Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Oktober 2014 (715 13 355 / 253) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Ablehnung der Anspruchsberechtigung, Beschwerdeführer hat nicht gezielt Bestrebun- gen unternommen, um als selbständig Erwerbender wirtschaftlich unabhängig zu werden Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Silvan Ulrich , Advokat , Postgasse 3, Postfach 619, 4147 Aesch gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung / Rückf orderung A.1 Der 1958 geborene A.____war ab 1. Juli 2005 bei der B____AG Vorsitzender der Ge- schäftsleistung. Am 10. März 2008 kündigte die Arbe itgeberin das Arbeitsverhältnis per 31. März 2009 und stellte A.____ per Ende März 2008 frei. Am 27. März 2009 meldete er sich bei seiner Wohngemeinde zur Arbeitsvermittlung und am 4. April 2009 bei der Öffentlichen Ar- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) zum Bezug von Taggeldern ab 10. April 2009 an. Die Arbeitslosenkasse erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen. A.2 Am 29. Oktober 2012 erliess die Arbeitslosenkasse die Verfügung Nr. 1296/2012, mit welcher sie die Anspruchsberechtigung von A.____rückwirkend ab 1. Mai 2009 wegen selb- ständiger Erwerbstätigkeit sowie zweifelloser Vermittlungsunfähigkeit ablehnte. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, A.____ sei gemäss Eintra g im Handelsregister seit dem 28. Dezember 1998 ununterbrochen als Mitglied des Ver waltungsrates mit Einzelunterschrifts- berechtigung bei der C____AG tätig. Damit übe er ei ne arbeitgeberähnliche Stellung aus und könne weiterhin die Entscheidungen des Arbeitgebers besti mmen oder massgeblich beeinflus- sen. Mit einer weiteren Verfügung (Nr. 423/2012) vom 1. November 2012 forderte die Arbeitslo- senkasse von A.____ zu Unrecht bezogene Versicherungsleistungen im Umfang von insgesamt Fr. 116‘505.45 zurück. Daran hielt sie auch auf Einsprache hin mit Entscheid vom 1. November 2013 fest. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Silvan Ulrich, am 3. Dezember 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Er be- antragte, es seien der Einspracheentscheid vom 1. Novembe r 2013 sowie die Verfügungen Nr. 1296/2012 vom 29. Oktober 2012 und Nr. 423/2012 v om 1. November 2012 aufzuheben; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung liess er im Wese ntlichen ausführen, dass die Arbeitslo- senkasse von Anfang an von seiner Funktion als Verwaltung srat der C____AG und damit von der fehlenden Anspruchsberechtigung gewusst habe, weshalb der Rückforderungsanspruch verwirkt sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 19. Februar 2013 schloss di e Arbeitslosenkasse unter o/e-Kostenfolge auf Abweisung der Beschwerde. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 28. April 2014; Duplik vom 27. Juni 2014) hielten die Parteien an ihren Anträge n fest, wobei der Beschwerdeführer in ver- fahrensrechtlicher Hinsicht die Durchführung einer Parteiverhandlung beantragte. E. An der heutigen Parteiverhandlung nahmen der Beschw erdeführer, Advokat Ulrich sowie eine Vertreterin der Arbeitslosenkasse teil. Die P arteien hielten an ihren Rechtsbegehren fest. Auf die während der Verhandlung gemachten Vorbringen wird – soweit notwendig – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligat orische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungs gericht erhoben werden. Nach Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit den Art. 128 Abs. 1 und 119 Abs. 1 lit. a der Verord- nung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung un d die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 richtet sich die örtliche Zuständigk eit des kantonalen Versicherungsge- richts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Einspra cheentscheide der Arbeitslosenkas- sen, welche die Arbeitslosenentschädigung betreffen, nach dem Ort, wo die versicherte Person die Kontrollpflicht erfüllt. Vorliegend hat der Besch werdeführer die Kontrollpflicht im Kanton Ba- sel-Landschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigke it des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassu ngs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsger icht als Versicherungsgericht als einzi- ge gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Eins pracheentscheide der Versiche- rungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachli ch zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und fo rmgerecht erhobene Beschwerde vom 3. Dezember 2013 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Arbeitslosenkasse i m angefochtenen Einspracheent- scheid zu Recht die Anspruchsberechtigung des Versicherte n rückwirkend ab 1. Mai 2009 ab- gelehnt und die ausbezahlten Arbeitslosenentschädigungen in der Höhe von insgesamt Fr. 116‘505.45 zurückgefordert hat. Die Parteien sind übereinstimmend der Ansicht, dass der Beschwerdeführer als Verwaltungsrat der C____AG nicht anspruchsberechtigt war. 3.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nac h Art. 8 Abs. 1 AVIG unter an- derem voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilw eise arbeitslos (lit. a) sowie vermitt- lungsfähig ist (lit. f). Als ganz arbeitslos gilt gemäss A rt. 10 Abs. 1 AVIG, wer in keinem Arbeits- verhältnis steht und eine Vollzeitbeschäftigung sucht. Al s teilweise arbeitslos gilt hingegen, wer in keinem Arbeitsverhältnis steht und lediglich eine Tei lzeitbeschäftigung sucht oder eine Teil- zeitbeschäftigung hat und eine Vollzeit- oder weitere Teilzeitbeschäftigung sucht (Art. 10 Abs. 2 AVIG). Vermittlungsfähig nach Art. 15 Abs. 1 AVIG ist, wer bereit, in der Lage und be- rechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an E ingliederungsmassnahmen teilzuneh- men (Art. 15 Abs. 1 AVIG). 3.2 Andauernd selbstständig erwerbstätige Personen sind in der Regel bereits von vornhe- rein vom Arbeitslosentaggeldanspruch ausgeschlossen. Die A nwendung der Rechtsprechung gemäss BGE 123 V 234, wonach eine Überprüfung des Ansp ruchs auf Arbeitslosenentschädi- gung unter dem Gesichtspunkt der rechtsmissbräuchlichen Ge setzesumgehung möglich sein muss, rechtfertigt sich gleichermassen bei selbstständig Er werbstätigen, welche sich zum Be- zug von Arbeitslosenentschädigung anmelden (Urteil des Bundesgerichts vom 27. August 2009, 8C_81/2009, E. 3.3; Arbeitsrecht und Arbeitslosenversich erung [ARV] 2010 Nr. 5 S. 138 ff. E. 3.2; je mit weiteren Hinweisen). Bei einer bereit s vor Eintritt der Arbeitslosigkeit im Nebener- werb ausgeführte Geschäftsführertätigkeit ist der Anspr uch auf Arbeitslosenentschädigung ebenfalls unter dem Aspekt der missbräuchlichen Gesetze sumgehung zu prüfen, wenn diese nach der Kündigung mit dem Ziel des Haupterwerbs ausge baut werden sollte (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. Dezember 2012, 8C_672/2012, E. 3. 1). Massgebend ist jeweils, ob der Status des selbstständig Erwerbenden mit dem Ziel dauernder wirtschaftlicher und unternehme- rischer Unabhängigkeit aufgenommen und beibehalten wir d (Urteile des Bundesgerichts vom Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 27. August 2009, 8C_81/2009, E. 3.3, vom 5. Juni 2009, 8C_49/2009, E. 4.3, vom 21. Dezember 2005, C 9/05, E. 2.3). Die Dauerhaftig keit der Selbstständigkeit ist insofern von Bedeutung, als sie allenfalls die Vermittlungsfähigkeit in Frage stellt (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Dezember 2012, 8C_672/2012, E. 2). Die Tatsache, dass der Versicherte eine juristi- sche Person gründet und in das Handelsregister eintrage n lässt, in welcher er eine arbeitge- berähnliche Stellung einnimmt, genügt für sich allei n nicht, um bereits die Aufnahme einer auf Dauer ausgerichteten und nicht bloss vorübergehenden se lbständigen Erwerbstätigkeit zu be- jahen. Der Leistungsanspruch ist jedoch dann zu verneine n, wenn die Absicht zur Aufnahme der selbstständigen Arbeit so weit fortgeschritten ist, d ass die Annahme einer unselbstständi- gen Tätigkeit nicht oder kaum mehr möglich ist und demzu folge auch nicht mehr von einer vorübergehenden, zeitlich beschränkten und investitionsarmen selbstständigen Erwerbstätigkeit (im Sinne einer Zwischenverdiensttätigkeit nach Art. 24 AVIG), gesprochen werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 27. August 2009, 8C_81/2009, E. 3.4 mit Hinweisen). In diesen Fällen ist die Vermittlungsfähigkeit der versicherten Person zu verneinen. Übt eine versicherte Person während ihrer Arbeitslosigkeit eine selbstständige Erwer bstätigkeit aus, ist die volle Vermitt- lungsfähigkeit folglich nur solange gegeben, als die se lbstständige Erwerbstätigkeit ausserhalb der normalen Arbeitszeit ausgeübt werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Dezember 2012, 8C_672/2012, E. 2; Urteil des EVG vom 16. Juli 2001, C 353/00, E. 2b). 4. Nach Art. 95 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Zu Unrecht bezogene Geldleistungen, die auf einer formell rechtskräftigen Verfügung beruhen, können, un abhängig davon, ob die zur Rückforde- rung Anlass gebenden Leistungen förmlich oder formlos ver fügt worden sind, nur zurückgefor- dert werden, wenn entweder die für die Wiedererwägu ng (wegen zweifelloser Unrichtigkeit und erheblicher Bedeutung der Berichtigung) oder die für die prozessuale Revision (wegen erhebli- cher neuer Tatsachen oder Beweismittel) bestehenden Vo raussetzungen erfüllt sind (Art. 53 ATSG; BGE 130 V 318 E. 5.2; 129 V 110 E. 1.1). 5. Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwal tung als verfügende Instanz und im Be- schwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsr echt hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmeh r jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen a ls die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen). 6. Im vorliegenden Fall stellt sich der rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Im An- trag auf Arbeitslosenentschädigung vom 4. April 2009 wi es der Versicherte darauf hin, dass er in den Jahren 1995 bis 2005 für die C____AG tätig gewesen sei und seit 2005 als freier Berater ein Einkommen von monatlich Fr. 800.-- erziele. Ausserdem bejahte er, an einem Betrieb betei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ligt zu sein bzw. einem obersten betrieblichen Entscheidun gsgremium anzugehören. Tatsäch- lich ist der Beschwerdeführer seit 1998 als einziges Mitgl ied des Verwaltungsrates der C____AG im Handelsregister eingetragen. In Bezug auf N ebenverdienst von monatlich Fr. 800.-- hielt er gegenüber der Arbeitslosenlasse am 17. April 2009 fest, dass er in den Jahren 2003 und 2004 mit der Restrukturierung der D____AG be auftragt gewesen sei und seither den Verwaltungsrat derselben berate. Das Jahreshonorar betr age Fr. 10‘000.-- zuzüglich Mehrwert- steuer. Eine schriftliche Auftragsbestätigung sei nicht ausgearbeitet worden. Er hielt weiter fest, dass er das Arbeitsverhältnis mit der C____AG per 31. Mär z 2005 zugunsten seiner Tätigkeit bei der B____AG aufgelöst habe. Der zeitliche Aufwan d für das Beratungsmandat betrage vier Sitzungen pro Jahr. Diese würden jeweils abends und an Samstagen durchgeführt. Weiter wür- de er die D____AG bei den Quartalsabschlüssen unterstützen, wofür er circa zwölf Stunden pro Jahr aufwende. Eine offizielle Funktion (Verwaltungsrat , Geschäftsleiter) bekleide er nicht. Die Einnahmen würden es ihm erlauben, die Strukturkosten de r C____AG zu decken. Weiter hielt der Beschwerdeführer im Formular „Zeitliche Verfügba rkeit bei der Ausübung einer auf Dauer ausgerichteten selbstständigen Tätigkeit“ vom 31. August 2009 fest, dass die C____AG seit dem 30. Juni 2005 stillgelegt sei und kein Personal b eschäftige. Auch er selber würde keine Bezüge tätigen. Für den Nebenverdienst wende er circa zwanzig Stunden pro Jahr auf, wobei er jeweils abends und an den Wochenenden arbeite. Aus den Akten ergibt sich weiter, dass der Beschwerdeführer mit Urteil vom 13. April 2010 vom Kan tonsgericht, Abteilung Zivil- und Straf- recht, im Nachlassverfahren der E____AG als Sachwalter ei ngesetzt wurde. Diesbezüglich gab der Versicherte im Formular „Zeitliche Verfügbarkeit bei der Ausübung einer auf Dauer ausge- richteten selbstständigen Tätigkeit“ vom 3. Juni 2010 an, dass er weiterhin in der Lage und be- reits sei, eine zumutbare Tätigkeit im Umfang von 100% anzunehmen, da er das zeitlich befris- tete Sachwaltermandat zu Randzeiten ausüben könne. Nach dem das Sachwaltermandat des Versicherten verlängert worden war und sich der zeitlich e Aufwand erhöht hatte, zweifelte die Arbeitslosenkasse an der Vermittlungsfähigkeit des Versich erten. In der Folge unterbreitete sie die Angelegenheit der kantonalen Amtsstelle zum Entschei d, wobei sie die Ablehnung der Ver- mittlungsfähigkeit ab 1. August 2010 beantragte. Mit Verfügung vom 29. Oktober 2010 bejahte das RAV Münchenstein die Vermittlungsfähigkeit des Versicherten ab dem 1. Juni 2010 mit der Begründung, dass es sich beim Sachwaltermandat um eine in vestitionsarme vorübergehende selbständige Erwerbstätigkeit handle. Am 24. Dezember 2 010 meldete sich der Beschwerde- führer per 31. Dezember 2010 von der Arbeitsvermittlung ab. 7.1 Zu prüfen ist, ob die Arbeitslosenkasse zu Recht die Anspruchsberechtigung des Ver- sicherten rückwirkend ab 1. Mai 2009 abgelehnt hat. Sie begründete ihren Entscheid im We- sentlichen damit, dass der Versicherte als Verwaltungsrat der C____AG eine arbeitgeberähnli- che Stellung innegehabt habe und daher gemäss bundesge richtlicher Rechtsprechung in ana- loger Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG nicht an spruchsberechtigt sei. Aus der Erfolgs- rechnung der C____AG sei ersichtlich, dass diese nicht stillgelegt gewesen sei. Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, di e Beschwerdegegnerin habe aufgrund seiner wahrheitsgetreuen Angaben von Anfang an von sein er Nebenbeschäftigung und seiner Funktion als Verwaltungsrat bei der C____AG gewusst. Die C____AG sei stillgelegt und eine Wiederbelebung sei nie beabsichtigt gewesen. Weiter habe er die Tätigkeit als Sachwalter dem RAV nicht nur gemeldet, sondern vorab mit dem zuständi gen Sachbearbeiter abgesprochen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das RAV sei über die Verlängerung des Sachwaltermandats und die entsprechende Entschädi- gung orientiert worden. Ebenso sei transparent gewes en, dass er das dem Nebenverdienst zu- grundeliegende Beratermandat sowie das Sachwaltermanda t über die C____AG abgerechnet habe. Da die Arbeitslosenkasse von Anfang an von seiner Fu nktion als Verwaltungsrat der C____AG und damit von der fehlenden Anspruchsberechtigung gewusst habe, sei der Rückfor- derungsanspruch der Kasse in jedem Fall verwirkt. 7.2.1 Aufgrund der Akten ist erstellt, dass der Beschwerd eführer bis zu seinem Stellenantritt bei der B____AG im Juli 2005 für seine eigene C____AG tätig war. Weiter steht unbestritten fest, dass die C____AG auch nach der Anmeldung des Beschwer deführers zur Arbeitsvermitt- lung bestanden hat und dieser während der Rahmenfrist für den Leistungsbezug in minimalem Umfang einer selbstständigen Tätigkeit nachging. So er zielte er als Berater der D____AG ein Jahreshonorar von rund Fr. 10‘000.--. Dies hat der Besch werdeführer gegenüber der Arbeitslo- senkasse von Anfang an offen kommuniziert und transparen t gemacht. Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer nach seiner Entlassung bei der B_ ___AG resp. während der Dauer der Rahmenfrist für den Leistungsbezug die C____AK mit dem Ziel dauernder wirtschaftlicher und unternehmerischer Unabhängigkeit reaktivierte resp. weiter betrieben und ausgebaut hat, sind – entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin – nicht er sichtlich. Zunächst bekundet der Hin- weis des Beschwerdeführers in den Schreiben an den damal igen CEO und den damaligen Verwaltungsratspräsident der F____ vom 3. April 2008, wonach er hoffe, mittelfristig wiederum die Leitung eines mittelgrossen Unternehmens zu erhalte n, dass er eine unselbständige Tätig- keit anstrebte. Auch die dokumentierten Arbeitsbemühu ngen des Beschwerdeführers belegen diese Absicht. Weiter lassen die Angaben in den Geschäft sabschlüssen der C____AG der Jah- re 2009 und 2010 nicht auf eine Intensivierung von Akti vitäten in Richtung Selbstständigkeit schliessen. Zwar hat der Beschwerdeführer mit dem vom Kan tonsgericht am 13. April 2010 übertragenen Sachwaltermandat seine selbstständige Tä tigkeit ausgebaut. Zu beachten ist aber, dass dieses Mandat von Anfang an befristet war und der Beschwerdeführer dieses noch vor Annahme gegenüber der Kasse offengelegt hat. Entsprechend wurde das erzielte Sachwal- ter Honorar gegenüber der Arbeitslosenkasse als Zwischen verdienst abgerechnet. Sodann hat das RAV mit Verfügung vom 29. Oktober 2010 verbindlich festgehalten, dass die Vermittlungs- fähigkeit des Beschwerdeführers durch das Sachwaltermanda t nicht beeinträchtigt war. Neben dem Beratungs- und Sachwaltermandat sind keine Bemühun gen zur Akquisition weiterer Man- date ersichtlich, weshalb aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ange- nommen werden kann, dass der Beschwerdeführer gezielt Bestrebungen unternommen hat, als selbstständig Erwerbender wirtschaftlich unabhängig zu werden. 7.2.2 Daran vermögen die Einwände der Kasse nichts zu ä ndern. So ist etwa die Verlänge- rung des Sachwaltermandats und die entsprechende Erhö hung der ursprünglich festgelegten Honorars sachbedingt und nicht auf den Willen des Beschw erdeführers zurückzuführen. Auch die Tatsache, dass das Honorarvolumen der C____AG im Jah r 2011 auf über Fr. 180‘000.-- angestiegen ist, indiziert nicht zwingend, dass er bereit s im Jahr 2010 eine weitere Selbststän- digkeit angestrebt hat. Im Gegenteil lässt die Tatsache, dass der Beschwerdeführer heute wie- der in einem Anstellungsverhältnis ist, darauf schliessen, dass er nicht die Selbstständigkeit gesucht hat. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Nach dem Gesagten lassen die geschilderten Gegebenhe iten die Annahme nicht zu, dass der Beschwerdeführer während der Dauer des Taggeld bezugs vom 1. Mai 2009 bis 31. Dezember 2010 mit seiner C____AG den Status des se lbstständig Erwerbenden mit dem Ziel dauernder wirtschaftlicher und unternehmerischer Un abhängigkeit angestrebt hat. Dem- nach sind die vom Beschwerdeführer bezogenen Taggeldle istungen zu Recht erfolgt, weshalb in Gutheissung der Beschwerde der Einspracheentscheid de r Beschwerdegegnerin vom 1. November 2013 aufzuheben ist. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. 9.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens en tsprechend ist dem Beschwerde- führer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Ar beitslosenkasse zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Hono rarnote vom 28. Juli 2014 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 1 8,25 Stunden und Auslagen von Fr. 51.90 ausgewiesen, was angesichts der sich stellenden S achverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Hinzu kommt eine Entschädigung des Rechtsvertreters für die Partei- verhandlung, sodass insgesamt ein Zeitaufwand von insgesamt 23 Stunden zuzuerkennen ist. Der ausgewiesene Zeitaufwand ist zu dem in Sozialversiche rungsprozessen für durchschnittli- che Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 6'266.05 (23 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 51.90 plus 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Arbeitslosenkasse zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einsprach eentscheid der Beschwerdegegnerin vom 1. November 2013 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 6‘266.05 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht