B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-7634/2024 U r t e i l v o m 7 . J u l i 2 0 2 5 Besetzung Richter Maurizio Greppi (Vorsitz), Richter Jürg Marcel Tiefenthal, Richter Stephan Metzger, Gerichtsschreiber Thomas Ritter. Parteien 1. A._______, 2. B._______, 3. C._______, 4. D._______, 5. E._______, 6. F._______, 7. G._______, 8. H._______, 9. I.________, 10. J._______, 11. K._______, 12. L._______, 13. M._______, 14. N._______, 15. O._______, alle vertreten durch lic. iur. Seraina Schneider, Rechtsanwältin, und/oder Martin Looser, Rechtsanwalt, ettlersuter Rechtsanwälte, Beschwerdeführende, gegen Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK, Vorinstanz, Gegenstand Rechtsverweigerung; Gesuch um Durchführung einer UVP betreffend Kernkraftwerk Leibstadt. A-7634/2024 Seite 3 Sachverhalt: A. A.a Das Kernkraftwerk Leibstadt (nachfolgend: Kernkraftwerk) ist seit dem 15. Dezember 1984 in Betrieb. Die im Rubrum aufgeführten Beschwerde- führenden sind im Umkreis von rund 20 km um das Kernkraftwerk wohn- haft. Am 26. Februar 2024 ersuchten sie das Departement für Umwelt, Ver- kehr, Energie und Kommunikation UVEK, es sei – vor dem Übergang des Kernkraftwerks in den Langzeitbetrieb (Betrieb über das 40. Betriebsjahr hinaus) – eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchzuführen. Am 26. März 2024 bestätigte das verfahrensleitende Bundesamt für Energie BFE den Eingang des Ge- suchs. A.b Mit Schreiben vom 24. September 2024 wiesen die Beschwerdefüh- renden das BFE darauf hin, dass das Kraftwerk am 15. Dezember 2024 in den Langzeitbetrieb übergehe und verlangten einen raschen Verfahrens- abschluss. Sie behielten sich eine Rechtsverweigerungs- bzw. Rechtsver- zögerungsbeschwerde ausdrücklich vor. A.c Am 11. Oktober 2024 teilte das BFE den Beschwerdeführenden mit, dass sich die Bearbeitung ihres Gesuchs aufgrund von angespannten per- sonellen Ressourcen innerhalb der Sektion Kernenergierecht des BFE ver- zögert habe. Die zuständige Person werde nach einer Abwesenheit in den nächsten Tagen wieder zurückkehren und die Bearbeitung mit Priorität wie- der aufnehmen. Das BFE strebe eine Erledigung des Gesuchs bis zum Ende des Jahres 2024 an, wenngleich es dies nicht zusichern könne. B. Mit Eingabe vom 3. Dezember 2024 erhoben die Beschwerdeführenden eine Rechtsverweigerungs - und Rechtsverzögerungsbeschwerde be im Bundesverwaltungsgericht mit dem Begehren, das BFE sei anzuweisen, im hängigen Verfahren betreffend Durchführung einer grenzüberschreiten- den UVP für den Langzeitbetrieb des Kernkraftwerks unverzüglich einen Endentscheid zu treffen und zu eröffnen (Begehren Nr. 1). Eventualiter sei festzustellen, dass das BFE im hängigen Verfahren den Endentscheid un- rechtmässig verweigert bzw. verzögert habe (Begehren Nr. 2). C. Am 11. Dezember 2024 erliess das UVEK eine Verfügung über das Ge- such der Beschwerdeführenden vom 26. Februar 2024 und wies die darin A-7634/2024 Seite 4 gestellten Anträge ab. Laut der Verfügung prüfte d as UVEK gestützt auf Art. 65 Abs 5 Bst. b des Kernenergiegesetzes vom 21. März 2003 (KEG; SR 732.1) , ob der Langzeitbetrieb als wesentliche Abweichung von der Bau- bzw. Betriebsbewilligung für das Kernkraftwerk gemäss Art. 65 Abs. 2 KEG zu qualifizieren und deshalb eine Änderung der Bewilligung erforder- lich bzw. ein Bewilligungsverfahren mit einer UVP durchzuführen sei. Das UVEK verneinte diese Frage insbesondere mit der Begründung, aus dem Übereinkommen über die Umweltverträglichkeitsprüfung im grenzüber- schreitenden Rahmen vom 25. Februar 1991 (Espoo -Übereinkommen; SR 0.814.06), aus dem Übereinkommen über den Zugang zu Informatio- nen, die Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren und den Zu- gang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten (Aarhus -Konvention, SR 0.814.07) und aus Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschen- rechte und Grundfreiheiten ( EMRK; SR 0.101) ergebe sich keine Pflicht, eine grenzüberschreitende UVP durchzuführen. Diese Verfügung fochten die Beschwerdeführenden am 27. Januar 2025 ebenfalls beim Bundes verwaltungsgericht an (hängiges Verfahren A-589/2025). D. Mit Vernehmlassung vom 23. Januar 2025 beantragt das UVEK (nachfol- gend: Vorinstanz), die Rechtsverzögerungs- bzw. -Rechtsverweigerungs- beschwerde vom 3. Dezember 2024 sei zufolge Gegenstandslosigkeit ab- zuschreiben. Mit Eingabe vom 25. Februar 2025 nahmen die Beschwerde- führenden dazu Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Verwal- tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG entschieden hat und keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Gemäss Art. 46a VwVG kann gegen das unrechtmässige Ver- weigern oder Verzögern einer anfechtbaren Verfügung ebenfalls Be- schwerde geführt werden. Beschwerdeinstanz ist jene Behörde, die zu- ständig wäre, wenn die Verfügung ordnungsgemäss ergangen wäre A-7634/2024 Seite 5 (BVGE 2016/20 E. 1.3 ; Urteil d es BVGer A-3636/2024 vom 22. Oktober 2024 E. 1.1). Das UVEK gehört zu den Behörden nach Art. 33 Bst. d VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine Aus- nahme nach Art. 32 Abs. 1 Bst. e VGG, was das Sachgebiet angeht, liegt nicht vor. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht für die vorliegende Rechtsverweigerungs- und Rechtsverzögerungsbeschwerde zuständig. 1.2 Zur Beschwerde ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an de- ren Aufhebung oder Änderung hat. 1.3 Während des Schriftenwechsels hat die Vorinstanz am 3. Dezember 2024 über das Gesuch der Beschwerdeführenden vom 26. Februar 2024 entschieden und die ersuchte Verfügung erlassen. Soweit die Beschwer- deführenden den Erlass eines Endentscheids beantragt haben (Begehren Nr. 1), ist ihr (aktuelles) Rechtsschutzinteresse an der Rechtsverweige- rungs- bzw. Rechtsverzögerungsbeschwerde (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG) unstrittig dahingefallen. Insoweit ist die Beschwerde als gegenstandslos geworden abzuschreiben (statt vieler Urteil des BVGer A-5959/2023 vom 4. Juli 2024 E. 1.4.2 und A-1107/2013 vom 3. Juni 2015 E. 1.2.2). 1.4 Zu entscheiden bleibt über das Eventualbegehren ( Rechtsbegehren Nr. 2), wonach eine Rechtsverweigerung bzw. Rechtsverzögerung durch die Vorinstanz festzustellen sei. Fraglich ist, ob weiterhin ein schutzwürdi- ges Interesse an dieser Feststellung besteht, nachdem die Vorinstanz ent- schieden hat (vgl. Urteil des BVGer A-1107/2013 vom 3. Juni 2015 E. 1.2.2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, Prozessieren vor dem Bundesver- waltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 5.31). 1.4.1 Die Beschwerdeführenden rügen eine Verletzung des Beschleuni- gungsgebots nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 29 Abs. 1 der Bundesver- fassung (BV; SR 101). Vor diesem Hintergrund sei das schutzwürdige In- teresse aufgrund der Tatsache zu bejahen, dass auch die blosse Feststel- lung einer unzulässigen Rechtsverzögerung eine Genugtuung darstelle. Damit sei auf das Begehren Nr. 2 einzutreten, andernfalls n ach der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung das Recht auf eine wirksame Be- schwerde nach Art. 13 EMRK verletzt wäre. 1.4.2 Die Vorinstanz führt hingegen aus, ein schutzwürdiges Interesse an der Feststellung einer Rechtsverzögerung bestehe bei einer bereits A-7634/2024 Seite 6 ergangenen Sachverfügung nur in Fällen, in denen die Feststellung für die Betroffenen eine Genugtuung darstelle. Dies sei in Bezug auf die Be- schwerdeführenden jedoch nicht der Fall. 1.4.3 Art. 13 EMRK i.V.m. Art. 6 Ziff. 1 EMRK verlangt grundsätzlich einen wirksamen Rechtsbehelf gegen zu lange Verfahren. Ein analoger Anspruch ergibt sich aus Art. 29 Abs. 1 BV. Ein Rechtsbehelf gegen eine zu lange Verfahrensdauer ist wirksam im Sinne von Art. 13 EMRK, wenn er die be- hauptete Verletzung oder ihre Fortsetzung verhindert od er angemessene Wiedergutmachung für eine bereits eingetretene Verletzung leistet (Urteil des BGer 1C_28/2024 vom 8. Oktober 2024 E. 10.3 mit Hinweisen [zur Publikation als BGE vorgesehen]; vgl. Urteil des EGMR Marshall und an- dere gegen Malta vom 11. Februar 2020, Nr. 79177/16, § 82). Während ei- nes hängigen Verfahrens steht die Rechtsverzögerungsbeschwerde offen. Deren Ziel ist es, die säumige Behörde zu einem aktiven Handeln zu be- wegen (vgl. Urteil des BVGer A-36/2013 vom 7. August 2013 E 2.3; MÜL- LER/BIERI, in: Auer/Müller/Schindler, VwVG - Bundesgesetz über das Ver- waltungsverfahren, Kommentar [nachfolgend: Kommentar VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 46a Rz. 41). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann eine Verletzung des Verbots der Rechtsverzögerung gemäss Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK auch nach Abschluss des vorinstanzlichen Verfahrens festgestellt werden, insbesondere als eine Art der Wiedergutmachung zur konkreten und tatsächlichen Durchsetzung der durch die EMRK garantierten Rechte. Allerdings muss das Feststellungs- interesse dargetan und, soweit möglich, belegt werden, soweit das Bedürf- nis nach Wiedergutmachung nicht – wie z.B. bei Eingriffen in die persönli- che Freihei t – auf der Hand liegt (zum Ganzen Urteil des BGer 1C_645/2022 vom 22. Juni 2023 E. 1.3 und 1C_370/2013 vom 14. Oktober E. 6.2, vgl. BGE 129 V 411 E. 1.3; BGE 135 II 334 E . 3; MÜLLER/BIERI, Kommentar VwVG, Rz. 25 und Fn. 75). Weiteren von den Beschwerdefüh- renden genannten Entscheiden ist zu entnehmen, dass das Bundesgericht Rechtsverzögerungsbeschwerden unter Umständen auch bei einem feh- lenden aktuellen Interesse behandelt, wenn die Beschwerde führende Per- son hinreichend substanziiert und in vertretbarer Weise eine Verletzung der EMRK rügt. Mit der Behandlung der Beschwerde könne dem Recht auf eine wirksame Beschwerde Art. 13 EMRK in jedem Fall Genüge getan wer- den (BGE 137 I 296 E. 4; BGE 136 I 274 E . 1.3; Urteil des BGer 4A_744/2011 vom 12. Juli 2012 E. 11.1). 1.4.4 Im zu beurteilenden Fall ist ein Wiedergutmachungsbedürfnis, wie es beispielsweise bei erheblichen Freiheitsbeschränkungen oder A-7634/2024 Seite 7 vergleichbaren Beeinträchtigungen besteht, nicht näher dargelegt und ebenso wenig ersichtlich. Die tatsächliche oder rechtliche Stellung der Be- schwerdeführenden war während der geltend gemachten Verzögerung , d.h. durch die einige Monate später als verlangt erfolgte Entscheidung, nicht in einer Art und Intensität berührt, die eine Wiedergutmachung – über die bereits erlangte Sachverfügung hinaus – zur Durchsetzung von Rech- ten gebieten würde (vgl. auch E. 2.1). Es ist i m Übrigen fraglich und an keiner Stelle beschwerdeweise dargetan, ob es sich vorliegend um eine Streitigkeit in Bezug auf zivilrechtliche Ansprüche im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK handel t (vgl. Urteile des EGMR Balmer-Schafroth gegen die Schweiz vom 26. August 1997, Nr. 67/1996/686/876, und Athanassoglou gegen die Schweiz vom 6. April 2000, Nr. 27644/95, in denen dies betref- fend Verfahren über die Verlängerung der Betriebsbewilligung für ein Kern- kraftwerk in Bezug auf Anwohnende verneint wurde). Demnach fehlt den Beschwerdeführenden das Feststellungsinteresse für das Begehren Nr. 2. Eine allfällige Rechtsverzögerung wäre jedoch bei den Kosten- und Entschädigungsfolgen zum Vorteil der Beschwerdeführenden zu berücksichtigen (vgl. UHLMANN/WÄLLE-BÄR, in Waldmann/Krauskopf, Praxiskommentar VwVG, 3. Aufl. 2023, Art. 46a Rz. 45). 1.4.5 Es ergibt sich, dass auf das Feststellungsbegehren (Begehren Nr. 2) nicht einzutreten ist. 2. Zu bestimmen sind im Folgenden die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Beschwerdeverfahrens. 2.1 2.1.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Wird ein Verfahren gegenstandslos – wie vorliegend das Beschwerde -Begehren Nr. 1 – so werden die Verfahrenskosten in der Regel jener Partei auferlegt, deren Ver- halten die Gegenstandslosigkeit bewirkt hat (Art. 5 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Tritt diese dadurch ein, dass die Vorinstanz während des laufenden Verfahrens entschieden hat, ist nicht massgebend, dass – formell betrachtet – die Vorinstanz mit Erlass der Verfügung die Gegenstandslosigkeit verursacht hat. Vielmehr sind die Kosten nach der Praxis aufgrund der summarisch zu beurteilenden Sach- A-7634/2024 Seite 8 und Rechtslage vor Eintritt des Erledigungsgrunds zu verlegen (vgl. Art. 5 Satz 2 VGKE). Es ist zu klären, ob die Beschwerdeführenden Grund hat- ten, die Rechtsverzögerungsbeschwerde im gewählten Zeitpunkt zu erhe- ben. Dabei kann es nicht darum gehen, die Prozessaussichten im Einzel- nen zu prüfen und dadurch weitere Umtriebe zu verursachen, zumal auf dem Weg über den Kostenentscheid nicht ein materielles Urteil gefällt und unter Umständen der Entscheid in einer heiklen Rechtsfrage präjudiziert werden soll (Urteil des BGer 9C_84/2015 vom 17. März 2015 E. 2; Urteil des BVGer A-2886/2022 vom 19. Juni 2023 E. 7.3 und Abschreibungsent- scheid des BVGer A-4401/2017 vom 6. Februar 2018 E. 2.2). 2.1.2 Gemäss Art. 29 Abs. 1 BV hat jede Person in Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist ( sog. Beschleunigungsgebot oder Verbot der Rechtsverzögerung). Der Anspruch ergibt sich in zivilrechtlichen Streitigkeiten und Strafsachen auch aus Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Eine Rechtsverzögerung liegt vor, wenn sich eine Behörde – im Unterschied zur formellen Rechtsverweigerung – zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen bzw. gewillt ist tätig zu werden, das Verfahren aber über Gebühr verschleppt wird. Es ist im Einzelfall zu prüfen, ob sich die Verfahrensdauer unter den konkreten Umständen als angemes- sen erweist. Zu berücksich tigen sind namentlich der Umfang und die Schwierigkeit des Falls, die Art des Verfahrens, das Verhalten der Verfah- rensbeteiligten und der Behörden sowie die Bedeutung des Verfahrens für den Betroffenen (vgl. zum Ganzen BGE 144 I 318 E. 7.1, BGE 135 I 265 E. 4.4, BGE 130 I 269 E. 3.1 und E 5.2; Urteil des BGer 2C_1028/2020 vom 4. März 2021 E. 2.1). 2.1.3 Die Beschwerdeführenden rügen im Wesentlichen, die Behandlungs- frist von sechs Monaten gemäss Art. 74 der Kernenergieverordnung vom 10. Dezember 2004 (KEV; SR 732.11) finde auch Anwendung auf das Ge- such um Durchführung einer UVP nach Massgabe der Verfahrensbestim- mungen von Art. 49 ff. und Art. 61 ff. KEG. Es gebe keinen Grund, das Ge- such von betroffenen Anwohnenden um eine UVP weniger beförderlich zu behandeln als Gesuche von Kernenergieunternehmen um Erteilung von Bau- und Betriebsbewilligungen. Selbst wenn Art. 74 KEV nicht anwendbar wäre, sei die Verfahrensdauer nicht angemessen. Die Vorinstanz sei sich bewusst gewesen, dass es sich um eine dringliche Angelegenheit handle. Mit dem Zuwarten bis unmittelbar vor Beginn des Langzeitbetriebs des Kraftwerks habe die Vorinstanz sie bis zuletzt im Unklaren über dessen weiteres Schicksal gelassen. A-7634/2024 Seite 9 2.1.4 Die Vorinstanz führt hingegen aus, es gäbe keine Behandlungsfristen für das durchgeführte Verfahren. Des Weiteren habe das Verfahren um- fangreiche rechtliche Abklärungen erfordert. Zudem sei die dafür zustän- dige Person unvorhersehbar ausgefallen; eine weitere Person der Sektion Kernenergierecht, die über wenige Mitarbeiter verfüge, habe eine andere, dringendere Aufgabe wahrnehmen müssen. Das Gesuch habe aufgrund der komplexen Materie nicht kurzfristig eine r Person ausserhalb der Sek- tion übertragen werden können. 2.1.5 Sowohl der Standpunkt der Beschwerdeführenden als auch derje- nige der Vorinstanz können nicht ohne weiteres als klar begründet oder unbegründet bezeichnet werden. In summarischer Beurteilung fällt in Be- tracht, dass die sechsmonatige Behandlungsfrist von Art. 74 Bst. b KEV nach dem Wortlaut für die Behandlung von Gesuchen um Erteilung von Bewilligungen «nach den Artikeln 49–63 KEG» gilt. Die Vorinstanz hat mit Verfügung vom 11. Dezember 2024 jedoch ausgeführt, sie habe gestützt auf Art. 65 Abs. 5 Bst b KEG zu entscheiden, ob eine Änderung der erteil- ten Bewilligung nach Art. 65 Abs. 2 KEG vorliege und deshalb allenfalls ein Bewilligungsverfahren durchzuführen sei. Deshalb ist nicht ohne Weiteres mit den Beschwerdeführenden von einer (sinngemäss oder analog) auch für Art. 65 KEG geltenden Behandlungsfrist auszugehen. Des Weiteren spricht die von der Vorinstanz angeführte Abwesenheit des zuständigen Personals grundsätzlich nicht gegen eine Rechtsverzögerung, da diese kein Verschulden der Behörde voraussetzt und das Verbot der Rechtsverzögerung allenfalls auch dann als verletzt gilt, wenn eine Be- hörde wegen Überlastung oder Personalmangels nicht innert angemesse- ner Frist verfügt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4, Urteil des BGer 1C_534/2017 vom 6. Dezember 2017 E. 2.4; Urteil des BVGer B-1186/2014 vom 22. Juli 2015 E. 3.1). Doch beinhaltete die Prüfung des Gesuchs der Beschwerde- führenden komplexe Fragen, welche die Vorinstanz unter anderem nach dem internationalen Recht, vorab dem Espoo -Übereinkommen und der Aarhus-Konvention, beurteilte. Angesichts dessen dürfte die Vorinstanz das Verfahren nach den rund neun Monaten, die zwischen dem Gesuch vom 26. Februar 2024 und der Beschwerde vom 3. Dezember 2024 vergin- gen, noch nicht ungebührlich verschleppt haben, zumal sie den Beschwer- deführenden am 11. Oktober 2024 ihr Bemühen mitteilte, eine baldige Er- ledigung des Gesuchs bis zum Ende des Jahres anzustreben. Nichts Abweichendes dürfte sich aus dem geltenden gemachten Übergang des Kraftwerks in den Langzeitbetrieb ergeben. Aus dem Zeitpunkt des A-7634/2024 Seite 10 Übergangs als solchem ergibt sich nicht, dass das Verfahren – z.B. auf- grund der tatsächlichen Veränderung einer umweltrechtlich relevanten Si- tuation – eine offensichtlich erhöhte Dringlichkeit erlangt hätte. Im Übrigen ist – unabhängig von der vorliegenden Sache – für den Langzeitbetrieb ein zusätzlicher Sicherheitsnachweis erforderlich (Art. 34 Abs. 4 i.V.m. Art. 34a KEV), den die Inhaberin der Bewilligung dem ENSI, als Bestandteil der pe- riodischen Sicherheitsprüfung ( PSÜ; Art. 34 KEV) , im Jahr 2022 einge- reicht hat und dessen Grobprüfung das ENSI im August 2023 abgeschlos- sen hat (näher hierzu die Verfügung vom 11. Dezember 2024, S. 5). 2.1.6 Demnach erscheint, s ummarisch betrachtet , die Verfahrensdauer nicht unangemessen lang . Die Rechtsverzögerungsbeschwerde wäre prima vista abzuweisen gewesen, wäre das Verfahren nicht gegenstands- los geworden. Die Verfahrenskosten sind hinsichtlich des Rechtsbegeh- rens Nr. 1 somit den Beschwerdeführenden aufzuerlegen. 2.1.7 In Bezug auf das Rechtsbegehren Nr. 2 sind die Beschwerdeführen- den zufolge Nichteintretens als unterliegend zu betrachten und sie haben aus diesem Grund die Kosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 2.1.8 Die Gerichtsgebühr bestimmt sich nach Umfang und Schwierigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien (Art. 63 Abs. 4bis VwVG; Art. 2 Abs. 1 VGKE). Die den Beschwerdeführen- den zu belastenden Verfahrenskosten sind auf Fr. 1’000.– festzusetzen. Dieser Betrag ist dem Kostenvorschuss von Fr. 3'000.– zu entnehmen. Der Restbetrag von Fr. 2’000.– wird ihnen nach Eintritt der Rechtskraft des vor- liegenden Urteils zurückerstattet. 2.2 Eine Parteientschädigung ist weder den Beschwerdeführenden (E. 2.1; Art. 15 i.V.m. Art. 5 VGKE) noch der Vorinstanz (vgl. Art. 7 Abs. 3 VGKE) zuzusprechen. 3. Der Rechtsweg gegen ergangene Entscheide über eine streitige Rechts- verweigerung bzw. Rechtsverzögerung folgt demjenigen der Hauptsache (Urteil des BGer 5A_168/2017 vom 6. November 2017 E. 1). Auf dem Ge- biet der Kernenergie ist die Beschwerde an das Bundesgericht unter ande- rem nicht möglich gegen Entscheide betreffend das Erfordernis einer Frei- gabe oder der Änderung einer Bewilligung (Art. 83 Bst. n Ziffer 1 des Bun- desgerichtsgesetz vom 17. Juni 2005 [ BGG; SR 173.110]). Diese Aus- nahme bezieht sich auf die in Art. 65 Abs. 5 Bst. b und c KEG genannten A-7634/2024 Seite 11 Entscheide darüber, ob überhaupt eine Freigabe oder Bewilligungsände- rung erforderlich sei (Urteile des BGer 2C_860/2012 vom 14. Mai 2013 E. 1.1 und 2C_347/2012 vom 28. März 2013 E. 2.1; vgl. THOMAS HÄBERLI, in: Niggli et. al [Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl. 2018, Art. 83 Rz. 231 f.). Soweit dieser Ausnahmetatbestand allen- falls greift, ist das vorliegende Urteil endgültig. Diese Überlegungen führen zur offen formulierten Rechtsmittelbelehrung, die dem nachfolgenden Dis- positiv des Entscheids angefügt ist. A-7634/2024 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Beschwerdeverfahren wird als gegenstandslos geworden abgeschrie- ben, soweit auf die Beschwerde eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag wird dem Kostenvorschuss von Fr. 3'000.– ent- nommen. Der Restbetrag von Fr. 2’000.– wird den Beschwerdeführenden nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. Sie haben dem Bundesverwaltungsgericht ihre Kontoverbindung bekannt zu geben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und die Vorinstanz. Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Maurizio Greppi Thomas Ritter A-7634/2024 Seite 13 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden, sofern der Ausschlussgrund gemäss Art. 83 Bst. n Ziff. 1 BGG nicht zur Anwendung gelangt und die übrigen Vorausset- zungen gemäss den Bestimmungen von Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG gegeben sind. Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Han- den der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unter- schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: