tage später habe sich der Bruder telefonisch gemeldet und ihm gesagt, dass er desertiert sei. Der Beschwerdeführer habe ihm geraten, nicht zu ihm nach Hause zu kommen, sondern zur Schwester R. zu gehen. Ein paar Tage später hätten der Beschwerdeführer und sein Schwager eine Identitäts- karte mit einem unscharfen Foto gefunden und den Bruder K. damit zum Busbahnhof geschickt, von wo aus er nach M._______ gereist sei. Von dort sei er in Q._______ geflohen. Etwa eine Woche nach seiner Flucht sei der Nachrichtendienst zum Beschwerdeführer gekommen und habe ihn nach seinem Bruder K. gefragt. Sie hätten in Aussicht gestellt, in einer Woche nochmals vorbeizukommen; bis dann solle der Beschwerdeführer Informa- tionen über seinen Bruder K. beschaffen. Obwohl er sehr viel Angst be- kommen habe, habe er den Zeitraum d er Woche abgewartet, worauf ihn D-207/2015 Seite 15 die Geheimdienstleute nochmals aufgesucht und ihm eröffnet hätten, sie seien im Bild darüber, dass er die letzte Person gewesen sei, welche den Bruder vor der Desertion besucht habe. Zwei Tage später sei er mit seiner Familie ins Heimatdorf E._______ zurückgekehrt (vgl. Akte A15/19 S. 6 ff.). 5.2.2 Nicht übereinstimmend ausgefallen sind folgende Angaben des Be- schwerdeführers: 5.2.2.1 Während gemäss der ersten Version der Bruder K. habe desertie- ren wollen, soll er vom Beschwerdeführer gem äss der zweiten Version dazu gedrängt worden sein, weil die Familie das gewünscht habe. Anläss- lich der Gewährung des rechtlichen Gehörs zu dieser Ungereimtheit legte er dar, sein Bruder habe ihm anlässlich des Besuchs gesagt, er wolle de- sertieren, habe aber nicht gewusst, wie er das schaffen könne, weshalb er (der Beschwerdeführer) ihm seine Unterstützung angeboten habe (vgl. Akte A15/19 S. 13). Diese dritte Version des gleichen Sachverhalts vermag indessen die bereits bestehenden Ungereimtheiten nicht zu e rklären und kann somit nicht gehört werden. 5.2.2.2 Des Weiteren soll sich gestützt auf die Befragung der Bruder nach der Desertion während zweier Tage im Haus des Beschwerdeführers auf- gehalten haben, was nicht übereinstimmt mit der späteren Angabe, der Be- schwerdeführer habe ihm geraten, nicht zu ihm, sondern zur Schwester R. zu gehen. Auch dazu wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör gewährt. Dabei stritt er die erste Variante der Darstellung ab und erklärte, er habe gesagt, dass sich der Bruder zuerst wäh rend zwei er Tage in K._______ aufgehalten habe, habe aber nicht erwähnt, bei wem (vgl. Akte A15/19 S. 13). Diese dritte Variante lässt sich indessen nicht vereinbaren mit der Aktenlage, wonach er den Bruder schon anlässlich des ersten Te- lefonats nach der D esertion zur Schwester R. geschickt haben soll. Auch in diesem Punkt liegen somit mehrfach widersprüchliche Aussagen vor, welche an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen weitere Zweifel erwecken. 5.2.2.3 Überdies legte der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung ausdrücklich dar, die Behörden hätten ihn nur einmal aufgesucht und nach dem Bruder gefragt, was sich mit der späteren Version, wonach die Behör- den zwei Mal bei ihm erschienen seien, nicht vereinbaren lässt. Anlässlich der Konfrontation mit diesen unterschiedlichen Aussagen stritt er die erste Version ab und ergänzte, er habe ganz genau gesagt, dass die Behörden zwei Mal gekommen seien; beim ersten Mal hätten sie nach dem Bruder gefragt und beim zweiten Mal hätten sie ihn bedroht (vgl. Akte A15/19 D-207/2015 Seite 16 S. 14). Dieser Einwand kann indessen aus verschiedenen Gründen nicht gehört werden. Zunächst ist diesbezüglich festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer anlässlich der Befragung ausdrücklich gefragt wurde, wie oft die Behörden bei ihm vorbeigekommen seien, worauf er zu r Antwort gab, dies sei nur einmal gewesen (vgl. Akte A5/12 S. 8). Sowohl die ge- stellte Frage als auch die Antwort des Beschwerdeführers sind klar und lassen keine Missverständnisse offen. Unter diesen Umständen kann der Einwand in der Beschwerde, wonach der Beschwerdeführer die Wahrheit sage, auch wenn im Protokoll der Befragung nicht protokolliert worden sei, dass er zweimal von den Behörden aufgesucht worden sei, ebenso wenig gehört werden wie sein Einwand, er sei anlässlich der Befragung unterbro- chen worden. Vielmehr ist festzuhalten, dass den Akten weder Hinweise auf eine ungenügende Protokollierung noch solche auf eine Hinderung des Beschwerdeführers, seine Asylgründe in den Grundzügen darstellen zu können, entnommen werden können. Sowohl anlässlich der Befragung als auch bei der Anhörung bestätigte er mehrmals, die dolmetschende Person gut zu verstehen (vgl. Akte A5/12 S. 2 und 10 sowie Akte A15/19 S. 1) . Ausserdem unterschrieb er beide Protokolle vorbehaltlos und brachte da- mit zum Ausdruck, dass sie ihm rückübersetzt wurden und der Inhalt sei- nen Aussagen entspricht. Die Fragen, ob er noch Zusatzbemerkungen habe (vgl. Akte A5/12 S. 10), verneinte er, und die der Anhörung beiwoh- nende Hilfswerksvertretung brachte auf dem Beiblatt keine Einwände oder Bemerkungen vor. Unter diesen Umständen hat sich der Beschwerdefüh- rer die in den beiden Protokollen enthaltenen Aussagen voll und ganz an- rechnen zu lassen. Ausserdem ist der Einwand, wonach er anlässlich der Befragung unterbrochen worden sei und seine Asylgründe nicht in den Grundzügen habe darlegen können, angesichts dieser Sachlage nicht ge- rechtfertigt, sondern gilt als untauglicher Erklärungsversuch für die entstan- denen Ungereimtheiten und kann somit nicht gehört werden. Zwar trifft es zu, dass Ungereimtheiten zwischen dem summarischen Erstprotokoll und der späteren vertieften Anhörung zur Sache nur unter bestimmten Voraus- setzungen zur Unglaubhaftigkeit der Aussagen führen. Insbesondere ist aus unbedeutenden Ungereimtheiten in unwesentlichen Aspekten zwi- schen den beiden Protokollen nicht auf die Unglaubhaftigkeit der Vorbrin- gen zu schliessen. Ebenso wenig sind erst später vorgebrachte Einzelhei- ten in jedem Fall als nachgeschoben und damit als unglaubhaft zu betrach- ten. Insbesondere wenn sie als Konkretisierung von summarisch ange- sprochenen Ereignissen aufzufassen sind, kann nicht von nachgeschobe- nen Elementen des Sachvortrags ausgegangen werden. Indessen sind di- ametrale Unterschiede in zentralen Punkten der Asylbegründung – wie vo- rangehend die Angaben, ob der Beschwer deführer ein- oder mehrmals D-207/2015 Seite 17 von den Behörden aufgesucht worden ist, ob der Bruder von sich aus oder auf Rat des Beschwerdeführers desertieren wollte und wo sich der Bruder nach der Desertion aufgehalten hat – als klare Widersprüche und nicht als unbedeutende Ungereimtheiten oder als nachträgliche Konkretisierungen aufzufassen, weshalb sie gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen spre- chen. Dies ist vorliegend umso mehr der Fall, als das Erscheinen der Be- hörden beim Beschwerdeführer Auslöser für die Rückreise ins Heimatdorf und letztlich Grund für die Ausreise sein soll, folglich also einen zentralen Ausreisegrund darstellt. Dieser ist indessen übereinstimmend darzustellen, um als glaubhaft gelten zu können. 5.2.2.4 Ferner hat sich der Beschwerdeführer anlässlich der Konfrontation mit den unterschiedlichen Angaben über die Anzahl der Behördenkontakte erneut widersprochen, indem er aussagte, er habe gesagt, die Behörden hätten beim ersten Besuch nach dem Bruder gefragt und ihn beim zweiten Mal bedroht. Einerseits lässt sich diese Version nicht mit dem Erstprotokoll vereinbaren und andererseits erwähnte er auch bei der freien Schilderung keine Bedrohung seitens der Behörden, sondern legte vielmehr dar, diese seien nach einer Woche erneut bei ihm erschienen und hätten gesagt, dass er sie nicht hinters Licht führen könne, dass sie davon wüssten, dass er beim Bruder gewesen sei, bevor dieser desertiert sei, und dass sie seinen Namen registriert hätten, sowie dass er, nachdem s ie wieder gegangen seien, auf dem Heimweg zu sich gesagt habe, sie würden wieder kommen und ihn mitnehmen, wenn er weiterhin bleibe. Eine Bedrohung seitens der Behörden ist aus diesen Aussagen nicht ersichtlich, vielmehr nur eine Ver- mutung seitens des Besc hwerdeführers (vgl. Akte A15/19 S. 8). Somit ist auch die geltend gemachte Bedrohung nachgeschoben und damit nicht glaubhaft. 5.2.2.5 Der Beschwerdeführer sagte zudem einerseits aus, er sei von sei- ner Familie unter Druck gesetzt und beauftragt worden, seinen Bruder aus- findig zu machen, weshalb er zu sich gesagt habe, er müsse seinen Bruder finden (vgl. Akte A15/19 S. 5 und 7); andererseits brachte er vor, er habe schon vor dieser Krise gewusst, wo der Bruder stationiert gewesen sei, denn er habe ihn schon vor dem Krieg einmal besucht (vgl. Akte A15/19 S. 9 f.). Diese beiden Aussagen sind ebenfalls n icht miteinander in Ein- klang zu bringen , da der Beschwerdeführer seinen Bruder nicht auf Ge- heiss der Familie hätte suchen müssen, wenn er dessen Aufenthaltsort im Militärdienst schon gekannt hätte, sondern den Eltern hätte mitteilen kön- nen, wo er sich befindet. D-207/2015 Seite 18 5.2.3 Des Weiteren machte der Beschwerdeführer geltend, er sei nach der behördlichen Suche in K._______ ins Heimatdorf E._______ zu seinen El- tern zurückgekehrt, wo er sich während zweier Jahre (zwischen 2012 und 2014) bis zur Ausreise aufgehalten und keine Probleme mit den Behörden bekommen hab e. Dies vermag angesichts seiner Aussage, er sei in E._______ und nicht in K._______ registriert gewesen (vgl. Akte A15/19 S. 14), nicht zu überzeugen. Auch wenn er sich in der ersten Zeit nach der Rückkehr ins Dorf versteckt aufgehalten haben will, wäre z u erwarten ge- wesen, dass die syrischen Behörden – nachdem er in K._______ nicht mehr für sie erreichbar gewesen war – im Heimatdorf hätten nachsuchen lassen, sofern sie seiner hätten habhaft werden wollen . Der Einwand des Beschwerdeführers, die Behörden hä tten gedacht, er sei in I._______, in P ._______ oder Q._______ gegangen, vermag indessen ebenso wenig zu überzeugen wie die Angabe, er habe sich in der ersten Zeit nach der Rück- kehr ins Dorf versteckt aufgehalten. Vielmehr ins Gewicht fällt, dass die Behörden gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers im Heimat- dorf zunächst überhaupt nicht nach ihm gesucht haben sollen, obwohl dies naheliegend gewesen wäre. Somit sind diese Aussagen des Beschwerde- führers nicht nachvollziehbar. 5.2.4 Überdies erscheint es wenig plausibel, dass nur der Beschwerdefüh- rer wegen seines desertierten Bruders von den syrischen Behörden be- langt worden sein soll. Vielmehr wäre zu erwarten gewesen, dass auch die Eltern und allenfalls weitere Geschwister wegen der Desertion des Bruders unter Druck gesetzt worden wären. Der Einwand des Beschwerdeführers, er sei der Letzte gewesen, der den Bruder vor dessen Desertion besucht habe, und man habe ihm gesagt, wenn etwas passiere, dann sei er verant- wortlich (vgl. Akte A15/19 S. 14), vermag nicht zu überzeugen. Bekannter- massen suchen die syrischen Behörden einen Militärdienstpflichtigen dort, wo sie ihn vermuten, vorliegend somit auch bei den Eltern und den anderen Verwandten im Heimatdorf, und nicht nur bei derjenigen Person, mit wel- cher die gesuc hte Person den letzten Kontakt hatte. Dies ergäbe keinen Sinn. Zudem kann der Beschwerdeführer nicht für das Verhalten des Bru- ders im Militärdienst verantwortlich gemacht werden, was auch den Militär- behörden bekannt ist. Selbst wenn diese einen gewissen Dr uck auf den Beschwerdeführer ausgeübt hätten, um den Flüchtigen zu finden, wäre es nicht sinnvoll, ohne konkrete Hinweise den Beschwerdeführer aufgrund des letzten Kontakts mit seinem Bruder für dessen Desertion verantwort- lich zu machen. D-207/2015 Seite 19 5.2.5 Nicht nachvollziehbar ist zudem die Aussage des Beschwerdefüh- rers, er habe einige Zeit nach der Rückkehr ins Heimatdorf an Demonstra- tionen teilgenommen, zumal er mit diesem riskanten Verhalten damit rech- nen musste, mit den Behörden in Konflikt zu geraten , was sich indesse n nicht in Einklang bringen lässt mit seiner Angabe, er habe im Heimatdorf sehr viel Angst gehabt und sich zeitweise beim Onkel versteckt, weil er mit dieser Aussage zum Ausdruck brachte, dass er eben kein Risiko eingehen wollte. 5.2.6 Widersprüchlich hat der Beschwerdeführer ausserdem vorgebracht, ob er wegen der Demonstrationsteilnahmen Schwierigkeiten mit den Be- hörden gehabt habe oder nicht. Während er anlässlich der Befragung an- gab, weder die Mitgliedschaft bei der Partei noch die Teilnahme an den Demonstrationen habe zu Problemen mit den Behörden geführt (vgl. Akte A5/12 S. 9), machte er anlässlich der Anhörung geltend, er sei wieder ver- folgt worden, nachdem er sich in seinem Heimatdorf nicht mehr versteckt habe. Als sie ihn in der Öffentlichkeit gesehen hät ten, sei dem Vater das abgegebene Dokument überreicht worden (vgl. Akte A15/19 S. 14). Abge- sehen von der Widersprüchlichkeit dieser Aussagen ist es auch nicht nach- vollziehbar, dass der Beschwerdeführer – sollte er in der Tat in der Öffent- lichkeit von den s yrischen Behörden als gesuchte Person wiedererkannt worden sein – nicht persönlich dort aufgesucht worden ist, wo man seinen Aufenthalt am Ehesten hätte vermuten können, nämlich in seinem Eltern- haus oder im Geschäft seines Vaters. Angesichts der geltend ge machten Angst vor einer Festnahme im Heimatdorf ist es zudem nicht plausibel, dass er im (…) des Vaters, wo ihn die Behörden ebenfalls mit Leichtigkeit hätten finden können, gearbeitet haben will. Auch wenn sich der Beschwer- deführer nicht jeden Tag bei se inem Vater aufgehalten habe (vgl. Akte A15/19 S. 7 bis 9), ist doch davon auszugehen, dass er sich kaum je dort hätte blicken lassen, wo die syrischen Behörden ihn vernünftigerweise zu- erst gesucht hätten, sollten sie daran ein Interesse gehabt haben. Somit spricht auch das Verhalten des Beschwerdeführers selbst gegen die von ihm geltend gemachte Suche nach seiner Person. 5.2.7 Wie das BFM auch zutreffend festhielt, ist die Verfolgung des Be- schwerdeführers durch den Nachrichtendienst in seinem Heimatdorf als nachgeschoben und somit als unglaubhaft zu betrachten. Die Begründung des Beschwerdeführers, er habe das Schriftstück des Nachrichtendienstes im Zeitpunkt der Befragung zur Person nicht bei sich gehabt und deshalb nicht erwähnt, vermag nicht zu überzeugen, zumal er die Suche nach sei-D-207/2015 Seite 20 ner Person im Heimatdorf auch ohne das erwähnte Schriftstück hätte an- satzweise zur Sprache bringen können. Da es sich bei diesem Vorbringen um einen zentralen Aspekt in den Vorbringen des Beschwerdeführers han- delt, zumal diese geltend gemachte Suche nach ihm im Heimatdorf schliesslich zur Ausreise geführt haben soll, hätte es von Anfang an er- wähnt werden müssen, um als glaubhaft zu gelten. 5.2.8 Bezeichnenderweise datiert das Schreiben des Geheimdienstes vom 13. Dezember 2013; die Beschwerdeführenden blieben indessen noch gut einen weiteren Monat im Heimatdorf bei ihren Angehörigen, wo sie jeder- zeit hätten gefunden werden können, bevor sie die Reise in die Schweiz antraten. Auch dieses Verhalten ist nicht nachvollziehbar. Im Fall einer ernsthaft befürchteten Suche nach seiner Person hätte der Beschwerde- führer sofort Massnahmen getroffen, um den heimatlichen Behörden zu entkommen, was vorliegend offensichtlich nicht der Fall war. 5.2.9 Aufgrund der zahlreichen Ungereimtheiten kann dem Beschwerde- führer insgesamt nicht geglaubt werden, dass er von den syrischen Behör- den wegen der Desertion seines Bruders in K._______ zwei Mal und später auch in seinem Heimatdorf gesucht und bedroht worden sein soll. Zwar ist nicht auszuschliessen, wie auch das BFM in der angefochtenen Verfügung festhielt, dass der Beschwerdeführer infolge der Desertion seines Bruders in K._______ von den Behörden aufgesucht und nach dessen Aufenthalts- ort gefragt wurde, auch wenn selbst an diesem Vorbringen gewisse Zweifel bestehen, wie den vorangehenden Erwägungen entnommen werden kann. Indessen wäre allein aus diesem Behördenkontakt nicht auf eine asylrele- vante Verfolgung zu schliessen, zumal der Beschwerdeführer – entgegen den Ausführungen im Beschwerdeverfahren – aufgrund dieses Behörden- kontakts nicht als Fluchthelfer seines Bruders zu sehen wäre und nicht da- mit zu rechnen ist, dass ihm allein aus dessen allf älliger Desertion flücht- lingsrechtliche Nachteile entstehen würden. Dies ist vorliegend umso mehr der Fall, als die Behörden gemäss seinen Aussagen nicht bei den andern Angehörigen im Heimatdorf vorbeigekommen und nach dem desertierten Bruder beziehungsweise Sohn gefragt hätten. Angesichts der unglaubhaf- ten Aussagen und der inzwischen verstrichenen Zeit ist auch im Fall des Beschwerdeführers nicht damit zu rechnen, dass er anstelle seines Bru- ders verhaftet würde. 5.2.10 An dieser Einschätzung vermag das nachgereichte Schreiben des Geheimdienstes, wonach der Beschwerdeführer eine Gefahr für die D-207/2015 Seite 21 Staatssicherheit sei, nichts zu ändern. Wie das SEM in seiner Vernehmlas- sung vom 4. November 2015 festhielt, wurden der Briefkopf, der Stempel und die Unterschrift auf das Dokument gedruckt, während das Datum und der übrige Text von Hand eingefügt wurden, was zu Recht als klarer Hin- weis auf eine Fälschung zu betrachten ist. Insbesondere ist es nicht plau- sibel, dass Stempel und Unterschrift unter ein echtes Originaldokument aufgedruckt worden wären. Von einem echten Dokument kann vielmehr erwartet werden, dass die Unterschrift und der Stempel "original" – und nicht aufgedruckt – auf dem Dokument erscheinen. An dieser Einschät- zung vermögen die Einwände und Erläuterungen in der Replik vom 20. No- vember 2015 nichts zu ändern, auch wenn dem Beschwerdeführer nicht bekannt ist, wie das nachgereichte Dokument hergestellt wurde. Auch die Tatsache, dass das SEM das Schreiben des Geheimdienstes mangels Ver- gleichsmaterials nicht abschliessend beurteilen konnte, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Dokument an einem gravierenden Makel – nämlich dem Fehlen der Originalunterschrift und eines Originalstempels der ausstellenden Behörde – leidet, was überwiegend gegen die Authenti- zität dieses Beweismittels spricht . Unter diesen Umständen vermag das Dokument aufgrund der aufgeführten Mängel die bereits festgestellte Un- glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers nicht umzustossen. 5.3 Des Weiteren machte der Beschwerdeführer geltend, er habe im Hei- matland an Demonstrationen teilgenommen und sei Mitglied der Demokra- tischen Kurdischen Partei. Er habe nur selten an Sitzungen der Partei teil- genommen und Flugblätter verteilt. Damit macht er keine exponierte politi- sche Tätigkeit geltend. Insbesondere geht aus den Akten bloss hervor, dass er in der Masse der Demonstranten mitgegangen ist, ohne in beson- derer Weise aufzufallen, weshalb es nicht wahrscheinlich ist, dass er in diesem Zusammenhang ins Visier der heimatlichen Behörden geraten ist. Schon aus diesem Grund sind ernsthafte Zweifel angebracht an der – erst nachträglich - vorgebrachten Aussage, er sei nach der Demonstrationsteil- nahme den Behörden aufgefallen. Zudem legte er dar, er habe sich in K._______ zurückgehalten, weil es dort gefährlich gewesen sei und er sich auf die Arbeit konzentriert habe, was ebenfalls gegen eine exponierte poli- tische Tätigkeit im Heimatland spricht . Darüber hinaus sind seine Aussa- gen auch in diesem Zusammenhang nicht übereinstimmend, da er zu- nächst vorbrachte, er habe wegen der Parteimitgliedschaft und der De- monstrationsteilnahmen im Heimatland keine Probleme bekommen (vgl. Akte A5/12 S. 9), anlässlich der Anhörung bestätigte, wegen seiner Partei- mitgliedschaft im Heimatland keinen Problemen ausgesetzt gewesen zu D-207/2015 Seite 22 sein (vgl. Akte A15/19 S. 12), und erst später anlässlich der Anhörung an- gab, man habe nach ihm gesucht , als er sich wieder in der Öffentlichkeit bei Demonstrationsteilnahmen gezeigt habe (vgl. Akte A15/19 S. 11 f f.). Unter diesen Umständen ist die dargelegte Suche nach seiner Person in- folge der Teilnahme an Demonstrationen nachgeschoben und kann nicht geglaubt werden. Zudem hat sich das Dokument, mit welchem er gesucht worden sei, aufgrund der vorangehend aufgeführten Mängel nicht als be- weistauglich herausgestellt, weshalb es die erst nachträglich geltend ge- machte Suche nach seiner Person – sei sie wegen der Militärdienstflucht des Bruders oder sei sie wegen der Demonstrationsteilnahmen im Heimat- dorf erfolgt – nicht zu belegen vermag. Aufgrund der unglau bhaften Vor- bringen ist somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer den Be- hörden seines Heimatlandes nicht als politisch aktive oder regimefeindliche Person bekannt gewesen sein kann. An dieser Einschätzung vermögen einzelne Teilnahmen an Demonstratio nen im Heimatdorf – und entspre- chende Fotos, welche im Beschwerdeverfahren zu den Akten gereicht wur- den – nichts zu ändern. 5.4 Insgesamt erweisen sich somit die vom Beschwerdeführer geltend ge- machten Vorfluchtgründe als überwiegend unglaubhaft, soweit sie fl ücht- lingsrechtlich relevant sind. 5.5 In einem weiteren Schritt ist zu prüfen, inwieweit der Beschwerdeführer infolge sogenannter Nachfluchtgründe einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt sein könnte. Solche sind dann gegeben, wenn äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen konnte, nach der Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat zur drohenden Verfolgung führen. Diesbezüglich reichte er nachträglich im Beschwerdeverfahren (mit Eingabe vom 8. September 2015 ) ein Doku- ment mit dem übersetzten Titel "Mobilisierungsbenachrichtigung", datiert vom 13. Juni 2015, mithin etwa ein halbes Jahr nach seiner Ausreise aus dem Heimatland, zu den Akten und machte geltend, er gelte nu n als De- serteur. Damit stellt sich die Frage, ob er bei einer Rückkehr nach Syrien militärstrafrechtliche Sanktionen, welche als asylrechtlich relevant zu be- trachten wären, zu befürchten hätte, weil er einem in seiner Abwesenheit ergangenen militärischen Aufgebot keine Folge geleistet hat. Mithin ist vor- liegend also die Frage zu prüfen, ob damit ein objektiver Nachfluchtgrund entstanden ist. 5.5.1 Im Rahmen eines Grundsatzentscheids (vgl. BVGE 2015/3 E. 5) hat das Bundesverwaltungsgericht festgestellt, dass auch nach der Einführung D-207/2015 Seite 23 von Art. 3 Abs. 3 AsylG die bisherige Rechtspraxis in Bezug auf Personen, die ihr Asylgesuch mit einer Wehrdienstverweigerung oder Desertion im Heimatstaat begründen, weiterhin gültig bleibt. Entsprechend vermag eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion nicht allein, sondern nur verbun- den mit einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG, die Flüchtlings- eigenschaft zu begründen. Mit anderen Worten muss die betroffene Person aus den in dieser Norm genannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische An- schauungen) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen haben, die ernsthaften Nachtei len gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. 5.5.2 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zwar geltend machte, er habe den ordentlichen Militärdienst absolviert, was mangels ge- genteiliger Anhaltspunkte in den Akten nicht zu bezweifeln ist. Indessen brachte er nicht vor, den Reservisten zugeteilt worden zu sein. Er gab auch kein Militärbüchlein oder eine Reservistenkarte zu den Akten. Unter diesen Umständen sind den nachträglichen Vorbringen, wonach er als Deserteur gelte, schon aus diesem Grund Zweifel entgegenzubringen. 5.5.3 Sodann handelt es sich b eim eingereichten Dokument, das in der deutschen Übersetzung den Tit el "Mobilisierungsbenachrichtigung" ent- hält, nicht um ein konkretes militärisches Aufgebot, da dem Beweismittel insbesondere ein konkretes Datum, an welchem sich der Beschwerdefüh- rer hätte zum Dienst melden müssen, sowie eine genaue örtliche Angabe, wo er hätte einrücken müssen, fehlen. Somit kann das als "Mobilisierungs- benachrichtigung" übersetzte Dokument kein konkreter Marschbefehl sein. Vielmehr stellt es eine Reservistenkarte dar, mithin lediglich eine Bestäti- gung, der Reserve zugeteilt zu sein und unter gegebenen Umständen – nämlich wenn ein Vorladungstelegramm oder ein bestimmter Aufruf erfolgt – einrücken zu müssen. Dies geht aus dem Wortlaut der Karte hervor. Da der Beschwerdeführer indessen nicht geltend machte, er sei Reservist, be- stehen grundsätzliche Zweifel an der Echtheit dieses Dokuments, zumal es einen Sachverhalt beleg t, der so vom Beschwerdeführer nicht vorge- bracht wurde. Wie das SEM ausserdem in der Vernehmlassung zu Recht ausführte, sind Dokumente dieser Art leicht unrechtmässig zu erwerben, weshalb ihr Beweiswert grundsätzlich gering ist. Dies bedeutet zwar nicht, dass ein Dokument dieser Art in jedem Fall beweisuntauglich ist; indessen vermag es einen aus andern Gründen zweifelhaften Sachverhalt – wie vor- liegend – nicht glaubhaft zu machen . Im vorliegenden Fall ist indessen nicht massgeblich, ob es sich bei der vom Beschwerdeführer zu den Akten D-207/2015 Seite 24 gegebenen "Mobilisierungsbenachrichtigung", welche eine Reservisten- karte darstellt, um ein echtes Dokument handelt oder nicht, zumal das Do- kument selbst dann, wenn es eine echte Reservistenkarte darstellen würde, nichts an der Tatsache zu ändern vermag, wonach der Beschwer- deführer gestützt auf dieses Dokument nicht konkret einberufen worden ist und sich somit in Syrien keiner Wehrdienstverweigerung schuldig gemacht hat. Dass er im Status eines Reservisten – sollte dies denn geglaubt wer- den können – aus Syrien ausgereist ist, kann nicht als F ahnenflucht im Sinne einer Dienstverweigerung oder Desertion erachtet werden, zumal er nicht konkret einberufen wurde. Ferner kommt dem Umstand, dass durch die syrische Armee im Verlauf des Bürgerkriegs in der Tat auch Reservisten einberufen wurden und wei terhin werden, bezüglich des Beschwerdefüh- rers keine Bedeutung zu, nachdem er nicht glaubhaft zu machen ver- mochte, das er selbst ein solches Aufgebot erhalten hat. Die Frage, ob der Beschwerdeführer in Syrien eine Bestrafung wegen Dienstverweigerung (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.7.2. f.) zu befürchten hätte, vermag sich somit nicht zu stellen (vgl. dazu Urteil des BVGer E-3331/2014 vom 5. Januar 2016 und dort zitierte weitere Urteile). Unter diesen Umständen kann die Frage der Authentizität des eingereichten Dokum ents mit dem Titel "Mobilisie- rungsbenachrichtigung" vorliegend ausdrücklich offen gelassen werden. Die in der Eingabe vom 20. November 2015 zum Ausdruck gebrachten Ein- wände gegen die vorinstanzliche Argumentation können an dieser Ein- schätzung nichts ändern, weshalb sie unbehelflich sind. Ausserdem kann die Argumentation, das SEM habe das Willkürverbot verletzt, nicht geteilt werden. 5.5.4 Zu seiner Furcht, aufgrund seines Alters und des Umstandes, Reser- vist zu sein, zum Militärdienst aufgeboten zu werden, ist ferner festzuhal- ten, dass die syrische Armee ihre Bemühungen zur Einbeziehung von Re- servisten im Verlauf des Bürgerkriegs verstärkt hat. Berichten zufolge be- müht sich die syrische Regierung, die Wehr- oder die Reservedienstpflicht durchzusetzen. Reservisten würden gezielter gesucht als bisher und könn- ten ohne Vorwarnung zum Dienst eingezogen werden. Dies gelte aber we- niger für die Gebiete im Norden Syriens, welche durch die kurdisch en Volksverteidigungseinheiten der YPG kontrolliert werden. Ende Juli 2015 verkündete der syrische Präsident Assad eine Generalamnestie für Deser- teure, deren Auswirkungen jedoch noch unklar ist (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer D-4576/2014 vom 17. September 2015 mit weiteren Hinweisen und Quellenangaben). Es ist demnach davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer, der in E._______ in der Provinz R._______, einer Ort- schaft aus dem Nord -Osten Syriens, die inzwischen unter Kontrolle der D-207/2015 Seite 25 kurdischen Kräfte steht, registriert und gemeldet ist, im Fall einer Rückkehr durch die syrische Armee nicht als Reservist eingezogen werden würde (vgl. dazu Urteil des BVGer D-4576/2014 vom 17. September 2015 E. 5.5). 5.6 Zusammenfassend erweist sich, dass nicht davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer habe sich in Syrien der Wehrdienstverweigerung schul- dig gemacht. 5.7 Die Beschwerdeführerin machte keine eigenen Asylgründe geltend, sondern berief sich auf jene ihres Ehemannes. Der diesbezüglichen Dar- stellung des Sachverhaltes durch die Vorinstanz wird in den Rechtsmittel- eingaben nicht widersprochen. Die Beschwerdeführerin erfüllt die Flücht- lingseigenschaft somit nicht. 5.8 Aus den vorangehenden Erwägungen ergibt sich, dass der Einschät- zung der Vorinstanz zuzustimmen ist. Die Beschwerdeführenden hatten im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Syrien keine asylrelevante Verfolgung zu be- fürchten. 6. 6.1 Der Beschwerdeführer macht des Weiteren das Vorliegen von subjek- tiven Nachfluchtgründen im Sinne von Art. 54 AsylG geltend, indem er vor- bringt, er sei bei einer Wiedereinreise ins Heimatland in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise gefährdet, weil er in der Schweiz im (…) 2014 an einer Demonstration teilgenommen habe. Dazu reichte er die Kopie einer Foto- grafie zu den Akten (vgl. Akte A15/19 S. 3 und Akte A7/1 Beweismittel Nr. 4). 6.2 Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen- schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Asylausschluss. Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachwei- sen oder glaubhaft machen können, werden hingegen als Flüchtlinge vor- läufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Die am 1. Februar 2014 in Kraft getretene Bestimmung von Art. 3 Abs. 4 AsylG hält zunächst fest, dass Personen, die Gründe geltend machen, wel- che wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht Flüchtlinge sind; diese einschränkende Feststellung wurde vom Gesetzgeber allerdings D-207/2015 Seite 26 durch den ausdrücklichen Hinweise auf den Vorbehalt der Geltung der FK relativiert (vgl. Art. 3 Abs. 4 AsylG in fine). 6.3 Eine Person, die subjektive Nachfluchtgründe geltend macht, hat be- gründeten Anlass zur Furcht vor künf tiger Verfolgung, wenn der Heimat - oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise im Sinne von Art. 3 AsylG verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1, BVGE 2009/28 E. 7.1). Die Anforderun- gen an den Nachweis einer begründeten Furcht bleiben dabei grund sätz- lich massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG). Wesentlich ist, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten der asylsuchenden Person als staatsfeindlich ein- stufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung im Sinne des Gesetzes befürchten muss. 6.4 Zunächst ist festzuhalten, dass – da die Beschwerdeführenden eine Vorverfolgung nicht glaubhaft machen konnten – ausgeschlossen werden kann, dass sie vor dem Verlassen des Heimatlandes als regimefeindliche Personen ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten sind. 6.5 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner – kürzlich präzisierten – Praxis davon aus, dass syrische Geheimdienste im Ausland aktiv sind und gezielt Informationen über regimekritische Personen und oppositionelle Or- ganisationen sammeln. Dies vermag indessen die generelle Annahme, auf- grund geheimdienstlicher Informationen über exilpolitische Tätigkeiten im Fall der Rückkehr nach Syrien in flüchtlingsrechtlich relevantem Ausmass zur Rechenschaft gezogen zu werden, nicht zu rechtfertigen. Damit die Furcht vor Verfolgung als begründet erscheint, müssen vielmehr über die theoretische Möglichkeit hinausgehende konkrete Anhaltspunkt e vorlie- gen, die den Schluss zulassen, dass die asylsuchende Person tatsächlich das Interesse der syrischen Behörden auf sich gezogen hat und als re- gimefeindliches Element namentlich identifiziert und registriert wurde. Diesbezüglich geht die Rechtsprechung davon aus, dass der Schwerpunkt der Aktivitäten der syrischen Geheimdienste im Ausland nicht bei einer grossflächigen, sondern bei einer selektiven und gezielten Überwachung der im Ausland lebenden Opposition liegt, und sie sich auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die – über niedrigprofilierte Erscheinungsfor- men exilpolitischer Proteste hinaus – Funktionen wahrgenommen und/oder Aktivitäten entwickelt haben, welche die betreffende Person als Individuum aus der Masse der mit dem Regime Unzufrieden en herausheben und als ernsthaften und potenziell gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen. D-207/2015 Seite 27 Für die Annahme begründeter Furcht ist insofern nicht primär das Hervor- treten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit und Indiv idualisierbarkeit massgebend; ausschlaggebend ist vielmehr eine öffentliche Exponierung, die aufgrund der Persönlichkeit der asylsuchenden Person, der Form des Auftritts und aufgrund des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklärungen den Eindruck erwec kt, dass s ie aus der Sicht d es syrischen Regimes als potenzielle Bedrohung wahrgenommen wird (vgl. zum Gan- zen das Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3 [zur Publikation vorgesehen] mit Verweis auf die weitere Praxis). 6.6 Der Beschwerdeführer machte geltend, im (…) 2014 an einer Demonst- ration in O._______ teilgenommen zu haben; er reichte zum Beweis die Kopie einer Fotografie zu den Akten, auf welcher er zusammen mit weite- ren Personen zu sehen sei. Weder ist zu erkennen noch wurde vom Be- schwerdeführer dargelegt, er sei vom syrischen Regime als Gegner iden- tifiziert worden. Er machte auch keine exponierten Aktivitäten im Sinne der vorangehenden Erwägungen geltend. Somit ist davon auszugehen, dass er vom syrischen Regime gar nicht und insbesondere nicht als Re gime- gegner wahrgenommen wurde. Die von ihm abgegebene Kopie einer Fo- tografie, welche anlässlich der erwähnten Demonstration erstellt worden sei, vermag ebenfalls keine herausragende politische Aktivität zu belegen, welche die Aufmerksamkeit der syrischen Geheimdienste auf sich gezogen hätte. Somit ist die Teilnahme des Beschwerdeführers an einer Demonst- ration in der Schweiz nicht als regimefeindliche Tätigkeit zu qualifizieren, gestützt auf welche er begründete Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen im Fall einer Rückkehr ins Heimatland haben müsste. 6.7 Allein die Einreichung eines Asylgesuches in der Schweiz vermag keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsfurcht zu begründen, da keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Stellung eines Asylgesuchs für sich allein betrachtet bei einer Rückkehr na ch Syrien regelmässig zu behördlicher Verfolgung führt. 6.8 Die Beschwerdeführenden erfüllen somit die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG auch unter dem Aspekt subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG nicht. 6.9 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es den Beschwerdeführen- den nicht gelungen ist, asylrechtlich relevante Verfolgungsgründe im Sinne von Art. 3 und 7 AsylG glaubhaft zu machen, weshalb die Vorinstanz die D-207/2015 Seite 28 Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und die Asylgesuche abgelehnt hat. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Die Vorinstanz nahm die Beschwerdeführenden mit Verfügung vom 12. Dezember 2015 infolge fehlender Zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzuges vorläufig auf. Unter diesen Umständen ist auf eine Er örterung der beiden andern Kriterien – insbesondere der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges – zu verzichten. Über diese müsste erst dann befunden werden, wenn die vorläufige Aufnahme aufgehoben würde. Zur Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs erübrigen sich im heutigen Zeitpunkt weitere Erwägungen (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da die unentgeltliche Pro- zessführung gewährt worden ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. D-207/2015 Seite 29 10.2 Nachdem den Beschwerdeführenden am 16. Oktober 201 5 ihr Rechtsvertreter als amtlicher Beistand im Sinne von Art. 110a AsylG bei- geordnet wurde, ist diesem ein angemessenes Honorar auszurichten. Das Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem Stundenansatz zwischen Fr. 200.- und Fr. 220.- für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.- bis Fr. 150.- für nichtanwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Nur der notwendige Aufwand wird entschädigt. (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Der in der eingereich- ten Kostennote ausgewiesene Zeitaufwand erscheint angesichts des Dos- sierumfangs und der verschiedenen Eingaben der Rechtsvertretung sowie der detaillierten Auflistung in der Honorarnote nachvollziehbar und damit angemessen. Indessen wird in der Honorarnote ein zu hohe r Stundenan- satz ausgewiesen. Vorliegend ist der Stundenansatz in der ersten Position praxisgemäss auf Fr. 220.- zu begrenzen, mithin um Fr. 30.- pro Stunde zu kürzen, was einen Betrag von Fr. 1'961.65 (statt Fr. 2229.15) ergibt. So- dann ist der ausgewiesene Aufwand für Kopien praxisgemäss auf Fr 0.50 pro Kopie zu kürzen, was einem Betrag von Fr. 18.- entspricht (vgl. Art. 11 Abs. 4 VGKE). Der Gesamtbetrag beläuft sich somit auf Fr. 2'147.15, wobei die Mehrwertsteuer von Fr. 171.80 hinzukommt, so dass d em Rechtsver- treter für seine Bemühungen im Beschwerdeverfahren zu Lasten des Ge- richts ein amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 2'318.95 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) auszurichten ist. (Dispositiv nächste Seite) D-207/2015 Seite 30 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dem als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsanwalt, Ozan Pol- atli, wird vom Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar von Fr. 2'318.95 ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: