B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5745/2014 law/joc U r t e i l v o m 25 . N o v e m b e r 2 0 1 5 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richterin Claudia Cotting-Schalch, Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren am (…), angeblich Volksrepublik China (Tibet), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM); zuvor Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. September 2014 / N (…). D-5745/2014 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge am 21. Juli 2014 in die Schweiz einreiste, wo sie am selben Tag im Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nachsuchte, dass sie am 6. August 2014 im EVZ zu ihrer Person, zum Reiseweg und summarisch zu den Asylgründen befragt und am 21. August 2014 einläss- lich zu ihren Asylgründen angehört wurde, dass die Beschwerdeführerin dabei im Wesentlichen zu Protokoll gab, sie sei tibetischer Ethnie , Staatsangehörige der Volksrepublik China und sie sei in B._______ (Gemeinde C._______, Bezirk D._______, P räfektur E._______) geboren, wo sie zusammen mit ihren Eltern und ihrem Bruder bis zu ihrer Ausreise vom 26./27. Januar 2014 gelebt habe, dass sie Tibetisch spreche und nur über wenige Chinesisch Kenntnisse verfüge, da sie in einem abgelegenen Dorf gelebt und ihrer Mutter bei der Haus- und Feldarbeit geholfen habe, dass sie nie zur Schule gegangen sei, ihr Vater – ein buddhistischer Scha- mane – ihr jedoch ein wenig Tibetisch Schreiben und Lesen beigebracht habe, dass sie eine Identitätskarte besitze, welche im Jahre 2002 ausgestellt wor- den und bei ihrer Tante in Nepal geblieben und wohl verbrannt worden sei, da der Schlepper gemeint habe, sie dürfe nicht zwei Ausweise besitzen, dass eines Morgens im Januar 2014 plötzlich vier Polizisten zu Hause er- schienen seien und im Altarhaus ein Bild respektive Bilder des Dalai Lama, eine tibetische Flagge und mehrere Bücher des Dalai Lama gefunden hät- ten, dass sie und ihr Bruder deshalb geschlagen und ihnen Handschellen an- gelegt worden seien, ihr Bruder jedoch beteuert habe, dass sie nichts damit zu tun habe, weshalb nur ihr Bruder festgenommen worden und seit jenem Tag verschwunden sei, dass die Polizisten sieben oder acht Tage später erneut zu ihnen nach Hause gekommen seien, wobei sie mit einem Seil geschlagen und gestos- sen und nach weiteren Bildern, Büchern und Flaggen gefragt worden sei, sie den Besitz solcher Gegenstände jedoch bestritten habe, D-5745/2014 Seite 3 dass die Polizisten erklärt hätten, sie würden wieder kommen und sie dann alles herauszugeben hätten, ansonsten die ganze Famili e ins Gefängnis gesteckt würde, dass ihre Eltern ihr deshalb zwei Tage später geraten hätten, Tibet zu ver- lassen und nach Nepal zu fliehen, dass sie am 26./27. Januar 2014 in Begleitung eines Freundes ihres Vaters von B._______ zu Fuss nach D._______ gegangen sei, wo sie die Nacht verbracht habe, sie anschliessend weiter nach F._______ (Nepal) gereist sei, wo sie übernachtet habe, und sie danach zirka drei Tage zu Fuss nach G._______ gegangen sei, von wo sie mit einem Flugzeug nach H._______ (Nepal) geflogen und mit einem Auto weiter zu ihrer Tante nach I._______ (Nepal) gefahren sei, dass sie am 19. Juli 2014 von Nepal aus mit einem ne palesischen Pass und einem Zwischenhalt in einem ihr unbekannten Ort, in die Schweiz ge- flogen sei, wo sie von einem westlichen Mann erwartet und weiter begleitet worden sei, dass das BFM mit Verfügung vom 17. September 2014 – eröffnet am glei- chen Tag – feststellte, die Beschwerdeführerin würde die Flüchtlingseigen- schaft nicht erfüllen, ihr Asylgesuch vom 21. Juli 2014 ablehnte, die Weg- weisung aus der Schweiz verfügte sowie festhielt, der Vollzug der Wegwei- sung in die Volksrepublik China sei ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin gegen diesen Entsc heid mit Eingabe vom 5. Oktober 2014 (Poststempel: 7. Oktober 2014) beim Bundesverwaltungs- gericht Beschwerde erhob und dabei beantragte, die angefochtene Verfü- gung sei aufzuheben und in der Sache neu zu beurteilen, es sei eine Her- kunftsanalyse durch einen unabhängigen Tibet-Experten anzuordnen und es sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren, dass eventualiter das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe festzustellen und ihr die vorläufige Aufnahme als Flüchtling infolge Unzulässigkei t des Vollzugs der Wegweisung zu gewähren sei, dass eventualiter die Unzumutbarkeit und die Unmöglichkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und ihr die vorläufige Aufnahme zu gewäh- ren sei, D-5745/2014 Seite 4 dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei ihr die unent- geltliche Prozessführung zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses sei zu verzichten und der Beschwerde sei die aufschiebende Wir- kung zu gewähren, dass der Beschwerde – nebst der angefochtenen Verfügung in Kopie sowie Kopien von Akten der Vorinstanz – eine Fürsorgebestätigung beilag, dass der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts mit Verfügung vom 16. Oktober 2014 auf den Antrag, es sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren, nicht eintrat, das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung guthiess, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ver- zichtete und das BFM bis zum 31. Oktober 2014 zur Vernehmlassung ein- lud, dass das BFM mit Vernehmlassung vom 27. Oktober 2014 die Abweisung der Beschwerde beantragte, dass der Beschwerdeführerin die Vernehmlassung des BFM am 30. Okto- ber 2014 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM respektive SEM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pers on Schutz sucht (Art. 105 des AsylG [SR 142.31] , i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), D-5745/2014 Seite 5 dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist ( Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5), dass gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt, wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder we- gen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nach teilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu wer- den (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass, wer um Asyl nachsucht, die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen muss und diese glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält, dass unglaubhaft insbesondere Vorbringen sind, die in wesentlichen Punk- ten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeblich auf gefälschte oder verfälschte Be- weismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG), dass das Verwaltungs - respektive Asylverfahren vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht wird (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) und daher die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen und die rechtlich relevanten Umstände ab- zuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat, dass gemäss Art. 8 AsylG die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht – und unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV auch das Recht – hat, an der Feststel- lung des Sachverhaltes mitzuwirken (vgl. zum Ganzen BVG E 2012/21 E. 5.1 und BVGE 2009/50 E. 10.2 je mit weiteren Hinweisen), dass der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher in den Art. 29 ff. VwVG konkretisiert wird, einerseits der Aufklärung D-5745/2014 Seite 6 des Sachverhalts dient, andererseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir- kungsrecht der Partei darstellt sowie verlangt, dass die verfügende Be- hörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernst- haft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entspre- chend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG), dass das Recht auf vorgängige Anhörung ( Art. 30 Abs. 1 VwVG) als Teil- gehalt des rechtlichen Gehörs insbesondere vorsieht, dass die Behörde sich beim Erlass ihrer Verfügung nich t auf Tatsachen abstützen darf, zu denen sich die von der Verfügung betroffene Person nicht vorgängig äus- sern und diesbezüglich Beweis führen konnte. dass mit dem Äusserungsrecht der verfahrensrechtliche Anspruch auf Ak- teneinsicht (Art. 26 VwVG) – ebenfalls als Teilgehalt des rechtlichen Ge- hörs – eng verbunden ist, da sich die Betroffenen in einem Verfahren nur dann wirksam zur Sache äussern und geeignet Beweis führen beziehungs- weise Beweismittel bezeichnen können, wenn ihnen die Möglichkeit einge- räumt wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche die Behörde ihren Ent- scheid stützt, dass das Recht auf Akteneinsicht eingeschränkt werden kann, wenn ein überwiegendes öffentliches oder privates Interesse an der Geheimhaltung der betreffenden Akten vorhanden ist ( Art. 27 VwVG), wobei die Behörde einer Partei, welcher sie die Einsichtnahme in ein Aktenstück verweigert, von seinem wesentlichen Inhalt Kenntnis sowie die Gelegenheit geben muss, sich dazu zu äussern und Gegenbeweismittel zu bezeichnen (Art. 28 VwVG), dass der Anspruch auf rechtliches Gehör schliesslich auch beinhaltet, dass die Behörden alles in den Akten festzuhalten haben, was zur Sache gehört und entscheidwesentlich sein kann und daraus die Pflicht resultiert, jegli- che Abklärungen schriftlich festzuhalten, zu den Akten zu nehmen und auf- zubewahren, wobei die Aktenführung geordnet, übersichtlich und vollstän- dig zu sein hat und ersichtlich sein muss, wer die Akten erstellt hat und wie sie zustande gekommen sind (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2013/23 E. 6.4.2 je mit weiteren Hinweisen), dass das BFM in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen festhielt, die Antworten der Beschwerdeführerin in Bezug auf D._______ und ihrem dortigen Leben seien ungenügend, ihre Chinesisch Kenntnisse mangelhaft und es sei weder nachvollziehbar, dass s ie nie die Schule besucht habe D-5745/2014 Seite 7 noch, dass sie keine Identitätspapiere zu den Akten gereicht habe; auch sei der von ihr beschriebene Reiseweg weder nachvollziehbar noch sub- stanziiert dargelegt worden, dass davon auszugehen sei, dass sie zwar tibetischer Ethnie sei, ihren tat- sächlichen Herkunftsstaat jedoch verschleiere, womit den von ihr vorste- hend erwähnten, substanzlos und widersprüchlich geschilderten Asylgrün- den die Grundlage entzogen und damit diese nicht glaubhaft seien, dass in der Beschwerde in der Hauptsache die Rüge des unvollständig und unrichtig erstellten Sachverhaltes erhoben wird, indem geltend gemacht wird, die Beurteilung des BFM sei ohne Beizug eines unabhängigen Tibet- Experten erfolgt und der Entscheid stützte sich allein auf die vorinstanzli- chen Anhörungsprotokolle und es sei nicht nachvollziehbar, worauf sich die Bewertung des BFM, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin zu ihrer Herkunft tatsachenwidrig und realitätsfremd seien, stütze, dass das BFM mit Vernehmlassung vom 27. Oktober 2014 hinsichtlich des Vorwurfs der fehlenden Begutachtung durch einen Tibet-Experten auf zwei Urteile des Bundesverwaltungsgerichts verwies und im Übrigen an seinen bisherigen Erwägungen festhielt, dass die Vorinstanz zwecks Herkunftsabklärung von Asylsuchenden tibeti- scher Ethnie zuweilen – so auch vorliegend – nicht mehr eine Analyse durch die Fachstelle Lingua (Lingua-Analyse respektive Lingua-Alltagswis- sensevaluation) durchführen lässt, sondern im Rahmen der einlässlichen Anhörung durch den Sachbearbeiter beziehungsweise die Sachbearbeite- rin vertiefte Fragen zu den Länderkenntnissen und zum Alltagswissen der asylsuchenden Person stellt, dass sich eine solche, im Rahmen der Anhörung durchgeführte Abklärung des Länder - und Alltagswissens von Asylsuchenden grundsätzlich zur Plausibilitätsprüfung von Herkunftsangaben eignen kann (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.1), dass allerdings bei einem solchen Vorgehen die Vorinstanz – um dem Un- tersuchungsgrundsatz und dem Anspruch auf rechtliches Gehör gerecht zu werden – verpflichtet ist, die Vorbringen der Betroffenen in einer auch für die Beschwerdeinstanz nachvollziehbaren Weise sorgfältig und ernsthaft zu prüfen (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.2.1), D-5745/2014 Seite 8 dass dazu für das Bundesverwaltungsgericht – im Sinne einer ersten Min- destanforderung – aus den vorinstanzlichen Akten nicht nur erkennbar sein muss, welche Fragen die Vorinstanz der asylsuchenden Person gestellt hat und wie diese darauf geantwortet hat, sondern auch, wie diese Fragen hät- ten beantwortet werden sollen und weshalb eine in der fraglichen Region sozialisierte Person die zutreffenden Antworten hätte kennen müssen, dass die zutreffenden Antworten zudem mit Informationen zum Herkunfts- land – vorliegend Tibet – zu belegen sind, bei deren Beschaffung, Aufbe- reitung und Präsentation sich die Vorinstanz an den für Informationen über Herkunftsländer (Country of Origin Information [COI]) geltenden Standards zu orientieren hat, dass es der Vorinstanz dabei frei steht, in welcher Form sie dem Gericht die genannten Informationen offenlegen will (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.2.2), dass im Weiteren – im Sinne einer zweiten Mindestanforderung – der asyl- suchenden Person zwecks rechtsgenügl icher Gewährung der Aktenein- sicht der wesentliche Inhalt der Herkunftsabklärung – entweder in einer zu protokollierenden mündlichen Anhörung oder in einer aktenkundigen schriftlichen Notiz – zur Kenntnis gebracht und ihr die Möglichkeit einge- räumt werden muss, sich insbesondere zu den als unzureichend eingestuf- ten Antworten zu äussern, dass ihr dabei die als tatsachenwidrig, falsch oder unzureichend erachte- ten Antworten unter Angabe der dazugehörigen Fragen so detailliert aufzu- zeigen sind, dass sie hierzu konkrete Einwände anbringen kann, wobei es nicht genügt, die Schlussfolgerungen der Herkunftsabklärung in einer pau- schalen Zusammenfassung darzulegen, ohne der betroffenen Person die ihr konkret vorgeworfenen Falschangaben in geeigneter Weise erkennbar zu machen (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.2.4), dass die Vorinstanz im Falle der Nichterfüllung erwähnter Mindestanforde- rungen die Untersuchungspflicht und den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, weshalb die Sache in der Regel zur Neubeurteilung an die Vor - instanz zurückzuweisen ist, dass davon ausgenommen jene Fälle sind, in denen die Vorbringen der asylsuchenden Person – aufgrund gänzlicher Unplausibilität, Substanzar- mut oder Widersprüchlichkeit – offensichtlich unzulänglich und somit derart D-5745/2014 Seite 9 haltlos sind, dass deren Beurteilung keiner weiteren fachlichen Abklärun- gen mehr bedarf (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.3.1), dass bei Erfüllung der Mindestanforderungen durch die Vorinstanz, die von ihr im Rahmen der Anhörung durchgeführte Herkunftsabklärung als Be- weismittel der freien Beweiswürdigung untersteht (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.3.2), dass die Beschwerdeführerin zwar auf gewisse, der ihr gestellten Fragen zum Länder- und Alltagswissen keine Antwort geben konnte, dass sie etwa nicht wusste, wie die Präfektur E._______ aufgebaut ist, wie der Fluss J._______ sonst noch genannt wird, den Preis für Raubpilze nicht kannte, die Masseinheit ihres Landes, das sie bewirtschaftete , nicht nennen konnte und auch nicht die Ausdrücke für Mobil-Telefon, Kaugummi oder Cola bezeichnen oder das Wort "Arka" deuten konnte (vgl. act. A9/30 S. 3 ff.), dass die Antworten der Beschwerdeführerin allerdings insgesamt nicht als derart unplausibel, substanzarm und widersprüchlich ausgefallen sind, als dass eine Sozialisation derselben aus Tibet offensichtlich ausgeschlossen werden könnte , zumal durchaus vorstellbar ist, dass eine Person tibeti- scher Ethnie, die – wie die Beschwerdeführerin – angibt, in Tibet, China, sozialisiert worden zu sein, dort nicht zur Schule gegangen ist und mith in auch nicht auszuschliessen ist, dass eine ethnische Tibeterin, die aus einer – wie vorliegend angegeben – abgelegenen, ländlichen Gegend stammt, kein oder nur sehr wenig Chinesisch beherrscht (vgl. act. A 5/12 S. 4, act. A9/30 S. 2 f.), dass das BFM in der angefochtenen Verfügung selbst festhält, die Be- schwerdeführerin habe einige grundlegende Sachen in Zusammenhang mit D._______ – der von ihr angegebenen Herkunftsprovinz – sagen kön- nen (vgl. act. A11/9 S. 3), dass im Weiteren auffällt, dass der Beschwe rdeführerin zwar etliche Fra- gen zu D._______ (vgl. act. A9/30 S. 3 ff.) gestellt wurden, indes keine de- taillierten Fragestellungen zu ihrem angeblichen Wohnort, dem Dorf B._______ oder der dazugehörenden Gemeinde C._______ welche im Be- zirk D._______ liege (vgl. act. A5/12 S. 3 f. und S. 6, act. A9/30 S. 2), er- folgten, D-5745/2014 Seite 10 dass zwar die der Beschwerdeführerin gestellten Fragen sowie deren Ant- worten protokolliert wurden, indes für das Bundesverwaltungsgericht auf- grund der Akten nicht zu eruieren ist, wie genau diese Fragen von ihr hätten beantwortet werden sollen und weshalb eine in der fraglichen Region sozi- alisierte Person die vom BFM gestellten zutreffenden Antworten hätte ken- nen müssen, dass den Akten auch nicht zu entnehmen ist, auf welche länderspezifi- schen Quellen sich das BFM bei sein er Beurteilung abstützte, zumal sich in dieser Hinsicht lediglich einige Fotos in den Akten befinden, die der Be- schwerdeführerin im Rahmen der Anhörung vom 21. August 2014 gezeigt wurden, wobei allerdings nicht durchwegs klar wird, welche Gegend bezie- hungsweise Örtlichkeiten auf den Fotos abgebildet ist, weil entsprechende Angaben nur bei einem Teil der Fotos gemacht werden, dass somit das Gericht nicht überprüfen kann, ob die vorinstanzliche Ein- schätzung bezüglich des Länder- und Alltagswissens der Beschwerdefüh- rerin vertretbar ist und ob die Vorinstanz ihren aus dem Untersuchungs- grundsatz und dem Anspruch auf rechtliches Gehör fliessenden Pflicht zur ernsthaften, sorgfältigen und vollständigen Abklärung der Vorbringen der Beschwerdeführerin sowie aller weiteren rechtsrelevanten Sachumstände vorliegend tatsächlich nachgekommen ist, dass das BFM im Rahmen der Anhörung vom 21. August 2014 der Be- schwerdeführerin gegenüber teilweise zwar andeutete, dass sie gewisse Fragen nicht korrekt beantwortet hat, indem etwa ausgeführt wird, "Wissen Sie nicht, wie man zu der Präfektur E._______ auf Chinesisch sagt? oder "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie nur Salz , Zucker und Reis einge- kauft haben." oder "Wissen Sie nicht, was man dann dort macht? " oder "Sie haben dort fast (…) Jahre gelebt, dann müssen Sie mir schon ein biss- chen mehr davon erzählen" (vgl. act. A9/30 S. 2, S. 5 und S. 7), dass der Beschwerdeführerin indes weder im Rahmen der einlässlichen Anhörung noch etwa in schriftlicher Form die ihr konkret vorgeworfenen hauptsächlichen Falschangaben detailliert aufgezeigt und ihr auch nicht die Gelegenheit erteilt wurde, sich dazu zu äussern, dass aufgrund dieser Erwägungen festzustellen ist, dass die Vorinstanz den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Einräumung des rechtlichen Gehörs sowie den Untersuchungsgrundsatz verletzt hat, mithin die Sache nicht entscheidreif ist, D-5745/2014 Seite 11 dass eine Heilung von Gehörsverletzungen respektive die vorliegend feh- lende Entscheidreife – unter bestimmten Voraussetzungen – grundsätzlich auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden kann, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht er- scheint (vgl. BVGE 2012/21 E. 5), dass die festgestellten Verfahrensmängel als schwerwiegend zu erachten sind, sich die Entscheidreife mithin nicht mit geringem Aufwand herbeifüh- ren lässt, weshalb für deren Heilung im Rahmen des Beschwerdeverfah- rens kein Raum besteht, dass die Beschwerde daher – ohne auf die weiteren Ausführungen und Anträge in derselben einzugehen – gutzuheissen, die Verfügung vom 17. September 2014 aufzuheben und die Sache gestützt Art. 61 Abs. 1 VwVG im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an das SEM zurück- zuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Koste n zu erheben sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), dass die Beschwerdeinstanz der obsi egenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen kann (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V. m. Art. 7 Abs. 1 und 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädig ungen vor dem Bundesverwaltungs gericht [VGKE, SR 173.320.2]), dass die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren nicht vertreten ist und nicht ersichtlich ist, dass ihr anderweitig durch die Beschwerdeführung Kosten entstanden sind, weshalb ihr keine Parteientschädigung zuzuspre- chen ist. (Dispositiv nächste Seite) D-5745/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung vom 17. September 2014 wird aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand: