B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5816/2011 U r t e i l v o m 2 8 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. September 2011 / N (…). D-5816/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer stellte am 21. Mai 2009 bei den Grenzbehö r- den am Flughafen B._______ ein Asylgesuch. A.b Mit Verfügung vom gleichen Tag verweigerte das BFM dem B e- schwerdeführer die Einreise in die Schweiz und wies ihm für die Dauer des weiteren Asylverfahrens den Transitbereich des Flughafens B._______ als Aufenthaltsort zu. A.c Am 23. Mai 2009 wurde der Beschwerdeführer zu seinem Asylgesuch befragt (Kurzbefragung) und am 27. Mai 2009 angehört (Anhörung). A.d Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer anlässlich der Befr a- gungen geltend, er stamme aus C._______ im gleichnamigen Distrikt und habe als (…) gearbeitet. Im Jahre 2005 sei er Leiter einer (…) gewesen. Die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) hätten ihn in dieser Eige n- schaft im Jahre 2005 nach der Teilnahme an zwei Versammlungen g e- zwungen, die Festlichkeiten zum Heldentag zu organisieren. Im März 2008 habe er von Unbekannten wiederholt Telefonanrufe erhalten, b ei denen man von ihm Geld verlangt habe. Er vermute, dass es sich dabei um Leute gehandelt habe, die sich von den LTTE getrennt hätten und die nun der TMVP (Tamil Makkal Viduthalai Pulikal) angehörten. Er habe e i- ner Menschenrechtsorganisation gemeldet, das s er solche Telefonanrufe erhalten habe, wobei diese Organisation jedoch nichts für ihn habe tun können. Nachdem man von ihm ein weiteres Mal per Telefon Geld ve r- langt habe, hätten unbekannte Leute ihn eines Nachts im November 2008 zu Hause aufgesucht, wob ei es ihm aber ge lungen sei zu fliehen. Diese Leute hätten seiner Frau daraufhin gesagt, dass er sich in ihrem Büro melden müsse. Aus Angst, von diesen Leuten entführt und getötet zu werden, habe er sich in der Folge bei verschiedenen Freunden versteckt. Schliesslich habe er sich nach Colombo begeben, von wo er am 16. Mai 2009 via Dubai und São Paulo nach B._______ geflogen sei. A.e Am 29. Mai 2009 bewilligte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz zur Prüfung seines Asylgesuchs. A.f Im Verfahren vor der Vorinstanz reichte der Beschwerdeführer unter anderem seine Identitätskarte, seinen Führerschein sowie ein Schreiben seiner (…) vom 27. März 2006 zu den Akten. D-5816/2011 Seite 3 B. Mit Verfügung vom 29. September 2011 – eröffnet am 4. Oktober 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug. Als Begründung führte die Vorinstanz hauptsächlich aus, die Vorbringen de s Beschwerdeführers seien nicht asylrelevant. Ausserdem sei der Wegweisungsvollzug nach Sri Lanka zulässig, zumutbar und möglich. Für den weiteren Inhalt wird auf die Verfügung der Vorinstanz verwiesen. C. Mit Beschwerde vom 21. Oktober 2011 (Poststempel) an das Bundesver- waltungsgericht liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter beantragen, der angefochtene Entscheid vom 29. September 2011 sei in den Dispositivpunkten 4 und 5 aufzuheben und zur Neubeurteilung der Sache an das BFM zurückzuweisen. Zudem sei das BFM anzuweisen, sämtliche Herkunftsländerinformationen, auf welche es seinen Entscheid stütze, mittels Quellenangaben offenzulegen. Eventualiter sei die Unz u- mutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Überdies sei auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh- ren. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Mit der Beschwerd e wurde eine Fü rsorgebestätigung vom 18. Oktober 2011 zu den Akten gereicht. D. Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters des Bundesverwaltung s- gerichts vom 26. Oktober 2011 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in de r Schweiz abwarten könne. Gleichzeitig verfügte der Instruktionsrichter, dass auf die Erhebung eines Kostenvorschusses einstweilen verzichtet und über das Gesuch um G e- währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsve r- fahren (VwVG, SR 172.021) im Endentscheid befunden werde. E. Mit Verfügung vom 10. Mai 2012 wurde dem Beschwerdeführer bekannt gegeben, dass der BFM-Bericht vom 22. Dezember 2011 betreffend eine Dienstreise nach Sri Lanka zu den Akten genommen worden sei. Diesbe-D-5816/2011 Seite 4 züglich sowie zur Praxisänderung des Bundesverwaltungsgerichts hi n- sichtlich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sri Lanka (BVGE 2011/24) wurde dem Beschwerdeführer Gelegenheit gegeben, bis zum 25. Mai 2012 eine Stellungnahme einzureichen. F. Mit Eingabe vom 25. Mai 2012 liess der Beschwerdeführer eine Stellun g- nahme einreichen. Auf deren Inhalt wird – soweit wesentlich – in den Er- wägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bunde sverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, au sser bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, S R 173.110]). Eine solche Ausnahmekonstellation liegt nicht vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der B e- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebu ng beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. D-5816/2011 Seite 5 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Die Beschwe rde richtet sich gemäss den Rechtsbegehren und der B e- gründung ausschliesslich gegen den Vollzug der von der Vorinstanz ve r- fügten Wegweisung. Die Verfügung des BFM vom 29. September 2011 ist, soweit sie die Frage der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewä h- rung betrifft (Ziffn. 1 und 2 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verf ü- gung), in Rechtskraft erwachsen, und auch die Anordnung der Wegwe i- sung (Ziff. 3 des Dispositivs) ist nicht mehr zu überprüfen (vgl. Entsche i- dungen und Mitteilungen der [vormaligen] Sch weizerischen Asylrekurs- kommission [ARK; EMARK] 2001 Nr. 21 ). Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit – abgesehen von den formellen Rügen – lediglich die Frage, ob das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärt hat. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer macht in formeller Hinsicht geltend, dass die Vorinstanz die Begründungspflicht verletzt habe, indem sie es unterla s- sen habe, die relevanten Herkunftsländerinformationen, auf welche sie ih- ren Entscheid stütze, offenzulegen. Der gebotenen Begründungspflicht sei die Vorinstanz auch deshalb nicht in genügendem Masse nachg e- kommen, da sie in der angefochtenen Verfügung ohne Begründung von der langjährigen Praxis des Bundesv erwaltungsgerichts abgewichen sei. Daher sei die angefochtene Verfügung in den Dispositionspunkten 4 und 5 infolge Verletzung des Grundsatzes des rechtlichen Gehörs aufzuheben und an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen. 5.2 Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allen- falls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. EMARK 2004 Nr. 38 und 1994 Nr. 1; FRITZ GYGI, Bundes- verwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 233, mit weiteren Hi n- weisen, S. 287 und 297; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsver-D-5816/2011 Seite 6 fahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, mit weiteren Hinweisen). 5.3 Aus dem Anspruch auf rechtliches Geh ör (Art. 29 Abs. 2 der Bunde s- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 und Art. 29 AsylG) ergibt sich, dass Asylsuchenden die relevanten Akten offenzulegen sind und ihnen das Recht zur Äusserung (vgl. Art. 30 Abs. 2 VwVG) sowie die Möglic h- keit, Einfluss auf die Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts zu nehmen, zu gewähren ist. Ausserdem haben die verfügenden Behörden ihrer Pflicht zur Begründung in genügender Weise nachzukommen. 5.4 Soweit in der Beschwerde gerügt wird, die Vorinstanz habe die B e- gründungspflicht verletzt, indem sie es unterlassen habe, die relevanten Herkunftsländerinformationen, auf welche sie ihren Entscheid stütze, o f- fenzulegen, ist Folgendes festzuhalten: Mit Ausna hme der UNHCR - Richtlinien zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs sri - lankischer Asylsuchender vom 5. Juli 2010 finden sich weder in der ange- fochtenen Verfügung noch in den übrigen vorinstanzlichen Akten explizit bezeichnete Länderberichte oder -informationen, in welche das BFM dem Beschwerdeführer hätte Einsicht gewähren können. Allgemeine Länderin- formationen, welche der internen Erkenntnisbildung dienen, sind gemäss ständiger Rechtspraxis nicht Bestandteil des Akteneinsichtsrechts und folglich auch nicht offenzulegen. In Bezug auf die in der angefochtenen Verfügung erwähnten UNHCR-Richtlinien vom 5. Juli 2010 ist im Übrigen festzustellen, dass diese öffentlich zugänglich sind – so auch im Internet –, weswegen auch diesbezüglich keine Verletzung des Akteneinsichts- rechts beziehungsweise der Begründungspflicht vor liegt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass in der angefochtenen Verfügung darauf verzichtet wurde, bezüglich dieses Dokuments die relevanten Passagen anzugeben. Aus den Akten geht nicht hervor, dass die Vorinstanz den an- gefochtenen Entscheid auf Erkenntnisse gestützt hätte, die sie von ihrer Dienstreise im Herbst 2010 gewonnen hat, weswegen sie auch nicht ve r- pflichtet gewesen wäre, diesbezügliche Unterlagen in der Verfügung zu erwähnen beziehungsweise dem Beschwerdeführer hierzu Akteneinsicht zu gewähren. An dieser Einschätzung ändert auch der Umstand nichts, dass das Bundesverwaltungsgericht dem Besch werdeführer mit Verf ü- gung vom 10. Mai 2012 den BFM-Bericht vom 22. Dezember 2011 betref- fend eine Dienstreise nach Sri Lanka zur Stellungnahme zustellte. Schliesslich ist davon auszugehen, dass das BFM dem Beschwerdefü h- rer mit Schreiben vom 17. Oktober 2011 alle entscheidwesentlichen Ver-D-5816/2011 Seite 7 fahrensakten im gesetzlich zulässigen Umfang ediert hat, nachdem im Beschwerdeverfahren keine anders lautende Rüge erhoben wurde. In s- besondere wurde keine Verletzung des Akteneinsichtsrechts bezüglich einzelner von der durch das BFM gewährten Einsicht ausgenommener Dokumente geltend gemacht. Insgesamt liegt somit keine Verletzung des Akteneinsichtsrechts beziehungsweise der Begründungspflicht vor, da das BFM nicht gehalten war, die verwendeten allgemein zugänglichen Länderinformationen im beantragten Ausmass detailliert offenzulegen. Der gestellte Antrag, da s BFM sei anzuweisen, sämtliche Herkunftslä n- derinformationen, auf welche es seinen Entscheid stützte, mittels Que l- lenangaben offenzulegen, ist daher abzuweisen. 5.5 Bezüglich der Rüge des Beschwerdeführers in der Rechtsmittelschrift, wonach eine Verletzung der Begründungspflicht und seines Anspruchs auf rechtliches Gehör vorliege, da das BFM in der angefochtenen Verf ü- gung ohne Begründung von der langjährigen Praxis des Bundesverwa l- tungsgerichts abgewichen sei, ist Folgendes festzuhalten: Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar und im Einzelnen hinrei- chend differenziert aufgezeigt, weshalb es zum Schluss gelangt, dass sich die allgemeine Sicherheitslage in Sri Lanka nach Ende des bewaf f- neten Konfliktes zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE im Mai 2009 deutlich entspannt habe und sich die Lebensbedingungen i n- soweit verbessert hätten, dass eine Rückkehr auch in den Norden und Osten Sri Lankas grundsätzlich wieder zumutbar sei, während im ehe- mals von den LTTE kontrollierten Vanni -Gebiet die Lebensbedingungen nach wie vor als sehr schwierig einzustufen seien. Das BFM muss sich als Vorinstanz zwar auch hinsichtlich der Frage der generellen Zumutba r- keit des Vollzugs der Wegweisung in Herkunftsländer abgewiesener Asyl- suchender an die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts halten, es ist aber sehr wohl befugt, mit einlässlicher Begründung von einer bestehe n- den Praxis abzuweichen, wenn es diese als anpassungsbedürftig erac h- tet (vgl. BVGE 2010/54 E. 9.2.1 S. 801 f.). Dass das BFM den Vollzug der Wegweisung in die Nord- und Ostprovinz Sri Lankas aufgrund der jüng s- ten Entwicklungen in Sri Lanka aus den in der Verfügung dargelegten Gründen als zumutbar einschätzt, ist daher nicht zu be anstanden. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Übrigen kurz n ach Erlass der a n- gefochtenen Verfügung in seinem Urteil E -6220/2011 vom 27. Oktober 2011 (vgl. BVGE 2011/24) zur aktuellen Situation in Sri Lanka geäussert und eine Anpassung seiner in BVGE 2008/2 publizierten Praxis vorg e- nommen, welche mit derjenigen des BFM im Ergebnis weitgehend übe r- einstimmt (vgl. E. 6.3.2 nachstehend). Inwiefern das BFM mit seinem D-5816/2011 Seite 8 Vorgehen die Begründungspflicht verletzt haben soll, ist in Anbetracht der insgesamt ausgewogenen und differenzierten Erwägungen in der ang e- fochtenen Verfügung ohnehin nicht ersichtlich. 5.6 Bei dieser Sachlage besteht somit keine Veranlassung, die angefoc h- tene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben, weshalb das Bege h- ren des Beschwerdeführe rs, der Entscheid vom 29. September 2011 sei in den Dispositivpunkten 4 und 5 aufzuheben und zur Neubeurteilung der Sache an das BFM zurückzuweisen, abzuweisen ist. 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung v on Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach A rt. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) . Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Deze m- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder e r- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze d er Mensch- rechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter D-5816/2011 Seite 9 oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unte r- worfen werden. 6.2.2 Da rechtskräftig feststeht, dass es dem Beschwerdeführer nicht g e- lungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri La n- ka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in sein Heimatland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichke it ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ( "real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihm nicht g e- lungen. Der Beschwerdeführer gehört keiner in Bezug auf die Flüch t- lingseigenschaft relevanten Risikogruppe an, weshalb nicht davon au s- zugehen ist, ihm drohe im Rahmen der routinemässigen Überprüfung bei der Rückkehr d iesbezüglich eine unmenschliche Behandlung. Die allg e- meine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvol l- zug zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). An dieser Einschätzung ändern auch die diesbezüglichen Vorbringen des Beschwerdeführers in der Rechtsmitte l- schrift beziehungsweise in der Stellungnah me vom 25 . Mai 2012 sowie die dort zitierten Berichte nichts, weshalb es sich erübrigt, weiter darauf einzugehen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufna hme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz D-5816/2011 Seite 10 über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.3.2 In BVGE 2011/24 hat das Bundesverwaltungsgericht angesichts der veränderten Situati on in Sri Lanka nach dem Ende des sri -lankischen Bürgerkriegs am 19. Mai 2009 eine aktualisierte, auch heute noch zutre f- fende Lagebeurteilung vorgenommen. In Bezug auf die Frage der Zumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs ist es dabei hinsichtlich der Ostprov inz und C._______ – wo der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise Wohnsitz hatte – im Wesentlichen zu folgender Einschätzung gelangt (vgl. a.a.O., E. 13.1.): In der Ostprovinz hat sich die Lage nach übereinstimmenden Quellen weitgehend stabilisiert und norma lisiert. Es gibt zwar vermehrt Berichte über kriminelle Aktivitäten (namentlich Entführungen von und Einbrüche bei wohlhabenden Personen), und es wird im Allgemeinen d a- von ausgegangen, dass diese Straftaten von Angehörigen paramilitär i- scher Gruppierungen begangen werden, welche in einem gewissen Au s- mass Rückendeckung durch die sri -lankischen Sicherheitskräfte genie s- sen. Die Beziehung zwischen den verschiedenen Ethnien im Osten ist re- lativ entspannt. Die Tamilen und Muslime im Osten fürchten sich aber weiterhin vor einer "Singhalisierung" des Ostens. Die Polizeipräsenz soll vergleichbar sein mit den Verhältnissen in Colombo. Die Sicherheitsei n- schränkungen im Trincomalee-Distrikt hatten bereits im Jahr 2009 mer k- lich abgenommen. Die Sicherheitslage in Batticalo a hat sich ebenfalls merklich verbessert, obwohl die Stadt nach wie vor eine hohe Militärpr ä- senz aufweist. Die seit 2009 erfolgte Entspannung der Sicherheitslage in der Ostprovinz ist auch für die lokale Bevölkerung spürbar, und der For t- schritt ist erkennb ar geworden: Die Infrastruktur wird im Rahmen gros s- angelegter Entwicklungsprojekte ausgebaut (Aufbau neuer Strassen und Brücken sowie Elektrizitäts - und Fernmeldeleitungen). Das Bundesve r- waltungsgericht erachtet aufgrund der dort herrschenden allgemeinen Lage – in Übereinstimmung mit dem BFM – den Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprovinz als grundsätzlich zumutbar. 6.3.3 Gemäss den Angaben, die der Beschwerdeführer im erstinstanzl i- chen Asylverfahren machte, lebte er von Geburt bis zu seiner Ausreise aus Sri Lanka in der Stadt C._______, Ostprovinz. Dort wohnen nach wie vor seine Mutter, seine Ehefrau sowie seine zwei fast erwachsenen Ki n- der. Zudem leben seine sechs Geschwister ebenfalls alle im selben Dist- rikt (BFM-Akten A 8/27 S. 3 ff.). Es liegen keine aktuelleren Erkenntnisse vor, die zur Annahme führen würden, dass die Familienangehörigen des Beschwerdeführers sich heu te nicht mehr in der Stadt beziehungsweise D-5816/2011 Seite 11 im Distrikt C._______ aufhalten würden. In Erwägung zu ziehen ist au s- serdem, dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Aussagen in Sri Lanka jahrelang als (…) und (…) tätig war. Den vorliegenden Akten sind auch keine Hinweise auf gesundheitliche Schwierigkeiten des Bes chwer- deführers zu entnehmen. Es erweist sich somit, dass der Beschwerdeführer die vom Bundesve r- waltungsgericht in BVGE 2011/24 bezüglich der Zumutbarkeit des We g- weisungsvollzugs nach Sri Lanka formulierten Kriterien erfüllt. Er wird nach der Rückkehr in se in Heimatland sowohl auf die Unterstützung se i- ner in der Stadt beziehungsweise im Distrikt C._______ lebenden Ange- hörigen und Verwandten zählen können und bei ihnen eine Unterkunfts- möglichkeit vorfinden, als auch in Zukunft in der Lage sein, sich dank sei- ner beruflichen Kenntnisse wieder wirtschaftlich zu integrieren. Zur Über- brückung allfälliger Anfangsschwierigkeiten kann er beim BFM Rückkeh r- hilfe beantragen. Insbesondere genügen bloss soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige B evölkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers in der Rechtsmittelschrift sowie der Stellungnahme vom 25. Mai 2012 ist somit nicht anzunehmen, dass er bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat in eine existenzielle Notlage ge- raten wird. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit sowohl in g e- nereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi - gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung nicht als unmöglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 7. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. D-5816/2011 Seite 12 8. Dem Ausgang des Ver fahrens entsprechend wären die Kosten dem mit seinen Begehren unterlegenen Beschwerdeführer zu überbinden (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dieser hat aber im Rahmen der Beschwerdebegehren ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gestellt. G e- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz nach Einre i- chung der Beschwerde eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Dem Beschwerdeführer kann nicht vorgehalten werden, seiner Beschwerde habe es im Zeitpunkt der Bea n- tragung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Blick auf die Erfolgsaussich- ten an der nötigen Ernsthaftigkeit gefehlt (vgl. BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Zudem wird seine pr ozessuale Bedürftigkeit durch die eingereichte Fürsorgebestätigung vom 18. Oktober 2011 hinreichend belegt. Damit sind beide kumulativ erforderlichen Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG erfüllt. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Recht s- pflege ist deshalb gutzuheissen, und der Beschwerdeführer ist von der Pflicht zur Kostentragung zu befreien. Infolgedessen sind ihm trotz seines Unterliegens keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-5816/2011 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gu t- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: