Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. Januar 2012 (715 10 270 / 28) ___________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Ablehnung in der Anspruchsberechtigung; Prüfung der Vermittlungsfähigkeit Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Yves T hommen, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Maurizio Greppi Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Doris Vollenweider, Advokatin, Rebgasse 15, Postfach 215, 4410 Liestal gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Taggeld A. A.____ arbeitete in den Jahren 2002 bis 2007 als G eschäftsführerin mit Einzelunter- schrift der B.____ GmbH, über die am 11. Dezember 2007 der Konkurs eröffnet wurde. Ab 1. Juli 2007 arbeitete sie bei der C.____ AG in einer Vo llzeiteinstellung als Versicherungs- Beraterin auf Provisionsbasis. Die Arbeitgeberin kündigt e das Arbeitsverhältnis am 20. Oktober 2008 fristlos, da A.____ wiederholt und trotz Verwarn ung Termine nicht eingehalten hatte. Glei- chentags meldete sich A.____ im Umfang von 50% zur Arbeit svermittlung an und stellte Antrag Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf Leistungen der Arbeitslosenentschädigung ab 20. Okto ber 2008. Mit Schreiben vom 17. April 2009 setzte die Öffentliche Arbeitslosenkasse (OeKa ) den versicherten Verdienst auf Fr. 6'120.-- fest, was eine durchschnittliche Monatsentschäd igung von Fr. 4'896.-- ergibt. Vom 20. April 2009 bis 26. Juni 2009 erzielte A.____ auf der Basis einer 50%-Anstellung einen Zwi- schenverdienst bei den D.____. Am 10. Juli 2009 änderte das Regionale Arbeitsvermittlungs- zentrum (RAV) den Vermittlungsgrad von 50% auf 100% ab Beginn der Anspruchsberechtigung vom 21. Oktober 2008. B. Mit Verfügung vom 24. Juli 2009 ordnete das Kanton ale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) die Teilnahme an einer arbeitsmarktliche n Massnahme vom 27. Juli 2009 bis 26. Januar 2010 zu einem Beschäftigungsgrad von 100% be i der E.____ AG an. Am 28. Juli 2009 und 31. Juli 2009 wies A.____ entschuldigte Absen zen auf. Im August 2009 liess sie sich mittels Arztzeugnis und durch Ferienbezug von der Teilna hme am Beschäftigungsprogramm dispensieren. Am 20. Juli 2009 respektive 28. Juli 2009 stellte A.____ ein Gesuch um Ausrich- tung von Taggeldern zur Förderung der selbständigen Er werbstätigkeit für das Projekt F.____ GmbH, die das KIGA mit Verfügung vom 6. August 2009 ab wies. Auf die dagegen erhobene Einsprache trat das KIGA unter anderem wegen Verletzun g der Mitwirkungspflichten bei der Ermittlung des Sachverhalts nicht ein. C. Am 26. August 2009 wurde die F.____ GmbH mit Sitz an der Wohnadresse von A.____ gegründet und am 28. August 2009 im Handelsregister de s Kantons Basel-Landschaft einge- tragen. Zweck der Gesellschaft ist die Beratung, Vermitt lung und Verwaltung von Versicherun- gen aller Art, die Unternehmensberatung sowie die Fi nanz- und Wohneigentumsplanung. Am 20. August 2009 unterzeichnete A.____ einen Arbeitsver trag für eine Anstellung zu 70% mit einem fixen Monatslohn in der Höhe von Fr. 2'660.-- bei der F.____ GmbH. Ab September 2009 erzielte A.____ einen Zwischenverdienst bei dieser Firma . Infolge Erhöhung des Arbeitspen- sums auf 100% betrug dieser ab März 2010 Fr. 3'800.--. D. In den Taggeldabrechnungen vom 5. Oktober 2009 fü r den Monat September 2009, vom 10. November 2009 für den Monat Oktober 2009 und vom 7. Dezember 2009 für den Monat November 2009 setzte die OeKa den anrechenbaren Zwischen verdienst auf Fr. 9'625.--, 70% von Fr. 13'750.--, fest, und verneinte den Anspruch auf Taggelder. Da A.____ damit nicht ein- verstanden war, verlangte sie den Erlass entsprechender Ver fügungen. Mit Verfügungen Nr. 1546/2009 vom 29. Oktober 2009, Nr. 1755/2009 vom 10. Dezember 2009 und Nr. 38/2010 vom 11. Januar 2010 bestätigte die OeKa die Taggeldabrechnungen. E. Gegen diese Verfügungen erhob A.____ Einsprache. S ie beantragte, die Taggeldab- rechnungen für September, Oktober und November 2009 zu korrigieren, da der durch ihre Ar- beitgeberin deklarierte Zwischenverdienst Fr. 2'660.-- betrage. Die Einspracheinstanz des KIGA, Abteilung OeKa, wies mit Entscheid vom 28. Jul i 2010 die Einsprachen ab. Zur Begrün- dung machte sie hauptsächlich geltend, dass der deklarier te Zwischenverdienst nicht den be- rufs- und ortsüblichen Ansätzen entspreche. In der Aufstellung zu den Umsatzmöglichkeiten bei Stellung des Gesuchs um Ausrichtung von Taggeldern zur Fö rderung der selbständigen Er- werbstätigkeit habe A.____ angegeben, dass sie im schlech testen Fall 30 Versicherungsab- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlüsse mit einer Provision von je Fr. 350.-- tätigen kö nne, was zusammen mit der Büroent- schädigung Mindesteinnahmen in der Höhe von Fr. 11'400. -- ergeben würde. Nach den Erfah- rungszahlen bei der C.____ AG sei sogar mit einen min imalen Verdienst von Fr. 13'750.-- zu rechnen. Die OeKa behaftete in ihrem Einspracheentsch eid A.____ bei ihren Angaben und rechnete ihr einen erzielbaren Zwischenverdienst an, der deutlich über der durchschnittlichen monatlichen Arbeitslosenentschädigung von Fr. 4'896.-- liegt. De facto sei zudem A.____ Ge- schäftsführerin der F.____ GmbH. Diese habe ihren Sitz an der Wohnadresse von A.____ und die im Handelsregister eingetragene Gesellschafterin G. ____ sei eine gute Freundin von A.____ und weise keinen beruflichen Bezug zum Versiche rungswesen auf. Der Anspruch von A.____ auf Arbeitslosenentschädigung erscheine aufgrund dieser arbeitgeberähnlichen Stellung ohnehin als fraglich. F. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ mit Eingabe vom 15. September 2010 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversiche rungsrecht und beantragte, es sei die OeKa anzuweisen, sämtliche Taggeldabrechnungen seit September 2009 zu korrigieren. Sie verwies dabei auf den Bruttolohn von anfänglich Fr. 2'600.--, den sie für ihre Tätigkeit bei der Firma Libertis GmbH ab 1. September 2009 erhalten hatte und den berufs- und ortsüblichen Ansätzen gemäss der Dokumentation des Schweizerischen Gewer kschaftsbundes entspreche. Die OeKa habe den Kleinbetrieb F.____ GmbH, der sich in einer Start-Phase befunden habe, fälschlicherweise mit der schweizweit bereits lange tätigen B.____ AG verglichen, welche einen jährlichen Bruttoertrag in Millionenhöhe erwirtschaft e. Die OeKa setze sich auch in Wider- spruch, wenn sie einerseits ihr Gesuch um Ausrichtung von Taggeldern zur Förderung der selbständigen Erwerbstätigkeit als unrealistisch abgelehnt habe, andererseits aber bei der Festsetzung des Zwischenverdiensts aufgrund des damit einge reichten Businessplans eine Mindestbruttolohnsumme von Fr. 13'750.-- annehme. G. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Dezember 2010 bean tragte die OeKa die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie weitgehend an, was sie bereits in ihrem Einspra- cheentscheid vorbrachte. H. Zur ersten Hauptverhandlung vom 1. September 2011 wurde als Auskunftsperson G.____, Geschäftsführerin der F.____ GmbH, geladen. D iese erklärte, dass es faktisch die Fir- ma von A.____ gewesen sei und sie selber für die Firma weder gearbeitet noch Entscheide gefällt habe. In der anschliessenden Parteibefragung gab A.____ zu Protokoll, dass ein H.____ das Kapital und das Know-how gebracht habe, dieser aber wegen eines Konkurrenzverbots nie öffentlich aufgetreten sei. G.____ sei als Strohfrau d azwischengeschaltet worden. Aufgrund dessen wurde der Fall ausgestellt und zur zweiten Hauptve rhandlung vom 26. Januar 2012 H.____ als Auskunftsperson geladen, welcher allerdings au sblieb. Beide Parteien willigten ein, dass dennoch verhandelt und entschieden werde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den A llgemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist das Versiche rungsgericht desjenigen Kan- tons örtlich und sachlich zuständig, in dem die versiche rte Person zur Zeit der Beschwerdeer- hebung Wohnsitz hat. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG kann der Bundesrat die örtliche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art . 58 ATSG regeln. Gemäss Art. 128 der Verordnung über die obligatorische Arbe itslosenversicherung und die Insolvenz- entschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 richtet sich die Beurteilung der Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts nach Art. 119 AVIV. Örtli ch zuständig ist gemäss Art. 128 in Verbindung mit Art. 119 Abs. 1 lit. a AVIV das Gerich t desjenigen Kantons, in dem die versi- cherte Person ihre Kontrollpflicht erfüllt. Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die obligatori- sche Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit Art. 57 ATSG ist ein Gericht als letzte kantonale Instanz für die Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung sachlich zuständig. Nach § 54 Abs. 1 lit. k des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Kantonsgericht als einzige ge richtliche Instanz des Kantons Basel-Landschaft zur Behandlung von Beschwerden gegen Ve rfügungen gemäss Art. 100 AVIG zuständig. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist als erstes, ob die Beschwe rdegegnerin zu Recht den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. September 2009 abgelehnt hat. 2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 AVIG hat die versicherte Person A nspruch auf Arbeitslosenentschädi- gung, wenn sie unter anderem ganz oder teilweise arbe itslos ist (lit. a) und einen anrechenba- ren Arbeitsausfall erlitten hat (lit. b). Als ganz ar beitslos gilt, wer in keinem Arbeitsverhältnis steht und eine Vollzeitbeschäftigung sucht, als teilweise arbeitslos gilt, wer in keinem Arbeits- verhältnis steht und lediglich eine Teilzeitbeschäftigung sucht oder eine Teilzeitbeschäftigung hat und eine Vollzeit- oder eine weitere Teilzeitbeschäftigung sucht (Art. 10 Abs. 1 und 2 AVIG). Ein anrechenbarer Arbeitsausfall liegt nach Art. 11 A bs. 1 AVIG vor, wenn er einen Ver- dienstausfall zu Folge hat und mindestens zwei aufeinanderfolgende volle Arbeitstage dauert. 2.2 Laut Art. 31 Abs.1 AVIG haben Arbeitnehmer, dere n normale Arbeitszeit verkürzt oder de- ren Arbeit ganz eingestellt ist, Anspruch auf Kurzarbe itsentschädigung, wenn sie bestimmte, in lit. a-d näher umschriebene Voraussetzungen erfüllen. Kurzarbeit setzt unter anderem voraus, dass der Arbeitnehmer einen Arbeitsausfall erleidet ( Art. 31 Abs. 1 lit. b AVIG), welcher - um anrechenbar zu sein - seinerseits gewisse Voraussetzungen erfüllen muss (Art. 32 f. AVIG). Die Einführung von Kurzarbeit liegt in der unternehmeri schen Dispositionsfreiheit des Arbeitgebers. Er allein bestimmt, ob, wann und für wie lange er Ku rzarbeit einführen will. Weil es in der Dis- positionsfreiheit des Arbeitgebers liegt, Kurzarbeit einzuführen und - bei Erfüllen der einschlägi- gen Voraussetzungen - den anspruchbegründenden Sachverhalt für eine Kurzarbeitsentschädi- gung zu verwirklichen, ist er von vornherein vom Anspru ch auf Entschädigung ausgeschlossen. Dies kommt darin zum Ausdruck, dass Art. 31 Abs. 1 AVIG aussc hliesslich Arbeitnehmer als anspruchsberechtigt erklärt. Je nach der Rechtsform, in der sich ein "Arbeitgeber" konstituiert hat, sind jedoch auch andere Personen an dessen Dispositi onen beteiligt. Aus diesem Grunde nimmt das Gesetz auch "arbeitgeberähnliche Personen" vom Anspruch auf Kurzarbeitsent- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schädigung aus. Keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigu ng haben gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG Personen, die in ihrer Eigenschaft als Gesel lschafter, als finanziell am Betrieb Betei- ligte oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entscheidun- gen des Arbeitgebers bestimmen oder massgeblich beeinfl ussen können, sowie ihre mitarbei- tenden Ehegatten (Urteil S. des EVG vom 19. März 2002 , C 373/00, E. 2; BGE 123 V 236 E. 7a). 2.3 Dem Wortlaut nach ist Art. 31 Abs. 3 AVIG auf Kur zarbeitsfälle zugeschnitten. Eine analoge Bestimmung für den Bereich der Arbeitslosenentschädigung besteht nicht . Mit Bezug auf den Anspruch der in Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG genannten a rbeitgeberähnlichen Personen auf Ar- beitslosenentschädigung ist nach der Rechtsprechung indesse n eine Überprüfung unter dem Gesichtspunkt der rechtsmissbräuchlichen Gesetzesumgehung mög lich, wobei verschiedene Fallkonstellationen zu unterscheiden sind. Wird ein Ar beitsverhältnis eines Arbeitnehmers mit arbeitgeberähnlicher Stellung gekündigt, kann nicht von einer Gesetzesumgehung gesprochen werden, wenn der Betrieb geschlossen wird, das Ausscheid en des betreffenden Arbeitnehmers mithin definitiv ist. Entsprechendes gilt für den Fall, dass das Unternehmen zwar weiter besteht, der Arbeitnehmer aber mit der Kündigung endgültig a uch jene Eigenschaft verliert, deretwegen er bei Kurzarbeit auf Grund von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG vom Anspruch auf Kurzarbeitsent- schädigung ausgenommen wäre. Eine grundsätzlich andere S ituation liegt jedoch dann vor, wenn der Arbeitnehmer nach der Entlassung seine arbeit geberähnliche Stellung im Betrieb bei- behält und dadurch die Entscheidungen des Arbeitgeber s weiterhin bestimmen oder massgeb- lich beeinflussen kann (Urteile A. des EVG vom 21. Dez ember 2005, C 9/05, E. 2.2.2 und E. vom 16. Dezember 2003, C 301/02, E. 2.1; BGE123 V 237 f. E. 7b/bb). 2.4 Andauernd selbstständig erwerbende Personen sind in der Regel bereits von vornherein vom Arbeitslosentaggeldbezug ausgeschlossen. Die Anwendun g der Rechtsprechung gemäss BGE 123 V 234 , wonach eine Überprüfung des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung unter dem Gesichtspunkt der rechtsmissbräuchlichen Gesetzesumgehun g möglich sein muss, recht- fertigt sich gleichermassen bei selbstständig Erwerbstätig en, welche sich zum Bezug von Ar- beitslosenentschädigung anmelden. Dabei ist massgebend, o b der Status des Selbstständiger- werbenden mit dem Ziel dauernder wirtschaftlicher und unternehmerischer Unabhängigkeit auf- genommen und beibehalten wird (Urteil C 9/05 vom 21 . Dezember 2005 E. 2.3; Urteil 8C_49/2009 vom 5. Juni 2009 E. 4.3). Es ist nicht Aufga be der Arbeitslosenversicherung, die in solchen Fällen anfänglich fehlenden Einnahmen zu ersetzen (ARV 2005 S. 19, C 117/04; Urtei- le C 151/06 vom 20. Mai 2007 E. 3 und C 277/05 vom 1 2. Januar 2007 E. 3.3). Rechtspre- chungsgemäss ist sodann nicht relevant, ob effektiv für di e Firma eine Tätigkeit ausgeübt oder ein Einkommen erwirtschaftet wurde (Urteil C 277/05 vo m 12. Januar 2007 E.3.4 mit Hinwei- sen). 3.1 Zunächst ist also zu entscheiden, ob die Beschwerdefüh rerin mit ihrer Tätigkeit für die F._____ GmbH als Selbständigerwerbende gilt oder nich t. Die F.____ GmbH wurde am 28. August 2009 im Handelsregister eingetragen. Als einzige Gesellschafterin mit einem Stamman- teil von Fr. 20'000.-- und Geschäftsführerin wurde G. ____, selber branchenfremd und eine Freundin der Beschwerdeführerin, eingetragen. Die F.____ GmbH war an der Wohnadresse der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführerin domiziliert. G.____ sagte als Auskunf tsperson aus, dass es faktisch die Firma der Beschwerdeführerin gewesen sei. Sie selber ha be weder für die F.____ GmbH gear- beitet noch für die Firma Entscheide gefällt. Dements prechend habe sie auch den Lohn der Beschwerdeführerin nicht festgelegt und aus Gefälligkeit für die Beschwerdeführerin Dokumen- te unterzeichnet, beispielsweise das Zwischenverdienstfor mular zu Handen der Beschwerde- gegnerin. 3.2 Nach dieser Befragung führte die Beschwerdeführerin aus, dass die Firma nicht ihr gehört habe. Ein H.____ habe das Kapital eingebracht, welcher aber aufgrund eines Konkur- renzverbots nicht öffentlich habe in Erscheinung treten kö nnen. G.____ sei eine Strohfrau ge- wesen und habe ihr lediglich einen Gefallen getan. H .____ sei derjenige gewesen, der das Know-how und das Kapital eingebracht habe. Danach habe ihre Schwester, die Buchhalterin sei und hauptberuflich in Zug arbeite, H.____ ausbezah lt und als Gesellschafterin ersetzt. Seit 28. Februar 2011 habe die F.____ GmbH ihr Domizil in X.____ und sie arbeite dort nebst einem weiteren Angestellten in eigenen Büroräumlichkeiten der Firma. 3.3 Die Beschwerdeführerin stellte am 20. Juli bzw. 28. Juli 2009 ein Gesuch um Ausrich- tung von Taggeldern zur Förderung der selbständigen Er werbstätigkeit für das Projekt F.____ GmbH, welches das KIGA mit Verfügung vom 6. August 200 9 abwies. Kurz danach wurde am 26. August 2009 die F.____ GmbH mit Sitz an der Wohna dresse der Beschwerdeführerin ge- gründet. Rechtlich wurde G.____ als Gesellschafterin un d Geschäftsführerin ausgegeben, die aber nach den Ausführungen der Beschwerdeführerin als Strohfrau vorgeschoben wurde. Lohnabrechnungen und Deklarationen über einen Zwischen verdienst hatte G.____ offensicht- lich nach Weisung der Beschwerdeführerin unterzeichnet, da sie den nun von der Beschwerde- führerin als eigentlichen Gesellschafter und Geschäftsfü hrer bezeichneten H.____ gar nicht gekannt hatte. Selbst wenn H.____ das Kapital der Gmb H eingebracht hat, ist in keiner Weise belegt, dass dieser auch die Geschäftsführung der F.__ __ GmbH ausübte. Sämtliche Korres- pondenz der F.____ GmbH wurde offensichtlich über die P rivatadresse der Beschwerdeführe- rin, an welcher die F.____ GmbH domiziliert war, abg ewickelt. Die gegründete F.____ GmbH entsprach dem persönlichen Projekt der Beschwerdeführeri n, welches sie zum Erhalt von För- derungsgeldern dem KIGA angemeldet hatte. Aus allen diesen Umständen heraus und auf- grund der bestehenden Widersprüchlichkeiten muss gefolge rt werden, dass die Beschwerde- führerin faktisch Geschäftsführerin der F.____ GmbH wa r und sie aus Sicht der Arbeitslosen- versicherung als Selbständigerwerbende zu betrachten ist. 4.1 Bei einer versicherten Person, die im Verlauf der gemeldeten Arbeitslosigkeit, also während der laufenden Rahmenfrist für den Leistungsbezu g, eine eigene Firma gegründet hat, ist der Leistungsanspruch unter den Gesichtspunkten des Auf baus einer auf Dauer oder nur vorübergehenden Selbständigkeit und der Vermittlungsf ähigkeit zu prüfen. Die Vermittlungsfä- higkeit und damit der Leistungsanspruch sind dann zu verne inen, wenn die Absicht zur Auf- nahme der selbstständigen Arbeit so weit fortgeschritte n ist, dass die Annahme einer unselbst- ständigen Tätigkeit nicht oder kaum mehr möglich ist (ARV 1996/97 Nr. 36 S. 203 E. 3; 1993/94 Nr. 30 S. 217 E. 3b 3. Absatz; vgl. auch Urteile 102/0 4 vom 15. Juni 2005, E. 4.1 und 4.2.1 und C 277/05 vom 12. Januar 2007 E. 3.4) und demzufolge a uch nicht mehr von einer vorüberge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht henden, zeitlich beschränkten und investitionsarmen selbstständigen Erwerbstätigkeit (im Sinne einer Zwischenverdiensttätigkeit nach Art. 24 AVIG), gesprochen werden kann (vgl. Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung in: Ulrich Meyer, [Hr sg.], Schweizerisches Bundesver- waltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, S. 2300 N 417). Die Tatsa- che, dass der Versicherte eine juristische Person gründet u nd in das Handelsregister eintragen lässt, in welcher er eine arbeitgeberähnliche Stellung einnimmt, genügt für sich allein somit nicht, um bereits die Aufnahme einer auf Dauer ausge richteten und nicht bloss vorübergehen- den selbständigen Erwerbstätigkeit zu bejahen. Es ist somi t die Frage zu klären, ob die Be- schwerdeführerin bereit und in der Lage war, einer Arbeitnehmertätigkeit nachzugehen, oder ob ihr Bestreben dem Aufbau einer auf Dauer angelegten Selbstständigkeit zur Erlangung einer wirtschaftlichen Unabhängigkeit galt, was dem Sinn und Zweck der Arbeitslosenversicherung entgegenstünde. 4.2 Die Beschwerdeführerin arbeitete in den Jahren 20 02 bis 2007 als Geschäftsführerin der B.____ GmbH, über die der Konkurs eröffnet wurde . Ab 1. Juli 2007 arbeitete sie dann als unselbständig Erwerbende beim C.____ AG bis 20. Oktober 2008. Ab diesem Zeitpunkt war sie als arbeitslos gemeldet. Vom 20. April 2009 bis 26. Juni 2009 stand sie in einer befristeten An- stellung bei den D.____. Nach Ablauf dieser Anstellu ng verpflichtete die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 24. Juli 2009 die Beschwerdeführerin zur Teilnahme an einer arbeitsmarktli- chen Massnahme, die ab 27. Juli 2009 bis 26. Januar 2010 gedauert hätte. Die arbeitsmarktli- che Massnahme brach sie nach kurzer Zeit ab und unterzei chnete stattdessen am 20. August 2009 einen Arbeitsvertrag mit der F.____ GmbH. Am 20. Juli respektive 28. Juli 2009, demnach im selben Zeitraum, stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um Ausrichtung von Taggeldern zur Förderung der selbständigen Erwerbstätigkeit, welch es vom KIGA am 6. August 2009 ab- gewiesen wurde. Danach wurde am 26. August 2009 die F.____ GmbH gegründet, bei welcher die Beschwerdeführerin faktisch die Stellung einer Geschäftsführerin hatte. 4.3 Die Bestrebungen der Beschwerdeführerin waren off ensichtlich auf die Aufnahme einer dauernden selbständigen Erwerbstätigkeit ausgerichtet. Der Abbruch der arbeitsmarktrechtli- chen Massnahme, die Stellung des Gesuchs um Ausrichtung von Taggeldern zur Förderung der selbständigen Erwerbstätigkeit und die kurze Zeit sp äter erfolgte Gründung der F.____ GmbH, die dem beim KIGA angemeldeten persönlichen Pr ojekt der Beschwerdeführerin ent- sprach, sprechen in ihrer Gesamtheit dafür, dass die Be schwerdeführerin nicht nur vorüberge- hend zur Schadensminderung eine selbständige Erwerbstät igkeit, sondern gezielt eine auf Dauer ausgerichtete selbständige Erwerbstätigkeit aufnehmen wollte. Die vorliegenden Indizien lassen keine andere Schlussfolgerung zu, als dass ihr Will e auf die Aufnahme einer dauernden selbständigen Erwerbstätigkeit ausgerichtet war. Folge dessen verneinte die Beschwerdegeg- nerin zu Recht einen weiteren Anspruch der Beschwerde führerin auf Arbeitslosenentschädi- gung ab 1. September 2009. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen 4. Der Beschwerdeführerin wird die unentgeltliche V erbeiständung bewil- ligt. Demzufolge wird ihrer Rechtsvertreterin aus der Ge richtskasse ein Honorar in Höhe von Fr. 3'643.95 (inkl. Auslagen und 8 % Mehr- wertsteuer) ausgerichtet.