B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l D-2165/2010 Abteilung IV U r t e i l v o m 1 7 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Mareile Lettau. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Februar 2010 / N (…). D-2165/2010 Seite 2 Sachverhalt A. Der tamilische Beschwerdeführer aus B._______ (Jaffna) reiste eigenen Angaben gemäss am 13. September 2008 von Colombo aus auf dem Luftweg via Dubai nach Italien, von wo aus er am 17. Septem ber 2008 in die Schweiz einreiste und um Asyl ersuchte. Am 23. September 2008 wurde er im C._______ summarisch zur Person, zum Reiseweg und zu den Fluchtgründen befragt und gleichentags vom BFM ausführlich zu den Asylgründen angehört. Der Beschwerdeführer machte in der Anhörung geltend, er habe seit Sep- tember 2005 bis zur Sperrung der Strasse nach Jaffna im August 2006 als (…) Transporte durchgeführt, auch durch das vo n der Liberation Ti- gers of Tamil Eelam (LTTE) kontrollierte Gebiet . Ab Oktober 2005 habe die LTTE auf ihn einzuwirken versucht, für sie Transporte durchzuführen. Im Dezember 2005 habe die LTTE ihn gezwungen, für sie Transporte von Metallwaren, Fahrradersatzteilen, Düngemittel und Dieselöl von Colombo nach D._______ durchzuführen. Einer seiner Fahrer, A.P ., habe auch Ku- gellager für die LTTE transportiert. Im Oktober 2006 sei die Armee zu ihm gekommen und habe die Herausgabe des Lastwagens verlangt. Weil er sich geweigert habe, habe man seinen Kopf an die Wand ge schlagen, so dass er geblutet habe und ärztlich versorgt habe werden müssen. Die Armee habe seinen Lastwagen mitgenommen. Zwei Wochen später habe er von Mittelsmännern vom Aufenthaltsort seines Lastwagens in einem Camp erfahren und ihn von dort abgeholt. Später ha be er vom Hören - Sagen erfahren, dass A.P . früher in Kontakt zu den LTTE gestanden habe und zu einem ihm unbekannten Zeitpunkt , vor Mai 2008, verschwunden sei. Er vermute, dass dieser von der Armee festgenommen worden sei und hierbei von den Transporten des Beschwerdeführers berichtet habe. Am 3. Mai 2008 sei die Armee in seiner Abwesenheit zu ihm nach Hause gekommen und habe nach ihm ge sucht. Als er von seiner Familie nach seiner Rückkehr davon erfahren habe, habe er sich aus Angst davor, von der Armee getötet zu werden, umgehend im Haus seines Onkels väterli- cherseits versteckt. Am 5. Mai 2008 sei die Armee ein zweites Mal in Zivil mit einem Fahrzeug ohne Nummernschild zu ihm nach Hause gekommen und habe nach ihm gesucht. Seine Mutter habe berichtet, dass die A r- mee ihn ha be mitnehmen wollen. Er sei deswegen am selben Tag noch zu einer Tante mütterlicherseits in das etwa 15 bis 20 Kilometer entfernte E._______ gegangen. Am 14. oder 15. Mai 2008 sei er dann aus Angst vor der Armee nach Colombo gereist, wobei er mittels Bestechung an ei-D-2165/2010 Seite 3 nen Passierschein gelangt sei . Er habe sich bei einem Singhalesen ver- steckt. Während seines Aufenthaltes in Colombo sei die Armee am 20. Mai 2008 erneut bei ihm zu Hause erschienen und habe nach ihm g e- sucht. Sie habe das Haus durchsucht, mit einem Panzerfahrzeug den Boden aufgerissen und seine Familie ein geschüchtert. Die Armee werfe ihm vor, der LTTE mit dem Transport von zur Bombenherstellung be- stimmten Waren geholfen zu haben. Seine Mutter sei zusammen mit se i- nen Geschwistern aus Angst vor der Armee im Juni 2008 nach Colombo geflohen, ebenfalls mittels der Zahlung von Bestechungsgeldern. Mittler- weile sei seine Familie von der Polizei aufgefordert worden, Colombo zu verlassen. Da es in Colombo Bombenexplosionen gegeb en habe, habe er Angst gehabt, bei Polizeikontrollen verhaftet zu wer den. Deshalb und auch, weil er mitbekommen habe, dass er sich nicht habe registrieren können, habe er in Colombo den Entschluss zur Ausreise gefasst und am 13. September 2008 das Land auf dem Luftweg mit Hilfe eines Schle p- pers verlassen. B. Mit Verfügung vom 26. Februar 2010 - eröffnet am 2. März 2010 - lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Gleichzeitig schob es den Vollzug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung damit, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anfor- derungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhielten. Demzufolge er- fülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzu- lehnen sei. C. Mit Eingabe vom 1. April 2010 (Poststempel) liess der Beschwerdeführer mittels seines Rechts vertreters beim Bundesverwaltungsgericht B e- schwerde gegen die Verfügung des BFM einreichen und beantragte, die Verfügung des BFM vom 26. Februar 2010 in den Punkten 1 bis 3 des Dispositivs aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen, eventualiter die Verfügung des BFM aufzuh e- ben und die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. In formeller Hinsicht sei vo r Gutheissung der Beschwerde dem unterzeichneten Anwalt eine angemessene Frist zur Einreichung einer detaillierten Kostennote zur Bestimmung der Parteien t-D-2165/2010 Seite 4 schädigung anzu setzen. Auch werde um die Ansetzung einer Frist zur Einreichung neuer Beweismittel sowie einer Beschwerdeergänzung e r- sucht. D. Mit Zwischenverfügung vom 16. April 2010 verlangte die damals zustän- dige Instruktionsrichterin die Zahlung eines Kostenvorschusses bis zum 3. Mai 2010. E. Mit Schreiben vom 3. Mai 2010 (Poststempel) liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter ein Gesuch um unentgeltliche Prozessfü h- rung gemäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ein reichen, unter Beilage eine r undatierten Fürsorgebestätigung F._______. F. Mit Zwischenverfügung vom 19. Mai 2010 – eröffnet am 27. Mai 2010 – wies das Gericht den Antrag auf Ansetzung einer Frist zur Einreichung von weiteren Beweismitteln sowie die Gesuche um Gewährung de r u n- entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ab. Mit gleicher Ve r- fügung wurde dem Beschwerdeführer eine einmalige Nachfrist von drei Tagen ab Erhalt der Verfügung zur Zahlung des a usstehenden Kosten- vorschusses angesetzt. G. Am 31. Mai 2010 wurde der Kostenvorschuss fristgerecht durch den B e- schwerdeführer geleistet. H. Mit Schreiben des Rechtsvertreters vom gleichen Tag ersuchte der B e- schwerdeführer um die Bekanntgabe der Zusammensetzung des Spruch- körpers für den vorliegenden Fall . Da die Zwischenverfügung vom 19. Mai 2010 die Bereitschaft der zuständigen Instruktionsrichterin ver missen liesse, sich den Geboten eines fairen Verfahrens entsprechend gestützt auf die tatsächliche Aktenlage mit den Rügen der Beschwerde in Bezug auf die heute bestehende Gefährdungssituation auseinanderzusetzen, werde ausdrücklich verlangt, die Instruktionsrichterin möge im Rahmen einer neuen Zwischenverfügung darlegen, wie sie die ihr auferlegten Auf-D-2165/2010 Seite 5 gaben und Pflichten als objektive Richterin in diesem Verfahren wah r- nehmen wolle ohne den Anschein von Befangenheit zu erwecken. Sollten Zweifel daran bestehen, dass Personen, welche die LTTE im militärischen Bereich unterstützt hätten, systematisch registriert und verfolgt würden, werde um die Ansetzung einer angemessenen Frist zu Einreichung der entsprechenden Beweismittel ersucht. Der Beschwerdeführer habe ent- gegen den Ausführungen in der Zwischenverfügung , welche Zweifel an der Objektivität der Instruktionsrichterin aufkommen liessen, sehr konkret dargelegt, welche Beweismittel zum Be leg der aktuellen und konkreten Gefährdungslage einzureichen wären und wie der entsprechende Beweis beizubringen sei. I. Mit Verfügung vom 8. Juni 2010 teilte die damals zuständige Ins truktions- richterin mit, dass das Gericht keine Veranlassung sehe, die Zusamme n- setzung des Spruchkörpers bekannt zu geben und allfällige weitere Pr o- zesshandlungen darzulegen. Hinsichtlich des Begehrens um Fristanse t- zung zur Einreichung weiterer Beweismittel werde auf die Zwischenverfü- gung vom 19. Mai 2010 verwiesen. J. Mit Eingabe vom 15. März 2011 (Poststempel) brachte der Beschwerd e- führer in einer Beschwerdeergänzung erneut vor, der Sachverhalt sei durch das BFM falsch und unvollständig abgeklärt worden . Er ersuchte das Gericht, um die Prüfung der asylrelevanten Verfolgung des B e- schwerdeführers vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in Sri La n- ka und reichte diesbezüglich folgende Berichte zu den Akten: – Kopie eines Zeitungsbericht es des Tamil Guardian vom 24. Septem- ber 2008 " Sri Lanka orders Tamils in Colombo to register with the Po- lice" – RAINER MATTERN, Schweizerische Flüchtlingshilfe, "Sri Lanka: Aktue l- le Situation - Update", Bern, 11. Dezember 2008 und 1. Dezember 2010 – International Commission of Jurists (ICJ): "ICJ Briefing Note - Beyond Lawful Constraints: Sri Lanka's Mass Detention of LTTE Suspects", September 2010 D-2165/2010 Seite 6 – Home Office, UK Border Agency, "Country of Origin (COI) Information Report "Sri Lanka", 11. November 2010 – Danish Immigration Service " Human Rights and Security Issues co n- cerning Tamils in Sri Lanka, Report from Danish Immigration Service's fact-finding mission to Colombo, Sri Lanka . 19 June to 3 July 2010", Kopenhagen, Oktober 2010 – Internetausdruck von "Workers Bush telegraph" mit Link auf tamilnet, " Police instruct Tamils in Colombo to register their presence", 15. Ok- tober 2010 – Internetbericht von TamilNet "Nazi-style registration of civilians in Jaff- na", 6. Februar 2011 – Amnesty International, "Sri Lankan asylum seekers tortured after b e- ing forcibly returned from Australia", 3. September 2011 – Internetbericht von GreenLeft, "Three Tamil refugees disappear after forcibly returned to Sri Lanka", 14. März 2011 – Internetausdruck aus "Die Wochenzeitung" (WOZ), "Sri Lan ka-Auf dem Flughafen wartet der Geheimdienst", 6. Januar 2011 K. Mit Verfügung vom 29. Februar 2012 wurde die Vorinstanz ersucht, eine Vernehmlassung unter Beilage der gesamten Akten einzureichen. L. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 16. März 2012 an seinen Erwägungen, der Beschwerdeführer weise kein Profil auf, wonach er im Heimatland gefährdet wäre, fest und beantragte die Abweisung der B e- schwerde. M. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers kritisierte in seiner Replik vom 5. April 2012 , die Vorinstanz habe das Grundsatzurteil des Bunde s- verwaltungsgerichts vom 27. Oktober 2011 ignoriert, wonach der B e- schwerdeführer klar ein Risikoprofil aufweise und reichte zum Beleg der aktuellen Gefährdungssituation in Sri Lanka folgende Berichte als B e- weismittel ein: D-2165/2010 Seite 7 – United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) "UNHCR Eligibility Guidelines For Assessing The International Protection Needs of Asylum-Seekers From Sri Lanka", 5. Juli 2010 – Internet-Ausdruck eines Artikels namen s "Sri Lanka is still under threat – warns Secretary Defence", 11. Januar 2012 – RAINER MATTERN, SFH, "Sri Lanka: Situation für aus dem Norden oder Osten stammende Tam ilInnen in Colombo und für Rüc kkehrerInnen nach Sri Lanka-Themenpapier", Bern, 22. September 2011 – Ausdruck des "Parliament of the D emocratic Socialist Republic of Sri Lanka, Prevention of Terrorism (Temporary Provisions) Act No. 48 of 1979, Certified on 20 July 1978" – Home Office, UK Border Agency, "Sri Lanka- Country of Origin Info r- mation (COI) Report", 4. Juli 2011, – ICJ, "ICJ Briefing Note, Beyond Lawful Constraints: Sri L anka's Mass Detention of LTTE Suspects", September 2010, – United States Department of State, "2010 Country Reports on Human Rights Practices- Sri Lanka", 8. April 2011 – United Nations, Committee against Torture (CAT), "Conven tion against Torture and Other Cruel, Inhuman or Degrading Treatment or Punishment", 31. Oktober - 25 November 2011 – Freedom from Torture (Medical Foundation for the Care of Victims of Torture), "Freedom from Torture submission to the Committee against Torture for its examination of Sri Lanka in November 2011" – Amnesty International: "Sri Lanka: Briefing To Committee Against Tor- ture", Oktober 2011 – Immigration and Refugee Board of Canada "Sri Lanka: Information on the treatment of Tamil returnees to Sri Lanka, including failed refugee applicants; repercussions, upon return, for not hav ing proper govern- ment authorization to leave the country, such as a passport" , 22. Au- gust 2011 D-2165/2010 Seite 8 – Tamilnet.com, "SL military collects details on ex -LTTE members in Jaffna, Vanni", 6. Oktober 2011 – Tamilnet.com, "SL Police registering people in Batticaloa causes fear among residents", 29. Oktober 2011 – Human Rights Watch," Sri Lanka: Diplomatic Offence Won't Make Kill- ing Fields Disappear", 30. Juni 2011, – Human Rights Watch, " Sri Lanka: Official Report Withewashes Mil i- tary Abuses", 1. August 2011 – Human Rights Watch, "UK: Halt Deportations of Tamils to Sri Lanka", 24. Februar 2012 – Ministry of Defence-Sri Lanka , "Trapped in an illusion", 12. März 2012 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). D-2165/2010 Seite 9 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de ren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. Nachdem die Vorinstanz mit der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 26. Februar 2010 die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz anordnete, ist nachfolgend einzig darüber zu befinden, ob das BFM zu Recht zum Ergebnis gelangte, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht , deshalb die Wegweisung verfügte und kein Asyl gewährte. 3. 3.1 Das BFM führte in seiner Verfügung zur Begründung aus, dass g e- mäss konstanter schweizerischer Asylpraxis der Begriff der Flüchtlingsei- genschaft einen in zeitlicher und sachlicher Hinsicht genügend engen Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht voraussetze. Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, die Armee habe im Ok tober 2006 seinen Lastwagen beschlagnahmt, wobei er am Kopf verletzt wo r- den sei. Bei diesem Übergriff von Oktober 2006 sei ein genügend enger Kausalzusammenhang zur Ausreise des Beschwerdeführers im Jahr 2008 zu verneinen, weshalb es diesbezüglich an Asylrelevanz fehle. Auch begründete Furcht vor zukünftig er Verfolgung sei nicht gegeben. Der Be- schwerdeführer habe geltend gemacht, dass im Mai 2008 die Armee dreimal zu Hause nach ihm gesucht habe, weil sie ihn verdächtigt habe, für die LTTE Waren zu transportieren. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka würde er befürchten, verhaftet und getötet zu werden. Es sei diesbezü g- lich festzustellen, dass es nicht genüge, eine Furcht lediglich mit Vo r- kommnissen oder Umständen, die sich früher oder später möglicherweise ereignen könnten, zu begründen. Vielmehr müssten hinreichende A n- haltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die auf einer objektivierten Betrachtungsweise und nicht auf dem subjektiven Empfi n- gen des Betroffenen fussen würden. Dies sei vorliegend nicht der Fall. So D-2165/2010 Seite 10 besitze der Beschwerdeführer nicht ein Profil, das auf eine asylrelevante Verfolgung durch die sri-lankische Behörden schliessen liesse. Er sei nie ein Mitglied der LTTE gewesen und habe diese lediglich aus Zwang u n- terstützt, wie das Tausende anderer Tamilen auch hätten tun müssen. Zudem habe er bei seiner Hilfe für die LTTE auch keine Kriegsgüter transportieren müssen. Aus den Akten würden auch keine politischen A k- tivitäten des Besc hwerdeführers hervorgehen. Kurz vor seiner Ausreise habe er sich einen Reisepass ausstellen lassen, den er selbst beantragt und beim Passbüro abgeholt habe. Wäre er landesweit gesucht , wäre ihm das nicht möglich gewesen. 3.2 Mit der Beschwerde wurde ausgefüh rt, das Bundesamt habe vor E r- lass der angefochtenen Verfügung den rechtserheblichen Sachverhalt weder vollständig noch richtig abgeklärt und Bundesrecht, insbesondere Art. 3 und 7 AsylG verletzt. Der Beschwerdeführer sei nur einmal zu se i- nen Asylgründen a ngehört wurden und zwar am 23. September 2008, wobei Erstanhörung und Bundesanhörung gleichentags stattgefunden hätten. Der offene militärische Konflikt zwischen den LTTE und der Armee sei aber erst Ende 2008 ausgebrochen. Die Gefährdungslage für Tamilen, welche der LTTE Hilfe geleistet hätten, habe sich seit der Einreichung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers am 17. September 2008 tiefgreifend verändert und die Struktur und die Art der Verfolgung würden sich heute anders präsentieren, als zum Zeitpunkt d er Einreichung dieses Asylge- suchs. Es stelle eine grobe Verletzung der Pflicht des BFM zur Festste l- lung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalt s dar, wenn der Beschwerdeführer, bezogen auf die von ihm vorgebrachte Ve r- folgungssituation, welche sich fundamental geändert habe, vor dem E r- lass der Verfügung betreffend Asyl nicht mehr angehört worden sei. Wenn das BFM behaupte, der Beschwerdeführer besitze kein Profil, wonach er asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt wäre, so werde damit die G efähr- dungslage ignoriert und indirekt gerechtfertigt, weshal b das BFM den Sachverhalt nicht weiter prüfe. Da jeweils zu untersuchen sei, ob im Zeitpunkt des Entscheides eine asylrelevante Verfolgung vorliege, setze dies zwingend voraus, dass bei einer gru ndsätzlich veränderten Struktur und Art der Verfolgung gegenüber dem letzten Anhörungszeitpunkt eine weitere Anhörung durchzuführen sei. Die angefochtene Verfügung müsse daher wegen falscher und unvollständiger Sachverhaltsfeststellung auf- gehoben werden. Ansonsten müsse der rechtserhebliche Sachverhalt zwingend durch das Bundesverwaltungsgericht abgeklärt werden. Es werde ausdrücklich beantragt, dass der Beschwerdeführer zu seiner a k- tuellen Verfolgungssituation nochmals angehört werde und der entspr e-D-2165/2010 Seite 11 chende Anhörungstermin auch dem Rechtsvertreter frühzeitig mitgeteilt werde. Es sei noch einmal darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdefü h- rer mit einem früher für die LTTE aktiven Mitarbeiter zusammengearbeitet habe, der ihn vermutlich verraten habe. Von Interesse sei auch die Tatsa- che, dass der Beschwerdeführer unter anderem Düngemittel für die LTTE transportiert habe. Es sei davon auszugehen, dass die LTTE diese s zwangsläufig für die Herstellung von Sprengstoff und somit auch für Bomben verwendet hätten. Die Transporte des Beschwerdeführers und die behördliche Suche nach ihm stelle das BFM nicht in Frage. Zwangs- läufig sei der Beschwerdeführer bei den sri -lankischen Sicherheitskräften wegen seiner Hilfeleistungen registriert. Bei der Organisation der Trans- porte seien zweifelsohne im Rahmen der Formalitäten Daten wie der Name des Beschwerdeführers, das Nummernschild und die Art der L a- dung registriert worden, weshalb die sri-lankischen Behörden heute in der Lage sein dürften, relativ präzise zu bestimmen, welche A ktivitäten der Beschwerdeführer genau für die LTTE ausgeführt habe. Bei Rückkehr ins Heimatland habe der Beschwerdeführer als Unterstützer der LTTE, in e i- nem sensiblen Bereich betreffend militärischer Technologie, mit einer I n- haftierung in einem Sicherheit slager im Norden des Landes zu rechnen auf unbestimmte Dauer und ohne Anklageerhebung. Sollte das Bund e- verwaltungsgericht Zweifel daran haben, dass au ch Unterstützer der LTTE systematisch verfolgt werden, werde um Fristansetzung zur Einre i- chung entsprechender Dokumente als Beweismittel ersucht. 3.3 In seiner Beschwerdeergänzung kritisierte der Rechtsvertreter erneut die seiner Ansicht nach falsche und unvollständige Sachverhaltsfestste l- lung durch das BFM. Zugleich betonte er, aus den Aussagen des B e- schwerdeführers ergäben sich Anzeichen für eine konkrete Bedrohung. Unter Hinweis auf die mit der Eingabe beigelegten Dokumente zur aktuel- len Situation in Sri Lanka hob er die während des Aufenthaltes des B e- schwerdeführers in Colombo dort geltende Registrierungspflicht für Tami- len hervor. Auch brachte er vor, e s sei unerheblich, ob er Mitglied der LTTE gewesen sei oder diese ausschliesslich unterstützt habe, er sei bei seiner Rückkehr nach Sri Lanka in asylrelevanter Weise gefährdet. Auch habe sich seine Familie unterdessen in Colombo registrieren lassen müs- sen, weshalb es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Behörden im Norden Sri Lankas vom Aufenthaltsort der Familie erführen und so auch an I n- formationen über den Beschwerdeführer kämen. Zudem habe die Armee ihn erneut im September 2010 bei dem in der Heimtatortschaft lebenden Onkel, bei dem er sich bereits im Mai 2008 kurzzeitig versteck hatte, g e- sucht und den Onkel aufgefordert, bei Rückkehr des Beschwerdeführers D-2165/2010 Seite 12 die Behörden zu informieren. Es sei darauf hinzuweisen, dass mittlerweile nach neusten Meldungen in Jaffna ebenfalls eine systematische Regis t- rierung aller Einwohner vorgenommen werde. Auch hätte der Beschwe r- deführer als tamilischer Asylbewerber in einem anderen Land bei einer unfreiwilligen Rückkehr in die Heimat am Flughafen in Colombo mit asy l- relevanter Verfolgung zu rechnen. 3.4 In seiner Vernehmlassung vertrat das BFM die Auffassung, der B e- schwerdeführer weise nach wie vor kein Profil auf, wonach er im Heima t- land gefährdet wäre, da er nie LTTE-Mitglied gewesen sei, sondern nur in einer Zwangssituation Unterstützungshandlungen geleistet habe. Dies treffe aber auf Tausende anderer Tamilen auch zu. Den Behörden sei be- wusst, dass Tamilen im Einflussgebiet der LTT zu solchen Unterstü t- zungshandlungen gezwungen worden seien. Auch seien die Hilfeleistu n- gen auf den Zeitraum zwischen Dezember 2005 und August 2006 b e- schränkt gewesen und somit sechs bis sieben Jahre her. 3.5 Demgegenüber wies der Rechtsvertreter darauf hin, die Situation in Sri Lanka habe sich seit der letzten Beschwerdeeingabe vom 15. März 2011 erneut geändert, auch das Bundesverwaltungsgericht habe der ve r- änderten Lage mit sei nem Grundsatzurteil vom 27. Oktober 2011 Rec h- nung getragen. So habe d as Bundesverwaltungsgericht in eben diesem Urteil bezüglich der Flüchtlingseigenschaft tamilischer Beschwerdeführer verschiedene Risikoprofile erfasst, wobei der Beschwerdeführer insb e- sondere Risikoprofil eins (Personen, die auch nach dem Bürgerkrieg ve r- dächtigt werden, mit der LTTE in Verbindung zu stehen/gestanden zu ha- ben) und vier (Rückkehrende aus der Schweiz je nach Einzelfall) aufwei- se. Es sei zu bedenken, dass sich das Grundsatzurteil hauptsächlich auf Länderinformationen aus dem Jahr 2010 stütz e, w eshalb diese im Fall des Beschwerdeführers hätten berücksichtigt werden müssen. Hinsicht- lich der erhöhten Verfolgungsgefahr für Personen der Gruppe eins sei auf die Tatsache hinzuweisen, dass die Regierung auch nach Aufhe bung der Emergency Regulations am Prevention of Terrorism Act (PTA) festhalte, wodurch sich der Wille, auch in Zukunft sämtliche, auch frühere, LTTE - Unterstützer zu bekämpfen, deutlich werde. Im Urteil des Bundesverwal- tungsgerichtes werde im Einzelfall eine Gefährdung von tamilischen Rückkehrenden aufgrund des Aufenthaltes in der Schweiz nicht ausg e- schlossen (Gruppe vier). Die Stimmung in Sri Lanka gegen im Ausland lebende Tamilen sei von Misstrauen geprägt. Dies habe zur Folge, dass die Aktivitäten von Tamilen im Ausland von der sri -lankischen Regierung genau bewacht würden und wirke sich auf die willkürliche Behandlung D-2165/2010 Seite 13 von Rückkehrenden bei der Einreise im Land aus. Zur Informationsg e- winnung würde altes Aktenmaterial, wie beschlagnahmte LTTE-Akten so- wie Informationen aus dem Ausland ausgewe rtet. Es werde auch auf a k- tuelle Berichte von 2011 und 2012 zu Misshandlung und Folter von aus dem Ausland nach Sri Lanka Rückkehrenden ohne Verbindung zur LTTE, die erst durch Zahlung von Bestechungsgeldern durch Familienangehöri- ge freigelassen würden, hingewiesen. Was mit Personen gesche he, die tatsächlich in Verbin dung zur LTTE stünden, sei unklar. Es gebe jedoch Berichte, dass diese von weissen Vans abgeholt und an unbekannten Or- te verbracht würden oder zwar nach dem Verhör freigelassen würden, später a ber erneut verhaftet oder liquidiert würden. Auch dadurch, dass seit Anfang des Jahres 2011 im Norden und Osten des Landes und seit Sommer 2011 auch in Colombo die tamilische Bevölkerung systematisch registriert würde, sollten ehemalige LTTE -Mitglieder und Unterstützer identifiziert werden. Der E uropäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) habe in aktuellen Urteilen Risikofaktoren zur Beurteilung der Ge- fahr für Tamilen, Opfer von Menschenrechtsverletzung zu werden, aufge- listet. Hinsichtlich der persönli chen Entwicklungen ergänzte er, der Be- schwerdeführer werde in Sri Lanka nach wie vor gesucht. Sicherheitskräf- te hätten am 25. November 2011 nach dem Verbleib des Beschwerdefüh- rers gefragt. Sie hätten nicht geglaubt, dass der Onkel nicht im Kontakt zum Beschwerdeführer stehen würde. Am 23. März 2012 seien erneut nicht uniformierte Sicherheitskräfte bei seinem Onkel vorbeigekommen und hätten noch eindringlicher nach ihm gefragt, wodurch sein Onkel sich massiv unter Druck gesetzt g efühlt habe . Der Beschwerdeführer habe sich auch exilpolitisch betätigt, indem er an der (…) Demonstration am (…) in G._______ teilgenommen habe. Es falle auf, dass die Vorinstanz weiterhin an der Behauptung festhalte, der Beschwerdeführer verfüge über kein Risikoprofil. Damit würden die Feststellungen im Grundsatzu r- teil des Bundesverwaltungsgericht s vom 27. Oktober 2012 weitgehend ignoriert. So erfülle der Beschwerdeführer als jemand, der im Verdacht der LTTE-Unterstützung stünde und noch stehe und gegen d en staatlich ermittelt worden sei, klar das Risikoprofil eins. Es dürfe auch als bekannt vorausgesetzt werden, dass auch heute noch regelmässig Unterstützter der LTTE, selbst wenn ihre Taten mehr als zehn Jahre zurücklägen, von den sri-lankischen Sicherheitskräften erkannt und verhaftet würde. Die sri-lankischen Behörden würden im Übrigen nicht differenzieren, ob eine Hilfeleistung, wie die Transportleistungen des Beschwerdeführers für die LTTE, zwangsweise oder auf freiwil liger Basis erfolgt sei . Es sei n och einmal festzuhalten, dass der Beschwerdeführer strategisch wichtige G ü- ter zur Herstellung von Bomben und Sprengstoff transportiert habe und D-2165/2010 Seite 14 die Behörden anhand ihres Informationsmaterials davon Kenntnis hätten. Dass diese Transporte zwangsweise erfolgt seien, sei sicherlich nicht vermerkt, und der Beschwerdeführer habe auf grund dieser Unterst üt- zungsleistung mit intensiver Verfolgung zu rechnen, was auch die anha l- tende Suche der Behörden nach dem Beschwerdeführer belege. 4. Nachfolgend ist zuerst auf die formellen Rügen des Beschwerdeführers einzugehen, da sie gegebenenfalls zu einer Kassation der vorinstanzl i- chen Verfügung führen könnten. 4.1 Der Beschwerdeführer stellte den Antrag, die angefochtene Verf ü- gung sei wegen unrichtiger und unvollständiger Sachverha ltsfeststellung durch das BFM aufzuheben und die Akten zur Vornahme entsprechender Abklärungen an die der Vorinstanz zu überweisen. Angesichts der verä n- derten Gefährdungssituation seit der letzten Anhörung hätte der B e- schwerdeführer vor Erlass der BFM -Verfügung erneut angehört werden müssen. Sollte keine Rückweisung an die Vorinstanz erfolgen, sei der Sachverhalt durch das Bundesverwaltungsgericht abzuklären inklusive Anhörung des Beschwerdeführers zur aktuellen Verfolgungssituation. Mit dem Vorwurf, der Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt worden und das BFM habe sich nicht mit der aktuellen Gefährdungslage des Beschwerde- führers auseinandergesetzt, macht er eine Verletzung des Unters u- chungsgrundsatzes und des rechtlichen Gehörs geltend. 4.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Asylbehörde den Sachverhalt - das heisst die rechtserheblichen Tatsachen - von Amtes wegen fest. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtse r- heblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. "Unrichtig" ist die Sachve r- haltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwi d- riger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. "Unvollständig" ist die Sachverhaltsfeststel lung, wenn die Behörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, in: Christoph Auer/Markus M üller, Benjamin Schindler, VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 28 zu Art. 49, S. 676 f.). Ihre Grenze findet die Untersuchungs- pflicht allerdings in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). D-2165/2010 Seite 15 4.3 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksi chtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung der Verfügung soll es dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Art. 35 Abs. 1 VwVG umschreibt den Inhalt der Begründungspflicht nicht näher; verlangt wird aber, dass die Begründung eines Entscheides so abgefasst wird, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann , was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmi t- telinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), AUER/MÜLLER/SCHINDLER [HRSG.], Zürich 2008, N. 6 ff. zu Art. 35; BVGE 2007/30 E. 5.6). 4.4 Wie den Befragungs-Protokollen zu entnehmen ist, wurde der B e- schwerdeführer ausführlich zu seinen Asylgründen befragt (vgl. act. A6, S. 5). Auch die Hilfswerkvertretung machte keinerlei Anmerkungen, w o- nach die Befragung unvollständig gewesen sei (v gl. act. A6, "Anhang 5 zur Weisung zum Asylgesetz über die Anhörung im Kanton"). Die Prot o- kolle stellen somit eine genügende Basis für einen Entscheid über die asylrelevante Verfolgung beziehungsweise drohende begründete Furcht dar. Allerdings lässt sich d en Ausführungen in der Verfügung nicht en t- nehmen, ob das BFM bei seiner Einschätzung, wonach der Beschwerde- führer nicht gefährdet sei, die Flüchtlingseigenschaft vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in Sri Lanka geprüft hat. Wie bereits in der Zwi- schenverfügung vom 19. Mai 2010 festgehalten, hat das BFM in seiner Verfügung nämlich nicht explizit ausgeführt, wie sich die Lage im En t- scheidzeitpunkt darstellte. Dies stellt allerdings keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, da eine sachgerechte Anfe chtung der Beschwer- de möglich war. Auch der Vernehmlassung lässt sich nicht entnehmen, ob das BFM die aktuelle Gefährdungssituation berücksichtigt hat. Zum Ver- nehmlassungszeitpunkt (16. März 2012) hätte von der Vorinstanz alle r- dings erwartet werden können, auf das Grundsatzurteil des Bundesver- waltungsgerichtes BVGE 2011/24 vom 27. Oktober 2011, in welchem Ge- fährdungsprofile von bestimmten Risikoprofilen formuliert sind, Bezug zu nehmen. Schliesslich ist die Vorinstanz (gemäss BVGE 2011/24, Urteil vom 20. De zember 2010) an die Rechtsprechung des Bundesverwa l- tungsgerichtes als letzte Instanz gebunden. Eine Rückweisung an die Vorinstanz kann allerdings unterbleiben, da dem Beschwerdeführer in s-D-2165/2010 Seite 16 gesamt eine sachgerechte Anfechtung der Beschwerde möglich war. Auch ist nicht ersichtlich, welche entscheidrelevanten Fakten durch eine erneute Befragung des Beschwerdeführers zum Tragen kommen sollten. Dies vor allem vor dem Hintergrund der ausführlichen Beschwerdeergä n- zung vom 15. März 2011 und der Rep lik vom 5. April 2012, mit welchen umfassende Berichte zur allgemeinen Gefährdungssituation für Tamilen in Sri Lanka eingebracht wurden und über die weitergehende Suche nach dem Beschwerdeführer durch die Armee informiert wurde. Zuletzt ist dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer, der im Beschwerdeverfahren viele Gelegenheiten genutzt hat, Berichte zur aktuellen Gefahrensituation für zurückkehrende tamilische Asylsuchende einzureichen, durch die Ein- schätzung der Vorkommnisse durch das BFM kein Nachteil erwachsen, so dass wegen fehlender Verletzung der Sachverhaltsfeststellungspflicht und des rechtlichen Gehörs keine Rückweisung an die Vorinstanz mit der Aufforderung, den Entscheid neu zu fassen, zu erfolgen hat. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die S chweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unertr äglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefä lschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die S i- tuation im Zeitpunkt des Entscheides über deren Bestehen – nicht dieje- nige im Zeitpunkt der Ausreise –, wobei allerd ings erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfo l- gung auf andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der D-2165/2010 Seite 17 Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (BVGE 2010/57 E. 2, BVGE 2010/9 E. 5.2, BVGE 2007/31 E. 5.3 f.). 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Abwägung sämtlicher Au s- sagen und unter Berücksichtigung des Grundsatzurteils vom 27. Oktober 2011 (BVGE 2011/ 24), welches sich einlässlich mit den Risikogruppen der auch nach Beendigung des Bürgerkriegs noch gefährdeten Personen auseinandersetzt, zum Ergebnis, dass das BFM das Asylgesuch des B e- schwerdeführers zu Unrecht abgewiesen hat. 6.2 Vorab ist festzustellen, dass das BFM die Asylrelevanz der Vorbringen verneint hat, sich aber weder in der Verfügung noch anlässlich der Ve r- nehmlassung zur Frage der Glaubhaftigkeit geäus sert hat, weshalb d a- von auszugehen ist, dass die Vorinstanz die Vorbringen grundsätzlich als glaubhaft erachtet hat. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend su b- stantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in v a- gen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht wide r- sprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tat- sachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Glaubhaftm a- chung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein reduzier- tes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des G e- suchstellers sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; BVGE 201 0/57 E.2.3; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekursko m- mission [EMARK] 2004 Nr. 1 E. 5a, mit weiteren Hinweisen). 6.3 Es kann damit festgehalten werden, dass die Aussagen des B e- schwerdeführers zu seinen Transporten für die LTTE und zur b ehördli- chen Suche nach ihm in sich schlüssig und plausibel sind. Auch hat das BFM in seiner Vernehmlassung vom 16. März 2012 die erneute Suche der Armee nach dem Beschwerdeführer im September 2010 nicht bestrit- ten. Das BFM hielt in seiner Verfügung allerdi ngs fest, der Beschwerde- führer habe sich kurz vor seiner Ausreise noch einen Reisepass ausstel- len lassen, weshalb eine landesweite Suche nach ihm damals wie heute nicht geglaubt werden könne. Der Beschwerdeführer hat jedoch versucht, D-2165/2010 Seite 18 diesen Widerspruch zu widerlegen und klargestellt, nicht er, sondern der Schlepper habe den Pass beim Passbüro abgeholt (vgl. act. A1, S. 5, 6; A6, S. 5). Allerdings ist dem BFM zuzustimmen, dass die Aussagen dies- bezüglich widersprüchlich sind, gibt er in der Erstbefragung doch erst zu Protokoll, er habe den Pass, der im Mai 2008 ausgestellt worden sei, selbst beim Passbüro abgeholt (vgl. act. A1, S. 4), um sich dann später dahingehend zu korrigieren, er habe einen Schlepper bezahlt, der diesen für ihn abgeholt habe (vgl. act. A1, S. 6). Diesem kleinen Widerspruch zum Reisepass kommt allerdings vor dem Hintergrund, dass seine detaillierten und weitgehend identischen Schilde- rungen in den beiden Befragungen betreffend LTTE-Unterstützung und der behördlichen Suche nach ihm insgesamt glaubhaft sind, keine ent- scheidende Bedeutung zu. Eine Durchsicht der Protokolle ergibt, dass die Schilderung der Ereignisse den dargestellten Anforderungen durchaus zu genügen vermag. Im Übrigen kann gemäss den Erkenntnissen des Bundesverwaltun gsge- richts aufgrund der Ausstellung eines sri -lankischen Reisepasses durch die zuständige Passbehörde nicht generell der Schluss gezogen werden, dass die heimatlichen Behörden kein flüchtlingsrelevantes Verfolgungsi n- teresse am betreffenden Reispassinhaber haben. Insbesondere das s o- genannte "24-Stundenverfahren" des Passamtes (vgl. Department of I m- migration and Emigration Sri Lanka, Issue of passports , http://www.immigration.gov.lk/web/index.php?option=com_content&view= article&id=142&Itemid=191&lang=en#or, abgerufen am 24.08.2012) lässt nämlich nur eine begrenzte (sicherheitsrelevante) Überprüfung der betref- fenden Person zu. Die Ausstellung eines Reisepapieres durch das Pas s- amt kann somit - entgegen der Ansicht des BFM – nicht als massgebli- ches I ndiz für das Fehlen einer staatlichen Verfolgung interpretiert we r- den. 6.4 Zusammenfassend ist somit von vorliegendem glaubhaften Sachver- halt auszugehen: Der Beschwerdeführer führte für die LTTE im Zeitraum De zember 2005 bis August 2006 als selbständiger Las twagenfahrer Transporte durch, wobei er mit einem früheren, später verschwundenen LTTE-Sympathisan- ten respektive Mitglied zusammenarbeitete. Im Oktober 2006 wurde der Beschwerdeführer von der Armee geschlagen, als er die Herausgabe seines Lastwagens verweigerte. Die Armee suchte im Mai 2008 insg e-D-2165/2010 Seite 19 samt drei Mal nach ih m, wobei sie zuletzt seine Familie massiv ein- schüchterte und bei ihm zu Hause mit einem Panzerfahrzeug den Boden aufriss. Er versteckte sich daraufhin bei seinem Onkel und floh nach C o- lombo, aus Angst, von der Armee getötet zu werden . Die Armee wirft dem Beschwerdeführer vor, der LTTE mit dem Transport von zur Bo m- benherstellung bestimmten Waren geholfen zu haben. Die Armee suchte erneut im September 2010 und am 23. März 2012 bei seinem Onkel nach ihm. 6.5 Durch seine Unterstützungsleistung für die LTTE geriet der B e- schwerdeführer somit ins Visier der Sicherheitskräfte . Das Gericht geht davon aus, dass der Beschwerdeführer, wäre er nicht geflohen, in abse h- barer Zeit mit grosser Sicherheit verhafte t und dann wahrscheinlich miss- handelt worden wäre, da die Armee intensiv nach ihm suchte wegen des Verdachts der LTTE-Unterstützung und insbesondere der Bombenherstel- lung. Somit hatte der Beschwerdeführer begründete Furcht vor asylrel e- vanten Nachteilen und ist vorverfolgt aus Sri Lanka ausgereist. 6.6 Das Gericht ist sodann entgegen der Auffassung des BFM der A n- sicht, dass der Beschwerdeführer angesichts der neuen Praxis des Bu n- desverwaltungsgerichtes und insbesondere unter Berücksichtigung der in diesem Urtei l formulierten und bereits von Beschwerdeseite erwähnten Gefährdungsprofile bestimmter Risikogruppen auch nach Beendigung des Bürgerkrieges ein Risikoprofil besitzt, wonach er bei Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit mit asylerheblic her Verfol- gung zu rechnen hat. 6.6.1 So hielt das Gericht im erwähnten Urteil BVGE 2011/24 vom 27. Ok- tober 2011 einleitend fest, dass die Regierung Sri Lankas am 19. Mai 2009 offiziell den Sieg der Regierungstruppen über die LTTE verkündet und Präsident Rajapakse den seit 26 Jahren dauernden Krieg für beendet erklärt habe. Das Führungskader der LTTE sei der Medienberichtersta t- tung zufolge komplett ausgelöscht worden. Hinweise auf aktive LTTE - Kader im Norden Sri Lankas gebe es keine. Die höchstrangigen LTT E- Kader seien entweder gefangen genommen oder getötet worden (so auch der LTTE -Chef Velupillai Prabhakaran), oder sie hätten das Land verlassen können. Es gebe keine Anzeichen, dass die LTTE heute noch in der Lage wären, Angriffe auf die Sicherheitskräfte oder sonstige Atten- tate auszuführen. Es sei somit davon auszugehen, dass im heutigen Zeitpunkt von den LTTE keine Verfolgungshandlungen mehr ausgingen und diese Organisation respektive deren Führungsverantwortliche nicht D-2165/2010 Seite 20 mehr als Verfolger in Erscheinung t reten könnten (vgl. BVGE 2011/24 E. 7.1). 6.6.2 Sodann definiert das erwähnte Urteil diverse Personenkreise, die heute trotz der verbesserten Sicherheitslage seit Beendigung des militär i- schen Konfliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausg e- setzt si nd. Zum erhöht gefährdeten Personenkreis gehören unter and e- rem Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex-Generals Sarath Fonseka. Weiter gelten als ge- fährdet Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen sowie Pe r- sonen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigen. Hinsichtlich der Gefährdung von abgewiesenen Asylbewerbern hält das Urteil fest, zwar könne nicht generell angenommen werden, dass abgewiesene tamilische Asylsuchende aus der Schweiz bei der Rückkehr nach Sri Lanka alleine aus diesem Grund in einen behördlichen Verdacht geraten, während ihres Aufenthaltes in der Schweiz Kontakte mit führenden LTTE -Kadern unter- halten zu haben. Weder das UNHCR noch andere Organisationen hätten bisher auf eine diesbezügliche, generell drohende Gefahr hingewiesen. Dies schliesse indessen nicht aus, dass abgewiesenen tamilischen Asy l- suchenden im Einzelfall nahe Kontakte zu LTTE -Kadern unterstellt we r- den könnten, was eine konkrete Gefährdung bedeuten könne. Die Ei n- schätzung einer diesbezüglich gearteten Gefahr könne nicht generell vo r- genommen werden, sondern hänge von den individuellen Gegebenheiten im Einzelfall ab. Je näher die betreffende Person in da s Umfeld der oben beschriebenen Risikogruppen gerate, desto höher müsse die entspr e- chende Gefahr eingeschätzt werden, seitens der sri-lankischen Behörden der Entfaltung missliebiger politischer Kontakte respektive Tätigkeiten be- zichtigt und in der Folge in asylbeachtlichem Ausmass verfolgt zu werden (vgl. BVGE 2011/24 E.8). 6.6.3 Mit der Gefährdungssituation, jedoch im Hinblick auf eine EMRK - widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, hat sich auc h der EGMR wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, A p- plication no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011). Auch der EGMR hält fest, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurüc k- kehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behandlung; eine entsprechen-D-2165/2010 Seite 21 de Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in B e- tracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich A s- pekte wie eine frühere Registrierung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE-Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines offenen Haftb e- fehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauf lagen, die Unterzeich- nung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen O rt, wel- cher als LTTE-Finanzmittelbeschaffungszentrum gilt, das Fehlen von ID - Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Verwandtschaft mit einem LTTE -Mitglied (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). 6.6.4 Es ist nochmals festzuhalten, dass der Beschwerdeführer wegen der durchgeführten Transporte für die LTTE von Gütern wie Dünger und Dieselöl, Waren, die – wie der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zu Recht vorbrachte – auch zur Bombenherstellung geeignet sind und dieser vermutlich auch dienen sollten, von den Sicherheitskräften verfolgt wurde. Auch wenn es sich, was die V orinstanz betont, um untergeordnete Tätig- keiten gehandelt haben mag, führten diese zur me hrmaligen Suche der Sicherheitskräfte nach ihm im M ai 2008 und nach seiner Ausreise. Dass er diese Unterstützungshandlungen für die LTTE nur auf Zwang hin er- bracht hat, was für die Vorinnstanz entscheidend für ihre negative Gefah- reneinschätzung ist, hielt die Sicherheitskräfte nicht von seiner Verfolgung ab. Angesichts dessen, dass er auch nach seiner Ausreise noch im Sep- tember 2010 und März 2012 beim Onkel gesucht wurde und der Onkel aufgefordert wurde, die Behörden bei Rückkehr des Beschwerdeführers zu informieren, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er auch weiterhin als vermeintlicher LTTE-Unterstützer im Heimatland von den Behörden gesucht wird und er sich Bedrohung und Misshandlung ausgesetzt sähe. Als Tamile aus Jaffna würde er zudem bei der Einreise systematisch ins Visier der Sicherheitskräfte geraten (vgl. RAINER MAT- TERN, SFH, "Sri Lanka: Situation für aus dem Norden oder Osten sta m- mende TamilInnen in Colombo und für RückkehrerInnen nach Sri Lanka - Themenpapier", Bern, 22. September 2011). Ohne sri-lankischen Reise- pass würde er mit seinem temporären Reisepass a ls Person mit einem durchlaufenen Asylverfahren identifizierbar und infolgedessen von der Einreisebehörde (Department of Immigration, DIE) und der Kriminalpolizei D-2165/2010 Seite 22 (Criminal Investigation Department, CID) einer Personenüberprüfung un- terzogen und zu Identität, persönlichem Hintergrund und Reiseziel b e- fragt. Mit der Feststellung, der Beschwerdeführer spreche tamilisch und komme aus Jaffna, würde sodann ein Anfangsverdacht bestehen, dass er der LTTE nahesteht. Möglicherweise würde er sodann dem State Intell i- gence Service (SIS) und/oder dem T errorist Investigation Department (TID) für Verhöre überstellt. Das SIS hat Zugang zu verschiedenen (elekt- ronischen) Registern. Auch wenn der Inhalt dieser Register nicht im Ei n- zelnen bekannt ist, so besteht Kenntnis darüber, dass die dortigen Info r- mationen bis zu sechzig Jahre zurückreichen. Auch finden sich dort an- scheinend auch die Namen von LTTE-Sympathisanten (vgl. Home Office, UK Border Agency, "Sri Lanka - Country of Origin Information (COI) R e- port", 4. Juli 2011 und Danish Immigration Service " Human Rights and Security Issues concerning Tamils in Sri Lanka, Report from Danish I m- migration Service's fact-finding mission to Colombo, Sri Lanka. 19 June to 3 July 2010", Kopenhagen, Oktober 2010), so dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass dann seine frühere Tätigkeit für die LTTE ans Tages- licht käme. Als mit der LTTE in Verbindung gebrachte Person würde der Beschwerdeführer verhört und – vor dem Hintergrund des sich weiterhin in Kraft befindenden Antiterrorge setztes (PTA) – mit beachtlicher Wah r- scheinlichkeit festgenommen und misshandelt. Auch nach der Einreise können bei polizeilichen Kontrollen oder an Checkpoints Festnahmen und Bedrohungen erfolgen, auf dem Heimweg oder am Heimatort Übergriffe paramilitärischer Flügel der regierungsnahen tamilischen Parteien. In Kombination erhöhen all die Faktoren zusammen das Risiko, dass der Beschwerdeführer bereits anlässlich seiner Wiedereinreise in sein He i- matland mit einer eingehenden Prüfung seiner Person und folglich asylre- levanter Bedrohung zu rechnen hätte. 7. Insgesamt ist somit – unter Berücksichtigung der neusten Praxis des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGE 2011/24, Urteil vom 27. Oktober 2011) – festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ein Profil besitzt, auf- grund dessen er mit erheblicher Wahrscheinlichkeit für die sri -lankischen Behörden weiterhin als LTTE -Anhänger wahrgenommenen wird und er aufgrund dieses asylrelevanten Risikoprofils einer aktuellen Verfolgungs- gefahr ausgesetzt ist. Dem Beschwerdeführer ist, nicht zuletzt auch au f- grund der erlittenen Vorverfolgung, auch heute noch eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne des Art. 3 AsylG zu attestieren. Unter die- sen Umständen erübrigt es sich, auf die weitere Argumentation des BFM, auf die im Beschw erdeverfahren vorgebrachten Einwände des B e-D-2165/2010 Seite 23 schwerdeführers gegen die vorinstanzliche Verfügung und auf die einze l- nen Beweismittel zur aktuellen Situation in Sri Lanka näher einzugehen- Der Beschwerdeführer erfüllt nach dem Gesagten nicht nur die Vorau s- setzung für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft, son dern es ist ihm mangels Verwirklichung eines Ausschlussgrund es auch Asyl zu g e- währen (Art. 49 AsylG), zumal allein aus seiner Tätigkeit für die LTTE nicht auf eine Handlung zu schliessen ist, welche den Anforderungen an Art. 53 AsylG genügen würde. 8. Nach dem Gesagten ist in Gutheissung der Beschwerde die angefoch - tene Verfügung aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der vom Beschwerdeführer am 31. Mai 2010 bezahlte Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 60 0.– ist ihm zurückzuerstatten. 10. Sodann ist dem vertretenen Besc hwerdeführer angesichts seines Ob - siegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle - ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädi - gung für die ihm notwend igerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre - chen. 11. Mit Einreichung der Beschwerde vom 1. April 2010 stellte der Rechtsve r- treter des Beschwerdeführers – wie regelmässig in seinen Rechtsmitteln an das Bundesverwaltungsgericht – den Antrag, ihm im Gutheissun gsfall eine angemessene Frist zur Einreichung einer Kostennote zu setzen. Hierbei ist anzumerken, dass ihn das Bundesverwaltungsgericht in zah l- reichen Verfahren darauf hingewiesen hat, dass Kostennoten unaufgefor- dert und rechtzeitig einzureichen sind und s ich das Gericht vorbehalte, solche Prozessanträge in Zukunft nicht mehr zu behandeln. Vorliegend hat es der Rechtsvertreter trotz Kenntnis dieser Praxis unterlassen, eine Kostennote einzureichen, obwohl er dazu nach der Replik vom 5. April 2012 genügend Ze it gehabt hatte. Der notwendige Vertretungsaufwand D-2165/2010 Seite 24 lässt sich aufgrund der Akten hinreichend zuverlässig ab schätzen, wes- halb die Entschädigung für das Beschwerdeverfahren gestützt darauf festzusetzen ist (vgl. Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist das BFM anzuweisen, dem Be schwerdeführer für d as Rechtsmittelverfahren eine Parteientschädigung in Höhe von pauschal Fr. 3100.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-2165/2010 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 26 . Februar 2010 wird aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl in der Schweiz zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der vom Beschwerdeführer bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600. – ist ihm zurückzuer- statten. 4. Dem Beschwerdeführer sind vom BFM Parteikosten in Höhe von Fr. 3100.– zu vergüten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Mareile Lettau Versand: