B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5137/2019 law/gnb U r t e i l v o m 15 . M ä r z 2 0 2 1 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. Parteien A._______, geboren am (…), und ihr Kind B._______, geboren am (…), Eritrea, beide vertreten durch Nadja Zink, Rechtsanwältin, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 4. September 2019 / N (…). D-5137/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin, A._______, reiste eigenen Angaben zufolge am 16. Dezember 2015 in die Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Am 21. Dezember 2015 wurde sie vom SEM zu ihrer Person, ihrem Reiseweg und summarisch zu ihren Ausreisegründen aus dem Hei- matland befragt (Befragung zur Person; B zP). Am 5. September 2017 er- folgte die einlässliche Anhörung zu ihren Asylgründen. A.b Dabei machte sie im Wesentlichen geltend, sie sei eritreische Staats- angehörige und in Addis Abeba, Äthiopien, zur Welt gekommen, jedoch in C._______ aufgewachsen. Nach dem Tod ihrer Eltern in den Jahren (…) respektive (…) habe sie bei einer Tante mütterlicherseits gelebt, welche eine (…) ihres späteren Lebenspartners gewesen sei. Ihre beiden Brüder seien in den Jahren (…) beziehungsweise (…) gestorben. Die Schule habe sie bis (…) besucht und danach in der (…) ihres späteren Lebenspartners gearbeitet. Ihre Kinder seien in den Jahren (…), (…) und (…) geboren wor- den. Der Vater ihrer Kinder, mit dem sie seit (…) zusammengelebt habe, habe sie seit der Geburt des zweiten Kindes sehr schlecht behandelt. Er habe sie nicht heiraten wollen, sie wie eine Gefangene behandelt und sie geschlagen, misshandelt und gewürgt. Auch habe er ihr gedroht, er würde sie umbringen. Sie habe Angst um ihr Leben gehabt. Einmal habe er wäh- rend eines Streits eine Gasflasche aufgemacht und absichtlich das heraus- strömende Gas angezündet. Sie sei danach ins Krankenhaus gekommen, wo der Vorfall der Polizei gemeldet worden sei. Die Polizei habe sie darauf- hin befragt und ihr Lebenspartner sei verhaftet, jedoch schon am folgenden Tag wieder auf freien Fuss gesetzt worden . Zu Hause habe er sie wieder geschlagen. Auch ein Versöhnungsversuch durch den Pfarrer habe nichts gebracht. Die Polizei hab e ihr nicht geholfen, weil ihr Lebensp artner der Sohn eines (…) sei. Sie habe Eritrea im (…) 2015 in Richtung Sudan ver- lassen. Nach ihrer Ausreise sei es den Kindern sehr schlecht ergangen. Die ältere Tochter habe versucht, mit den Geschwistern aus dem Land zu flüchten, worauf sie für einige Tage inhaftiert worden sei. A.c Die Beschwerdeführerin reichte im Verlauf des vorinst anzlichen Ver- fahrens ihre Identitätskarte, die Taufscheine ihrer drei in Eritrea lebenden Kinder, einen Impfausweis, ihre Wohnsitzbestätigung und eine Lebensmit- telkarte (alle in Kopie) sowie mehrere Familienfotos als Beweismittel zu den Akten. D-5137/2019 Seite 3 B. Mit Entscheid des SEM vom 22. Dezember 2015 wurde die Beschwerde- führerin dem Aufenthaltskanton D._______ zugewiesen. C. Am (…) wurde das rubrizierte Kind der Beschwerdeführerin, B._______, geboren. D. Eine Verfahrensstandsanfrage der Beschwerdeführerin vom 19. Septem- ber 2018 beantwortete das SEM mit Schreiben vom 27. September 2018. E. Mit Verfügung vom 4. September 2019 – eröffnet am 9. September 2019 – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flücht lingseigen- schaft nicht (Dispositivziffer 1), lehnte ihr Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2) und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3) . Den Wegweisungsvollzug schob es jedoch infolge Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf (Dispositivziffern 4–6). F. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 2. Oktober 2019 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochte- nen Verfügung seien aufzuheben und es sei ihre und ihres Sohnes Flücht- lingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur erneuten Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu gewähren und auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Der Beschwerde lagen nebst der angefochtenen Verfügung und einer Voll- macht eine Schnellrecherche der SFH -Länderanalyse vom 13 . Februar 2018 zu "Eritrea: Sexualisierte Gewalt gegen Frauen" bei. G. Mit Eingabe vom 9. Oktober 2019 liess die Beschwerdeführerin eine Für- sorgebestätigung nachreichen. H. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 11. Oktober 2019 den Eingang der Beschwerde. D-5137/2019 Seite 4 I. Mit Zwischenverfügung vom 18. Oktober 2019 wurde das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbehalt einer nach- träglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Der Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Gleichzeitig wurde dem SEM Gelegenheit gegeben, eine Vernehmlassung zur Beschwerde einzu- reichen. J. Das SEM liess sich innert erstreckter Frist am 12. November 2019 zur Be- schwerde vernehmen. K. Der Beschwerdeführerin wurde mit Verfügung vom 19. November 2019 die Gelegenheit zur Einreichung einer Replik erteilt. L. In der Folge liess die Beschwerdeführerin am 4. Dezember 2019 replizie- ren. Der Eingabe lagen der Bericht der Hilfswerkvertretung vom 5. Sep- tember 2017, eine Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse vom 19. Sep- tember 2018 zu "Érythrée : Situation des familles monoparentales" sowie eine Kostennote bei. M. Mit Eingabe vom 4. August 2020 teilte die Rechtsvertreterin dem Gericht ihre neue Adresse mit. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG). D-5137/2019 Seite 5 1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht eine unrichtige und unvoll- ständige Sachverhaltsabklärung gerügt. Angesichts der erlittenen körperli- chen und sexuellen Gewalt leide die Beschwerdeführerin sehr wahrschein- lich unter einer nicht diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstö- rung (PTBS). Nebst der über (…) Jahre andauernden häuslichen Gewal t sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin auch in Libyen miss- handelt worden sei. Anlässlich der BzP habe sie ausgesagt, sie leide unter Kopfschmerzen und Ängstlichkeit, seit sie in Libyen gewesen sei. Inwiefern die erlittene häusliche Gewalt körperlich oder sexuell gewesen sei, sei überdies von der befragenden Person in keiner Weise abgeklärt wor den. Es sei deshalb mindestens wahrscheinlich, dass die Erinnerungen an die traumatisierenden Ereignisse mit Scham behaftet und lückenhaft – da weit- gehend verdrängt – seien. In der Befragungssituation, in der ihr mehrfach vorgeworfen worden sei, ihre Kinde r beim gewalttätigen Vater und ihrem Peiniger im Stich gelassen zu haben, sei keine vertrauensvolle Atmo- sphäre entstanden, in der sie sich hätte öffnen und detailliert berichten kön- nen, wenn sie denn psychisch dazu im Stand gewesen wäre. Schliesslich habe die Anhörung inklusive Rückübersetzung lediglich vier Stunden ge- dauert, was äusserst kurz sei und gerade für das Erzählen von belastenden Ereignissen nicht ausreiche. Es sei eine Abklärung durch eine psycholo- gisch qualifizierte Person vorzunehmen. D-5137/2019 Seite 6 3.2 Für die behauptete Traumatisierung bestehen keine Anhaltspunkte. Dem Anhörungsprotokoll ist nur eine Stelle zu entnehmen, der allenfalls Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin, über Erlebtes zu sprechen , ent- nommen werden könnten: "[…] Er tat mir Sachen an… Ich weiss nicht, wie ich das erzählen soll. Es ist so schwer. Solche Dinge tut man einfach keiner weiblichen Person an. Das tut man einfach nicht. […]" (vgl. Akten SEM A10/20 F97). Jedoch werden auf Beschwerdeebene keine neuen Sachver- haltselemente – etwa hinsichtlich körperlicher oder sexueller Gewalt – vor- gebracht, obwohl anzunehmen ist , die Rechtsvertreterin hätte dieses Thema mit der Beschwerdeführeri n anzusprechen versucht oder sie an eine Fachperson verwiesen. Sodann finden sich im Protokoll keine An- haltspunkte, dass sich die Beschwerdeführerin nur ungenügend hätte an Erlebtes erinnern können. Aus dem Umstand, dass sie im vorinstanzlichen Verfahren angab, seit ihrem Aufenthalt in Libyen unter Kopfschmerzen und Ängstlichkeit zu leiden und dass es ihr wegen der Trennung von ihren Kin- dern psychisch überhaupt nicht gut gehe (vgl. Akten SEM A3/11 Ziff. 8.02; A10/20 F156) , kann nicht per se auf eine Traumatisierung geschlossen werden. Die Beschwerdeführerin reichte bis heute keinen Arztbericht ein, um die behaupteten psychischen Schwierigkeiten zu belegen. Auch stellte sie einen solchen nicht in Aussicht, obschon es ihr im Rahmen ihrer Mitwir- kungspflicht gemäss Art. 8 AsylG oblegen hätte, entspre chende D oku- mente zu beschaffen, was der Rechtsvertretung zweifellos bekannt ist. Der Beschwerdeführerin wurde sodann in der Anhörung ausreichend Gelegen- heit gegeben, ausführlich über ihre Beziehungsprobleme und die Art der Misshandlungen zu berichten. Sie wurde mehrfach aufgefordert, über ihre Probleme in der Partnersch aft zu berichten (vgl. Akten SEM A10/20 F84, 86, 97, 98, 101 und 102). Die Hilfswerkperson bestätigt in ihrem Kurzbe- richt, dass die SEM -Mitarbeiterin die Beschwerdeführerin ausführlich be- fragt und die Fragen mehrmals wiederholt habe, wenn die Beschwerdefüh- rerin keine detaillierten Antworten gegeben habe. Dass die im Bericht be- schriebene etwas kühle Atmosphäre die Beschwerdeführerin von einer Öff- nung abgehalten hätte, erscheint nach dem Gesagten nicht wahrschein- lich. In diesem Zusammenhang ist f estzuhalten, dass die Frage, weshalb die Beschwerdeführerin ihre Kinder im Stich gelassen habe, zwar nicht be- sonders einfühlend formuliert war, aber zur Klärung des Sachverhalts be- rechtigt erscheint. Vor dem Hintergrund der von der Hilfswerkvertretung festgestellten und sich auch aus dem Protokoll ergebenden ausführlichen Befragung ist nicht ersichtlich, inwiefern die Befragung zu kurz gewesen sein soll. D-5137/2019 Seite 7 3.3 Die formellen Rügen erweisen sich damit als unbegründet. Es besteht keine Veranlassung, die Sache an di e Vorinstanz zurückzuweisen bezie- hungsweise eine Abklärung durch eine psychologisch qualifizierte Person vorzunehmen. Die entsprechenden Begehren sind demnach abzuweisen. 4. 4.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge- hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen An- schauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausg esetzt sind oder begrün- dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei- bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg- lichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgrün- den ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat be- ziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu- kunft begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; vielmehr müssen konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen re- alistisch und nachvollziehbar erschein en lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). 4.3 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaub- haft gemacht werden. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vor- handensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Un- glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit- tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, die Schilderun- gen der Beschwerdeführerin zu den geltend gemachten Übergriffen durch ihren Lebenspartner seien zu einem grossen Teil pauschalen Inhalts ge- wesen, ohne dass sie das Vorgebrachte weiter habe konkretisieren kön- nen. Auf Nachfrage, Einzelheiten über ihre damalige Situation mit ihrem Lebenspartner zu berichten, habe sie ausgeführt, dass sie ihn um eine D-5137/2019 Seite 8 Eheschliessung gebeten habe. Irgendwann seien die Schläge zu viel ge- worden und Nachbarn hätten es mitbekommen. Selbst als sie um eine aus- führlichere Schilderung ihrer Probleme gebeten worden s ei, habe sie nur wiederholt, dass es um das Thema der Eheschliessung gegangen sei. Ob- wohl ihr Lebenspartner ihr in Aussicht gestellt habe, sie nach dem zweiten Kind zu heiraten, habe er die Ehe verweigert. Er habe ihr Sachen angetan, die man einfach keiner Frau antue. Sie habe kein normales Leben führen können. Ihre Tochter habe ihr gesagt, dass sie sich schützen müsse. Nach weiteren Einzelheiten gefragt, habe sie wiederholt, dass ihr Lebenspartner betrunken am Morgen nach Hause gekommen sei und sie vor den Augen der Kinder geschlagen habe. Die Kinder würden keine Liebe für den Vater empfinden. Sie habe die Polizei informiert, jedoch habe sich nichts geän- dert. Obschon sie anfänglich zu Protokoll gegeben habe, dass ihr Lebens- partner sie täglich geschlagen habe, seien ihre Angaben zu den erlittenen Schlägen substanzlos und ausweichend geblieben. Als sie gebeten wor- den sei, hierüber ausführlich zu berichten, habe sie nur gemeint, dass ihr Lebenspartner sie gewürgt und beinahe umgebracht habe. Auch dieses Vorkommnis habe sie auf Nachfrage nicht konkretisieren können und sei ausgewichen, indem sie zum wiederholten Male auf Allgemeinplätze ver- wiesen habe. Im Weiteren habe sie dargelegt, dass ihr Lebenspartner bei einem Konflikt um die von ihr verlangte Eheschliessung das Gas angezün- det habe. Sie sei ins Krankenhaus gekommen und von der Polizei befragt worden. Zum Glück sei ihr nicht viel passiert. Die Polizei habe daraufhin ihren Lebenspartner einen Tag lang in Gewahrsam genommen. Nach die- sem Vorfall, bei dem er sie fast umgebracht habe, sei ihr klargeworden, dass es nicht zu einer Eheschliessung kommen würde. Weiter habe sie vorgebracht, dass sie sich wegen der Übergriffe an die Polizei gewandt habe. Auch hierzu seien ihre Angaben substanzlos gewesen. Auf die Frage, wie oft dies der Fall gewesen sei, habe sie gemeint, dass sie erst gedacht habe, dass es richtige Gesetze gebe, weshalb sie die Polizei in- formiert habe. Sie habe dann jedoch begriffen, dass die Gesetze sie nicht schützen würden, weshalb sie sich zur Ausrei se entschieden habe. Auch der hinzugezogene Pfarrer habe nicht schlichten können. Gegen Ende habe sie keine andere Lösung gesehen, als auszureisen. Diese pauschale Darlegung habe, gemessen an der einschneidenden Bedeutung, die das Verlassen der Heimat und das Zurücklassen der Kinder unter derartigen Umständen mit Sicherheit gehabt hätte, nicht zu überzeugen vermocht. Insbesondere sei in ihren Ausführungen auch keine persönliche Betroffen- heit zu erkennen. Es werde zwar nicht in Zweifel gezogen, dass sie Prob- leme in ihrer Partnerschaft gehabt habe und es auch zu Handgreiflichkei- ten gekommen sei. Auch sei glaubhaft, dass ihr Lebenspartner bei einem D-5137/2019 Seite 9 Streit das Gas entzündet habe. Die Polizei sei jedoch damals ihrer Schutz- pflicht nachgekommen und habe den Lebenspartner einen Tag lang in Ge- wahrsam genommen. Zudem habe sie die Möglichkeit gehabt, sich an den Pfarrer zu wenden, um Hilfe zu erhalten. Dieser habe sich eingeschaltet, um zwischen ihr und ihrem Lebenspartner zu vermitteln. Ihren Angaben sei zu entnehmen, dass der Pfarrer den Lebenspartner davon habe überzeu- gen wollen, sie der Kinder willen zu heiraten. Sie hätten beide akzeptiert, was der Pfarrer gesagt habe. Nach einer Woche habe ihr Lebenspartner sie wieder geschlagen. Sie habe sich jedoch nicht mehr an den Pfarrer gewandt. Es sei ihr nur noch darum gegangen, von dort wegzukommen. Sie habe nicht glaubhaft zu machen vermocht, dass sie sich in einer aus- weglosen Situation befunden habe, der sie sich nur durch eine Flucht ins Ausland habe entziehen können. Sie hätte etwa auch in Erwägung ziehen können, bei Verwandten unterzukommen. Ihre Erklärung, dass ihre Ver- wandten ihr nicht helfen würden, sei zu pauschal. Auch könne ihre Argu- mentation, dass ihre Verwandten in E._______ leben, ihre Kinder jedoch in C._______ zur Schule gehen würden, nicht gehört werden, zumal sie mit einem zeitweiligen Weg zug nach E._______ zumindest eine räumliche Distanz geschaffen und sich den Schlägen ihres Lebenspartners hätte ent- ziehen können. Ihre Behauptung , ihr Lebenspartner hätte sie auch dort nicht in Ruhe gelassen und es hätte auch nichts gebracht, wenn sie sich in C._______ eine andere Unterkunft gemietet hätte, sei rein hypothetisch. Abgesehen von den festgestellten Unglaubhaftigkeitselementen würden die Vorbringen mangels Intensität somit auch der asylrechtlichen Relevanz entbehren. Schliesslich sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da- von auszugehen, dass sich eritreische Staatsangehörige aufgrund einer illegalen Ausreise mit Sanktionen ihres Heimatstaates konfrontiert sehen würden, die ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG darstellen würden. Andere Anknüpfungspunkte, welche die Beschwerdeführerin in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könn- ten, seien ebenfalls nicht ersichtlich. 5.2 In der Beschwerde wird entgegnet, es sei allgemein bekannt, dass es sich beim absichtlichen Entzünden von Gas um ein äusserst schwe rwie- gendes Ereignis handle, das innert Bruchteilen von Sekunden zu Flammen und Explosionen führe, was zu schwersten Verbrennungen und zum Tod jeder sich in der Nähe befindlichen Person führen könne. Weshalb die Vor- instanz vor diesem Hintergrund der Ansicht sei, es mangle dem Gasangriff an der asylrechtlichen Intensität, sei nicht nachvollziehbar. Der Gasangriff sei Teil einer jahrelang andauernden systematischen Misshandlung durch den ehemaligen Lebensp artner der Beschwerdeführerin. Sodann könne D-5137/2019 Seite 10 die Vorinstanz nicht einerseits die Handgreiflichkeiten, um die es im Anhö- rungsprotokoll grösstenteils gehe, für glaubhaft befinden und andererseits der Ansicht sein, dass genau diese Handgreiflichkeiten aufgrund pauscha- ler Aussagen unglaubhaft seien. Es sei zudem die seit mehr als 20 Jahren bekannte wissenschaftliche Erkenntnis zu berücksichtigen, dass traumati- sierte Asylsuchende häufig nicht in der Lage seien, präzise, vollständige und widerspruchsfreie Angaben zu erlittenen Misshandlungen zu machen, sie dazu neigen würden, Gedanken, Gefühle und Gespräche, die sich auf das traumatische Ereignis bezögen, zu vermeiden und teilweise oder voll- ständig unfähig seien, sich an wichtige Aspekte des traumatisierenden Er- eignisses zu erinnern. Die Asylrekurskommission habe selbst festgestellt, dass Opfer von sexueller und anders gearteter massiver Gewalt "ein be- eindruckendes Mass an Beherrschung an den Tag legen und erstaunliche Energien freimachen" könnten, "mit denen sie das Erinnertwerden an trau- matisierende Erlebnisse oder die Entstehung beklemmender Vermutungen in ihrer Umgebung um jeden Preis zu verhindern versuchen" . Diese wis- senschaftliche Erkenntnis müsse bei den Schilderungen der Beschwerde- führerin zur deren erlittenen körperlichen und psychischen Übergriffen be- rücksichtigt werden. Dies erkläre, warum sie die körperlichen Misshandlun- gen relativ knapp beschrieben habe. Andererseits gelte auch zu beachten, dass es sich offensichtlich um täglich wiederkehrende körperliche Miss- handlungen, insbesondere Schläge, gehandelt und sie diese immer gleich ablaufenden Misshandlungen zusammengefasst habe. Aus ihren Aussa- gen gehe klar hervor, dass es ihr grosse Mühe bereitet habe, über die er- lebten Misshandlungen zu berichten, insbesondere, wenn von ihr verlangt worden sei, die Übergriffe im Detail zu schildern. Die Erinnerung daran, dass ihre Kinder nun an ihrer Stelle gequält wür den, habe sie emotional aufgewühlt. Es gehe nicht an, diese Aussagen als pauschal und auswei- chend zu bezeichnen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sie während Jahren eine äusserst traumatische und von Gewalt geprägte Beziehung gelebt habe, in der sie nur ihrer Kinder wegen verblieben sei. Circa ab Ge- burt ihres zweiten Kindes im Jahre (…) bis zu ihrer Ausreise im Jahr 2015 sei sie täglich geschlagen und misshandelt worden. Der Vater der drei Kin- der habe auch nicht davor zurückgeschreckt, seine eigene Tochter zu miss- brauchen, nachdem die Beschwerdeführerin geflohen sei. Dies sei durch- aus plausibel und spreche ebenfalls für die Glaubhaftigkeit der Aussagen. Auf die Frage, wie oft sie sich an die Polizei gewandt habe, habe sie durch- aus eine substantiierte Antwort gegeben. Sie habe angegeben, dass sie so oft dort gewesen sei, dass sich die Polizisten bereits an sie gewöhnt hätten. Es sei davon auszugehen, dass sie sich an die genaue Zahl angesichts der Häufigkeit schlicht nicht mehr habe erinnern können. Die befragende D-5137/2019 Seite 11 Person habe es sodann unterlassen nachzufragen, auf welchen Zeitrah- men sich die Angabe, dass es eine Zeit gegeben habe, in der sie drei Mal zur Polizei gegangen sei, bezogen habe. Zu behaupten, die Angaben der Beschwerdeführerin seien substanzlos, sei nicht nachvollziehbar. Was die persönliche Betroffenheit anbelange, seien an diversen Stellen des Proto- kolls Gefühlsäusserungen festgehalten, die darauf hindeuten würden, dass die vorgebrachten Erlebnisse real seien. Dabei falle auf, dass die Be- schwerdeführerin das eine Mal, als sie sich schliesslich dazu habe über- winden können, genauer über den Vorfall mit der Gasflasche zu erzählen, anfange zu weinen und ihre Erzählung daraufhin abbreche. Zum Beizug des Pfarrers habe sie ebenfalls substantiiert berichtet und etwa präzisiert, dass dieser sich eingeschaltet habe, nachdem der Gasvorfall gezeigt habe, dass durch die Polizei keine Hilfe von staatlicher Seite zu erwarten gewe- sen sei. Schliesslich habe sie auch klar angegeben, warum sie nach der fehlenden Hilfe durch die Polizei und dem gescheiterten Schlichtungsver- such des Pfarrers die Entscheidung gefasst habe, auszureisen. Sie sei voll- ständig auf sich alleine gestellt gewesen und habe gewusst, dass ihr aus Angst vor den Konsequenzen niemand helfen würde. Ihr Partner sei jedes Mal mit den Übergriffen davongekommen, obwohl alle Personen in ihrer Umgebung wie Nachbarn und entferntere Familienmitglieder dies gewusst hätten. Nach dem Tod der Eltern und der beiden Brüder habe es auch keine männlichen Fami lienmitglieder gegeben, die ihr hätten helfen können. Schliesslich sei sie bei ihrer Tante mütterlicherseits aufgewachsen, die eine (…) der Mutter ihres ehemaligen Partners gewesen sei. Vor diesem Hin- tergrund sei nachvollziehbar, dass von der Verwandtschaft keine Unterstüt- zung gekommen sei, zumal Gewalt gegen Frauen in Eritrea weit verbreitet sei. Weder der Staat in Form der Polizei noch die Kirche in Gestalt des Pfarrers noch die Zivilgesellschaft hätten ihr wirklich helfen wollen oder können. Sodann sei ihre Einschätzung, nirgends im Land ihre Ruhe zu ha- ben, durchaus realistisch. Die Verwandtschaft habe ihr nicht geholfen. Ihr Partner habe hingegen einen Reisepass und Geld. Somit sei er mobil und habe die Möglichkeit, sie in einem grösseren Radius zu verfolgen. Als ehe- maliger (…) und Sohn eines (…) habe er zudem die Polizei "in der Hand gehabt". Obwohl die Gewalt seit (…) angedauert habe, sei sie erst 2015 geflüchtet, als auch ihre älteste Tochter in den Fokus des Vater s geraten sei und der letzte Schlichtu ngsversuch durch den Pfarrer nach dem Gas- angriff nichts gebracht habe. Die Bemerkung der Vorinstanz, dass sie nach dem Gasangriff durch die Polizei wirksamen Schutz erhalten habe, sei schon fast zynisch. In der Schweiz würde in einem solchen Fall auch bei leichten Verletzungen eine Untersuchung wegen eventualvorsätzlicher Tö- tung eingeleitet. Der ehemalige Partner sei jedoch nach einem Tag wieder D-5137/2019 Seite 12 aus dem Polizeigewahrsam entlassen und nie angeklagt worden. Das SEM habe die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs verfügt und gehe folglich davon aus, dass die Wegweisung nach Eritrea im gesamten Land nicht zumutbar sei und somit auch nicht nach E._______, wo die Verwandten leben würden. Auch die Möglichkeit, eine andere Wohnung in C._______ zu mieten, falle demnach nach Ansicht der Vorinstanz offensichtlich ausser Betracht. Beide Punkte habe das SEM je- doch als Gründe dafür angeführt, dass die Beschwerdeführerin eine inner- staatliche Fluchtalternative gehabt habe. Wie die Vorinstanz zum Schluss komme, dass einerseits eine innerstaatliche Fluchtalternative bestehe und andererseits jedoch der Wegweisungsvollzug unzumutbar sei, sei nicht nachvollziehbar. Schliesslich habe sie in der (…) ihres Partners gearbeitet und sei somit auch finanziell von ihm abhängig gewesen. Es wäre ihr des- halb nicht möglich gewesen, eine andere Wohnung in C._______ zu mie- ten. Häusliche Gewalt sei in Eritrea – mit Verweis auf verschiedene Be- richte – weit verbreitet und auch akzeptiert. Die erlittene Gewalt führe oft dazu, dass die Opfer unter dem Verstoss seitens der Familie und der Ge- meinschaft leben würden. Sie würde bei einer Rückkehr nach Eritrea mit grosser Wahrscheinlichkeit in die Fänge ihres ehemaligen Partners gera- ten. Ein wirksamer Schutz durch den Staat sei nicht zu erwarten. Aufgrund der bereits erlittenen jahrelangen Misshandlungen sei sie auch gefährdeter als eritreische Frauen im Allgemeinen, wieder Opfer von häuslicher Gewalt ohne wirksamen Schutz zu werden. 5.3 In seiner Vernehmlassung hält das SEM an seinen Erwägungen fest und führt ergänzend aus, die Beschwerdeführerin habe keinen ärztlichen Bericht zum Nachweis der behaupteten Traumatisierung zu den Akten ge- reicht, so dass diese auch nicht erwiesen sei. Das SEM habe nicht in Ab- rede gestellt, dass es in der Beziehung mit ihrem damaligen Partner Prob- leme gegeben und es zum Streit und wohl auch zu Handgreiflichkeiten ge- kommen sein könne . Allerdings habe sie eine derartige Zwangslage, wie sie in der Beschwerdeschrift angeführt werde, nämlich, dass sie eine äus- serst traumatische, von Gewalt geprägte Beziehung gelebt habe und seit der Geburt ihres zweiten Kindes im Jahr (…) bis zu ihrer Ausreise im Jahr 2015 täglich geschlagen und misshandelt worden sei, nicht glaubhaft ma- chen können. So habe sie beispielsweise in der Anhörung erwähnt, dass es nach der Geburt ihres zweiten Kindes ständig Streit gegeben habe, dann hätten sie sich wieder vertragen und dann habe es wieder Streit ge- geben. Es sei ein ständiges Auf und Ab gewesen. Diese Aussage sei mit der Angabe in der Beschwerdeschrift, sie sei seit (…) täglich geschlagen D-5137/2019 Seite 13 und misshandelt worden, nicht zu vereinbaren. Auch sei es schwer vorstell- bar, dass die Beschwerdeführerin trotz der vorgebrachten Misshandlungen von ihrem damaligen Lebensgefährten verlangt haben solle, dass er sie heirate beziehungsweise dass es bei den Auseinandersetzungen um die Frage der von ihr angestrebten Eheschliessung gegangen sei. Auch bevor ihr Leb ensgefährte das Gas angezündet habe, habe es im Vorfeld eine Auseinandersetzung wegen der Eheschliessung gegeben. 5.4 In der Replik wird dem – mit Verweis auf verschiedene Berichte – ent- gegengehalten, zwar sei bislang keine PTBS diagnostiziert worden, daraus könne jedoch umgekehrt nicht geschlossen werden, dass keine Traumati- sierung bestehe. Letztlich sei entscheidend, dass sich aus den Anhörungs- protokollen ergebe, dass die Beschwerdeführerin äusserst ungern über das Erlebte berichtet habe und ihre Aussagen d arauf hindeuten würden, dass die erlebte häusliche Gewalt sie traumatisiert habe. Auch die Hilfs- werkvertretung halte in ihrem Bericht fest, man habe gespürt, wie sehr es sie (die Beschwerdeführerin) mitgenommen habe, darüber zu sprechen. Sodann lasse die Vorinstanz die Erkenntnisse zu häuslicher Gewalt in part- nerschaftlichen Beziehungen völlig ausser Acht. Gewalt in Paarbeziehun- gen trete nicht dauernd offen zutage, sondern es lasse sich ein Zyklus von Gewaltphasen erkennen, die sogenannte Gewaltspirale. Das S EM ver- kenne bei seinem Vorwurf, die Zwangslage sei nicht glaubhaft gemacht, weil es sich um ein ständiges Auf und Ab gehandelt habe, die Dynamik von häuslicher Gewalt. Auch impliziere das SEM , dass die häusliche Gewalt wohl nicht besonders schlimm gewesen sein könne, ansonsten die Be- schwerdeführerin nicht bei ihrem Partner hätte bleiben und ihn sogar hätte heiraten wollen. Dieses Argument sei nicht stichhaltig. Für Beziehungen, die von häuslicher Gewalt geprägt seien, sei es geradezu symptomatisch, dass Opfer in der Beziehung verbleiben und teilweise durch übertriebenes Entgegenkommen gegenüber dem Täter beziehungsweise der Täterin ver- suchen würden, diesem beziehungsweise dieser alles recht zu machen. Die Vorinstanz lasse anerkannte und wissenschaftlich unte rmauerte Er- kenntnisse zu häuslicher Gewalt ausser Acht, wenn sie mit Unverständnis reagiere, wenn das Opfer die Beziehung nicht beende. Zudem sei im vor- liegenden Kontext zu beachten, in welcher Situation sich eine unverheira- tete eritreische Frau mit Kindern befinde. Die Beschwerdeführerin sei von ihrem Lebenspartner in verschiedener Hinsicht, auch finanziell, abhängig gewesen. Auch die Hilfswerkvertretung sei der Ansicht gewesen, dass es plausibel sei, dass die Beschwerdeführerin die Situation über Jahre hinweg erduldet habe, weil ihr Partner ein einflussreicher (…) gewesen und immer D-5137/2019 Seite 14 wieder ins Ausland gereist sei. Hinzu komme, dass das Stigma für unver- heiratete Frauen mit Kindern in Eritrea ungleich grösser sei als in der Schweiz. Für Frauen mit aussereheli chen Kindern sei es sehr schwierig, Arbeit oder einen Partner zu finden , und sie könnten gezwungen sein, zu betteln oder sich zu prostituieren. Es gebe in Eritrea auch keine Institutio- nen, bei denen alleinstehende Frauen mit ausserehelichen Kindern Zu- flucht finden könnten, wenn sie Opfer von Gewalt oder sozialer Diskrimi- nierung würden. Es habe deshalb für die Beschwerdeführerin bereits aus sozialen und gesellschaftlichen Gründen ein sehr hoher Druck bestanden, ihren Partner zu heiraten. Bei dieser Sachlage zu implizieren, die häusliche Gewalt könne nicht so schlimm gewesen sei, da sie ihren ehemaligen Part- ner mehrmals habe heiraten wollen, sei realitätsfremd. 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub - haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent- scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D -5779/2013 vom 23. Februar 2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). 6.2 Die Vorinstanz hat die Vorbringen der Beschwerdeführerin in der ange- fochtenen Verfügung im Grundsatz mit ausführlicher und überzeugender Begründung als unglaubhaft beziehungsweise als nicht asylrelevant quali- fiziert. Diesbezüglich kann vorab auf die weitgehend zutreffende Argumen- tation in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. In Ergänzung und Präzisierung dazu ist Folgendes festzustellen: 6.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht übereinstimmend mit dem SEM davon aus , dass die partnerschaftliche Beziehung, in welcher die Be- schwerdeführerin lebte, schwierig war und der Lebenspartner bei einem Streit Gas entzündete. Gleichzeitig finden sich in den Schilderungen zahl- reiche Unglaubhaftigkeitselemente, welche erhebliche Zweifel daran auf- kommen lassen, dass die Beschwerdeführerin seitens ihres Lebenspart- ners Übergriffe im behaupteten Ausmass erlitt. Die diesbezügliche Argu- mentation des SEM ist durchaus schlüssig. 6.4 Hätten tatsächlich über Jahre hinweg täglich wiederkehrende körperli- che Misshandlungen stattgefunden, wäre anzunehmen, dass die Be- schwerdeführerin das Vorgefallene lebensnah beschreiben könnte. Selbst wenn die Misshandlungen immer gleich abgelaufen wären und sie diese D-5137/2019 Seite 15 zusammengefasst hätte, müssten die subjektiv als schwerwiegend einge- stuften Vorfälle dennoch insgesamt gut in Erinnerung geblieben sein. Statt- dessen fielen die entsprechenden Ausführungen während der gesamten Anhörung trotz wiederholter Nachfragen au sgesprochen undifferenziert aus. Mangels entsprechender Hinweise kann die fehlende Substantiierung nicht auf eine Traumatisierung der Beschwerdeführerin zurückgeführt wer- den. Weder liegt ein entsprechender Arztbericht vor noch ist dem Anhö- rungsprotokoll zu entnehmen, die Beschwerdeführerin habe grosse Mühe gehabt, sich an das Erlebte zu erinnern oder darüber zu sprechen bezie- hungsweise habe versucht, einer genaueren Beschreibung aus dem Weg zu gehen (vgl. E. 3.2). Vielmehr ergibt sich der Eindruck, die Beschwerde- führerin habe das Vorgebrachte nicht im behaupteten Ausmass erlitten und weiche deshalb den Fragen aus respektive versuche, möglicherweise tat- sächlich Erlebtes in einem anderen, dramatischeren Lichte erscheinen zu lassen. Die in der Beschwerde zitierten Protokollstellen führen zu keinem anderen Schluss (vgl. Beschwerde Ziff. IV.2.2.1.d). Dass die Hilfswerkper- son die Vorbringen als ausreichend detailliert erachtete und ausführte, "man spürte, wie sehr es sie [die Beschwerdeführerin] mitnahm, darüber sprechen", vermag an der Einschätzung des Gerichts ebenfalls nichts zu ändern. Sodann fällt auf, dass eine persönliche Betroffenheit dort zutage tritt, wo die Rede ist von den Eltern, Brüdern oder Kindern (vgl. Akten SEM A3/11 Ziff. 7.01; A10/20 F53, F77, F91 ff. und F156). Dass die Beschwer- deführerin ihre zurückgelassenen beziehungsweise verstorbenen Famili- enmitglieder vermisst und sich ungeachtet des in der Heimat tatsächlich Vorgefallenen Sorgen um ihre Kinder macht, ist nachvollziehbar. Die ein- zige Gefühlsäusserung in anderem Zusammenhang, nämlich im Kontext des Vorfalls mit dem Gas, lässt nicht auf die Glaubhaftigkeit der gesamten Vorbringen schliessen (vgl. Akten SEM A10/20 F106). 6.5 Was die Häufigkeit der Schläge und Misshandlungen durch den Leben- spartner anbelangt, sind dem Anhörungsprotokoll keine widerspruchs- freien und substantiierten Aussagen der Beschwerdeführerin zu entneh- men. So erklärte sie zunächst, sie sei täglich geschlagen worden (vgl. Ak- ten SEM A10/20 F78). Kurz darauf führte sie dagegen aus: "Es gab ständig Streit, dann vertrugen wir un s wieder und dann gab es wieder Streit; ein ständiges Auf und Ab" (vgl. Akten SEM A10/20 F84). Auf die ausdrückliche Frage, wie oft ihr Lebenspartner sie geschlagen habe, antwortete die Be- schwerdeführerin sodann: "Als dieses zweite Kind geboren wurde bis z ur Ausreise 2015." In der Folge wurde die Frage wiederholt, worauf die Be- schwerdeführerin zu Protokoll gab: "Dass er kam und mich geschlagen hat? Wie soll ich das sagen? In unserer Kultur ist das so, dass du dich D-5137/2019 Seite 16 einfach schlagen lässt. Du wehrst dich nicht. Das ist sehr schwer" (vgl. Ak- ten SEM A10/20 F99 f.). Insgesamt gelingt es der Beschwerdeführerin nicht ansatzweise, ein stimmiges Bild zu vermitteln, wie oft sie unter der Gewalt ihres Lebenspartners gelitten habe. Auch die Ausführungen in der Replik zum Thema der Gewaltspirale bei häuslicher Gewalt vermögen die Ungereimtheiten in den Aussagen der Beschwerdeführerin nicht zu erklä- ren. 6.6 Erhebliche Zweifel am geschilderten Ausmass des Konflikts mit dem Partner ergeben sich sodann aufgrund des Umstands, dass die Beschwer- deführerin ohne ihre Kinder ausreiste, zumal sie angesichts der dargeleg- ten Umstände damit rechnen musste, dass sich ihr Lebenspartner an den Kindern rächen würde. Schon als sie noch zusammen in Eritrea gelebt hät- ten, hätten die Kinder keine Liebe für ihren Vater empfunden, der oft am Morgen betrunken nach Hause gekommen sei (vgl. Akten SEM A10/20 F98). Tatsächlich soll der Vater die Tochter nach ihrer (der Beschwerdefüh- rerin) Ausreise geschlagen haben (vgl. Akten SEM A10/20 F87 und F90 f., vgl. auch F111) . In der Beschwerde wird zudem vorgetragen , die Be- schwerdeführerin sei, obwohl die Gewalt seit (…) angedauert habe, erst 2015 geflüchtet, als auch ihre älteste Tochter in den Fokus des Vaters ge- kommen sei und auch der letzte Schlichtungsversuc h durch den Pfarrer nichts gebracht habe (vgl. Beschwerde Ziff. IV.2.2.3.c). Selbst wenn die Tochter ihre Mutter aufgefordert hätte, sich in Sicherheit zu bringen, er- scheint nach dem Gesagten kaum vorstellbar, dass die Beschwerdeführe- rin ihre Kinder im Umfeld des gewalttätigen Vaters zurückgelassen hätte . Der befragenden Person drängte sich zu Recht eine entsprechende Frage auf, wenngleich die Wortwahl ("[…], bevor Sie ins Ausland gehen und Ihre Kinder im Stich lassen") in der Tat unglücklich gewählt war (vgl. Akten SEM A10/20 F125; vgl. E. 3.2). Es wäre unter den vorgebrachten Umständen davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin alles unternommen hätte, um nicht nur sich selber, sondern auch die Kinder vor dem Vater zu schützen. Selbst wenn sie befürchtet hätte, dass ihr Partner sie seiner Rei- semöglichkeiten wegen hätte verfolgen können, wäre zu erwarten gewe- sen, dass sie vor dem radikalen Schritt einer alleinigen Ausreise ernsthaft nach einer anderen Wohnmöglichkeit zusammen mit ihren Kindern in Erit- rea gesucht hätte. Dass sie in der Anhörung ausführte, sie hätte wegen der Distanz von (…) Kilometern nicht nach E._______ zu Verwandten ziehen können, da ihre Kinder in C._______ die Schule besucht hätten, und es stattdessen vorzog, alleine auszureisen, erhärtet die Zweifel an der geltend gemachten Tragweite der Beziehungsproblematik (vgl. Akten SEM A10/20 D-5137/2019 Seite 17 F124). Soweit in der Beschwerde geltend gemacht wird, die Beschwerde- führerin hätte mangels finanzieller Möglichkeiten keine eigene Wohnung in C._______ mieten können, ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin in der Anhörung zu diesem Thema ins Feld führte: "Ich hätte mir in C._______ auch etwas anderes mieten können, aber das hätte überhaupt nichts gebracht" (vgl. Akten SEM A10/20 F125). 6.7 Der Beschwerdeführerin ist insoweit beizupflichten, als es möglich er- scheint, dass sie sich nicht mehr an die genaue Anzahl der Polizeikontakte erinnern kann. Auch ist vorliegend in der Tat unklar, auf welchen Zeitraum sich die konkreten Angaben beziehen (vgl. Akten SEM A10/20 F114). Gleichzeitig ist dem Anhörungsp rotokoll zu entnehmen, dass die Be- schwerdeführerin den ersten zwei Fragen nach der Häufigkeit der Polizei- kontakte auswich und stattdessen etwa pauschal antwortete: "Die Polizis- ten hatten sich eigentlich sch on fast an mich gewöhnt. Ich habe irgend- wann mal die Schläge akzeptiert meiner Kinder Willen, damit ich sie ein- fach irgendwie grossziehen kann. Erst, als meine Tochter grösser war und von sich aus äusserte, dass ich mein Leben selber schützen müsse und gehen solle, habe ich es begriffen" (vgl. Akten SEM A10/20 F112). Dass die Beschwerdeführerin über Jahre hinweg viele Male bei der Polizei um Schutz ersucht haben soll, obwohl i hr nie geholfen worden sei , erscheint im Übrigen auch realitätsfremd. An dieser Stelle sei ergänzt, dass die Be- schwerdeführerin ihr Vorbringen in der BzP , wonach ihr Lebenspartner der Sohn eines (…) und (…) sei, weshalb ihr die Polizei nicht habe helfen wol- len (vgl. Akten SEM A3/11 Ziff. 7.02), in der Anhörung nicht mehr wie der- holte. Dort führte sie die fehlende Hilfe seitens der Polizeibehörden sinn- gemäss auf seine Stellung als (…) zurück (vgl. Akten SEM A10/20 F129 f.). 6.8 Die Ausführungen hinsichtlich des Beizugs des Pfarrers erscheinen da- gegen einen etwas höheren Detailliertheitsgrad aufzuweisen als diejenigen zu den erlebten Misshandlungen. Daraus lässt sich jedoch einzig der Schluss ziehen, dass wohl eheliche Schwieri gkeiten bestanden haben, in deren Rahmen der Pfarrer beigezogen wurde . Über das Ausmass dieser Schwierigkeiten ergeben sich aus den entsprechenden Angaben jedoch keine weiteren Aufschlüsse. 6.9 Sodann sind auch die Ausführungen zur fehlenden Hilfe seitens der Verwandten und Nachbarn nicht geeignet, das geltend gemachte Ausmass der häuslichen Gewalt glaubhaft zu machen. Zwar bestehen keine Zweifel, dass die Eltern und Geschwister der Beschwerdeführerin verstorben sind. Jedoch sind ihre Erklärungen, dass beziehungsweise weshalb sie keine D-5137/2019 Seite 18 Hilfe von anderen Verwandten oder Nachbarn erhalten habe, derart verall- gemeinernd und unsubstantiiert ausgefallen, dass sie kein Bild einer tat- sächlich erlebten ausweglosen Situation zu vermitteln vermögen (vgl. etwa Akten SEM A10/20 F86, F109 und F122 ff.). 6.10 Was das Entzünden des Gases durch den Lebenspartner, wobei die Beschwerdeführerin nur durch ein Dazwischengehen ihrer Tochter gerettet worden sei, anbelangt, ist der pauschalen Beschreibung des Hergangs des Vorfalls nicht zu entnehmen, wie dieser genau abgelaufen ist (vgl. Akten SEM A10/20 F84 und F102 f.). Auf die Frage, was denn damals genau pas- siert sei, antwortete die Beschwerdeführerin wenig konkret: "Das Gas in Eritrea ist nicht wie hier. Es gibt keinen Herd. Das ist eine kleine Flasche. Dort benutzt man keine Elektrik. Man muss das auffüllen. Nachdem ic h mich gewehrt hatte und wir uns da gestritten hatten, hat er das mit Absicht angezündet. Gott sei Dank ist mir nicht viel passiert, aber ich kam an- schliessend ins Krankenhaus. Danach konnte ich einfach nicht mehr so weiterleben. Ich habe es nicht mehr ert ragen" (vgl. Akten SEM A10/20 F103). Weshalb der Lebenspartner lediglich einen Tag in Gewahrsam ge- nommen wurde, muss letztlich offenbleiben. Jedenfalls lässt sich den Schil- derungen der Beschwerdeführerin nicht entnehmen, dass sich die eritrei- sche Polizei hätte veranlasst sehen müssen, von einem "Gasangriff", wel- chen Begriff im Übrigen auch das SEM nicht verwendet (vgl. angefochtene Verfügung S. 3 f.: "bei einem Konflikt das Gas angezündet"), auszugehen. 6.11 Soweit zur Frage der Eheschliessung in der Replik geltend gemacht, es habe für die Beschwerdeführerin bereits aus sozialen und gesellschaft- lichen Gründen – und unabhängig von der Dynamik der häuslichen Gewalt in der Beziehung mit ihrem ehemaligen Lebenspartner – ein sehr hoher Druck bestanden, ihren (ehemaligen) Partner zu heiraten, ist dem eine er- hebliche Diskrepanz in den Aussagen der Beschwerdeführerin entgegen- zuhalten. In der BzP antwortete sie nämlich auf die Frage, weshalb sie nicht verheiratet gewesen sei : "C'est moi qui ne voulait pas me marier". Nach dem Grund gefragt gab sie zu Protokoll: "Voilà, J'étais comme une prison- nière" (vgl. Akten SEM A3/11 Ziff. 7.02). Trotz des grammatikalischen Feh- lers ("voulait" statt "voulais") bestehen aufgrund des Wortes "moi" kaum Zweifel daran, dass die Beschwerdeführerin in der BzP zum Ausdruck brin- gen wollte, sie selber habe die Heirat nicht gewollt. In der Anhörung dage- gen bringt die Beschwerdeführerin wiederholt zum Ausdruck, dass auf ihrer Seite ein Heiratswunsch bestanden habe (vgl. etwa Akten SEM A10/20 F105 ff.). Vor diesem Hintergrund kann darauf verzichtet werden, auf die weiteren allgemeinen Ausführungen in den Rechtsschriften zum Thema D-5137/2019 Seite 19 der häuslichen Gewalt und der Situation von unverheirateten eritreischen Frauen mit Kindern einzugehen. 6.12 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich – übereinstimmend mit dem SEM –, dass in der Partnerschaft der Beschwerdeführerin offen- sichtlich Differenzen bestanden, in deren Rahmen es auch zu Handgreif- lichkeiten kam. Jedoch ist es der Beschwerdeführerin nic ht gelungen , glaubhaft zu machen, dass die Übergriffe seitens ihres Lebenspartners ein asylrelevantes Ausmass erreichten. Weitergehende Ausführungen zur Frage der Schutzfähigkeit und -willigkeit der eritreischen Behörden im Zu- sammenhang mit häuslicher Gewalt beziehungsweise des Vorliegens einer innerstaatlichen Fluchtalternative (bzw. Schutzalternative) erübrigen sich damit. Es kann deshalb darauf verzichtet werden, auf die entsprechenden Ausführungen in den Rechtsschriften einzugehen. 6.13 Aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz vor- läufig aufgenommen wurde, kann sie nichts zu ihren Gunsten ableiten. Diese ist gemäss dem internen Antrag des SEM im Wesentlichen auf die seit ihrer Ausreise eingetretenen veränderten Lebensumstände zurückzu- führen. 6.14 6.14.1 Mit Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil pu- bliziert) hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass eine illegale Aus- reise allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht ausreicht. Von der begründeten Furcht vor intensiven und flüchtlingsrechtlich begründeten Nachteilen ist nur dann auszugehen, wenn zur illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzukommen, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen (vgl. a.a.O. E. 4.1 und 5.1 f.). Auch unter Berücksichtigung von neueren Lände- rinformationen und der internationalen Rechtsprechung – welche zudem stets nur Einzelfälle zum Gegenstand hat – besteht aktuell kein Anlass, von dieser Praxis abzuweichen. 6.14.2 Vorliegend fehlt es an konkreten Anhaltspunkten dafür, dass bei der Beschwerdeführerin – neben der behaupteten illegalen Ausreise – zusätz- liche Faktoren hinzukommen, welche sie in den Augen der eritreischen Be- hörden als missliebige Person erscheinen liesse n und aufgrund welcher sie deshalb bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat Sanktionen zu befürch- ten hätte, welche ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen D-5137/2019 Seite 20 würden. Auch d ie illegale Ausreise der Beschwerdeführerin führt mithin nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft. 6.15 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die von der Beschwerdefüh- rerin geltend gemachten Asylgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlings- rechtlich relevante Verfolgung oder eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu begründen. Demnach hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuwei- sen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfah rens wären dessen Kosten den Be- schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Vorliegend wurde indes der Antrag auf unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 18. Oktober 2019 gutge- heissen. Es sind daher keine Verfahrenskosten zu erheben. 9.2 Das Bundesverwaltungsgericht bestellt auf Antrag einer asylsuchen- den Person, die von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit wurde, grundsätzlich eine amtliche Rechtsbeiständin oder einen amtlichen Rechtsbeistand. Die Rechtsvertreterin erfüllt die persönlichen Vorausset- zungen gemäss aArt. 110a Abs. 3 AsylG und ist gestützt auf das Gesuch vom 2. Oktober 2019 als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen. Dem- nach ist ihr ein Honorar für ihre notwendigen Ausgaben im Bes chwerde- verfahren auszurichten. In der bei den A kten liegenden Kostennote vom 4. Dezember 2019 wird ein Vertretungsaufwand von 9 Stunden bei einem D-5137/2019 Seite 21 Stundenansatz von Fr. 220.– sowie Auslagen von Fr. 15.– ausgewiesen. Dieser Aufwand erscheint angemessen und d er aufgeführte Stundenan- satz bewegt sich im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) und entspricht der Praxis des Gerichts. Für die Adressänderu ngsmeldung vom 4. August 2020 erfolgt kein Zuschlag. Der Rechtsvertreterin ist demnach zulasten der Gerichts- kasse ein amtliches Honorar von Fr. 1'995.- (inkl. Auslagen, inkl. allfälliger Mehrwertsteuerpflicht) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-5137/2019 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wird gutgeheissen. MLaw Nadja Zink , Rechtsanwältin, wird als amtlich e Rechtsbeiständin eingesetzt. 4. Der eingesetzten amtlichen Rechtsbeiständin wird zulasten der Gerichts- kasse ein amtliches Honorar von Fr. 1'995.– zugesprochen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Barbara Gysel Nüesch Versand: