B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1366/2014 U r t e i l v o m 11 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richterin Claudia Cotting-Schalch, Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch Urs Jehle, Caritas Schweiz, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 17. Februar 2014 / N (…). D-1366/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliessen die Beschwerdeführenden ihren Heimatstaat Afghanistan im Jahr 1997 Richtung Iran . Von dort aus g e- langten sie ungefähr im Dezember 20 09 in die Türkei und weiter nach Griechenland. Am 9. Februar 2010 reisten sie in die Schweiz ein, wo sie am gleichen Tag Asylgesuch e stellten. Am 12. Februar 2010 führte das BFM Summarbefragungen durch. A.b Der Beschwerdeführer legte dar, aus D._______ zu st ammen und tadschickischer Ethnie schiitischer Glaubenszugehörigkeit zu s ein. We- gen des Taliban -Einmarsches habe die Familie Afghanistan verlassen müssen. In E._______ im Iran habe er im No vember 2007 religiös gehei- ratet. Seine Frau sei Sunnitin. Deren Eltern hätten von der anderen religi- ösen Zugehörigkeit ihres Schwiegersohnes er fahren und die Ehe annu l- lieren wollen. Er habe sich jedoch geweigert, worauf sein Schwager ihn im Juni 2008 mit dem Auto angefahren und erheblich verletzt habe. Nach dem Spita laufenthalt sei er zwei Monate lang arbeitsunfähig zuhause geblieben. Wegen der geschilderten Situation habe er sich zusammen mit der Beschwerdeführerin im März 2009 nach F._______ und Ende 2009 in die Türkei begeben. Eine Rückkehr nach Afghanistan komme für ihn nicht in Be tracht, da die Taliban seinerzeit einen Onkel an Stelle seines g e- flüchteten Vaters getötet hätten und ihm Rache seitens de r Verwandt- schaft des Onkels drohe. A.c Die Beschwerdeführerin machte geltend, aus D._______ zu stammen und tadschick ischer Ethnie zu sein. Sie gehöre der s unnitischen Glau- bensgemeinschaft an. Wegen des Krieges habe die Familie Afghanistan verlassen müssen. In E._______ im Iran habe sie im November 2007 re- ligiös ge heiratet. Ihr Mann sei Schiite. Nachdem ihr Vater dies erfahren habe, sei sie von ihm verprügelt und zuhause festgehalten worden. Ihr Bruder habe beabsichtigt, ihren Mann umzubringen, und ihm mit dem Au- to gravierende Verletzungen zugefügt. Der Versuch der Schwiegereltern, ihren Vater umzustimmen, sei fehlgeschlagen. In der Folge habe ihr Vater sie mit einem anderen Mann verheiraten wollen. Es sei ihr aber gelungen, mit dem Beschwerdeführer Kontakt aufzunehmen. Zusammen seien sie nach F._______ und später ausser Landes geflohen. Eine Rückkehr nach Afghanistan komme in Anbetracht der dortigen unsicheren Lage nicht in Betracht. Überdies müsste sie wegen ihres Verhaltens mit Behelli gungen seitens der dort lebenden Verwandtschaft rechnen. D-1366/2014 Seite 3 A.d Anlässlich der Summarbefragungen wurde den Beschwerdeführen - den das rechtliche Gehör im Hinblick auf die allfällige Zuständigkeit Grie - chenlands für die Asylverfahren gewährt. A.e Das BFM trat mit Verfügungen vom 12. August 2010 in An wendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d altAsylG (SR 142.31) auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, ordnete die Wegweisung nach Griechen- land sowie den sofortigen Vollzug an und stellte fest, eine allfällige Be - schwerde habe keine auf schiebende Wirkung . Die dagegen erhobenen Beschwerden vom 16. August 2010 schrieb das Bundesverwaltungsge - richt mit Entscheid vom 8. März 2011 als gegenstandslos geworden ab, nachdem das BFM seine Verfügungen am 2 . März 2011 wieder - erwägungsweise aufgehoben und angeordnet hatte, in Bezug auf die Be- schwerdeführenden sei das natio nale Asylverfahren wieder aufzu - nehmen. B. Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 8. April 2011 gaben die B e- schwerdeführenden Beweismittel (medizinische Unterlagen aus dem Iran) zu den Akten und ersuchten um Akteneinsicht vor Entscheidfällung. C. Am 4. April 2012 gaben die Beschwerdeführend en einen Arztbericht vom 20. März 2012 des kantonalen sozialpsychiatrischen Dienstes zu den Ak - ten. Ferner ersuchten sie um einen baldigen Entscheid. D. Am 3. Juni 2012 gebar die Beschwerdeführerin ihre Tochter C._______. E. Mit Eingabe vom 24. August 2012 t eilten die Beschwerdeführendem dem BFM mit, ihre Tochter leide an gravierenden gesundheitlichen Beschwer- den, was sich auch auf die Gesundheit der Eltern auswirke. Es sei ein baldiger Entscheid zu fällen. Der Eingabe lagen entspre chende medizini- sche Unterlagen – darunter ein Arztbericht vom 16. August 2012 des kan- tonalen sozialpsychiatrischen Dienstes – bei. Das Ersuchen um A b- schluss des Verfahrens beantwortete das BFM am 5. September 2012. F. Am 25. Januar 2013 gaben die Beschwerdeführenden ihre Tochter betref- fende Arztberichte zu den Akten und ersuchten erneut um einen baldigen D-1366/2014 Seite 4 Entscheid. Das Ersuchen um Abschluss des Verfahrens beantwortete das BFM am 5. Februar 2013. G. Ein erneutes Ersuchen um baldige Entscheidfällung vom 12. Juli 2013 beantwortete das BFM am 5. August 2013. H. Mit Eingabe vom 19. November 2013 gaben die Beschwerdeführenden einen Arztbericht vom 11. November 2013 des kantonalen sozialpsychiat- rischen Dienstes zu den Akten. Gleichzeitig erneuerten sie ihr Ersuchen um einen baldigen Ent scheid. Die Vorinstanz antwortete am 21. Nove m- ber 2013. I. Am 8. Januar 2014 führte das BFM die Anhörungen durch. I.a Der Beschwerdeführer machte geltend, es habe Probleme wegen der geplanten Ehe gegeben. Seine Schwiegermutter sei über seine religiöse Zugehörigkeit informiert gewesen und habe der Ehe zugestimmt. Es sei zu einer religiösen Trauung gekommen. Nachdem auch der Schwiegerva- ter und seine beiden Schwager erfahren hätten, dass er Schiite sei, hät - ten sie sich gegen ein Hochzeitsfest gewehrt, weshalb es ihm nicht mög- lich gewesen sei, mit seiner Gattin zusammenzuleben. Überre - dungsversuche seiner Eltern bei den Schwiegereltern hätten nicht g e- fruchtet. In der Folge sei er durch einen Schwager vorsätzlich mit dem Auto angefahren und verletzt worden. Sei ther leide er unter epileptischen Anfällen. Er und seine Eltern hätten erneut bei den Schwiegereltern vo r- gesprochen und seien brüsk behandelt worden. In der Folge sei er mit seiner Partnerin nach F._______ geflohen. Dort seien sie schliesslich von deren Familie aufgespürt worden. Man habe einen Killer mit seiner E r- mordung beauftragen wollten beziehungsweise bereits während ihres Aufenthalts in E._______ mit der Aussetzung eines Kopfgeldes auf ihn gedroht. Demzufolge seien sie ins Ausland weitergeflohen. In Afghanistan sei er durch die eigene und die Verwandtschaft seiner Partnerin gefäh r- det. I.b Die Beschwerdeführerin legte dar, wegen der Probleme mit ihrer F a- milie im Zusammenhang mit der Beziehung zu ihrem Partner den Iran verlassen zu haben. Zwei ode r drei Wochen nach der Trauung habe ihr Vater vom schiitischen Glauben seines Schwiegersohnes erfahren und ih-D-1366/2014 Seite 5 re Trennung verlangt. Vermittlungsversuche der Schwiegereltern und ih - res Partners seien erfolglos geblieben. Sie sei von ihrem Vater verprügelt worden. Schon vor ihrer Trauung habe sie wiederholt Schläge erlitten. Ihr Vater habe sie mit einem seiner Freunde zwangsverheiraten wollen. Des- sen Name kenne sie nicht. In Anbetracht dieser Sachlage sei sie mit ih - rem Partner nach F._______ geflohen. Dort habe sie erfahren, dass ihr Vater ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt habe. Aufgrund dieser Situation seien sie ausser Landes geflohen. Im Falle einer Rückkehr nach Afgh a- nistan habe sie Repressalien seitens ihrer dort lebenden Verwandtschaft zu befürchten. Aktuell leide sie an gesundheitlichen Beschwerden. J. J.a Mit Verfügung vom 17. Februar 2014 – eröffnet am 18. Februar 2014 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführe nden erfüllten die Flüch t- lingseigenschaft nicht, und lehnte d ie Asylgesuche ab. Gleichzeitig ve r- fügte es die Wegweisung aus der Schweiz. Die Vorinstanz begründete ih- ren Entscheid mit der fehlenden Glaubhaftigkeit der Vorbringen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführenden die angebliche Aussetzung eines Kopfgelde s nicht bereits anlässlich der Erstbefragung erwähnt hätten. Der Beschwerdeführer habe bei der Anhörung vorerst angegeben, in F._______ vom ausgesetzten Kopfgeld erfahren zu haben und deswegen geflohen zu sein. Später habe er indes angegeben, er sei ausgereist, weil sich der Schwager bei einem Freund erkundigt habe. Zu - dem habe er betreffend vom Schwager erlittener Prügel ungereimte Au s- sagen gemacht. Auch den Zeitpunkt, in welchem er vom Kopfgeld erfah - ren habe, sei nicht übereinstimmend angegeben worden. Die einge - reichten ärztlichen Unterlagen seien nicht geeignet, die Ursache des m e- dizinischen Leidens beziehungsweise die Täterschaft d es Schwagers zu belegen. Schliesslich sei nicht nachvollziehbar, dass sich die Cousins im Falle s einer Rückkehr nach Afghanistan an ihm rächen sollten, zumal sein Vater und der Onkel Geschäftspartner und somit gleichermassen durch die Taliban gefährdet gew esen seien. Überdies habe er erklärt, es bestünden keinerlei Kontakte mehr zu den Cousins. J.b Wegen der vom BFM gleichzeitig festgestellten Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs wurden die Beschwerdeführenden in der Schweiz vorläufig aufgenommen. K. K.a Mit Eingabe vom 14. März 2014 (Datum der Postaufgabe ) beantrag- ten die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhe-D-1366/2014 Seite 6 bung des vor instanzlichen Entscheids in den Dispositivpunkten 1 bis 3, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung bezie- hungsweise die vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge sowie eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu weiteren Abklärungen und erneuter Entscheidfindung . In formeller Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses . Fer- ner sei ihre Rechtsvertretung als amtlicher Rechtsbeistand gemäss Art. 110a Abs. 1 AsylG zu ernennen. K.b Zur Begründung brachten sie vor, in Anbetracht des Summarcharak- ters der Erstbefragungen seien sie nicht gehalten gewesen, die Ausset - zung eines Kopfgeldes explizit anzuführen, zumal sie die zentralen Fluchtgründe als solche bereits erwähnt hätten. Der dem Beschwerdefüh- rer vom BFM angelastete Widerspruch bei der Darlegung des Fluchtgrun- des sei nicht wesentlicher Natur beziehungsweise bestehe bei einer Ge - samtsicht der Vorbringen gar nicht. Die ihm ferner vorgehaltene Unsti m- migkeit bei der Schilderung des Vorfalls mit dem Schwager sei auf ei nen Übersetzungsfehler zurückzuführen. Im Weiteren habe er den Zeit punkt, in welchem er über das ausgesetzte Kopfgeld informiert worden sei, zwar nicht übereinstimmend dargelegt. Diese Unstimmigkeit könne aber nicht als entscheidwesentlich qualifiziert werden, zumal sein Aussageverhalten durch psychischen Stress beeinträchtigt sei. Beide Be schwerdeführende litten an einer hochgradigen depressiven Symptomatik. Für die Glaubhaf- tigkeit der Vorbringen sprächen ferner die Realkennzei chen in den Vo r- bringen. Zu b erücksichtigen sei ausserdem, dass Zwangsheiraten, Blu t- rache und die Unterdrückung von Frauen in der afghanischen Kultur weit verbreitet seien. Die von der Beschwerdeführe rin glaubhaft gemachte diesbezügliche Situation sei als asylrelevant zu qualifiziere n. In Afghanis- tan drohe ihr Blutrache. Der afghani sche Staat sei weder schutzfähig noch schutzwillig. Hinzu komme, dass die Familie des Beschwerdefü h- rers wegen drohender Blutrache aus diesem Land habe fliehen müssen. Entgegen der vorinstanzlichen Sicht weise dauerten solche Fehden oft- mals jahrelang an und endeten nicht mit der Flucht der Betroffenen. K.c Der Eingabe lag en Unterlagen der anlässlich der Anhörungen pr ä- senten Hilfswerkvertretung, ein Arztbericht vom 11. März 2014 sowie eine Bestätigung für die Fürsorgeabhängigkeit der Beschwerdeführenden bei. L. Mit Zwischenverfügung vom 19. März 2014 hiess das Bundesver wal-D-1366/2014 Seite 7 tungsgericht das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und ver - zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Betreffend amtlicher Verbeiständung wurde dem Rechtsvertreter Frist zur Einreichung von Un- terlagen im Hinblick auf die in Art. 110 a Abs. 3 AsylG erwähnten Voraus- setzungen eingeräumt. M. Mit Vernehmlassung vom 25. März 2014 beantragte das BFM die Abwei - sung der Beschwerde. Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde den Be - schwerdeführenden am 26. März 2014 zur Kenntnis gebracht. N. Am 22. April 2014 reichte der Rechtsvertreter Unterlagen im Zusammen- hang mit den in Art. 110a Abs. 3 AsylG erwähnten Voraussetzungen ein. O. Mit Zwischenverfügung vom 22. Mai 2014 hiess das Gericht das Gesuch im Sinne von Art. 110a AsylG gut. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. D as BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurtei lung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen ei - nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind D-1366/2014 Seite 8 durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände - rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthafte n Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnah men, die einen uner träglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspe - zifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöp - fen oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen und sie dürfen nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbeh - ren. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwür - dig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (Art. 7 Abs. 3 AsylG), wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwerd e- führers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend D-1366/2014 Seite 9 für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaf t- machung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbri n- gen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten As pekte wesentli- che und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhalt s- darstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhalts darstellung spre- chen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. 3.3 Wesentlich ist vorliegend, dass die Flüchtlingseigenschaft von Asylsu- chenden praxisgemäss einzig in Bezug auf ihren Heimatstaat, vorliegend Afghanistan, geprüft werden kann. Die Erwägungen des BFM bezüglich der Frage der Glaubhaftigkeit der Verfolgung sind damit insofern zu rel a- tivieren, als die Ereignisse im Iran ohnehin nur insoweit relevant sein können, als sie zur Glaubhaftigkeit einer Verfolgungssituation in Afghanis- tan zu führen vermöchten. 4. 4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe den Iran wegen erlitte- ner und befürchteter Nachstellungen der Familie seiner Partnerin verlas- sen. Eine Rückkehr nach Afghanistan komme wegen der dort lebenden eigenen und der Verwandtschaft seiner Partnerin nicht in Betracht. 4.2 Die Epilepsie -Erkrankung des Beschwerdeführers und die vor - gebrachten psychischen Leiden sind nicht zu bezweifeln. Dass es deswe- gen anlässlich der Summarbefragung und der Anhörung zu relevan ten Verständigungsproblemen gekommen wäre, kann den Akten indes nicht entnommen werden. So gab er jeweils an, die dolmetschende Person gut verstanden zu haben. Am Schluss der Anhörung bestätigte er unte r- schriftlich, dass das ihm rückübersetzte Protokoll vollständig sei und se i- nen freien Äusserungen entspreche. D ie anwesende Hilfswerkvertre tung formulierte keine Einwände (A 1/10 S. 8; A 47/15 Antwort 1 und S. 14 f.) . Selbst in Berücksichtigung des Summarcharakters der Erstbefragung und der erst im Jahr 2014 erfolgten Anhörung muss er sich bei seinen Äus - serungen entgegen den Beschwerdevorbringen mithin behaften las sen. Die eingereichten Unterlagen der Hilfswerkvertretung rechtfertigen keine andere Einschätzung. 4.3 Zwar erscheint glaubhaft, dass es bei der erfolgten beziehungsweise geplanten Eheschliessung zu gewisse n Problemen gekommen ist, we l- che möglicherweise auf die geltend gemachten unterschiedlichen Gla u-D-1366/2014 Seite 10 benszugehörigkeiten der Beschwerdeführenden zurückzuführen waren. In der ge schilderten Intensität wirken sie jedoch nicht glaubhaft. So er- wägt das BFM zurecht, dass die angebliche Aussetzung eines Kopfgel - des durch die Familie der Partnerin des Beschwerdeführers erst anläss- lich der Anhörung geltend gemacht wurde. Entgegen den Beschwerde ar- gumenten kann das verspätete Vorbringen einer derartig massiven Ve r- folgungssituation nicht mit dem Summarchara kter der Erstbefragung e r- klärt werden. Zudem wirken die entsprechenden Aussagen des B e- schwerdeführers in keiner Weise substanziiert, entbehren als mutmas s- lich blosses Konstrukt entgegen den Beschwerdevorbringen weitgehen d der Realkennzeichen und sind im Sinne der zutreffenden vorinstanzlichen Einwände überdies teilweise ungereimt ausgefallen (A 47/15 Antworten 92 ff .). Stichhaltige Beschwerdeargumente für eine andere Sichtweise fehlen wiederum. Hinzu kommt, dass auch die Schilderungen der Schwie- rigkeiten bei der geplanten Verehelichung gewisse Zweifel aufkommen lassen. Insbesondere erscheint nicht recht nachvollziehbar, dass die Mut- ter der Beschwerdeführerin trotz Kenntnis der Religion des Beschwerd e- führers ihr Einver ständnis gab, wenn sie hätte befürchten müssen, dass der Vater und die Brüder diesem Umstan d ein derart grosses Gewicht zumessen würden. Zwar erscheint glaubhaft, dass der Beschwerdeführer Opfer eines Vorfalls im Strassenverkehr wurde, ob dies jedoch tatsächlich mit Tötungsabsicht des Schwagers geschah, überzeugt nicht vollends . Schliesslich fällt auf, dass der Be schwerdeführer zu einem Zeitpunkt, wo sein Schwiegervater von sei ner Glaubenszugehörigkeit offenbar bereits Kenntnis gehabt haben soll, zu sammen mit seinen Eltern bei ihm vorg e- sprochen und lediglich "respekt los aus dem Haus geworfen" worden sei (A 47/15 Antworten 69 ff.). Diese Schilderung der Verhaltensweise der Familie seiner Partnerin lässt jedenfalls nicht auf die geltend gemachte akute Tötungsabsicht schlies sen. Auch die Darlegungen zur erfolgten Flucht nach F._______ und zur dort nach fast einjährigem Aufenthalt en t- standenen Bedrohungslage sind als äusserst stereotyp zu bezeichnen (A 47/15 Antworten 37 ff. und 87 ff.). Nachdem diesen Erwägungen gemäss die Intensität der Verfolgung durch die Familie der Beschwerdeführerin bereits für den Iran zu relativieren ist, ist auch nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer wegen seiner Bezie- hung zur Beschwerdeführerin in Afghanistan ernsthafte Nachteile seitens ihrer Verwandtschaft zu gewärtigen hätte. Sein e nicht substanziierten Aussagen, dort wegen eines getöteten Onkels durch dessen Familie atta- ckiert zu werden, lassen entgegen den nicht stringenten Beschwerdevor- bringen ebenfalls nicht mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit auf eine en t-D-1366/2014 Seite 11 sprechende Gefahr schliessen. Im Ergebnis ist es dem Beschwerdeführer damit nicht gelungen, eine asylrechtlich relevante Verfolgung in Afghanis- tan glaubhaft zu machen. 4.4 Die vorgebrachten medizinischen Leiden der B eschwerdeführerin sind ebenfalls nicht zu bezweifeln. Dass es deswegen anlässlich der Summarbefragung und der Anhörung zu relevanten Verständigungspro b- lemen gekommen wäre, kann den Akten indes nicht ent nommen werden. Auch sie gab jeweils an, die dolmetschende Person gut verstanden zu haben. Am Schluss der Anhörung bestätigte sie unterschriftlich, dass das ihr rückübersetzte Protokoll vollständig sei und ihren freien Äusserungen entspreche. Die anwesende Hilfswerkvertretung form ulierte keine Ei n- wände (A 1/11 S. 8; A 33/13 Antwort 1 und S. 12 f.). Selbst in Berücksich- tigung des Summarcharakters der Erstbefragung und der erst im Jahr 2014 erfolgten Anhörung muss sie sich bei ihren Äusserungen entgegen den Beschwerdevorbringen mithin behaften lassen. Die eingereichten Un- terlagen der Hilfswerkvertretung rechtfertigen keine andere Einschätzung. 4.5 Gewisse Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin wegen der erfolg - ten beziehungsweise geplanten Eheschliessung sind – wie bereits e r- wähnt nic ht auszuschliessen und möglicherweise auf die geltend g e- machten unterschiedlichen Glaubenszugehörigkeiten der Beschwerd e- führenden zurückzuführen. Zudem gab sie an, durch ihre Eltern schon vor dieser Zeit geschlagen worden zu sein, was in der Tat auf ein a utoritäres Familienklima hindeuten würde. Im Sinne der Beschwerdevorbringen sind dem Anhö rungsportokoll gewisse Realkennzeichen – so auch bei der Schilderung der gesundheitlichen Situation der T ochter – zu entnehmen. Die geltend gemachte Intensität der Bedrohungslage wirkt in der präsen- tierten Form indes nicht glaubhaft. So erwägt das BFM zurecht, dass die angebliche Aussetzung eines Kopfgeldes durch ihren Vater erst anlässlich der Anhörung geltend gemacht wurde. Ent gegen den Beschwerde argu- menten kann da s verspätete Vorbringen ei ner derartig massiven Verfo l- gungssituation nicht mit dem Summarcharak ter der Erstbefragung erklärt werden. Zudem wirken ihre Aussagen wie diejenigen des Beschwerd e- führers in k einer Weise substan ziiert und entbehren als mutmass lich blosses Konstrukt jeglicher Re alkennzeichen (A 33/13 Antworten 9 7 ff). Stichhaltige Beschwerdeargu mente für eine andere Sichtweise fehlen . Die vorgängige Flucht aus E._______ nach F._______ mit ihrem Partner schilderte sie ausge sprochen stereotyp und die Angaben z u dessen Un- fall sind als sehr einsilbig zu bezeichnen (A 33/13 Antworten 69 ff. und 86 ff.). Hinzu kommt, dass bereits die Darlegungen, wie ihr Vater von der re-D-1366/2014 Seite 12 ligiösen Zugehörigkeit ihres Partners erfahren habe, kaum Substanz au f- weisen ( A 33/13 Antworten 37 ff.). Im Weiteren wäre eine ihr drohende Zwangsheirat in Anbetracht des geltend gemachten autoritären Umfelds zwar nicht aus zuschliessen. Da sie aber nicht in der Lage war, diesb e- züglich fundierte Angaben zu machen, kann auch dieses Vorbringen nicht geglaubt werden (A 33/13 Antworten 55 ff. und 81 ff.). Diesen Erwägungen gemäss ist nicht nachvollziehbar , dass die Be- schwerdeführerin wegen ihrer Beziehung zu m Partner in Afghanistan ernsthafte Nachteile seitens ihrer Ver wandtschaft zu gewärtigen hätte , zumal diesen eher vagen Vorbringen keine Anhaltspunkte für eine ko n- krete Gefahr zu entnehmen sind (A 33/13 Antworten 106 ff.). Im Ergebnis ist somit nicht glaubhaft, dass sich ihre Situation wegen der Beziehung zu ihrem Partner in der geltend gemachten Form zugespitzt hat. 4.6 Den Beschwerdeführenden ist es demnach nicht gelungen, nachzu - weisen oder glaubhaft zu machen, dass sie in Afghanistan aktuell begrün- dete Furcht vor ernsthaf ten Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG haben m üssen. Auch die Verfolgungslage im Iran ist in der geltend g e- machten Intensität nicht glaubhaft. Die Erwägungen des BFM sind ent - gegen den Be schwerdevorbringen nicht zu be anstanden und die bea n- tragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz kommt nicht in Betracht. Es erübrigt sich, auf weitere Beschwerdevorbringen und Beweismittel de- taillierter ein zugehen, weil sie am Er gebnis nichts än dern können. Das BFM hat die Asylgesuche zu Recht abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 5.2 Die Beschwerdeführer enden verfügen weder über eine auslände r- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange ordnet (Art. 44 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 5.3 Die Beschwerdeführe nden wurden vom BFM in der angefochtenen Verfügung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufgenommen, weshalb sich weitere Erörterungen erübri - gen. D-1366/2014 Seite 13 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde i st abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) . Da i hr Ge - such im Sinne von Art. 65 Abs. 1 mit Zwischenverfügung vom 19. März 2014 gutgeheissen wurde und sich ihre finanzielle Situation seither nicht entscheidwesentlich verändert hat, erfolgt keine Kostenauflage. 8. Mit Zwischenverfügung vom 22. Mai 2014 wurde ausserdem das Gesuch um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 110 a Abs. 1 VwVG) und den Beschwerdeführenden ihr Rechts vertreter als Rechtsbeist and zuge- ordnet. Demnach ist diesem ein amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Der Rechtsvertre- ter hat in der Eingabe vom 12. März 2014 bisherige Kosten in der Höhe von Fr. 1022.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) geltend gemacht, was als angemessen erscheint (Art. 10 Abs. 2 und Art. 14 des Reg le- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Im Zusammen- hang mit der vorinstanzlichen Vernehmlassung erfolgte keine weitere Eingabe. Demnach ist de m unentgeltlichen Rechtsbeistand zulasten der Gerichtskasse ein Honorar von insgesamt Fr. 1022.– (inkl. Auslagen und MWSt) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-1366/2014 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dem unentgeltlichen Rechtsbeist and wird zu Lasten der Gerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 1'022.– zugesprochen 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: