<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 104 S.387</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</div> <span class="page_no">387</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Beschwerden gegen Einspracheentscheide des</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Migrationsamts</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>104 Erlöschen der Niederlassungsbewilligung.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Bei der Beantwortung der Frage, wann Auslandaufenthalte zum Erlö-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schen der Niederlassungsbewilligung führen können, ist entscheidend, wo</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sich der Lebensmittelpunkt des Betroffenen in der fraglichen Zeit befun-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den hat. Ausschlaggebend für die Bestimmung des Lebensmittelpunktes</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ist die Intensität der Beziehung des Betroffenen zu einem Ort</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. II/1 bis 3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 15. August</span><br/> <span class="ft4">2003 in Sachen F. T.-Y. gegen einen Entscheid des Migrationsamts</span><br/> <span class="ft4">(BE.2003.00014).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">A. Die Beschwerdeführerin reiste 1981 im Rahmen des Famili-</span><br/> <span class="ft6">ennachzugs zu ihrem Ehemann in die Schweiz ein. Im Jahr 1983</span><br/> <span class="ft6">wurde ihr die Niederlassungsbewilligung erteilt. 1997 meldete sich</span><br/> <span class="ft6">der Ehemann der Beschwerdeführerin definitiv in die Türkei ab,</span><br/> <span class="ft6">worauf seine Niederlassungsbewilligung erlosch. Nachdem sich die</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerin seit Herbst 1997 verschiedentlich bei ihrem</span><br/> <span class="ft6">Ehemann in der Türkei aufgehalten hatte, stellte die Fremdenpolizei,</span><br/> <span class="ft6">Sektion Massnahmen, mit Verfügung vom 3. Mai 2001 fest, die Nie-</span><br/> <span class="ft6">derlassungsbewilligung der Beschwerdeführerin sei erloschen.</span><br/> <span class="ft6">Die Vorinstanz wies die gegen diese Verfügung erhobene</span><br/> <span class="ft6">Einsprache mit Entscheid vom 11. Juni 2001 ab. Da der Mittelpunkt</span><br/> <span class="ft6">der Lebensbeziehungen der Beschwerdeführerin anhand der damals</span><br/> <span class="ft6">vorliegenden Akten nicht bestimmt werden konnte und es weiterer</span><br/> <span class="ft6">Sachverhaltsabklärungen bedurfte, hiess das Rekursgericht die dage-</span><br/> <span class="ft6">gen erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 26. September 2001</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">388</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">gut, hob den vorinstanzlichen Entscheid vom 11. Juni 2001 auf und</span><br/> <span class="ft6">wies die Angelegenheit zur Ergänzung des Sachverhaltes im Sinne</span><br/> <span class="ft6">der Erwägungen an die Vorinstanz zurück (vgl. zum Ganzen: er-</span><br/> <span class="ft6">wähnter Entscheid des Rekursgerichts, BE.2001.00045).</span><br/> <span class="ft6">Am 27. November 2001 wies die Vorinstanz die Einsprache</span><br/> <span class="ft6">zum zweiten Mal ab. Die gegen diesen Entscheid erhobene Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerde vom 13. Dezember 2001 hiess das Rekursgericht mit Urteil</span><br/> <span class="ft6">vom 26. April 2002 wiederum gut, da die Vorinstanz die erforderli-</span><br/> <span class="ft6">che Ergänzung des Sachverhalts auch im Rahmen der zweiten Beur-</span><br/> <span class="ft6">teilung nicht vorgenommen hatte. Die Angelegenheit wurde wieder</span><br/> <span class="ft6">an die Vorinstanz zurückgewiesen (vgl. Entscheid des Rekursgerichts</span><br/> <span class="ft6">vom 26. April 2002, BE.2001.00062).</span><br/> <span class="ft6">B. Am 5. Februar 2003 wies die Vorinstanz die Einsprache zum</span><br/> <span class="ft6">dritten Mal ab.</span><br/> <span class="ft6">C. Mit Eingabe vom 21. Februar 2003 erhob die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führerin erneut Beschwerde.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">II. 1. Gemäss Art. 9 Abs. 3 lit. c des Bundesgesetzes über</span><br/> <span class="ft6">Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG) vom 26. März</span><br/> <span class="ft6">1931 erlischt die Niederlassungsbewilligung mit der Abmeldung</span><br/> <span class="ft6">oder wenn sich der Ausländer während sechs Monaten tatsächlich im</span><br/> <span class="ft6">Ausland aufhält. Stellt er vor deren Ablauf ein entsprechendes Be-</span><br/> <span class="ft6">gehren, so kann diese Frist bis auf zwei Jahre verlängert werden.</span><br/> <span class="ft6">Im vorliegenden Fall steht unbestrittenermassen fest, dass sich</span><br/> <span class="ft6">die Beschwerdeführerin nie definitiv aus der Schweiz nach der Tür-</span><br/> <span class="ft6">kei abgemeldet hat. Ferner ist auch seitens der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">unbestritten, dass sie in der Zeit vom 11. Oktober 1997 bis am</span><br/> <span class="ft6">11. Januar 2001 insgesamt neunmal in die Türkei gereist war. Sie</span><br/> <span class="ft6">verbrachte im genannten Zeitrahmen insgesamt 866 Tage in der</span><br/> <span class="ft6">Türkei und 320 Tage in der Schweiz. Die Aufenthalte in der Türkei</span><br/> <span class="ft6">dauerten zwischen 41 und 168 Tagen, diejenigen in der Schweiz zwi-</span><br/> <span class="ft6">schen 13 und 64 Tagen. Nie hielt sich die Beschwerdeführerin wäh-</span><br/> <span class="ft6">rend sechs Monaten oder länger ohne Unterbruch im Ausland auf</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</div> <span class="page_no">389</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">(vgl. Entscheid des Rekursgerichts vom 26. April 2002,</span><br/> <span class="ft6">BE.2001.00062, Erw. II/1, S. 4). Es stellt sich die Frage, ob die ge-</span><br/> <span class="ft6">nannten Auslandaufenthalte der Beschwerdeführerin trotzdem zum</span><br/> <span class="ft6">Erlöschen ihrer Niederlassungsbewilligung geführt haben. Entgegen</span><br/> <span class="ft6">dem Beschwerdebegehren ist es nicht Thema des vorliegenden Ver-</span><br/> <span class="ft6">fahrens, dass der Beschwerdeführerin die Niederlassungsbewilligung</span><br/> <span class="ft6">entzogen werden sollte.</span><br/> <span class="ft6">2. a) Wie das Rekursgericht bereits in seinen beiden früheren</span><br/> <span class="ft6">Entscheiden in Sachen der Beschwerdeführerin gestützt auf die</span><br/> <span class="ft6">bundesgerichtliche Rechtsprechung festgehalten hat, ist Art.</span> <span class="ft6">9</span><br/> <span class="ft6">Abs. 3 lit. c ANAG nicht direkt anzuwenden, da keine der beiden</span><br/> <span class="ft6">darin genannten Voraussetzungen erfüllt ist. Die erwähnte Bestim-</span><br/> <span class="ft6">mung kann aber dennoch Grundlage für das Erlöschen der Niederlas-</span><br/> <span class="ft6">sungsbewilligung der Beschwerdeführerin sein, wenn aufgrund der</span><br/> <span class="ft6">konkreten Umstände darauf geschlossen werden muss, dass sich der</span><br/> <span class="ft6">Lebensmittelpunkt der Beschwerdeführerin innert der fraglichen</span><br/> <span class="ft6">Zeitspanne in der Türkei befunden hat. Der Lebensmittelpunkt muss</span><br/> <span class="ft6">nach der Gesamtheit der objektiven, äusseren Umstände bestimmt</span><br/> <span class="ft6">werden. Nicht massgeblich, auch nicht subsidiär, ist dabei - entgegen</span><br/> <span class="ft6">den Ausführungen der Beschwerdeführerin - der zivilrechtliche Be-</span><br/> <span class="ft6">griff des Wohnsitzes. Wie das Bundesgericht in dem von der Vorin-</span><br/> <span class="ft6">stanz zitierten Entscheid vom 18. August 1993 (2A.126/1993) mit</span><br/> <span class="ft6">aller Deutlichkeit ausführt, ist insbesondere nicht darauf abzustellen,</span><br/> <span class="ft6">ob der betroffene Ausländer seinen Lebensmittelpunkt ins Ausland</span><br/> <span class="ft6">verlegen <i>wollte</i>, vor allem dann nicht, wenn den fremdenpolizeili-</span><br/> <span class="ft6">chen Behörden keine vorgängige Mitteilung des künftigen Ausland-</span><br/> <span class="ft6">aufenthalts gemacht wurde.</span><br/> <span class="ft6">Ausschlaggebend für die Bestimmung des Lebensmittelpunktes</span><br/> <span class="ft6">und damit für die analoge Anwendung von Art. 9 Abs. 3 lit. c ANAG</span><br/> <span class="ft6">ist die Intensität der Beziehung des Betroffenen zu einem Ort. Zu</span><br/> <span class="ft6">messen sind dabei objektive Umstände wie beispielsweise die</span><br/> <span class="ft6">Wohnverhältnisse, Beziehungen zu Familienangehörigen, Bekannten</span><br/> <span class="ft6">und Freunden oder der Aufbewahrungsort der persönlichen Gegen-</span><br/> <span class="ft6">stände. Ein weiteres Indiz für den Lebensmittelpunkt stellt zudem die</span><br/> <span class="ft6">Dauer der Aufenthalte an den zur Diskussion stehenden Orten dar.</span><br/> <span class="ft6">Nicht zulässig ist es, den Lebensmittelpunkt <i>allein</i> an der Dauer der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">390</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Aufenthalte im Ausland bzw. in der Schweiz zu messen (vgl. zum</span><br/> <span class="ft6">Ganzen: Entscheid des Rekursgerichts vom 26. April 2003,</span><br/> <span class="ft6">BE.2001.00062, E. II/4a und b, S. 7 f.).</span><br/> <span class="ft6">b) Um die näheren Umstände der Lebensweise der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führerin in der Türkei und der Schweiz abzuklären, stellte die Vorin-</span><br/> <span class="ft6">stanz der Beschwerdeführerin zunächst schriftliche Fragen, die diese</span><br/> <span class="ft6">mit Eingabe vom 14. Mai 2002 beantwortete. Ferner führte die Vor-</span><br/> <span class="ft6">instanz am 13. Januar 2003 eine persönliche Befragung der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführerin durch. Zudem wurden eine Kopie des Grund-</span><br/> <span class="ft6">buchauszuges des Hauses des Ehemannes der Beschwerdeführerin in</span><br/> <span class="ft6">der Türkei sowie Kopien des Passes der Beschwerdeführerin zu den</span><br/> <span class="ft6">Akten genommen. Mit ihren zusätzlichen Abklärungen ist die Vorin-</span><br/> <span class="ft6">stanz der Aufforderung des Rekursgerichts, den Sachverhalt zu ver-</span><br/> <span class="ft6">vollständigen, nachgekommen. Aufgrund der so gewonnenen Infor-</span><br/> <span class="ft6">mationen kam die Vorinstanz wiederum zum Schluss, die Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deführerin habe ihren Lebensmittelpunkt innert der fraglichen Zeit-</span><br/> <span class="ft6">spanne vom 11. Oktober 1997 bis zum 11. Januar 2001 in die Türkei</span><br/> <span class="ft6">verlegt.</span><br/> <span class="ft6">c) Die Beschwerdeführerin äussert sich in ihrer Beschwerde</span><br/> <span class="ft6">eingehend zur Frage, ob sich ihr Lebensmittelpunkt in der Türkei be-</span><br/> <span class="ft6">finde. Sie verneint diese Frage und bekräftigt erneut, es sei nie ihre</span><br/> <span class="ft6">Absicht gewesen, ihren Lebensmittelpunkt in die Türkei zu verlegen.</span><br/> <span class="ft6">3. Im Folgenden sind alle objektiven Umstände zu prüfen, die</span><br/> <span class="ft6">darüber Auskunft geben, wo sich der Lebensmittelpunkt der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführerin in der fraglichen Zeitspanne von Oktober 1997 bis</span><br/> <span class="ft6">Januar 2001 befand. Der Sachverhalt nach Januar 2001 bis heute ist</span><br/> <span class="ft6">dagegen unwesentlich, da die Frage zu beantworten ist, ob die Nie-</span><br/> <span class="ft6">derlassungsbewilligung der Beschwerdeführerin innert der genannten</span><br/> <span class="ft6">Zeitspanne erloschen ist. Wäre dem so geschehen, liessen auch ver-</span><br/> <span class="ft6">änderte Umstände die Niederlassungsbewilligung nicht wieder aufle-</span><br/> <span class="ft6">ben.</span><br/> <span class="ft6">a) Die Beschwerdeführerin verfügte in der fraglichen Zeit we-</span><br/> <span class="ft6">der in der Schweiz noch in der Türkei über eine eigene Wohnung; der</span><br/> <span class="ft6">eingereichte Mietvertrag nennt erst den 1. April 2002 als Mietbeginn.</span><br/> <span class="ft6">In der Schweiz war die Beschwerdeführerin jeweils an der Adresse</span><br/> <span class="ft6">ihrer Tochter E. gemeldet, in der Türkei lebte sie im Haus ihres</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</div> <span class="page_no">391</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Ehemannes. Persönliche Gegenstände scheint die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führerin nur sehr wenige zu besitzen. Es handelt sich dabei in erster</span><br/> <span class="ft6">Linie um Kleider. Gemäss ihren eigenen unmittelbaren Aussagen ge-</span><br/> <span class="ft6">genüber der Vorinstanz befand sich ein Teil ihrer Kleider in der</span><br/> <span class="ft6">Schweiz, der andere in der Türkei. Bei ihren Reisen hin und her</span><br/> <span class="ft6">nahm sie jeweils nur eine kleine Reisetasche mit dem Nötigsten für</span><br/> <span class="ft6">unterwegs mit.</span><br/> <span class="ft6">b) Die Beschwerdeführerin ist schwer herzkrank und bezieht</span><br/> <span class="ft6">deshalb eine IV-Rente. Diese wurde ihr in der wesentlichen Zeit in</span><br/> <span class="ft6">der Schweiz ausbezahlt. Die IV-Rente wäre auch ohne weiteres in</span><br/> <span class="ft6">der Türkei ausbezahlt worden, hätte die Beschwerdeführerin eine</span><br/> <span class="ft6">entsprechende Zahlungsadresse genannt. Da die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">aber offenbar befürchtete, dass dies nicht möglich sei, bezog sie die</span><br/> <span class="ft6">IV-Rente weiterhin über ihr Bankkonto in der Schweiz. Vor diesem</span><br/> <span class="ft6">Hintergrund stellt daher der Bezug der IV-Rente in der Schweiz kei-</span><br/> <span class="ft6">nen Hinweis auf den Lebensmittelpunkt in der Schweiz oder in der</span><br/> <span class="ft6">Türkei dar.</span><br/> <span class="ft6">c) Die Beschwerdeführerin selbst nannte ihre Aufenthalte in der</span><br/> <span class="ft6">Türkei Besuche und Ferien. Diese Ansicht des Charakters der Tür-</span><br/> <span class="ft6">keiaufenthalte teilt das Rekursgericht nicht. Zum einen scheint die</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerin aufgrund ihrer schweren Herzkrankheit - abge-</span><br/> <span class="ft6">sehen von kleinen Haushaltsarbeiten - mehr oder weniger zur Untä-</span><br/> <span class="ft6">tigkeit verurteilt zu sein, so dass sie sich sowohl in der Schweiz als</span><br/> <span class="ft6">auch in der Türkei zur Hauptsache an ihrem Wohnort aufhält und</span><br/> <span class="ft6">keine speziellen Aktivitäten pflegt (Beschwerde, a.a.O.). Zum andern</span><br/> <span class="ft6">gehört es zum Wesen von Besuchen und Ferien, dass diese kürzer</span><br/> <span class="ft6">dauern als der normale Alltag. Im vorliegenden Fall verbrachte die</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerin innert der fraglichen Zeitspanne aber 866 Tage</span><br/> <span class="ft6">in der Türkei und nur 320 Tage in der Schweiz. So betrachtet er-</span><br/> <span class="ft6">scheinen eher die Aufenthalte in der Schweiz als Besuche und Ferien</span><br/> <span class="ft6">als umgekehrt.</span><br/> <span class="ft6">d) Die persönlichen Beziehungen der Beschwerdeführerin be-</span><br/> <span class="ft6">standen hauptsächlich zu ihren Familienmitgliedern. In der Schweiz</span><br/> <span class="ft6">waren dies ihre vier Kinder, wobei die Kontakte zu den Töchtern E.</span><br/> <span class="ft6">und S., bei denen sie wohnte, am intensivsten waren. Neben den</span><br/> <span class="ft6">Kindern lebte in der fraglichen Zeit auch ein Bruder der Beschwerde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">392</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">führerin in der Schweiz. In der Türkei hatte die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">Kontakt zu ihrem Ehemann, bei dem sie jeweils lebte. Daneben fan-</span><br/> <span class="ft6">den - entgegen ersten Aussagen in der Stellungnahme vom 14. Mai</span><br/> <span class="ft6">2002 - auch Kontakte zu ihren sechs Geschwistern sowie zu deren</span><br/> <span class="ft6">Beziehungsnetz in der Türkei statt.</span><br/> <span class="ft6">e) Zur Beziehung zu ihrem Ehemann sind die Ausführungen</span><br/> <span class="ft6">bzw. Aussagen der Beschwerdeführerin widersprüchlich. Offenbar</span><br/> <span class="ft6">war die Beschwerdeführerin nicht gewillt, ihrem Ehemann in dem</span><br/> <span class="ft6">Sinne zurück in die Türkei zu folgen, dass auch sie sich definitiv aus</span><br/> <span class="ft6">der Schweiz abgemeldet hätte. Allerdings führte die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rerin in ihrer Einsprache vom 16. Mai 2001 noch aus, sie sei in der</span><br/> <span class="ft6">Schweiz geblieben, da ihr hier eine IV-Rente ausbezahlt worden sei,</span><br/> <span class="ft6">und weil sie hier eine bessere Betreuung erhalten habe. Erst im Laufe</span><br/> <span class="ft6">des Verfahrens begann die Beschwerdeführerin zu behaupten, der</span><br/> <span class="ft6">Abreise des Ehemannes in die Türkei seien eheliche Probleme zu</span><br/> <span class="ft6">Grunde gelegen; die Abreise des Ehemannes stelle ein eigentliches</span><br/> <span class="ft6">Verlassen der Beschwerdeführerin dar. Anlässlich der Befragung</span><br/> <span class="ft6">vom 13. Januar 2003 behauptete die Beschwerdeführerin neu sogar,</span><br/> <span class="ft6">sie und ihr Ehemann hätten sich aufgrund eheliche Schwierigkeiten</span><br/> <span class="ft6">schon ein Jahr vor seiner Rückreise in die Türkei getrennt, worauf sie</span><br/> <span class="ft6">zu ihrer Tochter gezogen sei. Dies, obwohl den Akten zu diesem</span><br/> <span class="ft6">Thema zu entnehmen ist, dass die Beschwerdeführerin beim Wegzug</span><br/> <span class="ft6">des Ehemannes im Oktober 1997 am ehelichen Wohnsitz gemeldet</span><br/> <span class="ft6">war und erst im Februar 1998 den Wohnortswechsel zu ihrer Tochter</span><br/> <span class="ft6">bekannt gab.</span><br/> <span class="ft6">Insgesamt wirken die Aussagen der Beschwerdeführerin zu ih-</span><br/> <span class="ft6">rer Beziehung zu ihrem Ehemann sehr widersprüchlich und dadurch</span><br/> <span class="ft6">unglaubwürdig. Es muss wohl davon ausgegangen werden, dass zwi-</span><br/> <span class="ft6">schen den Eheleuten über die Frage der Rückwanderung in die Tür-</span><br/> <span class="ft6">kei Uneinigkeit bestanden hat. Diese führte aber offensichtlich nicht</span><br/> <span class="ft6">zu einem definitiven Zerwürfnis zwischen den Ehegatten. Ihr Ver-</span><br/> <span class="ft6">hältnis blieb jedenfalls so gut und freundschaftlich, dass der Ehe-</span><br/> <span class="ft6">mann dazu bereit war, während beinahe drei Vierteln der fraglichen</span><br/> <span class="ft6">Zeitspanne zusammen mit der Beschwerdeführerin in seinem Haus</span><br/> <span class="ft6">zu wohnen. Zu diesem Bild passt auch, dass die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">nie versuchte, gerichtlich gegen ihren Ehemann vorzugehen und von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</div> <span class="page_no">393</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">ihm Unterhaltsbeiträge erhältlich zu machen. Ihr eigenes Argument,</span><br/> <span class="ft6">dieses Vorgehen wäre an der Vollstreckung gescheitert, so dass es</span><br/> <span class="ft6">vernünftiger gewesen sei, die Unterhaltsbeiträge durch die Aufent-</span><br/> <span class="ft6">halte im Haus des Ehemannes quasi in natura einzuziehen, entkräf-</span><br/> <span class="ft6">tete die Beschwerdeführerin gleich selbst, indem sie anlässlich der</span><br/> <span class="ft6">Befragung vom 13. Januar 2003 erklärte, ihr Ehemann habe in der</span><br/> <span class="ft6">Türkei kein eigenes Einkommen, sondern lebe von dem Geld, das die</span><br/> <span class="ft6">Kinder ihm aus der Schweiz schickten.</span><br/> <span class="ft6">In Anbetracht all der genannten Umstände bewertet das Re-</span><br/> <span class="ft6">kursgericht die Beziehung der Beschwerdeführerin zu ihrem Ehe-</span><br/> <span class="ft6">mann gegenüber derjenigen zu ihren Kindern als mindestens äqui-</span><br/> <span class="ft6">valent.</span><br/> <span class="ft6">f) Die Prüfung der einzelnen Lebensumstände der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führerin ergibt, dass sich ihr Leben in der Schweiz nicht wesentlich</span><br/> <span class="ft6">von dem in der Türkei unterscheidet. Hier wie dort lebt sie nicht in</span><br/> <span class="ft6">einer eigenen Wohnung, sondern bei Verwandten. Hier wie dort be-</span><br/> <span class="ft6">wahrt sie Teile ihrer persönlichen Effekten auf. Der Tagesablauf in</span><br/> <span class="ft6">der Türkei unterscheidet sich kaum von demjenigen in der Schweiz;</span><br/> <span class="ft6">die Beschwerdeführerin führt sowohl in der Schweiz als auch in der</span><br/> <span class="ft6">Türkei ein auf die Familie zurückgezogenes Leben ohne Erwerbstä-</span><br/> <span class="ft6">tigkeit. Sie lebt - abgesehen von ihrer IV-Rente - von der Unterstüt-</span><br/> <span class="ft6">zung durch ihre Verwandten. Unterschiede der Intensität der Bezie-</span><br/> <span class="ft6">hungen der Beschwerdeführerin zu und an ihrem Wohnort in der</span><br/> <span class="ft6">Schweiz bzw. in der Türkei sind kaum feststellbar; damit überein-</span><br/> <span class="ft6">stimmend erscheint deshalb auch das Gefühl der Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft6">rin, hin und her geschoben zu werden.</span><br/> <span class="ft6">In Anbetracht dieser schwer zu beurteilenden Situation, in der</span><br/> <span class="ft6">keine objektiven Kriterien zur Beantwortung der Frage des Lebens-</span><br/> <span class="ft6">mittelpunktes Schlüsse auf den Lebensmittelpunkt der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führerin in der fragliche Zeitspanne zulassen, gewinnt die Dauer der</span><br/> <span class="ft6">Aufenthalte - 866 Tage in der Türkei, 320 Tage in der Schweiz - an</span><br/> <span class="ft6">Gewicht. Diese spricht klar für die Türkei als Lebensmittelpunkt.</span><br/> <span class="ft6">Dazu kommt die eindeutige Aussage der Beschwerdeführerin an-</span><br/> <span class="ft6">lässlich der Befragung durch die Vorinstanz, wonach sie regelmässig</span><br/> <span class="ft6">in die Schweiz zurückgekehrt sei, um weiterhin in der Schweiz kran-</span><br/> <span class="ft6">kenversichert zu bleiben und das Aufenthaltsrecht nicht zu verlieren.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">394</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Lebensmit-</span><br/> <span class="ft6">telpunkt der Beschwerdeführerin innert der fraglichen Frist von Ok-</span><br/> <span class="ft6">tober 1997 bis Januar 2001 in der Türkei gelegen hat. Dementspre-</span><br/> <span class="ft6">chend ist die Niederlassungsbewilligung der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">erloschen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>