B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-755/2014 U r t e i l v o m 2 0 . F e b r u a r 2 0 1 4 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Daniel Willisegger, Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren (…), Ruanda, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver- fahren); Verfügung des BFM vom 4. Februar 2014 / N (…). E-755/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess sein Heimatland Ruanda nach eige- nen Angaben zusammen mit seiner nigerianischen Mutter im (…) Lebens- jahr und hielt sich mit ihr während zehn Jahren in Nigeria (Lagos) und acht Jahren in Ägypten (Kairo) auf. Im Alter von (…) Jahren, also im Jahr (…), reiste er allein und illegal nach Israel, wo er während zwei Jahren in einem Camp interniert war. Von dort wurde er nach Nigeria zurückge- schickt, welches Land er nach drei Monaten verliess und über die Türkei (zweiwöchiger Aufenthalt), Griechenland (ab Mai 2011 mehr als zweijä h- riger Aufenthalt), Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich am 23. Dezember 2013 in die Schweiz einreist und um Asyl nachsuchte. A.b Daktyloskopische Abklärungen des BFM vom 24. Dezember 2013 in der EURODAC-Datenbank ergaben, dass er am (…) 2011 in Grieche n- land, am (…) 2013 in Ungarn und am (…) 2013 in Österreich um Asyl nachgesucht hat. A.c In der Befragung zur Person vom 8. Januar 2013 machte er geltend, er sei der Sohn eines durch Unfall ums Leben gekommenen Ruanders und einer Nigerianerin. Zur Begründung des Gesuchs brachte er vor, sein Stiefvater in Nigeria habe seine Mutter vor etwa vier Jahren (2009) getö- tet. Dieser und dessen Angehörigen hätten auch ihn umzubringen ve r- sucht, weshalb er Nigeria verlassen habe. Anlässlich dieser Befragung wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit einer Überstellung nach Ungarn gewährt. Die grundsätzliche Zuständi g- keit dieses Mitgliedstaates zur Behandlung des Asylgesuchs wurde von ihm nicht bestritten. Jedoch machte er geltend, er möchte nicht nach Un- garn zurückkehren, da er dort kein Asylgesuch gestellt habe. Er habe in Ungarn keine medizinische Hilfe und keine Medikamente erhalten, o b- schon er erkältet gewesen sei, Prob leme mit der linken Hand gehabt und an sporadisch auftretenden Schmerzen im Armbereich gelitten habe. Un- garn habe ihm die medizinische Hilfe mit der Begründung verweigert, er habe in Ungarn kein Asylverfahren hängig. A.d Am 22. Januar 2014 ersuchte das BFM die ungarischen Behörden um Rückübernahme des Beschwerdeführers im Dublin -Verfahren, we l- chem Gesuch am 28. Januar 2014 entsprochen wurde. Er war in Ungarn als B._______ registriert. E-755/2014 Seite 3 B. Mit Verfügung vom 4. Februar 2014 – eröffnet am 7. Februar 2014 – trat das BFM auf d as Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn nach Ungarn weg, forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschw erdefrist zu verlassen, und beauftragte den zuständ i- gen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Das Bundesamt stellte z u- dem fest, einer allfälligen Beschwerde gegen die Verfügung komme keine aufschiebende Wirkung zu, und händigte dem Beschwerdeführer die ed i- tionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. C. Mit Eingabe vom 12. Februar 2014 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte , die Verf ü- gung vom 4. Februar 2014 sei unter Kosten - und Entschädigungsfolge aufzuheben und das BFM sei anzuweisen, sein Recht auf Selbsteintritt auszuüben und sich für die Behandlung des Asylgesuchs für zuständig zu erklären. In prozessualer Hinsicht beantragte er, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen, vollzug shindernde vorsorgliche Massnahmen seien anzuordnen (superprovisorischer Antrag) und die un- entgeltliche Rechtspflege (unentgeltliche Prozessführung und Verbeistän- dung) sei zu gewähren. Der in der Beschwerdeschrift angekündigte und in Kopie am 14. Februar 2014 nachgereichte ärztliche Bericht datiert vom 13. Februar 2014. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet be treffende Ausnahme im Si nne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichts gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). E-755/2014 Seite 4 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwe r- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.). 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird i n der Regel nicht eingetreten, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Vorliegend gelangt das Abkommen vom 26. Okt ober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemei n- schaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags ( sog. Dublin-Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]) zur Anwendung . Darauf basierend ist seit dem 1. Januar 2014 in allen Staaten der Europäischen Union die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsang e- hörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin -III-VO), anwe ndbar (Art. 49 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Notenaustausch vom 14. August 2013 zwischen E-755/2014 Seite 5 der Schweiz und der Europäischen Union betreffend die Übernahme der Dublin-III-VO (Wei terentwicklung des Dublin/Eurodac -Besitzstands) hat der Bundesrat der Europäischen Un ion mitgeteilt, dass die Schweiz den Inhalt dieses Rechtsakts akzeptiere und in ihre innerstaatliche Recht s- ordnung umsetzen werde . Mi t Bundesratsbeschluss vom 18. Dezember 2013 wurde festgehalten, die Dublin-III-VO werde ab dem 1. Januar 2014 vorläufig angewendet, mit Ausnahme deren Art. 18 Abs. 2, Art. 27 Abs. 3 und Art. 28. Folglich kommt gestützt auf das DAA in der Schweiz ab dem 1. Januar 2014 die Dublin -III-VO zur Anwendung, soweit gemäss Art. 49 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht die Bestimmung des zuständige n Mitgliedstaats nach den Kriterien der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Fe- bruar 2003 (Dublin-II-VO) vorbehalten bleibt. Da der Beschwerdeführer am 23. Dezember 2013 in der Schweiz ein Asylgesuch stellte, stützt sich vorliegend die Zuständigkeit für die Prüfung des Asylgesuchs auf die Kriterien der Art. 5–14 der Dublin-II-VO (vgl. Art. 49 Dublin -III-VO). Im Übrigen sind jedoch die Bestimmungen der Dublin-III-VO anzuwenden. 3.2 Ein daktyloskopischer Abgleich mit der "Eurodac" -Datenbank ergab, dass der Beschwerdeführer am (…) 2013 in Ungarn ein Asylgesuch ei n- gereicht hat. Er bestritt in der Beschwerde nicht mehr, dort ein Asylge- such gestellt zu haben. Das BFM hat am 22. Januar 2014 Ungarn aufgrund von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO um Rücknahme des Beschwerdeführers ersucht. Un- garn stimmte mit Schreiben vom 28. Januar 2014 unter Anführung de s- selben Artikels der Anfrage zu. Da Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin -III-VO mit dem Inhalt von Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO vergleichbar ist und BFM und Ungarn bei Anfrage und Antwort unbestrittenermassen vom selben Sachverhalt ausgegangen sind, hat das BFM grundsätzlich zu Recht Ungarn als für die Durchfü h- rung des Asylverfahrens zuständigen Staat erachtet. 3.3 Der Beschwerdeführer rief mit seinem Vorbringen sinngemäss die Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dubl in-III-VO an, was zum Selbsteintritt der Schweiz und zur materiellen Beurteilung des Antrags auf internationalen Schutz durch dieses Land führen würde. E-755/2014 Seite 6 3.3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO kann die Schweiz ein Asylgesuch materiell prüfen, auch wenn nach den in der Dublin-III-VO vorgesehenen Kriterien ein anderer Staat zuständig wäre (sog. Selbsteintrittsrecht). Diese Bestimmung ist indessen nicht direkt anwendbar, sondern kann nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen werden ( analog zu Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO: BVGE 2010/45 E. 5). Droht ein Verstoss gegen übergeordnetes Recht, zum Bei- spiel gegen eine Norm des Völkerrechts, so besteht ein einklagbarer A n- spruch auf Ausübung des Selbsteintrittsrechts. In Frage kommen insbe- sondere das flüchtlingsrechtliche Refoulement -Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie menschenrechtliche Garantien der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grun d- freiheiten (EMRK, SR 0.101), des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (UNO -Pakt II, SR 0.103.2) und des Übereinko m- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u n- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105). Die ins nationale Recht aufgenommene Norm Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 1. Februar 2014 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) sieht vor, dass das BFM aus humanitären Gründen ein G e- such behandeln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin -II-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Es handelt sich dabei um eine Kann - Bestimmung, die den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum lässt und restriktiv auszulegen ist (BVGE 2010/45 E. 8.2.2 und BVGE 2011/9 E. 8.1 f.). 3.3.2 Der Beschwerdeführer stellte sich in seiner Beschwerde unter Hin- weis auf ein am 15. November 2013 in Baden-Württemberg ergangenen Urteil auf den Standpunkt , es bestehe die Gefahr, dass seine Überste l- lung nach Ungarn Art. 3 EMRK und das Gebot des Non-Refoulement ver- letze. So beruhten seine Erfahrungen in Ungarn auf folgenden Tatsachen: Nach seiner Anhaltung sei er daktyloskopisch behandelt und anschlie s- send zwei Tage lang inhaftiert worden. Er sei gefragt worden, ob er ein Asylgesuch stellen möchte. Ihm sei klar gemacht worden, dass er nicht in Ungarn bleiben könne. Seine linke Hand bereite ihm Schmerzen und hin- dere ihn an einer Arbeitsaufnahme. Die Bedingungen für Asylsuchende in Ungarn seien generell sehr schlecht. Teilweise w ürden Asylsuchende verhaftet, seien obdachlos oder Behelligungen aus rassistischen Motiven ausgesetzt. Das Asylverfahren in Ungarn sei zudem nicht fair. Eine medi- zinische Versorgung, auf welche er dringend angewiesen sei, sei nicht gewährleistet. Dem Arztbericht vom 13. Februar 2014 ist die folgende D i-E-755/2014 Seite 7 agnose zu entnehmen: " (…)". Die (…Verletzungsfolgen…) seien laut An- gaben des Beschwerdeführers Folge einer in Nigeria erlittenen Messerat- tacke. Zudem weise sei Patient Narben am Rücken auf. Er sei für eine weitere Beurteilung einer allfälligen operativen Entfernung des (…) bei ei- ner Fachperson angemeldet und benötige die Medikamente (…). 4. 4.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragstel ler a n den eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es w esentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingu n- gen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung i.S. von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, EU -Grundrechtecharta) mit sich bringen, wäre in der Folge zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitglie d- staat als zuständig bestimmt werden kann; ist dies nicht der Fall, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). Somit ist vorerst zu prüfen, ob eine Überstellung nach Ungarn eine solche Gefahr mit sich bringen würde. 4.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist in einer Analy se der Situation von Asylsuchenden in Ungarn und des dortigen Asylverfahrens unter Einb e- zug der neueren Entwicklungen zum Schluss gelangt, dass die Überste l- lung von Asylsuchenden nach Ungarn im Rahmen des Dublin -Regel- werks nicht generell die Gefahr einer unmenschlichen oder erniedrige n- den Behandlung oder einer Verletzung des Prinzips des Non -Refou- lement birgt und daher nicht generell unzulässig ist (vgl. Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts E-2093/2012 vom 9. Oktober 2013, E. 9). Jedoch könne die Vermutung, dieser Staat beachte die den betroffenen asyls u- chenden Personen im Gemeinsamen Europäischen Asylsystem zust e- henden Grundrechte in angemessener Weise, nicht uneingeschränkt au f- rechterhalten werden (analog zu Überstellungen nach Malta, vgl. BVGE 2012/27). Daher hätten die Asylbehörden auf der Grundlage der jeweils aktuellsten Informationen im Einzelfall zu prüfen, ob die betroffene Person im Falle einer Überstellung nach Ungarn in Gefahr seien, wegen der dor- tigen Mängel des Asylverfahrens und/oder der Aufnahmebedingungen ei- ne Verletzung ihrer Grundrechte zu erleiden. Diese Person hat dabei nicht die volle Beweislast zu tragen, sondern lediglich, aber immerhin, i h- re persönlichen Gründe geltend zu machen, die gegen die Zulässigkeit der Überstellung nach U ngarn sprechen könnten. Mithin ist a ngesichts E-755/2014 Seite 8 der problematischen Lage in Ungarn in jedem Fall von Amtes wegen eine sorgfältige Individualprüfung der Risiken vorzunehmen. 4.3 Es obliegt somit dem Beschwerdeführer darzulegen, gestützt auf wel- che ernsthaften konkreten Hinweise anzunehmen sei, die ungarischen Behörden würden in seinem Fall ihre staatsvertraglichen Verpflichtungen – namentlich bezüglich Einhaltung des Non-Refoulement-Prinzips – nicht respektieren und ihm den notwendigen Schutz verweigern (vgl. auch Eu- ropäischer Gerichtshof für Menschenrechte [EGMR], M.S.S. gegen Bel- gien und Griechenland [Appl. No. 30696/09], Urteil vom 21. Januar 2011, §§ 84 f. und 250; Urteil des Gerichtshofes der Europäischen Union [EuGH] vom 21. Dezember 2011 in der Rechtssache C-411/10 und C-493/10). Der Beschwerdeführer brachte hierzu lediglich pauschale Behauptungen vor, die er weder mit Beweismitteln und Indizien, noch mit glaubhaften in- dividualisierten Aussagen und Realkennzeichen zu stützen vermochte. Er konnte damit keine ernsthaften und konkreten Anhaltspunkte geltend ma- chen, wonach Ungarn, ein Signatarstaat der EMRK, der FK und des Pro- tokolls über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301), sein Asylverfahren nicht rechtsstaatlich korrekt durchfüh- ren und sich nicht an die staatsvertraglichen Verpflichtungen halten wü r- de. Mittlerweile werden in Ungarn sogenannte Dublin-Rückkehrer nicht mehr als irreguläre Migranten betrachtet, sondern als Asylsuchende, und sie werden nicht mehr inhaftiert, sofern sie bei ihrer Ankunft in Ungarn um Asyl ersuchen ( Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2093/2012 vom 9. Oktober 2013 , E. 7.3 und 8.1) . Auch werden Asylgründe von Dublin - Rückkehrern von den ungarischen Behörden materiell geprüft, ausser wenn ein früheres Asylgesuch in Ungarn materiell abgewiesen oder durch die gesuchstellende Person schriftlich zurückgezogen worden ist (vgl. a.a.O., E. 8.1). Ungarn verfügt zudem über ein mehrinstanzliches Asylver- fahren, und es ist Sache des Beschwerdeführers, seine Asylgrün de und seine Einwände gegen eine Rückschiebung in sein Herkunfts - oder Hei- matland bei den zuständigen ungarischen Behörden vorzubringen und seine Rechte nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Vorliegend liegen keine konkreten Hinweise vor, die darauf schliessen lassen könnten, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Un- garn in Administrativhaft genommen werden könnte, zumal er es weitge- hend mittels Mitwirkung selber in der Hand h ätte, die Entstehung eines Haftgrundes zu verhindern . G leiches gilt auch für seine Befürchtung, er habe im Asylverfahren mit einem unfairen Verfahren zu rechnen, zumal E-755/2014 Seite 9 weder früher erfahrene noch künftig drohende gezielte Benachteiligungen des Beschwerdeführers aus seinem ungarischen Asylverfahren akten- kundig sind und solche von ihm auch nicht substanziiert dargelegt we r- den. Weiter ist bezüglich seiner global gehaltenen Klage, die Zustände in Ungarn seien sehr schlecht, festzuhalten, dass ein tiefe rer Lebensstan- dard in Ungarn wohl im europäischen Vergleich zut reffen dürfte, die U n- terbringung der Asylsuchenden aber die Minimalstandards internationalen Rechts und insbesondere von Art. 3 EMRK nicht unterschreite t. Somit besteht kein Grund zur Annahme, Ungarn würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten oder er gerate wegen der zu erwartenden Aufenthaltsbedi n- gungen in Ungarn in eine existenzielle Notlage. Im Übrigen dürfte es dem Beschwerdeführer angesichts seiner einschlägigen Erfahrungen in fre m- den Ländern leicht fallen, die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einzufordern (vgl. dazu Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 4.4 Der Beschwerdeführer beruft sich sinngemäss darauf, sein aktueller Gesundheitszustand stehe einer Überstellung entgegen , denn er erhalte in Ungarn nicht die notwendige Versorgung und Pflege. Der medizinische Bericht vom 13. Februar 2014 bestätigt ihm dabei das Vorliegen gesun d- heitlicher Probleme. Damit machte er geltend, die Überstellung nach U n- garn setze ihn einer Gefahr für seine Gesundheit aus. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Pro - blemen kann einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen, wenn die b e- troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Kran k- heitsstadium und bereits in Todesnähe befindet (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die Praxis des Europäischen Gerichtshof s für Me n- schenrechte [EGMR]). Dabei handelt es sich um seltene Ausnahmefälle, in denen sich die Person in einem dermassen schlechten Zustand befi n- det, dass sie nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste, und sie dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten kann. Eine solche Situation ist vorliegend offensichtlich nicht gegeben. Der Beschwerdeführer konnte nicht nachweisen, dass er nicht reisefähig wäre oder eine Überstellung seine Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Sein ärztlich festgestellter Gesundheitszustand vermag damit eine Unzulässig- keit im Sinne dieser restriktiven Rechtsprechung nicht zu rechtfertigen. E-755/2014 Seite 10 Die gesundheitlichen Probleme sind aber auch nicht von einer derartigen Tragweite, dass aus humanitären Gründen von einer Überstellung abg e- sehen werden müsste. Im Übrigen verfügt Ungarn über eine ausreichende medizinische Infr a- struktur. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die erfor- derliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zu gewähren (Art. 19 Abs. 1 Aufnahme- richtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die erfo r- derliche medizinische oder sonstige Hilfe ( inkl. nötigenfalls psycholog i- sche Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es li e- gen keine Hinweise vor, wonach Ungarn dem Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung verweigert hätte oder verweigern würde. Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefoch- ten Verfügung beauftragt sind, werden seinen gesundheitlichen Umstän- den bei der Überstellung Rechnung tragen und die ungarischen Behö r- den vorgängig in geeigneter Weise über allfällige spezifische medizin i- sche Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). 4.5 Zusammenfassend besteht kein konkretes und ernsthaftes Risiko, die Überstellung des Beschwerdeführers nach Ungarn würde gegen Art. 3 EMRK oder andere völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz oder Landesrecht verstossen. Es obliegt ihm und es ist ihm nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts zuzumuten, seine spezifische Situation und allfällige persönliche Schwierigkeiten bei den zuständigen ungarischen Behörden vorzubringen und bei diesen durchzusetzen, und er wird dabei auf den nationalen und internationalen Rechtsweg verwiesen. 4.6 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der E r- messenklauseln von Art. 17 Dublin -III-VO. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin -III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). Unter diesen Umständen ist die Anwendung eines Selbsteintritts nicht gerechtfertigt. Somit ist Ungarn für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig und verpflichtet, ihn aufzunehmen. 5. Das BFM ist demnach in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten und hat, da der Beschwerde- führer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungsbe-E-755/2014 Seite 11 willigung ist, ebenfalls zu Recht in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 AsylG die Überstellung nach Ungarn angeordnet. 6. Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 des Bundesge- setzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2010/45 E. 10). 7. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung des BFM zu bestätigen. Das Beschwerdeverfahren wird mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, weshalb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung und Anordnung vorsorglicher Massnahmen als gegenstandslos erweisen. 8. 8.1 Der Beschwerdeführer beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und – mit der Behauptung, er sei nicht rechtskundig – die amtliche Verbeiständung, ohne seine Mittellosigkeit zu belegen und ohne den ihm beizugebenden Rechtsanwalt namentlich zu bezeichnen. 8.2 Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG kann von der Erhebung von Verfa h- renskosten abgesehen werden, wenn der Beschwerdeführer mittellos ist und seine Begehren nicht aussichtslos erscheinen, und ihm wird unter den gleichen Bedingungen gemäss Absatz 2 dieser Bestimmung nötigen- falls ein Rechtsanwalt als amtlicher Rechtsvertreter bestellt. Da die pr o- zessuale Bedürftigkeit nicht nachgewiesen ist, fehlt es an einer der be i- den Voraussetzungen, weshalb die Gesuche um Gewährung der unen t- geltlichen Rechtspflege abzuweisen sind. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist angesichts des vorliegenden Entscheids in der Hauptsache gegen - standslos geworden. Bei diesem Ausgang sind die Verfahrenskosten von Fr. 600.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 übe r die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). E-755/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand: