<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">241</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>XI. Personalrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>43</b></span> <span class="ft3"><b>Besoldung Lehrpersonen Kindergarten</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Lehrpersonen Kindergarten üben einen typischen Frauenberuf aus</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 1).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die ABAKABA-Punktewerte des Verwaltungspersonals sowie der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Lehrpersonen sind direkt miteinander vergleichbar (Erw. 5).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Es lässt sich grundsätzlich nicht beanstanden, dass für die Lohn-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>einstufung des Verwaltungspersonals einerseits und der Lehrperso-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nen andererseits Vergleichslöhne unterschiedlich berücksichtigt wer-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den (Erw. 6).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Anforderungen an die Erhebung der Vergleichslöhne (Erw. 7).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Soweit die Besoldung der Lehrpersonen Kindergarten an deren</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Besoldung gemäss dem früheren Lohnsystem anknüpft, bedarf es des</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Nachweises, dass diese frühere Besoldung diskriminierungsfrei war</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 8).</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 29. Januar</span><br/> <span class="ft6">2014 in Sachen. B. gegen Schulpflege V. (WBE.2013.151).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft10">1.</span><br/> <span class="ft10">Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre Lohneinstufung sei</span><br/> <span class="ft10">diskriminierend. Der entsprechenden Argumentation legt sie die Be-</span><br/> <span class="ft10">hauptung zugrunde, als Lehrperson Kindergarten übe sie einen typi-</span><br/> <span class="ft10">schen Frauenberuf aus. Diese Qualifikation ist ohne weiteres zutref-</span><br/> <span class="ft10">fend; sie deckt sich mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts (Ur-</span><br/> <span class="ft10">teil des Bundesgerichts vom 15. Juni 2007 [2A.79/2007], Erw. 2;</span><br/> <span class="ft10">BGE 125 II 530,</span> <span class="ft10">Erw. 2b)</span> <span class="ft10">sowie</span> <span class="ft10">des</span> <span class="ft10">Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft10">(VGE IV/89 vom 7. Dezember 2007 [WNO.2005.1-4], S. 23). Allein</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">242</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">durch eine Besoldungserhöhung wird die Qualifikation als typischer</span><br/> <span class="ft10">Frauenberuf nicht hinfällig.</span><br/> <span class="ft10">2.</span><br/> <span class="ft10">2.1.</span><br/> <span class="ft10">Die Beschwerdeführerin bezieht sich im Zusammenhang mit ih-</span><br/> <span class="ft10">rer Rüge der Diskriminierung primär auf den Vergleich mit Funktio-</span><br/> <span class="ft10">nen der Kantonalen Verwaltung (Sachbereichsleiter/in, Sachbearbei-</span><br/> <span class="ft10">ter/in II und Fachspezialist/in I). (...)</span><br/> <span class="ft10">2.2.</span><br/> <span class="ft10">(Darstellung des Besoldungssystems für das aargauische Ver-</span><br/> <span class="ft10">waltungspersonal; dieses richtet sich primär nach dem Arbeitsplatz-</span><br/> <span class="ft10">bewertungssystem ABAKABA)</span><br/> <span class="ft10">2.3.</span><br/> <span class="ft10">(Darstellung des Besoldungssystems für die aargauischen Lehr-</span><br/> <span class="ft10">personen; zusammenfassend wird die Lohneinstufung aufgrund fol-</span><br/> <span class="ft10">gender Gewichtung festgelegt: 37,5 % bisheriger Positionslohn</span><br/> <span class="ft10">[= Minimallohn gemäss dem früheren Besoldungssystem], 12,5 %</span><br/> <span class="ft10">ABAKABA-Lohn, 50 % Marktlohn [= Vergleichslohn, der in be-</span><br/> <span class="ft10">stimmten anderen Kantonen ausbezahlt wird])</span><br/> <span class="ft10">3.</span><br/> <span class="ft10">(Darstellung der Rechtsprechung betreffend die Lohngleichheit</span><br/> <span class="ft10">von Mann und Frau)</span><br/> <span class="ft10">4. (...)</span><br/> <span class="ft10">5.</span><br/> <span class="ft10">5.1.</span><br/> <span class="ft10">Die Behauptung, die Tätigkeit der Lehrpersonen Kindergarten</span><br/> <span class="ft10">sei gegenüber den ähnlich besoldeten Tätigkeiten der Verwaltung</span><br/> <span class="ft10">deutlich höher einzustufen, ist vorab nach Massgabe der Arbeits-</span><br/> <span class="ft10">platzbewertung ABAKABA zu prüfen. Umstritten ist in diesem Zu-</span><br/> <span class="ft10">sammenhang die Bedeutung des ABAKABA-Merkmals "Fd" betref-</span><br/> <span class="ft10">fend die "Verantwortung für die Erreichung von Lernzielen". Nach</span><br/> <span class="ft10">Darstellung des Beigeladenen ist dieses Merkmal "systemwidrig"</span><br/> <span class="ft10">und einzig darauf ausgerichtet, die unterschiedlichen Funktionen von</span><br/> <span class="ft10">Lehrpersonen präziser abbilden zu können. Da es nur bei den</span><br/> <span class="ft10">Lehrpersonen erhoben werde bzw. nur sie hier Punkte generieren</span><br/> <span class="ft10">könnten, sei ein Quervergleich der ABAKABA-Punktezahlen des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">243</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">Verwaltungspersonals einerseits sowie der Lehrpersonen andererseits</span><br/> <span class="ft10">ausgeschlossen.</span><br/> <span class="ft10">5.2.</span><br/> <span class="ft10">Der sachverständige Zeuge erklärte an der Verhandlung vor</span><br/> <span class="ft10">Verwaltungsgericht, gemäss seinen Informationen sei der Merkmals-</span><br/> <span class="ft10">bereich "F" (Führung) für die beiden Personalgruppen Lehrpersonen</span><br/> <span class="ft10">und Verwaltungspersonal gleich ausgestaltet. Das Merkmal "Fd"</span><br/> <span class="ft10">(Verantwortung für die Erreichung von Lernzielen) sei zwar beson-</span><br/> <span class="ft10">ders für Lehrpersonen konzipiert worden, finde aber auch bei der Be-</span><br/> <span class="ft10">wertung der Arbeitsplätze des Verwaltungspersonals Anwendung.</span><br/> <span class="ft10">Das Merkmal gelte demnach für beide Personalgruppen gleichermas-</span><br/> <span class="ft10">sen. Die Verantwortung für die Erreichung von Lernzielen erwachse-</span><br/> <span class="ft10">ner Personen werde weniger hoch bewertet als diejenige für die</span><br/> <span class="ft10">Erreichung von Lernzielen von Kindern und Jugendlichen, weil die</span><br/> <span class="ft10">Eigenverantwortung bei Erwachsenen grösser sei. Es sei jedoch nicht</span><br/> <span class="ft10">so, dass die Lehrpersonen im Vergleich zum Verwaltungspersonal</span><br/> <span class="ft10">Zusatzpunkte erhalten würden. Immerhin könnten die Lehrpersonen</span><br/> <span class="ft10">bei den Merkmalen "Fa-c" keine Punkte sammeln. Im Übrigen gebe</span><br/> <span class="ft10">es immer Merkmale, die nur für einen Teil der Funktionen relevant</span><br/> <span class="ft10">seien, beispielsweise das Merkmal "Pd6" (Kälte, Hitze, Nässe, Arbeit</span><br/> <span class="ft10">im Freien). Ein einzelnes Merkmal könne nur dann ausgeklammert</span><br/> <span class="ft10">werden, wenn bei einem Arbeitgeber keine einzige Funktion vorhan-</span><br/> <span class="ft10">den sei, für die es relevant sein könnte. Das System sei darauf ange-</span><br/> <span class="ft10">legt, alle Arbeitsplätze nach dem gleichen Raster zu beurteilen, so</span><br/> <span class="ft10">dass eine vollumfängliche Vergleichbarkeit der Punktewerte gewähr-</span><br/> <span class="ft10">leistet sei. Dies sei auch in Bezug auf die Lehrpersonen sowie das</span><br/> <span class="ft10">Verwaltungspersonal "absolut" erfüllt. Die Behauptung des Beigela-</span><br/> <span class="ft10">denen, wonach im Zusammenhang mit dem Merkmal "Fd" die Ver-</span><br/> <span class="ft10">gleichbarkeit nicht gegeben sein soll, könne er (der sachverständige</span><br/> <span class="ft10">Zeuge) nicht nachvollziehen.</span><br/> <span class="ft10">5.3.</span><br/> <span class="ft10">Die erwähnten Aussagen des sachverständigen Zeugen, nota-</span><br/> <span class="ft10">bene eines der beiden Begründer des Arbeitsplatzbewertungssystems</span><br/> <span class="ft10">ABAKABA, sind schlüssig und nachvollziehbar. Es besteht kein An-</span><br/> <span class="ft10">lass, an deren Richtigkeit zu zweifeln bzw. die Vergleichbarkeit der</span><br/> <span class="ft10">ABAKABA-Punktewerte der Lehrpersonen einerseits sowie des Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">244</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">waltungspersonals andererseits in Frage zu stellen. Dies gilt umso</span><br/> <span class="ft10">mehr, als es sich dabei ausschliesslich um eine rein arbeitswissen-</span><br/> <span class="ft10">schaftliche Problematik handelt. Der Umstand, dass beim Merkmal</span><br/> <span class="ft10">"Fd" primär Lehrpersonen Punkte generieren, vermag an der erwähn-</span><br/> <span class="ft10">ten Einschätzung nichts zu ändern. Im Übrigen existieren ausweis-</span><br/> <span class="ft10">lich der vom Beigeladenen zu den Akten gereichten ABAKABA-</span><br/> <span class="ft10">Protokolle beim Verwaltungspersonal mit dem/der Fachspezialist(in)</span><br/> <span class="ft10">Informatik und dem/der Zivilschutzinstruktor(in) mindestens zwei</span><br/> <span class="ft10">Funktionen, die für das umstrittene, angeblich den Lehrpersonen vor-</span><br/> <span class="ft10">behaltene Merkmal "Fd" ebenfalls Punkte erhielten. Dass die</span><br/> <span class="ft10">ABAKABA-Punktewerte der Lehrpersonen und des Verwaltungsper-</span><br/> <span class="ft10">sonals "eins zu eins" miteinander vergleichbar sind, zeigt sich</span><br/> <span class="ft10">schliesslich nicht zuletzt auch darin, dass der Beigeladene die sich</span><br/> <span class="ft10">aus den ABAKABA-Protokollen für die Lehrpersonen ergebenden</span><br/> <span class="ft10">Punktewerte auf den Lohnstufenplan für das Verwaltungspersonal</span><br/> <span class="ft10">referenzierte, um den in das Vektorenmodell einzusetzenden</span><br/> <span class="ft10">"ABAKABA-Lohn" zu erhalten.</span><br/> <span class="ft10">5.4. (...)</span><br/> <span class="ft10">5.5.</span><br/> <span class="ft10">Die Lehrpersonen Kindergarten erreichten bei der Arbeitsplatz-</span><br/> <span class="ft10">bewertung nach ABAKABA 478 Punkte (Total gewichtet). Damit</span><br/> <span class="ft10">wären sie nach der entsprechenden Umrechnungsskala in die Lohn-</span><br/> <span class="ft10">stufe 13 des Lohnstufenplans für das Verwaltungspersonal (für Funk-</span><br/> <span class="ft10">tionen mit 440 bis 479,99 Punkten) einzureihen, für welche 2011 ein</span><br/> <span class="ft10">Minimal- oder Positionslohn von Fr. 96`478.50 bzw. ein Maximal-</span><br/> <span class="ft10">lohn von Fr. 135'069.90 galt. Tatsächlich wurde die Beschwer-</span><br/> <span class="ft10">deführerin in die Lohnstufe 2 des Lohnstufenplans für die Lehrper-</span><br/> <span class="ft10">sonen mit einem Minimal- bzw. Positionslohn von Fr. 70`622.00 und</span><br/> <span class="ft10">einem Maximallohn von Fr. 112'995.00 eingereiht (Anhänge I und</span><br/> <span class="ft10">IIA LDLP).</span><br/> <span class="ft10">Allein aufgrund der im Vergleich zum Verwaltungspersonal</span><br/> <span class="ft10">tieferen Einstufung ist jedoch eine Diskriminierung im Sinne von</span><br/> <span class="ft10">Art. 8 Abs. 3 BV und Art. 3 GlG weder dargetan noch auch bloss</span><br/> <span class="ft10">glaubhaft gemacht. Dies ergibt sich bereits daraus, dass das Vek-</span><br/> <span class="ft10">torenmodell, welches letztlich zur Tiefereinstufung führt (vgl. Bot-</span><br/> <span class="ft10">schaft Änderung LDLP, Tabelle S. 12), für sämtliche Lehrpersonen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">245</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">Anwendung findet, also nicht nur für den frauenspezifischen Beruf</span><br/> <span class="ft10">der Lehrpersonen Kindergarten. Im Folgenden ist indessen zu prüfen,</span><br/> <span class="ft10">ob die Vektoren "Marktlohn" und "bisheriger Lohn" für die Lehrper-</span><br/> <span class="ft10">sonen Kindergarten diskriminierende Auswirkungen haben.</span><br/> <span class="ft10">6.</span><br/> <span class="ft10">6.1.</span><br/> <span class="ft10">6.1.1.</span><br/> <span class="ft10">Für die Lohneinstufung des Verwaltungspersonals spielt der</span><br/> <span class="ft10">Marktvergleich gegenüber der ABAKABA-Bewertung eine weniger</span><br/> <span class="ft10">gewichtige Rolle. Dies ergibt sich schon aus dem Wortlaut von</span><br/> <span class="ft10">§ 5 LD: Gemäss Abs. 3 legt der Regierungsrat die Positionslöhne</span><br/> <span class="ft10">nach einem Bericht über die Bewertung der Arbeitsplätze fest; ge-</span><br/> <span class="ft10">mäss Abs. 4 bildet dieser Bericht auch die Basis für den Lohnstufen-</span><br/> <span class="ft10">plan sowie den Einreihungsplan. § 5 Abs. 4 LD verlangt indessen</span><br/> <span class="ft10">ausdrücklich, dass zusätzlich auch die Arbeitsmarktsituation zu be-</span><br/> <span class="ft10">rücksichtigen ist. Ursprünglich wurden bei der Zuordnung der</span><br/> <span class="ft10">ABAKABA-Punktezahl zu den einzelnen Lohnstufen verschiedent-</span><br/> <span class="ft10">lich dauerhafte Marktkorrekturen um plus oder minus ein oder zwei</span><br/> <span class="ft10">Lohnstufen vorgenommen. Im Rahmen der Revision wurde demge-</span><br/> <span class="ft10">genüber speziell darauf geachtet, die Notwendigkeit derartiger</span><br/> <span class="ft10">Marktkorrekturen soweit als möglich zu vermeiden. Effektiv konnten</span><br/> <span class="ft10">die Ergebnisse der Arbeitsplatzbewertung so auf die Marktsituation</span><br/> <span class="ft10">abgestimmt werden, dass aus der Zuordnung der ABAKABA-Punk-</span><br/> <span class="ft10">tewerte zu den einzelnen Lohnstufen marktgerechte Löhne resul-</span><br/> <span class="ft10">tierten. § 5 Abs. 1 LD bietet indessen weiterhin die Möglichkeit, bei</span><br/> <span class="ft10">Bedarf die sich aus ABAKABA ergebenden Löhne dauerhaft nach</span><br/> <span class="ft10">Massgabe des Marktes zu reduzieren oder zu erhöhen.</span><br/> <span class="ft10">6.1.2.</span><br/> <span class="ft10">Im Lohnsystem für die Lehrpersonen spielt der Marktlohn eine</span><br/> <span class="ft10">bedeutend zentralere Rolle, kommt ihm doch im Rahmen des Vekto-</span><br/> <span class="ft10">renmodells ein Gewicht von 50 % zu. Dies wird damit begründet,</span><br/> <span class="ft10">dass der Arbeitsmarkt Lehrpersonen weitgehend in sich geschlossen</span><br/> <span class="ft10">ist und primär eine Konkurrenz zu den umliegenden Kantonen be-</span><br/> <span class="ft10">steht (vgl. Botschaft LDLP, S. 15).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">246</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">6.2.</span><br/> <span class="ft10">Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist es einem</span><br/> <span class="ft10">Kanton nicht verwehrt, sein Lohnsystem auf einen grösseren Markt</span><br/> <span class="ft10">auszurichten und die dort bezahlten Gehälter mit zu berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft10">Der Arbeitgeber darf das Arbeitsmarktargument jedoch nicht derart</span><br/> <span class="ft10">anwenden, dass er daraus ohne sachliche, geschlechtsunabhängige</span><br/> <span class="ft10">Gründe nur zum Nachteil des einen Geschlechts bzw. von vorwie-</span><br/> <span class="ft10">gend weiblichen Funktionsbereichen Schlüsse zieht, nicht aber beim</span><br/> <span class="ft10">anderen Geschlecht bzw. bei neutralen oder vorwiegend männlichen</span><br/> <span class="ft10">Funktionsbereichen. Demnach muss sich der Arbeitgeber - vor allem</span><br/> <span class="ft10">wenn es um Herabsetzungen geht - vergewissern, dass die Ver-</span><br/> <span class="ft10">gleichslöhne auf dem Markt nicht selber diskriminierende Züge auf-</span><br/> <span class="ft10">weisen. Ansonsten würden allfällige auf dem Markt bestehende Ge-</span><br/> <span class="ft10">schlechterdiskriminierungen (wieder) Einfluss in das Lohnsystem</span><br/> <span class="ft10">finden, obwohl es gerade ein Ziel der analytischen Arbeitsplatz-</span><br/> <span class="ft10">bewertung war, sie auszuräumen. Im Weiteren müssen die geltend</span><br/> <span class="ft10">gemachten arbeitsmarktlichen Verhältnisse tatsächlich vorhanden ge-</span><br/> <span class="ft10">wesen sein und den Lohnentscheid beeinflusst haben (BGE 131 II</span><br/> <span class="ft10">393, Erw. 7.4 mit zahlreichen Hinweisen). Dem erwähnten Urteil des</span><br/> <span class="ft10">Bundesgerichts lag ein sogenannter Minusklassenentscheid zugrun-</span><br/> <span class="ft10">de, d.h. es wurde - unter Verweis auf den Marktlohn - zum Nachteil</span><br/> <span class="ft10">geschlechtsspezifischer Funktionen eine tiefere Lohneinreihung vor-</span><br/> <span class="ft10">genommen, als sie gemäss systematischer Arbeitsbewertung ange-</span><br/> <span class="ft10">zeigt gewesen wäre. Das Bundesgericht hielt in diesem Zusammen-</span><br/> <span class="ft10">hang fest, dass ein derartiges Vorgehen begründungsbedürftig ist und</span><br/> <span class="ft10">in der Regel zur Vermutung einer Diskriminierung führt; die Beweis-</span><br/> <span class="ft10">last wird nach Art. 6 GlG umgekehrt (BGE 131 II 393, Erw. 7.1 mit</span><br/> <span class="ft10">Hinweisen).</span><br/> <span class="ft10">6.3.</span><br/> <span class="ft10">6.3.1.</span><br/> <span class="ft10">Es lässt sich grundsätzlich nicht beanstanden, dass für das Ver-</span><br/> <span class="ft10">waltungspersonal einerseits sowie die Lehrpersonen andererseits</span><br/> <span class="ft10">zwei verschiedene Besoldungssysteme vorgesehen sind. Der Um-</span><br/> <span class="ft10">stand, dass die beiden Systeme dem Markt in verschiedener Art und</span><br/> <span class="ft10">Weise Rechnung tragen, vermag an dieser Einschätzung nichts zu än-</span><br/> <span class="ft10">dern. Dies ergibt sich insbesondere daraus, dass bei den Lehrperso-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">247</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">nen im Gegensatz zum Verwaltungspersonal zum einen eine hohe</span><br/> <span class="ft10">Vergleichbarkeit gegeben ist und zum anderen ein geschlossener</span><br/> <span class="ft10">Markt besteht (siehe vorne Erw. 6.1.2). Es erscheint daher gerecht-</span><br/> <span class="ft10">fertigt, dass der Beigeladene in besonderem Masse auf diesen Markt</span><br/> <span class="ft10">abstellt bzw. das Lohnniveau der Lehrpersonen wesentlich nach</span><br/> <span class="ft10">demjenigen der Nachbarkantone ausrichtet.</span><br/> <span class="ft10">Hinzu kommt, dass sich die Zuordnung der ABAKABA-</span><br/> <span class="ft10">Punktezahl zur entsprechenden Lohnstufe stark nach den Bedürfnis-</span><br/> <span class="ft10">sen des Marktes für das allgemeine Verwaltungspersonal richtet</span><br/> <span class="ft10">(siehe vorne Erw. 6.1.1) und dennoch die ABAKABA-Punktewerte</span><br/> <span class="ft10">der Lehrpersonen auf den Lohnstufenplan des allgemeinen Verwal-</span><br/> <span class="ft10">tungspersonals referenziert werden. Aufgrund dieser Konstellation</span><br/> <span class="ft10">erscheinen Korrekturen unvermeidbar, damit bei der Lohneinstufung</span><br/> <span class="ft10">der Lehrpersonen dem diesbezüglichen Markt gebührend Rechnung</span><br/> <span class="ft10">getragen werden kann. Alternativ wäre es nach Darstellung des sach-</span><br/> <span class="ft10">verständigen Zeugen möglich gewesen, bei der erwähnten Zuord-</span><br/> <span class="ft10">nung sowohl den Markt des allgemeinen Verwaltungspersonals als</span><br/> <span class="ft10">auch denjenigen der Lehrpersonen zu berücksichtigen; dabei hätte je-</span><br/> <span class="ft10">doch kaum auf Korrekturen in der Form von dauerhaften Marktan-</span><br/> <span class="ft10">passungen verzichtet werden können.</span><br/> <span class="ft10">6.3.2.</span><br/> <span class="ft10">Problematisch mag erscheinen, wie stark bei zwei parallelen</span><br/> <span class="ft10">Lohnsystemen desselben Arbeitgebers die Gewichtungen des Mark-</span><br/> <span class="ft10">tes voneinander abweichen dürfen. Dies kann jedoch vorliegend auf-</span><br/> <span class="ft10">grund der nachstehenden Erwägungen offen gelassen werden. (...)</span><br/> <span class="ft10">7.</span><br/> <span class="ft10">7.1.</span><br/> <span class="ft10">7.1.1.</span><br/> <span class="ft10">Wird ein Lohnsystem wesentlich auf den Markt ausgerichtet, so</span><br/> <span class="ft10">ist im Sinne der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft10">vorauszusetzen, dass in einem ersten Schritt die Vergleichslöhne</span><br/> <span class="ft10">sorgfältig und hinreichend differenziert erhoben werden. Eine ent-</span><br/> <span class="ft10">sprechend durchgeführte Marktanalyse ist eine grundlegende Voraus-</span><br/> <span class="ft10">setzung für jegliche Anpassung der aus einer analytischen Arbeits-</span><br/> <span class="ft10">platzbewertung resultierenden Löhne an davon abweichende Markt-</span><br/> <span class="ft10">löhne. Je stärker das Gewicht des Marktlohnes im Vergleich zum</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">248</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">ABAKABA-Lohn ist, eine umso höhere Bedeutung kommt der sorg-</span><br/> <span class="ft10">fältigen Erhebung des Marktlohnes zu.</span><br/> <span class="ft10">7.1.2.</span><br/> <span class="ft10">Der Marktvergleich betreffend die Lehrpersonen Kindergarten</span><br/> <span class="ft10">wurde - wie bei allen Lehrpersonen - mit den sechs Nachbarkanto-</span><br/> <span class="ft10">nen (Basel-Land, Solothurn, Bern, Luzern, Zug, Zürich) sowie mit</span><br/> <span class="ft10">den Kantonen Basel-Stadt und St. Gallen durchgeführt. Die Konkur-</span><br/> <span class="ft10">renzsituation mit den Nachbarkantonen erscheint offensichtlich und</span><br/> <span class="ft10">wird letztlich auch von der Beschwerdeführerin nicht in Frage ge-</span><br/> <span class="ft10">stellt. Dasselbe gilt in Bezug auf den nicht direkt angrenzenden, je-</span><br/> <span class="ft10">doch nahe gelegenen Kanton Basel-Stadt. Fraglich erscheint demge-</span><br/> <span class="ft10">genüber der Einbezug des Kantons St. Gallen, zu welchem im</span><br/> <span class="ft10">Gegensatz zu den Nachbarkantonen nur eine untergeordnete Konkur-</span><br/> <span class="ft10">renzsituation besteht. Es mag zutreffen, dass dieser Kanton ver-</span><br/> <span class="ft10">gleichbare wirtschaftliche Strukturen aufweist (Botschaft LDLP,</span><br/> <span class="ft10">S. 15). Diese Parallelität genügt jedoch nicht, um die Lohneinstufung</span><br/> <span class="ft10">der Lehrpersonen (auch) nach dem Kanton St. Gallen auszurichten.</span><br/> <span class="ft10">Ergeben sich folglich für den Kanton St. Gallen über- oder unter-</span><br/> <span class="ft10">durchschnittliche Vergleichswerte, ist ihre Berücksichtigung mangels</span><br/> <span class="ft10">genügender Konkurrenzsituation nicht gerechtfertigt; bei durch-</span><br/> <span class="ft10">schnittlichen Werten ist ein Einbezug ohne erkennbaren Nutzen.</span><br/> <span class="ft10">Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass gewisse</span><br/> <span class="ft10">Anhaltspunkte für eine unterdurchschnittliche Besoldung der Lehr-</span><br/> <span class="ft10">personen Kindergarten im Kanton St. Gallen sprechen (vgl. dazu den</span><br/> <span class="ft10">"Lohnvergleich 2013" des Zentralverbands Öffentliches Personal</span><br/> <span class="ft10">Schweiz auf http://oeffentlichespersonal.ch/downloads/Lohnver-</span><br/> <span class="ft10">gleich_2013_deutsch.pdf sowie den Artikel "Lohnklagen der Lehre-</span><br/> <span class="ft10">rinnen könnten Kantone Millionen kosten" vom 12. Dezember 2013</span><br/> <span class="ft10">auf http:///www.tagesanzeiger.ch/schweiz/Lohnklagen-der-Lehrerin-</span><br/> <span class="ft10">nen-koennten-Kantone-Millionen-kosten-/story/24621331).</span> <span class="ft10">Aller-</span><br/> <span class="ft10">dings muss vorliegend offen bleiben, ob die entsprechenden Verglei-</span><br/> <span class="ft10">che auf gesicherten Zahlen beruhen.</span><br/> <span class="ft10">7.1.3.</span><br/> <span class="ft10">Bei der letzten Erhebung der Vergleichslöhne wurde offenbar</span><br/> <span class="ft10">nur danach gefragt, wie hoch der Minimallohn der betroffenen Lehr-</span><br/> <span class="ft10">personen ist. Mehr gibt das vom Beigeladenen mit der Eingabe vom</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">249</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">20. November 2013 eingereichte Datenblatt jedenfalls nicht her. Es</span><br/> <span class="ft10">zeigt für acht anonymisierte Kantone je die Jahreslöhne (Marktwerte,</span><br/> <span class="ft10">Stand Mai 2010) für die Lehrpersonen Kindergarten einerseits und</span><br/> <span class="ft10">die Lehrpersonen Primarstufe / Einschulungsklasse andererseits.</span><br/> <span class="ft10">Nimmt man den Schnitt aus den acht für die Kindergartenlehrperso-</span><br/> <span class="ft10">nen präsentierten Lohnzahlen (Fr. 57'599.00, Fr. 65'476.00,</span><br/> <span class="ft10">Fr. 66'170.00,</span> <span class="ft10">Fr. 68'712.00,</span> <span class="ft10">Fr. 69'438.00,</span> <span class="ft10">Fr. 69'548.00,</span><br/> <span class="ft10">Fr. 70'763.00 und Fr. 71'245.00), resultiert der in der Botschaft Ände-</span><br/> <span class="ft10">rung LDLP (Tabelle S. 12) verzeichnete Marktmittellohn von aufge-</span><br/> <span class="ft10">rundet Fr. 67'370.00.</span><br/> <span class="ft10">Ein umfassender Besoldungsvergleich würde eine Vielzahl von</span><br/> <span class="ft10">Komponenten beinhalten, d.h. nicht nur den Lohn im engeren Sinne,</span><br/> <span class="ft10">sondern auch sämtliche weiteren wirtschaftlichen Leistungen des Ar-</span><br/> <span class="ft10">beitgebers (Pensionskassenlösungen, Lohnfortzahlung bei Krank-</span><br/> <span class="ft10">heit/Unfall, Dienstaltersgeschenke etc.) sowie namentlich die</span><br/> <span class="ft10">Arbeitszeit (Pflichtstunden pro Woche, Ferien). Ein solcher Vergleich</span><br/> <span class="ft10">wäre indessen überaus aufwendig und würde den Rahmen dessen,</span><br/> <span class="ft10">was im Hinblick auf die Lohneinstufung angezeigt erscheint, spren-</span><br/> <span class="ft10">gen. Auf der anderen Seite erscheint es jedenfalls dort, wo zuun-</span><br/> <span class="ft10">gunsten eines frauenspezifischen Berufes von einer analytischen Ar-</span><br/> <span class="ft10">beitsplatzbewertung abgewichen wird, als ungenügend, für die Be-</span><br/> <span class="ft10">stimmung des Marktlohnes bloss auf die in anderen Kantonen ausbe-</span><br/> <span class="ft10">zahlten Minimallöhne abzustellen. Vielmehr erweist es sich für eine</span><br/> <span class="ft10">aussagekräftige Marktanalyse als zwingend, zusätzliche Erhebungen</span><br/> <span class="ft10">vorzunehmen. Dazu gehören namentlich Abklärungen betreffend die</span><br/> <span class="ft10">in anderen Kantonen vorausgesetzte Ausbildung (siehe hinten</span><br/> <span class="ft10">Erw. 7.4.2), betreffend den Lohnrahmen (Differenz zwischen Mini-</span><br/> <span class="ft10">mal- und Maximallohn) oder betreffend die Lohnentwicklung (wie</span><br/> <span class="ft10">wird der Anfangslohn festgesetzt und aufgrund welcher Kriterien er-</span><br/> <span class="ft10">folgt der Anstieg innerhalb des Lohnrahmens?).</span><br/> <span class="ft10">Aus den in Erw. 7.1.2 erwähnten Vergleichen ergibt sich, dass</span><br/> <span class="ft10">der Beigeladene unter den deutschsprachigen Kantonen mit dem An-</span><br/> <span class="ft10">fangslohn im Mittelfeld liegt, mit zunehmender Dauer des Anstel-</span><br/> <span class="ft10">lungsverhältnisses aber schlechter abschneidet. Auch wenn die er-</span><br/> <span class="ft10">wähnten Zahlen - soweit ersichtlich - nicht aus gesicherten Quellen</span><br/> <span class="ft10">stammen und daher mit Vorsicht zu geniessen sind, zeigt sich darin</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">250</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">beispielhaft, dass ein Marktvergleich, der sich lediglich auf die Mini-</span><br/> <span class="ft10">mallöhne beschränkt, letztlich nicht zu genügen vermag. Ein solches</span><br/> <span class="ft10">Vorgehen erfüllt die Voraussetzungen an einen hinreichend verlässli-</span><br/> <span class="ft10">chen Marktvergleich nicht. Der Fokus ist vielmehr zu erweitern.</span><br/> <span class="ft10">7.2.</span><br/> <span class="ft10">Der korrekten Erhebung aller notwendigen Daten für einen ver-</span><br/> <span class="ft10">lässlichen Marktvergleich müsste die Klärung der Frage folgen, ob</span><br/> <span class="ft10">die zum Vergleich herangezogenen Löhne in den anderen Kantonen</span><br/> <span class="ft10">diskriminierungsfrei festgelegt wurden (siehe vorne Erw. 6.2). Wie</span><br/> <span class="ft10">umfassend diese Prüfung zu erfolgen hat, lässt sich der bundes-</span><br/> <span class="ft10">gerichtlichen Rechtsprechung nicht entnehmen. Zumindest in Bezug</span><br/> <span class="ft10">auf unterdurchschnittliche Löhne erscheint es indessen unverzicht-</span><br/> <span class="ft10">bar, sie anhand einfacher einschlägiger Indizien auf eine allfällige</span><br/> <span class="ft10">Diskriminierung hin zu überprüfen. Im Vordergrund dürften dabei</span><br/> <span class="ft10">die Fragen stehen, wann im betroffenen Vergleichskanton die letzte</span><br/> <span class="ft10">Besoldungsrevision stattgefunden hat, ob die entsprechende Einstu-</span><br/> <span class="ft10">fung der Lehrpersonen Kindergarten bereits gerichtlich überprüft</span><br/> <span class="ft10">wurde oder ob der tiefe Marktlohn allenfalls auf ein generell tieferes</span><br/> <span class="ft10">Lohnniveau im betreffenden Kanton zurückzuführen ist. Vorzugswei-</span><br/> <span class="ft10">se sind nur diejenigen (Nachbar-)Kantone in den Marktvergleich ein-</span><br/> <span class="ft10">zubeziehen, die aufgrund der erwähnten groben Prüfung eine gewis-</span><br/> <span class="ft10">se Gewähr für eine diskriminierungsfreie Lohneinstufung bei den</span><br/> <span class="ft10">Lehrpersonen Kindergarten bieten.</span><br/> <span class="ft10">7.3.</span><br/> <span class="ft10">Der Umstand, dass das Vektorenmodell auf sämtliche Lehrper-</span><br/> <span class="ft10">sonen anwendbar ist und nicht nur auf die (geschlechtsspezifische)</span><br/> <span class="ft10">Funktion der Lehrpersonen Kindergarten, vermag an der Notwendig-</span><br/> <span class="ft10">keit, den Marktlohn korrekt und diskriminierungsfrei zu erheben,</span><br/> <span class="ft10">nichts zu ändern. Dies gilt umso mehr, als der vom Beigeladenen</span><br/> <span class="ft10">vorgenommene Marktvergleich die Lehrpersonen Kindergarten ge-</span><br/> <span class="ft10">genüber allen anderen Lehrfunktionen benachteiligt. Aus der Bot-</span><br/> <span class="ft10">schaft Änderung LDLP (Tabelle S. 12) geht hervor, dass der für die</span><br/> <span class="ft10">Kindergartenlehrpersonen zum Vergleich herangezogene Marktlohn</span><br/> <span class="ft10">mit Fr. 67'370.00 beinahe 20 % tiefer ist als der in das Vektorenmo-</span><br/> <span class="ft10">dell eingesetzte ABAKABA-Lohn von Fr. 83'583.00. Die Differenz</span><br/> <span class="ft10">zwischen dem für die Primarlehrpersonen ermittelten Marktlohn von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">251</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">Fr. 76'188.00 und dem dazugehörigen ABAKABA-Lohn von</span><br/> <span class="ft10">Fr. 83'583.00 ist mit rund 9 % nicht einmal halb so hoch. Bei den an-</span><br/> <span class="ft10">deren Lehrpersonen liegt der ABAKABA-Lohn lediglich zwischen</span><br/> <span class="ft10">1,4 % (Lehrpersonen Berufsfachschule) und 8 % (Lehrpersonen</span><br/> <span class="ft10">Kantonale Schule für Berufsbildung) über dem Marktlohn; bei eini-</span><br/> <span class="ft10">gen Funktionen (Lehrpersonen Instrumentalunterricht Sekundarstufe</span><br/> <span class="ft10">II, Lehrpersonen Höhere Fachschule und Lehrpersonen Mittel-</span><br/> <span class="ft10">schule/Berufsmittelschule) ist der Marktlohn sogar höher. Durch-</span><br/> <span class="ft10">schnittlich (ohne Lehrpersonen Kindergarten) ist der Marktlohn rund</span><br/> <span class="ft10">3 % tiefer als der ABAKABA-Lohn. Wegen der hohen Gewichtung</span><br/> <span class="ft10">des Marktlohns und der geringen Gewichtung des ABAKABA-</span><br/> <span class="ft10">Lohns (siehe vorne Erw. 6.1.2) hat die überdurchschnittlich hohe</span><br/> <span class="ft10">Differenz zwischen dem Markt- und dem ABAKABA-Lohn für die</span><br/> <span class="ft10">Lehrpersonen Kindergarten besonders gravierende Auswirkungen;</span><br/> <span class="ft10">der Vektor Marktlohn hat hier eine bedeutend höhere Reduktion des</span><br/> <span class="ft10">ABAKABA-Lohns zur Folge als bei allen anderen Lehrkräften.</span><br/> <span class="ft10">7.4.</span><br/> <span class="ft10">7.4.1.</span><br/> <span class="ft10">Aufgrund der im vorliegenden Prozess verfügbaren Unterlagen</span><br/> <span class="ft10">ergeben sich somit erhebliche Zweifel an der Rechtmässigkeit des</span><br/> <span class="ft10">Einbezugs des Kantons St. Gallen in den Marktvergleich. Im Weite-</span><br/> <span class="ft10">ren erscheint dieser insofern unvollständig, als er sich lediglich auf</span><br/> <span class="ft10">die Minimallöhne stützt. Schliesslich wurde selbst auf eine minimale</span><br/> <span class="ft10">Überprüfung verzichtet, ob die erhobenen Vergleichszahlen allenfalls</span><br/> <span class="ft10">diskriminierend sind, obwohl dies vom Bundesgericht ausdrücklich</span><br/> <span class="ft10">verlangt wird. Der vom Beigeladenen erhobene Marktvergleich ist</span><br/> <span class="ft10">dementsprechend nicht geeignet, die diesbezüglich massgebenden</span><br/> <span class="ft10">Kriterien zu erfüllen. Dies wiegt umso schwerer, als sich vorliegend</span><br/> <span class="ft10">der Marktvergleich einseitig zuungunsten der Lehrpersonen Kinder-</span><br/> <span class="ft10">garten auswirkt.</span><br/> <span class="ft10">Demzufolge rechtfertigt es sich, in teilweiser Gutheissung der</span><br/> <span class="ft10">Beschwerde die angefochtene Verfügung aufzuheben. Der Beigela-</span><br/> <span class="ft10">dene hat in Bezug auf die Lehrpersonen Kindergarten einen Markt-</span><br/> <span class="ft10">vergleich durchzuführen, der den entsprechenden Anforderungen zu</span><br/> <span class="ft10">genügen vermag. In der Folge ist die Lohneinstufung neu festzulegen</span><br/> <span class="ft10">(siehe zusätzlich hinten Erw. 8).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">252</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">7.4.2.</span><br/> <span class="ft10">Der Vollständigkeit halber ist zusätzlich auf die folgende</span><br/> <span class="ft10">Problematik hinzuweisen: Nach dem Arbeitsplatzbewertungssystem</span><br/> <span class="ft10">ABAKABA bedarf eine Kindergartenlehrperson einer Grundausbil-</span><br/> <span class="ft10">dung auf Stufe Bachelor (siehe dazu das Merkmal "Ia1" im</span><br/> <span class="ft10">ABAKABA-Protokoll für die Funktion Lehrpersonen Kindergarten).</span><br/> <span class="ft10">Bis vor wenigen Jahren waren die Ausbildungsanforderungen gerin-</span><br/> <span class="ft10">ger. Der Beigeladene macht geltend, es könne nicht verlangt werden,</span><br/> <span class="ft10">dass eine neue Ausbildungsanforderung umgehend lohnmässig be-</span><br/> <span class="ft10">rücksichtigt werde. Dies mag insofern zutreffen, als eine Änderung</span><br/> <span class="ft10">der Ausbildungsanforderungen kaum einen Anspruch auf eine sofor-</span><br/> <span class="ft10">tige Besoldungsrevision zu begründen vermag. Demgegenüber darf</span><br/> <span class="ft10">jedoch im Rahmen einer Besoldungsrevision nicht über die in diesem</span><br/> <span class="ft10">Zeitpunkt relevanten Ausbildungsanforderungen hinweggegangen</span><br/> <span class="ft10">werden. Will man verhindern, dass Lehrpersonen Kindergarten mit</span><br/> <span class="ft10">einer "alten" Ausbildung von der relativ hohen Lohneinstufung von</span><br/> <span class="ft10">Lehrpersonen Kindergarten mit einer "neuen" Ausbildung profitie-</span><br/> <span class="ft10">ren, so ist diesem Anliegen mit einer entsprechenden Übergangsrege-</span><br/> <span class="ft10">lung Rechnung zu tragen. Die gewählte Lösung, bei der Arbeitsplatz-</span><br/> <span class="ft10">bewertung ABAKABA von den aktuellen Ausbildungsanforderungen</span><br/> <span class="ft10">auszugehen und beim Marktvergleich etwaige unterschiedliche</span><br/> <span class="ft10">Ausbildungsanforderungen unberücksichtigt zu lassen, lässt demge-</span><br/> <span class="ft10">genüber die nötige Differenzierung vermissen (siehe vorne</span><br/> <span class="ft10">Erw. 7.1.3 und hinten Erw. 8.3).</span><br/> <span class="ft10">8.</span><br/> <span class="ft10">8.1.</span><br/> <span class="ft10">Ein weiteres Element der Lohneinstufung der Lehrpersonen bil-</span><br/> <span class="ft10">det das "bestehende Lohngefüge" (§ 5 Abs. 2 LDLP). Gestützt darauf</span><br/> <span class="ft10">wird im Vektorenmodell der bisherige Positionslohn ("Ist-Anfangs-</span><br/> <span class="ft10">lohn" oder "Positionslohn alt") berücksichtigt und mit 37,5 % ge-</span><br/> <span class="ft10">wichtet.</span><br/> <span class="ft10">Für die Lohneinstufung des Verwaltungspersonals spielt demge-</span><br/> <span class="ft10">genüber der bisherige (Positions-)Lohn grundsätzlich keine Rolle</span><br/> <span class="ft10">(...). Vielmehr beschränkt sich die Relevanz des bisherigen Lohns</span><br/> <span class="ft10">auf die Überführungsproblematik: Liegt er innerhalb des massgeben-</span><br/> <span class="ft10">den Lohnbandes, wird er unverändert überführt. Falls der bisherige</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">253</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">Lohn über dem massgebenden Lohnband liegt, besteht allenfalls eine</span><br/> <span class="ft10">Besitzstandsgarantie nach Massgabe von Ziff. 4 Anhang III LD.</span><br/> <span class="ft10">8.2.</span><br/> <span class="ft10">Analog zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Markt-</span><br/> <span class="ft10">lohn (siehe vorne Erw. 6.2) erscheint es für den Einbezug des "Ist-</span><br/> <span class="ft10">Anfangslohnes" bei der Lohneinstufung der Lehrpersonen Kinder-</span><br/> <span class="ft10">garten unabdingbar, dass er seinerseits keinerlei diskriminierende</span><br/> <span class="ft10">Züge aufweist. Andernfalls würde mit der Berücksichtigung des</span><br/> <span class="ft10">bisherigen Positionslohns die frühere Diskriminierung in die neue</span><br/> <span class="ft10">Lohneinstufung überführt und damit perpetuiert (vgl. Urteil des Bun-</span><br/> <span class="ft10">desgerichts vom 7. Mai 2009 [1C_62/2008], Erw. 5.4 mit Hinwei-</span><br/> <span class="ft10">sen).</span><br/> <span class="ft10">Der Beigeladene hat demzufolge sicherzustellen, dass sich ge-</span><br/> <span class="ft10">stützt auf die Berücksichtigung des früheren Positionslohns keinerlei</span><br/> <span class="ft10">Diskriminierung ergibt. Dieser Nachweis wurde - soweit erkennbar</span><br/> <span class="ft10">- bis dato nicht erbracht und ist, falls am Vektor "Positionslohn alt"</span><br/> <span class="ft10">festgehalten werden soll, zwingend nachzuholen. Die entsprechende</span><br/> <span class="ft10">Notwendigkeit besteht umso mehr, als der "Positionslohn alt"</span><br/> <span class="ft10">(Fr. 64'088.00) 23,3 % unter dem ABAKABA-Lohn (Fr. 83'583.00)</span><br/> <span class="ft10">liegt (Botschaft Änderung LDLP [Tabelle, S. 12]). Selbst unter Be-</span><br/> <span class="ft10">rücksichtigung dessen, dass bei der Festsetzung des ABAKABA-</span><br/> <span class="ft10">Lohns neu ein Bachelor-Abschluss vorausgesetzt ist (siehe vorne</span><br/> <span class="ft10">Erw. 7.4.2), erscheint die erwähnte Differenz sehr gross und könnte</span><br/> <span class="ft10">Ausdruck einer bisherigen Diskriminierung sein. Hinzu kommt, dass</span><br/> <span class="ft10">bereits bei der Einführung des LDLP der Lohn nach dem</span><br/> <span class="ft10">Vektorenmodell festgesetzt wurde. Dies bedeutet, dass bei der Be-</span><br/> <span class="ft10">stimmung des "Positionslohn alt" der vor Einführung des LDLP gel-</span><br/> <span class="ft10">tende Anfangslohn ebenfalls mit 37,5 % berücksichtigt wurde. Es ist</span><br/> <span class="ft10">gerichtsnotorisch, dass dieser frühere Anfangslohn für Lehrpersonen</span><br/> <span class="ft10">Kindergarten sehr tief war und eine Diskriminierung nicht a priori</span><br/> <span class="ft10">ausgeschlossen werden kann.</span><br/> <span class="ft10">Schliesslich erscheint wesentlich, dass - ähnlich wie beim</span><br/> <span class="ft10">Marktlohn - durch die hohe Gewichtung des bisherigen Positions-</span><br/> <span class="ft10">lohns den Lehrpersonen Kindergarten deutlich grössere Nachteile er-</span><br/> <span class="ft10">wachsen als dem gesamten übrigen Lehrkörper. Dies ergibt sich aus</span><br/> <span class="ft10">der Botschaft Änderung LDLP (Tabelle, S. 12): Während bei den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">254</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">Lehrpersonen Kindergarten die Differenz zwischen dem ABAKA-</span><br/> <span class="ft10">BA-Lohn und dem "Ist-Anfangslohn" 23,3 % beträgt, beläuft sie sich</span><br/> <span class="ft10">bei den anderen Lehrpersonen auf maximal 11,1 % (Lehrpersonen</span><br/> <span class="ft10">Kantonale Schule für Berufsbildung); im Durchschnitt liegt sie bei</span><br/> <span class="ft10">lediglich 4,9 %. Auch aus diesem Grund bedarf die Frage einer</span><br/> <span class="ft10">allfälligen früheren Diskriminierung einer eingehenden Überprüfung.</span><br/> <span class="ft10">8.3.</span><br/> <span class="ft10">Allenfalls lässt sich die grosse Differenz zwischen dem bisheri-</span><br/> <span class="ft10">gen Positionslohn und dem ABAKABA-Lohn damit erklären, dass</span><br/> <span class="ft10">gemäss ABAKABA neu ein Bachelor-Abschluss vorausgesetzt wird</span><br/> <span class="ft10">(siehe vorne Erw. 7.4.2 und 8.2). Diesfalls wäre es aber dennoch</span><br/> <span class="ft10">nicht gerechtfertigt, unbesehen auf den bisherigen Lohn abzustellen.</span><br/> <span class="ft10">Vielmehr wäre eine differenzierte (Übergangs-)Regelung für Kinder-</span><br/> <span class="ft10">gartenlehrpersonen mit "altem" und mit "neuem" Abschluss vorzuse-</span><br/> <span class="ft10">hen (siehe vorne Erw. 7.4.2 hiervor).</span><br/> <span class="ft10">9.</span><br/> <span class="ft10">9.1.</span><br/> <span class="ft10">Zusammenfassend ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde</span><br/> <span class="ft10">die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vorin-</span><br/> <span class="ft10">stanz zurückzuweisen. Der Beigeladene hat gestützt auf einen Markt-</span><br/> <span class="ft10">vergleich, der sämtlichen diesbezüglich massgebenden Kriterien zu</span><br/> <span class="ft10">genügen vermag, die Lohneinstufung der Lehrpersonen Kindergarten</span><br/> <span class="ft10">zu überprüfen, worauf die Vorinstanz den Lohn der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft10">rerin neu festsetzen muss. Der bisherige Positionslohn darf dabei nur</span><br/> <span class="ft10">insoweit berücksichtigt werden, als dadurch keine frühere Lohndis-</span><br/> <span class="ft10">kriminierung fortgeführt wird.</span><br/> <span class="ft10">Es ist Sache des Beigeladenen zu entscheiden, ob gestützt auf</span><br/> <span class="ft10">den vorliegenden Entscheid eine isolierte Überprüfung der Lohnein-</span><br/> <span class="ft10">stufung der Lehrpersonen Kindergarten genügt oder ob die Lohnein-</span><br/> <span class="ft10">stufungen sämtlicher Lehrpersonen einzubeziehen sind. Immerhin sei</span><br/> <span class="ft10">darauf hingewiesen, dass aus Gründen der Rechtsgleichheit eine iso-</span><br/> <span class="ft10">lierte Betrachtungsweise nicht unproblematisch erscheint.</span><br/></div> </div> </body> </html>