Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. März 2012 (720 11 324 / 80) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente (Prüfung der Anspruchsberechtigung bei umstrittenem medizinischem Sach- verhalt) Besetzung Präsidentin Eva Meuli Ziegler, Kantonsrichter Michael Guex, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Elisabeth Joller Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Alex Hediger, Advo- kat, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1956 geborene A.____ war zuletzt bei der B.__ __ AG in X.____ als Hilfsarbeiter angestellt. Letzter effektiver Arbeitstag war der 15. S eptember 2008; das Arbeitsverhältnis wur- de von der Arbeitgeberin per Ende November 2009 aufg elöst. Am 21. Oktober 2008 meldete sich A.____ unter Hinweis auf eine Depression bei der I V-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle klärte die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse ab und veranlasste namentlich ein bidisziplinäres Gutacht en in den medizinischen Fachberei- chen Rheumatologie und Psychiatrie. Im Rahmen des Vorbesc heidverfahrens holte die IV- Stelle nebst weiteren medizinischen Berichten zudem ein neurologisches Gutachten ein. Mit Seite 2 Verfügung vom 2. August 2011 sprach sie A.____ eine bef ristete ganze Invalidenrente vom 1. September 2009 bis zum 31. März 2010 zu; ab dem 1. April 2010 lehnte sie einen Rentenan- spruch des Versicherten unter Hinweis auf einen Invaliditätsgrad von 28% ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Dr. iur. Alex Hediger, Advokat in Basel, am 14. September 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, die Ver fügung der IV-Stelle vom 2. August 2011 sei teilweise aufzuheben und es sei ihm mit Wirkung über den 31. März 2010 hinaus eine ganze Invalidenrente auszurichten; zudem sei ihm die unen tgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Dr. Hediger als Rec htsvertreter zu bewilligen. Zur Begrün- dung führte der Rechtsvertreter im Wesentlichen aus, es ergebe sich aus diversen Arztberich- ten, dass die gesundheitlichen Beschwerden des Versicherten weit gravierender seien und sich stärker auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten, als von der IV-Stelle angenommen. Eine Verbesse- rung der Arbeitsfähigkeit ab Januar 2010 sei nicht eingetreten. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seither laufend verschlechtert habe, so dass von einer Arbeitsfähigkeit aktuell keine Rede sein könne. Im Übrigen sei der von der IV- Stelle vorgenommene Einkommensvergleich nicht korrekt, da sie keinen leidensbedingten Ab- zug vorgenommen habe. Aufgrund der multiplen Einschrän kungen des Beschwerdeführers be- zogen auf die Art und den Umfang der noch möglichen Tä tigkeit, sein Alter, seine Ausbildung und seine Herkunft sei ein maximaler leidensbedingter Abzug von 25% vorzunehmen. C. Mit Verfügung der Präsidentin des Kantonsgerichts, A bteilung Sozialversicherungs- recht, vom 20. Oktober 2011 wurde dem Beschwerdeführer d ie unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Dr. Hediger als Rechtsvertreter bewilligt. D. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 6. Ja nuar 2012 auf Abweisung der Beschwerde. Sie wies die Kritik des Beschwerdeführers an d er Beurteilung des medizinischen Sachverhalts zurück. Hinsichtlich des Einkommensvergleichs hielt die IV-Stelle fest, dem Be- schwerdeführer sei aufgrund des noch möglichen Umfangs einer Erwerbstätigkeit ein Teilzeit- abzug von 10% vom Invalideneinkommen zu gewähren. Ein weitergehender Abzug rechtfertige sich nicht. Zudem korrigierte sie das Valideneinkommen, i ndem sie neu einerseits den 13. Mo- natslohn berücksichtigte, andererseits jedoch die Kinderzula gen in Abzug brachte. Sie errech- nete auf diese Weise neu einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 37%. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- Seite 3 handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente. 3. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person An spruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 d ie voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geistigen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Kran kheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 4 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfal lversicherung entwickelten Grundsätze fin- den für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendun g (Urteil des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 4.4 In Bezug auf Atteste von Hausärzten darf und soll da s Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens- stellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patien ten aussagen (M EYER -BLASER ULRICH , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 2. Auf lage, Zürich 2010, S. 353; BGE 125 V 353, BGE 122 V 162 E. 1c, 120 V 367 E. 3b). Im Hin blick auf einen möglichen Ziel- und Inte- ressenkonflikt zwischen Behandlung und Begutachtung kann - namentlich in umstrittenen Fäl- len - auch nicht unbesehen auf die Angaben des behande lnden Spezialisten abgestellt werden (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung] vom 5. April 2004, I 814/03, E. 2.4.2). D ies gilt allerdings nicht im Sinne einer Be- weisformel, wonach Berichte behandelnder Ärzte in der Regel von vornherein weniger Beweis- wert hätten, sondern sie sind unvoreingenommen auf ihr e Beweiskraft zu prüfen. Zu beachten und bei der Entscheidfindung zu gewichten ist in diese m Zusammenhang, dass Hausärzte in der Regel die einzigen Medizinalpersonen sind, die übe r eine Langzeitbeobachtung berichten können (L OCHER THOMAS , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 452). Sind keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich, d ie die Glaubwürdigkeit ärztlicher At- teste zu erschüttern vermögen, ist es unzulässig, die Angaben behandelnder Ärzte bei der Be- weiswürdigung unter Hinweis auf ihre Vertrauensstellun g und unter Berufung auf die fachliche Kompetenz der Ärzte beispielsweise einer Universitätskli nik ausser Acht zu lassen (L OCHER , a.a.O., S. 453). 5.1 Die IV-Stelle stellte in der angefochtenen Verfüg ung vom 2. August 2011 zunächst auf das rheumatologische Gutachten von Dr. med. C.____, Fa charzt für Rheumatologie FMH, vom 28. Januar 2010, das psychiatrische Gutachten von Dr. m ed. D.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 26. Januar 2010, sowie die daraus resultierende interdisziplinä- re Konsensbeurteilung ab. 5.1.1 Dr. C.____ stellte in seinem Gutachten vom 28. J anuar 2010 keine Diagnosen mit Aus- wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, da der Versicherte an seinem letzten Arbeitsplatz eine leich- te bis intermittierend mittelschwere, rückenadaptierte Tätigkeit habe verrichten können, bei der die Arbeitsposition zwischen Stehen und Sitzen variiert habe. Als Diagnosen ohne Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr. C.____ eine chronisches, linksbetontes Lumbovertebral- syndrom bei progredienter Osteochondrose LWK 4/5 und Ol isthesis LWK 4/5 sowie LWK 3/4, jeweils Grad I bei distal-lumbalen Spondylarthrosen, e iner Diskusprotrusion LWK 4/5 sowie ei- Seite 5 ner linkskonvexen thorako-lumbalen Skoliose. Zudem diag nostizierte Dr. C.____ eine Protrusio acetabuli beidseits mit Coxarthrose links mehr als rechts, eine Ansatztendinose am medialen Beckenkamm links mehr als rechts mit pseudoradikulärer Ausstr ahlung ins linke Bein, ein Piri- formissyndrom links, eine Periarthropathia humeroscapularis rechts mit Supraspinatustendinose und endständigem Schulterimpingement, Spreizfüsse bei leichten, kompensierbaren Knick- Senkfüssen sowie schliesslich einen Verdacht auf beginnenden Morbus Dubuytren am Strahl III der rechten Hand. Dr. C.____ wies darauf hin, dass gemäss aktueller Anamnese und entsprechend der Aktenlage bereits seit circa 1997 symptomatische degenerative Verände rungen im Bereich der distalen Lendenwirbelsäule und an den Hüftgelenken bestünden. Trotzdem habe der Versicherte seiner Arbeitstätigkeit immer nachgehen können. Im Hinblick a uf die Aufrechterhaltung der Arbeitsfä- higkeit sei retrospektiv aus gutachtlicher Sicht wichtig, dass der Versicherte nur leichte bis in- termittierend mittelschwere Tätigkeiten habe ausüben müssen. Aus rheumatologischer Sicht könne nicht nachvollzogen werden, weshalb nach der Krank schreibung im Herbst 2008 mehre- re Arbeitsversuche gescheitert seien. Aus der Aktenlage ge he denn auch hervor, dass der Ver- sicherte zwar auch Schmerzen angegeben habe, die Arbeit sversuche aber vordergründig aus Angst, den Anforderungen nicht zu genügen, abgebroche n hat. Es müsse bestätigt werden, dass beim Versicherten progrediente degenerative Verän derungen an der Lendenwirbelsäule mit ausgeprägter Osteochondrose und Olisthesis vorliege. Klinische Zeichen einer Instabilität fänden sich indessen weder anamnestisch noch aufgrund der körperlichen Untersuchung. In der klinischen Untersuchung seien einerseits Zeichen von di skogenen Kreuzschmerzen, ande- rerseits aber auch Zeichen eines sogenannt vermehrten Sch merzgebarens mit 3 von 5 positi- ven Waddell-Zeichen gefunden worden. Die diskogenen Kr euzschmerzen seien belastungs- und bewegungsabhängig; für die bisher ausgeübte, leicht e bis intermittierend mittelschwere rückenadaptierte Tätigkeit könne in Anbetracht der klini schen Befunde, welche stärker zu ge- wichten seien als die radiologischen, aus rheumatologischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit formuliert werden. Zusammenfassend l ägen beim Versicherten progrediente degenerative Veränderungen im distalen Teil der Wirbe lsäule und im Bereich der Hüftgelenke vor, welche die Belastbarkeit dieser Region einschränk en und einen Teil der vom Versicherten umschriebenen Beschwerden erklären würden. Die klinische U ntersuchung zeige aber auch, dass weiterhin eine gewisse Belastbarkeit vorhanden sei. W egen der symptomatischen dege- nerativen Veränderungen an Hüftgelenken und Wirbelsä ule bestünden sowohl qualitative wie auch quantitative Beeinträchtigungen. Aus rheumatologischer Sicht seien dem Versicherten nur noch leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkei ten zumutbar, die weder verbunden seien mit wiederholten Bück- oder Torsionsbewegungen noch m it wiederholten oder länger dauern- den Arbeitsstellungen vornüber geneigt oder reklinier t. Auch eine ständig stehende oder ge- hende Tätigkeit sei dem Versicherten nicht mehr zumutb ar. Eine leichte bis intermittierend mit- telschwere, rückenadaptierte Tätigkeit könne der Versicherte jedoch ausüben. 5.1.2 Im psychiatrischen Fachgutachten vom 26. Januar 201 0 diagnostizierte Dr. D.____ mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine leicht- bis mittelgradige depressive Episode. Anamnestisch liessen sich beim Versicherten die Symptome der Durchschlaf störung, der Müdigkeit und Kraft- losigkeit tagsüber, der zeitweise gereizt-aggressiven, ma nchmal auch bedrückt traurigen Stim- mung, der Ängstlichkeit, der Freudlosigkeit, des mässigen Appetits, des verminderten Selbst- vertrauens, der Konzentrations- und Gedächtnisstörung, der Wortfindungsstörung, des sozialen Rückzugs sowie des manchmal auftretenden Gefühls allgemeine r Sinnlosigkeit eruieren. Diese Seite 6 Symptome würden die zur Diagnosestellung einer depressi ven Episode notwendigen Kriterien erfüllen. In der direkten Untersuchungssituation sei die Stimmung des Versicherten ernst, je- doch nicht bedrückt; die affektive Modulationsfähigkeit sei leichtgradig eingeschränkt, nicht hin- gegen die Vitalität; der Gedankengang sei als eher langsam, nicht aber gehemmt zu beurteilen. Die von Versicherten geklagte Konzentrationsstörung könne nicht objektiviert werden. Der Schweregrad der depressiven Episode sei insgesamt, unter B erücksichtigung der Untersu- chungsbefunde, als leicht- bis mittelgradig zu beurteile n. In ursächlicher Hinsicht seien einer- seits die am Arbeitsplatz aufgetretenen Konflikte und a ndererseits der gewaltsame Konflikt mit einem albanischen Bekannten zu nennen. Aufgrund der A ngaben des Versicherten müsse da- von ausgegangen werden, dass die kognitiven Störungen p rimär aufgetreten seien, was zu Fehlern am Arbeitsplatz und Konflikten mit Mitarbeit ern und Vorgesetzten geführt habe. Inwie- weit diese kognitiven Störungen als primäre Ausdrucksfo rm der sich anbahnenden Depression zu verstehen seien, könne nicht definitiv festgelegt werden. Auffallend sei ein MRI des Schädels vom 6. Oktober 2009, in welchem eine für das Alter des V ersicherten aussergewöhnliche vaskuläre Leukenzephalopathie und eine schon etwas fortgesc hrittene kortikale Hirnatrophie mit diskreter frontaler Betonung nachgewiesen worden sei. Aus psychiatrischer Sicht liesse sich nicht schlüssig beurteilen, ob diese Befunde in einem ur sächlichen Zusammenhang mit den kognitiven Störungen stünden, im Sinne einer allenfall s beginnenden Frühdemenz. Zur Klärung dieser Frage sei eine neurologische Beurteilung sinnvoll. Insgesamt müsse indessen festgehal- ten werden, dass die kognitive Störung aufgrund der Un tersuchungsbefunde als lediglich leichtgradig zu beurteilen sei; es hätten während der kn app zwei Stunden dauernden Untersu- chung klinisch keine Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsstör ungen und auch nicht durchge- hend eine mnestische Funktionsstörung festgestellt werden können. Im Vergleich mit den Befunden im Bericht der Kantona len Psychiatrischen Klinik (KPK) Liestal lasse sich zum aktuellen Zeitpunkt kein deprimierter und h offnungsloser oder gar verarmter Af- fekt und auch keine Einschränkung der Konzentrationsfäh igkeit nachweisen. Es sei diesbezüg- lich zu einer Verbesserung der depressiven Symptomatik geko mmen. Im Vergleich mit den Be- funden im Bericht von Dr. med. E.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 11. November 2008 könne gar eine deutliche Verbesserung festgestellt werden, zumal der Ver- sicherte keinen im Affekt schwer deprimierten Eindruck me hr hinterlasse. Aus der Blutkonzent- rationsbestimmung werde deutlich, dass der Versicherte die ihm verordneten Psychopharmaka nur teilweise regelmässig einnehme; auch das spreche daf ür, dass der Schweregrad der De- pression aktuell eher als leicht- bis mittelgradig zu beurteilen sei. Eine posttraumatische Belastungsstörung könne aufgrund de r Untersuchungsbefunde nicht diagnostiziert werden. Der Versicherte leide zwar an e in- bis zweimal wöchentlich auftretenden Albträumen, es liessen sich jedoch keine eigentlichen Flash backs tagsüber nachweisen. In der Untersuchungssituation habe der Versicherte ohne äusserli ch sichtbare psychovegetative Mit- beteiligung über das traumatisierende Ereignis vom Aug ust 2009 sprechen können; zudem las- se sich keine Hypervigilanz und keine ausgeprägte Schreckhafti gkeit, auch keine emotionale Stumpfheit und Gleichgültigkeit anderen Menschen gegenü ber erkennen. Ebensowenig lasse sich die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schme rzstörung stellen, da sich die Schmerzen des Versicherten hinreichend durch körperliche Störungen erklären liessen. Aufgrund der Beschwerden von Seiten der leicht- bis mit telgradigen depressiven Episode, ins- besondere der vom Versicherten subjektiv geklagten kognit iven Störungen, des eher langsa- men Gedankenganges, der Müdigkeit und Kraftlosigkeit sowie der bedrückt-traurigen Stimmung sei die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in einer alte rnativen Tätigkeit als zu 30% einge- Seite 7 schränkt zu beurteilen. Die bisherige Tätigkeit sei dem Versicherten gekündigt worden. Eine zusätzliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit bestehe n icht. Da die diesbezüglichen Anga- ben des Versicherten nicht sehr präzis seien, könne der Ze itpunkt der Verbesserung der de- pressiven Symptomatik seit der Klinikentlassung retrospektiv nicht präzisiert werden. Es müsse daher von einer 30%igen Einschränkung der Arbeitsfähig keit ab dem Untersuchungszeitpunkt ausgegangen werden. 5.1.3 In der interdisziplinären Beurteilung vom 26. Ja nuar 2010 hielt Dr. D.____ nach Rück- sprache mit Dr. C.____ fest, aus rheumatologischer Sicht seien dem Versicherten keine körper- lich mittelschweren oder schweren, sondern lediglich no ch leichte bis intermittierend mittel- schwere, rückenadaptierte Tätigkeiten ohne spezifische Be lastung der Hüftgelenke zumutbar. Darüber hinaus bestehe aus psychiatrischer Sicht eine Ei nschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30% ab dem 11. Januar 2010. Eine zusätzliche Verminder ung der Leistungsfähigkeit bestehe nicht. 5.2.1 Mit Schreiben vom 17. April 2010 erhob Dr. E._ ___ in seiner Eigenschaft als behan- delnder Psychiater im Namen des Beschwerdeführers Einwände gegen den Vorbescheid der IV-Stelle vom 29. März 2010. Im Gutachten der Dres. C. ____ und D.____ würden die objektiv nachgewiesenen psychiatrischen und somatischen Befunde ver harmlost und bagatellisiert. Die schweren degenerativen Veränderungen des Bewegungsappara tes beeinträchtigten entgegen den Aussagen Dr. C.____'s die Arbeitsfähigkeit deutli ch. Es sei zudem nicht nachvollziehbar, weshalb Dr. D.____ keine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert habe. Im August 2009 sei in der Wohnung des Beschwerdeführers sowohl auf dessen Sohn wie auf ihn selbst geschossen worden. Der Beschwerdeführer leide an einer sich kontinuierlich verschlechternden affektiven Störung. Das klinische Bild sei durch gedrückte St immung, Freud- und Interesselo- sigkeit, emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit sowie allgemeine Anhedonie gekennzeichnet. Dazu weise er ein vermindertes Selbstwertgefühl, eine S törung der Vitalgefühle, Insuffizienzge- fühle, Gefühle der eigenen Wertlosigkeit, eine fehle nde Zukunftsorientierung sowie eine starke soziale Rückzugstendenz auf. Er zeige erhebliche Verzweiflu ng. Es bestehe Lebensüberdruss, Flashbacks, Schlafstörungen und Albträume. Damit seien d ie ICD-10-Kriterien für eine mittel- bis schwergradige depressive Episode und für ein posttrauma tisches Belastungssyndrom er- füllt. Differentialdiagnostisch seien eine organisch b edingte depressive Störung sowie eine Frühdemenz möglich. Der Beschwerdeführer lebe sozial iso liert und vermeide Kontakte; er ha- be seinen Wohnort gewechselt und traue sich nicht, seinen früheren Wohnort aufzusuchen. In therapeutischen Gesprächen wirke er emotional stumpf u nd gleichgültig. Aus psychiatrischer Sicht werde die Leistungsfähigkeit durch die dargestellt en affektiven, psychomotorischen, kog- nitiven, formal gedanklichen und vegetativen Symptome erheblich beeinträchtigt. Zum aktuellen Zeitpunkt bestehe keine verwertbare Arbeitsfähigkeit u nter den Bedingungen der freien Wirt- schaft. 5.2.2 Dr. E.____ verwies den Beschwerdeführer zur Einhol ung einer Beurteilung sowie diag- nostischer Überlegungen an Dr. med. F.____, Facharzt fü r Physikalische Medizin und Rehabili- tation sowie Rheumatologie FMH. In seinem Bericht vom 13. April 2010 diagnostizierte er ein chronisches Lumbovertebralsyndrom bei degenerativen Verä nderungen, insbesondere progre- dienten Osteochondrosen und fortgeschrittener Diskopathi e L4/5 mit Instabilitätszeichen bei aktenmässig klinisch ausgewiesener Wurzelkompression S1 links sowie Coxarthrosen beid- Seite 8 seits, links mehr als rechts, bei Protrusio acetabuli. Dies e Diagnosen hätten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zumindest intermittierend Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Zu beachten sei der Summationseffekt der Rücken- und der Hüftproblematik, da aufgrund der Coxarthrosen eine Einschränkung für längeres Stehen bestehe und wegen der Wirbelsäule eine überwiegend sitzende Tätigkeit nicht zumutbar sei. Zu kritisieren sei zudem die Begutachtung aufgrund einer völlig veralteten und ungenügenden Bildgebung, wobei keine MRI-Untersuchung der LWS durchgeführt worden sei, obschon aktenmässig ein e Neurokompression beschrieben worden sei. Dr. F.____ äusserte zudem den Verdacht auf ein chronisches Müdigkeitssyndrom bei Insomnie mit Schnarchen und dringendem Verdacht au f ein obstruktives Schlaf-Apnoe- Syndrom und Nikotinabusus. 5.2.3 Aufgrund der Beschwerden im Zusammenhang mit d em schlechten Schlaf verwies Dr. F.____ den Beschwerdeführer an Dr. med. G.____, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Pneumologie FMH. In seinem Bericht vom 4. Mai 2010 stellte Dr. G.____ ein mittelschwe- res, latent lageabhängiges obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom und ein upper airway resistance syndrome fest. 5.3 Mit Schreiben vom 29. Juli 2010 nahm Dr. D.____ zu m Schreiben von Dr. E.____ vom 17. April 2010 Stellung. Er hielt zunächst fest, gemäss d en Angaben des Versicherten anläss- lich der Untersuchung habe der inkriminierte Albaner l ediglich auf seinen Sohn geschossen, nicht aber auf den Versicherten selbst. Dies decke sich au ch mit den Angaben im Austrittsbe- richt der KPK Liestal vom 14. Januar 2010. Anlässlich der Untersuchung habe der Beschwerde- führer auch nicht über Flashbacks berichtet; zudem habe si ch kein Vermeidungsverhalten nachweisen lassen. Der Versicherte habe in keinem Zusam menhang erwähnt, dass er aus Angst vor weiterer Gewalt das Haus kaum mehr verlasse. D r. E.____ stelle bei der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung weitgehend auf die subjektiv vom Versicherten ge- klagten Symptome ab. An objektiven Befunden erkläre Dr. E.____ lediglich, dass er den Versi- cherten bei Therapiegesprächen jeweils als emotional stumpf und gleichgültig erlebe. Anlässlich der gutachterlichen Untersuchung habe indessen keine Abg estumpftheit oder Gleichgültigkeit beobachtet werden können, der Versicherte habe im Gegenteil einen vitalen Eindruck hinterlas- sen bei lediglich leichtgradiger Einschränkung der affektiven Modulationsfähigkeit. Es habe sich keine ausgeprägte Schreckhaftigkeit und keine Hypervigi lanz erkennen lassen; der Versicherte habe zudem ohne Zeichen von psychovegetativer Mitbeteilig ung über das traumatisierende Erlebnis berichten können. Dr. E.____ mache hierzu keine Angaben, weshalb die von ihm er- hobenen Befunde im Zusammenhang mit einer posttraumatischen Belastungsstörung als unge- nügend zu bewerten seien. Das gleiche gelte in Bezug au f den von Dr. E.____ diagnostizierten mittleren bis schweren Grad der depressiven Episode. Die Aussage Dr. E.____'s, wonach sich die affektive Störung kontinuierlich verschlechtere, la sse sich durch die anlässlich der gutach- terlichen Untersuchung erhobenen Befunde nicht bestätig en; vielmehr habe im Vergleich mit den Berichten der KPK Liestal, insbesondere aber auch im Vergleich mit dem Bericht von Dr. E.____ vom 11. Januar 2008 (recte: 11. November 2 008) eine deutliche Verbesserung der depressiven Symptomatik festgestellt werden können. Darübe r hinaus sei schon dem Austritts- bericht der KPK vom 14. Januar 2010 zu entnehmen, das s sich die Situation des Versicherten durch seine neue Wohnung deutlich normalisiert habe. Seite 9 5.4 Auf Nachfrage der IV-Stelle äusserte sich Dr. G.__ __ am 26. August 2010 zur Arbeits- fähigkeit des Beschwerdeführers. Er hielt fest, er könne sich aufgrund der bestehenden Poly- morbidität nicht abschliessend zur Arbeitsfähigkeit äussern. Es bestehe jedoch auch seinerseits der Verdacht auf eine deutlich eingeschränkte Arbeitsunf ähigkeit (recte: Arbeitsfähigkeit). Der chronische Schmerzzustand trage auch zum unruhigen Schla f bei, diesbezüglich seien jedoch das obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom und das upper airwa y resistance syndrome deutlich im Vordergrund. 5.5 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens holte die IV-St elle das neurologische Gutach- ten von Dr. med. H.____, Facharzt für Neurologie FMH, vom 6. Dezember 2010 ein. Dr. H.____ diagnostizierte leicht bis mässig ausgeprägte kognitive D efizite teilweise ungeklärter Genese, differentialdiagnostisch durch die rezidivierende depressi ve Störung und das Schlaf-Apnoe- Syndrom mitbedingt. Er stellte ausserdem ein mässig ausgep rägtes Lumbovertebralsyndrom mit Lumboischialgie und sensibler Ausfallsymptomatik S1 l inks sowie links betonte Coxarthro- sen fest. Der Versicherte beklage aktuell Wortfindungsstör ungen, Konzentrationsprobleme, Ge- dächtnisstörungen, rasche Überforderung und Nervosität. Objektiv wirke der Versicherte be- drückt aber, soweit aus neurologischer Sicht beurteilbar , nicht manifest depressiv. Auffallend seien aus verhaltensneurologischer Sicht eine leichte Verl angsamung, eine Begriffsstutzigkeit, vom Versicherten selbst nicht bemerkte Perseverationen, e ine leichte Einschränkung der Ge- dächtnisfunktionen und der Konzentrationsfähigkeit, ve rmehrte Ablenkbarkeit sowie sich wie- derholende Wortfindungsstörungen. Im neurologischen Sta tus zeige sich ein leicht bis mässig ausgeprägtes Lumbovertebralsyndrom mit schmerzhafter Funktionseinschränkung sowie einem sensiblen Defizit entsprechend am ehesten S1 links. Hauptsä chlicher Gegenstand dieses Gut- achtens seien die vom Versicherten geklagten kognitiven De fizite und die MRI-Befunde des Kopfes, welche über das für das Alter des Versicherten g eltende Normalmass hin-ausgehende Veränderungen gezeigt hätten. Die kognitiven Störungen hätten offenbar im Jahr 2008 begon- nen und seither langsam zugenommen. Aktuell seien sie aus verhaltensneurologischer Sicht als leicht bis mässig zu quantifizieren. Differenzialdiagnostisch sei zu erwägen, dass die kognitiven Störungen im Zusammenhang mit der depressiven Störung und dem Schlaf-Apnoe-Symdrom zu sehen seien. In diesem Rahmen seien dann aber Wortf indungsstörungen eher ungewöhn- lich, ebenso die Hinweise auf auch frontale Funktionsstörungen mit verminderter Affektkontrolle. Zudem seien die Befunde in den beiden MRI-Untersuchung en des Kopfes als pathologisch zu werten und könnten ohne Weiteres Ursache der kognitiven F unktionsstörung sein. Nicht mög- lich sei aber ohne eingehende Abklärung eine genaue Di agnose; dementsprechend sei eine neurologische und neuropsychologische Abklärung zu empfehl en, was aber nicht im Rahmen einer Begutachtung für die Invalidenversicherung durchge führt werden könne. Dementspre- chend müssten für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit die aktuellen verhaltensneurologischen und radiologischen Befunde als Grundlage dienen. Aufg rund der leicht- bis mässiggradig aus- geprägten kognitiven Defizite seien dem Versicherten ke ine Arbeiten mehr zumutbar, die we- sentliche Ansprüche an Gedächtnisleistungen, Konzentrat ion und Aufmerksamkeit stellen wür- den. Aus demselben Grund seien auch keine Arbeiten me hr zumutbar, welche das Führen ei- nes Fahrzeugs oder das Arbeiten an gefährlichen Maschinen erfordern würden. Eine Hilfsarbei- tertätigkeit könne unter diesen Bedingungen weiterhin in einem zeitlich vollen Pensum zugemu- tet werden, wobei eine zusätzliche Verminderung der Leistungsfähigkeit wegen der chronischen Müdigkeit und der Verlangsamung bestehe. Diese sei im p sychiatrischen Gutachten vom 26. Januar 2010 aber bereits berücksichtigt. Seite 10 5.6 Dr. E.____ nahm mit Schreiben vom 29. August 2011 Stellung zum neurologischen Gutachten von Dr. H.____. Das Gutachten sei oberflächlich verfasst, ohne Berücksichtigung der Krankheitsentwicklung und der fremdanamnestischen Angaben, und, was ihn effektiv erstaune, ohne Berücksichtigung des Berichts vom 7. Oktober 2009 des Kantonsspitals Liestal über die objektiven radiologischen MRI-Befunde des Gehirns. Anstatt diese Diagnose zu kommentieren, übernehme Dr. H.____ nur die radiologische Beschreibun g. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Dr. H.____ als Neurologe eine Hirnatrophie mit klaren radiologischen und klinischen Zeichen übersehe und dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigke it attestiere. Eine kortikale Hirnatro- phie führe zu einer Verminderung der kognitiven Funkt ionen, Charakterveränderungen, dem Verlust sozialer Fähigkeiten, zur Schädigung des Intel lekts, zu Gedächtnis- und Sprachfunkti- onsstörungen, Apathie oder Euphorie, Verhaltensstörunge n, Störungen im Wahrnehmen, Pla- nen und Erinnern. Sodann sei die Krankheitsentwicklun g des Beschwerdeführers im Gutachten nirgendwo erwähnt; es fehle sogar eine Krankheitsana mnese. Im Weiteren übersehe Dr. H.____ die soziale Isolation des Beschwerdeführers. S chliesslich sei es unverständlich, dass Dr. H.____ dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähig keit attestiere, obwohl er selbst schreibe, dass die kognitiven Leistungen eingeschränkt se ien. Er selbst habe im Verlaufe der Behandlung, anhand der ihm zur Verfügung stehenden U nterlagen, den Ergebnissen der Mini- mental-Status-Untersuchung, dem Uhren-Test sowie der l etzten MRI vom 23. August 2011 fol- gende Diagnosen objektivieren können: eine mittelgrad ige bis schwere depressive Episode oh- ne psychotische Symptome, differentialdiagnostisch eine org anische affektive Störung, eine frontotemporale Demenz (Pick-Krankheit) oder eine Alz heimer-Demenz, sowie eine Posttrau- matische Belastungsstörung seit dem 9. August 2009. Der Be schwerdeführer leide an einer kontinuierlich progredienten, organisch bedingten kognitiven, psychomotorischen und affektiven Störung. Er sei auf dem offenen Arbeitsmarkt überhaupt nicht belastbar. 5.7 In seinem Schreiben vom 30. November 2011 wies Dr. H.____ den Vorwurf, sein Gut- achten sei oberflächlich, unter Verweis auf eine über 90-minütige Anamnese, fremdanamnesti- sche Befragungen der Tochter des Versicherten sowie ein gründliches Aktenstudium zurück. Er hielt fest, die radiologischen Befunde seien sehr wohl erwähnt und diskutiert worden und zitierte die entsprechenden Stellen in seinem Gutachten. Dass Dr. E.____ schreibe, es sei in seinem Gutachten gar keine Krankheitsanamnese beschrieben, sei unverständlich, zumal anamnes- tische Erhebungen auf den Seiten 2 bis 5 seines Gutachte n Platz gefunden hätten. Bezüglich des Vorwurfs, er habe die soziale Isolation des Beschwerdeführers übersehen, sei anzumerken, dass es sich dabei um ein psychiatrisches Problem handle, wel ches aus neurologischer Sicht nicht beurteilt werden könne. Wenn Dr. E.____ sodann einer kortikalen Hirnatrophie verschie- dene Symptome zuschreibe, so sei festzuhalten, dass es nich t möglich sei, aufgrund eines ra- diologischen Befunds zu definieren, welche Symptome ein Mensch aufweise; es handle sich bei den von Dr. E.____ genannten Symptomen lediglich um ei ne Liste von möglichen Erscheinun- gen im Zusammenhang mit degenerativen oder anderweitigen Erkrankungen des Gehirns ohne direkten Bezug zum Beschwerdeführer. Es müsse an dieser St elle auch erwähnt werden, dass der beurteilende Radiologe anlässlich der Untersuchung vo m 23. August 2011 keine wesentli- che Zunahme von Veränderungen gegenüber der Vorunter suchung im Jahr 2009 beschrieben habe. Hinsichtlich der von Dr. E.____ durchgeführten Mi nimental-Status-Untersuchung und des Uhrentests sei festzuhalten, dass es sich dabei nicht um gr ündliche neuropsychologische Un- tersuchungen, sondern eher um oberflächliche und der O rientierung dienende Untersuchungen Seite 11 handle. Zudem müsse noch einmal darauf hingewiesen we rden, dass Minderleistungen in sol- chen Untersuchungen keine Aussage darüber erlaubten, wel che Ursachen diesen Minderleis- tungen zu Grunde lägen. Neben neurologischen Erkrankun gen des Gehirns seien auch andere ursächliche Faktoren wie Depressionen, ein Schlaf-Apnoe-S yndrom und weitere in Betracht zu ziehen. Wenn Dr. E.____ schreibe, dass differentialdiag nostisch eine organisch bedingte de- pressive Störung, eine frühe Demenz sowie eine Alzheimer- Demenz zu erwägen seien, so sei das durchaus richtig. Es entspräche seinen eigenen Empfehlu ngen, wenn weitere Untersu- chungen durchgeführt würden. 6. In der Beschwerde vom 14. September 2011 rügt der Rechtsvertreter des Beschwer- deführers, die gesundheitlichen Beschwerden des Versichert en seien weit gravierender und wirkten sich stärker auf die Arbeitsfähigkeit aus, als von der IV-Stelle angenommen. Er beruft sich dabei insbesondere auf die Berichte Dr. E.____'s vo m 17. April 2010 und vom 29. August 2011, den Bericht Dr. F.____'s vom 13. April 2010 sowie den Bericht Dr. G.____'s vom 29. August 2010. Er verweist zudem auf die Ergebnisse der radiologischen Untersuchung durch das Institut für Medizinische Bild-Diagnostik vom 26. August 2011, wonach ein Morbus Alzhei- mer im Frühstadium nicht ausgeschlossen werden könne. 7.1 Die Kritik Dr. E.____'s am Gutachten Dr. H.____'s hält einer Überprüfung nicht stand. Entgegen den Vorwürfen Dr. E.____'s enthält die neurologische Expertise eine umfassende und sorgfältige Anamneseerhebung, so dass der Vorwurf Dr. E. ____'s, das Gutachten enthalte kei- ne Krankheitsgeschichte, unverständlich ist. Es trifft auch nicht zu, dass Dr. H.____ die kortikale Hirnatrophie übersehen hat. Wie Dr. H.____ in seine r Stellungnahme vom 30. November 2011 richtigstellte, werden die MRI-Befunde des Kopfes im Gu tachten mehrfach erwähnt und auf S. 12 und 13 des Gutachtens diskutiert. Dabei quantifiziert Dr. H.____ die kognitiven Störungen aus verhaltensneurologischer Sicht als leicht bis mässig a usgeprägt. Dies deckt sich mit den Einschätzungen Dr. D.____'s, der die kognitive Störung in seinem psychiatrischen Gutachten als leichtgradig beurteilt hatte; die KPK Liestal hatt e in ihrem Austrittsbericht vom 14. Januar 2010 keine Hinweise für Störungen der Konzentration, Auffassung und Merkfähigkeit feststellen können. Differentialdiagnostisch erwog Dr. H.____, die kognitiven Störungen im Zusammen- hang mit der depressiven Störung und dem Schlaf-Apnoe-Syndroms zu sehen, hielt jedoch fest, in diesem Rahmen seien Wortfindungsstörungen sowie di e Hinweise auf auch frontale Funkti- onsstörungen mit verminderter Affektkontrolle eher ungewöhnlich. Dr. H.____ führte weiter aus, die MRI-Befunde des Kopfes seien als pathologisch zu we rten und könnten ohne Weiteres Ur- sache der kognitiven Funktionsstörungen sein; ohne eingeh endere Abklärung sei jedoch eine genaue Diagnose nicht möglich. Diese Erläuterungen sin d schlüssig und nachvollziehbar. Es leuchtet ein, dass eine präzise Diagnose bei pathologisc hen Veränderungen des Gehirns nicht ohne Weiteres möglich ist und umfangreiche Abklärungen erfordern würde. Vorliegend ist zur Beurteilung des medizinischen Sachverhalts eine Diagnose denn auch nicht zwingend erforder- lich. Massgebend ist vielmehr das Ausmass der kognitiven Beei nträchtigungen und deren Aus- wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Eine präzise Diagno se würde an den festgestellten Ein- schränkungen nichts ändern, sondern hätte lediglich Einfl uss auf die Behandlungsmöglichkei- ten, welche für das vorliegende Verfahren jedoch irr elevant sind. Dr. H.____ hielt hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit fest, aufgrund der leicht- bis mi ttelgradig ausgeprägten kognitiven Defizite seien dem Beschwerdeführer keine Arbeiten mehr zumutbar, welche wesentliche Ansprüche an Gedächtnisleistung, Konzentration und Aufmerksamkeit stell en würden. Es seien auch keine Seite 12 Arbeiten mehr zumutbar, welche das Führen eines Fahrzeu gs oder das Arbeiten an gefährli- chen Maschinen erfordern würden. Diese Beurteilung wir d den Einschränkungen des Be- schwerdeführers gerecht. Dr. E.____'s Auffassung, aufgru nd des Befundes einer kortikalen Hirnatrophie sei der Versicherte auf jeden Fall arbeitsunfähig, leuchtet demgegenüber nicht ein. Wie dies auch Dr. C.____ hinsichtlich der rheumatologisc hen Problematik betonte, lassen bild- gebende Befunde noch keine definitiven Schlüsse über die konkreten Beschwerden eines Pati- enten zu. Wenn Dr. E.____ Symptome auflistet, die bei einer kortikalen Hirnatrophie auftreten können, und daraus die Arbeitsunfähigkeit des Beschwer deführers ableiten will, so ist dies ein Fehlschluss. Insgesamt sind die Einwände Dr. E.____'s nic ht geeignet, den vollen Beweiswert des Gutachtens von Dr. H.____ in Frage zu stellen. 7.2.1 In psychiatrischer Hinsicht kritisierte Dr. E.____ in seinem Schreiben vom 17. April 2010 insbesondere, dass Dr. D.____ in seinem Gutachten ke ine posttraumatische Belastungs- störung diagnostiziert habe. Zudem beurteilte er die depressive Episode hinsichtlich des Schweregrads als mittelgradig bis schwer, während Dr. D._ ___ eine leicht- bis mittelgradige depressive Episode diagnostizierte. Die Diagnose einer p osttraumatischen Belastungsstörung wurde von Dr. D.____ in seinem Gutachten besprochen; er kam jedoch zum Schluss, dass eine posttraumatische Belastungsstörung nicht vorliege, da sich keine eigentlichen Flashbacks und kein Vermeideverhalten habe nachweisen lassen. Der Ver sicherte habe ohne äussere psycho- vegetative Mitbeteiligung über das traumatisierende Ere ignis berichten können und es habe sich auch keine Hypervigilanz, keine ausgeprägte Schreckha ftigkeit und keine emotionale Stumpfheit oder Gleichgültigkeit anderen Menschen ge genüber erkennen lassen. In seinem Schreiben vom 29. Juli 2010 hielt Dr. D.____ fest, die von Dr. E.____ erhobene Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung beruhe weitgehend au f den vom Beschwerdeführer sub- jektiv geklagten Symptomen. An objektiven Befunden erklär e Dr. E.____ lediglich, dass er den Versicherten bei Therapiegesprächen jeweils als emotion al stumpf und gleichgültig erlebe. Auf- fallend ist, dass das von Dr. E.____ in seinem Schreiben vom 17. April 2010 gezeichnete klini- sche Bild des Beschwerdeführers in starkem Widerspruch zu den von Dr. D.____ erhobenen Befunden steht. Dr. E.____ hielt fest, das klinische Bild sei durch gedrückte Stimmung, Freud- und Interesselosigkeit, emotionale Stumpfheit, Gleichgü ltigkeit sowie allgemeine Anhedonie gekennzeichnet. Dazu weise er eine Störung der Vitalg efühle, Gefühle der eigenen Wertlosig- keit, eine fehlende Zukunftsorientierung sowie eine s tarke soziale Rückzugstendenz auf und zeige erhebliche Verzweiflung. Es bestehe Lebensüberdruss, Flashbacks, Schlafstörungen und Albträume. Demgegenüber stellte Dr. D.____ in seinem Gutachten eine ernste, aber nicht be- drückte Stimmung fest. Der Versicherte habe keinen im Af fekt deutlich schwer deprimierten oder gar affektarmen Eindruck hinterlassen. Es liessen sich zwar ein- bis zweimal wöchentlich auftretende Albträume, jedoch keine Flashbacks nachweisen. In seinem Schreiben vom 29. Juli 2010 hielt Dr. D.____ zudem fest, anlässlich der gutacht erlichen Untersuchung habe keine Ab- gestumpftheit oder Gleichgültigkeit beobachtet werden können, der Versicherte habe im Gegen- teil einen vitalen Eindruck hinterlassen bei lediglich leichtgradiger Einschränkung der affektiven Modulationsfähigkeit. Hier ist zunächst bedeutsam, dass au ch von der Kantonalen Psychiatri- schen Klinik (KPK) Liestal, wohin sich der Beschwerdeführe r nach dem Schusswechsel in sei- ner Wohnung im August 2009 in Behandlung begab, in i hren Berichten vom 20. November 2009 sowie vom 14. Januar 2010 nicht die Diagnose eine r posttraumatischen Belastungsstö- rung gestellt wurde. Sodann fällt auf, dass die Ärzte d er KPK Liestal den Beschwerdeführer zum Zeitpunkt seiner Entlassung am 19. Oktober 2009 zwa r als vollständig arbeitunfähig ansa- Seite 13 hen, im Bericht vom 20. November 2009 jedoch eine Wi ederaufnahme der beruflichen Tätigkeit im Dezember 2009 oder Januar 2010 vorschlugen, wobei sie einen Einstieg in einem 50%- Pensum als sinnvoll erachteten. Die Ärzte der KPK Liestal erwarteten von der ambulanten Weiterbehandlung mit Gesprächs- und Psychopharmakotherapi e offensichtlich eine Besserung des Zustandes des Versicherten, dies nachdem die depressive S ymptomatik schon während des stationären Aufenthaltes durch die psychopharmakologi sche Behandlung nachgelassen hatte und sich die Situation des Versicherten in Bezug au f seine Ängste durch eine neue Woh- nung deutlich normalisiert hatte. Diese Erwartung dec kt sich mit den von Dr. D.____ effektiv festgestellten Befunden anlässlich seiner gutachtlichen U ntersuchung vom 11. Januar 2010. Das von Dr. E.____ geschilderte klinische Bild entspricht h ingegen einem erwartungswidrig schweren Verlauf der Krankheit. Hinweise für einen solch en Verlauf sind indessen in den übri- gen Akten nicht enthalten. Es kommt der Eindruck auf, dass Dr. E.____ aus versicherungstech- nischen Überlegungen die gesundheitliche Situation sein es Patienten aggravierend darstellt. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die Tatsache, dass Dr. E.____ ohne Angabe irgendwel- cher Werte behauptet, die medikamentöse Compliance se i mittels Blutspiegelkontrollen nach- gewiesen worden, obwohl Dr. D.____ in seinem Gutacht en festgestellt hatte, dass der Be- schwerdeführer die ihm verordneten Psychopharmaka nur tei lweise regelmässig einnehme, was sich wiederum durch den dem Gutachten beigelegten L aborbericht eindeutig verifizieren lässt. Insgesamt erscheint das Gutachten von Dr. D.____ somi t glaubwürdiger als das ihm wi- dersprechende Schreiben von Dr. E.____ vom 17. April 2010. 7.2.2 In seinem Schreiben vom 5. Dezember 2011 nahm Dr . D.____ im Übrigen zum Vor- wurf Dr. E.____'s Stellung, er habe in seinem Gutachte n das Vorliegen einer kortikalen Hirnat- rophie nicht berücksichtigt. Er hielt fest, die MRI-Befu nde seien in seinem Gutachten wohl er- wähnt worden, hätten sich jedoch aus rein psychiatrischer Sicht nicht schlüssig beurteilen las- sen, weshalb er ein neurologisches Gutachten empfohlen habe. Dr. E.____ müsse Recht gege- ben werden, wenn er eine organisch-affektive Störung eb enfalls in Betracht ziehe. Das Vorlie- gen einer solchen könne ohne klare Diagnose einer Demen z indessen nicht bestätigt werden. In diesem Kontext sei zudem zu erwähnen, dass sich am Schwer egrad der Depression auch dann nichts ändern würde, wenn sie im Rahmen einer org anischen affektiven Störung betrach- tet werden müsste. Eine Änderung in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit würde sich diesbe- züglich somit nicht aufdrängen. Diese Ausführungen ver mögen zu überzeugen. Insgesamt sind das Gutachten von Dr. D.____ sowie seine ergänzenden Ste llungnahmen vom 29. Juli 2010 und vom 5. Dezember 2011 umfassend, leuchten in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und sind nachvollziehbar begründet. Die IV-Stelle hat daher in ihrer Verfügung vom 2. Au- gust 2011 zu Recht darauf abgestellt. 7.3 Hinsichtlich der Beschwerden des Versicherten am Bewegu ngsapparat ist festzuhal- ten, dass Dr. C.____ zwar progrediente degenerative Ver änderungen im distalen Teil der Wir- belsäule und im Bereich der Hüftgelenke feststellte; i n der klinischen Untersuchung konnte er aber doch noch eine gewisse Belastbarkeit konstatieren. Aufgrund der symptomatischen dege- nerativen Veränderungen an Hüftgelenken und Wirbelsäu le seien dem Versicherten nur noch leichte bis intermittierend mittelschwere, rückenadaptie rte Tätigkeiten zumutbar. Die rheumato- logischen Beschwerden des Versicherten wirken sich also insofe rn auf die Arbeitsfähigkeit aus, als ihm gewisse Belastungen nicht mehr zumutbar sind. Darüber hinaus haben sie gemäss Dr. C.____ jedoch keine weiteren Einschränkungen der L eistungsfähigkeit zur Folge. Die Ein- Seite 14 schätzungen Dr. C.____'s leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. I m Gutachten wird insbesondere auf nach- vollziehbare Weise begründet, weshalb von der Einschätz ung Dr. E.____'s in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit abgewichen wird. So legte Dr. C.__ __ dar, dass sich die Beurteilung Dr. E.____'s hinsichtlich der somatischen Diagnosen offensi chtlich auf morphologische Überle- gungen stütze. Es sei dagegen bekannt, dass die Korrela tion zwischen den bildgebenden Be- funden und den resultierenden Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparates in der Regel nicht gut sei. Aus diesem Grund könne nicht prinzipiell von einer morphologischen Veränderung auf eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geschlosse n werden. Es sei vielmehr wichtig, dass auf die entsprechenden klinischen Befunde abgestellt we rden könne. Diesbezüglich seien ein- zig Zeichen von diskogenen Kreuzschmerzen teilweise vorhand en gewesen. Diese Erläuterun- gen sind schlüssig. Auch dem medizinischen Laien erscheint es nachvollziehbar, dass sich de- generative Veränderungen nicht zwingend klinisch manifestieren und dass nicht von bildgeben- den Befunden auf eine Arbeitsunfähigkeit geschlossen we rden kann. Anzumerken ist zudem, dass der behandelnde Arzt des Beschwerdeführers, Dr. med. I.____, Facharzt für Innere Medi- zin FMH, in seinem Bericht vom 3. Dezember 2008 explizit festhielt, dass aus rheumatologisch- orthopädischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit vorliege . Hier besteht somit eine Übereinstim- mung zum Gutachten von Dr. C.____. Selbst Dr. F.____, an den der Beschwerdeführer von Dr. E.____ verwiesen worden war, äusserte sich hinsichtlich allfälliger Auswirkungen der rheu- matologischen Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit äusse rst vorsichtig, indem er festhielt, die Diagnosen hätten mit an Sicherheit grenzender Wahrsche inlichkeit zumindest intermittierend Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Entgegen der Au ssage Dr. F.____'s, wonach er ganz andere Diagnosen stellen müsse als Dr. C.____, fallen zu dem hinsichtlich der Diagnosen keine wesentlichen Diskrepanzen zwischen den beiden fachärztlichen Einschätzungen auf. Unter- schiede sind lediglich darin ersichtlich, dass einerseits der Diagnosenkatalog im Gutachten Dr. C.____'s umfangreicher und präziser ausfällt als im Bericht Dr. F.____'s, und dass anderer- seits Dr. F.____ den Verdacht auf ein Facettensyndrom links sowie ein Radikulärsyndrom äus- sert, was Dr. C.____ ablehnt. Es handelt sich dabei alle rdings auch bei Dr. F.____ nur um Ver- dachtsdiagnosen. Im Übrigen widersprach auch Dr. H._ ___ dem Gutachten Dr. C.____'s inso- fern, als seines Erachtens von einer radikulären Sympto matik, entsprechend am ehesten S1 links, auszugehen sei. Die Beurteilung der Arbeitsfähigk eit durch Dr. C.____ erachtete Dr. H.____ jedoch als korrekt. Insgesamt besteht somit kei n Anlass, die Einschätzungen Dr. C.____'s in Zweifel zu ziehen. 8. Insgesamt ist nach dem Gesagten somit festzuhalten, d ass die IV-Stelle zu Recht auf das rheumatologische Gutachten von Dr. C.____, das psychiatrische Gutachten von Dr. D.____ sowie das neurologische Gutachten von Dr. H.____ abges tellt hat. Die Gutachten sind umfas- send, beruhen auf einer sorgfältigen Anamneseerhebun g und einem gründlichen Studium der Vorakten, sind in der Darlegung der medizinischen Zusa mmenhänge einleuchtend und sind schlüssig begründet. Demgegenüber sind die Schlussfolgeru ngen Dr. E.____'s nicht nachvoll- ziehbar und beruhen teilweise auf dem Fehlschluss, die Ar beitsfähigkeitseinschätzung allein aufgrund bildgebender Befunde statt des konkreten klini schen Beschwerdebildes des Versi- cherten vorzunehmen. Zudem sind einige seiner Aussagen nachgewiesenermassen nicht kor- rekt, so die Bemerkung, Dr. H.____ habe in seinem Guta chten keine Krankheitsgeschichte be- schrieben, oder die Behauptung, die medikamentöse Comp liance sei mittels Blutspiegelkontrol- len belegt. Es entspricht allgemeiner Erfahrung, dass b ehandelnde Ärzte mitunter im Hinblick Seite 15 auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei felsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. E. 4.4 hiervor). Vorliegend trifft dies in besonderem Masse zu. Aus diesem Grund kann den Berichten Dr. E.____'s kein voller Beweiswert zuerkannt werden. 9.1 Der Beschwerdeführer rügt weiter, der von der IV -Stelle vorgenommene Einkommens- vergleich sei nicht korrekt, da sie keinen leidensbedingten Abzug vorgenommen habe. Aufgrund der multiplen Einschränkungen des Beschwerdeführers bezog en auf die Art und den Umfang der noch möglichen Tätigkeit, sein Alter, seine Ausbildung und seine Herkunft sei ein maximaler leidensbedingter Abzug von 25% vorzunehmen. 9.2.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstäti gen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (vgl. Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der I nvaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versi- cherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkom- men, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalid ität und nach Durchführung der medizi- nischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätig- keit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein- ander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (vgl. BGE 104 V 136, E. 2a). 9.2.2 Gesundheitlich beeinträchtigte Versicherte, die ni cht mehr voll leistungsfähig sind, ha- ben erfahrungsgemäss eine Reduktion des üblichen Lohna nsatzes hinzunehmen. Aus diesem Grund sind von einem anhand der Tabellenlöhne der LS E erhobenen Invalideneinkommen pra- xisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das damalige EVG seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterentwickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen de s konkreten Einzelfalles abhängt (leidensbedingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dien stjahre, Nationalität / Aufenthaltska- tegorie und Beschäftigungsgrad), welche nach pflichtgem ässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn un ter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf ins gesamt höchstens 25% zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). Ein Abzug soll aber nicht auto matisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die ver sicherte Person wegen eines oder mehrerer der genannten Merkmale ihre gesundheitlich be dingte Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterli che Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob de r zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzi- pien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zwe ckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetätigung der Vorinstanz eingegriffen werden, muss sich die rich- terliche Behörde demnach auf Gegebenheiten abstützen kön nen, die eine abweichende Er- messensausübung als näher liegend erscheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6, Urteil des EVG vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). Seite 16 9.3.1 Die IV-Stelle ermittelte in ihrer Verfügung v om 2. August 2011 gestützt auf die Anga- ben der ehemaligen Arbeitgeberin des Beschwerdeführer s und unter Berücksichtigung der No- minallohnentwicklung von 2,4% im Sektor D (Industrie, ve rarbeitendes Gewerbe) ein Valide- neinkommen von Fr. 59'302.--. Für die Berechnung des Invalideneinkommens stellte die IV- Stelle auf die Schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik 2008, Tabel- le TA1, Privater Sektor, Anforderungsniveau des Arbeit splatzes 4, ab. Den sich hieraus erge- benden Betrag von Fr. 4'806.-- monatlich bei vierzig Wochenstunden passte sie an die Nominal- lohnentwicklung von 2,1% an und rechnete ihn auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden um. Auf zwölf Monate hochgerechnet er gab sich dadurch ein Betrag von Fr. 61'386.--, was, angepasst an ein 70%-Pensum, ein I nvalideneinkommen von Fr. 42'970.-- ergab. Aus der Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens resultierte ein Invaliditätsgrad von 28%. 9.3.2 In ihrer Vernehmlassung vom 6. Januar 2012 korrig ierte die IV-Stelle den Einkom- mensvergleich insofern, als sie bei der Festlegung des Va lideneinkommens einerseits neu den 13. Monatslohn berücksichtigte, andererseits jedoch die K inderzulagen in der Höhe von Fr. 220.-- monatlich in Abzug brachte. Sie errechnete so ein Valideneinkommen von Fr. 61'314.--. Hinsichtlich des Invalideneinkommens stellte die IV-Stelle fest, dem Beschwerde- führer sei aufgrund des noch möglichen Umfangs einer Erw erbstätigkeit ein Teilzeitabzug von 10% zu gewähren. Ein weitergehender Abzug rechtferti ge sich nicht. Aus der Gegenüberstel- lung des so reduzierten Invalideneinkommens von Fr. 38' 673.-- und des Valideneinkommens ergab sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 37%. 9.4 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die IV-Stelle de m Beschwerdeführer in ihrer Ver- nehmlassung einen leidensbedingten Abzug von 10% im Sin ne eines Teilzeitabzuges zuge- stand. Dies erweist sich als rechtens. Ein weiterer Abzug a ufgrund der depressiven Symptoma- tik und der kognitiven Defizite rechtfertigt sich nicht, da die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die 30%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ber eits berücksichtigt wurden. Die IV- Stelle weist sodann unter Hinweis auf einschlägige Entsch eide des Bundesgerichts zu Recht darauf hin, dass vorliegend keine weiteren Faktoren einen Abzug vom Tabellenlohn angebracht erscheinen lassen. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die korrekten Ausführungen der IV-Stelle verwiesen werden. Ein maximaler leidensbedin gter Abzug von 25% ist somit nicht ge- rechtfertigt. Die Berechnung der Vergleichseinkommen i n der Vernehmlassung der IV-Stelle vom 6. Januar 2012 erweist sich als korrekt. 9.5 Der von der IV-Stelle ermittelte IV-Grad von 37 % liegt unter dem für einen Rentenan- spruch mindestens erforderlichen IV-Grad von 40 %. Die IV -Stelle hat demnach einen Renten- anspruch des Versicherten zu Recht abgelehnt. Die gegen die betreffende Verfügung vom 2. August 2011 erhobene Beschwerde erweist sich als unbeg ründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in de- Seite 17 nen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrens- kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahme ns einheitlich auf 600 Franken fest. Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 20. Ok tober 2011 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss § 22 Abs. 1 VPO gewährt wurde, geh en die Verfahrenskosten in der Hö- he von Fr. 600.-- zu Lasten der Gerichtskasse. 10.2 Ebenfalls mit Verfügung vom 20. Oktober 2011 wur de dem Beschwerdeführer die un- entgeltliche Verbeiständung durch seinen Rechtsvertret er gemäss § 22 Abs. 2 VPO gewährt. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner H onorarnote vom 7. Februar 2012 einen Aufwand von 7.6 Stunden geltend gemacht, was sich als angemessen erweist. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 180 .-- pro Stunde. Es ergibt sich ein Hono- rar von Fr. 1'368.--. Die Auslagen in der Höhe von Fr . 266.50 sind sodann nicht zu beanstan- den. Es resultiert eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'765.25 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer), die dem Rechtsvertreter des Beschwerdef ührers aus der Gerichtskasse ent- richtet wird. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'765.25 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht