Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. September 2018 (715 18 44 / 259) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz; ein eindeutiges ärztliches Zeugnis liegt vor. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiber i.V. Robert Schibli Parteien A. ____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1990 geborene A.____ war ab 14. Juli 2014 be i der B.____ AG angestellt. Am 10. Juli 2017 kündigte sie das Arbeitsverhältnis per 31. August 2017. Die B.____ AG informierte sodann am 18. Juli 2017, dass der Arbeitsvertrag per 30. September 2017 aufgelöst werde. Am 22. September 2017 meldete A.____ sich beim Regiona len Arbeitsvermittlungszentrum X.____ (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob gleichent ags bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Kasse) Anspruch auf Arbeitslosenentschäd igung ab dem 2. Oktober 2017. Mit Ver- fügung Nr. 2133/2017 vom 1. November 2017 stellte d ie Kasse A.____ wegen selbstverschul- deter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Oktober 2017 für 3 1 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Daran hielt die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit Ba- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sel-Landschaft (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslose nkasse Basel-Landschaft, mit Ent- scheid vom 9. Januar 2018 fest. B. Hiergegen erhob A.____ am 30. Januar 2018 Beschwerd e beim Kantonsgericht, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und bean tragte die Aufhebung des Ein- spracheentscheids vom 9. Januar 2018. Eventualiter sei die Einstelldauer auf fünf Tage zu re- duzieren. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 21. März 2018 auf Ab- weisung der Beschwerde. D. Zwecks weiterer Abklärung des Sachverhalts holte das Kan tonsgericht bei Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eine amtliche Erkundigung ein. Dr. C.____ be- antwortete mit Schreiben vom 27. Juni 2018 die ihr gestellten Fragen. E. Mit Eingaben vom 16. Juli 2018 (Eingang) und 3. Se ptember 2018 nahmen die Be- schwerdeführerin und die Beschwerdegegnerin zum Ergebni s der amtlichen Erkundigung Stel- lung und hielten an ihren bisherigen Anträgen fest. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Geri cht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 30. Januar 2018 ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsid ierende Person der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.– durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwer- deführerin zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosig keit für die Dauer von 31 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 171.25 beläuft sich der Streitwert auf Fr. 5‘308.75. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri - sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslo senversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arb eitslos geworden ist. Ein Selbstver- schulden im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt dan n vor, wenn und soweit der Eintritt oder das Andauern der Arbeitslosigkeit nicht objektiven F aktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Umständen und Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versi- cherten Person liegt, für das die Versicherung die Haft ung nicht übernimmt (ARV 1998 N 9 S. 44 E. 2b). Dies ist unter anderem dann der Fall, w enn die versicherte Person das Arbeitsver- hältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Ste lle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzule gen ist (BGE 124 V 238 E. 4; bestätigt im Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 2017, 8C_66/2017, E. 2; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Umstände vorli egen, darf einer versicherten Person zugemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu ve rbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zü rich 1998, S. 116). Die Zu- mutbarkeit zum Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstel le wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). 2.4 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. J uni 1988 über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinkommen ; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige ( „ volontairement“) Auf- geben einer Stelle ohne triftigen Grund („sans motif légitime“ ) sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30 . April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 2.5 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt d ie Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Gesundhei tsgefährdende Arbeitsstellen sind nicht mehr zumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine Un zumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherh eit darf sich die Arbeitslosenkasse Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht mit blossen Behauptungen der versicherten Person be gnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, welche primär die versicherte P erson im Rahmen der ihr oblie- genden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachverh alts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb). Ärztliche Zeugnisse müssen ein erseits eine Diagnose und ander- seits eine aussagekräftige Erklärung für die Arbeitsunfähigkeit (Kausalität) enthalten. 2.6 Dagegen vermögen ein schlechtes Arbeitsklima und Mei nungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen grundsätzlich keine Unzu mutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses zu begründen (SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 323, C128/96). Bei Schwierigkei- ten wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und derg leichen ist es der versicherten Per- son grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusic herung einer neuen Anschlussstelle aufzugeben. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass belastende Verhältnisse am Arbeitsplatz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht r echtfertigen. Sie können aber allen- falls beim Verschulden berücksichtigt werden (Urteil des E idgenössischen Versicherungsge- richts [EVG, seit 2007 Schweizerisches Bundesgericht] vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstellungen der versicher ten Person nicht entsprechendes Be- triebsklima genügt hierzu keineswegs (ARV 1986 Nr. 24 S. 95). 3.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist schliesslich auf f olgende Verfahrensgrundsätze hin- zuweisen: Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwer- deverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Da nach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und voll ständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abkläru ngen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nic ht uneingeschränkt; er findet sein Kor- relat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 1 25 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüge nde Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b; 125 V 195; 121 V 47 E. 2a; 208 E. 6b mit Hinweis). 4. Es steht unbestritten fest, dass die Beschwerdeführerin das bestehende Arbeitsverhält- nis am 10. Juli 2017 per 31. August 2017 auflöste, ohn e dass ihr im Kündigungszeitpunkt von Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht anderer Seite verbindlich eine neue Arbeitsstelle zugesichert gewesen wäre. Die Frage der Ein- stellung in der Anspruchsberechtigung beurteilt sich de mgemäss danach, ob ihr ein Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle bis zum Auffinden einer neuen zumutbar gewesen wäre (vgl. E. 2.3 hiervor). Es ist somit zu prüfen, ob die von der Beschwerdeführerin vorgebrachte Unzu- mutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz aus gesundhe itlichen Gründen durch ein eindeuti- ges ärztliches Zeugnis oder durch andere geeignete Beweismittel belegt ist (vgl. E. 2.5 hiervor). 5. Aufgrund der Akten stellt sich der rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Dr. C.____ hielt in der ärztlichen Bescheinigung vom 31. August 201 7 fest, dass es für ihre Patientin aus medizinischen Gründen dringend nötig gewesen sei, das A rbeitsverhältnis mit der B.____ AG zu beenden. Für alle anderen Arbeitgeber sei sie ab de m 1. Oktober 2017 zu 100 % uneinge- schränkt arbeitsfähig. Im Arztzeugnis vom 9. Oktober 2017 hielt Dr. C.____ fest, dass die Versi- cherte vom 1. April 2017 bis zum 30. September 2017 zu 1 00 % arbeitsunfähig gewesen sei. Ab dem 1. Oktober 2017 sei sie wieder voll arbeitsfähi g ohne jegliche Einschränkungen. Mit Antwortschreiben vom 27. Juni 2018 führte Dr. C.____ i m Rahmen der gerichtlichen Sachver- haltsabklärung aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem 3. April 2017 bei ihr in Behandlung stehe. Dr. C.____ diagnostizierte bei der Versicherten e ine mittelschwere depressive Episode (ICD 10 F 32.1). Der Gesundheitszustand der Beschwerdefü hrerin habe sich nur sehr langsam gebessert trotz der regelmässigen Psychotherapie und Psycho pharmakatherapie. Eine Kündi- gung sei nach Ansicht von Dr. C.____ aus gesundheitlich er Sicht nötig gewesen, weil sonst gesundheitliche Schäden zu befürchten gewesen wären. Dr. C.____ legte im Rahmen der amt- lichen Erkundigung den ärztlichen Bericht vom 23. Septem ber 2017 bei. Darin führte sie aus, dass es im Therapieverlauf zur langsamen Besserung der Sym ptomatik bis zur fast vollständi- gen Restitution gekommen sei. Die letzte Konsultation habe am 31. August 2017 stattgefunden. Im psychischen Befund sei die Versicherte nicht mehr depressiv, noch leicht erschöpft, aber grundsätzlich zuversichtlich gewesen. Eine Rückkehr an den a lten Arbeitsplatz bis zum Ende der Kündigungsfrist (30. September 2017) sei der Versi cherten jedoch aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar. Im Psychiatrie-Fragebogen des Arztbe richts vom 23. September 2017 vermerkte Dr. C.____, dass die Symptome der Versicherten durch verschiedene Faktoren, un- ter anderem durch den gegen Ende 2016 unerwarteten Vertrauensverlust einer Arbeitskollegin, durch die als ungerecht erlebte Kündigung der Arbeitsste lle und das als mobbingartig erlebte Verhalten der Vorgesetzten ausgelöst worden seien. Man habe bei ihr immer nur Fehler gefun- den und sie sei nicht mehr in Entscheidungen miteinbezogen worden, weshalb sie sich alleinge- lassen und ausgegrenzt gefühlt habe. 6.1 Die Beschwerdegegnerin macht geltend, dass gemäss den eingereichten ärztlichen Be- richten aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht nicht h inreichend erstellt sei, dass der Verblieb an der Arbeitsstelle bei der B.____ AG für die Beschwerdeführerin gesundheitsgefähr- dend war. So seien die Berichte von Dr. C.____ mit W idersprüchen behaftet, da unterschiedli- che Angaben gemacht werden über den Behandlungsbeginn (gemäss Bericht vom 27. Ju- ni 2017 am 3. April 2017 und gemäss Bericht vom 23. Sep tember 2017 am 13. April 2017). Weiter sei nicht klar erwiesen, dass die Krankheit der B eschwerdeführerin durch die Probleme am Arbeitsplatz ausgelöst worden seien, da die Beschwerd eführerin in der Zeit ihrer Erkran- kung ihren Wohnort verlegt habe und nebenbei in selbstständiger Tätigkeit als Weddingplanerin Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tätig gewesen sei. Auch das Ess- und Bewegungsverhalten und der Gewichtsverlust der Be- schwerdeführerin seien ein wichtiger Bestandteil der Th erapiesitzungen gewesen und hätten damit zur Erkrankung beigetragen, was Umstände seien, d ie keinen Bezug zum Arbeitsverhält- nis hätten. Auch sei die im Psychiatrischen Fragebogen vom 23. September 2017 festgehaltene Aufzählung der Faktoren, welche die Symptome ausgelö st hätten, nicht abschliessend aufge- führt. Schliesslich könne der Grund für die Beendigung der Therapie sowie die effektive Dauer der Arbeitsunfähigkeit nicht abschliessend geklärt werden , da Dr. C.____ einerseits im Bericht vom 27. Juni 2018 festgehalten habe, der Wohnsitzwechsel habe zur Beendigung der Therapie geführt und andererseits im Psychiatrischen Fragebogen v om 23. September 2017 vermerkt habe, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr depressiv und nahezu genesen sei. 6.2 Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin sind vo rliegend keine Gründe ersichtlich, weshalb von den medizinischen Einschätzungen von Dr. C.__ __ abgewichen werden soll. Eine Würdigung der vorstehend erwähnten Verfahrensakten ergibt, dass der Beschwerdeführerin ein weiterer Verbleib an ihrer bisherigen Arbeitsstelle a us gesundheitlichen Gründen nicht mehr zugemutet werden konnte. Wie oben (vgl. E. 2.5 hiervor) aufgezeigt, ist die Unzumutbarkeit des Verbleibens an einer Arbeitsstelle dann zu bejahen, wenn die versicherte Person die Umstände für die Kündigung durch ein echtzeitliches und eindeut iges ärztliches Zeugnis zu belegen ver- mag. Die Voraussetzung der Echtzeitlichkeit des ärztlichen Zeugnisses ist vorliegend erfüllt, da der später eingereichte Bericht vom 23. September 201 7 nähere Ausführungen von Dr. C.____ beinhaltet, welche auf den Ergebnissen der Konsultatio nen ab dem Beginn der Therapie im April 2017 beruhen (vgl. Urteil des Kantonsgerichts Basel -Landschaft vom 31. Juli 2018, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht, 715 18 98 E. 6.3). Bezügl ich den inhaltlichen Anforderungen an ein rechtsgenügliches ärztliches Zeugnis kann weiter festg estellt werden, das der Bericht von Dr. C.____ vom 23. September 2017 – wie vom Bundesger icht verlangt – eine klare Diagnose und eine aussagekräftige Erklärung für die Arbeitsunfäh igkeit enthält (vgl. E. 2.5). So wird fest- gehalten, dass sich die Beschwerdeführerin ab April 2017 wegen Problemen am Arbeitsplatz und einem depressiven Zustandsbild in psychiatrischer Beh andlung befand und vom 13. Ap- ril 2017 bis 30. September 2017 zu 100 % arbeitsunfähi g war. Das genannte ärztliche Zeugnis genügt vorliegend, um eine Kündigung aufgrund der ge sundheitlichen Situation zu rechtfertigen und ein Selbstverschulden der Beschwerdeführerin auszusch liessen. Es sind keine höhere An- forderungen an den Umfang und die Qualität des ärztlichen Zeugnisses im Sinne eines eigentli- chen medizinischen Gutachtens zu stellen, wie dies die Beschwerdegegnerin verlangt. 6.3 Weiter ist entgegen der Ansicht der Beschwerdegegne rin hinreichend erstellt, dass der auslösende Faktor für die Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz in den Umständen des Arbeitsverhältnisses lag. So geht aus dem eingereicht en Zeugnis klar und unmissverständ- lich hervor, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit ihr e Ursache im Arbeitsverhältnis hatte und die Beendigung des Arbeitsverhältnisses aus Sicht der Ärztin aus medizinischen und psychiatri- schen Gründen angezeigt war. Gerade die rasche Besserun g des Gesundheitszustands der Versicherten nach dem Fernbleiben von der Arbeitsstelle aufgrund des ärztlichen Attests sowie der Kündigung des Arbeitsverhältnisses lassen darauf schli essen, dass die Gründe für die Er- krankung der Beschwerdeführerin in diesem Arbeitsverhäl tnis lagen. Schliesslich wurde der Bericht vom 23. September 2017 für die D.____ Insuran ce Group und nicht für das vorliegende Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeverfahren verfasst, weshalb kein Verdacht erken nbar ist, dass dieser mit Blick auf das auftragsrechtliche Verhältnis zwischen der Beschwerdef ührerin und der behandelnden Psychiaterin dem Gefälligkeitsgedanken entsprechend zug unsten der Versicherten ausgestellt wurde. Es besteht deshalb kein Anlass, von den medizinische n Einschätzungen der psychiatri- schen Fachspezialistin abzuweichen. Insgesamt lassen die Einwä nde der Beschwerdegegnerin nicht an den Beurteilungen der ärztlichen Berichte zweifeln. Die Vorinstanz ist somit zu Unrecht davon ausgegangen, dass das Verbleiben am Arbeitsplatz für die Versicherte aus gesundheitli- chen Gründen zumutbar war. 7. Zusammenfassend ist nach dem Gesagten davon auszugehen, dass der Beschwerde- führerin ein weiterer Verbleib an der bisherigen Arb eitsstelle aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar war. In Anbetracht dieser Sachlage gab die Beschwerdeführerin ihre bis- herige Arbeitsstelle nicht freiwillig auf, sie konnte sich für die Auflösung des Arbeitsvertrages vielmehr auf triftige Gründe stützen. Der Verbleib an der bisherigen Arbeitsstelle erweist sich nach dem Gesagten als unzumutbar im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG. Somit ist kein Ver- schulden der Versicherten ersichtlich, was zur Folge hat, dass der Tatbestand des Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG nicht erfüllt ist und eine Einstell ung in der Anspruchsberechtigung nicht in Be- tracht fällt. Der angefochtene Einspracheentscheid der A rbeitslosenkasse vom 9. Januar 2018 ist demnach aufzuheben und die vorliegende Beschwerde ist entsprechend gutzuheissen. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor de m kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Da die obsiegende Beschwerdeführerin nicht anwal tlich vertreten ist, sind ihr vorliegend keine Parteikosten entstanden. Die ausserordentlichen Kost en des Verfahrens können deshalb wettgeschlagen werden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einsprach eentscheid der Öf- fentlichen Arbeitslosenkasse vom 9. Januar 2018 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht