A bteilung IV D -5169/2006 sch/bah {T 0/2} U rteil vom 3. A ugust 2007 M itw irkung:R ichter H ans Schürch, R obert G alliker, Bendicht Tellenbach G erichtsschreiber C hristoph Basler A ._______, geboren _______, Türkei, vertreten durch Edith H ofm ann, c/o Zürcher Freiplatzaktion für Asylsuchende, _______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 17. O ktober 2006 i.S. N ichteintreten auf A sylgesuch und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D er Beschw erdeführer, ein ethnischer Kurde alevitischen G laubens aus der Pro- vinz Z._______, stellte am 1. Juli 2003 ein erstes Asylgesuch in der Schw eiz, w el- ches vom BFM m it Verfügung vom 23. M ai 2005 abgelehnt w urde. D ie Schw eizeri- sche Asylrekurskom m ission (AR K) trat auf eine gegen diese Verfügung gerichtete Beschw erde vom 23. Juni 2005 m it U rteil vom 26. Juli 2005 nicht ein. G em äss einer M itteilung (der kantonalen Behörde) vom 26. O ktober 2005 galt der Beschw erdeführer seit dem 22. Septem ber 2005 als "verschw unden". Für den Inhalt des ersten Asylverfahrens w ird auf die Akten verw iesen. B. D er Beschw erdeführer verliess die Türkei eigenen Angaben gem äss am 6. Sep- tem ber 2006 erneut und gelangte 12. Septem ber 2006 in die Schw eiz, w o er glei- chentags ein zw eites Asylgesuch stellte. Anlässlich der Em pfangszentrenbefra- gung, die am 19. Septem ber 2006 in A._______ stattfand, sagte er, er habe die Schw eiz am 24. Septem ber 2005 verlassen und sei in die Türkei zurückgekehrt. Von Istanbul aus sei er nach B._______ und von dort im N ovem ber 2005 w ieder nach Istanbul gereist, w o er bis in der ersten Juliw oche des Jahres 2006 in einer D ruckerei gearbeitet habe. Zu seinen Ausreisegründen befragt, m achte er geltend, dass am 27. August 2006 in Antalya und in M arm aris Bom benanschläge verübt w orden seien. Einer seiner Kam eraden, m it denen er statistische Studien durchge- führt habe, die sie der O rganisation TAK ("Tayre Azadi Kurdistan", Kurdische Frei- heitsfalken) hätten zukom m en lassen, sei festgenom m en w orden und habe m ögli- cherw eise ihre N am en preisgegeben. Auf Anw eisung der O rganisation hin, hätten sie die Türkei verlassen m üssen. D ie TAK habe sie, eine Studiengruppe von sechs Personen, beauftragt, eine statistische U ntersuchung über die Anzahl der Touris- ten und deren H erkunft in den G ebieten von Antalya, M arm aris und M ugla zu m a- chen. Er sei seit dem 8. N ovem ber 2005 M itglied der TAK. Er befürchte, dass ihm bei einer Festnahm e etw as zustossen könnte. Sein Bruder A._______ sei seit sechs Tagen im G ew ahrsam der Behörden. D as BFM führte am 9. O ktober 2006 eine direkte Anhörung des Beschw erdefüh- rers durch, der im W esentlichen geltend m achte, dass er im Vorfeld eines Bom - benanschlags zusam m en m it Kam eraden eine statistische U ntersuchung durchge- führt habe. Einer der Kam eraden sei erw ischt w orden und er habe befürchtet, die- ser könne Aussagen über ihn m achen. D ie TAK habe ihnen diesen Auftrag erteilt, w eil sie beabsichtigt habe, den Tourism us zu sabotieren. D er Anschlag hätte eine W arnung an G rossbritannien, w elches die TAK auf die Liste der Terrororganisatio- nen gesetzt habe, und an die Türkische R egierung sein sollen. N ach Abschluss der U ntersuchung habe er sich für den M ilitärdienst m elden und anschliessend ins Zivilleben zurückkehren w ollen. Sein Bruder sei von den türkischen Behörden fest- genom m en w orden, w eil m an seinen Aufenthaltsort habe erfahren w ollen; m ittler- w eile sei er w ieder freigelassen w orden. Für den Inhalt der w eiteren Aussagen w ird auf die Akten verw iesen. C . M it Verfügung vom 17. O ktober 2006 trat das BFM gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. 3 e des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschw erdeführers nicht ein, und verfügte die W egw eisung sow ie deren Voll- zug. D . M it Eingabe an die dam als zuständige Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) vom 24. O ktober 2006 beantragte der Beschw erdeführer durch seine Ver- treterin, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei Asyl zu gew äh- ren. Eventualiter sei der W egw eisungsentscheid zu überprüfen und festzustellen, dass deren Vollzug unzulässig und unzum utbar sei und ihm in der Folge die vor- läufige Aufnahm e zu gew ähren. Es sei ihm die unentgeltliche R echtspflege ge- m äss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Ver- w altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021) zu gew ähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Verfahrensm ässig w urde beantragt, es seien der R echtsvertreterin die Akten des ersten Asylgesuches zuzustellen und ihr eine Frist zur Einreichung einer Stellungnahm e zu diesen Akten anzusetzen. D er Einga- be lagen drei Internetauszüge bei. E. M it Zw ischenverfügung vom 27. O ktober 2006 hiess der Instruktionsrichter der AR K das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 Vw VG gut. Zur Einreichung von Bew eism itteln w urde dem Beschw erdefüh- rer Frist angesetzt. D ie Vorinstanz w urde angew iesen, das Akteneinsichtsgesuch zu behandeln und dem Beschw erdeführer w urde eine Frist zur Einreichung einer Stellungnahm e angesetzt. F. Am 29. N ovem ber 2006 reichte der Beschw erdeführer eine Stellungnahm e zum ersten Asylverfahren ein. D ieser lag eine undatierte Bestätigung des Q uartiervor- stehers von C ._______ bei. G . D as BFM beantragte in seiner Vernehm lassung vom 6. D ezem ber 2006 die Abw ei- sung der Beschw erde. H . In seiner Stellungnahm e vom 27. D ezem ber 2006 hielt der Beschw erdeführer an seinen Anträgen fest. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 Vw VG , sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorins- tanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Ver- fügungen des BFM gestützt auf das AsylG ; das Bundesverw altungsgericht ent- scheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei der AR K hängig gew esenen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ).4 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. 2.1 Bei der Beurteilung von Beschw erden gegen N ichteintretensentscheide des BFM beschränkt sich die Beschw erdeinstanz praxisgem äss auf die Ü berprüfung der Frage, ob die Vorinstanz zu R echt auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. D ie Beurteilungskom petenz des Bundesverw altungsgerichts ist som it darauf be- schränkt, im Fall der Begründetheit des R echtsm ittels die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückgehen zu lassen (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurs- kom m ission [EM AR K ] 2004 N r. 34 E. 2.1. S. 240 f.). Lediglich betreffend die ver- fügte W egw eisung und deren Vollzugs hat das Bundesverw altungsgericht volle Kognition, w eil diese Punkte vom BFM bereits m ateriell geprüft w urden. 2.2 D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 108a AsylG i.V.m . Art. 6 AsylG , Art. 48 Abs. 1 und 52 Vw VG ). Auf die Beschw erde ist einzutreten. Auf den Antrag, dem Beschw erdeführer sei Asyl zu gew ähren, w urde bereits m it Zw ischenverfügung der AR K vom 27. O ktober 2006 nicht eingetreten. 3. G em äss Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG w ird auf ein Asylgesuch nicht eingetreten, w enn Asylsuchende in der Schw eiz bereits ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen oder ihr G esuch zurückgezogen haben oder w ährend des hängigen Asylverfahrens in den H eim at- oder H erkunftsstaat zurückgekehrt sind. D iese Bestim m ung findet jedoch keine Anw endung, w enn die Anhörung H inw eise auf zw ischenzeitlich ein- getretene Ereignisse ergibt, die geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu be- gründen oder die für die G ew ährung vorübergehenden Schutzes relevant sind. 4. 4.1 D as BFM begründet seine Verfügung dam it, dem Beschw erdeführer könne nicht geglaubt w erden, dass er M itglied der Freiheitsfalken gew orden sei, da er dazu keine fundierten Angaben habe m achen können. Es sei auch nicht glaubhaft, dass er eine Studie durchgeführt habe. D ie Tourism usorte in der Türkei seien bekannt und es sei nicht nachvollziehbar, dass es einer solchen U ntersuchung bedurft hät- te. Seine Angaben dazu seien unsubstanziiert gew esen. Er habe auch nicht be- schreiben können, w ie er auf die beschriebene W eise zu schlüssigen Ergebnissen hätte kom m en können. Zudem falle auf, dass die M otive für die Studie völlig entge- gengesetzte Bew eggründe darstellten, w as keinen Sinn ergebe. Som it bestünden m assive Vorbehalte, dass ihm aufgrund der Verhaftung eines Kam eraden eine Verfolgung erw achsen sei. Er habe angegeben, sie hätten sich untereinander nur m it C odenam en gekannt, auf Vorhalt habe er hingegen erklärt, die höher gestellten M itglieder hätten die richtigen N am en gew usst. D ieses Vorgehen m ache keinen Sinn, da die höher G estellten so bei einer Festnahm e zur Preisgabe der N am en 5 hätten gezw ungen w erden können. D a sich die Vorbringen im zw eiten Asylgesuch als offensichtlich unglaubhaft erw iesen, sei auf dieses nicht einzutreten. 4.2 In der Beschw erde w ird im W esentlichen ausgeführt, der Beschw erdeführer habe erfahren, dass gegen ihn Anklage erhoben w orden sei. Entsprechende Akten w er- de er nachreichen. D ie TAK habe sich von der PKK abgespalten und sei der Auffassung, Vergeltungs- schläge gegen den türkischen Staat seien notw endig. Im Jahr 2005 sei beschlos- sen w orden, Anschläge im W esten der Türkei zu verüben. M an habe den Touris- m ussektor ausgew ählt, w eil dies ein altes Anliegen der O pposition sei. D er Be- schw erdeführer sei aktives M itglied der Jugendgruppe der H AD EP gew esen und habe zusam m en m it Kollegen an Protestaktionen teilgenom m en. Som it sei es glaubhaft, dass er Kollegen gehabt habe, die ihn von früher gekannt und der TAK em pfohlen hätten. Es habe kein Aufnahm everfahren gegeben. D ie türkischen Be- hörden hätten die europäischen R egierungen m ehrm als aufgefordert, die PKK und die TAK auf die Terroristenliste zu setzen. G rossbritannien habe dies ohne zu zö- gern getan. Tourism usorganisationen in Ländern, die der Aufforderung der Türkei Folge geleistet hätten, hätten gew arnt w erden sollen, dam it sie keine Touristen m ehr geschickt hätten. An den Tourism usorten w ürden Einheim ische streng kont- rolliert, die Studie hätte auch zeigen sollen, w ie und w ann Kontrollen durchgeführt w ürden. D a G eheim haltung oberstes G ebot sei, habe er selbstverständlich keine H otels genannt, in denen M itglieder der TAK arbeiteten, die Auskunft gegeben hät- ten. D er Sinn der Erhebung sei gew esen, m öglichst w enig Schaden anzurichten, indem die Touristen w eggeblieben w ären. Aus seinen Vorbringen gehe hervor, dass die Anschläge sorgfältig hätten geplant w erden sollen. Als Yasar Büyükanit M ilitärchef gew orden sei, hätten sich einige Jugendliche nicht m ehr zurückhalten können und hätten Anschläge verübt. Es sei klar, dass leitende Personen die N a- m en ihrer U ntergebenen kennen w ürden. Er habe den Verhafteten an Versam m - lungen der O rganisation getroffen, dieser habe ihn also gekannt und gew usst, w el- che Aufgaben er übernom m en habe. Sicherheit über den Verrat habe er gehabt, als sein Bruder festgenom m en und über ihn befragt w orden sei. D er Beschw erdeführer hätte sich schon längst zur sanitarischen M usterung m el- den und einrücken sollen; er sei dem zufolge R efraktär. O bw ohl er den bevorste- henden M ilitärdienst nicht als Asylgrund genannt habe, habe er m ehrere gew ichti- ge Argum ente, den M ilitärdienst zu verw eigern. D ie Türkei führe seit Jahren Krieg gegen die kurdische Bevölkerung und der Arm eechef habe versprochen, m it äu- sserster H ärte gegen die PKK und deren U nterstützer vorzugehen. Kurdische Sol- daten w ürden diskrim iniert und m isshandelt. Zudem sei notorisch, dass sich die türkische Arm ee Vergehen gegen Art. 3 der G enfer Konvention schuldig m ache; unter diesen U m ständen erscheine die Verw eigerung des Kriegsdienstes in der Türkei als generelle Pflicht jedes türkischen Soldaten. 4.3 In der Beschw erdeergänzung w ird geltend gem acht, der Beschw erdeführer habe anlässlich des ersten Asylverfahrens in der Schw eiz eine Identitätskarte und einen Berufsausw eis nachgereicht. M it letzterem könne er bew eisen, dass er für R adio Tem po gearbeitet habe. Er habe m ehrere Festnahm en geltend gem acht und in ei- ner R adiosendung über das gesprochen, w as er w ährend der letzten H aft erlebt habe. D anach sei bei ihm die Türe aufgebrochen und ein Buchm anuskript 6 beschlagnahm t w orden. Es sei davon auszugehen, dass er bei allen Inhaftierungen m isshandelt w orden sei. Sogar seine M utter sei festgenom m en und belästigt w orden, w eil sie sich nach ihm erkundigt habe. Es m üsse als sicher gelten, dass er traum atische G ew alterfahrungen gem acht habe, w eshalb er begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung habe. Im D ossier des ersten Asylverfahrens seien zw ei R eferenzen von D EH AP-Funktionären, die nicht als G efälligkeitsschreiben qualifiziert w erden könnten. D er zuständige Q uartiervorsteher von C ._______ bestätige, dass die G endarm erie nach dem Beschw erdeführer frage und seine Fam ilie deshalb unter ständigem D ruck stehe. Aus all diesen G ründen sei davon auszugehen, dass der Beschw erdeführer von der G endarm erie gesucht w erde, w eil er R adiosendungen m it politischem Inhalt gem acht habe und den M ilitärdienst absolvieren m üsste. D am it sei seine Furcht vor Verfolgung begründet. 4.4 D as BFM führt in seiner Vernehm lassung aus, das erste Asylgesuch sei abge- schlossen. D as im zw eiten Asylverfahren eingereichte D okum ent sei als G efällig- keitsschreiben zu w erten. Bei einem M uhtar handle es sich um einen von der loka- len Bevölkerung gew ählten Vertreter. Bestätigungen von M uhtars seien keine offi- ziellen am tlichen Bew eism ittel für das Bestehen einer Verfolgung. 4.5 In der Stellungnahm e w ird entgegnet, es treffe zu, dass das erste Asylverfahren rechtskräftig abgeschlossen sei. D ennoch dürfe eine Person nicht m enschen- rechtsw idriger Behandlung ausgeliefert w erden. Es sei eine Tatsache, dass der Beschw erdeführer aus G ründen, die er bereits im ersten Asylverfahren erw ähnt habe, bei seiner Fam ilie gesucht w erde. Beim Schreiben des Q uartiervorstehers von C ._______ handle es sich nicht um ein G efälligkeitsdokum ent. D a auch der Stadtpräsident von C ._______ ein entsprechendes Schreiben ausgestellt habe, sei die geltend gem achte Verfolgung glaubhaft. 5. 5.1 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschw erdeführer in der Schw eiz bereits er- folglos ein Asylverfahren durchlaufen hat. Seine im ersten Verfahren vorgebrach- ten Asylgründe w urden vom BFM als unglaubhaft gew ertet, eine W ürdigung, der sich der Instruktionsrichter der AR K in seiner Zw ischenverfügung vom 1. Juli 2005 anschloss. In der Beschw erde beziehungsw eise der Stellungnahm e w ird argum en- tiert, das erste Asylverfahren des Beschw erdeführers sei w ohl als Prioritätsfall ein- gestuft w orden, w eil er zuerst keine Identitätspapiere abgegeben habe. Zudem sei die Beschw erde im ersten Asylverfahren von unzureichender Q ualität gew esen, w eshalb sie als aussichtslos erachtet w orden sein dürfte. Es trifft zw ar zu, dass auf dem Em pfangsstellenprotokoll vom 3. Juli 2003 der Stem pel "Prioritätsfall" ange- bracht w urde, indessen erliess das BFM seine Verfügung erst am 23. M ai 2005, w eshalb kaum von einer prioritären Behandlung des Asylgesuchs gesprochen w er- den kann. Aus der Verfügung geht zudem nicht hervor, dass das BFM an der Iden- tität des Beschw erdeführers zw eifelte. D ie Folgerung, der Instruktionsrichter der AR K habe die Beschw erde aufgrund deren m angelnder Q ualität als aussichtslos eingestuft, kann zudem nicht gefolgt w erden. D ie Einschätzung der Erfolgsaus- sichten einer Beschw erde hängen nicht hauptsächlich von deren Q ualität, sondern von der Aktenlage ab. D er Zw ischenverfügung vom 1. Juli 2005 ist denn auch zu 7 entnehm en, dass die Beschw erde aufgrund der vom Beschw erdeführer anlässlich der Befragungen gem achten, w esentlich voneinander abw eichenden Aussagen als aussichtslos gew ertet w urde. Von dieser W ürdigung der Vorbringen des Beschw erdeführers ist Vorm erk zu nehm en. 5.2 D as Bundesverw altungsgericht kom m t nach eingehender Prüfung der Akten zum Schluss, dass die Feststellungen des BFM , w onach die Vorbringen, die der Be- schw erdeführer im zw eiten Asylverfahren m achte, nicht glaubhaft seien, zutreffend sind. Im ersten Asylverfahren führte er bei der Em pfangsstellenbefragung aus, er sei M itglied der D EH AP gew esen und habe diese bereits unterstützt, bevor er M it- glied gew esen sei. Er sei unter der falschen Beschuldigung, die PKK zu unterstüt- zen, festgenom m en w orden. Bei der D irektanhörung im zw eiten Asylverfahren de- ponierte er indessen, er sei ja früher bei der PKK gew esen, w eshalb es für ihn ein Leichtes gew esen sei, von der TAK aufgenom m en zu w erden. D iese Aussagen sind offensichtlich w idersprüchlich, so dass die von der Vorinstanz geäusserten Zw eifel an den Verbindungen des Beschw erdeführers zur TAK berechtigt sind. D iese Zw eifel w erden dadurch bestärkt, dass er zur Studie, an der er beteiligt ge- w esen sei, m ehrfach ausw eichende und im W esentlichen substanzlose Angaben m achte. In diesem Zusam m enhang ist darauf hinzuw eisen, dass sow ohl die Aus- sagen des Beschw erdeführers zum angeblichen Fluchtgrund im ersten Asylverfah- ren (Aussagen w ährend einer R adiosendung), als auch diejenigen zum angebli- chen Fluchtgrund im zw eiten Asylverfahren (D urchführung einer Studie) teilw eise w idersprüchlich, unsubstanziiert und ausw eichend ausgefallen sind. Angesichts der Ausbildung des Beschw erdeführers, der in der Stellungnahm e als gebildeter Kurde, der sprachlich und intellektuell fähig sei, sich für die R echte seines Volkes einzusetzen, bezeichnet w ird, darf indessen erw artet w erden, dass er fundierte An- gaben über seine Aktivitäten und den ihm daraus erw achsenen Problem en m a- chen kann. G egen die im ersten Asylverfahren behauptete Verfolgung spricht auch die von ihm bei der Bundesanhörung gem achte Aussage, er habe sich nach Ab- schluss der Studie dem M ilitärdienst stellen w ollen, um anschliessend w ieder ins norm ale Leben zurückkehren zu können. D iese Aussage zeigt, dass er selbst sei- ne Situation w esentlich w eniger dram atisch einschätzte, als im Beschw erdeverfah- ren ausgeführt w ird. Insofern auf die im ersten Asylverfahren eingereichten Bestätigungsschreiben ver- w iesen w ird, ist festzustellen, dass der G em eindepräsident von C ._______ und der ehem alige H AD EP-Präsident von D ._______ lediglich bestätigen, dass der Be- schw erdeführer die H AD EP/D EH AP unterstützt habe. Es ist dem Beschw erdefüh- rer jedoch nicht gelungen, eine ihm daraus erw achsene asylrechtlich relevante Verfolgung glaubhaft zu m achen. Angesichts der vorstehenden Erw ägungen ver- m ag auch das im zw eiten Asylverfahren eingereichte Schreiben des Q uartiervor- stehers von C ._______, w onach sich die G endarm erie von Zeit zu Zeit nach dem Beschw erdeführer erkundige, die von ihm geltend gem achte Verfolgung nicht glaubhaft erscheinen zu lassen. D er Beschw erdeführer m achte in der Beschw erde geltend, es sei gegen ihn Ankla- ge erhoben w orden. D ie in Aussicht gestellten Bew eism ittel w urden indessen nicht eingereicht, so dass auf die Behauptung, es sei Anklage erhoben w orden, nicht w eiter einzugehen ist.8 5.3 In der Beschw erde w ird erstm als geltend gem acht, der bevorstehende M ilitärdienst sei als w eiterer Asylgrund zu sehen. D er Beschw erdeführer hielt sow ohl im ersten als auch im zw eiten Asylverfahren fest, der bevorstehende M ilitärdienst sei für ihn kein G rund gew esen, die Türkei zu verlassen. Er habe diesen zw ar nicht leisten w ollen, aber eingesehen, dass er dies tun m üsse, um ein norm ales Leben führen zu können. G em äss konstanter Praxis w äre eine allfällige Bestrafung des Be- schw erdeführers w egen R efraktion oder D esertion grundsätzlich nicht als asyl- rechtlich relevante Verfolgung zu w erten, da es zu den legitim en R echten jedes Staates gehört, seine Bürger zum M ilitärdienst einzuberufen und zur D urchsetzung der W ehrpflicht strafrechtliche oder disziplinarische Sanktionen gegen R efraktäre oder D eserteure zu verhängen. D em Beschw erdeführer ist es nicht gelungen, die geltend gem achte politische Verfolgung glaubhaft zu m achen, w eshalb nicht davon auszugehen ist, er m üsste im Falle eines Verfahrens w egen N ichtantretens des M ilitärdienstes m it einem so genannten Politm alus rechnen, oder er w ürde im M ili- tärdienst aus diesem G rund erheblichen N achteilen ausgesetzt (vgl. EM AR K 2004 N r. 2 S. 12 ff.). 5.4 Zusam m enfassend ist festzustellen, dass sich den vorstehenden Erw ägungen ge- m äss aus der Anhörung des Beschw erdeführers keine H inw eise auf in der Zw i- schenzeit eingetretene Ereignisse ergeben, die geeignet sind, die Flüchtlingsei- genschaft zu begründen, oder die für die G ew ährung vorübergehenden Schutzes relevant sind. Es erübrigt sich, auf die w eiteren Ausführungen in den Eingaben ein- zugehen, da sie an der rechtlichen W ürdigung nichts zu ändern verm ögen. D as BFM ist gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu R echt auf das zw eite Asylge- such des Beschw erdeführers nicht eingetreten. 6. 6.1 Lehnt das Bundesam t das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an; da- bei ist der G rundsatz der Einheit der Fam ilie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zu- m utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzli- chen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 6.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus- länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 6.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 6.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossen-9 schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D e- zem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon- vention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder ernied- rigender Strafe oder Behandlung unterw orfen w erden. 7. D er Beschw erdeführer verfügt w eder über eine frem denpolizeiliche Aufenthaltsbe- w illigung noch einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie W egw eisung w urde dem nach zu R echt angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG ; EM AR K 2001 N r. 21). 8. 8.1 D ie Vorinstanz w ies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der G rundsatz der N ichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingsei- genschaft erfüllen (vgl. M AR IO G ATTIKER , D as Asyl- und W egw eisungsverfahren, Bern 1999, S. 89). D a es dem Beschw erdeführer nicht gelungen ist, eine asyl- rechtlich erhebliche G efährdung nachzuw eisen oder glaubhaft zu m achen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen N on-refoulem ents im vorliegenden Verfahren keine Anw endung finden. Eine R ückkehr des Be- schw erdeführers in die Türkei ist dem nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtm ässig. 8.2 Sodann ergeben sich w eder aus den Aussagen des Beschw erdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in die Tür- kei dort m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EM R K oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt w äre. G em äss Praxis des Eu- ropäischen G erichtshofes für M enschenrechte sow ie jener des U N -Anti-Folteraus- schusses m üsste er eine konkrete G efahr ("real risk") nachw eisen oder glaubhaft m achen, dass ihm im Fall einer R ückschiebung Folter oder unm enschliche Be- handlung drohen w ürde (vgl. EM AR K 2001 N r. 16 S. 122, m it w eiteren H inw eisen); dies ist ihm unter H inw eis auf die vorstehenden Erw ägungen zur G laubhaftigkeit seiner Vorbringen indessen nicht gelungen. D ie allgem eine M enschenrechtssituati- on in der Türkei sow ie der ihm bevorstehende M ilitärdienst lassen den W egw ei- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung sow ohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim m ungen zulässig. 8.3 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung einer völkerrechtlichen Verpflichtung der Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung auch verzichtet, w enn die R ückkehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung dar- stellt. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herrschenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Si- tuation allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om en- te, w ie beispielsw eise einer notw endigen, aber nicht erhältlichen m edizinischen Behandlung, angenom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668).10 Vorliegend ist der Vollzug als zum utbar zu erachten, w eil keine H inw eise dafür er- kennbar sind, der Beschw erdeführer w äre bei einer R ückkehr in die Türkei einer konkreten G efährdung ausgesetzt. D as Bundesverw altungsgericht erachtet den W egw eisungsvollzug in die Türkei gestützt auf die allgem eine Lage als generell zum utbar (vgl. EM AR K 2005 N r. 21). D er Beschw erdeführer hat die M öglichkeit, in die Provinz Z._______ zurückzukehren, w o er gem äss eigenen Angaben bis im Juni 2003 gelebt hat und w o sich seine Eltern und die m eisten seiner G eschw ister aufhalten. Zudem verfügt er auch an anderen O rten der Türkei über ein Bezie- hungsnetz. Sollte er nicht in in seine H eim atprovinz zurückkehren w ollen, ist es ihm aufgrund der bestehenden N iederlassungsfreiheit in der Türkei unbenom m en, sich in einem anderen Teil des Landes niederzulassen, um sich dort eine Existenz aufzubauen, zum al er über eine gute schulische Bildung und einige Berufserfah- rung verfügt. N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung som it auch als zum utbar zu bezeichnen. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschw erdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung seines H eim atstaates die für eine R ückkehr notw endigen R eisedokum ente zu be- schaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG ), w eshalb der Vollzug der W egw eisung auch als m öglich zu bezeichnen ist. 8.5 Insgesam t ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der W egw eisung zu bestä- tigen. D ie Vorinstanz hat diesen zu R echt als zulässig, zum utbar und m öglich er- achtet. N ach dem G esagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahm e ausser Betracht (Art. 14a Abs. 1 - 4 AN AG ). 9. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig fest- stellt und angem essen ist (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist nach dem G esag- ten abzuw eisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens w ären die Kosten dem Beschw erdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D a ihm m it Zw ischenverfügung des Instrukti- onsrichters der AR K die unentgeltliche R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 Vw VG gew ährt w urde und sich an den diesbezüglichen Voraussetzungen nichts geändert hat, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (D ispositiv nächste Seite)11 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. D ieses U rteil geht an: - die Vertreterin des Beschw erdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it deren Akten (R ef.-N r. N _______) - (kantonale Behörde) D er R ichter: D er G erichtsschreiber: H ans Schürch C hristoph Basler Versand am :