Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. September 2015 (725 15 194 / 237) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Rückweisung an den Versicherer wegen ungenügender Abklärung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Zürich Versicherungs -Gesellschaft AG , Litigation Hauptbranchen , Postfach, 8085 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1953 geborene A.____ war am 23. Oktober 1989 über einen Teppich gestolpert und gestürzt. Dabei hatte sie sich eine Pilon-Frakt ur rechts zugezogen, welche operativ behan- delt werden musste. A.____ war damals bei der Züric h Versicherungs-Gesellschaft AG obliga- torisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskra nkheiten versichert. Die Zürich Versiche- rungs-Gesellschaft AG hatte denn auch die gesetzlic hen Leistungen für die Folgen dieses Er- eignisses bis zum Fallabschluss im Juli 1993 erbracht. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nachdem A.____ der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG be reits in den Jahren 1999/2000 und 2010 Rückfälle zum Unfallereignis vom 23. Oktober 1 989 gemeldet hatte, teilte sie dieser am 18. August 2014 mit, dass sie sich wieder in ärztliche B ehandlung habe begeben müssen und dass ein operativer Eingriff bevorstehe. Die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG nahm diese Mitteilung der Versicherten als erneute Rückfallm eldung zum Unfallereignis vom 23. Ok- tober 1989 entgegen. In der Folge wurde A.____ in d er Klinik B.____ am 7. Oktober 2014 mit einer Knie-Totalprothese am rechten Knie und am 10. Februar 2015 mit einer solchen am lin- ken Knie versorgt. Mit Verfügung vom 20. März 2015 lehnte die Zürich Versi cherungs-Gesellschaft AG eine Leis- tungspflicht für den gemeldeten Rückfall ab. Zur Begr ündung machte sie im Wesentlichen gel- tend, laut ihren medizinischen Abklärungen seien die aktuellen Kniebeschwerden der Versicher- ten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 23. Oktober 1989 zurückzuführen. Daran hielt die Zürich Versicherungs-Gesel lschaft AG auf Einsprache der Ver- sicherten hin mit Einspracheentscheid vom 4. Mai 2015 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 2 9. Mai 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht). Darin beantragte sie sinngemäss, es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und es sei die Be- schwerdegegnerin zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Le istungen für den gemeldeten Rückfall zu erbringen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 15. Juni 2015 beantragte die Zürich Versicherungs- Gesellschaft AG die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Muttenz, weshalb die ör tliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 29. Mai 2015 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). 2.2 Laut Art. 11 der Verordnung über die Unfallversi cherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt. Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tat bestände dar (Art. 22 UVG; BGE 127 V 457 E. 4b, 118 V 297 E. 2d). Bei einem Rückfal l handelt es sich um das Wiederauffla- ckern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicher- weise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; vo n Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit o rganische oder psychische Veränderun- gen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbi ld führen können. Rückfälle und Spät- folgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unf allereignis an (Kranken- und Unfall- versicherung - Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). 3. Zwischen den Parteien strittig und im Folgenden zu p rüfen ist, ob die von der Versi- cherten im August 2014 als Rückfall gemeldeten Kniebesc hwerden, welche eine erneute ärztli- che Behandlung erforderlich machten, auf das Unfallere ignis vom 23. Oktober 1989 zurückge- führt werden können. 3.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss U VG setzt - unter anderem - vo- raus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem einge tretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr oblieg enden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Da ein Rückfall begrifflich an ein bestehendes Unf allereignis anschliesst (vgl. E. 2.2 hiervor), kann er eine Leistungspflicht des Unfallversich erers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerze it beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher Kausalzusammenhang b esteht (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). Dab ei gilt es klarzustellen, dass der Unfall- versicherer in Bezug auf den geltend gemachten Rückfall nicht auf der Anerkennung des natür- lichen Kausalzusammenhangs beim Grundfall behaftet wer den kann, weil die unfallkausalen Faktoren durch Zeitablauf wegfallen können. Es oblieg t vielmehr der versicherten Person, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen de m neuen Beschwerdebild und dem Unfall mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Je grösser der zeitliche Ab stand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung is t, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalzusa mmenhangs zu stellen (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 E. 1c in fine). Bei Beweislosigke it fällt der Entscheid zu Lasten der versi- cherten Person aus (Urteil G. des Bundesgerichts vom 7. J uli 2010, 8C_113/2010, E. 2.3; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). 4.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie insbe sondere der Feststellung natürli- cher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin - ist d ie rechtsanwendende Behörde re- gelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil A. des Bundesgerich ts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5.1 Dr. med. C.____, Orthopädische Chirurgie und Tra umatologie des Bewegungsappara- tes FMH, welcher am 7. Oktober 2014 und am 10. Februar 2015 in der Klinik B.____ die Im- plantation der Knie-Totalprothesen an beiden Knien der Versicherten vornahm, hatte in seinem Bericht vom 6. Juni 2014 über die gleichentags erfolgte Erst-Konsultation unter dem Titel “Anamnese“ festgehalten, die Versicherte habe seit längerer Zeit Beschwerden in beiden Knien, rechts stärker als links; dies bedingt durch einen Unfall Ende der 1980-er-Jahre. Damals sei es zu einer komplexen Unterschenkelfraktur gekommen, welch e eine Fehlstellung mitbedingt ha- be. Seither hätten die Beschwerden im Kniegelenk im Si nne einer posttraumatischen Gonarth- rose aufgrund der Fehlbelastung zugenommen. Links bestünd en mittlerweile auch Probleme, da die Patientin rechts ausweiche und vermehrt links belast e und damit natürlich auch eine Ab- nützungstendenz vorhanden sei, welche sich in den letzten zehn Jahren progredient entwickelt habe. Mittlerweile habe die Patientin auch links ein e lateral betonte Gonarthrose. Diese Anam- nese wiederholte Dr. C.____ gleichlautend in einem weiteren Bericht vom 7. November 2014. 5.2 Im Februar 2015 ersuchte die Beschwerdegegnerin ihr en beratenden Arzt Dr. med. D.____, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie de s Bewegungsapparates FMH, um eine versicherungsmedizinische Beurteilung, worauf dieser am 25. Februar 2015 eine kurze schriftli- che Kausalitätsbeurteilung erstattete. Darin wies er vora b darauf hin, dass leider keine Ganz- beinaufnahmen oder Aufnahmen aus der Zeit des Unfall s vorliegen würden, um eine allfällige Fehlstellung als Folge der am 23. Oktober 1989 erlitte nen Fraktur zu beurteilen. Die vorliegen- den Röntgenbilder vom 6. Juni 2104 würden aber auf be iden Seiten eine schwere Gonarthrose zeigen, wobei die linke Seite eher noch stärker betrof fen sei. Wenn eine allfällige Fehlstellung die Ursache der Gonarthrose wäre, so wäre schwerpunktmä ssig nur die rechte Seite betroffen. Somit sei aufgrund der ihm vorliegenden Akten die Imp lantation einer Knietotalprothese rechts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Folge des Ereignisses vom 23. Oktober 1989. 5.3 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen E inspracheentscheid vom 4. Mai 2015 bei der Beurteilung der Unfallkausalität der Kniebeschwerden der Versicherten vollumfänglich auf die erwähnte Beurteilung ihres be ratenden Arztes Dr. D.____ vom 25. Feb- ruar 2015. Sie ging demzufolge davon aus, dass die betre ffenden Beschwerden nicht mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 23. Okto ber 1989 zurückzuführen seien. So- mit fehle es an dem für eine Leistungspflicht des Unfa llversicherers erforderlichen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem schädigenden Ereignis und d en als Rückfall gemeldeten Kniebeschwerden. 5.4 Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kan n der Kausalitätsbeurteilung von Dr. D.____ vom 25. Februar 2015 vorliegend aus ver schiedenen Gründen kein ausschlag- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gebender Beweiswert beigemessen werden. Die Aussagekraf t des Berichts wird als erstes be- reits dadurch erheblich geschmälert, als aus diesem nicht kl ar hervorgeht, welche medizini- schen Unterlagen die Beschwerdegegnerin ihrem beratend en Arzt zur Beurteilung vorgelegt hat. In seiner Stellungnahme erwähnt und würdigt Dr. D.____ einzig die am 6. Juni 2014 ange- fertigten Röntgenbilder der beiden Knie. Dies legt d en Schluss nahe, dass er keine Kenntnis von den verschiedenen aktuellen Berichten des behandelnde n Arztes Dr. C.____ hatte. Jeden- falls geht Dr. D.____ nicht auf dessen vorstehend (vgl. E . 5.1 hiervor) wiedergegebene Ausfüh- rungen ein, die eine Unfallkausalität der heutigen Be schwerden an beiden Knien zumindest als möglich erscheinen lassen. Ebenso wenig thematisiert Dr . D.____ bei der Versicherten bereits früher aufgetretene gesundheitliche Probleme wie etwa die anhaltenden Beschwerden im Be- reich des oberen und des unteren Sprunggelenks und die damit zusammenhängenden Fehlbe- lastungen, die damals als unfallkausal beurteilt wurde n (vgl. Bericht von Dr. med. E.____, Chi- rurgie FMH, vom 15. Dezember 2000) und die ärztliche Be handlungen sowie eine Versorgung mit Schuheinlagen nach sich gezogen hatten. In dieser gänzlich fehlenden Auseinandersetzung mit den früheren medizinischen Unterlagen und insbesond ere mit der abweichenden Auffas- sung des aktuell behandelnden Arztes Dr. C.____ liegt der hauptsächliche Mangel der Kausali- tätsbeurteilung von Dr. D.____. Diese muss unter den geschilderten Umständen klarerweise als unvollständig bezeichnet werden. Darüber hinaus gilt es aber auch zu beachten, dass es sich bei Dr. D.____ um den beratenden Arzt der Beschwerdegegnerin handelt. Seine Feststellungen sind deshalb im Rahmen der Beweiswürdigung wie versicher ungs interne ärztliche Beurteilun- gen zu behandeln. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.2 h iervor), ist es grundsätzlich zwar zulässig, dass ein Sozialversicherer einen Versicherungsfall ohne Ein holung eines externen Gutachtens entscheidet, bestehen aber auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sin d ergänzende Abklärungen vorzu- nehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; U rteil A. des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). Vorliegend beste hen - wie aufgezeigt - in verschiedener Hinsicht Zweifel an der Schlüssigkeit der Einschätzung von Dr. D.____, weshalb auch unter diesem Aspekt auf dessen Beurteilung nicht abgestellt werden kann. 5.5 Aus dem Gesagten folgt als Ergebnis, dass die Abklärun gsergebnisse aus dem Ver- waltungsverfahren nicht ausreichend beweiskräftig sind, de r relevante medizinische Sachver- halt bedarf vielmehr weiterer Abklärung. Aus diesem Gru nd ist der angefochtene Einsprache- entscheid vom 4. Mai 2015 aufzuheben und die Angeleg enheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese hat die Frage der Unfallkausalität der von der Beschwerdeführerin als Rückfall gemeldeten Kniebeschwerden nochmals fachärztlich abklären zu lassen. Dabei ist es angezeigt, die erforderlichen Abklärungen durch einen unabhängigen, versicherungsexternen Facharzt vornehmen zu lassen. Anschliessend wird die Beschwe rdegegnerin gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung über den Leistungsanspruch der Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 6.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Hebt das Kantonsgericht eine be i ihm angefochtenen Einspracheent- scheid auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an den Versichere r zurück, so gilt in prozessualer Hin- sicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) ob siegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinwei sen). Demnach ist die Beschwerdeführerin vorliegend zwar obsiegende Partei, da sie jedoch ihre A ngelegenheit selber vor Gericht vertre- ten hat, entfällt ein Anspruch auf Ersatz der Parteikoste n im Sinne der genannten Bestimmung. Die ausserordentlichen Kosten des Verfahrens können demnach wettgeschlagen werden. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 7.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG vom 4. Mai 2015 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG zur ückgewie- sen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht