B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-4704/2023 U r t e i l v o m 6 . S e p t e m b e r 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichter Basil Cupa, mit Zustimmung von Richter Simon Thurnheer; Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 22. August 2023 / N (…). F-4704/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 1 6. Juli 2023 in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruckdatenbank (Euro- dac) ergab, dass er bereits am 31. Juli 2020 in Griechenland, am 6. Sep- tember 2021 in Slowenien und am 28. September 2021 in Deutschland um Asyl nachgesucht hatte. B. Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer am 2 8. Juli 2023 das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit der Überstellung nach Slowenien oder Deutschland, deren Zu- ständigkeit für die Behandlung des A sylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. Anlässlich des Dublin-Gesprächs gab der Beschwerdeführer an, Deutsch- land habe ihn im Juni 2022 nach Slowenien überstellen wollen. Er habe jedoch aufgrund seines Gesundheitszustands den Flug nicht antreten kön- nen. Nach der Entlassung aus einem Krankenhaus sei er nach Frankreich gereist. Er habe gehofft, dass die in Slowenien erfassten Fingerabdrücke in Eurodac gelöscht würden. Nach einem zehnmonatigen illegalen Aufent- halt in Frankreich sei er im Mai 2023 nach Deutschland zurückgekehrt. An- lässlich einer Gerichtsverhandlung sei er darüber informiert worden, dass er nach Slowenien zurückkehren müsse. Am 11. Juli 2023 sei er dorthin überstellt worden. Die Situation in den slowenischen Camps sei katastro- phal. Nach zwei Tagen habe er das Land verlassen und sei in die Schweiz gereist. Er habe bisher in keinem Land einen Schutzstatus erhalten. Zum medizinischen Sachverhalt gab der Beschwerdeführer an, er sei ge- stresst und könne nicht schlafen. C. Am 10. August 2023 beantworteten die deutschen Behörden das Informa- tionsersuchen der Vorinstanz vom 9. August 2023 gestützt auf Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be- stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An- trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). F-4704/2023 Seite 3 D. Am 15. August 2023 ersuchte die Vorinstanz di e slowenischen Behörden um Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Am 2 1. August 2023 hiessen die slowenischen Behörden das Gesuch gut. E. Mit Verfügung vom 22. August 2023 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Überstellung nach Slowe- nien an und forderte ihn auf, die Schweiz nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wies die Vorinstanz auf die einer allfäl ligen Be- schwerde von Gesetzes wegen fehlende aufschiebende Wirkung hin und beauftragte den Kanton B._______ mit dem Wegweisungsvollzug. F. Mit Eingabe vom 31. August 2023 erhob der Beschwerdeführer beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei festzustellen, dass erhebliche Verfahrensfehler gemacht worden seien und die Dublin - III-VO vorliegend nicht anwendbar sei. Die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durch- zuführen. Eventualiter se i der Entscheid der Vorinstanz aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, individu- elle Zusicherungen bezüglich des Zugangs zum Asylverfahren, adäquater medizinischer Versorgung und Unterbringung von den slowenischen Be- hörden einzuholen. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu ge- währen und die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstel- lung nach Slowenien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende Beschwerde entschieden habe . Überdies ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses. G. Am 1. September 2023 ordnete der Instruktionsrichter einen superproviso- rischen Vollzugsstopp an. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 6 AsylG). F-4704/2023 Seite 4 1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die üb- rigen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist folglich einzutreten. 2. 2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, die Asylgesuche auf ihre Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist (BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3. Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen ist – als offen- sichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zustän- digkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schrif- tenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 4. 4.1. Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV), da die Rechtsvertretung ihn weder über das Dublin - System informiert noch auf das Gespräch vorbereitet habe. Überdies sei das Gespräch in deren Abwesenheit durchgeführt worden. 4.1.1. Beim Dublin-Gespräch handelt es sich nach Art. 5 Abs. 1 Dublin-III- VO um ein persönliches Gespräch, welches im Lichte von Art. 26 b AsylG in Verbindung mit Art. 20 b Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) als Recht auf rechtliches Gehör zu einer allfäl- ligen Überstellung ausgestaltet ist (vgl. SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGS- HILFE [SFH], Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Auflage 2021, S. 160). Anlässlich dieses Gesprächs wurde der Beschwerdeführer über die Anwendung der Dublin -Verordnung informiert (vgl. Art. 4 Dublin - III-VO zur Informationspflicht). Inwiefern eine Vorbereitung auf d as Gesp-F-4704/2023 Seite 5 räch oder weiterreichende I nformationen notwendig gewesen wären, ist weder dargetan noch ersichtlich. 4.1.2. Zur Nichtanwesenheit der Rechtsvertretung anlässlich des Dublin - Gesprächs ist festzuhalten, dass deren Anwesenheit – entgegen der An- sicht des Beschwerdeführers – gesetzlich nicht vorgesehen ist. Beim Dub- lin-Gespräch handelt es sich nicht um eine Erstbefragung in der Vorberei- tungsphase, bei welcher die Teilnahme der Rechtsvertretung notwendig ist (Art. 102k Abs. 1 Bst. b AsylG), sondern um ein persönliches Gespräch ge- mäss Art. 5 Dublin-III-VO (siehe E. 4.1.1. hiervor). Auch diese Norm sieht keine Teilnahme der Rechtsvertretung vor (siehe zum Ganzen Urteil des BVGer E -5608/2022 vom 31. Mai 2023 [zur Publikation vorgesehen] E. 5.4 ff. m.w.H.). Gemäss Art. 102j Abs. 2 AsylG entfalten die Handlungen der Vorinstanz sodann bei rechtzeitiger Mitteilung der Termine auch ohne die Anwesenheit oder Mitwirkung der Rechtsvertretung grundsätzlich ihre Rechtswirkung. Vorliegend teilte die Vorinstanz der Rechtsvertretung den Termin für das Dublin-Gespräch vom 28. Juli 2023 drei Tage zuvor – und damit rechtzeitig – mit. Der Beschwerdeführer wurde zu Beginn des Ge- sprächs darüber informiert, dass die Rechtsvertretung aus Kapazitätsgrün- den auf eine Teilnahme am Gespräch verzichte, ihr das Protokoll im An- schluss zugestellt werde und er sich jederzeit mit rechtlichen Belangen an sie wenden könne. Des Weiteren erklärte er sich anlässlich des Dublin - Gesprächs explizit damit einverstanden, dieses ohne seine Rechtsvertre- tung durchzuführen, und bestätigte nach der Rückübersetzung mit seiner Unterschrift die Richtigkeit seiner Aussagen. Der Verweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5650/2022 vom 15. Dezember 2022 erweist sich als unbehilflich, weil in jenem Verfahren kein Einverständnis des be- troffenen Beschwerdeführers für die Durchführung des Gesprächs in Ab- wesenheit der Rechtsvertretung vorlag. Nach dem Gesagten lie gt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor, womit sich die entsprechende Rüge als unbegründet erweist. 4.2. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die Vorinstanz habe nicht abgeklärt, in welchem Land ihm Schutz gewährt worden sei, und damit den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig erhoben. Auch habe sie den medizinischen Sachverhalt nicht genügend abgeklärt. 4.2.1. Gemäss Eurodac-Eintrag wurde dem Beschwerdeführer am 24. De- zember 2021 ein Schutzstatus gewährt. Gestützt auf diesen Eintrag rich- tete die Vorinstanz ein Informationsersuchen im Sinn von Art. 34 Dublin-III- VO an die deutschen Behörden. Diese führten in ihrem Antwortschreiben aus, die slowenischen Behörden hätten ihrem Übernahmeersuchen vom F-4704/2023 Seite 6 26. November 2021 am 6. Dezember 2021 zugestimmt. Mit Entscheid vom 4. Januar 2022 sei das Asylgesuch des Beschwerdeführers aufgrund der staatsvertraglichen Zuständigkeit eines anderen Mitgliedstaats als unzu - lässig qualifiziert worden. Dieser Entscheid sei am 15. Dez ember 2022 in Rechtskraft erwachsen. Am 15. Juli 2023 sei der Beschwerdeführer nach Slowenien überstellt worden. Die slowenischen Behörden hiessen sodann das Übernahmegesuch der Vorinstanz gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO gut. Überdies gab der Beschwerdeführer anlässlich des Dub- lin-Gesprächs an, er habe bisher keinen Schutzstatus erhalten. Bei dieser Sachlage ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz keine weiteren Ab- klärungen zu einer allfälligen Schutzgewährung getätigt hat. Damit liegt keine den Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG) missachtende, unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts vor. 4.2.2. Bezüglich des Gesundheitszustands gab der Beschwerdeführer an- lässlich des Dublin-Gesprächs an, er sei gestresst und könne nicht schla- fen, worauf ihn der Befrager an den Pflegedienst verwies. Eine schriftliche Nachfrage der Vorinstanz beim zuständigen medizinischen Personal ergab, dass sich der Beschwerdeführer weder beim Pflegedienst gemeldet hatte noch medizinische Unterlagen vorliegen. Auf Beschwerdeebene macht der Beschwerdeführer zwar psychische Probleme geltend, substan- tiiert diese aber nicht weiter. Der medizinische Sachverhalt erweist sich so- mit als hinreichend erstellt. Von einer Rückweisung zur weiteren Sachver- haltsabklärungen sind in antizipierter Beweiswürdigung keine neuen, ent- scheidwesentlichen Kenntnisse zu erwarten ( vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5 m.w.H.). 4.3. Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet , weshalb das Eventualbegehren um Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz abzuweisen ist. 5. 5.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 5.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verf ahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat F-4704/2023 Seite 7 erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rah- men des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23 - 25 Dublin -III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin - III-VO mehr statt (BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 5.3. Der Beschwerdeführer wurde am 6. September 2021 in Slowenien daktyloskopisch er fasst, was sich unbenommen von seiner fehlenden Absicht, dort ein Asylgesuch einzureichen, als zuständigkeitsbegründend erweist (vgl. Art. 14 Abs. 1 der Verordnung [EU] Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats vom 26. Juni 2013 [Eurodac - Verordnung]). Die slowenischen Behörden haben sodann der Wieder - aufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18. Abs. 1 Bst. b Dublin- III-VO zugestimmt. Durch seine Weiterreise wenige Wochen nach Erfas - sung seiner Fingerabdrücke in Slowenien respektive nach der Rücküber- stellung von Deutschland nach Slowenien hat sich der Beschwerdeführer einem dortigen Asylverfahren eigenverantwortlich zwei Mal entzogen. Die Dublin-III-VO gewährt dem Antragsteller kein Wahlrecht hinsichtlich des Mitgliedstaates, der seinen Antrag prüfen soll (BVGE 2010/45 E. 8.3). Nach dem Gesagten ist die grundsätzliche staatsvertragliche Zuständigkeit Sloweniens für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahren gegeben. 6. 6.1. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den zunächst als zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche Grü- nde für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedin- gungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische Schwachstel- len aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU -Grundrechtecharta mit sich brin- gen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zu ständig bestimmt werden kann. Kann keine Überstel- lung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mitgliedstaat, in dem der An- trag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird der die Zus tändigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO). 6.2. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü -F-4704/2023 Seite 8 fung zuständig wäre (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses so- genannte Selbsteintrittsrecht hat die Vorinstanz obligato risch auszuüben, wenn die Überstellung der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 kann zudem die Vori nstanz das Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein an- derer Staat zuständig wäre. 7. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts weist das Asyl- verfahren in Slowenien keine systemischen Schwachstellen gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf (vgl. anstelle vieler: Urteil des BVGer D-4104/2023 vom 2. August 2023). Unter Berücksichtigung der in der Beschwerde zitier- ten Berichte ist nicht anzunehmen, Slowenien verstosse systematisch ge- gen seine vertraglichen Verpflichtungen als zuständiger Dublin -Mitglied- staat im Falle einer Rücküberstellung von Asylsuchenden. Soweit der Be- schwerdeführer vorbringt, er habe in Slowenien keinen Zugang zum Asyl- verfahren erhalten, ist festzustellen, dass er sich selbstgewollt einem dor- tigen Asylverfahren entzogen hat (siehe E. 5.3 hiervor). Mangels anderwei- tiger Hinweise ist davon auszugehen, dass die slowenischen Behörden im Fall des Beschwerdeführers ein faires Asyl - und Wegweisungsverfahren unter Beachtung des Non-Refoulement-Gebots durchführen werden. Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO findet folglich keine Anwendung. 8. Schliesslich ist die Ausübung des Selbsteintrittsrechts nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu prü- fen. 8.1. Slowenien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rech tsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301). Es hat die entsprechenden völkerrechtlichen Verpflichtun- gen zu beachten. Zudem gilt Slowenien als Rechtsstaat mit einem funktio- nierenden Justizsystem (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-2985/2023 vom 31. Mai 2023 m.H.) und ist demnach grundsätzlich schutzwillig und schutzfähig. Der Beschwerdeführer vermag in Bezug auf die angeblich un- zumutbaren Zustände in Slowenien nicht darzutun, dass die ihn bei einer Rückführung zu erwartenden Bedingungen derart schlecht sind, dass sie F-4704/2023 Seite 9 zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta beziehungsweise Art. 3 EMRK führen könnten . Im Übrigen ist er gehalten, sich bei Ein- schränkung der ihm zustehenden Aufnahmebedingungen nötigenfalls an die slowenischen Behörden zu wenden und seine Rechte auf dem Rechts- weg einzufordern (vgl. Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen [Aufnahmerichtlinie]). 8.2. Des Weiteren liegen keine konkreten Anhaltspunkte vor, wonach die Gesundheit des Beschwerdeführers bei einer Überstellung nach Slo we- nien ernsthaft gefährdet würde. Die von ihm pauschal angeführten psychi- schen Probleme dürften einer Behandlung in Slowenien zugänglich sein. Sollte er nach der Rückkehr eine medizinische Behandlung benötigen, ist darauf hinzuweisen, dass Slowenien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D -4104/2023 vom 2. August 2023 m.H.) und verpflichtet ist, den Antragstellenden die erfor- derliche medizinische Versorgung zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Slowenien dem Beschwerdeführer eine adäquate Behandlung verweigern würde. 8.3. Demnach hat die Vorinstanz das Selbsteintrittsrecht zu Recht nicht ausgeübt, zumal die Schweiz weder völkerrechtlich verpflichtet ist, auf das Asylgesuch einzutreten, noch Rechtsfehler bei der Ermessensbetätigung dargetan oder ersichtlich sind. Mithin besteht kein Anlass für die Einholung individueller Garantien bezüglich des Zugangs zu m Asylverfahren, adä- quater medizinischer Versorgung und Unterbringung, weshalb der entspre- chende Subeventualantrag abzuweisen ist. 9. Nach dem Gesagten ist die Vorinstanz zu Recht auf d as Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat seine Wegweisung nach Slo- wenien angeordnet. Die Beschwerde ist abzuweisen. Mit vorliegendem Ur- teil fällt der angeordnete Vollzugsstopp dahin. Die Gesuche um Gewäh- rung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sind mit heutigem Entscheid gegen- standslos geworden. 10. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu- weisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als offensichtlich aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrens-F-4704/2023 Seite 10 kosten sind entsprechend dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuer- legen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750. – festzusetzen (Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 11. Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). (Dispositiv nächste Seite) F-4704/2023 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Basil Cupa Nathalie Schmidlin Versand: