B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5946/2012 law/joc/wif U r t e i l v o m 2 7. N o v e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi; Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren (…), und deren Kinder B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), Russland, vertreten durch lic. iur. Susanne Sadri, LL.M., Asylhilfe Bern, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 2. November 2012 / N (…). D-5946/2012 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass das BFM mit Verfügung vom 2. November 2012 – eröffnet am 12. November 2012 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylge- setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden vom 6. Mai 2012 nicht eintrat, die Wegweisung nach Polen verfügte, die Beschwerdeführenden – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, feststellte, der Kanton E._______ sei verpflichtet, die Wegweisungsverfügung zu vollzie- hen, den Beschwerdeführenden die editionspflichtigen Akten gemäss A k- tenverzeichnis aushändigte und feststellte, eine allfällige Beschwerde ge- gen die vorliegende Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 16. November 2012 gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsg e- richt Beschwerde erheben und beantragen liessen, der Entscheid des BFM vom 2. November 2012 sei aufzuheben und die vorinstanzliche B e- hörde sei anzuweisen, auf die Asylgesuche einzutreten, dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt wird, die aufschiebende Wirkung der Beschwerde sei wiederherzustellen und es sei die unentgelt- liche Rechtspflege zu gewähren, dass die vorinstanzlichen Akten am 21. November 2012 beim Bundesver- waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverw altungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfa h- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, D-5946/2012 Seite 3 dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufg e- zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, dass vorab festzuhalten ist, dass sich die in der Beschwerde erhobene Rüge, das BFM habe die in Art. 37 AsylG vorgesehene 20 -tägige (recte: 10-tägige) Entscheidungsfrist zur Fällung eines Nichteintretensentsche i- des verletzt, als unbegründet erweist, dass Nichteintretensentscheide gemäss Art. 37 AsylG in der Regel zwar innerhalb von zehn Arbeitstagen (vgl. Abs. 1) respektive im Falle weiterer vorzunehmender Abklärungen innerhalb von drei Monaten (vgl. Abs. 3) nach der Gesuchstellung zu treffen und summarisch zu begründen sind, dass es sich dabei jedoch um eine blosse Ordnungsvorschrift handelt und deshalb be i gegebenen Voraussetzungen für einen Nichteintretensen t- scheid gemäss Art. 32 - 34 AsylG auch dann auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten werden kann, wenn die in Art. 37 AsylG enthaltene Entsche i- dungsfrist nach der Gesuchstellung längst abgelaufen ist (vgl. Entschei- dungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2002 Nr. 15 E. 5d), dass angesichts der zahlreichen als notwendig zu erachtenden Schriften - wechsel zwischen dem BFM und den polnischen Behörden (u.a. die Fr a- ge nach der Grundlage einer gemeinsamen Überstellung der Beschwe r- deführenden und deren Ehemann respektive Vater betreffend) sowie den erforderlichen Mitteilungen und Anfragen des BFM an den Ehemann der Beschwerdeführerin A._______, welche bis Oktober 2012 andauerten, D-5946/2012 Seite 4 nicht von einer unverhältnis mässig langen Verfahrensdauer respektive einer erheblichen Überschreitung der in Art. 37 AsylG verankerten Ent - scheidungsfrist gesprochen werden kann, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreise n können, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass diesbezüglich das Dublin-Assoziierungsabkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäi- schen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin -Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]) zur Anwendung gelangt, dass gestützt auf die einleitenden Bestimmungen sowie Art. 1 Abs. 1 DAA i.V.m. Art. 29a Abs. 1 der Asylverordnung 1 über Verfah rensfragen vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) die Prüfung der staatsvertragl i- chen Zuständigkeit zur (mate riellen) Behandlung eines Asylgesuches nach den Kriterien der Verordnung Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Feb- ruar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsang e- hörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zu ständig ist (Dub- lin-II-VO), zu erfolgen hat, dass Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG im Weiteren voraussetzt, dass der staats- vertraglich zuständige Staat einer Übernahme der asylsuchenden Person zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 AsylV 1), dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO die Mitgliedstaaten jeden Asylan- trag prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im H o- heitsgebiet eines Mitgliedstaates stellt, wobei der Antrag von einem einz i- gen Mitgliedst aat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III Dublin-II-VO als zuständiger Staat bestimmt wird, dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein- geleitet wird, sobald ein Asylantrag erstmals in einem Mitgliedstaat g e- stellt wurde (Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO), dass dabei – im Falle eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) – die Kriterien der in Kapitel III der Dublin-II-VO genannten D-5946/2012 Seite 5 Rangfolge anzuwenden sind (vgl. Art. 5-14 Dublin-II-VO) und von der S i- tuation zum Zeitpunkt, in dem der Asylbewerber erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat stellt, aus zugehen ist (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin-II- VO), dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) demgegenüber keine – neuerliche – Zuständigkeitsprüfung nach Kap i- tel III Dublin-II-VO stattfindet, sondern ein solches insbesondere auf den materiellen Zuständigkeitsbestimmungen von Art. 16 Bst. c, d und e Dub- lin-II-VO gründet (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin II - Verordnung: Das Europäische Asylzuständigkeitssystem, 3. Aufl., Wien - Graz 2012, Art. 16 K5 S. 129), dass in Abweichung von den erwähnten Zuständigkeitskriterien respekt i- ve Zuständigkeitsbestimmungen nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO die Schweiz ein Asylgesuch materiell prü fen kann, auch wenn nach den in der Verordnung vorgesehenen Kriterien ein anderer Staat zuständig ist (sog. Selbsteintrittsrecht), wobei diese Bestimmung nicht direkt anwen d- bar ist, sondern nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen werden kann (vgl. BVGE 2010/45 E. 5 S. 635 f.), dass Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 sodann vorsieht, dass das BFM auch aus humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin-II-VO ein anderer Staat zuständig ist, wobei diese Be- stimmung den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum lässt und restriktiv auszulegen ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 4.1 S. 114 f., BVGE 2010/45 E. 8.2.2 S. 643 f.), dass hingegen bei drohendem Verstoss gegen Normen des Völkerrechts, wie insbesondere das flüchtlingsrechtliche Refoulement -Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), die Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheite n (EMRK, SR 0.101), den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt II, SR 0.103.2) oder das Übereinkommen vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung des Selbsteintrittsrechts besteht (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2 S. 636 f.; FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K8 K11 S. 74), D-5946/2012 Seite 6 dass den vorinstanzlichen Akten entnommen werden kann, dass die B e- schwerdeführerin A._______ am 2. Mai 2012 in F._______ (Polen) ein Asylgesuch eingereicht hat und entsprechend in der EURODAC -Daten- bank erfasst worden ist (vgl. act. A4/1), dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Befragung durch das BFM vom 21. Mai 2012 bestätigt e, in Polen seien ihr die Fingerabdrücke g e- nommen worden und sie habe dort mit ihren Kindern um Asyl nachg e- sucht; danach seien sie am 6. Mai 2012 illegal in die Schweiz eingereist (vgl. act. A6/13 S. 5 und 8), dass somit gemäss Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO die erste A sylantragsstel- lung der Beschwerdeführenden in Polen erfolgte, weshalb das BFM unter Anrufung von Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin -II-VO die polnischen Behörden am 4. Juni 2012 grundsätzlich zu Recht um Wiederaufnahme der B e- schwerdeführenden ersuchte (vgl. act. A13/5 S. 1 ff.), dass die polnischen Behörden mit Schreiben vom 12. Juni 2012 ihre aus- drückliche Zustimmung zur Wiederaufnahme der Beschwerdefü hrenden erteilten (vgl. act. A17/1), dass somit grundsätzlich Polen zur Durch - respektive Weiterführung des Asylverfahrens der Beschwerdeführenden zuständig ist, dass das BFM mit Anfrage vom 4. Juni 2012 die polnischen Behörden da- rum ersuchte, aufgrund der Zuständigkeit Polens für die Beurteilung der Asylgesuche der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder auch den Eh e- mann der Beschwerdeführerin, der ebenfalls am 6. Mai 2012 in der Schweiz um Asyl nachgesucht hat te und zuvor in keinem anderen Mi t- gliedstaat daktyloskopiert worden war, in Anwendung von Art. 14 Dublin- II-VO aufzunehmen (vgl. act. A11/5 S. 1 ff., act. A5/1 6 S. 9, act. A3/4 S. 1), dass die Zuständigkeit Polens hinsichtlich der Beschwerdeführerin und ih- rer Kinder aufgrund ihrer (zuvor) in Polen gestellten Asylgesuche an sich bereits feststand und daher die Anfrage des BFM nicht gestützt auf Art. 14 Dublin -II-VO, sondern in analoger Anwendung von Art. 16 oder Art. 15 Dublin -II-VO hätte erfolgen sollen (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., Art. 14 K8 S. 116), dass – nach zuvor ergangener Korrespondenz zwischen dem BFM und den polnischen Behörden – das BFM mit Schreiben vom 14. August 2012 D-5946/2012 Seite 7 die polnischen Behörden darum ersuchte, den Ehemann der Beschwe r- deführerin in Anwendung von Art. 8 Dublin-II-VO oder Art. 15 Dublin-II-VO aufzunehmen (vgl. act. A32/2 S. 2), dass eine Überstellung des Ehemannes nach Polen vorliegend nicht – wie auch von den polnischen Behörden mit Schreiben an das BFM vom 26. Juli 2012 verkannt wurde (vgl. act. A27/1) – gestützt auf Art. 8 Dublin- II-VO (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., Art. 8 K5 und K6 S. 95), jedoch – wie erwähnt – in sinngemässer Anwendung von Art. 16 Dublin-II-VO oder aber – wie vom BFM beantragt – von Art. 15 Dublin-II-VO erfolgen kann, dass die polnischen Behörden einer Überstellung des Ehemannes zwecks Durchführung dessen Asylverfahrens durch Polen mit Antwort vom 27. August 2012 zustimmten, wobei sie diese Zustimmung unter die Bedingung stellten, dass der Ehemann und die Beschwerdeführerin dazu ihr Einverständnis erklärten (vgl. act. A35/1), dass auf vorgängige Anfrage des BFM vom 27. August 2012 der Eh e- mann der Beschwerdeführerin mittels Eingabe rubrizierter Rechtsvertrete- rin vom 17. September 2012 die Zustimmung zur Prüfung seines Asylg e- suches durch den polnischen Staat aus Furcht vor einer Auslieferung von Polen nach Russland verweigerte (vgl. act. A40/3), dass mangels der erforderlichen Zustimmung das Asylgesuch des Eh e- mannes durch das BFM zu prüfen sein wird, da dessen erste Asyla n- tragsstellung in der Schweiz erfolgte und damit die Zuständigkeit zur Pr ü- fung dessen Asylgesuchs bei den schweizerischen Behörden verbleibt, dass das BFM dem Ehemann der Beschwerdeführerin mit Zwischenve r- fügung vom 3. Oktober 2012 zu Recht mitteilte, seine Zustimmungsve r- weigerung stehe einer Überstellung der Beschwerdeführenden nach P o- len nicht entgegen (vgl. act. A43/3 S. 1 f.), dass das BFM in der Zwischenverfügung vom 3. Oktober 2012 unter an- derem mit Hinwei s auf FILZWIESER/SPRUNG zutreffend festgehalten hat, das Erfordernis der Zustimmung – ungeachtet dessen, ob diese auf Art. 8 oder Art. 15 Dublin-II-VO basiere – habe einzig zum Zwe ck, den Willen von Personen einer Familie zu respektieren, die nicht zusammengeführt respektive nicht zusammen bleiben wollen, dies etwa aus Furcht vor G e- waltakten innerhalb der Familie, D-5946/2012 Seite 8 dass die Zustimmungsverweigerung des Ehemannes nicht etwa darin gründet, dass er nicht mehr mit seiner Familie zusammenbleiben will, sondern er – wie auch die Beschwerdeführerin – hauptsächlich argumen- tiert, bei einer Überstellung nach Polen würden er und seine Familie G e- fahr laufen, von seinen russischen Verfolgern aufges ucht und von Polen nach Russland ausgeschafft zu werden (vgl. act. 40/3 S. 1 ff., act. A44/1), womit nicht Art. 8 EMRK, sondern Art. 3 EMRK angerufen wird, dass der Ehemann respektive Vater durch seine Zustimmungsverweig e- rung eine Trennung von den Beschwe rdeführenden in Kauf nimmt und somit weder er noch – übereinstimmend mit der Folgerung des BFM in der angefochtenen Verfügung – die Beschwerdeführerin sich auf Art. 8 EMRK berufen können, dass sich weder aus der Dublin-II-VO noch aus Art. 8 EMRK ein A n- spruch ableiten lässt, bei entsprechend vorhandenen Anknüpfungspun k- ten zu verschiedenen Mitgliedstaaten einen dieser Staaten zur Durchfü h- rung ihres Asylverfahrens bestimmen zu können, dass Art. 8 EMRK denn auch keinen Anspruch auf Ausübung des Famil i- enlebens in einem bestimmten Konventionsstaat verleiht, weshalb rege l- mässig dann kein staatlicher Eingriff in das Recht auf Familienleben vo r- liegt, wenn den Familienangehörigen zugemutet werden kann, ihr g e- meinsames Leben im Ausland zu führen (vgl. dazu st att vieler: BGE 123 II 289 E. 3b mit weiteren Hinweisen), dass es dem Ehemann – wie vom BFM zutreffend erwogen – unbenom- men bleibt und im Übrigen auch zumutbar ist, einer Familienzusamme n- führung in Polen zuzustimmen und dort zusammen mit den Beschwerd e- führenden als Familie zu leben, zumal es sich bei Polen um einen grun d- sätzlich schutzfähigen und schutzwilligen Staat handelt und sich der Ehe - mann bei allfälligen Behelligungen durch private Dritte an die dortigen Ju - stiz- und Polizeibehörden wenden kann, dass an dieser Einschätzung auch die Behauptung in der Beschwerde, der Ehemann der Beschwerdeführerin würde gemäss einer Vorladung in Russland gesucht, nichts ändert, dass diese erstmals in der Beschwerde erhobene Behauptung von vorn- herein zweifelhaft ersc heint und sich der Ehemann gegen eine allfällige ungerechtfertigte Auslieferung von Polen an Russland mittels Einleitung D-5946/2012 Seite 9 und Ergreifung entsprechender rechtlicher Mittel bei den polnischen B e- hörden wehren könnte, dass der Hinweis in der Beschwerde auf ein Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union vom 6. November 2012 unbegründet ist, da jenem Urteil eine Vorlagefrage zu einem völlig anderen Sachverhalt zugrunde lag (es stellte sich die Frage danach, ob das Asylgesuch eines Asylb e- werbers durch den an s ich unzuständigen Mitgliedstaat gestützt auf Art. 15 Abs. 2 Dublin -II-VO dennoch zu prüfen war, da der Asylbewerber in diesem Mitgliedstaat über einen Familienangehörigen verfügte, dem bereits Asyl gewährt worden und der zwingend auf die Hilfe des Asylb e- werbers angewiesen war), dass eine gemeinsame Prüfung der Asylgesuche der Beschwerdeführ e- rin, ihrer Kinder und ihres Ehemannes durch ein und denselben Mitglie d- staat ohne Weiteres möglich und damit das mit der Dublin -II-VO erklärte und in der Beschwerde ziti erte Ziel in Form der räumlichen Annäherung von Familienangehörigen zwecks genauerer Prüfung der Anträge und ko- härenter Entscheidungen ohne Weiteres in Polen realisierbar ist, sofern der Ehemann der Beschwerdeführerin dies möchte, dass daher die dahingehe nde Rüge in der Beschwerde, eine Überste l- lung der Beschwerdeführenden nach Polen würde diesem Ziel zuwide r- laufen, nicht verfängt, liegt doch dessen Vereitelung einzig im Verhalten des Ehemannes der Beschwerdeführerin begründet, dass auch der wiederholte und nicht weiter substanziierte Einwand in der Beschwerde, in Polen würden nicht nur der Ehemann respektive Vater , sondern auch die Beschwerdeführenden durch Dritte bedroht und wären der Gefahr einer Rückschaffung nach Russland ausgesetzt, an der Z u- ständigkeit Polens zur Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfah- rens nichts zu ändern respektive keinen Anspruch auf Selbsteintritt (Art. 3 Abs. 2 erster Satz Dublin-II-VO) durch die Schweiz zu begründen ve r- mag, dass Polen unter anderem Signatarstaat der FK und der EMRK ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 6 S. 117), die FoK ratifiziert hat und keine konkreten Hin- weise dafür bestehen, der polnische Staat würde sich nicht an die daraus resultierenden Verpflichtungen halten, dass die Beschwerdeführenden für den – ohnehin unwahrscheinlichen – Fall, dass sie wegen des Ehemannes bzw. Familienvaters, der wegen der D-5946/2012 Seite 10 Zugehörigkeit seines Bruders zu einer tschetschenischen Rebellengruppe von Angehörigen einer kriminellen Gruppe in Pol en gesucht würde, die Möglichkeit haben, sich (gleichsam wie der Ehemann und Vater) an die polnischen Behörden zu wenden und diese um Schutz zu ersuchen, dass die Beschwerdeführenden in Polen somit nicht schutzlos Menschen- rechtsverletzungen im Sinne Art. 3 EMRK ausgeliefert sind, dass im Weiteren bei der Überstellung in den zuständigen Mitgliedstaat von der Prämisse ausgegangen werden kann, dass dieser kraft seiner Mitgliedschaft den Verpflichtungen aus der Richtlinie 2005/85/EG des Ra- tes vom 1. Dezember 2005 über Mindestnormen für Verfahren in den Mit- gliedstaaten zur Zuerkennung und Aberkennung der Flüchtlingseige n- schaft (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie auch jener aus der Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mindes t- normen für die Aufnahme von Asylbewerbern in Mitgliedstaaten (sog. Auf- nahmerichtlinie), darunter auch dem Non -Refoulement-Gebot, nac h- kommt (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4.2 S. 638), dass keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, die darauf hi n- deuten, die Beschwerdeführenden würden im Falle einer Überstellung in Polen kein faires Asylverfahren durchlaufen respektive ohne Anhörung ih- rer Asylgründe nach Russland abgeschoben oder aber etwa in eine ex i- stenzielle Notlage geraten, dass auch aus dem der Beschwerde beigelegten Bericht der Gesellschaft für bedrohte Völker hinsichtlich der Situation tschetschenischer Flüchtli n- ge in Polen keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür zu entnehmen sind, Polen würde in genereller Weise seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen respektive in völkerrechtswidriger Weise gegen die Verfahrens- und Aufnahmerichtlinie verstossen, dass aufgrund des Gesagten keine Hindernisse und auch keine human i- tären Gründe im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 einer Überstellung der Beschwerdeführenden nach Polen entgegenstehen, dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist und, da die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Au f- enthalts- oder Niederlassungsbewilligung sind und auch keinen Anspruch darauf geltend machen können, ebenfalls zu Recht in Anwendung von D-5946/2012 Seite 11 Art. 44 Abs. 1 AsylG die Überstellung nach Polen angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), dass es sich beim Dublin-Verfahren um ein Überstellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständigen Staat handelt, weshalb das Fehlen von Wegweisungsvollzugshindernissen regelmässig bere its Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG erfolgenden Nichteintretensentscheides ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645), dass mithin allfällige völkerrechtliche und humanitäre Vollzugshindernisse im Rahmen der eventuellen Anwendung der sogenannten Souveränität s- klausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) zu pr ü- fen sind und folglich kein Raum für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 -4 des Bundesgesetz es vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) besteht, dass das BFM in diesem Sinne den Vollzug der Wegweisung nach Polen zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat, dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtser- heblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unange - messen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass die Beschwerde daher abzuweisen ist, dass aufgrund des direkten Entscheids in der Hauptsache das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung gegenstandslos geworden ist, dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, da die Begehr en – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeic h- nen sind, weshalb die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgelt- lichen Rechtspflege nicht erfüllt sind, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, D-5946/2012 Seite 12 SR 173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-5946/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand: