B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7083/2018 U r t e i l v o m 2 . M ä r z 2 0 2 0 Besetzung Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner, Richterin Esther Marti, Gerichtsschreiberin Nira Schidlow. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 14. November 2018. E-7083/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein ethnischer Tadschike, dem sunnitisch-islami- schen Glauben angehörig und aus dem Dorf B._______ im Bezirk C._______ in der Provinz D._______ in Afghanistan stammend – ersuchte am 20. November 2015 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) in E._______ um Asyl in der Schweiz nach. Am 4. Dezember 2015 wurde er zu seiner Person (BzP) befragt. Dabei gab er an, er sei am (…) 1998 ge- boren und noch minderjährig. Am 11. Dezember 2015 wurde er einer Hand- knochenanalyse unterzogen, welche ein wahrscheinliches Alter von 19 Jahren oder mehr ergab. Zum Ergebnis der Analyse und zu den übrigen Indizien seiner Volljährigkeit wurde ihm am 16. Dezember 2015 das recht- liche Gehör gewährt, und ihm mitgeteilt, dass er als volljährige Person mit Geburtsdatum (…) registriert werde. Am 2. Juli 2018 wurde er vertieft zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, sein Vater habe einen Drohbrief von der Gruppie- rung Hizb-e Islami (bzw. Hezb-e Islami oder zu Deutsch Islamische Emirate Afghanistan) erhalten. Darin sei er aufgefordert worden, zwei seiner Söhne zu den Hizb-e Islami in die Koranschule zu schicken, damit sich diese dem bewaffneten Widerstand gegen die Regierung anschliessen und in den Krieg ziehen. Aus Angst um ihn und seinen Bruder habe der Vater entschie- den, dass sie beide Afghanistan verlassen müssten. Sie hätten jedoch nicht genügend Geld f ür die sofortige Ausreise gehabt, weshalb sie noch etwa drei Monate zu Hause hätten bleiben müssen. Ungefähr im August 2015 sei er zusammen mit seinem Bruder aufgebrochen. Unterwegs sei das Auto von Taliban angehalten und sie drei bis vier Stunden festgehalten worden. Erst nach einer Geldzahlung seien sie wieder freigelassen wor- den. Er sei mit seinem Bruder illegal über Pakistan und den Iran in die Tür- kei gereist. Über Griechenland und weitere europäische Staaten sei er am 20. November 2015 in die Schweiz e ingereist. Nach seiner Ausreise aus Afghanistan habe sein Vater ein Bestätigungsschreiben vom Kriminalamt in B._______ unterzeichnen lassen, dass er ihn und seinen Bruder auf- grund eines Drohbriefs der Hizb-e Islami ausser Landes geschickt habe. Zudem habe er sich, als er noch in Afghanistan gewesen sei, in ein paschtunisches Mädchen (F._______) verliebt. Er habe ihre Telefonnum- mer erhalten und regelmässig – auch aus der Schweiz – mit ihr telefoniert. E-7083/2018 Seite 3 Der Bruder dieses Mädchens habe im Dezember 2017 per Zufall ein Tele- fongespräch mitbekommen, danach habe er ihn zunächst telefonisch be- droht und sich dann umgehend bei seiner Familie nach ihm erkundigt. Sein Vater sei zu den Dorfältesten gegangen, worauf sich die beiden Familien unter deren Vermittlung darauf geeinigt hätten, dass der Beschwerdeführer F._______ heiraten und in die Schweiz bringen werde. Deshalb sei sie nun seine Verlobte. Wenn er diese Vereinbarung nicht einhalte, müsse seine Familie seine einzige Schwester an die Familie seiner Verlobten zur Heirat geben. Er befürchte, bei einer Rückkehr nach Afghanistan getötet zu wer- den. Er reichte zur Stützung seiner Vorbringen eine Kopie seiner Tazkara, ein Bestätigungsschreiben seines Vaters, unterzeichnet vo m Kriminalamt in B._______ vom (…) November 2016, worin bestätigt werde, dass sein Va- ter einen Drohbrief von der Hizb-e Islami erhalten habe, ein Dokument, bei welchem es sich um einen Drohbrief – ausgestellt durch einen Verantwort- lichen der Hizb-e Islami – vom 9. Juli 2015 handeln soll sowie eine Behand- lungsbestätigung seiner Dermatologin Dr. med. G._______ vom 28. Juni 2018 zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 14. November 2018 stellte das SEM fest, der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge- such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, schob deren Vollzug jedoch zufolge Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. C. Mit Eingabe vom 12. Dezember 2018 erhob der Beschwerdeführer Be- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die vorinstanz- liche Verfügung sei in den Dispositivziffern 1 bis 3 aufzuheben. Die Sache sei zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Ent- scheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. In pro- zessualer Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten sowie eine unentgeltliche Rechtsbeiständin seiner Wahl zu bestellen. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Kopie des afghanischen Reisepasses seiner Verlobten, eine Kopie der Vereinba- rung der Dorfältesten inklusive inoffizieller Übersetzung, eine Kopie der E-7083/2018 Seite 4 Verfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons H._______ betreffend eine Verfahrenseinstellung hinsichtlich Drohung, eine Kopie der Verfügung der Staatsanwaltschaft I._______ vom 1. November 2018 betreffend der Ab- schreibung einer Anordnung zu seiner Untersuchungshaft, eine Kopie des Kurzberichts der Hilfswerksvertretung (HWV), eine Bestätigung der Fürsor- geabhängigkeit vom 21. N ovember 2018 und den Umschlag seiner Be- schwerde vom 12. Dezember 2018 zu den Akten. D. Mit Zwischenverfügung vom 8. Januar 2019 hiess die Instruktionsrichterin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung gut und forderte den Beschwerdeführer auf, bis zum 23. Januar 2019 eine Person zur Übernahme der m andatierten Rechtsvertretung mitzuteilen. Bei ungenutzter Frist werde das Bundesver- waltungsgericht einen amtlichen Rechtsbeistand oder eine amtliche Rechtsbeiständin ernennen. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz aufgefor- dert, ebenfalls bis zum 23. Januar 201 9, eine Vernehmlassung einzu- reichen. E. Mit Eingabe vom 21. Januar 2019 teilte der rubrizierte Rechtsanwalt mit, er sei vom Beschwerdeführer mandatiert worden. F. Das SEM liess sich mit Stellungnahme vom 22. Januar 2019 vernehmen. G. Mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2019 wurde der rubrizierte Rechts- anwalt als amtlicher Rechtsanwalt eingesetzt. Gleichzeitig wurde der Be- schwerdeführer aufgefordert, bis zum 8. Februar 2019 eine Replik einzu- reichen. H. Mit Eingabe vom 8. Februar 2019 reichte der Beschwerdeführer ein fremd- sprachiges Dokument (Beschluss des Ältestensrates vom 27. Dezember 2017) zu den Akten und ersuchte im Weiteren um Fristerstreckung, um die- ses Dokument übersetzen zu lassen, in der Heimat abzuklären, ob auch das Original erhältlich sei, und danach eine weitere Eingabe einzureichen. I. Nach gewährter Fristerstreckung replizierte der Beschwerdeführer mit Ein- gabe vom 1. März 2019. Als Beilagen reichte er die Kopie vom Beschluss E-7083/2018 Seite 5 des Ältestenrats, dessen Übersetzung auf Deutsch, die Rechnung für die Übersetzung, einen Farbausdruck eines Fotos seiner Heiratsurkunde, ei- nen Ausdruck eines Fotos vom Versandumschlag sowie eine Honorarnote vom 1. März 2019 ein. J. Mit weiterer Eingabe vom 1. November 2019 reichte der Beschwerdeführer den Beschluss des Ältestenrats, seine Heiratsurkunde, Kopien von drei Fo- tos, die seinen Vater bei der Therapie zeigen, ärztliche Unterlagen bezüg- lich seinen Vater, die Versandumschläge, mit denen die Originale in die Schweiz geschickt worden seien, sowie eine Bestätigung seines Schwei- zer Arztes in Bezug auf eine Operation seines Vaters zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesver waltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherig e Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 A bs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist somit einzutreten. E-7083/2018 Seite 6 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. 3.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das SEM im We- sentlichen aus, die Asylgewährung setze eine gezielt gegen eine Person gerichtete Verfolgungsmassnahme aus den in Art. 3 Abs. 1 AsylG genann- ten Gründen voraus, was vorliegend jedoch nicht gegeben sei. 3.1.1 Der Beschwerdeführer habe in der Anhörung geltend gemacht, sein Vater habe einen Drohbrief von Mitgliedern der Hizb -e Islami erhalten, in dem er aufgefordert worden sei, zwei seiner Söhne in die Koranschule zu schicken, damit sich diese dem bewaffneten Widerstand anschliessen (vgl. act. A24 F56-58, 63, 66). Seinen Aussagen könnten keine Hinweise ent- nommen werden, wonach diesem Rekrutierungsversuch ein Verfolgungs- motiv aus den in Art. 3 AsylG erwähnten Gründen zugrunde gelegen hätte. Dies mache er auch nicht geltend. Das Anwerben für den bewaffneten Wi- derstand sei vielmehr aufgrund seines Geschlechts, Alters und Wohnorts erfolgt. Sodann sei aufgrund seines Profils – er sei weder politisch aktiv noch gehöre er aufgrund einer Erwerbsarbeit oder seiner Familienangehö- rigen einer bestimmten Risikogruppe an – bei einer Weigerung auch nicht von einer begründeten Furcht vor zukünftiger asylrelevanter Verfolgung auszugehen. Er habe vorgebracht, jeder Jugendliche – ab einem gewissen Alter – habe sich dem bewaffneten Widerstand anschliessen müssen (A24 F78). Zudem habe er, abgesehen von der schlechten Sicherheitslage, keine weitere Bedrohung seiner Familie durch die Mitglieder der Hizb-e Is- lami geltend gemacht. Ausserdem habe sein Vater eine Anzeige wegen des Drohbriefes erstattet (A24 F91 -92). Somit sei dieses Vorb ringen vielmehr Ausdruck der schlechten Sicherheitslage in Afghanistan, als einer persön- lichen Verfolgung, weshalb es nicht asylrelevant sei. Bei den eingereichten Beweismitteln handle es sich im Übrigen um Doku- mente, die leicht käuflich erwerbbar seien u nd somit keinen Beweiswert aufweisen würden. 3.1.2 In Bezug auf seine Verlobte und die mit deren Familie getroffene Ver- einbarung sei festzuhalten, dass f ür die Annahme einer begründeten Furcht vor Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG konkrete Hinweise vorliegen müssten, die auf einer objektivierten Betrachtungsweise und nicht auf dem subjektiven Empfinden der Betroffenen fussen würden. Solche objektiven E-7083/2018 Seite 7 Anhaltspunkte seien vorliegend nicht gegeben. Die geltend gemachten Probleme müssten als familiäre Probleme ei ngeordnet werden, welche seine Familie durch eine Vereinbarung mit der Familie seiner Verlobten habe schlichten können. Da die beiden Familien eine Vereinbarung getrof- fen hätten, würden sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass der Be- schwerdeführer aufgrund seiner Beziehung mit seiner Verlobten an Leib und Leben bedroht wäre. Somit bestehe für ihn auch aus diesem Vorbringen keine begründete Furcht vor zukünftiger asylrelevanter Verfolgung. 3.1.3 Schliesslich habe der Beschwerdeführer angegeben, Afghanistan auch aufgrund der schlechten Sicherheitslage verlassen zu haben (A24 F91). Zudem sei er während seiner Ausreise beziehungsweise Flucht aus Afghanistan während mehrerer Stunden von den Taliban festgehalten wor- den (A24 F77). Die von ihm beschriebenen Nachteile seien auf die zurzeit herrschende Situation und die allgemein gegenwärtige Gewalt in Afghanis- tan zurückzuführen und lägen folglich in den dortigen allgemeinen Lebens- bedingungen begründet, welche grosse Teile der Bevölkerung in ähnlicher Weise treffen würden. Es handle sich bei diesem Vorbringen demzufolge nicht um Nachteile, die im Sinne von Art. 3 AsylG Asylrelevanz entfalten würden. 3.1.4 Die Vorbringen des Beschwerdeführers würden dementsprechend den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. Bei offensichtlich fehlender Asylrelevanz, könne darauf verzichtet werden, auf allfällige Unglaubhaftigkeitsmerkmale der Vorbrin- gen einzugehen. Eine Prüfung der Glaubhaftigkeit werde ausdrücklich vor- behalten. Auch die Asylakten s eines in der Schweiz lebenden Bruders (N […]) würden keine Anhaltspunkte für die Annahme liefern, dass der Be- schwerdeführer in der Heimat eine flüchtlingsrelevante Gefährdung zu be- fürchten hätte. 3.2 Der Beschwerdeführer nahm in seiner Beschwerdeschrift zunäc hst ausführlich Bezug auf das bisherige Verfahren, wiederholte den Sachver- halt und betonte, seine Vorbringen seien sehr wohl glaubhaft und asylrele- vant. Der Beschwerdeführer rügt, er sei zum Zeitpunkt der BzP noch min- derjährig gewesen und es sei bei der BzP keine Vertrauensperson anwe- send gewesen, weshalb diese nicht als relevanter Verfahrensschritt zu be- achten sei. Zudem sei die Anhörungssituation zwar nicht unangenehm, je- doch auf eine möglichst effiziente und rasche Abwicklung des Verfahrens E-7083/2018 Seite 8 ausgerichtet gewesen. Dadurch sei es ihm erschwert worden, sein asylre- levantes Vorbringen, namentlich die Situation mit seiner Verlobten, genü- gend darlegen zu können. Es sei ihm zudem bei der Anhörung keine Mög- lichkeit gegeben worden, sich zur Bedeutung der religiösen Gruppen und zu den Problemen zwischen ethnischen Paschtunen und Tadschiken in sei- ner Provinz zu äussern. Er habe zusammen mit seinem jüngeren Bruder aus Afghanistan fliehen müssen, da die Hizb -e Islami sie für den bewaffneten Widerstand gegen die Regierung hätten zwangsrekrutieren wollen. Wenn man sich einer Auf- forderung widersetze, sich einer der kämpfenden Gruppen anzuschlies- sen, werde man dadurch als ungläubig gebrandmarkt und zum Aussensei- ter. Da seine Familie den Blutzoll bereits mit dem Tod zweier Onkel bezahlt habe, habe sein Vater seine zwei älteren Söhne (ihn und seinen mit ihm in die Schweiz geflohenen Bruder) berechtigterweise als besonders gefähr- dete Individuen betrachtet. Was seine Verlobte anbelange , sei nochmals festzuhalten, dass bei Nichtein haltung der Vereinbarung die mündliche Drohung gelte, wonach er bei einer Rückkehr nach Afghanistan getötet würde und seine (…) Schwester, die heute erst (…) Jahre alt sei, der Fa- milie seiner Verlobten zur Verheiratung zugesprochen würde. Das Bundesverwaltungsgericht gehe in seiner konstanten Rechtsprechung davon aus, dass für Angehörige von Personengruppen mit hohem Risi- koprofil keine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur in Afgha- nistan bestehe . Die Lage in Afghanistan und in der Provinz D._______ habe sich verschlechtert. Die Taliban und andere Gruppen hätten erneut an Macht gewonnen und die Schutzfähigkeit der afghanischen Sicherheits- behörden sei durch den Abzug der internationalen Truppen geschwächt. Ferner hätten er und seine Familie von keiner Seite mit Hilfe rechnen dür- fen. Als Tadschiken und einfache Bauern seien sie sowohl durch kämp- fende Gruppen der eigenen Ethnie gefährdet, welche sie zur Kriegsführung zwingen wollten, als auch durch paschtunische Kämpfer, die sie als Tad- schiken jederzeit als Feinde verdächtigen und als Ungläubige identifizieren würden. Deshalb seien sie vom Tod bedroht. Eine Drohung der Hizb-e Is- lami liege bereits schriftlich vor und habe zu seiner Flucht und Ausreise geführt. Durch das Bekanntwerden seiner Beziehung mit F._______ sei seine Situation und diejenige seiner ganzen Familie noch prekärer gewor- den. Jetzt drohe ihm bei einer Rückkehr der Tod, beziehungsweise drohe seiner kleinen Schwester die Zwangsverheiratung in die Familie des Kom- mandanten J._______. Somit zeige sich auch in seinem persönlichen Fall, dass der afghanische Staat nicht schutzfähig sei beziehungsweise , dass E-7083/2018 Seite 9 die staatlichen Behörden gar als Gefährder auftreten würden. Demzufolge erfülle er die Flüchtlingseigenschaft und ihm sei in der Schweiz Asyl zu gewähren. 3.3 Im Rahmen der Vernehmlassung entgegnete die Vorinstanz, die Be- schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis- mittel, gebe jedoch zu einigen ergänzenden Bemerkungen Anlass. 3.3.1 Soweit der Beschwerdeführer rüge, er sei zum Zeitpunkt der BzP noch minderjährig gewesen und es sei keine Vertrauensperson anwesend gewesen, weshalb die BzP nicht als relevanter Verfahrensschritt zu beach- ten sei, vermöge dies den angefochtenen Entscheid nicht umzustossen. Wie im angefochtenen Entscheid entnommen werden könne, bezögen sich die Erwägungen ohnehin hauptsächlich auf das Anhörungsprotokoll vom 2. Juli 2018. Hinsichtlich der Altersbestimmung des Beschwerdeführers werde sodann auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwie- sen. 3.3.2 In Bezug auf die Situation anlässlich der Anhörung sei festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer bereits zu deren Beginn die Möglichkeit ge- geben worden sei, sich zu den Vorkommnissen seit seiner Ausreise aus Afghanistan im Jahr 2015 bis zur Anhörung im Juli 2018 zu äussern (A24 F32). Des Weiteren habe er die Möglichkeit gehabt, die Situation mit seiner Verlobten ausführlich darzulegen (vgl. A24 F94 -96). Ausserdem sei ihm mehrmals Gelegenheit gegeben worden, seine asylrelevanten Vorbringen auszuführen (A24 F102-103). Schliesslich habe auch die Hilfswerksvertre- tung keine Einwände zur Anhörung gehabt (A24 S. 18). 3.3.3 Sofern der Beschwerdeführer beanstande, dass die Situation rund um seine Verlobte und seine Familie zu Unrecht als familiäre Probleme ohne Asylrelevanz qualifiziert worden seien, sei festzuhalten, dass f ür die Annahme einer begründeten Furcht vor Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG keine objektiven Anhaltspunkte vorliegen würden, weshalb die familiären Probleme nicht asylrelevant seien. Diese Einsch ätzung werde durch das im Rahmen der Beschwerdeschrift neu eingereichte Beweismittel, die Übersetzung des Entscheides des Ältestenrats über die Auseinanderset- zung zwischen der Familie des Beschwerdeführers und der Familie der Verlobten, gestützt. Die Übersetzung bestätige, dass sich die betroffenen Familien durch Vermittlung des Ältestenrats hätten einigen können. Des Weiteren mache der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift gel- tend, dass seine Verlobte zurück zu ihrer Familie habe ziehen müssen und E-7083/2018 Seite 10 mit ihrem Bruder nach Mekka habe gehen müssen, um dort Busse zu leis- ten. Falls seine Verlobte tatsächlich im dargelegten Kontext nach Mekka gereist sei, habe sie sich demzufolge von ihrer Schuld befreien können. Somit stütze dieses Beweismittel die Einschätzung ebenfalls, dass der Be- schwerdeführer aufgrund dieser Beziehung nicht an Leib und Leben be- droht sei. Die beiden eingereichten Fotos seiner Verlobten und ihre s an- geblichen Bruders würden ohnehin lediglich belegen, dass sie nach Mekka gereist seien, aber nicht, in welchem Kontext die Reise gemacht worden sei. Auch die eingereichten Kopien von zwei Fotos des Bruders der Verlob- ten seien ungeeignet, um eine asylrelevante Verfolgung zu beweisen. 3.3.4 Sofern der Beschwerdeführer zudem kritisiere, dass ihm bei der An- hörung keine Möglichkeit gegeben worden sei, sich zur Bedeutung der re- ligiösen Gruppen und zu den Problemen zwischen ethnischen Paschtunen und Tadschiken in seiner Provinz zu äussern , sei festzustellen, dass es zwar gewisse Spannungen zwischen ethnischen Gruppierungen in Afgha- nistan gebe, es würden aber keine Anzeichen dafür vorliegen, dass eine ethnische Gruppierung, im vorliegenden Fall ethnische Tadschiken, allein wegen ihrer Ethnie einer gezielten Verfolgung unterliegen würde. Eine asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG liege deshalb nicht vor. Eine Furcht davor sei daher auch nicht als begründet im Sinne des Asylgesetzes zu erachten. 3.3.5 Sofern geltend gemacht werde, in der Anhörung und im Entscheid sei nicht genügend auf das Risikoprofil der gesamten Familie (auch der Onkel) eingegangen worden, könne dem nicht gefolgt werden. Aus diesem Vor- bringen, namentlich dem Tod der beiden Onkel, wel che Mitglieder der Hizb-e Islami gewesen und im Rahmen des bewaffneten Widerstands ge- tötet worden seien, könne nicht auf eine asylrelevante Verfolgung des Be- schwerdeführers geschlossen werden. Auch die Angaben in der Beschwer- deschrift würden dieses Vorbri ngen nicht zu erklären vermögen. Folglich würden keine Hinweise auf ein besonderes Risikoprofil seiner Familie vor- liegen. 3.3.6 Soweit der Beschwerdeführer rüge, dass die eingereichten Beweis- mittel nicht entsprechend gewürdigt und nur ungenau bezeichnet worden seien, könne dem nicht gefolgt werden. Wie dem angefochtenen Entscheid entnommen werden könne, seien die Beweismittel schon im Sachverhalt detailliert aufgeführt worden. Des Weiteren seien die bereits eingereichten Beweismittel übersetzt und im Rahmen de r Erwägungen des angefochte-E-7083/2018 Seite 11 nen Entscheids gewürdigt worden (vgl. dazu A27 S.2 -4). Die vom Be- schwerdeführer zur Einsicht gewünschte Kopie des Drohbriefs, den ein Verantwortlicher der „Islamischen Emirate Afghanistan“ am (…) 2015 aus- gestellt habe, und die Kopi e der Übersetzung des Drohbriefes seien dem Beschwerdeführer mit einem separaten Schreiben vom 22. Januar 2019 übermittelt worden. Soweit der Beschwerdeführer rüge, er habe zu den be- reits eingereichten Beweismitteln nicht hinreichend Stellung nehmen kön- nen, sei dem entgegenzuhalten, dass im Anhörungsprotokoll vom 2. Juli 2018 unter den Fragen zwei bis einundzwanzig alle wesentlichen Informa- tionen festgehalten worden seien, um die eingereichten Beweismittel zu kontextualisieren (A24 F2 -21). Zudem sei der Bes chwerdeführer bei den Fragen F66 bis F69 zu den Umständen des Erhalts des Drohbriefes der „Islamischen Emirate Afghanistan“ befragt worden (A24 F66-69). 3.3.7 Im Rahmen der Beschwerdeschrift habe der Beschwerdeführer di- verse Beweismittel nachgereicht. Diese Bew eismittel würden sich eben- falls nicht dazu eignen, den angefochtenen Entscheid umzustossen, wes- halb an ihm festgehalten werde. 3.4 Hierzu replizierte der Beschwerdeführer, er sei zwischenzeitlich nach- träglich über seine Stellvertreterheirat mit seiner Verlobten unterrichtet wor- den. Aus der eingereichten Heiratsurkunde gehe hervor, dass die Heirat am 3. Januar 2018 (13.10.1396) bei einer Mitgift von 250'000.– Afghani geschlossen worden sei. Sein Vater habe ihm mitgeteilt, die Heirat sei im Zusammenhang mit dem Beschluss der Dorfältesten zu sehen und folgen- dermassen zu verstehen: Zwar sei die Heirat formell geschlossen worden und F._______ wohne (wieder) im Haus seiner Familie. Doch werde erwar- tet, dass die Ehe innerhalb von zwei Jahren vollzogen werde, sprich die beiden Ehegatten zusammenleben würden. Falls der Beschwerdeführer diese Bedingung nicht erfülle und sich infolge Abwesenheit nicht um seine Gattin kümmere, drohe eine Scheidung mit den ursprünglich angedrohten Konsequenzen. Nebst der Bezahlung der Mitgift hätte seine Familie des- halb mit der Wegnahme der Schwester zu rechnen, auf welche die Familie von F._______ zwecks Wiederherstellung der Ehre Anspruch hätte. Auch wenn argumentiert werden könnte, diese Folge würde nicht den Beschwer- deführer persönlich tre ffen, sondern seine Schwester, wäre dem zu ent- gegnen, er habe dieses Problem verursacht und müsste im Falle seiner Rückkehr mit Übergriffen und Nachstellungen von den Angehörigen von F._______ rechnen. Deshalb werde vollumfänglich an der Beschwerde festgehalten. E-7083/2018 Seite 12 3.5 Mit Eingabe vom 1. November 2019 berichtete der Beschwerdeführer, er sei aus der Heimat über weitere Druckversuche auf seine Familie orien- tiert worden. Angehörige der Familie seiner Eh efrau hätten eine Gruppe von Personen damit beauftragt, seinen Vater zu attackieren, dies mit dem Ziel, ihn (den Beschwerdeführer) zum Erfüllen seiner ehelichen Pflichten zu zwingen. Sein Vater sei im Mai 2019 so schlimm zusammengeschlagen worden, dass er deshalb schliesslich im August 2019 in K._______ habe operiert werden müssen, indem ihm eine Bandscheibe an der Halswirbel- säule entfernt worden sei und zu deren Stützung Metallteile implantiert wor- den seien, wie den eingereichten Fotos und Arztberichten zu entnehmen sei. Er (der Beschwerdeführer) befürchte weitere Nachstellungen gegen- über seiner Familie in Afghanistan, weshalb er nun alles in seiner Macht Stehende unternehme, um der Forderung der Familie seiner Frau nach- kommen zu können. Er habe seine Ausbi ldung aufgegeben, um einer Er- werbstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt nachgehen zu können, damit er schliesslich über ein ausreichendes Einkommen für den Familiennachzug verfüge. Jedoch dürfte ihn die dreijährige Wartefrist gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG daran hindern, seiner Verpflichtung rechtzeitig nachgehen zu können. 4. 4.1 In der Beschwerde wird die Kassation der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung an die Vorinstanz zur rechtsgenüglichen Sachver- haltsabklärung sowie zur Neuentscheidung beantragt. Der Beschw erde- führer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, namentlich eine unvoll- ständige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und eine Verletzung der Begründungspflicht. Vorab sind diese formellen Rügen zu prüfen, da deren Gutheissung geeignet wäre, eine Kassation der vo- rinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 4.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behör de den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Be- weise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtserheblichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043). 4.3 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass E-7083/2018 Seite 13 eines Entscheides dar. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffe- nen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, er- hebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit er- heblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesent- licher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweiser- gebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflus- sen (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). 4.4 Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vor- bringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfin- dung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegeb enenfalls sachgerecht an- fechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Partei- standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 4.5 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, das Protokoll der Bz P könne dem Entscheid nicht zugrunde gelegt werden, da es ohne eine Ver- trauensperson trotz seiner Minderjährigkeit erstellt worden sei, ist zunächst darauf zu verweisen, dass das SEM gestützt auf die sich aus dem Verfah- ren ergebenden Anhaltspunkte und die erstellte Handknochenanalyse von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen ist. Die entspre- chende Annahme des SEM und der ZEMIS-Eintrag als Volljähriger wurden vom Beschwerdeführer denn auch nicht angefochten. In diesem Zusam- menhang ist auch auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz auf Ver- nehmlassungsebene zu verweisen (vgl. E. 3.3.1). 4.6 Soweit seitens des Beschwerdeführers geltend gemacht wird, er habe seine Fluchtgründe in der Anhörung nicht genügend darlegen können, kann dem nicht gefolgt werden. Es ist auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz im Vernehmlassungsverfahren zu verweisen (vgl. E. 3.3.2). Der Beschwerdeführer hat denn auch auf Beschwerdeebene nicht schlüs- sig darlegen können, inwiefern anlässlich seiner Anhörung Verfahrens- rechte beschränkt worden seien. 4.7 In Bezug auf die gerügte ungenügende Würdigung der Beweismittel ist festzuhalten, dass die Vorinstanz diese sehr wohl in die Verfügung aufge-E-7083/2018 Seite 14 nommen hat, sie in den Kontext zum Vorbringen gesetzt und deren Be- weiserheblichkeit eingeschätzt hat (vgl. angefochtene Verfügung Sachver- halt Ziff. 3, E. 3.3.4 / 3.3.6). Inwiefern eine Gehörsverletzung vorliegen soll, wird weder aus der Aktenlage ersichtlich noch in der Beschwerde darge- legt. Soweit deren Beweiserheblichkeit in Frage steht, betrifft dies den As- pekt der materiellen Würdigung. Auch die weitere Argumentation weshalb das SEM den Sachverhalt unvollständig und unrichtig festgestellt habe, ist eine Vermengung der rechtlichen Würdigung mit dem rechtlichen Gehör. Der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer die materielle Auffas- sung des SEM nicht teilt, ist keine Verfahrenspflichtverletzung, sondern be- trifft die materielle Frage der Flüchtlingseigenschaft. Ausserdem zeigt die vorliegende Beschwerde, dass eine sachgerechte Anfechtung problemlos möglich war. 4.8 Das Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend weder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs noch des Untersuchungsgrundsatzes oder der Be- gründungspflicht feststellen. Da sich die prozessualen Rügen des Be- schwerdeführers auch unter keinem anderen Aspekt als stichhaltig erwei- sen, fällt die beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ausser Betracht, womit das Gericht in der Sache zu entscheiden hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG). 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy- chischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweis en oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-7083/2018 Seite 15 6. 6.1 Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG gestützt auf die geltend gemachten Vorflucht- gründe zu Recht verneint. 6.1.1 In Bezug auf die Ereignisse im Zusammenhang mit der angeblich versuchten (Zwangs -)Rekrutierung durch die Hizb -e Islami ist der Vor - instanz zuzustimmen, dass diese nicht asylrelevant sind. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorab auf die zutreffenden Ausführungen ver- wiesen werden. Es fehlt an einem in Art. 3 AsylG umschriebenen Motiv für Verfolgungshandlungen seitens der Hizb -e Islami bei Verweigerung de r Beteiligung am bewaffneten Kampf. Eine allfällige Bestrafung wegen Ent- zugs vor der Rekrutierung wäre sodann einzig unter dem Aspekt der Zu- lässigkeit relevant; diese Frage ist aber im vorliegenden Fall aufgrund des als unzumutbar erkannten Wegweisungsvollzuges und der angeordneten vorläufigen Aufnahme zum heutigen Zeitpunkt nicht von Relevanz. 6.1.2 Sofern der Beschwerdeführer geltend macht, er sei während seiner Ausreise mehrere Stunden von den Taliban festgehalten und erst gegen Zahlung eines Geldbetrages freigelassen worden, fehlt es am asylrelevan- ten Motiv und handelt es sich um kriminelle Akte im Kontext mit der schlechten Sicherheitslage in Afghanistan. Dieser wurde vorliegend im Üb- rigen durch die Anordnung der vorläufigen Aufnahme Rechnung getragen. 6.1.3 Sofern der Beschwerdeführer sinngemäss geltend macht, als Ange- höriger der tadschikischen Ethnie in seiner Provinz generell gezielten Ver- folgungshandlungen ausgesetzt zu sein, ist festzustellen, dass er solche im Verfahren nicht vorbrachte. Dem SEM ist sodann dahingehend zuzu- stimmen, dass die kollektive Verfolgung der ethnischen Gruppierung der Tadschiken nicht zu bejahen ist. 6.2 Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, ihm drohe betreffend Umstände, die sich nach seiner Ausreise ereignet hätten, asylrelevante Verfolgung, nämlich seitens der Familie seiner kürzlich in Stellvertreterhei- rat angetrauten Ehefrau, die ihn respektive seine Familie stark unter Druck setze, seine Ehefrau in die Schweiz kommen zu lassen. Da seine Frau aus einer einflussreichen paschtunischen Familie stamme und ihr Bruder der Bodyguard des Ortspolizeichefs sei, könne er auch nicht auf die Hilfe der staatlichen Sicherheitsbehörden setzen. Deshalb würde er spätestens bei einer allfälligen Rückkehr Verfolgungsmassnahmen von der Familie seiner Frau ausgesetzt sein, die offenkundig asylrelevant wären. E-7083/2018 Seite 16 6.2.1 Zunächst ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht starke Zweifel am Wahrheitsgeh alt der geltend gemachten Umstände hegt. So machte der Beschwerdeführer anlässlich der BzP keine entsprechenden Gründe geltend und erwähnte seine Freundin und spätere Verlobte respek- tive Ehefrau auch auf Nachfrage nicht (A3 Ziff. 1.14). In der Anhörung und im Laufe des Beschwerdeverfahrens steigerte er diese Gründe jedoch, wo- bei sie in sich nicht schlüssig sind, sondern konstruiert wirken. Nicht nach- vollziehbar ist sodann, dass der Beschwerdeführer erst auf Replikstufe am 1. März 2019 geltend machte, die Stellvertreterehe sei bereits am 3. Januar 2018 geschlossen worden, wo er doch in regelmässigem Kontakt zu seiner Angetrauten stehen will. Dass sodann sein Vater als Zeichen der Drohung im Mai 2019 derart zusammengeschlagen worden sein soll, dass eine Ope- ration an der Hals wirbelsäule in K._______ notwendig geworden sei, scheint ebenso nicht plausibel. Aus den eingereichten ärztlichen Zeugnis- sen ergibt sich sodann auch nicht, dass die Diagnose des Bandscheiben- vorfalls, aufgrund welcher ein operativer Eingriff notwendig gewesen sein soll, auf körperlicher Gewalt beruht. Entsprechende Beschwerden können ohne Weiteres auch andere Ursachen haben. Der Beschwerdeführer scheint sodann nach wie vor in gutem Kontakt mit der Familie seiner An- getrauten zu stehen, konnte er doch Bilder von ihr und ihrem Bruder ein- reichen. Lediglich ergänzend sei sodann bemerkt, dass sich aus der ein- gereichten Passkopie (Beschwerde, Beilage 2) seiner angeblich Angetrau- ten die Geburtsstadt L._______ ergibt, welche nicht in der Heimatregion des Beschwerdeführers liegt, bei welcher es sich aber um ein Familienmit- glied einer einflussreichen Familie dieser Region handeln soll. Es kann eine weitere Auseinandersetzung damit jedoch unterbleiben, da diesem Vorbringen von vornherein keine Asylrelevanz zukommt. Es handelt sich um einen familiären Konflikt ohne Hinweise auf eine Bedrohung aufgrund eines asylrelevanten Motivs, namentlich der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen der politi- schen Anschauung. Dem Vorbringen wäre im Rahmen der Prüfung von Wegweisungsvollzugshindernissen Rechnung zu tragen. Nachdem der Beschwerdeführer jedoch bereits vorläufig aufgenommen ist und die Voll- zugshindernisse alternativer Natur sind, kann eine weite re Auseinander- setzung mit der Glaubhaftigkeit zum heutigen Zeitpunkt unterbleiben. So- fern der Beschwerdeführer darauf zielt, dass ihm das Asyl zuzuerkennen sei, um seine «Familie» nachkommen zu lassen ( vgl. insbesondere Ein- gabe vom 1. November 2019), kann dies nicht ausschlaggebend sein. 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer weder das Vorliegen von Vorfluchtgründen noch von Nachfluchtgründen im Sinne E-7083/2018 Seite 17 von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte und deshalb nicht als Flüchtling anzuerkennen ist. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7.3 Im Sinne einer Klarstellung ist abschliessend festzuhalten, dass sich aus den vorst ehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, der Be- schwerdeführer sei zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklung in seinem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefähr- dungslage ausschliesslich unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AIG einzu- ordnen, wonach der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein kann, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situa- tionen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Not- lage konkret gefährdet sind. Der genere llen Gefährdung aufgrund der ak- tuellen Situation in Afghanistan im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG wurde durch das SEM mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sic h, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit Zwischenverfügung vom 8. Januar 2019 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde, sind im vorliegenden Verfahren keine Kosten zu erheben. E-7083/2018 Seite 18 9.2 Mit Zwischenverfügung vom 8. Januar 2019 wurde zudem das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gutgeheissen, weshalb dem amtlich bestellten Rechtsbeistand zulasten der Gerichts- kasse ein Honorar für seine Bemühungen auszurichten ist. Dieser reichte am 1. März 2019 eine Kostennote ein. Darin werden ein zeitlicher Aufwand von 3,6 Stunden à Fr. 220.–, Auslagen von Fr. 130.10 (für Übersetzung eines Beweismittels, Kopien sowie Portospesen) sowie Mehrwertsteuer- pflicht geltend gemacht. Sowohl der zeitliche Aufwand als auch de r Stun- denansatz und die Auslagen scheinen (allerdings unter Berücksichtigung der Kurzeingabe vom 1. November 2019) angemessen. Somit ist dem Rechtsvertreter ein Honorar von total (aufgerundet) Fr. 994.– aus der Ge- richtskasse zu entrichten (vgl. Art. 12 und Art. 14 Abs. 2 VGKE). (Dispositiv nächste Seite) E-7083/2018 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dem amtlichen Rechtsvertreter ist ein Honorar von Fr. 99 4.– aus der Ge- richtskasse zu entrichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Nira Schidlow