STEUERREKURSKOMMISSION II DES KANTONS ZÜRICH 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 Entscheid 24. Februar 2010 Mitwirkend : Einzelrichter W. Balsiger und Sekretär H. Knüsli In Sachen A, Rekurrentin/ Beschwerdeführerin, gegen 1. S t a at Z üri c h, Rekursgegner, 2. S c hw ei zeri s ch e Ei d ge no ss en sc haf t , Beschwerdegegnerin, vertreten durch das kant. Steueramt, Division Dienstleistungen, Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich, betreffend Einschätzung für die Steuerperiode 1.7.2005 - 30.6.2006 und Direkte Bundes- steuer für die Steuerperiode 1.7.2005 - 30.6.2006 - 2 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 hat sich ergeben: A. Die A mit Sitz in B (nachfolgend die Pflichtige) wurde am … 2004 gegrün- det und am … Oktober 2004 i m Handelsregister eingetragen; dies mit der Zweckbe- stimmung Vermögensverwaltung und Anlageberatung "als Teil der C". Für das er ste Geschäftsjahr 11.10.2004 - 30.6.2005 deklarierte sie einen steuerbaren Reingewinn von Fr. - 18'612.- (Verlust) sowie ein Eigenkapital von Fr. 181'388.- bzw. ein steuerba- res Eigenkapital von Fr. 200'000.- (= einbezahltes Aktienkapital). Gemäss Jahresrec h- nung wurden noch keine Geschäftsaktivitäten aufgenommen; der erwirtschaftete Ver- lust beruhte im Wesentlichen auf den Gründungskosten. Die Einschätzung für die entsprechende Steuerperiode wurde deklarationsgemäss vorgenommen. Für das Geschäftsjahr 1.7.2005 - 30.6.2006 wies die Pflichtige in ihrer Jahres- rechnung einen Gewinn von exakt Fr. 0.- aus. Dementsprechend deklarierte sie für die Steuerperiode 1.7.2005 - 30.6.2006 nach Übernahme des Vorjahresverlusts wiederum einen steuerbaren Reingewinn von Fr. - 18'612.- (Verlust); das Eigenkapital wurde mit Fr. 189'938.- und das steuerbare Eigenkapital mit Fr. 200'000.- (= einbezahltes Aktien- kapital) angegeben. Der Jahresrechnung liess sich entnehmen, dass das gewinnseitige Nullergebnis durch einen ausserordentlichen Ertrag "Zuschüsse von Schwestergesel l- schaft" in der Höhe von Fr. 152'187.- zustande gekommen war; ohne diesen Zuschuss hätte mithin im 2. Geschäftsjahr ein Verlust in dieser Höhe resultiert. Mit Auflage vom 1 4. Januar 2008 untersuchte der Steuerkommissär den vor- erwähnten Zuschuss, verlangte den diesbezüglichen belegmässigen Nachweis, den vollständigen Namen der Schwestergesellschaft sowie ein Organigramm der Gruppe unter Angabe der Aktionäre. Die Pflichtige antworte te am 30. Januar 2008 dahingehend, dass es sich bei der Schwestergesellschaft um die " D" handle. Zum Nachweis des Z uschusses reichte sie Auszüge des Buchhaltungskonto s 1110 "Forderung g egenüber D" sowie eine Gutschriftsanzeige einer Bank betreffend eine vom 8. November 2007 datierende Zah- lung der D im Betrag von Fr. 137'844.27 ein. Weiter bemerkte sie, dass die Gruppe n- gesellschaften nicht formell verbunden seien; einziges Bindeglied sei der Hauptakti o- när und Verwaltungsratspräsident E. Ein Organigramm wurde nicht eingereicht. - 3 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 Mit abgeänderter Auflage vom 7. Februar 2008 verlangte der Steuerkommi s- sär einen detaillierte n Buchhaltungsauszug, eine detaillierte Beschreibung der G e- schäftstätigkeiten der Pflichtigen und der D samt Funktionsanalysen, den Zusammen- arbeitsvertrag der Schwestergesellschaften, die Jahresrechnu ng der D sowie den Arbeitsvertrag zwischen der Pflichtigen und E einschliesslich eines Stellenbeschriebs. Mit Antwort vom 2 8. Februar 2008 wies die Pflichtige d arauf hin, dass ihre etwas ungewöhnliche Geschäftstätigkeit bereits Gegenstand von Abklärungen der Ei d- genössischen Finanzverwaltung (Kontrollstelle für das Geldwäschereigesetz) gewesen sei. Der Einfachheit halber reiche sie ein entsprechendes Schreiben der letzteren In- stanz ein; bei weiterem Erklärungsbedarf gebe E telefonisch Auskunft. Nachdem der Steuerkommissär am 6. März 2008 die Erfüllung der Auflage gemahnt hatte, reichte die Pflichtige mit Eingabe vom 20. März 2008 den ve rlangten Buchhaltungsauszug, einen Kurzbericht zu ihren Tätigkeiten sowie den Arbeitsvertrag zwischen ihr und E ein. Im Übrigen wies sie darauf hin, dass die D eine auf den F do- mizilierte Vermögensgesellschaft sei, die hauptsächlich als "Corporate Director" für die ebenfalls auf de n F domizilierten Vermögensverwaltungsgesellsch aten/Zweck- gesellschaften G und H tätig sei. Die D habe sich bereit erklärt, bis 31. Dezember 2007 ihre Anlaufkosten zu decken . Deren Interesse sei dabei, dass sie, die Pflichtige, die von der " I" emittierten Zertifikate erwerbe; diese seien auf die von der D verwalteten Zweckgesellschaften ausgerichtet, woraus die Letztere wiederum Vermögensverwal- tungserlöse generiere. Eine Jahresrechnung der D liege ihr nicht vor. Mit Einschätzungsentscheid bzw. Hinweis vom 7. April 2008 setzte der Ste u- erkommissär die Steuerfaktoren wie folgt fest: Staats- und Gemeindesteuer Direkte Bundessteuer Fr. Fr. Steuerbarer Reingewinn 14'200.- 14'200.- Gewinnsteuersatz 8.0% Steuerbares Eigenkapital 200'000.- Kapitalsteuersatz 0.75 ‰. Eigenkapital per 31.12.2006 189'938.- . - 4 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 Zur Begründung wies er darauf hin, dass die Auflagen nicht vollständig erfüllt worden seien. Insbesondere sei kein Zusammenarbeitsvertrag eingereicht worden, weshalb keine Überprüfung der von der Pfl ichtigen für die Schwestergesellschaft g e- leisteten Dienstleistungen möglich sei. Im Drittvergleich müsse die Dienstleistungsen t- schädigung eine Gewinnerzielung ermöglichen. Aus diesem Grund sei anstelle des deklarierten Zuschusses von Fr. 152'187.- ein "Verrechnungspreis" von Fr. 185'000.- einzusetzen. Die Bundessteuerveranlagung wurde mit Schlussrechnung vom 2. Mai 2008 formell eröffnet. B. Hiergegen erhob die Pflichtige am 2 2. April 2008 (Staats- und Gemeinde- steuern) bzw. 1 3. Mai 2008 (direkte Bundess teuer) Einsprache mit dem Antrag auf Vornahme der Einschätzung gemäss Deklaration. Zur Begründung wurde im Wesentli- chen geltend gemacht, dass zwischen der Pflichtigen und der D keine Dienstleistungs- beziehung bestehe. Wie sich dem bereits eingereichten Bericht entnehmen lasse, be- stehe der Geschäftszweck der Pflichtigen darin, Gelder über die Ausgabe von Anleihensobligationen beim Publikum aufzunehmen , um diese Gelder alsdann unte r- schiedlich gewichtet in Wertpapieren anzulegen, welche u.a. von ihren Schwester ge- sellschaften ausgegeben würden. Umsätze erziele die Pflichtige aus der Verwa ltung dieser Wertpapiere. Wenn überhaupt läge darin eine Dienstleistung für die Anl eger der Obligationen, nicht aber für die Schwestergesellschaft. Branchenüblich seien die U m- sätze in der Anlaufphase noch gering gewesen bzw. sei mit Anlaufverluste zu rechnen gewesen. Die D habe sich deshalb bereit erklärt, der Pflichtigen einen Betriebskoste n- zuschuss in Höhe des jährlichen Verlusts zu gewähren, um so deren Bilanz auszugle i- chen, was eine Voraussetzung für de n inzwischen stärkeren Absatz der Obligationen gewesen sei. Diesen Zuschuss habe der Steuerkommissär völlig verfehlt als Dienst- leistungsertrag interpretiert und zudem habe er noch einen Gewinn von über 20% hin- zugeschlagen. Verlustübernahmeabsprachen unter verbundenen Konzernunterne h- mungen seien gerade vor dem Hintergrund einer "gemeinsamen Wah rnehmung in der Öffentlichkeit/Bonität" üblich; noch nie vorgekommen sei indes, dass das verlustüber- nehmende Unternehmen auch noch einen Min destgewinn ersetze. Die Verlustübe r-- 5 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 nahme sei eine Massnahme des Kapitalverkehrs und keine Dienstleistung. Dem ent- sprechend existiere kein Zusammenarbeitsvertrag; die einzige Form der Zusammenar- beit bestehe darin, dass die eine Gesellschaft Wertpapiere der a nderen erwerbe. Mit- hin seien auch keine Verfahrenspflichten verletzt worden und fehlten damit auch die Voraussetzungen für die vom Steuerkommissär vorgenommene Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen. Mit Entscheiden vom 2 1. September 2009 wies das kan tonale Steueramt die Einsprachen ab. Es erwog, dass die Pflichtige in ihrem 2. Geschäftsjahr neben dem ausserordentlichen Zuschuss der Schwestergesellschaft ertragsseitig lediglich e inen Dienstleistungsertrag von Fr. 337.50 und einen Zinsertrag von Fr. 451.60 verbucht ha- be. Dass eine Vermögensverwaltungsgesellschaft bei einem verbuchten Lohnaufwand von Fr. 87'000.- einen derart unbedeutenden Ertrag erziele , sei unüblich . Aus den Ausführungen der Pflichtigen gehe hervor, dass sie im Interesse ihrer Schweste rge- sellschaft handle und damit auch Dienstleistungen für diese erbringe bzw. eng mit ihr zusammenarbeite. Eine unabhängige Gesellschaft würde ohne vertragliche Vereinb a- rung und ohne angemessene Gegenleistung keine Verlustübernahme erklären. Daraus könne ge schlossen werden, dass die D ein grosses geschäftliches Int eresse an der Pflichtigen habe. Ohne angemessene Gegenleistung wäre unter una bhängigen Dritten vertraglich ein zu verzinsendes Darlehen vereinbart worden, wobei die Pflichtige ve r- mutlich keine Sich erheiten hätte leisten kö nnen. Demgegenüber sei hier per 30. Juni 2006 eine Forderung gegenüber der D verbucht worden, wobei die Vergütung erst per 8. November 2007 erfolgt sei. Nach der allgemeinen L ebenserfahrung sei mithin von einer Dienstleistung auszugehen. Ob die Entschädigung für die Dienstleistung nach "at arms length" erfolgt sei, könne nicht geprüft werden, weil die Pflicht ige die verlangten Angaben und Unterlagen nicht geliefert habe. Es fehl ten die Funkt ionsanalysen der Schwestergesellschaften und die Jahresrechnung der D; dergestalt sei etwa ein Ve r- gleich "G ewinn/Personalaufwand" nicht möglich. Nicht nachvollziehbar sei sodann, wieso der Zuschuss der Schwestergesel lschaft in der Steuererklärung nicht steuerlich erfolgsneutral als Kapitaleinlage vom Gewinn in Abzug gebracht worden sei. Ingesamt sei erstellt, dass die Geschäftsbeziehung zwischen der Pflichtigen und der D nicht je- ner von unabhängigen Gesellschaften entspreche. Dabei sei davon auszugehen, dass die Pflichtige Dienstleistungen im Inter esse der D erbringe; diese seien – im Drittver-- 6 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 gleich – gewinnbringend zu verrechnen. Entsprechend bedürfe es diesbezüglich einer Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen. C. Hiergegen erhob die Pflichtige am 2 2. Oktober 2009 Rekurs (Staats - und Gemeindesteuern) bzw. Beschwerde (direkte Bundessteuer) und beantragte gleichla u- tend, den steuerbaren Reingewinn für die Steuerperiode 1.7.2005 - 30.6.2006 auf Fr. -152'187.- (Verlust) und das steuerbare Eigenkapital auf Fr. 47'813.- festzusetzen; sodann sei in Ab änderung der angefochtenen Entscheide weder eine Gewinnsteuer, noch eine Kapitalsteuer fes tzusetzen. Eventualiter sei der steuerbare Reingewinn auf Fr. 0.- und das steuerbare Eigenkapital auf Fr. 200'000.- festzusetzen; d iesfalls sei sodann keine Gewinnsteuer, jedoch eine Kapitalsteuer von Fr. 300.- festzusetzen. An- ders als im Einschätzungs- und Einspracheverfahren wurde nunmehr geltend gemacht, der umstrittene Zuschuss sei eine "à fonds perdu- Leistung", welche steuerlich erfolgs- neutral zu behandeln sei . Es handle sich um eine "steuerneutrale Schenkung" durch eine Schwestergesellschaft, mit dem klar erkennbaren und wirtschaftlich sinnvollen Interesse, keine Schäden für die Gesamtgruppe entstehen zu lassen. Das kantonale Steueramt schloss mit Vernehmlass ung vom 2 3. November 2009 auf Abweisung der Rechtsmittel. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen. Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 1. Gegenstand der angefochtenen Einspracheentscheide bildet die Veranl a- gung des steuerbaren Reingewinns (Staats- und Gemeindesteuern sowie direkte Bun- dessteuer) sowie des steuerbaren Eigenkapitals (Staats - und Gemeindesteuern). Bei der Veranlagung der direkten Bundessteuer wird das Eigenkapital im Rahmen der Ver- anlagung zwar ebenfalls "bekannt gegeben" (vgl. Art. 131 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 1 4. Dezember 1990; [DBG]), doch geschieht dies - 7 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 lediglich zu Kontrollzwecken; weil das Eigenkapital (mangels Kapitalsteuer auf Bu n- desebene) nicht eigentlich veranlagt wird, kann die Veranlagungsverfügung diesbezüg- lich auch nicht angefochten werden ( Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2.A., 2009, Art. 131 N 5 Art. 131 N 5). Nicht Gegenstand der angefochtenen Veranlagungen sind sodann die letztlich geschuldeten Steuerbeträge; diese werden im Rahmen des Steuerbezugverfahrens festgelegt. Soweit sich die Anträge der Pflichtigen auf das Eigenkapital im Bereich der direkten Bundessteuer sowie (in beiden Steuerbereichen) auf die Festlegung der g e- schuldeten Steuerbeträge beziehen, ist auf die Rechtsmittel demnach nicht einzutr e- ten. 2. a) Die Pflichtige verbuchte im streitbetroffenen Geschäftsjahr 1.7.2005- 30.6.2006 über das Erfolgskonto 8005 einen ausserordentlichen Ertrag "Z uschüsse von Schwestergesellschaft" im Betrag von Fr. 152'187.46; dieser Betrag en tsprach exakt dem erwirtschafteten Jahresverlust . In der Steuererklärung 2006 deklarierte sie den Zuschuss als steuerbaren Ertrag, denn eine Ausscheidung unter der Rubrik "Der Erfolgsrechnung gutgeschriebene, nicht steuerbare Erträge" (wie z.B. Kapitaleinlagen) erfolgte nicht. b) aa) Der Steuerkommissär hat den Sachverhalt rund um diese n Zuschuss der Schwestergesellschaft näher untersucht und im Rahmen einer ersten Auflage vom 14. Januar 2008 zunächst Angaben zur Firmengruppe sowie insbesondere den beleg- mässigen Nachweis über den Zuschuss verlangt. Die Pflichtige reichte dazu einerseits einen Auszug des Kontos 1110, "Forderung gegenüber D" aus der Buchhaltung 1.7.2005 - 30.6.2006 ein; als einzige Buchung ist per 30.6.2006 die Forderung gegen- über der D per 30.6.2006 in der Höhe von Fr. 152'187.46 ersichtlich. Ebenfalls eing e- reicht wurde das gleiche Kontoblatt des Folgejahrs (1.7.2006 - 30.6.2007). Di esem gemäss wurden per 29.8.2006 und per 18.4.2007 Zahlungseingäng e der D von Fr. 80'000.- bzw. Fr. 15'000.- sowie per 30.6.2007 – unter der Bezeichnung "Koste n- übernahme durch D bis 31.12.2006" – diverse Forderungen gegenüber D im Gesamt- umfang von Fr. 76'545.53 verbucht ; unter Berücksichtigung des Saldovortrags aus dem Vorjahr verblieb ein Schlusssaldo zu Lasten der D von Fr. 133'732.99. Der letzte-- 8 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 re Betrag ist der Pflichtigen gemäss eingereichtem Bankbeleg einer Schweizer Bank am November 2007 von der D überwiesen worden. Über den Hintergrund des von der Schwestergesel lschaft geleisteten "Z u- schusses" lässt sich diesen Unterlagen nichts entnehmen. K lar ist lediglich, dass im streitbetroffenen Geschäftsjahr keine Zahlung geflossen ist, sondern lediglich per Da- tum des Jahresabschlusses eine dem erwirtschafteten Jahresverlu st entsprechende Forderung zulasten der Schwesterg esellschaft aktiviert wor den ist. Unklar blieb nach dieser ersten Auflage sodann auch die Frage der Einbettung der Pflichtigen in die U n- ternehmensgruppe, denn das verlangte Organigramm wurde nicht vorgelegt; geltend gemacht wurde in diesem Zusammenhang lediglich, dass die Gesellschaften allein über den Hauptaktionär und Verwaltungsratspräsidenten E verbunden seien. bb) Mit der zweiten (erweiterten) Auflage vom 7. Februar 2008 verlangte der Steuerkommissär einen Auszug der Gesamtbuchhaltung der Pflichtigen sowie die Jah- resrechnung der D. Sodann ging es ihm darum, Kenntnisse über die genaue n G e- schäftstätigkeiten der Pflichtigen und deren Schwestergesellschaft auf den F zu erlan- gen; so verlangte er entsprech ende detaillierte Beschriebe und Funktionsanalysen sowie den Zusammenarbeitsvertrag der beiden Gesellschaften . Zudem wollte er in Erfahrung bringen, welche Tätigkeiten E für die Pflichtige ausführt, weshalb er de ssen Arbeitsvertrag inkl. Stellenbeschrieb einforderte. aaa) Zur Beantwortung dieser Auflage verwies die Pflichtige mit Eingabe vom 28. Februar 2008 zunächst auf ein Schreiben der Eidgenössischen Finanzverwaltung (Kontrollstelle Geldwäschereigesetz) vom 17. März 2005. Im Letzteren wird Folgendes festgehalten: Die Pflichtige gebe Wandelanleihen aus, welche spätestens nach 10 Jah- ren zwingend in Aktien umgewandelt würden. Es werde dergestalt Fremdkapital mit der Konsequenz einer späteren Umwandlung in Eigenkapital aufg enommen, womit eine bedingte Kapitalerhöhung vorliege. Im Ergebnis fü hre die Herausgabe der Wandela n- leihen zu einer körperschaftlichen Beteiligung der Anleihens obligationäre. Weil die Pflichtige ausschliesslich im Finanzsektor tätig sei, handle es sich bei den Wandela n- leihen um eine gesel lschaftsrechtlich organisierte Form der gemeinschaftlichen Kap i- talanlage; bezweckt werde die kollektive Kapitalanlage und die Erzielung von Erträgen und/oder Kapitalgewinnen. Die Pflichtige verfolge damit keine unternehmerische Tätig- keit im eigen tlichen Si nn. Primäre Funktion der Wandelanleihen sei nicht die Unte r-- 9 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 nehmensfinanzierung, sondern die Vermögensanl age. Die Pflichtige sei demnach als Investmentgesellschaft zu qualifizieren (und deshalb auch dem Geldwäschereig esetz zu unterstellen). bbb) Auf die steuerbehördliche Mahnung hin wurde mit Eingabe vom 20. März 2008 der verlangte Buchhaltungsauszug sowie ein vom 28. Juni 2005 datierende r Ar- beitsvertrag (ohne Stellenbeschrieb) von E eingereicht. Dem Letzteren g emäss ist E als "Chief Investment Officer" für die Pflichtige tätig , wofür er mit Fr. 5'000.- pro Monat (brutto) sowie einer Dienstwohnung in der Schweiz entlöhnt wird. Weiter wurde ein vom 3 1. Januar 2007 datierender Tätigkeitsbeschrieb der Pflichtigen eingereicht, welcher (offenbar von ihr selbst) wiederum im Zusammenhang mit dem Geldwäschereigesetz erstellt worden ist. Darin wird festgeha lten, dass das deutsche Mutterhaus der Pflichtigen, die I, zwei Index-Zertifikate mit unterschiedlicher Strategieausrichtung vertreibe. Die Pflichtige biete alternativ oder ergänzend 10-jährige Wandelanleihen an; in ihrem Portfolio würden dabei die beiden genannten Pr odukte des deutschen Mutterhauses gehalten, wobei versucht werde, durch geschickte Alloka- tion eine bessere Rendite zu erzielen. Weil sich die Wandelanleihe parallel zu den Ak- tienkursen entwickle, profitiere auch der Anleger von dieser Strategie. Seit Aufnahme der Geschäftstätigkeit seien moderat Verkäufe von Wandelanleihen an eine Grossbank getätigt worden. Zur Geschäftstätigkeit der D wurde ausgeführt, dass diese hauptsächlich als Corporate Director für die ebenfalls auf den F domizilierten Vermögensanlagegesell- schaften/Zweckgesellschaften G und H tätig sei. Nicht eingereicht wurden die Jahres- rechnung der D und der verlangte Zusammenarbeits vertrag zwischen dieser und der Pflichtigen. In letzterem Zusammenhang wurde stattdessen erwähnt, die D habe sich bereit erklärt, bis 3 1. Dezember 2007 die Anlaufkosten der Pflichtigen zu decken, weil deren Interesse darin bestehe, dass sie, die Pflichtige, die Zertifikate der von der I ver- walteten Zweckgesellschaften erwerbe, woraus die D wiederum Vermögensverwa l- tungserlöse erziele. cc) Insgesamt verblieben damit zwar Lücken im untersuchten Sachverhal t, doch stand immerhin Folgendes fest: - 10 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 Bei der Pflichtige n handelt es sich offensichtlich um eine Investmentgesel l- schaft, welche keine unternehmerische T ätigkeit ausübt. Ihr Ziel ist letztlich die B e- schaffung von Anlagekapital (im Sinn von Eigenkapital) via Pflichtwandelanleihen (d.h. Anleihen, die letztlich zwi ngend in Aktien der Pflichtigen umg ewandelt werden) , um alsdann dieses Kapital zu verwalten bzw. durch geschickte Anlage zu vermehren. Da- bei wird insoweit e ine einfache Anlagestrategie verfolgt, als vorab von der I emittierte Zertifikate erworben werden; d iese betreffen zwei in den …-Konzern eingebundene Investmentfonds auf den F (G, sowie H), hinter welchen wiederum die D steht. Bei dieser Lage der Dinge fehlen jegliche Indizien für die Annahme, die Pflich- tige habe für die D Dienstleistungen erbracht, welche im Verhältnis unter Nahestehe n- den marktgerecht zu entschädigen wäre n. Das blosse Zuführen von Kap ital im Sinn eines Anlageentscheids kann jedenfalls nicht als Dienstleistung bezeichnet werden. Entsprechend ist nachvollziehbar, dass keine Dienstleistu ngsvereinbarung zwischen den beiden Schwestergesellschaften existiert. Die Beweislast dafür, dass die Pflichtige für die D eine Dienstleistung erbracht hat bzw. eine entsprechende En tschädigung zu gute hat , trägt im Übrigen die Steuerbehörde (vgl. Richner/ Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. A., 2006, § 132 N 90 ff., wonach die Steuerbehörde im Allgemeinen die Beweislast für steuerbegründende Ta t- sachen trägt). Diese r Nachweis wurde nicht erbracht, womit auch kein Raum für die Vornahme einer entsprechenden Ermessenseinschätzung verbleibt. c) Daraus folgt nun aber nicht, dass der Zuschuss der D – wie von der Pflich- tigen rekurs- und beschwerdeweise erstmals verfochten – als erfolgsneutral zu verbu- chende "Leistung à fon ds perdu" im Sinn von § 66 lit. a des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) bzw. Art. 60 lit. a DBG und damit als unentgeltliche Leistung von Beteiligten bzw. als verdeckte Kapitaleinlage zu qualifizieren wäre (vgl. Kuhn/Brülisauer, in: Kommentar zum Schwe izerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. A., 2002, Art. 24 N 158 StHG mit Hinweisen): aa) Die Pflichtige hat den Zuschuss nicht als steuerneutrale Kapitaleinlage, sondern als steuerwirksamen (ausserordentlichen) Ertrag deklariert. Dies völlig zu Recht. Wenn sie nämlich geltend macht, die D habe ein Interesse daran, dass das über die Schweizer Wandelanleihen aufgenommene Investmentkapital via I letztlich in die F-Gesellschaften investiert werde, womit diese en tsprechende Erträge generierten - 11 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 (Vermögensverwaltungsgebühren, Management Fees etc.), so folgt daraus, dass die Verlustübernahme sehr wohl geschäftlich begründet ist . In solcher Konstellation über- nimmt die D die Verluste der Pflichtige n in deren Anlaufphase nämlich im Sinn einer vorweggenommenen Gegenleistung für de n in Aussicht stehe nden künftigen Zufluss von ertragsbringendem Anlagevermögen. Grund für die Verlustübernahme der Schwestergesellschaft ist damit nicht die Kapitalhingabe im Sinn einer Sanierung s- massnahme. Auszugehen ist bei alledem davon, dass die Pflichtige für die Zuführung von ertragbringendem Anlagekapital an die ihr nahestehenden ausländischen Gesellschaf- ten gewisse Entschädigungen (Provisionen, Retrozessionen) zu gute hat . Diese Ent- schädigungen müssen einem Drittvergleich (d.h. dem " arm's length principle") stan d- halten, wobei sich dieser im internationalen Verhältnis an den OECD -Richtlinen orientiert. Bei – wie vorliegend – im Bereich der Vermögensverwaltung tätigen multin a- tionalen Konzernen, geht es dabei um die sog enannte Verrechnungspreisproblematik bzw. letztlich um eine angemessene Aufteilung des Steueraufkommens im internatio- nalen Verhältnis. Angemessenheit bedeutet dabei, dass die für den Gewinn aus- schlaggebenden Verrechnungspreise mit den ausgeführten Funktionen, den übe r- nommenen Risiken und den eingesetzten Wirtschaftsgütern der an der jeweiligen konzerninternen Transaktion beteiligten Unternehmen im Einklang zu stehen haben (vgl. zum Ganzen auch: Zuckschwerdt/Meuter, Verrechungspreisproblematik bei grenzüberschreitendem Management von Privat e-Equity- und Hedge -Funds, ZStP 2009, 1 ff.). bb) Im vorliegenden Fall ist eine Überprüfung von Verrechnungspreisen nicht möglich, denn einerseits zielten die Auflagen der Steuerbehörde nicht konsequent in diese Richtung und wurde überdies die I nicht in die Untersuchung mit einbezogen; anderseits lieferte die Pflichtige im Auflageverfahren weder nähere Angaben zu den genauen Tätigkeiten und Funktionen der ausländischen Schwestergesellschaften , noch solche zu den jenigen von E, welcher offenbar sämtliche Konzerngesellschaften beherrscht. I n der hier betroffenen Steuerperiode 1.7.2005 -30.6.2006 drängen sich indes aus den folgenden Gründen keine weiteren Untersuchungen im Z usammenhang mit der Verrechnungspreisproblematik auf: - 12 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 Die Pflichtige s tand noch ganz am Anfang ihrer Ende 2004 aufgenomm enen Tätigkeiten; d.h. die Suche nach Kapital verbunden mit der anschliessenden Anl age dieses Kapitals hatte gerade erst begonnen. Dies zeigt sich etwa darin, dass in der Jahresrechnung 1.7.2005 - 30.6.2006 erstmals die Aufwandposition "Werbedrucks a- chen" mit Kosten von Fr. 7'775.20 auftaucht. Den Buchhaltungskonti 1030 und 1061 lässt sich sodann entnehmen, dass einerseits lediglich Wandelanle ihen im Betrag von rund Fr. 140'000.- platziert werden konnten und dass sich andrerseits die ersten Anl a- gen in F-Zertifkate auf (umgerechnet) rund Fr. 220'000.- beschränkten (Kauf von 300 H-Zertifikaten und 700 G-Zertifikaten). Für das Verwalten dieser wenigen Zertif ikate wurde sodann ein entsprechend bescheidener Dienstl eistungsertrag von Fr. 337.50 verbucht (Konto 3400). Bei diesem noch bescheidenen Investitionsvolumen verbleibt von vornherein kein Raum für die Annahme, die D (oder andere Gruppengesell schaf- ten) hätten der Pflichtigen Gegenleistungen geschuldet, welche de n erwirtschafteten Jahresverlust erreicht oder gar überschritten hätten. cc) Fragen liesse sich allenfalls, ob der zum ordentlichen Jahresverlust von rund Fr. 150'000.- führende Betriebsaufwand, enthaltend insbesondere die Entlöhnung von E, geschäftsmässig begründet ist bzw. Kosten enthält, welche den ausländischen Schwestergesellschaften anzulasten sind. Auch dafür fehlen indes Indizien : Unter B e- rücksichtigung der Branche (Vermögensverwaltung/Invest mentfonds) ist bei einer Lohnhöhe von Fr. 87'000.- nicht naheliegend, dass im Lohn von E auch Leistungen enthalten sein könnten, welcher dieser für die ausländischen Schwesterg esellschaften erbracht hat; auszugehen ist vielmehr davon, dass der Genannte von den schon länger aktiven Gruppengesellschaften weiter e Saläre bezogen hat . Im Übrigen wäre aber durch die Verlustübernahme der D ein allfällig notwendige r Salärausgleich mehr als kompensiert worden. dd) Bei dieser Lage der Dinge besteht demzufolge kein Anlass, die Sache zur weiteren Untersuchung an das St eueramt zurückzuweisen, sind doch trotz gewisser Lücken im Sachverhalt keine rlei Anhaltspunkte für ein Korrekturpotential vorha nden, welches den von der Pflichtigen deklarierten steuerbaren Reingewinn von - Fr. 18'612.- (Verlust) in den positiven Bereich drehen könnte. d) Bemerkungsweise bleibt anzufügen, dass mit den zu erwartenden Umsatz- steigerungen in den Folgejahren die angesprochene Verrechnungspreisproblematik - 13 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 dereinst durchaus aktuell werden könn te. Dies erheischte dannzumal, dass einerseits die Steuerbehörde die multinationalen Verhältnisse mit Blick auf die Funktionen, Lei s- tungen, Erträge etc. der Gruppengesellschaften sachgerecht untersuchte (gegebenen- falls mit Hilfe einer steueramtlichen Buchprüfung) und dass andrerseits die Pflichtige gehalten wäre, diesbezüglich mitzuwirken und Transparenz zu schaffen, ansonsten bei der steuerlichen Gewinnfestlegung gegebenenfalls der Weg über die Ermessensei n- schätzung zu beschreiten wäre. 3. Dem Gesagten entsprechend beläuft sich das Eigenkapital der Pfl ichtigen auf den deklarierten Betrag von Fr. 189'938.-; dies letztlich unabhängig d avon, ob der Zuschuss der D als erfolgswirksamer Ertrag oder als erfolgsneutrale K apitaleinlage qualifiziert wird. Steuerbar ist im Bereich der Staats - und Gemeindesteuern indes oh- nehin zumindest das einbezahlte Aktienkapital (vgl. § 79 Abs. 2 StG), welches im vo r- liegenden Fall Fr. 200'000.- beträgt. Insoweit ist der angefocht ene Entscheid mithin zu bestätigen und dringt die Pflichtige mit ihrem Rekursantrag (Festsetzung des steuerba- ren Eigenkapitals auf Fr. 47'813.-) nicht durch. 4. Nach alledem ist der Rekurs teilweise und die Beschwerde vollumfän glich gutzuheissen, soweit auf die Rechtsmittel einzutreten ist. Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten dem grossmehrheit lich unterlie- genden Rekursgegner bzw. der vollumfänglich unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG und Art. 144 Abs. 1 DBG). Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 1. Der Rekurs wird teilweise gutgeheissen , soweit darauf einzutreten ist. Die Rekur- rentin wird für die Staats - und Gemeindesteuer, Steuerperiode 1.7.2005 - 30.06.2006, mit einem steuerbaren Reingewinn von Fr. 0.- und einem steuerbaren Eigenkapital von Fr. 200'000.- (Kapitalsteuersatz 0.75 ‰) eingeschätzt. - 14 - 2 ST.2009.282 2 DB.2009.169 2. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf einzutreten ist. Die Beschwerde- führerin wird für die direkte Bundessteuer, Steuerperiode 1. 7.2005 - 30.06.2006, mit einem steuerbaren Gewinn von Fr. 0.- veranlagt. Das steuerlich massgebende Eigenkapital der Steuerperiode 1.7.2005 - 30.06.2006 beträgt Fr. 189'938.- (Art. 131 Abs. 1 Satz 2 DBG). […]