<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 117 S.463</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Direktzahlungen</span> <span class="page_no">463</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Direktzahlungen</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>117</b></span> <span class="ft2"><b>Ökologischer Leistungsnachweis; Auslaufgewährung gemäss Tierschutz-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gesetzgebung (Art. 3 TSchG i.V.m. Art. 18 TSchV.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Ganzjahresbetrachtung, keine pro rata temporis-Betrachtung der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Auslaufgewährung bei Wechsel von der Anbindehaltung zum Lauf-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stall während des Beitragsjahres.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus einem Entscheid der Landwirtschaftlichen Rekurskommission vom</span><br/> <span class="ft4">18. April 2002 in Sachen E. und K. H. gegen Finanzdepartement (Abteilung</span><br/> <span class="ft4">Landwirtschaft).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2.3.1.</span> <span class="ft6">Die massgebliche Kontrollperiode für das Beitrags-</span><br/> <span class="ft6">jahr 2000 dauerte vom 1. August 1999 bis 31. Juli 2000 (...). Gemäss</span><br/> <span class="ft6">von der Abteilung Landwirtschaft nicht bestrittenem Auslaufjournal</span><br/> <span class="ft6">(...) gewährten die Beschwerdeführer dem Milchvieh in der Zeit vom</span><br/> <span class="ft6">1. August 1999 bis 7. März 2000 24 Tage Auslauf. Ab 8. März 2000</span><br/> <span class="ft6">befanden sich die Tiere im Mehrraumlaufstall.</span><br/> <span class="ft6">Ausgehend von den erforderlichen 90 Tagen Auslauf pro Kon-</span><br/> <span class="ft6">trolljahr bei der Anbindehaltung berechnete die Abteilung Landwirt-</span><br/> <span class="ft6">schaft 51 Auslauftage für die Zeit vom 1. August 1999 bis 7. März</span><br/> <span class="ft6">2000. Da die Beschwerdeführer nur 24 Tage Auslauf gewährten,</span><br/> <span class="ft6">seien nach Sanktionsschema 30 Punkte abzuziehen, wobei nach Ab-</span><br/> <span class="ft6">zug der Toleranz und unter Berücksichtigung des Umstandes, dass</span><br/> <span class="ft6">das Jungvieh von den Tierschutzverletzungen nicht betroffen sei,</span><br/> <span class="ft6">noch ein Abzug von 14 Punkten verbleibe (...). Die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rer stellen sich dagegen auf den Standpunkt, dass die Zeit im Lauf-</span><br/> <span class="ft6">stall miteinzuberechnen sei, in der Kontrollperiode vom 1. August</span><br/> <span class="ft6">1999 bis 31. Juli 2000 hätten die Tiere somit 169 Tage Auslauf ge-</span><br/> <span class="ft6">habt (...).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">464</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">2.3.2.</span> <span class="ft6">Der ÖLN verlangt (unter anderem) die Einhaltung</span><br/> <span class="ft6">der Tierschutzvorschriften während der Kontrollperiode, in casu also</span><br/> <span class="ft6">vom 1. August 1999 bis 31. Juli 2000. Die Vorschrift, dem Rindvieh</span><br/> <span class="ft6">regelmässig, mindestens jedoch an 90 Tagen Auslauf ausserhalb des</span><br/> <span class="ft6">Stalles zu gewähren, bezieht sich ausdrücklich auf die Anbindehal-</span><br/> <span class="ft6">tung.</span><br/> <span class="ft6">Für Tiere, die im Laufstall frei gehalten werden, gelten diese</span><br/> <span class="ft6">Vorschriften nicht, weil sie sich innerhalb des Stalles unbeschränkt</span><br/> <span class="ft6">bewegen können; weder das TSchG noch die TSchV schreiben für</span><br/> <span class="ft6">im Stall nicht angebundenes Rindvieh Auslauf im Freien vor. Die</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer sprechen zwar vom Auslauf ins Freie (...), ob der</span><br/> <span class="ft6">Boxen- bzw. Mehrraumlaufstall einen Zugang ins Freie aufweist,</span><br/> <span class="ft6">geht aus den Akten aber nicht hervor.</span><br/> <span class="ft6">Ein Laufstall gilt, falls weitere Voraussetzungen wie Ruhe- und</span><br/> <span class="ft6">Beschäftigungsmöglichkeiten usw. erfüllt sind, als besonders tier-</span><br/> <span class="ft6">freundliches Stallhaltungssystem (BTS), für welches der Bund zu-</span><br/> <span class="ft6">sätzliche Beiträge ausrichtet (Art. 59 f. DZV). Kommen die Tiere in</span><br/> <span class="ft6">den Genuss eines BTS, so wird ein Mehr als die in der Tierschutzge-</span><br/> <span class="ft6">setzgebung vorgesehenen Mindestanforderungen erfüllt. Falls in casu</span><br/> <span class="ft6">zwar nur ein Laufhof, aber nicht noch die weiteren Erfordernisse des</span><br/> <span class="ft6">BTS erfüllt waren, so ist die Bewegungsmöglichkeit des Rindviehs</span><br/> <span class="ft6">in der Zeit vom 8. März 2000 (...) bis 31. Juli 2000 als mit dem Aus-</span><br/> <span class="ft6">lauf im Freien aber doch mindestens als gleichwertig zu betrachten.</span><br/> <span class="ft6">Bei der Anbindehaltung lässt der Gesetzgeber dem Tierhalter</span><br/> <span class="ft6">relativ grossen Spielraum bezüglich der Verteilung der Auslauftage:</span><br/> <span class="ft6">vorausgesetzt wird lediglich, dass deren Summe 90 Tage ergibt und</span><br/> <span class="ft6">der Auslauf regelmässig erfolgt, wobei nach der für das strittige Bei-</span><br/> <span class="ft6">tragsjahr vertretenen Auffassung der Abteilung Landwirtschaft die</span><br/> <span class="ft6">Regelmässigkeit schon erfüllt ist, wenn die Tiere nicht länger als 4</span><br/> <span class="ft6">Wochen</span> <span class="ft6">ununterbrochen</span> <span class="ft6">angebunden</span> <span class="ft6">gehalten</span> <span class="ft6">werden</span><br/> <span class="ft6">(DZ.2001.50002 vom 24. August 2001 i. S. F. H., Erw. 2.4.; ...) und</span><br/> <span class="ft6">gemäss Richtlinien des Bundesamtes für Veterinärwesen in der</span><br/> <span class="ft6">Winterfütterungsperiode mindestens 30 Tage Auslauf gewährt wird</span><br/> <span class="ft6">(...). Werden - entsprechend der Abteilung Landwirtschaft - bei</span><br/> <span class="ft6">einem Wechsel innerhalb eines Beitragsjahres von der Anbindehal-</span><br/> <span class="ft6">tung zum Laufstall (BTS oder gar RAUS) die erforderlichen 90 Tage</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Direktzahlungen</span> <span class="page_no">465</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">anteilmässig (pro rata temporis) auf die Anbindezeit umgelegt, wird</span><br/> <span class="ft6">die Wahl der Auslauftage eingeschränkt, obwohl dies tierschutz-</span><br/> <span class="ft6">rechtlich nicht erforderlich ist, ansonsten hätte der Gesetz- bzw. der</span><br/> <span class="ft6">Verordnungsgeber den massgeblichen Zeitraum enger fassen müssen</span><br/> <span class="ft6">(statt 90 Tage Auslauf pro Jahr z. B. 8 Tage Auslauf pro Monat).</span><br/> <span class="ft6">Praktiziert ein Bewirtschafter die Anbindehaltung nur noch im ersten</span><br/> <span class="ft6">Monat des Beitragsjahres, die restlichen elf Monate sind die Tiere im</span><br/> <span class="ft6">Laufstall, so müssten bei der pro rata temporis-Betrachtung im ersten</span><br/> <span class="ft6">Monat rund 8 Auslauftage gewährt worden sein, ansonsten dem</span><br/> <span class="ft6">Tierhalter eine Tierschutzverletzung vorgeworfen würde. Wäre indes</span><br/> <span class="ft6">die weniger tierfreundliche Anbindehaltung das ganze Beitragsjahr</span><br/> <span class="ft6">über fortgeführt worden, so hätte der Bewirtschafter den Tieren ohne</span><br/> <span class="ft6">Beanstandung im ersten Monat nur lediglich einen Auslauftag (oben</span><br/> <span class="ft6">erwähnte Auffassung der Abteilung Landwirtschaft bezüglich der</span><br/> <span class="ft6">Regelmässigkeit) gewähren können. Dieses Beispiel verdeutlicht,</span><br/> <span class="ft6">dass die pro rata temporis-Betrachtung hier dem Gesetzeszweck</span><br/> <span class="ft6">nicht entspricht. Vielmehr muss die während des ganzen Beitragsjah-</span><br/> <span class="ft6">res gewährte Bewegungsmöglichkeit betrachtet werden.</span><br/> <span class="ft6">In casu gewährten die Beschwerdeführer dem Milchvieh in der</span><br/> <span class="ft6">Zeit der Anbindehaltung, d.h. vom 1. August 1999 bis 7. März 2000</span><br/> <span class="ft6">24 Tage Auslauf. Gemäss Abteilung Landwirtschaft durften die Tiere</span><br/> <span class="ft6">im Beitragsjahr 2000 nicht länger als 4 Wochen ununterbrochen</span><br/> <span class="ft6">angebunden gehalten werden (s. Abschnitt oben). Die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer haben dieses Mass in der Zeit vom 1. August 1999 bis 7. März</span><br/> <span class="ft6">2000 nie überschritten. Vom 8. März 2000 bis 31. Juli 2000 waren</span><br/> <span class="ft6">die Tiere im Laufstall untergebracht und konnten sich somit im Stall</span><br/> <span class="ft6">146 Tage</span> <span class="ft6">frei</span> <span class="ft6">bewegen.</span> <span class="ft6">In</span> <span class="ft6">der</span> <span class="ft6">Winterfütterungsperiode</span> <span class="ft6">von</span><br/> <span class="ft6">ca. 1. November 1999 bis 31. März 2000 verbrachten die Tiere bis</span><br/> <span class="ft6">zum 7. März 2000 mindestens 16 Tage im Freien und ab 8. bis</span><br/> <span class="ft6">31. März 2000 konnten sie sich im Boxenlaufstall an 24 Tagen frei</span><br/> <span class="ft6">bewegen. Unter diesen Umständen liegt keine Verletzung der tier-</span><br/> <span class="ft6">schutzrechtlichen Bestimmungen betreffend die Bewegungsfreiheit</span><br/> <span class="ft6">des Rindviehs vor.</span><br/> <span class="ft6">Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Sanktionierung der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer zu Unrecht erfolgte. Absatz 3 des angefochtenen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">466</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Verfügungsdispositivs ist demnach aufzuheben und die Vorinstanz ist</span><br/> <span class="ft6">anzuweisen, die abgezogenen Fr. 9'849.-- auszuzahlen.</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>