B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-12/2015 U r t e i l v o m 1 4 . J a n u a r 2 0 1 5 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richter Robert Galliker; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A._________ , geboren (…), Kosovo, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. Dezember 2014 / N__________ D-12/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 22. Oktober 1998 stellte der Beschwerdeführer – ein ethnischer Alba- ner aus B._______ – ein erstes Asylgesuch in der Schweiz, welches das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) mit Entscheid vom 20. August 1999 abwies. Nach mehrmaliger Erstreckung der Ausreisefrist kehrte der Beschwerdeführer im August 2000 in den Kosovo zurück. B. Am 14. Oktober 2014 suchte der Beschwerdeführer in der Schweiz erneut um Asyl nach. C. Er wurde am 16. Oktober 2014 im C.________ zuerst summarisch und am 27. November 2014 gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) eingehender zu den Asylgründen befragt. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, im Jahre 2003 habe er bei einem Streit jemanden getötet und sei deswegen zu einer Gefängnisstrafe von elf Jahren verurteilt worden. Im Gefängnis sei er von Mitinsassen tätlich angegriffen worden und er vermute, dass diese von Angehörigen der Familie des von ihm Getöteten dafür bezahlt worden seien (vgl. BFM-Protokoll B23 S. 7). Zuvor habe sich die Familie an seinen Brüdern rächen wollen , welche schliesslich 2007 den Kosovo verlassen hätten. Während seines Gefängnisaufenthaltes habe er die Berufsschule als Informatiker gemacht und auch ein Studium in Wirtschaft und Manage- ment abgeschlossen. Von der Gefängnisstrafe habe er zehn Jahre ver- büsst und sei dann auf Bewährung entlassen worden. In dieser Zeit habe er sich regelmässig bei den Bewährungsbehörden melden müssen. Nach seiner Entlassung im Juni 2013 habe er sich darum bemüht, zu einer Ver- söhnung mit der Familie des Opfers, welche ih n gemäss dem Kanun-Ge- setz umbringen wolle, zu gelangen. Diese habe indessen nicht eingewilligt und so sei sein Leben in steter Gefahr gewesen. Zuerst habe er in seinem Haus in B._______ gewohnt. Von März bis Mai 2014 habe er ein Textilge- schäft betrieben, welches er aufgrund der mange lnden Sicherheit wieder habe schliessen müssen. Im März beziehungsweise Mai 2014 habe er sich nach Pristina begeben, weil er in B.________ nicht mehr sicher gewesen sei. In Pristina sei er einmal überfallen worden. Er sei sich sicher, dass es sich dabei um einen Mordversuch gehandelt habe. In der Folge sei er wie- der nach B.________ zurückgekehrt. Nac h einem Monat Aufenthalt in B.________ habe er am 11. Oktober 2014 den Kovovo verlassen und sei am 13. Oktober 2014 illegal in die Schweiz eingereist. D-12/2015 Seite 3 Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer zahlreiche, vom BFM in der angefochtenen Verfügung vollständig aufgeführte Beweis- mittel ein. D. Mit am 29. Dezember 2014 mündlich eröffnetem Entscheid vom 17. De- zember 2014 lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 14. Oktober 2014 ab, ordnete dess en Wegweisung an und erachtete den Vollzug als zulässig, zumutbar und möglich. E. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit auf den 5. Januar 2014 datierter, zuhanden der Schweizerisc hen Post am 3. Januar 2014 aufgegebener Eingabe in italienischer Sprache unter Einreichung von be- reits im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens eingereichten Beweis- mitteln (Asylakten der französischen Behörden hinsichtlich seines Bruders D._______ Bestätigungsschreiben der Gemeinde B._________ vom 3. Oktober 2014) Beschwerde. Es wurde die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl, in verfahrensrechtlicher Hinsicht die Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde beantragt. F. Die vorinstanzlichen Akten trafen vollständig am 8. Januar 2014 beim Bun- desverwaltungsgericht ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM bzw. das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vo- rinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal- tungsgericht ist daher zuständig f ür die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig, ausser im (hier nicht zutreffenden) Fall eines gleichzeitig vorliegenden Auslieferungsgesu- ches des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). D-12/2015 Seite 4 1.2 Nach dem am 29. September 2012 in Kraft getretenen Art. 108 Abs. 2 AsylG beträgt die Beschwerdefrist bei Entscheiden nach Art. 40 AsylG in Verbindung mit Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG fünf Arbeitstage. 1.3 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und ha t ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Der Beschwer- deführer ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 und Art. 108 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslic h Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste - hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Vorab ist festzustellen, dass der vorliegenden Beschwerde von Geset- zes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (Art. 42 AsylG), weshalb auf den verfahrensrechtlichen Antrag um Gewährung der aufschiebenden Wir- kung nicht einzutreten ist. 4.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali - tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder we gen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung D-12/2015 Seite 5 des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.4 Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung festgestellt, durch die eingereichten Beweismittel stehe zweifelsfrei fest, dass der Beschwerde- führer eine Haftstrafe wegen Mo rdes verbüsst habe. Ind essen habe er seine unmittelbare Bedrohung im Zeitpunkt der Ausreise nicht glaubhaft machen können. Es führte aus, die eingereichten Zeitungsartikel stammten aus dem Jahre 2013, und obwohl darin die Rede davon sei, dass es mit der Familie des Opfers bisher zu keiner Versöhnung gekommen sei (vgl. B12, Beweismittel 1), stehe damit nicht fest, dass diese Versöhnung bis zum heutigen Zeit- punkt nicht zustande gekommen sei. A us den eingereichten Zeitu ngsarti- keln sei ersichtlich, dass sogar die Familie E._______ aus F.________, die Familie des als Märtyrer verehrten G._______, vermittelt habe. Es sei nur schwer vorstellbar, dass die verfeindete Familie sich dem Druck der Öffent- lichkeit angesichts der Beteiligung einer derart gewichtigen Familie nicht beugen würde. Vielmehr sei, auch unter der Berücksichtigung der Tatsa- che, dass es seit mehr als einem Jahr seit der Haftentlassung des Be- schwerdeführers zu keinem Mordversuch gekommen sei, davon auszuge- hen, dass, wenn in der Zwischenzeit auch keine eigentliche Versöhn ung stattgefunden habe, die Sache von der verfeindeten Familie zumindest fak- tisch "ad acta" gelegt worden sei. Im Weiteren stehe das Vorbringen des Beschwerdeführers, seine Bewe- gungsfreiheit sei eingeschränkt gewesen, weil man ihn habe umbringen wollen (vgl. B5 S. 10; B23 S. 4 und S. 8), im Widerspruch zu den angege- benen Aktivitäten, bei denen sich der Beschwerdeführer in B._______ und auch zwischen B.________ und H._______ bewegt habe. So habe er sich beispielsweise in Café s aufgehalten (vgl. B5 S. 10; B2 3 S. 8), habe sich einmal monatlich bei den Bewährungsbehörden melden müssen (vgl. B5 S. 2) und sei wegen Heimwehs seiner Mutter regelmässig zwischen D-12/2015 Seite 6 H.________ und B._______ hin und her gereist (vgl. B23 S. 5). Ebenso liessen die eingereichten Beweismittel auf eine Vielzahl von Bewegungen im öffentlichen Raum schliessen. So habe der Beschwerdeführer offen- sichtlich im Juni 2014 einen Psychiater in B._______ aufgesucht (vgl. B12) oder anfangs Oktober 2014 und auch schon früher beim Bürgermeister der Stadt e inen Schutzantrag gestel lt (vgl. B12; B23 S. 14). Es entspreche nicht dem zu erwartenden Verhalten einer durch Blutrache bedrohten Per- son, sich immer wieder in der Öffentlichkeit zu bewegen, ohne dass diese konkrete Vorsichtsmassnahmen getroffen habe (vgl. B23 S. 14 und S. 15). Auch sei nicht nachvollziehbar, warum sich der Beschwerdeführer für die Geburt seines Sohnes von H._______ wieder nach B.________ und damit in die unmittelbare Nähe der verfeindeten Familie begeben habe. Der Be- schwerdeführer habe hierzu keine überzeugende Erklärung geben können (vgl. B 23 S. 11). Auch habe der Beschwerdeführer lediglich einen konkreten Angriff auf seine Person geltend gemacht und sich bei dessen Beschreibung in Wi- dersprüche verstrickt. So habe er anlässlich der Anhörung abweichend von der Angabe anlässlich der Erstbefragung, wonach er von drei unbekannten Personen angegriffen worden sei (vgl. B5 S. 10), geltend gemacht, es seien die dieselben Personen gewesen, die ihn bereits im Ge fängnis an- gegriffen hätten, wobei der Beschwerdeführer auch den Namen eines An- greifers, den er vom Gefängnis her kenne, genannt habe (vgl. B23 S. 9). Im Weiteren habe er anlässlich der Erstbefragung angege- ben, von der Polizei erfahren zu haben, dass einer der Täter gefasst wor- den sei (vgl. B5 S. 10), sei indessen anlässlich der Anhörung der entspre- chenden Frage wiederholt ausgewichen und habe schliesslich angegeben, nicht zu wissen, ob die Täter gefasst worden seien (vgl. B23 S. 10). Auch sei es zu Ungereimtheiten hinsichtlich der zeitlichen Einordnung des Über- falls gekommen. Anlässlich der Erstbefragung habe der Beschwerdeführer angegeben, bereits in H.________ gewohnt zu haben, als er dort überfal- len worden sei (vgl. B5 S. 5), obwohl er an anderer Stelle zu Protokoll an- gegeben habe, in der fraglichen Zeit noch in B.________ sein Geschäft betrieben zu haben (vgl. B5 S. 5). Im Rahmen der Anhörung habe er hin- gegen geltend gemacht, unmittelbar vor seinem Umzug nach H._________ überfallen worden zu sein (vgl. B 23 S. 10). Bezeichnender- weise habe er bei der Polizei auch nur eine Anzeige wegen Raubüberfalls und nicht wegen Mordanschlags eingereicht (vgl. B12 , Beweismittel 11). Die Erklärung anlässlich der Anhörung, wonach er der Polizei nicht gesagt habe, dass er nur überfallen worden sei und di ese von sich aus lediglich D-12/2015 Seite 7 eine Anzeige wegen Raubüberfalls notiert habe (vgl. B23 S. 12), vermöge nicht zu überzeugen und sei lediglich aus Ausflucht zu werten. Schliesslich sei aus den Aussagen des Beschwerdeführers kein auslösen- des Ereignis für seine A usreise ersichtlich. Auch auf konkrete Nachfrage hin habe der Beschwerdeführer nicht anzugeben vermocht, was den Aus- schlag für seine Ausreise gege ben habe (vgl. B2 3 S. 11) . Aus welchem Grund er nicht schon früher ausgereist sei, habe er damit begründet, dass er sich bis im Juli 2014 bei den Bewährungsbehörden habe melden müs- sen und danach damit, dass er die Geburt seines Sohnes habe abwarten wollen (vgl. B23 S. 11). Indessen seien seit Juli 2014 noch mehrere Monate und seit der Geburt seines Sohnes sei immerhin noch ein Monat verstri- chen, bevor er das Land verlassen habe. Somit gründe die Furcht des Be- schwerdeführers auf blossen Mutmassungen. 4.5 In der Beschwerde werden überwiegend die bereits im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens geltend gemachten Vorbringen wiederholt und im Weiteren auf den Rekursentscheid der französischen Asylbehörden vom 21. Februar 2008 hingewiesen, worin dem Bruder D.______ des Be- schwerdeführers subsidiären Schutz gewährt wird. Im Urteil wird unter an- derem festgehalten, dass die Versöhnungsversuche zwischen den Fami- lien gescheitert seien und D.________ wegen psychischer Schwierigkeiten aufgrund der prekären Gefährdungslage den Kosovo im März 2007 verlas- sen habe. 4.6 4.6.1 Aufgrund der im Original eingereichten Gerichtsdokumente und Zei- tungsartikel steht fest, dass der Beschwerdeführer eine Haftstrafe wegen Mordes verbüsst hat und es offenbar bis im Jahr 2013 (dem Zeitpunkt der Herausgabe der Zeitungsartikel) zu keiner Versöhnung mit der Familie des Opfers gekommen ist. Im Weiteren ist dem ebenfalls im Original einge- reichten Bestätigungsschreiben der regionalen Polizeiverwaltung H.________vom 25. März 2014 zu entnehmen, dass der Beschwerdefüh- rer einen Raubüberfall durch drei ihm unbekannte Männer, verübt am 17. März 2014, zur Anzeige brachte. 4.6.2 Indessen hat das BFM mit zutreffender Begründung auf die wider- sprüchlichen Aussagen des Beschwerdeführers insbesondere hinsichtlich der Täterschaft des geltend gemachten Überfalls hingewiesen, weshalb es dem Bes chwerdeführer nicht gelingt , glaubhaft darzutun, beim Über fall habe es sich um einen Mordversuch gehandelt, der von der Fam ilie des D-12/2015 Seite 8 von ihm Getöteten initi iert worden war , zumal der Beschwerdeführer vor der Polizei offenbar lediglich von einem Raubüberfall du rch ihm unbe- kannte Personen gesprochen hat. Auch bei den geltend gemachten Behel- ligungen im Gefängnis handelt es sich um blosse Behauptungen und, soll- ten diese tatsächlich stattgefunden haben, hinsichtlich der Täterschaft und deren Motive um blosse Mutmass ungen. Das BFM hat im Weiteren zu Recht darauf hingewiesen, dass das unvorsichtige Verhalten des Be- schwerdeführers im öffentlichen Raum nicht auf eine unmittelbar drohende Gefahr schliessen lasse. Es fanden denn auch abgesehen vom umstritte- nen Überfall keine weiteren Behelligungen statt und der Beschwerdeführer war auch nicht in der Lage, ein konkretes Ereignis zu nennen, welches ihn zur Flucht aus dem Kosovo gezwungen hätte. So ist festzustellen, dass keine hinreichend objektiven Anhaltspunkte für eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung vorliegen, auch wenn die Möglichkeit, dass dem Be- schwerdeführer nach dem albanischen Gewohnheitsrecht (Kanun) noch heute Rache drohen könnte, nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. An dieser Einschätzung vermag das in Kopie eingereichte Urteil der fran- zösischen Asylbehörden vom 21. Februar 2008, worin dem Bruder D.________ des Beschwerdeführers auf Beschwerdeebene subsidiären Schutz gewährt wird, nichts zu ändern. Auch von dessen Authentizität aus- gehend, kann der Beschwerdeführer aus der Tatsache, dass dem Bruder D.________ subsidiärer Schutz gewährt wurde, nichts zu seinen Gunsten ableiten, sind doch die hiesigen Asylbehö rden nicht an dieses gebunden, zumal sich aus diesem keine neuen, zu berücksichtigenden Aspekte zu einer Neubeurteilung ergeben. Auch das Bestätigungsschreiben der Ge- meinde B._______ vom 3. Oktober 2014, worin unter anderem ohne wei- tere Angaben lediglich festgehalten wird, dass die Sicherheitssituation des Beschwerdeführers und dessen Familie aufgrund der Blu trache unsicher sei, ist nicht geeignet, die subjektive Furcht des Beschwerdeführers hinrei- chend zu konkretisieren. 4.6.3 Unabhängig von der Frage des Vorliegens der geltend gemachten Bedrohungslage wären allfällige Vergeltungsakte seitens der verfeindeten Familie ohnehin lediglich aus privaten, asylfremden Motiven und nicht aus einem in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählten Grund zu befürchten. Nach der Schutztheorie ist die flüchtlingsrechtliche Relevanz einer nicht- staatlichen Verfolgung vom V orhandensein eines adäquaten Schutzes durch den Heimatstaat abhängig. Dieser Schutz ist als hinreichend zu qua- lifizieren, wenn die betroffene Person effektiven Zugang zu einer funktio-D-12/2015 Seite 9 nierenden und effizienten Schutzinfrastruktur hat und ihr die Inanspruch- nahme eines solchen innerstaatlichen Schutzsystems individuell zumutbar ist. Es obliegt dabei der entscheidenden Behörde, die konkrete Effektivität des Schutzes im Heimatland abzuklären und zu begründen (Entscheidun- gen und Mitteilungen der Schweizerischen A sylrekurskommission [E- MARK] 2006 Nr. 18 E. 10.2 f. S. 202 f.). Mit Beschluss vom 6. März 2009 – der am 1. April 2009 in Kraft getreten ist – wurde Kosovo als verfolgungssicherer Staat (Safe Country) gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet. Im Rahmen der periodischen Über- prüfung (vgl. Art. 6a Abs. 3 AsylG) ist die schweizerische Regierung darauf bisher nicht zurückgekommen. Die Bezeichnung eines Landes als "Safe Country" beinhaltet die Regelver- mutung, dass eine asylrelevante staatliche Verfolgung nicht stattfindet und der Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet ist. Hierbei handelt es sich jedoch um eine relative Verfolgungssicherheit, welche im Einzelfall auf Grund konkreter und substanziierter Hinweise umgestossen werden kann. Wie den Ausführungen in den Erwägungen 4.6 zu entnehmen ist, vermögen die anlässlich der Anhörungen protokollierten Vorbringen des Beschwerdeführers und die in der Beschwerdeschrift aufgeführten Gründe weder den Einwand der fehlenden Asylrelevanz zu entkräften noch die er- wähnte Regelvermutung umzustossen. Überdies ist bezüglich der geltend gemachten Verfolgung durch Dritte festzuhalten, dass kein Staat in der Lage ist, die Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger im Falle von Über- griffen durch Dritte vollumfänglich zu gewährleisten. 5. Aus den obenstehenden Erwägungen folgt, dass das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht und mit zutreffender Begründung abge- wiesen hat. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). D-12/2015 Seite 10 6.2 Ist der Vollzug der Wegwe isung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst , sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E.10.2). 6.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 6.3.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-zem- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied- rigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlic her oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigens chaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde-führers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. D-12/2015 Seite 11 6.3.3 Im Zusammenhang mit der geltend gemachten Blutrache ist zu prü- fen, ob der Beschwerdeführer im Falle einer Ausschaffung in den Heimat- staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK respek- tive Art. 3 FoK verbotene Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Ge- mäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un- menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien vom 28. Februar 2008, 37201/06, §§ 124-127, m.w.H.). Art. 3 EMRK und Art. 3 FoK verbieten – als Schutzbestimmungen für ele- mentarste Werte demokratischer Gesellschaften – Folter sowie unmensch- liche und erniedrigende Strafe oder Behandlung in absoluter Weise (vgl. u.a. General Comment No. 2 des Komitees gegen Folter [CAT] vom 24. Januar 2008). In ihrem Entscheid vom 2. März 1995 (Nr. 24573/94) hat die Europäische Menschenrechtskommission die Ge- fahr einer von nichtstaatlichen Urhebern ausgehenden Verfolgung unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK geprüft und dabei unterstrichen, es komme allein auf das Bestehen einer objektiven Gefahr an. Auch der EGMR vertrat in seinem Urteil Ahmed gegen Österreich die Auffassung des absoluten Charakters von Art. 3 EMRK. Die Anwendbarkeit dieser Bestim- mung auf nichtstaatliche Akteure wurde mithin bejaht und ist vom Verhalten der betreffenden Person unabhängig (vgl. Urteil des EGMR Ahmed gegen Österreich vom 17. Dezember 1996, 25964/94, Recueil CourEDH 1996-VI S. 2195 Ziff. 46; seither ständige Praxis). Bereits die ARK ging davon aus, die Anwendung von Art. 3 EMRK setze nicht zwingend voraus, die dro- hende menschenrechtswidrige Behandlung müsse von staatlichen Orga- nen ausgehen (vgl. EMARK 2004 Nr. 14 E. 5b und 1996 Nr. 18 S. 182 ff.). Hinsichtlich die geschützten Rechtsgüter ist der Anwendungsbereich von Art. 3 EMRK enger als derjenige des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoule- ment-Prinzips, zumal er nur den Schutz vor drohender Folter, unmenschli- cher Behandlung oder Strafe und anderen schwerwiegenden Verletzungen der körperlichen oder psychischen Integrität einer Person sowie un- menschliche Strafen als Folge gemeinrechtlicher Delikte umfasst. Die Anforderungen, welche die europäischen Organe an den Nachweis drohender unmenschlicher Behandlung stellen, sind als relativ hoch zu be- zeichnen. Die bei der Prüfung de r Flüchtlingseigenschaft gemäss Asylge-D-12/2015 Seite 12 setz gestellten Anforderungen genügen hier nicht. Zwar wird kein eigentli- cher Beweis gefordert, doch wird eine Rückschiebung nur dann für unzu- lässig erachtet, wenn "konkrete und ernsthafte Gefahr" besteht, dass die betroffene Person eine schwere Menschenrechtsverletzung erleiden wird (vgl. Urteil Saadi gegen Italien, a.a.O.; EMARK 1996 Nr. 18 S. 186 f.). Der Gerichtshof hielt hierzu fest, die blosse Möglichkeit einer Misshandlung führe nicht zur Verletzung von Art. 3 EM RK. Es müssten stichhaltige Gründe für die Annahme vorliegen, dass die betroffene Person im Fall einer Auslieferung einem realen Risiko ausgesetzt sei, im betreffenden Staat Folter, unmenschlicher Behandlung oder Strafe unterworfen zu sein (vgl. Urteil des EGMR Soering gegen Vereinigtes Königreich vom 7. Juli 1989, 14038/88; seither ständige Praxis; vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesver- waltungsgerichts E-7121/2013 E. 7.4.1). Wie bereits in den Erwägungen 4.6 festgehalten, ist es dem Beschwerde- führer nicht gelungen, das Vorliegen einer konkreten und ernsthaften Be- drohungslage hinreichend zu substantiieren. Im Übrigen kann er durch in- nerstaatliche Schutzalternativen in anderen Landesteilen Zuflucht und Schutz finden. Von einer innerstaatlichen Schutzalternative ist grundsätz- lich immer dann auszugehen, wenn eine Person nur in einem Teil oder in begrenzten Teilen des Heimatlandes ernsthaften Nachteilen durch Dritte im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt ist oder solche Nachteile zu befürch- ten hat und in anderen Lande steilen Zuflucht und Schutz finden kann. Demnach ist das Vorliegen einer genügend konkreten und ernsthaften Ge- fahr zu verneinen, dass sich die Blutrache mit hinreichender Wahrschein- lichkeit realisieren wird. Dem Beschwerdeführer steht es offen, durch Ver- legung seines Wohnsitzes einer allfällig drohenden Gefahr für Leib und Le- ben zu entgehen. Er ist somit bei einer Rückkehr in sein Heimatland kei- nem realen Risiko einer Verletzung von Art. 3 EMRK ausgesetzt. 6.3.4 Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er- scheinen, da Kosovo wie ausgeführt als "Safe Country" gilt. 6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige D-12/2015 Seite 13 Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Aus- länderinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.4.1 Im Kosovo herrscht im heutigen Zeitpunkt keine Situation allgemeiner Gewalt, aufgrund derer der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr unwei- gerlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt würde. Blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen weite Teile der ansässigen Be- völkerung betroffen sind, genügen nicht, um eine Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6 S. 591; E- MARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215). 6.4.2 Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung zu Recht die Zumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs des Beschwerdeführers bejaht. Zutref- fend hat die Vorinstanz hinsichtlich der im ärztlichen Zeugnis vom 24. Juli 2014 angegebenen psychischen Schwierigkeiten (Depressionen und Angstzuständen) auf deren grundsätzliche Behandelbarkeit im Kosovo hin- gewiesen. Im Weiteren hat der Beschwerdeführer im Gefängnis e in Stu- dium abgeschlossen, weshalb dessen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt als günstig bezeichnet werden können. Zudem verfügt der Beschwerdeführe in B._______ über ein Haus, in das er zurückkehren kann. Daher erweist sich der Wegweisungsvollzug auch als zumutbar. 6.5 Der Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist schliesslich möglich, da keine Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG) und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG). 6.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Au fnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfüg ung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist daher ab- zuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 8. D-12/2015 Seite 14 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1- 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-12/2015 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter : Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: