IV 200 2023 777 WIS/BRO/STA Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 3. März 2025 Verwaltungsrichterin Wiedmer, Kammerpräsidentin Verwaltungsrichterin Mauerhofer, Verwaltungsrichter Furrer Gerichtsschreiberin Brunner A.________ vertreten durch B.________ AG, Rechtsanwalt MLaw C.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 26. Oktober 2023 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -2- Sachverhalt: A. Der 1974 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) meldete sich im August 2018 unter Hinweis auf starke Schmerzen in der rechten Schulter bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegne- rin; act. II] 1). Die IVB tätigte diverse medizinische und erwerbliche Ab- klärungen und verneinte mit Verfügung vom 3. August 2021 (act. II 76) bei einem Invaliditätsgrad von 0 % einen Rentenanspruch. Nach erhobener Beschwerde (act. II 77 S. 3 ff.) zog die IVB die angefochtene Verfügung in Wiedererwägung (act. II 80). In der Folge holte sie ein polydisziplinäres Gutachten bei der D.________ (MEDAS) ein (act. II 109.1 ff.). Gestützt darauf stellte sie mit Vorbescheid vom 11. August 2022 (act. II 111) bei einem Invaliditätsgrad von 0 % erneut die Verneinung des Rentenan- spruchs in Aussicht. Nach erhobenem Einwand (act. II 115 S. 1 ff., 118 S. 2 ff., 122) liess sie – auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; act. II 130) – zusätzlich ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. med. E.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstel- len (act. II 151.1). Nach erneut durchgeführtem Vorbescheidverfahren (act. II 152, 157) verneinte die IVB mit Verfügung vom 26. Oktober 2023 (act. II 160) bei einem Invaliditätsgrad von 0 % bzw. ab dem 1. Januar 2020 bei einem Invaliditätsgrad von 21 % einen Rentenanspruch. B. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt C.________, mit Eingabe vom 2. November 2023 Beschwerde mit den folgenden Anträgen: 1. Die Verfügung vom 26. Oktober 2023 sei aufzuheben. 2. Es sei dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente zuzusprechen. 3. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, eine neue psychiatrische Begutachtung in die Wege zu leiten. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MWST zu Lasten der Beschwerdegegnerin.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -3- Mit Beschwerdeantwort vom 6. Dezember 2023 schloss die Beschwerde- gegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 26. Oktober 2023 (act. II 160). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 Abs. 1 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -4- 2. 2.1Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG (Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere der Verord- nung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV, SR 831.201] und des ATSG) in Kraft getreten (AS 2021 705). In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelun- gen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfül- lung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbe- standes Geltung haben (BGE 150 V 323 E. 4.2 S. 328, 89 E. 3.2.1 S. 95, 148 V 162 E. 3.2.1 S. 166, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). Zwar datiert die an- gefochtene Verfügung vom 26. Oktober 2023 (act. II 160), womit sie nach dem Inkrafttreten der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 erging. Indessen liegt der frühest mögliche Zeitpunkt der potentiellen Entstehung des Ren- tenanspruchs sowie der von der Beschwerdegegnerin angeführte Revisi- onsgrund (vgl. E. 4.1.3 hiernach) vor dem 1. Januar 2022, weshalb die Be- stimmungen des IVG und diejenigen der IVV in der bis 31. Dezember 2021 gültigen Fassung (fortan: aArt.) massgebend sind (vgl. Ziff. 9101 f. des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR]; zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen vgl. BGE 150 V 1 E. 6.4.2 S. 6, 148 V 385 E. 5.2 S. 391, 147 V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228). 2.2Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.3Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz- lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -5- Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. 2.4Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge- hoben (aArt. 17 Abs. 1 ATSG). 2.4.1Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, son- dern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben. Dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 E. 2.3 S. 10; SVR 2021 IV Nr. 36 S. 109, 8C_280/2020 E. 3.1). 2.4.2Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren- tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag- gebenden Tatsachenspektrums, neu und ohne Bindung an frühere Invali- ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 200; SVR 2021 IV Nr. 36 S. 109, 8C_280/2020 E. 3.1).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -6- 3. 3.1Zum Gesundheitszustand respektive der Arbeits- und Leistungs- fähigkeit lässt sich den medizinischen Akten im Wesentlichen Folgendes entnehmen: 3.1.1Im MEDAS-Gutachten vom 25. Juli 2022 (act. II 109.1 ff.) stellten die Experten in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung die Diagnose ei- ner funktionellen Einschränkung des rechten Schulterbereichs nach Scapu- lafraktur am 21. Februar 2018 und OP am 26. Februar 2018 mit verbliebe- nem Material (ICD-10 S42.10; act. II 109.1 S. 9 Ziff. 4.2.1). In der ange- stammten Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit und in einer Ver- weistätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit, wobei das im orthopädischen Teil- gutachten formulierte Fähigkeitsprofil gelte (S. 11 Ziff. 4.7). Im orthopädischen Teilgutachten vom 1. Juni 2022 (act. II 109.4) führte Dr. med. F.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato- logie des Bewegungsapparates, aus, das vorgegebene Steifhalten des rechten Armes in rechtwinkliger Stellung am Körper sei nicht glaubhaft. Durch seinen völlig untrainierten Bewegungsapparat bei erheblicher Adipo- sitas sei es möglich, dass Überlastungsbeschwerden im Bereich des ge- samten Bewegungsapparates aufträten und die rechte Schulter durch ge- gebenenfalls auch psychiatrisches Fehlverhalten teilweise versteife. Klar sei jedoch, dass keine Umfangverminderung der Muskulatur des rechten Armes feststellbar sei und eine beidseitige normale Handbeschwielung vorhanden sei. Es könne also keine nennenswerte Schonung des rechten Armes vorliegen (S. 19 Ziff. 6.4). Im geglaubt unbeobachteten Zustand ha- be der Beschwerdeführer denn auch die feste Jeans mit beiden Händen und Armen kräftig hochgezogen und eine gute Fingerfertigkeit gezeigt. Sein Hemd habe er mit beiden Händen zugeknöpft und habe dabei entspre- chend die Schulter bewegen müssen. Sodann habe er sich beim Aufstehen mit beiden Händen am Stuhl abgestützt. Als er dieses Verhalten bemerkt habe, habe er sofort den rechten Arm in gebeugter Stellung an den Körper genommen und ihn steifgehalten (S. 18 Ziff. 6.2.1). Die Tätigkeit als Hilfs... sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar (S. 21 Ziff. 8.1). Für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne Überkopfarbeiten bestehe jedoch seit Juni 2018 eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 21 f. Ziff. 8.2). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -7- Im allgemeinmedizinischen Teilgutachten vom 23. Juni 2022 (act. II 109.3) und rheumatologischen Teilgutachten vom 31. Mai 2022 (act. II 109.5) wurden keine Diagnosen gestellt. 3.1.2Dipl. Arzt G.________, im Medizinalberuferegister ohne Facharztti- tel verzeichnet (vgl. <www.medregom.admin.ch>), und Dr. phil. H.________, eidg. anerkannter Psychotherapeut, hielten im Bericht vom 24. November 2022 (act. II 122 S. 5 ff.) fest, der Beschwerdeführer sei seit April 2021 regelmässig bei ihnen in Behandlung. Aus ihrer Sicht sei eine mittelgradige Depression ausgewiesen. Es sei daher nicht verständlich, weshalb keine psychiatrische Begutachtung vorgenommen worden sei. Bereits 2020 sei der Beschwerdeführer vom Hausarzt wegen Nervosität, Schlafstörungen und einer Depression an Dr. med. I.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, verwiesen worden (S. 5 Ziff. 1 f.). 2020 und 2021 sei er bei diesem monatlich in psychiatrischer Behandlung gewe- sen (S. 6 Ziff. 3). Seit dem Unfall vom 21. Februar 2018 bestehe eine Ar- beitsunfähigkeit von 100 % (S. 6 Ziff. 6). Im Bericht vom 3. Februar 2023 (act. II 128 S. 5 ff.) bestätigten die Behand- ler – neben somatischen Diagnosen – die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) und das Vorliegen einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit seit dem Unfall vom 21. Februar 2018. Der Zustand ha- be sich seither trotz Infiltrationen, psychiatrischer Behandlung und Medika- tion nicht verbessert. Es bestehe eine schlechte Prognose. Der Beschwer- deführer sei bereits bei leichten Haushaltsarbeiten überfordert. 3.1.3Im psychiatrischen Gutachten vom 8. September 2023 (act. II 151.1) stellte Dr. med. E.________ die Diagnose einer leichten de- pressiven Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.01; S. 10 Ziff. 6.3). Anlässlich der psychiatrischen Exploration habe der Beschwerdefüh- rer eine bedrückte Grundstimmung, Antriebsstörungen und eine verlang- samte Psychomotorik aufgewiesen. Ergänzend zu den geklagten Schlafstörungen, allerdings bei erhaltenem Tag-Nachtrhythmus, erhaltener Pflege der sozialen Kontakte im Familienkreis sowie unter Mitberücksichti- gung der fehlenden Störung der mnestischen Funktion könne objektiv von einer leichten depressiven Symptomatik ausgegangen werden. Obwohl leitliniengerecht nach ICD-10 auch eine Anpassungsstörung mit längerer Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -8- depressiver Reaktion diagnostiziert werden könnte, werde nach bereits mindestens zweijähriger unveränderter depressiver Symptomatik von der Entwicklung einer depressiven Episode ausgegangen. Aufgrund der fest- gestellten depressiven Symptomatik könne von mittelschwerer Beeinträch- tigung der allgemeinen psychischen Belastbarkeit und allgemeinen psy- chophysischen Ausdauer und Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20 bis 30 % ausgegangen werden (S. 9 f. Ziff. 6.1). Aus psychiatrischer Sicht be- stehe seit Anfang 2020 für sämtliche dem Bildungsniveau des Beschwerde- führers entsprechende Tätigkeiten im Längsschnitt eine 20 bis 30%ige Ar- beitsunfähigkeit. Unter konsequenter Weiterführung der bereits etablierten therapeutischen Massnahmen könne von der Erhaltung der 70 bis 80%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Eine weitere Verbesserung der Ar- beitsfähigkeit könne auch unter intensiven therapeutischen Massnahmen nicht erwartet werden (S. 11 Ziff. 8.1 ff.). 3.2Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia- lärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte- rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2020 IV Nr. 71 S. 246, 8C_260/2020 E. 2.2). Eine von anderen mit der versicherten Person befassten Ärzten abweichende Beurteilung vermag die Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -9- Objektivität des Experten nicht in Frage zu stellen. Es gehört vielmehr zu den Pflichten eines Gutachters, sich kritisch mit dem Aktenmaterial ausein- anderzusetzen und eine eigenständige Beurteilung abzugeben. Auf welche Einschätzung letztlich abgestellt werden kann, ist eine im Verwaltungs- und allenfalls Gerichtsverfahren zu klärende Frage der Beweiswürdigung (BGE 132 V 93 E. 7.2.2 S. 110). 3.3Die angefochtene Verfügung vom 26. Oktober 2023 (act. II 160) basiert in somatischer Hinsicht massgeblich auf dem MEDAS-Gutachten vom 25. Juli 2022 (act. II 109.1 ff.) und in psychiatrischer Hinsicht auf dem psychiatrischen Gutachten vom 8. September 2023 (act. II 151.1). Beide Gutachten erfüllen – jedenfalls was die Befunderhebung und die darauf basierende diagnostische Einschätzung anbelangt und in Bezug auf das MEDAS-Gutachten vom 25. Juli 2022 (act. II 109.1 ff.) auch was die Fol- genabschätzung betrifft – die beweisrechtlichen Anforderungen der Recht- sprechung an den Beweiswert versicherungsexterner Expertisen und über- zeugen (vgl. E. 3.2 hiervor). Die darin enthaltenen Feststellungen und Aus- führungen beruhen auf eingehenden fachärztlichen Abklärungen, sind unter Berücksichtigung der geklagten Einschränkungen sowie in Kenntnis bzw. Würdigung der Vorakten getroffen worden, wobei sich die gutachterlichen Befunde im Wesentlichen mit jenen der behandelnden Ärzte decken. Ge- stützt darauf haben die Gutachter die Befundlage, die medizinischen Zu- sammenhänge und die daraus zu ziehenden Schlüsse zum Gesundheits- zustand nachvollziehbar dargestellt und überzeugend begründet. 3.3.1Dass dem MEDAS-Gutachten vom 25. Juli 2022 (act. II 109.1 ff.) volle Beweiskraft zukommt, wird vom anwaltlich vertretenen Beschwerde- führer zu Recht nicht bestritten. So liegen keine fachärztlichen abweichen- den Beurteilungen in den Akten, respektive konnten auch die behandeln- den Ärzte keine Ursache für die nach der Schulteroperation vom 26. Fe- bruar 2018 beklagten massiven Schmerzen im Bereich des Nackens bzw. der Schulter mit Ausstrahlung in die rechte Hand finden. Vielmehr wurde bereits in dem am 4. Dezember 2018 durchgeführten Röntgen eine gute Konsolidierung der Fraktur, welche abgeheilt sei mit korrekter Lage des Osteosynthesematerials ohne Lockerungszeichen, festgestellt (act. II 36.7 S. 1). Was die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit anbelangt, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -10- steht diese sodann im Wesentlichen in Einklang mit den anlässlich der Eva- luation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) in der Abklärungsstelle J.________ gemachten Beobachtungen (act. II 109.8). Dabei wurde insbe- sondere mehrfach auf das selbstlimitierende Verhalten des Beschwerde- führers hingewiesen, welches im Übrigen bereits von der Behandlerin des Spitals K.________ anlässlich der interdisziplinären Schmerzsprechstunde vom 27. November 2019 festgestellt wurde (act. II 59.76 S. 1 ff.). Sodann erachtete ebenfalls der behandelnde Dr. med. L.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit unter Schulterniveau jedenfalls bereits im September 2018 als möglich (act. II 30 S. 2 f.). Dass bei der Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht auf den Beschwerdevortrag des Beschwerdeführers abgestellt werden kann, ergibt sich jedoch auch aus der Tatsache, dass er anlässlich der Begutachtung in vermeintlich unbeob- achteten Momenten ein den rechten Arm deutlich weniger schonendes Verhalten zeigte als während des Rests der Begutachtung. So zog er mit beiden Händen und Armen die feste Jeans kräftig hoch, stützte sich beim Aufstehen mit beiden Händen auf dem Stuhl ab und zeigte eine gute Fin- gerfertigkeit, indem er sein Hemd mit beiden Händen zuknöpfte (act. II 109.4 S. 18 Ziff. 6.2.1), während er ansonsten den rechten Arm am Körper steifhielt (S. 14 Ziff. 4.1). 3.3.2Im psychiatrischen Gutachten vom 8. September 2023 (act. II 151.1) leitete Dr. med. E.________ die von ihm gestellte Diagnose einer leichten depressiven Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.01; S. 10 Ziff. 6.3.1) gestützt auf eine umfassende klinische Untersu- chung des Beschwerdeführers (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 8C_138/2021 vom 7. Juni 2021 E. 4.2) und unter Berücksichtigung der ge- klagten Einschränkungen sowie der medizinischen Akten nachvollziehbar und begründet her (vgl. S. 4 ff. Ziff. 2.1 und Ziff. 3.1 f., S. 9 f. Ziff. 6.1 f.). In Bezug auf die Kritik des Beschwerdeführers, obwohl kein Bericht des be- handelnden Dr. med. I.________ in den Akten gelegen habe, sei vom Gut- achter keiner nachgefordert worden (Beschwerde S. 13 Ziff. 34), ist festzu- halten, dass dem Gutachter ein Bericht der Behandler dipl. Arzt G.________ und Dr. phil. H.________ vorlag (act. II 151.1 S. 4 Ziff. 2.1) und er zudem telefonisch Rücksprache mit Dr. med. I.________ nahm (S. 8 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -11- f. Ziff. 5), wobei deren Beurteilungen mit Ausnahme des Schweregrades der psychischen Beschwerden übereinstimmten. Inwiefern ein schriftlicher Bericht von Dr. med. I.________ an der gutachterlichen Beurteilung etwas hätte ändern können, ist nicht ersichtlich und wird in der Beschwerde auch nicht ansatzweise begründet, weshalb nicht zu beanstanden ist, dass ein solcher nicht eingeholt wurde. Überdies wäre es dem anwaltlich vertrete- nen Beschwerdeführer offen gestanden, im Nachgang zur Begutachtung oder anlässlich des Beschwerdeverfahrens einen entsprechenden Bericht nachzureichen. Soweit dipl. Arzt G.________ und Dr. phil. H.________ im Übrigen eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit dem Unfall vom 21. Februar 2018 postulieren (act. II 122 S. 6 Ziff. 6, 128 S. 6 Ziff. 9), ist festzuhalten, dass die Behandler dabei offensichtlich nicht nur die psychiatrischen, son- dern auch die somatischen Beschwerden berücksichtigten, wobei sie einzig auf den Beschwerdevortrag des Beschwerdeführers abstellten, ohne die Einschränkungen auch nur ansatzweise zu begründen. Konkrete Indizien, welche gegen die Zuverlässigkeit der psychiatrischen Expertise sprechen (vgl. E. 3.2 hiervor), liegen jedenfalls nicht in den Akten. 3.4Zusammenfassend bilden das MEDAS-Gutachten vom 25. Juli 2022 (act. II 109.1 ff.) sowie das psychiatrische Gutachten vom 8. September 2023 (act. II 151.1) eine zuverlässige Grundlage für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts, so dass darauf grundsätzlich abzustellen ist. Vor diesem Hintergrund kann auf das in der Beschwerde eventualiter bean- tragte weitere psychiatrische Gutachten in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden (BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; Urteil des BGer 9C_298/2024 vom 14. August 2024 E. 5.2, zur Publikation vorgesehen; SVR 2019 IV Nr. 50 S. 162, 9C_296/2018 E. 4). Demnach ist dem Beschwerdeführer seine angestammte Tätigkeit als Hilfs... seit dem Unfall vom 21. Februar 2018 nicht mehr zumutbar. Ab Juni 2018 besteht aus somatischer Sicht in einer angepassten leichten bis mit- telschweren Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten eine volle Arbeitsfähigkeit (act. II 109.1 S. 11 Ziff. 4.7, 109.4 S. 21 f. Ziff. 8.1 f.). Sodann besteht aus psychiatrischer Sicht seit Anfang 2020 für sämtliche Tätigkeiten eine Ar- beitsunfähigkeit von 20 bis 30 % (act. II 151.1 S. 11 Ziff. 8).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -12- Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu depressiven Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur (vgl. BGE 148 V 49), die grundsätzlich nennenswerte Interferenzen durch psychische Komorbi- ditäten verlangt, damit in solchen Gesundheitsschäden aus rechtlicher Op- tik ein invalidisierender Gesundheitsschaden zu erblicken ist, ist äusserst fraglich, ob das psychiatrische Gutachten einer Indikatorenprüfung (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296) standhalten würde, da trotz bloss leichter depressiver Episode mit somatischen Symptomen (ICD- 10 F32.01; act. II 151.1 S. 10 Ziff. 6.3) eine Arbeitsunfähigkeit von 20 bis 30 % attestiert wurde (S. 11 Ziff. 8), ohne dies näher zu begründen. Jeden- falls liegen vorliegend weder nennenswerte psychische Komorbiditäten vor, noch wird mit monatlichen Behandlungen (act. II 122 S. 6 Ziff. 3) eine kon- sequente Depressionstherapie durchgeführt (vgl. auch in BGE 143 V 66 nicht publizierte E. 5.3.2 des Urteils 8C_814/2016 vom 3. April 2017). An- gesichts des Ergebnisses (vgl. E. 4.2.3 hiernach) kann diese Frage jedoch offen bleiben. Bei einer gutachterlich attestierten Arbeitsunfähigkeit von 20 bis 30 % (act. II 151.1 S. 11 Ziff. 8) ist sodann nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin von einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von 25 % ausging (act. II 160 S. 2), was vom anwaltlich vertretenen Be- schwerdeführer denn auch nicht bestritten wird. Selbst wenn jedoch – zu dessen Gunsten – von der maximalen Arbeitsunfähigkeit von 30 % ausge- gangen würde, resultierte – wie nachfolgend zu zeigen sein wird (vgl. E. 4.2.3 hiernach) – ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad. 4. 4.1Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -13- 4.1.1Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange- passten Verdienst angeknüpft. Die Ermittlung des Valideneinkommens hat so konkret wie möglich zu erfolgen (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 4.1 S. 325; SVR 2022 UV Nr. 4 S. 12, 8C_134/2021 E. 3.2). Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitli- che Beeinträchtigung realisierbare Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, ist auf statistische Werte wie die vom Bundesamt für Statistik (BFS) herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) abzustellen. Auf sie darf jedoch im Rahmen der Invaliditätsbemessung nur unter Mitberück- sichtigung der für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren abgestellt werden (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110; SVR 2022 IV Nr. 22 S. 70, 8C_276/2021 E. 4.2). 4.1.2Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 148 V 174 E. 6.2 S. 181, 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom BFS herausgegebenen LSE herangezogen werden. Da- bei wird in der Regel der Totalwert angewendet. Praxisgemäss ist beim anhand der LSE vorgenommenen Einkommensvergleich sodann von der Tabellengruppe A (standardisierte Bruttolöhne) auszugehen, wobei übli- cherweise auf die Tabelle TA1_tirage_skill_level, privater Sektor, abgestellt wird. Bei der Verwendung der standardisierten Bruttolöhne ist gemäss Rechtsprechung jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) auszuge- hen (BGE 148 V 174 E. 6.2 S. 181, 143 V 295 E. 2.2 S. 297). Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurch-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -14- schnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit ei- nem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Ein- schränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Be- schäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalidenein- kommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wo- bei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 148 V 174 E. 6.3 S. 182, 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2024 UV Nr. 14 S. 58, 8C_706/2022 E. 6.1.2, 2018 IV Nr. 46 S. 147, 8C_211/2018 E. 3.3). Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Ge- sichtspunkts führen dürfen (BGE 148 V 174 E. 6.3 S. 182, 146 V 16 E. 4.1 S. 20; SVR 2023 IV Nr. 18 S. 63, 8C_332/2022 E. 5.2.1.1). 4.1.3Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns massgeblich, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfälli- ge rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfü- gungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 150 V 67 E. 4.1 S. 69, 143 V 295 E. 4.1.3 S. 300, 129 V 222). Unter Berücksichtigung des Warte- jahres (vgl. E. 2.3 hiervor; attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % für die angestammte Tätigkeit als Hilfs... ab dem 21. Februar 2018 [vgl. E. 3.4 hiervor]) und der Anmeldung im August 2018 (act. II 1) fällt der frühestmög- liche Rentenbeginn in Anwendung von Art. 28 Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1 IVG auf Februar 2019. Auf diesen Zeitpunkt hin ist eine erste Invaliditäts- bemessung vorzunehmen. Sodann besteht aus psychiatrischer Sicht seit Anfang 2020 für sämtliche Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 20 bis 30 % (vgl. E. 3.4 hiervor). Diese gesundheitliche Verschlechterung stellt einen Revisionsgrund (vgl. E. 2.4.1 hiervor) dar. Damit ist auf diesen Zeit- punkt hin eine weitere Invaliditätsbemessung vorzunehmen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -15- 4.2 4.2.1Die Beschwerdegegnerin berechnete das Valideneinkommen an- hand der Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin, wonach der Beschwerde- führer Fr. 4'700.-- pro Monat (act. II 31 S. 3 Ziff. 2.10), ausmachend Fr. 56’400.-- pro Jahr, verdient hätte (act. II 160 S. 2). Der Beschwerdefüh- rer bringt hingegen vor, seine ehemalige Arbeitgeberin, die M.________, habe ihm unter anderem wegen einer vorgesehenen Umstrukturierung des Unternehmens gekündigt. Ausserdem sei über die ehemalige Arbeitgeberin am 16. Februar 2023 der Konkurs eröffnet worden. Es sei daher mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er im Zeitpunkt der Verfügung (auch bei guter Gesundheit) nicht mehr bei seiner ehemaligen Arbeitgeberin tätig wäre. Demzufolge sei bei der Ermittlung des Validenein- kommens auf die LSE-Tabelle TA1, Sektor Total, Kompetenzniveau 1 für Männer abzustellen. Sollte das Gericht zum Schluss gelangen, dass zu Recht auf das zuletzt erzielte Einkommen abgestellt worden sei, so müss- ten die Vergleichseinkommen parallelisiert werden, da das zuletzt erzielte Monatseinkommen von Fr. 4'700.-- mehr als 5 % vom Tabellenlohn in der Höhe von Fr. 5'261.-- abweiche (Beschwerde S. 9 Ziff. 22 f.). In Bezug auf das Vorbringen zur Parallelisierung der Vergleichseinkommen (vgl. hierzu BGE 148 V 174 E. 6.4 S. 183; SVR 2024 UV Nr. 17 S. 68, 8C_756/2022 E. 5.1.1) verkennt der Beschwerdeführer, dass sein Ein- kommen deutlich über dem Mindestlohn für ungelernte ... gemäss Gesamt- arbeitsvertrag (GAV) in der ... vom 1. Januar 2019 lag (vgl. <https://....ch> unter ...) und daher von vornherein nicht als unterdurchschnittlich bezeich- net werden kann, selbst wenn es unter dem Lohnniveau gemäss LSE liegt (Urteil des BGer 8C_65/2022 vom 3. Juni 2022 E. 6.1.2). Sodann ist entge- gen dem Beschwerdeführer für das Valideneinkommen nicht entscheidend, was er im Zeitpunkt der Verfügung, sondern im Zeitpunkt des frühestmögli- chen Rentenbeginns als Gesunder mit überwiegender Wahrscheinlichkeit verdient hätte (vgl. E. 4.1.1 hiervor). Folglich kann er aus dem Umstand, dass über seine ehemalige Arbeitgeberin, die M.________, am TT. MM 2023 der Konkurs eröffnet wurde (<www.zefix.ch>), nichts zu seinen Guns- ten ableiten. Sodann begründete die ehemalige Arbeitgeberin die Kündi- gung per 29. März 2018 vordergründig zwar tatsächlich mit den wirtschaftli-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -16- chen Verhältnissen (act. II 15.13). Doch kann daraus nicht geschlossen werden, dem Beschwerdeführer wäre die Stelle auch gekündigt worden, wenn er arbeitsfähig geblieben wäre. So erlitt er bereits nach weniger als einen Monat nach Antritt seiner Arbeitsstelle bei der M.________ den Un- fall mit längerer Arbeitsunfähigkeit (vgl. act. II 15.12 S. 1 f.) und aus dem Kündigungsschreiben vom 29. März 2018 (act. II 15.13) geht hervor, dass er sich nach einigen Monaten für die Prüfung einer Neuanstellung melden könne. Daher ist davon auszugehen, dass die wirtschaftlichen Gründe nur vorgeschoben waren und ihm im März 2019 die Stelle ohne gesundheitli- che Beeinträchtigungen nicht gekündigt worden wäre. Allerdings wäre zu klären, ob das von der Beschwerdegegnerin anhand der Lohnangaben der ehemaligen Arbeitgeberin berechnete Einkommen nicht auf die Zeitpunkte der Einkommensvergleiche, d.h. auf die Jahre 2019 respektive 2020 (vgl. E. 4.1.3 in fine hiervor), zu indexieren wäre (vgl. E. 4.1.1 hiervor). Weite- rungen hierzu erübrigen sich jedoch, denn selbst wenn – wie in der Be- schwerde beantragt (S. 9 Ziff. 22) – auf statistische Werte abgestellt würde, resultierten – wie nachfolgend zu zeigen sein wird – rentenausschliessende Invaliditätsgrade (vgl. E. 4.2.3 hiernach). Diesfalls würde das Valideneinkommen per 2019 Fr. 67'105.45 (Fr. 5'317.-- [LSE 2018, Tabelle TA1, Total, Kompetenzniveau 1, Männer] x 12 / 40 x 41.7 [BFS, betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total, Wert 2019] / 101.5 x 102.4 [BFS, Tabelle T1.1.15, Nominallohnindex, Män- ner 2016-2023, Ziff. 05-96: Total, Werte 2018 und 2019]) und per 2020 Fr. 65'815.10 (Fr. 5'261.-- [LSE 2020, Tabelle TA1, Total, Kompetenzni- veau 1, Männer] x 12 / 40 x 41.7 [BFS, betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total, Wert 2020]) betragen. 4.2.2Der Beschwerdeführer verwertet die ihm verbliebene Restarbeits- fähigkeit (vgl. E. 3.4 hiervor) nicht, weshalb das Invalideneinkommen an- hand statistischer Daten zu bestimmen ist, was vom anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer denn auch nicht bestritten wird. Dieser macht jedoch geltend, ihm sei nicht – wie von der Beschwerdegegnerin vorgenommen – ein Abzug vom Tabellenlohn von 10 %, sondern von 25 % zu gewähren (Beschwerde S. 9 ff. Ziff. 24 ff.). Soweit er den (neurechtlichen) Pauschal- abzug von 10 % gemäss dem am 1. Januar 2024 in Kraft getretenen Art. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -17- 26bis Abs. 3 IVV (Beschwerde S. 10 f. Ziff. 27 f.) erwähnt, verkennt er, das dieser per definitionem 10 % beträgt und somit dem von der Beschwerde- gegnerin vorgenommenen Abzug entspricht, weshalb sich Weiterungen zu dessen intertemporalrechtlicher Anwendbarkeit erübrigen. Sodann ist zwar richtig (zur diesbezüglichen Rüge vgl. hierzu Beschwerde S. 11 Ziff. 30), dass in der Konsensbeurteilung erwähnt wird, aus orthopädischer Sicht seien häufigere bzw. längere Erholungspausen notwendig (act. II 109.1 S. 9 Ziff. 4.3). Im orthopädischen Teilgutachten selbst wird entsprechendes hingegen nicht erwähnt und in einer angepassten Tätigkeit wurde sowohl aus orthopädischer als auch aus interdisziplinärer (somatischer) Sicht ex- plizit eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert (act. II 109.1 S. 11 Ziff. 4.7, 109.4 S. 21 f. Ziff. 8.2). Mithin ist fraglich, ob – jedenfalls in einer angepassten Tätigkeit – tatsächlich ein erhöhter Pausenbedarf besteht. Weiterungen hierzu erübrigen sich jedoch. Denn selbst wenn ein solcher bestehen sollte, ist nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer hierfür nicht die vom psychiatrischen Gutachter attestierte 20 bis 30%ige Arbeitsunfähigkeit nut- zen könnte. Ausserdem scheint der von der Beschwerdegegnerin gewährte Tabellenlohnabzug von 10 % ohnehin grosszügig bemessen. Denn recht- sprechungsgemäss ist der Umstand, dass – wie vorliegend – nur noch leichte bis mittelschwere Tätigkeiten zumutbar sind auch bei eingeschränk- ter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des BGer 9C_507/2020 vom 29. Oktober 2020 E. 3.3.3.2). Gleiches gilt im Kompe- tenzniveau 1 für die fehlenden Sprachkenntnisse (wobei in diesem Zu- sammenhang darauf hinzuweisen bleibt, dass der Beschwerdeführer deut- lich besser Deutsch verstehen dürfte, als er geltend macht [act. II 109.4 S. 18 Ziff. 6.2.3]), und die fehlende berufliche Ausbildung in der Schweiz (Urteil des BGer 8C_589/2023 vom 4. Juni 2024 E. 4.3). Hinzu kommt, dass diese invaliditätsfremden Faktoren schon daher unberücksichtigt zu bleiben haben, da – zu Gunsten des Beschwerdeführers – beide Ver- gleichseinkommen auf Tabellenlöhnen berechnet werden und die invali- ditätsfremden Gesichtspunkte daher auch bei der Festsetzung des statis- tisch erhobenen Valideneinkommens zu berücksichtigen wären (Urteil des BGer 8C_42/2008 vom 19. Januar 2009 E. 5). Letztlich wirkte sich in den hier massgebenden Jahren ein Pensum von 75 bis 80 % statistisch be-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -18- trachtet bei Männern ohne Kaderfunktion lohnerhöhend aus und ein sol- ches zwischen 50 bis 74 % lediglich wenig lohnsenkend (BFS, T18 Monat- licher Bruttolohn [Zentralwert] nach Beschäftigungsgrad, beruflicher Stel- lung und Geschlecht, Schweiz 2018 und 2020, ohne Kaderfunktion, Män- ner), weshalb sich auch deshalb vorliegend kein höherer Tabellenlohn rechtfertigt (Urteil des BGer 9C_517/2023 vom 13. Juni 2024 E. 6.1.3). Mithin beträgt das Invalideneinkommen per 2019 mindestens Fr. 60'394.90 (Fr. 5'317.-- [LSE 2018, Tabelle TA1, Total, Kompetenzniveau 1, Männer] x 12 / 40 x 41.7 [BFS, betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilun- gen, Total, Wert 2019] / 101.5 x 102.4 [BFS, Tabelle T1.1.15, Nominal- lohnindex, Männer 2016-2023, Ziff. 05-96: Total, Werte 2018 und 2019] x 0.9 [Tabellenlohnabzug von 10 %]) und per 2020 mindestens Fr. 41'463.50 (Fr. 5'261.-- [LSE 2020, Tabelle TA1, Total, Kompetenzniveau 1, Männer] x 12 / 40 x 41.7 [BFS, betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilun- gen, Total, Wert 2020] x 0.7 [Arbeitsunfähigkeit von maximal 30 % {vgl. E. 3.4 hiervor}] x 0.9 [Tabellenlohnabzug von 10 %]). 4.2.3Aus der Gegenüberstellung der beiden Vergleichseinkommen resul- tiert per Februar 2019 ein gerundeter (BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123; SVR 2019 IV Nr. 61 S. 196, 8C_575/2018 E. 7.1) Invaliditätsgrad von maximal 10 % ([Fr. 67'105.45 ./. Fr. 60'394.90] / Fr. 67'105.45 x 100) und per Januar 2020 von maximal 37 % ([Fr. 65'815.10 ./. Fr. 41'463.50] / Fr. 65'815.10 x 100). Demnach besteht – selbst wenn zu Gunsten des Be- schwerdeführers die psychiatrischerseits attestierte Arbeitsunfähigkeit von 20 bis 30 % im Umfang von 30 % berücksichtigt und das Valideneinkom- men wie von ihm beantragt auf statistischen Werten berechnet würde (vgl. E. 4.2.1 hiervor), zu keinem Zeitpunkt ein rentenbegründender Invaliditäts- grad (vgl. E. 2.3 hiervor). 5. Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 26. Oktober 2023 (act. II 160) nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -19- 6. 6.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab- hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule- gen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre- chend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer zur Bezah- lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ent- nommen. 6.2Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par- teientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehr- schluss]). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - B.________ AG, Rechtsanwalt MLaw C.________ z.H. des Be- schwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für SozialversicherungenUrteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. März 2025, IV 200 2023 777 -20- Die Kammerpräsidentin: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.