Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer II II 2024 75 Entscheid vom 26. November 2024 Besetzung Dr.iur. Vital Zehnder, Vizepräsident Dr.oec. Andreas Risi, Richter Dr.iur. Frank Lampert, Richter MLaw Fiona Schuler, a.o. Gerichtsschreiberin Parteien A.________, Beschwerdeführer, gegen B.________ AG, Vorinstanz, Gegenstand Krankenversicherung (Nichteintreten)2 Sachverhalt: A.A.________ (Jg. 19__) ist im Jahr 2024 bei der B.________ obligatorisch krankenversichert (Vi-act. 1). Er reichte der B.________ zur Kostenrückerstat- tung eine Rechnung der Firma C.________, (D), vom 28. März 2024 über € 752.02 ein (Vi-act. 2). Nachdem die B.________ A.________ mitteilte, keine Kostenbeteiligung zu leisten, verlangte er am 3. Mai 2024 eine anfechtbare Ver- fügung (Vi-act. 3). Mit Datum vom 6. Mai 2024 erstellte die B.________ eine Leistungsabrechnung, wonach der Rechnungsbetrag von Fr. 736.66 (€ 752.02) im Gesamtbetrag zu Lasten von A.________ gehe (Vi-act. 4). Am 30. Mai 2024 erliess die B.________ sodann folgende Verfügung (Vi-act. 5): Das Gesuch um Kostenübernahme von EUR 752.02 für ein Hilfsmittel (AirSense 11, inkl. Zubehör) zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (nach- folgend OKP) wird abgelehnt. B.Am 12. Juli 2024 ging bei der B.________ eine Einsprache mit Datum 28. Juni 2024 gegen die erwähnte Verfügung ein (Vi-act. 6). Mit formlosem Schrei- ben vom 5. August 2024 teilte die B.________ A.________ mit, die Einsprache sei nicht innert 30 Tagen nach Erhalt der Verfügung erfolgt; die Einsprache wer- de aufgrund der Verspätung nicht bearbeitet (Vi-act. 9). Mit E-Mail sowie Brief- schreiben vom 10. August 2024 bestritt A.________ die Richtigkeit des Schrei- bens vom 5. August 2024 und verlangte Wiedererwägung mit der Begründung, seine Eingabe sei sehr wohl fristgerecht erfolgt (Vi-act. 10 und 11). Am 21. Au- gust 2024 erliess die B.________ eine "Wiedererwägung zur verpassten Frist für die Einreichung der Einsprache gegen die Verfügung vom 30.05.2024 betreffend Ablehnung der Rückerstattung in Sachen Bezug Hilfsmittel im Ausland" (Vi-act. 13). Die B.________ bekräftigte, die Einsprache sei verspätet eingereicht wor- den, sie werde nicht bearbeitet, die Verfügung vom 30. Mai 2024 sei rechtskräf- tig. C.A.________ reicht am 4. September 2024 beim Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz fristgerecht Beschwerde ein mit den Anträgen: 1. Die ablehnenden Verfügungen 06078264 der B.________, dat. 30.5., 5.8. und 21. August 2024 seien aufzuheben. Und die durch entsprechende Rechnungen nachgewiesenen Fr. 736.55 für das (anschliessend an vorausgegangene 3- monatige Miete bei Lungenliga gem. ärztlicher Verordnung) zu 100% identische Kauf-Neugerät desselben Herstellers sei zu vergüten. 2. Unter allf. Kosten- und Entschädigungspflicht zu Lasten Gegenpartei. D.Mit Vernehmlassung vom 3. Oktober 2024 beantragt die B.________: 1. Die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen, da die gesetzliche Frist zur Einsprache durch den Beschwerdeführer verpasst worden ist.3 2. Die Verfügung vom 30.05.2024 sei formell und materiell in Rechtskraft zu set- zen. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers. Am 24. Oktober 2024 repliziert der Beschwerdeführer unter Bestätigung der Be- schwerdeanträge. Am 31. Oktober 2024 nimmt er zudem Stellung zum Beleg Vi- act. 7 (Couvert der Einsprache), welcher ihm auf entsprechendes Ersuchen in der Replik zugestellt wurde. Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.Die B.________ ist auf die Einsprache (mit Datum 28.6.2024) wegen Frist- versäumnis nicht eingetreten. Dies erfolgte zu Unrecht formlos. Auch bei der "Wiedererwägung" bleibt unklar, als was diese zu qualifizieren ist, fehlt es doch insbesondere an einer korrekten Rechtsmittelbelehrung. Auch wenn die B.________ der Überzeugung war, die Einsprache sei zu spät eingereicht wor- den, hätte sie in einem förmlichen Einspracheentscheid ein Nichteintreten be- schliessen müssen. Nachdem der Beschwerdeführer in der Sache Verwaltungs- gerichtsbeschwerde erhob, ist ihm aus diesen Unzulänglichkeiten kein Nachteil erwachsen, weshalb nicht weiter darauf einzugehen ist. Angefochten ist zweifelsfrei ein Nichteintretensentscheid. Strittig - und durch das Verwaltungsgericht zu prüfen - ist damit allein, ob die B.________ zu Recht auf die Einsprache mit Datum 28. Juni 2024 / Eingang B.________ 12. Juli 2024 nicht eingetreten ist. Denn wenn die Vorinstanz auf ein Rechtsmittel nicht einge- treten ist, so hat das Verwaltungsgericht gemäss ständiger Rechtsprechung grundsätzlich nur zu prüfen, ob der Nichteintretensentscheid zu Unrecht erfolgt ist. Bejaht es diese Frage, so hebt es den Nichteintretensentscheid auf und weist die Akten an die Vorinstanz zurück, damit diese einen Sachentscheid trifft (VGE III 2022 68 vom 23.6.2022 E. 1; VGE II 2020 78 vom 21.10.2020 E. 2.1 mit weite- ren Hinweisen). Soweit der Beschwerdeführer Anträge in der Sache selbst stellt (Vergütung der Rechnungen), ist darauf nicht einzutreten. 2.1Gegen Verfügungen der Krankenversicherung kann - von hier nicht interes- sierenden Ausnahmen abgesehen - innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden (Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] vom 6.10.2000). 2.2Berechnet sich eine Frist nach Tagen oder Monaten und bedarf sie der Mit- teilung an die Parteien, so beginnt sie am Tag nach ihrer Mitteilung zu laufen 4 (Art. 38 Abs. 1 ATSG). Eine Mitteilung, die nur gegen Unterschrift des Adressa- ten beziehungsweise der Adressatin oder einer anderen berechtigten Person überbracht wird, gilt spätestens am siebenten Tag nach dem ersten erfolglosen Zustellungsversuch als erfolgt (Art. 38 Abs. 2bis ATSG). Verfügungen gelten als eröffnet, sobald sie ordnungsgemäss zugestellt sind und die betroffene Person davon Kenntnis nehmen kann. Dass sie davon tatsächlich Kenntnis nimmt, ist nicht erforderlich (BGE 142 III 599 E. 2.4.1). Eine einge- schriebene Postsendung, die nicht abgeholt worden ist, gilt am siebten Tag nach dem erfolglosen Zustellungsversuch als abgeholt, sofern die Person mit der Zu- stellung rechnen musste, was praxisgemäss ein Verfahrens- oder Prozess- rechtsverhältnis voraussetzt (vgl. Urteil BGer 6B_1052/2019 vom 4.12.2019). In einem solchen Verfahrens- oder Prozessrechtsverhältnis ist die betroffene Per- son verpflichtet, ihre Post regelmässig zu kontrollieren, gegebenenfalls einen Stellvertreter zu bezeichnen, sich die Post nachsenden zu lassen, die Behörden über Abwesenheiten zu informieren oder ihnen eine Zustelladresse zukommen zu lassen (BGE 141 II 429 E. 3.1). Diese Zustellfiktion ist auch im Falle eines Postrückbehaltungsauftrages beachtlich (BGE 134 V 49). Die Frist bis zum Ein- treten der Zustellfiktion wird daher nicht verlängert, wenn ein Abholen nach den anwendbaren Bestimmungen der Post auch noch länger möglich ist, etwa zufol- ge eines Rückbehaltungsauftrags. Auch ein allfälliger zweiter Versand und die spätere Entgegennahme der Sendung vermögen an der nach Ablauf der sie- bentägigen Abholfrist eingetretenen Zustellungsfiktion grundsätzlich nichts zu ändern. Sie gelten als rechtlich unbeachtlich (BGE 117 V 131 E. 4a, BGE 111 V 99 E. 2b). Bei eingeschriebenen Postsendungen gilt schliesslich eine widerlegba- re Vermutung, dass der oder die Postangestellte den Avis ordnungsgemäss in den Briefkasten oder in das Postfach des Empfängers gelegt hat und das Zustel- lungsdatum korrekt registriert worden ist (BGE 142 IV 201 E. 2.3 mit zahlreichen Hinweisen). 2.3Eine gesetzliche Frist (wie die Einsprachefrist) kann nicht erstreckt werden (Art. 40 Abs. 1 ATSG). Schriftliche Eingaben müssen spätestens am letzten Tag der Frist dem Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsula- rischen Vertretung übergeben werden (Art. 39 Abs. 1 ATSG). Als Beweis für die Übergabe zuhanden der Schweizerischen Post dient grundsätzlich der Post- stempel. Es reicht bereits der Einwurf in einen Briefkasten der Schweizerischen Post, sofern der Beweis der Rechtzeitigkeit durch Zeugen oder andere Beweis- mittel erbracht werden kann (Kölz/Bosshart/Röhl, Kommentar zum Verwaltungs- rechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. A., Zürich 2014, § 11 N 46; Kieser, 5 ATSG-Kommentar, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 39 N 9). Die strikte An- wendung der Bestimmungen über die Rechtsmittelfristen stellt im Prinzip keinen überspitzten Formalismus dar (BGE 142 V 152 E. 4.2). 2.4Die Beweislast für die Rechtzeitigkeit einer Parteihandlung im Verfahren trägt grundsätzlich diejenige Partei, welche daraus Rechtsfolgen ableiten will (Kieser, a.a.O., Art. 39 N 8). Wo für die Ausübung eines Rechts eine Verwir- kungsfrist läuft, trägt demgemäss die das Recht ausübende Partei die Beweislast für die Einhaltung der Frist. Bei der Frage der Einhaltung der Einsprachefrist ist dies die einsprechende Partei. 2.5Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung und Lehre gilt eine nicht ein- geschriebene Postsendung als gültig zugestellt, wenn sie der betroffenen Person in den Briefkasten oder in ihr Postfach gelegt worden ist und somit in ihren Ge- wahrsam gelangt. Wird die Tatsache oder das Datum der Zustellung nicht einge- schriebener Sendungen bestritten, muss im Zweifel auf die Darstellung des Emp- fängers abgestellt werden (BGE 103 V 63 E. 2a). Eine Umkehr der Beweislast greift lediglich Platz, wenn die Partei den Beweis der Rechtzeitigkeit aus Grün- den nicht erbringen kann, die von der Behörde zu verantworten sind (Urteil EVG C 285/03 vom 5.7.2004 E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 92 I 257 E. 3). Da indessen nach dem im Sozialversicherungsverfahren herrschenden Untersuchungsgrund- satz die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes von Amtes wegen zu erfolgen hat, greifen diese Beweislastregeln erst, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen der Untersuchungsmaxime auf Grund ei- ner Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu eruieren, der zumindest die Wahr- scheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen. 2.6Im Sozialversicherungsrecht gilt für den Beweis der Rechtzeitigkeit im Zu- sammenhang mit der Wahrung von Rechtsmittelfristen wie auch Fristen ausser- halb des Rechtsmittelbereiches der übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. zum Ganzen Kieser, a.a.O., Art. 39 N 10). Dieser Be- weisgrad liegt zwischen demjenigen der Annahme einer blossen Möglichkeit oder Hypothese und demjenigen der strikten Annahme der zu beweisenden Tatsa- chen. Die Wahrscheinlichkeit ist insoweit überwiegend, wenn der begründeten Überzeugung keine konkreten Einwände entgegenstehen. Soweit zwischen zwei oder mehreren Möglichkeiten zu entscheiden ist, ist diejenige überwiegend wahr- scheinlich, welche sich am ehesten zugetragen hat. Ein Beweisergebnis, das "etwas dürftig" ist, schliesst deshalb nicht bereits die Annahme einer überwie- genden Wahrscheinlichkeit aus (vgl. Kieser, a.a.O., Art. 43 N 50).6 Im Rahmen der Beweiswürdigung sind die erhobenen Beweismittel durch den Richter bezüglich ihrer Beweiskraft zu würdigen. Dabei kann der Richter nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung das Beweisergebnis nach freier Überzeugung, unabhängig von Regeln über den Wert von Beweismitteln, würdi- gen. Es kann auch die mittelbare Beweisführung durch Indizien und auf Indizien beruhenden tatsächlichen Feststellungen berücksichtigt werden (vgl. Hans Schmid, Basler Kommentar, Art. 8 ZGB N 78 u. N 85 f.; VGE II 2010 1 vom 20.5.2010 E. 5.2). 3.1Die Verfügung vom 30. Mai 2024 (Vi-act. 5) wurde noch gleichentags als R- Sendung der Post aufgegeben. Gemäss Sendungsverfolgung wurde die Sen- dung dem Beschwerdeführer am 31. Mai 2024 nach erfolgloser Zustellung zur Abholung angemeldet (Vi-act. 12) und lag dann, da keine Zustellung erfolgen konnte, ab dem Folgetag (1.6.2024) an der Abhol-/Zustellstelle zur Abholung be- reit. Gleichentags hat der Beschwerdeführer den Auftrag zur Verlängerung der Abholfrist ausgelöst. Es steht ebenfalls fest, dass der Beschwerdeführer von der B.________ den Er- lass einer anfechtbaren Verfügung verlangt hatte. Damit aber musste er mit der Zustellung einer Verfügung rechnen, was die Anwendung der Zustellfiktion recht- fertigt (vgl. oben E. 2.2). Die Verfügung gilt somit am siebten Tag nach erfolglo- sem Zustellversuch (7. Tag nach dem 31.5.2024) als zugestellt, mithin am Frei- tag, 7. Juni 2024 (Art. 38 Abs. 2 bis ATSG). Entgegen der Darstellung des Be- schwerdeführers bleibt die von ihm veranlasste Verlängerung der Abholfrist und der Tag der effektiven Zustellung (10.6.2024) unbeachtlich. Für die Berechnung der 30-tägigen Einsprachefrist ist die Zustellfiktion massgeblich, mithin der 7. Juni 2024. Damit steht fest, dass die Einsprache fristgerecht erhoben wurde, wenn sie spätestens am Montag, 8. Juli 2024 (der 30. Tag war Sonntag, 7.7.2024), der B.________ eingereicht oder zu deren Handen der Schweizerischen Post über- geben wurde (vgl. Art. 39 Abs. 1 ATSG). 3.2Die Einsprache trägt das Datum vom 28. Juni 2024 (vgl. Vi-act. 6). Aller- dings ist dieses Datum der Ausfertigung der Einsprache für die Beurteilung der Fristeinhaltung nicht relevant. Entscheidend ist allein, wann sie der B.________ eingereicht oder zu deren Handen der Post übergeben wurde. 3.3Die Einsprache trägt als Eingangsstempel den 12. Juli 2024. Rechtspre- chungsgemäss ist hinsichtlich Zustell-Datum ohne anderweitige Nachweise auf die Darstellung des Empfängers abzustellen (vgl. oben E. 2.5). Es bestehen vor- liegend keine Hinweise, dass der Eingang der Einsprache falsch datiert worden 7 sein könnte. Es ist damit von einer Zustellung am 12. Juli 2024 auszugehen. Al- lerdings ist dies für die Frage der Fristwahrung nicht primär relevant. Vorliegend ist unbestritten, dass die Einreichung via Post erfolgt ist. Damit ist in erster Linie entscheidend, wann die Einsprache der Post übergeben wurde. Hierfür trägt der Beschwerdeführer die Beweislast (vgl. oben E. 2.4). 3.4Im Recht liegt ein Scan der Vor- und Rückseite eines Couverts (Vi-act. 7). Die Eingabe wurde mit Fr. 1.-- frankiert und auf der Rückseite mit dem Absender des Beschwerdeführers gestempelt. Die Einsprache wurde also als B-Post auf- gegeben. Dies bedeutet, dass eine Sendungsverfolgung nicht möglich ist, da weder die Postaufgabe noch die Zustellung erfasst und nachvollzogen werden können. Den Entscheid für diese Versandart fällte allein der Beschwerdeführer, der nun auch die Folgen hierfür zu tragen hat. 3.5Als Beweis für die rechtzeitige Übergabe zuhanden der Schweizerischen Post dient grundsätzlich der Poststempel. Vorliegend fällt nun auf, dass das Couvert keinen Poststempel trägt. Damit fehlen jegliche Anhaltspunkte betreffend Zeitpunkt der Postaufgabe. 3.6.1Die B.________ trat allein aufgrund des Eingangsdatums (12.7.2024) auf die Einsprache nicht ein mit der Begründung, sie sei verspätet eingereicht wor- den. Eine weitergehende Begründung enthält die formlose Mitteilung vom 5. Au- gust 2024 nicht (Vi-act. 9). In der "Wiedererwägung" vom 21. August 2024 (Vi- act. 13) wird dann noch ausgeführt, das Datum der Einsprache 28. Juni 2024 sei nicht relevant, das Couvert sei ungestempelt, Nachweise für die Postaufgabe würden fehlen, solche würde auch der Beschwerdeführer keine vorbringen, damit sei die Frist durch die am 12. Juli 2024 zugestellte Einsprache versäumt. 3.6.2Finden sich in den Akten keine Angaben über den Zeitpunkt der Postauf- gabe und trifft die Beschwerdeschrift nach Fristablauf bei der zuständigen In- stanz ein, so darf sich diese nicht damit begnügen, gestützt auf das Eingangsda- tum Mutmassungen zum Aufgabezeitpunkt anzustellen und gestützt darauf auf die Beschwerde nicht einzutreten, wenn eine fristgerechte Postaufgabe grundsätzlich möglich wäre (so etwa bei A-Post Zustellung zwei Tage nach Frist- ablauf; Urteil BGer 4A_556/2022 vom 4.4.2023 E. 2.4). Der Anspruch auf rechtli- ches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV garantiert dem Beschwerdeführer, dass die Vorinstanz in einer solchen Situation bei ihm eine Rückfrage vornimmt, damit er sich zum Zeitpunkt der Aufgabe der Eingabe äussern und allfällige Beweismittel vorbringen kann (vgl. BGE 139 III 364 E. 3.2.3; BGE 115 Ia 8 E. 2c; Urteile BGer 5A 185/2022 vom 21.12.2022 E. 6; 5A 28/2015 vom 22.5.2015 E. 3.1.1). Da- durch wird sichergestellt, dass der Beschwerdeführer seiner Behauptungs- und 8 Beweislast für die rechtzeitige Aufgabe der Eingabe nachkommen kann. Dem ist die Vorinstanz zu Unrecht mit dem formlosen Schreiben vom 5. August 2024 nicht nachgekommen. 3.6.3Dieser Mangel kann vorliegend indes als geheilt betrachtet werden, nach- dem der Beschwerdeführer gegen das formlose Nichteintreten wegen Fristver- säumnis vom 5. August 2024 umgehend opponiert hat und sich dabei ausdrück- lich auch zur Frage der Fristwahrung äusserte und dies auch Gegenstand des vorliegenden Verfahrens mit doppeltem Schriftenwechsel ist. Auf seine hierbei vorgetragenen Ausführungen betreffend rechtzeitiger Postaufgabe ist nachfol- gend einzugehen. 3.7Im Rahmen seines 'Einspruchs' vom 10. August 2024 (Vi-act. 10) machte der Beschwerdeführer geltend, die Einsprachefrist habe erst am 28. Juni 2024 zu laufen begonnen, da er die angefochtene Verfügung bis dahin habe abholen dür- fen. Diesbezüglich ist auf die obstehende Rechtsprechung zu verweisen, dass ein Rückbehaltungsauftrag an der Zustellfiktion nichts zu ändern vermag und ein Einschreiben am siebten Tag nach erfolgloser Zustellung als zugestellt gilt (vgl. oben E. 2.2). Weiter sei nicht das Eingangsdatum (12.7.2024) massgebend für die Fristwah- rung, sondern das Versanddatum, der 28. Juni 2024. Diesbezüglich ist dem Be- schwerdeführer insoweit zuzustimmen, dass in der Tat das Versanddatum ent- scheidend ist. Dieses ist allerdings unbekannt resp. für den 28. Juni 2024 nicht belegt. Nicht gefolgt werden kann dem Beschwerdeführer, wenn er weiter ausführte, bei der (Einsprache-)Frist handle es sich nicht um eine gesetzliche Frist, denn die Einsprachefrist ist in Art. 52 Abs. 1 ATSG gesetzlich zweifelsfrei normiert. Irgendwelche Belege oder Hinweise bezüglich fristwahrende Postaufgabe brach- te der Beschwerdeführer nicht vor. 3.8Vor Verwaltungsgericht macht der Beschwerdeführer zudem geltend, die Zustellung der Verfügung vom 30. Mai 2024 sei effektiv am 10. Juni 2024 erfolgt, was für die Fristberechnung relevant sei. Nach den zuvor dargestellten Grund- sätzen der Fristberechnung trifft aber auch dies nicht zu. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Post habe die Eingabe pflicht- widrig ohne Datums- und Aufgabeortstempel versandt und zugestellt, so kann of- fenbleiben, ob Briefe wirklich abgestempelt sein müssen. Fest steht, dass der Versand durch die Post abgewickelt wurde, dass sich der Beschwerdeführer für 9 einen B-Post-Versand entschieden hatte, welcher per se Beweisschwierigkeiten mit sich bringt. Dass das Couvert vorliegend ungestempelt und das Versandda- tum unregistriert blieb, ist mitunter dieser Versandart geschuldet. Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, die B.________ lege als Beleg eine PDF-Aufnahme irgendeines angeblichen Zustellcouverts vor, wobei es akten- kundig auch zahlreiche weitere Korrespondenzen seinerseits mit der B.________ gebe und diese Aufnahme gut auch aus einer völlig anderweitigen Korrespon- denz stammen könne. Solange jedoch keine Anhaltspunkte für eine fehlerhafte Aktenführung durch die B.________ bestehen, ist dieser Einwand nicht zu hören. Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer zwei Einsprachen in das eine Couvert verpackte und die Aufnahme dieses einen Couverts in beiden Verfahren als Actorum abgelegt ist (Verfahren II 2024 75 und II 2024 76). Auch ist unbestrit- ten, dass der Versand per B-Post erfolgt ist, was mit der Aufnahme überein- stimmt. Es wäre doch ein sehr grosser Zufall, wenn in der umfassenden Korre- spondenz irgendwo ein ungestempeltes B-Post-Couvert des Beschwerdeführers abgelegt worden wäre und es ist nicht anzunehmen, dass die B.________ auf die Suche nach diesem ungestempelten Couvert gegangen wäre, es gefunden und dann widerrechtlich diesen beiden Verfahren zugeordnet hätte. Hierfür be- stehen schlicht keine Hinweise. Und auch diesbezüglich hat es der Beschwerde- führer sich selbst anzurechnen, dass er für seinen Versand, für welchen er be- weispflichtig ist, die Versandart B-Post gewählt hatte. Replizierend führt der Beschwerdeführer schliesslich aus, die Einsprache per B- Post versandt zu haben, die Zustellzeit betrage "bekanntlich 3-5 Arbeitstage", so dass die Einsprache "so zwischen 1. und spät. 9. Juli 2024 (infolge fehlender Briefkastenleerung über das Wochenende dies auch so schon Freitag, 28. Juni 2024 möglich)" der Post übergeben worden sei. Die Einsprache ging am Freitag, 12. Juli 2024, bei der B.________ ein. Die Post ist verpflichtet, dass 97% der Briefe innert der gesetzlichen Laufzeit (bei B-Post bis am dritten dem Aufgabetag folgenden Werktag) ausgeliefert werden (Art. 32 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 29 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 Postverordnung [SR 783.01] vom 29.8.2012). Effektiv wurden im Jahr 2022 99.3% der B-Post-Briefe pünktlich, am dritten Werktag nach Postaufgabe zugestellt, im Jahr 2023 betrug die Pünktlichkeit 99.5% (www.post.ch/de/ueber- uns/aktuell/2023/laufzeiten-post-2022; www.post.ch/de/ueber-uns/aktuell/2024/ puenktliche-post-im-jahr-2023; eingesehen am 8.11.2024). Bei einer Zustellung am Freitag 12. Juli 2024 ist damit die Annahme berechtigt, dass die Postaufgabe am Dienstag, 9. Juli 2024 und damit verspätet erfolgt ist. Für eine andere An- nahme bestehen vorliegend schlicht keine Anhaltspunkte. Der Beschwerdeführer selber bringt trotz mehrfachem Schriftenwechsel nichts vor, was ein anderes, d.h. früheres Versanddatum als wahrscheinlicher erscheinen liesse. Erneut ist zu 10 wiederholen, dass dies in erster Linie Folge der vom Beschwerdeführer gewähl- ten Versandart (B-Post) ist, die ohne Erhebung von irgendwelchen nachvollzieh- baren Versanddaten erfolgt. Der Beschwerdeführer hat sich für eine B-Post- Sendung entschieden und damit bewusst in Kauf genommen, dass die Sendung nicht registriert wird, was unweigerlich mit Beweisschwierigkeiten verbunden sein kann. 3.9Wenn nun aber der genaue Zeitpunkt der Übergabe der Einsprache an die Schweizerische Post nicht eruiert werden kann, namentlich der Beschwerdefüh- rer selber keinerlei nachvollziehbare Hinweise für die Postaufgabe vorzulegen vermag, die Einsprache bei der B.________ nachweislich am 12. Juli 2024 ein- ging, aufgrund der ausgewiesenen Pünktlichkeit der Post von einer Zustellung des B-Post-Briefes am dritten Werktag nach Postaufgabe ausgegangen werden kann, so kann nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass die Einsprache spätestens am 8. Juli 2024 der Post übergeben wurde. 4.Damit aber ist nicht zu beanstanden, dass die B.________ auf die Einspra- che infolge Fristversäumnis nicht eingetreten ist. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. Kosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. fbis ATSG). 11 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwer- de* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, Schwei- zerhofquai 6, 6004 Luzern, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundes- gesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005). 4. Zustellung an: -den Beschwerdeführer (R) -die Vorinstanz (R) -und das Bundesamt für Gesundheit, BAG, 3003 Bern (A). Schwyz, 26. November 2024 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Vizepräsident: Die a.o. Gerichtsschreiberin: *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 13. Dezember 2024