<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 131 S.522</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">522</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>131</b></span> <span class="ft2"><b>Erwerbslose Wohnsitznahme. Rentner.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Voraussetzungen für die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rentner (Erw. II/4).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Begriff der engen Beziehungen zur Schweiz. Beziehungen des Aus-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>länders zu Kindern, die in der Schweiz leben, stellen eine enge Bezie-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hung zu Schweiz im Sinne von Art. 34 lit. b BVO dar (Erw. II/5).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Notwendige finanzielle Mittel; Präzisierung der Rechtsprechung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/6).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">523</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Sinn und Zweck von Art. 34 lit. e BVO ist es, eine Aufenthaltsbewil-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ligung nur denjenigen Personen zu erteilen, bei denen die Gefahr ei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ner künftigen Fürsorgeabhängigkeit möglichst ausgeschlossen wer-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den kann. Zur Ermittlung eines allfälligen künftigen Fürsorgerisikos</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bedarf es einer möglichst zuverlässigen Prognose. Kriterien für eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zukunftsprognose (Erw. II/7a).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Hinsichtlich der Höhe der finanziellen Mittel ist - analog zum Fami-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>liennachzug gemäss Art. 38 f. BVO - auf den berechneten Bedarf</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gemäss SKOS-Richtlinien abzustellen (Erw. II/7b).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Beurteilung der Leistungsfähigkeit. Der monatliche Bedarf der über-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>siedelnden Person kann anstatt durch eigene Mittel auch durch</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Drittmittel gedeckt werden. Die Leistungsfähigkeit des Dritten ist</b></span><br/> <span class="ft2"><b>durch Gegenüberstellung des monatlichen Bedarfes gemäss SKOS-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Richtlinien und der monatlichen Einnahmen zu bemessen und ist ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>geben, wenn der Restbetrag 20% des Nettoeinkommens entspricht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/7c).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Zusätzlich muss gewährleistet sein, dass die Leistungsfähigkeit des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Dritten auch in Zukunft erhalten bleibt. Sollte dies nicht zweifelsfrei</b></span><br/> <span class="ft2"><b>feststehen, ist der Bedarf des Rentners bis zu einer gewissen Min-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>desthöhe anderweitig sicherzustellen (Erw. II/7d).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Voraussetzung der genügenden finanziellen Mittel ist im vorlie-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>genden Fall nicht erfüllt, weshalb die Aufenthaltsbewilligung nach</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Art. 34 BVO durch die Vorinstanz zu Recht verweigert wurde (Erw.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>II/8).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Prüfung, ob allenfalls die Voraussetzungen von Art. 36 BVO (wichti-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ger Grund) erfüllt sind. Es ist ein analoger Massstab wie bei der Prü-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>fung eines Härtefalls nach Art. 13 lit. f BVO anzuwenden. In casu</b></span><br/> <span class="ft2"><b>liegt kein wichtiger Grund vor (Erw. II/9).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung hält vor Art. 8 EMRK</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Schutz des Familienlebens) stand (Erw. II/10).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">524</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 30. August</span><br/> <span class="ft4">2002</span> <span class="ft4">in</span> <span class="ft4">Sachen</span> <span class="ft4">M.N.</span> <span class="ft4">gegen</span> <span class="ft4">einen</span> <span class="ft4">Entscheid</span> <span class="ft4">der</span> <span class="ft4">Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft4">(BE.2000.00002).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">A. Der Beschwerdeführer stellte am 27. Juli 1999 ein Gesuch</span><br/> <span class="ft1">um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zur erwerbslosen Wohn-</span><br/> <span class="ft1">sitznahme für seine Mutter (M.N.-L., geb. 1931). Zur Begründung</span><br/> <span class="ft1">führte er aus, seine Mutter sei verwitwet und lebe ganz allein im</span><br/> <span class="ft1">Kosovo. Aus Altersgründen sei sie nicht mehr im Stande für sich</span><br/> <span class="ft1">selber zu sorgen und in ihrer Wohngemeinde gäbe es kein Alters-</span><br/> <span class="ft1">oder Pflegeheim. Die Fremdenpolizei teilte dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">am 24. August 1999 mit, sie erwäge, sein Gesuch abzulehnen, da</span><br/> <span class="ft1">seine Mutter weder über genügend eigene finanzielle Mittel noch</span><br/> <span class="ft1">über enge Beziehungen zur Schweiz verfüge. Sie gab ihm Gelegen-</span><br/> <span class="ft1">heit, sich im Rahmen des rechtlichen Gehörs dazu zu äussern. Nach-</span><br/> <span class="ft1">dem der Beschwerdeführer am 24. September 1999 eine Stellung-</span><br/> <span class="ft1">nahme eingereicht hatte, verfügte die Fremdenpolizei am 12. Okto-</span><br/> <span class="ft1">ber 1999 die Abweisung des Gesuchs.</span><br/> <span class="ft1">B. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am</span><br/> <span class="ft1">3. November 1999 Einsprache. Am 3. Januar 2000 wies der Rechts-</span><br/> <span class="ft1">dienst der Fremdenpolizei (Vorinstanz) die Einsprache ab.</span><br/> <span class="ft1">C. Mit Eingabe vom 24. Januar 2000 erhob der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer gegen den Einspracheentscheid Beschwerde.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 4. Gemäss Art. 34 BVO können Rentnern Aufenthaltsbewil-</span><br/> <span class="ft1">ligungen erteilt werden, wenn der Gesuchsteller:</span><br/> <span class="ft1">a. älter als 55jährig ist;</span><br/> <span class="ft1">b. enge Beziehungen zur Schweiz hat;</span><br/> <span class="ft1">c. weder in der Schweiz noch im Ausland erwerbstätig ist;</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">525</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">d. den Mittelpunkt seiner Lebensverhältnisse in die Schweiz</span><br/> <span class="ft1">verlegt und</span><br/> <span class="ft1">e. die notwendigen finanziellen Mittel hat.</span><br/> <span class="ft1">Die Voraussetzungen von Art. 34 lit. a bis e BVO müssen ku-</span><br/> <span class="ft1">mulativ erfüllt sein. Im vorliegenden Fall ist einzig strittig, ob die</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen von Art. 34 lit. b und e BVO erfüllt sind.</span><br/> <span class="ft1">5. a) Die Vorinstanz führte hinsichtlich Art. 34 lit. b BVO aus,</span><br/> <span class="ft1">dass die Anwesenheit von Familienmitgliedern in der Schweiz für</span><br/> <span class="ft1">sich allein genommen keine engen Beziehungen des betreffenden</span><br/> <span class="ft1">Ausländers zur Schweiz begründe. Die Tatsache, dass enge Ver-</span><br/> <span class="ft1">wandte in der Schweiz leben würden, könne bei der Beurteilung</span><br/> <span class="ft1">eines Falles wohl berücksichtigt werden, sie dürfe aber nicht die</span><br/> <span class="ft1">einzige Beziehung zur Schweiz darstellen. Vielmehr sei die Erteilung</span><br/> <span class="ft1">einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 34 BVO gemäss kan-</span><br/> <span class="ft1">tonaler Praxis auf Ausländer mit ausserordentlichen kulturellen oder</span><br/> <span class="ft1">wirtschaftlichen Verdiensten oder mehrjährigen früheren Aufenthal-</span><br/> <span class="ft1">ten in der Schweiz mit nachweislich weitgehender Integration zu</span><br/> <span class="ft1">beschränken. Das Rekursgericht habe zwar in zwei Urteilen vom</span><br/> <span class="ft1">19. November 1999 (BE.1998.00044 und BE.1999.00002) in Bezug</span><br/> <span class="ft1">auf Art. 34 lit. b BVO einen weniger strengen, kaum selektierenden</span><br/> <span class="ft1">Massstab angewandt. In den entsprechenden Erwägungen, die sich</span><br/> <span class="ft1">auf einen einzelnen Autoren stützten, werde jedoch verkannt, dass</span><br/> <span class="ft1">der Familiennachzug in aufsteigender Linie - vorbehältlich Art. 8</span><br/> <span class="ft1">EMRK und Art. 36 BVO - grundsätzlich unzulässig sei. Wenn bereits</span><br/> <span class="ft1">der Nachzug von Eltern beziehungsweise Grosseltern auf Ge-</span><br/> <span class="ft1">setzesstufe ausgeschlossen sei, hätten Beziehungen zu in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz lebenden Kindern bei der Auslegung von Art. 34 lit. b BVO</span><br/> <span class="ft1">in den Hintergrund zu treten. In diesem Sinne sei an der kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Praxis, die sich an diejenige des BFA anlehne, festzuhalten. Art. 34</span><br/> <span class="ft1">BVO mutiere ansonsten zum reinen Migrationsartikel, wie er im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen der bilateralen Verträge erst für EU- und EFTA-Angehörige</span><br/> <span class="ft1">vorgesehen sei. Die Mutter des Beschwerdeführers habe ihr ganzes</span><br/> <span class="ft1">Leben im Heimatland verbracht und sei bislang noch nie in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz gewesen. Sie berufe sich einzig darauf, dass Kinder von ihr</span><br/> <span class="ft1">in der Schweiz leben würden. Damit sei die Voraussetzung der engen</span><br/> <span class="ft1">Beziehungen zur Schweiz nicht erfüllt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">526</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">b) Das Rekursgericht hat sich im Urteil vom 19. November</span><br/> <span class="ft1">1999 (BE.1999.00002) mit der Frage auseinandergesetzt, wann enge</span><br/> <span class="ft1">Beziehungen zur Schweiz im Sinne von Art. 34 lit. b BVO vorliegen.</span><br/> <span class="ft1">Die Voraussetzung der engen Beziehungen zur Schweiz stellt einen</span><br/> <span class="ft1">unbestimmten Rechtsbegriff dar. Die Frage war deshalb vom Re-</span><br/> <span class="ft1">kursgericht als Rechtsfrage frei zu prüfen. Das Rekursgericht hält an</span><br/> <span class="ft1">seiner Auffassung fest, dass die Beziehung des Ausländers zu Kin-</span><br/> <span class="ft1">dern, die in der Schweiz leben, enge Beziehungen zur Schweiz dar-</span><br/> <span class="ft1">stellen, wie sie für die sogenannte Rentnerbewilligung verlangt wer-</span><br/> <span class="ft1">den. Diese Auslegung von Art. 34 lit. b BVO entspricht im Übrigen</span><br/> <span class="ft1">auch der Ansicht des BFA, das - wie in E. II/3 ausgeführt - zur</span><br/> <span class="ft1">Durchsetzung einer einheitlichen gesamtschweizerischen Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dung von Art. 34 BVO der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung für</span><br/> <span class="ft1">Rentner zustimmen muss.</span><br/> <span class="ft1">c) Die heute 71-jährige Mutter des Beschwerdeführers ist seit</span><br/> <span class="ft1">1997 verwitwet und wird seither durch den Beschwerdeführer finan-</span><br/> <span class="ft1">ziell unterstützt. Sie lebt alleine im Kosovo und hat keine weiteren</span><br/> <span class="ft1">Verwandten im Heimatland. Von ihren fünf Kindern leben zwei in</span><br/> <span class="ft1">Österreich und eines in Deutschland. Ein Sohn (Beschwerdeführer)</span><br/> <span class="ft1">und eine Tochter leben in der Schweiz. Diese sind beide verheiratet</span><br/> <span class="ft1">und haben je drei Kinder. Der Beschwerdeführer verfügt zudem über</span><br/> <span class="ft1">eine Niederlassungsbewilligung und damit über ein gefestigtes An-</span><br/> <span class="ft1">wesenheitsrecht in der Schweiz. Unter diesen Umständen steht fest,</span><br/> <span class="ft1">dass die Mutter des Beschwerdeführers durch die Beziehung zu den</span><br/> <span class="ft1">hier lebenden Kindern und Enkelkindern enge Beziehungen zur</span><br/> <span class="ft1">Schweiz im Sinne von Art. 34 lit. b BVO hat.</span><br/> <span class="ft1">6. Art. 34 lit. e BVO setzt für die Erteilung einer Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung voraus, dass der Gesuchsteller die notwendigen finan-</span><br/> <span class="ft1">ziellen Mittel hat. Die Vorinstanz stellte sich im Einspracheentscheid</span><br/> <span class="ft1">diesbezüglich auf den Standpunkt, dass der Ausländer, der in die</span><br/> <span class="ft1">Schweiz übersiedeln möchte, die Voraussetzung der genügenden</span><br/> <span class="ft1">finanziellen Mittel selbst erfüllen müsse, d. h. dass er über genügend</span><br/> <span class="ft1">eigene finanzielle Mittel verfüge und Garantieleistungen von Dritten</span><br/> <span class="ft1">nicht berücksichtigt werden könnten. Im Weiteren kritisierte die Vo-</span><br/> <span class="ft1">rinstanz die Rechtsprechung des Rekursgerichts hinsichtlich Art. 34</span><br/> <span class="ft1">lit. e BVO. Dieses hatte im Urteil vom 19. November 1999</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">527</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(BE.1998.00044) festgehalten, dass mit Art. 34 lit. e BVO sicherge-</span><br/> <span class="ft1">stellt werden soll, dass der übersiedlungswillige Rentner keine</span><br/> <span class="ft1">schweizerischen Fürsorgeleistungen benötige. Unter diesem Ge-</span><br/> <span class="ft1">sichtspunkt spiele es jedoch keine Rolle, ob die finanziellen Mittel</span><br/> <span class="ft1">Eigen- oder Drittmittel seien. Massgebend sei, dass die notwendigen</span><br/> <span class="ft1">Mittel dem Gesuchsteller mit einer gewissen Sicherheit zufliessen</span><br/> <span class="ft1">würden. Wenn nahe Verwandte eines Gesuchstellers - die selber über</span><br/> <span class="ft1">die notwendigen finanziellen Mittel verfügten - eine Garantieerklä-</span><br/> <span class="ft1">rung abgäben, wonach sie sich verpflichteten, für den Lebensunter-</span><br/> <span class="ft1">halt des Betroffenen aufzukommen, erscheine der Zufluss der Mittel</span><br/> <span class="ft1">als ausreichend gesichert.</span><br/> <span class="ft1">Diese Auslegung von Art. 34 lit. e BVO wurde im Zustim-</span><br/> <span class="ft1">mungsverfahren vom Beschwerdedienst des Eidgenössischen Justiz-</span><br/> <span class="ft1">und Polizeidepartements (BD EJPD) teilweise übernommen (Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid des BD EJPD vom 15. Februar 2001, VPB 65.67). Der BD</span><br/> <span class="ft1">EJPD führte dazu aus, Sinn und Zweck von Art. 34 lit. e BVO liege</span><br/> <span class="ft1">darin, nur denjenigen Personen eine Aufenthaltsbewilligung zu er-</span><br/> <span class="ft1">teilen, bei denen das Risiko, dass sie dereinst in der Schweiz von der</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Fürsorge abhängig würden, als vernachlässigbar gering</span><br/> <span class="ft1">einzuschätzen sei. Dieses Risiko sei dann als gering einzuschätzen,</span><br/> <span class="ft1">wenn die für den Lebensunterhalt erforderlichen Mittel dem Rentner</span><br/> <span class="ft1">mit grosser Sicherheit bis ans Lebensende zufliessen würden. An</span><br/> <span class="ft1">diesem Erfordernis sei denn auch zu messen, ob die finanziellen</span><br/> <span class="ft1">Mittel, die dem Rentner zur Verfügung stünden, den Anforderungen</span><br/> <span class="ft1">von Art. 34 lit. e BVO genügen würden. Die Unterscheidung von</span><br/> <span class="ft1">Eigen- und Drittmitteln könne demgegenüber für sich alleine ge-</span><br/> <span class="ft1">nommen nicht das ausschlaggebende Kriterium sein. Ihr komme nur</span><br/> <span class="ft1">Bedeutung zu, sofern sie über die Sicherheit des Mittelzuflusses</span><br/> <span class="ft1">etwas aussage. Zwar sei die notwendige Sicherheit des Mittelzuflus-</span><br/> <span class="ft1">ses in der Regel gegeben, wenn der Rentner über ein hinreichend</span><br/> <span class="ft1">hohes Vermögen verfüge oder ein regelmässiges Einkommen in ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechender Höhe aus Leistungen von Sozialversicherungen, Pensi-</span><br/> <span class="ft1">onskassen oder ähnlichen Einrichtungen erziele. Damit seien jedoch</span><br/> <span class="ft1">andere finanzielle Quellen nicht zum vornherein vom Geltungsbe-</span><br/> <span class="ft1">reich von Art. 34 lit. e BVO ausgeschlossen. Vielmehr sei im Einzel-</span><br/> <span class="ft1">fall zu prüfen, ob die vorhandenen finanziellen Mittel ihrer Natur</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">528</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nach sowie aufgrund der konkreten Umstände die erforderliche Si-</span><br/> <span class="ft1">cherheit zu bieten vermögen würden.</span><br/> <span class="ft1">Im Hinblick auf die einzelnen Bedingungen, unter denen die</span><br/> <span class="ft1">Unterstützungsleistung von Kindern an ihre Eltern als gesichert er-</span><br/> <span class="ft1">scheinen würden, vertrat der BD EJPD hingegen eine andere Ansicht</span><br/> <span class="ft1">als das Rekursgericht. Er führte vorerst aus, dass das Argument der</span><br/> <span class="ft1">sittlichen Pflicht nicht berücksichtigt werden könne, da dies einer-</span><br/> <span class="ft1">seits zu sachlich nicht zu rechtfertigenden Ungleichbehandlungen</span><br/> <span class="ft1">führen würde und andererseits ein solches Versprechen rechtlich</span><br/> <span class="ft1">nicht durchsetzbar sei. Eine schriftliche Garantieerklärung der Ver-</span><br/> <span class="ft1">wandten, bis ans Lebensende des Rentners für dessen Lebensunter-</span><br/> <span class="ft1">halt aufzukommen, könne ebenfalls nicht rechtlich bindend ausge-</span><br/> <span class="ft1">staltet werden. Dabei handle es sich um eine Verpflichtung von un-</span><br/> <span class="ft1">bestimmter Dauer und damit von unbestimmter Höhe, die gemäss</span><br/> <span class="ft1">bundesgerichtlicher Praxis nichtig beziehungsweise teilweise nichtig</span><br/> <span class="ft1">wäre. Auch durch die Verwandtenunterstützungspflicht gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 328 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom</span><br/> <span class="ft1">10. Dezember 1907 sei die rechtliche Durchsetzung von Unterstüt-</span><br/> <span class="ft1">zungsleistungen von Kindern an ihre Eltern nur in den seltensten</span><br/> <span class="ft1">Fällen gewährleistet. Gemäss dieser Bestimmung könnten nämlich</span><br/> <span class="ft1">nur Verwandte zur Unterstützung verpflichtet werden, die in günsti-</span><br/> <span class="ft1">gen Verhältnissen leben würden.</span><br/> <span class="ft1">Unter Berücksichtigung der Ausführungen des BD EJPD sah</span><br/> <span class="ft1">sich das Rekursgericht veranlasst, seine Rechtsprechung zu überprü-</span><br/> <span class="ft1">fen. Da der BD EJPD seinen Entscheid erliess, nachdem das Verfah-</span><br/> <span class="ft1">ren im vorliegenden Fall bei den Behörden der Fremdenpolizei be-</span><br/> <span class="ft1">reits abgeschlossen war, forderte das Rekursgericht diese auf, zur</span><br/> <span class="ft1">Problematik und ihrer allenfalls nach dem Entscheid des BD EJPD</span><br/> <span class="ft1">geänderten Praxis hinsichtlich der Voraussetzung der notwendigen</span><br/> <span class="ft1">finanziellen Mittel Stellung zu nehmen. Die Fremdenpolizei reichte</span><br/> <span class="ft1">in der Folge am 30. Januar 2002 ihre Stellungnahme ein.</span><br/> <span class="ft1">7. a) Der Begriff der notwendigen finanziellen Mittel im Sinne</span><br/> <span class="ft1">von Art. 34 lit. e BVO stellt einen unbestimmten Rechtsbegriff dar,</span><br/> <span class="ft1">welcher der Auslegung bedarf. Nachdem weder eine Auslegung nach</span><br/> <span class="ft1">der grammatikalischen, noch nach der historischen, noch nach der</span><br/> <span class="ft1">zeitgemässen und auch nicht nach der systematischen Methode zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">529</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">einer Klärung führt, steht - wie häufig im Verwaltungsrecht - auch im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Fall die teleologische Auslegungsmethode im Vorder-</span><br/> <span class="ft1">grund (vgl. Ulrich Häfelin / Georg Müller, Grundriss des Allgemei-</span><br/> <span class="ft1">nen Verwaltungsrechts, Zürich 1998, N 177). Sowohl das Rekursge-</span><br/> <span class="ft1">richt als auch der BD EJPD haben in ihren Entscheiden vom</span><br/> <span class="ft1">19. November 1999 bzw. vom 15. Februar 2001 diesbezüglich</span><br/> <span class="ft1">übereinstimmend ausgeführt, Sinn und Zweck von Art. 34 lit. e BVO</span><br/> <span class="ft1">sei es, eine Aufenthaltsbewilligung nur denjenigen Personen zu ertei-</span><br/> <span class="ft1">len, bei denen die Gefahr einer künftigen Fürsorgeabhängigkeit mög-</span><br/> <span class="ft1">lichst ausgeschlossen werden könne.</span><br/> <span class="ft1">Zur Ermittlung eines allfälligen künftigen Fürsorgerisikos be-</span><br/> <span class="ft1">darf es einer Prognose, wobei zunächst konkrete Kriterien festzule-</span><br/> <span class="ft1">gen sind, welche eine möglichst zuverlässige Prognose zulassen. Um</span><br/> <span class="ft1">die Gefahr einer künftigen Fürsorgeabhängigkeit abschätzen zu kön-</span><br/> <span class="ft1">nen, stellt sich unter anderem die Frage, in welchem Umfang der</span><br/> <span class="ft1">übersiedelnden Person für ihren Lebensunterhalt in der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">finanzielle Mittel zur Verfügung stehen müssen (Höhe der finanziel-</span><br/> <span class="ft1">len Mittel). Als weiteres Kriterium für eine Zukunftsprognose ist</span><br/> <span class="ft1">ausschlaggebend, ob dieser Betrag der betroffenen Person effektiv</span><br/> <span class="ft1">zur Verfügung steht beziehungsweise durch Dritte zur Verfügung</span><br/> <span class="ft1">gestellt werden kann (Leistungsfähigkeit) und mit welcher Sicherheit</span><br/> <span class="ft1">dieser Betrag der betroffenen Person in Zukunft zufliessen wird (Si-</span><br/> <span class="ft1">cherheit der Leistungsfähigkeit). Im Folgenden ist deshalb zu prüfen,</span><br/> <span class="ft1">ob die Praxis der Fremdenpolizei bezüglich der Voraussetzung der</span><br/> <span class="ft1">notwendigen finanziellen Mittel rechtmässig beziehungsweise mit</span><br/> <span class="ft1">Sinn und Zweck der Bestimmung vereinbar ist.</span><br/> <span class="ft1">b) Hinsichtlich der Höhe der finanziellen Mittel stellt die Frem-</span><br/> <span class="ft1">denpolizei in analoger Anwendung der Voraussetzung der genügen-</span><br/> <span class="ft1">den finanziellen Mittel für den Familiennachzug nach Art. 38 und 39</span><br/> <span class="ft1">BVO auf die Bedarfsberechnung nach den Richtlinien für die Ausge-</span><br/> <span class="ft1">staltung und Bemessung der Sozialhilfe der Schweizerischen Konfe-</span><br/> <span class="ft1">renz für Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien) ab. Der Rentner muss dem-</span><br/> <span class="ft1">entsprechend monatlich den nach den SKOS-Richtlinien für ihn be-</span><br/> <span class="ft1">rechneten Bedarf decken können. Dabei werden in der SKOS-Be-</span><br/> <span class="ft1">rechnung keine Mietkosten eingesetzt, wenn die übersiedelnde Per-</span><br/> <span class="ft1">son bei nahestehenden Verwandten (z.B. bei eigenen Kindern) woh-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">530</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nen kann. Nach dieser Berechnung muss dem Ausländer aktuell pro</span><br/> <span class="ft1">Monat in der Regel ein Betrag von CHF 1'343.- zur Verfügung ste-</span><br/> <span class="ft1">hen. Diese Art der Berechnung des monatlichen Bedarfs der übersie-</span><br/> <span class="ft1">delnden Person ist grundsätzlich nicht zu beanstanden. Anzufügen</span><br/> <span class="ft1">ist, dass zu diesem "Pauschalbedarf" die individuellen Auslagen</span><br/> <span class="ft1">(insbesondere Abzahlung von Krediten, etc.) hinzuzurechnen sind.</span><br/> <span class="ft1">Auch sie müssen selbstverständlich gedeckt werden und gehören</span><br/> <span class="ft1">deshalb zum monatlichen Bedarf. Die Fremdenpolizei hat diese Aus-</span><br/> <span class="ft1">gaben denn auch korrekterweise in ihrem Berechnungsblatt unter der</span><br/> <span class="ft1">Rubrik "situationsbedingte Leistungen" aufgeführt.</span><br/> <span class="ft1">c) Bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit und der Sicherheit</span><br/> <span class="ft1">der Leistungsfähigkeit, d.h. bei der Frage, ob der übersiedelnden</span><br/> <span class="ft1">Person Mittel in der Höhe des monatlichen Bedarfs zur Verfügung</span><br/> <span class="ft1">stehen beziehungsweise mit welcher Sicherheit dieser Betrag ihr</span><br/> <span class="ft1">inskünftig zufliessen wird, kann den Ausführungen der Fremdenpoli-</span><br/> <span class="ft1">zei entnommen werden, dass sie diese Voraussetzungen als erfüllt</span><br/> <span class="ft1">erachtet, wenn die übersiedelnde Person ihren SKOS-Bedarf mit</span><br/> <span class="ft1">eigenen Mitteln zu decken vermag. Sie stellt dabei keine zusätzlichen</span><br/> <span class="ft1">Erfordernisse an die Sicherheit der finanziellen Mittel. Der Rentner</span><br/> <span class="ft1">muss einzig rechtlich und wirtschaftlich frei über die Mittel verfügen</span><br/> <span class="ft1">können. Hinsichtlich der finanziellen Unterstützung des Rentners</span><br/> <span class="ft1">durch Dritte stützt sie sich auf den Entscheid des BD EJPD, den sie</span><br/> <span class="ft1">als Grundsatzentscheid betrachtet. Sie führt diesbezüglich aus, sie</span><br/> <span class="ft1">habe seit diesem Entscheid keine Gesuche mehr zu beurteilen gehabt,</span><br/> <span class="ft1">in denen Drittmittel miteinzubeziehen gewesen seien, weshalb keine</span><br/> <span class="ft1">entsprechende Praxis bestehe. Aus dem Entscheid des BD EJPD</span><br/> <span class="ft1">folgere sie jedoch, dass bei der Prognose, ob Drittmittel bis ans Le-</span><br/> <span class="ft1">bensende der übersiedelnden Person fliessen werden, ein strenger</span><br/> <span class="ft1">Massstab anzulegen sei. Konkreter äusserte sich die Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft1">in Bezug auf ihre Praxis bei der Erteilung einer Aufenthaltsbewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung gestützt auf Art. 36 BVO. Neben der Voraussetzung des Vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gens wichtiger Gründe prüfe sie in einem solchen Fall zusätzlich, ob</span><br/> <span class="ft1">die in der Schweiz anwesenheitsberechtigten Familienangehörigen</span><br/> <span class="ft1">finanziell überhaupt in der Lage seien, den laufenden Unterhalt der</span><br/> <span class="ft1">übersiedelnden Person zu bestreiten. Hiezu würden sie aufgefordert,</span><br/> <span class="ft1">ihre wirtschaftlichen Verhältnisse umfassend offen zu legen. Um den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">531</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Staat vor zukünftigen Sozialhilfekosten zu schützen, habe sie ausser-</span><br/> <span class="ft1">dem 1999 eine Praxisänderung vorgenommen und verlange seither</span><br/> <span class="ft1">zur Sicherstellung von allfälligen zukünftigen ungedeckten Pflege-</span><br/> <span class="ft1">fallkosten eine Bankgarantie von CHF 100'000.- pro Person. Diese</span><br/> <span class="ft1">Ausführungen der Fremdenpolizei sind insbesondere unter dem</span><br/> <span class="ft1">Blickwinkel des Rechtsgleichheitsgebotes und des Verhältnismässig-</span><br/> <span class="ft1">keitsprinzips näher zu betrachten.</span><br/> <span class="ft1">Die Fremdenpolizei geht davon aus, dass die Leistungsfähigkeit</span><br/> <span class="ft1">dann gegeben ist, wenn die übersiedelnde Person ihren monatlichen</span><br/> <span class="ft1">Bedarf aus eigenen Mitteln bestreiten kann. Sie stellt deshalb die</span><br/> <span class="ft1">monatlichen Ausgaben des Rentners seinen monatlichen Einnahmen</span><br/> <span class="ft1">gegenüber. Unter Hinweis auf den Entscheid des BD EJPD führte die</span><br/> <span class="ft1">Fremdenpolizei sinngemäss weiter aus, dass unter Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft1">eines strengen Massstabes der monatliche Bedarf der übersiedelnden</span><br/> <span class="ft1">Person anstatt durch eigene Mittel auch durch Drittmittel gedeckt</span><br/> <span class="ft1">werden könne. Mangels zu beurteilender Gesuche hatte sich die</span><br/> <span class="ft1">Fremdenpolizei allerdings seit dem Entscheid des BD EJPD nicht</span><br/> <span class="ft1">mit einem solchen Fall zu befassen. Es liegt aber auf der Hand, dass</span><br/> <span class="ft1">in einem Fall, in dem der Unterhalt des Rentners ganz oder teilweise</span><br/> <span class="ft1">von dritter Seite finanziert werden soll, die Leistungsfähigkeit dieses</span><br/> <span class="ft1">Dritten überprüft werden muss. Eine derartige Überprüfung nimmt</span><br/> <span class="ft1">die Fremdenpolizei bei der Beurteilungen von Gesuchen nach Art. 36</span><br/> <span class="ft1">BVO, aber auch nach Art. 38 und 39 BVO mittels SKOS-Berech-</span><br/> <span class="ft1">nungen vor. Ein analoges Vorgehen drängt sich auch für Gesuche</span><br/> <span class="ft1">nach Art. 34 BVO auf. Unter diesen Umständen erscheint es sachge-</span><br/> <span class="ft1">recht, die Leistungsfähigkeit des Dritten durch Gegenüberstellung</span><br/> <span class="ft1">des monatlichen Bedarfes gemäss SKOS-Richtlinien und der monat-</span><br/> <span class="ft1">lichen Einnahmen zu bemessen. Dementsprechend ist das monatliche</span><br/> <span class="ft1">Nettoeinkommen (vor Abzug von Steuern) der gesamten Familie des</span><br/> <span class="ft1">Dritten zu bestimmen, d.h. es sind alle Einkommen der im gleichen</span><br/> <span class="ft1">Haushalt lebenden Familienmitglieder zu berücksichtigen. Diesem</span><br/> <span class="ft1">Nettoeinkommen ist der nach den SKOS-Richtlinien berechnete</span><br/> <span class="ft1">monatliche Bedarf der Familie inklusive allfälliger weiterer Auslagen</span><br/> <span class="ft1">(z.B. Abzahlung von Schulden, Alimentenzahlungen, etc.) sowie der</span><br/> <span class="ft1">monatliche (Rest-)Bedarf der übersiedelnden Person gegenüber-</span><br/> <span class="ft1">zustellen. Unter Berücksichtung des Normzweckes, des Vermeidens</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">532</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">von zukünftigen Sozialhilfekosten, erscheint es gerechtfertigt, die</span><br/> <span class="ft1">Leistungsfähigkeit des Dritten aber erst dann als gegeben zu be-</span><br/> <span class="ft1">trachten, wenn der Restbetrag in der Regel 20% des Nettoeinkom-</span><br/> <span class="ft1">mens des Dritten und seiner Familie entspricht. Dieser Überschuss</span><br/> <span class="ft1">dient einerseits der Bezahlung der Steuern, die bei der Berechnung</span><br/> <span class="ft1">des monatlichen Bedarfs nach SKOS nicht eingerechnet sind. Ande-</span><br/> <span class="ft1">rerseits soll damit gewährleistet werden, dass der Leistende nicht bei</span><br/> <span class="ft1">jeder Unvorhersehbarkeit in einen finanziellen Engpass gerät.</span><br/> <span class="ft1">d) Um die Gefahr einer zukünftigen Fürsorgeabhängigkeit aus-</span><br/> <span class="ft1">schliessen zu können, genügt die Leistungsfähigkeit des zahlenden</span><br/> <span class="ft1">Dritten für sich allein jedoch nicht. Es muss zusätzlich gewährleistet</span><br/> <span class="ft1">sein, dass die Leistungsfähigkeit des Dritten in Zukunft erhalten</span><br/> <span class="ft1">bleibt. Sollte dies nicht zweifelsfrei zutreffen, ist der Bedarf des</span><br/> <span class="ft1">Rentners bis zu einer gewissen Mindesthöhe anderweitig sicherzu-</span><br/> <span class="ft1">stellen. Die Fremdenpolizei hat sich hinsichtlich der Sicherstellung</span><br/> <span class="ft1">der finanziellen Mittel bei Gesuchen nach Art. 34 BVO nicht konkret</span><br/> <span class="ft1">geäussert. Hingegen verlangt sie bei der Erteilung einer Aufenthalt-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung nach Art. 36 BVO neben den allgemeinen Vorausset-</span><br/> <span class="ft1">zungen die Leistung einer Bankgarantie im Umfang von CHF</span><br/> <span class="ft1">100'000.-. Die Sicherstellung der monatlichen Aufwendungen des</span><br/> <span class="ft1">Rentners durch eine Bankgarantie kann durchaus als zweckmässig</span><br/> <span class="ft1">bezeichnet werden. Allerdings rechtfertigt sich eine unterschiedliche</span><br/> <span class="ft1">Behandlung von Gesuchen nach Art. 34 und nach Art. 36 BVO nicht,</span><br/> <span class="ft1">denn bei beiden Bestimmungen steht auf der Seite des öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Interessens das Vermeiden von zukünftigen Staatskosten im Vorder-</span><br/> <span class="ft1">grund. Jedoch ist dem Verhältnismässigkeitsprinzip hinreichend Be-</span><br/> <span class="ft1">achtung zu schenken. So ist insbesondere bei Anwendungsfällen von</span><br/> <span class="ft1">Art. 36 BVO durchaus vorstellbar, dass die privaten Interessen des</span><br/> <span class="ft1">Betroffen derart stark zu gewichten sind, dass sie das öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Interessen überwiegen könnten, ohne dass die Kosten für den Unter-</span><br/> <span class="ft1">halt der betroffenen Person durch eine Bankgarantie vollumfänglich</span><br/> <span class="ft1">oder teilweise sichergestellt wären. Andererseits erscheint in Fällen</span><br/> <span class="ft1">von Art. 34 BVO das Verlangen einer Bankgarantie oder einer ähnli-</span><br/> <span class="ft1">chen Sicherheit, je nachdem aus welcher Quelle die finanziellen</span><br/> <span class="ft1">Mittel stammen, unter Umständen auch bei der Deckung der Kosten</span><br/> <span class="ft1">durch eigene Mittel, gerechtfertigt. Es ist somit festzuhalten, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">533</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">eine Bankgarantie oder eine andere gleichwertige Sicherheitsleistung</span><br/> <span class="ft1">nicht unbesehen in jedem Fall verlangt werden darf, sondern im Ein-</span><br/> <span class="ft1">zelfall unter Beachtung des Verhältnismässigkeitsprinzips abzuwä-</span><br/> <span class="ft1">gen ist, welche Anforderungen an die Sicherstellung der finanziellen</span><br/> <span class="ft1">Mittel gestellt werden müssen. Allgemein rechtfertigt sich, je grösser</span><br/> <span class="ft1">die Sicherheit bezüglich des Eingangs der laufenden Mittel und je</span><br/> <span class="ft1">grösser das Vermögen des Betroffenen oder des Leistenden ist, umso</span><br/> <span class="ft1">kleinere Anforderungen sind an eine Sicherstellung durch eine</span><br/> <span class="ft1">Bankgarantie oder eine ähnliche Sicherheitsleistung zu stellen.</span><br/> <span class="ft1">e) Nachfolgend ist gemäss den vorstehenden Erwägungen zu</span><br/> <span class="ft1">prüfen, ob die Mutter des Beschwerdeführers über die notwendigen</span><br/> <span class="ft1">finanziellen Mittel nach Art. 34 lit. e BVO verfügt.</span><br/> <span class="ft1">8. a) Im vorliegenden Fall steht fest, dass die Mutter des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers weder über eigenes Vermögen noch über ein eige-</span><br/> <span class="ft1">nes regelmässiges Renteneinkommen verfügt. Seit dem Tod ihres</span><br/> <span class="ft1">Ehemannes im Jahre 1997 wird sie vom Beschwerdeführer finanziell</span><br/> <span class="ft1">unterstützt. Dieser hat sich denn auch bereit erklärt, bei einem Um-</span><br/> <span class="ft1">zug seiner Mutter in die Schweiz weiterhin finanziell für sie aufzu-</span><br/> <span class="ft1">kommen. Ausserdem wurde geltend gemacht, dass die ebenfalls in</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz lebende Familie der Tochter pro Monat CHF 900.- an</span><br/> <span class="ft1">den Unterhalt der Mutter beitragen werde.</span><br/> <span class="ft1">Der monatliche Bedarf für die Mutter des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">beträgt gemäss den SKOS-Richtlinien CHF 1'343.-. Gemäss Anga-</span><br/> <span class="ft1">ben des Beschwerdeführers hat sie keine weiteren monatlichen Aus-</span><br/> <span class="ft1">lagen zu begleichen. Aufgrund der zwischen dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">und seiner Schwester vereinbarten Aufteilung der finanziellen Unter-</span><br/> <span class="ft1">stützung der Mutter würde der Beschwerdeführer demnach CHF</span><br/> <span class="ft1">443.- und die Familie seiner Schwester CHF 900.- der Kosten pro</span><br/> <span class="ft1">Monat übernehmen.</span><br/> <span class="ft1">Es stellt sich damit im Folgenden die Frage, ob die versproche-</span><br/> <span class="ft1">nen Unterstützungsleistungen an die Mutter vom Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">und von seiner Schwester auch tatsächlich im oben ausgeführten</span><br/> <span class="ft1">Umfang finanziert werden können und - sollte dies zutreffen - in</span><br/> <span class="ft1">genügender Weise sichergestellt sind.</span><br/> <span class="ft1">b) Das monatliche Nettoeinkommen des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">und seiner Familie beträgt rund CHF 4'200.-. Diesem steht folgende</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">534</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Bedarfsberechnung nach den SKOS-Richtlinien für die gesamte</span><br/> <span class="ft1">fünfköpfige Familie gegenüber:</span><br/> <br/> <table> <tr> <td width="150"><span class="ft1">Grundbedarf I</span></td> <td width="50"><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right" width="80"><span class="ft1">2'323.-</span></td> <td width="200"></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">Grundbedarf II</span></td> <td><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right"><span class="ft1">160.-</span></td> <td></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">Miete</span></td> <td><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right"><span class="ft1">1'170.-</span></td> <td></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">KK</span></td> <td><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right"><span class="ft1">120.-</span></td> <td><span class="ft1">(inkl. Verbilligung)</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">Berufsauslagen</span></td> <td><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right"><span class="ft1">150.-</span></td> <td><span class="ft1">(inkl. Abzug Nahverkehr)</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">Zuschlag II</span></td> <td><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right"><span class="ft1">232.-</span></td> <td></td> </tr> <tr> <td></td> </tr> <tr> <td><span class="ft6"><b>Total</b></span></td> <td><span class="ft6"><b>CHF</b></span></td> <td align="right"><span class="ft6"><b>4'155.-</b></span></td> </tr> </table> <br/> <span class="ft1">Weitere monatliche Auslagen fallen keine an. Die Differenz des</span><br/> <span class="ft1">monatlichen Nettoeinkommens von CHF 4'200.- und des monatli-</span><br/> <span class="ft1">chen SKOS-Bedarfs von CHF 4'155.- ergibt damit einen Überschuss</span><br/> <span class="ft1">von CHF 55.-. Unter diesen Umständen vermag der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer mit seinem Einkommen den monatlichen Unterhaltsanteil von</span><br/> <span class="ft1">CHF 443.- für seine Mutter nicht zu decken. Der verlangte monatli-</span><br/> <span class="ft1">che Überschuss von 20% seines Nettoeinkommens steht ihm erst</span><br/> <span class="ft1">recht nicht zur Verfügung. Der Beschwerdeführer verfügt somit bei</span><br/> <span class="ft1">weitem nicht über eine genügende Leistungsfähigkeit zur Bestreitung</span><br/> <span class="ft1">des geltend gemachten Unterhaltsanteils.</span><br/> <span class="ft1">c) Die finanzielle Situation der Familie der Schwester des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers präsentiert sich wie folgt: Der Ehemann der</span><br/> <span class="ft1">Schwester des Beschwerdeführers verfügt über ein monatliches</span><br/> <span class="ft1">Nettoeinkommen von rund CHF 4'100.-. Der im Haushalt lebende</span><br/> <span class="ft1">Sohn (geb. 1978) verdient netto CHF 3'022.-. Die gemeinsame eben-</span><br/> <span class="ft1">falls noch bei den Eltern lebende Tochter (geb. 1984) bezieht ein</span><br/> <span class="ft1">monatliches Nettoeinkommen von CHF 822.-. Die Familie erzielt</span><br/> <span class="ft1">somit ein Einkommen von rund CHF 8'000.-. Diesem Einkommen</span><br/> <span class="ft1">steht folgender SKOS-Bedarf für die fünfköpfige Familie gegenüber:</span><br/> <br/> <table> <tr> <td width="150"><span class="ft1">Grundbedarf I</span></td> <td width="50"><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right" width="80"><span class="ft1">2'323.-</span></td> <td width="200"></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">Zuschlag I</span></td> <td><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right"><span class="ft1">600.-</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">Grundbedarf II</span></td> <td><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right"><span class="ft1">160.-</span></td> </tr> </table> </div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">535</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <table> <tr> <td width="150"><span class="ft1">Miete</span></td> <td width="50"><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right" width="80"><span class="ft1">1'150.-</span></td> <td width="200"></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">KK</span></td> <td><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right"><span class="ft1">450.-</span></td> <td><span class="ft1">(Ehefrau und Kinder)</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">KK</span></td> <td><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right"><span class="ft1">212.-</span></td> <td><span class="ft1">(Ehemann)</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">KK-Verbilligung ./.</span></td> <td><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right"><span class="ft1">347.-</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">Berufsauslagen</span></td> <td><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right"><span class="ft1">600.-</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">Zuschlag II</span></td> <td><span class="ft1">CHF</span></td> <td align="right"><span class="ft1">232.-</span></td> </tr> <tr> <td></td> </tr> <tr> <td><span class="ft6"><b>Total</b></span></td> <td><span class="ft6"><b>CHF</b></span></td> <td align="right"><span class="ft1"><b>5</b>'<b>380.-</b></span></td> </tr> </table> <br/> <span class="ft1">Der für die Krankenkassenprämie des Ehemannes der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin eingereichte Beleg bezieht sich auf das Jahr 1997</span><br/> <span class="ft1">und ist deshalb nicht zu berücksichtigen. Für ihn ist unter diesen</span><br/> <span class="ft1">Umständen der Pauschalbetrag von CHF 212.- gemäss SKOS-</span><br/> <span class="ft1">Richtlinien einzusetzen. Die Familie der Schwester des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers hat im Übrigen keine über den SKOS-Bedarf hinausgehenden</span><br/> <span class="ft1">monatlichen Auslagen zu bestreiten. Die Differenz zwischen dem</span><br/> <span class="ft1">Nettoeinkommen von CHF 8'000.- und dem SKOS-Bedarf von CHF</span><br/> <span class="ft1">5'380.- ergibt somit einen Überschuss von CHF 2'620.-. Abzüglich</span><br/> <span class="ft1">des geltend gemachten Unterstützungsanteils von CHF 900.- ver-</span><br/> <span class="ft1">bleibt der Familie monatlich ein Betrag von CHF 1'720.-. Dieser</span><br/> <span class="ft1">Restbetrag entspricht 21,5% des Nettoeinkommens. Damit wäre die</span><br/> <span class="ft1">Leistungsfähigkeit zur finanziellen Unterstützung der Mutter bezie-</span><br/> <span class="ft1">hungsweise Grossmutter im Umfang der geltende gemachten CHF</span><br/> <span class="ft1">900.- grundsätzlich gegeben.</span><br/> <span class="ft1">Da der Beschwerdeführer hingegen nicht in der Lage ist, seinen</span><br/> <span class="ft1">Anteil an den Unterhalt der Mutter zu bestreiten, stellt sich die Frage,</span><br/> <span class="ft1">ob die Familie der Schwester - obwohl nicht geltend gemacht - allen-</span><br/> <span class="ft1">falls bereits wäre, für den gesamten Unterhalt der Mutter bezie-</span><br/> <span class="ft1">hungsweise Grossmutter aufzukommen. Nach Abzug des gesamten</span><br/> <span class="ft1">Unterhalts von CHF 1'343.- würden der Familie jedoch nur noch</span><br/> <span class="ft1">CHF 1'277.- verbleiben, was nur noch 16% des Nettoeinkommens</span><br/> <span class="ft1">entspräche. Die Leistungsfähigkeit wäre daher unter diesen Umstän-</span><br/> <span class="ft1">den nicht gegeben. Hinzu kommt, dass fraglich erscheint, wie lange</span><br/> <span class="ft1">der heute beinahe 24-jährige Sohn der Schwester des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers, der massgeblich zum "Familieneinkommen" beiträgt, noch</span><br/> <span class="ft1">bei seinen Eltern wohnen wird. Sobald er jedoch einen eigenen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">536</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Haushalt gründet, wird er nicht mehr in der Lage sein, seine Gross-</span><br/> <span class="ft1">mutter im selben Umfang wie heute zu unterstützen.</span><br/> <span class="ft1">d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Mutter des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers weder über eigenes Vermögen noch über ein eige-</span><br/> <span class="ft1">nes Renteneinkommen verfügt. Die Berechnung der monatlichen</span><br/> <span class="ft1">Einnahmen und Ausgaben der Familien des Beschwerdeführers und</span><br/> <span class="ft1">seiner Schwester ergibt, dass die Leistungsfähigkeit vorliegend nicht</span><br/> <span class="ft1">in genügenden Umfang gegeben ist, um den monatlichen Bedarf der</span><br/> <span class="ft1">Mutter decken zu können. Ob die Finanzierung ihres Bedarfs durch</span><br/> <span class="ft1">den Beschwerdeführer und seine Schwester genügend sichergestellt</span><br/> <span class="ft1">ist, ist unter diesen Umständen nicht zu prüfen. Die Voraussetzung</span><br/> <span class="ft1">der genügenden finanziellen Mittel ist damit nicht erfüllt, weshalb</span><br/> <span class="ft1">die Aufenthaltsbewilligung nach Art. 34 BVO durch die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft1">zu Recht verweigert wurde.</span><br/> <span class="ft1">9. a) Nachdem der Mutter des Beschwerdeführers gestützt auf</span><br/> <span class="ft1">Art. 34 BVO keine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden kann, ist</span><br/> <span class="ft1">zu prüfen, ob allenfalls die Voraussetzungen von Art. 36 BVO erfüllt</span><br/> <span class="ft1">sind.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 36 BVO kann einem nichterwerbstätigen Auslän-</span><br/> <span class="ft1">der eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden, wenn wichtige</span><br/> <span class="ft1">Gründe es gebieten. Bei der Beurteilung der wichtigen Gründe ist ein</span><br/> <span class="ft1">analoger Massstab wie bei der Prüfung eines Härtefalls nach Art. 13</span><br/> <span class="ft1">lit. f BVO anzuwenden. Nach Art. 13 lit. f BVO sind Ausländer von</span><br/> <span class="ft1">den Höchstzahlen ausgenommen, wenn ein schwerwiegender per-</span><br/> <span class="ft1">sönlicher Härtefall vorliegt. Gemäss der bundesgerichtlichen Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung setzt ein massgeblicher Härtefall voraus, dass sich der</span><br/> <span class="ft1">betreffende Ausländer in einer persönlichen Notlage befindet. Das</span><br/> <span class="ft1">bedeutet, dass seine Lebens- und Daseinsbedingungen gemessen am</span><br/> <span class="ft1">durchschnittlichen Schicksal von Ausländern in gesteigertem Mass in</span><br/> <span class="ft1">Frage gestellt sein müssen. Bei der Beurteilung des Härtefalls sind</span><br/> <span class="ft1">alle Gesichtspunkte und Besonderheiten des Einzelfalles zu berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigen. Ein Härtefall setzt nicht zwingend voraus, dass sich der</span><br/> <span class="ft1">Ausländer je hier aufgehalten hat, sofern sich eine Anwesenheit in</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz als unabdingbar zur Vermeidung einer bedrohlichen</span><br/> <span class="ft1">Notlage erweist. Andererseits genügt die bisherige oder eine frühere</span><br/> <span class="ft1">Anwesenheit für sich allein nicht zur Annahme eines Härtefalles.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">537</span></div> <div class="page" id="S16"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Wenn der Ausländer allerdings eine besonders enge Beziehung zur</span><br/> <span class="ft1">Schweiz hat, zum Beispiel weil er während längerer Zeit mit Anwe-</span><br/> <span class="ft1">senheitsrecht hier lebte und gut integriert ist, kann dies die Anforde-</span><br/> <span class="ft1">rungen an die Dringlichkeit der Notlage verringern, sofern gerade</span><br/> <span class="ft1">auch darin eine Härte zu sehen ist, dass er seine Beziehung zur</span><br/> <span class="ft1">Schweiz nicht oder nicht mehr leben kann. Dies ist auch daran zu</span><br/> <span class="ft1">messen, wieweit es dem Ausländer zumutbar ist, sich in einem ande-</span><br/> <span class="ft1">ren Land, namentlich in seiner Heimat, aufzuhalten beziehungsweise</span><br/> <span class="ft1">sich dorthin zu begeben. Allfällige besondere Erschwernisse im</span><br/> <span class="ft1">Heimatland sind bei der Würdigung der persönlichen, familiären und</span><br/> <span class="ft1">ökonomischen Verhältnisse des Ausländers mitzuberücksichtigen</span><br/> <span class="ft1">(vgl. zum Ganzen: BGE 124 II 110, E. 2, S. 112; 123 II 125, E. 2,</span><br/> <span class="ft1">S. 127 und E. 5b/aa, S. 132; 119 Ib 33, E. 4c, S. 43 f.). Ein Härtefall</span><br/> <span class="ft1">kann insbesondere dann vorliegen, wenn Eltern aus gesundheitlichen</span><br/> <span class="ft1">Gründen auf die Pflege und Unterstützung durch die erwachsenen</span><br/> <span class="ft1">Kinder mit Anwesenheitsrecht in der Schweiz angewiesen sind und</span><br/> <span class="ft1">weder im Herkunftsland noch in einem anderen Staat weitere nahe</span><br/> <span class="ft1">Verwandte diese Aufgabe übernehmen können.</span><br/> <span class="ft1">b) Im Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung für die</span><br/> <span class="ft1">Mutter des Beschwerdeführers wurde ausgeführt, diese sei verwitwet</span><br/> <span class="ft1">und lebe ganz allein im Kosovo. Es gäbe keine Verwandten oder</span><br/> <span class="ft1">Bekannten, die sich um sie kümmern könnten. Aus Altersgründen sei</span><br/> <span class="ft1">sie nicht mehr im Stande, für sich selber zu sorgen. Dem Schreiben</span><br/> <span class="ft1">des Zentrums für Soziale Angelegenheiten der Gemeinde, in der die</span><br/> <span class="ft1">Mutter lebe, sei zu entnehmen, dass dort keine Institutionen wie</span><br/> <span class="ft1">Alters- und Pflegeheime zwecks Versorgung von Alten und</span><br/> <span class="ft1">Schwachen vorhanden seien. Aus diesem Grund, würde der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer seine Mutter gerne zu sich in die Schweiz nehmen,</span><br/> <span class="ft1">um sich noch besser um sie kümmern zu können, nachdem er ja seit</span><br/> <span class="ft1">dem Tod ihres Ehemannes bereits finanziell für sie aufkomme. Als</span><br/> <span class="ft1">Nachweis, dass er seine Mutter finanziell unterstützt, reichte der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer eine behördlich beglaubigte Zeugenaussage zu</span><br/> <span class="ft1">den Akten. In der Einsprache wurde weiter geltend gemacht, dass die</span><br/> <span class="ft1">Mutter krank sei und sich kaum mehr selber versorgen könne. Da es</span><br/> <span class="ft1">im vom Krieg völlig zerstörten Kosovo keine Altersheime wie in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz gebe, vegetiere sie vor sich hin. Sie wäre dementsprechend</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">538</span></div> <div class="page" id="S17"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sehr auf Pflege angewiesen, welche von ihren in der Schweiz leben-</span><br/> <span class="ft1">den Kindern ohne weiteres gewährleistet werden könne.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz forderte den Beschwerdeführer mit Verfügung</span><br/> <span class="ft1">vom 8. November 1999 auf, einen ausführlichen Arztbericht, aus</span><br/> <span class="ft1">dem der Gesundheitszustand und der Umfang der Pflegebedürftigkeit</span><br/> <span class="ft1">der Mutter hervorgehe, beizubringen. Am 6. Dezember 1999 teilte</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer der Vorinstanz mit, der Arztbericht werde</span><br/> <span class="ft1">nachgereicht. Nachdem der Bericht bis am 3. Januar 2000 nicht ein-</span><br/> <span class="ft1">gegangen war, wies die Vorinstanz die Einsprache ab. Der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde vom 24. Januar 2000 wurde schliesslich ein nicht über-</span><br/> <span class="ft1">setztes ärztliches Zeugnis vom 25. November 1999 beigelegt. Zu</span><br/> <span class="ft1">diesem Zeugnis wurde ausgeführt, es bestätige, dass die Mutter des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers an grosser Altersschwäche leide und dringend</span><br/> <span class="ft1">auf Pflege und Betreuung angewiesen sei. Aus der nachgereichten</span><br/> <span class="ft1">Übersetzung des Arztzeugnisses geht allerdings entgegen den Dar-</span><br/> <span class="ft1">stellungen in der Beschwerde hervor, dass die Mutter des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers weder an einer chronischen noch an einer ansteckenden</span><br/> <span class="ft1">Krankheit leide. In seiner Eingabe vom 24. Juni 2002 gab der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer an, der Gesundheitszustand seiner Mutter habe sich</span><br/> <span class="ft1">in der Zwischenzeit nicht verändert. Der beigelegte "Spezialistenbe-</span><br/> <span class="ft1">richt" hat in etwa denselben Inhalt wie schon das Arztzeugnis vom</span><br/> <span class="ft1">25. November 1999. Damit ist jedoch die geltend gemachte grosse</span><br/> <span class="ft1">Altersschwäche beziehungsweise Pflegebedürftigkeit nicht erstellt.</span><br/> <span class="ft1">Den Akten sind keine weiteren Anzeichen zu entnehmen, die vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gend auf einen Härtefall im rechtlichen Sinne hindeuten würden.</span><br/> <span class="ft1">Zwar ist ohne Zweifel davon auszugehen, dass die betagte, auf sich</span><br/> <span class="ft1">allein gestellte Mutter des Beschwerdeführers im Kosovo kein einfa-</span><br/> <span class="ft1">ches Leben führt. Dies stellt jedoch keinen wichtigen Grund für die</span><br/> <span class="ft1">Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Art. 36 BVO dar.</span><br/> <span class="ft1">c) Unter diesen Umständen steht fest, dass im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft1">kein wichtiger Grund im Sinne von Art. 36 BVO vorliegt und der</span><br/> <span class="ft1">Mutter des Beschwerdeführers gestützt auf diese Bestimmung keine</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligung zu erteilen ist.</span><br/> <span class="ft1">10. a) Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Verweigerung</span><br/> <span class="ft1">der Aufenthaltsbewilligung an die betagte Mutter des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers vor Art. 8 EMRK standhält.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">539</span></div> <div class="page" id="S18"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Art. 8 Ziff. 1 EMRK garantiert den Schutz des Familienlebens.</span><br/> <span class="ft1">Darauf kann sich der Ausländer berufen, der nahe Verwandte mit</span><br/> <span class="ft1">einem gefestigten Anwesenheitsrecht in der Schweiz hat; wird ihm</span><br/> <span class="ft1">selber die Anwesenheit in der Schweiz untersagt, kann dies Art. 8</span><br/> <span class="ft1">EMRK verletzen. Die Annahme eines gefestigten Anwesenheits-</span><br/> <span class="ft1">rechts setzt mindestens einen festen Rechtsanspruch auf eine Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung voraus. Soweit im Übrigen eine familiäre Bezie-</span><br/> <span class="ft1">hung im beschriebenen Sinn tatsächlich gelebt wird und intakt ist,</span><br/> <span class="ft1">wird das der zuständigen Behörde durch Art. 4 ANAG grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">eingeräumte freie Ermessen eingeschränkt (BGE 122 II 289 E. 1c, S.</span><br/> <span class="ft1">292 f.). Grundsätzlich umfasst der Schutzbereich von Art. 8 EMRK</span><br/> <span class="ft1">neben der eigentlichen Kernfamilie (Beziehungen zwischen Ehegat-</span><br/> <span class="ft1">ten sowie zwischen Eltern und minderjährigen Kindern) insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere auch die Beziehung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern.</span><br/> <span class="ft1">In ausländerrechtlichen Fällen gewährleistet Art. 8 Ziff. 1 EMRK</span><br/> <span class="ft1">gemäss der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für</span><br/> <span class="ft1">Menschenrechte das Familienleben ausserhalb der Kernfamilie je-</span><br/> <span class="ft1">doch nur dann, wenn eine faktische Familieneinheit vorliegt, die</span><br/> <span class="ft1">zusätzliche Elemente einer Abhängigkeit aufweist, die über normale,</span><br/> <span class="ft1">gefühlsmässige Verbindungen hinausgehen (Luzius Wildhaber, In-</span><br/> <span class="ft1">ternationaler Kommentar zur Europäischen Menschenrechtskonven-</span><br/> <span class="ft1">tion, Art. 8 N 353 und 390 [Stand April 1992]). Ein solches Abhän-</span><br/> <span class="ft1">gigkeitsverhältnis liegt insbesondere dann vor, wenn eine Person</span><br/> <span class="ft1">unabhängig von ihrem Alter aufgrund einer körperlichen oder geisti-</span><br/> <span class="ft1">gen Behinderung oder schwerwiegenden Krankheit auf die Betreu-</span><br/> <span class="ft1">ung oder Pflege durch ihre Angehörigen angewiesen ist (Martina</span><br/> <span class="ft1">Caroni, Privat- und Familienleben zwischen Menschenrecht und</span><br/> <span class="ft1">Migration, Berlin 1999, S. 34 und S. 96 f.; BGE 120 Ib 257, E. 1e,</span><br/> <span class="ft1">S. 261 und BGE 115 Ib 1, E. 2d, S. 5 f.).</span><br/> <span class="ft1">b) Der Beschwerdeführer ist im Besitz der Niederlassungsbe-</span><br/> <span class="ft1">willigung und verfügt damit über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht.</span><br/> <span class="ft1">Die Beziehung zu seiner Mutter ist intakt und wird soweit als mög-</span><br/> <span class="ft1">lich gelebt. Dass die Mutter des Beschwerdeführer an einer schweren</span><br/> <span class="ft1">Krankheit leidet und deshalb auf die Pflege und Betreuung durch den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer angewiesen wäre, ist nicht erstellt. Hingegen ist</span><br/> <span class="ft1">sie vollkommen mittellos und daher von der finanziellen Unterstüt-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">540</span></div> <div class="page" id="S19"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zung ihres Sohnes abhängig. Die finanzielle Abhängigkeit stellt je-</span><br/> <span class="ft1">doch keine Abhängigkeit im Sinne von Art. 8 Ziff. 1 EMRK dar,</span><br/> <span class="ft1">weshalb sich die Mutter des Beschwerdeführers nicht auf den Schutz</span><br/> <span class="ft1">des Familienlebens berufen kann.</span><br/> <span class="ft1">11. Zusammenfassend ist festzustellen, dass weder die Voraus-</span><br/> <span class="ft1">setzungen von Art. 34 BVO noch diejenigen von Art. 36 BVO für die</span><br/> <span class="ft1">Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an die Mutter des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers erfüllt sind. Die Verweigerung des dauernden An-</span><br/> <span class="ft1">wesenheitsrechtes in der Schweiz hält ausserdem vor Art. 8 EMRK</span><br/> <span class="ft1">stand. Die Beschwerde ist damit abzuweisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>