<h2>SubmittedText<h2><p>Der Tourismus hat für unser Land einen ausserordentlich hohen Stellenwert: Mit 42 Milliarden Franken Gesamteinnahmen ist der Fremdenverkehr drittgrösster Devisenbringer; die 300 000 krisenresistenten Arbeitsplätze bedeuten viertwichtigster Erwerbszweig.</p><p>Eine zentrale Bedeutung für unseren Tourismus hat die Schweizerische Verkehrszentrale (SVZ). Kritik an dieser öffentlich-rechtlichen Körperschaft wurde anlässlich des Jubiläums zum 75jährigen Bestehen und während der Budgetdebatten in den eidgenössischen Räten besonders deutlich ausgedrückt.</p><p>Deshalb beauftragte der Bundesrat die Hayek Engineering AG, die SVZ zu analysieren. Am 11. August 1993 traf dieser Hayek-Bericht beim Bund ein. Das Biga stellte am 11. September 1993 den Medien eine zwanzigseitige Kurzfassung des Berichtes vor.</p><p>In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat das Kosten-Leistungs-Verhältnis dieses 300 000 Franken teuren Berichtes (Medienkritik: "Der Berg hat eine Maus geboren" - "Wenig echte Erneuerungen vorgeschlagen")?</p><p>2. Hat man wirklich darauf verzichtet, vergleichbare ausländische Marketingkonzepte in die Studie einzubeziehen?</p><p>3. Der Hayek-Bericht zur Evaluation der SVZ soll 150 Seiten plus Anhang umfassen. Warum wurde dieser wichtige Bericht nicht integral veröffentlicht respektive den direkt interessierten Kreisen nicht vollumfänglich zugänglich gemacht?</p><p>4. Stimmt es, dass nur eine stark redigierte, abgeschwächte Version allenfalls veröffentlicht werden soll - und wenn ja, warum?</p><p>5. Gemäss Kurzfassung des Hayek-Berichtes soll die Führungsstruktur der SVZ massiv gestrafft werden. Neben dem Abbau von 39 Stellen bei der SVZ soll vor allem der Wasserkopf der SVZ mit 474 (!) Delegierten, 61 (!) Vorstandsmitgliedern und 13köpfigem (!) Ausschuss drastisch reduziert werden. Stimmt es, dass die betroffenen touristischen Interessenvertreter sich vehement gegen diese Reorganisation wehren, politischen Druck ausüben?</p><p>6. Ist der Bundesrat trotzdem willens, diese Reorganisation gemäss Biga "möglichst umfassend, rasch und auch flexibel" umzusetzen?</p><p>7. Das Biga ist bekanntlich mit den vielschichtigen Problemen der Beschäftigungslage überlastet. Gemäss Hayek-Bericht wird die Mitverantwortung des Bundes im Tourismus (5 Bundesvertreter im 14köpfigen Vorstand der SVZ) noch verstärkt. Genügen die 1,5 Stellen für Tourismus innerhalb des Biga? Sollte in Anbetracht des hohen Stellenwertes des Fremdenverkehrs nicht ein Bundesamt für Tourismus geschaffen werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist mit dem Interpellanten der Meinung, dass der Tourismus eine wichtige Leitindustrie unserer Volkswirtschaft ist und bleiben muss. Er schöpft die ihm zur Verfügung stehenden Mittel aus, um den Tourismus in der Schweiz weiter zu stärken. In diesem Jahr steht die Reorganisation der Schweizerischen Verkehrszentrale im Mittelpunkt seiner Bemühungen.</p><p>Die diesbezüglichen Fragen des Interpellanten können wie folgt beantwortet werden:</p><p>1. Die Evaluation der Schweizerischen Verkehrszentrale war zeit- und kostenintensiv. Die Gutachter hatten den Hauptsitz in Zürich und Vertretungen in 20 Ländern zu untersuchen. Sie haben mit viel Engagement und grossem Sachverstand eine sehr detaillierte Betriebsanalyse erstellt und eine neue Strategie vorgeschlagen. Der Bundesrat hat dafür 300 000 Franken zur Verfügung gestellt.</p><p>Der Vorstand und der Ausschuss der Schweizerischen Verkehrszentrale, in denen die Vertreter der Tourismuswirtschaft Einsitz haben, nahmen die Reorganisationsvorschläge der Gutachter positiv auf. Der Bundesrat ist der Meinung, dass die Reorganisation wesentliche neue Impulse bringt, welche die Voraussetzungen schaffen, verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Er ist darum für eine rasche Umsetzung besorgt.</p><p>2. Der Interpellant weist zu Recht auf die Bedeutung der Strategien und Marketingkonzepte der wichtigen Konkurrenten hin. Diese sind entgegen anderslautenden Darstellungen mitberücksichtigt worden. Es war uns aber wichtig, nicht bei der Konkurrenzanalyse stehenzubleiben. Es ging vielmehr darum, eine eigenständige Marketingstrategie zu entwickeln, welche sich von jener der Konkurrenten abhebt.</p><p>3. Das Biga hat zusammen mit dem Ausschuss der Schweizerischen Verkehrszentrale entschieden, den Evaluationsbericht nicht zu veröffentlichen. Er enthält vertrauliche Daten, welche aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlicht werden können.</p><p>4. Das Amt hat eine Kurzfassung erstellt, welche Mitte September 1993 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Der Originalbericht der Gutachter wurde keiner nachträglichen Überarbeitung unterzogen. Er bildet nach wie vor die Grundlage des Bundesrates für die Neuausrichtung der Schweizerischen Verkehrszentrale.</p><p>5. Die Gutachter schlagen vor, die Führungsstrukturen zu straffen und zu diesem Zweck Ausschuss und Vorstand der Schweizerischen Verkehrszentrale durch ein einziges Gremium zu ersetzen. Der Bundesrat schliesst sich dieser Beurteilung an. Er wird dem Parlament die Auflösung des Vorstandes vorschlagen.</p><p>6. Der Bundesrat ist entschlossen, die Reorganisation der Schweizerischen Verkehrszentrale rasch, flexibel und umfassend durchzuführen. Er hat damit bereits begonnen. Dieses Jahr werden aufgrund von Effizienzsteigerungsmassnahmen 5 Millionen Franken an administrativen Aufwendungen eingespart. Die freiwerdenden Mittel fliessen vollumfänglich in zusätzliche Marketinganstrengungen zugunsten des Tourismus. Ab 1995 wird schrittweise eine neue Marketingstrategie eingeführt. Diese neue strategische Ausrichtung soll durch eine Modernisierung des veralteten SVZ-Erlasses begleitet werden. Der Bundesrat wird den eidgenössischen Räten noch dieses Jahr ein revidiertes Gesetz über die Schweizerische Verkehrszentrale vorlegen.</p><p>7. Dem Biga obliegen die Planung und der Vollzug der Tourismuspolitik des Bundes. Das Amt besitzt die Voraussetzungen, um diesen Politikbereich sachgerecht abzudecken. Der Bundesrat will im neuen Vorstand der Schweizerischen Verkehrszentrale die Mehrheit der Mitglieder bestimmen, weil er zwei Drittel der finanziellen Mittel bereitstellt. Er wird als Mitglieder neben der Aufsichtsbehörde Experten aus der Wirtschaft berufen.</p>