Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer Geschäfts-Nr.: PQ240005-O/U Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. E. Lichti Aschwanden, Vorsitzende, Oberrichter lic. iur. et phil. D. Glur und Oberrichterin lic. iur. R. Bantli Keller sowie Gerichtsschreiberin lic. iur. S. Bohli Roth Beschluss vom 28. Februar 2024 in Sachen A._____, Beschwerdeführer gegen B._____, Beschwerdegegnerin vertreten durch Fürsprecher X._____, sowie C._____, Verfahrensbeteiligte vertreten durch Beistand D._____, betreffend Beschwerde (Kosten) Beschwerde gegen ein Urteil des Bezirksrates Horgen vom 30. November 2023; VO.2023.1 (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bezirk Horgen) - 2 - Erwägungen: I. 1. Der Beschwerdeführer und die Beschwerdegegnerin sind die nicht miteinan- der verheirateten Eltern von C._____, geboren am tt.mm. 2017. Die Kinde s- schutzbehörde Bezirk Horgen (KESB) errichtete für C._____ im Juli 2019 eine Beistandschaft (KESB act. 92) und ordnete mit Beschluss vom 11. Mai 2020 die gemeinsame Obhut der Parteien mit alternierender Betreuung und Hauptwohnsitz des Kindes beim B eschwerdeführer an (KESB act. 135). Nachdem die KESB am 27. April 2021 das Betreuungsrecht der Beschwerdegegnerin vorübergehend ein- geschränkt und die Parteien zu eine r Paar- und Fami lienberatung bzw. die B e- schwerdegegnerin zu einer Suchtberatung angewiesen hatte ( KESB act. 224) , beschloss sie am 29. November 2022 erneut die alternierende Betreuung des Kindes durch die Parteien (BR act. 2 = KESB act. 335). 2. Gegen diesen Beschluss erhob der Beschwerdeführer beim Bezirksrat Hor- gen Beschwerde und verlangte im Wesentlichen eine Einschränkung des Betreu- ungsrechts der Beschwerdegegnerin (BR act. 1). Mit Urteil vom 3 0. November 2023 (BR act. 36 = act. 7) hiess der Bezirksrat die Beschwerde teilweise gut, setzte die Entscheidgebühr für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren auf Fr. 1'200.– fest und auferlegte die Verfahrenskosten den Parteien je zu Hälfte, wobei er d en Beschwerdeführer darauf hinwies, die ihm auferlegten Verfahrens- kosten von Fr. 600.– seien innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Entscheids zu be- zahlen (Dispositiv-Ziff. IV). 3. Mit Eingabe vom 28. Januar 2024 (Poststempel) gelangt der Beschwerde- führer an die II. Zivilkammer des Obergerichts des Kantons Zürich und wehrt sich gegen die ihm von der Vorinstanz auferlegten Kosten von CHF 600.– (act. 2). Die Akten des Bezirksrats (act. 8/1-36, zitiert als BR act.) sowie der KESB (act. 8/6/1- 345 und 10/346-410, zitiert als KESB act.) wurden von Amtes wegen beigezogen. Weiterungen erübrigen sich; das Verfahren ist spruchreif. - 3 - 4. Das Verfahren vor den gerichtlichen Beschwerdeinstanzen richtet sich pr i- mär nach dem ZGB sowie subsidiär nach den Bestimmungen des EG KESR, des Gerichtsorganisationsgesetzes (GOG) sowie der Zivilprozessordnung (Art. 450f ZGB; § 40 EG KESR). 4.1. Mit der Beschwerde wendet sich der Beschwerdeführer gegen die Auferl e- gung der Verfahrenskosten von CHF 600.– durch den Bezirksrat. Gegen Kosten- entscheide im Kindesschutzverfahren ist die Beschwerde gemäss Art. 319 ff. ZPO zulässig. Die Beschwerde ist bei der Rechtsmittelinstanz innert 30 Tagen seit der Zustellung des begründeten Entscheids einzureichen (Art. 321 Abs. 1 ZPO). 4.2. Das Urteil des Bezirksrats wurde der Post am 30. November 2023 überge- ben und die Sendung wurde dem Beschwerdeführer am 1. Dezember 2023 mit Abholschein und dem Hinweis auf das Ende der Abholfrist am 8. Dezember 2023 zur Abholung gemeldet. Am 6./7. Dezember 2023 und damit vor Ablauf der Abhol- frist beauftragte der Beschwerdeführer die Post, die Aufbewahrungsfrist bis 29. Dezember 2023 zu verlängern, welchem Ersuchen die Post entsprach (BR act. 36/1 und act. 11). Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen juristi- schen Laien, weshalb er in seinem Vertrauen auf die ihm von der Post erlaubte Verlängerung der Abholfrist zu schützen ist (vgl. OGer ZH PS190081 vom 17. J u- ni 2019, E. 4.3.). Da er das Urteil am letzten Tag der verlängerten Abholfrist am Schalter abholte, ist für de n Fristenlauf auf den Empfang am 29. Dezember 2023 abzustellen. Die der Post am 28. Januar 2024 übergebene Beschwerde erfolgte somit rechtzeitig. - 4 - 5. 5.1. Mit der Beschwerde kann die unrichtige Rechtsanwendung und die offen- sichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden (Art. 320 ZPO). Umfasst wird auch die Überprüfung von blosser Unangemessen- heit, soweit es um Rechtsfolgeermessen geht. Die Beschwerde ist bei der Rechtsmittelinstanz innert der Rechtsmittelfrist schriftlich, mit Anträgen versehen und begründet einzureichen (Art. 321 Abs. 1 ZPO), wobei in der Begründung zum Ausdruck kommen soll, an welchen Mängeln der angefochtene Ent scheid leidet resp. weshalb der angefochtene Entscheid nach Auffassung der Beschwerde füh- renden Partei als unrichtig erachtet wird (vgl. statt vieler: BGer 5D_ 146/2017 vom 17. November 2017 E. 3.3.2 m.H.a. BGE 138 III 374, E. 4.3.1; vgl. u.a. OGer ZH PS210071 vom 10. Juli 2021, E. II./1.2). Bei Rechtsmitteleingaben von Laien ge- nügt als Antrag eine Formulierung, aus der sich mit gutem Willen herauslesen lässt, wie das Obergericht entscheiden soll. Zur Begründung reicht aus, wenn auch nur rudimentär zum Ausdr uck kommt, an welchen Mängeln der angefocht e- ne Entscheid leidet . Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt , ist auf die B e- schwerde nicht einzutreten. Neue Tatsachen und Beweismittel sind im Beschwer- deverfahren ausgeschlossen (Art. 326 ZPO). 5.2. Der Beschwerdeführer führt zur Begründung aus, er habe trotz grundsätzl i- chem Anspruch vor Bezirksrat bewusst auf ein Gesuch um unentgeltliche Recht s- pflege verzichtet, weil er sich nicht von einem Anwalt habe vertreten lassen. Er verfüge über kein Vermögen, erz iele mit einem Teilzeitpensum von 20% ein ge- ringes monatliches Einkommen von CHF 600.– und sei seit 2021 vom Sozialamt abhängig. Er hoffe, dass ihm die Kosten erlassen würden (act. 2). 5.3. Der Beschwerdeführer beanstandet mit diesen Vorbringen weder die Höhe der vom Bezirksrat festgesetzten Entscheid gebühr von Fr. 1'200.– noch die ge- stützt auf Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO vorgenommene hälftige Verteilung der Kosten auf die Parteien (vgl. act. 7 S. 18 Rz 5.1). Auch räumt er ein, er habe vor V o- rinstanz bewusst kei n Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gestellt. Eine u n- richtige Rechtsanwendung, eine falsche Tatsachenfeststellung oder falsche Aus- übung des Rechtsermessens durch den Bezirksrat vermag der Beschwerdeführer - 5 - damit nicht im Ansatz aufzuzeigen. Die Begründung der Beschwerde genügt da- her selbst den für juristische Laien herabgesetzten Anforderungen nicht. Zu bemerken bleibt, dass die unentgeltliche Rechtspflege, welche von der Bezahlung der Verfahrens kosten (einstweilen) befreien würde ( vgl. Art. 118 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 123 Abs. 1 ZPO), nur auf Gesuch hin gewährt werden kann und dass sie für jede Instanz bei dieser beantragt werden muss (u.a. OFK/ZPO- JENT-SØRENSEN, ZPO 119 N 1; vgl. auch Art. 119 Abs. 5 ZPO). Die Beschwerde an den Bezirksrat enthielt keine Ausführungen zu den damals aktuellen wirtschaft- lichen Verhältnissen des Beschwerdeführers, so dass selbst mit gutem Willen d a- rin kein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege er blickt werden konnte (BR act. 1; vgl. Art. 119 Abs. 5 ZPO). Die im zweitinstanzlichen Beschwerdeverfahren erstmals erhobenen Vorbringen zum Einkommen und zum fehlenden Vermögen stellen dagegen aufgrund des für Kostenbeschwerden auch im Kindes - und Er- wachsenenschutzrecht geltenden strikten Nov enverbots ohnehin unzulässige neue Behauptungen dar. 5.4. Soweit der Beschwerdeführer mit seiner Beschwerde ein Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten stellen möchte (vgl. Art. 112 ZPO), ist er darauf hinzuwei- sen, dass die Kammer zur Behandlung nicht zuständig ist. Der Bezirksrat waltet in Kindes- und Erwachsenenschutzverfahren zwar als erstinstanzliche (gerichtliche) Beschwerdeinstanz, deren Entscheide beim Obergericht angefochten werden können (§ 50 lit. b GOG und § 63 EG KESR). Der Bezirksrat unter steht jedoch in Angelegenheiten der Justizverwaltung, in deren Bereich das Inkasso der auferleg- ten Entscheidgebühr fällt, nicht der Aufsicht des Obergerichts (§§ 67 ff. GOG). Gemäss § 29 Verwaltungsrechtspflegegesetz vollstreckt jede Verwaltungs- behörde die von ihr getroffenen Anordnungen selbst. Die den Parteien auferlegten Verfahrenskosten werden von der entscheidenden Verwaltungsi nstanz bezogen, welche auch über den Erlass oder die Stundung auferlegter Verfahrenskosten entscheidet. Damit eine Forder ung vollstreckt werden kann, muss sie fällig sein (KASPAR PLÜSS in: Kommentar VRG, § 13 N 104, § 29 N 9 und § 29a N 2). Der Beschwerdeführer hätte ein allfälliges Stundungs- oder Erlassgesuch nach - 6 - rechtskräftiger Entscheidung über die Kostenauflage sowie nach erfolgter Rec h- nungsstellung dem Bezirksrat Horgen einzureichen. 5.5. Aus diesen Gründen ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. 6. Umständehalber ist auf die Erhebung einer Entscheidgebühr für das zweiti n- stanzliche Beschwerdeverfahren zu verzichten. Eine Parteientschädigung ist an- gesichts des Verlaufs und Ausgangs des Verfahrens nicht zuzusprechen. Es wird beschlossen: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten 2. Es wird im zweitinstanzlichen Beschwerdeverfahren keine Gerichtsgebühr erhoben. 3. Schriftliche Mitteilung an die Parteien und die Verfahrensbeteiligte (an die Beschwerdegegnerin sowie die V erfahrensbeteiligte unter Beilage eines Doppels von act. 2), die Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde Bezirk Horgen sowie an den Bezirksrat Horgen, je gegen Empfangsschein. Nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist gehen die beigezogenen Akten an den Bezirksrat zurück. 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesge- richt, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbesch werde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um eine nicht vermögensrechtliche Angelegenheit. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. - 7 - Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer Die Gerichtsschreiberin: lic. iur. S. Bohli Roth versandt am: