B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2307/2015 U r t e i l v o m 1 2 . A u g u s t 2 0 1 6 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter David R. Wenger, Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren (...), eigenen Angaben zufolge Volksrepublik China (Tibet), vertreten durch ass. iur. Christian Hoffs, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 13. März 2015 / N_______. D-2307/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Angaben am 26./27. Oktober 2014 und gelangte auf dem Landweg unter Umgehung der Grenzkontrolle nach B._______. Von dort aus reiste er auf dem Luftweg Richtung Schweiz, in die er am 31. Januar 2015 illegal ein- reiste und wo er am 1. Februar 2015 im Empfangs - und Verfahrenszent- rum (EVZ) C._______ ein Asylgesuch stellte. Am 24. Februar 2015 führte das SEM di e Befragung zur Person (BzP) durch. Gleichentags wurde er im EVZ zu seinem Gesundheitszustand und im Rahmen einer Nachbe- fragung ebenfalls dort am 24. Februar 2015 zu seinen persönlichen Ver- hältnissen befragt und ihm das Resultat der Altersbestimmungsanalys e vom 13. Februar 2015 eröffnet. A.b Dabei brachte der Beschwerdeführer vor , chinesische r Staatsange- höriger tibetischer Ethnie zu sein. Er habe im Dorf D._______ bei den El- tern gelebt, während zwei er Jahre die Schule besucht und zuhause Tsampa sowie Khapse hergestellt und die Yaks gefüttert. An seinem Ge- burtstag respektive am (...) habe er sich alleine zum Berg E._______ be- geben und dort eine tibetische Fahne, die zuhause unter dem Altar ver- steckt gewesen sei, aufgehängt. Auf dem Rückweg habe er niemanden gesehen und auch keiner Person etwas davon erzählt. Am (...) sei die Po- lizei bei ihnen zuhause erschienen. Er sei zu diesem Zeitpunkt mit dem Fahrrad unterwegs gewesen und habe nochmals zum Berg gehen wollen, um die Fahne zu holen. Unterwegs sei er beim Haus ei nes Freundes vor- beigekommen, dessen Vater ihn aufgehalten und die Telefonnummer sei- nes Onkels verlangt habe, um diesen anzurufen, damit er ihn (den Be- schwerdeführer) abholen komme. Der Vater seines Freundes habe ihm nämlich erzählt, dass die Polizei zusammen mit Soldaten seinen Vater zur Militärkaserne mitgenommen habe. Sein Onkel habe ihm gesagt, dass er nicht nach Hause zurückkehren dürfe, weil er sonst festgenommen wür- de. Sein Onkel sei dann gekommen und habe ihn am gleichen Abend mitgenommen und bis nac h F._______ gebracht, wo er ihn dem Schlep- per vorgestellt habe. Sein Vater sei schon früher wiederholte Male durch Polizisten der örtlichen Polizeistation auf den Posten mitgenommen wor- den. Man habe ihn nach seiner Ehefrau, die im Jahre (...) an einer De- monstration teilgenommen habe und seither nicht mehr nach Hause ge- kommen sei, gefragt und ihn auch geschlagen. A.c Der Beschwerdeführer gab keine Identitätsdokumente zu den Akten. D-2307/2015 Seite 3 B. B.a Die Anhörung gemäss Art. 29 AsylG ( SR 142.31) fand am 4. März 2015 statt. Dabei wurden de m Beschwerdeführer Fragen zur Geografie und zu weiteren Belangen des von ihm angegebenen Herkunftsgebiets gestellt. Er legte dar, zeitlebens in D._______ gelebt, nach zwei Jahren die Schule mit dem Einverständnis seines Vaters abgebrochen und in der Folge zuhause bei der Herstellung von Tsampa und Khapse geholfen und die Yaks gefüttert zu haben. Nach einem Jahr Kindergarten sei er noch ein Jahr in die Schule gegangen. Dann habe sein Vater gesagt, dass man dort nur Chinesisch und Sachen über Mao Tse -tung lerne, und sei – zu- sammen mit weiteren Vätern – bei der Schule vorstellig geworden, worauf er und weitere Freunde die Schule hätten verlassen können . Danach sei er tagsüber mit seinen Freunden unterwegs gewesen und habe nach sei- ner Rückkehr am späteren Nachmittag Hausarbeiten erledigt oder seinem Vater geholfen. Er wisse nicht, wie die Polizei und die Soldaten erfahren hätten, dass er am (...) auf dem Berg E._______ eine tibetische Fahne zwischen zwei Felsen deponiert habe. Als er am nächsten Tag diese Fahne habe holen wollen, sei er vom Vater seines Freundes aufgehalten und gefragt worden, was er getan habe. Nachdem dieser seinen Onkel benachrichtigt gehabt habe und er von ihm abgeholt worden sei, habe er seinem Onkel erzählt, er sei auf dem Weg zum Berg E._______ gewe- sen, um die Fahne zu holen. Der Onkel habe daraufhin mit ihm ge- schimpft und ihm mitgeteilt, dass sein Vater von Polizisten und Soldaten mitgenommen worden sei. Da sein Onkel der Meinung gewesen sei, dass er nicht mehr im Land bleiben könne, habe dieser seine Ausreise organi- siert und ihn schliesslich an die Grenze gebracht. Auf die weiteren Aus- führungen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. B.b Dem Beschwerdeführer wurde am Ende der Anhörung mi tgeteilt, aufgrund seiner Aussagen bestünden erhebliche Zweifel an seiner Her- kunft aus Tibet. Das SEM ziehe deshalb in Betracht, seine behauptete Staatsangehörigkeit China nicht länger zu akzeptieren und ihn infolge- dessen unter der Bezeichnung "Staat unbekannt" zu registrieren. Der Be- schwerdeführer hielt an seiner tibetischen Herkunft fest. C. Mit Verfügung vom 13. März 2015 – gleichentags eröffnet – wies das SEM das Asylgesuch de s Beschwerdeführers ab und ordnete die Weg- weisung aus der Schweiz sowie den Vol lzug unter Ausschluss der Volks- republik China an. Der Beschwerdeführer habe die Schweiz – unter An-D-2307/2015 Seite 4 drohung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – bis 8. Mai 2015 zu verlassen. D. Mit Eingabe vom 12. April 2015 erhob der Beschwerdeführer beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde gegen den vorinstanzlichen Ent- scheid. Er beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz. Es sei seine Flücht- lingseigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Eventualiter se i das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe festzustellen und die vorläufige Aufnahme als Flüchtling wegen Unzulässigkeit des Vollzugs anzuordnen. Eventualiter sei die Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Vollzugs fest- zustellen und eine vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hin- sicht ersuchte er um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG , um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbei- standes gemäss Art. 110a Abs. 1 und 3 AsylG sowie um Anordnung einer Herkunftsanalyse durch einen gerichtlichen Sachverständigen. Auf die Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen einge- gangen. E. Mit Eingabe vom 29. April 2015 (Poststempel) wurde eine Fürsorgebestä- tigung des Migrationsamtes des Kantons G._______ nachgereicht. F. Mit Zwischenverfügung vom 13. Mai 2015 teilte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Er verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses und hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Im Zusammenhang mit der beantragten amtlichen Verbeiständung wurde Frist zur Benen- nung einer Rechtsvertretung bis zum 28. Mai 2015 angesetzt, wobei bei ungenutztem Fristablauf das Bundesverwaltungsgericht eine amtliche Rechtsvertretung bezeichne. Innert Frist wurde beim Bundesverwaltungsgericht der Eingang einer ent- sprechenden Eingabe nicht verzeichnet. G. In seiner Eingabe vom 22. Oktober 2015 führte der Rechtsvertreter – un-D-2307/2015 Seite 5 ter Beilage eines Schreiben vom 26. Mai 2015 in Kopie und der Original- vollmacht vom 26. Mai 2015 – an, sein Mandant habe sich nach Erhalt der Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 13. Mai 2015 an ihn gewendet und ihn gebeten, das Mandat zu übernehmen. Er habe in der Folge die Übernahme des Mandats dem Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 26. Mai 2015 – unter Beilage einer Vollmacht gleichen Datums – mitgeteilt. Da das Bundesverwaltungsgerich t bislang nicht rea- giert habe, werde dieses um Mitteilung ersucht, ob dem Beschwerdefüh- rer mittlerweile eine amtliche Rechtsvertretung beigeordnet worden sei oder ob ihn das Gericht als Rechtsvertreter eingesetzt habe. Er sei noch immer bereit, sich als amtlicher Rechtsbeistand beiordnen zu lassen, falls noch kein solcher bezeichnet worden sei. H. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2015 wurde dem Beschwerdeführer mit- geteilt, dass laut der Geschäftskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts das von ihm bezeichnete Sc hreiben vom 26. Mai 2015 dem Gericht bis dato nicht zugegangen sei, sein Rechtsvertreter in seiner Eingabe vom 22. Oktober 2015 den Nachweis für das tatsächliche Absenden des frag- lichen Schreibens nicht erbracht habe und ihm unbesehen dieses Um- standes dara us kein Rechtsnachteil erwachsen sei. Sodann wurde das Gesuch um Gewährung der amtlichen Verbeiständung gemäss Art. 110 a Abs. 1 AsylG gutgeheissen und dem Beschwerdeführer ein amtlicher Rechtsbeistand in der Person von ass. iur. Christian Hoffs bestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung de r vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerde- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. D-2307/2015 Seite 6 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif- tenwechsel verzichtet. 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion , Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte N achteile gelten namentlich die Ge- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträgli chen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1 Die Vorinstanz hielt zur Begründung des ablehnenden Asylentschei- des im Wesentlichen fest, der Beschwerdeführer habe die angebliche Minderjährigkeit nicht glaubhaft darlegen können. So sei in nicht in der Lage gewesen, einen Reisepass oder eine Identitätskarte sowie irgend- welche anderen Dokumente einzureichen, welche das von ihm geltend D-2307/2015 Seite 7 gemachte Alter bestätigen könnten. Zu dem seien seine Angaben zu den Reiseumständen, seinem angeblichen Alter und den familiären Bezie- hungen vage, ausweichend und stereotyp, mithin unglaubhaft ausgefal- len. Auch weiche das Knochenalter signifikant vom angeführten Alter ab, was durch die entspre chende Handknochenanalyse gestützt werde. Letztlich würden auch sein Aussehen und seine Erscheinung das von ihm behauptete Alter von Beginn weg als äusserst zweifelhaft erscheinen las- sen. Es sei daher von seiner Volljährigkeit – bereits im Zeitpunkt der Ei n- reichung des Asylgesuchs – auszugehen. Das SEM habe bei der Anhö- rung unter anderem sein Alltagswissen und seine geografischen Kennt- nisse über seinen angeführten Heimatort eingehend geprüft. Seine dies- bezüglichen Angaben seien vage, allgemein, unsubstanzii ert und teilwei- se falsch ausgefallen. Zudem könne von einem aus dem Grossraum Lha- sa stammenden Tibeter erwartet werden, dass er sich auf Chinesisch verständigen könne. Obwohl er unbestrittenermassen tibetischer Ethnie sei, sei offensichtlich, dass er seine angebliche Herkunftsregion kaum kenne und die rudimentären Informationen, die er über D._______ und seine Umgebung zu haben glaube, nur für die Anhörung angeeignet wor- den seien. Somit liege es nahe, dass er nicht in der von ihm angegebe- nen Region sozialis iert worden sei. Seine Sozialisierung müsse daher ausserhalb Tibets stattgefunden haben. Es sei davon auszugehen, dass er unter Verwendung eigener Identitäts- und Reisepapiere in die Schweiz gelangt sei. Seine Vorbringen würden daher den Anforderungen an d ie Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Es sei mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er vor seiner An- kunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exil- tibetischen Diaspora gelebt habe. Da er a ber keine konkreten und glaub- haften Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert habe, sei der Schluss zulässig, dass keine flüchtlings - oder wegwei- sungsbeachtlichen Gründe ge gen eine Rückkehr an den bisherigen Auf- enthaltsort bestünden. 3.2 Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitte- leingabe im Wesentlichen vor, der vorinstanzliche Entscheid stütze sich lediglich auf die Befragungsprotokolle. Eine Begutachtung durch einen Tibet-Experten sei nie erfolgt und entsprechen d nachzuholen. Die Vor - instanz habe seine Aussagen als realitätsfremd und tatsachenwidrig be- zeichnet. Es sei aber nicht nachvollziehbar, worauf sich diese Bewertung stütze. Die übersetzende Person sei ihm sowohl bei der Befragung wie auch der Anhörung als neutral und nicht als Tibet -Experte vorgestellt worden. Durch eine unabhängige Begutachtung könnte festgestellt wer-D-2307/2015 Seite 8 den, dass seine Vorbringen der Wahrheit entsprechen würden und der Sachverhalt von der Vorinstanz ursprünglich nicht richtig erfasst worden sei. Er halte an seiner Aussage fest, dass er im Zeitpunkt der Befragung minderjährig gewesen und es auch im heutigen Zeitpunkt noch immer sei. Er habe seine Flucht nicht lange im Voraus planen können, weshalb er nicht gewusst habe, dass man sich als Flücht ling im Ausland ausweisen können müsse. Die Handknochenanalyse habe nicht sein wahres Alter ergeben, es sei nicht korrekt, dass er lediglich aufgrund einer Schätzung ein anderes Alter annehmen müsse , und er habe Anrecht auf eine Ver- trauensperson. Er halte an seinen Angaben zu seinem Alltagswissen und seinen geografischen Kenntnissen fest. Die Nachbargemeinden kenne er nicht genau und die Gegend im Süden habe er noch nie besucht. Zwar hätten sie einen Fernseher besessen, sein Vater habe ihn aber nie schauen lassen. Die Telefonnummer seines Vaters habe er nicht gekannt, da er selten einen Grund gehabt habe, diesen anzurufen. Er beherrsche die chinesische Sprache nicht, nur seine Tante und der Onkel würden dies tun, da sie in der Stadt lebten, wo viele Chinesen wohnhaft seien. Er habe jedoch in einem kleinen abgelegenen Dorf gelebt, wo sich kaum Chinesen aufgehalten hätten. Er wisse weder den Namen seiner Schule, weil er damals sehr jung gewesen sei, noch ob seine Eltern bestraft wor- den seien, weil sie gegen die Schulpflicht verstossen und ihn aus der Schule genommen hätten. Sodann habe nicht er das Personalienblatt ausgefüllt, sondern eine ihm bekannte Begleitperson. Er selber habe le- diglich unterschrieben. Da er überdies eine Identitätskarte oder ein Fami- lienbüchlein nie in der Hand gehabt habe, könne er diese nicht beschrei- ben. Es sei eine Unterstellung, dass er seine Identität verschleiern wolle. Da sein Vater in allen familiären Belangen zuständig gewesen sei, habe er nie etwas mit den chinesischen Behörden zu tun gehabt und wisse deshalb nicht, wo und wie er innert nützlicher Frist Ersatzpapiere beschaf- fen könne. Zudem sei die Beschaffung von Papieren sehr schwierig und er könne die für die Ausstellung eines Reisepasses benötigten Dokumen- te nicht beibringen, da sich diese im Besitz seines Onkels befinden wür- den, den er aber wegen der telefonischen Überwachung in seiner Heimat nicht kontaktieren könne. In seinen Aussagen zu den Asylgründen wür- den sich keine diametral abweichenden Angaben befinden. Da er die chi- nesische Staatsangehörigkeit besitze, sei die flüchtlingsrechtlich relevan- te Gefährdung in Bezug auf sein Heimatland Tibet respektive China zu prüfen. Eine solche Vorgehensweise habe denn auch das Bundesverwal- tungsgericht in verschiedenen Urteilen bestätig t. Sodann würden bei ihm subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG vorliegen, wes- halb er bei einer Rückkehr – gemäss BVGE 2009/29 – eine Verfolgung D-2307/2015 Seite 9 befürchten müsse. Nach dem Gesag ten sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und im Sinn e der Praxis der (vormaligen) Beschwer- deinstanz Asyl oder zumindest die vorläufige Aufnahme wegen subjekti- ver Nachfluchtgründe zu gewähren. Ein Vollzug der Wegweisung würde gegen die relevanten gesetzlichen Bestimmungen verstossen. 4. Vorweg ist zur vorinstanzlichen Feststellung, der Beschwerdeführer habe die behauptete Minderjährigkeit nicht glaubhaft machen können , zur ent- sprechenden Entgegnung in der Beschwerdeschrift sowie zur damit ein- hergehenden Auffassung, er habe Anrecht auf eine Vertrauensperson , Folgendes festzuhalten: Nach eigenen Angaben wurde der Beschwerde- führer am 22. Oktober 1997 geboren, somit wäre er nach dem massge- benden schweizerischen Recht (vgl. Urteil des BVGer D –5246/2010 vom 23. Juli 2010 m.w.H.) noch minderjährig und würde mithin grundsätzlich den Normen des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) unter liegen. Die Vorinstanz verzich- tete aber zu Recht auf diesbezügliche Erwägungen und allenfalls weitere Abklärungen im Heimatstaat des Beschwerdefüh rers, da sie zutreffend davon ausging, dass der Beschwerdeführer die von ihm behauptete Min- derjährigkeit nicht glaub haft machen konnte. Gemäss der Praxis ist bei der Prüfung der Altersangaben einer minderjährigen Person zunächst von allenfalls eingereichten Identitätsdokumenten auszugehen (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 6 ff.). Vorliegend reichte der Beschwerdeführer jedoch kei- nerlei I dentitätsdokumente ein. Bei Fehlen rechtsgenüglicher Identitäts- ausweise kann sodann auch auf wissenschaftliche Methoden im Sinne von Art. 7 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfah- rensfragen (AsylV 1, SR 142.311) , beispielsweise die so genannte Kno- chenaltersanalyse abgestellt werden, sofern sie bestimmten Kriterien ent- spricht (vgl. EMARK 2001 Nr. 23 E. 4). Die im vorliegenden Fall durchge- führte Knochenaltersbestimmung ergab ein Knochenalter, welches einem chronologischen Alter von 19 Jahren oder mehr entspricht. Zwar lassen entsprechende Ergebnisse einer radiologischen Knochenaltersbestim- mung keine sicheren Schlüsse auf die Voll - oder Minderjährigkeit zu und weisen generell nur einen beschränkten Aussagewert z ur Bestimmung des tatsächlichen Alters auf (zur weiterhin ge ltenden Praxis vgl. EMARK 2000 Nr. 19 und 28, 2004 Nr. 30 und 31 sowie 2005 Nr. 16). Beschränkt ist der Aussagewert dann, wenn das behauptete Alter im Vergleich zum festgestellten Knochenalter um weniger als drei Jahre variiert. Die Hand- knochenanalyse gilt jedoch dann als Beweismittel mit erhöhtem Beweis- wert, wenn der Unterschied zwischen dem angegebenen Alter und dem D-2307/2015 Seite 10 festgestellten Knochenalter mehr al s drei Jahre beträgt. Die vorliegend durchgeführte Analyse (A9/2), welche sich klarerweise auf den Be- schwerdeführer bezieht, vermag den inhaltlichen Anforderungen an Kno- chenaltersanalysen in einer Gesamtbetrachtung zu genügen, obwohl der Unterschied zwisch en dem vom Beschwerdeführer angegebenen Alter von (im Zeitpunkt der Analyse) 1 7 Jahren und 3 Monaten und dem fest- gestellten Knochenalter von 19 Jahren und mehr nicht grösser als drei Jahre ist. Dennoch bestehen im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller Umständ e kaum ernsthafte Hinweise auf seine Minderjährigkeit. Die Vorinstanz stell- te ihre Ausführungen zum Alter des Beschwerdeführers nicht allein auf das Ergebnis einer Knochenaltersanalyse ab, sondern setzte sich insbe- sondere mit seinen Vorbringen zur Frage se ines Alters und den Gesamt- umständen auseinander. So legte sie in der angefochtenen Verfügung insgesamt mit überzeugenden Argumen ten dar , weshalb den Angaben des Beschwerdeführers über sein Alter nicht geglaubt werden könne, und stützte sich bei ihrer Beurteilung zutreffend auf die offenkundig unsub- stanziierten und realitätsfremden Angaben , insbesondere sein Alter, den Reiseweg, die fehlenden I dentitätspapiere und seine familiären und ver- wandtschaftlichen Beziehungen betreffend. Den Erwägungen des SEM ist vorliegend im Resultat beizupflichten. Da gemäss gefestigter Praxis eine asylsuchende Person die objektive Beweislast für die behauptete Minder- jährigkeit und die Folgen der Beweislosigkeit trägt , gelingt es dem Be- schwerdeführer vorliegend nicht, seine behauptete Minderjährigkeit glaubhaft zu machen (vgl. EMARK 2001 Nrn. 22 und 23). 5. Bislang führte die Vorinstanz bei Zweifeln an der Herkunft von Asylsu- chenden in der Regel eine von den Befragungen zur Person und zu den Asylgründen unabhängige Herkunftsan alyse durch. Dabei wurden neben den landeskundlich -kulturellen Kenntnissen üblicherweise auch die sprachlichen Fähigkeiten der asylsuchenden Person geprüft; diese soge- nannten "Lingua -Analysen" wurden ausschliesslich von amtsexternen, von der Fachstelle Lin gua der Vorinstanz beauftragten Sachverständigen mit den entsprechenden Sprach - und Länderkenntnissen durchgeführt. Die Fachstelle Lingua gab in jüngster Zeit unter dem Titel "Evaluation des Alltagswissens" zudem vergleichbare Analysen, ebenfalls erstellt durch amtsexterne Sachverständige, aber beschränkt auf landeskundlich -kultu- relle Elemente (ohne linguistische Komponente), in Auftrag (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.1). D-2307/2015 Seite 11 Im besagten Urteil wird im Weiteren festgehalten, die vom SEM gemäss seiner Vernehmlassung neu eingeführte Methode der Herkunftsabklärung für Asylsuchende tibetischer Ethnie im Rahmen der Anhörung sei unter den von der Rechtsprechung in vergleichbaren Fällen definierten Voraus- setzungen grundsätzlich zur Plausibilitätsprüfung von Herkunftsangaben geeignet. Allerdings ergäben sich aus der Tatsache, dass es der neuen Praxis – im Unterschied zur Lingua -Analyse respektive der Lingua - Alltagwissensevaluation – an der Einschätzung durch einen amtsexternen Sachverständigen fehle, dessen Sachkompetenz mitte ls eines aktenkun- digen Werdegangs für das Gericht anhand der Akten überprüfbar und folglich einschätzbar sei, zusätzliche respektive anderweitige Anforderun- gen an eine Überprüfbarkeit der vorinstanzlichen Sachverhaltserhebung (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.1). So sei die Vorinstanz – um dem Untersuchungsgrundsatz und dem An- spruch auf rechtliches Gehör gerecht zu werden – auch bei der neu ein- geführten Methode der Herkunftsabklärung für Asylsuchende tibetischer Ethnie zunächst verpflichtet, die Vorbringen der Betroffenen in einer für die Beschwerdeinstanz nachvollziehbaren Weise sorgfältig und ernsthaft zu prüfen. Dazu müsse sie nicht nur alle für den Entscheid rechtsrelevan- ten Sachumstände – wozu auch die Asylsuchende begünstigende n Fak- toren gehörten – vollständig abklären, sondern diese Abklärungen auch in einer für das Gericht transparenten Weise in den Akten festhalten . An- dernfalls könne das Gericht weder überprüfen, ob die Vorinstanz ihrer Un- tersuchungs- und Begründungs pflicht tatsächlich nachgekommen sei, noch feststellen, ob die vorinstanzliche Einschätzung bezüglich des Län- der- und Alltagswissens vertretbar sei. Im Fall der Abklärung des Länder - und Alltagswissens von Asylsuchenden im Rahmen einer Anhörung durch die Vorinstanz müsse für das Gericht aus dem Do ssier nicht nur erkenn- bar sein, welche Fragen die Vorinstanz der asylsuchenden Person ge- stellt und wie diese darauf geantwortet habe, sondern auch, welche Fra- gen wie hätten beantwortet werden müssen und weshalb in Tibet soziali- sierte asylsuchende Personen in einer vergleichbaren Situation wie die betroffene Person die zutreffenden Antworten hätten kennen sollen. Da bei der neu eingeführten Methode der Herkunftsabklärung für Asylsu- chende tibetischer Ethnie kein amtsexterner Sachverständiger mitwirk e, seien die zutreffenden Antworten zudem mit Informationen zum Her- kunftsland zu belegen. Dabei ha be sich die Vorinstanz an den grundle- genden Standards, die bei der Beschaffung, Aufbereitung und Präsentati- on von COI gälten, zu orientieren. D-2307/2015 Seite 12 In welcher Form die Vorinstanz dem Gericht die genannten Informationen offenlegen wolle, stehe ihr indes frei. Zu denken sei beispielsweise an ein separates Aktenstück, dem die gestellten Fragen, die erhaltenen Antwor- ten sowie – bei als von der Vorinstanz unzutreffend erachteten An gaben der asylsuchenden Person – die zutreffenden Antworten mit qualifizierter Quellenangabe und eine Begründung dafür, weshalb die asylsuchende Person diese Antworten hätte kennen müssen, entnommen werden könn- ten. Eine andere Frage sei die Offenlegung de r Herkunftsabklärung an die asylsuchende Person. So müsse die Vorinstanz einer Partei grundsätzlich Einsicht in jene Unterlagen gewähren, auf die sie ihren Entscheid stütz e. Wie schon bei der Lingua-Analyse könne das SEM den Betroffenen aber auch im Rahmen der neu eingeführten Herkunftsabklärung für A sylsu- chende tibetischer Ethnie einen vollumfänglichen Einblick in die Untersu- chung verweigern, sofern öffentliche Geheimhaltungsinteressen dem ent- gegenstehen würden. Eine rechtsgenügliche Gewährung der Aktenein- sicht verlange aber, dass der betroffenen Person der wesentliche Inhalt der Herkunftsuntersuchung zur Kenntnis gebracht und ihr die Möglichkeit eingeräumt werde, sich insbesondere zu den als unzureichend eingestuf- ten Antworten äussern zu können. Zudem müsse die Vorinstanz im Rahmen der neu eingeführten Her- kunftsabklärung für Asylsuchende tibetischer Ethnie auch das Recht einer asylsuchenden Person auf vorgängige Anhörung wahren. Dementspre- chend h abe das SEM den Betroffenen die als tatsachenwidrig, fals ch oder unzureichend erachteten Antworten, unter Angabe der dazugehöri- gen Fragen, anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs im Rah- men einer zu protokollierenden mündlichen Anhörung oder in einer ak- tenkundigen schriftlichen Notiz so detailliert aufz uzeigen, dass die be- troffene Person hierzu konkrete Einwände anbringen k önne. Deshalb ge- nüge es nicht, die Schlussfolgerung der Herkunftsabklärung in einer pau- schalen Zusammenfassung darzulegen, ohne der betroffenen Person die ihr konkret vorgeworfenen Fal schangaben effektiv und in detaillierter Weise erkennbar zu machen (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.2). Seien diese Mindeststandards betreffend Gewährung des rechtlichen Gehörs respektive der Untersuchungspflicht der Vorinstanz im Rahmen ihrer neu eingeführten Methode der Herkunftsabklärung für Asylsuchende tibetischer Ethnie nicht erfüllt, sei d er vorinstanzliche Entscheid in der Regel aufzuheben und die Sache zur korrekten Sachverhaltsabklärung D-2307/2015 Seite 13 und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Davon ausge- nommen seien jene Fälle, in denen die Vorbringen der asylsuchenden Person – aufgrund gänzlicher Unplausibilität, Substanzarmut oder Wider- sprüchlichkeit – offensichtlich unzulänglich und somit derart haltlos seien, dass deren Beurteilung keine r weiteren fachlichen Abklärungen mehr be- dürfe (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.3). 6. 6.1 Es ist mithin zu prüfen, ob die Vorinstanz die erwähnten Mindeststan- dards im vorliegenden Fall eingehalten hat. Dies ist offensichtlich nicht der Fall. 6.2 Zwar ist mit der Vorinstanz einig zu gehen, dass einige der Wissens- lücken des Beschwerdeführers an seiner Sozialisation im angegebenen Gebiet Zweifel aufkommen lassen. So erstaunt, dass er beispielsweise zum Schulwesen vor Ort und der Schulpflicht nur sehr dürftige Angaben machen konnte. Überdies wirkt die Schilderung des eigenen Alltags in ei- nigen Punkten substanzlos und etwas befremdlich, so hinsichtlich der Verwendung des Fernsehers . Allein daraus jedoch zu schliessen, dass der Beschwerdeführer nie in Tibet wohnt e oder sich seit Jahren in einem anderen Staat aufhielt, vermag nicht zu überzeugen. Es kann daher nicht von gänzlicher Unplausibilität im oben erwähnten Sinne ausgegangen werden. Das SEM stützte denn auch seine Analyse auf zahlreiche weitere angebliche Unz ulänglichkeiten beim Wissenstand des Beschwerdefüh- rers. Die entsprechenden Antworten des Beschwerdeführers auf die F ra- gen zum Länder- und Alltagswissen sind hingegen insgesamt nicht derart unplausibel, substanzarm oder widersprüchlich ausgefallen, dass sie sei- ne Herkunft aus Tibet bereits offensichtlich ausschlössen und sich weitere fachliche Abklärungen somit erübrigt hätten. Er war anlässlich der Anhö- rung vielmehr teilweise in der Lage, das Bild einer Person, welche mit den Gegebenheiten vor Ort in einem gewissen Ausmass vertraut ist, zu vermitteln (A 17/23 S. 5 ff. Antworten 38-51, 58 -68, 85 -92). Auch lässt sich alleine aufgrund seiner Angaben zu den Asylgründen, zum Reiseweg und zu den fehlenden Identitätspapieren nicht ableiten, dass er nicht aus dem angegebenen tibetischen Dorf stammt. Würden nämlich bereits die- se Angaben alleine eine Herkunft aus Tibet/China ausschliessen, erübrig- ten sich weitere fachliche Abklärungen bezüglich des Länder - und All- tagswissens des Beschwerdeführers ebenfalls, da dann gar nicht auf sei- ne Angaben im Rahmen der Herkunftsabklärung abgestellt werden müss- te. D-2307/2015 Seite 14 6.3 Wie erwähnt muss aus den Akten nicht nur in für das Gericht nach- vollziehbarer Weise hervorgehen, welche Fragen die Vorinstanz dem Be- schwerdeführer stellte und wie dieser darauf antwortet e, sondern auch, welche Fragen wie hätten beantwortet werden müssen und weshalb in Tibet sozialisierte asylsuchende Personen in einer vergleichbaren Situati- on wie der Beschwerdeführer die zutreffenden Antworten hätten kennen sollen. Solche Akten fehlen im vorinstanzlichen Dossier. Es ist festzuhal- ten, dass dem Protokoll zur Anhörung zwar die gestellten Fragen und die Antworten des Beschwerdeführers entnommen werden können. Aller- dings enthalten die Akten kaum Ausführungen zu d en vom SEM als kor- rekt erachteten Antworten oder zu den weiteren Quellen, an denen sich die Befragungsperson zwecks Beurteilung der Erklärungen des Be- schwerdeführers orientiert e. Das Befragungsprotokoll erlaubt kaum ein- deutige Rückschlüsse darauf, ob der Beschwerdeführer Fragen in zuläng- licher Weise beantwortete (vgl. bspw. act. A17/23 Antworten 14-16, 35-51, 75-83, 85-99) beziehungsweise, wenn er die Antwort nicht wusste, ob und weshalb er diese hätte kennen sollen (vgl. act. A 17/23 Antworten 19, 24, 27, 97 ). Die in den vorinstanzlichen Erwägungen wiederholt getroffenen Feststellungen, dass von einer Person mit bisher ausschliesslichem Auf- enthalt am angegebenen Ort zutreffendere, substanziiertere und nach- vollziehbarere Angaben sowie bessere Kenntnisse des Chinesischen zu erwarten wären , verbessert den Erkenntnisstand des Gerichts nicht in genügender Weise. Aus den Akten geht somit zumindest teilweise nicht hervor, welche Antworten des Beschwerdeführers richtig beziehungswei- se falsch sind und wie im Falle u nzutreffender Angaben die korrekte Ant- wort auf die gestellte Frage lauten würde. Folglich ist für das Gericht we- der nachvollziehbar, ob die vorinstanzliche Einschätzung bezüglich des Länder- und Alltagswissens des Beschwerdeführers vertretbar ist, noch feststellbar, ob die Vorinstanz ihren aus dem Untersuchungsgrundsatz und dem rechtlichen Gehör fliessenden Pflichten zur ernsthaften, sorgfäl- tigen und vollständigen Abklärung der Vorbringen des Beschwerdeführers sowie aller weiteren rechtsrelevanten Sachumstä nde vorliegend tatsäch- lich nachgekommen ist. 6.4 Wie bereits ausgeführt, muss die Vorinstanz dem Beschwerdeführer überdies den wesentlichen Inhalt der Herkunftsuntersuchung – insbeson- dere die als unzureichend eingestu ften Antworten – so detailliert zur Kenntnis bringen, dass er hierzu konkrete Einwände anbringen kann, und ihm die Möglichkeit einräumen, sich tatsächlich dazu zu äussern. Dies ist vorliegend nur teilweise erfüllt. Die von der Befragungsperson wiederholt zum Teil nur vage formulierten Einwände zu seinen Aussagen können je-D-2307/2015 Seite 15 denfalls nicht als Gewährung des rechtlichen Gehörs im hier relevanten Sinne gewertet werden. In der Folge unterblieben weitere Instruktions- massnahmen der Vorinstanz. 7. 7.1 Nach dem Gesagten steht fest, dass das SEM sowohl den Anspruch des Beschwerdeführers auf Einräumung des rechtlichen Gehörs als auch den Untersuchungsgrundsatz verletzt hat. 7.2 Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs führt grundsätzlich – das heisst ungeachtet der materiellen Auswirkungen – zur Aufhebung des da- raufhin ergangenen Entscheides. Die Heilung einer Gehörsverletzung aus prozessökonomischen Gründen auf Beschwerdeebene kommt – unbese- hen der Kognitionsbeschränkung der Beschwerdeinstanz – insbesondere auch deshalb nicht in Betracht, weil das SEM im Rahmen des vorliegen- den Verfahrens eine neue Praxis anwandte, diese gemäss vorstehenden Erwägungen in der gehandhabten Form aber nicht als rechtsgenüglich gewertet werden kann und demzufolge im Lichte der gerügten Mängel zu verbessern ist. 8. Die angefochtene Verf ügung ist deshalb aufzuheben und die Sache im Sinne der Er wägungen und in Gutheissung der Ziffer 1 des in der Be- schwerde gestellten Rechtsbegehrens (Aufhebung des angefochtenen Entscheides des SEM und Neubeurteilung in der Sache) an die Vor - instanz zurückzuweisen. Das SEM ist gehalten, gestützt auf den vollstän- dig festgestellten rechtserheblichen Sachverhalt beziehungsweise unter Wahrung der Gehörsansprüche des Beschwerdeführers einen neuen Ent- scheid mit rechtsgenüg ender Begründung zu fällen. Bei dieser Sa chlage kann mangels Relevanz davon abgesehen werden, auf weitere Be- schwerdevorbringen näher einzugehen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG) . Mit Verfügung des Instruktionsrichters vom 13. Mai 2015 wurde ohnehin bereits das Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheis- sen. 9.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei ist eine Parteientschädi- gung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspr e-D-2307/2015 Seite 16 chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge- richt ( [VGKE, SR 173.320.2]). Aus der selbstständigen Beschwerdefüh- rung dürften dem Beschwerdeführer keine solchen Kosten entstanden sein, weshalb keine Parteientschädigung auszurichten ist. 9.3 Auch wenn nachträglich das Gesuch gemäss Art. 110 a Abs. 1 AsylG gutgeheissen und dem Beschwerdeführer ein amtlicher Rechtsbeistand bestellt wurde, ist diesem keine Entschädigung auszuric hten, da seine bisherigen Aufwendungen (Übernahme des Mandats, Mandatsmitteilung beziehungsweise Einreichung der Eingabe vom 22. Oktober 2015 , Kenntnisnahme der Verfügung vom 28. Oktober 2015 ) als verhältnismäs- sig gering zu erachten sind (Art. 7 Abs. 4 VGKE). (Dispositiv nächste Seite) D-2307/2015 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefoch- tenen Verfügung beantragt wird. 2. Die Verfügung des SEM vom 13. März 2015 wird aufgehoben und die Sache zu neuer Entscheidfindung im Sinne der Erwägungen an die Vor - instanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Es wird keine Parteientschädigung entrichtet. 5. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird keine Entschädigung ausgerichtet. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand: