<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2024.00429</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=224691&amp;W10_KEY=13045530&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2024.00429</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 06.02.2025</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">4. Abteilung/4. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Straf- und Massnahmenvollzug</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Vollzug einer Landesverweisung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>[Das Strafgericht hat gegen die aus Kosovo stammende Beschwerdeführerin rechtskräftig eine obligatorische Landesverweisung angeordnet. Umstritten ist, ob der Vollzug der Landesverweisung aufzuschieben ist.] Das Strafgericht prüft gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die rechtliche Durchführbarkeit der Landesverweisung und die Verhältnismässigkeit, soweit diese definitiv bestimmbar ist. Das entbindet die Vollzugsbehörde jedoch nicht davon, zusätzlich zum Rahmen von Art. 66d StGB ausnahmsweise neue Aspekte der Verhältnismässigkeit zu prüfen, die noch nicht in den strafrechtlichen Sachentscheid eingeflossen sind und dem Vollzug der Landesverweisung entgegenstehen könnten (E. 2.1 ff.). Die Beschwerdeführerin bringt mit ihrer Heirat mit einem Schweizer Bürger und dem gemeinsamen Kind im Säuglingsalter, welches ebenfalls über die Schweizer Staatsbürgerschaft verfügt, glaubhaft Umstände vor, welche dem Vollzug der Landesverweisung ausnahmsweise entgegenstehen könnten und noch nicht in den Sachentscheid eingeflossen sind (E. 2.5 f.). Teilweise Gutheissung. (Sprung-)Rückweisung an das Migrationsamt. Abweichende Meinung einer Kammerminderheit. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AUFSCHUB">AUFSCHUB</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VOLLZUG DER LANDESVERWEISUNG">VOLLZUG DER LANDESVERWEISUNG</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 66a Abs. 2 StGB</span><br/><span class="gerade">Art. 66d StGB</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 2 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="591"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>4. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=69561" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2024.00429</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 4. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom 6. Februar 2025</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sidentin Tamara NÃ¼ssle (Vorsitz), Verwaltungsrichter Reto HÃ¤ggi Furrer, Ersatzrichterin Daniela KÃ¼hne, Gerichtsschreiber Michael Spring. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A, </span></p> <p class="MsoNormal"><span>vertreten durch RA B, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrerin,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>gegen</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend Vollzug einer Landesverweisung,</b></p> <p class="MsoNormal"><b> </b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">A, eine 1987 geborene kosovarische StaatsangehÃ¶rige, reiste am 10. Juli 1999 in die Schweiz ein und erhielt in der Folge die Niederlassungsbewilligung, zuletzt kontrollbefristet bis am 11. Dezember 2024. Mit Urteil des Obergerichts des Kantons ZÃ¼rich vom 13. Oktober 2022 wurde A aufgrund des mehrfachen, teilweise versuchten, betrÃ¼gerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage im Sinn von Art. 147 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB) teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, des unrechtmÃ¤ssigen Bezuges von Leistungen einer Sozialversicherung oder der Sozialhilfe im Sinn von Art. 148a Abs. 1 StGB sowie des mehrfachen geringfÃ¼gigen betrÃ¼gerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage im Sinn von Art. 147 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten sowie einer Busse von Fr. 500.- verurteilt und wurde ihr eine Landesverweisung von fÃ¼nf Jahren auferlegt. </p> <p class="Sachverhalt2">Das Urteil des Obergerichts vom 13. Oktober 2022 liess A mit Beschwerde vom 16. Januar 2023 an das Bundesgericht ziehen. Am 20. Oktober 2023 heiratete sie einen Schweizer BÃ¼rger und am 18. Dezember 2023 ging aus der Ehe eine Tochter hervor, die ebenfalls Schweizer StaatsangehÃ¶rige ist. Am 28. MÃ¤rz 2024 reichte die damalige Rechtsvertreterin von A aufgrund wesentlicher Ãnderung der UmstÃ¤nde eine Noveneingabe an das Bundesgericht ein, welche vom Bundesgericht nicht berÃ¼cksichtigt wurde. Das Urteil des Bundesgerichts war zum Zeitpunkt der Noveneingabe bereits erstellt (Datum 26. Februar 2024), wurde A aber erst am 15. April 2024 zugestellt. Mit diesem Urteil wies das Bundesgericht die Beschwerde ab. </p> <p class="Sachverhalt2">Mit VerfÃ¼gung vom 24. Mai 2024 setzte das Migrationsamt gestÃ¼tzt auf die rechtskrÃ¤ftig ausgesprochene Landesverweisung A eine Ausreisefrist auf den 23. Juni 2024 an.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">Hiergegen liess A mit Eingabe vom 12. Juni 2024 bei der Sicherheitsdirektion rekurrieren, welche das Rechtsmittel mit Entscheid vom 20. Juni 2024 abwies (Dispositiv-Ziff. I), ihr die Kosten des Rekursverfahrens in HÃ¶he von insgesamt Fr. 760.- auferlegte (Dispositiv-Ziff. II) und ihr keine ParteientschÃ¤digung zusprach (Dispositiv-Ziff. III).</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">Am 15. Juli 2024 erhob A Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte, der Rekursentscheid vom 20. Juni 2024 sei unter EntschÃ¤digungsfolge aufzuheben und der Beschwerdegegner sei zu verpflichten, die ihr letztmals bis zum 11. Dezember 2024 erteilte Niederlassungsbewilligung wieder zu erteilen. FÃ¼r den Fall einer Abweisung der Beschwerde sei A eine Frist von drei Monaten zur Ausreise anzusetzen. Des Weiteren sei das Migrationsamt zu verpflichten, der Kantonspolizei ZÃ¼rich die Weisung zu erteilen, mit dem Vollzug der Ausreiseverpflichtung von A bis zum Vorliegen eines rechtskrÃ¤ftigen Entscheids zuzuwarten bzw. davon abzusehen, und die mit Vorladung vom 11. Juli 2024 auf den 23. Juli 2024 angesetzte Einvernahme von A abzunehmen; dieses Rechtsbegehren sei im Sinn einer vorsorglichen Massnahme anzuordnen. Die Kosten des Rekursverfahrens seien dem Migrationsamt aufzuerlegen und ihr fÃ¼r das Rekursverfahren eine ParteientschÃ¤digung (zuzÃ¼glich Mehrwertsteuer) zuzusprechen.</p> <p class="Sachverhalt2">Mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 18. Juli 2024 verfÃ¼gte das Verwaltungsgericht, die Wegweisungsvollstreckung gegen A habe bis auf Weiteres zu unterbleiben. Das Gesuch um Befreiung von der Teilnahme an der auf den 23. Juli 2024 angesetzten Einvernahme durch die Kantonspolizei als Auskunftsperson wurde abgewiesen.</p> <p class="Sachverhalt2">Die Sicherheitsdirektion verzichtete am 23. Juli 2024 auf eine Vernehmlassung; das Migrationsamt liess sich nicht vernehmen. Am 9. September 2024 reichte der neue Rechtsvertreter von A ein Schreiben betreffend Wechsel der Rechtsvertretung ein. Am 10. September 2024 gab die bisherige Rechtsvertreterin von A ein Schreiben betreffend Mandatsniederlegung ein.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer </span><span>erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Einzug1"><span>Das Verwaltungsgericht ist fÃ¼r Beschwerden gegen Rekursentscheide der Sicherheitsdirektion Ã¼ber Anordnungen des Migrationsamts betreffend das Aufenthaltsrecht zustÃ¤ndig (§ 41 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG, LS 175.2]). Weil auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin macht geltend, der Beschwerdegegner und die Vorinstanz hÃ¤tten zu Unrecht die neu vorgebrachten wesentlichen Ãnderungen der UmstÃ¤nde der BeschwerdefÃ¼hrerin nicht geprÃ¼ft. Sie anerkenne zwar, dass grundsÃ¤tzlich nach der rechtskrÃ¤ftigen Anordnung der Landesverweisung eingetretene UmstÃ¤nde anlÃ¤sslich des Vollzugs gegen das Strafurteil nicht mehr eingewendet werden kÃ¶nnen, sofern keine Vollzugshindernisse nach Art. 66d StGB vorlÃ¤gen. Allerdings bringe sie entgegen dem falschen VerstÃ¤ndnis der Vorinstanz keinen Ausnahmefall nach Art. 66d StGB vor, sondern stÃ¼tze sich auf die zitierte bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach in AusnahmefÃ¤llen spÃ¤ter eingetretene, wesentliche TatsachenÃ¤nderungen zu berÃ¼cksichtigen seien, die gegen die rechtliche DurchfÃ¼hrbarkeit der Landesverweisung sprÃ¤chen. Mit ihrer Heirat und der Geburt ihrer Tochter sei eine solche wesentliche Ãnderung der UmstÃ¤nde eingetreten, weshalb vom Vollzug abzusehen sei.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Die Vorinstanz brachte im angefochtenen Entscheid vor, dass nach Art. 61 Abs. 1 lit. e des Bundesgesetzes Ã¼ber die AuslÃ¤nderinnen und AuslÃ¤nder und Ã¼ber die Integration vom 15. Dezember 2005 (AIG) eine auslÃ¤nderrechtliche Bewilligung mit der rechtskrÃ¤ftigen Landesverweisung nach Art. 66a StGB erlÃ¶sche. Eine neue Beurteilung sei bis zum Vollzugsende der Landesverweisung ausgeschlossen. Die Frage, ob ein HÃ¤rtefall im Sinn von Art. 66a Abs. 2 StGB gegeben sei, sei nur im Strafverfahren zu prÃ¼fen. Die VollzugsbehÃ¶rden hÃ¤tten nur abzuklÃ¤ren, ob die Voraussetzungen fÃ¼r einen Vollzugsaufschub nach Art. 66d StGB gegeben seien. Ein solcher sei nur mÃ¶glich, wenn die betroffene Person ein FlÃ¼chtling sei und durch die Landesverweisung ihr Leben oder ihre Freiheit gefÃ¤hrdet wÃ¤re (Art. 66d Abs. 1 lit. a StGB) oder wenn andere zwingende Bestimmungen des VÃ¶lkerrechts dem Vollzug entgegenstÃ¼nden (Art. 66d Abs. 1 lit. b StGB). Diese GrÃ¼nde seien vorliegend offensichtlich nicht erfÃ¼llt.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>Die AusfÃ¼hrungen der Vorinstanz zur PrÃ¼fung des Vollzugs einer rechtskrÃ¤ftigen Landesverweisung sind, was die GrundsÃ¤tze anbelangt, zutreffend. Die Voraussetzungen eines HÃ¤rtefalls nach Art. 66a Abs. 2 StGB werden im Strafverfahren geprÃ¼ft (vgl. z.<span> </span>B. BGr, 17. Oktober 2018, 6B_651/2018, E. 8.3.3). Der Vollzug einer Landesverweisung kann gemÃ¤ss Art. 66d Abs. 1 StGB nur aufgeschoben werden, wenn die in dieser Norm genannten Vollzugshindernisse vorliegen (Non-refoulement-Gebot fÃ¼r anerkannte FlÃ¼chtlinge [lit. a] und andere zwingende vÃ¶lkerrechtliche Bestimmungen [lit. b]). Die BeschwerdefÃ¼hrerin bringt allerdings nicht strafrechtliche AusnahmetatbestÃ¤nde nach Art. 66d StGB vor, sondern die Rechtsprechung des Bundesgerichts und des EuropÃ¤ischen Gerichtshofs fÃ¼r Menschenrechte (EGMR), wonach bei wesentlichen neuen Tatsachen nach Rechtskraft des Strafurteils ausnahmsweise eine neue ÃberprÃ¼fung von dem Vollzug entgegenstehenden VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsgrÃ¼nden durch die VollzugsbehÃ¶rde vorgenommen werden mÃ¼sse. </p> <p class="Erwgung2"><b>2.4 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>2.4.1 </b>GemÃ¤ss bundesgerichtlicher Rechtsprechung werden Vollzugshindernisse bei der Landesverweisung in einem zweigeteilten Verfahren geprÃ¼ft: Sie sind das erste Mal durch das Strafgericht bei der Anordnung einer Landesverweisung im Rahmen der HÃ¤rtefallprÃ¼fung nach Art. 66a Abs. 2 StGB zu berÃ¼cksichtigen. In einem zweiten Schritt werden sie durch die kantonal zustÃ¤ndige VollzugsbehÃ¶rde gestÃ¼tzt auf Art. 66d StGB geprÃ¼ft (BGr, 24. Juni 2020, 6B_747/2019, E. 2.1.2, und 17. Oktober 2018, 6B_651/2018, E. 8.3.3; BGE 144 IV 332, E. 3.3). Es ist zwar in Ãbereinstimmung mit den vorinstanzlichen AusfÃ¼hrungen richtig, dass das Bundesgericht die PrÃ¼fung von Vollzugshindernissen durch die kantonale VollzugsbehÃ¶rde "in der Regel" auf die in Art. 66d Abs. 1 StGB genannten TatbestÃ¤nde beschrÃ¤nkt und vorbringt, andere nachtrÃ¤glich nach dem Strafurteil eingetretene UmstÃ¤nde kÃ¶nnten anlÃ¤sslich des Vollzugs gegen das Strafurteil grundsÃ¤tzlich nicht mehr eingewendet werden (BGE 147 IV 459, insb. E. 1.4.6; auch nicht revisionsrechtlich, vgl. BGr, 8. September 2021, 6B_50/2021, E. 4.5, mit Hinweisen). </p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.4.2 </span></b>Das Bundesgericht weist jedoch in der Folge darauf hin, dass die BeschrÃ¤nkung der PrÃ¼fung auf die beiden Vollzugshindernisse gemÃ¤ss Art. 66d StGB in seltenen Konstellationen ein SpannungsverhÃ¤ltnis bewirken kÃ¶nne hinsichtlich des dritten der zehn <i>Boultif/Ãner</i>-Kriterien, welche der EGMR entwickelt habe (BGr, 8. September 2021, 6B_50/2021, E. 4.5, mit Hinweisen; vgl. auch BGr, 9. August 2019, 6B_48/2019, E. 2.5). Unter diesem Kriterium prÃ¼ft der EGMR in stÃ¤ndiger Rechtsprechung, insbesondere unter Art. 8 EMRK, die Entwicklungen nach der rechtskrÃ¤ftigen (strafrechtlichen) Anordnung der Landesverweisung, welche allenfalls gegen eine Landesverweisung sprechen (EGMR, 9. <span>April 2019, <i>I.</i></span><i><span> </span></i><i><span>M. gegen Schweiz</span></i><span>, § 61: "laps de temps Ã©coulÃ© depuis l'infraction et la conduite du requÃ©rant pendant cette pÃ©riode"; 18. Oktober 2006, <i>Ãner gegen Niederlande</i>, § 57: "le laps de temps qui s'est Ã©coulÃ© depuis l'infraction, et la conduite du requÃ©rant pendant cette pÃ©riode"; 2. August 2001, <i>Boultif gegen Schweiz</i>, § 48). </span></p> <p class="Urteilstext">Diese Rechtsprechung gilt insbesondere betreffend Rechtssachen, bei denen es um niedergelassene Einwanderinnen geht, die im Anschluss an eine strafrechtliche Verurteilung abgeschoben und/oder ausgewiesen werden sollen (EGMR, 18. Oktober 2006, <i>Ãner gegen Niederlande</i>, § 60). So hat der EGMR beispielsweise im Fall "Paposhvili" (EGMR, 13. Dezember 2016, <i>Paposhvili vs. Belgien</i>, §§ 221 ff.) aufgrund von Zweifeln an der VerfÃ¼gbarkeit von BehandlungsmÃ¶glichkeiten eines medizinischen Befundes eine Verletzung von Art. 8 EMRK festgestellt und nicht nur ein Wegweisungsvollzugshindernis, sondern ein Aufenthaltsrecht der betroffenen Person angenommen. </p> <p class="Erwgung3"><b>2.4.3 </b>Das Bundesgericht betont, dass es das Landesrecht und so auch den PrÃ¼fmechanismus nach Art. 66a Abs. 2 und Art. 66d StGB konventionsrechtlich auslegt und die Kriterien der oben genannten <i>Boultif/Ãner-</i>Rechtsprechung beachten mÃ¼sse (BGr, 9. August 2019, 6B_48/2019, E. 2.5; vgl. auch BGr, 8. September 2021, 6B_50/2021, E. 4.6). Vor diesem Hintergrund geht das Bundesgericht in diversen Urteilen deutlich Ã¼ber den PrÃ¼frahmen von Art. 66d StGB hinaus, indem es wiederholt festhÃ¤lt, dass die VollzugsbehÃ¶rde zum Zeitpunkt des Vollzugsentscheids die Sache gemÃ¤ss Art. 66d StGB aktuell zu prÃ¼fen habe, so etwa auch, ob die Voraussetzungen fÃ¼r eine RÃ¼ckkehr in medizinischer Hinsicht weiterhin erfÃ¼llt sind (BGE 145 IV 455, E. 9.1 und 9.4; BGr, 10. MÃ¤rz 2021, 6B_1270/2020, E. 9.4 â 24. Juni 2020, 6B_747/2019, E. 2.1.2 und 2.2.3 â 29. Januar 2020, 6B_1024/2019, E. 1.3.5 f.). Medizinische GrÃ¼nde werden nur beispielhaft genannt (vgl. dazu z.<span> </span>B. die Formulierung "etwa medizinische GrÃ¼nde" in BGr, 8. September 2021, 6B_50/2021, E. 4.5). </p> <p class="Urteilstext">Das Bundesgericht fÃ¼hrt aus, die <span>zustÃ¤ndige VollzugsbehÃ¶rde habe zum gegebenen Zeitpunkt neben der tatsÃ¤chlichen Vollstreckbarkeit auch die aktuelle und rechtliche DurchfÃ¼hrbarkeit der Landesverweisung zu prÃ¼fen, sofern UmstÃ¤nde, die fÃ¼r die </span>"<span>Beurteilung der [â¦] VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit</span>"<span> massgebend seien, nicht oder erst als Prognose in den Sachentscheid eingeflossen<i> </i>seien (BGr, </span>24. Juni 2020, 6B_747/2019, E. 2.1.2, und <span>29. November 2019, 6B_1313/2019, E. 4.2; vgl. auch Matthias ZurbrÃ¼gg/Constantin Hruschka in: </span><span>Marcel Alexander Niggli/Hans WiprÃ¤chtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Aufl., Basel 2019 [BSK StGB]</span>, Art. 66a N. 101). Eine abschliessende Beurteilung im strafrechtlichen Sachentscheid sei somit nur mÃ¶glich, wenn die unter VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsaspekten erheblichen VerhÃ¤ltnisse stabil seien; bis zum spÃ¤teren Vollzug eingetretene TatsachenÃ¤nderungen blieben vorbehalten. Explizit erwÃ¤hnt das Bundesgericht hier, dass die Gesamtbeurteilung der Faktoren eines HÃ¤rtefalls sich schnell Ã¤ndern kann, so z.<span> </span>B. die Gesundheit oder "persÃ¶nliche Beziehungen", wodurch ein Verzicht auf Vollzug einer Landesverweisung nicht ausgeschlossen sei (BGE 147 IV 459, insb. E. 1.4.7 und E. 1.4.8; BGr, 8. September 2021, 6B_50/2021, E. 4.5, und 24. Juni 2020, 6B_747/2019, E. 2.1.2; BGE 145 IV 455, E. 9.4). In einigen Urteilen spricht das Bundesgericht vom existierenden "Ermessen" der VollzugsbehÃ¶rde, welches durch das Interesse der Gesellschaft am Straf- und Massnahmenvollzug sowie durch den Grundsatz der Gleichheit in der Strafverfolgung begrenzt werde (BGE 147 IV 459, E. 1.2; BGr, 20. Mai 2021, 6B_558/2021, E. 3.1).</p> <p class="Erwgung3"><b>2.4.4 </b>Die PrÃ¼fung von RÃ¼ckkehrvoraussetzungen etwa in medizinischer Hinsicht oder die Beurteilung der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit bzw. der Verweis auf die VerÃ¤nderung von persÃ¶nlichen Beziehungen, welche noch nicht in den strafrechtlichen Sachentscheid eingeflossen sind, sind keine klassischen Vollzugshindernisse gemÃ¤ss Art. 66d Abs. 1 StGB. Letztere betreffen ausschliesslich zwingende GrÃ¼nde des VÃ¶lkerrechts (z.<span> </span>B. das Genozidverbot, Folterverbot, Sklaverei- und Zwangsarbeitsverbot etc.), welche sich gerade dadurch auszeichnen, dass sie unter keinen UmstÃ¤nden derogierbar sind. VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsabwÃ¤gungen sind per se im ius cogens nicht zulÃ¤ssig (Botschaft Ã¼ber eine neue Bundesverfassung, BBl I 97, 362; BBl 1994 III 1496; Astrid Epiney/Stefan Diezig in: Bernhard Waldmann/Eva Maria Belser/Astrid Epiney [Hrsg.], Basler Kommentar Bundesverfassung, Basel 2015, Art. 139 N. 35, mit Hinweisen).</p> <p class="Erwgung3"><b>2.4.5 </b>In einigen Urteilen nimmt das Bundesgericht schliesslich auch Bezug auf die ZulÃ¤ssigkeit von Beschwerden in Strafsachen gegen rechtskrÃ¤ftige Vollzugsentscheide gemÃ¤ss Art. 78 Abs. 2 lit. b des Bundesgesetzes Ã¼ber das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG), sofern gemÃ¤ss Art. 81 Abs. 1 lit. b BGG ein rechtlich geschÃ¼tztes Interesse vorliegt. Das Bundesgericht Ã¤ussert hierzu auch im auslÃ¤nderrechtlichen Kontext, dass Beschwerden gegen Vollstreckungsentscheide berechtigt sein kÃ¶nnen, wenn diese eine neue BeeintrÃ¤chtigung der Rechtsstellung des Betroffenen mit sich bringen bzw. grundlegende Aspekte der PersÃ¶nlichkeit verletzen und der Eingriff als besonders schwerwiegend erscheint (BGE 147 IV 459, insb. E. 1.4.1 und 1.4.3).</p> <p class="Erwgung3"><b>2.4.6 </b>Somit ist zusammenfassend festzuhalten: GemÃ¤ss bundesgerichtlicher Rechtsprechung prÃ¼ft das Sachgericht die rechtliche DurchfÃ¼hrbarkeit der Landesverweisung und die VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit, soweit sie definitiv bestimmbar ist (BGr, 29. Januar 2020, 6B_1024/2019, E. 1.3.5; vgl. BGE 135 II 110, E. 4.2). Dies entbindet die VollzugsbehÃ¶rde zum Zeitpunkt der Vollzugsanordnung jedoch nicht davon, zusÃ¤tzlich zum Rahmen von Art. 66d StGB die <i>Boultif/Ãner-</i>Rechtsprechung des EGMR zu beachten und ausnahmsweise<i> </i>neue Aspekte der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit zu prÃ¼fen, die noch nicht in den strafrechtlichen Sachentscheid eingeflossen sind und dem Vollzug der Landesverweisung entgegenstehen kÃ¶nnten (z.<span> </span>B. BGE 145 IV 455, E. 9; BGr, 8. September 2021, 6B_50/2021, E. 4.5). Auch wenn dadurch ein SpannungsverhÃ¤ltnis zum Wortlaut von Art. 66d StGB und zu Art. 190 BV entsteht (vgl. implizit auch BSK StGB-ZurbrÃ¼gg/Hruschka, Art. 66a N. 51), welche auch das Bundesgericht mehrfach anspricht, ist die bundesgerichtliche Rechtsprechung durch das Verwaltungsgericht zu beachten.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.5 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>2.5.1 </b>Zu beantworten ist gestÃ¼tzt auf die vorangehenden AusfÃ¼hrungen als NÃ¤chstes die Frage, ob die von der BeschwerdefÃ¼hrerin vorgebrachten GrÃ¼nde geeignet sind, um als einer der seltenen FÃ¤lle der vom Bundesgericht als einschlÃ¤gig erachteten <i>Boultif/Ãner-</i>Rechtsprechung des EGMR zu gelten. Das Bundesgericht statuiert, dass bei dieser Konstellation der Anfechtung einer rechtskrÃ¤ftigen Landesverweisung die betroffene Person die relevanten Tatsachen schlÃ¼ssig und zumindest mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorbringen und glaubhaft machen muss, dass die behaupteten Ãnderungen konkret geeignet seien, zu einer anderen Beurteilung der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit der Massnahme zu fÃ¼hren, und dass dies in diesem letzten Stadium einen Verzicht auf den Vollzug der Ausweisung gebieten wÃ¼rde (BGE 147 IV 459, E. 1.4.8). </p> <p class="Erwgung3"><b>2.5.2 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin bringt vor, nach der Rechtskraft des Urteils vom 13. Oktober 2022 sei sie seit 20. Oktober 2023 mit einem Schweizer StaatsbÃ¼rger verheiratet und habe am 18. Dezember 2023 eine Tochter zur Welt gebracht, welche ebenfalls die Schweizer StaatsbÃ¼rgerschaft aufweise, im gemeinsamen Haushalt des Ehepaars lebe und zum Zeitpunkt der Noveneingabe an das Bundesgericht vom 28. MÃ¤rz 2024 bzw. des Rekurses der Vorinstanz vom 12. Juni 2024 ein Alter von drei bzw. sechs Monaten aufgewiesen habe. Die Noveneingabe vom 28. MÃ¤rz 2024 wurde vom Bundesgericht nicht berÃ¼cksichtigt. Zum einen war das Urteil des Bundesgerichts zu diesem Zeitpunkt bereits erstellt (Datum 26. Februar 2024). Zum anderen sind Noveneingaben vor dem Bundesgericht ohnehin nur sehr eingeschrÃ¤nkt mÃ¶glich: GemÃ¤ss Art. 99 Abs. 1 BGG dÃ¼rfen neue Tatsachen und Beweismittel nur soweit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt. Dies ist vorliegend offensichtlich nicht der Fall. Es handelt sich bei der Heirat und der Geburt der Tochter somit um UmstÃ¤nde, die nicht in den Sachentscheid eingeflossen sind (BGr, 29. November 2019, 6B_1313/2019, E. 4.2; vgl. auch BSK StGB-ZurbrÃ¼gg/Hruschka, Art. 66a N. 101).</p> <p class="Erwgung3"><b>2.5.3 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin machte sowohl in ihrer Noveneingabe vom 28. MÃ¤rz 2024 als auch in ihrem Rekurs vom 12. Juni 2024 an die Vorinstanz geltend, dass die Tochter aufgrund ihres SÃ¤uglingsalters auf die Betreuung durch die Mutter angewiesen sei. Der Ehemann, ein Schweizer StaatsbÃ¼rger, habe sein gesamtes Umfeld und seinen Beruf im Familienbetrieb in der Schweiz und beherrsche die albanische Sprache nicht, wodurch ihm ein Umzug in den Kosovo nicht zumutbar sei. Der Wegzug der Ehefrau mit dem Kind wÃ¼rde faktisch zu einer ZerrÃ¼ttung der familiÃ¤ren Einheit und einem Verlust der emotionalen Bindung zum Vater und dazu fÃ¼hren, dass die Obhut nicht mehr gemeinsam ausgeÃ¼bt werden kÃ¶nne. Aufgrund des jungen Alters des MÃ¤dchens kÃ¶nne die Bindung nicht mit gÃ¤ngigen Kommunikationsmitteln aufrechterhalten werden. </p> <p class="Erwgung3"><b>2.5.4 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin brachte zusÃ¤tzlich vor, sie sei seit rechtskrÃ¤ftigem Urteil des Obergerichts des Kantons ZÃ¼rich nicht mehr straffÃ¤llig geworden und zahle ihre Schulden zurÃ¼ck. Ausserdem brachte sie eine Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit bzw. die neue Diagnose einer rezidivierenden depressiven StÃ¶rung nach ICD-10 F.33.1 vor. </p> <p class="Erwgung3"><b>2.5.5 </b>Diese vorgebrachten VerÃ¤nderungen sind insbesondere mit Bezug auf Art. 8 EMRK als wesentlich im Sinn der oben genannten Rechtsprechung zu erachten â es handelt sich um eine betrÃ¤chtliche VerÃ¤nderung der persÃ¶nlichen Beziehungen (BGr, 24. Juni 2020, 6B_747/2019, E. 2.1.2, und 29. November 2019, 6B_1313/2019, E. 4.2). In stÃ¤ndiger Rechtsprechung hÃ¤lt das Bundesgericht fest, dass ein Eingriff von gewisser Tragweite in das in Art. 8 EMRK verankerte Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens als schwerer persÃ¶nlicher HÃ¤rtefall zu erachten ist (BGr, 9. Dezember 2022, 6B_33/2022, E. 3.2.3, und 2. Juni 2021, 6B_780/2020, E. 1.3.2; je mit Hinweisen). GemÃ¤ss stÃ¤ndiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung fÃ¼hrt die Landesverweisung bei <span>intakten familiÃ¤ren VerhÃ¤ltnissen mit gemeinsamem Sorge- und Obhutsrecht der Eltern zum Abbruch der eng gelebten Beziehung des Kindes zu einem Elternteil, wenn den Ã¼brigen Familienmitgliedern und insbesondere dem anderen, ebenfalls sorge- und obhutsberechtigten Elternteil ein Wegzug in das Heimatland des anderen Elternteils nicht zumutbar ist (</span>BGE 144 I 266, E. 3.3; 144 II 1, E. 6.1)<span>. Dies ist gemÃ¤ss Bundesgericht nicht im Interesse des Kindeswohls und spricht daher gemÃ¤ss ausdrÃ¼cklicher Betonung des Bundesgerichts grundsÃ¤tzlich </span>"<span>gegen eine Landesverweisung</span>"<span> (BGr, 18. MÃ¤rz 2024, 6B_577/2022, E. 5.4). Eine Landesverweisung, die zu einer Trennung der intakten Familiengemeinschaft von Eltern und Kindern fÃ¼hrt, bildet einen Eingriff in das durch Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschÃ¼tzte Recht auf Achtung des Familienlebens, welcher gestÃ¼tzt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung im Interesse des Kindes nur nach einer eingehenden und umfassenden InteressenabwÃ¤gung und nur aus ausreichend soliden und gewichtigen Ãberlegungen erfolgen darf (BGr, 18. MÃ¤rz 2024, 6B_577/2022, E. 5.4 â 15. Februar 2024, 6B_542/2023, E. 1.3.5 â 20. Juni 2022, 6B_134/2021, E. 5.3.5; je mit Hinweisen). </span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.6 </b>Die vorgebrachten Argumente sind somit glaubhaft vorgebracht und geeignet, um als einer der FÃ¤lle der vom Bundesgericht als einschlÃ¤gig erachteten <i>Boultif/Ãner-</i>Rechtsprechung zu gelten, welche dem Vollzug einer Landesverweisung entgegenstehen kÃ¶nnten. Der Beschwerdegegner bzw. die Vorinstanz wÃ¤ren angehalten gewesen, die rechtliche DurchfÃ¼hrbarkeit der Landesverweisung Ã¼ber Art. 66d StGB hinaus und unter der <i>Boultif/Ãner-</i>Rechtsprechung bzw. Art. 8 EMRK zu Ã¼berprÃ¼fen. GemÃ¤ss der EGMR-Rechtsprechung kann dabei nicht nur ein Wegweisungsvollzugshindernis, sondern auch ein Aufenthaltsrecht der betroffenen Person angenommen werden (vgl. z.<span> </span>B. EGMR, 13. Dezember 2016, <i>Paposhvili vs. Belgien</i>, §§ 221 ff.).</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b><span>GestÃ¼tzt auf § 64 Abs. 1 VRG nimmt das Verwaltungsgericht RÃ¼ckweisungen vor, wenn auf einen Rekurs nicht eingetreten wurde oder wenn der Sachverhalt ungenÃ¼gend festgestellt wurde. Des Weiteren weist das Verwaltungsgericht regelmÃ¤ssig Angelegenheiten an die zustÃ¤ndige Vorinstanz zurÃ¼ck, wenn eine rechtlich vorzunehmende InteressenabwÃ¤gung unterblieb, da die BehÃ¶rde hier Ã¼ber BeurteilungsspielrÃ¤ume verfÃ¼gt (vgl. z.</span><span> </span><span>B. VGr, 23. November 2023, VB.2022.00624, E. 7.3, und 25. April 2019, VB.2017.00724, E. 4.3 und 4.4; vgl. auch VGr, 20. Mai 2005, VB.2004.00523, E. 4.2 betr. fehlende Vergleichbarkeit von FÃ¤llen fÃ¼r die rechtliche InteressenabwÃ¤gung in auslÃ¤nderrechtlichen Fragen). </span></p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Vorliegend hat der Beschwerdegegner bzw. die Vorinstanz keinerlei neue Beurteilung des Vorliegens einer allfÃ¤lligen rechtlichen UndurchfÃ¼hrbarkeit bzw. einer allfÃ¤lligen Verletzung von Art. 8 EMRK und der damit verbundenen InteressenabwÃ¤gung vorgenommen. Der Beschwerdegegner bzw. die Vorinstanz setzte sich mit den neu vorgebrachten Tatsachen unter diesen Aspekten nicht auseinander (sondern nur unter den eingeschrÃ¤nkten Vollzugshindernissen von Art. 66d StGB). Es unterblieb nicht nur eine genauere Sachverhaltserstellung der neuen Tatsachen (FamilienverhÃ¤ltnisse, berufliche, soziale und sprachliche Situation des Ehepartners, gesundheitlicher Zustand der BeschwerdefÃ¼hrerin), sondern auch eine InteressenabwÃ¤gung im Rahmen der ÃberprÃ¼fung der rechtlichen DurchfÃ¼hrbarkeit der Landesverweisung.</p> <p class="Urteilstext">Somit ist die Sache zur vollstÃ¤ndigen Sachverhaltserstellung und neuen Entscheidung an den Beschwerdegegner zurÃ¼ckzuweisen (vgl. auch VGr, 19. Oktober 2022, VB.2021.00487, E. 3.6).</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2">Nach voran Gesagtem ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die Sache im Sinn der ErwÃ¤gungen zur vollstÃ¤ndigen Sachverhaltserstellung und Beurteilung der rechtlichen DurchfÃ¼hrbarkeit der Landesverweisung an den Beschwerdegegner zurÃ¼ckzuweisen.</p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2">Die (Sprung-)RÃ¼ckweisung zur erneuten Entscheidung bei offenem Ausgang ist in Bezug auf die Regelung der Nebenfolgen als Obsiegen zu behandeln, wenn die Rechtsmittelinstanz reformatorisch oder kassatorisch entscheiden kann (BGr, 28. April 2014, 2C_846/2013, E. 3.2 f. mit Hinweisen). Die Kosten des Rekurs- und Beschwerdeverfahrens sind somit dem unterliegenden Beschwerdegegner aufzuerlegen (§ 13 Abs. 2 Satz 1 VRG teilweise in Verbindung mit § 65a Abs. 2 VRG). Desgleichen hat dieser der BeschwerdefÃ¼hrerin eine angemessene ParteientschÃ¤digung von Fr. 2'000.- fÃ¼r das Rekurs- und Fr. 1'500.- (je inklusive Mehrwertsteuer) fÃ¼r das Beschwerdeverfahren zu bezahlen (§ 17 Abs. 2 lit. a VRG). </p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Urteilstext">Der vorliegende RÃ¼ckweisungsentscheid stellt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts einen Zwischenentscheid dar (BGE 133 II 409, E. 1.2; vgl. auch VGR, <span>25. April 2019, VB.2017.00724,</span> E. 6). Zwischenentscheide nach Art. 93 BGG sind vor Bundesgericht nur dann anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken kÃ¶nnen (Abs. 1 lit. a) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeifÃ¼hren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten fÃ¼r ein weitlÃ¤ufiges Beweisverfahren ersparen wÃ¼rde (Abs. 1 lit. b).</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt die Kammer:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Die VerfÃ¼gung des Migrationsamts vom 24. Mai 2024 und Dispositiv-Ziffer I des Entscheids der Sicherheitsdirektion vom 20. Juni 2024 werden aufgehoben. Die Sache wird zur weiteren Untersuchung und zum Neuentscheid im Sinn der ErwÃ¤gungen an das Migrationsamt zurÃ¼ckgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span> In AbÃ¤nderung von Dispositiv-Ziff. II und III des Entscheids der Sicherheitsdirektion vom 20. Juni 2024 werden die Kosten des Rekursverfahrens dem Beschwerdegegner auferlegt und wird dieser verpflichtet, der BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r das Rekursverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 2'000.- zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'070.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, der BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r das Beschwerdeverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 1'500.- zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Gegen dieses Urteil kann im Sinn der ErwÃ¤gungen Beschwerde in Strafsachen nach Art. 78 ff. BGG erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Mitteilung an:<br/> a) die Parteien;<br/> b) die Sicherheitsdirektion;<br/> c) das Staatssekretariat fÃ¼r Migration.</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Urteilstext"><u>Abweichende Meinung einer Minderheit der Kammer:</u></p> <p class="Urteilstext"><span>(§ 71 VRG in Verbindung mit § 124 des Gesetzes Ã¼ber die Gerichts- und BehÃ¶rdenorganisation im Zivil- und Strafprozess vom 10. Mai 2010 [LS 211.1])</span></p> <p class="Urteilstext">Aus den nachfolgenden GrÃ¼nden ist die Beschwerde nach Auffassung einer Kammerminderheit abzuweisen:</p> <p class="Urteilstext">Die BeschwerdefÃ¼hrerin hat erst nach dem die Landesverweisung anordnenden obergerichtlichen Urteil geheiratet und ein Kind gezeugt. Sie musste in diesem Zeitpunkt ernsthaft damit rechnen, dass die Familie einstweilen nicht in der Schweiz zusammenleben kann. Es widersprÃ¤che dem klaren Willen von Verfassungs- und Gesetzgeber, wenn AuslÃ¤nderinnen und AuslÃ¤nder, die des Landes verwiesen wurden, durch eigene Handlungen nachtrÃ¤glich einen HÃ¤rtefall herbeifÃ¼hren kÃ¶nnten. Die von der BeschwerdefÃ¼hrerin angefÃ¼hrten UmstÃ¤nde sind deshalb von Anfang an nicht geeignet, einen Aufschub der Landesverweisung zu bewirken.</p> <p class="MsoHeader"><span> </span></p> <p class="MsoHeader"><span> FÃ¼r richtiges Protokoll,<br/> Der Gerichtsschreiber:</span></p> <p class="MsoHeader"><span> </span></p> <p class="MsoHeader"><span> Michael Spring</span></p> <p class="Urteilstext"> </p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>