Bu nde s ve rw altungs ge r icht Tr i buna l adm inis tr a tif fé dé r al Tr i buna le amm inis tr at ivo fe de r ale Tr i buna l adm inis tr a ti v fe de r al Abteilung III C-2830/2011 U r t e i l v o m 1 3 . A p r i l 2 0 1 2 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richterin Marie-Chantal May Canellas, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien X._______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Reisepass für eine ausländische Person. C-2830/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ist 1960 geboren und irakischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie. Am 8. März 1998 reiste er illegal in die Schweiz ein, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Mit V erfügung vom 8. November 2000 lehnte das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) das Asylg e- such des Beschwerdeführers ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz und deren V ollzug an. Gegen diese V erfügung gelangte der Beschwerdeführer am 13. Dezember 2000 rechtsmittelweise an die damals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK). Am 27. Oktober 2004 wurde dem Beschwerdeführer durch das Migrationsamt des Kantons Zürich gestützt auf Art. 13f der V erordnung vom 6. Oktober 1986 über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (BVO, AS 1986 1791) eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. In der Folge wurde die Beschwerde mit Urteil der ARK vom 29. Mai 2006 in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers sowie die Asylgewährung abgewiesen und in Be- zug auf die Wegweisung und deren V ollzug als gegenstandslos abg e- schrieben. B. Zwischenzeitlich hatte der Bes chwerdeführer am 16. November 2004 beim Migrationsamt des Kantons Zürich ein Gesuch um Ausstellung eines Passes für eine ausländische Person gestellt. In einem Zusatzformular betreffend Schriftenlosigkeit hielt er dazu fest, sein Fall sei noch bei der ARK hängig; im Übrigen gäbe es keine irakische Botschaft. Das BFF hiess das Gesuch gut und stellte dem Beschwerdeführer einen Pass für eine ausländische Person – gültig bis zum 26. November 2005 – aus. Nachdem der Beschwerdeführer am 4. März 2005 erneut bei der zustän- digen kantonalen Behörde um Ausstellung eines Passes für eine auslän- dische Person ersucht hatte, wurde ihm am 24. März 2005 wiederum ein entsprechendes Dokument (wohl mit einer Gültigkeitsdauer von 5 Jahren) durch die Vorinstanz zugestellt. C. Am 28. Juni 2010 meldete der Beschwerdeführer den V erlust dieses Rei- sepasses bei der Stadtpolizei Winterthur und ersuchte in der Folge am 29. Juni 2010 beim Migrationsamt des Kantons Zürich abermals um einen Pass für eine ausländische Person. Zur Begründung sei ner Schriftenlo- sigkeit gab er an, er erhalte als irakischer Kurde keinen Pass von der ira- kischen Botschaft in der Schweiz. C-2830/2011 Seite 3 D. Mit V erfügung vom 7. Juli 2010 lehnte die V orinstanz das Gesuch man- gels Schriftenlosigkeit des Beschwerdeführers ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, vom Beschwerdeführer, bei dem es sich weder um eine asyl- suchende oder schutzbedürftige Person noch um einen anerkannten Flüchtling handle, könne verlangt und ihm auch zugemutet werden, sich bei den zuständigen heimatlichen Behö rden um die Ausstellung eines gültigen Reisedokuments zu bemühen. Aufgrund bisheriger Erkenntnisse sei die V orinstanz davon ausgegangen, dass die Vertreter der irakischen Botschaft in Bern Anträge auf Ausstellung eines irakischen Passes nicht nur entgegennehmen würden, sondern dass sie ihre Landsleute bei der Erledigung der notwendigen Formalitäten unterstützen würden. Auch sei man davon ausgegangen, dass noch nicht vorhandene Dokumente von der Schweiz aus beschafft werden könnten. Im Übrigen habe man die ira- kische Botschaft in Bern mit dem V orbringen konfrontiert, dass die Aus- stellung eines irakischen Reisepasses eine persönliche V orsprache im Heimatland voraussetze, die irakische Botschaft jedoch nicht bereit sei, zu diesem Zweck ein (zumindest provisorisches) Reisedokument auszu- stellen. Diese habe aber – trotz Mahnung – nicht dazu Stellung genom- men. Die V orinstanz gehe somit davon aus, ein irakischer Pass könne weiterhin von der Schweiz aus beschafft werden. Zudem könnten den Ak- ten keine Hinweise entnommen werden, dass sich der Beschwerdeführer bereits um die Ausstellung eines heimatlichen Reisedokuments bemüht habe oder dass sich die irakische Botschaft grundsätzlich weigern würde, ihm einen Reisepass abzugeben. Diese V erfügung erwuchs unangefoch- ten in Rechtskraft. E. Am 18. Oktober 2010 stellte die Vorinstanz den V erlust des Passes für eine ausländische Person fest, der dem Beschwerdeführer am 24. März 2005 zugestellt worden war und verfügte aus diesem Grund die Beza h- lung einer Gebühr von Fr. 100.-. F. Am 8. Dezember 2010 stellte der Beschwerdeführer erneut ein Gesuch um Ausstellung eines Passes für eine ausländische Person mit der B e- gründung, als irakischer Kurde erhalte er von der irakischen Botschaft in der Schweiz keinen Reisepass, womit er als schriftenlos gelte. C-2830/2011 Seite 4 G. Mit vorinstanzlichem Schreiben vom 28. Dezember 2010 wurde der B e- schwerdeführer darauf aufmerksam gemacht, dass die V oraussetzungen für die Ausstellung eines Passes für eine ausländische Person offensicht- lich nicht erfüllt seien, weshalb man ohne seinen Gegenbericht sein Ge- such als gegenstandslos abschreibe. H. Der Beschwerdeführer gelangte mit Schreiben vom 13. Januar 2011 i n- nert Frist an die V orinstanz und verlangte eine schriftliche Begründung, weshalb er die Anforderungen für die Ausstellung eines Passes für eine ausländische Person nicht mehr erfülle. Er machte diesbezüglich geltend, er sei bereits im Besitz eines solchen Ausweises gewesen. Nachdem er diesen verloren hätte, habe er beim Migrationsamt des Kantons Zürich einen neuen beantragt. I. Mit V erfügung vom 19. April 2011 wies die V orinstanz das Gesuch ab. Im Wesentlichen wurde ausgeführt, das Asylgesuch des Beschwerdeführers sei rechtskräftig abgelehnt worden; seit dem 27. Oktober 2004 verfüge er über eine Aufenthaltsbewilligung in der Sc hweiz. Auch sei er nicht als Flüchtling anerkannt worden, weshalb es ihm möglich und zumutbar sei, sich bei den zuständigen Behörden seines Heimatstaates um die Ausstel- lung eines heimatlichen Reisedokuments zu bemühen. T echnische V er- zögerungen seien nicht geeignet, die Schriftenlosigkeit zu begründen. Der Beschwerdeführer habe offenbar noch keine konkreten Schritte u n- ternommen, bei der heimatlichen V ertretung ein Reisedokument anzufor- dern. Damit habe er nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um einen heimatlichen Reisepass zu erhalten und gelte demnach nicht als schri f- tenlos. J. Mit Rechtsmitteleingabe vom 17. Mai 2011 beantragt der Beschwerdefüh- rer beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzlichen V erfügung sowie die Ausstellung des beantragten Passes für eine au s- ländische Person. Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, er habe bereits im Juli 2010 bei der heimatlichen Botschaft vorgesprochen und eine negative Antwort erhalten. Im April 2011 habe er erneut bei seiner Heimatvertretung vorgesprochen. Gemäss einer Erklärung der irakischen C-2830/2011 Seite 5 Botschaft könne ein Antrag auf Ausstellung eines Passes nur von der be- troffenen Person im Irak selber gestellt werden. Ohne Reisepapiere kön- ne er jedoch nicht in den Irak reisen. Die Beschaffung eines Reisepapiers sei ihm somit offensichtlich unmöglich. Der Eingabe beigelegt waren zwei Schreiben der irakischen Botschaft, datiert vom 21. Juli 2010 und 9. Mai 2011. Beide Schreiben bestätigen, dass der Beschwerdeführer dort um Ausstellung eines Passes ersucht hat. Wird in ersterem erwähnt, bis auf weiteres aus technischen Gründen keine Anträge mehr anzunehmen, verweist das zweite Schreiben darauf, dass heimatliche Pässe zurzeit nur im Irak ausgestellt würden und auch nur dann, wenn die betroffene Person ihren Ant rag persönlich stellen würde. K. Die V orinstanz schliesst in ihrer V ernehmlassung vom 1. Juli 2011 auf Abweisung der Beschwerde. L. Mit Replik vom 19. Juli 2011 hält der Beschwerdeführer an seinen Anträ- gen fest. M. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des V erwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht – unter V or- behalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen – Beschwerden gegen V erfügungen nach Art. 5 des V erwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen unter ande- rem V erfügungen des BFM betreffend Ausstellung von Reisedokumenten für ausländische Personen (vgl. Art. 59 des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005 [AuG, SR 142.20]). Das vorliegende Urteil des Bu n-C-2830/2011 Seite 6 desverwaltungsgerichts ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 6 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das V erfahren vor dem Bundes - verwaltungsgericht nach dem VwVG, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. 1.3. Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert. Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die V erletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes sowie, wenn nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat, die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde- verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgeb end ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3. 3.1. Anspruch auf einen Pass für eine ausländische Person haben nach dem Übereinkommen vom 28. September 1954 über die Rechtsstellung der Staatenlosen (SR 0.142.40) vo n der Schweiz als staatenlos ane r- kannte Personen sowie schriftenlose ausländische Personen mit Nieder- lassungsbewilligung (Art. 59 Abs. 2 Bst. b und c AuG i.V .m. Art. 3 Abs. 1 der V erordnung vom 20. Januar 2010 über die Ausstellung von Reisedo- kumenten für ausländische Personen [RDV , SR 143.5]). Gemäss Art. 59 Abs. 1 AuG i.V .m. Art. 3 Abs. 2 RDV kann das BFM einer schriftenlosen, ausländischen Person mit Jahresaufenthaltsbewilligung im Rahmen des freien (pflichtgemässen) Ermessens einen Pass für eine ausländische Person abgeben. Unabdingbare V oraussetzung für die Ab- gabe eines Passes ist in diesen Fällen somit stets, dass die ausländische Person, die um Abgabe eines solchen Dokuments ersucht, schriftenlos ist. C-2830/2011 Seite 7 3.2. Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 Abs. 1 RDV gilt als schriftenlos im Sinne der Reisedokumentenverordnung eine ausländische Person, die keine gültigen Reisedokumente ihres Heimat- oder Herkunftsstaates be- sitzt und von der nicht verlangt werden kann, dass sie sich bei den z u- ständigen Behörden ihres Heimat- oder Herkunftsstaates um die Ausstel- lung oder V erlängerung eines Reisedokuments bemüht (Bst. a), oder für welche die Beschaffung von Reisedokumenten unmöglich ist (Bst. b). Die Schriftenlosigkeit wird nach Art. 6 Abs. 4 RDV im Rahmen der Gesuchs- prüfung durch das BFM festgestellt. 4. V orliegend ist demnach zunächst zu prüfen, ob die V orinstanz hinsichtlich des Beschwerdeführers zu Recht die Schriftenlosigkeit – als unabdingba- re V oraussetzung für die Ausstellung eines Reisedokumentes – verneint hat, indem sie sowohl die Zumutbarkeit entsprechender Bemühungen bei den zuständigen heimatlichen Behörden als gegeben erachtete als auch die Unmöglichkeit der Beschaffung eines heimatlichen Reisepasses ver- neint hat. 4.1. Die Frage, ob die Beschaffung von Reisedokumenten bei den He i- matbehörden von den betreffenden Personen verlangt werden kann (bzw. die Zumutbarkeit), ist dabei nicht nach subjektiven Gegebenheiten, so n- dern nach objektiven Massstäben zu beurteilen (vgl. Urteil des Bundesge- richts 2A.335/2006 vom 18. Oktober 2006 E. 2.1 mit Hinweis). Namentlich von schutzbedürftigen und asylsuchenden Personen kann im Hinblick auf eine potentielle Gefährdungslage eine Kontaktaufnahme mit den zustän- digen Behörden des Heimat- oder Herkunftsstaates nicht verlangt werden (vgl. Art. 6 Abs. 3 RDV). Dasselbe gilt gemäss den diesbezüglichen Wei- sungen des BFM auch in Bezug auf Personen, welche infolge Unzulä s- sigkeit des Wegweisungsvollzugs (nach Massgabe von Art. 83 Abs. 1 i.V .m. Abs. 3 AuG) vorläufig aufgenommen wurden (vgl. Ziff. 2 der Ausfüh- rungsvorschriften zur RDV im Anhang 3/2 zu den Weisungen und Erläute- rungen über Einreise, Aufenthalt und Arbeitsmarkt, online unter: http://www.esbk.admin.ch/content/dam/data/migration/rechtsgrundlagen/ weisungen_und_kreisschreiben/weisungen_anag/weisungen_1106_d. pdf). Daraus ist zu schliessen, dass von Personen, die – wie der Beschwerde- führer – über eine Aufenthaltsbewilligung verfügen, eine solche Kontakt- aufnahme im Hinblick auf die Beschaffung von Reisedokumenten verlangt werden kann. In casu macht der Beschwerdeführer denn auch – zu Recht C-2830/2011 Seite 8 – nicht geltend, die Kontaktaufnahme mit der heimatlichen Behörde kön- ne von ihm nicht verlangt werden, hat er doch bereits bei der irakischen Botschaft vorgesprochen. Dieser Umstand wird bestätigt durch zwei – der Beschwerde beigelegte – Schreiben der irakischen Botschaft vom 9. Mai 2011 bzw. vom 21. Juli 2010, wo darauf h ingewiesen wird, dass der Be- schwerdeführer dort vorgesprochen habe, um einen Antrag auf Ausste l- lung eines Passes einzureichen. V on einer Unzumutbarkeit der Beschaf- fung des beantragten Reisedokuments im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. a RDV kann somit vorliegend nicht ausgegangen werden. 4.2. Zur Frage der Unmöglichkeit der Beschaffung des beantragten Re i- sedokuments gilt es auszuführen, dass nach V erschärfung der Lage im Irak im Jahre 2003 die V orinstanz während längerer Zeit davon ausging, Personen aus dem Zentral- oder dem Nordirak könnten sich keine gült i- gen heimatlichen Reisedokumente mehr beschaffen und seien deshalb grundsätzlich als schriftenlos zu betrachten (vgl. Kreisschreiben des Bun- desamtes für Flüchtlinge [BFF] zu den Massnahmen im Asylbereich nach V erschärfung der Lage im Irak vom 18. August 2003 [Asyl 52.5.1]). V or diesem Hintergrund ist auch die T atsache zu verstehen, dass die V orin- stanz dem Beschwerdeführer auf seine Gesuche vom 16. November 2004 und 4. März 2005 hin entsprechende Reisedokumente auss tellte. Anfang 2005 ging die irakische V ertretung in der Schweiz in der Folge des Wiederaufbaus der administrativen Strukturen im Irak jedoch wieder dazu über, ihren hierzulande wohnhaften Staatsangehörigen – auf ent- sprechendes Gesuch hin – heimatliche Reisepässe auszustellen. Nach- dem zwischenzeitlich Pässe der (allgemein anerkannten) Serie "G" einge- führt und ausgestellt worden waren, fand auf Anfang des Jahres 2010 er- neut eine Umstellung statt: Seither ist nurmehr noch die Ausstellung von Pässen der neu eingeführten Serie "A" vorgesehen; Pässe der Serie "G" können dementsprechend nicht mehr beantragt werden. Auf der Internet- seite der irakischen Vertretungen in Deutschland sind nunmehr Informa - tionen zur Vorgehensweise im Hinblick auf die Beantragung (auch b ei den ausländischen Vertretungen) eines Passes der neuen Serie "A" zu finden (vgl. www.iraqiembassy-berlin.de/docs/de/konsulat8_de.php be- sucht im März 2012 ). Der Website der irakisch en Botschaft in Deutsc h- land zufolge, ist derzeit eine (technische) Umrüstung bei den irakischen Vertretungen im Gange, in deren Zusammenhang das irakische Innenmi- nisterium die Anweisung erlassen hat, bis auf weiteres keine Passanträge (betreffend Pässe der Serie "A") entgegenzunehmen. Ziel dieser Umstel- lung ist gemäss der Website ein verbesserter Service zu Gunsten der ira- kischen Staatsbürger. Gemäss Auskunft der irakischen Botschaft in Bern C-2830/2011 Seite 9 wurden nach den Wahlen im Irak im März 2010 aufgrund der noch nich t erfolgten Regierungsbildung sowohl im Irak als auch in der Schweiz keine irakischen Pässe mehr ausgestellt (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsge- richts C-7509/2010 vom 17. Mai 2011 E. 4.5). Auskünften der irakischen Botschaft in Bern zufolge, müssen in der Schweiz lebende irakische Staatsangehörige ihre Anträge betreffend Ausstellung eines Passes der Serie "A" persönlich bei der irakischen Botschaft in Paris stellen. Voraus- gesetzt wird, dass die betroffene Person über einen irakischen Personal- ausweis (Hawitt Al Ahwal Al-Medanie) und die irakische Staatsangehörig- keitsurkunde (Shahadit al-Jensie) verfügt. Mit diesen Dokumenten sowie Passfotos muss vorerst bei der irakischen Botschaft in Bern vorgespr o- chen werden. Nachdem die Unterlagen dort vorbereitet und bea rbeitet wurden, müssen sämtliche Unterlagen persönlich bei der irakischen Bot- schaft in Paris eingereicht werden, wozu ein Termin zu vereinbaren ist. Das geschilderte V orgehen betreffend Erhalt eines irakischen Reisepas- ses lässt hingegen nicht den Schluss zu, die Beschaffung von irakischen Reisedokumenten sei zum heutigen Zeit punkt als grundsätzlich unmög- lich im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. b RDV zu betrachten, ist es doch Sa- che des jeweiligen Staates das jeweilige V erfahren und dessen Ablauf zum Erhalt eines entsprechenden Reisedokuments zu bestimmen. Dass damit zur Antragsstellung eine Reise nach Paris möglicherweise unu m- gänglich wird und diese für den Beschwerdeführer mit gewissen Umstän- den verbunden sein könnte, vermag daran nichts zu ändern. Seinem Einwand, er verfüge nicht über ein Reisepapier und könne demzufolge nicht ins Ausland reisen, ist zu entgegnen, dass er selbst um die Ausstel- lung eines gültigen Reiseersatzdokuments bei der entsprechenden B e- hörde bemüht sein muss, um die Reise nach Frankreich antreten zu kön- nen. Dazu müsste er allerdings alle anderen oben erwähnten Vorbedi n- gungen erfüllen, bzw. die notwendigen V orbereitungsarbeiten bereits er- ledigt haben. Eine Unmöglichkeit nach Art. 6 Abs. 1 Bst. b RDV wird denn auch lediglich dann angenomm en, wenn eine Person an Auslandreisen gehindert wird, weil sich die heimatlichen Behörden ohne hinreichenden Grund – und damit willkürlich – weigern, ein Reisepapier auszustellen (vgl Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-1217/2009 vom 12. Juni 2009 E. 4.3.5). Zwar macht der Beschwerdeführer in dieser Hinsicht geltend, ira- kischen Staatsbürgern kurdischer Ethnie würden generell keine Reisepa- piere ausgestellt (vgl. Gesuch des Beschwerdeführers vom 29. Juni 2010). Dieser Umstand ist jedoch weder gerichtsnotor isch noch lässt er sich aus den Akten ableiten. Die vom Beschwerdeführer zu den Akten eingereichten Bestätigungen der irakischen Botschaft vom 21. Juli 2010 C-2830/2011 Seite 10 bzw. vom 9. Mai 2011 stehen im Einklang mit der zur damaligen Zeit geltenden Praxis der irakischen Botschaft in Bern betreffend Ausstellung eines Passes der Serie "A". Aus den Akten ist weder ersichtlich noch macht der Beschwerdeführer geltend, er verfüge nicht über die obgenannten – für die Passbeantr a- gung erforderlichen – irakischen Dokumente (Pers onalausweis und Staatsangehörigkeitsurkunde). V ollständigkeitshalber ist jedoch an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die genannten Dokumente von einer be- vollmächtigten Drittperson im Irak – beispielsweise einem dazu mand a- tierten Anwalt – erhältlich gemacht werden könnten (vgl. Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts C-8018/2008 vom 16. März 2011 E. 5.4). V on einer Unmöglichkeit der Beschaffung des beantragten Reisedok u- ments im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. b RDV kann angesichts der vorste- henden Ausführungen somit nicht ausgegangen werden. 4.3. Dem Beschwerdeführer ist somit die Beschaffung eines gültigen hei- matlichen Reisedokumentes zumutbar; sie ist auch nicht objektiv unmög- lich. Er ist folglich nicht als schriftenlos im Sinne von Art. 6 Abs. 1 RDV zu betrachten. 5. Aus diesen Darlegungen folgt, dass die V orinstanz zu Recht die Schri f- tenlosigkeit des Beschwerdeführers verneint und die Ausstellung eines Passes für eine ausländische Person verweigert hat. Die angefochtene V erfügung erweist sich somit im Lichte von Art. 49 VwVG als rechtmässig und die Beschwerde ist dementsprechend abzuweisen. 6. In Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG in V erbindung mit Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist auf die Auferlegung von V erfahrenskosten zu verzichten. Damit wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) g e- genstandslos. (Dispositiv nächste Seite) C-2830/2011 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine V erfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die V orinstanz (Akten Ref-Nr. [...] retour) – das Migrationsamt des Kantons Zürich Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer V ersand: