<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">122</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>25</b></span> <span class="ft1"><b>Ausschaffungshaft; rechtliches Gehör; Kontaktaufnahme mit Rechtsver-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>treter</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs betreffend Anordnung</b></span><br/> <span class="ft1"><b>einer Ausschaffungshaft muss einem Betroffenen auf Ersuchen der telefo-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>nische Kontakt mit seinem Rechtsvertreter ermöglicht werden. Weil im</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Verfahren vor dem MIKA das Anwaltsmonopol nicht gilt, ist unerheblich,</b></span><br/> <span class="ft1"><b>ob der Rechtsvertreter berechtigt gewesen wäre, im Rahmen der Haft-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>überprüfungsverhandlung die Vertretung zu übernehmen. Kann der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Rechtsvertreter erst im Anschluss an die Haftüberprüfungsverhandlung</b></span><br/> <span class="ft1"><b>kontaktiert werden, liegt zwar eine Verletzung des rechtlichen Gehörs</b></span><br/> <span class="ft1"><b>vor. Diese ist aber nicht als derart gravierend einzustufen, dass der Be-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>troffene aus der Haft zu entlassen ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Einzelrichters des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer,</span><br/> <span class="ft2">vom 1. Juli 2013 in Sachen Amt für Migration und Integration gegen A.</span><br/> <span class="ft2">(WPR.2013.101).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">4.</span><br/> <span class="ft4">Anlässlich des rechtlichen Gehörs betreffend Anordnung einer</span><br/> <span class="ft4">Ausschaffungshaft verlangte die Gesuchsgegnerin, ihren Rechtsver-</span><br/> <span class="ft4">treter telefonisch kontaktieren zu können. Dies wurde ihr mit dem</span><br/> <span class="ft4">Hinweis, ihr Rechtsvertreter sei vor Gericht nicht zugelassen, seitens</span><br/> <span class="ft4">des MIKA verweigert. An der heutigen Verhandlung vor dem Einzel-</span><br/> <span class="ft4">richter rügte die Gesuchsgegnerin in verfahrensrechtlicher Hinsicht</span><br/> <span class="ft4">denn auch sinngemäss die Verletzung ihres rechtlichen Gehörs. Der</span><br/> <span class="ft4">Gesuchsteller hielt demgegenüber fest, dass der Gesuchsgegnerin die</span><br/> <span class="ft4">telefonische Kontaktaufnahme mit deren Rechtsvertreter im An-</span><br/> <span class="ft4">schluss an die Verhandlung ermöglicht werde.</span><br/> <span class="ft4">In Anlehnung an Art. 29 BV statuiert Art. 81 Abs. 1 AuG die</span><br/> <span class="ft4">Pflicht der Kantone, dafür zu sorgen, dass die inhaftierte Person mit</span><br/> <span class="ft4">ihrem Rechtsvertreter sowie mit Familienangehörigen und Konsular-</span><br/> <span class="ft4">behörden mündlich und schriftlich verkehren kann. Die Behörden</span><br/> <span class="ft4">müssen demnach auf Ersuchen des Betroffenen hin den Kontakt mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">123</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">einem Anwalt oder einem anderen Rechtsvertreter unverzüglich er-</span><br/> <span class="ft4">möglichen (T</span><span class="ft2">OMAS</span> <span class="ft4">H</span><span class="ft2">UGI</span> <span class="ft4">Y</span><span class="ft2">AR</span><span class="ft4">,</span> <span class="ft4">in:</span> <span class="ft4">U</span><span class="ft2">EBERSAX</span><span class="ft4">/R</span><span class="ft2">UDIN</span><span class="ft4">/H</span><span class="ft2">UGI</span> <span class="ft4">Y</span><span class="ft2">AR</span><span class="ft4">/G</span><span class="ft2">EI</span><span class="ft4">-</span><br/> <span class="ft2">SER</span><span class="ft4">, Ausländerrecht, Basel 2009, N 10.40). Die Weigerung des</span><br/> <span class="ft4">MIKA, die Gesuchsgegnerin auf entsprechendes Begehren hin mit</span><br/> <span class="ft4">deren Rechtsvertreter telefonieren zu lassen, verletzt demnach den</span><br/> <span class="ft4">Anspruch der Gesuchsgegnerin auf rechtliches Gehör. Das MIKA</span><br/> <span class="ft4">verkennt, dass jeder Ausschaffungshäftling im Haftverfahren den An-</span><br/> <span class="ft4">spruch hat, sich im Haftverfahren vertreten zu lassen; dies ungeachtet</span><br/> <span class="ft4">davon, ob dem MIKA die Vertretung nötig erscheint oder nicht (vgl.</span><br/> <span class="ft4">Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2011 [2C_131/2011]). Im</span><br/> <span class="ft4">Gegensatz zur richterlichen Haftüberprüfung gilt im Verfahren vor</span><br/> <span class="ft4">dem MIKA und damit auch bei Gewährung des rechtlichen Gehörs</span><br/> <span class="ft4">überdies das Anwaltsmonopol nicht. Unabhängig davon, dass der</span><br/> <span class="ft4">Vertreter der Gesuchsgegnerin nicht berechtigt gewesen wäre, diese</span><br/> <span class="ft4">im Rahmen der Haftüberprüfungsverhandlung zu vertreten, hätte der</span><br/> <span class="ft4">Gesuchsteller eine unverzügliche Kontaktaufnahme der Gesuch-</span><br/> <span class="ft4">stellerin mit ihrem Vertreter nicht verweigern dürfen.</span><br/> <span class="ft4">Nicht jede Verletzung von Verfahrensvorschriften führt indessen</span><br/> <span class="ft4">zur Haftentlassung; vielmehr kommt es darauf an, welche Bedeutung</span><br/> <span class="ft4">den verletzten Vorschriften für die Wahrung der Rechte des Betroffe-</span><br/> <span class="ft4">nen einerseits und dem Interesse an einer reibungslosen Durchset-</span><br/> <span class="ft4">zung seiner Ausschaffung andererseits zukommt. Letzteres hat be-</span><br/> <span class="ft4">sonderes Gewicht und vermag unter Umständen selbst erhebliche</span><br/> <span class="ft4">Verfahrensfehler aufzuwiegen, wenn der Ausländer die öffentliche</span><br/> <span class="ft4">Sicherheit und Ordnung gefährdet (vgl. BGE 121 II 105, Erw. 2; Ur-</span><br/> <span class="ft4">teile des Bundesgerichts vom 20. Februar 2013 [2C_57/2013] und</span><br/> <span class="ft4">vom 25. Februar 2011 [2C_131/2011]).</span><br/> <span class="ft4">Die Gesuchsgegnerin konnte sich zu der angeordneten Haft vor-</span><br/> <span class="ft4">gängig äussern; dass sie ihren - wenngleich nicht vor den aargaui-</span><br/> <span class="ft4">schen Gerichten zugelassenen - Rechtsvertreter erst im Anschluss an</span><br/> <span class="ft4">die Haftüberprüfungsverhandlung kontaktieren kann, stellt wohl eine</span><br/> <span class="ft4">Verletzung ihres rechtlichen Gehörs dar. Diese ist aber nicht als</span><br/> <span class="ft4">gravierend einzustufen, weshalb eine Haftentlassung unter diesen</span><br/> <span class="ft4">Umständen nicht zur Diskussion steht. Anders wäre wohl dann zu</span><br/> <span class="ft4">entscheiden, wenn das MIKA im Rahmen der Gewährung des recht-</span><br/> <span class="ft4">lichen Gehörs betreffend Anordnung einer Ausschaffungshaft syste-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">124</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">matisch die Kontaktaufnahme mit Rechtsvertretern verweigern</span><br/> <span class="ft4">würde. Solche Anzeichen sind aber nicht vorhanden.</span><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/> <span class="ft4">(Hinweis: Das Bundesgericht ist auf eine Beschwerde gegen</span><br/> <span class="ft4">diesen Entscheid mit Urteil vom 26. Oktober 2013 [2C_1003/2013]</span><br/> <span class="ft4">nicht eingetreten.)</span><br/></div> </div> </body> </html>