B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-925/2019 U r t e i l v o m 8 . J u n i 2 0 2 1 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richterin Daniela Brüschweiler Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 22. Januar 2019 / N (…). D-925/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer suchte am 23. Mai 2016 in der Schweiz um Asyl nach. Im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ wurde er am 3. Juni 2016 zu seinen Personalien und zu seinem Reiseweg sowie summarisch zu seinen Fluchtgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 10. November 2017 wurde er durch eine Mitarbeiterin des SEM vertieft angehört. A.b Zur Begründung seines Gesuches führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Eth- nie mit Geburtsort C._______ ([…] D._______), Nordprovinz) und letztem Wohnsitz in E._______ ([…] D._______). Nach dem Schulabschluss habe er Kurse an zwei Colleges besucht und daneben seinem Bruder F._______, der als Elektriker gearbeitet habe, geholfen. F._______ habe sich im Jahr 2008 der Eelam People's Democratic Party (EPDP) ange- schlossen, deren Verantwortlicher für die Region G._______ ein (Verwand- ter) gewesen sei. Dieser Verwandte sei im Jahr 2012 von Leuten des Cri- minal Investigation Department (CID) verhaftet worden. Ein Jahr späte r habe F._______ der (nunmehr mit der sri -lankischen Regierung zusam- menarbeitenden) EPDP den Rücken gekehrt und sei nach H._______, wo die Familie damals gewohnt habe, zurückgekehrt. Nachdem seine Mutter sich bei der EPDP nach dem Verbleib ihres (Verwandten) erkundigt und damit gedroht habe, dessen Inhaftierung publik zu machen, hätten Partei- angehörige sie in ihrer Wohnung aufgesucht und dort zahlreiche Gegen- stände zerstört. Im Se ptember 2013 sei er – der Beschwerdeführer – mit seiner Mutter und seinem Bruder nach E._______ gezogen, wo er mit der Tamil National Alliance (TNA) in Kontakt getreten sei. Er habe die TNA im Hinblick auf die Wahlen unterstützt und einmal an einer Kundgebung teil- genommen. Im Juli 2014 hätten sich seine Mutter, F._______ und er im EPDP-Camp melden müssen. Seine Mutter und er seien der Aufforderung gefolgt, wobei er zu seiner Kundgebungsteilnahme und seine M utter zu ihrer Vorsprache im EPDP-Camp befragt worden sei. Dabei seien sie be- droht und gestossen worden. Seine Mutter sei gestürzt und habe aufgrund des erlittenen Schockes in ein Spital eingeliefert werden müssen , wo sie im (…) verstorben sei. Aus Furcht vor weiteren Repressalien habe er im Dezember 2014 Sri Lanka in Richtung I._______ verlassen, sei dann aber – nachdem ihm eine Tante am Telefon versichert habe, dass er nicht mehr gesucht werde D-925/2019 Seite 3 – nach einem Monat wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt. Wenig später habe er erfahren, dass sich Unbekannte bei Nachbarn nach ihm und sei- nem Bruder F._______ erkundigt hätten. Im Oktober 2015 seien F._______ und er zu Hause abgeholt und in einem Lieferwagen an einen unbekannten Ort verbracht worden. Dort sei er – nunmehr getrennt von F._______ – nicht nur zu allfälligen Tätigkeiten seines im Jahr (…) ver- storbenen Vaters für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), zu sei- nem eigenen Engagement für die TNA und zu den Denunziationsdrohun- gen seiner verstorbenen Mutter befragt, sondern auch misshandelt wor- den. Im Verlauf der Nacht sei er wieder freigelassen worden; über den Verbleib seines Bruders wisse er bis heute nichts. Per Autostopp sei er nach D._______ gelangt, wo er die TNA über seine Probleme informiert habe. Auf deren Rat hin habe er bis zu seiner Weiterreise nach Colombo am 26. November 2015 in einer Kirche in J._______ ([…] D._______) Un- terschlupf gesucht. Anfangs Mai 2016 habe er Sri Lanka mit seinem eige- nen Reisepass auf dem Luftweg verlassen und sei via K._______ in die L._______ gelangt. Für die Weiterreise nach M._______ habe ihm sein Schlepper in N._______ einen ihm nicht zustehenden Pass übergeben und ihn angewiesen, seinen eigenen Pass zu zerreissen. Am 23. Mai 2016 sei er unter Umgehung der Grenzkontrollen in einem Personenwa- gen in die Schweiz eingereist. A.c Im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahr ens gab er seine Identitäts- karte, eine von einem (…) am 25. September 2016 ausgestellte Bestäti- gung im Original, amtlich beglaubigte Kopien eines seine Mutter betreffen- den Auszuges aus dem Todesregister und eines ihn betreffenden Auszu- ges aus dem Geburtsregister (jeweils mit englischen Übersetzungen), eine Kopie seines Führerausweises, eine ärztliche Physiotherapie -Verschrei- bung sowie verschiedene seine Arbeitstätigkeit in der Schweiz betreffende Unterlagen zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 22. Januar 2019 – eröffnet am 23. Januar 2019 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. C. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 22. Februar 2019 erhob der Be- schwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwal- tungsgericht und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung D-925/2019 Seite 4 und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs, der Begründungspflicht beziehungsweise zur Feststel- lung des richtigen und vollstän digen rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung sowie eventualiter die Feststellung der Flüchtlingsei- genschaft und die Asylgewährung und subeventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Bekanntgabe des Spruchgremi- ums sowie um Bestätigung der Zuf älligkeit von dessen Auswahl bezie- hungsweise um Mitteilung der konkreten Kriterien, nach denen die Ge- richtsperson ausgewählt worden seien. Für den Fall eines materiellen Ent- scheids durch das Bundesverwaltungsgericht wurden seitens des Be- schwerdeführers Beweisanträge gestellt. Zur Untermauerung der Anträge – auf deren Begründung, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird – reichte der Beschwerdeführer eine CD-ROM mit verschiedenen Be- weismitteln sowie zwei Fotos ein und führte in einem separaten Schreiben vom 22. Februar 2019 aus, ohne ausdrücklichen Gegenbericht werde da- von ausgegangen, dass die Beilagen in elektronischer Form auf der CD - ROM als vollwertige Beweismittel akzeptiert würden und auf die Einrei- chung dieser Beilagen in Papie rform verzichtet werden könne. Die Num- merierung auf der CD-ROM folge der Nummerierung in der Beschwerde. D. D.a Mit Zwischenverfügung vom 6. März 2019 teilte die Instruktionsrichte- rin dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers – unter anderem – an- tragsgemäss das Spruchgremium mit, soweit dieses zu jenem Zeitpunkt bereits festgelegt war. Sodann forderte sie den Beschwerdeführer auf, ei- nerseits innert sieben Tagen den in der Beschwerdeschrift in Aussicht ge- stellten ärztlichen Bericht einzureichen und andererseits – unter Andro- hung des Nichteintretens im Unterlassungsfall – bis zum 21. März 2019 einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.– zu Gunsten der Ge- richtskasse zu überweisen. D.b Am 21. März 2019 wurde der Kostenvorschuss bezahlt, und innert der dazu verlängerten Frist wurde am 3. April 2019 ein am 13. Februar 2019 vom (…) in O._______ ausgestelltes ärztliches Gutachten einge- reicht. D-925/2019 Seite 5 E. E.a Das Bundesverwaltungsgericht übermittelte dem SEM die Akten am 17. April 2019 und lud dieses zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. E.b Mit Vernehmlassung vom 23. April 2019 stellte das SEM fest, die Dar- legungen in der Beschwerde enthielten keine neuen relevanten Elemente. Es hielt daher an sein en Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. E.c Das Bunde sverwaltungsgericht stellte dem Rechtsvertr eter des Be- schwerdeführers am 30 . April 2019 die vorinstanzliche Vernehmlassung zur Kenntnisnahme zu. F. Mit Eingabe vom 6. Mai 2019 wies der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter auf die Anschläge von Ostersonntag 2019 hin und machte geltend, durch diese, vom SEM in seiner Vernehmlassung in keiner Weise erwähnten oder berücksichtigten Ereignisse habe sich die Sicherheitslage massiv verschlechtert und seine asylrelevante Bedrohungslage erhöht. Gleichzeitig gab er eine weitere CD-ROM mit zahlreichen Beweismitteln zu den Akten. G. Der Beschwerdeführer machte mit Eingabe vom 26. September 2019 eine weiter verschlechterte Sachlage geltend und liess dem Bundesver- waltungsgericht nebst einer dritten CD-ROM mit Beweismitteln einen am 23. September 2019 ausgestellten Bericht des (…) in P ._______ zu den Akten geben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-D-925/2019 Seite 6 ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisher ige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs . 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist unter Vorbehalt der nachfolgenden Ausführung (E. 3) einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Mit Zwischenverfügung vom 6. März 2019 wurde dem Rechtsvertreter be- kannt gegeben, der Spruchkörper setze sich – soweit bereits festgelegt – aus der Instruktionsrichterin Nina Spälti Giannakitsas sowie der Gerichts- schreiberin Kathrin Mangold Horni zusammen; die übrigen Mitglieder des Spruchkörpers würden erst im Zeitpunkt der Zirkulation bestimmt. Das voll- ständige Spruchgremium wird dem Beschwerdeführer mit dem vorliegen- den Urteil bekannt gegeben. Auf den mit der Beschwerdeschrift gestellten Antrag auf Bekanntgabe, ob die Gerichtspersonen zufällig ausgewählt wor- den seien, ist nicht einzutreten (vgl. Urte il des BVGer D -1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3). Im Übrigen ist zu bestätigen, dass der Spruchkörper gemäss Art. 31 Abs. 3 sowie Art. 32 Abs. 1 VGR generiert wurde. D-925/2019 Seite 7 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 4.3 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu - chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei- matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie- hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An- erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, das s die be- troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Aus- gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün- deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent- scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung der Aktualität der Verfolgungs- furcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Hei- matstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten D-925/2019 Seite 8 und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 5. 5.1 Die Vorinstanz gelangte in ihrer angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers vermöchten weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjeni- gen an die Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG zu genügen. 5.1.1 Dabei stellte sie fest, die Vorbringen des Beschwerdefüh rers seien voller Widersprüche. So habe dieser anlässlich der BzP angegeben, seine Mutter habe der EPDP gedroht, die Inhaftierung ihres Bruders (recte: ihres Cousins) dem CID zu melden, während er in der Anhörung diesbezüglich nicht das CID, sondern die Medien erwähnt habe. Darauf angesprochen, habe er sich nicht erklären können, und ein Übersetzungsproblem vermu- tet. Sodann habe er in der Anhörung angegeben, se lber der EPDP auch mit einer Information an die Medien gedroht zu haben, welches Vorbringen im Protokoll zur BzP indes nirgends zu finden sei. Die diesbezüglich abge- gebene Erklärung, die erste Befragung sei nur summarisch gewesen und er habe gewusst, dass er sich anlässlich der zweiten Anhörung erklären könne, überzeuge ebenfalls nicht. Im Weiteren habe er in der BzP gesagt, sein Bruder habe die EPDP nach Problemen mit einem Gebiets -Verant- wortlichen und weil er – der Beschwerdeführer – ihm dazu geraten habe, verlassen. Demgegenüber habe er in der Anhörung erwähnt, der Austritt seines Bruders habe im Zusammenhang mit der Verhaftung seines Onkels gestanden, wobei er aber den genauen Grund nicht kenne. Auch auf diese Ungereimtheit hingewiesen, habe er keine stichhaltige Erklärung abgeben können. Ferner habe er in der BzP angegeben, seine Mutter sei gestossen worden, wohingegen er in der Anhörung von einem Fusstritt gesprochen habe. Auch habe er in der Erstbefragung zu Protokoll gegeben, bei der Verhaftung vom Oktober 2015 sei ein schwarzer Sack über seinen Kopf gezogen worden, welcher dann in einem Raum vor der Befragung wieder weggenommen worden sei. In der Anhörung habe er demgegenüber ge- sagt, der Sack sei erst entfernt worden, als er sich wieder im Freien befun- den habe. Überdies habe er zunächst berichtet, die Person, die in der Nacht gekommen sei, um ihn freizulassen, habe seine gefesselten Hände befreit, ihm ein Seil in die Hand gegeben und ihn an diesem Seil nach Draussen gezogen, um in der späteren Anhörung darzulegen, seine Hände seien gebunden geblieben und er sei an einem um seine Taille gelegten Seil ins Freie gezerrt worden. D-925/2019 Seite 9 Sodann seien die Vorbringen des Beschwerdeführers unsubstanziiert und ausweichend ausgefallen. Dazu eingeladen, seine Festnahme im Oktober 2015 detailliert darzulegen, habe sich die Schilderung in allgemeinen Sät- zen erschöpft, wobei die Wiederholung der Frage durch die Befragerin den Beschwerdeführer ebenfalls nicht dazu bewogen habe, eine ausführlichere Darstellung des Ereignisses zu liefern. Die Vorbringen erschienen in wesentlichen Punkten auch nicht logisch. So überrasche es, dass der Beschwerdeführer nicht genau gewusst habe, was er den Medien überhaupt hätte offenlegen können, und er habe auch nicht überzeugend darlegen können, wieso ihn die Militärangehörigen hät- ten verhaften wollen. Im Weiteren sei es kaum plausibel, dass sich die Be- hörden für den Beschwerdeführer interessiert haben sollen, obwohl er über kein besonderes politisches Profil verfügt habe. Nicht glaubhaft erscheine auch die vom Beschwerdeführer geschilderte Art und Weise seiner Weg- bringung vom Ort der Befragung i m Oktober 2015 , wobei es sich frage , wieso er freigelassen worden wäre, wenn er in den Augen der Behörden nach wie vor eine Gefahr dargestellt hätte. Im Übrigen spreche auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer Sri Lanka auf dem Luftweg und mit seinem eigenen Reisepass verlassen habe, gegen eine Furcht vor den sri- lankischen Behörden. Schliesslich seien auch die eingereichten Beweismittel nicht geeignet, die zahlreichen Unstimmigkeiten in den Vorbringen des Beschwerdeführers zu beseitigen. So vermöge etwa die Todesbescheinigung nicht zu belegen, dass die Mutter des Beschwerdeführers unter den von ihm ges childerten Umständen verstorben sei, und die Bestätigung des (…) gebe lediglich die vom Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs gemachten – und als unglaubhaft erachteten – Aussagen wieder. 5.1.2 Dessen ungeachtet sei zu prüfen, ob der Beschwerdeführer begrün- dete Furcht haben müsse, im Falle seiner Rückkehr nach Sri Lanka Verfol- gungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden, wo- bei die Prüfung anhand der im Referenzurteil E-1866/2015 des Bundesver- waltungsgerichts vom 15. Juli 2016 genann ten Risikofaktoren zu erfolgen habe. Jeder sri-lankische Staatsangehörige, welcher sein Land illegal verlassen habe, über keine gültigen Identitätspapiere verfüge, im Ausland ein Asyl-D-925/2019 Seite 10 verfahren durchlaufen habe oder behördlich gesucht werde, werde bei sei- ner Rückkehr am Flughafen befragt. Weder eine solche Befragung noch eine allfällige Eröffnung eines Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise stellten indessen Verfolgungsmassnahmen im Sinne des Asylgesetzes dar. Dasselbe gelte grundsätzlich auch für allfällige in der Herkunftsregion vor- genommene Kontrollmassnahmen. Der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft machen können, dass er vor seiner Ausreise aus Sri Lanka asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen sei. Er habe sogar bis Mai 2016, mithin noch sieben Jahre nach Ende des Krieges, in Sri Lanka gelebt. Allfällige im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren seien nicht geeignet, eine behörd- liche Verfolgung als wahrscheinlich erscheinen zu lassen. Auch aus den Akten würden sich keine Hin weise ergeben, dass der Beschwerdeführer ins Visier der Behörden geraten wäre oder im Falle seiner Rückkehr asyl- relevanter Verfolgung ausgesetzt würde. 5.2 5.2.1 In der Beschwerdeschrift wird die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, die unvollständige und unrichtige Abklärung des rechts- erheblichen Sachverhalts sowie die Verletzung der Begründungspflicht ge- rügt. Sodann wird der anlässlich der BzP und der Anhörung vorgebrachte Sachverhalt insoweit ergänzt als ausgeführt wird, der Beschwerde führer habe nach der Entscheidfällung des SEM einmal kurz mit seinem Bruder F._______ Kontakt gehabt und erfahren, dass er habe fliehen können und sich jetzt verstecke. Dies bedeute, dass der Beschwerdeführer wieder – "als Druckmittel, um seinen Bruder zu erwischen" – in den Fokus der Be- hörden geraten sei und bei einer Rückkehr einer "massiven Reflexverfol- gung" ausgesetzt sei. Der Beschwerdeführer weise im Übrigen am (…) (…) gut sichtbare Narben von (…) auf, welche ihm während der Festnahme im EPDP-Camp zugefügt worden seien. Ausserdem habe der Beschwerde- führer sein ganzes Leben in Sri Lanka im Vanni-Gebiet verbracht, und sein Vater sei während des Krieges verstorben. Dies müsste den sri-lankischen Sicherheitsbehörden als "verdächtigte Zufälle auffallen" und eine "tiefer- greifende Überprüfung auf allfällige LTTE -Verbindungen unausweichlich" machen, wobei die auffälligen Narben den Verdacht auf eine LTTE-Verbin- dung zusätzlich beflügeln würden. Schliesslich wird auf die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers verwiesen. Dieser habe aufgrund seiner Hoffnungslosigkeit und Angst vor einer Rückkehr nach Sri Lanka am 11. Februar 2019 einen Suizidversuch unternommen. Ausserdem habe er D-925/2019 Seite 11 sich schon wegen einer (…) – welche vom SEM "in keiner Weise gewür- digt" worden sei, obwohl sie die von ihm geschilderte Entführung und Miss- handlung beweise – in physiotherapeutischer Behandlung befunden. 5.2.2 Während in der ergänzenden Eingabe vom 6. Mai 2019 im Wesentli- chen eine Verschlechterung der Lage in Sri Lanka geltend gemacht wird, wird in derjenigen vom 2 6. September 2019 – nebst teilweiser Wiederho- lung des bereits zuvor vorgebrachten Sachverhalts und der in der Be- schwerdeschrift vom 22. Februar 2019 erhobenen formellen Rügen – zu- sätzlich vorgebracht, aufgrund des prekären psy chischen Zustands des Beschwerdeführers sei der Vollzug der Wegweisung unzumutbar. 6. 6.1 Die in der Beschwerde und in der Eingabe vom 26. September 2019 enthaltenen formellen Rügen sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls ge- eignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 6.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zu r Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus- einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un- richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 6.3 6.3.1 Der Beschwerdeführer macht unter dem Titel der Verletzung des An- spruchs auf rechtliches Gehör geltend, die den Asylentscheid verfassende D-925/2019 Seite 12 Fachspezialistin des SEM habe seine Schilderung in Einzelteile auseinan- dergenommen und ihn zu verschi edenen Details befragt, bevor er die ganze Geschichte habe erzählen können. Da durch habe sie sein Gefähr- dungsprofil nicht erfassen können und Ungereimtheiten gesehen, die sich bei objektiver Betrachtung ni cht als solche entpuppt hätten (vgl. Be- schwerde S. 9). Auch habe die Anhörung fast eineinhalb Jahre nach der BzP stattgefunden, und im angefochtenen Entscheid sei eine verurteilende und damit schwer verständliche Sprache verwendet worden, was den ent- sprechenden Richtlinien des SEM widerspreche. 6.3.2 In der Anhörung vom 10. November 2017 wurde der Beschwerdefüh- rer zunächst detailliert nach seinen persönlichen Lebensumständen (ins- besondere nach seinen familiären Verhältnissen, seiner Ausbildung und seinen Wohno rten) gefragt, bevor er seine Fluchtgründe frei darlegen konnte. Es ist nicht einsehbar, wieso die Sachbearbeiterin aufgrund dieser (in Anhörungen üblichen und nicht grundsätzlich als fragwürdig zu qualifi- zierenden) Vorgehensweise das Gefährdungsprofil des Beschwerdefüh- rers nicht hätte erfassen können beziehungsweise worin dadurch eine Ver- letzung des rechtlichen Gehörs hätte liegen können. Sodann stellt auch die beanstandete zeitliche Distanz zwischen der BzP und der Anhörung keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, zumal es sich bei der vom Beschwerdefüh rer angerufenen Empfehlung, die Anhö- rung möglichst zeitnah zur BzP durchzuführen, um keine justiziable Ver- fahrenspflicht handelt (vgl. Urteil des BVGer D -6560/2016 vom 29. März 2018 E. 5.2). Die zwischen den Befragungen verstrichene Zeit ist jedoch allenfalls bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen ange- messen zu berücksichtigen. Zwar lässt die in der angefochtenen Verfügung verwendete Wortwahl zum Teil in der Tat eine der Sache angemessene Zurückhaltung vermissen. Dies gilt etwa für die Formulierungen in der Verfügung, "vos déclarations son truffées de contradicitions" oder "tout aussi rocambolesque est la ma- nière (…)". Auch wenn derartige Formulierungen stossend erscheinen (zu- mal sie problemlos durch neutralere Ausdrücke hätten ersetzt werden kön- nen), ist die Wortwahl nicht als derart deplatziert zu betrachten, als dass die Sachbearbeiterin, welche die Verfügung verfasst hat, im vorliegenden Verfahren als befangen betrachtet werden müsste, oder dass die Verständ- lichkeit der Erwägungen nicht mehr gegeben wäre, so dass dieser Mangel keine rechtlichen Konsequenzen nach sich zieht und insbesondere nicht zur Kassation der angefochtenen Verfügung führt. D-925/2019 Seite 13 6.4 6.4.1 Der Beschwerdeführer rügt weiter, das SEM habe den rechtserhebli- chen Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt, indem es die drei gut sichtbaren (…) an seinem (…), seine Herkunft aus dem sogenannten Vanni-Gebiet beziehungsweise die Wohnsitznahme oder die Sozialisie- rung im Vanni -Gebiet, seine aktuell schwi erige gesundheitliche Situation und auch die aktuelle Entwicklung in Sri Lanka (insbesondere die erhöhte Bedrohungslage für Risikogruppen) nicht berücksichtigt habe. 6.4.2 Dem ist zunächst entgegenzuhalten, dass der Beschwerdeführer ge- mäss seinen Angaben von der (…) – und nicht, wie nun behauptet, aus dem Vanni-Gebiet – stammt, und bis zu seinem Wegzug nach Colombo Ende November 2015 dort gelebt hat. Des Weiteren hatte der Beschwer- deführer weder anlässlich der BzP noch in der Anhörung (…) am (…) er- wähnt. Vielmehr machte er geltend, während der Festnahme vom Oktober 2015 am (…) verletzt worden zu sein (vgl. SEM-Akte A4 Ziff. 7.01 und 8.02 sowie A10 F83 und F151), welche Aussage in der angefochtenen Verfü- gung unter dem Begriff "Misshandlungen" Niederschlag fand. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, dass die Vorinstanz nicht alle wesentlichen Sachverhaltselemente festgehalten und dabei die Ausführun- gen des Beschwerdeführers (inklusive die eingereichten Beweismittel) ge- würdigt haben könnte. Sie hat zudem nachvollziehbar und im Einzelnen hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen sie sich leiten liess, und dem Beschwerdeführer dadurch die sachgerechte Anfech- tung der Verfügung vom 22. Januar 2019 ermöglicht. Der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer beziehungsweise dessen Rechtsvertreter die Auffassung d er Vorinstanz nicht teilt, ist keine Verletzung der Begrün- dungspflicht, sondern eine Frage des materiellen Rechts. Soweit – unter Beilage einer sehr umfangreichen Dokumenten- und Quel- lensammlung zur Kommentierung des Lagebildes – gerügt wird , auch durch die falsche Einschätzung der allgemeinen Situation in Sri Lanka habe das SEM den Sachverhalt ungenügend festgestellt, ist festzuhalten, dass die Frage, ob die Lageeinschätzuung zutreffend ist, ebenfalls nicht die Erstellung des Sachverhalts, sondern die Frage der materiellen rechtli- chen Würdigung beschlägt. D-925/2019 Seite 14 6.4.3 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formel- len Gründen aufzuheben und an das SEM zurückzuweisen. Die diesbe- züglichen Rechtsbegehren sind abzuweisen. 7. Dem in der Beschwerde (vgl. S. 28) für den Fall einer materiellen Beurtei- lung gestellten Gesuch um Ansetzung einer Frist zur Einreichung eines "umfassenden, ärztlichen Berichts" wurde seitens des Bundesverwaltungs- gerichts bereits mit Zwischenverfügung vom 6. März 2019 entsprochen. Der Beschwerdeführer hatte seither ausreichend Gelegenheit, weitere sei- nen Gesundheitszustand betreffende Berichte zu den Akten zu geben, und von dieser Möglichkeit denn auch Gebrauch gemacht. 8. 8.1 Nach eingehender Prüfung der vorliegenden Akten und insbesondere auch unter Berücksichtigung der vorstehenden Einwendungen schliesst sich das Bundesverwaltungsgericht in den wesentlichen Punkten der vor- instanzlichen Einschätzung der Vorbringen des Beschwerdeführers an. 8.2 8.2.1 Es ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dass die Vorinstanz – wie in der Beschwerdeschrift (vgl. S. 39) moniert wird – in einzelnen Punkten übermässig "spitzfindig" und "pauschal" auf mögliche Unstimmigkeiten ge- schlossen hat. Dies betrifft insbesondere die Frage, aufgrund welcher Ge- waltanwendung die Mutter des Beschwerdeführers im EPDP-Camp zu Bo- den gefallen sei, aber auch die Aussage, die Mutter würd e dem CID Mel- dung machen, statt bei den Medien. Beide Widersprüche sind wenig ge- wichtig, beziehungsweise lassen sich wohl ohne weiteres durch ein Miss- verständnis oder durch Übersetzungsungenauigkeiten erklären. Diese Tat- sache vermag indessen nichts daran z u ändern, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers, insbesondere die angeblich fluchtauslösenden Ereig- nisse im Jahr 2015, in ihrer Gesamtheit betrachtet nicht glaubhaft erschei- nen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann dabei auf die einlässlichen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung sowie auf die Zusammen- fassung unter E. 5.1.1 verwiesen werden. Dabei fallen die Widersprüche bezüglich der Frage, wann der über den Kopf gestülpte Sack entfernt und wie der Beschwerdeführer befreit worden sei, besonders ins Gewicht. Ge- rade in einer Situation der Gefangenschaft ist die Möglichkeit, die Agresso- ren zu sehen, absolut essentiell und es ist nicht denkbar, dass über eine solch relevante Frage unterschiedliche Aussagen gemacht werden. Soweit D-925/2019 Seite 15 der Beschwerdeführer die Abweichungen in seinen Aussagen damit erklä- ren will, dass zwischen der BzP und der Anhörung längere Zeit verstrichen ist (vgl. dazu auch E. 6.3.1), vermag diese Argumentation nicht zu über- zeugen. Es ist nicht erkennbar, weshalb die Schilderungen des Beschwer- deführers, welche im Übrigen – wie die Verhaftung beziehungsweise die Freilassung im Oktober 2015 – Punkte betreffen, die für den Entschluss der Ausreise ausschlaggebend gewesen sein sollen, aufgrund des Zeitab- laufs von 17 Monaten in derart signifikanter Art und Weise widersprüchlich ausgefallen sein sollen. Wie in der angefochtenen Verfügung ausserdem zutreffend bemerkt wurde, kann das Nichtvorbringen wesentlicher Punkte der Asylvorbringen in der Erstbefragung nicht mit dem Hinweis auf sie sum- marische Natur dieser Befragung erklärt werden, zumal im vorliegenden Fall dem Beschwerdeführer in der BzP Gelegenheit geboten wurde, sich einlässlich zu äussern, und ihm im Anschluss an die freie Schilderung wei- tere, ergänzende Fragen gestellt wurden (vgl. A4 S. 7–9). Daraus sowie in Anbetracht des Umstandes, dass – wie bereits unter E. 6.3.2 bemerkt wurde – keine Anhaltspunkte dafür vorhanden sind, dass die Anhörung nicht korrekt abgelaufen sein könnte, ergibt sich, dass das SEM zu Recht zum Schluss gelangte, der Beschwerdeführer habe keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft machen können. 8.2.2 In Bezug auf die in der Beschwer deschrift (vgl. S. 30) angebrachte Ergänzung, der Beschwerdeführer habe nach der Entscheidfällung des SEM einmal kurz mit seinem Bruder F._______ Kontakt gehabt und erfah- ren, dass er habe fliehen können und sich jetzt verstecke, ist festzuhalten, dass dies es Vorbringen weder näher ausgeführt noch durch entspre- chende Unterlagen belegt wird und deshalb keinen konkreten Hinweis auf eine Verfolgungssituation des Beschwerdeführers gibt. In diesem Zusam- menhang ist auch darauf hinzuweisen, dass die übrigen Familienmitglieder offenbar weiterhin unbehelligt vor Ort leben. 8.2.3 Schliesslich sind auch die sich bei den Akten befindenden Unterlagen und Beweismittel nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung der Glaub- haftigkeit der geltend gemachten Verfolgungssituation zu führen. So bestätigen diese entweder die Angaben des Besc hwerdeführers, wel- che gar nicht in Zweifel gezogen worden sind ( etwa die Identität und die Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers), oder vermögen nicht mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit zu bestätigen, dass die Mutter des Beschwer- deführers unter den gesc hilderten Umständen verstorben oder der Be- schwerdeführer tatsächlich in Haft genommen und misshandelt worden ist; D-925/2019 Seite 16 dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer – wie bereits bemerkt wurde (vgl. E. 6.4.2) – im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens nie geltend ge- macht hatte, es seien ihm in der Haft (…) zugefügt worden. Die Bestätigung eines (…) der Illankai Tamil Arasu Kachchi (ITAK), unter deren Namen die TNA nunmehr für Wahlen kandidiert, stellt sodann ein blosses Gefällig- keitsschreiben dar; dabei fällt auf, dass darin die Probleme des Beschwer- deführers – anders als von ihm selber geschildert – nicht in Verbindung mit politisch aktiven Verwandten gestellt, sondern mit eigenen , angeblich in- tensiven politischen Aktivitäten ("...done lot of party work, he is an enthusi- ast person in our party …" … "He has taken part in the rally with very ac- tively level.") begründet werden. In den beiden ärztlichen Berichten vom 13. Februar 2019 und 23. Septem- ber 2019 werden die psychischen Probleme des Beschwerdeführers in ers- ter Linie auf den Erhalt des negativen Asylentscheids beziehungsweise auf zwei während seiner Arbeit als (…) in der Schweiz im Jahr 2018 erlittene tätliche Angriffe von (…) zurückgeführt. Während im ersten Bericht (vgl. S. 2) zudem festgehalten wird, der Beschwerdeführer leide seit seiner Mi- litärdienstzeit unter (…) und (…), werden im zweiten Bericht (vgl. S. 1) seine Festnahme in Sri Lanka und der Tod seiner Mutter – nicht aber ei- gene Misshandlungen – erwähnt. Dazu ist anzumerken , dass der Be- schwerdeführer im Schweizer Asylverfahren nie geltend gemacht hatte, in seiner Heimat Militärdienst geleistet zu haben. 8.3 8.3.1 Weiter bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer im heutigen Zeit- punkt bei einer Rückkehr in sein Heimatland insbesondere aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen ernsthafte Nachteile drohen könnten. 8.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa beziehungsweise aus der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchend e nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Ver- haftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeint- lichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teil- nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um das Vorlie-D-925/2019 Seite 17 gen früherer Verhaftungen durch die sri -lankischen Behörden, üblicher- weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin- dung zu den LTTE (s ogenannte stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erfor- derlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die z wangs- weise zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sogenannte schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Ge richt wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernst- haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri- lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den ta- milischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsiden- ten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa -Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.the- guardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapa- ksa-premadas-count-continues, abgerufen am 5. März 2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidi- gungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journa- listinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsver- brechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch [HRW]: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja- paksa kontrollieren im neuen Reg ierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl. https://www.ani- news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-cha- mal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state 20191127174753 , abgerufen am 4. März 2020). Beobachter und ethnische oder religiöse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repressi on und die vermehrte Überwa- chung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste D-925/2019 Seite 18 bei Minderheiten, 21.11.2019). Am 5. August 2020 fanden Parlamentswah- len statt mit dem Resultat, dass der Rajapaksa -Clan seine Macht in Sri Lanka ausweiteten konnte (vgl. Sri Lanka: Rajapaksa -Clan weitet seine Macht weiter aus [nzz.ch] vom 7. August 2020). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu- gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E -1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein- zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol- gen besteht. 8.3.3 Nachdem der Beschwerdeführer keine Vorfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen konnte und er – selbst wenn er sich tatsächlich im Jahr 2013 oder 2014 kurzzeitig für die TNA politisch betätigt hätte – kein relevantes politisches Profil aufweist, erfüllt er auch keine der im Referenz- urteil E-1866/205 vom 15. Juli 2016 dargelegten stark risikobegründenden Faktoren. Weiter wurde er keiner Straftat angeklagt oder verurteilt und ver- fügt somit auch nicht über einen Strafregistereintrag. Die von ihm auf Be- schwerdeebene geltend gemachten und mittels zwe ier Bilder illustrierten Narben stellen – wenn überhaupt – einen schwach risikobegründenden Faktor dar. Aber selbst unter Berücksichtigung dieser Narben in Verbin- dung mit seiner tamilischen Ethnie, seiner fünfjährigen Landesabwesenheit und der fehlenden Reisepapiere ist nicht von einer Gefährdung flüchtlings- rechtlich beachtlichen Ausmasses im Sinne des Referenzurteils auszuge- hen, zumal er sich auch nicht exilpolitisch betätigt hat. 8.3.4 An dieser Einschätzung vermögen die auf Beschwerdeebene einge- reichten, auf drei CD-ROMs abgespeicherten Dokumente, Berichte und Länderinformationen, die im Wesentlichen die allgemeine politische Lage in Sri Lanka betreffen, nichts zu ändern, zumal sie weder einen persönli- chen Bezug zum Beschwerdeführer aufweisen, noch ein solch er hinrei- chend dargelegt wurde. D-925/2019 Seite 19 8.4 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigen- schaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 9. 9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer s ol- chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.2 10.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. D-925/2019 Seite 20 10.2.2 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung glau bhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An- wendung finden. Eine Rückkehr nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 10.2.3 Sodann ergeben sich weder aus d en Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Men- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un- menschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil des BVGer E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil des BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2). Es er- geben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätig- keiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel vom Novem- ber 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. 10.2.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig. 10.3 10.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-D-925/2019 Seite 21 grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 10.3.2 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. In den beiden Referenz- urteilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung der Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Wegwei- sungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter Einschluss des sogenannten Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorlie- gen von individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann. Zu den individuellen Zumutbarkeitskriterien gehören insbesondere das Vorhan- densein eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so- wie Aussicht en auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 E. 13.2 ff. und Urteil des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). 10.3.3 Der Beschwerdeführer stammt aus dem (…) D._______, wo er bis zu seinem Wegzug nach Colombo Ende November 2015 gelebt hat. Er ist ledig, kinderlos und verfügt über eine (…) Schulbildung. Nach dem Schul- abschluss hat er an zwei (…) besucht und Berufserfahrung als (…) (in Sri Lanka) und als (…) (in der Schweiz) erworben. Gemäss eigenen Angaben leben verschiedene nahe Angehörige (insbesondere seine beiden Schwes- tern, ein Halbbruder sowie zahlreiche Onkel und Tanten) nach wie vor in seiner Herkunftsregion. Es ist demnach davon auszugehen, dass er bei der Rückkehr in seine Heimat nicht in e ine existenzielle Notlage geraten wird. 10.3.4 Aus den beiden eingereichten ärztlichen Berichten geht hervor, dass der Beschwerdeführer seit Ende 2018 unter (…), (…) und (…) leidet und anfangs 2019 – offenbar mit dem Ziel, sich das Leben zu nehmen – eine übermässige Dosis Schmerzmittel zu sich genommen hat. Gemäss dem Bericht vom 13. Februar 2019 wurden eine (…) und eine (…) (ICD- 10: […]) und gemäss dem Bericht vom 23. September 2019 eine (…) ([…]) sowie eine (…) ([…]) diagnostiziert. Im Bericht vom 23. September 2019 wird eine integrierte psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung auf unbestimmte Zeit empfohlen, ohne dass aber konkretere Massnahmen vorgeschlagen würden. D-925/2019 Seite 22 Dem Länderinformationsblatt der International Organization for Migration (IOM) vom Juni 2014 ist zu entnehmen, dass Sri Lanka grosse Fortschritte bei der medizinischen Versorgung erzielt hat und die Investitionen ins Ge- sundheitswesen zugenommen haben. In jeder grösseren Stadt gebe es staatliche Krankenhäuser, welche zahlreiche Behandlungs methoden an- bieten könnten. Die medizinischen Dienstleistungen seien in der Regel kostenlos. Zusätzlich gebe es sehr viele sehr gut ausgestattete Privatklini- ken. Diese seien jedoch in der Regel teuer (IOM, Länderinformationsblatt – Sri Lanka, 06.2014, http://www.bamf.de/SharedDocs/MILo-DB/DE/ Rueckkehrfoerderung/Laenderinformationen/Informationsblaetter/cfs_sri- lanka-dl_de.pdf;jsessionid=129A642CCB742AC2E7B0C0A694 A8FCFB. 1_cid294?_blob=publicationFile, abgerufen am 20. Mai 2021). Ferner be- finden sich in Sri Lanka 23 Spitäler mit psychiatrischen Abteilungen zur stationären Betreuung, unter anderem auch in D._______, und über 300 Kliniken für ambulante Behandlungen psychisch kranker Patienten (Mi- nistry of Health, Nutrition and Indigenous Medicine Sri Lanka, Annual Health Bulletin 2014, published in 2016, http://www.health.gov.lk/moh_fi- nal/english/public/elfinder/files/publications/AHB/AHB2014.pdf, abgerufen am 20. Mai 2021). Demnach können die geltend gemachten psychischen Probleme des Beschwerdeführer s – sofern sie noch bestehen ( seit dem Bericht vom 23. September 2019 wurden keine weiteren, aktuellen Unter- lagen zu den Akten gegeben) – auch in Sri Lanka behandelt werden. Der Vollzug erscheint deshalb auch in medizinischer Hinsicht zumutbar. 10.3.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar, zumal sich die Einwendungen des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde S. 53 f. und Eingabe vom 26. September 2019 S. 23) im We- sentlichen auf eine Wiederholung von Argumenten, welche bereits im Rah- men der Flüchtlingseigenschaft vorgetragen wurden, beschränken. 10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zusam- menhang mit der Coronavirus -Pandemie stellen – gemäss aktuellem D-925/2019 Seite 23 Kenntnisstand – lediglich temporäre Vollzugshindernisse dar und vermö- gen am Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-139/2020 vom 19. Juni 2020 E. 9.6 m.w.H.) 10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene V erfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so - wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der Beschwerde und der Eingaben vom 6. Mai 2019 und vom 26. September 2019 sowie auf den Inhalt der drei eingereichten CD-ROMs – die sich alle- samt auf die generelle Situation in Sri Lanka beziehen, ohne einen indivi- duellen Bezug zum Beschwerdeführer zu haben – noch näher einzugehen. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die aufgrund des überdurch- schnittlichen Umfangs der Beschwerdeeingabe praxisgemäss auf Fr. 1'500.– festzusetzenden Kosten (Art. 1–3 des Reglements vo m 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzu- erlegen (Art. 63 Abs. 1 und 3 VwVG), wobei der am 21. März 2019 geleis- tete Kostenvorschuss zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden ist. (Dispositiv nächste Seite) D-925/2019 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der in gleicher Höhe geleistete Betrag wird zur Bezahlung der Ver- fahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Kathrin Mangold Horni Versand: