Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Januar 2014 (715 13 241 / 23) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung (selbstverschuldete Arbeitslosigkeit) Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dani el Noll, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiber i.V. Sandro Jaisli Parteien A.____ Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32 , 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1962 geborene A.____ war vom 1. August 2010 bi s 31. Dezember 2012 als Infor- matiker und Stellvertreter des IT Leiters bei der B.___ _ AG tätig. Das Arbeitsverhältnis wurde durch die Arbeitgeberin am 31. August 2012 per 30. November 2012 gekündigt. Am Nachmittag des 31. August 2012 meldete sich A.____ krank und reichte mit Schreiben vom 3. September 2012 ein Arztzeugnis rückwirkend ab 30. August 2012 sowie ein Kündigungsschreiben seiner- seits (mit welchem er das Arbeitsverhältnis per 31. Dezem ber 2012 kündigte) bei der B.____ ein. Daraufhin akzeptierte die B.____ die Beendigung des Arbeitsverhältnisses per 31. Dezem- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ber 2012. Am 4. Januar 2013 erhob A.____ bei der Öff entlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Oeka) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (ALE) ab dem 3. Januar 2013. Infolge eines neuen Stellenantritts wurde er per 31. Mai 2013 wied er von der Arbeitsvermittlung abgemeldet. Mit Verfügung vom 23. April 2013 stellte die Oeka den Versicherten wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Januar 2013 für 32 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Dagegen erhob A.____ am 15. Mai 2013 Einsprache. Die Oeka wies die Einsprache mit Ein- spracheentscheid vom 31. Juli 2013 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ mit S chreiben vom 29. August 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversiche rungsrecht (Kantonsgericht) und beantragte sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheides vom 31. Juli 2013. C. In ihrer Vernehmlassung vom 14. November 2013 beant ragte die Oeka die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentsche ides vom 31. Juli 2013; unter o/e- Kostenfolge. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann geg en Einspracheentscheide der Versicherungsträger Beschwerde beim kantonalen Versicheru ngsgericht erhoben werden. Ört- lich zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG grundsätzlich das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung Wohnsitz hat. Diese Regelung entspricht nun allerdings für den Bereich der Arbeitslosenversicherung nicht der bis vor Inkrafttreten des ATSG geltenden Zuständigkeitsordnun g, weshalb der Bundesrat in Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorisch e Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 ausdrücklich ermächtigt worden ist, die örtli- che Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 ATSG zu regeln. Nach Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 19 83 richtet sich die Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts für die Beurteilung vo n Beschwerden gegen Kassenverfü- gungen sinngemäss nach Art. 119 AVIV. Diese Bestimmung e rklärt in Abs. 1 lit. a für die Ar- beitslosenentschädigung den Ort, wo die versicherte Person die Kontrollpflicht erfüllt, als mass- gebend. Vorliegend hat der Beschwerdeführer die Kont rollpflicht im Kanton Basel-Landschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassun gs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgerich t als Versicherungsgericht als einzi- ge gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Eins pracheentscheide der Versiche- rungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachli ch zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 29. August 2013 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zu Recht wegen selbstverschulde- ter Arbeitslosigkeit im Umfang von 32 Tagen in der An spruchsberechtigung eingestellt worden ist. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Ko mmt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung verfügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, welche die versicherte Person hät te vermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Verschuldensprinzip beherrscht (vgl. THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Mey- er, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherhe it, 2. Auflage, Ba- sel/Genf/München 2007, S. 2423, Rz. 822). 3.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versiche rte Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arb eitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt unter anderem dann vor , wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung arbeitsvertra glicher Pflichten, der Arbeitgeberin An- lass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat (vgl . Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Sinne von A rt. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus wichtigen G ründen nach Art. 337 beziehungs- weise Art. 346 Abs. 2 des Schweizerischen Obligationenre chts (OR) vom 30. März 1911 vo- raus. Das unkorrekte Verhalten muss auch nicht zwingend ein e eigentliche Verletzung arbeits- vertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, d ass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten innerhalb und ausserhalb des Betrieb s berechtigten Anlass zur Kündigung gab (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Bundesgericht, sozial- rechtliche Abteilungen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Erforderlich ist demnach lediglich ein von der Verwalt ung beziehungsweise dem Gericht nach- gewiesenes vermeidbares Fehlverhalten der versicherten Person (vgl. JAQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 108). Dabei müssen nicht zwingend Beanstandungen in beruflicher Hinsicht vorgelegen haben. Es genügt beispielsweise, dass cha- rakterliche Eigenschaften im weiteren Sinne, die den Ar beitnehmer für den Betrieb als untrag- bar erscheinen lassen, zur Entlassung geführt haben (vgl. BGE 112 V 244 f. E. 1). Von selbst- verschuldeter Arbeitslosigkeit im Sinne der Arbeitslosenversi cherung ist folglich dann auszuge- hen, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versi- cherten Person liegt (vgl. ARV 1998 Nr. 9 S. 44 E. 2b mit Hinweisen; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Bern und Stuttgart 1987, Band I, Rz. 8 zu Art. 30). 3.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Inte rnationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslo sigkeit vom 21. Juni 1988 (Überein- kommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Ok tober 1991 in Kraft trat, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Verdienst- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausfall infolge einer vorübergehenden Arbeitseinstell ung ohne Unterbrechung des Beschäfti- gungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekürzt we rden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vorsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheides im Einzelfall dienen zu könne n (vgl. BGE 122 V 54 ff.; Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00); er ist daher dir ekt anwendbar. Aufgrund des grundsätzli- chen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b des Übe reinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt ni cht jedes schuldhafte Verhalten der versicher- ten Person, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung de s Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss A rt. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vor- werfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übere inkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (Urteile des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b, und vom 8. August 2002, C 14/01, E. 1.2). Somit darf im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG bei blosser Fahrlässigkeit kei ne Einstellung in der Anspruchsberechti- gung erfolgen (J AQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 76 f.; implizit auch BGE 124 V 236 E. 3 b, dass die Rechtsprechung gemäss Urteil des EVG vom 17. Oktobe r 2000, C 53/00, auch im Bereich von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV anwendbar ist). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerdever- fahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danac h haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BG E 125 V 193 E. 2; Urteil des Bundesge- richts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Die Mitwi rkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahre n zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung d es Sachverhalts (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 20 03, S. 446 f., 489 f.; F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 284 f.). 4.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschw erdefall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1978, S. 135). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid n ach dem Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. H ANS -ULRICH STAUFFER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslo- senversicherung und Insolvenzentschädigung, Zürich 1998, S . 77). Die blosse Möglichkeit ei- nes bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die Anw endung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. dazu Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00, E. 3a). Praxisgemäss muss das der versicherten Person im Rahmen dieser Bestimmung zur Last g elegte Verhalten in beweismäs- siger Hinsicht klar feststehen, ansonsten eine Einstellun g ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 und vom 8. O ktober 2002, C 392/00, E. 3.1; siehe im Weiteren auch BGE 112 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV N r. 72 S. 220 E. 3b/bb; T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 829). 4.3 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässig auf die Parteivorbringen und ins- besondere auf die Aussagen der Arbeitgeberin angewiese n. Diese sollte eine Sachverhaltsdar- stellung abgeben, ohne am Ausgang des Verfahrens interessiert zu sein und ohne ein Interesse daran zu haben, die versicherte Person in einem ungünsti gen Licht erscheinen zu lassen. So- lange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeitge berin zu zweifeln, ist auf diese abzu- stellen. Es darf hingegen insbesondere dann nicht einzi g auf deren Aussagen zu den Umstän- den der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältnisses abgestellt werden, wenn diese bestritten und durch keine weiteren Indizien gestützt werden (vgl. BGE 112 V 245 E. 1; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; Urteil des EVG vom 8. März 2001, C 102/0 0, E. 1a). Das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten muss klar feststehen und von di eser (eventual)vorsätzlich ausgeübt worden sein. Ein derartiges Verhalten muss demnach als solches auch bewiesen werden und nicht bloss mit dem ansonsten im Bereich des Sozialversicheru ngsrechts erforderlichen Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. Urteil des EVG vom 26. April 2006, C 11/06, E. 3). Bei Differenzen zwischen der Ar beitgeberin und dem Arbeitnehmer darf somit nicht ohne Weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalt en des Arbeitnehmers geschlossen wer- den, wenn die Arbeitgeberin nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für die sie keine Beweise anführen kann (vgl. Urteil des EVG vom 26. April 2001, C 380/00, E. 2b; BGE 112 V 245 mit Hinweisen; THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). 5. Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zur Kündigun g Anlass gegeben und deshalb die Folgen der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Ver- bindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV, mithin die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, zu tragen hat. Das dem Beschwerdeführer zur Last gelegte Verhalten muss rechtsprechungsge- mäss einerseits klar bewiesen und andererseits vorsätzlich begangen worden sein. Zunächst ist zu prüfen, ob eine beweismässig klar festgestellte vertrag liche Pflichtverletzung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vorliegt. 6.1 Sowohl im Kündigungsschreiben vom 31. August 2012 a ls auch im Schreiben an das KIGA vom 11. Februar 2013 begründet die Arbeitgeberi n die Kündigung mit den Kritikpunkten, die in den Protokollen der Mitarbeitergespräche 2011 und 2012 enthalten sind. Im Protokoll des Mitarbeitergesprächs 2011 vom 18. April 2012 werden insb esondere die folgenden Kritikpunkte festgehalten: Einerseits müsse die Vorbereitung von Lösungen verbessert werden, andererseits müsse das Umsetzen der Lösungen termingerecht erfolgen. Dem Beschwerdeführer wird weiter vorgehalten, es gäbe zu viele Verschiebungen von ihm aufg etragenen Tasks und Terminen. Schliesslich wird kritisiert, der Beschwerdeführer würde a lles „auf den letzten Drücker“ erledi- gen. In diesem Zusammenhang müssten Prioritäten besser gesetzt werden, sodass die Lösung zum Termin betriebsfertig sei. Die Ziele (für die Ze itdauer November 2011 bis April 2012) zum Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Thema „Zuverlässigkeit in Bezug auf Abmachungen und Te rmine“ seien bis jetzt nicht erreicht worden. Dabei stehe diese Zuverlässigkeit in grosser Abh ängigkeit zur Funktion als Stellvertre- ter des IT Leiters. Es dürfe künftig keine „leeren“ Ver sprechungen mehr geben und Aufträge, welche nicht termingerecht erledigt werden könnten, m üssten dem Arbeitgeber kommuniziert werden. Im Mitarbeitergespräch 2012 vom 17. Juli 201 2 werden die Kritikpunkte aus dem Mit- arbeitergespräch 2011 wiederholt und bestätigt. Zudem wird festgehalten, dass der Beschwer- deführer „zerstreut“ wirke und zum Teil wichtige Details übersehe oder sogar Aufträge verges- se. Im Schreiben an das KIGA vom 11. Februar 2013 begrü ndet die Arbeitgeberin die Entlas- sung mit den grossen Qualitätsunterschieden, welche die Arbeiten des Beschwerdeführers auf- gewiesen hätten. Im Übrigen verweist die Arbeitgeberi n in diesem Schreiben auf die Protokolle der Mitarbeitergespräche 2011 und 2012. Weitere Schri ftstücke, die sich zum Verhalten des Beschwerdeführers äussern, liegen nicht vor. 6.2 Die in den Protokollen der Mitarbeitergespräche aufgeführten Kritikpunkte sind hinrei- chend klar und verständlich verfasst. Die Protokolle wurden sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Beschwerdeführer unterschrieben. Zudem bestreitet der Beschwerdeführer nicht, dass seine Leistungen in gewissen Punkten ungenügend waren. Im Rahmen von Art. 321d Abs. 1 und 2 OR hat der Arbeitgeber ein Weisungsrecht, welc hes die arbeitsvertraglichen Pflichten situationsbedingt konkretisiert. Diese Anordnungen und Weisungen hat der Arbeitnehmer nach Treu und Glauben zu befolgen. Die Nichtbefolgung di eser Weisungen stellt ebenfalls eine Ver- letzung vertraglicher Pflichten im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV dar. In Anbetracht der kla- ren und vom Beschwerdeführer unbestrittenen Kritikpunk te (vgl. E. 6.1 hiervor), liegt ein wei- sungswidriges Verhalten und somit eine Verletzung vertra glicher Pflichten im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV erwiesenermassen vor. 7.1 Weiter zu prüfen und insbesondere strittig ist, ob dem Beschwerdeführer zu Recht (even- tual)vorsätzliches Verhalten zur Last gelegt wurde. Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO kommt eine Einstellung in der Anspruch sberechtigung nur in Frage, wenn die versicherte Person vorsätzlich zu ihrer Entlassung beigetra gen hat, wobei das Vorhandensein eines Eventualvorsatzes genügt (vgl. E. 3.3 hiervor). 7.2 Es ist insbesondere fraglich, ob der Beschwerdeführer die Kündigung des Arbeitsver- hältnisses (eventual)vorsätzlich herbeigeführt hat oder o b sein Handeln als fahrlässig zu be- zeichnen ist. Eventualvorsatz ist im Zusammenhang mit Art. 44 lit. a AVIV anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen muss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber führt (T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). Im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV darf somit bei blosser F ahrlässigkeit keine Einstellung in der An- spruchsberechtigung erfolgen (J AQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 76 f.). In diesem Zusammen- hang ist auf das Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 201 2, 8C_872/2011, E. 4.2, hinzuwei- sen, in welchem unter Hinweis auf G UIDO JENNY (Basler Kommentar Strafrecht I, Nig- gli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basel 2007, S. 295) die Frag e beantwortet wurde, wann ein Verhalten (eventual)vorsätzlich und wann ein solches (bewusst)fahrlässig ist. Das Bundesgericht führte aus, dass Eventualvorsatz und bewusste Fahrlässigkeit auf d er Wissensseite übereinstimmen würden; beide Male sehen Täter den Erfolg als möglich voraus. Die entscheidende Differenz Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht liege auf der Willensseite. Auch wer jene Möglichkeit e rkenne, könne sich, selbst leichtfertig, über sie hinwegsetzen, d.h. darauf vertrauen bzw. mit der Einstellung handeln, dass schon nichts passieren werde. Das sei der Fall der bewussten Fah rlässigkeit. Demgegenüber erforde- re der Eventualvorsatz, dass der Täter sich für die Tatbestandsverwirklichung entscheide, sie in Kauf nehme, ernstlich in Rechnung stelle. Eventualvors atz liegt also vor, wenn der Täter den Eintritt des tatbestandlichen Erfolgs zwar nicht mit Gewi ssheit voraussieht, aber doch ernsthaft für möglich hält und ihn für den Fall des Eintritts in Kauf nimmt. Als Faustregel formuliert: dass der Täter die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genomme n hat, liegt grundsätzlich näher, je wahrscheinlicher es ihm erschien, dass sie eintreten könnte, und je weniger er sie innerlich ab- lehnte, und umgekehrt (vgl. auch Urteil des Bundesgerich ts vom 16. Juni 2008, 8C_504/2007, E. 5.4 mit Hinweis). Zu den Umständen, die allenfalls auf eventualvorsätzliches Verhalten schliessen lassen, gehören die Grösse des dem Täter bekannte n Risikos der Tatbestandsver- wirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung , die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung. Das Gericht darf vom Wissen des Tä ters auf dessen Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahr scheinlich aufdrängte, dass die Bereit- schaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nu r als Inkaufnahme des Erfolgs ausge- legt werden kann. Was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft innere Tatsachen und ist somit Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, ob im Li chte der festgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz berechtigt erscheint (BGE 138 V 74 E. 8.4.1 mit Hinweisen; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f.). 7.3 Die Vorinstanz bejaht das Vorliegen eines (Eventual )Vorsatzes. Zur Begründung führt sie insbesondere aus, dass es dem Beschwerdeführer aufgrund de r geführten Mitarbeitergesprä- che hätte bewusst sein müssen, dass eine Verhaltensänderun g dringend angezeigt gewesen wäre, ansonsten eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses unumgänglich würde. Weiter wird argumentiert, dass der Beschwerdeführer eine hohe Posit ion bekleidet habe und auch entspre- chend seiner Verantwortung entlohnt worden sei. Aufgrund der Position des Beschwerdeführers seien an ihn bezüglich Arbeitsausführungen hohe Anforde rungen zu stellen gewesen und es habe sich aus dieser Position ein besonderes und gesteiger tes Vertrauensverhältnis ergeben. Dieses besondere Vertrauensverhältnis rechtfertige die A nnahme eines Eventualvorsatzes, indem der Beschwerdeführer hätte voraussehen müssen, dass die Kritikpunkte der Mitarbeiter- gespräche für den Arbeitgeber so wichtig gewesen seien, dass ihm im Falle der Nichtbeachtung die Kündigung gedroht habe. Durch sein Verhalten, so die Vorinstanz, habe der Beschwerde- führer die Kündigung in Kauf genommen und damit sein e Arbeitslosigkeit eventualvorsätzlich herbeigeführt. 7.4 Der Beschwerdeführer arbeitete seit dem 1. August 2 010 für die B.____. In beweisrecht- lich relevanter Hinsicht sind Kritikpunkte seitens der Ar beitgeberin erstmals im Mitarbeiterge- spräch 2011 vom 18. April 2012 erstellt. Das Mitarbeiter gespräch 2012 findet nur drei Monate später, und zwar am 17. Juli 2012 statt. Zwischen der An stellung des Beschwerdeführers am 1. August 2010 und dem Mitarbeitergespräch vom 18. April 2 012 liegt eine längere Zeitdauer, nämlich ein Jahr und neun Monate. Es ist nicht erstell t, dass die Arbeitgeberin in dieser Zeit- spanne den Beschwerdeführer auf die Mängel aufmerksam gemacht hätte. Dadurch entsteht der Eindruck, dass das fragliche Verhalten des Beschwerdef ührers in der entsprechenden Zeit- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht spanne toleriert wurde. Zwar erklärt die Arbeitgeberin in ihrem Schreiben vom 11. Februar 2013 an das KIGA, dass bereits im November 2011 erste Gespräche mit dem Beschwerdeführer stattgefunden hätten. Dies wird allerdings vom Beschwerd eführer bestritten. Mangels anderer Beweise für diese Gespräche kann es nach der Rechtsprechung zu Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV nicht als e rstellt angesehen werden, dass der Be- schwerdeführer bereits im November 2011 explizit auf di e in den Protokollen der Mitarbeiterge- spräche vom 17. April 2012 und 17. Juli 2012 enthalte nen Kritikpunkte hingewiesen wurde. Die lange Duldung des Verhaltens des Beschwerdeführers durch die Arbeitgeberin und die im Ver- hältnis dazu kurze Zeitspanne zwischen den beiden Mitarb eitergesprächen sprechen gegen ein (eventual)vorsätzliches Handeln des Beschwerdeführers. 7.5 Weiter gegen die Annahme eines (Eventual)Vorsatzes spricht, dass die von der Arbeitge- berin getätigte Kritik in ihrer Gesamtwürdigung nicht ein derart schlechtes Bild des Beschwerde- führers zeichnet, dass er eine Kündigung im Falle der ni cht sofortigen Beachtung der Kritik- punkte hätte für unumgänglich halten müssen. In objekt iver Hinsicht wird dieses Gesamtbild aus der positiven Beurteilung sowohl der fachlichen al s auch der sozialen Kompetenzen des Beschwerdeführers ersichtlich. Die Arbeitgeberin führt dazu insbesondere aus, der Beschwer- deführer habe gute Fachkenntnisse, sei selbständig, arb eite sich in fachspezifische Bereiche ein, bringe gute Vorschläge ins Team ein, ertrage grosse n Druck, sei flexibel, kritikfähig und er stehe zu seinen Fehlern. Im Mitarbeitergespräch 2012 he isst es weiter, der Beschwerdeführer habe ein gutes und breites technisches Fachwissen, habe e ine gute Initiative, identifiziere sich gut mit seiner Aufgabe, die Teamkollegen würden seine freundliche und zuvorkommende Art sehr schätzen, er sei kritikfähig und bemüht, „die Sach e“ in Ordnung zu bringen und er arbeite und denke wirtschaftlich. Durch die Aussagen des Beschwerd eführers in den Protokollen der Mitarbeitergespräche, dass alles in bester Ordnung sei un d die Zusammenarbeit im Team und mit dem Vorgesetzten sehr gut funktioniere, ergibt sich auch aus der subjektiven Sicht des Be- schwerdeführers ein Gesamtbild, welches nicht auf ein eventualvorsätzliches Verhalten in Be- zug auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses schliessen lässt. 7.6 Schliesslich ist auch zu berücksichtigen, dass keine vorgäng ige konkrete Verwarnung und / oder Androhung der Kündigung durch die Arbeitg eberin gegenüber dem Beschwerdefüh- rer ausgesprochen worden ist. Zwar teilte die Arbeitgeb erin in zwei kurz aufeinanderfolgenden Mitarbeitergesprächen dem Beschwerdeführer ihre Verbess erungsforderungen mit. Neben den sachlichen Kritikpunkten ist aber keine konkrete Verwarnung seitens der Arbeitgeberin aus den Akten ersichtlich, welche darauf schliessen lassen würde, da ss die Kündigung für die Arbeitge- berin eine Option war. Ohne einen solchen Hinweis müsse n Arbeitnehmende bei einer sachli- chen Kritik in der Regel keine Auflösung des Arbeitsver hältnisses gewärtigen. Mangels einer solchen vorgängigen Verwarnung und der nur kurzen Zeitda uer zwischen den beiden Mitarbei- tergesprächen musste der Beschwerdeführer also nicht un mittelbar mit einer Kündigung rech- nen. In pflichtgemässer Würdigung der vorstehend erwähnt en Verfahrensakten erscheint er- stellt, dass der Beschwerdeführer durch sein Verhalten d er Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat. Unter Berücksichtigun g der Tatsache, dass das Verhal- ten des Beschwerdeführers über eine längere Zeit toler iert wurde, kann aber nicht davon aus- gegangen werden, dass der Beschwerdeführer die Kündigu ng hätte voraussehen können, res- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht pektive dass er eine solche in Kauf genommen habe. Da er mit der Kündigung weder gerechnet noch diese in Kauf genommen hat, kann sein Verhalten n icht als (eventual)vorsätzlich bezeich- net werden. 7.7 Ob dem Beschwerdeführer (bewusst)fahrlässiges Handeln vorzuwerfen ist, kann vorlie- gend offengelassen werden, denn ist der versicherten Pe rson nicht mindestens eventualvor- sätzliches Handeln nachzuweisen, kommt eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung nach Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 4 4 Abs. 1 lit. a AVIV nicht in Frage, da Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO nicht erfüllt ist. 8. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die im Einspracheentscheid vom 31. Juli 2013 verfügte Einstellung in der Anspruchsberechtigung unrechtmässig ist, weshalb der Einspracheentscheid aufgehoben wird. Die Beschwerdegegn erin ist zu verpflichten, dem Be- schwerdeführer die vollständigen gesetzlichen Leistungen zu erbringen. 9. Schliesslich muss noch über die Kosten entschieden wer den. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Partei en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid vom 31. Juli 2013 aufgehoben und die Beschwe rdegegnerin verpflichtet, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leist ungen zu erbringen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht