Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer als obere kantonale Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs Geschäfts-Nr.: PS130041-O/U Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. A. Katzenstein, Vorsitzende, Oberrichter lic. iur. P. Hodel und Ersatzrichterin Prof. Dr. I. Jent-Sørensen sowie Ge- richtsschreiberin MLaw D. Weil. Urteil vom 16. September 2013 in Sachen A._____ AG, Drittschuldnerin und Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ und / oder Rechtsanwältin lic. iur. X2._____ gegen 1. B._____ Società cooperativa, Arrest-, Betreibungsgläubigerin und Beschwerdegegnerin Nr. 1, 2. C._____, Arrest-, Betreibungsschuldner und Beschwerdegegner Nr. 2, Nr. 1 vertreten durch Rechtsanwalt Y1._____ und / oder Rechtsanwalt Y2._____ Nr. 2 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Z._____ betreffend Pfändungsurkunde / Arrest Nr. … / Betreibung Nr. … / Pfändung Nr. … (Beschwerde über das Betreibungsamt D._____) Beschwerde gegen einen Beschluss der 7. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 13. März 2013 (CB120167) - 2 - Erwägungen: 1. Prozessgeschichte 1.1. Mit Eingabe vom 17. Dezember 2012 erhob die Drittschuldnerin und Be- schwerdeführerin (fortan Beschwerdeführerin) Beschwerde gegen die Pfändungs- verfügung des Betreibungsamtes D._____ vom 26. November 2012, welche der Beschwerdeführerin am 5. Dezember 2012 zugegangen war. Sie beantragte, es sei im Arrest Nr. …, Pfändung Nr. …, Betreibung Nr. … die Verfügung vom 26. November 2012 (Pfändungsurkunde, identische Abschrift an die Beschwerde- führerin vom 3. Dezember 2012) aufzuheben; eventualiter sei die Verfügung ge- mäss Ziffer 1 nichtig zu erklären (act. 1). Gegenparteien sind die Arrest- und Be- treibungsgläubigerin als Beschwerdegegnerin 1 und der Arrest- und Betreibungs- schuldner als Beschwerdegegner 2. Mit Zirkulationsbeschluss vom 13. März 2013 trat die 7. Abteilung des Bezirksge- richts Zürich als untere kantonale Aufsichtsbehörde über Betreibungsämter auf die Beschwerde nicht ein (act. 6 = 9 = 11). 1.2. Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 25. März 2013 Beschwerde beim Obergericht des Kantons Zürich als obere kantonale Aufsichts- behörde über Schuldbetreibung und Konkurs. Sie beantragte, es sei der Zirkulati- onsbeschluss des Bezirksgerichts Zürich vom 13. März 2013 aufzuheben und es sei die Verfügung vom 26. November 2012 aufzuheben, eventualiter sei die Ver- fügung nichtig zu erklären. Weiter stellte die Beschwerdeführerin den prozessua- len Antrag, das Beschwerdeverfahren sei bis zur Erledigung des Verfahrens CB120169-L am Bezirksgericht Zürich zu sistieren und, da sie selber nicht Partei in diesem Verfahren sei, es seien die Akten dieses Verfahrens beizuziehen oder die untere und obere Aufsichtsbehörden hätten sich intern abzusprechen (act. 10 S. 2 und S. 23). Mit Präsidialverfügung vom 10. Mai 2013 wurden die Beschwerdegegner 1 und 2 aufgefordert, zum Sistierungsbegehren, zur Partei- und Prozessfähigkeit der Be- schwerdegegnerin 1 sowie zum allfälligen Beizug der Akten des Geschäfts - 3 - Nr. CB120169-L am Bezirksgericht Zürich Stellung zu nehmen (act. 13). Mit Ein- gabe vom 23. Mai 2013 nahm die Beschwerdegegnerin 1 Stellung. Der Be- schwerdegegner 2 liess sich nicht vernehmen. Mit Beschluss der Kammer vom 5. Juni 2013 wurde wegen der Fusion an Stelle der "B1._____ S.p.A." die "B._____ Società cooperativa" im Rubrum aufgenom- men und wurden die Gesuche um Sistierung sowie um Beizug der Akten aus Ge- schäft-Nr. CB120169-L des Bezirksgerichts Zürich abgewiesen. Den Beschwer- degegnern 1 und 2 wurde sodann Frist zur Beantwortung der Beschwerde ange- setzt (act. 18). Mit Eingabe vom 17. Juni 2013 beantwortete die Beschwerdegegnerin 1 die Be- schwerde und beantragte deren Abweisung (act. 20). Der Beschwerdegegner 2 liess sich abermals nicht vernehmen. Die Eingabe der Beschwerdegegnerin 1 wurde am 21. August 2013 der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdegeg- ner 2 zugestellt (act. 23). Bis heute hat sich keine der Parteien dazu geäussert. Das Verfahren ist nun spruchreif. 2. Beschwerdelegitimation 2.1. Zur Beschwerde nach Art. 17 SchKG ist legitimiert, wer durch die angefoch- tene Verfügung eines Zwangsvollstreckungsorgans in seinen rechtlichen oder zumindest tatsächlichen Interessen betroffen und dadurch beschwert ist und des- halb ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Abänderung der Verfü- gung hat (BSK SchKG I-COMETTA/MÖCKLI, Art. 17 N 40). 2.2. Die Vorinstanz führte zur Beschwerdelegitimation aus, es brauche ein schutzwürdiges Interesse des Beschwerdeführers, wobei es Drittansprechern nach konstanter Bundesgerichtspraxis grundsätzlich am Rechtsschutzinteresse fehle. Dem von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Risiko der Doppelzahlung hielt sie mit Verweis auf BGE 79 III 3 entgegen, dass von einer Drittschuldnerin erwartet werden könne, dass sie ihre Geschäfte in Ordnung halte und sich so or- ganisiere, dass sie keine Doppelzahlung riskiere. Zum Argument, die Beschwer- deführerin sei durch den zusätzlichen Aufwand und den unfreiwilligen Einbezug in - 4 - ein Verfahren nach Art. 131 SchKG auch faktisch betroffen, führte die Vorinstanz aus, dies genüge als schutzwürdiges Interesse nicht. Soweit der Aufwand bereits angefallen sei, würde auch ein positiver Beschwerdeentscheid diesen unberührt lassen. Unbeachtlich sei auch ein allfälliger künftiger Verfahrensaufwand, ansons- ten jeder Drittschuldner zur Beschwerde legitimiert wäre, was dem vom Bundes- gericht aufgestellten gegenteiligen Grundsatz diametral widerspreche und eine Popularbeschwerde zur Folge hätte. Ein Einbezug in ein Verfahren nach Art. 131 SchKG sei hinzunehmen. Selbst gegen die Forderungsüberweisung nach Art. 131 SchKG sei ein Drittschuldner nicht zur Beschwerde legitimiert. Da es der Be- schwerdeführerin am schutzwürdigen Interesse fehle, sei auf die Beschwerde nicht einzutreten (act. 6 = 9 = 11 S. 5 ff.). 2.3. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, die Vorinstanz habe das Recht verletzt, indem sie ihr die Legitimation abgesprochen habe. Die Auffassung, wo- nach Drittschuldnern nach konstanter Bundesgerichtspraxis das Rechtsschutzin- teresse fehle, basiere auf überholten Belegstellen. Das Bundesgericht habe den Drittschuldnern die Beschwerdelegitimation nicht gemeinhin abgesprochen. Viel- mehr habe das Bundesgericht bereits in BGE 80 III 122 auch dem Drittschuldner ein Recht zur Beschwerde zuerkannt. Auch in der Lehre würden Dritte, bei denen Guthaben des Schuldners gepfändet oder arrestiert worden seien, ausdrücklich als zur Beschwerde legitimiert erachtet (mit Verweis auf BSK SchKG I-C OMETTA/ MÖCKLI, Art. 17 N 42). Entsprechend sei die Beschwerdeführerin zur Beschwerde berechtigt, sobald sie in ihren rechtlichen oder tatsächlichen Interessen betroffen sei. Vorliegend bestehe die Gefahr der Doppelzahlung, da die unterliegenden Drittansprecher ihre behaupteten Ansprüche gegen die Zweigniederlassung der Beschwerdeführerin in Singapur gelten machen könnten. Dies habe mit der Ge- schäftsführung der Beschwerdeführerin nichts zu tun, weshalb auch die Begrün- dung der Vorinstanz mittels Verweis auf BGE 73 III 3 unhaltbar sei, ging es im zi- tierten Entscheid doch darum, die Drittschuldnerin könnte vergessen, dass es sich um verarrestierte Forderungen handelt. Sodann müsse sie sich auch gegen die Abtretung der Forderung zur Wehr setzen, weil sie über allfällig in Singapur gele- gene Vermögenswerte weder Auskunft erteilen noch darüber verfügen könne, damit sei sie unfreiwillig einbezogen (act. 10 Rz. 14 und 19 ff.). - 5 - 2.4. Die Beschwerdegegnerin 1 führt hingegen aus, der Schluss der Vorinstanz sei nicht zu beanstanden. Drittpersonen stünde ein Beschwerderecht lediglich dann zu, wenn ihre gesetzlich bzw. rechtlich geschützten Interessen durch einen Entscheid berührt würden. In Lehre und Rechtsprechung sei anerkannt, dass dies bei Drittschuldnern grundsätzlich nicht der Fall sei. Lehrmeinungen, die ein grundsätzliches und in jedem Fall gegebenes Beschwerderecht von Drittschuld- nern anerkennen würden, seien der Beschwerdegegnerin 1 nicht bekannt. Aus den in der von der Beschwerdeführerin zitierten Kommentarstelle enthaltenen Verweise auf Bundesgerichtsentscheide ergebe sich, dass die Legitimation auf Fälle beschränkt sei, bei denen die eigenen Interessen schwer beeinträchtigt sei- en. Sodann handle es sich beim von der Beschwerdeführerin vorgebrachten BGE 80 III 122 nicht um einen identischen Fall, datiere doch dieser Entscheid aus einer Zeit, in der eine landesweite Sperre eine Herausforderung gewesen sei. Heute sei eine solche ohne grossen Aufwand auf elektronischem Weg möglich. Deshalb seien die Erwägungen nicht übertragbar, habe die Beschwerdeführerin doch auch nicht vorgetragen, der Vollzug würde ihren Geschäftsbetrieb erheblich stören. Auch aus dem zitierten Obergerichtsentscheid ergebe sich die Legitimation der Drittschuldnerin nicht. Sodann bestehe kein Doppelzahlungsrisiko, könnte die Be- schwerdeführerin doch gemäss Art. 131 SchKG befreiend an den Abtretungs- gläubiger leisten. Die Forderung würde damit durch Erfüllung untergehen. Die un- terlegenen Drittansprecher könnten die Forderung auch nicht mehr in Singapur geltend machen. Überdies besitze die Zweigniederlassung in Singapur keine Rechtspersönlichkeit, weshalb sie von vornherein nicht Vertragspartei oder Schuldnerin von Forderungen sein könne. Eine Forderung, die gegenüber der Beschwerdeführerin nicht (mehr) bestehe, würde auch gegenüber der Zweignie- derlassung nicht bestehen. Aus dem vorgebrachten Aufwand könne sodann keine schwere Beeinträchtigung abgeleitet werden, ansonsten jeder Drittschuldner be- schwerdelegitimiert wäre, die bundesgerichtliche Praxis jedoch die Legitimation auf Fälle der schweren Beeinträchtigung habe einschränken wollen. Überdies sei der enorme Zeit- und Kostenaufwand auch nicht konkret dargetan und erscheine zudem wenig glaubhaft. - 6 - 2.5. Das erforderliche schutzwürdige Interesse, das in einem rechtlichen Interes- se oder einem tatsächlichen Interesse bestehen kann, liegt generell beim Schuld- ner und beim Gläubiger vor. Jedoch können durchaus auch andere Verfahrensbe- teiligte je nach Konstellation ein solches schutzwürdiges Interesse haben (BSK SchKG I-COMETTA/MÖCKLI, Art. 17 N 40 ff.; KUKO SchKG-DIETH, Art. 17 N 9 ff.; 108 III 114, 117; BGE 96 III 107, 109). In der Lehre wird teilweise die Ansicht vertreten, dass Drittschuldner kein Be- schwerderecht wegen der Pfändung hätten (KUKO SchKG-ZOPFI, Art. 99 N 9 mit Verweis auf JAEGER/WALDER/KULL/KOTTMANN, SchKG, Bd. I, 4. Aufl. 1997, Art. 99 N 7). Diese Ansicht wird jedoch nicht weiter begründet. Die erstgenannte Zitatstel- le stützt sich auf die Zweitgenannte, und diese wiederum stützt sich bloss auf zwei sehr alte ZR-Entscheide (ZR 6 Nr. 72 und ZR 7 Nr. 123 aus den Jahren 1906 und 1908). Im ersten ZR-Entscheid ging es um das Beschwerderecht eines weiteren Erben bei der Pfändung eines Anteils an einer unverteilten Erbschaft mit der Behauptung, dass der betriebene Schuldner gar nicht am Nachlasse mitbetei- ligt sei. Das Obergericht verneinte die Legitimation mit der Erwägung, dass es sich hier ähnlich verhalte wie hinsichtlich der Pfändung einer nach Angabe des Drittschuldners nicht zu Recht bestehenden Forderung. Bei beiden Varianten grei- fe die Pfändung nicht im geringsten in die Rechtslage des Drittschuldners ein. Im anderen zitierten ZR-Entscheid wurde der Drittschuldnerin die Legitimation abge- sprochen, da die Wirkung der Pfändung einzig im Verbot der Zahlung an den Pfändungsschuldner bestehe und die Frage der Schuldpflicht dadurch in keiner Weise präjudiziert werde. Ein anderer Teil der Lehre ist hingegen der Ansicht, dass Drittschuldner grund- sätzlich zur Beschwerde legitimiert seien, soweit es um die Verarrestierung oder Pfändung gehe (vgl. A MONN/WALTHER, Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 8. Aufl., § 6 N 28; BSK SchKG I-COMETTA/MÖCKLI, Art. 17 N 42), nicht aber für Beschwerden gegen Forderungsüberweisungen (BSK SchKG I- COMETTA/MÖCKLI, Art. 17 N 43 gestützt auf BGer 7B.153/2003 vom 17.07.2003). Drittschuldnern die Legitimation für Beschwerden gegen Forderungsüberweisun- gen abzusprechen, überzeugt, weil sich der Drittschuldner auch gegen eine pri-- 7 - vatrechtliche Abtretung nicht zur Wehr setzen könnte (siehe Art. 164 Abs. 1 OR) und Einwendungen im Rahmen der Geltendmachung der Forderung vorgebracht werden können. Diese Frage ist jedoch vorliegend nicht von Relevanz, geht es doch um die Pfändung einer Forderung. Deren Abtretung nach Art. 131 SchKG wurde erst in Aussicht gestellt. Auch hat das Bundesgericht das Beschwerderecht von Drittschuldnern gegen die Verarrestierung oder Pfändung bereits bejaht, wenn im konkreten Fall eigene schutzwürdige Interessen vorlagen (BGE 80 III 122, 125 f.; BGE 96 III 107, 110; BGE 105 III 107, 109). Im von der Vorinstanz zum Fehlen der Legitimation zitier- ten BGE 79 III 3 wurde das Beschwerderecht der Drittschuldnerin sodann nicht grundsätzlich abgesprochen, vielmehr fehlte es ihr in der vorliegenden Konstella- tion am erforderlichen Interesse. Auch in BGE 130 III 400 ist keine Rede davon, dass Drittschuldner grundsätzlich von der Beschwerde ausgeschlossen seien. Die Drittschuldnerin war deshalb nicht zur Beschwerde legitimiert, weil sie nicht ein- mal behauptet hatte, durch die Anzeige des Betreibungsamtes in ihrer eigenen Rechtsstellung berührt zu sein. Zu beachten ist im Übrigen, dass für die Be- schwerde vor Bundesgericht seit Inkrafttreten des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) am 1. Januar 2007 bis zu dessen mit dem Inkrafttreten der schweizerischen Zivil- prozessordnung (ZPO) am 1. Januar 2011 zusammenhängenden Änderung im Gegensatz zum kantonalen Verfahren ein bloss tatsächliches Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids nicht genügte, weshalb die in dieser Zeit ergangenen Bundesgerichtsentscheide nicht ohne Weiteres auf die kantonalen Aufsichtsverfahren übertragen werden können (BGer 5A_454/2009; E. 3; A MONN/WALTHER, a.a.O., § 6 N 89; BSK SchKG I-LEVANTE, Art. 19 N 15). Zum Vorbringen der Beschwerdegegnerin 1, dass es sich bei BGE 80 III 122 nicht um einen identischen Fall handle, da dieser Entscheid aus einer Zeit datiere, in der eine landesweite Sperre eine Herausforderung war und heute eine solche oh- ne grossen Aufwand auf elektronischem Weg möglich sei, ist entgegen zu halten, dass diese Erwägungen sehr wohl auf die vorliegende Konstellation mit Bezug zum Ausland übertragen werden können. Die früheren Gegebenheiten, wonach - 8 - der Hauptsitz nicht ohne Weiteres auf sämtliche Daten der inländischen Zweig- niederlassungen zugreifen konnte, entspricht in etwa der heutigen Situation mit ausländischen Zweigniederlassung, steht doch jeweils das Bankenrecht des aus- ländischen Staats (namentlich das Bankkundengeheimnis, vorliegend Section 47 des Banking Act von Singapur) dem unbeschränkten Informationsfluss entgegen (act. 3/19 und 3/20, vgl. hierzu auch ZONDLER, Schweizer Arrest auf Vermögens- werte im Ausland, AJP 2005 S. 573, 575). Unter diesen Umständen überzeugt es nicht, den Drittschuldnern die Legitimation generell abzusprechen. Vielmehr ist im Einzelfall zu prüfen, ob genügende Inte- ressen vorliegen. Anhand der Vorbringen der Beschwerdeführerin ist zu prüfen, ob sie im konkreten Fall dermassen betroffen ist, damit das Rechtsschutzinteresse bejaht werden kann. Insofern ist die Vorinstanz korrekt vorgegangen, als sie die vorgebrachten Gründe der Beschwerdelegitimation prüfte. 2.6. Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie sei der Gefahr der Doppelzahlung ausgesetzt. Die Drittansprecher, sollten sie im Widerspruchsverfahren nach Art. 108 SchKG unterliegen, könnten unabhängig vom Ausgang eines allfälligen Verfahrens nach Art. 131 SchKG zwischen der Beschwerdegegnerin 1 und der Beschwerdeführerin ihre behaupteten Ansprüche gegen die Zweigniederlassung der Beschwerdeführerin in Singapur geltend machen. Damit sei sie in ihren recht- lichen Interessen betroffen (act. 10 S. 9 f.). Vorab zu bemerken ist, dass nicht klar ist, was die Beschwerdeführerin aussagen will mit der weiteren Ausführung, die Gefahr der Doppelzahlung bestehe aufgrund der unklaren Rechtsverhältnisse zwischen Drittparteien, auf welche sie keinen Einfluss habe und für welche sie auch in keiner Weise verantwortlich sei (act. 10 S. 9 Rz. 31). Zu behaupten, bei der ausländischen Zweigniederlassung handle es sich um eine beliebige, unabhängige Drittpartei, ginge zu weit. Aus schuldrechtlicher Sicht handelt es sich beim Zweigbetrieb um eine rechts- und handlungsunfähige Leistungseinheit, so dass nur der "Gesamtbetrieb", die - 9 - natürliche Einzelperson oder die juristische Person etc., Gläubiger und Schuldner von Obligationen sein kann (PETER GAUCH, Der Zweigbetrieb im schweizerischen Zivilrecht mit Einschluss des Prozess- und Zwangsvollstreckungsrechts, Zürich 1974, Rz 1592 f.). Warum die Zahlung einer Schuld durch die juristische Person als Betreiberin des "Gesamtbetriebes" keine befreiende Wirkung haben sollte, ist deshalb nicht ohne Weiteres nachvollziehbar (vgl. dazu GAUCH, a.a.O., Rz 1722 für die Forderung aus ungerechtfertigter Bereicherung). Dennoch kann in Bezug auf eine ausländische Zweigniederlassung die Gefahr ei- nes Doppelzahlungsrisikos nicht grundsätzlich verneint werden. Verlangen die Drittansprecher von der Zweigniederlassung in Singapur die Auszahlung einer ihnen basierend auf einem Vertrag zustehenden Forderung, ist keineswegs aus- geschlossen, dass die Zweigniederlassung in Singapur – selbst wenn sie auf- grund der Mitteilung vom Hauptsitz die Zahlung wegen bereits erfolgter Tilgung verweigert – von einem Gericht in Singapur zur Zahlung verpflichtet wird, da die- ses die Leistung durch den Hauptsitz an eine Person (nämlich den Abtretungs- gläubiger), die privatrechtlich nicht an der Forderung berechtigt ist, nicht als Til- gung betrachtet werden könnte (vgl. hierzu J EANDIN/LOMBARDINI, Le séquestre en Suisse d'avoirs bancaires à l'ètranger: fiction ou réalité, AJP 2006 S. 967, 975 f. und 978). Für die Beantwortung dieser Frage sind die konkreten Vereinbarungen zwischen den Vertragsparteien sowie das singapurische Recht relevant. Ausgangspunkt ist somit, wie ein Bankkunde Rechtsstreitigkeiten aus Kontobe- ziehungen mit einer unselbständigen ausländischen Zweigniederlassung geltend machen muss. Verfügt der Hauptsitz – wie die Beschwerdeführerin geltend macht – nicht über die Daten jener Kontenbeziehungen und muss die unselbstän- dige ausländische Zweigniederlassung aus regulatorischen Gründen grösstmögli- che Eigenständigkeit haben, so ist davon auszugehen, dass der Kunde bei Strei- tigkeiten mit dem Zweigbetrieb am Ort derselben im Ausland prozessieren muss (vgl. dazu Z ONDLER, a.a.O., S. 572, der darauf hinweist, dass die in der Schweiz inkorporierte Bank formelle Vertragspartnerin des Bankkunden sei und die Allge- meinen Geschäftsbedingungen sowohl einen Erfüllungsort als auch einen Ge- richtsstand am Ort der Zweigniederlassung vorsehen). Entsprechende Vereinba-- 10 - rungen mit dem Bankkunden finden sich regelmässig in den Allgemeinen Ge- schäftsbedingungen. Erfolgt sodann in der Schweiz eine Abtretung nach Art. 131 Abs. 2 SchKG (oder nach Art. 260 SchKG), so ist davon auszugehen, dass der Abtretungsgläubiger gleich vorgehen muss wie der berechtigte Bankkunde, für dessen Prozess ihm das Prozessführungsrecht abgetreten wird. Mangels eigener Rechtspersönlichkeit müsste die "juristische Person Gesamtbetrieb" eingeklagt werden, jedenfalls wenn es sich um eine Rechtsordnung handelt, die diesbezüg- lich ähnlich strukturiert ist wie die schweizerische. Ist davon auszugehen, dass das Verhältnis zum ausländischen Zweigniederlassungskunden so geregelt ist, wie soeben dargestellt, so muss der Abtretungsgläubiger dort prozessieren, wo auch der Bankkunde klagen müsste (vgl. HANS ULRICH WALDER/INGRID JENT- SØRENSEN, Tafeln zum Schuldbetreibungs- und Konkursrecht, 6. Auflage, Zürich 2008, Tafel 62). Wird einem Abtretungsgläubiger in einem schweizerischen Zwangsvollstre- ckungsverfahren die Eintreibung nach Art. 131 Abs. 2 SchKG überlassen, so führt er denjenigen Prozess, den der Betreibungsschuldner (oder der Dritte, der am gepfändeten Guthaben für den Betreibungsschuldner berechtigt ist) zur Eintrei- bung seines Guthabens gegenüber der Bank führen müsste, was ihn in der vor- liegenden Konstellation vor die ausländischen Gerichte führen müsste. Im aus- ländischen Zivilprozess würde sich dann die Frage stellen, ob Abtretungen im Rahmen ausländischer Zwangsvollstreckungsverfahren zur Begründung der Ak- tivlegitimation anerkannt werden. Wird einer schweizerischen zwangsvollstre- ckungsrechtlichen Abtretung im Ausland die Wirkung hinsichtlich der Sachlegiti- mation verweigert, so wird im ausländischen Verfahren nichts zugesprochen. Wird die zwangsvollstreckungsrechtliche Abtretung mit Blick auf den Übergang der Sachlegitimation anerkannt und wird dem Abtretungsgläubiger die (streitige) For- derung zugesprochen, so muss dies auch für den Zwangsvollstreckungsschuldner – oder (wie hier) für die formell Berechtigten – gelten, so dass es hier kein Dop- pelzahlungsrisiko gibt. Jedoch ist auch eine andere Konstellation des Doppelzahlungsrisikos denkbar, wenn nämlich der Bankkunde (der Betreibungsschuldner oder der Dritte, der am - 11 - Guthaben berechtigt ist) vor der Geltendmachung der Forderung durch den Abtre- tungsgläubiger gegenüber der ausländischen Zweigniederlassung trotz der schweizerischen Verarrestierung oder Pfändung auf Zahlung bestehen kann, weil Zwangsvollstreckungsmassnahmen aufgrund des Territorialitätsprinzips in der Regel im Ausland nicht anerkannt werden (vgl. JEANDIN/LOMBARDINI, a.a.O. S. 978; BGE 130 III 620 für den umgekehrten Fall). Jedoch ist auch hierfür wiede- rum die Vereinbarung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen relevant, könnte doch für diese Konstellation eine Regelung vorgesehen sein. Dass die Beschwerdeführerin ihrerseits die ausländische Zweigniederlassung nicht über den Arrest bzw. die Pfändung informieren dürfe, wird nicht behauptet und ist denn auch nicht ersichtlich. Die Beschwerdeführerin führte zwar vor Vor- instanz aus, dass sie keinen Zugriff auf das Kundensystem der Zweigniederlas- sung in Singapur habe, und entsprechend auch keine Konten von Kunden in Sin- gapur sperren könne (act. 1 S. 22 Rz. 91). Nur weil dies aber nicht direkt über das EDV-System möglich ist, heisst das nicht, dass nicht entsprechende Informatio- nen übermittelt werden können, schliesslich handelt es sich dabei doch um eine Zweigniederlassung und nicht um einen Dritten. Dass offenbar keine Informatio- nen von der ausländischen Zweigniederlassung an den Hauptsitz erfolgen dürfen, ist vorliegend nicht weiter relevant. Anzufügen bleibt lediglich, dass nicht ausge- schlossen ist, dass gestützt auf die Vereinbarung mit dem Bankkunden die Aus- kunft gegenüber dem Hauptsitz zulässig sein könnte. Über die Zulässigkeit ab- weichender Vereinbarungen enthält die von der Beschwerdeführerin eingereichte "Legal Opinion" jedenfalls keine Ausführungen (act. 3/19). Was das singapurische Recht anbelangt, machte die Beschwerdeführerin ledig- lich Ausführungen zum Bankgeheimnis in Singapur, nicht jedoch zu den weiter in- teressierenden Fragen, wie beispielsweise der Wirkung eines schweizerischen Arrestes bzw. einer schweizerischen Pfändung in Singapur oder der Anerkennung der Aktivlegitimation im Falle der zwangsvollstreckungsrechtlichen Abtretung. Die Frage der behaupteten regulatorischen Bestimmungen hätte durchaus von Inte- resse sein können (vgl. Art. 19 IPRG; Art. 16 IPRG). Ausgangspunkt ist aber der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen (vgl. auch Art. 57 ZPO), was - 12 - grundsätzlich auch für das ausländische Recht gilt (Art. 16 Abs. 1 IPRG; KUKO ZPO-OBERHAMMER, Art. 57 N 7; KUKO ZPO-SCHMID, Art. 150 N 11). Es fragt sich, ob die Vorinstanz bzw. die Kammer eine entsprechende Aufforderung an die Be- schwerdeführerin zum Nachweis ausländischen Rechts hätte erlassen müssen. Der Vorrang der richterlichen Rechtsanwendung von Amtes wegen ("iura novit curia") und der Wortlaut von Art. 16 Abs. 1 IPRG legen nahe, dass das Gericht die Parteien im Bedarfsfall, wenn sie ihre Mitwirkung in Anspruch nehmen will, auf ih- re Mitwirkungs- bzw. Nachweispflicht hinweisen und ihnen dazu Gelegenheit ge- ben muss. Da es im vorliegenden Fall allerdings nicht entscheidend darauf an- kommt, konnten Weiterungen unterbleiben. Wie ausgeführt, liegt der Schlüssel zur Klärung der Frage des Doppelzahlungsri- sikos in der Gestaltung der Rechtsbeziehungen zwischen der Zweigniederlassung der Beschwerdeführerin in Singapur und ihren Kunden. Die Beschwerdeführerin hat in den hier interessierenden Punkten lediglich pauschale Behauptungen auf- gestellt und es insbesondere unterlassen, die Allgemeinen Geschäftsbedingun- gen der Kundenbeziehung in Singapur einzureichen. Somit kann das konkrete Vorliegen eines Doppelzahlungsrisikos letztlich nicht überprüft werden, weshalb davon ausgegangen werden muss, dass die allgemeinen Geschäftsbedingungen so ausgestaltet sind, dass kein Doppelzahlungsrisiko besteht. 2.7. Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, es entstünde ihr ein grosser Auf- wand an Zeit und Kosten durch den Einbezug in die Prozesse, namentlich wenn die Gläubigerin sich die Forderung nach Art. 131 SchKG abtreten lässt und bei der Beschwerdeführerin einfordert. Hierzu führt die Vorinstanz zu Recht aus, dass der Einbezug alleine kein Rechtsschutzinteresse begründet. 2.8. Selbst bei einer formell unzureichenden Beschwerde kann eingegriffen wer- den, wenn eine nichtige Verfügung (Art. 22 SchKG) vorliegt. Die Beschwerdefüh- rerin bringt vor, dass die Verfügung des Betreibungsamtes gegen das Territoriali- tätsprinzip verstosse. Trifft dies zu, wäre Nichtigkeit die Folge (A MONN/WALTHER, a.a.O., § 22 N 24). Somit ist trotz fehlendem Interesse (und unabhängig von der Fristwahrung) die Frage des Belegenheitsortes und somit der örtlichen Zuständig- keit zu prüfen. - 13 - 3. Belegenheitsort der Vermögenswerte 3.1. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, die Pfändung von Forderungen gegenüber ihrer ausländischen Zweigniederlassung an ihrem Hauptsitz in der Schweiz sei nichtig, da sie durch ein örtlich unzuständiges Be- treibungsamt erfolgt sei und das Territorialitätsprinzip verletze. 3.2. Die Pfändung unterliegt den gleichen Voraussetzungen wie die Arrestle- gung, weshalb gewisse Regelungen sowie Bundesgerichtsentscheide zum Arrest herangezogen werden können. Wenn wie vorliegend der Pfändung ein Arrest vor- ausgegangen ist und damit die Zuständigkeit beim Arrest bereits geprüft wurde, steht dies einer erneuten Prüfung der örtlichen Zuständigkeit im Rahmen der Pfändung nicht entgegen (KUKO SchKG-SCHWANDER, Art. 30a N 26). Der Arrest fällt nämlich mit der Pfändung in der Prosequierungsbetreibung dahin und wird durch den Pfändungsbeschlag ersetzt. Ausserdem ist die Pfändung, anders als der Arrest, keine vorsorgliche Massnahme (vgl. BGE 130 III 661, E. 1.3). 3.3. Zum Belegenheitsort führte die Vorinstanz im Rahmen der Eventualbegrün- dung aus, dass entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in BGE 137 III 625 und BGE 128 III 473 die Forderung als am Sitz des Drittschuldners be- legen gelte, wenn sich der Arrestschuldner im Ausland befinde. Dies gelte eben- falls für den Fall der Kundenbeziehung mit einer ausländischen Zweigniederlas- sung (act. 6 = 9 = 11 S. 7). 3.4. Die Beschwerdeführerin bringt zur Begründung ihres Standpunktes vor, BGE 128 III 473 sei vorliegend nicht relevant und überholt. Es handle sich um ei- nen argumentativen Zirkelschluss, welcher auf die Situation ausländischer Zweig- niederlassungen nicht zugeschnitten sei, sondern auf dem Szenario basiere, dass Hauptsitz und Zweigniederlassung in der Schweiz lägen und somit auch tatsäch- lich in der Schweiz auf Vermögen zugegriffen werden könne. Diese Meinung sei auch vom Obergericht im Jahr 2004 vertreten worden (Entscheid vom 17. De- zember 2004). Sodann sei dieser Bundesgerichtsentscheid auch durch den Bun- desstrafgerichtsentscheid vom 13. September 2006 korrigiert worden. Vorliegend bestehe sodann keinerlei Bezug zum Hauptsitz. Allfällige Kontobeziehungen wür-- 14 - den offensichtlich in Singapur geführt. Die Vorinstanz habe das rechtliche Gehör verletzt, indem sie weder den Entscheid des Obergerichts noch den Entscheid des Bundesstrafgerichts oder die Lehre würdigte. Sie habe sich mit der zentralen Frage des Belegenheitsortes von Forderungen, welche aus Kontoverbindungen mit Zweigniederlassungen im Ausland stammen, inhaltlich nicht auseinanderge- setzt. Auch verletze es das rechtliche Gehör, wenn die Vorinstanz ausführe "er- gänzend zu den Ausführungen im Entscheid CB120084", sei doch nicht klar, auf welche Ausführungen sie sich beziehe. Sodann habe der von der Vorinstanz zi- tierte Entscheid BGE 137 III 625 mit Forderungen gegenüber Zweigniederlassun- gen im Ausland nicht das Geringste zu tun. Der von der Vorinstanz gezogene Schluss, die gepfändeten Vermögenswerte würden gemäss gefestigter Bundes- gerichtspraxis als in der Schweiz am Sitz der Beschwerdeführerin belegen gelten, sei unhaltbar und verstosse gegen das Recht (act. 10 S. 13 ff.). 3.5. Die Beschwerdegegnerin 1 hält dem entgegen, dass keine Gehörsverlet- zung vorliege. Sodann führt sie aus, dass das Obergericht am 23. Januar 2008 im Zusammenhang mit dem mit der vorliegenden Betreibung prosequierten Arrest unter Verweis auf BGE 128 III 473 entschieden habe, dass Forderungen, welche auf Beziehungen des Schuldners mit einer ausländischen Niederlassung der in der Schweiz domizilierten Drittschuldnerin beruhen, ebenfalls an deren Sitz in der Schweiz belegen gelten würden, weshalb auch die in Frage stehende Forderung am Sitz der Beschwerdeführerin in der Schweiz belegen sei. Im Übrigen seien die rechtlichen Ausführungen der Beschwerdeführerin zum Belegenheitsort denn auch nicht überzeugend (act. 20 S. 7 ff.). 3.6. Die Frage der Belegenheit von Forderungen eines Gläubigers mit Wohnsitz im Ausland gegenüber einer ausländischen unselbständigen Zweigniederlassung einer Schweizer Bank ist letztlich nicht allgemeingültig geklärt und wird in der Lite- ratur kontrovers diskutiert. Das Bundesgericht hat zwar in zwei Fällen zu (Steuer-)Arresten betreffend Forde- rungen gegenüber ausländischen Filialen Stellung genommen und die Möglichkeit der Verarrestierung beim Hauptsitz bejaht. Die beiden beurteilten Fälle zeichnen sich jedoch durch gewisse Besonderheiten aus. Im Entscheid BGE 128 III 473 ff. - 15 - war das fragliche Guthaben mit Hilfe der Drittschuldnerin vom Hauptsitz an ihre ausländische Filiale verschoben worden, um es dem Fiskus zu entziehen. Und in BGE 7B.28/2001 war der wirtschaftlich Berechtigte an einer Forderung gegenüber der ausländischen Filiale in der Schweiz domiziliert und das betreffende Gutha- ben war bereits strafrechtlich beschlagnahmt worden. In der Lehre werden diese Entscheide denn auch kritisiert und es wird die Mei- nung vertreten, es fehle eine Zuständigkeit in der Schweiz, wenn die Forderung aus einer Kontobeziehung mit einer ausländischen Zweigniederlassung stamme (KUKO ZPO-MEIER-DIETERLE, Art. 272 N 9; ZONDLER, a.a.O., S. 573 ff.; JEAN- DIN/LOMBARDINI, a.a.O., S. 967 ff.). 3.7. In inländischen Verhältnissen war lange Zeit klar, dass der Lageort von Gut- haben bei jener Niederlassung war, bei der das Konto eröffnet bzw. geführt wurde (vgl. ZR 80/1981 Nr. 32). Seit ZR 99/2000 Nr. 39 wird dies – unter Bezugnahme auf BGer 7B.314/1998 – allerdings anders gesehen. Als Hauptgrund für die geän- derte Rechtsprechung wurde angeführt, dass die Kontenführung zentralisiert wor- den sei und dass Grossbanken den Zahlungsverkehr auch für ihre Filialen über Dienstleistungszentren abwickelten. In internationalen Verhältnissen wurde vom Bundesgericht zunächst von einer Zuständigkeit am Ort der ausländischen Zweigniederlassung von schweizerischen Banken ausgegangen, wobei betont wurde, dass ein nachweisbarer und überwie- gender Zusammenhang mit der Zweigniederlassung erforderlich sei (BGE 107 III 147 f.). In BGE 128 III 473 ff. hat das Bundesgericht das Prinzip an sich wieder- holt, hat jedoch mit Hinweis auf einen Teil der Lehre angenommen, dass der Ar- rest – wenn es um Guthaben bei einer ausländischen Zweigniederlassung gehe – am schweizerischen Hauptsitz gelegt werden müsse (Erw. 3.1.). Dieser Schluss ist fraglich. Wie schon im Entscheid vom 17. Dezember 2004 (NR040060/U, einsehbar unter http://arrestpraxis.vischer.com/index.php?id=329) ausgeführt, ist das Konstrukt einer schweizerischen Zuständigkeit entbehrlich, wenn es um Forderungen geht, welche aus dem Geschäftsverkehr mit einer (unselbständigen) Zweigniederlas-- 16 - sung stammen. Es ist nicht zweifelhaft, dass bankenrechtliche Geschäftsbezie- hungen im Ausland dazu führen müssen, dass solche Forderungen auch daselbst zahlbar sind und in eine ausländische Zwangsvollstreckung gegen den Forde- rungsgläubiger einbezogen werden können. Wer im ausländischen Staat X an- sässig ist und daselbst mit einer (unselbständigen) Filiale einer Schweizer Bank eine Bankbeziehung unterhält, wird die ihm daraus zustehenden Forderungen aus einer dort durchgeführten Zwangsvollstreckung nicht mit dem Hinweis "retten" können, die Forderung sei extraterritorial und am Ort des Hauptsitzes in der Schweiz gelegen. Für den umgekehrten Fall – Hauptsitz im Ausland, Filiale oder Zweigniederlassung in der Schweiz – sichert Art. 50 Abs. 1 SchKG die Belang- barkeit in der Schweiz, ohne dass es dafür auf die juristische Selbständigkeit der Geschäftsniederlassung ankäme. Forderungen eines schweizerischen Forde- rungsgläubigers und Zwangsvollstreckungsschuldners gegen eine ausländische Niederlassung in der Schweiz unterstehen zweifelsfrei dem Zugriff der schweize- rischen Zwangsvollstreckungsorgane und sind ein Beleg dafür, dass obligationen- rechtliche Regeln für die Bestimmung der Zuständigkeit nicht entscheidend sind. Hinzu kommt, dass das Verhältnis zwischen einem schweizerischen Hauptsitz und den ausländischen Filialen nicht ohne Weiteres mit jenen zwischen inländi- schem Hauptsitz und inländischen Filialen vergleichbar ist. Das allgemein stark regulierte Bankenrecht rechtfertigt es, an die frühere Rechtsprechung bei Ge- schäftsbeziehungen zu inländischen Filialen anzuknüpfen, wonach eine zwangs- vollstreckungsrechtliche Zuständigkeit lediglich am Filialsitz gegeben war. Dass davon im innerstaatlichen Verhältnis abgewichen wurde, steht dem nicht entge- gen, war doch der Hauptgrund wie ausgeführt, dass die Kontenführung zentrali- siert worden sei. Die veränderte Sichtweise betreffend die innerstaatlichen Filialen beruht damit nicht auf geänderten rechtlichen Vorgaben, sondern auf geänderten technischen Gegebenheiten. Gerade hinsichtlich der technischen Gegebenheiten und wegen der stark regulierten ausländischen Bankengesetzgebung ist die Situ- ation von in- und ausländischen Zweigniederlassungen bzw. Filialen nicht ver- gleichbar. - 17 - 3.8. Die vorinstanzliche Erwägung, wonach das Bundesgericht mit Entscheid vom 19. Juli 2011 die Rechtsprechung zur Belegenheit von Forderungen noch bestätigt habe (BGE 137 III 625, 627 E. 3.1 = Pra 101 Nr. 65), trifft in diesem Zu- sammenhang nicht zu, lag doch bei diesem Entscheid keine Zweigniederlas- sungsproblematik vor. Der Entscheid beinhaltet zwar die Bestätigung des (nicht umstrittenen) Grundsatzes, dass bei einem Schuldner mit Wohnsitz im Ausland ein Arrest am Wohnsitz oder Sitz des Drittschuldners in der Schweiz möglich sei. Weiter beinhaltet er aber keine Ausführungen, die Anhaltspunkte für die vorlie- gende Konstellation gäben. Vielmehr ging es um die Frage, was gilt, wenn der Drittschuldner zugleich Gläubiger der Arrestforderung ist. Von einer gefestigten Bundesgerichtspraxis zur Frage der ausländischen unselbständigen Zweignieder- lassungen kann somit nicht die Rede sein. Fehlt jegliche Beziehung zum Hauptsitz der Drittschuldnerin in der Schweiz, na- mentlich weil die Guthaben nicht via den Hauptsitz sondern auf anderem Weg zur Niederlassung in Singapur kam, und besteht entsprechend ausschliesslich Bezug zur Zweigniederlassung, so ist in der Tat fraglich, ob die bundesgerichtliche Rechtsprechung dazu führen muss, den Zugriff auf die Guthaben beim Zürcher Hauptsitz zuzulassen. 3.9. Vorliegend ist jedoch zusätzlich zur bestehenden bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu beachten, dass die Kammer im Beschluss vom 23. Januar 2008 in einem Rekursverfahren der Beschwerdegegnerin 1 gegen den Be- schwerdegegner 2 betreffend einen Arrest, bei dem ebenfalls Vermögenswerte des Beschwerdegegners 2 bei der ausländischen Zweigniederlassung der Be- schwerdeführerin in Singapur erfasst wurden, mit Verweis auf BGE 128 III 473 erwogen hat, dass Forderungen, welche auf Beziehungen des Schuldners mit ei- ner ausländischen Niederlassung der in der Schweiz domizilierten Drittschuldne- rin beruhen, als an deren Wohnsitz in der Schweiz belegen gelten (Geschäft-Nr. NN070166, E. 5.6). Im Verfahren gilt das Gebot von Treu und Glauben, und zwar sowohl für die Par- teien (Art. 52 ZPO) als auch für das Gericht (Art. 9 BV; vgl. ZK ZPO-S UTTER- SOMM/CHEVALIER, 2. Aufl., Art. 52 N 15 und 19). Das rechtsstaatliche Gebot be-- 18 - inhaltet die Pflicht des Gerichts, bei der Rechtsanwendung berechtigtes Vertrauen der Parteien zu schützen. Dies gilt aber nur unter gewissen Voraussetzungen, namentlich wenn ein Vertrauensverhältnis besteht, das weiter geht als das von der Rechtssicherheit geschützte allgemeine Vertrauen in die Beständigkeit der Rechtsordnung (CHRISTOPH ROHNER, DIKE Komm BV, 2. Aufl., Art. 9 N 51). Ver- boten ist widersprüchliches Verhalten. Ein einmal eingenommener Standpunkt darf nicht ohne sachlichen Grund gewechselt werden. Ein Verstoss dagegen ver- letzt unter Umständen ebenfalls den Vertrauensschutz (H ÄFELIN/HALLER/KELLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl., N 820 f.). Die Erwägung im Entscheid vom 23. Januar 2008 hat zwar keine Rechtskraft im eigentlichen Sinne, das heisst, eine anderweitige rechtliche Beurteilung wäre grundsätzlich möglich. Zu beachten ist jedoch, dass betreffend den gleichen Be- teiligten (Arrest der Beschwerdegegnerin 1 gegen den Beschwerdegegner 2 be- treffend Vermögensgegenständen bei der Zweigniederlassung der Beschwerde- führerin in Singapur) die Frage der Belegenheit bereits beurteilt wurde. Zwar war die Beschwerdeführerin an diesem Verfahren nicht als Partei beteiligt, jedoch hat sie die Frage des Belegenheitsortes im Rahmen des vorliegenden Zwangsvoll- streckungsverfahrens, namentlich bei der Anfechtung der Aufforderung zur Aus- kunft, ihrerseits auch bereits aufgeworfen (Geschäft Nr. PS120131-O). Dabei hat die Kammer als obere Aufsichtsbehörde keinen Anlass zum Einschreiten von Am- tes wegen gesehen. Aus diesen Gründen würde es vorliegend dem Gebot von Treu und Glauben widersprechen, wenn nunmehr bezüglich den gleichen Partei- en plötzlich eine andere Meinung vertreten würde, ohne dass zwischenzeitlich neue bundesgerichtliche Entscheide ergangen wären oder anderweitige neue we- sentliche Erkenntnisse dazu Anlass böten. Auch der Entscheid des Bundesstraf- gerichts vom 13. September 2006 erging vor dem obergerichtlichen Entscheid, wobei ohnehin fraglich ist, wie weit sich dieser Entscheid überhaupt auf das Schuldbetreibungs- und Konkursrecht übertragen liesse. Die im Beschluss vom 23. Januar 2008 gefasste Meinung, wonach die Forderung der ausländischen Zweigniederlassung beim schweizerischen Hauptsitz belegen gilt, ist somit in der vorliegenden Konstellation nicht mehr grundsätzlich neu zu diskutieren. - 19 - 3.10. Dem Vorbringen der Beschwerdeführerin, dass ein fiktiver Belegenheitsort am Hauptsitz des Drittschuldners, wie er gegebenenfalls im summarischen Ar- restverfahren herangezogen werde, zur Begründung der Zuständigkeit im Rah- men der Pfändung nicht genüge, da Vermögenswerte bei der Pfändung tatsäch- lich zu behändigen seien (act. 10 S. 21), ist entgegen zu halten, dass im summa- rischen (Arrest-)Verfahren nur der Sachverhalt einer anderen Beweisstrenge un- terliegt, bei der Rechtsanwendung jedoch keine Unterscheidung besteht. Es geht nicht an, im Arrestverfahren aus rechtlichen Überlegungen von einer Zuständig- keit auszugehen, welche in der Pfändung nicht mehr bestehen sollte. Andernfalls könnten Vermögensgegenstände zwar verarrestiert nicht aber gepfändet werden. Dies ist grundsätzlich zu vermeiden. Lediglich wenn sich im Sachverhalt etwas ändert oder sich diesbezüglich erweist, dass zunächst glaubhaft gemachte Um- stände nicht vorliegen, entfällt allenfalls die Zuständigkeit. 3.11. Zum Einwand der Beschwerdeführerin, das Betreibungsamt wäre verpflich- tet gewesen, bei Eintritt der Rechtskraft des Einspracheentscheides im Arrestver- fahren Klarheit über die vom Arrest erfassen Vermögenswerte zu schaffen und die entsprechenden Auskünfte zu verlangen (act. 10 S. 17), ist in Betracht zu zie- hen, dass die Beschwerdeführerin selber ausführt, diese Informationen aufgrund des Bankengesetzes von Singapur nicht geben zu können. Folglich muss in die- ser Konstellation, namentlich bei der (auf der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung basierenden) Annahme der Belegenheit der Forderung in der Schweiz, ei- ne Fortsetzung ohne die diesbezügliche Information möglich sein. Entsprechend verhält es sich in der Tat wie bei einer bestrittenen Forderung (vgl. BSK SchKG I- L EBRECHT, Art. 99 N 12). Behauptet ein Gläubiger, der Schuldner habe eine For- derung gegenüber einem Dritten, welcher jedoch den Bestand dieser Forderung bestreitet, ist die Forderung trotz Unsicherheit über deren Bestand als bestritten zu pfänden. Dass sich deshalb allenfalls erst im Nachhinein ergibt, dass von An- fang an kein Betreibungsstand vorgelegen hat, weil an diesem Ort keine Vermö- gensgegenstände vorhanden sind, ist dabei in Kauf zu nehmen. - 20 - Auch sonst kann die Beschwerdeführerin aus der Unmöglichkeit der Auskunftser- teilung nichts zu ihren Gunsten ableiten, wird doch mit der Pfändungsverfügung keine Auskunft mehr verlangt. 3.12. Anzumerken bleibt, dass auch die Rügen der Beschwerdeführerin zur Ver- letzung des rechtlichen Gehörs nicht zutreffen. Die Vorinstanz legt dar, wie sie zu ihrem Schluss kommt. Der Verweis auf die Erwägungen im Entscheid Geschäft Nr. CB120084-L ist nicht zu beanstanden. Dabei handelt es sich um einen Ent- scheid zwischen den gleichen Parteien, worin die Frage des Belegenheitsortes auf entsprechendes Vorbringen der Beschwerdeführerin hin bereits abgehandelt wurde. Sodann ist nicht unklar, welche Erwägungen des Entscheids gemeint sind, ergibt sich doch aus dem Zusammenhang, dass sich der Verweis auf die Ausfüh- rungen zum Belegenheitsort bezieht, namentlich die Begründung, weshalb die Forderung als am schweizerischen Hauptsitz belegen gilt und weshalb es möglich ist, sie hier zu pfänden (E. 4.3). Im Rahmen dieser Erwägungen hat sich die Vor- instanz sodann auch bereits mit dem Entscheid des Obergerichts aus dem Jahr 2004 (Geschäft Nr. NR040060/U) und dem Entscheid des Bundesstrafgerichts vom 13. September 2006 auseinandergesetzt. 3.13. Kommt man zum Schluss, die (bestrittenen) Vermögenswerte seien am Sitz der Drittschuldnerin belegen, ist auch der Betreibungsstand in Zürich gegeben und das Betreibungsamt D._____ ist örtlich zuständig für die Pfändung dieser Vermögenswerte. 3.14. Nach dem Gesagten bleibt es dabei, dass vorliegend ein Vollzug in der Schweiz möglich ist. Insofern besteht kein Anlass zum Einschreiten von Amtes wegen. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet. 3.15. Die Referentin gibt den Minderheitsantrag zu Protokoll, die Beschwerde sei gutzuheissen und die Pfändung Nr. …, Betreibung Nr. … sei aufzuheben, da vor- liegend einer einschränkungslosen Prüfung nichts entgegen stehe und die verar- restierten Vermögenswerte aus zwangsvollstreckungsrechtlicher Sicht nicht in der Schweiz liegen würden (Prot. S. 5 f., act. 25). - 21 - 4. Kosten- und Entschädigungsfolgen Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos (Art. 20a Abs. 2 Ziff. 5 SchKG und Art. 61 Abs. 2 GebV SchKG). Parteientschädigungen dürfen in diesem Verfahren nicht zugesprochen werden (Art. 62 Abs. 2 GebV SchKG). Es wird erkannt: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Es werden keine Kosten erhoben und keine Parteientschädigungen zuge- sprochen. 3. Schriftliche Mitteilung an die Parteien unter Beilage von act. 25, an das Be- zirksgericht Zürich sowie an das Betreibungsamt D._____, je gegen Emp- fangsschein. Die erstinstanzlichen Akten gehen nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmit- telfrist an die Vorinstanz zurück. 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 10 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be- schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). - 22 - Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um einen Entscheid der kantonalen Aufsichtsbehörde in Schuldbetrei- bungs- und Konkurssachen im Sinne von Art. 74 Abs. 2 lit. c BGG. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer Die Gerichtsschreiberin: MLaw D. Weil versandt am: