200 18 273 UV SCJ/SCC/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 15. Oktober 2018 Verwaltungsrichter Scheidegger Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführer gegen Basler Versicherung AG Aeschengraben 21, Postfach, 4002 Basel vertreten durch Rechtsanwalt C.________, Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 9. März 2018 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1953 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer), welcher als ... für die Firma D.________ AG tätig und dadurch bei der Bas- ler Versicherungen AG (Basler bzw. Beschwerdegegnerin) gegen die Fol- gen von Berufs- und Nichtberufsunfällen obligatorisch versichert war, erlitt am ... März 2017 einen Skiunfall (Dossier der Basler, Antwortbeilage [AB] 1 ff.). In der Unfallmeldung vom 13. März 2017 wurden beim Unfallhergang ein Sturz auf die linke Schulter beim Skifahren und als Verletzung eine Contusion (Prellung) der Schulter links erwähnt (AB 1 f.). Es wurden Phy- siotherapiebehandlungen durchgeführt (AB 4 f.) und am 26. April 2017 wurde ein MRI des Schultergelenks links erstellt (AB 6). Weiter erfolgte eine Beurteilung durch die E.________ und die Basler holte einen Bericht von Prof. Dr. med. F.________, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 21. Juni 2017 ein. Am 24. Juli 2017 teilte die Basler dem Versicherten mit, dass der Fall per 9. Juni 2017 abgeschlossen werde, da der Vorzustand drei Monate nach dem Er- eignis wieder erreicht sein sollte (AB 10). Damit war der Versicherte nicht einverstanden (AB 11). Die Basler holte einen Bericht von Prof. Dr. med. F.________ vom 1. September 2017 (AB 13) und eine Stellungnahme ihrer beratenden Ärztin Dr. med. G.________ vom 5. Oktober 2017 (AB 19) ein. Am 5. Oktober 2017 verfügte die Basler die Leistungseinstellung per 9. Juni 2017 (AB 23). Die hiergegen vom Versicherten, vertreten durch Rechtsan- walt H.________, erhobene Einsprache (AB 26 ff.) wies die Basler – nach Einholung eines Aktengutachtens von Dr. med. I.________, Spezialarzt für Allgemein- und Unfallchirurgie, vom 1. Februar 2018 (AB 44 ff.) – mit Ent- scheid vom ... März 2018 ab (AB 48 ff.).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 3 B. Am 11. April 2018 erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt H.________, beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern Beschwerde. Er beantragt, der Einspracheentscheid vom 9. März 2018 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Eventualiter sei ein gerichtliches, medizinisches Gutachten zur Frage der natürlichen Kausalität der Beschwerden einzuholen. Am 13. Juni 2018 teilte der Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsanwalt H.________, mit, das Mandat werde durch seinen Nachfolger bei J.________ AG, Rechtsanwalt B.________, weitergeführt. Mit Beschwerdeantwort vom 25. Juni 2018 beantragt die Basler, vertreten durch Rechtsanwalt C.________, die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Mit Replik vom 16. Juli 2018 und Duplik vom 5. September 2018 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 4 zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid der Basler Versi- cherungen AG vom 9. März 2018, mit welcher die Beschwerdegegnerin in Bestätigung ihrer Verfügung vom 5. Oktober 2017 Versicherungsleistungen für die Folgen des Ereignisses vom ... März 2017 mit Wirkung ab 9. Juni 2017 abgelehnt hat. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin auch nach dem 9. Juni 2017 Versicherungsleistungen zu erbringen hat. 1.3Streitig sind Behandlungskosten (Kosten für Physiotherapie [AB 4 f.] sowie für ärztliche Behandlungen [u.a. zwei Konsultationen bei Prof. Dr. med. F.________ vom 9. Juni und 15. September 2017 {AB 9, 13}] und für das MRI Schultergelenk links vom 26. April 2017 [AB 39]); es sind keine Taggelder geschuldet. Der Streitwert liegt unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversi- cherung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 UVG). 2.2Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge- sundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 5 2.3Der Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung setzt nebst anderem einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammen- hang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden voraus (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181; SVR 2017 UV Nr. 8 S. 28 E. 3.3, 2012 UV Nr. 2 S. 6 E. 3.1). 2.3.1Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne die der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht als zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja- hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Be- dingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele ("conditio sine qua non"; BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 119 V 335 E. 1 S. 337; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 121 E. 5.1). 2.3.2Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitli- chen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tat- frage, worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversi- cherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhanges genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 121 E. 5.1). 2.4 2.4.1Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversi- cherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und aus- schliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 6 sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustan- des auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (status quo sine) erreicht ist (SVR 2016 UV Nr. 18 S. 56 E. 2.1.1, 2011 UV Nr. 4 S. 13 E. 3.2; RKUV 1994 U 206 S. 328 E. 3b). 2.4.2Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusam- menhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbe- dingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversiche- rungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweis- last – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (SVR 2011 UV Nr. 4 S. 13 E. 3.2). 2.5Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 3. 3.1Es ist unter den Parteien unbestritten und aufgrund der Akten er- stellt, dass am ... März 2017 ein Ereignis stattgefunden hat, welches die Anforderungen an einen Unfall (E. 2.2 hiervor) erfüllt. Die Beschwerdegeg- nerin erbrachte in der Folge bis zum 9. Juni 2017 die gesetzlichen Leistun- gen. Die Beschwerdegegnerin nimmt aufgrund der Stellungnahmen der beratenden Ärzte an (AB 18 ff., 44 ff.), dass der Beschwerdeführer beim Ereignis vom ... März 2017 lediglich eine Schulterkontusion erlitten habe und deshalb der Status quo sine nach acht Wochen erreicht gewesen sei. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 7 Umstritten ist die Leistungseinstellung per 9. Juni 2017 und damit die Fra- ge, ob die natürliche Kausalität zwischen den weiterhin vom Beschwerde- führer beklagten Beschwerden und dem Ereignis vom ... März 2017 wegge- fallen ist. 3.2Bezüglich des Unfallablaufs gibt der Beschwerdeführer erstmals beschwerdeweise an, dass beim Sturz auf seine linke Schulter sein Arm gegen hinten gezogen worden sei und ein „Zwick“ erfolgte, danach habe er unmittelbar einschiessende Schmerzen und einen Kraftverlust verspürt (Beschwerde S. 5 Ziff. 9). Diesbezüglich ist auf die Beweismaxime „Aussa- ge der ersten Stunde“, wonach die ersten Aussagen in der Regel unbefan- gener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a S. 47, 115 V 133 E. 8c S. 143; SVR 2016 UV Nr. 44 S. 147 E. 3.5), zu verweisen, denn in der Unfallmeldung hatte der Beschwerdeführer zum Unfallhergang lediglich von einem Sturz auf die linke Schulter (AB 1) und von einer – unbestritte- nen – Kontusion der linken Schulter (AB 2) gesprochen. Letztlich kann die Frage, ob beim Unfallhergang mit überwiegender Wahrscheinlichkeit „der Arm gegen hinten gezogen wurde, ein ‚Zwick‘ erfolgte“, mit Blick auf die weiteren Ausführungen zur medizinischen Sachlage, insbesondere zum Vorzustand, offen bleiben. 3.3Den Akten ist aus medizinischer Sicht im Wesentlichen das Folgen- de zu entnehmen: 3.3.1Die Verordnungen zur Physiotherapie vom 14. März und 24. April 2017 stützten sich auf die Diagnose Schulterkontusion mit Verdacht auf Rotatorenmanschettenruptur (AB 4 f.). 3.3.2Laut MRI-Bericht des Röntgeninstituts K.________ vom 30. Mai 2017 liegen keine Hinweise auf eine Fraktur vor. Es sei reichlich Erguss im Schultergelenk mit auch Bursitis subacromialis/subdeloidea vorhanden. Es bestehe ein Impingementsyndrom der Rotatorensehnenmanschette bei hypertropher und aktivierter AC-Gelenksarthrose, eine ausgeprägte Tendi- nopathie der Supraspinatussehne mit subtotalem Riss der Sehne am An- satz am oberen Aspekt. Es lägen auch ein subtotaler Riss der Subscapula-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 8 rissehne am Ansatz am Tuberculum minus, kleinzystische Veränderungen am Tuberculum minus und eine leichtgradige Tendinopathie der langen Bizepssehne vor. Es bestünden keine Hinweise auf eine Slap- oder Labr- umläsion (AB 6). 3.3.3Im Bericht der E.________ vom 6. Juni 2017 wurde festgehalten, das MRI zeige keine direkten unfallkausalen Schäden, es liege eine Trau- matisierung eines degenerativen Vorzustandes vor, die konservative Be- handlung und die bisherigen Abklärungen könnten als unfallkausal während drei bis sechs Monaten begründet werden. Eine allfällige OP wäre nicht unfallkausal begründbar (AB 8). 3.3.4Am 21. Juni 2017 diagnostizierte Prof. Dr. med. F.________ eine intervallnahe Rotatorenmanschettenruptur links vom … März 2017 mit Be- teiligung des cranialen Subscapularis und des ventralen Supraspinatus. Nach dem Sturz seien unmittelbar heftige Schmerzen aufgetreten. Der Pa- tient habe selber noch hinunterfahren können. Zunächst sei eine Konsulta- tion beim Hausarzt erfolgt; es sei ein konservativer Behandlungsversuch vorgenommen worden. Mittlerweile sei es schon zu einer wesentlichen Besserung gekommen. Es persistierten jedoch Beschwerden bei Bean- spruchung und in Endstellung. Im Vorfeld sei die Schulter asymptomatisch gewesen (AB 9). Im Bericht vom 1. September 2017 führte der gleiche Arzt aus, subjektiv gehe es nun deutlich besser. Es persistierten zwar Restbe- schwerden v.a. bei Kräftigungsübungen. Im Grossen und Ganzen sei der Patient mit dem Verlauf zufrieden. Es sei die Auto- und Physiotherapie (wahrscheinlich letzte Verordnung) fortzuführen (AB 13). 3.3.5Die beratende Ärztin der Beschwerdegegnerin, Dr. med. G.________, führte am 5. Oktober 2017 aus, die initiale Kausalität sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu bejahen, dies im Sinne einer Schul- terkontusion links. Es bestehe ein erheblicher degenerativer Vorzustand des linken Schultergelenks mit hypertropher ACG-Arthrose (mit kaudalen Ostheophyten) mit konsekutiver Einengung des Subacromialraums (echtes Impingement). Indessen kämen in der MRT des linken Schultergelenks vom 26. April 2017 keine strukturellen Organkorrelate einer unfallbedingten Läsion zur Darstellung, welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom ... März 2017 zurückzuführen wären. Durch das Sturzer-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 9 eignis sei es zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des erheblichen degenerativen Vorzustandes gekommen (eine Schulterkontusion sei bio- mechanisch nicht dazu geeignet, eine Rotatorenmanschetten-Läsion zu verursachen; so liege die Rotatorenmanschette geschützt unter dem Akro- mion). Bei Status nach Schulterkontusion/-prellung sei der Status quo sine vel ante spätestens acht Wochen nach dem Ereignis erreicht (AB 18). 3.3.6In der Aktenbeurteilung vom 1. Februar 2018 führte Dr. med. I.________ aus, als Befunde lägen ein vorbestehendes, degeneratives subacromiales Impingement der linken Schulter bei schwerer hypertropher AC-Gelenksarthrose, konsekutiver Einengung und Tendinose mit degene- rativer Ruptur der Supraspinatus- und Subscapularissehne vor (AB 46). Die Befunde an der linken Schulter stünden mit überwiegender Wahrschein- lichkeit nicht zumindest teilweise im Zusammenhang zum Ereignis vom ... März 2017 (AB 46). Es fehle angesichts der hochgradigen degenerativen Vorbefunde an der betreffenden Schulter ein plausibel nachvollziehbares pathologisch-anatomisches Korrelat, welches das Kriterium der überwie- genden Wahrscheinlichkeit, ja selbst einer Möglichkeit erfülle. Zur Frage, ob neben unfallkausalen Faktoren auch krankhafte Vorzustände oder ande- re unfallfremde Faktoren eine Rolle gespielt haben, hielt Dr. med. I.________ fest, es habe ausschliesslich die vorbestehende schwere de- generative AC-Gelenksarthrose mit vor allem im ventralen Bereich der Su- praspinatussehne bis zur filiformen Ausdünnung der Sehne mit konsekuti- ver Atrophie der zugehörigen Muskelanteile, sichtbar an der teilweisen Ver- fettung der Muskulatur, dazu geführt. Zur Frage, wann der Status quo si- ne/ante mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erreicht worden sei, führte Dr. med. I.________ aus, es sei allein anamnestisch und subjektiv be- schrieben von einer Schulterkontusion auszugehen ohne fassbare Befunde und ohne dass zeitnah erhobene, ärztliche Untersuchungsbefunde vorlä- gen (Schwellung, Schürfung, Rötung, Hämatom), was einem Status quo sine von acht Wochen ohne richtungsweisende Verschlimmerung entspre- che (AB 47). 3.4Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 10 ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.5 3.5.1Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.5.2Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be- gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Glei- ches gilt, wenn ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung wieder- holt für die Erstellung von Gutachten beigezogen wird (SVR 2008 IV Nr. 22 S. 70 E. 2.4). Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Miss- trauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet er- scheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unpartei- lichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 11 3.5.3Die versicherte Person hat von Bundesrechts wegen keinen formel- len Anspruch auf Beizug eines versicherungsexternen Gutachtens, wenn Leistungsansprüche streitig sind. Es ist auch im Lichte der von Art. 6 Ziff. 1 EMRK gewährleisteten Verfahrensgarantien grundsätzlich zulässig, den Entscheid ausschlaggebend oder gar ausschliesslich auf verwaltungsinter- ne Abklärungen zu stützen (BGE 123 V 175 E. 3d S. 176, 122 V 157 E. 2c S. 165). Urteilt das Gericht indessen abschliessend gestützt auf Beweis- grundlagen, die aus dem Verfahren vor dem Sozialversicherungsträger stammen, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig- keit der ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzu- nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1 S. 65, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 122 V 157 E. 1d S. 162). 3.6Die Stellungnahme des Dr. med. I.________ vom 1. Februar 2018 (AB 44 ff.) erfüllt die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Beweiswert eines medizinischen Berichts gestellten Anforderungen (vgl. E. 3.5.1 hiervor). Dass es sich dabei um einen Aktenbericht handelt, ist nicht zu beanstanden, ergeben die Akten doch ein vollständiges Bild über den rechtserheblichen medizinischen Sachverhalt, womit sich der Spezia- list aufgrund der Unterlagen ein gesamthaft lückenloses Bild machen konn- te (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 16. Juni 2010, 8C_185/2010, E. 5 mit Hinweisen). Nachvollziehbar hat er gestützt auf die (bildgebenden) Akten dargelegt, dass die Befunde an der Schulter – vorbestehendes, de- generatives subacromiales Impingement der linken Schulter bei schwerer hypertropher AC-Gelenksarthrose, konsekutiver Einengung und Tendinose mit degenerativer Ruptur der Supraspinatus- und Subscapularissehne – nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom … März 2017 zurückzuführen sind (vgl. AB 46 f.). Es überzeugt somit, dass die Be- schwerdegegnerin aufgrund des massiven Vorzustandes des linken Schul- tergelenks sowie des fehlenden Nachweises einer zusätzlichen unfallkau- salen Veränderung an anatomischen Strukturen der Schulterregion von einer vorübergehenden Verschlimmerung infolge einer Schulterkontusion ausgeht, welche überwiegend wahrscheinlich spätestens nach drei Mona- ten abgeklungen ist.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 12 Nichts anderes lässt sich aus den Berichten des behandelnden Arztes Dr. med. F.________ ableiten: einerseits äussert er sich nicht ausdrücklich zur Unfallkausalität der Befunde an der linken Schulter, andererseits ist – so- weit unmittelbare Schmerzen nach dem Unfall und eine asymptomatische Schulter vor dem Unfall erwähnt werden – für den Nachweis einer unfall- kausalen gesundheitlichen Schädigung die Formel "post hoc, ergo propter hoc", nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch einen Unfall verursacht gilt, wenn sie nach diesem aufgetreten ist, nicht massgebend (BGE 119 V 335 E. 2b bb S. 341; SVR 2008 UV Nr. 11 S. 36 E. 4.2.3). 3.7Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 UVG lässt sich die Leistungseinstellung per 9. Juni 2017 nicht beanstanden. Dies wird im Übrigen vom Beschwer- deführer auch nicht mehr bestritten (Replik vom 16. Juli 2018, S. 2 Ziff. 2). 4. 4.1Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG, in Kraft seit 1. Januar 2017, erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch bei folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzu- führen sind: Knochenbrüche (lit. a), Verrenkungen von Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen (lit. e), Sehnen- risse (lit. f), Bandläsionen (lit. g), Trommelfellverletzungen (lit. h). Das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnli- chen Körperschädigung hängt nicht vom Vorliegen eines äusseren Ereig- nisses ab. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körper- schädigung vorliegt, führt zur Vermutung, dass es sich hierbei um eine un- fallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer über- nommen werden muss. Dieser kann sich aus der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vorwiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Botschaft vom 30. Mai 2008 zur Ände- rung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung, BBl 2008 5411 [Ziff. 2.1.2] und 5425 [zu Art. 6 Abs. 2]; Zusatzbotschaft vom 19. September 2014 zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung, BBl 2014 7922 [Ziff. 2.2] und 7934 [zu Art. 6 Abs. 2]).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 13 4.2Auch wenn im vorliegenden Fall ein konkretes Ereignis (vom … März 2017) geltend gemacht wird und es sich um einen Fall gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG (E. 2.1 hiervor) handelt, wird – entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (Duplik vom 5. September 2018, S. 2) – die Prü- fung einer unfallähnlichen Körperschädigung nicht hinfällig. Bei Art. 6 Abs. 2 UVG wird – wie der Beschwerdeführer richtigerweise bemerkt (Replik vom 16. Juli 2018, S. 2 Ziff. 4) – an kein Ereignis angeknüpft und es erüb- rigt sich die Prüfung eines natürlichen und adäquaten Kausalzusammen- hangs. Es ist unbestritten, dass beim Beschwerdeführer mit dem Befund einer Ruptur der Supraspinatus- und Subscapularissehne eine in Art. 6 Abs. 2 UVG aufgeführte unfallähnliche Körperschädigung (Sehnenrisse; lit. f) vorliegt. Damit hat die Beschwerdegegnerin die Leistungen dafür zu erbringen, sofern diese Körperschädigung nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (vgl. E. 4.1 hiervor). Bezüglich des medizinischen Sachverhalts kann – wie erwähnt – auf das Aktengutachten des Dr. med. I.________ vom 1. Februar 2018 (AB 44 ff.) abgestellt werden. Darin hat sich der Spezialarzt ausdrücklich zur Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin unter dem Titel von Art. 6 Abs. 2 UVG geäussert (AB 45). Im Befund sprach er von einer degenerativen Ruptur der Supraspina- tus- und Subscapularissehne (AB 46) und in seiner Beurteilung vertrat er ausdrücklich die Auffassung, dass aufgrund der einwandfrei vorliegenden degenerativen Pathologie bezüglich der Ruptur der Supraspinatus- und Subscapularissehne versicherungsmedizinisch von einer vorwiegend auf Abnützung zurückzuführenden Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 lit. f UVG auszugehen sei. Die Beurteilung des beratenden Arztes überzeugt, zumal mit dem subacromialen Impingement der linken Schulter bei schwerer hypertropher AC-Gelenksarthrose weitere degenerative Schädigungen vorhanden sind und kein Nachweis einer zusätzlichen un- fallkausalen Veränderung an anatomischen Strukturen der kontusionierten Schulter vorliegt. Der Beschwerdeführer vermag sich auf keine abweichende medizinische Stellungnahme stützen, welche ernsthafte Zweifel an der Aktenbeurteilung des beratenden Arztes der Beschwerdegegnerin aufkommen lassen könnte Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 14 (vgl. E. 3.5.3 hiervor). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (Beschwerde S. 8 Ziff. 20) bedarf es keiner weiteren Abklärungen. Damit ist eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin auch unter dem Titel einer Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG zu verneinen. 4.3Der angefochtene Einspracheentscheid der Basler Versicherungen AG vom 9. März 2018 (AB 48 ff.) erweist sich als korrekt und die Beschwerde ist abzuweisen. 5. 5.1Es sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a UVG) 5.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Be- schwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehr- schluss aus Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien- tschädigung zugesprochen. 3. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers - Rechtsanwalt C.________ z.H. der Beschwerdegegnerin - Bundesamt für Gesundheit Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Okt. 2018, UV/18/273, Seite 15 Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.