B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6677/2013 U r t e i l v o m 3 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richterin Contessina Theis; Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer-Bänziger. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 5. November 2013 / N (…). E-6677/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 28. Oktober 2010 ein erstes Asylg e- such in der Schweiz ein. Auf dieses trat das BFM mit Verfügung vom 21. Dezember 2010 im Sinne von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht ein und ordnete die Wegwe i- sung nach Frankreich an. B. Am 7. Oktober 2013 reichte der Beschwerdeführer ein zweites Asylge- such ein. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 16. Oktober 2013 brachte er vor, nachdem er von der Schweiz einen (ersten) negati- ven Entscheid mit Wegweisung nach Frankreich erhalten habe, sei er nach Frankreich und im September 2011 nach Sri Lanka zurückgek ehrt. Sein Heimatland habe er am (…) 2012 wieder verlassen ; e r sei nach zweimonatigem Aufenthalt in Malaysia nach Paris gereist und habe dort ein Asylgesuch eingereicht. Im August 2012 habe er von Frankreich einen negativen Entscheid erhalten. Am 7. Oktobe r 2012 sei er in die Schweiz gelangt. Anlässlich der BzP wurde ihm zur allfälligen Zuständigkeit Frank- reichs für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens das rechtliche Gehör gewährt. Er gab an, mit einer Rückkehr nach Frankreich nur unter der Bedingung einverstanden zu sein, dass er von den franz ö- sischen Behörden als Flüchtling aner kannt werde; er habe sich dort ein Jahr lang illegal aufgehalten und dabei unter schlechten Umständen g e- lebt. C. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der E URO- DAC-Datenbank ergab, dass er am (…) und am (…) in Frankreich um Asyl nachgesucht hatte. D. Am 5. November 2013 entsprachen die französischen Behörden dem E r- suchen des BFM vom 22. Oktober 2013 um Übernahme des Beschwe r- deführers. E. Das BFM trat mit am 22. November 2013 eröffneter Verfügung vom 5. November 2013 gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das G e- such nicht ein und ordnete die Wegweisung nach Frankreich an. Es fo r- derte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz spätestens am Tag nach E-6677/2013 Seite 3 Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und verpflichtete den Kanton (…) mit dem Vollzug der Wegweisung. Das Bundesamt händigte die ed i- tionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde gegen seine Ve rfügung komme keine aufschi e- bende Wirkung zu. F. Der Beschwerdeführer focht dieses Verfügung mit Eingabe vom 26. No- vember 2013 beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragt sinng e- mäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. G. Die vorinstanzlichen Akten gingen beim Gericht am 29. November 2013 ein (Art. 109 Abs. 2 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst d Ziff. 1 des Bundesgerichts- gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 AsylG). Der Be- schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung leg i- timiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte B e- schwerde (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht, unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Unangemessenheit hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summ arischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und Abs. 2 AsylG). E-6677/2013 Seite 4 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit zu überprüfen (Art. 32–35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdei n- stanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5 S. 116). Die Beschwerdeinstanz enthält sich demnach – sofern sie den Nichtei n- tretensentscheid als unrec htmässig erachtet – einer selbstständigen m a- teriellen Prüfung, hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die S a- che zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73, m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerisch- en Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.). Bezüg- lich der Wegweisung und des Vollzuges ist die Beurteilungskompetenz nicht beschränkt, da die Vorinstanz dies materiell geprüft hat. 4. Nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG tritt das BFM auf ein Asylgesuch in der Regel nicht ein, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist. 5. 5.1 Die Vorinstanz erwog in der angefochtenen Verfügung, die französi- schen Behörden hätten das Übernahmeersuchen gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Fe b- ruar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsange- hörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Du b- lin-II-VO), gutgeheissen. Damit liege die Zuständigkeit zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gemäss Abkommen vom 26. O k- tober 2004 zwischen der Schweizer ischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur B e- stimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mi t- gliedstaat oder in der Schweiz gestellten Antrages (Dublin-Assoziierungs- abkommen [DAA], SR 0.142.392.68) bei Frankreich. Frankreich habe die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 (sog. Aufnahmerichtlinie), welche zahlreiche Mindestnormen für die Au f- nahme und Betreuung von Asylsuchenden beinhalte, ohne Beanstandu n- gen von Seiten der Europäischen Kommission umgesetzt. Der Beschwer- deführer könne seine Anliegen demnach an die zuständigen Stellen in Frankreich richten. E-6677/2013 Seite 5 5.2 In der Rechtsmitteleingabe führt der Beschwerdeführer an, er wolle nicht nach Frankreich zurückgehen, weil er dort "viele junge Männer auf der Strasse" gesehen habe, die nicht wüssten, was sie mit ihrem Leben anfangen sollten. In der Schweiz sei vieles anders, die Schweizer seien loyal und viel freundlicher. Er habe hier eine bessere Zukunft und ang e- fangen, sein Leben in den Griff zu bekommen. 6. 6.1 Mit der Umsetzung des Dublin -Assoziierungsabkommen verpflichtet sich die Schweiz, die Dublin -II-VO anzuwenden. Diese enthält die Krite - rien, um denjenigen Dublin -Staat zu bestimmen, der zuständig ist, das Asyl- und Wegweisungsv erfahren durchzuführen. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Satz 2 Dublin -II-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitglie d- staat, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat b e- stimmt wird, geprüft. Der zuständige Mitgliedstaat ist gehalten, den As yl- bewerber, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat, nach Massgabe der Art. 17 bis 19 Dublin -II-Verordnung aufzunehmen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a Dublin-II-VO) beziehungsweise einen Drittstaatsa n- gehörigen, dessen Asylantrag er abgele hnt ha t, nach Massgabe des Art. 20 Dublin-II-VO wieder aufzunehmen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a Dublin-II- VO). Jedem Mitgliedstaat wird zudem, in Abweichung von den vorg e- nannten Zuständigkeitskriterien, die Möglichkeit zur Prüfung eines Asy l- gesuches eingeräumt (vgl. z ur Souveränitätsklausel Art. 3 Abs. 2 Dublin- II-VO und zur humanitären Klausel Art. 15 Dublin-II-VO; vgl. auch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). 6.2 Aufgrund der Akten steht fest, dass sich d er Beschwerdeführer vor der Gesuchstellung in der Schweiz (am 7. Oktober 2013 ) seit Februar 2012 in Frankreich aufgehalten und dort um Asyl ersucht hat. Die franzö- sischen Behörden stimmten gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO am 5. November 2013 dem Ersuchen des BFM vom 22. Oktober 2013 um Übernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zu. Die Zuständi g- keit Frankreichs ist somit gegeben (Art. 10 Abs. 1 i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO). Es obliegt dem Beschwerdeführer, Einwände gegen eine allfällige Überstellung nach Sri Lanka bei den französischen Behö r- den auf dem Rechtsweg geltend zu machen. Selbst wenn das Asylverfah- ren des Beschwerdeführers in Frankreich bereits rechtskräftig abg e- schlossen sein sollte und er deshalb kein Anrecht mehr auf Unterbringung oder weitergehende staatliche oder nichtstaatliche Unterstützung hätte, ist Frankreich gemäss Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO weiterhin für das E-6677/2013 Seite 6 Verfahren des Beschwerdeführers bis zu einem allfälligen Wegweisung s- vollzug beziehungsweise e iner Regelung seines Aufenthaltsstatus z u- ständig (Art. 16 Abs. 4 Dublin-II-VO sowie CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin -II-Verordnung, 3., überarb. Aufl., Wien/Graz 2010, K 25 zu Art. 16 Abs. 4). 6.3 Die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe vermögen an der Zu- ständigkeit Frankreichs zur Durchführung des Asyl - und Wegweisung s- verfahrens nicht s zu ändern. Der Beschwerdeführer macht keine erns t- haften und konkreten Anhaltspunkte geltend, wonach Frankreich, bei wel- chem es sich um einen Signatarstaat der Konv ention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und des Protokolls über die Rechtsstel- lung der Flüchtlinge vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) handelt, sich nicht an seine staatsvertraglichen Verpflichtungen, insbesondere an das Rückschiebungsverbot, halten würde. Es besteht kein Grund zur Anna h- me, Personen, die sich im Rahmen eines Asylverfahrens in Frankreich aufhalten, würden aufgrund der dortigen Aufenthaltsbedingungen in eine existenzielle Notlage geraten. Der Beschwerdeführer kann nicht bewe i- sen oder mittels eines konkreten Anhaltspunkts glaubhaft machen, dass die Lebensbedingungen in Frankreich so schlecht sind, das s die Übe r- stellung in dieses Land die EMRK verletzen würde. Sein Einwand, er ha- be begonnen, sich in der Schweiz einzurichten , und ein Neuanfang sei immer schwierig, vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern. 6.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass ei ner Überstellung des B e- schwerdeführers nach Frankreich weder völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz noch humanitäre Gründe entgegenstehen, weshalb die So u- veränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO) nicht zur Anwendung g e- langt und folglich das BFM zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. e AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. 7. 7.1 Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Da der Beschwerdeführer weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über e i- nen Anspruch auf Erteilung einer solchen verfügt (vgl. BVGE 2009/50 E. 9), ist die Anordnung der Wegweisung nicht zu beanstanden. E-6677/2013 Seite 7 7.2 Im Rahmen des Dublin-Verfahrens im Sinne von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG, bei dem es sich um ein Überstellungsverfahren in den für die Prü - fung des Asylgesuches zuständigen Staat handelt, besteht systembedingt kein Raum für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1-4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20). Eine entspre chen- de Prüfung hat, soweit notwendig, vielmehr bereits im Rahmen des Nicht- eintretensentscheides stattzuf inden (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.2.3 und E. 10.2). Die Vorinstanz hat in diesem Sinne den Vollzug der Wegweisung nach Frankreich zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. 8. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun - desrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600. – (Art. 1 –3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-6677/2013 Seite 8 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer au f- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und B._______. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Jeannine Scherrer-Bänziger