B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-180/2012 U r t e i l v o m 8 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richterin Ruth Beutler, Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien K._______, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Verweigerung der Einreisebewilligung in Bezug auf S._______. C-180/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 27. September 2011 beantragte der aus Ägypten stammende S._______ (geb. 1980, im Folgenden: Gesuchsteller bzw. Eingeladener) bei der Schweizerischen Botschaft in Kairo ein Schengenvisum für einen 90-tägigen Besuchsaufenthalt bei der im Kanton Luzern wohnhaften Schweizer Bürgerin K._______ (im Folgenden: Gastgeberin bzw. B e- schwerdeführerin). B. Die schweizerische Vertretung in Kairo verweigerte am 28. September 2011 die Visumerteilung mit der Begründung, es bestünden berechtigte Zweifel an der bekundeten Absicht des Gesuchstellers, nach Ablauf des Visums den Schengenraum wieder fristgerecht zu verlassen. Gegen diesen Entscheid erhob d ie Gastgeberin am 20. Oktober 2011 beim Bundesamt für Migration (BFM) Einsprache. C. Nachdem die Migrationsbehörde des Kantons Luzern bei der Gastgeberin ergänzende Auskünfte eingeholt und an das BFM weitergeleitet hatte, wies die Vorinstanz die Einsprache am 7. Dezember 2011 ab. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, die ansta ndslose und fristgerechte Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt könne nicht als gesichert betrachtet werden. Der Gesuchsteller stamme aus einer Region, aus wel- cher aufgrund der aktuellen, äusserst angespannten politischen Lage s o- wie der schwierigen w irtschaftlichen Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderungsdruck fest zustellen sei. De r Eingeladene sei verheiratet sowie Vater von drei kleinen Kindern und betreibe gemäss den Gesuchs- unterlagen einen kleinen Natel -Shop. Inwiefern er damit den Lebensu n- terhalt für seine Familie vollumfänglich bestreiten könne, sei nicht belegt worden. D. Mit Rechtsmitteleingabe vom 10. Januar 2012 beantragt die Beschwerde- führerin beim Bundesverwaltungsgericht sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie die Erteilung des beantragten Besu- chervisums. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, sie kenne den Eingeladenen und seine Familie seit nunmehr acht Jahren von (F e- rien-)Besuchen in Ägypten her. Als Gastgeberin garantiere sie für die fristgerechte Wie derausreise ihres langjährigen Freundes, welcher mit C-180/2012 Seite 3 seinem Einkommen als Geschäftsinhaber seine Familie ernähren könne und eine eigene Wohnung besitze. Als Frau mit einer Behinderung sei es nicht einfach, einen negativen Entscheid zu verkraften, habe sie doch im Leben auf vieles verzichten müssen. E. In ihrer Vernehmlassung vom 6. März 2012 spricht sich die Vorinstanz für die Abweisung der Beschwerde aus. F. Mit Schreiben vom 13. März 2012 brachte das Bundesverwaltungsgericht der Beschwerdeführerin die Vernehmlassung der Vorinstanz zur Kenntnis und erklärte den Schriftenwechsel als abgeschlossen. G. In einer weiteren Eingabe vom 28. März 2012 weist die Beschwerdefü h- rerin ergänzend darauf hin, dass der Gesuchsteller eine vierjährige Au s- bildung in "Hotel und Touristik" absolviert habe und längst wieder in einem Hotel arbeiten würde, wenn sein Natel - und Reparaturgeschäft nicht g e- nügend Ertrag einbringen würde. Zur Bekräftigung der Vorbringen wurden entsprechende Unterlagen sowie ein Unterstützungsschreiben des offiziellen Garanten (vgl. Art. 7 der Ve r- ordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumertei lung [VEV, SR 142.204]) zu den Akten gereicht. H. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen n ach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG au f- geführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfü gungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengenvisums zu Be -C-180/2012 Seite 4 suchszwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bun - desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesge - richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich - tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be - schwerde berechtigt. Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be - schwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/43 E. 6.1 sowie BVGE 2011/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch eines ägyptischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen dreimonatigen Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich der Gesuchsteller nicht auf die EU/EFTA -Personenfreizügigkeitsabkommen berufe n kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwe n- dungsbereich der Schengen -Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen -Besitzstand und d ie dazugehörigen gemein - schaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsve r- ordnung gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen - Assoziierungsabkommen keine abweichenden Be stimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). C-180/2012 Seite 5 4. 4.1 Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der genannten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.2 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Ve rpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatliche n Befugnisse insoweit ein, als es einheitli - che Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitglie d- staaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Vi- sum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI/TOBIAS D. MEYER, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommen- tar zum Bundesgesetz über die Auslän derinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.3 Angehörige von Drittstaa ten dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsmonatszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, fal ls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengren - zen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittl änder, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti - gen Aufenthaltstitels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristi- gen Aufenthalt verfügen ( vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerte i- lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). C-180/2012 Seite 6 4.4 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen-Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33). Weiterhin dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informat i- onssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge schrieben sein und ke i- ne Gefahr für die öffentliche Ordnung, die in nere Sicherheit, die öffentl i- che Gesundheit oder die internationalen Bezie hungen eines Mitglie d- staats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.5 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist , das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; fer- ner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsge richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drit t- staatsangehörige Personen zu belegen, dass die Ge fahr einer rechtswid- rigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesi- cherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusamme n- hangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.6 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund intern a- tionaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt - staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset - zungen nicht e rfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschrän k-C-180/2012 Seite 7 ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Voraus- setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Die Vorinstanz verweigerte die Erteilung des beantragten Schenge n- visums mit der Begründung, die anstands lose und fristgerechte Wiede r- ausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 5.2 Wie oben erwähnt, unterliegt der Eingeladene als ägyptischer Staats- angehöriger der Vi sumspflicht (Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einre i- sevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesiche r- ten Wiederausreise im Vor dergrund, welche die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Lage im Heimatland sowie der persönlichen Verhältnisse des Gesuchstellers anzweifelt. Dazu lassen sich in der Regel keine gesiche r- ten Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämt- liche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.3 Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Her - kunftsland der Besu cherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesu - che von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit poli - tisch und/oder wirtschaft lich vergleichsweise ungünstigen Verhältni s- sen können darauf hindeu ten, dass die persönliche Interessenlage in solchen Fällen nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht. 5.4 5.4.1 Ende Januar und Anfang Februar 2011 kam es in Kairo und ande- ren Städten Ägyptens zu Demonstrationen und Zusammenstössen mit den Sicherheitskräften, die Verletzte und Todesopfer forderten. Am 11. Februar 2011 trat der ägyptische Präsident Hosni Mubarak zurück. Mitte Juni 2012 wurde mit Mohammed Mursi ein neuer Präsident gewählt. Die Lage beruhigte sich zeitweise, es bestehen aber weiterhin politische Spannungen, welche Mitte November 2012 wieder zunahmen, nachdem verschiedene politische Gruppierungen zu neuen Protestaktionen aufg e- rufen hatten. Ende Januar 2013 gab es in der Innenstadt von Kairo und in anderen Städten Ägyptens (insbes. Port Said, Suez und Ismailia) immer C-180/2012 Seite 8 wieder gewalttätige Ausschreitungen, worauf Präsident Mursi am 28. J a- nuar 2013 für diese Städte für 30 Tage den Notzustand und eine nächtl i- che Ausgangssperre ausrief (Quellen: Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten, im Internet unter: www.eda.admin.ch > Rei- sehinweise > Reiseziele > Ägypten, Stand 28. Januar 2013 ; Deutsches Auswärtiges Amt, im Internet unter: www.auswaertiges-amt.de > Reise - und Sich erheit > Länder A -Z > Ägypten > Reiseinformationen, Stand 8. März 2013; alle Seiten besucht im März 2013). 5.4.2 Grosse soziale Probleme, wie beispielsweise die hohe Arbeitslosig- keit, sind ungelöst. Die Arbeitslosenrate in Ägypten ist in den letzten Ja h- ren stetig angestiegen und belief sich 2011 auf rund 12%, wobei inoffiziel- le Quellen allerdings von einer höheren Arbeitslosigkeit von rund 20% ausgehen. 60% der ägyptischen Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt, 15% leben unter der Armutsgrenze von 2 Dollar am Tag. Eine der gröss- ten sozialen Herausforderungen für die ägyptische Regierung ist deshalb die Schaffung von genügend Arbeitsplätzen, um auch mit dem starken Bevölkerungswachstum von durchschnittlich 1.7% pro Jahr Schritt halten zu können (zu den wirtschaf tlichen Eckdaten allgemein vgl. Staatssekr e- tariat für Wirtschaft SECO, im Internet unter: www.seco.admin.ch > The- men > Aussenwirtschaft > Länderinformationen > Mittlerer Osten und A f- rika > Ägypten, Stand 28. November 2012, besucht im März 2013). 5.4.3 Aufgrund d er geschilderten Rahmenbedingungen be steht vielfach ein Wunsch zur Auswanderung, welcher sich besonders stark bei jüng e- ren Personen manifestiert. Ein im Ausland bereits bestehendes, minim a- les soziales Beziehungsnetz aus Verwandten oder Freunden ist zudem ein wichtiges Element, das den Entscheid auszuwandern erleichtern kann. Es gilt nach Möglichkeit zu verhindern, dass Gesuchsteller ihre A n- wesenheit in der Schweiz – entgegen ihrer ursprünglichen Absichtserklä- rung – dazu nutzen, ein Asylgesuch einzureichen o der die fristgerechte Wiederausreise auf andere Weise zu umgehen. 5.5 Bei der Risikoanalyse sind jedoch nicht nur solch allgemeine U m- stände und Erfahrungen, sondern auch, wie erwähnt, sämtliche Gesichts- punkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obl iegt ei ner g e- suchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine beson dere be- rufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann die ser Um- stand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederaus reise be- günstigen. Andererseits muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine b e- sonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein ausländerrecht lich C-180/2012 Seite 9 nicht regelkonformes Verhalten (nach bewilligter Ein reise zu einem B e- suchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Beim Gesuchsteller handelt es sich um einen mittlerweile 32-jährigen, verheirateten Mann und Vater von drei minderjährigen Kindern, welcher eine eigene Wohnung im Haus seiner (Gross -)Familie besitzen soll. Auf den ersten Blick könnte der Umstand, dass er für die Dauer des vorgese- henen Besuchsaufenthaltes in der Schweiz die Ehefrau sowie seine Ki n- der in der Heimat zurücklassen würde, durchaus für eine gewisse Ve r- wurzelung sprechen. Andererseits lässt die Tatsache, dass nicht bloss ein Aufenthalt in der Schweiz von einigen Wochen, sondern g leich von drei Monaten angestrebt wird, nicht ohne weiteres darauf schliessen, die Pr ä- senz des Gesuchstellers sei für die Belange seiner Familie unverzichtbar; aufgrund der Aktenlage ist eher davon auszugehen, die von ihm geleist e- te Unterstützung und Betre uung seiner minderjährigen Kinder könne durchaus für längere Zeit auch durch die Mutter der Kinder sowie die ü b- rigen Familienangehörigen sichergestellt werden. Im Übrigen zeigt die Er- fahrung, dass zurückbleibende nahe Angehörige gerade in Situationen angespannter politischer bzw. wirtschaftlicher Verhältnisse regelmässig nicht verlässlich davon abhalten können, den Entschluss für eine Emigr a- tion zu fällen; sei dies etwa in der Hoffnung, die Zurückgebliebenen aus dem Ausland wirtschaftlich effizienter unters tützen oder später allenfalls gar nachziehen zu können. Dass der Zuwanderungsdruck von Personen aus Ägypten in grossem Ausmass anhält, wurde bereits erwähnt und von der Beschwerdeführerin denn auch nicht in Frage gestellt. 6.2 Auch die wirtschaftlichen Verhält nisse bieten keine besondere G e- währ für eine Wiederausreise. Im Visumsantrag gab der Gesuchsteller hinsichtlich der beruflichen Tätigkeit an, er sei Inhaber eines Mobiltelefon- Geschäfts. Auf Beschwerdeebene wird ausgeführt, der Eingeladene habe nach seiner vierjährigen Ausbildung im Hotelfach vorerst als Kellner in e i- nem Touristenhotel in Sharm El-Sheikh gearbeitet, bevor er sich ein eig e- nes Natel-Geschäft, das auch Reparaturen ausführe, aufgebaut habe. Im Rahmen der Prüfung des Visumsgesuches hielt die mit den Verhältnissen vor Ort gut vertraute Schweizervertretung in Kairo gegenüber der Vori n- stanz fest, bei solchen Geschäften handle es sich in der Regel um kios k- ähnliche Kleinläden, die kaum rentieren würden. Zudem hätten wegen der schlechten Wirtschaftslage und dem Wegbleiben von Touristen au f- grund der gegenwärtigen schwierigen politischen Situation in Ägypten viele solcher Läden in letzter Zeit schliessen müssen. Die Vorinstanz hat C-180/2012 Seite 10 denn auch darauf hingewiesen, in casu sei nicht rechtsgenügli ch belegt worden, inwiefern der Eingeladene mit seinem Geschäftsbetrieb d en Le- bensunterhalt für seine Familie vollumfänglich bestreiten könne . Darüber hinaus zeigt die Erfahrung ganz allgemein, dass aufgrund des grossen Lohngefälles zwischen der Schweiz un d Ägypten selbst ein für einheim i- sche Verhältnisse gutes Erwerbseinkommen nicht nachhaltig davon a b- halten k önnte, das Heimatland dauerhaft zu verlassen. Im vorliegenden Fall lässt jedoch bereits der Umstand, dass der Gesuchsteller unbeachtet der behaupteten beruflichen Verpflichtungen die maximal zulässige Au f- enthaltsdauer von drei Monaten voll ausschöpfen möchte, nicht auf eine starke Verwurzelung im Berufsleben schliessen , welche ihn verlässlich von einer Emigration abzuhalten vermöchte. Vor diesem Hinter grund müssen die Beteuerungen auf Beschwerdeebene, wonach genügend Ga- rantien für eine fristgerechte Wiederausreise vorhanden seien, als nicht ausschlaggebend bezeichnet werden. Dies umso weniger, als die von der Schweizervertretung geäusserten Zweifel am A ufenthaltszweck, die vo n der B eschwerdeführerin im Verlaufe des Verfahrens nicht ausgeräumt werden konnten, als durchaus begründet erscheinen. 6.3 Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund konnte die Vori n- stanz demnach willkürfrei davon ausgehen, dass k eine hinreichende Ge- währ für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise des Einge- ladenen nach einem Besuchsaufenthalt besteht. Zwar lässt sich diese Prognose nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten; sie genügt indessen, um die Erteilung einer Einreisebewilligung, auf welche – entge- gen der Ansicht der Beschwerdeführerin – ohnehin kein Rechtsanspruch besteht, abzulehnen. An dieser Risikoeinschätzung vermag auch der Hinweis auf die von der Beschwerdeführerin als Gastgeberin verlangten Unterlagen, Erklärungen und Garantien nichts zu ändern, zumal diese zwar eine wesentliche, aber nicht die einzige Voraussetzung für die Visum serteilung dar stellen. Bei fehlenden finanziellen Garantien wäre allerdings das Einreisebegehren allein schon aus diesem Grunde abzulehnen, weshalb sich eine Überprü- fung dieser Garantien im Rahmen des formellen Verfahrens weder als willkürlich noch als überflüssig erweist. Zu betonen gilt es jedoch, dass die Integrität der Beschwerdeführerin in ihrer Eigenschaft als Gastgeberin nicht in Zweifel gezogen wird , ihre Zusicherung betreffend fristgerechter Rückkehr des Gastes jedoch nicht entscheidend sein kann. Bei der A b- wägung des Risikos einer nicht fristgerechten Wiederausreise sind nä m- lich nicht so sehr die Einstellung und die Absichten der Gastgeberin, son-C-180/2012 Seite 11 dern in erster Linie das mögliche Verhalten des Gastes selbst von Bedeu- tung. Nur Letzterer ist in der Lage, hinreichend Gewähr für eine fristg e- rechte und anstandslose Wiederausreise zu bieten. Die Gastgeberin kann – wie dies in casu mit der Unterzeichnung einer Verpflichtungserklärung geschehen ist – zwar für gewisse finanzielle Risiken (Lebensunterhalt s- kosten während des Besuchsaufenthaltes, allfällige Kosten für Unfall und Krankheit sowie Rückreisekosten) Garantie leisten, n icht aber – mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit – für ein bestimmtes Verhalten des Gastes (vgl. in diesem Zusammenhang BVGE 2009/27 E. 9). Der (durchaus verständliche) Wunsch der Beschwerdeführerin , sich bei ihrem langjährigen Freund für d ie ihr während ihrer (zahlreichen) Ferien- bzw. Kuraufenthalte in Ägypten erwiesene Gastfreundschaft zu reva n- chieren und ihm ihr Lebensumfeld in der Schweiz zeigen zu können, hat demnach in den Hintergrund zu treten. Auch die weiteren Ausführungen auf Besc hwerdeebene sind nicht geeignet, zu einer von der Vorinstanz rechtlich abweichenden Würdigung zu gelangen. Den Beteiligten ist z u- zumuten, ihre freundschaftliche Beziehung vorderhand anderweitig zu pflegen; dies umso mehr, als die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge mehrmals pro Jahr nach Ägypten reist. Die Visumsverweigerung erscheint unter besagtem Gesichtspunkt daher auch nicht als unverhäl t- nismässig. 6.4 Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit (vgl. E. 4. 6 hievor) wurden von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 6.5 Der Vollständigkeit halber bleibt schliesslich festzustellen, dass nicht nur die Vorinstanz sowie die Schweizervertretung in Kairo , sondern auch die kantonale Migratio nsbehörde bei der Entgegennahme und Behan d- lung des vorliegenden Einreisegesuches entsprechend der geltenden Zu- ständigkeitsvorschriften und Weisungen gehandelt haben. Inwiefern die Beschwerdeführerin namentlich durch entsprechende Fragen der Migrati- onsbehörden zu ihren finanziellen Verhältnissen als Gastgeberin in ihren Rechten verletzt sein sollte, ist nicht ersichtlich . Aus den Akten ergeben sich jedenfalls keine Hinweise, wonach die Beschwerdeführerin im Rah- men des vorinstanzlichen Verfahrens nicht korrek t behandelt worden w ä- re. 7. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung C-180/2012 Seite 12 im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wird d ie unterliegende Be- schwerdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahren s- kosten sind auf Fr. 700.- festzusetzen (Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dispositiv nächste Seite C-180/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.- werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Sie werden mit dem am 23. Januar 2012 geleisteten Kostenvo r- schuss gleicher Höhe verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. ZEMIS […] zurück) – das Amt für Migration des Kantons Luzern (ad LU […]) Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand: