B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4509/2017 U r t e i l v o m 2 8 . O k t o b e r 2 0 1 9 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Esther Marti, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch MLaw Sonia Lopez Hormigo, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 19. Juli 2017 / N (…). D-4509/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein Staatsangehöriger von Eritrea , welcher ge- mäss Aktenlage der ethnischen Minderheit der B._______ angehört – er- suchte am 22. Januar 2015 um die Gewährung von Asyl in der Schweiz. Dabei gab er unter anderem an, seine Muttersprache sei B._______, er verstehe aber auch (...) (vgl. act. A1: Personalienblatt). Am 5. Februar 2015 wurde der Beschwerdeführer zu seiner Person und zu seinem persönlichen Hintergrund, zu seinem Reiseweg, zum Verbleib sei- ner Reise- und Identitätspapiere und summarisch zu seinen Gesuchsgrün- den befragt . Dies in (…) Sprache (vgl. act. A3: Befragung zur Person [BzP]). Dabei wurde im Verlauf der Befragung verzeichnet, seine Mutter- sprache sei (...) und B._______ sei seine zweite Muttersprache (a.a.O. Ziff. 1.17.01 f.). Ein Jahr nach der Befragung – am 8. Februar 2016 – fand die einlässliche Anhörung statt, welche wiederum in (...) durchgeführt wurde (vgl. act. A10: Anhörungsprotokoll). Dabei brachte der Beschwerde- führer gegen Ende der Anhörung auf die Frage nach der Verständlichkeit der Übersetzung im Wesentlichen vor, er habe den Dolmetscher gut ver- standen, er spreche jedoch besser B._______ als (...). Daher habe er je- weils Nachfragen gestellt, wenn er etwas nicht verstanden habe (a.a.O. F378). Nachdem der Beschwerdeführer zu Beginn der Anhörung seine eritreische Identitätskarte nachgereicht hatte (ausgestellt […] 2001 in C._______), welche ihm von seinem Bruder aus der Heimat und über einen Verwandten im Sudan zugestellt worden sei, wurde dieses Papier vom SEM einer Do- kumentenprüfung unterzogen. Im Rahmen dieser Prüfung konnten weder Fälschungshinweise noch Hinweise auf eine missbräuchliche Veränderung der Identitätskarte festgestellt werden. B. Im Verlauf der Befragung und der Anhörung brachte der Beschwerdeführer zu seinem Hintergrund das Folgende vor: Er sei ein Angehöriger der Ethnie der B._______ und er stamme aus der Ortschaft D._______, welche in der Region E._______, in der Gegend von F._______ gelegen sei (Anm.: auch G._______, Gulij, Geluj oder H._______, eine Ortschaft […]südlich von C._______ gelegen). Geboren sei er aber im Sudan, wo seine Familie da- mals in einem UN -Flüchtlingslager in der Region von I._______ (Anm.: auch J._______) gelebt habe. Dort habe er auch seine ersten (…) Schul-D-4509/2017 Seite 3 jahre absolviert. Nachdem seine Familie (…) vom Sudan in die Heimat zu- rückgekehrt sei, sei er in Eritrea nur noch während eines Jahres zur Schule gegangen. Danach habe er in der Landwirtschaft seiner Familie gearbeitet. Sein bereits verstorbener Vater stamme zwar aus K._______ und seine Mutter aus L._______ (Anm.: zwei […] von M._______, nahe der Küste gelegene Ortschaften), anlässlich ihrer Rückkehr sei seiner Familie jedoch von den Behörden ein Stück Land in D._______ zugewiesen worden. In dieser Gegend seien viele B._______ aus verschiedenen sudanesischen Flüchtlingslagern angesiedelt worden. Daher lebten in D._______ nicht nur seine Mutter, sein Bruder und (…) seiner Schwestern, sondern auch noch ein Teil seiner Onkel und Tanten. Eine Schwester lebe in N._______ und eine weitere in O._______. Auch seine Ehefrau, mit welcher er seit dem (…) 2006 verheiratet sei, lebe dort. Seine Ehefrau sei im Zeitpunkt der Hei- rat (…) Jahre alt gewesen und die Ehe mit ihr sei von seiner Mutter arran- giert worden, was bei den B._______ üblich sei. Weil er nach seiner Heirat verhaftet worden sei (vgl. dazu nachfolgend), hätten sie nur (…) Monate zusammenleben können. Kinder hätten sie keine und seine Frau werde seit seiner Ausreise von seinem behinderten Bruder unterstützt. Sein Bru- der sei behindert, weil er im Jahre (…) während seines Militärdienstes beim Verlegen einer Landmine schwer verletzt worden sei, und deshalb habe er selber keinen Militärdienst leisten müssen (vgl. dazu act. A3 Ziff. 7.02 [dritte Frage]), respektive sein Bruder sei behindert, weil er (…) bei der Feldarbeit bei einem Unfall mit einer alten Landmine schwer verletzt worden sei, und deshalb habe er sich selber während mehreren Jahren einer Einberufung in den Militärdienst entzogen, um seinem behinderten Bruder in der Land- wirtschaft zu helfen (vgl. dazu act. A10, insbesondere F139, F145, F172, F353, F373 und F380). Vor diesem Hintergrund führte der Beschwerdeführer zur Begründung sei- nes Asylgesuches das Folge nde aus: Er sei (…) 2006 von den heimatli- chen Behörden unter dem unberechtigten Vorwurf verhaftet worden, er habe anderen Leuten zur Flucht in den Sudan geholfen (vgl. dazu act. A3 Ziff. 7.01), respektive unter dem unberechtigten Verdacht, er wolle wohl aus Eritrea fliehen, nachdem er sich jetzt schon über längere Zeit seiner Einberufung in den Militärdienst entzogen habe (vgl. dazu act. A10 F139 ff.). Seiner Rekrutierung habe er sich tatsächlich während mehreren Jahren entzogen, jedoch nicht, um zu fliehen, sondern nur, um seinem behinderten Bruder helfen zu können. Dazu habe er sich während den laufenden Rek- rutierungsrunden jeweils einige Zeit versteckt gehalten. Das sei ihm mög- lich gewesen, da j a allgemein bekannt gewesen sei, dass die Behörden jeweils im sechsten Monat nach möglichen Stellungspflichtigen für den D-4509/2017 Seite 4 Dienstbeginn im Herbst suchten. Sein Verhalten sei zudem von den örtli- chen Behörden während langer Zeit toleriert worden, da der dafür Verant- wortliche gewusst habe, dass er seinem Bruder helfen müsse. Den Behör- den sei bekannt, wer wo lebe und wer wann stellungspflichtig sei. Dienst- pflichtig wäre er schon viel früher gewesen, seiner Familie sei aber erst im (…) 2004 ein Mahnschreiben der Behörden zugestellt worden, was sie als Drohung verstanden hätten. Nach seiner Verhaftung am (…) 2006 sei er nach C._______ gebracht worden, von wo er zwei Tage später ins Gefäng- nis P ._______ überstellt worden sei. Dieses liege in der Nähe der Ortschaft namens Q._______, welche ebenfalls in der Region E._______ gelegen sei (vgl. act. A3 Ziff. 7.02) , respektive dieses befinde sich an einem ihm unbekannten, weit von C._______ entfernt Ort, zumal er von dem Gefäng- nis nur dessen Namen kenne (vgl. dazu act. A10 F197-203). Dort sei er bis zum (…) 2008 in Haft behalten worden. Nachdem er schon anlässlich sei- ner Verhaftung geschlagen worden sei, sei er auch im Gefängnis verhört, geschlagen und gefoltert worden, wovon er noch heute am ganzen Körper Spuren trage. Aufgrund der Verhältnisse im Gefängnis habe er auch Aller- gien bekommen. Während der ersten zwei Monate sei er in Einzelhaft ge- wesen, danach sei er in einen normalen Trakt verlegt worden, welcher rund 70 Gefangene umfasst habe und wo er seine restliche Haf tzeit verbracht habe. Allerdings habe man auch dort das Tageslicht nur dann gesehen, wenn man morgens und a bends in Gruppen zum Toilettengang nach draussen geführt worden sei. Nach zwei Jahren Haft in P ._______ sei er am (…) 2008 zusammen mit zehn anderen Gefangenen (…) überstellt wor- den. Das sei ein agrarisches Projekt der Regierung, wo er auf den Feldern habe Zwangsarbeit verrichten müssen. Die Überstellung sei für ihn überra- schend gekommen, da er nicht mehr gedacht habe, aus dem Gefängnis entlassen zu werden. Nach zwei Monaten sei er von dort geflohen. Er habe sich am (…) 2008 zur Flucht entschlossen, worauf er noch am gleichen Tag beim Wasserlassen die Flucht ergriffen habe. Als er weggerannt sei, habe der Wächter zwar geschossen, aber nicht auf ihn, sondern bloss in die Luft. Sein Ziel sei der Sudan gewesen , und da er die Gegen d von R._______ (Anm.: nordnordöstlich von F._______ gelegen) wirklich gut kenne, habe er sich von dort zu Fuss nach Westen auf den Weg gemacht (vgl. dazu im Einzelnen act. A3 Ziff. 5.01 und act. A10 F310 ff.). Den Sudan habe er innert drei Tagen erreicht. Zu seinem weiteren Reiseweg führte der Beschwerdeführer das Folgende aus: Nachdem er am (…) 2008 den Sudan erreicht habe, habe er in S._______ gelebt, bis er mit Hilfe eines Schleppers und auf der Basis eines gefälschten sudanesischen Passes ein Visum für die Türkei erlangt habe. D-4509/2017 Seite 5 Mit diesen Papieren sei er am (…) 2009 auf dem Luftweg von S._______ nach T._______ gereist. Er sei aber nicht in der Türkei geblieben, sondern umgehend nach Griechenland weitergereist . Nachdem er a m (…) 2009 nach Griechenland gelangt sei, habe er sich jahrelang dort aufgehalten, ohne einen Asylantrag zu stellen. In Griechenland habe er im Elend gelebt und er sei dort wegen seines illegalen Aufenthalts auch (…) Jahre im Ge- fängnis gewesen. Als ihm anlässlich seiner Entlassung von den Behörden eine sechsmonatige Ausreisefrist angesetzt worden sei, habe er das Land am (…) 2015 verlassen, worauf er über Albanien, Serbien und ihm unbe- kannte Länder in die Schweiz gereist sei. Zum Schluss der Anhörung brachte der Beschwerdeführer auf abschlies- sende Frage hin vor, er könne nicht in seine Heimat zurückkehren, da es dort keine Zukunft gebe. Dort gebe es weder Schulen, noch könne man mit der Familie und den Kindern zusammenleben. Er wüsste nicht, weshalb er dorthin zurück sollte, da es dort auch kei ne Stabilität gebe (vgl. act. A 10 F382). C. Mit Verfügung vom 19. Juli 2017 (eröffnet am 25. Juli 2017) stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle d ie Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte sein Asylgesuch ab, verbunden mit der Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz und des Wegweisungsvollzuges nach Eritrea. Im Rahmen der Begründung seines Entscheides erklärte es zunächst die Angaben und Ausführungen des Beschwerdeführers über die angeblich ausreiserelevan- ten Ereignisse als insgesamt unglaubhaft. Dabei verwies es zum einen auf konkrete Widersprüche in den Sachverhaltsangaben des Beschwerdefüh- rers. Zum andern erklärte es dessen Schilderungen zur geltend gemachten Verhaftung, zur angeblich während zwei Jahren erstandenen Haft im Ge- fängnis P ._______ und zur behauptete Flucht aus R._______ als nicht nachvollziehbar unsubstanziiert, mithin bar von Realkennzeichen, was ge- gen ein tatsächliches Erleben der behaupteten Ereignisse spreche. Im An- schluss daran gelangte das SEM unter Bezugnahme auf die publizierte Praxis (gemäss Referenzurteil D -7898/2015 vom 30. Januar 2017) zum Schluss, im Falle des Beschwerde führers bestehe auch kein Anlass zur Annahme, er hätte aufgrund der geltend gemachten illegalen Ausreise in der Heimat asylrelevante Nachstellungen zu gewärtigen. Andere Anknüp- fungspunkte, welche ihn in den Augen der heimatlichen Behörden als miss- liebige Person erscheinen liessen, seien ebenfalls nicht ersichtlich. Nach- dem seine Vorbringen über seine angeblich erlittene Haft unglaubhaft aus-D-4509/2017 Seite 6 gefallen seien, sei davon auszugehen, dass er in Eritrea vor seiner Aus- reise keinen Behördenkontakt gehabt habe. Gemäss Aktenlage habe er weder den Nationaldienst verweigert noch sei er aus diesem desertier t, weshalb seine allenfalls illegale Ausreise keine Furcht vor einer zukünfti- gen asylrelevanten Verfolgung zu begründen vermöge. Den Wegwei- sungsvollzug erklärte das SEM sodann als zulässig, zumutbar und mög- lich. Dabei hielt es fest, alleine die Möglichkeit, dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Rückkehr in die Heimat allenfalls zwecks Zuführung zum Militärdienst in Haft genommen werde, genüge nicht für die Annahme eines "real risk" im Sinne von Art. 3 EMRK. Zur Frage der Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzuges hielt es fest, diese sei mit Blick auf die individuellen Um- stände des Beschwerdeführers zu bejahen. D. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 14. August 2017 – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – Beschwerde, wobei er in seiner Eingabe zur Hauptsache die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl be- antragte, eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und An- ordnung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz als Flüchtling, sube- ventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Un- möglichkeit des Wegweisungsvollzuges und Anor dnung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz aus diesen Grü nden. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Befrei- ung von der Kostenvorschusspflicht und um Beiordnung seiner Rechtsver- treterin als amtliche Rechtsbeiständin. Im Rahmen seiner Beschwerdebe- gründung machte er nach Bekräftigung seiner Sachverhaltsangaben gel- tend, im Falle einer Rückführung in seine Heimat habe er eine umgehende Inhaftierung zu gewärtigen. Dies aufgrund seiner Weigerung, den Militär- dienst zu leisten, und wegen seiner illegalen Ausreise. Aufgrund seiner Flucht aus dem Arbeitslager R._______ habe er zudem eine unmenschli- che Behandlung vonseiten der heimatlichen Behörden zu fürchten. Den vorinstanzlichen Feststellungen und Schlüssen betreffend die Unglaubhaf- tigkeit seiner Vorbringen entgegnete er, seine Sachverhaltsschilderungen hielten einer Gesamtbetrachtung durchaus stand. In dieser Hinsicht sei na- mentlich zu berücksichtigen, dass er sich sowohl im Rahmen der Befra- gung als auch in Rahmen der Anhörung in (...) habe ausdrücken müssen, obwohl er anlässlich der Gesuchseinreichung angegeben habe, seine Mut- tersprache sei B._______. Dies sei gebührend zu würdigen, auch wenn er sich tatsächlich auf eine Befragung respektive Anhörung in (...) eingelas- sen habe. So habe er nicht nur in der Anhörung zu Protokoll gegeben, dass D-4509/2017 Seite 7 er den Dolmetscher nicht gut verstanden habe , sondern es ergebe sich auch aus dem Anhörungsprotokoll selbst, dass er wegen Verständnisprob- lemen immer wieder habe Nachfragen stellen müssen. Dabei verwies der Beschwerdeführer auf insgesamt 25 einzelne Aktenstellen. Schliesslich sei ebenso zu berücksichtigen, dass die Geschehnisse in seiner Heimat für ihn im Zeitpunkt der Befragung und Anhörung schon (…) respektive (…) Jah- ren zurückgelegen hätten. Nach diesen Ausführungen machte der Be- schwerdeführer geltend, seine Angaben und Ausführungen zu seiner Inhaf- tierung und zur Zwangsarbeit in R._______ hielten den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) durchaus stand. Dem SEM hielt er gleichzeitig vor, in seiner Beurteilung einseitig nur auf jene Aussagen abgestellt zu haben, welche ihm zum Nachteil gereichten. Kriterien, welche für die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sprächen, seien demgegenüber nicht ansatzweise erwähnt worden. Zwar sei betreffend die Frage, weshalb er am (…) 2006 inhaftiert worden sei, tatsächlich ein Wi- derspruch in seinen Angaben anlässlich der Befragung und im Rahmen der Anhörung ersichtlich. Diesen Widerspruch habe er jedoch in der Anhörung auflösen können, indem er dort auf eine mit Sicherheit fehlerhafte Proto- kollierung anlässlich der Befragung verwiesen habe. Der Vorhalt, seine An- gaben und Ausführungen zum erhaltenen Aufgebot, zu sein er Verhaftung und zu seinem Gefängnisaufenthalt seien unsubstanziiert und ohne Real- kennzeichen, sei unhaltbar. Richtig sei, dass er seine Erlebnisse nach bes- tem Wissen und Gewissen und im Rahmen seiner Möglichkeiten beant- wortet habe, obwohl er vieles aus s prachlichen Gründen nicht richtig ver- standen habe. Zwar seien seine Schilderungen nicht so detailreich ausge- fallen, wie dies zu erwarten wäre. Dies sei jedoch primär dem Umstand zuzuschreiben, dass er nicht in seiner Muttersprache angehört worden sei. Seine Angaben und Ausführungen zum Internierungslager P ._______ deckten sich schliesslich auch mit den Berichten namhafter Organisatio- nen. Nachdem bei einer Gesamtbetrachtung von der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen auszugehen sei, erfülle er die Flüchtlingseigenschaft und es sei ihm Asyl zu gewähren, da er bereits asylrelevante Verfolgung erlitten habe und er darüber hinaus im Falle einer Rückkehr in die Heimat wegen seiner Desertion erneut Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen hätte. In seinen diesbezüglichen Ausführungen verwies der Beschwerdeführer auf die länderspezifische Rechtsprechung gemäss EMARK 2006 Nr. 3, welche auch im Lichte des Referenzurteils D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 zu beachten sei, habe er doch vor seiner Flucht in direktem Kontakt mit den heimatlichen Militärbehörden gestanden. Wegen seiner illegalen Ausreise erfülle er zumindest die Flüchtlingseigenschaft wegen subjektiver D-4509/2017 Seite 8 Nachfluchtgründe, woran auch die jüngste Praxis (gemäss dem v orge- nannten Referenzurteil) nichts ändere, weil er eben schon Kontakt mit den Militärbehörden gehabt habe. Abschliessend erklärte der Beschwerdefüh- rer den Wegweisungsvollzug unter Verweis auf die in seiner Heimat herr- schenden Verhältnisse und den ihm drohenden Militärdienst als nach Art. 3 und 4 EMRK unzulässig, sodann als faktisch unmöglich und schliesslich auch als unzumutbar. Auf die diesbezüglichen Vorb ringen wird – soweit wesentlich – nachfolgend eingegangen. E. Mit Zwischenverfügung vom 18. August 2017 wurde den Gesuchen um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG), um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) und um Gewährung der amtlichen Verbeiständung (nach aArt. 110 a Abs. 1 AsylG) ents prochen und dem Beschwerdeführer die rubrizierte Rechtsvertreter in als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet (aArt. 110a Abs. 1 i.V.m. aArt. 110a Abs. 3 AsylG). Gleichzeitig wurde das SEM zum Schriftenwechsel eingeladen (Art. 57 Abs. 1 VwVG). Dabei wurde das Staatssekretariat aufgrund der Aktenlage und der diesbezügli- chen Beschwerde aufgefordert, bekannt zu geben, aus welchen Gründen der Beschwerdeführer nicht in der Sprache B._______ angehört worden sei. F. In seiner Vernehmlassung vom 4. September 2017 hielt das SEM an der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Be- schwerde. Dabei äusserte es sich zunächst zu den Rügen betreffend die Anhörungssprache, welche es unter Verweis auf die Aktenlage als unbe- gründet erklärte. In der Sache gelangte es zum Schluss, der Beschwerde- führer habe seine Asylgründe in ausreichender Qualität schildern können, weshalb von einer vollständigen Sachverhaltsfeststellung auszugehen sei. Darüber hinaus ergänzte das SEM seine ursprünglichen Erwägungen zur Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges um Ausführungen zum eritreischen Nationaldienst. Dabei hielt es im Wesentlichen fest, im Falle des Beschwerdeführers sei nicht von einem "real risk" einer mit Art. 4 EMRK unvereinbaren Behandlung auszugehen. Vor dem Hintergrund der nachfolgenden Erwägungen kann für die diesbezüglichen Ausführungen im Einzelnen auf die Akten verweisen werden. D-4509/2017 Seite 9 G. In seiner Stellungnahme (Replik) vom 27. September 2017 hielt der Be- schwerdeführer an seiner Beschwerde vollumfänglich fest, wobei er zur Hauptsache das Vorbringen bekräftigte, im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens hätten sich Verständigungsschwierigkeiten ergeben und sei er in seinem Ausdruck deutlich eingeschränkt gewesen, weil er vom SEM nicht in seiner Mutterspra che befragt und angehört worden sei . Dabei machte er neu geltend, die Anhörung sei gegebenenfalls zu annullieren und er sei von einem geeigneten Dolmetscher erneut anzuhören. In seinen weiteren Ausführungen erklärte er den Wegweisungsvollzug als mit Art. 4 EMRK unvereinbar, da der Einsatz im eritreische Nationaldienst sowohl im zivilen auch im militärischen Bereich Zwangsarbeit gleichkomme. Vor dem Hintergrund der nachfolgenden Erwägungen kann für die diesbezüglichen Vorbringen im Einzelnen auf die Akten verwiesen werden. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei- det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorlie- gend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG; Art. 6 AsylG). 1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 1.4 Am 1. März 2019 ist die Änderung des AsylG vom 25. September 2015 abschliessend in Kraft getreten (vgl. dazu die Verordnung über die ab- schliessende Inkraftsetzung der Änderung vom 25. September 2015 des Asylgesetzes [AS 2018 2855]). Im vorliegenden Verfahren gilt indes das bisherige Recht (vgl. dazu Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Ände- rung des AsylG vom 25. September 2015). D-4509/2017 Seite 10 1.5 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und die Be- schwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. 2.1 Nachdem der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Beschwerde noch im Wesentlichen darum ersuchte, bei der rechtlichen Würdigung der Sache seinen sprachlichen Mühen im erstinstanzlichen Verfahren gebührend Rechnung zu tragen, verlangt er im Rahmen seiner Replik eingabe dem wesentlichen Sinngehalt nach die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz, weil mangels Anhö- rung in der Muttersprache der rechtserhebliche Sachverhalt nicht korrekt erfasst und sein Anspruch auf das rechtliche Gehör verletzt worden sei. 2.2 Dieser Ansatz vermag aufgrund der Aktenlage nicht zu überzeugen. Wie das SEM in seiner Vernehmlassung zutreffend ausführt, gab der Be- schwerdeführer bei der Gesuchseinreichung an, B._______ sei seine Mut- tersprache und er b eherrsche als weitere Sprache (...). Demgegenüber wurde anlässlich der BzP protokolliert, (...) sei seine Muttersprache, B._______ sei seine zweite Muttersprache; diese könne bei der Anhörung ebenfalls verwendet werden. Anlässlich der Anhörung wiederum erk lärte der Beschwerdeführer, B._______ sei für ihn besser als (...). Aufgrund der Angaben in der Anhörung und der Biografie des Beschwerdeführers ist es durchaus denkbar, dass der Beschwerdeführer (...) nur als Zweitsprache beherrscht, diese bei der BzP jedoch als Erstsprache erfasst wurde, da die Befragung auf (...) stattfand. Nichtsdestotrotz lässt sich aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nicht ableiten, dass die asylsuchende Person nur in ihrer Muttersprache angehört werden darf, sondern es besteht lediglich ein Anspruch darauf, sich in einer Sprache zu äussern, die von der asylsu- chenden Person beherrscht wird. Wird eine asylsuchende Person nicht in ihrer Muttersprache angehört, ist dies im Rahmen der Beweiswürdigung und insbesondere bei der Glaubhaftig keitsprüfung entsprechend zu be- rücksichtigen. 2.3 Im vorliegenden Fall gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, aufzuzei- gen, dass seine Sprachkenntnisse ungenügend gewesen wären, um die Befragung und die Anhörung auf (...) durchzuführen. Zwar ist ihm beizu- pflichten, dass er mehrmals angab, eine Frage nicht zu verstehen (vgl. act. A10 F52, F62, F75, F114, F117, F138, F178, F182, F184, F191, F198, D-4509/2017 Seite 11 F254, F269, F281, F284, F286, F302, F308, F310, F324, F336, F354, F358, F367, F370). Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass die befragende Person in den genannten Fällen die Fragen jeweils erneut stellte oder um- formulierte, so dass es dem Beschwerdeführer trotzdem möglich war, zu antworten. Im Übrigen bestätigt gerade seine Aussage gegen Schluss der Anhörung, dass er nachgefragt habe, wenn er etwas nicht verstanden habe (a.a.O. F378), sowie die Anmerkungen zur Rückübersetzung, dass ihm al- les gut erklärt worden sei (a.a.O. S. 35), dass er sich genügend auf (...) verständigen konnte. Sodann erklärte auch der Dolmetscher, de n Be- schwerdeführer bis auf eine Ausnahme gut verstanden zu haben (a.a.O. F379). Vor diesem Hintergrund stösst die in der Replik vorgebrachte Argu- mentation, dass seine (...)kenntnisse lediglich für die Durchführung der summarischen BzP ausreichend gewesen seien, ins Leere und steht über- dies im Kontrast zu den protokollierten Ausführungen in der Anhörung, wo- nach er den Dolmetscher der Anhörung besser verstanden habe als den- jenigen der BzP (a.a.O. S. 35). Bei der Lektüre der Protokolle sind im Üb- rigen auch kei ne Kommunikationsprobleme zwischen dem Beschwerde- führer und dem Dolmetscher ersichtlich, sondern es scheint, der Beschwer- deführer habe – dort wo es gewisse Schwierigkeiten gab – jeweils den Hin- tergrund der Fragen an sich, welche vor allem auf die Nennung von Real- kennzeichen abzielten, nicht verstanden. Auch wurde von Seiten der Hilfs- werksvertretung keinerlei Anmerkungen vorgenommen. 2.4 Nach einer Gesamtschau ergibt sich, dass die erkennbaren Widersprü- che und Ungereimtheiten in den Vorbringen des Beschwerdeführers, auf welche nachstehend eingegangen wird, nicht einer angeblich ungenügen- den sprachlichen Verständigung zuzuschreiben sind. Gleichwohl ist vorlie- gend dem Umstand, dass der Beschwerdeführer nicht in seiner Mutterspra- che B._______ befragt und angehört wurde, bei der Beweiswürdigung an- gemessen Rechnung zu tragen. Ferner ist auch weder eine Gehörsrechts- verletzung noch anderweitig Bedarf an zusätzlichen Sachverhaltsabklärun- gen ersichtlich. Der rechtserhebli che Sachverhalt erscheint vielmehr als hinreichend erstellt, womit das Gericht in der Sache zu entscheiden hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer D-4509/2017 Seite 12 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuch stellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Ver- folgungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanzi- ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tat- sächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Origi- nalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, wi- dersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung al- ler Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhal- tes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwür- digkeit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesam- ten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge- brachte Sachverhaltsdarstellu ng sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). D-4509/2017 Seite 13 4.2 Nach eingehender Prüfung der Akten ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich relevante Gefähr- dung glaubhaft zu machen. Wie das SEM zutreffend ausführt, lassen sich in den Vorbringen des Beschwerdeführers mehrere Ungereimtheiten fin- den. Insbesondere äusserte sich der Beschwerdeführer widersprüchlich zum Grund der geltend gemachten Verhaftung. Während er in der BzP an- gab, die Behörden hätten ihm vorgeworfen, er würde Personen zur Flucht in den Sudan verhelfen (vgl. act. A3 Ziff. 7.01), gab er anlässlich der Anhö- rung zu Protokoll, die Behörden hätten ihm vorgeworfen, er wolle in den Sudan fliehen und den Nationaldienst nicht leisten (vgl. act. A10 F137). Selbst wenn aufgrund der geltend gemachten Verständnisschwierigkeiten in der BzP angenommen würde, der Vorwurf habe lediglich gelautet, er be- absichtige, in den Sudan zu gehen (a.a.O. F363 ff.) , erscheint es immer noch nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer die an der An- hörung vorgebrachten mehrfachen Einberufungsbefehle sowie das Verste- cken im Wald anlässlich der BzP nicht ansatzweise erwähnte (a.a.O. F140, F147 ff.). Im Weiteren vermag der Beschwerdeführer – auch in Berücksich- tigung des allfällig eingeschränkten Wortschatzes sowie des Zeitablaufs – weder die angeblichen Aufenthalte im Wald (a.a.O. F151-154) noch die Zeit während der Haft erlebnisgeprägt wiederzugeben (a.a.O. F 192, F199, F213, F216, F218, F225 ff. , F357). Obwohl der Beschwerdeführer mehr- mals aufgefordert wurde, präziser zu antworten, bleiben seine Antworten weitestgehend substanzarm (a.a.O. F151 ff., F198 f.). Ebenfalls fällt die Schilderung der Verhaftung oberflächlich und in Bezug auf die beteiligt en Personen (Offizier oder Soldaten) widersprüchlich aus (a.a.O. F139, F175 f.). Darauf angesprochen, wie er sich mit den Soldaten unterhalten habe, brachte er vor, sich nicht mit ihnen verständigt zu haben, obwohl er kurz zuvor zwei Mal Dialoge in direkter Rede zu Protokoll gab (a.a.O. F139, F174, F181 ff.). Ebenfalls vermag die Schilderung der Freilassung und der Überstellung in das (…) nicht zu überzeugen (a.a.O. F274 ff.) . Der Be- schwerdeführer führte lediglich aus, der Zufall beziehungsweise Gott habe es so gewollt, dass er dem Projekt zugeteilt werde. Obwohl der der Be- schwerdeführer mehrmals angehalten wurde, nähere Angaben zu machen, war es ihm nicht möglich, detailliert über seine Impressionen und Gefühle zu berichten (a.a.O. F274-280, F287 ff.). Darüber hinaus wurden nicht nur das Schmieden der Fluchtpläne, sondern auch die Flucht aus dem Projekt selbst äusserst stereotyp wiedergegeben (a.a.O. F294-306). Eher für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen respektive einer erlebten Haft sprechen das Aufzeichnen des Lageplans des Gefängnisses (a.a.O. F256 ff.) sowie die mehrmals angeführten schlechten hygienischen Bedingungen und die feh-D-4509/2017 Seite 14 lende medizinische Versorgung, die zu Allergien geführt hätten. Auch deu- tete der Beschwerdeführer an, am Körper Narben zu haben (a.a.O. F227, F348 f.; act. A3 Ziff. 8.02) . Gleichwohl ist zu bemerken, dass in diesem Zusammenhang bis dato keinerlei medizinische Berichte eingereicht wur- den, welche den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers dokumen- tieren würden. Hinsichtlich der vorgebrachten Fluchtroute ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer zwar im Vergleich zu seinen anderen Ausfüh- rungen zumindest einige Details, wie die Ortschaften, hat benennen kön- nen. Trotzdem konnte er sich wiederum nicht erinnern, ob er e inen Fluss gesehen respektive überquert habe oder nicht (vgl. act. A10 F311, F324- 330). Aussergewöhnlich erscheint zudem, dass der Beschwerdeführer – obwohl er (…) Jahre lang in Eritrea und davon (…) Jahre in Haft gelebt haben will – kaum Tigrinya verstehen und sprechen kann ( a.a.O. F37 f.). Die Schilderungen des Beschwerdeführers weisen zudem weitere Unge- reimtheiten bezüglich seines Bruders auf. So führte der Beschwerdeführer in der BzP aus, sein Bruder sei in der Armee und zuständig für die Einpflan- zung von Bodenminen gewesen, wobei er sich bei einem Vorfall schwer am (…) verletzt habe. Demgegenüber erklärte der Beschwerdeführer in der Anhörung, sein Bruder habe nie Militärdienst geleistet, sondern sei bei der (…) von einer alten M ine getroffen und verletzt worden (a.a.O. F 372 ff., F380; A3 Ziff. 7.02). Auch diese diametral voneinander abweichenden Aus- sagen zum Militärdienst, welche der Beschwerdeführer durch die angeführ- ten, konkretisierenden Angaben noch bekräftigt, lassen sich nicht durch all- fällige Sprachprobleme oder einen Protokollfehler erklären. 4.3 Insgesamt erscheinen die geltend gemachten Vorbringen in Bezug auf die Vorfluchtgründe unglaubhaft. Es ist somit nicht davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer in Eritrea aufgrund von Ereignissen vor der Ausreise asylrechtlich relevante Verfolgung droht. Die Vorinstanz hat die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft insoweit zu Recht verneint. 5. Es bleibt weiter zu prüfen, ob der Beschwerdeführer infolge illegaler Aus- reise aus Eritrea die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. 5.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen des Landes oder exilpolitische Betätigungen – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachflucht- gründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Diese begründen die Flücht- lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 D-4509/2017 Seite 15 AsylG zum Ausschluss des Asyls. Daher werden Personen, welche su b- jektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 5.2 Im Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil publi- ziert) gelangte das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass im Kon- text von Eritrea die illegale Ausreise allein zur Begründung der Flüchtlings- eigenschaft nicht ausreicht. Vielmehr bedarf es hierzu zusätzlicher An- knüpfungspunkte, welche die asylsuchende Person in den Augen der erit- reischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten (vgl. Urteil D-7898/2015 E. 5.1). 5.3 Das Vorliegen solcher zusätzlicher Faktoren ist im Falle des Beschwer- deführers zu verneinen , da einerseits – wie vorstehend ausgeführt – die geltend gemachten Vorfluchtgründe nicht glaubhaft gemacht werden konn- ten und andererseits aufgrund der Aktenlage auch keine anderen Anknüp- fungspunkte ersichtlich sind, welche ihn in den Augen des eritreischen Re- gimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten. Der Beschwer- deführer weist unter keinem Gesichtspunkt ein relevantes Profil auf. 5.4 Aus diesen Erwägungen folgt, dass die Vorinstanz die Flüchtlingsei- genschaft des Beschwerdeführers – auch im Hinblick auf die illegale Aus- reise – zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die We gweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Bei der Geltendmachung von D-4509/2017 Seite 16 Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwal- tungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flücht- lingseigenschaft; das heisst, sie sind wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.1 Der Vollzug ist nach Art. 83 Abs. 3 AuG unzulässig, wenn völkerrechtli- che Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländ erin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen- stehen. 7.1.1 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen- den Verfahren keine Anwendung finden (vgl. auch Art. 33 Abs. 1 des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Die Zulässigkeit des Vollzuges beurteilt sich mithin nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (ins- besondere Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 FoK; Art. 3 und hier auch Art. 4 EMRK). Vorliegend macht der Beschwerdeführer geltend, der Wegweisungsvollzug sei angesichts der allgemeinen Menschenrechtssituation in Eritrea (vgl. Beschwerde) beziehungsweise der drohenden Einziehung in den eritrei- schen Nationaldienst sowie Zwangsarbeit (vgl. Replik) und einer damit ver- bundenen Verletzung von Art. 3 und Art. 4 Abs. 2 EMRK als unzulässig an- zusehen. 7.1.2 Die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei anstehen- der Einziehung in den eritreischen Nationaldienst ist vom Bundesverwal- tungsgericht in einem jüngst ergangenen Grundsatzurteil geklärt worden (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.1). Im genannten Urteil hielt das Gericht zu- nächst fest, dass es sich beim eritreischen Nationaldienst nicht um Sklave- rei oder Leibeigenschaft im Sinne von Art. 4 Abs. 1 EMRK handle (vgl. hierzu a.a.O. E. 6.1.4). Im Weiteren prüfte es die Zulässigkeit des Wegwei- sungsvollzugs sowohl unter dem Gesichtspunkt des Zwangsarbeitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK; vgl. nachfolgend, E. 8.1.2.2) als auch unter jenem des Verbots der Folter und der unmenschlichen und erniedrigenden Be- handlung (Art. 3 EMRK; vgl. nachfolgend, E. 8.1.2.3). 7.1.2.1 Nach einer umfassend en Analyse der verfügbaren Quellen ge- langte das Bundesverwaltungsgericht im genannten Urteil in tatsächlicher D-4509/2017 Seite 17 Hinsicht zum Ergebnis, dass die Bemessung der Dienstdauer und die Ge- währung von Urlauben im eritreischen Nationaldienst für die Einzelperson kaum vorhersehbar seien. Die durchschnittliche Dienstdauer lasse sich nicht genau beziffern, auszugehen sei jedoch davon, dass sie zwischen fünf und zehn Jahre betrage und in Einzelfällen darüber hinausgehen könne. Die Lebensbedingungen gestalteten sich sowohl in der Grundaus- bildung als auch im militärischen und im zivilen Nationaldienst schwierig; im zivilen Nationaldienst insbesondere deshalb, weil Verpflegung und Un- terkunft nicht immer zur Verfügung gestellt würden und der Nationaldienst- sold – trotz einzelner Verbesserungen in jüngster Zeit – kaum ausreiche, um den Lebensunterhalt zu decken. Darüber hinausgehend stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, dass es im eritreischen Nationaldienst – insbesondere in der Grundausbildung und im militärischen Nationald ienst – zu Misshandlungen und sexuellen Übergriffen komme (vgl. zum Ganzen BVGE 2018 VI/4 E. 6.1.5.2). 7.1.2.2 In rechtlicher Hinsicht führte das Bundesverwaltungsgericht zu- nächst aus, dass auch der militärische Nationaldienst im Falle von Eritrea von Art. 4 Abs. 2 EMRK erfasst sei. Ein Ausschluss gemäss Art. 4 Abs. 3 EMRK falle ausser Betracht (vgl. ausführlich a.a.O. E. 6.1.5.1). Insofern gehen die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz fehl, was jedoch am Ergebnis nichts zu ändern vermag. Das Gericht hielt sodann fest, Art. 4 Abs. 2 EMRK stehe dem Wegweisungsvollzug nur dann entgegen, wenn das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung des Zwangsarbeitsver- bots anzunehmen wäre. Der im eritreischen Nationaldienst effektiv zu be- fürchtende Nachteil, auf unabsehbare Zeit eine niedrig entlöhnte Arbeit für den Staat ausführen zu müssen, sei zwar als unverhältnismässige Last zu qualifizieren. Der Nachteil beraube jedoch Art. 4 Abs. 2 EMRK nicht seines essenziellen Gehalts; insofern sei keine flagrante Verletzung anzunehmen. Nicht erstellt sei zudem, dass die kolportierten Misshandlungen und sexu- ellen Übergriffe systematisch stattfänden, so dass jede Nationaldienstleis- tende und jeder Nationaldienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. In diesem Zusammenhang sei in Betracht zu ziehen, dass der Nationaldienst in vielen Fällen im zivilen Bereich geleistet werden kann, wo sich die Situation oft nur gering von Tä- tigkeiten im Rahmen eines Arbeitsvertrages unterscheide. Die Berichte zu Misshandlungen hingegen bezögen sich in der Regel auf den militärischen Bereich und stünden vielfach im Zusammenhang mit Desertion. Insgesamt sei eine Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK durch den Wegweisungsvoll- zug zu verneinen (vgl. a.a.O. E. 6.1.5.2). D-4509/2017 Seite 18 7.1.2.3 Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschen- rechte (EGMR) müsste der Beschwerdeführer mit Blick auf Art. 3 EMRK das ernsthafte Risiko ("real risk") nachweisen, dass ihm im Fall einer Rück- schiebung Folter oder unmenschlic he Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Im Grundsatzurteil BVGE 2018 VI/4 führte das Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich aus, dass keine hinreichenden Belege dafür existieren, dass Misshandlungen und sexuelle Übergriffe im Nationaldienst systematisch stattfänden, so dass alle Dienst- leistenden dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wären, selbst solche Über- griffe zu erleiden (vgl. dazu E. 7.1.2.2). Es bestehe daher kein ernsthaftes Risiko einer Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Einziehung in den eritreischen Nationaldienst (a.a.O. E. 6.1.6). Auch von einem real risk einer Haftstrafe allein aufgrund der Ausreise vor bestehender Dienstpflicht ging das Bundesverwaltungsgericht nicht aus (vgl. a.a.O. E. 6.1.8). 7.1.3 Bereits aufgrund seines Alters ist die Wahrscheinlichkeit, dass er noch in den Militärdienst eingezogen würde gering. Selbst wenn dies aber der Fall wäre, ist nach dem Gesagten ein real risk nicht anzunehmen. Wei- tere Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll- zugs ergeben sich weder aus den Akten noch aus der Beschwerdeschrift. Der Wegweisungsvollzug ist nach dem Gesagten als zulässig zu betrach- ten. 7.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vol lzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.2.1 Im Referenzurteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 hielt das Bun- desverwaltungsgericht nach eingehender Analyse der Ländersituation fest (vgl. a.a.O. E. 15 und 16), angesichts der dokumentierten Verbesserungen in der Nahrungsmittel- und Wasserversorgung, im Bildungswesen sowie im Gesundheitssystem Eritreas könne die bisherige Praxis, dass eine Rück- kehr nur bei begünstigenden individuellen Umständen zumutbar sei (vgl. EMARK 2005 Nr. 12), nicht mehr aufrechterhalten werden (a.a.O. E. 17.2). D-4509/2017 Seite 19 7.2.2 Im bereits erwähnten Urteil BVGE 2018 VI/4 befand das Gericht nun- mehr, dass auch Personen, welche bei Rückkehr nach Eritrea in den Nati- onaldienst eingezogen würden, aufgrund der allgemeinen Verhältnisse im Nationaldienst nicht in eine existenzielle Notlage zu geraten drohen (vgl. a.a.O. E. 6.2.3). Zudem bestehe kein Grund zur Annahme, sie würden überwiegend wahrscheinlich von Misshandlungen oder sexuellen Übergrif- fen betroffen (vgl. a.a.O. E. 6.2.4). Demnach sei auch nicht davon auszu- gehen, dass Nationaldienstleistende bei Rückkehr generell im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG konkret gefährdet seien. Falls der Beschwerdeführer tatsächlich noch eine Einziehung in den Militärdienst drohen würde, führte dies mithin nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 7.2.3 Angesichts der im Referenzurteil D -2311/2016 festgehaltenen schwierigen allgemeinen – und insbesondere wirtschaftlichen – Lage in Eritrea muss bei Vorliegen besonderer Umstände aber nach wie vor von einer Existenzbedrohung ausgegangen werden. Die Frage der Zumutbar- keit bleibt im Einzelfall zu prüfen (a.a.O. E. 17.2). Im Fall des Beschwerdeführers liegen keine solchen besonderen Um- stände vor. Zwecks Vermeidung von Wiederholungen kann diesbezüglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Auch auf Beschwerdestufe wurde nichts vorgebracht, was zu einer anderen Ein- schätzung führen könnte. Seit Einreichung der Beschwerde haben sich überdies weitere Verbesserungen ergeben; namentlich haben Äthiopien und Eritrea jüngst ein Friedensabkommen geschlossen (vgl. Neue Zürcher Zeitung, Trotz Friedensabkommen in Eritrea – Asylpraxis bei Eritreern än- dert sich vorerst nicht, 11. Juli 2018). 7.2.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar (Art. 83 Abs. 4 AuG). 7.3 Zwar ist dara uf hinzuweisen, dass derzeit die zwangsweise Rückfüh- rung nach Eritrea generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). D-4509/2017 Seite 20 7.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfahrens grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent - schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Aufgrund der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (nach Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist jedoch von einer Kostenauflage abzusehen. 9.2 Nachdem die Rechtsvertreterin dem Beschwerdeführer als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet worden ist (vgl. aArt. 110a Abs. 1 i.V.m. aArt. 110a Abs. 3 AsylG), ist sie für ihren Aufwand unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschädigen, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Die mit der Beschwerde eingereichte Kostennote weist für die Redaktion der Beschwerde vom 10. August 2017 einen zeitlichen Aufwand von 130 Minuten auf, was angesichts der Akten- lage angemessen erscheint. Die mit der Replik eingereichte Kostennote weist dagegen einen ohne weitergehende Erläuterung nachträglich erhöh- ten zeitlichen Aufwand von 190 Minuten auf. Für die Berechnung des amt- lichen Honorars ist demnach die zuerst eingereichte Kostennote massge- bend. In Berücksichtigung des durch den Schriftenwechsel zusätzlich ver- ursachten Aufwands und des praxisgemässen Stundenansatzes für amtli- che Rechtsbeistände gemäss aArt. 110a AsylG (von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter) ist das amtliche Honorar demnach auf Fr. 900.– festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-4509/2017 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der rubrizierten Rechtsvertreter in wird für ihren Aufwand als amtliche Rechtsbeiständin ein Honorar von Fr. 900.– ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Martina von Wattenwyl Versand: