B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-4547/2022 U r t e i l v o m 2 6 . J u n i 2 0 2 3 Besetzung Richterin Susanne Genner (Vorsitz), Richter Gregor Chatton, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiberin Anna-Barbara Adank. Parteien A._______, vertreten durch MLaw Simon Bigler, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. F-4547/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. B._______, ihr Ehemann C._______ sowie ihre Schwester D._______, in den 1970er Jahren geborene indische Staatsangehörige (nachfolgend: die Gesuchsteller), beantragten am 20. Juni 2022 bei der Schweizerischen Botschaft in Neu-Delhi ein Schengen-Visum für einen einmonatigen Be- suchsaufenthalt bei ihrem Cousin A._______ (nachfolgend: Gastgeber bzw. Beschwerdeführer). B. Mit Formularverfügung vom 28. Juni 2022 verweigerte die Schweizerische Botschaft allen drei Gesuchstellern das Visum, da Zweifel an der Echtheit und dem Wahrheitsgehalt der vorgelegten Unterlagen bestünden. Im Wei- teren könne die Absicht einer fristgerechten Wiedera usreise der Gesuch- steller aus dem Schengen-Raum nicht festgestellt werden. C. Mit Verfügung vom 12. September 2022 wies das SEM die dagegen erho- bene Einsprache ab. Die Gesuchsteller stammten aus einer Region in In- dien, aus welcher als Folge der dort insbesondere in wirtschaftlicher Hin- sicht herrschenden Verhältnisse der Zuwanderungsdruck nach wie vor stark anhalte. Im Weiteren seien aus den persönlichen, familiären und wirt- schaftlichen Verhältnissen der Gäste keine Umstände ersichtlich, die be- sondere Gewähr für die Wiederausreise nach dem Besuchsaufenthalt bie- ten könnten. D. Am 10. Oktober 2022 gelangte der Gastgeber mit Beschwerde an das Bun- desverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und den Gesuchstellern sei für einen frei wählbaren Zeitraum ein 30-tägiges Schengen-Visum zu erteilen; eventualiter sei das Visum ter- ritorial auf die Schweiz zu beschränken; subeventualiter sei die Angelegen- heit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. E. In seiner Vernehmlassung vom 1. Dezember 2022 schloss das SEM auf Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer replizierte mit Schrei- ben vom 23. Januar 202 3. Er reichte zudem mit Schreiben vom 11. Mai 2023 unaufgefordert ein weiteres Beweismittel nach. F-4547/2022 Seite 3 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Die Einspracheentscheide des SEM bezüglich Schengen-Visa sind mit Be- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Der Beschwerdeführer hat am vorangegangenen Einspracheverfahren teilgenommen und ist als Gastgeber durch die angefochtene Verfügung besonders berührt. Der fest anberaumte Besuchszeitraum ist inzwischen abgelaufen. Der Beschwerdeführer hat jedoch kundgetan, dass bei verspä- teter Visumerteilung ein zukünftiger Besuchszeitraum mit den Gästen ko- ordiniert werde, womit er sein Rechtsschutzinteresse aufrechterhält. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG). 1.3 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal- tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Besch werde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Be hörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün- dung der Begehren nicht gebunden und kann di e Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent- scheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.). 3. Der angefochtenen Verfügung liegen die Gesuche von drei indischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen einmonatigen Be- suchsaufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchsteller nicht auf die EU/EFTA -Personenfreizügigkeitsabkommen berufen können und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der F-4547/2022 Seite 4 Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schen- gen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechts- akte übernommen hat (BVGE 2014/1 E. 3). Das Ausländer- und Integrati- onsgesetz und dessen Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abwei- chenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 4 AIG). 4. 4.1 Die Schweiz ist – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht ver- pflichtet, ausländischen Personen die Einreise zu gestatten und entschei- det darüber, vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen, autonom (vgl. BVGE 2009/27 E. 3). Das Schengen-Recht schränkt die nationalstaatli- chen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzungen für Ein- reise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5). 4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen - Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit- raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku- mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, sofern dieses gemäss der Verordnung (EU) 2018/1806 des Euro- päischen Parlaments und des Rates vom 14. November 2018 zur Aufstel- lung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind (ABl. L 303/39 vom 28.11.2018) erforderlich ist. Im Weiteren müssen Dritt- staatsangehörige den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Auf- enthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen. Sie dürfen nicht im Schengener Informationssystem (SIS II) zur Einreise- verweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die inter- nationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellen (vgl. zum Ganzen: Art. 5 Abs. 1 und 2 AIG; Art. 3 Abs. 1 der Verordnung vom 15. August 2018 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung [EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parla- ments und des Rates vom 9. März 2016 [kodifizierter Text] über einen Ge- meinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 77/1 vom 23.03.2016]; Art. 14 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. F-4547/2022 Seite 5 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfolgend: Visakodex, VK, Abl. L 243 vom 15.9.2009]). 4.3 Eine drittstaatsangehörige Person muss für die fristgerechte Wieder- ausreise Gewähr bieten (Art. 5 Abs. 2 AIG). Wenn sie nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristgerecht wieder zu verlassen, ist eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK anzunehmen (BVGE 2014/1 E. 4.3 in fine; 2011/48 E. 4.5 ). Die Be- hörden haben daher unter Mitwir kung der drittstaatsangehörigen Person zu prüfen, ob diese für die gesicherte Wiederausreise Gewähr bietet (vgl. Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 21 Abs. 1 VK; BVGE 2014/1 E. 4.4). Das Vi- sum wird verweigert, wenn begründete Zweifel an der Echtheit der von den Antragstellern vorgelegten Belege oder am Wahrheitsgehalt ihres Inhalts, an der Glaubwürdigkeit deren Aussagen oder der von ihnen bekundeten Absicht bestehen, das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten vor Ablauf der Gültigkeit des beantragten Visums zu verlassen (Art. 32 Abs. 1 Bst. b VK). 4.4 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die Einreisevoraussetzungen nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des betreffenden Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der betreffende Mitglied- staat unter anderem Gebrauch machen, wenn er es aus humanitären Gründen, aus solchen des nationalen Interesses oder aufgrund internatio- naler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 3 A bs. 4 und 5 VEV; Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). 5. Aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit unterliegen die Gesuchstellenden der Visumspflicht. Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 6 Abs. 1 SGK ist die Frage der gesicherten Wiederausreise zentral. Eine sol- che erachtete das SEM aufgrund der allgemeinen Situation im Heimatland und der persönlichen Verhältnisse der Besucher als nicht genügend ge- währleistet. 6. 6.1 In der Regel lassen sich keine gesicherten Feststellungen darüber tref- fen, ob eine drittstaatsangehörige Person tatsächlich beabsichtigt, vor Ab- lauf des Visums den Schengen-Raum zu verlassen, weshalb darüber eine Prognose zu erstellen ist. Hierzu sind alle Umstände des Einzelfalles z u würdigen. Die Beweisführungslast obliegt dabei den drittstaatsangehörigen F-4547/2022 Seite 6 Personen (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II VK; Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.1). An- haltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederaus- reise können sich zunächst aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der drittstaatsangehörigen Personen ergeben. Namentlich bei Einreisege- suchen von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit politisch, wirtschaft- lich und sozial ungünstigen Verhältnissen rechtfertigt sich eine strenge Pra- xis, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen erfahrungsgemäss häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebe- willigung im Einklang steht. 6.2 Die Öffnung der Wirtschaft im Jahr 1991 führte in Indien zu einer ra- santen wirtschaftlichen Entwicklung. In der Informationstechnologie oder der Forschung (insbesondere der Biotechnologie) gehört Indien zu den führenden Ländern der Welt. Nach wie vor ist das Land jedoch von krasser Armut und extremer Ungleichheit der Lebenschancen geprägt. Etwa 22 % der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze von 1,90 USD pro Tag (Global Multidimensional Poverty Index 2022, S. 36 < https://hdr.undp.org/content/2022-global-multidimensional-poverty-in- dex-mpi#/indicies/MPI >, abgerufen im Juni 2023). Gemäss dem aktuellen Bericht zur menschlichen Entwicklung figuriert Indien auf Platz 132 von 191 (Human Development Report 2021/22, S. 279 < https://hdr.undp.org/con- tent/human-development-report-2021-22 >, abgerufen im Juni 2023). 6.3 Die Gesuchstellenden kommen aus der Region Punjab im Nord -Wes- ten Indiens. Das Grenzgebiet zu Pakistan, wozu neben dem Punjab auch die nördlich davon gelegenen indischen Bundesstaaten Jammu und Kashmir gehören, ist seit Jahrzehnten von politischen und ethnisch-religi- ösen Auseinandersetzungen geprägt. Auch aktuell sind die Spannungen hoch, wobei Phasen vordergründiger Ruhe jederzeit von Unruhen oder Ge- walttaten unterbrochen werden können («www.eda.admin.ch» > Reisehin- weise & Vertretungen > Länderauswahl > Indien > Reisehinweise für Indien > Spezifische regionale Risiken, abgerufen im Juni 2023). 6.4 Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass das SEM das Risiko einer nicht fristgerechten Ausreise von aus Indien stammenden Ge- suchstellern als hoch einschätzt. F-4547/2022 Seite 7 7. 7.1 In die Prognose über die Absicht en von gesuchstellenden Personen, den Schengen-Raum fristgerecht zu verlassen, sind weiter deren persönli- che, familiäre und berufliche Situation sowie deren Interessenlage mitein- zubeziehen (BVGE 2014/1 E. 6.3.1). Obliegt einer gesuchstellenden Per- son im Heimatland beispielsweise eine besondere berufliche, gesellschaft- liche oder familiäre Verantwortung, kann dies die Prognose für eine an- standslose Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer be- willigten Einreise als hoch eingeschätzt werden (BVGE 2014/ 1 E. 6.3.1 m.H.; 2009/27 E. 8). Zudem ist ein im Zielland Schweiz bestehendes, mi- nimales soziales Beziehungsnetz aus Verwandten oder Freunden ein wich- tiges Element, das den Entscheid, dorthin auszuwandern, erleichtern kann. Angesichts der restriktiven Zulassungsregelung führt dies nicht selten zur Umgehung von ausländerrechtlichen Bestimmungen, indem die Gesuch- stellenden – einmal eingereist – versuchen, den Aufenthalt auf eine ganz andere rechtliche Basis abzustützen (BVGE 2014/1 E. 6.2.2). 7.2 Es gilt bei der Betrachtung der Umstände zwischen dem Ehepaar C._______ und B._______ sowie D._______ (Schwägerin bzw. Schwes- ter) zu unterscheiden. 7.2.1 Die Kinder des Ehepaars C._______ und B._______ haben Indien verlassen und leben in den USA und Kanada (SEM act. 3 S. 28). Familiäre Bezugspunkte im Heimatland sind nicht aktenkundig. Dem pauschalen Einwand des Beschwerdeführers, die Gesuchsteller hätten ihr ganzes Le- ben in Indien verbracht und dementsprechend freundschaftliche und fami- liäre Bindungen in Indien, kann keine grosse Bedeutung beigemessen wer- den. Die Absenz einer besonderen familiären Verpflichtung anerkennt der Beschwerdeführer sodann selbst, indem er den familiären Umstand im Rahmen der W iederausreiseprognose als neutral zu gewichten erachtet (BVGer act. 9 S. 2). Der Beschwerdeführer betont berechtigterweise, dass es sich bei der be- ruflichen Tätigkeit von C._______ als Staatsangesteller bei der Polizei Punjab um eine gesicherte Arbeitsstelle handelt. So ist es nicht zu vernei- nen, dass eine solche Anstellung für indische Verhältnisse mit einem über- durchschnittlichen Salär und einer Altersrente abgesichert ist. Gemäss dem eingereichten Lohnauszug beträgt das monatliche Nettoeinkommen F-4547/2022 Seite 8 von C._______ 34'744 indische Rupien (SEM act. 3 S. 42), was umgerech- net rund CHF 390 entspricht. Das durchschnittliche Einkommen in Indien beträgt demgegenüber rund CHF 150 (< https://www.laenderda- ten.info/durchschnittseinkommen.php >, abgerufen im Juni 2023). Es kann jedoch keine wirtschaftliche Verpflichtung des Ehepaars im Heimatland be- gründet werden, die das hohe Auswanderungsrisiko aufzuwiegen vermag. Vergleichsweise wurde eine solche etwa beim Vorliegen einer Verantwor- tung der gesuchstellenden Person für Ang estellte des eigenen Unterneh- mens bejaht (vgl. Urteil des BVGer C-6670/2015 vom 26. Mai 2015 E. 7.1). Der Beschwerdeführer macht indessen nicht geltend, es seien weitere Per- sonen vom Einkommen von C._______ abhängig. Dem Umstand, dass er bisher ein materiell sorgenfreies Leben führen konnte , kommt insbeson- dere angesichts der Arbeitsstelle bei der Polizei in einer instabilen Region keine entscheidende Bedeutung zu. Die Ersparnisse, auf welche auch im Ausland Zugriff bestünde, reichen als Motivation für die Rückkehr ins Her- kunftsland nicht aus. 7.2.2 Die Kinder von D._______ haben ebenfalls das Heimatland verlas- sen und leben in den USA und in Australien (SEM act. 3 S. 92). Der Be- schwerdeführer macht sodann eine besondere familiäre Verpflichtung der Gesuchstellerin geltend, welcher eine Unterstützungspflicht für ihren Ehe- mann zukommen soll. Dieser habe einen Bandscheibenvorfall erlitten und sei aus diesem Grund auf Unterstützung im Alltag angewiesen. Dem Vor- bringen, es handle sich dabei um eine geeignete Verpfl ichtung, um D._______ von einer möglichen Emigration abzuhalten, kann jedoch nicht gefolgt werden. Obwohl der Beschwerdeführer replikweise ein ärztliches Attest einreicht, welches die Verordnung strikter Bettruhe sowie die Reise- unfähigkeit des Ehemanns bes tätigt (BVGer act. 40), kann daraus keine alltägliche Verpflichtung von D._______ abgeleitet werden. Dies umso we- niger, da weder beschwerde- noch replikweise genauere Ausführungen be- treffend die geltend gemachte Unterstützungspflicht vorgebracht werden und der Ehemann doch während des vierwöchigen Auslandaufenthalts selbstständig bzw. mit Hilfe seiner Schwiegermutter in Indien zurückblei- ben kann. Der Beschwerdeführer bringt zudem vor, D._______ habe in der Vergan- genheit bereits bewiesen, dass sie ihre Heima t in Indien nicht verlassen wolle. Sie habe nämlich im Jahr 2019 ein Visum für Australien erhalten, um ihre Tochter zu besuchen (BVGer act. 1 Beilage 37). Australien weise im Vergleich zu Indien einen ähnlich hohen Lebensstandard auf wie die F-4547/2022 Seite 9 Schweiz, weshalb konsequenterweise bereits damals ein erhöhtes Inte- resse der Gesuchstellerin hätte bestehen müssen, sich anderswo nieder- zulassen. Obwohl das Vorbringen durch den Beschwerdeführer nachvoll- ziehbar ist, gilt es anzumerken, dass aus Vergleichen mit anderen Ländern, insbesondere Drittstaaten ausserhalb des Schengen -Raums, keine Schlüsse für die Schweiz abgeleitet werden können. Dieser Umstand ver- mag für sich alleine das grundsätzlich als hoch einzuschätzende Risiko ei- ner nicht fristgerechten Ausreise der aus dem Grenzgebiet Indiens zu Pa- kistan (vgl. E. 5.3) stammenden Gesuchsteller nicht aufzuwiegen. D._______ geht selbst keiner Erwerbstätigkeit nach. Aus den Akten ist so- dann auch das Einkommen ihres Ehemanns nicht ersichtlich. Aktenkundig ist nur Vermögen auf einem Bankkonto, wobei kurzfristig vor dem Visums- antrag zwei auffällig hohe Eingänge getätigt wurden ( SEM act. 3 S. 104). Obwohl diese Geldflüsse bereits von der Vorinstanz in ihrer Verfü gung in Frage gestellt werden, bleibt sowohl deren Herkunft wie auch die Begrün- dung über deren Zeitpunkt in der Beschwerdeschrift ungeklärt. Die nach Abschluss des Schriftenwechsels eingereichte Versicherungsbestätigung ändert an diesem Umstand nichts. Ohnehin gilt es zu bedenken, dass selbst grössere Vermögenswerte keine hinreichende Gewähr für eine frist- gerechte und anstandslose Wiederausreise der Gesuchstellerin bieten, da liquide Vermögenswerte im Fall einer Migration nicht verloren gehen wür- den (Urteil des BVGer F-156/2022 vom 6. März 2023 E. 6.3.2 m.w.H.). 7.3 Vor dem dargelegten beruflichen und persönlichen Hintergrund der Ge- suchstellenden durfte die Vorinstanz davon ausgehen, deren Wiederaus- reise sei im Sinne der massgeblichen Bestimmungen nicht gesichert. 8. 8.1 An den guten Absichten des Beschwerdeführers ist nicht zu zweifeln, erscheint doch die beantragte Aufenthaltsdauer von einem Monat für den angegebenen Besuchszweck passend. Obwohl durchaus Argumente be- stehen, welche zu Gunsten der Gesuchstellenden zu gewichten sind, ver- mag der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer dennoch keine über- durchschnittlichen Verpflichtungen im Heimatland zu begründen , welche den hohen Migrationsdruck aufzuwiegen verm ögen. Unter Berücksichti- gung der allgemeinen Situation im Herkunftsland und vor dem dargelegten persönlichen Hintergrund durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wie- derausreise der Gäste nach einem Besuchsaufenthalt besteht. Demnach wurde das Visum für den gesamten Schengen-Raum zu Recht verweigert. F-4547/2022 Seite 10 8.2 Es sind auch keine humanitären Gründe, nationale n Interessen oder internationalen Verpflichtungen ersichtlich, welche die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit gebieten würde n (vgl. Art. 5 Abs. 3 AIG; Art. 3 Abs. 4 VEV; Art. 25 Abs. 1 Bst. a VK; Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). 9. Die angefochtene Verfügung ist im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu bean- standen. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 10. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-4547/2022 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 900.– werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz sowie die kan- tonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Susanne Genner Anna-Barbara Adank Versand: F-4547/2022 Seite 12 Zustellung erfolgt an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. (…) zurück) – Den Migrationsdienst des Kantons (…)