B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5828/2010/sps U r t e i l v o m 2 9 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A.______, geboren am (…), Côte d'Ivoire, vertreten durch Marcel Bosonnet, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. Juli 2010 / N (…). D-5828/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a. Den Akten zufolge verliess die Beschwerdeführerin ihren Hei mat- staat im Sommer 2009 auf dem Luftweg und reiste in der Folge illegal in die Schweiz ein. Am 19. Januar 2010 wurde sie durch eine kantonale Po- lizeidienststelle festgenommen. Die zuständige kantonale Behörde ver - fügte am 21. Januar 2010 ihre sofortige Wegeweisung gemäss Art. 64 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20). Gleichzeitig wurde die Auss chaffungs- haft angeordnet. Gestützt auf ihre Aussagen erging ferner eine Meldung an eine Opferhilfestelle. Anlässlich der Einvernahme durch den Haftric h- ter vom 23. Jan uar 2010 stellte die Beschwerdeführerin ein Asylgesuch. Dazu wurde sie am 19. Februar 2010 vom BFM im Beisein ihres Rechts- vertreters angehört. A.b. Dabei machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, in B._______ (Elfenbeinküste) geboren worden zu sein und mehrheitlich dort gelebt zu haben. Sie habe unter anderem als Stoffhändlerin gearbei- tet. Ihre beiden Kinder lebten bei ihrem Vater an einer ihr nicht bekannten Adresse. Im Jahre 2002 sei sie zwecks Wareneinkaufs nach C._______ gereist. Eine Woche später sei der Krieg ausgebrochen. Nach zwei M o- naten habe sie sich einer Personengruppe angeschlossen, um die Stadt zu verlassen. Bei der Passage eines Rebellencamps sei sie angehalten worden. In der Folge habe sie ungefähr sechs Jah re bei den Rebellen an verschiedenen Standorten verbringen und für diese arbeiten müssen. Nach der Gefangennahme seien ihr Repressalien gegen die Kinder für den Fall ihrer Flucht in Aussicht gestellt worden. Sie habe wiederholt Ver- gewaltigungen erlitten. Der Rebellenchef habe ihr mit einem Messer Ve r- letzungen zugefügt. Während des Lageraufenthalts sei sie mit einem NGO-Vertreter, welcher medizinische Hilfe gebracht habe, bekannt g e- worden. Nach erfolglosen Versuchen sei ihr schliesslich zusammen mit einer Kollegin die Flucht aus dem Lager und die Reise nach B._______ gelungen. Dort habe sie versteckt gelebt, da sie mit Verfolgung durch die Rebellen respektive deren Chefs am Zufluchtsort habe rechnen müssen. Nachdem ihre Kollegin verschwunden sei, habe sie den erwähnten NGO- Mitarbeiter wieder kontaktiert. Dieser habe ihr im August 2009 zur Flucht in die Schweiz verholfen. A.c. Ferner legte die Beschwerdeführerin dar, bei der Landung am ihr unbekannten Flughafen von einem Mann in Emp fang genommen worden D-5828/2010 Seite 3 zu sein. Er habe sie an einem ihr unbekann ten Ort untergebracht und vergewaltigt. Auch durch dessen Kollegen sei sie vergewaltigt worden. Schliesslich sei ihr die Flucht geglückt. In ihrem jet zigen Aufenthaltskan- ton in der Schweiz habe sie als Kinder betreuerin Unterschlupf bei einer Familie gefunden. Bisweilen habe sie sich auch bei einem Freund auf- gehalten. A.d. Am 4. März 2010 wurde die Beschwerdeführerin aus der Ausschaf - fungshaft entlassen. B. Am 26. März 2010 forderte das BFM die Beschwerdeführerin auf, in nert Frist einen Arztbericht einzureichen. C. Nach gewährter Fristerstreckung ging beim BFM am 14. Mai 2010 ein psychiatrischer Arztbericht vom 10. Mai 2010 ein. Darin wurde eine post - traumatische Belastungsstörung diagnostiziert. D. Am 18. Mai 2010 räumte d as BFM der Beschwerdeführerin Frist zur Nachreichung weiterer ärztlicher Unterlagen ein. E. Nach gewährter Fristerstreckung ging beim BFM am 14. Juni 2010 eine ärztliche Stellungnahme vom 10. Juni 2010 – insbesondere die Narben der Beschwerdeführerin betr effend – ein. Die medizinische Fachperson D._______ hielt fest, die vorhandenen Narben könnten mit der von der Patientin be schriebenen Ursachen korrespondieren. Sie wisse indes nicht, ob entspre chenden Zeichnungen der Haut in der Heimat der Pat i- entin nicht auc h in einem anderen Kontext vorgenommen worden sein könnten. Der Eingabe lagen Fotos der Narben bei. F. F.a. Mit Verfügung vom 9. Juli 2010 – eröffnet am 1 5. Juli 2010 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegwei sung aus der Schweiz. Die Vorinstanz legte dar, erfahrungsgemäss würden verfolgte Personen unmittelbar nach ihrer Einreise in die Schweiz ein Asylgesuch stellen. Die Beschwerdeführer in habe dies unterlassen, ob - wohl ihr die Gesuchseinreichung möglich und zumutbar gewesen wäre. D-5828/2010 Seite 4 Es komme mithin der Verdacht auf, dass sie mit der verspäteten Ge - suchseinreichung (lediglich) den drohenden Vollzug der Wegweisung h a- be verhindern wollen. Im W eiteren habe sie die mehrjährige Gefangen - schaft bei den Rebellen nicht hinreichend substanziiert geschildert. Un- glaubhaft sei, dass sie über Jahre hinweg vergewaltigt worden sein soll, ohne dabei schwanger zu werden. Die angeblich letzte erlittene Verg e- waltigung habe sie nur sehr kurz dargelegt. Ausser dem habe sie keine Angaben zu den Mitgefangenen machen können. Nicht nachvollziehbar sei, dass sich die Rebellen nach den Misshandlungen die Mühe gemacht haben sollten, den Mitarbeiter einer NGO zwecks Vera rztung der Betro f- fenen ins Lager zu lassen. Zu dieser Person oder sei ner Organisation habe sie im Übrigen keinerlei Angaben machen kön nen. Nicht nachvol l- ziehbar sei auch, dass sie nach der Flucht in B._______ und dem plötzli- chen Verschwinden ihrer Kolleg in nicht schutzsuchend an die dortigen Behörden gelangt sei. Schliesslich seien ihre Schilderungen zu den Re i- seumständen in die Schweiz aufgrund realitätsfremder und sub - stanzarmer Aussagen nicht glaubhaft. Ihre Verfolgungsgeschichte sei entsprechend als b losses Konstrukt zu werten. Die vorgezeigten Narben müssten eine andere als die geltend gemachte Ursache haben. Infolg e- dessen seien auch die Ursachen der psychischen Probleme entge gen der Einschätzung im ärztlichen Bericht vom 10. Mai 2010 nicht in der b e- haupteten Verfolgung zu suchen. Die eingereichten Arztberichte beruhten einzig auf der Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführerin und wür- den diese nicht kritisch hinterfragen. F.b. Den Vollzug der Weg weisung in die Elfenbeinküste erachtete das BFM für zulässig, zumutbar und möglich. Namentlich in B.______ und den umliegenden Gebieten herrsche keine Situation allgemeiner Gewalt. Die Beschwerdeführerin könne für ihre psychischen Probleme dort ärztl i- che Hilfe in Anspruch nehmen. In B._______ gebe es mehrere öffentliche psychiatrische Kliniken oder private Praxen. Für die Kosten könne sie auf Angehörige vor Ort zurückgreifen. Sie verfüge über ein tragfähiges Bezie- hungsnetz, eine Schulbildung und Arbeitserfahrung. Es stehe ihr zudem offen, beim BFM ein Gesuch um medizinische Rückkehrhilfe zu stellen. G. Am 26. Juli 2010 beantragte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beim BFM Einsicht in die Verfahrensakten. Diese wurde ihm am 28. Juli 2010 gewährt. D-5828/2010 Seite 5 H. H.a. Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung an das Bundesverwaltungsgericht vom 16. August 2010 ersuchte die Beschwerdeführerin um Einsicht in verschiedene Aktenstücke des vor instanzlichen Verfahrens und bean- tragte die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids, die Feststellung ih- rer Flüchtlingseigenschaft verbunden mit der Asylgewährung, eventualiter die Erstellung eines Gutachtens betreffend Glaub haftigkeit ihrer Aussa - gen, eventualiter die Feststellung der Un zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs verbunden mit der vorläufigen Auf nahme in der Schweiz und für den Fall des Unterliegens die un entgeltliche Prozessfüh rung samt En t- bindung von der Vorschusspflicht (Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltung s- verfahrensgesetzes vom 20. De zember 1968 [VwVG, SR 1 72.021]). Zur Begründung legte sie dar, die Aktenedition des BFM entspreche nicht der geltenden Rechtspraxis. Es komme der Verdacht ei nes Geheimverfa h- rens auf. Zudem habe die Vorinstanz ein Schreiben des Rechtsvertreters samt Zeitungsartikel offensichtli ch gar nicht zur Kennt nis genommen. Im Weiteren leide sie an einer posttraumatischen Be lastungsstörung, was vom BFM nicht in Abrede gestellt worden sei. Hin gegen habe die Vori n- stanz die Diagnose bei der Würdigung ihres Aussa geverhaltens nicht adäquat berücksichtigt. So führten Er innerungsstörungen dazu, dass der Sachverhalt durch die Betroffenen nicht oder nur unzureichend dargelegt werden könne. In Anbetracht der Tat sache, dass die behandelnde Ps y- chiaterin ihre Aussagen offensichtlich für glaubhaft erachte und eine we i- tere Fachperson festhalte, ihre Narben würden mit den beschriebenen Ursachen übereinstimmen, sei demnach von der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen auszugehen. Das BFM habe mit kei nem Wort das Verhalten der Beschwerdeführerin anlässlich de r Anhö rung, wo sie mehrfach in Weinkrämpfe ausgebrochen sei, erwähnt. Die heftigen körperlichen Reak- tionen seien ein deutliches Beispiel dafür, dass sie wahrheitsgemäss ausgesagt habe, und deuteten auf möglichen Frauen handel hin. Im Übri- gen vermöchten die einzelnen Argumente des BFM für die angebliche Unglaubhaftigkeit nicht zu überzeugen. So habe bereits die Hilfswerkver- tretung anlässlich der Anhörung vermerkt, dass die Beschwerdeführerin glaubhafte Gründe für die Verspätung der Asylge suchseinreichung habe vorbringen können. Ihre Angst, sich bei ei ner schweizerischen Amtsstelle zu melden, sei aufgrund ihrer Erlebnisse nachvollziehbar. Das behördl i- che Misstrauen erscheine zudem insofern als gerechtfertigt, als sie in der Schweiz verhaftet und in Ausschaffungshaft genommen worden sei. Aus- serdem habe sie bereits vor Einreichung des Asylgesuchs, nämlich in zwei Einvernahmen am 20. und 22. Januar 2010, einer für Frauenhandel D-5828/2010 Seite 6 spezialisierten Beamtin ihr Schicksal destail liert erzählt. Auch zu jenem Zeitpunkt sei ihr nicht bekannt gewe sen, dass sie aufgrund ihrer Verfol - gungssituation ein Asylgesuch hätte ein reichen können. Im Weiteren h a- be sie ihre Gefangennahme und die Folgezeit unter der Gewalt der R e- bellen entgegen der vorinstanzlichen Sichtweise detailliert vorgebracht. In diesem Zusammenhang sei ihre Traumatisierung zu berücksichti gen. Die weitere Erwägung des BFM , die Vorbringen seien unglaubhaft weil sich bei ihr trotz der geltend gemachten Vergewaltigung keine Schwange r- schaft ergeben habe, sei sehr spekulativ. Ferner hätten gemäss Berichten von Nichtregierungsor ganisationen deren Aktivitäten auch in Rebel - lengebieten stattgefunden. Das Argument des BFM, solche Besu che im Lager seien realitätsfremd, müsse als haltlos bezeichne t werden. Dass der von ihr erwähnte Vertreter der NGO seinen Namen nicht be kannt ge- geben habe, sei nachvollziehbar, zumal man auch nichts über des sen tatsächlichen Beweggründe wisse und er nicht sachgerecht gehan delt habe. Des Weiteren hätten nach dem Friedensvertrag von März 2007 die Rebellen im Rahmen der Machtteilung weitgehende Befug nisse erhalten. Die Angst (der Beschwerdeführerin) vor deren Nach stellungen auch in B._______ erscheine somit als begründet, weshalb ihr Verzicht, die dorti- gen Behörden um Schutz zu ersuchen, entgegen den vo rinstanzlichen Erwägungen nach vollziehbar sei. Schliesslich seien ihre Schilderungen zur Herreise in die Schweiz zwar ungewöhnlich, aber wie derum – wie auch von der Hilfs werkvertretung vermerkt – als glaub haft ein zustufen. Durch die darge legte Verfolgungssituation stehe sie unter ei nem une r- träglichen psychi schen Druck im Sinne des Asylgesetzes und sei als Flüchtling anzuerkennen. H.b. Ein allfälliger Vollzug der Wegweisung würde gegen die relevanten gesetzlichen Bestimmungen verstossen. In ihrer Heimat könne die Be - schwerdeführerin nach wie vor nicht sicher leben. Die Behandlung der posttraumatischen Belas tungsstörung sei aus verschiedenen Gründen nicht in der Elfenbeinküste durchführbar. So fehlten ihr die dafür erforder- lichen finanziel len Mittel. In B.______ lebten lediglich noch ihre Mut ter und ihre Schwester. Ihr Vater sei gestorben. Es bestehe mithin kein trag - fähiges Be ziehungsnetz. Sie sei auf eine medikamentöse Behandlung und eine Gesprächstherapie angewiesen. Diese Massnahmen müssten in einem sicheren Rahmen erfolgen. H.c. Der Eingabe lag ein NZZ-Artikel vom 23. Februar 2010 bei. D-5828/2010 Seite 7 I. Mit Zwischenverfügung vom 23. August 2010 stellte die Instruktionsrichte- rin die aufschiebende Wirkung der Beschwerde fest und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde gutgeheissen und dasjenige gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG abgewiesen. Das BFM wurde aufgefordert, im Rahmen des Schrif- tenwechsels auch über das Gesuch der Beschwerdeführerin um erwei - terte Akteneinsicht zu befinden. J. Mit Eingabe vom 31. August 2010 gab die Beschwerdeführerin ein weite - res Schreiben der medizinischen Fachperson D._______ zu den Akten. Aus dem Schreiben vom 23. August 2010 gehe hervor, dass die Fachper- son auf grund ihrer Ausbildung in der Lage sei, zur Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdeführerin eine Stellungnahme zu verfassen. Weiter werde verdeutlicht, dass die A ussagen der Beschwerdeführe rin glaubhaft seien. K. Mit Vernehmlassung vom 1 . September 2010 beantragte die Vor instanz die Abweisung der Beschwerde und behandelte das Akteneinsichtsge - such. Sie wies darauf hin, dass der im Beschwerdeverfahren eingereichte Zeitungsartikel entgegen den Darlegungen des Rechtsvertreters im ers t- instanzlichen Verfahren nicht eingereicht worden sei, weshalb auch keine Würdigung im Entscheidzeitpunkt habe erfolgen können. Er beziehe sich im Übrigen in keinster Weise spezifisch auf die Beschwerdeführe rin oder die Situation in B._______. Bei der Beurteilung der ärztlichen Unterlagen hielt die Vorinstanz an ihrer bisherigen Einschät zung fest. Betreffend der Narben erwog das BFM, dass diese gemäss ärztli chem Bericht vom 10. Juni 2010 mit den von der Beschwerd eführerin angegebenen Ursachen korrespondieren könnten, aber auch eine an dere Ursache offenbar nicht ausgeschlossen sei. L. Am 3. September 2010 räumte das Bundesverwaltungsgericht der Be - schwerdeführerin Frist zur Replik ein. M. In einer ergänzenden Vernehmlassung vom 3. September 2010 hielt das BFM an seinem Entscheid fest. Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde der Beschwerdeführerin am 7. September 2010 zur Kenntnis gebracht. D-5828/2010 Seite 8 N. Am 7. September 2010 gab die Beschwerdeführerin einen Bericht einer weiteren medizinischen Fachkraft vom 30. August 2010 samt Beglei t- schreiben zu den Akten. Auch in diesem Bericht werde von der Wahr heit ihrer Vorbringen ausgegangen. O. Mit Replik vom 20. September 2010 bemängelte die Beschwerdeführerin erneut die Praxis des BF M bei der Aktenedition und bekräftigte die Rele - vanz des eingereichten NZZ -Artikels. An der Beweisrelevanz der einge - reichten medizinischen Berichte und dem Antrag auf Erstellung eines Gutachtens zur Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen hielt sie fest. P. Am 27. Oktober 2010 (Poststempel) gab die Beschwerdeführerin ein D o- kument der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SF H) vom 14. Oktober 2010 zur ärztli chen Versorgung vor Ort zu den Akten. Gemäss diesem Bericht sei die gesundheitliche Lage von psychisch Kranken im Allgemei- nen prekär. Q. Mit Zwischenverfügung vom 16. März 2012 hiess das Bundesverwa l- tungsgericht das Gesuch um Einsicht in weitere Akten des BFM - Verfahrens im Sinne seiner Erwägungen gut und setzte Frist zur Stel - lungnahme respektive Nachreichung von Beweismitteln an. R. In ihrer Eingabe vom 2. April 201 2 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Vorbringen fest. S. Mit Zwischenverfügung vom 14. Juni 2012 forderte das Bundesverwa l- tungsgericht die Beschwerdeführerin auf, Angaben zum aktu ellen G e- sundheitszustand zu machen und entsprechende Beweismit tel beizubrin- gen. Innert angesetzter beziehungsweise erstreckter Frist ging in der Fo l- ge ein fachärztlicher Bericht von D._______ vom 26. Juni 2012 beim Bundesverwaltungsgericht ein. Darin wurde die D iagnose der post - traumatischen Belastungsstörung bestätigt. Im ferner eingereichten Be- richt vom 28. Juni 2012 (verfasst vom Hausarzt der Beschwerdeführerin) wurde die psychische Befindlichkeit verbunden mit Bluthochdruck er - wähnt. D-5828/2010 Seite 9 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei nes Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh rende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [As ylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das Verfah ren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände - rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann d ie Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Im Rahmen des Instruktionsverfahrens wurde der Beschwerdeführerin am 2. April 2012 vom Bundesverwaltungsgericht Einsicht in weitere vorinstanzliche Akten gewährt. In dieser Verfügung, auf welche zu verwei- sen ist, wurde ferner ausführlich dargelegt, weshalb das BFM die Einsicht in gewisse Akten in zulässiger Weise unterliess. Ausserdem wurde der D-5828/2010 Seite 10 Beschwerdeführerin Frist zu einer nochmaligen Stellungnahme ange - setzt. Gestützt auf diese Sachlage ist ein allfälliger Mangel des BFM bei der Akteneinsicht nunmehr als geheilt zu erachten. Die Vorinstanz weist in ihrer Ver nehmlassung sodann zu Recht darauf hin, dass die Einrei - chung eines Artikels aus der NZZ bereits im erstinstanzli chen Verfahren seitens der Beschwerdeführerin (zumindest gemäss Aktenverzeichnis) of- fenbar nicht stattgefunden hat. 4. 4.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wege n ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massn ahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG) . Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen und sie dürfen nicht widersprü chlich sein oder der inneren Logik entbehren. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vo r- bringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (Art. 7 Abs. 3 AsylG), wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwerd e- führers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaf t- machung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbri n- gen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten As pekte wesentli- che und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhalt s-D-5828/2010 Seite 11 darstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhalts darstellung spre- chen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. 5. 5.1. Soweit die Beschwerdeführerin beantragt, es sei ein Gutachten im Hinblick auf die Frage der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu veranlassen, ist darauf hinzuweisen, dass es grundsätzlich Aufgabe des Bundesve r- waltungsgerichts ist, diese Frage zu klären. Eine Ausnahmesitua tion, in welcher es allenfalls als geboten erscheinen würde, eine solche Instrukt i- onsmassnahme zu ergreifen, liegt nicht vor. Zwar ist im Sinne der eing e- reichten ärztlichen Unterlagen unbestritten, dass die Beschwerdeführerin unter psychischen Beschwerden leidet und diese gemäss den ausführl i- chen Beschwerdevorbringen ihr Aussageverhal ten beeinflusst haben könnten. Sie war indes in der Lage, die Fluchtgrün de aus ihrer Sicht aus- führlich zu Protokoll zu geben, und ver mittelte dabei durchaus den Ei n- druck einer urteils - und aussagefähigen Person (vgl. dazu auch die Ei n- schätzung im Arztbericht vom 10. Mai 2010 Ziff. 1.3) . Mithin kann von e i- nem rechtsgenüglich erstellten Sachver halt ausgegangen werden. D er Tatsache, dass traumatisierte Personen mitunter nicht in der Lage sind, das Erlebte von sich aus spontan zu den Akten zu geben , und Verdrän- gungsmechanismen ihr Aussageverhalten be einflussen können, ist vom Spruchgremium in den nachfolgenden Erwä gungen im gebührenden Ausmass Rechnung zu tragen. Entgegen den Beschwerdevorbringen e r- weckt sodann auch die Vorgehensweise der Befragungsperson anlässlich der Anhörung nicht den Eindruck, die psy chische Befindlichke it der B e- schwerdeführerin sei in ihrem Aussageverhalten nicht berücksichtigt wor- den. Der Antrag auf Erstellung eines Gutachtens zur Frage der Glaubhaf- tigkeit i st mithin abzuweisen (vgl. dazu die Zwischenverfügung vom 16. März 2012). Ohnehin kommt das Bundesverwaltungsgericht in Abwägung sämtlicher Aussagen vorliegend zum Schluss, dass die Vorinstanz zu Un- recht von der fehlenden Glaubhaftigkeit der Kernvorbringen ausging. 5.2. Gemäss Aktenlage hat die Beschwerdeführerin erst Monate nach der Einreise und nach einer behördlichen Festnahme ein Asylgesuch gestellt. Ihr Vorbringen in der Beschwerde, sie habe bereits vor Einreichung des Asylgesuchs einer für Frauenhandel spezialisierten Beamtin ihr Schick sal destailliert erzählt, trifft aber insofern zu, als sie dabei offenbar erlittene sexuelle Gewalt vorbrachte. Die Ereignisse in der Elfenbeinküste schil - derte sie am 23. Januar 2010 dem Haftrichter. Die verzögerte Asylg e-D-5828/2010 Seite 12 suchsstellung ist in Würdigung der Fallumstände aber schon inso fern nicht entscheidrelevant, als dafür in Anbetracht de s schon von den da - mals involvierten Behörden offenbar gehegten Verdachts des Frauenhan- dels nachvollziehbar e Gründe bestanden haben dürften (vgl. auch A 24/29 Antworten 233 f. und die entsprechenden Beschwerdeargu mente). Folglich sind auch die Schilderungen der Beschwerdeführerin betreffend Reiseumstände in die Schweiz, welche vom BFM aufgrund reali - tätsfremder und sub stanzarmer Aussagen für nicht glaubhaft erachtet wurden, betreffend Glaubhaftigkeit der Kernvorbringen nicht überzube- werten. Entscheidender ist die Tatsache, dass die Darlegungen der Beschwerde- führerin Realkennzeichen auf weisen. Sie begann während der Anhörung wiederholt zu weinen. Zudem hat sie die Lage in C._______ während der Auseinandersetzungen im Jahre 2002 und die damit verbun dene Begeg- nung mit den Rebellen in einem gewissen Ausmass substanzi iert und nachvollziehbar geschildert (A 24/29 Antworten 162 f f.). Dass sie unter den damaligen kriegerischen Auseinandersetzungen litt und auf der Flucht durch die Rebellen angehalten wurde, erscheint somit als durch- aus realistisch. Ihre andauernde Furcht vor den Rebellen äus serte sie im Übrigen bereits im Zusammenhang mit Fragen zu ihren Kin dern, indem sie spontan angab, die Rebellen könnten im Sinne einer Reflexverfolgung auch diesen nachstellen, da die Rebellen Angst davor hät ten, sie als Zeugin des Vorgefallenen könnte belastende Aussagen machen (A 24/29 Antworten 62 ff.). Zwar bestehen gewisse Zweifel daran, dass sie in der Folge tatsächlich sechs Jahre unter den geschilderten Bedin gungen im Gewahrsam der Rebellen verbringen musste. So fällt auf, dass sie ihre Vorbringen in zeitlicher Hinsicht kaum einzuordnen wusste. Andererseits sind ihr wegen der diagnostizierten Traumatisierung gewisse Aussage- mühen zu Gute zu halten. Ihre zum Teil etwas schlich ten, aber nicht w i- dersprüchlichen Angaben zur Zeit bei den Rebellen vermit teln insgesamt jedenfalls eher den Eindruck von tatsächlich Erleb tem und nicht denjen i- gen eines blossen Sachverhaltskonstrukts; sie lassen sich ausserdem gut vereinbaren mit verschiedenen Quellen zur damali gen Situation vor Ort (vgl. untenstehend E. 5. 4.). So war die Be schwerdeführerin im Zusa m- menhang mit der vorgebrachten Flucht nach B._______ auch in der L a- ge, tatsachengemäss auf zwei verschiedene Rebel lengruppen mit unte r- schiedlichen Absichten hinzuweisen (A 24/29 Antwort en 160, 208 und 239). Auch wenn ihre Schilderungen eines Tages ablaufs im Gewahrsam der Rebellen und zu Mitgefangenen nur bedingt substanziiert ausgefallen sind, ist in Würdigung gewisser doch detaillierter Aussagen davon ausz u-D-5828/2010 Seite 13 gehen, dass sie tatsächlich während längerer Zeit in deren Machtbe reich lebte und dabei Opfer von Gewalt wurde. 5.3. Die ärztlichen Berichte attestieren der Beschwerdeführerin eine post- traumatische Belastungsstörung. An diesen Befunden ist nicht zu zwei - feln. Die genaue Ursache der psychischen Leiden vermögen die Berichte vom 10. Mai 2010, 10. Juni 2010, 23. August 2010 , 30. August 2010, 26. Juni 2012 und 28. Juni 2012 im Sinne der vorinst anzlichen Erwägungen aber praxisgemäss nicht schlüssig anzugeben respektive zu belegen. Da die Beschwerdeführerin aber seit gut zwei Jahren bei der Therapeutin D._______ in Behandlung steht und namentlich auch diese ärztliche Fachkraft in den von ihr eingereichten Berichten von der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Ereignisse ausgeht, ist von einem weiteren Indiz für die Glaubhaftigkeit der Kernvorbringen der Beschwerdeführerin au s- zugehen. Auch die fotografisch dokumentierten Narben deuten in ihrer Art auf Gewaltakte im Sinne der Vorbringen hin. 5.4. 5.4.1. Übereinstimmenden Berichten zufolge ist es unter den von der Be - schwerdeführerin erwähnten Umständen und im dargelegten Zeitraum tatsächlich und verbreitet zu Übergriffen durch die Kriegspa rteien an Frauen gekommen (vgl. Amnesty International, Côte d'Ivoire Targeting women: the forgotten victims of the conflict, 15.03.2007, «http://www.amnesty.org/en/library/asset/AFR31/001/2007/en/ec778273- d3b1-11dd-a329-2f46302a8cc6/afr310012007en.pdf,» abgerufen am 09.07.2012; Human Rights Watch, “My Heart Is Cut”: Sexual Violence by Rebels and Pro -Government Forces in Côte d’Ivo ire, August 2007, «http://www.hrw.org/sites/default/files/reports/cdi0807webwcover.pdf», abgerufen am 09.07.2012; ONUCI, Rapport sur la situation de Droits de l’Homme en Côte d'Ivoire. Main -Juin-Juillet 2005 , Oktober 2005, «http://www.ohchr.org/Documents/Countries/CI/rapport3.pdf», abgerufen am 09.07.2012). 5.4.2. Die in den Berichten erwähnte sexuelle Ge walt an Frauen verbun - den mit teils mehrjährigen Gefangennahmen stimmen mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin weitestgehend überein. Es sei zu zahlreichen Entführungen von Frauen gekommen, welche in der Folge als Sexskl a- vinnen Missbrauch erlitten hätten. Im Jahre 2007 seien nach wie vor viele Frauen in Gefangenschaft gewesen. Im Bericht von Amnesty International wird eine Frau erwähnt, die Ende 2002 in C._______ von einer Re - bellengruppe der Forces Nouvelles entführt worden sei (vgl. dazu A 24/29 D-5828/2010 Seite 14 Antwort 174). Die im Bericht wiedergegebenen Schilderungen dieser Per- son könnten inhaltlich auch von der Beschwerdeführerin stam men. Im besagten Bericht wird ferner eine zweite Entführung in C._______ im Jahr 2002 thematisiert. In der erwähnten französischsprachigen Quelle wird sodann darauf hingewiesen, dass viele Fälle von sexueller Gewalt gegen Frauen nicht gemeldet und entsprechend von keiner Institution aufgezeichnet worden seien. Angehörige von Opfern hätten sich nicht zu Zeugenaussagen anhalten lassen. 6. Die Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt damit, dass zwar nicht alle Zweifel an der Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Be schwerde- führerin ausgeräumt sind, die dafür sprechenden Gründe aber überwie - gen. In Berücksichtigung aller Aspekte, welche für oder gegen die Glau b- haftigkeit der Kernvorbringen sprechen, ist nach dem Gesagten da von auszugehen, dass sie tatsächlich bei den Rebellen in Gefangenschaft ge- riet, dort Opfer von Gewalt wurde und erst Jahre später aus dem Heima t- land fliehen konnte. 7. Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht - lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernst hafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat be ziehungsweise solche im Fall einer Rüc kkehr in den Heimatstaat mit be achtlicher Wahr - scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Person gezielt und auf grund bestimmter Ver- folgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Nach neuerer Rec ht- sprechung kann eine Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG von staatlichen oder nichtstaatlichen Ak teuren ausgehen. Die Aner kennung der Flüchtlingseigenschaft setzt zudem voraus, dass die betrof fene Per- son einer landesweiten Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in einem anderen Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Verfol gung oder begrün dete Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeit punkt des Asylentschei des ist j e- doch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimat - staat zwischen Ausreise und Asyl entscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der ein Asyl gesuch stellenden Person zu be rücksichtigen (vgl. BVGE 2008 Nr. 12). D-5828/2010 Seite 15 8. 8.1. Nachteilen, die Frauen zugefügt werden oder zugefügt zu werden drohen, liegt ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG dann zugrunde, wenn diese Nachteile in diskriminierender Weise an das Merkmal des (weiblichen) Geschlechts anknüpfen (vgl. Ur - teil D-4289/2006 vom 11. September 2008 E. 6.4). Die Beschwerdeführe- rin hat glaubhaft machen können, in ihrem Heimatland durch Vertreter ei- ner Kriegspartei gezielt Opfer geschlechtsspezifischer Verfolgung gewo r- den zu sein; so waren gemäss den zitierten Quellen Vergewaltigungen von Frauen durch die Rebellen auch in C._______ in der massgeblichen Zeit ein gängiges Mittel der Kriegsführung, weshalb der Verfolgungsch a- rakter der geltend gemachten Vergewaltigungen feststeht. Ob sie auch wegen ihrer Ethnie verfolgt wurde, lässt sich den Akten nicht schlüssig entnehmen. Die von ihr geltend gemachten Übergriffe erfüllen di e Anfor- derungen an die Verfolgungsintensität gemäss Art. 3 AsylG zweifellos. 8.2. Mit Bezug auf die Sicherheits - und Menschenrechtslage in der Côte d'Ivoire ist zunächst auf eine vom Bundesverwaltungsgericht vorgenom - mene Lageeinschätzung im publizierten Urteil vom 24. November 2009 zu verweisen: Das Gericht hält darin fest, dass im Rahmen des Abkom - mens von Ouagadougou vom März 2007 die politische Lage deutlich h a- be stabilisiert werden können und eine positive Entwicklung der allgemei - nen Sicherheits - und Menschenrechtslage festzustellen sei (vgl. BVGE 2009/41 E. 7.3.2 ff.). Gleichzeitig ist aber festzuhalten, dass die Forces Nouvellles im April 2007 in die Regierung eingebunden wurden; de ren Generalsekretär wurde zum Premierminister ernannt. Am 28. November 2010 fanden in der Côte d'Ivoire Präsident schaftswahlen statt. Nachdem der abgewählte Präsident Laurent Gbagbo den Wahl sieg seines Heraus- forderers Alassane Ouattara nicht anerkannt hatte, brachen im März 2011 Kämpfe zwischen den Truppen der Kontra henten aus. Am 11. April 2011 wurde Gbagbo festgenommen; in manchen Teilen Abidjans dauerten die Auseinandersetzungen bis Anfang Mai 2011. Am 1. Juni 2011 stellte Prä- sident Ouattara die neue Regierung vor mit dem bisherigen Premierminis- ter. Am 28. Novembe r 2011 wurde die nationale Kommis sion für Dialog, Wahrheit und Versöhnung (Commission dialogue, vérité et réconciliation; [CDVR]) offiziell eingesetzt. Am 29. November 2011 wurde Gbagbo an den Internationalen Strafgerichts hof in Den Haag ausgeliefert und die Parlamentswahlen vom 11. Dezember 2011 sind – wie vom zustän digen Vertreter der Vereinten Nationen für die Elfenbein küste festgestellt – im Grossen und Ganzen friedlich verlau fen (zur aktuel len Lage in der Côte d'Ivoire, vgl. etwa die Urteile E-907/2010 vom 16. Februar 2012 E. 8.2, D-D-5828/2010 Seite 16 754/2010 vom 10. Februar 2012 E. 9.3, D -1714/2009 vom 22. Dezember 2011 E. 7.4 und E-3093 vom 5. März 2012 E. 7.1). 8.3. Nach dem Gesagten ist in gewissen Punkten insgesamt von einer Verbesserung der Lage vor Ort auszugehen. Die Tatsache, dass die R e- bellenpartei, deren Vertreter de r Beschwerdeführerin asylrelevante Nachteile zufügten, in die Regierung eingebunden wurde, lässt indes auch im aktuellen Zeitpunkt auf begründete Furcht der Beschwerdeführe - rin vor asylrelevanten Nachteilen schliessen. Deren Einbindung in staatli- che Strukturen gewährt nämlich in keiner Weise, dass die Beschwerd e- führerin unbehelligt in B._______ leben könnte. Zum einen haben die Rebellen durch die Machtteilung weitgehende Befugnisse erha lten. Zum anderen kann v on einem rechts staatlichen Umgang mit ZeugInnen des im Krieg Vorgefallenen schon insofern nicht a usgegangen werden, als weiteren Quel len zufolge nach wie vor bewaffnete Kräfte auch in B._______ in Erschei nung treten, ohne dass da von Betroffene hinre i- chend geschützt wä ren. Die Beschwerdeführerin müsste im Falle ihrer Rückkehr mit erhebli cher Wahrscheinlichkeit damit rechnen, namentlich wegen ihrer möglichen, schwer belastenden Aussagen und mithin aus po- litischen Gründen aus Kreisen ihrer vormaligen Peiniger zum Schweigen gebracht zu werden. Adäquater staatlicher Schutz oder eine innerstaatl i- che Fluchtal ternative bestünden offensichtlich nicht . Vor diesem H inter- grund erweist sich das Argument des BFM, die Beschwerdeführerin hätte die Behörden in B._______ um Schutz ersuchen können, als in keiner Weise stichhaltig (vgl. zum Ganzen die auf dem Internet abrufbaren Pres- seartikel "Jeune Afrique" vom 3. Juli 2012 so wie "Inter Press Serv i- ce/News Agency" vom 13. August 2012). 8.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 3 und 7 AsylG bei der Beschwerdeführerin für den Zeitpunkt der Ausreise aber auch im aktuellen Zeitpunkt erfüllt sind. Aus den Akten ergeben sich sodann keine kon kreten Hin weise auf das Vorliegen von Asylaus - schlussgründen. Demnach ist das BFM anzuwei sen, ihr Asyl zu gewä h- ren. Bei dieser Sachlage kann davon abgese hen wer den, auf weitere Beschwerdevorbringen und Beschwerdeanträge einzugehen. 9. 9.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen. 9.2. Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteient schädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 7 Abs. 1 des Regle -D-5828/2010 Seite 17 ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent schädigungen vor dem Bunde sverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nach dem sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Ak tenlage hinreichend zuverlässig abschätzen lässt, er übrigt sich die Einholung einer Kos ten- note. Die von der Vorinstanz aus zurichtende Parteientschädigung ist un- ter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren von Amtes wegen auf Fr. 4'000.– festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). (Dispositiv nächste Seite) D-5828/2010 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben. Das BFM wird an gewie- sen, die Beschwerdeführerin als Flüchtling anzuerkennen und ihr Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführeri n eine Parteient schä- digung in der Höhe von Fr. 4'000.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustän - dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: