B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1690/2020 fum/fes U r t e i l v o m 22 . A p r i l 2 0 2 1 Besetzung Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), Richter David R. Wenger, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 10. Februar 2020 / N (…). D-1690/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsbürger tamilischer Ethnie, verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge am 31. Oktober 2018 mit sei- nem Onkel , B._______, (N […]) auf dem Luftweg mit einem indischen Pass. Über Indien und Dubai gelangten sie nach Italien, von wo sie mit dem Zug am 7. November 2018 in die Schweiz einreisten und gleichentags um Asyl nachsuchten. Am 23. November 2018 wurde der Beschwerdefüh- rer auf Italienisch summarisch befragt (Befragung zur Person, nachfolgend BzP). Er führte im Wesentlichen aus , er sei tamilischer Ethnie und stamme aus C._______ (Nordprovinz), wo er seit seiner Geburt bis am 22. September 2018 mit seinen Eltern und zwei jüngeren Schwestern gelebt habe. Er habe (…) repariert. Seine Familie besitze zudem Land. Sie betreibe Landwirt- schaft. Am 5. September 2018 habe das Criminal Investigation Department (CID) ihm und seinem Onkel mit dem Tod gedroht. Auf ihrem Grundstück sei ein Schatz ausgegraben worden. Das CID habe sie verdächtigt, den Schatz ausgegraben zu haben. Er sei jedoch am Arbeiten gewesen. Sein Vater habe ihn wissen la ssen, dass das CID wegen ihm und dem Onkel gekommen sei , und habe ihm gesagt, er solle sich verstecken. Vom 23. September 2018 bis zur Ausreise habe er sich in Colombo aufgehalten. Sie hätten auch noch einen Brief des CID erhalten, dass sie sich melden müssten und wenn sie sich nicht melden würden, dies Konsequenzen ha- ben werde. Zwei Tage später sei sein Vater vom CID auf einen Hügel mit- genommen worden. B. Am 27. August 2019 wurde der Beschwerdeführer einlässlich zu seinen Asylgründen auf Deutsch angehört. Zur Begründung seines Asylgesuches machte er im Wesentlichen geltend, Anfang August 2018 habe jemand ihn und seinen O nkel beobachtet, als sie auf ihrem Grundstück einen Schacht angeschaut hätten. Bezüglich des Grundstücks gebe es einen Streit mit Singhalesen, deshalb sei das CID darüber informiert worden. Er wisse jedoch nicht, wer dort was und wann ausgegraben habe. Am 5. September 2018 habe ihn sein Vater angerufen und ihm mitgeteilt, dass das CID ihn und den Onkel gesucht habe und er nicht mehr nach Hause kommen, sondern zur Tante gehen solle. Er habe sich eine Woche bei seiner Tante aufgehalten. In der Umgebung rund um ihr Haus sei ständig das CID anwesend gewesen, weshalb sein Vater ihm D-1690/2020 Seite 3 gesagt habe, er solle nach Colombo gehen. Kurze Zeit nach der Ankunft in Colombo sei ein Brief zu Hause angekommen. Er und sein Onkel seien darin aufgefordert worden, zur CID-Abteilung zu kommen, ansonsten es keine Garantie für ihr Leben gäbe. Eine Woche, nachdem dieser Brief ge- kommen sei, habe man seinen Vater mit Gewalt in einem Van in ein Wald- stück entführt, dort geschlagen und ihm gedroht, wenn er seinen Sohn und seinen Bruder nicht aushändige, gäbe es für deren Leben keine Garantie. Auf die Frage s eines Vaters, wieso sie seinen Sohn und Bruder suchen würden, hätten sie geantwortet, dass die beiden Ausgrabungen gemacht hätten und deswegen zur CID -Abteilung kommen müssten. Daraufhin habe ihn sein Vater angerufen und ihm mitgeteilt, es gäbe keine Sicherheit, wenn sie zur CID-Abteilung gehen würden, zumal ein Dorfbewohner nicht mehr nach Hause gekommen sei, als dieser dorthin gegangen sei. Sie sol- len Sri Lanka verlassen. Sein Vater habe für ihn und seinen Onkel einen Schlepper organisiert. Nach fünf bis sechs Wochen Aufenthalt in Colombo habe er mit seinem Onkel zusammen am 31. Oktober 2018 Sri Lanka ver- lassen. Der Beschwerdeführer reichte seine Geburtsurkunde ein. C. Mit Verfügung vom 10. Februar 2020 – eröffnet am 12. Februar 2020 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht und lehnte sein Asylgesuch vom 7. November 2018 ab. Gleich- zeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwer deführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Die vorinstanzliche Verfügung wurde in italienischer Sprache erlassen, mit Ausnahme der Be- gründung des Sprachenwechsels, des Dispositivs und der Rechtsmittelbe- lehrung, welche (auch) auf Deutsch erfolgten. D. Mit Eingabe vom 13. März 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen die- sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er bean- tragte, die Verfügung der Vorinstanz vom 10. Februar 2020 sei wegen der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, eventuell wegen der Ver- letzung der Begründungspflicht, eventuell zur Feststellung des vollständi- gen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts aufzuheben und die Sa- che sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventuell sei die Verfügung betreffend die Dispositivziffern 3 D-1690/2020 Seite 4 und 4 aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, das vorliegende Beschwer- deverfahren sei mit d em Beschwerdeverfahren seines Onkels (N […]) zu koordinieren. Ferner sei der Spruchkörper bekanntzugeben und zu bestä- tigen, dass dieser zufällig ausgewählt worden sei, andernfalls seien die ob- jektiven Kriterien für die Auswahl des Spruchkörpers bekanntzugeben. Mit der Beschwerde wurden ein 90-seitiger vom Rechtsvertreter verfasster Länderbericht zu Sri Lanka vom 23. Januar 2020, ein Datenträger mit den Beilagen zum Bericht vom 23. Januar 2020, das Rechtsgutachten von Prof. Walter Kälin vom 23. Februar 2014, verschiedene Z eitungsberichte zu Waffenfunden und eine Message Form der OIC Crime Branche vom 22. Oktober 2018 inklusive englische Übersetzung eingereicht. E. Mit Verfügung vom 1. April 2020 stellte die Instruktionsrichterin des Bun- desverwaltungsgerichts fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten, und gab ihm – unter Vorbehalt allfälliger Wechsel bei Abwesenheiten – die Zusammensetzung des Spruchkörpers bekannt. Dem Antrag um Koordination des Verfahrens mit demjenigen seines Onkels gab sie statt. F. Mit Eingabe vom 6. April 2020 verlangte der Rechtsvertreter, dass in kor- rekter Umsetzung des Entscheides des Bundesgerichts 12T_3/2018 vom 22. Mai 2018 Richter Yanick Felley durch eine nicht der Schweizerischen Volkspartei (SVP) angehörende Gerichtsperson zu ersetzen sei. G. Mit Verfügung vom 26. August 2020 forderte die Instruktionsrichterin den Beschwerdeführer auf, b is zum 10. September 2020 einen Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1’500.– einzuzahlen. H. Der Beschwerdeführer zahlte am 10. September 2020 den verlangten Kos- tenvorschuss ein. Er stellte fest, dass sein Antrag vom 6. April 2020 um eine Veränderung des Spru chkörpers bisher nicht behandelt wo rden sei. Er ersuchte zudem um Mitteilung, wer die Spruchkörperbildung mit welcher Methode vorgenommen habe und ob manuell in das Spruchkörpergenerie- rungssystem eingegriffen worden sei. Ferner machte er Ausführungen zu D-1690/2020 Seite 5 den neusten Entwicklungen in Sri Lanka. Er reichte eine Kopie der Seite 3 der Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. Juli 2020 aus dem Verfahren D-3427/2020, einen Zusatzbericht (Stand vom 10. April 2020) und einen Rapport über die Situation in Sri Lanka vom 11. April 2020 bis 26. Juni 2020 auf einem Datenträger ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form- gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist, vorbehältlich nachfolgen- der Einschränkungen, einzutreten. 2. 2.1 Im Zusammenhang mit der Spruchkörperbildung beantragt der Be- schwerdeführer, dass Auskunft darüber zu erteilen sei, ob in den Automa- tismus der Spruchkörperbildung eingegriffen wurde. Die automatisierte Ge- schäftsverteilung und Verfahrensabwicklung am Bundesverwaltungsge- richt betreffen gerichtsinterne Arbeitsschritte. Diesbezüglich ist auf die gel- tende Praxis (Teilurteil des BVGer D -1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3) und die betreffenden Bestimmungen des Geschäftsreglements vom D-1690/2020 Seite 6 17. April 2008 für das Bundesverwaltungsgericht (VGR; SR. 173.320.1) zu verweisen. Auf diesen Antrag ist daher nicht einzutreten. Bei dieser Aus- gangslage ist auch auf den weiteren Teilantrag, im Falle eines Eingriffs die objektiven Kriterien bekannt zu geben, nicht einzutreten (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-2110/2020 vom 11. Juni 2020 E. 2). Soweit darüber hinaus um Bekanntgabe der Person, die diese Auswahl getroffen hat, er- sucht wird, ist auf diesen Antrag ebenfalls nicht einzutreten, da dieses Aus- kunftsersuchen in engem Zusammenhang mit den vorstehe nd erwähnten Anträgen steht beziehungsweise deren vorgängige Behandlung bedingt (vgl. Urteil des BVGer E-3931/2020 vom 22. März 2021 E. 3). 2.2 Der Antrag auf Bekanntgabe des Spruchgremiums ist – soweit diesem nicht bereits in der Instruktionsverfügung vom 1. April 2020 entsprochen wurde – mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014726 E. 5). 4. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 Mit Eingabe vom 6. April 2020 verlangte der Rechtsvertreter, dass in korrekter Umsetzung des Entscheides des Bundesgerichts 12T_3/ 2018 vom 22. Mai 2018 Richter Yanick Felley durch eine nicht der SVP angehö- rende Gerichtsperson zu ersetzen sei. Im Aufsichtsentscheid des Bundes- gerichts sei festgehalten worden, dass aus Gründen der Effizienz, aus Dringlichkeit, zum Ausgleich der Arbeitslast, zur Vermeidung einer einseiti- gen politischen Zusammensetzung der Richterbank oder wegen Ausstand in die automatische Verteilung eingegriffen werden könne (Entscheid des Bundesgerichts 12T_3/2018 vom 22. Mai 2018 E. 2.4.2). Bei einer gram- matikalisch korrekten Lesart heisse dies konkret, dass sich das "kann" auf den Eingriff als solchen beziehe. Dadurch werde ein Eingriff nämlich über- haupt erst legitimiert. Die obengenannten objektiven Kriterien wiederum würden die Frage regeln, wann zwingend eingegriffen werden müsse. 5.2 Weder aus den gesetzlichen noch aus den reglementarischen Vorga- ben des Bundesverwaltungsgerichts respektive dessen Abteilungen IV und D-1690/2020 Seite 7 V ergibt sich eine Pflicht, bei Mehrheiten einer politischen Partei im Spruch- gremium korrigierend einzugreifen. Eine solche folgt – wie dem Rechtsver- treter des Beschwerdeführers nun bereits in mehreren Urteilen des Bun- desverwaltungsgerichts mitgeteilt worden ist – auch nicht aus dem genann- ten Entscheid des Bundesgerichts (vgl. etwa Urteile des BVGer E - 3822/2018 vom 12. Juli 2018, D -3751/2018 vom 11. Juli 2018 und E - 3816/2018 10. Juli 2018, je E. 6.1). Der Antrag, Yanick Felley sei durch eine nicht der SVP angehörende Gerichtsperson zu ersetzen, ist abzuweisen. 6. 6.1 Der Beschwerdeführer rügt, dass die Verfügung in i talienischer Spra- che ergangen sei und nicht in deutscher Sprache, obwohl er in der deut- schen Sprachregion wohne. Die Übersetzungsmöglichkeiten der Verfü- gung von Italienisch auf Tamilisch seien im Kanton (…) massiv kleiner als im Tessin. Das gleiche gelte für die Suche einer geeigneten Rechtsvertre- tung. Es sei für ihn schwieriger, innert Frist von seinem Wohnsitzkanton (…) aus eine Italienisch sprechende Rechtsvertretung zu mandatieren. Es sei ihm jedenfalls unmöglich gewesen, in (…) einen tamilischen Übersetzer zu finden, der ihm seinen negativen Entscheid aus dem Italienischen ins Tamilische hätte übersetzen können. Auch im (…) habe niemand Italie- nisch gesprochen und ihm helfen können nachzuvollziehen, weshalb sein Asylgesuch abgele hnt worden sei. Damit sei sein Rechtsschutz einge- schränkt worden. Das SEM habe nachvollziehbar offenzulegen und zu do- kumentieren, aus welchen Gründen die vorliegende Verfügung nicht in der Sprache eröffnet worden sei, welche an seinem Wohnort Amtssprache sei, und weshalb im vorliegenden Fall ein zwingendes Erfordernis bestanden habe, von aArt. 16 Abs. 2 AsylG abzuweichen. 6.2 Der Beschwerdeführer hat sein Asylgesuch am 7. November 2018 ge- stellt. Massgeblich ist daher – wie bereits festgestellt (E.1.2) – das zu die- sem Zeitpunkt geltende Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 6.3 Gemäss aArt. 16 Abs. 2 AsylG (in der Fassung Stand 1. Januar 2018) werden Verfügungen oder Zwischenverfügungen des SEM in der Sprache eröffnet, die am Wohnort der Asylsuchenden Amtssprache ist. Das SEM kann gemäss Abs. 3 ausnahmsweise davon abweichen, wenn die asylsu- chende Person oder deren Rechtsvertreterin oder Rechtsvertreter einer anderen Amtssprache mächtig ist (Bst. a); dies unter Berücksichtigung der Gesuchseingänge oder der Personalsituation vorübergehend für eine effi- ziente und fristgerechte Gesuchserledigung erforderlich ist (Bst. b); oder D-1690/2020 Seite 8 die asylsuchende Person in einem Empfangs - und Verfahrenszentrum di- rekt angehört und einem Kanton mit einer anderen Amtssprache zugewie- sen wird (Bst. c). Diese Bestimmung war mit der Asylgesetzrevision am 1. Februar 2014 in das Asylgesetz aufgenommen worden. 6.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil D -1361/2020 vom 3. No- vember 2020 (zur Publik ation vorgesehen) festgestellt (vgl. E. 6.3), dass sich die Anwendung der Rechtsprechung der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) zur Verfahrenssprache und deren Recht- mässigkeit (vgl. Entscheide und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2004 Nr. 29 E. 7 ff.) nach wie vor rechtfertigt. Demnach sei in der Regel dem Grundsatz Rechnung zu tragen, dass die Verfügung in der Sprache erlas- sen werde, die am Wohnsitz der asylsuchenden Person Amtssprache sei. Die vom Gesetzgeber vorgesehenen Ausnahmen seien be grenzt durch das Recht auf wirksame Beschwerde und einen fairen Prozess (Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 13 EMRK). Eine Verfügung könne ausnahmsweise in einer anderen Amtssprache ergehen, wenn gleichzeitig im Gegenzug ge- eignete Korrektivmassnahmen getroffen wür den, die das Recht auf eine wirksame Beschwerde und auf einen fairen Prozess gewährleisten. Eine der möglichen Korrektivmassnahmen bestehe in der mündlichen Überset- zung der ergangenen Verfügung durch die Vorinstanz in eine der be- schwerdeführenden Person verständliche Sprache. Soweit die Vorinstanz keine geeigneten Korrektivmassnahmen ergriffen habe und auch im Be- schwerdeverfahren das Versäumnis nicht nachhole, obwohl aus der Be- schwerdeschrift ersichtlich sei, dass die Partei den Entscheid nicht genü- gend verstanden habe, sei die angefochtene Verfügung grundsätzlich zu kassieren, sofern der Beschwerdeführer nicht von einem professionellen Rechtvertreter vertreten werde. Die Kassation der angefochtenen Verfü- gung einzig aus dem Grund, dass die Regeln betreffend die anzuwen- dende Verfahrenssprache verletzt wurden, komme demgegenüber grund- sätzlich nicht in Frage, wenn die beschwerdeführende Person im Be- schwerdeverfahren von einem professionellen Rechtsvertreter vertreten werde. Die Vorinstanz könne in einem solchen Fall zur Leistung einer Ent- schädigung verpflichtet werden für allfällige nützliche Auslagen, die der un- terliegenden Partei entstünden, um diesen Mangel zu beheben. Art. 52 VwVG regelt die Anforderungen an Inhalt und Form der Beschwer- deschrift. Der Beschwerdeführer hat darzulegen, weshalb er die angefoch- tene Verfügung beanstandet; er begründet auf diese Weise sein Rechts- begehren. Er führt an, welche tatbeständlichen und rechtlichen Erwägun- gen und sich daraus ergebenden Anordnungen der Vorinstanz nach seiner D-1690/2020 Seite 9 Auffassung unrichtig oder nicht stichhaltig sind. Die Beschwerdegründe sind das Gegenstück zur Kognition der angerufenen Rechtsmittelbehörde. Soweit der Beschwerdeführer folglich die Rechtswidrigkeit der angefochte- nen Verfügung geltend machen will, muss er wenigstens implizit den Grund der Rechtswidrigkeit beziehungsweise die angeblich missachtete oder falsch angewendete Rechtsnorm nennen. Die Begründung muss zumin- dest sachbezogen sein und sich mit den Erwägungen der Vorinstanz aus- einandersetzen. Eine inhal tliche Bezugnahme auf die Argumentation der angefochtenen Verfügung ist daher unerlässlich. Der Beschwerdeführer muss erkenntlich darlegen, aus welchen Gründen und in welchen Punkten er die Erwägungen der Vorinstanz als unrichtig oder nicht stichhaltig erach- tet. Hierbei wird grundsätzlich bei der Begründung der Eingabe eines Laien ein weniger strenger Massstab angewendet als bei derjenigen eines Rechtsvertreters ( SEETHALER/PORTMANN in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensges etz, 2. Aufl. 2016, Rz. 62 ff. zu Art. 52 VwVG; vgl. Urteil D-1361/2020 vom 3. November 2020 [zur Publikation vorgesehen] E. 6.4). 6.5 Der Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz im Kanton (…) und damit in einem Gebiet, welches der deutschen Amtssprache untersteht (vgl. §(…) der Verfassung des Kantons (…). Es wäre mithin der Erlass einer Verfü- gung in deutscher Sprache die Regel gewesen. Das SEM beruft sich in der Begründung seiner materiellen Verfügung auf eine Situation, welche es in Anwendung von aArt. 16 Abs. 2 Bst. b AsylG rechtfertige, die Verfügung ausnahmsweise in einer anderen als der am Wohnort gesprochenen Spra- che, vorliegend in der italienischen Sprache, zu erlassen. Weiter wurde festgehalten, dass es sich um eine vorübergehende Massnahme handle, die dem zügigen Abbau der bei der Vorinstanz noch pendenten altrechtli- chen Verfahren diene. Als Korrektivmassnahme wurden das Dispositiv und die Rechtsmittelbelehrung der Verfügung in die deutsche Sprache über- setzt. Eine Übersetzung der gesamten Verfügung erfolgte nicht. 6.6 Ob das vom SEM gewählte Vorgehen, namentlich die gewählte Korrek- tivmassnahme generell als ausreichend anzusehen ist, um den in Art. 29a BV und Art. 13 EMRK garantierten Anspruch auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz genügend Rechnung zu tragen, kann vorliegend offenblei- ben. Dem Beschwerdeführer war es offensichtlich mit Hilfe der von ihm mandatierten Rechtsvertretung möglich, eine in jeder Hinsicht rechts- genügliche Beschwerde einzureichen, die sich mit allen Aspekten der vor- instanzlichen Verfügung einlässlich auseinandergesetzt hat; die Beschwer-D-1690/2020 Seite 10 deerhebung erfolgte auch fristgerecht. Eine Aufhebung der vorinstanzli- chen Verfügung oder anderweitige Instruktionsmassnahmen gebieten sich daher vorliegend nicht. 7. 7.1 In der Beschwerde werden weiter verschiedene formelle Rügen erho- ben (Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör inklusive Verletzung der Begründungspflicht, unvollständige und un richtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts). 7.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Stan dpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk- ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück- lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un- richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 7.3 7.3.1 Der Beschwerdeführer rügt, mit dem Erlass der Verfügung durch eine andere Person als diejenige, welche die Anhörung durchgeführt habe, sei das rechtliche Gehör verletzt worden und dadurch habe die Vorinstanz das Gutachten von Prof. Dr. Walter Kälin missachtet. 7.3.2 Bei dem vom Beschwerdeführer zitierten Rechtsgutachten handelt es sich lediglich um eine Empfehlung von Prof. Dr. Walter Kälin an das SEM, aus welcher der Beschwerdeführer keine Ansprüche für sich ableiten kann. D-1690/2020 Seite 11 Dasselbe gilt für die Medienmitteilung des SEM vom 26. Mai 2014. Über- dies ist nicht ersichtlich, inwiefern ihm aus der Behandlung seines Falles durch verschiedene Personen ein Nachteil entstanden sein soll. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör ergeben sich keine Vorgaben für die Vor- instanz, die Verfügung müsse durch die befragende Person verfasst wer- den. Die Rüge geht somit fehl. 7.4 7.4.1 Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, das SEM habe ver- schiedene Sachverhaltselemente, wie seine LTTE-Verbindung, den Reich- tum seiner Familie, seinen Gesundheitszustand und die aktuelle Lage in Sri Lanka in keinster oder in offensichtlich unkorrekter Weise in der ange- fochtenen Verfügung erwähnt und dementsprechend nicht berücksichtigt. Der Beschwerdeführer sei verdächtigt worden, ein Versteck der LTTE aus- gehoben zu haben. Somit wäre im Rahmen einer korrekten Begründung zu würdigen gewesen, ob er aufgrund seiner vermeintlichen LTTE-Verbin- dungen aufgrund des auf dem Grundstück seines Vaters aufgefundenen LTTE-Schatzes bei einer allfälligen Rückkehr nach Sri Lanka gefährdet sei. Zudem habe sein Onkel angegeben, dass er aus einer gut betuchten Fa- milie stamme, was als risikobegründender Faktor für eine Verfolgung be- trachtet werden müsse, da eine Reihe von paramilitärischen Gruppierun- gen regelmässig vermögende Personen entführen und erpressen würden, wogegen der sri-lankische Staat keinen Schutz biete. Ferner habe das SEM den Sachverhalt nicht richtig festgestellt, indem es die neusten Länderinformationen nicht beachtet habe, wonach Personen mit einem Profil wie dem seinigen bei einer Rückkehr nach Sri Lanka aus dem Exil (insbesondere aus der Schweiz) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt seien. Zu- dem sei es erschreckend, dass das SEM nicht einmal ansatzweise versu- che, die von ihm erwähnten Quellen korrekt zu würdigen. Das SEM gehe nicht auf einzelne konkrete Artikel ein, sondern stelle lediglich die Schluss- folgerung in den Raum, wonach in der Zeitung angeblich nicht über grosse Veränderungen der Situation im tamilisch geprägten Norden und Osten Sri Lankas berichtet worden sei. Eine Überprüfung der Berichterstattung des Tamil Guardian offenbare allerdings das Gegenteil. Eine korrekte Würdi- gung dieser Berichterstattung hätte dazu führen müssen, dass sich die Si- tuation seit den Präsidentschaftswahlen sehr wohl verschlechtert habe. Die nachweislich falsche Einschätzung der aktuellen Lage in Sri Lanka und die faktenwidrige Argumentation in der angefochtenen Verfügung würden eine schwere Verletzung der Begründungspflicht darstellen. Es sei somit nicht D-1690/2020 Seite 12 nur unter dem Titel der unvollständigen und unrichtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie der Beweiswürdigung, sondern auch unter dem Titel der Verletzung der Begründungspflicht zu rügen, dass das SEM die gut dokumentierte politische und menschenrechtliche Situa- tion in Sri Lanka nicht berücksichtigt habe. Zudem habe das SEM offenzu- legen, auf welche Quellen es sich bei der Beurteilung der aktuellen Lage in Sri Lanka stütze. 7.4.2 Vorliegend hat das SEM die individuellen Asylgründe des Beschwer- deführers vor dem Hintergrund der aktuellen Lage genügend abgeklärt und den Sachverhalt hinreichend festgestellt. Das SEM erwähnte im Sachver- halt, dass der Beschwerdeführer vom CID verdächtigt worden sei, auf dem Grundstück der Familie einen Schatz entwendet zu haben, und begründete auch hinreichend, warum es dieses Vorbringen als unglaubhaft erachtet . Folglich hat das SEM zu Recht nicht geprüft, ob dieses Vorbringen bei einer allfälligen Rückkehr zu einer Gefährdung führen könnte. Der Onkel des Beschwerdeführers gab zwar an, er stamme aus einer eini- germassen wohlhabenden Familie (vgl. Akte N […] A25/14 F22). Der Be- schwerdeführer meinte seinerseits, er gehöre zur Mitte lschicht (vgl. Akte A17/15 F17 ff.). Weder der Onkel noch der Beschwerdeführer haben aber je geltend gemacht, sie seien aufgrund dessen verfolgt worden oder sie hätten sich deswegen vor einer Entführung durch paramilitärische Grup- pierungen gefürchtet. Für das SEM bestand deshalb kein Anlass , im Zu- sammenhang mit der Prüfung der Asylgründe näher darauf einzugehen. Warum in der Beschwerde gerügt w ird, der Gesundheitszustand des Be- schwerdeführers sei nicht hinreichend abgeklärt worden, ist nicht nachvoll- ziehbar. Der Beschwerdeführer hat anlässlich der BzP und der Anhörung angegeben, es gebe keine gesundheitlichen Gründe, die gegen eine allfäl- lige Rückkehr sprechen würden (vgl. Akten A7/13 Ziff. 8.02, A17/15 F122), und auch in den Akten liegen keine Dokumente zum Gesundheitszustand vor. In der Beschwerde selbst werden sodann keine gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers angegeben oder Arztberichte einge- reicht. Das SEM konnte deshalb darauf verzichten , den Gesundheitszu- stand weiter abzuklären oder näher darauf einzugehen. Das SEM hat sodann hinreichend begründet, weshalb es die Flüchtlings- eigenschaft des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung der aktuellen Lage in Sri Lanka verneint und eine Rückkehr des Beschwerdeführers für zulässig und zumutbar erachtet. Alleine der Umstand, dass das SEM zum D-1690/2020 Seite 13 einen in seiner Länderpraxis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer vertreten, und es zum anderen aus sachlichen Gründen auch zu einer anderen Würdigung der Gesuchsvorbringen gelangt, als vom Beschwerdeführer verlangt, und Quellen anders interpretiert, spricht weder für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung noch stellt dies eine Verlet- zung der Begründungs- beziehungsweise Beweiswürdigungspflicht dar. Der Beweisantrag, das SEM habe die Quellen, auf welche es sich stütze, offenzulegen, ist ebenfalls abzuweisen. Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung öffentlich zugängliche Quellen aufgeführt. 7.5 Die formellen Rügen erweisen sich demzufolge als unbegründet, wes- halb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aus formel- len Gründen aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren und Beweisanträge sind abzuweisen. 8. 8.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 8.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2012/5 E. 2.2). 9. 9.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. Im Einzelnen führte es aus, die Schilderungen des Beschwerdeführers an- lässlich der BzP und der Anhörung seien wenig detailliert gewesen. Er sei nicht im Stande gewesen zu erklären, wem der Schatz gehört habe, der auf dem Grundstück seines Vaters gefunden w orden sei, wer diesen ge- nommen habe und was der Schatz beinhaltet habe und was ausgegraben D-1690/2020 Seite 14 worden sei. Angesichts dessen, dass der Schatz auf ihrem Grundstück ge- funden worden sei, er und sein Onkel die Grube besichtigt hätten und dies der Grund für die Pro bleme mit dem CID sei, sei seine Unkenntnis nicht nachvollziehbar (A7/13 S. 8-9). Er habe diese damit begründet, dass sei- nem Vater nie gesagt worden sei, was auf ihrem Grundstück gefunden wor- den sei (A17/15 F60). Da sein Onkel aber offensichtlich gewusst habe, um was es sich gehandelt habe, erschein e es nicht nachvollziehbar, dass er nicht einmal danach gefragt habe und dies auch ein Jahr nach dem Vorfall nicht (A17/15 F53). Auch bezüglich des Briefes des CID, won ach er und sein Onkel sich beim Hauptsitz hätten melden müssen und welcher seinem Vater übergeben worden sei, habe er keine genauen Angaben machen können. Dies habe er damit erklärt, dass er den Brief nicht gesehen haben und sein Vater nur knapp darüber am Telefon gesprochen habe (A17/15 F110). Zudem habe er nicht spezifizieren können, wie viele CID-Leute am 5. September 2018 zu ihm nach Hause gekommen seien. Er sei auch nicht im Stande gewesen auszuführen, auf welche Art und Weise diese Besuche abgelaufen (A17/15 F72) oder in welchen Abständen sie bei ihm zuhause aufgekreuzt seien (A17/15 F82). Ausserdem habe er nicht angeben kön- nen, wie viele Tage nach der Entführung seines Vaters dieser ihm darüber berichtet habe (A7 /13 S. 9). Angesichts seiner Furcht um sein Leben er- staune sein gering es I nteresse an Informationen über die Besuche de s CID. Zudem sei die Erklärung, er und sein Onkel seien bei der Grube von den Nachbarn beobachtet worden (A17/15 F52, F63), weshalb er und sein Onkel und nicht sein Vater, welcher der eigentliche Grundstückbesitzer sei, vom CID gesucht worden seien, absurd. Auch seine Ausführungen zum Grundstückstreit mit Singhalesen und der Vermutung, diese hätten sie bei der Grube beobachtet und beim CID gemeldet, seien vage und undetailliert gewesen (A17/15 F52, F54, F57). Er habe keine plausible Erklärung auf die Frage geben können, warum das CID aufgrund eines Fundes auf ihrem Grundstück habe intervenieren müssen (A17/15 F56). Auf die Frage, wes- halb er das Land verlassen habe, obwohl er keine Ahnung habe, was das CID genau von ihm wissen wolle und warum er zu einem Besuch vorgela- den worden sei, hab e er geantwortet, dass ein «Bruder» vom Dorf auch aufgefordert und mitgenommen worden sei und man nicht wisse, ob er noch am Leben sei oder nicht (A17/15 F64). Die Vorbringen seien zu vage und unlogisch, um sie für glaubhaft zu erachten. Während seiner Erzählung sei es ferner zu wesentlichen Unstimmigkeiten gekommen. Anlässlich der BzP vom 23. November 2018 habe er angege- ben, er habe sich zwei Wo chen bei der Verwandten T. versteckt (A7/1 3 S. 8-9). Demgegenüber habe er anlässlich der Anhörung gesagt, er sei nur D-1690/2020 Seite 15 eine Woche dort gewesen (A17/15 F46). Weiter habe er anlässlich der BzP angegeben, dass zwei Tage nach Eintreffen des Briefes des CID dieses seinen Vater mitgenomm en und auf einen bewaldeten H ügel von E._______ gebracht habe. Im Gegensatz dazu habe er anlässlich der An- hörung angegeben, eine Woche nach Eingang des B riefes sei sein Vater mit Gewalt in einem Van entführt worden (A17/15 F46, F111). Als er unmit- telbar danach mit dem Widerspruch konfrontiert worden sei, habe er diesen nicht erklären können (A17/15 F112). Später habe er wiederum angege- ben, innerhalb von zwei Tagen nach Erhalt des Briefes sei sein Vater mit- genommen worden (A17/15 F114). Im Verlaufe der BzP habe er angege- ben, dass sein Vater ihn zwei Tage nach Erhalt des Briefes angerufen habe (A7/13 S. 9), während er anlässlich der Anhörung gesagt habe, dass ihn sein Vater zwei Tage nach dessen Mitnahme angerufen und ihm darüber berichtet habe (A17/15 F117). Auch diesen Widerspruch habe er nicht auf- zulösen vermocht (A17/15 F118). Während der BzP habe er gesagt, dass das CID denke, dass sie den ausgegrabenen Schatz genommen hätten (A7/13 S. 8). Demgegenüber habe er anlässlich der Anhörung angegeben, dass er und sein Onkel die Grube besichtigt hätten, dass etwas gefunden worden sei, sie aber nicht wüssten, was es gewesen sei, dass jemand dies kommuniziert habe und das CID deswegen zu ihnen gekommen sei (A17/15 F51-53). Auf diesen Widerspruch angesprochen, habe er nur eine unwahrscheinliche und repetitive Erklärung gehabt, indem er meinte, sie hätten es sich angeschaut und jemand habe gemeldet, dass sie es genom- men hätten (A17/15 F119). Im Verlauf der Anhörung habe er angege ben, dass er die Kühe getrieben habe, als er das Loch gesehen habe . Mitte August 2018, sprich drei oder vier Wochen nach Entdeckung des Lochs (A17/15 F68), sei die Polizei zu seinem Vater nach Hause gegangen, um sie aufzusuchen. Dieses Ereignis sei von seinem Vater dem Dorfvorsteher gemeldet worden (A17/15 F66). Unverständlicherweise seien diese we- sentlichen Ereignisse anlässlich der BzP nicht annähernd angesprochen worden, obwohl er die Möglichkeit gehabt habe, sich ausführlich zu seinen Asylgründen zu äus sern (A7/13 S. 8-9). Seine widersprüchlichen und nachgeschobenen Schilderungen würden vor diesem Hintergrund den An- forderungen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG nicht standhalten. Dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise einer asylrelevanten Ver- folgung ausgesetzt gewesen sei, habe er somit nicht glaubhaft machen können. Er sei auch nie Mitglied der LTTE gewesen und habe nie mit die- sen zusammengearbeitet. Im Gegenteil habe er sich bis Ende November 2018 in Sri Lanka aufgehalten und somit nach Kriegsende noch zehn Jahre D-1690/2020 Seite 16 in seinem Heimatland gelebt. Allfällige, im Zeitpunkt der Ausreise beste- hende Risikofaktoren hätten kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lan- kischen Behörden auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt wer- den solle. Auch die am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit dem Sieg von Gotabaya Rajapaksa vermöge diese Einschätzung nicht umzustossen. Wie immer prüfe das SEM das Verfolgungsrisiko im Einzel- fall. Voraussetzung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswahl sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Per- son zu eben diesem Ereignis respekt ive dessen Folgen. Dafür reiche es nicht aus, pauschal auf politische Entwicklungen der jüngeren Vergangen- heit oder mögliche Zukunftsszenarien zu verweisen. Stattdessen müsse im Einzelfall eine beachtliche Wahrscheinlichkeit vor liegen. Dies sei vorlie- gend nicht der Fall. Somit bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnah- men im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sein werde. 9.2 In der Beschwerde wird demgegenüber im Wesentlichen geltend ge- macht, dem SEM sei zuzustimmen, dass s eine Ausführungen zum Teil vage und unkonkret, zum Teil auch unlogisch ausgefallen seien. Es sei al- lerdings unzulässig, daraus auf die Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen zu schliessen. Er habe nie selbst mit den CID -Beamten gesprochen. Sämtli- che Angaben zu diesem Vorbringen würden lediglich auf Hörensagen be- ruhen. Es handle sich bei den vagen Ausführungen um Rationalisierungs- versuche. Da er nicht gebildet s ei und aus einem bäuerlichen Umfeld stamme, seien die Rationalisierungsversuche entsprechend ausgefallen. Der Schatz sei von unbekannten Personen ausgegraben worden. Er wisse deshalb nicht genau, was auf dem Grundstück seines Vaters während des Bürgerkrieges vergraben und 2018 wieder ausgegraben worden sei. Aber als Sohn eines Grundstückbesitzers, der zudem von Zeugen bei der Grube (und somit beim vermeintlichen Ausgraben) gesehen worden sei, sei er ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten. Es handle sich um Gerüchte über den Inhalt von solchen Verstecken und Schätzen, die von den LTTE insbesondere in der Region, wo er gewohnt habe, angelegt worden seien. Zur gleichen Zeit seien in der Region auf Nachbargrundstücken und in Nachbardörfern verschiedene solche LTTE-Schätze ausgehoben worden. Aus diesem Grund sei es auch zu einer erhöhten Präsenz des CID gekom- men, das offenbar über die LTTE-Funde informiert worden sei und entspre- chende Ermittlungen an die Hand genommen habe. Praktisch immer seien D-1690/2020 Seite 17 beim Auffinden solcher LTTE-Lager Tamilen verhaftet worden. Es brauche extrem genaue Ortskenntnisse, um einen vergrabenen Schatz nach zehn Jahren wieder aufzufinden. Werde also ein entsprechendes LTTE-Versteck von den sri-lankischen Behörden gefunden, würden jene ins Visier geraten, die bei der entsprechenden Grube gesehen worden seien. Es sei deshalb logisch, dass er ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten sei und un- ter dem Verdacht st ehe, eine direkte Verbindung zu den LTTE zu haben und auch zehn Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges an einer Wieder- belebung des tamilischen Separatismus beteiligt zu sein, indem er einen Schatz der LTTE ausgehoben habe. Die behördliche Verfolgung sei durch eine polizeiliche Vorladung (message form) in Singhalesisch (inklusive englischer Übersetzung) der (…) für den Beschwerdeführer und seinen Onkel vom 22. Oktober 2018 belegt worden, welche dem Vater des Be- schwerdeführers übergeben worden sei. Aufgrund des Reichtums seiner Familie sei er von seinem singhalesischen Nachbarn denun ziert oder an- gezeigt worden. Er könne jederzeit Opfer von Erpressung von notorisch korrupten sri-lankischen Sicherheitsbeamten werden. Er sei illegal in die Schweiz geflüchtet. Die Begründung des SEM in Bezug auf die Unglaub- haftigkeit verschiedener Sachver haltselemente sei nicht nachvollziehbar und teilweise schlicht falsch. Der Beschwerdeführer weise folgende Risikofaktoren gemäss dem Refe- renzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 auf: Auf dem Grundstück der Fa- milie des Beschwerdeführers sei ein LTTE -Warenlager ausgehoben wor- den. Er sei von Zeugen bei der Grube gesehen und denunziert oder ange- zeigt worden. Er weise somit in den Augen der sri -lankischen Behörden eine klare und aktuelle LTTE -Verbindung auf (1). Es sei eine polizeiliche Vorladung betreffend ihn und seinen Onkel ausgehändigt worden. Die ver- meintliche LTTE-Verbindung sei deshalb behördlich registriert worden. Es sei davon auszugehen, dass er sich auf einer Stop - oder Watch-Liste be- finde (2). Sein Reichtum stelle einen weiteren Risikofaktor dar (vgl . Urteil des BVGer E -6220/2006 vom 26. Oktober 2011; (3)). Er halte sich über zwei Jahre in der Schweiz – einem Hort des tamilischen Separatismus – auf (4). Er verfüge über keine gültigen Einreisepapiere (5). Drei dieser Ri- sikofaktoren seien als stark einzustufen (1-3), während zwei (4-5) eher ge- nereller Natur seien, aber auch für sich alleine genommen eventuell zu ei- ner asylrelevanten Verfolgung in Sri Lanka führen könnten. In ihrer Kumu- lation ergebe sich jedenfalls, dass die Risikofaktoren nach geltender Rechtsprechung zwingend zu einer Bejahung der Flüchtlingseigenschaft führen müssten. Besonders hervorgehoben werden müsse vor allem, dass vor dem Hintergrund der neuen Ausgangslage die einzelnen Risikofaktoren D-1690/2020 Seite 18 verstärkt Geltung hätten, da sich mit dem Wiedereinzug von Mahinda Raja- paksas in das zweithöchste Exekutivamt das Verfolgungsrisiko massiv ver- stärkt habe. 10. 10.1 In der Beschwerde wird den Ausführungen des SEM zugestimmt, in- sofern es feststellte, die Schilderungen des Beschwerdeführers seien teil- weise vage, unkonkret und unlogisch ausgefallen. Hierzu wird erklärt, der Beschwerdeführer habe die Informationen nicht von CID -Personen erhal- ten, sondern vom Hörensagen und versuche, den Ereignissen einen Sinn zu geben. Dies erklärt zwar seine vagen Äusserungen, jedoch nicht die Vielzahl vom SEM aufgeführten Widersprüche, welche in der Beschwerde keineswegs aufgelöst werden. In der Beschwerde werden auch keine Aus- führungen dazu gemacht, warum der Beschwerdeführer anlässlich der BzP nicht erwähnte, dass vor dem CID be reits die Polizei wegen der Ausgra- bung bei ihnen nachgefragt hatte. Zudem ist schwer vorstellbar, dass der Beschwerdeführer und seine Familie die angebliche Ausgrabung nicht be- merkt haben, zumal in der Beschwerde berichtet wird, dass sogar die sri - lankischen Medien über solche Funde berichten würden und solche Mel- dungen mit gross angelegten Suchaktionen der sri-lankischen Sicherheits- kräften verbunden seien (Beschwerde S. 23). Schliesslich konnte der Be- schwerdeführer nicht erklären, warum das Interesse des CID ihm und nicht seinem Vater, dem das Grundstück gehört, gelte (vgl. Akte A17/15 F63). Der Beschwerdeführer war im Jahre 2009, als der Bürgerkrieg endete, (…) Jahre alt und hatte deshalb kaum die in der Beschwerde erwähnten exak- ten Ortskenntnisse, wo die LTTE während dem Krieg einen Schatz ver- steckt hatten. Wenn das CID also vermuten würde, dass auf d em Grund- stück des Vaters des Beschwerdeführers ein LTTE-Schatz ausgegraben worden ist, hätte v ielmehr der Vater ins Visier des CID geraten müssen. Unter diesen Umständen und aufgrund der Vielzahl widersprüchlicher Aus- sagen (vgl. dazu die angefochtene Verfügung sowie E. 9.1) kann deshalb dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden, dass er im Zusammenhang mit einer Ausgrabung eines LTTE-Schatzes von den sri-lankischen Behör- den im Zeitpunkt der Ausreise verfolgt worden ist. 10.2 An dieser Feststellung vermögen weder die mit der Beschwerde ein- gereichte Vorladung noch die Medienberichte etwas zu ändern. Aus der Vorladung geht nicht hervor, in welchem Zusammenhang der Beschwerde- führer und der Onkel vorgeladen worden sind. Zudem erscheint merkwür- dig, dass der Beschwerdeführer diese Vorladung erst im Zusammenhang mit der Beschwerde einreichte, obwohl sie im Oktober 2018 ausgestellt D-1690/2020 Seite 19 worden zu sein scheint, weshalb Zweifel an deren Echtheit bestehen. Der Beschwerdeführer wird in den Medienberichten über Funde von ehemali- gen LTTE-Gegenständen n icht namentlich erwähnt, weshalb er daraus keine persönliche Verfolgung ableiten kann. 10.3 Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, eine ihm im Zeit- punkt seiner Ausreise drohende flüchtlings rechtlich relevante Gefähr- dungslage nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. 11. 11.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht ge- nerell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausge- setzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurtei- lung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeint- lichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam- menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O. E. 8.4.1 - 8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl . a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Es ist im Einzelfall abzuwägen, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei ist in Betracht zu ziehen, dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinn von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri -lankischen Behörden zuge- schrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wie- deraufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). 11.2 Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, ist es unglaub- haft, dass der Beschwerdeführer in Sri Lanka vor seiner Ausreise von den D-1690/2020 Seite 20 sri-lankischen Behörden verfolgt worden ist. Es bestehen keine Verbindun- gen zwischen dem Beschwerdeführer und den LTTE. Der Beschwerdefüh- rer war sodann im Zeitpunkt des Kriegsendes im Jahre 2009 gerade einmal (…) Jahre alt und machte keine Mitgliedschaft oder Mitarbeit für die LTTE geltend. Auch in seiner Familie war niemand bei der LTTE (vgl. Akte A17/15 F44). Zudem macht er keine politischen Aktivitäten in der Schweiz geltend (vgl. Akte A17/15 F121). Es besteht deshalb kein Anlass zur Annahme, er würde im Falle der Rückkehr die Aufmerksamkeit der heimatlichen Behör- den in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Mass auf sich ziehen. Allein die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur tamilischen Ethnie, seine mehr- jährige Landesabwesenheit sowie die Asylgesuchstellung in einem tamili- schen Diasporaland reichen nicht aus, um im Falle einer Rückkehr von Verfolgungsmassnahmen auszugehen (vgl. R eferenzurteil des BVGer E - 1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.2). Weiter sind Angehörige der tamili- schen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernst- zunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt (vgl. E-1866/2015 E. 8.3). Di e Ausführungen, dass der Beschwerdeführer als Mitglied einer bestimmten sozialen Gruppe respektive als Angehöriger der Risikogruppe von Personen, die aus der Schweiz – einem tamilischen Diasporazentrum – nach längerer Zeit zurückkehrten, verfolgt würde, geht daher fehl. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in Sri Lanka. Die Präsidentschaftswahlen von November 2019 und daran an- knüpfende Ereignisse vermögen diese Einschätzung nicht in Frage zu stel- len (vgl. dazu im Einzelnen: U rteil des BVGer E-1156/2020 vom 20. März 2020 E. 6.2). Es besteht zudem kein persönlicher Bezug des Beschwerde- führers zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive de- ren Folgen. Auch aus den auf Beschwerdeebene eingereichten zahlrei- chen Dokumenten zur allgemeinen Lage und politischen Situation in Sri Lanka vermag der Beschwerdeführer keine auf seine Person bezogene konkrete Gefährdung darzulegen. Objektive Nachfluchtgründe, bei denen eine Gefährdung entstanden ist aufgrund von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die der Betreffende keinen Einfluss nehmen konnte (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.), liegen vorliegend nicht vor. Es sind auch sonst keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass der Beschwerdefüh- rer im aktuellen politischen Kontext in Sri Lanka in den Fokus der sri-lanki- schen Behörden geraten ist, weshalb er keine Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder glaubhaft zu machen vermag. D-1690/2020 Seite 21 11.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch des Beschwerdefüh- rers abgelehnt hat. 12. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 13. 13.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 13.2 13.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiter- reise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumut- bar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situatio- nen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu ge- währen. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch D-1690/2020 Seite 22 in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden ka nn (Art. 83 Abs. 2 AIG). 13.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin- dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal- tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs- vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 12). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Ent- wicklungen in Sri Lanka festzuhalten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat zudem wiederholt festgestellt, dass nicht ge- nerell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Ein- zelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11, Ziff. 37; neueren Datums bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten erge- ben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit per- sönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig. 13.3 13.3.1 Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allge- meiner Gewalt. Der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz Sri Lankas ist zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie- hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E -1866/2015 E. 13.2). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Entwick- lungen in Sri Lanka festzuhalten. 13.3.2 Der Beschwerdeführer stammt aus C._______ (Nordprovinz), wo er seit seiner Geburt bis fünf Wochen vor seiner Ausreise mit sei ner Familie gelebt habe. Ein Vollzug in diese Provinz ist im Lichte der Rechtsprechung zumutbar. In vorliegendem Fall sprechen sodann keine individuellen Gründe gegen einen Wegweisungsvollzug. Der Beschwerdeführer be- suchte elf Jahre die Schule , hat eine Au sbildung als (…)techniker abge- schlossen und danach auf seinem Beruf gearbeitet (vgl. Akte A7 /13 D-1690/2020 Seite 23 Ziff. 1.17.04). Seine Familie besitzt Land, welches sie mit zwei bis drei An- gestellten bewirtschaftet und ist finanziell gut gestellt (vgl. A17/15 F11-19). Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass er existenzielle Schwierigkeiten haben wird. In C._______ verfügt der Beschwerdeführer mit seinen Eltern und zwei Schwestern über ein Beziehungsnetz und eine gesicherte Wohnsituation (vgl. Akte A17/15 F9). Nach dem Gesagten er- weist sich der Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar. 13.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 13.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den W egweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 14. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verl etzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der Beschwerde und die eingereichten Beweismittel – die sich ganz überwie- gend auf die generelle Situation in Sri Lanka beziehen, ohne einen indivi- duellen Bezug zum Beschwerdeführer zu haben – noch näher einzugehen. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 15. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten zufolge der sehr um- fangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen Be- zug zum Beschwerdeführer praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1'500.– fest- zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Zur Begleichung der Verfahrenskosten ist der am 10. Sep- tember 2020 in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-1690/2020 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1’500.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfah- renskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Mia Fuchs Sarah Ferreyra Versand: