Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 21. Juli 2020 (470 20 100) ___________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verfahrenseinstellung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Helena Hess (Ref.), Richter Markus Mattle; Gerichtsschreiberin Constanze Seelmann Parteien A.____, vertreten durch Advokat Pascal Eisner, St. Alban-Vorstadt 21, 4052 Basel, Beschwerdeführerin gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin B.____, Beschuldigter Gegenstand Verfahrenseinstellung Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwalt- schaft Basel-Landschaft vom 30. April 2020 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Verfügung vom 30. April 2020 stellte die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft, Allgemeine Hauptabteilung (nachfolgend: Staatsanwaltschaft), das Strafverfahren gegen B.____ betreffend die Straftatbestände der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB), begangen am 2. Mai 2017 zum Nachteil von A.____, sowie der Sachentziehung gemäss Art. 141 StGB, begangen am 11. Mai 2017 eben- falls zum Nachteil von A.____, in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO) ein. Auf die Begründung dieser Einstellungsverfügung sowie der nachfolgenden Eingaben der Par- teien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Beschlusses eingegangen. B. Mit Schreiben vom 14. Mai 2020 erhob A.____ (nachfolgend: Beschwerdeführerin), vertreten durch Advokat Pascal Eisner, Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung d er Staatsanwaltschaft vom 30. April 2020 beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Straf- recht (nachfolgend: Kantonsgericht), und beantragte, dass (1.) der Einstellungsbeschluss vom 30. April 2020 aufzuheben sei und (2.) die Beschwerdegegnerin anzuwei sen sei, gegen B.____ Anklage betreffend einfacher Körperverletzung sowie Sachentziehung zu erheben. Eventualiter sei (3.) die Beschwerdegegnerin anzuweisen, Konfrontationseinvernahmen durchzuführen; dies alles (4.) unter o/e Kostenfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. C. Mit Verfügung vom 15. Mai 2020 ordnete das Kantonsgericht das schriftliche Verfah- ren an und liess die Beschwerde vom 14. Mai 2020 der Staatsanwaltschaft sowie dem Be- schuldigten mit Frist zur Stellungnahme bis zum 28. Mai 2020 zukommen. F ür den Beschul- digten wurde die Stellungnahme für fakultativ erklärt. Die Staatsanwaltschaft wurde darum er- sucht, dem Kantonsgericht die vollständigen Akten einzureichen. D. Mit Eingabe vom 27. Mai 2020 nahm die Staatsanwaltschaft zur Beschwerde vom 14. Mai 2020 Stellung und beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen sowie die Kosten des Be- schwerdeverfahrens der beschwerdeführenden Partei aufzuerlegen. E. Mit Stellungnahme vom 28. Mai 2020 beantragte B.____ (nachfolgend: Beschuldig- ter), die Beschwerde sei abzuweisen, unter o/e Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Mit Verfügung vom 29. Mai 2020 liess das Kantonsgericht die Stellungnahmen der Staatsanwaltschaft sowie des Beschuldigten den übrigen Parteien zur Kenntnisnahme zukom- men und schloss den Schriftenwechsel. Erwägungen I. Formelles 1. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Beschwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StPO. Nach Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist die Beschwerde zulässig gegen die Verfügungen und die Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertretungsstrafbehörden. Mit der Beschwerde können laut Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsver letzungen, falsche Feststellungen des Sachverhalts sowie Unange- messenheit gerügt werden. Nach Art. 322 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde gegen Einstellungsverfügungen innert zehn Tagen schriftlich und begrün- det bei der Beschwerdeinstanz einzureichen. Verlangt das Gesetz – wie vorliegend – die Be- gründung des Rechtsmittels, so hat gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO die Person oder die Be- hörde, welche das Rechtsmittel ergreift, genau anzugeben, welche Punkte des Entscheids sie anficht (lit. a), welche Gründe einen anderen Entscheid nahelegen (lit. b) und welche Beweis- mittel sie anruft (lit. c). In der schriftlichen Beschwerdebegründung hat die beschwerdefüh- rende Partei mittels eindeutiger Verweisungen auf die vorinstanzlichen Erwägungen schlüssig darzulegen, weshalb sie den angefochtenen Entscheid als fehlerhaft erachtet und die tatsäch- lichen bzw. rechtlichen Gründe zu nennen, die einen anderen Entscheid nahelegen (PATRICK GUIDON, in: Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 9c zu Art. 396; RICHARD CALAME, in: Commentaire Romand C PP, 2. Aufl., Basel 2019, N 21 zu Art. 385; BGer 6B_721/2018 vom 19. November 2018 E. 2.1, 6B_448/2017 vom 22. Februar 2018 E. 2.2, 6B_1404/2016 vom 13. Juni 2017 E. 1.2.3, 6B_1162/2016 vom 27. April 2017 E. 2.3). Die Legitimation der Parteien zur Ergreifung des Rechtsmittels wird schliesslich in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. 2. Im vorliegenden Fall stellt die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 30. April 2020 ein taugliches Anfechtungsob jekt dar, besonders da Art. 322 Abs. 2 StPO die Anfechtungsmöglichkeit von Einstellungsverfügungen innert 10 Tagen bei der Beschwer- deinstanz ausdrücklich vorsieht. Mit Eingabe vom 14. Mai 2020 hat die Beschwerdeführerin Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Rechtsmittelfrist gewahrt, zumal aus den Akten nicht explizit hervorgeht, wann die Einstel- lungsverfügung der Beschwerdeführerin zugestellt worden ist, jedoch davon auszugehen ist, dass die Verfügung aufgrund von Feiertag und Wochenende erst am Montag, dem 4. Mai 2020 bei dieser eingegangen ist. Als Privatklägerin und Adressatin der Verfügung weist die Be- schwerdeführerin ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung der angefochtenen Verfügung auf und ist somit im Sinne von Art. 382 Abs. 1 StPO beschwerdele- gitimiert. Hinsichtlich des Tatbestands der einfachen Körperverletzung ist die Beschwerde zu- dem rechtsgenüglich begründet, so dass in diesem Punkt auf die Beschwerde einzutreten ist. Hinsichtlich der Sachentziehung liegt jedoch keine genügend substanziierte materielle Be- gründung vor (siehe Ziff. 9 der Begründung der Beschwerde). Die Beschwerdeführerin be- gnügt sich lediglich damit, die Ausführungen der Staatsanwaltschaft in der Einstellungsverfü- gung zu bestreiten, und hält fest, es liege keine Begründung für eine Einste llung vor. Damit kommt die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin ihrer Begründungspflicht gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO nicht in geforderter Weise nach. Auf diesen Beschwerdepunkt ist infolgedes- sen nicht einzutreten. II. Materielles 1.1 Die angefochtene Einstellungsverfügung vom 30. April 2020 wird damit begründet, dass die dem Beschuldigten vorgeworfenen Taten vom 2. Mai 2017 nicht genügend belegt seien, da hinsichtlich der Aussagen des Beschuldigten und der Beschwerdeführerin Aussage gegen Aussage stünde, keine eindeutigen Zeugenaussagen (recte: Aussagen von Auskunfts- personen) vorhanden seien, und das von der Beschwerdeführerin eingereichte Video nur ein Gerangel von wenigen Sekunden zeige, ohne dass klar sei, wie die Auseinandersetzung be- gonnen habe, und wer wem was angetan habe. Die Beschwerdeführerin werfe dem Beschul- digten vor, sie am 2. Mai 2017 zwischen 17:10 Uhr und 17:20 Uhr in C.____ auf dem Areal der an der Z.____strasse 110 gelegenen Gewerbeliegenschaft tätlich attackiert zu haben. Da- bei soll der Beschuldigte die Beschwerdeführerin zunächst geohrfeigt haben. Danach sei der Beschuldigte mit seine m Bus zwecks Wegfahrt rückwärts gefahren, obschon sich die Be- schwerdeführerin währenddessen an der Fahrertür festgehalten habe, um ihn auf diese Weise an der Wegfahrt zu hindern. Während des Rückwärtsfahrens soll der Beschuldigte sein Fahr- zeug nach links und rechts geschwenkt und die Beschwerdeführerin mit Fusstritten traktiert haben, damit diese von der Umklammerung der Fahrertür ablasse. Nachdem der Beschuldigte Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Folge mit seinem Fahrzeug angehalten habe, soll er den linken Zeigefinger der Be- schwerdeführerin gepackt und ihn letztendlich in der Absicht, diesen zu brechen, verdreht ha- ben. Aufgrund dieser Übergriffe solle sich die Beschwerdeführerin ins besondere Hämatome an den Armen und am Oberkörper sowie aufgerissene Ohrläppchen zugezogen haben, was sie trotz Aufforderung jedoch nicht durch einen entsprechenden Arztbericht belegen könne. Der Beschuldigte bestreite diesen Vorhalt und habe ausgeführt, d ass es vielmehr die Be- schwerdeführerin gewesen sei, welche ihn damals tätlich attackiert habe. Sie habe ihn mit beiden Händen an seinem Hosengürtel gepackt und hochgehoben, weswegen zunächst seine Hose sowie sein Gürtel zerrissen seien, und er daraufhin zu Boden gestürzt sei. Als er in der Folge fluchtartig mit seinem Bus habe wegfahren wollen, habe die Beschwerdeführerin dies zu verhindern versucht, in dem sie sich zwischen Fahrertüre und Karosserie gestellt und ihn aus dem Bus gezerrt habe, wodurch er rücklings zu Boden gestürzt sei. Als der Beschuldigte sich wieder in seinen Bus habe setzen wollen, habe sie ihn am Hemd gepackt und dieses dadurch zerrissen. Als der Beschuldigte dann wieder in seinem Bus gesessen sei, habe die Beschwerdeführerin ihr Mobilte lefon gegen den Mund des Beschuldigten geschlagen und schliesslich die Fahrzeugschlüssel weggenommen. Die Aussagen der Zeugen (recte: Auskunftspersonen) zu diesem Geschehen seien unvoll- ständig und widersprüchlich. Die Auskunftspersonen hätten entweder den Beginn der Ausei- nandersetzung nicht miterlebt oder hätten sich nachher entfernt. Zwar werde von einem Ge- rangel, gegenseitigen Tätlichkeiten, Anschreien und dem Zerreissen von Hemd und Hose be- richtet, jedoch würde keine der Auskunftspersonen darüber Aussagen machen, dass der Be- schuldigte mit seinem Auto beim Rückwärtsfahren die Beschwerdeführerin mitgeschleift habe, um sie dabei mittels Fahrzeugschwenkens sowie Fusstritten abzuschütteln. Aufgrund der zu- vor beschriebenen Umstände könne dem Beschuldigten der Vorhalt der einfachen Körperver- letzung nicht mit hinreichender Sicherheit nachgewiesen werden, weshalb ein Freispruch vor dem Strafgericht mit Sicherheit zu erwarten sei. Deshalb werde das entsprechende Verfahren mangels Erhärtung des Tatverdachts gegen de n Beschuldigten in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO eingestellt. 1.2 Demgegenüber führt die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 14. Mai 2020 aus, dass die Staatsanwaltschaft den Sachverhalt nicht genügend abgeklärt habe. Hätte sie dies getan, so hätte eine Anklageerhebung erfolgen müssen. Die Beschwerdeführerin sei nie Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit den widersprüchlichen Aussagen der Auskunftspersonen konfrontiert worden, so dass sie diese habe berichtigen oder in einem anderen Licht erscheinen lassen können. Es habe zu- dem nie eine Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten stattgefunden, welche eben- falls der Wahrheitsfindung gedient und zu einer Anklageerhebung geführt hätte. Insbesondere verweise sie auf die Aussage von D.____, welche zwar den Beginn der Auseinandersetzung nicht mitbekommen habe, jedoch ausgesagt habe, dass sich der Beschuldigte fluchend zur Beschwerdeführerin hinbegeben und ihr einen Fusstritt versetzt habe. Es seien also offenbar durch den Beschuldigten Fusstritte verteilt worden, was für eine Anklageerhebung bzw. den Erlass eines Strafbefehls genügen müsse. Die anderen Aussagen der Auskunftspersonen seien zudem nicht dermassen widersprüchlich, wie die Staatsanwaltschaft dies ausführe, son- dern würden sich in das Geschehen ziemlich gereimt einpassen. Alle hätten ein Gerangel be- schrieben, und e.____ (recte: E.____) habe ausgesagt, dass der Beschuldigte die Beschwer- deführerin provoziert und geschubst habe. Die nicht mehr junge, zierliche Beschwerdeführerin sei dem Beschuldigten sodann bereits körperlich so unterlegen, dass unglaubhaft erscheine, dass sie sich ernsthaft gegen ihn habe wehren oder ihn gar habe angreifen können. Diese Umstände liessen den Einstellungsbeschluss als ungerechtfertigt erscheinen, weshalb die Staatsanwaltschaft anzuweisen sei, eine Anklage zu erheben bzw. einen Strafbefehl zu erlas- sen. Im Rahmen dessen sei auch zu prüfen, ob die Zivilklage der Beschwerdeführerin auf den Zivilweg zu verweisen sei oder adhäsionsweise beurteilt werden solle. Eventualiter sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, den Sachverhalt soweit möglich genauer abzuklären und ins- besondere eine Konfrontationseinvernahme zwischen der Beschwerdeführerin und dem Be- schuldigten durchzuführen. 1.3 Der Beschuldigte führt in seiner Stellungnahme vom 28. Mai 2020 aus, dass die Be- schwerdeführerin am 2. Mai 2017 wie ein wild gewordener Löwe auf ihn losgegangen sei und ihn halb tot geschlagen habe. Er habe sich nur gewehrt und mit seinem Sprinterbus flüch ten wollen. Die Zeugenaussagen kenne er leider nicht im Detail, jedoch seien auch Zeugen auf- geführt, die gar nicht vor Ort gewesen seien, wie E.____. Er sei der Meinung, dass bei genau- erer Abklärung der Sache durch die Staatsanwaltschaft die Beschwerdeführerin zu 100% als Schuldige verurteilt worden wäre. Da die Beschwerdeführerin und ihre Auskunftspersonen aber jedes Mal lügen würden, wenn sie den Mund aufmachten, sei es für die Staatsanwalt- schaft schwierig, die Wahrheit herauszufinden. D.____ sei eine Freundin der Beschwerdefüh- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rerin, weshalb klar sei, dass diese für ihre Freundin lügen würde. Als ihn die Beschwerdefüh- rerin angegriffen habe und ihm sämtliche Kleider und die Brille vom Leib gerissen habe, sei ihm klar geworden, dass er gegen diese Frau keine Chance habe und sei in seinen Sprinterbus geflüchtet. Die Beschwerdeführerin habe die Fahrertür aufgerissen, ihn an den Schuhen ge- packt und aus dem Fahrzeug gerissen, so dass er mit dem Rücken auf den Boden geprallt sei. Er habe die Beschwerdeführerin wed er provoziert noch geschubst. Diverse Mieter und zwei Polizisten, welche hätten einschreiten wollen, hätten gegen die Beschwerdeführerin körperlich keine Chance gehabt. Vier Polizisten hätten sodann 30 Minuten gebraucht, bis sie der Be- schwerdeführerin Handschellen anziehen und sie ins Polizeiauto verbringen konnten. Diese vier Polizisten seien noch zu befragen, und er habe auch sonst nichts gegen eine genauere Untersuchung der ganzen Angelegenheit einzuwenden, da er keine Schuld an diesem Ge- schehen habe. 1.4 Die Staatsanwaltschaft beantragt in ihrer Stellungnahme vom 27. Mai 2020, die Be- schwerde sei abzuweisen und die Kosten des Verfahrens der beschwerdeführenden Partei aufzuerlegen. Inhaltlich wird auf die Begründung in der Einstellungsverfügung vom 30. Ap ril 2020 verwiesen. 2.1 Gemäss Art. 319 Abs. 1 StPO stellt die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren voll- ständig oder teilweise ein, wenn sich kein Tatverdacht erhärtet, der eine Anklage rechtfertigt (lit. a), kein Straftatbestand erfüllt ist (lit. b), Rechtfertigungsgründe einen Straftatbestand un- anwendbar machen (lit. c), Prozessvoraussetzungen definitiv nicht erfüllt werden können oder Prozesshindernisse aufgetreten sind (lit. d) oder nach gesetzlicher Vorschrift auf Strafverfol- gung oder Bestrafung verzichtet werden kann (lit. e). Dabei handelt es sich um eine abschlies- sende Aufzählung von Einstellungsgründen. Die Gründe gemäss Art. 319 Abs. 1 lit. a–d StPO sind zwingend und führen somit ausnahmslos zur Einstellung des Verfahrens (ROLF GRÄDEL / MATTHIAS HEINIGER, in: Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 5 f. zu Art. 319 StPO). Wie sich aus der angefochtenen Verfügung ergibt, ist das Strafverfahren in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO eingestellt worden. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Staatsanwalt- schaft Basel-Landschaft das Verfahren MU1 17 XXXX etc./WAM ESL betreffend einfache Kör- perverletzung gegen den Beschuldigten mit Verfügung vom 30. April 2020 zu Recht eingestellt hat. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO ist einzustellen, wenn im Vorverfahren der ursprüng- lich vorhandene Anfangsverdacht nicht in einem Mass erhärtet werden konnte, dass sich eine Anklage rechtfertigt. Erforderlich ist mit anderen Worten, dass bei erfolgter Anklage nicht mit einer Verurteilung gerechnet werden könnte (NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, Praxiskom- mentar StPO, 3. Aufl., Zürich / St. Gallen 2018, N 5 zu Art. 319 StPO; NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2017, N 1251). Da die Staatsanwaltschaft als Untersuchungs- und Anklagebehörde nicht dazu beru- fen ist, über Recht oder Unrecht zu richten, darf sie jedoch nicht allzu rasch und gestützt auf eigene Bedenken (die irrtümlich sein könnten) zu einer Einstellung schreiten. Daher ist in Zwei- felsfällen sachverhalts- sowie beweismässiger und vor allem rechtlicher Art stets Anklage zu erheben (SCHMID / JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, N 5 zu Art. 319 StPO). Bei dieser Ent- scheidung kommt der Grundsatz "in dubio pro reo" (Art. 10 Abs. 3 StPO) nicht zur Anwendung; es gilt hier im Gegenteil das Prinzip "in dubio pro duriore", mit der Folge, dass Anklage zu erheben ist (PETER GOLDSCHMID / THOMAS MAURER / JÜRG SOLLBERGER, Kommentierte Text- ausgabe zur StPO, Bern 2008, S. 310). Fraglich ist jedoch, ab welcher Wahrscheinlichkeit eines Freispruchs das Strafverfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt werden muss (GRÄDEL / HEINIGER, a.a.O., N 8 zu A rt. 319 StPO). Ein Teil der Lehre vertritt eine restriktive Position dergestalt, dass nur dann eingestellt werden könne, wenn aufgrund "objektiver Krite- rien von vornherein feststeht, dass jedes andere Ergebnis als ein Freispruch ausgeschlossen erscheint" (NATHAN LANDSHUT / THOMAS BOSSHARD, in: Zürcher Kommentar S tPO, Zürich / Basel / Genf 2014, N 15 zu Art. 319 StPO). Es müsse ein Fall "klarer Straflosigkeit" vorliegen (unter Verweis auf NIKLAUS OBERHOLZER sowie BGer 6B_131/2013 vom 14. Mai 2013 E. 2.4; BGE 137 IV 226 E. 8; 138 IV 186 E. 4.1). Das Verfahren könne mithin nur eingestellt werden, wenn kein vernünftiger Zweifel daran besteht, dass das Sachgericht entweder von der Un- schuld des Beschuldigten überzeugt sein werde oder zumindest derartige Zweifel an dessen Schuld haben werde, dass eine Verurteilung "ausgeschlossen" erscheine ( NIKLAUS OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 4. Aufl., Bern 2020, N 1839). Dieser äus- serst weitgehenden Meinung ist nicht zu folgen. Zwar ist e ine Einstellung klarerweise dann geboten, wenn eine Verurteilung ausgeschlossen erscheint. Indessen bleibt die Möglichkeit einer Verfahrenseinstellung nicht auf diese Fälle beschränkt. Denn einerseits macht es ver- fahrensökonomisch keinen Sinn, wenn die Staatsanwaltschaft Fälle zur Anklage bringen muss, bei denen zwar eine Verurteilung nicht geradezu "ausgeschlossen" erscheint, bei denen jedoch ein Schuldspruch nach menschlichem Ermessen kaum zu erwarten ist. Andererseits Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht setzt eine Anklageerhebung gemäss Art. 324 Abs. 1 StPO hinreichende Verdachtsgründe vo- raus, die sich gegenüber einem blossen Anfangsverdacht durch die Untersuchungsergebnisse erhärtet haben müssen. Konnte der Tatverdacht nicht erhärtet, jedoch auch nicht vollständi g ausgeräumt werden, ist folglich nicht Anklage zu erheben. Anklageerhebungen, die ohne ernsthafte Aussicht auf eine Verurteilung erhoben werden, tangieren zudem die Persönlich- keitsrechte von Beschuldigten in unverhältnismässiger Weise ( STEFAN HEIMGARTNER / ALEXANDER NIGGLI, in: Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 10 zu Art. 324 StPO). 2.3 Bei der Verfahrenseinstellung geht es nach richtiger Ansicht also darum, in Fällen in denen mit Sicherheit oder doch mit grosser Wahrscheinlichkeit im Hauptve rfahren ein Frei- spruch oder eine in den Wirkungen gleiche Erledigung zu erwarten wäre, die Gerichte nicht unnötig zu belasten und dem Beschuldigten bei einem absehbaren Freispruch kein Strafver- fahren zuzumuten (Botschaft zur StPO S. 1272 f.; GOLDSCHMID / MAURER / SOLLBERGER, a.a.O., S. 309; GRÄDEL / HEINIGER, a.a.O., N 8 zu Art. 319 StPO; SCHMID / JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, N 1251). Ist die Beweislage auch nach Ausschöp- fung aller Möglichkeiten, die sich in der Untersuchung angeboten haben, widersprüchlich, so ist es nicht Sache der Staatsanwaltschaft, eine Beweiswürdigung vor zunehmen. Als prakti- scher Richtwert kann daher gelten, dass eine Anklage immer zu erheben ist (sofern die Erle- digung mit einem Strafbefehl nicht in Frage kommt), wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch (BGE 143 IV 241 E. 2.2.1; BGE 138 IV 186 E. 4.1; BGE 138 IV 86 E. 4.1.1; BGer 1B_184/2012 vom 27. August 2012 E. 3.3; LANDSHUT / BOSSHARD, a.a.O., N 1 ff. zu Art. 308 StPO und N 15 ff. zu Art. 319 StPO; SCHMID / JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, N 5 zu Art. 319 StPO). Bei schweren Delikten drängt sich in der Regel eine Anklageerhebung auf, wenn sich die Wahrscheinlichkeiten eines Freispruchs oder einer Verurteilung in etwa die Waage halten (BGE 143 IV 241 E. 2.2.1; BGE 138 IV 186 E. 4.1; BGE 138 IV 86 E. 4.1.2; OGer ZH UE160169 vom 1 6. August 2016 E. II.2.2; LAURENT MOREILLON / AUDE PAREIN- REYMOND, Petit Commentaire CPP, 2. Auflage, Basel 2016, N 10 zu Art. 319 StPO). Gelangt indessen die Staatsanwaltschaft in pflichtgemässer Ausübung ihres Ermessens zum Ergebnis, es liege keine zweifelhafte Beweislage vor, so spielt auch der Grundsatz "in dubio pro duriore" nicht, welcher die Staatsanwaltschaft anweist, im Zweifelsfalle zu überweisen ( GRÄDEL / HEINIGER, a.a.O., N 8 zu Art. 319 StPO). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Schwierig gestalten sich häufig diejenigen Fälle, in denen ausser den sich widerspre- chenden Aussagen der Geschädigten und der beschuldigten Person keine wesentlichen Be- weismittel vorhanden sind. Grundsätzlich kann eine Anklage auch auf ein Einzelzeugnis ge- stützt werden; dies wird dann geschehen dürfen, wenn das Einzelzeugnis von einem unbefan- genen Zeugen stammt oder es durch Indizien besonders gestützt wird, da nur dann eine Ver- urteilung als wahrscheinlich erachtet werden kann ( LANDSHUT / BOSSHARD, a.a.O., N 17 zu Art. 319 StPO). In derartigen Zweifelsfällen ist ein besonders gewissenhaftes Wahrscheinlich- keitskalkül über die Aussichten der Anklage anzustellen. Massgeblich ist die Überlegung, ob die Zweifel von derartigem Gewicht sind, dass eine Verurteilung nach den praktischen Erfah- rungen nicht mehr für wahrscheinlich gehalten werden kann. Steht dem bestreitenden Be- schuldigten nur die Aussage eines an der Verurteilung unmittelbar interessierten Geschädig- ten gegenüber und finden dessen Anschuldigungen nicht eine objektive Bestätigung im Unter- suchungsergebnis, so kann von einem für die Anklageerhebung hinreichenden Verdacht nicht gesprochen werden (LANDSHUT / BOSSHARD, a.a.O., N 17 zu Art. 319 StPO). 3.1 Entgegen den Ausführungen der Staatsanwaltschaft in der Einstellungsverfügung vom 30. April 2020 liegt in casu ein Arztbericht vom 3. Mai 2017 seitens der Beschwerdefüh- rerin in den Akten vor (act. 225 f.). Dort wird festgehalten, dass die Beschwerdeführerin am 3. Mai 2017 in der F.____ ambulant betreut worden sei. Dabei seien multiple Prellungen am Kopf, Rumpf und im Handbereich, Schürfungen an der linken Schläfe sowie ein blutig verkrustetes Ohrläppchen links diagnostiziert worden. Es seien aber keine Frakturen oder Weichteilverlet- zungen feststellbar, Muskel- oder Sehnenrisse seien ebenfalls nicht ersichtlich. Die Auskunfts- person D.____ hat anlässlich der Einvernahme vom 2. Juli 2018 zudem ausgesagt, dass sie beobachtet habe, wie sich die Beschwerdeführerin an der Fahrertür des Beschuldi gten fest- gehalten habe, und der Beschuldigte danach rückwärtsgefahren sei. Dabei habe sich die Be- schuldigte weiterhin an der Tür festgehalten, woraufhin alle vor Ort befindlichen Personen den Beschuldigten aufgefordert hätten anzuhalten, was er dann auch g etan habe. Trotz dieser Abweichungen von der Aktenlage in der Begründung der Staatsanwaltschaft betreffend die Einstellungsverfügung vom 30. April 2020, lassen diese noch nicht automatisch auf eine Un- zulässigkeit der Einstellung schliessen. Zu prüfen ist, ob sich der Tatverdacht hinsichtlich des Vorhalts der einfachen Körperverletzung im Verlauf der Untersuchungen soweit erhärtet hat, dass er im Sinne von Art. 324 Abs. 1 StPO als hinreichend qualifiziert erscheint und folglich ein Strafbefehl hätte ergehen oder eine Anklage ans Strafgericht hätte erfolgen müssen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB begeht eine einfache Körperverletzung, wer vor- sätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesundheit schädigt. Damit um- fasst Art. 123 StGB alle K örperverletzungen, welche nicht schwer i.S.v. Art. 122 StGB, aber auch nicht mehr blosse Tätlichkeiten i.S.v. Art. 126 StGB sind ( STEFAN TRECHSEL / CHRISTOPHER GETH, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich / St. Gallen 2018, N 2 zu Art. 123 StGB). Bei Blutergüssen, Schürfungen, Kratzwunden oder Prellungen ist die Abgrenzung der einfachen Körperverletzung zum Tatbestand der Tätlichkei- ten (Art. 126 StGB) begrifflich nur sc hwer möglich (BGE 134 IV 189 E. 1.3). Die körperliche Integrität ist dann im Sinne einer Körperverletzung beeinträchtigt, wenn innere oder äussere Verletzungen oder Schädigungen zugefügt werden, die mindestens eine gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordern, also etwa Knochenbrüche, auch wenn sie unkompliziert sind und verhältnismässig rasch und problemlos ausheilen, aber auch Hirnerschütterungen, Quet- schungen mit Blutergüssen und Schürfungen, sofern sie um einiges über blosse Kratzer hin- ausgehen (ANDREAS ROTH / ANNE BERKEMEIER, in: Basler Kommentar StGB II, 4. Aufl., Basel 2019, N 4 zu Art. 123 StGB). Auf blosse Tätlichkeiten ist umgekehrt zu erkennen, wenn Schür- fungen, Kratzwunden, Quetschungen oder bloss blaue Flecken offensichtlich so harmlos sind, dass sie in kürzester Zeit vorübergehen und ausheilen (ROTH / BERKEMEIER, a.a.O., N 4 zu Art. 123 StGB). Eine typische Tätlichkeit bildet die Ohrfeige, selbst wenn sie zu vorübergehendem Nasenbluten führt. Als weitere Beispiele können Faustschläge, Fusstritte, heftige Stösse oder Bewerfen mit Gegenständen von ein igem Gewicht gelten ( ANDREAS ROTH / TORNIKE KESHELAVA, in: Basler Kommentar StGB II, 4. Aufl., Basel 2019, N 3 zu Art. 126 StGB). 3.3 Die von der F.____ im Bericht vom 3. Mai 2017 diagnostizierten Verletzungen der Beschwerdeführerin sowie die in den Aussagen von Auskunftspersonen, vom Beschuldigten sowie seitens der Beschwerdeführerin geschilderten Handgreiflichkeiten beschränken sich auf Prellungen, eine Schürfung, ein blutiges Ohrläppchen, eine Ohrfeige, Fusstritte sowie Schub- sen und Festhalten. Erhebliche Schmerzen oder die Notwendigkeit einer mehr als nur kurzen Heilungszeit sind nicht ersichtlich oder dokumentiert worden. Die F.____ empfahl zwar Schmerzmittel für eine Woche nach Massgabe der Schmerzen, jedoch liegen keine Belege dafür vor, dass die Beschwerdeführerin die Schmerzmittel auch tatsächlich eingenommen hat. Damit fallen die Verletzungen genau in den typischerweise den Tätlichkeiten zuzuordnenden Bereich. Es sind somit selbst dann, wenn den Schilderungen der befragten Personen Glauben Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht geschenkt würde, keine Verletzungen ersichtlich, welche die Schwelle zur einfachen Körper- verletzung überschreiten würden. Nur die seitens der Beschwerdeführerin vorgebrachten Ver- suche des Beschuldigten, ihren Finger zu brechen, und das angebliche Mitschleifen nebe n dem Auto könnten als versuchte einfache Körperverletzungen angesehen werden. Diese Tat- variante ist also noch zu prüfen. 3.4 Es stehen sich vorliegend sehr unterschiedliche Versionen, was sich ereignet haben soll, gegenüber. Es gibt dabei keine neutralen Zeugen, sondern nur Personen, welche mit den involvierten Parteien in einem geschäftlichen oder persönlichen Verhältnis stehen ( G.____, E.____ und H.____ sind Mieter des Beschuldigten, D.____ ist eine Bekannte der Beschwer- deführerin). Alle sind als Auskunftspersonen befragt worden. Einzig D.____ stützt hinsichtlich des Rückwärtsfahrens des Beschuldigten mit seinem Auto die Version der Beschwerdeführe- rin, jedoch erzählt sie nichts von Tritten sowie dem Hin - und Herschwenken des Autos durch den Beschuldigten. Zum Verdrehen des Fingers ist sie nicht befragt worden und hat auch nichts dazu ausgesagt. Es ist zu berücksichtigen, dass die Einvernahme von D.____ erst am 2. Juli 2018, also mehr als ein Jahr nach dem Vorfall vom 2. Mai 2017, durchgeführt worden ist. Die Begebenheit mit dem Beschuldigten, dass dieser rückwärtsgefahren sei, während sich die Beschwerdeführerin an der Autotür festgehalten habe, hat D.____ nicht von sich aus vor- gebracht, sondern bloss bestätigt, nachdem der Untersuchungsbeauftragte sie danach gefragt hat (act. 411). Generell erzählt sie vieles nicht in freier Rede, sondern bestätigt jeweils die Vorhalte gegenüber dem Beschuldigten durch den Untersuchungsbeauftragten. Der Beschul- digte seinerseits hat angegeben, von der Beschwerdeführerin mas siv angegriffen worden zu sein, während diese die Geschichte andersherum erzählt. Beide stellen sich selber als Opfer und die andere Person als Aggressor dar. Keine der beiden Aussagen ist klar glaubhafter oder wird durch objektive Beweise oder Indizien un terstützt. Es gibt auch keine neutralen Zeugen des Geschehens, die noch befragt werden könnten oder weitere Sachbeweise, welche geeig- net wären, den Tatverdacht zu erhärten. Angesichts dieser Situation ist nicht ersichtlich, wie weitere Abklärungen durch di e Staatsanwaltschaft mehr Klarheit verschaffen könnten. Auch eine Konfrontationseinvernahme erscheint unter den gegebenen Voraussetzungen der Wahr- heitsfindung nicht zuträglich, da das Geschehen inzwischen mehr als drei Jahre zurückliegt. Bei dieser Ausgang slage ist naheliegenderweise zu erwarten, dass die Befragten bei ihren bisherigen Versionen bleiben oder auf ihre früheren Depositionen verweisen. Der Tatverdacht auf eine (versuchte) einfache Körperverletzung konnte damit im Laufe der Untersuchungen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht weiter erhärtet werden. Wie bereits weiter oben ausgeführt, ist nicht erforderlich, dass alles ausser einem Freispruch ausgeschlossen sein muss, damit die Einstellung erfolgen kann, sondern es genügt, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Freispruch erf olgen wird. Auf- grund der Tatsache, dass keine objektiven Beweise für eine versuchte einfache Körperverlet- zung vorliegen, dass die Aussagen der befragten Personen nicht von Unbeteiligten stammen, sich höchst unterschiedliche Versionen des Geschehens gegenüberstehen und die jeweils den Parteien nahestehenden Personen tendenziell zu deren Gunsten aussagen, ist unter Würdi- gung aller Umstände mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Freispruch hinsichtlich des Tatbe- stands der (versuchten) einfachen Körperverletzung zu erwarten. Eine Verurteilung bezüglich des Vorfalls, der sich vor über drei Jahren ereignet hat, erscheint deshalb nicht wahrscheinli- cher als ein Freispruch, da das Strafgericht wohl in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" freisprechen müsste. Da es sich überdies nicht um ein schweres Delikt handelt und eine Verurteilung unter Einbezug der gesamten Umstände als unwahrscheinlich erscheint (GRÄDEL / HEINIGER, a.a.O., N 8 zu Art. 319 StPO), ist die Einstellung sachlich gerechtfertigt. 4. Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen erhellt, dass die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 30. April 2020 nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde vom 14. Mai 2020 erweist sich demzufolge als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist, sofern darauf einzutreten ist. III. Kosten 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch jene Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die das Rechtsmittel zurückzie ht. Die Be- schwerdeführerin ist mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, weshalb die Verfahrenskosten gestützt auf die genannte Bestimmung zu ihren Lasten gehen. Die Kosten des Beschwerde- verfahrens von total CHF 1'550.00 (bestehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 1'500.00 und Auslagen von pauschal CHF 50.00) werden somit der Beschwerdeführerin auferlegt (vgl. § 13 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren der Gerichte). 2. Abschliessend ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteient- schädigung für das Beschwerdeverfahren hat. Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO richten sich An- sprüche auf Entschädigung und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren nach den Art. 429 bis Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 434 StPO. Diesen Bestimmungen ist zwar keine Regelung im Sinne von Art. 428 Abs. 1 StPO zu entnehmen, dessen ungeachtet hat sich indes auch der Anspruch auf Entschädigung im Rechtsmittelverfahren nach Massgabe des Obsiegens oder Unterliegens zu richten (PATRICK GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, Zürich/St. Gallen 2011, N 578; SCHMID / JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, N 1 zu Art. 436 StPO; STEFAN WEHRENBERG / FRIEDRICH FRANK, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Basel 2014 , N 4 zu Art. 436 StPO). Dementsprechend wird der Beschwerdeführerin keine Parteientschädigung ausgerichtet. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von total CHF 1'550.00 (beste- hend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 1'500.00 und Auslagen von pauschal CHF 50.00) werden der Beschwerdeführerin auferlegt. 3. Dieser Beschluss wird den Parteien schriftlich eröffnet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin Constanze Seelmann Dieser Entscheid ist rechtskräftig