<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 88 S.430</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">430</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>88</b></span> <span class="ft2"><b>Berufsschul-Lehrperson. Kündigungstermin. Lohnnachzahlung.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Es widerspricht dem massgebenden Anstellungsreglement, wenn der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Anstellungsvertrag ein Pensenband von 8-14 Lektionen vorsieht und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gleichzeitig einen Vorbehalt allfälliger Stundenplanänderungen ent-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hält (Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Mangels rechtzeitiger Kündigung auf Ende des Schuljahres 2004/</b></span><br/> <span class="ft2"><b>2005 bezieht sich die erfolgte Kündigung auf den nächstmöglichen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Kündigungstermin (Erw. 4).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">431</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Bei der Lohnnachzahlung hat sich der Mitarbeitende anrechnen zu</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lassen, was er in der Zeit, in welcher er zu Unrecht nicht mehr be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schäftigt wurde, an Auslagen im Zusammenhang mit dem Arbeits-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>verhältnis erspart hat und was er durch anderweitige Arbeit verdient</b></span><br/> <span class="ft2"><b>oder zu verdienen absichtlich unterlassen hat (Erw. 5).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 30. Juni 2006 gegen</span><br/> <span class="ft5">Einwohnergemeinde B. (2-KL.2005.50010).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II./1. Die materielle Beurteilung der vorliegenden Streitigkeit</span><br/> <span class="ft1">richtet sich nach dem Anstellungsreglement. Subsidiär gelangen die</span><br/> <span class="ft1">Bestimmungen des kantonalen Personalrechts betreffend Lehrperso-</span><br/> <span class="ft1">nen zur Anwendung (lit. A Anstellungsreglement).</span><br/> <span class="ft1">2. Der Kläger stellt das Begehren um Auszahlung des Gehalts</span><br/> <span class="ft1">für 8 Lektionen pro Woche vom 1. August 2005 bis zum 31. Januar</span><br/> <span class="ft1">2006, abzüglich der entsprechenden sozialversicherungsrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Leistungen und zuzüglich 5 % Verzugszins. Nicht Gegenstand des</span><br/> <span class="ft1">Verfahrens ist mangels eines entsprechenden Antrages eine Entschä-</span><br/> <span class="ft1">digung wegen ungerechtfertigter Kündigung.</span><br/> <span class="ft1">3. Der Anstellungsvertrag vom 18. Dezember 2004 enthält ein</span><br/> <span class="ft1">Pensenband von 8 - 14 Lektionen; die konkrete Anzahl Lektionen</span><br/> <span class="ft1">richtet sich nach der Lohnverfügung. Am Ende des Vertrages (unter-</span><br/> <span class="ft1">halb der Unterschriften und der Orts- bzw. Datumsangabe) befindet</span><br/> <span class="ft1">sich folgender Passus: "Dieser Vertrag wird vorbehältlich des Zustan-</span><br/> <span class="ft1">dekommens der Klasse(n) gültig. Allfällige Stundenplanänderungen</span><br/> <span class="ft1">sind vorbehalten." Die Beklagte sichert dem Kläger somit einerseits</span><br/> <span class="ft1">ein Minimalpensum zu, versieht andererseits jedoch den Vertrag und</span><br/> <span class="ft1">damit insbesondere die erwähnte Zusicherung mit einem Vorbehalt.</span><br/> <span class="ft1">§ 10 Anstellungsreglement hält fest, dass Lehrpersonen in ne-</span><br/> <span class="ft1">benberuflicher Anstellung mit einem unbefristeten Anstellungsver-</span><br/> <span class="ft1">trag einen Rahmenvertrag mit einem definierten minimalen und ma-</span><br/> <span class="ft1">ximalen Beschäftigungsgrad erhalten. "Die Differenz zwischen dem</span><br/> <span class="ft1">von der Arbeitgeberin garantierten minimalen Beschäftigungsgrad</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">432</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und dem von der Lehrperson zu leistenden maximalen Beschäfti-</span><br/> <span class="ft1">gungsgrad darf nicht mehr als 8 Unterrichtslektionen pro Woche be-</span><br/> <span class="ft1">tragen" (Satz 2). Mit dem erwähnten Vorbehalt allfälliger Stunden-</span><br/> <span class="ft1">planänderungen wurde in concreto der "garantierte minimale Be-</span><br/> <span class="ft1">schäftigungsgrad" unterschritten. Dieses Vorgehen verstösst gegen</span><br/> <span class="ft1">§ 10 Anstellungsreglement und ist unzulässig. Gestützt auf den Ver-</span><br/> <span class="ft1">trag vom 18. Dezember 2004 stand dem Kläger somit ein Anspruch</span><br/> <span class="ft1">auf Zuteilung von mindestens 8 Wochenlektionen zu. Die Schule</span><br/> <span class="ft1">müsste ihrem angeblichen Flexibilitätsbedürfnis auf anderem Weg</span><br/> <span class="ft1">Rechnung tragen, z.B. indem sie vermehrt befristete Verträge ein-</span><br/> <span class="ft1">geht, unbefristete Verträge termingerecht kündigt und nach Kenntnis</span><br/> <span class="ft1">der definitiven Schülerzahlen neue Anstellungsverhältnisse begrün-</span><br/> <span class="ft1">det oder den in § 10 Anstellungsreglement gewährten Spielraum</span><br/> <span class="ft1">vollständig ausschöpft.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1 Gemäss § 11 lit. a in Verbindung mit § 12 Abs. 1 Anstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsreglement endet das Anstellungsverhältnis durch Auflösung im</span><br/> <span class="ft1">gegenseitigen Einvernehmen, welche schriftlich zu vereinbaren ist.</span><br/> <span class="ft1">§ 11 lit. b Anstellungsreglement erwähnt die Kündigung als</span><br/> <span class="ft1">weitere Beendigungsart des Arbeitsverhältnisses. Die Kündigung</span><br/> <span class="ft1">durch die Anstellungsbehörde ist der betroffenen Lehrperson schrift-</span><br/> <span class="ft1">lich begründet zu eröffnen (§ 12 Abs. 2 Anstellungsreglement).</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">4.2.1. Am 3. Februar 2005 wurde der Kläger seitens der Berufs-</span><br/> <span class="ft1">schule mündlich darüber orientiert, dass ihm für das Schuljahr 2005/</span><br/> <span class="ft1">2006 kein Unterrichtspensum mehr angeboten werden könne. Die -</span><br/> <span class="ft1">von der Berufsschule am Vortag des Gesprächs abgefasste -</span><br/> <span class="ft1">Gesprächsnotiz trägt den Titel "Gespräch mit W. 03. Februar 2005"</span><br/> <span class="ft1">und hält unter "Mitteilung an W." Folgendes fest:</span><br/> <span class="ft5">"1. Aufgrund der Schüler- und Klassenentwicklung kann die Berufsschule</span><br/> <span class="ft5">W. auf Schuljahr 2005/06 kein Unterrichtspensum mehr anbieten.</span><br/> <span class="ft5">Die Situation an der Berufsschule und in der regionalen Berufsbildungs-</span><br/> <span class="ft5">landschaft im Bereiche X. lässt auch für die mittelfristige Zukunft auf</span><br/> <span class="ft5">keine positive Veränderung schliessen.</span><br/> <span class="ft5">2. W. ist an der Berufsschule nicht als Hauptlehrer vorgesehen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">433</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">3. Der bestehende Anstellungsvertrag mit W. wird fristgerecht auf den</span><br/> <span class="ft5">31. Juli 2005 von der Berufsschule gekündigt.</span><br/> <span class="ft5">4. Wir empfehlen W. sich umgehend nach einer anderen Stelle umzusehen.</span><br/> <span class="ft5">5. Die Berufsschule erwartet für den Rest des Arbeitsverhältnisses von W.</span><br/> <span class="ft5">a) Bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses vollen Einsatz und Loyalität.</span><br/> <span class="ft5">b) Die Einhaltung der Regeln der Berufsschule und die aktive Unter-</span><br/> <span class="ft5">stützung und Durchführung der Beschlüsse und Anordnungen der</span><br/> <span class="ft5">Schulleitung.</span><br/> <span class="ft5">c) Ein würdiges und verantwortungsvolles Beenden des Arbeitsverhält-</span><br/> <span class="ft5">nisses.</span><br/> <span class="ft5">d) Keine Stimmungsmache bei Lehrpersonen, Berufslernenden und</span><br/> <span class="ft5">Lehrmeistern.</span><br/> <span class="ft5">e) In allen unterrichtsrelevanten, schulischen und personellen Belangen</span><br/> <span class="ft5">nimmt W. mit seinem zuständigen Prozessverantwortlichen Z. Kon-</span><br/> <span class="ft5">takt auf."</span><br/> <span class="ft1">Anlässlich der Verhandlung vor dem Personalrekursgericht</span><br/> <span class="ft1">sagte der Rektor der Berufsschule aus, dass sich das Gespräch vom</span><br/> <span class="ft1">3. Februar 2005 eng an die im Vorfeld aufgezeichneten Punkte der</span><br/> <span class="ft1">Aktennotiz gehalten habe. Der Kläger unterzeichnete die Gesprächs-</span><br/> <span class="ft1">notiz unterhalb des vorformulierten Satzes: "Ich habe die oben ge-</span><br/> <span class="ft1">nannten Punkte zur Kenntnis genommen und verstanden."</span><br/> <span class="ft1">In seinen Rechtsschriften sowie anlässlich der Verhandlung vor</span><br/> <span class="ft1">dem Personalrekursgericht führte der Kläger aus, dass er im An-</span><br/> <span class="ft1">schluss an das Gespräch von der Arbeitgeberin noch die formelle</span><br/> <span class="ft1">Kündigung erwartet habe. Die Berufsschule ging dagegen von einer</span><br/> <span class="ft1">einvernehmlichen Kündigung aus und machte geltend, der Kläger sei</span><br/> <span class="ft1">im Februar 2005 nicht mehr in der mittel- bis langfristigen Planung</span><br/> <span class="ft1">der Schule vorgesehen gewesen, weil er - unabhängig von den sin-</span><br/> <span class="ft1">kenden Schülerzahlen - nicht ins Team gepasst hätte. Dieser Um-</span><br/> <span class="ft1">stand sowie die behaupteten Mängel im methodisch-didaktischen Be-</span><br/> <span class="ft1">reich wurden im Gespräch vom 3. Februar 2005 allerdings nicht</span><br/> <span class="ft1">thematisiert.</span><br/> <span class="ft1">4.2.2. Mit Schreiben vom 4. Mai 2005 teilte die Berufsschule</span><br/> <span class="ft1">dem Kläger unter dem Titel "Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit</span><br/> <span class="ft1">der Berufsschule " u.a. Folgendes mit:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">434</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">" Aufgrund von rückläufigen Pensen an der Berufsschule ab 1. August 2005</span><br/> <span class="ft5">haben wir nicht mehr genügend Stunden zu vergeben. Wie bereits am</span><br/> <span class="ft5">3. Februar 2005 besprochen und in einer schriftlichen Mitteilung fest-</span><br/> <span class="ft5">gehalten, sehen wir uns gezwungen das Arbeitsverhältnis zwischen Ihnen</span><br/> <span class="ft5">und der Berufsschule per 31. Juli 2005 auf Ende des 2. Semesters des</span><br/> <span class="ft5">Schuljahres 2004/05 aufzulösen."</span><br/> <span class="ft1">4.2.3. Entgegen der Auffassung der Beklagten kann aus der Tat-</span><br/> <span class="ft1">sache, dass der Kläger die Gesprächsnotiz vom 3. Februar 2005 un-</span><br/> <span class="ft1">terzeichnet hat, keine einvernehmliche Auflösung des Arbeitsver-</span><br/> <span class="ft1">hältnisses abgeleitet werden. So bestätigte der Kläger mit seiner Un-</span><br/> <span class="ft1">terschrift einzig, dass er die genannten Punkte "zur Kenntnis ge-</span><br/> <span class="ft1">nommen und verstanden" habe. Das kann nur heissen, dass er klar</span><br/> <span class="ft1">und deutlich über die einzelnen in der Gesprächsnotiz enthaltenen</span><br/> <span class="ft1">Mitteilungen informiert wurde. Eine weitergehende Aussage, insbe-</span><br/> <span class="ft1">sondere eine Zustimmung zu einer einvernehmlichen Auflösung des</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsverhältnisses, lässt sich der klägerischen Unterschrift der Ge-</span><br/> <span class="ft1">sprächsnotiz jedoch nicht entnehmen. Auch das spätere Verhalten</span><br/> <span class="ft1">seitens der Berufsschule spricht dagegen, von einer am 3. Februar</span><br/> <span class="ft1">2005 vereinbarten einvernehmlichen Vertragsauflösung auszugehen.</span><br/> <span class="ft1">So wäre nicht einzusehen, aus welchen Gründen die Berufsschule</span><br/> <span class="ft1">das Arbeitsverhältnis im Mai 2005 zusätzlich formell gekündigt hat.</span><br/> <span class="ft1">Die Wortwahl im Schreiben vom 4. Mai 2005 ("Wie bereits am</span><br/> <span class="ft1">3. Februar 2005 besprochen und in einer schriftlichen Mitteilung</span><br/> <span class="ft1">festgehalten, sehen wir uns gezwungen das Arbeitsverhältnis [...]</span><br/> <span class="ft1">aufzulösen.") deutet keineswegs darauf hin, dass dem Kläger eine be-</span><br/> <span class="ft1">reits erfolgte einvernehmliche Vertragsauflösung bloss nochmals</span><br/> <span class="ft1">schriftlich bestätigt wurde.</span><br/> <span class="ft1">Aus dem Gesagten ergibt sich, dass eine einvernehmliche Auf-</span><br/> <span class="ft1">lösung des Anstellungsverhältnisses zwischen dem Kläger und der</span><br/> <span class="ft1">Berufsschule nicht stattgefunden hat. Von der Beklagten wird zu</span><br/> <span class="ft1">Recht nicht behauptet, die Gesprächsnotiz vom 3. Februar 2005 sei</span><br/> <span class="ft1">eine Kündigung. Vielmehr stellte erst das Schreiben der Berufsschule</span><br/> <span class="ft1">vom 4. Mai 2005 (mit Eingang beim Kläger am 9. Mai 2005) die</span><br/> <span class="ft1">Kündigung des Arbeitsverhältnisses dar.</span><br/> <span class="ft1">4.2.4. Die Mitteilung vom 3. Februar 2005, dass dem Kläger ge-</span><br/> <span class="ft1">kündigt werde, wurde ausschliesslich mit den sinkenden Schülerzah-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">435</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">len begründet. Insofern durfte sich der Kläger zu Recht Hoffnungen</span><br/> <span class="ft1">darauf machen, bei einer allfälligen Kündigung einer anderen Lehr-</span><br/> <span class="ft1">person oder bei einem unerwarteten Anstieg der Schülerzahlen doch</span><br/> <span class="ft1">noch über das Schuljahr 2004/2005 hinaus an der Berufsschule un-</span><br/> <span class="ft1">terrichten zu können. Demzufolge lässt sich nicht argumentieren, der</span><br/> <span class="ft1">Kläger habe um die Aussichtslosigkeit einer weiteren Anstellung</span><br/> <span class="ft1">wissen müssen und handle daher rechtsmissbräuchlich, wenn er sich</span><br/> <span class="ft1">auf die fehlende Rechtzeitigkeit der Kündigung berufe.</span><br/> <span class="ft1">4.3. Gemäss § 12 Abs. 2 Anstellungsreglement hat die Anstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsbehörde die Kündigung mit einer Rechtsmittelbelehrung zu</span><br/> <span class="ft1">versehen. Das Kündigungsschreiben der Berufsschule vom 4. Mai</span><br/> <span class="ft1">2005 entspricht dieser Anforderung nicht. Auf die Konsequenz dieses</span><br/> <span class="ft1">Mangels braucht indessen vorliegend nicht näher eingegangen zu</span><br/> <span class="ft1">werden, da die Rechtmässigkeit der Kündigung nicht angefochten ist,</span><br/> <span class="ft1">sondern nur der Zeitpunkt, auf den sie ihre Wirkung entfaltet</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Erw. 2 hievor).</span><br/> <span class="ft1">4.4.</span><br/> <span class="ft1">4.4.1. Der Anstellungsvertrag zwischen der Berufsschule und</span><br/> <span class="ft1">dem Kläger vom 18. Dezember 2004 ist unbefristet. Er verweist be-</span><br/> <span class="ft1">züglich Kündigungsfristen und Kündigungstermine auf § 10 GAL.</span><br/> <span class="ft1">Das Anstellungsreglement selber enthält diesbezüglich keine Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mungen.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 10 Abs. 3 GAL gelten bei unbefristeten Anstellungs-</span><br/> <span class="ft1">verträgen für die ordentliche Kündigung folgende beidseitigen Min-</span><br/> <span class="ft1">destfristen: Im ersten Anstellungsjahr 1 Monat, ab dem 2. Anstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsjahr 3 Monate. § 10 Abs. 4 GAL bestimmt, dass das Anstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsverhältnis im ersten Anstellungsjahr auf Ende eines Monats, ab</span><br/> <span class="ft1">dem zweiten Anstellungsjahr auf Ende eines Schulhalbjahres beendet</span><br/> <span class="ft1">werden kann.</span><br/> <span class="ft1">"Das Schuljahr beginnt am zweiten Montag im August. Das er-</span><br/> <span class="ft1">ste Schulhalbjahr endet frühestens am dritten und spätestens am</span><br/> <span class="ft1">fünften Samstag nach Neujahr. Das zweite Schulhalbjahr endet mit</span><br/> <span class="ft1">den Sommerferien" (§ 25 Abs. 3 EG BBG).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 27 Abs. 1 LDLP beginnt der Lohnanspruch für das</span><br/> <span class="ft1">Schuljahr jeweils am 1. Tag des Monats, in welchen der 1. Schultag</span><br/> <span class="ft1">fällt und endet im nachfolgenden Jahr am letzten Tag des dem Schul-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">436</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">jahresbeginn vorangehenden Monats. Der Lohnanspruch beginnt</span><br/> <span class="ft1">demnach jeweils am 1. August und endet am 31. Juli. Daraus geht</span><br/> <span class="ft1">hervor, dass das unterrichtete Schuljahr mit dem administrativen</span><br/> <span class="ft1">nicht übereinzustimmen braucht bzw. sich die Zeit effektiver berufli-</span><br/> <span class="ft1">cher Tätigkeit und die Lohnzahlungsperioden nicht decken müssen</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Herbert Plotke, Schweizerisches Schulrecht, 2.</span> <span class="ft1">Auflage,</span><br/> <span class="ft1">Bern/Stuttgart/Wien 2003, Ziffer 7.723).</span><br/> <span class="ft1">Mangels ausdrücklicher gegenteiliger Regelung erscheint es</span><br/> <span class="ft1">nahe liegend, dass die Bestimmung, wonach ab dem zweiten Anstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsjahr "auf Ende eines Schulhalbjahres" gekündigt werden kann</span><br/> <span class="ft1">(§ 10 Abs. 4 GAL), sich nicht auf das Ende des unterrichteten, son-</span><br/> <span class="ft1">dern auf das Ende des administrativen Schuljahres bezieht. Zudem ist</span><br/> <span class="ft1">offenbar auch die Berufsschule von einem Beginn des Anstellungs-</span><br/> <span class="ft1">verhältnisses per 1. August und einem Ende per 31. Juli ausgegan-</span><br/> <span class="ft1">gen. Demzufolge ergibt sich, dass das erste Semester des Schuljahres</span><br/> <span class="ft1">2004/2005 am 31. Januar 2005, das zweite Semester am 31. Juli</span><br/> <span class="ft1">2005 endete.</span><br/> <span class="ft1">4.4.2. Der Kläger war ab August 2000 ununterbrochen an der</span><br/> <span class="ft1">Berufsschule tätig. Demzufolge hätte eine Kündigung auf Ende des</span><br/> <span class="ft1">Schuljahres 2004/2005 bis am 30. April 2005 erfolgen müssen</span><br/> <span class="ft1">(vgl. auch Art. 14 des alten Anstellungsreglements vom 1. November</span><br/> <span class="ft1">1998 betreffend Kündigung durch die Lehrperson: "Die Lehrperson</span><br/> <span class="ft1">kann das Dienstverhältnis unter Einhaltung einer Kündigungsfrist</span><br/> <span class="ft1">von 3 Monaten schriftlich auf Ende eines Schulsemesters auflösen."</span><br/> <span class="ft1">und "Das Kündigungsschreiben ist dem Schulvorstand bis zum</span><br/> <span class="ft1">30. April [Datum des Poststempels] für die Auflösung auf Ende des</span><br/> <span class="ft1">Schuljahres [...] einzureichen."). Der Umstand, dass per 1. Januar</span><br/> <span class="ft1">2005 ein neuer, unbefristeter Anstellungsvertrag abgeschlossen wor-</span><br/> <span class="ft1">den war, vermag an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Dem An-</span><br/> <span class="ft1">stellungsreglement lassen sich keine diesbezüglichen Regelungen</span><br/> <span class="ft1">entnehmen (vgl. Erw. 4.4.1 hievor). Die subsidiär anwendbare Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmung in § 61 VALL hält Folgendes fest: "Kündigungsfristen und</span><br/> <span class="ft1">-termine [...] richten sich nach der effektiven, ununterbrochenen</span><br/> <span class="ft1">Dauer des überführten befristeten [...] Anstellungsverhältnisses".</span><br/> <span class="ft1">4.4.3. Insgesamt ergibt sich, dass der Anstellungsvertrag vom</span><br/> <span class="ft1">18. Dezember 2004 nur per Ende Januar oder Ende Juli eines Jahres</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">437</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und nur unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von 3 Monaten</span><br/> <span class="ft1">kündbar war. Da die Kündigung vom Kläger vorliegend erst am</span><br/> <span class="ft1">9. Mai 2005 im Empfang genommen wurde, bezieht sie sich auf den</span><br/> <span class="ft1">nächstmöglichen Kündigungstermin (31. Januar 2006) (Christiane</span><br/> <span class="ft1">Brunner/Jean-Michel Bühler/Jean-Bernard Waeber/Christian Bru-</span><br/> <span class="ft1">chez, Kommentar zum Arbeitsvertragsrecht, Basel/Genf/München,</span><br/> <span class="ft1">3. Auflage 2005, Art. 335 N 9, Art. 335c N 3; Heinrich Hon-</span><br/> <span class="ft1">sell/Nedim Peter Vogt/Wolfgang Wiegand, Basler Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">Schweizerischen Privatrecht, Obligationenrecht I, Art. 1 - 529 OR,</span><br/> <span class="ft1">Basel/Genf/München 2003, Art. 335a N 4; Harry Nötzli, Die Beendi-</span><br/> <span class="ft1">gung von Arbeitsverhältnissen im Bundespersonalrecht, Bern 2005,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 128).</span><br/> <span class="ft1">Der Auffassung der Beklagten, wonach eine Kündigung 3 Mo-</span><br/> <span class="ft1">nate vor Beginn des Unterrichts des nächsten Schuljahres erfolgen</span><br/> <span class="ft1">müsse, kann nicht gefolgt werden. Selbst wenn sich der Kündigungs-</span><br/> <span class="ft1">termin nicht nach dem administrativen, sondern nach dem unterrich-</span><br/> <span class="ft1">teten Schuljahr richten würde, wäre das Kündigungsschreiben vom</span><br/> <span class="ft1">4. Mai 2005 verspätet erfolgt, da das unterrichtete Schulhalbjahr mit</span><br/> <span class="ft1">Beginn der Sommerferien 2005, d.h. anfangs Juli, endete (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Erw. 4.4.1 hievor). Die Kündigung hätte folglich bis anfangs April</span><br/> <span class="ft1">2005 beim Kläger eintreffen müssen.</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">5.1. Entsprechend den obigen Ausführungen (Erw. 4.4.3 hievor)</span><br/> <span class="ft1">dauerte das Anstellungsverhältnis des Klägers an der Berufsschule</span><br/> <span class="ft1">über den 31. Juli 2005 hinaus fort. Dem Kläger stand demnach bis</span><br/> <span class="ft1">Ende Januar 2006 ein Anspruch auf mindestens 8 Lektionen Lehrtä-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit pro Woche zu.</span><br/> <span class="ft1">5.2. Art. 337c OR bestimmt Folgendes:</span><br/> <span class="ft5">"</span><span class="ft7"><sup>1</sup></span><span class="ft5">Entlässt der Arbeitgeber den Arbeitnehmer fristlos ohne wichtigen Grund,</span><br/> <span class="ft5">so hat dieser Anspruch auf Ersatz dessen, was er verdient hätte, wenn das</span><br/> <span class="ft5">Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der Kündigungsfrist oder durch Ablauf</span><br/> <span class="ft5">der bestimmten Vertragszeit beendigt worden wäre.</span><br/> <span class="ft7"><sup>2</sup></span><span class="ft5">Der Arbeitnehmer muss sich daran anrechnen lassen, was er infolge der Be-</span><br/> <br/> <span class="ft5">endigung des Arbeitsverhältnisses erspart hat und was er durch anderweitige</span><br/> <span class="ft5">Arbeit verdient oder zu verdienen absichtlich unterlassen hat."</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">438</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Regelung von Art. 337c OR ist auch anwendbar, wenn der</span><br/> <span class="ft1">Arbeitgeber den Arbeitnehmer auf einen unrichtigen vorzeitigen</span><br/> <span class="ft1">Termin entlässt und trotz Belehrung darauf beharrt (Jürg Brühwiler,</span><br/> <span class="ft1">Kommentar zum Einzelarbeitsvertrag, OR Art. 319 - 343, 2. Auf-</span><br/> <span class="ft1">lage, Bern/Stuttgart/Wien 1996, S. 380). In Ermangelung einer ein-</span><br/> <span class="ft1">schlägigen Regelung im Anstellungsreglement sowie im kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Personalrecht rechtfertigt es sich, auf die dargestellte privatrechtliche</span><br/> <span class="ft1">Regelung abzustellen. Die Anwendung von Art. 324 OR betreffend</span><br/> <span class="ft1">Annahmeverzug des Arbeitgebers würde letztlich zu demselben Er-</span><br/> <span class="ft1">gebnis führen.</span><br/> <span class="ft1">5.3. Aufgrund der dargestellten Regelung hat der Kläger An-</span><br/> <span class="ft1">spruch auf folgende Nachzahlungen:</span><br/> <span class="ft1">Lohnanspruch für 8 Lektionen vom 1. August 2005 bis zum</span><br/> <span class="ft1">31. Januar 2006, abzüglich der entsprechenden sozialversicherungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Leistungen an die massgebenden Institutionen (Arbeit-</span><br/> <span class="ft1">nehmerbeiträge; die Arbeitgeberbeiträge sind selbstverständlich zu-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich zu entrichten), abzüglich Ersparnisse seitens des Klägers</span><br/> <span class="ft1">(Gewinnungskosten wie Fahrspesen etc.), abzüglich allfällige Ersatz-</span><br/> <span class="ft1">einkünfte des Klägers sowie abzüglich absichtlich unterlassene Er-</span><br/> <span class="ft1">satzeinkünfte. Ein Anspruch auf eine Genugtuung besteht demge-</span><br/> <span class="ft1">genüber nicht.</span><br/></div> </div> </body> </html>