Interpellation Braunschweig 2254 N 15 décembre 1989 Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 15. November 1989 Rapport écrit du Conseil fédéral du 15 novembre 1989 Die Information über die Stellung der Schweiz in Europa ge- hört zu den vorrangigen Aufgaben unserer diplomatischen Vertretungen in Europa. Diese Arbeit zielt darauf ab, unsere Position und unsere spezifischen Gegebenheiten bei allen in- teressierten europäischen Kreisen, und insbesondere bei den politischen Verantwortlichen und den Medien, bekanntzuma- chen. Die unseren Botschaften zur Verfügung stehenden Mittel und die Sachkenntnis unserer Beamten werden den gegenwärti- gen Anforderungen gerecht und erlauben unserem Aussen- dienst die Wahrnehmung seines Informationsauftrages unter besten Bedingungen. Das bestehende, gut funktionierende Dispositiv bezweckt, die Informationsfähigkeit unserer diplomatischen Vertretungen auf einem hohen Niveau zu halten. Hier ist die Organisation von Seminaren zur Verbesserung der Information unserer im Ausland tätigen Diplomaten zu erwähnen sowie die jährliche Botschafterkonferenz, die ein privilegiertes Informations- und Konzertationsforum darstellt. Hinzu kommt die systematische, ständige Informations- und Dokumentationsarbeit zuhanden unserer Botschaften durch das Integrationsbüro des gemein- samen Dienstes des Departementes für auswärtige Angele- genheiten und des Volkswirtschaftsdepartementes. Diese Tätigkeit stützt sich auf eine sorgfältig aufbereitete und umfangreiche Dokumentation. Das wichtigste Dokument ist der Bericht des Bundesrates vom 24. August 1988 über die Stellung der Schweiz im europäischen Integrationsprozess. Indessen hat die in den letzten Monaten eingetretene Be- schleunigung des Integrationsprozesses bei unseren Bot- schaften einen erhöhten Bedarf an ständig aktualisierten Infor- mationen zur Folge. Deshalb sind noch vermehrte Anstren- gungen in dieser Richtung erforderlich. Aus diesem Grund hat das Integrationsbüro in den letzten Monaten den Informati- onsfluss an unsere diplomatischen Vertretungen in Europa verstärkt. So werden diese über die Entwicklungen unserer neuen Europapolitik auf dem laufenden gehalten und sind in der Lage, unsere Haltung in ihren jeweiligen Ländern zu erklä- ren. Ausserdem sind die Besuche von Bundesräten in den eu- ropäischen Hauptstädten häufiger geworden. Für die Depar- tementschefs bieten sie damit Gelegenheiten, in ihren Kompe- tenzbereichen die Stellung der Schweiz im Integrationspro- zess darzulegen. Darüber hinaus bilden sie ein wertvolles Mit- tel, um den Informationsstand unserer diplomatischen Vertre- tungen zu ergänzen. Die für nächstes Jahr vorgesehene Ausarbeitung eines zwei- ten Berichts über die Stellung der Schweiz im europäischen Integrationsprozess, den der Bundesrat in seiner Erklärung vom 18. September angekündigt hat, ist ebenfalls eine Ant- wort auf das Bedürfnis, unsere Informationstätigkeit nach aus- sen zu verstärken. Le président: L'interpellateur n'est que partiellement satisfait de la réponse du Conseil fédéral. #ST# 89.602 Interpellation Braunschweig Atomwaffenvorbehalt im humanitären Völkerrecht Droit humanitaire. Réserve sur les armes nucléaires Wortlaut der Interpellation vom 20. September 1989 Das in bewaffneten Konflikten anwendbare humanitäre Völker- recht (Genfer Abkommen von 1949) ist mit den Zusatzproto- kollen vom 8. Juni 1977 neu bestätigt und weiterentwickelt worden. Darin sind die wichtigsten völkerrechtlichen Bestim- mungen zum Schütze der Kriegsopfer festgelegt. Die beiden Zusatzprotokolle von 1977 unterscheiden zwar nicht zwischen «konventionellen» Waffen und Atomwaffen bzw. anderen Mas- senvernichtungsmitteln. Dennoch hat der Oberste Sowjet of- fenbar die Zusatzprotokolle unter einem stillschweigenden Atomwaffenvorbehalt ratifiziert, und die Regierung der BRD beabsichtigt, eine Ratifikation mit einer ausdrücklichen Zu- satzerklärung zu vollziehen, gemäss der die Atomwaffen aus- geschlossen blieben. 1. Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, dass mindestens folgende Artikel des Protokolls l über den Schutz der Opfer in- ternationaler bewaffneter Konflikte nicht willkürlich auf die Kriegführung mit konventionellen Waffen eingeschränkt wer- den dürfen: a. das Verbot, «unterschiedslose Angriffe» zu führen (Art. 51 Abs. 4); b. das Verbot, Repressalien zu ergreifen, die sich gegen Um- welt und Zivilbevölkerung richten (Art. 51 Abs. 6, Art. 55 Abs. 2); c. das Verbot, der natürlichen Umwelt gezielt oder als Kollate- ralwirkung «ausgedehnte, langanhaltende und schwere Schä- den» beizubringen (Art. 35 Abs. 3, Art. 55 Abs. 2). 2. Wird der Bundesrat die Hinterlegung von Ratifikationsur- kunden der beiden Zusatzprotokolle von 1977 in der Schweiz ablehnen und an die anderen Hohen Vertragsparteien gelan- gen, wenn der entsprechende Staat stillschweigend oder ex- plizit die Anwendbarkeit auf Atomwaffen ausschliesst? 3. Wie beurteilt der Bundesrat, auch im Hinblick auf die Vierte Ueberprüfungskonferenz des Atomsperrvertrages (NPT) im Jahre 1990, die Absicht der Bonner Regierung, eine Ratifika- tion der Genfer Protokolle mit einer Zusatzerklärung zu vollzie- hen, gemäss der die Atomwaffen ausgeschlossen bleiben? 4. Wie wird Artikel 36 des Zusatzprotokolls l verifiziert, der jede Vertragspartei «verpflichtet, bei der Prüfung, Entwicklung, Be- schaffung oder Einführung neuer Waffen oder neuer Mittel oder Methoden der Kriegführung festzustellen, ob ihre Ver- wendung stets oder unter bestimmten Umständen durch die- ses Protokoll oder eine andere auf die Hohe Vertragspartei an- wendbare Regel des Völkerrechts verboten wäre»? Ueber wel- che Instrumente der Technologiefolgeabschätzung und -be- wertung verfügt die Schweiz, um im In- und Ausland die Ver- einbarkeit der Atom-, Weltraum-, Gentechnologie- und ande- ren Rüstungsentwicklung auf ihre Vereinbarkeit mit Artikel 36 des Protokolls l zu überprüfen? Ist der Bundesrat bereit, die besondere Stellung der Schweiz als Depositarstaat der Ratifikationsurkunden der Genfer Proto- kolle zu nutzen, um allfällige Unvereinbarkeiten mit Artikel 36 des Protokolls l öffentlich anzuprangern? 5.1957 unterbreitete das IKRK der XIX. Internationalen Rot- kreuzkonferenz in Neu Dehli noch einen «Entwurf von Regeln zur Begrenzung der Gefahren für die Zivilbevölkerung in Kriegszeiten», der zu einem Verbot der Atomwaffen geführt hätte. In den Erläuterungen zum Entwurf für die Zusatzproto- kolle zu den Genfer Abkommen hielt das IKRK jedoch fest, es habe nicht mehr die Absicht, die Probleme im Zusammen- hang mit den atomaren, biologischen und chemischen Waffen aufzugreifen. Die USA schlössen die Atomwaffen offiziell von den Verhandlungen der Diplomatischen Konferenz aus. Hat sich das IKRK den USA und weiteren Nato-Staaten in der Frage der Atomwaffen und anderer Massenvernichtungsmittel sukzessive beugen müssen? Sollte der Bundesrat nicht zu- letzt im Interesse des Schutzes der eigenen Zivilbevölkerung (vgl. Studie «Weiterleben») wieder auf die ursprüngliche Allge- meinheit des humanitären Völkerrechtes dringen? Texte afe l'interpellation du 20 septembre 1989 Le droit humanitaire applicable aux conflits armés instauré par la Convention de Genève de 1949 .a été réaffirmé et développé au moyen des protocoles additionnels du 8 juin 1977. Ces ins- truments contiennent les dispositions les plus importantes en matière de droit international public pour protéger les victimes de conflits armés. Si les deux protocoles additionnels ne font pas de distinction entre les armes dites conventionnelles et les15. Dezember 1989 N 2255 Interpellation Braunschweig armes atomiques ou tout procédé de destruction massive, le Soviet Suprême n'en a pas moins ratifié ces documents en émettant apparemment une réserve tacite à propos des armes nucléaires, alors que le gouvernement de la RFA entend rati- fier les protocoles en faisant une déclaration additionnelle ex- presse selon laquelle les armes atomiques en seraient ex- clues. 1. Le Conseil fédéral n'estime-t-il pas qu'il faudrait au moins éviter que, de manière arbitraire, le Protocole I relatif à la pro- tection des victimes des conflits armés internationaux soit uni- quement applicable aux guerres menées avec des armes con- ventionnelles, dans le cas des articles suivants: a. l'article 51, 4e alinéa, qui interdit les «attaques sans discrimi- nation»; b. les articles 51, 6e alinéa, et 55,2e alinéa, qui interdisent les représailles dirigées contre la population civile et l'environne- ment naturel; c. les articles 35, 3e alinéa et 55, 2e alinéa, qui interdisent les attaques «qui sont conçues pour causer, ou dont on peut at- tendre qu'elles causeront, des dommages étendus, durables et graves à l'environnement naturel». 2. Le Conseil fédéral refusera-t-il qu'un Etat dépose en Suisse les instruments de ratification des protocoles additionnels de 1977 si cet Etat exclut de manière tacite ou expresse l'applica- tion de la Convention aux armes nucléaires? S'adressera-t-il dans ce cas aux autres Hautes Parties contrac- tantes? 3. Quel est l'avis du Conseil fédéral, notamment dans la pers- pective de la quatrième conférence de réexamen du traité de non-prolifération des armes nucléaires (TNP) qui aura lieu en 1990, sur l'intention du gouvernement de Bonn de ratifier les protocoles de Genève en faisant une déclaration additionnelle afin que les armes atomiques en soient exclues? 4. Comment vérifie-t-on si l'article 36 du Protocole I est res- pecté, lequel prévoit que «dans l'étude, la mise au point, l'ac- quisition ou l'adoption d'une nouvelle arme, de nouveaux moyens ou d'une nouvelle méthode de guerre, une Haute Par- tie contractante a l'obligation de déterminer si l'emploi en se- rait interdit, dans certaines circonstances ou en toutes circons- tances, par les dispositions du présent Protocole ou par toute autre règle du droit international applicable à cette Haute Par- tie contractante»? De quels instruments d'estimation et d'éva- luation des retombées de la technologie la Suisse dispose- t-elle afin de vérifier dans notre pays et à l'étranger si l'évolu- tion de la technique nucléaire, spatiale ou génétique ainsi que d'autres armes est conforme à l'article 36 du Protocole I? Le Conseil fédéral est-il disposé à utiliser le statut particulier de la Suisse en tant que dépositaire des instruments de ratification des Protocoles de Genève pour dénoncer publiquement, le cas échéant, les violations de ('articles 36 du Protocole I? 5. En 1957, le CICR avait présenté, à l'occasion de laXIXème Conférence internationale de la Croix Rouge à New Delhi, un «projet de règles limitant les dangers courus par la population civile en temps de guerre», qui visait à une interdiction des ar- mes nucléaires. Dans son commentaire du projet concernant les protocoles additionnels aux Conventions de Genève, le CICR a toutefois déclaré qu'il n'avait plus l'intention d'aborder le problème sous l'angle des armes atomiques, biologiques et chimiques. Les Etats-Unis avaient officiellement exclu les ar- mes atomiques des négociations qui se déroulaient dans le cadre de la conférence diplomatique. Le CICR a-t-il dû se ran- ger successivement à l'avis des Etats-Unis et d'autres Etats membres de l'OTAN en ce qui concerne les armes nucléaires et d'autres moyens de destruction massive? Le Conseil fédéral ne devrait-il pas insister à nouveau sur le caractère uni- versel que le droit humanitaire avait initialement, ne serait-ce qu'afin d'assurer la protection de la population civile suisse (cf. «Rapport concernant la survie à long terme», sur le point de paraître en français)? Mitunterzeichner-Cosignataires: Aguet, Ammann, Bär, Bäum- lin Richard, Bäumlin Ursula, Bodenmann, Bundi, Carobbio, Danuser, Eggenberg-Thun, Euler, Fankhauser, Fetz, Herczog, Hubacher, Jeanprêtre, Lanz, Ledergerber, Leuenberger-Solo- thurn, Longet, Maeder, Matthey, Meier-Glattfelden, Morf, Neu- komm, Ott, Pitteloud, Rechsteiner, Reimann Fritz, Ruffy, Stap- pung, Stocker, Uchtenhagen, Ulrich, Weder-Basel, Züger (36) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 22. November 1989 Rapport écrit du Conseil fédéral du 22 novembre 1989 Die Sowjetunion hat die Zusatzprotokolle l und II von 1977 zu den Genfer Abkommen von 1949 am 29. September 1989 rati- fiziert. Diese Ratifikation, die am 29. März 1990 wirksam wird, ist von keinerlei Vorbehalt begleitet. Die UdSSR hat zudem die fakultative Erklärung abgegeben, die Zuständigkeit der inter- nationalen Ermittlungskommission anzuerkennen, die beauf- tragt ist, jede Tatsache zu untersuchen, von der behauptet wird, dass sie eine schwere Verletzung der Abkommen oder des Protokolls l darstellt (Prot. l Art. 90). Die UdSSR hat zusammen mit ihrer Ratifikationsurkunde beim Bundesrat eine Erklärung politischen Charakters hinterlegt, in der sie die Bedeutung dieser Entscheidung für das humani- täre Völkerrecht unterstreicht. Diese Erklärung erwähnt den Gebrauch nuklearer Waffen nicht. Sie präzisiert, dass die Rati- fikation «ohne irgendwelche Vorbehalte» erfolge. Damit können nun die verschiedenen Fragen, die der Interpel- lant aufgeworfen hat, wie folgt beantwortet werden : 1. Gemäss einer allgemein anerkannten Interpretation, die von der Analyse der Vorbereitungsarbeiten bestätigt wird, die zur Verabschiedung der Protokolle l und II geführt haben, prä- judizieren diese den Gebrauch der Nuklearwaffe nicht. Die Protokolle sprechen sich mit anderen Worten nicht darüber aus, ob der Gebrauch der Nuklearwaffe zulässig sei. Dieser bleibt jedoch den allgemeinen Völkervertrags- und völkerge- wohnheitsrechtlichen Regeln unterworfen, die für alle Kampf- mittel und -methoden Geltung haben. 2. Die Aufgabe des Depositars besteht gemäss internationa- ler, im Wiener Uebereinkommen von 1969 über das Recht der Verträge kodifizierter Praxis darin, die Vertragsparteien über Handlungen, Notifikationen und Mitteilungen im Zusammen- hang mit dem Vertrag zu informieren. Der Depositar muss in der Ausübung seiner Funktion unparteilich handeln. Der Bun- desrat würde deshalb seinen Pflichten nicht genügen, wenn er sich weigerte, die Ratifikationen und Beitritte von Staaten ent- gegenzunehmen, die die Nuklearwaffe von den Schutzbestim- mungen der Protokolle ausschliessen. Er ist verpflichtet, die Vorbehalte und interpretativen Erklärungen, die ihm notifiziert werden, zu registrieren und den anderen Vertragsstaaten mit- zuteilen. So hat er in der Vergangenheit von einigen Regierun- gen abgegebene Erklärungen mitgeteilt, wonach die Regeln des Zusatzprotokolls l nur auf konventionelle Waffen anwend- bar sind und wonach sie die völkerrechtlichen Regeln bezüg- lich des Gebrauchs anderer Waffentypen nicht präjudizieren. 3., Das Problem der Vorbehalte, die von Vertragsparteien der Protokolle bezüglich des Gebrauchs der Nuklearwaffe ange- bracht worden sind, liegt nicht im Aufgabenbereich der Vierten Ueberprüfungskonferenz des Vertrags über die Nichtverbrei- tung von Kernwaffen (Atomsperrvertrag), die im nächsten Jahr stattfinden wird. Der Depositarstaat ist zur Zurückhaltung verpflichtet und wird öffentliche Aeusserungen über die interpretativen Erklärun- gen vermeiden, die Beitritte oder Ratifikationen begleiten kön- nen. Allerdings wäre es für den Bundesrat Anlass zur Genug- tuung, die Bundesrepublik Deutschland als Vertragspartei der beiden Zusatzprotokolle zu sehen. Diese Ratifikation wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu ihrer weltweiten Geltung. 4. Der Bundesrat ist sich der Einschränkungen aufgrund von Artikel 36 des Zusatzprotokolls l bewusst. Uebrigens ist diese Bestimmung von der Diplomatischen Konferenz über die Neu- bestätigung und Weiterentwicklung des in bewaffneten Kon- flikten anwendbaren humanitären Völkerrechts (1974-1977) namentlich auf schweizerische Initiative hin angenommen worden. Die Schweiz besitzt oder benützt keine Waffen, die im Wider- spruch zum geltenden Völkerrecht stehen. So hat sie die dreiInterpellation Morf 2256 N 15 décembre 1989 zum «Uebereinkommen über das Verbot oder die Beschrän- kung des Einsatzes bestimmter konventioneller Waffen, die übermässige Leiden verursachen oder unterschiedslos wir- ken können» von 1980 gehörigen Protokolle ratifiziert, die nichtentdeckbare Splitter, Minen, Sprengfallen und andere Vorrichtungen sowie Brandwaffen betreffen. Es ist nicht möglich, mit Blick auf das Protokoll l im Ausland sy- stematisch die möglichen militärischen Auswirkungen der technischen, Raumfahrts- oder genetischen Entwicklung zu untersuchen. Im Bewusstsein der Anforderungen des humani- tären Rechts hat die schweizerische Delegation zusammen mit der schwedischen an der 25. Internationalen Rotkreuz- konferenz (Genf 1986) einen Resolutionsentwurf vorgelegt, der mit Konsens angenommen worden ist und die Sorge ver- schiedener Regierungen angesichts der Entwicklung neuer Waffentechnologien ausdrückt. Deren Benützung könnte un- ter gewissen Umständen aufgrund des geltenden Rechts ver- boten werden. Die Konferenz beauftragte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, die Sache weiterzuverfolgen. Das IKRK hat nun im letzten Juni ein Gespräch über den kriegs- mässigen Gebrauch der Laserwaffe gegen Personen veran- staltet, an dem zwanzig schweizerische und ausländische Ex- perten teilgenommen haben. Es hat sich dabei um die erste Etappe eines weitergehenden Denkprozesses gehandelt. 5. Es ist nicht Aufgabe des Bundesrates, die Meinung des IKRK - einer Institution, deren Unabhängigkeit er respektiert - über die Zulässigkeit des Gebrauchs von Massenvernich- tungswaffen im Licht des humanitären Rechts und der Zusatz- protokolle im besonderen zu kommentieren. Der Bundesrat setzt vor allem seine Bestrebungen zugunsten der universel- len Ratifikation der Protokolle l und II fort, denen bereits 92 bzw. 82 Vertragsparteien angehören. Le président: L'interpellateur n'est que partiellement satisfait de la réponse du Conseil fédéral. #ST# 89.632 Interpellation Morf Unesco Wortlaut der Interpellation vom 2. Oktober 1989 Ende 1985 haben sich die USA, Grossbritannien und Singa- pur aus der Unesco zurückgezogen. Inzwischen hat sich die Situation innerhalb der Unesco dank fundamentalen admini- strativen und programmpolitischen Reformen so weit geän- dert, dass es diesen ehemaligen Mitgliedsländern möglich sein sollte, der für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Umwelt- politik so wichtigen Weltorganisation wieder beizutreten. Im Europarat betonte der neue Generalsekretär Mayor im letzten Herbst auf meine im Namen der Wissenschafts- und Techno- logie-Kommission gestellte Frage nach den Folgen des Aus- tritts, dass diese nicht nur für die Unesco negativ waren, son- dern ganz offenbar auch für die ausgetretenen Länder. Welche Möglichkeiten hat der Bundesrat, direkt oder in inter- nationalen Organisationen darauf hinzuwirken, dass die Re- gierungen der drei ausgetretenen Staaten angesichts der neuen, positiven Entwicklung in der Unesco einen Wiederein- tritt ins Auge fassen, der bildungs-, Wissenschafts- und kultur- politisch, vor allem aber auch im Hinblick auf gemeinsame Lö- sungen der weltweiten Umweltprobleme, für alle Seiten von grossem Gewinn wäre? Texte de l'interpellation du 2 octobre 1989 A la fin de 1985, le Royaume-Uni, la Grande-Bretagne et Singa- pour se sont retirés de l'UNESCO. Entre-temps, la situation in- terne de l'UNESCO s'est modifiée, grâce à des réformes fon- damentales touchant aussi bien à l'administration qu'à son programme politique. Dès lors, il semblerait possible que an- ciens membres retournent au sein de cette organisation mon- diale, si importante pour l'éducation, la science, la culture et la politique de l'environnement. Cet automne, au Conseil de l'Europe, le nouveau secrétaire général Mayor a répondu à ma question concernant les conséquences du retrait, question que j'avais posée au nom de la Commission pour la science et la technologie. Il a précisé que ces conséquences avaient été néfastes non seulement pour l'UNESCO, mais, de façon évi- dente, aussi pour les pays qui s'en sont retirés. Quelles possibilités le Conseil fédéral a-t-il d'agir, directement ou au sein d'organisations internationales, en sorte que les gouvernements des trois pays s'étant retirés reprennent en considération une nouvelle accession au vu du développe- ment positif au sein de l'UNESCO, accession qui, sous l'angle de la politique éducative, scientifique et culturelle, mais sur- tout eu égard à des solutions communes aux problèmes de l'environnement dans le monde entier, serait un grand bénéfice pour toutes les parties? Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Ammann, Bäumlin Ursula, Béguelin, Bodenmann, Braunschweig, Bundi, Carob- bio, Danuser, Eggenberg-Thun, Euler, Jeanprêtre, Lanz, Le- dergerber, Longet, Matthey, Ott, Rechsteiner, Reimann Fritz, Ruffy, Stappung, Ulrich, Züger (23) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Urheberin verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 15. November 1989 Rapport écrit du Conseil fédéral du 15 novembre 1989 1. Die Schweiz verfolgt aufmerksam die Entwicklung der Be- ziehungen zwischen der Unesco und den Staaten, die sich aus der Organisation zurückgezogen haben - Singapur und USA Ende 1984, Grossbritannien 1985. 2. Zunächst ist festzustellen, dass Singapur seinen Austritt mit internen Budgetgründen und mit den fehlenden Verfügbarkeit seines diplomatischen oder akademischen Personals ge- rechtfertigt hat. Ihrerseits haben die USA und Grossbritannien Mängel in der Funktionsweise der Unesco-Organe, gewisse eingeschlagene Politiken und ganz allgemein die Politisie- rung der Debatten zur Begründung ihres Austrittes herange- zogen. Demzufolge muss man unterscheiden zwischen dem Rückzug Singapurs, aufweichen die Entwicklung der Unesco offenbar keinen Einfluss hat, und dem Entscheid Washingtons und Londons, der es offenlässt, einen möglichen Wiederein- tritt von einem Reformprozess innerhalb der Unesco abhängig zu machen. 3. Mehrmals hat sich die Schweiz entschieden für Reformen innerhalb der Unesco ausgesprochen und seit 1982 in diesem Sinne gewirkt - also bereits vor dem Rücktritt der USA und Grossbritanniens. Dies ist auch heute noch ihr Handlungs- grundsatz, namentlich im Exekutivrat, wo sie durch Franz Mu- heim, Advokat und ehemaligen Ständerat, vertreten ist. 4. Die Schweiz setzt sich ebenfalls für die Rückkehr zur Univer- salität der Unesco ein, das heisst für den Wiedereintritt in die Unesco derjenigen Staaten, die ausgetreten sind. So ist sie Mitinitiantin der Resolution 24C/28 gewesen, welche den Ge- neraldirektor der Unesco damit beauftragt, die geeigneten Massnahmen zu treffen, um den Wiedereintritt bzw. den Beitritt der Nicht-Mitgliedstaaten sicherzustellen. Herr Muheim hat während seiner Ausführungen vor dem Exekutivrat der Unes- co dieses Interesse der Schweiz regelmässig bekundet, na- mentlich im Oktober 1988 und im Mai 1989. Im übrigen finden regelmässige Konsultationen zwischen Diplomaten der Schweiz und hochrangigen Vertretern der Regierungen der USA und Grossbritanniens in Bern, Washington, London und Paris statt. Gegenstand dieser Kontakte sind die laufende Ent- wicklung in der Unesco und deren Beurteilung durch die Nicht-Mitgliedstaaten, welche beiden eine Beobachtermis- sion bei der Unesco akkreditiert haben. 5. Auch wenn die Schweiz die Bemühungen des Generaldi- rektors unterstützt, die politischen, wissenschaftlichen undSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Braunschweig Atomwaffenvorbehalt im humanitären Völkerrecht Interpellation Braunschweig Droit humanitaire. Réserve sur les armes nucléaires In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1989 Année Anno Band V Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 89.602 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 15.12.1989 - 08:00 Date Data Seite 2254-2256 Page Pagina Ref. No 20 018 126 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.