B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3165/2015 U r t e i l v o m 11 . M a i 2 0 1 6 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A._______, geboren am (…), Senegal, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des SEM vom 8. Mai 2015 / N (…). E-3165/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zu- folge zuletzt am 19. August 2007 und reiste nach Frankreich. Von dort aus gelangte sie im Oktober 2013 in die Schweiz und suchte am 19. Dezember 2013 im Empfangs - und Verfahrenszentrum Kreuzlingen um Gewährung von Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 13. Januar 2014, der An- hörung zu den Asylgründen vom 16. April 2015 und einer ergänzenden An- hörung vom 7. Mai 2015 brachte sie zur Begründung ihres Asylgesuchs im Wesentlichen Folgendes vor: Aufgrund der Armut ihrer Mutter sei sie im Alter von 14 oder 15 Jahren während eines Aufenthalts bei ihrer Grossmut- ter in Mali zur Heirat mit einem viel älteren Mann gezwungen worden, der sie vergewaltigt habe. Dieser sei nach etwa zwei bis drei Monaten wegge- gangen, woraufhin ihre Mutter sie nach Hause (Senegal) zurückgeholt habe. Mit etwa 17 Jahren sei sie nach Guinea-Bissau gegangen und habe sich als Händlerin betätigt. Nach dem Ende des Krieges (1998 respektive 2000) habe sie zusammen mit Hilfsorganisationen begonnen, gegen Pä- dophilie und Prostitution zu kämpfen sowie Familien über Aids und andere Krankheiten aufzuklären. In diesem Zusammenhang habe sie Drohungen erhalten und sei beobachtet worden, weshalb sie im Jahr 2007, nach einem kurzen Besuch bei ihren Verwandten in Senegal, nach Paris gegangen sei. Sie habe fortan dort gewohnt und sich den Lebensunterhalt als Köchin, Haushaltsangestellte und Coiffeuse verdient. Etwa im Jahr 2011 habe sie die Bekanntschaft eines Mannes gemacht und sich mit diesem ab und an getroffen. Eines Tages habe dieser ihr im Auto etwas zu trinken gegeben, das sie sehr müde gemacht habe. Er habe sie an einen unbekannten Ort gebracht und vergewaltigt. Seine Tat habe er gefilmt und das Video als Druckmittel benutzt, um sie in die Prostitution zu zwingen . Das Erlebte habe sie traumatisiert. Ein potenzieller Freier habe nach einiger Zeit ihre Situation erfasst. Dieser habe ihr geholfen, das Video vom Handy des Zu- hälters zu löschen, und sie in die Schweiz gebracht. Zum Beweis ihrer Identität und zur Dokumentation ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin ihre senegalesische Identitätska rte, eine Bank- karte und diverse Unterlagen im Zusammenhang mit dem Aufenthalt in Frankreich zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 8. Mai 2015 – eröffnet am 12. Mai 2015 – stellte das E-3165/2015 Seite 3 SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung führte es insbesondere aus, die Beschwerdeführerin ma- che Verfolgung durch einen Drittstaat (Guinea -Bissau) geltend. Da sie Staatsbürgerin von Senegal sei, hätte sie sich den drohenden Nachteilen durch eine Rückkehr in ihren Heimatstaat entziehen können, in Bezug auf welchen sie keine asylrelevante Verfolgung geltend mache. Mithin sei sie auf den Schutz der Schweiz nicht angewiesen. Den Vollzug der Wegwei- sung erachtete die Vorinstanz als zulässig, zumutbar und möglich. C. Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 18. Mai 2015 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, der vor - instanzliche Entscheid sei aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit, allen- falls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfa hrensrechtlicher Hinsicht er- suchte sie – unter Nachreichung einer Fürsorgebestätigung am 19. Mai 2015 – um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zum Untermauerung ihrer Beschwerdevorbringen reichte sie drei medizi- nische Berichte vom 13. Januar, 14. April und 15. Mai 2015 sowie ein Auf- gebot per 20. Mai 2015 zur Magnetresonanztomographie (MRT) zu den Akten. D. Mit Verfügung vom 26. Mai 2015 hiess das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und ver- zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zudem setzte es der Beschwerdeführerin Frist zur Einreichung eines aktuellen ärztlichen Be- richts und einer Erklärung betreffend Befreiung der sie behandelnden Ärz- tinnen und Ärzte von der Schweigepflicht. E. Am 5. Juni 2015 reichte die Beschwerdeführerin eine Entbindungserklä- rung, ein Schreiben betreffend eine neurologische Verlaufskontrolle und eine Terminbestätigung für ein Gespräch in einem psychiatrischen Zentrum ein und bat ferner um Fristerstreckung. E-3165/2015 Seite 4 F. Mit Verfügung vom 16. Juni 2015 forderte das Bundesverwaltungsgericht sie auf, bis zum 15. Juli 2015 aktuelle Arztberichte betreffend ihren (physi- schen und psychischen) Gesundheitszustand beizubringen. G. Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 13. Juli 2015 verschie- dene Arztberichte zu den Akten (radiologischer Befund vom 20. Mai 2015, neurologischer Bericht vom 16. Juni 2015, psychiatrischer Bericht vom 26. Juni 2015, Bericht einer Fachärztin für innere Medizin vom 15. Mai 2015). Zudem führte sie aus, zur Einschätzung ihres Gesundheitszustands seien weitere Untersuchungen nötig. Am 10. Juli 2015 sei eine Lumbal- punktion durchgeführt worden; am 28. Juli 2015 habe sie einen Termin für ein MRI der Wirbelsäule. In diesem Zusammenhang ersuchte sie das Ge- richt um die Möglichkeit zur Nachreichung der Berichte dieser Untersu- chungen. H. Mit Verfügung vom 11. Januar 2016 zeigte das Bundesverwaltungsgericht der Beschwerdeführerin an, das Beschwerdeverfahren werde demnächst abgeschlossen und forderte sie auf, bis zum 29. Januar 2016 aktuelle Arzt- berichte beizubringen. I. Am 27. Januar 2016 legte die Beschwerdeführerin vier neurologische/radi- ologische Berichte des (…)spitals B._______ vom 20. Mai 2015, 16. Juni 2015, 10. Juli 2015 und vom 28. September 2015, einen Bericht samt La- borblatt der Fachärztin für innere Medizin vom 20./22. Januar 2016 und zwei psychiatrische Berichte vom 26. Juni 2015 und vom 15. Januar 2016 ins Recht und führte aus, sie sei noch immer in intensiver ärztlicher Be- handlung und weiterhin auf medizinische Betreuung angewiesen. J. Mit Verfügung vom 3. Februar 2016 lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz unter Übermittlung der gesamten Akten zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. K. Das SEM äusserte sich mit Eingabe vom 11. Februar 2016 im Wesentli- chen dahingehend, dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen E-3165/2015 Seite 5 Tatsachen oder Beweismittel enthalte, die ei ne Änderung seines Stand- punktes rechtfertigen könnten. L. Die Beschwerdeführerin replizierte am 29. Februar 2016. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end- gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legi timiert (Art. 105 und 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf diese ist einzutreten. 2. Vorab ist festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung teilweise, soweit sie die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die Verweigerung der Asyl- gewährung und die Anordnung der Wegweisung betrifft (Dispositivziffern 1–3), in Rechtskraft erwachsen ist. Nachfolgend ist somit einzig zu prüfen, ob die Vorinstanz die Wegweisung zu Recht als vollziehbar erachtet hat. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-3165/2015 Seite 6 4. Ist der Vollzug der Wegweisung ni cht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz- lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 5. 5.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 geg en Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (nachfolgend: Folter Üb., SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwer- deführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG veran- kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Senegal ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann er- geben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 Folter Üb. verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-E-3165/2015 Seite 7 setzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rück schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Senegal lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als un- zulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus- länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini- scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung fest- gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Auf- nahme zu gewähren. 6.1 Mit Beschluss vom 6. Oktober 1993 erklärte der Bundesrat Senegal zum sogenannten verfo lgungssicheren Herkunftsstaat (S afe Country) im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG. Von dieser Einschätzung ist er im Rahmen der periodischen Prüfung (Art. 6 a Abs. 3 AsylG) bisher nicht ab- gewichen. In Senegal herrscht weder Krieg noch Bürgerkrieg oder eine Si- tuation allgemeiner Gewalt, aufgrund derer die Bevölkerung konkret ge- fährdet wäre. Vor diesem Hintergrund ist die Rückkehr der Beschwerde- führerin in ihren Heimatstaat grundsätzlich zumutbar. Hingegen ist vertieft zu prüfen, ob konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sie im Fall einer Rückkehr in ihrem Heimatstaat aus individuellen Gründen in eine existenzbedrohende Situation geraten würde. 6.2 6.2.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, aus den Akten seien keine individuellen Gründe ersichtlich , die den Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin als unzumutbar erscheinen liessen. Sie verfüge in Senegal mit ihrer Mutter und den Kindern ihres verstorbenen Bruders über ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz. Sie könne auf eine mehrjährige Arbeitserfahrung als Händlerin und Friseurin zurückgreifen E-3165/2015 Seite 8 und verfüge durch ihre Reisen über ein hohes Mass an Mobilität und Aus- landserfahrung. Bei dieser Sachlage sei nicht damit zu rechnen, dass sie bei einer Rückkehr nach Senegal in eine existenzbedrohende Lage gera- ten werde. 6.2.2 Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein, es gehe ihr gesund- heitlich nicht gut. S ie leide seit vielen Jahren an starker (…). Seit Anfang 2014 seien (…) hinzugekommen, deren Ursache unklar sei, weshalb wei- tere Untersuchungen vonnöten seien. Aufgrund ihres angeschlagenen Ge- sundheitszustands sei es ihr nicht möglich, sich an einem völlig neuen Ort ein Leben aufzubauen und eine Arbeit aufzunehmen. Senegal sei ein frem- des Land für sie. Sie sei nur dort geboren und habe später als Kind dort gelebt. Mit 17 Jahren habe sie ihren Heimatstaat verlassen. Zudem könne sie nicht mit Unterstützung seitens ihrer Mutter und ihrer Nichten und Nef- fen rechnen, da sie selbst diesen seit ihrer Einreise in die Schweiz Geld schicke, um ihnen zu helfen den Schulbesuch zu ermöglichen. Bereits als Kind habe sie arbeiten müssen, um ihre Mutter zu unterstützen. Diese sei auch damit einverstanden gewesen, dass sie (Beschwerdeführerin) zwangsverheiratet worden sei. Die benötigten medizinischen Untersuchun- gen könnten in Senegal nicht durchgeführt werden, zumal ihr auch die fi- nanziellen Mittel fehlen würden für eine medizinische Behandlung. 6.3 Aus medizinischen Gründen kann sich der Wegweisungsvollzug ge- stützt auf Art. 83 Abs. 4 AuG als unzumutbar erweisen, wenn für die be- troffene Person bei einer Rückkehr in ihre Heimat eine notwendige medizi- nische Behandlung nicht zur Verf ügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszu- stands der betroffenen Person führt. Als notwendig wird die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet, die zur Gewährleistung ei- ner menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist, wobei Unzumut- barkeit jedenfalls noch nicht vorliegt, wenn im Heimatstaat nur eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). Bei der Prüfung der Voraussetzun- gen von Art. 83 Abs. 4 AuG sind humanitäre Überlegungen im Einzelfall gegen andere öffentliche Interessen abzuwägen, die allenfalls für den Voll- zug der Wegweisung sprechen würden, was den Asylbehörden einen Er- messensspielraum lässt. Aus den eingereichten Arztberichten ergibt sich eine neurologische und eine psychische Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der Be- schwerdeführerin. E-3165/2015 Seite 9 6.3.1 Den Berichten der Hausärztin und des (…) Zentrums für (…) des (…)spitals B._______ vom 13. Januar, 14. April und 16. Juni 2015 zufolge wurde bei der Beschwerdeführerin nach (…) und (…) seit Anfang 2014 und vorbestehender (…) der Verdacht auf (…) geäussert. Ein Therapieversuch mit (…) und (…) bewirkte keine Veränderung der Symptomatik. Auch unter der im Juni 2015 initiierten Therapie mit (…) trat der (…) weiterhin auf. Als Reservemedikation für die Behandlung von (…) erhielt die Beschwerdefüh- rerin ausserdem (…) und (…). Anlässlich eines Arzttermins vom 28. Sep- tember 2015 berichtete sie , sie leide unter einem enormen psychischen Druck aufgrund des unklaren Aufenthaltsstatus. Seither seien der (…) und eine teils starke (…) aufgetaucht. Neurologische und n euroradiologische Untersuchungen (…) ergaben keine behandlungsbedürftigen Befunde (vgl. die Berichte der Kliniken des (…)spitals B._______ für […] vom 20. Mai 2015 und für […] vom 10. Juli und 28. September 2015). Im Arztbericht vom 28. September 2015 wird erwähnt, die Beschwerdeführerin werde für eine (…) Beurteilung im Konsil angemeldet. Trotz mehrfacher Aufforderung und Gelegenheit reichte sie diesbezüglich bis dato keinen ärztlichen Bericht zu den Akten. Auf die An- setzung einer weiteren Frist zur Einreichung eines allfällig vorhandenen Berichts konnte mit Blick auf die Mitwirkungspflicht verzichtet werden. Aus den Berichten der Hausärztin ergibt sich ferner, dass die Beschwerde- führerin an (…) (…)beschwerden, leicht erhöhtem (…) und (…) leidet. 6.3.2 Gemäss den Berichten des Psychiatriezentrums C._______ vom 26. Juni 2015 und 15. Ja nuar 2016 sprechen die Anamnese und die psy- chologische Beurteilung für das Vorhandensein einer (…) (ICD-10: […]) sowie einer (…) (ICD10: […]). Weiter wird ausgeführt, sofern eine organi- sche Ursache gänzlich ausgeschlossen werden könne, sei zu vermuten, dass die (…) dissoziativer Natur seien (ICD-10: […]). Im Sommer 2015 sei mit einer psychiatrisch -psychotherapeutischen Behandlung begonnen worden. Gegen die (…) und zur Reduktion der (…) habe die Beschwerde- führerin Medikamente erhalten. In der Psychotherapie würden Strategien zum Umgang mit dissoziativen Zustä nden erarbeitet. Aufgrund der Schwere der erlebten Traumatisierung und der langanhaltenden Sympto- matik sei mit einer längeren Thera pie zu rechnen. Der engmaschige und spezialisierte Behandlungsbedarf spreche gegen eine Behandlung im Hei- matstaat der Beschwerdeführerin. Dazu sei ein Mindestmass an Sicherheit respektive ein Gefühl der Sicherheit notwendig. Eine Rückkehr nach Se- negal hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit eine (…) zur Folge. E-3165/2015 Seite 10 Aus den Arztberichten ergibt sich ferner, dass die Beschwerdeführerin ak- tuell mit (…) behandelt wird. Unter dieser Medikation sei es zu einer ge- ringfügigen Verbesserung der (…) gekommen. Es habe erarbeitet werden können, dass sie aufgrund ihrer Erlebnisse in Frankreich massive Angst vor Kontrollverlust jeglicher Art habe. Inzwischen gelinge es ihr besser, sich von Intrusionen zu distanzieren und sich beim Auftreten von diffusen Ängs- ten selbst zu beruhigen. Sie leide aber weiterhin stark unter den mehrmals wöchentlich auftretenden (…), die von Todesängsten begleitet seien. 6.3.3 Das SEM führte in der Vernehmlassung aus, die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin würden dem Vollzug der Wegweisung nicht entgegenstehen. Diese seien nicht so schwerwiegend, dass sie nicht auch in Senegal behandelt werden könnten. Die dortige medizinische Inf- rastruktur sei für afrikanische Verhältnisse relativ gut. Am öffentlichen Centre Hospitalier Universitaire de Fann in Da kar, dem Herkunftsort der Beschwerdeführerin, gebe es stationäre psychiatrische Abteilungen, wo (…) behandelt werden könnten. Das Angebot von Behandlungsmöglichkei- ten umfasse eine psychiatrische Langzeitbehandlung, Verhaltenstherapie und die Behandlung dur ch eine Psychologin oder einen Psychologen. Möglich seien auch ambulante psychologische beziehungsweise psychiat- rische Privatbehandlungen. Die meisten Medikamente zur Behandlung psychischer Erkrankungen, Antidepressiva und Schlafmittel, seien in Se- negal erhältlich. Insbesondere seien Antidepressiva mit dem Wirkstoff (…) verfügbar. Im Übrigen erscheine aufgrund der eingereichten Arztberichte naheliegend, dass die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin mit dem bevorstehenden Wegweisungsvollzug zusammenhängen würden. All- fälligen gesundheitlichen Risiken, die aufgrund der situationsbedingten psychischen Belastung auftreten würden, könne bei der Ausreise medika- mentös und mit einer sorgfältigen Vorbereitung inklusive dem Aufbau einer inneren Bereitschaft zur Rückkehr vorgebeugt werden, so dass eine kon- krete Gefahr ernsthafter gesundheitlicher Schäden nicht bestehe. Zudem habe die Beschwerdeführerin die Möglichkeit, medizinische Rückkehrhilfe zu beantragen. Was die von ärztlicher Seite angesprochene Gefahr der (…) betreffe, so gehe aus den Berichten nicht eindeutig hervor, was die (…) verursacht habe. 6.3.4 In ihrer Replik brachte die Beschwerdeführerin vor, trotz des Vorhan- denseins der angeführten Klinik in Dakar sei nicht gewährleistet, dass sie Zugang zu einer dauerhaften, regelmässigen und engmaschigen Behand- lung und Psychotherapie habe. Es reiche nicht aus, dass theoretisch die E-3165/2015 Seite 11 Möglichkeit einer stationären Behandlung bestehe. Sie benötige zur Be- handlung ihrer (…) eine dauerhafte ambulante Behandlung. Zudem gebe es in Senegal keine Krankenversicherung. Aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen sei es ihr nicht möglich, ihren Lebensunterhalt dort zu bestreiten und zusätzlich genügend Geld für regelmässige psychiatrische Kontrollen und die benötigen Medikamente zu verdienen, zumal bei einer Rückkehr von einer Verschlechterung ihres Gesu ndheitszustands auszu- gehen sei. Es treffe nicht zu, dass ihre psychischen Probleme mit dem dro- henden Wegweisungsvollzug zusammenhängen würden; dabei handle es sich um eine reine Behauptung der Vorinstanz. Aus den eingereichten Arzt- berichten gehe hervor, dass bereits vor dem Ergehen des A sylentscheids eine psychiatrische Abklärung und eine psychotherapeutische Behandlung angeregt worden seien. Zudem leide sie seit Beginn ihres Aufenthalts in der Schweiz unter (…), deren Ursachen auch nach ärztlicher Abklärung unklar seien . Die medikamentös e Behandlung habe bisher nicht ange- schlagen. Ein Arzt des (…)spitals B._______ halte es für sinnvoll, weitere Abklärungen vorzunehmen. 6.3.5 Die beigebrachten Arztberichte dokumentieren eine wesentliche Be- einträchtigung des Alltagslebens der Beschwerdeführerin , insbesondere durch den immer wiederkehrenden (…). Dieser konnte bisher nicht zufrie- denstellend behandelt werden; verschiedene Therapieversuche vermoch- ten keine beziehungsweise lediglich eine geringfügige Verbesserung zu bewirken. Mit der im Sommer 2015 begonnenen psychiatrisch-psychothe- rapeutischen Behandlung konnte hingegen eine gewisse Stabilisierung des psychischen Gesundheitszustands erreicht werden. Die Beschwerde- führerin ist somit als vulnerabel einzustufen. Ihre gesundheitlichen Prob- leme stellen jedoch keine derart schwere Einschränkung dar, dass eine Rückkehr nach Senegal als unzumutbar einzustufen wäre. Die in den psychiatrischen Berichten erwähnten Vorbehalte der behandeln- den Ärzte gegen eine Rückkehr nach Senegal werden durch das Bundes- verwaltungsgericht nicht geteilt. In Bezug auf Senegal hat die Beschwer- deführerin keine Asylgründe vorgebracht und insofern auch keine Ein- wände geäussert, weshalb sie sich dort subjektiv in ihrer Sicherheit bedroht fühlen würde. Es bestehen keine Anzeichen dafür, das s in ihrem Heimat- staat eine (…) erfolgt wäre, (…). Die Biografie der Beschwerdeführerin legt eher nahe, dass sie aufgrund der Erlebnisse in Frankreich psychisch an- geschlagen ist. Eine Klärung dieser Frage kann vorliegend jedoch insoweit offen bleiben, als jedenfalls nicht davon auszugehen ist, dass der Ursprung ihres (…) in Senegal liegt. Sodann trifft zu, dass im Heimatstaat keine mit E-3165/2015 Seite 12 der Schweiz vergleichbare Behandlungsmöglichkeit verfügbar ist . Indes bestehen in der Hauptstadt Dakar, aus der die Beschwe rdeführerin stammt, mehrere Krankenhäuser, die psychiatrische Behandlungen anbie- ten und an die sie sich für eine Weiterführung der Behandlung wenden kann. So bieten etwa das durch die Vorinstanz erwähnte Center Hospitalier Universitaire de Fann (CHNUF) (vgl. CHNUF, Vous venez en consultation, abrufbar unter <http:// www.chnu-fann.com/index.php/le-patient>, besucht am 3. Mai 2016) und das Hôpital psychiatrique de Thiaroye (vgl. Keppar, Dr Abou Sy psychiatre: „un malade mental c’est toute personne qui est en marge de l’organisation sociétale“, 22. Januar 2016, abrufbar unter <http://www.keppar.com/dr-abou-sy-psychiatre-un-malade-mental-cest- toute-personne-qui-est-en-marge-de-lorganisation-societale/> besucht am 3. Mai 2016) ambulante und stationäre Behandlungen an. Die Finanzierung der Behandlung dürfte für die Beschwerdeführerin zu- nächst schwierig sein. Senegal hat im September 2013 mit der Einführung einer Krankenversicherung (Couverture maladie univserselle [CMU]) be- gonnen (vgl. Radio France Internationale (RFI), Sénégal: le président Macky Sall lance son programme de Couverture maladie universelle, 20. September 2013, abrufbar unter <http://www.rfi.fr/afrique/20130920 - senegal-president-macky-sall-programme-couverture-maladie-univer- selle-cmu-sante-medecine>, besucht am 3. Mai 2016). Die Umsetzung ver- läuft nach neuesten Berichten noch nicht zufriedenstellend. Im November 2015 waren einem Medienbericht zufolge 32% der Einwohner Senegals durch die CMU abgedeckt und das Ziel war es, bis 2017 75% der Bevölke- rung zu erreichen (vgl. Agence de Presse Sénégalaise (APS), CMU: Un taux de 32% atteint à mi -parcours, 20. November 2015, abrufbar unter <http://aps.sn/actualites/societe/sante/article/cmu-un-taux-de-32-atteint-a- mi-parcours-sg> und SeneNews.com, La Couverture Maladie au Sénégal: Universelle ou Utopique?, 11. Februar 2016, abrufbar unter <http://www. senenews.com/2016/02/11/cmu-couverture-maladie-universelle-ou-cou- verture-maladie-utopique_148695.html; beide besucht am 3. Mai 2016). Zur Überbrückung der ersten Zeit nach der Rückkehr kann die Beschwer- deführerin medizinische Rückkehrhilfe gemäss Art. 93 AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]) bean- tragen. Diese kann in der Form von Beiträgen zur Durchführung einer me- dizinischen Behandlung, durch Mitgabe der benötigten Medikamente oder durch Ausrichtung einer Pauschale für medizinische Leistungen gewährt werden. E-3165/2015 Seite 13 Im Übrigen ist auf die zutreffenden Ausführungen des SEM in der Vernehm- lassung zu verweisen. Insgesamt ist nicht davon auszugehen, dass die Be- schwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Senegal mit einer raschen und lebensgefährdenden Veränderung ihres Gesundheitszustands zu rechnen hätte. Der Vollzug der Wegweisung erweist s ich daher aus rein medizini- scher Hinsicht nicht als unzumutbar. 6.4 Für eine Einschätzung der Situation, die die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Senegal antreffen würde, sind die weiteren individu- ellen Umstände zu berücksichtigen. Dazu ist zunächst festzuhalten, dass soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Be- völkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht genügen, um eine konkrete individuelle Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). 6.4.1 Hinsichtlich der in Senegal zu erwartenden Lebensumstände brachte die Beschwerdeführerin in ihrer Replik ergänzend vor, ihre Mutter sei alt und krank und alle wür den unter prekären Umständen leben. Ihre Fami- lienangehörigen seien nicht in der Lage, sie (Beschwerdeführerin) im Falle einer Rückkehr zu unterstützen. Sie könne nicht einmal bei diesen wohnen, da nicht genügend Platz vorhanden sei. Abgesehen von ihrer Familie habe sie keine Verwandten oder Bekannten. Obgleich sie als Händlerin einige Male von Guinea-Bissau nach Senegal gereist sei, habe sie nicht dort ge- lebt und sich jeweils nur kurz dort aufgehalten. Im Jahr 2007 sei sie eben- falls nur kurz in ihrem Heimatstaat gewesen, um sich von ihrer Familie zu verabschieden. Bei einer Rückkehr würde sie somit keinerlei Unterstützung erfahren. 6.4.2 Die Beschwerdeführerin hielt sich den grösseren Teil ihres bisherigen Lebens ausserhalb ihres Heimatstaats auf. Indes verbrachte sie ihre Kind- heit in Senegal und lebte während etwa 25 Jahren im Nachbarland Guinea- Bissau, in dem vergleichbare und ihr vertraute Lebensbedingungen herr- schen. Wie das SEM zutreffend ausführte, verfügt sie in Dakar sodann über ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz. Dieses ist allerdings als fragil zu bezeichnen. Ihre Mutter ist bereits über (…) Jahre alt und die vier Kinde r ihres Bruders, die ihr gemäss eigenen Angaben so nahe stehen wie eigene Kinder, sind erst zwischen (…) und (…) Jahren alt. Ihre Familienangehöri- gen leben zudem in ärmlichen Verhältnissen (vgl. A27/14 F91 S. 11). Den- noch ist davon auszugehen, dass sie ihr, wenn erstere auch keine materi- elle Unterstützung bieten kann, eine soziale und moralische Stütze sein E-3165/2015 Seite 14 werden. Aus den Akten ergibt sich ausserdem, dass die Beschwerdeführe- rin trotz einer geringen Schulbildung von fünf Jahren und ohne einen Beruf erlernt zu haben (vgl. A11/13 Ziff. 1.17.04 S. 4), schon in jungen Jahren selbständig ihren Lebensunterhalt verdient und im Laufe der Jahre als Händlerin in verschiedenen afrikanischen Ländern, sowie als Friseurin und Haushaltshilfe gearbeitet hat. Es ist davon auszugehen, dass sie bei einer Stabilisierung ihres Gesundheitszustands auch wieder eine Arbeit aufneh- men können wird, selbst wenn dies anerkanntermassen mit Schwierigkei- ten verbunden sein dürfte. 6.5 In Abwägung aller Umstände geht das Bundesverwaltungsgericht zu- sammenfassend nicht davon aus, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Senegal aus individuellen Gründen wirtschaftlicher oder sozialer Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten würde. Es ist ihr zumutbar, zu ihren Familienangehörigen in Dakar Kontakt aufzuneh- men, mit der Unterstützung durch medizinische Rückkehrhilfe (vgl. vorste- hend E. 6.3. 5) eine adäquate medizinische Behandlung zu organisieren und sich erneut um Arbeit zu bemühen, um sich eine neue Existenzgrund- lage zu schaffen. Auf diese Weise dürfte ihr nach aktuellem Stand die Rein- tegration in ihren Heimatstaat gelingen. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zumut- bar. 7. Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich auch möglich (Art. 83 Abs. 2 AuG), da es der Beschwerdeführerin obliegt, sich bei der zuständigen Ver- tretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku- mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). 8. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vor- läufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die vorinstanzliche Verfügung – soweit angefochten – Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt und angemessen ist. Die Be- schwerde ist mithin abzuweisen. E-3165/2015 Seite 15 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhe- bung ist jedoch angesichts des mit Zwischenverfügung vom 26. Mai 2015 gutgeheissenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-3165/2015 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi Versand: