<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 138 S.596</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">596</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>138 Volksschule. Zuteilungen von Kindern in eine von mehreren Klassen bzw.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>in eines von mehreren Schulhäusern einer Gemeinde stellen organisatori-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sche Massnahmen und keine anfechtbaren Verwaltungsverfügungen dar.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Erziehungsrates vom 16. November 2000 in Sachen K. W.</span><br/> <span class="ft3">gegen den Entscheid des Bezirksschulrates K.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I. Formelles</span><br/> <span class="ft1">1. Gemäss § 38 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtspflege vom 9. Juli 1968 (VRPG) kann jedermann, der ein</span><br/> <span class="ft1">schutzwürdiges Interesse geltend macht, Verfügungen und Entschei-</span><br/> <span class="ft1">de mit Beschwerde anfechten. Entscheide von Rechtsmittelinstanzen</span><br/> <span class="ft1">sind ihrerseits weiterziehbare Entscheide und zwar auch dann, wenn</span><br/> <span class="ft1">die Vorinstanz auf die Beschwerde gegen eine nicht anfechtbare</span><br/> <span class="ft1">Verfügung unzulässigerweise eingetreten ist und in der Sache einen</span><br/> <span class="ft1">Entscheid gefällt hat (vgl. Peter Saladin, Das Verwaltungsverfahrens-</span><br/> <span class="ft1">recht des Bundes, Basel 1979, S. 172). Die Beschwerde ist fristge-</span><br/> <span class="ft1">recht beim Erziehungsrat eingereicht worden. Auf die Beschwerde ist</span><br/> <span class="ft1">demnach einzutreten.</span><br/> <span class="ft1">II. Materielles</span><br/> <span class="ft1">1. In der Hauptsache beantragt die Beschwerdeführerin sinnge-</span><br/> <span class="ft1">mäss die Zuteilung in das Schulhaus B. und somit die Aufhebung des</span><br/> <span class="ft1">Beschlusses der Schulpflege R., mittels welchem sie dem Schulhaus</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">597</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">P. zugeteilt worden ist. Sie begründet ihren Antrag im Wesentlichen</span><br/> <span class="ft1">mit der Unzumutbarkeit bzw. Gefährlichkeit des Schulweges.</span><br/> <span class="ft1">2. a) Als Erstes ist zu prüfen, ob die Zuweisung von Schüler-</span><br/> <span class="ft1">innen und Schülern in einzelne Klassen und somit auch Schulhäuser</span><br/> <span class="ft1">einer Gemeinde überhaupt als anfechtbare Verwaltungsverfügung zu</span><br/> <span class="ft1">qualifizieren ist oder bloss eine schlichte Verwaltungshandlung ohne</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdemöglichkeit darstellt.</span><br/> <span class="ft1">b) Verfügungen sind verbindliche Anordnungen von Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsbehörden in Einzelfällen, die Rechte oder Pflichten begründen</span><br/> <span class="ft1">oder deren Bestand, Nichtbestand oder Umfang feststellen. Es wird</span><br/> <span class="ft1">durch sie ein konkretes und individuelles Rechtsverhältnis in ver-</span><br/> <span class="ft1">bindlicher, in der Regel erzwingbarer Weise rechtsgestaltend oder</span><br/> <span class="ft1">feststellend geregelt (vgl. Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspfle-</span><br/> <span class="ft1">ge, 2. Auflage, Bern 1983, S. 128). Verfügungen dienen der Umset-</span><br/> <span class="ft1">zung der generell-abstrakten Normen auf den Einzelfall und müssen</span><br/> <span class="ft1">somit eine konkrete Berechtigung oder bestimmte Verpflichtungen</span><br/> <span class="ft1">eines Rechtssubjektes begründen oder ein dahin zielendes Begehren</span><br/> <span class="ft1">ablehnen. Nicht alle Handlungen, Äusserungen und Anordnungen</span><br/> <span class="ft1">von Verwaltungsbehörden, die dem Gesetzesvollzug dienen, sind in-</span><br/> <span class="ft1">dessen auch Verfügungen. Werden durch eine Anordnung oder einen</span><br/> <span class="ft1">Beschluss einer Behörde keine individuellen Rechte oder Pflichten</span><br/> <span class="ft1">rechtsgestaltend oder feststellend geregelt bzw. werden keine Rechts-</span><br/> <span class="ft1">folgen verbindlich festgelegt, mangelt es an einem wesentlichen Ver-</span><br/> <span class="ft1">fügungselement. Dies ist bei bereits rechtsgültig begründeten Rechts-</span><br/> <span class="ft1">verhältnissen (Beamten-, Anstalts-, Schulverhältnissen u. dgl.) na-</span><br/> <span class="ft1">mentlich bei innerdienstlichen Weisungen und organisatorischen</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen regelmässig der Fall (vgl. Gygi, a.a.O., S. 137 ff.). Im</span><br/> <span class="ft1">Bereich Volksschule ist daher zu unterscheiden zwischen Anordnun-</span><br/> <span class="ft1">gen und Weisungen, welche lediglich den Schulbetrieb betreffen, und</span><br/> <span class="ft1">Anordnungen, welche unmittelbar die Ansprüche und Pflichten des</span><br/> <span class="ft1">Schülers oder der Schülerin als eigenes Rechtssubjekt regeln; nur im</span><br/> <span class="ft1">zweiten Fall ist das Vorhandensein einer Verfügung zu bejahen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">598</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Vorliegend ist nicht ersichtlich, dass die Zuteilung der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin in das Schulhaus P. darauf hin gerichtet ist, das</span><br/> <span class="ft1">besondere Rechtsverhältnis zwischen ihr und dem Staat zu begrün-</span><br/> <span class="ft1">den, zu ändern oder aufzuheben. Es geht einzig darum, dieses Ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnis, das mit der Aufnahme der Beschwerdeführerin in die Volks-</span><br/> <span class="ft1">schule begründet worden ist, in einer organisatorischen Hinsicht zu</span><br/> <span class="ft1">vollziehen. Obwohl die Beschwerdeführerin von der Zuweisung in</span><br/> <span class="ft1">das Schulhaus P. faktisch fraglos betroffenen ist, macht die Betrof-</span><br/> <span class="ft1">fenheit, auch wenn sie nicht geringfügig ist, aus einer Anordnung</span><br/> <span class="ft1">organisatorischer Natur nicht automatisch eine Verfügung. Die</span><br/> <span class="ft1">Schwere einer Anordnung bzw. die Betroffenheit des Adressaten ist</span><br/> <span class="ft1">kein Unterscheidungsmerkmal zwischen einer Verfügung und einer</span><br/> <span class="ft1">faktischen Verwaltungshandlung, weil sie kein Element des Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gungsbegriffs ist (vgl. oben Ziffer 2.a).</span><br/> <span class="ft1">Da der Zuteilung der Beschwerdeführerin durch die Schulpflege</span><br/> <span class="ft1">in das Schulhaus P. nicht der Charakter einer anfechtbaren Verfügung</span><br/> <span class="ft1">zukam, sondern eine rein organisatorische und somit dem formellen</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeverfahren nicht unterliegende Anordnung gewesen war,</span><br/> <span class="ft1">hätte die Schulpflege R. ihrem Entscheid keine Rechtsmittelbeleh-</span><br/> <span class="ft1">rung anfügen und der Schulrat mangels Anfechtungsobjekt nicht auf</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerde eintreten dürfen. Daher ist Ziffer 1 des Schulratsent-</span><br/> <span class="ft1">scheides des Bezirks K. vom 15. Juli 2000 von Amtes wegen aufzu-</span><br/> <span class="ft1">heben und entsprechend neu zu fassen. Da der Erziehungsrat auf die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde gegen den fälschlicherweise in der Sache ergangenen</span><br/> <span class="ft1">Entscheid der Vorinstanz einzutreten hat (vgl. oben Ziffer I.), ist der</span><br/> <span class="ft1">Antrag der Beschwerdeführerin auf Zuteilung in das Schulhaus B.</span><br/> <span class="ft1">abzuweisen. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>