<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 136 S.576</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">576</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>136 Parteientschädigung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Verkauft die Bauherrschaft im Laufe des Beschwerdeverfahrens die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bauparzelle und verliert sie dadurch das aktuelle Rechtsschutzin-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>teresse an der Baubewilligung und Beschwerdeabwehr, hat sie keinen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten; dies gilt, selbst wenn der Er-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>werber des Grundstücks in das Verfahren eintritt und später obsiegt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Baudepartements vom 18. Mai 2000 in Sachen X.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Gegen den Baubewilligungsentscheid, den die Eheleute V. er-</span><br/> <span class="ft1">hielten, erhob die Nachbarin X. Beschwerde beim Baudepartement.</span><br/> <span class="ft1">In der Folge veräusserten die Eheleute V. die Bauparzelle an Y. Die-</span><br/> <span class="ft1">ser erklärte, dass er am Baugesuch festhalte, und trat ins Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deverfahren ein. Alsdann zog die Nachbarin X. ihre Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">zurück, so dass das Baudepartement das Verfahren abschreiben</span><br/> <span class="ft1">konnte. Dabei hatte es die Frage zu entscheiden, ob die ursprüngli-</span><br/> <span class="ft1">chen Baugesuchsteller und ehemaligen Beschwerdegegner, die Ehe-</span><br/> <span class="ft1">leute V., Anspruch auf Ersatz ihrer Anwaltskosten hätten.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">577</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">6. b) aa) Zu prüfen ist, ob die ehemaligen Beschwerdegegner V.</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf Parteientschädigung haben. (...)</span><br/> <span class="ft1">bb) (...) Neuer Grundeigentümer der Bauparzelle ist seit</span><br/> <span class="ft1">1. Mai 1999 Y. Soweit ersichtlich haben das Baudepartement und das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht die Frage der Parteientschädigung der ursprüng-</span><br/> <span class="ft1">lichen Partei bei einem Parteiwechsel auf Seiten der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">gegner (und Bauherrschaft) noch nie zu beurteilen gehabt. Jedoch</span><br/> <span class="ft1">kann von der Rechtsprechung zum Wechsel des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">ausgegangen werden, die sich wie folgt zusammenfassen lässt:</span><br/> <span class="ft1">Verfügungen kann jedermann anfechten, der ein schutzwürdi-</span><br/> <span class="ft1">ges eigenes Interesse geltend machen kann (§ 38 Abs. 1 VRPG). Zur</span><br/> <span class="ft1">Auslegung dieser Bestimmung in Baubewilligungssachen besteht</span><br/> <span class="ft1">eine langjährige, gefestigte Praxis (AGVE 1997, S. 288 f.). Der Ei-</span><br/> <span class="ft1">gentümer und Baugesuchsteller, der das Baugrundstück während des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeverfahrens verkauft, verliert aufgrund dieser Praxis im</span><br/> <span class="ft1">Regelfall sein Rechtsschutzinteresse, weil er am Entscheid kein ak-</span><br/> <span class="ft1">tuelles praktisches Interesse mehr hat. Anders verhält es sich nur,</span><br/> <span class="ft1">wenn der Beschwerdeführer besondere Gründe geltend machen kann,</span><br/> <span class="ft1">wie beispielsweise wenn er nachweist, dass er im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">mit der behördlichen Anordnung, eine eigenmächtig erstellte Baute</span><br/> <span class="ft1">zu beseitigen, Gewährleistungsansprüche des Käufers zu befürchten</span><br/> <span class="ft1">hätte. Auf das Erfordernis des aktuellen Interesses kann dann ver-</span><br/> <span class="ft1">zichtet werden, wenn sich die aufgeworfene Frage jederzeit und un-</span><br/> <span class="ft1">ter gleichen Umständen wieder stellen könnte, an ihrer Beantwortung</span><br/> <span class="ft1">wegen der grundsätzlichen Bedeutung ein öffentliches Interesse be-</span><br/> <span class="ft1">steht und sie im Einzelfall sonst kaum je überprüft werden könnte</span><br/> <span class="ft1">(VGE III/166 vom 8. Dezember 1999 i.S. B.O.; AGVE 1992, S. 402</span><br/> <span class="ft1">f. mit Hinweis auf BGE 110 Ib 93 f.).</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzung für eine Parteientschädigung ist, dass das</span><br/> <span class="ft1">Rechtsschutzinteresse im Zeitpunkt des Entscheids noch gegeben ist</span><br/> <span class="ft1">(...). Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, wieso die Rechtspre-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">578</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">chung zur Beschwerdebefugnis (des Beschwerdeführers) nicht auch</span><br/> <span class="ft1">auf die Bauherrschaft als Beschwerdegegnerin anzuwenden ist. Dass</span><br/> <span class="ft1">die Bauherrschaft von Gesetzes wegen am Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft1">teilnimmt bzw. in das Verfahren ,,gezwungen" wird (...) kann daran</span><br/> <span class="ft1">nichts ändern, denn sie hat durch ihr Bauvorhaben das Rechtsmittel-</span><br/> <span class="ft1">verfahren veranlasst und trägt das Kostenrisiko (VGE III/8 vom</span><br/> <span class="ft1">20. Februar 1997 i.S. E.H. et al, S. 7 f.). Vorliegend haben die</span><br/> <span class="ft1">Eheleute V. das Bauprojekt verfahrensrechtlich gesehen freiwillig</span><br/> <span class="ft1">aufgegeben. Daran ändert auch nichts, dass das gesamte</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligungsverfahren aus welchen Gründen auch immer lange</span><br/> <span class="ft1">gedauert hat, jedenfalls solange keine eigentliche Rechtsverzögerung</span><br/> <span class="ft1">oder ein behördlicher formeller Verfahrensmangel vorliegen, was</span><br/> <span class="ft1">hier niemand geltend macht (vgl. erwähnter VGE, S. 8). Die</span><br/> <span class="ft1">genannte Rechtsprechung ist somit analog anwendbar.</span><br/> <span class="ft1">cc) Es ist unklar, ob die Eheleute V. die Baubewilligung bzw.</span><br/> <span class="ft1">das Bauprojekt dem neuen Grundeigentümer verkauft haben. Im</span><br/> <span class="ft1">Grundstückskaufvertrag ist jedenfalls nach ihren eigenen Angaben</span><br/> <span class="ft1">kein entsprechender Hinweis enthalten. Unbestritten ist, dass die</span><br/> <span class="ft1">angefochtene Bewilligung zusammen mit dem Grundstück mit</span><br/> <span class="ft1">Rechten und Pflichten auf den neuen Grundeigentümer übergegan-</span><br/> <span class="ft1">gen ist und dass er das Beschwerdeverfahren ausdrücklich über-</span><br/> <span class="ft1">nommen hat. Unabhängig davon, wie der Übergang des Projekts zu</span><br/> <span class="ft1">qualifizieren ist, steht fest, dass die Eheleute V. keine Gewähr-</span><br/> <span class="ft1">leistungspflicht bezüglich der Bewilligungsfähigkeit des Bauprojekts</span><br/> <span class="ft1">übernommen haben und somit dem Käufer diesbezüglich nicht haf-</span><br/> <span class="ft1">ten (Art. 197 OR; vgl. Schreiben der Rechtsabteilung vom 29. Fe-</span><br/> <span class="ft1">bruar 2000; im Übrigen enthält ein Grundstückkaufvertrag üblicher-</span><br/> <span class="ft1">weise eine Freizeichnungsklausel). Die Eheleute V. machen auch</span><br/> <span class="ft1">nicht geltend, dass der Kaufpreis sonst wie vom Ausgang des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahrens abhänge. Eine Gewährleistungspflicht oder Ab-</span><br/> <span class="ft1">hängigkeit wäre jedoch Voraussetzung, dass sie nach wie vor ein</span><br/> <span class="ft1">aktuelles Rechtsschutzinteresse haben, obwohl sie das Bauprojekt</span><br/> <span class="ft1">abgegeben und die Bauparzelle verkauft haben. Irgendeine diffuse</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">579</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">,,Pflicht als Verkäufer", wie sie die Eheleute V. geltend machen, ge-</span><br/> <span class="ft1">nügt dazu nicht (vgl. auch Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar</span><br/> <span class="ft1">zum Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Bern, Art. 13 Rz 16; Michael Merker, Rechtsmittel, Klage</span><br/> <span class="ft1">und Normenkontrolle im aargauischen Verwaltungsrechtspflegege-</span><br/> <span class="ft1">setz, Kommentar zu den §§ 38 - 72 VRPG, § 38 Rz 162; anders:</span><br/> <span class="ft1">Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Zivilprozess vom</span><br/> <span class="ft1">4. Dezember 1947).</span><br/> <span class="ft1">dd) (...)</span><br/> <span class="ft1">ee) Es ergibt sich somit, dass die Eheleute V. mit dem Verkauf</span><br/> <span class="ft1">des Grundstücks und der Übertragung des Bauprojekts aus dem Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahren ausgeschieden sind und kein aktuelles Rechtsschutzinteresse</span><br/> <span class="ft1">mehr haben, welches Voraussetzung wäre, um eine Parteientschädi-</span><br/> <span class="ft1">gung zusprechen zu können.</span><br/> <span class="ft1">Somit sind im Verfahren vor Baudepartement keine Parteient-</span><br/> <span class="ft1">schädigungen zuzusprechen.</span><br/></div> </div> </body> </html>