<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">329</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>B. Zivilgesetzbuch</b></span><br/> <span class="ft2"><b>62</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 647 Abs. 2 Ziffer 1 ZGB; Art. 221 Abs. 1 lit. b ZPO</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zulässige Rechtsbegehren nach Art. 647 Abs. 2 Ziffer 1 ZGB</b></span><br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 3. Zivilkammer, vom 23. Juni 2014 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen B. gegen STWEG (ZSU.2014.85).</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft7">3.</span><br/> <span class="ft7">3.1.</span><br/> <span class="ft7">Die Vorinstanz ist auf das von der Klägerin im Gesuch gestellte</span><br/> <span class="ft7">Feststellungsbegehren (Begehren 1c) nicht eingetreten, was von der</span><br/> <span class="ft7">Klägerin nicht angefochten worden ist. Mit ihren beiden anderen</span><br/> <span class="ft7">Begehren verlangte die Klägerin, es sei eine notwendige Sanierung</span><br/> <span class="ft7">der in ihrem ausschliesslichen Benutzungsrecht stehenden Dach-</span><br/> <span class="ft7">terrasse ihrer Maisonettewohnung (Nr. 7) unter Kostenbeteiligung</span><br/> <span class="ft7">nach Wertquoten sämtlicher Stockwerkeigentümer gemäss einer von</span><br/> <span class="ft7">ihr bei der Firma Y eingeholten Offerte (vgl. Gesuchsbeilage 15) in</span><br/> <span class="ft7">Auftrag zu geben (Begehren 1a), <i>und zwar durch das Gericht selber</i></span><br/> <span class="ft7">(Begehren 1b). Die Vorinstanz hat demgegenüber <i>die Klägerin</i></span><br/> <span class="ft5"><i>berechtigt,</i> die Sanierung im Rahmen der besagten Offerte unter</span><br/> <span class="ft7">Kostenbeteiligung nach Wertquoten in Auftrag zu geben (Dispositiv-</span><br/> <span class="ft7">Ziffer 1 des angefochtenen Entscheids), und damit, auch wenn es im</span><br/> <span class="ft7">Entscheid nicht zum Ausdruck gelangt, das Gesuch jedenfalls nicht</span><br/> <span class="ft7">in Bezug auf die ursprünglichen Begehren gutgeheissen.</span><br/> <span class="ft7">3.2.</span><br/> <span class="ft7">3.2.1.</span><br/> <span class="ft7">In der Berufung anerkennt die Beklagte ausdrücklich, dass die</span><br/> <span class="ft7">Sanierung der "Dachterrasse" (mit der Beklagten [vgl. act. 17] ist</span><br/> <span class="ft7">von einem Balkon auszugehen, vgl. insbesondere Gesuchsbeilage 6)</span><br/> <span class="ft7">in Auftrag zu geben ist, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">330</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">3.2.2.</span><br/> <span class="ft7">Demgegenüber wendet sich die Beklagte in der Berufung in</span><br/> <span class="ft7">materieller Hinsicht dagegen, dass im angefochtenen Entscheid nicht</span><br/> <span class="ft7">sie verpflichtet, sondern die Klägerin dazu berechtigt erklärt worden</span><br/> <span class="ft7">ist, den Auftrag zur Sanierung im Sinne der eingeholten Offerte zu</span><br/> <span class="ft7">erteilen, und dass eine Tragung der Sanierungskosten durch die</span><br/> <span class="ft7">Stockwerkeigentümer nach den von ihnen gehaltenen Wertquoten</span><br/> <span class="ft7">vorgesehen worden ist.</span><br/> <span class="ft7">3.2.2.1.</span><br/> <span class="ft7">Bei dem in Art. 647 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB dem Miteigentümer</span><br/> <span class="ft7">(und damit dem Stockwerkeigentümer, vgl. Art. 712g Abs. 1 ZGB)</span><br/> <span class="ft7">zur Verfügung gestellten Behelf geht es in erster Linie darum, einen</span><br/> <span class="ft7">Ersatz für den von der Stockwerkeigentümergemeinschaft (STWEG)</span><br/> <span class="ft7">verweigerten Beschluss zu schaffen (Brunner/Wichtermann, Basler</span><br/> <span class="ft7">Kommentar, 4. Aufl., 2011, N. 54 zu Art. 647 ZGB). Ohne einen sol-</span><br/> <span class="ft7">chen kann die notwendige Verwaltungshandlung (hier eine notwen-</span><br/> <span class="ft7">dige bauliche Massnahme) nicht durch einen einzelnen interessierten</span><br/> <span class="ft7">Stockwerkeigentümer auf Kosten der STWEG veranlasst werden</span><br/> <span class="ft7">(vgl. ZR 2000 Nr. 2). Unter diesem Gesichtspunkt bedarf es grund-</span><br/> <span class="ft7">sätzlich weder einer Verpflichtung der STWEG noch einer Ermächti-</span><br/> <span class="ft7">gung des klagenden Stockwerkeigentümers zur Vornahme der not-</span><br/> <span class="ft7">wendigen Verwaltungshandlung im Urteil(sdispositiv), sondern ge-</span><br/> <span class="ft7">nügt es, dass das Gericht die notwendige Verwaltungshandlung als</span><br/> <span class="ft7">solche - anstelle der STWEG - anordnet. Dies schliesst wohl nicht</span><br/> <span class="ft7">aus, dass der klagende Stockwerkeigentümer durch das Urteil</span><br/> <span class="ft7">berechtigt werden kann, die notwendige Handlung im Namen und</span><br/> <span class="ft7">auf Rechnung der STWEG vorzunehmen. Nach der Dispositions-</span><br/> <span class="ft7">maxime (Art. 58 Abs. 1 ZPO) setzt dies aber einen entsprechenden</span><br/> <span class="ft7">Antrag voraus.</span><br/> <span class="ft7">Die Klägerin hat im Gesuch ursprünglich den Antrag gestellt, es</span><br/> <span class="ft7">habe das Gericht den Auftrag hinsichtlich der notwendigen Sanie-</span><br/> <span class="ft7">rungsmassnahme zu erteilen. Dieser Antrag muss als unzulässig</span><br/> <span class="ft7">qualifiziert werden, denn es fehlt eine gesetzliche Grundlage dafür,</span><br/> <span class="ft7">dass der Summarrichter nach Art. 647 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB rechts-</span><br/> <span class="ft7">geschäftlich als Stellvertreter für die STWEG und damit privat-</span><br/> <span class="ft7">rechtlich tätig werden darf. An der vorinstanzlichen Verhandlung hat</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">331</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">die Klägerin dann ausgeführt, sie wolle sich ermächtigen lassen,</span><br/> <span class="ft7">"diesen Gemeinschaftsteil" zu sanieren (act. 34). Darin ist eine Kla-</span><br/> <span class="ft7">geänderung zu erblicken, die indes, weil sie nicht auf neuen Tat-</span><br/> <span class="ft7">sachen oder Beweismitteln beruhte, unzulässig war (Art. 230 ZPO).</span><br/> <span class="ft7">Nach dem Gesagten ist die im angefochtenen Entscheid</span><br/> <span class="ft7">enthaltene Ermächtigung der Klägerin, die notwendige Sanierung der</span><br/> <span class="ft7">Dachterrasse selber in Auftrag zu geben, aufzuheben. (...)</span><br/> <span class="ft7">3.2.2.2.</span><br/> <span class="ft7">Wie in vorstehender Erw. 3.2.2.1. erwähnt, geht es im summa-</span><br/> <span class="ft7">rischen Verfahren darum, einem jeden Stockwerkeigentümer als Mit-</span><br/> <span class="ft7">eigentümer die Möglichkeit zu verschaffen, zu erreichen, dass (ob-</span><br/> <span class="ft7">jektiv) notwendige Verwaltungshandlungen durchgeführt werden.</span><br/> <span class="ft7">Dagegen ist keine Notwendigkeit ersichtlich, bereits im summari-</span><br/> <span class="ft7">schen Verfahren darüber zu entscheiden, nach welchem Schlüssel die</span><br/> <span class="ft7">mit der Sanierung verbundenen Kosten auf die einzelnen Stockwerk-</span><br/> <span class="ft7">eigentümer zu verteilen sind. Diese Frage ist vielmehr - nötigenfalls</span><br/> <span class="ft7">- in einem ordentlichen Prozess zu klären. Damit ist auch der Beru-</span><br/> <span class="ft7">fungsantrag 2.3. gutzuheissen.</span><br/></div> </div> </body> </html>