B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4173/2013 U r t e i l v o m 2 0 . J a n u a r 2 0 1 4 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Gérald Bovier, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiber Alfred Weber. Parteien A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B._______, geboren (…), und deren Kind C._______, geboren (…), Sri Lanka, alle vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…) Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 19. Juni 2013 / N (…). D-4173/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden liessen durch ihren Rechtsvertr eter mit als "Asylgesuch im Ausland" bezeichneter Eingabe vom 10. November 2008 beantragen, auf ihr Asylgesuch sei einzutreten, es sei ihnen zwecks Durchführung eines ordentlichen Asylverfahrens die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und es sei ihre Flü chtlingseigenschaft festzustel- len. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Beschwerde- führenden, Tamilen aus D._______, seien am 21. Juni 2007 von Sri La n- ka nach Malaysia geflüchtet , wo sie sich s either ohne Aufenthaltsbewilli- gung aufhalten würden und vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt wo r- den seien. Im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 14. Februar 2008 sei zusammenfassend festgehalten worden, dass sich die Siche r- heitslage in Sri Lanka seit 2006 kontinuierlich verschlechtert habe. Damit stehe fest, dass die Beschwerdeführenden nicht nach Sri Lanka zurüc k- kehren könnten. Ebenso könne ihnen ein Leben in Malaysia nicht zuge- mutet werden. Der Bruder der Beschwerdeführerin (P . M.) sei in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden und verfüge über Asyl, womit die vorausgesetzte Beziehungsnähe zur Schweiz bestehe. Den B e- schwerdeführenden sei raschmöglichst die Einreise in die Schweiz zu bewilligen. B. Mit Schreiben des BFM vom 12. Dezember 2008 wurde die Schweizer i- sche Botschaft in Malaysia unter Beilage einer Kopie der Eingabe des Rechtsvertreters vom 10. November 2008 ersucht, die Beschwerdefü h- renden zu befragen und anschliessend die Befragungsprotokolle zusam- men mit dem Bericht ans BFM zuzustellen. C. Nachdem eine Durchsicht der Akten ergeben hat te, dass weder der Rechtsvertreter noch die Beschwerdeführenden selbst sich seither mit den Schweizer Behörden in Verbindung setzten, wurde der Rechtsvertre- ter der Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 7. Mai 2013 aufgefor- dert, dem BFM bis zum 8. Juni 2013 mitzuteilen, ob diese noch an ihre n Asylgesuchen festzuhalten gedenken, und gegebenenfalls dem Bunde s- amt eine den Beschwerdeführenden klar zurechenbare Willensäusserung zuzustellen. Bejahendenfalls wurde innert gleicher F rist die Gelegenheit eingeräumt, den Schweizer Behörden die aktuelle Situation sowie allfäll i- ge, seit dem 10. November 2008 neue und mit den Asylgesuch en zu-D-4173/2013 Seite 3 sammenhängende wichtige Ereignisse darzulegen und neue Beweismittel nachzureichen. Unter Beilage ein es explizit aufgelisteten Fragekatalogs wurden die Beschwerdeführenden gebeten, die entsprechenden Fragen genau und konkret zu beantworten. D. In der Stellungnahme des Rechtsvertreters vom 3. Juni 2013 wurden z u- nächst zwei zwischenzeitlich geborene Kinder d er Beschwerdeführenden Sathiyaseelan Sathurthika, geboren am 25. Oktober 2009 , und Sathiya- seelan Mahisha, geboren am 29. Januar 2013 aufgeführt. Sodann wurde ausgeführt, der in regelmässigem Kontakt mit der Beschwerdeführerin stehende Bruder P .M. habe sich mit ihr in Verbindung gesetzt und unter Beizug ihrer Angaben die vom BFM gestellten Fragen schriftlich bean t- wortet. Dieses Schreiben gelte zusammen mit dem Asylgesuch vom 10. November 2008 und der damals eingereichten Vollmacht als den B e- schwerdeführenden zurechenbare Willensäusserung betreffend die Schutzsuche in der Schweiz. Zur Begründung wurde darin im Wesentl i- chen ausgeführt, der Bruder der Beschwerdeführerin P . M. und derjenige des Beschwerdeführers M. K. seien Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen. Die Beschwerdeführenden und ihre Fam i- lien seien von der Armee, Polizei und unbekannten tamilischen Gruppen wiederholt behelligt worden. Im Jahr 2004 sei S.M. , ein anderer Bruder der Beschwerdeführerin, von unbekannten Gruppen dre imal entführt und misshandelt worden. Anfangs 2006 sei S.M. zusammen mit einem weit e- ren Bruder V.M. einmal von der Polizei verhaftet und misshandelt worden. Nach der Heirat der Beschwerdeführenden im Mai 2006 hätten die Behel- ligungen durch die Polizei und andere Gruppierungen fortgedauert. An- fangs 2007 bis Juni 2007 sei V.M. mehrmals entführt worden. Am 16. Juni 2007 habe die Familie aufgrund der andauernden Behelligungen en t- schieden, E._______ zu verlassen. Am 21. Juni 2007 seien sie auf dem Luftweg nach Malaysia ausgereist. Dort würden sie unter schwierigen Bedingungen leben und befürchten , jederzeit nach Sri Lanka zurückg e- schickt werden zu können. E. Mit Verfügung vom 19. Juni 2013 – eröffnet am 21. Juni 2013 – verwei- gerte das Bundesamt de n Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz und lehnte d ie Asylgesuche ab. Die Verfügung bezog sich auf die im Rubrum des Urteils genannten Personen. Zur Begründung wurde unter Verweis auf die Rechtsprech ung (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15) im D-4173/2013 Seite 4 Wesentlichen ausgeführt, dass die Anwesenheit eines Bruders einer g e- suchstellenden Person für sich allein nicht eine genügend enge Bezi e- hung mit der Schwe iz zu begründen vermöge. Aus dem Aufenthalt von zwei Brüdern der Beschwerdeführerin in der Schweiz ergebe sich keine Beziehungsnähe zur Schweiz, welche eine Einreisebewilligung aus dem sicheren Drittstaat Malaysia begründen könnte, zumal zwischen den B e- schwerdeführenden und diesen beiden Personen wegen deren langjähr i- ger Landesabwesenheit keine besonders enge Beziehung bestanden h a- ben könne. Sodann sei festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführenden seit Juni 2007 in Malaysia aufhalten und über UNHCR -Ausweise verf ü- gen würden, die sie dazu berechtigen würden, sich in diesem Land frei zu bewegen. Obschon Malaysia die Flüchtlingskonvention nicht unterzeic h- net habe, bestünden gemäss Erkenntnissen des BFM indessen keinerlei Hinweise darauf, dass dieses Land sich in der Obhut des UNHCR befind- liche Personen in ihre Herkunftsländer zurückführe. Den Akten seien auch keine konkreten oder glaubhaft dargelegten Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass die Beschwerdeführenden einreiserelevante Nachteile erlitten hätten oder ihnen dort solche drohen würden. Aufgrund ihres dor- tigen, mittlerweile sechsjährigen Aufenthalts müsse davon ausgegangen werden, dass sie sich eine wirtschaftliche Existenzgrundlage hätten e r- schaffen können und über ein entsprechend tragfähiges Beziehungs netz verfügen würden. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass ein Verbleib der Beschwerdeführenden in Malaysia möglich und zumutbar sei, wo sie nicht befürchten müssten, in ihr Heimatland zurückgeführt zu werden. Angesichts dessen sei – bezogen auf ihr Heimatland – von einer materiel- len Prüfung der geltend gemachten Verfolgungsgründe abzusehen. Die eingereichten Dokumente würden daran nichts ändern, stützten sie doch lediglich Vorbringen, deren Glaubhaftigkeit vorliegend nicht in Frage g e- stellt werde. F. Mit Eingabe vom 22. Juli 2013 an das Bundesverwaltungsgericht liessen die Beschwerdeführenden unter Kosten - und Entschädigungsfolge bean- tragen, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihnen zwecks Durchführung eines ordentlichen Asylverfahrens die Ein reise in die Schweiz zu bewilligen beziehungsweise ihnen Asyl zu gewähren oder je- denfalls die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten und es sei die unentgeltliche Pr o- zessführung zu gewähren. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D-4173/2013 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen – ein- zutreten. 1.4 Das BFM bewilligte gemäss Dispositiv der angefochtenen Verfügung die Einreise in die Schweiz nicht und lehnte die Asylgesuche ab. Auf den Beschwerdeantrag auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ist nicht einzutreten, da die vorinstanzliche Verfügung keine Feststellung betre f- fend die Flüchtlingseigenschaft enthält und dies somit nicht Gegenstand des Urteils sein kann. D-4173/2013 Seite 6 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Mit der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft trat, wurden u n- ter anderem die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsregelungen halten jedoch fest, dass für die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Än derung vom 28. September 2012 gestellten Gesuche die massgeblichen Artikel (Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fassung anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden Fall die bisherigen Bestimmungen betreffend das Auslandverfahren anzuwenden. 4. 4.1 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3 und Art. 7 AsylG sowie alt Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss alt Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf alt Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenöss i- sche Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) schweizerische Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Lei b und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 4.2 Ein Asylgesuch kann gemäss alt Art. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (alt Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Ver- fahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt (Art. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklär ung kann sich erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als en t-D-4173/2013 Seite 7 scheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Person ist aber diesfalls im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu ei - nem abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu äussern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7). 4.2.1 Die Beschwerdeführenden wurden nicht zu ihren Asylgesuchen be- fragt. Sie legten ihre Vorbringen jedoch bereits i m von ihrem Rechtsve r- treter in der Schweiz eingereichten Asylgesuch vom 1 0. November 2008 schriftlich dar (vgl. Sachverhalt Bst. A). Da sich weder der Rechtsvertreter noch die Beschwerdeführenden selbst seither mit den Schweizer Behö r- den in Verbindung gesetzt hatten, wurde der Rechtsvertreter der B e- schwerdeführenden mit Verfügung vom 7. Mai 2013 aufgefordert, dem BFM innert angesetzter Frist mitzuteilen, ob diese noch an ihre n Asylge- suchen festzuhalten gedenken, und gegebenenfalls dem Bundesamt eine den Beschwerdeführenden klar zurechenbare Willensäusserung zuzustel- len. Bejahendenfalls wurde den Beschwerdeführenden innert gleicher Frist die Gelegenheit eingeräumt, den Schweizer Behörden die aktuelle Situation sowie allfällige, seit dem 10. November 2008 neue und mit den Asylgesuchen zusammenhängende wichtige Erei gnisse darzulegen und neue Beweismittel nachzureichen. Unter Beilage eines explizit aufgelist e- ten Fragekatalogs für die vollständige Erstellung des rechtserheblichen Sachverhalts wurden die Beschwerdeführenden gebeten, die entspr e- chenden Fragen genau und k onkret zu beantworten (vgl. Sachverhalt Bst. C). Hierzu nahmen die Beschwerdeführenden am 3. Juni 2013 schriftlich Stellung (vgl. Sachverhalt Bst. D). Der e ntscheidwesentliche Sachverhalt erscheint angesichts der schriftlichen Dar legung der Asy l- gründe (vgl. Sachverhalt Bst. A und D) soweit erstellt, dass die entscheid- relevanten Elemente vorliegen. 4.2.2 Bei dieser Sachlage bestand keine Veranlassung, d ie Beschwer- deführenden vorgängig eines Entscheides durch eine schweizerische Vertretung zusätzlich persönlich befragen zu lassen. Das BFM hat den verfahrensrechtlichen Anforderungen damit Genüge getan. 4.3 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum z u- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbar keit D-4173/2013 Seite 8 zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Einglied e- rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. 5. 5.1 Halten sich die asylsuchenden Personen – wie im vorliegenden Fall – in einem Drittstaat auf, bedeutet dies noch nicht zwin gend, dass es ihnen auch zuzumuten ist, sich dort um Aufnahme zu bemühen. In einem so l- chen Fall ist aber im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, die betreffenden Personen haben in diesem Drittstaat bereits den erforderl i- chen Schutz gefunden, was in de r Regel zur Ablehnung der Asylgesuche und der Verweigerung der Einreisebewilligungen führt. In jedem Falle sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit einer allfälligen Bezi e- hungsnähe zur Schweiz abzuwägen (vgl. BVGE 2011/10). 5.2 Vorab ist festzuhalten, dass sich die Beschwerde auf eine grundsät z- liche Wiederholung der bisherigen Vorbringen beschränkt und mithin kei- ne neuen Sachverhaltselemente geltend gemacht werden . Die Überpr ü- fung der Akten ergibt sodann, dass sich die diesbezüglichen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung als zutreffend erweisen (vgl. Sachverhalt Bst. E). Das BFM hat in seiner Verfügung vom 19. Juni 2013 korrekt aus- geführt, es könne davon ausgegangen werde n, dass sich die seit dem Jahre 2007 in Malaysia aufhaltenden und vom UNHCR als anerkannte Flüchtlinge mit entsprechend ausgestellten Ausweisen registrierten Be- schwerdeführenden von den malaysischen Behörden wirksamen Schutz vor Verfolgung und Rückschaffung in den Heimatstaat erhalten würden. In der Beschwerde wird mit Verweis auf ein von der im Rubrum erwähnten Rechtsvertretung, namentlich in der Person des Rechtsvertreters (A n- merkung des Bundesverwaltungsgerichts), geführte s Beschwerdeverfah- ren (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-1169/2009 vom 6. März 2009) der Einwand erhoben, dass unter anderem gemäss dem Report 2012 von Amnesty International Malaysia sicher im August 2011 gegen den Grundsatz des Non-Refoulement verstossen habe, indem es chinesi- sche Staatsangehörige nach China abgeschoben habe. Aus demselben Bericht gehe auch hervor, dass der oberste Gerichtshof von Australien den rechtlichen Schutz für Flüchtlinge in Malaysia als nicht ausreichend beurteile. Die Situation in Malaysia präsentiere si ch somit heute nicht mehr gleich wie im Zeitpunkt des Urteils D-1169/2009. Gemäss Kenntnis- sen des Bundesverwaltungsgerichts erweist sich der Einwand als unb e- gründet und die Beschwerdeführenden vermögen daraus nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Als vergleichsweise relativ kleine Gruppe von tamil i-D-4173/2013 Seite 9 schen Flüchtlingen haben sie von den Behörden wenig zu befürchten, da sich deren Anstrengungen in erster Linie gegen die zahlreichen burmesi- schen und philippinischen Einwanderer und Flüchtlinge richten. Ferner ist bekannt, dass die malaysischen Behörden in der Regel mit dem UNHCR kooperieren und diesem gar potenzielle Flüchtlinge melden. Flüchtlinge mit UNHCR -Ausweisen, welche b ei gelegentlichen sich gegen illegale Migranten richtenden Razzien festgenommen werden, we rden aufgrund der Dokumente wieder freigelassen. Was sodann die Erwerbstätigkeit anbelangt, so wird registrierten Flüchtlingen in Malaysia eine solche von Gesetzes wegen zwar nicht erlaubt, die Behörden intervenieren aber auch nicht, wenn die betreffenden Personen Gelegenheitsbeschäftigun- gen nachgehen (vgl. zum Ganzen US Department of State, Country R e- port on Human Rights Practices 2012 – Malaysia, 19.4.2013). In der B e- schwerde wird denn auch eingestanden, dass die Beschwerdeführenden im Stundenlohn arbeiten würden, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Annahme der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung erscheint nicht abwegig, wonach sich die Beschwerdeführenden zwischenzeitlich eine wirtschaftliche Existenzgrundlage hätten erschaffen können und über ein entsprechend tragfähiges Beziehungsnetz verfügen würden. Im vor- liegenden Verfahren bestehen somit keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, dass ein weiterer Verbleib in Malaysia, wo die Beschwerde- führer seit nunmehr sechseinhalb Jahren leben und vom UNHCR als Flüchtling registriert sind, nicht zumutbar oder nicht möglich ist. Zur Un- termauerung dieser Feststellung sei d er Vollständigkeit halber noch e r- wähnt, dass es sich im vom Rechtsvertreter zitierten Verfahren D-1169/2009 um den Bruder der Beschwerdeführerin, V.M., handelt, der gemäss Stellungnahme vom 3. Juni 2013 zusammen mit ihr und anderen Familienangehörigen Sri Lanka im Jahre 2007 verlassen hat, inzwischen verheiratet ist, an derselben Adresse wie die Beschwerdeführenden wohnt und über eine Arbeitsbewilligung verfügt. 5.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorliegend keine konkreten Hinweise dafür bestehen, d ie Beschwerdeführenden seien gegenwärtig einer konkreten Gefährdung ausgesetzt oder h ätten eine unmittelbar dro- hende Wegweisung nach Sri Lanka zu befürchten. 5.4 Schliesslich ist – wie die Vorinstanz zusammenfassend festhielt – festzustellen, dass sich allein aufgrund der zwei sich in der Schweiz au f- haltenden Brüder der Beschwerdeführerin noch keine besondere Bezi e- hungsnähe zur Schweiz ergibt, die eine Einreisebewilligung aus dem s i- cheren Drittstaat Malaysia begründen könnte. Die in der Beschwerde in D-4173/2013 Seite 10 diesem Zusammenhang gegen die vorinstanzlichen Erwägungen geric h- teten Argumente sind ungeeignet respektive die in der Rechtsschrift ve r- tretene Auffassung erweist sich als nicht stichhaltig. Zum einen wird expli- zit eingeräumt, dass die Beschwerdeführerin und ihre hier lebenden Br ü- der heute nicht mehr zur selben Kernfamilie gehören, dies aber als mi n- derjährige Geschwister einmal getan hätten. Zum anderen wird lediglich die Sichtweise des BFM nicht geteilt, wonach sich der Grad der Bezi e- hungsnähe von Geschwistern alleine durch langjährige Landesabwese n- heit vermindere. Abschliessend wird dann ausgeführt, für die Aufnahme der Beschwerdeführenden komme aufgrund der Beziehungsnähe – un- abhängig von deren Grad – kein anderer Staat als die Schweiz in Frage, wenn man zum Schluss gelange, die Beschwerdeführenden könnten w e- der in Sri Lanka noch in Malaysia verbleiben. Bei dieser Sachlage kann, zur Vermeidung von Wiederholungen , daher auf die diesbezüglich nicht zu beanstanden Ausführungen des BFM in der angefochtenen Verfügung sowie auf die obigen Erwägungen (E. 5.2 und 5.3) verwiesen werden. 5.5 Die Beschwerdeführenden vermochten insgesamt nicht aufzuz eigen, dass sie auf die Schutzgewährung durch die Schweiz angewiesen sind beziehungsweise ih nen gerade die Schweiz den erforderlichen Schutz gewähren muss. Der weitere Verbleib in Malaysia ist ihnen nach dem Ge- sagten zuzumuten und die Vorinstanz hat ih nen zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert und die Asylgesuche abgelehnt. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung das Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das BFM hat die Asylgesuche und die Gesuche um Einreise in die Schweiz zu Recht abgelehnt. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen , soweit darauf einzutreten ist. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kos ten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwal - tungsökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädig ungen vor dem Bundes verwaltungsge- richt (VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend jedoch auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten , womit das Gesuch um Gewährung der D-4173/2013 Seite 11 unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegen - standslos geworden ist. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit vorliegendem Urteil ebenfalls gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) D-4173/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerd eführenden, das BFM und die zu- ständige schweizerische Vertretung. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Alfred Weber Versand: