<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 90 S.420</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">420</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>90 Widerruf der Niederlassungsbewilligung; Verschweigen wesentlicher</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Tatsachen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Soll einem aus einem anderen Kanton zuziehenden Niedergelassenen der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Kantonswechsel bewilligt und eine Niederlassungsbewilligung erteilt wer-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den, muss das Migrationsamt das bisherige Verhalten nochmals einge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hend prüfen. Wird auf den Beizug der Akten des Vorkantons verzichtet,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kann die Niederlassungsbewilligung später nicht aufgrund von Umstän-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den, die in diesen Akten hinreichend dokumentiert sind, widerrufen wer-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den (E. II./4.3.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 27. Juni</span><br/> <span class="ft3">2008 in Sachen D.A. betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung bzw.</span><br/> <span class="ft3">Familiennachzug (1-BE.2007.39).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</div> <span class="page_no">421</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer war in den Jahren 1983 bis 1988 in Ma-</span><br/> <span class="ft1">zedonien verheiratet. Im März 1992 heiratete er eine in der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">niedergelassene Landsfrau, von der er seit Oktober 2004 geschieden</span><br/> <span class="ft1">ist. Aufgrund dieser Ehe erteilte ihm der Kanton Luzern am 1. März</span><br/> <span class="ft1">2001 die Niederlassungsbewilligung. Im Januar 2005 heiratete der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer erneut seine erste Ehefrau. Mit dieser hat er fünf</span><br/> <span class="ft1">gemeinsame Kinder, wovon zwei im Laufe seiner zweiten Ehe gebo-</span><br/> <span class="ft1">ren worden waren. Per 1. März 2006 nahm der Beschwerdeführer im</span><br/> <span class="ft1">Kanton Aargau Wohnsitz, worauf ihm im Rahmen des Kantons-</span><br/> <span class="ft1">wechsels die Niederlassungsbewilligung für den Kanton Aargau er-</span><br/> <span class="ft1">teilt wurde. Nachdem er kurz darauf darum ersuchte, seine Familie</span><br/> <span class="ft1">nachziehen zu dürfen, widerrief das Migrationsamt seine Niederlas-</span><br/> <span class="ft1">sungsbewilligung mit der Begründung, er habe die im Jahre 2001</span><br/> <span class="ft1">erteilte Niederlassungsbewilligung durch wissentliches Verschwei-</span><br/> <span class="ft1">gen wesentlicher Tatsachen erschlichen.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 4.3. In casu ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer dem</span><br/> <span class="ft1">Amt für Migration des Kantons Luzern vor Erteilung der Niederlas-</span><br/> <span class="ft1">sungsbewilligung im März 2001 nicht mitgeteilt hat, dass er Vater</span><br/> <span class="ft1">zweier ausserehelich geborenen Kinder geworden ist.</span><br/> <span class="ft1">Dies ist jedoch nicht mehr relevant. Entgegen der Ansicht der</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz geht es vorliegend nicht um den Widerruf der durch das</span><br/> <span class="ft1">Amt für Migration des Kantons Luzern erteilten Niederlassungsbe-</span><br/> <span class="ft1">willigung, sondern um den Widerruf der durch das Migrationsamt</span><br/> <span class="ft1">des Kantons Aargau am 5. Juli 2006 erteilten Niederlassungsbewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung.</span><br/> <span class="ft1">Mit Blick auf die durch das Migrationsamt des Kantons Aargau</span><br/> <span class="ft1">erteilte Niederlassungsbewilligung kann dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">nicht vorgeworfen werden, er habe seine ungewöhnliche Familien-</span><br/> <span class="ft1">situation verschwiegen und dies gar in Täuschungsabsicht getan.</span><br/> <span class="ft1">Dem Amt für Migration des Kantons Luzern war seit April 2001 be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">422</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">kannt, dass der Beschwerdeführer mit seiner früheren Ehefrau fünf</span><br/> <span class="ft1">gemeinsame Kinder hat. Der Beschwerdeführer gab den Luzerner</span><br/> <span class="ft1">Behörden auch im Rahmen des Nachzugsgesuches für seine Tochter</span><br/> <span class="ft1">F. offen Auskunft über die ausserehelich gezeugten jüngsten Kinder.</span><br/> <span class="ft1">Überdies geht aus der Befragung der zweiten Ehefrau vom</span><br/> <span class="ft1">6. Dezember 2005 detailliert hervor, wie sich die familiäre Situation</span><br/> <span class="ft1">im Heimatland präsentierte.</span><br/> <span class="ft1">Wie bereits ausgeführt, sind die Migrationsbehörden gestützt</span><br/> <span class="ft1">auf Art. 11 ANAV verpflichtet, vor Erteilung der Niederlassungsbe-</span><br/> <span class="ft1">willigung das bisherige Verhalten des Ausländers nochmals einge-</span><br/> <span class="ft1">hend zu prüfen. Wird die Niederlassungsbewilligung trotz hinrei-</span><br/> <span class="ft1">chender Kenntnis des fragwürdigen Verhaltens des Ausländers erteilt,</span><br/> <span class="ft1">ist ein späterer Widerruf nicht mehr möglich.</span><br/> <span class="ft1">Bekanntlich müssen ausländische Personen die Migrationsbe-</span><br/> <span class="ft1">hörden über ausserehelich gezeugte Kinder von sich aus orientieren,</span><br/> <span class="ft1">auch wenn sie nicht direkt danach gefragt wurden, weil sie damit</span><br/> <span class="ft1">rechnen müssen, dass dieser Umstand für die Bewilligungserteilung</span><br/> <span class="ft1">bzw. -verlängerung relevant sein könnte. Es kommt demnach nicht</span><br/> <span class="ft1">darauf an, ob sie effektiv wussten, dass eine Information für den Be-</span><br/> <span class="ft1">willigungsentscheid relevant ist. Vielmehr genügt, dass sie dies hät-</span><br/> <span class="ft1">ten wissen müssen. Gleich verhält es sich bei den Migrationsbehör-</span><br/> <span class="ft1">den. Hinreichende Kenntnis über ein fragwürdiges Verhalten bedeu-</span><br/> <span class="ft1">tet nicht, dass die Migrationsbehörden effektiv Kenntnis über den</span><br/> <span class="ft1">entsprechenden Sachverhalt hatten. Entscheidend ist einzig, ob sie</span><br/> <span class="ft1">die relevanten Umstände hätten kennen können oder diese gar hätten</span><br/> <span class="ft1">kennen müssen. Soll einem aus einem anderen Kanton zuziehenden</span><br/> <span class="ft1">Niedergelassenen der Kantonswechsel bewilligt und eine Niederlas-</span><br/> <span class="ft1">sungsbewilligung erteilt werden, ist das Migrationsamt gehalten, das</span><br/> <span class="ft1">bisherige Verhalten nochmals eingehend zu prüfen. Dazu genügt es</span><br/> <span class="ft1">nicht, dem Betroffenen einzig einen Fragebogen zuzustellen. Viel-</span><br/> <span class="ft1">mehr gebietet eine sorgfältige Prüfung des Vorlebens geradezu den</span><br/> <span class="ft1">Beizug der Migrationsakten des vormaligen Bewilligungskantons.</span><br/> <span class="ft1">In casu wäre es dem Migrationsamt unter Beizug der Akten des</span><br/> <span class="ft1">Migrationsamtes des Kantons Luzern ohne weiteres möglich gewe-</span><br/> <span class="ft1">sen, sich ein umfassendes Bild von der familiären Situation des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers zu machen. Es wurde indessen darauf verzichtet, die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</div> <span class="page_no">423</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Akten beizuziehen. Nachdem jedoch in den Akten des Kantons Lu-</span><br/> <span class="ft1">zern das dem Beschwerdeführer heute zur Last gelegte Verhalten</span><br/> <span class="ft1">hinreichend dokumentiert ist, kann ihm nicht mehr vorgeworfen</span><br/> <span class="ft1">werden, er habe wissentlich wesentliche Tatsachen verschwiegen.</span><br/></div> </div> </body> </html>