Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. August 2017 (715 16 368 /200) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Eine arbeitgeberähnliche Stellung des Beschwerdeführers ist nicht hinreichend erstellt. Eine beitragspflichtige Beschäftigung ist zwar nachgewiesen. Die mangelnde Bestimm- barkeit der Lohnhöhe wirkt sich aber zu Ungunsten des Versicherten aus. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Taggeld A. Der 1990 geborene A.____ war spätestens ab 1. Mä rz 2012 bis 31. Dezember 2015 bei der B.____AG Chief Operating Officer und stellvertr etender Geschäftsführer. Zudem war er vom 19. Juni 2012 bis 10. Dezember 2015 Mitglied de s Verwaltungsrates mit Einzelunterschrift. Am 21. Dezember 2015 meldete er sich in seiner Wohngemeinde X.____ zur Arbeitsvermittlung und bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Basellan d (nachfolgend: Arbeitslosenkasse) zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung der Arbeitslose nversicherung (ALV) ab 1. Januar 2016 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht an. Nachdem die Arbeitslosenkasse die Verhältnisse abgeklä rt hatte, hielt sie mit Verfügung Nr. 938/2016 vom 23. Mai 2016 fest, dass die Taggeldabr echnungen ab 1. Januar 2016 mit einem versicherten Verdienst von Fr. 601.-- korrekt erste llt worden seien. Gegen diesen Ent- scheid erhob A.____ am 1. Juni 2016 Einsprache. Nachdem i hm eine reformatio in peius ange- zeigt und Gelegenheit zum Rückzug der Einsprache gegeben wurde, lehnte die Arbeitslosen- kasse mit Entscheid vom 3. Oktober 2016 die Anspruchsberecht igung von A.____ ab 1. Januar 2016 ab. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen g eltend, dass der Lohnfluss nicht rechtsgenüglich im Sinne der einschlägigen Rechtsprechun g dargetan sei. Dadurch könne der Versicherte für den massgeblichen Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis 31. Dezember 2015 die gesetzlich vorgeschriebene beitragspflichtige Beschäftigung von mindestens zwölf Monaten nicht nachweisen. Überdies habe er eine arbeitgeberäh nliche Stellung inne und sei mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit nicht arbeitslos. Die Vorausse tzungen für den Bezug von Tag- geldern der Arbeitslosenversicherung ab 1. Januar 2016 seien somit mehrfach nicht erfüllt. B. Hiergegen erhob A.____ am 3. November 2016 Beschwe rde beim Kantonsgericht, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er bean tragte sinngemäss, in Aufhebung des Einspracheentscheids vom 3. Oktober 2016 sei seine A nspruchsberechtigung auf Arbeits- losenentschädigung ab 1. Januar 2016 zu bejahen. In Begründung rügte er eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. In materieller Hinsicht bestritt er, über den 31. Dezember 2015 hinaus eine arbeitgeberähnliche Stellung zu haben. C. In ihrer Vernehmlassung vom 18. Januar 2017 schloss die Arbeitslosenkasse auf Ab- weisung der Beschwerde. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 28. Februar 2017 / Duplik vom 2. Mai 2017) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obli gatorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide au s dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversi cherung und die Insolvenzentschädi- gung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgeric ht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorliegend hat der Beschwerdeführer die Kontrollpflicht im Kanton Basel- Landschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Be schwerde zuständig. Auf die im Übri- gen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 3. November 2016 ist einzutreten. 2. Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht ein e Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999). Er macht geltend, die Beschwerdegegn erin habe einen Entscheid gefällt ohne ihm vorgängig Gelegenheit zu geben, sich dazu zu äusser n. Dieser Auffassung kann nicht bei- gepflichtet werden. Aufgrund der vorliegenden Unterla gen steht fest, dass die Vorinstanz dem Versicherten am 10. August 2016 eine reformatio in pei us androhte und ihm frei stellte, die Ein- sprache zurückzuziehen. Nachdem der Versicherte an seiner Einsprache festhielt, verneinte die Arbeitslosenkasse mit Einspracheentscheid vom 3. Oktober 20 17 ab 1. Januar 2016 einen An- spruch auf Arbeitslosenentschädigung. In diesem Vorgehen der Vorinstanz kann entgegen Auf- fassung des Beschwerdeführers keine Verletzung des rechtlichen Gehörs gesehen werden. 3. Materiell streitig und zu prüfen ist, ob die Beschw erdegegnerin zu Recht den Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. Januar 2016 abgelehnt hat. 3.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nach Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslo s ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schwe iz wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreich t hat noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), vermittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). 3.2 Gemäss Art. 15 Abs. 1 AVIG ist die arbeitslose Person vermittlungsfähig, wenn sie be- reit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungs- massnahmen teilzunehmen. Zur Vermittlungsfähigkeit geh ört demnach nicht nur die Arbeitsfä- higkeit im objektiven Sinn, sondern subjektiv auch die Be reitschaft, die Arbeitskraft entspre- chend den persönlichen Verhältnissen während der übliche n Arbeitszeit einzusetzen (BGE 125 V 58 E. 6a, 123 V 216 E. 3, je mit Hinweis; THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversi- cherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Sozia le Sicherheit, 3. Auflage, Ba- sel/Genf/München 2016, Rz. 270). Die Vermittlungsfähig keit setzt sich demzufolge aus drei Elementen zusammen; aus der Arbeitsfähigkeit und Arbe itsberechtigung als Elemente objekti- ver Natur und aus der Vermittlungsbereitschaft als Element subjektiver Natur. 3.3 Laut Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG haben Personen, d ie in ihrer Eigenschaft als Gesellschaf- ter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mi tglieder eines obersten betrieblichen Ent- scheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers be stimmen oder massgeblich be- einflussen können, keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschäd igung. Der Grund für diese Rege- lung liegt darin, dass Arbeitgeber und arbeitgeberähn liche Personen über eine unternehmeri- sche Dispositionsfreiheit verfügen, kraft derer sie die M öglichkeit haben, die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung selbst he rbeizuführen. So können sie insbe- sondere auch die dafür nötigen Bescheinigungen selber a usstellen bzw. solche Bescheinigun- gen aus Gefälligkeit erlangen (vgl. R EGINA JÄGGI , Eingeschränkter Anspruch auf Arbeitslo- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht senentschädigung bei arbeitgeberähnlicher Stellung dur ch analoge Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG in: SZS 48/2004, S. 4). Mit der Re gelung in Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG wollte der Gesetzgeber somit verhindern, dass arbeitgeberähn liche Personen missbräuchlich Kurzar- beitsentschädigung erhalten. 3.4 Für den Bereich der Arbeitslosenentschädigung gibt es keine dem Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG entsprechende, unmittelbar anwendbare Norm. Wi e das damalige Eidgenössische Versi- cherungsgericht (EVG, ab 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) im Grundsatzentscheid 123 V 234 ff. erwog, kann Kurzarbeit nicht nur in einer Reduktion der Ar- beitszeit, sondern auch darin bestehen, dass der Betri eb für eine gewisse Zeit vollständig still- gelegt wird. Solange ein Arbeitnehmer mit arbeitgeb erähnlicher Stellung mit der betreffenden Unternehmung deshalb noch in einem Arbeitsverhältnis st eht, hat er aufgrund der Ausschluss- bestimmung in Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG keinen Anspru ch auf Kurzarbeitsentschädigung. Wird dieses Arbeitsverhältnis hingegen gekündigt, so gilt die arbeitgeberähnliche Person nach den Erwägungen im zitierten Entscheid nunmehr als arbeitslo s und kann somit unter den Voraus- setzungen der Art. 8 ff. AVIG Arbeitslosenentschädigung beanspruchen. Behält sie nach der Entlassung ihre arbeitgeberähnliche Stellung im Betrie b jedoch bei und kann sie dadurch des- sen Entscheidungen weiterhin bestimmen oder massgeblich b eeinflussen, so läuft die Bean- spruchung von Arbeitslosenentschädigung gemäss der Auffassu ng des höchsten Gerichts auf eine rechtsmissbräuchliche Umgehung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG hinaus, und es besteht auch bei grundsätzlich gegebenen Voraussetzungen nach Ar t. 8 ff. AVIG kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Das EVG begründete den Umgeh ungstatbestand im erwähnten Entscheid damit, dass die arbeitgeberähnliche Person über die Dispositionsfreiheit verfüge, den Betrieb jederzeit zu reaktivieren und sich bei Bedarf e rneut als Arbeitnehmer einzustellen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 29. März 2007, C 32 /06, E. 4.2). Andererseits könne dann nicht mehr von einer Gesetzesumgehung gesprochen werden, wenn der Betrieb geschlossen werde und das Ausscheiden des betreffenden Arbeitnehmer s mit arbeitgeberähnlicher Stellung definitiv sei, oder wenn das Unternehmen zwar weiter fo rtbestehe, die arbeitgeberähnliche Per- son jedoch mit der Kündigung endgültig auch jene Eige nschaften verliere, weshalb sie bei Kurzarbeit aufgrund von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG vom A nspruch auf Kurzarbeitsentschädigung ausgenommen wäre (vgl. BGE 123 V 238 f. E. 7b/bb). I n seiner nachfolgenden Judikatur strich das EVG wiederholt heraus, dass die Rechtsprechung zur ar beitgeberähnlichen Stellung nicht nur dem ausgewiesenen Missbrauch an sich, sondern bereits dem Risiko eines solchen begeg- nen wolle (vgl. Urteil des EVG vom 15. März 2006, C 278/05, E. 2.3 und die Urteile des Bun- desgerichts vom 20. Februar 2007, C 151/06, E. 3 und vom 29. März 2007, C 32/06, E. 4.2). Im Anwendungsbereich von Art. 31 Abs. 3 AVIG ist deshalb nicht individuell für den Einzelfall zu prüfen, ob tatsächlich eine rechtsmissbräuchliche Absicht b esteht; vielmehr genügt bereits die Möglichkeit eines solchen Missbrauchs, um einen Leistungsaussch luss zu rechtfertigen (vgl. JÄGGI , a.a.O., S. 6 ff.). 3.5 Die arbeitgeberähnliche Stellung kann auf drei G ründen beruhen: Auf der Eigenschaft als Gesellschafter, auf einer finanziellen Beteiligung am Betrieb oder auf der Teilhabe an der Betriebsleitung (vgl. NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 463). Was insbesondere die Teilhabe a n der Be- triebsleitung betrifft, fallen nicht nur die formelle n Organe eines Arbeitgebers unter den Betriff Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Mitglieds eines obersten, betrieblichen Gremiums. Es i st vielmehr von einem materiellen Organbegriff auszugehen, wonach jeweils im Einzelfall zu prüfen ist, welche Entscheidungsbe- fugnisse dem Betroffenen aufgrund der betrieblichen St ruktur tatsächlich zukommen (vgl. BGE 122 III 227 E. 4b; 114 V 214). Massgebend ist mith in die faktische Einflussmöglichkeit im konkreten Betrieb. Die Grenze zwischen einem obersten, b etrieblichen Entscheidgremium und der unteren Führungsebene lässt sich dabei nicht allein e anhand formaler Kriterien beurteilen. Insbesondere kann etwa aus der Prokura noch nichts Zwingen des hinsichtlich der Stellung und ihrer Einflussmöglichkeit innerhalb des fraglichen Betriebs abgeleitet werden, weil damit nur die Verantwortlichkeiten im Aussenverhältnis betroffen werden. So ist beispielsweise ein Vizedirek- tor, der in organisatorischer Hinsicht als Fachspezialist oder als Ressortchef fungiert, trotz sei- ner hierarchischen Stellung anspruchsberechtigt, da ihm im internen Verhältnis eine nur be- schränkte Entscheidungsbefugnis zukommt (vgl. BGE 120 V 527 ). Zu verweisen ist in diesem Zusammenhang auch auf das Beispiel eines einzelzeichnung sberechtigten Direktors eines Geldinstituts, dem die Anspruchsberechtigung ebenfalls zuerkannt worden war, weil ihm hin- sichtlich der eigentlichen Geschäftsführung keine Kompete nzen zugestanden worden waren und er im Kern lediglich für den Aufbau der internen Vermögensverwaltung zuständig gewesen war (vgl. Entscheid des Sozialversicherungsgerichts Zürich vom 16. Dezember 2009, AL 2009.00053). 3.6 Zu beachten bleibt umgekehrt, dass bei kleineren B etrieben mit wenig ausgeprägten Organisationsstrukturen unter Umständen ein massgebender Einfluss auf die Entscheidungen eines Unternehmens auch ohne formelle Zeichnungsberech tigung und ohne Handelsregis- tereintrag möglich ist. In jenen Einzelfällen muss ein e tatsächliche und insbesondere immer auch massgebende Einflussnahme (vgl. Art. 31 Abs. 3 li t. c AVIG) allerdings konkret nachge- wiesen werden können. Das EVG bejahte beispielsweise eine arbeitgeberähnliche Stellung des im väterlichen Baugeschäft mitarbeitenden Sohnes, der j eweils Offerten für Baumeisterarbeiten erstellt, Aufträge für Bankbürgschaften erteilt und a uch eine Kündigung eines leitenden Mitar- beiters ausgesprochen und Arbeitgeberbescheinigungen zu Handen der zuständigen Arbeitslo- senkasse ausgestellt hatte (vgl. Urteil des EVG vom 27. August 2003, C 273/01, E. 4). Was die faktische Einflussnahme einer versicherten Person betriff t, kann ein massgebender Einfluss allerdings nicht schon alleine aufgrund der verwandtschaftlichen Verhältnisse bejaht werden. So verneinte beispielsweise das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich in seinem Urteil vom 13. August 2008 (AL 2008.00169) das Vorliegen eine r massgebenden Einflussnahme der Mutter, die ihre Stammeinlagen auf ihre beiden Söhne übertragen hatte, mit der Argumentation, dass aufgrund der konkreten Verhältnisse keine Mitbeteilig ung dargetan sei. Auch im Fall einer versicherten Person, deren Sohn Präsident des Verwaltungsr ats und Geschäftsführer war, sah das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich keinen Gr und, aufgrund verwandtschaftli- cher Verflechtungen eine arbeitgeberähnliche Stellung der Mutter anzunehmen, obschon der ihr entrichtete Monatslohn für Sekretariatsarbeiten mit Fr. 6'950.-- relativ hoch bemessen und die Anspruchstellerin phasenweise gar die einzige Lohnbezügerin gewesen war (vgl. Urteil des So- zialversicherungsgerichts Zürich vom 22. März 2010, AL 2008.00295). 3.7 Die bundesgerichtliche Rechtsprechung darf auch nich t in dem Sinn verstanden werden, dass Arbeitnehmer in arbeitgeberähnlicher Stellung stet s und schlechthin vom Anspruch auf Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitslosenentschädigung ausgeschlossen wären (vgl. Urtei le des EVG vom 14. April 2005, C 194/03, E. 2.3 und vom 6. Oktober 2000, C 16/00, E . 2b). Insbesondere könne dann nicht mehr von einer Gesetzesumgehung gesprochen werden, wen n der Betrieb geschlossen werde und das Ausscheiden des betreffenden Arbeitnehmers mit a rbeitgeberähnlicher Stellung mithin definitiv sei. Entsprechendes gilt für den Fall, dass d as Unternehmen zwar weiterbestehe, die arbeitgeberähnliche Person jedoch mit der Kündigung endgültig auch jene Eigenschaften verlie- re, deretwegen sie bei Kurzarbeit aufgrund von Art. 3 1 Abs. 3 lit. c AVIG vom Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung ausgenommen wäre (vgl. BGE 123 V 238 E. 7b/bb). 4. Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen di e vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfü gende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Ge richt seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisg rad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines besti mmten Sachverhalts genügt den Be- weisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrschein lichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen) 5. Im vorliegenden Fall stellt sich der rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 21. Dezember 2015 hi elt der Versicherte fest, bis Ende Dezember 2015 für die B.____AG tätig gewesen zu sein. Für die Kündigung gab er wirtschaftli- che Gründe an (vgl. act. 250-253). Diese Angaben stimm en inhaltlich mit denjenigen in der Ar- beitgeberbescheinigung vom 30. Dezember 2015 überein (vgl. act. 263-264). Auch im Kündi- gungsschreiben vom 31. Oktober 2015 werden wirtschaftlich e Gründe geltend gemacht (vgl. act. 259). Der Publikation des Schweizerischen Handelsam tsblattes (SHAB) Nr. 243 vom 15. Dezember 2015 ist weiter zu entnehmen, dass der Besc hwerdeführer per 10. Dezember 2015 aus dem Verwaltungsrat der B.____AG ausgeschieden war (vgl. act. 240). Weiter geht aus dem Aktienregister hervor, dass die Aktien des Beschwerdeführers per 31. Dezember 2015 auf seine Eltern und seinen Bruder übertragen wurden (vgl. act. 341). Gemäss Aktennotiz vom 10. August 2016 (vgl. act. 509) habe die Treuhänderin der B.____AG der Arbeitslosenkasse telefonisch mitgeteilt, sie habe vom Beschwerdeführer u nd von dessen Bruder mehrfach die Buchhaltungsbelege für die Jahre 2012, 2013 und 201 5 eingefordert. Am 9. August 2016 habe ihr der Beschwerdeführer die Belege für das Jahr 2015 abgegeben. Der Bruder des Versicher- ten sei zurzeit im Zivildienst. Weiter wurde in der Akten notiz festgehalten „…seit 1.1.16 B.____AG eigenes Buchhaltungssystem, sie (Mehrzahl) hätten einige Fragen gehabt.“ Im Rahmen des rechtlichen Gehörs hielt der Beschwerdeführer am 12. August 2016 im Wesentli- chen fest, dass er seit Januar 2016 keiner Erwerbstätigkei t nachgegangen sei. Er sei aus der B.____AG ausgeschieden und habe keinen Einfluss mehr auf dieselbe. Buchhaltung, Perso- nalwesen sowie Marketing/Werbung hätten nicht zu seinen Aufgaben gehört (vgl. act. 520-521). In der Aktennotiz vom 16. September 2016 (vgl. act. 566) hielt eine juristische Mitarbeiterin der Beschwerdegegnerin fest, sie habe tags zuvor gesehen, dass der Beschwerdeführer vor dem Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Laden der B.____AG eine Zigarette geraucht habe. Danach habe er sich kurz hinter die Laden- theke und hernach in den hinteren Teil des Ladens be geben. Aus Zeitgründen sei es ihr nicht möglich gewesen, selbst in den Laden zu gehen oder den Beschwerdeführer anzusprechen. 6.1 Aufgrund der Akten ist erstellt, dass gemäss Publikati on des SHAB vom 15. Dezember 2015 der Beschwerdeführer per 10. Dezember 2015 aus de m Verwaltungsrat der B.____AG austrat. Damit war ab diesem Zeitpunkt für Dritte in verlässlicher Weise dargetan, dass er hin- sichtlich seiner zuvor noch formellen Organstellung defi nitiv aus der B.____AG ausgeschieden war. Seither kam ihm keine Eigenschaft als Gesellschafter mehr zu. Allfällige diesem Eintrag im Handelsregister widersprechende Hinweise oder Indizien li egen keine vor. Ausserdem besteht eine schriftliche Bestätigung, wonach seine Aktienanteil e auf seine Eltern und seinen Bruder übertragen worden seien. Insoweit war das Ausscheiden des Versicherten aus der B.____AG in formaler Hinsicht zweifellos definitiv. Weiter steht unb estritten fest, dass der Arbeitsvertrag zwi- schen dem Beschwerdeführer und der B.____AG am 31. Oktober 2015 per 31. Dezember 2015 aufgelöst wurde. Die Kündigung erfolgte nach deren W ortlaut aus wirtschaftlichen Gründen. Anhaltspunkte für eine rechtsmissbräuchliche Kündigung sin d weder ersichtlich noch werden sie geltend gemacht. 6.2 Umstritten ist jedoch, ob dem Versicherten über den 31. Dezember 2015 hinaus eine Teilhabe an der Betriebsleitung der B.____AG zukam. S oweit die Arbeitslosenkasse aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer am 9. August 201 6 bei der Treuhänderin Buchhal- tungsbelege aus dem Jahr 2015 abgegeben und ihr angeb lich Fragen zum Buchhaltungssys- tem stellte, vermutet, dass er nach wie vor im Geschäft mi tarbeite oder zumindest arbeitge- berähnlichen Einfluss auf die Familienunternehmung ha be, kann ihr nicht gefolgt werden. Zu- nächst ist daran zu erinnern, dass die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts den Beweisanforderungen klarerweise nicht genügt, um dara us eine arbeitgeberähnliche Stellung des Versicherten abzuleiten (vgl. E. 4 hiervor). Hierfü r bedürfte es weiterer Indizien, welche je- doch nicht vorliegen. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusa mmenhang, dass es sich bei der B.____AG um einen kleinen Familienbetrieb handelt un d der Beschwerdeführer im Hinblick auf das hängige Verfahren ein Interesse an der Fertigstellu ng der Geschäftsabschlüsse hatte. Da- her ist nachvollziehbar, dass ihm – als Familienmitglied – die Belege für das Jahr 2015 überlas- sen wurden, um sie der Treuhänderin zu überbringen. Ob und gegebenenfalls in welchem Zeit- raum der Beschwerdeführer der Treuhänderin Fragen zu m neuen Buchhaltungssystem stellte, geht aus der Aktennotiz vom 10. August 2016 nicht eindeutig hervor (vgl. E. 5 hiervor), weshalb die Angaben der Treuhänderin schon allein deshalb kei ne zuverlässigen Schlüsse zulassen. Nichts zu ihren Gunsten abzuleiten vermag die Arbeitslos enkasse aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer auf seinem Facebook-Profil die B.____AG als Arbeitgeberin aufführt, postete er doch gleichzeitig auch die C.____AG als seine künftige bzw. inzwischen aktuelle Arbeitgebe- rin. Wenn der Beschwerdeführer auf der Website der B. ____AG noch immer als Mitarbeiter aufgeführt wird, so kann dies ebenfalls nicht zu seinen U ngunsten gewichtet werden, hat er doch nach seiner Entlassung keinen Einfluss mehr auf den Inhalt der Website. Auch die Tatsa- che, dass sich der Beschwerdeführer als Mitglied der Inhabe rfamilie hin und wieder in den Räumlichkeiten des Familienbetriebes aufhält, bedeutet keineswegs, dass er im Betrieb arbei- tet. Insgesamt reichen die von der Arbeitslosenkasse angeführten Indizien nicht aus, eine weite- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht re Mitarbeit oder eine arbeitgeberähnliche Stellung des Beschwerdeführers in der B.____AG über den 31. Dezember 2015 hinaus mit dem Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- keit nachzuweisen. Die Aberkennung seiner Anspruchsbere chtigung auf Arbeitslosenentschä- digung unter diesem Titel ist daher zu Unrecht erfolgt. 7. Streitig und zu prüfen ist weiter, ob der Beschwer deführer die Beitragszeit gemäss Art. 13 Abs. 1 AVIG erfüllt hat. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob er innerhalb der massge- benden Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 1. Januar 2014 bis 31. Dezember 2015 (vgl. Art. 9 Abs. 1 und 3 AVIG) eine beitragspflichtige Beschäftigun g von mindestens zwölf Monaten nach- weisen kann und – bejahendenfalls – ob der erzielte ve rsicherte Verdienst die Mindestgrenze von monatlich Fr. 500.-- (vgl. Art. 40 AVIV) erreicht hat. Im Hinblick auf die Beurteilung dieser strittigen Fragen ist zwischen den Parteien insbesondere das Kriterium des Lohnflusses strittig. 8.1 Nach Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG ist für die Arbeitsl osenversicherung beitragspflichtig, wer nach dem Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlasse nenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 obligatorisch versichert und für Einkommen aus unselbstständiger Tätigkeit beitragspflichtig ist, d.h. massgebenden Lohn im Sinne v on Art. 5 Abs. 2 AHVG bezieht (vgl. BGE 122 V 251 E. 2b mit Hinweisen). Die Beitragspfli cht einer versicherten unselbstständig erwerbenden Person entsteht mit der Leistung der Arbeit. Beiträge sind indessen erst bei Reali- sierung des Lohn- oder Entschädigungsanspruchs geschuldet (vgl. BGE 111 V 166 f. E. 4a und b). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist im Rahm en des Art. 13 Abs. 1 AVIG des- halb vorausgesetzt, dass die versicherte Person effektiv eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt und der Arbeitgeber für diese Beschäftigung tatsächlich auch einen Lohn entrichtet hat (vgl. BGE 128 V 190 E. 3a/aa; Urteil des Eidgenö ssischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 28. Februar 2003, C 127/02, E. 1). Mit dem Erfordernis des Nachweises effektiver Lohnzahlung solle n Missbräuche im Sinne fiktiver Lohnvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehm er verhindert werden (vgl. ARV 2001 Nr. 27 S. 228 E. 4c). 8.2 In BGE 131 V 444 ff. präzisierte das EVG, die bishe rige Rechtsprechung sei nicht in dem Sinne zu verstehen, dass eine beitragspflichtige Besc häftigung überhaupt nur dann zur Bildung von Beitragszeiten führe, wenn und soweit der Nachweis tatsächlicher Lohnzahlungen erbracht ist. Unter dem Gesichtspunkt der erfüllten Bei tragszeit nach Art. 8 Abs.1 lit. e AVIG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 AVIG sei die faktische Au sübung einer beitragspflichtigen Be- schäftigung während der geforderten Dauer die einzige Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (vgl. BGE 113 V 352 f.). Dem Nachweis tatsächlicher Lohnzahlung komme deshalb nicht der Sinn einer selbstständigen Ansp ruchsvoraussetzung zu, wohl aber jener eines bedeutsamen und in kritischen Fällen unter Umständen ausschlaggebenden Indizes für die Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung (BGE 131 V 453 E. 3.3 in fine). Das im Gesetz zwar nicht ausdrücklich genannte, nach ständiger Rech tsprechung aber massgebliche Erfordernis der genügenden Überprüfbarkeit der beitra gspflichtigen Beschäftigung diene der Verhinderung von Missbräuchen (vgl. Urteil des Bundesger ichts vom 29. Dezember 2005, C 258/04, E. 3.2 mit Hinweis). Fehle es am Nachweis ei ner tatsächlich ausgeübten unselbst- ständigen Tätigkeit, sei das Anspruchserfordernis nach Ar t. 8 Abs. 1 lit. e AVIG und Art. 13 Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht AVIG nicht gegeben. Dies gelte auch dann, wenn als Lohn bezeichnete oder auf ein als solches bezeichnetes Lohnkonto erfolgte Zahlungen des Arbeitge bers bestehen würden. Dieser Um- stand bilde eben nur, aber immerhin, ein bedeutsames Indiz für eine beitragspflichtige Beschäf- tigung (vgl. BGE 131 V 451 E. 3.2.2). 8.3 In zwei weiteren Urteilen (C 83/06 vom 18. August 2006 und C 111/06 vom 6. März 2007) hat die höchstrichterliche Rechtsprechung schliesslich präzisierend festgehalten, dass der Umstand, dass eine tatsächliche Lohnzahlung nicht hinreichend belegt werden könne, nicht bedeute, dass der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ku rzerhand abzulehnen wäre. Massgebend sei nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes einzig, dass innerhalb der Rahmen- frist für die Beitragszeit eine beitragspflichtige Beschä ftigung während der Mindestdauer von zwölf Monaten rechtsgenüglich dargetan sei. Soweit eine beitragspflichtige Beschäftigung nachgewiesen, der exakt ausbezahlte Lohn jedoch unklar geblieben sei, habe eine Korrektur über den versicherten Verdienst zu erfolgen (vgl. Urtei l des EVG vom 18. August 2006, C 83/06, E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 131 V 451 E. 3.2 .3). Was die Einkommenshöhe betreffe, habe sich die mangelnde Bestimmbarkeit der Lohnhöhe d iesfalls grundsätzlich zu Ungunsten der versicherten Person auszuwirken (vgl. Urteil des Bund esgerichts vom 6. März 2007, C 111/06, E. 3.4). 8.4 Als versicherter Verdienst gilt der im Sinne der AHV -Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeitraumes aus einem oder me hreren Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wurde; eingeschlossen sind die ver traglich vereinbarten regelmässigen Zulagen, soweit sie nicht Entschädigung für arbeitsbedi ngte Inkonvenienzen darstellen (Art. 23 Abs. 1 Satz 1 AVIG). Der Verdienst gilt nicht als versi chert, wenn er eine Mindestgrenze von monatlich Fr. 500.-- nicht erreicht (Art. 23 Abs. 1 Sat z 3 AVIG i.V.m. Art. 40 AVIV). Praxisge- mäss ist bei der Ermittlung des versicherten Verdienstes de r im Bemessungszeitraum tatsäch- lich erzielte Lohn massgebend; eine davon abweichende Lo hnabrede zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hat grundsätzlich unbeachtlich zu bleib en (BGE 131 V 450 f. E. 3.2.1, mit Hinweisen). Der versicherte Verdienst nach Art. 23 AVIG bildet ein Korrektiv bei allfälligen missbräuchlichen Lohnvereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, indem grund- sätzlich die tatsächlichen Lohnbezüge im Bemessungszeitrau m massgebend sind (BGE 131 V 451 E. 3.2.3 mit Hinweis). Von dieser Reg elung im Einzelfall abzuweichen, recht- fertigt sich nur dort, wo ein Missbrauch im Sinne der Vereinbarung fiktiver Löhne, welche in Wirklichkeit nicht zur Auszahlung gelangt sind, praktisch ausgeschlossen werden kann (BGE 128 V 190 E. 3a/aa; Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2012, 8C_913/2011, E. 3.1, je mit Hinweisen). 8.5 Bei Personen, die vor ihrer Arbeitslosigkeit eine arbeitgeberähnliche Stellung innehatten, hat die Arbeitslosenkasse näher zu prüfen, ob diese tat sächlich einen Lohn bezogen haben (AVIG-Praxis, Rz. B32 und B146). Lassen sich in Fällen, die weitergehende Abklärungen be- dingen, Bank- oder Postbelege beibringen, ist damit de r Lohnfluss und die Ausübung einer bei- tragspflichtigen Beschäftigung in der Regel nachgewie sen (AVIG-Praxis ALE A1, Rz. B147). Wurde der Lohn bar bezogen, können das bei der Steuerverwaltung mit Lohnausweis deklarier- te Einkommen, Lohnquittungen oder durch ein Treuhand büro geführte Geschäftsbücher in Ver- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht bindung mit einem entsprechenden individuellen Kontoau szug der AHV als Nachweis für den Lohnbezug akzeptiert werden. Widersprechen die genannt en Beweismittel dem Auszug aus dem Individuellen Konto (IK), so ist für die Bestimmun g des versicherten Verdienstes vom ge- ringeren Betrag auszugehen. Es ist denkbar, dass die versicherte Person, welche den Lohn bar bezogen hat, durch eine Kombination von anderen Bewe ismitteln den Lohnfluss nachzuweisen vermag. Der Lohnfluss lässt sich aber zum Beispiel allein durch eine Lohnabrechnung, eine Lohnquittung, einen Arbeitsvertrag, eine Kündigungsb estätigung oder eine Lohnforderungsein- gabe im Konkurs nicht nachweisen. Solche Dokumente stell en lediglich Parteibehauptungen dar, über deren Wahrheitsgehalt niemand ausser der ver sicherten Person selbst Angaben ma- chen kann. Ergeben sich aufgrund der eingereichten Bel ege keine klaren Rückschlüsse auf die in der fraglichen Zeit effektiv ausbezahlten Löhne, li egt Beweislosigkeit zulasten der versicher- ten Person vor, womit ein Anspruch auf Arbeitslosenent schädigung infolge fehlender Beitrags- zeit verneint werden muss. Dem Nachweis des tatsächlich real isierten Lohnes kommt nicht nur bei der Bestimmung der Beitragszeit, sondern auch bei d er Festsetzung der Höhe des versi- cherten Verdienstes entscheidende Bedeutung zu. Ohne ge naue Angaben über den Lohnfluss ist es nicht möglich, die Höhe des versicherten Verdienste s zu bestimmen (AVIG-Praxis, Rz. B148). 9.1 Aufgrund der vorliegenden Unterlagen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer spätes- tens ab März 2012 bis 31. Dezember 2015 bei der B.___ _AG arbeitete. Dass er bei dieser Un- ternehmung in einem Arbeitsverhältnis stand und diese r gegenüber einen entsprechenden Lohnanspruch hatte, wird von der Beschwerdegegnerin zu Recht nicht in Frage gestellt. In casu besteht jedenfalls kein Anhaltspunkt für einen klaren V erzicht des Beschwerdeführers auf sei- nen Lohn für die fraglichen Monate. Folglich ist für d en massgeblichen Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis 31. Dezember 2015 die gesetzlich vorgeschrieben e beitragspflichtige Beschäftigung von mindestens zwölf Monaten hinreichend erstellt. 9.2 In Bezug auf die effektive Lohnhöhe ist der Arbeit slosenkasse darin beizupflichten, dass die vorliegenden Unterlagen Ungereimtheiten aufweisen . Zwar stimmen die Angaben in den Lohnabrechnungen der Monate Januar 2014 bis Dezember 2 015 (Fr. 2‘000.-- pro Monat; vgl. act. 267-290) mit denjenigen in der Arbeitgeberb escheinigung vom 30. Dezember 2015 (vgl. act. 263, 264) überein, wonach der Beschwerdefü hrer in den Jahren 2014 und 2015 AHV- pflichtige Gesamtverdienste von jeweils Fr. 24‘000.-- erzi elte. Da aber die Salärzahlungen dem Beschwerdeführer – nach den Angaben des Bruders vom 31 . Dezember 2015 (vgl. act. 291) – bar ausbezahlt wurden, liegen keine Bank- oder Postbeleg e vor, die den Lohn in der angege- benen Höhe hinreichend belegen würden. Lohnquittunge n oder von einem Treuhandbüro ge- führte Geschäftsbücher liegen ebenfalls nicht vor. Zudem stehen diese Lohnangaben im Wider- spruch zur Lohnbescheinigung 2014 für die Ausgleichskasse, w onach der Jahresverdienst des Beschwerdeführers mit Fr. 7‘210.-- angegeben und deme ntsprechend in das IK (Stand 5. Januar 2016) eingetragen wurde (vgl. act. 452, 260 ). Auch geben die Steuererklärungen der Jahre 2014 (vgl. act. 348-364) und 2015 (vgl. act. 458-494) insofern keine verlässliche Auskunft über den tatsächlich bezogenen Lohn, als sie erst nach Anmeldung des Beschwerdeführers zum Leistungsbezug und damit nicht echtzeitlich erstellt wu rden. Dasselbe gilt für die nachträg- liche Korrektur des im IK für 2014 eingetragenen Einko mmens von Fr. 7‘210.-- auf Fr. 24‘000.-- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. act. 389). Auch wenn die genannten Unterlagen n icht geeignet sind, betragsmässig wie- derspruchsfrei bestimmbare Lohnzahlungen zu belegen, be deutet dies jedoch nicht, dass ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung gänzlich zu verneine n wäre. Da vorliegend eine bei- tragspflichtige Beschäftigung nachgewiesen, der exakt a usbezahlte Lohn jedoch unklar geblie- ben ist, hat eine Korrektur über den versicherten Verdienst zu erfolgen (vgl. E. 8.3 hiervor). Die- ser ist – zu Ungunsten des Beschwerdeführers – aufgrund d er echtzeitlichen Lohnmeldungen und der entsprechenden Angaben im IK-Auszug (Stand 5. Januar 2016; Fr. 7‘210.--) zu bemes- sen und mit Fr. 601.-- (Fr. 7‘210.-- : 12) zu beziffern. 9.3 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutgeheissen, als der angefochtene Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2016 aufzuheben und festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer ab 1. Januar 2016 bei einem versi cherten Verdienst von Fr. 601.-- An- spruch auf Arbeitslosenentschädigung hat. 10. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren v or dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind beim nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise gu tgeheissen, als der an- gefochtene Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2016 aufgeh oben und festgestellt wird, dass der Beschwerdeführer ab 1. Januar 2016 bei einem versicherten Verdienst von Fr. 601.-- Anspru ch auf Arbeits- losenentschädigung hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht