<h2>SubmittedText<h2><p>Frauen sind im Sport noch immer untervertreten. Nicht, was Medaillen, Erfolge oder Zuschauerinnen angeht, aber in den Sportgremien, den Medien, bei den Sportgeldern, in der Sportwissenschaft und -Technologie sowie bezüglich der Anzahl Trainerinnen.</p><p>Frau Bundesrätin Amherd hat angekündigt, eine Frauenoffensive in der Armee durchzuführen. Auch im Sportbereich dürfen die Frauen nicht vernachlässigt werden. Noch immer fehlen Trainerinnen, Managerinnen und somit weibliche Vorbilder. Noch immer werden Mädchen weniger gefördert als Jungen. Das ist ein strukturelles Problem. Obwohl der Frauenanteil bei den Hobbysportler*innen in der Schweiz 50 Prozent beträgt und 42 Prozent der Schweizer Sportler*innen an den Olympischen Winterspielen 2018 Frauen waren, beträgt der Frauenanteil in der Geschäftsleitung von Swiss Olympic 0 Prozent und derjenige bei den Schweizer Funktionär*innen an den Olympischen Winterspielen 2018 16 Prozent. Während 36 Prozent der Aktivmitgliedern in Schweizer Sportvereinen Frauen sind, liegt der Frauenanteil bei den Präsident*innen der Sportverbände bei 8 Prozent. Es ist höchste Zeit, dass auch im Sport Gleichstellung und Chancengleichheit hergestellt werden. So lange fast ausschliesslich Männer in den entscheidenden Gremien sitzen und über die Vergabe von Geldern bestimmen, ist keine Veränderung zu erwarten.</p><p>Der Bundesrat wird deshalb gebeten folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Ist er bereit sicherzustellen, dass die Grundlagen für die Forschung, Studien etc. mit genügend Probandinnen durchgeführt wird</p><p>2. Ist er bereit, eine Frauenoffensive im Sport zu unterstützen - auch finanziell?</p><p>3. Ist er bereit, sich für eine Förderung von Trainerinnen in jeglichen Sportarten einzusetzen?</p><p>4. Ist er bereit, Swiss Olympic mit seinen dazugehörigen Verbänden in die Pflicht zu nehmen, mehr Frauen ins Kader und in die Geschäftsleitung zu holen und ausreichend weibliche Führungskräfte auszubilden? Ist er bereit, eine Zielvorgabe für Swiss Olympic festzuschreiben, auch in Bezug auf die Verteilung der Fördergelder?</p><p>5. Ist er bereit, den Sportverbänden finanzielle Unterstützung zu gewähren, damit sie (gegebenenfalls unter Einbezug von Expert*innen) umfassende Sensibilisierungs- und Ausbildungskampagnen durchführen können?</p><p>6. Ist er bereit, jährliche öffentliche Berichte über die Aufteilung der Besetzung von Verbandsmitarbeitern*innen zu fordern?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Dem Bundesrat ist die Gleichstellung von Frau und Mann in allen Bereichen der Gesellschaft ein grosses Anliegen. Er ist sich bewusst, dass Frauen nicht zuletzt im Sportbereich zu wenig vertreten sind. Die Situation hat sich in den letzten Jahren verbessert, dennoch besteht nach wie vor deutlicher Nachholbedarf.</p><p>1. Eine gendergerechte Forschung ist Bestandteil der Strategie der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen. Das Ressortforschungskonzept Sport und Bewegung 2021-2024 hebt die Thematik "Frau im Sport" als übergeordnetes Thema hervor. Der Bundesrat nimmt allerdings aufgrund des Grundsatzes der Freiheit von Forschung und Lehre keinen Einfluss auf die konkrete Durchführung von einzelnen Forschungsvorhaben oder auf die Abwicklung von Studien.</p><p>2+3. In der Sportwelt ist die Erkenntnis gewachsen, dass es mehr Trainerinnen in allen Sportarten benötigt. Die Umsetzung dieser Erkenntnisse bedarf jedoch Zeit, auch wenn sich in den letzten Jahren die Situation verbessert hat. Im Rahmen des Programms Jugend+Sport lässt sich beispielsweise feststellen, dass der Anteil aktiver J+S-Leiterinnen stetig zunimmt und mittlerweile rund 40 Prozent beträgt. In den Expertenausbildungen von J+S liegt der Frauenanteil noch bei rund 25 Prozent. Weiterführende Ausbildungen der Verbände werden von deutlich weniger Frauen besucht. Es müssen daher noch wesentliche Anstrengungen unternommen werden, damit mehr Frauen eine Ausbildung zur Trainerin absolvieren. Die Trainerbildung Schweiz, die das Bundesamt für Sport gemeinsam mit Swiss Olympic führt, muss hier künftig Schwerpunkte setzen. In der Leistungsvereinbarung mit Swiss Olympic wird der Gleichbehandlung der Geschlechter bereits aktuell ein hohes Gewicht beigemessen. Dem Aspekt soll in den künftigen Vereinbarungen eine noch höhere Bedeutung eingeräumt werden.</p><p>4. Gemäss Leistungsvereinbarung des Bundesamtes für Sport mit Swiss Olympic sollen die Sportverbände die Gleichstellung der Geschlechter fördern. Dies wird allerdings künftig nicht mehr ausreichen. Der Bundesrat erwartet, dass sich die Geschlechtervertretung in den Sportverbänden an den Zielvorgaben orientiert, die der Bundesrat im Rahmen seiner Strategie vom 25. November 2020 für bundesnahe Unternehmungen festgelegt hat. Bis Ende 2024 sollte daher ein Frauenanteil von mindestens 40 Prozent erreicht sein. Die Fortschritte sind durch Swiss Olympic im Hinblick auf die künftige Ausgestaltung der Leistungsvereinbarungen mit den Sportverbänden zu dokumentieren. Die Anstrengungen zur Gleichstellung der Geschlechter werden so mittelfristig Bestandteil für die Festlegung der Beitragshöhe.</p><p>5. Der Bundesrat erachtet eine Sensibilisierungs- und Ausbildungskampagne als Aufgabe des Dachverbandes Swiss Olympic. Eine finanzielle Unterstützung für eine Frauenförderoffensive ist aktuell nicht vorgesehen. Sie müsste im Rahmen der bewilligten Kredite als Bestandteil der Leistungsvereinbarung 2022 mit Swiss Olympic geprüft werden.</p><p>6. Es ist sinnvoll und zeitgemäss, dass die Sportverbände ausweisen, wie die Geschlechterverteilung in den Führungsgremien der jeweiligen Verbände aussieht. Im Rahmen der Leistungsvereinbarung mit Swiss Olympic für 2022 wird eine entsprechende Berichterstattungspflicht aufgenommen.</p>  Antwort des Bundesrates.