Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 30. November 2016 (810 16 57) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands / Verhältnismässigkeit des Rückbaus einer Stützmauer Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret, Gerichtsschreiberin Chiara Piras Beteiligte Kantonale Natur- und Landschaftsschutzkommission, Ebenrain- weg 27, 4450 Sissach, Beschwerdeführerin gegen Baurekurskommission des Kantons Basel-Landschaft, Rheinstrasse 29, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin A.____ und B.____, Beschwerdegegner, vertreten durch Martina de Roche, Advokatin Einwohnergemeinde C.____, Beigeladene Betreff Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands (Entscheid der Baurekurskommission vom 30. Juni 2015) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 28. Februar 2001 reichten A.____ und B.____ das Baugesuch Nr. 0529/2001 für den Bau eines Einfamilienhauses mit Autounterstand am D.____weg 8, Parzelle Nr. 3832 Grundbuch (GB) C.____, ein. Die eingereichten Baupläne beinhalteten auch e ine auf der Höhe der Ostfassade liegende Bruchsteinstützmauer mit einer Länge von 3 m und einer Höhe von max. 1.2 m. Die Baubewilligung wurde vom Bauinspektorat des Kantons Basel -Landschaft (Bauinspektorat) am 12. April 2001 erteilt. Die Schlussabnahme durch das Bauinspektorat e r- folgte am 2. September 2002. B. Mit Schreiben vom 23. November 2012 teilte das Bauinspektorat A.____ und B.____ mit, dass es anlässlich der Überprüfung ihrer Anzeige betreffend baulichen Veränderungen auf der Nachbarparzelle festgestellt habe, dass auf ihrer Parzelle eine nich t bewilligte Stützmauer errichtet worden sei. Gleichzeitig wurden A.____ und B.____ aufgefordert, nachträglich ein Baugesuch für die Stützmauer einzureichen. C. Am 1 0. Januar 2013 ging beim Bauinspektorat das Baugesuch Nr. 0108/2013 von A.____ und B.____ für die nachträgliche Bewilligung der Stütz mauer ein. Nach Durchführung der öffentlichen Planauflage durch die Gemeinde C.____ erhob die kantonale Natur- und Land- schaftsschutzkommission (NLK) am 28. Januar 2013 Einsprache gegen das Baugesuch. Der parallel zum E.____bächli verlaufende Abschnitt der Stützmauer weise eine Höhe von 3.4 m und eine Länge von 12 m auf und unterschreite den gesetzlichen Mindestabstand von 6 m von Bauten an öffentlichen Gewässern. D. Mit Entscheid Nr. 074/14 vom 7. Januar 2015 hiess das Bauinspektorat die Einsprache der NLK gut und ordnete den Rückbau oder die Entfernung der ohne Baubewilligung erstellten Stützmauer bis zum 31. Mai 2015 an (Ziff. 1); dies unter Strafandrohung im Weigerungsfall g e- mäss Art. 292 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB) vom 21. Dezember 1937 (Ziff. 2) und der Androhung, falls der fristgemässe Rückbau unterbleibe, diesen mittels Ersatzvornahme zu vollstrecken (Ziff. 3). E. Eine gegen den Entscheid Nr. 074/14 des Bauinspektorats erhobene Beschwerde von A.____ und B.____, vertreten durch Martina de Roche, Advokatin, hiess die Baurekurskommi s- sion des Kantons Basel-Landschaft (Baurekurskommission) mit Entscheid 15-003 vom 30. Juni 2015 gut. Sie erwog im Wesentlichen, dass die Stützmauer zwar formell und materiell ba u- rechtswidrig sei, jedoch aufgrund der vorliegenden Unterschreitung des gesetzlichen Mindes t- abstandes das E.____bächli in seiner Eigenschaft als Fliessgewässer bzw. ök ologisches Ver- netzungselement nicht wesentlich beeinträchtigt werde. Da sowohl das Tiefbauamt Basel - Landschaft, Abteilung Wasserbau, als auch die Gemeinde C.____ keine Einwände gegen die Stützmauer geäussert hätten, die Stützmauer seit nunmehr ca. 13 Jahre n bestehe und sich in dieser Zeit eine Verbindung zwischen Natur und Stützmauer gebildet habe, erweise sich ein Rückbau der Stützmauer als unverhältnismässig und würde aus Sicht des Naturschutzes mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer Verschlechterung der Situation am E.____bächli führen. F. Mit Eingabe vom 17. Februar 2016 erhob die NLK beim Kantonsgericht, Abteilung Ve r- fassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde gegen den Entscheid der Ba u-Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht rekurskommission vom 30. Juni 2015. Sie stellt d as Begehren, Ziffer 1 des Dispositivs des En t- scheids der Baurekurskommission sei aufzuheben und die Rück bauverfügung des Bauinspek- torats Nr. 074/14 vom 7. Januar 2015 zu bestätigen (Ziff. 1), eventualiter sei der Entscheid der Baurekurskommission aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei sen (Ziff. 2); alles unter o/e -Kostenfolge (Ziff. 3). In der Beschwerdebegründung vom 19. April 2016 führt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, die Baurekurskommission habe im ang e- fochtenen Entscheid zu Unrecht eine zu Gunsten der privaten Beschwerdegegner ausfallende Interessenabwägung vorgenommen. Die privaten Interessen der betroffenen Eigentümer an der Aufrechterhaltung des rechtswidrigen Zustands seien als marginal einzustufen, während das öffentliche Interesse an der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands ein Gewichtiges sei. Demgegenüber habe die Baurekurskommission ihr Ermessen willkürlich ausgeübt. G. Die Gemeinde C.____ liess sich am 3. Mai 2016 vernehmen, verzichtete auf Ausfü h- rungen über die von der Baurekurskommission vorgenommene Interessenabwägung und ve r- wies auf ihre im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Stellungnahmen. H. Mit Vernehmlassung vom 20. Juni 2016 schloss die Baurekurskommission auf Abwe i- sung der Beschwerde. I. A.____ und B.____, vertreten durch Martina de Roche, Advokatin, beantragen in ihrer Stellungnahme vom 20. Juni 2016 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. J. Mit Verfügung vom 4. Juli 2016 wurde die Be schwerde der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung mit vorangehendem Augenschein überwiesen. Sodann wurde angeordnet, dass die Beschwerdeverfahren Nr. 810 16 57 und Nr. 810 16 58 zusammen b e- handelt werden. K. Am heutigen Augenschein na hmen das Kantonsgericht sowie die Parteien Kenntnis von den örtlichen Gegebenheiten. In der anschliessenden Parteiverhandlung hielten die Bete i- ligten an ihren Standpunkten fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 134 Abs. 5 d es Raumplanungs - und Baugesetzes (RBG) vom 8. Januar 1998 in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können Entscheide der Baurekurskommission durch die Betroffenen und die Gem einden beim Kantonsgericht angefochten werden. Die Z u- ständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ist somit geg e- ben. 1.2 Zur Beschwerde befugt ist gemäss § 47 Abs. 1 lit. b VPO jede Person, Organisation oder Behörde, die du rch besondere Vorschrift zur Beschwerde ermächtigt ist. Die NLK ist ge-Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht mäss § 20 Abs. 2 des Gesetzes über den Natur - und Landschaftsschutz (NLG BL) vom 20. No- vember 1991 in allen Belangen des Natur - und Landschaftsschutzes einsprache - und b e- schwerdeberechtigt. Die Beschwerdeführerin macht im vorliegenden Fall Anliegen des Natur - und Landschaftsschutzes geltend und ist demnach zur Beschwerde legitimiert. Die weiteren formellen Voraussetzungen sind ebenfalls erfüllt (§ 48 VPO), sodass auf die Beschwerde einge- treten werden kann. 2.1 Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festst ellung des Sachverhalts gerügt we r- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c e contrario; zur Erfüllung der Anforderungen von Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über die Raumplanung [RPG] vom 22. Juni 1979 vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs - und Verwaltungs- recht [KGE VV], vom 24. November 2010 [810 10 179/371] E. 2). 2.2 Vom Begriff des Ermessens sind die unbestimmten Rechtsbegriffe zu unterscheiden. Ein unbestimmter Rechtsbegriff liegt vor, wenn der Rechtssatz die Voraussetzungen der Rechtsfolge oder die Rechtsfolge selbst in offener, unbestimmter Weise umschreibt. Sowohl beim Ermessen als auch beim unbestimmten Rechtsbegriff liegen offene Formulierungen vor, die den Verwaltungsbehörden einen Entscheidspielraum gewähren. Wie in Erwägung 2.1 hier- vor ausgeführt, ist eine Überprüfung der Angemessenheit durch das Kantonsgericht nur au s- nahmsweise zulässig. Demgegenüber unterliegen unbestimmte Rechtsbegriffe grundsätzlich der freien Überprüfung durch das Kantonsgericht (vgl. ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich 2016, Rz. 416 f.). 2.3 Vorliegend ist die Verhältnismässigkeit der Wiederherstellung des rechtmässigen Z u- stands strittig. Die Verhältnismässigkeit stellt einen unbestimmten Rechtsbegriff dar, zu dessen Überprüfung das Kantonsgericht befugt ist (KGE VV vom 6. Oktober 2010 [810 09 514/324] E. 6.2.2). Das Kantonsgericht auferlegt sich in Übereinstimmung mit der Praxis des Bundesg e- richts bei der Auslegung der massgeblichen unbestimmten Rechtsbegriffe Zurückhaltung, weil den kantonalen Behörden und der Baurekur skommission ein gewisser Beurteilungsspielraum zukommt, wenn der Entscheid Vertrautheit mit den tatsächlichen Verhältnissen oder besondere Fachkenntnisse voraussetzt. Verfügt eine Behörde über besonderes Fachwissen, so ist ihr bei der Bewertung von ausgesprochenen Fachfragen ein gewisser Beurteilungsspielraum zu belas- sen, soweit sie die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und die erforderl i- chen Abklärungen sorgfältig und umfassend durch geführt hat (BGE 135 II 384 E. 2.2.2; Urteil des Bunde sgerichts 1C_4/2014 vom 2. Mai 2014 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 1C_458/2013 vom 21. November 2013 E. 2.2; KGE VV vom 22. Januar 2014 [810 13 264] E. 2; KGE VV vom 20. März 2013 [810 12 97] E. 2; Entscheid des Zürcher Verwaltungsgerichts vom 21. April 2016 [VB.2015.00712] E. 5.2; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 413 ff. ). Die im vorliegenden Einzelfall strittige Abwägung von öffentlichen und privaten Interessen betrifft w e- der die Bewertung von ausgesprochenen Fachfragen noch wirft sie Fragen auf, die das techni- sche Spezialwissen der Baurekurskommission als Fachbehörde betreffen. Die Prüfung der Ver-Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht hältnismässigkeit durch das Kantonsgericht ist im vorliegenden Fall somit mit uneingeschränk- ter Kognition vorzunehmen (vgl. auch MARCO DONATSCH, in: Ko mmentar zum Verwaltung s- rechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. Aufl. , Zürich 2014, Rz. 33 zu § 50 VRG). Die mit dem Hinweis auf die Kognition des Kantonsgerichts verbundene Rüge der privaten B e- schwerdegegner (Vernehmlassung der privaten Beschwerdeg egner vom 20. Juni 2016, Rz. 6) stösst daher ins Leere. 3.1. Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Vorinstanz habe die betroffenen privaten und öffentlichen Interessen falsch gewichtet; so hätte aufgrund der gewichtigen öffentlichen Interes- sen an der Rechtssicherheit und der Rechtsgleichheit sowie an der Freihaltung des Gewässe r- raums bzw. an der Revitalisierung von Gewässern und der geringen Interessen der privaten Beschwerdegegnern die von der Vorinstanz vorgenommene Interessenabwägung zuungunsten der privaten Beschwerde gegner ausfallen müssen (Beschwerdebegründung vom 19. April 2016, Rz. 17). Das Vorgehen der Vorinstanz sei insbesondere dahingehend zu beanstanden, als dass diese die bundesgerichtliche Rechtsprechung im Zusammenhang mit den finanzielle n Interessen der privaten Beschwerdegegnern zwar korrekt wiedergegeben, die ‟hohen getätigten und neu anfallenden finanziellen Investitionen” aber trotzdem zugunsten der privaten B e- schwerdegegner berücksichtigt habe ( Beschwerdebegründung vom 19. April 2016 , Rz. 8 f.). Der aus dem Rückbau zu erwartende Schaden sei für die privaten Beschwerdegegner dagegen geringfügig und die von ihnen aufgerechneten Kosten für den Abbruch und den Wiederaufbau der Stützmauer von untergeordneter Bedeutung. Ferner könne das Arg ument, wonach ein Rückbau der Stützmauer eine Vielzahl von Kleintieren tangiere, nicht gehört werden: Es liege in der Natur der Sache, dass ein Rückbau mit einem weiteren Eingriff in den Gewässerraum und der dort angesiedelten Flora und Fauna verbunden sei . Derartige Eingriffe seien aber nur von kurzer Dauer und verhinderten nicht, dass sich nach Abschluss der Rückbauarbeiten neue L e- bewesen ansiedeln könnten (Beschwerdebegründung vom 19. April 2016, Rz. 15). 3.2 Im angefochtenen Entscheid stellt die Vorin stanz fest, dass die streitbetroffene Stüt z- mauer formell und materiell baurechtswidrig sei (Entscheid der Baurekurskommission 1 5-003 vom 30. Juni 2015, Rz. 3 und 8; Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin vom 20. Juni 2016, S. 1). Im Rahmen der Prüfung der V erhältnismässigkeit der Rückbauverfügung hält die Vo- rinstanz dann fest, dass ein grosses öffentliches Interesse an der Beachtung und Einhaltung der gültigen Abstandsvorschriften bestehe. Durch einen Rückbau könne aber auch eine im Ver- gleich zur heutigen S ituation für die Natur schlechtere Situation entstehen. Dies sei vorliegend der Fall, da der über Jahre gewachsene Uferbereich mit der sich sehr gut in die natürliche U m- gebung einfügenden Stützmauer für Kleintiere Lebensraum biete, der durch den Abbruch der Mauer zerstört würde. Dies würde dem Schutzzweck der vorliegend verletzten Bestimmung en (Schutz und Wahrung des für Pflanzen und Tiere ökologisch wertvollen Schutzrau ms) zuwider- laufen (vgl. auch Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin vom 20. Juni 2016, S. 2). Dem Er- halt der Stützmauer komme somit ebenfalls ein bestimmtes öffentliches Interesse zu (Entscheid der Baurekurskommission 15 -003 vom 30. Juni 2015, Rz. 14). Zudem sei das E.____bächli durch die vorliegende Unterschreitung des gesetzlichen Mindestabs tands nicht wesentlich b e- einträchtigt (Entscheid der Baurekurskommission 15 -003 vom 30. Juni 2015, Rz. 15) und s o- wohl das Tiefbauamt als auch die Gemeinde C.____ hätten keine Einwände gegen die Stüt z-Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht mauer geäussert (Entscheid der Baurekurskommission 15 -003 vom 30. Juni 2015, Rz. 17 und 18). Die Vorinstanz kommt in Abwägung der betroffenen öffentlichen und privaten Interessen zum Schluss, dass sich aufgrund der besonderen Umstände im vorliegenden Fall ein Rückbau der Stützmauer als unverhältnismässig erweise. 3.3 Die privaten Beschwerdegegner stellen sich auf den Standpunkt, nicht bösgläubig g e- handelt zu haben (vgl. die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichte Eingabe vom 17. Februar 2015). Ferner weisen sie darauf hin, dass die Wiederherstellung des recht mässigen Zustands dem öffentlichen Interesse zuwiderlaufe, indem durch den Abbruch der Stützmauer der über die letzten 15 Jahre gewachsene, wertvolle Lebensraum für Pflanzen und Tiere zerstört würde (Vernehmlassung der privaten Beschwerdegegner vom 20. Juni 2016, Rz. 3). In Bezug auf ihre finanziellen Interessen halten die privaten Beschwerdegegner fest, zu den Erstellungskosten in der Höhe von Fr. 9‘398.-- würden weitere Kosten zwischen Fr. 20‘000.-- und Fr. 30‘000. -- für das Abtragen und die Entsorgung vo n Erdreich der Böschung hinzukommen. Dies bedeute e i- nen finanziellen Aufwand in der Höhe von rund Fr. 50‘000.--. Schliesslich rügen sie, die B e- schwerdeführerin habe nicht substantiiert dargelegt, inwiefern der vorinstanzliche Entscheid den von ihr geltend gemachten öffentlichen Interessen zuwiderlaufe (Vernehmlassung der privaten Beschwerdegegner vom 20. Juni 2016, Rz. 5). 4.1 Der Anordnung der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands kommt massg e- bendes Gewicht für den ordnungsgemässen Vollzug des Raum planungs- und Baurechts zu. Werden illegal errichtete, der Raumplanungs - und Baugesetzgebung widersprechende Bauten nicht beseitigt, sondern auf unabsehbare Zeit geduldet, so wird der Grundsatz der Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet in Frage gestellt und rechtswidriges Verhalten belohnt. Formell rechtswidrige Bauten, die auch nachträglich nicht legalisiert werden können, müssen deshalb grundsätzlich beseitigt werden (BGE 136 II 359 E. 6). Die Anordnung des Abbruchs bereits e r- stellter Bauten kann jedoch nach den allgemeinen Prinzipien des Verfassungs - und Verwa l- tungsrechts (ganz oder teilweise) ausgeschlossen sein (BGE 111 Ib 213 E. 6; BGE 136 II 359 E. 6). Dazu gehören die Grundsätze der Verhältnismässigkeit und des Schutzes d es guten Glaubens. Überdies kann die W iederherstellung aufgrund des Zeitablaufs verwirkt sein. Die Anordnung einer Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands oder eines Abbruchs stellt zudem eine Eigentumsbeschränkung dar. Sie ist verfassungsrechtlich nu r zulässig, wenn sie gemäss Art. 36 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 auf einer gesetzlichen Grundlage beruht, im öffentlichen Interesse liegt und ve r- hältnismässig ist (Urteil des Bundesgerichts 1C_187/2011 vom 15. März 2012 E. 2.3; KGE VV vom 16. März 2016 [810 15 148] E. 9.1). 4.2 Die gesetzliche Grundlage für die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands fi n- det sich in § 137 RBG . Das öffentliche Interesse an der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands ist ohne Weiteres gegeben, da das Interesse an der Einhaltung der baurechtlichen Bestimmungen und an der konsequenten Verhinderung von Bauten, die der baurechtlichen Ordnung widersprechen, generell gross ist (vgl. BGE 136 II 359 E. 6). Liegt, wie vor liegend un- bestritten, eine Baurechtswidrigkeit vor, besteht auch ein öffentliches Interesse an deren Bese i- tigung (vgl. MAGDALENA RUOSS FIERZ, Massnahmen gegen illegales Bauen, Diss., Zürich 1998, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht S. 149). Näher zu prüfen – und im vorliegenden Verfahren str ittig – bleibt, ob die angeordnete Massnahme verhältnismässig ist. 5. Das Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt, dass eine Massnahme für das Erreichen des im öffentlichen oder privaten Interesse liegenden Ziels geeignet und erforderlich ist und sich für die Betroffenen in Anbetracht der Schwere der Einschränkung als zumutbar erweist. Die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands kann unterbleiben, wenn die Abweichung vom Erlaubten nur unbedeutend ist oder die Wiederherstellung nicht im öffentlichen Int eresse liegt, ebenso, wenn der Bauherr in gutem Glauben angenommen hat, die von ihm ausgeübte Nu t- zung oder angefertigte Baute stehe mit der Baubewilligung im Einklang und ihre Fortsetzung nicht schwerwiegenden öffentlichen Interessen widerspricht. Auf den Grundsatz der Verhäl t- nismässigkeit kann sich auch ein Bauherr berufen, der nicht gutgläubig gehandelt hat. Er muss aber in Kauf nehmen, dass die Behörden aus grundsätzlichen Erwägungen, nämlich zum Schutz der Rechtsgleichheit und der baulichen Ordnung, dem Interesse an der Wiederherstel- lung des gesetzmässigen Zustands erhöhtes Gewicht beimessen und die dem Bauherrn alle n- falls erwachsenden Nachteile nicht oder nur in verringertem Masse berücksichtigen (BGE 111 Ib 213 E. 6b). 6.1 Vorliegend unbestritten ist, dass die streitgegenständliche S tützmauer formell und ma- teriell baurechtswidrig ist ( Entscheid der Baurekurskommission 15 -003 vom 30. Juni 2015, Rz. 3 und 8; Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin vom 20. Juni 2016, S. 1; Beschwer- debegründung vom 19. April 2016 Rz. 5; Vernehmlassung der privaten Beschwerdegegner vom 20. Juni 2016, Rz. 1; vgl. zur formellen und materiellen Baurechtswidrigkeit BGE 136 II 359 E. 6; MAGDALENA RUOSS FIERZ, a.a.O., S. 20 und 26 f. ). Ebenfalls unbestritten ist, dass der ge- setzliche Gewässerabstand nicht eingehalten wurde. Die Vorinstanz kam jedoch zum Schluss, der Rückbau der Stützmauer sei unverhältnismässig, weil einerseits die finanziellen Interessen der privaten Beschwerdeführer gross seien ( Entscheid der Baurekurskommission 15-003 vom 30. Juni 2015, Rz. 16, 19) und, andererseits, ein öffentliches Interesse daran bestehe, dass die Situation am E.____bächli durch den Rückbau nicht zusätzlich verschlechtert werde und weil aus wasserbautechnischer Sicht der Rückbau der Stützmauer nicht notwendig erscheine ( Ent- scheid der Baurekurskommission 15-003 vom 30. Juni 2015, Rz. 14 f. und 17 f.). 6.2 Der heutige Augenschein hat gezeigt, das s die Stützmauer mit einer Höhe von ca. 3.4 m, einer Länge von ca. 30 m und einem Abstand von rund 3 bis 5 m zur östlichen Pa r- zellengrenze zwecks Ausweitung der privat nutzbaren Gartenfläche innerhalb des Gewässe r- raums des E.____bächli liegt. Vorliegend kann deshalb nicht von einer geringen Abweichung vom gesetz- bzw. bauordnungsgemässen Zustand ausgegangen werden. Der Beschwerdefü h- rerin ist dahingehend beizupflichten, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid die ö f- fentlichen Interessen an der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands zu wenig bzw. falsch gewichtet hat. Es lassen sich insbesondere keine Aussagen finden, inwiefern ein Verzicht auf den Rückbau der Stützmauer mit dem Sinn und Zweck der Abstandsvorschriften in der Bau- und Gewässerschutzgesetzgebung vereinbar sei. Gewässer sind für den Schutz vor Hochwa s- ser wichtig, sind Vorfluter für das aus den Kanalisationen stammende Abwasser und sorgen für den Abtransport von Geschiebe; auch kommen ihnen weitere ‟natürliche Funktionen” zu, näm-Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, für die Vernetzung von Lebensrä umen, als Erh o- lungsraum für die Menschen und für die Erneuerung des Grundwassers. Schliesslich werden die oberirdischen Gewässer auch seit jeher vielfältig genutzt (zur Energieerzeugung, als Ve r- kehrswege, zu Heiz - und Kühlzwecken , als Trinkwasserreservoir usw.; vgl. HANS W. STUTZ, Uferstreifen und Gewässerraum - Umsetzung durch die Kantone, in: Umwelt in der Praxis [URP] 2012 S. 90 - 125, S. 97; DRS., Raumbedarf der Gewässer - die bundesrechtlichen Vorgaben für das Planungs-und Baurecht, in: PBG aktuell - Zürcher Zeitschrift für öffentliches Baurecht [PBG] 2011/4 S. 5 - 23, S. 6). Damit die Gewässer ihre natürlichen Funktionen erfüllen können, ist ihnen aber genügend Raum zur Verfügung zu stellen (vgl. PETER HÄNNI, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 6. Aufl., Bern 2016, S . 467; BEATRICE WAGNER PFEIFER, Um- weltrecht. Besondere Regelungsbereiche, Zürich 2013, Rz. 951). Mit der Revision des Bundes- gesetzes über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG) vom 24. Januar 1991 und der Gewässe rschutzverordnung (GSchV) vom 28. Oktober 1998 wurden im Sinne eines wirksamen Gewässerschutzes auch räumliche Gesichtspunkte Teil einer wirksamen G e- wässerschutzstrategie (vgl. HÄNNI, a.a.O., S. 466 ff.). Vorliegend wird der Abstand zwischen Stützmauer und Gewässerraum erheblich unterschritten. Das Argument der Vorinstanz, aus wasserbautechnischer Sicht sei die Stützmauer nicht zu beanstanden, weil weder das kanton a- le Tiefbauamt, noch die Gemeinde C.____ dies getan hätten, überzeugt deshalb nicht ( Ent- scheid der Baurekurskommission 15 -003 vom 30. Juni 2015, Rz. 17 f.). Soweit die Vorinstanz sodann ausführt, an der Erhaltung der gegenwärtigen Stützmauer bestehe ein öffentliches Int e- resse, da der über Jahre gewachsene Uferbereich mit der sich in die natürliche Umgebung ein- fügenden Bruchsteinmauer Lebensraum für Kleintiere biete, macht die Beschwerdeführerin zu Recht geltend, dieses Argument greife zu kurz. Durch den Abbruch der Stützmauer ist nämlich davon auszugehen , dass sich längerfristig deutliche Verbesserungen für die aquatische und terrestrische Flora und Fauna auf dem ausgedehnten Flachwasser- und natürlichen Uferbereich ergeben. Längerfristige oder irreversible Beeinträchtigungen der heimischen Flora und Fauna , wie auch der Landschaft als solche, sind durch den umstrittenen Abbruch der Stützmauer nicht ersichtlich und werden auch nicht substantiiert dargelegt. Die Berufung der privaten Beschwer- degegner auf das Urteil des Bundesgerichts 1C_471/2014 vom 23. Dezember 2014 ist eben- falls unbehelflich, da vorliegend keine besonderen Umstände ersichtlich sind (oder substantiiert geltend gemacht werden), die eine Unterschreitung des kantonalen Gewässerabstands zu rechtfertigen vermögen. Die Argumentation der Vorinstanz greift schliesslich insofern zu kur z, als es sich hier um gewichtige Interessen an der Einhaltung der allgemeinen Umwelt-, Bau- und Gewässerschutzvorschriften handelt. In Anbetracht der vorliegenden Gesetzesverletzung ist das öffentliche Interesse an der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands entsprechend gross. Dem stehen an privaten Interessen der Grundeigentümer im Wesentlichen Vermögensin- teressen, nämlich ein Verlust der Erstellungskosten (in der Höhe von Fr. 9‘398. --) zuzüglich Abbruch- und Wiederherstellungskosten in der Höhe von insgesamt ca. Fr. 50‘000.--, entgegen. Dass die privaten Beschwerdegegner durch diese Massnahmen getroffen werden, ist ohne wei- teres anzuerkennen. Auch wiegen diese Interessen für die privaten Beschwerdegegner nicht leicht, doch werden sie von den öffentl ichen, für den Abbruch - und Wiederherstellungsbefehl sprechenden, Interessen bei weitem übertroffen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Die privaten Beschwerdegegner bestreiten ferner, den unrechtmässigen Zustand bö s- gläubig herbeigeführt zu haben (Vernehmlassung der privaten Beschwerdegegner vom 20. Juni 2016, Rz. 3). Wie das Bauinspektorat bereits zu Recht festgehalten hatte (Entscheid Nr. 074/14 des Bauinspektorats vom 7. Januar 2015 E. 6.2), können sich die privaten Beschwerdegegner jedoch nicht darauf berufen, gutgläubig gewesen zu sein, da sie sich das Wissen ihres Architek- ten anrechnen lassen müssen (BGE 111 Ib 213 E. 6a m.w.H.). Daran ändert auch der Umstand nichts, dass bei der Bauabnahme die Stützmauer nicht beanstandet wurde. Sollte die Stüt z- mauer bereits bei der Bau abnahme bestanden haben, was vorliegend nicht als zweifelsfrei e r- stellt gelten kann , und die Überschreitung der bewilligten Masse der Stützmauer dem Baui n- spektorat entga ngen sein, bildet die Bauabnahme keine Grundlage, auf welche die privaten Beschwerdegegner gemäss Art. 9 BV berechtigterweise vertrauen durften, zumal im Rahmen der Baukontrolle hauptsächlich wohnhygienische und sicherheitsrelevante Anforderungen g e- prüft werden (Urteil des Bundesgerichts 1C_262/2009 vom 14. April 2010 E. 4). Schliesslich können sich die privaten Beschwerdegegner auch nicht darauf berufen, der Anspruch der B e- hörden auf Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands sei verwirkt ( BGE 136 II 359 E. 7): Diese Rüge steht grundsätzlich nach 30 Jahren nur demjenigen offen, d er selbst im guten Glauben gehandelt hat, d.h. angenommen hat und (unter Anwendung zumutbarer Sorgfalt) a n- nehmen durfte, die von ihm ausgeübte Nutzung sei rechtmässig bzw. stehe mit der Baubewilli- gung im Einklang (BGE 132 II 21 E. 6.3). Dies ist vorliegend nicht der Fall. 6.4 Schliesslich steht auch der Grundsatz der Rechtsgleichheit dem Abbruch der Stüt z- mauer nicht entgegen. Beide Beschwerdegegner machen an der heutigen Parteiverhandlung zwar geltend, es bestünden weitere Bauten am D.____weg, die einen ‟zweifelhaften” Abstand zum E.____bächli aufweisen würden ( Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin vom 20. Juni 2016, S. 2). Sie legen aber nicht dar, inwiefern diese Bauten in tatsächlicher und rechtlicher Sicht mit der vorliegenden vergleichbar sind, d.h., dass es si ch um formell und materiell recht s- widrige Bauten handeln würde, die bösgläubig erstellt worden seien. Sofern dies der Fall sein sollte, wird es Sache des Bauinspektorats sein, auch in diesen Fällen die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands anzuordnen. 7. Zusammenfassend erweist sich der vom Bauinspektorat verfügte Rückbau der entg e- gen der rechtkräftigen Baubewilligung vorgenommenen baulichen Massnahme als verhältni s- mässig. Die Beschwerde gegen den Entscheid der Baurekurskommission ist aus diesem Gru nd gutzuheissen. Nachdem die angesetzte Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen Z u- stands mittlerweile abgelaufen ist, wird das Bauinspektorat den privaten Beschwerdegegnern nunmehr eine neue angemessene Frist anzusetzen haben. 8.1 Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Gestützt auf § 20 Abs. 1 VPO in Ve r- bindung mit § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegen den Partei auferlegt. Beim vorliegenden Ausgang des Verfahrens erscheint es angemessen, die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘800. -- zwischen der Vorinstanz einerseits und den pri- vaten Beschwerdegegnern andererseits hälftig zu teilen. Den Behörden können gemäss § 20 Abs. 3 und 4 VPO nur Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn sie das Kantonsgericht in A n- spruch nehmen. Den privaten Beschwerdegegnern wird demzufolge ein Verfahrenskostenanteil Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Höhe von Fr. 900. -- auferlegt. Der auf die Vorinstanz hypothetisch entfallende Verfa h- renskostenanteil wird nicht erhoben. Der Beschwerdeführerin ist der Kostenv orschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- zurückzuerstatten. Die Parteikosten sind wettzuschlagen. 8.2 Da im vorinstanzlichen Verfahren die ordentlichen Kosten den privaten Beschwerd e- gegnern auferlegt und die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen wurden, erübrigt sich eine Rückweisung an die Vorinstanz zur Neuverlegung der Kosten - und Entschädigungsfolgen d es vorinstanzlichen Verfahrens. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird Ziffer 1 des Dispositivs des En t- scheids der Baurekurskommission Nr. 15 -003 vom 30. Juni 2015 au f- gehoben und der Entscheid des Bauinspektorats des Kantons Basel - Landschaft Nr. 074/14 vom 7. Januar 2015 bestätigt. 2. Das Bauinspektorat wird angewiesen, eine neue Frist zur Wiederher- stellung des rechtmässigen Zustands festzusetzen. 3. Den Beschwerdegegnern A.____ und B.____ wird ein Verfahrensko s- tenanteil in der Höhe von 900.-- unter solidarischer Haftung auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400. -- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin