Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. Oktober 2016 (720 16 166 / 271) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die Invalidenversicherung ist zu Recht von einer Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit des im Zeitpunkt des Gutachtens rund 58 Jahre alten Beschwerdeführer ausgegangen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Jan Herrmann , Recht s- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1957 geborene A.____ war nach seinem Schulab schluss für mehrere Jahre als un- gelernter Arbeitnehmer tätig. Ab dem Jahr 1987 war er bei der B.____ angestellt und wurde dort zum Elektriker angelernt. Nachdem A.____ gekündigt worden war, war er für ca. zwei Jahre in Temporär-Arbeitsverhältnissen tätig. Ab Juli 2007 arbeitete er als Elektromonteur für die C.____ AG. Diese Stelle wurde A.____ im Jahr 2011 gekündig t, nachdem er am 20. Oktober 2010 ei- nen Unfall erlitten hatte, bei welchem er sich einen 75%igen Muskelabriss an der rechten Schul- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ter zugezogen hatte und längere Zeit arbeitsunfähig gewesen war. Im Rahmen eines Arbeits- trainings war A.____ von November 2012 bis und mit Juli 2013 in der D.____ in Basel tätig, wo er mit der Reparatur von alten Lampen und deren Wied erverkauf beauftragt war. Zuletzt arbei- tete A.____ bis April 2014 in einem 50%-Pensum als Elektromagaziner bei der E.____ AG. Im Jahr 2004 hatte sich A.____ ein erstes Mal bei der I V-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug angemeldet und berufliche Massnahmen beantragt. Als Beschwerden gab er damals eine reaktive Depression an. Nachdem eine psychia trische Abklärung ergeben hatte, dass er voll arbeitsfähig war, lehnte die IV-Stelle di e Durchführung beruflicher Massnahmen mit Verfügung vom 28. Juni 2005 ab. Mit Gesuch vom 28. April 2011 meldete sich A.____ bei de r IV-Stelle unter Hinweis auf Schul- terbeschwerden nach einem Unfall vom 22. Oktober 2010 erneut zum Leistungsbezug an. Nach Durchführung beruflicher Massnahmen sowie umfangreicher medizinischer Abklärungen sprach ihm die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. April 2016 a b 1. November 2011 eine bis 1. Juli 2014 befristete ganze IV-Rente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Jan Herrmann, am 22. Mai 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landscha ft, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung (teilweise) auf- zuheben und es sei ihm eine ganze unbefristete Invalid enrente zuzusprechen; unter o/e- Kos- tenfolge. Zudem beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. C. Mit Verfügung vom 8. Juli 2016 wies das Kantonsgerich t das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ab. D. In ihrer Vernehmlassung vom 9. August 2016 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten ist demnach einzut reten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den i m Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Die IV-Stelle gab zur Abklärung des Gesundheitszusta ndes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten bei der F.____ ein polydisziplinäres Gu tachten – mit Beteiligung der Diszipli- nen Allgemeinmedizin, Rheumatologie, Kardiologie, Psychiatrie und Neuropsychologie – in Auf- trag, welches am 28. Mai 2015 erstattet wurde. Im Gutachten werden folgende Diagnosen mit Einfluss a uf die Arbeitsfähigkeit gestellt: Eine Periarthropathia humeroscapularis dextra partim ankylosans mit Impingement bei Akromiontyp I nach Bigliani sowie bei Status nach zwei komplizierten Schulteroperationen nach einem Ar- beitsunfall am 3. November 2010, ferner eine koronare Herzkrankheit mit aktueller Beschwerde- freiheit, Absenz von Ischämie unter Belastung und erhal tener Pumpfunktion, bei Status nach 4- facher aortokoronarer Bypassoperation im Juli 2011, mi t den Risikofaktoren arterieller Hyperto- nie, Dyslipidämie, minimem Übergewicht, Bewegungsmangel , psychosozialem Stress und Sta- tus nach mässigem Nikotinabusus. Keine wesentliche Einschr änkung der Arbeitsfähigkeit hät- ten die akzentuierten Persönlichkeitszüge und die nicht organische Störung des Schlaf-Wach- Rhythmus‘. In seiner angestammten Tätigkeit als Elektromo nteur sei er aus kardiologischer Sicht zu 50 % und aus rheumatologischer Sicht zu 100 % arbeitsunfähig. Dies gelte auch für alle anderen körperlich schweren manuellen Arbeiten. In körperlich leichten und mittelschweren Verweistätigkeiten sei der Beschwerdeführer aber zu 100 % arbeitsfähig, allerdings ohne He- ben von mehr als 10 kg, ohne Tätigkeit über der Schulte rhorizontalen, ohne Tätigkeiten auf Ge- rüsten und Leitern und ohne Tätigkeiten mit Vibration seinfluss auf den rechten Arm. Im Haus- halt sei der Beschwerdeführer zu 80 % arbeitsfähig. Di e Zumutbarkeitsbeurteilung für die ange- stammte Tätigkeit gelte seit dem Arbeitsunfall vom 3. No vember 2010, die 100%ige Arbeitsfä- higkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit bestehe seit dem 11. März 2014. 5.2 Das Gutachten und auch die einzelnen Teilgutachte n erscheinen insgesamt sehr aus- führlich, umfassend und schlüssig. Das Gutachten beruht au f persönlichen Untersuchungen, berücksichtigt die ganze Krankengeschichte, steht im Einkla ng mit den bisherigen ärztlichen Beurteilungen und ist in seinen Schlussfolgerungen überzeugend. Es genügt sowohl formal wie inhaltlich den bundesgerichtlichen Anforderungen an ein beweistaugliches Gutachten, so dass grundsätzlich darauf abgestellt werden kann. 5.3 Der Beschwerdeführer anerkennt eigentlich die Bewe istauglichkeit des Gutachtens, rügt aber, dass mit der angefochtenen Verfügung das Kar paltunnelsyndrom an beiden Handge- lenken, das Dr. med. G.____, FMH Neurologie, am 4. No vember 2015 und damit nach Erstel- lung des Gutachtens diagnostiziert habe, nicht berücksichtigt worden sei. In ihrem Arztbericht vom 4. November 2015 diagnostiziert e Dr. G.____ ein mässiggradiges bis mittelschweres Karpaltunnelsyndrom rechts sowie ein leichtgr adiges Karpaltunnelsyndrom links. Sie führte aus, die Problematik bestehe nach Angab e des Beschwerdeführers seit ca. einem Jahr. Betroffen seien vor allem das palmare Han dgelenk sowie der Daumen. Die Kraft der Hände sei intakt, manchmal habe er aber schmerzbedingt Mühe beim Öffnen eines Konfitü- reglases. Gelegentlich ergebe sich ein Einschlafgefühl an beiden Händen. Am Daumengrund- gelenk bestehe beidseits eine Druckdolenz ohne sichere Hinwe ise auf eine Rhizarthrose. Die Sensibilität sei im Bereich der oberen Extremitäten f ür alle Qualitäten erhalten. Die Kraft sei in Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Einzelkraftprüfung normal, fokale Atrophien würde n keine bestehen. Die Tinel-Zeichen sei- en über dem linken Karpaltunnel schwach positiv. Die Re flexe seien seitengleich mittel-lebhaft. Im Armvorhalteversuch sei kein Absinken festzustellen, ebenso gebe es keine Ataxie im Finger- Nasenversuch. Obwohl die beklagten Beschwerden sicherlich nic ht alleine auf das Karpaltun- nelsyndrom rechts zurückzuführen seien, könne es pathenogen etisch doch mitbeteiligt sein. Insofern werde dem Beschwerdeführer eine operative Dekompression des rechten Retinaculum flexorum empfohlen. Der Beschwerdeführer sei aber dara uf hingewiesen worden, dass das postoperative Outcome aufgrund der überlagerten wahrsc heinlich muskuloskelettal bedingten Schmerzen nicht vorausgesagt werden könne. Auf der linke n Seite resultiere das Karpaltunnel- syndrom nur leicht, deshalb würden vorerst konservative M assnahmen mit dem Tragen einer redressierenden Handgelenksschiene empfohlen. 5.4 Zu den Ausführungen von Dr. G.____ ist zunächst fe stzuhalten, dass der Beschwerde- führer selbst angegeben hat, dass die Beschwerden bereit s seit einem Jahr bestünden. Die Beschwerden sind somit nicht neu und haben schon bei de r Begutachtung durch die F.____ bestanden. Der Beschwerdeführer hat schon damals über Beschwerden in der rechten Schulter mit Ausstrahlung bis in die Fingerspitzen und auch über Schmerzen im Daumensattelgelenk und an den Ellbogengelenken geklagt. Diese Schmerzen wur den im F.____-Gutachten bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt. Neu i st einzig die Diagnose des Karpaltunnel- syndroms, wobei am linken Handgelenk die objektivierbare Beeinträchtigung als minim be- zeichnet wird und auch in Bezug auf das rechte Handgelenk eine Besserung der Schmerzsitua- tion durch eine Operation wegen der Überlagerung dur ch die muskuloskelettalen Beschwerden als fraglich bezeichnet wird. Insgesamt ist damit nicht ü berwiegend wahrscheinlich, dass das neu diagnostizierte Karpaltunnelsyndrom, das grundsätzlich operativ behandelbar ist, eine – im F.____-Gutachten nicht berücksichtigte – zusätzliche Beein trächtigung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers darstellt. Auch der Bericht von Dr. G .____ gibt keinerlei Hinweis in diese Richtung. Damit liegt kein Abklärungsdefizit und auch kein Bedarf nach einer ergänzenden Ab- klärung des medizinischen Sachverhalts vor. 6. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, dass er s eine Restarbeitsfähigkeit wegen seines Alters, nicht mehr verwerten könne. 6.1 Die Rechtsprechung hat insbesondere auch das fortge schrittene Alter, obgleich ein an sich invaliditätsfremder Faktor (AHI-Praxis 1999 S. 240 unten sowie Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG], heute Bundesgericht, sozial rechtliche Abteilungen, vom 29. Au- gust 2002, I 97/00, E. 1.4 mit Hinweisen), als Kriter ium anerkannt, welches zusammen mit den weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die der versi- cherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realis- tischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr d eren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist. I st die Resterwerbsfähigkeit in diesem Sin- ne wirtschaftlich nicht mehr verwertbar, liegt vollständ ige Erwerbsunfähigkeit vor, die zum An- spruch auf eine ganze Invalidenrente führt (Urteil des EVG vom 5. August 2005, I 376/05, E. 4.1 mit Hinweisen). Der Einfluss des Lebensalters auf die Mö glichkeit, das verbliebene Leistungs- vermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten , lässt sich nicht nach einer all- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemeinen Regel bemessen. Die Bedeutung des fortgeschrit tenen Alters für die Besetzung ent- sprechender Stellen ergibt sich vielmehr aus den Einzelfa llumständen, die mit Blick auf die An- forderungen der Verweistätigkeiten massgebend erscheinen. Zu denken ist zunächst an die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, angesichts der beschränkten Dauer verbleibender Aktivität sodann namentlich auch an den absehbaren Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand, dessen Ausmass wiederum anhand vo n Kriterien wie der Persönlich- keitsstruktur, vorhandenen Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung und beruflichem Werde- gang sowie der Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus d em angestammten Bereich abzu- schätzen ist (Urteile des EVG vom 5. August 2005, I 376/05 , E. 4.1 und vom 23. Oktober 2003, I 392/02, E. 3.1). Wie das Bundesgericht im Urteil vom 10. September 2013 , 8C_345/2013, aufzeigt, hatte es sich schon verschiedentlich mit Fällen von Versicherten zu befa ssen, in denen sich die Frage stellte, ob diese angesichts ihres fortgeschrittenen Alte rs in einem als ausgeglichen unterstell- ten Arbeitsmarkt noch als vermittelbar gelten und die ihre verbliebene Leistungsfähigkeit er- werblich verwerten konnten. So hatte laut der vom Bund esgericht im genannten Urteil in E. 4.3.2 wiedergegebenen Kasuistik das damalige EVG einen 60-jährigen Versicherten, welcher mehrheitlich als Wirker in der Textilindustrie tätig gewesen war, als zwar nicht leicht vermittelbar erachtet. Es sah aber mit Bezug auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt gleichwohl Möglichkei- ten, eine Stelle zu finden, zumal Hilfsarbeiten auf de m hypothetischen, ausgeglichenen Ar- beitsmarkt grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt we rden, und der Versicherte zwar ein- geschränkt (weiterhin zumutbar waren leichte und mitt elschwere Arbeiten im Gehen, Stehen und Sitzen in geschlossenen Räumen), aber immer noch im Rahmen eines Vollpensums ar- beitsfähig war (Urteil des Bundesgerichts vom 5. August 2005, I 376/05, insbesondere E. 4.2). Bejaht hat das Eidgenössische Versicherungsgericht auch di e Verwertbarkeit der Restarbeits- fähigkeit eines (ebenfalls) 60-jährigen Versicherten mit einer aufgrund verschiedener psychi- scher und physischer Limitierungen (es bestanden u.a. rheum atologische und kardiale Proble- me) um 30% eingeschränkten Leistungsfähigkeit (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2007, I 304/06, E. 4.1 und 4.2). Schliesslich erachtete das Bundesgericht die Chancen eines 60 Jahre alten Versicherten auf eine Anstellung als intakt, der in Bezug auf körperlich leichte Arbei- ten, die abwechslungsweise sitzend oder stehend ausgeführt werden können, ohne regelmäs- siges Heben oder Tragen von Gewichten über 10 kg, ohne häufige Arbeiten über der Horizonta- len und ohne regelmässige Kraftanwendung des linken Arms bei voller Stundenpräsenz im Um- fang von 80% arbeitsfähig war (Urteil des Bundesgericht s vom 28. Mai 2009, 9C_918/2008, E. 4.3). Was den Zeitpunkt angeht, in dem zu beantworten ist, ob eine versicherte Person noch vermit- telbar ist, hat das Bundesgericht in einem Urteil vom 10. Mai 2013, 9C_954/2012, entschieden, dass auf das Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit ei ner Erwerbstätigkeit abzustellen ist. Als ausgewiesen gilt die medizinische Zumutbarkeit eine r Erwerbstätigkeit, sobald die medizini- schen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben. Dies ist in der Regel der Zeitpunkt der Erstattung des Gutachtens, a uf das bei der Leistungsbemessung abgestellt werden kann. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Im vorliegenden Fall ist das Gutachten vom 28. Mai 2 015 massgeblich. In diesem Zeit- punkt war der Beschwerdeführer 57 ¾ Jahre alt. Er stand also im massgeblichen Zeitpunkt noch mehr als 7 Jahre vor seiner ordentlichen Pensioni erung. Es trifft zwar zu, dass das Alter von knapp 58 Jahren allein eine mögliche Verwertbarkei t der Restarbeitsfähigkeit nicht grund- sätzlich ausschliesst. So ist das Bundesgericht im vom Beschwerd eführer zitierten Urteil vom 29. August 2014, 8C_248/2014, zum Schluss gekommen, dass das Alter von 58 Jahren wie auch die vollschichtige Arbeitsfähigkeit des Versicherten den Schluss auf eine Unverwertbarkeit zulassen könne, sofern das Anforderungsprofil entsprechend eingeschränkt sei. In jenem Fall war kein Tragen oder Heben, auch nicht von leichten G ewichten mehr möglich. Unmöglich wa- ren ferner Arbeiten mit Anforderungen an die Grob- oder Feinmotorik der Hände, ausserdem waren Halte- oder Greifbewegungen nicht mehr möglich. Damit waren grundsätzlich keinerlei manuelle Tätigkeiten, auch keine nur leichten Tätigke iten mehr möglich. Der Versicherte war sein Leben lang manuell tätig gewesen und konnte gemäss ärztlicher Beurteilung nicht einmal mehr leichteste handwerkliche Tätigkeiten ausüben, so d ass das Bundesgericht von einer Un- verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ausging. Im vorliegend zu beurteilenden Fall sind die Umstände nur insofern vergleichbar, als der Be- schwerdeführer im Zeitpunkt des Gutachtens auch rund 5 8 Jahre alt war und immer handwerk- lich tätig war. Was hingegen das Anforderungsprofil angeht, so unterscheidet es sich wesentlich vom Profil im vom Beschwerdeführer angeführten Verglei chsfall. So sind dem Beschwerdefüh- rer lediglich körperlich schwere manuelle Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Das dem Versicher- ten noch zumutbare Tätigkeitsfeld unterliegt deshalb nicht derart vielen Einschränkungen, dass eine Anstellung künftig nicht mehr als realistisch zu beze ichnen wäre. Unter diesen Umständen ist die IV-Stelle vorliegend im Lichte der relativ hoh en Hürden, die das Bundesgericht für die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit älterer Men schen entwickelt hat, zu Recht von der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen. 7. Die konkrete Berechnung von Validen- und Invalidene inkommen durch die IV-Stelle wird vom Beschwerdeführer zu Recht nicht beanstandet. Auf diese kann verwiesen werden. Zusammenfassend ergibt sich demnach, dass die angefochtene Verfügung vom 22. April 2016 zu Recht erging. Die IV-Stelle hat die Rente des Besc hwerdeführers in Übereinstimmung mit Art. 88a IVV zu Recht bis zum 1. Juli 2014 befristet. Die Beschwerde vom 22. Mai 2016 ist des- halb abzuweisen. 8. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kanton alen Versicherungsgericht kosten- pflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei Fällen wi e dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einhe itlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Reg el der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerde führer unterliegende Partei, wes- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht halb die Verfahrenskosten ihm aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zu verrechnen sind. Die ausserorden tlichen Kosten sind dem Prozessaus- gang entsprechend wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht