Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Februar 2019 (720 18 200 / 35) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen / Rückweisung zur weiteren medizinischen Abklärung Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Roman Felix , Advokat , Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1963 geborene A.____ ist seit 1995 selbststä ndiger Maler/Gipser. Am 15. Juni 2016 meldete er sich unter Hinweis auf Rücken- und Muske lbeschwerden sowie Empfindungsstörun- gen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung ( IV) zum Leistungsbezug an. In der Folge zog die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV- Stelle) die Akten der Krankentaggeldversi- cherung B.____AG bei. Nach weiteren Abklärungen der gesundheitlichen Verhältnisse wies sie Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit Verfügung vom 7. Mai 2018 einen Rentenanspruch vo n A.____ ab, da er nach Ablauf des Wartejahrs nicht mindestens 40 % invalid gewesen sei. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Roman Felix, am 13. Juni 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Er beantragte, es sei die Verfügung vom 7. M ai 2018 aufzuheben und die Beschwer- degegnerin zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistung en zu erbringen; unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass die Verfügung vom 7. Mai 2018 auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 29. August 2018 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. In der Replik vom 23. November 2018 hielt der Besch werdeführer an seinen Anträgen fest. Die IV-Stelle verzichtete auf die Einreichung einer Duplik. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 13. Juni 2018 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Be schwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochten en Verfügung vom 7. Mai 2018 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erw erbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsun- fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperliche n, geistigen oder psychischen Gesund- heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in B etracht kommenden allgemeinen Ar- beitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalidi tätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads b ildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insbe sondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheiden d, ob dieser für die streitigen Be- lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen ber uht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin ode r des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invali- denversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist mit jenem externer medizinischer Sachverstän- digengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemä ssen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arzt person über die notwendigen fachli- chen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1) . Allerdings ist hinsichtlich des Beweis- werts zu differenzieren: Stützt sich der angefochtene En tscheid ausschliesslich auf versiche- rungsinterne medizinische Unterlagen – zu denen die RAD- Berichte gehören –, sind an die Be- weiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solche n Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der är ztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 139 V 225 E. 5.2; 1 35 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; zum Gan- zen auch: Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2015 , 9C_627/2015, E. 2 mit weiteren Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welch e sich für den Entscheid als zentral erweisen. 6.2 Der Beschwerdeführer wurde am 8. Februar 2016 im Spital C.____ untersucht, wobei ein MRI der Lendenwirbelsäule (LWS) durchgeführt wurd e. Dabei wurde eine flache, konzentri- sche Bandscheibenprotrusion im Segment LWK2/3 und LWK5/ SWK1 mit Tangierung der Ner- venwurzel L3 und S1 beidseits, ohne Nachweis einer Nerven kompression, eine aktivierte, rechts-akzentuierte Facettengelenksarthrose im Segment LWK4/5 und LWK5/SWK1 sowie eine Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht aktivierte Osteochondrose im Segment LWK2/3 ohne Spinal - oder Foraminalstenose festge- stellt. 6.3 Die B.____AG beauftragte Dr. med. D.____, FMH N eurochirurgie, mit einem Gutachten, welches am 5. Juli 2016 erstattet wurde. Er diagnostizie rte banale Rückenschmerzen mit Aus- strahlungstendenz in die unteren Extremitäten ohne neurologische Ausfälle (ICD-10 M54.5) und altersentsprechende degenerative Veränderungen im Ber eich der LWS (ICD-10 M47.8). Es bestünde ein Lendenschmerz begleitet von Paraesthesien in den unteren Extremitäten und eine Schmerzausstrahlung ohne radikuläres Muster in die Bei ne. Der neurologische Status sei nor- mal. Es könnten vereinzelte positive Waddell-Zeichen fest gestellt werden. Aus neurologischer Sicht sei die berufliche Tätigkeit nur geringfügig bee inträchtigt. Er habe dem Versicherten er- klärt, dass er sofort an seine Arbeit als selbstständiger Maler zurückkehren soll. 6.4 Der behandelnde Arzt Dr. med. E.____, FMH Praktisc her Arzt, stellte am 5. Oktober 2016 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit Bandscheib enprotrusionen LWK2/3 und LWK5/SWK1 mit Tangierung der Nervenwurzeln L3 und S 1 beidseits, starke Schmerzen der LWS median mit Ausstrahlung in beide Beine dorsal, ein e Kraftlosigkeit in beiden Beinen und Schmerzen beim Tragen von Lasten von über 3-4 kg, eine Depression, eine chronische Gastri- tis und Schlafstörungen fest. Der Versicherte sei schmerzbedi ngt seit Oktober 2015 vollständig arbeitsunfähig. 6.5 Die behandelnde Ärztin Dr. med. F.____, FMH Neu rologie, diagnostizierte am 13. Janu- ar 2016 [recte: 2017] mit Auswirkung auf die Arbeitsfä higkeit ein chronisches Lumbovertebral- syndrom mit radikulärem Reizsyndrom S1 links seit Ende No vember 2015. Aufgrund der chro- nischen Rückenscherzen im Zusammenhang mit den degenerative n Veränderungen der LWS sei der Versicherte für rückenbelastende Tätigkeiten, wie sie die Arbeiten eines Gipsers darstel- len würden, stark eingeschränkt. Das Heben und Tragen von Lasten über 5 kg und Zwangshal- tungen seien nicht mehr möglich. Aktuell bestünde aufg rund der akuten Schmerzen eine voll- ständige Arbeitsunfähigkeit. Ab 1. Februar 2017 sei ei ne Wiederaufnahme der Arbeit im Um- fang von 20 % bzw. stundenweise über mehrere Tage verteilt vorgesehen. 6.6 Im Verlaufsbericht vom 10. April 2017 diagnostizier te Dr. F.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebralsyndrom mit radikulärem Reizsyndrom S1 links und ein zervikoradikuläres Reizsyndrom C7. Sie hielt fest, dass die Arbeitsfähigkeit nicht weiter habe gesteigert werden können. 6.7 Am 12. Juni 2017 nahm Dr. med. G.____, Facharzt f ür Orthopädie und Physikalische sowie Rehabilitative Medizin, Regionaler Ärztlichen Di enst (RAD) beider Basel, zur Arbeitsfä- higkeit des Versicherten Stellung. Er ging unter Hinwe is auf das MRI vom 8. Februar 2016 (vgl. E. 6.2 hiervor) und das Gutachten von Dr. D.____ v om 5. Juli 2016 (vgl. E. 6.3 hiervor) davon aus, dass der Versicherte in der bisherigen admin istrativen Tätigkeit als Selbständig- erwerbender sowie in angepassten Verweistätigkeiten v om 19. Dezember 2015 bis 7. Februar 2016 vollständig und vom 8. Februar 2016 bis 4. Juli 2016 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen sei. Seit dem 5. Juli 2016 bestünde eine vollständige Arbeit sfähigkeit. Als Maler/Gipser sei beim Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer vom 19. Dezember 2015 bis 7. Februar 2016 von einer vollständigen und ab dem 5. Juli 2016 bis auf weiteres von einer Arbeitsunfä higkeit von 30 % auszugehen. Die Beur- teilung der Leistungsfähigkeit von Dr. F.____ sei aufg rund der vorliegenden Befunde nicht nachvollziehbar. Daran hielt er auch am 5. Februar 2018 fest. 7.1 Die IV-Stelle ging in ihrer Verfügung vom 7. Mai 2018 gestützt auf die Beurteilungen des RAD-Arztes Dr. G.____ vom 12. Juni 2017 und 5. Februar 2018 davon aus, dass der Versicher- te vom 19. Dezember 2015 bis 7. Februar 2016 eine voll ständige Arbeitsunfähigkeit und vom 8. Februar 2016 bis 4. Juli 2016 eine solche von 50 % a ufgewiesen habe. Ab dem 5. Juli 2016 sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 30 % auszugehen. Demn ach sei das Erfordernis einer fort- dauernden Erwerbsunfähigkeit von mindestens 40 % nach A blauf des Wartejahrs (Art. 28 Abs. 1 lit c IVG) nicht erfüllt. 7.2 Wie in Erwägung 4.4 hiervor ausgeführt, sind an d ie Beweiswürdigung strenge Anforde- rungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall – wie hi er – ohne Einholung eines externen Gut- achtens entschieden werden soll. Zu beachten ist zunächst, dass interne Berichte des RAD eine andere Funktion haben als medizinische Gutachten (A rt. 44 ATSG) oder Untersuchungs- berichte des RAD im Sinne von Art. 49 Abs. 2 IVV. Sie e rheben nicht selber medizinische Be- funde, sondern setzen sich mit den vorhandenen auseina nder. Ihre Funktion besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal- tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leist ungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdi gen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine W ertung vorzunehmen und zu beurtei- len, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustell en oder aber eine zusätzliche Untersu- chung vorzunehmen sei (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2015, 9C_692/2014, E. 3.3). Vorliegend nahm der RAD-Arzt Dr. G.____ – o hne eine ärztliche Untersuchung des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 49 Abs. 2 IVV durchgeführt zu haben – eine Einschätzung der Leistungsfähigkeit vor, und kam zum Schluss, dass der B eschwerdeführer für berufsspezifi- sche Belastungen als Maler/Gipsers eine Arbeitsfähigkeit von 70 % und für angepasste Tätig- keiten eine vollständige Arbeitsfähigkeit aufweise. Die se Beurteilung findet jedoch in den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen keine Stü tze. Überdies ist sie weder nachvoll- ziehbar begründet noch nimmt Dr. G.____ hinreichend Bezug auf das konkrete Belastungsprofil im Betrieb. Es ist deshalb ungeklärt, ob der Beschwerde führer als Kleinunternehmer überhaupt in der Lage wäre, seinen Betrieb so zu organisieren, da ss er die RAD-ärztlich attestierte Ar- beitsfähigkeit von 70 % tatsächlich umsetzen könnte. Übe rdies steht die Einschätzung von Dr. G.____ in einem unauflösbaren Widerspruch zu den aktenkundigen Beurteilungen der be- handelnden Ärzte Dres. E.____ und F.____ vom 5. Oktober 2016, 13. Januar und 10. April 2017, welche dem Beschwerdeführer eine weit höhere Ei nschränkung der Arbeitsfähigkeit von mindestens 80 % attestieren. Auch wenn Dres. E.____ u nd F.____ ihre Beurteilungen nicht weiter begründen und im Hinblick auf ihre auftragsrecht liche Vertrauensstellung in Zweifelsfäl- len mitunter eher zugunsten ihres Patienten aussagen ( vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc), lassen ihre erheblich unterschiedlichen Beurteilungen der Lei stungsfähigkeit dennoch Zweifel an der Einschätzung des RAD-Arztes Dr. G.____ aufkommen. Dies gilt umso mehr, als Dr. G.____ den Beschwerdeführer nie persönlich untersuchte und sich bei der Beurteilung des Gesundheitszu- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht stands weitgehend auf die Feststellungen von Dr. D.____ vom 5. Juli 2016 abstützte, welcher weitgehend von altersentsprechenden Befunden ausgeht, wa s jedoch bereits aufgrund der Bildgebung (vgl. MRI vom 8. Februar 2016) nicht nachvol lziehbar ist. Da vorliegend Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der von der Beschwer degegnerin eingeholten und als massgeblich erachteten versicherungsinternen Beurteilung von Dr. G.____ bestehen, kann nach dem oben Gesagten (vgl. E. 4.4 hiervor) bei diesem Beweisergebnis nicht auf die betref- fende versicherungsinterne Beurteilung abgestellt werde n. So wie sich die Aktenlage präsen- tiert, ist der massgebende medizinische Sachverhalt im S inne von Art. 43 Abs. 1 ATSG nicht ausreichend abgeklärt. Namentlich kann keine verlässlich e Aussage bezüglich allfälligen Be- stehens der einjährigen Wartezeit und allfälliger Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nach Ablauf des Wartejahrs (Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG) gemacht werden. Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und es sind weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen. 8. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung können die So zialversicherungsgerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsache zur neu en Begutachtung an die Verwaltung zu- rückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfal l selbst ein Gerichtsgutachten ein- zuholen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren anderwe itig erhobenen Sachverhalt über- haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder w enn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Eine Rü ckweisung an die IV-Stelle bleibt hinge- gen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erheb ung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn lediglich eine Klarstell ung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 ff. E. 4.4.1 ff.). Vorliegend erweist sich die der angefochtenen Verfügung vom 7. Mai 2018 z ugrunde gelegte Beurteilung des RAD-Arztes Dr. G.____ in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten als nicht beweistaug- lich. Da es die IV-Stelle unterliess, die diesbezüglich nö tigen Abklärungen zu veranlassen, und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Ver waltungsverfahren versäumte medizini- sche Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an d ie Vorinstanz nichts entgegen. Diese wird angehalten, die Leistungsfähigkeit des Versi cherten unter Berücksichtigung aller gesundheitlichen Beschwerden durch eine unabhängige ver sicherungsexterne medizinische Fachperson abklären zu lassen. Anschliessend wird sie gestützt auf die Ergebnisse der Ak- tenergänzung und in Anwendung der zutreffenden Bemessu ngsmethode über den Leistungs- anspruch des Versicherten neu zu befinden haben. Die vor liegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. In der ab 1. Januar 2019 neu in Kraft getretene n Bestimmung gemäss § 20 Abs. 3 VPO sind die ordentlichen Kosten neuerdings auch den unterli egenden Vorinstanzen zu auferlegen. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei. D ie ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- werden somit ihr auferlegt und der geleistete Kostenvorschuss dem Beschwerdeführer zurückerstattet. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens en tsprechend ist dem Beschwerde- führer deshalb eine Parteientschädigung zuzusprechen. Der Rechtsvertreter machte in seiner Honorarnote vom 8. Januar 2019 für das vorliegende Besc hwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 8,25 Stunden geltend, was in Anbetracht der sich st ellenden Sachverhalts- und Rechtsfra- gen angemessen ist. Dieser Aufwand ist mit dem im Sozial versicherungsrecht üblichen Stun- denansatz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und An- wälte vom 17. November 2003). Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote aus- gewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 96.50. Dem Beschw erdeführer ist demnach eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘325.25 (8,25 S tunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 96.50 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 10.1 Gemäss Art. 90 BGG ist die Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfah ren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwisch enentscheide über die Zustän- digkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bede utenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde ( Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei ein em Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehre- ren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) bean twortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung vom 7. Mai 2018 aufgehoben und die Angeleg enheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum E rlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zur ückgewiesen wird. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2'325.25 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht