B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6057/2012 U r t e i l v o m 2 4 . D e z e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiberin Sandra Sturzenegger. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch Martina Culic, Rechtsanwältin, Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung / Familienzusammenführung; Verfügung des BFM vom 6. November 2012 / N (…). D-6057/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Eingabe vom 18. März 2011 reichte die (angebliche) Schwester des Beschwerdeführers (B._______, N […]) beim BFM für ihren Bruder – ein eritreischer Staatsangehöriger, der sich zum Zeitpunkt der Gesuchsei n- reichung in Libyen aufhielt – ein Gesuch um Einreisebewilligung zur Durchführung des Asylverfahrens ein. B. Mit Schreiben vom 18. August 2011 teilte das Bundesamt der Schwester des Beschwerdeführers mit, im vorliegenden Verfahren könne keine B e- fragung durch die schweizerische Vertretung stattfinden, da in Libyen zurzeit keine solche bestehe. Das BFM unterbreitete der Schwester des Beschwerdeführers gleichzeitig eine Reihe von Fragen zur Abklärung des Sachverhaltes. C. Die Schwester des Beschwerdeführers nahm mit Eingabe vom 12. Sep- tember 2011 zum Fragenkatalog des BFM Stellung. D. Mit Schreiben vom 12. Januar 2012 erkundigte sich die Schwester des Beschwerdeführers beim BFM nach dem Verfahrensstand und teilte unter anderem mit, dass der Beschwerdeführer zwischenzeitlich (wieder) in den Sudan gereist sei und gesundheitliche Probleme habe. E. Mit Schreiben vom 1. Februar 2012 unterbreitete das BFM der Schwester des Beschwerdeführers Fragen zu dessen Aufenthalt im Sudan. F. Mit Eingabe vom 16. Februar 2012 beantwortete die Schwester des B e- schwerdeführers die vom BFM ge stellten Fragen und reichte Kopien der eritreischen Identitätskarte des Beschwerdeführers sowie eines Arztb e- richtes vom (…) ein. Sie erklärte zudem, dass der Be schwerdeführer sei- nen Flüchtlingsausweis verloren habe. G. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer (be- ziehungsweise s eine Schwester ) in den vorangegangenen schriftlichen Eingaben im Wesentlichen geltend, dass er sich seit dem Jahr 2006 in D-6057/2012 Seite 3 Sawa aufgehalten habe. Wegen kritischer Äusserungen sei er im Februar 2007 für sechs Monate inhaftiert worden und habe danach Zwangsa rbeit verrichten müssen. Nach einem missglückten Fluchtversuch im Juli 2007 sei er erneut festgenommen und im Gefängnis misshandelt worden. Ende 2007 respektive anfangs 2008 habe er in den Sudan fliehen können . Er sei aber unter anderem aus Angst, nach Eritrea verschleppt oder depo r- tiert zu werden, weiter nach Libyen gereist. Dort habe er sich von Mai 2009 bis zu seiner Rückkehr in den Sudan Ende 2011 aufgehalten. Zur Zeit lebe er in Khartum mit mehreren eritreischen Flüchtlingen zusa m- men. Er könne jedoc h nicht im Sudan bleiben, weil er keine Arbeit finden könne und die Gefahr bestehe, festgenommen zu werden. Zudem leide er an Herzproblemen und Rückenschmerzen. H. Mit Verfügung vom 15. März 2012 verweigerte das BFM dem Be schwer- deführer die Einreise in die Schweiz und lehnte sein Asylgesuch ab. I. Mit Urteil D -1944/2012 vom 5. Juli 2012 hob das Bundesverwaltungsg e- richt – auf Beschwerde vom 11. April 2012 hin – die Verfügung vom 15. März 2012 auf und wies die Sache (mangels einer klar dem B e- schwerdeführer zur echenbaren Willensäusserung bezüglich der Einre i- chung eines Asylgesuchs) zur Neubeurteilung an das BFM zurück. J. Mit Schreiben vom 30. Oktober 2012 (recte: 30. August 2012) forderte das BFM den Beschwerdeführer auf, seinen Willen zur Einreichung eines Asylgesuchs in der Schweiz bis zum 30. September 2012 klar zu man i- festieren und dabei auch auf die in den Schreiben vom 16. August 2011 (recte: 18. August 2011) und vom 1. Februar 2012 gestellten Fragen s o- wie die aktuelle Situation einzugehen. K. Mit Eingabe vom 21. September 2012 liess der Beschwerdeführer eine Kopie einer Vollmacht zugunsten der rubrizierten Rechtsvertreterin sowie eines von ihm unterzeichneten Asylgesuchs (beides vom 17. September 2012) einreichen. Seinen bisherigen Vorbringen fügte der Beschwerdeführer im Asylgesuch vom 17. September 2012 an, dass er mangels finanzieller Mittel keine Möglichkeit habe, seine schweren Herzprobleme und Rückenschmerzen D-6057/2012 Seite 4 im Sudan (weiter) behandeln zu lassen. Er verlasse aufgrund seiner g e- sundheitlichen Probl eme sowie wegen seiner Angst, von der sudanes i- schen Po lizei inhaftiert und deportiert zu werden, sein Zimmer fast nie mehr. Es sei ihm (so) nicht möglich, im Sudan seinen Lebensunter halt selbst zu verdienen. Da er vor Ort keine Verwandten habe, sei er ga nz auf sich alleine gestellt. L. Mit Verfügung vom 6. November 2012 verweigerte das BFM dem B e- schwerdeführer erneut die Einreise in die Schweiz und lehnte sein Asy l- gesuch sowie eine Familienzusammenführung gestützt auf Art. 51 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ab. M. Mit Eingabe vom 21. November 2012 liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwer de e r- heben. In materieller Hinsicht beantragte er, die Verfügung vom 6. No- vember 2012 sei aufzuheben und es sei ihm die Einreise in die Schweiz zur Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft zu bewilligen. In prozess u- aler Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfl e- ge sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. N. Am 27. November 2012 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwa ltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachge biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-D-6057/2012 Seite 5 richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein sc hutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durc h- führung des Schriftenwechsels verzichtet. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die dringlichen Änderungen des Asylgesetztes vom 28. September 2012, welche am 29. September 2012 in Kraft getreten sind, kommen vorli e- gend nicht zur Anwendung, wurde doch in der Übergangsbestimmung (Ziffer III) festgehalten, dass für Asylgesuche, die im Ausland vor dem I n- krafttreten der Änderung gestellt worden sind – was vorliegend der Fall ist – unter anderem die Art. 19, 20 und 52 in der bisherigen Fassung gel- ten. 4. 4.1 Ein Asylgesuch kann gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG im Ausland bei ei- ner schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das BFM überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht Art. 10 der Asylve r- ordnung 1 vom 11. August 1999 über V erfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt (Art. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht möglich, so D-6057/2012 Seite 6 wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asy l- gründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). 4.2 Der Umstand, dass das vorliegende Gesuch nicht entsprechend dem Wortlaut von Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 AsylG bei einer schweizerischen Vertretung, sondern direkt beim BFM eingereicht wurde, ist – wie bereits im Urteil D-1944/2012 vom 5. Juli 2012 festgehalten – nicht massgebend (vgl. dazu Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizer i- schen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2b). Die Eingabe vom 18. März 2011 wurde daher zu Recht als Asy lgesuch aus dem Au s- land anhand genommen. 4.3 Vorliegend konnte eine Befragung des Beschwerdeführers nicht statt- finden, weil die schweizerische Vertretung in Libyen aus Sicherheitsgrün- den geschlossen war. Der Schwester des Beschwerdeführers wurde da- her – zwecks Wahrung des rechtlichen Gehörs – ein schriftlicher Fragen- katalog zugestellt. Vor dem Hintergrund der massgeblichen Praxis zur Behandlung von Asylgesuchen aus dem Ausland sowie unter Berücksich- tigung der gesamten Aktenlage ist festzustellen, dass in vorliegender Sa- che auf eine Befragung des Beschwerdeführers verzichtet werden durfte und mit de n Einladungen (18. August 2011, 1. Februar 2012, 30. August 2012) zur Stellungnahme den massgeblichen verfahrensrechtlichen A n- forderungen Genüge getan wurde (vgl. dazu BVGE 2007/30). 5. 5.1 Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen and e- ren Staat auszureisen (Art. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib namentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist. Schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Ra s- se, R eligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachtei - len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.2 Das BFM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hin -D-6057/2012 Seite 7 weise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemü - hen (Art. 52 Abs. 2 AsylG). 5.3 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktiv e Voraus- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu - kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische und objektive Zumutbarkeit zur ander - weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungsmö g- lichkeiten in der Schweiz in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der b e- troffenen Personen, mithin die Prüfung der Frage, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wurde und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärungen zugemutet wer- den kann (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/10). 6. 6.1 Das BFM begründete die Verweigerung der Einreisebewilligung und die Ablehnung des Asylgesuchs im Wesentlichen damit, dass aufgrund des erstellten Sachverhalts nicht von einer unmittelbaren Gefährdung des Beschwerdeführers auszugehen sei, die seine Einreise in die Schweiz als notwendig erscheinen liesse. Die Ausführun gen des Beschwerdeführers (und dessen Schwester) liessen zwar darauf schliessen, dass er in Eri t- rea ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimatlic hen Behörden gehabt habe, doch lebe er jetzt im Sudan. Gemäss gesicherten Erkennt- nissen des BFM würden sich zahlreiche eritreische Flüchtlinge und Asy l- bewerber im Sudan befinden. Vor diesem Hintergrund sei nicht zu ve r- kennen, dass die Lage vor Ort für Mens chen wie auch für den Beschwer- deführer nicht einfach sei. Dennoch würden keine konkreten Anhaltspunk- te für die Annahme bestehen, ein weiterer Verbleib im Sudan sei für ihn schlechterdings nicht zumutbar oder nicht möglich. Offensichtlich lebe der Beschwerdeführer nach wie vor in Khartum, ohne bisher beim UNHCR um Schutz ersuch t zu haben . Es sei ihm indessen zuzumuten, beim UNHCR um Schutz zu ersuchen, sollte seine Situation tatsächlich kritisch sein. Dem BFM sei bekannt, dass die zahlreichen eritreischen Flüchtlinge im Sudan nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land ver- fügten, sondern einem Flüchtlingslager zugeteilt würden, wo sie sich au f- zuhalten hätten und die nötige Versorgung erhalten würden. Der B e- schwerdeführer habe augenscheinlich von dieser Möglichkeit keinen D-6057/2012 Seite 8 Gebrauch gemacht. Den Akten seien zudem keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass die Behandlung seiner Herzprobleme und Rücke n- schmerzen vom (…) nicht adäquat gewesen sei respektive er eine ärztl i- che Behandlung benötigen würde , die im Sudan nicht gewährleistet sei. Es sei im Übrigen unplausibel, dass der Beschwerdeführer keine Mö g- lichkeit habe, sich im Sudan behandeln zu lassen und er aus Angst vor den sudanesischen Behörden sein Zimmer fast nie mehr verlasse. Abg e- sehen davon, dass es nicht nachvollziehbar sei, wie er so seinen L e- bensunterhalt bestreiten könne, wenn er ganz auf sich allein gestellt sei, sei es realitätsfremd, dass er sich angesichts seiner angeblichen gesun d- heitlichen Probleme und seiner grossen Sicherheitsbedenken bisher nicht beim UNHCR gemeldet habe. Er habe die Möglichkeit, beim UNHCR um Schutz und Unterstützung zu ersuchen, falls dies notwendig sein sollte. Das UNHCR stelle zusammen mit dem sudanesischen Flüchtlingskom- missariat (COR) in den Flüchtlingslagern die medizinische Versorgung si- cher und sämtliche Flüchtlinge hätten Zugang zu unentgeltlichen medizi- nischen Leistungen. Flüchtlinge, die über ein Einkommen verfüg ten und sich nicht in einem Lager aufhielten, müssten medizinische Leistungen selber bezahlen. Erwerbslose Flüchtlinge, die sich ausserhalb eines L a- gers aufh ielten, würden vom UNHCR auf Anfrage hin einen Überwe i- sungsschein für eine unentgeltliche Behandlung erhalten. Solche Übe r- weisungsscheine würden auch für in den Lagern nicht behandelba re Krankheiten ausgestellt. Viele eritreische Flüchtlinge hielten sich nicht lange in den Flüchtlingslagern auf, sondern würden nach Erhalt des Flüchtlingsausweises weiter nach Khartum ziehen. Wenn sie dort eine kostenfreie medizinische Behandlung benötigt en, müssten sie sich mit dem UNHCR oder COR in Khartum in Verbindung setzen. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers habe er daher durchaus Zugang zu kostenloser medizinischer Versorgung. Er müsse sich dazu allerdings beim UNHCR oder COR in Khartum m elden. Damit wäre es ihm auch möglich, die behaupteten gesundheitlichen Schwierigkeiten mit entspr e- chenden aktuellen ärztlichen Berichten zu belegen. Dies sei aber bisher nicht erfolgt. Zudem sei auch auf die grosse eritreische Gemeinschaft im Sudan zu verweisen, die eine weitere Eingliederung ebenfalls erleich tern würde. Nach dem Gesagten benötige der Beschwerdeführer den zusät z- lichen subsidiären Sc hutz der Schweiz nicht . Vielmehr sei es ihm zuz u- muten, vorderhand im Sudan zu verbleiben. Sodann seien auch die gesetzliche Voraussetzungen für eine Familienzu- sammenführung gemäss Art. 51 Abs. 2 AsylG im vorliegenden Fall nicht erfüllt. D-6057/2012 Seite 9 6.2 In der Beschwerde werden im Wesentlichen die bereits im vorinstanz- lichen Verfahren geltend gemachten Vorbringen wiederholt und Erwägun- gen eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts zu r Situation von Flüchtlingen im Sudan zitiert (E -4417/2011 vom 9. Februar 2012). Weiter wird geltend gemacht, dass die Lage des Beschwerdeführers in seiner Eigenschaft als schwerkranker Flüchtling derjenigen von unbegleiteten und deswegen unter prekären Bedingungen lebenden Frauen gleichg e- stellt werden könne, bezüglich welcher das Bundesverwaltungsgericht ein weiterer Verbleib im Aufenthaltsstaat in der Regel als unzumutbar erac h- tet habe. Sodann wird vorgebracht, dass der Beschwer deführer bereits einen Versuch unternommen habe, das UNHCR zu kontaktieren. Es sei ihm jedoch mitgeteilt worden, er müsse sich zwecks Registrierung nach Shegerab (Flüchtlingslager) begeben, was allerdings aufgrund seines prekären Gesundheitszustandes schlicht unmöglich sei. Die Beziehung s- nähe zur Schweiz, wo seine Schwester mit seiner Nichte und seinem Nef- fen leben würde, sei zudem viel grösser als diejenige zum Sudan. 7. 7.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer zug e- mutet werden kann, im Sudan zu verbleiben. Die Beschwerdevorbringen sind nicht geeignet, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewirken. Es ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass sich der Beschwerdeführer im Sudan als Flüchtling registrieren lassen (sofern dies nicht bereits gesche- hen ist [vgl. die Angaben seiner Schwester in der Eingabe vom 16. Februar 2012, insbesondere der Hinweis auf den Verlust des Flüch t- lingsausweises]) und sich unter den Schutz des UNHCR stellen kann, womit namentlich seine medizinische Versorgung grundsätzlich gewäh r- leistet wäre. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. E. 6.1 vorstehend). Es ist zudem darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer lediglich einen einzigen Arztbericht (vom [...]) zu seinen (angeblich) schweren Herzproblemen und Rückenschmer zen eingereicht hat. Diesem Arztbe- richt ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer den Arzt unter and e- rem wegen Rückenschmerzen aufgesucht hat. Herz probleme werden im Bericht dagegen nicht erwähnt, obwohl der Beschwerdeführer gemäss Angaben seiner Schwester bereits zu jenem Zeitpunkt darunter gelitten haben soll (vgl. BFM Akten A 6/1). Der Arzt diagnostizierte eine Helic o- bacter pylori -Infektion und verschrieb dem Beschwerdeführer eine si e- bentägige medikamentöse Behandlung. Aufgrund dieser Diagnose, der verschriebenen Medikamente (vor allem auch dem Fehlen von Schmerz -D-6057/2012 Seite 10 mitteln) und der Bemerkung im Arztbericht, wonach sich der Zustand des Beschwerdeführers bereits etwas verbessert habe ("He ist still under fo l- low, though he shows some improvement.") ist nicht von einer so schwe- ren Erkrankung de s Beschwerdeführers auszugehen, dass ein weiterer Verbleib im Sudan (Registrierung beim dortigen UNHCR, Zuflucht in dem ihm zugewiesenen Flüchtlingslager) unzumutbar erscheinen würde. Be- züglich der Angst des Beschwerdeführers, nach Eritrea deportiert zu we r- den, ist festzuhalten, dass es i m Sudan zwar in der Tat in vereinzelten Fällen zu Entführungen beziehungsweise zu Deportationen von eritre i- schen Flüchtlingen nach Eritrea gekommen ist. Gemäss gesicherten E r- kenntnissen ist das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Eri t- reer, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt sind, jedoch gering (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5845/2012 vom 29. November 2012). Im Übrigen weist der Beschwerdeführer aufgrund seiner Vorbringen kein Profil auf, welches ihn mit erheblicher Wahrschein- lichkeit zum Ziel eines Entführungsversuches seitens der eritreischen B e- hörden machen würde. 7.2 Der Beschwerdeführer ist nach dem Gesagten nicht auf den subsidiä- ren Schutz der Schweiz angewiesen. Schliesslich vermag seine in der Schweiz sich aufha ltende Schwester (mi t ihren Kindern) keinen derart gewichtigen Anknüpfungspunkt ableiten, wonach eine Abwägung der Ge- samtumstände im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG dazu führen müsste, dass es gerade die Schweiz ist, die ihm den erforderlichen Schutz g e- währen soll. Das BFM hat dem Beschwerdeführer somit zu Recht die Ein- reise in die Schweiz verweigert und dessen Asylgesuch aus dem Ausland abgelehnt. 8. Das BFM lehnt e in der angefochtenen Verfügung auch eine Familienz u- sammenführung gestützt auf Art. 51 Abs. 2 A sylG ab (vgl. Bst. L vorste- hend), obwohl hierzu – mangels entsprechenden Gesuchs – kein Anlass bestand. Den diesbezüglichen Erwägungen des BFM wird auf Beschwer- deebene jedoch nichts entgegenge halten, weshalb sich weitere Erört e- rungen dazu erübrigen. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. D-6057/2012 Seite 11 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem B e- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dieser ersuchte j e- doch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Danach kann die Beschwerdeinstanz eine bed ürfti- ge Partei, deren Begehren nicht aussichtslos erscheinen, auf Gesuch d a- von befreien, Verfahrenskosten zu bezahlen. Vorliegend ist von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Auch können die Beschwerdebegehren nicht als aussichtslos bezeichn et werden. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist somit gutzuheissen, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. 10.2 Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers führte im Rahmen der Beschwerdeschrift unter dem Titel "Parteikostene ntschädigung" aus, der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, seinen Rechtsstandpunkt hinre i- chend selbst zu vertreten, weshalb eine Rechtsvertretung notwendig sei und es werde ein Antrag auf Parteikostenentschädigung gestellt. Zu Gunsten des Beschwerdefü hrers ist davon auszugehen, dass seine Rechtsvertreterin mit diesen Ausführungen sinngemäss ein Gesuch um Beiordnung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung stellte. Ausschlagg e- bend für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG ist das Kriterium, ob die Beschwerde fü h- rende Partei zur Wahrung ihrer Rechte notwendigerweise der professi o- nellen juristischen Hilfe eines Anwaltes bedarf (vgl. dazu BGE 128 I 225 E. 2.5.2 S. 232 f., BGE 122 I 49 E. 2c S. 51 ff., BGE 120 Ia 43 E. 2a S. 44 ff.). In Verfahren, welche - wie das vorliegende - vom Untersuchung s- grundsatz beherrscht sind, sind strenge Massstäbe an die Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung anzusetzen (EMARK 2000 Nr. 6 so- wie BGE 122 I 8 E. 2c S. 10). Im asy lrechtlichen Beschwerdeverfahren geht es im Wesentlichen um die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts. Besondere Rechtskenntnisse sind daher zur wirksamen Beschwerdeführung im Regelfall nicht unbedingt erforderlich. Aus diesen Gründen wird die unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG praxisgemäss nur in den besonderen Fällen gewährt, i n welchen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkeiten bestehen. Im vorliegenden Verfahren hat dies nicht zugetroffen. Dem An- trag auf Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertreterin nach Art. 65 Abs. 2 VwVG wird deshalb mangels Notwendigkeit nicht stattgegeben. D-6057/2012 Seite 12 10.3 Bei diesem Verfahrensausgang ist keine Parteientschädigung im Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG auszurichten. 10.4 Mit dem Entscheid in der Sache ist das Gesuch um Erlass des Ko s- tenvorschusses gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) D-6057/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG wird abgewiesen. 5. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und das BFM. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Sandra Sturzenegger Versand: