<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 126 S.535</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">535</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>126 Taxiwesen; Zulässigkeit von Auflagen bei der Erteilung einer</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Betriebsbewilligung für gewerbsmässige Taxifahrten.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Departements des Innern vom 28. September 2000 in Sa-</span><br/> <span class="ft4">chen E.C. gegen den Gemeinderat W.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">An seiner Sitzung vom 17. Januar 2000 fasste der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">W. folgenden Beschluss: ,,Die Betriebsbewilligung für gewerbs-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">536</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mässige Taxifahrten auf dem Gemeindegebiet W. mit zwei Taxis</span><br/> <span class="ft1">wird erteilt. Mit dieser Bewilligung sind unter anderem die Auflagen</span><br/> <span class="ft1">verbunden, dass auf dem Gemeindegebiet W. nach der Tarifverord-</span><br/> <span class="ft1">nung vom 14. Dezember 1998 gefahren werden muss und ein 'Zo-</span><br/> <span class="ft1">nenpreis' nicht zulässig ist, dass jedes Taxifahrzeug mit einer plom-</span><br/> <span class="ft1">bierten Tarifuhr versehen sein muss, die so anzubringen ist, dass der</span><br/> <span class="ft1">Fahrgast den Fahrpreis auch nachts ohne Mühe ablesen kann und</span><br/> <span class="ft1">dass es untersagt ist, auf öffentlichen oder privaten Plätzen auf</span><br/> <span class="ft1">Kundschaft zu warten. "</span><br/> <span class="ft1">Mit Eingabe vom 4. Februar 2000 führt P.K., Fürsprecher,</span><br/> <span class="ft1">namens und mit Vollmacht von E.C. Beschwerde und stellt folgende</span><br/> <span class="ft1">Begehren:</span><br/> <span class="ft1">,,1. Die Betriebsbewilligung für gewerbsmässige Taxifahrten</span><br/> <span class="ft1">sei zu erteilen, und es seien die Auflagen Ziffern 5, 6 und 11 ersatz-</span><br/> <span class="ft1">los wegzulassen.</span><br/> <span class="ft1">2. ...</span><br/> <span class="ft1">3. ..."</span><br/> <span class="ft1">Zur Begründung wird im Wesentlichen vorgebracht, dass das</span><br/> <span class="ft1">Verbot eines sogenannten Zonentaxis weder im öffentlichen Interesse</span><br/> <span class="ft1">noch verhältnismässig sei. Es liege im eigenen wirtschaftlichen In-</span><br/> <span class="ft1">teresse des Beschwerdeführers, die Fahrpreise so festzulegen, dass</span><br/> <span class="ft1">potentielle Fahrgäste seine Dienste überhaupt in Anspruch nähmen.</span><br/> <span class="ft1">Fahrgäste und Taxichauffeur könnten denn auch trotz Tarifverord-</span><br/> <span class="ft1">nung und Taxiuhr jederzeit einen bestimmten Preis für eine be-</span><br/> <span class="ft1">stimmte Taxifahrt vereinbaren. Mit dem im Voraus festgelegten fixen</span><br/> <span class="ft1">Offertpreis komme jedes Mal, wenn ein Fahrgast einsteige, eine der-</span><br/> <span class="ft1">artige Vereinbarung zustande. Es sei denn auch so, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer seine Zonentarife für die Fahrgäste unübersehbar im</span><br/> <span class="ft1">Taxi angebracht habe. Deshalb sei die Ausstattung der Fahrzeuge mit</span><br/> <span class="ft1">einer Taxiuhr gar nicht erforderlich. Laut Auflagen sei es dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer untersagt, auf öffentlichen oder privaten Plätzen auf</span><br/> <span class="ft1">Kundschaft zu warten. Die Einhaltung dieser Auflage hätte zur</span><br/> <span class="ft1">Folge, dass er mit seinem Fahrzeug wohl stets in Bewegung sein</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">537</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">müsste, immer auf der Suche nach Passagieren. Aus umweltschütze-</span><br/> <span class="ft1">rischen und auch aus wirtschaftlichen Gründen könne dies nicht sein.</span><br/> <span class="ft1">Es müsse dem Beschwerdeführer gestattet sein - er sei auch ohne</span><br/> <span class="ft1">weiteres bereit, eine Bewilligungsgebühr zu entrichten - auf öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Plätzen auf Kundschaft zu warten. Dass dies kein fester Stand-</span><br/> <span class="ft1">platz sein könne, werde akzeptiert. Im Weiteren sei es nicht zulässig,</span><br/> <span class="ft1">das Verweilen mit einem Taxi auf privaten Plätzen zu verbieten. Dies</span><br/> <span class="ft1">stelle einen unzulässigen Eingriff in die Eigentumsfreiheit dar.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. a) Der Beschwerdeführer erachtet das Verbot des Zonenprei-</span><br/> <span class="ft1">ses als unzulässig. Eine derartige Anordnung liege weder im öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Interesse noch sei sie verhältnismässig. Unbestritten ist, dass</span><br/> <span class="ft1">für das Taxigewerbe behördliche Tarifvorschriften erlassen werden</span><br/> <span class="ft1">dürfen. Die besondere Stellung dieses Gewerbes und die damit ver-</span><br/> <span class="ft1">bundene Gefahr der Übervorteilung macht eine Kontrolle der Taxbe-</span><br/> <span class="ft1">rechnung notwendig und rechtfertigt die verbindliche Festlegung von</span><br/> <span class="ft1">Maximalansätzen (BGE 99 Ia 393; Häfelin/Haller, Schweizerisches</span><br/> <span class="ft1">Bundesstaatsrecht, 3. Auflage, Zürich 1993, Rz 1444). Die behördli-</span><br/> <span class="ft1">che Festlegung von Tarifen lässt sich auch in verkehrspolizeilicher</span><br/> <span class="ft1">Hinsicht rechtfertigen. Da das Ein- und Aussteigen teilweise auf</span><br/> <span class="ft1">stark benutzten Strassen stattfindet, müssen aus Gründen der Sicher-</span><br/> <span class="ft1">heit langwierige Verhandlungen über den Fahrpreis vermieden wer-</span><br/> <span class="ft1">den (Beat Zürcher, Das Taxigewerbe aus verwaltungsrechtlicher</span><br/> <span class="ft1">Sicht, Zürich 1978, S. 89). Der Erlass von kommunalen Tarifvor-</span><br/> <span class="ft1">schriften verletzt die Handels- und Gewerbefreiheit somit nicht.</span><br/> <span class="ft1">b) Gemäss Art. 19 der Verordnung über das Taxiwesen vom</span><br/> <span class="ft1">2. April 1973 setzt der Gemeinderat die allgemeinverbindliche Ta-</span><br/> <span class="ft1">rifordnung fest, welche die höchstzulässigen Fahrpreise, Wartezeiten</span><br/> <span class="ft1">und Gepäckzuschläge enthält. Gestützt darauf hat die Behörde den</span><br/> <span class="ft1">Taxitarif, letztmals angepasst auf den 15. Dezember 1998, erlassen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">538</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Auch dieser schreibt allerdings nur die Höchstpreise vor. Daraus</span><br/> <span class="ft1">folgt, dass Abweichungen nach unten jederzeit möglich sind. Das</span><br/> <span class="ft1">heisst, mit den Kundinnen und Kunden kann ein tieferer Preis</span><br/> <span class="ft1">vereinbart werden. Bei der letzten Anpassung der Tarife hat denn</span><br/> <span class="ft1">auch eines der beiden Taxiunternehmen die Erhöhung abgelehnt (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Protokollauszug des Gemeinderates W. vom 14. Dezember 1998). Es</span><br/> <span class="ft1">herrschen demnach bereits heute unterschiedliche Preise in W. Ein</span><br/> <span class="ft1">generelles Verbot des Zonenpreises lässt sich also nicht rechtfertigen.</span><br/> <span class="ft1">Soweit mit dieser Berechnungsweise der tariflich festgelegte</span><br/> <span class="ft1">Höchstpreis nicht überschritten wird, ist er zuzulassen. Dabei hat</span><br/> <span class="ft1">indes der Beschwerdeführer nachzuweisen, dass der durchschnittli-</span><br/> <span class="ft1">che Fahrpreis für eine Strecke abgestuft nach Zonen nicht teurer ist</span><br/> <span class="ft1">als derjenige, der sich aufgrund der Taxuhr ergibt.</span><br/> <span class="ft1">4. Der Beschwerdeführer vertritt die Ansicht, dass aufgrund</span><br/> <span class="ft1">des Zonenpreises der Einbau einer Tarifuhr in seinem Taxi nicht</span><br/> <span class="ft1">erforderlich sei. Dieser Auffassung kann nicht beigepflichtet werden.</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 11 der kommunalen Taxiverordnung muss jedes Taxifahr-</span><br/> <span class="ft1">zeug mit einer Taxuhr versehen sein, die so anzuordnen ist, dass der</span><br/> <span class="ft1">Fahrgast den Fahrpreis auch nachts ohne Mühe ablesen kann. Da die</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde einen Tarif erlassen darf, der auf messbaren Einheiten</span><br/> <span class="ft1">basiert, muss sie auch den Einbau eines entsprechenden Messinstru-</span><br/> <span class="ft1">mentes anordnen können. Die Massnahme ist auch nicht unverhält-</span><br/> <span class="ft1">nismässig. Vielmehr bietet sich dem einzelnen Fahrgast damit die</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit, den vereinbarten Preis allenfalls anhand der laufenden</span><br/> <span class="ft1">Taxuhr zu kontrollieren. Insofern erfüllt diese trotz Zonenpreisen</span><br/> <span class="ft1">einen Zweck. Sie dient dem Schutz der Fahrgäste. Die Auflage zum</span><br/> <span class="ft1">Einbau einer Taxuhr ist demzufolge nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft1">5. a) Schliesslich bemängelt der Beschwerdeführer auch die</span><br/> <span class="ft1">Auflage, dass er auf öffentlichen und privaten Plätzen nicht auf</span><br/> <span class="ft1">Kundschaft warten dürfe. Das habe zur Folge, dass das Taxi immer</span><br/> <span class="ft1">in Bewegung sein müsse. Eine solche Auflage könne aus umwelt-</span><br/> <span class="ft1">schützerischen wie auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht sein.</span><br/> <span class="ft1">Dieser Einwand ist berechtigt. Entgegen der Ansicht des Gemeinde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">539</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rates lässt sich die Auflage nicht auf die Taxiverordnung stützen. Es</span><br/> <span class="ft1">fehlt darin an einer klaren Bestimmung für ein Verbot. Zudem würde</span><br/> <span class="ft1">mit der Auflage die Ausübung des Taxigewerbes faktisch</span><br/> <span class="ft1">verunmöglicht. Gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. b der Taxiverordnung ist es</span><br/> <span class="ft1">den Chauffeuren nämlich untersagt, zur Anwerbung von Fahrgästen</span><br/> <span class="ft1">oder zu Reklamezwecken herumzufahren. Das heisst, der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer dürfte sein Taxi auf dem Gemeindegebiet von W. weder</span><br/> <span class="ft1">bewegen noch abstellen.</span><br/> <span class="ft1">b) Es ist fraglich, ob das Abstellen eines Taxis auf öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Plätzen generell verboten werden kann. Im Rahmen des Ge-</span><br/> <span class="ft1">meingebrauchs sollte in der Regel auch ein solches Fahrzeug die</span><br/> <span class="ft1">öffentliche Strasse benutzen dürfen wie die übrigen Verkehrsteil-</span><br/> <span class="ft1">nehmerinnen und Verkehrsteilnehmer. Wenn es abgestellt wird und</span><br/> <span class="ft1">dabei den Verkehr nicht behindert, kann ihm das Parkieren wohl</span><br/> <span class="ft1">kaum gänzlich verboten werden. Nach der Lehre ist ein Taxi in Be-</span><br/> <span class="ft1">zug auf die Benützung des öffentlichen Grundes gleich zu behandeln</span><br/> <span class="ft1">wie andere Automobile (Beat Zürcher, a.a.O., S. 52). Das heisst, die</span><br/> <span class="ft1">wartenden Taxifahrzeuge müssten dort abgestellt werden dürfen, wo</span><br/> <span class="ft1">es nach den Verkehrsregeln bzw. nach den Benützungsvorschriften</span><br/> <span class="ft1">eines Parkplatzes erlaubt ist. Selbstverständlich hat der Chauffeur</span><br/> <span class="ft1">dabei die geltende Rechtsordnung zu beachten. Schliesslich wird den</span><br/> <span class="ft1">anderen Gewerbetreibenden, die mit ihren Fahrzeugen den</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Grund beanspruchen, wie etwa Lieferantinnen und</span><br/> <span class="ft1">Lieferanten, das Abstellen auch nicht generell untersagt .</span><br/> <span class="ft1">Für das Verbot, das Taxi auf privatem Eigentum abzustellen,</span><br/> <span class="ft1">fehlt es zum vornherein an einer genügenden gesetzlichen Grundlage</span><br/> <span class="ft1">und an einem entsprechenden öffentlichen Interesse. Die Auflage der</span><br/> <span class="ft1">gemeinderätlichen Verfügung, wonach es untersagt sei, auf</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen oder privaten Plätzen auf Kundschaft zu warten, ist</span><br/> <span class="ft1">demnach ersatzlos aufzuheben.</span><br/></div> </div> </body> </html>