Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 30. August 2017 (810 17 69) ____________________________________________________________________ Submission Vergabeverfahren Ersatz Wasserleitung / freiwillige Wahl für ein höherstufigeres Verfah- ren / abweichender Vergütungsmodus als Unternehmervariante Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret , Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ GmbH, Beschwerdeführerin gegen Stadt B.____ , Beschwerdegegnerin C.____ AG , Beigeladene Betreff Vergabeverfahren Ersatz Wasserleitung D.___ _, Baumeisterarbeiten (Entscheid der Stadt B.____ vom 13. März 2017) A. Die Stadt B.____ lud zwei Firmen zur Offertstell ung für die Baumeisterarbeiten (BKP [Baukostenplan] 211) für das Bauobjekt “Ersatz Wass erleitung D.____“ ein. In den Ausschrei- bungsunterlagen (Ziff. 1.4) wurde der Nettopreis al s Zuschlagskriterium mit 100% gewichtet. Des Weiteren wurde in Ziff. 5.9 der Ausschreibungsu nterlagen festgehalten, dass Unterneh- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht mervarianten zulässig seien, sofern sie unter anderem mi t vollständigen und prüfbaren Leis- tungsverzeichnissen und Beilagen eingereicht würden. Gemä ss Offertöffnungsprotokoll vom 23. Februar 2017 reichte die C.____ AG eine Offerte in der Höhe von Fr. 116‘125.15 sowie als Variante eine Pauschalofferte in der Höhe von Fr. 100‘000.-- ein, die A.____ GmbH eine Offerte in der Höhe von Fr. 107‘827.45 sowie als Variante ein e Pauschalofferte in der Höhe von Fr. 102‘600.--. B. Mit Schreiben vom 20. März 2017 teilte die Stadt B. ____ der A.____ GmbH mit, dass der Stadtrat B.____ an seiner Sitzung vom 13. März 2 017 die Arbeiten der C.____ AG zum Preis von pauschal Fr. 100‘000.-- vergeben habe. C. Gegen diesen Zuschlagsentscheid erhob die A.____ Gmb H mit Eingabe vom 22. März 2017 beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und V erwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des Z uschlagsentscheids. Sie führte aus, dass gemäss Ziff. 5.9 der Devisvorbemerkungen Unterneh mervarianten nur gültig seien, wenn die aufgelisteten Bedingungen erfüllt seien. Da s Beschwerde verfassende Mitglied der Geschäftsleitung E.____ sei selber bei der Offertöffnung anwesend gewesen. Er habe gesehen, dass die C.____ AG lediglich ein Couvert abgegeben hab e. Dieses habe das Angebot gemäss den Ausschreibungsunterlagen inkl. Beilagen enthalten. Diesem Angebot sei nur ein Blatt als “Unternehmervariante“ angeheftet gewesen, auf welchem lediglich ein Angebotspreis von Fr. 100‘000.-- inkl. MWST gestanden habe. Diese “Unte rnehmervariante“ sei ohne Leistungs- verzeichnis oder sonstige Beilagen eingereicht worden. Es sei weder ein zweites Dossier mit sämtlichen Unterlagen und Leistungsverzeichnissen erstellt noch ausgewiesen worden, was diese Unternehmervariante beinhalte. F.____, Leiter d er Abteilung Bau und Planung der Stadt B.____, habe bei der Angebotsöffnung den Kommentar abgegeben, abklären zu müssen, was dieses Angebot überhaupt enthalte. Die A.____ GmbH ha be ebenfalls eine zusätzliche Unter- nehmervariante eingereicht. Diese habe sie jedoch mit se paratem Dossier und mit allen gefor- derten Beilagen inkl. Leistungsverzeichnis für eine objekt ive und aussagekräftige Bewertung eingereicht. Die A.____ GmbH erachte die Unternehme rvariante der C.____ AG als unvollstän- dig, weshalb sie aus dem Verfahren hätte ausgeschlossen werden müssen. Die Stadt B.____ beantragte in ihrer Stellungnahme vom 8. Mai 2017 die Abweisung der Be- schwerde unter o/e-Kostenfolge. Sie führte aus, dass die bestrittene Pauschalofferte vollständig sei; unter anderem seien die Leistungen, welche die P auschalofferte beinhalte, mit der Be- zeichnung “Leistungen gemäss Hauptofferte“ klar und eind eutig umschrieben. Die beigeladene C.____ AG hat sich nicht vernehmen lassen. D. Mit präsidialer Verfügung vom 18. Mai 2017 wurde der Fall der Kammer zur Beurtei- lung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 30 des Gesetzes über öffentliche Beschaffung en (BeG) vom 3. Juni 1999 in Verbindung mit § 31 lit. f BeG sowie § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht waltungsprozessordnung (Verwaltungsprozessordnung, VPO) vom 16. Dezember 1993 kann gegen den Zuschlag innerhalb von 10 Tagen nach Eröffn ung des Zuschlags Beschwerde beim Kantonsgericht erhoben werden. Soweit das BeG nichts and eres vorsieht, richtet sich das Ver- fahren nach der VPO (§ 30 Abs. 5 BeG). Das Gericht wen det dabei das Recht von Amtes we- gen an. Es prüft insbesondere, ob die Eintretensvorau ssetzungen erfüllt sind (§ 16 Abs. 2 VPO). 2.1. Nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde befug t, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat. Diese Voraussetzunge n müssen kumulativ erfüllt sein. Er- forderlich ist somit neben der formellen Beschwer (Teiln ahme am Verfahren vor der Vorinstanz bzw. keine Möglichkeit zur Teilnahme) zusätzlich eine mat erielle Beschwer in der Form eines besonderen Berührtseins sowie eines aktuellen Interesses an der Beschwerdeführung. Letzte- res besteht im praktischen Nutzen, der sich ergibt, wenn ein Beschwerdeführer mit seinem An- liegen obsiegt und dadurch seine tatsächliche oder rechtl iche Situation unmittelbar beeinflusst werden kann (Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verf assungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 18. Dezember 2013 [810 12 167] E. 1.2; vgl. auch BGE 140 II 214 E. 2.1; A LFRED KÖLZ /ISABELLE HÄNER /MARTIN BERTSCHI , Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, Rz 940 ff.). 2.2 Die materielle Beschwer der beim Vergabeverfahren nicht berücksichtigten oder vom Verfahren ausgeschlossenen Anbietenden ist praxisgemäss dann gegeben, wenn diese bei Gutheissung ihrer Beschwerde eine realistische Chance hab en, mit dem eigenen Angebot zum Zug zu kommen, oder wenn die Gutheissung der Beschwerd e zu einer Wiederholung des Sub- missionsverfahrens führt, in dem sie ein neues Angebot ein reichen können; andernfalls fehlt ihnen das schutzwürdige Interesse an der Beschwerdeführu ng (BGE 141 II 14 E. 4; KGE VV vom 27. April 2016 [810 15 252] E. 2.1 ff.; vom 9. Mä rz 2016 [810 15 295] E. 2; vom 28. Okto- ber 2015 [810 15 49/52] E. 2.5; vom 21. Januar 2015 [810 14 314] E. 2). 2.3. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die von der Beigeladenen eingereichte Varian- te sei nicht vollständig, so dass diese nicht hätte berü cksichtigt werden dürfen. Der Offertpreis war das einzige Zuschlagskriterium. Sollte die Unternehme rvariante der Beigeladenen infolge Unvollständigkeit unzulässig sein, so hätte die Beschwerdef ührerin als einzige weitere Offeren- tin eine reelle Chance, den Zuschlag zu erhalten oder gerichtliche Anordnungen zu erwirken, welche zur Zuschlagserteilung an sie führen könnten. Ihre Legitimation ist demzufolge gegeben. Die Stadt B.____ hat der Beschwerdeführerin mit Schrei ben vom 20. März 2017 eröffnet, dass der Stadtrat an seiner Sitzung vom 13. März 2017 die Arbeiten der Beigeladenen vergeben ha- be. Die Beschwerdeführerin hat mit Eingabe vom 22. Mä rz 2017 den Vergabeentscheid beim Kantonsgericht angefochten. Damit hat sie auch die Recht smittelfrist eingehalten. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen nach §§ 43 ff. VPO e rfüllt sind, ist auf die Beschwerde ein- zutreten. 3. Die Kognition des Kantonsgerichts ist gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO grundsätz- lich auf Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Ermessens sowie unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts beschränkt. Die Unangemessenheit kann nach § 45 Abs. 1 lit. c und § 45 Abs. 2 VPO nur in hier nicht inte- ressierenden Ausnahmefällen überprüft werden. 4.1. Gemäss § 16 Abs. 2 VPO wendet das Gericht das Recht von Amtes wegen an. Der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen bedeutet unter anderem, dass das Gericht nicht an die rechtlichen Begründungen der Begehren de r Parteien gebunden ist. Es kann die Beschwerde aus anderen als den von den Beschwerdeführe rn geltend gemachten Gründen gutheissen (R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /DENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, Rz 1004). 4.2.1. Die Stadt B.____ erklärt in den Ausschreibungsunt erlagen (S. 1 und 3), dass sie für die Vergabe der Baumeisterarbeiten für den Ersatz der Wass erleitungen ein Einladungsverfahren durchführe. Im Stadtratsprotokoll Nr. 2/2017 vom 16. Januar 2017 wird ausgeführt, die Wasser- leitung in der D.____ sei diejenige mit den meisten Brüchen in den letzten Jahren, weshalb sie im Frühjahr 2017 ersetzt werden solle. Der Ersatz sei im Investitionsplan 2017 mit Fr. 150‘000.-- enthalten. Weiter ist im genannten Stadtratsprotokoll zu lesen, dass für die Baumeisterarbeiten (Summe ca. Fr. 80‘000.--) die C.____ AG, B.____, sowi e die A.____ GmbH, B.____, eingela- den werden sollen. 4.2.2. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach den in § 7 der Verordnung zum Beschaf- fungsgesetz (BeV) vom 25. Januar 2000 festgelegten Schwe llenwerten (siehe auch § 13 BeG). Nach § 7 Abs. 1 BeV ist das Einladungsverfahren bei Au fträgen im Bauhauptgewerbe (Hoch- und Tiefbau) bis Fr. 500‘000.-- und bei Aufträgen im Baunebengewerbe bis Fr. 250‘000.-- zu- lässig. Das freihändige Verfahren ist bei Aufträgen im Bauhauptgewerbe (Hoch- und Tiefbau) bis Fr. 300‘000.-- und bei Aufträgen im Baunebengewerbe bis Fr. 150‘000.-- zulässig. Nach § 7 Abs. 2 BeV ist das Einladungsverfahren auch im Anwendung sbereich des freihändigen Verfah- rens zulässig. § 8 BeV, welches das Einladungsverfahren regelt, statuiert, dass – sofern es ge- nügend geeignete Anbieterinnen und Anbieter gibt – die Mindestzahl der Aufforderungen zur Einreichung von Angeboten im Einladungsverfahren bei einem Auftragswert bis Fr. 100'000 drei Einladungen, bei einem Auftragswert bis Fr. 250'000 f ünf Einladungen und bei einem Auftrags- wert bis Fr. 500'000 (nur im Bauhauptgewerbe möglich) sieben Einladungen beträgt (§ 8 Abs. 1 lit. a und b BeV). In der Regel ist mindestens eine a uswärtige Anbieterin oder ein auswärtiger Anbieter zur Angebotsabgabe einzuladen (Abs.2). Die Sc hwellenwerte verstehen sich immer exklusive Mehrwertsteuer (ABC des Beschaffungswesens im Kant on Basel-Landschaft, Liestal 2006, Ziff. 5.1). 4.2.3. Die eingereichten Offerten sahen einen Offertp reis von Fr. 100‘000.-- bis rund Fr. 116‘000.-- (jeweils inkl. MWST) vor. Im vorliegend en Fall hätte die Stadt B.____ damit die Baumeisterarbeiten freihändig vergeben dürfen. Sie h at aber freiwillig das höherrangigere Ein- ladungsverfahren gewählt und unbestrittenermassen für die Baumeisterarbeiten lediglich zwei Firmen angeschrieben. Entscheidet sich eine Behörde frei willig für ein höherstufigeres Verfah- ren als gesetzlich zwingend vorgesehen, so hat sie sich au s Gründen der Rechtssicherheit je- doch vollumfänglich den Bestimmungen des gewählten Ver fahrens zu unterziehen (KGE VV Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 25. August 2004 [810 04 60] E. 2.a; ABC des Beschaffungswesens im Kanton Basel-Land- schaft, a.a.O., Ziff. 5.2.1; vgl. dazu auch P ETER GALLI /A NDRÉ MOSER /ELISABETH LANG /M ARC STEINER , Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, Zürich/Basel/Genf 2013, Rz 321 f.). 4.2.4. Da die Stadt B.____ – obwohl es für die verlan gten Baumeisterarbeiten genügend ge- eignete Anbieterinnen und Anbieter gibt – nur zwei st att drei bzw. fünf Anbieterinnen und zudem keinen auswärtigen Anbieter eingeladen hat, hat sie el ementare Bestimmungen des Einla- dungsverfahrens verletzt. Die Beschwerde ist demzufolge gu tzuheissen und der Zuschlagsent- scheid aufzuheben. Da sich die Beschwerdegegnerin vorgängi g für das Einladungsverfahren entschieden hat, bleibt sie nun auch nach Aufhebung d es Zuschlagsentscheids durch das Ge- richt bezüglich dieser Baumeisterarbeiten an die Wahl des Einladungsverfahrensverfahrens gebunden und darf diese Arbeiten nicht freihändig vergeben. Die Stadt B.____ hat somit bezüg- lich der Baumeisterarbeiten erneut ein Einladungsverfahren durchzuführen unter Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen. Dabei hat sie sowohl die Besch werdeführerin als auch die Beige- ladene zur Einreichung von Offerten aufzufordern. Des Weiteren hat sie zu berücksichtigen, dass bei den eingereichten Offerten die Offertsummen ohne MWST zwischen Fr. 92‘592.60 und Fr. 107‘523.30 liegen. Da die Vergabestelle bei der Schätzung der mutmasslichen Auftrags- summe nicht zu knapp kalkulieren darf und sie damit vorl iegend von einem Auftragsvolumen von mehr als Fr. 100‘000.-- ausgehen musste, hat die St adt B.____ bei der Wiederholung des Einladungsverfahrens nach § 8 Abs. 1 lit. b BeV wohl fü nf Unternehmen zur Einreichung einer Offerte aufzufordern und dabei zu beachten, dass nach § 8 Abs. 2 BeV in der Regel mindestens eines davon ein auswärtiger Anbieter zu sein hat (zur Sch ätzung der mutmasslichen Auftrags- summe siehe GALLI /MOSER /LANG /STEINER , a.a.O., Rz 327 ff.). Bei diesem Ausgang des Verfah- rens können die weiteren sich in diesem Verfahren stell enden Fragen offen bleiben. Da jedoch das Einladungsverfahren neu durchgeführt werden muss, re chtfertigt es sich, auf zwei weitere Punkte hinzuweisen. 5.1. Wie soeben ausgeführt, hat die Beschwerdegegneri n das Einladungsverfahren unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zu wiederhole n. Ziff. 5.9 der Ausschreibungsunter- lagen erklärt, dass Unternehmervarianten nur zulässig sin d, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: “- die angebotenen Leistungen und Produkte sind nachw eisbar den Ausgeschriebenen gleichwertig. - die Variante wird mit vollständigen und prüfbaren Leistungsverzeichnissen und Beilagen eingereicht. (Mengenberechnung, Dimensionierungsangaben, Ausführungsbedingungen des Anbietenden). - das offizielle Angebote wird zusätzlich vollständig u nd unverändert, versehen mit allen erforderlichen Beilagen eingereicht. - eine nachweisbar praktische Erfahrung für die Varian te liegt vor. - die Variante gewährleistet hinsichtlich Nutzung, Sich erheit, Gebrauchstauglichkeit und Nachhaltigkeit ein qualitativ gleichwertiges Bauwerk, wie im Leistungsverzeichnis beschrieben.“ 5.2. Die Beigeladene reichte als Variante ein Blatt e in, auf welchem sie festhielt, dass sie die Leistungen gemäss Hauptofferte anbiete zu einem Pa uschalpreis von Fr. 92‘592.60 zuzüg- lich Fr. 7‘407.40 (MWST), was zu einem Total von net to Fr. 100‘000.-- führte. Die Beschwerde- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht führerin reichte zwei vollständige Offerten ein. Die al s Variante gekennzeichnete Offerte war bezüglich des ausgefüllten Leistungsverzeichnisses identisch mit der Hauptofferte. Sie gewähr- te auf den Preis gemäss Hauptofferte de facto nochmals e inen Rabatt und reduzierte den Preis gemäss Hauptofferte von Fr. 107‘827.45 auf Fr. 102‘600.-- und offerierte die Arbeiten zum letzt- genannten Preis pauschal. 5.3. Den Anbietern steht es grundsätzlich frei, neben e inem Angebot, das den Ausschrei- bungsunterlagen entspricht, eine Variante einzureichen . Dass Varianten zulässig sein müssen, ergibt sich bereits aus dem Gebot des wirtschaftlichen Ein satzes öffentlicher Mittel. Der Verga- bebehörde können aufgrund von Varianten bisher nicht er kannte Realisierungsmöglichkeiten bekannt gemacht werden, die kostensparender oder techn isch ausgereifter sind als der eigene Amtsvorschlag. So statuiert § 22 Abs. 1 BeV, dass die Ei ngabe von Varianten zulässig ist, an- derslautende Bestimmungen in den Ausschreibungsunterlage n jedoch vorbehalten bleiben. Vorliegend wurden Unternehmervarianten in Ziff. 5.9 der Ausschreibungsunterlagen ausdrück- lich für zulässig erklärt. 5.4. Es stellt sich aber die Frage, ob auch ein von den Ausschreibungsunterlagen abwei- chender Vergütungsmodus, insbesondere ein Pauschalpreis zu sätzlich zum Grundangebot, nach Einheitspreisen überhaupt eine Unternehmervarian te ist und ob diese zulässig ist. Auf Bundesebene wurde die Frage mit Inkrafttreten von Art . 22a der Verordnung über das öffentli- che Beschaffungswesen (VöB) vom 11. Dezember 1995 am 1. Ja nuar 2010 ausdrücklich da- hingehend beantwortet, dass unterschiedliche Preisarten n icht als Varianten gelten (Art. 22a Abs. 2 Satz 2 VöB). Im erläuternden Bericht des eidgen össischen Finanzdepartements vom 1. Januar 2010 wurde dazu ausgeführt, eine Variante m üsse immer auch eine leistungsbezo- gene, inhaltliche Abweichung von den Ausschreibungsbedi ngungen enthalten. Eine andere Preisart stelle daher keine Variante dar, sondern sei a ls ausschreibungswidriges Angebot zu qualifizieren (erläuternder Bericht zur Änderung der V erordnung über das öffentliche Beschaf- fungswesen [VöB] vom 1. Januar 2010, S. 15, publizie rt auf www.efd.admin.ch; G ALLI /M OSER / LANG /STEINER , a.a.O., Rz 768; M ARTIN BEYELER , Der Geltungsanspruch des Vergaberechts, Zürich 2012, Rz 2022). In diese Richtung deutet die Te ndenz auch auf kantonaler Ebene (vgl. etwa Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Z ürich [VB.2012.00176] vom 5. Oktober 2012 E. 6.1 mit weiteren Hinweisen; M ARTIN BEYELER , Anmerkung 2.b zum Zwi- schenentscheid des Bundesverwaltungsgerichts B-2675/2012 vom 23. Juli 2012, in: Baurecht [BR] 2013, S. 36, Nr. 12 mit weiteren Hinweisen; D ANIELA LUTZ , Varianten – Chance oder schwer kalkulierbares Risiko?, in: Zufferey/Stöckli [Hrsg.] , Aktuelles Vergaberecht 2012, Zürich 2012, S. 325 ff., Rz 21 und Rz 42). 5.5. So hat z.B. das Verwaltungsgericht des Kantons Zür ich in einem Urteil ausgeführt, es werde insbesondere als problematisch erachtet, dass die Preisbestimmung bei den verschiede- nen Preisarten nach ganz anderen Grundsätzen erfolge. P auschal- und Einheitspreisangebote seien damit nicht oder höchstens bedingt miteinander ve rgleichbar. Weiche beispielsweise die im Leistungsverzeichnis zu den einzelnen Leistungen angeno mmene Menge von der für die geschuldete Einheitspreisvergütung massgeblichen tatsäch lichen Menge ab, so könne ein hö- heres Einheitspreisangebot preislich günstiger sein als ein tieferes Pauschalangebot. Umge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht kehrt könne ein höherer Pauschalpreis günstiger sein al s ein Angebot mit Einheitspreisen und zusätzlich separat zu entschädigenden Regiearbeiten. Unter schiedliche Vergütungsarten könn- ten folglich nur zugelassen werden, wenn die notwendi gen Rahmenbedingungen festgelegt word en sind, um die Vergleichbarkeit der Angebote zu gewä hrleisten (Verwaltungsgericht des Kan- tons Zürich [VB.2012.00176] vom 5. Oktober 2012 E. 6.1). Preis-, Vergütungs- und weitere der- artige Varianten sollten höchstens dann zugelassen sein , wenn die Vergabestelle dies transpa- rent angekündigt habe (MARTIN BEYELER , Anmerkung 2.b zum Zwischenentscheid des Bundes- verwaltungsgerichts B-2675/2012 vom 23. Juli 2012, a.a.O.). 5.6. Daniela Lutz führt in ihrem Artikel “Varianten - Chance oder schwer kalkulierbares Risi- ko?“ aus, dass eine Vergütungsart, welche von den Bedingungen der Ausschreibung abweiche, gemäss einigen kantonalen Entscheiden nicht eine Varian te, sondern ein ausschreibungswidri- ges Angebot darstelle. Sie führt weiter aus, dass vom Ge setzgeber eindeutig geregelt werden sollte, ob es sich (begrifflich) bei unterschiedlichen Pr eisarten um Varianten handle oder nicht. Es müsse Vergabestellen aber in jedem Fall zugestanden bleiben, unterschiedliche Preismodel- le bewusst zuzulassen oder sogar anzuregen (einfach nicht unter dem Titel “Variante“). Aber bereits unter geltendem Recht sei den Ausschreibenden zu raten, in den Ausschreibungsunter- lagen klare Regeln zu definieren. Dies gelte für die Z ulässigkeit oder das Verbot von alternati- ven Preismodellen (Einheitspreise, Pauschalen, Kostendächer; separat oder nur in Kombination mit Projekt- oder Ausführungsvarianten) ebenso wie für weitere finanzielle Rahmenbedingun- gen wie Zahlungspläne, Skonti o.ä. Vergabestellen hätt en sich deshalb zusammen mit ihren Planern im Vorfeld ein sorgfältiges Bild über (sinnvo lle) Preismodelle, besondere Fähigkeiten und Möglichkeiten der Anbieter in Finanzierungsthemen ( etwa bei funktionalen Ausschreibun- gen mit Steuerungsmöglichkeiten des Liquiditätsflusses) zu verschaffen und sich früh Gedan- ken über die Vergleichbarkeit und die Bewertung zu ma chen. Entsprechende Preisbewer- tungsmodelle seien anspruchsvoll (DANIELA LUTZ , Varianten – Chance oder schwer kalkulierba- res Risiko?, a.a.O., S. 325 ff., Rz. 21 und N. 42). In einem weiteren Artikel hält Daniela Lutz fest, da ss Unternehmer als Variante zum Amtsvor- schlag mit Einheitspreisen häufig eine Pauschale offeri eren würden, die gegenüber dem auf- grund des Leistungsverzeichnisses ermittelten Gesamtwerkpreis in aller Regel einen substanti- ellen Minderpreis enthalte. Sofern die Vergabestelle alternative Vergütungsvarianten in den Bedingungen zur Ausschreibung nicht ausdrücklich zulasse, w ürden diese nach Bundesrecht sowie nach der überwiegenden Praxis der Kantone nicht als Unternehmervarianten gelten, sondern seien ausschreibungswidrig. Häufig würden indes P auschalen effektiv den Interessen beider Parteien dienen – das aufwändige Ausmessen könne unterbleiben und es bestehe im Grundsatz Preissicherheit. Abgesehen von den Schwierigkeit en der Vergleichbarkeit entspre- chender Angebote in der Offertauswertung komme es alle rdings nicht selten vor, dass eine Vergabestelle in diesem Fall keinen “angemessenen Preis“ mehr bezahle, dann nämlich, wenn die Spekulation eines Anbieters aufgehe, der erkannt h abe, dass das Leistungsverzeichnis grosse Ausmassreserven enthalten habe, die der Bauherr be i Vergütung nach Ausmass nicht hätte zahlen müssen (DANIELA LUTZ , Angebotspreis: Kalkulationsfreiheit und die Schran ken, in: Zufferey/Stöckli [Hrsg.], Aktuelles Vergaberecht, Zürich 2014, S. 281 ff., Rz. 22). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7. Vorliegend wurden Varianten gemäss Ziff. 5.9 der Ausschreibungsunterlagen zugelas- sen. Die Beschreibung der Bedingungen, welche die Var ianten einzuhalten hatten, zeigt klar, dass damit inhaltliche Abweichungen von den Ausschreibungsbedingungen gemeint waren und nicht unterschiedliche Preisarten. Der Kanton Basel-Lan dschaft kennt keine gesetzliche Rege- lung, welche besagt, dass unterschiedliche Preisarten nich t als Varianten gelten würden. Das Kantonsgericht schliesst sich jedoch der Rechtsprechung der Mehrheit der kantonalen Gerichte an, dass unterschiedliche Preisvarianten grundsätzlich unzulässig sind, sofern die Vergabestel- le dies nicht ausdrücklich zulässt und die notwendigen Rahm enbedingungen festgelegt worden sind, um die Vergleichbarkeit der Angebote zu gewährl eisten. Diese Bedingungen sind wohl in der vorliegenden Ausschreibung nicht gewährleistet. Die Beschwerdegegnerin wird dies bei der allfälligen Neuformulierung der Ausschreibungsunterlagen bzw. bei der Bewertung der alsdann neu eingegangenen Offerten zu berücksichtigen haben. 5.8 Da der Zuschlag an die Beigeladene bereits aufgr und der Verletzung der Bestimmun- gen über das Einladungsverfahren aufgehoben werden mu ss, kann auch die Frage, ob und inwieweit die Beigeladene – dadurch dass sie bei ihrer “Variante“ lediglich ein Blatt eingereicht hat mit dem Hinweis, die Leistungen würden gemäss Haup tofferte erbracht – Ziff. 5.9 der Aus- schreibungsunterlagen verletzt und damit eine unvollständige Offerte eingereicht hat, offen blei- ben. 6. Die Stadt B.____ wird bei der erneuten Durchführu ng des Einladungsverfahrens auch überprüfen müssen, ob im vorliegenden Fall der Preis a ls einziges Zuschlagskriterium zulässig ist. Gemäss § 20 BeV, welcher den Titel “Zuschlagskriterie n“ trägt, ist das wirtschaftlich güns- tigste Angebot jenes mit dem besten Preis-/Leistungs-Ver hältnis (Abs. 1). Die Zuschlagskrite- rien sind für jedes Beschaffungsobjekt aus fachlicher, öko logischer und ökonomischer Sicht festzulegen (Abs. 2). Der Zuschlag für weitgehend standa rdisierte Güter kann auch aus- schliesslich nach dem Kriterium des niedrigsten Preises erf olgen (Abs.3). Dabei kommt dem Terminus “Güter“ keine prägende Bedeutung zu. Es geht n icht nur um Lieferaufträge, vielmehr können auch Bau- und Dienstleistungsaufträge unter die genannte Bestimmung fallen. Ob eine reine Preisvergabe zulässig ist, bestimmt sich vielmehr d anach, ob im Einzelfall tatsächlich weitgehend standardisierte Leistungen beschafft werden. Die Zulässigkeit der reinen Preis- vergabe sollte auf die Fälle beschränkt werden, in denen die Leistungen so weit spezifiziert werden können, dass relevante Qualitätsunterschiede zwi schen den einzelnen Offerten ausge- schlossen sind. Nur in diesem Fall ist es gerechtfertigt, den Gesetzesbegriff des wirtschaftlich günstigsten Angebots ausschliesslich durch den Preis auszufüll en. Wenn aber relevante Quali- tätsunterschiede nicht ausgeschlossen sind, werden der W irtschaftlichkeits- und der Gleichbe- handlungsgrundsatz verletzt, soweit diese Unterschiede in der Angebotsbewertung keine Rolle spielen (siehe dazu M ARTIN BEYELER , Vergaberechtliche Entscheide 2014/2015, Bund, Kanto- ne, Europäischer Gerichtshof, Zürich 2016, S. 56 f., Rz 123). 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Vergabeentsche id der Stadt B.____ vom 13. März 2017, welcher der Beschwerdeführerin mit Schre iben vom 20. März 2017 mitgeteilt wurde, aufzuheben ist und die Sache zur Durchführung ei nes gesetzeskonformen Einladungs- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht verfahrens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Di e Stadt B.____ hat für die Bau- meisterarbeiten “Ersatz Wasserleitung D.____“ erneut ei n Einladungsverfahren durchzuführen und unter anderem die Beschwerdeführerin und die Bei geladene zur Einreichung einer Offerte aufzufordern. 8.1. Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Gest ützt auf § 20 Abs. 1 VPO in Ver- bindung mit § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskoste n in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt; wobei gemäss § 20 Abs. 3 und 4 VPO den kantonalen Behörden gemäss Ver- waltungsverfahrensgesetz Basel-Landschaft und den Gemeind en nur Verfahrenskosten aufer- legt werden, wenn sie das Kantonsgericht in Anspruch neh men. Da die Beschwerdegegnerin das Kantonsgericht nicht in Anspruch genommen hat und si ch die Beigeladene nicht am Be- schwerdeverfahren beteiligt hat, werden keine Verfahren skosten erhoben. Der Beschwerdefüh- rerin ist somit der bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- zurückzuerstatten. 8.2. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann f ür den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung z u Lasten der Gegenpartei zugespro- chen werden (§ 21 Abs. 1 VPO). Die Beschwerdeführerin w ar nicht anwaltlich vertreten, die Parteikosten sind demzufolge wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Zuschlag sentscheid der Stadt B.____ vom 13. März 2017 aufgehoben und die Sache zur Wiederholung des Einladungsverfahrens im Sinne der Erwägungen an die Stadt B.____ zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.- - wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin