B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6280/2020 U r t e i l v o m 1 7 . D e z e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, mit Zustimmung von Richter David R. Wenger; Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien und Ukraine, vertreten durch Shahryar Hemmaty, (…) Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Gebührenvor- schuss; Nichteintreten auf Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des SEM vom 3. Dezember 2020 / N (…). D-6280/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 4. Dezember 2019 in der Schweiz um Asyl nach. Zur Begründung ihres Gesuchs brachte sie vor, sie sei in der Ukraine von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht worden und in die Schweiz geflüchtet, weil ihr leiblicher Vater (B._______, selbe N-Nummer) hier lebe. A.b Das SEM erachtete die Asylvorbringen der Beschwerdeführerin als nicht asylrelevant. Es lehnte das Asylgesuch mit Verfügung vom 22. Juli 2020 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. A.c Die gegen diesen Entscheid gerichtete Beschwerde vom 21. August 2020 wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D -4173/2020 vom 18. September 2020 ab. B. B.a Mit E ingabe an das SEM vom 30. Oktober 2020 ersuchte die Be- schwerdeführerin sinngemäss um Wiedererwägung des Asylentscheids vom 22. Juli 2020. Sie machte geltend, sie habe sich nach dem negativen Beschwerdeurteil in Psychotherapie begeben müssen, und reichte ein fachärztliches Attest vom 12. Oktober 2020 sowie eine bereits im ordentli- chen Asylverfahren eingereichte Einwilligungserklärung der Mutter zu den Akten. B.b Mit Schreiben vom 5. November 2020 überwies das SEM diese Ein- gabe in Anwendung von Art. 8 VwVG zur Prüfung als Revisionsgesuch an das Bundesverwaltungsgericht. Dieses stellte mit Schreiben vom 6. No- vember 2020 (D-5488/2020) fest, das fachärztliche Attest sei erst nach Ab- schluss des Beschwerdeverfahrens entstanden, weshalb eine Revision ge- stützt darauf unzulässig sei (Verweis auf BVGE 2013/22). Es retournierte daher dem SEM die Eingabe vom 30. Oktober 2020 zur gutscheinenden Behandlung. C. Mit Zwischenverfügung vom 12. November 2020 erwog das SEM, dem Wiedererwägungsgesuch seien keine neuen Tatsachen zu entn ehmen. Insbesondere seien sowohl die psychische Belastung der Beschwerdefüh- rerin durch die Erlebnisse in der Ukraine als auch die dortigen Behand- lungsmöglichkeiten bereits Gegenstand des ordentlichen Asylverfahrens D-6280/2020 Seite 3 gewesen. Das SEM qualifizierte das Wieder erwägungsgesuch daher als aussichtslos und forderte die Beschwerdeführerin auf, bis zum 26. Novem- ber 2020 einen Gebührenvorschuss von Fr. 600.– zu leisten, andernfalls auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten werde. Im Weiteren hielt es fest, angesichts der Aussichtslosigkeit des Gesuchs sei jedem wei- teren Gesuch um Befreiung von der Bezahlung oder Reduktion des Ge- bührenvorschusses, Akontozahlung oder Fristerstreckung keine Beach- tung zu schenken. D. Mit Eingabe vom 26. November 2020 teilte der Rechtsve rtreter der Be- schwerdeführerin dem SEM seine Mandatsübernahme mit und ersuchte um Einräumung einer Frist bis zum 20. Dezember 2020 für die Einreichung einer Gesuchsergänzung sowie weiterer ärztlicher Berichte. Ausserdem beantragte er unter Hinweis auf die prozessuale Bedürftigkeit der Be- schwerdeführerin und das Vorliegen eines neuen Arztberichtes den Ver- zicht auf die Erhebung des verlangten Gebührenvorschusses. Der Eingabe lagen eine Vollmacht vom 26. November 2020 sowie eine So- zialhilfebestätigung vom 23. November 2020 bei. E. Das SEM trat mit Verfügung vom 3. Dezember 2020 – tags darauf eröffnet – auf das Wiedererwägungsgesuch mangels Leistung des erhobenen Ge- bührenvorschusses nicht ein, erklärte seine Verfügung vom 22. Juli 2020 für rechtskräftig und volls treckbar und hielt fest, einer allfälligen Be- schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. F. Die Beschwerdeführerin focht diese Verfügung mit Beschwerde vom 11. Dezember 2020 beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und das SEM sei anzuwei- sen, auf das Wiedererwägungsgesuch einzutreten. Eventuell sei die Sache zur Ergänzung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sub- eventuell sei wiedererwägungsweise die Unzumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Fer- ner sei das SEM anzuweisen, auf die in Rechnung gestellte Gebühr von Fr. 600.– zu verzichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwer- deführerin um Erlass vorsorglicher Massnahmen (Vollzugsstopp), um Ein- räumung einer Frist zur Einreichung eines neuen Arztberichtes sowie um D-6280/2020 Seite 4 Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung sowie Ko- pien von bereits im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Unterlagen (Vollmacht, fachärztliches Attest vom 12. Oktober 2020, Sozialhilfebestäti- gung) bei. G. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2020 setzte das Bundesverwaltungsge- richt den Vollzug der Wegweisung gestützt auf Art. 56 VwVG antragsge- mäss per sofort einstweilen aus. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht gleichentags in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM ist eine Be- hörde im Sinne von Art. 33 VGG und somit eine Vorinstanz des Bundes- verwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie- dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re- gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde- führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Ausfüh- rungen unter E. 5 und 6 – einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). D-6280/2020 Seite 5 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa- risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 4. Gestützt auf A rt. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. Vorliegend ist lediglich zu prüfen, ob das SEM zu Recht auf die Eingabe der Beschwerdeführerin vom 30. Oktober 2020 nicht eingetreten ist. Falls die Beschwerdeinstanz den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig erachtet, enthält sie sich daher einer selbständigen materiellen Prüfung; vielmehr hebt sie die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2 .1 m.w.H.). Demnach ist auf das Rechtsbegehren, es sei infolge Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen, so- wie den inhaltlich damit zusammenhängenden Antrag, es sei eine Frist zur Einreichung eines weiteren Arztberichtes einzuräumen, nicht einzutreten. 6. Auf das Rechtsbegehren, das SEM sei anzuweisen, auf die in Rechnung gestellte Gebühr von Fr. 600.– zu verzichten, ist infolge fehlenden Rechts- schutzinteresses ebenfalls nicht einzutreten; denn der Beschwerdeführerin wurden in der angefochtenen Verfügung gar keine Gebühren auferlegt. 7. 7.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge- regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrund es schrift- lich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). In seiner prak- tisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungsgesuch die Än- derung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich ein- getretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). D-6280/2020 Seite 6 7.2 Gemäss Art. 111d AsylG erhebt die Vorinstanz eine Gebühr, sofern sie ein Wiedererwägungs- oder Mehrfachgesuch ablehnt oder darauf nicht ein- tritt. Sie kann von der gesuchstellenden Person einen Gebührenvorschuss in der Höhe der mutmasslichen Verfahrenskosten verlangen und setzt ge- gebenenfalls zu dessen Leistung unter Androhung des Nichteintretens eine angemessene Frist an. Auf einen Gebührenvorschuss wird auf entspre- chendes Gesuch hin insbesonder e verzichtet, wenn die gesuchstellende Person bedürftig ist und ihre Begehren nicht von vornherein aussichtslos erscheinen (Art. 111d Abs. 1–3 AsylG). 7.3 Zwischenverfügungen des SEM, mit welchen über die Leistung eines Gebührenvorschusses im Sinne von Art. 11 1d Abs. 3 AsylG entschieden wird, können praxisgemäss erst mit dem Endentscheid angefochten wer- den, zumal der Partei alleine aus der Verweigerung eines kostenfreien vor- instanzlichen Verfahrens noch kein nicht wieder gutzumachender Nachteil erwachsen kann, da ein allfälliger Nichteintretensentscheid zufolge Nicht- bezahlung des Gebührenvorschusses auf dem ordentlichen Rechtsweg angefochten werden kann (vgl. dazu BVGE 2007/18). 8. 8.1 Zur Begründung des Nichteintretensentscheids führte das SEM im We- sentlichen aus, der infolge Aussichtslosigkeit der Gesuchsbegehren erho- bene Gebührenvorschuss sei innert der eingeräumten Frist nicht bezahlt worden, weshalb auf das Wiedererwägungsgesuch androhungsgemäss nicht einzutreten sei. Auf den Antrag der Rechtsvertretung auf Fristverlän- gerung und Verzicht auf den Kostenvorschuss werde nicht eingegangen, da – wie bereits in der Zwischenverfügung festgehalten worden sei – davon auszugehen sei, dass die Einreichung eines medizinischen Dokuments an den Erwägungen in der Zwischenverfügung nichts zu ändern vermöchte. 8.2 In der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe es unterlassen, den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig abzuklären, weshalb die ange- fochtene Verfügung zu kassieren sei. Die Beschwerdeführerin habe sich nach der Abweisung ihres Asylgesuchs in eine Therapie begeben müssen, welche sie nun regelmässig besuche. Somit liege ein veränderter Gesund- heitszustand und damit eine neue Sachlage vor. Der ärztliche Bericht vom 12. Oktober 2020 stelle ein neues Beweismittel dar, welches von der Vor- instanz zu würdigen sei. Das SEM müsse daher auf das Wiedererwä- gungsgesuch eintreten. Im ärztliche n Attest werde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin seit dem 28. August 2020 psychotherapeutisch be- handelt werde und ein Vollzug der Wegweisun g unzumutbar sei. Es sei D-6280/2020 Seite 7 stossend, dass das SEM das Wiedererwägungsgesuch abgelehnt (sic!) habe, obwohl ein begründeter Antrag auf Verzicht auf den Kostenvor- schuss gestellt worden sei, und ohne der Beschwerdeführerin eine weitere Zahlungsfrist einzuräumen. Ausserdem könne der Einschätzung des SEM, die Rechtsbegehren seien aussichtslos, nicht gefolgt werden. Mit dem neuen medizinischen Gutachten, welches in den nächsten Tagen einge- reicht werde, könne der Nachweis erbracht werden, dass der Wegwei- sungsvollzug in die Ukraine für die Beschwerdeführerin unzumutbar sei. 9. Hinsichtlich des in der Beschwerde gestellten Antrags auf Kassation der vorinstanzlichen Verfügung vom 3. Dezember 2020 ist vorab festzustellen, dass sich die zu dessen Begründung vorgebrachte Rüge, der medizinische Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt worden, nicht auf den Nichteintre- tensentscheid vom 3. Dezember 2020 respektive dem diesem zugrunde- liegenden Nichteintretensgrund (Nichtleistung des Gebührenvorschusses) bezieht, sondern auf die vom S EM vorgenommene Beurteilung der Aus- sichtslosigkeit des Wiedererwägungsgesuchs vom 30. Oktober 2020 und damit primär auf die Zwischenverfügung des SEM vom 12. November 2020. In Bezug auf den Nichteintretensentscheid an sich werden dagegen keine formellen Rügen vorgebracht. Somit besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung vom 3. Dezember 2020 zu kassieren; das ent- sprechende Rechtsbegehren ist abzuweisen. 10. 10.1 Zunächst ist zu prüfen, ob das SEM das Wiedererwägungsgesuch vom 30. Oktober 2020 zu Recht mit Zwischenverfügung vom 12. November 2020 als aussichtslos erachtet und einen Gebührenvorschuss erhoben hat. 10.1.1 Im Beschwerdeurteil D -4173/2020 vom 18. September 2020 war vom Bundesverwaltungsgericht festgestellt worden, die Beschwerdeführe- rin habe sich bisher nicht wegen psychischer Probleme ärztlich behandeln lassen. Falls sie nach ihrer Rückkehr in die Ukraine eine psychologische oder psychiatrische Behandlung benötigen würde, könnte sie diese dort in Anspruch nehmen, zumal die medizinische und psychiatr ische Grundver- sorgung in der Ukraine gewährleistet sei. Insbesondere könnte sie sich an das in C._______ ansässige Krisenzentrum für Opfer häuslicher und ge- schlechtsbezogener Gewalt wenden, welches psychologische, medizini- sche und soziale Unterstützung anb iete (vgl. E. 9.3.3). Im Wiedererwä- gungsgesuch wiederholte die Beschwerdeführerin den bereits im ordentli-D-6280/2020 Seite 8 chen Asylverfahrens geltend gemachten Sachverhalt und reichte ein ärzt- liches Attest vom 12. Oktober 2020 ein. Diesem ist zu entnehmen, dass sie sich seit dem 28. August 2020 infolge einer posttraumatischen Belastungs- störung in einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung befindet. Eine adäquate Behandlung in der Ukraine sei unvorstellbar und eine Aus- schaffung unzumutbar. 10.1.2 Aufgrund des eingereichten ärztlichen Attests vom 12. Oktober 2020 ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin eine wöchentli- che Gesprächstherapie infolge posttraumatischer Belastungsstörung in Anspruch nimmt. Weder dem Attest noch der Begründung des Wiederer- wägungsgesuchs sind Hinweise auf anderweitige psychische Erkrankun- gen und/oder einen weitergehenden Behandlungsbedarf zu entnehmen. Der blosse Umstand, dass die Beschwerdeführerin an einer posttraumati- schen Belastungsstörung leidet und eine Gesprächstherapie beansprucht, lässt den Vollzug der Wegweisung in die Ukraine offensichtlich weder un- zulässig noch unzumutbar erscheinen. Da überdies bereits im Beschwer- deurteil vom 18. September 2020 unter dem Gesichtspunkt der Zumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs explizit festgehalten wurde, dass es auf- grund der Aktenlage nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Be- schwerdeführerin infolge der erlittenen Vergewaltigung im Kindesalter so- wie der weiteren Übergriffe durch ihren Stiefvater unter psychischen Prob- lemen leide, und gleichzeit ig auf die grundsätzlich gegebenen psychiatri- schen Behandlungsmöglichkeiten in der Ukraine hingewiesen wurde (vgl. Urteil D-4173/2020 E. 9.3) , bestand für das SEM bei dieser Sachlage – entgegen dem Vorbringen in der Beschwerde – keine Veranlassung, wei- tere Abklärungen betreffend den Gesundheitszustand der Beschwerdefüh- rerin oder allfälliger Behandlungsmöglichkeiten in der Ukraine vorzuneh- men; die Rüge, der rechtserhebliche Sachverhalt sei unvollständig abge- klärt worden, ist daher als unbegründet zu erachten. Das SEM hat in seiner Zwischenverfügung vom 12. November 2020 vielmehr zu Recht festge- stellt, die mittels ärztlichem Attest geltend gemachte psychische Erkran- kung der Beschwerdeführerin stelle keine wiedere rwägungsrechtlich er- hebliche Veränderung der Sachlage dar. 10.1.3 Demnach hat das SEM das Wiedererwägungsgesuch vom 30. Ok- tober 2020 zu Recht als aussichtslos bezeichnet und in Anwendung von Art. 111d Abs. 3 AsylG einen Gebührenvorschuss erhoben. 10.2 Die Beschwerdeführerin ist ferner der Meinung, das SEM hätte ihr an- gesichts der Eingabe des Rechtsvertreters vom 26. November 2020 vor D-6280/2020 Seite 9 Erlass eines Entscheids eine Frist für die Einreichung einer Gesuchsergän- zung sowie eines weiteren Arztberichts oder zumindest eine Notfrist für die Leistung des Gebü hrenvorschusses einräumen müssen. Dieser Auffas- sung kann nicht gefolgt werden. In der Eingabe vom 26. November 2020 wurde lediglich die Nachreichung weitere r Eingaben ( Arztbericht, Ge- suchsergänzung) in Aussicht gestellt, ohne nähere Erläuterungen zum vo- raussichtlichen Inhalt der fraglichen Unterlagen. Damit bestanden keine ausreichenden und substanziierten Hinweise darauf, dass sich die rechts- erhebliche Sachlage, namentlich der Gesundheitszustand der Beschwer- deführerin, seit Erlass der Zwischenverfügung vom 12. November 2020 wesentlich verändert hätte. Der Umstand, dass das SEM bei dieser Sach- lage darauf verzichtet hat, seine Zwischenverfügung in Wiedererwägung zu ziehen und der Beschwerdeführerin eine Frist zur Einreichung weiterer Unterlagen einzuräumen, i st nach dem Gesagten nicht zu beanstanden und stellt insbesondere keine Verletzung der Pflicht zur richtigen und voll- ständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts dar. Im Übri- gen wurde bis heute weder eine Gesuchsergänzung noch ein weiterer Arzt- bericht eingereicht. Sodann hat das SEM seine Zwischenverfügung mit der ausdrücklichen Androhung versehen, angesichts der Aussichtslosigkeit des Wiedererwägungsgesuchs werde jedem weiteren Gesuch um Befrei- ung von der Bezahlung oder Reduktion des Gebührenvorschusses, Akon- tozahlung oder Fristerstreckung keine Beachtung geschenkt und bei nicht fristgerechter Bezahlung des Vorschusses auf das Gesuch nicht eingetre- ten. Der Beschwerdeführerin (respektive ihrem Rechtsvertreter) musste daher bekannt sein, dass ihr ungeachtet der nachträglich geltend gemach- ten Bedürftigkeit keine Notfrist für die Leistung des Gebührenvorschusses eingeräumt würde, falls der gestellte Antrag auf Fristansetzung abgelehnt wird. Nach dem Gesagten ist das SEM als Folge der – nicht bestrittenen – Nichtleistung des erhobenen Gebührenvorschusses innert der angesetz- ten Frist zu Recht entsprechend seiner Androhung ohne Verzug auf das Gesuch vom 30. Oktober 2020 nicht eingetreten. 10.3 Der Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 111b Abs. 2 i.V.m. Art. 111d Abs. 3 AsylG ist daher zu bestätigen. 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf ein- getreten wurde. D-6280/2020 Seite 10 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht keine Veranlassung für eine Beibehaltung der am 14. Dezember 2020 angeordneten (superprovisori- schen) Massnahme; der fragliche Vollzugsstopp ist demnach aufzuheben. 13. 13.1 Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren abge- schlossen. Der Antrag, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, ist damit gegenstandslos geworden. 13.2 Die Beschwerde ist in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu erachten. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist daher ungeachtet der geltend gemachten prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen. 13.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten der Be- schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-6280/2020 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Der einstweilen angeordnete Vollzugsstopp vom 14. Dezember 2020 wird aufgehoben. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.– werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut Versand: