B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1679/2014 U r t e i l v o m 2. M a i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. Parteien A._______, geboren (…), und deren Kinder, B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), Sri Lanka, alle handelnd durch (…) Beschwerdeführerinnen, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 27. Februar 2014 / N (…). D-1679/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit englischsprachiger Eingabe vom 9. September 2009 ersuchten die Beschwerdeführerinnen bei der Schweizerischen Botschaft in D._______ (nachfolgend die Botschaft) um Einreisebewilligung zwecks Durchführung des Asylverfahrens in der Schweiz. Zur Stützung ihrer Vorbringen reic h- ten die Beschwerdeführerinnen Kopien ihrer Geburtsurkunden inklusive Übersetzung sowie der Identitätskarte der Bes chwerdeführerin (Mutter) zu den Akten. B. Die Botschaft bestätigte den Beschwerdeführe rinnen mit Schreiben vom 14. September 2009 den Eingang ihres Gesuchs und forderte sie zur Konkretisierung ihrer Angaben auf. C. Mit ihrem Antwortschreiben vom 12. Oktober 2009 reichte die Beschwer- deführerin zur Stützung der Vorbringen zwei Bestätigungen des Todes ih- res Ehemanns am (…) April 2009 und ihres Sohnes am (…) April 2009 ein. D. Mit Eingabe vom 8. Oktober 2009 zeigte der damalige Rechtsvertreter seine Mandatsübernahme an und reichte eine DVD mit einem Radiobe i- trag des Nationalradios der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), wor- in über den Tod des Ehemanns der Beschwerdeführerin berichtet werde, sowie eine Kopie eines Erinnerungs büchleins zum Tod ihres Bruders, ein LTTE "Special Commander", zu den Akten. E. Die Botschaft forderte die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 5. No- vember 2009 erneut zur Konkretisierung ihrer Angaben auf. F. Mit Eingaben vom 1. Dezember 2009, 6. März 2010 und 28. Februar 2013 wurde um Auskunft über den Verfahrensstand und um prioritäre Be- handlung ersucht. G. Das BFM forderte die Beschwerdeführerin m it Schreiben vom 22. Mai 2013 mittels detailliertem Fragenkatalog auf, innert Frist nähere Angaben D-1679/2014 Seite 3 zu ihrer Person, ihrer familiären Si tuation, allfälligen Familienangehörigen im In- und Ausland, insbesondere auch in der Schweiz, ihrer Situation im Heimatstaat und zu weiteren Gründen für ihr Asylgesuch zu machen s o- wie zu einem allfällig negativen Asylentscheid des BFM Stellung zu ne h- men. H. Mit Eingabe vom 21. Juni 2013 ersuchte der damalige Rechtsvertreter um Fristerstreckung, da es dem in der Schweiz wohnhaften Bruder T. erst kürzlich gelungen sei, mit der Beschwerdeführerin Kontakt aufzunehmen. I. Mit Eingabe vom 22. Juli 2013 nahm die Beschwerdef ührerin innert e r- streckter Frist Stellung. J. Mit Schreiben vom 6. November 2013 wurde die Beschwerdeführerin zu einer Befragung auf der Botschaft in D._______ eingeladen, die am 21. November 2013 durchgeführt wurde. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin Kopien einer am (…) 2010 bei der Me n- schenrechtskommission von Sri Lanka eingereichten Beschwe rde sowie zwei Polizeirapporte betreffend Drohanrufe, vom (…) 2010 respektive oh- ne leserliches Datum, zu den Akten. K. Mit Eingabe vom 4. Januar 2014 reichte die Beschwerdeführerin Kopien von Zeitungsartikeln und eines Fotos zu den Akten. L. Mit Eingabe vom 24. Februar 2014 reichte die Beschwerdeführerin eine Vollmacht sowie Übersetzungen der mit Eingabe vom 4. Januar 2014 eingereichten Zeitungsartikel zu den Akten. M. Das BFM lehnte das Asylgesuch der Beschwerdeführe rinnen mit Verfü- gung vom 27. Februar 2014 ab und verweigerte ihnen die Einreise in die Schweiz. N. Mit Eingabe vom 27. März 2014 erhoben die Beschwerdeführerinnen, handelnd durch ihren Bru der respektive Onkel , hiergegen Beschwerde und beantragten im Wesentlichen, die vorinstanzliche Verfügung sei au f-D-1679/2014 Seite 4 zuheben und es sei ihnen zwecks Durchführung des Asylverfahrens die Einreise in die Schweiz zu bewilligen; eventualiter sei die Sache zur vol l- ständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vori n- stanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um G e- währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht. Zur Stützung der Vorbringen reichte d ie Beschwerdefüh- rerin einen IKRK-Gefangenen Ausweis ihres Bruders K., Haftbestätigun- gen ihn betreffend sowie dessen Entlassungspapiere zu den Akten. O. Mit Verfügung vom 2. April 2014 wurde der Bruder T. der Beschwerdefüh- rerin aufgefordert, innert Frist eine Vollmacht zu den Akten zu reichen. P. Mit Eingabe vom 8. April 2014 reichte der Bruder T. der Beschwerdeführe- rin eine Vollmacht inklusive Kopien des Originalzustellumschlags zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). D-1679/2014 Seite 5 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrich tige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Soweit mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. Sep- tember 2012 (AS 2012 5359; in Kraft getreten am 29. September 2012; angenommen durch die Volksabstimmung vom 9. Juni 2013 [BBl 2013 6613]) die Möglichkeit der Asylgesuchstellung im Ausland abgeschafft wurde, kommt dies im vorliegenden Fall nicht zur Anwendung, da gemäss Übergangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012 für As yl- gesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung gestellt wo r- den sind – was vorliegend zutrifft –, die einschlägigen Normen in der bi s- herigen Fassung gelten. 4. 4.1 4.1.1 Anlässlich ihrer ersten Eingabe machte die Beschwerdeführerin gel- tend, aufgrund einer militärischen Offensive der sri-lankischen Armee sei sie gezwungen gewesen , im April 2009 nach E._______ zu fliehen. Am (…) April 2009 sei ihr Ehemann und am (…) April 2009 ihr Sohn getötet worden. Da sie schwanger gewesen sei, sei es ihr mithilfe des Internatio- nalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) gelungen, in einem Lager in der Nähe Schutz zu finden. I n einem Spital habe sie ihre jüngste Tochter ge- boren. Die Bedingungen im Lager seien jedoch extrem schlecht gewesen, da ein Generalverdacht der LTTE Unterstützung bestanden habe. Sie sei von paramilitärischen Truppen gesucht worden, weshalb sie sich en t- schieden habe, zu fliehen und sich an einem anderen Ort zu verstecken. D-1679/2014 Seite 6 4.1.2 In ihrem Antwortschreiben vom 12. Oktober 2009 und der Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 8. Oktober 2009 führte die Beschwerdeführe- rin aus, ein Bruder von ihr sei für die LTTE aktiv gewesen und 1996 ve r- storben. Während diese r Zeit habe sich F._______ mit ihrer Familie und dem jüngeren Bruder K., welcher zur Zeit in einem Rehabilitati onscamp inhaftiert und ein LTTE Kader Mitglied gewesen sei, angefreundet. Als sie nach dem Tod ihres Ehemannes und Sohnes im Lager Schutz gesucht habe, sei sie von F._______ und seinen Leuten behelligt worden, we s- halb sie, auch in Anbetracht der schlechten hygienischen Bedingungen im Lager, nach der Geburt ihrer Tochter geflohen sei und sich an verschi e- denen Orten in G._______ versteckt halte. In der Schweiz habe sie (…) Brüder und (…) Schwester. 4.1.3 In ihren Eingaben vom 1. Dezember 2009 und 6. März 2010 info r- mierte die Beschwerdeführerin die Botschaft über ihre neue Zustelladre s- se und machte erneut auf ihre schwierige Situation aufmerksam. Ein Kind sei an hohem Fieber erkrankt und sie getraue sich nicht, sich an einen Arzt zu wenden, da sie befürchte von den Behörden verhaftet zu werden. 4.1.4 In der Eingabe vom 22. Juli 2013 führte die Beschwerdeführerin aus, sie habe von Oktober 2009 bis März 2010 in G._______, von März 2010 bis Dezember 2010 in H._______, von Dezember 2010 bis Juli 2012 in I._______ und von Juli 2012 an wiederum in H._______ aber an einer anderen Adresse gelebt. Seit 2009 würden ihre beiden Kinder aus Angst vor Entführungen nicht mehr regelmässig zur Schule gehen. Seit April 2010 habe sie Drohanrufe erhalten, in welchen ihre Familie als LTTE Sympathisanten gebrandmarkt und mit dem Tod bedroht würden. Diesbe- züglich hätten sie eine Anzeige auf der Polizeistation gemacht und eine Beschwerde bei einer Menschenrechtsorganisation eingereicht. 4.1.5 Anlässlich der Befragung vom 21. November 2013 führte die B e- schwerdeführerin aus , sie beziehungsweise ihre Familie habe im Mai 2010 zweimal Drohanrufe erhalten, welche sie sodann bei der Polizei zur Anzeige gebracht h ätten. Im August 2013 habe sie erneut drei anonyme Anrufe erhalten, wobei sich der Anrufer nach ihr em Aufenthaltsort und dem Namen und Ort der Schule ihrer älteren Tochter erkundigte. Damals, als sie 2009 in das Lager gebracht worden sei, sei sie von Freunden ihres Bruders identifiziert worden, weshalb sie aus Angst geflohen sei. Dies sei auch der Grund, weshalb sie ständig den Wohnsitz wechsle. D-1679/2014 Seite 7 4.1.6 In ihrer Eingabe vom 4. Januar 2014 führte die Beschwerdeführerin aus, sie habe anlässlich der Befragung auf der Botschaft nicht alles s a- gen können. Sie habe am 3. Dezember 2013 erneut einen Drohanruf e r- halten. Zudem werde sie von Unbekannten verfolgt. 4.2 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Asylentscheid damit, dass die geltend gemachten Vorkommnisse nicht von einreiserelevanter Bedeutung seien. Bei den geltend gemachten Nachteilen handle es sich um lokal oder regional beschränkte Ereignisse, welche, abgesehen von den Vorfällen 2010, auch nicht belegt seien. Ihr Heimatstaat gelte als schutzfähig, was durch die 2010 eingereichte Anzeige und anschliesse n- de Verurteilung auch belegt werde. Den Akten könnten kei ne Hinweise entnommen werden, wonach die sri -lankischen Behörden aufgrund der familiären Verbindungen zur LTTE ein Verfolgungsinteresse an ihr hätten. Zudem sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihre Situat i- on überzeichne. Es sei nicht nachvoll ziehbar, warum sie plötzlich wieder- um von Unbekannten bedroht werden soll e, wobei sie es bezeichnender- weise unterlassen habe, erneut eine Anzeige einzureichen, zumal sie mit Schreiben vom 4. Januar 2014 erstmals vorbringe, Unbekannte würden ihr folgen. Aus dem gewaltsamen Tod mehrerer Familienangehörigen könne keine Einreiserelevanz hergeleitet werden, auch wenn nicht in A b- rede gestellt werde, dass die Beschwerdeführerinnen wohl unter äusserst schwierigen Umständen lebten. Angesichts der fehlenden Schutzbed ürf- tigkeit könne darauf verzichtet werden, auf vorhandene Unglaubhafti g- keitselemente einzugehen. 4.3 In der Beschwerde vom 27. März 2014 brachte der Rechtsvertreter vor, ihr Bruder K. sei am (…) Dezember 2013 aus der Haft entlassen worden. Als er zurück nach I._______ gekommen sei, habe ihn das Mil i- tär erneut aufgesucht und ihn aufgefordert, zu einer Befragung zu e r- scheinen. Daraufhin sei dieser untergetaucht. Die Beschwerdeführerin sei mittlerweile ebenfalls untergetaucht. Das Militär sei zu ihren Eltern nach Hause gegangen und habe sich nach deren Verbleib erkundigt. Durch die Freilassung des Bruders hätten sich ihre Probleme akzentuiert. 5. 5.1 Einer Person, welche im Ausland ein Asylgesuch gestellt hat, ist die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine unm ittelbare Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaubhaft gemacht wird (alt Art. 20 Abs. 3 AsylG) – das heisst im Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und die Asylgewährung – oder aber, D-1679/2014 Seite 8 wenn für die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts ein weiterer Aufenthalt im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint (alt Art. 20 Abs. 2 AsylG). Asyl – und damit die Einreise in die Schweiz – ist zu verweigern, wenn keine Hinwei- se auf eine aktuelle Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (alt Art. 52 Abs. 2 AsylG). 5.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Beurteilungsspielraum zu - kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von alt Art. 52 Abs. 2 AsylG na - mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staa ten, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die prakti - sche Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schut z- suche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilations - möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Au sschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthalt s- ort für d ie Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann. (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126). 6. 6.1 Die Vorinstanz erachtete die Erlebnisse der Beschwerdeführe rinnen als nicht einreiserelevant. Sie stellte die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen nicht in Frage; respektive führte sie mit Bezug auf die eingereichten B e- weismittel aus, diese würden Vorbringen stützen, deren Glaubhaftigkeit nicht in Frage ges tellt werde, um w eiter anzumerken, auf allfällige U n- glaubhaftigkeitselemente müsse nicht eingegangen werden (vgl. Verf ü- gung vom 27. Februar 2014 S. 4). 6.2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die protokollierten Aussagen der Beschwerdeführerin viele Realitätskennze ichen aufweisen und mit einer Vielzahl von Beweismitteln belegt worden sind (darunter Behördendokumente, eine Haftbestätigung des IKRK betreffend ihren Bruder sowie dessen Freilassungsbestätigung und Auszügen aus einem Beitrag des LTTE Nationalradios über den Tod ihres Ehemanns). Soweit aufgrund der Akten feststellbar, ist das BFM zu Recht von der Glaubha f- tigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin ausgegangen. D-1679/2014 Seite 9 6.3 Nach dem Gesagten ist bei vorliegender Aktenlage von folgendem rechtserheblichem Sachverhalt au szugehen: Die Beschwerdeführerin stammt aus einer Familie mit beachtlichen LTTE Verbindungen. Ein mit t- lerweile verstorbener Bruder ist LTTE Mitglied gewesen; ein anderer Bru- der K. war in führender Position bei den LTTE tätig und seit 2009 in einem Rehabilitationscamp inhaftiert. Letzterer ist kürzlich freigelassen worden. Ihr Ehemann war ebenfalls LTTE Mitglied mit beachtlicher Führungsve r- antwortung (vgl. act A 16/2). Ende April 2009 sind innerhalb weniger Tage ihr Ehemann sowie ihr Sohn bei einer Offensive der sri-lankischen Armee umgekommen. Mithilfe des IKRK ist der Beschwerdeführerin die Flucht in ein Spital in J._______ gelungen, wo sie ihre jüngste Tochter gebar. Ehemalige Freunde ihres Bruders identifizierten sie zu jenem Zeitpunkt mehrmals als Schwester und Ehefrau von LTTE Mitgliedern. Sie hält sich seit Oktober 2009 für jeweils etwa ein halbes Jahr an verschiedenen Or- ten versteckt. Im Frühjahr 2010 hat die Familie der Beschwerdeführerin Drohanrufe erhalten, in welchen ihre Familie als LTTE Sympathisanten gebrandmarkt und mit dem Tod bedroht wurden. Infolgedessen hat ihre Mutter bei der Polizei eine Anzeige eingereicht, im Rahmen derer es auch zu einer Verurteilung gekommen ist. Im August 2013 hat die Beschwerde- führerin erneut anonyme Anrufe erhalten, welche sich nach der Schule ih- rer älteren Tochter erkundigten. Seit 2010 schickt sie ihre Kinder aufgrund der Drohanrufe nicht mehr regelmässig zur Schule, seit 2012 unterrichtet sie sie zuhause. Im Dezember 2013 wurde ihr Burder K., welcher 2009 gestützt auf den Prevention of Terrorism Act (PTA) verurteilt wurde und seither in Haft war, freigelassen. Dieser wurde bei seiner Rückkehr erneut vom Militär aufgesucht und befragt. Infolgedessen sind die Beschwerd e- führerinnen untergetaucht. 6.4 Die Argumentation der Vorinsta nz – die Beschwerdeführerin habe keine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG und die erlebten Nachteile seien lokal oder regional beschränkt re- spektive es stehe der Beschwerdeführerin offen, bei den sri -lankischen Behörden um Schutz zu ersuchen – wird der vorliegenden besonderen Aktenlage nicht gerecht. Aufgrund der vorliegenden Akt en bestehen b e- gründete Hinweise auf eine in Zukunft drohende Verfolgung in diesem Sinn. 6.4.1 Zwar ist der Vorinstanz beizupflichten, dass der Beschwerdeführerin bisher – aufgrund der Drohanrufe – keine ernsthaften Nachteile erwac h- sen sind, welche die flüchtlin gsrechtlich erforderliche Intensität erreichen würden. Gemäss den vorliegenden Akten wechseln die Beschwerdefüh-D-1679/2014 Seite 10 rerinnen jedoch seit 2009 stets ihren Wohnsitz und gehen die Kinder nicht mehr zur Schule, womit sie sich seit dem Ende des Krieges einer allfälli- gen Konfrontation mit den sri -lankischen Behörden bis anhin erfolgreich zu entziehen vermochte. 6.4.2 Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sind unter anderem Personen, die verdächtigt werden mit den LTTE in Verbindung gestanden zu habe n (vgl. BVGE 2011/24 E. 8.1) und Pers o- nen, die Opfer oder Zeuge der während oder nach dem Konflikt bega n- genen Menschenrechtsverletzungen geworden sind (vgl. a.a.O. E. 8.3), einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt. 6.4.3 Dabei ist zunächst festzustellen, das s die Beschwerdeführerin über ausgesprochen enge familiäre Beziehungen zu LTTE Mitgliedern verfügt, die in führender Position b ei den LTTE tätig waren. Dass der Ehemann der Beschwerdeführerin in hoher Funktion bei den LTTE tätig war, wird durch den eingere ichten Bericht über dessen Tod im Nationalradio der LTTE belegt. Die Inhaftierung des Bruders K. wird ebenfalls mit Bestäti- gungen des IKRK respektive der Haftbestätigungen der sri -lankischen Behörden belegt. Zudem reichte die Beschwerdeführerin auf Beschwe r- destufe eine Bestätigung seiner Freilassung zu den Akten. Es ist weiter davon auszugehen, dass sich d ie Beschwerdeführerin während der Schlussphase des Bürgerkrieges in den sogenannten "No -Fire-Zones" aufgehalten hat, in welchen Zivilisten von der Armee e ingekesselt und beschossen worden sind (vgl. Amnesty International, Sri Lanka's Assault On Dissent, 2013, ASA 37/003/2013, insbes. S. 25 ff.; Die Killing Fields von Sri Lanka, Neue Zürcher Zeitung [NZZ] vom 21. März 2013), und dass sie somit persönlich Zeugin von diesen massiven Menschenrecht s- verletzungen geworden ist. 6.4.4 Sodann ist den Akten in eindrücklicher Weise zu entnehmen, wie oft die Beschwerdeführerinnen den Wohnsitz wechselten. Dabei gab die Be- schwerdeführerin zu Protokoll, sie habe von Oktober 2009 bis März 2010 in G._______, von März 2010 bis Dezember 2010 in H._______, von De- zember 2010 bis Juli 2012 in I._______ und von Juli 2012 an wiederum in H._______, aber an einer anderen Adresse , gelebt. Den Akten ist au s- serdem zu e ntnehmen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der zah l- reichen Wohnsitzwechsel den Überblick verloren hat, wann sie wo g e- wohnt hat. So antwortete sie anlässlich der Befragung auf der Botschaft auf die Frage, sie habe doch in ihrer Eingabe vom 19. Juli 2013 angege- ben, von Dezember 2010 bis Juli 2012 in I._______ gewohnt zu haben, D-1679/2014 Seite 11 "oh yes, I was stay ing at Mr. S. (…)'s house in A. (…) I am sorry, I totally forgot about it" (vgl. act. A 15/21 S. 7). Sodann wurde in der Eingabe vom 21. Juni 2013 um Fristerstrec kung gebeten, da es dem in der Schweiz wohnhaften Bruder T. offenbar nicht gelungen war, die Beschwerdeführe- rin zu erreichen, was wiederum auf einen häufigen Wechsel des Wohnsit- zes hindeutet. 6.4.5 Entgegen der in der angefochtenen Verfügung vorgebrachten A r- gumentation, wonach die Beschwerdeführerin den Schutz ihres Heima t- staates bereits einmal – bei der Anzeige 2010 – erfolgreich in Anspruch genommen habe, sind den Akten keinerlei Hinweise darauf zu entne h- men, dass der Beschwerdeführerin dieser Schutz offenstehen würde. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz ist gegenüber den Behörden im Rahmen der Anzeige 2010 nicht die Beschwerdeführerin sondern die Mutter der Beschwerdeführerin in Ersche inung getreten. Auf den diesb e- züglich eingereichten Dokumenten ist nirgends der Name der Beschwe r- deführerin aufgeführt (vgl. act. A 15/21). 6.4.6 Sodann erscheint die subjektive Furcht der Beschwerdeführerinnen auch angesichts der aktuellen Lage in Sri Lanka als objektiv begründet. Die Lage in Sri Lanka hat sich seit dem Ende des Krieges im Jahr 2009 in menschenrechtlicher Hinsicht nicht verbessert ( Human Rights Watch : World Report 2014 – Sri Lanka; U.S. Department of State: Country R e- port on Human Rights Practices 2013 – Sri Lanka). Ebenso ist keinesfalls von einem abnehmenden Ver folgungsinteresse des Staates gegenüber Personen mit vermeintlichen oder tatsächlichen LTTE Verbindungen au s- zugehen. Dass sich die Gefährdung der Beschwerdeführerinnen mit der Freilassung ihres Bruders respektive Onkels K. zusätzlich verschärft hat, ist mit den jüngsten Richtlinien des UNHCR vereinbar, wonach Familie n- angehörige von Rehabilitierten, welche ihrer Meldepflicht nicht nachko m- men, Belästigungen durch das Militär ausgesetzt sein können ( UNHCR: Eligibility Guidelines for Assessing the International Protection Needs of Asylum Seekers from Sri Lanka, 21. Dezember 2012, S. 27 f.). 6.5 Die Beschwerdeführerin und beide Kinder haben – als nahe Angehö- rige von ehemaligen LTTE Kader Mitgliedern – nach dem Gesagten b e- gründete Furcht, gezielten und ernsthaften Nachteile aufgrund einer asyl- rechtlich relevanten Motivation ausgesetzt zu werden . Der Vorschlag der Vorinstanz, sie könnten sich mit Bezug auf die Behelligungen durch U n- bekannte ja bei den heimatlichen Behörden um Schutz bemühen, geht insofern fehl, als die Beschwerdeführerinnen vorwiegend begründete D-1679/2014 Seite 12 Furcht vor staatlicher Reflexverfolgung aufgrund der LTTE Verbindungen im unmittelbaren familiären Umfeld geltend machen. Ein weiterer Verbleib im Heimatstaat kann den Beschwerdeführerinnen unter den gegebenen Umständen nicht zugemutet werden. 6.6 Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass die Beschwerdeführe rinnen in einem anderen Drittstaat über persönliche Anknüpfungspunkte verf ü- gen würden und dort um Schutz nachsuchen könnten. Ihren Angaben z u- folge leben ausserhalb Sri Lankas nur in der Schweiz (…) Schwester und (…) Brüder der Beschwerdeführerin. Somit ist kein anderer zumutbarer Drittstaat im Sinn von alt Art. 52 Abs. 2 AsylG ersichtlich, zu welchem die Beschwerdeführerinnen eine engere Beziehung hätten. 6.7 Hinweise darauf, dass bei den Beschwerdeführe rinnen Ausschluss- gründe gemäss Art. 53 AsylG (vgl. hierzu BVGE 2011/10 insbes. E. 7) vorliegen würden, ergeben sich aus den Akten nicht. 6.8 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz alt Art. 20 AsylG und Art. 3 AsylG nicht korre kt ausgelegt und damit Bundesrecht verletzt . Die B e- schwerdeführerinnen erfüllen die Voraussetzungen für die Bewilligung der Einreise. 7. Somit ist die Beschwerde gutzuheissen und die Verfügung des BFM vom 27. Februar 2014 aufzuheben. Das BFM ist anzuweisen, den Beschwer- deführerinnen die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, ihnen die erfo r- derlichen Einreisepapiere auszustellen und nach ihrer Einreise das Asy l- verfahren fortzuführen respektive abzuschliessen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 9. Den vertretenen Beschwerdeführerinnen wäre bei diesem Ausgang des Verfahrens eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwe n- digen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen ( Art. 64 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vo r dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Beschwerdeführerinnen sind vorliegend jedoch durch den Bruder der Beschwerdeführerin vertreten, weshalb davon auszugehen ist, dass ihnen keine verhältnismässig hohe D-1679/2014 Seite 13 Kosten entstanden sind. Daher ist keine Parteientschädigung zuzuspr e- chen. (Dispositiv nächste Seite) D-1679/2014 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 27. Februar 2014 wird aufgehoben. 3. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführe rinnen die Einreise zu bewilligen und nach der Einreise das Verfahren in der Schweiz fortzufü h- ren. 4. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen , das BFM und die schweizerische Vertretung in D._______. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Eva Hostettler Versand: