Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. April 2018 (720 17 356 / 106) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente bei Vorliegen von verschiedenen Herz- Kreislauferkrankungen; Beweistauglichkeit von RAD-Stellungnahmen Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Tschopp, Advokat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1956 geborene A.____ arbeitete vom 1. Januar 2014 bis 31. Januar 2017 als Chauf- feur bei der B.____. Am 5. Januar 2016 meldete er s ich unter Hinweis auf Herz- und Knieprob- leme sowie Atemnot bei der Eidgenössischen Invalide nversicherung (IV) zum Bezug von Leis- tungen an. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft mit Verfügung vom 25. September 2017 einen Leistung sanspruch mangels rentenbegründen- den Invaliditätsgrades ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung reichte A.____ am 23. Oktobe r 2017 Beschwerde ans Kantons- gericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht, ein. Er beant ragte sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprechung einer Invalidenrente. C. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 29. November 2017 auf Abweisung der Beschwerde. D. In der Replik vom 10. Januar 2018 präzisierte der Ver sicherte, nun vertreten durch Ad- vokat Daniel Tschopp, seine Rechtsbegehren, indem er i n Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung die Zusprechung einer halben Invalidenrente a b Juli 2016 beantragte. Eventualiter sei die IV-Stelle anzuweisen, ergänzende Abklärungen vorzune hmen und danach erneut über sei- ne Leistungsansprüche zu entscheiden. Zudem seien ihm beruf liche Massnahmen zu gewäh- ren. Ausserdem sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. In der Begründung be- mängelte er im Wesentlichen eine rechtsgenügliche Abkl ärung des medizinischen Sachver- halts. Die Beurteilung von Dr. med. C.____, Fachärztin für Anästhesie, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD), vom 7. Februar 2017, auf welche die IV-S telle den ablehnenden Rentenent- scheid stütze, sei unvollständig, unbegründet und nicht nachvollziehbar. Ausserdem sei das Invalideneinkommen nicht unter Beizug der Tabellenlöhne der vom Bundesamt für Statistik her- ausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE), sondern ge stützt auf das tatsächlich erzielte Einkommen bei der B.____ AG zu ermitteln. Weiter stelle sich die Frage, ob der Versicherte die ihm angeblich zumutbare Restarbeitsfähigkeit von 100 % mit einer Leistungseinbusse von 20 % angesichts seines Alters, der langjährig ausgeübten schwe ren Tätigkeit, des Teilzeitpensums etc. verwerten könne. Zudem seien beim Einkommensvergleic h eine Parallelisierung durchzu- führen und ein leidensbedingter Abzug von 20 % vorzunehmen. In der Eingabe vom 31. Januar 2018 liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter mi tteilen, dass die Arbeitsstelle bei der B.____ AG per Januar 2017 gekündigt worden sei. E. In der Replik vom 6. Februar 2018 hielt die IV-St elle an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Zudem wies sie darauf hin, dass auf den Antrag auf Zusprechung von Ein- gliederungsmassnahmen mangels Anfechtungsgegenstandes nicht eingetreten werden könne. F. Mit Verfügung vom 8. Februar 2018 bewilligte das Kantonsgericht dem Versicherten die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 2. Der Versicherte beantragt die Zusprechung einer ha lben Invalidenrente und die Gewäh- rung beruflicher Massnahmen. Das prozessuale Verhältnis von Eingliederungsmassnahmen und Invalidenrenten unterliegt der Rechtsprechung zum Anfechtungs- und Streitgegenstand gemäss BGE 125 V 413. Danach sind im verwaltungsgerichtl ichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich in Form einer Verfügung Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise wei terziehbaren Anfechtungsgegen- stand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstan d und somit an einer Sachurteilsvo- raussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (vgl. auch BGE 131 V 164 f. E. 2.1 mit Hinweisen). Der Rentenanspruch einerseits u nd die einzelnen Eingliederungsmass- nahmen andererseits sind als je unterscheidbare, streitgeg enstandsfähige Rechtsverhältnisse zu begreifen (vgl. ULRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Bundesgesetz über die Invalidenversiche- rung, Zürich/Basel/Genf 2014, zu Art. 28 Rz. 18). Dabei ist stets als Erstes zu prüfen, worüber die IV-Stelle tatsächlich verfügt hat. Vorliegend beur teilte die IV-Stelle in der Verfügung vom 25. September 2017 einzig den Anspruch auf eine Inval idenrente. Die Durchführung von Ein- gliederungsmassnahmen wurde in dieser Verfügung nicht g eprüft. Aus diesem Grund kann auf das Rechtsbegehren des Versicherten, soweit er damit die Prüfung von beruflichen Massnah- men beantragt, im vorliegenden Verfahren nicht eingetreten werden. 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vorauss ichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit . Die Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, der geistigen oder der p sychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 3.3 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die d urch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.4 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem U mfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der So- zialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.5 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.6 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gru ndsatz der freien Beweiswür- digung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen m edizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 3.7 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invali- denversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist mit jenem externer medizinischer Sachverstän- digengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemä ssen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1 S. 219). Auf das Ergebnis von RAD- Berichten kann nicht abgestellt werden, wenn auch nur g eringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2 S. 229 , 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. und E. 4.7 S. 471). 4.1 Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass der Ver sicherte am 13. Januar 2015 ein NSTEMI (Nicht-ST-Hebungsinfarkt = ein Myokardinfarkt, bei dem es im EKG nicht zu den typischen Infarktzeichen kommt) erlitt. Aufgrund einer hochgradigen Stenose wurde er im Spital D.____ mit einem Stent versorgt. Im Bericht des Spital s D.____ vom 13. Januar 2015 wurden als Diagnosen eine koronare 1-Gefäss-Erkrankung sowie ein Diabetes mellitus Typ II festgehal- ten. Vom 26. Januar 2015 bis 1. Mai 2015 nahm der Ver sicherte am ambulanten kardialen Re- habilitationsprogramm Karamba im Spital D.____ teil. Gemäss Bericht vom 23. September 2016 habe die Leistungsfähigkeit nicht wesentlich gesteigert werden können. Aufgrund erneuter Brustschmerzen suchte der Versicherte am 22. April 2015 d as Spital D.____ auf. Der behan- delnde Chefarzt hielt nebst den bekannten Diagnosen z usätzlich eine arterielle Hypertonie, ei- nen Status nach Nikotinabusus und eine Hypercholesterinä mie fest. Um eine Restenosierung im Bereich des Stents auszuschliessen, veranlasste er eine Myo kardperfusionsszintigrafie und eine 24-Stunden-Blutdruckuntersuchung. Die Blutdruckmessun g vom 28. April 2015 ergab kei- ne zuverlässigen Messwerte (vgl. Bericht des Spitals D.____ vom 28. April 2015). Die Myokar- dperfusionsszintigrafie zeigte eine diskrete inferolatera le Narbe, eine leicht eingeschränkte linksventrikuläre Pumpfunktion und eine diskrete inferolat erale Hypokinesie (vgl. Bericht Spitals D.____ vom 26. Mai 2015). Bei der transthorakalen Echo kardiografie wurde eine diastolische Dysfunktion Grad I (Relaxationsstörung) festgestellt (vgl. Bericht des Spitals D.____ vom 4. Mai 2015). Das im Rahmen des Rehabilitationsprogrammes Kar amba durchgeführte Belastungs- EKG vom 28. Mai 2015 war nicht aussagekräftig genug, um die festgestellte verminderte Leis- tungsfähigkeit (65 % vom Soll-Watt) bestätigen zu können. 4.2 Der Hausarzt, Dr. med. E.____, FMH Innere Medizin, berichtete am 16. April 2016, dass der Versicherte aufgrund zunehmender Schwäche der Obersch enkelmuskulatur Probleme mit der Ausführung von körperlich schweren Arbeiten habe. Er führte dies auf den Diabetes zurück. Trotz aller Massnahmen sei der Versicherte nicht in der L age, den Diabetes genügend einzu- stellen. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die angestammte Arbeitsfähigkeit als Automechani- ker/Schlosser hielt er ein NSTEMI bei formal koronarer 1-Gefäss-Erkankung, ein Diabetes melli- tus Typ II, eine arterielle Hypertonie, eine morbide Adipositas, eine Dyslipidäme, ein gemischtes Phleb-, Lymph- und Lipödem der Beine sowie eine Gonar throse links fest. Die koronaren, dia- betischen und arthrotischen Leiden verminderten die Kr aft, Beweglichkeit und Ausdauer des Versicherten, weshalb dieser ab 26. August 2015 seine bisherige Arbeit nur noch im Umfang von 50 % ausüben könne. In einer Verweistätigkeit, bei welcher der Versicherte nicht viel gehen sowie keine Lasten von mehr als 15 kg tragen oder heben müsse, und welche kein Kauern, Knien, Besteigen von Leitern und Gerüsten oder Treppensteigen beinhalte, betrage die Arbeits- fähigkeit zwischen 30 % und 50 % (vgl. auch Bericht vom 10. September 2016). 4.3 Im Bericht des Spitals D.____ vom 2. September 2016 führten die behandelnden Ärzte aus, dass beim Versicherten ein hohes kardiovasukläres Risikopr ofil bestehe. Der Blutzucker sei unzureichend eingestellt, die Blutdruckwerte seien je doch unter Medikation im Normalbe- reich. Weiter bestehe eine Adipositas; der Versicherte h abe in den letzten 6 Monaten jedoch Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5 kg abnehmen können. An der heutigen klinischen Unters uchung sei er kardiopulmonal kom- pensiert. Aktuell beständen keine Hinweise auf eine for tschreitende Manifestation der korona- ren Herzkrankheit. Die geklagten Beschwerden, insbesondere die auf Thoraxdruck auslösbaren Schmerzen, seien am ehesten extrakardialer Ätiologie. A ufgrund des hohen kardiovaskulären Risikoprofils könne eine ursächlich erneute Ischämie jedoch nicht sicher ausgeschlossen wer- den. 4.4 In ihrer Stellungnahme vom 7. Februar 2017 führ te die RAD-Ärztin Dr. C.____ als Diag- nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kor onare 1-Gefäss-Erkrankung, ein insulin- pflichtiger Diabetes mellitus Typ 2, eine chronisch venö se Insuffizienz sowie eine Gonarthrose links auf. Aufgrund der Leiden des Versicherten sei ihm d ie Ausübung der angestammten kör- perlich schweren Tätigkeit nicht mehr möglich. Dagegen s ei es ihm ab 26. August 2015 zuzu- muten, leichte bis mittelschwere, wechselbelastende, über wiegend sitzende Arbeiten mit einer Gewichtslimite von 10 – 15 kg zu 100 % mit einer 10 – 2 0%igen Leistungseinbusse auszufüh- ren. Zu vermeiden seien dabei Kauern, Knien, Besteigen von Leitern und Gerüsten, Treppen- steigen, Arbeiten in Kälte, in Hitze oder bei starken T emperaturschwankungen, Schichtarbeit und Arbeiten in atmosphärischem Über- oder Unterdruck. 4.5 Aufgrund der Kniebeschwerden veranlasste der Hausar zt des Versicherten eine CT- Untersuchung. Als Befund wurde im Bericht des Spitals F. ____ vom 18. September 2017 fest- gehalten, dass der Versicherte an beiden Knien an einer medial betonten Gonarthrose und ei- nem Status nach Luxation des oberen Sprunggelenks links 19 98 leide. Der Versicherte sei deswegen zurzeit zu 50 % arbeitsunfähig. 5.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts auf die Beurteilung der RAD-Ärztin vom 7. Februar 2017. Sie ging demzufolge in der angefochtenen Verfügung davon aus, dass der Versicherte in einer leicht en bis mittelschweren, leidensange- passten Tätigkeit zu 100 % mit einer Leistungseinbusse vo n höchstens 20 % arbeitsfähig sei. Diese vorinstanzliche Würdigung des medizinischen Sachverha ltes vermag nicht zu überzeu- gen. Wie der Versicherte in seiner Beschwerde zutreffend geltend macht, ist die Zumutbarkeits- beurteilung der RAD-Ärztin zu wenig begründet, um da rauf abstellen zu können. Als Erstes ist darauf hinzuweisen, dass der Versicherte an verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Bluthochdruck, Ödeme, Fettstoffwechselstörung sowie an Diabetes mellitus Typ 2 und an einer Gonarthrose leidet. In Anbetracht der T atsache, dass das Fachgebiet der RAD- Ärztin in der Anästhesie liegt, stellt sich die Frage, ob sie über die notwendigen fachärztlichen Kenntnisse verfügt, um im Hinblick auf die gestellten Di agnosen aus mehreren Fachgebieten die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beurteilen zu können. Weiter ist festzustellen, dass die von der RAD-Ärztin vorgenommene Einschätzung der Ar beits- und Erwerbsfähigkeit zwar auf einer vollständigen Aktenlage beruht, ihre Zumutb arkeitsbeurteilung aber nicht substantiiert und deshalb nicht nachvollziehbar ist. Den Akten sind n icht genügend Hinweise zu entnehmen, welche ihre Einschätzung stützen würden. Während die beh andelnden Ärzte des Spitals D.____ gar keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten vornahmen, äusserten sich dazu der Hausarzt Dr. E.____ und die behandelnde Ärzt eschaft des Spitals F.____. Dabei ist dem Bericht des Spitals F.____ vom 18. September 2017 nicht zu entnehmen, ob sich die darin Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit auch auf eine Ve rweistätigkeit bezieht. Einzig Dr. E.____ nahm eine Zumutbarkeitsbeurteilung für eine alternat ive Tätigkeit vor. Er kam dabei zum Schluss, dass der Versicherte in einer leidensangepassten T ätigkeit (wechselbelastend zwi- schen Stehen und Sitzen, kein Kauern, Knien, Besteigen von Leitern und Gerüsten oder Trep- pensteigen, Gewichtslimite von maximal 15 kg) zwischen 30 – 50 % arbeitsfähig sei. Ohne den Versicherten persönlich untersucht zu haben, formuliert die RAD-Ärztin ein Zumutbarkeitsprofil für eine Verweistätigkeit. Danach sei der Versicherte bei der Ausübung einer leichten bis mittel- schweren, leidensangepassten Tätigkeit zu 100 % mit einer Leistungseinbusse von 10 - 20 % arbeitsfähig. Zum Umfang der Leistungseinbusse und des zu mutbaren Pensums führte sie kei- ne Begründung an, weshalb ihre Einschätzung nicht auf i hre Plausibilität überprüft werden kann. Die abweichende Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. E.____ hätte sie veranlassen müs- sen, ihre entsprechende Auffassung detailliert zu begrü nden. Da eine solche fehlt, ist nicht er- sichtlich, aus welchem Grund es dem Versicherten möglich sei n soll, eine alternative Tätigkeit ganztags mit einer Leistungseinbusse bis zu 20 % auszuführen. 5.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind bere its bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen är ztlichen Feststellungen ergän- zende Abklärungen vorzusehen (vgl. Erwägung 3.7). Solche Zweifel liegen hier - wie aufgezeigt - vor. Die Berichte von Dr. E.____ sind auch nicht geeig net, um die Frage des Ausmasses der gesundheitlichen Beeinträchtigungen und deren Auswirku ngen auf die Arbeitsfähigkeit ent- scheiden zu können. Es ist zu berücksichtigen, dass seine Ausf ührungen zum Gesundheitszu- stand des Versicherten knapp sind und keine detaillierte Begründung für seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit enthalten. Zudem kommt die Erf ahrungstatsache zum Tragen, dass Haus- ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Stellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Pati- enten aussagen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc), weshalb de n Ausführungen von Dr. E.____ nicht ohne weiteres gefolgt werden kann. Die Abklärungse rgebnisse aus dem Verwaltungsver- fahren sind mit andern Worten nicht ausreichend beweiskrä ftig; der relevante medizinische Sachverhalt bedarf vielmehr weiterer Abklärung. Demzufo lge ist die angefochtene Verfügung vom 25. September 2017 aufzuheben und die Angelegenhe it an die IV-Stelle zurückzuweisen. Diese hat insbesondere die Arbeitsfähigkeit des Versi cherten nochmals polydisziplinär genü- gend abklären zu lassen. Gestützt auf die Ergebnisse ihr er zusätzlichen medizinischen Abklä- rungen wird die IV-Stelle anschliessend über den Rente nanspruch des Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 5.3 Aufgrund dieser Sachlage erübrigt sich eine Ausein andersetzung mit den Vorbringen des Versicherten zur Invaliditätsbemessung, weshalb nicht weiter darauf eingegangen wird. 6.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Be- schwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeite n um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufe rlegt. Bei diesem Ausgang des Ver- fahrens ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wesha lb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nic ht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund diese r Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfahrenskost en aufzukommen. Es werden deshalb keine Verfahrenskosten erhoben und der vom Versicherten geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- ist zurückzuerstatten. 6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die Beschwerde fü hrende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt un d ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schw ierigkeit des Prozesses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts genügt für den bundesrechtlichen Anspruch auf eine Parteientschädigung auch ein formelles Obsiegen in dem S inne, dass der Beschwerde führen- den Person durch die Aufhebung der angefochtenen Verf ügung und der Rückweisung der Sa- che an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neue n Beurteilung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewahrt bleiben (BGE 132 V 215 E. 6.2). Nachdem die Be- schwerde gutzuheissen und die Sache zur erneuten Abklärun g im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, hat diese dem Versicherten eine Parteientschädigung aus- zurichten. Sein Rechtsvertreter machte in seiner Honorarn ote vom 27. Februar 2018 einen Zeitaufwand von 9,5 Stunden geltend, was in Anbetrac ht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Dieser Aufwand i st mit dem im Sozialversicherungs- recht üblichen Stundenansatz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Nich t zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 34.--. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'685.25 (9,5 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Aus- lagen von Fr. 34.-- + 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 7.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 7.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil des Bun- desgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2 - 4 ; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Soweit auf die Beschwerde eingetreten werden kann, wird diese in dem Sinne gutgeheissen, als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 25. September 2017 aufgehoben und die Ange- legenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägun gen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-L andschaft zu- rückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdef ührer einer Par- teientschädigung in Höhe von Fr. 2'685.25 (inkl. Auslag en und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.