<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2024-02-29-5A_654-2023.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5A_654/2023</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 29. Februar 2024</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>II. zivilrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Herrmann, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Hartmann, Bundesrichterin De Rossa, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Sieber. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B.________, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwältin Sina Kottmann, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Hochdorf, Baldeggstrasse 20, 6281 Hochdorf. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Vorsorgliche Massnahmen (Betreuung), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen die Verfügung des Kantonsgerichts Luzern, 2. Abteilung, vom 31. August 2023 (3H 23 54). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.a.</b> A.________ (Beschwerdeführer) und B.________ (Beschwerdegegnerin) sind die nicht miteinander verheirateten Eltern des Sohnes C.________. Sie leben sei April 2023 getrennt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.b.</b> Am 10. Mai 2023 eröffnete die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Hochdorf (KESB) ein Verfahren auf Prüfung von Kindesschutzmassnahmen für C.________. Mit Entscheid vom 25. Juli 2023 stellte sie den Sohn vorsorglich unter die alternierende Obhut beider Elternteile und regelte die jeweiligen Betreuungsanteile. Einer allfälligen Beschwerde gegen diesen Entscheid entzog die Behörde die aufschiebende Wirkung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Gegen diesen Entscheid erhob A.________ Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht Luzern. Da die Eltern die Betreuungsregelung unterschiedlich interpretierten und mit Blick auf sonstige Unstimmigkeiten gelangte die KESB im Laufe des Beschwerdeverfahrens mit dem Ersuchen an das Kantonsgericht, den angefochtenen Entscheid zu präzisieren und gewisse Punkte zu ergänzen. </div> <div class="para">Mit Verfügung vom 31. August 2023 (berichtigt am 6. September 2023) präzisierte das Kantonsgericht für die Dauer des Beschwerdeverfahrens die Betreuungsregelung, legte die Betreuungszeiten während den Herbst- und Winterferien 2023 fest, ermächtigte den Grossvater mütterlicherseits, das Kind abzuholen oder zu übergeben, und ordnete an, dass der Vater das Kind ausserhalb der Schulferien jeweils beim Kindergarten zu übergeben habe. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.a.</b> A.________ gelangt am 6. September 2023 mit Beschwerde ans Bundesgericht und beantragt, es sei anzuordnen, dass der Grossvater nicht berechtigt sei, das Kind an Stelle der Kindsmutter aus der Obhut des Vaters entgegenzunehmen, und dass die Übergabe des Kindes vorbehältlich abweichender Einvernahme jeweils vor der Haustüre des Kindsvaters zu erfolgen habe. Am 16. September 2023 ersucht A.________ ausserdem um unentgeltliche Rechtspflege. </div> <div class="para">Mit Eingaben vom 28. September 2023 sowie vom 3. und 5. Oktober 2023 beantragen die KESB, B.________ und das Kantonsgericht, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. In der Replik vom 18. Oktober 2023 und mit Eingabe vom 24. November 2023 (Poststempel) hat A.________ an seinen bisherigen Anträgen festgehalten. </div> <div class="para">Im Übrigen hat das Bundesgericht die Akten des kantonalen Verfahrens eingeholt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.b.</b> Am 23. Februar 2024 teilt das Bezirksgericht Willisau dem Bundesgericht mit, dass es C.________ mit Entscheid von demselben Datum superprovisorisch für die Dauer des zwischenzeitlich anhängig gemachten Verfahrens betreffend Kinderbelange und Kindesunterhalt in die Obhut der Mutter gegeben und das Besuchsrecht des Vaters geregelt hat. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Angefochten ist der Entscheid einer letzten kantonalen Instanz (<span class="artref">Art. 75 Abs. 1 BGG</span>), die für die Dauer des Beschwerdeverfahrens betreffend die Obhut über ein Kind Anordnungen zu dessen Betreuung getroffen hat. Damit liegt eine nach <span class="artref">Art. 72 Abs. 1 BGG</span> der Beschwerde in Zivilsachen unterliegende Angelegenheit ohne Streitwert vor (vgl. Urteil 5A_633/2022 vom 8. März 2023 E. 1.1). Unerheblich bleibt, dass das Kantonsgericht nicht auf Rechtsmittel hin, sondern als einzige kantonale Instanz entschieden hat (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=10.02.2024&amp;to_date=29.02.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-III-140%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page140">BGE 143 III 140</a> E. 1.2). Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um einen Zwischenentscheid, gegen den die Beschwerde nur unter den besonderen Voraussetzungen von <span class="artref">Art. 93 Abs. 1 BGG</span> zulässig ist (zum nicht wieder gutzumachenden Nachteil vgl. insbesondere <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=10.02.2024&amp;to_date=29.02.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-III-798%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page798">BGE 142 III 798</a> E. 2.2). Ob diese Anforderung vorliegend erfüllt ist, kann mit Blick auf den Ausgang des Verfahrens offen gelassen werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> In der angefochtenen Verfügung traf das Kantonsgericht vorsorgliche Massnahmen für die Dauer des kantonalen Beschwerdeverfahrens. Mit der Beschwerde gegen solche Entscheide kann nur die Verletzung verfassungsmässiger Rechte gerügt werden (<span class="artref">Art. 98 BGG</span>; vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=10.02.2024&amp;to_date=29.02.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-I-83%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page83">BGE 134 I 83</a> E. 3.2; Urteil 5A_983/2022 vom 17. Juli 2023 E. 2). Dabei gilt das strenge Rügeprinzip im Sinn von <span class="artref">Art. 106 Abs. 2 BGG</span>. Das bedeutet, dass das Bundesgericht nur klar und detailliert erhobene und soweit möglich belegte Rügen prüft, während es auf ungenügend begründete Rügen und appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid nicht eintritt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=10.02.2024&amp;to_date=29.02.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F149-III-81%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page81">BGE 149 III 81</a> E. 1.3; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=10.02.2024&amp;to_date=29.02.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-III-364%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page364">142 III 364</a> E. 2.4). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (<span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span>) vor. Zur Begründung gibt er an, das Kantonsgericht habe dem Antrag der KESB (vgl. vorne Bst. B) entsprochen "ohne [ihn] zuvor [...] rechtlich zu hören". Ausserdem führt er aus, die Beschwerde sei begründet, weil die angefochtene Verfügung den Anspruch auf rechtliches Gehör verletze. Damit scheint der Beschwerdeführer zwar der Ansicht zu sein, das Kantonsgericht habe ihn vor Verfügungserlass nur ungenügend angehört und dadurch den Gehörsanspruch verletzt (vgl. dazu <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=10.02.2024&amp;to_date=29.02.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-I-11%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page11">BGE 144 I 11</a> E. 5.3). Indes geht er weder auf den Gehalt des angerufenen verfassungsmässigen Rechts ein, noch legt er dar, inwiefern das Kantonsgericht dieses im Einzelnen verletzt haben soll. Er setzt sich denn auch in keiner Weise mit der sich aus der angefochtenen Verfügung ergebenden Ansicht der Vorinstanz auseinander, wonach die Parteien ihren Standpunkt mit e-Mail an die KESB hätten in das Verfahren einbringen können. </div> <div class="para">Nicht einzugehen ist auf das erstmals in der Vernehmlassung vom 19. Oktober 2023 erhobene Vorbringen, der Präsident des Kantonsgerichts und ein Mitarbeiter der KESB hätten vor Verfügungserlass ein Telefonat geführt. Abgesehen davon, dass der Beschwerdeführer damit ohne Begründung neue Sachverhaltselemente vorträgt (<span class="artref">Art. 99 Abs. 1 BGG</span>), muss die Begründung in der (fristgerecht eingereichten) Beschwerde enthalten sein und darf sie nicht im Rahmen einer gestützt auf das Replikrecht nach <span class="artref">Art. 6 Ziff. 1 EMRK</span> bzw. <span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span> eingereichten Vernehmlassung nachträglich ergänzt werden (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=3&amp;from_date=10.02.2024&amp;to_date=29.02.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-II-283%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page283">BGE 143 II 283</a> E. 1.2.3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.3.</b> Der Beschwerdeführer äussert sich sodann zur inhaltlich umstrittenen Betreuungsregelung, namentlich zur Ermächtigung des Grossvaters mütterlicherseits, den Sohn abzuholen und zu übergeben, sowie zum Ort der Übergabe (vgl. auch vorne Bst. B). Soweit er diese Ausführungen auf den Vorwurf der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör bezieht, gehen sie von vornherein an der Sache vorbei. Welches andere verfassungsmässige Recht durch den angefochtenen Entscheid ansonsten verletzt worden sein soll, legt er sodann nicht dar. </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Die Beschwerde erweist sich damit als ungenügend begründet und es ist nicht auf sie einzutreten. </div> <div class="para">Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>) und hat dieser die Beschwerdegegnerin zu entschädigen (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/68/2" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/68/1" type="start"></artref>Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG</span><artref id="CH/173.110/68/2" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/2" type="end"></artref>). Die verfahrensbeteiligten Gemeinwesen haben keinen Anspruch auf Entschädigung (<span class="artref">Art. 68 Abs. 3 BGG</span>). Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen, da die Beschwerde nach dem Ausgeführten als von vornherein als aussichtslos eingestuft werden muss (<span class="artref">Art. 64 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer hat die Beschwerdegegnerin für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 1'500.-- zu entschädigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien, der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Hochdorf, dem Kantonsgericht Luzern, 2. Abteilung und dem Bezirksgericht Willisau, Abteilung 2, mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 29. Februar 2024 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Herrmann </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Sieber </div> </div></body></html>