B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Abteilung IV D-3146/2011/sed U r t e i l v o m 1 5 . J u l i 2 0 11 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter Maurice Brodard, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Isabelle A. Müller, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Beschwerden gegen Wiedererwä- gungsentscheid); Verfügung des BFM vom 9. Mai 2011 / N (…). D-3146/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin reichte am 14. September 2004 in der Schweiz ein Asylgesuch ein, welches vom BFM am 30. September 2004 abgewie- sen wurde. Gleichzeitig wurde ihre Wegweisung aus der Schweiz und de- ren Vollzug angeordnet. Die gegen den Entscheid des BFF gerichtete Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 16. Mai 2008 gutgeheissen und die Sache zur Neubeurteilung an das BFM z u- rückgewiesen. Mit Verfügung vom 18. Juni 2010 lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin erneut ab und verfügte die Wegwe i- sung aus der Schweiz sowie dere n Vollzug. Die dagegen erhobene B e- schwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 24. März 2011 ab. Damit ist die Verfügung des BF M vom 18. Juni 2010 in Rechts- kraft getreten. Für den weiteren Inhalt die ses Verfahrens ist auf die Akten zu verweisen. B. Mit Eingabe vom 26. April 2010 ersuchte die Beschwerdeführerin beim BFM wiedererwägungsweise um Aufhebung der Ziff. 4 und 5 der Verf ü- gung des BFM vom 18. Juni 2010, um Feststellung, dass seit Erlass der ursprünglichen Verfügung eine wiedererwäg ungsrechtlich massgebliche Änderung der Sachlage eingetreten sei, um Feststellung der Unzumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs und Anordnung der vorläufigen Au f- nahme sowie in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Herstellung der au f- schiebenden Wirkung, um Anweisung der kantonalen Behörden, während der Behandlung des vorliegenden Gesuchs keine Vollzugshandlungen anzuordnen und um Verzicht auf die Erhebung eines Gebührenvorschu s- ses. Zur Begründung wurde geltend gemacht, dass sich der Gesun d- heitszustand der Beschwer deführerin seit dem Abschluss des ordentl i- chen Asylverfahrens erheblich verschlechtert habe. Sie befinde sich seit dem 13. April 2011 infolge einer akuten Belastungsreaktion , welche Su i- zidgedanken ausgelöst habe, in einer Privatklinik in Behandlung. Es müs- se damit gerechnet werden, dass im Fall eines For tbestehens des Drucks, welchem sie ausgesetzt sei, eine Anpassungsstörung mit länge r- dauernder depressiver Reaktion oder eventuell eine depressive Episode entstehe. Die Beschwerdeführerin sei nicht erst seit dem negativen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts krank geworden, sondern hätte schon seit längerem eine Behandlung nötig gehabt. Diesbezüglich werde auf die Beschwerdeschrift vom 23. Juli 2010 und einen in einem früheren Verfa h- ren eingereichten Arztbericht vom 3. Januar 2005 hingewiesen. Sie habe D-3146/2011 Seite 3 drei Mal versucht, Javelwasser zu trinken und sei von ihrem in der Türkei lebenden Vater dahingehend unter Druck gesetzt worden, dass sie im Fall einer Rückkehr umgehend zu heiraten habe, ansonsten er sich umbri n- gen werde. Vorliegend erweise sich der Wegweisungsvollzug aus mediz i- nischen Gründen als unzumutbar. Auch wenn es gewisse medizinische und soziale Auffangstrukturen in der Türkei gebe, sei zu bezweifeln, dass sie von der Beschwerdeführerin in Anspruch genom men werden könnten. Zudem sei die Angst vor ihrem drohenden Vater spürbar. Im Fall eines Vollzugs der Wegweisung müsse deshalb mit einer schweren und schne l- len Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin gerechnet werden, allenfalls au ch mit der Ausführung des Suizids. Es li e- ge deshalb eine unmittelbare und konkrete Gefährdung der Beschwerd e- führerin für den Fall einer Rückkehr in ihr Heimatland vor. Der Eingabe lagen neben einer Kopie des Entscheides des BF M vom 18. Juni 2010 und einer Vollmachtserklärung Kopien eines ärztlichen Einweisungsentscheides vom 12. April 2011 und eines medizinischen B e- richts vom 19. April 2011 bei. Die Einreichung der Bestätigung der Fü r- sorgeabhängigkeit wurde in Aussicht gestellt. C. Mit Verfügung vom 29. April 2011 setzte das BFM den Vollzug der We g- weisung bis auf Weiteres aus. D. Mit Verfügung vom 9. Mai 2011 – eröffnet am 11. Mai 2011 – wies das BFM das Wiedererwägungsgesuch ab, erklärte seine Verfügung vom 18. Juni 2010 als rechtskräftig und vollstreckbar und hielt fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zu komme. Zudem wurde eine Gebühr erhoben. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin aufgrund des eingereic h- ten Arztberichtes vom 19. Apr il 2011 vor allem den Wegweisungsvollzug verhindern sollten, zumal im erwähnten Arztbericht eine akute Bela s- tungsstörung diagnostiziert und geltend gemacht worden sei, bei Fortb e- stehen des Drucks der drohenden Ausweisung könne sich eine Anpas- sungsstörung m it depressiver Reaktion oder eventuell eine depressive Episode entwickeln, obwohl aufgrund der Anamnese keine schwere ps y- chische Erkrankung der Beschwerdeführerin vorliege. Zudem könnten die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin im Heimatland behande lt werden und es sei ihr zumutbar, sich dort in medizinische Behandlung zu begeben. Die medizinische und psychiatrische Versorgung sei in der Tü r-D-3146/2011 Seite 4 kei grundsätzlich gewährleistet und das Gesundheitswesen in diesem Land garantiere auch psychisch kranken Mensc hen den Zugang zu G e- sundheitsdiensten und Beratungsstellen. Neben dem öffentlichen G e- sundheitssystem, wo lange Anfahrtszeiten und mehrtägige Wartezeiten bis zur Vorsprache bei einem Arzt verbreitet seien, existiere in der Türkei auch die leistungsfähigere private Gesundheitsversorgung, welche ebe n- falls Behandlungen von psychischen Erkrankungen anbiete, jedoch ko s- tenpflichtig sei. Allein die Einbusse im Betreuungsstandard lasse eine Rückkehr nicht als unzumutbar erscheinen. Auch die geltend gemachte Suizidgefährdung spreche grundsätzlich nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, da die Behörden im Rahmen des Vollzugs der Wegweisung geeignete Massnahmen ergreifen könnten, um einer Suizi d- handlung entgegen zu wirken. Das BFM werde die kantonalen Behö rden anweisen, die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin beim Wegweisungsvollzug zu berücksichtigen und vorsorgliche Massnahmen einzuleiten. Damit könne eine medikamentöse Dämpfung der suizidalen Tendenzen anlässlich der Rückführung gewährleistet werden. Die geltend gemachten Drohanrufe des Vaters der Beschwerdeführerin würden jegl i- cher Grundlage entbehren, da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen sei, die vorgebrachte Zwangsverheiratung durch ihren Vater im ordentl i- chen Verfahren glaubhaft darzust ellen und die Ausführungen im Wiede r- erwägungsgesuch blosse Behauptungen darstellten. Insgesamt lägen keine Gründe vor, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 18. Juni 2010 beseitigen könnten. E. Mit Eingabe vom 30. Mai 2011 – am 3. Ju ni 20 11 beim Bundesver - waltungsgericht eingegangen – beantragte die Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die wiedererwägungsweise Feststellung der Unzu mutbarkeit beziehungsweise Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges und die Anordnung der vorläufi gen Aufnahme. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie im Sinne von vorsorglichen Massnahmen um Anweisung der Vollzugsbehörden, bis zum Abschluss des vorliegenden Verfahrens auf Vollzugshandlungen zu verzichten , und um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung wurde vorgebracht, dass den Erwägungen des BFM nicht zugestimmt werden könne, da der jüngste Arztbericht vom 27. Mai 2011 zur Erstdiagnose vom letzten April ebenso Stellung nehme wie zu den Feststellungen der Vori n- stanz in der ang efochtenen Verfügung und dabei zum Schluss komme, dass im heutigen Zeitpunkt eine klarere Diagnose gemacht werden kö n- ne. Die Beschwerdeführerin befinde sich nun seit mehr als sechs Wochen D-3146/2011 Seite 5 in der Privatklinik und es hätten mehrere Gespräche mit ihr stattgefunden. Aus fachärztlicher Sicht seien nicht die mögliche Wegweisung der primä- re Auslöser für die psychischen Probleme, sondern kulturell bedingte Zwänge und vor allem die Mittel, mit welchen ihr Vater diese durchsetzen könne. Der Facharzt habe seine Diagno se "revidiert". Die Beschwerd e- führerin weise Symptome einer psychischen Erkrankung, nämlich einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung, auf. Sie sei gemäss Oberarzt vermutlich in ihrer Jugend einem Kontinuitätstrauma ausgesetzt gewesen, welches zeitweilig zu einer Symptomatik im Sinne einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) geführt haben dürfte, auch wenn diese in eindeutiger Weise im heutigen Zeitpunkt nicht mehr erkennbar sei. Sie leide indessen an einem chronischen Gefühl von Ner- vosität und ständigem Bedrohtsein, habe Gefühle der Leere oder der Hoffnungslosigkeit und ziehe sich sozial zurück, sei misstrauisch und ha- be Entfremdungsphänomene entwickelt. Äussere Konstellationen wie die Rückkehr in die Türkei könnten Ängste vor ei ner Retraumatisierung au s- lösen. Auch wenn sich die Beschwerdeführerin im ordentlichen Verfahren nur zurückhaltend zu den Schwierigkeiten mit ihrem Vater geäussert h a- be, müsse festgehalten werden, dass sie schon im Mai des vergangenen Jahres anlässlich der ergänzenden Anhörung auf diese Problematik hi n- gewiesen habe. Auch in der damaligen Beschwerdeschrift und in der Replik sei dieses Thema aufgegriffen worden. Erst jüngst habe die B e- schwerdeführerin erfahren, dass ihr Vater anlässlich seines Besuches in der Schweiz im Jahr 2006 offenbar zwei Frauen sexuell belästigt und tä t- lich angegriffen habe. Nachdem die beiden Frauen Anzeige gegen ihn e r- stattet hätten, sei der Vater der Beschwerdeführerin strafrechtlich belangt und zu einer Busse verurteilt worden. Um die Beschwerdeführerin nicht zu beunruhigen, hätten ihr die in der Schweiz lebenden Verwandten nichts von diesem Vorfall erzählt. Am 30. Mai 2011 sei die Beschwerd e- führerin von ihrer Nichte davon in Kenntnis gesetzt worden, weil diese Tatsache für das vorlieg ende Verfahren als rechtserheblich zu qualifizi e- ren sei, da es sich um eine neue Tatsache handle, welche zu berücksich- tigen sei. Diese würde ein gewisses Aggressions - und Gewaltpotential des Vaters der Beschwerdeführerin belegen. Aus dem beiliegenden Arz t- bericht könne zudem entnommen werden, dass dieser auch von den a n- dern in der Schweiz lebenden Verwandten als rigide und gewalttätig b e- schrieben worden sei. Mit Blick auf den sozio -kulturellen Hintergrund sei es nicht erstaunlich, dass er sich gegenüber sein er nicht verheirateten Tochter im Recht glaube, über sie verfügen wolle und sie im Fall des U n- gehorsams bestrafen werde. Die beigelegte im Internet gefundene Pol i- zeimeldung vermöge den erwähnten Vorfall in der Schweiz zu belegen. D-3146/2011 Seite 6 Aus sicherere familiärer Quelle sei bestätigt worden, dass es sich um den Vater der Beschwerdeführerin handle. Allenfalls werde darum ersucht, von Amtes wegen entsprechende Informationen einzuholen. Aufgrund der schlechten psychischen Verfassung der Beschwerdeführerin, welche auf die Angst vor dem Vater und dessen möglichen Reaktionen und Mittel zu- rückzuführen sei, sowie infolge der vorhandenen Suizidalität sei der W e- geweisungsvollzug als unzumutbar zu betrachten. Selbst bei hochdosie r- ter B._______-Medikation reagiere die Beschwerde führerin sehr heftig, wenn das Gespräch auf den Vater komme, weshalb ein Suizid oder de s- sen Versuch nicht auszuschliessen sei. Zudem sei die Behandlung der Beschwerdeführerin im Heimatland – auch wenn dort in beschränktem Mass medizinische Einrichtungen vo rhanden seien – aus Angst, ihrem Vater ausgeliefert zu sein und womöglich von diesem umgebracht zu werden, infolge einer möglichen schweren und schnellen Verschlecht e- rung ihres Gesundheitszustandes, welche zum Suizid führen könne, s o- wie aufgrund einer Gefährdung in der Türkei, welche sich aus dem beili e- genden Schreiben des Muhtars und den persönlichen Aussagen der in der Schweiz lebenden Verwandten ergebe, als unrealistisch zu betrac h- ten. Schliesslich sei noch festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin mittlerweile seit fast sieben Jahren in der Schweiz aufhalte und trotz ihrer Schwierigkeiten versuche, sich hier zu integrieren. Die in der Türkei l e- benden Geschwister könnten sie nicht aufnehmen und für sie sorgen, womit sie ihrem Vater ausgeliefert wäre. Insgesamt sei somit eine unmi t- telbare und konkrete Gefährdung der Beschwerdeführerin zu bejahen. Der Beschwerde lag ein Arztbericht der Privatklinik Meiringen vom 27. Mai 2011, unterzeichnet von Dr. med. C._______, ein Auszug der Po- lizeimeldungen des Kantons D._______ aus dem Internet, ausgedruckt am 26. Mai 2011, sowie das Schreiben einer Person namens E._______ vom 16. Mai 2011 mit deutscher Übersetzung sowie eine Fürsorgebest ä- tigung bei. F. Mit Zwischenverfügung vom 8. Juni 2011 wurde das Gesuch um Anor d- nung von vorsorglichen Massnahmen infolge der Aussichtslosig keit der Beschwerdebegehren abgewiesen und die Beschwerdeführe rin angewie- sen, den Ausgang des Beschwerdeverfahrens im Ausland abzuwarten. Auch das Gesuch um Gewährung der u nentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) wurde abgewiesen. Die Beschwerdeführerin wurde aufgefor dert, innert der angesetzten Frist e i- nen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'200.-- zu bezahlen, verbu n-D-3146/2011 Seite 7 den mit der Androhung, im Unter lassungsfall werde auf die Beschwerde nicht eingetreten. G. Mit Eingabe vom 16. Juni 2011 wurde geltend gemacht, dass die vom Facharzt gestellte Diagnose nicht in Frage zu ste llen sei, sondern vie l- mehr im Fall von Zweifeln die Begutachtung durch einen andern Arzt vo r- zunehmen sei. Das Bundesverwaltungsgericht hätte auch die einweise n- de Psychologin zur Stellungnahme bitten können. Zudem seien die Au s- führungen betreffend familiäre r Probleme in der Zwischenverfügung vom 8. Juni 2011 nicht gewürdigt worden. Im Lichte dieser Bemerkungen we r- de darum ersucht, auf den Entscheid betreffend Nichtgewährung der au f- schiebenden Wirkung wiedererwägungsweise zurückzukommen und festzustellen, dass die Beschwerdeführerin den Ausgang des Beschwe r- deverfahrens in der Schweiz abwarten könne. H. Mit Zwischenverfügung vom 21. Juni 2011 wurde das erneute Gesuch um Gewährung von vorsorglichen Massnahmen abgewiesen und die B e- schwerdeführerin aufgefordert, das Beschwerdeverfahren im Ausland a b- zuwarten sowie – unter Hinweis auf die Säumnisfolgen – innert einer Not- frist von drei Tagen ab Erhalt dieser Zwischenverfügung den bereits ve r- langten Kostenvorschuss zu bezahlen. I. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt. J. Mir Eingabe vom 22. Juni 2011 ersuchte die Beschwerdeführerin das Bundesverwaltungsgericht um Zusendung ihrer Identitätskarte oder einer Kopie davon mit der Begründung, das kantonale Migrationsamt habe di e- se verlangt. Der Beilage wurde das Original des bereits eingereichten Schreibens vom 16. Mai 2011 beigelegt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden D-3146/2011 Seite 8 gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM g e- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Aus- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bunde s- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung besonders be- rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf hebung bezi e- hungsweise Änderung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde l e- gitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 4. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1. Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein gesetzlich nicht geregelter Rechts behelf, auf dessen Behandlung durch die verfügende Behörde grundsätzlich kein Anspruch besteht. Gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts wird jedoch aus Art. 29 D-3146/2011 Seite 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) unter bestimmten Voraussetzungen ein ve r- fassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abgeleitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 S. 137 f. mit weiteren Hinweisen). Danach ist auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten, wenn sich der rechtserheb liche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungsweise seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz in w e- sentlicher Weise verändert hat und mithin die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetretene Veränderungen der Sachlage an- zupassen ist. Sodann können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen, sofern sie sich auf eine in materielle Rechtskraft erwachsene Verfügung beziehen, die entweder unangefoc h- ten geblieben oder deren Beschw erdeverfahren mit einem formellen Pr o- zessurteil abgeschlossen worden ist. Ein solchermassen als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist grundsät z- lich nach den Regeln des Revisionsverfahrens zu behandeln (vgl. En t- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommiss i- on [EMARK] 2003 Nr. 17 E. 2.a S. 103 f. mit weiteren Hinweisen). 5.2. Den Anspruch auf Behandlung des Wiedererwägungsgesuches hat die Vorinstanz vorliegend nicht in Abrede gestellt: Sie ist darauf eingetrete n und hat es nach materieller Prüfung abgewiesen. Unter diesen Voraussetzungen hat das Bundesverwaltungsgericht zu prüfen, ob die Vorinstanz das Gesuch zu Recht abgelehnt hat. Dabei bildet – entsprechend der Antragstellung im Wiedererwägungsgesuch – nur die Frage der Zumutbarkeit beziehungsweise Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs Gegenstand der vorliegenden Prüfung. 6. 6.1. Als Wiedererwägungsgrund wird im Wesentlichen eine Verschlech - terung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin geltend ge - macht. 6.2. Zur Beurteilung der medizinischen Situation der Beschwerdeführe - rin stützt sich das Bundesverwaltungsgerichts insbesondere auf die im Wiedererwägungsverfahren eingereichten beiden Arzt berichte vom 19. April 2011 und vom 2 7. Mai 2011. Wie bereits in der Zwischen ver- fügung vom 8. Juni 2011 festgehalten, widersprechen sich die beiden Arztberichte insofern, als der erste eine fehlende schwere psychische Erkrankung der Beschwerdeführerin und eine akute Belastungsstörung D-3146/2011 Seite 10 infolge des negativen Entscheides der Vorinstan z diagnostiziert, wäh - rend der zweite kulturell bedingte, vom Vater der Beschwerdeführerin ausgeübte Zwänge als primärer Auslöser der psychischen Probleme festlegt, eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembe - lastung diagnostiziert und darüber h inaus ein Kontinuitätstrauma in der Kindheit vermutet , das zur Symptomatik ein er PTBS geführt haben dürfte, was aber im heutigen Zeitpunkt nicht mehr in eindeutiger Weise erkennbar sei . Im ersten Arztbericht vom 19. April 2011 wurde dargelegt , die 7 ½ Jahr e währende bisherige Anamnese in der Schweiz scheine dafür zu sprechen, dass keine schwerere psychische Erkrankung vorliege (vgl. S. 2 oben des Arztberichtes ), was auf eine eingehende Anamnese während mehreren Jahren schliessen lässt. Unter diesen Umstände n ist es nicht nachvollziehbar, dass im zweiten Arztbericht vom 25. Mai 2011 plötzlich von einem Kontinuitätstrauma in der Kindheit und von einer früheren PTBS, welche im heutigen Zeitpunkt nicht mehr eindeutig erkennbar sei, die Rede ist. Eine Anamnese, w elche während 7 ½ Jahren durchgeführt wurde, sollte diesbezüglich mehr Klarheit an den Tag bringen als in den beiden Arztberichten zum Ausdruck kommt. Dabei vermag die Erklärung des unterzeichnenden Arztes in seinem Bericht vom 27. Mai 2011, mittlerweile sei die diagnostische Beurteilung der Beschwerdeführerin etwas klarer als noch im Zeitpunkt des Berichts vom 19. April 2011, angesichts der 7 ½ Jahre dauernden Anamnese nicht zu überzeugen. Indessen spielt – wie den nachfolgenden Erwägungen entnommen werden kann – im vorliegend en Fall die definitive Diagnose für die Beurteilung der Sachlage nicht die entscheidende Rolle. 6.3. Medizinische Aspekte führen nur dann zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, wenn eine notwendige medizinische Behand - lung im He imatland nicht zur Verfügung steht und sich daraus eine konkrete Gefährdung für die betroffene Person ergibt. Dabei muss eine allgemeine und dringliche medizinische Behandlung, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist (vgl. die nach wie vor zutreffende Rechtsprechung der ARK in EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b, bestätigt im Urteil des Bundesverwaltungs - gerichts E -4200/2006 vom 18. September 2007), verfügbar sein. Dem - gegenüber liegt noch keine Unzumutbarkeit vor, wenn im Heima tstaat eine dem schweizerischen Standard nicht ent sprechende medizinische Behandlung zur Verfügung steht. D-3146/2011 Seite 11 6.4. Vorliegend geht das BFM in der angefochtenen Verfügung vom Bestehen einer adäquaten Behandlung der Beschwerdeführerin in ih - rem Heimatland aus und auch in der Beschwerde wird anerkannt, dass es in der Türkei medizinische Einrichtungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Störungen gibt (vgl. Beschwerde S. 7 unten und 8 oben) . Somit stehen der Beschwerdeführerin im Fall ihrer Rückkehr in ihr He imatland die zur Behandlung ihrer gesundheitlichen Beschwerden – sei es nun, sie leide an den Folgen einer früher nicht diagnostizierten PTBS oder an einer andauernden Persönlichkeits - änderung nach Extrembelastung und/oder an Suizidabsichten – benötigten Ä rzte, Institutionen und Medikamente zur Verfügung. Die in den eingereichten Arztberichten festgehaltenen Symptome können in - ternational anerkannten Klassifikationssystemen zugeordnet werden (obwohl in den Arztberichten auf die Klassifikation verzichtet wur de), und diese gelten auch in der Türkei. Die Behandlungskonzepte für psychisch kranke oder selbstmordgefährdete Personen sind auf die er - wähnten Klassifikationen abgestellt und entsprechen den üblichen Standards, auch wenn das allgemeine Niveau im Gesundh eitswesen der Türkei nicht demjenigen von Westeuropa und insbesondere der Schweiz entsprechen mag. Dies ist indessen praxisgemäss kein Grund, die Behandlung notwendigerweise in der Schweiz durchführen zu lassen. 6.5. Im Beschwerdeverfahren wird zwar aus ärztli cher Sicht geltend gemacht, eine Be handlung der Beschwerdeführerin habe in der Schweiz zu erfolgen, weil die Beschwerdeführerin im Fall einer Rückkehr in die Türkei ihrem dort lebenden Vater ausgeliefert wäre, vor welchem sie grosse Angst habe, und weil s ich die Frage stelle, was überhaupt behandelt werden solle. Die Diagnose beinhalte auch, dass bestimmte äussere Konstellationen Ängste vor einer Retraumatisierung aktivieren könnten. Diese Konstellation sei vorliegend ein Aufenthalt in der Türkei. Da indes sen auch im zweiten Arztbericht vom 27. Mai 2011 eine Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung diagnostiziert wurde (vgl. S. 2 3. Abschnitt) und nicht eine Traumatisierung erscheint eine Retraumatisierung im heutigen Zeitpunkt wenig plausibel . Allein a us den ärztlich festgestellten Ängsten der Beschwerdeführerin k ann nicht der Schluss gezogen werden, sie könne im Heimatland nicht mit überwiegender Sicherheit adäquat behandelt werden , weil sie dort infolge eines erlittenen Traumas "retraumatisiert" würde , zumal eine Retraumatisierung nur möglich ist, wenn das Bestehen eines Traumas festgestellt wurde, was D-3146/2011 Seite 12 indessen vorliegend nicht der Fall ist . Allein aus einer Vermutung kann nicht auf das Bestehen einer PTBS geschlossen werden. Wie indessen bereits erwäh nt, sind in der Türkei Behandlungsmöglichkeiten vorhanden, so dass das Krankheitsbild der Beschwerdeführerin – selbst wenn es sich um eine PTBS handeln würde – behandelt w erden kann. Die Einschätzung des Verfassers der Arztberichte, eine Behand - lung in der Türkei sei nicht sinnvoll , ist deshalb zu relativieren. Sie dürfte vielmehr aus dem Umstand heraus entstanden sein, dass de m Verfasser der Arztberichte weder die aktuelle Lage noch das Ge - sundheitssystem der Türkei und dessen Behandlungsmöglichkeiten soweit vertraut sind, dass eine Behandlung in diesem Land aus der Optik eines Arztes als angemessen erachte t wird . Ein Arzt beziehungswei se ein Psychologe hat sich zudem im Rahmen der medizinischen Be handlung vollumfänglich auf die Aussagen seiner Patienten – welche insbesondere unter dem Thema der Anamnese verzeichnet sind – zu stützen. Vorliegend indessen sind Teile dieser Aussagen – insbesondere die gel tend gemachte n Schwierigkeiten mit dem Vater – nachgeschoben worden und können deshalb nicht als glaubhaft betrachtet werden. In der Anhörung vom 6. Mai 2010 verneinte die Beschwerdeführerin die Frage, ob es zwischen ihr und ihrem Vater zu Problemen gekommen, räumte indessen ein, sie befürchte, ihr Vater werde ihr Vorwürfe machen wegen der Polizeirazzien (vgl. Akte A38/14 S. 8) . Mit keinem Wort erwähnte sie die nunmehr im Wiedererwägungsverfahren vorgebrachten Schwierig - keiten mit ihrem Vater, obwohl ihr mehrmals die Gelegenheit geboten wurde, allfällige persönliche Schwierigkeiten mit dem Vater vorzutragen. Aus diesen Gründen kann ihr nicht geglaubt werden, sie habe mit ihrem inzwischen 79 Jahre alten Vater Probleme, welche ih r eine Rückkehr in die Türkei verunmöglichen würden. An dieser Einschätzung vermag der im Beschwerdeverfahren eingereichte Brief einer Person namens E._______ , welcher die bevorstehende Zwangsverheiratung bestätigt, nichts zu ändern, zumal dieses Beweismit tel auch aus Gefälligkeit ausgestellt worden sein könnte und damit über k einen hohen Beweiswert verfügt, weshalb es nicht geeignet ist, einen Sachverhalt, der sich aus andern Gründen als unglaubhaft erwiesen hat, als glaubhaft erscheinen zu lassen. Wie in den beiden Zwischenverfügungen des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. Juni 2011 und vom 24. Juni 2011 bereits erwähnt und begründet, vermag auch die zu den Akten gegebene Polizeimeldung nichts zur Glaubhaftigkeit der Vorbringen betreffend Schwierigkeiten mit dem Vater beizutragen. Diese Fakten dürften dem behandelnden D-3146/2011 Seite 13 Arzt wohl nicht bekannt gewesen sein . Es ist somit nachvollziehbar, dass infolge der von der Beschwerdeführe rin aufgezeigte n Ängste ihrem Vater gegenüber aus der Sicht des be handelnden Arztes eine medizinische Behandlung in der Schweiz als angezeigt erscheint. Auch unter diesem Blickwinkel ist die Aussage in den Arztberichten, eine medizinische Behandlung der Beschwerdeführerin in der Türkei sei wenig sinnvoll , zu relativie ren. Insgesamt kann somit aus den beiden erwähnten Arztberichten nicht der Schluss gezogen werden, die Beschwerdeführerin könne nur in der Schweiz behandelt werden, wie im Beschwerdeverfahren unter Hinweis auf die Arztberichte mehrmals vertreten wurde. 6.6. Im Beschwerdeverfahren wurde ausserdem geltend ge macht, die Beschwerdeführerin müsse in der Schweiz bei ihren Verwandten bleiben, da es für sie nicht zumutbar sei, zu ihrem Vater, der sie unter Zwang verheiraten wolle und dem sie ausgeliefert sei, zurückzukehren, und da ihre an dern Verwandten in der Türkei nicht für sie sorgen könnten oder wollten . Deshalb sei das Risiko einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes – bis hin zum Sui zid – hoch. Indessen kann auch dieser Argumen tation nicht zugestimmt werden, wie die nachfolg enden Erwägungen zeigen: 6.6.1. Weitere Faktoren können den Gesundungsprozess der Be - schwerdeführerin im Heimatland günstig beeinflussen. So ist etwa da - ran zu denken, dass sie sich dort gegenüber Therapeuten und Ärzten in ihrer Muttersprache ausdrücken kann, was mit Sicherheit von Vorteil ist. Des Weiteren leben zwei ihrer Schwestern , Nichten und Neffen ebenfalls in der Türkei, womit si ch ihr Beziehungsnetz nicht nur auf ihren Vater beschränkt. Zugunsten einer Rückkehr der Beschwerdeführe rin spricht somit die Tatsache, dass sie – abgesehen von ihrem Vater – weitere Bezugspersonen aus ih rem engsten familiären Kreis hätte, in ihre eigene Kultur zurückkehren und sich mit Angehörigen in ihrer Muttersprache unterhalten könnte. Die Rückkehr in Bekanntes und Gewohntes dürfte einen positiven Ef fekt auf den Gemütszustand der Beschwerdeführerin bewirken, wäh rend sie hier in der Schweiz in einer fremden Kultur und in einem frem den Sprachgebiet isoliert ist , auch wenn hier ebenfalls Verwandte aus dem engsten Familienkrei s leben . Die Isoliertheit in der Schweiz ist nur schon daran zu erkennen, dass sie trotz eines mehr als sieben Jahre dauernden Aufenthaltes in diesem Land nur gebrochen deutsch spricht, wie dem Arztbericht vom 19. April 2011 entnommen werden D-3146/2011 Seite 14 kann. Ein rege lmässiger Kontakt mit den Ange hörigen im Heimatland dürfte ihr auf der emotionalen und psychischen Ebene somit eine gewisse Stabilität bringen, während sich die Isolation in der Schweiz erschwerend auf den Gesundungsprozess auswirken dürfte. Der engere Fa milienkreis der Beschwerdeführerin in der Türkei dürfte ihr somit diejenige Sicher heit zurückgeben, welche sie mit der Ausrei se aus ihrem Heimatland und dem Aufenthalt in einem ihr fremden Land aufgeben musste. 6.6.2. Demgegenüber wird im Beschwerdeverfahren gel tend gemacht, die Beschwerdeführerin sei in ihrem Heimatland nicht willkommen. Vielmehr würden es die Angehörigen begrüssen, wenn sie nicht mehr zurückkehrte. Die zum Ausdruck kommende ablehnende Haltung der in der Türkei verbliebenen Angehörigen im Fall e iner Rückkehr der Beschwerdeführerin erscheint insofern nachvollziehbar, als die Rück- kehr der Beschwerdeführerin für die se wohl eine zusätzliche Belastung darstellen würde. Indes sen kann den Akten nicht entnommen werden, dass es für die beiden Schwestern nicht möglich und nicht zumutbar wäre, die Beschwerde führerin im Fall ihrer Rückkehr im Rahmen der vorhandenen Möglich keiten zu unterstützen, und dass sie die Beschwerdeführerin infolge dessen im Stich lassen würden. Der Einwand im Beschwerdeverfah ren, die Schwestern seien verheiratet und lebten in bescheidenen Verhältnissen, ver mag nicht zu überzeugen, da er nicht belegt wurde und somit nichts darauf schlies - sen lässt. Insbesondere kann nicht der Schluss gezogen werden, die Angehörigen im Heimatland würden der Beschwerdeführerin jegliche Hilfe versagen. Deshalb vermag der Einwand, die Beschwer deführerin wäre im Fall einer Rückkehr in die Türkei auf sich allein gestellt, nicht zu überzeugen. Vielmehr ist mit dem BFM übereinzustimmen, dass sich die Besc hwerdeführerin bei ih rer Rückkehr auf die Unterstützung ihrer Angehörigen wird verlassen können, auch wenn in der Beschwer - de mit entsprechenden Aussagen versuch t wird , die Rückkehr der Beschwerdeführerin in die Türkei zu verhindern , um die medizinische und soziale Betreuung auf die Schweiz abschie ben zu können. Aufgrund der in der Türkei allgemein herrschenden starken Familienbande kann in Übereinstimmung mit der vorinstanzlichen Argumentation aus geschlossen werden, dass die Beschwe rdeführerin im Fall i hrer Rück kehr in die Türkei von ihren Angehörigen ausgestossen würde, auf sich allein gestellt wäre und somit in eine existenzielle Notlage geriete. D-3146/2011 Seite 15 6.6.3. Der Versuch der Angehörigen, die Beschwerdeführerin in der Schweiz unterzubringen und medizinisch behandel n zu lassen, ist im Übrigen auch im Zusammenhang mit dem Verhalten der Beschwerde - führerin und ihren immer grösser erscheinenden gesundheitlichen Be - schwerden in der Schweiz zu sehen. Sie machte erstmals in ihrem Wiedererwägungs gesuch geltend, Angst vor i hrem Vater zu haben, diesem ausgeliefert zu sein und zu befürchten, von ihm zwangsverhei - ratet zu werden. Zudem reagierte sie bei jeder behördlichen ne gativen Verfügung über das Bleiberecht mit einer psychischen Krise, welche jedes Mal ein grösse res Ausm ass annahm und schliesslich einer stationären Behandlung bedurfte. Den Akten kann nämlich entnommen werden, dass sich die gesundheitlichen Prob leme der Beschwerde - führerin im Wiedererwägungsverfahren zunächst auf eine akute Belastungsreaktion mit suizidal en Absichten infolge der negativen Verfügung des BFM beschränkten und keine schwere psychische Erkrankung vorlag (vgl. Arztbericht vom 19. April 2011), während im Beschwerdeverfahren dann eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung mit hoh er Suizidalität und der Vermutung einer früheren erlittenen PTBS diagnostiziert wurde (vgl. Arztbericht vom 27. Mai 2011). Im zweiten Arztbericht wurde zwar festgehalten, dass nicht die drohende Wegweisung der Beschwerdeführerin als primärer Auslöser ihrer psychischen Probleme zu sehen sei; indessen ist schon im ersten Satz des ersten Arztberichtes zu lesen, dass die Einweisung in eine stationäre Behandlung erfolgt sei, weil die Beschwerdeführerin "auf einen amtlichen Bescheid hin, dass sie am 26. April 201 1 zurück in die Türkei gebracht werde, zuhause nur mit Mühe davon abgehalten werden konnte, ein Waschmittel zu trinken und bei der behandelnden Psychologin bezüglich Suizidalität nicht mehr absprachefähig war." Aus dieser Formulierung wird klar, dass der A rzt im ersten Arztbericht davon ausging, die diagnostizierte akute Belastungsreaktion sei eine Folge des drohenden Wegweisungsvollzugs, was mit den Erläuterun - gen im zweiten Arztbericht, wonach die kulturell bedingten Ängste eine andauernde Persönlichkeits änderung nach Extrembelastung ausgelöst haben sollen, nicht zu vereinbaren ist. Diese Unvereinbarkeit lässt an einer tat sächlich bestehenden Suizidalität ernsthafte Zweifel aufkommen und legt den Schluss nahe, dass die Beschwerde führerin immer dann suizi dale Absichten äussert, wenn ihr angestreb tes Ziel – das Bleiberecht in der Schweiz – infolge einer negativen be hördlichen Verfügung für sie unerreichbar erscheint. Es ist des halb zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin bis am 24. März 2011 nicht an akuten suizidalen Gedanken litt. Diese tr aten erst mit der Eröffnung der D-3146/2011 Seite 16 negativen Verfügung des BFM vom gleichen Tag , mit welchem die definitive Ausreise der Beschwerdeführerin kon kret wurde, auf und haben zur Einweisung in eine psychiatrische Klinik gef ührt. Aus diesem Verlauf der gesundheitlichen Beschwerden ergibt sich nahelie - genderweise, dass die bei der Beschwerdeführerin diag nostizierte Suizidalität, gestützt auf we lche sie im heutigen Zeitpunkt stationär behandelt wird, im Zusammenhang mit der d rohenden Rückkehr in ihr Heimatland zu sehen und entsprechend zu würdigen ist. 6.7. Im Sinne einer Gesamtwürdigung ist somit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei ihrer Rückkehr in die Türkei auf ein tragfähiges Beziehungsnetz zurückgreifen und med izinisch behandelt werden kann. Unter diesen Umständen ist es ihr – trotz ih res derzeitigen Gesundheitszustandes – zuzumuten, sich im Heimat land – oder mit der Hilfe ihrer hier lebenden Geschwister bereits aus der Schweiz – um den Erhalt einer grünen Ver sicherungskarte zu be - mühen, um in den Genuss von unentgeltlichen medizinischen Leistun - gen zu gelangen. Insbesondere kann den Akten nicht entnommen wer - den, dass die Verwandten in der Türkei nicht in der Lage wären, ihr zur Überwindung von bürokratischen Hürden beim Antrag der Versiche - rungskarte behilflich zu sein. Zudem ist davon auszugehen, dass die Angehörigen im Rahmen ihrer familiären Unterstützungspflicht den Teil der medizinischen Leistungen mitfinanzieren werden, der nicht unent - geltlich erhältlic h ist, und der Beschwerdeführerin auch sonst finanziell unter die Arme greifen werden, sollte sie nicht in der Lage sein, sich ihre Existenz selber zu erarbeiten. In diesem Zusammenhang ist ferner auf die Möglichkeit einer allfälligen medizinischen Rückkeh rhilfe hinzuweisen . Diesbezüglich ist es der Beschwerdeführerin – allenfalls ebenfalls mit Hilfe ihrer hier lebenden Geschwister oder der sie betreuenden Perso nen – zuzumuten, sich in der Schweiz um eine entsprechende Rück kehrhilfe zu bemühen. Entgegen d er Argumentation in der Beschwerde ist zudem den im heutigen Zeitpunkt bestehenden suizidalen Gedan ken der Beschwerdeführerin für den Fall eines definitiven Wegwei sungsvollzugs mit entsprechenden Medikamenten beizukommen. Zwar muss die Beschwerdeführerin im heutigen Zeitpunkt gestützt auf die eingereichten Arztberichte stationär behandelt werden; indessen kann damit gerechnet werden, dass sie sich mit der in der Schweiz bereits begonnenen Be handlung erholen und in ein Leben ausserhalb einer stationären B ehandlung, das von einer ambulanten Behandlung begleitet wird, zu rückkehren kann. Unter diesen Umständen ist die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll -D-3146/2011 Seite 17 zugs trotz der bestehenden gesundheitlichen Probleme und insbeson - dere trotz der fe stgestellten suizidalen A bsichten zu bejahen. Die Beschwerdeführerin ist nicht notwendiger weise auf eine Behandlung ihrer Beschwerden in der Schweiz ange wiesen. Zudem bestehen aufgrund der Aktenlage keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass sie im Fall ihrer Rückkehr in ihr Heimatland auf sich allein gestellt wäre und in eine existenzielle Notlage geriete. Dem Vollzug der Wegwei - sung stehen ferner keine anderen Hindernis se entgegen, auch wenn die sozio -ökonomische Lage in der Türkei nicht mit derjenigen in westeuropäischen Ländern vergleichbar ist und die Beschwerdeführe - rin sich im mittleren Alter befindet. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine wiedererwägungsweise relevante, veränderte Sachlage darzutun. Gestützt auf die vorangehenden Erwägungen lie gen keine Gründe vor, die den Wegweisungsvollzug als unzumutbar ersche i- nen lassen. Unter diesen Umständen ist ihr Gesuch vom 22. Juni 2011, die türkische Identitätskarte zuzustellen, abzuweisen, zumal dieses damit begründet wurde, dass die kantonalen Behörden dieses Dokument ben ö- tigen würden, da die Identitätspapiere nach Abschluss des Beschwerd e- verfahrens zwecks Vollzug der Wegweisung vom BFM ohnehin den ka n- tonalen Behörden zugestellt werden. 8. Somit ergibt sich, dass die ange fochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollstän dig fes t- stellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen und die Verfügung der Vorinstanz zu bestätigen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Verfahrens in der Höhe von Fr. 1'200.-- (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal tungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]) auch im Hinblick auf die mi t den Zwi- schenverfügungen vom 8. Juni 2011 und vom 21. Juni 2011 festgestellte Aussichtslosigkeit der Beschwerdebegehren der Beschwerdeführerin au f- zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und mit dem am 15. Juni 2011 in glei- cher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. D-3146/2011 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'200.-- werden der Beschwerdeführe rin auferlegt und mit dem am 15. Juni 2011 bezahlten Kostenvorschuss ve r- rechnet. 3. Das mit Eingabe vom 22. Juni 2011 gestellte Gesuch um Zusendung der Identitätskarte wird abgewiesen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: