<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 157 S.683</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">683</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>157</b></span> <span class="ft2"><b>Schulgeld.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Pflicht zur Übernahme von Schulgeld bei auswärtigem Schulbe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>such setzt das Vorliegen wichtiger Gründe gemäss § 6 Abs. 2 SchulG</b></span><br/> <span class="ft2"><b>voraus.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Das gestörte Lehrkraft-Eltern-Verhältnis als wichtiger Grund.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">684</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Entscheid des Departementes Bildung, Kultur und Sport vom 20. August</span><br/> <span class="ft4">2002 in Sachen A. Z. gegen den Beschluss des Gemeinderates U.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. Materielles</span><br/> <span class="ft1">1. a) Gemäss § 6 der Verordnung über das Schulgeld vom</span><br/> <span class="ft1">16. Dezember 1985 (Schulgeldverordnung; SAR 403.151) ist der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat für die Festsetzung des Schulgeldes sowie für den Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid über die Erhebung oder Übernahme eines solchen zuständig</span><br/> <span class="ft1">(Abs. 1). Können sich die Beteiligten über die Tragung des Schulgel-</span><br/> <span class="ft1">des oder über dessen Höhe nicht einigen, entscheidet hierüber in</span><br/> <span class="ft1">erster Instanz das Departement Bildung, Kultur und Sport. Dieser</span><br/> <span class="ft1">Entscheid ist an den Regierungsrat weiterziehbar (Abs. 2).</span><br/> <span class="ft1">b) Nach Art. 62 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV;</span><br/> <span class="ft1">SR 101) sorgen die Kantone für genügenden Grundschulunterricht,</span><br/> <span class="ft1">welcher unter staatlicher Leitung oder Aufsicht stehen soll; er ist</span><br/> <span class="ft1">obligatorisch und in den öffentlichen Schulen unentgeltlich. Der</span><br/> <span class="ft1">Kanton Aargau gewährt in § 34 Abs. 1 der Kantonsverfassung vom</span><br/> <span class="ft1">25. Juni 1980 (KV; SAR 110.000) und in § 3 Abs. 3 des Schulgeset-</span><br/> <span class="ft1">zes vom 17. März 1981 (SchulG; SAR 401.100) den Kindern und</span><br/> <span class="ft1">Jugendlichen mit Aufenthalt im Kanton den unentgeltlichen Besuch</span><br/> <span class="ft1">der öffentlichen Schulen. Nach § 6 Abs. 1 SchulG ist die Schulpflicht</span><br/> <span class="ft1">"in der Regel" in den öffentlichen Schulen der Wohngemeinde oder</span><br/> <span class="ft1">des Schulkreises, zu dem die Wohngemeinde gehört, zu erfüllen. Die</span><br/> <span class="ft1">Schulpflege des Aufenthaltsortes entscheidet nach § 73 Abs. 1 und 2</span><br/> <span class="ft1">i.V.m. § 6 Abs. 1 SchulG, welche Schulstufe oder welcher Schultyp</span><br/> <span class="ft1">für ein bestimmtes Schulkind richtig ist. Im Rahmen dieses</span><br/> <span class="ft1">Laufbahnentscheides kann die Schulpflege ein Schulkind auch einer</span><br/> <span class="ft1">auswärtigen Schule zuweisen, wenn die Wohnortsgemeinde über</span><br/> <span class="ft1">kein den Bedürfnissen des Kindes entsprechendes gemeindeinternes</span><br/> <span class="ft1">Angebot verfügt (Zuweisung in eine auswärtige Einschulungsklasse,</span><br/> <span class="ft1">Kleinklasse oder Realschule etc.). Den Eltern wird das Recht auf</span><br/> <span class="ft1">freie Wahl des Schulortes ihrer Kinder insbesondere aus der Überle-</span><br/> <span class="ft1">gung abgesprochen, dass ansonsten die Schulplanung ernsthaft in</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">685</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Frage gestellt werde und die im Schulgesetz vorgesehene Träger-</span><br/> <span class="ft1">schaft der Volksschule durch die Gemeinden nicht mehr vollziehbar</span><br/> <span class="ft1">sei. Das allgemeine Interesse an einer geregelten Schulorganisation</span><br/> <span class="ft1">geht in diesem Sinne dem privaten Interesse an einer Aus-</span><br/> <span class="ft1">nahmebewilligung vor (AGVE 1985 S. 614 f.). Erfolgt der Unter-</span><br/> <span class="ft1">richtsbesuch ohne wichtige Gründe an der Volksschule einer anderen</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde, entfällt die Unentgeltlichkeit (§ 6 Abs. 2 SchulG).</span><br/> <span class="ft1">Ein Anspruch auf einen unentgeltlichen auswärtigen Schulbe-</span><br/> <span class="ft1">such besteht einerseits dann, wenn eine bestimmte Schulstufe oder</span><br/> <span class="ft1">ein Schultypus in der Aufenthaltsgemeinde selbst nicht geführt wird</span><br/> <span class="ft1">(§ 52 Abs. 1 SchulG), und andererseits in den Fällen, in denen aus-</span><br/> <span class="ft1">nahmsweise aus triftigen Gründen von der Regel des Schulbesuches</span><br/> <span class="ft1">in der Aufenthaltsgemeinde abgewichen werden muss (AGVE 1995</span><br/> <span class="ft1">S. 605, 1991 S. 161, 1989 S. 503; vgl. auch Marco Borghi, Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar zur Bundesverfassung, Basel/Zürich/Bern 1988, Art. 27</span><br/> <span class="ft1">Randziffer 55 ff. mit weiteren Hinweisen); vorausgesetzt wird in</span><br/> <span class="ft1">solchen Fällen, dass eine besondere Situation vorliegt, bei der die</span><br/> <span class="ft1">Anwendung von § 6 Abs.1 SchulG nicht sachgerecht wäre und zu</span><br/> <span class="ft1">Härten und Unbilligkeiten führen würde, so dass dem betroffenen</span><br/> <span class="ft1">Kind der Schulbesuch in der Aufenthaltsgemeinde nicht zugemutet</span><br/> <span class="ft1">werden kann (AGVE 1995 S. 605, 1991 S. 159 ff., 1989 S. 503).</span><br/> <span class="ft1">Als wichtige Gründe, welche einen unentgeltlichen auswärtigen</span><br/> <span class="ft1">Schulbesuch erlauben, werden in der Praxis beispielsweise ein zu</span><br/> <span class="ft1">langer oder zu gefährlicher Schulweg oder ein massiv gestörtes Lehr-</span><br/> <span class="ft1">kraft-Eltern- bzw. Lehrkraft-Kind-Verhältnis anerkannt.</span><br/> <span class="ft1">2) - 3 c) cc) (...)</span><br/> <span class="ft1">dd) Wohl ist es wünschbar, dass die Voraussetzungen für den</span><br/> <span class="ft1">Primarschulunterricht in allen Gemeinden optimal sind. Das Opti-</span><br/> <span class="ft1">mum hinsichtlich Lehrerpersönlichkeit, Klassenzusammensetzung,</span><br/> <span class="ft1">Infrastruktur zu erreichen, übersteigt jedoch einerseits den Auftrag</span><br/> <span class="ft1">und andererseits die Möglichkeit einer Gemeinde. Das hat zur Folge,</span><br/> <span class="ft1">dass die Erwartungen der Eltern und Kinder nicht immer erfüllt wer-</span><br/> <span class="ft1">den können, ohne dass jedoch ein triftiger Grund, welcher den An-</span><br/> <span class="ft1">spruch auf einen auswärtigen Schulbesucht einräumt, vorliegen</span><br/> <span class="ft1">würde (vgl. AGVE 1991 S. 168 f., Borghi, a.a.O., Art. 27 RZ 57 f.).</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">686</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3 d) aa) (...)</span><br/> <span class="ft1">bb) In einer langjährigen Rechtsprechung haben das Departe-</span><br/> <span class="ft1">ment Bildung, Kultur und Sport und der Erziehungsrat festgestellt,</span><br/> <span class="ft1">dass bei einer massiv gestörten Lehrkraft-Schulkind-Beziehung der</span><br/> <span class="ft1">Schüler bzw. die Schülerin grundsätzlich einen Anspruch auf Verset-</span><br/> <span class="ft1">zung in eine andere Klasse hat. Bestehen die Differenzen vor allem</span><br/> <span class="ft1">zwischen den Eltern und der Lehrkraft, so ist zu differenzieren. Ein</span><br/> <span class="ft1">Anspruch kann dann bestehen, wenn das Lehrkraft-Eltern-Verhältnis</span><br/> <span class="ft1">so stark gestört ist, dass davon ausgegangen werden muss, dass sich</span><br/> <span class="ft1">die Störung auch auf das Lehrkraft-Schulkind-Verhältnis auswirkt</span><br/> <span class="ft1">und damit der Unterrichtserfolg sowie die Persönlichkeitsentwick-</span><br/> <span class="ft1">lung des Schulkindes in Frage gestellt ist. Ein solcher Anspruch kann</span><br/> <span class="ft1">sich aber nicht auf rein subjektive Befürchtungen stützen, die mas-</span><br/> <span class="ft1">sive Störung muss auch bei einer objektiven Betrachtung gegeben</span><br/> <span class="ft1">sein (AGVE 1995 S. 606). Bei dieser Sachlage hat der Schüler bzw.</span><br/> <span class="ft1">die Schülerin einen Anspruch auf Versetzung in eine Parallelklasse,</span><br/> <span class="ft1">oder, sofern eine solche in der Aufenthaltsgemeinde nicht existiert</span><br/> <span class="ft1">oder der Besuch dieser Klasse wiederum als unzumutbar betrachtet</span><br/> <span class="ft1">werden muss, in eine entsprechende auswärtige Schulklasse. Wirkt</span><br/> <span class="ft1">sich das gestörte Verhältnis jedoch nicht auf das Kind aus, so besteht</span><br/> <span class="ft1">kein Anspruch auf Versetzung in eine Parallelklasse, bzw. eine aus-</span><br/> <span class="ft1">wärtige Schulklasse.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>