<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird eingeladen, die notwendigen gesetzlichen Änderungen vorzulegen, damit bei einer Notlage der schwangeren Frau eine anonyme Geburt in einem Spital oder Geburtshaus möglich ist.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Aus dem Recht auf persönliche Freiheit nach Artikel 10 Absatz 2 der Bundesverfassung lässt sich ein Anspruch auf Kenntnis der eigenen Abstammung ableiten. Zudem hat ein Kind nach Artikel 7 Absatz 1 des Uno-Übereinkommens über die Rechte des Kindes (SR 0.107) "soweit möglich das Recht, seine Eltern zu kennen". Die Gewährleistung des Rechts auf Kenntnis der Abstammung gilt jedoch nicht schrankenlos; vielmehr ist eine Abwägung mit anderen Rechten - wie z. B. dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und Entwicklung - geboten.</p><p>Damit ist die Frage aufgeworfen, ob die Ermöglichung einer anonymen Geburt überhaupt geeignet ist, Kinder zu schützen. Ausländische Modelle (z. B. Frankreich, Österreich, Kalifornien) beruhen auf der Annahme, mit der anonymen Geburt liessen sich Kindesaussetzungen oder gar Kindestötungen verhindern. Die langen französischen Erfahrungen belegen aber nicht, dass Leben und Gesundheit von Kindern damit effektiv geschützt werden können. Welche Auswirkungen die Möglichkeit einer anonymen Geburt wirklich hat, ist empirisch indes kaum überprüfbar, zumal keine verallgemeinerungsfähige Aussage über die betroffenen Mütter, ihre Verhältnisse oder ihr Umfeld möglich sind.</p><p>Kindesaussetzungen und -tötungen sind postnatale Handlungen, die in einer Stress- und Paniksituation erfolgen können. Ob für Frauen mit einer solchen Problematik die Möglichkeit der anonymen Geburt eine wirksame Hilfe wäre, mag dahin stehen.</p><p>Da eine endgültige Klärung der Wirkungszusammenhänge nach dem Gesagten nicht möglich ist, besteht beim Schutz von Leben und Gesundheit ein grosser gesetzgeberischer Gestaltungsspielraum, der nicht von vornherein auf eine bestimmte Lösung einzuengen ist. Angesichts der bestehenden Unsicherheiten ist der Bundesrat somit nicht auf dem Wege der Motion zu verpflichten, eine Gesetzesänderung zur Ermöglichung der anonymen Geburt vorzulegen. Zu erwägen ist etwa auch, ob vor der Adoption auf Wunsch der Frau ein ausdrücklicher Sperrvermerk bei den Eintragungen im Geburtsregister soll angebracht werden können - eine Frage, die im Rahmen der gegenwärtigen Totalrevision der Zivilstandsverordnung im Raume steht. Der Bundesrat beantragt deswegen die Umwandlung in ein Postulat.</p>  Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.