<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2020-11-25-5A_983-2020.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5A_983/2020</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 25. November 2020</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>II. zivilrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Herrmann, Präsident, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Möckli. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt Marcel Hubschmid, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B.________, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt Remo Hablützel, </div> <div class="para">Beschwerdegegner. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Eheschutz, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, vom 19. Oktober 2020 (LE200049-O/U). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para">Die rubrizierten Parteien heirateten am 11. Juli 2014. Die Ehe blieb kinderlos. </div> <div class="para">Mit Eheschutzentscheid vom 22. Februar 2019 regelte das Bezirksgericht Zürich auf Gesuch der Ehefrau hin die Folgen des Getrenntlebens. Auf Berufung des Ehemannes hin hob das Obergericht des Kantons Zürich diesen mit Beschluss vom 29. November 2019 auf und wies die Sache zur Abklärung der finanziellen Leistungsfähigkeit des Ehemannes und zur neuen Entscheidung zurück. </div> <div class="para">Am 1. September 2020 urteilte das Bezirksgericht neu und verpflichtete den Ehemann zu Unterhaltsbeiträgen an die Ehefrau von Fr. 5'212.-- für November bis Dezember 2016, von Fr. 4'976.-- für Januar bis September 2017, von Fr. 6'262.-- für Oktober bis Dezember 2017 und von Fr. 6'304.-- von Januar bis August 2018 (Rechtshängigkeit des Scheidungsverfahrens mit Begehren um vorsorgliche Massnahmen am 29. August 2018). </div> <div class="para">Dagegen reichte die Ehefrau beim Obergericht eine Berufung ein mit dem Begehren, die Unterhaltsziffer sowie die Kostenziffern seien aufzuheben und zur neuen Beurteilung an die Erstinstanz zurückzuweisen. </div> <div class="para">Mit Beschluss vom 19. Oktober 2020 trat das Obergericht des Kantons Zürich mangels eines Rechtsbegehrens auf die Berufung nicht ein. </div> <div class="para">Gegen diesen Beschluss hat die Ehefrau am 23. November 2020 beim Bundesgericht eine Beschwerde eingereicht mit dem Begehren um dessen Aufhebung und Rückweisung der Sache an das Obergericht. Mit Verfügung vom 24. November 2020 wurde auf das Prozesskostengesuch nicht eingetreten und das Gesuch um aufschiebende Wirkung abgewiesen. Ferner hat die Ehefrau auch ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde hat eine Begründung zu enthalten, in welcher in gedrängter Form dargelegt wird, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt (<span class="artref">Art. 42 Abs. 2 BGG</span>), was eine sachbezogene Auseinandersetzung mit dessen Erwägungen erfordert (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=14&amp;from_date=12.11.2020&amp;to_date=01.12.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-III-115%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page115">BGE 140 III 115</a> E. 2 S. 116; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=14&amp;from_date=12.11.2020&amp;to_date=01.12.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-III-364%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page364">142 III 364</a> E. 2.4 S. 368). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin macht geltend, weder aus der ZPO noch aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ergebe sich das Erfordernis, dass bezifferte Rechtsbegehren zu stellen seien, und es liege ein Fall von <span class="artref">Art. 318 Abs. 1 lit. c ZPO</span> vor, weil das Obergericht einzig habe überprüfen dürfen, ob das Bezirksgericht die Vorgaben im Rückweisungsentscheid vom 29. November 2019 korrekt umgesetzt habe. </div> <div class="para">Aus dem beschwerdeweise angeführten Urteil 5A_929/2015 vom 17. Juni 2016 E. 3.1 ergibt sich nicht, dass Berufungsbegehren nicht zu beziffern wären, sondern gerade das Gegenteil. Der Grundsatz, dass auf Geld gerichtete Begehren zu beziffern sind, gilt im Übrigen bereits im erstinstanzlichen Verfahren (<span class="artref">Art. 84 Abs. 2 ZPO</span>), sodann insbesondere beim reformatorischen Rechtsmittel der Berufung (<span class="artref">Art. 311 Abs. 1 ZPO</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=14&amp;from_date=12.11.2020&amp;to_date=01.12.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-III-617%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page617">BGE 137 III 617</a> E. 4.3 S. 619) und schliesslich auch im Verfahren vor Bundesgericht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=14&amp;from_date=12.11.2020&amp;to_date=01.12.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-III-235%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page235">BGE 134 III 235</a> E. 2 S. 237; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=14&amp;from_date=12.11.2020&amp;to_date=01.12.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-III-111%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page111">143 III 111</a> E. 1.2 S. 112), jedenfalls soweit sich nicht aus der Begründung ohne Weiteres ergibt, auf welchen Betrag der Rechtssuchende eine Geldleistung festgesetzt wissen will (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=14&amp;from_date=12.11.2020&amp;to_date=01.12.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-III-412%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page412">BGE 125 III 412</a> E. 1b S. 414). Keine Abweichung vom Grundsatz der Bezifferung besteht im Zusammenhang mit Unterhaltsbegehren (<span class="bgeref_err">BGE 79 II 253</span> E. 1 S. 255; aus neuerer Zeit: Urteile 5A_115/2011 vom 11. März 2011 E. 1.2; 5A_55/2011 vom 21. April 2011 E. 1; 5A_273/2012 vom 10. Mai 2012 E. 1; 5A_718/2013 vom 3. Februar 2014 E. 1; 5A_574/2014 vom 15. Januar 2015 E. 7.2; 5A_986/2017 vom 14. Dezember 2017 E. 3; 5A_1033/2018 vom 9. Januar 2019 E. 1; 5A_201/2020 vom 30. März 2020 E. 2; 5A_258/2020 vom 8. April 2020 E. 1). Die Behauptung, die bundesgerichtliche Rechtsprechung kenne kein Bezifferungsgebot, sondern das Obergericht bediene sich lediglich einer Lehrmeinung zu <span class="artref">Art. 311 ZPO</span>, ist vor dem Hintergrund des Dargestellten haltlos. </div> <div class="para">Das Obergericht hat sodann ausführlich begründet, wieso es ohne Weiteres hätte reformatorisch im Sinn von <span class="artref">Art. 318 Abs. 1 lit. b ZPO</span> entscheiden können und die gegenteilige Behauptung der Beschwerdeführerin unzutreffend ist. So hat es festgehalten, dass die Berufung ein vollkommenes Rechtsmittel mit umfassender Tatsachen- und Rechtsüberprüfung sei und es deshalb sämtliche Vorbringen der Beschwerdeführerin selbst (d.h. ohne Rückweisung an das Bezirksgericht) hätte überprüfen und gestützt auf <span class="artref">Art. 316 Abs. 3 ZPO</span> insbesondere auch die angebliche Verletzung des rechtlichen Gehörs im Zusammenhang mit der verlangten Urkundenedition hätte heilen können, so denn eine solche überhaupt zu bejahen wäre. Mit dieser Begründung setzt sich die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe an das Bundesgericht entgegen ihrer Begründungspflicht gemäss <span class="artref">Art. 42 Abs. 2 BGG</span> nicht auseinander. Vielmehr beschränkt sie sich auf die davon losgelöste (und angesichts von <span class="artref">Art. 316 Abs. 3 ZPO</span> schlicht falsche) Behauptung, es liege ein Anwendungsfall von <span class="artref">Art. 318 Abs. 1 lit. c ZPO</span> vor, weil das Obergericht wegen der Rechtsweggarantie gar nicht selbst den Sachverhalt ergänzen dürfe. Mit solchen Behauptungen, die sich nicht mit den Erwägungen des angefochtenen Entscheides befassen, sondern vielmehr daran vorbeigehen, ist keine Rechtsverletzung durch das Obergericht, insbesondere keine falsche Anwendung von <span class="artref">Art. 316 Abs. 3 und <artref id="CH/272/318/1/b" type="start"></artref>Art. 318 Abs. 1 lit. b ZPO</span><artref id="CH/272/316/3" type="end"></artref>, darzutun. </div> <div class="para">Vor diesem Hintergrund gehen sodann die Rügen, <span class="artref">Art. 6 Ziff. 1 EMRK</span> sowie Art. 29 Abs. 1 und 2 und <span class="artref">Art. 29a BV</span> seien verletzt, wenn das Obergericht die Berufung nicht materiell behandelt habe, an der Sache vorbei. Die Bezifferung der Rechtsbegehren ist eine Prozessvoraussetzung. Fehlt eine solche, liegt keine Verfassungsverletzung vor, wenn das Gericht einen Nichteintretensentscheid fällt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Nach dem Gesagten ist die Beschwerde nicht nur in der Sache offensichtlich unbegründet, was zu einer Abweisung im vereinfachten Verfahren nach <span class="artref">Art. 109 Abs. 2 lit. a BGG</span> führen würde, sondern vielmehr erweist sie sich überdies als offensichtlich nicht hinreichend begründet, weshalb auf sie gar nicht erst einzutreten ist und der Präsident im vereinfachten Verfahren nach <span class="artref">Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG</span> entscheidet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Wie die vorstehenden Erwägungen zeigen, konnte der Beschwerde von Anfang an kein Erfolg beschieden sein, weshalb es bereits an den materiellen Voraussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege fehlt (<span class="artref">Art. 64 Abs. 1 BGG</span>) und folglich das entsprechende Gesuch ohne Prüfung der formellen Voraussetzungen abzuweisen ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b> Demnach erkennt der Präsident:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 25. November 2020 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Herrmann </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Möckli </div> </div></body></html>