Entscheid der Aufsichtsbehörde Schuldbetreibung und Konkurs Basel-Landschaft vom 9. November 2021 (420 21 190) ____________________________________________________________________ Schuldbetreibungs- und Konkursrecht Der Entscheid über die vorzeitige Herausgabe von als Dritteigentum angesprochenen Vermögenswerten i.S.v. Art. 47 ff. KOV ergeht in Form einer Verfügung; enthält diese Ver- fügung eine Frist zur Retournierung der beigelegten Vereinbarung, so besteht selbst bei unbenutztem Ablauf der Frist ein schutzwürdiges Interesse der Retentionsgläubigerin an der Aufhebung dieser Verfügung (E. 1); Unzulässigkeit einer vorzeitigen Herausgabe der angesprochenen Gegenstände aufgrund nicht erfüllter Voraussetzungen von Art. 51 KOV (E. 3.1 ff.) Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader, Richterin Barbara Jermann Richterich (Ref.), Richter Philippe Spitz; Aktuar Dario Glauser Parteien A.____, Bahnhofstrasse 45, 8001 Zürich, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Alexander Glutz, Holenstein Brusa AG, Utoquai 29/31, 8008 Zürich, Beschwerdeführerin gegen Konkursamt Basel-Landschaft, Eichenweg 12, Postfach, 4410 Liestal, vertreten durch Advokat Dr. Lucius Huber und Advokat Basil Kupferschmied, Lenz Caemmerer, Elisabethenstrasse 15, Postfach 430, 4010 Basel, Beschwerdegegner Gegenstand Beschwerde (Art. 17 SchKG) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Verfügung des Konkursrichters des Zivilkreisgerichts Basel -Landschaft West vom XY. Dezember 2020 wurde über die B.____ GmbH mit Sitz in X.____, mit Wirkung ab dem XY. Dezember 2020, 16:00 Uhr, der Konkurs eröffnet und die Gesellschaft wurde aufgelöst. Der Konkurs findet im summarischen Verfahren statt. Sodann erfolgte mit Publikation i m Schweize- rischen Handelsamtsblatt (SHAB) vom XY. Februar 2021 ein Schuldenruf. Daraufhin meldete die A.____, vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Patrizia Holenstein und Rechtsanwalt Dr. Alexander Glutz, mit Forderungseingabe vom 25. Februar 2021 für die in der Zeit vor Kon- kurseröffnung bis zum Datum der Konkurseröffnung am 10. Dezember 2020 entstandenen Mietzinse die folgenden Forderungen zur Kollokation an:  CHF 52'935.55 nebst Zins zu 5% seit dem 1. Juli 2020;  CHF 161'715.80 nebst Zins zu 5% seit dem 1. Juli 2020;  CHF 52'935.55 nebst Zins zu 5% seit dem 1. August 2020;  CHF 161'715.80 nebst Zins zu 5% seit dem 1. August 2020;  CHF 52'935.55 nebst Zins zu 5% seit dem 1. September 2020;  CHF 161'715.80 nebst Zins zu 5% seit dem 1. September 2020;  CHF 52'935.55 nebst Zins zu 5% seit dem 1. Oktober 2020;  CHF 161'715.80 nebst Zins zu 5% seit dem 1. Oktober 2020;  CHF 52'935.55 nebst Zins zu 5% seit dem 1. November 2020;  CHF 161'715.80 nebst Zins zu 5% seit dem 1. November 2020;  CHF 17'075.98 nebst Zins zu 5% seit dem 1. Dezember 2020;  CHF 52'166.39 nebst Zins zu 5% seit dem 1. Dezember 2020. Für die nach Konkurseröffnung entstandenen Mietzinse wurden seitens der A.____ sodann die folgenden Forderungen zur Kollokation angemeldet:  CHF 42'448'543.01, zzgl.  Zins zu 5% auf CHF 52'935.55 seit dem 1. Januar 2021,  Zins zu 5% auf CHF 161'715.80 seit dem 1. Januar 2021  Zins zu 5% auf CHF 52'935.55 seit dem 1. Februar 2021,  Zins zu 5% auf CHF 161'715.80 seit dem 1. Februar 2021 Zur Begründung ihrer Forderungen gab die Gläubig erin an, die Konkursitin sei Mieterin zweier Liegenschaften der Gläubigerin an der Y.____strasse 8 (Lagerraum) und 21/21a (Gewerbe- raum) in X.____ und sei seit dem 1. Juli 2020 ihrer vertraglichen Pflicht zur Bezahlung des Mietzinses nicht nachgekommen. Übe rdies käme der Gläubigerin als Vermieterin von Ge- schäftsräumen ein Retentionsrecht an den beweglichen Sachen, die sich in den vermieteten Räumen befinden, im Umfang eines verfallenen Jahreszinses und des laufenden Halbjahres- zinses zu. Zusätzlich bestünden für die angemeldeten Forderungen Sicherheiten in Form zweier Miet- zinsdepots im Umfang von CHF 300'000.00 und CHF 900’000.00. Die Haftung dieser Miet- zinsdepots werde für Forderungen der Gläubigerin, welche weder Masseverbindlichkeiten dar- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellen, noch vom R etentionsrecht abgedeckt sind, geltend gemacht. Dies gelte insbesondere für Mietzinsforderungen, welche nach dem 30. April 2021 entstünden sowie weitere Forderun- gen wie Rückbau, Entsorgungskosten, Ablösung von Bauhandwerkerpfandrechten etc. Schliesslich würde zusätzlich die Legacy Pharmaceuticals US, Inc. als Solidarschuldnerin haf- ten. B. Mit Eingabe vom 15. März 2021 an das Konkursamt machte die C.____ AB mit Sitz in 170 09 Solna, Schweden (nachfolgend: C.____ AB), vertreten durch Advokat Dr. Lukas Bopp, Dritteigentum an der D.____ (bestehend aus den als Beilage 2 eingereichten aufgeführten Komponenten und Rechnungen; nachfolgend: D.____ Anlage) geltend, welche sich in den ge- mieteten Räumlichkeiten der Konkursitin befand. Zudem reichte sie entsprechende Belege für das von ihr beanspruchte Eigentum ein. C. Mit Schreiben vom 18. August 2021 bewilligte das Konkursamt die vorzeitige Freigabe der D.____ Anlage an die C.____ AB unter der Bedingung, dass die beigelegte Vereinbarung betreffend vorzeitige Freigabe bis spätestens am 23. August 2021 unterzeichnet an das Kon- kursamt retourniert werde. D. Mit Eingabe vom 30. August 2021 erhob die A.____ (nachfolgend: Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Alexander Glutz, Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs des Kantons Basel -Landschaft (nachfolgend: Aufsichtsbehörde) und begehrte die Aufhebung der Verfügun gen (recte: Verf ügung) des Konkursamtes vom 18. August 2021 über die vorzeitige Herausgabe der D.____ Anlage an die C.____ AB. Über- dies beantragte sie die Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde (vor Einholung der Vernehmlassung der Beschwerdeg egnerin) und die Anweisung an das Konkursamt, bis zum rechtskräftigen Abschluss des Beschwerdeverfahrens die streitbetroffenen Gegenstände nicht an die C.____ AB herauszugeben. Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, gegenteilig z u den Be- hauptungen des Konkursamtes habe sich die Beschwerdeführerin niemals auf den Standpunkt gestellt, dass die D.____ Anlage bis spätestens am 31. August 2021 abgeholt werden müsse. Vielmehr habe sie stets die Meinung vertreten, dass die D.____ Anlage sich im Eigentum der Konkursmasse, aufgrund des Akzessionsprinzips teilweise wohl sogar in demjenigen der Be- schwerdeführerin befinde. In jedem Fall dürfe die D.____ Anlage wegen des Retentionsrechts der Beschwerdeführerin nicht herausgegeben werden. Zudem habe sie dem Konkursamt mitge- teilt, dass sie beabsichtige, sich die Abwehrrechte der Konkursmasse gegen die Eigentumsan- sprache der Drittansprecherin gemäss Art. 260 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG, SR 281.1) abtreten zu lassen, weshalb die Verfügung in Wiedererwä- gung zu ziehen sei. Da das Konkursamt dem nicht nachgekommen sei, sei es unumgänglich gewesen die vorliegende Beschwerde zu erheben. Die vorzeitige Freigabe der D.____ Anlage verletze somit Art. 260 SchKG wie auch Art. 49 der Verordnung über die Geschäftsführung der Konkursämter (KOV, SR 281.32), da vorgängig nicht per Zirkular ein Entscheid über die Aner- kennung des Drittanspruchs eingeholt und anschliessend den Gläubigern eine Frist zur Stellung von Abtretungsbegehren angesetzt worden sei. Zudem verlet ze die vorzeitige Freigabe Art. 53 KOV, da der Beschwerdeführerin als Vermieterin der Geschäftsräume ein Retentionsrecht an Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht den streitbetroffenen Gegenständen zukomme. Diesfalls dürften gemäss klarer Rechtsprechung die von der Drittansprecherin zu Eigentum herausverlangten Sachen erst nach einem Entscheid eines ausserhalb des Konkurses zu führenden Zivilprozesses zwischen der Drittansprecherin und der Beschwerdeführerin als Retentionsgläubigerin herausgegeben werden, da die Be- schwerdeführerin andernfalls ihres Retentionsrechts verlustig ginge. Schliesslich finde Art. 51 KOV, welcher als Ausnahme der Art. 47 – 50 KOV fungiere, vorlie- gend keine Anwendung. Dieser könne nur dann zur Anwendung gelangen, wenn klare Verhält- nisse bezüg lich des Eigentums des Drittansprechers vorliegen, die sofortige Herausgabe im offenbaren Interesse der Konkursmasse liege oder wenn vom Drittansprecher eine angemes- sene Kaution geleistet werde. Vorliegend liege jedoch keiner der drei Ausnahmetatbestände vor, weshalb eine vorzeitige Herausgabe der Sache nicht durch Art. 51 KOV gerechtfertigt wer- den könne. Insbesondere liege kein offenbares Interesse der Konkursmasse an der vorzeitigen Herausgabe vor. Zwar benötige die D.____ Anlage Mietfläche und verursache damit Kosten, jedoch stünden diese in keinem Verhältnis zum Wert der Anlage von rund CHF 19.7 Mio. Zu- dem sei gemäss Argumentation des Konkursamtes die Mietfläche ohnehin bereits zurückgege- ben worden, weshalb der Masse gar keine Kosten mehr entstünden. Des Weiteren bestünde ein Angebot im Rahmen des von E.____ (einem ehemaligen Mitarbeiter der Konkursitin) ge- nannten Schrottwertes der D.____ Anlage. Die Konkursmasse habe demzufolge kein Interesse an der Herausgabe. Zudem könne keineswegs von liquiden Verhältnissen die Rede sein, da die Drittansprecherin kein Dokument vorgelegt habe, welches ihr Eigentum nachweise würde. E. Mit Verfügung der Aufsichtsbehörde vom 1. September 2021 wurde die Beschwerde vom 30. August 2021 der C.____ AB sowie dem Konkursamt zur S tellungnahme innert 10 Tagen seit Zustellung zugestellt. Ausserdem wurde der Beschwerde vorläufig die aufschie- bende Wirkung erteilt und der definitive Entscheid über die aufschiebende Wirkung nach Ein- gang der Vernehmlassungen in Aussicht gestellt. F. Mit Eingabe vom 13. September 2021 reichte das Konkursamt, vertreten durch die Ad- vokaten Dr. Lucius Huber und Basil Kupferschmied, seine Vernehmlassung zur Beschwerde vom 30. August 2021 ein und beantragte deren Abweisung unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung b ringt das Konkursamt zusammengefasst vor, die Verfügung vom 18. August 2021 beziehe sich nur auf diejenigen Teile der D.____ Anlage, deren Eigentum durch die Rechnungen in der Beilage zum Gesuch belegt gewesen seien. Zudem sei das Dritteigentum der Ansprec herin nicht herausgegeben, sondern ihr lediglich mitgeteilt worden, dass sich die Beschwerdeführerin aufgrund ihres Retentionsrechts vorbehält, das Drittpfand dereinst verwer- ten zu lassen und sich die Drittansprecherin zwecks Herausgabe der D.____ Anlage direkt mit der Beschwerdeführerin in Verbindung zu setzen habe. Entgegen der Auffassung der Be- schwerdeführerin habe das Konkursamt nicht eigenmächtig über die Herausgabe verfügt. Viel- mehr sei dies in Abstimmung mit der Beschwerdeführerin geschehen, da diese anlässlich einer Videokonferenz am 9. August 2021 den Wunsch geäussert habe, dass der Drittansprecherin eine Frist bis zum 31. August 2021 für die Abholung der D.____ Anlage anzusetzen sei. Zudem sei eine Herausgabe der D.____ Anlage gestützt auf Art. 51 KOV möglich. Einerseits habe die Drittansprecherin mit den Bestell - und Lieferscheinen sowie Rechnungen (Beschwerdebeilage Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8c) ihr Eigentum rechtsgenüglich nachgewiesen und es lägen damit liquide Verhältnisse i.S.v. Art. 51 lit. a KOV vor. Andererseits lie ge die Herausgabe auch im Interesse der Masse, da die Beschwerdeführerin ein Retentionsrecht im Umfang von CHF 3.85 Mio. geltend gemacht habe und ein allfälliger Verwertungserlös wenige „100 TCHF“ betragen würde. Jedoch trüge die Kon- kursmasse bei einer Ver weigerung der Herausgabe das Kostenrisiko eines allfälligen Prozes- ses. Für den Fall, dass der Ausnahmetatbestand von Art. 51 KOV vorliegend wider Erwarten nicht zur Anwendung gelangen sollte, seien die Gläubiger gemäss Art. 49 KOV nur in „wichtigeren Fällen“ vorgängig per Zirkular anzuhören, ob ein Drittanspruch anerkannt werden solle. Als wichtigere Fälle würden jene gelten, deren Verwertungserlös für die Gläubigermehrheit von ho- hem Wert sei. Die Beschwerdeführerin habe vorliegend ein Retentionsrecht im Um fang von rund CHF 3,85 Mio. geltend gemacht und die D.____ Anlage weise demgegenüber einen Wert von „wenigen 100 TCHF“. auf. Ein allfälliger Verwertungserlös würde – nach Abzug gewisser Kosten – wohl überwiegend an die retentionsgesicherte Forderung der Be schwerdeführerin angerechnet, womit die Mehrheit der Gläubiger leer ausgehen würde. Demzufolge liege für die Gläubiger kein „wichtigerer Fall“ i.S.v. Art. 49 KOV vor. G. Gleichentags reichte auch die C.____ AB, vertreten durch Advokat Dr. Lukas Bopp und Rechtsanwalt Dr. Oliver M. Brupbacher, ihre Vernehmlassung ein und beantragte die Abwei- sung der Beschwerde, soweit überhaupt darauf einzutreten sei. Dies ebenfalls unter o/e-Kostenfolge. Als Begründung bringt sie vor, gemäss der Verfügung des Konkursamtes vo m 18. August 2021 betreffend vorzeitige Herausgabe der D.____ Anlage hätte sich die Drittansprecherin verpflich- ten müssen, im Falle einer erfolgreichen gerichtlichen Bestreitung der Aussonderung gemäss Art. 242 SchKG die D.____ Anlage, respektive den Zeitwert am Tag der Konkurseröffnung, un- verzüglich und ohne Kostenfolge der Konkursmasse auszuhändigen. In der streitbetroffenen Verfügung sei sodann festgehalten, dass die Freigabe nur unter der Bedingung erfolge, dass die Vereinbarung bis spätestens am 23. Au gust 2021 unterzeichnet an das Konkursamt retour- niert werde. Jedoch habe die C.____ AB diese Vereinbarung „ bis heute“ (gemeint ist der 13. September 2021) nicht unterzeichnet, weshalb die Rechtswirkungen der Verfügung gar noch nicht eingetreten seien und es deshalb an einem tauglichen Anfechtungsobjekt und einem rechtlich geschützten Interesse der Beschwerdeführerin fehle. H. Mit Verfügung der Aufsichtsbehörde vom 14. September 2021 wurde in Aufhebung der Ziff. 1 der Verfügung vom 1. September 2021 der Besc hwerde keine aufschiebende Wirkung erteilt. Der Schriftenwechsel wurde sodann geschlossen und die Akten bei der Aufsichtsbehör- de in Zirkulation gesetzt. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 21. September 2021 Beschwerde beim Bundesgericht, welches mit Verfügung vom 22. September 2021 der Beschwerde die aufschiebende Wirkung erteilte. I. Schliesslich reichte die Beschwerdeführerin dem Kantonsgericht mit Eingabe vom 27. September 2021 ihre Stellungnahme zur Eingabe des Konkursamtes sowie zur Vernehm- lassung der C.____ AB vom 13. September 2021 ein und hielt an ihren Rechtsbegehren fest. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Mit Urteil vom 29. September 2021 trat das Bundesgericht auf die Beschwerde vom 21. September 2021 nicht ein. Erwägungen 1.1 Mit Ausnahme der Fälle, in denen das Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Kon- kurs (SchKG) den Weg der gerichtlichen Klage vorschreibt, kann gemäss Art. 17 SchKG gegen jede Verfügung eines Betreibungs - oder eines Konkursamtes bei der Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs wegen Gesetzesverletzung oder Unangemessenheit Beschwer- de geführt werden. Die sachliche Zuständigkeit der Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts Basel -Landschaft zur Behandlung der Angelegenheit als Aufsichtsbehörde ergibt sich aus § 6 Abs. 3 lit. a des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über Schuldbetrei- bung und Konkurs (EG SchKG, SGS 233). Wird eine Gesetzesverletzung oder Unangemes- senheit geltend gemacht, so muss die Beschwerde gemäss Art. 17 Abs. 2 SchKG grundsätzlich innert zehn Tage n seit dem Zeitpunkt, in welchem der Beschwerdeführer von der Verfügung Kenntnis erhalten hat, angebracht werden. Zur Beschwerde legitimiert ist, wer durch die ange- fochtene Verfügung eines Zwangsvollstreckungsorgans in seinen rechtlichen oder zumindest tatsächlichen Interessen betroffen und dadurch beschwert ist und deshalb ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Abänderung der Verfügung hat (BGE 129 III 595 E. 3). Das betreibungsrechtliche Beschwerdeverfahren vor der Aufsichtsbehörde über Schuld betreibung und Konkurs richtet sich gemäss § 11 EG SchKG nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz Ba- sel-Landschaft (VwVG, SGS 175), soweit das Bundesrecht keine Regelung vorsieht. § 15 Abs. 1 VwVG verlangt, dass die Eingaben der Parteien ein klar umschriebenes Begehren, die Angabe der Tatsachen und Beweismittel, eine Begründung sowie die Unterschrift der Parteien oder ihres Vertreters enthalten müssen. Der Beschwerdeantrag muss entweder auf Aufhebung bzw. Änderung der angefochtenen Verfügung oder auf Vornahme e iner betreibungsrechtlichen Massnahme gerichtet sein (Art. 21 SchKG). Der Antrag kann sich auch durch Auslegung der Eingabe, namentlich deren Begründung ergeben. Als Beschwerdegründe können Gesetzesver- letzung, Unangemessenheit, Rechtsverzögerung sowie Rech tsverweigerung geltend gemacht werden. In jedem Fall können lediglich Verfahrensfehler gerügt werden. Über materi- ell-rechtliche Fragen wird im Beschwerdeverfahren nicht entschieden. Die Beschwerde muss mindestens summarisch begründet werden. Der Beschwerde führer hat mithin kurz darzulegen, gegen welche Rechtssätze der angefochtene Entscheid verstösst. Zur Begründung einer Be- schwerde gehört somit, dass sich der Beschwerdeführer mit dem angefochtenen Entscheid in- haltlich auseinandersetzt. 1.2 Vorbemerkend ist festzuhalten, dass das Schreiben des Konkursamtes vom 18. August 2021 – trotz fehlender Bezeichnung als Verfügung und trotz fehlender Rechtsmittelbelehrung – als Verfügung zu qualifizieren ist. Art. 242 Abs. 1 SchKG sieht denn auch explizit vor, dass die Konkursverwaltung eine Verfügung über die Herausgabe von Sachen, welche von einem Drit- ten beansprucht werden, zu treffen hat. Dass sich das Konkursamt vorliegend mit einem infor- mellen Schreiben begnügt hat, darf der Beschwerdeführerin nicht zum Nachteil g ereichen (zum Ganzen siehe bereits publ. Entscheid AB SchK BL 420 21 69 vom 11. Mai 2021 E. 1, publiziert unter: https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/gerichte/rechtsprechung/kantonsgericht/ rechtsgebiet/schuldbetreibungs-und-konkursrecht; OGer BE ABS 19 223 vom 3. Februar 2020 Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 7.2). Die angefochtene Verfügung vom 18. August 2021 ist der Beschwerdefü hrerin am 19. August 2021 per E -Mail zugegangen, weshalb die am 30. August 2021 dagegen erhobene Beschwerde rechtzeitig erfolgt ist (vgl. Art. 31 SchKG i.V.m. Art. 142 Abs. 3 ZPO). Die Be- schwerdeführerin macht sodann eine Gesetzesverletzung, namentlich von Art. 260 SchKG so- wie der Art. 49, 53 und 51 KOV, geltend, was im Beschwerdeverfahren nach Art. 17 Abs. 1 SchKG eine zulässige Rüge darstellt. Fraglich ist jedoch, ob die Beschwerdeführerin ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der angefochtenen Ve rfügung aufweist. Mit der Verfügung vom 18. August 2021 wurde der C.____ AB die Herausgabe der D.____ Anlage in Aussicht gestellt, unter der Bedingung, dass die beigelegte Ver einbarung bis spätestens am 23. August 2021 unterzeichnet an das Konkursamt retourniert werde. Unbestrittenermassen hat die C.____ AB die Vereinbarung nicht innert der Frist unterzeichnet (siehe auch Vernehmlas- sung der C.____ AB vom 13. September 2021, Rz. 6). Soweit die Beschwerdeführerin insinu- iert, es bestehe die Gefahr, dass die C.____ AB die Vereinbarung noch unterzeichne und die D.____ Anlage in der Folge herausverlange, da die C.____ AB ausgeführt habe, sie habe diese die Vereinbarung „bis heute“ nicht unterzeichnet und die Verfügung vom 18. August 2021 ihre Rechtswirkungen „gar noch nicht eingetreten“ seien, ist zu prüfen, ob dies überhaupt möglich wäre. Die Verfügung vom 18. August nennt ausdrücklich den 23. August 2021 als letztmögli- chen Zeitpunkt für die Unterzeichnung und Einreichung der Vereinbarung an das Konkursamt. Unklar bleibt jedoch, welcher Natur diese Frist ist, bzw. ob sich das Konkursamt auf dieser be- haften lassen wollte oder ob der 23. August 2021 lediglich im Sinne eines (unverbindlichen) Termins genannt ist. Ebenfalls unklar ist, ob das Konkursamt willens wäre, diese Frist zu erstre- cken oder allenfalls gar eine verspätete Retournierung der Vereinbarung dennoch zu akzeptie- ren. Zudem scheint aus dem ebenfalls bei der Aufsichtsbehörde zwischen den gleichen Partei- en und der identischen Drittansprecherin hängigen Verfa hren Nr. 420 21 207 hervorzugehen, dass die Beschwerdeführerin vom Erlass der Herausgabeverfügungen durch das Konkursamt nicht formell in Kenntnis gesetzt wird. Es besteht für die Beschwerdeführerin deshalb die Ge- fahr, dass die Drittansprecherin die Verein barung auch nach dem 23. August 2021 unterzeich- net und die Beschwerdeführerin somit zu gegebener Zeit vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Aus dem Gesagten – sowie aus dem Grundsatz, dass im Zweifelsfall ein schutzwürdiges Inte- resse jeweils zu bejahen i st (BSK ZPO-GEHRI, 3. Aufl., Basel 2017, Art. 59 N 7) – erhellt, dass die Beschwerdeführerin ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der angefochtenen Verfügung aufweist. 2. Die Konkursverwaltung trifft gemäss Art. 242 SchKG eine Verfügung über die H eraus- gabe von Sachen, welche von einem Dritten beansprucht werd en. In Konkretisierung von Art. 242 SchKG sieht Art. 47 Abs. 1 KOV vor, dass die Konkursverwaltung dem Dritten die An- erkennung erst mitteilt und ihm die beanspruchten Vermögenswerte erst heraus gibt, wenn fest- steht, dass die zweite Gläubigerversammlung nichts anderes beschliesst (lit. a) und nicht ein- zelne Gläubiger nach Art. 260 SchKG Abtretung der Ansprüche der Masse auf den Vermö- genswert verlangen (lit. b). Dafür muss im summarischen Konkursve rfahren in wichtigeren Fäl- len vorab per Zirkular ein Entscheid der Gläubiger über eine allfällige Anerkennung des An- spruchs eingeholt werden. Als wichtigere Fälle i.S.v. Art. 49 KOV gelten namentlich solche mit einem hohen Wert der angesprochenen Gegenstän de (DIKE Komm KOV -BOMMER, Zü- rich/St. Gallen 2016, Art. 49 N 4). Ein wichtigerer Fall liegt gemäss der bundesgerichtlichen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsprechung schon bei einem Wert von CHF 59'100.00 vor (BGer 5C.242/2004 vom 7. April 2005 E. 3). Liegt kein wichtiger Fall im Sinn e der obgenannten Bestimmung vor, so kann die Konkursverwaltung e contrario in eigener Kompetenz entscheiden ( BOMMER, a.a.O., Art. 49 N 5). Vorliegend ist von einem Zeitwert der streitbetroffenen D.____ Anlage von „wenige[n] 100 TCHF“ auszugehen (siehe Bes chwerdebeilage 12), weshalb ein wichtigerer Fall i.S.v. Art. 49 KOV vorliegt. 3.1 Für die Einholung eines Zirkularentscheids gemäss Art. 49 KOV liegen keine Belege im Recht. Es ist denn auch unbestritten, dass das Konkursamt einen solchen nicht eingeholt h at. Demzufolge hat das Konkursamt mit der Verfügung betreffend die vorzeitige Herausgabe der D.____ Anlage vom 18. August 2021 Art. 49 KOV verletzt. Das schadet jedoch dann nicht, wenn ein Ausnahmetatbestand gemäss Art. 51 KOV Anwendung findet. Dafür muss der An- spruch des Dritten von vornherein als bewiesen zu betrachten sein (lit. a); die sofortige Heraus- gabe des angesprochenen Vermögenswerts im offenbaren Interesse der Masse liegen (lit. b) oder vom Dritten eine angemessene Kaution geleistet worden sein ( lit. c). Unter liquide Verhält- nisse i.S.v. Art. 51 lit. a KOV sind lediglich diejenigen Fälle zu subsumieren, in denen keinerlei Zweifel über das Eigentum der Drittansprecherin bestehen ( BOMMER, a.a.O., Art. 51 N 5). Ein offenbares Interesse der Masse i.S.v. Art. 51 lit. b KOV liegt dagegen beispielsweise vor, wenn ausserordentlich hohe Aufbewahrungskosten anfallen ( BOMMER, a.a.O., Art. 51 N 7). Unbestrit- tenermassen ist von der C.____ AB keine angemessene Kaution geleistet worden, sodass le- diglich die vorgenannten lit. a und b zur Anwendung gelangen könnten. 3.1.1 Hinsichtlich des zum Vornherein bewiesenen Eigentums der C.____ AB bringt das Kon- kursamt vor, angesichts der mit Beschwerde vom 30. August 2021 als Beilage 8c eingereichten Rechnungen, die von E.____ als korrekt bestätigt worden seien, sei das Eigentum der Drittan- sprecherin bewiesen. Bei der Beschwerdebeilage 8c handelt es sich um eine 289 -seitige Sammlung von Rechnungen (teilweise von der Konkursitin an die Drittansprecherin, teilweise von Dritten) über Teile der D.____ Anlage. Die Beschwerdeführerin hat als Beschwerdebeilage 8d zudem ein „Contract Manufacturing Agreement“ sowie dazu geschlossene Zusatzvereinba- rungen (nachfolgend: CMA) zwischen der C.____ AB und der Konkursitin eingereicht. Die Be- schwerdeführerin bringt vor, dass gemäss diesem Vertragswerk alle K apitalausgaben, die wäh- rend der Dauer der jeweiligen Zusatzvereinbarungen von der Drittansprecherin genehmigt und finanziert werden, als Vermögenswert der Drittansprecherin behandelt würden, sofern diese das wünsche. Ebenso würden die Anlagenteile nach ihrer Abschreibung auf null ins Eigentum der Gemeinschuldnerin fallen (siehe Ziff. 4 der Zusatzvereinbarung 6; Ziff. 5 der Zusatzvereinba- rung 7 sowie Ziff. 4 und 5 der Zusatzvereinbarung 8), was mit der Konkurseröffnung mit an Si- cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit denn auch so geschehen sei. Ob, bzw. in welchem Um- fang die D.____ Anlage in den Büchern der Drittansprecherin oder der Konkursitin verbucht sei, sei deshalb nicht klar und folglich sei auch das Eigentum der Drittansprecherin nicht bewiesen. Das Konkursamt entgegnet diesen Einwänden nichts und bringt lediglich vor, dass die Be- schwerdeführerin keinerlei Belege für das Eigentum der Konkursitin vorzulegen vermöge. Auf- grund der von der Beschwerdeführerin eingereichten Unterlagen bestehen vorliegend begrün- dete Zweifel am Eigentum der Drittansprecherin. Insbesondere lassen die Rechnungen der Be- schwerdebeilage 8c die notwendige Eindeutigkeit eines E igentumserwerbs von Seiten der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Drittansprecherin vermissen. Namentlich geben sie keinen Aufschluss über den Rechtsgrund bzw. die Vertragsgrundlage des Eigentumserwerbs. Ebenso wenig vermag das komplexe Ver- tragswerk des CMA und die darin vereinbarten Buchun gsvorgänge die Lage zu erhellen. Schliesslich bestreitet das Konkursamt auch die Behauptung der Beschwerdeführerin, wonach die D.____ Anlage aufgrund des sachenrechtlichen Akzessionsprinzips in ihr Eigentum über- gangen sei, nicht. Da vorliegend nicht klar i st, ob die Anlage fest mit dem Boden verbunden ist, kann auch diesbezüglich von klaren Verhältnissen keine Rede sein. Gesamthaft ist demgemäss zu konstatieren, dass das Eigentum der Drittansprecherin nicht von vornherein als bewiesen zu betrachten ist. Ob die Beschwerdeführerin das Eigentum der Konkursitin zu beweisen vermag, ist – entgegen der Auffassung des Konkursamtes – unerheblich, da ihr ein solcher Beweis nicht obliegt. 3.1.2 Ebenso wenig verfängt die Argumentation des Konkursamtes, wonach die vorzei tige Herausgabe der D.____ Anlage im offenbaren Interesse der Masse liege. Ein solches würde unter Umständen – wie bereits in der vorstehenden E. 3.1 ausgeführt – vorliegen, wenn aus- serordentlich hohe Aufbewahrungskosten entstünden. Inwiefern dies vorliegend der Fall ist, legt das Konkursamt mit keinem Wort dar. Dass die Anlage bei einer allfälligen Verwertung ein Erlös von lediglich „wenigen 100 TCHF“ erzielen würde und die Beschwerdeführerin eine retentions- gesicherte Forderung über rund CHF 3,85 Mio. geltend mache, deutet noch nicht auf ein offen- bares Interesse der Masse an der Herausgabe der D.____ Anlage hin. Selbst für den Fall, dass sich die vom Konkursamt prophezeite Höhe des Verwertungserlöses bewahrheiten würde, hätte sich die Konkursmasse um diesen Vermögenswert entledigt, was augenscheinlich nicht im Inte- resse der Masse sein kann. Nach dem Gesagten erhellt, dass kein Ausnahmetatbestand ge- mäss Art. 51 KOV greift, sodass die Verfügung des Konkursamtes vom 18. August 2021 in Ver- letzung von Art. 49 KOV erlassen worden und sie deshalb aufzuheben ist. Eine allfällige Verlet- zung von Art. 53 KOV kann demnach offenbleiben, weshalb weitere Ausführungen dazu ent- behrlich sind. 4. Das Beschwerdeverfahren vor der Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Kon- kurs ist grundsätzlich kostenlos (Art. 20a Abs. 2 Ziff. 5 SchKG) und es darf keine Parteient- schädigung zugesprochen werden (Art. 62 Abs. 2 GebV SchKG). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung des Konkursam- tes vom 18. August 2021 wird aufgehoben. 2. Es werden keine Kosten erhoben. Jede Partei trägt ihre eigenen Parteikosten selbst. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Aktuar Dario Glauser