Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. März 2013 (720 12 317 / 61) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente, Abklärung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Markus Mat tle, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber i.V. Jodok Vogt Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Kathrin Bichsel, Advo- katin, Blumenrain 3, Postfach, 4001 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.2541.7956.69) A. Die 1985 geborene A.____ meldete sich am 17. März 2 010 unter Hinweis auf Depressi- onen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte die erwerblichen u nd gesundheitlichen Verhältnisse ab und lehnte nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 12. September 2012 das Gesuch von A.____ ab, da der Invaliditätsgrad unter 40% liege und daher keinen Anspruch auf eine Invalidenrente begründe. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Kathrin Bichsel, Advokatin, mit Eingabe vom 16. Oktober 2012 Beschwerde beim Kantonsg ericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle. Eventualiter sei ihr rückwirkend ab dem 1. Oktober 2010 mindestens eine halbe IV-Rente, Mehrforderungen vorbehalten, auszurichten. In verfahren srechtlicher Hinsicht beantragte sie zudem die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständ ung mit Advokatin Kathrin Bichsel; unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung ihrer Beschwer de führte sie im Wesentlichen an, die angefochtene Verfügung beruhe auf einem nicht hinreic hend abgeklärten medizinischen Sach- verhalt. C. Mit Verfügung vom 17. Oktober 2012 bewilligte das Kantonsgericht der Beschwerdefüh- rerin die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständ ung mit Advokatin Kathrin Bichsel als unentgeltliche Rechtsvertreterin. D. In ihrer Vernehmlassung vom 17. Dezember 2012 beant ragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den A llgemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 i.V.m. Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 kann gegen Verfügungen der kantonalen IV- Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versicherungsge richt am Ort der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Das Kantonsge richt ist gestützt auf diese Bestim- mungen örtlich und gestützt auf § 54 Abs. 1 lit. a des G esetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 auch sachlich zuständig. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle in de r Verfügung vom 12. September 2012 einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat. 3.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. Invalidität im Sinne dieser Bestimmun g ist die durch einen körperlichen, geisti- gen oder psychischen Gesundheitsschaden als Folge von Gebur tsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder länge re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 7 und Art. 8 ATSG). 3.2 Gemäss Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leiste n. Bei langer Dauer wird auch die zu- mutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt. 3.3 Bei der Beurteilung der Frage, ob und allenfall s in welchem Umfang bei einer versi- cherten Person eine Arbeitsunfähigkeit besteht beziehung sweise wie die verbleibende Arbeits- fähigkeit verwertet werden kann, sind die Gerichte regelmässig auf entsprechende fachärztliche Einschätzungen und Stellungnahmen angewiesen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe- richts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berüc ksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinische n Zusammenhänge und in der Beur- teilung der medizinischen Situation einleuchtet und o b die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 122 V 160 E. 1c; A LFRED BÜHLER , Versicherungsinterne Gutachten und Privatgutachten, in: Rechtsfragen der medizinischen B egutachtung in der Sozialversiche- rung, St. Gallen 1997, S. 179 ff.). Ausschlaggebend f ür den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, so ndern dessen Inhalt (vgl. BGE 122 V 160 f. E. 1c). Im Verwaltungsverfahren bei anerkannten Spezialärzten eingeholte Gutach- ten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und U ntersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten erstattet wurden und bei denen die Ärztinnen und Ärzte bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, haben volle Beweiskra ft, solange nicht konkrete Indi- zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Die se Beweiskraft gilt gemäss der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung auch für Beurteilungen d urch angestellte versicherungsinter- ne Arztpersonen, soweit die Berichte und Gutachten schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be- gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine In dizien gegen ihre Zuverlässigkeit vor- liegen (vgl. BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee). 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vor- aussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.5 Die Abklärung des Sachverhalts hat das Gericht gemä ss dem im Sozialversicherungs- verfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz von Amtes we gen vorzunehmen. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von sich au s und ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständige Festste llung des Sachverhaltes zu sorgen (vgl. THOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 443 f.). Eine Einschränkung erfährt der Untersuchungsgrundsatz du rch die Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl. BGE 121 V 210 E. 6c). Für das gesamte Ve rwaltungs- und Verwaltungsgerichts- beschwerdeverfahren gilt ferner der Grundsatz der fre ien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei und somit ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtge mäss zu würdigen (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS , Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungs- recht des Bundes, Basel 1996, S. 176 N 914 und S. 220 N 1138). Für das Beschwerdeverfah- ren hat dies zur Folge, dass das Sozialversicherungsgerich t alle Beweismittel - unabhängig da- von, von wem sie stammen - objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg- baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Wei- ter dürfen die Verwaltung als verfügende Instanz beziehu ngsweise im Beschwerdefall das Ge- richt eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, we nn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht ist der Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichen- des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wah rscheinlichkeit zu fällen. Die blos- se Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den B eweisanforderungen nicht. Viel- mehr ist jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die vo n allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste zu würdigen ist (vgl. BGE 115 V 142 E. 8b). 4. Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind di e folgenden medizinischen Unterla- gen zu berücksichtigen: 4.1 Nachdem die Beschwerdeführerin am 30. Dezember 200 5 einen Auffahrunfall erlitt, begab sie sich am selben Tag ins Spital B.____ zu einer ambulanten Begutachtung. Die unter- suchenden Ärzte diagnostizierten damals ein Beschleunigun gstrauma der Halswirbelsäule (HWS). 4.2 Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Medizin, Klinik D .____, stellte in seinem Bericht vom 20. Dezember 2007 fest, dass sich die körperlichen Besch werden im Nacken-, Schulter- und Kopfbereich seit dem Unfallereignis zwar zurückgebil det haben, dafür seien aber bei der Beschwerdeführerin vermehrt Beschwerden auf der psychischr eaktiven Ebene vorhanden. Die teils vorbestehenden und in der Zeit nach dem Unfall parallel laufenden endokrinologischen und gastroenterologischen Probleme hätten dabei wohl eine Rolle gespielt, so dass das aktuelle Beschwerdebild multifaktoriellen Ursprungs sei. 4.3 Am 14. April 2010 berichtete Dr. med. E.____, F acharzt für Allgemeinmedizin, auf An- frage der IV-Stelle, dass die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2008 an einer mittelschweren rezidivierenden Depression (ICD-10 F32.10) leide, welch e sich negativ auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Zudem stellte er folgende, die Arbeitsfähigk eit nicht beeinflussende Diagnosen: ein metabolisches Syndrom (PCO-Syndrom), Adipositas und ein co lon irritabile. Weiter führte er Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus, dass die Beschwerdeführerin nur stark vermindert psychisch belastbar sei und empfahl dringend eine psychiatrische Begleitung. 4.4 Nachdem Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychoth erapie, von der Klinik G.____ die Beschwerdeführerin am 5. April 2011 untersucht hatte, stellte er am 5. Mai 2011 die Diagnose einer gegenwärtig mittelgradigen depressiven E pisode (ICD-10 F33.1) und einer Pa- nikstörung (ICD-10 F41.0). 4.5 Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, bei welcher die Beschwerde- führerin seit dem 5. August 2009 unter psychiatrischer Behandlung steht, führte in ihrem Bericht vom 20. Juni 2011 aus, dass sie bei der Explorandin mit Bl ick auf die Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, ge genwärtig mittelgradig, mit Tendenz zur Chronifizierung (ICD-10 F33.1), eine Panikstörung (ICD-10 F41.0), eine soziale Phobie (ICD-10 F40.1) und eine abhängige Persönlichkeitsstöru ng (ICD-10 F60.7) diagnostiziert habe. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ei n Syndrom der polyzystischen Ovarien, ein colon irritabile mit anamnestischen Laxantienabusus und ein metabolisches Syndrom mit Insulinresistenz. Dr. H.____ ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin in geschütztem Rah- men zu 50% und auf dem ersten Arbeitsmarkt zu höchstens 40% arbeitsfähig sei. 4.6 Nach Empfehlung von Dr. med. I.____, FMH Psychiatri e und Psychotherapie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) beauftragte die IV-Stelle Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit einem psychiatrisches Gutachten. N ach dem er mit der Beschwerde- führerin zwei Explorationsgespräche durchgeführt hatte, hielt Dr. J.____ in seinem Gutachten vom 5. November 2011 fest, dass sie aktuell mit Einflus s auf die Arbeitsfähigkeit an einer rezi- divierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte dep ressive Episode (ICD-10 F33.0), ei- ner sonstigen gemischten Angststörung (ICD-10 F41.3), ei ner Panikstörung ohne Agoraphobie (ICD-10 F41.0) mit zunehmendem Vermeidungsverhalten bei Problemen mit Bezug auf sexuel- len Missbrauch in der Kindheit durch eine Person des eng eren Familienkreises (ICD-10 Z61.4) und sonstigen negativen Kindheitserlebnissen (ICD-10 Z 61.8) und einer sozialen Phobie (ICD- 10 F40.1) leide. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr. J.____ akzen- tuierte, abhängige Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.3) , eine Störung durch Alkohol (ICD-10 F10.26) und episodischer Substanzgebrauch, eine atypisch e familiäre Situation, (ICD-10 Z60.1), einen Status nach Problemen in der Beziehung zum Partner mit Gewalterfahrung (ICD- 10 Z63.0), Probleme verbunden mit der sozialen Umgebu ng (ICD-10 Z60.0) wie Schulden, So- zialamtabhängigkeit u.a., Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD- 10 Z56) und Probleme in Verbindung mit Ausbildung u nd Bildung (ICD-10 Z55). Bei der Explo- randin habe er eine eingeschränkte Freud- und Lustfähi gkeit, ein sozialer Rückzug im Sinne eines Vermeidungsverhaltens und ein geringes Selbstwert gefühl beobachtet. Zudem bestehe die Tendenz, gelegentlich Alkohol im Übermass zu konsumi eren. Das Antriebsverhalten sei jedoch gut, auch habe sich der Schlaf gebessert. Seiner Meinung nach stehe die Angststörung und nicht die Depressivität im Vordergrund. Es sei wichti g, dass bei der Beschwerdeführerin eine ich-stärkende, auf die Zukunft gerichtete Therapie form angewendet werde, durch welche sie lerne, sich Grenzen zu setzten, sich selber wichtiger zu nehmen und zu erkennen, wann sie sich aufgrund von Abhängigkeitswünschen in regressive Verhaltensweisen begebe. Klinisch sei Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine mittelgradige oder schwere Depression auszumachen. D r. J.____ attestierte der Be- schwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit von maximal 40% und führte aus, dass sie in einer Verweistätigkeit sechs Stunden täglich ohne Verminderun g des Rendements arbeitsfähig sei. Auf Nachfrage der IV-Stelle präzisierte Dr. J.____ am 25. Februar 2012, dass er die Beschwer- deführerin zurzeit zu 40% arbeitsunfähig sehe, auf Da uer sei ihr jedoch ein Arbeitspensum von 70% bzw. sechs Stunden pro Tag zumutbar. 4.7 Dr. med. K.____, FMH Gastroenterologie und Allge meine Innere Medizin, berichtete am 23. April 2012, dass die Beschwerdeführerin an ein er die Arbeitsfähigkeit beeinflussenden Obstipation leide. 4.8 In ihrem Bericht vom 23. Mai 2012 führte Dr. med . L.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, aus, dass zwischen dem Unfallereignis vom 30. Deze mber 2012 und den heute noch bestehenden Symptomen wie Nacken-, Schulter- und Kopfschm erzen, lumbosakrale Be- schwerden, Lärmüberempfindlichkeit, Schlafstörungen, d epressiver Stimmungslage sowie Pa- nikattacken ein klarer Zusammenhang bestehe. 4.9 Am 28. Januar 2013 reichte die Beschwerdeführerin einen vom 30. Oktober 2012 da- tierenden und an Dr. H.____ adressierten Bericht der K linik M.____, in welcher sie vom 5. Sep- tember 2012 bis zum 26. Oktober 2012 hospitalisiert war , nach. Darin diagnostizieren die be- handelnden Ärzte Dr. med. N.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. O.____ eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgr adige Episode (ICD-10 F33.11), eine Angststörung (ICD-10 F41.1) und soziale Ängste (ICD-10 F40.1). 5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung bei der Beurteilung des Ge- sundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versichert en vollumfänglich auf die Ergebnis- se, zu denen Dr. J.____ in seinem Gutachten vom 5. No vember 2012 gelangte und ging dem- zufolge davon aus, dass der Beschwerdeführerin aufgrund der depressiven Störung leichten Grades sechs Stunden Arbeitsleistung pro Tag zumutbar sei en. Das entspricht einer Arbeitsfä- higkeit von rund 72%. Diese Beurteilung der Vorinstanz ist, wie die folgenden Erwägungen zei- gen, nicht zu beanstanden. 5.2 In Würdigung der medizinischen Unterlagen steht zun ächst fest, dass die in somati- scher Hinsicht geltend gemachten Diagnosen wie die Obsti pation, die Zahn-Problematik oder die Folgen der HWS-Distorsion die bereits durch die psych ischen Beschwerden eingeschränkte Arbeitsfähigkeit nicht noch zusätzlich zu vermindern ve rmögen. Im Arztbericht von Dr. K.____ vom 23. April 2012 wird zwar eine Reduktion der Arbeit sfähigkeit aufgrund der Obstipation be- schrieben, allerdings wird diese Aussage in keiner Weise erläutert oder durch objektive Befunde nachvollziehbar begründet. Auch die Hausärztin Dr. L.__ __ führt ihre im Arztbericht vom 23. Mai 2012 getätigte Aussage, wonach ein klarer Zusa mmenhang zwischen dem Unfallereig- nis und aktuell bestehenden somatischen Beschwerden best ehe, nicht näher aus und vermag somit ebenfalls nicht darzulegen, inwiefern die Arbeit sfähigkeit aufgrund der beschriebenen Leiden eingeschränkt ist. Die Akten der Krankenversicherun g P.____, auf welche sich die Be- schwerdeführerin weiter beruft, vermögen daran ebenfalls nichts zu ändern. Sie dokumentieren Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht lediglich das Unfallereignis vom 30. Dezember 2005. Mit Blick auf die übrigen Akten kann zu- dem festgestellt werden, dass sowohl Dr. H.____ als auch Dr. E.____ in ihren Berichten jeweils klar festhalten, dass lediglich die psychische Komponente einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat. Insgesamt ergeben sich aus den Berichten der behande lnden Ärzte keine hinreichenden Anhaltspunkte, welche darauf hindeuten, dass die Arbeit sfähigkeit durch die somatischen Be- schwerden zusätzlich eingeschränkt ist. Unter diesen Umständ en sind weitere, polydisziplinäre Abklärungen, entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin, nicht angezeigt. 5.3 Im Bezug auf die Beurteilung des psychischen Gesundh eitszustandes der Beschwer- deführerin ist strittig, ob sich die IV-Stelle zu Recht vo llumfänglich auf die Ergebnisse im Gut- achten von Dr. J.____ stützt. 5.4 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist, wie bereits ausgeführt (vgl. E. 3.5 hiervor), entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden b erücksichtigt, in Kenntnis der Vor- akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegu ng der medizinischen Zusammenhän- ge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerun- gen der Expertin oder des Experten begründet sind. Das Gutachten von Dr. J.____ vom 5. November 2012 erfüllt die rechtsprechungsgemäss erforde rlichen Kriterien an ein umfassen- des Administrativgutachten, weshalb ihm voller Beweiswert zukommt. Es berücksichtigt die ge- klagten Beschwerden der Beschwerdeführerin und ist in Ke nntnis einer vollständigen Anamne- se verfasst worden. Sodann basiert es auf eigenen Unter suchungen und erweist sich als schlüssig begründet und widerspruchsfrei. Insbesondere ze igt Dr. J.____ überzeugend auf, weshalb die Beschwerdeführerin an einer leichten und nicht an einer mittelschweren rezidivie- renden depressiven Störung leidet. Es wird schlüssig dargel egt, weshalb die vorhandene Sym- ptomatik keine mittelschwere depressive Episode zu begrün den vermag und weshalb somit auf die vom Gutachten abweichenden Beurteilungen von Dr. H.____ und den behandelnden Ärzten der Klinik G.____ nicht abgestellt werden kann. Auch d ie vorgenommenen Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit erscheinen nachvollziehbar. Zwar ware n die von Dr. J.____ in seinem Gutach- ten vom 5. November 2011 getätigten Aussagen, wonach die Beschwerdeführerin zu 40% ar- beitsunfähig sei und er ihr ein Tagesarbeitspensum von 6 Stunden zumute, zunächst wider- sprüchlich. Nachdem er auf Nachfrage der IV-Stelle mit Schreiben vom 25. Februar 2012 aber präzisierte, dass mit den 40% die aktuelle Arbeitsunfähigkeit gemeint sei, der Beschwerdeführe- rin aber auf Dauer 6 Stunden Arbeitsleistung an eine m Tag zugemutet werden können, ist nicht zu beanstanden, dass sich die IV-Stelle auch darauf abstüt zt. Die Beurteilung ist schlüssig und hinreichend begründet, es sind keine Gründe ersichtlich, welche Zweifel an den Einschätzun- gen hervorzurufen vermögen. Soweit die Beschwerdeführe rin also vorbringt, die IV-Stelle habe sich für der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einseitig nur auf das Gutachten von Dr. J.____ ge- stützt und anderslautende Arztberichte nicht gebührend b erücksichtigt, kann diesem Einwand nicht gefolgt werden. 5.5 Daran vermag auch der nachträglich eingereichte Ber icht der Klinik M.____ vom 30. Oktober 2012 nichts zu ändern. Es kann zwar durchaus v orkommen, dass sich die Depres- sion phasenweise verschlechtert und deshalb ein temporärer Klinikaufenthalt angezeigt ist. Eine Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Arbeitsfähigkeit beeinflussende Gesundheitsbeeint rächtigung muss aber von einer gewis- sen Dauerhaftigkeit sein, um für die Berechnung des IV- Grades relevant zu sein. Der Bericht vermag aber nicht hinreichend auszuweisen, dass dieses Erfordernis für den hier zu beurteilen- den Zeitraum vorliegt. 6. Aus dem Gesagten folgt, dass die vorhandenen medizini schen Unterlagen eine zuver- lässige Beurteilung des Gesundheitszustandes und der verble ibenden Arbeitsfähigkeit der Be- schwerdeführerin zulassen. Auf die von der Beschwerdefü hrerin beantragte Anordnung eines Gerichtsgutachtens bzw. Rückweisung an die Vorinstanz zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen kann somit verzichtet werden (zur sog. anti zipierten Beweiswürdigung vgl. BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b , 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 7.1. Gemäss Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad bei e rwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Die IV-Stelle nahm in der angefochtenen Verfü- gung vom 12. September 2012 den erforderlichen Einkom mensvergleich vor. Dabei ermittelte sie anhand der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnst rukturerhebung (LSE) des Bundes- amtes für Statistik (BFS) ein Valideneinkommen von Fr. 52'728.-- und ein Invalideneinkommen von Fr. 38'025.--. Aus der Gegenüberstellung der beide n Einkommen resultiere demnach ein Invaliditätsgrad von 28%. Die konkrete Berechnung, die von der Versicherten nicht beanstandet wird, erweist sich als rechtens. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 12. September 2012 verwiesen werden. 7.2. Es ist somit festzuhalten, dass die IV-Stelle der V ersicherten mit Verfügung vom 12. September 2012 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 28% zu Recht keine Rente zu- sprach. Demgemäss ist die Beschwerde abzuweisen. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 des Gesetze s über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 we rden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Versi- cherte unterliegende Partei, weshalb die Verfahrensko sten ihr zu überbinden sind. Der Versi- cherten ist nun allerdings mit Verfügung vom 17. Oktob er 2012 die unentgeltliche Prozessfüh- rung bewilligt worden. Aus diesem Grund gehen die Ver fahrenskosten zu Lasten der Gerichts- kasse. 8.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Versicherten die unentgeltliche Verbeistän dung mit ihrer Rechtsvertreterin bewilligt wurde, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtska sse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwä lte vom 1. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 180.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin der Versicherten machte in ihrer Honorarnote vom 28. Janua r 2013 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 7,66 Stunden geltend, was umfan gmässig in Anbetracht der sich stel- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstan den ist. Dasselbe gilt für die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 134.85. Der Rechtsvertreterin ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'636.05 (7,66 Stunden à Fr. 180.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 134.85 und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'636.05 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht