Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 25. April 2012 (810 11 388) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Stefan Schulthess, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl, Beat Walther , Gerichtsschreiber Markus Pachlatko Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Jean-Louis von Planta, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft , 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 1502 vom 01. November 2011) A. Der türkische Staatsangehörige A.____, geboren 198 0, heiratete am 23. Dezember 2005 die im Kanton Basel-Landschaft wohnhafte Schweiz er Staatsbürgerin B.____. Am 24. Februar 2006 reiste er im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein und erhielt in der Seite 2 Folge die Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei sei ner Ehefrau. Am 20. März 2009 verliess A.____ die eheliche Wohnung in C.____. Am 20. Oktober 2009 gab B.____ gegenüber dem Amt für Migration des Kantons Basel- Landschaft (AfM) an, dass sich die Eheleute nur vorüberg ehend getrennt hätten. Getrennt hät- ten sie sich, weil Probleme mit D.____ (geb. 1998), d em Sohn der Ehefrau aus einer früheren Beziehung, aufgetreten seien. Dieser leide unter dem ADHS-Syndrom und habe generell Mühe, den neuen Ehemann zu akzeptieren. Ihre Ehe sei jedoch i ntakt, sie würden sich jeden zweiten Tag sehen. Am 16. Dezember 2009 teilte A.____ dem Af M mit, dass die Trennung lediglich aufgrund der psychischen Probleme von D.____ erfolgt se i und dass die Eheleute keine Prob- leme miteinander hätten. Mit Schreiben vom 28. März 2011 teilte das AfM A.____ mit, dass eine Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung geprüft werde und gewährte ih m das rechtliche Gehör. B.____ und A.____ nahmen mit Schreiben vom 7. April 2011 Stellun g. Im Wesentlichen machten sie gel- tend, dass D.____ mit dem Umstand, dass A.____ neu zur Familie gehöre, nicht klar gekom- men sei. Dies habe zu grossen Spannungen geführt, sich negativ auf die schulischen Leistun- gen ausgewirkt und zu einem auffälligen Sozialverhalte n von D.____ geführt. B.____ habe sich deshalb entschieden, sich vorläufig von ihrem Ehemann z u trennen. Trotz getrennter Wohnver- hältnisse hätten sie und ihr Ehemann nach wie vor engen Kontakt. Da es dem Sohn von B.____ besser gehe, würden sie in absehbarer Zeit auch wieder alle zusammen wohnen. Um die Be- handlung von D.____ weiterhin erfolgreich fortführen zu können, bedürfe es getrennter Wohn- verhältnisse. A.____ sei sehr bemüht, bald eine Anstellu ng zu finden, er sei seit Oktober 2009 arbeitslos. Des Weiteren sei er daran interessiert, weit ere Ausbildungs- und Deutschkurse zu besuchen. Am 20. April 2011 kontaktierte das AfM den ehemaligen Arbeitgeber von A.____, E.____, tele- fonisch. Dieser teilte dem AfM im Wesentlichen mit, dass A.____ sehr schlecht deutsch spreche und dass von einer guten Integration nicht die Rede sein könne. Während der Arbeitszeit sei es zu schlimmen Auseinandersetzungen gekommen. A.____ sei einmal auf ihn losgegangen, wor- auf er gegen ihn Strafanzeige erhoben habe. Zudem habe A.____ mit Tabletten gehandelt, wel- che nachträglich in seinem Lieferwagen gefunden worden seien. B. Am 17. Mai 2011 verfügte das AfM gegenüber A.____ die Nichtverlängerung der Auf- enthaltsbewilligung und die Wegweisung aus der Schweiz. C. Die von A.____ gegen diese Verfügung erhobene Beschw erde wurde vom Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft mit Entscheid vom 1 . November 2011 abgewiesen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass A.__ __ keinen Anspruch auf Verlänge- rung seiner Aufenthaltsbewilligung habe. Es liege kein Härtefall gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (Au G) vom 16. Dezember 2005 vor. Des Weiteren sei die Nichtverlängerung der Aufenthalts bewilligung und die damit verbundene Wegweisung im Rahmen von Art. 96 AuG angemessen und zudem auch verhältnismässig. Seite 3 D. Mit Eingabe vom 14. November 2011 erhob A.____, ve rtreten durch Jean-Louis von Planta, Advokat, (Beschwerdeführer) gegen den Entsche id des Regierungsrats Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwalt ungsrecht (Kantonsgericht). Er stellte den Antrag, der Entscheid des Regierungsrats sei aufzuhe ben und dem Beschwerdeführer sei die zwischenzeitlich abgelaufene Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. Es sei dem Beschwer- deführer zudem während der Dauer dieses Verfahrens der Aufenthalt im Kanton Basel- Landschaft sowie der gesamten Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein zu bewilligen. In ver- fahrenstechnischer Hinsicht stellte der Beschwerdeführer ausserdem den Antrag, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung mit dem Unterzeichneten als Rechtsbeistand zu gewähren. Dies alles unter o/e-Kostenfolge. E. In seiner Vernehmlassung vom 5. Dezember 2011 beantr agte der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Beschwerdegegner) die Abweisu ng der Beschwerde unter Anset- zung einer neuen Ausreisefrist, unter o/e-Kostenfolge. F. Mit Eingabe vom 7. Dezember 2011 reichte der Beschw erdeführer ein von F.____, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP der Familien- und Ju gendberatung G.____, am 17. November 2011 verfasstes ärztliches Gutachten betreff end D.____ ein. Darin bestätigt der Gutachter, dass D.____ seit dem 4. Juni 2009 bei der Fa milien- und Jugendberatung G.____ in Psychotherapie sei. Der Anlass hierzu seien Probleme, die durch sein länger bekanntes und damals schon diagnostiziertes Geburtsgebrechen 404 wesentl ich mit verursacht seien. Eine Fortsetzung der Therapie sei angezeigt. G. Mit Präsidialverfügung vom 4. Januar 2012 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Zur Parteiverhandlung wurden der Beschwerde führer sowie B.____ als Auskunfts- person geladen. Zudem wurde das Gesuch des Beschwerdefüh rers um Bewilligung der unent- geltlichen Prozessführung und Verbeiständung gutgeheissen. H. Mit Eingabe vom 10. Februar 2012 reichte der Besch werdeführer einen auf das Un- ternehmen H.____ (Arbeitgeber) und den Beschwerdefüh rer (Arbeitnehmer) lautenden, aber vom Unternehmen H.____ nicht unterschriebenen Arbeitsvertrag vom 25. Januar 2012 ein. I. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 20. April 2012 wurde der Beschwerdeführer ersucht, einen auf ihn lautenden, beidseitig unterschrie benen Arbeitsvertrag mit der Einzelun- ternehmung H.____ und auf seinen Namen von der Einzel unternehmung H.____ ausgestellte Lohnabrechnungen für die Monate Februar und März des Jahres 2012 spätestens an der Ver- handlung vom 25. April 2012 vorzulegen bzw. einzureichen. J. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung hielten di e Parteien an ihren Anträgen und an ihren Begründungen fest. Der Beschwerdeführer reich te zudem einen am 5. März 2012 zwi- schen der I.____ GmbH in J.____ (Arbeitgeber) und dem Beschwerdeführer (Arbeitnehmer) abgeschlossenen Arbeitsvertrag, eine Vereinbarung vom 2 4. April 2012 zwischen dem Be- schwerdeführer und H.____, in K.____, betreffend Lohn forderung, sowie eine Quittung vom Seite 4 24. April 2012 ein. Auf die weiteren Vorbringen und Begründungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefocht enen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht dagegen - abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen - untersagt (§ 4 5 Abs. 1 lit. c VPO). Unbestimmte Rechtsbegriffe sind der Auslegung zugänglich, wobei sich d as Kantonsgericht in Übereinstim- mung mit der Praxis des Bundesgerichts eine gewisse Zurückhaltung auferlegt und den Verwal- tungsbehörden einen Beurteilungsspielraum zuerkennt, we nn der Entscheid besondere Kennt- nisse oder Vertrautheit mit den tatsächlichen Verhältniss en voraussetzt (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2010, N 446c f.; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 18. Oktober 2006 [810 06 154], E. 2.3 un d vom 15. September 2010 [810 10 178], E. 2). 3. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Nichtver längerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 4. Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Sc hweiz nur dann berechtigt, wenn sie rechtmässig einreist und eine Anwesenheitsbewilligung hat oder von Gesetzes wegen keiner solchen bedarf (vgl. P ETER UEBERSAX in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Aus- länderrecht, Eine umfassende Darstellung der Rechtsstellun g von Ausländerinnen und Auslän- dern in der Schweiz, Basel 2009, N 7.84). Eine Bewill igung ist erforderlich für Aufenthalte ohne Erwerbstätigkeit von über drei Monaten sowie für Aufe nthalte mit Erwerbstätigkeit (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländ er [AuG] vom 16. Dezem- ber 2005). Ein Rechtsanspruch auf Erteilung einer A nwesenheitsbewilligung besteht in denjeni- gen Fällen, in denen das AuG oder völkerrechtliche Verp flichtungen dies vorsehen. In den übri- gen Fällen entscheidet die zuständige Behörde nach pfli chtgemässem Ermessen (vgl. BGE 133 I 185 E. 2.3; M ARC SPESCHA in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Kommentar Migrations- recht, Zürich 2009, N 1 ff. zu Art. 3 AuG; UEBERSAX , a.a.O, N 7.99 ff.). Die Aufenthaltsbewilli- Seite 5 gung wird nach Art. 33 Abs. 1 AuG für Aufenthalte mit einer Dauer von mehr als einem Jahr erteilt. Sie wird für einen bestimmten Aufenthaltszwe ck erteilt und kann mit weiteren Bedingun- gen verbunden werden (Art. 33 Abs. 2 AuG). 5. Im vorliegenden Fall ist zunächst festzuhalten, dass zw ischen der Schweiz und der Türkei keine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, wel che dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumen würde. 6.1 Gemäss Art. 42 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatt en von Schweizerinnen und Schweizern Anspruch auf Erteilung und Verlängerung d er Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Das Erfordernis des Zusammenwohne ns besteht nicht, wenn für getrennte Wohnorte wichtige Gründe geltend gemacht we rden und die Familiengemeinschaft weiter besteht (Art. 49 AuG). Wichtige Gründe für ei ne Ausnahme vom Erfordernis des Zusam- menwohnens können nach Art. 76 der Verordnung über Zu lassung, Aufenthalt und Erwerbstä- tigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 insbesondere durch berufliche Verpflichtungen oder durch eine vorübergehende Trennung wegen erheblicher famili ärer Probleme entstehen. Bei anhal- tendem Getrenntleben von mehr als sechs bis zwölf Monate n Dauer ist aufgrund der Aussagen der Ehegatten, der ehelichen Kontakte und der weitere n Umstände zu eruieren, ob die Tren- nung definitiv und die Familiengemeinschaft als aufgelö st zu betrachten ist (vgl. Spescha, a.a.O., N 3 zu Art. 49 AuG). 6.2 Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer und die S chweizer Staatsbürgerin B.____ seit dem 23. Dezember 2005 verheiratet sind, dass der Beschwerdeführer am 24. Februar 2006 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz einreiste, dass er am 20. März 2009 die ehe- liche Wohnung in C.____ verliess und dass die Ehegatten damit nun bereits seit mehr als drei Jahren getrennt leben. Unbestritten ist auch, dass der Sohn der Ehefrau am Geburtsgebrechen 404 leidet. Umstritten ist demgegenüber, ob ein wichti ger Grund für eine Ausnahme vom Erfor- dernis des Zusammenwohnens besteht und ob die Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau im obgenannten Sinne intakt ist un d tatsächlich gelebt wird, trotz anhalten- dem Getrenntleben. 6.3 Die Vorinstanzen machen betreffend den Kontakt zwi schen den Ehegatten geltend, dass das Getrenntleben der Ehegatten bereits seit mehr als drei Jahren bestehe. Je länger eine Trennung anhalte, desto mehr Bemühungen, die Ehegeme inschaft auch räumlich wieder auf- nehmen zu wollen, hätten erkennbar zu sein, um den ge ltend gemachten Ehewillen auch in objektiver Hinsicht zu bekunden. Aus objektiver Sicht würden aber ernsthafte Bemühungen, das Zusammenleben wieder aufzunehmen, fehlen. Vielmehr s ei davon auszugehen, dass sich die Eheleute nicht ernsthaft um eine Veränderung dieser Situation bemüht hätten und bloss zuwar- ten würden, bis es D.____ besser gehe. Die Ehegemeinschaft zwischen dem Beschwerdeführer und B.____ sei als aufgelöst zu betrachten. Unter diesen Gegebenheiten könne nicht von einer vorübergehenden Trennung aus wichtigen Gründen im Sinne von Art. 49 AuG gesprochen wer- den, weshalb nicht vom Erfordernis des Zusammenwohnens abgesehen werden könne. Seite 6 6.4 Der Beschwerdeführer macht hierzu geltend, dass sich seine Ehefrau und er nur des- halb getrennt hätten, weil Probleme mit D.____ aufg etreten seien. Dieser leide unter dem ADHS-Syndrom, was zu grossen Spannungen zwischen D.____ und dem Beschwerdeführer geführt habe. Trotz getrennter Wohnverhältnisse hätte n sie und ihr Ehemann nach wie vor en- gen Kontakt. Ihre Ehe sei intakt, sie würden sich alle zw ei Tage sehen. Beide Eheleute hätten den Wunsch, so schnell wie möglich wieder als Familie zusammenleben zu können, doch müssten sie, auch wenn es ihnen sehr schwer falle, zur Zeit aufgrund des Gesundheitszustan- des von D.____ darauf verzichten. Da es D.____ besser gehe, würden sie in absehbarer Zeit auch wieder alle zusammen wohnen. Die Behauptung der Vorinstanz, wonach sich die Eheleu- te nicht ernsthaft um eine Veränderung dieser Situati on bemühen und bloss zuwarten würden, bis es D.____ besser gehe, sei falsch. So sei letzterer un ter ärztlicher Behandlung. Es sei eine äusserst heikle Situation, D.____ dürfe auf keinen Fall voreilig mit neuen Veränderungen kon- frontiert werden. Vom Erfordernis des Zusammenlebens mü sse aus objektiven Gründen abge- sehen werden. 6.5.1 Zu prüfen ist zunächst, ob ein wichtiger Grund i m Sinne von Art. 49 AuG für getrennte Wohnorte bestehen. Bei dem Begriff des wichtigen Gru ndes handelt es sich um einen unbe- stimmten Rechtsbegriff. Die Auslegung kann folglich vom Kantonsgericht selbst vorgenommen werden (vgl. E. 2). Ein wichtiger Grund liegt dann vo r, wenn er objektivierbar ist und ein gewis- ses Gewicht aufweist. Von einem wichtigen Grund kann desto eher gesprochen werden, je we- niger die Ehegatten auf die Situation des Getrenntle bens Einfluss nehmen können, ohne einen grossen Nachteil in Kauf nehmen zu müssen (Urteil des Bu ndesgerichts [BGer] 2C 544/2010 vom 23. Dezember 2010 E. 2.3.1, m.w.H.). In seinem S chreiben vom 17. November 2011 bes- tätigte F.____, dass D.____ seit dem 4. Juni 2009 bei d er Familien- und Jugendberatung G.____ in Psychotherapie sei. Der Anlass hierzu seien Probleme, die durch sein länger bekann- tes und damals schon diagnostiziertes Geburtsgebrechen 40 4 wesentlich mit verursacht seien. Eine Fortsetzung der Therapie sei angezeigt. Das gen annte Geburtsgebrechen kann gemäss Anhang zur Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV) vom 9. Dezember 1985 unter anderem zu massiven Schwierigkeiten in der Kontaktaufnahme mit anderen Menschen führen. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 25. April 2012 wurden die Ehegatten getrennt zu ihrer Beziehung befragt. Sie konnten glaubwürdig darlegen, dass der Beschwerdeführer nur deshalb aus der ehelichen Wohnung ausgezogen sei, weil D.____ den Beschw erdeführer als Ehemann seiner Mutter nicht akzeptiert habe. So brachten die Ehegatte n vor, dass die Anwesenheit des Be- schwerdeführers in der ehelichen Wohnung zu massiven Wuta usbrüchen seitens des Sohnes geführt habe, wobei dieser dem Beschwerdeführer sogar einmal gedroht habe, er werde sich aus dem Fenster stürzen, wenn der Beschwerdeführer nicht die eheliche Wohnung verlasse. Auch führten die Ehegatten aus, dass eine Kontaktaufnah me zwischen D.____ und dem Be- schwerdeführer wieder möglich sei, seitdem der Beschwer deführer ausgezogen sei, dass D.____ den Beschwerdeführer aber immer noch nicht als E hemann seiner Mutter akzeptiere. Aufgrund der Schilderungen der Ehegatten und des Sc hreibens des behandelnden Fachpsy- chologen ist davon auszugehen, dass die Ehegatten die Um stände, welche zum Getrenntleben geführt haben, mithin die Krankheit von D.____ bzw. d eren Folgen, nicht zu beeinflussen ver- mochten bzw. vermögen. Vielmehr ist davon auszugehen, da ss das Erzwingen eines Zusam- menlebens entgegen den Willen von D.____ dessen Gesundh eit ernsthaft gefährden würde. Seite 7 Beim von den Ehegatten für das Getrenntleben vorgebra chten Grund, handelt es sich folglich um einen wichtigen und nachvollziehbaren Grund im Sinne von Art. 49 AuG. 6.5.2 Vom Erfordernis des Zusammenwohnens kann trotz des Vorliegens wichtiger Gründe nur dann abgesehen werden, wenn die Familiengemeinsch aft weiter besteht (vgl. E. 6.1). Dies ist dann der Fall, wenn die Beziehung tatsächlich gele bt wird und die beiden Ehegatten den Willen zur Gemeinschaft haben, an den Bestand der Ehe glauben und an ihr festhalten (vgl. ESTER S. AMSTUTZ in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handko mmentar zum Bun- desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, N 29 zu Art. 49). Die Vorinstan- zen brachten hierzu im Wesentlichen vor, dass ernsthafte Bemühungen der Ehegatten, das Zusammenleben wieder aufzunehmen, aus objektiver Sicht fehlen würden. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sich die Eheleute nicht ernsthaft um ein e Veränderung dieser Situation be- mühen würden und bloss zuwarten würden, bis es D.____ be sser gehe. Demgegenüber ist je- doch zum einen zu beachten, dass die Ehegatten die Krankheit von D.____ bzw. deren Folgen, welche zum Getrenntleben geführt haben, ausser durch di e bereits seit längerem bestehende, professionelle Therapierung von D.____, nicht zu beei nflussen vermögen (vgl. E. 6.5.1). Zum anderen ist zu beachten, dass die Ehegatten versuchen, ei n - soweit möglich - gemeinsames Eheleben zu führen. So führten die Ehegatten anlässlich der Parteiverhandlung vom 25. Ap- ril 2012 aus, dass sie sich mindestens drei bis vier Mal pro Woche treffen würden, um miteinan- der zu essen oder zu spazieren und dass die Ehefrau dem Besc hwerdeführer beim Erledigen der Haushaltsarbeiten behilflich sei, wobei ihre Mutte r D.____ betreue, wenn sie sich beim Be- schwerdeführer aufhalte. Die Ehegatten machten im Weit eren glaubhaft geltend, sie würden wieder zusammen wohnen wollen, sobald es der Gesundheitszustand von D.____ zulasse. Aus objektiver Sicht ist deshalb - entgegen der Ansicht der Vorinstanz - davon auszugehen, dass die Ehegatten nicht bloss zuwarten, bis es D.____ besser g eht, sondern dass sie sich darum bemühen, die Ehegemeinschaft zu pflegen und dass sie die Absicht haben, das Zusammenle- ben wieder aufzunehmen. Die Beziehung zwischen dem Beschw erdeführer und seiner Ehefrau im obgenannten Sinne ist folglich intakt und wird tat sächlich gelebt, dies trotz des Umstandes, dass sie in unterschiedlichen Wohnungen leben. Demnach ist davon auszugehen, dass die Familiengemeinschaft im Sinne von Art. 49 AuG weiterbe steht. Da für das Getrenntleben der Ehegatten zudem ein wichtiger Grund vorliegt (vgl. E . 6.5.1), kann vom Erfordernis des Zu- sammenwohnens abgesehen werden, womit gemäss Art. 42 Ab s. 1 AuG ein gesetzlicher An- spruch des Beschwerdeführers auf Verlängerung seiner Aufe nthaltsbewilligung besteht. Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umf assen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Au smass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem unterlegenen Kanton können gemäss § 20 Abs. 3 und 4 VPO keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Gestützt darauf sind keine Ver- fahrenskosten zu erheben. 7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann g estützt auf § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemesse ne Parteientschädigung zu Lasten Seite 8 der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem obsiegenden Beschwerdeführer wird für den Bei- zug des Anwalts eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'189.50 (inkl. Auslagen und 8% MWST) zu Lasten des Regierungsrates zugesprochen. Dabei wird praxisgemäss lediglich der Aufwand für das vorliegende Verfahren, nicht aber fü r das Verfahren vor dem Regierungsrat berücksichtigt. 7.3 Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Ver fahrens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat zurückgewiesen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft w ird angewiesen, die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführenden zu verlängern. 3. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwerde- führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3 '189.50 (inkl. Aus- lagen und 8% MWST) zu entrichten. Präsidentin Gerichtsschreiber