<h2>SubmittedText<h2><p>Die Vorlage Managed-Care ist bei der Bevölkerung auf grosse Skepsis gestossen. Tiefere Ursache des Misstrauens dürfte sein, dass Managed-Care-Modelle einer Versicherungslogik folgen. Verträge zwischen Krankenkassen und Ärztenetzwerken auf der einen Seite und Verträge zwischen den Krankenkassen und den Versicherten auf der anderen stehen im Zentrum. Damit drohen die Patienteninteressen über kurz oder lang in den Hintergrund zu rücken. Managed-Care-Modelle sind zudem Modelle, die nur teilweise auf die tatsächlichen Herausforderungen (chronischkranken Menschen) fokussieren und auch nur teilweise über die Ärztinnen und Ärzte hinaus andere Gesundheitsberufe integrieren. Ebensowenig gesichert ist die Zusammenarbeit zwischen ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen.</p><p>Expertinnen und Experten sind sich deshalb weitgehend einig: Der Versicherungsansatz ist bereits überholt. Gefragt sind Modelle, die von der Versorgung her und damit von den Patientinnen und Patienten her denken. Die Fachwelt spricht von Chronic Care, weil insbesondere die Zunahme an chronischen Erkrankungen neue Versorgungsmodelle erfordert.</p><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche Möglichkeiten sieht er, Chronic-Care-Modelle (in Zusammenarbeit mit den Instituten für Hausarztmedizin und den Fachhochschulen für Gesundheitsberufe) zu entwickeln und zu fördern? Welche Rolle soll den Kantonen zukommen?</p><p>2. Sollten sich die Krankenkassen weiterhin weigern, in die Versorgung chronisch kranker Menschen (z. B. durch den Aufbau von Diabetes-Netzwerken usw.) zu investieren: Wer soll an deren Stelle den Lead übernehmen?</p><p>3. Welche Rolle kommt nach Ansicht des Bundesrates der Förderung der Patienten- und der Angehörigenkompetenzen zu? Wie sieht er in diesem Bereich die Kompetenzverteilung zwischen Bund, Kantonen und Verbänden? Wer ist für diese Entwicklung verantwortlich, und wie soll diese Verantwortung wahrgenommen werden?</p><p>4. Wie können Chronic-Care-Modelle in eine Strategie zur Sicherung der Grundversorgung eingebaut werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat nimmt in seiner Antwort Bezug auf das Chronic-Care-Modell, welches am Mac Coll Institute for Healthcare Innovation in Seattle im Rahmen eines US-weiten staatlichen Pilotprojektes (Improving Chronic Illness Care, ICIC) entwickelt wurde (<a href="http://www.improvingchroniccare.org">www.improvingchroniccare.org</a>) und als primärmedizinisches ambulantes Versorgungskonzept in verschiedenen Ländern in unterschiedlicher Konkretisierung angewendet wird. Das Cronic-Care-Modell beinhaltet viele Inhalte zu organisatorischen Aspekten wie auch regulativen Rahmenbedingungen (inklusive Versicherungs- und Anreizsysteme) auf verschiedenen Zuständigkeitsebenen und bedingt eine gemeinsame Interaktion der verschiedenen gesundheitspolitischen Organisationen und Verantwortungsträger.</p><p>1. Für die medizinische Versorgung sind gemäss Bundesverfassung die Kantone zuständig. Aus dieser Sicht sind dem Handlungsspielraum des Bundes Grenzen gesetzt. Die Möglichkeiten des Bundes liegen in der Beeinflussung der Rahmenbedingungen. Diese betreffen insbesondere im Bereich Gesundheitspersonal die Ausbildungscurricula, die sich an den veränderten Bedürfnissen orientieren und ideale Ergänzungen der Berufsgruppen sowie interprofessionelle Kooperationen ermöglichen sowie im Bereich E-Health hinsichtlich Optimierung der Informationssysteme (z. B. Strategie E-Health, Versichertenkarte, Gesetzesvorlage elektronisches Patientendossier). Weiter sind im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung Versicherungsbedingungen zu nennen, die die integrierte Versorgung und Qualität der Betreuung fördern (z. B. besondere Versicherungsformen, Risikoausgleich, Diseasemanagementprogramme und Hochrisikopool). Geeignete Versicherungssysteme sind im Bereich der kostenintensiven Betreuung chronisch Kranker ein zentrales Element.</p><p>Die im Chronic-Care-Modell berücksichtigten Kampagnen oder Programme zur Förderung des Bewusstseins für eine optimierte Krankheitsbetreuung, der Förderung der Teilnahme am Modell sowie Präventionsmassnahmen sind grundsätzlich Aufgabe der Kantone. Im Bereich Verhütung oder Früherkennung nicht übertragbarer chronischer Krankheiten verfügt der Bund zurzeit über keine gesetzlichen Grundlagen. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde der Entwurf für ein Bundesgesetz über Prävention und Gesundheitsförderung erarbeitet und dem Parlament überwiesen. Weitere Aktivitäten des Bundes in Zusammenarbeit mit Partnern sind unter Ziffer 4 dargestellt.</p><p>2. Die Gestaltung optimaler Versorgungsstrukturen für chronischkranke Menschen ist eine Verbundaufgabe der zuständigen Akteure, insbesondere der Leistungserbringer, Versicherer und Kantone.</p><p>3. Die Aspekte des Chronic-Care-Modells hinsichtlich Förderung des Selbstmanagements werden als wichtiges Element erachtet. Die Gestaltung von Schulungsinhalten ist grundsätzlich durch die Leistungserbringer oder Gesundheitsligen vorzunehmen. Hinsichtlich Finanzierung von Angeboten zum Erlernen des Selbstmanagements ist grundsätzlich eine Vergütung durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung möglich, wie dies beispielsweise bei der Diabetesberatung heute schon der Fall ist. Entsprechende Anträge sind der Eidgenössischen Kommission für allgemeine Leistungen und Grundsatzfragen zu unterbreiten und die Leistungspflicht ist vom Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) zu beschliessen.</p><p>4. Bund und Kantonen ist die zukünftige Ausgestaltung der Versorgungsmodelle ein wichtiges Anliegen. Im Rahmen des Dialogs nationale Gesundheitspolitik wurde unter Begleitung einer Arbeitsgruppe ein Bericht "Neue Versorgungsmodelle für die medizinische Grundversorgung" erarbeitet und im April 2012 veröffentlicht. Ferner wurde im Jahre 2011 unter der Schirmherrschaft des EDI-Vorstehers ein Projekt "QualiCCare" gestartet, in welchem anhand von zwei ausgewählten chronischen Erkrankungen (Lungenerkrankung, Diabetes) konkrete Massnahmen auf verschiedenen Ebenen und Zuständigkeitsbereichen für eine optimierte und koordinierte Behandlung erarbeitet werden. Es handelt sich um ein breit abgestütztes Projekt, dessen Ansatz mit Implementierungsprojekten getestet und evaluiert werden soll. Die darin gewonnenen Erkenntnisse werden Grundlagen für spätere Massnahmen zur Verbesserung der Versorgung chronisch kranker Menschen sein. Auch der vom EDI gemeinsam mit der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren und in Absprache mit anderen relevanten Partnern lancierte Masterplan "Hausarztmedizin und medizinische Grundversorgung" geht Problembereiche in der medizinischen Grundversorgung an und fördert damit indirekt auch die Versorgung chronischkranker Menschen. Der Bundesrat beabsichtigt, die erwähnten Projekte im Rahmen der geltenden Zuständigkeiten zwischen Bund und Kantonen umzusetzen.</p>  Antwort des Bundesrates.