Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Februar 2019 (720 18 355 / 55) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beweiswürdigung von Arztberichten Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Elisabeth Maier , Advo- katin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1963 geborene A.____ war von November 2005 bi s September 2011 bei der B.____ als Sicherheitsmitarbeiterin in einem Teilzeitpensum tätig. Danach arbeitete sie in unterschiedli- chen Jobs, unter anderem als Reinigungsfachfrau und al s Betreuerin, ebenfalls teilzeit. Am 18. Seite 2 November 2013 meldete sie sich unter Hinweis auf Bein- u nd Fussschmerzen sowie einem Rü- ckenleiden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Nach Abklä- rung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse, nam entlich nach Einholung eines bidis- ziplinären Gutachtens bei Dr. med. C.____, FMH Rheumat ologie, und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 18. September 2014 / 10. Oktober 2014 kam die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 12. Januar 2015 in Anwendung der g emischten Bemessungsmethode mit einem Erwerbsanteil von 60 % und einem Anteil Haushalt von 40 % und einem IV-Grad von 6 % zum Schluss, dass kein Anspruch auf eine IV-Rente besteh e. Mit Einwand vom 19. März 2015 machte A.____, vertreten durch Advokatin Elisabeth Mai er, geltend, dass sich ihr Gesundheits- zustand seit der Begutachtung durch Dr. C.____ und Dr. D.____ verschlechtert habe. Des Wei- teren sei nicht die gemischte, sondern die allgemeine Be messungsmethode anzuwenden und beim Valideneinkommen das Einkommen einer Fachperson für Wach- und Sicherheitsdienste zu berücksichtigen. Schliesslich habe sie von November 2005 bis September 2011 bei der B.____ als Sicherheitsmitarbeiterin gearbeitet. Die IV-Stell e gab am 6. März 2017 ein polydisziplinäres Gutachten bei der MEDAS mit den Fachgebieten Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Ortho- pädie und Psychiatrie zur Beurteilung des aktuellen Ges undheitszustandes in Auftrag. Gestützt auf das Gutachten vom 22. August 2017 und einer attestierten Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer angepassten Verweistätigkeit sowie einem nach der allgemeinen Bemessungsmethode ermittel- ten IV-Grad von 37 % verneinte die IV-Stelle nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 27. September 2018 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente. B. Dagegen erhob Monika A.____, vertreten durch Advoka tin Elisabeth Maier, mit Eingabe vom 30. Oktober 2018 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Sie beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen. Eventualiter sei die Angelegenheit für weitere Abklärungen an die Vorinstanz zurück- zuweisen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass auf das MEDAS-Gutachten nicht abgestellt werden könne. Die Ausübung einer Verweistätigkeit im Umfang von 80 % sei nicht zumutbar. In Bezug auf den Einkommensvergleich sei weit er beim Valideneinkommen auf Ta- belle T 17 der schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2014, Ziffer 54, Frauen über 50 und einem Ausgangswert von Fr. 5'797.--abzustellen und beim Invali- deneinkommen sei ein leidensbedingter Abzug von 20 %, allenfalls 15 % gerechtfertigt. C. Mit Vernehmlassung vom 15. Januar 2019 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, so dass die örtliche Zuständigkeit des Seite 3 Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und fo rmgerecht erhobene Beschwerde der Versicherten vom 30. Oktober 2018 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführe rin Anspruch auf eine IV-Rente hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter Seite 4 therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwar- tet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinwei- sen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheitsbe einträchtigung verursachten Er- werbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Ve rwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesell- schaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 2 94 E. 4c). Um festzustellen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen auf Arbeits unfähigkeit schliessen lassen, sind sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. 2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des IV-Grades bildet d ie Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle ande- ren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und Seite 5 ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Den Berichten und Gutachten versicherungs- interner Fachpersonen kommt hingegen nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutach- ten zu. Auf sie kann nicht abgestellt werden, sobald be reits geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 4. Die IV-Stelle stützte ihre Verfügung vom 27. Septem ber 2018 auf das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS vom 22. August 2017. Die Versicherte wurde von Fachärzten der Diszip- linen Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie, Neurolo gie und Psychiatrie beurteilt. In der inter- disziplinären Auseinandersetzung kamen die Gutachter überein, dass als Diagnosen mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit ein Panvertebralsyndrom bei ausgeprägten degenerativen Verän- derungen mit multiplen Osteochondrosen in der HWS, de r unteren BWS und LWS ohne Kom- pression neuraler Strukturen und ohne radikuläre Zeichen , chronische Kniebeschwerden rechts mit medialer Gonarthrose und Femoro-patellärer Arth rose und komplexer Innenmeniskusläsion sowie eine eingeschränkte Schulterfunktion rechts mit AC Gelenksarthrose mit Impingement Konstellation, Tendinose der Supra- und Infraspinatussehne und ansatznaher Tendinopathia cal- carea der Supraspinatussehne zu nennen seien. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine asymptomatische ca. 70-80%ige Karotisstenose rechts, kl eine Konvexitätsmeningeome rechtshemiphärisch, eine episodische Migräne mit Aura, ein hoher ASLO-Wert (Antikörper gegen Streptolysin O ) unbekannter Genese, ein Status nach Spiralfraktur Metatarsale V und Basisfrak- tur Metatarsale IV rechts vom 4. Dezember 2008 (geheil t), eine Varikosis beidseits mit venöser Insuffizienz Grad II links, Grad I rechts, ein Status nach Hydronephrose rechts, ED Dezember 2003, ein Nikotinabusus sowie ein sonstiger chronischer Schmerz R52.2. Die Tätigkeit als Reini- gungsfachkraft sei nicht mehr zumutbar. In einer angepassten Verweistätigkeit liege die Arbeits- fähigkeit bei 80 %. Das Heben und Tragen von schweren Lasten über 5 kg rechts und 10 kg links sowie Überkopfarbeiten seien nicht mehr möglich. Arbeiten rein stehend, gehend, mit viel Trep- pensteigen, mit Zwangshaltungen des Rumpfes sowie kniende, gehockte und gebückte Tätigkei- ten seien ebenso zu vermeiden wie das Gehen auf unebenem Gelände. Tätigkeiten im Wechsel von Stehen und Gehen seien zu bevorzugen. Diese Einschätz ung gelte ab 2017. Für die Zeit Seite 6 davor gelte das bidisziplinäre Gutachten von Dr. C.____ und Dr. D.____ aus dem Jahr 2014. Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte Dr. C.____ damals eine aktivierte Gonarthrose rechts und Dr. D.____ eine leicht- bis mittelgradige de pressive Episode ohne somatisches Syn- drom. In der Konsensbesprechung kamen die Fachgutachte r zum Schluss, dass insgesamt in einer leidensangepassten Tätigkeit eine 20%ige Einschränk ung bestehe. Die Tätigkeit müsse leicht bis intermittierend mittelschwer sein, ohne spezi fische Belastung des rechten Kniegelen- kes. Vorwiegend sitzende, aber auch zwischendurch gehende und stehende Arbeitsabläufe seien ideal. Die Einschränkung der Leistungsfähigkeit resultiere aus einem erhöhten Pausenbedarf seit November 2013. 5. Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen gegen das MEDAS-Gutachten vor, dass das psychiatrische Teilgutachten von Dr. med. E.____, der eine volle Arbeitsfähigkeit attestierte, den gutachterlichen Vorgaben nicht genüge und demnach beweisuntauglich sei. 5.1 Bei der beweisrechtlichen Würdigung sind verschieden e Faktoren zu berücksichtigen. Das Einholen fremdanamnestischer Auskünfte unterliegt gr undsätzlich der Fachkenntnis und dem Ermessensspielraum des Experten (vgl. Urteile des Bun desgerichts vom 23. Januar 2019, 9C_804/2018, E. 2.2 mit Hinweisen und vom 31. Januar 2018, 9C_829/2017, E. 2.4). Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, dass ein Mangel des G utachtens darin zu sehen sei, dass Dr. E.____ sich nicht in Verbindung mit dem behandeln den Psychiater gesetzt habe, kann ihr nicht gefolgt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Februar 2012, 9C_65/2012, E. 4.3). Der Gutachter hat sich mit den Berichten des behandelnden Psychiaters auseinandergesetzt und das Einholen weiterer Auskünfte als nicht erforderlich erachtet, was in seinem Ermessen liegt. 5.2 Weiter ist im Zusammenhang mit abweichenden Einschä tzungen sowohl dem Unter- schied zwischen Behandlungs- und Begutachtungsauftrag als auch dem Umstand, dass die ärzt- liche Beurteilung von der Natur der Sache her unausweich lich Ermessenszüge trägt, Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Januar 2019, 9C_804/2018, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen). 5.3 In den Akten befinden sich zwei Berichte vom 25. A ugust 2015 sowie vom 16. Februar 2016 des behandelnden Psychiaters, Dr. med. F.____. In beiden diagnostizierte Dr. F.____ eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra dige Episode mit somatischem Syn- drom, eine chronische Schmerzstörung, eine Persönlichkeitsä nderung bei chronischem Schmerzsyndrom und einen Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit paranoi- den, querulatorischen, impulsiven, histrionischen und anankastischen Anteilen. Vom 5. Mai 2015 bis November 2015 attestierte er eine 50%-ige und ab November 2015 bis auf weiteres eine 60%- ige Arbeitsunfähigkeit. Seite 7 5.4 Dr. E.____ konnte dagegen keine Diagnose mit Au swirkung auf die Arbeitsfähigkeit stel- len. Die im psychiatrischen Gutachten von Dr. D.____ i m Jahr 2014 erkannte mittelgradige de- pressive Episode liege heute nicht mehr vor. Das etwas ra umgreifende und wortgewaltige Auf- treten der Versicherten habe offenbar zum Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung geführt, wie im Verlaufsbericht vom behandelnden Psychiater, Dr. F.____, vom 25. August 2015 diagnostiziert worden sei. Dies sei nachvollziehbar. Die Aktivitäten u nd das Auftreten der Versicherten sowie der etwas dramatische Vortrag seien indes ihrer Primärpersönlichkeit im Rahmen der Variations- form verschiedener Normalpersönlichkeiten zuzuordnen. Die von Dr. F.____ bescheinigte Ar- beitsunfähigkeit sei allenfalls als "soziale Unterstützung" ohne medizinischen Hintergrund zu se- hen. Im Übrigen hätte selbst eine diagnostizierte Per sönlichkeitsstörung keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. So bleibe die Diagnose einer anhaltenden Schmerzstörung zu prüfen. Unter Ein- bezug der Ergebnisse der somatischen Gutachten mit gewisse n somatischen Korrelationen (Schulter, Knie, Rücken) müsse eher von der Diagnose ICD -10 F52.2, sonstiger chronischer Schmerz gesprochen werden. Eine chronische Schmerzstörung g emäss ICD-10 F45.41 könne nicht überzeugend begründet werden, da die Versicherte zwar ständige Schmerzen angebe, diese sie gemäss der aktuellen Schilderung des Lebensalltags jedoch so gut wie überhaupt nicht beeinflussten. Bezüglich der Symptomatik und der Persönl ichkeitsausprägung sei bei beschrie- bener Lebensgeschichte von einer ödipal fixierten Persönlichkeitsstruktur auszugehen. 5.5 Das psychiatrische Teilgutachten ist sehr differenziert . Dr. E.____ setzt sich eingehend mit dem Beschwerdebild und den abweichenden Berichten auseinander und seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit kann ohne weiteres nachvollzogen werden. Das Gutachten erfüllt sowohl in formeller Hinsicht als auch inhaltlich die bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweistaugliches Gutachten. Es weist insbesondere eine separate Indikatorenprüfung auf. Das Gutachten enthält demnach alle erforderlichen Angaben für die Prüfung d er Frage, ob sich ein invalidisierender Gesundheitsschaden anhand der Standardindikatoren verifizi eren lässt. Insbesondere wurden Inkonsistenzen hinsichtlich Beschwerdeangaben und Aktivitäte n festgestellt, woraus sich klar ergibt, dass die Funktionsfähigkeiten aus psychiatrischer Sicht vollständig erhalten sind. In Bezug auf die attestierte Arbeitsunfähigkeit von Dr. F.____ begründete Dr. E.____ einleuchtend, dass diese einzig unter sozialen Aspekten nachvollziehbar sei. M it der Ergänzung vom 28. August 2018 ist Dr. E.____ vertieft auf die Einwände der Versicherten eingegangen und hat seine abwei- chende Auffassung ausführlich begründet. Er stellte insbesondere differenziert dar, dass für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit die Diagnose von untergeordneter Bedeutung sei. Massgebend seien die Funktionseinbussen. Angesichts des geschilderte n Tagesablaufs seien diese Einbus- sen marginal, wenn überhaupt vorhanden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung von der behandelnden Fachperson stammt, darf zwar – wie die Be schwerdeführerin zurecht anführt – nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Fachpersonen bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungs- auftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des Bundesgerichts Seite 8 vom 5. Januar 2007, I 701/05, E. 2) nicht zu, ein Ad ministrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Fachpersonen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (vgl. E. 5.2). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wich- tige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretat ion entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2 mit Hinweisen). Dies ist hier nicht der Fall. Weiter gilt es zu beachten, dass die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei ist. Sie eröffnet der begutachtenden psychi atrischen Fachperson deshalb prak- tisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen ve rschiedene medizinisch-psychiatri- sche Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern lege artis vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 6. November 2018, 9C_494/2018, E. 4.2 mit Hinweisen). Da- von ist im vorliegenden Fall auszugehen. Auf die gutacht erlich attestierte Arbeitsfähigkeit von 100 % ist demnach abzustellen. 5.6 An diesem Ergebnis ändern auch die beiden Berichte von Dr. F.____ vom 29. Oktober 2018 und 28. Januar 2019 nichts, die im Hinblick auf das laufende Beschwerdeverfahren erstellt worden sind. Im Bericht vom 29. Oktober 2018 wird eine Zunahme der Schmerzproblematik do- kumentiert, die sich langsam auch auf die psychische Verfassung auswirke. Aufgrund der finan- ziellen und gesundheitlichen Situation sei es der Versicherten zudem schon seit längerem nicht mehr möglich, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Ausführungen im psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS würden die Situation zeigen, wie sie noch vor drei Jahren bestanden habe, aber nicht die heutige. Es sei festzustellen, dass die Versicherte ihre Arbeitstätigkeit immer weiter habe reduzieren müssen. Eine Arbeitszeit von mehr als 10 Stunden pro Woche sei schwie- rig. Seit dem 10. September 2018 betrage die Arbeit sfähigkeit noch 25 %. Vorher sei die Versi- cherte immer zu 30 % arbeitsfähig gewesen. Die erneute Ablehnung der Rente durch die IV habe bei der Versicherten eine regelrechte Verzweiflung ausgelöst. Nach wie vor liege eine depressive Symptomatik vor, welche von ihr überspielt werde. Im Ber icht vom 28. Januar 2019 gibt Dr. F.____ an, dass die Termine auf Wunsch der Versicherten nur einmal im Monat stattfänden, dies wegen der sehr begrenzten finanziellen Möglichkeiten. Die depressive Symptomatik schwanke zwischen leicht und mittelschwer. Dass sie keine Medikamente einnehme, habe verschiedene Gründe und die Behandlungsempfehlungen (bzw. Leitlini en der SGPP) würden bei diesem Be- schwerdebild auch nicht zwingend die Verordnung eines Antidepressivums vorsehen. Ausserdem stehe ausser Frage, dass die Versicherte eine Person mit deutlich akzentuierten Persönlichkeits- zügen sei. 5.7 Neue Erkenntnisse, die zu einer anderen Beurteilu ng führen könnten, sind diesen zeit- nahen Berichten nicht zu entnehmen. Der behandelnde P sychiater orientiert sich auch hier an der subjektiven Leistungseinschätzung der Versicherten. So wurde die Arbeitsunfähigkeit von 70 % auf 75 % heraufgesetzt, um die effektive Erwerbstätigkeit der Versicherten abbilden zu kön- nen. Eine objektive Begründung für diese Massnahme fehl t. Die Versicherte erklärte früher in Seite 9 diesem Zusammenhang selbst, dass Dr. F.____ eine höhere Arbeitsunfähigkeit attestiert habe, weil sie als Betreuerin einige ihrer Klienten verloren habe (wegen Wegzugs, Arbeitslosigkeit; vgl. Seite 25 des MEDAS-Gutachtens). Weiter argumentiert Dr . F.____ im neusten Bericht vom 28. Januar 2019 nicht mehr mit einer Persönlichkeitsstörung, womit diese diagnostische Abwei- chung zum psychiatrischen Gutachten von Dr. E.____ wegfällt. Die noch im Bericht vom 28. Ok- tober 2018 beschriebene Verschlechterung der Symptomatik und tiefe Verzweiflung führte er auch auf die Ablehnung der Rente durch die IV-Stelle zurück, was nachvollziehbar ist, aber nicht mit einem dauerhaften Gesundheitsschaden oder einer d auerhaften Verschlechterung der ge- sundheitlichen Situation gleichgesetzt werden kann. So wird denn auch in der Beurteilung vom 28. Januar 2019 ein solcher Zustand nicht mehr beschrieben. 6. Weiter ist der Einwand, Dr. E.____ habe sich nicht g enügend mit den Ausführungen von Dr. D.____ auseinandergesetzt, nicht stichhaltig. Dr. D.____ diagnostizierte eine leicht- bis mit- telgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom und attestierte eine 20%ige Arbeits- unfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit s ei die chronische Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Anteilen. Die somatoforme Ko mponente bei der chronischen Schmerzstörung sei leichtgradig, weshalb diesbezüglich aus psychiatrischer Sicht zu keinem Zeitpunkt eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden könne. Dr. E.____ hat sich in seinem Teilgutachten zur Diagnose chronische Schmerzstö rung (ICD-10: F45.41) geäussert und stellte differenziert fest, dass eher von der Diagnos e sonstiger chronischer Schmerz (ICD- 10: F52.2) auszugehen sei. Ähnlich wie Dr. D.____ erkan nte er, dass keine relevanten psychi- schen Faktoren feststellbar seien, welchen eine bedeutsame Rolle für den angegebenen Schwe- regrad und die Aufrechterhaltung der Schmerzen zugespr ochen werden könne. Die von Dr. D.____ festgestellte leicht- bis mittelgradig depressive Episode lag nach der schlüssigen Beurtei- lung von Dr. E.____ nicht mehr vor. Dabei muss es sein Bewenden haben. 7. Weitere ärztliche (somatische) Berichte, die das MEDAS -Gutachten in Frage stellen könnten, bestehen nicht. Auch der Bericht des Physiotherapeuten vom 8. Mai 2018 führt nicht zu einem anderen Ergebnis. Die von ihm behandelte Frozen Shoulder ist von den Fachgutachtern als eingeschränkte Schulterfunktion rechts bei AC Gelenksarthrose und Impingement mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gewertet worden, während die Karotisstenose (Engstelle im Bereich der Halsschlagader) als ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit genannt wurde. Diese müsse im wei- teren Verlauf kontrolliert werden und allfällig auch operativ behandelt werden, klinisch ergäben sich zum Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung aber keine Probleme. Am 26. Oktober 2017 fand schliesslich die Operation statt. Die seit dem Eingriff verminderte sensible Wahrnehmung in der rechten Gesichtshälfte wird zwar ebenfalls vom Physioth erapeuten behandelt, sie hat aber keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. 8. Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass die Fach gutachter der MEDAS sich ausführlich mit den gesundheitlichen Einschränkungen, Funktionseinbussen und Ressourcen be- fasst haben. Im Ergebnis sind die relevanten Diagnosen i n Bezug auf die Arbeitsfähigkeit mit Seite 10 einem Panvertebralsyndrom bei ausgeprägten degenerativen Wirbelsäulenveränderungen, chro- nischen Kniebeschwerden rechts mit medialer Gonarthrose, einer Femoro-patellären Arthrose, einer komplexen Innenmeniskusläsion sowie einer eingeschränkten Schulterfunktion rechts und einer AC Gelenksarthrose somatischer Natur. Aus neurologischer und psychiatrischer Sicht gibt es keine relevanten Einschränkungen hinsichtlich Arbeitsfähigkeit und Ressourcen. Aufgrund der körperlichen Beschwerden ist eine Tätigkeit als Reinigungsfachfrau nicht mehr zumutbar. In einer angepassten Verweistätigkeit liegt die Arbeitsfähigkei t bei 80 %, wobei das Heben und Tragen von schweren Lasten über 5 kg rechts und 10 kg links sowie Überkopfarbeiten nicht mehr möglich sind. Arbeiten rein stehend, gehend, mit viel Treppensteigen, mit Zwangshaltungen des Rumpfes und kniende, gehockte und gebückte Arbeiten sind zu verme iden wie auch das Gehen auf un- ebenem Grunde. Tätigkeiten im Wechsel von Stehen und Gehen sind zu bevorzugen. Die Zu- mutbarkeitsbeurteilung ist im Ergebnis nachvollziehbar und schlüssig, weshalb darauf abzustel- len ist. Die IV-Stelle ist daher zu Recht gestützt auf das beweiskräftige polydisziplinäre Gutachten der MEDAS vom 22. August 2017 von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer dem Leiden ange- passten Verweistätigkeit ausgegangen. 9.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des IV-Grades das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der me- dizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tä- tigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei- nander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad bestim- men (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 9.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist ents cheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Da nach empirischer Feststellung in der Regel die bishe- rige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt word en wäre, ist grundsätzlich vom letzten vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung erzielten, der Teuerung sowie der realen Einkom- mensentwicklung angepassten Verdienst auszugehen. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2) . Die Beweislast dafür, dass in einem konkreten Fall die Regel der Anknüpfung an den zuletzt erzielten Verdienst nicht greift, trifft die versicherte Person, wenn sich ein Abweichen davon zu ihren Gunsten (höheres Valideneinkom- men) auswirkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. Januar 2019, 9C_796/2018, E. 2.1). 9.3 Die Beschwerdeführerin war vom 16. Mai 2005 bis 30. September 2011 bei der B.____ als Sicherheitsmitarbeiterin angestellt. Gemäss Fragebogen für Arbeitgebende vom 11. Oktober 2017 wurde ihr die Stelle nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern wegen unangebrachten Seite 11 Verhaltens gekündigt. Danach arbeitete sie als Reinigung sfachfrau und Hauswirtschaftsange- stellte bzw. Betreuerin. Schliesslich meldete sie sich im November 2013 zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an. Im Vorbescheid vom 12. Januar 2015 e rmittelte die IV-Stelle das Validenein- kommen praxisgemäss aufgrund der zuletzt vor Eintritt des G esundheitsschadens ausgeübten Tätigkeit. In den Akten befinden sich jedoch lediglich Lohnangaben zur Tätigkeit als Sicherheits- mitarbeiterin, nicht aber zu den zwischen 2011 und 2013 ausgeübten Beschäftigungen. Die IV- Stelle stützte sich deshalb in Bezug auf das Valideneinkommen auf die Daten der LSE 2012. Sie ging dabei von Tabelle TA 17, Sektor Reinigungspersonal und Hilfskräfte, Kompetenzniveau der Tätigkeit 1, Spalte Frauen, Fr. 4'117.-- monatlich, basierend auf 40 Wochenstunden aus. Nach Anpassung dieses Betrages an die Nominallohnentwicklung von 0,7 % und Umrechnung auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunde n resultierte ein Jahreslohn bei einem vollen Pensum von Fr. 51'863.--. Die Beschwerdeführerin wendete dagegen ein, dass der Beizug der LSE auf der Basis der Hauswirtschaftsangestellten/Reinigungsfachkraft auf dem Kompetenz- niveau 1 nicht dem hypothetischen Valideneinkommen entspreche. Es könne ihr nicht zum Nach- teil gereichen, dass sie nach der Kündigung infolge Differenzen betreffend Überstunden der wirt- schaftlichen Notwendigkeit gehorchend eine Tätigkeit im Reinigungssektor angenommen habe. Zudem sei ihre Ausbildung als Hotelfachassistentin nich t berücksichtigt worden. Es werde der Beizug des statistischen Lohns der LSE 2012 entsprechend de r LSE 2010, TA 1, Ziffer 80 für Wach- und Sicherheitsdienste, Anforderungsniveau 3 bean tragt (vgl. Einwand vom 19. März 2015). In ihrer Verfügung vom 27. September 2018 korrigierte die IV-Stelle einerseits die Bemessungs- methode, indem sie nun die allgemeine Methode des Ei nkommensvergleichs anwendete, und andererseits das Valideneinkommen. Diesbezüglich ging sie nun von einer Tätigkeit als Sicher- heitsbedienstete und einem Jahreseinkommen von Fr. 59'418.-- aus (umgerechnet auf eine wö- chentliche Arbeitszeit von 41,9 Stunden x 12), gestützt a uf die LSE 2012, Tabelle TA1_tirage_skill_level, Sektor sonstige wirtschaftliche Di enstleistungen, Kompetenzniveau 2, Spalte Frauen, Fr. 4'727.-- monatlich (basierend auf 40 Wochenstunden). In ihrer Beschwerde bringt die Versicherte vor, dass inzwischen die LSE 2014 vorläge. Entspre- chend werde beantragt, für das Valideneinkommen auf d en Wert der Tabelle T 17, Ziffer 54, Frauen über 50 Jahre und somit einem Ausgangswert von Fr. 5'797.-- abzustellen. 10.1 Das im Gesundheitsfall erzielte Einkommen ist ein e hypothetische Tatsache, für welche ebenfalls der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit gilt (vgl. E. 9.2). Diese Beweismassregel bezieht sich auch auf Änderungen des Validen- einkommens, die z.B. darauf zurückzuführen sind, dass die vor Invaliditätseintritt ausgeübte Tä- tigkeit nur vorübergehender Natur war und die versichert e Person, wäre sie nicht vom Gesund- heitsschaden betroffen worden, eine Rückkehr in den erl ernten Beruf vorgenommen hätte (ULRICH MEYER UND MARCO REICHMUTH , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum So-zialversi- cherungsrecht, IVG, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 28a Rz. 62). Seite 12 10.2 In den zwei Jahren zwischen Entlassung bei der B.___ _ und der Anmeldung bei der IV- Stelle hat die Versicherte als Reinigungsfachfrau, im H auswirtschaftssektor und als Betreuerin gearbeitet. In den Akten gibt es keine Hinweise dafür, dass sie eine Rückkehr in den erlernten Beruf als Sicherheitsmitarbeiterin angestrebt hätte. Dies wird auch seitens der Versicherten nicht geltend gemacht, sondern lediglich beantragt, den entsprechenden Tabellenlohn zu berücksich- tigen. Die IV-Stelle hat zu ihren Gunsten den Validen lohn korrigiert. Der berücksichtigte Tabel- lenlohn von Fr. 59'418.-- entspricht denn auch in etwa dem Lohn der Versicherten als Mitarbeite- rin der B.____. Gemäss Arbeitgeberbescheinigung hätte die Versicherte als Vollzeitangestellte mit eidgenössischem Fachausweis umgerechnet einen Jahreslohn von Fr. 59'436.-- erzielen kön- nen. Unter Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse ist der geforderte Lohn von Fr. 5'797.- - gemäss LSE 2014, Tabelle T 17, Ziffer 54, Frauen über 50 Jahre als Ausgangswert zu hoch und kann nicht als hypothetisches Valideneinkommen herangezogen werden. Folglich bleibt es beim von der IV-Stelle ermittelten Valideneinkommen. 11.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstät igkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Ar- beitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich er zieltes Erwerbseinkommen gegeben, so können nach der Rechtsprechung die Tabellenlöhne der LSE herangezogen werden (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2 mit Hinweisen). Praxisgemäss kann von d em anhand der Tabellenlöhne der LSE ermittelten Invalideneinkommen unter bestimmten Voraussetzungen ein leidensbedingter Abzug vorgenommen werden. Damit soll der Tatsache Rec hnung getragen werden, dass per- sönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst- jahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Bes chäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 142 V 178 E. 1.3) und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 E. 5b/aa). Ohne für jedes zur Anwendung gelangende Merkmal separat quantif izierte Abzüge vorzunehmen, ist der Einfluss aller Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Der Abzug darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2, 126 V 75 E. 5b/bb-cc; Urteil d es Bundesgerichts vom 29. Juni 2017, 8C_253/2017, E. 4.3.2). 11.2 Beim ermittelten Invalideneinkommen wurde ein l eidensbedingter Abzug von 10 % be- rücksichtigt und im Resultat ein Jahreseinkommen von Fr. 37'297.-- ermittelt. Die Beschwerde- führerin erachtet einen Abzug von 15 % oder 20 % als angemessen. Zum Zeitpunkt des Gutach- tens von Dr. C.____ seien der Versicherten leichte bis imtermittierend mittelschwere Tätigkeiten Seite 13 ohne spezifische Belastung des rechten Kniegelenkes zumutbar gewesen. Demgegenüber seien aktuell nach MEDAS-Gutachten das Heben und Tragen von schweren Lasten über 5 kg rechts und 10 kg links sowie Überkopfarbeiten nicht mehr möglich. Das gleiche gelte für rein stehende, gehende, kniende, hockende und gebückte Arbeiten und für solche verbunden mit viel Treppen- steigen und Zwangshaltungen des Rumpfes. Dazu komme, dass aus neurologischer Sicht eine reizdichte Umgebung bei Migräne eher ungeeignet sei. 11.3 Vorliegend ist dem Umstand Rechnung zu tragen, da ss die MEDAS-Gutachter bereits einen Abzug von 20 % bei der Arbeitsfähigkeit vorgeno mmen haben, explizit wegen eines ver- mehrten Pausenbedarfs. Allenfalls rechtfertigt sich ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn wegen der zusätzlichen körperlichen Einschränkungen bei leicht bis mittelschweren Tätigkeiten, welche in Wechselbelastung auszuführen sind. Der von der IV-Stelle vorgenommene Abzug von 10 % ist bereits grosszügig bemessen und nicht zu beanstanden. Insgesamt erweist sich der von der IV-Stelle ermittelte IV-Grad von 37 % als rechtens. Ein An- spruch auf eine Rente besteht nicht. Die Beschwerde ist somit abzuweisen. 12.1. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art . 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwer- deverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung od er die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah- renskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie- gend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuer- legen sind. Da ihr mit verfahrensleitender Verfügung vom 9. November 2018 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden ist, gehen die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- vor- läufig zu Lasten der Gerichtskasse. 12.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung (vgl. Verfügung vom 9. November 2018) wird der Rechtsvertreterin ein Honorar aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Gemäss Ho- norarnote vom 12. Februar 2019 werden für den vorlieg enden Fall 12 Stunden und 20 Minuten sowie Auslagen von Fr. 114.90 in Rechnung gestellt, was nicht zu beanstanden ist. Ihr ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'780.40 (12 Stunden und 20 Minuten à Fr. 200.--zuzüglich Aus- lagen von Fr. 114.90 und 7.7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 12.3 Die Beschwerdeführerin wird jedoch ausdrücklich au f § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wu rde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, so- bald sie dazu in der Lage ist. Seite 14 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden der Beschwer- deführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Der Beschwerdeführerin wird keine Parteientschädig ung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'780.40 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht