<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp380000"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>137 IV 340<br/><br/><br/><div class="paraatf">50. Auszug aus dem Urteil der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung i.S. Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten gegen Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau (Beschwerde in Strafsachen)</div> <div class="paraatf">1B_376/2011 vom 3. November 2011</div> <a name="idp381584"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref">Art. 80 Abs. 2, <artref id="CH/173.110/81/1" type="start"></artref>Art. 81 Abs. 1 und <artref id="CH/173.110/93/1/a" type="start"></artref>Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span><artref id="CH/173.110/81/1" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/80/2" type="end"></artref>; Art. 269 Abs. 1 lit. b und c, <span class="artref"><artref id="CH/312.0/274/2" type="start"></artref>Art. 273 und 274 Abs. 2 StPO</span><artref id="CH/312.0/273" type="end"></artref>; Erhebung von Mobiltelefon-Randdaten; Überwachung des Fernmeldeverkehrs mittels Antennensuchlauf. <div class="paratf">Gesetzliche Ausnahme vom Erfordernis der "double instance" (E. 2.2). Schutzwürdiges Interesse der Staatsanwaltschaft an der Beschwerdeführung sowie drohender nicht wieder gutzumachender Nachteil (E. 2.3). Voraussetzungen für die Zulässigkeit eines Antennensuchlaufes im Rahmen einer strafprozessualen Rasterfahndung gegen noch unbekannte Täterschaft (E. 5 und 6). </div> </div> </div> <a name="idp391696"></a> <a name="idp401744"></a> <br/><div> <a name="idp411664"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 341</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page341"></a><div class="center pagebreak">BGE 137 IV 340 S. 341</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp417392"></a><span class="bold">A. </span>Die zuständigen kantonalen Staatsanwaltschaften führen Strafuntersuchungen gegen Unbekannt wegen drei qualifizierten Raubüberfällen gegen Bijouteriegeschäfte am 13. Januar 2011 (ca. 09.45 Uhr) in Lachen (SZ), am 26. Januar 2011 (ca. 12.20 Uhr) in Berikon (AG) und am 9. März 2011 (ca. 09.20 Uhr) in Schaffhausen mit einer Deliktssumme von insgesamt mehr als 2,2 Mio. Fr. Für den Raubüberfall in Schaffhausen wurde ein Motorfahrzeug verwendet, welches in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar 2011 in Winterthur gestohlen worden war. Aufgrund der bisherigen Untersuchungsergebnisse gehen die Staatsanwaltschaften davon aus, dass alle drei Raubüberfälle (mit Gewaltanwendung und Waffeneinsatz) zumindest teilweise von derselben Täterschaft ausgeführt wurden und dass die Beteiligten vor und nach den Straftaten über Mobiltelefone kommunizierten.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp420176"></a><span class="bold">B. </span>Mit rechtskräftiger Verfügung vom 1. Juli 2011 bewilligte das Kantonsgericht Schaffhausen (Zwangsmassnahmengericht) eine von der Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen beantragte (nachträgliche) Überwachung des Fernmeldeverkehrs per Antennensuchlauf (im Rahmen einer Rasterfahndung gegen unbekannte Täterschaft). Davon betroffen sind Mobiltelefon-Verbindungen über Mobilfunk-Antennen am Tatort der Fahrzeug-Entwendung in Winterthur (vom 24. Februar 2011, 21.00 Uhr, bis 25. Februar 2011, 06.00 Uhr) sowie am Tatort des Raubüberfalles in Schaffhausen vom 9. März 2011 (07.00 Uhr bis 09.20 Uhr). <a name="page342"></a><div class="center pagebreak">BGE 137 IV 340 S. 342</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp422624"></a><span class="bold">C. </span>Am 12. Juli 2011 bewilligte das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Schwyz auf Antrag der Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz rechtskräftig einen analogen Antennensuchlauf am Tatort des Raubüberfalles in Lachen (SZ) für den 13. Januar 2011 (im Zeitraum von 08.00 Uhr bis 10.00 Uhr).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp424304"></a><span class="bold">D. </span>Am 6. Juli 2011 (...) stellte die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten beim Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau ein analoges Gesuch um Genehmigung einer (nachträglichen) Überwachung des Fernmeldeverkehrs. Der beantragte Antennensuchlauf (im Rahmen der koordinierten Rasterfahndung) betrifft den Mobiltelefonieverkehr vom 26. Januar 2011 von 10.40 Uhr bis 12.40 Uhr in Berikon (AG). Anhand der Verbindungs-Randdaten möchte die Staatsanwaltschaft abklären, über welche Mobiltelefon-Rufnummern im betreffenden Zeitpunkt in der näheren Umgebung des Tatortes Verbindungen aufgebaut (Gespräche geführt oder Nachrichten versendet) wurden. Die Ermittlung von Gesprächs- oder Nachrichteninhalten wurde nicht beantragt.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp426288"></a><span class="bold">E. </span>Am 7. Juli 2011 verfügte die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten gegenüber dem Informatik Service Center des EJPD (vorläufig) eine entsprechende Untersuchungsmassnahme. Die betroffenen Mobiltelefonie-Anbieterinnen haben die Randdaten daraufhin erhoben und der Staatsanwaltschaft (provisorisch) zugestellt. Die Daten wurden von der Staatsanwaltschaft (mangels einer rechtskräftigen richterlichen Bewilligung) bisher noch nicht ausgewertet.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp427984"></a><span class="bold">F. </span>Mit Entscheid vom 12. Juli 2011 verweigerte das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau mangels "rechtsgenügenden dringenden Tatverdachts" die Bewilligung der mit Gesuch vom 6. Juli 2011 beantragten Überwachungsmassnahme.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp429488"></a><span class="bold">G. </span>Gegen den Nichtgenehmigungsentscheid gelangte die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten mit Beschwerde vom 19. Juli 2011 an das Bundesgericht. Sie beantragt die Aufhebung des angefochtenen Entscheides und die Bewilligung des Antennensuchlaufes.</div> <div class="paraatf">Das Zwangsmassnahmengericht beantragt die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist.</div> <div class="paraatf">Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut.</div> <div class="paraatf"> <i>(Auszug)</i> </div> <br/><div> <a name="idp432400"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Aus den Erwägungen:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp433360"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span>Zunächst ist die Zulässigkeit der Beschwerde zu beurteilen: <a name="page343"></a><div class="center pagebreak">BGE 137 IV 340 S. 343</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp435312"></a><span class="bold" id="consideration_2.1">2.1 </span>Das Bundesgericht beurteilt Beschwerden gegen Entscheide in Strafsachen (<span class="artref">Art. 78 Abs. 1 BGG</span>). Unter den Begriff der Strafsachen im Sinne des BGG fällt nach ständiger Praxis auch die Bewilligung bzw. Nichtbewilligung von strafprozessualen geheimen Überwachungsmassnahmen, hier in Form eines rückwirkenden sogenannten Antennensuchlaufs (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2011&amp;to_year=2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-182%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page182">BGE 133 IV 182</a>; Urteile 1B_425/2010 vom 22. Juni 2011 E. 1; 1B_101/2010 vom 13. April 2010 E. 2; 1B_194/2008 vom 2. September 2009 E. 1.1).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp440896"></a><span class="bold" id="consideration_2.2">2.2 </span>Zu prüfen ist, ob ein anfechtbarer letztinstanzlicher Entscheid im Sinne von <span class="artref">Art. 80 Abs. 2 BGG</span> vorliegt.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp443744"></a><span class="bold" id="consideration_2.2.1">2.2.1 </span>Da der angefochtene Nichtbewilligungsentscheid des Zwangsmassnahmengerichts (ebenso wie die Verfügung der Staatsanwaltschaft) nach dem 31. Dezember 2010 erfolgte, ist hier Art. 80 Abs. 2 dritter Satz BGG in der Fassung gemäss Anhang Ziff. II 5 des Strafbehördenorganisationsgesetzes vom 19. März 2010 (StBOG; SR 173.71), in Kraft seit 1. Januar 2011 (AS 2010 3267), anwendbar (<span class="artref">Art. 132 Abs. 1 BGG</span>; vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2011&amp;to_year=2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-IV-219%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page219">BGE 137 IV 219</a> E. 2.1 S. 222 mit Hinweisen). Gemäss <span class="artref">Art. 80 Abs. 2 BGG</span> setzen die Kantone als letzte kantonale Instanzen obere Gerichte ein (Satz 1). Diese entscheiden als Rechtsmittelinstanzen (Satz 2). Ausgenommen sind die Fälle, in denen nach der StPO (SR 312.0) ein Zwangsmassnahmengericht oder ein anderes Gericht als einzige kantonale Instanz entscheidet (Satz 3).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp451680"></a><span class="bold" id="consideration_2.2.2">2.2.2 </span>Entscheide des Zwangsmassnahmengerichts sind nur in den in der StPO vorgesehenen Fällen mit StPO-Beschwerde anfechtbar (<span class="artref">Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO</span>; s. auch <span class="artref">Art. 20 Abs. 1 lit. c StPO</span>). Gegen richterliche Genehmigungs- und Nichtgenehmigungsentscheide von geheimen Überwachungsmassnahmen sieht die StPO (anders als für Haftentscheide, <span class="artref">Art. 222 StPO</span>) keine Beschwerdemöglichkeit an ein oberes kantonales Gericht vor (vgl. <span class="artref">Art. 272 Abs. 1, <artref id="CH/312.0/273/2" type="start"></artref>Art. 273 Abs. 2 und <artref id="CH/312.0/274" type="start"></artref>Art. 274 StPO</span><artref id="CH/312.0/273/2" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/272/1" type="end"></artref>). Betroffene können erst nachträglich (nach erfolgter Mitteilung) die Überwachung auf dem Beschwerdeweg anfechten (<span class="artref">Art. 279 Abs. 3 StPO</span>). Insofern besteht hier (im Sinne von <span class="artref">Art. 80 Abs. 2 Satz 3 BGG</span>) eine zulässige Ausnahme von den Sachurteilsvoraussetzungen gemäss Art. 80 Abs. 2 Sätze 1-2 BGG (vgl. AEMISEGGER/FORSTER, in: Basler Kommentar, BGG, 2. Aufl. 2011, N. 29 und 41 zu <span class="artref">Art. 79 BGG</span>; MARC THOMMEN, ebenda, N. 14 zu <span class="artref">Art. 80 BGG</span>). <a name="page344"></a><div class="center pagebreak">BGE 137 IV 340 S. 344</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp470816"></a><span class="bold" id="consideration_2.3">2.3 </span>Zur Beschwerde in Strafsachen ist nach <span class="artref">Art. 81 Abs. 1 BGG</span> berechtigt, wer (lit. a) vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, und (lit. b) ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids hat, insbesondere die Staatsanwaltschaft (Ziff. 3).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp474096"></a><span class="bold" id="consideration_2.3.1">2.3.1 </span>Nach dem Wortlaut und der Zweckbestimmung dieser Norm ist die Staatsanwaltschaft hier beschwerdebefugt:</div> <div class="paraatf">Was die Beschwerdebefugnis der Staatsanwaltschaft gegen Nichtgenehmigungsentscheide des Zwangsmassnahmengerichts betrifft, wird in der Literatur zwar teilweise die Ansicht vertreten, dass es "unausgewogen" wäre, "der Staatsanwaltschaft hier ein Rechtsmittel zu gewähren, das der Gegenseite aus faktischen Gründen verwehrt ist" (vgl. MARC JEAN-RICHARD-DIT-BRESSEL, in: Basler Kommentar, StPO, 2011, N. 10 zu <span class="artref">Art. 274 StPO</span>). Diese Betrachtungsweise trägt jedoch den unterschiedlichen Interessenlagen der Staatsanwaltschaft (einerseits) und der von Überwachungsmassnahmen betroffenen Personen (anderseits) vor und nach einer Bewilligung bzw. Nichtbewilligung der Massnahmen zu wenig Rechnung:</div> <div class="paraatf">Angesichts des strafprozessualen Zweckes der geheimen Überwachungsmassnahmen ist eine vorgängige Information der Betroffenen und damit eine Anfechtung von Genehmigungsentscheiden durch betroffene Personen ausgeschlossen. Ihren Rechtsschutz können die Betroffenen folglich erst (aber immerhin) nachträglich wahrnehmen (vgl. Art. 279 Abs. 3 i.V.m. <span class="artref">Art. 272 Abs. 1, <artref id="CH/312.0/273/2" type="start"></artref>Art. 273 Abs. 2 und <artref id="CH/312.0/274" type="start"></artref>Art. 274 StPO</span><artref id="CH/312.0/273/2" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/272/1" type="end"></artref>). Demgegenüber kann es sich bei richterlichen Nichtbewilligungen von Überwachungsmassnahmen in begründeten Fällen sachlich aufdrängen, der untersuchungsleitenden Staatsanwaltschaft eine Beschwerdebefugnis (zumindest an das Bundesgericht) gegen Nichtbewilligungsentscheide des Zwangsmassnahmengerichts einzuräumen (vgl. ähnlich NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2009, N. 8 zu <span class="artref">Art. 274 StPO</span>). Dies gilt insbesondere, wenn (wegen gesetzwidrigen Nichtbewilligungen) bei schweren zu untersuchenden Delikten ein nicht zu rechtfertigender Beweisverlust droht. Der blosse Umstand, dass von geheimen Überwachungsmassnahmen betroffenen Personen noch keine vorgängige Beschwerdemöglichkeit gegen Bewilligungsentscheide zusteht, schliesst somit ein schutzwürdiges Anfechtungsinteresse der Staatsanwaltschaft gegen Nichtbewilligungen keineswegs aus. <a name="page345"></a><div class="center pagebreak">BGE 137 IV 340 S. 345</div>Entgegen einzelnen Äusserungen in der Literatur steht auch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2011&amp;to_year=2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-182%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page182">BGE 133 IV 182</a> einem Eintreten auf die vorliegende Beschwerde nicht entgegen. Der zitierte Entscheid bezieht sich auf die spezifisch geregelte Zwangsmassnahmenbeschwerde bei (altrechtlicher) Bundesgerichtsbarkeit (Vorinstanz nach Art. 80 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 79 BGG</span> bzw. BStP/SGG/aBÜPF), während im vorliegenden Fall kantonaler Gerichtsbarkeit (bezüglich Letztinstanzlichkeitserfordernis) <span class="artref">Art. 80 Abs. 2 BGG</span> (i.V.m. <span class="artref">Art. 78 BGG</span> und StPO) massgeblich ist (vgl. dazu oben, E. 2.2).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp495888"></a><span class="bold" id="consideration_2.3.2">2.3.2 </span>Wie bei den Haftfällen (<span class="artref">Art. 222 StPO</span>) hat der Gesetzgeber bei geheimen Überwachungen primär an das Rechtsschutzinteresse der von Zwangs- und Überwachungsmassnahmen betroffenen Personen (nach bewilligter und durchgeführter Überwachung) gedacht. Zur Frage der Beschwerdebefugnis der Staatsanwaltschaft gegen die richterliche Nichtbewilligung von Überwachungsmassnahmen äussert sich die StPO nicht ausdrücklich. Was die Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht betrifft, bejaht der Wortlaut von Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 BGG grundsätzlich ein schutzwürdiges Anfechtungsinteresse ("insbesondere die Staatsanwaltschaft"; vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2011&amp;to_year=2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-IV-36%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page36">BGE 134 IV 36</a> E. 1.4.3 S. 40; AEMISEGGER/FORSTER, a.a.O., N. 50 zu <span class="artref">Art. 79 BGG</span>; THOMMEN, a.a.O., N. 11 zu <span class="artref">Art. 81 BGG</span>). Darüber hinaus hat das Bundesgericht die Legitimation der Staatsanwaltschaft bejaht, gegen Haftentlassungsentscheide des Zwangsmassnahmengerichts an die kantonale Beschwerdeinstanz (nach Art. 222 i.V.m. 393 ff. StPO) zu rekurrieren. Zwar wird die Staatsanwaltschaft (in <span class="artref">Art. 222 StPO</span>) bei Haftfällen nicht ausdrücklich als beschwerdebefugt erwähnt. Das öffentliche Interesse an einer funktionierenden Strafjustiz verlangt jedoch ein Beschwerderecht der Staatsanwaltschaft gegen Haftentlassungsentscheide (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2011&amp;to_year=2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-IV-22%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page22">BGE 137 IV 22</a> E. 1.2-1.4 S. 23-25, <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2011&amp;to_year=2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-IV-87%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page87">BGE 137 IV 87</a> E. 3 S. 89-92, 237 E. 1.2 S. 240, 230 E. 1 S. 232; s. auch Urteile 1B_65/2011 vom 22. Februar 2011 E. 3.3 und 1B_258/2011 vom 24. Mai 2011 E. 1 und 2; AEMISEGGER/FORSTER, a.a.O., N. 51 zu <span class="artref">Art. 79 BGG</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp513344"></a><span class="bold" id="consideration_2.3.3">2.3.3 </span>Gemäss den Darlegungen der Staatsanwaltschaft dient die streitige Überwachungsmassnahme der Aufklärung von drei bewaffneten Raubüberfällen mit sehr hohen Deliktssummen. Trotz umfangreicher Untersuchungsanstrengungen (wie DNA-Spurenauswertungen, Zeugenbefragungen, Phantombild-Fahndung usw.) habe die Täterschaft bisher nicht identifiziert werden können. Der Antennensuchlauf sei von der Staatsanwaltschaft im Sinne einer "ultima <a name="page346"></a><div class="center pagebreak">BGE 137 IV 340 S. 346</div>ratio" verfügt worden. Bei einer Verweigerung der Untersuchungsmassnahme drohe ein schwerwiegender Beweisverlust bzw. die Nichtaufklärung der untersuchten Verbrechen. Die Nichtbewilligung vereitle auch die von den Strafverfolgungsbehörden der Kantone Aargau, Schwyz und Schaffhausen koordinierten Ermittlungsbemühungen im Rahmen bereits rechtskräftig bewilligter Überwachungsmassnahmen.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp516448"></a><span class="bold" id="consideration_2.3.4">2.3.4 </span>Nach dem Gesagten ist die Staatsanwaltschaft im vorliegenden Fall gemäss <span class="artref">Art. 81 BGG</span> zur Beschwerde in Strafsachen legitimiert. Ebenso droht ein nicht wieder gutzumachender Nachteil im Sinne von <span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span>.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp521072"></a><span class="bold" id="consideration_2.4">2.4 </span>Auch die übrigen Sachurteilserfordernisse von <span class="artref">Art. 78 ff. BGG</span> sind erfüllt. <span class="artref">Art. 98 BGG</span> gelangt bei Beschwerden betreffend strafprozessuale Zwangsmassnahmen nicht zur Anwendung (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2011&amp;to_year=2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-IV-122%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page122">BGE 137 IV 122</a> E. 2 S. 125; Urteil des Bundesgerichts 1B_277/2011 vom 28. Juni 2011 E. 1.2).</div> <div class="paraatf">(...)</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp528176"></a><span class="bold" id="consideration_5.">5. </span>Streitig ist eine rückwirkende Mobiltelefonverkehr-Randdatenerhebung über einen sogenannten "Antennensuchlauf" im Rahmen einer Rasterfahndung bei noch unbekannter Täterschaft. Zu unterscheiden ist zwischen <i>a) inhaltlichen Überwachungen</i> des Fernmeldeverkehrs (Gespräche und Nachrichteninhalte), <i>b) blossen Auskünften</i> über Verkehrs- und Rechnungsdaten (bzw. Teilnehmeridentifikation) bei bekannten Teilnehmern bzw. Verdächtigen sowie <i>c) systematischen Rasterfahndungen</i> (Erhebung von Randdaten mittels Antennensuchlauf) bei unbekannter Täterschaft.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp531568"></a><span class="bold" id="consideration_5.1">5.1 </span>Die Staatsanwaltschaft kann den Post- und Fernmeldeverkehr der beschuldigten Person und (in gewissen Fällen) von Drittpersonen (inhaltlich) überwachen, wenn der dringende Tatverdacht besteht, eine in <span class="artref">Art. 269 Abs. 2 StPO</span> genannte Straftat sei begangen worden (Art. 270 i.V.m. 269 Abs. 1 lit. a StPO). Zudem muss die Schwere der Straftat die Überwachung rechtfertigen, und die bisherigen Untersuchungshandlungen müssen erfolglos geblieben bzw. es muss dargetan sein, dass die Ermittlungen sonst aussichtslos wären oder unverhältnismässig erschwert würden (<span class="artref"><artref id="CH/312.0/269/c" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/269/1/c" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/269/1/b" type="start"></artref>Art. 269 Abs. 1 lit. b-c StPO</span><artref id="CH/312.0/269/1/c" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/269/c" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/c" type="end"></artref>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp540880"></a><span class="bold" id="consideration_5.2">5.2 </span>Neben der eigentlichen geheimen (inhaltlichen) Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (Art. 270-272 i.V.m. <span class="artref">Art. 269 StPO</span>) sieht <span class="artref">Art. 273 StPO</span> die weitere Möglichkeit vor, dass die <a name="page347"></a><div class="center pagebreak">BGE 137 IV 340 S. 347</div>Staatsanwaltschaft (ebenfalls zunächst geheime) Auskünfte einholt betreffend Verkehrs- und Rechnungsdaten bzw. Teilnehmeridentifikation (<span class="artref">Art. 273 StPO</span>). Diese Auskünfte (namentlich seitens der Fernmeldedienste-Anbieterinnen) können sich darauf erstrecken, wann und mit welchen Personen oder Anschlüssen eine überwachte Person über den Fernmeldeverkehr Verbindungen gehabt hat (<span class="artref">Art. 273 Abs. 1 lit. a StPO</span>). Zudem können Erhebungen über Verkehrs- und Rechnungsdaten erfolgen (<span class="artref">Art. 273 Abs. 1 lit. b StPO</span>). Voraussetzung für solche Massnahmen (bei bekannten Kommunikationsteilnehmern bzw. Verdächtigen) ist erstens der dringende Verdacht eines Verbrechens oder Vergehens oder einer Übertretung nach <span class="artref">Art. 179<sup>septies</sup> StGB</span>. Zweitens müssen hier die (in E. 5.1 genannten) Voraussetzungen von <span class="artref"><artref id="CH/312.0/269/c" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/269/1/c" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/269/1/b" type="start"></artref>Art. 269 Abs. 1 lit. b und c StPO</span><artref id="CH/312.0/269/1/c" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/269/c" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/c" type="end"></artref> erfüllt sein (Art. 273 Abs. 1 Ingress StPO).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp560304"></a><span class="bold" id="consideration_5.3">5.3 </span>Wie die inhaltliche Überwachung (Art. 272 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 270 StPO</span>) bedürfen Massnahmen nach <span class="artref">Art. 273 StPO</span> der Genehmigung durch das Zwangsmassnahmengericht (<span class="artref">Art. 273 Abs. 2 StPO</span>). Entsprechende Auskünfte können unabhängig von der Dauer einer Überwachung und bis 6 Monate rückwirkend verlangt werden (<span class="artref">Art. 273 Abs. 3 StPO</span>, <span class="artref">Art. 15 Abs. 3 BÜPF</span> [SR 780.1]). Der Rechtsschutz gegen Überwachungen des Post- und Fernmeldeverkehrs richtet sich nach <span class="artref">Art. 279 StPO</span>.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp571744"></a><span class="bold" id="consideration_5.4">5.4 </span>In <span class="artref">Art. 273 StPO</span> (s. auch <span class="artref">Art. 15 BÜPF</span> und den mit Inkrafttreten der StPO aufgehobenen aArt. 5 BÜPF) nicht ausdrücklich geregelt ist der <i>Spezialfall</i> einer rückwirkenden Mobiltelefonverkehr-Randdatenerhebung über einen sogenannten Antennensuchlauf im Rahmen einer Rasterfahndung (bei noch unbekannter Täterschaft). Mit dieser technischen Massnahme können die Verkehrs-Randdaten (insbesondere die anrufenden und angerufenen Nummern) der gesamten Mobiltelefon-Kommunikation ermittelt werden, die innerhalb einer bestimmten Zeit über bestimmte Antennenzellen aktiv geführt wurde (vgl. Erläuterungen des EJPD vom 8. Juni 2011 zur geplanten Änderung des VÜPF sowie der Verordnung über die Gebühren und Entschädigungen für die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs, S. 4 f.; s. auch THOMAS HANSJAKOB, BÜPF/VÜPF, Kommentar [...], 2. Aufl. 2006, [nachfolgend: Kommentar BÜPF/VÜPF], N. 17-20 zu <span class="artref">Art. 16 VÜPF</span> [SR 780.11]).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp579920"></a><span class="bold" id="consideration_5.5">5.5 </span>Gemäss der einschlägigen Literatur handelt es sich beim Antennensuchlauf betreffend Mobiltelefonie-Randdaten um eine <a name="page348"></a><div class="center pagebreak">BGE 137 IV 340 S. 348</div>Massnahme im Sinne von <span class="artref">Art. 273 StPO</span> (vgl. BACHER/ZUFFEREY, in: Commentaire romand, CPP, 2011, N. 4 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; THOMAS HANSJAKOB, in: Zürcher Kommentar zur StPO, Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], 2010, [nachfolgend: Kommentar StPO], N. 4 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; JEAN-RICHARD-DIT-BRESSEL, a.a.O., N. 6 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; SCHMID, a.a.O., N. 5 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>). <span class="artref">Art. 273 StPO</span> erlaubt ausschliesslich die Erhebung von <i>Randdaten</i> der Kommunikation, nicht hingegen von Inhalten des Fernmeldeverkehrs im Sinne des Informationsflusses (vgl. BACHER/ZUFFEREY, a.a.O., N. 1 und 2 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; HANSJAKOB, Kommentar StPO, a.a.O., N. 1-3 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; JEAN-RICHARD-DIT-BRESSEL, a.a.O., N. 1 und 5 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; SCHMID, a.a.O., N. 2 und 3 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; s. auch schon die früheren <span class="artref"><artref id="CH/780.1/5/b" type="start"></artref><artref id="CH/780.1/5/1/b" type="start"></artref><artref id="CH/780.1/5/1/a" type="start"></artref>Art. 5 Abs. 1 lit. a-b BÜPF</span><artref id="CH/780.1/5/1/b" type="end"></artref><artref id="CH/780.1/5/b" type="end"></artref><artref id="CH/780.1/b" type="end"></artref> sowie <span class="artref"><artref id="CH/780.11/16/d" type="start"></artref><artref id="CH/780.11/16/c" type="start"></artref>Art. 16 lit. c-d VÜPF</span><artref id="CH/780.11/16/d" type="end"></artref><artref id="CH/780.11/d" type="end"></artref>, dazu HANSJAKOB, Kommentar BÜPF/VÜPF, a.a.O., N. 2, 5, 13 zu <span class="artref">Art. 16 VÜPF</span>). Rückwirkende Randdatenerhebungen werden in der Praxis häufiger angewendet als aktive Überwachungen (vgl. HANSJAKOB, Kommentar StPO, a.a.O., N. 6 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>). Auf Teilnehmer-Randdaten (allerdings auch aktiv in Echtzeit, nicht bloss rückwirkend) beschränkt sich ebenso die "Teilnehmeridentifikation" im Sinne von <span class="artref">Art. 273 Abs. 1 lit. a StPO</span> (vgl. BACHER/ZUFFEREY, a.a.O., N. 4 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; HANSJAKOB, Kommentar StPO, a.a.O., N. 6 und 7 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; <i>ders.,</i> Kommentar BÜPF/VÜPF, a.a.O., N. 2 und 5 zu <span class="artref">Art. 16 VÜPF</span>; JEAN-RICHARD-DIT-BRESSEL, a.a.O., N. 1 und 5 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; SCHMID, a.a.O., N. 2 und 3 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>). Der mit Auskunftsbegehren nach <span class="artref">Art. 273 StPO</span> verbundene Grundrechtseingriff ist daher deutlich weniger schwer als in den Überwachungsfällen nach Art. 270 i.V.m. 269 StPO (vgl. BACHER/ZUFFEREY, a.a.O., N. 5 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; JEAN-RICHARD-DIT-BRESSEL, a.a.O., N. 1 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; SCHMID, a.a.O., N. 2 und 3 zu <span class="artref">Art. 273 StPO</span>; Botschaft StPO, BBl 2006 1250 f.).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp630640"></a><span class="bold" id="consideration_5.6">5.6 </span>Bei Antennensuchläufen im Rahmen von <i>Rasterfahndungen</i> gegen noch unbekannte Täterschaft werden allerdings Telefonie-Randdaten von zunächst <i>unbestimmt vielen</i> (möglicherweise sehr vielen) Teilnehmern erfasst und (vorerst anonymisiert) miteinander abgeglichen, um aus Randdaten verschiedener Tatorte oder Tatzeiten die <i>Schnittmenge</i> von konkret Verdächtigen zu ermitteln (vgl. dazu oben, E. 5.4). In der Literatur wird die Auffassung vertreten, dass solche Rasterfahndungen grundsätzlich nur "zur Aufklärung schwerer Delikte" zulässig seien. Zudem müsse der Eingriff in die Rechte der mitbetroffenen Unverdächtigen "minimal" ausfallen, und die <a name="page349"></a><div class="center pagebreak">BGE 137 IV 340 S. 349</div>Gefahr, dass Unschuldige in ein Strafverfahren verwickelt werden könnten, müsse sehr klein erscheinen (HANSJAKOB, Kommentar BÜPF/VÜPF, a.a.O., N. 19 zu <span class="artref">Art. 16 VÜPF</span>). Im Falle von Antennensuchläufen im Rahmen von Rasterfahndungen führe dies zur Forderung, dass die zu erhebenden Randdaten (zusammen mit den übrigen bisherigenUntersuchungsergebnissen) eine "eindeutige Selektion" ermöglichen müssten. Dies sei oft der Fall, "wenn neben Ort und Zeit eines Gesprächs weitere Angaben über den Verdächtigen vorhanden sind oder wenn Ort und Zeit von zwei Gesprächen bekannt sind, so dass die Anbieterin aufgefordert werden kann, nur diejenige Geräte- oder Telefonnummer zu nennen, die an beiden Orten registriert wurde". In solchen Fällen liege (im Sinne von <span class="artref">Art. 273 StPO</span> bzw. aArt. 5 Abs. 1 lit. b BÜPF) eine zulässige Erhebung von Verkehrs- und Rechnungsdaten vor (HANSJAKOB, Kommentar BÜPF/VÜPF, a.a.O., N. 20 zu <span class="artref">Art. 16 VÜPF</span>). Was den dringenden Tatverdacht betrifft, genügt bei Fahndungen gegen Unbekannt in solchen Konstellationen grundsätzlich die mögliche Individualisierbarkeit der Zielpersonen gemäss Raster- bzw. Schnittmengenergebnis (vgl. SCHMID, a.a.O., N. 6 zu <span class="artref">Art. 269 StPO</span>). Hingegen sind Überwachungen (auch nach Art. 273 i.V.m. 269 StPO) nur zur Verfolgung von bereits verübten und den Strafverfolgungsbehörden (mit Vorbehalt von <span class="artref">Art. 278 StPO</span>) bekannten Straftaten zulässig, nicht aber zu rein präventiven Zwecken (vgl. SCHMID, a.a.O., N. 7 zu <span class="artref">Art. 269 StPO</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp647072"></a><span class="bold" id="consideration_6.">6. </span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp648112"></a><span class="bold" id="consideration_6.1">6.1 </span>Der oben dargelegten Lehre ist im Grundsatz zuzustimmen: <i>Einfache</i> rückwirkende Erhebungen von Verkehrs- und Rechnungsdaten mit Teilnehmeridentifikation im Fernmeldeverkehr gegenüber bekannten Beschuldigten würden (nach <span class="artref">Art. 273 Abs. 1 StPO</span>) den dringenden Verdacht eines Verbrechens oder Vergehens oder einer Übertretung nach <span class="artref">Art. 179<sup>septies</sup> StGB</span> voraussetzen. Ausserdem müssten die Voraussetzungen von <span class="artref"><artref id="CH/312.0/269/c" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/269/1/c" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/269/1/b" type="start"></artref>Art. 269 Abs. 1 lit. b und c StPO</span><artref id="CH/312.0/269/1/c" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/269/c" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/c" type="end"></artref> erfüllt sein. Bei der hier streitigen (nicht ausdrücklich im Gesetz geregelten) Erhebung von Verbindungs-Randdaten per <i>Antennensuchlauf</i> im Rahmen einer Rasterfahndung gegen Unbekannt ist (jedenfalls im Sinne von Art. 269 Abs. 1 lit. a und b sowie Abs. 2 StPO) der dringende Tatverdacht eines <i>Verbrechens</i> zu verlangen. Zudem müssen die Gesuchten bei noch unbekannter Täterschaft grundsätzlich <i>individualisierbar</i> sein. Weiter ist die <i>Subsidiarität</i> der Massnahme (im Sinne einer "ultima ratio" der Untersuchungsanstrengungen, Art. 269 Abs. 1 lit. c i.V.m. <span class="artref">Art. 273 Abs. 1 StPO</span>) zu verlangen. In der vorliegenden Konstellation ist sodann <i>keine inhaltliche Überwachung</i> <a name="page350"></a><div class="center pagebreak">BGE 137 IV 340 S. 350</div>von Gesprächen bzw. Nachrichten (SMS) zulässig, sondern bloss die Erhebung und Auswertung der (zunächst anonymisierten) <i>Verbindungs-Randdaten</i>. Zudem muss bei Rasterfahndungen mittels Antennensuchlaufs die angepeilte verdächtige <i>Schnittmenge</i> der abgeglichenen Verkehrs- und Rechnungsdaten voraussichtlich <i>klein</i> sein. Die Beschränkung der eigentlichen Ermittlungen auf einige wenige konkrete Zielpersonen bzw. individualisierte Verdächtige erscheint nicht nur aus Gründen der Verhältnismässigkeit geboten (vgl. Art. 13 i.V.m. 36 Abs. 3 BV), sondern auch deshalb, weil der gesetzlich vorgeschriebene nachträgliche Rechtsschutz (<span class="artref">Art. 279 StPO</span>) bei zahlreichen persönlich identifizierten Schnittmengen-Betroffenen nur schwer bzw. mit übermässigem Aufwand zu bewerkstelligen wäre. Die richterliche Genehmigungsinstanz kann die Auskunftserteilung nach <span class="artref">Art. 273 StPO</span> an entsprechende inhaltliche Auflagen knüpfen (<span class="artref">Art. 274 Abs. 2 Satz 2 StPO</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp672688"></a><span class="bold" id="consideration_6.2">6.2 </span>Der dringende Tatverdacht von mehreren schweren Verbrechen (bewaffneten Raubüberfällen mit Gewaltanwendung und sehr hoher Deliktssumme) ist hier gegeben. Zwar konnte der Tatverdacht bisher noch keinen konkreten Personen individuell zugerechnet werden. Die noch unbekannte und flüchtige Täterschaft ist jedoch (im Rasterergebnis) grundsätzlich identifizierbar und wurde von Zeugen beobachtet. Auch bestehen nach den bisherigen Untersuchungsergebnissen konkrete Anhaltspunkte dafür, dass zumindest einzelne Täter an allen drei Raubüberfällen beteiligt waren und dass die Täterschaft vor und nach den Raubüberfällen (und vor der Beschaffung eines Fluchtfahrzeuges) über Mobiltelefone kommunizierte.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp674544"></a><span class="bold" id="consideration_6.3">6.3 </span>Entgegen der Ansicht der Vorinstanz dient die hier streitige nachträgliche Überwachungsmassnahme nicht erst der Suche nach Straftaten bzw. der Begründung eines vorher inexistenten Tatverdachtes. Vielmehr dient sie der Individualisierung und Identifizierung der Täterschaft bei bereits objektiv konkretisiertem dringendem Verdacht von Schwerverbrechen. Sodann hat die Staatsanwaltschaft den Antennensuchlauf im Sinne einer "ultima ratio" angeordnet, nachdem es ihr trotz umfangreicher Untersuchungsanstrengungen (darunter DNA-Spurenauswertungen, Zeugenbefragungen, Personen- und Fahrzeugüberprüfungen, Publikation von Phantombildern usw.) nicht gelungen war, die Täterschaft zu identifizieren. Die Zwangsmassnahmengerichte der Kantone Schwyz und Schaffhausen haben im konnexen Zusammenhang bereits zwei analoge Überwachungsmassnahmen rechtskräftig bewilligt. <a name="page351"></a><div class="center pagebreak">BGE 137 IV 340 S. 351</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp678288"></a><span class="bold" id="consideration_6.4">6.4 </span>Mit dem hier streitigen Antennensuchlauf soll anhand der Verbindungs-Randdaten (insbesondere der Rufnummern) abgeklärt werden, über welche Mobiltelefone in der näheren Umgebung des Tatortes in Berikon (AG) und im fraglichen Tatzeitraum Gespräche geführt oder Nachrichten versendet wurden. Die nachträgliche Überwachung beschränkt sich auf zwei Stunden (im Zeitraum unmittelbar vor, während und nach dem Raubüberfall). Es werden keine Gesprächs- oder Nachrichteninhalte ermittelt. Die Analyse der zunächst anonymisierten Verbindungs-Randdaten (ein- und ausgehende Nummern, Zeitpunkt und Dauer der aktiven Verbindungen, internationale Geräte-Identifikationsnummern, internationale SIM-Karten-Identifikationsnummern sowie benutzte Verbindungsantennen) und deren Abgleichung mit den übrigen Untersuchungsergebnissen erfolgt durch die Staatsanwaltschaft.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp681296"></a><span class="bold" id="consideration_6.5">6.5 </span>Diese Massnahme (inklusive Schnittmengen-Ermittlung) stellt noch keinen schweren Eingriff in die Grundrechte von Betroffenen dar. Dies umso weniger, als zur Feststellung der Schnittmenge von konkret verdächtigen Personen noch nicht alle abzugleichenden Randdaten sämtlicher betroffener Verbindungen personenbezogen identifiziert werden. Eine nähere Personenidentifikation rechtfertigt sich denn auch erst beim (zu ermittelnden) eingeschränkten Kreis der in das Fahndungsraster fallenden Verdächtigen. Die Staatsanwaltschaft bestätigt in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass bis zur Schnittmengen-Eruierung keine Feststellung von Personalien erfolge. Die zu untersuchenden schweren Verbrechen rechtfertigen (im Sinne von Art. 269 Abs. 1 lit. b i.V.m. <span class="artref">Art. 273 Abs. 1 StPO</span>) die streitige Überwachungsmassnahme. Eine allfällige nachträgliche Erhebung von Gesprächsinhalten bzw. Nachrichten (SMS) bedürfte einer zusätzlichen richterlichen Bewilligung (Art. 272 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 270 StPO</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp686992"></a><span class="bold" id="consideration_6.6">6.6 </span>Weiter fällt ins Gewicht, dass im vorliegenden Fall eine sachgerechte und gezielte Eingrenzung von einigen wenigen tatverdächtigen Personen möglich erscheint: Für die übrigen Tatortstandorte in den Kantonen Schaffhausen und Schwyz (bzw. Zürich) wurden bereits zwei analoge Antennensuchläufe rechtskräftig bewilligt. Die beteiligten Staatsanwaltschaften möchten die Schnittmenge der Rufnummern ermitteln, die aus den Antennensuchläufen an allen nachträglich überwachten Standorten resultiert. Es erscheint praktisch ausgeschlossen, dass viele Unbeteiligte rein zufällig und ausgerechnet zu den jeweiligen Tatzeiten an den vier weit <a name="page352"></a><div class="center pagebreak">BGE 137 IV 340 S. 352</div>auseinanderliegenden Standorten (in Lachen SZ, Winterthur, Berikon AG und Schaffhausen) telefoniert hätten. Im Gegenteil dürften nur sehr wenige Mobiltelefon-Benutzer in die Schnittmenge aller vier überwachten Antennenstandorte fallen. Gleichzeitig wären diese wenigen Personen nach den bisherigen Untersuchungsergebnissen als dringendst verdächtig anzusehen. Eine weitere Eingrenzung erscheint im Übrigen durch die Abgleichung mit den vorläufigen Untersuchungsergebnissen aller drei untersuchten Raubüberfälle möglich.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp690944"></a><span class="bold" id="consideration_6.7">6.7 </span>Dass die Schnittmenge der verdächtigen Mobiltelefon-Verbindungen durch die Untersuchungsbehörde ermittelt werden soll (und nicht durch die Telefonie-Anbieterinnen), lässt die Überwachungsmassnahme ebenfalls nicht als bundesrechtswidrig erscheinen. Zum einen sprechen Gründe der Praktikabilität und der Wahrung des Untersuchungsgeheimnisses für dieses Vorgehen. Zum anderen erscheint es, wie schon dargelegt, nicht als schwerer Eingriff in die Privatsphäre, wenn anonymisierte Randdaten von nicht persönlich identifizierten Mobiltelefoniekunden erhoben und zur blossen Ermittlung der verdächtigen Schnittmenge abgeglichen (durchgescannt) werden.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp692656"></a><span class="bold" id="consideration_6.8">6.8 </span>Die Verweigerung des Antennensuchlaufes durch die Vorinstanz widerspricht im Lichte der vorstehenden Erwägungen dem Sinn und Zweck der Vorschriften von Art. 273 i.V.m. <span class="artref">Art. 269 Abs. 1 StPO</span>.</div> </div></body></html>