Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 29. März 2016 (400 16 46) ___________________________________________________________________ Zivilprozessrecht / Obligationenrecht Vorsorgliche Massnahmen gemäss Art. 261 Abs. 1 ZPO / Arbeitsvertrag: Zuweisung eines neuen Arbeitsorts Besetzung Präsidentin Christine Baltzer Gerichtsschreiber Andreas Linder Parteien A. ____, vertreten durch Advokat Simon Gass, Picassoplatz 8, Postfach 330, 4010 Basel, Klägerin und Berufungsklägerin gegen B.____ , Beklagte Gegenstand Vorsorgliche Massnahmen / Arbeitsrecht A. A.____, geb. 1972, ist seit 25. August 2008 bei der B.____ angestellt. Im Arbeitsvertrag wurde festgehalten, dass sie ihre Tätigkeit in der Regel im Betrieb in X.____ ausübe. Per 1. November 2012 wechselte sie als Kassiererin in d ie Filiale Y.____ und wurde dort auf den 1. Januar 2014 zur sog. „stellvertretenden Teamleit erin Kasse“ befördert. Mit Gesuch vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Februar 2016 gelangte A.____, vertreten durch Advokat Simon Gass, an das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost und liess beantragen, es sei in sup erprovisorischer, eventualiter vorsorg- licher Weise festzustellen, dass ein von der B.____ vorg eschlagener resp. angeordneter Ar- beitsortswechsel weg von Y.____, mit welchem sie sich nicht ausdrücklich einverstanden erklä- re, für sie unzumutbar sei und keinerlei rechtliche Wi rkung entfalte. Obschon sie in Y.____ zur stellvertretenden Teamleiterin Kasse befördert worden se i, habe der Filialleiter in Y.____ im Herbst 2015 plötzlich ihre Versetzung angestrebt. So ha be er im Oktober 2015 vorgeschlagen, sie solle in die B.____ Filiale V.____ nach Basel wechseln. Nachdem die Klägerin dieses Ange- bot abgelehnt habe, habe die Beklagte erneut versucht, sie zu versetzen, dieses Mal in die Fi- liale W.____ in Basel. Auch dies habe sie richtigerweise abgelehnt. Nachdem die Arbeitgeberin nun in medizinischer sowie finanzieller Hinsicht endgül tigen Druck ausübe, erlange die rechtli- che Frage, ob eine Versetzung der Arbeitnehmerin per einseitige Weisung möglich sei, eine grosse Dringlichkeit. Die B.____ stelle sich auf den Sta ndpunkt, es gäbe keinen Anspruch auf den Arbeitsort. Nach Ansicht der Klägerin hingegen dürfe die Arbeitgeberin eine solche einseitig angeordnete Versetzung nur dann - und auch dann unter restriktiven Voraussetzungen - vor- nehmen, wenn dies vertraglich ausbedungen sei. B. Mit Verfügung vom 5. Februar 2016 wies die Präsidenti n des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost, das Begehren um Erlass einer superprovisorischen, eventualiter provisorischen Verfügung vom 4. Februar 2016 ohne Anhörung der Gege npartei ab. Die Gerichtskosten wur- den der Gesuchsklägerin auferlegt und jede Partei hat te ihre Parteikosten selbst zu tragen. In der Begründung des Entscheids erwog das Gericht zusammengefasst, die behauptete Zusiche- rung eines Arbeitsortes (zunächst X.____ und danach Y. ____) sei nicht glaubhaft gemacht worden, so dass der Arbeitgeberin ein Weisungsrecht zuko mme, den Arbeitsort einer Arbeit- nehmerin zu verlegen, sofern diese Verlegung zumutbar sei . Die Gesuchsklägerin habe nicht hinreichend substantiiert, inwiefern für sie mit Woh nort in Z.____ eine Verlegung ihres Arbeit- sortes von Y.____ nach Basel bei einem Arbeitspensum von 100 % konkret unzumutbar sein solle, somit scheitere das Begehren bereits am Glaubhaf tmachen eines vertragswidrigen und somit widerrechtlichen Verhaltens der Gesuchsbeklagten. W eiter sei nicht ersichtlich, ob die Gesuchsklägerin mit Konsequenzen zu rechnen hätte, wenn sie sich einer entsprechenden Weisung der Arbeitgeberin widersetzen würde, so dass nicht glaubhaft gemacht sei, welcher (erhebliche) Nachteil sie zu befürchten habe. Schliesslich sei keine erhebliche zeitliche Dring- lichkeit für richterliche Hilfe auszumachen, zumal die Gesuchsklägerin zurzeit ohnehin zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben sei. C. Am 18. Februar 2016 reichte die Gesuchstellerin, vertre ten durch Advokat Simon Gass, beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, Berufung gegen die Verfügung vom 5. Februar 2016 des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost ein. Sie liess beantragen, der an- gefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei in supe rprovisorischer, eventualiter vorsorgli- cher Weise festzustellen, dass der von der Berufungsbeklagt en vorgeschlagene respektive an- geordnete Arbeitsortswechsel weg von Y.____, mit welchem sich die Berufungsklägerin nicht ausdrücklich einverstanden erkläre, für diese unzumutbar sei und keinerlei rechtliche Wirkung entfalte. Subeventualiter sei die Angelegenheit zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen, unter o-/e-Kostenfolge für das erstinstanzli che sowie das Rechtsmittelverfahren. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zur Begründung fasste die Gesuchstellerin vorab den Sachv erhalt aus ihrer Warte zusammen und führte dann im Wesentlichen aus, die zentrale Recht sfrage sei, ob der Berufungsbeklagten als Arbeitgeberin ein Weisungsrecht bezüglich des Arbeitsor ts der Berufungsklägerin zukomme oder ob der Arbeitsort Y.____ Teil der gegenseitigen vertraglichen Vereinbarung bilde und da- mit nicht einseitig abänderbar sei. Die Vorinstanz hab e die im Recht liegenden Belege falsch gewürdigt. Sie habe eine vertragliche Vereinbarung u nd Zusicherung über die Arbeitsorte zu Unrecht verneint respektive eine Weisungsbefugnis der Ar beitgeberin zu Unrecht bejaht. Bei Lichte besehen bestehe mit Y.____ ein zugesicherter Ar beitsplatz, welcher nicht einseitig von der Berufungsbeklagten abgeändert werden dürfe. Die B erufungsklägerin sei nach Ansicht der Arbeitgeberin an Arbeitsorten ausserhalb der Filiale Y.____ ab 29. Februar 2016 zu 100 % ar- beitsfähig. Wäre eine Weisungsbefugnis der Berufungsb eklagten betreffend den Arbeitsort vor- liegend zu bejahen, würde sich die Berufungsklägerin dem Vorwurf des Nichterscheinens zur Arbeit aussetzen, eine fristlose Entlassung sowie Schadene rsatz riskieren. Insofern sei zumin- dest glaubhaft gemacht, dass ihr erhebliche Nachteile d rohen würden, wenn die Weisungsbe- fugnis betreffend Arbeitsort bejaht werde und sich die Berufungsklägerin weigere, diese Wei- sung zu befolgen. Aus der Sicht der Berufungsbeklagten sei es sodann gerade nicht so, dass die Berufungsklägerin zu 100 % arbeitsunfähig sei, wes halb entgegen der Ansicht der Vor- instanz von einer sehr hohen Dringlichkeit auszugehen sei. D. In der Stellungnahme vom 1. März 2016 entgegnete die Arbeitgeberin und Berufungsbe- klagte im Wesentlichen, dem Personalreglement könne ent nommen werden, dass die Mitarbei- tenden innerhalb des Unternehmens auch an anderen Arb eitsorten eingesetzt werden könnten. Der Wechsel von X.____ nach Y.____ sei nach einer meh rmonatigen Arbeitsunfähigkeit der Klägerin erfolgt. Man sei von der Taggeldversicherung i nformiert worden, dass eine Rückkehr der Klägerin an ihren bisherigen Arbeitsplatz in der B.____ Filiale X.____ aus psychiatrischer Sicht nicht zu empfehlen sei. Auslöser für den Wechsel seien die Situation in der Filiale und keinesfalls die privaten Umstände der Gesuchstellerin gew esen. Nach der Eröffnung der Filiale U.____ sei es in Y.____ zu einem Umsatzeinbruch gekomme n. Um Kündigungen zu verhin- dern, habe man nach Einsatzmöglichkeiten in anderen Fil ialen für die Mitarbeiter gesucht. Da die Klägerin als gute Mitarbeiterin beurteilt worden sei, hätte sie gute Chancen, eine Stelle in einer anderen Filiale zu erhalten. Die im Oktober 201 5 vakante Stelle in V.____ sei daher als passend für die Klägerin befunden worden. Am 31. Okto ber 2015 habe sich ein Vorfall an der Kasse der Klägerin ereignet, worauf am 6. November 2 015 ein Verwarnungsgespräch stattge- funden habe. In der Folge sei die Klägerin ab dem 1 0. November 2015 arbeitsunfähig geschrie- ben worden. Aufgrund der Auseinandersetzungen in Y.__ __ sei am 27. November 2015 ein Gespräch zwischen den Parteien angesetzt worden. Eine Rückk ehr dorthin schien für beide Parteien nicht zumutbar. Man habe sich darauf für die Versetzung der Klägerin in eine andere Filiale eingesetzt. Die Einsatzmöglichkeit in V.____ hab e die Klägerin aufgrund des Arbeitswe- ges erneut abgelehnt, ohne den Arbeitsplatz zu prüfen. Aus diesem Grund habe man ihr als Übergangslösung einen Einsatz in der Filiale W.____ an geboten, wo sie die Arbeitszeiten weit- gehend selber hätte bestimmen können. Erneut habe die Klägerin das Angebot, ohne es zu versuchen, abgelehnt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Die Berufung richtet sich gegen die Verfügung des Zivi lkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 5. Februar 2016. Mit besagter Verfügung wies die Gerichtspräsidentin das Begehren der Gesuchstellerin um Erlass einer superprovisorischen, eventualiter provisorischen Verfügung ab. Die superprovisorische Verfügung untersteht nach der Schwe izerischen Zivilprozessordnung grundsätzlich keinem Rechtsmittel. Die Vorinstanz wies das Gesuch allerdings zugleich ohne Anhörung der Gegenpartei ab, so dass ein erstinstanzlich er Entscheid über vorsorgliche Mass- nahmen vorliegt, der gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO mit Berufung anfechtbar ist. In vermö- gensrechtlichen Angelegenheiten ist die Berufung nur zul ässig, wenn der Streitwert der zuletzt aufrecht erhaltenen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.00 (Art. 308 Abs. 2 ZPO) beträgt. Dieser Streitwert ist in Anbetracht des Lohnes der Recht smittelklägerin fraglos erreicht. Für die vorsorglichen Massnahmen ist das summarische Verfahren anwendbar (Art. 248 lit. d ZPO). Die Berufung ist daher gemäss Art. 311 Abs. 1 i.V. mit Art. 314 Abs. 1 ZPO innert zehn Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheides beziehungsweise seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung schriftlich und begründet einz ureichen. Die schriftlich begründete Verfügung der Präsidentin des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost vom 5. Februar 2016 wurde der Gesuchsklägerin bzw. deren Rechtsvertreter am 8. Februar 2016 zugestellt. Die Frist von zehn Tagen ist mit der Berufung vom 18. Februar 2016 eingehalten. In Anbetracht der Kos- tenlosigkeit des Entscheidverfahrens in Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis bis zu einem Streitwert von CHF 30‘000.00, war kein Kostenvorschuss für das Rechtsmittelverfahren zu leis- ten (Art. 114 lit. c ZPO). Gemäss Art. 316 ZPO kann di e Rechtsmittelinstanz eine Verhandlung durchführen, aufgrund der Akten entscheiden (Art. 316 Abs. 1 ZPO) oder einen zweiten Schrif- tenwechsel anordnen (Art. 316 Abs. 2 ZPO). Diese Regel ung stellt es ins Ermessen der Rechtsmittelinstanz, das für den konkreten Fall Geeignet e vorzukehren (V OLKART , in: DIKE- Kommentar ZPO, N 1 zu Art. 316). Die vorliegende Sache erscheint ohne weiteres spruchreif, so dass bereits nach dem ersten Schriftenwechsel aufgru nd der Akten zu entscheiden ist. Zu- ständig für die Beurteilung der Berufung ist gemäss § 5 Abs. 1 lit. a EG ZPO das Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts. 2. Die Parteien bringen mit ihren Rechtsschriften neue Tatsachen vor und reichen neue Ur- kunden als Beweismittel ein, über welche die Vorinstanz zum Zeitpunkt des Entscheids vom 5. Februar 2016 nicht verfügte. Gemäss Art. 317 Abs.1 ZP O werden solche Noven im Beru- fungsverfahren nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden (lit. a); und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz v orgebracht werden konnten (lit. b). Auch neue Bestreitungen stellen Tatsachen im Sinne des Novenrechts dar, weshalb deren Zu- lässigkeit sich ebenfalls nach Art. 317 Abs.1 ZPO richtet. Im vorliegenden Fall verweigerte die Vorinstanz der Gesuchstellerin eine superprovisorische Verf ügung und wies deren Begehren zugleich ohne Anhörung der Gegenpartei ab. Die Erled igung ohne Einholung einer Stellung- nahme ist unter den Voraussetzungen von Art. 253 ZPO g rundsätzlich möglich, soweit ein Ge- such offensichtlich unzulässig oder offensichtlich unbegrü ndet ist. Zumindest implizit erachtete die Vorinstanz diese Voraussetzung wohl als erfüllt und v erzichtete daher darauf, der Gesuchs- beklagten das rechtliche Gehör einzuräumen. Die Gesuchsbekl agte hatte mithin keine Möglich- keit, ihren Standpunkt vor erster Instanz überhaupt vor zutragen. Im Rahmen der Berufungsant- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wort vom 1. März 2016 trug sie sodann ihre Tatsachen vor und reichte Beweismittel ein. Nach dem Ausgang des erstinstanzlichen Verfahrens bestand für d ie Beklagte kein Anlass, vor der Erstattung der Stellungnahme tätig zu werden. Die Vor aussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO sind erfüllt, so dass die Tatsachen und Beweismittel der Beklagten vollumfänglich berücksichtigt werden können. 3.1 Am 4. Februar 2016 ersuchte die Klägerin beim Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost um eine einstweilige Verfügung. So sei festzustellen, das s der von der B.____ als Arbeitgeberin vorgeschlagene bzw. angeordnete Arbeitsortswechsel weg von Y.____ für sie unzumutbar sei und keinerlei rechtliche Wirkung entfalte. Mit Entscheid vom 5. Februar 2016 wies das Zivil- kreisgericht Basel-Landschaft Ost, das entsprechende Begehren der Gesuchstellerin ohne An- hörung der Gegenpartei ab. In der summarischen Begrün dung des Entscheids erwog das Ge- richt, die behauptete Zusicherung eines Arbeitsortes sei nicht glaubhaft gemacht worden. Der Arbeitgeberin komme ein Weisungsrecht zu, den Arbeitsort einer Arbeitnehmerin zu verlegen, sofern diese Verlegung zumutbar sei. Die Gesuchsklägerin habe nicht hinreichend substantiiert, inwiefern für sie mit Wohnort in Z.____ eine Verlegu ng ihres Arbeitsortes von Y.____ nach Ba- sel bei einem Arbeitspensum von 100 % konkret unzumutb ar sein solle. Es sei sodann nicht ersichtlich, ob die Gesuchsklägerin mit Konsequenzen zu r echnen hätte, wenn sie sich einer entsprechenden Weisung der Arbeitgeberin widersetzen würde, so dass nicht glaubhaft ge- macht sei, welchen erheblichen Nachteil sie zu befürchte n habe. Schliesslich sei keine erhebli- che zeitliche Dringlichkeit für richterliche Hilfe auszuma chen, weil die Gesuchsklägerin zurzeit ohnehin zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben sei. 3.2 Die Gesuchstellerin rügt mit der Berufung, die Vori nstanz habe die vorgelegten Belege falsch gewürdigt. Sie habe eine vertragliche Vereinba rung und Zusicherung über die Arbeits- orte zu Unrecht verneint resp. eine Weisungsbefugnis d er Arbeitgeberin zu Unrecht bejaht. Mit Y.____ bestehe ein zugesicherter Arbeitsplatz, welcher nicht einseitig von der Berufungsbeklag- ten abgeändert werden dürfe. Die Berufungsklägerin se i nach Ansicht der Arbeitgeberin an Ar- beitsorten ausserhalb der Filiale Y.____ ab 29. Febr uar 2016 zu 100 % arbeitsfähig. Wäre eine Weisungsbefugnis der Berufungsbeklagten bezüglich des Arbe itsorts zu bejahen, würde sich die Berufungsklägerin dem Vorwurf des Nichterscheinens zur Arbeit aussetzen und somit eine fristlose Entlassung sowie Schadenersatz riskieren. Insofern sei glaubhaft gemacht, dass ihr erhebliche Nachteile drohen würden, wenn die Weisung sbefugnis betreffend Arbeitsort bejaht werde und sich die Berufungsklägerin weigere, diese Weisu ng zu befolgen. Aus der Sicht der Berufungsbeklagten sei es gerade nicht so, dass die Be rufungsklägerin zu 100 % arbeitsunfä- hig sei, weshalb entgegen der Ansicht der Vorinstanz von einer sehr hohen Dringlichkeit auszu- gehen sei. 3.3 Durch vorsorgliche Massnahmen wird einer Partei unter b estimmten Voraussetzungen bereits vor oder während der Dauer eines Prozesses vorläu figer Rechtsschutz gewährt. Es handelt sich nicht um definitive Verfügungen; sie stehe n immer im Zusammenhang mit einer bereits hängigen oder noch einzuleitenden Klage und fallen mit deren Abschluss oder bei Ver- zicht auf die Einleitung wieder dahin. Vor dem Erlass vo rsorglicher Massnahmen hat das Ge- richt in Anwendung von Art. 261 Abs. 1 ZPO zu prüfen, ob die folgenden Voraussetzungen glaubhaft gemacht sind: Ein Anspruch der gesuchstellen den Partei ist verletzt oder eine Verlet- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zung ist zu befürchten (lit. a). Es ist in erster Linie darzutun, dass ein zivilrechtlicher Hauptan- spruch wahrscheinlich begründet ist und dass er durch ein Tun oder Unterlassen der Gegenpar- tei bereits verletzt wurde oder dass eine Verletzung un mittelbar droht (sog. Hauptsachenprog- nose). Der gesuchstellenden Partei droht aus der glau bhaft gemachten Verletzung des An- spruchs ein nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil ( lit. b). Damit ist eine zeitliche Dring- lichkeit vorausgesetzt, indem sich ohne vorsorgliche Massnahm e und mit Abwarten des Ent- scheids in der Hauptsache der Nachteil nicht verhindern lässt. Dieser Nachteil kann materieller oder immaterieller Natur sein. Diese Voraussetzungen des drohenden, nicht leicht wieder gut- zumachenden Nachteils sowie der tatsächlichen und rechtlich en Grundlagen des Hauptbegeh- rens hat die gesuchstellende Partei glaubhaft zu machen . Es ist kein strikter Beweis erforder- lich; ein Wahrscheinlichkeitsbeweis genügt, da vorsorgli che Massnahmen rasch getroffen wer- den sollten. Die Rechtslage ist vom Gericht lediglich sum marisch zu prüfen. Glaubhaftmachen bedeutet, dass dem Gericht Tatsachen dargetan werden, für deren Vorhandensein gewisse Elemente sprechen, ohne dass dabei die Möglichkeit ausgeschlossen ist, dass die Verhältnisse sich anders gestalten könnten. Die Gegenpartei hat ihre Einreden oder Einwendungen ebenfalls nur glaubhaft zu machen. Der von der gesuchstellenden Pa rtei befürchtete Nachteil muss auf- grund objektiver Anzeichen wahrscheinlich sein. Die jewei ligen Interessen der Parteien sind gegeneinander abzuwägen. In der Regel erlässt das Geri cht vorsorgliche Massnahmen nach Anhörung der Gegenpartei. In Fällen besonderer Dring lichkeit können Anordnungen vor Anhö- rung der Gegenpartei getroffen werden. Einerseits kann besondere zeitliche Dringlichkeit vor- liegen, die eine normale Abwicklung des summarischen Ver fahrens nicht erlaubt. Anderseits kann eine qualifizierte Gefährdung eines glaubhaft gem achten Anspruchs den Erlass einer su- perprovisorischen Massnahme erlauben. Dazu müssen dem Gerich t die Fakten plausibel dar- gestellt sein, und es kann allenfalls zusätzliche Belege verlangen. 3.4 Das Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, erachtet das vo rliegende Rechtsmittel als unbe- gründet. Wie bereits ausgeführt, verweigerte die Vorinstanz der Gesuchstellerin nicht bloss eine superprovisorische Massnahme, sondern wies zugleich den Erl ass einer vorsorglichen Mass- nahme ohne Anhörung der Gegenpartei ab. Die Abweisun g des Gesuchs ohne Einholung einer Stellungnahme und damit ohne Kenntnis der Einwendung en der Gegenpartei ist grundsätzlich bloss unter den Voraussetzungen von Art. 253 ZPO möglich, falls ein Gesuch offensichtlich unzulässig oder offensichtlich unbegründet erscheint. Di e Berufungsklägerin rügt allerdings nicht formelle Fehler der Vorinstanz im engeren Sinne , sondern wiederholt im Wesentlichen die Voraussetzungen von Art. 261 Abs. 1 ZPO, welche die Vorinstanz vor dem Hintergrund der ein- gereichten Belege unrichtig angewendet habe. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, kann heute ausdrücklich offen lassen, ob das Ges uch der Klägerin vom 4. Februar 2016 offensichtlich unzulässig bzw. offensichtlich unbegrün det war, nachdem die Gesuchsbe- klagte mit ihrer Berufungsantwort vom 1. März 2016 ih ren Standpunkt darstellen konnte und eine Interessenabwägung mit den zulässigen Noven nunme hr ohne weiteres erfolgen kann. So erhellt aus der Verlautbarung der Berufungsbeklagten, dass die Arbeitgeberin - entgegen der Darstellung der Klägerin - nicht ohne konkrete Veranla ssung im Herbst 2015 versuchte, der Arbeitnehmerin einen neuen Arbeitsort zuzuweisen. Die Klägerin vermittelte den Eindruck, dass der Filialleiter in Y.____ im Oktober 2015 ohne Anl ass ihre Versetzung in die Filiale V.____ in Basel vorgeschlagen resp. angeordnet habe. Nachdem sie d ies abgelehnt habe, habe die Ar- beitgeberin erneut versucht, sie in die Filiale W.____ in Basel zu versetzen. Die Erläuterungen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Arbeitgeberin zeigen dagegen plausibel auf, dass es nach der Eröffnung eines neuen Standorts in U.____ in Y.____ zu einem Umsatzeinbruch gekommen war und man daher Ein- satzmöglichkeiten für die Mitarbeitenden in anderen Fi lialen gesucht habe, um Kündigungen zu vermeiden. Dass die Klägerin als gute Mitarbeiterin beu rteilt worden war und die Arbeitgeberin ihr aus diesem und keinem anderen Grund einen Wechsel n ach Basel vorgeschlagen habe, erscheint dem Gericht ebenfalls schlüssig. Die Beklagte durf te sich dabei ohne weiteres auf Art. 4 des Personalreglements der B.____ berufen, wona ch die übernommenen Tätigkeiten (bloss) in der Regel am vertraglich bezeichneten Arbeitsort zu erbringen seien. Der vertragliche Arbeitsort kann laut der besagten Bestimmung mehrere Betriebe umfassen oder sich auf die Betriebe einer oder mehrerer Regionen erstrecken. Die Mitarbeitenden können innerhalb des Unternehmens auch an anderen Arbeitsorten eingesetzt werden. Vor dem Hintergrund dieser Bestimmung muss mithin die Zuweisung eines Arbeitsortes w eg von Y.____ nach Basel - wie die Vorinstanz zutreffend feststellte - als allemal recht mässig und sicherlich als zumutbar ange- sehen werden. Dies hat sodann erst recht zu gelten, nachdem es Ende Oktober 2015 zu einem Vorfall in Y.____ gekommen war, der zu einer Verwarn ung der Klägerin führte und in deren fortbestehenden Arbeitsunfähigkeit für die besagte Fi liale mündete. Diese Darstellung der Be- klagten wird durch die entsprechenden Urkunden, nämlich d ie Verwarnung vom 14. Dezember 2015, und das Schreiben der Taggeldversicherung vom 28 . Januar 2016 ausdrücklich gestützt. Die Taggeldversicherung empfiehlt denn auch eine Umpl atzierung weg von der B.____ Filiale Y.____. Im Ergebnis ergibt die summarische Prüfung der aktuellen Rechtslage, dass die Einre- den bzw. Einwendungen der Beklagten jedenfalls glaubh after sind als die Darstellung der Klä- gerschaft. Dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilun g Zivilrecht, wurde durch die Beru- fungsklägerin nicht hinreichend deutlich dargetan, da ss ein Anspruch auf Beibehaltung des Ar- beitsortes wahrscheinlich begründet ist bzw. ein Arbeitso rtswechsel weg von Y.____ für die Klägerin unzumutbar ist. Nachdem die Hauptsachenprog nose somit zu Ungunsten der Rechts- mittelklägerin ausfällt, kann auf die Prüfung der wei teren Voraussetzungen von Art. 261 Abs. 1 ZPO verzichtet werden. Zusammenfassend ergibt sich, dass d ie Berufung abzuweisen ist. Vor- behalten bleibt selbstverständlich eine einlässlich Beurte ilung im Rahmen eines vereinfachten Verfahrens mit vollem Beweismass. 4. Abschliessend ist noch über die Verlegung der Prozesskost en für das vorliegende Rechtsmittelverfahren zu befinden. Massgebend für die Re gelung der Kostenfolgen sind die Bestimmungen der Art. 104 ff. ZPO, die auch im Berufu ngsverfahren gelten (SEILER , Die Beru- fung nach ZPO, Basel 2013, Rz. 1560). Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskos- ten der unterliegenden Partei auferlegt. Entsprechen d dem vorliegenden Verfahrensausgang hat die Berufungsklägerin somit für die Prozesskosten aufz ukommen. Zumal dem Verfahren eine Streitigkeit aus einem Arbeitsverhältnis mit eine m Streitwert von weniger als CHF 30‘000.00 zu Grunde liegt, werden keine Gerichtskost en erhoben (Art. 114 lit. c ZPO). Ei- ne Parteientschädigung hat die Berufungsklägerin nicht auszurichten, weil die Berufungsbeklag- te keine Kosten einer berufsmässigen Vertretung geltend macht. Mit der Bestätigung des ange- fochtenen Entscheides bleiben auch die Kosten- und Entsch ädigungsfolgen des Verfahrens in erster Instanz unverändert bestehen, zumal diese nicht ausdrücklich angefochten wurden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird abgewiesen. 2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 3. Es sind gegenseitig keine Parteientschädigungen auszu richten. Präsidentin Christine Baltzer Gerichtsschreiber Andreas Linder