B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2162/2014, D-2154/2014 U r t e i l v o m 3 0 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Sandra Min. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), Eritrea, beide vertreten durch C._______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuche aus dem Ausland und Einreisebewilligungen; Verfügungen des BFM vom 20. März 2014 / N (…) und N (…). D-2162/2014, D-2154/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Eingabe vom 5. März 2012 liess A._______ (nachfolgend: Beschwer- deführer 1) durch seine in der Schweiz lebende Schwester ( C._______) beim BFM ein Asylgesuch einreichen und um Erteilung einer Einreiseb e- willigung ersuchen. Dieser Eingabe lag ein englischsprachiges Schreiben des Be schwerde- führers 1 zu seinen Fluchtgründen und seiner Aufenthaltssituation im S u- dan bei. B. Mit Eingabe v om 13. August 2012 erkundigte sich C._______ nach dem Verfahrensstand im Verfahren des Beschwerdeführers 1 und reichte unter anderem dessen Taufurkunde zu den Akten. C. Mit Eingabe vom 12. September 2012 reichte C._______ beim BFM für einen weiteren Bruder ( B._______, nachfolgend: Beschwerdeführer 2), ein Asyl- und Einreisegesuch ein. Dieser Eingabe lag ein in englischer Sprache verfasstes Schreiben des Beschwerdeführers 2 vom 22. Juli 2012 bei. D. Mit Eingaben respektive E -Mails vom 11. Februar 2013, 10. Juli 2013, 22. Oktober 2013 und 20. November 2013 wandte sich die Schwester der Beschwerdeführer 1 und 2 beziehungsweise eine von dieser bevollmäch- tigte Bekannte ( D._______) im Zusammenhang mit dem Verfahren des Beschwerdeführers 1 erneut an das BFM. E. E.a Mit Schreiben vom 28. November 2013 respektive vom 18. Dezember 2013 teilte das BFM den Beschwerdeführern 1 und 2 zusammengefasst mit, dass eine Befragung vor Ort aus sicherheitstechnischen, strukturellen und kapazitätsmässigen Gründen nicht möglich sei. Gleichzeitig forderte es sie auf, zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhalts konkrete Fragen zu beantworten. E.b Der Beschwerdeführer 1 nahm mit Schreiben vom 1. Januar 2014 (Eingang BFM: 10. Januar 2014) zu den vom BFM aufgeworfenen Fragen D-2162/2014, D-2154/2014 Seite 3 Stellung. Da s Antwortschreiben des Beschwerdeführers 2 datiert vom 4. Januar 2014 (Eingang BFM: 24. Januar 2014). F. Der Beschwerdeführer 1 machte in den vorgenannten schriftlichen Ei n- gaben zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen folgenden Sachverhalt geltend: Er sei in der zehnten Klas se gewesen, als er Ende Januar 2010 verhaftet und dann nach Sawa zum Militärtraining geschickt worden sei. Sechs Monate später habe er in den Nationaldienst eintreten müssen. Am 14. Juli 2011 habe er versucht , aus dem Nationaldienst zu fliehen, sei jedoch auf der Flucht von den Militärbehörden verhaftet wo r- den. Am 16. September 2011 sei ihm während der Verrichtung von Zwangsarbeit auf dem Feld die Flucht gelungen. Er sei in den Sudan g e- reist, wo er in der Regio n von Kassala von Beduinen entführt worden sei. Für seine Freilassung habe er USD 4000.– bezahlen müssen. A ufgrund dieses Erlebnisses sei er nicht in das Flüchtlingsla ger Shegerab gegan- gen, zumal Beduinen dort leicht eindringen könnten. Er habe sich daher nach Khartum begeben. Dort sei er einmal von zwei jungen Sudanesen ins Riyadh Gefängnis gebracht und gegen Bezahlung einer Geldsumme wieder freigelassen worden. Aufgrund der widrigen Umstände in Khartum sei er nach Äthiopien gereist, wo er ab April 2012 als registrierter Flücht- ling im Flüchtlingslager Adi Harish gelebt habe. Im August 2013 sei er wieder nach Khartum zurückgekehrt. Er wohne dort unter anderem mit dem Beschwerdeführer 2 und werde von seiner in der Schweiz lebenden Schwester finanziell unterstützt. Er lebe in ständiger Angst vor einer D e- portation oder Entführung und werde als Flüchtling wie auch aufgrund seiner christlichen Religion diskriminiert. Er habe im Sudan zudem keine Bewegungsfreiheit und keine Erlaubnis zu arbeiten. Für den Inhal t der weiteren Vorbringen wird auf die Akten und die nac h- stehenden Erwägungen verwiesen. G. Der Beschwerdeführer 2 machte in den vorgenannten schriftlichen Ei n- gaben zur Begründung seines Asylgesuchs zusammengefasst geltend, dass seine Mutter im Juni 2012 aufgefordert worden sei, ihn in den Mil i- tärdienst zu schicken. Als sie dies verweigert habe, sei sie festgenommen worden; er selbst habe sich (vor der lokalen Miliz) verstecken können und sei anschliessend in den Sudan geflohen. Nachdem er die Grenze übe r- quert habe, sei er von Menschenhändlern ent führt worden und seine in der Schweiz lebende Schwester habe ein Lösegeld von 15'000 sudanesi-D-2162/2014, D-2154/2014 Seite 4 schen Pfund für seine Freilas sung bezahlen müssen. Er habe sich nach seiner Freilassung nicht im Flüchtlingslager des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) gemeldet, weil er dieses für unsicher gehalten habe. Statt dessen habe er sich nach Khartum begeben, wo er (unterdessen) mit dem Beschwerdeführer 1 zusam menwohne. Er fühle sich jedoch auch in Khartum nicht sicher, da ständig die Gefahr einer D e- portation oder Entführung bestehe. Zudem würden Flüchtlinge und Chri s- ten von der sudanesischen Bevölkerung sowie den B ehörden schikaniert und es sei auch schon zu Übergriffen ge kommen. Er werde beispielswei- se jedes Mal, wenn er in das Stadtzentrum wolle, aufgefordert, der Polizei Geld zu geben. Im März 2013 sei er zudem einmal für zwei Tage festg e- nommen worden und erst g egen Bezahlung einer Geldsumme wieder freigelassen worden. Er könne sich nicht frei bewegen und habe auch keinen Zugang zu Gesundheitszentren. Zudem könne er im Sudan weder zur Schule gehen noch arbeiten. Er sei von der finanziellen Unterstützung seiner in der Schweiz lebenden Schwester abhängig. Ihre Unterstü t- zungszahlungen reichten aber nicht für die täglichen Ausgaben, die Miete und Kleider aus. Er sei zudem noch minderjährig, weshalb insbesondere auch das Kindeswohl im Sinne von Art. 3 des Übereinkommen s vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) zu b e- rücksichtigen sei. Weitergehend wird auf die Akten und die nachstehenden Erwägungen verwiesen. H. H.a Mit separaten Verfügungen vom 20. März 2014 – beide am 24. März 2014 eröffnet – verweigerte das BFM den Beschwerdeführern 1 und 2 die Einreise in die Schweiz und lehnte ihre Asylgesuche ab. H.b Zur Begründung führte die Vorinstanz – die beiden Verfügungen z u- sammengefasst – zunächst aus, die Ausführungen der Beschwerdefü h- renden liessen darauf sc hliessen, dass sie aufgrund der Flucht aus dem Gefängnis (Beschwerdeführer 1) beziehungsweise der Flucht vor dem Mi- litärdienst (Beschwerdeführer 2) bei einer Rückkehr nach Eritrea ernstz u- nehmende Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden haben kön n- ten. Sodann hielt es zu deren Aufenthalt im Sudan zusammengefasst unter anderem fest, dass die dortige Lage für eritreische Flüchtlinge und Asy l- bewerber nicht einfach sei. Den noch würden keine kon kreten An halts-D-2162/2014, D-2154/2014 Seite 5 punkte zur Annahme bestehen, dass ein weiterer Verbleib im S udan für die Beschwerdeführer nicht zumutbar oder möglich wäre. Dazu sei zu e r- wähnen, dass Flüchtlinge im Sudan, die vom UNHCR registriert worden seien, einem Flüchtlingslager zugeteil t würden , wo sie sich auf zuhalten hätten und di e nötige Versorgung erhalten würden. Sie verfügten im S u- dan nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land. Es sei i h- nen daher zuzumuten, sich beim UNHCR zu melden, soll te ihre Situation tatsächlich kritisch sein. Ihre Befürchtungen, nach Erit rea zurückgeschafft zu werden, würden als unbegründet erachtet. Gemäss gesicherten Erkenntnissen sei das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Eritreer, die im Sudan als Flüchtlinge anerkannt seien, gering. Das UNHCR registriere vor Ort sämt- liche Eritreer, die sich in einem Flüchtlingslager meld eten, unabhängig davon, weshalb sie Eritrea verlassen hätten. Im Übrigen betreibe das UNHCR in Khartum ein Büro und habe in den letzten Monaten begonnen, in Khartum wohnhafte Flüchtlinge zu registrieren und Flüchtlingsausweise auszustellen. Es gebe vorliegend auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass den Beschwerdeführern eine Rückführung nach Eritrea dro - hen könnte. So verfügten sie nicht über ein geeignetes Risikoprofil, das eine Befürchtung vor eine r Verschleppung nach Eritrea objektiv begrü n- den könnte. Sie hätten auch nicht glaubhaft darlegen können, persönlich faktisch und unmittelbar bedroht zu sein, unter Verletzung des Non - Refoulement-Prinzips nach Eritrea zurückgeschafft zu werden. Da sie z u- dem den Flüchtlingsstatus durch das UNHCR erhalten hätten oder diesen erwerben könnten, hätten sie jederzeit die Möglichkeit sich bei ei ner Ver- tretung des UNHCR im Sudan zu melden. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass das UNHCR den Sudan, welcher das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) unterzeichnet habe, an seine internationalen Verpflichtungen erinnert habe. Zudem vermöchten die geltend gemach ten Entführungen di e Furcht der Beschwerdeführer vor zukünftiger Verfolgung bei einer objektivierten B e- trachtungsweise nicht zu begründen, da es sich dabei um einmalige, is o- lierte Ereignisse handle. Dies werde unter anderem dadurch bele gt, dass die Beschwerdeführer seit diesen Vorfällen offenbar nicht weiter behelligt worden seien. Auch sei nicht nachvollziehbar, warum sie es unterlassen haben sollten, die von ihnen geltend gemachten Gescheh nisse während der Flucht dem UNHCR im Sudan oder der sudanesischen Polizei zu melden. Es wäre ihnen freigestanden und auch zuzumuten gewesen, in ein UNHCR-Flüchtlingslager zu gehen, sich dort registrieren zu lassen D-2162/2014, D-2154/2014 Seite 6 und die geltend gemachten Übergriffe vor Ort zu melden. Schliesslich ge- be es keine Hinweise dafür, dass die Beschwerdeführer im heutigen Zeit- punkt und mit grösserer Wahrscheinlichkeit als andere im Lager lebende Flüchtlinge, Opfer einer Verschleppung oder Entführung werden könnten beziehungsweise mehr als an dere im Sudan lebende Menschen irgend- welchen Dritteinwirkungen ausgesetzt werden könnten. Zu den V orbringen der Beschwerdeführer bezüglich Benachteiligungen aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit hielt das BFM sodann im Wesen t- lichen fest, dass Ch risten im Sudan zwar Opfer von Diskriminierungen sein könnten, in diesem Land aber keine allgemeine und staatliche Un - terdrückung oder Verfolgung von Christen herrsche. In Anbetracht der Tatsache, dass die Beschwerdeführer seit längerem im Sudan gelebt hät- ten, ohne dass es zu konkreten Vorfällen gekommen sei, könne nicht von einer ernsthaften oder drohenden Verfolgungsabsicht ausgegangen we r- den. Weiter führte das BFM aus, dass das Leben in Khartum für eritreische Flüchtlinge gewiss nicht einfach sei. Die Hürden für eine zumutbare Exis- tenz in Khartum seien im Falle der Beschwerdeführer, welche von ihrer in der Schweiz lebenden Schwester finanziell unterstützt würden, jedoch nicht unüberwindbar, auch wenn sie keine Bewegungsfreiheit , keine Aus- bildungsmöglichkeiten und keine Erlaubnis zu arbeiten hätten. Eine schwierige Lebenssituation und insoweit humanitäre Überlegungen stel l- ten keinen Grund für die Bewilligung der Einreise in die Schweiz dar. Eine Einreisebewilligung könne nur erteilt werden, wenn mit überw iegender Wahrscheinlichkeit von einer akuten Gefährdung der gesuchst ellenden Person ausgegangen werden müsse. Letzteres treffe – wie bereits darge- legt – in Bezug auf die Beschwerdeführer nicht zu. Überdies lebe eine grosse eritreische Diaspora im Sudan, die für in Not geratene Landsleute bereitstehe und weitgehend Unterstützung biete. Ferner reiche alleine die Anwesenheit ihrer Geschwister in der Schweiz nicht aus, um die vora n- gegangen Feststellungen umzustossen. Die Beschwerdefüh rer benötig- ten nach dem Ge sagten den zusätzlichen subsid iären Schutz der Schweiz nicht, weshalb ihnen zuzumuten sei, vorderhand im Su dan zu verbleiben. I. Gegen die Verfügungen des BFM liessen die Beschwerdeführer 1 und 2 durch ihre Schwester mit Eingaben vom 17. April 2014 beim Bundesve r- waltungsgericht Beschwerde erheben. In materieller Hinsicht beantragten D-2162/2014, D-2154/2014 Seite 7 sie, die angefochtenen Verfügungen seien aufzuheben und zwecks Ne u- beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, even tualiter sei ihnen g e- stützt auf aArt. 20 Abs. 2 und 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) die Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung des Asylverfahrens zu bewilligen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Koste n- vorschusses. Auf die Begründung der Beschwerdebegehren wird – soweit für den E nt- scheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bunde sverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerden und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgül- tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerden sind frist - und formgerecht eingereicht. Die Be - schwerdeführer 1 und 2 haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezi e- hungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerden legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerden ist einzutreten. D-2162/2014, D-2154/2014 Seite 8 1.4 Die beiden Beschwerdeverfahren D-2162/2014 und D-2154/2014 sind aufgrund des engen persönlichen und sachlichen Zusammenhangs sowie aus prozessökonomischen Gründen zu vereinigen. Es ist daher vorli e- gend über beide Beschwerden in einem Urteil zu befinden. 2. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsger ichts entscheiden in der R e- gel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Gericht kann – wie vorliegend – auch in solchen Fällen auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die Rügemöglichkeiten richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 4. Für Asylgesuche, die – wie vorliegend – im Ausland vor Inkrafttreten der Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 gestellt worden sind, gelten die Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG in der bisher i- gen Fas sung (vgl. Übergangsbestimmung zur Änderung vom 28. Sep- tember 2012). 5. 5.1 Ein Asylgesuch kann gemäss aArt. 19 Abs. 1 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung ges tellt werden, die es mit einem B e- richt an das BFM überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Ver- fahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht aArt. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt (aArt. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht mö g- lich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ih- re Asylgründe schriftlich festzuhalten (aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). 5.2 Der Umstand, dass die Asylgesuche der Beschwerdeführer nicht ent- sprechend dem Wortlaut in aArt. 19 Abs. 1 und aArt. 20 AsylG bei einer schweizerischen Vertretung, sondern direkt beim BFM eingereicht wu r- den, ist nicht massgebend (vgl. BVGE 2 011/39 E. 3, mit weiteren Hinwei- sen). Insofern wurden daher die Asylgesuche zu Recht als Asylgesuche aus dem Ausland anhand genommen. D-2162/2014, D-2154/2014 Seite 9 5.3 Vorliegend wurde auf eine Befragung durch die Botschaft mangels entsprechender Kapazitäten verzic htet und den Beschwerdeführern – zwecks Wahrung des rechtlichen Gehörs – ein schriftlicher Fragenkatalog zugestellt. Vor dem Hintergrund der massgeblichen Praxis zur Behan d- lung von Asylgesuchen aus dem Ausland sowie unter Berücksichtigung der gesamten Aktenlage ist fes tzustellen, dass in casu auf eine Befr a- gung verzichtet werden durfte und mit der Aufforderung zur Beantwortung des Fragenkatalogs den mass geblichen verfahrensrechtlichen Anford e- rungen Genüge getan wurde (vgl. dazu BVGE 2007/30). 6. 6.1 Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen (aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib namentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist. Schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Ra s- se, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer best immten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachtei - len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). 6.2 Das BFM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn sie keine Ver- folgung glaubhaft machen kann (Art. 3 und 7 AsylG) oder wenn ihr zuz u- muten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (aArt. 52 Abs. 2 AsylG). 6.3 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Voraus - setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu - kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische und objektive Zumutbarkeit zur ander - weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungsmö g- lichkeiten in der Schweiz in Betracht zu ziehen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/10 E. 3). D-2162/2014, D-2154/2014 Seite 10 7. 7.1 In den Rechtsmitteleingaben wird hauptsächlich die Rückweisung der angefochtenen Verfügungen an das BFM zwecks Neubeurteilung verlangt und dazu im Wesentlichen geltend gemacht, die Beschwerdeführer 1 und 2 seien kurz nach Eröffnung der Verfügungen nach Libyen weitergeflüch- tet. Während der Beschwerdeführer 1 Libyen im Ze itpunkt der Beschwer- deeinreichung noch nicht erreicht habe, halte sich der Beschwerdeführer 2 seit dem 28. März 2014 in Benghazi auf und plane die Weiterreise nach Tripolis. Es sei nun aber – beispielsweise unter Berücksichtigung eines Berichtes von Amnesty International – festzuhalten, dass sich der Aufent- halt für Flüchtlinge in Libyen als höchst prekär erweise. Den Beschwerde- führern könne demzufolge ein Aufenthalt in diesem Land nicht zugemutet werden. 7.2 Vorab ist festzuhalten, dass es sich beim Vorbringen, die Beschwer- deführer 1 und 2 seien in Richtung Libyen weitergeflüchtet beziehungs- weise würden sich bereits dort aufhalten, lediglich um eine unbelegte B e- hauptung handelt. Sodann wird in den Beschwerden hauptsächlich ein Abschnitt aus dem Länderreport 201 3 von Amnesty International wiede r- gegeben, der sich auf Flüchtlinge, Asylsuchende und Migranten in Libyen bezieht. Es werden jedoch keine Ausführungen zur konkreten Si tuation der Beschwerdeführer in Libyen gemacht, weshalb keine Anhaltspunkte für die Annah me bestehen, dass sie persönlich in diesem Drittstaat von asylrelevanten Nachteilen betrof fen sind . Eine eingehende Prüfung der Frage der Zumutbarkeit eines Verbleibs in Libyen erübrigt sich abe r, da es den Beschwerdeführern , welche durch ihre in der Schweiz lebenden Geschwister (insbesondere die Rechtsvertreterin) über die nötigen finan- ziellen Mitteln für eine weitere Reise verfügen dürften, ohnehin zuzum u- ten ist, sich w ieder in den Sudan zu begeben, sollten sie in Libyen kon- kret gefährdet sein. Es besteht daher kein Grund, die angefochtenen Ver- fügungen zu kassieren, weshalb das Begehren abzuweisen ist. 7.3 Bezüglich der Zumutbarkeit eines Aufenthalts im Sudan , wo die Be- schwerdeführer schon mehrere Monate gelebt haben, kann auf die ent- sprechenden, unter Bst. H.b vorstehend angeführten Erwägungen des BFM verwiesen werden, die sich – nach Prüfung der Akten durch das Ge- richt – weitestgehend als zutreffend erweisen und denen auf Beschwe r- deebene nichts Substanzielles entgegengehalten wird. Das BFM ist in s- besondere zu Recht zum Schluss gekommen, dass in Bezug auf die B e- schwerdeführer, welche im Übrigen (mittlerweile ) beide volljährig sind, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkei t von einer konkreten Gefähr-D-2162/2014, D-2154/2014 Seite 11 dung ausgegangen werden muss. Das gilt insbesondere auch unter B e- rücksichtigung der in den angefochtenen Verfügungen nicht explizit er- wähnten kurzen Inhaft ierungen und sonstigen Schika nen, denen sie ge- mäss ihren Angaben im Sudan ausgesetzt waren . Schliesslich ist erneut darauf hinzuweisen, dass sich die Beschwerde führer im Sudan als Flüchtlinge registrieren lassen (sofern dies nicht bereits geschehen ist [vgl. das Vorbringen des Beschwerdeführers 2 auf S. 5 der Eingabe vom 4. Januar 2014, wonach er im Sudan ein legaler Flüchtl ing sei]) und sich unter den Schutz des UNHCR stellen können. 7.4 Es ist sodann festzuhalten, dass in der Eingabe vom 10. Juli 2013 vorgebracht wurde, der Beschwerdeführer 1 habe grosse Probleme mit den Füssen. Da dieser jedoch in seiner Eingabe vom 1. Januar 2014 er- klärte, er habe keine gesundheitlichen Probl eme, ist nicht weiter darauf einzugehen (vgl. Akten BFM [N 576 446] A 18/7 S. 4). 7.5 Die Beschwerdeführer 1 und 2 sind nach dem Gesagten nicht auf den subsidiären Schutz der Schweiz angewiesen. Schliesslich vermögen ihre in der Schweiz lebenden Geschwister keinen derart gewichtigen Anknüp- fungspunkt zu begründen, wonach eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von aArt. 52 Abs. 2 AsylG dazu führen müsste, dass es gerade die Schweiz ist, die den Beschwerdeführ ern den erforderlichen Schu tz gewähren soll. Da die Asylgesuche somit gestützt auf aArt. 52 Abs. 2 AsylG abgelehnt werden, kann die Frage, ob die Beschwerdeführenden bereits im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Eritrea einer asylrelevanten Ve r- folgung ausgesetzt waren (vgl. BVGE 2012/26), vorliegend offengelassen werden. 8. Das BFM hat den Beschwerdeführern 1 und 2 somit zu Recht die Einre i- se in die Schweiz verweigert und deren Asylgesuche abgelehnt. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene n Verfügun- gen Bundesrecht nicht verletzen und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellen (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die B e- schwerden sind nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Die Gesuche um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses werden mit vorliegendem Entscheid in der Hauptsache hinfällig. D-2162/2014, D-2154/2014 Seite 12 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerd e- führern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Diese liessen je doch um Gewährung der unentgeltlichen Rec htspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ersuchen. Danach kann die Beschwerdeinstanz eine b e- dürftige Partei, deren Begehren nicht aussichtslos erscheinen, auf G e- such davon befreien, Verfahrenskosten zu bezahlen. Vorliegend ist von der Bedür ftigkeit der B eschwerdeführer auszugehen. Auch können die Beschwerdebegehren nicht als aussichtslos bezeich net werden. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechts pflege sind somit gutzuheissen, weshalb keine Verfahrenskosten auf zuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite) D-2162/2014, D-2154/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerden werden abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege werden gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer 1 und 2 sowie das BFM. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Sandra Min Versand: