Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Juli 2022 ( 720 21 361 / 163) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1976 geborene, zuletzt vom 1. Dezember 2016 bis 31. Oktober 2019 als Telemati- ker bei der B.____ AG angestellt gewesene A.____ hat te sich am 12. August 2018 bei einem Treppensturz zu Hause Verletzungen auf der linken Körp erseite in den Bereichen Oberschen- kel/Becken und Schulter zugezogen. Die Vaudoise Allgeme ine Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Vaudoise), bei welcher A.____ im damalig en Zeitpunkt obligatorisch unfallversi- chert war, erbrachte nach Eingang der Unfallmeldung d ie gesetzlichen Leistungen für die Heil- behandlung dieser Verletzungen und für die daraus res ultierenden Arbeitsunfähigkeiten. Ab April 2019 klagte A.____ auch über rechtsseitige Schulte rschmerzen, die am 27. August 2019 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht einen arthroskopischen Eingriff erforderlich machten. N achdem der Versicherte die Auffassung vertreten hatte, dass seine Beschwerden an der rechten Schulter ebenfalls als Folge des Ereig- nisses vom 12. August 2018 zu betrachten seien, erliess die Vaudoise am 30. August 2019 eine Verfügung, mit der sie eine Leistungspflicht für die B ehandlung der rechten Schulter ablehnte. Zur Begründung verwies sie auf die Beurteilung ihres m edizinischen Dienstes, wonach die Schulterbeschwerden rechts nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 12. August 2018 zu rückgeführt werden könnten. An dieser Leistungsablehnung hielt die Vaudoise auf Einspr ache des Versicherten hin mit Ein- spracheentscheid vom 26. Februar 2020 fest. Die von A.____ hiergegen erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 20. August 2020 ab (Verfahren-Nr. 725 20 138). Am 3. Februar 2020 hatte sich A.____ unter Hinweis auf die Schulterverletzungen links und rechts sowie auf damit zusammenhängende Beschwerden am l inken Ellbogen auch bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug angemeldet. Die IV-Stelle Basel-Landschaft prüfte einen Anspruch des Versicherten auf berufliche Massnahmen und ge- währte ihm in der Folge ab 2. November 2020 eine sech smonatige Vorbereitungsmassnahme bei der C.____ AG (vgl. die Mitteilungen vom 3. Nove mber 2020 und 23. Februar 2021). Zur Klärung allfälliger Ansprüche nach der Beendigung die ser Massnahme wurde das Dossier in der Arbeitsvermittlung geschlossen und dieses nach Absprach e mit dem Versicherten an die zuständige Sachbearbeitung weitergeleitet (vgl. den "Ab schlussbericht der Eingliederungs- massnahme" vom 30. März 2021). Nach Vornahme zusätzlicher Abklärungen ermittelte die IV- Stelle beim Versicherten auf den Zeitpunkt des frühestm öglichen Rentenbeginns per August 2020 hin einen Invaliditätsgrad von 29 %. Gestützt auf dieses Ergebnis lehnte sie nach durch- geführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 22. S eptember 2021 einen Rentenan- spruch von A.____ ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 21. Oktober 2021 Beschwerde beim Kan- tonsgericht. Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen; unter o/e-Ko stenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung einer Frist zur Einre ichung einer ergänzenden Beschwer- debegründung. Nachdem ihm das Kantonsgericht aufgru nd der geschilderten besonderen Um- stände eine entsprechende Nachfrist gewährt hatte, reic hte A.____ am 17. November 2021 die in Aussicht gestellte ergänzende Beschwerdebegründung nach. C. Mit Schreiben vom 21. November 2021 ersuchte der Besc hwerdeführer zudem um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. Gestützt auf die eingereichten Unterlagen ent- sprach das Kantonsgericht mit Verfügung vom 6. Januar 2022 diesem Begehren. D. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vo m 24. Januar 2022 die Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführun gen eine Beurteilung von Dr. med. D.____, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative M edizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 9. Dezember 2021 bei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Im Hinblick auf die Beurteilung der vorliegenden Be schwerde zog das Kantonsgericht die bereits archivierten Akten des unfallversicherungsrech tlichen Beschwerdeverfahrens zwi- schen A.____ und der Vaudoise (Verfahren-Nr. 725 20 138) bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die Beschwerde des Versicherten vom 21. Oktober 2021 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19 . Juni 2020 beschlossene Ände- rung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kra ft. Die vorliegend angefochtene Verfü- gung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgeme inen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmun gen des IVG und diejenigen der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (AT SG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendb ar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/202, E. 2). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wie- dergegeben, zitiert und angewendet. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die vo raussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der g esundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2, 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die ander e medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2). Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist demnach entschei- dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntn is der Vorakten (Anamnese) abge- geben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Z usammenhänge und in der Beurteilung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schl ussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt Bericht en und Gutachten versicherungsinter- ner Fachpersonen rechtsprechungsgemäss nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfah- ren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externe r Fachpersonen oder gar wie einem Ge- richtsgutachten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gut achtens entschieden werden soll. Be- stehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsin- ternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende A bklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.1). 4.1 Die IV-Stelle zog zur Abklärung des medizinischen S achverhalts bei der Vaudoise die Unfallversicherungs- und die Krankentaggeldversicherungsakt en des Beschwerdeführers bei. Darin findet sich der Operationsbericht von Dr. med. E. ____, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, vom 30. Jan uar 2019, der beim Versicherten eine Arthroskopie der Schulter links mit Rotatorenmanschettenrekonstruktion und subpectoraler Tenodese der langen Bicepssehne durchführte. Am 27. Augu st 2019 nahm Dr. E.____ densel- ben Eingriff an der rechten Schulter des Versicherten vor (vgl. den Bericht vom 30. August 2019). Er attestierte dem Beschwerdeführer als Folge dieses Eingriffs vom 27. August 2019 bis 30. Januar 2020 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Z ur Behandlung der Ellbogenbeschwer- den führte Dr. med. F.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be- wegungsapparates und für Handchirurgie, am 16. Januar 2020 einen operativen Eingriff mit einer Revision des Nervus ulnaris und einer Epicondylekto mie und subcutaner Gleitlappenplas- tik des Musculus triceps links durch (vgl. den Operationsb ericht vom genannten Tag). Im Nach- gang zu diesem Eingriff attestierte Dr. F.____ dem Ver sicherten (in mehreren Zeugnissen) vom 16. Januar 2020 bis Mitte Mai 2020 eine vollständige, a nschliessend bis 2. August 2020 eine 50 %-ige und vom 3. August 2020 bis 2. Oktober 2020 e ine 25 %-ige Arbeitsunfähigkeit. Ab 3. Oktober 2020 sei wieder von einer vollen Arbeitsf ähigkeit auszugehen. In einem weiteren Zeugnis vom 11. August 2020 attestierte zudem auch Dr . E.____ dem Versicherten wegen der Beeinträchtigungen an der Schulter links für den Zeit raum vom 9. Juli 2020 bis 30. September 2020 eine 25 %-ige Arbeitsunfähigkeit. 4.2 In der Folge legte die IV-Stelle die medizinischen Akten ihrer RAD-Ärztin Dr. D.____ zur Beurteilung vor. In ihrer Stellungnahme vom 26. Juli 2021 gelangte die genannte Ärztin zur Auffassung, dass in Bezug auf den Umfang und den Verla uf der Arbeitsfähigkeit vollumfänglich auf die medizinisch plausiblen Einschätzungen der behande lnden Ärzte abgestellt werden kön- ne. Mit diesen sei demnach davon auszugehen, dass der Ve rsicherte vom 30. Januar 2019 bis 14. Juli 2020 wegen der instabilen Situation an beid en Schultern und vorübergehend auch we- gen des Eingriffs am linken Ellbogen vollständig arbe itsunfähig gewesen sei. Anschliessend sei Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht er in der angestammten Tätigkeit als Telematiker sowie in sämtlichen leichten (Verweis-) Tätig- keiten ohne Arbeiten mit erhobenen Armen über der Ho rizontalen und ohne Heben und Tragen über 10 kg vom 15. Juli 2020 bis 2. August 2020 zu 50 % und vom 3. August 2020 bis 2. Okto- ber 2020 noch zu 25 % arbeitsunfähig gewesen. Ab 3. Okt ober 2020 schliesslich habe in den genannten Tätigkeiten bis auf Weiteres wieder eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit bestanden. 4.3 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 22. September 2021 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands auf die genannt e Stellungnahme ihrer RAD-Ärztin Dr. D.____. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherte im Zeitpunkt des frühestmög- lichen Rentenbeginns (August 2020) sowohl in der angest ammten Tätigkeit als Telematiker als auch in sämtlichen leidensadaptierten Verweistätigkei ten lediglich noch zu 25 % arbeitsunfähig gewesen sei. Dieses Ergebnis der vorinstanzlichen Beweiswürd igung ist nicht zu beanstanden. Wie weiter oben festgehalten (vgl. E. 3.3 hiervor), kom mt zwar Berichten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte rechtsprechungsgemäss nicht derselbe Bew eiswert zu wie einem im Ver- fahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externe r Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten, ein solcher Bericht ist aber soweit zu berücksichtigen, als keine - auch nur geringe - Zweifel an der Richtigkeit seiner Schlussfol gerungen bestehen (vgl. BGE 145 V 97 E. 8.1). Vorliegend besteht kein Anlass, an der Richtigkeit der Feststellungen von Dr. D.____ zu zweifeln. Diese nimmt in ihrer Stellungnahme eine sorg fältige Prüfung und Würdigung der vor- handenen medizinischen Aktenlage und eine schlüssige Be urteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten vor. Zudem deckt sich diese vollumfänglich mit den entsprechenden Beurteilungen der behandelnden Ärzte Dres. E.____ und F.____. 5. Was der Beschwerdeführer vorbringt, vermag die vori nstanzliche Beurteilung des me- dizinischen Sachverhalts nicht in Frage zu stellen. 5.1 Der Versicherte weist darauf hin, dass ihm Dr. E.___ _ ab 9. Juli 2020 aufgrund der Schulterbeschwerden links eine Arbeitsunfähigkeit von 25 % attestiert habe. Gleichzeitig liege gemäss dem Zeugnis von Dr. F.____ ab 3. August 2020 weg en der Ellbogenproblematik links ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 25 % vor. Der Be schwerdeführer ist der Auffassung, dass diese beiden auf verschiedene Beeinträchtigungen zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeiten von je 25 % additiv zu gewichten seien, so dass ab dem 3. Au gust 2020 - dem Zeitpunkt des frü- hestmöglichen Rentenbeginns - insgesamt eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Dieser Betrachtungsweise kann nicht gefolgt werden. In i hrer Vernehmlassung macht die IV- Stelle in diesem Zusammenhang gestützt auf die Einschä tzung der RAD-Ärztin Dr. D.____ zu Recht geltend, dass die prozentuale Einschränkung seitens der linken Schulter in jener, welche durch den Ellbogen noch bestand, gleichsam aufgehe. Di es sei, so die IV-Stelle weiter, versi- cherungsmedizinisch so üblich, zumal es sich um die gleiche ob ere Extremität handle. Durch die zeitliche Restriktion der Arbeitsfähigkeit zur Scho nung und Entlastung des linken Ellbogens werde zeitgleich auch die linke Schulter geschont und sie könne sich entsprechend erholen. Somit könnten die beiden prozentualen Einschränkungen ab er nicht additiv gewichtet werden. Diesen Ausführungen der Vorinstanz ist in jeder Hinsicht beizupflichten und es kann - unter Hinweis darauf - von weiteren Erörterungen zu diesem Ei nwand des Beschwerdeführers abge- sehen werden. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Der Versicherte macht sodann geltend, dass er nach w ie vor an anhaltenden Schulter- beschwerden leide. Dies werde durch die die aktuellsten Sprechstundenberichte von Dr. E.____ vom 12. August 2021 und 16. November 2021 bestätigt. In ihrer Stellungnahme vom 9. Dezem- ber 2021 zu diesen im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Sprechstundenbe- richten weist die RAD-Ärztin Dr. D.____ aber zu Recht da rauf hin, dass es zum Zeitpunkt der IV-Verfügung (22. September 2021) keine medizinisch-ob jektiven Indizien für eine relevante Funktionseinschränkung beider Schultern oder des linken Ellbogens gegeben habe. Dr. E.____ habe im Bericht vom 12. August 2021 vielmehr festgehalte n, dass der Versicherte seitens der linken Schulter und des linken Ellbogens schmerzfrei sei und dass es an der rechten Schulter nur noch zu diskreten, belastungsabhängigen Beschwerden beim Krafttraining oder bei kraftfor- dernden Tätigkeiten im Alltag komme. Klinisch seien jedoch, wie Dr. D.____ in ihrer Würdigung der Sprechstundenberichte ausserdem festhält, beide Sc hultern symmetrisch frei beweglich gewesen und die Muskeltrophik sei intakt gewesen, was gege n eine Schonung der oberen Ext- remitäten im Alltag spreche und auch mit den Sonogra phiebefunden beider Schultern korres- pondiert habe. Als Zufallsbefund habe sich in der Sono graphie der rechten Schulter einzig eine diskrete Bursitis subacromialis ergeben. Da die Schulterbe weglichkeit aber uneingeschränkt, d.h. frei gewesen sei, habe dieser Befund keine funktion ellen Auswirkungen und er habe keine therapeutische Konsequenz nach sich gezogen. Bis zum massg ebenden Zeitpunkt des Verfü- gungserlasses könne deshalb, so das Fazit von Dr. D.____, bei der Würdigung des medizini- schen Sachverhalts, weiterhin auf die Aktenlage abgestell t werden, die der ablehnenden Ren- tenverfügung zu Grunde gelegen habe. Dieser Schlussfol gerung der RAD-Ärztin und ihren vor- stehend wiedergegebenen Ausführungen ist ohne Weitere s beizupflichten. Zu berücksichtigen ist zudem, dass Dr. E.____ dem Versicherten in seinen aktue llsten Sprechstundenberichten vom 12. August 2021 und 16. November 2021 keine Arbeitsu nfähigkeit (mehr) attestiert hat, was das Ausmass und die Auswirkungen der vom Beschwerdeführer weiterhin geklagten Schul- terbeschwerden ebenfalls relativiert. 5.3 Schliesslich erachtet der Beschwerdeführer die vori nstanzliche Sachverhaltsabklärung als unvollständig. Er begründet diese Rüge aber nicht w eiter, insbesondere zeigt er nicht auf, was die IV-Stelle vor Verfügungserlass noch hätte abklären müssen. Aus den Akten sind solche Abklärungsmängel jedenfalls nicht ersichtlich, sodass von we iteren Erörterungen zu diesem Einwand abgesehen werden kann. 6. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu besti mmen. Die IV-Stelle nahm in der angefochtenen Verfügung vom 22. September 2021 auf d en Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns hin (1. August 2020) den erforderlichen Einkommensvergleich vor. Da der Ver- sicherte damals (noch) keiner Erwerbstätigkeit nachging, se tzte die IV-Stelle das Invalidenein- kommen zu Recht unter Beizug der Tabellenlöhne der Sc hweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik fest (vgl. dazu BG E 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Auf diese Weise errechnete sie - auf der Basis der ärztlicherseits attestier- ten Arbeitsfähigkeit von 75 % (vgl. E. 4.3 hiervor) - ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 58‘212.--. Anschliessend stellte sie diesen Betrag d em gestützt auf die Angaben der letzten Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitgeberin erhobenen Valideneinkommen von Fr. 81‘ 600.-- gegenüber und ermittelte so ei- nen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 29 %. Die konkrete Berechnung, die vom Ver- sicherten in der vorliegenden Beschwerde nicht beanstande t wurde, erweist sich als rechtens. Unter diesen Umständen kann hier von weiteren Erörteru ngen zum vorinstanzlichen Einkom- mensvergleich abgesehen und stattdessen auf die entspre chenden Ausführungen der IV-Stelle in der genannten Verfügung verwiesen werden. 7. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die I V-Stelle in der angefochte- nen Verfügung vom 22. September 2021 einen Rentenan spruch des Versicherten zu Recht ablehnte. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist si ch als unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Verfügung vom 6. Januar 2022 die unentg eltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorl äufig auf die Gerichtskasse genom- men. 8.2 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. http://www.bl.ch/kantonsgericht