<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">181</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>30</b></span> <span class="ft2"><b>Attikageschoss (§ 16a ABauV)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Eine Sonnenschutzkonstruktion, bei der über eine fest montierte Metall-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rahmenkonstruktion eine Markise aus- und eingefahren werden kann,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stellt einen Bauteil gemäss § 16a Abs. 2 ABauV dar, welcher innerhalb der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Attikagrundfläche liegen muss.</b></span><br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 12. Dezember 2014 in Sa-</span><br/> <span class="ft4">chen A. und B. gegen Gemeinderat C. sowie Departement Bau, Verkehr und</span><br/> <span class="ft4">Umwelt (WBE.2014.199).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft8">1.</span><br/> <span class="ft8">Gegenstand des nachträglichen Baubewilligungsverfahrens bil-</span><br/> <span class="ft8">det die von den Beschwerdeführern auf dem Attikageschoss erstellte</span><br/> <span class="ft8">Sonnenschutzkonstruktion. Diese besteht aus einem rechteckigen</span><br/> <span class="ft8">Rahmen aus feuerverzinkten HEB-Profilen 120/120 mm (und einer</span><br/> <span class="ft8">Unterkonstruktion aus feuerverzinktem Flachstahl 60/8 mm) sowie</span><br/> <span class="ft8">einer an der Brüstung befestigten Stütze, die ebenfalls aus einem</span><br/> <span class="ft8">HEB-Profil 120/120 mm besteht. Der rechteckige Metallrahmen</span><br/> <span class="ft8">weist Masse von 4.77 m x 4.615 m auf. Auf dem Metallrahmen sind</span><br/> <span class="ft8">Führungsschienen für die ausziehbare Stoffmarkise montiert. Die</span><br/> <span class="ft8">Führungsschienen weisen gegen die Brüstung hin ein Gefälle von ca.</span><br/> <span class="ft8">2.5 % auf. Die Sonnenschutzkonstruktion weist damit eine Grundflä-</span><br/> <span class="ft8">che von 22 m</span><span class="ft10"><sup>2</sup></span> <span class="ft8">auf, die lichte Höhe beträgt 2.45 m. Die Konstruktion</span><br/> <span class="ft8">ist auf der Terrasse situiert, in der innenliegenden Ecke der L-förmi-</span><br/> <span class="ft8">gen Wohnung. Das rechteckige Metallgestell ist an zwei Seiten an</span><br/> <span class="ft8">der Fassade und auf einer freiliegenden Ecke mit einer Stütze an der</span><br/> <span class="ft8">Brüstung befestigt.</span><br/> <span class="ft8">2.</span><br/> <span class="ft8">2.1.</span><br/> <span class="ft8">2.1.1.-2.1.2. (...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">182</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">2.2.</span><br/> <span class="ft8">Bei einem Attikageschoss handelt es sich um ein auf Flachdach-</span><br/> <span class="ft8">bauten aufgesetztes, verkleinertes Geschoss, das wie ein Dachge-</span><br/> <span class="ft8">schoss behandelt wird (§ 64 Abs. 1 BauV i.V.m. § 16a Abs. 1 ABauV</span><br/> <span class="ft8">[Anhang 3 zur BauV]). Es gilt als Attikageschoss, wenn die Grund-</span><br/> <span class="ft8">fläche höchstens einem Geschoss entspricht, welches auf den Längs-</span><br/> <span class="ft8">seiten um das Mass seiner Höhe von der Fassade zurückversetzt ist.</span><br/> <span class="ft8">Mit Ausnahme von Dachvorsprüngen müssen alle Bauteile innerhalb</span><br/> <span class="ft8">dieser möglichen Grundfläche liegen (§ 16a Abs. 2 ABauV).</span><br/> <span class="ft8">2.3.</span><br/> <span class="ft8">Vorliegend ist unbestritten, dass die maximale Attikagrundflä-</span><br/> <span class="ft8">che bereits mit dem Bau des Attikas vollständig ausgeschöpft wurde.</span><br/> <span class="ft8">Es stellt sich deshalb die Frage, ob die zu beurteilende Sonnen-</span><br/> <span class="ft8">schutzkonstruktion als Bauteil im Sinne von § 16a Abs. 2 ABauV zu</span><br/> <span class="ft8">qualifizieren ist. Das Verwaltungsgericht hatte sich schon mit</span><br/> <span class="ft8">mehreren ähnlich gelagerten Fällen auseinanderzusetzen, so mit</span><br/> <span class="ft8">Vordächern (vgl. VGE III/55 vom 31. August 2006 [WBE.2005.289],</span><br/> <span class="ft8">S. 9; VGE III/16 vom 26. März 2010 [WBE.2009.99], S. 8 f.), mit</span><br/> <span class="ft8">einem Rankgerüst (VGE III/87 vom 20. Dezember 2006</span><br/> <span class="ft8">[WBE.2006.90], S. 7 f.) oder mit einer wintergartenähnlichen Glas-</span><br/> <span class="ft8">konstruktion (VGE III/132 vom 1. Dezember 2014 [WBE.2014.239],</span><br/> <span class="ft8">S. 8 f.). Es knüpfte bei der Beurteilung u.a. an folgendes Kriterium</span><br/> <span class="ft8">an: Erlaube das Vordach eine erweiterte Nutzung der Terrassenfläche</span><br/> <span class="ft8">(beispielsweise in der Art, dass die überdeckte Terrassenfläche auch</span><br/> <span class="ft8">bei schlechtem Wetter genutzt werden kann und die Möblierung</span><br/> <span class="ft8">schützt) und führe es im Ergebnis zu einer Volumenerweiterung des</span><br/> <span class="ft8">Attikageschosses, müsse das Vordach innerhalb der zulässigen Ge-</span><br/> <span class="ft8">schossfläche erstellt werden (vgl. VGE III/55 vom 31. August 2006</span><br/> <span class="ft8">[WBE.2005.289], S. 9; des Weiteren: VGE III/87 vom 20. Dezember</span><br/> <span class="ft8">2006 [WBE.2006.90], S. 7; VGE III/16 vom 26. März 2010</span><br/> <span class="ft8">[WBE.2009.99], S. 8 f.; VGE III/132 vom 1. Dezember 2014</span><br/> <span class="ft8">[WBE.2014.239], S. 9).</span><br/> <span class="ft8">Sowohl die Vorinstanzen als auch die Beschwerdeführer neh-</span><br/> <span class="ft8">men wesentlich Bezug zum Entscheid des Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft8">betreffend ein Rankgerüst (VGE III/87 vom 20. Dezember 2006</span><br/> <span class="ft8">[WBE.2006.90]). Das damals beurteilte Rankgerüst bestand aus vier</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">183</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Metallstützen und einem aufliegenden Metallrahmen, der mit Metall-</span><br/> <span class="ft8">drähten bespannt war. Das Verwaltungsgericht hielt fest, das Rankge-</span><br/> <span class="ft8">rüst erlaube als solches keine Erweiterung der Nutzung, da es in kei-</span><br/> <span class="ft8">ner Weise vor den Witterungseinflüssen schütze. Eine gewisse, wenn</span><br/> <span class="ft8">auch bescheidene Schutzwirkung (Beschattung, kurzzeitiger Schutz</span><br/> <span class="ft8">vor Niederschlägen) dürfte sich aber einstellen, sobald die Weinreben</span><br/> <span class="ft8">oder Schlingpflanzen nach einer mehrjährigen Wachstumsphase der-</span><br/> <span class="ft8">einst ein geschlossenes Blätterdach bildeten. Diese bescheidene, im</span><br/> <span class="ft8">Wesentlichen auf die Vegetationszeit im Sommer beschränkte</span><br/> <span class="ft8">Schutzwirkung sei jedoch in keiner Weise mit jener eines grosszügi-</span><br/> <span class="ft8">gen Vordachs oder anderer mit einem Dach versehenen Bauten ver-</span><br/> <span class="ft8">gleichbar (z.B. Zelt). Während hier selbst bei schlechtem Wetter eine</span><br/> <span class="ft8">Nutzung der überdeckten Flächen möglich sei, biete das Blätterdach</span><br/> <span class="ft8">wegen seiner Durchlässigkeit nur kurzzeitig Schutz. Bei näherer Be-</span><br/> <span class="ft8">trachtung sei die Wirkung des Blätterdachs am ehesten mit einem</span><br/> <span class="ft8">schattenspendenden Baum oder Strauch zu vergleichen. Die Rank-</span><br/> <span class="ft8">hilfe führe somit nicht zu einer erweiterten Nutzung der Terrassenflä-</span><br/> <span class="ft8">chen bzw. zu einer Volumenerweiterung. Hinzu komme, dass sich</span><br/> <span class="ft8">eine vergleichbare optische Wirkung auch mit bewilligungsfreien</span><br/> <span class="ft8">Pflanzentrögen (§ 30 Abs. 2 lit. a ABauV) erreichen liesse. Auch</span><br/> <span class="ft8">vom Erscheinungsbild her, welches sich heute filigran und nach er-</span><br/> <span class="ft8">folgtem Bewuchs seitlich durchlässig und naturnah präsentieren</span><br/> <span class="ft8">dürfte, könne nicht von einem volumenerweiternden Bauteil</span><br/> <span class="ft8">ausgegangen werden. Für den Betrachter handle es sich um eine bei</span><br/> <span class="ft8">Attikageschossen nicht unübliche Begrünung der Terrassenfläche</span><br/> <span class="ft8">(VGE III/87 vom 20. Dezember 2006 [WBE.2006.90], S. 7 f.).</span><br/> <span class="ft8">2.4.</span><br/> <span class="ft8">2.4.1.</span><br/> <span class="ft8">Die von den Beschwerdeführern an der innenliegenden Ecke</span><br/> <span class="ft8">der L-förmigen Wohnung erstellte Sonnenschutzkonstruktion besteht</span><br/> <span class="ft8">aus einer an der Brüstung befestigten Metallstütze und einem darauf</span><br/> <span class="ft8">aufliegenden Metallrahmen, der gleichzeitig an zwei Seiten der Fas-</span><br/> <span class="ft8">sade befestigt ist. Über die auf dem Metallrahmen befindlichen bei-</span><br/> <span class="ft8">den Führungsschienen lässt sich die ausziehbare Stoffmarkise nach</span><br/> <span class="ft8">Bedarf aus- bzw. einfahren (vgl. vorne Erw. 1.). Es stellt sich die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">184</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Frage, ob die Konstruktion eine erweiterte Nutzung im Sinne der</span><br/> <span class="ft8">obgenannten Rechtsprechung erlaubt.</span><br/> <span class="ft8">Die Beschwerdeführer bringen in ihrer Verwaltungsgerichtsbe-</span><br/> <span class="ft8">schwerde vor, die montierte Sonnenschutzkonstruktion sei vom</span><br/> <span class="ft8">Architekten einzig aus ästhetischen Gründen gewählt worden; sie</span><br/> <span class="ft8">bringe - im Vergleich zu einer Gelenkarm- bzw. Teleskoparmmarkise</span><br/> <span class="ft8">- bezüglich der Nutzung keinen Vorteil. Diese Vorbringen widerspre-</span><br/> <span class="ft8">chen jedoch früher gemachten Angaben: So hielt der Architekt im</span><br/> <span class="ft8">Begleitschreiben zum nachträglichen Baugesuch fest, der Bauingeni-</span><br/> <span class="ft8">eur habe aus "winddrucktechnischen Gründen" eine schmale Stütze</span><br/> <span class="ft8">hinter der Fassadenflucht vorgeschrieben und die Ausladung der</span><br/> <span class="ft8">textilen Horizontalmarkise von 4.5 m benötige in voll ausgefahrenem</span><br/> <span class="ft8">Zustand ein Auflager. Auch seitens der Beschwerdeführer wurde am</span><br/> <span class="ft8">vorinstanzlichen Augenschein festgehalten, das Gestell und die</span><br/> <span class="ft8">Stütze seien "wegen des Winddrucks nötig". Diese Angaben lassen</span><br/> <span class="ft8">somit nicht darauf schliessen, dass einzig ästhetische Gründe für die</span><br/> <span class="ft8">gewählte Sonnenschutzkonstruktion ausschlaggebend waren. Viel-</span><br/> <span class="ft8">mehr scheinen dies vor allem "winddrucktechnische Gründe" gewe-</span><br/> <span class="ft8">sen zu sein.</span><br/> <span class="ft8">Dass die montierte Sonnenschutzkonstruktion - im Vergleich zu</span><br/> <span class="ft8">einer Gelenkarm-Sonnmarkise - Vorteile in der Nutzung bringt,</span><br/> <span class="ft8">leuchtet dem Verwaltungsgericht, dem ein dipl. Architekt ETH als</span><br/> <span class="ft8">fachkundiger Richter angehört, durchwegs ein: Der Vorteil liegt nicht</span><br/> <span class="ft8">nur darin, dass die fest montierte, massive Metallkonstruktion schon</span><br/> <span class="ft8">als solches stabiler als eine ausgefahrene Gelenkarm-Sonnenstore ist,</span><br/> <span class="ft8">sondern auch darin, dass mit einer Konstruktion wie der vorliegen-</span><br/> <span class="ft8">den zudem grössere Flächen abgedeckt werden können und die Mar-</span><br/> <span class="ft8">kise in einer solchen Konstruktion entsprechend auch bei grösseren</span><br/> <span class="ft8">Ausladungen straff gespannt werden kann. Das Konstrukt ist insge-</span><br/> <span class="ft8">samt stabiler und gegenüber Witterungseinflüssen weniger anfällig.</span><br/> <span class="ft8">Seitens der Beschwerdeführer wurde selber festgehalten, das Gestell</span><br/> <span class="ft8">und die Stütze seien "wegen des Winddrucks nötig" (siehe oben) und</span><br/> <span class="ft8">"Eine Knickarmstore würde tiefer hängen und würde wackeln. Die-</span><br/> <span class="ft8">ses System hier hat Führungsschienen.". Die montierte Konstruktion</span><br/> <span class="ft8">ermöglicht es somit, dass die Markise länger ausgefahren und</span><br/> <span class="ft8">ungünstigen Witterungsverhältnissen ausgesetzt bleiben kann als eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">185</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Gelenkarm-Sonnenmarkise mit vergleichbarer Ausladung. Daran</span><br/> <span class="ft8">ändert, wie die Vorinstanz zutreffend darlegt, nichts, dass einzelne</span><br/> <span class="ft8">Hersteller möglicherweise aus Haftungsbeschränkungsgründen die</span><br/> <span class="ft8">gleichen Empfehlungen betreffend Wind- und Regenexposition für</span><br/> <span class="ft8">Storen mit und ohne Hilfskonstruktion abgeben. Es ergibt sich von</span><br/> <span class="ft8">selbst, dass eine Bauherrschaft auf eine fest montierte, massive Hilfs-</span><br/> <span class="ft8">konstruktion, die in der Anschaffung wesentlich teurer ist, verzichten</span><br/> <span class="ft8">würde, wenn sie keinerlei Vorteile in der Nutzung brächte.</span><br/> <span class="ft8">Was die Schutzwirkung anbelangt, so schützt die montierte</span><br/> <span class="ft8">Sonnenschutzkonstruktion ihrem Zweck entsprechend vor Sonne.</span><br/> <span class="ft8">Für eine gewisse Zeit kann sie aber auch Schutz vor leichtem Regen</span><br/> <span class="ft8">bieten, da der verwendete Acryl-Tuchstoff - soweit aus den von den</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführern beigebrachten Produktunterlagen ersichtlich -</span><br/> <span class="ft8">wasserabstossende Eigenschaften hat. Wenn die Vorinstanz erläutert,</span><br/> <span class="ft8">die heutigen Stoffe seien "eine gewisse Zeit regenabweisend", so</span><br/> <span class="ft8">kann ihr - entgegen dem Einwand der Beschwerdeführer - nicht vor-</span><br/> <span class="ft8">geworfen werden, den Sachverhalt ungenügend abgeklärt zu haben</span><br/> <span class="ft8">(§ 17 VRPG). Im Rahmen des normalen Unterhalts könnte der</span><br/> <span class="ft8">Markisenstoff problemlos durch einen andern Stoff, allenfalls auch</span><br/> <span class="ft8">eines andern Herstellers, ersetzt werden. Auf dem Markt sind über-</span><br/> <span class="ft8">dies z.B. auch Horizontal-Faltstoren erhältlich, die - trotz horizonta-</span><br/> <span class="ft8">lem Einbau - absolut wasserdicht sind, den Wasserablauf garantieren</span><br/> <span class="ft8">und praktisch in jede Rahmenkonstruktion eingebaut werden können.</span><br/> <span class="ft8">Es würde die Baubehörden vor erhebliche Kontroll- und Vollzugs-</span><br/> <span class="ft8">probleme stellen, wenn sie periodisch sämtliche Sonnenschutzkon-</span><br/> <span class="ft8">struktionen auf die verwendeten Stoffe/Markisen überprüfen und</span><br/> <span class="ft8">sich mit jedem einzelnen Produkt im Detail auseinandersetzen müss-</span><br/> <span class="ft8">ten. Deshalb ist nicht zu beanstanden, dass vorliegend bei der Prü-</span><br/> <span class="ft8">fung des Baugesuchs auch die Nutzungsmöglichkeit der Baute</span><br/> <span class="ft8">miteinbezogen wurde.</span><br/> <span class="ft8">Bei einer Gesamtbetrachtung trifft es zwar zu, dass die</span><br/> <span class="ft8">Konstruktion - so wie sie sich heute präsentiert - aufgrund der gerin-</span><br/> <span class="ft8">gen Neigung und dem verwendeten Markisenstoff (wasserabwei-</span><br/> <span class="ft8">send, allenfalls aber nicht wasserdicht) nicht als fixes Allwetterdach</span><br/> <span class="ft8">gedacht und geeignet ist. Die Konstruktion bietet jedoch im Ver-</span><br/> <span class="ft8">gleich zu einer Gelenkarm-Sonnenmarkise klarerweise einen weiter-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">186</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">gehenden Schutz, indem die darunter liegende Fläche bei ungünsti-</span><br/> <span class="ft8">gen Witterungsbedingungen länger genutzt werden kann. Ausserdem</span><br/> <span class="ft8">könnte die Konstruktion mit relativ wenig Aufwand noch wetterre-</span><br/> <span class="ft8">sistenter gemacht werden (siehe oben). Die Konstruktion ist sodann</span><br/> <span class="ft8">auch mit dem in Erw. 2.3. zitierten Fall eines Rankgerüsts nicht ver-</span><br/> <span class="ft8">gleichbar: Beim Rankgerüst handelte es sich um eine Terras-</span><br/> <span class="ft8">senbegrünung, wobei das Blätterdach nur während der Vegetations-</span><br/> <span class="ft8">zeit im Sommer eine bescheidene Schutzwirkung bot. Im Gegensatz</span><br/> <span class="ft8">dazu ist die Schutzwirkung der vorliegenden Konstruktion nicht auf</span><br/> <span class="ft8">die Vegetationszeit beschränkt; die Schutzwirkung der straff</span><br/> <span class="ft8">ausfahrbaren Markise ist höher als bei einem blossen Blätterdach.</span><br/> <span class="ft8">Insgesamt bietet die Konstruktion zwar nicht den gleich hohen</span><br/> <span class="ft8">Schutz vor Witterungseinflüssen wie ein festes Vordach, auf der an-</span><br/> <span class="ft8">dern Seite ist die Schutzwirkung jedoch näher bei einem Vordach</span><br/> <span class="ft8">oder Zelt als z.B. bei einem Rankgerüst einzustufen. Im Ergebnis</span><br/> <span class="ft8">kann das Verwaltungsgericht die Ansicht der Vorinstanzen teilen,</span><br/> <span class="ft8">dass die zu beurteilende Konstruktion eine erweiterte Nutzung der</span><br/> <span class="ft8">überdeckten Fläche ermöglicht und insoweit zu einer Volumen-</span><br/> <span class="ft8">erweiterung führt. Es ist von einem Bauteil gemäss § 16 Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">ABauV auszugehen, welcher innerhalb der Attikagrundfläche liegen</span><br/> <span class="ft8">müsste. Da diese Grundfläche durch den Wohnungsgrundriss jedoch</span><br/> <span class="ft8">bereits ausgeschöpft ist, kann die nachgesuchte (ordentliche) Baube-</span><br/> <span class="ft8">willigung nicht erteilt werden.</span><br/> <span class="ft8">2.4.2.</span><br/> <span class="ft8">Unabhängig davon gilt zu beachten, dass beim Fall des Rankge-</span><br/> <span class="ft8">rüsts auch vom optischen Erscheinungsbild her nicht von einem</span><br/> <span class="ft8">volumenerweiternden Bauteil ausgegangen werden konnte. Vielmehr</span><br/> <span class="ft8">wurde von einer nicht unüblichen Begrünung der Terrassenfläche ge-</span><br/> <span class="ft8">sprochen (vgl. Erw. 2.3.). Auch in dieser Hinsicht unterscheidet sich</span><br/> <span class="ft8">der vorliegende Fall erheblich. Die fest montierte massive Metall-</span><br/> <span class="ft8">konstruktion ist - insbesondere auch wenn die Markise eingefahren</span><br/> <span class="ft8">ist - ganzjährig gut sichtbar und verändert das Aussehen des</span><br/> <span class="ft8">Attikageschosses, bei dem es auch auf den optischen Eindruck eines</span><br/> <span class="ft8">verkleinerten Geschosses ankommt (vgl. § 16a Abs. 1 und 2 ABauV;</span><br/> <span class="ft8">VGE III/87 vom 20. Dezember 2006 [WBE.2006.90], S. 7 f.).</span><br/></div> </div> </body> </html>