<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 29 S.90</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">90</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>29</b></span> <span class="ft2"><b>§ 8 Abs. 6 KZG.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Der Nebensatz ,,sofern dadurch keine Doppelzahlung erfolgt" ist dahin-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gehend auszulegen, dass ein Zulagenberechtigter Anspruch auf nicht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mehr als eine volle Zulage mit Bezug auf das Arbeitspensum (100%) ha-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ben kann. § 8 Abs. 6 KZG enthält aber keine betragsmässige Begrenzung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Aufgrund der kantonal unterschiedlichen Ansätze ist es denkbar, dass ein</b></span><br/> <span class="ft2"><b>in verschiedenen Kantonen tätiges Ehepaar bei einem gemeinsamen Ar-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>beitspensum von 100 % höhere Kinderzulagen erhält als ein ausschliess-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lich im Kanton Aargau tätiges Ehepaar. Damit ist eine Gleichbehandlung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der nach aargauischer Kinderzulagenordnung Berechtigten gewährleistet</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 3c und f).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 4. Kammer, vom 22. August</span><br/> <span class="ft3">2000 in Sachen P.S. gegen T. AG.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. (...)</span><br/> <span class="ft1">c) Die Regelung im (aargauischen) Kinderzulagengesetz (§ 8</span><br/> <span class="ft1">Abs. 6 KZG), wonach die Zulage nach dem aargauischen Kinderzu-</span><br/> <span class="ft1">lagengesetz auszurichten ist, wenn verschiedene Anspruchsberech-</span><br/> <span class="ft1">tigte für das nämliche Kind nach diesem Gesetz und nach dem Ge-</span><br/> <span class="ft1">setz eines anderen Kantons Anspruch auf die Zulage haben, sofern</span><br/> <span class="ft1">dadurch keine Doppelzahlung erfolgt, ist insofern unklar, als der</span><br/> <span class="ft1">Nebensatz ,,sofern dadurch keine Doppelzahlung erfolgt" unter-</span><br/> <span class="ft1">schiedlich aufgefasst werden kann. Man kann darunter verstehen,</span><br/> <span class="ft1">dass ein Zulagenberechtigter Anspruch auf nicht mehr als eine volle</span><br/> <span class="ft1">Zulage mit Bezug auf das Arbeitspensum (100%) haben kann, oder</span><br/> <span class="ft1">dass eine volle Kinderzulage (im Kanton Aargau) betragsmässig</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">91</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nicht mehr als Fr. 150.-- betragen darf, wie dies von der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">degegnerin sinngemäss vertreten wird. Da der Wortlaut des Gesetzes</span><br/> <span class="ft1">somit nicht klar ist und verschiedene Auslegungen möglich sind,</span><br/> <span class="ft1">muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden, unter Berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigung aller Auslegungselemente, namentlich des Zwecks, des</span><br/> <span class="ft1">Sinnes und der dem Text zugrunde liegenden Wertung. Wichtig ist</span><br/> <span class="ft1">ebenfalls der Sinn, der einer Norm im Kontext zukommt (BGE 124</span><br/> <span class="ft1">V 189 Erw. 3a mit Hinweisen). Ziel der Auslegung ist es, den Sinn</span><br/> <span class="ft1">eines Rechtssatzes zu ergründen, wobei grundsätzlich jede Vorschrift</span><br/> <span class="ft1">auslegungsbedürftig ist (AGVE 1997, S. 336 Erw. 2b/cc). Der Sinn</span><br/> <span class="ft1">und Zweck der vorliegenden Regelung ,,sofern dadurch keine Dop-</span><br/> <span class="ft1">pelzahlung erfolgt" liegt darin, dass einem erwerbstätigen Ehepaar</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr als eine Zulage für das nämliche Kind ausgerichtet wer-</span><br/> <span class="ft1">den soll (vgl. Botschaft des Regierungsrates an den Grossen Rat vom</span><br/> <span class="ft1">5. Oktober 1962, S. 14 Ziff. 7 und Sitzungsprotokoll der Grossrats-</span><br/> <span class="ft1">kommission vom 7. Januar 1963, S. 7). Das Verbot der Doppelzah-</span><br/> <span class="ft1">lung will verhindern, dass zwei erwerbstätige Ehegatten mehr als</span><br/> <span class="ft1">100% einer vollen Zulage für das nämliche Kind erhalten, wobei dies</span><br/> <span class="ft1">sowohl für erwerbstätige Ehegatten, welche beide einer Vollzeitbe-</span><br/> <span class="ft1">schäftigung nachgehen, als auch für solche, welche bloss eine Teil-</span><br/> <span class="ft1">zeitbeschäftigung ausüben, gelten muss. Eine volle Zulage wird dann</span><br/> <span class="ft1">ausgerichtet, wenn ein Arbeitnehmer während eines ganzen Monats</span><br/> <span class="ft1">beim gleichen Arbeitgeber angestellt ist und bei diesem während</span><br/> <span class="ft1">mindestens 120 Stunden pro Monat arbeitet (§ 9 Abs. 1 KZG). Dar-</span><br/> <span class="ft1">aus ergibt sich, dass eine volle Zulage bzw. eine solche im Umfang</span><br/> <span class="ft1">von 100% nach dem Arbeitspensum des Arbeitnehmers zu bemessen</span><br/> <span class="ft1">ist. Dass eine volle Zulage betragsmässig dem im Kanton Aargau</span><br/> <span class="ft1">geltenden Ansatz von Fr. 150.-- pro Kind zwingend entsprechen</span><br/> <span class="ft1">muss, ist nicht naheliegend. Indem jeder Arbeitnehmer eines Arbeit-</span><br/> <span class="ft1">gebers im Kanton Aargau eine seinem Arbeitspensum entsprechend</span><br/> <span class="ft1">prozentual abgestufte Kinderzulage erhält, ist eine Gleichbehandlung</span><br/> <span class="ft1">der nach aargauischer Kinderzulagenordnung Berechtigten gewähr-</span><br/> <span class="ft1">leistet.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">92</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(...</span><span class="ft0">)</span><br/> <span class="ft1">f) Die Berechnungsart, wonach die Kinderzulagen nach dem</span><br/> <span class="ft1">entsprechenden Beschäftigungsgrad unter Berücksichtigung der je-</span><br/> <span class="ft1">weiligen Zulagenordnung ausgerichtet werden, verdient zweifels-</span><br/> <span class="ft1">ohne den Vorzug, weil nur sie als sachgerecht anzusehen ist und</span><br/> <span class="ft1">überdies im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen des (aar-</span><br/> <span class="ft1">gauischen) Kinderzulagengesetz steht. Denn es ist nicht einzusehen,</span><br/> <span class="ft1">weshalb der Beschwerdeführer nur Anspruch auf eine Teilzulage</span><br/> <span class="ft1">haben soll, welche der Differenz der Zulage seiner Ehefrau zur vol-</span><br/> <span class="ft1">len Zulage gemäss § 7 Abs. 1 KZG entspricht bzw. (aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">höheren Ansätze der Kinderzulagen im Kanton Luzern) weniger als</span><br/> <span class="ft1">60% der vollen Zulage im Kanton Aargau beträgt, obwohl er unbe-</span><br/> <span class="ft1">strittenermassen bei seiner Arbeitgeberin ein Arbeitspensum in die-</span><br/> <span class="ft1">sem Umfang leistet (vgl. Anstellungsvertrag vom 19. Juli 1999).</span><br/> <span class="ft1">Damit würde er gegenüber den nach der aargauischen Kinderzula-</span><br/> <span class="ft1">genordnung Berechtigten, welche eine ihrem Arbeitspensum ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechende Kinderzulage erhalten, ungerechtfertigterweise benach-</span><br/> <span class="ft1">teiligt, bloss weil seine Ehefrau einer ausserkantonalen Teilerwerbs-</span><br/> <span class="ft1">tätigkeit (mit höheren Kinderzulagenansätzen) nachgeht. Mit dieser</span><br/> <span class="ft1">Vorgehensweise würde eine Rechtsungleichheit geschaffen, für die</span><br/> <span class="ft1">kein sachlicher Grund ersichtlich ist, der eine unterschiedliche Be-</span><br/> <span class="ft1">handlung der Zulagenberechtigten rechtfertigen würde (vgl. Jörg</span><br/> <span class="ft1">Paul Müller, Grundrechte in der Schweiz, 3. Aufl., Bern 1999,</span><br/> <span class="ft1">S. 397 f. mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung).</span><br/> <span class="ft1">Ausserdem ist bei der von der Beschwerdegegnerin vertretenen Auf-</span><br/> <span class="ft1">fassung unklar, ob sie im umgekehrten Fall - wenn die Ansätze der</span><br/> <span class="ft1">Kinderzulagen im Kanton Aargau höher wären als diejenigen im</span><br/> <span class="ft1">Kanton Luzern - ebenfalls die Differenz der Zulage der Ehefrau zur</span><br/> <span class="ft1">vollen Zulage ausgleichen und damit dem Beschwerdeführer eine</span><br/> <span class="ft1">prozentual über seinem Arbeitspensum liegende Kinderzulage aus-</span><br/> <span class="ft1">richten würde. Bei der nach Arbeitspensum prozentual abgestuften</span><br/> <span class="ft1">Ausrichtung der Zulagen nach der jeweiligen kantonalen Zulagen-</span><br/> <span class="ft1">ordnung liegt entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">93</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">keine Doppelzahlung gemäss § 8 Abs. 6 KZG vor, da die Ehefrau (ab</span><br/> <span class="ft1">1. August 1999) einer Beschäftigung im Umfang von nunmehr 40%</span><br/> <span class="ft1">und der Beschwerdeführer einer solchen im Umfang von 60% nach-</span><br/> <span class="ft1">gehen, somit beide zusammen ein Arbeitspensum von 100% leisten.</span><br/> <span class="ft1">Damit beanspruchen der Beschwerdeführer und seine Ehefrau nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr als eine volle Kinderzulage. Dass diese aufgrund der kantonal</span><br/> <span class="ft1">unterschiedlichen Ansätze gegenüber einem ausschliesslich im Kan-</span><br/> <span class="ft1">ton Aargau beschäftigten Ehepaar betragsmässig höher ausfällt, än-</span><br/> <span class="ft1">dert nichts daran. Damit liegt keine Ungleichbehandlung gegenüber</span><br/> <span class="ft1">den nach aargauischer Kinderzulagenordnung Berechtigten vor. Die</span><br/> <span class="ft1">Ausrichtung einer betragsmässig höheren vollen Zulage resultiert im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Fall aus den kantonal geregelten Kinderzulagenord-</span><br/> <span class="ft1">nungen mit unterschiedlicher Höhe der Kinderzulagen und ist letzt-</span><br/> <span class="ft1">lich als Folge des Föderalismus anzusehen.</span><br/></div> </div> </body> </html>