Reisedokumente für ausländische Personen 2014/23 BVGE / ATAF / DTAF 329 23 Auszug aus dem Urteil der Abteilung III i.S. X. gegen Bundesamt für Migration C‒5942/2012 vom 27. August 2014 Reisedokumente für ausländische Personen. Schriftenlosigkeit. Un - möglichkeit der Beschaffung heimatlicher Reisedokumente für vor - läufig aufgenommene irakische Staatsangehörige. Art. 10 Abs. 2 und Art. 13 Abs. 1 BV . Art. 59 AuG. Art. 4 Abs. 4, Art. 9 und Art. 10 RDV . Art. 8 EMRK. Art. 12 Abs. 2 UNO-Pakt II. 1. Zumutbarkeit, sich bei den heimatlichen Behörden um ein Reise - dokument zu bemühen (E. 5.2). 2. Unmöglichkeit der Beschaffung heimatlicher Reisedokumente. Chronologie der Rechtsprechung (E. 5.3‒5.4). 3. Für vorläufig aufgenommene irakische Staatsangehörige besteht derzeit keine legale und zumutbare Möglichkeit, ein heimatliches Reisedokument erh ältlich zu machen. Ob und wann sich dies ändern wird, ist offen. Das Kriterium der Unmöglichkeit der Be - schaffung heimatlicher Reisedokumente ist als erfüllt zu betrach - ten, weshalb die Schriftenlosigkeit gegeben ist (E. 5.5‒5.9). 4. Erfordernis eines Reisegrunds (E. 6). Documents de voyage pour étrangers. Condition de personne dé - pourvue de documents de voyage. Impossibilité pour les ressortis - sants irakiens admis à titre provisoire d'obtenir des documents de voyage du pays d'origine. Art. 10 al. 2 et art. 13 al. 1 Cst. Art. 59 LEtr. Art. 4 al. 4, art. 9 et art. 10 ODV . Art. 8 CEDH. Art. 12 al. 2 Pacte ONU II. 1. Mesure dans laquelle on peut exiger d'un étranger qu'il s'efforce d'obtenir un document de voyage auprès des autorités de son pays d'origine (consid. 5.2). 2. Impossibilité d'obtenir des documents de voyage du pays d'ori - gine. Aperçu chronologique de la jurisprudence (consid. 5.3‒5.4). 3. Actuellement, les ressortissants irakiens admis à titre provisoire n'ont légalement et raisonnablement pas la possibilité d' obtenir un document de voyage auprès des autorités de leur pays d'ori -2014/23 Reisedokumente für ausländische Personen 330 BVGE / ATAF / DTAF gine. On ne saurait dire si et quand cette situation se modifiera. Le critère de l'impossibilité d'obtenir des documents de voyage du pays d'origine doit être considéré comme réalisé, de sorte que la condition de personne dépourvue de documents de voyage doit être admise (consid. 5.5‒5.9). 4. Exigence d'un motif de voyage (consid. 6). Documenti di viaggio per stranieri. Assenza di documenti di viaggio. Impossibilità di ottenere documenti di viaggio dello Stato d'origine per i cittadini iracheni ammessi provvisoriamente. Art. 10 cpv. 2 e art. 13 cpv. 1 Cost. Art. 59 LStr. Art. 4 cpv. 4, art. 9 e art. 10 ODV . Art. 8 CEDU. Art. 12 cpv. 2 Patto ONU II. 1. Misura in cui è ragionevole pretendere da un o straniero che si adoperi per ottenere un documento di viaggio presso le autorità del suo Stato d'origine (consid. 5.2). 2. Impossibilità di ottenere documenti di viaggio dello Stato d'ori - gine. Cronologia della giurisprudenza (consid. 5.3–5.4). 3. Attualmente i cittadini iracheni ammessi provvisoriamente non hanno legalmente e ragionevolmente la possibilità di ottenere documenti di viaggio presso le autorità dello Stato d'origine. La durata di questa situazione non è prevedibile. Il criterio dell' im- possibilità di ottenere documen ti di viaggio presso lo Stato d' ori- gine è da ritenersi adempiut o e pertanto la condizione dell' assen- za di documenti di viaggio è realizzata (consid. 5.5–5.9). 4. Necessità di un motivo di viaggio (consid. 6). Der Beschwerdef ührer (geb. 1956), irakischer Staatsangehöriger, reiste Anfang 1996 in die Schweiz ein. Das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; heute: Bundesamt für Migration [BFM]) lehnte sein Asylgesuch im Jahr 1998 ab, verfügte jedoch die vorläufige Aufnahme wegen Unzuläss igkeit des Wegweisungsvollzugs. Seither wurden mehrere Gesuche um Ertei - lung einer Aufenthaltsbewilligung abgewiesen. Mit Schreiben vom 20. September 2012 ersuchte der Beschwerdeführer um Bewilligung zur Wiedereinreise und entsprechenden Vermerk in sei - nen irakischen Reisepass der « S »-Serie. Das BFM teilte ihm mit, dass er gehalten sei, bei der zuständigen irakischen Behörde einen neuen Reisedokumente für ausländische Personen 2014/23 BVGE / ATAF / DTAF 331 irakischen Pass der Serie « A » zu beantragen. Mit Schreiben vom 17. Oktober 2012 reichte der Beschwerdeführer dem BF M eine Bestäti - gung der irakischen Botschaft in Bern ein, in welcher das V orgehen zum Erhalt eines irakischen Passes der Serie « A » festgehalten ist. Danach müsste er nach Paris reisen, um seine Unterlagen der zuständigen Stelle abzugeben. Das BFM lehnte das Gesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 23. Oktober 2012 ab und führte zur Begründung aus, der vorgelegte Pass der Serie « S » werde von der Schweiz nicht mehr anerkannt. Da der Beschwerdeführer kein gültiges Reisedokument vorlegen könne, erfüll e er die V oraussetzungen zur Abgabe einer Bewilligung zur Wiedereinreise nicht. Er sei sodann nicht schriftenlos. Es sei ihm möglich und zumutbar, sich bei den zuständigen Behörden des Heimatstaates um die Ausstellung eines irakischen Reisedokuments zu bem ühen. Technische und orga ni- satorische Verzögerungen vermöchten die Schriftenlosigkeit nicht zu begründen. Die irakischen Behörden in der Schweiz nähmen vorüber ge- hend keine Passanträge entgegen, bis das neue System zur Passaus stel- lung installiert sein würde. In Zukunft werde es wieder möglich sein, Passanträge entgegenzunehmen und via Bagdad Reisepässe auszustellen. Aktuell könne sich der Beschwerdeführer über die irakische Botschaft in Paris oder ansonsten im Heimatland einen Pass besorgen. Das Bundesverwaltungsgericht heisst die gegen diese Verfügung er hobe- ne Beschwerde gut, stellt die Schriftenlosigkeit des Beschwerdeführers fest und weist die Sache zur Sachverhaltsergänzung und Neubeurteilung an die V orinstanz zurück. Aus den Erwägungen: 5. 5.1 Im vorliegenden Fall ist umstritten und zu prüfen, ob die V or - instanz die Schriftenlosigkeit ‒ als unabdingbare V oraussetzung für die Ausstellung eines Reisedokuments ‒ zu Recht verneinte, indem sie fest - hielt, es sei dem Beschwerdeführer möglich und zumutbar , ein Reise - dokument bei den zuständigen heimatlichen Behörden zu beschaffen. 5.2 Die Frage, ob die Beschaffung von Reisedokumenten bei den Heimatbehörden von den betreffenden Personen verlangt werden kann (bzw. die Zumutbarkeit gemäss Art. 10 Abs. 1 Bst. a der Verordnung über die Ausstellung von Reisedokumenten für ausländische Personen vom 14. November 2012 [RDV , SR 143.5]), ist nach objektiven Massstäben 2014/23 Reisedokumente für ausländische Personen 332 BVGE / ATAF / DTAF zu beurteilen (vgl. Urteil des BGer 2A.335/2006 vom 18. Oktober 2006 E. 2.1). Die Kontaktaufnahme mit den Heimatbehörden kann namentlich von schutzbedürftigen und asylsuchenden Personen nicht verlangt wer - den (Art. 10 Abs. 3 RDV). Dasselbe gilt in der Regel auch für Personen, welche infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig auf - genommen wurden (vgl. Art. 83 Abs. 1 i.V .m. Abs. 3 AuG [SR 142.20 ] sowie Urteil des BVGer C‒1826/2012 vom 29. August 2012 E. 5.2 m.H.). Der Beschwerdeführer wurde im Jahr 1998 wegen Unzu lässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen, weil An haltspunkte dafür b estanden, dass ihm im Falle einer Rückkehr aufgrund seiner Desertion eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Be handlung drohte. Die politische Situation im Irak hat sich seither jedoch geändert (vgl. Urteil des BVGer C‒1144/2011 vom 15. August 2013 E. 4.2 m.H.). Der Beschwerdeführer ist überdies bereits mehrfach mit der irakischen Vertretung in der Schweiz in Kontakt getreten (…). Die Kon taktauf- nahme mit den heimatlichen Behörden ist ihm daher heute grundsätzlich zumutbar; er gilt folglich nicht als schriftenlos im Sinne von Art. 10 Abs. 1 Bst. a RDV . 5.3 Der Beschwerdeführer bringt hingegen vor, die irakische Bot - schaft in Bern nehme keine Anträge auf Ausstellung eines Reisepasses entgegen. Dies mache es ihm unmöglich, gültige Reisedokumente zu be - schaffen. Die Botschaft stelle auch keine von Frankreich anerkannten Ersatzreisedokumente aus, weshalb er nicht nach Paris reisen könne, um dort einen Pass erhältlich zu machen. Die Botschaft habe zudem keine technischen Mittel, Pässe via Bagdad auszustell en. Streitig und zu prüfen ist folglich, ob das Erfordernis der Unmöglichkeit der Beschaffung von Reisedokumenten gemäss Art. 10 Abs. 1 Bst. b RDV als erfüllt zu be - trachten ist. 5.3.1 Die V orinstanz ging früher davon aus, Personen aus dem Zentral- oder dem Nord irak könnten sich keine heimatlichen Reise doku- mente beschaffen und seien deshalb als schriftenlos zu betrachten. An - fang 2005 ging die irakische Vertretung in der Schweiz dazu über, ihren hierzulande wohnhaften Staatsangehörigen auf Gesuch hin heimatlic he Reisepässe auszustellen. Zwischenzeitlich wurden Pässe der allgemein anerkannten Serie « G » ausgestellt. Das Bundesverwaltungsgericht hielt in der Folge fest, die Beschaffung von irakischen Reisedokumenten sei demnach nicht mehr grundsätzlich unmöglich , selbst wenn der irakische Staat zurzeit nicht in der Lage sein sollte, alle seine Auslandsver tretun- gen so auszurüsten, dass die Ausstellung von Pässen der « G »-Serie Reisedokumente für ausländische Personen 2014/23 BVGE / ATAF / DTAF 333 überall und zeitverzugslos möglich sei. Dass der Staat Irak in dieser Situ - ation die Schaffung der Infrastruktur schrittweise vorantreibe und Priori - täten setze, sei von den Betroffenen hinzunehmen. Technische Verzöge - rungen bei der Passausstellung seien nicht geeignet, die Un möglichkeit im Sinne der RDV und damit die Schriftenlosigkeit zu begründen (vgl. Urteil des BVGer C‒1059/2006 vom 15. Januar 2010 E. 6.2 m.H.). 5.3.2 Auf Anfang des Jahres 2010 fand erneut eine Umstellung statt. Seither ist nur noch die Ausstellung von Pässen der neuen Serie « A » vorgesehen; Pässe der Serie « G » können nicht mehr beantragt werden. Es ist allerdings gerichtsnotorisch, dass die Ausstellung von Pässen durch die irakischen Vertretungen seit geraumer Zeit auf breiter Basis orga ni- satorische Verzögerungen erfährt. Das Bundesverwaltungsgericht hatte sich in de n vergangenen Jahren mit einer erheblichen Anzahl dies - bezüglicher Beschwerden irakischer Staatsangehöriger zu befassen. Es hielt wiederholt fest, der Umstand, dass die Ausstellungsdauer der Reise - pässe der « A »-Serie noch unbestimmt sei, sei unerheblich, da technisch oder organisatorisch begründete Verzögerungen bei der Passausstellung nicht geeignet seien, eine Unmöglichkeit im Sinne der RDV zu be grün- den. Zur Begründung wurde jeweils auf die entsprechende ausdrückliche Bestimmung der RDV hingewiesen (h eutiger Art. 10 Abs. 2 RDV), zu - sätzlich aber auch auf grundsätzliche Überlegungen, namentlich dass die Schweiz, würde sie in einer solchen Situation auf breiter Basis von Schriftenlosigkeit ausgehen, regelmässig in die Passhoheit und damit in die Souveränität anderer Staaten eingreifen müsste (vgl. etwa die Urteile des BVGer C‒3724/2010 vom 26. April 2011 E. 4.3; C‒5465/2010 vom 8. März 2011 E. 5.2; C‒5315/2010 vom 7. Januar 2011 E. 5.3). 5.3.3 Im August 2011 anerkannte das Bundesverwaltungsgericht, dass die auf diverse (administrative wie technische) Umstellungen zurückzu - führenden, sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Verzöge - rungen für die im Ausland lebenden irakischen Staatsangehörigen un - befriedigend seien. Es verwies indes darauf, dass eine Abwe ichung vom Grundsatz, dass solche Verzögerungen keine Schriftenlosigkeit begrün - den könnten, aufgrund des Wortlauts der RDV nicht vorgesehen sei. Mit der Anerkennung der (objektiven) Unmöglichkeit als einer der V or aus- setzungen für die Annahme der Schrift enlosigkeit solle lediglich vermie - den werden, dass eine Person an Auslandreisen gehindert werde, wenn sich die heimatlichen Behörden ohne zureichenden Grund ‒ und damit willkürlich ‒ weigerten, ein Reisepapier auszustellen. Dies sei hier nicht der Fall. D ie Ausstellung von Pässen erfahre vielmehr auf sachliche 2014/23 Reisedokumente für ausländische Personen 334 BVGE / ATAF / DTAF Gründe zurückzuführende Verzögerungen. Solche (auch längere) Verzö - gerungen seien von den betroffenen Personen dem Wortlaut der RDV zufolge hinzunehmen. Inzwischen sei die Bildung einer Regierung im Irak gelungen, sodass sich die Situation mit der Zeit ändern dürfte (vgl. Urteil des BVGer C‒4704/2009 vom 15. August 2011 E. 5.2). 5.3.4 Im April 2012 hielt das Bundesverwaltungsgericht mit Verweis auf Auskünfte der irakischen Botschaft in Bern fest, in der Sch weiz lebende irakische Staatsangehörige müssten ihre Anträge betreffend Aus - stellung eines Passes persönlich bei der irakischen Botschaft in Paris stel - len. V orausgesetzt werde, dass die betroffene Person über einen iraki - schen Personalausweis (Hawitt Al Ahwal Al-Medanie) und die irakische Staatsangehörigkeitsurkunde (Shahadit al -Jensie) verfüge. Mit diesen Dokumenten sowie Passfotos müsse vorerst bei der irakischen Botschaft in Bern vorgesprochen werden. Nachdem die Unterlagen dort vorbereitet und bearbeitet worden seien, müssten alle Unterlagen persönlich bei der irakischen Botschaft in Paris eingereicht werden. Die Beschaffung von irakischen Reisedokumenten sei folglich nicht grundsätzlich unmöglich, sei es doch Sache des jeweiligen Staates, das Verfahre n zu bestimmen. Dass zur Antragsstellung eine allenfalls umständliche Reise nach Paris erforderlich sei, vermöge daran nichts zu ändern. Die Betroffenen müss - ten sodann selbst um die Ausstellung eines gültigen Reiseersatz doku- ments bemüht sein, um die Rei se nach Frankreich antreten zu können, und die notwendigen V orbereitungsarbeiten bereits erledigt haben (vgl. Urteil des BVGer C‒2830/2011 vom 13. April 2012 E. 4.2). 5.3.5 Im Oktober 2012 hielt das Gericht fest, dass die Verzögerungen bei der Passausstellung (n och) nicht derart lange anhielten, dass sie im Ergebnis einer Verweigerung der Ausstellung eines Reisedokuments gleichkämen. Gleichzeitig wies es darauf hin, dass in Fällen von ausser - ordentlich langen Verzögerungen , deren Ende nicht absehbar sei, bei einer verfassungskonformen Auslegung der RDV ebenfalls von der Un - möglichkeit der Beschaffung von Reisepapieren ausgegangen werden müsste (vgl. Urteil des BVGer C‒5168/2010 vom 22. Oktober 2012 E. 4.4). In späteren Urteilen wiederholte das Gericht diesen Hinwe is, hielt jedoch jeweils fest, dass es sich nicht um solche Fälle handle, nach - dem sich die Betroffenen nicht hinreichend um die Ausstellung eines Reisedokuments bemüht hatten (vgl. Urteil C‒1144/2011 E. 5.6 sowie Urteil des BVGer C‒4174/2010 vom 29. November 2012 E. 4.4). 5.3.6 Im Juli 2013 wies das Bundesverwaltungsgericht zum wieder - holten Mal darauf hin, dass die nun schon seit längerer Zeit anhaltende Reisedokumente für ausländische Personen 2014/23 BVGE / ATAF / DTAF 335 Situation für die in der Schweiz lebenden irakischen Staatsbürger zwei - fellos unbefriedigend sei. Bei der Fr age, in welchem Zeitpunkt aus einer anfänglichen Verzögerung eine faktische Unmöglichkeit werden könne, heimatliche Reisepapiere zu beschaffen, habe sich die Schweiz allerdings äusserste Zurückhaltung aufzuerlegen, komme doch dem Heimatstaat bei der Ausübung seiner völkerrechtlich verankerten Pass hoheit ein erhebli - cher Gestaltungsspielraum zu, der zu respektieren sei. V on einer Unmög- lichkeit, heimatliche Reisepapiere zu beschaffen, sei indes auch deshalb nicht auszugehen, weil nach den Erkenntnissen der V orinstanz für iraki- sche Staatsangehörige in Europa seit längerem die Möglichkeit bestehe, Anträge zur Ausstellung eines nationalen Reise passes bei der irakischen Botschaft in Paris einzureichen. Sollten die be troffenen Personen nicht über die für einen solchen Antrag benötigten Dokumente verfügen, könn- ten sie diese von einer bevollmächtigten Drittperson ‒ beispielsweise einem Anwalt oder einem Verwandten ‒ im Irak erhältlich machen (vgl. Urteil des BVGer C‒3263/2011 vom 11. Juli 2013 E. 6.4 f.). 5.3.7 Im Oktober 2013 hiess das Gericht die Beschwerde eines iraki - schen Staatsangehörigen gut. Im konkreten Fall könne nicht mehr von einer bloss vorübergehenden Verzögerung ausgegangen werden, nach - dem sich der Betroffene seit 2008 und somit während fünf Jahren rege l- mässig erfolglos bei der irakischen Vertretung um die Ausstellung von Reisepapieren bemüht hatte. Da sich irakische Staatsbürger in Paris einen Pass ausstellen lassen könnten, hätten die schweizerischen Behörden ge - gebenenfalls dem Betroffenen die zur Beschaffung eines Passes in Frank- reich notwendigen Ersatzreisedokumente auszustellen. Allerdings war der Sachverhalt für eine Beurteilung, welche Papiere durch die Schweiz auszustellen sind, nicht hinreichend geklärt, weshalb die Ange legenheit an die V orinstanz zurückgewiesen wurde. Dem BFM wurde aufgetragen zu prüfen, ob es weiterhin möglich sei, die zur Ausstellung des Passes er - forderlichen Grundlagenpapiere über einen Stellvertreter in Bagdad zu beschaffen. Falls dies möglich sei, müsse der Betroffene d iese Dokumen- te beschaffen. Lägen diese vor, müsse in Erfahrung gebracht werden, ob ihm die irakische Vertretung in der Schweiz ein Reisepapier ausstellen würde, um nach Paris zu gelangen. Sei dies nicht möglich, so hätten die schweizerischen Behörden die Ausstellung eines Ersatzreise papiers zu prüfen. Sofern die Grundlagenpapiere persönlich in Bagdad beschafft werden müssten, wäre zu prüfen, ob die irakische Vertretung in der Schweiz die dafür nötigen Reisepapiere ausstellten. Andernfalls liege es wiederum an den schweizerischen Behörden, die Ausstellung der für eine 2014/23 Reisedokumente für ausländische Personen 336 BVGE / ATAF / DTAF Reise nach Bagdad benötigten Ersatzreisepapiere zu prüfen (vgl. Urteil des BVGer C‒5942/2011 vom 8. Oktober 2013 E. 5.8 ff.). 5.3.8 Gemäss Informationen des BFM fand im Februar 2014 ein Treffen mit der irakischen Botschaft statt, wo die Thematik der Pass be- schaffung vorläufig in der Schweiz aufgenommener irakischer Staatsan - gehöriger diskutiert wurde. Beim letzten Treffen im Jahr 2012 sei dem BFM noch zugesichert worden, dass ab Mai 2012 in Bern flä chen- deckend Pässe ausgestellt werden könnten. Zwischenzeitlich habe das irakische Innenministerium beschlossen, die Vertretung in Bern nicht mit einer Biometriestation auszurüsten. Der Prozess bei der Passausstellung solle sich nun wie folgt gestalten: Di e irakischen Staatsangehörigen sprächen bei der Botschaft in Bern vor. Wenn dort die Identität aufgrund von heimatlichen Dokumenten bestätigt werden könne, würden die Ge - suchsteller an die irakische Botschaft in Paris verwiesen, wo die Finger - abdrücke abgenommen würden und der Pass ausgestellt werde. Die iraki - sche Vertretung in Bern habe indes Probleme bei der Passbeschaffung von vorläufig Aufgenommenen via Paris festgestellt. Einige Iraker, die nach Paris gereist seien, um einen Pass zu beantragen, seien an der fran - zösischen Grenze festgenommen worden. Die irakische Botschaft werde nun auf diplomatischer Ebene mit der französischen Botschaft abklären, wie die Einreise von vorläufig aufgenommenen Irakern zur Passbe schaf- fung in Paris erfolgen könne (z.B. mit F -Ausweis, irakischer ID sowie einer Identitätsbestätigung der irakischen Botschaft in Bern). Die iraki - sche Botschaft habe sodann bestätigt, dass Laissez -passer für die Reise in den Irak zur Passbeschaffung ausgestellt werden könnten. Dieser Prozess sei jedoch kompliziert, da das BFM vorgängig ein Rück reisevisum erfas- sen und an die Schweizer Vertretung in Amman (Jordanien) übermitteln müsse. Die irakischen Staatsangehörigen könnten mit dem irakischen one-way Laissez-passer in den Irak reisen, müsste n sich dort einen Pass beschaffen und anschliessend bei der Schweizer Botschaft in Amman das Rückreisevisum abholen, bevor sie in die Schweiz zurückreisen könnten. 5.4 Die dargestellte Chronologie dieser mittlerweile reichhaltigen Rechtsprechung betreffend Re isedokumente für irakische Staatsange - hörige zeigt auf, dass sich das Bundesverwaltungsgericht bei der Be ur- teilung der Frage, in welchem Zeitpunkt aus einer anfänglichen Ver - zögerung eine faktische Unmöglichkeit der Beschaffung heimatlicher Reisepapiere wird, in den vergangenen Jahren äusserste Zurückhaltung auferlegt hat (vgl. Urteil C‒3263/2011 E. 6.4). Eine solche Zurück hal- tung rechtfertigt sich deshalb, weil dem Irak bei der Ausübung seiner Reisedokumente für ausländische Personen 2014/23 BVGE / ATAF / DTAF 337 völkerrechtlich verankerten Passhoheit ein erheblicher Gest altungsspiel- raum zusteht, den es zu respektieren gilt. Im Folgenden ist nun jedoch darüber zu befinden, ob angesichts des weiteren Zeitablaufs und der dem Gericht vorliegenden neuen Informationen nach wie vor von einer blos - sen Verzögerung gemäss Art. 10 Abs. 2 RDV oder nunmehr von einer Unmöglichkeit der Passbeschaffung gemäss Art. 10 Abs. 1 Bst. b RDV auszugehen ist. 5.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat in den vergangenen Jahren wiederholt darauf hingewiesen, dass im Falle von ausserordentlich lan - gen Verzögerungen, deren Ende nicht absehbar ist, bei einer verfassungs- konformen Auslegung der RDV ebenfalls von der Unmöglichkeit der Be - schaffung von Reisepapieren ausgegangen werden müsste (vgl. E. 5.3.5). Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass offenbar zahlreiche in der Schweiz vorläufig aufgenommene irakische Staatsange hörige mangels gültiger Reisedokumente seit Jahren nicht reisen können, was deren Be - wegungs- und Ausreisefreiheit beeinträchtigt (Art. 10 Abs. 2 BV; Art. 12 Abs. 2 Internationaler Pak t über bürgerliche und poli tische Rechte [UNO-Pakt II, SR 0.103.2]) und zu erheblichen Einschrän kungen des Anspruchs auf Achtung des Privat - und Familienlebens führen kann (Art. 8 EMRK; Art. 13 Abs. 1 BV), so etwa bei schwerer Krankheit oder beim Tod von im Ausland lebenden Familienangehörigen (Art. 9 Abs. 1 Bst. a RDV) oder wenn höchstpersönliche Angelegen heiten im Ausland erledigt werden müssten (Art. 9 Abs. 1 Bst. b RDV). Die Grundrechte müssen jedoch in der ganzen Rechtsordnung zur Geltung kommen; w er staatliche Aufgaben wahrnimmt, muss zu deren Verwirklichung beitragen (Art. 35 BV). Eingriffe in Grundrechte müssen stets durch ein öffent li- ches Interesse oder durch den Schutz von Grundrechten Dritter gerecht - fertigt und überdies verhältnismässig se in (Art. 36 BV). Dem schweize - rischen Staat erwächst aus diesen verfassungsrechtlichen Normen eine Schutzverpflichtung, die zum heutigen Zeitpunkt erheblicher ins Gewicht fällt als das Interesse an der uneingeschränkten Wahrung der Passhoheit des irakischen Staates, von welcher dieser nun mehr seit mehreren Jahren keinen adäquaten Gebrauch macht be ziehungsweise zu machen vermag. Die irakische Botschaft sicherte dem BFM zwar ‒ nachdem es bereits zu - vor seit geraumer Zeit auf breiter Ba sis zu organisatori schen Verzöge- rungen gekommen war (vgl. E. 5.3.2) ‒ im Jahr 2012 zu, ab Mai 2012 in Bern Pässe ausstellen zu können. Dies geschah in der Folge aber nicht, und gemäss neuesten Informationen hat das irakische Innenministerium zwischenzeitlich beschlossen, di e irakische Vertretung in Bern nicht mit einer Biometriestation auszurüsten. Mit Bezug auf die Möglichkeit, in 2014/23 Reisedokumente für ausländische Personen 338 BVGE / ATAF / DTAF der Schweiz einen Pass ausgestellt zu er halten, kann demnach von einer sachlich begründeten Verzögerung, die von den Betroffenen gemäss Art. 10 Abs. 2 RDV hinzunehmen wäre (so noch die Annahme in Urteil C‒4704/2009 E. 5.2), keine Rede mehr sein. Es steht dem Irak indes frei, die Modalitäten der Passausstellung selbst ständig zu bestimmen. Es kann durchaus eine sachlich begründete organisatorische Entscheidung eines Staates sein, nicht jede Auslandsver tretung mit der zur Erstellung bio - metrischer Pässe notwendigen Infra struktur auszurüsten. Die irakischen Staatsangehörigen werden denn auch seit geraumer Zeit auf die Mög - lichkeit hingewiesen, Päss e in Paris zu beschaffen. Das Problem besteht aber darin, dass die irakische Botschaft ihren Staatsangehörigen bis anhin nicht ermöglicht, auf legale Weise nach Paris zu reisen, was letztlich da - zu führte, dass irakische Staatsangehörige, welche die Reise nach Paris zwecks Passbeschaffung trotzdem antraten, an der französischen Grenze verhaftet wurden. Die irakische Botschaft hat nun gemäss Informationen des BFM angekündigt, auf diplomatischer Ebene abzuklären, wie die Einreise zur Passbe schaffung in Par is erfolgen könne. Zu welchem Zeit - punkt und mit welchem Ergebnis diese Abklärungen enden werden, bleibt indes unklar. Aufgrund bisheriger Erfahrungen kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich die heutige Situation in absehbarer Zeit ändern wird (in d iesem Sinne noch die Annahme in Urteil C‒4704/2009 E. 5.2). 5.6 Demzufolge verbleibt ‒ nachdem die irakische Botschaft auch über keine technischen Mittel verfügt, um Pässe via Bagdad auszustellen (…) ‒ heute und auf unbestimmte Zeit hin einzig die Möglichkeit , dass die irakische Botschaft dem Beschwerdeführer ein Laissez -passer für die Reise in den Irak ausstellt, wo er sich selber einen Pass beschaffen müss - te. Die Botschaft hat dem BFM gegenüber im Februar 2014 bestätigt, dass Laissez-passer für die Reise in den Irak zur Passbeschaffung aus ge- stellt werden könnten (vgl. E. 5.3.8). Indes teilte dieselbe Botschaft ei - nem anderen irakischen Staatsangehörigen im Mai 2014 mit (…), dass er im Besitze einer Aufenthaltsbewilligung der Kategorie B sein « sollte », damit ihm ein Laissez -passer ausgestellt werden könne. Das Bundesver - waltungsgericht hat daher erhebliche Zweifel daran, ob die irakische Bot - schaft dem vorläufig in der Schweiz aufgenommenen Be schwerdeführer tatsächlich eine Reise nach Bagdad ermöglichen würde. 5.7 Selbst wenn davon ausgegangen würde, dass die irakische Bot - schaft vorläufig in der Schweiz aufgenommenen irakischen Staatsange - hörigen die Reise nach Bagdad zwecks Passbeschaffung ermöglichte, ist Reisedokumente für ausländische Personen 2014/23 BVGE / ATAF / DTAF 339 zu berücksichtigen, dass das BFM dieses V orgehen a ls « kompliziert » einstuft. Das BFM müsste vorgängig ein Rückreisevisum erfassen und an die Schweizerische Vertretung in Amman übermitteln, weil die Schweiz keine Auslandsvertretung im Irak hat. Der Beschwerdeführer müsste (wenn er ein Laissez -passer erhielte), um sich einen Pass zu beschaffen, nicht nur nach Bagdad reisen, sondern anschliessend auch nach Jor - danien gelangen, um dort sein Rückreisevisum zu erhalten. Ein solches Prozedere erscheint nicht nur als kompliziert, sondern auch als auf wän- dig und mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. So erscheint es fraglich, ob der Beschwerdeführer auf legale Weise und ohne erhebliche Probleme von Irak nach Jordanien reisen könnte. Aus den vom BFM dem Bundes - verwaltungsgericht im Januar 2014 zwecks Beleg der M öglichkeit der Passbeschaffung im Irak zugestellten Unterlagen geht einzig hervor, dass es offenbar einer irakischen Staatsangehörigen im Jahr 2012 gelungen ist, mit einem Laissez-passer in den Irak zu gelangen, einen Pass zu be schaf- fen und via Türkei in die Schweiz zurückzureisen. Bezüglich der Variante einer Rückreise via Jordanien liegt kein solcher Beleg vor. Nicht hinweg - gesehen werden darf sodann darüber, dass das Eidgenössische Departe - ment für auswärtige Angelegenheiten (EDA) von Reisen in den Ira k ab- rät. Die Lage im Irak ist derzeit auch in der Hauptstadt Bagdad äusserst unübersichtlich. Das Risiko von Entführungen und Terroranschlägen ist hoch. Dies gilt nicht erst, seitdem im Juni 2014 in der Stadt Mosul schwere Kämpfe ausgebrochen sind und Anh änger der Extremisten grup- pe Islamischer Staat (IS) grosse Gebiete im Norden und Westen des Lan - des kontrollieren, wodurch auch die Sicherheitslage in den umliegenden Gebieten schwer beeinträchtigt wird (vgl. EDA, Reisehinweise Irak, pub - liziert am 13. Juni 2014, zu finden auf: < www.eda.admin.ch >). Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Jahr 2008 in einem Grundsatz ur- teil ausführlich mit der Sicherheitslage im Zentralirak auseinandergesetzt und bereits damals festgestellt, dass diese von einer weit ve rbreiteten Gewalt und signifikanter Instabilität gekennzeichnet ist. Weiterhin geht das Gericht davon aus, dass der irakische Sicherheits - und Justizapparat insgesamt nicht schutzfähig ist. Es gibt keine Anzeichen, dass sich die höchst prekäre Sicherheitsl age in naher Zukunft bessern wird (vgl. BVGE 2008/12 E. 6.4 f.; Urteile des BVGer E‒6060/2012 vom 4. April 2014 E. 7.2 und D‒5538/2012 vom 8. Mai 2013 E. 7.2, je m.H.). In der Praxis wird aus diesen Gründen der Wegweisungsvollzug in den Zen - tralirak regelm ässig als unzumutbar eingestuft (vgl. BVGE 2013/1 E. 6.3.3.1; Urteile des BVGer E‒8422/2008 vom 8. Januar 2013 E. 6.3.3 sowie E‒4190/2006 vom 27. April 2009 E. 5). Nach dem Gesagten er -2014/23 Reisedokumente für ausländische Personen 340 BVGE / ATAF / DTAF scheint die (allfällige) Möglichkeit einer Reise nach Bagdad als zu auf - wändig, mit zu vielen Unsicherheiten behaftet und zu gefährlich, um als realistische und zumutbare Möglichkeit der Passbeschaffung einge stuft werden zu können. Sie fällt daher zum jetzigen Zeitpunkt grund sätzlich ausser Betracht. 5.8 Im Falle des Beschwerde führers ist ergänzend darauf hinzu - weisen, dass er mittlerweile 58 -jährig ist und eine solche (grundsätzlich unzumutbare) Reise einzig zwecks Erlangens eines Reisedokuments unternehmen müsste; ein Unternehmen, wofür er in den letzten Jahren bereits erhebli chen Aufwand betrieben hat. Der Beschwerdeführer hat sodann, gemäss eigenen bis anhin noch nicht geprüften Angaben, seine in Europa lebenden Familienangehörigen und Freunde seit über zwei Jahr - zehnten nicht mehr gesehen. Zu berücksichtigen ist auch, dass e r, selbst wenn er allenfalls letztlich doch ein irakisches Reisedokument er hältlich machen könnte, den Restriktionen von Art. 9 Abs. 4 f. RDV unterworfen bliebe und somit (abgesehen von besonderen Fällen gemäss Art. 9 Abs. 1 RDV) während höchstens 30 Tagen pro Jahr reisen könnte. 5.9 Wie bereits erörtert steht dem Heimatstaat bei der Ausübung sei- ner völkerrechtlich verankerten Passhoheit ein erheblicher Gestaltungs - spielraum zu. Besteht eine realistische und zumutbare Möglichkeit, in - nert absehbarer Zeit einen Pass erhältlich machen zu können , hat die Schweiz die Passhoheit des ausländischen Staates zu respektieren, selbst wenn dies für die betroffenen Personen zu erheblichem Aufwand führt. Ebenso haben es ausländische Staatsangehörige hinzunehmen, wenn di e Ausstellung von Pässen durch die zuständigen heimatlichen Behörden sachlich begründete Verzögerungen erfährt ‒ dies gilt praxisgemäss auch, wenn es sich um längere Verzögerungen handelt (vgl. Art. 10 Abs. 2 RDV sowie E. 5.3.3). Die Sachlage verhält sich hier jedoch anders. Es handelt sich um eine mittlerweile ausserordentlich lange Verzögerung , deren Ende nicht absehbar ist. Für den Beschwerdeführer ‒ wie auch für andere in der Schweiz vorläufig aufgenommene irakische Staatsange hö- rige ‒ besteht derzeit keine Möglichkeit, auf legale Weise nach Paris zu gelangen, um dort einen Pass erhältlich zu machen; ob und wann sich dies ändern wird, kann nicht prognostiziert werden. Sodann ist es derzeit nicht zumutbar, von in der Schweiz vorläufig aufgenommenen iraki schen Staatsangehörigen zu verlangen, zum Zweck der Beschaffung eines Passes die aufwändige, mit diversen Uns icherheiten behaftete und ge - fährliche Reise in den Irak zu unternehmen (vgl. E. 5.7 und in diesem Zusammenhang auch das Urteil des BVGer C‒4376/20 11 vom 15. April Reisedokumente für ausländische Personen 2014/23 BVGE / ATAF / DTAF 341 2013 E. 8.3 betreffend die Beschaffung von syrischen Reisepapieren). Deshalb ist die Beschaffung von irakischen Reisedokumenten für vor - läufig in der Schweiz aufgenommene irakische Staatsangehörige zum heutigen Zeitpunkt als unmöglich im S inne von Art. 10 Abs. 1 Bst. b RDV einzustufen. Der Beschwerdeführer ist daher als schriftenlos an zu- sehen. 6. 6.1 Gemäss Art. 4 Abs. 4 RDV kann das BFM einer schriftenlosen vorläufig aufgenommenen Person einen Pass für eine ausländische Per - son abgeben, wenn e s eine Rückreise in die Schweiz nach Art. 9 RDV bewilligt. V oraussetzung für die Passabgabe ist somit nicht nur die Schriftenlosigkeit, welche bejaht wurde, sondern auch, dass ein Reise - grund gemäss Art. 9 RDV vorliegt. Diesbezüglich ‒ wie auch betreffend allfällige Verweigerungsgründe (Art. 19 RDV) ‒ erweist sich der Sach - verhalt jedoch als noch nicht geklärt, sodass kein reformatorischer Ent - scheid erfolgen kann. Das Verfahren ist daher zwecks Ergänzung des Sachverhalts und Neubeurteilung an die V orinstan z zurückzuweisen (Art. 61 Abs. 1 VwVG). 6.2 Im Rahmen der vorzunehmenden Neubeurteilung hat das BFM bei der Anwendung des Art. 9 RDV dem Anspruch des Beschwerde - führers auf Achtung seines Rechts auf Privat - und Familienleben (Art. 13 Abs. 1 BV; Art. 8 EMRK) Rechnung zu tragen (vgl. E. 5.5). Zu prüfen hat das BFM sodann ‒ neben dem V orliegen anderer Reisegründe ‒ namentlich auch, ob die Ermöglichung einer Reise nach Paris zwecks Passbeschaffung als Reisegrund gemäss Art. 9 Abs. 1 Bst. b RDV zu qualifizieren ist (Erledigung von wichtigen und unaufschiebbaren höchst- persönlichen Angelegenheiten; vgl. Urteile des BVGer C‒987/2012 vom 19. September 2013 E. 1.3.2 sowie C‒1573/2007 vom 11. September 2007 E. 3.2, je m.H.) respektive, ob es sich um einen Anwendungsfall von Art. 9 Abs. 4 Bst. a (humanitäre Gründe) oder Bst. b RDV (andere Gründe) handelt. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auch darauf, dass ein Pass für eine vorläufig aufgenommene ausländische Person nur während zehn Monaten gültig ist (vgl. Art. 13 Abs. 1 Bst. c RDV), die Dauer der Reise im Pass notiert wird und dass auch der Reisegrund sowie das Reiseziel im Pass vermerkt werden können (vgl. Art. 4 Abs. 5 RDV).