A bteilung III C -952/2006 {T 0/2} U rteil vom 23. M ai 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichter Vuille und R ichterin Beutler; G erichtsschreiberin Kaufm ann. S._______, Beschw erdeführerin, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung für N ._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er kenianische Staatsangehörige N ._______ (im Folgenden: G esuchstel- ler) beantragte am 15. bzw . 21. M ärz 2006 bei der Schw eizerischen Bot- schaft in N airobi ein Visum für einen einm onatigen Besuchsaufenthalt bei seiner Bekannten S._______ (im Folgenden: G astgeberin bzw . Beschw er- deführerin) in Steffisburg (BE). D ie Schw eizer Vertretung lehnte die Ertei- lung des Visum s form los ab und überw ies das G esuch der Vorinstanz zur Begutachtung und zum allfälligen Erlass einer anfechtbaren Verfügung. B. N achdem der M igrationsdienst des Kantons Bern über die W ohngem einde bei der G astgeberin w eitere Auskünfte eingeholt hatte, verw eigerte die Vorinstanz in einer Verfügung vom 7. Juli 2006 die nachgesuchte Einreise- bew illigung. D ies im W esentlichen m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise könne angesichts der w irtschaftlichen und soziokulturellen Lage im H erkunftsland sow ie der persönlichen Ver- hältnisse des G esuchstellers nicht als gesichert betrachtet w erden. C . M it Beschw erde vom 4. August 2006 beantragte die G astgeberin beim da- m als zuständigen Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) im plizit die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung der Einreisebew illigung. Zur Begründung m achte sie sinngem äss geltend, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die anstandslose und fristge- rechte W iederausreise des G esuchstellers sei nicht gesichert. D ieser habe in Kenia eine feste Arbeitsstelle, an die er nach seinem Besuchsaufenthalt in der Schw eiz w ieder zurückkehren w erde. Zudem lebten in Kenia seine G eschw ister und seine M utter, die er teilw eise auch finanziell unterstütze. Auf diese und auf w eitere Vorbringen w ird, sow eit entscheidserheblich, in den Erw ägungen eingegangen. D . D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 6. Septem ber 2006 die Abw eisung der Beschw erde. E. In einer R eplik vom 25. Septem ber 2006 hält die Beschw erdeführerin an ihren R echtsbegehren und an deren Begründung fest. Auf die Vorbringen w ird, sow eit entscheidserheblich, in den Erw ägungen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM betr. Einreiseverw eigerung unterliegen der Be- schw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesge- setzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20], Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 3 1.2 Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelverfahren w erden vom Bundesverw al- tungsgericht übernom m en. D ie Beurteilung erfolgt nach neuem Verfah- rensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Artikel 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz über das Verw altungsverfahren vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021), sofern dieses G esetz nichts an- deres bestim m t. D as Bundesverw altungsgericht urteilt endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 D ie Beschw erdeführerin ist zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 20 Abs. 2 AN AG , Art. 48 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist – vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe – von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]; PETER U EBER SA X, Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax / Peter M ünch / Thom as G eiser / M artin Arnold (H rsg.), Auslän- derrecht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M ., 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La pro- tection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D er G esuchsteller benötigt aufgrund seiner N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass ein Visum . D ie Vorinstanz verw eigerte die Ertei- lung eines solchen Visum s m it der Begründung, die anstandslose und frist- gerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin-4 nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.3 In Kenia sind breite Bevölkerungsschichten von vergleichsw eise schw ieri- gen ökonom ischen und sozialen Lebensbedingungen betroffen. Im D ezem - ber 2002 w urde die KAN U -R egierung unter D aniel arap M oi, der w ährend 24 Jahren Präsident von Kenia w ar, abgew ählt. Seither führt die N ational R ainbow C oalition (N AR C ) die R egierungsgeschäfte m it ihrem Präsidenten M w ai Kibaki. U nter der R egierung von D aniel arap M oi w ar Kenia von ei- nem für Entw icklungsländer-M assstäbe relativ reichen Land zu einem ver- gleichsw eise arm en Land gew orden. D ie letzten zw ölf Jahre unter dieser R egierung w aren gekennzeichnet von einem extrem schw achen W irt- schaftsw achstum , einer im m er schieferen Verteilung von Einkom m en und Verm ögen und von verbreiteter Korruption. Seit 1990 w urde Kenia von ei- nem anhaltenden w irtschaftlichen und sozialen N iedergang geprägt. So lag das Pro-Kopf-Einkom m en 2002 m it U SD 360 unterhalb des N iveaus von 1990 m it U SD 380. D er Bevölkerungsanteil m it einem Einkom m en unter- halb der Arm utsgrenze stieg von 43,3% im Jahre 1990 auf geschätzte 56% im Jahre 2002 (Q uelle: Landesw eites M onitoring von Strategien nachhalti- ger Arm utsbekäm pfung/PR SPs, Band 2: Länderstudien Burkina Faso, Ke- nia, N icaragua, Vietnam , August 2004, S. 82 ff.; H erausgeber: D eutsche G esellschaft für Technische Zusam m enarbeit (G TZ) G m bH , im Auftrag des Bundesm inisterium s für w irtschaftliche Zusam m enarbeit und Entw icklung, w w w .bm z.de). In Kenia sind nach w ie vor viele – vornehm lich junge M en- schen – arbeitslos oder in unsicheren Verhältnissen beschäftigt. Entspre- chend hoch ist der Anteil jener, die versuchen, nach W esteuropa – unter anderem auch in die Schw eiz – zu gelangen, um sich unter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere Existenz aufzubauen. D iese Tendenz zur Ausw anderung zeigt sich erfahrungsgem äss besonders stark bei jün- geren und ungebundenen Personen, die bereits über ein m inim ales sozia- les Beziehungsnetz im Ausland (Verw andte oder Freunde) verfügen. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven frem denpolizeili- chen Zulassungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländerrechtlicher Bestim m ungen. 4. Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller im H eim atland beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine an- standslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstel- lern, die in ihrer H eim at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R i- siko für ein frem denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässes Verhalten (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt w er- den.5 5. 5.1 Beim G esuchsteller handelt es sich um einen 32-jährigen, ledigen M ann. Besondere Verpflichtungen persönlicher oder fam iliärer N atur, w elche die Prognose einer fristgerechten und anstandslosen W iederausreise begüns- tigen könnten, sind bei ihm keine erkennbar. Im U m stand allein, dass der G esuchsteller in seiner H eim at nahe Angehörige (M utter und 3 G eschw is- ter) hat, die er gem äss den Angaben der Beschw erdeführerin auch finan- ziell unterstützt, ist noch keine Besonderheit auszum achen, die gegen eine Em igration sprechen w ürde. D ie Erfahrung zeigt, dass gerade in Ländern oder R egionen, die von schw ierigen w irtschaftlichen Verhältnissen geprägt sind, die Existenz naher Angehöriger nicht davon abhalten kann, den Ent- schluss zu einer Em igration zu fällen. Letzterer ist im G egenteil häufig m it der H offnung verbunden, die Fam ilie aus dem Ausland besser unterstützen zu können. 5.2 D ie Beschw erdeführerin betont, dass der G esuchsteller in Kenia eine feste Arbeitsstelle habe, die er nicht aufgeben w olle. G em äss einer m it dem Vi- sum sgesuch beigebrachten Bestätigung vom 14. M ärz 2006 soll er bei ei- nem U nternehm en nam ens "African Safari C lub" als Anim ateur angestellt sein und in dieser Funktion in einem H otel in W atam bu arbeiten. Seit w ann und zu w elchen Bedingungen er dort arbeitet, dazu äussert sich die Bestä- tigung nicht. G em äss einer Anm erkung der Schw eizerischen Vertretung ist der G esuchsteller seit Juni 2005 in besagter Funktion tätig. D avor habe er Souvenirs am Strand verkauft. W elchen Lohn er m it seiner aktuellen Er- w erbstätigkeit erzielt, kann den Akten nicht entnom m en w erden. Konkrete Zukunftspläne scheint der G esuchsteller keine zu haben. In einem Zusatz- Fragebogen der Schw eizerischen Vertretung verm erkte er jedenfalls auf eine entsprechende Frage völlig nichtssagend: "to build m y future". Insge- sam t verm ittelt der G esuchsteller nicht das Bild eines M annes, der in vor- teilhaften w irtschaftlichen Verhältnissen lebt, und es kann nicht von einer stabilen beruflichen Situation ausgegangen w erden, die verlässlich von ei- ner Em igration abzuhalten verm öchte. 5.3 D ie Beschw erdeführerin w endet ein, dass sie sich schriftlich für eine W ie- derausreise des G esuchstellers verpflichtet, und auch eine finanzielle G a- rantie geleistet habe. An ihrer Integrität zu zw eifeln besteht kein Anlass. Für die R isikobeurteilung ist aber in erster Linie die Situation des G astes im H eim atland m assgebend. Als G astgeberin kann die Beschw erdeführerin zw ar für gew isse finanzielle R isiken im Zusam m enhang m it dem Besuchsaufenthalt, nicht aber für ein bestim m tes Verhalten des G astes garantieren. Letzteres liegt naturgem äss nicht oder nur beschränkt im Einflussbereich eines G astgebers bzw . einer G astgeberin. 5.4 Vorliegend kom m t hinzu, dass sich die Beschw erdeführerin und der G esuchsteller erst seit Juli 2005 und dam it noch nicht besonders lange kennen. Entsprechend oberflächlich und lückenhaft ist nach einer Ein- schätzung der Schw eizerischen Auslandsvertretung denn auch der W is- sensstand des G esuchstellers über das berufliche und private U m feld der Beschw erdeführerin ausgefallen.6 5.5 Vor dem aufgezeigten H intergrund kann für sich allein auch nicht entschei- dend sein, dass das Visum nicht für die m axim al zulässige D auer von drei M onaten, sondern für gut einen M onat beantragt w urde und die Beschw er- deführerin in ihrer R echtsm itteleingabe sogar von einem Besuch von ledig- lich zw ei W ochen spricht. Es geschieht nicht selten, dass Visum sberech- tigte, einm al in der Schw eiz, um gehend einen Antrag auf Verlängerung der bew illigten Aufenthaltsdauer stellen und sich die zuständigen Behörden gestützt auf neu geltend gem achte Sachum stände genötigt sehen, dem Antrag statt zu geben. 5.6 N ach dem G esagten ist m it der Vorinstanz davon auszugehen, dass keine hinreichende G ew ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederaus- reise des G esuchstellers nach einem Besuchsaufenthalt besteht. 6. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist deshalb abzuw eisen. 7. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w ird die unterliegende Be- schw erdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfah- renskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden der Beschw erdeführerin auf- erlegt. Sie sind durch den am 10. August 2006 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten 2 219 211 zurück) D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: A. Trom m er D . Kaufm ann Versand am :