06/07 9 Strafprozessordnung. Art. 274 Abs. 3 BStP. Art. 20 Abs. 2, Art. 22 Abs. 2, Art. 193 StPO. Verlangen der vollständigen Ausfertigung des Urteils. Wiederherstellung einer versäumten Frist. Rüge der Verletzung der Begrün- dungspflicht als Teilaspekt des rechtlichen Gehörs. Der Anspruch auf rechtli- ches Gehör kann von der Einhaltung gewisser Formen und Fristen abhängig gemacht werden. Diese müssen aber bspw. genügend Ze it für die sorgfältige Ausarbeitung etwa einer schriftlichen Stellungnahme lassen. Der Gesuchsteller hatte nach der Inempfangnahme des Dispositivs des o bergerichtlichen Strafur- teils 30 Tage Zeit, mittels einfacher, kurzer Erklä rung die vollständige Ausferti- gung des Urteils zu verlangen. Es stand dem von ein em Rechtsanwalt vertrete- nen Gesuchsteller genügend Zeit zur Verfügung, um s ich (allenfalls) mit den Bestimmungen der StPO/UR betreffend Fristenlauf und hier insbesondere betreffend Gerichtsferien zu befassen. Soweit der G esuchsteller sich auf aus- serkantonales Strafprozess- oder Zivilprozessrecht beruft, gehen die Vorbrin- gen ins Leere. Der Gesuchsteller kann sich auch nic ht auf die (vor allem im Vertragsrecht zur Anwendung kommende) sogenannte Un gewöhnlichkeitsre- gel stützen. Es ist von einem Rechtskundigen zu erw arten, dass er, wenn er sich mit den Gerichtsferienbestimmungen befasst, di e im gleichen Abschnitt enthaltenen Fristbestimmungen (hier interessierend: Art. 20 Abs. 2 StPO) zur Kenntnis nimmt. Abweisung des Gesuches um Wiederherstellung der Frist. Obergericht, 1. März 2007, OG S 06 5