<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 18 S.67</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Strafrecht</span> <span class="page_no">67</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Strafrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>18</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 29 StGB; §§ 52 Abs. 2 Satz 2, 119 Abs. 3 und 181 Abs. 1 StPO.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>1. Die Strafantragsfrist des Art. 29 StGB ist auch mit einer fristgemässen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Strafanzeige bei einer Strafverfolgungsbehörde wegen eines im Privat-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>strafverfahren zu verfolgenden Antragsdelikts gewahrt.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>2. Eine solche Strafanzeige kann mit ihrer vorgeschriebenen Erledigung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>durch Nichteintretensverfügung nicht von Amtes wegen an den zur Ein-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>leitung bzw. Durchführung des Strafverfahrens zuständigen Friedens-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>richter oder Gerichtspräsidenten weitergeleitet werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Beschwerdekammer in Strafsachen,</span><br/> <span class="ft4">vom 21. Juni 2004 i.S. S. AG.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft6">3. Die Strafanzeige hat nur, soweit damit unlauterer Wettbewerb</span><br/> <span class="ft6">(Art. 5/9 UWG) geltend gemacht und deswegen die Strafverfolgung</span><br/> <span class="ft6">des Beschuldigten verlangt wurde, gestützt auf § 181 Abs. 1 Ziff. 6</span><br/> <span class="ft6">StPO durch Nichteintretensverfügung erledigt werden müssen, wobei</span><br/> <span class="ft6">allerdings mit dieser die Akten nicht dem Präsidenten des Bezirksge-</span><br/> <span class="ft6">richts L. zur Abwandlung der Straftat der UWG-Verletzung im Pri-</span><br/> <span class="ft6">vatstrafverfahren (§ 181 Abs. 1 Ziff. 6 StPO) hätten überwiesen</span><br/> <span class="ft6">werden dürfen.</span><br/> <span class="ft6">a) Die StPO sieht in § 52 Abs. 2 unter dem Titel "Fristen, a) Be-</span><br/> <span class="ft6">rechnung ..." vor, dass eine Frist nur mit einer innerhalb derselben</span><br/> <span class="ft6">vorgenommenen Handlung eingehalten (Satz 1), auch mit einer in-</span><br/> <span class="ft6">nert Frist bei einer im ersten Teil dieses Gesetzes erwähnten nicht</span><br/> <span class="ft6">zuständigen Behörde eingereichten Eingabe gewahrt (Satz 2) und</span><br/> <span class="ft6">eine solche Eingabe unverzüglich an die zuständige Amtsstelle wei-</span><br/> <span class="ft6">terzuleiten (Satz 3) ist. § 52 Abs. 2 Satz 2 StPO besagt, dass eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">68</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">straf- oder strafverfahrensrechtliche Frist mit einer während ihrer</span><br/> <span class="ft6">Dauer bei einer Behörde im Sinne der StPO eingereichten Eingabe</span><br/> <span class="ft6">jedenfalls und ohne Rücksicht auf die Zuständigkeit der angeschrie-</span><br/> <span class="ft6">benen Behörde gewahrt ist. Das gilt insbesondere auch für die Straf-</span><br/> <span class="ft6">antragsfrist (Art. 29 StGB) in einem Fall wie dem vorliegenden, in</span><br/> <span class="ft6">welchem wegen einer behaupteten, im Privatstrafverfahren (§ 181</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 Ziff. 1 bis 9 StPO) zu verfolgenden Straftat der Verletzung des</span><br/> <span class="ft6">UWG (Art. 5/9 UWG), anstatt ein solches eingeleitet (§ 184 StPO),</span><br/> <span class="ft6">bei einer Strafverfolgungsbehörde Strafanzeige erstattet worden ist.</span><br/> <span class="ft6">Eine solche Strafanzeige für ein im Privatstrafverfahren zu verfol-</span><br/> <span class="ft6">gendes Delikt (§ 181 Abs. 1 Ziff. 1 bis 9 StPO) kann indessen nicht</span><br/> <span class="ft6">in Anwendung des § 52 Abs. 2 Satz 2 StPO an die zuständige Amts-</span><br/> <span class="ft6">stelle weitergeleitet werden.</span><br/> <span class="ft6">b) Die Strafverfolgung wegen eines im Privatstrafverfahren ab-</span><br/> <span class="ft6">zuwandelnden Delikts (§ 181 Abs. 1 Ziff. 1 bis 9 StPO), wie es hier</span><br/> <span class="ft6">mit der Verletzung des UWG (Art. 5/9 UWG) geltend gemacht wird</span><br/> <span class="ft6">(§ 181 Abs. 1 Ziff. 6 StPO), ist gestützt auf eine Privatstrafklage</span><br/> <span class="ft6">(§ 184 StPO), allenfalls nach vorangegangenem Sühneversuch beim</span><br/> <span class="ft6">Friedensrichter des Begehungsorts (§ 182 StPO), als Zweipartei-</span><br/> <span class="ft6">enverfahren des Privatstrafklägers gegen den Beklagten (vgl.</span><br/> <span class="ft6">§§ 184/185 StPO) durch den Gerichtspräsidenten des Begehungsorts</span><br/> <span class="ft6">als Instruktionsrichter durchzuführen (§§ 186 ff. StPO) und durch</span><br/> <span class="ft6">das Bezirksgericht zu erledigen (§§ 190 ff. StPO). Die bei einer</span><br/> <span class="ft6">Strafverfolgungsbehörde des ersten Teils der StPO (§§ 1 bis 23</span><br/> <span class="ft6">StPO) und damit auch bei einem Bezirksamt als Untersuchungsrich-</span><br/> <span class="ft6">ter (§ 2 Abs. 1 und 2 StPO) eingereichte oder einem solchen zuge-</span><br/> <span class="ft6">leitete Strafanzeige (vgl. § 52 Abs. 2 StPO) wegen einer solchen</span><br/> <span class="ft6">Straftat ist weder ein Sühne- noch ein Privatstrafklagebegehren im</span><br/> <span class="ft6">Sinne des § 182 bzw. 184 StPO und kann daher auch nicht als sol-</span><br/> <span class="ft6">ches von Amtes wegen dem zuständigen Friedensrichter (§ 182</span><br/> <span class="ft6">StPO) oder Gerichtspräsidenten (§ 184 StPO) des Begehungsorts</span><br/> <span class="ft6">überwiesen werden, sondern ist als Strafanzeige, die im ordentlichen</span><br/> <span class="ft6">Strafverfahren nicht verfolgt werden kann, ausschliesslich durch</span><br/> <span class="ft6">beschwerdefähige Nichteintretensverfügung (§ 119 Abs. 3 und 4</span><br/> <span class="ft6">i.V.m. § 213 Abs. 1 StPO) zu erledigen.</span><br/></div> </div> </body> </html>