Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. August 2014 (710 14 17) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Festsetzung persönlicher Beiträge aufgrund eines Liquidationsgewinns bei Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit Besetzung Vorsitzender Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrichter Jgnaz Jer- mann, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Beiträge A. Gestützt auf die Meldung der Steuerverwaltung de s Kantons Basel-Landschaft über Er- werbseinkommen und Betriebskapital Selbständigerwer bender vom 22. November 2013 erhob die Ausgleichskasse Basel-Landschaft (Kasse) mit Verfügung vom 27. November 2013 die per- sönlichen Beiträge von A.____für das Jahr 2011 in d er Höhe von Fr. 53‘071.60. Eine dagegen von der Versicherten, vertreten durch B.____, am 6. Dezember 2013 erhobene Einsprache wies sie mit Einspracheentscheid vom 17. Dezember 2013 ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Nachdem sich die Kasse in der Folge noch einmal mit der kantonalen Steuerverwaltung in Verbindung gesetzt und eine weitere Steuermeldun g vom 23. Oktober 2013 erhalten hatte, zog sie ihre Verfügung vom 27. November 2013 am 6. Janu ar 2014 in Wiedererwägung und setzte die persönlichen Beiträge der Versicherten auf Fr. 47‘320.60 fest. Hintergrund bildete der Umstand, dass auf der neuerlichen Steuermeldung der Ste uerverwaltung ein Liquidationsge- winn infolge Überführung der Geschäftsliegenschaft in das Privatvermögen von A.____ in Höhe von Fr. 495‘930.— abzüglich AHV-Beiträge im Umfang von Fr. 49‘583.— vermerkt war. Mit rek- tifiziertem Einspracheentscheid ebenfalls vom 6. Januar 2 014 hiess die Kasse die Einsprache der Versicherten vom 6. Dezember 2014 deshalb teilwei se gut. Dabei hielt sie fest, dass durch die Überführung der Geschäftsliegenschaft ins Privatvermö gen für das Jahr 2011 ein AHV- pflichtiger Liquidationsgewinn in der Höhe von Fr. 44 6‘347.— entstanden sei. Ihre Verfügung beruhe auf einer rechtskräftigen Steuerveranlagung für die direkte Bundessteuer, woran sie den gesetzlichen Vorgaben zufolge gebunden sei. C. Hiergegen erhob A.____ mit Eingabe vom 20. Januar 2014 Beschwerde beim Kantons- gericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversi cherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids der Kasse vom 6. Januar 2014. Zur Begründung liess sie im Wesentlichen vorbringen, dass die von der Steuerverwaltung zugestellte Aufstellung von den Eheleuten A.____ in Unke nntnis der resultierenden Folgen un- terzeichnet worden sei. Ausserdem sei B.____ nicht darüb er informiert worden, dass ein sol- ches Schreiben eingetroffen sei. Die fragliche Liegensch aft sei nie als Geschäftsliegenschaft angegeben worden. Das Vorgehen der Verwaltung sei u nverständlich und es sei nicht zu ver- stehen, weshalb bei der strittigen Berechnung die Sch ulden unberücksichtigt geblieben seien. Schliesslich seien keinerlei finanzielle Mittel vorhanden, die strittigen Beiträge zu bezahlen, weshalb im Falle eines negativen Entscheids ein Erlassgesuch gestellt werden müsse. D. Auf Nachfrage des Kantonsgerichts vom 21. Januar 201 4 teilte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 23. Januar 2014 mit , dass er weder im Anwaltsregister eingetragen sei noch für seine Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin eine Rechnung stellen werde. Darüber hinaus liess er geltend machen, dass er stets die steuerlichen Angelegenheiten der Familie der Beschwerdeführerin erledigt habe. Das Vorgehen der Kasse sei vorliegend nicht in Ordnung und er versuche, die Situation nunmehr zu korrigieren. Die einfachste Lösung wäre, wenn die Steuerverwaltung trotz rechtskräftiger Steuerv eranlagung ein Rektifikat vornehmen würde. Der in Rechnung gestellte Betrag könne schlichtweg nicht bezahlt werden. E. Mit Vernehmlassung vom 18. März 2014 schloss die Kasse auf Abweisung der Be- schwerde. Aufgrund der eingereichten Unterlagen könne d ie Kasse weder Richtigkeit noch Un- richtigkeit der steuerlichen Überführung der fraglichen Liegenschaft vom Geschäfts- in das Pri- vatvermögen der Versicherten beurteilen. Die in der Besc hwerde aufgeworfenen Fragen seien von der Steuerverwaltung zu beantworten. F. Mit Schreiben vom 28. Mai 2014 zog das Kantonsgeri cht bei der kantonalen Steuerver- waltung die Steuerakten der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes ab dem Jahr 2000 bei. Diese ergingen am 5. Juni 2014. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 84 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 entscheidet über Beschwerde n gegen Einspracheentscheide kantonaler Ausgleichskassen das Versicherungsgericht am Ort der Ausgleichskasse. Anfech- tungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet ein Ein spracheentscheid der Ausgleichskasse Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ge- richtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einsprache entscheide der Versicherungs- träger gemäss Art. 56 des Bundesgesetzes über den Allgemei nen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000. Es ist somit auch sa chlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen f rist- und formgerecht erhobene - Be- schwerde der Versicherten vom 20. Januar 2014 ist demnach einzutreten. 2.1 Gemäss Art. 4 Abs. 1 AHVG schulden die erwerbstätige n Versicherten Beiträge auf dem aus einer unselbständigen oder selbständigen Erwerb stätigkeit fliessenden Einkommen. Nach Art. 9 Abs. 1 AHVG ist Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit jedes Erwerbsein- kommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stell ung geleistete Arbeit darstellt. Als selb- ständiges Einkommen gelten laut Art. 17 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenen- versicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 alle in selbständ iger Stellung erzielten Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-, Gewerbe-, Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf, sowie aus jeder anderen selbständigen Erwerbstät igkeit, einschliesslich der Kapital- und Überführungsgewinne nach Art. 18 Abs. 2 des Bundesge setzes über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 und der Gewinne aus der Ve räusserung von land- und forst- wirtschaftlichen Grundstücken nach Art. 18 Abs. 4 DBG, m it Ausnahme der Einkünfte aus zu Geschäftsvermögen erklärten Beteiligungen nach Art. 18 A bs. 2 DBG. Art. 17 AHVV gleicht die AHV-beitragsrechtliche Umschreibung des Einkommens aus sel bstständiger Erwerbstätigkeit mithin derjenigen des Steuerrechts an. Soweit das AHVG und die AHVV keine abweichende Regelung enthalten, unterliegen grundsätzlich alle steu erbaren Einkünfte aus selbstständiger Erwerbstätigkeit deshalb auch der Beitragspflicht (BGE 134 V 250 E. 3.2 S. 253 mit Hinweisen). So gelten nach Art. 17 AHVV insbesondere auch Kapital- und Überführungsgewinne im Sinne des Bundessteuerrechts als Einkommen aus selbstständiger E rwerbstätigkeit im Sinne von Art. 9 Abs. 1 AHVG (vgl. Art. 18 Abs. 2 Satz 2 DBG; ebe nso Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die Harmonisierung der dir ekten Steuern der Kantone und Ge- meinden). Nicht unter den Begriff der selbstständigen Erwerbstätigkeit im Sinne von Art. 9 Abs. 1 AHVG und Art. 17 AHVV fällt hingegen die bloss e Verwaltung des persönlichen Vermö- gens. Der daraus resultierende reine Kapitalertrag un terliegt daher nicht der Beitragspflicht. Anderseits stellen Kapitalgewinne aus der Veräusserung od er Verwertung von Gegenständen des Privatvermögens, wie Wertschriften oder Liegenschaft en, auch bei nicht buchführungs- pflichtigen (Einzel-) Betrieben, Einkommen aus selbstst ändiger Erwerbstätigkeit immer dann dar, wenn und soweit sie auf gewerbsmässigem Handel beru hen (BGE 134 V 250 E. 3.1 S. 253; 125 V 383 E. 2a S. 385). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Für die Abgrenzung des Privatvermögens vom Geschäftsve rmögen sind die Grundsätze der direkten Bundessteuer massgebend (vgl. ZAK 1979 S. 4 29; ZAK 1897 S. 296). Ausgangs- punkt für die Beurteilung der Frage, ob Vermögenszuwäch se (Erträge, Gewinne) aus einer selbstständigen Erwerbstätigkeit im Sinne von Art. 4 Ab s. 1 und Art. 9 Abs. 1 AHVG herrühren, bildet die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Abgrenzung zwischen Privat- und Geschäfts- vermögen bei der Besteuerung von Kapitalgewinnen nach Art. 21 Abs. 1 lit. d des Bundesbe- schlusses vom 9. Dezember 1940 über die Erhebung einer d irekten Bundessteuer (aBdBSt, in Kraft gewesen bis Ende 1994; zur neuen Rechtslage vgl. E. 2d). Danach besteht das entschei- dende Kriterium für die Zuteilung eines Vermögenswert es zum Geschäftsvermögen darin, dass er entweder für Geschäftszwecke erworben worden ist (Erwe rbsmotiv) oder dem Geschäft tat- sächlich dient (Zweckbestimmung; BGE 109 V 162 f. E. 4b, in BGE 124 V 150 E. 4c sowie ZAK 1987 S. 297 E. 2c mit Hinweisen; M ARKUS REICH , Die Abgrenzung von Geschäfts- und Privat- vermögen im Einkommenssteuerrecht, in: SJZ 80/1984 S. 22 6). Bei dieser Prüfung ist auf ob- jektive Kriterien abzustellen (vgl. AHI 1999 S. 203). Wo sich die Zugehörigkeit nicht ohne weite- res aus der äusseren Beschaffenheit des Vermögenswertes ergi bt, wie dies häufig bei Alterna- tivgütern der Fall ist, die sowohl mit dem Geschäft im Z usammenhang stehen als auch aus- schliesslich für eine private Verwendung geeignet sein kö nnen, ist darüber auf Grund einer Würdigung aller für die Bestimmung der technisch-wirt schaftlichen Funktion des betreffenden Gegenstandes bedeutsamen Umstände zu entscheiden (BGE 12 0 Ia 354 f. E. 4c/aa, BGE 112 Ib 82 f. E. 3a, je mit Hinweisen). Gemischt genutzte Liegenschaften werden diesen Kriterien zufolge in ihrer Gesamtheit entweder dem Geschäfts- o der dem Privatvermögen zugeordnet. Sie gelten dann als vorwiegend der selbständigen Erw erbstätigkeit dienend, wenn ihre ge- schäftliche Nutzung die private Nutzung überwiegt (sogena nnte Präponderanzmethode; vgl. AHI 1999 S. 203, BGE 125 V 218). 2.3 Bei der Übernahme steuerrechtlicher Grundsätze im Zusammenhang mit der Frage, ob solche Vermögenszuwächse der Beitragspflicht unterliegen, ist stets im Auge zu behalten, dass die Qualifikation eines Vermögensbestandteils als Privat- oder Geschäftsvermögen steuerrecht- lich häufig ohne Belang ist, da im Steuerbereich der Einkommensbegriff auf der Reinvermö- genszugangstheorie beruht (ASA 60 S. 77 E. 4a; LOCHER , System des Steuerrechts, 5. Aufl., S. 155; KÄNZIG , Kommentar zur Wehrsteuer [Direkte Bundessteuer], 2. A ufl., Bern 1982, N. 1-3 zu Art. 21; AGNER / JUNG / STEINMANN , Kommentar zum Gesetz über die direkte Bundessteuer, Zürich 1995, N. 1 zu Art. 16). Dementsprechend stellt der Vermögensertrag auf beweglichem und unbeweglichem Privatvermögen unbekümmert darum, ob ihm eine erwerbliche Tätigkeit zu Grunde liegt oder nicht, steuerbares Einkommen dar. In diesem Sinne ist der beitragsrechtliche Einkommensbegriff enger als die im Bundessteuerrecht ver wendete Terminologie (BGE 125 V 386 f. E. 2b, mit Verweis auf BGE 106 V 132 E. 3b). 2.4 Bei der Überführung von Geschäftsvermögen ins Priva tvermögen wird bei der direkten Bundessteuer diese sogenannte Verwertung zum Anlass genom men, um über stille Reserven abzurechnen. Wenn eine steuerpflichtige Person ihre se lbstständige Erwerbstätigkeit aufgibt, hat grundsätzlich die Kapitalgewinnbesteuerung infolge Privatentnahme zu erfolgen, sofern nicht ausdrücklich erklärt wird, man wolle die Aktiven des Geschäftsvermögens im Rahmen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer verzögerten Geschäftsliquidation versilbern. Sämtliche Entnahmen haben dabei zum Ver- kehrswert der ins Privatvermögen überführten Vermögenswe rte zu erfolgen, wobei der Ver- kehrswert im Zeitpunkt der Privatentnahme massgebend ist. Der andere massgebende Wert ist der steuerlich massgebende Buchwert des entnommenen Ver mögenswertes. Besitzt dieser keinen Buchwert, weil er nicht bilanziert worden ist, so ist der Anlagewert massgebend. Einen Spezialfall der Überführung von Vermögenswerten aus dem Geschäfts- in das Privatvermögen bildet hierbei der Wechsel des überwiegend geschäftli ch genutzten zu einem überwiegend pri- vat genutzten Vermögenswert. Der Kapitalgewinn wird d iesfalls erst bei der Aufgabe der selb- ständigen Erwerbstätigkeit steuerlich erfasst (vgl. zum Gan zen: P ETER LOCHER , Kommentar zum DGB, I. Teil, 1. Aufl. 2001, Therwil/Basel, Rz 97 ff. zu Art. 18). 2.5 Die AHV-Beiträge werden gemäss Art. 22 Abs. 1 Sat z AHVV für jedes Beitragsjahr fest- gesetzt. Nach Satz 2 der genannten Bestimmung gilt als B eitragsjahr das Kalenderjahr. Für die Bemessung der Beiträge massgebend sind das Einkommen na ch dem Ergebnis des im Bei- tragsjahr abgeschlossenen Geschäftsjahres und das am Ende de s Geschäftsjahres im Betrieb investierte Eigenkapital (Art. 22 Abs. 2 AHVV). 3.1 Das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit u nd das im Betrieb eingesetzte Eigenkapital werden gemäss Art. 9 Abs. 3 AHVG von den ka ntonalen Steuerbehörden ermittelt und den Ausgleichskassen gemeldet. Die Angaben der kant onalen Steuerbehörden über das für die Berechnung der Beiträge massgebende Erwerbseinkommen - bei dessen Ermittlung sich die Ausgleichskassen grundsätzlich auf die rechtskräftige V eranlagung für die direkte Bundes- steuer abzustützen haben (vgl. Art. 17 und Art. 18 Abs. 1 AHVV) - sowie über das im Betrieb eingesetzte Eigenkapital sind für die Ausgleichskassen verbindlich (Art. 23 Abs. 4 AHVV). 3.2 Die absolute Verbindlichkeit der Angaben der Ste uerbehörden für die Ausgleichskas- sen und die daraus abgeleitete relative Bindung des So zialversicherungsgerichts an die rechts- kräftigen Steuertaxationen sind auf die Bemessung des mass gebenden Einkommens und des betrieblichen Eigenkapitals beschränkt. Diese Bindung be trifft also nicht die beitragsrechtliche Qualifikation und beschlägt daher die Frage nicht, o b überhaupt Erwerbseinkommen vorliegt und ob die Person, die das Einkommen bezogen hat, bei tragspflichtig ist. Somit haben die Aus- gleichskassen ohne Bindung an die Steuermeldung auf Gr und des AHV-Rechts zu beurteilen, ob für ein von der Steuerbehörde gemeldetes Einkommen eine Beitragspflicht besteht und wer allenfalls beitragspflichtig ist. Das gilt namentlich auch für die Qualifikation eines Vermögensbe- standteils als Privat- oder Geschäftsvermögen, zumal diese Unterscheidung steuerrechtlich häufig ohne Belang ist, da steuerrechtlich der Ertrag sowohl aus Privat- als auch aus Ge- schäftsvermögen steuerbar ist. Die Steuermeldung ist dahe r mit Bezug auf den Vermögenser- trag keine zuverlässige Grundlage für die AHV-Beitrags festsetzung, weshalb die Qualifikation als beitragsfreier Kapitalertrag auf Privatvermögen oder beitragspflichtiges Einkommen aus Ge- schäftsvermögen im Beitragsfestsetzungsverfahren erfolgen m uss (Urteil B. und R. des Bun- desgerichts vom 16. Januar 2009, 9C_551/2008, E. 2.3 mi t Hinweisen). Demgegenüber ist in Bezug auf den Vermögensgewinn die Unterscheidung von Ge schäfts- und Privatvermögen auch steuerrechtlich von Bedeutung, weshalb sich die AH V-Behörden in der Regel auf die Steuermeldungen verlassen können und eigene nähere Abklä rungen nur dann vornehmen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht müssen, wenn sich ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit der Steuermeldung ergeben (134 V 250 E. 3.3 S. 253; 110 V 369 E. 2a S. 370 und 83 E. 4 S. 86, 102 V 27 E. 3b S. 31 mit Hinwei- sen, Urteile H 49/02 E. 5 und H 239/85 E. 2b). 4.1 Die Kasse stützte ihre Beitragsfestsetzung im angefo chtenen Einspracheentscheid vom 6. Januar 2014 auf die rechtskräftige Steuermeldung de r Steuerverwaltung vom 23. Oktober 2013. Daraus geht hervor, dass die Ehefrau des Steuerpf lichtigen einen Liquidationsgewinn infolge der Überführung der Geschäftsliegenschaft ins Pr ivatvermögen in der Höhe von Fr. 495‘930.— erzielt habe. Wie hiervor erwähnt gelte n nach Art. 17 AHVV insbesondere auch Kapital- und Überführungsgewinne im Sinne des Bundesste uerrechts als Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit im Sinne von Art. 9 Abs . 1 AHVG (vgl. Erwägung 2.1). Diese werden von Gesetzes wegen von den kantonalen Steuerbeh örden ermittelt und den Aus- gleichskassen übermittelt (vgl. Erwägung 3.1). Die entsp rechenden Angaben sind für die Aus- gleichskassen verbindlich. Die AHV-Behörden haben somit insbesondere auch in Bezug auf den aus einer Geschäftsliquidation resultierenden Vermö gensgewinn auf die Steuermeldungen der Steuerverwaltung abzustellen, es sei denn, es würden sich ernsthafte Zweifel an der Rich- tigkeit der Steuermeldung ergeben (vgl. Erwägung 3.2 hiervor). Solche Zweifel liegen hier je- doch keine vor. Den vom Gericht beigezogenen Steuerakten der Beschwerdeführerin ist ein von ihr und ihrem Ehemann unterschriebenes Deklarationsform ular betreffend Liquidationsgewinn vom 5. Juli 2013 zu entnehmen, wonach sich der nach Bunde srecht steuerbare Liquidations- gewinn auf Fr. 446‘337.— beläuft (vgl. Deklaration Liq uidationsgewinn für die privilegierte Be- steuerung bei Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkei t ab 1. Januar 2011; Steuerakten des Jahres 2011). Weiter geht daraus hervor, dass dieser Liqu idationsgewinn infolge Geschäftsauf- gabe der Gastwirtschaft der Beschwerdeführerin (vgl. Anm erkung der Beschwerdeführerin in deren Erfolgsrechnung per 2011, Steuerakten des Jahres 2 011) aus einem gemäss Bundes- steuerrecht massgebenden Wertzuwachsgewinn der fraglichen Liegenschaft in der Höhe von Fr. 495‘930.— abzüglich die persönlichen AHV-Beiträge im Umfang von Fr. 49‘593.— resultiert. Damit ergibt sich, dass der in der Steuermeldung der S teuerverwaltung aufgeführte Wertzu- wachsgewinn mit dem von der Beschwerdeführerin und ihr em Ehemann am 5. Juli 2013 selbst deklarierten Liquidationsgewinn übereinstimmt. Ebenfal ls hält der im Deklarationsformular an- gegebene Wertzuwachsgewinn einer näheren Überprüfung stand: Dieser Wertzuwachsgewinn resultiert aus dem Überführungswert der fraglichen Liegenschaft im Zeitpunkt der Liquidation im Umfang von Fr. 701‘000.— abzüglich Anlagekosten von Fr . 205‘070.—. Der Überführungswert von Fr. 701‘000.— wiederum basiert auf einer Verkehrswe rtschätzung der Steuerverwaltung vom 24. Oktober 2012, wovon die Katasterwerte für das f ragliche Gebäude im Umfang von Fr. 202‘810.— sowie für den Bodenwert im Umfang von Fr . 2‘260.— (total Fr. 205‘070.—) in Abzug gebracht worden sind. Damit aber kann festgestell t werden, dass der strittige Liquidati- onsgewinn in masslicher Hinsicht nicht nur den massgebenden Steuerakten entspricht, sondern sich auch als schlüssig und nachvollziehbar erweist, da er von der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann explizit in dieser Höhe den Steuerbehörden gegenüber deklariert worden ist. 4.2 Die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft ve ranlagte den soweit korrekt aus- gewiesenen Liquidationsgewinn nach den Bestimmungen vo n Art. 37b DBG in Folge dessen am 22. August 2013 zu Recht in der Höhe von Fr. 446‘30 0.—, indem sie den massgebenden Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Betrag von Fr. 446‘337.— auf die nächsten 100 Franken a bgerundet und ihn ihrer definitiven Veranlagungsverfügung über die direkte Bundessteuer 20 11 zu Grunde gelegt hat (vgl. Details zur Veranlagungsverfügung Direkte Bundessteuer 2011 definitiv vom 22. August 2013, in Steu- erakten des Jahres 2011). Nachdem diese Veranlagung am 21. September 2013 in Rechtskraft erwachsen war (vgl. Antwortschreiben der Steuerverwalt ung vom 2. Januar 2014, Beilage zur Beschwerdebegründung vom 16. Januar 2014), bestand für die Kasse mithin keine Veranlas- sung, an den für sie grundsätzlich verbindlichen Angaben der Steuerbehörden zu zweifeln. Die- se Ansicht scheint denn auch die Beschwerdeführerin selbst zu vertreten, wenn sie in ihrer Ein- gabe an das Kantonsgericht vom 23. Januar 2014 vorbringen lässt, dass die Steuerverwaltung ein Rektifikat ihrer Steuerveranlagung hätte vornehm en sollen. Bekanntlich liegt es jedoch ge- rade nicht im Einflussbereich der Kasse, über eine all fällige Wiedererwägung in steuerrechtli- cher Hinsicht zu entscheiden. Die Kasse ist vielmehr an die qualitativ zu Recht erfolgte Liquida- tionsbesteuerung gebunden, an welcher zu zweifeln auch in masslicher Hinsicht dem Gesagten zufolge kein Anlass besteht. Die Kasse legte den soweit ausgewiesenen Liquidationsgewinn ihrer Beitragsfestsetzung deshalb zu Recht zu Grunde, we nn sie in ihrem angefochtenen Ein- spracheentscheid vom 6. Januar 2014 festhielt, dass durch d ie Überführung der Geschäftslie- genschaft ins Privatvermögen ein AHV-pflichtiger Liquida tionsgewinn in entsprechender Höhe entstanden sei. 4.3 Die Beschwerdeführerin lässt einwenden, dass die fra gliche Liegenschaft bisher nie als Geschäftsliegenschaft angegeben worden sei. Damit stell t sie sich sinngemäss auf den Stand- punkt, dass die AHV-rechtliche Taxation der Vermögenswert e an einem schwerwiegenden Mangel in steuerrechtlicher Hinsicht leiden würde. Diese m Standpunkt kann nicht gefolgt wer- den. Wie bereits dem Antwortschreiben der Steuerverwalt ung an die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann vom 2. Januar 2014 zu entnehmen ist, ist die fragliche Liegenschaft seit über zehn Jahren als geschäftliche Liegenschaft qualifiziert w orden. Ein Blick in die von der Steuer- verwaltung beigezogenen Steuerakten belegt denn auch, dass die Liegenschaft in der Vergan- genheit – entgegen der Selbstdeklaration der Beschwerde führerin und ihrem Ehemann – als steuerbares Geschäftsvermögen der Ehefrau und damit als geschäftlich genutztes Gebäude qualifiziert worden war. So ist den Details zur Veranl agungsverfügung betreffend bereits die Staatssteuer 2005 zu entnehmen, dass sowohl der Boden- a ls auch der Gebäudewert zum Ge- schäftsvermögen geschlagen worden war (vgl. a.a.O., Ziffer 833 und 843 der Veranlagungsver- fügung). Nichts anderes ergibt sich aus den Details zur Ver anlagungsverfügung der Folgejahre, wonach die fragliche Liegenschaft offensichtlich stets al s geschäftlicher Vermögenswert taxiert worden war (vgl. a.a.O., Jahre 2008 bis 2010, jeweils Z iffern 833 und 843). Erst für das Jahr 2012 wurde die Liegenschaft nach Aufgabe der Gastwirtschaft im Jahre 2011 wieder als Privat- vermögen qualifiziert (vgl. Details zur Veranlagungsver fügung Staatssteuer 2012 definitiv vom 22. August 2013, Ziffern 831 und 841). Ob die Beschwe rdeführerin die fragliche Liegenschaft in ihrer Steuererklärung dabei jeweils als Privatvermögen d eklariert hatte, vermag dabei – jeden- falls nunmehr in AHV-rechtlicher Hinsicht – keine Rolle mehr zu spielen. Massgebend ist viel- mehr die von der Steuerverwaltung vorgenommene Veranl agung als Geschäftsvermögen. Der genannten Präponderanzmethode zufolge ergibt sich in diesem Zusammenhang aber zu Recht, dass die Steuerverwaltung die geschäftlich als Gastwirtschaft genutzte Liegenschaft ihrer objek- tivierten Zweckbestimmung zufolge dem Geschäftsvermögen zuge schlagen hat (vgl. oben, Er- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht wägung 2.2. hiervor). Damit aber ist nicht ersichtlich, dass die steuerrechtliche Zuordnung der fraglichen Liegenschaft offensichtlich unzutreffend gewese n wäre, weshalb auch die Kasse im vorliegenden Beitragsstreit letztlich zu Recht davon au sgehen durfte, dass die Liegenschaft bis zur Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit der Ve rsicherten zu deren Geschäftsvermö- gen zu zählen war. Soweit die Beschwerdeführerin sich e rst im vorliegenden Verfahren gegen die vorgenommene Qualifikation ihrer Liegenschaft als Geschäftsvermögen wendet, kann ihr deshalb nicht gefolgt werden. Diese hätte sich vielmehr bereits anlässlich der vergangenen Steuerveranlagungen gegen eine solche Qualifikation zur Wehr setzen müssen. 4.4 Soweit die Beschwerdeführerin im Weiteren vorbrin gen lässt, dass bei der Bemessung des strittigen Liquidationsgewinns die auf der Liegenschaft lastenden Schulden unberücksichtigt geblieben seien, ist ihr zu entgegnen, dass der Liquidat ionsgewinn aus der Differenz zwischen dem Verkehrswert und dem massgebenden Buchwert bzw. be i dessen Fehlen dem Anlagewert resultiert (vgl. oben, Erwägung 2.4 hiervor). Die auf der Liegenschaft lastenden Schulden sind mithin ausser Acht zu lassen, andernfalls eine entsprechende Hypothekarbelastung die bundes- rechtlich vorgeschriebene Besteuerung eines Liquidations gewinns stets massgebend schmä- lern bzw. gar vollständig vereiteln würde. Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich einwen- den lässt, dass die von der Steuerverwaltung zugestellte Aufstellung – mithin das Deklarations- formular betreffend Liquidationsgewinn für die privi legierte Besteuerung bei Aufgabe der selb- ständigen Erwerbstätigkeit vom 5. Juli 2013 – in Unkennt nis der resultierenden Folgen unter- zeichnet worden sei, ist ihr entgegen zu halten, dass sie d iese Rechtsunkenntnis nicht zu schützen vermag. Es wäre der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann freigestanden, das fragliche Formular zunächst mit ihrem Treuhänder zu besp rechen oder um entsprechende Rückfrage und Information bei der Steuerverwaltung besorgt zu sein. Damit ist zugleich gesagt, dass auch nicht massgebend sein kann, ob die Steuerverw altung den Treuhänder der Be- schwerdeführerin über den Umstand hätte informieren mü ssen, dass das fragliche Deklarati- onsformular versandt worden ist. Zum einen findet sich in den beigezogenen Steuerakten der vergangenen Jahre 2012 und 2013 keinerlei Hinweis oder Vollmacht, dass eine entsprechende Zustellung auch an den Treuhänder der Beschwerdeführer in hätte erfolgen sollen. Zum ande- ren ist die Deklaration betreffend den Liquidationsgew inn ohnehin von den steuerpflichtigen Personen selbst zu unterzeichnen. Auch in dieser Hinsicht ergibt sich demnach, dass es an der Beschwerdeführerin und ihrem Ehegatten selbst gelegen hätte, ihren Treuhänder vorab über das fragliche Deklarationsformular in Kenntnis zu setzen. 4.5 Als Zwischenergebnis ist somit festzuhalten, dass die von der Kasse vorgenommene Festsetzung der persönlichen Beiträge auf der Erzielung e ines nachvollziehbaren und schlüssi- gen Liquidationsgewinns beruht, an welchem zu zweifeln für die Kasse aufgrund der rechtskräf- tigen Steuerveranlagung vorliegend weder qualitativ noch quantitativ Anlass bestanden hat. Der von der Steuerverwaltung der Kasse am 23. Oktober 201 3 gemeldete Liquidationsgewinn im Umfang von Fr. 495‘930.— abzüglich AHV-Beiträge von F r. 49‘583.— erweist sich für die Kasse somit als verbindlich (vgl. Art. 23 Abs. 4 AHVV). 5. Die konkrete Berechnung der persönlichen Beiträge wu rde von der Beschwerdeführerin vorliegend nicht beanstandet. Eine summarische Überprüfu ng zeigt denn auch, dass diese von Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Kasse grundsätzlich korrekt vorgenommen worden ist. So hat die Kasse von dem als mass- gebenden Einkommen zu Grunde gelegten Liquidationsgew inn von Fr. 446‘347.— zunächst den sogenannten Rentnerfreibetrag in der Höhe von Fr. 16‘800.— abgezogen (vgl. Art. 4 Abs. 2 lit. b AHVG in Verbindung mit Art. 6quater Abs. 2 AH VV). Sodann hat sie die persönlichen Bei- träge den gesetzlichen Bestimmungen zufolge wieder au fgerechnet, wonach gemäss Art. 9 Abs. 4 AHVG die zunächst steuerrechtlich zulässigen Abzüg e der Beiträge für die AHV, Invali- denversicherung (VI) sowie Erwerbsersatzordnung (EO) von den Ausgleichskasse zu dem von den Steuerbehörden gemeldeten Einkommen wieder hinzuz urechnen sind. Schliesslich hat sie gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. f AHVG einen Zinsabzug für da s eingesetzte Eigenkapital vorgenom- men. Von dem auf diese Weise resultierenden, massgebe nden Einkommen hat sie schliesslich ein Total an persönlichen Beiträgen im Umfang von Fr. 47‘320.65 berechnet, welches sich den gesetzlichen Bestimmungen zufolge als zutreffend erweist. 6. Soweit die Beschwerdeführerin wiederholt darauf hi nweisen lässt, dass sie die entspre- chende Beitragsschuld nicht bezahlen könne, sei sie auf Ar t. 11 AHVG in Verbindung mit Art. 31 f. AHVV hingewiesen. Gemäss diesen Bestimmungen kön nen persönliche Beiträge, deren Bezahlung einer obligatorisch versicherten Person nicht zu mutbar ist, auf begründetes Gesuch hin bis zum maximalen Umfang des Mindestbeitrages herab gesetzt oder unter der Vorausset- zung einer grossen Härte gar vollständig erlassen werden, sofern die vom Wohnsitzkanton be- zeichnete Behörde vorab angehört worden ist. In beiden Fällen (Herabsetzung oder Erlass) haben die Beitragspflichtigen ihrer Ausgleichskasse ein schriftliches Gesuch einzureichen. Da- bei haben sie entweder die zu dessen Beurteilung notwe ndigen Unterlagen einzureichen und glaubhaft zu machen, dass ihnen die Bezahlung des vollen Betrages nicht zugemutet werden kann (Herabsetzungsbegehren) oder aber ein begründete s Gesuch einzureichen, weshalb ihnen der Mindestbeitrag zu erlassen sei (Erlassgesuch). Die Herabsetzung ist anschliessend nach Durchführung der notwendigen Erhebungen von der Ausgleichskasse zu verfügen. Über ein Erlassgesuch entscheidet die Ausgleichskasse jeweils a ufgrund der Vernehmlassung der vom Wohnsitzkanton bezeichneten Behörde. Die Beschwerdef ührerin ist somit an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, da ss sie der Kasse ein entsprechen- des Herabsetzungs- oder Erlassgesuch zu stellen befugt ist. 7. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis abzuweisen. Für das vorliegende Verfahren ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten (Art . 61 lit. a ATSG). Die ausserordentli- chen Kosten sind dem Verfahrensausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht