B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1668/2020 U r t e i l v o m 1 . D e z e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richterin Mia Fuchs, Gerichtsschreiber Patrick Blumer. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Cora Dubach, Freiplatzaktion Basel, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 19. Februar 2020 / N (…). D-1668/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 10. De- zember 2016 in die Schweiz, wo er am 12. Dezember 2016 um Asyl nach- suchte. A.b Am 19. Dezember 2016 wurde der Beschwerdeführer zu seiner Iden- tität, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person; BzP). Dabei führte er an, er sei tamilischer Ethnie und in der Stadt B._______, Distrikt B._______, in der Nordprovinz geboren. Er habe bis im (…) zusam- men mit seinen Eltern und seinen Geschwistern in C._______ gelebt und die Schule bis zum Abschluss des (…)-Levels besucht. Einen Beruf habe er nicht erlernt, zuletzt aber als Filialleiter eines (…) gearbeitet. Ausserdem habe er seinem Vater in dessen (…) ausgeholfen. Dabei hätten er und sein Vater auch Universitätsstudenten gegen Geld Sticker, Banner und Flyer für Gedenktage der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gedruckt. Deswe- gen sei er Ende (…) vom Criminal Investigation Departement (CID) festge- nommen und (…) Tage lang festgehalten worden. Dabei sei er an den Füs- sen aufgehängt und geschlagen worden. Es seien ihm Fotos gezeigt wor- den und er sei im Zusammenhang mit den genannten Druckaufträgen über seine Auftraggeber ausgefragt worden. Er habe keine Informationen geben können und sei deshalb freigelassen worden. Der CID werfe ihm vor, die LTTE wiederaufzubauen. An seiner Stelle habe der CID seinen D._______ mitgenommen; der D._______ werde erst wieder frei gelassen, nachdem er (Beschwerdeführer) sich gestellt habe. Im (…) habe er sich einen Pass ausstellen lassen und sei mit diesem über den Flughafen in E._______ ausgereist. Der Pass befinde sich beim Schlepper. Er sei nach seiner Aus- reise erneut gesucht worden. B. B.a Das SEM trat mit Verfügung vom 1. März 2017 auf sein Asylgesuch nicht ein und wies ihn in den für ihn zuständigen Dublin -Mitgliedstaat F._______ weg. B.b Ab (…) galt der Beschwerdeführer als verschwunden. Mit Schreiben vom (…) gelangte er an das SEM und brachte vor, die Überstellungsfrist sei zwischenzeitlich abgelaufen. D-1668/2020 Seite 3 B.c Mit Verfügung vom 23. Oktober 2018 hob das SEM den Nichteintre- tensentscheid vom 1. März 2017 auf und nahm das Asylverfahren des Be- schwerdeführers wieder auf. C. C.a Am 26. September 2019 wurde der Beschwerdeführer vom SEM aus- führlich zu seinen Asylgründen angehört. Dabei brachte er vor, s ein Vater und er hätten im (…) den Studenten der nahegelegenen Universität im Fotogeschäft Flyer, Sticker und Plakate für den Märtyrertag gedruckt. Deshalb habe er anfangs (…) Probleme mit dem CID bekommen. Es sei ihm vorgeworfen worden, er und sein Vater würden die LTTE wiederaufbauen. Im (…) und (…) seien CID-Beamte zu ihm ge- kommen, hätten ihm Fotos gezeigt und ihn aufgefordert, jene Personen zu identifizieren. Er habe mitgeteilt, keine Ahnung zu haben. Im (…) sei er spätabends auf dem Nachhauseweg von seiner Arbeit von CID -Beamten angehalten und kontrolliert worden. Er habe seinen Security-Ausweis sei- nes Arbeitgebers (Kreditbüro) vorgewiesen, worauf ihm ein CID -Beamter eine Pistole an den Kopf gehalten und ihn mit dem Tod bedroht habe. An- schliessend hätten sie ihm den Motorradschlüssel weggenommen und ihn zu Fuss nach Hause gehen lassen. Zwischen (…) und (…) seien Beamte mit einem weissen Lieferwagen gekommen und hätten ihn als «Kopfni- cker» mitgenommen. Er sei zu (…) oder (…) Häusern gebracht worden, jedoch nicht in der Lage gewesen, die Auftraggeber seiner Druckaufträge zu identifizieren. Daraufhin hätten die CID -Beamten ihn in Handschellen gelegt und zur Zugschiene nach G._______ gebracht und dort an den Füs- sen aufgehängt. Die Beamten hätten ihm einen Plastiksack mit Benzin über den Kopf gestülpt und seien auf ihn losgegangen. Dann hätten sie seinen Kopf auf die Zugschiene gelegt, ihn mit dem Tod bedroht und seinen Kopf erst beim heranfahrenden Zug wieder von den Gleisen genommen . Sie hätten ihm eine Handgranate gezeigt und angekündigt, ihn damit bei den Behörden anzuschwärzen. Er sei ohne Essen und Trinken i n einem alten Bahnhof in G._______ eingesperrt worden. Durch Intervention seiner Mut- ter bei einer Menschenrechtsorganisation und mit Hilfe seines Anwalts sei er nach (…) Tagen am (…) freigelassen worden. Er sei davon ausgegan- gen, dass die Probleme damit vorbei seien. Doch sei danach mehrmals bei ihm zu Hause nach ihm gesucht worden, wobei er jeweils durch die Hinter- türe habe flüchten können. Bis im (…) sei er auch im Geschäft seines Va- ters gesucht worden. Um seine Ausreise vorzubereiten, habe er sich in E._______ aufgehalten. Währenddessen hätten Sicherheitsleute seine El- tern zu Hause bedroht. Weil sie ihn nicht hätten ausfindig machen können, D-1668/2020 Seite 4 sei sein D._______ Ende (…) an seiner statt inhaftiert worden. Es habe geheissen, sein D._______ werde freigelassen, wenn seine Eltern ihn (Be- schwerdeführer) beibringen würden. Seinem D._______ werde vorgewor- fen, gegen das Terrorismusvorbeugungsgesetz verstossen zu haben, wo- für eine Mindeststrafe v on (…) Monaten drohe. Er (Beschwerdeführer) habe Sri Lanka im (…) verlassen und sei über H._______ und die I._______, wo er je (…) Monate geblieben sei, nach F._______ und dann in die Schweiz gelangt. Nach seiner Ausreise sei sein Vater mit einem Schwert verletzt worden, sein Familienhaus sei angegriffen (zweimal im Jahr […] und einmal […]) sowie das Motorrad zerstört worden. C.b Der Beschwerdeführer reichte nachfolgende Beweismittel ein: - Ausbildungszertifikat der «University of E._______ School of (…)» in Kopie - Arbeitsbestätigung von Commercial Credit and Finance (…) vom (…) in Kopie - Lohnauszug in Kopie - Dokument «Bestätigung der Beschwerde» vom (…) - Bestätigung der Vorfälle durch seinen Anwalt in Sri Lanka in Kopie vom (…) - Karte des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) in Kopie lautend auf «M._______» - Online-Bericht vom (…) über einen polizeilichen Eingriff - Online-Bericht über seinen mutmasslichen D._______ M. T. und des- sen medizinische Versorgung im Gefängnis von C._______ - Anfrage für einen Bericht durch die Menschenrechtskommission Sri Lanka in Kopie vom (…), nach Eingang einer Beschwerde - Online-Artikel über einen Angriff durch Schwertkämpfer - Dokument «Bestätigung einer Beschwerde» in Kopie vom (…) - zusammenkopierter Zeitungsartikel, in welchem über eine Schwert - attacke auf seinen Vater und seinen D._______ sowie über einen An- griff auf sein Haus mit «Benzinbomben» berichtet werde - von einem Dorfvorsteher unterzeichnetes Schreiben seines Vaters vom (…) - mehrere Fotos - USB-Stick mit drei Videos bezüglich des mutmasslichen Angriffes auf das Haus seines Vaters und zwei Fotos von Dokumenten von (…) - drei Dokumente betreffend den D._______ - Bestätigung einer Beschwerde vom (…) bei der Human Rights Com- mission of Sri Lanka D-1668/2020 Seite 5 - Weiterleitung einer Beschwerde vom (…) an die Human Rights Com- mission of Sri Lanka. D. Das SEM stellte mit Verfügung vom 19. Februar 2020 fest, der Beschwer- deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. E. Der Beschwerdeführer stellte beim SEM mit Eingabe vom 16. Mär z 2020 ein Akteneinsichtsgesuch, welche s ihm das SEM mit Verfügung vom 20. März 2020 teilweise gewährte. F. Gegen die Verfügung des SEM vom 19. Februar 2020 erhob der Beschwer- deführer mit Eingabe vom 23 . März 2020 Beschwerde beim Bundesver- waltungsgericht. Er beantragte, es sei der angefochtene Entscheid aufzu- heben und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig und nicht zumutbar sei und es sei ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht er- suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. Ferner sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Der Beschwerde lag en eine Kostennote seiner Rechtsvertreterin und ein Bericht vom 2. Januar 2020 zu Sri Lanka bei. G. Das Bundes verwaltungsgericht bestäti gte dem Beschwerdeführer am 24. März 2020 den Eingang der Beschwerde. H. Der Beschwerdeführer reichte mit Eingaben vom 5. Juni 2020 und 2. No- vember 2020 weitere Beweismittel (angebliche Fotos seiner Eltern vor dem Hauseingang; Gerichtsdokument vom […] seines D._______ und Geburts- registerauszüge seiner Eltern; Brief seiner Mutter vom […] samt Überset- zung) je in Kopie zu den Akten. D-1668/2020 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG [SR 142.31] in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bis- herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh- rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge- reichte Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Die Abteilungen entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Art . 21 Abs. 1 VGG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriftenwechsel verzichtet. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religio n, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen D-1668/2020 Seite 7 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dar gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.). 4. 4.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an die Fl üchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch denjenigen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG standhielten. Der Wahrheitsgehalt wesentlicher Vorbringen sei zweifelhaft, da der Be- schwerdeführer zwei Ereignisse im (…) beziehungsweise (…) (Aufsuchen von Angehörigen des CID; Identifizierung von Personen anhand von Fotos) und im (…) (Bedrohung durch Angehörige des CID, indem Pistole gegen den Kopf gehalten worden sei) in der BzP mit keinem Wort erwähnt habe. Dies erstaune, handle es sich doch insbesondere beim Vorfall, bei wel- chem er mit einer Waffe bedroht worden sein solle, um ein prägendes Er- eignis. Die Rechtfertigungen des Beschwerdeführers, wonach er durch den Dolmetscher blockiert worden sei beziehungsweise er nicht explizit danach gefragt worden sei, seien als Ausflüchte zu werten . Die entsprechenden, erst in der Anhörung geltend gemachten Vorbringen seien als nachgescho- ben und damit unglaubhaft zu erachten. Die dargelegte Entführung und Freiheitsberaubung durch Angehörige des CID habe er widersprüchlich geschildert. An der BzP habe er (…) Tage, im Rahmen der Anhörung hingegen (…) Tage angegeben. Auf entsprechen- den Vorhalt habe er mit einer wenig plausiblen und unverständli chen Er- klärung reagiert. An der BzP habe er überdies gesagt, während der (…) Tage in Haft im (…) zu Fotografien von verschiedenen Personen befragt worden zu sein; im Rahmen der Anhörung habe er diese Ereignisse jedoch im (…) beziehungsweise (…) angesiedelt, als er zu Hause von Angehöri- gen des CID aufgesucht worden sei. Seine Aussagen zum Kerngeschehen seien somit äusserst widersprüchlich. D-1668/2020 Seite 8 Seine im Verlaufe des Asylverfahrens zahlreich eingereichten Beweismittel vermöchten seine Vorbringen nicht zu untermauern. Sie würden im Gegen- teil weitere Widersprüche zutage bringen . Bezüglich seiner eigentlichen Vorbringen (mehrfache Belästigung und Bedrohung durch CID Angehö- rige) habe er lediglich ein Bestätigungsschreiben seines Anwaltes und eine Bestätigung einer Beschwerde eingereicht. Alle weiteren Beweismittel wür- den sich ausschliesslich auf seinen D._______, welcher angeblich an sei- ner statt inhaftiert worden sei, sowie auf Angriffe auf sein Elternhaus sowie seinen Vater und D._______ beziehen. Das Schreiben seines Anwaltes sei als Beweismittel untauglich, weil die Ausführungen seines Anwaltes sich nicht mit denjenigen des Beschwerdeführers decken würden. Sein Erklä- rungsversuch in Bezug auf die Widersprüche sei als Ausflucht zu werten. Die Kopie der polizeilichen Be stätigung einer Beschwerde, welche seine Mutter mutmasslich nach seiner Entführung aufgegeben habe, habe keine Beweiskraft, da es sich bei besagtem Dokument lediglich um eine leicht manipulierbare Kopie handle. Zudem gehe aus der Bestätigung nicht her- vor, wer tatsächlich als vermisst gemeldet worden sei. Auch die Identität der Person, welche die Bestätigung ausgestellt habe, sei nicht ersichtlich. Ferner überrasche im Rahmen der Anhörung, dass er keine eindeutigen Angaben zur Anzahl der Anschläge auf sein Haus und zu deren Zeitpunkt habe machen können, welche er mit Zeitungsberichten zu untermauern versuche. Das Schreiben des Dorfvorstehers sei unbehelflich, handle es sich dabei doch bloss um einen Brief seines Vaters an einen Dorfvorsteher, welcher dieser unterzeichnet habe. Der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft gemacht, vor seiner Ausreise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Vielmehr sei er bis im (…) in Sri Lanka wohnhaft gewesen, habe also nach Kriegsende noch (…) Jahre i n seinem Heimatstaat gelebt. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen ver- mocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. 4.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmittelschrift unter Hin- weis auf Entscheide und Mitteilungen der (ehemaligen) Asylrekurskommis- sion (EMARK) und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR), es sei nicht legitim, widersprüchliche Aussa- gen zwischen der BzP und der Anhörung derart stark zu gewichten. Viel-D-1668/2020 Seite 9 mehr sei es ihm sehr wohl gelungen, seine Asylgründe plausibel, substan- tiiert und nachvollziehbar geltend zu machen. Zudem würden mehrere In- dizien (Anzahl Sätze in der freien Erzählung; Dauer der BzP; Erhalt eines Dublin-Entscheids) seine Erklärung stützen, dass der Dolmetscher frech gewesen sei und ihn blockiert habe. Deshalb müsse ihm Glauben ge- schenkt werden und könnten Widersprüche und insbesondere Ergänzun- gen bezüglich seiner Verfolgung nicht per se als grundlos nachgeschoben qualifiziert werden. Es sei ihm schlicht nicht möglich gewe sen, die vielen Verfolgungen in drei Sätzen zusammenzufassen, was die vielen Präzisie- rungen an der Anhörung erkläre. Daraus könne nicht auf eine erfunden e Geschichte geschlossen werden. Seine Schilderungen zu den Folterungen beim Bahnhof G._______ wür- den sich mit den gängigen und bekannten Foltermethoden sri -lankischer Beamten decken. Auch habe er seinen Einsatz als «Kopfnicker» äusserst stimmig beschrieben. Der gegen ihn bestehende Verdacht, er sei am Wie- deraufbau der LTTE beteiligt gewesen, stimme mit seinem Alter und seiner Nähe zu studentischen Kreisen überein. Als letztes Indiz für seine Verfol- gung habe die Reflexverfolgung seines D._______ zu gelten, der seinet- wegen unter der Anwendung der Prevention of Terrorism Act (PTA) verhaf- tet und während (…) Monaten inhaftiert worden sei. Der D._______ sei während der Haft vom IKRK besucht worden . Nach der Freilassung sei dem D._______, der sich versteckt halte, der Pass weggenommen und ge- gen ihn eine Ausreisesperre verhängt und ein Gerichtsverfahren eröffnet worden, was ein weiterer Hinweis sei, dass ihm (dem Beschwerdeführer) tatsächlich mehr als nur der Druck eines Flyers unterstellt worden sei, näm- lich, dass er am Wiederaufbau der LTTE beteiligt sein könnte. Seine Mutter habe am (…) erneut eine Anzeige bei der Human Rights Commission ein- gereicht. Es sei danach ein Granatenangriff auf sein Elternhaus und ein Angriff mit einem Schwert auf seinen Vater verübt worden . Ansonsten werde das Haus der Familie regelmässig von Armeeangehörigen kontrol- liert, so etwa am (…) und am (…). Das zu den Akten gereichte Video be- lege dies. Die Familie lebe nun abwechselnd in C._______ und E._______. Aufgrund all dieser Ereignisse gehe es ihm nicht gut, er leide an den trau- matischen Erlebnissen, weswegen er sich selber verletze. Ob es sich dabei um einen Suizidversuch oder ein selbstverletzendes Verhalten handle, könne zum gegebenen Zeitpunkt nicht abschliessend beurteilt werden. Die Argumentation der Vorinstanz sei auch insofern nicht überzeugend, als ihm Widersprüche im eingereichten Gefälligkeitsschreiben seines Anwal-D-1668/2020 Seite 10 tes entgegengehalten würden . Vielmehr sei jenem Beweismittel der Be- weiswert abzusprechen, nachdem sein Anwalt in Sri Lanka als nicht be- troffene Drittperson gar keine Auskünfte über seine tatsächliche Verfolgung zu geben vermöge. Ferner habe er nachvollziehbar erklären können, wes- halb die IKRK-Haftbestätigung seines D._______ nicht dessen richtigen Namen trage. Er erfülle gleich mehrere wichtige Risikofaktoren : so sei er bereits Opfer einer irregulären Verhaftung wegen des Verdachtes einer Beteiligung am Wiederaufbau der LTTE geworden – das Interesse an Personen, die am Wiederaufbau beteiligt seien, sei sehr gross – und es sei gegen seinen D._______ ein Verfahren eröffnet und eine Ausreisesperre verhängt wor- den. Damit sei sein Leben in Gefahr oder ihm würden zumindest Folter oder Haft drohen. Diese Annahme werde durch den aktuellen Regierungs- wechsel und die damit einhergehende Zunahme an Repression bestätigt. Es sei unter Berücksichtigung der ergangenen Verfolgung und der aktuel- len politischen Lage von einem fehlenden Schutzwillen vonseiten des sri - lankischen Staates auszugehen. 4.3 Der Beschwerdeführer führte in seiner Eingabe vom 5. Juni 2020 aus, die aggressiven Angriffe auf seine Familie nach sei ner Flucht würden ein aktuelles und grosses Verfolgungsinteresse von Seiten des sri-lankischen Staates offenbaren. Die Verhaftung seines D._______ sei nunmehr belegt und nicht mehr in Frage zu ziehen. Er rekapitulierte unter Hinweis auf die als Beweismittel zu den Akten gereichten Fotos, dass im (…) ein Angriff auf sein Elternhaus stattgefunden habe, bei dem (…) bis (…) Unbekannte das gesamte Mobiliar zerstört hätten. Der zweite (sic!) Angriff habe im (…) statt- gefunden, wobei das Motorrad in der Familienwoh nung angezündet wor- den sei, was einen grossen Brandschaden verursacht habe. Ein weiterer Angriff von etwa (…) Personen in zivil habe im (…) stattgefunden; es sei dabei ein Glastisch zerschlagen worden. (…) sei ein weiterer Brandan- schlag mit einer mit Benzin gefüllten Flasche auf das Familienhaus verübt worden. Der Schwertangriff von Unbekannten gegen den Vater habe am (…) stattgefunden. Die eingereichten Videoaufnahmen würden belegen, dass es sich dabei um das auch auf den Fotos abgebildete Elternhaus – im Hintergrund das Firmenschild des (…) – handle. Sein D._______ sei unter dem Namen «M._______» bekannt, entsprechend sei dieser auf dem eingereichten Gerichtsdokument sowohl als « J._______ T.» als auch «M._______» aufgeführt. D-1668/2020 Seite 11 4.4 Mit Eingabe vom 2. November 2020 wiederholte der Beschwerdeführer unter Hinweis auf den eingereichten Brief seiner Mutter, dass sich die Si- tuation seiner Familie nicht verbessert habe. Das staatliche Interesse an seiner Person zeige sich auch noch Jahre nach seiner Flucht. Seine Mutter spreche im Brief von Drohungen und an mehreren Stellen von der Angst, ermordet zu werden. Um ihn nicht zu beunruhigen, wähle sie keine klaren Worte und mache lediglich Andeutungen. Erschwerend komme hinzu, dass seine Eltern keinen telefonischen Kontakt zu ihm pflegten, da sie davon ausgehen würden, dass ihre Telefonate überwacht würden , seit der Ge- heimdienst ihre Nummern aufgenommen habe. Seine Familie habe die Vorkommnisse zwar bei der Menschenrechtskommission gemeldet, traue sich aber nicht, bei jedem Vo rfall dort vorzusprechen. Seine Mutter be- fürchte, dass dies noch mehr Repression nach sich ziehen könnte. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt hat. Im Wesentlichen kann auf die Erwägungen in der an- gefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Ausführungen auf Be- schwerdeebene sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu ge- langen. 5.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung un ter Verweis auf die jeweiligen Textstellen in den Protokollen mehrere zu Zweifeln Anlass gebende Aussagen angeführt. Soweit der Beschwerdeführer hinsichtlich des Vorhalts nachgeschobener respektive widersprüchlicher Aussagen für deren Bewertung auf die Kür ze der BzP, das Gebaren des Dolmetschers sowie den Umstand hinweist, dass die dortigen Aussagen nicht verwendet werden dürften, ist Folgendes zu bemerken: Trotz des summarischen Cha- rakters der BzP ist es gemäss ständiger Rechtsprechung zulässig, Wider- sprüche für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum – respektive in der BzP – in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anhörung bei der Vorinstanz diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt wer- den, nicht bereits im Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-7/2015 vom 11. Oktober 2017 E. 4.2.6 m.w.H). In der angefochtenen Verfügung hat die Vorinstanz dem Protokoll der BzP keine unrechtmässige Bedeutung beigemessen und zu Recht und mit zutreffender Begründung angeführt, dass sich der Be- schwerdeführer – im Gegensatz zur späteren Anhörung – hinsichtlich der D-1668/2020 Seite 12 Anzahl Freiheitsberaubungen durch Angehörige des CID und de s Zeit- punktes sowie des Umstandes der Identifikation von Personen in zentralen Punkten seiner Begründung erheblich widersprochen hat (vgl. SEM act. A6 Ziff. 7.01; A34 F52 und F55 , S. 6). Der Beschwerd eführer vermag in der Rechtsmitteleingabe mit Blick auf dieses Aussageverhalten keine plausib- len Erklärungen zu seiner Entlastung vorzubringen. So bewegte sich die BzP mit einer Dauer von (…) Minuten durchaus im üblichen Rahmen und den Befragungsprotokollen sind ebenfalls keine Gründe für die diametralen Unterschiede zu entnehmen. Für sein Argument, der Dolmetscher habe ihn mit «Bitte sagen Sie uns jetzt wo sich Ihr D._______ befindet» (vgl. SEM act. A34 F92) unterbrochen, finden sich keinerlei Hinweise im Protokollver- lauf, weshalb dieses als blosse Schutzbehauptung zu werten ist. Hinzu- kommt, dass der Beschwerdeführer seinen D._______ in der freien Erzäh- lung der Asylgründe anlässlich der BzP bis zum erwähnten Zeitpunkt (noch) gar nicht erwähnt hatte (vgl. SEM act. A6 Ziff. 7.01), weshalb nicht plausibel ist, dass der Dolmetscher ihn nach dem D._______ gefragt hätte. Zudem wurden ihm sowohl das Protokoll der BzP als auch dasjenige der Anhörung am Schluss in seine Muttersprache rückübersetzt, wobei er die Korrektheit und Wahrheit seiner Ausführungen unterschriftlich bestätigte und auf Nachfrage explizit anführte, den jeweiligen Dolmetscher gut zu ver- stehen beziehungsweise verstanden zu haben (vgl. SEM act. A7 Bst. h und Ziff. 9.02; A34 F1 und S. 15). Auch sind den Protokollen keine Anzeichen zu entnehmen, welche an deren Verwertbarkeit zweifeln oder darauf schliessen lassen würden, der Beschwerdeführer habe den Befragungen nicht folgen können, was im Übrigen aufgrund seines Bildungsniveaus – Abschluss des (…)-Levels, (…) an einer Privatuniversität – auch verwun- dern würde. Weiter hat die Vorinstanz mit zutreffender Begr ündung erkannt, dass der Beschwerdeführer mehrere zentrale Aussagen in der BzP nicht erwähnte. So blieben insbesondere der Zeitpunkt der Befragungen durch Angehörige des CID, de r Vorfall, bei welchem der Beschwerdeführer mit einer Waffe bedroht worden sei, und die Handgranate, welche ihm die CID Angehöri- gen hätten unterschieben wollen, allesamt unerwähnt (vgl. SEM act. A23 F86, F90–93 und F95), selbst am Schluss der BzP hatte der Beschwerde- führer auf Nachfrage hin keine Zusatzbemerkungen anzufügen (vgl. SEM act. A6 Ziff. 9.01). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers lassen sich diese Nichterwähnungen nicht mit der vorgebrachten Kürze der BzP erklären. Vielmehr ist vor diesem Hintergrund auf einen nicht selber erleb- ten Sachverhalt zu schliessen, zumal insbesondere die Vorfälle mit der an den Kopf gehaltenen Schusswaffe oder der angeblich untergeschobenen D-1668/2020 Seite 13 Handgranate prägend gewesen sein müssten. Die entsprechenden Schil- derungen sind daher als nachgeschoben und damit unglaubhaft zu werten. Insgesamt verfängt in Berücksichtigung der Schilderungen des Beschwer- deführers und seiner Ausführungen auf Beschwerdeebene sein Vorbrin- gen, die Vorinstanz habe widersprüchliche und nachgeschobene Aussa- gen zwischen der BzP und der Anhörung zu stark gewichtet, nicht. 5.3 Betreffend die aggressiven Angriffe nach seiner Flucht erstaunt, dass der Beschwerdeführer den geltend gemachten Angriff durch Schwertkämp- fer beziehungsweise Granaten auf sein Elternhaus nicht von sich aus, son- dern erst auf zweimalige Nachfr age erwähnt hat (vgl. SEM A34 F66 ff.). Zudem konnte er zu diesen Anschlägen keine eindeutigen Angaben ma- chen. Vielmehr verstrickte er sich in weitere Widersprüche, wonach das Haus seiner Eltern einmal beziehungsweise dreimal angegriffen worden sei (vgl. SEM a.a.O. F71 ff.). Ferner ist nicht nachvollziehbar, dass der Be- schwerdeführer den Zeitpunkt der angeblichen Anschläge auf sein Eltern- haus – obwohl das Datum auf den eingereichten Fotos beziehungsweise dem Video angegeben ist – trotz wiederholter Nachfrage nicht benennen konnte (vgl. SEM a.a.O. F66–73; BM 14 und 15). Darüber hinaus geht aus den eingereichten – behaupteterweise über die genannten Anschläge be- richtenden – Zeitungsartikeln nicht hervor, wie diese mit seiner geltend ge- machten asylrelevanten Verfolgung in Zusammenhang stehen sollen , zu- mal dies auch in den Akten nicht ersichtlich ist. So hat die Vorinstanz m it zutreffender Begründung erwogen, dass die Zeitungsberichte dafür eine kriminelle Bande beschuldigen. 5.4 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, verdächtigt zu werden, dass er am Wiederaufbau der LTTE beteiligt sein könnte, ist festzuhalten, dass er nach dem Kriegsende im Jahr 2009 bis zur Ausreise im (…) noch (…) Jahre in Sri Lanka gelebt hat. So hätten die sri -lankischen Behörden bei einem allfälligen Verfolgungsinteresse ausreichend Zeit gehabt, um seiner hab- haft zu werden. Es fällt auf, dass seine angebliche Verbindung zu den LTTE und dass er deshalb ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten sei, in der Beschwerdeschrift ungleich intensi ver dargestellt wird (vgl. Be- schwerde, Ziff. 34 ff., S. 13 f.), als es der Beschwerdeführer im Rahmen der Befragungen tat. So gab er in der BzP an, keine Kontakte zu den LTTE gepflegt zu haben, stattdessen an LTTE-Gedenktagen für Universitätsstu- denten gegen Geld Sticker, Banner und Flyer gedruckt und verteilt zu ha- ben (vgl. SEM act. A7 Ziff. 7.01). In der Anhörung ergänzte er, dass die Studenten die Drucksachen vorbereitet hätten, diese Tätigkeit das Ge- schäft seines Vaters gewesen sei und er diese Druckaufträge zwei - oder D-1668/2020 Seite 14 dreimal erledigt habe (vgl. SEM act. A34 F49 und F83). Er vermutete ledig- lich, ihm sei der Wiederaufbau der LTTE vorgeworfen worden (vgl. a.a.O. F54 und F74 f.), um allerdings anzubringen, die Regierung habe ihnen die Druckaufträge nie verboten (vgl. a.a.O. F102). Würden die sri -lankischen Behörden dem Beschwerdeführer tatsächlich ein Interesse am Wiederauf- flammen des tamilischen Separatismus unterstellen, hätten sie ihn nicht ohne Auflagen (…) Tage nach seiner Festnahme gehen lassen. Dieser Um- stand zeigt vielmehr auf, dass die Behörden den Beschwerdeführer nicht ernsthaft verdächtigten, in massgeblicher Weise für die LTTE aktiv gewe- sen zu sein oder Kontakt zu Kaderleuten der Organisation gehabt zu ha- ben. Zudem ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seine Heimat ei- genen Angaben zufolge legal mit seinem eigenen Reisepass – den er sich den Angaben nach lediglich (…) Monate vor seiner Ausreise hatte ausstel- len lassen (vgl. SEM act. A7 Ziff. 4.02) – via den streng kontrollierten Flug- hafen E._______ verlassen hat. Er konnte mit seinem eigenen Pass von E._______ aus normal ausreisen, wobei er alleine durch die Kontrolle ge- kommen ist (vgl. SEM a.a.O. Ziff. 4.02). Diese problemlose legale Ausreise des Beschwerdeführers spricht gegen ein staatliches Verfolgungsinteresse an seiner Person – selbst wenn seine Ausreise organisiert gewesen sei – und bestätigt das vorstehend Ausgeführte. Ansonsten erschöpfen sich die Beschwerdevorbringen in einer Wiederho- lung des bereits dargelegten Sachverhalts, allgemeinen Ausführungen zur Asylrelevanz sowie dem Festhalten daran, dass seine A sylvorbringen durchaus glaubhaft und auch asylrelevant seien. Weiter betont der Be- schwerdeführer zwar, dass seine dichten Beschreibungen voller Realkenn- zeichen seien, substantiiert diese Behauptung im Einzelnen jedoch in kei- ner Weise (vgl. Beschwerde, Ziff . 27, S. 10) . Damit setzt er sich mit den vorinstanzlichen Erwägungen nicht weiter auseinander, mithin legt er nicht dar, inwiefern die Vorinstanz zu Unrecht auf Unglaubhaftigkeit geschlossen hat. Insgesamt entsteht nicht der Eindruck, dass der Beschwerdeführer die dargelegten Vorbringen tatsächlich erlebt hat. 5.5 Etwas Anderes vermag der Beschwerdeführer auch aus seinen zahl- reich eingereichten Beweismitteln nicht abzuleiten. Betreffend das Schrei- ben seines sri -lankischen Rechtsvertreters (vgl. SEM act . 35 Bew eismit- tel 5 [BM-5]) räumt er denn in der Rechtsmitteleingabe – nachdem die Vor- instanz in diesem Zusammenhang zu Recht darauf hingewiesen hat, dass sich daraus weitere Widersprüche (zweimalige Entführung des Beschwer- deführers) ergeben – gleich selbst ein, es handle sich dabei lediglich um ein Gefälligkeitsschreiben, welchem der Beweiswert abzusprechen sei. D-1668/2020 Seite 15 Weiter setzt sich der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe nicht mit den Vorhalten der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung betref- fend die polizeiliche Bestätigung, welche seine Mutter mutmasslich nach seiner Entführung aufgegeben habe (vgl. SEM a.a.O. BM-4), und das Schreiben des Vaters an den Dorfvorsteher (vgl. SEM a.a.O. BM-13) aus- einander. Die diesbezüglich überzeugenden und zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz sind daher ohne weiteren Begründungsaufwand zu bestäti- gen. Bei den weiteren im vorinstanzlichen Verfahren und auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismitteln handelt es sich sodann grösstenteils um Do- kumente (vgl. BM-6, BM-11 und BM-16), welche sich auf den D._______, der an Stelle des Beschwerdeführers inhaftiert worden sei, beziehen. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, geben diese Dokumente keiner- lei Hinweise auf den Grund der Gefängnisstrafen des D._______. Somit ist auch kein Zusammenhang mit den vo m Beschwerdeführer geltend ge- machten Ausreisegründen erkennbar, zumal die Dokumente insbesondere nicht geeignet sind, seine Vorbringen als glaubhaft erscheinen zu lassen. Dies gilt insbesondere auch betreffend die Fotos und Videos zum darge- legten Angriff auf das Elternhaus, wie auch betreffend die Geburtsregister- auszüge der Eltern, weshalb der Beschwerdeführer daraus nichts zu sei- nen Gunsten abzuleiten vermag. Betreffend das angebliche Gerichtsdoku- ment des D._______ vom (…) (Beilage 8 zur Eingabe vom 5. Juni 2020) ist ergänzend anzuführen, dass dessen Beweiswert äussert gering ist, zu- mal es lediglich in Scan-Kopie eingereicht worden ist. Zudem erscheint es wenig plausibel, da ss eine angeklagte Person auf einem Gerichtsdoku- ment sowohl mit dem registrierten Namen als auch mit dem angeblichen Rufnamen aufgeführt sein sollte. Etwas anderes vermag der Beschwerde- führer auch nicht aus dem Brief seiner Mutter abzuleiten (Beilage zur Ein- gabe vom 2. November 2020). Aufgrund des allgemein gehaltenen Inhalts ist das Dokument als Gefälligkeitsschreiben ohne entscheidenden Beweis- wert zu qualifizieren , zumal sich der Beschwerdeführer darüber aus- schweigt, weshalb er den vom (…) datierten Brief erst (…) Monate später zu den Akten gereicht hat. 5.6 5.6.1 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer unter anderem wegen seiner behaupteten, ehemaligen Zugehörigkeit zu den LTTE sowie jener seines D._______ bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile drohen würden. Der Beschwerdeführer macht damit objektive Nachflucht- gründe geltend (vgl. Beschwerde, Ziff. 36 ff., S. 13 ff.). D-1668/2020 Seite 16 5.6.2 Das Bundesverwaltungsgericht hält im Referenzurteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die „Stop-List“, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risi- kobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün- deten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das Fehlen ordentli- cher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respektive durch die Interna- tionale Organisation für Migration begleitete Rückführung sowie gut sicht- bare Narben schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies be- deute, dass diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jeglich e glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ih- rer Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Um- stände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu er- wägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich re- levante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. a.a.O. E. 8.5.5). 5.6.3 Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer bei der Rückkehr nach Sri Lanka bei der Wiedereinreise einer Befragung und Überprüfung durch die Grenz behörden unterzogen wird. Ein solches Vorgehen kann aber nicht als asylrelevante Verfolgung gewertet werden, und für ein darüberhinausgehendes Verfolgungsinteresse der sri -lanki- schen Behörden sind keine massgeblichen Hinweise ersichtlich. Der Be- schwerdeführer erfüllt aufgrund seiner vergangenen Verbindungen zu den LTTE sowie jenen des D._______ zwar einen stark risikobegründenden Faktor im Sinne des vorgenannten Referenzurteils. Diese Tatsache für sich lässt aber noch nicht den Schluss zu, dass er zu jener Gruppe zu zählen ist, die bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab- sehbarer Zukunft ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu be- fürchten hat. Wie vorstehend dargelegt, hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, im Zeitpunkt der Ausreise flüchtlingsrechtlich relevant gefährdet gewesen zu sein. Aus seinen Ausführungen geht auch nicht hervor, dass er selbst in namhafter Weise für die LTTE tätig war. Es besteht vor diesem Hintergrund kein Grund zur Annahme, dass der Beschwerdeführer auf der „Watch“- oder der „Stop“-Liste eingetragen ist. Ferner ist er auch nicht exilpolitisch aktiv (vgl. SEM act. A34 F104). Was die in der Beschwerdeschrift erwähnte Verbindung zu einem LTTE-Mitglied, mithin seinem D._______ betrifft, ist trotz Einreichung zahlreicher Beweismittel fraglich, ob und weshalb sein D-1668/2020 Seite 17 D._______ überhaupt im Gefängnis gewesen sein soll , zumal der Be- schwerdeführer einen Zusammenhang zu ihm nicht hat glaubhaft machen können. Damit teilt das Gericht im Ergebnis die Auffassung der Vorinstanz, dass auch unter Berücksichtigung der aufgeführten Risikofaktoren kein Grund zur Annahme einer begründeten Furcht des Beschwerdeführers vor Verfolgung besteht. Eine wesentliche Akzentuierung des Profils ist schliesslich auch weder aufgrund einer bevorstehenden Vorsprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat noch aufgrund der im Zusammenhang mit der Ersatzreisepapierbeschaffung an die heimatlichen Behörden über- mittelten Daten zu erwarten (vgl. BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3). 5.6.4 Insgesamt ist aufgrund der Aktenlage nicht anzunehmen, dass dem Beschwerdeführer persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Erfüllung von Risikofaktoren nicht per se ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zur Folge haben (vgl. a.a.O. E. 8.5.1 Satz 1). 5.7 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, in Sri Lanka habe sich die Lage durch den Regierungswechsel im November 2019 und die Vorkomm- nisse auf der Schweizerischen Botschaft vom Dezember 2019 verändert. 5.7.1 Seit Einreichung des Asylgesuchs durch den Beschwerdeführer war die Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderungen unterworfen, wobei namentlich politische Spannungen, die verheerenden Terroranschläge an Ostern 2019 sowie zuletzt die Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsi- denten von Sri Lanka zu erwähnen sind. Der neue Präsident war unter sei- nem älteren Bruder Mahinda Rajapaksa, der seinerseits von 2005 bis 2015 Präsident Sri Lankas war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahl- reiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechts- verletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident sei- nen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma- hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl. https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents- brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state/2019112717475 D-1668/2020 Seite 18 3/, abgerufen am 24. September 2020). Beobachter und ethnische/relig i- öse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die ver- mehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Go- tabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020), die am 5. August 2020 auch stattfanden. 5.7.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und be- rücksichtigt sie bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer m öglichen Akzentuierung der Gefähr- dungslage auszugehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened, 16.02.2020). Es gibt aber zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur An- nahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs- gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asyl- suchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. Ein solcher Bezug ist vor dem Hinter- grund vorstehender Erwägungen nicht ersichtlich. Im Zusammenhang mit der Entführung der Botschaftsmitarbeiterin sind gemäss Auskunft der Schweizerischen Botschaft keine Informationen an die sri -lankischen Be- hörden gelangt, so dass keine Anhaltspunkte auf eine erhöhte Gefähr- dungssituation hinweisen. 5.8 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vor- instanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 6. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer D-1668/2020 Seite 19 solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar oder unmög- lich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 sowie Art. 4 der EMRK darf niemand der Folter oder unmens chlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 7.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer D-1668/2020 Seite 20 Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti- Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der EGMR hat wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (Urteil des EGM R R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Ausführungen des Beschwerdeführers noch aus den Akten ergeben sich konkrete Anhalts- punkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach EMRK oder FoK verbote- nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Dies gilt auch unter Berück- sichtigung der Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen von November 2019 und des diplomatischen Konflikts zwischen der Schweizer Botschaft und den sri-lankischen Behörden. 7.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. An dieser Einschät- zung vermögen auch die am Ostersonntag 2019 erf olgten Anschläge auf Kirchen und Luxushotels nichts zu ändern (vgl. Urteil des BVGer E-868/2020 vom 25. März 2020). Auch unter Berücksichtigung des Vorfalls im Zusammenhang mit der Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft und der aktuellen politischen Situation rund um Präsident Gotabaya Raja- paksa, dessen Auflösung des Parlaments sowie den Parlamentswahlen D-1668/2020 Seite 21 vom 5. August 2020, sieht das Bundesverwaltungsgericht keine Veranlas- sung den Wegweisungsvollzug sri -lankischer Staatsangehöriger tamili- scher Ethnie als generell unzumutbar einzustufen (vgl. Urteil e D-2130/2017 vom 14. Oktober 2020; E-1128/2020 vom 17. März 2020). 7.3.2 Der Beschwerdeführer verbrachte sein ganzes bisheriges Leben in C._______ (Distrikt B._______) in der Nordprovinz, wo er die Schulen bis zum (…)-Level besuchte, einen (…) of Information and Technology an einer privaten Universität erwarb und anschliessend als Filialleiter in einem (…) arbeitete und im (…) seines Vaters aushalf (vgl. SEM act. A7 Ziff. 1.17.04 f. und Ziff. 2.02; act. A34 F44 f.). An seinem Herkunftsort wohnen seine nächsten Familienangehörigen und weitere Verwandte, welche auch be- rufstätig sind (vgl. SEM act. A34 F33, F35 f. und F38 ff.). Es ist somit da- von auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer in seiner Heimat beruf- lich wieder integrieren und auf ein tragfähiges Beziehungsnetz zurückgrei- fen kann, welches ihn nach einer Rückkehr im Bedarfsfall unterstützen kann. Vorliegend bringt der Beschwerdeführer zwar vor, an den erlittenen trau- matischen Erlebnissen zu leiden, weswegen er sich selber verletze und «genug von seinem Leben zu haben» (vgl. Beschwerde, Ziff. 22, S. 8). Diese Vorbringen sind trotz der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers (vgl. Art. 8 AsylG) gänzlich unsubstantiiert geblieben. Im Übrigen lassen die Vorbringen nicht auf eine akute, lebensgefährdende und im Heimatland schlicht nicht behandelbare Erkrankung schliessen. Auch mit dem (unbe- legten) Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe (vgl. Beschwerde, Ziff. 48, S. 18 f.), angesichts des Coronavirus sei in Sri Lanka von einer medizini- schen Notlage auszugehen und er werde bei einer Ansteckung keinen Zu- gang zu einer medizinischen Versorgung erhalten, vermag der Beschwer- deführer keine die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs begrün- dende medizinische Notlage darzulegen. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit als zumutbar. 7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). D-1668/2020 Seite 22 Der Verweis des Beschwerdeführers in der Rechtsmitteleingabe vom 23. März 2020 auf die Corona-Pandemie, die eine derzeitige Rückkehr nach Sri Lanka nicht möglich mache, vermag nicht zur Annahme einer gänzlichen Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs zu führen. Die aktu- ellen Massnahmen im Zusammenhang mit der weltweiten Ausbreitung der Coronavirus-Krankheit (Covid-19) sind aufgrund ihrer vorübergehenden Natur nicht geeignet, die obigen Schlussfolgerungen zur Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Der Situation wird von den Vollzugsbehörden im Rahmen der Organisation des Vollzugs angemessen Rechnung zu tragen sein. Verzögern die besagten Massnahmen vorlie- gend den Vollzug vorübergehend, so wird dieser zu einem späteren, ange- messenen Zeitpunkt erfolgen (vgl. hierzu u. a. das Urteil des BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.6). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist (Art. 106 AsylG) und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes- halb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als ge- genstandslos erweist. 9. 9.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ist indes gutzuheissen, da von der Pro- zessbedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist und die Rechts- begehren sich nicht als aussichtlos darstellten. Es sind keine Verfahrens- kosten zu erheben (Art. 65 Abs. 1 VwVG). D-1668/2020 Seite 23 9.3 Nachdem der Antrag auf Genehmigung der unentgeltlichen Prozess- führung gutgeheissen wurde und das Bundesverwaltungsgericht nach aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG der asylsuchenden Person, welche von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit wurde, auf Antrag einen amtlichen Rechtsbeistand bestellt, ist auch das Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Rechtsverbeiständung gutzuheissen und antragsgemäss Frau MLaw Cora Dubach als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers einzusetzen. Ihr ist ein amtliches Honorar zu entrichten. Die Festsetzung des amtlichen Honorars erfolgt in Anwendung der Art. 8–11 sowie Art. 12 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). In der am 2. November 2020 eingereichten Kostennote wird seitens der Rechtsvertretung ein Aufwand von total 19.6 Stunden (inkl. Dolmetscherin 2.3 Stunden à Fr. 80.–) sowie Auslagen von insgesamt Fr. 18.– geltend ge- macht. Die Auslagen sind als angemessen zu erachten, hingegen er- scheint der ausgewiesene Aufwand (insbesondere derjenige für das Ver- fassen der Beschwerde und die länderspezifischen Abklärungen) als zu hoch, weshalb der geltend gemachte Aufwand auf 14.5 Stunden (und zu- sätzlich 2.3 Stunden à Fr. 80.– Dolmetscherkosten) zu kürzen ist. Der aus- gewiesene Stundenansatz von Fr. 150.– bewegt sich im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Die in der Kostennote zusätzlich ausgewiesene Dos- siereröffnungspauschale von Fr. 50.– ist dagegen praxisgemäss nicht zu vergüten. Das Honorar für die als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzte Rechtsvertreterin beträgt somit insgesamt Fr. 2'377.– (nicht mehrwertsteu- erpflichtig) und geht zulasten der Gerichtskasse des Bundesverwaltungs- gerichts. (Dispositiv nächste Seite) D-1668/2020 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das Gesuch um Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes wird gutge- heissen und dem Beschwerdeführer MLaw Cora Dubach als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. 5. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird durch das Bundesverwaltungsgericht eine Entschädigung von insgesamt Fr. 2'377.– ausgerichtet. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Patrick Blumer Versand: