B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2739/2013 U r t e i l v o m 2 5 . O k t o b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Hasan Filimci, advocenter GmbH, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 16. April 2013 / N (…). D-2739/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin, eine kurdische Alevitin mit letztem Wohnsitz in B._______ (Provinz Erzurum, Bezirk Çat), verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge Anfang 2009 und gelangte zunächst nach Grie- chenland, wo sie erfolglos um Asyl nachsucht habe und zwei Jahre geblieben sei. Am 22. Dezember 2010 sei sie zusammen mit ihrer Schwester (C._______, N […], D-2738/2013) von dort herkommend ill e- gal in die Schweiz eingereist. Am 27. Dezember 2010 suchte sie im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum D._______ um Asyl nach, wurde dort am 10. Januar 2011 summarisch befragt und in der Folge für die Dauer des Verfahrens dem Kanton E._______ zugewiesen. Am 16. August 2011 hör- te das BFM die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 29 Abs. 1 des Asy l- gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ausführlich zu ihren Asylgründen an. A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, ihr Vater habe die Türkei im Jahr 2004 in Richtung Griechenland verlassen, ihre Mutter sei ihm im Jahr 2005 zusammen mit dem kleinen Bruder gefolgt. Entgegen den Versprechungen des Vaters seien sie und ihre Schwester in der Türkei zurückgelassen worden. Sie hätten sich bei den Angehörigen des Vaters aufgehalten und sei en von diesen geschlagen und beschimpft worden. Später seien sie in einem I n- ternat gewesen. Dort seien sie ausgestossen und von den Lehrern sexu- ell belästigt worden, weil sie Kurdinnen seien. Ausserdem sei ihnen der Gebrauch der kurdischen Sprache verboten worden. In ihrem Heimatdorf habe sie ab und zu den Guerilla-Freunden geholfen. Die Gendarmerie, welche von den Hilfeleistungen der Dorfbewohner gewusst habe, habe regelmässig Razzien durchgeführt. Im Jahr 2009 sei en sie und ihre Schwester ebenfalls nach G riechenland ausgereist. Dort seien sie ung e- fähr ein Jahr lang zur Schule gegangen . Nachdem sie erfahren hätten, dass der Schuldirektor einmal ein Mädchen vergewaltigt habe, hätten sie die Schule aufgegeben, zumal der Direktor auch ihnen ungebührlich nahe gekommen sei. In Griechenland habe sie an kurdischen Folklorevera n- staltungen und Kundgebungen teilgenommen. Davon existierten Fotos, und es sei möglich, dass die türkischen Behörden davon Kenntnis hätten. Bei einer Rückkehr in die Türkei befürchte sie daher, umgehend inhaftiert zu werden. Den Vater hätten sie in Griechenland selten gesehen, er habe sich meist anderswo vergnügt und sich nicht um seine Frau und Kinder gekümmert. Wenn er vorbeigekommen sei, habe er Schläge ausgeteilt. D-2739/2013 Seite 3 Ungefähr im Jahr 2010 sei er in Griechenland ins Gefängnis gekommen. Durch seine Freunde habe er ihnen Morddrohungen zukommen lassen. Daher hätten sie sich zur Flucht entschieden. Der Schlepper habe nur die Mutter und den Bruder (F._______ und G._______, N […], D-2735/2013) in die Schweiz ge bracht. Sie und ihre Schwester seien mit der Hilfe von Freunden später nachgereist. A.c Die Beschwerdeführerin reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Ve r- fahrens lediglich einen Zivilregisterauszug zu den Akten. B. Das BFM stellte mit Verfügung vom 16. April 2013 – eröffnet am 18. April 2013 – fest, die Vorbringen der Beschwerdeführerin seien nicht asylrele- vant und überdies teilweise auch nicht glaubhaft. Demzufolge verneinte es die Flüchtlingseigenschaft und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. Mit Beschwerde vom 14. Mai 2013 an das Bundesverwaltungsgericht liess die Beschwerdeführerin beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr Asyl, eventuell die vorläufige Aufnahme zu gewähren, subeventuell sei die Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückz u- weisen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährun g der vollumfängl i- chen unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) ersucht. Ausserdem wurde beantragt, es sei der Beschwe r- de die aufschiebende Wirkung zu erteilen , es seien die einschlägigen v o- rinstanzlichen Akten beizuziehen und es sei ein Gutachten zum (psych i- schen) Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin erstellen zu lassen. Der Besch werde lagen die angefochtene Verfügung, eine Vollmacht so- wie die Substitutionsbewilligung (alles in Kopie) bei. D. Mit Eingabe vom 17. Mai 2013 liess die Beschwerdeführerin weitere Un- terlagen (teilweise auch betreffend ihre Mutter und Geschwister) nachrei- chen: eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit vom 13. Mai 2013, mehrere Unterstützungs- und Referenzschreiben von Privatpersonen, e i-D-2739/2013 Seite 4 ne Arbeitsbestätigung von H._______ vom 6. Mai 2013 sowie mehrere Unterschriftenbögen (alles in Kopie). E. Mit Zwischenverfügung vom 21. Mai 2013 hiess der Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses. Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung (Art. 65 Abs. 2 VwVG) wurde dagegen abgewiesen. F. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 31. Mai 2013 vollumfän g- lich an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der B e- schwerde. Die vorinstanzliche Vernehmlassung wurde der Beschwerde- führerin am 10. Juni 2013 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 des Ve r- waltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer Vo r- instanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern kei ne das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des BFM, welche in Anwendung des AsylG ergangen sind, und entscheidet in diese m Bereich endgültig, au s- ser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor we l- chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist D-2739/2013 Seite 5 daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und A rt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die B e- schwerde ist demnach – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen – einzutreten. 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung von Bundesrecht, die unricht ige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Auf das in der Beschwerde gestellte Gesuch, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, ist mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten, da der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebe n- de Wirkung zukommt (vgl. Art. 55 Abs. 1 VwVG; s. auch Art. 42 AsylG). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer polit i- schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Wer sich darauf beruht, dass durch sein Verha lten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst g e- schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüch t- lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 D-2739/2013 Seite 6 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuc h- lich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Pe r- sonen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, mit weiteren Hinweisen). 5. 5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids im Wesentlichen aus, die geltend gemachten und befürchteten Übergriffe durch den Vater und dessen Angehörige seien nicht asylrelevant. Die tür- kische Regierung habe den klaren Willen bekundet, gegen Ehrenmorde und häusliche Gewalt vorzugehen und arbeite zu diesem Zweck auch mit nicht-staatlichen Organisationen sowie Religionsbehörden zusammen. Das neue türkische Strafgesetz sehe für Ehrenmorde eine Strafverschä r- fung – statt wie bisher eine Strafmilderung – vor. Mit ihren Sicherheit s- kräften verfügten die türkischen Behörden auch über die Mittel, derartige Delikte zu bekämpfen. Zwar stü nden die Massnahmen zum Schutz der betroffenen Frauen noch in den Anfän gen; die Beschwerdeführerin habe indessen durchaus die Möglichkeit, sich beim türkischen Staat um Schutz zu bemühen. Dieser sei grundsätzlich willens und in der Lage, der B e- schwerdeführerin im Falle etwaiger Bedrohungen und/oder Gewalta n- wendungen effektiven Schutz zu gewähren, wenn sie diesen Schutz bei den staatlichen Institutionen einfordere. Da sich die Beschwerdeführerin nie schutzsuchend an die heimatlichen Behörden gewandt habe, kö nne diesen auch nicht ein Unterlassen der Schutzgewährung vorgeworfen werden. Die vorgebrachten und befürchteten Übergriffe seitens des V a- ters und dessen Angehörigen seien demnach nicht asylrelevant. Dassel- be gelte für die geltend gemachten sexuellen Belästigungen durch Lehrer im Internat. Im Übrigen sei aufgefallen, dass die Beschwerdeführerin die geltend gemachten Übergriffe durchwegs vage, undifferenziert und au s- weichend geschildert habe. Ihre Ausführungen seien zudem teilweise von denjenigen ihrer Mutter und Schwester abgewichen. Aus diesen Gründen bestünden auch Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieser Asylvorbringen. Bezüglich der exilpolitischen Tätigkeit in Griechenland sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise aus der Türkei nic ht poli- tisch aktiv gewesen und bei den heimatlichen Behörden nicht als regim e- feindliche Person oder politische Aktivistin registriert gewesen sei. Es sei zudem nicht davon auszugehen, dass sie aufgrund ihrer Teilnahme an kurdischen Demonstrationen in Griec henland ins Visier der türkischen Behörden geraten sei. Einfache Exilaktivitäten lösten nämlich grundsät z- lich kein beachtliches Risiko politischer Verfolgung bei einer Rückkehr in D-2739/2013 Seite 7 die Türkei aus. Die Beschwerdeführerin verfüge nicht über ein politisches Profil, aufgrund dessen sie seitens der türkischen Behörden mit ernstha f- ten Nachteilen rechnen müsse. Daher erscheine es unwahrscheinlich, dass sie bei einer Rückkehr in die Türkei einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt wäre. Die von ihrer Mutter als Bew eismittel auf einem USB - Stick eingereichten Fotos, auf welchen die Beschwerdeführerin bei der Teilnahme von Kundgebungen und Veranstaltungen abgebildet sei, ve r- möge an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Insgesamt hielten die Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen an die Flüch t- lingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7 AsylG nicht stand, weshalb das Asylgesuch abzulehnen sei. Den Wegweisungsvollzug erachtete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. Betreffend die Frage der Z u- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs wies das BFM vorab darauf hin, dass die Beschwerdeführerin offenbar versucht habe, die Schweizer Asylbehörden über ihr Alter zu täuschen, indem sie in der Erstbefragung im Empfangs- und Verfahrenszentrum angegeben habe, sie sei am (…) geboren, während sie gemäss Eintrag im eingereichten Zivilregisterau s- zug und ihren Angaben auf dem Personalblatt am (…) geboren worden sei. Ihre Erklärung, wonach der Dorfvorsteher absichtlich ein anderes Geburtsdatum eingetragen habe, damit sie frü hzeitig heiraten könne, überzeuge nicht. Im Weiteren seien die Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrem verwandtschaftlichen Beziehungsnetz äusserst vage ausgefa l- len und daher wenig glaubhaft. Dasselbe gelte für die diesbezüglichen Ausführungen ihrer Schwes ter und der Mutter, weshalb es dem BFM nicht möglich sei, sich in voller Kenntnis der Lage zu ihrer tatsächlichen persönlichen und sozialen Situation in der Türkei zu äussern. Immerhin sei aber festzustellen, dass die Beschwerdeführerin zusammen mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrem Bruder die Türkei zurückkehren könne und somit dort nicht auf sich alleine gestellt wä re. Sie habe zudem die Möglichkeit, sich in der Türkei an die zuständigen Stellen oder an eine Nichtregierungsorganisation zu wenden, bei denen sie Beratung und U n- terstützung finden werde. 5.2 In der für die Verfahren der Beschwerdeführerin, ihrer Schwester (vgl. D-2738/2013) und ihrer Mutter respektive des Bruder (vgl. D -2735/2013) gemeinsam verfassten Beschwerde wird betreffend die Beschwerdeführe- rin unter dem Titel "Tatsächliches" zunächst ausgeführt, die Beschwerde- führerin stamme aus einer traditionell geprägten Gegend im Osten der Türkei. Ihr Vater habe sich nicht um die Familie gekümmert, weshalb die Beschwerdeführerin und ihre Geschwister in den Sog der Schutzlosigkeit und des Missbrauchs geraten seien. Ihre Sicherheit sei dort nicht mehr D-2739/2013 Seite 8 gewährleistet gewesen. Die erlittenen Misshandlungen zeigten, dass der türkische Staat seiner Schutzpflicht nicht nachgekommen sei. Aufgrund der islamisch geprägten Kultur und der archaischen Strukturen der G e- sellschaft sei sowohl die Mutter als auch die Beschwerdeführerin und ihre Geschwister von ihrem Vater und dessen Familie sozial abhängig gew e- sen. Ausserdem sei allgemein bekannt, dass Kurden von den türkischen Behörden diskriminiert würden und dass der Schutz der Frauen in der Türkei nicht gewährleistet sei. Es sei nachvollziehbar, dass die Be- schwerdeführerin, ihre Geschwister und ihre Mutter vieles verdrängt hä t- ten, weshalb es im Interesse der Sachv erhaltsfeststellung angezeigt wä- re, ein umfassendes Gutachten erstellen zu lassen, welches sich zu den Erlebnissen der ganzen Familie äussere. Die Beschwerdeführerin sei zum Vater nach Griechenland gereist, da dies immer noch besser gew e- sen sei, als bei de ssen gewalttätigen Angehörigen in der Türkei respekti- ve im Internat, wo sie sexuell belästigt worden sei, zu bleiben, zumal Frauen und Benachteiligte in der Türkei keinen Schutz erhielten. Wo der Vater heute sei, sei vom BFM nicht abgeklärt worden. Dessen Drohungen müssten aber ernst genommen werden. Bei einer Rückkehr in die Türkei wäre die Beschwerdeführerin an Leib und Leben gefährdet. Gewalt g e- gen Frauen sei in der Türkei an der Tagesordnung, diesbezüglich sei auf zwei Internetberichte (vgl. die Links a uf S. 7 der Beschwerde) verwiesen. Der türkische Staat gebe zwar vor, sich für den Schutz der Frauen einz u- setzen, sei aber in den letzten Jahren effektiv immer mehr nach rechts abgedriftet und brüste sich mit seiner ottomanischen Tradition. Ohne staatlichen Schutz wäre die Beschwerdeführerin jedoch der Willkür des Vaters ausgesetzt. In der Türkei seien im Februar 2013 innerhalb einer Woche sechs Frauen Opfer eines Mordes geworden (vgl. den Internetlink auf S. 7 der Beschwerde), was die verharmlosende Sichtw eise des BFM deutlich widerlege. Im Weiteren habe sich die Beschwerdeführerin in Griechenland für die Sache der Kurden engagiert und an diversen Kun d- gebungen teilgenommen. Es werde nicht behauptet, sie sei von der Tü r- kei als regimefeindliche Person registr iert worden. Das BFM habe inde s- sen auch keine konkreten Angaben zum Gegenteil machen können. Die Reaktion der türkischen Behörden auf eine Rückkehr der Beschwerdefüh- rerin könne nicht vorhergesagt werden. Eine Festnahme liege durchaus im Bereich des Möglich en. Das BFM habe nicht dargelegt, dass die S i- cherheit der Beschwerdeführerin in der Türkei tatsächlich gewährleistet wäre; diesbezüglich sei der Sachverhalt ungenügend festgestellt worden. Die aktuellen innenpolitischen Entwicklungen in der Türkei sowie de r Krieg in Syrien würden jedenfalls nichts Gutes erahnen lassen (vgl. den Internetlink auf S. 9 der Beschwerde). Die Beschwerdeführerin sei in der D-2739/2013 Seite 9 Türkei den Übergriffen und der Willkür der Lehrer und der Verwandten des Vaters ausgeliefert gewesen und habe dort keinen Schutz finden können. Das Internat habe eine Art staatlichen Schutz gegen die Übergrif- fe der Verwandten dargestellt, jedoch sei die Beschwerdeführerin dann den Behelligungen der dortigen Verantwortlichen ausgesetzt gewesen, dies vor allem weil sie eine Frau und eine Kurdin sei. Es treffe somit nicht zu, dass sie es offensichtlich unterlassen habe, den Schutz der heimatl i- chen Behörden in Anspruch zu nehmen. Allerdings habe sie im Internat keinen ausreichenden Schutz gefunden. Da die Beschwerdefü hrerin auf der Seite ihrer Mutter stehe, müsse sie bereits deswegen einen gewaltt ä- tigen Übergriff des Vaters befürchten. Sie sei noch im Kindesalter gew e- sen, als ihr Vater die Mutter geschlagen habe, später sei sie auf sich a l- leine gestellt gewesen. Dadurch sei sie traumatisiert worden, was erkläre, weshalb sie ihre letzte Begegnung mit dem Vater nur in pauschaler Weise geschildert habe. Angesichts der Lage der Beschwerdeführerin und ihrer Familienangehörigen hätten sich die Einwohner ihrer Schweizer Woh n- gemeinde mit Unterstützungsschreiben und Unterschriften für sie eing e- setzt. Es sei auch zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz Aussicht auf eine Stelle und womöglich eine Ausbildung habe . Unter dem Titel "Rechtliches" folgen sodann längere theoretische Ausfüh- rungen zum Flüchtlingsbegriff. Anschliessend wird geltend gemacht, mit Blick auf die vorgegangenen Ausführungen sei eine Rückkehr der Be- schwerdeführerin an ihren Herkunftsort ausgeschlossen. Es könne ferner angesichts der in der Tü rkei herrschenden Sitten, Gebräuche und religi ö- sen Einstellungen nicht davon ausgegangen werden, dass die Verwan d- ten der Mutter die Beschwerdeführerin aufnehmen und schützen würden. Es dürfte der Beschwerdeführerin zudem kaum möglich sein, in einem anderen Teil der Türkei Zuflucht zu suchen. Auch in der Westtürkei könnte die Beschwerdeführerin nur schwer staatlichen Schutz erhalten, da sich die Türkei unter Ministerpräsident Erdogan dem traditionellen Islamismus verschrieben habe. Sodann befürchte die Beschwerdeführerin zu Recht eine politische Verfolgung in der Türkei, könne dies jedoch nicht belegen. Die Gefahr einer solchen Verfolgung erhelle jedoch aus der Tatsache, dass Tausende von Kurden und zahlreiche Journalisten aus politischen Gründen inhaftiert seien. Nicht von der Hand gewiesen werden könne hingegen, dass der Vater der Beschwerdeführerin diese in der Türkei überall suchen und letztlich auch finden werde. Es dürfe nicht vergessen werden, dass dieser Morddrohungen ausgestossen habe . Bei einer Rückkehr in die Türkei müsse die Beschwerdeführerin damit rechnen, er- neut vom Vater sowie von dessen Verwandten behelligt zu werden. Sp e- ziell zu berücksichtigen seien im Weiteren die frauenspezifischen Fluch t-D-2739/2013 Seite 10 gründe. Der Schutz von Frauen sei in der Türkei nur auf dem Papier vo r- handen. Der Staat sei zwar theoretisch schutzfähig, komme aber seiner Schutzpflicht in der Praxis nicht nach. Gemäss Statistik würden in der Türkei jeden Tag fünf Frauen umgebracht. Die Beschwerdeführerin könne beispielsweise in Istanbul auch nicht auf Datenschutz zählen, da dazu die Strukturen fehlen würden. Angesichts der Menschen - und insbesondere Frauenrechtsverletzungen in der Türkei sowie mit Blick auf die islamisch geprägte Gesellschaft, den fehlen den Schutz durch den Staat und das nicht vor handene soziale Netz sei die Beschwerdeführerin als Gewal t- flüchtling anzuerkennen. Sie sei im Übrigen psychisch angeschlagen und traumatisiert. Unter diesen Umständen wäre die Einholung eines umfa s- senden Gutachte ns zum psychischen Zustand der Beschwerdeführerin und ihrer Familienangehörigen sachdienlich. Eine Rückkehr in die Türkei könne ihr nicht zugemutet werden, zumal sie Kurdin sei. Alleinstehende Frauen würden in der Türkei als Gegenstand betrachtet, weshalb die Be- schwerdeführerin der Gefahr von (sexueller) Misshandlung ausgesetzt wäre. Sie habe in der Türkei kein soziales Netz, keine Aussicht auf eine finanzielle Existenz und sei dort nicht krankenversichert. Im Falle eines Wegweisungsvollzugs würde sie in ei ne existenzbedrohende Situation geraten und verelenden. Es bestehe die Gefahr, dass sie im Sumpf von Istanbul oder einer anderen Grossstadt ein Opfer von Entführungen oder Banden werden würde. Insgesamt würde die Situation der Beschwerde- führerin im Falle e iner Rückkehr zu einem unerträglichen psychischen Druck führen, welcher sie zur (erneuten) Flucht zwingen würde. 6. Vorab ist festzustellen, dass der in der Beschwerde gestellte Subevent u- alantrag, wonach die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und zur rechtsgenüglichen Abklärung des Sachverhalts und zur neuen Entsche i- dung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, unbegründet erscheint. In der Beschwerde wird zur Begründung dieses Antrags ausgeführt, die Be- schwerdeführerin sowie ihre Mutter und Geschwister seien traumatisiert und hätten vieles verdrängt, weshalb im Interesse der Sachverhaltsfes t- stellung ein umfassendes Gutachten erstellt werden müsse, welches sich zu den Erlebnissen und zum psychischen Zustand der ganzen Familie äussere. Ausserdem wird gerügt, da s BFM habe den Sachverhalt in B e- zug auf die Frage, ob die Beschwerdeführerin im Falle ihrer Rückkehr in die Türkei politische Verfolgung zu gewärtigen habe, ungenügend festg e- stellt. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist der aktenkun- dige, rechtserhebliche Sachverhalt indessen als genügend erstellt zu e r- achten und bildet – wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen – eine D-2739/2013 Seite 11 hinreichende Grundlage für die Beurteilung der Frage, ob ihr im Heimat- land eine asylrelevante Verfolgung droht und ob ein Wegwe isungsvollzug in die Türkei durchführbar ist oder nicht. Weitere Abklärungen erscheinen daher nicht als erforderlich. Insbesondere besteht keine Veranlassung zur Einholung eines Gutachtens zum Gesundheitszustand respektive zu den Erlebnissen der Beschwerdeführerin. Abgesehen davon wäre es der ge- mäss Art. 8 AsylG mitwirkungspflichtigen Beschwerdeführerin ohne Wei- teres auch zumutbar und möglich gewesen, selbständig ein derartiges Gutachten erstellen zu lassen und dieses im Beschwerdeverfahren als Beweismittel einzureichen. Der erwähnte Kassationsantrag ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Nachfolgend ist zu prüfen, ob das BFM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 3 und 7 AsylG zu Recht verneint hat. 7.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1 A des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in a b- sehbarer Zukun ft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmo- tive zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen Schutz erwarten kann. Massgeblich für die Beurtei lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheids, w o- bei allerdings erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise best e- hende begründete Furcht vor Verfolgung auf eine andauernde Gefäh r- dung hinweisen kann. Veränderungen der Situation zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 141 f., m.w.H.). 7.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie müss e im Falle ihrer Rückkehr in die Türkei damit rechnen, erneut vom Vater und dessen Ver- wandten behelligt zu werden. Dazu ist zunächst zu bemerken, dass au f- grund der Aktenlage an den Schilderungen der Beschwerdeführerin betreffend die angeblich erlittenen Übergriffe seitens der genannten Pe r- sonen ge wisse Zweifel bestehen (vgl. die zutreffenden diesbezüglichen Ausführungen in der vorinstanzlichen Verfügung). Im Weiteren ist es als wenig wahrscheinlich zu erachten, dass die Beschwerdeführerin zukünftig asylrelevante Übergriffe durch diese Personen zu gewärtigen hat. Ge-D-2739/2013 Seite 12 mäss Aussagen der Mutter der Beschwerdeführerin äusserte sich der Va- ter der Beschwerdeführerin angeblich dahingehend, dass er seine Frau und die Kinder loswerden wollte (vgl. N 5 47 664; A22 S. 2, A27 S. 2). Dies ist ihm mit der Ausreise der Beschwerdeführerin, ihrer Mutter und ih- ren Geschwistern aus Griechenland offensichtlich gelungen. Bei dieser Sachlage ist kaum damit zu rechnen, dass er oder seine Verwandten der Beschwerdeführerin im Falle ihrer Rückkehr in die Türkei aktiv nachste l- len und sie in asylrelevanter Weise verfolgen würden. Sollte dies dennoch der Fall sein, wäre es der Beschwerdeführerin schliesslich ohne Weiteres zumutbar und möglich, rechtliche Schritte gegen dies e Personen in die Wege zu leiten und die zuständigen heimatlichen Behörden um Schutz zu ersuchen. Entgegen den in der Beschwerde geäusserten Befürchtungen sind die türkischen Behörden durchaus auch in Fällen häuslicher Gewalt grundsätzlich schutzfähig und -willig. Angesichts dessen, dass sich weder die Beschwerdeführerin selbst noch ihre Mutter vor der Ausreise aus der Türkei je mit einer Anzeige oder auch nur einer informellen Meldung an die staatlichen Sicherheitsbehörden (zu welchen ein Internat offensic ht- lich nicht gezählt werden kann; vgl. die entsprechende Bemerkung auf S. 9 der Beschwerde) gewandt haben, bestehen im vorliegenden Fall keine konkreten und glaubhaften Hinweise dafür, dass die Beschwerde- führerin in der Türkei aufgrund ihrer kurdischen Eth nie oder ihres G e- schlechts keinen adäquaten Schutz vor Verfolgung erhalten wür de. Die türkischen Behörden haben in den letzten Jahren grosse Anstrengungen zur Verbesserung der rechtlichen und gesellschaftlichen Situation der Frauen im Allgemeinen sowie zu deren Schutz vor Übergriffen mit sozi o- kulturellem Hintergrund bis hin zum Ehrenmord unternommen. Im Jahr 1998 trat das Familienschutzgesetz Nr. 4320 in Kraft, welches im Jahre 2007 ergänzt wurde und auf Gewaltprävention, Opferschutz sowie B e- strafung von Übergriffen abzielt. Über 150 Familiengerichte befassen sich mit der Durchsetzung dieses Gesetzes; der Zugang zu diesen Gerichten ist für die klagende Partei kostenlos, ebenso die Vollstreckung eines al l- fälligen Urteils. Mit einer entsprechenden Revision des türkischen Straf- gesetzbuches wurden im Jahre 2004 zudem die Strafrahmen von Straft a- ten gegen Frauen erhöht und gleichzeitig die früher bestehenden Stra f- milderungsgründe in Fällen von Ehrenmord und Vergewaltigung aufgeho- ben; gemäss Art. 82 des Strafgesetzb uches gilt Ehrenmord nunmehr als qualifiziertes Tötungsdelikt, welches mit lebenslänglicher Gefängnisstrafe zu ahnden ist. Seit der Einführung dieser neuen gesetzlichen Besti m- mungen ist es bereits verschiedentlich zu Verurteilungen von Männern, welche sich eines Ehrverbrechens schuldig gemacht hatten, gekommen. Das Gemeindegesetz Nr. 5393 verpflichtet sodann jede Gemeinde mit D-2739/2013 Seite 13 über 50'000 Einwohnern zum Aufbau von Schutzeinrichtungen für Frauen und Kinder. Ausserdem wurden etliche Frauenhäuser eingerichtet u nd im Oktober 2007 zusätzlich eine von der EU finanziell unterstützte Telefon - Hotline installiert, welche Anrufe von bedrohten Frauen entgegennimmt , die Opfer innerfamiliärer Gewalt an die zuständige Polizeistelle verweist sowie Anwälte und psychologische Fachpersonen vermittelt. Daneben sind auch verschiedene spezifische Nichtregierungsorganisationen um eine Verbesserung der Stellung der Frau sowie um Unterstützung und Gewährung von Schutz an Opfer innerfamiliärer Gewalt bemüht (vgl. zum Ganzen das Urteil D-7450/2009 vom 29. Juni 2011 E. 4.4. mit weiteren Hinweisen sowie der Bericht "Frauenhäuser in der Türkei" von Nora Se v- bihiv Sinemillioglu in der Zeitschrift NDV [ Nachrichtendienstes des deu t- schen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V.] vom Mai 2011). Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in der Türkei bei Bedarf adäquaten Schutz vor allfälligen Übergriffen se i- tens des Vaters respektive dessen Verwandten erhalten würde und daher nicht auf den subsidiären Schutz der Schweiz angewiesen ist. Betreffend die geltend gemachten sexuellen Belästigungen durch Lehrer im Internat ist festzustellen, dass diese Verfolgung im heutigen Zeitpunkt nicht mehr aktuell ist und eine begründete Verfolgungsfurcht bereits aus diesem Grund nicht besteht. Sollte die Beschwerdeführerin in Zukunft Ähnliches erleben, wäre es ihr zuzumuten, auch derartige Vorfälle bei den heimatl i- chen Behörden zur Anzeige zu bringen. Das Vorliegen einer begründeten Furcht vor zukünftiger asylrelevanter Verfolgung ist daher in diesen Punk- ten zu verneinen. 7.3 Die Beschwerdeführerin bringt ferner vor, sie müsse bei einer Rüc k- kehr in die Türkei mit politischer Verfolgung rechnen, weil sie in Griechen- land an mehreren kurdischen Kulturveranstaltungen sowie antitürkischen Kundgebungen teilgenommen habe. Damit macht die Beschwerdeführ e- rin das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe (vgl. dazu vorstehend E. 5.3) geltend. Diesbezüglich ist festzustellen, dass sich die Beschwe r- deführerin den Akten zufolge vor ihrer Ausreise aus de r Türkei weder ak- tiv für die Rechte der Kurden eingesetzt noch anderweitig politisch eng a- giert hat. Zwar macht sie geltend, sie habe im Heimatdorf die "Guerilla - Freunde" unterstützt, allerdings sind ihre diesbezüglichen Angaben derart pauschal und unsubsta nziiert ausgefallen (vgl. A1 S. 5 und 6), dass di e- ses Vorbringen wenig glaubhaft erscheint. Obwohl im Dorf angeblich r e- gelmässig Razzien durch die Gendarmerie durchgeführt worden seien (vgl. A1 S. 6) wurde die Beschwerdeführerin zudem eigenen Angaben zu- folge nie verhaftet oder auch nur polizeilich angehalten. Demzufolge ist D-2739/2013 Seite 14 auszuschliessen, dass sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus dem Heima t- land bei den türkischen Behörden als regimefeindliche Person registriert war. Sie hat sich sodann durch die von ihr be schriebenen exilpolitischen Tätigkeiten in Griechenland nicht speziell exponiert, zumal sie bei den Kundgebungen und kulturellen Anlässe, an welchen sie teilnahm, keine führende Position innehatte, sondern offensichtlich lediglich Mitläuferin war. Sie erfü llt damit klarerweise nicht das Profil einer engagierten R e- gimegegnerin, weshalb es selbst im unrealistischen Fall, dass ihre Aktivi- täten den türkischen Behörden bekannt geworden sind, nicht wahrschein- lich ist, dass sie als ernsthafte Gefahr für das türkische Regime wahrge- nommen wird. Demzufolge erscheint es praktisch ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin im Falle ihrer Rückkehr in die Türkei aufgrund i h- rer exilpolitischen Tätigkeit in Griechenland ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen hätte. Auch in diesem Punkt ist daher eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu verneinen. 7.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asylgründe sowie subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung beziehungswe i- se eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu begründen. An dieser Ei n- schätzung vermögen weder die weiteren Ausführungen auf Beschwerd e- ebene noch die eingereichten Beweismittel etwas zu ändern, wesha lb darauf nicht mehr näher einzugehen ist. Unter Berücksichtigung der g e- samten Umstände folgt, dass die Beschwerdeführerin keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweis en oder glaubhaft machen konnte . Die Vorinstanz hat daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylge- such abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an ; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde de mnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). 9. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht D-2739/2013 Seite 15 möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vo rläufige Aufnahme von Auslä n- dern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxi s des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls w e- nigstens glaubhaft zu machen. 9.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völke rrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art . 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) , Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behan d- lung unterworfen werden. 9.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführe- rin in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rech t- mässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Au s-D-2739/2013 Seite 16 schaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Fol- ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Gro sse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Aufgrund der Akten sowie der vorstehenden Erwägungen betreffend die Frage der Flüch t- lingseigenschaft ist indessen nicht davon aus zugehen, dass ihr im Falle einer Rückschiebung in die Türkei eine derartige Gefahr droht. Entgegen den diesbezüglichen Vorbringen in der Beschwerde lässt die allgemeine Menschenrechtssituation in der Türkei den Wegweisungsvollzug im he u- tigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem G e- sagten ist der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.3.1 In der Türkei herrscht keine landesweite Situation allgemeiner G e- walt (vgl. dazu BVGE 2013/2 E. 9.5 und 9.6), weshalb der Wegweisungs- vollzug als generell zumutbar zu erachten ist. 9.3.2 Aufgrund der Aktenlage ist sodann auch nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten wür de. Vorab ist festzustellen, dass si e zusammen mit ihrer Schwester (C._______, N […], D-2738/2013) sowie ihrer Mutter und dem Bruder ( F._______ und G._______, N […], D-2735/2013), deren Beschwerdeverfahren mit datumsgleichen Urteilen abgeschlossen werden, ins Heimatland zurückkehren kann, womit sie bei ihrer Rückkehr nicht auf sich alleine gestellt wäre . Die heute (…)-jährige Beschwerdeführerin verfügt über einen Mittelschulabschluss und spricht neben Kurdisch und Türkisch auch ein wenig Griechisch sowie inzw i- schen Deutsch (vgl. dazu die ei ngereichten Referenzschreiben von O. H. D-2739/2013 Seite 17 und C. T. vom Mai 2013). Sie arbeitet in der Schweiz im Rahmen des In- tegrationsprogramms H._______ in der Kinderbetreuung und konnte so erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln. Mit diesen Voraussetzun- gen ist es ihr zuzumuten, sich in der Türkei um eine Anstellung zu bem ü- hen, um so für ihren Lebensunterhalt aufzukommen. Die Beschwerdefü h- rerin verfügt in der Türkei eigenen Angaben zufolge (vgl. A1 S. 3) ausser- dem über mehrere Verwandte unter anderem in Izmir sowie in ihrem Her- kunftsbezirk Çat, darunter namentlich mehrere Verwandte mütterliche r- seits, welche sie bei Bedarf um Unterstützung ersuchen könnte. Darüber hinaus hätte sie die Möglichkeit, sich an die zuständigen türkischen Sozi- albehörden oder an eine Nichtregierungsorganisation wenden, wo sie Be- ratung und Beistand finden könnte. In der Beschwerde wird zwar geltend gemacht, die Beschwerdeführerin sei traumatisiert, allerdings wird dieses Vorbringen nicht näher substanziiert , und es werden auch keine diesb e- züglichen Beweismittel eingereicht. Es ist demnach nicht davon auszug e- hen, dass die Beschwerdeführerin an ernsthaften psychischen Problemen leidet, welche den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen lassen würden. Im Übrigen sind in der Türkei landesweit sowohl psychiat- rische Einrichtungen als auch ausgebildetes Fachpersonal und Psych o- pharmaka vorhanden, weshalb die Beschwerdeführerin allfällige psychi- schen Probleme auch in der Türkei angemessen behandeln lassen könn- te. Insoweit als in der Beschwerde vo rgebracht wird, die Beschwerdefüh- rerin sei nicht krankenversichert, ist darauf hinzuweisen, dass nicht kran- kenversicherte Bedürftige in der Türkei eine so genannte "Grüne Karte" beantragen können, die zur kostenlosen Behandlung in staatlichen Kra n- kenhäusern berechtigt. 9.3.3 Nach dem Gesagten ist insgesamt nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in die Türkei in eine existe n- zielle Notlage geraten wird. Demnach ist die Zumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzugs zu bejahen. 9.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den We g- weisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und mögli ch erachtet D-2739/2013 Seite 18 hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vol l- ständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten der Be- schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das in der Beschwerde gestellte Gesuc h um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverf ü- gung vom 23. Mai 2013 gutgeheissen worden ist, sind vorliegend keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-2739/2013 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand: