06/07 13 Natur- und Heimatschutz. Art. 24 Abs. 1 l it. a NHG. Zerstörung und schwere Beschädigung eines BLN-Objektes. Strafrecht liche Verantwortlichkeit von Behördenmitgliedern. Die Berufungsbeklagten und Angeklagten waren sich bewusst, dass sie aufgrund des Gesetzes (in ihrer amtlichen Stellung) ver- pflichtet gewesen wären, zu handeln. Indem die Beru fungsbeklagten und An- geklagten als Mitglieder der Behörden (Präsidenten, Ressortzuständige) in kei- ner Weise versuchten, den illegalen Ausbau des historischen Weges und damit dessen Zerstörung und schwere Beschädigung zu verhi ndern, nahmen sie den Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges zumindest in Kauf. Bestrafung we- gen vorsätzlicher Unterlassung. Obergericht, 21. Februar 2006, OG S 05 9 Aus den Erwägungen: 2. Gemäss Art. 24 Abs. 1 lit. a Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG, SR 451) wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Busse bis zu Fr. 100'000.-- bestraft, wer vorsätzlich und ohne Berechtigung ein aufgrund dieses Gesetzes geschütztes Natur- oder Kulturdenkmal, eine geschützte geschich tliche Stätte, eine geschützte Natur- landschaft oder ein geschütztes Biotop zerstört oder schwer beschädigt. a) Die Vorschrift dient dem Schutz einerseits von Kulturgütern (Kulturdenkmäler und geschichtliche Stätten) und andererseits von Na turgütern (Naturdenkmäler, Naturland- schaften und Biotope) (Marco Ronzani, in Kommentar NHG, Zürich 1997, Art. 24 Rz. 1). Der strafrechtliche Schutz erstreckt sich nur auf Objek te, die "aufgrund dieses Gesetzes ge- schützt" sind. Erste Voraussetzung ist, dass das Ob jekt überhaupt vom Schutzbereich des NHG erfasst ist. Hinsichtlich der Kulturgüter und L andschaften sind dies nur diejenigen von nationaler Bedeutung (Marco Ronzani, a.a.O., Art. 24 Rz. 2). Weitere Voraussetzung für den strafrechtlichen Schutz ist, dass ein rechtswirksam er Schutzbeschluss vorliegt. Als solcher kommt vorab die Inventarisierung durch den Bundesra t in Frage. Schutzobjekte sind danach die gestützt auf Art. 5 NHG im Bundesinventar der L andschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) aufgenommenen Landschaft en und Naturdenkmäler (Marco Ronzani, a.a.O., Art. 24 Rz. 3). Der Schutzumfang e rgibt sich für jedes geschützte Objekt aus dem konkreten Schutzbeschluss insbesondere auch aus der kantonalen Schutzverord- nung oder vorsorglicher Massnahme. Dabei definiert er sich inhaltlich einerseits nach den einzeln umschriebenen Schutzzielen und andererseits räumlich nach dem festgelegten Pe- rimeter (Marco Ronzani, a.a.O., Art. 24 Rz. 4). Das BLN enthält dabei die im Anhang aufge- führten Objekte (Art. 2 VBLN, SR 451.11). b) Im Inventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) ist die Strecke Platten-Golzernsee als Strecke von nationaler Bedeu tung aufgeführt (act. 10). Der Weg liegt innerhalb des BLN-Gebietes Nr. 1603 Maderanertal-Fe llital (Anhang zur VBLN). Durch die Aufnahme eines Objektes von nationaler Bedeutung in ein Inventar des Bundes wird darge- tan, dass es in besonderem Masse die ungeschmälerte Erhaltung, jedenfalls aber unter Ein- bezug von Wiederherstellungs- oder angemessenen Ers atzmassnahmen die grösstmögliche Schonung verdient (Art. 6 Abs. 1 NHG). Dadurch, dass der Weg innerhalb des BLN-Gebietes Nr. 1603 Maderanertal-Fellital verläuft, wird ihm d erselbe umfangreiche Schutz zuteil, wie dem ganzen BLN-Objekt als solchem. Im Gutachten der Eidg. Natur- und Heimatschutz- kommission (ENHK) vom 7. April 1998 (act. 11) wird die Schulter von Golzern mit ihrem See als dem BLN-Gebiet zugehörig erklärt, wobei wesentl icher Bestandteil der Kulturlandschaft Golzern die traditionellen Verbindungs- und Erschli essungswege seien. Es erstaune somit nicht, dass dem Verbindungsweg vom Talboden zum Gol zernsee im Inventar der histori- schen Verkehrswege der Schweiz (IVS) eine grosse Be deutung beigemessen werde. Die ENHK anerkennt danach die integrale Erhaltung des h istorischen Verbindungsweges vom Talboden zum Golzernsee als Schutzziel. Der Schutz des Verbindungsweges lässt sich aus der Umschreibung des BLN-Objektes Nr. 1603 Maderane rtal-Fellital durch die ENHK ablei- ten. Bei der Konkretisierung und Differenzierung de r Schutzziele kommt eine wichtige Rolle der obligatorischen Begutachtung durch die zuständige Kommission zu (Jürg Leimbacher, in Kommentar NHG, Zürich 1997, Art. 5 Rz. 15). Die vor liegend zuständige Kommission, die ENHK, führt im vorerwähnten Gutachten weiter aus, d ass aufgrund des Verzichts auf eine Erschliessungsstrasse vom Talboden her den erhalten en Wegen eine grosse kulturhistori- sche und ökologische Bedeutung zukomme. Der Strecke Platten-Golzernsee werde als "his- torischer Verlauf mit viel Substanz" nationale Bede utung zugemessen, was der höchstmögli- chen Kategorie entspreche. Bei Gefährdung von historischen Verkehrswegen sei der Grund- satz der "ungeschmälerten Erhaltung oder jedenfalls grösstmöglichen Schonung" nach Art. 6 NHG zu berücksichtigen. Zudem sei bei den Strecken der Höchstkategorie die umfassende Erhaltung anzustreben. Der Aufstieg von Platten zum Golzernsee sei in Uri einer der längs- ten intakten Aufstiege von der Talstufe auf die Stu fe der Berggüter. Die durch stete Pflege entstandenen Wegformen aber auch die landschaftlich e Situation würden diesen Weg unter ähnlichen in der Innerschweiz hervorheben, weshalb er als Weg von nationaler Bedeutung eingestuft werde. c) Gemäss Art. 3 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes ü ber den Natur- und Heimat- schutz (RB 10.5101) haben der Kanton und die Gemein den bei der Erfüllung ihrer Aufgaben auf den Naturschutz und den Heimatschutz Rücksicht zu nehmen. In Art. 2 Abs. 1 des kan- tonalen Reglements über den Schutz der Region Mader anertal und Fellital (RB 10.5111) wird das Schutzgebiet umschrieben. Die Abgrenzung d es Schutzgebietes ergibt sich aus dem Plan im Anhang I des Reglements (Art. 2 Abs. 2 Regl.). Die Verbindungswege vom Tal- boden zum Golzernsee liegen innerhalb des Schutzgebietes. d) Der strafrechtliche Schutz von Art. 24 Abs. 1 lit. a NHG erstreckt sich dem- nach (auch) auf den fraglichen Verbindungsweg vom Talboden zum Golzernsee. e) Wenn nun schliesslich anlässlich der mündliche n Berufungsverhandlung die Berufungsbeklagten und Angeklagten geltend machen, aus dem BLN gehe nicht hervor, dass der fragliche Weg den Schutz von Art. 24 NHG g eniesse, muss ihnen entgegengehal- ten und auf die Baueinstellungsverfügungen der Bauk ommission Silenen vom 14. August 2001 verwiesen werden (act. 63 - 67), worin die Bau kommission Silenen festhielt, dass es sich beim tangierten Weg gemäss IVS um einen Weg vo n nationaler Bedeutung mit viel his- torischer Bausubstanz handle, der Weg zudem als Hauptwanderweg eingestuft sei, der Weg innerhalb einer Landschaft von nationaler Bedeutung liege (Landschaftsschutzgebiet Made- ranertal-Fellital) und Bauten und Anlagen sich an d en Zielen dieses Schutzgebietes zu mes- sen hätten. 3. Den Berufungsbeklagten und Angeklagten wird vor geworfen, dass sie die Zerstö- rung des fraglichen Wegstückes, die zwar ohne ihr a ktives Zutun eingetreten ist, nicht ver- hindert haben. Den Berufungsbeklagten und Angeklagt en wird angelastet, dass sie in ihrer Funktion als gemeindliche Behördenmitglieder tatenl os zugeschaut hätten, wie ein gemäss BLN geschützter Wanderweg zerstört und auf einer Lä nge von rund 1.3 km zu einer fahrba- ren Güterstrasse ausgebaut worden ist. Ihnen wird demnach ein Unterlassen vorgeworfen. a) Die Lehre unterscheidet zwischen echten und un echten Unterlassungsdelik- ten. Bei den (vorliegend interessierenden) unechten Unterlassungsdelikten ist der Straftatbe- stand als Begehungsdelikt formuliert. Er kann jedoc h auch durch Unterlassen erfüllt werden, wenn dem Täter eine Rechtspflicht zum Handeln oblie gt. Es geht beim unechten Unterlas- sungsdelikt immer darum, dass Personen verpflichtet sind, einen bestimmten Erfolg abzu- wenden. Unechte Unterlassungsdelikte sind demnach i mmer Erfolgsdelikte (Trechsel/Noll, Schweizerisches Strafrecht AT I, 6. Aufl., Zürich 2 004, S. 241). Das zentrale Element des unechten Unterlassungsdelikts bildet die Garantenstellung, deren Bestand und Grenzen von der Rechtsprechung bestimmt werden. Dabei ist vom G rundsatz auszugehen, dass im Rechtsstaat der Einzelne nur aufgrund von Gesetz od er freiwilliger Übernahme einer Pflicht rechtlich haftbar gemacht werden kann. Zwei Grundfo rmen von Garantenstellungen lassen sich unterscheiden: Eine Garantenpflicht hat entwed er derjenige, der zum Schutz eines be- stimmten Rechtsguts vor unbestimmt vielen Gefahren rechtlich besonders verpflichtet ist (z.B. die Mutter gegenüber dem Kind) oder derjenige, der rechtlich besonders verpflichtet ist, eine bestimmte Gefahrenquelle zu überwachen und zu verhindern, dass unbestimmt viele Rechtsgüter durch die Realisierung der Gefahr verle tzt werden (z.B. der Halter eines wilden Tieres oder der Inhaber einer Munitionsfabrik). Man spricht im ersten Fall von Schutz-, Be- schützer- oder Obhutsgaranten, im zweiten von Überwacher-, Aufsichts- oder Sicherungsga- ranten (Trechsel/Noll, a.a.O., S. 250). b) Die Strafbestimmungen des 4. Abschnitts des NH G richten sich an jedermann, an Private wie an verantwortliche Mitglieder von Be hörden, Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts. Sie alle kommen als Täter eines Tatbestandes der Art. 24 und 24a NHG in Frage (Marco Ronzani, a.a.O., Vorbemerkungen zu Art. 24 - 24e, Rz. 15). Die straf- rechtliche Verantwortlichkeit von Behördenmitgliede rn kommt u.a. in Betracht, wenn ein mit der Überwachung NHG-relevanter Sachverhalte beauftr agter Amtsträger nicht gegen die Erfüllung eines NHG-Straftatbestandes einschreitet. Der Amtsträger kann so als Beschützer- garant wegen unechten Unterlassens strafbar sein (Marco Ronzani, a.a.O., Vorbemerkungen zu Art. 24 - 24e, Rz. 16). Beim unechten Unterlassu ngsdelikt wird aber auch vorausgesetzt, dass der Garant überhaupt die Möglichkeit hatte, di e gebotene Handlung vorzunehmen und den Erfolg abzuwenden, wobei zu berücksichtigen ist , dass niemand zu Unmöglichem ver- pflichtet werden kann (ultra posse nemo tenetur) (Trechsel/Noll, a.a.O., S. 257). 4. a) Nach der Rutschsanierung "Silblen" fand am 3 1. Mai 2000 eine Bauabnahme statt (act. 118; Teilnehmer u.a. X, Y und Z). Unter Ziff. 5 des entsprechenden Protokolls der Bauabnahme findet sich die Schlussbemerkung, wonach im Anschluss an die Rutschsanie- rung die Seilbahngenossenschaft Golzern den bestehenden Viehtriebweg zwischen Oberlick und Geisslaui auf eigene Kosten ausbauen werde. Die ses Vorhaben sei nicht Bestandteil des vorliegenden Projektes. Laut Gemeindepräsident X bildet dieser Weg die Basis für eine zukünftige Bewirtschaftung bzw. für den Erhalt der ökologisch angepassten Stufenwirtschaft im Raum Golzern. Eine vernünftige Erschliessung sei auch im Interesse der Gemeinde. Aus diesem Wortlaut geht hervor, dass der Ausbau de s besagten Wegabschnittes beschlos- sene Sache war. Es war nicht lediglich von einer Absicht die Rede, den bestehenden Weg in absehbarer Zeit allenfalls ausbauen zu wollen. Viel mehr wurde der Ausbau als nächster Schritt im Anschluss an die erfolgte Rutschsanierun g dargestellt, als Basis für eine künftige Erschliessung. Die Berufungsbeklagten und Angeklagt en X, Y und Z wussten daher bereits zu jenem Zeitpunkt, dass auf diesem Abschnitt eine Güterstrasse erstellt werden sollte. b) Die Berufungsbeklagten und Angeklagten hatten aber schon vor dieser Bauabnah- me im Mai 2000 Kenntnis von der Schutzwürdigkeit de s fraglichen Wegstückes. Im Jahre 1997 wurde eine Vorstudie zur Erschliessung des fra glichen Wegstückes in Auftrag gege- ben. Das Projekt (act. 72) scheiterte jedoch wegen den überwiegenden Natur- und Heimat- schutzinteressen (vgl. act. 11 und 12). Y (seit 199 7 Mitglied des Gemeinderates Silenen; Ressort: Forstwirtschaft, Elementar, Wanderwege, Umwelt und Kultur) erklärte, dass ihm die Vorstudie von Ingenieur V im Detail bekannt gewesen sei, zumal er diese als Ressortleiter gegenüber dem Gemeinderat zu vertreten hatte. Er sei persönlich im Besitz dieser Vorstudie, datiert vom 11.06.1999 und der betreffenden Schluss dokumentation, datiert vom 14.07.2000 (act. 123 Frage 8). Z (seit 1999 Mitglied des Gemei nderates Silenen; Ressort: Landwirt- schaft, Wasser, Abwasser, Gewässer) führte aus, er sei über das Gesamtprojekt mit dem Bau der Seilbahn im Jahre 1977 und der auf Golzern geplanten Erschliessung bestens im Bild. Das ganze Projekt sei immer wieder hinausgesc hoben worden. Die Vorstudie sei ihm persönlich bekannt gewesen (act. 125 Frage 7). W (s eit 1996 Präsident der Baukommission Silenen) sagte vor dem Verhörrichter aus, er habe Kenntnis gehabt von den Plänen der Seil- bahngenossenschaft Golzern für eine Wegerschliessung in Golzern und den Schwierigkeiten eine Linienführung zu finden, die mit dem historisc hen Weg vereinbar gewesen wäre (act. 147 Frage 5). Anlässlich der polizeilichen Ei nvernahme vom 11. August 2001 sagte W aus, die Vorstudie zum Projekt 4. Wegbauetappe Silb len nach Berziberg sei im Jahre 1997 durch die involvierten Amtsstellen Buwal, ENHK, NHS K in einem klaren Grundsatzentscheid abgelehnt worden (act. 52 Frage 4). Damit ist erste llt, dass die drei Berufungsbeklagten und Angeklagten X, Y und Z haben wissen müssen, dass die Seilbahngenossenschaft Golzern in jedem Fall den Ausbau des Viehwegs vornehmen würde. Z und Y gaben bei der Einvernah- me durch die Kantonspolizei Uri (act. 123 Frage 23 und act. 125 Frage 22) zu, keine Absicht gehabt zu haben, den illegalen Ausbau des geschützt en Weges zu einem Fahrweg zu ver- hindern. X (seit 1999 Präsident des Einwohnergemein derates Silenen) erklärte bei der Be- fragung durch den Verhörichter, für ihn sei aufgrun d der Äusserungen des Vertreters der Seilbahngenossenschaft klar gewesen, dass sie den W eg mindestens bis zu den Gebäuden Geisslaui ohne Bewilligung ausbauen wollten (act. 134 Frage 15) und gab zu (act. 134 Frage 18), dass er in Kauf genommen habe, dass die Seilba hngenossenschaft den Weg noch bis zum Wohnhaus Geisslaui ohne Bewilligung auf eine be fahrbare Breite ausbaut. Dies sei nach seiner Beurteilung auch sinnvoll gewesen. Es s ei aber klar gesagt worden, dass dies nicht mehr zum Projekt gehört. Er sei aber überrasc ht gewesen, dass der Ausbau dann bis ins Geisslauital erfolgte. W hatte Kenntnis vom Weg bauprojekt der Seilbahngenossenschaft Golzern betreffend die Strecke Silblen-Berziberg un d die Ablehnung der Vorstudie durch die zuständigen Amtsstellen des Natur- und Heimatschutzes. c) Aus den Akten ergibt sich, dass das Amt für Ra umplanung Uri (Abteilung Na- tur- und Landschaftsschutz) im Schreiben vom 5. Sep tember 2000 an den Einwohnerge- meinderat Silenen (act. 143) ausdrücklich auf die Vorstudie aus dem Jahre 1997 hinwies und feststellte, dass sowohl die kantonale wie auch die eidgenössische Natur- und Heimat- schutzkommission zum Ausdruck gebracht hätten, dass der vollständige Ausbau des beste- henden Weges aufgrund der überwiegenden Natur- und Heimatschutzinteressen nicht in Frage kommen könne. Gemäss Verteiler ging das Schre iben an den Gemeindepräsidenten X, den Ressortchef für Landwirtschaft Z, den Ressor tchef Fortwirtschaft und Wanderwege Y sowie an die Baukommission (vgl. act. 143, act. 144 i.V.m. act. 71). Mit dem Schreiben wur- den alle Berufungsbeklagten und Angeklagten noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die fragliche Wegerschliessung in einem L andschaftsschutzgebiet von nationaler Bedeutung (BLN-Gebiet Maderanertal-Fellital) befind et. Auch als das Amt für Raumplanung den illegalen Ausbau des historischen Weges feststellte und vorerwähntes Schreiben vom 5. September 2000 an den Einwohnnergemeinderat Silenen richtete, hielten es die Berufungs- beklagten und Angeklagten X, Y und Z nicht für ang ebracht, wie aufgefordert, eine Anwei- sung des Gemeinderates an die Baukommission zu erwi rken oder dies zumindest zu versu- chen, in der Sache etwas zu unternehmen. Gegenteili ges wird schon nicht geltend gemacht und ist aus den Akten auch nicht ersichtlich. Gemäs s Art. 36 BauG kann die zuständige Be- hörde die sofortige Einstellung verfügen, wenn baul iche Massnahmen die Bauvorschriften verletzen bzw. zu verletzen drohen. Die zuständige Baubehörde kann ihre Anordnungen mit der Androhung von Strafe gemäss Art. 292 StGB wegen Ungehorsams gegen amtliche Ver- fügungen verbinden (Art. 38 BauG). Zuständig für di e Kontrolle und Einstellungsverfügung (Baustopp) wäre die Baukommission gewesen (Art. 87 Abs. 1 i.V.m. Art. 92 Abs. 1 Bau- und Zonenordnung [BZO] Silenen). Der Gemeinderat ist Au fsichtsinstanz gegenüber der Bau- kommission, welcher er generelle Weisungen erteilen kann (Art. 5 Abs. 2 BZO Silenen). Ge- stützt darauf hätte der Gemeinderat in Form einer W eisung die Baukommission anhalten müssen, die Schutzbestimmungen durchzusetzen, in de r Sache etwas zu unternehmen und dabei allenfalls einen Baustopp unter Androhung ein er Freiheitsstrafe und/oder Busse zu erlassen. Der Berufungsbeklagte und Angeklagte W hä tte nicht nur als Präsident der Bau- kommission in eigener Kompetenz - die Dringlichkeit war zweifelsohne gegeben - einen Baustopp verfügen können (Art. 92 Abs. 1 BZO Silene n), sondern unterliess es auch einen entsprechenden Beschluss der Baukommission zu erwir ken oder dies zumindest zu versu- chen. Gegenteiliges wird schon nicht geltend gemach t und ist aus den Akten auch nicht er- sichtlich. Stattdessen leitete unter seiner Führung die Baukommission, obwohl in der Sache zuständig, die Eingabe des Amtes für Raumplanung Ur i an den Gemeinderat weiter (act. 144). Den drei Berufungsbeklagten und Angeklagten X, Y un d Z wird also zusammenfassend vor- geworfen, im Mai 2000 (Termin Bauabnahme) nicht gehandelt zu haben, als es um den Aus- bau des Weges östlich der Rutschsanierung Obersilbl en bis östlich des Geisslauitals ging. Allen vier Berufungsbeklagten und Angeklagten wird (zudem) vorgeworfen, auf das Schrei- ben des Amtes für Raumplanung vom 5. September 2000 nicht reagiert zu haben, als es um den weiteren Ausbau des Weges östlich des Geisslauitals bis Berziberg ging. 5. a) Unechte Unterlassungsdelikte sind stets Erfo lgsdelikte (Trechsel/Noll, a.a.O., S. 257). Das Erfolgsdelikt erfordert, dass die Nich tvornahme der gebotenen Handlung zu einem bestimmten Verletzungs- oder Gefährdungserfol g führt. Damit stellt sich die Frage nach der Art des Zusammenhangs der zwischen der Unt erlassung und dem Erfolg bestehen muss. Man spricht in diesem Zusammenhang von der hy pothetischen Kausalität. Die Praxis sieht den gesetzmässigen Zusammenhang zwischen der Unterlassung und dem eingetrete- nen Erfolg schon dann als gegeben an, wenn die erwa rtete Handlung nicht hinzugedacht werden könnte, ohne dass der Erfolg höchstwahrscheinlich entfiele (BGE 102 IV 102). Hätte der Gemeinderat die Baukommission angewiesen, die Schutzbestimmungen durchzu- setzen, in der Sache etwas zu unternehmen und dabei allenfalls einen Baustopp i.V.m. der Strafandrohung von Art. 292 StGB zu verfügen oder h ätte die Baukommission bzw. deren Präsident von sich aus einen Baustopp erlassen, wär e der illegale Ausbau des Verkehrswe- ges zwischen östlich der Rutschsanierung Obersilble n bis östlich des Geisslauitals und zwi- schen östlich Geisslauital und Berziberg durch die Seilbahngenossenschaft Golzern bzw. die Anstösser höchstwahrscheinlich ausgeblieben. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Seilbahngenossenschaft Golzern bzw. die Anstösser d en Weg gegen den erklärten Wider- stand der zuständigen Gemeindebehörden weiter ausge baut hätten und wenn die verant- wortlichen Organe der Seilbahngenossenschaft Golzer n bzw. die Anstösser im Falle einer Missachtung des Baustopps mit einer Freiheitsstrafe oder massiven Busse hätten rechnen müssen. Eine Weisung des Gemeinderates an die Bauko mmission, die Schutzbestimmun- gen durchzusetzen, in der Sache etwas zu unternehmen und dabei allenfalls einen Baustopp mit Androhung einer Freiheitsstrafe oder Busse zu v erfügen, ist als geeignete Handlung zu qualifizieren, welche den Kausalverlauf hätte unter brechen können und so die Zerstörung des alten Verkehrsweges verhindert hätte. Dies gilt auch, wenn die Baukommission bzw. deren Präsident von sich aus einen Baustopp verfügt hätte. b) Auch beim Unterlassungsdelikt muss sich der Vo rsatz auf alle objektiven Tat- bestandsmerkmale beziehen (vgl. dazu Trechsel/Noll, a.a.O., S. 261), u.a. auch auf die Ga- rantenstellung des Täters. Darüber hinaus erfordert der Unterlassungsvorsatz bei einem Er- folgsdelikt das Wissen um die Gefahr, dass der tatb estandsmässige Erfolg eintreten könnte und um die Möglichkeit des Täters, ihn abzuwenden. Auf der Willensseite ist erforderlich, dass sich der Täter im Bewusstsein um das Vorliegen der objektiven Tatbestandsmerkmale entschliesst, das geforderte Verhalten nicht zu erb ringen. Vorliegend wussten die Beru- fungsbeklagten und Angeklagten über das Vorhandense in aller objektiven Tatbestands- merkmale. Bezüglich des Erfolgseintritts genügt es, wenn der Täter den Erfolg zwar nicht direkt beweckt, ihn aber für den Fall des Eintritts billigt und ihn somit in Kauf nimmt (Marco Ronzani, a.a.O., Art. 24 Rz. 30 f.). Die Berufungsbeklagten und Angeklagten waren sich b ewusst, dass sie aufgrund des Ge- setzes (in ihrer amtlichen Stellung) verpflichtet g ewesen wären, zu handeln (Art. 3 Abs. 1 NHG; Art. 22 Abs. 3, Art. 23 Abs. 3, Art. 26 Abs. 1 kantonales Gesetz über den Natur- und Heimatschutz; Art. 4 BauG; Art. 4 Abs. 2 BZO Silene n). Aufgrund der Bauabnahme vom 31. Mai 2000 (insbesondere der Feststellung, dass es be schlossene Sache war, den Weg zu- mindest bis nach Geisslaui zu verbreitern), aber au ch aufgrund des Schreibens des Amtes für Raumplanung Uri vom 5. September 2000, waren si ch die Berufungsbeklagten und An- geklagten auch darüber im Klaren, dass Gefahr besta nd, dass der Weg ausgebaut würde. Die Baukommissionsmitglieder und insbesondere der Präsident der Baukommission kannten und mussten die Bestimmungen über die Verwaltungszw angsmittel gemäss Baugesetz und BZO Silenen kennen. Dem Gemeinderat waren die Aufsichtspflichten und die Weisungsmög- lichkeiten gegenüber der Baukommission ebenfalls ve rtraut. Trotzdem unterliessen diese Behörden es, einen Baustopp mit Androhung von Freih eitsstrafe und/oder Busse zu veran- lassen bzw. zu verfügen. Damit nahmen die Berufungs beklagten und Angeklagten als Mit- glieder dieser Behörden den Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges zumindest in Kauf. c) Strafbar ist das unechte Unterlassungsdelikt n ur dann, wenn der Beschuldigte in Folge seiner besonderen Rechtsstellung zur Abwen dung der Gefahr für das betreffende Rechtsgut so sehr verpflichtet ist, dass die Unterl assung der Erfolgsherbeiführung durch ak- tives Handeln gleichwertig erscheint (Rehberg/Donat sch, Strafrecht I, 7. Aufl., Zürich 2001, S. 258 m.H.). Diese Voraussetzung ist vorliegend er füllt. Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Gemeinderat und die Baukommission bzw. die Beru fungsbeklagten und Angeklagten als deren Mitglieder (Präsidenten, Ressortzuständige) i n keiner Weise versuchten, den illegalen Ausbau des historischen Weges und damit dessen Zers törung und schwere Beschädigung zu verhindern. Der Gemeinderat wäre zu einem Einsch reiten verpflichtet gewesen. Aus die- sem Grunde kann das Nichtanweisen der Baukommission , die Schutzbestimmungen durch- zusetzen, in der Sache zu handeln und allenfalls ei nen Baustopp zu erlassen durchaus als gleichwertig zu einem aktiven Tun angesehen werden. Erst recht wären die Baukommission bzw. deren Präsident zum Handeln verpflichtet gewes en.Damit sind die Voraussetzungen der vorsätzlichen Unterlassung betreffend die Zerst örung und schwere Beschädigung eines BLN-Objektes i.S. von Art. 24 Abs. 1 lit. a NHG erfüllt.