<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 105 S.491</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">491</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>105 Gemeindeversammlung; Enthaltungen sind bei den Abstimmungen nicht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>auszuzählen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Departements Volkswirtschaft und Inneres, Gemeindeabtei-</span><br/> <span class="ft4">lung, vom 10. Juli 2008 in Sachen A. gegen die Einwohnergemeinde X.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2. Gemäss § 27 des Gesetzes über die Einwohnergemeinden</span><br/> <span class="ft6">vom 19. Dezember 1978 werden Abstimmungen offen vorgenom-</span><br/> <span class="ft6">men, wenn nicht ein Viertel der anwesenden Stimmberechtigten die</span><br/> <span class="ft6">geheime Abstimmung verlangt. Es entscheidet die Mehrheit der</span><br/> <span class="ft6">Stimmenden. Bei Stimmengleichheit gibt bei offenen Abstimmungen</span><br/> <span class="ft6">der Vorsitzende den Stichentscheid.</span><br/> <span class="ft6">a) Das kantonale Recht sieht an der Gemeindeversammlung für</span><br/> <span class="ft6">offene Abstimmungen (wie auch für geheime Abstimmungen) das</span><br/> <span class="ft6">Verfahren des einfachen Mehrs vor. Da zu jedem Antrag Ja oder Nein</span><br/> <span class="ft6">gesagt werden kann, müssen zur Feststellung der Mehrheit der Stim-</span><br/> <span class="ft6">menden sowohl die befürwortenden als auch die ablehnenden Stim-</span><br/> <span class="ft6">men ermittelt werden. Auf die Aufnahme der Gegenstimmen kann</span><br/> <span class="ft6">nur verzichtet werden, wenn die Anzahl der Ja-Stimmen die absolute</span><br/> <span class="ft6">Mehrheit der Anwesenden erreicht, weil in diesem Fall die Anzahl</span><br/> <span class="ft6">der Nein-Stimmen nicht grösser sein kann (vgl. AGVE 1982, S. 487</span><br/> <span class="ft6">f.). Enthaltungen sind im Verfahren des einfachen Mehrs lediglich</span><br/> <span class="ft6">eine rechnerische Grösse, welche sich aus der Differenz aus den ad-</span><br/> <span class="ft6">dierten Ja- und Nein-Stimmen zu den anwesenden Stimmberechtig-</span><br/> <span class="ft6">ten ergibt. Da den Enthaltungen keine Bedeutung zukommt, sind sie</span><br/> <span class="ft6">auch nicht auszuzählen.</span><br/> <span class="ft6">b) Im vorliegenden Fall hat der Versammlungsleiter unter Trak-</span><br/> <span class="ft6">tandum 5 über die Einführung der Kehrrichtgebühren abstimmen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">492</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">lassen. Die Stimmberechtigten hiessen den Antrag mit 217 Ja- gegen</span><br/> <span class="ft6">195 Nein-Stimmen gut. Damit ist die Beschlussfassung im Verfahren</span><br/> <span class="ft6">des einfachen Mehrs ordnungsgemäss durchgeführt worden. Dass der</span><br/> <span class="ft6">Versammlungsleiter darüber hinaus auch die Enthaltungen auszählen</span><br/> <span class="ft6">liess, muss ihm zwar nach dem zuvor Ausgeführten als Fehler</span><br/> <span class="ft6">angelastet werden. Dieser Mangel hatte jedoch keinen Einfluss auf</span><br/> <span class="ft6">das Abstimmungsergebnis. Aus der vom Beschwerdeführer vorge-</span><br/> <span class="ft6">brachten Differenz zwischen den ausgezählten Stimmen (Ja, Nein</span><br/> <span class="ft6">und Enthaltungen) und der Zahl der festgestellten anwesenden</span><br/> <span class="ft6">Stimmberechtigten, lässt sich nichts in Bezug auf eine fehlerhafte</span><br/> <span class="ft6">Stimmenauszählung ableiten. Es ist viel naheliegender aus dieser</span><br/> <span class="ft6">Differenz zu folgern, dass sich nicht alle Stimmberechtigten an der</span><br/> <span class="ft6">Abstimmung beteiligt haben. Dies kann den betreffenden Personen</span><br/> <span class="ft6">aber nicht zum Vorwurf gemacht werden. Nachdem es den Stimmbe-</span><br/> <span class="ft6">rechtigten ohnehin freigestellt ist, ob sie überhaupt an der Versamm-</span><br/> <span class="ft6">lung teilnehmen wollen, werden sie auch durch eine allfällige Teil-</span><br/> <span class="ft6">nahme nicht dazu verpflichtet, sich an den Abstimmungen zu beteili-</span><br/> <span class="ft6">gen. In diesem Sinne kommt im Verfahren des einfachen Mehrs den</span><br/> <span class="ft6">Enthaltungen (ob ausgezählt oder nicht) keine andere Bedeutung zu,</span><br/> <span class="ft6">als diejenige der Nichtteilnahme der Stimmberechtigten. Da der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer keinerlei anderweitige Indizien für eine fehlerhafte</span><br/> <span class="ft6">Auszählung durch die Stimmenzähler vorbringt, ist die Resultater-</span><br/> <span class="ft6">mittlung insgesamt nicht zu beanstanden.</span><br/></div> </div> </body> </html>