<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 124 S.578</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">578</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>124 Bausperre.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bei Nutzungsänderungsgesuchen, die keine oder kaum bauliche</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Veränderungen mit sich bringen, ist für das Verfügen von Bausperren</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zurückhaltung angebracht.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Baudepartements vom 27. März 2001 in Sachen S.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Die Gemeinde O. ist daran, die Nutzungsplanung Siedlung zu</span><br/> <span class="ft1">revidieren. Sie beabsichtigt unter anderem, die Einrichtung von Sex-</span><br/> <span class="ft1">gewerben in der unmittelbaren Nachbarschaft von Wohnzonen zu</span><br/> <span class="ft1">verbieten. Als S. das Baugesuch einreicht, seinen Verkaufsladen in</span><br/> <span class="ft1">der Wohn- und Gewerbezone neu als Massagesalon zu nutzen, ver-</span><br/> <span class="ft1">fügt der Gemeinderat eine Bausperre. Die von S. dagegen erhobene</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde heisst das Baudepartement gut und weist die Sache zu-</span><br/> <span class="ft1">rück an den Gemeinderat zur materiellen Behandlung des Bauge-</span><br/> <span class="ft1">suchs.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. a) Während der Erlass oder die Änderung von Nutzungsplä-</span><br/> <span class="ft1">nen vorbereitet wird, kann die zuständige Behörde die Gesuche für</span><br/> <span class="ft1">die Bewilligung von Bauten in den von den neuen Plänen oder Vor-</span><br/> <span class="ft1">schriften betroffenen Gebieten für die Dauer von höchstens 2 Jahren</span><br/> <span class="ft1">zurückstellen. Bewilligungen für Bauten dürfen nur erteilt werden,</span><br/> <span class="ft1">wenn feststeht, dass diese die Verwirklichung von Plänen oder Vor-</span><br/> <span class="ft1">schriften nicht erschweren (§ 30 BauG).</span><br/> <span class="ft1">b) (Bejahung einer ernsthaften Planungsabsicht)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">579</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">c) aa) § 30 BauG stellt eine Ermächtigungsnorm dar ("kann"),</span><br/> <span class="ft1">wobei der Entscheid, ob eine solche Massnahme getroffen werden</span><br/> <span class="ft1">soll, in das Ermessen der Behörde gestellt ist. Wenn die Revision</span><br/> <span class="ft1">einer Nutzungsplanung derart weit fortgeschritten ist, dass ein kon-</span><br/> <span class="ft1">kreter und gesicherter Massstab gewonnen worden ist, so kann dies</span><br/> <span class="ft1">nach der Praxis bedeuten, dass ein Gemeinderat zur Verhängung</span><br/> <span class="ft1">einer Bausperre gar verpflichtet ist, sofern die Verwirklichung der</span><br/> <span class="ft1">neuen Ordnung durch ein Bauvorhaben erschwert wird (AGVE</span><br/> <span class="ft1">1980, S. 256 f.). Als Erschwerung der neuen Ordnung gilt nach der</span><br/> <span class="ft1">Praxis, wenn mit einem Bauvorhaben ein derart einschneidendes</span><br/> <span class="ft1">Präjudiz geschaffen wird, dass die vorgesehene Rechtsordnung gene-</span><br/> <span class="ft1">rell fragwürdig wird. Es sollen Abweichungen verhindert werden, die</span><br/> <span class="ft1">für die Ausscheidung, Abgrenzung und Gestaltung der Zonierung im</span><br/> <span class="ft1">fraglichen Gebiet wesentlich sind (AGVE 1996, S. 314; 1988, S.</span><br/> <span class="ft1">363). Nicht jeder noch so geringe Widerspruch zu einer vorgesehe-</span><br/> <span class="ft1">nen Neuordnung rechtfertigt eine Bausperre (vgl. Markus Siegrist,</span><br/> <span class="ft1">Die Bausperre unter besonderer Berücksichtigung des aargauischen</span><br/> <span class="ft1">Rechts, Aarau 1988, S. 123 f., mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">bb) (...) Bei Nutzungsänderungsgesuchen, die keine oder kaum</span><br/> <span class="ft1">bauliche Veränderungen mit sich bringen, ist beim Erlass von Bau-</span><br/> <span class="ft1">sperren Zurückhaltung angebracht (vgl. auch AGVE 1980, S. 273 f.).</span><br/> <span class="ft1">Wird durch eine allfällige Bewilligung derartiger Nutzungsänderun-</span><br/> <span class="ft1">gen später allenfalls ein rechtswidriger Zustand geschaffen, so ist</span><br/> <span class="ft1">eine Anpassung der Baubewilligung wesentlich leichter möglich, als</span><br/> <span class="ft1">wenn aufgrund einer Baubewilligung Investitionen getätigt werden,</span><br/> <span class="ft1">die Besitzstandsschutz (Investitionsschutz) geniessen. Die Gefahr,</span><br/> <span class="ft1">dass irreversible Zustände geschaffen werden, besteht in viel gerin-</span><br/> <span class="ft1">gerem Mass. (...)</span><br/> <span class="ft1">d) aa) (...)</span><br/> <span class="ft1">bb) Der Gemeinderat macht (...) «moralische, ethische und sitt-</span><br/> <span class="ft1">liche Gründe» geltend. Damit sind schützenswerte öffentliche In-</span><br/> <span class="ft1">teressen angesprochen. Sodann ist auch die Sicherung einer laufen-</span><br/> <span class="ft1">den Nutzungsplanung und die Wahrung der Planungsfreiheit der</span><br/> <span class="ft1">Behörden im öffentlichen Interesse. Dagegen stehen die privaten</span><br/> <span class="ft1">Interessen des Beschwerdeführers, der sich dazu auf die Eigentums-</span><br/> <span class="ft1">garantie (vgl. Art. 26 BV) beruft. Der Beschwerdeführer weist zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">580</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Recht darauf hin, dass es sich bei dem Institut der Bausperre um ein</span><br/> <span class="ft1">einschneidendes Mittel im Nutzungsplanungsverfahren handelt (Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde, S. 5). Ausserdem ist im vorliegenden Fall die Wirtschafts-</span><br/> <span class="ft1">freiheit tangiert (Art. 27 BV).</span><br/> <span class="ft1">Zweifellos vermag der Gemeinderat O. gewichtige öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Interessen ins Feld zu führen. In Berücksichtigung aller Umstände</span><br/> <span class="ft1">vermögen sie indes gegen die privaten Interessen des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers nicht anzukommen. Der Gemeinderat O. hat sich überdies die</span><br/> <span class="ft1">Frage nach milderen Massnahmen, welche die Planungsfreiheit der</span><br/> <span class="ft1">Behörden ebenfalls wahren könnten, offenbar nicht gestellt. Na-</span><br/> <span class="ft1">mentlich wäre etwa zu prüfen gewesen, ob das vorliegende Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsänderungsgesuch nicht befristet auf den Zeitpunkt des Inkraft-</span><br/> <span class="ft1">tretens der neuen Bauordnung erteilt werden könnte.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>