<h2>SubmittedText<h2><p>Immer wieder hört man aus einzelnen Kantonen, dass es bezüglich der wöchentlichen Lehrlingsturnstunde Probleme gibt. Einmal sind es fehlende Turnhallen, welche die Kantone zum Verzicht dieser Turnstunden zwingen. Ein andermal sind es zeitlich ungeschickt festgelegte Turnstunden (Randstunden), welche die Lehrlinge geradezu einladen, die Turnstunde zu schwänzen. Ich möchte den Wert dieser Turnstunden nicht infrage stellen, aber das Verhältnis von (Kosten) Aufwand und Ertrag muss auch hier stimmen.</p><p>In den letzten Jahren musste im wesentlichen Teil des Kantons Solothurn wegen fehlender Hallen auf das Lehrlingsturnen verzichtet werden. Bis zum Herbst 2004 hat der Kanton Solothurn Zeit, das Hallenproblem zu lösen. Ab diesem Termin muss allen Lehrlingen im Kanton Solothurn die wöchentliche Turnstunde wieder angeboten werden. Dass sich der Kanton damit in grosse Kosten stürzen muss, sollte beim Bund zumindest auch ein Thema sein.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Wie steht es gesamtschweizerisch mit dem Lehrlingsturnen? Wird das Lehrlingsturnen in allen anderen Kantonen vorschriftsgemäss erteilt? Wenn nein, welches sind die Gründe, die zu einer Abweichung vom geltenden Gesetz führen?</p><p>2. Was gedenkt er mit jenen Kantonen zu tun, welche sich nicht gesetzeskonform verhalten?</p><p>3. Ist er nicht auch der Meinung, dass es durchaus auch sinnvoll (und für die Kantone finanziell erst noch interssanter) sein kann, anstelle der wöchentlichen Turnstunde eine Sportprojektwoche anzubieten?</p><p>4. Gibt es Kantone, die das Lehrlingsturnen so oder ähnlich durchführen, und lassen die jetzigen Gesetze ein solches Angebot überhaupt zu?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Mit der Verordnung vom 14. Juni 1976 über Turnen und Sport an Berufsschulen verfolgte der Bundesrat folgende Ziele:</p><p>- Die Unterstützung der körperlichen Entwicklung und Entfaltung der Berufsschülerinnen und -schüler im Sinne einer ausgewogenen Bildung;</p><p>- die Förderung des partnerschaftlichen Verhaltens innerhalb der Schulgemeinschaft;</p><p>- die Förderung eines gesundheitsfördernden Lebensstils mit genügender lebenslanger Bewegungsaktivität.</p><p>An dieser Zielsetzung hat sich grundlegend nichts geändert. Die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse legen eigentlich nahe, diese Anstrengungen in der Gesundheitsförderung und der sozialen Integration durch Sportangebote und Sportunterricht noch zu verstärken. Die entsprechenden positiven Effekte sind wissenschaftlich hinreichend belegt. Eine langfristig sinnvolle Investition sollte nicht kurzfristigen Veränderungen zum Opfer fallen.</p><p>Zu den Fragen nimmt der Bundesrat wie folgt Stellung:</p><p>1. Die letzte Umfrage über den aktuellen Stand wurde in den Jahren 1993/94 durchgeführt. Die damaligen Resultate zeigen, dass einige Kantone den Berufsschulsport noch nicht zu 100 Prozent gemäss den Vorschriften erfüllen. Gründe dafür sind vorwiegend die fehlenden Finanzen für Neubauten und der Platzmangel für den Bau von Sportanlagen. Gegenwärtig erarbeiten das Bundesamt für Sport und das Bundesamt für Bildung und Technologie eine neue Umfrage, um den aktuellen Stand abzuklären.</p><p>2. Sobald die erwähnten statistischen Zahlen erfasst und ausgewertet sind, wird mit den zuständigen Behörden nach gesetzeskonformen Lösungen gesucht, die neue Anregungen unter Wahrung der Grundabsicht des Gesetzgebers beinhalten können.</p><p>3. Eine Sportprojektwoche kann zwar einige Ziele der Berufsausbildung im Allgemeinen und des Sportunterrichtes im Speziellen anstreben; gesundheitlich relevante Bewegung lebt aber von täglicher und wöchentlicher Regelmässigkeit und kann nicht auf Vorrat betrieben werden.</p><p>Eine Sportprojektwoche an einer Berufsschule kann deshalb eine sinnvolle Ergänzung sein, aber auf keinen Fall eine für den Kanton finanziell längerfristig interessante Alternative zum regelmässigen Sportunterricht.</p><p>4. Die jetzigen gesetzlichen Grundlagen erlauben solche Lösungen nicht; letztere sind im Sinne der Zielsetzung des Berufsschulsportes auch nicht sinnvoll.</p>  Antwort des Bundesrates.