<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 49 S.183</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">183</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>49</b></span> <span class="ft2"><b>Baubewilligungspflicht in Bezug auf eine Stützmauer (§ 59 Abs. 1 BauG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Für die Höhenbestimmung gemäss § 30 Abs. 2 lit. a ABauV massgeb-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>licher Terrainbegriff (Erw. 2/a).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Spezialfall, dass die neue Mauer auf einer bestehenden errichtet wird</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2/b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 14. Oktober 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen Gemeinderat S. und Mitb. gegen Baudepartement.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">184</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Der Beschwerdeführer 2 hat Ende Juni 2000 in einem Ab-</span><br/> <span class="ft1">stand zwischen etwa 0 und 15 cm zur Grenze mit der Parzelle</span><br/> <span class="ft1">Nr. 1038 der Beschwerdegegner eine rund 14.5 m lange Stützmauer</span><br/> <span class="ft1">aus Beton errichtet, deren Höhe - gemessen ab dem heute sichtbaren</span><br/> <span class="ft1">Terrain - grösstenteils (auf ca. 11.5 m Länge ab westlichem Ab-</span><br/> <span class="ft1">schluss) zwischen 1.23 und 1.28 m beträgt; im Grenzbereich der Par-</span><br/> <span class="ft1">zellen Nrn. 1075, 1038 und 1088 verringert sich die Mauerhöhe kon-</span><br/> <span class="ft1">tinuierlich, um am östlichen Endpunkt auf 0 auszulaufen. Im unteren</span><br/> <span class="ft1">Mauerbereich sind im Abstand zwischen 2.65 und 2.75 m vier Rohre</span><br/> <span class="ft1">eingelassen, durch die allfälliges Sickerwasser, das sich hinter der</span><br/> <span class="ft1">Stützmauer sammelt, auf die Parzelle Nr. 1038 abgeleitet werden</span><br/> <span class="ft1">kann. Ferner befinden sich auf der Mauer im Abstand von 2.4 m</span><br/> <span class="ft1">sechs je 1.2 m hohe Stahlpfosten zur Anbringung eines Schutzgelän-</span><br/> <span class="ft1">ders.</span><br/> <span class="ft1">2. a) Gemäss § 59 Abs. 1 Satz 1 BauG sind namentlich alle</span><br/> <span class="ft1">Bauten generell bewilligungspflichtig. Gestützt auf § 66 BauG, wo-</span><br/> <span class="ft1">nach der Regierungsrat durch Verordnung die Einzelheiten des Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligungsverfahrens regelt, hat dieser in § 30 ABauV eine Rege-</span><br/> <span class="ft1">lung mit dem Randtitel "Bewilligungsfreie Bauten und Anlagen (§ 59</span><br/> <span class="ft1">BauG)" erlassen. Danach sind in Bauzonen nicht bewilligungs-</span><br/> <span class="ft1">pflichtig u.a. Einfriedigungen bis zu 1.20 m Höhe und Stützmauern</span><br/> <span class="ft1">bis zu 80 cm Höhe (§ 30 Abs. 2 lit. a ABauV).</span><br/> <span class="ft1">Die Bestimmung der Einfriedigungs- bzw. Stützmauerhöhe ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss § 30 Abs. 2 lit. a ABauV hat - dies als Ausfluss einer in sich</span><br/> <span class="ft1">geschlossenen, kohärenten Auslegung - nicht anders zu erfolgen als</span><br/> <span class="ft1">bei Anwendung von § 19 Abs. 1 lit. a ABauV, wonach "Einfriedigun-</span><br/> <span class="ft1">gen und Stützmauern nicht höher sein (dürfen) als 1,80 m <i>ab niedri-</i></span><br/> <span class="ft4"><i>ger gelegenem Terrain</i>". Der hier verwendete Terrainbegriff bezieht</span><br/> <span class="ft1">sich nun vom Wortlaut her klarerweise auf das im Zeitpunkt der Bau-</span><br/> <span class="ft1">eingabe vorhandene Terrain (siehe die verdeutlichenden Skizzen im</span><br/> <span class="ft1">Handbuch zum Bau- und Nutzungsrecht [BNR], herausgegeben von</span><br/> <span class="ft1">der Staatskanzlei, Ausgabe Juli 2001, S. 61 Ziff. 4.4.7; ferner VGE</span><br/> <span class="ft1">III/67 vom 21. August 2002 [BE.2002.00013] in Sachen W., S. 7).</span><br/> <span class="ft1">Unter dem "gewachsenen Terrain" versteht die ABauV ebenfalls den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">185</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bei Einreichung des Baugesuchs bestehenden Verlauf des Bodens</span><br/> <span class="ft1">(§ 13 Abs. 1 Satz 1). Ist wie im vorliegenden Falle über ein <i>nach-</i></span><br/> <span class="ft4"><i>trägliches</i> Baugesuch zu befinden, so erscheint ebenso offensicht-</span><br/> <span class="ft1">lich, dass nicht der im Zeitpunkt der Baueingabe, sondern der im</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt der Erstellung der Einfriedigung oder Stützmauer vorhan-</span><br/> <span class="ft1">dene Terrainverlauf massgebend sein muss; im Grunde genommen</span><br/> <span class="ft1">ist dies ein Anwendungsfall der Bestimmung, dass auf frühere Ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnisse zurückzugreifen ist, wenn das Terrain im Hinblick auf das</span><br/> <span class="ft1">Bauvorhaben verändert worden ist (§ 13 Abs. 2 ABauV). Auch das</span><br/> <span class="ft1">Baudepartement und die Beschwerdegegner sind im Übrigen der</span><br/> <span class="ft1">Meinung, dass auf den Terrainverlauf, wie er vor Baubeginn bestan-</span><br/> <span class="ft1">den hat, abzustellen ist.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Der Beschwerdeführer 2 macht geltend, wenn die Aus-</span><br/> <span class="ft1">messung der Stützmauer anhand des effektiven gewachsenen Ter-</span><br/> <span class="ft1">rains erfolge, übersteige sie die Höhe von 80 cm nicht und sei folg-</span><br/> <span class="ft1">lich nicht baubewilligungspflichtig. Konkret führt er an, bei der Er-</span><br/> <span class="ft1">stellung der Einfamilienhäuser auf der Parzelle Nr. 1038 im Jahre</span><br/> <span class="ft1">1978 seien bergseits Abgrabungen vorgenommen worden; der auf</span><br/> <span class="ft1">Grund dieser Abgrabungen teilweise steil abfallende, in die Parzelle</span><br/> <span class="ft1">Nr. 1075 des Beschwerdeführers 2 ragende Hang sei dann allmählich</span><br/> <span class="ft1">durch Bestockung und das Anbringen von Kalksandsteinen behelfs-</span><br/> <span class="ft1">weise befestigt worden. Der von dieser Vorgehensweise betroffene</span><br/> <span class="ft1">Grundstücksteil des Beschwerdeführers 2 sei dadurch bis zu ca.</span><br/> <span class="ft1">70 cm unter der ursprünglichen Höhe geblieben. In der Folge habe</span><br/> <span class="ft1">er, der Beschwerdeführer 2, die Situation an der Grenze mittels einer</span><br/> <span class="ft1">neuen Mauer so verbessern wollen, dass genügende Sicherheit gegen</span><br/> <span class="ft1">ein Abrutschen des Terrains auf der Parzelle Nr. 1075 bestanden</span><br/> <span class="ft1">habe. Zur Erfüllung ihrer Funktion habe die Sanierungsmauer im Bo-</span><br/> <span class="ft1">den verankert werden müssen; ihre Erstellung auf den relativ lose</span><br/> <span class="ft1">verlegten und lediglich eingewachsenen, nicht aber weitergehend</span><br/> <span class="ft1">befestigten Kalksandsteinen hätte gegen Grundregeln der Baukunst</span><br/> <span class="ft1">verstossen und wäre riskant gewesen. Bei der Erstellung habe sich</span><br/> <span class="ft1">gezeigt, dass zunächst ca. 50 cm des gewachsenen Terrains hätten</span><br/> <span class="ft1">abgetragen werden müssen, um den Mauerfuss auf festen Boden</span><br/> <span class="ft1">stellen und darin verankern zu können. (...).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">186</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bb) aaa) Der Beschwerdeführer 2 und die Beschwerdegegner</span><br/> <span class="ft1">sind sich insoweit einig, als sie 1982 im Grenzbereich der Parzellen</span><br/> <span class="ft1">Nrn.</span> <span class="ft1">1075 und 1038 gemeinsam eine Bruchsteinmauer aus</span><br/> <span class="ft1">Kalksandsteinen erstellten, deren Zweck die Befestigung des von</span><br/> <span class="ft1">Norden nach Süden abfallenden Terrains war; die Mauer ist auf den</span><br/> <span class="ft1">vom Beschwerdeführer 2 eingereichten Fotos gut ersichtlich. Die</span><br/> <span class="ft1">Mauer war im Mittel 60 bis 80 cm hoch und wies ein Neigungsver-</span><br/> <span class="ft1">hältnis von etwa 2:1 (Höhe:Breite) auf. Sie verlief vom westlichen</span><br/> <span class="ft1">Abschluss aus auf einer Länge von ca. 10 m entlang der Grund-</span><br/> <span class="ft1">stücksgrenze; der Fuss der Mauer befand sich dabei auf der Parzelle</span><br/> <span class="ft1">Nr. 1038, die Mauerkrone auf der Parzelle Nr. 1075. An das östliche</span><br/> <span class="ft1">Ende der Mauer schloss sich eine Böschung an, welche auf einer</span><br/> <span class="ft1">Länge von 4 bis 5 m bis zum gemeinsamen Grenzpunkt der Parzellen</span><br/> <span class="ft1">Nrn. 1038, 1075 und 1088 verlief. Im Bereich dieser Böschung wur-</span><br/> <span class="ft1">den keine Kalksandsteine verlegt.</span><br/> <span class="ft1">bbb) Wird nun ein Terrain in der beschriebenen Weise durch</span><br/> <span class="ft1">eine Stützmauer künstlich verändert, so kann niemals die Mauer-</span><br/> <span class="ft1">krone mit dem gewachsenen Terrain identisch sein. Eine andere Be-</span><br/> <span class="ft1">trachtungsweise würde zu absurden Resultaten führen, da dann die</span><br/> <span class="ft1">Höhe einer im Laufe der Zeit sanierten bzw. ersetzten Stützmauer</span><br/> <span class="ft1">letztlich unbegrenzt wäre. Deshalb schreibt § 19 Abs. 1 lit. a ABauV</span><br/> <span class="ft1">auch vor, dass für die Höhenbestimmung stets das <i>niedriger gelegene</i></span><br/> <span class="ft1">Terrain massgebend ist.</span><br/> <span class="ft1">Abzustellen ist mithin auf das Terrain, auf welchem die er-</span><br/> <span class="ft1">wähnten Kalksandsteine der Mauer auflagen, und dieses Terrain</span><br/> <span class="ft1">entspricht auch nach Darstellung des Beschwerdeführers 2 weitge-</span><br/> <span class="ft1">hend dem Fuss der neuen, im Streite liegenden Stützmauer. (...).</span><br/> <span class="ft1">cc) Wie erwähnt ist erstellt, dass die fragliche Stützmauer -</span><br/> <span class="ft1">gemessen ab dem gewachsenen Terrain - auf einer Länge von ca.</span><br/> <span class="ft1">11.5 m eine Höhe von 1.23 bis 1.28 m aufweist (siehe vorne Erw. 1).</span><br/> <span class="ft1">In diesem Bereich wird also die "bewilligungsfreie" Höhe von 80 cm</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 30 Abs. 2 lit. a ABauV überstiegen, weshalb die Mauer als</span><br/> <span class="ft1">Ganzes der Baubewilligungspflicht untersteht. (...).</span><br/></div> </div> </body> </html>