<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2003.00332</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=203917&amp;W10_KEY=4467142&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2003.00332</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 14.01.2004</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht hat eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen diesen Entscheid am 13.07.2004 abgewiesen.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Niederlasssungsbewilligung (Familiennachzug)</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Inländerdiskriminierung<br/><br/>Es besteht kein Anspruch auf analoge Anwendung der FZA-Regelung für den Familiennachzug eines ausländischen (drittstaatsangehörigen) Kinds zum schweizerischen Elternteil. Diesbezüglich liegt keine von der Rechtsprechung zu füllende Gesetzeslücke vor.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ANTIZIPIERTE BEWEISWÃRDIGUNG">ANTIZIPIERTE BEWEISWÃRDIGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ANWENDUNGSGEBOT">ANWENDUNGSGEBOT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DRITTSTAATSBÃRGER">DRITTSTAATSBÃRGER</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ELTERNTEIL">ELTERNTEIL</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: AuslÃ¤nderrecht ST: FAMILIENNACHZUG">FAMILIENNACHZUG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GESETZESLÃCKE">GESETZESLÃCKE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GLEICHHEITSGEBOT">GLEICHHEITSGEBOT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: INLÃNDERDISKRIMINIERUNG">INLÃNDERDISKRIMINIERUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: LÃCKENFÃLLUNG">LÃCKENFÃLLUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHLECHTERSTELLUNG">SCHLECHTERSTELLUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHWEIZERBÃRGERRECHT">SCHWEIZERBÃRGERRECHT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: UNGLEICHBEHANDLUNG">UNGLEICHBEHANDLUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VORRANGIGE FAMILIÃRE BEZIEHUNG">VORRANGIGE FAMILIÃRE BEZIEHUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ZEUGENEINVERNAHME">ZEUGENEINVERNAHME</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 1 ANAG</span><br/><span class="gerade">Art. 17 Abs. II ANAG</span><br/><span class="ungerade">Art. 8 Abs. I BV</span><br/><span class="gerade">Art. 13 Abs. I BV</span><br/><span class="ungerade">Art. 191 BV</span><br/><span class="gerade">Art. 8 Abs. I EMRK</span><br/><span class="ungerade">Art. 3 Abs. I Anhang I FZA</span><br/><span class="gerade">Art. 1 Abs. II ZGB</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Sachverhalt1"><b><span>I. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Der 1985 geborene auslÃ¤ndische StaatsangehÃ¶rige A ist der jÃ¼ngere von zwei SÃ¶hnen der 1961 geborenen frÃ¼heren auslÃ¤ndischen StaatsangehÃ¶rigen B aus einer ersten Ehe mit einem Landsmann. Diese Ehe wurde 1989 geschieden. Im Jahr 1991 reiste die Mutter allein in die Schweiz, wo sie den Schweizer E heiratete und in der Folge das Schweizer BÃ¼rgerrecht erhielt. Die zweite Ehe wurde am 12. November 1998 geschieden. Am 22. MÃ¤rz 2002 reiste A mit einem Besuchervisum in die Schweiz zu seiner Mutter. Am 30. Mai 2002 stellte diese bei der Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit (Migrationsamt) das Gesuch um Erteilung der Niederlassungsbewilligung fÃ¼r ihren Sohn zum Verbleib bei ihr. Das Migrati­onsamt wies das Gesuch am 30. September 2002 ab, im Wesentlichen mit der BegrÃ¼ndung, der Sohn habe keine vorrangige familiÃ¤re Beziehung zu seiner Mutter.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b><span>II. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Am 9. Juli 2003 wies der Regierungsrat einen Rekurs von A und seiner Mutter B ab.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b><span>III. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Mit Eingabe vom 19. September 2003 liess B in ihrem und dem Namen ihres Sohns Beschwerde beim Verwaltungsgericht einreichen. Die BeschwerdefÃ¼hrenden beantragten, der Beschluss des Regierungsrats sei aufzuheben, und die BehÃ¶rden seien anzuweisen, A (BeschwerdefÃ¼hrer Nr. 1) die Niederlassungsbewilligung zu erteilen, unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen zulasten der Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit. A sei vom Gericht persÃ¶nlich anzuhÃ¶ren und die in der Schweiz lebende Schwester der beschwerdefÃ¼hrenden Mutter (BeschwerdefÃ¼hrerin Nr. 2) als Zeugin zu befragen. </span></p> <p class="Urteilstext"><span>WÃ¤hrend sich die Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit nicht vernehmen liess, beantragte die Staatskanzlei im Auftrag des Regierungsrats die Abweisung der Beschwerde.</span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>In Angelegenheiten der Fremdenpolizei ist die Beschwerde an das Verwaltungsgericht nur zulÃ¤ssig, wenn eine Anordnung zu beurteilen ist, die sich auf einen Anspruch des Ge­setzes-, Verfassungs- oder Staatsvertragsrechts stÃ¼tzen kann (§ 43 Abs. 1 lit. h in Verbin­dung mit Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG] und Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 des Bundesrechtspflegegesetzes vom 16. Dezember 1943). </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin Nr. 2 ist Schweizerin und beantragt den Nachzug ihres minderjÃ¤h­rigen und unverheirateten Sohns. GemÃ¤ss Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes Ã¼ber Aufent­halt und Niederlassung der AuslÃ¤nder vom 29. MÃ¤rz 1931 (ANAG) haben Kinder von aus­lÃ¤ndischen Eltern, die eine Niederlassungsbewilligung besitzen, ebenfalls einen Anspruch auf Einbezug in die Niederlassungsbewilligung, wenn sie mit ihren Eltern zusammenwohnen. Diese Regelung gilt nach der Rechtsprechung auch fÃ¼r schweizerische Eltern, die ihre auslÃ¤ndischen Kinder zu sich nehmen wollen (BGE 118 Ib 156). Die BeschwerdefÃ¼hren­den kÃ¶nnen sich somit auf einen gesetzlichen Anspruch stÃ¼tzen, weshalb das Gericht auf die Beschwerde einzutreten hat.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Weitere AnsprÃ¼che kÃ¶nnen sich aus der in Art. 8 Abs. 1 der EuropÃ¤ischen Menschen­rechtskonvention (EMRK) und â inhaltlich deckungsgleich â Art. 13 Abs. 1 der Bundes­verfassung vom 18. April 1999 (BV) garantierten Achtung des Familienlebens ergeben. Ob sich die grundsÃ¤tzlich mÃ¶glichen RechtsansprÃ¼che aufgrund der konkreten UmstÃ¤nde durchsetzen lassen, ist im Rahmen der nachstehenden materiellen ErwÃ¤gungen zu prÃ¼fen.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.1 </span></b><span>Der Regierungsrat beurteilte die Anordnung des Migrationsamts aufgrund von Art. 17 Abs. 2 ANAG und Art. 8 Abs. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV und gelangte zum Schluss, die Verweigerung des Gesuchs sei rechtmÃ¤ssig. Mit der vorliegenden Beschwerde beantragen die BeschwerdefÃ¼hrenden nicht nur die ÃberprÃ¼fung aufgrund der genannten Anspruchsgrundlagen, sondern stellen sich neu auf den Standpunkt, das Gesuch sei, ge­stÃ¼tzt auf das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der EuropÃ¤ischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten anderseits Ã¼ber die FreizÃ¼gigkeit (FreizÃ¼gigkeitsabkommen, FZA) sowie gestÃ¼tzt auf das verfassungsmÃ¤ssige Gleichheitsgebot gemÃ¤ss Art. 8 Abs. 1 BV, gut­zuheissen. Die fÃ¼r in der Schweiz lebenden auslÃ¤ndischen Personen aus EG- oder EFTA-Mitgliedstaaten anzuwendenden Bestimmungen des FZA fÃ¼hrten mit Bezug auf den Familiennachzug zu einer rechtlichen Besserstellung gegenÃ¼ber den â einschrÃ¤nkenderen â Regelungen des ANAG, der EMRK oder BV. Diese Schlechterstellung sei im Hinblick auf das verfassungsmÃ¤ssige Rechtsgleichheitsgebot nicht zulÃ¤ssig, weshalb einem sich aus der Anwendung der letztgenannten Rechtsgrundlagen ergebenden negativen Ergebnis die Anwendung zu verweigern sei. </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.2 </span></b><span>Das Gericht wendet die zur Beurteilung erforderlichen Rechtsnormen von Amtes we­gen an. Mit dem FZA sind vÃ¶lkerrechtliche Normen neben das bisher gÃ¼ltige Landesrecht und das Recht der EMRK getreten, die als jÃ¼ngere Rechtsnormen dem Letzteren vorgehen. Entsprechend ist mit dem In-Kraft-Treten des FZA (sowie der in diesem Zusammenhang inhaltsgleichen Ãnderung des EFTA-Ãbereinkommens vom 21. Juni 2001) Art. 1 ANAG als Rechts­anwendungsnorm neu eingefÃ¼gt worden, welcher das ANAG als dann anwendbar erklÃ¤rt, wenn das FZA keine abweichende Regelung enthÃ¤lt oder die Regelung gemÃ¤ss ANAG der betroffenen Person eine vorteilhaftere Rechtsstellung vermittelt. Demzufolge ist zuerst zu klÃ¤ren, ob das FZA auf den vorliegenden Fall anwendbar ist. Sollte dies nicht der Fall sein, wÃ¤ren die Vorschriften des ANAG bzw. der EMRK/BV beizuziehen; dies ebenfalls, wenn sich aus der Anwendbarkeit des FZA ein fÃ¼r die BeschwerdefÃ¼hrenden negatives Resultat ergÃ¤be. </span></p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.1 </span></b><span>Die Frage, ob die Familiennachzugsregeln des FZA analog, d.h. aufgrund des verfassungsmÃ¤ssigen Gebots der rechtsgleichen Behandlung, auf in der Schweiz lebende Schweizer Eltern mit Bezug auf den Nachzug ihrer auslÃ¤ndischen Kinder anwendbar seien, war Gegenstand eines Urteils des Bundesgerichts vom 17. Januar 2003 (BGE 129 II 249). Dabei ging es, gleich wie im vorliegenden Fall der BeschwerdefÃ¼hrenden, nicht um die un­mittelbare Anwendbarkeit der Familiennachzugsregelung des FZA, weil es an einem<br/> grenzÃ¼berschreitenden Sachverhalt fehlte. Auch die BeschwerdefÃ¼hrerin Nr. 2 behauptet nicht, aus einem europÃ¤ischen Vertragspartnerland in die Schweiz eingereist zu sein. Viel­mehr beansprucht sie eine Gleichbehandlung, weil die durch die Anwendung der Normen des ANAG bzw. der EMRK/BV resultierende Schlechterstellung gegen Verfassungsrecht, insbesondere das allgemeine Rechtsgleichheitsgebot von Art. 8 Abs. 1 BV verstosse.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.2 </span></b><span>Die Nachzugsregelung des FZA ist bezÃ¼glich der RechtsansprÃ¼che tatsÃ¤chlich grosszÃ¼­giger geregelt als diejenige des Landesrechts (ANAG, unter Einschluss von EMRK und BV); dies sowohl mit Bezug auf den Kreis der nachzugsberechtigten Personen, die Nachzugsvoraussetzungen von Einzelleltern als auch die (grundsÃ¤tzliche) Altersgrenze von 21 Jahren beim Kindernachzug. </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.3 </span></b><span>Zur Frage, ob damit eine Verletzung der Verfassungsgarantie der rechtsgleichen Behandlung vorliege, hat das Bundesgericht ausgefÃ¼hrt, die Verletzung von verfassungsmÃ¤ssigen Rechten kÃ¶nne zwar von den Gerichten grundsÃ¤tzlich Ã¼berprÃ¼ft werden, allerdings sei der Rahmen von Art. 191 BV zu beachten, wonach Bundesgesetze und VÃ¶lkerrecht fÃ¼r das Bundesgericht und die anderen rechtsanwendenden BehÃ¶rden massgebend sind. Mit dem In-Kraft-Treten des FZA bzw. der Ãnderung des EFTA-Ãbereinkommens habe der Gesetzgeber indessen keine Erweiterung der RechtsansprÃ¼che fÃ¼r FamilienangehÃ¶rige von Schweizern (oder DrittstaatsangehÃ¶rigen) im Sinn einer Angleichung an die FZA/EFTA-Regelung vorgenommen. Die fÃ¼r diesen Personenkreis massgeblichen RechtsansprÃ¼che des ANAG (Art. 7 und Art. 17 Abs. 2) seien unverÃ¤ndert belassen worden; dies im Hinblick auf eine in Aussicht stehende Totalrevision des AuslÃ¤ndergesetzes. Dabei liege kein Versehen des Gesetzgebers vor. Der Gesetzgeber bzw. der Nationalrat sei einer Motion Hubmann, mit welcher im Wesentlichen die mit dem In-Kraft-Treten des FZA entstandene (relative) Schlechterstellung von schweizerischen StaatsangehÃ¶rigen im Zusammenhang mit dem Nachzug von FamilienangehÃ¶rigen hÃ¤tte beseitigt werden sollen, auf Empfehlung des Bundesrats hin nicht gefolgt. Mit der Ablehnung der Motion am 20. MÃ¤rz 2002 habe sich der Gesetzgeber somit bewusst dafÃ¼r entschieden, Schweizern, welche nicht unter das FZA fallen, zumindest vorlÃ¤ufig nicht die gleichen RechtsansprÃ¼che beim Familiennachzug zu gewÃ¤hren, sondern diese Frage im Rahmen der Totalrevision der AuslÃ¤ndergesetz­gebung zu entscheiden. An diesen klaren Willen des Gesetzgebers sei das Bundesgericht auf Grund von Art. 191 BV gebunden. Verfassungsrechtlich bestehe damit kein Raum, die RechtsansprÃ¼che fÃ¼r Schweizer Ã¼ber den Rahmen von Art. 7 sowie 17 Abs. 2 ANAG bzw. Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV hinaus auf dem Weg der Rechtsprechung auszudeh­nen (BGE 129 II 249 E. 5.4 f.). Dies im Unterschied zu einer richterlichen LÃ¼ckenfÃ¼llung, wie sie in BGE 118 Ib 153 erfolgt sei: WÃ¤hrend dort in analoger Anwendung von Art. 17 Abs. 2 ANAG eine LÃ¼cke im Nachzugsrecht des AuslÃ¤nderrechts â mit Bezug auf auslÃ¤n­dische Kinder von Schweizer StaatsbÃ¼rgern â zu fÃ¼llen war, sei in der gleichen wie heute zu beurteilenden Situation die streitige Frage durch den Gesetzgeber selbst beantwortet worden, nÃ¤mlich in der Weise, dass eine Ungleichbehandlung bis zur Revision des AuslÃ¤n­dergesetzes in Kauf genommen werden soll. </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.4 </span></b><span>Die BeschwerdefÃ¼hrenden berufen sich auf die an diesem Urteil von verschiedener Seite geÃ¤usserte Kritik. Im Besonderen stÃ¼tzten sie sich auf ein diese Kritik aufnehmendes und den Akten beigegebenes Urteil des Rekursgerichts im AuslÃ¤nderrecht des Kantons Aargau vom 15. August 2003 (BE.2003.00031). Das aargauische Rekursgericht gelangte zum Ergebnis, dass auf Grund der UmstÃ¤nde der (zum Urteil des Bundesgerichts gegentei­lige) Schluss gezogen werden mÃ¼sse, dass der Gesetzgeber nicht den Willen geÃ¤ussert ha­be, Schweizer BÃ¼rger gegenÃ¼ber AngehÃ¶rigen von EG- und EFTA-Staaten zu benachteiligen, sondern im Gegenteil darauf vertraut habe, dass die BehÃ¶rden im Rahmen ihres Ermessens das verfassungsmÃ¤ssige Gebot der Rechtsgleichheit und das Diskriminierungsverbot beachten wÃ¼rden. Entgegen der Ansicht des Bundesgerichts liege kein qualifiziertes Schweigen des Gesetzgebers, sondern eine LÃ¼cke im Nachzugsrecht des ANAG vor. Dieser LÃ¼ckenfÃ¼llung stehe Art. 191 BV nicht im Weg. Aus GrÃ¼nden der rechtsgleichen Behandlung sei einem schweizerischen Elternteil das Nachzugsrecht mit Bezug auf dessen Kinder aus einem Drittstaat analog der Regelung des FZA zu gewÃ¤hren.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Im Einzelnen fÃ¼hrte das aargauische Rekursgericht, dessen ErwÃ¤gungen sich die Be­schwerdefÃ¼hrenden zu Eigen machen, Folgendes aus (act. 6/3): </span></p> <p class="Erwgung3"><b><span>3.4.1 </span></b><span>AnlÃ¤sslich der Genehmigung des FZA und des gleichzeitig geÃ¤nderten Art. 1 ANAG im Jahr 1999 sei die Ungleichheit der Familiennachzugsregelungen in den RÃ¤ten nicht the­matisiert worden. Die am 8. Mai 2001 von NationalrÃ¤tin Hubmann eingereichte Motion ha­be eine Revision von Art. 7 und 17 Abs. 2 ANAG im Sinn der Nachzugsregelung des FZA verlangt. Der Bundesrat habe am 17. Oktober 2001 dazu ablehnend Stellung genommen. Die Ungleichbehandlung sei ihm beim Abschluss des FZA bekannt gewesen. Er befÃ¼rworte grundsÃ¤tzlich eine Gleichbehandlung des Familiennachzugsrechts von Schweizer Eltern mit EU-StaatsangehÃ¶rigen in der Schweiz. Indessen lehne er die Anwendung dieser weiter gehenden Regelung bei niedergelassenen AuslÃ¤ndern aus Drittstaaten ab. Eine gene­relle Neuregelung sei mit dem neuen AuslÃ¤ndergesetz geplant; im Hinblick darauf sei auf eine vorgezogene Teilrevision des ANAG zu verzichten. Gleichzeitig mit dem FZA trete die vom Bundesrat beschlossene Anpassung der Verordnung Ã¼ber die Begrenzung der Zahl der AuslÃ¤nder vom 6. Oktober 1986 (BVO) in Kraft. Nach dieser Ãnderung wÃ¼rden die in der Motion Hubmann genannten FamilienangehÃ¶rigen von Schweizern von den Begren­zungsvorschriften ausgenommen. Dies erlaube es den kantonalen FremdenpolizeibehÃ¶r­den, Schweizer mit auslÃ¤ndischen Kindern gleich zu behandeln wie AngehÃ¶rige der EG-Mitgliedstaaten. FÃ¼r eine Teilrevision des ANAG bestehe somit keine Notwendigkeit. An­lÃ¤sslich der Behandlung der Motion im Nationalrat am 20. MÃ¤rz 2002 habe BundesrÃ¤tin Metzler diesen Standpunkt des Bundesrats noch einmal mÃ¼ndlich vertreten und â unter Hinweis auf die geÃ¤nderte BVO, auf das kÃ¼nftige AuslÃ¤ndergesetz und die nicht erwÃ¼nsch­te Erweiterung der Nachzugsregelung auf Niedergelassene â die Abweisung der Motion empfohlen, welcher Empfehlung der Nationalrat mehrheitlich gefolgt sei. </span></p> <p class="Erwgung3"><b><span>3.4.2 </span></b><span>Die Ungleichbehandlung habe auch bei der Genehmigung des EFTA-Abkommens im Sinn der Anpassung an das FZA am 27. November/4. Dezember 2001 in den RÃ¤ten keinen Anlass zu Diskussionen gegeben. Als am 17. Januar 2003 durch das Urteil des Bundesgerichts bekannt geworden sei, dass eine Gleichbehandlung von schweizerischen nachzugswilligen Eltern mit EU-AngehÃ¶rigen in der Schweiz auf gerichtlichem Weg nicht durchsetzbar sei, habe sich die staatspolitische Kommission des Nationalrats (SPK) am 31. Januar 2003 mit einer Medienmitteilung zu Wort gemeldet. Sie teilte mit, dass die SPK einen in ihren Reihen gestellten Antrag auf vorgezogene Revision des Familiennachzugs zu Gunsten einer Regelung im Rahmen der laufenden Totalrevision des AuslÃ¤ndergesetzes abgelehnt habe. Die Kommission beurteile es jedoch als fragwÃ¼rdig, wenn Schweizer BÃ¼rger im Vergleich zu BÃ¼rgern der EU- und EFTA-Mitglieder benachteiligt seien. Sie erwar­te, dass wÃ¤hrend der Ãbergangszeit die kantonalen VollzugsbehÃ¶rden im Rahmen ihres Ermessens und der geÃ¤nderten MÃ¶glichkeiten der BVO fÃ¼r eine Gleichbehandlung besorgt seien.</span></p> <p class="Erwgung3"><b><span>3.4.3 </span></b><span>Die genannten VorgÃ¤nge wÃ¼rdigt das aargauische Rekursgericht und mit ihm die Be­schwerdefÃ¼hrenden dahingehend, dass kein qualifiziertes Schweigen des Gesetzgebers vor­liege mit dem Inhalt, eine Schlechterstellung von schweizerischen gegenÃ¼ber EU-/EFTA-StaatsangehÃ¶rigen sei bewusst in Kauf genommen worden. Vielmehr habe der Nationalrat im Wissen um die unbefriedigende Rechtslage eine sofortige GesetzesÃ¤nderung abgelehnt, weil er der Meinung gewesen sei, gestÃ¼tzt auf die BVO und die MÃ¶glichkeiten der Recht­sprechung kÃ¶nne die Gleichbehandlung bis zum Erlass des (neuen) AuslÃ¤ndergesetzes garantiert werden.</span></p> <p class="Erwgung3"><b><span>3.4.4 </span></b><span>Ginge man â so das aargauische Gericht und die BeschwerdefÃ¼hrenden â mit dem Bundesgericht (BGE 129 II 249) davon aus, der Gesetzgeber habe bei In-Kraft-Treten des FZA und der damit verbundenen Anpassung des ANAG bewusst und mit dem Willen, Schweizer BÃ¼rger gegenÃ¼ber EU- und EFTA-StaatsangehÃ¶rigen schlechter zu stellen, auf eine gesetzliche Regelung verzichtet, bedeutete dies, dass sich Schweizer Eltern im heutigen Zeitpunkt auch nicht mehr auf die analoge Anwendung von Art. 17 Abs. 2 ANAG (Nachzugsrecht fÃ¼r niedergelassene auslÃ¤ndische Eltern) berufen kÃ¶nnten. Denn damit er­schiene die in BGE 118 Ib 153 geschaffene LÃ¼ckenfÃ¼llung ebenfalls als unzulÃ¤ssig. Vielmehr mÃ¼sste bei dieser Argumentation die fehlende Reaktion des Gesetzgebers konsequen­terweise ebenfalls als qualifiziertes Schweigen verstanden werden, was keinen Raum fÃ¼r eine richterliche LÃ¼ckenfÃ¼llung zuliesse. </span></p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b><span>4.1 </span></b><span>Auch wenn die LÃ¼ckenhaftigkeit gesetzlicher Regelungen nur im Zivilrecht ausdrÃ¼cklich anerkannt ist (Art. 1 Abs. 2 des Zivilgesetzbuches), ist unbestritten, dass auch das Ver­waltungsrecht lÃ¼ckenhaft ist und der Richter jeder Stufe in diesem Fall zur LÃ¼ckenfÃ¼llung verpflichtet ist, um sich nicht dem Vorwurf der Rechtsverweigerung auszusetzen (vgl. Ulrich HÃ¤felin/Georg MÃ¼ller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. A., ZÃ¼rich 2002, Rz. 191 f. und 198). Eine LÃ¼cke ist von vornherein nicht gegeben, wenn ein qualifiziertes Schweigen vorliegt, was bedeutet, dass der Gesetzgeber eine Rechtsfrage nicht Ã¼bersehen, sondern im negativen Sinn mitentschieden hat. Ebenfalls keinen Raum fÃ¼r die LÃ¼ckenfÃ¼llung bieten so genannte unechte LÃ¼cken. Im Gegensatz zu den echten LÃ¼cken, die eine planwidrige Un­vollstÃ¤ndigkeit des geschriebenen Rechts darstellen (vgl. Theo Mayer-Maly, Basler Kommentar, 2. A., 2002, Art. 1 ZGB N. 24), gibt die gesetzliche Regelung bei der unechten<br/> LÃ¼­cke zwar auf alle Fragen, die sich bei der Rechtsanwendung stellen, eine Antwort; weil diese aber zu einem sachlich unbefriedigenden Resultat fÃ¼hrt, wird sie als lÃ¼ckenhaft<br/> empfunden (HÃ¤felin/MÃ¼ller, Rz. 195; zum Begriff der rechtspolitischen LÃ¼cken: Mayer-Maly, Art. 1 ZGB N. 30 f.). Sowohl in FÃ¤llen eines qualifizierten Schweigens als auch einer unechten LÃ¼cke hat eine LÃ¼ckenfÃ¼llung durch den Richter zu unterbleiben, wÃ¼rde diese doch die politische Entscheidung unterlaufen (Mayer-Maly, Art. 1 ZGB N. 33 f.; HÃ¤felin/MÃ¼l­ler, Rz. 198). Wurde eine bestimmte Regelung vom Gesetzgeber erwogen, dann aber nicht getroffen, hat eine LÃ¼ckenfÃ¼llung deshalb ebenso zu unterbleiben, wie in FÃ¤llen, in denen "der Gesetzgeber zwar sah, aber nicht regeln wollte" (Mayer-Maly, Art. 1 ZGB N. 33 und 35).</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>4.2 </span></b><span>Die BeschwerdefÃ¼hrenden stellen sich auf den Standpunkt, mit Bezug auf schweizerische Elternteile, die nicht unter das FZ-/EFTA-Abkommen fallen und die ihre auslÃ¤ndi­schen Kinder aus Drittstaaten nachziehen mÃ¶chten, liege eine echte LÃ¼cke vor, die vom (Verwaltungs-)Gericht gefÃ¼llt werden mÃ¼sse. Inhaltlich habe dabei die LÃ¼ckenfÃ¼llung im Sinn der Regeln des FZ-/EFTA-Abkommens zu erfolgen. Dieser Inhalt drÃ¤nge sich aus zwei GrÃ¼nden auf, nÃ¤mlich aufgrund des verfassungsmÃ¤ssigen Gebots der Gleichbehandlung sowie aufgrund einer herrschenden Meinung des Nationalrats bzw. dessen staatspolitischer Kommission.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>4.3 </span></b><span>Dass fÃ¼r Schweizer Eltern, die ihre auslÃ¤ndischen Kinder nachziehen mÃ¶chten, ein regelungsfreier Rechtsraum bestÃ¼nde, trifft zweifellos seit dem Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juli 1992 (BGE 118 Ib 153) nicht zu. Das Bundesgericht hat anlÃ¤sslich dieses Ur­teils eine vorbestandene LÃ¼cke im Gesetz gefÃ¼llt, indem es die fÃ¼r niedergelassene auslÃ¤n­dische Eltern geltende Regelung von Art. 17 Abs. 2 ANAG als auch fÃ¼r schweizerische Eltern anwendbar erklÃ¤rte. Die behauptete LÃ¼cke sehen die BeschwerdefÃ¼hrenden denn auch erst mit der vom Gesetzgeber genehmigten abweichenden Regelung von Anhang I Art. 3 Abs. 1 FZA, weil erst mit deren In-Kraft-Treten eine Schlechterstellung von in der Schweiz residierenden Schweizer Eltern gegenÃ¼ber denjenigen, die unter das FZA fallen, entstanden sei. Diese Ungleichbehandlung habe der Gesetzgeber anlÃ¤sslich der Beratungen im Zusammenhang mit der Genehmigung des FZA im Jahr 1999 nicht realisiert. Erst anlÃ¤sslich der spÃ¤teren Debatte im Nationalrat Ã¼ber die Motion Hubmann sei die Schlechterstellung von Schweizer Eltern als Thema offenkundig geworden. Auf Empfehlung der Vertreterin des Bundesrats verzichtete der Nationalrat auf eine die Ungleichbehandlung besei­tigende gesetzliche Regelung, um dem Inhalt des sich in Vorbereitung befindenden Aus­lÃ¤ndergesetzes nicht vorzugreifen. Auch mag die Erwartung eine Rolle gespielt haben, dass mit der zwischenzeitlich erfolgten Ãnderung der BVO die kantonalen BewilligungsbehÃ¶r­den im Rahmen ihres freien Ermessens die verpÃ¶nte Ungleichbehandlung im Einzelfall zu verhindern wÃ¼ssten. Damit hat aber der Gesetzgeber (bzw. der Nationalrat als Erstrat) das Problem der Ungleichbehandlung gesehen und im Wissen darum auf eine Regelung ver­zichtet, womit er die bisherige gesetzliche Grundlage weiterhin in Kraft beliess, was gegen eine RegelungslÃ¼cke spricht. Es kann offen bleiben, ob es sich um ein qualifiziertes Schweigen des Gesetzgebers oder um eine unechte LÃ¼cke handelt, weil dieser sich bewusst war, dass â zumindest wÃ¤hrend einer Ãbergangszeit â die bisherige Gesetzesgrundlage weiter gelten werde. Die Frage sollte bei der Diskussion des neuen AuslÃ¤ndergesetzes ge­regelt werden. Mithin liegt keine (echte) LÃ¼cke vor, sondern eine Regelung, die â mÃ¶gli­cherweise nach der Ansicht einer Mehrheit des Nationalrats â zu sachlich unbefriedigen­den Ergebnissen fÃ¼hrt. Dem Gericht ist es in dieser Situation verwehrt, LÃ¼cken fÃ¼llend tÃ¤tig zu werden, wÃ¼rde es damit doch die verfassungsmÃ¤ssige Gewaltentrennung von der gesetz­gebenden BehÃ¶rde verletzen (vgl. BGE 83 III 152).</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Im Ãbrigen kann angefÃ¼gt werden, dass keineswegs fest stÃ¼nde, wie die LÃ¼ckenfÃ¼llung in­haltlich erfolgen mÃ¼sste. Zwar ist durchaus mÃ¶glich, dass ein Nachzugsrecht von schwei­zerischen Eltern mit Bezug auf ihre drittstaatsangehÃ¶rigen Kinder unter den vorteilhafteren Voraussetzungen des FZA einem allgemeinen Konsens entsprÃ¤che. Fraglich erscheint be­reits, ob die Anhebung des HÃ¶chstalters entsprechend der FZA-Regelung auf 21 Jahre oder die Erweiterung des Personenkreises auf weitere AngehÃ¶rige aus DrittstaatslÃ¤ndern im Sinn der FZA-Regelung politisch erwÃ¼nscht wÃ¤re.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>4.4 </span></b><span>Ist kein Raum fÃ¼r eine LÃ¼ckenfÃ¼llung, gilt die gesetzliche Regelung im Sinn von Art. 17 Abs. 2 ANAG. FÃ¼r eine Nichtanwendung dieser Vorschrift aus VerfassungsgrÃ¼n­den ist gemÃ¤ss Art. 191 BV kein Raum. Es kann auf die AusfÃ¼hrungen in BGE 129 II 249 E. 5.5 verwiesen werden. An dieser Stelle hat das Bundesgericht auch den Unterschied zur Situation in BGE 118 Ib 153 erlÃ¤utert: WÃ¤hrend dort eine LÃ¼cke (hinsichtlich auslÃ¤ndi­scher Kinder von Schweizern) zu fÃ¼llen war, wurde die streitige Frage vorliegend durch den Gesetzgeber selbst beantwortet.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b><span>5.1 </span></b><span>Die massgebenden Kriterien, die aufgrund des Landesrechts (Art. 17 Abs. 2 ANAG; Art. 8 Abs. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV) abzuwÃ¤gen sind, hat der Regierungsrat zu­treffend dargelegt, weshalb darauf verwiesen werden kann (§ 28 Abs. 1 in Verbindung mit § 70 VRG). </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>5.2 </span></b><span>Die zentrale Frage nach der vorrangigen familiÃ¤ren Beziehung des Sohns zu seinen ge­trennt lebenden Elternteilen beantwortete der Regierungsrat dahingehend, dass die Be­schwerdefÃ¼hrerin Nr. 2 seit mehr als einem Jahrzehnt die MÃ¶glichkeit gehabt hÃ¤tte, ein Nachzugsgesuch fÃ¼r ihren Sohn zu stellen. Sie habe im Jahr 1991 freiwillig ihre Heimat verlassen, unter ZurÃ¼cklassung ihrer beiden SÃ¶hne in der Obhut des Vaters. Das Nachzugs­gesuch habe sie indessen erst am 30. Mai 2002 gestellt, als der BeschwerdefÃ¼hrer Nr. 1 16 ½-jÃ¤hrig war. Die wichtigste Bezugsperson fÃ¼r ihn sei sein Vater, bei dem er zusammen mit seinem Ã¤lteren Bruder praktisch seine ganze Jugend und Kindheit verbracht habe. DarÃ¼ber hinaus habe ein weiteres Umfeld von Verwandten bestanden. Allein dadurch, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin Nr. 2 ihre SÃ¶hne aus der Schweiz finanziell unterstÃ¼tzt, mit diesen in regelmÃ¤ssigem telefonischen Kontakt gestanden und diese in den Ferien besucht habe, sei keine vorrangige Beziehung zu ihr entstanden. Letztlich habe sie die eigenen Interessen in der Schweiz und diejenigen ihres (zweiten) Ehemanns und ihres heutigen Lebenspartners Ã¼ber ein Zusammenleben im familiÃ¤ren Rahmen mit ihren SÃ¶hnen gestellt. Selbst wenn er­wiesen wÃ¤re, dass ihr schweizerischer Ehemann sich gegen einen Nachzug ausgesprochen hÃ¤tte, wÃ¤re ihr ein solcher spÃ¤testens mit der Scheidung im Jahr 1998 mÃ¶glich gewesen. Doch auch dann wartete sie noch weitere vier Jahre zu, um den Nachzug des einzigen noch minderjÃ¤hrigen Sohns in die Wege zu leiten. Eine Verschlechterung der Betreuungssituati­on des im Zeitpunkt der Beurteilung durch den Regierungsrat im 18. Lebensjahr stehenden BeschwerdefÃ¼hrers Nr. 1 vermÃ¶ge, wenn sie erstellt wÃ¤re, keine Ãnderung in der Beurteilung zu bewirken. Neben dem Vater lebten noch weitere Verwandte sowie der Ã¤ltere Bru­der im gleichen Haushalt. Sollte der Vater seine Betreuungsaufgaben vernachlÃ¤ssigen oder gar den BeschwerdefÃ¼hrer Nr. 1 verstossen wollen, verbliebe immer noch ein Betreuungs­umfeld, das fÃ¼r den bald volljÃ¤hrigen Jugendlichen ausreichend sei. Insgesamt gehe es der BeschwerdefÃ¼hrerin Nr. 2 weniger um ein Zusammenleben im Familienrahmen, als darum, ihrem Sohn als jungem Erwachsenen ein besseres wirtschaftliches Umfeld zu bieten. Eine solche Absicht sei vom Familiennachzugsanspruch nicht gedeckt und die Berufung darauf mÃ¼sse als rechtsmissbrÃ¤uchlich erscheinen. </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>5.3 </span></b><span>Die BeschwerdefÃ¼hrenden bemÃ¤ngeln, dass der Regierungsrat die Schwierigkeiten zwischen Vater und Sohn als nicht ungewÃ¶hnliche Konflikte im Zusammenhang mit der PubertÃ¤t des BeschwerdefÃ¼hrers Nr. 1 bagatellisiert habe. Indessen seien die VerhÃ¤ltnisse als Ã¤usserst schwer zu gewichten. Der BeschwerdefÃ¼hrer Nr. 1 sei von seinem gewalttÃ¤tigen und alkoholkranken Vater praktisch des Hauses verstossen worden. Die Grosseltern hÃ¤tten keine Ersatzfamilie dargestellt, weil sie sich auf die Seite des Vaters geschlagen hÃ¤t­ten. Der BeschwerdefÃ¼hrer Nr. 1 habe kein richtiges Zuhause mehr gehabt und sich oft ge­fÃ¼rchtet, zu seinem Vater und dessen neuen Familie zurÃ¼ckzukehren. Die beschwerliche Kindheit habe dazu gefÃ¼hrt, dass er heute in seiner Entwicklung zurÃ¼ckgeblieben sei. </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Wie es sich im Einzelnen verhÃ¤lt, ist nicht geklÃ¤rt. WÃ¤hrend der frÃ¼here Ehemann der Be­schwerdefÃ¼hrerin Nr. 2 am 15. Oktober 2002 Ã¤usserte, es sei ihm bekannt, dass der Be­schwerdefÃ¼hrer Nr. 1 von seinem Vater zunehmend vernachlÃ¤ssigt werde und es vereinzelt zu SchlÃ¤gen gekommen sei (act. 9/29/3), schilderte die ebenfalls in der Schweiz lebende Schwester der BeschwerdefÃ¼hrerin Nr. 2 in ihrer Notiz (act. 9/29/4) die VerhÃ¤ltnisse we­sentlich dramatischer. Der Sohn habe vor den GewalttÃ¤tigkeiten seines Vaters fliehen mÃ¼s­sen, an eine RÃ¼ckkehr sei nicht zu denken gewesen; er habe sich bei einem Freund ver­steckt, bis ihn seine Mutter, die eigens auf seinen Notruf hin nach Thailand gereist sei, ihn in die Schweiz mitgenommen habe. Fest steht einzig, dass beide Schilderungen nicht von Augenzeugen stammen und im Hinblick auf das Rekursverfahren verfasst worden sind, dass VorfÃ¤lle beschrieben sind, die damals schon mindestens ein Jahr zurÃ¼ckgelegen sein mussten und fÃ¼r welche die einzigen Augenzeugen die BeschwerdefÃ¼hrenden selbst sind. Von einer Befragung des BeschwerdefÃ¼hrers Nr. 1 und der Schwester der BeschwerdefÃ¼h­rerin Nr. 2, wie in der Beschwerde beantragt, kann sich das Gericht keine endgÃ¼ltige KlÃ¤­rung der VorfÃ¤lle erhoffen: Der BeschwerdefÃ¼hrer Nr. 1 ist selbst Partei im Verfahren, wo er rechtlich vertreten ist und seinen Standpunkt ausreichend darlegen konnte, wogegen die Schwester der BeschwerdefÃ¼hrerin Nr. 2 nicht Augenzeugin ist und nicht ersichtlich ist, in­wiefern sie von ihrem schriftlichen Bericht, den sie offenbar vom HÃ¶rensagen verfasst hat, abweichen wÃ¼rde. </span></p> <p class="Urteilstext"><span>TatsÃ¤chlich kann nur das Verhalten der BeschwerdefÃ¼hrerin Nr. 2 einen Hinweis auf die VerhÃ¤ltnisse geben. Dass sie ihren Sohn als Folge des genannten Vorfalls zu sich geholt habe, behauptet sie nicht. Vielmehr sei der Zeitpunkt des Nachzugsgesuchs (und der Ein­reise des Sohns) von ihren verbesserten finanziellen VerhÃ¤ltnissen bestimmt worden. Ihr Lebenspartner habe erst im Jahr 2002 ein genÃ¼gendes Einkommen erzielt, wÃ¤hrend ihr frÃ¼­herer (zweiter) Ehemann sich aus finanziellen GrÃ¼nden gegen den Nachzug des Sohns ge­stellt habe. Dieses Verhalten drÃ¤ngt aber den Schluss auf, dass sie die Situation ihres Sohns nicht als unzumutbar einschÃ¤tzte, andernfalls sie sich â ohne RÃ¼cksicht auf die finanzielle Situation â um einen frÃ¼heren Nachzug bemÃ¼ht hÃ¤tte. Die BeschwerdefÃ¼hrerin Nr. 2 war seit Jahren Schweizerin und bezog zeitweise FÃ¼rsorgeleistungen; sie hÃ¤tte damit rechnen kÃ¶nnen, dass sie diese auch fÃ¼r ihren Sohn erhalten hÃ¤tte. TatsÃ¤chlich hat sie, obwohl sich die unzumutbaren ZustÃ¤nde im Haushalt des frÃ¼heren Ehemanns angeblich seit Jahren an­gebahnt hÃ¤tten, ihren Sohn nicht frÃ¼her zu sich geholt, als noch ein Familienleben von eini­ger Dauer mÃ¶glich gewesen wÃ¤re. Dass sie diesen Schritt erst tat, als der Sohn bereits im 17. Altersjahr stand, muss darauf hindeuten, dass ihr in den frÃ¼heren Jahren das gemeinsa­me Familienleben nicht vordringlich war.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>5.4 </span></b><span>Wenn in der Beschwerde darauf hingewiesen wird, dass sich der BeschwerdefÃ¼hrer Nr. 1 seit der Einreise im FrÃ¼hjahr 2002 in der Schweiz gut eingelebt habe, kÃ¶nnen diese Argumente nicht gehÃ¶rt werden. Er wÃ¤re verpflichtet gewesen, am 21. Juni 2002 auszureisen, da er sich verbotenerweise in der Schweiz aufhielt. Es ist einzig dem Wohlwollen der mit dem Gesuch und dem anschliessenden Rechtsmittelverfahren betrauten BehÃ¶rden und des Verwaltungsgerichts zu verdanken, dass der Vollzug der Wegweisung wÃ¤hrend des hÃ¤ngigen Verfahrens ausgesetzt wurde. WÃ¼rden die UmstÃ¤nde seit seiner Einreise zu seinen Gunsten berÃ¼cksichtigt, fÃ¼hrte dies zu einer nicht zu rechtfertigenden Besserstellung gegenÃ¼ber denjenigen Personen, die ihr Gesuch im Ausland stellen oder sich einem Wegweisungsbefehl nicht widersetzen.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>5.5 </span></b><span>Im Rahmen der beschrÃ¤nkten gerichtlichen ÃberprÃ¼fung des Entscheids der Vorinstanz auf dessen RechtmÃ¤ssigkeit (vgl. § 50 Abs. 2 lit. c VRG) lÃ¤sst sich keine Rechtsverletzung durch den Regierungsrat feststellen. Dieser hat, in Ãbereinstimmung mit der Rechtsprechung, festgehalten, dass die AbwÃ¤gung das gesamte erzieherische und betreuerische Umfeld in der Heimat des BeschwerdefÃ¼hrers Nr. 1 umfassen muss. Der Schluss, angesichts des Alters des BeschwerdefÃ¼hrers Nr. 1 und des unabhÃ¤ngig von dessen Vater bestehenden Beziehungsumfelds mÃ¼sse die vorrangige familiÃ¤re Beziehung zu seinen Verwandten in Thailand gesehen werden, ist nicht zu beanstanden. Die beschwerdefÃ¼hrende Mutter hatte ihre SÃ¶hne als fÃ¼nf- bzw. siebenjÃ¤hrige Kinder bei deren Vater und Verwandten zurÃ¼ckgelassen, ohne zur Ausreise verpflichtet gewesen zu sein. Das Nachzugsgesuch fÃ¼r den BeschwerdefÃ¼hrer Nr. 1 stellte sie erst nach rund elf Jahren, als dieser im 17. Altersjahr war. Der Regierungsrat schloss daraus, dass sie in den fÃ¼r die Betreuung und Erziehung des Kinds wichtigen Jahren einem gemeinsamen Familienleben kein vorrangiges Gewicht bei­gemessen habe, obwohl ihr dies aus rechtlichen GrÃ¼nden mÃ¶glich gewesen wÃ¤re, nÃ¤mlich bereits bei der Erlangung der schweizerischen StaatsangehÃ¶rigkeit im Jahr 1992, spÃ¤testens jedoch nach ihrer Scheidung im Jahr 1998. Das Gericht hat keinen Anlass, diese Folgerung als willkÃ¼rlich anzusehen. Dass die Betreuungssituation fÃ¼r ihren Sohn durch das angeblich abweisende und grobe Verhalten des Vaters gleichsam auf einen Schlag unzumutbar geworden sei â womit das Kriterium der vorrangigen familiÃ¤ren Beziehung in den Hintergrund gerÃ¼ckt wÃ¤re â, erscheint wegen des eigenen Verhaltens der BeschwerdefÃ¼hrerin Nr. 2 als wenig Ã¼berzeugend, wÃ¤hlte sie doch den Zeitpunkt des Nachzugsgesuchs nicht aufgrund dieser UmstÃ¤nde, sondern nach ihren finanziellen MÃ¶glichkeiten. </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Zusammengefasst erweist sich der Entscheid des Regierungsrats als rechtmÃ¤ssig, was zur Abweisung der Beschwerde fÃ¼hrt.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Das Gericht hat â wie bereits erwÃ¤hnt (E. 5.3) â keinen Anlass, die Schwester der Be­schwerdefÃ¼hrerin Nr. 2 als Zeugin zu befragen, da diese ihre Kenntnisse ausschliesslich Ã¼ber die BeschwerdefÃ¼hrenden beziehen musste und diese Schilderungen bekannt sind. Wie ebenfalls erwÃ¤hnt, konnte der BeschwerdefÃ¼hrer Nr. 1 als Verfahrenspartei, vertreten durch seine Mutter und einen Rechtsbeistand, seinen Standpunkt in diesem Verfahren aus­reichend darlegen. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern eine persÃ¶nliche Befragung die Be­weislage gegenÃ¼ber der jetzt feststehenden verÃ¤ndern kÃ¶nnte. Der Verfahrensantrag auf persÃ¶nliche Befragung ist deshalb abzulehnen.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>7. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten den BeschwerdefÃ¼hrenden aufzuerlegen (§ 13 Abs. 2 in Verbindung mit § 70 VRG) und steht ihnen keine Parteient­schÃ¤digung zu (§ 17 Abs. 2 VRG). </span></p> <p class="Einzug1"><a id="Text12"></a><span>DemgemÃ¤ss entscheidet die Kammer:</span></p> <p class="Dispo">1.<span> </span> Die Beschwerde wird abgewiesen.</p> <p class="Dispo">2.<span> </span> Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 2'060.-- Total der Kosten.</p> <p class="Dispo">3.<span> </span> Die Gerichtskosten werden den BeschwerdefÃ¼hrenden je zur HÃ¤lfte auferlegt, unter solidarischer Haftung fÃ¼r die gesamten Kosten. </p> <p class="Dispo">4.<span> </span> Eine ParteientschÃ¤digung wird nicht zugesprochen.</p> <p class="Dispo">5.<span> </span> Gegen diesen Entscheid kann innert <a id="Dropdown5">30</a> Tagen, von der Zustellung an gerechnet, Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht erhoben werden.</p> <p class="Urteilstext">6. â¦</p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>