Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Juni 2012 (720 12 31 / 158) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Unvollständige Abklärung des medizinischen Sachverhaltes Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dieter F reiburghaus, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Caroline Franz Waldner, Advokatin, Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1968 geborene A.____ war vom 1. Juli 2003 bis 3 1. Dezember 2008 im Rahmen einer Vollbeschäftigung als Zimmer- und Küchenhilfe im Gasthof B.____ angestellt. Seit 1. März 2010 arbeitet sie als Küchenhilfe - nunmehr als Teilzeit angestellte im Stundenlohn - wiederum für denselben Arbeitgeber. Am 16. Mai 2006 hatte sich A.____ unter Hinweis auf Bauch- und Rückenschmerzen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug angemeldet. Nachdem sie die gesundheitlichen und die e rwerblichen Verhältnisse abgeklärt Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht hatte, verneinte die IV-Stelle Basel-Landschaft mit V erfügung vom 5. November 2007 einen Rentenanspruch von A.____. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am 31. Oktober 2008 meldete sich A.____ unter Hinweis a uf eine Kieferoperation sowie auf Schulter- und Hüftbeschwerden erneut bei der IV zum Le istungsbezug an. In der Folge klärte die IV-Stelle die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse der Versicherten ab, wobei sie ab 10. Juni 2009 (Ablauf des Wartejahres) einen In validitätsgrad von 50 % und ab 14. September 2010 einen solchen von 9 % ermittelte. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle A.____ nach Durchführung des Vorbescheidve rfahrens mit Verfügung vom 20. Dezember 2011 für den Zeitraum vom 1. Juni 2009 bis 31. Dezember 2010 eine befristete halbe Rente zu. Gleichzeitig lehnte sie einen weiteren Rentenanspruch ab 1. Januar 2011 ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Dr. Caroline Franz Waldner, am 31. Januar 2012 Beschwerde beim Kantonsge richt, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es s ei die angefochtene Verfügung aufzuhe- ben und es sei ihr für die Zeit ab 1. Januar 2011 weiterhin eine halbe Rente auszurichten. Even- tualiter sei die Frage der Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes mittels eines gerichtlich angeordneten polydisziplinären Obergutachtens zu klären; unter o/e- Kostenfolge, wobei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen sei. C. Mit Verfügung vom 2. Februar 2012 bewilligte das Gericht der Beschwerdeführerin ge- stützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgelt- liche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeistän dung mit Advokatin Dr. Caroline Franz Waldner als Rechtsvertreterin. D. Am 5. Februar 2012 liess die Beschwerdeführerin eine n Bericht von Prof. Dr. med. C.____ und Frau D.____, Chefarzt-Stellverteter bzw. Klinische Psychologin, Spital E.____, vom 31. Januar 2012 nachreichen. E. In ihrer Vernehmlassung vom 28. Februar 2012 bean tragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. F. Da die IV-Stelle zusammen mit ihrer Vernehmlassung einen nachträglich eingeholten Bericht von Dr. med. F.____, Orthopädische Chirurgie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 20. Februar 2012 und einen Auszug au s dem Individuellen Konto (IK) der Versicherten eingereicht hatte, ordnete das Kantonsgeri cht die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels an. In ihrer Replik vom 2. April 2012 hielt die Beschwerdeführerin an ihren bisherigen Anträgen und Ausführungen fest. Die IV-St elle wiederum ersuchte in ihrer Duplik vom 23. April 2012 weiterhin um Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 31. Januar 2012 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vor- aussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Die IV-Stelle gab zur Abklärung des Gesundheitszustand es und zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten beim Zentrum G.____ ein polydisziplinäres Gutachten in Auf- trag, welches am 18. Oktober 2010 erstattet wurde. Dari n hielten die Experten als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Cervicobrach ialgie links bei medio-linkslateralen Diskushernien HWK 4/5 und HWK 5/6 ohne Neurokompression m it im Vordergrund stehender, begleitender muskulärer Dysbalance am Schultergürtel l inks (ICD-10 M53.1 und M79.1) fest. Als Leiden ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurd en (1) ansatztendinotische Beschwerden am linken Beckenkamm mit pseudoradikulärer Ausstrahlung i ns linke Bein, (2) unspezifische Kreuzschmerzen mit beginnender Diskopathie lumbo-sacral mit kleiner medio-rechtslateraler Diskushernie (asymptomatisch), (3) deutliche Hinweise auf e in sogenanntes vermehrtes Schmerzgebaren mit vier positiven Waddell-non-organic si gns, (4) beginnende Heberden- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arthrosen an beiden Zeigefingern, beginnender Hallu x valgus beidseits und beginnende Ham- merzehen II beidseits, (5) Genua vara, (6) eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD- 10 F45.4), (7) sonstige näher bezeichnete Probleme verb unden mit der sozialen Umgebung im Sinne von multiplen migrationsspezifischen und sozialen st resshaften Faktoren (ICD-10 Z60.8) und (8) ein Status nach rupturierter Ovarialzyste rechts März 2010 genannt. Im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, die aktuelle psychiatrische Evaluation durch Dr. med. H.____, Psychiatrie und Psychoth erapie FMH, habe keine Erkran- kung aus dem psychiatrischen Formenkreis mit Einfluss auf di e Arbeitsfähigkeit ergeben. Inso- fern sei der Versicherten aus fachärztlicher Sicht jeg liche Tätigkeit vollschichtig zumutbar, wo- bei ihr allenfalls eine Verminderung des Rendements um ca. zehn Prozent attestiert werden könne. Die rheumatologische Evaluation durch Dr. med. I.____, Rheumatologie FMH, habe das Vorliegen einer komplexen Problematik von Seiten der Ha lswirbelsäule bestätigt. Wie der Ak- tenlage entnommen werden könne, sei die Versicherte wäh rend längerer Zeit durch Dr. med. K.____, Rheumatologie FMH, behandelt worden. Dieser habe der Versicherten vom 10. Juni 2008 bis 27. Juni 2008 eine vollständige, vom 28. Juni 20 08 bis 3. November 2008 eine 50 %- ige, vom 4. November 2008 bis 17. Mai 2009 wiederum e ine vollständige und schliesslich vom 18. Mai 2009 bis 27. Oktober 2009 erneut eine 50 %-ig e Arbeitsunfähigkeit attestiert. In Un- kenntnis der damaligen genauen klinischen Befunde lasse sich retrospektiv eine Änderung die- ser Angaben nicht begründen. Da in den Berichten besch rieben werde, dass die Schmerzen damals offenbar auch durch Bewegungen der Halswirbelsä ule verstärkt hätten ausgelöst wer- den können und nicht auf die eindrückliche muskuläre Dysbal ance verwiesen werde, seien da- mals die diagnostizierten cervicalen Diskushernien möglich erweise verstärkt symptomatisch gewesen. Seither habe sich die klinische Situation offenb ar gebessert, die Arbeitsunfähigkeit betrage heute nicht mehr 50 %. Ab dem aktuellen Unte rsuchungsdatum, d.h. ab 14. September 2010, könne der Explorandin in der zur Zeit ausgeübt en Tätigkeit als Allrounderin in einem Re- staurant eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % attestiert werden. In einer adaptier- ten Tätigkeit mit vorwiegend leichten Gewichtsbelastungen, selten mittelschwer und ohne spezi- fische Belastung der Halswirbelsäule oder der Schulterr egion bestehe aus rheumatologischer Sicht eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von zehn Prozent, welche auf einen etwas vermehrten Pausenbedarf bei vollständiger Arbeitsfähigkei t zurückzuführen sei. Auf Grund der Aktenlage und der Angaben der Versicherten könne zur Ar beitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit retrospektiv nicht verlässlich und konkret Stellu ng bezogen werden, so dass diese Einschätzung ebenfalls ab Untersuchungstermin gelte. Ge samtmedizinisch sei somit zusam- menfassend festzuhalten, dass ab Mitte September 2010 in der angestammten Tätigkeit eine 30 %-ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden könne. In einer adaptierten Tä- tigkeit, wie sie im rheumatologischen (Teil-) Gutachten umschrieben werde, bestehe ab Unter- suchungszeitpunkt eine zehnprozentige Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Für die Zeit zwi- schen der Arbeitsniederlegung im Jahre 2008 bis zur aktue llen Begutachtung müsse auf die Aktenlage, d.h. auf die damaligen, echtzeitlichen Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit durch den behandelnden Rheumatologen Dr. K.____ verwiesen werden. 5.2 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 20. Dezember 2011 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeits fähigkeit der Versicherten vollum- fänglich auf die Ergebnisse, zu denen die Gutachter des Zentrums G.____ in ihrem polydis- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ziplinären Gutachten vom 18. Oktober 2010 gelangt sind. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Zeitraum vom 1. Juni 2009 (A blauf des Wartejahres) bis 14. Sep- tember 2010 (Zeitpunkt der Begutachtung) zu 50 % arbei tsunfähig war, und dass seither, d.h. mit Wirkung ab 14. September 2010, in der Ausübung e iner leidensadaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 90 % besteht. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externe r Spezialärztinnen und -ärzte, wel- che aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Ak- ten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien ge- gen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Zwe ifel liegen hier nun allerdings vor, denn das Gutachten erweist sich in einem relevanten Punkt als unvollständig und zum andern erscheint es zumindest als fraglich, ob die gutachterlich e Beurteilung des Gesundheitszustan- des und der Arbeitsfähigkeit der aktuellen Situation d er Versicherten entspricht. Wie den Akten entnommen werden kann, litt die Beschwerdeführerin sei t längerem an einem Carpaltunnel- syndrom (CTS) rechts, welches schliesslich am 1. April 2011 durch Dr. med. L.____, Handchi- rurgie FMH, operiert wurde. Dieses CTS wurde zwar in der Anamnese des Gutachtens des Zentrums G.____ erwähnt (vgl. S. 31 des Gutachtens), d ie Fachärzte gingen jedoch diesem Leiden nicht weiter nach; entsprechend fand das CTS w eder Eingang in die Diagnoseliste des Gutachtens noch wurde es im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten berücksichtigt und thematisiert. Das Gutachten erweist sich deshalb diesbezüglich als unvoll- ständig. Dazu kommt, dass die medizinischen Akten Hinweise enthalten, dass es im Nachgang zur CTS-Operation vom 1. April 2011 zu Komplikationen gekommen ist. So erwähnt Dr. med. M.____, Physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumaerkrankungen FMH, in sei- nem Bericht vom 23. Januar 2012 einen „schwierigen po stoperativen Verlauf“ und auch Dr. L.____ hält in seinem Schreiben vom 22. Januar 2012 fest, dass die Versicherte über per- sistierende Beschwerden im Bereich der Operationsnarben und zusätzlich über neue Schmer- zen nach einem Handgelenkstrauma klage. Da nach ständige r Rechtsprechung die Gesetz- mässigkeit der Verwaltungsverfügungen in der Regel nach dem Sachverhalt zu beurteilen ist, der zur Zeit des Verfügungserlasses gegeben war (vgl. BGE 130 V 140 E. 2.1 mit Hinweis), müssen diese nach der Operation vom 1. April 2011 einge tretenen Veränderungen des medizi- nischen Sachverhaltes im Rahmen des vorliegenden Verfahrens berücksichtigt werden, d.h. die IV-Stelle hätte sich vor Verfügungserlass mit diesen be fassen und sie näher abklären müssen. Aus den geschilderten Gründen kann deshalb - entgegen der Auffassung der IV-Stelle - bei der Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalte s nicht (mehr) auf das Gutachten des Zentrums G.____ vom 18. Oktober 2010 abgestellt werd en. Die Angelegenheit bedarf in- soweit zusätzlicher Abklärungen. 5.3 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die vor handenen medizinischen Un- terlagen keine abschliessende Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes und der Ar- beitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zulassen. 5.4 Im Entscheid 137 V 210 ff. hat das Bundesgericht die bisherige ständige Rechtspre- chung, wonach das kantonale Gericht prinzipiell die frei e Wahl hatte, bei festgestellter Abklä- rungsbedürftigkeit die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen oder aber selber zur Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Herstellung der Spruchreife zu schreiten, geändert. Es hat erkannt, dass die Beschwerdein- stanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten einzuholen hat und eine Rückweisung an die IV-Stelle nur noch in Ausnahmefällen erfolgen soll. Da es Aufga be der Verwaltung und nicht der Be- schwerdeinstanz ist, für eine erstmalige vollständige Erhebung des massgebenden Sachverhal- tes besorgt zu sein, liegt ein solcher Ausnahmefall etwa vor, wenn ein relevanter Aspekt des medizinischen Sachverhaltes durch die Verwaltung nicht a bgeklärt worden ist. Gleiches gilt, wenn sich die Verwaltung auf ein Gutachten stützt, wel ches auf Grund der zwischenzeitlichen Entwicklung nicht mehr die aktuelle medizinische Situati on der versicherten Person wiedergibt. Diese beiden Punkte sind nach dem vorstehend Gesagten in casu gegeben. Somit ist aber eine Rückweisung an die IV-Stelle trotz der geänderten bunde sgerichtlichen Rechtsprechung mög- lich. Die angefochtene Verfügung vom 20. Dezember 201 1 ist deshalb aufzuheben und die An- gelegenheit ist an die IV-Stelle zurückzuweisen. Diese wi rd den aktuellen Gesundheitszustand und die Frage der (Rest-) Arbeitsfähigkeit der Versicherten durch ein neues Gutachten abklären zu lassen haben. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenerg änzung wird die IV-Stelle anschlies- send über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin n eu zu befinden haben. Die vorliegen- de Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 6. Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden . 6.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zu ergän zender Abklärung und neuer Beurtei- lung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unte rliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 6.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. 6.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerde- führerin hat in ihrer Honorarnote vom 29. Mai 2012 f ür das vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von 14 Stunden und 50 Minuten geltend gemac ht, was sich umfangmässig in Anbe- tracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfrage n als angemessen erweist. Die Bemü- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht hungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgem äss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. Nicht zu bean- standen sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesen en Auslagen von Fr. 50.--. Der Be- schwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'758.30 (14 Stun- den und 50 Minuten à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 50 .--) zu Lasten der IV-Stelle zuzuspre- chen. 7. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zust ändigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öff entlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 9 3 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 20. Dezem ber 2011 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abkläru ng im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV- Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3'758.30 (inkl. A uslagen) zu bezahlen. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht