<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 67" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 67</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">473</span> </div> <div class="page" id="S473"> <span class="text"><b>III. Gesundheitsrecht </b></span><br/> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>67 </b> <b>§ 12 HBV </b></span><br/> <span class="text">-</span><br/> <span class="text"><b>Führung einer Apotheke mit Drogerie </b></span><br/> <span class="text">-</span><br/> <span class="text"><b>Verwendung einer Firmenbezeichnung Apotheke &amp; Drogerie in</b></span><br/> <span class="text">Auskündigungen (Werbung) </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 30. August 2017 in Sachen</span><br/> <span class="text">S.W. und T. Apotheke &amp; Drogerie AG gegen die Verfügung des Departements</span><br/> <span class="text">Gesundheit und Soziales (Abteilung Gesundheit) vom 16. Januar 2017</span><br/> <span class="text">(RRB Nr. 2017-000956).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">1. Formelles</span><br/> <span class="text">Rechtsanwalt A. rügt namens der T. Apotheke &amp; Drogerie AG,</span><br/> <span class="text">dass diese von der Vorinstanz nicht beigeladen worden sei und dass</span><br/> <span class="text">ihr vor dem Erlass der Verfügung vom 16. Januar 2017 das rechtliche</span><br/> <span class="text">Gehör nicht gewährt worden sei. Die Vorinstanz macht demgegen-</span><br/> <span class="text">über geltend, die T. Apotheke &amp; Drogerie AG sei von der</span><br/> <span class="text">angefochtenen Verfügung beziehungsweise von der getroffenen An-</span><br/> <span class="text">ordnung nicht direkt betroffen, dementsprechend nicht beizuladen,</span><br/> <span class="text">nicht anzuhören und auch nicht beschwerdebefugt. Sie beantragt</span><br/> <span class="text">allerdings die Beschwerdeabweisung, während auf die Beschwerde</span><br/> <span class="text">der T. Apotheke &amp; Drogerie AG nicht einzutreten wäre, wenn sie</span><br/> <span class="text">durch die angefochtene Verfügung nicht beschwert und deshalb nicht</span><br/> <span class="text">beschwerdebefugt wäre.</span><br/> <span class="text">Die Abteilung Gesundheit des Departements Gesundheit und</span><br/> <span class="text">Soziales hat am 16. Januar 2017 verfügt:</span><br/> <span class="text">S. W., als gesamtverantwortliche Leiterin der 'T. Apotheke</span><br/> <span class="text">AG', (...), wird verpflichtet, innert 30 Tagen seit Rechtskraft dieses</span><br/> <span class="text">Entscheids aus sämtlichen Auskündigungen den Zusatz 'Drogerie' zu</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">474</span> </div> <div class="page" id="S474"> <div role="main"> <span class="text">entfernen beziehungsweise die Auskündigungen, unter Berücksichti-</span><br/> <span class="text">gung der massgeblichen Gesetzesvorschriften, anzupassen.</span><br/> <span class="text">Gemäss § 25 Abs. 1 lit. a und b GesG benötigen Apotheken und</span><br/> <span class="text">Drogerien eine Betriebsbewilligung der zuständigen Behörden. Zu-</span><br/> <span class="text">ständige Behörde für den Vollzug der Verordnung über die Berufe,</span><br/> <span class="text">Organisationen und Betriebe im Gesundheitswesen (VBOB) vom</span><br/> <span class="text">11. November 2009 ist das Departement Gesundheit und Soziales,</span><br/> <span class="text">soweit nicht eine andere Behörde bezeichnet ist; insbesondere ist es</span><br/> <span class="text">für das Bewilligungswesen gemäss den §§ 4-21 und 25-27, für</span><br/> <span class="text">Aufsicht, Verbot und Disziplinarmassnahmen gemäss den §§ 22-24</span><br/> <span class="text">sowie für Aufsicht und Massnahmen gemäss den §§ 48 und 49 GesG</span><br/> <span class="text">zuständig (§ 2 VBOB). Gesuchstellende Person um Bewilligungs-</span><br/> <span class="text">erteilung an Organisationen und Betriebe im Gesundheitswesen</span><br/> <span class="text">inklusive Stellvertretung gemäss den §§ 25 und 27 GesG ist die</span><br/> <span class="text">gesamtverantwortliche Leitungsperson einer Apotheke oder Drogerie</span><br/> <span class="text">(§ 3 Abs. 3 VBOB). Die Gesuchstellung hat immer im Einzelfall und</span><br/> <span class="text">persönlich zu erfolgen (§ 3 Abs. 4 VBOB). Die Betriebsbewilligung</span><br/> <span class="text">wird auf die gesamtverantwortliche Leitungsperson und auf den</span><br/> <span class="text">bezeichneten Betrieb oder die Organisation ausgestellt. Bei ver-</span><br/> <span class="text">schiedenen Betriebsstandorten sind separate Bewilligungen not-</span><br/> <span class="text">wendig (§ 34 Abs. 1 VBOB). Das Departement Gesundheit und</span><br/> <span class="text">Soziales kommuniziert aber immer mit der gesamtverantwortlichen</span><br/> <span class="text">Leitungsperson. Bedingungen und Auflagen für den Betrieb, Verbote</span><br/> <span class="text">und weitere Anordnungen im Zusammenhang mit der Betriebs-</span><br/> <span class="text">bewilligung werden an diese, für sich und allenfalls die juristische</span><br/> <span class="text">Person adressiert, wenn es sich beim Betrieb wie vorliegend um eine</span><br/> <span class="text">Aktiengesellschaft handelt. Wie die Betriebsbewilligung selbst sind</span><br/> <span class="text">auch nachträgliche Auflagen und Weisungen auf die gesamt-</span><br/> <span class="text">verantwortliche Leitungsperson und den bezeichneten Betrieb oder</span><br/> <span class="text">die Organisation auszustellen, auch wenn die Adressierung für beide</span><br/> <span class="text">an die Leitungsperson und nicht zusätzlich separat an den Verwal-</span><br/> <span class="text">tungsrat der AG erfolgt. In diesem Sinn hat das Departement zwar</span><br/> <span class="text">gegenüber der gesamtverantwortlichen Leitungsperson S. W. verfügt,</span><br/> <span class="text">aus der gewählten Formulierung geht aber unmissverständlich</span><br/> <span class="text">hervor, dass damit nicht nur ihr persönlich die Verwendung des</span><br/> <span class="text">Zusatzes Drogerie in Auskündigungen verboten werden sollte,</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">475</span> </div> <div class="page" id="S475"> <div role="main"> <span class="text">sondern dass sie als verantwortliche Leitungsperson auch dafür zu</span><br/> <span class="text">sorgen hatte, dass der Betrieb beziehungsweise die Aktiengesell-</span><br/> <span class="text">schaft das Verbot einhält (vgl. Schreiben des Departements DGS an</span><br/> <span class="text">Rechtsanwalt A. vom ...). Insofern wurde die Aktiengesellschaft in</span><br/> <span class="text">der Gestaltungsfreiheit ihrer Auskündigungen eingeschränkt, womit</span><br/> <span class="text">sie durch die Verfügung zweifellos in schutzwürdigen eigenen</span><br/> <span class="text">Interessen betroffen, mithin beschwert und zur Anfechtung der</span><br/> <span class="text">Verfügung befugt ist (§ 42 VRPG). Entgegen der Auffassung der</span><br/> <span class="text">Vorinstanz ist daher auf die Beschwerde der T. Apotheke &amp; Drogerie</span><br/> <span class="text">AG einzutreten.</span><br/> <span class="text">Was die Rüge der fehlerhaften Adressierung der Verfügung be-</span><br/> <span class="text">ziehungsweise der unterlassenen Beiladung der Aktiengesellschaft</span><br/> <span class="text">anbelangt, ist festzuhalten, dass die für die verantwortliche Leitungs-</span><br/> <span class="text">person und die AG bestimmte und an deren gemeinsamen Anwalt ge-</span><br/> <span class="text">sandte angefochtene Verfügung zwar mit T. Apotheke AG über-</span><br/> <span class="text">schrieben ist, obschon die korrekte und vollständige Firmenbezeich-</span><br/> <span class="text">nung der Aktiengesellschaft gemäss Handelsregistereintrag T. Apo-</span><br/> <span class="text">theke &amp; Drogerie AG lautet. Aus der verkürzten Bezeichnung ist der</span><br/> <span class="text">Aktiengesellschaft aber kein Nachteil erwachsen, war doch für sie</span><br/> <span class="text">ohne weiteres klar, wer gemeint war. Zudem hat das Gesundheitsde-</span><br/> <span class="text">partement entsprechend seiner Beurteilung, dass die Voraussetzungen</span><br/> <span class="text">für den Betrieb einer Drogerie und die Bezeichnung als solche feh-</span><br/> <span class="text">len, in allen Korrespondenzen und insbesondere auch in der proviso-</span><br/> <span class="text">rischen und in der definitiven Betriebsbewilligung die Organisation</span><br/> <span class="text">stets mit T. Apotheke AG bezeichnet. Die T. Apotheke &amp; Drogerie</span><br/> <span class="text">AG hat das nicht beanstandet und ist offenbar davon ausgegangen,</span><br/> <span class="text">sie sei trotz vom offiziellen Firmennamen abweichender Bezeich-</span><br/> <span class="text">nung der Organisation im Besitz einer gültigen Betriebsbewilligung.</span><br/> <span class="text">Dementsprechend ist auch die abweichende Bezeichnung in der</span><br/> <span class="text">angefochtenen Verfügung nicht als fehlerhafte Adressierung zu be-</span><br/> <span class="text">trachten, sondern - soweit überhaupt erforderlich - zu korrigieren.</span><br/> <span class="text">Die Verfügung wurde im Übrigen nicht an die gesamtverantwortliche</span><br/> <span class="text">Leitungsperson S. W. gesandt, sondern an Rechtsanwalt A., nachdem</span><br/> <span class="text">dieser dem Departement angezeigt hatte, dass er nicht nur S. W., son-</span><br/> <span class="text">dern auch die T. Apotheke &amp; Drogerie AG vertritt (vgl. die</span><br/> <span class="text">Vollmachten vom ...). Die angefochtene Verfügung richtete sich also</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">476</span> </div> <div class="page" id="S476"> <div role="main"> <span class="text">an die zutreffenden Personen und sie wurde mit der Zustellung an</span><br/> <span class="text">deren Rechtsanwalt auch beiden korrekt eröffnet. Zudem hatte</span><br/> <span class="text">Rechtsanwalt A. namens seiner beiden Mandantinnen vor Erlass der</span><br/> <span class="text">angefochtenen Verfügung Gelegenheit, sich zum Verbot der Bezeich-</span><br/> <span class="text">nung als Drogerie zu äussern. Hiervon hat er am 28. Oktober 2016 in</span><br/> <span class="text">knapper Form Gebrauch gemacht. Eine Gehörsverletzung liegt somit</span><br/> <span class="text">nicht vor.</span><br/> <span class="text">2. Bezeichnung als Apotheke und Drogerie</span><br/> <span class="text">2.1</span><br/> <span class="text">Die angefochtene Verfügung verbietet der gesamtverantwort-</span><br/> <span class="text">lichen Leitungsperson des Betriebs und dem Betrieb, diesen in Aus-</span><br/> <span class="text">kündigungen als Apotheke und Drogerie zu bezeichnen, zumal am</span><br/> <span class="text">2. Oktober 2013 nur eine Bewilligung für den Betrieb einer Apo-</span><br/> <span class="text">theke und nicht auch für eine Drogerie erteilt wurde, nachdem S. W.</span><br/> <span class="text">als verantwortliche Apothekerin und F. V. sowie J. E. als Verwal-</span><br/> <span class="text">tungsräte der T. Apotheke und Drogerie AG am 18. Juni 2012 nur ein</span><br/> <span class="text">Gesuch um eine Betriebsbewilligung als öffentliche Apotheke</span><br/> <span class="text">gestellt hatten. Auf Rückfrage der Kantonsapothekerin M. S. an F. V.</span><br/> <span class="text">vom 28. Juni 2012 bestätigte F. V. zudem am 2. Juli 2012 telefonisch,</span><br/> <span class="text">dass der Betrieb vorerst nur als Apotheke geführt und der Auftritt</span><br/> <span class="text">nach aussen und die Ausschilderung entsprechend angepasst werden.</span><br/> <span class="text">Gemäss § 54 Abs. 1 VBOB ist jede Auskündigung oder Wer-</span><br/> <span class="text">bung verboten, welche nicht wahrheitsgetreu oder irreführend ist,</span><br/> <span class="text">insbesondere in Bezug auf die bewilligte beziehungsweise ausgeübte</span><br/> <span class="text">Tätigkeit, die absolvierte Aus- und Weiterbildung, auf besondere Fä-</span><br/> <span class="text">higkeiten oder zu erwartende Therapieerfolge. § 18 GesG be-</span><br/> <span class="text">stimmt ferner, dass die Bekanntmachung der Berufstätigkeit ein-</span><br/> <span class="text">schliesslich Werbung objektiv sein und dem öffentlichen Bedürfnis</span><br/> <span class="text">entsprechen muss. Sie darf weder aufdringlich noch irreführend sein</span><br/> <span class="text">(Abs. 1). Der Regierungsrat kann bei geringem Gefährdungspotential</span><br/> <span class="text">Ausnahmen regeln (Abs. 2).</span><br/> <span class="text">Den Beschwerdeführerinnen wurde weder eine Berufsaus-</span><br/> <span class="text">übungsbewilligung als Drogistin noch eine Betriebsbewilligung für</span><br/> <span class="text">eine Drogerie erteilt. Insofern erschiene eine Auskündigung als</span><br/> <span class="text">Drogistin beziehungsweise Drogerie als nicht wahrheitsgetreu und</span><br/> <span class="text">eventuell auch irreführend, dies jedenfalls dann, wenn auch keine</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">477</span> </div> <div class="page" id="S477"> <div role="main"> <span class="text">Bewilligung als Apothekerin beziehungsweise Apotheke erteilt</span><br/> <span class="text">worden wäre. Letzteres ist aber nicht der Fall. Die Beschwer-</span><br/> <span class="text">deführerinnen machen nämlich geltend, eine Apotheke und eine</span><br/> <span class="text">Apothekerin dürften auch eine Drogerie führen und in der Werbung</span><br/> <span class="text">die Bezeichnung Apotheke und Drogerie verwenden, da ein</span><br/> <span class="text">Apotheker oder eine Apothekerin aufgrund der absolvierten Ausbil-</span><br/> <span class="text">dung alles könne und wisse, was auch ein Drogist oder eine Drogis-</span><br/> <span class="text">tin können und wissen müsse. Eine Auskündigung als Apotheke und</span><br/> <span class="text">Drogerie sei nicht zu verbieten, denn sie sei nicht irreführend und</span><br/> <span class="text">schon gar nicht die Gesundheit der potentiellen Kundschaft gefähr-</span><br/> <span class="text">dend, da ein Apotheker oder eine Apothekerin alles Gesundheitsrele-</span><br/> <span class="text">vante ebenso gut oder gar besser könne als ein Drogist oder eine</span><br/> <span class="text">Drogistin.</span><br/> <span class="text">2.2</span><br/> <span class="text">Zur Kombination von Apotheke und Drogerie bestimmt § 12</span><br/> <span class="text">HBV folgendes:</span><br/> <span class="text">§ 12 Apotheke und Drogerie</span><br/> <span class="text">1Wird einer Apotheke eine Drogerie angegliedert und will sie als</span><br/> <span class="text">solche bezeichnet werden, muss eine Drogistin oder ein Drogist,</span><br/> <span class="text">die oder der die Voraussetzungen zur Erteilung einer Berufsaus-</span><br/> <span class="text">übungsbewilligung erfüllt, zu mindestens 50 % angestellt sein.</span><br/> <span class="text">2Bei Abwesenheit der Drogistin oder des Drogisten hat die ge-</span><br/> <span class="text">samtverantwortliche Leitungsperson der Apotheke die</span><br/> <span class="text">Fachkompetenz im Drogeriebereich auf andere Weise sicherzu-</span><br/> <span class="text">stellen.</span><br/> <span class="text">3Wird die in Absatz 1 genannte Bedingung nicht erfüllt, kann</span><br/> <span class="text">sich die Apotheke als 'Apotheke mit Drogerieartikeln' bezeich-</span><br/> <span class="text">nen.</span><br/> <span class="text">Gemäss § 1 HBV, welcher den Geltungsbereich der Verordnung</span><br/> <span class="text">regelt, sollen die Bestimmungen der HBV den Vollzug der eidge-</span><br/> <span class="text">nössischen Heilmittel- und Betäubungsmittelgesetzgebung regeln,</span><br/> <span class="text">insbesondere den Umgang mit Heilmitteln, die Bewilligungsvoraus-</span><br/> <span class="text">setzungen für die Abgabe von Heilmitteln und die Aufsicht über den</span><br/> <span class="text">Verkehr mit Heilmitteln und Betäubungsmitteln. Die im Ingress der</span><br/> <span class="text">HBV aufgeführten Bestimmungen des Gesundheitsgesetzes ermäch-</span><br/> <span class="text">tigen den Regierungsrat dementsprechend, den Umgang mit und die</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 6 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">478</span> </div> <div class="page" id="S478"> <div role="main"> <span class="text">Abgabe von Heilmitteln und Betäubungsmitteln näher zu regeln. Die</span><br/> <span class="text">regierungsrätlichen Verordnungsbestimmungen der Heilmittel- und</span><br/> <span class="text">Betäubungsmittelverordnung sollen also der Gesundheit der Bevöl-</span><br/> <span class="text">kerung im Zusammenhang mit Heil- und Betäubungsmitteln dienen.</span><br/> <span class="text">Im Bereinigten Bericht zur Heilmittel- und Betäubungsmittelver-</span><br/> <span class="text">ordnung vom 3. November 2009 wird zu § 12 HBV ausgeführt:</span><br/> <span class="text">Es gibt im Aargau eine gewisse Zahl von Apotheken, denen</span><br/> <span class="text">eine Drogerie angegliedert ist. Die Tendenz ist eher zunehmend. Da-</span><br/> <span class="text">mit stellt sich die Frage, was für Konsequenzen in Bezug auf das</span><br/> <span class="text">erforderliche Fachpersonal daraus gezogen werden müssen. Den</span><br/> <span class="text">Heilmittelbereich einer Drogerie (Abgabekategorie D) kann die ver-</span><br/> <span class="text">antwortliche Apothekerin beziehungsweise der verantwortliche Apo-</span><br/> <span class="text">theker fachlich vollständig abdecken. Dagegen fehlt in Bezug auf das</span><br/> <span class="text">übliche Drogeriesortiment das Knowhow insbesondere im Chemi-</span><br/> <span class="text">kalienbereich. Damit dieser Bereich fachlich auch abgedeckt ist,</span><br/> <span class="text">muss bei einer Kombination Apotheke/Drogerie eine Drogistin be-</span><br/> <span class="text">ziehungsweise ein Drogist, die oder der die Voraussetzungen zur</span><br/> <span class="text">Erteilung einer Berufsausübungsbewilligung erfüllt, zu mindestens</span><br/> <span class="text">50 % angestellt sein. Bei Abwesenheit der Drogistin beziehungs-</span><br/> <span class="text">weise des Drogisten ist die verantwortliche Leitungsperson ver-</span><br/> <span class="text">pflichtet, die Fachkompetenz im Drogeriebereich auf andere Weise</span><br/> <span class="text">sicherzustellen. Vorbehalten bleibt der Fall, wo eine Apotheke diese</span><br/> <span class="text">Bedingungen nicht erfüllt (oder bewusst nicht erfüllen möchte). Sie</span><br/> <span class="text">darf sich aber dennoch als Apotheke mit Drogerieartikeln bezeich-</span><br/> <span class="text">nen. Eine übergangsrechtliche Regelung findet sich in § 31. Diese</span><br/> <span class="text">Grundsätze wurden in Absprache mit den beiden betroffenen</span><br/> <span class="text">Verbänden erstellt.</span><br/> <span class="text">Mit dieser Erläuterung wird anerkannt, dass ein Apotheker oder</span><br/> <span class="text">eine Apothekerin im Heilmittelbereich und wohl auch im Betäu-</span><br/> <span class="text">bungsmittelbereich über Kompetenzen verfügt, die es erlauben, einen</span><br/> <span class="text">Drogisten oder eine Drogistin fachgerecht zu ersetzen. Demge-</span><br/> <span class="text">genüber soll dies in Bezug auf das Drogeriesortiment und namentlich</span><br/> <span class="text">den Chemikalienbereich nicht der Fall sein. Trifft dies im Einzelfall</span><br/> <span class="text">tatsächlich zu, kann zwar die Gesundheit der Kundschaft beeinträch-</span><br/> <span class="text">tigt werden, d.h., es ist die Gesundheitsvorsorge betroffen, nicht aber</span><br/> <span class="text">das Heilmittel- und Betäubungsmittelwesen, dessen Vollzug die Heil-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 7 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">479</span> </div> <div class="page" id="S479"> <div role="main"> <span class="text">mittel- und Betäubungsmittelverordnung sicherstellen will. Die</span><br/> <span class="text">Regelung von § 12 HBV passt deshalb thematisch nicht so recht in</span><br/> <span class="text">den Verordnungskontext und sie dient - wie aus dem letzten Satz der</span><br/> <span class="text">Erläuterung zu schliessen ist - wohl eher dem Ausgleich der Interes-</span><br/> <span class="text">sen der konkurrierenden Apotheken und Drogerien als dem Gesund-</span><br/> <span class="text">heitsschutz der Kundschaft. Gemäss § 12 Abs. 3 HBV ist es nämlich</span><br/> <span class="text">einer Apotheke, welche keine Drogistin und keinen Drogisten</span><br/> <span class="text">beschäftigt, nicht verwehrt, Drogerieartikel zu verkaufen. Der Ver-</span><br/> <span class="text">kauf von Drogerieartikeln ohne artikelspezifische Kundenberatung</span><br/> <span class="text">wird also nicht als Gesundheitsgefährdung der Kundschaft einge-</span><br/> <span class="text">schätzt, zumal auf der Verpackung in der Regel die relevanten Infor-</span><br/> <span class="text">mationen aufgedruckt sind, sofern kein Beipackzettel beiliegt, wel-</span><br/> <span class="text">cher die persönliche Kundenberatung gewissermassen ersetzt. Es</span><br/> <span class="text">kommt hinzu, dass in einer Apotheke, welche sich als Apotheke und</span><br/> <span class="text">Drogerie bezeichnen will, eine Drogistin oder ein Drogist nur zu</span><br/> <span class="text">mindestens 50 % angestellt sein muss. Die Kundschaft hat also nur</span><br/> <span class="text">eine 50 %-Chance, dass beim Apothekenbesuch eine Drogerie-</span><br/> <span class="text">fachperson anwesend ist, welche fachkompetent beraten kann. Bei</span><br/> <span class="text">deren Abwesenheit hat die gesamtverantwortliche Leitungsperson</span><br/> <span class="text">der Apotheke zwar gemäss § 12 Abs. 2 HBV die Fachkompetenz im</span><br/> <span class="text">Drogeriebereich auf andere Weise sicherzustellen . Ob dies tat-</span><br/> <span class="text">sächlich immer möglich ist, erscheint indessen mehr als fraglich,</span><br/> <span class="text">wenn der Apotheker oder die Apothekerin nicht selbst über das</span><br/> <span class="text">erwartete Fachwissen verfügt. Gemäss der Stellungnahme der</span><br/> <span class="text">Abteilung Gesundheit DGS vom ... kann die Fachkompetenz im</span><br/> <span class="text">Drogeriebereich bei Abwesenheit der Drogistin oder des Drogisten</span><br/> <span class="text">durch vorgängige Information und Unterrichtung der Apothekerin</span><br/> <span class="text">oder des Apothekers durch die Drogistin oder den Drogisten</span><br/> <span class="text">gewährleistet werden. Das Drogeriesortiment soll vor der Abwesen-</span><br/> <span class="text">heit so bereitgestellt und der Apotheker oder die Apothekerin so</span><br/> <span class="text">instruiert werden, dass eine kompetente Beratung während der</span><br/> <span class="text">drogistenlosen Zeit gewährleistet ist. Das würde aber voraussetzen,</span><br/> <span class="text">dass die Drogeriekundschaft ihren Apothekenbesuch regelmässig</span><br/> <span class="text">vorgängig ankündigt und den Beratungsbedarf anmeldet, was nicht</span><br/> <span class="text">erwartet werden darf. Erscheint Drogeriekundschaft mit Beratungs-</span><br/> <span class="text">bedarf während der Abwesenheit des Drogisten oder der Drogistin in</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 8 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">480</span> </div> <div class="page" id="S480"> <div role="main"> <span class="text">der Apotheke, müsste sie gebeten werden, zu einem späteren</span><br/> <span class="text">Zeitpunkt - wenn wieder ein Drogist oder eine Drogistin anwesend</span><br/> <span class="text">oder das Apothekenpersonal instruiert ist - erneut in die Apotheke zu</span><br/> <span class="text">kommen. Bei einem 50 %-Pensum, das nicht in sechs Halbtagen pro</span><br/> <span class="text">Woche bestehen muss, müsste die Kundschaft bis zu vier Tage, bei</span><br/> <span class="text">Ferienabwesenheit des Drogisten oder der Drogistin gar Wochen</span><br/> <span class="text">warten. Die Kundschaft wird in einer solchen Situation wohl eher auf</span><br/> <span class="text">eine Beratung verzichten, als so lange zu warten und den Weg in die</span><br/> <span class="text">Apotheke erneut zurückzulegen. Sofern das Apothekenpersonal nicht</span><br/> <span class="text">über die erwartete Fachkompetenz verfügt, kann die Beratung im</span><br/> <span class="text">Drogeriebereich mit einem Drogistenpensum von 50 % also nur sehr</span><br/> <span class="text">beschränkt verbessert werden. Ob die Kundschaft zu einem</span><br/> <span class="text">Zeitpunkt im Geschäft erscheint, da ein Drogist oder eine Drogistin</span><br/> <span class="text">anwesend und eine Beratung durch eine solche Person gewährleistet</span><br/> <span class="text">ist, hängt eher vom Zufall als von der Betriebsorganisation der</span><br/> <span class="text">gesamtverantwortlichen Leitungsperson ab. Ist die Anwesenheit</span><br/> <span class="text">einer Drogistin oder eines Drogisten für die Gewährleistung der</span><br/> <span class="text">erforderlichen Fachkompetenz und zur Vermeidung einer Täuschung</span><br/> <span class="text">der Kundschaft über die absolvierte Ausbildung und das vorhandene</span><br/> <span class="text">Fachwissen des Personals erforderlich, genügt ein 50 %-Pensum der</span><br/> <span class="text">Person mit Berufsausübungsbewilligung kaum. Für die Führung</span><br/> <span class="text">einer Drogerie ohne Apotheke sieht die Heilmittel- und Betäubungs-</span><br/> <span class="text">mittelverordung denn auch nicht vor, dass die Anstellung eines Dro-</span><br/> <span class="text">gisten oder einer Drogistin zu mindestens 50 % genügt. Für die Ertei-</span><br/> <span class="text">lung einer Betriebsbewilligung wird offenbar praxisgemäss</span><br/> <span class="text">vorausgesetzt, dass die gesamtverantwortliche Leitungsperson, wel-</span><br/> <span class="text">che über die erforderliche Berufsausübungsbewilligung verfügt,</span><br/> <span class="text">während mindestens 60 % der allgemein üblichen Öffnungszeiten</span><br/> <span class="text">anwesend ist, für die übrige Zeit eine Stellvertreterbewilligung ein-</span><br/> <span class="text">holt und eine fachkompetente Stellvertretung auch tatsächlich sicher-</span><br/> <span class="text">stellt (vgl. die Formulare für das Betriebsbewilligungsgesuch, ..., so-</span><br/> <span class="text">wie die Stellvertreterbewilligung, ...).</span><br/> <span class="text">2.3</span><br/> <span class="text">2.3.1</span><br/> <span class="text">Aus dem Internetauftritt des an der Gebäudefassade nur als T.</span><br/> <span class="text">Apotheke angeschriebenen Betriebs geht hervor, dass derzeit eine</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 9 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">481</span> </div> <div class="page" id="S481"> <div role="main"> <span class="text">Drogistin N. S. beschäftigt wird. Offenbar wollen die Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führerinnen aber nicht dauerhaft ein Minimalpensum von 50 % einer</span><br/> <span class="text">zur selbständigen Berufsausübung berechtigten Drogistin oder eines</span><br/> <span class="text">entsprechenden Drogisten sicherstellen müssen. Sie machen viel-</span><br/> <span class="text">mehr geltend, dass die anwesenden Apothekerinnen aufgrund ihrer</span><br/> <span class="text">Ausbildung die Anwesenheit eines Drogisten oder einer Drogistin</span><br/> <span class="text">fachkompetenzmässig zu 100 % zu ersetzen vermögen.</span><br/> <span class="text">Die Abteilung Gesundheit des DGS führt in ihrer Stellung-</span><br/> <span class="text">nahme zur Beschwerde demgegenüber aus, ein Drogist oder eine</span><br/> <span class="text">Drogistin sei in verschiedenen Bereichen besser ausgebildet als ein</span><br/> <span class="text">Apotheker oder eine Apothekerin und verfüge dementsprechend über</span><br/> <span class="text">eine andere, bessere Beratungskompetenz, welche von der Kund-</span><br/> <span class="text">schaft einer Drogerie erwartet werde und erwartet werden dürfe.</span><br/> <span class="text">Zum Schutz vor Täuschung, Sicherheits- und Gesundheitsbeein-</span><br/> <span class="text">trächtigung der Kundschaft sei eine Drogistenausbildung erforder-</span><br/> <span class="text">lich. Zu drogerie- respektive drogistenspezifischen Dienstleistungen</span><br/> <span class="text">gehörten insbesondere die Diätberatung, die Beratung betreffend</span><br/> <span class="text">Chemikalien, der Umgang mit ökologischen Reinigungsmitteln, der</span><br/> <span class="text">Nachfüllservice, die Fabrikation von Schönheits- und Sachproduk-</span><br/> <span class="text">ten, die Schädlingsberatung für Haus und Garten sowie die Beratung</span><br/> <span class="text">betreffend Pflanzenschutzmittel und Pflanzendünger, die Beratung</span><br/> <span class="text">betreffend Farben und Lösungsmittel sowie der Verkauf von Feuer-</span><br/> <span class="text">werk. Drogisten und Drogistinnen würden in den eben aufgelisteten</span><br/> <span class="text">Gebieten speziell ausgebildet, während diese Ausbildung grössten-</span><br/> <span class="text">teils nicht Bestandteil eines Pharmaziestudiums sei. Dement-</span><br/> <span class="text">sprechend würden von Apothekern und Apothekerinnen auch keine</span><br/> <span class="text">spezifischen Fachkenntnisse in diesen Sachgebieten verlangt und</span><br/> <span class="text">erwartet.</span><br/> <span class="text">2.3.2</span><br/> <span class="text">Aufgefordert, die geltend gemachte bessere Ausbildung der</span><br/> <span class="text">Drogistinnen und Drogisten in den genannten Bereichen zu belegen,</span><br/> <span class="text">hat die Abteilung Gesundheit DGS in ihrer Duplik lediglich ausge-</span><br/> <span class="text">führt, Drogistinnen und Drogisten der höheren Fachschule (HF) wür-</span><br/> <span class="text">den in der Grundausbildung und in der HF-Ausbildung insgesamt ca.</span><br/> <span class="text">1'200 spezifische, berufskundliche Lektionen (Naturheilkunde,</span><br/> <span class="text">Phytotherapie, Spagyrik etc.) besuchen und nur bei ihnen sei eine</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 10 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">482</span> </div> <div class="page" id="S482"> <div role="main"> <span class="text">drogeriespezifische Weiterausbildung gewährleistet und die Berechti-</span><br/> <span class="text">gung zur Ausbildung von Drogistinnen und Drogisten gegeben. Als</span><br/> <span class="text">Beleg hat sie einen Ausdruck der Internetseite berufsberatung.ch (...)</span><br/> <span class="text">vom 19. Juni 2017 eingereicht, worin die pauschale Aussage enthal-</span><br/> <span class="text">ten ist, Drogisten und Drogistinnen HF würden vertiefte Kenntnisse</span><br/> <span class="text">in den Bereichen Gesundheit, Schönheitspflege, Ernährung und</span><br/> <span class="text">Unternehmensführung besitzen, ohne dass dies mit einem detaillier-</span><br/> <span class="text">ten Studienplan unter Angabe der konkreten Ausbildungsinhalte und</span><br/> <span class="text">der dafür aufgewendeten Lektionenzahl beziehungsweise Studienzeit</span><br/> <span class="text">belegt wird. Auch die Höhere Fachschule für Drogistinnen und Dro-</span><br/> <span class="text">gisten (École supérieure de droguerie, ESD) in Neuenburg führt die</span><br/> <span class="text">genauen Lerninhalte auf ihrer Homepage unter Der Weg zum Ziel</span><br/> <span class="text">(...) nicht näher aus. Es gibt nur einen aktuellen Fächerspiegel mit</span><br/> <span class="text">der Angabe, für die naturwissenschaftlichen und berufskundlichen</span><br/> <span class="text">Fächer (Krankheitslehre, Pharmakognosie/Phytotherapie, Che-</span><br/> <span class="text">mie/Chemielabor, Biochemie, Biologie/Biologielabor, Pharmakolo-</span><br/> <span class="text">gie/Pharmakotherapie/Galeniklabor, Ernährungslehre, Naturheilver-</span><br/> <span class="text">fahren und Komplementärmedizin, Ökologie) seien insgesamt 1'560</span><br/> <span class="text">Lektionen vorgesehen.</span><br/> <span class="text">Demgegenüber haben die Beschwerdeführerinnen sich bemüht,</span><br/> <span class="text">die Ausbildung zum Apotheker mit derjenigen zur Drogistin zu ver-</span><br/> <span class="text">gleichen und sie haben verschiedene Unterlagen, u.a. der Eidge-</span><br/> <span class="text">nössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich und der Universi-</span><br/> <span class="text">tät Basel eingereicht, welche den Studieninhalt beschreiben und den</span><br/> <span class="text">Vergleich der Ausbildungen belegen sollen. Bezüglich Diätberatung</span><br/> <span class="text">hat sich ergeben, dass bereits das sechste Semester des Bachelorstu-</span><br/> <span class="text">diums Pharmazeutische Wissenschaften (BSc) an der ETH Zürich</span><br/> <span class="text">Vorlesungen über weitergehende Ernährungswissenschaften</span><br/> <span class="text">(Advanced Topics in Nutritional Science) umfasst, während der Bil-</span><br/> <span class="text">dungsplan Drogistin EFZ/Drogist EFZ des Schweizerischen Drogis-</span><br/> <span class="text">tenverbandes mit Stand 30. März 2011 nur die Vermittlung von</span><br/> <span class="text">Grundlagen der Ernährungslehre und von ernährungsbedingten Zu-</span><br/> <span class="text">sammenhängen vorsieht. Zusammen mit Erfahrungsmedizin und Sa-</span><br/> <span class="text">lutogenese sind dafür in vier Jahren total 160 Lektionen vorgesehen,</span><br/> <span class="text">wobei der Anteil für Ernährungslehre unbestimmt ist, weshalb nicht</span><br/> <span class="text">von einem Drittel oder etwa 50 Lektionen ausgegangen werden kann.</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 11 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">483</span> </div> <div class="page" id="S483"> <div role="main"> <span class="text">Die Ausbildung an der Höheren Fachschule für Drogistinnen und</span><br/> <span class="text">Drogisten sieht zwar erneut Ernährungslehre vor; Hinweise, dass</span><br/> <span class="text">diese zur Diätberatung besonders befähigen soll, sind aber keine auf-</span><br/> <span class="text">findbar. Höhere Kompetenzen einer Drogerie im Bereich der Diätbe-</span><br/> <span class="text">ratung lassen sich also aus dem Vergleich der Bildungsgänge nicht</span><br/> <span class="text">ableiten.</span><br/> <span class="text">2.3.3</span><br/> <span class="text">Ähnlich präsentiert sich die Situation bezüglich der Ausbildung</span><br/> <span class="text">im Hinblick auf die Beratungskompetenz betreffend Chemikalien.</span><br/> <span class="text">Der Studienplan BSc Pharmazeutische Wissenschaften sieht im</span><br/> <span class="text">Grund- und Aufbaustudium 15 Kreditpunkte in Chemie für Pharma-</span><br/> <span class="text">zeutische Wissenschaften und zusätzlich 29 Kreditpunkte für diesbe-</span><br/> <span class="text">zügliche Praktikamodule vor. Im Aufbaustudium kommen noch 11</span><br/> <span class="text">Kreditpunkte für Pharmakologie und Toxikologie hinzu. Basierend</span><br/> <span class="text">auf den Vorgaben der Bologna-Richtlinien der Schweizerischen Uni-</span><br/> <span class="text">versitäts-Konferenz vom 4. Dezember 2003, gemäss welchen eine</span><br/> <span class="text">Studienleistung, die in 25 - 30 Arbeitsstunden erbracht werden kann,</span><br/> <span class="text">einem Kreditpunkt entspricht, lassen sich 55 Kreditpunkte in 1'375</span><br/> <span class="text">bis 1'650 Arbeitsstunden umrechnen, was annähernd einem akade-</span><br/> <span class="text">mischen Jahr (60 Kreditpunkte) entspricht. Der Drogisten-Bildungs-</span><br/> <span class="text">plan EFZ sieht demgegenüber nur total 200 Lektionen für Che-</span><br/> <span class="text">mie/Ökologie/Sachpflege zusammen vor, was nicht zu einer besse-</span><br/> <span class="text">ren Beratungskompetenz führen dürfte. Was im Bildungsgang Dro-</span><br/> <span class="text">gist/Drogistin HF in Chemie konkret vertieft wird und inwiefern pro-</span><br/> <span class="text">movierte Drogisten/Drogistinnen HF Apothekerinnen und Apothe-</span><br/> <span class="text">kern betreffend Chemikalien überlegen sein sollen, ist weder erkenn-</span><br/> <span class="text">bar noch glaubhaft gemacht, geschweige denn nachgewiesen.</span><br/> <span class="text">2.3.4</span><br/> <span class="text">Was den Umgang mit ökologischen Reinigungsmitteln anbe-</span><br/> <span class="text">langt, welche voraussetzungslos im gewöhnlichen Detailhandel ver-</span><br/> <span class="text">trieben werden dürfen, wofür die Kundschaft auch eine kompetente</span><br/> <span class="text">Beratung erwarten darf, kann ein Apotheker oder eine Apothekerin</span><br/> <span class="text">basierend auf der absolvierten vertieften Ausbildung zu physika-</span><br/> <span class="text">lischen, chemischen, biologischen und ökologischen Zusammen-</span><br/> <span class="text">hängen kompetent beraten, ohne den Vergleich mit einer Drogistin</span><br/> <span class="text">oder einem Drogisten scheuen zu müssen. Eine spezielle Ausbildung</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 12 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">484</span> </div> <div class="page" id="S484"> <div role="main"> <span class="text">betreffend Umgang mit (ökologischen) Reinigungsmitteln sieht auch</span><br/> <span class="text">der Lehrplan für Drogisten und Drogistinnen nicht vor. Bezüglich</span><br/> <span class="text">Kompetenz zum Nachfüllservice vermögen die Beschwerdeführerin-</span><br/> <span class="text">nen augenzwinkernd kein Alleinstellungsmerkmal eines Drogisten</span><br/> <span class="text">HF zu erkennen und die Kundschaft erwartet dafür wohl auch keine</span><br/> <span class="text">Ausbildung an einer höheren Fachschule oder gar an einer Hoch-</span><br/> <span class="text">schule.</span><br/> <span class="text">2.3.5</span><br/> <span class="text">Die Vorinstanz hat nicht bestritten, dass die Arzneimittelher-</span><br/> <span class="text">stellung in kleinen Mengen Bestandteil des Masterstudiengangs</span><br/> <span class="text">Pharmazie bildet und auch geprüft wird. Es ist nicht einzusehen,</span><br/> <span class="text">weshalb eine Person, welche zur Arzneimittelherstellung befähigt ist,</span><br/> <span class="text">mit der Fabrikation von Schönheits- und Sachprodukten</span><br/> <span class="text">fachkompetenzmässig überfordert sein sollte und keine adäquate Be-</span><br/> <span class="text">ratung leisten könnte. Bei der Beratung der Kundschaft kann ein</span><br/> <span class="text">Apotheker oder eine Apothekerin zum Beispiel auch die in der Der-</span><br/> <span class="text">matologie erworbenen Kenntnisse nutzbringend einsetzen. Es ist im</span><br/> <span class="text">Übrigen wohl eher so, dass sich eine Kleinmengenproduktion von</span><br/> <span class="text">Schönheits- und Sachprodukten für einzelne Kundinnen und Kunden</span><br/> <span class="text">heute kaum noch finanziell lohnt und die kompetente Beratung</span><br/> <span class="text">dürfte deshalb in der Regel darin bestehen, ein das Kundenbedürfnis</span><br/> <span class="text">befriedigendes Serienprodukt zu empfehlen, wofür die Kenntnis des</span><br/> <span class="text">verfügbaren Produktesortiments genügt.</span><br/> <span class="text">2.3.6</span><br/> <span class="text">Bezüglich Beratung zu Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzen-</span><br/> <span class="text">schutzmitteln können Apotheker und Apothekerinnen von ihrer Che-</span><br/> <span class="text">mie- und Toxikologieausbildung profitieren, welche nach dem oben</span><br/> <span class="text">Gesagten den Vergleich mit derjenigen von Drogisten und Drogistin-</span><br/> <span class="text">nen nicht zu scheuen braucht. Eine besondere Ausbildung bezüglich</span><br/> <span class="text">Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmitteln sieht der Bil-</span><br/> <span class="text">dungsplan für Drogistinnen und Drogisten EFZ wie HF nicht vor.</span><br/> <span class="text">Gemäss Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Schutz vor</span><br/> <span class="text">gefährlichen Stoffen und Zubereitungen (Chemikaliengesetz,</span><br/> <span class="text">ChemG) vom 15. Dezember 2000 muss, wer solche Stoffe oder Zu-</span><br/> <span class="text">bereitungen (vgl. Art. 4 Abs. 1 lit. e ChemG) in Verkehr bringt, Ab-</span><br/> <span class="text">nehmerinnen und Abnehmer über die gesundheitsrelevanten Eigen-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 13 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">485</span> </div> <div class="page" id="S485"> <div role="main"> <span class="text">schaften und Gefahren sowie über die erforderlichen Vorsichts- und</span><br/> <span class="text">Schutzmassnahmen informieren. Eine Drogistenausbildung sieht das</span><br/> <span class="text">Bundesrecht dafür nicht vor. Verkauf und Beratung erfolgen in der</span><br/> <span class="text">Regel problemlos in Fachgeschäften für die Landwirtschaft sowie</span><br/> <span class="text">den Gartenbau. Nach Art. 3 Abs. 2 der Verordnung des Eidge-</span><br/> <span class="text">nössischen Departements des Innern (EDI) über die erforderliche</span><br/> <span class="text">Sachkenntnis zur Abgabe bestimmter gefährlicher Stoffe und Zu-</span><br/> <span class="text">bereitungen vom 28. Juni 2005 wird angenommen, dass über das</span><br/> <span class="text">erforderliche Grundwissen verfügt, wer eine anerkannte berufliche</span><br/> <span class="text">Grund- oder Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen hat, über eine</span><br/> <span class="text">hinreichende Berufserfahrung verfügt oder im Besitz eines Zertifika-</span><br/> <span class="text">tes einer anerkannten Prüfungsstelle ist. In einer Apotheke darf</span><br/> <span class="text">vorausgesetzt werden, dass dieses Grundwissen bezüglich Schäd-</span><br/> <span class="text">lingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmitteln vorhanden ist, soweit</span><br/> <span class="text">überhaupt Stoffe vertrieben werden, für welche die Verordnung über</span><br/> <span class="text">den Schutz vor gefährlichen Stoffen und Zubereitungen (Chemi-</span><br/> <span class="text">kalienverordnung, ChemV) vom 5. Juni 2015 besondere Kenntnisse</span><br/> <span class="text">vorschreibt.</span><br/> <span class="text">2.3.7</span><br/> <span class="text">Bezüglich Farben und Lösungsmitteln kann auf das bezüglich</span><br/> <span class="text">Chemikalienausbildung Gesagte verwiesen werden. Zudem ist auch</span><br/> <span class="text">in diesem Bereich - vorbehältlich besonders gefährlicher Produkte,</span><br/> <span class="text">für welche das unter 2.3.6 Erwogene gilt - keine besondere Ausbil-</span><br/> <span class="text">dung für Beratung und Verkauf vorgeschrieben. Farben und Lösungs-</span><br/> <span class="text">mittel werden in Baufachmärkten, Do-it-yourself-Läden, Maler- und</span><br/> <span class="text">Gipsergeschäften und vielen anderen mehr vertrieben und beraten,</span><br/> <span class="text">ohne dass die Verkäuferschaft eine Drogistenausbildung oder derglei-</span><br/> <span class="text">chen absolviert hätte. Eine spezielle Ausbildung zu Farben und Lö-</span><br/> <span class="text">sungsmitteln ist denn auch dem Bildungsplan für Drogistinnen und</span><br/> <span class="text">Drogisten nicht zu entnehmen.</span><br/> <span class="text">2.3.8</span><br/> <span class="text">Bezüglich Feuerwerk ist bereits fraglich, ob die Kundschaft</span><br/> <span class="text">zwecks Beratung und Kauf prioritär eine Drogerie aufsuchen wird.</span><br/> <span class="text">Der Verkauf beschränkt sich auf wenige Anlässe im Jahr wie private</span><br/> <span class="text">Feiern, 1. August sowie Silvester und erfolgt wegen der damit</span><br/> <span class="text">verbundenen Gefahren oft ausserhalb des bewohnten Gebiets, also</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 14 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">486</span> </div> <div class="page" id="S486"> <div role="main"> <span class="text">fernab von Apotheken und Drogerien. Gewöhnliches Feuerwerk für</span><br/> <span class="text">den privaten Bedarf kann über eine Vielzahl von Verkaufskanälen be-</span><br/> <span class="text">zogen werden, ohne dass an das Verkaufspersonal polizeiliche Anfor-</span><br/> <span class="text">derungen gestellt werden, da die Feuerwerkskörper selber bei der</span><br/> <span class="text">Produktion geprüft und für den Import sowie den Handel zugelassen</span><br/> <span class="text">werden müssen. Gemäss Art. 7 der Verordnung über explosionsge-</span><br/> <span class="text">fährliche Stoffe (Sprengstoffverordnung, SprstV) vom 27. November</span><br/> <span class="text">2000 werden die Feuerwerkskörper vom Hersteller nach den Krite-</span><br/> <span class="text">rien von Anhang 1 Ziffer 2 in die Kategorien F1-F4 eingeteilt, wobei</span><br/> <span class="text">Feuerwerkskörper der Kategorien F1-F3 nur an Personen ab</span><br/> <span class="text">12/16/18 Jahren abgegeben werden dürfen und Feuerwerkskörper der</span><br/> <span class="text">Kategorie F4 dem gewerblichen Gebrauch vorbehalten sind, nur von</span><br/> <span class="text">Personen mit Fachkenntnissen verwendet werden und nicht in den</span><br/> <span class="text">Detailhandel gebracht werden dürfen. Der Einsatz von Feuerwerks-</span><br/> <span class="text">körpern der Kategorie F4 erfordert eine Grossfeuerwerk-Ausbildung,</span><br/> <span class="text">wofür das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation</span><br/> <span class="text">den Ausweis ausstellt. Wer ihn besitzt, bedarf keiner Beratung durch</span><br/> <span class="text">eine Drogistin oder einen Apotheker und bezüglich Produkten der</span><br/> <span class="text">Kategorie F4, welche Drogerien und Apotheken nicht vertreiben</span><br/> <span class="text">dürfen, müssen sie auch nicht beraten können.</span><br/> <span class="text">2.3.9</span><br/> <span class="text">Zusammenfassend vermag die Argumentation der Vorinstanz</span><br/> <span class="text">betreffend die höhere Ausbildung und bessere Beratungskompetenz</span><br/> <span class="text">von Drogisten und Drogistinnen bezüglich drogeriespezifischer Pro-</span><br/> <span class="text">dukte nicht durchzudringen. Dies trifft ebenso zu auf die Argumenta-</span><br/> <span class="text">tion bezüglich des notwendigen Schutzes der Apothekenkundschaft</span><br/> <span class="text">vor gesundheitsgefährdender mangelhafter Beratung und der Vor-</span><br/> <span class="text">täuschung nicht vorhandener Fachkompetenz. Weiterbildung müssen</span><br/> <span class="text">Apotheker und Drogistin gleichermassen betreiben und die von der</span><br/> <span class="text">Vorinstanz angeführte, nur in Drogerien vorhandene Berechtigung</span><br/> <span class="text">zur Ausbildung von Drogistinnen und Drogisten ist ohne Relevanz,</span><br/> <span class="text">da Personen, welche den Drogistenberuf erlernen wollen, keinen</span><br/> <span class="text">Lehrvertrag mit einer Apotheke abschliessen werden.</span><br/> <span class="text">Dass die absolvierte Ausbildung einen Apotheker oder eine</span><br/> <span class="text">Apothekerin befähigt, eine Drogerie fachkompetent zu führen und</span><br/> <span class="text">die Kundschaft angemessen zu beraten, wird denn auch vom Regie-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 15 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">487</span> </div> <div class="page" id="S487"> <div role="main"> <span class="text">rungsrat des Kantons Luzern anerkannt, hat er doch den Einbezug</span><br/> <span class="text">einer Drogerie in eine Apotheke in § 24 der Heilmittelverordnung</span><br/> <span class="text">vom 28. April 2009 wie folgt geregelt:</span><br/> <span class="text">Eine öffentliche Apotheke kann ohne zusätzliche Bewilligung</span><br/> <span class="text">unter der Bezeichnung 'Apotheke und Drogerie' betrieben wer-</span><br/> <span class="text">den.</span><br/> <span class="text">3. Firmengebrauchspflicht</span><br/> <span class="text">Die Abteilung Gesundheit DGS hat den Beschwerdeführerinnen</span><br/> <span class="text">in der angefochtenen Verfügung verboten, in Auskündigungen bezie-</span><br/> <span class="text">hungsweise in der Werbung für ihren Betrieb den Zusatz Drogerie</span><br/> <span class="text">zu verwenden. Gemäss der Stellungnahme zur Beschwerde vom ...</span><br/> <span class="text">sollen die Beschwerdeführerinnen ihre Auskündigungen anpassen,</span><br/> <span class="text">d.h., sie sollen auf die Bezeichnung Apotheke und Drogerie</span><br/> <span class="text">verzichten und sich nur als Apotheke mit Drogerieartikeln bezeich-</span><br/> <span class="text">nen (vgl. § 12 Abs. 3 HBV). Eine Anpassung der Firma wird aus-</span><br/> <span class="text">drücklich nicht verlangt.</span><br/> <span class="text">Wie bereits erwähnt lautet die im Handelsregister eingetragene</span><br/> <span class="text">Firma T. Apotheke &amp; Drogerie AG . Gemäss Art. 954a OR, welcher</span><br/> <span class="text">am 1. Januar 2008 in Kraft getreten ist, muss in der Korrespondenz,</span><br/> <span class="text">auf Bestellscheinen und Rechnungen sowie in Bekanntmachungen</span><br/> <span class="text">(also Auskündigungen) die im Handelsregister eingetragene Firma</span><br/> <span class="text">oder der im Handelsregister eingetragene Name vollständig und</span><br/> <span class="text">unverändert angegeben werden (Abs. 1). Zusätzlich können Kurzbe-</span><br/> <span class="text">zeichnungen, Logos, Geschäftsbezeichnungen, Enseignes und ähn-</span><br/> <span class="text">liche Angaben verwendet werden (Abs. 2). Aus der Botschaft zur Re-</span><br/> <span class="text">vision des Obligationenrechts (GmbH-Recht sowie Anpassungen im</span><br/> <span class="text">Aktien-, Genossenschafts-, Handelsregister- und Firmenrecht) vom</span><br/> <span class="text">19. Dezember 2001 (BBl 2002 3148 ff.) ergibt sich, dass der Form</span><br/> <span class="text">der Korrespondenz für die Massgeblichkeit der Firmengebrauchs-</span><br/> <span class="text">pflicht keine Relevanz zukommen kann; die eingetragene Firma</span><br/> <span class="text">muss insbesondere auch im Internet in rechtskonformer Weise</span><br/> <span class="text">verwendet werden. Andererseits stellt Absatz 2 unmissverständlich</span><br/> <span class="text">klar, dass Kurzbezeichnungen, Logos, Geschäftsbezeichnungen,</span><br/> <span class="text">Enseignes und ähnliche Angaben selbstverständlich auch nach</span><br/> <span class="text">Einführung der Firmen- und Namensgebrauchspflicht durch Art.</span><br/> <span class="text">954a Abs. 1 OR weiterhin verwendet werden dürfen. Einzige Voraus-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 16 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">488</span> </div> <div class="page" id="S488"> <div role="main"> <span class="text">setzung ist, dass in den in Absatz 1 umschriebenen Texten zugleich</span><br/> <span class="text">die im Handelsregister eingetragene Firma vollständig angegeben</span><br/> <span class="text">wird (BBl 2002 3242).</span><br/> <span class="text">Das Bundesrecht würde es den Beschwerdeführerinnen also ge-</span><br/> <span class="text">statten, sich in Auskündigungen auch als T. Apotheke AG oder</span><br/> <span class="text">noch kürzer als T. Apotheke zu bezeichnen, sofern zusätzlich die</span><br/> <span class="text">vollständige Firmenbezeichnung T. Apotheke &amp; Drogerie AG</span><br/> <span class="text">angegeben wird. Es ist nun aber nicht einzusehen, was hinsichtlich</span><br/> <span class="text">der von der Vorinstanz mit dem strittigen Verbot angestrebten Klar-</span><br/> <span class="text">heit bezüglich der erteilten Betriebsbewilligung, der bestehenden Be-</span><br/> <span class="text">rufsausübungsbewilligung und der Vermeidung einer Täuschung</span><br/> <span class="text">über die erworbenen Fachkompetenzen gewonnen ist, wenn in Aus-</span><br/> <span class="text">kündigungen die Kurzbezeichnung T. Apotheke oder T. Apotheke</span><br/> <span class="text">mit Drogerieartikeln verwendet wird, wenn von Bundesrechts we-</span><br/> <span class="text">gen zusätzlich die vollständige Firmenbezeichnung T. Apotheke &amp;</span><br/> <span class="text">Drogerie AG verwendet werden muss. Die Beschwerdeführerinnen</span><br/> <span class="text">dürfen zwar eine Kurzbezeichnung zusätzlich zur vollständigen Fir-</span><br/> <span class="text">menbezeichnung verwenden. Sie haben aber auch das Recht, nur die</span><br/> <span class="text">vollständige Firmenbezeichnung zu verwenden und die von der Vor-</span><br/> <span class="text">instanz geforderte ausschliessliche Bezeichnung als T. Apotheke</span><br/> <span class="text">AG ist ihnen von Bundesrechts wegen verwehrt.</span><br/> <span class="text">4. Ergebnis</span><br/> <span class="text">Nach dem Gesagten vermag bereits die Argumentation der Vor-</span><br/> <span class="text">instanz wenig zu überzeugen, in einer Drogerie dürfe regelmässig</span><br/> <span class="text">eine andere und weitergehende Fachkompetenz als in einer Apotheke</span><br/> <span class="text">erwartet werden und es gelte eine Gesundheitsgefährdung sowie eine</span><br/> <span class="text">Täuschung der Kundschaft über die im Betrieb vorhandene</span><br/> <span class="text">Fachkompetenz zu vermeiden. Wie es sich im Einzelfall damit</span><br/> <span class="text">tatsächlich verhält, kann aber letztlich offenbleiben, nachdem die Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführerinnen gemäss Bundesrecht in Auskündigungen zur</span><br/> <span class="text">Führung ihrer vollständigen Firmenbezeichnung verpflichtet sind</span><br/> <span class="text">und dieses Bundesrecht dem entgegenstehenden kantonalen Recht</span><br/> <span class="text">vorgeht (Art. 49 Abs. 1 BV). Ferner hat der Regierungsrat gemäss</span><br/> <span class="text">§ 90 Abs. 5 der Verfassung des Kantons Aargau vom 25. Juni 1980</span><br/> <span class="text">Erlassen die Anwendung zu versagen, die Bundesrecht, kantonalem</span><br/> <span class="text">Verfassungs- oder Gesetzesrecht widersprechen.</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 17 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">489</span> </div> <div class="page" id="S489"> <div role="main"> <span class="text">Nach dem Gesagten ist Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung</span><br/> <span class="text">vom 16. Januar 2017 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben.</span><br/> <span class="text">Ferner kann auch dem Beschwerdebegehren 2 insofern stattgegeben</span><br/> <span class="text">werden, als festzustellen ist, dass die T. Apotheke &amp; Drogerie AG</span><br/> <span class="text">aufgrund des Bundesrechts befugt ist, ihre vollständige Firmenbe-</span><br/> <span class="text">zeichnung in Auskündigungen zu verwenden. Das Departement Ge-</span><br/> <span class="text">sundheit und Soziales wird eingeladen, bei der nächsten sich bieten-</span><br/> <span class="text">den Gelegenheit eine Revision von § 12 HBV an die Hand zu neh-</span><br/> <span class="text">men und dem Regierungsrat einen bundes-rechtskonformen Entwurf</span><br/> <span class="text">zum Beschluss vorzulegen.</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>