B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2934/2009 U r t e i l v o m 2 8 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter François Badoud, Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______, B._______, sowie deren Sohn C._______, Kosovo und Serbien, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. April 2009 / N (…). E-2934/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliessen die Beschwerdeführenden, Staat s- angehörige der Republik Kosovo , serbischer Ethnie, ihren Heimatstaat zusammen mit ihren beiden volljährigen Kindern beziehungsweise G e- schwistern (N (…), E-2936/2009 und N (…), E-2937/2009) am 17. A u- gust 2008 und reisten über Serbien, Ungarn, Österreich und Deutschland am 19. August 2008 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchten. Anlässlich den Kurzbefragungen vom 27. August 2008 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ und den Anhöru n- gen vom 5. Februar 2009 zu den Asylgründen machten sie im Wesentl i- chen Folgendes geltend: Sie könnten in Kosovo nicht mehr leben, da sie dort viele Probleme g e- habt hätten und von Albanern bedroh t und angegriffen worden seien. Die Kinder seien jeweils auf dem Schulweg belästigt, bedroht und mit kleinen Gegenständen beworfen worden. Sie hätten befürchtet, die Kinder könn- ten entführt werden. Zudem könnten sie sich wegen der Albaner in Kos o- vo ni cht m ehr frei bewegen. Der Beschwerdeführer sei auch bei seiner Arbeit als (…), angestellt von der United Nations Interim Administration Mission in Kosovo [UNMIK]), von Albanern bedroht worden, so dass er seine Stelle habe aufgeben müssen. Ausserdem sei er von der serb i- schen Polizei bedroht worden, wenn er (…). Nach der Unabhängigkeit s- erklärung der Republik Kosovo habe sich die Lage noch zusätzlich ver- schlechtert und sie hätten zu grosse Angst gehabt, um weiterhin in Kos o- vo zu verbleiben und hätten sich deshalb zur Ausreise entschieden. Anlässlich der Befragung zur Person reichten die Beschwerdeführenden die Identitätskarten der Beschwerdeführerin und des Sohnes, den Fü h- rerschein des Beschwerdeführers sowie eine Kopie seiner Identitätskarte und eine Kopie seiner UNMIK Identitätskarte zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 2. April 2009 – eröffnet tags darauf – lehnte das BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab und ordnete ihre Wegwe i- sung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Die Vorinstanz begründete den ablehne nden Asylentscheid damit, dass die Vorbringen der B e- schwerdeführenden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhielten. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar E-2934/2009 Seite 3 und möglich. Für die detaillierte Begründung wird, soweit wesentlich, auf die Erwägungen verwiesen. C. Mit Beschwerde vom 30. April 2009 an das Bundesverwaltungsgericht beantragten die Beschwerdeführenden die Aufhebung der vorinstanzli- chen Verfügung und die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Ra h- men des Asylgesetzes. In formeller Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und um Anweisung an die kantonale Migrationsbehörde, von Vollzugshandlungen abz usehen. Z u- sammen mit der Rechtsmitteleingabe brachten die Beschwerdeführenden Kopien von Rezepten betreffend A._______ und B._______ sowie Bestä- tigungen von besuchten Sprachkursen bei. D. Mit Zwischenverfügung vom 13. Mai 2009 stellte die Instruktionsrichter in den legalen Aufenthalt der Beschwerdeführenden während des Verfa h- rens fest. Gleichzeitig setzte sie ihnen Frist zur Leistung eines Kostenvor- schusses. Dieser ging am 26. Mai 2009 fristgerecht beim Bundesverwa l- tungsgericht ein. E. Mit Instruktionsverfügung vom 23. Juli 2010 setzte die Instruktionsricht e- rin den Beschwerdeführenden Frist zur Einreichung von aktuellen ärztl i- chen Zeugnissen sowie von Entbindungserklärungen der behandelnden Ärzte. Die Beschwerdeführenden brachten bis heute weder Arztzeugnisse noch Entbindungserklärungen bei. F. Mit Schreiben vom 25. März 2011 informierte der Rechtsvertreter das Bundesverwaltungsgericht darüber, dass er die Beschwerdeführenden nicht mehr vertrete. Ausserdem ging am 28. März 2011 beim BFM ein Schreiben der Beschwerde führenden ein, welches ebenfalls über die Mandatsabgabe informierte, mit der Bitte, ihnen alle Korrespondenz direkt zukommen zu lassen. E-2934/2009 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vo rinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des A syls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren ric htet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. E-2934/2009 Seite 5 4. 4.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druc k bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1. Die Vorinstanz begründet e ihren ablehnenden Asylentscheid damit, dass es in der Tat in den vergangenen Jahren zu vereinzelten schwe r- wiegenden Übergriffen auf Angehörige der ethnischen Minderheiten, n a- mentlich der Serben gekommen sei. Es müsse jedoch nicht von allg e- meinen Vertreibungen ausgegangen werden. Auch nach der Unabhä n- gigkeitserklärung vom 17. Februar 2008 sei weiterhin eine internationale zivile und militärische Präsenz vorgesehen, welche die Sicherheit garan- tiere. Die am 15. Juni 2008 in Kraft getretene kosovarische Verfassung gestehe zudem den Minderheiten umfassende Rechte zu. Die internatio- nalen Sicherheitskräfte und der Kosovo Police Service (KPS) seien in der Lage, die ethnischen Minderheiten in Kosovo zu schützen. Bei Übergri f- fen würden die Sicherheitskräfte regelmässig intervenieren und Straftaten gegen Angehörige von Minderheiten würden geahndet. Es sei demnach vom Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch den Heimatstaat auszugehen, und die geltend gemachten Übergriffe seien nicht asylrel e- vant. Ausserdem bestünden für Serben und serbischsprachige Roma aus den südlichen Bezirken eine valable innerstaatliche Fluchtalternative im Staatsgebiet von Serbien, ausserhalb von Kosovo, was die Anerkennun g E-2934/2009 Seite 6 der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung auch aus diesem Grund ausschliesse. Insgesamt hielten die Vorbringen der Beschwerd e- führenden somit den Anforderungen an die Flüc htlingseigenschaft g e- mäss Art. 3 AsylG nicht stand. 5.2. In ihrer Rechtsmitteleing abe wenden die Beschwerdeführenden ein, sie seien auf der Strasse beschimpft und bedroht worden. Einmal sei der Bus, in welchem der Sohn beziehungsweise Bruder der Beschwerdefüh- renden zur Universität gefahren sei, von Albanern mit Steinen beworfen worden. Wegen der schlechten Sicherheitslage und der eingeschränkten Bewegungsfreiheit hätten sie beschlossen, Kosovo zu verlassen. 5.3. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz geht d as Bundesverwa l- tungsgericht davon aus, dass Angehörige ethnischer Minderheiten in K o- sovo grundsätzlich die Möglichkeit haben, sich an die Behörden zu we n- den und diese um Schutz vor Übergriffen Dritter zu ersuchen. Zudem b e- jaht das Bundesverwaltungsgericht in sei ner Rechtsprechung den gen e- rellen Schutzwillen und die Schutzfähigkeit der zustän digen Sicherheits- kräfte in Kosovo bezüglich strafrechtlich relevanter Übergriffe auf Angehö- rige der ethnischen Minderheiten in Kosovo (vgl. D-6827/2010 vom 2. Mai 2011 E. 4.7). D ie von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Asylvorbringen erweisen sich demnach – auch unter Berücksichtigung der kurzen Ausführungen in der Beschwerde – als nicht asylrelevant. Die Prüfung, ob sie allenfalls eine Fluchtalternative hätten in Serbien , erübrigt sich somit. 5.4. Den Beschwerdeführenden ist es nicht gelungen, die Flüchtlingsei - genschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das BFM hat die Asylgesuche demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1. Lehnt das Bundesamt ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). E-2934/2009 Seite 7 7. 7.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Pr axis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konven tion vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.1. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zut reffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche E-2934/2009 Seite 8 Gefährdung in Kosovo oder in Serbien nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrüc k- schiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden nach Kosovo oder Ser bien ist dem- nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Kosovo oder Serbien dort mit b e- achtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie j e- ner des UN -Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche B e- handlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen It a- lien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssitua- tion in Kosovo oder Serbien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesa g- ten ist der Vollzug der Wegweisung sow ohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkr ieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1. Die Beschwerdeführenden sind aufgrund der Aktenlage einerseits als Staatsangehörige der Republik Kosovo zu betrachten. Andererseits verfügen sie gemäss dem serbischen Gesetz über die Staatsbürgerschaft Nr. 135/04 vom 21. Dezember 2004 infolge der serbische n Abstammung und Geburt auf (ehemaligem) Staatsgebiet der Republik Serbien auch über die serbische Staatsangehörigkeit (vgl. BVGE 2010/41 E. 6.4.2 S. 580). 7.3.2. In Bezug auf die allgemeine Sicherheits - und Menschenrechtslage ist festzuhalten, dass sowohl in Ser bien wie auch in der serbischen En - klave im Norden von Kosovo keine Kriegs - oder Bürgerkriegssituation E-2934/2009 Seite 9 und auch keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht, die den Wegwei - sungsvollzug unzumutbar erscheinen liesse. Der Vollzug der Wegweisung ethnischer Serben mit letztem Wohnsitz in Kosovo nach Serbien oder in die serbische Enklave im Norden von Kosovo ist daher grundsätzlich z u- mutbar. 7.3.3. Indessen kann sich der Wegweisungsvollzug in die serbische En - klave im Norden von Kosovo oder nach Serbien im konkreten Ein zelfall als unzumutbar erweisen, weil die betroffene Person dort aus individuel - len Gründen einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Bei der Beu r- teilung, ob der betroffenen Person im Norden von Kosovo oder in Serbien eine zumutbare Aufenthaltsmöglichkeit offen steht, sind insbesondere die Möglichkeit der wirtschaftlichen Existenzsicherung, der persönliche B e- zug zum Zufluchtsort, wie ein früherer Aufenthalt oder eine Arbeitsstelle, und ein tragfähiges familiäres oder sonstiges soziales Beziehungsnetz sowie die Möglichkeit der gesellschaftlichen Integration, zu berücksicht i- gen. Im Rahmen dieser Kriterien sind ferner weitere Faktoren in die E r- wägungen einzubeziehen, so insbesondere das Alter, der Gesundheit s- zustand, die Frage, ob es sich um eine Einzelperson oder eine Familie handelt, und die berufliche Ausbildung der betroffenen Personen (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.3.6 S. 588 f.). 7.3.4. Wie das BFM zu Recht festgestellt hat, erscheint der Vollzug der Wegweisung nach E._______, Bezirk F._______ (im Süden von Kosovo), wo die Beschwerdeführenden gewohnt haben (vgl. vorinstanzliche Akten A1 S. 2), nicht zumutbar, da die Wahrscheinlichkeit einer konkreten G e- fährdung für ethnische Serben ausserhalb ihrer Enklave im Norden von Kosovo weiterhin nicht ausgeschlossen werden ka nn. Der Einschätzung der Vorinstanz, wonach sich auch der Vollzug in den Norden Kosovos als unzumutbar erweise, da die Beschwerdeführenden d ort über keine ko n- kreten Anknüpfungspunkte verfügen, kann ebenfalls gefolgt werden. 7.3.5. Nach einlässlicher Aktenprüfung ist die Ansicht des BFM, die B e- schwerdeführenden könnten sich als Staatsangehörige Serbiens auch in Serbien niederlassen, zu bestätigen. So verfügen die Beschwerdeführen- den alle über eine gute Ausbildung (die Eltern verfügen beide über einen kaufmännischen Mittelschulabschluss, vgl. A1 S. 2 und A2 S. 2, der Sohn hat zwei Jahre die Berufsschule für (…) besucht, vgl. A3 S. 2). Der bald (…)-jährige Beschwerdeführer hat überdies mehrere Jahre Arbeitserfa h- rung als (…) und als (…). Es ist in Übereinstimmung mit dem BFM davon auszugehen, dass es selbst bei der notorisch hohen Arbeitslosigkeit in E-2934/2009 Seite 10 Serbien zumindest einem der beiden Eheleute gelingen dürfte, innert nützlicher Frist eine Erwerbstätigkeit zu finden. Auch ihrem Sohn, dem in- zwischen (…)-jährigen Beschwerdeführer ist es zuzumuten, in Serbien eine Existenz aufzubauen . Da bei ist zu berücksichtigen , dass die B e- schwerdeführenden in Serbien über verschiedene Familienangehörige verfügen (vgl. A2 S. 3, A1 S. 3) . Überdies hat der (…)-jährige Beschwer- deführer einen Neffen und einen Cousin in der Schweiz und einen Bruder in Holland, während die Beschwerdeführerin eine Tante und drei Cousins in der Schweiz hat. Es ist davon auszugehen, dass die Verwandtschaft die Beschwerdeführenden vor Ort beziehungsweise aus dem Aus land – wenn nötig – unterstützen kann. Die Beschwerdeführenden müssen des- halb nicht befürchten, in Serbien in eine existenzielle Notlage zu geraten. Auch stehen allfällige weiterhin bestehende gesundheitliche Beschwe r- den einem Vollzug der Wegweisung nicht entgegen. Bis heute wurde – trotz entsprechender Aufforderung in der Ins truktionsverfügung vom 23. Juli 2010 – kein umf assender ärztlicher Bericht eingereicht, sondern l e- diglich Kopien von Rezepten. Es wird deshalb angenommen, dass es sich bei den gesundhe itlichen Problemen – sofern diese aktuell noch b e- stehen – um nichts Gravierendes handelt, sodass eine allfällige Behand- lung auch in Serbien möglich ist. Die vom (…)-jährigen Beschwerdeführer geltend gemachten Probleme mit der serbischen Polizei, die ihn be droht habe, wenn er albanische Patienten über die Grenze habe bringen mü s- sen, vermögen eine Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ebenfalls nicht zu begründen , zumal d iese Bedrohungen nicht gegen den B e- schwerdeführer als Person gerichtet waren, sondern le diglich gegen ihn als (…). Nach dem Gesagten besteht für die Beschwerdeführenden in Serbien eine zumutbare Aufenthaltsalternative. An dieser Feststellung vermögen die kurzen Ausführungen in der Beschwerde nichts zu ändern , zumal sich diese hauptsächlich auf die Lebenssituation der Beschwerd e- führenden in Kosovo beziehen. Eine Rückkehr dorthin steht indes nicht zur Diskussion. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerd e- führenden des vorliegenden Verfahrens nicht alleine nach Serbie n weg- gewiesen werden, sondern dass auch di e Beschwerden der beiden b e- reits bei der Einreise volljährigen gewesenen Kinder beziehungsweise Geschwister mit gleichzeitig ergehenden Urteilen E -2936/2009 und E - 2937/2009 abgewiesen werden. Die Familie hat somit die Möglichkeit, gemeinsam auszureisen und sich bei der Integration in Serbien gegensei- tig zu unterstützen. E-2934/2009 Seite 11 7.3.6. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Vollzug der Wegweisung nach Kosovo aufgrund des Gesagten nicht in Betracht fällt. Demgege n- über erweist sich der Vollzug der Wegweisung nach Serbien nicht als u n- zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. Das BFM hat demnach den Wegweisungsvollzug zu Recht als zumutbar erachtet. 7.4. Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und da zu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der We g- weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5. Nachdem die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als z u- lässig, zumutbar und möglich erachtet hat, fällt eine Anordnung der vo r- läufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh- renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), auf insgesamt Fr. 600. - fest- zusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 26. Mai 2009 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) E-2934/2009 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvo r- schuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel Versand: