B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4752/2014 U r t e i l v o m 2 0 . D e z e m b e r 2 0 1 6 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiber Alfred Weber. Parteien A._______, geboren am (…), deren Lebenspartner, B._______, geboren am (…), und die Kinder C._______, geboren am (…), und D._______, geboren am (…), unbekannter Staatsangehörigkeit, alle vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügungen des BFM vom 24. Juli 2014 / N (…). D-4752/2014 Seite 2 Sachverhalt: I. A. Der Beschwerdeführer (Lebenspartner/Vater) verliess eigenen Angaben zufolge den Heimatstaat am 3. Juni 2011 Richtung Nepal und gelangte am 27. Juli 2011 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Nach der Befragung zur Person (BzP) im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______ vom 16. August 2011 wurde er für die Dauer des Verfah- rens dem Kanton Nidwalden zugewiesen. B. Mit Zuweisungsentscheid des BFM vom 3. respektive 8. Mai 2013 wurde der Beschwerdeführer gestützt auf sein zweites Kantonswec hselgesuch vom 12. April 2013 dem Kanton F._______ zugewiesen, wo sich die von ihm in der Schweiz kennengelernte Beschwerdeführerin ( Lebenspartne- rin/Mutter) und das gemeinsame Kind, welches er am (Datum) anerkannt hatte, aufhalten. C. Am 18. Oktober 2013 wurde der Beschwerdeführer durch das BFM zu sei- nen Asylgründen angehört. Hinsichtlich der diesbezüglichen Vorbringen wird auf die Akten verwiesen. D. Am 12. November 2013 führte ein Experte der Fachstelle LINGUA im Auf- trag des BFM mit dem Beschwerdeführer ein Telefongespräch durch und ein weiterer Experte gelangte in einer sprachlich -länderkundlichen Her- kunftsanalyse vom 6. Mai 2014 zum Schluss, die Sozialisation des Be- schwerdeführers habe eindeutig in der exiltibetischen Gemeinscha ft aus- serhalb der Volksrepublik China stattgefunden, aber eindeutig nicht im Au- tonomen Gebiet Tibet, Volksrepublik China. Zum entsprechenden Analyse- bericht wurde dem Beschwerdeführer mit Schreiben des BFM vom 12. Mai 2014 das rechtliche Gehör eingeräumt, wozu er am 18. Mai 2014 schriftlich Stellung nahm. E. Das BFM stellte mit separater Verfügung vom 24. Juli 2014 – eröffnet am 26. Juli 2014 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verf ügte es die D-4752/2014 Seite 3 Wegweisung des Beschwerdeführer s aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug unter Ausschluss in die Volksrepublik China an. F. Mit Eingabe vom 25. August 2014 liess der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einreichen. Zur Begründung wird durch den Rechtsvertreter unter anderem ausgeführt, für beide Beschwerdeführenden (vgl. Bst. M. nachstehend) gemeinsam eine Eingabe einzureichen, da es für die Familie nur ein und dieselbe Entschei- dung geben dürfe. Für die Begründung der Beschwerde stütze er sich im Wesentlichen auf das Verfahren und die Akten der Beschwerdeführerin. II. G. Die Beschwerdeführerin verliess eigenen Angaben zufolge den Heimat- staat am 17./18. Mai 2011 Richtung Nepal und gelangte nach einem rund zweimonatigen dortigen Aufenthalt am 25. Juli 2011 in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Im Rahmen der am 25. August 2011 durchgeführten BzP im EVZ G._______ führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, sie sei chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie, sei nach Brauch verheiratet und stamme aus dem Dorf H._______, Provinz Kham, wo sie von Geburt bis zur Ausreise gelebt habe. Ihr Vater habe für das Kloster (Name) demonstriert und sei bis zu ihrer Ausreise nicht mehr zurückgekehrt. Nachdem ihr Vater etwa eine Woche verschwunden gewe- sen sei, habe sie am 4. Mai 2011 beim Wasserholen am Fluss einen chi- nesischen Polizisten (Tibeter) angetroffen und ihn nach dem Aufenthaltsort ihres Vaters gefragt, worauf dieser ihr zur Antwort gegeben habe, ihr Vater sei – falls er demonstriert habe – im Gefängnis. Sie habe den Polizisten angespuckt und gesagt, Tibet gehöre den Tibetern und eines Tages werde der Dalai Lama zurückkehren. Sie sei gefesselt , mitgenommen und drei Nächte in einem Zimmer eingesperrt worden. Sie sei in dieser Zeit mehr- mals vergewaltigt worden. In der dritten Nacht sei ihr die Flucht gelungen. Sie sei um etwa drei Uhr in der Nacht zu Hause angekommen und habe der Familie über das Vorgefallene berichtet. Die Eltern hätten ihr zur Flucht geraten. Noch am gleichen Morgen des 7. Mai 2011 habe sie ihr Dorf Rich- tung C verlassen und sei einen Tag spät er nach L . weitergereist, wo sie sich zunächst ungefähr eine Woche lang bei einem Onkel aufgehalten habe, ehe sie die Flucht nach D., einem Grenzort zu Nepal, fortgesetzt habe. Auf der zweitägigen Autofahrt dorthin habe sie nicht gross geschaut, weshalb sie nicht sagen könne, wo sie durchgefahren sei. Nepal habe sie D-4752/2014 Seite 4 am 24. Juli 2011 in Begleitung einer westlichen Person, die einen mit ihrem Namen und Foto versehenen dunkelgrünen (vermutlich nepalesischen) Pass bei sich gehabt habe, auf dem Luftweg verlassen. Nach einer Zwi- schenlandung in B. ("dort hatte es viele Asiaten") sei sie mit einem anderen Flugzeug in ein unbekanntes Land weitergeflogen und nach der Landung mit dem Zug in die Schweiz weitergereist, wo si e am 25. Juli 2011 in E._______ angekommen sei. Ansonsten habe sie keine Probleme mit den heimatlichen Behörden gehabt. In der Folge wurde die Beschwerdeführerin für die D auer des Verfahrens dem Kanton F._______ zugewiesen. H. Am (Datum) wurde in Winterthur das Kind C._______ geboren. Nach Gut- heissung des Kantonswechselgesuch s des Beschwerdeführers (vgl. Bst. B. hiervor) wurde das Verfahren der Beschwerdeführerin und des Kindes unter der Verfahrensnummer des Beschwerdeführers (Dossierzusammen- legung) weitergeführt. I. Am 18 . Oktober 2013 wurde die Beschwerdeführerin im Rahmen von Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) durch das BFM angehört. Dabei wieder- holte sie im Wesentlichen den bereits geltend gemachten Sachverhalt. Hin- sichtlich der diesbezüglichen Vorbringen wird auf die Akten verwiesen. J. Am 12. November 2013 führte ein Experte der Fachstelle LINGUA im Auf- trag des BFM mit der Beschwerdeführerin ein Telefongespräch durch und ein weiterer Experte gelangte in einer sprachlich -länderkundlichen Her- kunftsanalyse vom 8. Mai 2014 zum Schluss, die Sozialisation der Be- schwerdeführerin habe sehr wahrscheinlich in der exiltibetischen Gemein- schaft ausserhalb der V olksrepublik China stattgefunden, aber eindeutig nicht – wie von ihr ausgeführt – im Kreis (…), Gebiet (…), Autonomes Ge- biet Tibet, oder Bezirk (…), Provinz (…), Volksrepublik China. Zum entspre- chenden Analysebericht wurde der Beschwerdeführerin mit Schreiben des BFM vom 12. Mai 2014 das rechtliche Gehör eingeräumt, wozu sie am 18. Mai 2014 schriftlich Stellung nahm. Darauf wird, soweit entscheidwesent- lich, in den Erwägungen eingegangen. K. Mit Schreiben des BFM vom 25 Juni 2014 wurde die Beschwerdeführerin D-4752/2014 Seite 5 zur Einreichung eines Arztberichts aufgefordert. Am 3. Juli 2014 fand ein "Arztbrief" der Hausarztpraxis V. von Dr. med. C.M., Allgemeine Innere Me- dizin FMH, Sonographie, Eingang in die Akten. Mit Eingabe vom 5. Juli 2014 nahm die Beschwerdeführerin Stellung zu ihrem gesundheitlichen Zustand und entband ihren Arzt vom Arztgeheimnis. L. Das BFM stellte mit separater Verfügung vom 24. Juli 2014 – eröffnet am 26. Juli 2014 – fest, die Beschwerdeführerin und ihr Kind C._______ erfüll- ten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Weg weisung der Beschwerdeführerin und ih- res Kindes aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug unter Ausschluss in die Volksrepublik China an. Zur Begründung wurde zusam- menfassend ausgeführt, die Beschwerdeführerin vermöge keine Verfol- gung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Aufgrund erheblicher Zweifel an der geltend gemachten Her- kunft sei eine Herkunfts- und Sprachanalyse durch einen externen Exper- ten durchgeführt worden (vgl. Bst. J. hiervor). Seine Schlüsse habe der Experte aus den ungen ügenden Kenntnisse der Beschwerdeführerin be- züglich der administrativen Einheiten des Autonomen Gebiet s Tibet, den Angaben zur Weidewirtschaft und Pferdehaltung sowie zu den Lebensmit- telpreisen gewonnen. Aufgrund der linguistischen Analyse habe die sach- verständige Person festgestellt, dass die Sprache der Beschwerdeführerin im Allgemeinen keine Kham -Tibetischen Merkmale aufweise und sie kei- nen osttibetischen Dialekt spreche, sondern die exiltibetische Koine. Aus- serdem verfüge sie über sehr geringe Chinesisch-Kenntnisse und benütze im Gespräch kaum chinesische Bezeichnungen. Im Rahmen des gewähr- ten rechtlichen Gehörs habe sie der Analyse des Experten nichts entge- genzusetzen vermocht . Sie habe dabei geltend g emacht, als Nomadin habe sie keine K enntnis über all e administrativen Einheiten des Autono- men Gebiets Tibet. Zudem habe sie angegeben, sie habe erklärt, wie man den Pferdesattel benutze, und den Steigbügel korrekt benannt. Hausarbei- ten würden im Allgemeinen von Frauen erledigt und auswärtige Angele- genheiten von den Vätern und Ehemännern, zudem seien ihr keine Waren- preise bekannt. Sie habe zudem vorgebracht, während des Gesprächs den Kham-Dialekt gesprochen zu haben, als sie dazu aufgefordert worden sei. Die Vorinstanz erwog diesbezüglich, sie habe inkorrekte Angaben zum Sat- tel und zum Steigbügel gemacht. Es erscheine zudem nicht plausibel, dass eine Frau ihres Alters noch nie einkaufen gewesen sei. Exiltibetische oder Lhasa-tibetische Elemente hätten überwogen, als sie während des Inter-D-4752/2014 Seite 6 views aufgefordert worden sei, über Ereignisse des Vormittags zu spre- chen. Die Beschwerdeführerin habe ihre Herkunft aus der Volksrepublik China nicht überzeugend darlegen können. Das eingereichte ärztliche Schreiben, das ausschliesslich auf den Angaben der Beschwerdeführerin beruhe, sei nicht geeignet, ihre Herkunft aus dem Autonomen Gebiet Tibet zu belegen beziehungsweise die obenstehenden Erwägungen umzustos- sen. Dem Schreiben könne lediglich entnommen werden, dass sie an "PTS" leide, die geltend gemachte Ursache könne hingegen nicht geglaubt werden. Ferner genügten die Asylvorbringen nicht den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG. Hinsichtlich der unter Angabe der Fundstellen in den Protokollen des EVZ und der Anhörung angeführten Un- glaubhaftigkeitselemente wird auf die angefochtene Verfügung verwiesen (vgl. II/Ziff. 3 S. 4 und 5). Das BFM erwog weiter, da s Bundesverwaltungsgericht habe in Präzisie- rung der Rechtsprechung in seinem Urteil BVGE 2014/12 (Anmerkung des Gerichts) festgehalten, dass für eine asylsuchende Person tibetischer Eth- nie, welche unglaubhafte Angaben über ihren angeblichen Sozialisierungs- raum in der Volksrepublik China mache, grundsätzlich davon ausgegangen werden könne, dass sie eine Aufenthaltsbewilligung oder eine Duldung in einem Drittstaat oder aber sogar eine andere Staatsangehörigkeit besitze. Somit sei zu prüfen, ob eine asylsuchende Person tibetischer Ethnie in ei- nem Drittstaat beziehungsweise ihrem effektiven Heimatland ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 AsylG ausgesetzt sei. Verunmögliche sie jedoch durch Verletzung der Mitwirkungspflicht die dafür nötigen Abklärungen, müsse das BFM davon ausgehen, dass keine flüchtlings - oder wegwei- sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Auf- enthaltsort bestünden. Da bei einer asylsuchenden Person unbestrittener- massen tibetischer Ethnie die Möglichkeit nicht auszuschliessen sei, sie besitze die chinesische Staatsangehörigkeit, sei ein Wegweisungsvollzug in die Volksrepublik China ausgeschlossen, da ihr dort gegebenenfalls un- menschliche Behandlung oder Folter drohen würde. Der Beschwerdefüh- rerin sei es nicht gelungen, ihre Hauptsozialisierung in der Volksrepublik China sowie ihre Asylgründe glaubhaft darzulegen. Vielmehr sei mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehe n, dass sie vor ihrer An- kunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exilti- betischen Diaspora gelebt habe. Da sie aber keine konkreten, glaubhaften Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert habe, komme das BFM zum Schluss, dass keine flüchtlings- oder wegweisungs- beachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthalts- ort bestünden. Die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft D-4752/2014 Seite 7 nicht, weshalb auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewandt werden könne. Aus den Akten würden sich zudem keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ihr im Falle einer Rück- kehr an den bisherigen Aufenthaltsort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Da vor- liegend die Möglichkeit nicht auszuschliessen sei, dass sie die chinesische Staatsangehörigkeit besitze, sei ein Wegweisungsvollzug in die Volksre- publik China ausgeschlossen. Zudem stelle sich die Lehre auf den Sta ndpunkt, dass eine grobe Verlet- zung der Mitwirkungspflicht den Vollzug der Wegweisung nicht verhindern könne. Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungs- vollzugs sei zwar grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen. Diese Unter- suchungspflicht finde jedoch ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin, die auch die Substanziierungslast trage. Es könne nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts nicht Sa- che der Asylbehörden sein, bei fehlenden Hinweisen seitens einer Person nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Her- kunftsländern zu forschen. Aus Gründen der Rechtsgleichheit könne im vorliegenden Verfahren nicht von der geltenden Praxis abgewichen wer- den. Die Beschwerdeführerin habe die Fol gen ihrer unglaubhaften Identi- tätsangaben und der Unglaubhaftigkeit ihres Sachverhaltsvortrags zu tra- gen, indem vermutungsweise davon auszugehen sei, es stünden einer Wegweisung an ihren bisherigen Aufenthaltsort keine Vollzugshindernisse entgegen. In individueller Hinsicht sei festzuhalten, dass im ärztlichen Schreiben festgehalten sei, die Infektion mit dem (Krankheitserreger) sei ausgeheilt und bedürfe momentan keiner Therapie. Bezüglich "PTS" werde weder eine Behandlung erwähnt, noch würden näher e Angaben dazu ge- macht. Da die Beschwerdeführerin die Mitwirkungspflicht verletzt habe, sei es dem BFM nicht möglich, sich zu allfälligen Behandlungsmöglichkeiten in ihrem tatsächlichen Herkunftsstaat zu äussern. Hinsichtlich der Frage nach der Möglichkeit eines allfälligen Wegweisungsvollzugs bei der Ver- heimlichung der wahren Identität könne zum heutigen Zeitpunkt nicht ge- sagt werden, dieser sei von vornherein nicht möglich oder technisch nicht durchführbar. Der Beschwerdeführerin sei zuzumuten, sich bei der zustän- digen Vertretung die allenfalls benötigten Reisepapiere zu beschaffen. Auch das Bundesverwaltungsgericht erachte in seiner Rechtsprechung den Vollzug der Wegweisung grundsätzlich als möglich, selbst wenn ein Gesuchsteller seine wahre Identität ode r Staatsangehörigkeit verheimli- che. D-4752/2014 Seite 8 M. Mit Eingabe vom 25. August 2014 reichte der Rechtsvertreter im Namen der Beschwerdeführerin, des Beschwerdeführers und des Kindes C._______ gegen die separaten Entscheide des BFM vom 24. Juli 2014 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein (vgl. Bst. F. hiervor). Un- ter Kosten - und Entschädigungsfolge beantragte er , die angefochtenen Verfügungen aufzuheben und für eine Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei unter Gewährung der vorläufigen Aufnahme die Flüchtlingseigenschaft festzustellen. Es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver- zichten und die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 110a Abs. 1 AsylG (unentgeltliche Verbeistän- dung in der Person ihres Rechtsvertreters) zu bewilligen. Auf die Begrün- dung der Beschwerde wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägun- gen eingegangen. N. Mit Schreiben des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. August 2014 wurde dem Rechtsvertreter der Eingang der Beschwerde bestätigt. O. Am (Datum) wurde das Kind D._______ geboren. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Aufgrund des engen persönlichen und sachlichen Zusammenhangs sind die Verfahren der Beschwerdeführenden ( vgl. Bst. E. und L. hiervor, D-4752/2014 Seite 9 separate Verfügungen des BFM; Bst. F. und M. hiervor, gemeinsame Be- schwerdeeingabe) zu koordinieren. Über die beiden Beschwerden ist zum gleichen Zeitpunkt in einem Urteil zu befinden. 1.3 Das am 12. Mai 2015 geborene Kind Y .D. wird in das Verfahren der Beschwerdeführerin einbezogen. 2. Die Beschwerde hinsichtlich des Beschwerdeführers enthält keine materi- elle Begründung. Mit der Formulierung des rechtskundigen Vertreters, sich für die Begründung der Beschwerde im Wesentlichen auf das Verfahren und die Akten der Beschwerdeführerin zu stützen, wird keine individuelle, konkret auf den Beschwerdeführer bezogene Begründung, inwiefern die diesbezügliche vorinstanzliche Verfügung fehlerhaft sein soll, und mithin bewusst eine mangelhafte Beschwerde eingereicht. Gemäss Rechtspre- chung (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs- kommission [EMARK] 2000 Nr. 7) bezweckt das Institut der Verb esse- rungsfrist nach Art. 52 Abs. 2 VwVG indes, aus Versehen oder aus Un- kenntnis begangene Unterlassungen beheben zu können. Nach dem Ge- sagten – diese Voraussetzungen liegen in casu nicht vor – besteht somit kein Anspruch, die mangelhafte Beschwerdeschrift innert Nachfrist zu ver- bessern. Auf die Beschwerde des Beschwerdeführers ist deshalb mangels rechtzeitig eingereichter Begründung nicht einzutreten. 3. 3.1 Die Beschwerde hinsichtlich der Beschwerdeführerin und des Kindes C._______ ist dagegen frist- und formgerecht eingereicht. Sie haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einrei- chung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 3.2 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111 a Abs. 1 AsylG). 4. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen D-4752/2014 Seite 10 richten sich im Asylbereich nach (Art. 106 Abs. 1 AsylG), im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf g efälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Die Bemerkungen zum Verfahrensgang in der Rechtsmitteleingabe respektive der Einwand, wonach die Bearbeitung des vorliegenden Verfah- rens in zeitlicher Hinsicht mit grossen Mängeln behaftet sei, erweisen sich als unbegründet. In der Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes vom 26 Mai 2010 (BBL 2010 4496) wird zu Art. 37 AsylG ausgeführt, dass die neuen Verfahrensfristen grundsätzlich auch dann gelten, wenn im Rahmen der Prüfung des Asylgesuchs weitere Abklärungen (z.B. eine Überprüfung von Dokumenten) notwendig sind. Müssen jedoch notwendige Abklärun- gen zum Sachverhalt vorgenommen werden, die mehr Zeit in Anspruch nehmen (z.B. eine Anfrage an die Schweizer Vertretung im Ausland) oder reichen die personellen Ressourcen des BFM aufgrund hoher Gesuchein- gänge nicht aus, können die genannten Ordnungsfristen überschritten wer- den. Dies wird durch den Begriff «in der Regel» verdeutlicht. Laut Botschaft soll das BFM mit der Herabsetzung der erstinstanzlichen Verfahrensfristen dazu angehalten werden, das erstinstanzliche Verfahren rasch durchzufüh- ren, sofern dies sachlich und rechtlich möglich ist (vgl. in diesem Zusam- menhang auch Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen D-4752/2014 Seite 11 Asylrekurskommission [EMARK] 2002 Nr. 15 E. 5d S. 125 f.). In casu gilt somit festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der Verfahrens- dauer nichts zu ihren Gunsten ableiten kann. 6.2 6.2.1 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbrin- gen der Beschwerdeführerin tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Begründung des Entscheides niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Abfassung der Begründung soll es dem Betroffenen möglich machen, den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur möglich ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmitte- linstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2; BVGE 2013/34 E. 4.1, 2008/47 E. 3.2). 6.2.2 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst, die Vorinstanz habe hinsicht- lich der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen die angefochtene Verfügung nicht rechtsgenügend begründet und damit die Begründungspflicht verletzt. Auf- bau und Inhalt der Begründung würden den Eindruck erwecken, dass BFM habe sich mit den wesentlichen Asylgründen der Beschwerdeführerin nicht auseinandersetzen wollen und es sei versucht worden, mit der behaupte- ten Identitätstäuschung und dem dieser Behauptung zugrunde liegenden LINGUA-Gutachten die eigentlichen Asylgründe in Zweifel zu ziehen. Der entsprechende Entscheid sei daher aufzuheben und für eine Neubeurtei- lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im Grundsatz wird mit diesem Einwand aber nicht ein Verfahrensmangel, sondern es wird die Beweiswürdigung der Vorinstanz gerügt. Dies geht denn auch nicht zuletzt aus der unmissverständlichen Formulierung hervor, wonach die Vorinstanz den wesentlichen Vorbringen der Beschwerdefüh- rerin mit nur wenigen Worten die Glaubha ftigkeit abspreche. Auf die ent- sprechende Rüge ist somit bei der Beweiswürdigung respektive den in die- sem Zusammenhang in enger und entscheidender Verbindung stehenden nachfolgenden Erwägungen (E. 6.2.3 und 6.2.4) einzugehen. 6.2.3 Sodann wird der Einwand erhoben, das LINGUA-Gutachten erweise sich als reine Black -Box und das rechtliche Gehör sei hierzu auch nicht rechtsgenügend gewährt worden. Für das vorliegende Verfahren könnten aus dem L INGUA-Gutachten keine entscheidenden Schlüsse gezogen werden. D-4752/2014 Seite 12 Das LINGUA-Gutachten wurde am 8. Mai 2014 und mithin rund sechs Mo- nate nach dem Telefongespräch vom 12. November 2013 ausgefertigt. In- wiefern aus dieser Tatsache an der Erstellung des Gutachtens Zweifel be- stehen könnten, wird von der Beschwerdeführerin jedoch nicht k onkret ausgeführt. Auch a us dem Umstand, dass das BFM kein zweites LINGUA-Gutachten – wie in BVGE 2014/12 – anordnete, kann die Be- schwerdeführerin nichts für sich ableiten. Die jeweiligen Umstände des Ein- zelfalls können bei Zweifeln oder mangelnder Qualität des Gutachtens zwar nahelegen, das Gespräch einem weiteren Experten zur Analyse vor- zulegen. Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt. Ebenfalls trifft die Rüge der Beschwerdeführerin, das BFM habe eigentlich nicht das rechtliche Gehör zum LINGUA -Gutachten selber, sondern lediglich zur Identitätstäuschung gewährt, so nicht zu. Die Vorinstanz gab den wesent- lichen Inhalt des Gutachtens unter ausdrücklichem Verweis auf Art. 28 VwVG zur Kenntnis und setzte eine Frist zur Stellungnahme an. Unter an- derem führte sie in ihrem Schreiben vom 12. Mai 2014 (Gewährung des rechtlichen Gehörs zum LINGUA -Gutachten) explizit an, insgesamt komme die sachverständige Person zum Schluss, dass das Wissen der Beschwerdeführerin nicht einer Person entspreche, die (Anzahl Jahre) im Autonomen Gebiet Tibet gelebt habe. Hinsichtlich des Inhalts der Analyse ist festzustellen, dass dieser der Beschwerdeführerin zwar knapp , aber rechtsgenüglich offengelegt wurde. So konnte sich die Beschwerdeführerin an Details des Telefongesprächs erinnern, obwohl dieses rund ein halbes Jahr zurücklag. Unter anderem war sie etwa in der Lage, mit den Stichwor- ten Weidewirtschaft und Pferdehaltung etwas anzufangen. Ebenso griff sie Punkte auf, die das BFM in seinem Schreiben vom 12. Mai 2014 nicht er- wähnte (Ausführungen zum chinesischen Raupenpilz), und liess ihre Ent- gegnungen in die Stellungnahme vom 18. Mai 2014 einfliessen. Zum Vor- bringen in der Rechtsmitteleingabe , wonach das BFM weder i n seinem Schreiben noch in der angefochtenen Verfügung genau angegeben habe, was von der Beschwerdeführerin falsch bezeichnet worden sei, ist festzu- halten, dass das BFM zur Vermeidung von Lerneffekten befugt war, keine genauen Angaben zu machen. In der angefochtenen Verfügung nahm das BFM die Antworten der Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 18. Mai 2014 auf und bezeichnet sie als inkorrekte Angaben (u.a. Benutzung des Sattels, Bezeichnung des Steigbügels). Dieses insgesamt nicht zu bean- standende Vorgehen stellt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, sondern beschlägt die rechtliche Würdigung der Antworten der Beschwer- deführerin. Was die linguistische Analyse anbelangt, hielt das BFM sowohl im Schreiben vom 12. Mai 2014 wie auch im angefochtenen Entscheid D-4752/2014 Seite 13 gleichermassen fest, die Sprache der Beschwerdeführerin weise im Allge- meinen keine Kham-Tibetischen Merkmale auf und die Beschwerdeführe- rin spreche keinen osttibetischen Dialekt, sondern die exiltibetische Koine. Sie verfüge zudem über sehr geringe Chinesisch-Kenntnisse und benütze im Gespräch kaum chinesische Bezeichnungen. Die Behauptung der Be- schwerdeführerin in der Rechtsmitteleingabe, das BFM stelle im "Brief vom 12. Mai 2014" klar in Abrede, dass sie Kham sprechen könne, erweist sich in dieser (absoluten) Formulierung als unzutreffend. Im erwähnten Brief führt das BFM in diesem Zusammenhang explizit an, die Sprache der Be- schwerdeführerin weise im Allgemeinen keine Kham -Tibetischen Merk- male auf, was durchaus darauf schliessen lässt, dass sie Kham-Ausdrücke verwendet, jedoch nicht durchgehend diesen Dialekt spricht, zumal sie die exiltibetische Koine v erwendet. Solche Kham -Ausdrücke kann sie sich auch im Exil angeeignet haben. Bei gesamtheitlicher Betrachtung erweisen sich d ie von der Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang vorge- brachten Argumente als unbegründet. 6.2.4 Der Vollständigkeit halber beziehungsweise des besseren Verständ- nisses wegen ist mit Verweis auf die oben zitierte Rechtsprechung (E. 6.2.1) nochmals festzuhalten, a uch wenn sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem recht- lichen Einwand aus einandersetzen muss, sondern sich auf die wesentli- chen Gesichtspunkte beschränken darf, hat sie wenigstens kurz die Über- legungen zu nennen, von welchen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt Diesen Anforderungen hat das BFM mit den zwar knap- pen Erwägungen im angefochtenen Entscheid Genüge getan. Der Um- stand, dass das BFM eine andere Schlussfolgerung zog als die Beschwer- deführerin, stellt somit weder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs noch eine Ermessensüberschreitung dar, wesha lb die entsprechenden Rügen nicht gehört werden können. 6.3 6.3.1 Die Beschwerdeführerin gab bis zum heutigen Zeitpunkt keinerlei Reise- oder Identitätspapiere zu den Akten, die es erlauben würden, ver- bindliche Rückschlüsse auf ihre Identität zu geben. Es liegen au ch keine weiteren Dokumente vor, die zumindest Hinweise auf ihre wahre Identität geben könnten. Gemäss Art. 8 AsylG obliegt es den Asylsuchenden im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht unter anderem, ihre Identität offenzulegen und Reisepapiere und Identitätsau sweise abzugeben. Ihre stereotypen Antworten anlässlich der BzP erschöpften sich indes in der unbehelflichen Erklärung, dass sie keine Dokumente beschaffen könne beziehungsweise D-4752/2014 Seite 14 dies schwierig sei, da sie keinen Kontakt mit zu Hause habe. Jedenfalls ist dem Aussageverhalten der Beschwerdeführerin zu entnehmen, dass das Erhältlichmachen von Ausweispapieren aus ihrem angeblichen Heimat- staat nicht ausgeschlossen ist (vgl. A 5 S. 2, 4 und 5 sowie A 22 S. 2 und 3 gemäss Aktenverzeichnis BFM). Mithin hat sie es unterlassen, die ihr ob- liegende zumutbare und mögliche Mitwirkungspflicht hinsichtlich der Pa- pierbeschaffung wahrzunehmen, weshalb sie die daraus resultierenden nachteiligen Konsequenzen in Eigenverantwortung zu tragen hat. Die vo- rinstanzlichen Erwägungen betreffend die mangelhaften und teils falschen Kenntnisse der Beschwerdeführerin zu ihrer angeblichen Herkunftsregion und ihren sprachlichen Eigenheiten halten einer Überprüfung durch das Bundesverwaltungsgericht stand. Dabei ist insbesondere festzuhalten, dass das BFM gestützt auf die Angaben der Beschwerdeführerin im Rah- men des LINGUA-Gutachtens und die daraus resultierende Einschätzung der Fachperson sowie in Verbindung mit den Vorbringen in der Stellung- nahme vom 18. Mai 2014 zum Schluss gelangte, dass sie nicht in der von ihr angegebenen Gegend sozialisiert wurde. In der Beschwerde wird den Ausführungen des BFM in der angefochtenen Verfügung nichts Substanzi- elles entgegengesetzt. Eine Auseinandersetzung mit der diesbezüglichen Argumentation der Vorinstanz unterbleibt mit dem pauschalen Hinweis, dass eine Stellungnahme mit Bezug auf den Inhalt des Gutachtens gar nicht möglich gewesen sei. Wie oben bereits dargelegt (E. 6.2.3 und 6.2.4) erwiesen sich die entsprechend vorgebrachten Einwände indes als unbe- gründet. Mithin ist festzuhalten, dass es der Beschwerdeführerin nicht nur zumutbar und möglich, sondern sie auch gehalten gewesen wäre, genü- gend unumstössliche oder aufschlussreiche Anhaltspunkte für ihre Her- kunft aus dieser Gegend aufzeigen . Auch aus dem Ums tand, dass das BFM – analog zu ähnlich gelagerten Fällen – zum Reise- und Fluchtweg der Beschwerdeführerin keine Erwägungen anstellte, kann nicht geschlos- sen werden, dass der Reiseweg als glaubhaft erachtet wurde und damit allenfalls zugunsten der Beschwerdeführerin ausfallende Rückschlüsse hinsichtlich ihres angeblichen Herkunftsorts gezogen werden könnten. Die von ihr in diesem Zusammenhang bei der BzP zu Protokoll gegebenen Ant- worten sind als stereotyp und unsubstanziiert zu qualifizieren (vgl. A 5 S. 9 ff.). Das Gericht kommt daher zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin Herkunft und Identität verschleiern will, um den Behörden eine Rückschaf- fung zu erschweren beziehungsweise zu verunmöglichen. Angesichts die- ser Sachlage – die Wahrscheinlichkeit, wonach die Beschwerdeführerin im behaupteten geographischen Raum gelebt haben könnte, ist klein – ist den von ihr geltend gemachten Ausreise - beziehungsweise Asylgründen die Grundlage entzogen. D-4752/2014 Seite 15 6.3.2 Gemäss Artikel 62 Abs. 4 VwVG bindet die Begründung der Begeh- ren die Beschwerdeinstanz in keinem Falle. Den Streitgegenstand legen die Parteien, namentlich die Beschwerdeführerin mit dem Rechtsbegehren (Antrag) und der zugehörigen Sachverhaltsdarstellung für den Richter res- pektive das Bundesverwaltungsgericht verbindlich fest. Der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen beschlägt lediglich die rechtlichen Überlegungen, welche die Parteien zur Begründung ihrer Anträge vortra- gen. Das Bundesverwaltungsgericht ist demzufo lge verpflichtet, auf den festgestellten Sachverhalt den Rechtssatz anzuwenden, den es als den richtigen ansieht und ihm auch die Auslegung zu geben, von der es über- zeugt ist. Das Prinzip verhindert, dass den Parteien Rechtsunkenn tnis schadet. Das Gericht soll nicht gezwungen sein, falsche Rechtsauffassun- gen der Parteien zu übernehmen. Darin ist die Substitution der Motive in- begriffen, vermittelst deren eine im Ergebnis richtige, aber falsch begrün- dete Verfügung mit andern rechtlichen Überlegungen bestätigt wird. Rechtsanwendung von Amtes wegen erlaubt nicht, über den Streitgegen- stand hinweg den gesetzlichen Zustand herstellen oder wiederherstellen zu wollen (vgl. zum Ganzen KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 154 ff. S. 53 f. sowie Rz. 1136 S. 398; THOMAS HÄBERLI in: Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 62 N 42 ff. S. 1306 ff.; MADELEINE CAMPRUBI, in: Auer/Müller/Schind ler (Hrsg.), Kommentar VwVG, 2008, Art . 62 Rz. 15 S. 798 f.; FRITZ GYGI, Bundesverwaltungs- rechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 211 ff.; BVGE 2007/41 E. 2 S. 529 f.). Nach dem Gesagten kann auf eine Beurteilung der der Beschwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung vorgeworfenen Unglaubhaftigkeitselemente hinsichtlich der geltend gemachten Verfolgungsvorbringen (II/Ziff. 2 und 3 S. 4 f.) verzichtet werden. 6.3.3 Abschliessend ist auf BVGE 2014/12 E. 5.10 S. 213 zu verweisen. Das dort publizierte Urteil hält in Präzisierung der bis anhin gültigen Praxis (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.3 sowie BVGE 2009/29) fest, dass bei Perso- nen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheim- lichen, vermutungsweise davon auszugehen ist, dass keine flüchtlings- o- der wegweisungsrechtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bishe- rigen Aufenthaltsort bestehen. Mithin erübrigen sich Erörterungen zu den Ausführungen in Ziffer 6 auf S. 7 f. in der Rechtsmitteleingabe. 6.3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die B eschwerdeführerin und ihre Kinder keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder zum indest glaubhaft zu machen vermö gen und deshalb nicht als D-4752/2014 Seite 16 Flüchtlinge anerkannt werden k önnen. Die Vorinstanz hat demnach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche abgelehnt. Der Antrag, die Sache für eine Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu- weisen, ist abzuweisen. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder verfügen weder über eine aus- länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er- teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord- net (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Bezüglich des Wegweisungsvollzugs stellt sich das BFM vorweg auf den Standpunkt, die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Staatsangehörigkeit sei nicht glaubhaft, indes könne bei einer asylsuchen- den Personen, die unbestrittenermassen tibetischer Ethnie sei, die Mög- lichkeit des Besitzes der chinesischen Staatsangehörigkeit nicht ausge- schlossen werden, weshalb ein Vollzug der Wegweisung unter Ausschluss in die Volksrepublik China zu erfolgen habe. Das Gericht folgt der Vo- rinstanz sowohl in diesem Punkt als auch den weiteren diesbezüglichen Erwägungen des BFM. 8.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll- zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungspflicht findet ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin. Es ist in der Tat nicht Sache der Behörden, bei fehlenden Hinweisen – vorlie- gend offensichtlich gezielt vorenthaltenen – nach etwaigen Wegweisungs- vollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Ver- mutungsweise ist davon auszugehen, einer Wegweisung stünden keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entgegen. 8.3 Im Sinne eines Hinweises an die Vorinstanz ist noch anzumerken, dass sie – vorbehältlich besonderer Umstände – eine allfällige Ausreisefristan- setzung bei der Beschwerdeführerin und de n Kindern mit derjenigen des Beschwerdeführers koordiniert. D-4752/2014 Seite 17 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung be- treffend die Beschwerdeführerin Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG; Art. 49 VwVG) . Die Be- schwerde ist abzuweisen. Auf die Beschwerde des Beschwerdeführers ist nicht einzutreten (siehe E. 2). 10. 10.1 Mit dem vorliegenden Entscheid in der Sache selbst ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 10.2 Aufgrund des Nichteintretens auf die Beschwerde im Verfahren des Beschwerdeführers sind diesem die Kosten von Fr. 200.– aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 10.3 Ungeachtet der ausgewiesenen Bedürftigkeit ist das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen. Die Vorbringen in der Beschwerde müssen als aus- sichtslos qualifiziert werden. Mithin sind die kumulativ zu erfüllenden Vo- raussetzungen (bedürftig/nicht aussichtslos) nicht gegeben. Mangels Erfüllens der diesbezüglichen Voraussetzungen ist das Gesuch um amtliche Verbeiständung (Art. 110a Abs. 1 AsylG) ebenfalls abzuwei- sen. 10.4 Die Kosten im Verfahren betreffend die Beschwerdeführerin sind die- ser aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– fest- zusetzen (Art. 1–3 VGKE). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Auf die Beschwerde des Beschwerdeführers (Lebenspartner/Vater) wird nicht eingetreten. D-4752/2014 Seite 18 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 200.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Die Beschwerde der Beschwerdeführerin (Lebenspartnerin/Mutter) und der Kinder wird abgewiesen. 4. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Re chtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um amtliche Verbeiständung im Sinne von Art. 110a Abs. 1 AsylG werden abgewiesen. 5. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Alfred Weber Versand: