Obergericht des Kantons Zürich Verwaltungskommission Geschäfts-Nr.: VO110032-O/U Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident Dr. H.A. Müller sowie der Gerichtsschreiber lic. iur. T. Brütsch Urteil vom 23. Mai 2011 in Sachen A._____, Gesuchstellerin betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege - 2 - Erwägungen: 1. Ausgangslage 1.1. Mit Eingabe vom 14. April 2011 an den Obergerichtspräsidenten ersuchte A._____ (nachfolgend Gesuchstellerin) um Bewilligung der unentgeltlichen Pr o- zessführung, wobei sie als Prozessgegenstand (lediglich) "Unterhalt sklage - Schlichtungsverhandlung" aufführte (act. 1). 1.2. Mit Verfügung vom 27. April 2011 wurde die Gesuchstellerin aufgefordert, die von ihr beabsichtigte Unterhaltsklage näher zu bezeichnen und ihre finanziel- len Verhältnisse genauer zu belegen (act. 3). 1.3. Mit Eingabe vom 4. Mai 2011 (act. 4) führte die Gesuchstellerin aus, die be- absichtigte Unterhaltsklage richte sich gegen ihren Vater, B._____, welcher ihr seit Ende August 2010 die Alimente von Fr. 1'000. -- auf Fr. 460. -- herabgesetzt habe. 2. Prozessuales 2.1. Seit dem 1. Januar 2011 gilt die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO), welche die bis anhin gültigen kantonalen Zivilprozessordnungen ablöst. Bei Ver- fahren, die bei Inkrafttreten des neuen Gesetzes rechtshängig sind, gilt das bishe- rige Verfahrensrecht und damit die Zivilprozessordnung des Kantons Zürich (ZPO/ZH) sowie das Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) weiterhin bzw. bis zum Abschluss vor der betroffenen Instanz (Art. 404 Abs. 1 ZPO). Für die ande ren Verfahren, die – wie das vorliegende – am 1. Januar 2011 noch nicht rechtshän- gig waren, kommt die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO) und das neue kantonale Gerichtsorganisationsgesetz (GOG) zur Anwendung. 2.2. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Partei- entschädigungen ges prochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Parteient- schädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die (allfällige) Gegenpartei ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören. - 3 - 3. Beurteilung des Gesuchs 3.1. Für die Beur teilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor Ei n- reichung der Klage bei Gericht ist der Obergerichtspräsident im summarischen Verfahren zuständig (§ 128 GOG i.V.m. Art. 119 Abs. 3 ZPO). Die unentgeltliche Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder Instanz neu zu beantr a- gen, weshalb der Obergerichtspräsident die unentgeltliche Rechtspflege bei Vor- liegen der Anspruchsvoraussetzungen nur bis zum Abschluss des Schlichtungs- verfahrens bewilligen kann. 3.2. Eine Person hat gemäss Art. 117 ZPO Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie einerseits nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (sog. "Mittellosigkeit" oder "Bedürftigkeit") und andererseits ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Der Gesuchsteller hat dabei gemäss A rt. 119 Abs. 2 ZPO die zur Beurteilung seines Gesuchs relevanten Einkommens - und Vermögensver- hältnisse umfassend darzulegen; es trifft ihn bei der Abklärung der wirtschaftl i- chen Verhältnisse eine umfassende Mitwirkungspflicht . Kommt ein Gesuchsteller dieser Mitwirkungspflicht nicht oder nur ungenügend nach und kann als Folge da- von seine Bedürftigkeit nicht hinreichend beurteilt werden, ist der Anspruch um unentgeltliche Rechtspflege zu verweigern (BGE 120 Ia 179). 3.3. Die Mittellosigkeit wird gemeinhin dann bejaht, wenn der Aufwand des not- wendigen Lebensunterhalts (sog. "zivilprozessualer Notbedarf") das massgebl i- che Einkommen übersteigt bzw. aus der Differenz nur ein kleiner Überschuss r e- sultiert, welcher es dem Gesuchsteller nicht erlauben würde, die Proz esskosten innert nützlicher Frist zu tilgen. Diesbezüglich ist für das Schlichtungsverfahren ein sehr strenger Massstab anzulegen, da hierbei die entstehenden Kosten – an- ders als vor einer Gerichtsinstanz – sehr beschränkt sind und deshalb b ereits bei einem relativ geringen Überschuss des Einkommens über den zivilprozessua len Notbedarf bestritten werden können. Für die Beurteilung der fehlenden Aussichtslosigkeit als zweite Voraussetzung der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist eine gewisse Prozessprognose vonnöten, wobei auf den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung abzustellen ist. Als - 4 - aussichtslos sind dabei nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozes s- begehren anzusehen, bei de nen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlus tgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. z.B. BGE 69 I 160). 3.4. Die Gesuchstellerin ist der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht nicht gen ü- gend nachgekommen. Namentlich hat sie weder aktuelle Belege über Kontoaus- züge noch eine Steuererklärung eingereicht, obwohl sie mit Verfügung vom 27. April 2011 explizit dazu aufgefordert wurde (act. 3 S. 2 Ziff. 3). Zudem bezieht die Gesuchstellerin offenbar Stipendiengelder (vgl. act. 4 und act. 5/7); nähere Anga- ben hat sie jedoch da zu nicht gemacht und auch keine Belege in diesem Zusam- menhang eingereicht, welche Aufschluss geben würden. Betreffend der Steuerer- klärung ist zudem festzuhalten, dass die Gesuchstellerin bis Ende März eine sol- che hätte ausfüllen und dem Steueramt einreichen müssen. Insofern kann eine Steuererklärung höchstens deshalb nicht vorhanden sein, wie die G esuchstellerin schreibt (act. 4 S. 2), weil sie eine solche nicht resp. nicht fristgerecht erstellt hat. Im Übrigen erscheint es, am Rande bemerkt, aufgrund der Angaben der Gesuc h- stellerin auch nicht möglich eine Prozessprognose betreffend der Aussichtslosi g- keit des Verfahrens abzugeben. Zwar sind an die diesbezügliche Mitwirkungs- pflichten bei einem prozessunerfahrenen Laien, wie es die Gesuchstellerin offen- bar ist, keine gleich hohen Anforderungen zu stellen wie an die Mitwirkungspflicht in Bezug auf die Darlegung der finanziellen Verhältnisse; insbesondere ist sich auch zu verge genwärtigen, dass die Aussichtslosigkeit eines Begehrens nur summarisch geprüft wird (vgl. L UKAS HUBER, DIKE-Komm-ZPO, Art. 119 N 21). Al- lerdings unterlässt es die Gesuchstellerin gänzlich, in verständlicher Weise darz u- legen, auf welchen Grundlagen die von ihrem Vater bis dato (und offenbar in r e- duziertem Umfang auch weiterhin) geleisteten Unterhaltsbeiträge basieren, was für einen Betrag sie inskünftig zu verlangen sucht oder gestützt worauf sie einen entsprechenden Anspruch geltend macht. Aus ihrem Schreiben ist lediglich er- sichtlich, dass sie offenbar geltend macht, ihr Vater habe aufgrund eines ihr ge- währten St ipendiums ursprüngliche Unterhaltsbeiträge an sie reduziert, in der Folge seien jedoch die Stipendiengelder nicht in der erwarteten Höhe geflossen - 5 - (act. 4). Wie bereits gesehen (Ziff. 3.4. 1. Absatz) unterlässt es die Gesuchstell e- rin bezüglich den Stipendiengelder entsprechende Unterlagen ins Recht zu l egen. Die Gesuchstellerin ist demnach insofern ihren Obliegenheiten nicht nachgekom- men und hat somit nicht hinreichend dargelegt, dass sie die verhältnismässig ge- ringen Kosten eines Schlichtungsverfahrens (im Regelfall höchstens ein paar w e- nige hundert Franken – vgl. § 3 der Gebührenverordnung des Obergerichts) nicht begleichen könnte. 3.5. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist deshalb abzuweisen, wobei es der Gesuchstellerin unbenommen ist, bei einem allfälligen Verfahren vor B e- zirksgericht erneut um die unentgeltliche Rechtspflege zu ersuchen. 4 Kosten und Rechtsmittel 4.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Recht s- pflege kostenlos. 4.2. Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder entzogen, so kann der Gesuchsteller den Entscheid mit Beschwerde ge mäss Art. 121 ZPO beim Obergericht anfechten. Dass vorliegend der Obergerichtspr ä- sident über das Gesuch befindet, vermag daran ni chts zu ändern. Der Oberge- richtspräsident fällt in diesem Verfahren einen erstinstanzlichen Entscheid i.S.v. Art. 319 lit. b ZPO und fungiert nicht als obere kantonale Instanz gegen de- ren Entscheide lediglich ein Rechtsmittel ans Bundesgericht gegeben wäre. Es wird erkannt: 1. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge- wiesen. 2. Dieses obergerichtliche Verfahren ist kostenlos. 3. Schriftliche Mitteilung an die Gesuchstellerin gegen Empfangsschein und unter Beilage ihrer Originalakten. - 6 - 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge- richt des Kantons Zürich, Zivilkammern, Postfach 2401, 8021 Zürich, einge- reicht werden. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO). Zürich, 23. Mai 2011 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Der Gerichtsschreiber: lic. iur. T. Brütsch versandt am: