<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 40 S.131</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">131</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>40</b></span> <span class="ft2"><b>Verständigung (Vergleich) im Steuerverfahren.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Bedingte Erklärung des Steuerpflichtigen betreffend Privatentnahme</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einer Landparzelle; Auslegung der nachfolgenden Korrespondenz mit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Steuerbehörde über den dabei anzurechnenden Verkehrswert.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 10. September 2003 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen A.T. gegen Entscheid des Steuerrekursgerichts.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">B. a) Mit Schreiben vom 9. Dezember 1998 liess A.T. (Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer) dem Gemeindesteueramt B. mitteilen, er beabsich-</span><br/> <span class="ft1">tige die Parzelle X ins Privatvermögen überzuführen, vorbehältlich</span><br/> <span class="ft1">der Preisabsprache. Er habe zwei Schätzungen veranlasst und</span><br/> <span class="ft1">schliesse sich dem Ergebnis von Fr. 150.--/m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">an. Er bitte um Aus-</span><br/> <span class="ft1">kunft, ob dieser Wert steuerlich akzeptiert werde.</span><br/> <span class="ft1">b) Das KStA antwortete, ein Wert von Fr. 250.--/m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">würde als</span><br/> <span class="ft1">angemessen erachtet. Zuständig sei zwar die Steuerkommission B.,</span><br/> <span class="ft1">doch könne nicht davon ausgegangen werden, dass diese dem vorge-</span><br/> <span class="ft1">schlagenen Wert von Fr. 150.--/m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">zustimmen würde.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">132</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">c) Nach einer Besprechung vom 23. Dezember 1998 hielt der</span><br/> <span class="ft1">Vertreter von A.T. mit Eingabe vom 29. Dezember 1998 fest, eine</span><br/> <span class="ft1">Überführung ins Privatvermögen erfolge nur, wenn der angerechnete</span><br/> <span class="ft1">Preis Fr. 200.--/m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">netto nicht überschreite. Wenn das Steueramt</span><br/> <span class="ft1">einen höheren Verkehrswert annehme, müsse der Steuerpflichtige aus</span><br/> <span class="ft1">finanziellen Gründen auf die Überführung verzichten.</span><br/> <span class="ft1">d) Die Steuerkommission B. schrieb dem Vertreter von A.T. am</span><br/> <span class="ft1">7. April 1999:</span><br/> <br/> <span class="ft1">"Die Steuerkommission B. hat an ihrer Sitzung vom</span><br/> <span class="ft1">17. März 1999, gestützt auf das Gutachten ..., den für die Über-</span><br/> <span class="ft1">führung massgebenden Verkehrswert seitens der Steuerbehörde</span><br/> <span class="ft1">auf Fr. 218.--/m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">festgesetzt. Sie sieht in diesem Preis ihren äus-</span><br/> <span class="ft1">sersten Spielraum für ein Entgegenkommen als ausgeschöpft.</span><br/> <span class="ft1">In Ihrem Eventualantrag vom 29. Dezember 1998 sind Sie</span><br/> <span class="ft1">von einem maximalen Verkehrswert von Fr. 200.--/m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">als äusser-</span><br/> <span class="ft1">stem Überführungspreis ausgegangen. Mit dem heutigen Ant-</span><br/> <span class="ft1">wortschreiben möchte die Steuerkommission Ihnen einerseits ih-</span><br/> <span class="ft1">ren verbindlichen Überführungspreis von Fr. 218.--/m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">mitteilen</span><br/> <span class="ft1">und gleichzeitig die Möglichkeit bieten, die Überführung der</span><br/> <span class="ft1">Parzelle X per 31.12.1998 auf dieser Preisbasis vornehmen zu</span><br/> <span class="ft1">können.</span><br/> <span class="ft1">Ohne Ihre ausdrückliche Annahme des Überführungspreises</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 218.--/m</span><span class="ft3">2</span><span class="ft1">, per 31.12.1998 für die Parzelle X, innert 30</span><br/> <span class="ft1">Tagen, geht die Steuerkommission davon aus, dass eine Überfüh-</span><br/> <span class="ft1">rung ins Privatvermögen nicht stattfindet."</span><br/> <br/> <span class="ft1">e) Nach Fristerstreckung teilte der Vertreter von A.T. dem Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindesteueramt B. am 28. Mai 1999 mit:</span><br/> <br/> <span class="ft1">"Nach Rücksprache mit Herrn T. bitten wir Sie, die bean-</span><br/> <span class="ft1">tragte Überführung der Parzelle X per 29.12.1998 vorzunehmen.</span><br/> <span class="ft1">..."</span><br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">133</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">D. Das Steuerrekursgericht ging im angefochtenen Entscheid</span><br/> <span class="ft1">davon aus, es sei eine verbindliche Einigung auf einen Anrech-</span><br/> <span class="ft1">nungswert von Fr. 218.--/m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">zustande gekommen.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Beidseitig verbindliche Verständigungen zwischen Steuerbe-</span><br/> <span class="ft1">hörde und steuerpflichtiger Person sind möglich, soweit sie sich im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen der formellen und materiellen Gesetzesvorschriften halten</span><br/> <span class="ft1">(Jürg Baur, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, Muri/BE</span><br/> <span class="ft1">1991, § 127 N 19; Peter Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil,</span><br/> <span class="ft1">Therwil/Basel 2001, Vorbemerkungen N 116). Gerade bei der Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmung des Verkehrswerts von Liegenschaften oder anderen Ver-</span><br/> <span class="ft1">mögenswerten finden sie einen Anwendungsbereich. Dies ist im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Verfahren denn auch nicht streitig; fraglich ist, ob (wie</span><br/> <span class="ft1">das Steuerrekursgericht annimmt) eine Verständigung zustande ge-</span><br/> <span class="ft1">kommen ist oder nicht. Zur Beurteilung sind die ausgetauschten Er-</span><br/> <span class="ft1">klärungen (vorne lit. B/a-e) auszulegen. Die Auslegung von Willens-</span><br/> <span class="ft1">erklärungen erfolgt unter Zugrundelegung des Vertrauensprinzips,</span><br/> <span class="ft1">also so, wie der Empfänger die Erklärung in guten Treuen, bei sorg-</span><br/> <span class="ft1">fältiger Beachtung aller Umstände verstehen durfte und musste</span><br/> <span class="ft1">(siehe BGE 126 III 380; Ernst Kramer, in: Berner Kommentar, Art.</span><br/> <span class="ft1">1-18 OR, Bern 1986, Art. 1 N 102, 114, je mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">3. a) Gemäss § 22 Abs. 1 lit. b aStG ist das gesamte Einkommen</span><br/> <span class="ft1">jeder Art steuerbar; dazu gehören bei Einkünften aus selbstständiger</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätigkeit namentlich auch die Kapitalgewinne bei der</span><br/> <span class="ft1">Veräusserung von Geschäftsvermögen; der Veräusserung gleich-</span><br/> <span class="ft1">gestellt sind die Gewinne bei der endgültigen Überführung von Ge-</span><br/> <span class="ft1">schäfts- ins Privatvermögen (Privatentnahme). ...</span><br/> <span class="ft1">c) Das Verwaltungsgericht hat in diesem Zusammenhang ent-</span><br/> <span class="ft1">schieden, die Erklärung betreffend Überführung ins Privatvermögen</span><br/> <span class="ft1">komme hier einer einseitigen rechtsgeschäftlichen Willenserklärung</span><br/> <span class="ft1">nahe. Sie habe voraussetzungslos und bedingungslos zu erfolgen und</span><br/> <span class="ft1">sie binde den Steuerpflichtigen vorbehältlich eines beachtlichen</span><br/> <span class="ft1">Irrtums; zudem könne sie nicht rückwirkend abgegeben werden (aus-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">134</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">führlich hierzu AGVE 1996, S. 252 ff. = StE 1997, B 93.1 Nr. 4 =</span><br/> <span class="ft1">Steuer Revue 1997, S. 560 ff.).</span><br/> <span class="ft1">d) Manchmal wollen Steuerpflichtige die Überführung ins Pri-</span><br/> <span class="ft1">vatvermögen davon abhängig machen, dass die entstehende Steu-</span><br/> <span class="ft1">erforderung eine bestimmte Höhe nicht übersteigt, sei es um sicher</span><br/> <span class="ft1">zu sein, die finanzielle Belastung tragen zu können, sei es ganz all-</span><br/> <span class="ft1">gemein zwecks Minimierung der Steuer. Zu diesem Zweck soll die</span><br/> <span class="ft1">Steuerbehörde eine verbindliche Zusicherung abgeben, wie hoch die</span><br/> <span class="ft1">Steuer (bzw. der Liquidations- oder Kapitalgewinn bzw. der steuer-</span><br/> <span class="ft1">lich massgebliche Wert der zu überführenden Liegenschaft) festge-</span><br/> <span class="ft1">setzt werden wird. Statt eine verbindliche Zusicherung zu verlangen,</span><br/> <span class="ft1">kommt es vor, dass mit dem gleichen Zweck eine bedingte Überfüh-</span><br/> <span class="ft1">rungserklärung abgegeben wird. Vor diesem Hintergrund ist die</span><br/> <span class="ft1">Korrespondenz zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Ver-</span><br/> <span class="ft1">treter einerseits und den Steuerbehörden andererseits auszulegen und</span><br/> <span class="ft1">insbesondere zu beurteilen, ob dabei eine Einigung über den der</span><br/> <span class="ft1">Gewinnbemessung zu Grunde zu legenden Verkehrswert erfolgte.</span><br/> <span class="ft1">4. a) Mit seinem Schreiben vom 9. Dezember 1998 (vorne</span><br/> <span class="ft1">lit. B/a) wollte der Beschwerdeführer eine Zusicherung erlangen,</span><br/> <span class="ft1">dass der Kapitalgewinn auf Grundlage eines Verkehrswerts der Par-</span><br/> <span class="ft1">zelle X von Fr. 150.--/m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">festgesetzt würde. Dies lehnte das KStA</span><br/> <span class="ft1">quasi in Vertretung der Steuerkommission B. ab (vorne lit. B/b), wo-</span><br/> <span class="ft1">rauf der Beschwerdeführer am 29. Dezember 1998 erklärte, die Par-</span><br/> <span class="ft1">zelle ins Privatvermögen überzuführen, sofern der angerechnete Preis</span><br/> <span class="ft1">Fr. 200.--/m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">nicht überschreite (vorne lit. B/c). Auf diese bedingte -</span><br/> <span class="ft1">und in dieser Form unzulässige (AGVE 1996, S. 252, 254) - Über-</span><br/> <span class="ft1">führungserklärung reagierte die Steuerkommission B. durchaus adä-</span><br/> <span class="ft1">quat, indem sie eine Verständigungslösung auf dieser Grundlage</span><br/> <span class="ft1">ablehnte und festhielt, sie werde bei einer Überführung den Ver-</span><br/> <span class="ft1">kehrswert der Parzelle mit Fr. 218.--/m</span><span class="ft3">2</span> <span class="ft1">festsetzen (vorne lit. B/d).</span><br/> <span class="ft1">Gleichzeitig setzte sie Frist für die Annahme dieses Vorschlags,</span><br/> <span class="ft1">wobei widrigenfalls davon ausgegangen werde, dass keine Überfüh-</span><br/> <span class="ft1">rung ins Privatvermögen stattfinde. Die Fristansetzung war ange-</span><br/> <span class="ft1">zeigt, weil die Überführungserklärung nicht rückwirkend abgegeben</span><br/> <span class="ft1">werden kann (AGVE 1996, S. 255), die Steuerkommission aber be-</span><br/> <span class="ft1">reit war, eine Annahme innert gesetzter Frist noch als Ergänzung im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">135</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Rahmen des laufenden, mit der Erklärung vom 9. Dezember 1998</span><br/> <span class="ft1">eingeleiteten Verfahrens anzusehen und die Erklärung per 31. De-</span><br/> <span class="ft1">zember 1998 wirken zu lassen.</span><br/> <span class="ft1">In seiner - innert erstreckter Frist eingereichten - Eingabe vom</span><br/> <span class="ft1">28. Mai 1999 (vorne lit. B/e) erklärte der Beschwerdeführer ohne</span><br/> <span class="ft1">Bedingung oder Einschränkung, die Parzelle X per 29. Dezember</span><br/> <span class="ft1">1998 ins Privatvermögen überzuführen bzw. übergeführt zu haben.</span><br/> <span class="ft1">Zum genannten Anrechnungswert äusserte er sich nicht, weder im</span><br/> <span class="ft1">Sinne einer Annahme noch ablehnend.</span><br/> <span class="ft1">b) Die Steuerkommission durfte die Gültigkeit der Überfüh-</span><br/> <span class="ft1">rungserklärung nicht von Bedingungen (Annahme des genannten</span><br/> <span class="ft1">Anrechnungswerts durch den Steuerpflichtigen) abhängig machen.</span><br/> <span class="ft1">Dies war wohl auch nicht der Sinn ihres Schreibens vom</span><br/> <span class="ft1">7. April 1999. Die Formulierung "Annahme des Überführungsprei-</span><br/> <span class="ft1">ses" erklärt sich daher, dass der Beschwerdeführer zuvor einen tiefe-</span><br/> <span class="ft1">ren Preis ausdrücklich als Bedingung für die Gültigkeit der Überfüh-</span><br/> <span class="ft1">rungserklärung genannt hatte. Eine exaktere, den wahren Sinn ge-</span><br/> <span class="ft1">nauer treffende Formulierung durch die Steuerkommission hätte</span><br/> <span class="ft1">lauten können: "Ohne ausdrückliche und vorbehaltlose Bestätigung</span><br/> <span class="ft1">der Überführungserklärung innert 30 Tagen geht die Steuerkommis-</span><br/> <span class="ft1">sion davon aus, dass per 31. Dezember 1998 keine Überführung ins</span><br/> <span class="ft1">Privatvermögen stattfindet." Unter diesen Umständen durfte das</span><br/> <span class="ft1">Schreiben des Vertreters des Beschwerdeführers vom 28. Mai 1999</span><br/> <span class="ft1">durch die Steuerkommission B. als Erklärungsempfängerin (siehe</span><br/> <span class="ft1">vorne Erw. 2) nicht als Annahme des von ihr genannten Überfüh-</span><br/> <span class="ft1">rungspreises interpretiert werden, selbst wenn eine ausdrückliche</span><br/> <span class="ft1">Ablehnung fehlte. Die materielle Überprüfung des Verkehrswerts im</span><br/> <span class="ft1">Einspracheentscheid vom 19. März 2001 zeigt denn auch, dass sie es</span><br/> <span class="ft1">tatsächlich nicht in dieser Weise auffasste. Dass der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer gut daran getan hätte, klare Verhältnisse zu schaffen mit der aus-</span><br/> <span class="ft1">drücklichen Erwähnung, die Überführungserklärung bedeute keine</span><br/> <span class="ft1">Zustimmung zum genannten Wert von Fr. 218.--/m</span><span class="ft3">2</span><span class="ft1">, vermag daran</span><br/> <span class="ft1">letztlich nichts zu ändern.</span><br/> <span class="ft1">5. War es demnach zu keiner Verständigung über den massgeb-</span><br/> <span class="ft1">lichen Verkehrswert der Parzelle gekommen, hätte die Vorinstanz die</span><br/> <span class="ft1">im Rekursverfahren streitige Höhe des Verkehrswerts materiell</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">136</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">überprüfen müssen. Die Beschwerde ist deshalb gutzuheissen und</span><br/> <span class="ft1">die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>