<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 113 S.489</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">489</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>113 Widerruf der Bewilligung des Familiennachzugs.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Nichtigkeit einer Verfügung (Erw. II/1 bis 4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 17. August</span><br/> <span class="ft3">2001 in Sachen H.R.O. gegen einen Entscheid der Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft3">(BE.1999.00021).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">A. Der Beschwerdeführer wurde am 12. Dezember 1977 in A.,</span><br/> <span class="ft1">Kanton Aargau, geboren. Er besuchte hier die Primarschule bis zur</span><br/> <span class="ft1">vierten Klasse und reiste dann gemeinsam mit seinen Geschwistern</span><br/> <span class="ft1">in die Türkei aus. Seine Eltern wollten ursprünglich nachkommen,</span><br/> <span class="ft1">änderten aber in der Folge ihre Rückkehrpläne. Der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer lebte in der Türkei und ging auch dort zur Schule. Die Sommerfe-</span><br/> <span class="ft1">rien verbrachten er und seine Geschwister aber regelmässig bei den</span><br/> <span class="ft1">Eltern in der Schweiz.</span><br/> <span class="ft1">Am 16. Juni 1994 stellte der Vater des Beschwerdeführers, wel-</span><br/> <span class="ft1">cher hier über eine Niederlassungsbewilligung verfügt, für den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer ein Familiennachzugsgesuch, hielt aber in der Folge</span><br/> <span class="ft1">nicht an diesem fest. Im Sommer 1994</span> <span class="ft1">und 1995 hielt sich der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer ferienhalber in der Schweiz auf. Am 13. August 1995</span><br/> <span class="ft1">reichte sein Vater ein zweites Familiennachzugsgesuch für ihn ein.</span><br/> <span class="ft1">Mit Schreiben vom 28. November 1995 teilte die Fremdenpolizei,</span><br/> <span class="ft1">Sektion Bewilligungen, mit, dass gemäss neuer Praxis der Frem-</span><br/> <span class="ft1">denpolizei und aufgrund von Bundesgerichtsentscheiden ein Famili-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">490</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ennachzug nur bewilligt werden könne, wenn die ganze Familie zu-</span><br/> <span class="ft1">sammen wohnen werde. Dies sei vorliegend nicht der Fall, da die</span><br/> <span class="ft1">beiden Geschwister des Beschwerdeführers offenbar in der Türkei</span><br/> <span class="ft1">zurückblieben. Deshalb werde das Gesuch abgelehnt. Man sei aber</span><br/> <span class="ft1">bereit, dem Beschwerdeführer bei Aufnahme seines Studiums an der</span><br/> <span class="ft1">ETH Zürich eine Aufenthaltsbewilligung zu Studienzwecken zu</span><br/> <span class="ft1">erteilen. In der Folge stellte der Vater des Beschwerdeführers am 5.</span><br/> <span class="ft1">Dezember 1995 erneut ein Gesuch, in welches er seine beiden ande-</span><br/> <span class="ft1">ren Kinder miteinbezog. Am 3. Januar 1996 bewilligte die Fremden-</span><br/> <span class="ft1">polizei den Familiennachzug hinsichtlich des Beschwerdeführers und</span><br/> <span class="ft1">stellte für dessen Geschwister zu Handen der Schweizer Botschaft</span><br/> <span class="ft1">eine Ermächtigung zur Visumserteilung, gültig bis zum 2. April</span><br/> <span class="ft1">1996, aus. Mit Schreiben vom 18. Januar 1996 stellte die Fremden-</span><br/> <span class="ft1">polizei fest, dass der Beschwerdeführer allein in die Schweiz einge-</span><br/> <span class="ft1">reist sei, weshalb seine Anwesenheit nur unter dem Gesichtspunkt</span><br/> <span class="ft1">von Art. 32 der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Aus-</span><br/> <span class="ft1">länder (BVO) vom 6. Oktober 1986, respektive einer Immatrikula-</span><br/> <span class="ft1">tion an der ETH Zürich toleriert werde.</span><br/> <span class="ft1">Am 6. Mai 1996 reichte der Vater des Beschwerdeführers für</span><br/> <span class="ft1">seine beiden im Heimatland verbliebenen Kinder erneut ein Famili-</span><br/> <span class="ft1">ennachzugsgesuch ein und mit Schreiben vom 8. Mai 1996 ersuchte</span><br/> <span class="ft1">er zusätzlich um den Nachzug des Beschwerdeführers unter Hinweis</span><br/> <span class="ft1">auf die Zusammenführung der Gesamtfamilie. Am 17. Mai 1996</span><br/> <span class="ft1">teilte ihm die Fremdenpolizei mit, das Gesuch betreffend den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer werde abgewiesen, da dieser bereits das 18. Lebens-</span><br/> <span class="ft1">jahr erreicht habe. Sie stellte hingegen erneut eine Bewilligung nach</span><br/> <span class="ft1">Art. 32 BVO in Aussicht.</span><br/> <span class="ft1">Im Frühjahr 1996 bestand der Beschwerdeführer die Aufnah-</span><br/> <span class="ft1">meprüfung der ETH Zürich für das Studium der Elektrotechnik.</span><br/> <span class="ft1">Hierauf gestattete ihm die Fremdenpolizei am 27. Juni 1996 die</span><br/> <span class="ft1">Einreise zu Studienzwecken. In der Folge wurde ihm eine Jahresauf-</span><br/> <span class="ft1">enthaltsbewilligung erteilt und diese jeweils halbjährlich verlängert.</span><br/> <span class="ft1">Am 27. Oktober 1998 zog die Fremdenpolizei, Sektion Aufenthalt, in</span><br/> <span class="ft1">Erwägung, die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers auf-</span><br/> <span class="ft1">grund der nicht bestandenen Vordiplomprüfung nicht zu verlängern</span><br/> <span class="ft1">und erteilte ihm das rechtliche Gehör. Mit Verfügung vom 9. No-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">491</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">vember 1998 lehnte die Fremdenpolizei die Verlängerung der Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthaltsbewilligung schliesslich ab.</span><br/> <span class="ft1">B. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit</span><br/> <span class="ft1">Eingabe vom 1. Dezember 1998 Einsprache und stellte den Antrag,</span><br/> <span class="ft1">es sei die Fremdenpolizei des Kanton Aargau anzuweisen, die sei-</span><br/> <span class="ft1">nerzeit ausgesprochene Bewilligung vom 3. Januar 1996 zum Fami-</span><br/> <span class="ft1">liennachzug gemäss Art. 17 Abs. 2 ANAG zu achten und ihm die</span><br/> <span class="ft1">Niederlassungsbewilligung auszustellen. Eventualiter sei ihm die</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligung zwecks Studium zu verlängern. Aufgrund</span><br/> <span class="ft1">der diesbezüglichen Stellungnahme der Sektion Aufenthalt vom</span><br/> <span class="ft1">23. Dezember 1998, teilte der Rechtsdienst der Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft1">(Vorinstanz) dem Beschwerdeführer am 4. Januar 1999 mit, dass ihm</span><br/> <span class="ft1">die Aufenthaltsbewilligung für sein Studium wiedererwägungsweise</span><br/> <span class="ft1">verlängert werden könne. Mit Schreiben vom 24. Januar 1999 hielt</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer hingegen an seinem Antrag, es sei ihm die</span><br/> <span class="ft1">Niederlassungsbewilligung auszustellen, fest. Am 12. März 1999</span><br/> <span class="ft1">verfügte die Vorinstanz, die Einsprache werde infolge Gegenstands-</span><br/> <span class="ft1">losigkeit abgeschrieben, soweit darauf einzutreten sei. Die Sektion</span><br/> <span class="ft1">Aufenthalt werde angewiesen, dem Beschwerdeführer die zugesi-</span><br/> <span class="ft1">cherte Aufenthaltsbewilligung zwecks Studienaufenthalt zu erteilen.</span><br/> <span class="ft1">Gleichzeitig erkannte sie, die Rechtsverweigerungsbeschwerde</span><br/> <span class="ft1">werde abgewiesen.</span><br/> <span class="ft1">C. Mit Eingabe vom 3. April 1999 erhob der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 1. Der Beschwerdeführer beantragt die Aushändigung einer</span><br/> <span class="ft1">Niederlassungsbewilligung. Sinngemäss verlangt er die Feststellung,</span><br/> <span class="ft1">dass er über eine solche verfügt. Er stellt sich auf den Standpunkt,</span><br/> <span class="ft1">das Schreiben der Fremdenpolizei vom 18. Januar 1996 könne man-</span><br/> <span class="ft1">gels jeglichen für den Empfänger ersichtlichen Hinweises auf eine</span><br/> <span class="ft1">Verfügung nicht als Widerruf der Bewilligung des Familiennachzu-</span><br/> <span class="ft1">ges vom 3. Januar 1996 betrachtet werden. Da unter anderem die</span><br/> <span class="ft1">nötige Rechtsmittelbelehrung fehle, könne ihm nicht vorgeworfen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">492</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">werden, er habe in rechtlicher Hinsicht nichts gegen den Entscheid</span><br/> <span class="ft1">unternommen. Für den Fall, dass das Gericht nur die Anfechtbarkeit</span><br/> <span class="ft1">der Verfügung als gegeben betrachte, beantrage er, es sei ihm eine</span><br/> <span class="ft1">Frist zur Einreichung einer Beschwerde einzuräumen. Der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer stützt sich im Weiteren auch auf Art. 8 der Konven-</span><br/> <span class="ft1">tion zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK)</span><br/> <span class="ft1">vom 4. November 1950.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz führt aus, das Schreiben der Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft1">vom 18. Januar 1996 stelle rechtlich gesehen einen Widerruf der</span><br/> <span class="ft1">Bewilligung vom 3. Januar 1996 im Sinne von Art. 9 Abs. 4 des</span><br/> <span class="ft1">Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer</span><br/> <span class="ft1">(ANAG) vom 26. Mai 1931 dar. Sie geht davon aus, dass der Vater</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers nicht die Gesamtfamilie habe zusammenfüh-</span><br/> <span class="ft1">ren wollen, sondern die jüngeren Kinder die Schule im Heimatland</span><br/> <span class="ft1">habe beenden lassen wollen. Damit habe er sich nicht an die Voraus-</span><br/> <span class="ft1">setzungen der Zusammenführung der Gesamtfamilie gehalten.</span><br/> <span class="ft1">2. a) Der Vater des Beschwerdeführers reichte das massgebliche</span><br/> <span class="ft1">Familiennachzugsgesuch am 5. Dezember 1995, also vor dem</span><br/> <span class="ft1">18. Geburtstag des Beschwerdeführers ein. Am 3. Januar 1996 be-</span><br/> <span class="ft1">willigte die Fremdenpolizei den Familiennachzug betreffend den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer. Mit gleichem Datum stellte sie für dessen Ge-</span><br/> <span class="ft1">schwister je eine Ermächtigung zur Visumserteilung zu Handen der</span><br/> <span class="ft1">Schweizer Vertretung aus. Auf den Schreiben wurde als Bedingung</span><br/> <span class="ft1">festgehalten, dass diese Bewilligung nur gültig sei, wenn alle Famili-</span><br/> <span class="ft1">enmitglieder einreisten und in der Schweiz blieben. Im Gegensatz</span><br/> <span class="ft1">dazu enthielt die Bewilligung zum Familiennachzug bezüglich den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer keinen derartigen Hinweis.</span><br/> <span class="ft1">b) Das Familiennachzugsgesuch des Beschwerdeführers wurde</span><br/> <span class="ft1">damit am 3. Januar 1996 bedingungslos bewilligt. Nachdem der Va-</span><br/> <span class="ft1">ter des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt des 18. Geburtstages sei-</span><br/> <span class="ft1">nes nachzuziehenden Sohnes im Besitze einer Niederlassungsbewil-</span><br/> <span class="ft1">ligung war, hat die Bewilligung des Familiennachzugsgesuches</span><br/> <span class="ft1">rechtlich zur Folge, dass dem Beschwerdeführer ein Anspruch auf</span><br/> <span class="ft1">Einbezug in die Niederlassungsbewilligung des Vaters eingeräumt</span><br/> <span class="ft1">wurde. Dieser Anspruch bestand und besteht auch über den 18. Ge-</span><br/> <span class="ft1">burtstag des Beschwerdeführers hinaus. Dem Beschwerdeführer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">493</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">hätte damit nach seiner Einreise ein Niederlassungsausweis ausge-</span><br/> <span class="ft1">händigt werden müssen, es sei denn, die Niederlassungsbewilligung</span><br/> <span class="ft1">war zu einem späteren Zeitpunkt rechtsgenüglich widerrufen worden.</span><br/> <span class="ft1">c) Die Fremdenpolizei orientierte den Vater des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers mit Schreiben vom 18. Januar 1996 darüber, dass die Anwe-</span><br/> <span class="ft1">senheit des Beschwerdeführers nur unter dem Gesichtspunkt von Art.</span><br/> <span class="ft1">32 BVO toleriert werde. Fraglich ist unter diesen Umständen, welche</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Qualifikation dem Schreiben der Fremdenpolizei vom 18.</span><br/> <span class="ft1">Januar 1996 zukommt. Es ist zu prüfen, ob dieses Schreiben einen</span><br/> <span class="ft1">gültigen Widerruf der Verfügung vom 3. Januar 1996 darstellt.</span><br/> <span class="ft1">3. Ein Widerruf stellt eine neue Verfügung dar. Bei Erlass dieser</span><br/> <span class="ft1">neuen Verfügung sind die allgemeinen Verfahrensvorschriften (§ 15</span><br/> <span class="ft1">ff. des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege des Kantons Aar-</span><br/> <span class="ft1">gau [VRPG] vom 9. Juli 1968) einzuhalten.</span><br/> <span class="ft1">a) Nach § 15 Abs. 1 VRPG ist den Betroffenen vor Erlass der</span><br/> <span class="ft1">Verfügung Gelegenheit zu geben, sich mündlich oder schriftlich zu</span><br/> <span class="ft1">äussern. Dies, entgegen der einschränkenden Formulierung im Ge-</span><br/> <span class="ft1">setz, nicht nur dann, wenn den Betroffenen Nachteile erwachsen</span><br/> <span class="ft1">könnten, die durch nachträgliche Aufhebung der Verfügung nicht</span><br/> <span class="ft1">wieder zu beseitigen wären (vgl. Präsidialentscheid des Rekursge-</span><br/> <span class="ft1">richts vom 23. April 1998 i.S. M.A., GB.1998.00005, E. 2, S. 5 f.).</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall wurde weder der Beschwerdeführer noch sein</span><br/> <span class="ft1">Vater vor Erlass der Verfügung angehört.</span><br/> <span class="ft1">b) Des Weiteren hat die Verfügung bezüglich Eröffnung den</span><br/> <span class="ft1">Anforderungen von § 23 VRPG zu genügen. Diese Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">sieht vor, dass Verfügungen und Entscheide als solche zu bezeichnen</span><br/> <span class="ft1">und den Beteiligten sowie allfälligen weiteren in ihren schutzwürdi-</span><br/> <span class="ft1">gen Interessen Betroffenen schriftlich zu eröffnen sind. Absatz 2</span><br/> <span class="ft1">verlangt, dass die Zustellung in der Regel gegen Empfangsbeschei-</span><br/> <span class="ft1">nigung zu erfolgen hat. Nach Absatz 3 schliesslich hat die Eröffnung,</span><br/> <span class="ft1">soweit den Begehren der Beteiligten nicht voll entsprochen wird,</span><br/> <span class="ft1">eine Begründung und eine Rechtsmittelbelehrung zu enthalten. Die</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelbelehrung muss die Rechtsmittelinstanz und die</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelfrist nennen.</span><br/> <span class="ft1">Das Schreiben der Fremdenpolizei vom 18. Januar 1996 ist we-</span><br/> <span class="ft1">der als Verfügung noch als Widerruf bezeichnet worden. Obwohl der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">494</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer dadurch direkt betroffen und seit dem 12. Dezem-</span><br/> <span class="ft1">ber 1995 volljährig war, wurde es einzig seinem Vater zugestellt.</span><br/> <span class="ft1">Eine Empfangsbescheinigung liegt nicht vor. Ebenfalls fehlt die er-</span><br/> <span class="ft1">forderliche Rechtsmittelbelehrung. Das Schreiben ist somit mit er-</span><br/> <span class="ft1">heblichen formellen Mängeln behaftet.</span><br/> <span class="ft1">c) Es stellt sich die Frage, ob das Schreiben vom 18. Januar</span><br/> <span class="ft1">1996 aufgrund der vorhandenen Mängel überhaupt Rechtswirkungen</span><br/> <span class="ft1">entfalten konnte, oder ob der "Widerruf" mit anderen Worten als</span><br/> <span class="ft1">nichtig bezeichnet werden muss.</span><br/> <span class="ft1">Bei der Abgrenzung zwischen blosser Anfechtbarkeit und</span><br/> <span class="ft1">Nichtigkeit einer Verfügung folgt die jüngere Rechtsprechung der</span><br/> <span class="ft1">sogenannten Evidenztheorie. Danach ist eine Verfügung nichtig,</span><br/> <span class="ft1">"wenn der ihr anhaftende Mangel besonders schwer und offensicht-</span><br/> <span class="ft1">lich oder zumindest leicht erkennbar ist und zudem die Rechtssicher-</span><br/> <span class="ft1">heit dadurch nicht ernsthaft gefährdet wird" (Ulrich Häfelin/Georg</span><br/> <span class="ft1">Müller, Grundriss des allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. Auflage,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 1998, RZ 769 mit Verweis auf BGE 98 Ia 568, 571; vgl. auch</span><br/> <span class="ft1">BGE 122 I 97, 99; 117 Ia 202, 220 f.; 116 Ia 215, 219 f.). Als mögli-</span><br/> <span class="ft1">che Nichtigkeitsgründe kommen schwerwiegende Zuständigkeits-</span><br/> <span class="ft1">fehler (örtliche, sowie sachliche und funktionelle Unzuständigkeit),</span><br/> <span class="ft1">schwerwiegende Verfahrensfehler, schwerwiegende Form- oder Er-</span><br/> <span class="ft1">öffnungsfehler sowie schwerwiegende inhaltliche Mängel in Betracht</span><br/> <span class="ft1">(Häfelin/Müller, a.a.O., RZ 770 ff.). Zu den schwerwiegenden Form-</span><br/> <span class="ft1">oder Eröffnungsfehlern zählen beispielsweise die Missachtung der</span><br/> <span class="ft1">gesetzlich vorgeschriebenen Schriftlichkeit und die fehlende Be-</span><br/> <span class="ft1">zeichnung der erlassenden Behörde. Wird ein Entscheid den Parteien</span><br/> <span class="ft1">nicht eröffnet, so entfaltet er keine Rechtswirkungen. Der Mangel</span><br/> <span class="ft1">kann indessen durch nachträgliche Eröffnung geheilt werden (BGE</span><br/> <span class="ft1">122 I 97 ff., so auch Max Imboden/René Rhinow, Schweizerische</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrechtsprechung, 6. Auflage, Basel 1986, S. 530 f.). Des</span><br/> <span class="ft1">Weiteren ist eine Verfügung, die einer Person oder Organisation zu-</span><br/> <span class="ft1">gestellt wird, die nicht befugt ist, sie in Empfang zu nehmen, als</span><br/> <span class="ft1">nichtig zu betrachten (BGE 110 V 145, 151 f.). Ergeht eine Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung ohne die erforderliche vorherige Anhörung des Betroffenen,</span><br/> <span class="ft1">dann dürfte die Anordnung in der Regel ebenfalls als nichtig be-</span><br/> <span class="ft1">zeichnet werden (Imboden/ Rhinow, a.a.O., S. 504, anders [noch] die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">495</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Praxis des Bundesgerichts, welche diesen Mangel dann als geheilt</span><br/> <span class="ft1">betrachtet, wenn die unterlassene Anhörung in einem Rechtsmittel-</span><br/> <span class="ft1">verfahren nachgeholt wird, das eine Prüfung im gleichen Umfang</span><br/> <span class="ft1">wie durch die Vorinstanz erlaubt; kritisch hierzu Häfelin/Müller,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., RZ 798 und 1329, wie auch das Eidgenössische Versiche-</span><br/> <span class="ft1">rungsgericht, welches eine solche Heilung ebenso wie der überwie-</span><br/> <span class="ft1">gende Teil der Lehre nicht oder nur dann zulassen will, wenn sie im</span><br/> <span class="ft1">Interesse des Betroffenen liegt [BGE 120 V 357, 362 f.; 116 V 182,</span><br/> <span class="ft1">186]). An das Vorliegen schwerwiegender Mängel, welche die Nich-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit einer Verfügung zur Folge haben, sind hohe Anforderungen zu</span><br/> <span class="ft1">stellen.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall wurde das Schreiben vom 18. Januar 1996</span><br/> <span class="ft1">durch die Fremdenpolizei erlassen, ohne dass vorgängig dem Vater</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers, geschweige denn dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">selbst, Gelegenheit gegeben worden wäre, sich zum beabsichtigen</span><br/> <span class="ft1">Widerruf des bewilligten Familiennachzuges und damit der Nieder-</span><br/> <span class="ft1">lassungsbewilligung äussern zu können. Ohne Rückfrage bei den</span><br/> <span class="ft1">Betroffenen ging die Fremdenpolizei bereits wenige Tage nach Be-</span><br/> <span class="ft1">willigung des Familiennachzuges davon aus, die Geschwister des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers würden nicht in die Schweiz einreisen, weshalb</span><br/> <span class="ft1">sich ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung rechtfertige. Dies</span><br/> <span class="ft1">obschon die ausgestellten Visaermächtigungen weit über den</span><br/> <span class="ft1">18. Januar 1996 hinaus gültig waren. Hinzu kommt, dass das Schrei-</span><br/> <span class="ft1">ben lediglich dem Vater des Beschwerdeführers zugestellt wurde. Es</span><br/> <span class="ft1">war weder als Verfügung noch als Widerruf bezeichnet worden und</span><br/> <span class="ft1">enthielt auch keine Rechtsmittelbelehrung. Neben der Verletzung des</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Gehörs haften dem Schreiben vom 18. Januar 1996 damit</span><br/> <span class="ft1">sowohl Form- als auch Eröffnungsfehler an. Die konstatierten Män-</span><br/> <span class="ft1">gel sind offensichtlich und als besonders schwer zu qualifizieren.</span><br/> <span class="ft1">Unter diesen Umständen geht es nicht an, dem Schreiben der Frem-</span><br/> <span class="ft1">denpolizei Rechtswirkung zukommen zu lassen. Dies um so weniger,</span><br/> <span class="ft1">als durch die Annahme der Nichtigkeit keine Gefährdung der</span><br/> <span class="ft1">Rechtssicherheit vorliegt. Die Anordnung der Fremdenpolizei vom</span><br/> <span class="ft1">18. Januar 1996 ist damit als nichtig zu bezeichnen.</span><br/> <span class="ft1">4. Nichtigkeit einer Verfügung bedeutet deren absolute Unwirk-</span><br/> <span class="ft1">samkeit. Eine nichtige Verfügung entfaltet keinerlei Rechtswirkun-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">496</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gen. Sie ist vom Erlass an und ohne amtliche Aufhebung als nicht</span><br/> <span class="ft1">vorhanden, als rechtlich unverbindlich zu betrachten. Die Nichtigkeit</span><br/> <span class="ft1">ist von Amtes wegen zu beachten und kann von jedermann jederzeit</span><br/> <span class="ft1">geltend gemacht werden (Häfelin/Müller, a.a.O., S. 195, RZ 768).</span><br/> <span class="ft1">Somit lag nie ein Widerruf der Verfügung vom 3. Januar 1996 vor.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem dem Beschwerdeführer der Familiennachzug mit Ver-</span><br/> <span class="ft1">fügung vom 3. Januar 1996 vorbehaltlos bewilligt und seither nie</span><br/> <span class="ft1">rechtsgenüglich widerrufen wurde und das Familiennachzugsgesuch</span><br/> <span class="ft1">vor dem 18. Geburtstag des Beschwerdeführers eingereicht und nach</span><br/> <span class="ft1">dem 18. Geburtstag bewilligt wurde, hätte die Fremdenpolizei ihn im</span><br/> <span class="ft1">Nachgang zur Verfügung vom 3. Januar 1996 in die Niederlassungs-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung des Vaters miteinbeziehen respektive ihm eine eigen-</span><br/> <span class="ft1">ständige Niederlassungsbewilligung ausstellen müssen. Damit be-</span><br/> <span class="ft1">steht im vorliegenden Fall ein vorbehaltloser Rechtsanspruch des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers auf Ausstellung einer Niederlassungsbewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und die Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft1">anzuweisen ist, dem Beschwerdeführer die Niederlassungsbewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung auszustellen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>