Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Juli 2015 (720 15 30 / 186; 720 15 31 / 187; 720 15 37 / 188) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Würdigung des medizinischen Sachverhaltes: Auf das von der IV-Stelle einge- holte polydisziplinäre Gutachten kann abgestellt werden; in zeitlicher Hinsicht ist für die Zeitspanne vor der verbindlichen Zumutbarkeitsbeurteilung im Gutachten auf echtzeitli- che Unterlagen abzustellen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber i.V. Lukas Meyer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Dorrit Freund, Advo- katin, Spalenring 150, Postfach 150, 4009 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1968 geborene A.____ hat sich im Jahr 1988 b ei einem Verkehrsunfall eine Brust- wirbelfraktur zugezogen. Im Jahr 1995 erlitt er bei einem weiteren Autounfall eine leichte Hirn- erschütterung und eine HWS-Distorsion. Seither klag t der Versicherte über Nackenschmerzen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht und einen Tinnitus. A.____ war zuletzt bis zum 31. Janua r 2003 bei der B.____ AG als Be- triebsmechaniker angestellt. Am 20. Februar 2003 meldete er sich unter Hinweis auf eine kogni- tive Funktionsstörung, eine sekundäre Verhaltensänderung, eine reaktive depressive Störung, einen Tinnitus, eine HWS-Distorsion und eine leichte traumatische Hirnschädigung bei der Eid- genössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug a n. Bei einem Überfall in Mallor- ca am 9. August 2006 erlitt der Versicherte ein Schädel- Hirn-Trauma. In der Folge wurde im Sommer 2008 zur Klärung seiner Restarbeitsfähigkeit vo n der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) ein polydisziplinäres Gutachten eingeholt, welche s ihm aus internistischer, psychiatri- scher, neurologischer und neuropsychologischer Sicht eine Restarbeitsfähigkeit von 30 % attes- tierte. Der Einwand, der auf den Vorbescheid vom 9. Juli 2008 folgte, und die Bezugnahme auf die Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) ergaben gewisse Wider- sprüche zum polydisziplinären Gutachten, weshalb die IV-Stelle eine weitere neurologische und psychiatrische Begutachtung als erforderlich erachtete. Fo lglich hat die IV-Stelle mit Verfügung vom 16. Mai 2012 eine entsprechende Begutachtung dur ch Dr. med. C.____, FMH Neurologie, und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie , angeordnet. Gegen diese Verfü- gung erhob der Versicherte Beschwerde an das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht), welche mit Urteil vom 28. Febru ar 2013 abgewiesen wurde. Anschlies- send wurden die beiden Gutachten am 22. November 2013 und am 29. November 2013 erstellt. Gestützt darauf hat die IV-Stelle nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens dem Versicher- ten in je drei separaten Verfügungen vom 6. Januar 2015 zunächst für die Zeit vom 1. Juli 2003 bis zum 31. Oktober 2006 eine halbe Invalidenrente, dan n für die Zeit vom 1. November 2006 bis zum 31. März 2008 eine Dreiviertelrente und schliesslich für die Zeit ab 1. April 2008 befris- tet bis zum 31. März 2010 eine Viertelrente zugesprochen. B. Gegen diese Verfügungen hat der Versicherte, vertr eten durch Frau Dr. Dorrit Freund, Advokatin, mit je drei separaten Eingaben vom 27. Jan uar 2015 Beschwerde an das Kantons- gericht erhoben. Darin beantragte er, es seien die angefochtenen Verfügungen aufzuheben und die IV-Stelle sei zu verpflichten, ihm mit Wirkung ab 1. Juli 2003 eine ganze Invalidenrente aus- zurichten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Vereinigung der drei Beschwerde- verfahren betreffend die drei Verfügungen vom 6. Janua r 2015. Zudem seien die vollständigen Akten der SUVA Basel von Amtes wegen beizuziehen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung liess er im Wesentlichen vorbringen, dass das neu eingeholte bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und D.____ mangelhaft und daher ohne Beweiswert sei. C. Mit Verfügung vom 29. Januar 2015 hat das Kantonsg ericht die Zusammenlegung der drei Beschwerdeverfahren (Verfahren Nr. 720 15 30, 720 15 31 und 720 15 37) angeordnet. D. In ihrer Vernehmlassung vom 6. März 2015 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bilden die drei Verfügungen der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 6. Januar 2015, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-L andschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ge- richtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügung en der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden B eschwerden zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobenen – Beschwerden des Versicherten vom 27. Januar 2015 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerde führers auf Rentenleistungen. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügungen vom 6. Januar 2015 entwickelte. Dieser Zeitpunkt bilde t rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Vo- raussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 4.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arb eitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6.1 Für die Beurteilung des Gesundheitszustandes des Besch werdeführers sind im We- sentlichen nachfolgende medizinische Unterlagen zu berücksichtigen: 6.2 Am 30. Dezember 2005 erstellte Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychothera- pie, zuhanden der SUVA ein psychiatrisches Gutachten. Darin erwähnt er, dass der Versicherte eine erhebliche depressive und zugleich regressive Symptoma tik zeige, welche auf eine An- passungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) zurückgeführt werden könne. Das erheblich regressive Verhalten des Versicherte n gehe jedoch über die übliche Symptomatik der genannten posttraumatischen Anpassungsstöru ng bei längerer depressiver Reaktion hinaus. Er habe sich in den ersten Monaten nach dem Unfall vom 9. November 1995 als hilflos und kaum mehr zu den einfachsten täglichen V errichtungen fähig präsentiert. Dieses stark regressive Verhalten übersteige zumindest in quantit ativer Hinsicht eine Anpassungsstö- rung mit längerer depressiver Reaktion. Beim Beschwerdefü hrer lasse sich auch eine deutlich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht erhöhte Kränkbarkeit feststellen. Aufgrund dieser psychisc hen Konstellation sei von einer vor- bestehenden narzisstisch-neurotischen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8) auszugehen. Der Tinnitus habe zu einer psychischen Überforderung im S inne eines hyperasthetisch- asthenischen Syndroms geführt, welches als Neurasthenie (IC D-10 F48.0) bezeichnet werde. Aufgrund der psychischen Störung sei der Versicherte in der Lage ein Arbeitspensum von 50 % als Betriebsmechaniker zu leisten. In zeitlicher Hinsicht mü sse ihm ein vermindertes Rende- ment zugestanden werden, was bedeute, dass er für die E rledigung eines Arbeitspensums von 50 % rund fünf bis sechs Stunden benötige. 6.3 Erstmals umfassend über die Entwicklung der gesundheit lichen Situation des Be- schwerdeführers geäussert hat sich die F.____ GmbH (F.__ __) in ihrem polydisziplinären Gut- achten vom 4. Juni 2008. Darin wird mit Einfluss auf d ie Arbeitsfähigkeit eine organische Per- sönlichkeitsstörung (ICD-10 F07.0) diagnostiziert bei Schädelhirntrauma am 9. August 2006 mit bifrontalen Kontusionen (ICD-10 S06.03), bei neuropsyc hologischen Defiziten und Wesensver- änderung (ICD-10 S07.2), bei Anosmie (ICD-10 S04.8), bei Fraktur des Os occipitale sowie beider Orbitae und des Nasenbeins (ICD-10 S02.1), be i Autounfall am 9. November 1995 mit milder traumatischer Hirnschädigung (ICD-10 S06.0) und beidseitigem Tinnitus mit Hyperakusis (ICD-10 H93.2). Zudem bestehe auch der Verdacht auf e ine narzisstische Persönlichkeitsstö- rung (ICD-10 F60.8). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähi gkeit bestehe anamnestisch ein intermit- tierndes Zervikalsyndrom (ICD-10 M53.9). Der Beschwerdef ührer habe im August 2006 ein schweres Schädelhirntrauma mit bifrontalen Hirnkontusionen erlitten. Sowohl bei der psychiatri- schen wie auch bei der neurologischen und der neuropsycholo gischen Untersuchung seien wesentliche Folgen dieser Verletzung festgestellt worden. Es bestehe ein hirnorganischer Schaden mit einer Persönlichkeitsstörung und neuropsycho logischen Defiziten. Aus psychiatri- scher wie neurologischer Sicht sei der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Maschinenmechaniker zu 100 % arbeitsunfähig. Für eine i ntellektuell anspruchslose Tätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit v on 50 %. Durch die neuropsychologi- schen Defizite werde diese Arbeitsfähigkeit auf 30 % r eduziert. Zusätzliche Einschränkungen in qualitativer Hinsicht ergäben sich durch den beidseitigen Tinnitus, der eine Tätigkeit in lauten Räumen nicht mehr zulasse. Insgesamt sei der Beschwerdefüh rer aus polydisziplinärer Sicht für eine intellektuell anspruchslose Tätigkeit ohne Zeit - und Leistungsdruck zu 30 % arbeits- und leistungsfähig, was in der freien Marktwirtschaft wohl kaum umsetzbar sei. Die Arbeitsunfä- higkeit von 100 % für die bisherige Tätigkeit als Maschin enmechaniker bestehe sicherlich seit dem Unfall vom 9. August 2006. Eine wesentliche Beein trächtigung bestehe aber wegen des Tinnitus schon seit 2002. Für eine angepasste Tätigkeit habe vor dem Unfall vom 9. August 2006 gemäss Angaben der SUVA eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestanden. Seit dem Unfall vom August 2006 bestehe in einer angepassten Tätigkeit eine Restarbeitsfähigkeit von 30 %. 6.4 Wie eingangs geschildert, gab die IV-Stelle im Ma i 2012 eine bidisziplinäre Begutach- tung des Versicherten in Auftrag. 6.4.1 Das psychiatrische Teilgutachten wurde von Dr. D. ____ am 22. November 2013 er- stellt. Darin diagnostiziert er mit Einfluss auf die Ar beitsfähigkeit eine organische Persönlich- keitsstörung bei Status nach Schädelhirntrauma am 9. Aug ust 2006 sowie bei Status nach Au- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tounfall am 9. November 1995. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien akzentuierte narzisstische Persönlichkeitszüge, differenzialdiagnostisch eine narzisstische Persönlichkeits- störung. Die Stimmung anlässlich der Exploration sei durchwegs ausgeglichen gewesen und es seien keine Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Auffa ssungsstörungen sowie Ermüdungs- erscheinungen zu erkennen gewesen. Ferner lasse sich eine Ve rbesserung der Aggressivität und Impulsivität feststellen. Insgesamt lasse sich gegenüber der Begutachtung aus dem Jahr 2008 eine gewisse Verbesserung bezüglich der organischen Persönlichkeitsstörung erkennen. Der Schweregrad sei aktuell noch als leicht bis mittelgrad ig zu beurteilen. Eine Verbesserung werde auch im neuropsychologischen Gutachten vom 10. Aug ust 2012 festgehalten, indem ein kognitiver Normalbefund beschrieben werde. Bezüglich de s Schmerzsyndroms sei den somati- schen Akten zu entnehmen, dass nicht sämtliche Beschwerden hinreichend durch körperliche Störungen zu erklären seien. Beim Versicherten sei kein S chmerzerleben wahrnehmbar, so dass eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung nicht dia gnostiziert werden könne. Auch die im Dezember 2005 von Dr. E.____ diagnostizierte An passungsstörung mit längerer depres- siver Reaktion könne nicht mehr bestätigt werden. Aus rei n psychiatrischer Sicht lasse sich be- züglich der organischen Persönlichkeitsstörung keine Einsch ränkung der Arbeitsfähigkeit und auch keine Verminderung der Leistungsfähigkeit für eine einfach strukturierte Tätigkeit, bei wel- cher ein vermehrter Kontrollbedarf gewährleistet sei, b egründen. Aus rein psychiatrischer Sicht habe gemäss dem F.____-Gutachten seit dem Unfall vom Jahr 2006 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestanden. Aufgrund der ungenauen Angaben könne eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor dem Jahr 2008 nicht erfolgen. Insofern müsse auf die Akten abgestützt werden. Wann ge- nau die Verbesserung des psychischen Zustandes seit dem Jahr 2008 eingetreten sei, könne nicht verlässlich bestimmt werden. Gestützt auf die Anga ben des Beschwerdeführers und der neuropsychologischen Beurteilung im Jahr 2010 könne appr oximativ davon ausgegangen wer- den, dass im Jahr 2010 eine Besserung des psychischen Gesund heitszustandes eingetreten sei. Seither lasse sich aus rein psychiatrischer Sicht keine Ei nschränkung der Arbeitsfähigkeit und auch keine Verminderung der Leistungsfähigkeit für einfach strukturierte manuelle Tätigkei- ten mit Gewährleistung eines vermehrten Kontrollbedarf s mehr begründen. Dass sich der Ver- sicherte selbst als nur noch für zwei Nachmittage pro Woche in einem geschützten Rahmen arbeitsfähig einschätze, sei auf seine subjektive Krank heits- und Behindertenüberzeugung und damit auf Selbstlimitierung zurückzuführen. 6.4.2 Im neurologischen Teilgutachten vom 29. Novembe r 2013 diagnostiziert Dr. C.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine frontal beton te neuropsychologische Funktionsstörung bei Status nach Schädelhirntrauma am 9. August 2006 un d bei Status nach Verkehrsunfall 1995 mit HWS-Distorsion und MTBI sowie ein linksbetontes leicht bis mässig ausgeprägtes mittleres bis unteres Cervicalsyndrom bei degenerativen Ze ichen im Bereich der mittleren und unteren HWS und bei Status nach Verkehrsunfall 1995 mit Comotio cerebri und Kontusion des Innenohrs. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit se ien die Anosmie beidseits und das leicht thorako-lumbale Vertebralsyndrom ohne Funktionsei nschränkung. Im Bereich der HWS bestehe ein leicht bis mässig ausgeprägtes Cervicalsyndrom oh ne relevante Funktionsein- schränkung oder damit verbundenen neurologischen Ausfäl len. In Bezug auf die Arbeitsfähig- keit bedeute dies, dass keine körperliche Schwerarbeit mi t repetitiven Arbeiten über Schulter- gürtelhöhe mehr zumutbar sei. Die Beschwerden im Bereich der Brustwirbelsäule und der Hüft- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Gesässregion seien unter regelmässigem Krafttraining wenig problematisch und daher oh- ne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der Tinnitus beidseits bewirke, dass erhebliche Lärmbe- lastungen nicht mehr zumutbar seien und er sei auch mögliche Mitursache der Schlafstörungen. Möglich und wahrscheinlicher seien die Schlafstörungen aber psychisch oder in Zusammen- hang mit kognitiven Funktionsstörungen zu begründen. A us neurologischer Sicht könne aber kein eigenständiger Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit abgeleitet werden, der über das Ausmass der kognitiven Defizite hinausgehe. Nach dem Unfall v on 1995 seien bereits leichte bis mittel- schwere neuropsychologische Funktionsstörungen dokumentiert worden, welche aber mit gros- ser Wahrscheinlichkeit reaktiv-psychisch bedingt gewesen seien. Eine weitere und klar fassbare Ursache von neuropsychologischen Defiziten sei aber hauptsäch lich der Unfall vom 9. August 2006. Es sei ein frontalbetontes neuropsychologisches Störun gsbild und eine Anosmie be- schrieben worden. Das F.____- Gutachten aus dem Jahr 200 8 bestätige eine organische Per- sönlichkeitsstörung bzw. einen hirnorganischen Schaden mit Persönlichkeitsstörung und neu- ropsychologischen Defiziten. Die verkehrspsychologische Beguta chtung vom 24. August 2010 habe eine mittelschwere Beeinträchtigung des sprachlich en Gedächtnisses und eine leichte Beeinträchtigung der Alertness diagnostiziert, was aber ohne Einfluss auf die Fahrtauglichkeit sei. Das neuropsychologische Gutachten vom 10. August 2012 habe dagegen bei valider Un- tersuchung einen kognitiven Normalbefund ergeben. Ledi glich in der verbalen Erfassungsspan- ne liege ein leichtes Defizit vor. Demgegenüber weise der aktuelle klinische Eindruck aufgrund der Perseverationen, Konfabulationen, des Abschweifens und Verlierens in Details auf wesent- liche frontale Funktionsstörungen hin. Die Gedächtnislei stung wie auch das Verständnis von Fragen erscheine reduziert, was aufgrund der dokumentier ten frontalen Hirnverletzung absolut plausibel sei. Frontale Funktionsstörungen seien mit st andardisierten neuropsychologischen Untersuchungen nur ungenügend erfassbar. Aufgrund der Aktenlage und der klinischen Befun- de seien aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fro ntale Funktionsstörungen in einem Ausmass vorhanden, welche auch einen Einfluss auf die Ar beitsfähigkeit hätten. Der Be- schwerdeführer sei heute nicht mehr in der Lage, kompl exe Zusammenhänge zu verstehen. Er sei in seiner Flexibilität eingeschränkt und vermöge höh eren intellektuellen Ansprüchen nicht mehr zu genügen. Aus neurologischer Sicht sei der Beschwerdeführer sicherlich seit dem Unfall vom 9. August 2006 in seinem angestammten Beruf als Ma schinenmechaniker nicht mehr ar- beitsfähig. In einer körperlich höchstens mittelschweren Tätigkeit ohne repetitive Arbeit über Kopf, ohne Lärmbelastung, ohne Ansprüche an die kogni tive Flexibilität, Übersicht und intellek- tuelle Leistungsfähigkeit sei der Beschwerdeführer ohn e weitere Einschränkungen ganztags arbeitsfähig. 6.4.3 Aus bidisziplinärer Sicht, so das Ergebnis des Gut achtens der Dres. D.____ und C.____, sei der Beschwerdeführer seit dem Unfall vom 9. August 2006 in seiner angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig. Der Verlauf davor könne retrospektiv nicht mehr genügend sicher rekonstruiert werden, so dass diesbezüglich auf die Aktenlage verwiesen werden müsse. Für eine angepasste Tätigkeit, wie im neurologischen Gu tachten beschrieben, bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit seit spätestens 2010. Der Verlau f zuvor, d.h. seit dem Gutachten des F.____ vom Jahr 2008, lasse sich nicht mehr mit genügend er Sicherheit rekonstruieren, so dass auf die Aktenlage zu verweisen sei. Anzunehmen sei abe r, dass die Arbeitsfähigkeit für Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine angepasste Tätigkeit seit dem Gutachten des F.____ im bis zum Jahr 2010 mehr oder we- niger kontinuierlich zugenommen habe. 7.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dem psychiatri sch-neurologischen Doppelgut- achten der Dres. C.____ und D.____ vom 22./29. Novemb er 2013 müsse die Beweiskraft ab- gesprochen werden, da das Gutachten ohne eingehende Be obachtungen und Untersuchungen erfolgt sei. Das Doppelgutachten würde zudem nicht hin länglich begründen, weshalb eine Ar- beitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit vorliege. We iter sei das Gutachten nicht schlüssig und enthalte unzählige tatsachenwidrige Aussagen. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen . Solche Indizien liegen hier entge- gen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht vor. Das bidi sziplinäre Gutachten ist sehr umfas- send und ausführlich, es berücksichtigt sämtliche medizinischen Unterlagen und beinhaltet eine umfassende Anamnese. Es beruht auf gründlichen Untersuch ungen und nimmt auch Stellung zu den abweichenden Einschätzungen anderer Ärzte und frü herer Gutachten. Insgesamt er- scheint das Gutachten vollständig und auch in seinen Erge bnissen schlüssig und nachvollzieh- bar. Es macht deutlich, dass der Beschwerdeführer aufgru nd der gestellten Diagnosen in einer angepassten Tätigkeit ab 2010 voll arbeitsfähig ist. Damit genügt es sowohl formal wie inhaltlich den bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweistauglich es Gutachten, so dass darauf abge- stellt werden kann. 7.2 Im Weiteren rügt der Beschwerdeführer, dass das bi disziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 22./29. November 2013 ret rospektiv eine geringere Arbeitsunfä- higkeit als die echtzeitlichen Beurteilungen attestier e. Dazu ist festzuhalten, dass das entspre- chende Gutachten eine verbindliche Zumutbarkeitsbeurteil ung erst ab 2010 festhält. Für den retrospektiven Zeitabschnitt von 2010 bis zum Gutachtensz eitpunkt Ende 2013 gibt es jedoch keine echtzeitliche Einschätzung, die eine höhere Arbeitsunfähigkeit ausweisen würde. Was die Zeit zwischen 2008, in der das F.____ die Begutachtung d urchführte, und 2010 betrifft, so ge- hen die Dres. C.____ und D.____ von einer kontinuierli chen Verbesserung aus, ohne aber die Zumutbarkeit zu quantifizieren. Auch für diese Zeitperi ode gibt es echtzeitlich keine konkrete Zumutbarkeitsbeurteilung. Für die Zeit davor, d.h. fü r die Zeitspanne bis zur F.____- Begutachtung im Jahr 2008, gibt das Gutachten der Dres. C.____ und D.____ gar keine Zu- mutbarkeitsbeurteilung ab, sondern verweist dafür auf die Aktenlage. Im Folgenden ist auf die einzelnen Zeitabschnitte separat einzugehen. 7.3.1 Das bidisziplinäre Gutachten vom 22./29. November 2013 äussert sich dem Gesagten nach erst ab 2010 verbindlich zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten. Die darin beschriebene volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ist mit Hinweis auf das verkehrspsychologi- sche Gutachten vom 24. August 2010 denn auch begründet. Für den entsprechenden Zeitab- schnitt liegt auch keine widersprechende Beurteilung e ines anderen Arztes vor. Der Einwand des Beschwerdeführers, im bidisziplinären Gutachten vom 2 2./29. November 2013 werde die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht abweichende Beurteilung des Versicherungsmediziners der SUVA Dr. med. G.____, FMH Neu- rologie, nicht berücksichtigt, ist unbehilflich, da die von Dr. G.____ beschriebenen Beeinträchti- gungen nur die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf betreffen. Er beschreibt eine Minder- leistung einzelner kognitiver Funktionen, der Dauerau fmerksamkeit, der Gedächtnisleistung bei erhöhten Anforderungen und komplexen exekutiven Funktio nen. Er nennt insbesondere die Handlungsplanung und die Problemlösung. Diese Einschätzung findet sich indes auch im bidis- ziplinären Gutachten vom 22./29. November 2013, wesha lb nicht davon ausgegangen werden kann, dass eine abweichende Beurteilung vorliege. Aus dem weiteren Einwand, ein verkehrs- psychologisches Gutachten beurteile nicht die Arbeitsfähig keit, kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. Der Gutachter Dr. C.____ weist selbst darauf hin, dass fron- tale Funktionsstörungen mit standardisierten neuropsycholo gischen Untersuchungen nur unge- nügend erfassbar seien. Bei der Zumutbarkeitsbeurteil ung sind somit trotz der guten kognitiven Testwerte der beschränkten Flexibilität, der beschränkten Übersicht und der beschränkten intel- lektuellen Leistungsfähigkeit Rechnung getragen worden. 7.3.2 Sodann wendet der Beschwerdeführer ein, er hab e seine Fähigkeiten beschönigt und die beschriebenen Alltagsabläufe entsprächen nicht der Realität. Dazu ist festzuhalten, dass aus den Observationsberichten der Jahre 2007 und 2009 sow ie den verkehrspsychologischen Begutachtungen hervorgeht, dass der Beschwerdeführer in verschiedener Hinsicht noch über gut erhaltene Ressourcen verfügt. Gemäss den Observation sberichten sei er namentlich in der Lage eine Dachkonstruktion/Carport am Haus zu montieren, was das Besteigen von Leitern, die Einpassung von Profilelementen und Bohrarbeiten auch üb er Kopf erfordere. Ebenso könne er Gartenarbeiten durchführen und ins Fitnessstudio gehen. Zudem seien während der verkehrs- psychologischen Begutachtung vom 24. August 2010 die unt ersuchten Funktionen geteilte Aufmerksamkeit, Konzentration, Flexibilität, Interferenz fähigkeit, Umstellfähigkeit und Impuls- kontrolle der Norm entsprechend. Im Bereich der Reaktio nsfähigkeit und einem Teilbereich der reaktiven Belastbarkeit, Aufmerksamkeit und Reaktionsgeschw indigkeit habe der Versicherte gar überdurchschnittliche Werte erreicht. Diese Tatsachen legen den Schluss nahe, dass selbst wenn von einer gewissen Beschönigung der Fähigkeiten dur ch den Beschwerdeführer ausge- gangen wird, die Beurteilung im bidisziplinären Gutach ten vom 22./29. November 2013 der Dres. C.____ und D.____ noch immer überzeugend erscheint. 7.3.3 Im Weiteren sind auch die Einwände des Beschwerdef ührers, es müsse eine erneute neuropsychologische Testung sowie ein Arbeitsversuch in e inem geschützten Rahmen durch- geführt werden, um die tatsächliche Restarbeitsfähigkei t zuverlässig bestimmen zu können, nicht stichhaltig. Sowohl ein Arbeitsversuch als auch eine neuropsychologische Testung können nur bei voller Compliance des Betroffenen aussagekräfti ge Ergebnisse herbeiführen. Bei der attestierten Selbstlimitierung und der subjektiven Kran kheits- und Behindertenüberzeugung des Beschwerdeführers erscheint dies aber äusserst fraglich. In sgesamt ist festzuhalten, dass das bidisziplinäre Gutachten vom 22./29. November 2013 ab dem Jahr 2010 zu schlüssigen Ergeb- nissen gelangt, so dass darauf abgestellt werden kann. Ab 2010 besteht demnach eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4.1 Für die Zeit vor 2010 enthält das Gutachten vom 22./29. November 2013, wie in Erwä- gung 7.2 hiervor erwähnt, keine klare Zumutbarkeitsbeu rteilung. Es wird lediglich eine kontinu- ierliche Verbesserung des Gesundheitszustandes seit der Begu tachtung des F.____ vom 4. Juni 2008 bis 2010 festgehalten, im Übrigen aber auf die Aktenlage verwiesen. Die IV-Stelle hat für den Zeitraum von 2008 bis 2010 eine Arbeitsfä higkeit von 75 % angenommen, jedoch nicht begründet, wie sie diesen Wert ermittelt hat. M it dem Verweis auf die Aktenlage kann echtzeitlich jedoch nur auf das Gutachten des F.____ vom 4. Juni 2008 abgestellt werden. Die- ses attestiert dem Beschwerdeführer seit dem Überfall vom 9. August 2006 eine Restarbeitsfä- higkeit von 30 %. Da die im bidisziplinären Gutachten vo m 22./29. November 2013 erwähnte Verbesserung des Gesundheitszustandes nicht klar quantifizie rt werden konnte, ist aufgrund dieser mangelnden Erkenntnis bis Ende 2009 von einer Re starbeitsfähigkeit von 30 % auszu- gehen. 7.4.2 Der Einkommensvergleich, den die Vorinstanz auf d er Basis dieser 30 %-igen Restar- beitsfähigkeit vorgenommen hat, wurde vom Beschwerdeführer nicht beanstandet und erscheint auch korrekt. Die IV-Stelle ging bei der Bemessung des Valideneinkommens davon aus, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Betriebsmechaniker ein Jahresein- kommen von Fr. 74‘232.--, basierend auf den Angaben des ehemaligen Arbeitgebers und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 4.2 % im Sektor verarbeitendes Gewer- be/Industrie, gemäss Tabelle T1.1.93 Nominallohnindex Männer 1993-2006, erzielen könnte. Bei der Bemessung des Invalideneinkommens stützte sie sich auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) ab. Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 30 % beträgt das Inval ideneinkommen nun aber Fr. 17‘759.--. Grundlage hierfür bleibt die von der IV-Stelle hera ngezogene Tabelle TA1 (2006), privater Sek- tor, Anforderungsniveau 4, Spalte Männer, von Fr. 4‘ 732.-- pro Monat, basierend auf 40 Wo- chenstunden. Nach Umrechnung auf die betriebsübliche wöc hentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden resultierte ein Jahreseinkommen von Fr. 59‘197.--. In der hiervor unter Erwägung 7.4.1 festgelegten Restarbeitsfähigkeit von 30 % resultiert das vorherstehende jährliche Invalidenein- kommen von Fr. 17‘759.--. Ab 2008 ist der Invaliditätsgr ad erneut zu berechnen. Der Be- schwerdeführer könnte ab diesem Zeitpunkt in seiner ange stammten Tätigkeit als Betriebsme- chaniker ein Jahreseinkommen von Fr. 76‘298.-- erzielen. Diese Angaben basieren wiederrum auf den Angaben des ehemaligen Arbeitgebers und unter Berücksichtigung der Nominallohn- entwicklung von 7.1 % im Sektor verarbeitendes Gewerbe/I ndustrie, gemäss Tabelle T1.1.93 Nominallohnindex Männer 1993-2008. Grundlage für die Berechnung des Invalideneinkommens bildet nun die Tabelle TA1 (2008), privater Sektor, A nforderungsniveau 4, Spalte Männer, von Fr. 4‘806.-- pro Monat, basierend auf 40 Wochenstunden, auf welche sich die IV-Stelle abstütz- te. Nach Umrechnung auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,6 Stunden pro Woche sowie unter Berücksichtigung des zumutbaren Pensums von 30% resultiert ein Jahres- einkommen von Fr. 17‘561.--. Eine Gegenüberstellung vo n Validen- und Invalideneinkommen ergibt einen Invaliditätsgrad von rund 76 % zwischen dem 1. August 2006 und 31. Dezember 2007 sowie einen Invaliditätsgrad von rund 77 % ab 1. Januar 2008 bis 31. Dezember 2009. Ob bereits unmittelbar nach dem Unfall eine Arbeitsfähigkeit von 30 % bestanden hat, oder ob auf- grund der doch erheblichen Verletzungen nicht zumindest die ersten Wochen beziehungsweise Monate nach dem Unfall eine volle Arbeitsunfähigkeit b estand, kann letztlich offen gelassen Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden, da bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % f ür den massgeblichen Zeitraum vom 1. November 2006 bis 31. März 2010 zu einer vollen Rente führt. 7.5. Schliesslich bleibt noch der Zeitabschnitt ab Anspr uchsbeginn am 1. Juli 2003 bis zum Überfall vom 9. August 2006 zu beurteilen. Für diesen Z eitabschnitt beruft sich der Beschwer- deführer darauf, dass er zumindest bis zum 31. Dezember 2005 volle Taggeldleistungen der SUVA bezogen habe, womit auch eine Arbeitsunfähigkei t von 100 % bis Ende 2005 ausgewie- sen sei. Da sich der Gesundheitszustand im ersten Halbja hr 2006 bis zum Überfall nicht ver- bessert habe, stehe ihm auch für diesen Zeitabschnitt eine volle Rente der IV zu. Allein auf die Taggeldleistungen der SUVA kann im vorliegenden Fall nicht abgestellt werden. Massgeblich sind vielmehr die für diese Zeitperiode vorliegenden me dizinischen Beurteilungen. Im Zentrum steht dabei das psychiatrische Gutachten von Dr. E.____ vom 30. Dezember 2005. Darin attes- tiert er eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, wobei er kei nen Zeitpunkt angibt, ab wann diese Zumut- barkeitsbeurteilung gilt. Jedoch hat die SUVA auch nicht nach dem Zeitpunkt gefragt. Es kann aber entnommen werden, dass die Einschätzung von Prof. D r. med. H.____, FMH ORL, Hals- und Gesichtschirurgie, kritisiert wird, wonach der Tin nitus eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bewirke. Dr. E.____ wendet ein, dass Prof. Dr. H.____ bei seiner Einschätzung am 12. Novem- ber 2003 die sekundären psychischen Folgen des Tinnitus i n seine Beurteilung einbezogen habe, obwohl dies eine Beurteilung sei, die nur eine r psychiatrischen Fachperson zustehe. Prof. Dr. H.____ habe denn auch die psychischen Sekundär folgen des Tinnitus zu hoch einge- schätzt. Der Beschwerdeführer verfüge doch noch über beach tliche berufliche und psychische Ressourcen, so dass ihm trotz der psychischen Sekundärfolgen eine Arbeitszeit von fünf bis sechs Stunden täglich mit leicht vermindertem Rendement entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von 50 % zuzumuten sei. Nachdem die Fehleinschätzung vo n Prof. Dr. H.____ vom November 2003 stammt, wird die Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. E.____ implizit bereits auf November 2003 bezogen, so dass bereits ab Anspruchsbeginn im Juli 2 003 von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen ist. Für diese Zeitperiode ist der Ein kommensvergleich der IV-Stelle nicht zu beanstanden. Bei einer Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens resul- tiert für die Zeit ab 10. Juli 2003 bis 31. Dezember 2005 ein Invaliditätsgrad von 58 % und ab 1. Januar 2006 bis 31. Juli 2006 ein Invaliditätsgrad von 59 %, was jeweils einen Anspruch auf eine halbe Rente begründet. 7.6 Zusammenfassend ist aufgrund des zuvor Gesagten fes tzuhalten, dass vom 1. Juli 2003 bis zum 31. Oktober 2006 Anspruch auf eine halbe Rente resultiert. Vom 1. November 2006 bis zum 31. März 2010 besteht Anspruch auf eine g anze Rente. Ab 1. April 2010 besteht kein Rentenanspruch mehr. Die Beschwerden sind somit in B ezug auf den Rentenanspruch für den Zeitraum vom 1. November 2006 bis 31. März 2010 te ilweise gutzuheissen. In Bezug auf den Zeitraum bis Ende Oktober 2006 und für die Zeit a b 1. April 2010 sind sie dagegen abzu- weisen. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden V erfahrenskosten in der Regel Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht der unterliegenden Partei auferlegt, gegenüber der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden werden indes keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorlieg end die Vorinstanz teilweise unterle- gen ist, ist demnach auf die Erhebung von Verfahrensko sten zu verzichten. Dem Beschwerde- führer wird demnach der Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 8.2 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahr ens entsprechend ist dem Beschwer- deführer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten de r IV-Stelle zuzusprechen. Da die Be- schwerde nur teilweise gutgeheissen wurde, kann dem Besch werdeführer nur eine reduzierte Parteientschädigung ausgerichtet werden (vgl. § 21 Abs. 1 VPO, wonach der ganz oder teilwei- se obsiegenden Partei eine angemessene Parteientschädig ung zugesprochen werden kann). Die Rechtsvertreterin hat in ihrer Honorarnote vom 13 . April 2015 einen Zeitaufwand von 13,94 Stunden und Auslagen in der Höhe von Fr. 771.10 in R echnung gestellt. Davon betreffen 3.67 Stunden noch die Zeit vor Erlass der angefochtenen Ver fügungen vom 6. Januar 2015 und können daher im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfa hrens nicht entschädigt werden. Der demnach grundsätzlich entschädigungsberechtigte Zeit aufwand von 10.27 Stunden sowie die Auslagen sind entsprechend des – gemessen am Antrag des Beschwerdeführers auf eine unbefristete ganze Rente – teilweisen Unterliegens zus ätzlich um die Hälfte zu kürzen. Der nunmehr verbleibende Aufwand von 5.135 Stunden ist m it dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Stundenansatz von Fr. 250.-- zu vergüten. Die I V-Stelle hat dem Beschwerdeführer somit eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘802.85 (inkl. Fr. 385.55 an Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerden werd en die angefochtenen Verfügungen der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 6. Ja nuar 2015 da- hingehend geändert, dass der Beschwerdeführer für die Zeit vom 1. November 2006 bis zum 31. März 2010 ein Anspruch auf eine gan- ze IV-Rente hat. Im Übrigen werden die Beschwerden abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine redu- zierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘802.8 5 (inkl. Ausla- gen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 14. Oktober 2015 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_753/2015 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht