<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 106 S.464</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">464</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>106 Ausweisung eines anerkannten Flüchtlings</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Ausweisung des Beschwerdeführers ist nicht zu beanstanden. Der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Vollzug der Entfernungsmassnahme erweist sich hingegen aufgrund der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht erstellten Unbedenklichkeit betreffend Folter im Sinne von Art. 25</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abs. 3 BV und Art. 3 Ziff. 1 der Folterschutzkonvention und wegen eines</b></span><br/> <span class="ft2"><b>möglichen Verstosses gegen Art. 5 AsylG und Art. 33 Abs. 1 der Flücht-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lingskonvention derzeit als unzulässig (Erw. II/4-6).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 2. Dezem-</span><br/> <span class="ft3">ber 2005 in Sachen Z.T. gegen einen Entscheid des Migrationsamts</span><br/> <span class="ft3">(BE.2004.00046).</span><br/> <br/> <span class="ft3">Der Beschwerdeführer erhob gegen den Entscheid des Rekursgerichts Ver-</span><br/> <span class="ft3">waltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht (2A.51/2006). Das Verfah-</span><br/> <span class="ft3">ren war bei Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">465</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 4. a) Gemäss Art. 65 AsylG dürfen Flüchtlinge nur ausgewie-</span><br/> <span class="ft1">sen werden, wenn sie die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">gefährden oder die öffentliche Ordnung in schwerwiegender Weise</span><br/> <span class="ft1">verletzt haben. Vorbehalten bleibt das Rückschiebungsverbot i.S.v.</span><br/> <span class="ft1">Art. 5 AsylG. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung beschlägt</span><br/> <span class="ft1">der Vorbehalt von Art. 5 AsylG jedoch lediglich den Vollzug der Aus-</span><br/> <span class="ft1">weisung, nicht aber die Anordnung der Ausweisung selbst und der</span><br/> <span class="ft1">damit verbundene Verlust der Niederlassungsbewilligung (BGE</span><br/> <span class="ft1">2A.313/2005 vom 25. August 2005, E. 3.2.3, S. 5). Zu prüfen ist</span><br/> <span class="ft1">demnach, ob der Beschwerdeführer die öffentliche Ordnung in</span><br/> <span class="ft1">schwerwiegender Weise verletzt hat.</span><br/> <span class="ft1">b) Der Beschwerdeführer hat wiederholt und in massiver Weise</span><br/> <span class="ft1">delinquiert und wurde dafür mit 8 Bussen in der Höhe von insgesamt</span><br/> <span class="ft1">CHF 2'160.-, 5 Gefängnisstrafen von total 11 Wochen sowie unter</span><br/> <span class="ft1">anderem wegen 5 Raubüberfällen und 35 Einbruchdiebstählen mit</span><br/> <span class="ft1">einer 4-jährigen Zuchthausstrafe bestraft, wobei das Obergericht des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Aargau festhielt, der Beschwerdeführer sei auf brutale Art</span><br/> <span class="ft1">und Weise vorgegangen. Auch wenn bei den Raubüberfällen ledig-</span><br/> <span class="ft1">lich eine Luftpistole eingesetzt worden sei, hätten die Opfer Todes-</span><br/> <span class="ft1">ängste ausgestanden. Dass der Beschwerdeführer mit seinen Strafta-</span><br/> <span class="ft1">ten die öffentliche Ordnung im Sinne von Art.</span> <span class="ft1">65 AsylG in</span><br/> <span class="ft1">schwerwiegender Weise verletzt hat, erscheint im Hinblick auf die</span><br/> <span class="ft1">Ausführungen des Bundesgerichts in BGE</span> <span class="ft1">2A.313/2005 vom</span><br/> <span class="ft1">25. August 2005, E. 3.1.2, S. 4 offensichtlich. Um Wiederholungen</span><br/> <span class="ft1">zu vermeiden kann auf die vorstehenden Erwägungen verwiesen</span><br/> <span class="ft1">werden (vgl. E. 3b).</span><br/> <span class="ft1">c) Zusammenfassend steht fest, dass die verfügte Ausweisung</span><br/> <span class="ft1">insoweit nicht zu beanstanden ist, als sie den fremdenpolizeilichen</span><br/> <span class="ft1">Status des Beschwerdeführers beschlägt und er seine Niederlassungs-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung verliert. Zu prüfen bleibt, ob die mit der Ausweisung</span><br/> <span class="ft1">verbundene Entfernungsmassnahme vollzogen werden darf.</span><br/> <span class="ft1">5. a) Gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG darf keine Person in irgendei-</span><br/> <span class="ft1">ner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr</span><br/> <span class="ft1">Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">466</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise</span><br/> <span class="ft1">in ein solches Land gezwungen zu werden (Rückschiebungsverbot).</span><br/> <span class="ft1">Auf diese Bestimmung kann sich eine Person nach Art. 5 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">AsylG allerdings dann nicht berufen, wenn erhebliche Gründe für die</span><br/> <span class="ft1">Annahme vorliegen, dass sie die Sicherheit der Schweiz gefährdet,</span><br/> <span class="ft1">oder wenn sie als gemeingefährlich einzustufen ist, weil sie wegen</span><br/> <span class="ft1">eines besonders schweren Verbrechens oder Vergehens rechtskräftig</span><br/> <span class="ft1">verurteilt worden ist.</span><br/> <span class="ft1">In ähnlicher Weise untersagt Art. 33 Abs. 1 des Abkommens</span><br/> <span class="ft1">über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention) vom</span><br/> <span class="ft1">28. Juli 1951 den vertragsschliessenden Staaten, einen Flüchtling in</span><br/> <span class="ft1">ein Land auszuweisen, wo sein Leben oder seine Freiheit wegen sei-</span><br/> <span class="ft1">ner Rasse, Religion, Staatszugehörigkeit, seiner Zugehörigkeit zu ei-</span><br/> <span class="ft1">ner bestimmten sozialen Gruppe oder seiner politischen Anschauung</span><br/> <span class="ft1">gefährdet wäre.</span><br/> <span class="ft1">Keiner entsprechenden Ausnahme unterliegt das Folterverbot</span><br/> <span class="ft1">(Art. 3 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grund-</span><br/> <span class="ft1">freiheiten [EMRK] vom 4. November 1950). Niemand darf in einen</span><br/> <span class="ft1">Staat ausgeschafft werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art</span><br/> <span class="ft1">grausamer und unmenschlicher Behandlung oder Bestrafung droht</span><br/> <span class="ft1">(Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge-</span><br/> <span class="ft1">nossenschaft [BV] vom 18. April 1999; Art. 3 Ziffer 1 des Über-</span><br/> <span class="ft1">einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere</span><br/> <span class="ft1">grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder</span><br/> <span class="ft1">Strafe [Folterschutzkonvention; SR 0.105]; BGE 2A.313/2005 vom</span><br/> <span class="ft1">25. August 2005, E. 2.2, S. 3).</span><br/> <span class="ft1">b) Der Vollzug der Ausweisung wäre damit nur dann zulässig,</span><br/> <span class="ft1">wenn feststünde, dass dem Beschwerdeführer in seinem Heimatland</span><br/> <span class="ft1">keine Folter oder andere Art grausamer und unmenschlicher Behand-</span><br/> <span class="ft1">lung oder Bestrafung droht. Zudem müsste feststehen, dass sein Le-</span><br/> <span class="ft1">ben oder seine Freiheit nicht wegen seiner Rasse, Religion, Staats-</span><br/> <span class="ft1">zugehörigkeit, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen</span><br/> <span class="ft1">Gruppe oder seiner politischen Anschauung gefährdet wäre oder,</span><br/> <span class="ft1">falls es gefährdet wäre, dass sich der Beschwerdeführer deshalb nicht</span><br/> <span class="ft1">auf die Gefährdung berufen könnte, weil er wegen eines besonders</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">467</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schweren Verbrechens oder Vergehens rechtskräftig verurteilt wurde</span><br/> <span class="ft1">und als gemeingefährlich einzustufen wäre.</span><br/> <span class="ft1">c) Zur Frage, ob sich ein Betroffener wegen Gemeingefährlich-</span><br/> <span class="ft1">keit nicht auf das Rückschiebeverbot berufen kann, führt das</span><br/> <span class="ft1">Bundesgericht in seiner Rechtsprechung aus, es kämen nur solche</span><br/> <span class="ft1">Straftaten in Betracht, welche objektiv wie subjektiv besonders</span><br/> <span class="ft1">schwer seien. Als solche würden etwa Mord, Vergewaltigung, Kinds-</span><br/> <span class="ft1">misshandlung, schwere Körperverletzung, Brandstiftung, schwerer</span><br/> <span class="ft1">Drogenhandel sowie bewaffneter Überfall gelten. Eine Ausnahme</span><br/> <span class="ft1">vom Non-refoulement-Prinzip rechtfertige sich überdies nur dann,</span><br/> <span class="ft1">wenn der Täter kumulativ für die Allgemeinheit des Zufluchtstaates</span><br/> <span class="ft1">eine Gefahr darstelle. Schliesslich bedürfe es in jedem Fall einer</span><br/> <span class="ft1">sorgfältigen Güterabwägung; das Interesse der Allgemeinheit müsse</span><br/> <span class="ft1">gegenüber den Nachteilen, welche der Betroffene zu erwarten habe,</span><br/> <span class="ft1">überwiegen (BGE 2A.139/1994 vom 1. Juli 1994, E. 4a, mit Verwei-</span><br/> <span class="ft1">sen).</span><br/> <span class="ft1">In casu wurde der Beschwerdeführer wegen Verbrechen (mehr-</span><br/> <span class="ft1">facher Raub) rechtskräftig verurteilt. Auch wenn der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer mit seinen Delikten die öffentliche Ordnung in schwerwie-</span><br/> <span class="ft1">gender Weise verletzt hat und deshalb die Anordnung einer Aus-</span><br/> <span class="ft1">weisung unter Beachtung von Art. 65 AsylG zulässig ist, bedeutet</span><br/> <span class="ft1">dies nicht automatisch, dass er als gemeingefährlich einzustufen ist</span><br/> <span class="ft1">und dass die verübten Delikte als besonders schwer im Sinne der</span><br/> <span class="ft1">bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu qualifizieren sind. Offen</span><br/> <span class="ft1">bleiben kann, ob die Delikte als besonders schwer im Sinne der bun-</span><br/> <span class="ft1">desgerichtlichen Rechtsprechung zu qualifizieren sind, da der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer jedenfalls die kumulativ geforderte Voraussetzung</span><br/> <span class="ft1">der Gemeingefährlichkeit nicht (mehr) erfüllt. Der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">ist seit seiner letzten Einbruchsserie im Jahre 2000 bzw. seit seiner</span><br/> <span class="ft1">Entlassung aus dem Strafvollzug im Mai 2003, abgesehen von einer</span><br/> <span class="ft1">geringfügigen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz am</span><br/> <span class="ft1">20. November 2004, nicht mehr in strafrechtlich relevanter Weise in</span><br/> <span class="ft1">Erscheinung getreten. Seit ebenfalls gut 4 Jahren befindet er sich in</span><br/> <span class="ft1">therapeutischer Behandlung, welche angesichts der Tatsache, dass</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer seit geraumer Zeit nicht mehr strafrechtlich in</span><br/> <span class="ft1">Erscheinung getreten ist und insgesamt eine positive Persönlichkeits-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">468</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">entwicklung durchlaufen hat, offensichtlich Erfolg zeitigt. Zum jetzi-</span><br/> <span class="ft1">gen Zeitpunkt ist eine Gefahr für die Allgemeinheit deshalb zu</span><br/> <span class="ft1">verneinen. Entsprechend kann sich der Beschwerdeführer nach wie</span><br/> <span class="ft1">vor auf das Rückschiebungsverbot berufen.</span><br/> <span class="ft1">d) Nach dem Gesagten wäre der Vollzug der Ausweisung nur</span><br/> <span class="ft1">dann zulässig, wenn dem Beschwerdeführer weder Folter oder eine</span><br/> <span class="ft1">andere Art grausamer und unmenschlicher Behandlung oder Bestra-</span><br/> <span class="ft1">fung drohen würde und wenn feststünde, dass sein Leben oder seine</span><br/> <span class="ft1">Freiheit nicht wegen seiner Rasse, Religion, Staatszugehörigkeit, sei-</span><br/> <span class="ft1">ner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder seiner</span><br/> <span class="ft1">politischen Anschauung gefährdet wäre.</span><br/> <span class="ft1">Mit Urteil vom 12. Mai 2005 bestätigte die ARK den durch das</span><br/> <span class="ft1">BFF am 21. Juni 2004 gestützt auf Art. 63 Abs. 2 AsylG verfügten</span><br/> <span class="ft1">Asylwiderruf insbesondere deshalb, weil dieser nicht automatisch die</span><br/> <span class="ft1">Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft nach sich ziehe. Mit ande-</span><br/> <span class="ft1">ren Worten wurde nicht darüber entschieden, ob die Rückkehr des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers in sein Heimatland vor Art. 5 Abs. 2 AsylG bzw.</span><br/> <span class="ft1">vor dem absolut geltenden Folterverbot standhielte. Dem Urteil der</span><br/> <span class="ft1">ARK ging ein Verfahren des BFF voraus, in welchem dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer mit Schreiben vom 6. Dezember 2002 mitgeteilt</span><br/> <span class="ft1">wurde, man erwäge, sein Asyl zu widerrufen. Der Asylwiderruf be-</span><br/> <span class="ft1">deute jedoch nicht, dass er die Schweiz verlassen müsse. Der Vollzug</span><br/> <span class="ft1">der Wegweisung wäre nur dann zulässig, wenn auch die</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen des Art. 5 Abs. 2 AsylG gegeben wären. Diese Vor-</span><br/> <span class="ft1">aussetzungen lägen im Falle des Beschwerdeführers derzeit nicht</span><br/> <span class="ft1">vor.</span><br/> <span class="ft1">Auf Anfrage der Fremdenpolizei vom 7. November 2002, ob</span><br/> <span class="ft1">die durch das Bezirksgericht Lenzburg ausgesprochene Landes-</span><br/> <span class="ft1">verweisung vollziehbar sei, teilte das BFF mit Schreiben vom</span><br/> <span class="ft1">30. Dezember 2002 mit, die älteren Brüder des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">seien wegen ihrer politischen Tätigkeiten verfolgt und gesucht wor-</span><br/> <span class="ft1">den. Da von einer Reflexverfolgung habe ausgegangen werden müs-</span><br/> <span class="ft1">sen, sei dem Beschwerdeführer Asyl gewährt worden. Nachdem je-</span><br/> <span class="ft1">doch Familienangehörige (Ehefrau und Kinder) eines Bruders des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers am 29. November 2002 schriftlich auf das Asyl</span><br/> <span class="ft1">und die Flüchtlingseigenschaft verzichtet hätten, weil sie in die Tür-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">469</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">kei zurückkehren wollten, lasse sich die These einer Reflexverfol-</span><br/> <span class="ft1">gung einzelner Familienmitglieder nicht mehr aufrecht erhalten. Zu-</span><br/> <span class="ft1">dem sei auf die grundlegenden Veränderungen in der türkischen Poli-</span><br/> <span class="ft1">tik nach den letzten Parlamentswahlen hinzuweisen. Insgesamt er-</span><br/> <span class="ft1">schienen Folter, unmenschliche bzw. erniedrigende Strafe oder Be-</span><br/> <span class="ft1">handlung im Falle einer Rückkehr sehr unwahrscheinlich. Am 1. Juli</span><br/> <span class="ft1">2004 äusserte sich das BFF auf erneute Anfrage des Migrationsamtes</span><br/> <span class="ft1">zum Rückschiebungsverbot und kam zum Schluss, eine allfällige</span><br/> <span class="ft1">Wegweisung würde aufgrund der offensichtlich nicht mehr bestehen-</span><br/> <span class="ft1">den Gefährdung wegen Reflexverfolgung nicht gegen Art. 3 EMRK</span><br/> <span class="ft1">verstossen. Auf erneutes Ersuchen der Vorinstanz um eine Stellung-</span><br/> <span class="ft1">nahme betreffend Zumutbarkeit des Vollzuges teilte das BFM mit</span><br/> <span class="ft1">Schreiben vom 21. März 2005 mit, weder der Grundsatz des Non-re-</span><br/> <span class="ft1">foulement noch Art. 3 EMRK werde verletzt. Zur Begründung ver-</span><br/> <span class="ft1">wies das BFM wiederum auf die Rückkehr einzelner Familien-</span><br/> <span class="ft1">mitglieder in das Heimatland und den daraus zu schliessenden Weg-</span><br/> <span class="ft1">fall der Reflexverfolgung.</span><br/> <span class="ft1">Entgegen der Auffassung der Vorinstanzen kann auf die diver-</span><br/> <span class="ft1">sen, soeben zitierten Schreiben des BFF (bzw. BFM) nicht abgestellt</span><br/> <span class="ft1">werden. Das BFF eröffnete dem Beschwerdeführer am 6. Dezember</span><br/> <span class="ft1">2002, eine Rückkehr in die Türkei sei nicht zumutbar. Bereits am</span><br/> <span class="ft1">30. Dezember 2002 bescheinigte das BFF gegenüber der Frem-</span><br/> <span class="ft1">denpolizei bei gleicher Ausgangslage jedoch das Gegenteil. Alle</span><br/> <span class="ft1">weiteren Schreiben des BFF bzw. BFM wiederholen lediglich die Ar-</span><br/> <span class="ft1">gumentation des Schreibens vom 30. Dezember 2002 und klären den</span><br/> <span class="ft1">Widerspruch im Verhalten des BFF nicht.</span><br/> <span class="ft1">Vor diesem Hintergrund widerrief das BFF mit seiner Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung vom 21. Juni 2004 einzig das Asyl des Beschwerdeführers und</span><br/> <span class="ft1">verzichtete darauf, ihm die Flüchtlingseigenschaft gestützt auf</span><br/> <span class="ft1">Art. 63 Abs. 1 lit. b AsylG i.V.m. Art. 1 lit. c Ziffer 6 des Abkom-</span><br/> <span class="ft1">mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (SR 0.142.30) abzuer-</span><br/> <span class="ft1">kennen. Offensichtlich war das BFF zu jenem Zeitpunkt selbst wie-</span><br/> <span class="ft1">der der Ansicht, die Rückkehr in die Türkei sei nicht zumutbar.</span><br/> <span class="ft1">e) Unter diesen Umständen muss auch im vorliegenden Verfahr-</span><br/> <span class="ft1">en davon ausgegangen werden, dass die Rückkehr des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers in seine Heimat nicht unbedenklich ist. Dementsprechend ist</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">470</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Vollzug der Ausweisung nicht zulässig und die Beschwerde in</span><br/> <span class="ft1">diesem Punkt gutzuheissen. Sollte das BFM bei seiner Beurteilung</span><br/> <span class="ft1">zum Schluss gelangen, die Rückkehr des Beschwerdeführers sei</span><br/> <span class="ft1">unbedenklich, steht es ihm frei, dem Beschwerdeführer die Flücht-</span><br/> <span class="ft1">lingseigenschaft abzuerkennen.</span><br/> <span class="ft1">6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Ausweisung des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers und der damit verbundene Verlust der Niederlas-</span><br/> <span class="ft1">sungsbewilligung nicht zu beanstanden sind. Hingegen erweist sich</span><br/> <span class="ft1">der Vollzug der Entfernungsmassnahme aufgrund der nicht erstellten</span><br/> <span class="ft1">Unbedenklichkeit betreffend Folter und wegen eines möglichen Ver-</span><br/> <span class="ft1">stosses gegen Art. 5 AsylG im Moment als unzulässig. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde ist damit teilweise gutzuheissen und das Migrationsamt an-</span><br/> <span class="ft1">zuweisen, nach Rechtskraft des vorliegenden Entscheides beim BFM</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf Art. 14a und 14b ANAG die vorläufige Aufnahme des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers zu beantragen.</span><br/></div> </div> </body> </html>