A bteilung III C -776/2006 {T 0/2} U rteil vom 29. M ärz 2007 M itw irkung: R ichterin Beutler; R ichter Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Vuille; G erichtsschreiberin Kradolfer. A .L._______, Beschw erdeführerin, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung in B ezug auf B .L._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er serbische Staatsangehörige B.L._______ (nachfolgend G esuchsteller) beantragte am 13. April 2006 beim schw eizerischen Verbindungsbüro bei der M ission der Vereinten N ationen im Kosovo (U N M IK) in Prishtina (nach- folgend Verbindungsbüro) ein Visum für einen dreim onatigen Besuchsauf- enthalt bei seiner Ehefrau in A._______. D as Verbindungsbüro verw eigerte die Erteilung eines Visum s form los m it der Begründung, die fristgerechte W iederausreise aus der Schw eiz sei nicht gesichert. In der Folge überw ies das Verbindungsbüro das G esuch dem Bundesam t für M igration zum Entscheid. B. N achdem das M igrationsam t des Kantons Zürich bei der Ehefrau als G ast- geberin w eitere Abklärungen vorgenom m en hatte, verw eigerte die Vorin- stanz m it Verfügung vom 15. Juni 2006 die beantragte Einreisebew illigung. In ihrer Begründung führte sie im W esentlichen aus, dass die fristgerechte W iederausreise aus der Schw eiz aufgrund der w irtschaftlichen und sozio- kulturellen Lage in der H erkunftsregion sow ie aufgrund der fehlenden per- sönlichen, beruflichen oder gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht ge- w ährleistet sei. C . M it Eingabe vom 30. Juni 2006 erhob die Ehefrau (nachfolgend Beschw er- deführerin) beim dam als zuständigen Eidgenössischen Justiz- und Polizei- departem ent (EJPD ) Beschw erde und beantragt sinngem äss die Aufhe- bung der Verfügung vom 15. Juni 2006 und die Erteilung eines Einreisevi- sum s für ihren Ehem ann. Sie führt im W esentlichen aus, die Begründung der Verfügung sei nicht nachvollziehbar ("w urde, ohne Begründung zu er- geben, abgelehnt"). Sie w erde die gesam te Verantw ortung für ihren Ehe- m ann übernehm en und versichere, dass dieser nach Ablauf des Visum s in sein H eim atland zurückkehren w erde, dam it er seinen Arbeitsplatz nicht verliere. Sie bestätigt zudem die finanzielle G arantie, w elche sie bereits früher im Verfahren abgegeben hatte. D er Beschw erdeschrift beigelegt sind eine Kopie des Arbeitsvertrages des G esuchstellers vom 1. M ärz 2005 sow ie die Bestätigung des Arbeitgebers, dass der G esuchsteller nach seiner R ückkehr aus der Schw eiz an seinen Arbeitsplatz zurückkeh- ren könne. D . D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 14. August 2006 die Abw eisung der Beschw erde. Zur Begründung verw eist sie auf die an- gefochtene Verfügung. Ergänzend führt sie aus, dass gegenüber der Ar- beitsbestätigung Vorbehalte anzubringen seien, da der G esuchsteller zur Zeit des Antrages noch arbeitslos gew esen sei. D ass er drei M onate von der Arbeit fernbleiben könne, bestätige die Vorbehalte. E. D er Beschw erdeführerin w urde G elegenheit gegeben, sich bis zum 18. Septem ber 2006 zur Vernehm lassung der Vorinstanz zu äussern. D iese Frist liess sie ungenutzt verstreichen.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VG G genannten Ausnahm en Beschw erden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), w elche von einer in Art. 33 VG G aufgeführten Behörde erlassen w urden, sow ie gegen Be- schlüsse gem äss Art. 34 VG G . D arunter fallen die Verfügungen des Bundesam tes für M igration betreffend Bew illigung der Einreise (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20]) und Art. 18 Abs. 1 der Verordnung über die Einreise und An- m eldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 (VEA, SR 142.211). D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Be- urteilung der am 1. Januar 2007 bei den Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei den Beschw erdediensten der D eparte- m ente hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht nach dem Vw VG . 1.3 D ie Beschw erdeführerin ist als G astgeberin durch die angefochtene Verfü- gung berührt und hat ein schutzw ürdiges Interesse an deren Aufhebung (Art. 48 Abs. 1 Vw VG , Art. 20 Abs. 2 AN AG ). Auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist som it einzutre- ten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. Ausländer und Ausländerinnen sind zur Anw esenheit in der Schw eiz be- rechtigt, w enn sie eine Aufenthalts- oder N iederlassungsbew illigung haben oder keiner solchen bedürfen (Art. 1a AN AG ). G ew isse G ruppen von Aus- länderinnen und Ausländern benötigen für die Einreise in die Schw eiz ein Visum (vgl. Art. 3 ff. VEA). D ie Behörde entscheidet im R ahm en der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge m it dem Ausland nach freiem Erm essen über die Bew illigung von Aufenthalt und N iederlassung (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 VEA). D ies bedeutet, dass die schw eizerische R echtsordnung w eder ein allgem eines R echt auf Einreise kennt, noch einen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visum s gew ährt (vgl. PETER U EBER SA X, Einreise und An- w esenheit, in: Peter U ebersax/Peter M ünch/Thom as G eiser/M artin Arnold [H rsg.], Ausländerrecht, H andbücher für die Anw altspraxis Bd. VIII, Basel 2002, R z. 5.28).4 Ein Einreisevisum w ird verw eigert, w enn die in Art. 1 VEA aufgeführten Voraussetzungen nicht erfüllt sind (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). Insbesondere m üssen G esuchstellerinnen und G esuchsteller, die in die Schw eiz reisen m öchten, G ew ähr bieten, dass sie fristgerecht w ieder ausreisen w erden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. D er G esuchsteller benötigt aufgrund seiner N ationalität zur Einreise in die Schw eiz neben einem gültigen R eisedokum ent ein Visum . D ie Vorinstanz verw eigerte die Erteilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 4. W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürge- rinnen und Bürgern aus Staaten beziehungsw eise R egionen m it politisch oder w irtschaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen von vornhe- rein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befri- steten Einreisebew illigung in Einklang steht. 4.1 Serbien gehört aufgrund der dort herrschenden politischen, gesellschaft- lichen und w irtschaftlichen Verhältnisse zu denjenigen Ländern, deren Staatsangehörige in vielen Fällen versuchen, m it H ilfe eines Visum s in die Schw eiz zu gelangen, um anschliessend hier zu bleiben. Vor allem für An- gehörige der jüngeren G eneration, die, w ie der G esuchsteller, aus der Pro- vinz Kosovo stam m en, ist die Verlockung gross, sich in einem anderen Land ein neues Leben aufzubauen, da die w irtschaftliche und soziale Situation in ihrem H eim atland nach w ie vor desolat ist. D ie Arbeitslosikeit ist hoch (2005: Serbien rund 20 % , Provinz Kosovo m ehr als 40 % ) und 37 % der Bevölkerung der Provinz Kosovo lebten gem äss den Zahlen der W eltbank für das Jahr 2002 unter der Arm utsgrenze (vgl. "Kosovo Poverty Assessm ent" vom 16. Juni 2005, S. 16 f., unter w w w .w orldbank.org, be- sucht am 14. Februar 2007). D ie Tendenz zur Ausw anderung zeigt sich er- fahrungsgem äss besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Per- sonen, die bereits über ein m inim ales soziales Beziehungsnetz im Ausland (Verw andte oder Freunde) verfügen. Es gilt nach M öglichkeit zu verhin- dern, dass G esuchsteller ihre Anw esenheit in der Schw eiz, entgegen der ursprünglichen Absichtserklärung, dazu nutzen, ein Asylgesuch einzurei- chen oder die fristgerechte W iederausreise auf andere W eise zu um gehen. D ie schw ierige Lage in Serbien spiegelt sich im Ü brigen auch in der schw eizerischen Asylstatistik w ider, in der Serbien im Jahre 2006 m it 11.6 % die grösste G ruppe von Asylsuchenden stellte. 4.2 In Anbetracht der schw ierigen Situation im H erkunftsland des G esuchstel- lers ist daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das R isiko einer nicht fristgerechten W iederausreise allgem ein als hoch einschätzte. Bei der R isikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt dem G esuchsteller oder der 5 G esuchstellerin beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaft- liche oder fam iliäre Verantw ortung, so kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstellern und G esuchstellerinnen, die in ihrer H eim at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R isiko, dass sie sich nach einer bew illigten Einreise nicht gem äss den frem denpolizeilichen R egeln verhal- ten, als hoch eingeschätzt w erden. 4.3 Beim G esuchsteller handelt es sich um einen 25-jährigen, verheirateten M ann. G em äss den Akten ist er seit dem 1. M ärz 2005 als Verkäufer ange- stellt, m it einem M onatsverdienst von 220 Euro. Seine Ehefrau – d.h. die Beschw erdeführerin – und seine G eschw ister leben in der Schw eiz. Seine Eltern und ein G rosselternteil leben in der serbischen Provinz Kosovo. 4.3.1 Aus diesen Angaben sind keine fam iliären oder gesellschaftlichen Ver- pflichtungen ersichtlich, w elche die für den G esuchsteller nachteilige Prognose aufgrund der allgem einen Situation in Serbien bzw . Kosovo posi- tiv beeinflussen könnten. Vielm ehr erhöht die Tatsache, dass der G esuch- steller m it seiner Ehefrau und seinen G eschw istern bereits über ein enges Beziehungsnetz in der Schw eiz verfügt, das R isiko einer nicht fristge- rechten W iederausreise beträchtlich. 4.3.2 W as die berufliche Situation des G esuchstellers anbelangt, so enthalten die Akten w idersprüchliche Angaben. Auf seinem Visum santrag vom 13. April 2006 verm erkte der G esuchsteller unter Ziffer 9 (berufliche Tätigkeit), dass er keine Arbeit habe ("out of w ork"), die Ziffer 10 (Arbeitgeber) liess er leer. D ie Beschw erdeführerin legte sodann der Beschw erde die Kopie eines Arbeitsvertrages zw ischen dem G esuchsteller und der Firm a X._______ bei, der vom 1. M ärz 2005 an unbefristet gelten sollte. Zudem brachte sie eine Bestätigung des Arbeitgebers vom 19. Juni 2006 bei, w o- nach der G esuchsteller nach seiner R ückkehr aus der Schw eiz seine Ar- beit w ieder aufnehm en könne. D ie Angaben des G esuchstellers in seinem Antrag und die U nterlagen, w elche die Beschw erdeführerin der Beschw er- de beigelegt hat, w idersprechen sich som it und können daher nicht zugun- sten des G esuchstellers berücksichtigt w erden. Im W eiteren hat der G e- suchsteller bereits im Jahre 2003 ein G esuch um Einreise in die Schw eiz gestellt. D ieses w urde von der Vorinstanz am 4. M ärz 2003 m it der im W esentlichen gleichen Begründung abgew iesen, w ie das vorliegende G e- such. In den Akten dieses früheren Verfahrens findet sich die Arbeitsbestä- tigung einer Firm a XY._______. D ieser in albanischer Sprache abge- fassten Bestätigung ist zu entnehm en, dass zw ischen der Firm a und dem G esuchsteller seit dem 15. M ärz 2002 ein unbefristetes Arbeitsverhältnis bestanden habe. Bei den Arbeitsbestätigungen von 2003 bzw . 2006 fällt auf, dass sie von Firm en m it sehr ähnlichen N am en ausgestellt und von Personen m it dem gleichen N achnam en unterschrieben w urden. D iese Indizien sow ie die oben dargelegten W idersprüche legen die Annahm e nahe, dass es sich um G efälligkeits-Bescheinigungen handelt, um dem G esuchsteller die Einreise in die Schw eiz zu erm öglichen. D ie Vorinstanz hat som it in ihrer Vernehm lassung zu R echt festgehalten, dass gegenüber den Bestätigungen Vorbehalte anzubringen seien.6 4.4 Angesichts der Erw ägungen zur allgem einen Lage in der H erkunftsregion und zur persönlichen Situation des G esuchstellers (vgl. oben Ziffern 4.1 bis 4.3.2), m uss das R isiko, dass der G esuchsteller nicht fristgerecht w ieder aus der Schw eiz ausreist, als hoch eingestuft w erden. 5. Zusam m enfassend ergibt sich, dass die fristgerechte und anstandslose W iederausreise des G esuchstellers als nicht gesichert erscheint. D abei handelt es sich nicht um eine sichere Erkenntnis, sondern um eine Prognose betreffend das zukünftige Verhalten des G esuchstellers im Falle seiner Einreise in die Schw eiz; doch reicht praxisgem äss eine negative Prognose aus, um den Antrag auf Erteilung einer Einreisebew illigung, w orauf w ie erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht, abzulehnen. D er Vollständigkeit halber sei darauf hingew iesen, dass es der Beschw er- deführerin als Inhaberin einer Aufenthaltsbew illigung B unbenom m en ist, ihren Ehem ann im Kosovo zu besuchen. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Ergebnis rechtm ässig ist (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist dem zufolge abzuw eisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschw erdefüh- rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG i.V.m . Art. 1 und Art. 3 des R egle- m ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungs- gericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2). D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden der Beschw erdeführerin auferlegt. Sie w erden m it dem am 20. Juli 2006 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben), Akten R ef-N r. 2 007 338 Sup/M il retour D er Kam m erpräsident: D ie G erichtsschreiberin: Antonio Im oberdorf Barbara Kradolfer Versand am :