B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2596/2022 U r t e i l v o m 2 0 . F e b r u a r 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichter Lorenz Noli, mit Zustimmung von Richter David R. Wenger, Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Advokatur Kanonengasse, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 12. Mai 2022 / N (…). E-2596/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin und ihre Eltern (für die minderjährigen Kinder) stellten am 20. Februar 2020 Asylgesuche in Griechenland. Letztere reis- sen in der Folge illegal in die Schweiz, wo sie am 6. Juli 2021 um Asyl nach- suchten. Diese Asylgesuche wurden mit Entscheid des SEM vom 17. Sep- tember 2021 abgelehnt und es wurde die vorläufige Aufnahme in der Schweiz angeordnet. Am 27. Oktober 2021 stimmte das SEM einem Über- nahmeersuchen Griechenlands für die Beschwerdeführerin und deren El- tern zu, worauf diese in die Schweiz reisten und am 3. März 2022 um Asyl nachsuchten. Sie wurden dem Bundesasylzentrum der Region Ostschweiz zugewiesen. B. Im Rahmen der Anhörung vom 3. Mai 2022 machte die Beschwerdeführe- rin zur Begründung ihres Asylgesuches im Wesentlichen geltend, sie sei afghanische Staatsangehörige und ethnische Hazara. Ihre Eltern stamm- ten aus der Provinz B._______ und hätten zuletzt in C._______ gelebt, wo sie das erste Lebensjahr verbracht habe. Ungefähr 2003 sei ihre Familie wegen familiären Schwierigkeiten (Problemen mit den Brüdern der Mutter) in den Iran gereist, wo sie, die Beschwerdeführerin, in der Nähe von D._______ aufgewachsen sei. Ihre Familie habe im Iran über keinen lega- len Aufenthaltsstatus verfügt, weshalb sie die Schule nicht habe besuchen können und nur privat unterrichtet worden sei. Sie habe sich um den Haus- halt, die gesundheitlich angeschlagenen Eltern und ihre jüngeren Ge- schwister gekümmert. Der drohende Arbeitsplatzverlust des Vaters und der irreguläre Aufenthaltsstatus im Iran hätten schliesslich 2019 zum Ent- schluss geführt, mit finanzieller Hilfe ihrer bereits seit sieben Jahren in Schweden lebenden Brüder nach Europa zu gelangen. Einige Jahre vor der Ausreise habe sie im Iran eine Aramäerin kennenge- lernt, die ihr den christlichen Gott nähergebracht habe. In Griechenland habe sie erneut Christen kennengelernt, an deren Treffen teilgenommen und sich schliesslich am 22. Februar 2022 taufen lassen. Von ihrem Glau- benswechsel habe sie nur ihre Schwester, die in der Schweiz lebe, und ihre in Schweden lebende Schwester wissen lassen. Sie könne aufgrund ihrer christlichen Religionszugehörigkeit aus Furcht vor der Familie ihrer Mutter und den Taliban nicht nach Afghanistan zurückkehren, zumal sie der Ethnie der Hazara angehöre, welche in Afghanistan systematisch unterdrückt und umgebracht werden würden. E-2596/2022 Seite 3 C. Zum Nachweis ihrer Identität und zur Bestätigung der geltend gemachten Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin eine von der afghanischen Bot- schaft in Griechenland ausgestellte Takzira und eine Taufbestätigung in Griechenland ein. D. Am 10. Mai 2022 wurde der Rechtsver tretung der Entscheidentwurf zur Stellungnahme zugestellt. Diese erfolgte mit Eingabe vom 11. Mai 2022. E. Mit Entscheid vom 12. Mai 2022 wies das SEM das Asylgesuch der Be- schwerdeführerin vom 3. März 2022 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, sc hob jedoch den Vollzug der Wegweisung zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. F. Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 13. Juni 2022 erhob die Beschwer- deführerin gegen diesen Entscheid Beschwerde. Sie beantragte die Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung in den Dispositivziffern 1 -3, die Fest- stellung der Flüchtlingseigenschaft und die Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenügli- chen Sachverhaltsfeststellung sowie zur neuen Entscheidung an die Vo- rinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde unter Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der amtlichen Rechtsverbeiständung in der Person der Rechtsvertretung ersucht. G. Mit Schreiben vom 14. Juni 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Nach Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM geh ört zu den Be-E-2596/2022 Seite 4 hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwal- tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich zu- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist zur Ein- reichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulä ssigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E.5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zu- ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vor- liegend, wie nachstehend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe od er wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens ode r der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). E-2596/2022 Seite 5 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälscht e oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung vorgängig fest, dass Asylgründe stets in Bezug auf den Heimatstaat einer Person zu prüfen seien (Art. 1 lit. A Ziff. 2 Genfer Flüchtlingskonventioni.V .m. Art. 1 Abs. 2 Protokoll über die Rechtsstellung von Flüchtlingen). Flüchtlinge seien zwar gemäss Wortlaut von Art. 3 AsyIG «Personen, die in ihrem Heimatstaat o- der im Land, in dem sie zuletzt wohnten» verfolgt würden oder eine be- gründete Furcht vor einer solchen Verfolgung hätten. Der Zusatz «im Land, in dem sie zuletzt wohnten» gelte allerdings nur für staatenlose Personen, zu denen die Beschwerdeführerin nicht gehöre. 5.1.1 Die Beschwerdeführerin mache geltend, im Iran gelebt zu haben, seit sie ein Kleinkind gewesen sei, selber keine Schule besucht zu haben und wegen der schlechten sozialen und wirtschaftlichen Situation als Afghanin im Iran, der mangelnden gesundheitlichen Versorgung ihrer Eltern und we- gen des u ngesicherten Aufenthaltstitels ihrer Familie 2019 ausgereist zu sein. 5.1.2 Die genannten Vorbringen bezüglich dem Iran seien einzig dann ge- eignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, wenn diese auch im Hei- matstaat zu einer Verfolgungssituation führten, was vorliegend nicht der Fall sei. Daher könne darauf verzichtet werden, das von der Beschwerde- führerin im Iran Erlebte i nhaltlich zu thematisieren und einer Glaubhaftig- keitsprüfung zu unterziehen. Im Weiteren diene das Asylrecht nicht dazu, in der Vergangenheit erlittenes Unrecht wiedergutzumachen . Aus diesen Gründen seien die geltend gemachten Vorbringen nicht asylrelevant. 5.2 Hinsichtlich des Heimatstaates Afghanistan habe die Beschwerdefüh- rerin in individueller Hinsicht geltend gemacht, bei einer allfälligen Rück- kehr nach Afghanistan Furcht vor der Familie ihr er Mutter zu haben, die «kein Erbarmen mit ihr zeigen werde, wenn sie sie ausfindig machen würde». E-2596/2022 Seite 6 Wie im Asylentscheid der Eltern ausgeführt, überwiegten die Zweifel an der Glaubhaftigkeit des angeblichen Vorfalls in C._______. Bei dem Vorfall in C._______, der sich vor knapp zwanzig Jahren abgespielt und der gemäss den Angaben der Eltern (vgl. SEM -Dossier […], A31, F42-F58) dazu ge- führt habe, dass die Familie Afghanistan verlassen habe, sei zudem frag- lich, ob er überhaupt noch Aktualität und flüchtlingsrechtliche Relevanz zu entfalten vermöge. Der Vater habe in der Anhö rung auf Nachfrage ange- geben, dass es in den Folgejahren in Iran zu keinen diesbezüglichen Kon- takten oder Bedrohungen seitens der Familie der Mutter gekommen sei (vgl. […], A31, F42-F43). Deshalb und zumal die Beschwerdeführerin Af- ghanistan im Alter von ungefähr einem Jahr verlassen habe, sei ihre sub- jektive Furcht, dort im heutigen Zeitpunkt durch die Familie ihrer Mutter ausfindig gemacht zu werden, anhand objektiver Kriterien unbegründet. 5.3 Was die Zugehörigkeit der Beschwerdeführerin zur Ethnie der Hazara betreffe, sei festzuhalten, dass Angehörige der vorwiegend schiitischen Hazara seit Jahrzehnten aus ethnischen und religiösen Gründen einer ge- wissen Diskriminierung durch die restliche Bevölkerung ausgesetzt seien. Insbesondere die Taliban-Kämpfer betrachteten die Hazara aufgrund ihrer schiitischen Konfession oft als ungläubig und darum minderwertig. Hazara würden immer wieder Diskriminierungen erfahren, sei es zum Beispiel in Form von schärferen Kontrollen in Städten und an Checkpoints oder auch im Zugang zu offiziellen Stellen. Es gebe aber keine Berichte, wonach die Taliban Hazara ausschliesslich aus ethnischen bzw. konfessionellen Grün- den festnehmen oder töten würden. 5.4 Schliesslich habe die Beschwerdeführerin geltend gemacht, bei einer allfälligen Rückkehr nach Afghanistan zu befürchten, dass sie von ihrem «neuen christlichen Glauben erzählen würde und von den mit ihm verbundenen schönen Sachen, was zu einer Gefahr für sie werden könne (vgl. A18 F42, F47-F60). 5.4.1 Grundsätzlich werde nicht bezweifelt, dass die Erzählungen vom christlichen Gott auf die Beschwerdeführerin eine Anziehung gehabt habe und dass sie sich kurz vor der Reise in die Schweiz in Griechenland haben taufen lassen. Ihre Glaubensausübung sei jedoch gegen aussen hin nicht auffällig. Auf Nac hfrage habe sie angegeben, lediglich zwei Schwestern von Ihrem Glaubenswechsel erzählt zu haben. Weiter wisse in der Schweiz lediglich eine Person eines Hilfswerks davon, die konvertierte Personen betreue (vgl. A18 F47). Weiter habe die Beschwerdeführerin ausgesagt, dass sie Angst habe, ihren Eltern von der Konversion zu erzählen, da diese E-2596/2022 Seite 7 den Kontakt mit ihr abgebrochen hätte (vgl. A18 F47 -F51, F59). Nichts deute darauf hin, dass jemand in Afghanistan Kenntnis von ihrem Glau- benswechsel habe (vgl. A18 F47, F56). In ihrem Heimatstaat sei auch nichts Konkretes vorgefallen, was darauf hinweise könnte, dass sie bei ei- ner allfälligen Rückkehr Verfolgung befürchten müsse. Bei dieser Sachlage seien auch diese Vorbringen mangels begründeter Furcht vor künftiger Verfolgung nicht asylrelevant. 5.4.2 In ihrer Stellungnahme zum Entscheidentwurf vom 11. Mai 2022 habe die Rechtsvertretung geltend gemacht, die Beschwerdeführerin habe im Rahmen der Besprechung des Entscheidentwurfs mitgeteilt, ihre neue Re- ligion sehr zu lieben und bei einer allfälligen Rück kehr nach Afghanistan ihren Glauben an Jesus Christus auszuüben und sich für dessen Verbrei- tung einsetzen zu wollen. Weil dies von der afghanischen Gesellschaft nicht akzeptiert werde würde, wäre ihr Leben bei einer Rückkehr gefährdet. Dasselbe gelte im Iran. Sie sei deshalb mit einer vorläufigen Aufnahme nicht zufrieden und beantrage die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. 5.4.3 Hierzu sei festzuhalten, dass die Glaubensausübung der Beschwer- deführerin gegen aussen nicht auffällig sei und nichts darauf hinde ute, dass jemand in Afghanistan Kenntnis von der Konversion habe. Im Weite- ren sei im Heimatstaat und im Iran nichts Konkretes vorgefallen, was da- rauf hinweisen könnte, dass die Beschwerdeführerin bei einer allfälligen Rückkehr eine individuelle und gezielt e Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsyIG befürchten müsse. 6. 6.1 In der Beschwerde wurde hinsichtlich des Sachverhalts (und im Wider- spruch zu den bisherigen Aussagen) erstmals geltend gemacht, nachdem ihr strenggläubiger Vater bemerkt habe, dass sie bei islamischen Bräuchen wie beispielsweise dem Beten oder Fasten nicht mehr teilgenommen habe, habe sie deswegen mit ihm gestritten. Obwohl er aufgrund seiner prekären gesundheitlichen Lage sehr auf die Hilfe der Beschwerdeführerin angewie- sen gewesen sei, habe sie das Elternhaus wegen dem genannten Konflikt verlassen und eine Zeit bei einer Kollegin leben müssen. Nach ihrer Rück- kehr habe sie wieder bei den religiösen Veranstaltungen teilgenommen, um den Schein zu wahren. Erst in Griechenland habe sie sich wieder dem Christentum zuwenden können und an christlichen Treffen teilgenommen. Sie habe sich als Freiwillige in verschiedenen Menschenrechtsorganisati- onen eingesetzt (vgl. Zertifikat Freiwilligeneinsatz) und dabei stets auch ei- nen Diskurs über das Christentum gepflegt. In der Zwischenzeit habe sie E-2596/2022 Seite 8 wöchentlichen Austausch mit Konvertiten im Iran. Mit Blick auf das gesund- heitliche Wohl ihrer Eltern habe sie sich dazu entscheiden müssen, diesen nichts von ihrer Konversion zu sagen, nehme aber nicht mehr an islami- schen Gebeten teil, war ihr grosse Schwierigkeiten bereitet habe. In die- sem Zusammenhang sei insbesondere auf einen Vorfall in Griechenland hinzuweisen, den die Beschwerdeführerin bereits am Ende der Anhörung vom 3. Mai 2022 als Antwort auf F63 angedeutet habe, wobei ihr vom SEM nicht Gelegenheit gegeben worden sei, sich näher dazu zu äussern. Im Camp in Griechenland habe sich nämlich ein belastender Vorfall mit einem paschtunischen Übersetzer ereignet. Dieser habe für seine Hilfe für die gesundheitlich angeschlagenen Eltern eine (sexuelle) Gegenleistung von ihr verlangt, der sie sich verweigert habe, worauf dieser damit gedroht habe, sein Wissen über ihre Zuwendung zum christlichen Glauben ande- ren Personen mitzuteilen, sollte sie sich ihm weiterhin verweigern. Die mit der Beschwerde eingereichten Screenshots des Whats-Apps-Chatverlaufs bewiesen die Äusserungen und Drohungen des Paschtunen. Auch in der Asylunterkunft in Altstetten habe sich ein Vorfall ereignet. Ihre muslimischen Zimmernachbarn hätten bemerkt, dass sie nicht an den Ge- beten teilgenommen habe und ihr deswegen Vorwürfe gemacht, worauf die Situation eskaliert sei. Der muslimische Seelsorger in der Asylunterkunft sei Zeuge des Vorfalls geworden und habe versichert, eine entsprechende Bestätigung auszustellen. Ansonsten könne die Beschwerdeführerin im vertrauten Rahmen von E._______ ihren christlichen Glauben leben. Auch verfolge sie missionari- sche Tätigkeiten. 6.2 Die Vorinstanz habe in Bezug auf ihre Glaubensausübung den rechts- erheblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt. So habe die Beschwer- deführerin keine Möglichkeit erhalten, sich zum genannten Vorfall mit dem Paschtunen in Griechenland zu äussern. Im Weiteren habe das SEM die öffentlichen religiösen Tätigkeiten der Beschwerdeführerin in der Schweiz nicht berücksichtigt. 6.3 Hinsichtlich der Rechtsprechung zur Situation von christlichen Konver- titen in Afghanistan sei festzuhalten, dass der Europäische Gerichtshof in seinem jüngsten Urteil vom 26. April 2022 i.S. M.A.M. c. Suisse erklärt habe, dass bereits die Tatsache, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückführung nach Pakistan nicht mehr in der Lage wäre, offen und frei als E-2596/2022 Seite 9 Christ zu leben, eine Verletzung von Art. 9 EMRK darstelle. Diese Feststel- lung des Gerichtshofs lasse sich auf die Situation von christlichen Konver- titen in Afghanistan übertragen. Von der Beschwerdeführerin könne nicht verlangt werden, dass sie ihre innere Überzeugung und Religion lebens- länglich unterdrücke oder verheimliche. 6.4 Der Auffassung des SEM, wonach die Religionsausübung der Be- schwerdeführerin nach aussen nicht auffällig sei und nur wenige Personen von ihrer Konversion Kenntnis hätten (Geschwister, Person eines Hilfs- werks), müsse entgegengehalten werden, dass die Beschwerdeführerin am 2. Mai 2022 mehrere Beweise via dem HEKS -Whatsapp-Chat an ihre Rechtsvertretung weitergeleitet habe. Es sei unklar, weshalb diese, obwohl von grosser Wesentlichkeit, nicht an das SEM weitergeleitet worden seien (vgl. mit der Beschwerde eingereichte n Screenshot vom 2. Mai 2022 HEKS-Chat und Bestätigungsschreiben E._______ vom 8. März 2022 ). Der Präsident des E._______ bestätige unter anderem, dass die Be- schwerdeführerin persischsprachige Menschen zu christlichen Treffen ein- lade. Die aktive missionarische Tätigkeit der Beschwerdeführerin in der Schweiz sei vom SEM in seinem Entscheid nicht berücksichtigt worden. 6.5 In eine m jüngeren Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts werde unter anderem festgehalten, dass bereits das öffentliche Bekanntwerden eines Glaubensabfalls oder einer Konversion für die Annahme drohender ernsthafter Nachteile genüge. Die Situation von Konvertiten in Afghanistan werde in der aktuell geltenden Praxis des Bundesverwaltungsgericht s als sehr kritisch eingestuft. 6.6 Als Fazit könne festgehalten werden, dass der Beschwerdeführerin als christlicher Konvertit und Angehörige einer religiösen Minderheit, welch e der afghanischen Gesellschaftsordnung nicht entspreche, bei einer allfälli- gen Rückkehr nach Afghanistan Verfolgung aus religiösen Motiven drohe. Angesichts der Wiedereinführung des islamischen Emirats durch die Tali- ban sei davon auszugehen, dass sich die Gefährdungslage für Personen, die sich vom Islam abgewendet hätten, akzentuiert habe. Die Beschwer- deführerin habe im Rahmen der Anhörung die Absicht bekundet, auch in Zukunft offen über das Christentum zu sprechen, was die Gefahr in sich berge, dass ander e von ihrem Glauben Kenntnis erlangten. Für die Be- schwerdeführerin würde es eine psychische Belastung bedeuten, nach Af- ghanistan zurückzukehren und alle religiösen Handlungen des Islams vor- nehmen zu müssen, um nicht aufzufallen. Diese unerträgliche Situati on stelle einen ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG dar. E-2596/2022 Seite 10 7. 7.1 In der Beschwerde wurde in formeller Hinsicht geltend gemacht, d ie Vorinstanz habe in Bezug auf die Glaubensausübung den rechtserhebli- chen Sachverhalt unvollständig festgestellt. So habe die Beschwerdefüh- rerin keine Möglichkeit erhalten, sich zum genannten Vorfall mit dem Paschtunen in Griechenland zu äussern. Diesen Vorfall habe die Be- schwerdeführerin bereits am Ende der Anhörung vom 3. Mai 2022 als Ant- wort auf F63 angedeutet, wobei ihr vom SEM nicht Gelegenheit gegeben worden sei, sich näher dazu zu äussern. Im Weiteren habe das SEM die öffentlichen religiösen Tätigkeiten der Beschwerdeführerin in der Schweiz nicht berücksichtigt. Hierzu ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Anhö- rung bestätigte, alles gesagt zu haben, das für die Beurteilung ihres Asyl- gesuches wesentlich sei (vgl. F62). Zwar gab sie auf Nachfrage an, «von einem Vorfall in Griechenland noch nicht erzählt zu haben» (vgl. F63), wo- rauf das SEM festhiel t, dass sie dies an dieser Stelle nicht auszuführen brauche (F64). Jedoch trifft es nicht zu, dass die Beschwerdeführerin im weiteren Verlauf der Anhörung nicht mehr Gelegenheit gehabt hätte, die- sen Vorfall zu erzählen, zumal die anwesende Rechtsvertretung ausdrück- lich danach gefragt wurde, ob es aus deren Sicht Fragen oder Themenbe- reiche gebe, die noch nicht angesprochen worden und die für die Sachver- haltsfeststellung wesentlich seien, was diese ausdrücklich verneinte. Schliesslich hätte die Rechtsvertretung die weitere Gelegenheit gehabt, im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum Entscheidentwurf das genannte Vor- bringen geltend zu machen, was ebenfalls unterlassen wurde. Bei dieser Sachlage ist nicht von einer unvollständigen Sachverhaltsfest- stellung durch das SEM auszugehen. Die diesbezügliche Rüge erweist sich als unzutreffend. 7.2 In materieller Hinsicht ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die Vor- bringen hinsichtlich der Vorkommnisse und der Situation im Drittstaat Iran nur dann asylrechtlich relevant wären, wenn diese auch in ihrem Heimat- staat Afghanistan zu einer Verfolgungssituation führen könnten, was vor- liegend nicht der Fall ist. Hinsichtlich des Vorbringens, bei einer allfälligen Rückkehr nach Afghanistan Furcht vor der Familie ihrer Mutter zu ha ben, die «kein Erbarmen mit ihr zeigen werde, wenn sie sie ausfindig machen würde» ist auf die Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen, wonach der im Verfahren der Eltern ([…]) geltend gemachte Vorfall in C._______, der sich knapp vor zwanzig Jahren ereignet und zur Ausreise aus Afghanistan E-2596/2022 Seite 11 geführt haben soll, als nicht glaubhaft und mangels Aktualität als nicht asyl- relevant zu erachten sei. Hierzu kann zur Vermeidung von Wiederholungen vollständig auf die angefochtene Verfügung verwiesen werden. 7.3 Ebenso sind die Ausführungen der Vorinstanz zur allgemeinen Situa- tion von Hazara in Afghanistan zu bestätigen. Es ist zwar nicht in Abrede zu stellen, dass sich die Situation der Hazara in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban schwierig präsentieren kann. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist indessen nach wie vor nicht von einer Kollektivverfolgung von Hazara in Afghanistan auszugehen (vgl. Urteil des BVGer E -1060/2022 vom 22. März 2022 E. 6.2.1). Die blosse Zugehörigkeit zur Ethnie der Hazara ist daher auch unter Berück- sichtigung der aktuellen Machtverhältnisse in Afghanistan nicht ausrei- chend, um zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft zu führen. Aus dem allgemein gehaltenen Hinweis, es bestehe seitens der Taliban eine lange Feindseligkeit gegen die Hazara und die schiitischen Konfessionen, wes- halb sie Probleme mit den Hazara hätten und einen Vorwand suchen wür- den, lässt sich auch kein konkretes Verfolgungsinteresse der Taliban an seiner Person herleiten. Ebenso lassen die Ausführungen auf Beschwer- deebene nicht auf eine Verfolgungsfurcht aufgrund der Ethnie schliessen. 7.4 Bei dieser Sachlage ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Afghanistan (als auch aus dem Iran) die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt hat. 7.5 Schliesslich machte die Beschwerdeführerin geltend, auf der Reise in die Schweiz in Griechenland zum christlichen Glauben konvertiert zu sein und deswegen bei einer allfälligen Rückkehr nach Afghanistan Verfolgung durch die Taliban zu befürchten. 7.5.1 Personen, die erst wegen ihrer Ausreise oder ihrem Verhalten da- nach solchen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind respektive begrün- dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, sind nach Art. 54 AsylG zwar als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen, aber wegen so- genannter subjektiver Nachfluchtgründe von der Asylgewährung auszu- schliessen. Anspruch auf Asyl nach schweizerischem Recht hat demnach nur, wer im Zeitpunkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war (Vorfluchtgründe) oder aufgrund von äusse- ren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die er keinen Ein- fluss nehmen konnte, bei einer Rückkehr ins Heimatland solche ernsthaf- ten Nachteile befürchten müsste (sogenannte objektive Nachfluchtgründe). E-2596/2022 Seite 12 7.5.2 Die Situation von Konvertiten in Afghanistan wird in der aktuell gel- tenden Praxis als kritisch eingestuft (vgl. Referenzurteil D -4952/2014, E.7.5). So können zwar gemäss der afghanischen Verfassung Gläubige anderer Religionen als des Islams ihren Glau ben innerhalb der gesetzli- chen Grenzen frei ausüben. Jedoch bezeichnet die afghanische Verfas- sung den Islam gleichzeitig explizit als offizielle Staatsreligion und be- stimmt, dass keine andere Religion den Grundsätzen und Regeln des Is- lams zuwiderlaufen dür fe. Die afghanische Bevölkerung ist denn auch überwiegend islamisch und die Gesellschaft ist sehr konservativ einge- stellt. Die Gerichte haben sich an die Hanafi -Rechtslehre der Scharia zu halten, wenn weder das Strafgesetz noch die Verfassung zu einem be- stimmten Verbrechen eine Norm enthält. Zwar wird der Glaubensabfall im afghanischen Strafgesetzbuch nicht als Straftat definiert, fällt jedoch nach afghanischer Rechtsauffassung unter die nicht weiter definierten «unge- heuerlichen Straftaten», die laut Strafgesetzbuch nach der Hanafi-Rechts- lehre bestraft werden. Gemäss dieser Hanafi-Rechtslehre würden Frauen lebenslang respektive bis zum Widerruf des Glaubensabfalls oder einer Konversion in Haft genommen und Männer enthauptet werden. Wird die Todesstrafe nicht verhängt, sind die daneben vorgesehenen strafrechtli- chen sowie auch gesellschaftlichen Konsequenzen aber äusserst hart. Praxisgemäss genügt damit bereits das öffentliche Bekanntwerden eines Glaubensabfalls oder einer Konversion für ernsthafte Nachteile, missiona- rische Tätigkeiten sind demgegenüber nicht zentral. Die soziale Kontrolle und der soziale Druck in Afghanistan sind dabei gross. Es ist im Weiteren jeweils im Einzelfall zu prüfen, inwieweit von einer Person vernünftiger- weise erwartet werden könne, die drohende Verfolgung durch das eigene (diskrete) Verhalten abzuwenden oder ob solches für sie zu einem uner- träglichen psychischen Druck führen würde. 7.5.3 Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich nach der Machtüber- nahme der Taliban im August 2021 stark verschlechtert (vgl. Urteil des BVGer E-4649/2021 vom 15. November 2021 E. 7.4.1 und 7.4.2). Bei der Beurteilung der Sicherheitslage lassen sich Gruppen von Personen defi- nieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem westlich orientierte oder der afghanischen Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen nicht entspre- chende Personen (vgl. Urteil E-4649/2021 E. 7.4.1). Schon vor der Macht- übernahme der Taliban wurde Apostasie mit der Todesstrafe geahndet (Re- ferenzurteil D-4952/2014 vom 23. August 2017 E. 7.5.2). Das Bundesver- waltungsgericht kam bereits damals zum Schluss, dass Personen, deren E-2596/2022 Seite 13 Apostasie öffentlich bekannt werde, objektiv begründete Furcht vor Nach- teilen im Sinne von Art. 3 AsylG hätten. Viele der im Referenzurteil getroffe- nen Feststellungen lassen sich angesichts der erfolgten (dramatischen) Entwicklungen mit der Machtübernahme durch die Taliban im Heimatstaat des Beschwerdeführers offensichtlich nicht ohne Weiteres auf die aktuelle Situation in Afghanistan übertragen (vgl. Urteil des BVGer E ‑4262/2021 vom 8. November 2021 E. 6.3 m.w.H.). Angesichts der Wiedereinführung des Islamischen Emirats durch die Taliban sowie der damit verbundenen Durchsetzung des islamischen Rechts, der Scharia, ist davon auszugehen, dass sich die Gefährdungslage für Personen, die sich vom Islam abgewen- det haben, akzentuiert hat (vgl. European Asylum Support Office [EASO], Afghanistan, Country Focus, Country of Origin Information Re- port,01.2022). 7.5.4 Eine lediglich formelle Konversion ohne Hinweise auf die innere Überzeugung reicht für deren Glaubhaftmachung in der Regel nicht au s (vgl. Urteil des BVGer D-4952/2014 vom 23. August 2017 E. 6.2 [als Refe- renzurteil publiziert]). 7.5.5 Das Gericht geht mit der Vorinstanz einig, wonach keine Zweifel da- ran bestehen, dass die Beschwerdeführerin (formell) konvertiert ist und heute noch als Mitglied der E._______ christliche Ver anstaltungen be- sucht. Demgegenüber sind jedoch sehr wohl Vorbehalte hinsichtlich des Ausmasses der inneren Überzeugung anzubringen. Zum einen ergeben sich aus den Angaben der Beschwerdeführerin keine klaren Beweggründe für die Konversion. Ihre entsprechenden Schilderungen lassen keinen Ent- wicklungsprozess und auch keine innere Auseinandersetzung erkennen, die einer Konversion gemeinhin vorangehen. Zum anderen fällt in den Schilderungen der Beschwerdeführerin deutlich auf, dass sie praktisch keine vertieften Kenntnisse des Christentums aufweist. Beispielhaft kann hierzu auf ihre Ausführungen zu den Fragen 53 - 55 angeführt werden. Ihre diesbezüglichen Angaben erschöpfen sich in sehr simpel gehalten Allge- meinplätzen, die weder eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem christ- lichen Glauben, noch eine wirklich fassbare innere Hinwendung zum Chris- tentum erkennen lässt. Weiter kommt auch erschwerend hinzu, dass auch einzelne diesbezügliche Aussagen offen widersprüchlich ausgefallen sind. So schilderte sie beispielsweise die angebliche Hinwendung zum Christen- tum einmal als «langen Prozess» (vgl. F50), ein anderes Mal brachte sie vor, sehr selten überhaupt zu einer christlichen Klasse in Griechenland ge- gangen zu sein (vgl. F51). Insgesamt kann man sich in casu nicht dem E-2596/2022 Seite 14 Eindruck erwehren, als sei die (formelle) Konversion eher migrationsrecht- lich zweckorientiert erfolgt, denn als Ausdruck einer wirklichen tiefen inne- ren Überzeugung. Aufgrund der fraglichen inneren Überzeugung erscheint daher auch das Ausmass des psychischen Druckes, dem die Beschwerde- führerin bei einer allfälligen Verheimlichung ihres christlichen Glaubens bei einer (angesichts ihrer vorläufigen Aufnahme ohnehin rein hypothetischen) Rückkehr ausgesetzt wäre, als sehr gering. Die nachfolgend zu erörternde objektive Situation der Beschwerdeführerin liesse indessen eine zurück- haltendende Ausübung ihres Glaubens zu. 7.5.6 Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid zutreffend festgehal- ten, dass nichts darauf hindeute, dass jemand in Afghanistan Kenntnis vom Glaubenswechsel der Beschwerdeführerin habe, gab die Beschwerdefüh- rerin doch an, lediglich zwei in Schweden beziehungsweise in der Schweiz lebenden Schwestern und eine m Hilfswerkvertreter, der konvertierte Per- sonen betreue, davon erzählt zu haben. Im Weiteren hielt das SEM ebenso zutreffend fest, dass die Glaubensausübung gegen aussen hin nicht auf- fällig sei. An dieser Einschätzung ändert das auf Beschwerdeebene einge- reichte Bestätigungsschreiben des Präsidenten des E._______ vom 8. März 2022, worin dieser unter anderem bloss festhält, dass die Be- schwerdeführerin persischsprachige Menschen zu christlichen Treffen ein- lade, nichts. Dasselbe gilt für das ohne plausiblen Grund erstmals auf Be- schwerdeebene geltend gemachte und damit als nachgeschoben zu er- achtende Vorbringen, in Griechenland von einem paschtunischen Überset- zer, der damit gedroht habe, sein Wissen über ihre Zuwendung zum christ- lichen Glauben anderen Personen mitzuteilen, sollte sie sich ihm weiterhin verweigern, belästigt worden zu sein. Vor dem Hintergrund der Unglaub- haftigkeit der Vorbringen und der leichten Fälschbarkeit ist die Beweiskraft der mit der Beschwerde eingereichten Screenshots des angeblichen Whats-Apps-Chatverlaufs zwischen der Beschwerdeführerin und des ge- nannten Paschtunen als offensichtlich gering zu erachten, weshalb in anti- zipierter Beweiswürdigung der Antrag auf Übersetzung desselben mangels Notwendigkeit abzuweisen ist. 7.5.7 Das Gericht geht somit auch in Berücksichtigung der aktuellen Ereig- nisse nicht davon aus, dass die Beschwerdeführerin bei einer allfälligen (rein hypothetischen) Rückkehr nach Afghanistan seitens ihrer Familie, der afghanischen Behörden oder der Taliban eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten hätte oder durch eine zurückhaltende Ausübung ihres Glaubens unerträglichem psychischen Druck ausgesetzt wäre. Es liegen damit keine subjektiven Nachfluchtgründe vor. E-2596/2022 Seite 15 7.6 Die Beschwerdeführer konnte damit weder Vorfluchtgründe noch sub- jektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 7 AsylG glaubhaft machen. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin damit zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 8. Lehnt die Vorinstanz das Asylgesuch ab oder tritt sie darauf nicht ei n, so verfügt sie in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. Die Beschwerdeführerin wurde von der Vorinstanz mit Verfügung vom 12. Mai 2022 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen. Da die Wegweisungsvollzugshinder- nisse alternativer Natur sind (vgl. statt vieler BVGE 2011/7 E. 8 m.w.H.), sind die Zulässigkeit und die Möglichkeit des Vollzugs nicht mehr zu prüfen. Auf den Antrag auf Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll- zugs ist nicht einzutreten. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 11. Da die B eschwerde im Zeitpunkt ihrer Einreichung als aussichtslos er- schien, sin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung abzuweisen. Bei die- sem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-2596/2022 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird, soweit darauf eingetreten wird, abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– werden der Beschwerde- führerin auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vor- liegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Lorenz Noli Daniel Merkli Versand: