B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3161/2013 law/auj U r t e i l v o m 19 . N o v e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am (…), Russland, vertreten durch Stefan Hery, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Thurgau, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Mai 2013 / N (…). D-3161/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge seine Heimat Tschetschenien Anfang Mai 2013, reiste in einem LKW von Inguschetien nach Europa und gelangte am 8. Mai 2013 illegal in di e Schweiz, wo er am selben Tag um Asyl nachsuchte. B. Das BFM erhob am 16. Mai 2013 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen die Personalien des Beschwerdeführers und befragte ihn zum Reiseweg sowie – summarisch – zu den Asyl gründen. Am 27. Mai 2013 hörte das Amt den Beschwerdeführer einlässlich zu seinen Asylgründen an. C. Zur Begründung des Gesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesent- lichen geltend, am 18. April 2013 abends hätten uniformierte Männer, wahrscheinlich Polizisten der Drogenabteilung, ihn auf dem Weg nach Hause angehalten, sein Auto durchsucht und dabei unter einem Sitz zwei Päckchen mit Marihuana gefunden. Als er die Männer bezichtigt habe, die Drogen in sein Au to gelegt zu ha ben, seien d iese aggressiv geworden und hätten ihn in ein Amtsgebäude nach Grozny gebracht. Dort hätten sie ein Brett auf seinen Kopf gelegt und mit Gummiknüppeln auf das Brett geschlagen; sie hätten ihn auch mittels Elektroschocks gefoltert, bis er den Drogenfund in seinem Auto unterschriftlich bestätigt habe. Daraufhin hätten sie ihm angebot en, das Do kument zu vernichten, die Sache nicht an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten und ihm so eine Gefängnisstrafe zu ersparen, falls er innert zehn Tagen eine Mio. Rubel (zirka 28'000 Eu- ro) bezahlen werde . Nach seiner Freilassung hätten die Polizisten ihn mehrmals angerufen. Der Verkauf seines Autos und der Haustiere habe ihm lediglich 200'000 Rubel eingebracht. Seine Mutter habe ihn inständig gebeten, sich zu retten . Wer in Tschetschenien in die Hände der Kad y- row-Leute gerate, werde zum Krüppel geschlagen oder lande unschuldig im Gefängnis. Wer könne, verlasse das Land, andere würden sich den Kämpfern anschliessen. Er habe sich schliesslich nach Inguschetien be- geben und sei zusammen mit einem dort lebenden Cousin mithilfe eines Schleppers nach Europa gefahren. Nach seiner Ausreise habe die Polizei bei seiner Familie mehrmals nach ihm gefragt, und es sei eine Vorladung für ihn gekommen. Die Polizei denke wohl, dass er zu den Rebellen in die Berge gegangen sei. D-3161/2013 Seite 3 D. Mit als "Entscheidprotokoll" bezeichneter Verfügung vom 28 . Mai 2013 – gleichentags im EVZ mündlich eröffnet – trat das BFM in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein , verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, ordnete den Vollzug der Wegweisung an und händigte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Akten verzeichnis aus. E. Mit Eingabe vom 3. Juni 2013 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht gegen diesen Entscheid Beschwerde erheben und beantragen, die vorinstanzliche Verfü gung sei aufzuheben und die Sache sei für zusätzliche Abklärungen und zur Ne u- beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er darum ersuchen, es sei ihm die unentgeltliche Recht s- pflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Der Eingabe lag eine Kostennote des Rechtsvertreters bei. F. Eine an das Bundesverwaltungsgericht gerichtete Beschwerdeergänzung vom 4. Juni 2013 (samt Kopien eines russischen Inlandspasses, eines Ehescheins, eines Geburtsscheins und eines Schulzeugnisses bzw. -attestes) ging am folgenden Tag beim BFM ein. Dieses nahm die Einga- be und die Beweismittel zu seinen Akten. G. Mit Verfügung vom 10. Juni 2013 hiess der Instruktionsrichter das G e- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud er die Vorinstanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein und forderte sie auf, ein korrektes Aktenverzeichnis zu erstellen und dem Gericht das vollständige N -Doss- ier zuzustellen. H. Am 20. Juni 2013 ersuchte das BFM um Erstreckung der Vernehmla s- sungsfrist, welche ihm gleichentags Tag gewährt wurde. D-3161/2013 Seite 4 I. I.a Mit Eingabe vom 24. Juni 2013 liess der Beschwerdeführer ein fre md- sprachiges Dokument im Original einreichen, welches gemäss der beili e- genden deutschen Übersetzung eine am 26. April 2013 von einem russi- schen Untersuchungsrichter ausgestellte Vorladung für ei n Verhör am 28. April 2013 in B._______ darstellt. I.b Das Bundesverwaltungsgericht leitete dieses Dokument zur Berüc k- sichtigung in der laufenden Vernehmlassung an die Vorinstanz weiter. J. Am 9. Juli 2013 liess das BFM nach einer weiteren Fristerstreckung eine Analyse der eingereichten Polizeivorladung erstellen. Die amtsinterne Dokumentenanalyse ergab, dass die Vorladung zwar im Wesentlichen der in R ussland üblichen Form entspre che und keine offensichtlichen Fä l- schungs- oder Manipulationsmerkmale aufweise , jedoch mangels Ve r- gleichsmaterials und eines einheitlichen Layouts solcher Dokumente die Authentizität der Vorladung nicht zuverlässig festgestellt werden könne. K. In seiner Vernehmlassung vom 12 . Juli 2013 hielt das BFM an den Er - wägungen in der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Ab - weisung der Besc hwerde. Die vorinstanzliche Ve rnehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 18. Juli 2013 zur Replik zugestellt. L. Mit Eingabe vom 31. Juli 2013 reichte der Rechtsvertreter eine Stellun g- nahme zur vorinstanzlichen Vernehmlassung sowie eine aktualisierte Kostennote ein. M. Mit Verfügung vom 16. August 2013 wies das BFM den Beschwerdefüh- rer für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton C._______ zu. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM, ausser – was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungser-D-3161/2013 Seite 5 suchens des Staates, vor welchem die beschwerdef ührende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 - 33 des Verwaltungsgerichts- gesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahr en vor der Vorinstanz teilg e- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ä n- derung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unri chtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Die Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide nach Art. 32 - 35 AsylG, mit denen es das BFM able hnt, ein Asylgesuch auf seine materielle Begründetheit hin zu überprüfen, ist grundsätzlich auf die Überprüfung der Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5 S. 116). Das Bundesverwaltungsgericht enthält sich demnach – sofern es den Nicht - eintretensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen materiellen Prüfung, hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück ( vgl. BVGE 2011/30 E. 3 S. 568). Im Falle des Nichteintretens auf ein Asylg e- such gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG ist indessen über das Nichtbestehen der Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden, soweit dies im Rahmen einer summarischen Prüfung mö g- lich ist (vgl. BVGE 2007/8 E. 5.6.5 S. 90 f.). Dementsprechend bildet in einem diesbezüglichen Beschwerdeverfahren ungeachtet der vorzune h- menden Überprüfung eines formellen Nichteintretensentscheides auch die Flüchtlingseigenschaft Prozessgegenstand (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73). Die Vorinstanz prüft die Frage der Wegweisung und des Vollzugs materiell, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbe züglich volle Kognition zukommt. D-3161/2013 Seite 6 3.2 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn Asylsuchende den Behörden nicht innert 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise - oder Identitätspapiere abgeben. Diese Bestimmung findet jedoch keine Anwendung, wenn Asylsuchende glau b- haft machen können, sie seien dazu aus entschuldbaren Gründen nicht in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), oder wenn aufgrund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festg e- stellt wird (Bst. b), oder wenn sich aufgrund der Anhörung die Notwendig- keit zusätzlicher Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Bst. c). 3.3 Das BFM hielt zur Begründung des Nichteintretens auf das Asylg e- such zusammenfassend fest, der Beschwerdeführer habe innert 48 Stun- den nach Gesuchseinreichung ohne entschuldbare Gründe keine Reise - oder Identitätspapiere abgegeben. Er habe ausgesagt, keinen Reisepass zu besitzen; seine Angaben, in einem LKW illegal nach Europa gereist zu sein und seinen Inlandspass im LKW vergessen zu haben, vermöchten nicht zu überzeugen. Da die Asylgründe nicht glaubhaft seien, erschei ne die Angst des Beschwerdeführers, im Zusammenhang mit der Papierb e- schaffung seine Eltern anzurufen, nicht plausibel. 3.4 Der Beschwerdeführer hat trotz mehrfacher Auff orderung durch das BFM keine Identitätsdokumente im Original eingereicht, sondern lediglich Kopien eines russischen Inlandspasses, eines Ehescheins, eines G e- burtsscheins und eines Schulzeugnisses bzw. -attestes (vgl. Sachverhalt Bst. F). Er hat so mit kein rechtsgenügliches Reise- oder Identitätspapier beigebracht, womit die Grundvoraussetzung für die Anwendbarkeit des Nichteintretenstatbestandes von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG erfüllt ist (vgl. BVGE 2007/7 E. 6 S. 69 f.). 3.5 Die in Art. 32 Abs. 3 Bstn. a-c AsylG vorgesehenen, einen Nichteintre- tensentscheid nach Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG ausschliessenden Gründe sind alternativer Natur. Sobald einer dieser Gründe erfüllt ist, gelangt Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG nicht zur Anwendung (vgl. BVGE 2010/2 E. 7.4 S. 30). Vorliegend kann offenbleiben, ob die Vorinstanz zu Recht das Vorliegen entschuldbarer Gründe i.S.v. Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG verneint hat, da – wie nachfolgend aufgezeigt – der einen Nichteintr e- tensentscheid ausschliessende Tatbe stand von Art. 32 Ab s. 3 Bst. c AsylG erfüllt ist. D-3161/2013 Seite 7 4. 4.1 Der Gesetzgeber hat mit der Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG ein Summarverfahren geschaffen, in welchem über das Bestehen beziehungsweise das Nichtbestehen der Flüchtlingseigenschaft abschliessend mate riell befunden wird, soweit dies im Rahmen einer summarischen Prüfung möglich ist. Einzutreten ist auf das Asylgesuch, wenn bereits aufgrund einer summarischen Prüfung festgestellt werden kann, dass die asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sin ne der Definition von Art. 3 AsylG offensichtlich erfüllt (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG). Nicht einzutreten ist dem gegenüber auf das Asylgesuch, we nn bereits aufgrund einer summa rischen Prüfung festgestellt werden kann, dass die asylsuchende Per son die Flüc htlingseigenschaft offensic htlich nicht erfüllt. Die Offen sichtlichkeit der fehlenden Flüchtlingseigenschaft kann sich dabei aus der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen, a ber auch aus der fehlenden Asyl relevanz erg eben (vgl. BVGE 2007/8 E. 5.6.3 -5.6.6 und E. 7). Kann aufgrund einer summarischen Prüfung nicht abschlie s- send fest gestellt werden, ob die asylsuchende Person offensichtlich Flüchtling ist oder offensichtlich nicht Flüchtling ist, ist auf das Asylgesuch zwecks weiterer im ordentlichen Verfahren vorzunehmender Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft einzutreten, wobei auch der Bedarf weiterer Abklärungen zu Wegweisungsvollzugshindernissen zu ei- nem ordentlichen Verfahr en führt (vgl. BVGE 2007/8 E. 3-5). Die Offen- sichtlichkeit der fehlende n Flüchtlingseigenschaft lässt sich nur bejahen, wenn schon aufgrund einer bloss summarischen Prüfung festgestellt werden kann, dass die Vorbringen der asylsuchenden Person selbst Be- weisanforderungen nicht zu genügen vermögen, die im Vergleich zu den- jenigen der Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG nochmals he r- abgesetzt sind, oder wenn aufgrund einer bloss summarischen Prüfung ohne Weiteres ersichtlich wird, dass die materiellrechtlichen Anforderu n- gen von Art. 3 AsylG nicht erfüllt sind. Hingegen ist es ausgeschlossen, einen Nichteintretensentscheid zu fällen, wenn das Fehlen der Flüch t- lingseigenschaft oder der Vollzugshindernisse nicht offenkundig sind, bzw. wenn zusätzliche Abklärungen nötig erscheinen oder der Entscheid einer einlässlichen Begründun g bedarf (vgl. BVGE 2007/8 E. 5.6 und E. 5.7). 4.2 Das BFM hielt in der angefochtenen Verfügung fest, es sei dem B e- schwerdeführer nicht gelungen, seine Asylgründe hinreichend zu begrü n- den, so dass er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Sodann lägen auch keine Hinweise auf ein allfälliges Wegweisungsvollzugshindernis vor. Daher seien keine weiteren Abklärungen zur Feststellung der Flüch t-D-3161/2013 Seite 8 lingseigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses nötig. Die Vorinstanz erachtete die Asylgründe des Beschwerd eführers zum einen mit der Begründung als unglaubhaft, dessen Vorbringen widersprächen in wesentlichen Punkten der allgemeinen Erfahrung respektive der Logik des Handelns. So erscheine unwahrscheinlich, dass die Polizisten, we l- che ihn angeblich mitgenommen und zu erpressen versucht hätten, auf die geschilderte Weise vorgegangen seien. Auch entspreche das Verha l- ten des Beschwerdeführers nicht dem einer Person in der erwähnten S i- tuation (Entscheidprotokoll vom 28. Mai 2013, Ziff. I S. 2, mit Hinweisen auf F76-78 des Anhörungsprotokolls). Wei ter führte das BFM aus, die Ausführungen des Beschwerdeführers zur Mitnahme nach Grozny wir k- ten kurz und stereotyp und erweckten nicht den Eindruck, dass er etwas persönlich Erlebtes geschildert habe, sondern dass er als eine nicht se l- ber betroffene Person sich vorzustellen versucht habe, wie ein solcher Vorgang abgelaufen sein könnte. Das BFM schloss seine Ausführungen zu den Asylvorbringen des Beschwerdeführe rs mit der Aussage, dieser habe gewisse Vorbringen lediglich bei der ersten Befragung geltend g e- macht, nicht jedoch bei der Anhörung, obwohl er darauf angesprochen worden sei. Unter Hinweis auf eine Fundstelle im Anhörungsprotokoll (vgl. act. A8/14 F79 S. 10) wird ohne weitere Erläuterungen festgehalten , die Erklärungsversuche des Beschwerdeführers, in Tschetschenien herrsc h- ten andere Zustände, und er habe viele Schläge auf den Kopf erhalten, vermöchten nicht zu überzeugen (vgl. Entscheidprotokoll vom 28. Mai 2013, Ziff. I S. 3). 4.3 In der Beschwerde wird einerseits eine mangelhafte Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und andererseits eine mehrfache Verle t- zung des Grundsatzes des rechtlichen Gehörs gerügt. Der Beschwerde- führer habe an der Anhörung zu Protokoll gegeben, er sei mit Elektr o- schocks gefoltert worden. Als der BFM -Mitarbeiter ihn diesbezüglich um eine detaillierte Schilderung gebeten habe, habe der Beschwerdeführer geantwortet, eine solche Folterung sei in Tschetschenien die grösstmögli- che Erniedrigung, und er schäme sich, vor der Dolmetscherin darüber z u sprechen. Sie hätten "es von hinten gemacht " (vgl. Beschwerde Ziff. 2.1 S. 3). Obwohl der Beschwerdeführer eindeutig zu verstehen gegeben h a- be, dass er sich schäme, in Anwesenheit einer Frau über das Gescheh e- ne zu berichten, und t rotz der Hinweise auf eine geschlechtsspezifische Verfolgung, habe das BFM die Anhörung in unverän derter Besetzung fortgesetzt. Der Befrager habe keine weiteren Fragen zum Vorbringen der geschlechtsspezifischen Verfolgung mehr gestellt und die Folter völlig i g- noriert. Obwohl der Hilfswerksvertreter eine weitere Befragung in einem D-3161/2013 Seite 9 gleichgeschlechtlichen Team angeregt habe, habe keine zusätzliche A n- hörung stattgefunden. In den Erwägungen der angefochtenen Verfügung werde die Folter nicht erwähnt. Indem das Bundesamt ein zentrales Ele- ment des Sachverhalts, die vorgebrachte Folterung mit Elektroschocks, ungenügend abgeklärt und sich in der angefochtenen Verfügung damit nicht auseinandergesetzt habe, habe es den rechtserheblichen Sachve r- halt unrichtig respektive unvollständig festgestel lt und die Begründung s- pflicht verletzt. Auf Beschwerdeebene wird weiter gerügt, das BFM habe die Begründungspflicht und damit den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör auch deshalb verletzt, weil aus den wenigen, pa u- schal formulierten Sätzen in der angefochtenen Verfügung nicht hervo r- ginge, welche Überlegungen das Bundesamt zur Schlussfolgerung g e- führt hätten, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien unglaubhaft. Das BFM habe Vermutungen und Behauptungen formuliert, ohne dafür konkrete Gründe zu nennen, weshalb es nicht möglich sei, den Entscheid sachgerecht anzufechten und Gegenargumente vorzubringen. 4.4 Der Instruktionsrichter gab dem BFM mit Verfügung vom 10. Juni 2013 Gelegenheit, zu den Rügen in der Beschwerde Stellung zu nehmen, und wies dabei ausdrücklich auf die Urteile des Bundesverwaltungsg e- richts D -5081/2010 vom 3. November 2011 E. 5 und E -6090/2010 vom 21. Mai 2012 E. 3 und die dort zitierte Rechtsprechung der Schweizer i- schen Asylrekurskommission (ARK) zu den Anforderungen an eine rechtmässige Befragung von Asylsuchenden bei Anzeichen von g e- schlechtsspezifischer Verfolgung hin. 4.5 In seiner Vernehmlassung vom 12. Juli 2013 führte das BFM z u- nächst aus, direkte oder indirekte Hinweise einer asylsuchenden Person, sie werde in geschlechtss pezifischer Weise verfolgt, könnten noch keine konkreten Hinweise auf eine geschlechtsspezifische Verfolgung im Sinne von Art. 6 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) darstellen. Um einen Hinweis als konkret bezeichnen zu können, bedürfe es vielmehr einer Würdigung des Sachverhalts, die nur durch die zuständige Behörde erfolgen könne. Gerade bei einer asyls u- chenden Person, die eine geschlechtsspezifische Verfolgung nicht bereits an der summarischen Erstbefragung geltend mache, sonde rn erst wä h- rend der Anhörung, und in einem Zeitpunkt, in welchem bereits Zweifel an der Glaubwürdigkeit (recte: Glaubhaftigkeit) der Vorbringen bestünden, sei es durchaus möglich, dass sich während des ganzen Asylverfahrens keine konkreten Hinweise auf ein e geschlechtsspezifische Verfolgung er- gäben. Eine andere Auslegung von Art. 6 AsylV 1 würde ausserdem zu D-3161/2013 Seite 10 dem nicht vertretbaren Resultat führen, dass eine asylsuchende Person ein weiteres Mal zu befragen wäre, wenn sie erst ganz am Ende einer Anhörung eine geschlechtsspezifische Verfolgung geltend machen wü r- de, nachdem sie zum Schluss gekommen wäre, dass ihre bisherigen Vorbringen zu einem ablehnenden Asylentscheid führen würden. Weiter führte die Vorinstanz aus, unabhängig von der rechtlichen Ausl e- gung des Wortlautes von Art. 6 AsylV 1 sei nicht einzusehen, aus welchen Gründen es unabdingbar wäre, eine geltend gemachte geschlechtsspez i- fische Verfolgung auf jeden Fall bei einer Anhörung zu thematisieren. Im Einzelfall sei es durchaus möglich, die Glaubhaf tigkeit der Vorbringen zu prüfen, ohne überhaupt auf eine geschlechtsspezifische Verfolgung ei n- zugehen, weil es sich bei einer solchen in der Regel nur um einen Teil, oft sogar nur um einen kleinen Teil des gesamten asylrelevanten Sachverhal- tes handle. Es müsse möglich sein, je nach Sachlage deduktive Schlüsse ohne Prüfung eines jeden einzelnen Ereignisses zu ziehen. Schliesslich wirft die Vorinstanz die Frage auf, ob die von ihr vertretene Auslegung des Wortlautes von Art. 6 A sylV 1 dem Schutzzweck von Art. 17 Abs. 2 AsylG nicht besser nachkäme . So sei die Anhörung einer Person zu einer von dieser tatsächlich erlittenen geschlechtsspezifischen Verfolgung sicherlich auch unangenehm, wenn sie in Anwesenheit von gleichgeschlechtlichen Personen erfolge, weshalb es in der Regel im I n- teresse der verfolgten Person sei, wenn immer möglich nicht ausführl i- cher auf jene(s) Ereignis(se) eingehen zu müssen. In Bezug auf das vorliegende Asylverfahren hielt die Vorinstanz in der Vernehmlassung (Ziff. 1 S. 3) fest, sie habe eine Befragung des B e- schwerdeführers durch ein reines Männerteam nicht als notwendig erach- tet, weil zu keinem Zeitpunkt konkrete Hinweise auf geschlechtsspezif i- sche Übergriffe vorgelegen hätten. Bereits im Zeitpunkt, in dem der B e- schwerdeführer bei der Anhörung eine geschlechtsspezifische Verfolgung geltend machte, hätten Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen im Allgemeinen und damit auch an der geschlechtsspezifischen Verfo l- gung bestanden, und diese hätten sich im Laufe der Anhörung bestätigt. 4.6 Der Rechtsvertreter hielt in der Replik vom 31. Juli 2013 an seiner Ansicht fest, bei der geltend gemachten Folter mit Elektroschocks handle es sich um ein zentrales Sachverhaltselement, und das BFM wäre ange- sichts konkreter Hinweise auf eine geschlechtss pezifische Verfolgung verpflichtet gewesen, den Beschwerdeführer hierzu in einem gleichg e-D-3161/2013 Seite 11 schlechtlichen Team anzuhören. Dieser habe die Folter mit Elektr o- schocks bereits an der summarischen Befragung erwähnt. Dass er keine Einzelheiten geschildert habe, se i verständlich, da sowohl die Befragerin als auch die Dolmetscherin Frauen gewesen seien. Zudem falle es O p- fern geschlechtsspezifischer Verfolgung oftmals schwer, über erlittene Übergriffe zu sprechen, weshalb es immer wieder zu beobachten sei, dass sie an der BzP dazu nicht in der Lage seien. 5. 5.1 Gemäss Art. 6 AsylV 1 wird eine asylsuchende Person von einer Pe r- son gleichen Geschlechts angehört, wenn konkrete Hinweise auf g e- schlechtsspezifische Verfolgung vorliegen oder die Situation im He r- kunftsland auf geschlechtsspezifische Verfolgung hindeutet. Demnach ist eine Anhörung durch eine Person des gleichen Geschlechts durchzufü h- ren, wenn konkrete Hinweise auf geschlechtsspezifische Verfolgung vo r- liegen. Diese Verfahrensvorschrift ist nicht nur dann anzuwenden, w enn dies von der betroffenen asylsuchenden Person ausdrücklich verlangt wird; vielmehr verpflichtet sie die zuständige Behörde dazu, auf die darin vorgesehene Weise vorzugehen, sobald entsprechende Hinweise vorli e- gen. Dies ergibt sich aus der Tatsache, das s Art. 6 AsylV 1 auch eine Ausgestaltung des rechtlichen Gehörs ist, weil diese Bestimmung als Schutzvorschrift bezweckt, Asylsuchenden zu ermöglichen, ihre Vorbri n- gen angemessen vorzutragen, das heisst konkret erlittene Übergriffe möglichst frei und von S chamgefühlen oder Angst unbeeinträchtigt zu schildern. Gleichzeitig dient die Bestimmung aber auch dazu, die Richti g- keit der Sachverhaltsabklärung zu gewährleisten. Aus diesen Gründen ist Art. 6 AsylV 1 grundsätzlich von Amtes wegen anzuwenden (vgl. Ent- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommiss i- on [EMARK] 2003 Nr. 2 E. 5c S. 19 f.). 5.2 5.2.1 Anlässlich der summarischen Befragung vom 16. Mai 2013 durch eine Mitarbeiterin des BFM im Beisein einer Dolmetscherin gab der Be- schwerdeführer zu Protokoll, er sei u.a. mit Elektroschocks gefoltert wo r- den. Die BFM -Mitarbeiterin fragte nicht nach Einzelheiten der erwähnten Misshandlungen, sondern lediglich nach dem Ort, an dem er festgehalten und gefoltert worden sei (vgl. BFM-act. A5/12 S. 9 f.). An der Anhörung vom 27. Mai 2013 erwähnte der Beschwerdeführer Misshandlungen durch Elektroschocks wiederum und mehrmals von sich aus, ohne weite- re Details zu nennen (vgl. act. A8/14 F35 S. 5, F43 S. 6 f.). Als der BFM- Mitarbeiter ihn aufforderte, die Missha ndlungen mittels Elektroschocks D-3161/2013 Seite 12 detailliert zu schildern, antwortete der Beschwerdeführer: "Bei uns in Tschetschenien ist dies die grösste Erniedrigung. Ich schäme mich vor Dir (zur Dolmetscherin) zu spr echen. Sie machen das von hinten. Genau kann ich es a uch nicht erzählen, ich war unter einem solchen Schock, nach all den Schlägen" (vgl. act. A8/14 F46 S. 7). Das BFM setzte die Anhörung in unveränderter B esetzung fort. Von den weiteren 40 Fragen, welche der BFM -Mitarbeiter an der Anhörung noch stellte, han delte eine von den vorgebrachten Misshandlungen am Kopf des Beschwerdefü h- rers; die Folter mit Elektroschocks wurde weder vom Befrager noch vom Beschwerdeführer weiter thematisiert. Der Hilfswerksvertreter hielt auf dem Unterschriftenblatt im Anhang zum Anh örungsprotokoll fest, seines Erachtens lägen Hinweise auf Verfolgung vor, die nicht offensichtlich halt- los seien und zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingse i- genschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses erforderten. Er empfahl dahe r Eintreten auf das Asylgesuch und – angesichts der Hi n- weise auf eine geschlechtsspezifische Verfolgung – eine weitere Befr a- gung in einem gleichgeschlechtlichen Team (vgl. act. A8/14 S. 14). Eine zusätzliche Befragung fand jedoch nicht statt. Im am Tag nac h der Anhö- rung gefällten Nichteintretensentscheid wurde im Sachverhalt kurz e r- wähnt, der Beschwerdeführer mache geltend, er sei gefoltert worden. In den Erwägungen der angefochtenen Verfügung fehlt jegliche Auseina n- dersetzung mit den Foltervorbringen im Al lgemeinen und den Hinweisen auf geschlechtsspezifische Verfolgung im Besonderen. 5.2.2 Elektroschocks, die einem Mann im Genital- und/oder Analbereich zugefügt werden, sind offensichtlich eine Anwendungsform sexueller Ge- walt, bei welcher es sich praxisgemäss um "geschlechtsspezifische Ver- folgung" im Sinne von Art. 6 AsylV1 handelt (vgl. EMARK 2003 Nr. 2 E. 5b.cc S. 18). Aufgrund des genannten Vorbrin gens bestanden an der Anhörung konkrete Indizien, welche als "Hinweise auf geschlechtsspezifi- sche Verfolgung" im Sinne der genannten Verfahrensvorschrift zu beac h- ten gewesen wären und – wie oben dargelegt – zwingend zu einer Anhö- rung in einem reinen Män nerteam hätten führen müssen. Dies umso mehr, als der Beschwerde führer unmissverständlich zu ve rstehen gab, dass er sich schäme, vor der Dolmetscherin über die Misshandlungen im Genital- und/oder Analbereich zu sprechen. Gemäss der zitierten Rech t- sprechung ist das Geschlecht auch bei der Auswahl der dolmetschenden Person zu berücksichtigen (vgl. EMARK 2003 Nr. 2 E. 5b.aa S. 16 f.). Zwar leitet der Befrager oder die Befragerin des BFM die Anhörung und bestimmt somit im Wesentlichen deren Verlauf, doch ist aus der Sicht der asylsuchenden Person der Dolmetscher bzw. die Dolmetscherin ebenfalls D-3161/2013 Seite 13 von grosser Bedeutung. Dies erg ibt sich zum einen daraus, dass au f- grund der gemeinsamen Sprache eine unmittelbare Kommunikation in der Regel nur zwischen der asylsuchenden und der dolmetschenden Person stattfindet, nicht aber zwischen der asylsuchenden und der befr a- genden Person. Zum an deren teilen die asylsuchende und die dolme t- schende Person aufgrund der ähnlichen kulturellen Herkunft häufig auch Wertvorstellungen, gesellschaftliche Tabus etc., weshalb Schamgefühle aufgrund erlittener sexueller Übergriffe gerade gegenüber einer dolmet- schenden Person des anderen Geschlechts umso stärker auftreten dür f- ten. Dessen ungeachtet setzte das BFM die Anhörung in unveränderter Besetzung fort, allerdings ohne weitere Fragen zum Vorbringen der g e- schlechtsspezifischen Verfolgung zu stellen. Aufgrund obiger Erwägu n- gen ist nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer aufgrund von Schamgefühlen wegen der bei (der summarischen Befragung und) der Anhörung anwesenden Dolmetscherin nicht in der Lage war, sich detaill iert zu den geltend gemachten Mis s- handlungen sexueller Art zu äussern (vgl. EMARK 2003 Nr. 2 E. 5.b.cc S. 18). In den Akten finden sich keine Hinweise darauf, dass das BFM den B e- schwerdeführer anlässlich der Anhörung über sein von Art. 6 AsylV 1 ga- rantiertes Recht auf eine Befragung durch ein gleichgeschlechtliches Team informiert hätte. Eine ausdrückliche Verzichtserklärung (vgl. EMARK 2003 Nr. 2 E. 5c S. 19 f.) liegt weder in Bezug auf die Anhörung vom 27. Mai 2013 noch auf die Erstbefragung und weder au sdrücklich noch konkludent vor. Im Gegenteil gab der Beschwerdeführer an der A n- hörung unmissverständlich zu verstehen, dass er sich schäme, über die "von hinten" zugefügten Elektroschocks vor der Dolmetscherin zu spr e- chen. Der Beschwerdeführer hat demnach nicht rechtsgültig auf eine A n- hörung in einem reinen Männerteam verzichtet. Das BFM hat folglich Art. 6 AsylV 1 und den damit einhergehenden Anspruch des Beschwerde- führers auf rechtliches Gehör verletzt, indem es trotz konkreter Hinweise auf geschlechtsspe zifische Verfolgung und trotz Fehlens einer recht s- wirksamen Verzichtserklärung mit ihm keine weitere Anhörung in einem reinen Männerteam durchgeführt hat. 5.2.3 Die Ausführungen zu Art. 6 AsylV 1 in der vorinstanzlichen Ve r- nehmlassung (vgl. E. 4.4 hiervor), vermögen zu keinem andern Ergebnis zu führen. Folgte man der Argumentation des Bundesamtes, hätte es a l- lein die Vorinstanz nach Belieben in der Hand, von einer Anhörung durch ein gleichgeschlechtliches Team mit der Begründung abzusehen, die D-3161/2013 Seite 14 während der Anh örung aufgetauchte n Hinweise auf geschlechtsspezif i- sche Verfolgung seien nicht genügend konkret. Inwiefern vorliegend die Erwähnung von Elektroschocks "von hinten" zu wenig kon kret bzw. zu abstrakt sein sollte, um als "konkreter" Hinweis im Sinne von Art. 6 AsylV 1 gelten zu können, legt das BFM denn auch nicht dar. Wenn die Vorinstanz ausführt, es sei nicht einzusehen, aus welchen Gründen eine geltend gemachte geschlechtsspezifische Verfolgung auf jeden Fall bei einer Anhörung zu thematisieren sei, gibt si e zu erkennen, dass sie Sinn und Zweck von Art. 6 AsylV 1 nicht erfasst hat. Wie bereits erwähnt, dient diese Bestimmung u.a. dazu, die Richtigkeit der Sachverhaltsabklärung zu gewährleisten (vgl. EMARK 2003 Nr. 2 E. 5c S. 19 f.). Verzichtet das BFM wie im vorliegenden Fall auf die Anwendung dieser Bestimmung und verstösst es damit gegen geltendes Recht, sind Vollständigkeit und Ric h- tigkeit der Sachverhaltsabklärung nicht gewährleistet. Ist ein Sachverhalt nicht vollständig erstellt, ist es jedoch nicht möglich, zu bestimmen, we l- che Elemente desselben zentral und welche derart nebensächlich sind, dass sie bei der Gesamtwürdigung nicht berücksichtigen zu werden brau- chen; ferner ist es nicht möglich, eine allfällige asylrechtliche Relevanz eines ungenügend abg eklärten geschlechtsspezifischen Verfolgungsvor- bringens zu beurteilen. Schliesslich ist nicht nachvollziehbar, wie sich die Zweifel des BFM an einer geschlechtsspezifischen Verfolgung im Verlau- fe der Anhörung des Beschwerdeführers bestätigen konnten, wenn er zu diesem Vorbringen gar nicht befragt wurde. Die vom BFM vertretene A n- sicht, die Anhörung einer Person zu einer von dieser tatsächlich erlittenen geschlechtsspezifischen Verfolgung sei sicherlich auch unangenehm, wenn sie in Anwesenheit von gleichgesch lechtlichen Personen erfolge, mag zutreffen. Daraus den Schluss zu ziehen, es sei in der Regel im Inte- resse der verfolgten Person, wenn immer möglich nicht ausführlicher auf eine erlittene geschlechtsspezifische Verfolgung eingehen zu müssen, ist jedoch unzulässig und würde die genannte Vorschrift ihrer Schutzfunktion berauben und letztlich ganz obsolet werden lassen. Es ist nicht Aufgabe des BFM darüber zu befinden , ob es im Interesse von Asylsuchenden liegt oder nicht, über geschlechtsspezifische Verfolgung zu sprechen. Die Behörde hat vielmehr den Sachverhalt vollständig und richtig zu erheben, was im Zusammenhang mit geschlechtsspezifischer Verfolgung eben u.a. beinhaltet, an einer Anhörung möglichst günstige Bedingungen dafür zu schaffen, dass eine asyl suchenden Person über konkret erlittene Übe r- griffe berichten kann. Eine Voraussetzung dafür ist – gemäss der für die Vorinstanz massgeblichen Rechtsprechung – ein gleichgeschlechtliches Befragungsteam. D-3161/2013 Seite 15 5.3 Wie im Verwaltungsverfahren allgemein, gilt auch im A sylverfahren der Untersuchungsgrundsatz und die Pflicht zur vollständigen und richti - gen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Das BFM hat die für das Verfahren erforderlichen Sac h- verhaltsunterlagen zu beschaffen, die relevanten Umstände abzuklären und darüber ordnungsgemäss Beweis zu führen. Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht und unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV das R echt, an der Feststellung des Sachverhalts mit - zuwirken (vgl. (vgl . BVGE 2009/50 E. 10.2.1 und E. 10.2.2 S. 734 f., BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 356 f.) Ferner verlangt der Grundsatz des rech t- lichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG), dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Ent scheidfindung be rück- sichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder - schlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Für das Asylverfahren wird der Anspruch auf rechtliches Gehör in Art. 29 AsylG, der vorschreibt, dass Asylsuchende zu den Asylgründen mündlich anzuhören sind, näher ko n- kretisiert. Die Anhörung soll Gewähr bieten, dass die asylsuchende Pe r- son ihre Asylgründe vollständig darlegen kann und diese von der Asylb e- hörde korrekt erfasst werden, wobei die mündliche Befragung insbeso n- dere auch dazu dient, gezielte Rückfragen zur Erhebung des Sachve r- halts zu stellen und Missverständnisse zu klären ( vgl. BVGE 2007/30 E. 5.5.1 und 5.5.2 S. 365 f.; WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M.1990, S. 256 f.). Wie bereits dargelegt, ist Art. 6 AsylV 1 zum einen eine Ausgestaltung des rechtlichen Gehörs, weil diese Bestimmung als Schutzvorschrift be zweckt, Asylsuchenden zu ermögl i- chen, ihre Vorbringen angemessen vorzutragen, zum anderen dient die Bestimmung auch dazu, die Richtigkeit der Sachverhaltsabklärung zu gewährleisten (vgl. EMARK 2003 Nr. 2 E. 5c S. 19 f.). 5.3.1 Aufgrund obiger Erwägungen ist im Hinblick auf die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts als Zwischenergebnis festzuhalten, dass die Richtigkeit der Sachverhaltsabklärung im vorliegenden Fall au f- grund des Ver stosses gegen Art. 6 AsylV 1 hinsichtlich des Vorbringens der geschlechtsspezifischen Folter nicht gewährleistet ist. 5.3.2 Das BFM räumte in seiner Vernehmlassung ein, in den Erwägungen der angefochtenen Verfügung weder auf die geltend gemachte Folter mit Elektroschocks noch auf die Schläge mit Gummiknüppeln auf ein auf den Kopf des Besch werdeführers gelegtes Holzbrett eingegangen zu sein, D-3161/2013 Seite 16 und begründete dieses Vorgehen folgendermassen: "In Anbetracht der verschiedenen, zum Teil schwerwiegenden Unglaubwürdigkeitselemente drängte sich jedoch […] im Verlaufe der Anhörung der Schluss auf, das s die geschlechtsspezifische Verfolgung ebenfalls nicht glaubwürdig ist, womit es sich im Sinne der Ausführungen unter Punkt 1 [oben dargelegte Interpretation von Art. 6 AsylV 1 durch das Bundesamt, Anm. des Bu n- desverwaltungsgerichts] erübrigte, im Rahmen des lediglich summarisch begründeten Entscheides auf jenes Vorbringen als relevanten Sachve r- halt einzugehen". Weshalb es die übrigen, nicht geschlechtsspezifischen Misshandlungen am Kopf des Beschwerdeführers in den Erwägungen der angefochtenen Verfügung weder erwähnt noch gewürdigt hat, erklärt das BFM in der Vernehmlassung nicht. Als "klaren Hinweis" für die Unglau b- haftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers bezeichnet das Bu n- desamt in der Vernehmlassung einzig den Umstand, dieser habe nur an der Erstbefragung Angaben zum Inhalt des Dokumentes machen können, welches er bei den Behörden angeblich unterzeichnet habe, nicht jedoch an der Anhörung. In der angefochtenen Verfügung heisst es hierzu, der Beschwerdeführer habe "gewisse Vorbringen" lediglich bei der ersten Be- fragung geltend gemacht, nicht jedoch bei der Anhörung, obwohl er dar- auf angesprochen worden sei (vgl. E. 4.2 hiervor). Konsultiert man die Stelle im Anhörungsprotokoll, welche das BFM zur Untermauerung seiner Behauptung in der angefochtenen Verfügung angibt, stellt sich heraus, dass das Bundesamt den Beschwerdeführer an der Anhörung bloss damit konfrontierte, an der Erstbefragung den Inhalt des Dokumentes, zu de s- sen Unterschrift er gezwungen worden sei, genauer angegeben zu haben als an der A nhörung (vgl. act. A8/14 F79 S. 10). Der Beschwerdeführe r hat sich zwar tatsächlich an der Erstbefragung detaillierter zum Inhalt des Dokumentes geäussert (vgl. act. A5/12 Ziff. 7.02 S. 9), doch hat er auch an der Anhörung den wesentlichen Inhalt (Drogenfund in seinem Auto) wiedergegeben (vgl. act. A8/14 F66 f. S. 9). Dass er "gewisse Vorbringen" lediglich bei der ersten Befragung geltend gemacht habe, nicht jedoch bei der Anhörung, ist daher unzutreffend. In der angefochtenen Verfügung erachtete die Vorinstanz die Asylgründe des Beschwerdeführers ferner mit der Begründung als unglaubhaft, de s- sen Vorbringen widersprächen in wesentlichen Punkten der allgemeinen Erfahrung respektive der Logik des Handelns (vgl. E. 4. 2 hiervor). Wel- ches Vorgehen der Poli zisten als unwahrscheinlich erscheine, welches Verhalten des Beschwerdeführers unglaubhaft sei, und wie das BFM zur Ansicht gelangt ist, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien in w e- sentlichen Punkten erfahrungswidrig und unlogisch, führt es in der ang e-D-3161/2013 Seite 17 fochtenen Verfügung nicht aus, sondern verweist wiederum auf das Anhö- rungsprotokoll. Auch für die Aussage des BFM , die Ausführungen des Beschwerdeführers zur Mitnahme nach Grozny wirkten ku rz und stere o- typ, sucht man in der angefochtenen Verfügung vergeblich nach einer Begründung; ein Verweis auf die Akten unterbleibt hier. Eine Durchsicht der Befragungsprotokolle ergibt, dass sich der Beschwerdeführer an der Erstbefragung vom 16. Mai 2013 d erart ausführlich zu den Asylgründen äusserte, insbesondere zum zentralen Vorbringen der Mitnahme nach Grozny und den Geschehnissen im dortigen Amtsgebäude, in dem er festgehalten worden sei, dass die Befragerin des BFM ihn dreimal e r- mahnte, sich "auf das Wichtige zu beschränken" (vgl. act. A5/12 S. 8 f.). An der Anhörung beschrieb der Beschwerdeführer die Mitnahme nach Grozny und die dortigen Geschehnisse ebenfalls detailliert u nd weitg e- hend übereinstimmend mit seinen Aussagen an der BzP (vgl. act. A8/14, insbes. S. 5-7). 5.3.3 Die Argumentation des BFM, es sei in der angefochtenen Verfügung seiner Begründungspflicht "trotz der Kürze der Erwägungen" nachg e- kommen, enthielten die Ausführungen doch, wenn immer notwendig, Hinweise auf entsprechende Passagen im Anhör ungsprotokoll, welche die Argumentation nachvollziehbar machten (vgl. Vernehmlassung Ziff. 2 S. 3), ist demnach offensichtlich unhaltbar. Die Begründung eines able h- nenden Entscheides hat in erster Linie aus der Verfügung selbst hervo r- zugehen (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG), was vorliegend, wie vorstehend da r- gelegt, nicht in a usreichendem Mass der Fall ist. Das BFM hat demnach die Begründungspflicht und damit den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ha n- delt es sich zudem bei den in der angefochtenen Verfügung erwähnten Punkten nicht um schwerwiegende Unglaubhaftigkeitselemente, aufgrund derer das BFM die Schlussfolgerung hätte ziehen dürfen, d ie Vorbringen des Beschwerdeführers im Allgemeinen und d as Vorbringen einer g e- schlechtsspezifischen Verfolgung im Besonderen seien unglaubhaft, so dass keine weiteren Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseige n- schaft, insbesondere keine Anhörung in einem gleichgeschlechtlichen Team, erforderlich seien. Mit seinen teils mutmassenden und teils nicht ohne Weiteres nachvollziehbaren Argumenten vermag das BFM in der angefochtenen Verfügung (und in der Vernehmlassung) nicht verständlich zu machen, inwiefern sich bereits im Rahmen einer bloss sum marischen Prüfung des Asylgesuches des Beschwerdefüh rers die Erk enntnis erge- ben haben soll, dass dieser die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht erfülle. D-3161/2013 Seite 18 5.4 5.4.1 Die Ausfällung eines Nichteintretensentscheides gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG fäl lt nicht in Betracht, wenn das Fehlen der Flüch t- lingseigenschaft oder von Vollzugshindernissen nicht offenkundig ist, bzw. wenn zusätzliche Abklärungen nötig erscheinen oder der Entscheid einer einlässlichen Begründung bedarf (vgl. BVGE 2007/8 E. 5.6 und E . 5.7). Aus den obigen Erwägungen ergibt sich, dass diese Voraussetzungen vorliegend erfüllt sind. So lässt sich nicht schon aufgrund einer bloss summarischen Prüfung feststellen, die Vorbringen des Beschwerdefü h- rers seien of fenkundig nicht glaubhaft. Viel mehr bedarf die Beurteilung der Glaubhaftigkeit und der Asylrelevanz einer vertieften Auseinanderset- zung mit seinen Vorbringen und einer eingehenderen Begründung. 5.4.2 Das BFM ist daher unter Missachtung von Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG zu Unrecht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf das Asylge- such des Beschwerde führers nicht eingetreten und hat damit Bunde s- recht verletzt (vgl. Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zwecks zusätzlicher Abklärungen und zur Neubeurteilung an das BFM zu- rückzuweisen. Das Bundesamt hat den Beschwerdeführer zu den geltend gemachten geschlechtsspezifischen Verfolgungsvorbringen durch ein re i- nes Männerteam zu befragen. 6. 6.1 Bei d iesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 6.2 Dem Beschwerdeführer ist in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwendigen Vertr e- tungskosten zuzusprechen (v gl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sein Rechtsvertreter hat am 3. Juni 2013 eine erste und am 31. Juli 2013 eine aktualisierte Kostennote einge- reicht. D er darin ausgewiesene Aufwand von 6,25 Stunden à Fr. 200.– und die Auslagen von Fr. 20.– erscheinen als angemessen. Das BFM ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer den Betrag von Fr. 1'270.– (inkl. Mehrwertsteuer) als Parteientschädigung für das Verfahren vor dem Bun- desverwaltungsgericht auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3161/2013 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi- gung von Fr. 1'270.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand: