Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. November 2015 (730 14 284 / 310) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Kostenübernahme für eine durchgeführte Venensklerosierung mangels Krankheitswert der behandelten Varizen zu Recht verneint Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei berin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Atupri Krankenkasse , Direktion , Zieglerstrasse 29 , 3000 Bern 65 , Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1975 geborene A.____ ist bei der Atupri Kran kenkasse (Atupri) obligatorisch kran- kenpflegeversichert. Am 18. April 2013 wurde bei A. ____ eine Venensklerosierung durchge- führt. Am 23. April 2013 stellte der behandelnde Ar zt, Dr. med. B.____, FMH Angiologie und Allgemeine Innere Medizin, A.____ Kosten im Betrag von insgesamt Fr. 516.30 in Rechnung, worauf A.____ am 10. Mai 2013 die Atupri mittels Rü ckforderungsbeleg um Kostenübernahme ersuchte. In der Folge führte die Atupri Abklärunge n bei Dr. B.____ sowie ihrem Vertrauensarzt zwecks Beurteilung der Kostenübernahme durch. Mit S chreiben vom 12. Juni 2013 teilte die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Atupri Dr. B.____ mit, dass eine Kostenübernahmepflich t abgelehnt werde. Mit Schreiben vom 4. Oktober 2013 ersuchte Dr. B.____ im Sinne einer Wi edererwägung erneut um Kostengut- sprache für die durchgeführte Sklerosierung. Mit Schreibe n vom 28. November 2013 lehnte die Atupri die Kostenübernahme abermals ab. Auf Ersuchen de r Versicherten hin erliess die Atupri am 28. April 2014 eine Verfügung, in der sie die Kost enübernahme für die durchgeführte Skle- rosierung ablehnte, da das Venenleiden gemäss vertraue nsärztlicher Beurteilung ohne Krank- heitswert sei. Die gegen diese Verfügung erhobene Ein sprache wies die Atupri mit Einsprache- entscheid vom 3. September 2014 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 15. Septemb er 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie sinngemäss die Aufhebung des angefochte nen Einspracheentscheides vom 3. September 2014 sowie die Erteilung der Kostengutspr ache für die Behandlung vom 18. April 2013. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen gelten d, dass die Behandlung gemäss Auf- fassung ihres behandelnden Arztes von der Krankenversicherung zu übernehmen sei. Die Skle- rosierung sei jährlich durchzuführen, um Probleme zu vermeiden. C. Mit Vernehmlassung vom 28. Oktober 2014 schloss die A tupri auf Abweisung der Be- schwerde. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes ü ber die Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 1994 auf die Krankenversicherung anw endbar sind, kann gegen Ein- spracheentscheide der Krankenversicherer beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht des- jenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Ze it der Beschwerdeerhebung ihren Wohn- sitz hat. Vorliegend hatte die Versicherte zu diesem Zei tpunkt Wohnsitz in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltung sprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden aus dem Bereich der K rankenversicherung. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versiche rten vom 15. September 2014 ist demnach einzutreten. 2. Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet das Präsidium des K antonsgerichts, Abteilung So- zialversicherungsrecht, Streitigkeiten bis zu einem Streit wert von Fr. 10'000.--. Im vorliegenden Fall liegt der Streitwert unter dieser Grenze, so dass die Sache präsidial zu entscheiden ist. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Materiell streitig und zu prüfen ist, ob die Atupri die Kostenübernahme für die durchge- führte Venensklerosierung vom 18. April 2013 zu Recht abgelehnt hat. 3.1 Im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversiche rung (Art. 1a Abs. 1 KVG) ha- ben die anerkannten Krankenkassen (Art. 12 KVG) und die zugelassenen privaten Versiche- rungseinrichtungen (Art. 13 KVG) als obligatorische Kra nkenpflegeversicherer nach Art. 11 KVG im Falle einer Krankheit die Kosten für die Leist ungen gemäss den Art. 25 - 31 KVG nach Massgabe der in den Art. 32 - 34 KVG festgelegten Vora ussetzungen zu übernehmen (Art. 24 KVG). Die obligatorische Krankenpflegeversicherung über nimmt unter anderem die Kosten für die Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung ein er Krankheit und ihrer Folgen dienen (Art. 25 Abs. 1 KVG), sofern die Leistungen wirksam, zweckm ässig und wirtschaftlich sind (Art. 32 Abs. 1 KVG). 3.2 Als Krankheit gilt nach dem Gesetz jede Beeinträchti gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfall es ist und die eine medizinische Un- tersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbei tsunfähigkeit zur Folge hat (Art. 3 Abs. 1 ATSG). Der Rechtsbegriff "Krankheit" deckt sich nicht notwendigerweise mit dem medizinischen Krankheitsbegriff. Nicht jede Beeinträchtigung der Gesundheit stellt eine Krankheit dar; vielmehr muss diese den sog. Krankheitswert erreichen. Die gesundhe itliche Störung muss mithin eine gewisse Schwere aufweisen, um als Krankheit zu gelten (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versi- cherungsgerichts [EVG, seit dem 1. Januar 2007: Bundesg ericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 16. August 2005, K 1/05, E. 1.2). 3.3 Schönheitsfehler, die im Rahmen der natürlichen kö rperlichen Entwicklung entstehen, wie etwa abstehende Ohren, Muttermale gutartiger Na tur, Gesichtsfalten, Haarausfall, Krampf- adern oder nicht dem angeblichen Schönheitsideal ent sprechende Brüste, haben keinen Krankheitscharakter im Sinne von Art. 3 Abs. 1 ATSG, sow eit damit keine erheblichen Funkti- onsstörungen verbunden oder konkret zu erwarten sind (G EBHARD EUGSTER , Krankenversiche- rung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], 2. Aufl., Basel 2006, Rz. 260). Massnahmen zu deren Korrektur sind daher nur dann als Pf lichtleistungen von der Kranken- kasse zu übernehmen, wenn das kosmetische Defizit körperliche oder psychische Beschwer- den mit Krankheitswert verursacht und Ziel des Eingriffs die Behebung dieser krankhaften Be- gleitumstände ist (BGE 121 V 213 Erw. 4 mit Hinweisen ). Diese Grundsätze, die das EVG in erster Linie zum Anwendungsfall der Korrektur von Mamm ahyperplasien oder -dysplasien ent- wickelt hat, stellen in einem weiteren Sinn die gener elle Grundlage für die Beurteilung dar, ob die Behebung eines natürlichen Schönheitsmangels eine Pf lichtleistung der Krankenkasse ist (GEBHARD EUGSTER , a.a.O., Rz. 261). 3.4 Unter bestimmten Voraussetzungen haben Krankenversi cherer auch die Kosten der operativen Behandlung sekundärer krankheits- oder unfal lbedingter Beeinträchtigungen, na- mentlich äusserliche Verunstaltungen vor allem an sichtbar en und in ästhetischer Beziehung speziell empfindlichen Körperteilen zu übernehmen. Dazu muss die äusserliche Verunstaltung ein gewisses Ausmass erreicht haben und sich durch eine kosm etische Operation beheben lassen. Weiter muss der Versicherer auch für die primäre n Unfall- oder Krankheitsfolgen leis- tungspflichtig sein und die durchgeführte kosmetische Ope ration muss sich in allgemein übli- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Grenzen sowie im Rahmen der Wirtschaftlichkeit halte n (BGE 121 V 121 E. 1, 111 V 232 E. 1c, je mit Hinweis; RKUV 2005 Nr. KV 345 S. 368 E. 2.2 [Urteil des EVG vom 17. August 2005, K 4/04]; Urteil des EVG vom 22. Juni 2005, K 50/05, E. 2.2). Der wesentliche Unterschied zur ersten Fallgruppe (E. 3.3 hiervor) liegt darin, dass es sich hier um einen Mangel sekundärer Natur handelt und die Abweichung von der ästhetischen Norm lediglich ein gewisses Ausmass erreichen muss. Anders als bei der ersten Fallgruppe ist b ei dieser Konstellation eine kassen- pflichtige Vorbehandlung vorausgesetzt, durch welche die ästhetische Einbusse erst hervorge- rufen worden ist. Die ästhetische Einbusse ist mit ander en Worten Folge der Behandlung, so- dass die Behebung der ästhetischen Beeinträchtigung als Teil derselben erscheint. 3.5 Der Bundesrat, allenfalls das Eidgenössische Departeme nt des Innern (EDI) oder das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV), kann die von Ärzti nnen oder Ärzten erbrachten Leis- tungen bezeichnen, deren Kosten von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen übernommen wer den (vgl. Art. 33 Abs. 1 und 5 KVG). Der Bundesrat, gegebenenfalls das EDI oder das BSV, be stimmt, in welchem Umfang die obli- gatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten einer neu en oder umstrittenen Leistung übernimmt, deren Wirksamkeit, Zweckmässigkeit oder Wirtschaftlichkeit sich noch in Abklärung befindet (Art. 33 Abs. 3 KVG). Gemäss Art. 1 der Vero rdnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Krankenpflege -Leistungsverordnung, KLV) vom 29. September 1995 bezeichnet der Anhang 1 zur KLV di ejenigen Leistungen, die nach Art. 33 lit. a und c der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) vom 27. Juni 1995 von der Leistungs- und Grundsatzkommission geprüft wurden und deren Kosten von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen bzw. nur unter bes timmten Voraussetzungen oder nicht übernommen werden. Diese gesetzliche Ordnung ent hält insofern eine für den die Kos- tenvergütung ersuchenden Versicherten vorteilhafte Ordnung, als im Falle einer durch den Arzt oder den Chiropraktor erbrachten Leistung die Kostenve rgütungspflicht der Versicherung zu bejahen ist, sofern die ärztlich erbrachte Leistung nic ht durch den Anhang 1 der KLV ausge- nommen worden ist. Die von Ärzten oder Chiropraktoren als Angehörige eines freien Berufes applizierten Heilanwendungen haben somit die gesetzlic he Vermutung für sich, dass sie den Voraussetzungen für eine Kostenübernahme durch die obli gatorische Krankenpflegeversiche- rung entsprechen (vgl. BGE 129 V 167 ff.; 125 V 28 ff .). So lässt sich auch aus Art. 25 Abs. 1 KVG i.V.m. Art. 32 Abs. 1 KVG und Art. 33 Abs. 1 KVG ableiten, dass bei einer Leistungser- bringung durch einen Arzt oder einem Chiropraktor die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und die Wirtschaftlichkeit und damit der Pflichtleistungscharakte r einer Leistung als gegeben erachtet wird (vgl. Schweizerische Zeitschrift für Sozialversicherung und berufliche Vorsorge [SZS] 47/2003 S. 376; BBl 1992 I 159). 4.1 Gemäss dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Unter suchungsgrundsatz (vgl. Art. 43 ATSG) hat die verfügende Behörde bzw. d as Gericht die Abklärung des Sachver- halts von Amtes wegen vorzunehmen. Danach haben sowohl der Sozialversicherungsträger als auch das Sozialversicherungsgericht von sich aus, ohne Bindung an die Parteibegehren, für die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhaltes z u sorgen. Um die sich im Zusam- menhang mit der Vergütung der Kosten für die durchgef ührte Venensklerosierung durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung stellenden Frag en beantworten zu können, ist die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Krankenversicherung auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Dabei ist es deren Aufgabe, a ufgrund von Anamnese, Befund und Diagnose die Notwendigkeit der Behandlung an sich sowie die in Betracht fallenden therapeuti- schen Möglichkeiten zu bezeichnen (Urteil des EVG vom 5. Juni 2003, K 46/02, E. 4.3.2). 4.2 Solche ärztlichen Stellungnahmen sind, wie alle Be weise im Sozialversicherungspro- zess, von der rechtsanwendenden Behörde frei sowie umfasse nd und pflichtgemäss zu würdi- gen (FRITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983 , S. 278). Dabei ist für den Beweiswert grundsätzlich weder die Herkunft eines B eweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellung nahme als Bericht oder Gutachten, son- dern dessen Inhalt ausschlaggebend. Gerade die Krankenv ersicherungen oder ihre Verbände sind gemäss Art. 57 Abs. 1 KVG sogar verpflichtet, nach Rü cksprache mit den kantonalen Ärz- tegesellschaften Vertrauensärzte bzw. Vertrauensärztinnen zu bestellen. Diese wiederum ha- ben die Krankenversicherungen gemäss Art. 57 Abs. 4 und 5 KVG in medizinischen Fachfragen zu beraten und insbesondere die Voraussetzungen der Lei stungspflichten zu überprüfen. Sie sind in ihrem Urteil unabhängig und weder die Kranke nversicherung noch die Leistungserbrin- ger können ihnen Weisungen erteilen. Die Berichte u nd Gutachten ständiger Vertrauensärzte haben in beweisrechtlicher Hinsicht denn auch grundsät zlich den gleichen Stellenwert wie die verwaltungsinternen Arztberichte und Gutachten der UVG-Versicherer (vgl. GEBHARD EUGSTER , a.a.O., Rz. 209 ff.). Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist letztendlich aber ent- scheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist , auf allseitigen Untersuchungen be- ruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Ke nntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussf olgerungen der Fachperson begründet sind (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a und 122 V 160 E. 1c mit weiteren Hinweisen; A LFRED BÜHLER , Versicherungsinterne Gutachten und Privatgutachten in: Rechtsfragen der medizinischen Be- gutachtung in der Sozialversicherung, St. Gallen 1997, S. 179 ff.). 4.3 Im Sozialversicherungsverfahren gilt, sofern das Gesetz n ichts Abweichendes vorsieht, der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BG E 129 V 222 E. 4.3.1 mit Hinwei- sen). Überwiegende Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass jene r Sachverhaltsdarstellung gefolgt wird, die von allen Geschehensabläufen als die wahrschei nlichste gewürdigt wird (BGE 115 V 133 E. 8b). Demgegenüber genügt es nicht, dass ein bestimmter Sachverhalt bloss möglich ist. 5. Zur Beurteilung der strittigen Frage sind die fol genden medizinischen Unterlagen von Bedeutung: 5.1 Auf Anfrage der Beschwerdegegnerin zur Prüfung ih rer Leistungspflicht berichtete Dr. B.____ am 28. Mai 2013 über die folgenden, anlä sslich der durchgeführten Behandlung erhobenen Diagnosen: Revarikose beidseits im Magnagebie t (Astvarikose mit proximalem In- suffizienzpunkt in der Leiste) bei einem Status nach Crossek tomie und Stripping der Vena sa- phena magna beidseits 2005. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Im Wiedererwägungsgesuch vom 4. Oktober 2013 führt e Dr. B.____ in Ergänzung zu seinem Bericht vom 28. Mai 2013 aus, dass es sich sowohl be i der Crossektomie und beim Stripping der Vena saphena magna im Jahre 2005 als auch bei der Schaumsklerosierung der Revarikose im April 2013 um eine medizinische Indikation gehandelt habe, weshalb die Be- handlungskosten von der Krankenkasse zu übernehmen seien. 5.3 Mit Stellungnahme vom 23. Oktober 2014 führte der Vertrauensarzt der Beschwerde- gegnerin, Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Innere Me dizin, aus, dass im Bereich von Sklero- therapien ästhetische Indikationen von medizinischen Indika tionen abzugrenzen seien. Eine medizinische Indikation liege vor, wenn die Varikosis ei nen Krankheitswert aufweise. Dies sei der Fall, wenn klinische Beschwerden dokumentiert seien u nd eine venöse Insuffizienz (Behin- derung des Blutflusses) vorliege. Im Bericht des behande lnden Arztes seien keine klinischen Beschwerden dokumentiert, welche eine jährliche Sklerosierung begründen würden. Dass nach einer Crossektomie und einem Stripping Revarikoseäste au ftreten, sei ein normaler Verlauf. Eine venöse Insuffizienz, wie sie Bedingung für eine Pf lichtleistung wäre, sei ebenfalls nicht dokumentiert, weshalb insgesamt von ästhetischen Gründen auszugehen sei, die keine Pflicht- leistung begründen würden. 5.4 Mit Schreiben vom 19. Dezember 2014 gelangte das K antonsgericht mit der Frage an den behandelnden Arzt Dr. B.____, ob der Eingriff vo m 18. April 2013 ästhetisch oder medizi- nisch indiziert gewesen sei und ob insbesondere von der V ersicherten geklagte Beschwerden oder die Gefahr venöser Insuffizienzen den Eingriff not wendig erschienen liessen. Falls in die- sem Zusammenhang Untersuchungen getätigt worden seien , seien deren Resultate dem Ge- richt mitzuteilen. Anlässlich der Beantwortung der Anfra ge führte Dr. B.____ am 22. April 2015 aus, dass er im Rahmen einer erstmaligen Sprechstunde im Jahre 2005 eine ausgeprägte Stamm- und Seitenastvarikose der Vena saphena magna bei dseits, links ausgeprägter als rechts, festgestellt habe. Die Varizen seien operativ in örtlicher Betäubung entfernt worden. Lei- der gebe es bei der Krampfaderbehandlung keine defi nitive Behandlung, es sei bekannt, dass es zu Rezidivvarizen komme. Die Rezidivgefahr sei grösser, j e ausgeprägter der Befund sei. Bei der Versicherten habe es sich um einen ausgeprägten Befund gehandelt. In den Jahren danach sei es immer wieder zu leichten Rezidivvarizen mit Ursprung in der Leiste beidseits ge- kommen, welche mittels Sklerotherapie teilweise unter Zuhilfenahme des Ultraschalls behandelt worden seien. Die Sklerotherapie sei eine Pflichtleistun g und von der Krankenkasse zu über- nehmen. 5.5 In seiner Stellungnahme vom 25. Juni 2015 zum Berich t von Dr. B.____ führte Dr. C.____ aus, dass Dr. B.____ auch im neuen Bericht nach wie vor weder die klinischen Be- schwerden der Patientin noch das Ergebnis von sonographisc hen Untersuchungen, welche eine venöse Insuffizienz zeigen würden, dokumentiere. D er Krankheitswert für eine Kosten- übernahme zulasten der Krankenversicherung sei damit ni cht ausgewiesen, weshalb von einer ästhetischen Indikation auszugehen sei, welche keine Pflichtleistung nach KVG darstelle. 6.1 Nach dem Dargelegten ist im Folgenden zu prüfen, o b es sich bei der Behandlung vom 18. April 2013 um einen medizinisch erforderlichen Eing riff handelte, weil die behandelten Vari- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zen gesundheitliche Beschwerden verursachten, welchen im kr ankenversicherungsrechtlichen Sinne Krankheitswert zukam. 6.2 Bei der Frage nach dem Krankheitswert von Varizen bzw. der Differenzierung zwi- schen medizinischen und ästhetischen Indikationen kann di e Stellungnahme der Schweizeri- schen Gesellschaft für Phlebologie und der Union Schweize rische Gesellschaften für Gefäss- krankheiten: „Therapie der Varizen und Besenreiser der unteren Extremitäten: medizinische und ästhetische Indikation“ (publiziert in: Schweizerische Ärztezeitung, 2004, Nr. 39, S. 2070 f.) beigezogen werden (vgl. hierzu Urteil des Sozialversiche rungsgerichts des Kantons Zürich vom 23. November 2005, KV.2004.000107, E. 5.2). Darin wi rd in überzeugender Weise und in Be- rücksichtigung der medizinischen Fachliteratur dargelegt, unter welchen Voraussetzungen eine Varizenbehandlung als medizinisch oder ästhetisch indiziert zu gelten hat. Danach sei vor jeder Therapie von Varizen eine vollständige phlebologische A bklärung bestehend aus Anamnese, klinischer Untersuchung sowie Doppler- und/oder Duplexsonographie vorzunehmen (Schweize- rische Ärztezeitung, 2004, Nr. 39, S. 2070). Diese Methode erlaube nicht nur im Hinblick auf die Art der Therapie die Ätiologie der Varizen zu bestimm en, sondern auch zwischen insuffizienten Venenabschnitten, welche operativ entfernt werden müssten, und gesunden Venenabschnitten, welche erhalten werden müssten, zu unterscheiden. Venen abschnitte, welche doppler- oder duplexsonographisch einen Reflux (krankhafter Rückfluss des venösen Blutes) aufweisen, könnten zu medizinischen Störungen führen, weshalb eine medizinische Behandlung grund- sätzlich indiziert sei. Suffiziente Venenabschnitte oder B esenreiser seien höchstens aus- nahmsweise für Beschwerden verantwortlich und verursachten nie trophische Störungen. Ihre Behandlung sei aus streng medizinischer Sicht nicht gere chtfertigt, weshalb es sich dabei nor- malerweise um ästhetische Behandlungen handeln dürfte, welche üblicherweise mittels Sklero- therapie oder Laser behandelt würden. Eine postoperat ive ergänzende Sklerotherapie sei aus medizinischen Gründen nur dann gerechtfertigt, wenn di e chirurgische Behandlung Venenab- schnitte zurückgelassen habe, welche doppler- oder duplexs onographisch insuffizient seien, oder wenn Komplikationen des chirurgischen Eingriffs vorl ägen (Schweizerische Ärztezeitung, 2004, Nr. 39, S. 2071). 6.3 Zunächst ist in Würdigung der medizinischen Aktenlag e festzuhalten, dass Dr. B.____ anlässlich der durchgeführten Behandlung vom 18. Apri l 2013 zwar eine Duplexsonographie des oberflächlichen Venensystems vornahm, mangels diesbezügl ich eingereichter Untersu- chungsergebnisse aber nicht mit Gewissheit festgestellt we rden kann, ob es sich bei den be- handelten Varizen um insuffiziente oder suffiziente Varizen gehandelt hat. Die Beschwerdegeg- nerin ist unter Berücksichtigung der Ausführungen ihre s Vertrauensarztes, nicht zuletzt auch aufgrund dieser nicht ins Recht gelegten Unterlagen, d er Auffassung, dass die behandelten Varizen keinen Krankheitswert aufgewiesen haben und de ren Behandlung somit keine Pflicht- leistung der Krankenkasse darstelle. In den vorliegenden Berichten des behandelnden Arztes der Beschwerdeführerin seien weder klinische Beschwerden noch eine venöse Insuffizienz do- kumentiert, welche eine medizinische Indikation einer j ährlich durchzuführenden Sklerosierung begründen würden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4 Die Auffassung der Beschwerdegegnerin ist in pflicht gemässer Würdigung der medizi- nischen Unterlagen nicht zu beanstanden. Mit Kurzberich t vom 28. Mai 2014 diagnostizierte Dr. B.____ zwar neben der Astvarikose auch einen proximal en Insuffizienzpunkt (d.h. die am weitesten kopfwärts gelegene insuffiziente Venenklappe) in der Leiste; er machte diesbezüglich aber keine weiteren Ausführungen. Auch sein Wiedererw ägungsgesuch vom 4. Oktober 2013 begründete er mit dem blossen Hinweis, dass die Behandlu ng vom 18. April 2013 medizinisch indiziert gewesen sei, ohne die Ursachen für die medi zinische Indikation darzulegen. Selbst auf Nachfrage des Gerichtes hin, wonach er insbesondere dar legen möchte, ob von der Beschwer- deführerin beklagte Beschwerden oder die Gefahr venöser Insuffizienzen den Eingriff notwen- dig erschienen liessen, macht er hierzu hinsichtlich der Be handlung vom 18. April 2013 keine präziseren Angaben. Indessen nimmt er, wie auch Dr. C._ ___ in seiner Stellungnahme vom 25. Juni 2015 feststellt, ausführlich Bezug auf die operativ durchgeführte Behandlung im Januar 2005, deren Kosten von der Krankenversicherung bereits übernommen wurden. Auffallend ist dabei auch, dass seine Befundbeschreibung diesbezüglich sehr ausführlich ist und er ausdrück- lich auf venöse Beinbeschwerden im damaligen Zeitpunk t hinweist. Was die Behandlung vom 18. April 2013 anbelangt, so begnügt er sich im Wesen tlichen mit der Äusserung, dass es bei Varizen keine definitive Behandlung gebe und es bei de r Beschwerdeführerin immer wieder zu Rezidivvarizen komme. Dass es nach einer Operation zu Re zidivvarizen kommt, ist bekannt und wird auch von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten. Diese Tatsache allein vermag aber noch keinen Krankheitswert der behandelten Varizen zu begründen. Gemäss der erwähnten Stellungnahme der Schweizerischen Gesellschaft für Phlebo logie und der Union Schweizeri- sche Gesellschaften für Gefässkrankheiten, sind postoperativ e Sklerosierungen aus medizini- schen Gründen nur dann gerechtfertigt, wenn die chirurg ische Behandlung Venenabschnitte zurückgelassen hat, welche insuffizient sind oder Komplika tionen des chirurgischen Eingriffes vorliegen würden. Hierzu finden sich in den Unterlagen aber keinerlei Hinweise. Dr. B.____ führt vielmehr aus, dass das Resultat der Operation im Ja hre 2005 sehr erfreulich war, es in den Jahren danach aber immer wieder zu leichteren Rezidivvarizen gekommen sei. Angesichts der Tatsache, dass vorliegend keine klinischen Beinbeschwer den und keine Hinweise auf ve- nöse Insuffizienzen, namentlich auch nicht auf einen R eflux, ausgemacht werden können, ist aufgrund des Gesagten und gestützt auf die überzeugende n versicherungsmedizinischen Aus- führungen von Dr. C.____ mit überwiegender Wahrscheinl ichkeit davon auszugehen, dass es sich bei der zur Diskussion stehenden Behandlung um einen ästhetisch bedingten Eingriff han- delte. Den behandelten Varizen kam demnach kein Krankh eitswert im Sinne von Art. 3 Abs. 1 ATSG zu. Dies gilt umso mehr, als nach der Stellungnahm e der Schweizerischen Gesellschaft für Phlebologie und der Union Schweizerische Gesellschaften für Gefässkrankheiten suffiziente Venenabschnitte üblicherweise mittels Sklerotherapie beha ndelt werden, wobei es sich um äs- thetische Behandlungen handelt. Zu keiner anderen Beu rteilung vermag schliesslich auch der bloss theoretische Hinweis von Dr. B.____ zu führen, wona ch es mangels unbehandelter Re- zidivvarizen bei vielen Patienten zu einer Reoperation kom men kann. So wäre doch gerade in diesem Zusammenhang darzulegen, dass vorliegend insuffizi ente Venenabschnitte entspre- chende Behandlungen als notwendig erscheinen lassen, um bei der Beschwerdeführerin die Gefahr einer solchen Reoperation zu verhindern. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Besc hwerdegegnerin zur Beur- teilung des Leistungsanspruches auf die versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr. C.____ abgestellt hat. Dr. C.____ setzt sich mit den Berichten und Stellungnahmen von Dr. B.____ ein- gehend auseinander. Alsdann kommt er unter Darlegun g der medizinischen Situation, welche auch im Einklang mit der Stellungnahme der Schweizerisch en Gesellschaft für Phlebologie und der Union Schweizerische Gesellschaften für Gefässkrankhei ten steht, nachvollziehbar und überzeugend zum Schluss, dass die Varizenbehandlung vom 18. April 2013 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ästhetisch und nicht medizinisch bedingt war. Demnach erweist es sich als rechtens, dass die Beschwerdegegnerin die Kostenübernahme für die durchgeführte Sklerosie- rung abgelehnt hat. Bei diesem Ergebnis ist die Beschwerde abzuweisen. 7. Art. 61 lit. g ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb vorliegen d keine Kosten zu erheben. Die aus- serordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Gesundheit Präsident Gerichtsschreiberin