Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 29. Januar 2019 (430 18 168) ____________________________________________________________________ Obligationenrecht Firmenrechtliche Unterlassungsklage gemäss Art. 956 Abs. 2 OR; Frage einer drohender Verwechslungsgefahr zwischen den kennzeichenstarken Firmenelementen „Archroma“ und „accroma“ Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader, Richterin Barbara Jermann Richterich (Ref.), Richter Dieter Freiburghaus; Gerichtsschreiber Rageth Clavadetscher Parteien Archroma Management GmbH , Neuhofstrasse 11, 4153 Reinach BL, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Markus Wang, Brandschenkestrasse 90, 8027 Zürich, Klägerin Archroma IP GmbH , Neuhofstrasse 11, 4153 Reinach BL, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Markus Wang, Brandschenkestrasse 90, 8027 Zürich, Klägerin Archroma Consulting Switzerland GmbH , Neuhofstrasse 11, 4153 Reinach BL, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Markus Wang, Brandschenkestrasse 90, 8027 Zürich, Klägerin gegen accroma labtec AG , Rothausstrasse 61, 4132 Muttenz BL, vertreten durch Advokat Daniel Plüss, Elisabethenstrasse 30, Postfach 632, 4010 Basel, Beklagte Gegenstand Firmenrecht Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die Archroma Management GmbH ist eine 2013 unter besa gter Firma gegründete und im Handelsregister des Kantons Basel-Landschaft eingetra gene Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz in Reinach, Kanton Basel-Landschaft. Sie bezweckt die Erbringung von Management-Dienstleistungen, insbesondere die Beratung administrativer, finanzieller, rechtli- cher und technischer Art, sowie den Vertrieb von chemische n, biotechnologischen und ver- wandten Produkten. Bei der Archroma IP GmbH handelt es sich ebenfalls um eine 2013 unter ihrer heutigen Firma gegründete und im Handelsregiste r des Kantons Basel-Landschaft einge- tragene Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz in Reinach, Kanton Basel-Landschaft. Ihr Zweck ist gemäss Handelsregistereintrag insbesondere d ie Verwaltung und die Veräusse- rung von Beteiligungen an Unternehmen und von Immate rialgüterrechten im Chemiesektor. Auch die Archroma Consulting Switzerland GmbH wurde im 2013 gegründet und im Handelsre- gister Basel-Landschaft eingetragen. Sie hat ihren Sit z in Reinach, Kanton Basel-Landschaft, und firmiert seither unverändert unter besagtem Namen. Ihr Zweck liegt gemäss Handelsregis- tereintrag hauptsächlich in der Erbringung von Dienstle istungen, insbesondere auch von Bera- tungen im Zusammenhang mit der Herstellung und dem Verkauf von chemischen und verwand- ten Produkten. Die drei genannten Gesellschaften gehö ren zum Archroma-Konzern, einer welt- weit im Bereich der Herstellung und des Vertriebs von Fa rben und Spezialitätenchemie- Produkten tätigen Gruppe. Die accroma labtec AG ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Mut- tenz, Kanton Basel-Landschaft. Sie ging im Jahre 2017 aus der 2014 gegründeten, und damals noch unter der Firma „RPD TOOL Technologies GmbH“ im Handelsregister des Kantons Basel- Landschaft eingetragenen Gesellschaft mit beschränkter Haftung hervor. Sie bezweckt gemäss Handelsregistereintrag die Entwicklung, die Produktion u nd den Vertrieb von Laborautomatisa- tionssystemen. Die accroma labtec AG betreibt unter der D omain „accroma.com“, „accroma.de“ und „accroma.ch“, eine Website. Die zur Archroma-Gruppe gehörenden, eingangs erwähnten Gesellschaften erfuhren im Jahr 2018 von der Umfirmieru ng der accroma labtec AG. Da sich die Erstgenannten in ihrem Firmen- und Namensrecht be einträchtigt bzw. verletzt fühlten, mahnten sie die Letztgenannte im Februar 2018 ab und forderten diese auf, ihre Firma bis spä- testens 30. März 2018 abzuändern. Die Angeschriebene bestritt den Bestand einer firmenrecht- lichen Verwechslungsgefahr und weigerte sich, ihre Firma aufzugeben. Sie wies dabei auf die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder der Gesellschaften hi n und vertrat im Wesentlichen den Standpunkt, den Firmenkernen „Archroma“ und „accroma“ fehle es an Unterscheidungskraft. B. Mit Eingabe vom 24. Mai 2018 erhoben die Archroma Ma nagement GmbH (Klägerin 1), die Archroma IP GmbH (Klägerin 2) und die Archroma C onsulting Switzerland GmbH (Kläge- rin 3), alle vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Markus Wang, beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, Klage gegen die accrom a labtec AG und stellten dabei folgen- de Rechtsbegehren: „ 1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, innert 45 Tage n ab Eintritt der Rechtskraft ihre Firma "accroma labtech AG" im Handelsregister zu löschen und du rch eine andere Firma erset- zen zu lassen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Es sei der Beklagten zu verbieten, die Zeichen "accro ma" oder "accroma labtech" als Kennzeichen für ihr Unternehmen bzw. für das von ihr betriebene Geschäft zu verwen- den. 3. Es sei der Beklagten zu verbieten, die Internet Do main Namen „www.accroma.com“ und „www.accroma.ch“ zu benutzen oder durch Dritte benützen zu lassen. 4. Die unter Ziffern 1 bis 3 anbegehrten Massnahmen se ien unter Androhung der Bestrafung ihrer Organe wegen Ungehorsams im Widerhandlungs- bz w. Unterlassungsfalle im Sinne von Art. 292 StGB auszusprechen. alles unter Kosten und Entschädigungsfolgen zu Lasten d er Beklagten.“ Zur Begründung lassen die Klägerinnen zusammengefasst a usführen, als Inhaberinnen einer älteren Firma seien sie berechtigt, gestützt auf Art. 951 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 956 Abs. 2 OR gegenüber der accroma labtec AG als Beklagte zu verlan gen, dass diese ihre Firma durch Löschung im Handelsregister aufgebe und nicht mehr verwe nde sowie auch die betreffenden Domain-Namen nicht mehr benutze. Zwischen den kennzeich nungsstarken Bestandteilen der Firmen der Klägerinnen einerseits und dem prägenden F irmenteil der Beklagten andererseits bestehe im Sinne der einschlägigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine Verwechslungs- gefahr. Nebst firmenrechtlichen Ansprüchen stünden den Klägerinnen gegenüber der Beklagten auch solche namensrechtlicher Natur zu, zumal sich die Verwe chslungsgefahr im Namensrecht grundsätzlich gleich wie im übrigen Kennzeichenrecht bestimme. C. In ihrer Klageantwort vom 1. Oktober 2018 beantragt d ie accroma labtec AG (Beklagte), vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Plüss, die Klage un ter solidarischer Kosten- und Entschä- digungsfolge zu Lasten der Klägerinnen abzuweisen, sofern darauf einzutreten sei. Sie erwähnt im Sinne einer Vorbemerkung, dass ihr seit 23. August 2017 die hinterlegte Marke „ACCROMA“ gehöre, welche in den Klassen 9, 20 und 37 eingetragen sei, und begründet ihre Anträge zu- sammenfassend dahingehend, dass insbesondere das Rechtsbegehren unter Ziffer 2 der Klage nicht hinreichend bestimmt formuliert sei. In der Sac he gelte es zu beachten, dass die Klage von drei Klägerinnen eingereicht worden sei und die Begründung für alle gleichermassen gelten soll. Die Firmenrechte müssten sich jedoch von Gesetzes wege n voneinander deutlich unter- scheiden, so dass es nicht angehe, unter dem Hinweis auf k ennzeichnungsschwache Zusätze bzw. den Firmenkern die eigenen Firmen über denselben Leisten zu schlagen und faktisch oh- ne Begründung zu behaupten, die beklagtische Firma verle tze alle drei klägerischen Firmen gleichermassen. Eine Verwechslungsgefahr sei sodann nicht vorhanden. Die Klägerinnen wür- den insbesondere verkennen, dass die Anforderungen an d ie Kennzeichnungskraft individuali- sierender Zusätze nicht überspannt werden dürften und die Frage der Verwechselbarkeit nach der Aufmerksamkeit des Publikums zu beurteilen sei, welches mit den Gesellschaften in Kon- takt treten würde. Die klägerischen Firmen würden sich i m Schriftbild und Wortklang hinrei- chend unterscheiden. Ebenso sei der Sinngehalt der ken nzeichenrelevanten Bezeichnungen von „Archroma“ und „accroma labtec“ nicht vergleichbar, so dass bei einer Gesamtbeurteilung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Vergleich der einzelnen Firmen der Klägerinnen m it der Firma der Beklagten keine Ver- wechslungsgefahr auszumachen sei. D. Die Klägerinnen halten in ihrer Replik vom 5. Novemb er 2018 grundsätzlich an den be- reits in der Klage gestellten Begehren fest. Im Rechtsb egehren unter Ziffer 2 beantragt sie in- dessen gegenüber der Klage in leicht abgeänderter Fo rm, es sei der Beklagten zu verbieten, die Zeichen „accroma“ oder „accroma labtec“ als Kennzeiche n für sich selbst, für ihr Unterneh- men bzw. für das von ihr betriebene Geschäft zu verwenden (Hervorhebung nur hier). Es hand- le sich hierbei, so die Klägerinnen zur Begründung, nich t um eine Anerkennung des beklagti- schen Einwandes, die ursprünglich gestellten Rechtsbegehr en seien zu unbestimmt gestellt gewesen, sondern vielmehr um eine Präzisierung. Der Vor wurf der fehlenden Substantiierung der Klage bezogen auf die einzelnen Klagparteien zie le ins Leere, da sich der kennzeichen- rechtliche Konflikt bezüglich allen drei klägerischen Firm en- und Namensrechten in identischer Weise stellen würde. In der Sache halten die Klägeri nnen replicando insgesamt an ihrem be- reits in der Klage eingenommenen Standpunkt für die B egründung ihrer Begehren fest. Zu den von der Gegenpartei erhobenen Einwänden entgegnen sie zusammenfassend, dass das von der Beklagten erwähnte Markenrecht prioritätsjünger sei und deshalb den Firmenrechten der Klägerinnen nachgehe. Die Frage nach dem Bestand ei ner Verwechslungsgefahr sei nach der Aufmerksamkeit der Personen zu beurteilen, mit denen d ie betreffenden Unternehmen übli- cherweise verkehren würden. Angesichts der Quasi-Identitä t der prägenden Bestandteile „Archroma“ einerseits und „accroma“ andererseits sei al lerdings davon auszugehen, dass selbst Personen, bei denen eine erhöhte Aufmerksamkeit angeno mmen werden könne, die beiden Firmen mindestens in ihrer Erinnerung nicht auseinand erhalten könnten. Bezeichnenderweise habe die Beklagte im Weiteren keinen bundesgerichtlich en Entscheid zu nennen vermocht, in welchem das Bundesgericht zum Schluss gekommen sei, dass in Fällen, wie dem vorliegen- den, in denen die kennzeichnungskräftigen, einprägsame n Firmenkerne der konfligierenden Firmen quasi-identisch seien, bereits Unterschiede in Sa chbezeichnungen bzw. Rechtsformzu- sätzen ausreichen würden, um einen genügenden Abstand herzustellen. Entgegen der Behaup- tung der Beklagten enthalte der Begriff „Archroma“ kei ne beschreibende Angabe, sondern ent- stamme vielmehr ausschliesslich der Fantasie. Gleiches gelte für die Bezeichnung „accroma“. Entsprechend würden die Firmen der Klägerinnen und diejenige der Beklagten durch ein hin- sichtlich Schriftbild und in phonetischer Sicht quasi-ide ntisches Fantasie- bzw. Kunstwort ge- prägt, woraus sich eine Verwechslungsgefahr ergeben würd e. Bei Unternehmen, die im glei- chen Kanton ansässig seien und ihren Sitz gerade mal 10 km voneinander entfernt hätten, sei zudem klarerweise von einer geografischen Nähe auszugehe n. Unabhängig vom bestehenden Markenrecht verwende die Beklagte den Begriff „accroma“ auch firmenmässig, weshalb den Klägerinnen dieser gegenüber ein firmenrechtlicher Unterlassungsanspruch zustehe. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung könne im Weiteren a uch die Verwendung des Domain- Namens gestützt auf das Firmenrecht verboten werden. Zum namenrechtlichen Schutz gelte es zu präzisieren, dass der betreffende Unterlassungsanspruch ni cht auf Unternehmen in dersel- ben Branche beschränkt sei. Der Schutz greife dort ein, wo die Gefahr von Fehlvorstellungen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Verkehrs über die Identität des Namensträgers oder dessen Beziehungen zu anderen Per- sonen, Sachen, Geschäfte und dergleichen bestehe. Bei d er Gesamtwürdigung der Umstände im Einzelfall stehe ebenfalls die Zeichenähnlichkeit im Vordergrund. E. In ihrer Duplik vom 6. Dezember 2018 hält die Beklagte ausdrücklich an den bereits in der Klageantwort gestellten Begehren fest. Dem ergänz ten Rechtsbegehren der Klägerinnen hält sie entgegen, dass es sich dabei nicht um eine Präzisi erung, sondern um eine Erweiterung des klageweise formulierten Rechtsbegehrens handle, ohne dass in der Replik hierzu eine Be- gründung geliefert worden wäre. Dadurch würde nicht nur das Prinzip der Unabänderlichkeit der Rechtsbegehren, sondern auch das rechtliche Gehör der Be klagten verletzt. Auf die Änderung von Rechtsbegehren 2 sei daher nicht einzutreten. Mind estens die Klägerinnen 2 und 3 seien reine Konzerngesellschaften, welche am Markt nach aussen nicht auftreten würden. Diese wür- den Rechte geltend machen, welche sie mangels eines Unt ernehmens gar nicht nutzen wür- den. Es fehle ihnen deshalb ein schützenswertes Interesse an der Geltendmachung der Fir- menrechte. Die Schutzwirkung des Firmenrechts sei im Wei teren beschränkt auf den firmen- mässigen Gebrauch anderer Kennzeichen. Die Frage der P riorität stelle sich erst in zweiter Li- nie. Die Beklagte sei vollkommen frei, ihre Marke „accroma“ im Rahmen der eingetragenen Wa- ren und Dienstleistungen zu gebrauchen. Würden sich zwei Unternehmen nicht an dieselben Kundenkreise wenden und stünden diese nicht miteinande r im Wettbewerb, dürften keine strengeren Anforderungen an die Unterscheidbarkeit der Firmen gestellt werden. Die Firmen stünden vorliegend unbestrittenermassen in keinem Wettb ewerb miteinander und würden sich ohnehin genügend voneinander unterscheiden. „Archroma“ und „accroma“ würden erkennbar unterschiedliche Sinngehalte aufweisen. Das zusammengesetzte Element „labtec“ sei dagegen nicht ohne minimale Denkarbeit als Hinweis auf seine Bes tandteile „Labor“ und „Technik“ er- kennbar; dies im Gegensatz zu den klägerischen Firmen, d ie von direkt beschreibenden Be- zeichnungen dominiert würden. Entgegen den klägerischen Behauptungen bestehe zwischen den beteiligten Firmen auch keine geografische Nähe. I m Kontext mit der Verwendung der Domain sei gemäss Rechtsprechung davon auszugehen, dass re gelmässige Internetbenutzer gewohnt seien, auch geringen Unterschieden in einer B uchstabenkombination Beachtung zu schenken. F. Mit Verfügung vom 10. Dezember 2018 schloss die Präsident in der zivilrechtlichen Ab- teilung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft den Schrif tenwechsel und liess die Akten beim Spruchkörper im Hinblick auf die in Aussicht gestellte Ha uptverhandlung vor der Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht , zirkulieren. Die Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht fand am 29. Januar 2019 statt. I m Rahmen ihrer Plädoyers hielten die Parteivertreter an den bereits schriftlich gestellten R echtsbegehren und Begründungen im We- sentlichen fest. Die Dreierkammer des Kantonsgerichts Base l-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, verzichtete im Einverständnis der Parteien auf eine mündl iche Urteilsberatung und stellte die- sen die Eröffnung des Entscheids schriftlich begründet in Aussicht. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1.1 Die vorliegend zu beurteilende Klage stützt sich in erst er Linie auf Art. 956 Abs. 2 OR, wonach auf Unterlassung der weiteren Führung einer Firma gegen jedermann klagen kann, wer durch den unbefugten Gebrauch einer Firma durch die be klagte Partei beeinträchtigt wird. Gemäss Art. 5 Abs. 1 lit. c ZPO i.V. m. § 6 Abs. 1 lit. a EG ZPO ist bei Streitigkeiten über den Gebrauch einer Firma die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts Basel- Landschaft als einzige kantonale Instanz sachlich zuständig. Klagen gegen eine juristische Per- son sind gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. b ZPO beim Gericht an deren Sitz einzureichen. Die Beklag- te hat ihren Sitz gemäss Eintrag im Handelsregister des K antons Basel-Landschaft in Muttenz, Basel-Landschaft, so dass das Kantonsgericht Basel-Landschaf t auch örtlich zuständig ist. Ein üblicherweise zwingend durchzuführendes Schlichtungsverfahren entfällt bei Streitigkeiten über den Gebrauch einer Firma gestützt auf die Ausnahmebestimmung von Art. 198 lit. f i.V.m. Art. 5 Abs. 1 lit. c ZPO. Auch die übrigen Prozessvoraussetzungen sind vorliegend erfüllt; insbeson- dere wurde auch der bei den Klägerinnen erhobene Ko stenvorschuss von CHF 7‘500.00 be- zahlt. 1.2 Die Klägerinnen stützen ihre gemeinsam gegenüber der Beklagten gestellten, gleichlau- tenden Begehren gemäss Klagebegründung auf ihre Ansicht , wonach ihre firmenrechtlichen Unterlassungsansprüche bezüglich des Firmenkerns „Arch roma“ allen dreien gleichermassen zustehen würden. Art. 71 Abs. 2 ZPO erlaubt ein solches p rozessuales Vorgehen der Klägerin- nen als einfache Streitgenossenschaft ausdrücklich (zum Ganze n, statt vieler: R UGGLE , in: BSK-ZPO, Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], 3. Aufl., Basel 2017, Art. 71 ZPO N 1 ff.), sofern die zu beurteilenden Rechte und Pflichten auf gleichar tigen Tatsachen oder Rechtsgründen beruhen. Beides ist in casu mit der behaupteten Identi tät der Rechtsgrundlage gemäss Art. 956 Abs. 2 OR und des streitgegenständlichen Sachverhalts gegeben. 1.3 Dass die Klägerinnen in ihrer Klage eine Begründung für alle liefern ohne Zuordnung je Klagpartei, inwiefern deren Anspruch auf Firmenschutz konkret ausgestaltet sein soll, gereicht diesen – entgegen dem Einwand der Beklagten – im Zusam menhang mit der Frage nach dem Eintreten auf die Klagen nicht zum Nachteil. Die Kläg erinnen begründen ihren Anspruch denn auch massgeblich mit dem Firmenbestandteil „Archroma“ a ls kennzeichnungsstarken Kern, welcher in sämtlichen Firmenbezeichnungen der Klägerin nen enthalten ist, und vertreten den Standpunkt, dass die übrigen Bestandteile als Sachbezeichnungen und Rechtsformzusätze und somit kennzeichnungsschwache Elemente für die Beurteilun g der Verwechslungsgefahr nicht ins Gewicht fallen. Ob die Klägerinnen mit dieser Me inung richtig liegen, ist eine materiellrecht- liche Frage. Zumal die Argumentationslinie in der Kla ge inhaltlich erkennbar ist, ist es der Be- klagten möglich, in rechtlicher Hinsicht einen eigenen S tandpunkt einzunehmen, gezielte Be- streitungen zum vorgetragenen Sachverhalt der Gegenpar tei anzubringen und auch Gegenbe- hauptungen aufzustellen bzw. Gegenbeweise zu nennen. D ass die vorliegende Klage die zivil- prozessualen Anforderungen im Sinne von Art. 221 ZPO somit erfüllt, ist offensichtlich. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.4 Die Beklagte beantragt in ihrer Klageantwort, auf da s Rechtsbegehren der Klage unter Ziffer 2 sei wegen mangelnder Bestimmtheit nicht einz utreten. Sie beanstandet das Begehren, wonach die Verwendung der Zeichen „accroma“ und „accrom a labtech“ als Kennzeichen für ihr Unternehmen bzw. für das betriebene Geschäft zu verbiet en seien, da die Begriffe „Unterneh- men“ und „Geschäft“ auslegungsbedürftig seien, was eine Vollstreckung ohne materielle Beur- teilung verunmögliche. Hinzu komme, dass das Firmenrecht nur den firmenmässigen Gebrauch (d.h. den Namen des Unternehmensträgers) schütze, nicht a ber die vom Unternehmensträger betriebenen Geschäfte oder Unternehmen. Im Weiteren d ürfe die Beklagte als Inhaberin der registrierten Marke „accroma“ nicht bei deren Verwendung eingeschränkt werden. Die Abgren- zung zwischen firmenmässigem und markenmässigem Gebrauch eine s Kennzeichens falle notorischerweise schwer. Gerade eine solche nicht praktika ble Abgrenzung zwischen firmen- und markenmässigem Gebrauch werde von den rechtsanwenden Behörden durch das betref- fende Begehren verlangt. 1.5 Die Klägerinnen haben ihre Rechtsbegehren unter Ziffe r 2 replicando abgeändert, indem sie der Beklagten verbieten lassen möchten, die Zeichen „accroma“ oder „accroma labtec“ als Kennzeichen für sich selbst, ihr Unternehmen bzw. für d as von ihr betriebene Geschäft zu ver- wenden (Hervorhebung nur hier). Es handle sich hierbei , so die Klägerinnen zur Begründung, nicht um eine Anerkennung des beklagtischen Einwandes, di e ursprünglich gestellten Rechts- begehren seien zu unbestimmt gestellt gewesen, sondern vielmehr um eine Präzisierung und um eine Korrektur der Tipp-Fehler. 1.6 Die Beklagte erklärt duplicando nebst dem Festhalten a m Einwand der fehlenden Be- stimmtheit, die Ergänzung des Rechtsbegehrens gemäss Ziff er 2 würde den Streitgegenstand unzulässigerweise erweitern. 1.7 Im Rahmen des Plädoyers an der Hauptverhandlung erklä rt der Rechtsvertreter der Klä- gerinnen, es handle sich in dem gemäss Replik ergänzten Rechtsbegehren nicht um eine Er- weiterung und auch nicht um eine Klageänderung. Letzt eres wäre zudem ohnehin zulässig. Zwecks Verdeutlichung dürfe ein Rechtsbegehren jederzeit neu oder anders neu formuliert werden. Ebenso wenig sei dadurch eine Verletzung des re chtlichen Gehörs der Beklagten ver- bunden, zumal diese in der Duplik dazu habe Stellung nehmen können. 1.8 Unter einer Klageänderung gemäss Art. 227 ZPO ist jed e Änderung des Streitgegenstan- des zu verstehen. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abte ilung Zivilrecht, ist mit der herr- schenden Lehre einer Meinung, dass die Berichtigung ein es offensichtlichen Schreibfehlers in einer Rechtsschrift, wie sie im vorliegenden Fall gemäss Rechtsbegehren in der Replik von „accroma labtech“ zu „accroma labtec“ vorgenommen wurde, stets voraussetzungslos und un- eingeschränkt möglich ist. Ebenso wird eine Verdeutlich ung der Begehren, ohne dass der Streitgegenstand an sich verändert wird, als zulässig erach tet (exemplarisch: K ILIAS , in: BE-Komm. ZPO, Bd. II, Bern 2012, Art. 227 ZPO N 13, und L EUENBERGER , in: ZPO-Komm., Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], 3. Aufl., Zürich Basel Genf 2016, Art. 227 ZPO N 4, jeweils mit Hinweisen auf weitere Autoren). Wird hingegen nach Eintritt der Rechtshängig- keit einer Klage (Art. 62 ZPO) ein Rechtsbegehren in haltlich geändert, so dass mehr, zusätzli- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ches oder anderes verlangt wird (K ILIAS a.a.O. N 7), liegt eine Klageänderung vor, auf wel che nur unter den Voraussetzungen von Art. 227 ZPO einzut reten ist. Nach dieser Bestimmung muss der geänderte Anspruch derselben Verfahrensart un terliegen und entweder mit dem bis- herigen Anspruch in einem sachlichen Zusammenhang ste hen oder die Zustimmung der Ge- genpartei vorliegen. Ob im vorliegenden Fall, wie d ie Klägerinnen behaupten, nur eine voraus- setzungslose Verdeutlichung des Rechtsbegehrens nach Ziffe r 2 in der Klage und Replik vor- genommen wurde oder eher – nach der Meinung der Bekla gten – eine Klageänderung vorliegt, kann letztlich offen bleiben. Die Beklagte widersetzt sich der Änderung zwar. Die Ergänzung des beantragten Verbots durch den Passus, wonach der Beklagten gerichtlich untersagt werden soll, das fragliche Kennzeichen zusätzlich auch für sich selbst sowie gemäss Klagebegehren für ihr Unternehmen bzw. für das von ihr betriebene Geschäft zu verwenden, steht jedoch offen- sichtlich in einem sachlichen Zusammenhang mit dem vorlieg enden Streitgegenstand. Ebenso ist das ergänzte Rechtsbegehren in derselben Verfahrensart zu beurteilen. Unabhängig davon, ob also eine Verdeutlichung oder Klagänderung vorliegt , ist die Anpassung des klägerischen Rechtsbegehrens zuzulassen, weil die Voraussetzungen nach Art. 227 Abs. 1 ZPO ohnehin erfüllt sind. 1.9 Zum Antrag der Beklagten, auf das Rechtsbegehren unt er Ziffer 2 der Klage, ergänzt in der Replik, sei nicht einzutreten, weil dieses zu unbe stimmt formuliert worden sei, ist zunächst zu bemerken, dass das geistige Eigentum der Beklagten an der Marke „ACCROMA“, welche im Markenregister unter der Nr. 706800 in den Klassen 9, 20 und 37 eingetragen ist, von den Klä- gerinnen als anerkannt gilt. Insofern ist der Beklagte n zuzustimmen, dass es ihr grundsätzlich frei steht, ihre Marke im Rahmen der eingetragenen Wa ren und Dienstleistungen zu gebrau- chen. Im Weiteren ist den Parteien beizupflichten, da ss eine Abgrenzung zwischen dem fir- menmässigen und markenmässigen Gebrauch von Kennzeichen m it Schwierigkeiten verbun- den sein kann (HILTI , Schweizerisches Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht [SIWR], Bd. III/2, David/von Büren [Hrsg.], 2. Aufl., Basel 2005, S. 65). Allein aus diesem Umstand den Klägerin- nen ihren Rechtsschutz mit der Begründung der mangelnden Bestimmtheit zu versagen und auf das Rechtsbegehren gemäss Ziffer 2 der Replik nicht ein zutreten, ginge indessen nach Ansicht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, zu weit. Das Rechtsbegehren muss so bestimmt sein, dass es bei Gutheissung der Klage zum Dispositiv gemacht und ohne weitere Verdeutlichung vollstreckt werden kann (L EUENBERGER , in: ZPO-Komm., Sutter-Somm/Hasen- böhler/Leuenberger [Hrsg.], 3. Aufl., Zürich Basel Ge nf 2016, Art. 221 ZPO N 28 mit Hinweis auf Urteil des Schweizerisches Bundesgerichtes [BGer] 5A_3 6/2009). Ein bestimmtes Rechts- begehren ist sodann auch erforderlich, weil die Gegenp artei zur Wahrung ihres rechtlichen Ge- hörs wissen muss, gegen was sie sich zu verteidigen hat. Zud em darf das Gericht nach dem Dispositionsgrundsatz nicht mehr und nichts anderes zuspreche n, als eingeklagt wurde, wes- halb der Bestimmtheitsgrundsatz auch diesbezüglich zu be achten ist (L EUENBERGER a.a.O. N 29). Ist den Prozessparteien klar, wie sich der Strei tgegenstand in tatsächlicher und rechtli- cher Hinsicht gestaltet und beziehen sich die Rechtsbegehr en unmissverständlich auf diesen Streitgegenstand, hat ein angerufenes Gericht darüber stets materiell zu befinden. Die beklagte Partei kann in einem solchen Fall den klägerischen Beg ehren und Begründungen ihren Stand- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht punkt zur Verteidigung angemessen entgegenhalten. Im Weiteren steht der Streitgegenstand in der Disposition der Parteien, so dass auf eine Klage bzw. auf ein Rechtsbegehren einzutreten ist, es sei denn, die Vollstreckbarkeit sei von vornhere in offensichtlich zum Scheitern verurteilt. Bei einer Unterlassungsklage nach Art. 956 Abs. 2 OR kann bei unbefugtem Gebrauch nicht nur die Löschung einer Firma im Handelsregister verlang t werden, sondern auch jede weitere Führung der Firma untersagt werden. Wer aufgrund der an der Priorität der Eintragung im schweizerischen Handelsregister anknüpfenden Ausschliesslichkeit im Gebrauch Firmenrechts- schutz beanspruchen kann, hat gemäss Bundesgericht branche nübergreifend gegenüber jeder Partei, welche einen gleichen oder verwechselbaren Fi rmenwortlaut im geschäftlichen Leben verwendet, einen absoluten Abwehranspruch (A LTENPOHL , in: BSK-OR II, Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], 5. Aufl., Basel 2016, Art. 951 OR N 1 und 11 sowie Art. 956 OR N 7). Daraus ergibt sich hinsichtlich dem Erfordernis der Bestimmtheit eines Rechts begehrens nach Ansicht des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, d ass eine gewisse Verallgemeinerung zu- lässig sein muss, zumal – abgesehen von beispielsweise ein er firmenmässigen Verwendung eines Domain-Namens – nicht jede firmenrechtliche Verlet zung abstrakt benannt und um- schrieben werden kann. Will man einer Klage gestützt au f Art. 956 Abs. 2 OR und somit einem griffigen firmenrechtlichen Abwehrmittel zum Durchbru ch verhelfen, verbietet es sich, von einer Klagpartei detaillierte Rechtsbegehren im Sinne eines Katalogs mit jeder nur denkbaren Verlet- zung im Gebrauch zu verlangen. Dass dabei für die Vollst reckung unter Umständen Unsicher- heiten bestehen, darf im Erkenntnisverfahren nicht zu einem Nichteintreten auf die Klage über die Beurteilung des Bestandes eines Unterlassungsanspruchs führen. Die Frage der Vollstreck- barkeit eines Entscheids liegt beim zuständigen zivilen V ollstreckungsrichter bzw. der Vollstre- ckungsbehörde oder soweit es um eine erfolgreiche Durchset zung geht, gar beim Strafrichter, wenn die Klage mit einer Androhung nach Art. 292 StGB im Nichtbefolgungsfalle verknüpft wur- de. Das Risiko der mangelnden Vollstreckbarkeit eines Entsch eids hat im Rahmen der Disposi- tionsmaxime letztlich die Klagpartei zu tragen. Zumal d ie seitens der Klägerinnen formulierten Begehren nach dem Gesagten nicht als offensichtlich unvol lstreckbar einzustufen sind, ist auf die genannten Klagebegehren gemäss Replik vom 5. Novembe r 2018 uneingeschränkt einzu- treten. 2. Die Klägerinnen begründen ihren Unterlassungsanspruch im Hauptstandpunkt folgender- massen: Gemäss Art. 951 Abs. 2 OR müssten sich Firmen von A ktiengesellschaften von jeder in der Schweiz bereits eingetragenen Firma einer Aktien gesellschaft, Gesellschaft mit be- schränkter Haftung oder Genossenschaft deutlich unterscheide n, ansonsten der Inhaber der älteren Firma wegen Verwechslungsgefahr auf Unterlassun g des Gebrauchs der jüngeren Fir- ma klagen könne. Da eine Aktiengesellschaft in der Bild ung ihrer Firma frei sei, seien an deren Unterscheidbarkeit strenge Anforderungen zu stellen. No ch strenger seien die Anforderungen, wenn eine geographische Nähe zwischen den Unternehmen be stehe. Die Firma der Beklagten sei deutlich jünger als diejenigen der Klägerinnen. Be i der Beklagten handle es um eine Aktien- gesellschaft, die in unmittelbarer Nähe zu den Klägerinnen domiziliert sei. Demzufolge seien an die Unterscheidbarkeit besonders strenge Anforderungen zu stellen. Die jüngere Firma der Be- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht klagten erzeuge aufgrund ihres mit demjenigen der kläg erischen Firmen fast identischen Fir- menkerns "accroma" beim Publikum zweifelsohne den gleiche n Gesamteindruck wie die priori- tären Firmen der Klägerinnen. Es bestehe demnach eine Verwechslungsgefahr. Prägender Be- standteil der klägerischen Firmen sei das Wort "Archroma" . Bei diesem handle es sich um eine nur schon durch ihren Klang auffallende Fantasiebezeich nung bzw. ein Kunstwort, der bzw. dem keine generische Bedeutung beigemessen werden könne. Dieses Element sei als starker Firmenbestandteil einzustufen. Demgegenüber seien die Zusätze "GmbH" und "Management", "IP" bzw., "Consulting Switzerland" für jedermann erke nnbar reine Rechtsform- bzw. Sachbe- schreibungen, die auf den Zweck bzw. das Tätigkeitsgebiet d er jeweiligen Gesellschaften hin- weisen würden. Als schwache und wenig kennzeichnungskräftig e Firmenbestandteile würden diese den Gesamteindruck nicht entscheidend prägen. Der k ennzeichnungskräftige, prägende Bestandteil der Firma der Beklagten sei das Element "accroma". In phonetischer Hinsicht sei es quasi-identisch zum Firmenkern der Klägerinnen, da sich di e aus dem im Vergleich zu "Archroma" fehlenden "r" und "h" bei der beklagtischen Firma ergebenden Unterschiede kaum wahrnehmen lassen würden, wenn man die Firmennamen a usspreche. Auch das Schriftbild sei äusserst ähnlich, zumal die Unterschiede in der Schreibwe ise so minim seien, dass sie zwei- felsohne nicht im Gedächtnis haften bleiben würden. Daz u komme, dass es sich auch bei "accroma" um eine Fantasiebezeichnung handle, der kein e rkennbarer Sinn beigemessen wer- den könne, sich das Element deshalb auch nicht durch eine n abweichenden Sinngehalt vom Bestandteil "Archroma" in den klägerischen Firmen untersc heide. Bei den anderen Elementen der Firma der Beklagten handle es sich um schwache Firmenb estandteile, bestehend aus der Rechtsformbezeichnung und einer Sachbeschreibung. Das Element "labtec" werde ohne weite- res und ohne besondere Denkarbeit als Hinweis auf Labort echnik bzw. als Abwandlung dieses Wortes erkannt und damit verstanden als generischer Hinw eis auf den Zweck bzw. das Tätig- keitsgebiet der Beklagten, welches in der Entwicklung, Pr oduktion und den Vertrieb von Labor- automationssystemen liege. Als Sachbezeichnung und Recht sformzusatz stellten diese beiden Elemente auch bei der Beklagten schwache und somit weni g kennzeichnungskräftige Firmen- bestandteile dar. 3. Die Beklagte bestreitet eine Verwechslungsgefahr zwischen d en involvierten Firmen mit der Begründung, dass sich zunächst die Firmen der Klägerinnen 1 und 3 in der Wortlänge deut- lich voneinander unterscheiden würden. Eine Übereinstimmung der Firmen der Klägerinnen und der Beklagten im jeweils ersten Wort bestehe lediglich in Bezug auf die Buchstaben „A“, „C“ sowie das am Wortende stehende Element „roma“. Auf den Anfangsbuchstaben „A“ schliesse sich sodann die visuell stark unterschiedliche Konsonantenfol ge „RCHR“ bzw. „CCR“ an. Eine Ähnlichkeit zwischen „Management“ bzw. „IP“ oder „Consul ting Switzerland“ zu „labtec“ bestehe nicht. Auch der Wortklang der Erstwörter der betreffen den Firmen sei in der Aussprache nicht derselbe. Insgesamt würden daher die Unterschiede die Ge meinsamkeiten bei Weitem über- wiegen. Bis auf wenige, nicht massgebliche Gemeinsamkei ten werde der Gesamteindruck durch die sehr unterschiedliche Länge, die völlige Ander sartigkeit der Zweitwörter sowie die auffälligen Unterschiede im Mittelteil der Erstwörte r bestimmt. Die Konsonanten „CH“ im Erst- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht wort der klägerischen Firmen würden auf Deutsch gleich ausgesprochen wie im Wort „Arche“ (sog. starker Reibelaut); „Management“ werde dagegen u nschwer als englisches Wort erkannt und auch so ausgesprochen „Mänätschment“). Demgegenüber werde beim Erstwort der be- klagtischen Firma die Konsonanten „CC“ auf Deutsch als h artes „G“ ausgesprochen; „labtec“ dürfte wiederum als von der englischen Sprache geprägt es Wort erkannt und entsprechend ausgesprochen werden („Läbtegg“). Nicht nur die Zwei twörter insgesamt, sondern auch die An- fänge der Erstwörter würden daher überaus unterschied lich ausgesprochen: „ARCH“ bzw. „AGG“. Im Weiteren würden sich die Bezeichnungen auch vo n der Anzahl Silben deutlich von- einander abheben. Vom Sinngehalt her würden sich weit ere Unterscheidungsmerkmale erge- ben. So würden die Klägerinnen in ihrer Gründungs-Pr essemitteilung das Wort „Archroma“ da- hingehend beschreiben, dass sich dieses aus den Elemente n „arch“ und „chroma“ zusammen- setze. Der Sinngehalt beider Elemente sei für das durchs chnittliche Publikum, welches an den Dienstleistungen der Klägerinnen interessiert sei, gut erkennbar: Das erste Wort sei ein engli- sches und steht für „Bogen“ oder „Krümmung“, während da s zweite der griechischen Sprache entstamme und mit „Farbe“ übersetzt werde. In Bezug au f die Tätigkeit der Klägerinnen, welche gemäss der genannten Pressemitteilung eine „global colo r and specialty chemicals company“ sei, handle es sich um einen beschreibenden Sinngehalt. Dieser Sinngehalt widerspiegle sich im Erstwort der beklagtischen Firma in keiner Weise: Hie r dominiere das Element „ACC“, wel- ches einen gut erkennbaren Hinweis auf das lateinische Wo rt „accuratus“ oder das englische Wort „accuracy“ d.h. Genauigkeit darstelle. Dieser Hinwei s finde sich im Übrigen auch auf der Homepage der Beklagten. Das Zweitwort „labtec“ in der beklagtischen Firma deute zwar eine Verbindung der Wörter „Labor“ und „Technik“ an, was ab er ohne besondere Gedankenarbeit und ohne Fantasieaufwand des Betrachters nicht erkennbar sei. Es liege demnach bei diesem Zusatz keine reine Sachbezeichnung vor. Zumal die Parte ien zueinander weder in einem Wett- bewerbsverhältnis stehen würden, sich an unterschiedliche K undenkreise wenden würden und auch in geographischer Hinsicht keine besondere Nähe auszu machen sei, seien die Anforde- rungen an die Unterscheidbarkeit nicht besonders streng zu handhaben. Sowohl die Klägerin- nen als auch die Beklagte würden sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen an ein Fach- publikum in spezialisierten Märkten wenden. Die betreff enden Fachleute seien überdurch- schnittlich aufmerksam, so dass diese die Firmen auch im Erinnerungsbild auseinanderzuhalten vermöchten. Bei sämtlichen betroffenen Firmen handle e s sich um durchschnittlich kennzeich- nungskräftige Zeichen. Bei korrekter Betrachtungsweise de r Zeichen in ihrer Gesamtheit sei festzustellen, dass sie einen genügenden Abstand aufweisen würden, um sowohl eine unmittel- bare als auch eine mittelbare Verwechslungsgefahr auszusc hliessen, was zur Abweisung der Klage führen müsse. 4.1 Gemäss konstanter bundesgerichtliche Rechtsprechung gilt es für die Beurteilung eines firmenrechtlichen Anspruchs auf Ausschliesslichkeit eingetra gener Firmen von Handelsgesell- schaften, worunter sowohl Aktiengesellschaften und als auch Gesellschaften mit beschränkter Haftung fallen (Art. 552 ff. OR), sowie für die klag eweise Durchsetzung dieses Anspruchs nach Art. 956 Abs. 2 OR bestimmte Kriterien zu beachten. D ie Firma einer Aktiengesellschaft, wie Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht diejenige der Beklagten, hat sich von allen in der Schweiz bereits früher im Handelsregister ein- getragenen Firmen von Gesellschaften, wie denjenigen i n der Rechtsform der Klägerinnen als Gesellschaften mit beschränkter Haftung, deutlich zu unterscheiden, ansonsten die Klägerinnen mit älterer Firma gegen die Beklagte wegen Verwechslun gsgefahr auf Unterlassung des Ge- brauchs deren jüngeren Firma klagen kann. Der Begriff der Verwechslungsgefahr ist sodann für das gesamte Kennzeichenrecht einheitlich zu umschreiben. Die Aktiengesellschaften können im Gegensatz zu den Personengesellschaften ihre Firma grun dsätzlich frei wählen, weshalb das Bundesgericht nach seiner Rechtsprechung an deren Unterschei dungskraft im Allgemeinen strenge Anforderungen stellt. Das Bundesgericht schützt in ständiger Rechtsprechung Firmen auch gegenüber Unternehmen, die in einer anderen Ge schäftsbranche tätig sind. Allerdings sind die Anforderungen an die Unterscheidbarkeit der Fi rmen strenger, wenn zwei Unterneh- men aufgrund der statutarischen Bestimmungen miteinande r im Wettbewerb stehen können oder sich aus einem anderen Grund an die gleichen Kundenkreise wenden. Entsprechendes gilt bei geographischer Nähe der Unternehmen. Ob sich zwei F irmen hinreichend deutlich vonei- nander unterscheiden, ist aufgrund des Gesamteindrucks zu pr üfen, den sie beim Publikum hinterlassen. Die Firmen müssen nicht nur bei gleichzeiti gem aufmerksamem Vergleich unter- scheidbar sein, sondern auch in der Erinnerung auseina ndergehalten werden können. Im Ge- dächtnis bleiben namentlich Firmenbestandteile haften , die durch ihren Klang oder ihren Sinn hervorstechen; solche Bestandteile haben daher für die Beurteilung des Gesamteindrucks einer Firma erhöhte Bedeutung. Dies trifft insbesondere fü r reine Fantasiebezeichnungen zu, die in der Regel eine stark prägende Kraft haben. Umgekehrt verhält es sich bei gemeinfreien Sach- bezeichnungen. Die Gefahr der Verwechslung besteht, wenn die Firma eines Unternehmens für die eines anderen gehalten werden kann (sog. unmittelb are Verwechslungsgefahr) oder wenn bei Aussenstehenden der unzutreffende Eindruck entsteht, die Unternehmen seien wirtschaft- lich oder rechtlich verbunden ([sog. mittelbare Verwech slungsgefahr]; BGer 4A_83/2018 E. 3.1 mit Hinweis auf zahlreiche publizierte und nicht publi zierte Entscheide, wie etwa BGE 131 III 572 E. 3 und 4.4; 129 III 353 E. 3.3; 128 III 401 E. 5; 122 III 369 III E. 1; zu den Begriffen: ALTENPOHL , in: BSK-OR II, Honsell/Vogt/ Watter [Hrsg.], 5. Auf l., Basel 2016, Art. 951 OR N 5). Es genügt somit, dass Verwechslungen wahrscheinlich eintret en könnten, ohne dass konkret ein Nachweis bereits erfolgter Verwechslungen erbracht werden müsste (A LTENPOHL a.a.O). Für die Abgrenzung von Kennzeichen mit reinen Sachbez eichnungen, welche tendenziell für die Unterscheidbarkeit als schwach angesehen werden, von de n kennzeichenstarken Unter- scheidungsmerkmalen einer Firma ist gemäss der in der Lite ratur vertretenen Ansicht, welcher auch das Bundesgericht folgt, somit entscheidend, ob ein Begriff als reine Sachbezeichnung die Tätigkeit des Unternehmens oder das Rechtssubjekt als sol ches umschreibt. Weckt ein Begriff Gedankenassoziationen oder enthält er Anspielungen, die nur entfernt auf die Unternehmenstä- tigkeit hinweisen, liegt keine (reine) Sachbezeichnung im firmenrechtlichen Sinn vor. Von einer solchen ist analog zum Markenrecht aber dann auszugehen, we nn der beschreibende Charak- ter solcher Begriffe vom angesprochenen Publikum ohne besondere Denkarbeit und ohne Fan- tasieaufwand unmittelbar erkennbar ist (A LTENPOHL , in: BSK-OR II, Honsell/ Vogt/Watter [Hrsg.], 5. Aufl., Basel 2016, Art. 944 OR N 13; H ILTI , in: Schweizerisches Immaterialgüter- und Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wettbewerbsrecht [SIWR], Bd. III/2, David/von Büren [Hr sg.], 2. Aufl., Basel 2005, S. 21; BGer 4A_123/2015 E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 131 III E. 5; 129 III 225 E. 5.1 und 128 III 447 E. 15, je mit weiteren Hinweisen). Die Frage des Vorl iegens einer Verwechslungsgefahr, soweit es auf das allgemeine Publikum ankommt, stellt eine Re chtsfrage dar. Geht es hingegen um das Verständnis des Fachpublikums, stellen sich demgegen über bei der Frage nach der Verwechslungsgefahr Sachfragen, die beweisfähig und b eweisbedürftig sind (A LTENPOHL , in: BSK-OR II, Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], 5. Aufl., Basel 2016, Art. 951 OR N 5; gemäss WIDMER , in: sic!, Zeitschrift für Immaterialgüter-, Informatio ns- und Wettbewerbsrecht, 2009/Heft 1, S. 5, Umkehrschluss aus BGer 4C.199/2003). 4.2 Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, konstatiert, dass aus den zahl- reich ergangenen Bundesgerichtsentscheiden bei Firmen , die aus mehreren oder zusammen- gesetzten Elementen bestehen, zur Gewichtung der einz elnen Bestandteile als kennzeich- nungsschwach oder –stark, d.h. ob rein sachliche Bezeichnu ngen vorliegen, welche ohne be- sondere Denkarbeit und ohne Fantasieaufwand sofort erke nnbar sind oder nicht, durchaus be- stimmte Tendenzen erkennbar sind. Ob eine reine Sachbe zeichnung besteht oder lediglich Ge- dankenassoziationen geweckt bzw. begrifflich Anspielungen m it nur entferntem Bezug zur Tä- tigkeit des betreffenden Unternehmens gemacht werden, i st jedoch auch nach der höchstrich- terlichen Rechtsprechung stets im konkreten Einzelfall anhan d der unter Ziffer 4.1 genannten Kriterien zu entscheiden. Nach der firmenrechtlichen P raxis wird eine Verwechslungsgefahr vor allem dann bejaht, wenn die streitigen, prägenden Ke nnzeichen identisch oder beinahe iden- tisch sind (vgl. illustrativ und ausführlich zur bundesger ichtlichen Kasuistik S IFFERT , in: Berner Kommentar, Obligationenrecht, Die Geschäftsfirmen, A ebi-Müller/Müller [Hrsg.], Bern 2017, Art. 951 OR S. 81 ff.). Abgesehen davon, dass an die F irmen bei Gesellschaften, die zueinan- der im Wettbewerb stehen oder am selben Ort bzw. in u nmittelbarer Nähe domiziliert sind, be- sonders strenge Anforderungen an die Unterscheidbarkeit zu stellen sind, sind die weiteren Kriterien (Klang, Schriftbild und Sinngebung) für d ie Gewichtung untereinander gleichwertig. Das grafisch gestaltete Schriftbild einer Firma, wie es häufig im geschäftlichen Verkehr verwen- det wird, ist zudem firmenrechtlich unbeachtlich (BGer 4A_45/2012 E. 5.1 mit Hinweis auf ALTENPOHL , in: BSK-OR II, Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], 5. Auf l., Basel 2016, Art. 951 OR N 1). Wie bereits erwähnt, beurteilt sich die Frage, ob Ver wechslungen wahrscheinlich eintreten, nach der Aufmerksamkeit der Personen, die mit den Gesel lschaften in Kontakt treten (BGE 118 II 322 E. 1 „Fertrans AG / Ferosped AG“). Reine Sachbezeichnungen gelten dabei als nicht prägend. Handelt es sich um ein Unternehmen, das mit ei nem breiten, oft unachtsamen Publi- kum der Konsumenten verkehrt, so müssen an die Unterschei dbarkeit höhere Anforderungen gestellt werden, als wenn es sich um ein Geschäft handelt , das nur mit spezialisierten Zwi- schenhändlern in Geschäftskontakt steht. Insofern geniessen Firmen von publikumsnahen Branchen grundsätzlich einen etwas weiteren, Firmen von Spezialbranchen einen etwas enge- ren Firmenschutz (H ILTI , in: Schweizerisches Immaterialgüter- und Wettbewerbsrec ht [SIWR], Bd. III/2, David/von Büren [Hrsg.], 2. Aufl., Basel 20 05, S. 83). Der Firmenschutz soll nämlich nicht jede entfernte Verwechslungsgefahr verhindern, sond ern nur solche, denen der durch- schnittliche Firmenadressat mit einer gewissen Wahrscheinli chkeit unterliegt. Schliesslich ist Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die Bildung n euer Bezeichnungen durch die wachsende Zahl von Firmen immer schwieriger wird. In de r Praxis wird älteren Firmen deshalb tendenziell immer weniger erlaubt, bestimmte Firmenbestandteile zu monopolisieren; unter Um- ständen haben sie deren Benutzung auch durch später gegr ündete Firmen zu tolerieren (ALTENPOHL , in: BSK-OR II, Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], 5. Auf l., Basel 2016, Art. 951 OR N 12 mit Hinweisen; insbesondere auf BGE 122 II 369 E. 2c „S MP Management Programm St. Gallen AG / MZSG Management Zentrum St. Gallen“). 4.3.1 Vorab sei die Ausgangslage in sachverhaltlicher Hinsicht im vorliegend zu beurteilenden Fall in Erinnerung gerufen: Die Klägerinnen, Archrom a Management GmbH (Klägerin 1), Archroma IP GmbH (Klägerin 2 ) und Archroma Consutlin g Switzerland GmbH (Klägerin 3) kla- gen gestützt auf Art. 956 OR gegen die accroma labtec AG ihren firmenrechtlichen Ausschliess- lichkeitsanspruch im Sinne von Art. 951 OR ein. Aus dem Handelsregisterauszug ergibt sich, dass die drei klägerischen Gesellschaften am 2. bzw. 3. Apri l 2013 gegründet und eingetragen wurden und alle ihren Sitz in Reinach BL haben (Klag beilagen 1-3). Die Beklagte mit Sitz in Muttenz BL firmierte gemäss Handelsregistereintrag bis zur strittigen Änderung auf „accroma labtec AG“ (im Handelsregister des Kantons Basel-Landschaf t am 11. August 2017 eingetra- gen) zuvor unter „RPD TOOL Technologies GmbH“. Nicht best ritten ist und aus den Akten ergibt sich im Weiteren, dass die accroma labtec AG am 23. August 2017 die Marke „accroma“ beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) eintragen liess mit erster Veröffent- lichung am 1. September 2017 und dass gegen diese Eintr agung kein Widerspruch erhoben worden ist. Eingetragen ist die genannte Marke für die Klassen 9, 20 und 37 (Beilage 1 zur Klagantwort). Abzustellen ist auf den Gesamteindruck der kollidierenden Firmen „Archroma Management GmbH“, „Archroma IP GmbH“ und „Archroma Co nsutling Switzerland GmbH“ ei- nerseits und „accroma labtec AG“ andererseits, wobei die Erstgenannten allesamt altersprioritär sind, zumal sie deutlich früher im Handelsregister eingetragen wurden. 4.3.2 Alle diese streitigen Firmen beginnen mit dem Buchsta ben „A“, gefolgt von den Silben „RCH“ bzw. „CC“ und enden mit der Buchstabenfolge „RO MA“. Weitere Kennzeichenbestand- teile sind nebst dem jeweiligen Rechtsformzusatz (GmbH bzw. AG) die Elemente „Manage- ment“ bei der Klägerin 1, „IP“ bei der Klägerin 2, „Consulting Switzerland“ bei der Klägerin 3 und „labtec“ bei der Beklagten. Dass die Zusätze bei den Kläg erinnen allesamt Sachbezeichnungen darstellen, welche auf deren Geschäftstätigkeiten entsprechend dem jeweils im Handelsregister aufgeführten Zweck hinweisen, kann einfach und ohne gr osse Denkarbeit bzw. Fantasieauf- wand erkannt werden. Der Zusatz „Management“ korrespondi ert mit der Umschreibung des Hauptzwecks der Klägerin 1, welcher gemäss Handelsregisterei ntrag wie folgt lautet: „Erbrin- gung von Management-Dienstleistungen, insbesondere di e Beratung administrativer, finanziel- ler, rechtlicher, technischer und wirtschaftlicher Art, sowie der Vertrieb von chemischen, bio- technologischen und verwandten Produkten.“ „IP“, erkennbar als Akronym für „intellectual pro- perty“, lässt sich mit dem Hauptzweck der Klägerin 2 in Ve rbindung bringen, wie er dem Han- delsregister entnommen werden kann: „der Erwerb, die Verwaltung und die Veräusserung von Beteiligungen an Unternehmen und von Immaterialgüterrechten im Chemiesektor.“ Bei „Consul- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht ting Switzerland“ der Klägerin 3 erscheint ebenso unm issverständlich, welche Dienstleistung schweizweit angeboten wird bzw. dass dadurch deren Hauptzweck gemäss Handelsregisterein- trag firmenmässig hervorgehoben wird: “Erbringung von Dienstleistungen, insbesondere auch von Beratungen im Zusammenhang mit der Herstellung u nd dem Verkauf von chemischen und verwandten Produkten.“ In der Firma der Beklagten ist nebst dem Element „accrom a“ mit „labtec“ zwar ein Zusatz enthalten, den es als Wort wede r in der deutschen noch in der engli- schen Sprache gibt und insofern eine Wortschöpfung mit F antasie-Elementen darstellt. Ob da- bei ohne weiteres eine gedankliche Verbindung zur Geschä ftstätigkeit ermöglicht wird, ohne dass sich das Publikum, ob allgemeiner Art oder fachmänni sch, der Fantasie bedienen müsste, ist nach Ansicht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abte ilung Zivilrecht, diskutabel. Entge- gen den Ausführungen der Beklagten liegt der Bezug zu deren Geschäftstätigkeit indessen hin- reichend nahe mit einer Umschreibung, die auf die Zusam mensetzung der Wörter „Labor“ und „Technik“ schliessen lässt. Der Hauptzweck der Beklagten gem äss Handelsregister liegt denn auch in der „ Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Laborautom ationssystemen.“ Den Klägerinnen ist deshalb beizupflichten, dass die genannten Zusätze sowohl bei den Klägerinnen als auch bei der Beklagten als schwach und wenig kennzei chnungskräftige Firmenbestandteile den Gesamteindruck nicht entscheidend prägen und somit für die Beurteilung einer Verwechs- lungsgefahr von untergeordneter Bedeutung sind. Selbst wenn der Zusatz in der Firma der Be- klagten „labtec“ nicht als reine Sachbezeichnung im Sinn e der zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung interpretiert würde, würde dies am Ausg ang des Verfahrens, wie nachstehend aufgezeigt wird, nichts ändern. 4.3.3 Für die Beurteilung einer allfälligen firmenrechtli chen Kollision stehen sich nach den vor- stehenden Erwägungen demnach die Elemente „Archroma“ u nd „accroma“ gegenüber. Unbe- stritten ist unter den Parteien, dass es sich bei den Kl ägerinnen einerseits und der Beklagten andererseits nicht um Konkurrentinnen handelt, welche in derselben Branche miteinander im Wettbewerb stehen. Eine besondere Strenge beim Massstab der Unterscheidbarkeit rechtfertigt sich aus diesem Grunde demnach nicht. Der Argumentation der Klägerinnen, wonach beson- ders hohe Anforderungen gestellt werden müssten, weil die Parteien ihre Sitze mit Reinach BL und Muttenz BL örtlich nahe beieinander hätten, kann sich das Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, zudem nicht anschliessen . Die beiden Orte liegen zwar in der Agglomeration Basel im selben Kanton nur ungefähr 10 km voneinander entfernt, befinden sich jedoch auf unterschiedlichen Verkehrsachsen. Reinach BL w ird von Basel aus südlich in Rich- tung Laufental über die Autobahn H18 erreicht, währe nd Muttenz BL an die Hauptverkehrsach- se A3 in Richtung Zürich bzw. Bern angebunden ist und süd östlich von Basel liegt. Eine beson- dere geographische Nähe zwischen den beiden Ortschaften im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, welche die Verwechslungsgefahr erhöhen würde, liegt also nicht vor. Hinzu kommt, dass sowohl die Klägerinnen als auch die Beklagte gemäss übereinstimmenden Anga- ben der Parteien international tätige Unternehmen si nd, so dass die geographische Lage ihres Sitzes unter firmenkollisionsrechtlichen Gesichtspunkten v on untergeordneter Bedeutung er- scheint, es sei denn die Gesellschaften hätten ihre Domi zile am selben Ort. Der Kontakt des Publikums zu global aktiven Unternehmen wird heutzutag e vornehmlich auf elektronischem Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Weg, sei es über Internetplattformen, Email-Verkehr od er digitaler Telefonie bzw. Videoverbin- dung hergestellt. Die Kontaktnahme zwischen Anbieter un d Kundschaft im geschäftlichen Um- gang ist somit grösstenteils standortunabhängig. Aus diesem Grunde rechtfertigt es sich nach Ansicht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Z ivilrecht, bei international agieren- den Gesellschaften nicht, für die Ausschliesslichkeit unter firmenrechtlichen Gesichtspunkten aus deren Standort bzw. einer geographischen Nähe einen strengeren Massstab abzuleiten. 4.3.4 Ob Verwechslungen wahrscheinlich eintreten, beurteilt sich nach der Aufmerksamkeit der Personen, die mit den Gesellschaften in Kontakt treten. Welcher Personenkreis mit den betref- fenden Gesellschaften in Kontakt tritt, stellt für Kla gen nach Art. 756 Abs. 2 OR sowohl Klag- fundament als auch Beweisthema dar, soweit es um eine allfällige Verwechslungsgefahr und das Verständnis beim Fachpublikum geht (A LTENPOHL , in: BSK-OR II, Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], 5. Aufl., Basel 2016, Art. 951 OR N 5; gemäss WIDMER , in: sic!, Zeitschrift für Immateri- algüter-, Informations- und Wettbewerbsrecht, 2009/He ft 1, S. 5, Umkehrschluss aus BGer 4C.199/2003).). Die Klägerinnen halten in ihrer Klage nicht auseinander, welchem Publikum die Parteien gegenübertreten, sondern stellen pauschal fe st, es komme auf den Gesamteindruck an, den die konfligierenden Firmen beim Publikum hin terlassen würden (Klage vom 28. Mai 2018 Rz 24). Demgegenüber behauptet die Beklagte in ihrer Klageantwort vom 1. Oktober 2018 (Rz 25, 30 und 34) mit guten Gründen, dass sich sowohl d ie Klägerinnen als auch die Beklagte in spezialisierten Märkten bewegen, was sich ohne weitere s aus ihren im Handelsregister ein- getragenen Zweckverfolgungen schliessen lässt. Das in dies en Märkten angesprochene Publi- kum setzt sich deshalb in der Tat aus mehrheitlich fachkundi gen Personen mit überdurch- schnittlicher Aufmerksamkeit zusammen. Die Klägerinnen best reiten die Ausführungen der Be- klagten in ihrer Replik nicht. Aufgrund der im vorlieg enden Verfahren geltenden Verhandlungs- maxime, hat das entscheidende Gericht die Möglichkeit von Verwechslungen der involvierten Firmen nicht aufgrund des Verständnisses und des Erinneru ngsvermögens beim allgemeinen Publikum der Konsumentinnen und Konsumenten, sondern aufgrund der erhöhten Aufmerk- samkeit beim Fachpublikum zu beurteilen. Da die Klägeri nnen sich zu dieser Frage nicht äus- sern und somit auch keine entsprechenden Tatsachenbehaup tungen aufstellen, fehlt es der Klage streng genommen an der erforderlichen Substanz (Entscheid des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abt. Zivilrecht, 400 16 43 E. 3 mit zahlreichen Hinweisen). 4.3.5 Auch wenn über die Frage der Verwechslungsgefahr aus der Warte eines weniger fach- kundigen und somit tendenziell weniger aufmerksamen Publikums aufgrund der Gesamtbeurtei- lung zu entscheiden ist, kommt das Kantonsgericht Basel-L andschaft, Abteilung Zivilrecht, zum Schluss, dass zwischen den klägerischen Firmen und der Firma der Beklagten, was die Unter- scheidbarkeit der kennzeichnungsstarken Firmenelemente an belangt, genügend Abstand be- steht und somit weder eine unmittelbare noch mittelbar e Verwechslungsgefahr auszumachen ist. Zunächst einmal bestehen im Schriftbild Unterschied e. Die Wörter sind nicht nur unter- schiedlich lang, sondern auch von der Schreibweise her m it Gross- und Kleinbuchstaben bei „Archroma“ und „accroma“ einfach auseinanderzuhalten. Gerade die gewählte Orthographie ist im Erinnerungsbild einprägsam und hilft bei der Unte rscheidung. Im Weiteren sind zwar die En- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht dungen mit „roma“ identisch. Die Silbenfolge der erste n 4 bzw. 3 Buchstaben („ARCH“ bzw. „ACC“) unterscheidet sich jedoch vom Schriftbild her und trägt dazu bei, dass auch der Wort- klang der beiden Kennzeichen unterschiedlich ist. Die Kl ägerinnen behaupten zwar, dass die streitgegenständlichen Firmenkerne quasi-identisch seien, da die sich aus dem im Vergleich zu "Archroma" bei „accroma“ fehlenden „R“ und „H“ bei der beklagtischen Firma ergebenden Un- terschiede bei der Aussprache kaum wahrnehmen lassen würd en. Das Kantonsgericht, Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, teilt diese klägerische Ansicht nicht. Wie die Beklagte zutref- fend hervorhebt, wird die Konsonantenfolge „RCH“ in der klägerischen Firma auf Deutsch als sog. starker Reibelaut oder Frikativ (vgl. www.duden.de) ausgesprochen, phonetisch vergleich- bar mit den Wörtern „Arche“, „Architekt“ oder „Archiv“. Demgegenüber folgen bei der beklagti- schen Firma nach dem Vokal „A“ die Konsonanten „CC“, we lche – je nach deutscher Sprach- herkunft (also nach verschiedenen Mundart-Dialekten oder auch auf Hochdeutsch) ausgespro- chen – wie ein hartes „Doppel-G“ oder „K“, also ähnl ich wie beispielsweise „Aggression“ oder allenfalls „Akronym“ klingen. Auch hier ist der Klang som it verschieden und ein phonetischer Unterschied auch vom allgemeinen Publikum durchaus wahrn ehmbar. Zum Sinngehalt von „Archroma“ und „accroma“ lässt sich einleitend festhalten, dass es sich bei beiden Begriffen um solche handelt, die nicht zum sprachlichen Gemeingebrauch gehören. Sie stellen Wortkreatio- nen dar, welche soweit ersichtlich in keiner Sprache exis tieren und somit der Fantasie ihrer Schöpfer entspringen. Die Beklagte beruft sich für die H erleitung von „Archroma“ auf die Grün- dungs-Pressemitteilung, wo erklärt worden sei, dass „arch“ der englischen Sprache entspringe und für Bogen oder Krümmung stehe und „chroma“ mit Fa rbe (aus dem Griechischen) zu über- setzen sei. Daraus will die Beklagte bei „Archroma“ ein Wort von rein beschreibendem Sinn- gehalt abgeleitet wissen. Der Konzern, welchem die Klä gerinnen angehörten, verfolge ja auch das Ziel „a global leader in color“ zu werden. Die Wor tschöpfung „accroma“ sei nach der Silben- folge „acc“ dem lateinischen Adjektiv „accuratus“ angelehn t oder mit dem englischen Wort „accuracy“ in Verbindung zu bringen, gleichbedeutend mit „genau“ bzw. „Genauigkeit“. Auch diese Anknüpfung soll gemäss Meinung der Beklagten offensichtlich sein, zumal darauf auch im Internetauftritt der Beklagten hingewiesen werde. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Zivilrecht, hält dem beklagtischen Standpunkt entge gen, dass die von der Beklagten bei- gemessene Bedeutung weder bei „Archroma“ noch bei „accr oma“ ohne besondere Denkarbeit bzw. ohne Fantasieaufwand unmittelbar erkennbar ist. Be i gegenwärtigem Vergleich und auch in der Erinnerung dieser firmenkollisionsrechtlichen Ker nbereiche liegen die geschilderten Her- leitungen der Wortkreationen für die Adressatinnen und Adressaten, welche zu den betreffen- den Unternehmen in Kontakt stehen, alles andere als auf der Hand. Ebenso wenig ist davon auszugehen, dass dem allgemeinen Publikum eine Pressemi tteilung geläufig ist oder Slogans als Zusätze zu Firmenbezeichnungen, wie sie auf einer Ho mepage aufgeschaltet sind, in Erin- nerung bleiben. Das angesprochene Publikum wird deshalb bei den betreffenden Firmen von Fantasiebegriffen ausgehen, welchen für Aussenstehende keine erkennbare Bedeutung zu- kommt. Obwohl sich die Bezeichnungen vom Sinngehalt he r somit nicht einwandfrei unter- scheiden lassen, wird der erforderliche firmenrechtliche Abstand nach Art. 951 OR durch die jüngere Firma der Beklagten im massgeblichen Kernelement „accroma“ gegenüber den klägeri- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen Bezeichnung „Archroma“ dadurch hergestellt, indem für das allgemeine Publikum im Ge- samteindruck punkto Schriftbild und Wortklang hinreichend e Unterschiede erkennbar sind, so dass eine Verwechslungsgefahr ausgeschlossen werden kann. Daraus folgt, dass Ziffer 1 und 2 der Rechtsbegehren gemäss Klage bzw. Replik, soweit sie si ch auf Firmenrecht abstützen, ab- zuweisen sind. Würde der Zusatz in der Firma der Beklag ten „labtec“ nebst dem Element „ac- croma“ ebenfalls nicht als reine Sachbezeichnung qualifi ziert und somit ebenfalls als kennzei- chenstarkes Element gewichtet, wäre der Abstand noch gr össer und die Verwechslungsgefahr erst recht nicht gegeben, was zum selben Prozessergebnis führen würde. 5. Unter den Parteien besteht Einigkeit darüber, dass gestützt auf Art. 956 Abs. 2 OR gegen jede Art des firmenmässigen Gebrauchs eines mit einer älteren Firma verwechslungsfähigen Zeichens vorgegangen werden kann. Dieser rechtliche Stand punkt ist auch zutreffend. Es ent- spricht der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und der herrschenden Lehre, dass insbeson- dere auch Domain-Namen und deren Verwendung fremde altersprioritäre Kennzeichen und somit auch Firmenrechte verletzen können, sofern eine Verwechslungsgefahr besteht (BURI , in: Schweizerisches Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht [S IWR], Bd. III/2, David/von Büren [Hrsg.], 2. Aufl., Basel 2005, S. 354 ff.). Vorliege nd wird seitens der Klägerinnen geltend ge- macht, die Beklagte verletze ihren Ausschliesslichkeitsans pruch, indem diese die Websites un- ter den Bezeichnungen „www.accroma.ch“ bzw. „www.accroma.co m“ führe. Es wird deshalb beantragt, der Beklagten den firmenmässigen Gebrauch di eser Domain-Namen richterlich zu untersagen. Wie bereits unter Ziffer 4.3.1 ff. der v orstehenden Erwägungen ausgeführt, besteht zwischen den Bezeichnungen „Archroma“ und „accroma“ jedoch keine Verwechslungsgefahr. Es ist zudem davon auszugehen, dass den Internetbenützern a llgemein bekannt ist, dass jede Abweichung zwischen zwei Domain-Namen zu anderen Websites führen kann, so dass sie Domain-Namen aufmerksamer begegnen als herkömmlichen Zeichen und deshalb geringe Zei- chenunterschiede beachten (BURI , in: Schweizerisches Immaterialgüter- und Wettbewerbsre cht [SIWR], Bd. III/2, David/von Büren [Hrsg.], 2. Aufl., Basel 2005, S. 359). Zumal die Verwechsel- barkeit anhand der Aufmerksamkeit zu beurteilen ist, wi e sie unter normalen Verhältnissen üb- lich ist, bedeutet dies für den vorliegenden Fall im E rgebnis, dass die Klage auch in diesem Punkt abzuweisen ist. 6. Die Klägerinnen stützen ihre Klage zudem auf Art. 29 ZGB ab, welcher den Namens- schutz regelt. Da jedoch bei einer Namensanmassung, wie di e Klägerinnen in rechtlicher Hin- sicht zutreffend ausführen, Rechtsschutz nur in Anspruch genommen werden kann, sofern die Verwendung des Namens zu einer Verwechslungsgefahr hi nsichtlich der fraglichen Zeichen respektive Zeichenträger führt, erübrigen sich weitere E rwägungen in diesem Zusammenhang. Die Verwechslungsgefahr entscheidet sich im Namensrecht im hier interessierenden rechtlichen Kontext nach denselben Kriterien wie im übrigen Kenn zeichenrecht (BÜHLER , in: BSK-ZGB I, Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], 6. Aufl., Basel 2018, Art. 29 ZGB, N 43 ff.). Fehlt es unter firmen- rechtlichen Gesichtspunkten an einer Verwechslungsgefahr, ist der Klage auch in Anwendung von Art. 29 ZGB kein Erfolg beschieden, weshalb diese a uch aus diesen Überlegungen abzu- weisen ist. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Kosten des vorliegenden Verfah- rens, bestehend aus den Gerichts- und Parteikosten, in Anwendung von Art. 106 Abs. 1 i.V.m. Art. 95 Abs. 1 ZPO den Klägerinnen in solidarischer V erbindung aufzuerlegen. Die Gerichtsge- bühr ist gestützt auf § 9 Abs. 1 i.V.m. § 8 Abs. 1 li t. f Ziff. 3 und § 3 Abs. 2 der Verordnung über die Gebühren der Gerichte (Gebührentarif, GebT; SGS 170.31) festzulegen. Die Klägerinnen beziffern den Streitwert einstweilen mit CHF 100‘000. 00 (Klage vom 24. Mai 2018 Rz 6). Die Beklagte geht gemäss eingereichter Honorarnote von eine m solchen von CHF 75‘000.00 bis 100‘000.00 aus. Nach Gebührentarif liegt bei einem Streitwert bis CHF 100‘000.00 die Band- breite für die Festsetzung der Gerichtsgebühr zwischen CH F 1‘500.00 und CHF 10‘000.00. Da die Beurteilung der Streitsache in rechtlicher Hinsicht komplex war und sich vor allem auch auf- grund der Sichtung der zitierten, umfangreichen Judikat ur als aufwändig gestaltete, rechtfertigt es sich, auf dem ordentlichen Gebührenansatz einen Zuschla g anzubringen (§ 9 Abs. 1 i.V.m. § 8 Abs. 1 lit. f Ziff. 3 und § 3 Abs. 2 GebT). Insges amt erachtet das Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, aus diesen Überlegun gen eine Gerichtsgebühr von pauschal CHF 15‘000.00 als angemessen. 7.2 Die Klägerinnen sind ausgangsgemäss im Weiteren wiede rum in solidarischer Verbindung zu verurteilen, der Beklagten eine Parteientschädigung zu entrichten. welche nach den Be- stimmungen der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO, SGS BL 178.112) festzu- setzen ist. Die Beklagte hat dem Kantonsgericht Basel-La ndschaft, Abteilung Zivilrecht, an der Hauptverhandlung vom 29. Januar 2019 eine Honorarnote eingereicht, mit welcher ein Honorar von CHF 18‘461.15 (inkl. MWSt) geltend gemacht wird. Die betreffende Rechnung wurde dem Rechtsvertreter der Klägerinnen an der Verhandlung in Kopie zur Kenntnisnahme übergeben. Dieser hat sich zur Höhe der beantragten Parteientschädig ung namens seiner Klientinnen nicht geäussert. Die Bemessung des Honorars gemäss Streitwert samt den eingesetzten Zuschlägen entspricht den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen (§ 7 i.V.m. § 8 Abs. 1 lit. b TO). Zu- dem erscheint die beantragte Parteientschädigung angemessen. Allerdings ist es aufgrund der vermuteten Vorsteuerabzugsberechtigung der beklagten Aktiengesellschaft nicht angezeigt, auf dem Honorar die Mehrwertsteuer (in casu CHF 1‘319.90 ausmachend) hinzuzuschlagen (vgl. Entscheide des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abte ilung Zivilrecht, 400 11 38 E 4.5. sowie 410 16 205 E. 12). Dementsprechend reduziert sic h das Honorar um die berechnete Mehrwertsteuer, so dass der Beklagten eine Parteientschä digung von CHF 17‘141.25 zuzu- sprechen ist. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Die Gerichtskosten von CHF 15‘000.00 werden den Kl ägerinnen in soli- darischer Verbindung auferlegt. Zudem haben die Klägerinnen in solidarischer Verbindung der Beklagten eine Parteientschädigung von CHF 17‘141.25 (inkl. Ausl agen, ohne MWSt) zu bezahlen. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiber Rageth Clavadetscher Weiterzug Gegen diesen Entscheid wurde beim Schweizerischen Bundesgericht eine zivilrechtliche Be- schwerde erhoben (Verfahren Nr. 4A_170/2019).