Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abt eilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. März 2021 (715 20 209 / 60) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Selbstverschuldete Arbeitslosigkeit; Die Beschwerde führerin konnte nicht rechtsgenüg- lich darlegen, dass ihr aus gesundheitlichen Gründe n ein Verbleib an der bisherigen Ar- beitsstelle zumindest bis zur Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle nicht zumutbar ge- wesen wäre. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber in Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1985 geborene A.____ war seit dem 31. August 2 019 bei der B.____ AG in unbe- fristeter Anstellung (Temporärarbeitsverhältnis) als Rei nigerin angestellt. Am 15. Januar 2020 (Eingang) kündigte A.____ das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungs- frist von 7 Tagen per 22. Januar 2020. In der Folge me ldete sich A.____ am 13. Februar 2020 bei ihrer Wohnsitzgemeinde zur Arbeitsvermittlung an un d stellte ab ebendiesem Datum Antrag Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf Arbeitslosenentschädigung bei der Öffentlichen Arbe itslosenkasse Baselland (Kasse). Mit Verfügung vom 3. April 2020 stellte die Kasse A.____ we gen selbstverschuldeter Arbeitslosig- keit für die Dauer von 24 Tagen ab 23. Januar 2020 in der Anspruchsberechtigung ein. Eine von der Versicherten gegen diese Verfügung erhobene Ein sprache wies das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) Baselland mit E ntscheid vom 14. Mai 2020 ab. Zur Be- gründung wurde im Wesentlichen angeführt, dass eine Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht rechtsgenüglich belegt sei. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versichert e mit Eingabe vom 19. Mai 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozi- alversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids. Als Begründung macht e sie im Wesentlichen geltend, dass ihr ein Verbleib am bisherigen Arbeitsplatz nicht m ehr zumutbar gewesen sei. Entgegen den Ausführungen im angefochtenen Einspracheentschei d habe sie über ein Arztzeugnis bis zum 10. Januar 2019 (recte: 2020) verfügt und sei auf grund ihrer Beschwerden am Rücken in Behandlung gestanden. C. In seiner Vernehmlassung vom 2. September 2020 schlo ss das KIGA auf Abweisung der Beschwerde. Die von der Beschwerdeführerin angeführten Arztzeugnisse seien berücksich- tigt worden. Indessen würden diese für die Zeit vom 10. Dezember 2019 bis 10. Januar 2020 lediglich eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigen, weshalb es sich nicht um rechtsgenügliche Arzt- zeugnisse handeln würde, die eine Unzumutbarkeit belege n würden. Der geltend gemachten Unzumutbarkeit des Arbeitsverhältnisses würden auch die v on der Beschwerdeführerin im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs gemachten Aussagen entgegenstehen. D. Im Rahmen einer weiteren Stellungnahme vom 15. S eptember 2020 brachte die Be- schwerdeführerin ergänzend vor, dass Nachrichten über den Nachrichtendienst WhatsApp das Mobbing seitens ihrer Chefin belegen würden. Sie sei sowohl in ihrer körperlichen wie auch psychischen Gesundheit beeinträchtigt gewesen. E. Mit Eingabe vom 19. November 2020 machte die Beschw erdegegnerin von der Mög- lichkeit zur fakultativen Stellungnahme Gebrauch. Mangels ihr zur Kenntnis gebrachter Auszüge des Nachrichtendienstes WhatsApp sowie weiterer Angaben hierzu sei ein Mobbing am Ar- beitsplatz nicht erstellt. Ferner seien die Angaben d er Beschwerdeführerin zum Kündigungs- grund uneinheitlich. Zusammenfassend sei ihr die Wei terführung ihres Arbeitsverhältnisses bis zu einer Anschlussstelle daher zumutbar gewesen. F. Am 28. November 2020 nahm die Beschwerdeführerin erneut unaufgefordert zur Sa- che Stellung und bekräftigte ihren Standpunkt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obl igatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. J uni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einsprach eentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versich erungsgericht erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obli gatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 da s Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Ver fügungserlasses die Kontrollpflicht er- füllt. Vorliegend kam die Beschwerdeführerin ihren Kon trollpflichten im Kanton Basel- Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Ka ntonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ge- richtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einsprac heentscheide der Versicherungs- träger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zu ständigkeit des Kantonsgerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 19. Mai 2020 ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitgegenstand des vorliegend en Verfahrens bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die Versicherte zu Recht wegen s elbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 24 Tagen in der Anspruchsberechtigun g eingestellt hat. Bei einem versicher- ten Verdienst in der Höhe von Fr. 510.-- (Kassen-act. 7 5) und einer Einstelldauer von 24 Tagen liegt der Streitwert in jedem Fall unter der erwähn ten Grenze von Fr. 20'000.--, weshalb die An- gelegenheit in die Kompetenz der präsidierenden Person der Abteilung Sozialversicherungs- recht fällt. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person a lles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. K ommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funkt ion einer Haftungsbegrenzung der Versi- cherung für Schäden, die die versicherte Person hätte v ermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältni smässigkeits- und Verschul- densprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schind- ler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizerisches Bunde sverwaltungsrecht, Soziale Sicher- heit, 3. Auflage, Basel 2016, Rz. 828 ff.). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Ein Selbstverschulden im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt dann vor, wen n und soweit der Eintritt oder das Andauern der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach den persönlichen Umständen und Verhältnissen vermeid baren Verhalten der versicherten Person liegt, für das die Versicherung die Haftung nich t übernimmt (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 3. Februar 2009, 8C_842/2008, E. 3.2, mit Hinweis). Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhäl tnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach A rt. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzul egen ist. Die Zumutbarkeit zum Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/ bb mit Hinweisen; THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Umstände vorlieg en, darf einer versicherten Person zugemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (ARV 1976 Nr. 18; GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, Bern 1987, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 116). 2.4 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. Juni 1988 über Beschäftigungsförde- rung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinko mmen; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wir d nur das freiwillige („volontairement“) Aufgeben einer Stelle ohne triftigen Grund („sans mo tif légitime“) sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbei tsplatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 3 0. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 2.5 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt di e Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Gesundheitsgefährdende Arbeitsstellen sind nicht mehr zumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherh eit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht mit blossen Behauptungen der versicherten Person b egnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, welche primär die versicherte P erson im Rahmen der ihr oblie- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht genden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachverha lts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb). 2.6 Dagegen vermögen ein schlechtes Arbeitsklima und Mein ungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen grundsätzlich keine Unzu mutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses zu begründen (Urteil des Bundesgeri chts vom 9. Juni 2017, 8C_66/2017, E. 2). Bei Schwierigkeiten wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und dergleichen ist es der versicherten Person grundsätzlich zuzumuten, ihre Stel le nicht ohne Zusicherung einer neuen Anschlussstelle aufzugeben. Das Bundesgericht hat fest gehalten, dass belastende Ver- hältnisse am Arbeitsplatz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht rechtfertigen. Sie können aber allenfalls beim Verschulden berücksichtigt werden (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, seit 2007 Schweizerisches Bundesgericht] vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstell ungen der versicherten Person nicht ent- sprechendes Betriebsklima genügt hierzu keineswegs (ARV 1986 Nr. 24 S. 95). 3.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist schliesslich auf f olgende Grundsätze hinzuweisen: Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltun gsgerichtsbeschwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versi cherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständige Festste llung des rechtserheblichen Sachver- haltes zu sorgen (BGE 138 V 218 E. 6 mit weiteren Hin weisen). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzun ehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten er gebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009 , 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2 , Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüg ende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als b ewiesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (RENÉ WIEDERKEHR / KASPAR PLÜSS , Praxis des öffentlichen Ver- fahrensrechts, Eine systematische Analyse der Rechtsprechung, Bern 2020, Rz. 1313 m.w.H.). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entschei d, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 138 V 218 E. 6 mit weiteren Hin- weisen). 4. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführe rin ein Verschulden an ihrer Arbeits- losigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Ve rbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV an- zulasten ist. Der rechtserhebliche Sachverhalt präsentiert sich hierzu wie folgt: Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die Beschwerdeführerin stand seit dem 31. August 20 19 bei der B.____ AG in einem temporären unbefristeten Arbeitsverhältnis im Stundenl ohn. Dieses Arbeitsverhältnis kündigte sie mit Schreiben vom 10. Januar 2020 (Eingang am 15. Januar 2020) per 22. Januar 2020. Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 13. Februar 20 20 (Kassen-act. 10) führte sie als Gründe für die Kündigung von November 2019 bis Januar 2020 bestehende Rückenschmerzen an. Im Fragebogen betreffend rechtliches Gehör vom 26. März 2020 gab sie als Grund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses Mobbing seitens ihrer Chefin an. Sie könne dies durch ent- sprechende Nachrichten auf ihrem Mobiltelefon bestätigen . Ferner habe sie bei ihrer Arbeit stets unter Zeitdruck gestanden, bis um 23 Uhr arbeiten u nd für das Benzin im Rahmen der Einsätze selbst aufkommen müssen. In ihrer Einsprache führ te sie aus, dass sie auf Empfeh- lung ihres Arztes aufgrund der Rückenschmerzen gekündig t habe. Ferner bekräftigte sie im Rahmen von weiteren Eingaben vom 15. September und 28 . November 2020 das Vorbringen, wonach sie von ihrer Chefin über den Nachrichtendienst WhatsApp gemobbt worden sei. 4.2 In den vorliegenden Akten finden sich sodann mehre re Arbeitsunfähigkeitsbescheini- gungen unterschiedlicher Ärzte der mediX toujours. So attestierte Dr. med. C.____, FMH All- gemeine Innere Medizin, am 11. bzw. 12. Dezember 2019 vom 10. bis 14. Dezember 2019 eine krankheitsbedingte vollständige Arbeitsunfähigkeit. Mit Zeugnis vom 16., 19. und 24. Dezember 2019 bescheinigten Dr. med. D.____, FMH Allgemeine I nnere Medizin, sowie Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, eine solche für die Ze it vom 15. Dezember 2019 bis 10. Janu- ar 2020 (Kassen-act. 23-28 bzw. 143-148). 5.1 Vorliegend steht unbestritten fest, dass die Besch werdeführerin das Arbeitsverhältnis mit der B.____ AG am 15. Januar 2020 unter Berücksichtig ung der Kündigungsfrist von 7 Ta- gen ordentlich per 22. Januar 2020 gekündigt hat, ohn e dass ihr eine andere Arbeitsstelle zu- gesichert gewesen wäre. Die Frage der Einstellung in der Anspruchsberechtigung beurteilt sich demgemäss danach, ob ihr ein Verbleib an der bisherig en Arbeitsstelle bis zum Auffinden einer neuen Anstellung zumutbar gewesen wäre (vgl. E. 2.3 hiervor). 5.2 Die von der Beschwerdeführerin angeführte Unzumutba rkeit aus gesundheitlichen Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein, wobei die Zumutbarkeit zum Verbleiben strenger beurteilt wird als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (vgl. E. 2.3 und 2.5 hiervor ). Der vorliegenden Ak- tenlage lassen sich hierzu keine medizinischen Unterlagen e ntnehmen, wonach die Unzumut- barkeit des Verbleibens an der bisherigen Stelle beleg t wäre. Zwar ist der Beschwerdeführerin dahingehend beizupflichten, dass die Zeugnisse der Dres. C.____, D.____und E.____ bis zum 10. Januar 2020 – und damit bis kurz vor der erfolgten Kündigung am 15. Januar 2020 – eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigen. Es finden sich indessen weder darin noch sonst irgendwelche Hinweise, wonach es der Versicherten infolgedessen in g esundheitlicher Hinsicht nicht zumut- bar gewesen wäre, an ihrem bisherigen Arbeitsplatz zu verbleiben. Die beigebrachten Atteste enthalten weder Angaben zur Diagnose noch nehmen sie hinreichend Bezug auf die von der Beschwerdeführerin konkret ausgeübte Tätigkeit. Sodann berichtete Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, mediX toujours, am 22. Feb ruar 2020 (Kassen-act. 39), dass die Versicherte bezüglich der Lendenwirbelsäule (LWS) schme rzfrei sei, wobei sich die neurologi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sche Untersuchung unauffällig gezeigt habe. Diesbezüglich sei die Versicherte wieder voll ar- beitsfähig. Entsprechende Ausführungen, denenzufolge die bis zu diesem Zeitpunkt ausgeübte Tätigkeit als Reinigerin von dieser Beurteilung ausgenommen wäre, gehen daraus nicht hervor. Genauso wenig lassen sich die Aussagen der Versicherten, wonach ihr diese Ärzte zur Aufgabe ihres Arbeitsverhältnisses geraten hätten, anhand dieser Unterlagen verifizieren. Diese Be- scheinigungen reichen deshalb mit Blick auf die strenge Re chtsprechung (vgl. E. 2.6 hiervor) nicht aus, um zu belegen, dass es der Beschwerdeführeri n unzumutbar war, zumindest bis zur Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle an ihrer bisherige n zu verbleiben. Es fehlt diesbezüglich an einem eindeutigen (echtzeitlichen) ärztlichen Zeugn is. Es mag zutreffen, dass die geschil- derten Beschwerden an der LWS ihre Ursache in der Tät igkeit als Reinigerin haben, aufgrund der daraus resultierenden – bloss vorübergehenden – K rankschreibung in somatischer Hinsicht kann vor diesem medizinischen Hintergrund jedoch noch ni cht auf eine Unzumutbarkeit ge- schlossen werden, welche eine sofortige Aufgabe der Arb eitsstelle mit der Folge des Bezugs von Arbeitslosenentschädigung rechtfertigen würde. 5.3 Zu keinem anderen Schluss führt auch das Vorbringen, wonach die Beschwerdeführe- rin ihre Stelle infolge Mobbing gekündigt habe. Wie unter Erwägung 2.6 hiervor ausgeführt, vermögen ein schlechtes Arbeitsklima und Meinungsverschiede nheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen grundsätzlich keine Unzumutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses zu begründen. Mit der Beschwerdegegnerin ist festzuhalte n, dass es die Beschwerdeführerin unterlässt, diesen pauschalen Vorwurf mit näheren Angab en zu konkretisieren oder bestimmte Situationen zu benennen, weshalb diese Behauptung zu wenig gesichert ist. Ferner hat sie kei- ne Beweismittel eingereicht, welche diese Behauptung untermauern würden. Aufgrund der An- gaben der Beschwerdeführerin kann höchstens darauf gesc hlossen werden, dass zwischen ihr und ihrer Vorgesetzten Spannungen bestanden haben. In des ist, wie eingangs (vgl. E. 2.3 hier- vor) dargelegt, nach der Rechtsprechung bei der Frage der Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzulegen. Solange nicht ausgewiesen ist, dass eine versicherte Person im Sinne der Schadenminderungspflicht alles Zumutbare unternommen hat, um die Probleme am Arbeitsplatz mit ihren Vorgesetzte n (oder Mitarbeitern) zu lösen, ist die Kündigung durch die versicherte Person auch bei einem sc hlechten Arbeitsklima oder beim Vorliegen gespannter Beziehungen zu Vorgesetzten und Mitarbeitern nicht gerechtfertigt. 5.4 Nach dem Ausgeführten steht fest, dass es im Rahmen d er Mitwirkungspflicht der Par- teien (vgl. E. 2.5 hiervor) an der Beschwerdeführerin g elegen wäre, die Notwendigkeit der Auf- gabe der Arbeitsstelle glaubhaft zu machen, was ihr nicht gelungen ist. Die Beschwerdeführerin kann nicht rechtsgenüglich darlegen, dass ein zwingender Grund zur freiwilligen Stellenaufgabe vorgelegen hat. Ein Kausalzusammenhang zwischen der krank heitsbedingten Arbeitsunfähig- keit der Beschwerdeführerin und der Arbeitsstelle im Si nne einer Gesundheitsgefährdung ist nicht erstellt. Der Tatbestand der selbstverschuldeten Ar beitslosigkeit gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist daher als erfüllt zu betrachten. Die vorübergehende Einstellung in der Anspruchs- berechtigung ist demnach im Grundsatz zu Recht erfolgt. 6.1 Zu prüfen bleibt, ob die Anzahl der Einstelltag e korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung bemisst sich einzig nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Sie Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht beträgt nach Art. 45 Abs. 2 AVIV 1 - 15 Tage bei lei chtem Verschulden, 16 - 30 Tage bei mittel- schwerem Verschulden und 31 - 60 Tage bei schwerem Versc hulden. Innerhalb dieses Rah- mens entscheidet die Arbeitslosenkasse nach pflichtgemässem E rmessen. Das Gericht greift nur mit Zurückhaltung in das der Arbeitslosenkasse zustehen de Ermessen ein. Es setzt nicht sein Ermessen anstelle desjenigen der Arbeitslosenkasse, s olange diese von ihrem Ermessen pflichtgemäss Gebrauch gemacht hat, also allen einschlägi gen Gesichtspunkten gebührend Rechnung getragen hat. 6.2 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist im vorli egenden Fall von einer selbstver- schuldeten Arbeitslosigkeit auszugehen. Demnach läge der grundsätzliche Rahmen für die Be- messung der Einstelltage zwischen 31 und 60 Tagen. Die Be schwerdegegnerin setzte die Dau- er der Einstellung auf 24 Tage fest, womit sie den gr undsätzlichen Sanktionsrahmen für ein schweres Verschulden unterschritt. Dies kann gemäss bundesge richtlicher Rechtsprechung dann angezeigt sein, wenn zwar kein entschuldbarer Gru nd für die Stellenaufgabe, wohl aber besondere Umstände im Einzelfall vorliegen (vgl. BGE 13 0 V 126 E. 3.2). Diese können sich auf die subjektive Situation der betroffenen Person oder auf eine objektive Begebenheit bezie- hen (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2009, 8 C_829/2009, E. 3.1). Bei der Festle- gung der Dauer der Einstellung ist zugunsten der Beschwe rdeführerin zu Recht verschuldens- mindernd berücksichtigt worden, dass dieselbe in einem T emporärarbeitsverhältnis stand und die Kündigungsfrist lediglich 7 Tage betrug. Weitere verschuldensmindernde Gründe sind vor- liegend nicht ersichtlich. Namentlich ist zu wenig erstel lt, ob bzw. gegebenenfalls wie lange das Verhältnis zur ehemaligen Vorgesetzten der Beschwerdefüh rerin belastet war. In Würdigung der gesamten objektiven und subjektiven Umstände sowie unter Berücksichtigung der Tatsa- che, dass der Sanktionsrahmen für schweres Verschulden unte rschritten worden ist, erweist sich die Sanktionshöhe als vertretbar und ist demzufolge nicht zu beanstanden. D as Kantons- gericht sieht daher keinen Anlass, in das vorinstanzliche Ermessen einzugreifen. 6.3 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist der ang efochtene Einspracheentscheid vom 14. Mai 2020 nicht zu beanstanden. Die dagegen er hobene Beschwerde ist daher abzu- weisen. 7. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gü ltig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 1. Januar 2021) hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sei n. Es sind demnach für das vorliegen- de Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht