B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-7500/2016 U r t e i l v o m 1 9 . A p r i l 2 0 1 8 Besetzung Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), Richterin Andrea Berger-Fehr, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren am (...), Äthiopien, vertreten durch lic. iur. Angelika Stich, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 24. November 2016 / N_______. D-7500/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, eigenen Angaben zufolge ein aus B._______ stammender und der Ethnie der Oromo angehörender äthiopischer Staats- angehöriger, verliess seine Heimat am (...) und gelangte schliesslich am 28. Juni 2016 über C._______ illegal in die Schweiz. Gleichentags suchte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ um Asyl nach. In der Folge wurde er der Testphase des Verfahrenszentrums (VZ) E._______ zugewiesen, wo er am 8. Juli 2016 summarisch zu seiner Per- son befragt wurde. Ebenda fand am 19. Juli 2016 ein beratendes Vorge- spräch statt. A.b Am 28. Oktober 2016 wurde der Beschwerdeführer vom SEM im Rah- men von Art. 17 Abs. 2 Bst. b der Testphasenverordnung vom 4. Septem- ber 2013 (TestV, SR 142.318.1) zu seinen Asylgründen angehört. Zur Be- gründung seines Gesuchs führte er dabei aus, sein Vater sei im Jahre (...) auf dem Rückweg von der Kebele, bei welcher sich dieser wegen der Weg- nahme eines Landstücks beschwert habe, von drei Personen verprügelt worden und in der Folge im Spital von F._______ verstorben. Daraufhin habe er sich bis im Jahre (...) wiederholt alleine oder zusammen mit seiner Mutter bei der Kebele gemeldet und sich nach dem Schicksal seines Vaters erkundigt, bis ihm untersagt worden sei, weiterhin nachzufragen. Im Jahre (...) habe er versucht, einen Pass zu erhalten. Die äthiopischen Behörden hätten ihm gesagt, er müsse dafür von seinem Geburtsort eine Bestätigung beibringen, wonach er die äthiopische Regierung unterstütze. Er sei jedoch gegen die aktuelle Regierung eingestellt und habe die G._______ respek- tive H._______ unterstützt. Aus dieser Unterstützung seien ihm keine be- hördlichen Probleme erwachsen. Im (...) sei er aber wegen seiner Teil- nahme an einer Konferenz junger Oromo von den äthiopischen Behörden auf den Hinterkopf geschlagen worden. Ausser dass er die Kosten für die Behandlung seiner Verletzungen selber habe bezahlen müssen, habe die- ser Vorfall keine weiteren Konsequenzen für ihn nach sich gezogen. Im (...) seien er, I._______ und ein paar Kollegen von (...) bewaffneten Per- sonen angegriffen worden, als sie auf einem Landstück, das ihnen die Re- gierung noch nicht weggenommen habe, Kaffee angepflanzt hätten. Dabei seien er und I._______ niedergestochen worden. I._______ sei seinen Verletzungen noch vor Ort erlegen. Er selber sei ins Spital verbracht wor- den, wo man ihn während (Nennung Dauer) behandelt habe. Die von sei- ner Mutter über den Vorfall informierte Kebele habe mitgeteilt, dass sie D-7500/2016 Seite 3 nichts ausrichten könne. Einen der Angreifer habe er als Mitarbeiter der Kebele erkannt. Nach seinem Spitalaustritt habe man ihn während (Nen- nung Dauer) im Gefängnis von J._______ inhaftiert, wo er immer wieder geschlagen worden sei. Eines Tages habe man ihn dabei am Ellbogen ver- letzt, worauf er (...) später zum Arzt habe gehen dürfen, der eine mehrtä- gige Behandlung verordnet habe. Am (...) Tag seiner Behandlung seien wegen einer Geburt viele Leute ins Gesundheitszentrum gekommen, wo- rauf er sich unter den Besuchern habe verstecken und die Flucht ergreifen können. Nachdem er (Nennung Dauer) untergetaucht sei, habe er seine Mutter vermisst und sei zu ihr nach Hause zurückgekehrt. Nach einem Mo- nat sei er dort entdeckt und wieder ins Gefängnis zurückgebracht worden. Während der nachfolgenden Haft, deren Dauer (Nennung Dauer) gewesen sei, habe man ihn erneut geschlagen und gezwungen, auf einer (...) Bau- stelle zu arbeiten. Am (...) sei er freigelassen worden und am folgenden Tag habe er unterschreiben müssen, dass er weder das eigene Land je- mals wieder bearbeiten noch deswegen Beschwerde einreichen dürfe. (...) Wochen später sei er ausgereist und (Nennung Zeitpunkt) in K._______ angekommen, wo er einer aus J._______ stammenden Frau begegnet sei, die ihn in der Folge bei sich aufgenommen habe. Im Haus seiner Gastge- berin habe er deren Nichte kennengelernt, sich später in diese verliebt und dann geheiratet. Im (...) habe er zusammen mit seiner Frau K._______ ver- lassen und sich zunächst nach L._______ begeben, wo sie (Nennung Dauer) inhaftiert worden seien. Schliesslich sei ihnen die Ausreise gelun- gen und sie hätten über C._______ die Schweiz erreicht. Auf die weiteren Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgen- den Erwägungen eingegangen. Der Beschwerdeführer reichte während des vorinstanzlichen Verfahrens den schweizerischen Behörden keinerlei Identitätsdokumente oder Be- weismittel ein. A.c Die Vorinstanz liess dem Beschwerdeführer am 21. November 2016 einen Entwurf ihres Entscheides zur Stellungnahme zukommen. Am 23. November 2016 reichte er seine Stellungnahme zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 24. November 2016 – gleichentags eröffnet – stellte das SEM fest, d er Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, D-7500/2016 Seite 4 schob den Vollzug derselben jedoch wegen Unzumutbarkeit zugunsten ei- ner vorläufigen Aufnahme auf. C. Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom 5. Dezember 2016 focht der Be- schwerdeführer die vorinstanzliche Verfügung beim Bundesverwaltungs- gericht an und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei bezüglich Zif- fern 1 und 2 des Dispositivs aufzuheben, die Vorinstanz sei anzuweisen, ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren; even- tualiter sei die Verfügung aufzuheben und an die Vorinstanz zur Neubeur- teilung zurückzuweisen und subeventualiter sei er in die Flüchtlingseigen- schaft seiner Ehefrau gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) miteinzu- beziehen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. D. Mit Zwischenverfügung der Instruktionsrichterin vom 8. Dezember 2016 wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, innert sieben Tagen ab Erhalt derselben eine Fürsorgebestätigung einzureichen. Ferner wurde festgehal- ten, dass über die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses nach Ablauf der 7-tägigen Frist befunden werde. E. Mit Eingabe vom 16. Dezember 2016 reichte der Beschwerdeführer (Nen- nung Beweismittel) sowie eine Beschwerdeergänzung zu den Akten. F. Mit Zwischenverfügung der Instruktionsrichterin vom 28. Dezember 2016 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge- stützt auf Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Sodann wurde die Vorinstanz eingeladen, bis zum 12. Januar 2017 eine Vernehmlassung einzureichen. G. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Januar 201 7 hielt die Vorinstanz n ach einigen ergänzenden Bemerkungen an ihren Erwägungen in der angefoch- tenen Verfügung vollumfänglich fest. H. Mit Verfügung vom 1 6. Januar 201 7 wurde dem Beschwerdeführer eine D-7500/2016 Seite 5 Kopie der vorinstanzlichen Vernehmlassung vom 10. Januar 201 7 zuge- stellt und ihm Gelegenheit eingeräumt, bis zum 31. Januar 2017 eine Rep- lik und entsprechende Beweismittel einzureichen. Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 30. Januar 2017. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 1.2 Aufgrund der Zuweisung des Beschwerdeführers in die Testphase des Verfahrenszentrums in E._______ kommt die Verordnung vom 4. Septem- ber 2013 über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleunigungs- massnahmen im Asylbereich (TestV) zur Anwendung (Art. 1 und Art. 4 Abs. 1 TestV). 1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh- rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge- reichte Beschwerde (Art. 105 AsylG und Art. 38 TestV i.V.m. Art. 112b Abs. 3 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 1.4 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 1.5 Das Asylverfahren der Ehefrau (M._______; N_______) wurde mit se- parater Verfügung des SEM vom 24. November 2016 entschieden. Die da- gegen erhobene Beschwerde (Geschäfts -Nr. D-7498/2016) wird mit dem vorliegenden Beschwerdeverfahren koordiniert behandelt. 2. Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine unrichtige und unvoll- ständige Sachverhaltsfeststellung und damit einhergehend eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und des rechtlichen Gehörs. Diese Rügen sind vorweg zu prüfen. D-7500/2016 Seite 6 2.1 Er macht geltend, anlässlich der Anhörung sei es wiederholt zu Ver- ständigungsschwierigkeiten zwischen ihm und der Dolmetscherin gekom- men. Zudem hätte er mit allen im Asylentscheid geltend gemachten Wider- sprüchen noch während der Anhörung konfrontiert werden müssen. 2.1.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei beschrän- ken sich die behördlichen Ermittlungen nicht nur auf jene Umstände, wel- che die Betro ffenen belasten, sondern haben auch die sie entlastenden Momente zu erfassen. Die Behörde hat alle sach - und entscheidwesentli- chen Tatsachen und Ergebnisse in den Akten festzuhalten. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein f alscher und ak- tenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheb- lichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird und folglich nicht alle ent- scheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft werden, o- der weil Beweise falsch gew ürdigt wurden. Unvollständig ist die Sachver- haltsfeststellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid rechts- relevanten Sachumstände berücksichtigt wurden. Sodann verlangt der Anspruch auf rechtliches Gehör, dass die verfügende Behörde die Vorbring en des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich ent- sprechend in der Begründung des Entscheids niederschlagen muss (vgl. zum Ganzen: BVGE 2015/10 E. 5.2 f. m.w.H.). 2.1.2 In seinem Entscheid äusserte sich das SEM in expliziter Weise zu den wesentlichen und zentralen Elementen der vorgebrachten Asylgründe und würdigte in der Folge die damit in Zusammenhang stehenden Vor- kommnisse (vgl. angefochtene Verfügung S. 3 ff.). Die Vorinstanz gelangte nach einer gesamtheitlichen Würdigung der aktenkundigen Parteivorbrin- gen und der Beweismittel zu einem anderen Schluss als der Beschwerde- führer, was weder eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes respek- tive des rechtlichen Gehörs noch eine unrichtige oder unvollständige Fest- stellung des rechtserheblichen Sachverhaltes darstellt. D-7500/2016 Seite 7 2.1.3 Auch sind dem Anhörungsprotokoll keine Anzeichen zu entnehmen, dass es zwischen dem Beschwerdeführer und der eingesetzten Dolmet- scherin zu Verständigungsproblemen gekommen ist, welche an der Ver- wertbarkeit der dort protokollierten Aussagen ernsthafte Zweifel aufkom- men liessen. Aus dem blossen Hinweis der Dolmetscherin anlässlich der Rückübersetzung, dass sie das alte amharische Wort für Gemeinde be- nutzt habe („Kebele“ anstelle v on „Ana“) lassen sich keine Probleme bei der Verständigung erkennen, zumal der Beschwerdeführer selber anführte, es heisse heute nicht mehr Kebele, weshalb ihm sowohl der alte wie auch der neue Name für „Gemeinde“ offenbar bekannt war (vgl. act. A58/28 S. 28). Auch der Einwand, es sei offensichtlich, dass er die Frage 238 nicht richtig verstanden habe, vermag nicht zu überzeugen. So geht aus der Ant- wort zu dieser Frage gerade nicht hervor, dass er noch immer bemüht ge- wesen sei, auf die Frage 237 zu antworte n, da er inhaltlich gar nicht auf diese vorherige Frage Bezug nahm. Zudem wurde dem Beschwerdeführer die entsprechende Frage in der Folge zwei Male wiederholt, wobei er in seinen Antworten jeweils darauf verwies, nicht mehr zu wissen oder nichts weiter dazu sagen zu können (vgl. act. A58/28 S. 28 F238 ff.). Dass der Beschwerdeführer an dieser Stelle lediglich ausweichende Antworten an- führte, kann jedenfalls nicht mit Verständigungsschwierigkeiten erklärt wer- den, zumal er zu Beginn der Anhörung auch anführte , die Dolmetscherin gut zu verstehen (vgl. act. A58/28 S. 1). Aus dem Protokollverlauf entsteht denn auch nicht der Eindruck, dass der Beschwerdeführer der ausführli- chen Anhörung wegen Übersetzungsproblemen nicht hätte folgen können und es wurden bei der R ückübersetzung lediglich wenige und nur margi- nale Korrekturen vorgenommen. Ferner finden die nicht weiter konkretisier- ten Behauptungen, die an der Anhörung beteiligte Übersetzerin sei nur ausnahmsweise vom SEM eingesetzt worden und stehe bei der Vorinstanz für Übersetzungsaufträge gar nicht unter Vertrag, in den Akten keine Stütze. Ungeachtet dessen ist jedoch zu bezweifeln, dass die fragliche Übersetzerin ohne jeglichen Auftrag des SEM oder einer Überprüfung ihrer fachlichen Qualitäten für eine Anhörung eingesetzt worden wäre. Zudem ist es für die Beurteilung der Qualität der Übersetzung unerheblich, ob eine Dolmetscherin ausnahmsweise oder ständig vom SEM eingesetzt wird. 2.1.4 Soweit er rügt, dass er bereits im Rahmen der Anhörung mit allen im Asylentscheid geltend gemachten Widersprüchen hätte konfrontiert wer- den müssen, ist zu bemerken, dass sich aus Art. 30 Abs. 1 VwVG kein Anspruch eines Asylgesuchstellers ergibt, zu seinen eigenen, im Verlauf des Asylverfahrens deponierten Aussagen vor Erlass einer entsprec hen-D-7500/2016 Seite 8 den Verfügung Stellung zu nehmen. Wohl kann es im Rahmen des Unter- suchungsgrundsatzes aufgrund der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes geboten erscheinen, ei- nen Asylgesuchsteller – namentlich zur allfäll igen Klärung aufgetretener Ungereimtheiten oder Widersprüche – mit seinen eigenen früheren Aussa- gen – nie aber mit einer rechtlichen Würdigung dieser Aussagen – zu kon- frontieren und ihm diesbezüglich die Möglichkeit einer Stellungnahme ein- zuräumen. Der Ans pruch auf vorgängige Anhörung, wie Art. 30 Abs. 1 VwVG den Anspruch auf rechtliches Gehör konkretisiert, wird indessen im Rahmen der Anhörung zu den Asylgründen selber wahrgenommen. Indem ein Asylgesuchsteller im Rahmen der Anhörung seine Asylgründe darlegt, nimmt er an den entsprechenden Beweiserhebungen unmittelbar teil . Da- mit stellt die Anhörung eines Asylgesuchstellers zu seinen Asylgründen sel- ber einen Teil der Gewährung des rechtlichen Gehörs dar, und ein weiterer Anspruch, zum Beweisergebnis der Anhörung Stellung zu nehmen, besteht nicht. Wann und inwieweit der Asylgesuchsteller mit Widersprüchen oder Tatsachenwidrigkeiten in den eigenen Aussagen zu konfrontieren ist, ist somit nicht eine Frage eines verfahrensrechtlichen Anspruches eines Ge- suchstellers, sondern der Pflicht der Behörde zur Feststellung des vollstän- digen Sachverhaltes. Ob die Behörde dem genannten Grundsatz in genü- gendem Masse nachgekommen ist, ist daher von der Rechtsmittelinstanz im Rahmen der Prüfung der Vollständigkeit und Richtigke it der Sachver- haltsermittlungen zu beurteilen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 13). In casu er- weist sich die Rüge des Beschwerdeführers als unbegründet. Aus dem an- gefochtenen Entscheid ist – unter jeweiliger Angabe der Protokollstelle – zu ersehen, dass er bezüglich der angeführten Widersprüche jeweils im Rahmen der Anhörung damit konfrontiert wurde (vgl. act. A67/11 S. 3 f.). Auch die Rüge, die Vorinstanz habe sich nicht an die in ihrem Ha ndbuch „Asyl und Rückkehr“ in C5 Ziffer 2.8. geschriebenen Regeln (Ermöglichen einer Stellungnahme bei fehlender Substantiierung, Tatsachenwidrigkeiten und anderen Ungereimtheiten) gehalten, geht vorliegend fehl. So ist das fragliche „Handbuch Asyl und Rüc kkehr“ des SEM ein Nachschlagewerk und Hilfsmittel für dessen Angestellte, worin sich die wichtigsten Informati- onen zu besonderen verfahrens- und rückkehrspezifischen Themen finden lassen und dabei die einschlägigen rechtlichen Bestimmungen sowie die Lehre, Rechtsprechung und Praxis berücksichtigt. Als Nachschlagewerk zu bestimmten Rechtsbereichen und Fragestellungen soll es den Mitarbeiten- den in den Bereichen Asyl sowie Rückkehr dazu dienen, sich einen allge- meinen und praxistauglichen Überblick über ein bestimmtes Sachgebiet zu D-7500/2016 Seite 9 verschaffen, welcher gegebenenfalls durch den Beizug weiterer Fachlek- türe, Abhandlungen oder Urteile vertieft werden kann. In C5 Ziffer 2.8. des Handbuchs wird zwar postuliert, dass auch bei fehlender Substantiierung, Tatsachenwidrigkeiten und anderen Ungereimtheiten in den Vorbringen der asylsuchenden Person ermöglicht werden sollte, Stellung zu nehmen. Es wird darin aber auch festgehalten, dass dem SEM dabei ein gewisser Handlungsspielraum zukomme, innerhalb welchem insbesondere das Be- fragungsgeschick des zuständigen Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin eine Rolle spiele und es beispielsweise zweckmässiger sein könne, bestehende Widersprüche durch weitere Fragen zu ergründen anstatt durch blosse Konfrontation. Bei fehlender Substanz in den Vorbringen sei es ratsam, die asylsuchende Person auf die inhaltliche Dürftigkeit ihrer Aussagen anzu- sprechen, wodurch fehlende Substanz evident und besser aktenkundig ge- macht werden könne. Vorliegend hat die Befragerin bei der Anhörung den ihr zustehenden Handlungsspielraum derart genutzt, dass sie im Falle von ihr unklar gebliebenen oder zu wenig ausführlich geschilderten Punkten je- weils neuerlich nachfragte und den Beschwerdeführer immer wieder auf- forderte, ganz detaillierte Schilderungen einzelner Vorkommnisse zu ge- ben (vgl. act. A58/28 S. 14 ff.), wodurch den im Handbuch enthaltenen „Re- geln“ durchaus Genüge getan wurde. 2.1.5 Sodann erweist sich der Vorwurf, die Vorinstanz habe es unterlassen, dem Beschwerdeführer gegenüber das notwendige Interesse aufzubringen respektive ihm mit Empathie zu begegnen, als nicht stichhaltig. So wies er zu Beginn der Anhörung darauf hin, dass er müde oder unkonzentriert wer- den könne, wenn er lange spreche, worauf ihn die Befragerin ersuchte, allfälligen Schwindel gleich mi tzuteilen. Zudem wies sie darauf hin, dass sie versuchen werde, regelmässige Pausen einzulegen und erkundigte sich nach seinem allgemeinen Befinden (vgl. act. A58/28 S. 2). Dem Pro- tokoll kann denn auch entnommen werden, dass im Verlaufe der Anhörung einige Pausen eingelegt wurden und sich die Befragerin nach dem Befin- den der Frau des Beschwerdeführers und einlässlich nach seinen persön- lichen Verhältnissen erkundigte (vgl. act. A58/28 S. 9 f., 15 und 28). Da der Beschwerdeführer keine Äusserungen vorbrachte, dass er der Anhörung nicht mehr folgen könne und auch dem Protokoll keine Hinweise zu ent- nehmen sind, dass er sich zu irgendeinem Zeitpunkt unwohl gefühlt oder ihm schwindlig geworden wäre, war die Vorinstanz nicht gehalten, weiter- gehende Fragen hinsichtlich seines Befindens zu stellen. Im Übrigen liegt auch keine Verletzung der Begründungspflicht vor, weil es dem Beschwerdeführer möglich war, sich ein Bild über die Tragweite des D-7500/2016 Seite 10 SEM-Entscheides zu machen und diesen sachgerecht anzufechten (BGE 129 I 232 E. 3.2). 2.2 Zusammenfassend erweist sich der Sachverhalt, soweit erheblich, als vollständig und richtig festgestellt. Eine Verletzung des Untersuchungs- grundsatzes respektive des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor. Die Vor- instanz hat folglich zu Recht auf di e protokollierten Aussagen des Be- schwerdeführers abgestellt. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht- lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. Zur Begründung führte sie aus, der Beschwerdeführer habe sich zu den mit dem Tod seines Vaters zusammenhängenden Umständen auf inkon- sistente und wenig nachvollziehbare Weise geäussert, was Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Äusserungen entstehen lasse. Sodann seien seine Schilderungen zum Angriff von (...) Personen im (...) auf ihn und auf weitere Personen, die auf dem familieneigenen Teil des Grundstücks Kaffee ge-D-7500/2016 Seite 11 pflanzt hätten, oberflächlich, vage und ungereimt ausgefallen. Den diesbe- züglichen Angaben mangle es an persönlichen Details, was nicht den Ein- druck erwecke, dass sich das Geschilderte tatsächlich so zugetragen habe. Seine Antworten seien auch auf mehrmaliges Nachfragen, das Erlebte ge- nau zu berichten, äusserst knapp und allgemein geblieben und hätten sich in der Wiedergabe einer reinen Handlungsabfolge erschöpft. Ferner habe er lediglich vage und ausweichende A ngaben zu seiner Motivation ge- macht, weshalb er genau im Jahre (...) versucht habe, einen Pass erhältlich zu machen. Dies wecke Zweifel an seinen Beweggründen, ein solches Pa- pier zu bekommen, stelle aber auch seinen Versuch, Reisedokumente zu beschaffen, in Frage. Dies gelte umso mehr, als in Äthiopien aufgrund der verbreiteten Korruption der Kebele -Mitarbeiter alle amtliche n Dokumente gegen Bezahlung beschafft werden könnten. Letztlich habe er nicht glaub- haft darlegen können, mit welchem Ziel er sich einen Pass habe ausstellen lassen wollen. Soweit er anführe, die G._______ (H._______) unterstützt zu haben, sei eine einfache Kritik am Regime oder eine einfache politische Betätigung nicht als asylbeachtlich zu qualifizieren, da solche Aktivitäten in Äthiopien, sofern der Asylgesuchsteller nicht durch als staatsgefährdend betrachtete Aktivitäten auffalle, nicht geahndet w ürden. Da er kein Mitglied der G._______ gewesen sei, könne nicht von einer gezielten asylrelevanten Verfolgung durch die äthiopische Regierung ausgegangen werden. Das Vorbringen, er sei als ethnischer Oromo in Äthiopien von der regierenden Bevölkerungsgruppe der Tigre unterdrückt worden, stelle keine asylbeacht- liche Diskriminierung dar. So würden Asylsuchende aus Äthiopien gemäss gängiger Praxis des SEM aufgrund ihrer blossen ethnischen oder religiö- sen Zugehörigkeit keiner Kollektivverfolgung unterliegen, auch wenn die dortigen Lebensumstände insbesondere für Personen, welche nicht der re- gierenden Ethnie der Tigre angehörten, schwierig seien. Die von seiner Rechtsvertretung in der Stellungnahme zum Entwurf der Verfügung gemachten Einwände respektive der Umstand, dass diese die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen anders würdige als das SEM, vermöchten an der vorinstanzlichen Einschätzung nichts zu ändern. Soweit die Vorbrin- gen nicht als unglaubhaft zu qualifizieren seien, könne nicht von einer ge- zielten, gegen seine Person gerichteten Verfolgung ausgegangen werden. 4.2 In seiner Beschwerdeschrift brachte der Beschwerdeführer in materiel- ler Hinsicht zusammengefasst vor, seine Aussagen seien insgesamt als glaubhaft zu erachten. Über den Tod seines Vaters habe er ausführlich und D-7500/2016 Seite 12 lebensnah berichtet, zumal gewisse Inkonsistenzen keinen Grund darstell- ten, die Erzählung nach einer Gesamtwürdigung in Zweifel zu ziehen. Wei- ter habe er schon anlässlich der Anhörung erwähnt, dass er auf der Poli- zeistation von der Überführung seines Vaters ins Krankenhaus von F._______ erfahren habe. Ausdrücklich erklärt habe er sodann, den Begriff „Gemeinde“ anstelle von „Polizei“ zu Beginn der Anhörung nicht verwendet zu haben. Es sei unverständlich, dass die Vorinstanz diese Aussage nicht für glaubhaft erachte, zumal die Dolmetscherin während der Rücküberset- zung erklärt habe, anstelle des Wortes „Ana“ das veraltete Wort „K ebele“ benutzt zu haben. Sodann erscheine es a ngesichts seines jugendlichen Alters plausibel, dass er nicht über das nötige Geld für eine längere Reise nach F._______ verfügt habe. Ausserdem sei er von den lokalen Behörden wiederholt eingeschüchtert worden , keine weiteren Fragen über den Tod seines Vaters zu stellen und es habe ihm an Lebenserfahrung und Hilfe gemangelt. Ferner seien seine Schilderungen hinsichtlich des Angriffs auf ihn und seine Freunde detailliert, realistisch und anschaulich ausgefallen. Der vorinstanzliche Vorhalt zu diesem Punkt sei unzutreffend. Dem Proto- koll lasse sich ausserdem nicht entnehmen, wann und für wie lange er be- wusstlos gewesen sei. Diesbezüglich stelle das Argument des SEM ledig- lich eine blosse Annahme dar. Seine Ausführungen seien nicht nur glaub- haft, sondern auch asylrelevant, weil er durch die äthiopischen Behörden systematisch eingeschüchtert und willkürlich inhaftiert worden sei. Zudem sei das familieneigene Land enteignet worden. 4.3 In seiner Vernehmlassung brachte das SEM vor, die Bedenken des Be- schwerdeführers, wonach die Erwägungen des SEM bezüglich der Dauer seiner Bewusstlosigkeit lediglich auf einer Vermutung basieren würden, seien angesichts der diesbezüglich klaren Ausführungen in der Anhörung (vgl. act. A58 S. 17 f.) unbegründet. Die Zweifel an seinen Vorbringen wür- den sich deswegen weiter erhärten, weil er in seiner Beschwerdeschrift an- geführt habe, seine Mutter erst einmal telefonisch erreicht zu haben, da er deren Telefonnummer in L._______ verloren habe. Demgegenüber habe er in der Anhörung als Grund für die ausbleibende Kommunikation Prob- leme infolge des äthiopischen Netzwerks und der ruralen Wohnlage seiner Mutter angeführt. 4.4 In seiner Replik wendete der Beschwerdeführer ein, die im Entscheid von der Vorinsta nz zitierten Protokollstellen würden aufzeigen, dass er nicht explizit danach gefragt worden sei, woher er von den Handlungen D-7500/2016 Seite 13 seiner Mutter nach dem Angriff erfahren habe. Entgegen der vorinstanzli- chen Darstellung bleibe die Dauer seiner Bewusstlosigkeit unklar und lasse sich aus den erwähnten Protokollstellen der Anhörung nicht herauslesen. 5. 5.1 Die Ausführungen auf Beschwerdeebene sind insgesamt nicht geeig- net, die dargelegte Asylbegründung in ihrer Gesamtheit als glaubhaft ge- macht respektive als asylrelevant erscheinen zu lassen und dadurch zu einer anderen Beurteilung zu gelangen. 5.2 Zunächst kann dem Einwand, wonach er über den Tod seines Vaters ausführlich und l ebensnah berichtet habe und bestimmte Inkonsistenzen keinen Grund darstellten, die Erzählung nach einer Gesamtwürdigung in Zweifel zu ziehen, nicht gefolgt werden. Diesbezüglich hat die Vorinstanz zu Recht und mit zutreffender Begründung erörtert, dass sic h die Ausfüh- rungen, wie er vom Übergriff auf seinen Vater und dessen Verlegung nach F._______ ins Spital erfahren habe, als unlogisch und sich teilweise wider- sprechend erweisen. So äussert er sich beispielsweise zum Vorbringen, welche Person(en) ihm von de ssen Überführung ins Spital oder dessen Tod berichtet hätten, in drei verschiedenen Versionen (vgl. act. 58/28 S. 4, 5, 6 und 11). Weiter ist der Einwand, es erscheine angesichts seines ju- gendlichen Alters plausibel, dass er nicht über das nötige Geld für eine län- gere Reise nach F._______ verfügt habe, um sich nach seinem Vater zu erkundigen, als blosse Schutzbehauptung. Seinen Ausführungen ist zu entnehmen, dass er b ei seiner Ausreise über etliches Bargeld verfügte, welches ihm von seiner Mutter offensichtlich ohne diesbezüglich spezielle Vorkehrungen zu dessen Erhalt treffen zu müssen, ausgehändigt worden sein muss (vgl. act. A58/28 S. 14 und 25). Ausserdem erwog das SEM zu Recht, dass seine Familie mit dem Verkauf ihrer Landwirtschaftserzeug- nisse einen Ge winn erwirtschaften konnte (vgl. act. A58/28 S. 7; A67/11 S. 4) und weitere geldwert e Mittel vorhanden waren. Ausserdem vermag das Vorbringen, er sei von den lokalen Behörden wiederholt eingeschüch- tert worden und es habe ihm an Leben serfahrung und Hilfe ge mangelt, keine plausible Erklärung für di e divergierenden Aussagen zu liefern. Zum vorinstanzlichen Vorhalt zu seinen Schilderungen bezüglich des An- griffs auf ihn und seine Freunde ist zwar entgegenzuhalten, dass seine diesbezüglichen Ausführungen anlässlich der Anhörung etliche Einzelhei- ten auf weisen. Sie bleiben jedoch in vielen Punkten oberflächlich sowie einsilbig und weisen kaum Realkennzeichen auf (so insbesondere Detail-D-7500/2016 Seite 14 reichtum der Schilderung, freies assoziatives Erzählen, Interaktionsschil- derung sowie inhaltliche Besonderheiten) und könnten in ihrer Schlichtheit auch von einem unbeteiligten Dritten problemlos nacherzählt werden. Ins- besondere finden sich in seinen Darlegungen praktisch keine Hinweise auf irgendwelche Gefühle oder Gemütsbewegungen, obwohl es sich bei den Vorkommnissen (Angriff; Verletzung am Bein; mehrmonatige Haft; Flucht und erneute Festnahme) um drastische Angriffe auf Leib und Freiheit ge- handelt haben soll, die erfahrungsgemäss besonders gut im Gedächtnis haften bleiben. Ausser dass er Schmerzen verspürt habe, als er aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht sei, lassen sich in seinen Äusserungen keine nennenswerten Empfindungen finden. Seine Darstellungen wirken in ihrer Gesamtheit – entgegen der in der Beschwerdeschrift geäusserten Ansicht – aufgrund der stereotypen und weitgehend frei von persönlichen Ein - drücken oder Empfindungen geprägten Ausführungen aufgesetzt und kon- struiert, zumal ein Asylbewerber grundsätzlich nur eigene Erlebnisse zu schildern hat und nicht komplizierte theoretische oder abstrakte Erörterun- gen anzustellen braucht. Weiter geht der Beschwerdeführer fehl in seiner Behauptung, dass sich dem Anhörungsprotokoll nicht entnehmen lasse, wann und für wie lange er bewusstlos gewesen sei. Die vom SEM zitierte Proto kollstelle (vgl. act. A58/28 S. 17 f.) lässt erkennen, dass der Beschwerdeführer – nachdem er sein Blut gesehen habe – ohnmächtig geworden und erst am nächsten Tag wieder aufgewacht sei. Es kann ohne Weiteres davon ausgegangen wer- den, dass der Beschwerdeführer angesichts der erlittenen Verletzung un- mittelbar oder wenige Minuten nach dem Angriff sein eigenes Blut gesehen haben muss und in der Folge sein Bewusstsein verlor. Deshalb kann es entgegen seinen Ausführungen auch keine Rolle spielen, dass er während der Anhörung nicht explizit gefragt wurde, woher er von den Handlungen seiner Mutter nach dem Angriff erfahren habe, zumal diese Ausführungen klarerweise nicht auf eigenen Erlebnissen beruhen, sondern sich auf einen Bericht von Dritten stützen. Sodann vermag er den im angefochtenen Ent- scheid geäusserten Zweifeln bezüglich der versuchten Beschaffung eines Reisepasses im Jahre (...) keine stichhaltigen Argumente entgegenzuset- zen, zumal alleine der von ihm angeführte Grund, der zur Verweigerung der Passausstellung geführt haben soll, nicht den tatsächlichen Vorausset- zungen bei der Beschaffung von äthiopischen Identitäts - und Reisedoku- menten entspricht. Sodann ist in diesem Zusammenhang festzustellen, dass der Beschwerdeführer im Verlaufe des Verfahrens k einerlei Bemü- hungen zeigte, Identitätsdokumente oder sonstige Belege seiner Identität, wie etwa Schulzeugnisse, erhältlich zu machen, und sich dabei überdies in D-7500/2016 Seite 15 Ungereimtheiten verstrickte. So verwies er im Rahmen der BzP auf die Un- möglichkeit solche zu beschaff en, um anlässlich der Anhörung zunächst anzugeben, er habe von Anfang gesagt, dass er sie (die Dokumente; An- merkung Bundesverwaltungsgericht) nicht finden könne, was zumindest impliziert, dass entsprechende Dokumente oder Identitätspapiere vorhan- den gewesen sein könnten (vgl. act. A38/7 S. 5; A58/28 S. 2). Ein solches Verhalten ist der persönlichen Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers ab- träglich. Insgesamt vermag der Beschwerdeführer die angeführten Vor- kommnisse nicht glaubhaft zu machen. Soweit er auf seine Unterstützungstätigkeit für die H._______ und die Un- terdrückung der Oromo durch die regierende Bevölkerungsgruppe der Tigre hinweist, hat die Vorinstanz mit zutreffender Begründung festgehal- ten, dass diese Vorbringen als asylunbeachtlich zu qualifizie ren sind. An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der veränderten Situ- ation in Äthiopien, so insbesondere seit der Verhängung des Ausnahmezu- stands im Oktober 2016, festzuhalten (vgl. Urteil des BVGer D-2399/2017 vom 26. Oktober 2017 E. 6.4). Da der Beschwerdeführer den Schlussfol- gerungen des SEM in seinen Eingaben auf Beschwerdeebene nichts Stich- haltiges entgegenzusetzen vermag, ist zur Vermeidung von Wiederholun- gen auf die entsprechenden Erwägungen des SEM im angefochtenen Ent- scheid (vgl. act. A67/11 S. 7) zu verweisen. 5.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine zum Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende oder unmittelbar drohende asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das SEM hat das Asylgesuch des Beschwerdefüh rers demnach zu Recht abgelehnt, wes- halb es sich erübrigt, auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmittelein- gabe und deren Ergänzungen näher einzugehen, da sie an obiger Ein- schätzung nichts zu ändern vermögen. 6. Die Beschwerde der Ehefrau des B eschwerdeführers (Geschäfts -Nr. D-7498/2016) wurde mit Urteil gleichen Datums abgewiesen. Daher ist der Subeventualantrag, er sei in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau ge- mäss Art. 51 Abs. 1 AsylG miteinzubeziehen, abzuweisen. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet D-7500/2016 Seite 16 den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. Mit dem vorliegenden Urteil erwächst die vom SEM mit Verfügung vom 24. November 2016 angeordnete vorläufige Aufnahme des Beschwerde- führers in Rechtskraft. Daher erübrigt sich eine (erneute) Prüfung der Frage der Zulässigkeit, der Zumutbarkeit und der Möglichkeit des Wegweisungs- vollzugs. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit Zwischen- verfügung vom 28. Dezember 2016 die unentgeltliche Prozessführung ge- währt wurde und keine Anhaltspunkte vorliegen, dass sich seine finanzielle Lage seither in entscheidrelevanter Weise verändert hätte, sind keine Ver- fahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-7500/2016 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Daniela Brüschweiler Stefan Weber Versand: