Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. Juni 2017 (720 16 424 / 154) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Invalidenrente: Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes ist auf das beweiskräftige, aktuelle und von der IV-Stelle selbst eingeholte polydisziplinäre Gutachten abzustellen. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Carole Held , Recht s- anwältin, Rechtsdienst Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1956 geborene A.____ arbeitete seit 1. April 2001 als Betriebsmitarbeiterin Perso- nalrestaurant bei der B.____ AG in C.____. Am 20. J uni 2013 meldete sie sich unter Hinweis auf eine Operation an der Halswirbelsäule bei der E idgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel-Landscha ft (IV-Stelle) führte in der Folge Einglie- derungsmassnahmen durch und klärte die gesundheitlichen, erwerblichen und haushalterischen Verhältnisse ab. Nach Durchführung eines Vorbeschei dverfahrens lehnte sie einen Anspruch Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Versicherten auf eine Invalidenrente – gestützt auf einen nach der allgemeinen Methode ermittelten Invaliditätsgrad von 0% – mit Verfügung vom 1. Dezember 2016 ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwältin Carole Held, am 21. Dezember 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei ihr in Aufheb ung der angefochtenen Verfügung eine ganze, eventualiter eine halbe Rente auszurichten, sube ventualiter sei zur abschliessenden Klärung der Arbeitsfähigkeit vom Gericht ein rheumato logisches bzw. neurologisches Obergut- achten einzuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurd e die unentgeltliche Rechtspflege be- antragt. Ausserdem seien dem behandelnden Neurologen die Kosten für die Erstellung der ärzt- lichen Berichte vom 15. April 2015 und 22. September 2 016 zu vergüten; alles unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung führte die Beschwerdeführ erin im Wesentlichen aus, dass ihr die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit nicht zumutbar sei und ihr deshalb eine ganze Rente zustehe. Zu den Eventualbegehren wurde geltend gemacht, dass die von der Beschwerdegegnerin für den Entscheid zugrunde gelegte n medizinischen Unterlagen wider- sprüchlich seien. Aufgrund der Einschätzung ihres behand elnden Neurologen sei vielmehr von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigk eiten auszugehen. Es sei zusätzlich ein leidensbedingter Abzug von mindestens 20% vorzunehmen, woraus die eventualiter beantragte halbe Invalidenrente resultiere. Mit Eingabe vom 31. Januar 2017 wurde das Gesuch um un- entgeltliche Rechtspflege zurückgezogen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 14. März 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 21. Dezember 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im Bereich der Invali- denversicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit o der Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigu ng der körperlichen, geistigen oder psy- chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behan dlung und Eingliederung verblei- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichke iten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 AT SG). Für die Beurteilung des Vorlie- gens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 AT SG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (S atz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person An spruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 2.3 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte. Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechu ng des damaligen Eidgenössi- schen Versicherungsgerichts (EVG; heute: Bundesgericht, sozi alrechtliche Abteilungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (vgl. BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die re chtsanwendende Behörde – die Verwal- tung und im Streitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist e s, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE 132 V 99 f . mit weiteren Hinweisen). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichti ge Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstä tigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (vgl. U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschät- zung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen d er Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversi cherungsgericht alle relevanten Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grund sätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 3.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 3.4 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natu r von Behandlungsauftrag des thera- peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutacht ungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 17 5 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjek- tiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwe rdeführerin sind im Wesentli- chen die folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 4.1 Mit Arztbericht an den zuständigen Taggeldversicherer vom 8. Juli 2013 führten die behandelnden Ärzte Dr. med. D.____, Oberarzt, und Dr. med. E.____, Assistenzarzt, beide am Spital F.____, aus, dass postoperativ mit einer signifikanten Besserung der cervicalen Myelopa- thie gerechnet werde und diese im Rahmen der letzten Sprechstunde bereits habe festgestellt Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden können. Bei noch bestehenden Restbeschwerden nuchal sowie nun in den Vordergrund tretenden tieflumbalen Rückenschmerzen könne sich die Patie ntin eine Wiederaufnahme der Arbeit in der Kantine nicht vorstellen, weshalb bis zur nächsten Kontrolle eine vollständige Ar- beitsunfähigkeit attestiert worden sei. Aktuell bestehe eine Einschränkung beim Heben schwe- rer Lasten und Überkopfarbeiten bzw. bei statischer Belast ung der oberen Extremitäten mit Ab- duktion über 60° . Computerarbeiten, Bestellungen aufn ehmen, Einkassieren seien in vollem zeitlichem Rahmen vorstellbar. Eine Arbeitserprobung bleibe jedoch abzuwarten. 4.2 Der behandelnde Facharzt Dr. med. G.____, Oberar zt am Spital F.____, diagnostizier- te mit Bericht vom 12. September 2013 eine ossär geheil te, ventrale Dekompression und Fusi- on C 5/6 (Operation am 21. Januar 2013) bei Myelopat hie auf der Höhe C 5/6 mit Tetrasymp- tomatik bei Retrospondylophyt und Diskushernie sowie posto perativ einer passageren Rekur- renz-Parese rechts; ausserdem einen Status nach Ösophagus- Verletzung im Jahr 1983, einen Nikotinabusus, eine Varizienoperation am rechten Bein vo r mehreren Jahren, einen Verdacht auf erworbene Thrombophilie bei hochpositiven Antipho sphorlipid-Antikörpern sowie eine Peni- cillin-Allergie. Die Patientin klage nach wie vor über Ermüdung sowie über ab und zu auftreten- de Kribbelparästhesien und einem eingeschlafenen Gefühl in den Fingern. Sie sei unter Belas- tung stark eingeschränkt. Indessen hätten sich das Stolpern und die Gangstörung postoperativ sehr gut gebessert. Der Progress der cervicalen Myelopath ie habe durch die Operation ge- stoppt und teilweise umgekehrt werden können. Die Pat ientin sei jedoch nicht beschwerdefrei und habe weiterhin eine Tetrasymptomatik mit schneller E rmüdung. Bis zum 1. September 2013 werde sie zu 100% arbeitsunfähig geschrieben, ansc hliessend solle sie stundenweise ins Arbeitsleben eingeführt werden, zunächst im Umfang von einer Stunde täglich. 4.3 Gemäss Bericht von Dr. G.____ vom 8. Oktober 201 3 sei die Patientin ab 17. September 2013 wieder zu 100% arbeitsunfähig. De r Arbeitsversuch auf der Basis von ei- ner Stunde täglich sei leider nicht erfolgreich gewesen . Es sei zu hoffen, dass sich die Ermü- dungssymptomatik noch bessere. Er könne diese jedoch als kli nisches Korrelat bei nachgewie- sener Myelonkompression und –schädigung erklären. 4.4 Ein Jahr postoperativ führte Dr. G.____ am 9. Janua r 2014 aus, dass nun ein stabili- sierter Zustand bestehe. Nuchalgien seien bloss moderat vorhanden, es bestünden keine Aus- strahlungen. Neurologisch habe eine Verschlechterung der Myelopathie verhindert werden kön- nen und die Gangstörung habe sich insoweit zurückgebilde t, als die Sturzneigung mit vermehr- tem Stolpern verschwunden sei. Weiterhin bestünden jed och eine Gangunsicherheit und ein „Rechtsdrall“ mit der Notwendigkeit, aktiv die Gangricht ung zu korrigieren. Die Patientin sei wei- terhin zu 100% arbeitsunfähig. Hauptgründe seien die Ermüdung und das Auftreten von Schmerzen im oberen Brustwirbelsäulenbereich, teilweise auch mit Ausstrahlungen in den rech- ten Arm. Die Patientin müsse nach kurzer Zeit, d.h. nach weniger als einer Stunde, abliegen. 4.5 Im Auftrag des zuständigen Krankentaggeldversichere rs erstattete Dr. med. H.____, FMH Neurologie, am 25. März 2014 ein neurologisches Gu tachten. Darin diagnostizierte dieser aus neurologischer Sicht mit Auswirkung auf die Arbeitsf ähigkeit ein leicht bis mässig ausge- prägtes Cervicalsyndrom bei Zustand nach ventraler Dekompression und Fusion C 5/6 bei Mye- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht lopathie auf dieser Etage mit diskreter Tetrasymptomati k, sowie ohne Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit ein rechts mässig bis mittelstarkes, links lei cht bis mässig ausgeprägtes Carpal- tunnelsyndrom. In einer Arbeitstätigkeit mit mehr als leichter bis mässiger Belastung des Schul- tergürtels und der Körperachse bestehe keine Arbeitsfäh igkeit mehr. Ebenso sei eine Tätigkeit mit ausschliesslich stehender oder gehender Körperhaltung nicht geeignet. In sämtlichen ande- ren Tätigkeiten, d.h. mit höchstens leichter bis mässiger Belastung des Schultergürtels mit mög- lichst sitzender oder abwechselnd sitzender und stehender K örperhaltung sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Dies entspreche a uch der Einschätzung der Arbeitsfä- higkeit durch das Spital F.____ vom Juli 2013. Ohne nähe re Begründung und namentlich ohne Verschlechterung des Gesundheitszustands werde diese Beur teilung im Schreiben vom 24. Januar 2014 (sic) abgeändert und es werde eine 100% ige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten postuliert. Es müsse sich um einen Schreibfehler handeln, weil der unterzeichnende Arzt „weiterhin“ schreibe, oder dieser sei sich der Vorbe urteilung im Juli 2013 nicht bewusst gewesen. Jedenfalls sei keinerlei Grund ersichtlich, wesha lb die Explorandin die mit Bericht vom Juli 2013 genannten Tätigkeiten nicht ausführen könn e. Der Zeitpunkt des Beginns der Arbeitsfähigkeit in diesen Tätigkeiten sei per sofort gegeben. 4.6 Dr. G.____ führte mit Bericht vom 9. Mai 2014 unt er anderem aus, dass die Prognose für einen beruflichen Wiedereinstieg postoperativ zunäch st positiv gewesen sei. Nach dem ge- scheiterten Arbeitsversuch habe er jedoch die Einschätzung des Hausarztes geteilt, dass die Patientin zu 100% arbeitsunfähig sei. Die Patientin sei somit seit 18. Januar 2013 in allen Tätig- keiten zu 100% arbeitsunfähig. Er gehe davon aus, dass D r. H.____ die Korrespondenz vom August und September 2013 nicht vorgelegen habe. Fern er sei nicht erkennbar, ob Dr. H.____ vom gescheiterten Arbeitsversuch Kenntnis gehabt habe. D ie Einschätzungen von ihm und Dr. H.____ würden sich in medizinischer Hinsicht grundsä tzlich nicht wesentlich unterscheiden. Aus seiner Sicht sei die Patientin jedoch nicht erfolgreich in das Arbeitsleben integrierbar. 4.7 Die Beschwerdegegnerin gab in der Folge zur Abklä rung des medizinischen Sachver- halts beim Swiss Medical Assessment- and Business-Center (SMAB) eine polydisziplinäre (neu- rologische, psychiatrische, orthopädisch-traumatologische und allgemeinmedizinische) Begut- achtung der Versicherten in Auftrag. Im entsprechenden Gutachten vom 16. Februar 2015 di- agnostizierten die involvierten Fachärzte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach ventraler Dekompression und Diskektomie C 5/6 und F usion bei Diskushernie C 5/6 und zervikaler Spinalstenose, ein Brustwirbelsäulen(BWS)-Syndr om, ein femoro-patellares Schmerzsyndrom links sowie einen Verdacht auf mediale Men iskopathie links. Ohne Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit seien ein Status nach ra diologisch festgestellter cervicaler Myelo- pathie ohne klinische Ausfälle, ein Reizerguss am rechte n Knie ohne klinisches Korrelat, Senk-/Spreizfüsse beidseits, ein Status nach schnellendem Daumen beidseits, ein Status nach Carpaltunnelspaltung beidseits, eine leichte Anpassung sstörung (ICD-10: F 43.2), eine labile arterielle Hypertonie, eine Adipositas sowie ein Verda cht auf erworbene Thrombophilie bei hochpositiven Antiphosphorlipid-Antikörper festzustellen. Die im neurologischen Gutachten vom 25. März 2014 festgestellte diskrete Tetrasymptomatik habe anlässlich der aktuellen Exploration weder klinisch noch bildgebend bestätigt werden können. Aus orthopädischer Sicht sei die bis- herige Tätigkeit als Kantinenmitarbeiterin teilweise nicht leidensgerecht. Wenn die Tätigkeit je- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht doch dem Belastungsprofil angepasst werden könne, beste he wie für alle weiteren Verweistä- tigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 100%. Aus psychiatrisc her und internistischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Der Exploran din sei damit eine sehr leichte Tätigkeit im Wechsel von Sitzen, Gehen und Stehen zumutbar. Gee ignet seien Arbeiten unter Einsatz beider Hände ohne Überkopfarbeiten. Arbeiten im Gre ifraum seien möglich, das Heben und Tragen von Lasten von mehr als 5 kg sollte indessen vermied en werden. Ebenso seien Arbei- ten mit häufigem Treppensteigen, Arbeiten auf Leite rn oder mit Absturzgefahr zu unterlassen. Die zumutbare Gehstrecke sei nicht limitiert. In diesem Belastungsprofil sei die Explorandin seit Anfang Februar 2014 (ein Jahr nach der Operation) zu 100% arbeitsfähig. Davor habe keine Arbeitsfähigkeit bestanden. 4.8 Dr. med. I.____, Fachärztin für Physikalische und Reh abilitative Medizin, des Regiona- len Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin füh rte in ihrer Stellungnahme vom 24. Februar 2015 aus, dass auf das Gutachten der SMAB a bgestellt werden könne. Die forma- len und inhaltlichen Kriterien würden erfüllt, die Beurteilung sei schlüssig und nachvollziehbar. 4.9 Mit Arztbericht vom 14. April 2015 berichtete Dr. m ed. J.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, von der ambulanten paraplegiologischen Stando rtbestimmung am 25. März 2015 und diagnostizierte eine inkomplette Tetraplegie sub C 6 ASIA Impairment Scale D auf Höhe Hals- wirbelkörper (HWK) 5/6 bei zervikaler Myelopathie aufgr und cervicaler Spondylose mit Status nach ventraler Dekompression, Diskektomie und Fusion der HWK 5/6 am 21. Januar 2013; eine Polyarthrose; eine Adipositas Grad II; eine Müdigkeit u nklarer Genese, differentialdiagnostisch Kardial, Adipositas, Dekonditionierung, reaktive Depressio n; eine Dyspnoe am ehesten multi- faktoriell bedingt, differentialdiagnostisch Kardial, Adipositas, Dekonditionierung; einen Verdacht auf Analgetika-Kopfschmerz sowie diverse Nebendiagnosen. Seit 2013 bestehe eine Arbeitsun- fähigkeit von 100%. 4.10 Dr. J.____ verfasste am 22. September 2016 einen w eiteren Arztbericht. Bezüglich der diagnostizierten inkompletten Tetraplegie werden neu eine Gleichgewichtsstörung und neuropa- thische Schmerzen sowie ein Verdacht auf neurogene Blas en- und Darmfunktionsstörung fest- gehalten. Bei der Patientin bestehe eine Rückenmarksschädi gung mit Myelopathie im Bereich HWK 5/6 bei Status nach operativer Stabilisierung im Ja nuar 2013. Die Rückenmarksschädi- gung führe aktuell nicht zu einer Tetraspastik. gesteige rten Reflexen oder Pyramidenbahnzei- chen, es sei aber ein mit der Myelopathie zusammenhängendes exazerbiertes chronisches mul- tilokuläres Schmerzsyndrom vorhanden sowie eine neurogen e Störung der Blasen- und Darm- funktion mit Inkontinenzgefahr. Zusätzlich bestehe eine Gangunsicherheit, diskrete Ataxie sowie ein Status nach Stürzen. In der Ergotherapie hätten si ch deutlich reduzierte Kraftwerte in den Händen und den oberen Extremitäten gezeigt. Es bestehe zudem ein stark erhöhter Tonus im Schulter- und Nackenbereich sowie Verspannungsschmerzen. In der Physiotherapie würden ein reduziertes Gleichgewicht, ein langsames Gangtempo und ein leicht hinkendes Gangbild beschrieben. Aufgrund der Einschränkungen und des chronifizierten Syndroms sei eine ganztä- gige Tätigkeit auch in einer optimal adaptierten Arb eit nicht zumutbar. Aktuell bestehe in einer adaptierten leichten Tätigkeit ein maximal zumutbares Arbeitspensum von 50% in einem Setting Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 2 x 2 Stunden täglich mit dazwischenliegender Erholu ngspause. Ausserdem seien weitere Abklärungen angezeigt. 4.11 Zu diesem Arztbericht vom 22. September 2016 nah m die RAD-Ärztin Dr. I.____ am 5. Oktober 2016 Stellung. Sie führte aus, dass die A ngaben von Dr. J.____ bezüglich der Gangunsicherheit sowie der Blasen- und Darmfunktionsstöru ng nicht mit objektiven Befunden belegt und anhand des bisherigen Krankheitsverlaufs und zweimaliger neurologischer Begut- achtung in den Jahren 2014 und 2015 so nicht nachvollzie hbar seien. Ebenso könne die Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. J.____ mangels objektiver Befunde nicht nachvollzogen werden. Für das Persistieren myelopathiebedingter Fun ktionseinschränkungen gebe es aktuell keine objektiven Belege, vielmehr würden sowohl der behandelnde Chirurg wie auch die beiden neurologischen Gutachter bestätigen, dass sich postoperat iv die myelopathiebedingten Symp- tome zurückgebildet hätten. Eine Blasen- oder Darmstörun g habe zu keinem Zeitpunkt bestan- den. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung vom 1. Dezember 2016 vollumfänglich auf das neurologische Gutachten von Dr. H.____ vom 25. März 2014 ab. Sie ging demzufolge davon aus, dass d er Beschwerdeführerin ab Juli 2013 eine Tätigkeit mit höchstens leichter bis mässiger Belastun g des Schultergürtels und mit mög- lichst sitzender oder abwechselnd sitzender und stehender Körperhaltung im Umfang von 100% zumutbar sei. 5.2 Wie in Erwägung 3.3 hiervor ausgeführt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Vorliegend hat die Beschwerdegegneri n indessen nicht auf das aktuelle, polydisziplinäre und von ihr selbst eingeholte Gutachten der SMAB vom 16. Februar 2015 ab- gestellt, sondern auf das ältere monodisziplinäre neurologische Gutachten von Dr. H.____, wel- ches dieser im Auftrag des Krankentaggeldversicherers erst attet hatte. Die Gründe für dieses Vorgehen sind nicht ersichtlich, erfüllt das Gutachten de r SMAB doch sämtliche Voraussetzun- gen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage. So we ist es weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) – für die strei- tigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Unters uchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der me dizinischen Situation ein, setzt sich mit den vorhandenen abweichenden ärztlichen Einschä tzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Insbesondere nehmen die Gutachter auch eine schlüs- sige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherte n vor. Dies hat denn auch die RAD-Ärztin Dr. I.____ in ihrer Stellungnahme vom 24. Februar 2 015 so festgehalten. An der Beweiskraft des Gutachtens der SMAB vermögen auch die Vorbringen de r Beschwerdeführerin nichts zu ändern. Namentlich vermag die abweichende Einschätzung des behandelnden Arztes Dr. J.____ – unter Berücksichtigung der entsprechenden, u nter Erwägung 3.4 hiervor dargeleg- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten Rechtsprechung – keine Zweifel an der gutachter lichen Beurteilung zu wecken. Dr. J.____ bringt keine konkrete oder begründete Kritik am Gutacht en vom 16. Februar 2015 an. Die ab- weichenden Feststellungen zum Gesundheitszustand beruhen – wie bereits Dr. I.____ am 5. Oktober 2016 ausführte – nicht auf objektiven bzw. objektivierbaren Erkenntnissen. 5.3 Das Gutachten der SMAB erweist sich nach dem Ausge führten als beweistauglich. Da es überdies polydisziplinär erstellt wurde und den Gesu ndheitszustand der Beschwerdeführerin damit umfassender beleuchtet und ausserdem aktueller ist , ist vorliegend darauf und nicht auf das Gutachten von Dr. H.____ vom 25. März 2014 abzuste llen. Dies gilt umso mehr, als Dr. H.____ bei der retrospektiven Beurteilung der Ar beitsfähigkeit offenbar die Arztberichte von Dr. G.____ vom 12. September 2013 und 8. Oktober 201 3 nicht vorgelegen haben. Da eine genügende medizinische Beurteilungsgrundlage vorliegt, besteht kein Grund, weitere (fach-) ärztliche Abklärungen vorzunehmen. Der Einwand der Versi cherten, die Beschwerdegegnerin habe den medizinischen Sachverhalt vor Erlass der angefochtenen Verfügung nur unvollständig abgeklärt, erweist sich daher als unbegründet. Da ausserdem keine Hinweise auf eine relevante gesundheitliche Verschlechterung vor Verfügungserlass vorl iegen, kann in antizipierter Be- weiswürdigung von weiteren Abklärungen abgesehen werden (BGE 136 I 236 E. 5.3, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). Demzuf olge ist davon auszugehen, dass die Be- schwerdeführerin seit Anfang Februar 2014 in einer sehr leichten Tätigkeit im Wechsel von Sit- zen, Gehen und Stehen, ohne Überkopfarbeiten, ohne Heben und Tragen von Lasten von mehr als 5 kg und ohne häufiges Treppensteigen, Arbeiten au f Leitern oder mit Absturzgefahr zu 100% arbeitsfähig ist. Davor bestand seit 18. Januar 201 3 auch in einer Verweistätigkeit keine Arbeitsfähigkeit. 6. Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Die Beschwerdeführerin bestreitet zunächst, dass die ihr verbliebene Restarbeitsfähig- keit verwertet werden kann. 6.1 Gemäss Art. 16 ATSG ist bei der Bestimmung des Invali ditätsgrades von einer ausge- glichenen Arbeitsmarktlage auszugehen. Bei der Prüfung d er wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf derweil nicht von reali tätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausge- gangen werden. Insbesondere kann von einer Arbeitsgeleg enheit im Sinne von Art. 16 ATSG dort nicht gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form mög- lich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nich t kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeit gebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute : Schweizerisches Bundesge- richt, Sozialrechtliche Abteilungen] vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der der Versicherten auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen stehenden Möglichkeiten zur Verwertung ihrer Resterwerbs- fähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalle s nicht zumutbar sind (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG; Urteil des EVG vom 10. März 2003, I 617/0 2, E. 3.1 mit Hinweisen; vgl. zum Ganzen auch: BGE 110 V 276 E. 4b). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Die Beschwerdeführerin war in dem für die Beurtei lung der Verwertbarkeit der Restar- beitsfähigkeit massgebenden Zeitpunkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. Mai 2013, 9C_954/2012, E. 3.1.2 mit Hinweis auf BGE 138 V 461 E. 3.2) der Erstattung des Gutachtens der SMAB 58 Jahre und drei Monate alt. Den Akten kann entnommen werden, dass sie einen bloss geringen Bildungsstand und ein geringes berufliche s Erfahrungsspektrum aufweist. In- dessen erweist sich das Zumutbarkeitsprofil der Beschwerde führerin (vgl. E. 5.3 hiervor) als nicht besonders eng und beinhaltet Arbeiten, mit denen die Beschwerdeführerin bereits vertraut ist (Kassierarbeiten). Eine Verweistätigkeit ist ihr in einem vollschichtigen Pensum ohne Leis- tungseinschränkung zumutbar. Ausserdem verfügt sie über genügende Deutschkenntnisse. Der Beschwerdeführerin steht damit eine relative Vielzahl von möglichen Tätigkeiten offen. Ausser- dem verbleibt ihr trotz des fortgeschrittenen Alters eine voraussichtliche berufliche Aktivitäts- dauer von mehr als fünfeinhalb Jahren. In den vorhanden en medizinischen Unterlagen werden ihr überdies keine intellektuellen Defizite oder Anpassungsschwierigkeiten attestiert. Im Hinblick darauf, dass die Beschwerdeführerin in einer Verweistät igkeit ein rentenausschliessendes Ein- kommen erzielen könnte – weshalb die rechtsprechungsgem ässen Anforderungen an die Schadensminderungspflicht strenger zu beurteilen sind –, ist die Verwertung der Restarbeitsfä- higkeit in einer Verweistätigkeit als zumutbar zu erachten. 7.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 7.2 Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vo m 1. Dezember 2016 den zur Ermitt- lung des Invaliditätsgrades erforderlichen Einkommensverg leich vorgenommen. Die Beschwer- deführerin stellt – grundsätzlich zu Recht – weder das e rmittelte Valideneinkommen noch das Invalideneinkommen in Frage. Indessen sind die ermittel ten Vergleichseinkommen der gemäss Gutachten der SMAB vom 16. Februar 2015 attestierten A rbeitsfähigkeit anzupassen. Demzu- folge war die Beschwerdeführerin vom 18. Januar 2013 bis 31. Januar 2014 in sämtlichen Tä- tigkeiten zu 100% arbeitsunfähig. Ab 1. Februar 2014 bestand in einer leidensangepassten Tä- tigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 0%. 7.3 Aus einer Gegenüberstellung des ermittelten Valid eneinkommens von Fr. 47‘933.– (gemäss Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012 des Bundesamtes für Statistik, Ta- belle TA1, Sektor Gastgewerbe, Kompetenzniveau 1, Fra uen, angepasst an die Nominallohn- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht entwicklung und betriebsübliche Arbeitszeit) mit den g emäss LSE 2012, Tabelle TA1, Privater Sektor Total, Kompetenzniveau 1, Frauen, ermittelten Invalideneinkommen von Fr. 51‘801.– (unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung und der betriebsüblichen Arbeitszeit) ergibt sich entsprechend der ärztlich attestierten Arbei tsfähigkeit Folgendes: Beim Ablauf des Wartejahres am 18. Januar 2014 (vgl. Art.28 Abs. 1 l it. b IVG) war die Beschwerdeführerin in sämtlichen Tätigkeiten zu 100% arbeitsunfähig und hatte damit ab 1. Januar 2014 Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 29 Abs. 3 IVG). Ab 1. Februar 2014 bestand indessen in einer Ver- weistätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit, woraus ein I nvaliditätsgrad von 0% resultiert. Ob der von der Beschwerdeführerin verlangte leidensbedingte Ab zug von 20% vorliegend angezeigt wäre, kann offengelassen werden, da sich daraus keine rentenrelevante Veränderung des Inva- liditätsgrades ergibt. Nach dem Ausgeführten hat die Beschwerdeführerin ab dem 1. Januar 2014 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversi cherung. In Anwendung von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (I VV) vom 17. Januar 1961 ist der An- spruch der Beschwerdeführerin indessen auf den 30. April 2014 zu befristen. Die Beschwerde ist in diesem Sinne teilweise gutzuheissen. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanze n – vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auf erlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten er hoben werden. Der von der Be- schwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss ist zurückzuerstatten. 8.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Beschwerdeführerin als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerde- führerin hat in ihrer Honorarnote vom 15. Mai 2017 einen Zeitaufwand von 13 Stunden und 10 Minuten zu einem Ansatz von Fr. 200.– geltend gemach t , was sich umfangmässig in Anbe- tracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen grundsätzlich als angemessen er- weist. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honora rnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 50.–. Aufgrund des lediglich teilweisen Obsiegens ist der Beschwerdeführerin indessen eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 900.– (inklusive Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 8.3 Die Kosten eines von einer versicherten Person veranlass ten Gutachtens sind vom Versicherungsträger dann zu übernehmen, wenn sich der me dizinische Sachverhalt erst auf- grund des neu beigebrachten Untersuchungsergebnisses schlü ssig feststellen lässt und dem Versicherungsträger insoweit eine Verletzung der ihm im Rahmen des Untersuchungsgrundsat- zes obliegenden Pflicht zur rechtsgenüglichen Sachverhalt sabklärung vorzuwerfen ist (Art. 45 Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; Urteil des Bundesgericht s vom 22. März 2010, 8C_821/2009, E. 5.1 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der F all, so dass dem Antrag der Beschwerde- führerin, die Kosten für die Berichte von Dr. J.____ vom 14. April 2015 und vom 22. September 2016 seien der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, nicht stattzugeben ist (vgl. auch: Urteil des Bundesgerichts vom 1. Mai 2013, 9C_820/2012, E. 2.4). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Ver- fügung vom 1. Dezember 2016 aufgehoben und es wird fe stgestellt, dass die Beschwerdeführerin vom 1. Januar 2014 bis 30. Ap ril 2014 Anspruch auf eine befristete ganze Rente der Invalidenv ersicherung hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– wird der Be schwerde- führerin zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 900.– ( inklusive Auslagen) auszurichten. Gegen diesen Entscheid wurde am 23. Oktober 2017 von der Beschwerdeführerin Beschwerde ans Bundesgericht (Verfahren Nr. 9C_733/2017 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht