<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 107 S.459</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Direkzahlungen</span> <span class="page_no">459</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Direktzahlungen</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>107 Bedeutung der tierschutzrechtlichen Ausnahmebewilligung für die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Direktzahlungen (IP-Beiträge).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Eine tierschutzrechtliche Ausnahmebewilligung nach Art. 76 Abs. 1</b></span><span class="ft4"><sup><b>ter</b></sup></span><br/> <span class="ft3"><b>TSchV gilt nicht auch als Dispens von den direktzahlungsrechtlichen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Anforderungen, da bei letzteren eine Ausnahme nicht vorgesehen ist</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 2.2.4.).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Das Fehlen einer entsprechenden Information durch die Abteilung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Landwirtschaft stellt nicht ohne weiteres einen vertrauensbegrün-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>denden Tatbestand dar (Erw. 3.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus einem Entscheid der Landwirtschaftlichen Rekurskommission vom</span><br/> <span class="ft5">2. November 2000 in Sachen P. W. gegen Finanzdepartement (Abteilung</span><br/> <span class="ft5">Landwirtschaft).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">...2.2.4.</span> <span class="ft7">Welche Bedeutung kommt der Gewährung der Aus-</span><br/> <span class="ft7">nahmebewilligung hinsichtlich der IP-Anforderungen zu?</span><br/> <span class="ft7">Die Ausnahmebewilligung legalisiert die Abweichung oder</span><br/> <span class="ft7">Nichteinhaltung der in der Tierschutzgesetzgebung grundsätzlich</span><br/> <span class="ft7">vorgeschriebenen Auslaufgewährungspflicht. Diese Legalisierung</span><br/> <span class="ft7">zeigt ihre Wirkung darin, dass die aufgrund von Art. 29 TSchG an</span><br/> <span class="ft7">sich gegebene strafrechtliche Sanktionierung (Busse) des von der</span><br/> <span class="ft7">Ausnahmebewilligung erfassten Verhaltens, das heisst der Nichtge-</span><br/> <span class="ft7">währung des Auslaufs, entfällt. Die Ausnahmebewilligung ändert</span><br/> <span class="ft7">aber nichts daran, dass die Mindestbestimmung der TSchV über den</span><br/> <span class="ft7">regelmässigen Auslauf nicht eingehalten wurde. Der Grund für die</span><br/> <span class="ft7">Erteilung der Ausnahmebewilligung liegt nicht darin, dass die unun-</span><br/> <span class="ft7">terbrochene Anbindung bis zu 80 Tagen als artgerechter qualifiziert</span><br/> <span class="ft7">wurde als der regelmässige Auslauf, sondern in der Stärkergewich-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">460</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">tung wirtschaftlicher Faktoren gegenüber den artgemässen Bewe-</span><br/> <span class="ft7">gungsbedürfnissen der Tiere: die Auslaufgewährung ist mit mehr</span><br/> <span class="ft7">Aufwand verbunden, weil zur Verminderung des Verletzungsrisikos</span><br/> <span class="ft7">unverträgliche Tiere getrennten Auslauf (mittels baulicher Mass-</span><br/> <span class="ft7">nahmen [z. B. verschiedene Gehege] oder zeitlicher Staffelung) er-</span><br/> <span class="ft7">halten müssen.</span><br/> <span class="ft7">In der OeBV und in Art. 31b LwG-CH-1951 sind keine Aus-</span><br/> <span class="ft7">nahmen vom Erfordernis der Erfüllung der Mindestbestimmungen in</span><br/> <span class="ft7">der Tierschutzgesetzgebung vorgesehen. Da Ausnahmen ohne aus-</span><br/> <span class="ft7">drückliche gesetzliche Ermächtigung nicht gewährt werden dürfen</span><br/> <span class="ft7">(Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwal-</span><br/> <span class="ft7">tungsrechts, 3. Auflage, Zürich 1998, N. 1972; Max Imboden/René</span><br/> <span class="ft7">A. Rhinow, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Bd. I, Nr.</span><br/> <span class="ft7">37, S. 226, N. II), darf eine Ausnahmebewilligung nach Art. 76</span><br/> <span class="ft7">Abs. 1</span><span class="ft8"><sup>ter</sup></span> <span class="ft7">TSchV nicht auch als Dispens von den IP-Anforderungen</span><br/> <span class="ft7">gemäss Art. 21 Abs. 2 OeBV betrachtet werden, da bei letzteren eine</span><br/> <span class="ft7">Ausnahme nicht vorgesehen ist (vgl. obiter dictum der Rekurskom-</span><br/> <span class="ft7">mission des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements</span><br/> <span class="ft7">[REKO/EVD] zum Entscheid vom 11. Februar 2000, i. S. E. H.,</span><br/> <span class="ft7">Erw. 5.2.). Eine Ausnahmebewilligung mit der Erfüllung der gesetz-</span><br/> <span class="ft7">lichen Vorgaben gleichzusetzen, würde dem Grundgedanken der</span><br/> <span class="ft7">ökologischen Direktzahlungen, Mehrleistungen abzugelten (BBl</span><br/> <span class="ft7">1992 IV 25), zuwiderlaufen.</span><br/> <span class="ft7">Die Ausnahmebewilligung verschaffte dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft7">Vorteile: zum einen konnte er sich (vorerst) den Aufwand (Zeitauf-</span><br/> <span class="ft7">wand und ev. den baulichen Aufwand [z. B. separate Gehege]), wel-</span><br/> <span class="ft7">chen die Auslaufgewährung erfordern würde, einsparen, zum andern</span><br/> <span class="ft7">legen seine Masttiere wegen der ständigen Anbindehaltung schneller</span><br/> <span class="ft7">an Gewicht zu als bei regelmässigem Auslauf. Würde er nun auch</span><br/> <span class="ft7">noch den ganzen IP-Beitrag gleich wie ein Landwirt erhalten, der</span><br/> <span class="ft7">den Aufwand betreibt, nebst den übrigen IP-Voraussetzungen sämtli-</span><br/> <span class="ft7">che Tierschutzbestimmungen einzuhalten, so wäre das Rechtsgleich-</span><br/> <span class="ft7">heitsgebot tangiert.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Direkzahlungen</span> <span class="page_no">461</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">(....)</span><br/> <span class="ft7">3. Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz vor, nicht</span><br/> <span class="ft7">darüber orientiert zu haben, dass die Öko-Beiträge trotz Ausnahme-</span><br/> <span class="ft7">bewilligung gestrichen werden; hätte er dies gewusst, hätte er keine</span><br/> <span class="ft7">Ausnahmebewilligung beantragt, es wäre sinnvoller gewesen, den</span><br/> <span class="ft7">Stall leer zu lassen (...).</span><br/> <span class="ft7">Damit stellt sich die Frage, ob aufgrund der Nichtinformation</span><br/> <span class="ft7">ein schützenswertes Vertrauen des Beschwerdeführers gegeben ist,</span><br/> <span class="ft7">dass das Vorliegen einer Ausnahmebewilligung vor Sanktionen im</span><br/> <span class="ft7">Direktzahlungsbereich schützt. Die Merkblätter vom März 1998 (...)</span><br/> <span class="ft7">und vom Juli 1998 (...) behandeln bloss die revidierten Bestimmun-</span><br/> <span class="ft7">gen in der TSchV, insbesondere die geänderten Auslaufvorschriften</span><br/> <span class="ft7">und die Möglichkeiten einer Ausnahmebewilligung. Direktzahlungen</span><br/> <span class="ft7">werden in diesen Informationsschriften mit keinem Wort erwähnt.</span><br/> <span class="ft7">Eine entsprechende Information wäre in der Tat angezeigt gewesen</span><br/> <span class="ft7">(nach Angaben der Abteilung Landwirtschaft erfolgt sie in der Zwi-</span><br/> <span class="ft7">schenzeit generell [...]), ist es doch naheliegend, dass aus dem Hin-</span><br/> <span class="ft7">weis auf Ausnahmebewilligungen der unzutreffende Schluss gezogen</span><br/> <span class="ft7">wird, eine solche befreie auch in direktzahlungsrechtlicher Hinsicht</span><br/> <span class="ft7">von der Auslaufgewährungspflicht. Da sich dieser Irrtum indes nur</span><br/> <span class="ft7">mittelbar ergibt und nicht auf irreführende Aussagen oder gar Zu-</span><br/> <span class="ft7">sicherungen in den Merkblättern zurückzuführen ist, liegt kein ver-</span><br/> <span class="ft7">trauensbegründender Tatbestand im Rechtssinne vor.</span><br/> <span class="ft7">Zudem wies die Abteilung Landwirtschaft in ihrer Vernehmlas-</span><br/> <span class="ft7">sung vom 4. Mai 1998 zur Beschwerde von P. W. vom 11. März 1998</span><br/> <span class="ft7">darauf hin, dass selbst bei Vorliegen einer Ausnahmebewilligung die</span><br/> <span class="ft7">IP-Beiträge zu verweigern wären (vgl. LKE DZ.98.50002 vom</span><br/> <span class="ft7">15. April 1999 i. S. P. W. [...]). Dieser Hinweis erfolgte noch</span><br/> <span class="ft7">innerhalb des IP-Kontrolljahres 1998 (1. August 1997-31. Juli 1998</span><br/> <span class="ft7">[Erw. 2.3.1]). Spätestens seit diesem Hinweis kann sich der Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführer nicht mehr darauf berufen, nicht informiert worden</span><br/> <span class="ft7">zu sein, dass eine Ausnahmebewilligung nicht vor einer Streichung</span><br/> <span class="ft7">der IP-Beiträge schützt. Selbst wenn dem Beschwerdeführer zugute</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">462</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">gehalten wird, dass er vor der Information tatsächlich darauf ver-</span><br/> <span class="ft7">traute, bei Erhalt der Ausnahmebewilligung würden ihm die IP-Bei-</span><br/> <span class="ft7">träge ausgezahlt, kann ihm dies nach der Information für die restliche</span><br/> <span class="ft7">Zeit des IP-Jahres in rechtlich relevanter Weise nicht mehr zugute</span><br/> <span class="ft7">gehalten werden.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>