<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 59 S.246</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">246</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft4"><b>59</b></span> <span class="ft4"><b>Offertbereinigung; Verfahrensabbruch und Wiederholung des Verfah-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>rens.</b></span><br/> <span class="ft4"><b>- Anforderungen an eine Offertbereinigung; die vorgenommene Preis-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>bereinigung überschreitet das noch zulässige Mass (Erw. 3/b und c).</b></span><br/> <span class="ft4"><b>- Verfahrensabbruch und Wiederholung des Verfahrens (Erw. 4/b/aa);</b></span><br/> <span class="ft4"><b>die Erweiterung des im Übrigen unverändert gebliebenen Leistungs-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>verzeichnisses um Regiearbeiten und die Einladung eines weiteren</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">247</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>Anbieters stellen keine wichtigen Gründe im Sinne von § 22 Abs. 2</b></span><br/> <span class="ft4"><b>SubmD dar (Erw. 4/b/bb).</b></span><br/> <span class="ft4"><b>- Es besteht keine Verpflichtung, ein angehobenes Vergabeverfahren</b></span><br/> <span class="ft4"><b>mit einem Zuschlag zu beenden (§ 22 Abs. 1 SubmD); das Verwal-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>tungsgericht muss es in solchen Fällen bei der Feststellung bewenden</b></span><br/> <span class="ft4"><b>lassen, dass das Submissionsverfahren ohne genügenden Grund und</b></span><br/> <span class="ft4"><b>damit zu Unrecht abgebrochen worden ist (Erw. 4/b/cc).</b></span><br/> <br/> <span class="ft1">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 1. Juli 2003 in Sachen</span><br/> <span class="ft1">E. AG gegen Gemeinderat Würenlingen.</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft3">3. a) Als unzulässig erachtet die Beschwerdeführerin zunächst</span><br/> <span class="ft3">die unbestrittene Tatsache, dass die beiden ursprünglichen Anbiete-</span><br/> <span class="ft3">rinnen telefonisch zur Überprüfung ihrer Angebote auf Rechnungs-</span><br/> <span class="ft3">fehler aufgefordert worden sind. Die Vergabebehörde begründet die-</span><br/> <span class="ft3">ses Vorgehen mit der auffallend grossen Preisdifferenz, die zwischen</span><br/> <span class="ft3">den beiden Angeboten bestanden habe. Es habe sich bei der Prüfung</span><br/> <span class="ft3">der Offerten gezeigt, dass beim Angebot der Beschwerdeführerin die</span><br/> <span class="ft3">Einheitspreise nicht gemäss Punkt 2 der allgemeinen Bestimmungen</span><br/> <span class="ft3">der Submission gerechnet worden seien; im Angebot der M. AG sei</span><br/> <span class="ft3">diese Position jedoch berücksichtigt und in die Einheitspreise einge-</span><br/> <span class="ft3">rechnet worden. Nach der Offertbereinigung sei das Angebot der M.</span><br/> <span class="ft3">AG dann das günstigere gewesen. Leider seien bei der Offertbereini-</span><br/> <span class="ft3">gung zu viele Details telefonisch besprochen worden, so dass das</span><br/> <span class="ft3">formelle Vorgehen nicht mehr dem üblichen Vorgehen bei einer</span><br/> <span class="ft3">Preisbereinigung entsprochen habe.</span><br/> <span class="ft3">Die Vergabebehörde anerkennt somit jedenfalls ausdrücklich,</span><br/> <span class="ft3">im Zusammenhang mit der Bereinigung der beiden Angebote Fehler</span><br/> <span class="ft3">gemacht zu haben.</span><br/> <span class="ft3">b) Die Vergabestelle prüft die Angebote rechnerisch und fach-</span><br/> <span class="ft3">lich. Sie bringt sie auf eine vergleichbare Basis (§ 17</span><br/> <span class="ft3">Abs. 1 SubmD). Sind Angaben eines Angebots unklar, so können von</span><br/> <span class="ft3">den Anbietenden Erläuterungen, fachliche Präsentationen,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">248</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Begehungen usw. verlangt werden, die schriftlich festzuhalten sind</span><br/> <span class="ft3">(§ 17 Abs. 2 SubmD). Die Vergabestelle darf offensichtliche</span><br/> <span class="ft3">Rechnungsfehler korrigieren (§ 17 Abs. 3 SubmD). Abgebotsrunden</span><br/> <span class="ft3">sind verboten. Abänderungen eines Angebots dürfen nur während der</span><br/> <span class="ft3">Eingabefrist und nur auf schriftlichem Weg erfolgen (§ 17</span><br/> <span class="ft3">Abs. 4 SubmD).</span><br/> <span class="ft3">Das Verwaltungsgericht erachtet nebst der Korrektur offen-</span><br/> <span class="ft3">sichtlicher Rechnungsfehler in eng begrenztem Rahmen auch die</span><br/> <span class="ft3">Berichtigung anderer eindeutig als solche erkennbarer Versehen und</span><br/> <span class="ft3">Irrtümer als zulässig. Die Vergabestelle ist in diesen Fällen nötigen-</span><br/> <span class="ft3">falls auch zu Rückfragen bei den Anbietern befugt, ohne dass sie sich</span><br/> <span class="ft3">allein deswegen schon dem Vorwurf einer unzulässigen Abgebots-</span><br/> <span class="ft3">runde aussetzt. Indessen haben solche Rückfragen mit der nötigen</span><br/> <span class="ft3">Zurückhaltung und Sorgfalt zu geschehen, und es sind alle Anbie-</span><br/> <span class="ft3">tenden nach gleichen Massstäben zu behandeln (AGVE 1999,</span><br/> <span class="ft3">S. 345).</span><br/> <span class="ft3">c) aa) Nach eigenem Eingeständnis der Vergabebehörde sind im</span><br/> <span class="ft3">vorliegenden Fall im Rahmen der Offertbereinigung zu viele Details</span><br/> <span class="ft3">telefonisch besprochen worden. Um welche Fragen es sich dabei im</span><br/> <span class="ft3">Einzelnen handelt, geht aus den dem Verwaltungsgericht vorliegen-</span><br/> <span class="ft3">den Akten nicht hervor. Schriftliche Aufzeichnungen über die Tele-</span><br/> <span class="ft3">fongespräche sind offensichtlich nicht erstellt worden, was ebenfalls</span><br/> <span class="ft3">einen Fehler darstellt. Letztlich ist die Offertbereinigung insgesamt</span><br/> <span class="ft3">und namentlich auch deren Ergebnis nicht nachvollziehbar. Wenn die</span><br/> <span class="ft3">Vergabebehörde gegenüber der Beschwerdeführerin den - von dieser</span><br/> <span class="ft3">im Übrigen ausdrücklich bestrittenen - Vorwurf erhebt, sie habe in</span><br/> <span class="ft3">den Submissionsbedingungen verlangte Leistungen im Gegensatz zur</span><br/> <span class="ft3">M. AG nicht in die Einheitspreise miteingerechnet, so steht diese</span><br/> <span class="ft3">Behauptung im Widerspruch zum Ergebnis der Bereinigung, nämlich</span><br/> <span class="ft3">zum plötzlich rund Fr. 23'000.-- tieferen Angebotspreis der M. AG.</span><br/> <span class="ft3">Der Logik würde es - wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend</span><br/> <span class="ft3">macht - eher entsprechen, wenn die M. AG an ihrer Preiskalkulation</span><br/> <span class="ft3">festgehalten und die Beschwerdeführerin ihre Einheitspreise erhöht</span><br/> <span class="ft3">hätte. Die Argumentation der Gemeinde gäbe nur einen Sinn, wenn</span><br/> <span class="ft3">die Submissionsbedingungen im Rahmen der Offertbereinigung ge-</span><br/> <span class="ft3">ändert worden wären.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">249</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">bb) Gemäss Ziffer 2 der Submissionsbedingungen war die</span><br/> <span class="ft3">Preisberechnung wie folgt vorzunehmen:</span><br/> <span class="ft5">"<b>2</b></span> <span class="ft6"><b>Preisberechnung</b></span><br/> <span class="ft5">Die Einheitspreise verstehen sich für betriebsfertig am Ort er-</span><br/> <span class="ft5">stellte Installationen und Lieferung.</span><br/> <span class="ft5">In die Einheitspreise sind alle Unkosten einzurechnen, wie Ver-</span><br/> <span class="ft5">schnitt, Transport usw. Im speziellen sind bei bauseitigen Liefe-</span><br/> <span class="ft5">rungen im Montage- und Anschlusspreis folgende Leistungen</span><br/> <span class="ft5">einzurechnen:</span><br/> <span class="ft5">2.1 Der Transport des Materials ab der Empfangsstelle (auf der Bau-</span><br/> <span class="ft5">stelle) nach dem Unternehmermagazin.</span><br/> <span class="ft5">2.2 Das Auspacken und Vertragen sowie das Einsetzen der Leucht-</span><br/> <span class="ft5">mittel.</span><br/> <span class="ft5">2.3 Mithilfe beim Ausmessen, Kontrollieren, Inbetriebsetzen, Ab-</span><br/> <span class="ft5">nahme, Übergabe der Anlage, instruieren des Bedienungsperso-</span><br/> <span class="ft5">nals.</span><br/> <span class="ft5">2.4 Die Korrektur und Ergänzung der Installationspläne."</span><br/> <span class="ft3">Die Möglichkeit von zusätzlich anfallenden Arbeiten, die nach</span><br/> <span class="ft3">Aufwand abzurechnen sind (Regiearbeiten), wurde durch diese Auf-</span><br/> <span class="ft3">listung nicht ausgeschlossen; dies gilt namentlich für unvorhergese-</span><br/> <span class="ft3">hene Anpassungen und Mehrarbeiten.</span><br/> <span class="ft3">Der Beschwerdeführerin waren diese Submissionsbedingungen</span><br/> <span class="ft3">zweifellos bereits beim Erstellen der Offerte bekannt. Sie hat auf die</span><br/> <span class="ft3">Aufforderung der Vergabestelle hin ihre Preiskalkulation überprüft</span><br/> <span class="ft3">und den offerierten Preis bestätigt. In den Unterlagen sind keine</span><br/> <span class="ft3">Hinweise zu finden, die darauf schliessen lassen, dass die Be-</span><br/> <span class="ft3">schwerdeführerin sich bei der Kalkulation der Einheitspreise nicht an</span><br/> <span class="ft3">diese Bedingungen gehalten hat. In ihrer Stellungnahme vom 6. Juni</span><br/> <span class="ft3">2003 bestätigt sie, dass alles Verlangte in den Einheitspreisen ent-</span><br/> <span class="ft3">halten gewesen sei. Die Beschwerdeführerin hatte diese Leistungen</span><br/> <span class="ft3">somit verbindlich offeriert und hätte sich später dabei behaften lassen</span><br/> <span class="ft3">müssen. Insbesondere hätte sie die in den Submissionsbedingungen</span><br/> <span class="ft3">aufgelisteten Leistungen nicht nachträglich als zusätzlich zu</span><br/> <span class="ft3">entschädigende Regiearbeiten gelten machen können.</span><br/> <span class="ft3">Dass sich ihre Kalkulation durchaus im Bereich des Üblichen</span><br/> <span class="ft3">bewegte, zeigen auch die in der zweiten Submissionsrunde - mit den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">250</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">gleichen Submissionsbedingungen - offerierten Einheitspreise. Diese</span><br/> <span class="ft3">sind bei der Beschwerdeführerin weitgehend mit denen der ersten</span><br/> <span class="ft3">Runde identisch. Die Einheitspreise der M. AG bewegen sich dies-</span><br/> <span class="ft3">mal im Bereich derjenigen der Beschwerdeführerin, und diejenigen</span><br/> <span class="ft3">der neu dazu gekommenen G. AG sind erheblich tiefer. Darauf hin-</span><br/> <span class="ft3">zuweisen ist auch, dass im Rahmen des Gesprächs der Vergabebe-</span><br/> <span class="ft3">hörde mit den beiden Anbieterinnen, anlässlich dessen eine Arbeits-</span><br/> <span class="ft3">gemeinschaft angestrebt wurde, im Protokoll festgehalten wurde,</span><br/> <span class="ft3">dass die Einheitspreise der Beschwerdeführerin für die ARGE gelten</span><br/> <span class="ft3">sollten. Auch diese Tatsachen weisen darauf hin, dass die Beschwer-</span><br/> <span class="ft3">deführerin die Submissionsbedingungen durchaus richtig verstanden</span><br/> <span class="ft3">und ein sie berücksichtigendes Angebot eingereicht hat.</span><br/> <span class="ft3">cc) Die M. AG hat - wie sich ihrem Schreiben vom 17. April</span><br/> <span class="ft3">2003 an den Gemeinderat - entnehmen lässt, in der ersten Offert-</span><br/> <span class="ft3">runde bei ihrer Kalkulation der Preise berücksichtigt, dass es sich um</span><br/> <span class="ft3">einen Umbau am bestehenden Netz handelt, wo auch mit Unvorher-</span><br/> <span class="ft3">gesehenem gerechnet werden müsse. Zudem seien folgende Punkte</span><br/> <span class="ft3">berücksichtigt worden: Arbeiten in verschiedenen Etappen, Ausmes-</span><br/> <span class="ft3">sen der Leitungslängen, Abhängen der bestehenden Hausanschlüsse,</span><br/> <span class="ft3">Anpassen und Umlegen der Abgänge, Inbetriebnahme inkl. Dreh-</span><br/> <span class="ft3">richtungskontrolle und Messung nach NIN aller Abgänge, Organisa-</span><br/> <span class="ft3">tion für Um-Abschaltungen inkl. Meldungen an Strombezüger, Pro-</span><br/> <span class="ft3">visorien. Diese mitberücksichtigten Punkte gehen wesentlich über</span><br/> <span class="ft3">das hinaus, was in den Submissionsbedingungen verlangt worden ist,</span><br/> <span class="ft3">und führten zwangsläufig zu den im Vergleich zum Angebot der Be-</span><br/> <span class="ft3">schwerdeführerin überhöhten Einheitspreisen.</span><br/> <span class="ft3">Die Tatsache, dass die M. AG ihre Preise überdies sehr vorsich-</span><br/> <span class="ft3">tig kalkuliert und allfällige Zwischenfälle und Schwierigkeiten mit-</span><br/> <span class="ft3">einberechnet hat, konnte nun allerdings kein Grund sein, ihr im</span><br/> <span class="ft3">Rahmen der Offertbereinigung die Möglichkeit zur Reduktion ihres</span><br/> <span class="ft3">Angebots, die dann äusserst massiv ausgefallen ist, zu geben. Im</span><br/> <span class="ft3">Gegensatz zu offensichtlichen Rechnungsfehlern dürfen</span><br/> <span class="ft3">Kalkulationsfehler nicht nachträglich korrigiert werden (vgl.</span><br/> <span class="ft3">VGE III/26 [BE.2000.00002] vom 29. Februar 2000 in Sachen B.</span><br/> <span class="ft3">AG, S. 19 ff. mit Hinweisen). Die Preiskalkulation gehört zum</span><br/> <span class="ft3">unternehmerischen Risiko, und ein Anbieter, der die Preise (zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">251</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">seinen Gunsten) vorsichtig kalkuliert, muss immer damit rechnen,</span><br/> <span class="ft3">dass er von einem risikofreudigeren, knapper kalkulierenden</span><br/> <span class="ft3">Anbieter unterboten wird.</span><br/> <span class="ft3">Die Vergabebehörde geht somit zu Recht davon aus, dass die</span><br/> <span class="ft3">von ihr vorgenommene Offertbereinigung den Rahmen des für eine</span><br/> <span class="ft3">Preisbereinigung Zulässigen gesprengt hat. Ob die Vermutung der</span><br/> <span class="ft3">Beschwerdeführerin, es sei "Zahlenmaterial" - gemeint sind wohl</span><br/> <span class="ft3">ihre Eingabesumme und die von ihr offerierten Einheitspreise - wei-</span><br/> <span class="ft3">tergegeben worden, tatsächlich zutrifft (und somit seitens der Verga-</span><br/> <span class="ft3">bebehörde bei der M. AG bewusst ein Abgebot eingeholt worden ist),</span><br/> <span class="ft3">kann letztlich offen bleiben.</span><br/> <span class="ft3">4. a) Die Vergabebehörde hat in der Folge von einer Zu-</span><br/> <span class="ft3">schlagserteilung abgesehen und die Wiederholung des Verfahrens</span><br/> <span class="ft3">unter Einbezug eines dritten Anbieters angeordnet. Begründet wurde</span><br/> <span class="ft3">das Vorgehen mit "verfahrenstechnischen Gründen". Die Beschwer-</span><br/> <span class="ft3">deführerin erachtet den Abbruch und die Wiederholung als unzuläs-</span><br/> <span class="ft3">sig; ein Grund gemäss § 22 SubmD habe nicht vorgelegen.</span><br/> <span class="ft3">b) Zu prüfen ist, ob die Vergabestelle berechtigt war, die Sub-</span><br/> <span class="ft3">mission abzubrechen und zu wiederholen.</span><br/> <span class="ft3">aa) Die Vergabestelle ist nicht zum Zuschlag verpflichtet (§ 22</span><br/> <span class="ft3">Abs. 1 SubmD). Aus wichtigen Gründen kann das Verfahren jeder-</span><br/> <span class="ft3">zeit abgebrochen oder wiederholt werden. Dies ist gemäss § 22</span><br/> <span class="ft3">Abs. 2 lit. a - c SubmD insbesondere zulässig, wenn</span><br/> <span class="ft5">- kein Angebot eingereicht wurde, das die in der Ausschreibung oder</span><br/> <span class="ft5">den Ausschreibungsunterlagen festgelegten Kriterien und techni-</span><br/> <span class="ft5">schen Anforderungen erfüllt;</span><br/> <span class="ft5">- auf Grund veränderter Rahmen- oder Randbedingungen oder we-</span><br/> <span class="ft5">gen wegfallender Wettbewerbsverzerrungen günstigere Angebote</span><br/> <span class="ft5">zu erwarten sind;</span><br/> <span class="ft5">- eine wesentliche Änderung des Projektes erforderlich wurde.</span><br/> <span class="ft3">Diese Aufzählung ist nicht abschliessend, macht aber deutlich,</span><br/> <span class="ft3">dass der Abbruch des Submissionsverfahrens nicht grundlos erfolgen</span><br/> <span class="ft3">darf. Nicht nur § 22 Abs. 2 SubmD, sondern schon die vorvertragli-</span><br/> <span class="ft3">che Treuepflicht nach Art. 2 ZGB verbietet es nämlich der Vergabe-</span><br/> <span class="ft3">stelle, dem einzelnen Submittenten seine Chance auf den Zuschlag</span><br/> <span class="ft3">durch grundlosen Verfahrensabbruch zu entziehen oder durch eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">252</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Wiederholung des Verfahrens allenfalls zu verschlechtern. Der An-</span><br/> <span class="ft3">bieter darf sich gegenüber einem öffentlichen Auftraggeber auf ein</span><br/> <span class="ft3">vertrauenswürdiges, korrektes Verhalten verlassen, und darauf, dass</span><br/> <span class="ft3">die Vergabestelle das ihr zustehende Ermessen pflichtgemäss ausübt;</span><br/> <span class="ft3">eine grundlose Schmälerung der Chancen des einzelnen Submitten-</span><br/> <span class="ft3">ten auf den Zuschlag erscheint auch unter diesem Gesichtswinkel</span><br/> <span class="ft3">ausgeschlossen. Bereits aus der allgemeinen, vorvertraglichen</span><br/> <span class="ft3">Treuepflicht sowie auf Grund des vom öffentlichen Auftraggeber</span><br/> <span class="ft3">pflichtgemäss auszuübenden Ermessens folgt daher ohne Weiteres</span><br/> <span class="ft3">der Grundsatz, dass das Submissionsverfahren nur aus wichtigen</span><br/> <span class="ft3">Gründen abgebrochen oder wiederholt werden darf, falls nicht die</span><br/> <span class="ft3">Haftung aus culpa in contrahendo Platz greifen soll (AGVE 1999,</span><br/> <span class="ft3">S. 313 f. mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft3">bb) Gründe im Sinne von § 22 Abs. 2 lit. a - c SubmD sind im</span><br/> <span class="ft3">vorliegenden Fall keine gegeben. Die ursprünglich eingereichten</span><br/> <span class="ft3">Angebote entsprachen beide den Submissionsbedingungen. Dies gilt</span><br/> <span class="ft3">namentlich auch für das Angebot der Beschwerdeführerin. Das Ar-</span><br/> <span class="ft3">gument der Vergabebehörde, die Beschwerdeführerin habe die Ein-</span><br/> <span class="ft3">heitspreise nicht gemäss Ziffer 2 der allgemeinen Bestimmungen der</span><br/> <span class="ft3">Submission gerechnet, vermag - wie bereits ausgeführt (siehe vorne,</span><br/> <span class="ft3">Erw. 3) - nicht zu überzeugen. Die Rand- und Rahmenbedingungen</span><br/> <span class="ft3">haben sich nicht verändert, und von einer wesentlichen Projektände-</span><br/> <span class="ft3">rung kann ebenfalls nicht die Rede sein.</span><br/> <span class="ft3">Die Vergabebehörde begründete die Wiederholung den beiden</span><br/> <span class="ft3">betroffenen Anbieterinnen gegenüber mit "verfahrenstechnischen</span><br/> <span class="ft3">Gründen", ohne diese allerdings näher zu erläutern. Telefonisch</span><br/> <span class="ft3">wurde der Beschwerdeführerin gegenüber offenbar auch geltend</span><br/> <span class="ft3">gemacht, dass die Offertunterlagen nicht komplett gewesen seien.</span><br/> <span class="ft3">Falls mit "verfahrenstechnischen Gründen" das unzulässige Vorgehen</span><br/> <span class="ft3">bei der Bereinigung des Angebots der M. AG gemeint sein sollte</span><br/> <span class="ft3">sowie der anschliessende gescheiterte Versuch, die beiden</span><br/> <span class="ft3">Konkurrentinnen zur Übernahme der Arbeiten als Arbeitsgemein-</span><br/> <span class="ft3">schaft zu bewegen, ist festzuhalten, dass sich damit die Wiederho-</span><br/> <span class="ft3">lung des Verfahrens nicht rechtfertigen lässt. Ebenfalls kein wich-</span><br/> <span class="ft3">tiger Grund ist die Erweiterung des im Übrigen unverändert geblie-</span><br/> <span class="ft3">benen Leistungsverzeichnisses um die beiden Positionen "Schaltun-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">253</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">gen" sowie "Unvorhergesehenes und Anpassungen". Es handelt sich</span><br/> <span class="ft3">hierbei um Regiearbeiten, deren Aufnahme wegen des hypotheti-</span><br/> <span class="ft3">schen Charakters ihres Umfangs in das Leistungsverzeichnis ohnehin</span><br/> <span class="ft3">eher fragwürdig ist (vgl. VGE III/83 [BE.2001.00211] vom 9. August</span><br/> <span class="ft3">2001 in Sachen E. AG, S. 7 f.). Die Fragwürdigkeit des Einbezugs</span><br/> <span class="ft3">von Regiestunden in die Preisbewertung zeigt sich gerade auch im</span><br/> <span class="ft3">hier zu beurteilenden Fall, wie die folgende Übersicht deutlich</span><br/> <span class="ft3">aufzeigt:</span><br/> <span class="ft3">(tabellarische Übersicht der Angebote)</span><br/> <span class="ft3">Bei den Einheitspreisen beträgt die Differenz zwischen dem</span><br/> <span class="ft3">tiefsten und dem höchsten Angebot Fr. 11'770.15 oder 47.66%. Bei</span><br/> <span class="ft3">den Regiearbeiten beträgt die Differenz lediglich Fr. 1'023.80 oder</span><br/> <span class="ft3">5.87 %. Die Regiearbeiten sind somit wenig aussagekräftig, zumal</span><br/> <span class="ft3">sie hypothetisch sind, da es sich bei der zugrunde gelegten Stunden-</span><br/> <span class="ft3">zahl um Schätzungen bzw. Annahmen handelt. Es stellt sich im Üb-</span><br/> <span class="ft3">rigen die Frage, wieso die Vergabebehörde die wiederum auffallend</span><br/> <span class="ft3">grosse Preisdifferenz zwischen dem niedrigsten und dem höchsten</span><br/> <span class="ft3">Angebot - jedenfalls bei den Einheitspreisen - diesmal nicht hinter-</span><br/> <span class="ft3">fragt hat.</span><br/> <span class="ft3">Auch die Einladung einer weiteren Anbieterin stellt keinen</span><br/> <span class="ft3">wichtigen Grund im Sinne von § 22 SubmD dar (vgl. VGE III/98</span><br/> <span class="ft3">[BE.1997.00248] vom 3. November 1997 in Sachen M., S. 9 f.).</span><br/> <span class="ft3">cc) Es bleibt somit festzustellen, dass die Wiederholung des</span><br/> <span class="ft3">Submissionsverfahren nicht durch einen wichtigen Grund gerecht-</span><br/> <span class="ft3">fertigt war. Der Vergabebehörde lagen in der ersten Runde zwei gül-</span><br/> <span class="ft3">tige Angebote vor. Ihr wäre es im Grundsatz möglich gewesen, diese</span><br/> <span class="ft3">beiden Angebote anhand der in den Offertunterlagen bekannt gege-</span><br/> <span class="ft3">benen Zuschlagskriterien (Preis 60%, Qualifikation 40%) zu be-</span><br/> <span class="ft3">urteilen und alsdann einen Zuschlag zu erteilen. Da die Vergabebe-</span><br/> <span class="ft3">hörde indessen nicht verpflichtet ist, ein angehobenes Vergabeverfah-</span><br/> <span class="ft3">ren mit einem Zuschlag zu beenden (vgl. § 22 Abs. 1 SubmD), muss</span><br/> <span class="ft3">es das Verwaltungsgericht bei der Feststellung bewenden lassen, dass</span><br/> <span class="ft3">das erste Submissionsverfahren ohne genügenden Grund und damit</span><br/> <span class="ft3">zu Unrecht abgebrochen worden ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>