<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 85 S.411</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">411</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>85</b></span> <span class="ft2"><b>Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Auflage des Zusammenlebens in ehelicher Gemeinschaft stellt eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zulässige "Bedingung" im Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG dar. Eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Aufenthaltsbewilligung darf grundsätzlich widerrufen oder nicht mehr</b></span><br/> <span class="ft2"><b>verlängert werden, wenn diese Auflage nicht mehr erfüllt ist</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II./2.2.-2.6.).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Verhältnismässigkeit eines Widerrufs einer Aufenthaltsbewilligung ist</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dann zu prüfen, wenn der Ausreisezeitpunkt vor Ablauf der Aufenthalts-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bewilligung terminiert wird (Erw. II./4.1.-4.4.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft3">24. November 2006 in Sachen B.G. betreffend Widerruf der Aufenthaltsbewil-</span><br/> <span class="ft3">ligung und Wegweisung (1-BE.2006.23).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 2.2. Dem Beschwerdeführer wurde am 4. Februar 2005 ge-</span><br/> <span class="ft1">stützt auf Art. 17 Abs. 2 ANAG eine Aufenthaltsbewilligung erteilt.</span><br/> <span class="ft1">Diese wurde am 1. Dezember 2005 bis zum 31. Januar 2007 verlän-</span><br/> <span class="ft1">gert. Der Beschwerdeführer wurde im Bewilligungsverfahren mit</span><br/> <span class="ft1">Schreiben des Migrationsamtes vom 4. Februar 2005 ausdrücklich</span><br/> <span class="ft1">darauf aufmerksam gemacht, dass ihm die Aufenthaltsbewilligung</span><br/> <span class="ft1">unter der Bedingung des Zusammenlebens mit seiner Ehefrau erteilt</span><br/> <span class="ft1">und widerrufen oder nicht mehr verlängert werde, sobald diese</span><br/> <span class="ft1">Bedingung nicht oder nicht mehr restlos erfüllt sei. Der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer erklärte am 11. Februar 2005 mit seiner Unterschrift, diese</span><br/> <span class="ft1">Bedingung zur Kenntnis genommen zu haben. Am 9. November</span><br/> <span class="ft1">2005 trennten sich der Beschwerdeführer und seine Ehefrau und</span><br/> <span class="ft1">wohnen seither nicht mehr zusammen. Hierauf verfügte das Migrati-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">412</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">onsamt am 27. April 2006 gestützt auf Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG den</span><br/> <span class="ft1">Widerruf der Aufenthaltsbewilligung.</span><br/> <span class="ft1">2.3. Gestützt auf Art. 5 Abs. 1 ANAG kann eine Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung mit Bedingungen verbunden werden. Wird eine Be-</span><br/> <span class="ft1">dingung nicht (mehr) erfüllt, kann die Aufenthaltsbewilligung ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG widerrufen werden. Zu prüfen ist</span><br/> <span class="ft1">nachfolgend, ob die Bedingung des ehelichen Zusammenlebens, un-</span><br/> <span class="ft1">ter welcher dem Beschwerdeführer die Aufenthaltsbewilligung erteilt</span><br/> <span class="ft1">wurde, eine Bedingung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG dar-</span><br/> <span class="ft1">stellt und ein Widerruf damit grundsätzlich zulässig ist.</span><br/> <span class="ft1">2.4. Zunächst ist zu klären, ob die "Bedingung" des Zu-</span><br/> <span class="ft1">sammenlebens, welche das Migrationsamt an die Erteilung der Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthaltsbewilligung knüpft, eine Bedingung im Rechtssinne und ins-</span><br/> <span class="ft1">besondere im Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG darstellt.</span><br/> <span class="ft1">2.4.1. Nach der herrschenden Lehre liegt eine Bedingung dann</span><br/> <span class="ft1">vor, wenn die Rechtswirksamkeit einer Verfügung von einem künfti-</span><br/> <span class="ft1">gen ungewissen Ereignis abhängig gemacht wird. Man unterscheidet</span><br/> <span class="ft1">zwischen Suspensivbedingungen, bei denen die Rechtswirksamkeit</span><br/> <span class="ft1">der Verfügung erst eintritt, wenn die Bedingung erfüllt ist und</span><br/> <span class="ft1">Resolutivbedingungen, bei denen die Rechtswirksamkeit der Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung mit Eintritt der Bedingung endigt (Ulrich Häfelin/Georg Mül-</span><br/> <span class="ft1">ler/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, Basel/Genf/St.</span><br/> <span class="ft1">Gallen/Zürich 2006, S. 190, Rz. 907 f.). Formell zeichnet sich eine</span><br/> <span class="ft1">Bedingung (etwa gegenüber einer gesetzlichen Voraussetzung, wel-</span><br/> <span class="ft1">che unmittelbar gilt) dadurch aus, dass sie in der zugehörigen Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung ausdrücklich vermerkt wird (vgl. Rahel Küttel, in: Patricia</span><br/> <span class="ft1">Schiess Rütimann [Hg.], Schweizerisches Ausländerrecht in Bewe-</span><br/> <span class="ft1">gung?, S. 43).</span><br/> <span class="ft1">Demgegenüber stellt eine Auflage eine mit einer Verfügung ver-</span><br/> <span class="ft1">bundene zusätzliche Verpflichtung zu einem Tun, Dulden oder Un-</span><br/> <span class="ft1">terlassen dar. Von der Bedingung unterscheidet sich die Auflage da-</span><br/> <span class="ft1">durch, dass die Rechtswirksamkeit der Verfügung nicht davon ab-</span><br/> <span class="ft1">hängt, ob die Auflage erfüllt wird oder nicht. Wird die Auflage nicht</span><br/> <span class="ft1">(mehr) erfüllt, berührt dies nicht die Gültigkeit der Verfügung, kann</span><br/> <span class="ft1">aber einen Grund für den Widerruf der Verfügung darstellen (Häfe-</span><br/> <span class="ft1">lin/Müller/Uhlmann, a.a.O., S. 190 f., Rz. 913 f.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">413</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.4.2. In der Lehre wird eingeräumt, dass die in der Praxis ver-</span><br/> <span class="ft1">wendete Terminologie an Klarheit zu wünschen übrig lasse. Häufig</span><br/> <span class="ft1">werde als Bedingung bezeichnet, was in Tat und Wahrheit eine Auf-</span><br/> <span class="ft1">lage darstelle. Ob eine Bedingung oder eine Auflage vorliege, sei</span><br/> <span class="ft1">nicht nach der Bezeichnung sondern nach dem Sinn und Zweck zu</span><br/> <span class="ft1">beurteilen (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., S. 191, Rz. 915).</span><br/> <span class="ft1">Der Bedingungsbegriff von Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG wird in</span><br/> <span class="ft1">Art. 10 Abs. 3 der Vollziehungsverordnung zum Bundesgesetz über</span><br/> <span class="ft1">Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAV) vom 1. März</span><br/> <span class="ft1">1949 definiert. Als an Aufenthaltsbewilligungen geknüpfte "Be-</span><br/> <span class="ft1">dingungen" gelten danach die "vom Ausländer im Bewilligungsver-</span><br/> <span class="ft1">fahren übernommenen Verpflichtungen und abgegebenen Erklärun-</span><br/> <span class="ft1">gen, besonders über den Zweck des Aufenthaltes".</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer unterzeichnete am 11. Februar 2005 im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen der Bewilligungserteilung eine Erklärung, wonach er von</span><br/> <span class="ft1">der "Bedingung" des ehelichen Zusammenlebens Kenntnis genom-</span><br/> <span class="ft1">men habe. Damit liegt im Sinne von Art. 10 Abs. 3 ANAV eine "Be-</span><br/> <span class="ft1">dingung" vor.</span><br/> <span class="ft1">In casu erteilte das Migrationsamt dem Beschwerdeführer mit</span><br/> <span class="ft1">sofortiger Rechtswirkung eine Aufenthaltsbewilligung, stellte aber</span><br/> <span class="ft1">zugleich ausdrücklich deren Nichtverlängerung bzw. Widerruf für</span><br/> <span class="ft1">den Fall der Aufgabe des ehelichen Zusammenlebens in Aussicht.</span><br/> <span class="ft1">Da bei Eintritt bzw. bei Wegfall der "Bedingung" die Rechts-</span><br/> <span class="ft1">wirksamkeit der Verfügung demzufolge weder eintritt noch endigt,</span><br/> <span class="ft1">sondern - insbesondere bei Wegfall der "Bedingung" - der Widerruf</span><br/> <span class="ft1">der Verfügung ausgesprochen werden kann, handelt es sich hierbei</span><br/> <span class="ft1">gemäss herrschender Lehrer - entgegen der verwendeten Terminolo-</span><br/> <span class="ft1">gie - nicht um eine Bedingung sondern vielmehr um eine Auflage.</span><br/> <span class="ft1">Unter diesen Umständen steht fest, dass in Art. 5 und 9 ANAG</span><br/> <span class="ft1">sowie in Art. 10 ANAV zwar der Begriff der "Bedingung" verwendet</span><br/> <span class="ft1">wird, jedoch als "Auflage" zu verstehen ist.</span><br/> <span class="ft1">2.4.3. Bei genauerer Betrachtung der Legaldefinition der</span><br/> <span class="ft1">"Bedingung" nach Art. 10 Abs. 3 ANAV erweist sich diese als zu we-</span><br/> <span class="ft1">nig präzis. Für die grundsätzliche Zulässigkeit eines Widerrufs nach</span><br/> <span class="ft1">Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG kann es nicht allein darauf ankommen, ob</span><br/> <span class="ft1">der betroffene Ausländer eine Verpflichtung übernommen bzw. eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">414</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Erklärung abgegeben hat. Massgebend ist auch, ob die dem Betroffe-</span><br/> <span class="ft1">nen auferlegte "Bedingung" im Einzelfall als zulässig bezeichnet</span><br/> <span class="ft1">werden kann. Dabei ist zu klären, welchen inhaltlichen Anforderun-</span><br/> <span class="ft1">gen diese Verpflichtungen und Erklärungen genügen müssen, um</span><br/> <span class="ft1">generell als zulässige "Bedingung" zu gelten. Soweit Art. 10 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">ANAV hierzu nichts zu entnehmen ist, ist auf die in Lehre und</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung entwickelten Grundsätze zurückzugreifen.</span><br/> <span class="ft1">2.5. Eine Bedingung (bzw. richtigerweise Auflage) im Sinne</span><br/> <span class="ft1">von Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG stellt eine Nebenbestimmung einer</span><br/> <span class="ft1">Verfügung dar. Sie bezweckt, die durch die Verfügung begründeten</span><br/> <span class="ft1">Pflichten und Rechte genauer zu umschreiben und entsprechend den</span><br/> <span class="ft1">konkreten Umständen auszugestalten (Häfelin/Müller/Uhlmann,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., S. 189, Rz. 901). Voraussetzung für den Erlass einer Neben-</span><br/> <span class="ft1">bestimmung ist das Vorliegen einer gesetzlichen Grundlage und die</span><br/> <span class="ft1">Einhaltung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes. Konkret genügt es</span><br/> <span class="ft1">für die Zulässigkeit der Nebenbestimmung, wenn sich diese aus dem</span><br/> <span class="ft1">mit dem Gesetz verfolgten Zweck ergibt. Eine Bewilligung kann im</span><br/> <span class="ft1">Sinne einer milderen Massnahme namentlich dann mit Bedingungen</span><br/> <span class="ft1">und Auflagen verbunden werden, wenn die Bewilligung auf Grund</span><br/> <span class="ft1">der gesetzlichen Bestimmungen auch verweigert werden könnte.</span><br/> <span class="ft1">Schliesslich müssen Nebenbestimmungen die Voraussetzungen der</span><br/> <span class="ft1">Eignung, Erforderlichkeit sowie der Verhältnismässigkeit zwischen</span><br/> <span class="ft1">Eingriffszweck und Eingriffswirkung (Zumutbarkeit) erfüllen (Häfe-</span><br/> <span class="ft1">lin/Müller/Uhlmann, a.a.O., S. 191 f., Rz. 918 ff.). Unzulässig sind</span><br/> <span class="ft1">dagegen sachfremde Auflagen. Zu prüfen ist nachfolgend, ob die</span><br/> <span class="ft1">Auflage des Zusammenlebens diesen Anforderungen genügt.</span><br/> <span class="ft1">2.5.1. Dass mit Art. 5 bzw. 9 ANAG dem Legalitätsprinzip ent-</span><br/> <span class="ft1">sprochen wird, steht ausser Zweifel und bedarf keiner weiteren Aus-</span><br/> <span class="ft1">führungen. Gleiches gilt für die Frage, ob die Auflage des ehelichen</span><br/> <span class="ft1">Zusammenlebens sachgerecht und sachbezogen ist, da bereits Art. 17</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 ANAG das eheliche Zusammenwohnen als gesetzliche</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzung für die Erteilung bzw. Verlängerung der Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung definiert.</span><br/> <span class="ft1">2.5.2. Die Auflage des ehelichen Zusammenwohnens muss</span><br/> <span class="ft1">schliesslich verhältnismässig sein. Die Frage nach der Eignung der</span><br/> <span class="ft1">Auflage bestimmt sich nach dem Gesetzeszweck. Die ausländer-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">415</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rechtlichen Bestimmungen zum Familiennachzug bezwecken einer-</span><br/> <span class="ft1">seits, den betroffenen Ausländern die Fortführung ihrer Familienge-</span><br/> <span class="ft1">meinschaft in der Schweiz zu ermöglichen. Andererseits soll verhin-</span><br/> <span class="ft1">dert werden, dass Nachzuziehende unter dem Titel des Familiennach-</span><br/> <span class="ft1">zugs eine Aufenthaltsbewilligung erhalten, ohne effektiv in Familien-</span><br/> <span class="ft1">gemeinschaft in der Schweiz zusammenleben zu wollen. Die Auflage</span><br/> <span class="ft1">des Zusammenlebens in ehelicher Gemeinschaft erweist sich damit</span><br/> <span class="ft1">als geeignete Massnahme der Missbrauchsverhinderung.</span><br/> <span class="ft1">Es stellt sich weiter die Frage, ob die Auferlegung der Auflage</span><br/> <span class="ft1">auch erforderlich sei. Die Auflage, mit dem Ehegatten in tatsächli-</span><br/> <span class="ft1">cher Lebensgemeinschaft zusammenzuwohnen, stellt zweifellos ei-</span><br/> <span class="ft1">nen erheblichen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der betroffe-</span><br/> <span class="ft1">nen Ausländer dar. Dennoch ist eine gleich geeignete, aber mildere</span><br/> <span class="ft1">Massnahme nicht ersichtlich, wenn mit verhältnismässigem Aufwand</span><br/> <span class="ft1">überprüfbar bleiben soll, ob die Einreise auch tatsächlich zum Zweck</span><br/> <span class="ft1">des ehelichen Zusammenlebens erfolgte.</span><br/> <span class="ft1">Unter dem Aspekt der Zumutbarkeit erscheint die Auflage des</span><br/> <span class="ft1">tatsächlichen Zusammenlebens zwar nicht ganz unproblematisch.</span><br/> <span class="ft1">Insgesamt ist aber der Missbrauchsbekämpfung im Bereich des Fa-</span><br/> <span class="ft1">miliennachzugs ein grösseres öffentliches Interesse beizumessen als</span><br/> <span class="ft1">dem privaten Interesse der betroffenen Ausländer an uneingeschränk-</span><br/> <span class="ft1">ter Lebens- und Beziehungsgestaltung. Dies umso mehr, als die mit</span><br/> <span class="ft1">der Auflage verbundene Einschränkung befristet ist: Sobald der Ehe-</span><br/> <span class="ft1">gatte eines mit Niederlassungsbewilligung in der Schweiz lebenden</span><br/> <span class="ft1">Ausländers eine eigenständige Niederlassungsbewilligung erwirbt,</span><br/> <span class="ft1">nach Art. 17 Abs. 2 ANAG also nach ordnungsgemässem und unun-</span><br/> <span class="ft1">terbrochenem Aufenthalt von fünf Jahren in der Schweiz, können die</span><br/> <span class="ft1">Ehegatten unbeschadet ihrer Aufenthaltsrechte getrennten Wohnsitz</span><br/> <span class="ft1">nehmen.</span><br/> <span class="ft1">2.5.3. Unter diesen Umständen steht fest, dass sich die Auflage</span><br/> <span class="ft1">des Zusammenlebens in ehelicher Gemeinschaft sowohl auf eine ge-</span><br/> <span class="ft1">setzliche Grundlage stützen kann als auch grundsätzlich verhältnis-</span><br/> <span class="ft1">mässig ist.</span><br/> <span class="ft1">2.6. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Auflage des Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menlebens in ehelicher Gemeinschaft eine "Bedingung" im Sinne</span><br/> <span class="ft1">von Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG darstellt und das Migrationsamt die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">416</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers in zulässiger Weise</span><br/> <span class="ft1">mit der "Bedingung" des Zusammenlebens verbunden hat. Nachdem</span><br/> <span class="ft1">die Ehegatten getrennt leben, ist diese "Bedingung" nicht mehr er-</span><br/> <span class="ft1">füllt. Damit erweist sich die Rechtsfolge des Widerrufs als grundsätz-</span><br/> <span class="ft1">lich zulässig.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">4.1. Bei Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung be-</span><br/> <span class="ft1">zieht sich das behördliche Ermessen einzig auf die Frage, ob die da-</span><br/> <span class="ft1">mit verbundene Wegweisung als solche angemessen ist, insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere, ob sie einen Härtefall begründet. Insoweit der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer die Wegweisung als solche beanstandet, ist die Beschwerde mit</span><br/> <span class="ft1">Verweis auf die vorstehenden Erwägungen ("Härtefallprüfung") ab-</span><br/> <span class="ft1">zuweisen.</span><br/> <span class="ft1">4.2.1. Anders verhält es sich, wenn die Fremdenpolizeibehörde</span><br/> <span class="ft1">eine Aufenthaltsbewilligung widerruft. Gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. b</span><br/> <span class="ft1">ANAG ist die Behörde zwar grundsätzlich berechtigt, eine Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung bei Vorliegen eines Widerrufsgrundes zu widerru-</span><br/> <span class="ft1">fen. Nachdem die genannte Bestimmung aber als "Kann-Vorschrift"</span><br/> <span class="ft1">formuliert wurde, gewährt sie den Behörden einen Ermessensspiel-</span><br/> <span class="ft1">raum für den Entscheid im Einzelfall. In ihrem Rechtsfolgeermessen</span><br/> <span class="ft1">sind die Behörden indessen nicht frei, sondern haben sich insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere von den verfassungsmässigen Grundsätzen der Rechtsgleich-</span><br/> <span class="ft1">heit, der Verhältnismässigkeit sowie der Pflicht zur Wahrung der</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Interessen leiten zu lassen (Häfelin/Müller/ Uhlmann,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., S. 93, Rz. 441).</span><br/> <span class="ft1">Der Widerruf einer Aufenthaltsbewilligung stellt dann eine</span><br/> <span class="ft1">schärfere Massnahme als deren blosse Nichtverlängerung dar, wenn</span><br/> <span class="ft1">der mit dem Widerruf festzulegende Ausreisezeitpunkt vor Ablauf</span><br/> <span class="ft1">der Aufenthaltsbewilligung terminiert wird. In solchen Fällen ist die</span><br/> <span class="ft1">Behörde verpflichtet, die Verhältnismässigkeit des Widerrufs auch in</span><br/> <span class="ft1">Bezug auf die mildere Massnahme der Nichtverlängerung der Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthaltsbewilligung zu prüfen.</span><br/> <span class="ft1">4.2.2. Zwar ist dem vorinstanzliche Entscheid nicht explizit zu</span><br/> <span class="ft1">entnehmen, ob der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung auch in Be-</span><br/> <span class="ft1">zug auf deren Nichtverlängerung als verhältnismässig erachtet</span><br/> <span class="ft1">wurde. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich das Migrationsamt bei</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">417</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">seiner Entscheidfindung nicht von entsprechenden Überlegungen lei-</span><br/> <span class="ft1">ten liess. Nachdem vor Rekursgericht gemäss § 9 Abs. 2 lit. a EGAR</span><br/> <span class="ft1">lediglich Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder</span><br/> <span class="ft1">Missbrauch des Ermessens gerügt werden kann, steht dem Rekursge-</span><br/> <span class="ft1">richt auch bezüglich des Rechtsfolgeermessens nur eine einge-</span><br/> <span class="ft1">schränkte Kognition zu. Nachfolgend ist deshalb einzig zu prüfen, ob</span><br/> <span class="ft1">die Anordnung des Widerrufs der Aufenthaltsbewilligung in Bezug</span><br/> <span class="ft1">auf das Absehen von einer Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung einem Ermessensmissbrauch darstellt.</span><br/> <span class="ft1">4.3.1. Im vorliegenden Fall wurde dem Beschwerdeführer erst-</span><br/> <span class="ft1">mals am 4. Februar 2005 eine bis 31. Januar 2006 gültige Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung erteilt. Am 1. Dezember 2005 verlängerte das</span><br/> <span class="ft1">Migrationsamt die Aufenthaltsbewilligung bis zum 31. Januar 2007.</span><br/> <span class="ft1">Dies, obschon der Beschwerdeführer seit dem 9. November 2005</span><br/> <span class="ft1">von seiner Ehefrau getrennt gelebt hatte. Am 23. März 2006 wurde</span><br/> <span class="ft1">dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör betreffend Wegweisung</span><br/> <span class="ft1">aus der Schweiz wegen Getrenntlebens gewährt und am 27. April</span><br/> <span class="ft1">2006 verfügte das Migrationsamt den Widerruf der Aufenthaltsbe-</span><br/> <span class="ft1">willigung und ordnete an, der Beschwerdeführer habe die Schweiz</span><br/> <span class="ft1">60 Tage nach Rechtskraft der Verfügung zu verlassen. Unter Berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigung des Empfangs der Verfügung und der 20-tägigen Rechts-</span><br/> <span class="ft1">mittelfrist hätte der Beschwerdeführer die Schweiz somit frühestens</span><br/> <span class="ft1">per 17. Juli 2006 verlassen müssen.</span><br/> <span class="ft1">4.3.2. Der Beschwerdeführer rügt, die ihm eingeräumte Frist</span><br/> <span class="ft1">zum Verlassen der Schweiz sei zu knapp bemessen gewesen. Dem</span><br/> <span class="ft1">kann nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer wusste, dass sein</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsrecht in der Schweiz vom Zusammenleben mit seiner</span><br/> <span class="ft1">Ehefrau abhängt. Seit der Trennung von seiner Ehefrau im November</span><br/> <span class="ft1">2005 musste er damit rechnen, dass das Migrationsamt den Widerruf</span><br/> <span class="ft1">seiner Verfügung aussprechen würde. Zweifellos bewusst wurde ihm</span><br/> <span class="ft1">dies Ende März 2006, als ihm das Migrationsamt des rechtliche Ge-</span><br/> <span class="ft1">hör betreffend Wegweisung gewährte. Er hatte demnach auf jeden</span><br/> <span class="ft1">Fall vier Monate Zeit, sich auf die bevorstehende Wegweisung einzu-</span><br/> <span class="ft1">stellen. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer aufgrund der of-</span><br/> <span class="ft1">fensichtlich bestehenden ehelichen Probleme auch nicht darauf ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">418</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">trauen durfte, die Trennung sei nur von kurzer Dauer und das eheli-</span><br/> <span class="ft1">che Zusammenleben werde in absehbarer Zeit wieder aufgenommen.</span><br/> <span class="ft1">4.3.3. Der Beschwerdeführer rügt weiter, ein Widerruf dürfe nur</span><br/> <span class="ft1">dann ausgesprochen werden, wenn dafür eine gewisse Dringlichkeit</span><br/> <span class="ft1">bestehe. Richtig ist, dass sich das Migrationsamt bei der Anordnung</span><br/> <span class="ft1">eines Widerrufs einer Aufenthaltsbewilligung von sachlichen Überle-</span><br/> <span class="ft1">gungen leiten lassen muss. Dass dem in casu nicht so war, ist nicht</span><br/> <span class="ft1">ersichtlich. Zwar trifft es zu, dass das Migrationsamt in Fällen wie</span><br/> <span class="ft1">dem vorliegenden nach einer Aufgabe des ehelichen Zusammenle-</span><br/> <span class="ft1">bens oft die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung verfügt.</span><br/> <span class="ft1">Dies bedeutet aber nicht, dass ein Widerruf unzulässig wäre. Liegt</span><br/> <span class="ft1">der Zeitpunkt des Widerrufs wie hier mehrere Monate vor Ablauf der</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligung, ist der Widerruf jedenfalls dann nicht zu</span><br/> <span class="ft1">beanstanden, wenn das Migrationsamt dem Interesse des Betroffenen</span><br/> <span class="ft1">an einer geordneten Ausreise durch Ansetzung einer - wie hier -</span><br/> <span class="ft1">angemessenen Ausreisefrist Rechnung trägt. Inwiefern zusätzlich</span><br/> <span class="ft1">eine gewisse Dringlichkeit bestehen müsste, ergibt sich weder aus</span><br/> <span class="ft1">dem Gesetz noch ist es sonst ersichtlich.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung im vorlie-</span><br/> <span class="ft1">genden Fall bereits nach einem Aufenthalt von wenig mehr als einem</span><br/> <span class="ft1">Jahr erfolgte, kann auch keine Rede davon sein, der Widerruf sei im</span><br/> <span class="ft1">Verhältnis zur bisherigen Aufenthaltsdauer als unverhältnismässig zu</span><br/> <span class="ft1">bezeichnen.</span><br/> <span class="ft1">4.4. Damit ist festzuhalten, dass der Widerruf der Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung auch in Bezug auf die mildere Massnahme der</span><br/> <span class="ft1">Nichtverlängerung verhältnismässig ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>