Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Februar 2019 (720 17 215 / 34) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf Hilfsmittel Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch B.____ und C.____, wiederum vertreten durch Rémy Wyssmann, Rechtsanwalt und Notar, Schachenstrasse 34b, Postfach 368, 4702 Oensingen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Hilfsmittel A. A.____ bezieht wegen einer Muskeldystrophie, Typ Duchenne, verschiedene Leistun- gen der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV). Am 7. März 2017 ersuchte er die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) um Kostenübernahme für einen Elektrorollstuhl Paravan PR50 Evolution in Höhe von Fr. 37‘838.95. Die IV-Stelle klärte den rechtserheblichen Sachverhalt mit Hilfe der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft Hilfs mittelberatung für Behinderte und Betagte (SAHB) ab. Diese empfahl eine Kostenübernahme und l eihweise Abgabe des Elektrorollstuhls im Umfang von Fr. 35‘426.55. Entgegen der mit dem G esuch eingereichten Offerte der Firma D.____ lehnte sie jedoch die Kosten für eine Rucksa ckhalterung an der Rücklehne in der Höhe Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Fr. 111.90, das Stollenprofil von Fr. 51.75 und das verstärkte Liftsystem von Fr. 2'070.– ab. Dies teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbesche id vom 28. April 2017 mit. Nachdem dieser dagegen Einwand erhob, verfügte sie am 12. Juli 2017, dass die Kosten für die leihweise Abgabe eines Elektrorollstuhls Paravan PR50 Evolution im Betrag von Fr. 35'547.40 durch die IV übernommen würden. Entgegen den Ausführungen im Vorbescheid wurden die Kosten für die Rucksackhalterung von Fr. 111.90 akzeptiert; an ihrer ablehnenden Haltung betreffend Stol- lenprofil (Fr. 51.75) und verstärktem Liftsystem (Fr. 2'070.–) hielt die IV-Stelle jedoch fest. B. Hiergegen richtet sich die Beschwerde, welche A.____, vertreten durch seine Eltern B.___ und C.____, diese wiederum vertreten durch Rechtsanwalt Rémy Wyssmann, am 10. Juli 2017 beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsre cht (Kantonsgericht), erhob. Er be- antragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die IV-Stelle sei zu verpflichten, die vollständigen Kosten für die leihweise Abgabe eines El ektrorollstuhls Paravan PR50 Evolution in der Höhe von Fr. 37‘838.95 inkl. Stollenprofil un d verstärktes Liftsystem zu übernehmen; un- ter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentl ichen vorgebracht, dass die Stollenbe- reifung sicherer und damit zweckmässiger sei. Dies gelte au ch für die Verstärkung des Trage- systems für die unbestritten schwere Waggis-Fasnachtsmaske, welche er zum Erhalt der sozia- len und kulturellen Kontakte in der Fasnachtsclique benö tige. Alles in allem handle es sich um Mehrkosten von Fr. 2‘412.40 bzw. 6,8% des Gesamtbetrages , welche in Relation zu den zuge- standenen Fr. 35‘426.55 (recte: Fr. 35'547.40) zu beurteilen seien. Eine Übernahme der Kosten sei unter diesen Umständen verhältnismässig. C. Zur Beschwerde liess sich die IV-Stelle am 28. August 2017 vernehmen und beantrag- te deren Abweisung. D. Am 30. Oktober 2017 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter die Replik einreichen, wobei er an den bereits in der Beschwerde gemachten Anträgen und Ausfüh- rungen festhielt. Die IV-Stelle verzichtete auf die Einreichung einer Duplik. E. An der Parteiverhandlung vom 6. März 2018 nahmen d er Beschwerdeführer, sein Va- ter, Rechtsanwalt Wyssmann sowie eine Vertreterin der IV -Stelle teil. Der Beschwerdeführer reichte dabei ein Schreiben des D.____ vom 17. April 2017 ein. Sodann wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass das verstärkte Liftsystem nicht nur wegen d er schweren Waggis- Fasnachtsmaske benötigt werde, sondern auch wegen des hä ufigen Gebrauchs des Lifts. Der Beschwerdeführer benötige diesen im Alltag, um auf A ugenhöhe mit seinen Mitmenschen kommunizieren zu können. Die IV-Stelle hielt an ihren bereits gemachten Feststellungen und an ihrer Argumentation fest. F. Im Anschluss an die Parteiverhandlung wurde der Fall mit Beschluss vom 6. März 2018 ausgestellt und es wurde am 8. März 2018 bei der SAHB eine amtliche Erkundigung be- treffend die Frage eingeholt, ob eine Verstärkung de s Liftsystems im vorliegenden Fall auch aufgrund des häufigen Gebrauchs des Lifts durch den Versich erten im Alltag angezeigt sei. Am 26. April 2018 teilte die SAHB mit, dass gestützt auf die Ausführungen der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E.____ GmbH vom 25. April 2018 auch unter diesen Umstän den keine behinderungsbedingte Notwendigkeit für ein verstärktes Liftsystem bestehe. G. Zum Abklärungsergebnis der SAHB liess sich die IV-Stell e am 7. Mai 2018 verlauten und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Der Besch werdeführer hielt am 1. Juni 2018 fest, dass auf die Ausführungen im Schreiben der SAHB vo m 26. April 2018 nicht abgestellt werden könne. Diese habe die durch das Kantonsgericht im Schreiben vom 8. März 2018 ge- stellte Frage nicht selbst beantwortet, sondern der Fi rma E.____ GmbH delegiert. Dabei sei jedoch nicht die Frage gemäss Wortlaut des Gerichts unterbereitet worden. Das Kantonsgericht forderte in der Folge die SAHB am 21. Juni 2018 auf , eine Nachbesserung vorzunehmen und der E._____ GmbH die im Schreiben vom 8. März 2018 f ormulierte Frage wortwörtlich zu un- terbreiten. Am 26. Juli 2018 teilte die SAHB mit, da ss gestützt auf die Angaben der E.____ GmbH vom 9. Juli 2018 auch beim häufigen Gebrauch im Alltag die Standardversion empfohlen werde. H. Die Parteien liessen sich in der Folge zum Schreiben der SAHB vom 26. Juli 2018 und zur Frage der Tragung der Kosten der amtlichen Erkund igung bei der SAHB vernehmen (vgl. Schreiben der IV-Stelle vom 8. August 2018 und des Besch werdeführers vom 30. August 2018). Der Beschwerdeführer reichte zudem eine Kopie ei ner E-Mail der E.____ GmbH vom 10. August 2018 ein, welcher Ergänzungen zu den berei ts getätigten Ausführungen zu entneh- men sind. Die Parteien verzichteten in der Folge auf eine Stellungnahme zu diesen Eingaben. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die form- und fristgerecht beim örtlich wie sachlich zuständigen Gericht eingereich- te Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 VPO (in der bis Ende Dezember 2018 gültigen und vorliegend anwendbaren Fassung) entschei det die präsidierende Person der Ab- teilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.– durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall beträgt der Streitwert Fr. 2'121.75, weshalb die Angelegenheit präsidial zu beurteilen ist. 2.1 Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Ver sicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 lit. d des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Anspruch auf die Abgabe von Hilfsmitteln . Dieser Anspruch bezieht sich gemäss Art. 21 Abs. 1 IVG auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit in ihrem Aufgabenbereich, für die Schulung , die Ausbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedürfen. Unabhängig von e iner allfälligen Erwerbstätigkeit hat der Versicherte gemäss Art. 21 Abs. 2 IVG zudem Anspruch auf Hilfsmittel, welche er infolge seiner Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedarf. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Der Bundesrat hat in Art. 14 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 die ihm durch Art. 21 Abs. 2 und 4 IV G übertragene Befugnis, einschliesslich derjenigen zum Erlass näherer Bestimmungen über Beiträge an die Kosten invaliditätsbedingter Anpassungen von Geräten und Immobilien, an das Eidgenö ssische Departement des Innern subdelegiert, welches die Verordnung des EDI über die A bgabe von Hilfsmitteln durch die Inva- lidenversicherung (HVI) vom 29. November 1976 erlassen ha t. Gemäss deren Art. 2 besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fort- bewegung, die Herstellung des Kontakts mit der Umwelt o der für die Selbstsorge notwendig sind (Abs. 1). Anspruch auf die mit (*) bezeichneten Hil fsmittel besteht nur, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für d ie in der zutreffenden Ziffer des Anhangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (Abs. 2). 2.3 Art. 21 IVG beschränkt den Leistungsanspruch ausdrückli ch auf Hilfsmittel, die in der entsprechenden Liste enthalten sind. Der Gesetzgeber h at dem Bundesrat damit die Kompe- tenz übertragen, in der aufzustellenden Liste aus der Vi elzahl zweckmässiger Hilfsmittel eine Auswahl zu treffen. Dabei nahm er in Kauf, dass mit ei ner solchen Aufzählung nicht sämtliche sich stellenden Bedürfnisse gedeckt werden. Der Bundesrat oder das Departement sind daher durch das Gesetz nicht verpflichtet, sämtliche Hilfsmitt el, derer eine invalide versicherte Person zur Eingliederung bedarf, in die Hilfsmittelliste aufz unehmen. Die Liste der abzugebenden Hilfsmittel ist insofern abschliessend, als sie die in Frag e kommenden Hilfsmittelkategorien auf- zählt; dagegen ist innerhalb der einzelnen Kategorie n jeweils zu prüfen, ob die Aufzählung der einzelnen Hilfsmittel ebenfalls abschliessend oder bloss exem plifikatorisch ist (vgl. BGE 131 V 114 E. 3.4.3). Lässt sich ein Hilfsmittel kein er der im HVI-Anhang aufgeführten Ka- tegorien zuordnen, ist es nicht zulässig, den Anspruch auf Kostenübernahme durch die IV direkt aus der Zielsetzung des Gesetzes abzuleiten, da damit das dem Bundesrat bzw. dem Depar- tement eingeräumte Auswahlermessen durch dasjenige der Verwaltung und des Gerichts er- setzt würde (BGE 131 V 14 E. 3.4.2 mit Hinweisen). 2.4 Nach der Rechtsprechung unterliegt die Hilfsmitte lversorgung den allgemeinen An- spruchsvoraussetzungen gemäss Art. 8 IVG (Geeignetheit, Erf orderlichkeit, Eingliederungs- wirksamkeit; BGE 122 V 212 E. 2c). Leistungen, die im Anhang zur HVI aufgeführt sind, werden nicht ohne weiteres, sondern nur soweit erforderlich u nd lediglich in einfacher und zweckmässi- ger Ausführung erbracht (Art. 21 Abs. 3 IVG; Art. 2 Abs. 4 HVI). Die IV ist auch im Bereich der Hilfsmittel keine umfassende Versicherung, welche sämtliche durch die Invalidität verursachten Kosten abdecken will; das Gesetz will die Eingliederung lediglich soweit sicherstellen als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist und zudem der voraussichtliche Erfolg der Ein- gliederungsmassnahme in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten steht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2014, 9C_886/2013, E. 2.3 mit Hinweisen). Nach der Recht- sprechung bezieht sich die Notwendigkeit des Hilfsmittels au f die konkrete Situation, in welcher die versicherte Person lebt (BGE 135 I 161 E. 5.1). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5 Weiter ist zu beachten, dass Verwaltungsweisungen sich v orab an die Vollzugsorgane richten und für Gerichte nicht verbindlich sind. Diese be rücksichtigen sie aber bei ihrer Ent- scheidung, sofern es eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der an- wendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulässt. Das Gericht wei cht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine übe rzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Be streben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (vgl. BGE 138 V 50 E. 4.1 und 133 V 346 E. 5.4.2 mit Hinweisen). 3.1 Es steht unbestritten fest, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Behinderung Anspruch auf einen Elektrorollstuhl im Sinne von Ziffe r 9.02 HVI-Anhang hat. Im Zusammen- hang mit der leihweisen Abgabe des Elektrorollstuhls Par avan PR50 Evolution lehnte die IV- Stelle jedoch über die bereits zugestandenen Kosten in Höhe von Fr. 35'426.55 diejenigen für das Stollenprofil von Fr. 51.75 und für das verstärkte Liftsystem im Betrag von Fr. 2'070.– ab. Nachfolgend ist zu prüfen, ob diese Kosten durch IV zu übernehmen sind. 3.2 In Bezug auf das Stollenprofil wird die Beschwerde dahingehend begründet, dass die- se Bereifung bei nassem Wetter, bei Schnee und im Gelä nde sicherer und rutschfester sei so- wie besseren Halt biete. Nach allgemeiner Rechtsauffa ssung werde ein sicheres System als zweckmässiger angesehen als ein weniger sicheres. Folgt man dieser Argumentation des Be- schwerdeführers, so müsste das am Elektrorollstuhl übliche rweise angebrachte Reifensystem als weniger sicher bezeichnet werden. Dieser Auffassung kann jedoch nicht gefolgt werden. Gemäss den Angaben in der E-Mail der SAHB vom 6. Jun i 2017 (vgl. act. 558) steht fest, dass der Elektrorollstuhl Paravan PR50 Evolution in der Gr undausstattung serienmässig ohne Auf- preis mit einer pannensicheren Bereifung mit Rillenpro fil geliefert wird (vgl. Position 000012307 der Offerte). Daraus ist zu schliessen, dass diese Reifen be i Regen und Schnee genügend Si- cherheit bieten, weshalb sie den Anforderungen an ein einfaches und zweckmässiges Hilfsmit- tel entsprechen, welche zur Erfüllung des gesetzlich geschützten Zwecks notwendig sind. Unter diesen Umständen geht die Argumentation des Beschwerdef ührers betreffend Kostenübernah- me der Stollenbereifung fehl, weshalb er daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. Er hat daher die zusätzlichen Kosten in Höhe von Fr. 51.75 selbst zu tragen. 3.3.1 Weiter ist zu prüfen, ob die Kostenübernahme fü r das verstärkte Liftsystem des Elekt- rorollstuhls Paravan PR50 Evolution zu Recht abgelehnt wurde. Der Sachverhalt stellt sich diesbezüglich wie folgt dar: 3.3.2 Der fachtechnischen Beurteilung Nr. 13763 / 32 der SAHB vom 26. April 2017 ist betref- fend das verstärkte Liftsystem zu entnehmen, dass der offer ierte Elektrorollstuhl ein Kompakt- modell sei, bei welchem die Sitzhöhenverstellung ein fe ster Bestandteil sei. Diese benötige der Versicherte für den Transfer und um höher gelegene Ge genstände wie zum Beispiel Türklin- geln, Lichtschalter etc. zu erreichen. Das verstärkte Lifts ystem werde gemäss Aussage der an der Abklärung beteiligten Mutter des Versicherten beim Tragen der Waggis-Fasnachtsmaske benötigt, da diese ein Gewicht von rund 50 kg aufwe ise. Gestützt darauf erliess die IV-Stelle ihre Verfügung vom 12. Juni 2017, in welcher sie die Kostenübernahme für das verstärkte Lift- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht system ablehnte. Sie führte dazu im Wesentlichen aus, da ss dieses keine einfache und zweck- mässige Versorgung darstelle. In der Beschwerde vom 10. J uli 2017 wurde vorgebracht, das verstärkte Liftsystem diene der Sicherheit beim Tragen de r unbestritten schweren Waggis- Fasnachtsmaske, welche der Versicherte zum Erhalt der sozia len und kulturellen Kontakte in der Fasnachtsclique und zur Verhinderung der psychischen Deko mpensation benötige. Daran wurde auch in der Replik vom 30. Oktober 2017 festgehalt en. In der Parteiverhandlung vom 6. März 2018 wurde sodann argumentiert, der Beschwerdef ührer benötige das verstärkte Lift- system nicht nur wegen der schweren Waggis-Fasnachtsmaske, sondern auch wegen des häu- figen Gebrauchs im Alltag. Auch der Offerte der Firma F.____ vom 21. Februar 2017 sei zu entnehmen, dass bei häufigem Gebrauch das verstärkte Lift system empfohlen werde. Die SAHB wurde in der Folge am 8. März 2018 aufgefordert , bei der Herstellerfirma E.____ GmbH in Erfahrung zu bringen, ob das verstärkte Liftsystem au fgrund des häufigen Gebrauchs im All- tag nötig sei. In ihrer E-Mail vom 25. April 2018 an die SAHB teilte die E.____ GmbH mit, dass die Standardversion für das Liftsystem beim Körpergewic ht des Beschwerdeführers (65 kg - 70 kg) vollkommen ausreichend sei. Da die SAHB der E.____ G mbH nicht die vom Gericht im Schreiben vom 8. März 2018 formulierte Frage (" Ist die Verstärkung des Liftsystems beim Elekt- rorollstuhl Paravan PR50 Evolution aufgrund des häufi gen Gebrauchs des Lifts im Alltag nö- tig?") zur Beantwortung unterbreitet hatte, wurde sie aufge fordert, bei der E.____ GmbH erneut eine Rückfrage zu tätigen. Mit E-Mail vom 9. Juli 2018 beantwortete G.____ der E.____ GmbH, Abteilung Vertrieb, diese Frage dahingehend, dass auc h in diesem Fall die Standardversion empfohlen werde, da sich die Vorteile des verstärkten L iftsystems hauptsächlich bei höherem Nutzergewicht bemerkbar machen würden. Gleichentags hie lt H.____, Leiter Rollstuhlsysteme und Medizinprodukte der E.____ GmbH, in seiner E-Mail fest, dass bei normalem Gebrauch das Liftsystem in der Standardversion ausreichend sei. Es sei möglich, dass in bestimmten Fäl- len - wie zum Beispiel häufiges Fahren in angehobenem Zustand, bei schwereren Anbauten oder im Gelände - eine Empfehlung für den Einbau de s verstärkten Liftsystems ausgesprochen werde. Diese Version sei bei diesen Bedingungen robus ter und standhafter. Am 29. August 2018 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die Kopie einer weiteren E-Mail der E.____ GmbH vom 10. August 2018 ein. H.____ hielt dar in unter anderem fest, dass die lang- samere verstärkte Version nicht nur wegen der Stabilität, sondern auch bei bestimmten Krank- heitsbildern empfohlen werde, weil sich diese durch ein en gleichmässigeren, ruckfreien Lauf auszeichne. Bei Krankheitsbildern wie zum Beispiel Parki nson, Wachkoma, Duchenne, wo die Stabilisierung des Kreislaufsystems wichtig sei, würde der Einsatz dieses Systems befürwortet. 3.3.3 Die Würdigung der vorstehenden Ausführungen erg ibt, dass aufgrund der im vorliegen- den Verfahren eingeholten Auskünfte der Firma E.____ GmbH vom 25. April 2018 und 9. Juli 2018 der Elektrorollstuhl Paravan PR50 Evolution ohne verstärktes Liftsystem auch für den vom Beschwerdeführer geltend gemachten häufigen Gebrauch im Alltag ausreichend ist. Es steht fest, dass bei einem Körpergewicht bis 120 kg die Stand ardversion mit integriertem Liftsystem genügt. Der Beschwerdeführer macht denn auch zu Recht n icht geltend, dass das verstärkte Liftsystem wegen eines höheren Nutzergewichts oder häufig en Fahrens in angehobenem Zu- stand oder im Gelände notwendig sei. Auch benötigt er das verstärkte Liftsystem nicht wegen der Stabilität oder zur Stabilisierung des Kreislaufsyste ms, wie dies in der letzten E-Mail der E.____ GmbH vom 10 August 2018 ausgeführt wird. In Bezug auf diese E-Mail ist ohnehin fest- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zustellen, dass kaum nachvollzogen werden kann, wie ein Wa chkomapatient einen Elektroroll- stuhl führen sollte. Zudem entsteht aufgrund der Aussag e, wonach die stärkere Liftversion ei- nen gleichmässigeren ruckfreien Lauf aufweise, der Eind ruck, dass die übrigen von der Firma E.____ GmbH vertriebenen Elektrorollstühle unregelmässi g und ruckartig laufen. Da dies wohl kaum der Fall ist und vom Beschwerdeführer auch in keine r Weise geltend gemacht wird, erüb- rigen sich weiterführende Ausführungen hierzu. Damit st eht aber fest, dass der von der IV- Stelle leihweise abgegebene Elektrorollstuhl Paravan P R50 Evolution in der Standardversion mit integriertem Sitzlift den Vorgaben an ein einfach es und zweckmässiges Hilfsmittel im Sinne von Art. 21 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 4 HVI entspricht. 3.3.4.1 Daran ändern die Ausführungen in der Beschwer de nichts. Der Beschwerdeführer mo- niert, dass das verstärkte Liftsystem (und das Stollenprofi l) im Vergleich zu den zugestandenen Gesamtkosten von Fr. 35'426.55 Mehrkosten von weniger als 10 % verursachen würden, wes- halb die Übernahme der Kosten von Fr. 2'412.40 verhäl tnismässig im Sinne von Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) der Schweizerischen Eidgenossensc haft vom 19. April 1999 sei. Bei dieser Argumentation verkennt der Beschwerdeführer, dass letztlich nicht (nur) die Kosten für ein Hilfsmittel ausschlaggebend für die Übernahme durch die IV sind. Vielmehr muss - wie die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung vom 28. August 2 017 bereits ausgeführt hat - das Hilfs- mittel in der HVI vorgesehen sein und einem Einglieder ungszweck dienen. Anspruch besteht einzig auf eine einfache und zweckmässige Ausführung. Da d iese Voraussetzungen weder in Bezug auf das Stollenprofil noch auf das verstärkte Lift system zutreffen, kann dem Beschwer- deführer nicht gefolgt werden. 3.3.4.2 Nicht anders verhält es sich betreffend der Argu mentation, wonach das verstärkte Lift- system wegen der schweren Waggis-Fasnachtsmaske notwendig s ei. Zwar steht unbestritten fest, dass diese ein beachtliches Gewicht von 50 kg bis 60 kg aufweist (vgl. Abklärungsbericht der SAHB vom 26. April 2017 und Angaben des Vaters des Beschwerdeführers anlässlich der Parteiverhandlung vom 6. März 2018). Die Argumentatio n, wonach die Teilnahme an der Fas- nacht für den Beschwerdeführer von grosser Bedeutung un d ein gutes Integrationsbeispiel von Behinderten sei, ist ebenfalls nachvollziehbar und leucht et ein. Daraus lässt sich aber dennoch kein Anspruch auf ein anderes als das von der IV-Stell e zugesprochene Hilfsmittel ableiten. Dabei stellt sich zunächst die Frage, ob bei einem Kör pergewicht des Beschwerdeführers von circa 60 kg - 70 kg und einem Gewicht der Waggis-Fasnachtsm aske von maximal 60 kg nicht auch die Standardausführung ausreichend für das Tragen der Maske wäre, da dieses bis zu einem Gewicht von 120 kg empfohlen wird. Zudem benut zt der Beschwerdeführer die Waggis- Fasnachtsmaske nur während der Fasnacht, das heisst währen d drei Tagen im Jahr. In der übrigen Zeit wird das verstärkte Liftsystem - auch bei hä ufigem Gebrauch (vgl. vorstehend E. 3.3.3) - nicht benötigt. Dabei ist zu beachten, dass d er Beschwerdeführer nur Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, not wendigen Massnahmen hat, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren (vgl. Art. 8 Abs. 1 IVG; vgl. auch Ziffer 1014 Kreisschreiben über die Abgabe v on Hilfsmitteln durch die Invalidenversi- cherung, KHMI). Dies ist durch die Standardversion gewäh rleistet, welche seine Eingliederung soweit sicherstellt, als diese notwendig, aber auch genü gend ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. Juni 2017, 9C_640/2016, E. 3). Da der von der IV-Stelle leihweise abgegebene Elekt- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht rorollstuhl Paravan PR50 Evolution diesen Vorgaben e ntspricht, hat der Beschwerdeführer kei- nen Anspruch auf die Übernahme der Kosten in Höhe von Fr. 2'070.–. Die Beschwerde ist da- her abzuweisen. 4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Gemäss § 19 lit. a Verordnung über die Gebühren der Gerichte (GebT) vom 15. November 2010 werden die Kosten nach dem Verfah rensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.– bis Fr. 1'000.– fe stgelegt. Bei präsidialen Fällen, in denen - wie vorliegend - ein grosser Verfahrensaufwand (mehrfa cher Schriftenwechsel, Parteiverhand- lung, amtliche Erkundigung) entstanden ist, setzt das G ericht die Verfahrenskosten in Berück- sichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.– fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der un terliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Ver- fahrenskosten ihm zu auferlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen sind. 4.2 Im Zusammenhang mit den Kosten für die amtliche Erkundigung bei der SAHB Höhe ist Art. 45 Abs. 1 ATSG zu beachten. Dieser Bestimmun g zufolge hat der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so hat er deren Kosten den noch zu übernehmen, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich w aren oder Bestandteil nachträg- lich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgerich t in BGE 137 V 210 ff. entschie- den hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführ ung der vom Gericht als notwendig erach- teten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage kä me, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auf- trag gegebenen Begutachtung und Abklärungen den IV-Stellen aufzuerlegen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich der Parteiverhandlung vom 6. März 2018 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf d ie damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Hintergrund bildete der Umstand, d ass in der Offerte der Firma F.____ vom 21. Februar 2017 erwähnt wurde, dass eine Verstärkung des Liftsystems empfohlen werde, weil der Versicherte den Lift sehr oft einsetze. Da die IV- Stelle diese im Beschwerdeverfahren auf- geworfene Frage im Verwaltungsverfahren nicht untersu chte, waren ihre Abklärungen ungenü- gend. In Anbetracht dieser Umstände war die durch das Kantonsgericht veranlasste amtliche Erkundigung angezeigt, weshalb der IV-Stelle die dabe i entstandenen Kosten in Höhe von Fr. 1'017.80 (Rechnungen vom 30. April 2018 und 31. Juli 2018) aufzuerlegen ist. 4.3 Eine Parteientschädigung wird bei diesem Verfahre nsausgang nicht zugesprochen (vgl. Art. 61 lit. g ATSG). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.– werden dem Beschwerde- führer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.– verrechnet. 3. Die Kosten für die amtliche Erkundigung bei der SAHB in Höhe von Fr. 1'017.80 werden der IV-Stelle auferlegt. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht