Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 30. April 2020 (810 19 266) ____________________________________________________________________ Personalrecht Anfechtbarkeit einer personalrechtlichen Verwarnung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Gerichtssch reiber Marius Weh- ren Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Georg Gremmelspa- cher, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Schulrat B.____ , Beschwerdegegner Betreff Verwarnung / Nichteintreten (RRB Nr. 1302 vo m 24. September 2019) A. A.____ ist seit […] im Rahmen eines unbefristeten öf fentlich-rechtlichen Anstellungs- verhältnisses als Lehrperson an der Sekundarschule B.____ mit einem Beschäftigungsgrad von […] angestellt. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Schreiben vom 16. Mai 2019 wurde A.____ von d er Bildungs-, Kultur- und Sportdi- rektion des Kantons Basel-Landschaft (BKSD) zu einem Ge spräch im Beisein der Schulleiterin der Sekundarschule B.____ und des Leiters des Stabs Persona l der BKSD eingeladen. Im Ge- spräch werde A.____ mit diversen bei der Schulleitung d er Sekundarschule B.____ (Schullei- tung) eingegangenen Vorwürfen betreffend sein Verhal ten bzw. seine Kommunikation gegen- über Schülerinnen und Schülern konfrontiert. C. Anlässlich des Gesprächs vom 21. Mai 2019 wurden A.__ __ durch die Schulleitung diverse schriftliche Verhaltensanweisungen in Bezug auf s eine Kommunikation mit Schülerin- nen und Schülern und innerhalb des Lehrerkollegiums er teilt. Gleichentags stellte die Schullei- tung beim Schulrat der Sekundarschule B.____ (Schulra t) den Antrag, es sei gegen A.____ eine Verwarnung auszusprechen und sein weiterer Einsatz als Klassenlehrperson zu prüfen. D. Am 4. Juni 2019 wurde A.____ durch den Schulrat zu den Vorwürfen betreffend sein Verhalten mündlich angehört. E. Mit Schreiben vom 22. Juli 2019 sprach der Schulrat gestützt auf § 14 der Verordnung zum Personalgesetz (Personalverordnung) vom 19. Dezembe r 2000 gegen A.____ eine Ver- warnung aus und ordnete an, dass A.____ vorerst nicht mehr als Klassenlehrer tätig sei. Als Gründe für die Verwarnung wurden wiederholte, als glaubhaft erscheinende Reklamationen von Schülerinnen und Schülern über Machtausübung durch Willkür, intransparentes Handeln, situa- tiv ändernde Regelungen, lnstrumentalisierung und Andr ohung von negativen Konsequenzen, integritätsverletzendes und unangemessenes Gesprächsverhal ten (Drohen, Schreien, sexuali- sierte und persönlichkeitsverletzende Äusserungen) sowie u nkooperatives und ablehnendes Verhalten gegenüber der Schulleitung und deren Anordnungen angeführt. F. Am 19. August 2019 ersuchte A.____, vertreten durch D r. Georg Gremmelspacher, Advokat, um Zustellung einer mit einer Rechtsmittelbelehrung versehenen Verfügung. G. Am 29. August 2019 erliess der Schulrat hinsichtlich der im Schreiben vom 22. Juli 2019 enthaltenen Anordnungen eine mit einer Rechtsmittelbelehrung versehene Verfügung. H. Mit Eingabe vom 13. September 2019 erhob A.____, vertreten durch Dr. Georg Grem- melspacher, Advokat, Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft mit dem Begehren, es sei die Verfügung des Schulrats vom 29. August 2019 vollumfänglich aufzuheben, eventualiter unter Rückweisung an die Vorinstanz zur erne uten Sachverhaltsabklärung und gleichzeitiger Anordnung einer Mediation. I. Mit Entscheid des Regierungsrats vom 24. September 2019 wurde auf die Beschwerde nicht eingetreten. J. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten dur ch Dr. Georg Gremmelspacher, Advokat, mit Eingabe vom 7. Oktober 2019 Beschwerde be im Kantonsgericht, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht. Er stellt das Begehren, e s seien der Entscheid des Regie- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsrats vom 24. September 2019 und die Verfügung de s Schulrats vom 29. August 2019 vollumfänglich aufzuheben, dies unter o/e-Kostenfolge. K. Mit Eingabe vom 6. November 2019 stellte der Regie rungsrat den Verfahrensantrag, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen. L. Am 9. Dezember 2019 reichte der Beschwerdeführer s eine Beschwerdebegründung ein, in welcher er neu das Eventualbegehren stellt, es se i die Sache zur erneuten Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im Weiteren beantragte d er Beschwerdeführer, der Verfahren- santrag des Regierungsrats vom 6. November 2019 sei abzuweisen. M. Mit Verfügung vom 16. Dezember 2019 wurde der Ve rfahrensantrag des Regierungs- rats vom 6. November 2019 abgewiesen. N. In seiner Vernehmlassung vom 9. Januar 2020 beantr agt der Regierungsrat, die Be- schwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Unt er o/e-Kostenfolge zulasten des Beschwerdeführers. O. Mit Eingabe vom 3. Februar 2020 reichte der Recht svertreter des Beschwerdeführers seine Honorarnote ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist die verwaltun gsgerichtliche Beschwerde beim Kan- tonsgericht zulässig gegen Verfügungen und Entscheide d es Regierungsrats. Zwischenverfü- gungen sind nach § 43 Abs. 2 bis VPO selbständig anfechtbar, wenn sie einen der in die ser Be- stimmung genannten Fälle zum Gegenstand haben. Darüber hinaus fallen unter die Bestim- mung von § 43 Abs. 2 bis VPO all jene Zwischenverfügungen, welche einen nicht wiedergutzu- machenden Nachteil bewirken können (vgl. Urteil des Kant onsgerichts [KGE VV] vom 6. Sep- tember 2010 [810 10 136] E. 1.5). Rechtsmittelentscheid e des Regierungsrats betreffend Zwi- schenverfügungen stellen ihrerseits Zwischenverfügungen im Sinne von § 43 Abs. 2 bis VPO dar (vgl. KGE VV vom 26. Mai 2010 [810 09 153], E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts vom 30. Okto- ber 2008, 9C_740/2008, E. 1; T HOMAS MERKLI /A RTHUR AESCHLIMANN / RUTH HERZOG , Kommen- tar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Bern 1997, Art. 61 N 7). 1.2 Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den E ntscheid des Regierungsrats vom 24. September 2019, mit welchem dieser auf die Beschwer de gegen das in Verfügungsform ergangene Schreiben des Schulrats vom 29. August 2019 n icht eingetreten ist. In Übereinstim- mung mit dem Beschwerdeführer und der Vorinstanz ist fes tzustellen, dass das fragliche Schreiben – sofern ihm materiell Verfügungscharakter zuz usprechen wäre – eine Zwischenver- fügung darstellt. Der angefochtene Entscheid ist demna ch als Zwischenentscheid zu qualifizie- ren (E. 1.1 hiervor). Gemäss § 1 Abs. 3 lit. f VPO ent scheidet bei Beschwerden gegen Zwi- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht schenverfügungen bzw. entsprechende Rechtsmittelentscheide die präsidierende Person (§ 43 Abs. 2 bis VPO). Der Beschwerdeführer ist durch den angefochtene n Entscheid in schutzwürdi- gen Interessen betroffen (§ 47 Abs. 1 lit. a VPO). Die weiteren Prozessvoraussetzungen sind ebenfalls erfüllt, weshalb auf die Beschwerde grundsätzlich einzutreten ist. 1.3 Zu beachten gilt, dass im Rahmen einer Beschwerde g egen einen Nichteintretensent- scheid einzig auf Rechtsbegehren eingetreten werden kann , die sich auf die Eintretensfrage beziehen. Auf darüber hinausgehende materielle Rechts begehren kann demgegenüber nicht eingetreten werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_3 76/2008 vom 2. Dezember 2008 E. 1.2; KGE VV vom 29. Juni 2016 [810 15 238] E. 1.3; KGE VV vom 10. Februar 2010 [810 09 255] E. 1.2). Soweit der Beschwerdeführer die Aufhebung des angefochtenen Entscheids bean- tragt, ist darin sinngemäss der Antrag enthalten, die Angelegenheit sei zur materiellen Beurtei- lung an den Regierungsrat zurückzuweisen, was der Beschwe rdeführer in der Beschwerdebe- gründung vom 9. Dezember 2019 auch explizit beantragt. Auf die Beschwerde ist insofern ein- zutreten. Nicht einzutreten ist auf das (materielle) Begehren, es sei die Verfügung des Schulrats vom 29. August 2019 aufzuheben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_182/2012 vom 20. August 2012 E. 1). 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3.1 Der Regierungsrat erwog im angefochtenen Entscheid zusammengefasst, die Verfü- gung des Schulrats vom 29. August 2019 habe mittelbar Auswirkungen auf die Rechte und Pflichten des Beschwerdeführers, könnten doch bei einem Zuwiderhandeln gegen die ange- mahnten Verhaltensweisen bzw. die Nichterreichung der in der Verwarnung vorgegebenen Zie- le personalrechtliche Massnahmen bis hin zur Auflösung d es Arbeitsverhältnisses drohen. Die Verwarnung durch den Schulrat vom 29. August 2019 ste lle demnach eine Verfügung dar. Die Verwarnung schliesse das Verfahren nicht ab, sondern ste lle lediglich einen Schritt auf dem Weg zu einer allfälligen Kündigung dar. Bei der Ver warnung handle es sich somit um eine Zwi- schenverfügung, welche für den Fall anfechtbar sei, dass sie für den Beschwerdeführer einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken könnte. Ein solcher sei vorliegend nicht er- kennbar. Zwar stelle die Verwarnung für die betroffen e Person eine gewisse Belastung dar. Dies allein könne jedoch nicht dazu führen, einen nich t wiedergutzumachenden Nachteil anzu- nehmen, andernfalls jede Eröffnung eines Verwaltungsve rfahrens, welches möglicherweise zu einem nachteiligen Endentscheid für eine betroffene Person führen könnte, selbständig an- fechtbar sei. Sofern der Schulrat aufgrund der Verwar nung zu einem späteren Zeitpunkt eine Kündigung aussprechen sollte, könne der Beschwerdeführ er die Vorwürfe, die gegen ihn erho- ben worden seien und die zur Verwarnung geführt hätt en, zusammen mit der Kündigung be- streiten. Komme es hingegen nicht zur Kündigung, so e ntstehe für den Beschwerdeführer kein Rechtsnachteil. Die im Rahmen der angefochtenen Verwa rnung festgelegten Ziele enthielten sodann Selbstverständliches, insbesondere hielten sie allge meine Pflichten von Lehrpersonen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht fest. Der Entzug der Funktion als Klassenlehrperson stelle eine innerdienstliche Anordnung dar, welche nach Lehre und Rechtsprechung grundsätzlich nicht in die Rechtsstellung des Betroffe- nen eingreife und folglich keine Verfügung darstelle. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass es sich bei der angefochtenen Verwarnung um eine nicht selbständig anfechtbare Zwischenver- fügung handle, welche lediglich im Rahmen einer Künd igung angefochten werden könnte, so- fern eine solche aufgrund des Nichterreichens der in der Verwarnung vorgegebenen Ziele aus- gesprochen werde. Auf die Beschwerde sei demnach nicht einzutreten. 3.2 Der Beschwerdeführer führt unter Zitierung seiner im Verfahren vor Regierungsrat ein- gereichten Beschwerdebegründung aus, dass die Verfügung des Schulrats vom 29. August 2019 in ihrer Gesamtheit als anfechtbare Verfügung zu betrachten sei. In der Rechtsmittelbe- lehrung werde zwar auf § 15 Abs. 3 der Personalverordnu ng verwiesen, wonach eine Verwar- nung nicht anfechtbar sei. Vorliegend werde aber nicht nur eine einfache Verwarnung ausge- sprochen, sondern es würden seine Rechte und Pflichten b erührt und er habe deshalb ein schützenswertes Interesse an der Aufhebung der Verfügung d es Schulrats. In Anbetracht der Tatsache, dass Verwarnungen nur in absoluten Ausnahmefä llen unbefristet ausgesprochen werden dürften und auch hinsichtlich der weiteren Ano rdnungen und Weisungen keine Frist festgehalten worden sei, könne vorliegend von einer klassischen Verwarnung, die als nicht an- fechtbar gelte, nicht die Rede sein. Die ihm gegenüber ausgesprochenen Weisungen gingen über den Rahmen der gewöhnlichen Tätigkeit hinaus und stellten versteckte Disziplinarmass- nahmen dar, die dauerhaft ausgesprochen worden seien . Es könne zudem nicht davon die Re- de sein, dass er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe auch erst im Rahmen einer allfälligen Kün- digung anfechten könnte. Dies dürfe insbesondere in Anbetracht der gravierenden Vorwürfe und der Frage, ob die Vorkommnisse zu diesem Zeitpunkt üb erhaupt noch geklärt werden könnten, nicht unberücksichtigt bleiben. Somit bleibe ihm keine andere Wahl, als sich gegen die erhobenen Vorwürfe, die damit verbundene Verwarnung und alle damit verbundenen Konse- quenzen zur Wehr zu setzen. Da seine Reputation in Fr age gestellt sei und ihm gleichzeitig auch verboten worden sei, sowohl mit Schülerinnen u nd Schülern als auch mit Eltern über die Vorkommnisse zu sprechen, könne nicht nachvollzogen werden , dass der Regierungsrat keine nicht wiedergutzumachenden Nachteile angenommen habe. Es bleibe nur der Schluss, dass es sich bei der Verfügung des Schulrats vom 29. August 2019 um eine anfechtbare (Zwischen-) Verfügung handeln müsse, weil er ansonsten mit nicht wie dergutzumachenden Nachteilen kon- frontiert wäre. 3.3 In der Vernehmlassung führt der Regierungsrat erg änzend aus, dass der Gesetzgeber mit der schriftlichen Verwarnung gemäss § 19 Abs. 3 lit. c des Gesetzes über die Arbeitsver- hältnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kan tons (Personalgesetz) vom 25. Septem- ber 1997 keine neue Disziplinarmassnahme für Mitarbeitende eingeführt habe. Vielmehr sei die Verwarnung, wie die altrechtliche Bewährungsfrist, na ch wie vor als personalrechtliche Mah- nung konzipiert, welche im Hinblick auf eine mögliche we itere personalrechtliche Massnahme, namentlich eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses, ausg esprochen werde. Die Verwarnung habe, wie bereits die altrechtliche Bewährungsfrist, k eine unmittelbaren nachteiligen Auswir- kungen auf die Rechtsstellung der Betroffenen. Nach de r Rechtsprechung des Bundesgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts könnten personalrechtli che Mahnungen auch im Anwen- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht dungsbereich des Bundespersonalrechts nicht angefochten w erden. Was den Entzug der Klas- senlehrerfunktion anbelange, so sei dieser als nicht an fechtbare innerdienstliche Anordnung zu qualifizieren, zumal der Beschwerdeführer davon nicht als Privatperson, sondern als Amtsträger und Mitglied des Lehrerkollegiums betroffen sei. Als Ad ressat der innerdienstlichen Anordnung sei er nicht in seiner privaten Rechtsbeziehung zur Schule (Grundverhältnis), sondern in seiner amtlich-betrieblichen Stellung (Betriebsverhältnis) ber ührt. Der Entzug der Klassenlehrerfunkti- on stelle mangels verbindlicher Festlegung von Rechtsfol gen für das Grundverhältnis des Be- schwerdeführers keine anfechtbare Verfügung, sondern e ine organisatorische, innerdienstliche und damit nicht anfechtbare Anordnung dar, weshalb d er Regierungsrat auch diesbezüglich zu Recht auf die Beschwerde nicht eingetreten sei. 4. Vorab ist zu prüfen, ob dem Schreiben des Schulrats vom 29. August 2019 Verfü- gungscharakter zukommt. 4.1 Als Verfügungen gelten gemäss § 2 Abs. 1 des Verwalt ungsverfahrensgesetzes Basel- Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 Anordnungen der Behörden im Einzelfall, die sich auf öffentliches Recht stützen und zum Gegenstand haben: Be gründung, Änderung oder Aufhe- bung von Rechten oder Pflichten (lit. a); Feststellun g des Bestehens, Nichtbestehens oder Um- fanges von Rechten oder Pflichten (lit. b); Abweisung von Begehren auf Begründung, Ände- rung, Aufhebung oder Feststellung von Rechten oder P flichten oder Nichteintreten auf solche Begehren (lit. c). Für das Vorliegen einer Verfügung ist nicht massgebend, ob sie als solche gekennzeichnet ist und eine Rechtsmittelbelehrung enthä lt bzw. den gesetzlichen Formvor- schriften für eine Verfügung entspricht. Massgebend ist vie lmehr, ob die inhaltlichen Struktur- merkmale einer Verfügung vorhanden sind (vgl. P IERRE TSCHANNEN / ULRICH ZIMMERLI /M ARKUS MÜLLER , Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Bern 2014, S. 243; Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts A-1725/2015 vom 8. Juni 2015 E. 2). 4.2 Innerdienstliche Anordnungen bzw. Dienstbefehle sin d ebenso wie Verfügungen An- ordnungen einer Behörde, welche einen Einzelfall reg eln, einseitig ergehen, verbindlich sind und sich auf öffentliches Recht stützen. Der Unterschied liegt in der Qualität der bewirkten Rechtsbindungen. Der Adressat einer innerdienstlichen Anordnung wird dadurch nicht in seiner privaten Rechtsbeziehung zum Staat (Grundverhältnis), so ndern nur in seiner amtlich- betrieblichen Stellung (Betriebsverhältnis) betroffen. Durch innerdienstliche Anordnungen resul- tiert folglich kein die Verfügung charakterisierendes Aussenrechtsverhältnis, sondern lediglich ein einseitig bindendes Innenrechtsverhältnis. Die herrsche nde Lehre und Rechtsprechung spricht ihnen daher den Verfügungscharakter ab (vgl. M ARKUS MÜLLER , in: Auer/ Mül- ler/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über d as Verwaltungsverfahren, 2. Aufl., 2018, Art. 5 N 94 f.; ALFRED KÖLZ /ISABELLE HÄNER /MARTIN BERTSCHI , Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 20 13, Rz. 892; Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts A-7309/2010 vom 7. April 2011 E. 2.3 f.). Verfügungscharakter kommt einzig den- jenigen innerdienstlichen Anordnungen zu, welche die R echtsstellung eines Arbeitnehmers be- rühren, indem durch sie Rechte begründet, geändert oder aufgehoben werden. Dies trifft grund- sätzlich auf Anordnungen zu, welche eine Versetzung im Am t, die Zuweisung einer anderen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tätigkeit oder die Umgestaltung des Dienstverhältnisses zum Inhalt haben (vgl. Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts A-7309/2010 vom 7. April 2011 E. 2.4). 4.3.1 Gemäss § 19 Abs. 2 des Personalgesetzes kann die An stellungsbehörde das Arbeits- verhältnis nach Ablauf der Probezeit kündigen, wenn we sentliche Gründe diese Massnahme rechtfertigen. Wesentliche Gründe liegen unter anderem vor, wenn Mängel in der Leistung oder im Verhalten trotz schriftlicher Verwarnung anhalten o der sich wiederholen (§ 19 Abs. 3 lit. c Personalgesetz). Die Verordnung regelt das Verfahren ü ber die schriftliche Verwarnung (§ 19 Abs. 4 Personalgesetz). Gemäss § 14 der Personalverordnun g ist eine Verwarnung insbeson- dere dann auszusprechen, wenn bei einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter Mängel in der Leistung oder im Verhalten vorliegen (Abs. 1). Zuständi g für das Aussprechen einer schriftli- chen Verwarnung ist die Anstellungsbehörde (Abs. 2). Di e Verwarnung muss schriftlich und begründet sein (Abs. 3). Nach § 15 der Personalverord nung ist zur Behebung der Mängel oder des Fehlverhaltens im Rahmen der Verwarnung in der Re gel eine Frist anzusetzen, bis zu wel- cher eine Verbesserung zu erfolgen hat (Abs. 1). Die V erbesserung der Mängel oder des Fehl- verhaltens hat auch über die angesetzte Frist hinaus a nzudauern (Abs. 2). Eine Verwarnung ist nicht anfechtbar (Abs. 3). 4.3.2 Die Verwarnung im Sinne von § 19 Abs. 3 lit. c d es Personalgesetzes wurde im Rah- men der Revision der personalrechtlichen Bestimmungen üb er die Probezeit, die Kündigung und die Abgangsentschädigung vom 14. Juni 2012 in das Gesetz aufgenommen und trat an die Stelle der altrechtlichen Bewährungsfrist. Der Landra tsvorlage kann entnommen werden, dass die Bewährungsfrist gestrichen werde und neu bei eine r Kündigung aufgrund anhaltender oder sich wiederholender Mängel in der Leistung oder im Ver halten eines Mitarbeitenden zuvor eine schriftliche Verwarnung ausgesprochen werden solle (vgl. Vo rlage an den Landrat 2012/013 betreffend Änderung der personalrechtlichen Bestimmungen über die Probezeit, die Kündigung und die Abgangsentschädigung vom 17. Januar 2012, S. 9). In den Erläuterungen des Perso- nalamts vom 7. Februar 2013 zu verschiedenen Änderungen der Personalverordnung wird in Bezug auf die geänderten §§ 14 und 15 der Personalve rordnung festgehalten, mit der Verwar- nung solle ebenso wie mit der bisherigen Bewährungsfr ist der betroffenen Mitarbeiterin oder dem betroffenen Mitarbeiter aufgezeigt werden, wo Mä ngel in der Leistung oder im Verhalten vorlägen und was zukünftig von der Person erwartet wer de. Weiter werde neu ausdrücklich festgehalten, dass eine Verwarnung analog zur Bewährung sfrist nicht anfechtbar sei (Erläute- rungen, S. 2 f.). 4.3.3 Die Verwarnung ist in § 19 des Personalgesetzes (" Ordentliche Kündigung") in den Bestimmungen über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses (Ziff. 2.3, § 16 ff. Personalgesetz) geregelt. Sie entspricht von ihrer Funktion her vollum fänglich der Mahnung im Sinne von aArt. 12 Abs. 6 lit. b des Bundespersonalgesetzes (BPG) vom 24. März 2000 in der bis am 30. Juni 2013 gültigen Fassung (AS 2001 894 ff., 899 ). Gemäss dieser Bestimmung galten Mängel in der Leistung oder im Verhalten, die trotz sc hriftlicher Mahnung anhielten oder sich wiederholten, nach Ablauf der Probezeit als Gründe für eine ordentliche Kündigung durch den Arbeitgeber. Die fragliche Regelung wurde im Zuge d er Revision des BPG per 30. Juni 2013 ersatzlos aufgehoben, die Rechtsprechung geht allerding s auch nach der Revision des BPG Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiterhin vom grundsätzlichen Erfordernis einer vorgängi gen Mahnung bei Kündigungen ge- stützt auf Art. 10 Abs. 3 BPG aus (vgl. Urteil des Bund esverwaltungsgerichts A-4464/2015 vom 23. November 2015 E. 1.1.3). Die Verwarnung bzw. Mahn ung erinnert den Arbeitnehmer an seine bestehenden Verhaltenspflichten und ermöglicht de m Arbeitgeber die ordentliche Kündi- gung, wenn der Arbeitnehmer seine Leistung nicht verb essert oder sein Verhalten nicht ändert. Sie ist als direkte Reaktion auf das Fehlverhalten des Ar beitnehmers zu verstehen und hat zum Ziel, dem Arbeitnehmer die begangene Pflichtverletzung vorzuhalten und ihn zu künftigem ver- tragsgemässem Verhalten zu mahnen (Rügefunktion). Zude m drückt sie die Androhung einer Sanktion bei weiteren gleichartigen Pflichtverletzungen aus (Warnfunktion; vgl. Urteile des Bun- desverwaltungsgerichts A-6699/2015 vom 21. März 2016 E. 3.1; A-4464/2015 vom 23. Novem- ber 2015 E. 1.1.3 ff.). Die Verwarnung bzw. Mahnung dient insofern der Wahrung des Verhält- nismässigkeitsprinzips vor einer allfälligen Kündigung ( vgl. Urteil des Bundesverwaltungsge- richts A-529/2015 vom 24. Juni 2015 E. 5.2.1). 4.3.4 Nach der Rechtsprechung zu alt§ 19 Abs. 4 des Per sonalgesetzes stellte die Anset- zung einer Bewährungsfrist eine Zwischenverfügung dar ( vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Basel-Landschaft [2000/210] vom 25. April 20 01 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 1P.555/2001 vom 3. Januar 2002 E. 4). Gemäss der neuer en Rechtsprechung des Bundesge- richts und des Bundesverwaltungsgerichts kommt einer der Kündigung vorausgehenden Mah- nung nach aArt. 12 Abs. 6 lit. b BPG bzw. Art. 10 Abs. 3 BPG demgegenüber kein Verfügungs- charakter zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_358/2009 vom 8. März 2010 E. 4.3; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-6699/2015 vom 21. März 2016 E. 3.2; A-4464/2015 vom 23. No- vember 2015 E. 1.1.4; A-1725/2015 vom 8. Juni 2015 E. 2.1.3 f.; A-692/2014 vom 17. Juni 2014 E. 3.2; BVGE 2011/31 E. 3.3; Entscheid der Eidgenössischen Personalrekurskommission [PRK] vom 30. September 2004, in: Verwaltungspraxis der Bun desbehörden [VPB] 69.33 E. 2). Die personalrechtliche Verwarnung bzw. Mahnung stellt auch nach der Lehre im Gegensatz zur Verwarnung im Sinne einer disziplinarischen Massnahme kei ne anfechtbare Verfügung dar. Selbst wenn sie eine Voraussetzung für die Kündigung bi lde, sei sie nicht anfechtbar, weil die Rechte und Pflichten erst mit der Kündigung geregelt w ürden (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich 2016, Rz. 1418; KÖLZ / HÄNER /BERTSCHI , a.a.O., S. 445). 4.3.5 Wie bereits ausgeführt (E. 4.3.3 hiervor), entsp richt die Verwarnung gemäss § 19 Abs. 3 lit. c des Personalgesetzes von ihrer Funktion her d er Mahnung, wie sie auf Bundesebe- ne bei Mängeln in der Leistung oder im Verhalten gest ützt auf Art. 10 Abs. 3 BPG vor einer Kündigung auszusprechen ist. Im Lichte der vorstehenden Erwägungen zur Frage der Anfecht- barkeit von personalrechtlichen Verwarnungen bzw. Mahnun gen (E. 4.3.4 hiervor) kommt der Verwarnung gemäss § 19 Abs. 3 lit. c des Personalgesetz es somit kein Verfügungscharakter zu. Die Verwarnung als solche hat denn auch keine unmit telbaren nachteiligen Auswirkungen auf die Rechtsstellung des Beschwerdeführers und dieser könnte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Rahmen der Beschwerde gegen eine allfälli ge Kündigung bestreiten. Die Verfah- rensrechte des Beschwerdeführers bleiben vor diesem Hin tergrund vollumfänglich gewahrt (vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-4464/201 5 vom 23. November 2015 Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 1.1.5). Die strittige Verwarnung ist nach dem Gesa gten – wie § 15 Abs. 3 der Personalver- ordnung ausdrücklich statuiert – nicht anfechtbar. 4.4 Der Schulrat ordnete im Schreiben vom 29. August 2019 ausserdem an, dass der Be- schwerdeführer vorläufig nicht mehr als Klassenlehrer tä tig sei und periodisch an Standortge- sprächen mit der Schulleitung teilzunehmen habe. Die fraglichen Anordnungen sind ebenso wie der vom Beschwerdeführer angeführte Wechsel des zugewies enen Schulzimmers bzw. Schul- hauses als innerdienstliche Anordnungen zu qualifiziere n, welchen mangels verbindlicher Fest- legung von Rechtsfolgen für das Grundverhältnis kein V erfügungscharakter zukommt. Nament- lich ist damit weder die Zuweisung einer anderen Tätig keit noch eine Umgestaltung des Dienst- verhältnisses verbunden, wie sie für die Qualifikation a ls anfechtbare Verfügung vorauszuset- zen ist (vgl. E. 4.2 hiervor). Entgegen der Auffassung de s Beschwerdeführers ist auch nicht ersichtlich, inwiefern die fraglichen Anordnungen sowie die Tatsache, dass die Verwarnung un- befristet ausgesprochen wurde, "in ihrer Gesamtheit" ei ne (versteckte) Disziplinarmassnahme darstellen sollen und das Schreiben des Schulrats vom 29. August 2019 aus diesem Grund als anfechtbare Verfügung zu gelten hätte. 4.5 Ungeachtet des Umstands, dass das Schreiben des Schulr ats vom 29. August 2019 auf Ersuchen des Beschwerdeführers in Verfügungsform erlassen und mit einer Rechtsmittelbe- lehrung versehen wurde, stellt dieses nach dem Gesagten keine anfechtbare Verfügung dar. Der Regierungsrat ist somit – jedenfalls im Ergebnis – z u Recht auf die Beschwerde vom 13. September 2019 nicht eingetreten. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 5. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise u nterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- sind ausgangsgemäss dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Die Pa rteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorsc huss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. Der zuviel geleistete Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber