B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2405/2014 U r t e i l v o m 1 9 . N o v e m b e r 2 0 1 5 Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter François Badoud, Gerichtsschreiber Pascal Waldvogel. Parteien A._______, geboren am (…), Staat unbekannt, angeblich Volksrepublik China (Tibet), vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. April 2014 / N (…). E-2405/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliess die Beschwerdeführerin Tibet (Volksre- publik China) am 26. Dezember 2011 nach Nepal. Zwei Monate später habe sie Nepal auf dem Luftweg in Richtung eines ihr unbekannten Landes verlassen. Am 1. März 2012 sei sie in die Schweiz gelangt, wo sie glei- chentags ein Asylgesuch einreichte. Am 2. April 2012 wurde sie im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen zur Person befragt (BzP). Die Vorinstanz hörte sie am 7. April 2014 zu den Asylgründen an. Im Wesent- lichen machte die Beschwerdeführerin geltend, sie stamme aus dem Dorf B._______, Gemeinde C._______ beziehungsweise D._______, Kreis Nangchen, Kham, Tibet. Sie habe immer in ihrem Dorf gelebt, nie eine Schule besucht und spreche kein Chinesisch. Unter dem Kloster ihrer Ge- meinde sei im Jahr 2010 eine Schule gebaut worden. Im November 2011 hätten die chinesischen Behörden die Schule schliessen wollen und hätten diejenigen Mönche ohne Klosterausweis vom Kloster weggeschickt. Aus diesem Grund habe sie zusammen mit zwei Mönchen ein Plak at an eine Mauer des Bezirksortes geklebt. Daraufhin habe sie erfahren, dass einer der Mönche verhaftet worden sei, weshalb sie Tibet verlassen habe. B. Mit Verfügung vom 9. April 2014 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh- rerin erfülle die Flüchtlingseigen schaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. C. Mit Eingabe vom 5. Mai 2014 reichte die Beschwerdeführerin beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und für eine Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei unter Feststellung der Flüchtlingseigen- schaft die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht sei auf die Erhebung eines K ostenvorschusses zu verzichten, ihr sei die un- entgeltliche Prozessführung zu bewilligen und ihr sei in der Person des Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu gewähren. Als Beweismittel reichte sie eine Geburtsurkunde und eine Abstammungsbe- stätigung des Tibet Büros sowie eine Fürsorgebestätigung zu den Akten. D. Mit Zwischenverfügung vom 8. Mai 2014 gewährte die damalige Instrukti- onsrichterin der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung, E-2405/2014 Seite 3 stellte ihr in der Person von lic. iur. Dominik Löhrer einen unentgeltlichen Rechtsbeistand zur Seite und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. E. Mit Zwischenverfügung vom 1. März 2015 lud die damalige Instruktions- richterin die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. In ihrer Vernehmlassung vom 16. März 2015 teilte die Vorinstanz mit, sie halte vollumfänglich an den Erwägungen der angefochtenen Verfügung fest. Die vorinstanzliche Ver- nehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am 24. März 2015 zur Kennt- nisnahme zugestellt. F. Mit Eingabe vom 27. März 2015 reichte der Rechtsvertreter der Beschwer- deführerin eine Kostennote ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nac h Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be- schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung im Asylbereich auf Verletzung von Bundesrecht sowie u nrichtige und unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Zusammenhang mit dem Wegweisungsvollzug kann zu- dem die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49 VwVG; vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Die Beschwerdeführerin rügt Verfahrensmängel, insbesondere eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Begründungspflicht) so- wie eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. E-2405/2014 Seite 4 3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein- greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Bet roffenen, sich vor Er- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan- trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent- weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihr en Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 S. 293; BVGE 2009/35 E. 6.4.1, m.w.H.). Dazu gehört auch die Pflicht, den Entscheid in genügender Weise zu begründen (Begründungspflicht). 3.3 Sofern die Beschwerdeführerin vorbringt, e ine Wegweisung in einen Drittstaat – wie es vorliegend der Fall sei – müsse in Anwendung von Art. 31a AsylG und somit mittels Nichteintretensentscheid erfolgen, wes- halb die Verfügung für den Erlass einer gesetzessystematischen Entschei- dung an die Vorinstan z zurückzuweisen sei, übersieht sie, dass gemäss besagter Norm "in der Regel" ein Nichteintritt erfolgt. Der Vorinstanz wird somit von Gesetzes wegen ein Ermessenspielraum zugebilligt, weshalb für die in Art. 31a AsylG genannten Fälle das Verfahren nicht a usschliesslich mittels Fällung eines Nichteintretensentscheids erledigt werden muss. Die Rüge ist demnach unbegründet. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz vorliegend zu Recht keinen Nichteintretensentscheid nach Art. 31a AsylG gefällt hat, weil durch die festgestellte Verletzung der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin keine Drittstaatenabklärung möglich war. Auf die naheliegende Frage, wel- ches konkrete Interesse die Beschwerdeführerin – die in den Genuss einer materiellen Beurteilun g ihrer Sachverhaltsdarstellung gekommen ist – überhaupt an einem Nichteintretensentscheid des SEM haben könnte, braucht hier ebenfalls nicht weiter eingegangen zu werden. 3.4 Weiter besteht entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin an der Rüge, die Vorinstanz habe den Ausschluss des Wegweisungsvollzugs in die Volksrepublik China nicht rechtsgenügend begründet, kein schutz- würdiges Interesse. Wohl geht das Bundesverwaltungsgericht nicht von ei-E-2405/2014 Seite 5 ner Kollektivverfolgung ethnischer Tibeterinnen und Tibeter in der Volksre- publik China aus, sondern anerkennt diese bei glaubhafter Herkunft aus Tibet wegen subjektiven Nachfluchtgründen als Flüchtlinge. Der Aus- schluss des Wegweisungsvollzugs in die Volksrepublik China für ethnische Tibeter lässt hingegen nicht den Schl uss zu, die Vorinstanz schliesse auf deren chinesische Staatsbürgerschaft, sondern ist eine in Anwendung von Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG vorgenommene Vorsichtsmassnahme, da nicht mit Sicherheit festgestellt werden kann, ob ethnische Tibeter – ungeachtet ihrer Herkunft – bei einer Wegweisung in die Volksrepublik China dort re- levante Nachteile erlitten. 3.5 Die Beschwerdeführerin bringt vor, das SEM habe die Begründungs- pflicht und den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Weil kein Sprach -Gut- achten erstellt worden sei , sei zu erwarten gewesen, dass nicht an ihrer Herkunft gezweifelt werde. Ausserdem könne allein die Ansicht der Vor - instanz, wonach ihre Angaben unglaubhaft seien, den Ausschluss ihre r Hauptsozialisation in Tibet nicht rechtsgenüglich begründen. Die Beschwerdeführerin bringt somit implizit vor, wenn die Vorinstanz an ihrer Herkunft Zweifel gehabt hätte, hätte sie eine Lingua -Analyse veran- lassen müssen. Indes verkennt die Beschwerdeführerin, dass der Gesetz- geber keine Pflicht zur Erstellung von Experten -Gutachten zur Abklärung des rechtlich relevanten Sachverhalts vorsieht. Insgesamt sind die Aussa- gen der Beschwerdeführerin offensichtlich unzulänglich und derart haltlos (vgl. E. 6.3), dass deren Beurteilung keiner weiteren fachlichen Abklärun- gen mehr bedarf (BVGE 2015/10 E. 5.2.3.1). Eine Verletzung des Untersu- chungsgrundsatzes ist auch nicht ersichtlich, zumal, wie nachfolgend fest- zustellen ist, der Sachverhalt von der Vorinstanz vollständig erstellt wurde und es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, ih re Herkunft, ihre Fluchtgründe und die illegale Ausreise aus der Volksrepublik China glaub- haft zu machen. Eine Verletzung der Begründungspflicht ist ebenfalls nicht ersichtlich, zeigt doch die vorliegende Beschwerde, dass eine sachge- rechte Anfechtung möglich war. 3.6 Insgesamt ist somit festzuhalten, dass keine Anhaltspunkte für eine Gehörsverletzung oder eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes vorliegen und die Vorinstanz auch keine anderweitigen Verfahrensrechte verletzte. Nach dem Gesagten erweisen sich die entsprechenden Rügen als unbegründet. Der Antrag auf Rückweisung zur Neubeurteilung ist des- halb abzuweisen. E-2405/2014 Seite 6 4. 4.1 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingsei- genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Abs. 1). Glaub- haft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhan- densein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlic h sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit- tel abgestützt werden (Abs. 3). 4.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 5. 5.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Beschwerdeführerin habe aller Wahrscheinlichkeit nach nicht im von ihr behaupteten geographischen Raum gelebt. Dadurch werden den von ihr gemachten Ausreise- und Asylgründen jegliche Grundlage entzogen. Aus- serdem seien die Aussagen der Beschwerdeführerin unsubstantiiert und widersprüchlich. Ihre Reiseschilderungen seien äusserst pauscha l und würden nicht den Eindruck erwecken, dass sie auf persönlich Erlebtem fussen. Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Asyl - bezie- hungsweise Ausreisegründe würden sich deshalb als unglaubhaft erwei- sen. 5.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, es werde von ihr nicht in Abrede gestellt, dass sie ihre chinesische Staatsbürgerschaft nicht habe beweisen können. Da der Beweis für eine andere Staatsangehörigkeit oder Aufen t- haltsgenehmigung fehle, müsse man sich an Entscheidungen und Mittei- lungen der Schweiz erischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 1 halten. Ohne triftige Anhaltspunkte könne eine andere als die chinesische Staatsangehörigkeit weder als erwiesen noch überhaupt als wahrschein- lich erachtet werden. Ausserdem sei ihre Schilderung des Sachverh alts plausibel und überzeugend ausgefallen. 5.3 Die Vorinstanz hat den Massstab des Glaubhaftmachens nicht ver- kannt und auf den vorliegenden Fall korrekt angewendet. In der vorinstanz-E-2405/2014 Seite 7 lichen Verfügung wird einlässlich begründet, weshalb die Aussagen der Be- schwerdeführerin zu ihrer Herkunft, ihren Asylgründen und ihrer angeblich illegalen Ausreise nicht glaubhaft sind. 5.3.1 In BVGE 2014/12 präzisierte das Gericht seine Praxis gemäss EMARK 2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise da- von auszugehen sei, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbeachtli- chen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort be- ständen. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ih re Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche ein tibetischer Asylsuchender durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in Nepal respektive in Indien innehabe, könne namentlich ke ine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Verheim- lichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.). 5.3.2 Aufgrund der Aktenlage besteht Grund zur Annahme, dass die Be- schwerdeführerin ihre wahre Herkunft zu verschleiern versucht. Bereits die Vorinstanz stellte zutreffend fest, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage war, ihren angeblichen Heimatort im Kreis Nangchen der richtigen Verwaltungseinheit zuzuordnen (SEM -Akten, A14/21 F146). Richtiger- weise stellt die Vorinstanz fest, dass der Kreis Nangchen in die chinesische Provinz Qinghai integriert ist und nicht zur Autonomen Region Tibet gehört. Dies muss die Beschwerdeführerin wissen, zumal sie angibt, ihr ganzes Leben in ihrem Dorf im Kreis Nangchen verbracht zu haben. Nicht ver- ständlich ist sodann, dass die Beschwerdeführerin keine einzige Nachbars- gemeinde nennen kann (SEM-Akten, A14/21 F147 f.). Ebenfalls deuten die Unkenntnis der Beschwerd eführerin über die gängi ge chinesische Mass- einheit, das Nichtwissen der chinesische Bezeichnung des Mobiltelefons, ihre Angaben zum Familienbüchlein, die Unkenntnis der Preise in ihrer Re- gion, ihre fehlenden Chinesisch-Kenntnisse sowie ihre Aussage, dass sie trotz Schulpflicht nie eine Schule besucht habe und auch nicht wisse , wo sich die nächste Schule befindet, darauf hin, dass die Beschwerdeführerin nicht in der angegebenen Region sozialisiert worden ist. Diesbezüglich ist nebst den vorangegangenen Erwägungen zur Herkunft zusätzlich festzu- stellen, dass auch die Papierlosigkeit der Beschwerdeführerin und ihre un- glaubhaften Aussagen zu ihrer Identitätskarte, die ihr einerseits von den E-2405/2014 Seite 8 Schleppern abgenommen worden sei, sie aber andererseits nie eine ge- habt habe (SEM-Akten, A7/13 S. 7 und A14/12 F12 ff.), die Einschätzun- gen der Vorinstanz stützt. Aus den eingereichten Dokumenten vom "The Tibet Bureau" in Genf vom 1. Mai 2014 kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten, handelt es sich dabei doch nicht um rechts- genügliche Ausweisdokumente. 5.3.3 Die Aussagen der Beschwerdeführerin zu ihren Asylgründen und der Ausreise vermögen ebenfalls nicht zu überzeugen. So stellt die Vorinstanz zutreffend fest, dass die Beschwerdeführerin in der BzP und in der Anhö- rung zu ihren Asylgründen zwei unterschiedliche Geschichten erzählt. Ei- nerseits sei es darum gegangen, dass die Polizei eine Schule habe schlies- sen wollen. Leute hätten sodann einen Brief an die Behörden geschrieben und gefordert, dass diese nicht geschlossen werde. Diese Leute seien da- raufhin verhaftet worden. Sie habe sodan n mit zwei Mönchen ein Pl akat aufgehängt, mit dem sie die Freilassung der Verhafteten gefordert habe (SEM-Akten, A7/13 S. 9). Andererseits sei die Polizei ins Kloster gekom- men und habe die Mönche kontrolliert. Diejenigen ohne Klosterausweis hätten das Kloster verlassen müssen. Deshalb habe sie mit zwei Mönchen ein Plakat geschrieben, mit dem sie gefordert habe, dass die Mönche nicht weggeschickt würden (SEM-Akten, A14/12 F19). Diese widersprüchlichen Vorbringen der Beschwerdeführerin lassen sich nicht mitei nander verein- baren. Ihre Schilderung der Asylgründe ist nicht glaubhaft. Unglaubhaft fal- len ebenfalls ihre Aussagen zur angeblichen illegalen Ausreise nach Nepal aus. Ihre Schilderungen der Ausreise sind ausgesprochen vage und sub- stanzlos (vgl. SEM -Akten, A7/13 S. 8 und A14/12 F123 ff.). So habe sie ihre Ausreise in nur drei bis vier Stunden vorbereitet, obwohl sie kein Geld gehabt habe (SEM-Akten, A14/12 F123 ff.). Auf Nachfragen antwortet sie einsilbig. Zudem weisen ihre Erzählungen keinerlei Realkennzeichen auf. 6. 6.1 Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass weder die Identität noch die Staatsangehörigkeit beziehungsweise das Herkunftsland der Beschwerdeführerin geklärt ist. Ihr Verhalten stellt sodann eine Verletzung der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht ( Art. 8 AsylG) dar. Durch die Verletzung dieser Pflicht verunmöglicht die Beschwerdeführerin die Abklärung, welchen effektiven Status sie im Staat ihres vormaligen Aufenthalts hatte. Bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, ist vermutungsweise davon auszugehen, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine E-2405/2014 Seite 9 Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10 und 6). 6.2 Die Beschwerdeführerin beantragt eventualit er, sie sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Durch ihre Flucht erfülle sie aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft. Wie vorstehend dargelegt, vermag sie weder ihre Fluchtgründe, Staatsangehörigkeit, Herkunft noch ihre legale oder illegale Ausreise auch nur ansatzweise glaubhaft zu ma- chen. Bei dieser Sachlage ist auch das Vorliegen von subjektiven Nach- fluchtgründen gemäss Art. 54 AsylG zu verneinen. 6.3 Insgesamt hat die Beschwerdeführerin somit nichts vorgebracht, das geeignet wäre, einen Fluchtgrund in Bezug auf die Volksrepublik China nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das SEM hat ihr Asyl- gesuch demnach zu Recht abgelehnt. 7. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge- such ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführerin verfügt we- der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegwei- sung ist nicht zu beanstanden. 8. 8.1 In Bezug auf den Vollzug der Wegweisung hält die Vorinstanz vorab fest, die Beschwerdeführerin habe die geltend gemachte Staatsangehörig- keit nicht glaubhaft gemacht. Das Gericht folgt der Vorinstanz sowohl in diesem Punkt als auch hinsichtlich der weiteren diesbezüglichen Erwägun- gen. Ihre Herkunft und Staatsangehörigkeit gilt deshalb als unbekannt. 8.2 Grundsätzlich ist die Zulässigkeit, die Zumutbarkeit und die Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersu- chungspflicht findet jedoch ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asyl- suchenden Person (Art. 8 AsylG), welche auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden, wo- möglich gezielt vorenthaltenen Hinweisen, nach allfälligen Wegweisungs- vollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Ver- mutungsweise ist deshalb davon auszugehen, einer Wegweisung stünden keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entgegen (statt vieler: Ur-E-2405/2014 Seite 10 teil des BVGer E-2450/2014 vom 22. Mai 2014). Ein Vollzug der Wegwei- sung in die Volksrepublik China ist im vorinstanzlichen Entscheid – offenbar in Anwendung von Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG – ausdrücklich ausgeschlos- sen. Mit dem Vorenthalten von Informationen und dem Fehlen jeglicher Bemü- hungen, Ausweispapiere und Beweismittel zu beschaffen, die ihre Identität, Herkunft und Vorbringen beweisen könnten, ist die Beschwerdeführerin selber dafür verantwortlich, weshalb sich zuerst die Vorinstanz und n un auch das Gericht mit den Fragen der Wegweisung und deren Vollzugs nur in grundsätzlicher Hinsicht beziehungsweise gemäss den vorstehenden Ausführungen befasst. Sie entzieht mit ihrem Verhalten die für genauere Abklärungen erforderliche Grundlage, und es ist nicht Sache des Gerichts, sich in Mutmassungen und Spekulationen zu ergehen. 8.3 Es obliegt der Beschwerdeführerin, sich die für eine Rückkehr allenfalls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme aus- ser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfah- rens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 8. Mai 2014 jedoch gut- geheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 10.2 Mit Zwischenverfügung vom 8. Mai 2014 wurde der Beschwerdefüh- rerin die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt und lic. iur. Dominik Löhrer als amtlicher Vertreter eingesetzt. Dem amtlichen Vertreter ist durch das Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar gemä ss der einge- reichten Kostennote in der Höhe von Fr. 1'540.– (inkl. Auslagen und MWSt) auszurichten. E-2405/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzten lic. iur. Dominik Löhrer wird vom Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar von Fr. 1'540.– ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Willisegger Pascal Waldvogel Versand: