Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. November 2015 (725 15 179 / 297) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Die Beurteilung des behandelnden Arztes lassen Zweifel an der Schlüssigkeit der Ein- schätzungen der SUVA-Ärzte aufkommen. Weitere medizinische Abklärungen notwendig. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin Betreff Leistungen A.1 Der 1957 geborene A.____ war beim Departement B .____ als Sachbearbeiter angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen U nfallversicherungsgesellschaft (SUVA) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 19. Ju li 2009 fuhr er mit dem Motorrad auf einen vor ihm fahrenden Personenwagen auf, überschlug sic h und prallte auf dem Boden auf. Dabei zog er sich gemäss Bericht des Kreiskrankenhauses C .____ vom 22. Juli 2009 eine Commotio cerebri, eine Kniegelenksdistorsion links mit präpa tellarem Hämatom und multiple Prellungen zu. Die SUVA erbrachte in der Folge die gesetzliche n Leistungen (Heilbehandlung, Taggelder). Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zuletzt war der Beschwerdeführer bis 16. Oktober 2010 wegen Beschwerden am rechten Dau- men in Behandlung. In der Folge schloss die SUVA den Fall formlos ab. A.2 Am 9. Mai 2014 liess A.____ durch seine neue Arbei tgeberin der SUVA einen Rückfall zum Unfall vom 19. Juli 2009 melden. Er gab an, seit dem Unfall vom 19. Juli 2009 permanente Schmerzen im linken Knie zu haben. Seit circa zwei Mona ten hätten die Schmerzen stark zu- genommen, weshalb er ärztliche Behandlung habe beanspru chen müssen. Nach Durchführung weiterer Abklärungen hielt die SUVA mit Verfügung vom 11. Juli 2014 fest, dass die Beschwer- den im linken Knie nicht überwiegend wahrscheinlich in e inem Zusammenhang mit dem Unfall vom 19. Juli 2009 stehen würden. Daran hielt sie auch auf Einsprache des Versicherten hin mit Entscheid vom 17. April 2015 fest. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____am 13. Mai 2015 Beschwerde beim Kantonsge- richt, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). In seiner ergänzenden Eingabe vom 16. Juni 2015 beantragte er, in Aufhebung des Einspracheentscheids vom 17. April 2015 sei die SUVA zu verpflichten, die bisherigen und zukünftigen un fallbedingten Behandlungskosten be- treffend das linke Knie zu übernehmen. Es sei eine Ne ubeurteilung durch einen neutralen Facharzt vorzunehmen. Die Beschwerde begründete er im We sentlichen damit, dass die Schmerzen im linken Knie seit dem Unfall vom 19. Juli 2 009 ununterbrochen bestanden hätten. Zufolge Verschlechterung der Beschwerden habe er ärztlich e Behandlung beanspruchen müs- sen. C. Mit Vernehmlassung vom 23. Juni 2015 schloss die SUVA auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht erhobene – Beschwerde vom 13. Mai 2015 ist einz utreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähig- keit 80% des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arb eitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). 2.2 Laut Art. 11 der Verordnung über die Unfallversic herung (UVV) vom 20. Dezember 1982 werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt. Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tatbestä nde dar (Art. 22 UVG; BGE 127 V 457 E. 4b, 118 V 297 E. 2d). Bei einem Rü ckfall handelt es sich um das Wiederauf- flackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglich- erweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit o rganische oder psychische Veränderun- gen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbi ld führen können. Rückfälle und Spät- folgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unf allereignis an (Kranken- und Unfall- versicherung - Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). 3. Zwischen den Parteien ist strittig und zu prüfen, ob die vom Versicherten am 9. Mai 2014 als Rückfall gemeldeten Kniebeschwerden, welche ein e erneute ärztliche Behandlung erforderlich machten, auf das Unfallereignis vom 19. Juli 2009 zurückzuführen sind. 4.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem ein getretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliege nden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Da ein Rückfall begrifflich an ein bestehendes Unf allereignis anschliesst (vgl. E. 4.1 hiervor), kann er eine Leistungspflicht des Unfallversich erers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerze it beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher Kausalzusammenhang b esteht (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). Dab ei gilt es klarzustellen, dass der Unfall- versicherer in Bezug auf den geltend gemachten Rückfall nicht auf der Anerkennung des natür- lichen Kausalzusammenhangs beim Grundfall behaftet wer den kann, weil die unfallkausalen Faktoren durch Zeitablauf wegfallen können. Es oblieg t vielmehr der versicherten Person, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen de m neuen Beschwerdebild und dem Unfall mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Je grösser der zeitliche Ab stand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung is t, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalz usammenhangs zu stellen (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 E. 1c in fine). Bei Bewe islosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus (Urteil des Bundesgerichts vo m 7. Juli 2010, 8C_113/2010, E. 2.3; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). 5.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie insbeso ndere der Feststellung natürli- cher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist di e rechtsanwendende Behörde re- gelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsi chtlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 6. Für die Beurteilung der umstrittenen Fragen sind i m Wesentlichen folgende ärztliche Berichte zu berücksichtigen: 6.1 Am 22. Juli 2009 diagnostizierte der erstbehandeln de Arzt Dr. med. D.____, Facharzt für Chirurgie/Unfallchirurgie, Kreiskrankenhaus C.____, eine Commotio cerebri, eine Kniegelenks- distorsion links mit präpatellarem Hämatom und multiple Prellungen. Der Versicherte sei nach schwerem Motorradsturz zur neurologischen und kardiopulmo nalen Überwachung stationär aufgenommen worden. Im Verlauf sei es zu zunehmenden S chmerzen im Kniegelenk gekom- men und es habe sich ein deutliches präpatellares Hämato m ausgebildet. Bei der klinischen Untersuchung schienen die Bänder intakt. Zum Ausschluss ei ner Kniebinnenverletzung sei al- lerdings dringend eine MRT-Untersuchung zu empfehlen. 6.2 Am 3. September 2009 fand Dr. med. E.____, FMH Radiologie, einen Lappenriss des medialen Meniskushinterhorns, eine kompartimentierte p arameniskale Zyste, eine Bursitis prä- patellaris/infrapatellaris mit feinen Septen intrabur sal und verdickter Synovia der Bursa sowie ein subkutanes Weichteilödem von ventral nach medial un d lateral auslaufend. Eine ligamentä- re Läsion sei nicht nachgewiesen. 6.3 Im Bericht vom 18. September 2009 diagnostizierte Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, einen Status nach multiplen Körperpre llungen am linken Knie, an der linken Schulter und am rechten Daumen nach einem Verkehrsunfall mit Commotio cerebri. Es bestün- den weiterhin Schmerzen im rechten Daumen und in der l inken Hand. Die Bursitis präpatellaris sei nun reizlos, das Knie aber noch immer ödematös geschwollen. Zwar sei im MRI eine Menis- kusläsion im Hinterhorn festgestellt worden. Diese spiele aber zurzeit vermutlich keine Rolle. 6.4 Am 22. September 2009 hielt Dr. D.____ fest, das s beim Versicherten bei Ankunft in der chirurgischen Notfallambulanz eine schmerzhafte Funktionsmin derung in beiden Händen, eine Prellmarke am rechten Ellenbogen, Hämatome, ein diffu ser Druckschmerz an beiden Ober- schenkeln und ein Bluterguss im linken Kniegelenk präpatel lar bestanden hätten. Die Funktion sei eingeschränkt, eine Bandinstabilität aber nicht nac hweisbar gewesen. Er diagnostizierte eine Commotio cerebri, eine Knieprellung rechts sowie multiple Prellungen und Schürfverlet- zungen. 6.5 Am 8. Mai 2014 liess sich der Versicherte von Dr. med . G.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, u ntersuchen. Dabei wurde festgehal- ten, dass klinisch eindeutig Hinweise für eine mediale M eniskusläsion bestehen würden. Die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht bereits bestehende mediale Meniskusläsion vom 2. Septem ber 2009 habe sich möglicherweise vergrössert, so dass nun der Lappen eingeklemmt sei und Beschwerden auslöse. 6.6 Dr. med. H.____, FMH Radiologie, führte am 12. Mai 2014 aus, dass das aktuelle MRI degenerative Veränderungen im medialen Meniskushinterho rn mit horizontaler Rissbildung, einen Reizzustand der posteromedialen Kapsel sowie der medialen Tibiakante, eine ganglionar- tige Struktur von der hinteren medialen Kapsel bis in die Inseration der Semi-Membranosus- Sehne reichend und eine mässiggradige diffuse Knorpela usdünnung im medialen femorotibia- len Kampartment zeigen würde. 6.7 Am 23. Mai 2014 hielt der SUVA-Kreisarzt Prof. Dr . med. I.____, Facharzt für Chirurgie, fest, dass die geltend gemachten Beschwerden am linken K nie nur möglicherweise auf das Er- eignis vom 19. Juli 2009 zurückzuführen seien. Zwar werde im MRI vom 3. September 2009 ein Befund im Sinne eines Innenmeniskusrisses beschrieben, obwohl der klinische Befund dazu nie gepasst habe. Der Versicherte habe eigentlich nur eine Prellung des Knies mit späterer post- traumatischer Bursitis präpatellaris erlitten. Zu keiner Zeit seien Meniskussymptome beschrie- ben worden. Ausserdem spreche der Horizontalriss eher fü r eine degenerative Läsion im Me- niskus. An dieser Einschätzung hielt Prof. Dr. I.____ au ch in seinem Bericht vom 10. Juli 2014 fest. Der Versicherte habe eine Prellung des Knies mit sp äterer posttraumatischer Bursitis prä- patellaris erlitten. Der Unfallhergang sei für eine Meniskusverletzung unpassend. Dr. F.____ habe in seinem Bericht vom 18. September 2009 festgeha lten, dass der im MRI gefundene Lappenriss keine Rolle im Zusammenhang mit dem Motorr adunfall spiele. Der Lokalbefund sei eine ödematöse Schwellung gewesen und kein intraart ikulärer Erguss, wie dies für eine Menis- kusläsion zu erwarten sei. Beim Behandlungsabschluss im Ja hr 2010 sei das Kniegelenk nicht mehr thematisiert worden. Nachvollziehbare Brückensymptom e würden fehlen. Zudem sei seit dem Fallabschluss keine ärztliche Behandlung dokumentiert. Ausserdem würde das aktuelle MRI vom 12. Mai 2014 eindeutig degenerative Veränderungen im medialen Meniskushinterhorn zeigen. 6.8 Am 29. September 2014 hielt Prof. Dr. I.____ fe st, abgesehen vom Bericht des Kreis- krankenhauses C.____ vom 22. Juli 2009 sei in keinem ärzt lichen Bericht von einer Kniege- lenksdistorsion links die Rede gewesen. Die Erstbehandlu ngsdiagnose laute zweifellos Kniege- lenksprellung. Mit einer zeitlichen Latenz von vier Jahren werde nun geltend gemacht, dass seit dem Unfallereignis Schmerzen im Knie bestehen würden. In den Unterlagen sei aber weder eine ärztliche Behandlung noch eine Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Schmerzen im Kniegelenk dokumentiert. Nachvollziehbare Brückensymptome würden nicht bestehen. 6.9 Im Bericht vom 9. Dezember 2014 ging Dr. G.____ d avon aus, dass der Lappenriss im Hinterhorn des medialen Meniskus überwiegend wahrscheinl ich auf den Unfall vom 19. Juli 2009 zurückzuführen sei. Es sei bereits im MRI vom 2. Septe mber 2009 ein Lappenriss des medialen Meniskus festgestellt worden. Aufgrund des Verl aufs mit persistierenden Schmerzen und Verschlimmerung der Schmerzen seit März 2014. habe sich die mediale Meniskusläsion möglicherweise vergrössert, so dass nun der Lappen einklem me und stechende Beschwerden auslöse. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.10 Die SUVA legte das Dossier ihrem Kompetenzzentrum für Versicherungsmedizin zur Prüfung vor. Dr. med. J.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, führte in seinem Aktengutachten vom 14. April 2015 aus, dass aufgrund des vom Versicherten angegebenen Unfallhergangs und des ärztlich dokumentierten Verlet- zungsmusters mit Prellung des Kopfes, der Hände des Ellen bogens, der Schulter, der Ober- schenkel und des Kniegelenks – entgegen den Ausführungen im Bericht des Kreiskrankenhau- ses C.____ vom 22. Juli 2009 – nicht von einer Distorsion, sondern vielmehr von einem Anprall des Kniegelenks auszugehen sei. Die Symptome einer akut tr aumatischen Verletzung mit Riss- bildung des Meniskus seien sofortige scharfe bewegungs- und belastungsabhängige Schmer- zen, ein schnappendes Gefühl oder gegebenenfalls Einklemmerscheinungen von abgerissenen Meniskusanteilen mit Blockierung des Gelenks im Gelenksspalt. Dagegen seien degenerativ bedingte Meniskusschädigungen lange häufig relativ schmerzar m oder sogar schmerzfrei und würden erst dann bemerkt, wenn es aufgrund der Begleitreaktion mit Entzündung der Gelenkin- nenhaut zu sekundären Schmerzsymptomen, Gelenkergüssen ode r entzündlichen Reizungen des angrenzenden Kapselbandapparates komme. Der aufgru nd des Verletzungsmusters anzu- nehmende Unfallhergang sei nicht geeignet, eine trau matisch bedingte Rissbildung des Innen- meniskus zu bewirken. Auch würde das MRT vom 2. [recte: 3 .] September 2009 mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit für eine degenerative und nich t für eine traumatische Ätiologie der Innenmeniskusschädigung sprechen. Aus den Bilddokumenten vo m 12. Mai 2014 sei ersicht- lich, dass es zu einer vollständigen Abheilung der präpat ellaren Weichteilschwellung und der posttraumatischen Bursitis prätellaris gekommen sei. Die im Rahmen der Rückfallmeldung be- klagte Beschwerdesymptomatik des Versicherten stehe mit über wiegender Wahrscheinlichkeit nicht in einem Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 19. Juli 2009. Sie seien vielmehr Folgen einer verschleissbedingten Meniskusschädigung und d er synovialen Reizreaktion. Schlüssige und nachvollziehbare Argumente für eine traumatische Genese des diagnostizierten Innenmeniskusschadens zeige Dr. F.____ in einer Stellungnahme vom 9. Dezember 2014 nicht auf. 6.11 Am 21. April 2015 diagnostizierte Dr. med. K.___ _, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, einen medialer M eniskusriss sowie ein Schienbein- kantensyndrom links bei Status nach Unfall im Jahr 2009. Die Meniskusläsion sei aktuell nicht klinisch führend. Solange keine grösseren Beschwerden vor liegen, sei aktuelle kein operativer Eingriff angezeigt. 7.1 Die SUVA stützte sich im angefochtenen Einspracheents cheid vom 17. April 2015 bei der Beurteilung der Unfallkausalität der Kniebeschwer den links vollumfänglich auf die Beurtei- lungen ihres Kreisarztes Prof. Dr. I.____ vom 23. Mai 2 014 und 10. Juli 2014 und ihres bera- tenden Arztes Dr. J.____ vom 18. August 2014. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Be- schwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 19. Juli 2009 zu- rückzuführen seien. Die Diagnose einer Kniegelenksdistorsi on, wie sie im Bericht des Kreis- krankenhauses D.____ vom 22. Juli 2009 diagnostiziert word en sei, sei nicht zutreffend, da kli- nisch lediglich Befunde eines Anpralls und keine Distorsion dokumentiert seien. Die ebenfalls festgestellt parameniskale Zyste erachtet Dr. J.____ zwa r als typische Folge einer chronisch Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht persistierenden Entzündungssituation mit Produktion von Gelenkflüssigkeit, die in enger räumli- cher Verbindung zum geschädigten Meniskus stünde. Er geht aber davon aus, dass über einen Zeitraum von vier Jahren seit dem Unfall die persistier ende Schmerzsymptomatik nicht doku- mentiert sei. Dabei stützte er sich einzig darauf ab, dass keine fortführende ärztliche Leistung in Anspruch genommen worden sei. Diese Einschätzung der SUV A vermag indes aus nachfol- genden Gründen nicht zu überzeugen. 7.2 Zunächst besteht kein Grund, an den Angaben des Be schwerdeführers zu zweifeln, wonach er seit dem Unfallereignis permanente Schmerzen im linken Knie gehabt habe. Die Tatsache, dass hinsichtlich der Knieverletzung keine eing ehenden Abklärungen durchgeführt wurden, ist nicht ungewöhnlich, standen doch nach dem U nfall die Hand- bzw. Daumenverlet- zung im Vordergrund. Wie es sich verhält, wenn vom Beschwer deverlauf ausgegangen wird, wie ihn der Beschwerdeführer schildert, ist im Gutachten von Dr. J.____ nicht thematisiert. Vielmehr legte er seiner Beurteilung lediglich einen Anprall des Knies beim Motorradunfall zu- grunde und berücksichtigte nicht, dass sich der Versicherte beim Zusammenstoss nicht nur am Heck des Personenwagens gestossen hatte, sondern sich auch überschlug. Dabei könnte er sich beim Sturz ohne weiteres die vom Kreiskrankenhaus D.___ _ im Bericht vom 22. Juli 2009 diagnostizierte Kniedistorsion zugezogen haben. Jedenfalls zeigt bereits das MRI aus dem Jahr 2009 eine Lappenläsion des Innenmeniskushinterhorns. Zwar weist Dr. J.____ darauf hin, dass der typische Unfallmechanismus mit traumatischer Schädig ung des Innenmeniskus in einer forcierten Aussenrotationsbewegung des Oberschenkels gege n den fixierten Unterschenkel bestünde. Er legt aber nicht dar, weshalb ein solcher B ewegungsablauf im vorliegenden Fall auszuschliessen ist. Es bleibt damit ungeklärt, ob von einem blossen Anprall des Knies oder von einer Verdrehung desselben ausgegangen werden muss. Auch wenn degenerativ bedingte Meniskusschädigungen während längerer Zeit schmerzarm oder sogar beschwerdefrei verlau- fen können, vermag vorliegend die abweichende Beurteil ung des Facharztes Dr. G.____, wo- nach der Lappenriss im Hinterhorn des medialen Meniskus auf den Unfall vom 19. Juli 2009 zurückzuführen sei und sich die mediale Meniskusläsion mögl icherweise vergrössert habe, so dass der Lappen eingeklemmt sei und die stechenden Beschwe rden auslöse, Zweifel an der Aktenbegutachtung der SUVA-Ärzte zu erwecken. Dies gilt um so mehr, als Dr. G.____ – nach einer persönlichen Untersuchung des Beschwerdeführers – in seinem Bericht vom 9. Dezember 2014 davon ausgeht, dass der Lappenriss im Hinterhorn de s medialen Meniskus mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen sei. 7.3 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.2 hiervor), ist es zu lässig, dass ein Sozialversicherer einen Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entscheidet. Bestehen aber auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen v orzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). Vorliegend vermag die Beurteilung von Dr. G. ____ Zweifel an der Schlüssigkeit der Einschätzungen der SUVA-Ärzte Prof. Dr. I.____ und Dr. J.____ zu begründen, weshalb für die Beurteilung der Unfallkausalität nicht darauf abgeste llt werden kann. Vielmehr bedarf der rele- vante medizinische Sachverhalt weiterer Abklärung, wobei auch zu prüfen sein wird, ob der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unfall überwiegend wahrscheinlich zumindest eine indir ekte Teilursache der gesundheitlichen Beschwerden ist. 8. Gemäss neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung könne n die Sozialversicherungs- gerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Strei tsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielme hr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräft ig ist. Eine Rückweisung an die Vor- instanz bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher voll- ständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn ledi glich eine Klarstellung, Präzisierung o- der Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforde rlich ist (vgl. BGE 137 V 263 ff. E. 4.4.1 ff). Die Beschwerdegegnerin hat – trotz der unterschiedlichen fachärztlichen Beurtei- lungen hinsichtlich der Unfallkausalität der geklagten Kniebeschwerden links – nicht alle not- wendigen Abklärungen zur Beurteilung der natürlichen K ausalität vorgenommen (vgl. E. 7 hier- vor). Zudem unterliess sie es, die widersprüchlichen Angabe n von Dr. D.____ in den Berichten vom 22. Juli 2009 und 22. September 2009 zu klären. Da es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwaltungsverfahren versäumte medizinische Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz somit nichts entgegen. Demzufolge ist die Angelegenheit in Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 17. April 2015 zur weiteren Abklä- rung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese h at den Beschwerdeführer durch ei- nen unabhängigen versicherungsexternen Facharzt begutacht en zu lassen. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung wird die Beschwerdegegner in über die Ansprüche des Be- schwerdeführers neu zu verfügen haben. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind beim nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdefüh- rer wettzuschlagen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Besch werde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der Einsprache- entscheid der SUVA vom 17. April 2015 aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen wird, damit sie, nach erfol gter Abklä- rung im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsansp ruch des Be- schwerdeführers neu verfüge. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht