B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7321/2018 U r t e i l v o m 1 4 . D e z e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Richter David R. Wenger (Vorsitz), Richterin Daniela Brüschweiler, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Eliane Hochreutener. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Monika Böckle, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des SEM vom 30. November 2018 / N (…). E-7321/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 21. November 2015 in der Schweiz um Asyl. Anlässlich der Befragung zur Person vom 2. Dezember 2015 und der Anhörung vom 24. August 2016 führte er im Wesentlichen aus, er sei eth- nischer Tadschike und im Dorf B._______ in C._______ geboren und auf- gewachsen. Seine Mutter respektive seine Stiefmutter sei verstorben. Seine Familie habe von der Landwirtschaft gelebt. Mitte Oktober 2015 habe er bei einem Besuch bei seiner Tante in D._______ zwei Personen beobachtet, welche in der Nähe einer Brücke Minen deponiert hätten. Zu- sammen mit einem Nachbarn seiner Tante sei er zur Polizei gegangen. Kurz darauf s ei seine Tante bedroht und ihr Sohn umgebracht worden. Seine Tante sei daraufhin zu ihnen gezogen und habe berichtet, dass die zwei Verdächtigen festgenommen worden seien. Gegen Ende Oktober 2015 sei er von einem Auto verfolgt worden. Am Tag darauf sei er auf dem Weg zur Schule gewesen, als drei Personen versucht hätten, ihn festzu- nehmen. Er habe es geschafft, in die Schule zu flüchten. Aus Angst vor den Verfolgern sei er daraufhin nicht mehr zur Schule gegangen und habe diese somit in der elften Klasse abgebrochen. Seine Tante habe ihm zu verstehen gegeben, dass die Personen, welche ihren Sohn umgebracht hätten, nun ihn verfolgen würden. Aufgrund dieser Probleme habe seine Familie entschieden, dass er Afghanistan verlassen solle. Anfang Novem- ber 2015 sei er deshalb aus Afghanistan ausgereist. Seine Familie und seine Tante hätten daraufhin zwei Drohbriefe erhalten, weshalb sie im Feb- ruar 2016 in den I ran gezogen seien. Er habe keine Verwandten mehr in Afghanistan. Der Beschwerdeführer reichte eine Kopie seiner Tazkira inklusive Überset- zung ein. B. Mit Verfügung vom 30. November 2018 (eröffnet am 5. Dezember 2018) stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingsei- genschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 20. Dezember 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei in den Dispositivziffern 4 und 5 aufzuheben und er sei wegen E-7321/2018 Seite 3 Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Wegw eisungsvollzugs vor- läufig aufzunehmen. Eventualiter sei die Sache zur erneuten Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei ihm die unentgeltliche Rechts- pflege zu bewilligen. Die Rechtsvertreterin sei als amtliche Verbeiständung zu bestellen und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver- zichten. Der Beschwerdeführer reichte ein Foto von seinem Vater, ein Foto von sei- nen Eltern, eine unleserliche Kopie eines nicht auf seine Familie lautenden Mietvertrages in E._______, eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung so- wie eine Honorarnote ins Recht. D. Mit Zwischenverfügung vom 14. Januar 2019 hiess der Instruktionsrichter die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Rechtsver- beiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor schusses und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. E. Am 21. Januar 2019 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein. F. Mit Replik vom 7. Februar 2019 nahm der Beschwerdeführer Stellung zur Vernehmlassung. Der Replik war eine aktualisierte Honorarnote beigelegt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie- gende Verfahren gilt das bisherige R echt (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe- stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge- setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins AIG übernommen worden. E-7321/2018 Seite 4 2. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu- treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 3. Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein- schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un- richtige u nd unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Kognition im Bereich des Ausländerrechts richtet sich nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Der Beschwerdeführer hat mit seiner Beschwerde den in der vorinstanzli- chen Verfügung angeordneten Wegweisungsvollzug angefochten. Die Ver- neinung seiner Flüchtlingseigenschaft, die Ablehnung seines Asylgesuchs und die Anordnung der Wegweisung blieben unangefochten und sind mit Ablauf der Beschwerdefrist in Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet somit einzig die Frage, ob die Wegweisung zu vollziehen ist oder ob anstelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzuordnen ist. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer moniert eine Verletzung der Pflicht zur vollstän- digen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts , des rechtlichen Gehörs und der Begründungspflicht. Dabei handelt es sich um Rügen, die vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 5.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei- nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist di e Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri- ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor- den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-E-7321/2018 Seite 5 sentlichen Sachumstände berücksichtig t werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT- SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwalt ungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein- zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Be- gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 5.3 Der Beschwerdeführer moniert eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und der Begründungspflicht. D ie Vorinstanz habe seine aktuelle familiäre Situation nicht berücksichtigt und sei entgegen seinen Aussagen anlässlich der Anhörung davon ausgegangen, dass er in C._______ über ein tragfä- higes Beziehungsnetz verfüge. Die Vorinstanz nannte in ihrem Entscheid kurz die wesentlichen Überle- gungen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf welche sie ihren Ent- scheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Par- teistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbrin- gen ausdrücklich widerlegt. Sie hat die Vorbringen des Beschwerdeführers genügend abgehandelt und diesem war es möglich, den Entscheid sach- gerecht anzufechten (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). Es liegt demnach keine Verletzung der Begründungspflicht vor. 5.4 Der Beschwerdeführer begründet die Rüge der Verletzung der vollstän- digen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts damit, die Vorinstanz habe sich nicht mit der aktuellen Sicherheitslage in E-7321/2018 Seite 6 C._______ auseinandergesetzt und sich lediglich auf eine zwar noch gül- tige, aber nicht mehr zutreffende Lageanalyse des Bundesverwaltungsge- richts aus dem Jahr 2011 gestützt. Im Folgenden wird mit Re ferenzurteil D-4287/2017 vom 8. Februar 2019 des Bundesverwaltungsgerichts der veränderten Lage in C._______ Rech- nung getragen (vgl. E. 7.2). Die Rüge ist somit als geheilt zu betrachten. 5.5 Insgesamt besteht keine Veranlassung, die Sache aus formellen Grün- den aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügli- che Rechtsbegehren ist abzuweisen. 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweis- standard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we- nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 6.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings- eigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend- bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vie lmehr nach den allge- meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung nach Afghanistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 E-7321/2018 Seite 7 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allge- meine Menschenrechtssituation in Afghanistan lässt den Wegweisungs- vollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 7. 7.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus- länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini- scher Notlage konkret gefährdet sind. 7.2 Was die in der Beschwerde geltend gemachte seit BVGE 2011/49 ver- änderte Lage in C._______ betrifft, so hat das Bundesverwaltungsgericht diese im Referenzurteil D-4287/2017 vom 8. Februar 2019 aktualisiert. Da- bei kam es zum Schluss, dass C._______ im Vergleich zu anderen Regio- nen und Städten Afghanistans trotz verschlechterter Sicherheitslage immer noch zu den stabileren und ruhigeren Orten gehöre. Die Annahme einer generellen Unzumutbarkeit der Rückkehr dorthin verneinte es und bestä- tigte die Aussagen in BVGE 2011/49 dahingehend, dass bei Vorliegen be- günstigender Umstände (insbes. tragfähiges Beziehungsnetz, Möglichkeit zur Sicherung des Existenzminimums, gesicherte Wohnsituation, guter Gesundheitszustand) weiterhin von der Zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs dorthin auszugehen ist (vgl. Urteil des BVGer D-4287/2017 E. 6.3). Im Vergleich zu Ka bul, wo das Gericht die Lage grundsätzlich als existenzbedrohend und damit unzumutbar einschätzt und von der Annahme einer konkreten Gefährdung nur ausnahmsweise bei Vorliegen besonders begünstigender Umstände abweicht (vgl. Referenz- urteil D -5800/2016 vom 13. Oktober 2017 E. 8.4), ist demnach in C._______ von einer verhältnismässig besseren Lage auszugehen. Begünstigende Faktoren können grundsätzlich namentlich dann gegeben sein, wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, gesunden Mann handelt. Ebenso is t entscheidrelevant, über welche Berufserfahrung die rückkehrende Person verfügt beziehungsweise inwiefern eine wirtschaftli- che Wiedereingliederung mit einer bezahlten Arbeit im Zusammenspiel mit einem tragfähigen Beziehungsnetz begünstigt werden kann. Dieses unab- dingbare soziale Netz muss dem Rückkehrenden insbesondere eine ange- messene Unterkunft, Grundversorgung sowie Hilfe zur sozialen und wirt- schaftlichen Reintegration bieten können (BVGE 2011/7 E. 9.9.2; Urteil des BVGer D-4287/2017 E. 7.3.1) E-7321/2018 Seite 8 7.3 Die Vorinstanz begründet die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs damit, angesichts der unglaubhaften Asylvorbringen des Beschwerdefüh- rers sei von einem tragfähigen und unterstützenden Beziehungsnetz in sei- nem Heimatort auszugehen. Seine widersprüchlichen Angaben i n Bezug auf den Tod seiner Mutter respektive seiner Stiefmutter seien als Schutz- behauptung zu taxieren. Seine Familie besitze ein Haus sowie landwirt- schaftliche Nutzflächen in B._______, weshalb er trotz fehlenden Berufs- abschlusses im familiären Betrieb mitwirken könne. Der Beschwerdeführer macht geltend, er verfüge in seinem Heimatort nicht mehr über ein tragfähiges Beziehungsnetz. Seine Eltern und seine Ge- schwister würden sich im Iran aufhalten. Die beiden eingereichten Fotos würden die Eltern im Iran ze igen. Der Mietvertrag der Wohnung in E._______ laute auf eine befreundete afghanische Familie, bei welcher seine Familie als Untermieter wohne. Seine Angaben zum Tod seiner Stief- mutter seien nicht widersprüchlich gewesen. Die Stiefmutter und die Mutter hätten in Afghanistan im selben Haushalt gelebt. Er habe beide "Mutter" genannt. In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, dass ihr die in der Anhö- rung gemachten Angaben des Beschwerdeführers zum Aufenthaltsort sei- ner Familienmitglieder bekannt gewesen seien. Aufgrund seiner unglaub- haften Angaben zu den Asylgründen und insbesondere angesichts des Wi- derspruchs hinsichtlich seiner Mutter gehe sie jedoch davon aus, dass er in C._______ nach wie vor Familienangehörige habe. Die eingereichten Fotos und die K opie eines Mietvertrages, der überdies nicht auf den Na- men seiner Familie ausgestellt worden sei, würden kein e tauglichen Be- weismittel für den permanenten Verbleib seiner Verwandten im Iran dar- stellen. Der Beschwerdeführer entgegnet, die Vorinstanz habe den Aufenthaltsort seiner Familienangehörigen im Iran zwar zur Kenntnis genommen, gehe aber trotzdem davon aus, dass er in C._______ über ein tragfähiges Bin- dungsnetz verfüge. 7.4 Die Vorinstanz ging zutreffend davon aus, dass der Beschwerdeführer in seinem He imatort über ein bestehendes und tragfähiges Beziehungs- netz verfügt. An dieser Einschätzung hat sich nicht s geändert. Die Fotos, welche seine Eltern im Iran zeigen sollen, vermögen nicht zu belegen, dass sie dort ihren dauerhaften Wohnsitz haben. Die einge reichte Kopie eines Mietvertrages lautet gemäss eigener Angabe des Beschwerdeführers nicht E-7321/2018 Seite 9 auf den Namen seiner Eltern. Seine Begründung in der Beschwerde, seine Familie würde bei afghanischen Freunden zur Untermiete wohnen, wes- halb der Mietvertrag nicht auf sie laute, vermag nicht zu überzeugen. Hinzu kommt, dass sein Erklärungsversuch, weshalb es zu einem Widerspruch hinsichtlich seiner Aussagen, nicht seine Mutter, sondern seine Stiefmutter sei gestorben, nicht überzeugt. Die Vorinstanz befand in ihrer V erfügung vom 30. November 2018 seine Verfolgungsvorbringen in Afghanistan als unglaubhaft. Eine Verfolgung hat somit nicht stattgefunden. Da der Be- schwerdeführer dies in seiner Beschwerde nicht anfocht, entfällt das be- hauptete Motiv für seine Ausreise. Folglich ist auch nicht davon auszuge- hen, dass eine Bedrohungslage seiner Familie und seiner Tante nach sei- ner Ausreise aus Afghanistan bestanden haben dürfte. Eine Ausreise sei- ner Familie und seiner Tante in den Iran ist somit stark anzuzweifeln. Viel- mehr ist davon auszugehen, dass seine Familie und seine Tante nach wie vor in Afghanistan leben und er infolgedessen in Afghanistan über ein fa- miliäres, soziales Beziehungsnetz verfügt, das ihn bei der Wiedereinglie- derung unterstützen könnte. Die Familie des Beschwerdeführers verfügt an seinem Herkunftsort über ein eigenes Haus, wo der Beschwerdeführer von Geburt bis zu seiner Ausreise gelebt hat. Sie ist im Besitz landwirt- schaftlicher Nutzflächen im Heimatort. Von einer gesicherten Wohnsitua- tion ist auszugehen. Er gab weiter an, dass Ernteüberschüsse als Einnah- mequelle dienen würden. Es ist somit anzunehmen, dass ihm trotz eine s fehlenden Berufsabschlusses in seinem Heimatort Möglichkeiten zur Si- cherung einer wirtschaftlichen Existenz zur Verfügung stehen. Im Übrigen ist der Beschwerdeführer jung und gesund. Nach dem Gesagten ist von begünstigenden Umständen im Sinne der Pra- xis des Gerichts auszugehen, weshalb sich der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach C._______ als zumutbar erweist. 7.5 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich- nen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der zuständigen Vertre- tung seines Heimatstaats die für seine Rückkehr notwendigen Reisedoku- mente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AslyG; BVGE 2008/34 E. 12). 7.6 Die Vorinstanz hat somit den Wegweisungsvollzug zu Recht als zuläs- sig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung den E-7321/2018 Seite 10 rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt, Bundes- recht nicht verletzt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich über- prüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Zwischen verfügung vom 14. Januar 2019 hiess der Instruktionsrichter indes die Gesuche um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung und Beiordnung einer amtli- chen Rechtsbeiständin gut. Dem Beschwerdeführer sind deshalb trotz Un- terliegens keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 9.2 Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte eine Honorarnote in der Höhe von Fr. 1'945.– (inkl. Auslagen) ein. Aus der Honorarnote ist ersichtlich, dass ein Stundenansatz von Fr. 200 .– verrechnet wurde. Das Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für eine nichtanwaltliche Vertretung aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die Honorarnote ist entsprechend zu reduzieren. Der amtlichen Rechtsbeiständin i st dem- nach für ihre Bemühungen zu Lasten des Gericht s ein amtliches Honorar von Fr. 1'745.– (inkl. Auslagen) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-7321/2018 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird zu Lasten der Gerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 1'745.– entrichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: David R. Wenger Eliane Hochreutener Versand: