<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">183</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VI. Submissionen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>32</b></span> <span class="ft3"><b>Abbruch des Verfahrens</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Erhebliche Überschreitung des Kostenrahmens als wichtiger Grund für</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den Abbruch des Verfahrens</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 11. Januar</span><br/> <span class="ft4">2017, i.S. A. AG gegen B. (WBE.2016.393)</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft6">2.</span><br/> <span class="ft6">Zu prüfen ist, ob die Vergabestelle berechtigt war, das Submis-</span><br/> <span class="ft6">sionsverfahren abzubrechen.</span><br/> <span class="ft6">2.1. (...)</span><br/> <span class="ft6">2.2.</span><br/> <span class="ft6">2.2.1.</span><br/> <span class="ft6">Die Vergabestelle rechtfertigt den vorgenommenen Verfahrens-</span><br/> <span class="ft6">abbruch im Wesentlichen damit, dass die beiden eingereichten Ange-</span><br/> <span class="ft6">botspreise weit über dem vorgesehenen Budget, das auf einer Richt-</span><br/> <span class="ft6">offerte der C. beruht, liegen. In der Tat werden die budgetierten</span><br/> <span class="ft6">Kosten von 2 Millionen Franken um rund 25 % bzw. sogar 40 %</span><br/> <span class="ft6">überschritten. Derartige massive Überschreitungen des vorgegebenen</span><br/> <span class="ft6">Budgets bzw. der Kostenschätzung können nach der Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft6">und Lehre einen rechtsgenüglichen sachlichen Grund darstellen, der</span><br/> <span class="ft6">die Vergabestelle grundsätzlich zum Verfahrensabbruch berechtigt</span><br/> <span class="ft6">(Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 31. Januar</span><br/> <span class="ft6">2002 [VB.2000.00403], Erw. 4; Urteile des Verwaltungsgerichts des</span><br/> <span class="ft6">Kantons Graubünden vom 16. August 2001 [U 01 70 bzw. U 01 71],</span><br/> <span class="ft6">Erw. 5c bzw. Erw. 4c; S</span><span class="ft4">TEFAN</span> <span class="ft6">S</span><span class="ft4">CHERLER</span><span class="ft6">, Abbruch und Wiederho-</span><br/> <span class="ft6">lung von Vergabeverfahren, in: J</span><span class="ft4">EAN</span><span class="ft6">-B</span><span class="ft4">APTISTE</span> <span class="ft6">Z</span><span class="ft4">UFFEREY</span><span class="ft6">/H</span><span class="ft4">UBERT</span><br/> <span class="ft6">S</span><span class="ft4">TÖCKLI</span> <span class="ft6">[Hrsg.], Aktuelles Vergaberecht 2008, Zürich 2008, S. 289;</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">184</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">S</span><span class="ft4">TEFAN</span> <span class="ft6">S</span><span class="ft4">UTER</span><span class="ft6">, Der Abbruch des Vergabeverfahrens, Basler Studien</span><br/> <span class="ft6">zur Rechtswissenschaft, Band 80, Basel 2010, Rz. 271 ff.). Die</span><br/> <span class="ft6">Vergabestelle beabsichtigt, die Lieferung der Chemie-Reaktoren</span><br/> <span class="ft6">ohne die Engineering-Leistungen für die Ausführungsplanung (die</span><br/> <span class="ft6">intern erfolgen soll) neu auszuschreiben. Mit einer Projektänderung</span><br/> <span class="ft6">im Sinne eines Verzichts auf eine oder mehrere ausgeschriebene</span><br/> <span class="ft6">Leistungspositionen kann eine Vergabestelle das Ziel verfolgen, die</span><br/> <span class="ft6">Beschaffung günstiger oder unter veränderten Voraussetzungen zu</span><br/> <span class="ft6">realisieren, was den Zielsetzungen des Vergaberechts, nämlich der</span><br/> <span class="ft6">wettbewerbsorientierten Vergabe öffentlicher Aufträge und der wirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftlichen Verwendung öffentlicher Mittel grundsätzlich nicht</span><br/> <span class="ft6">zuwiderläuft, sondern in vielen Fällen deren Verwirklichung dient</span><br/> <span class="ft6">(Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 25. Oktober</span><br/> <span class="ft6">2011 [VB.2011.00330], Erw. 4.3; S</span><span class="ft4">CHERLER</span><span class="ft6">, a.a.O., S. 291 mit Hin-</span><br/> <span class="ft6">weisen).</span><br/> <span class="ft6">2.2.2.</span><br/> <span class="ft6">2.2.2.1.</span><br/> <span class="ft6">Nach Auffassung der Beschwerdeführerin ist das Vorgehen der</span><br/> <span class="ft6">Vergabestelle bei der Vornahme der Kostenschätzung unseriös und</span><br/> <span class="ft6">der einzige eingeholte Richtpreis von 2 Millionen Franken als Basis</span><br/> <span class="ft6">absolut untauglich; dieser hätte im Vorfeld noch durch mindestens</span><br/> <span class="ft6">zwei oder drei weitere Angebote erhärtet werden müssen. Man habe</span><br/> <span class="ft6">die Frage, "was es kostet, mit einer Submission gelöst ... und wenn</span><br/> <span class="ft6">es uns zu hoch erscheint, machen wir es anders".</span><br/> <span class="ft6">2.2.2.2.</span><br/> <span class="ft6">Die Vergabestelle hat bei der C. aufgrund eines zusammen mit</span><br/> <span class="ft6">der D. AG erstellten Lastenhefts sowie weiterer Unterlagen ein</span><br/> <span class="ft6">Richtpreisangebot für drei Reaktoren (400 l, 160 l und 100 l) sowie</span><br/> <span class="ft6">die zugehörenden Kondensatoren und HK-Systeme eingeholt. Dieses</span><br/> <span class="ft6">Richtpreisangebot vom 18. März 2016 belief sich auf € 811'000.00.</span><br/> <span class="ft6">Der Preis für einen als Option angefragten 50 l Glas-Reaktor betrug</span><br/> <span class="ft6">€ 46'000.00. Gemäss der Vergabestelle sind in der Richtofferte an-</span><br/> <span class="ft6">teilsmässig auch Engineering-Leistungen enthalten. Auf der Grund-</span><br/> <span class="ft6">lage dieser Richtofferte erstellte die Vergabestelle das Budget für die</span><br/> <span class="ft6">drei Chemie-Reaktoren in der Höhe von 2 Millionen Franken.</span><br/> <span class="ft6">Zusätzlich zu den in der Richtofferte kalkulierten Kosten budgetierte</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">185</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">die Vergabestelle Fr. 900'000.00 Mehrkosten für zusätzliche Leis-</span><br/> <span class="ft6">tungen (z.B. Probenahmesonde, Austragspumpe, teilweise Verroh-</span><br/> <span class="ft6">rung und Instrumentierung sowie Automation). Für die dadurch be-</span><br/> <span class="ft6">dingten zusätzlichen Engineering-Leistungen wurden weitere</span><br/> <span class="ft6">Fr. 225'000.00 vorgesehen. Gegenstand der öffentlichen Ausschrei-</span><br/> <span class="ft6">bung vom 20. Mai 2016 waren jeweils ein 400 l-, 100 l- und 20 l-Re-</span><br/> <span class="ft6">aktor in Stahl emailliert als Einheit mit integrierter Steuerung, zu lie-</span><br/> <span class="ft6">fern als Package-Units (inkl. Kondensator, Rührwerk, Heiz- und</span><br/> <span class="ft6">Kühlsystem, Austragpumpe[n], Steuerung, Waage für 20 l-Reaktor,</span><br/> <span class="ft6">Zubehör). Für den Liefer- und Leistungsumfang wurde im Übrigen</span><br/> <span class="ft6">auf das Lastenheft verwiesen. Gemäss Kap. 3.1.1 der</span><br/> <span class="ft6">Ausschreibungsunterlagen war ein Detail-Engineering über die ange-</span><br/> <span class="ft6">fragte Anlage anzufertigen bzw. durchzuführen, das den Anforde-</span><br/> <span class="ft6">rungen im Lastenheft entspricht. Das den Ausschreibungsunterlagen</span><br/> <span class="ft6">beiliegende Lastenheft stimmt in den meisten und insbesondere auch</span><br/> <span class="ft6">in den wesentlichen Punkten, wie Hauptkomponenten und technische</span><br/> <span class="ft6">Anforderungen, mit demjenigen überein, das der Richtofferte zu-</span><br/> <span class="ft6">grunde lag. Dennoch liegen die beiden Offerten nicht nur weit über</span><br/> <span class="ft6">dem Richtpreis von € 811'000.00, sondern auch über dem Budget</span><br/> <span class="ft6">von 2 Millionen Franken, in dem Zusatzleistungen (z.B. Automation)</span><br/> <span class="ft6">und daraus resultierende Mehrkosten in erheblicher Höhe be-</span><br/> <span class="ft6">rücksichtigt worden waren. Den Grund für die Budgetüberschrei-</span><br/> <span class="ft6">tungen vermutet die Vergabestelle in nachvollziehbarer Weise haupt-</span><br/> <span class="ft6">sächlich in den Kosten der Engineering-Leistungen, denen aufgrund</span><br/> <span class="ft6">der Spezifikationen Unsicherheiten angelastet hätten, weshalb sie</span><br/> <span class="ft6">diese neu aus der Ausschreibung herausnehmen und intern erbringen</span><br/> <span class="ft6">will.</span><br/> <span class="ft6">2.2.2.3.</span><br/> <span class="ft6">Insgesamt ergeben sich im vorliegenden Fall keine Anhalts-</span><br/> <span class="ft6">punkte dafür, dass die Kostenschätzung und die Budgetierung in Be-</span><br/> <span class="ft6">zug auf die Chemie-Reaktoren von der Vergabestelle unsachlich oder</span><br/> <span class="ft6">gar unseriös vorgenommen wurden. Daran ändern auch allfällige Un-</span><br/> <span class="ft6">sicherheiten der Spezifikationen in Bezug auf die Engineering-</span><br/> <span class="ft6">Leistungen nichts. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin war</span><br/> <span class="ft6">die Vergabestelle auch nicht verpflichtet, mehr als die übliche eine</span><br/> <span class="ft6">Richtofferte einzuholen, um eine haltbare Kostenschätzung zu erstel-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">186</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">len, zumal die budgetierten Kosten vorliegend um mehr als das dop-</span><br/> <span class="ft6">pelte über dem Richtpreis lagen. Die Vergabestelle hat den Mehr-</span><br/> <span class="ft6">leistungen sowie allfälligen Unsicherheiten somit durchaus in ange-</span><br/> <span class="ft6">messener Weise Rechnung getragen. Insofern ist ihr Vorgehen nicht</span><br/> <span class="ft6">zu beanstanden. (...)</span><br/> <span class="ft6">2.2.3. (...)</span><br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">Zusammenfassend erweist sich der von der B. verfügte Abbruch</span><br/> <span class="ft6">des Submissionsverfahrens als durch einen wichtigen Grund im</span><br/> <span class="ft6">Sinne von § 22 Abs. 2 SubmD gerechtfertigt und damit als rechtmäs-</span><br/> <span class="ft6">sig. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde, mit der sinngemäss die</span><br/> <span class="ft6">Feststellung der Widerrechtlichkeit des Verfahrensabbruchs verlangt</span><br/> <span class="ft6">wird, ist demzufolge</span> <span class="ft6">abzuweisen</span><span class="ft0">.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>