Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Juni 2021 (720 20 324 / 167) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Verwertung der Restarbeitsfähigkeit von einer versicherten Person, welche an einem Zu- stand nach cerebrovaskulärem Ereignis bei Hemiparese der rechten Hand, mit Aphasie und Epilepsie leidet; bei der Ermittlung des Valideneinkommens gestützt auf die Tabel- lenlöhne der LSE ist aufgrund des Spezialwissens und der Weiterbildungen der versi- cherten Person das Kompetenzniveau 3 massgebend. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Martin Dumas, Advokat, Rümelinsplatz 14, Postfach, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1972 geborene A.____ begann 1988 eine Lehre als Elektromechaniker, welche er jedoch aufgrund der Folgen eines Schlaganfalls im Mai 1990 abbrechen musste. Zwei Jahre spä- ter konnte er eine 4-jährige Lehre als Maschinenzeichn er EFZ aufnehmen und 1996 erfolgreich abzuschliessen. Nach Abschluss der Lehre arbeitete A.____ bei verschiedenen Arbeitgebern als Maschinenzeichner und Konstrukteur. Von 2007 bis 2010 be suchte er eine berufsbegleitende Weiterbildung an der Höheren Fachschule für Technik und erlangte dabei das Diplom "dipl. Tech- niker HF, Elektronik/Automation". Während dieser Weiterbildung und von Januar 2011 bis März 2011 arbeitete er als Automatiker. Von Juli 2012 bis D ezember 2013 war er als Werkzeugkon- strukteur und von Mai 2014 bis November 2015 als CNC-Dreharbeiter tätig. Am 25. Oktober 2014 meldete er sich unter Hinweis auf die Folgen des Hirnschlags im Jahr 1990 und die seit ca. 2000 bestehenden Epilepsieanfälle bei der Eidgenössischen Inval idenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. In der Folge fanden in den Jahren 2015 bis 2018 verschiedene berufliche Massnahmen statt, welche jedoch erfolglos blieben. Im Rahmen der Rentenprüfung gab die IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) ein Gutachten bei Dr. med. B.____, FMH Neurologie, in Auf- trag. Gestützt auf sein Gutachten vom 19. September 20 19 ermittelte sie einen Invaliditätsgrad von 50 %. Mit Verfügungen vom 2. Juli 2020 sprach die IV-Stelle A.____ eine halbe Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Oktober 2015 zu. B. Gegen diese Verfügungen erhob A.____, vertreten d urch Advokat Martin Dumas, am 7. September 2020 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Darin beantragte er, es seien die angefochten en Verfügungen aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, dem Beschwerdeführer ab 1. Oktober 2015 eine ganze Invaliden- rente, eventualiter eine Dreiviertelsrente auszurichten. Subeventualiter sei die Sache zur Durch- führung weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; alles unter o/e-Kostenfolge. In der Begründung machte er im Wesentlichen geltend, dass eine Restarbeitsfähigkeit von 50 % auf dem freien Arbeitsmarkt nicht realisierbar sei, da das v on Dr. B.____ formulierte Anforderungs- profil der zumutbaren Verweistätigkeit einer Arbeit im geschützten Rahmen entspreche. Sollte dennoch von einer Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmar kt ausgegangen werden, so hätten die Arbeitsversuche gezeigt, dass er im Umfang von höchstens 35 % einer beruflichen Tätigkeit nach- gehen könne. Schliesslich beanstandete er die Höhe des von der IV-Stelle gestützt auf die vom Bundesamt für Statistik (BFS) herausgegebenen Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstruk- turerhebung (LSE) ermittelten Valideneinkommens von Fr. 76'355.--. Gemäss dem statistischen Lohnrechner "Salarium" sei dieses auf mindestens Fr. 92' 580.-- festzusetzen. Zudem sei auf- grund der zahlreichen gesundheitlichen Einschränkungen ein leidensbedingter Abzug vom Ta- bellenlohn von 15 % anstelle von lediglich 5 % vorzunehmen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 26. Oktober 2020 beant ragte die IV-Stelle unter Verweis auf die Stellungnahme von pract. med. C.____, Region aler Ärztlicher Dienst (RAD), vom 8. Ok- tober 2020 die Abweisung der Beschwerde. D. Am 8. Dezember 2020 liess der Versicherte durch seine n Rechtsvertreter eine Stellung- nahme einreichen. Darin hielt er an den in der Beschwe rde gestellten Rechtsbegehren fest. In der Begründung machte er zudem geltend, dass beim Vali ldeneinkommen auf die Angaben der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D.____ AG vom 26. Mai 2014 abzustellen sei, wonach de r Versicherte als Konstrukteur einen Lohn von Fr. 81'900.-- (Fr. 13 x Fr. 6'300.--) verdiene würde. E. Die IV-Stelle verzichtete mit Eingabe vom 4. Januar 2021 auf eine weitere Stellung- nahme. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde vom 7. September 2020 ist demnach einzutreten. 2.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vo rliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich- tigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem n ur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruchs bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterla gen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 133 E. 2, 114 V 310 E. 3c, 105 V 156 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur- teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch ver- richtet werden können (vgl. U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditäts- schätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfrag en der Invalidität in der Sozialversiche- rung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Widersprechen sich medizinische Berichte, darf das G ericht den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Grü nde anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstell t. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der D arlegung der medizinischen Zusam- menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfol- gerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die IV-Stelle stützte sich in den angefochtenen Ve rfügungen vom 2. Juli 2020 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes des Versicherten auf das Gutachten von Dr. B.____ vom 12. April 2019 ab. Dr. B.____ diagnostizierte mit Ausw irkungen auf die Arbeitsfähigkeit einen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zustand nach cerebrovaskulärem Ereignis 1990 bei Hemiparese rechts mit Beeinträchtigung der rechten Hand, mit Aphasie (= zentrale Sprachstörung), mit kognitiver Beeinträchtigung sowie mit symptomatischer Epilepsie seit 2000. Klinisch-neurologisch lasse sich im Bereich der Hirnnerven eine rechts leicht adynam wirkende Mimik bei ansonsten unauffälligem Hirnnervenbefund finden. Der Versicherte sei Linkshänder und habe die Tendenz, die rechte Hand in "Pfötchenstellung" zu bringen. Es bestehe eine distalbetonte Parese Grad 4 d es rechten Armes. Die Feinmotorik sei rechts deutlich vermindert und die Diadochokinese (= Fäh igkeit, rasch aufeinanderfolgende Be- wegungen auszuführen) sei verlangsamt. Der Finger-Nase -Versuch sei leicht dysmetrisch und die Reflexe an den oberen Extremitäten lebhaft. Beim rechten Bein zeige sich eine geringe Spas- tik. Der Gang weise rechts leicht verminderte Mitbewegungen des Armes auf und der Blindstrich- gang sei leicht unsicher. Die verhaltensneurologische Untersuchung sei geprägt durch eine sozial auffällige Aphasie des Versicherten, welche die Kommunikation erschwere. Ausserdem seien die von ihm gewählten Begriffe und Umschreibungen ungewöhn lich. Aufgrund der Aphasie seien auch die einfache Aufmerksamkeit bei Sequenzabruf und die verbal-mnestischen Funktionen deutlich vermindert. Zudem weise der Versicherte eine B enennungsstörung auf. Nach dem Schreiben und Lesen eines einfachen Textes sei er nicht in der Lage, das Geschriebene bzw. das Gelesene mündlich wiederzugeben. Die Konzentrationsleistung sei über einen längeren Zeit- raum qualitativ leicht vermindert, quantitativ jedoch durchschnittlich. Die Beeinträchtigungen seien mässiger bis mittelschwerer Ausprägung. Es sei davon auszugehen, dass er bis 2015 mit einem vollen Pensum nur deshalb habe arbeiten können, weil ihm die Arbeitgeber jeweils einen erheblichen Goodwill entgegengebracht hätten. Aufgru nd seiner gesundheitlichen Beeinträchti- gungen könne er die Tätigkeit als Automatiker und Elektromonteur nicht mehr ausführen. Es sei ihm dagegen zumutbar, einer beruflichen Arbeit – wie z.B. dem Beruf eines Maschinenzeichners – ohne Eigen- oder Fremdgefährdung, ohne Arbeiten a n gefährlichen Maschinen oder in expo- nierten Lagen, ohne Schicht- oder Nachtarbeit und oh ne Kundenkontakt für 5 Stunden täglich nachgehen. Durch die Verlangsamung und die verminder te Leistungsfähigkeit sei seine Leis- tungsfähigkeit zu 10 % eingeschränkt. Auf dem freien Arbeitsmarkt sei er somit seit Anfang 2015 insgesamt zu 50 % arbeitsfähig. Dabei benötige er aber aufgrund der Aphasie einen Arbeitgeber, der ihm Goodwill und Verständnis dafür entgegenbringe , dass er genug Zeit haben müsse, um neue Inhalte aufzunehmen. 4.2 Aufgrund der Einwände des Versicherten im Vorbesche idverfahren holte die IV-Stelle bei Dr. B.____ eine Stellungnahme zur Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ein. Dieser führte am 16. März 2020 aus, dass seine Einschätzung, wonach dem Versicherten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar sei, auf den Vorakten, seinen Befunden und seiner Erfahrung mit ähnlich gelagerten Fällen b eruhe. Ob das von ihm formulierte Zumut- barkeitsprofil einer Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt entspreche, sei aus ärztlicher Sicht nicht von Belang; dies hätten die Berufsfachleute zu entscheiden. 5.1 Das Gutachten von Dr. B.____ vom 12. April 2019 sa mt seiner Ergänzung vom 16. März 2020 genügt sowohl formal wie inhaltlich vollumfänglich den bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweistaugliches Gutachten und liefert eine zuverlässige Grundlage zur Beurteilung des Ren- tenanspruchs des Versicherten. Es beruht auf Erkenntnissen, welche Dr. B.____ aus der persön- lichen Untersuchung und den Untersuchungsbefunden gewonnen hat. Zudem hat er sich mit den Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Unterlage n befasst und ist auf sämtliche vom Versicherten geklagten Beschwerden eingegangen. Die Herl eitung der Diagnostik gestützt auf die erhobenen objektiven Befunde und die Begründung d er entsprechenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind überzeugend und in jeder Hinsicht nachvollziehbar. 5.2 Der Versicherte macht geltend, dass die Berichte üb er seine Arbeitsversuche gezeigt hätten, dass er nach spätestens 4 Stunden nicht mehr lei stungsfähig sei. Aufgrund seiner ge- sundheitlichen Beeinträchtigungen sei er selbst in diesen 4 Stunden eingeschränkt leistungsfähig. Es sei nicht nachvollziehbar, auf welcher Grundlage sich Dr. B.____ bei seiner Einschätzung stütze, wonach der Versicherte 5 Stunden pro Tag mit e iner 10%igen Leistungseinschränkung arbeiten könne. Es sei vielmehr von einer maximalen A rbeitsfähigkeit von 35 % auszugehen. Diesem Einwand des Beschwerdeführers kann nicht gefolgt werden. Gemäss Rechtsprechung besteht zwar zwischen der Ärzteschaft und der Berufsberatun g eine enge, sich gegenseitig er- gänzende Zusammenarbeit. Die abschliessende Beurteilung der sich aus einem Gesundheits- schaden ergebenden, funktionellen Leistungsfähigkeit obliegt in der Hauptsache jedoch dem Arzt oder der Ärztin und nicht den Fachleuten der Berufsberatung/beruflichen Eingliederung. Das Ein- holen einer klärenden medizinischen Stellungnahme ist le diglich – aber immerhin – dann ange- zeigt, wenn die medizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erhebli- cher Diskrepanz zu einer Leistung steht, wie sie während einer ausführlichen beruflichen Abklä- rung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz der versicherten Person effektiv realisiert wurde und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierbar ist. Eine solche unterschied- liche Beurteilung vermag ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen (vgl. Ur- teil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020, E. 5.2.1 mit Hinweisen). Eine solche Konstellation liegt hier aber nicht vor. Zwischen der E inschätzung der Fachleute der beruflichen Eingliederung und jener von Dr. B.____ ist keine erhebliche Diskrepanz festzustellen, war es dem Versicherten doch möglich, in den verschiedenen Arbeitstrainings während der Zeit vom 1. Juni 2016 bis 1. März 2018 zwischen 50 % und maximal 60 % zu ar beiten (vgl. Berichte des E.____ vom 9. März 2016, 7. Juni 2016, 9. Dezember 2016 und 27. Februar 2017). Die Berufsfachleute stellten fest, dass die Leistung des Versicherten nach 4 Stunden Arbeit abfalle. Der Versicherte könne somit ein Arbeitspensum im Umfang von 50 % leisten (vgl. Bericht des E.____ vom 9. März 2016). Im zuletzt erstatteten Bericht vom 22. Dezember 2017 gingen die Berufsfachleute des E.____ von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus. Diese Einschätzung stimmt mit der Zumutbar- keitsbeurteilung von Dr. B.____ überein. Zwar ist Dr. B.____ der Ansicht, dass es dem Versicher- ten zumutbar sei, 5 Stunden pro Tag zu arbeiten. Er gesteht dem Versicherten jedoch auch eine 10%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit zu, so dass er gesamthaft das zumutbare Pensum auf 50 % festlegte. Auch der behandelnde Neurologe, Dr. med. I.____, attestierte dem Versicher- ten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (vgl. Bericht vom 26 . März 2018). Im Ergebnis weichen somit die medizinischen Einschätzungen und diejenigen der Fach leute der beruflichen Eingliederung nicht voneinander ab. Da die vom Versicherten geltend gemachte maximale Arbeitsfähigkeit von 35 % weder begründet noch nachvollziehbar ist und sich aus den Akten keine Anhaltspunkte für eine tiefere Arbeitsfähigkeit ergeben, ist dem Gutachten von Dr. B.____ volle Beweiskraft beizu- messen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Nach dem Gesagten ist demnach gestützt auf die gutac hterlichen Feststellungen von Dr. B.____ vom 12. April 2019 und den Ausführungen i n der ergänzenden Stellungnahme vom 16. März 2020 davon auszugehen, dass dem Versicherten die Ausübung einer leidensadaptierten Verweistätigkeit nach Ablauf des Wartejahres (= 14. Oktober 2015) im Umfang von 50 % zumut- bar ist. Der medizinische Sachverhalt ist umfassend beurteilt worden, so dass von weiteren me- dizinischen Beurteilungen keine neuen entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten sind (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. dazu BGE 132 V 393 E. 3.3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 90 E. 4b und 159 E. 1d, 119 V 335 E. 3c in fine mit Hi nweisen). Es besteht daher kein Anlass, gemäss dem Subeventualantrag des Versicherten weitere Abklärungen vorzunehmen. 6.1 Der Versicherte ist der Ansicht, dass die Restarbeitsfä higkeit von 50 % auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht verwertbar sei, da sich das von Dr. B.____ formulierte Belastbarkeitsprofil nur auf eine Tätigkeit im geschützten Rahmen beziehen könne. Gemäss der Beurteilung von Dr. B.____ sei der Versicherte auf einen Arbeitgeber angewiesen, der ihm aufgrund der Aphasie und der damit verbundenen kognitiven Beeinträchtigungen Goodwill und Verständnis entgegen- bringe. Darüber hinaus müsse der Arbeitgeber ihm die n otwendige Zeit zur Verfügung stellen, neue Inhalte aufzunehmen. Die Einschränkungen seien derart gross, dass er keinen Zugang zu einem Nischenarbeitsplatz habe, bei welchem er mit ein em sozialen Entgegenkommen des Ar- beitgebers rechnen könne. 6.2 Für die Frage, ob und inwieweit eine bestimmte Restarbeitsfähigkeit mit dem gegebenen Leistungsprofil noch verwertbar ist, ist auf den ausgegli chenen Arbeitsmarkt abzustellen (Art 7 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG). Dieser ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer ver- schiedenster Tätigkeiten auf (BGE 110 V 273 E. 4b S. 2 76). Es geht also nicht darum, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darum, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8. März 2010, 8C_791/2009, E. 3.2, vo m 3. Juni 2009, 8C_696/2008, E. 10.2, vom 6. Mai 2008, 8C_319/2007, E. 7.2 und vom 23. Oktober 2007, 9C_610/2007, E. 4.2). Dabei ist nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegeben- heiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Ver- dienstaussichten sind jedoch keine übermässigen Anforderungen zu stellen (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 30. März 2012, 9C_910/2011, E. 3.1). Je restriktiver indessen das medizinische Anforderungsprofil umschrieben ist, desto eingehender i st in der Regel die Verwertbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt abzuklären und nachzuweise n (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2006, U 42/06, E. 3.2.3 in fine). 6.3 Gemäss der Beurteilung von Dr. B.____ vom 12. Apr il 2019 ist es dem Versicherten aufgrund der Epilepsie möglich, Tätigkeiten im Umfang zu 50 % auszuüben, welche keine Arbei- ten an gefährlichen Maschinen oder exponierten Lagen oder Schicht- bzw. Nacharbeit beinhalte- ten. Aufgrund der Aphasie sei er auf einen Arbeitgeb er angewiesen, der ihm genügend Zeit ge- währe, um neue Inhalte aufzunehmen. Ausgehend von di esem Zumutbarkeitsprofil kann nicht Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht von einem fehlenden Zugang des Versicherten zum theoreti sch ausgeglichenen ersten Arbeits- markt gesprochen werden. Es werden von ihm oder von seinem Umfeld keine Vorkehren verlangt, welche die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles nicht mehr zumutbar wären, zumal der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze umfasst (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020, E. 5.3 und vom 8. Mai 2013, 8C_728/2012, E. 4.3.3). Diese Stellen- und Arbeitsangebote zeichnen sich dadurch aus, dass behinderte Person mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2007, 9C_95/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Die gesundheitlichen Limitierungen schränken die Chancen des Versicher- ten auf eine Arbeitsstelle zwar ein, lassen sie aber nicht völlig unrealistisch erscheinen, dass das Finden einer entsprechenden Stelle von vornherein als ausgeschlossen erscheint. Weil dem Ver- sicherten trotz ausgewiesener Einschränkungen weiterhin eine 50%ige bzw. 60%ige Präsenz am Arbeitsplatz zumutbar ist, kann letztlich auch nicht davon gesprochen werden, dass ihm allfällige Verweistätigkeiten deshalb nicht zur Verfügung stehen würden, weil er ein zu kleines Pensum zu absolvieren in der Lage wäre. Bei dieser Sachlage ist die Verwertbarkeit der dem Versicherten verbleibenden Arbeitsfähigkeit auf einem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu beja- hen. 7.1 Es bleiben die erwerblichen Auswirkungen der gesundh eitlichen Beeinträchtigungen zu prüfen. Der Invaliditätsgrad ist bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Danach wird für d ie Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durch- führung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensverglei ch hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen. 7.2 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist ents cheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichke it als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Da nach empirischer Feststellung in der Regel di e bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für di e Bestimmung des Valideneinkommens grundsätzlich der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdien st (BGE 139 V 28 E. 3.3.2). Ist es nicht möglich, zur Bestimmung des Valideneinkommens vom zuletzt vor Invaliditätseintritt erziel- ten Lohn auszugehen, so ist es angezeigt, das Validenei nkommen anhand von Durchschnitts- werten – wie etwa gestützt auf die Tabellenlöhne der LSE – zu ermitteln. 7.3 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstät igkeit aus, bei der – kumulativ – besonders Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Ar- beitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich er zieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jeden- falls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so sind für die Bemes- sung des Invalideneinkommen die LSE-Tabellenlöhne heranzuziehen (BGE 143 V 295 E. 2.2). 8.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Berechnung des Va lideneinkommens des Versicherten auf die Tabellenlöhne der LSE 2016, Tabelle TA1_tir age_skill_level, Privater Sektor. Innerhalb dieser Tabelle zog sie die Lohnzahlen des Sektors 28 (Masch inenbau), Kompetenzniveau 2, Männer, heran. Dabei ermittelte sie auf der Basis von Fr. 6'132.-- und unter Berücksichtigung der bis 2017 erfolgten Nominallohnentwicklung von 0,5 % und der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit für das Jahr 2017 von 41,3 Stunden ein jäh rliches Valideneinkommen von Fr. 76'355.--. Bei der Festsetzung des Invalideneinkommens ging die IV-Stelle von den Lohnzah- len der Tabelle der LSE 2016, TA1_tirage_skill_level 1 , Privater Sektor, Kompetenzniveau 1, Männer, aus. Nach erfolgter Anpassung des massgebenden Lohnes von Fr. 5'340.-- an die No- minallohnentwicklung bis 2017 und Umrechnung auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden erhielt sie in Berücksichtigung eines zumutbaren Pensums von 50 % und Ge- währung eines leidensbedingten Abzugs von 5 % ein mas sgebliches Invalideneinkommen von Fr. 31'859.--. Anhand der Gegenüberstellung von Validen- und zumutbaren Invalideneinkommen ermittelte sie einen Invaliditätsgrad von 58 %, weshal b sie dem Versicherten mit Verfügungen vom 2. Juli 2020 nach Ablauf des Wartejahres ab 1. Okto ber 2015 eine halbe Invalidenrente zusprach. 8.2 Der Versicherte beanstandet zu Recht nicht, dass di e IV-Stelle den Validenlohn gestützt auf die Tabellenlöhne der LSE ermittelt hat. Denn aus den Akten geht hervor, dass er die zuletzt als Gesunder ausgeübte, befristete Stelle bei der E.___ _ AG aus invaliditätsfremden Gründen verloren hat, weshalb nicht davon auszugehen ist, das er a ls gesunde Person noch an der bis- herigen Arbeitsstelle tätig wäre. Der Versicherte ist jedoch der Ansicht, dass das von der IV-Stelle ermittelte Valideneinkommen von Fr. 76'355.--, zu ti ef bemessen worden sei. Dieser Ansicht – wenn auch aus anderen Gründen als sie der Versicherte geltend macht – ist zu folgen. Abgese- hen davon, dass nicht erklärbar ist, weshalb die IV-Stelle bei einem Rentenbeginn per 1. Oktober 2015 auf die LSE 2016 und nicht auf die LSE 2014 ab gestellt hat, erweist sich das Validenein- kommen basierend auf dem tabellarischen Referenzlohn des Kompetenzniveaus 2 unter Berück- sichtigung der beruflichen Aus- und Weiterbildungen sowie des Spezialwissens des Versicherten als nicht gerechtfertigt. Das Kompetenzniveau 2 der Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 2014 erfasst praktische Tätigkeiten wie Verkauf/Pflege/Datenv erarbeitung und Administration/Bedie- nen von Maschinen und elektronischen Geräten/Sicherheitsdi enst/Fahrdienst. Gemäss den Ak- ten verfügt der Versicherte über eine abgeschlossene Lehre als Maschinenzeichner und ein Dip- lom eines Technikers HF Elektronik/Automation. In der Zeit von 2003 bis 2005 hat er sich im Bereich der Informatik weiter ausgebildet (Programmieren C/C++, Programmieren 2 C/C++ und Programmieren 3/Java sowie PC/LAN-Supporter SIZ). Aus dem Lebenslauf und den Arbeitszeug- nissen ist sodann zu entnehmen, dass er besondere Kenntni sse mit diversen CAD/CAM- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Programmen hat. In Bezug auf seine beruflichen Tätigkeiten geht aus den Akten hervor, dass er nach Abschluss der Lehre als Maschinenzeichner im Jahr 1996 in diesem Beruf bis Ende 1999 bei der Kuster Ingenieurbüro AG, von 2001 bis 2006 a ls Maschinen- und Werkzeugkonstruk- teur/CAD-Konstrukteur bei der E.____ AG und der J.___ _ GmbH, von 2007 bis 2009 als Auto- matiker bei der E.____ AG, im Jahr 2011 als Automatiker bei der K.____ AG und als Elektromon- teur bei der L.____ AG und von 2012 bis 2013 wieder als Werkzeugkonstrukteur bei der E.____ AG gearbeitet hat. Von Mai 2015 bis November 2015 war er als CNC-Dreharbeiter bei der M.____ AG tätig, wobei diese Tätigkeit gemäss den Ausführung en der beruflichen Eingliederungsleute nicht seinem Ausbildungsstand entsprach (vgl. Abschlussberich t der Eingliederungsmassnah- men vom 3. Februar 2015). Der Versicherte besitzt somit eine Berufsausbildung als Maschinen- zeichner, ein Diplom als Techniker HF Elektronik/Automati on, mehrjährige Berufserfahrung als Maschinenzeichner, Maschinen- und Werkzeugkonstrukteur sowie Automatiker. Dabei konnte er sich im Laufe seiner beruflichen Arbeit ein grosses Wisse n im IT-Bereich beim Entwerfen und Herstellen von Maschinen, Prüfadapter, Elektroden etc. mittels CAD/CAM-basierter Software an- eignen. Zudem erledigte er die komplexen Aufgaben eines CAD-Systembetreuers. Die Arbeitge- ber bescheinigten dem Versicherten fundiertes Fachwissen und sehr gute Leistungen von hoher Qualität. Auch die Berufsfachleute des E.____ stellte n während der beruflichen Abklärung fest, dass sein Spezialgebiet bei der Konstruktion von CAD-Zeichnungen liege und er darin sehr gute und qualitativ hervorragende Leistungen erbringe (vgl . Bericht vom 9. März 2016). Er erledigte dabei auch schwierige Arbeiten wie z.B. anspruchsvolle Konstruktionen von verschiedenen Werk- zeugen, Maschinen und Kabelkonfektionierungen (vgl. Arbeitszeugnisse der F.____ AG vom 31. Juli 2005 und 31. Dezember 2013, der G.____ AG vom 31 . Dezember 2009 sowie der H.____ vom 1. November 2001). Damit erfüllt der Versicherte d ie Voraussetzungen des Kompetenzni- veaus 3, welches komplexe praktische Tätigkeiten mit grossem W issen in einem Spezialgebiet umfasst. Zudem verfügt der Versicherte über Weiterbildungen, welche gemäss Rechtsprechung für das Kompetenzniveau 3 vorausgesetzt sind und sich dadurch vom Kompetenzniveau 2 unter- scheiden (vgl. ULRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich/Basel/Genf 2014, N 58 zu Art. 28a). Es ist desh alb davon auszugehen, dass der Versi- cherte als gesunde Person eine berufliche Arbeit ausüben würde, welche den Anforderungen des Kompetenzniveaus 3 entspricht. 8.3 Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Ve rsicherte gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug) nie mehr als Fr. 78'000.-- jährlich und somit für einen diplomierten Techniker HF unterdurchschnittlich verdient hatte. Denn f ür die Bestimmung des Kompetenzni- veaus ist nicht der für eine früher ausgeübte beruflic he Tätigkeit entrichtete Lohn ausschlagge- bend, sondern die daraus gewonnenen Kenntnisse und Fäh igkeiten (vgl. Urteil des Kantonsge- richts, Abteilung Sozialversicherungsrecht [KGSV], vom 22. Oktober 2020, 725 20 239, E. 5.4.4). 8.4 Laut Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 2014 belief sich der Tabellenlohn von im Maschinenbau tätigen Männern im Kompetenzniveau 3 auf Fr. 7'334.--. Dabei ist zu beachten, dass dieser Lohn an die bis 2015 erfolgte Nominallohnentwicklung von 0,7 % (BFS: Nominallohn- index, Männer, 2011-2020, T.1.1.10, Ziffer 10 - 33) anzupassen ist und auf die für das Jahr 2015 Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht geltende durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41,2 S tunden (BFS: Betriebsübliche Arbeits- zeit nach Wirtschaftsabteilungen 2004 – 2020) umzurechnen ist. Daraus resultiert als massge- bendes Einkommen ein Monatslohn von Fr. 7'606.90 bzw. ein Jahresgehalt von Fr. 91'282.80. 8.5 Das von der IV-Stelle berechnete Invalideneinkomme n ist dahingehend zu korrigieren, als in Anbetracht des Beginns des Rentenanspruchs per 1. O ktober 2015 nicht die Lohnzahlen der Tabellenlohn der LSE 2016, Total, Kompetenzniveau 1, sondern diejenigen der LSE 2014 als Bemessungsgrundlage heranzuziehen sind. Gemäss TA1_tirage_skill_level der LSE 2014, Total, beträgt der monatliche Durchschnittslohn eines Mannes im Kompetenzniveau 1 Fr. 5'312.--. Nach Anpassung dieses Betrages an die bis 2015 erfolgte Nomi nallohnentwicklung von 0,3 % (BFS: Nominallohnindex, Männer, 2011-2020, T.1.1.10, Total) und Umrechnung an die betriebsübliche Arbeitszeit im Jahr 2015 von 41,7 Wochenstunden (BFS: Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt- schaftsabteilungen 2004 – 2020) ergibt sich ein Jahresei nkommen von Fr. 66'652.48. Unter Be- rücksichtigung eines zumutbaren Pensums von 50 % resultiert daraus ein Betrag von Fr. 33'326.24. 8.6.1 Wird das Invalideneinkommen wie im vorliegenden Fall auf der Grundlage von statisti- schen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Perso- nen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nurmehr be schränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesu nder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzu g entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobe i die Rechtsprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäf- tigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsma rkt nur mit unterdurchschnittlichem Ein- kommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchst ens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (BGE 134 V 322. E. 5.2; vgl. zum Ganzen auch BGE 126 V 75 E. 5b/bb und cc). 8.6.2 Vorliegend gewährte die IV-Stelle in den ange fochtenen Verfügungen vom 2. Juli 2020 einen leidensbedingten Abzug von 5 % vom Tabellenlohn ; was auf der Basis von Fr. 33'326.24 ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 31'659.93 (Fr. 33'326.24 x 95 %) ergibt. Setzt man im Einkommensvergleich die oben ermittelten Valide n- und Invalideneinkommen von Fr. 91'282.80 bzw. von Fr. 31'659.93 einander gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbsein- busse von Fr. 59'622.87, was einen massgebenden Invaliditätsgrad von 65'32 % bzw. gerundet von 65 % ergibt (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121). Damit hat der Versicherte Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.6.3 Dieses Ergebnis ändert sich nicht rentenrelevant, w enn gemäss der Ansicht des Versi- cherten von einem 15%igen Abzug vom Tabellenlohn und somit von einem massgebenden Inva- lideneinkommen von Fr. 28'327.30 (Fr. 33'326.24 x 85 %) ausgegangen wird. Denn eine solche Berechnung hätte zwar einen leicht höheren Invaliditätsgrad (69 % anstelle von 65 %) zur Folge, würde aber nicht zu einem höheren Rentenanspruch führen . Somit kann von Weiterungen zu dieser Frage abgesehen werden. 8.7 Ebenfalls zu keinem anderen Resultat führt das vom Versicherten gestützt auf das Be- rechnungstool "Salarium" des BFS ermittelte Valideneinkommen von Fr. 92'580.--. Denn wird ein Valideneinkommen von Fr. 92'580.-- einem Invalidene inkommen von Fr. 31'659.93 (unter Be- rücksichtigung eines Tabellenabzugs von 5 %) bzw. Fr. 28'327.30 (unter Berücksichtigung eines Tabellenabzugs von 15 %) gegenübergestellt, so resultiert daraus ein Invaliditätsgrad von gerun- det 66 % bzw. 69 %. Somit würde aber auch die für de n Beschwerdeführer vorteilhafteste Be- rechnungsvariante nicht zu einem für einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente mindestens erforderlichen Invaliditätsgrad von 70 % führen. 8.8 Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass der Versicherte Anspruch auf eine Dreiviertelsrente ab 1. Oktober 2015 hat. Die Beschwerde ist demgemäss gutzuheissen. 9.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- - bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Ver- fahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Gemäss § 20 Abs. 3 VPO sind der IV-Stelle als unterliegende Partei die ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- aufzuerlegen. 9.2 Beim Entscheid über die Verlegung der Parteikoste n ist grundsätzlich auf den Prozess- ausgang abzustellen. Da der Versicherte vorliegend obsiegt hat, ist ihm eine Parteientschädigung zuzusprechen. Sein Rechtsvertreter hat in seiner Kosten note vom 25. Januar 2021 für das vor- liegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 1 8,09 Stunden ausgewiesen. Darin ent- halten ist jedoch ein nachprozessualer Aufwand von 1,5 Stunden. Gemäss geltender Praxis des Kantonsgerichts ist ein solcher Aufwand von maximal 1 Stunde entschädigungsberechtigt, wes- halb der geltende gemachte Stundenaufwand um eine halbe Stunde zu kürzen ist (vgl. Urteil des KGSV vom 31. Januar 2013, 720 11 192). Die entschädigungsberechtigten Bemühungen im Um- fang von 17,59 Stunden sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstan- den sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen A uslagen in der Höhe von Fr. 55.25. Dem Versicherten ist demnach für das vorliegende Beschwer deverfahren eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 4'796.60 (17,59 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 55.25 zu- züglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 2. Juli 2020 aufgehoben und festgestellt wird, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Dreiviertelsrente ab dem 1. Oktober 2015 hat. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle hat dem Beschwerdeführer eine Part eientschädigung in der Höhe von Fr. 4'795.60 (inkl. Auslagen und 7,7 % M ehrwertsteuer) auszurichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht