Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. September 2020 (725 20 181 / 223) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Invalidenrente: Bemessung des Valideneinkommens unter Heranziehung der LSE- Tabellenlöhne / Ermittlung des massgebenden Kompetenzniveaus Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Anouck Zehntner, Advo- katin, Indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1963 geborene A.____ war seit August 1988 als L agermitarbeiter und ab Juni 1999 - nach absolvierter Berufslehre - als Lagerist EFZ bei der B.____ AG tätig und durch die Arbeitgeberin bei der Schweizerischen Unfallversicherung sanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 27. Juni 2011 erlitt A.____ einen Unfall, als er beim Absteigen von einem Stapler das Gl eichgewicht verlor und auf die linke Schulter stürzte. Dabei zog er sich eine Rotatorenmansch ettenruptur links zu. Nach Eingang Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Unfallmeldung kam die Suva für die Heilungskosten auf und leistete Taggeldzahlungen ent- sprechend der ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit. Am 13. April 2018 wurde beim Versicherten eine Re-Ruptur der Rotatorenmanschette links festgestellt, die am 8. Mai 2018 operativ versorgt wurde. Auch hierfür erbrachte die Suva die gesetzlichen Leistungen in Form von Heilungskos- ten und Taggeldern. Unter Hinweis, dass keine ärztlichen Behandlungen mehr vorgesehen seien, schloss die Suva den Fall grundsätzlich per 31. August 2019 ab (vgl. das Schreiben der Suva vom 12. Juli 2019). Mit Verfügung vom 30. Juli 2019 lehnte die Suva sodann einen Anspruch von A.____ auf eine Invalidenrente mit der Begründung ab, dass keine erhebl iche unfallbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit vorliege. Gleichzeitig sprach sie ihm in dieser Verfügung für die verblei- benden Beeinträchtigungen an der linken Schulter ein e Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 10 % zu. Die vom Versicher ten hiergegen erhobene Einsprache, die sich ausschliesslich gegen die Ablehnung des Rentenansp ruchs richtete, wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 16. April 2020 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, ver treten durch Advokatin Anouck Zehntner, am 13. Mai 2020 Beschwerde beim Kantonsger icht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der angefochtene Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin insofern abzuändern, dass diese dazu zu verpflichten sei, ihm eine Invali- denrente im Umfang von 11 % zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 2. Juni 2020 beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 ATSG, dessen Be stimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 UVG auf die Unfallver sicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 A TSG das Versicherungsgericht des- jenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Ze it der Beschwerdeerhebung ihren Wohn- sitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in C.____ (BL) , weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übri- gen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 13. Mai 2020 ist dem- nach einzutreten. 1.2 Mit Schreiben vom 12. Juli 2019 teilte die Suva de m Versicherten mit, dass man den Fall grundsätzlich per 31. August 2019 abschliesse und di e Taggeldzahlungen auf diesen Ter- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht min eingestellt würden. Man prüfe nunmehr, ob per 1. September 2019 weitere Versicherungs- leistungen (Invalidenrente, Integritätsentschädigung) ausgerichtet werden könnten. Nach Vor- nahme entsprechender Abklärungen lehnte die Suva mit V erfügung vom 30. Juli 2019 einer- seits einen Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente ab, anderseits sprach sie ihm für die verbleibenden Beeinträchtigungen an der linken Sc hulter eine Integritätsentschädigung ba- sierend auf einer Integritätseinbusse von 10 % zu. Die vom Versicherten hiergegen erhobene Einsprache richtete sich ausschliesslich gegen die Ablehnung des Rentenanspruchs. Darüber hinaus enthielt die Eingabe keine Anhaltspunkte, dass der Versicherte zusätzlich auch die Höhe der Integritätsentschädigung, wie sie in der Verfügung festgesetzt worden war, anfechten woll- te. Die Suva sah somit - zu Recht - keine Veranlassung, d iese im Rahmen des Einspracheent- scheids von Amtes wegen in die Beurteilung einzubeziehen . Im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Rügeprinzip im Einspracheverfahren und zur Frage der Teilrechtskraft von nicht angefochtenen Verfügungsbestandteilen (vgl. BG E 119 V 347 ff.) ist vielmehr festzu- halten, dass die Verfügung vom 30. Juli 2019 bezüglich de r darin festgesetzten Integritätsent- schädigung mangels Anfechtung in (Teil-) Rechtskraft erwachsen ist. Streitgegenstand des vor- liegenden Beschwerdeverfahrens bildet somit einzig die F rage, ob die Suva einen Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung zu Recht ablehnte. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Die Leistungspflicht des Un- fallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Erei gnis und dem eingetretenen Schaden (Invalidität, Integritätseinbusse) ein natürliche r (vgl. dazu BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen) und ein adäquater (vgl. dazu BGE 129 V 17 7 E. 3.2 mit Hinweis) Kausalzusam- menhang besteht. 2.2 Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu minde stens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit da uernde ganze oder teilweise Erwerbs- unfähigkeit. Diese wiederum entspricht dem durch Beeint rächtigung der körperlichen oder geis- tigen Gesundheit verursachten und nach zumutbarer Beha ndlung und Eingliederung verblei- benden ganzen oder teilweisen Verlust der Erwerbsmögli chkeiten auf dem in Betracht kom- menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). 2.3 Bei der Beurteilung eines unfallversicherungsrechtli chen Rentenanspruchs ist jeweils als erstes zu prüfen, in welchem Ausmass die versicherte P erson unfallbedingt arbeitsunfähig ist. Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arb eitsunfähigkeit die durch eine Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit b edingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutb are Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and eren Beruf oder Aufgabenbereich be- rücksichtigt (Satz 2). 2.4 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 2.5 Gestützt auf ihre Untersuchung vom 19. Juni 2019 hie lt die Suva-Kreisärztin Dr. med. D.____, Fachärztin für Chirurgie, im Bericht vom 20. Ju ni 2019 fest, dem Versicherten seien unfallbedingt lediglich noch leichte bis höchstens mitt elschwere Tätigkeiten zumutbar, wobei Gewichte bis maximal 10 kg auf Hüfthöhe körpernah, 5 kg auf Brusthöhe sowie 2 kg körperfern angehoben werden könnten. Repetitive und dauerhafte Gewichtsbelastungen seien beidseitig nicht zumutbar. Dasselbe gelte ferner für Tätigkeiten über der Horizontalen, mit Zwangshaltun- gen beider Arme und stereotypen Bewegungsmustern sowie mit repetitiven und dauerhaften Schlag- und Vibrationsbelastungen. Ebenfalls nicht in F rage kämen Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sowie in anderen absturzgefährdeten Positionen . Für entsprechend angepasste Tä- tigkeiten sei dem Versicherten eine ganztägige Präsenz am Arbeitsplatz möglich. Die Suva stützte sich in der Folge im angefochtenen Einspracheentscheid bei der Beurteilung der Arbeits- fähigkeit des Beschwerdeführers vollumfänglich auf diese Zumutbarkeitsbeurteilung der Kreis- ärztin Dr. D.____ vom 20. Juni 2019. Diese vorinstanzlich e Beweiswürdigung ist nicht zu bean- standen, sie wird denn auch vom Versicherten in seiner B eschwerde in keiner Weise in Frage gestellt. Unter diesen Umständen kann aber von weitere n Ausführungen zum medizinischen Sachverhalt abgesehen werden. Im Sinne eines Zwischenerg ebnisses ist demnach festzuhal- ten, dass die Suva im angefochtenen Entscheid gestützt au f die genannte Zumutbarkeitsbeur- teilung zu Recht davon ausgegangen ist, dass dem Versicherte n eine leidensangepasste Tätig- keit, welche den oben umschriebenen Einschränkungen Rechn ung trägt, ganztags zumutbar ist. 3. Nach Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Inval iditätsgrades das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der In validität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie- hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat i n der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffe rnmässig möglichst genau ermit- telt und einander gegenübergestellt werden. Aus der E inkommensdifferenz lässt sich der Invali- ditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 29 E. 1). 4.1 Was die Ermittlung des Valideneinkommens anbelangt , ist entscheidend, was die ver- sicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenb eginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teueru ng und der realen Einkommensentwick- lung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsge mäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen von diesem Erfahrungssatz müssen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BG E 135 V 58 E. 3.1). Erfolgte der Stellen- verlust aus invaliditätsfremden Gründen, ist der Valide nlohn anhand von Durchschnittswerten zu bestimmen (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 20 15, 9C_212/2015 E. 5.4 mit Hinwei- sen). Dabei können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik (BFS) periodisch herausgegebenen Lohnstruktur erhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3.). 4.2 Wird auf Tabellenlöhne abgestellt, sind grundsätzl ich immer die aktuellsten statisti- schen Daten zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 2.3 mit Hin weisen). Vorliegend steht eine Ren- tenzusprache an den Versicherten ab 1. September 2019 z ur Diskussion (vgl. E. 1.2 hiervor). Da die TA1 der LSE 2018 im Zeitpunkt des Einspracheent scheids noch nicht vorlag, ist grund- sätzlich von den Tabellenlöhnen der LSE 2016 auszugehen, wobei diese in Bezug auf das Jahr 2019 nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung anzupassen sind. 4.3 Wie den Akten entnommen werden kann, verlor der Beschwerdeführer seine letzte, langjährig ausgeübte Arbeitsstelle bei der B.____ AG im Jahr 2015 aus unfallfremden Gründen. Die Suva zog deshalb zur Ermittlung des Valideneinkom mens die LSE-Tabellenlöhne heran. Dieses Vorgehen erweist sich, wie auch der Beschwerdefüh rer anerkennt, nach dem Gesagten (vgl. E. 4.1 hiervor) als korrekt. Ebenso ist nicht zu be anstanden, dass die Suva innerhalb der Tabelle TA1 (Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] n ach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht - Privater Sektor) auf die branchenspezifischen Löhne im Wirtschaftszweig "La- gerei" (Ziff. 49-52) abstellte. In Anbetracht der Be rufsausbildung und der langjährigen Berufser- fahrung im gleichen Betrieb ist davon auszugehen, dass de r Versicherte im Gesundheitsfall weiterhin in diesem Sektor tätig wäre. Auch in diesem Punkt sind sich die Parteien einig. 4.4.1 Hauptstreitpunkt zwischen den Parteien und im Folg enden zu prüfen ist, ob bei der Ermittlung des konkreten Tabellenwerts im Wirtschaftszw eig "Lagerei" auf das Kompetenzni- veau 1 oder auf das Kompetenzniveau 2 abzustellen ist. U nter das Kompetenzniveau 1 fallen gemäss den Erläuterungen des BFS in der LSE 2016 (vgl . die Angaben am Fuss der Tabelle TA1) die Einkommen aus einfachen Tätigkeiten körperli cher oder handwerklicher Art. Demge- genüber umfasst das Kompetenzniveau 2 eine Vielzahl von p raktischen Tätigkeiten wie Ver- kauf, Pflege, Datenverarbeitung und Administration, B edienen von Maschinen und elektroni- schen Geräten sowie Sicherheits- und Fahrdienste. Diese sind anspruchsvoller als die im Kom- petenzniveau 1 erfassten einfachen Arbeiten. Nach der b undesgerichtlichen Rechtsprechung kann eine versicherte Person ohne (qualifizierte) Berufsa usbildung, aber mit in langjähriger praktischer Tätigkeit erworbenem handwerklichen Geschick gr undsätzlich in einem höheren Kompetenzniveau als im Niveau 1 eingestuft werden. Gl eichzeitig hat das Bundesgericht aber auch festgehalten, dass eine mehrjährige Berufserfahrung zwar nicht ausser Acht zu lassen sei, heutzutage indessen in den meisten Berufssparten ein Abschluss oder zumindest (formalisierte) Aus- und Weiterbildungen verlangt würden, was wiederum gegen eine höhere Einstufung spre- che (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016, 8C _728/2016, E. 3.3 mit Hinweisen). Vorliegend verfügt der Beschwerdeführer unbestrittenerm assen über eine qualifizierte Ausbil- dung als Lagerist mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) und über eine ausserordentlich lange Berufserfahrung von 27 Jahren. In Anbetracht di eser Berufsbiographie erfüllt er aber - Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht entgegen der Auffassung der Suva - die Anforderungen, die es erlauben, bei der Ermittlung seines hypothetischen Valideneinkommens auf das Kompetenzn iveau 2 abzustellen. Seine be- rufliche Qualifikation unterscheidet sich deutlich von der jenigen einer versicherten Person, die zwar ebenfalls über eine längere Berufserfahrung verfü gt, die aber überhaupt keine Ausbildung in dieser Sparte oder aber lediglich die kürzere und weniger qualifizierte Ausbildung als Lagerist EBA (ohne allfällige Weiterbildungen) absolviert hat , und deren Tätigkeit deshalb wohl dem Kompetenzniveau 1 zuzuordnen wäre. 4.4.2 Was die Suva gegen dieses Ergebnis vorbringt, verma g nicht zu überzeugen. Sie macht geltend, das von ihr errechnete Valideneinkommen erscheine mit Blick auf das Einkom- men, das der Versicherte als gelernter Lagerist im Zeitp unkt des Unfalls vom 27. Juni 2011 bei der B.____ AG erzielt habe, "als realistisch und nachvo llziehbar". Wie oben aufgezeigt, ist der Validenlohn aber immer anhand von Durchschnittswerten z u bestimmen, wenn der Stellenver- lust - wie hier im Fall des Beschwerdeführers - aus inval iditätsfremden Gründen erfolgte (vgl. E. 4.1 hiervor und die dortigen Hinweise). Dies hat auch zu gelten, wenn die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung allenfalls einen L ohn erzielt hatte, der leicht unter dem (damaligen) LSE-Tabellenlohn der betreffenden Branch e lag. Andernfalls würde eben doch auf einen früheren, tatsächlich erzielten Lohn abgestellt, obwohl die versicherte Person die damali- ge Stelle aus invaliditätsfremden Gründen nicht mehr a usüben kann. Im Übrigen kann im Fall des Beschwerdeführers ohnehin nicht von einem unüblich tiefen Einkommen vor Eintritt der Invalidität gesprochen werden. Laut Schadenmeldung vom 29. Juni 2011 erzielte er im Unfall- zeitpunkt ein Jahreseinkommen von Fr. 68'900.--, währe nd sich der anhand der LSE 2010 und unter Berücksichtigung der bis ins Jahr 2011 eingetretenen Nominallohnentwicklung errechnete Tabellenlohn im Wirtschaftszweig "Verkehr und Lagerei" im Jahr 2011 im Anforderungsniveau 3, das dem heutigen Kompetenzniveau 2 entspricht, auf rund Fr. 70'600.-- belaufen hatte. 4.5 Nach dem Gesagten ist der Validenlohn des Beschwerd eführers anhand des statisti- schen Tabellenlohns der Tabelle TA1 (Monatlicher Brut tolohn [Zentralwert] nach Wirtschafts- zweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht - Privater Sekto r) der LSE 2016 im Wirtschafts- zweig "Lagerei" (Ziff. 49-52) und auf der Basis des Ko mpetenzniveaus 2 zu ermitteln. Aus- gangspunkt der Berechnung bildet somit der Referenzwe rt von Fr. 5'680.-- pro Monat. Multipli- ziert mit zwölf Monaten, umgerechnet auf die durchschnit tliche Wochenarbeitszeit dieses Wirt- schaftszweigs im Jahr 2019 von 42,4 Stunden (Tabelle T03 .02.03.01.04.01 des BFS zur be- triebsüblichen Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche, Wirtschaftszweig H "Verkehr und Lagerei") und angepasst an die bis 2019 eingetretene Nominallohn entwicklung (T1.1.15 Nominallohnindex, Männer, 2016-2018, und "L ohnentwicklung nach Wirtschaftszwei- gen 2019", jeweils im Wirtschaftszweig "Verkehr und Lager ei": 0.3 % [2017], 0.0% [2018] und 1.1 % [2019]) führt dies zu einem massgebenden Valideneinkommen von Fr. 73'263.--. 5.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwer bstätigkeit aus, bei der - kumulativ - beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzun ehmen ist, dass sie die ihr verbleiben- de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Sozia llohn, gilt grundsätzlich der tatsäch- lich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkom- men gegeben, namentlich weil die versicherte Person nac h Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue E rwerbstätigkeit aufgenommen hat, so sind für die Bemessung des Invalideneinkommen die LSE-Ta bellenlöhne heranzuziehen (BGE 143 V 295 E. 2.2). 5.2 Die Parteien stimmen darin überein, dass auch das Invalideneinkommen des Be- schwerdeführers unter Beizug der LSE-Tabellenlöhne zu e rmitteln ist. Zur Anwendung gelangt wiederum der statistische Tabellenlohn gemäss der Tabell e TA1 (monatlicher Bruttolohn [Zent- ralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und G eschlecht - Privater Sektor), wobei auch hier von der LSE 2016 auszugehen ist (vgl. E. 3.4 hiervor). 5.3.1 Die Suva ging bei der Berechnung des Invalidene inkommens innerhalb der TA1 der LSE 2016 vom "Total" der Männerlöhne im Kompetenznive au 1 und somit von einem Monats- lohn von Fr. 5'340.-- aus, was vom Versicherten in seine r Beschwerde nicht in Frage gestellt wurde. In ihrer Vernehmlassung vom 2. Juni 2020 mach t die Suva nun allerdings geltend, falls der beruflichen Ausbildung des Versicherten eine lohnr elevante Bedeutung beigemessen und deshalb beim Valideneinkommen auf das Kompetenzniveau 2 abgestellt werde, müsse dieses konsequenterweise auch beim Invalideneinkommen herangez ogen werden. Dieser Betrach- tungsweise kann jedoch nicht beigepflichtet werden. Der Beschwerdeführer verfügt ausserhalb seiner angestammten Tätigkeit über keinerlei Ausbildu ng oder Berufserfahrung und er wird un- fallbedingt lediglich noch leichte bis höchstens mittel schwere (Hilfsarbeiter-) Tätigkeiten ausü- ben können, bei denen keine Ausbildung oder Vorkenntni sse vorausgesetzt werden. Solche Tätigkeiten sind aber klarerweise dem Kompetenzniveau 1 der Tabelle TA1 zuzuordnen. Somit hat die Suva aber im angefochtenen Entscheid zu Recht auf das "Total" der Männerlöhne im Kompetenzniveau 1 abgestellt. 5.3.2 Basis der Berechnung bildet demnach der vorsteh end erwähnte Referenzwert von Fr. 5'340.-- pro Monat. Multipliziert mit zwölf Monat en, umgerechnet auf die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Wirtschaftszweige im Jahr 2019 v on 41,7 Stunden (Tabelle T03.02.03.01.04.01 des BFS zur betriebsüblichen Arbeit szeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche, Total) und angepasst an die bis 2019 eingetretene Nominallohn entwick- lung (T1.1.15 Nominallohnindex, Männer, 2016-2018, T otal, und "Lohnentwicklung nach Wirt- schaftszweigen 2019", Gesamtheit der Branchen: 0.4 % [2017], 0.5 % [2018] und 0.9 % [2019]) führt dies zu einem Invalideneinkommen von Fr. 68'012.--. 5.3.3 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage de r LSE ermittelt, ist der entspre- chende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Ohne für jede s zur Anwendung gelangende Merk- mal separat quantifizierte Abzüge vorzunehmen, ist der E influss aller Merkmale auf das Invali- deneinkommen (leidensbedingte Einschränkung, Alter, D ienstjahre, Nationalität/Aufenthalts- kategorie und Beschäftigungsgrad) unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflicht- gemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Der Abzug darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2). Vorliegend hat die Suva in ihrer Berechnung des Invali- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht deneinkommens einen Abzug von 5 % vom Tabellenlohn vorg enommen, was nicht zu bean- standen ist. Die Höhe des Abzugs wird denn auch vom Beschw erdeführer zu Recht nicht in Frage gestellt. Kürzt man das vorstehend ermittelte In valideneinkommen von Fr. 68'102.-- um 5 %, so resultiert daraus ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 64'611.--. 5.4.1 Stellt man im Einkommensvergleich dieses Invalide neinkommen von Fr. 64'611.-- dem oben (vgl. E. 4.5 hiervor) ermittelten Valideneinkom men von Fr. 73'263.-- gegenüber, so resul- tiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 8’652.--, was einen Invaliditätsgrad von 11,81 % bzw. gerundet (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 ff.) von 12 % ergibt. Da dieser Wert die ge- setzliche Erheblichkeitsgrenze von 10 % (Art. 18 Abs. 1 UV G) übersteigt, hat der Beschwerde- führer Anspruch auf eine auf einem Erwerbsunfähigkeitsg rad von 12 % basierende Invaliden- rente der Beschwerdegegnerin. 5.4.2 Gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG entsteht der Rentenansp ruch, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands des Versicher- ten mehr erwartet werden kann und allfällige Einglie derungsmassnahmen der Invalidenversi- cherung (IV) abgeschlossen sind. Wie oben ausgeführt (vgl . E. 1.2 hiervor), stellte die Suva die vorübergehenden Leistungen (Taggeldzahlungen, Heilungskosten) per 31. August 2019 ein und prüfte, ob per 1. September 2019 weitere Versicherun gsleistungen (Invalidenrente, Integritäts- entschädigung) ausgerichtet werden könnten. Da dieser Fa llabschluss per Ende August 2019 nicht zu beanstanden ist, ist dem Beschwerdeführer die ihm nach dem Gesagten zustehende Invalidenente ab 1. September 2019 zuzusprechen. 6. Zusammenfassend ist nach dem Gesagten als Ergebnis festzu halten, dass die Be- schwerde des Versicherten gutzuheissen, der angefochtene E inspracheentscheid der Suva vom 16. April 2020 aufzuheben und festzustellen ist, das s der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. September 2019 Anspruch auf eine Invalidenrent e basierend auf einem Erwerbsunfähig- keitsgrad von 12 % hat. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin des Be- schwerdeführers hat in ihrer Honorarnote vom 24. Juni 2 020 für das vorliegende Verfahren ei- nen Zeitaufwand von 8 Stunden geltend gemacht. Darin enthalten sind unter anderem Bemü- hungen von insgesamt 20 Minuten, die sie gegenüber der Rechtsschutzversicherung des Be- schwerdeführers erbrachte. Dieser Aufwand ist jedoch ni cht durch die unterliegende Beschwer- degegnerin zu entschädigen. Die ausgewiesenen Bemühungen sind deshalb um 20 Minuten zu kürzen. Der verbleibende entschädigungsberechtigte Zeita ufwand von 7 Stunden und 40 Minu- ten erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachver halts- und Rechtsfragen als ange- messen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsp rozessen praxisgemäss für Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stun denansatz von 250 Franken zu ent- schädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die geltend gemachten Auslagen von Fr. 37.80. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigu ng in der Höhe von Fr. 2‘104.95 (7 Stunden und 40 Minuten à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 37.80 zuzüglich 7,7 % Mehrwert- steuer) zu Lasten der Suva zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid der Suva vom 16. April 2020 aufgehoben und es wird fest- gestellt, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. S eptember 2019 Anspruch auf eine Invalidenrente basierend auf e inem Erwerbs- unfähigkeitsgrad von 12 % hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Suva hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsc hädigung in der Höhe von Fr. 2‘104.95 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrw ertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht