<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="last-modified"> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="date"/> <meta content="AGVE 2019 - Band 6" name="description"/> <title>AGVE 2019 - Band 6</title> </meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">58</span> </div> <div class="page" id="S58"> <div role="main"> <span class="text"><b>6 </b> <b>Steuerrecht </b></span><br/> <span class="text"><b>Ausbuchung eines Guthabens gegenüber einer Tochtergesellschaft zu-</b></span><br/> <span class="text">gunsten der Reserven (welche sodann zur Auflösung eines Verlustvortrags</span><br/> <span class="text">verwendet werden) ist keine steuerneutrale Kapitaleinlage. Dennoch ist</span><br/> <span class="text">der Vorgang steuerneutral, da das entsprechende Aktionärsdarlehen zu-</span><br/> <span class="text">sätzlich im Hinblick auf den schlechten Geschäftsgang der Tochtergesell-</span><br/> <span class="text">schaften gewährt wurde und von einem unabhängigen Dritten nicht ge-</span><br/> <span class="text">währt worden wäre. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 1. Mai 2019,</span><br/> <span class="text">in Sachen B. AG gegen KStA und Gemeinderat X. (WBE.2018.358).</span><br/> <br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <br/> <span class="text">1.</span><br/> <span class="text">1.1</span><br/> <span class="text">Das Spezialverwaltungsgericht, Abt. Steuern, stufte die Vor-</span><br/> <span class="text">gänge bei der Beschwerdeführerin als echten (erfolgswirksamen)</span><br/> <span class="text">Sanierungsgewinn ein und begründete dies damit, dass die Mutter-</span><br/> <span class="text">gesellschaft im Umfang von CHF 8 Mio. einen Forderungsverzicht</span><br/> <span class="text">vorgenommen und keine Gegenleistung dafür erhalten habe. Die</span><br/> <span class="text">Darlehen würden zudem nicht als neu oder fortgeführt gelten und</span><br/> <span class="text">ein Sanierungszweck der Darlehen sei aufgrund der Absicht, die Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführerin zu verkaufen, in Frage zu stellen.</span><br/> <span class="text">1.2.</span><br/> <span class="text">Die Beschwerdeführerin bestreitet demgegenüber das Vorliegen</span><br/> <span class="text">eines Forderungsverzichts und macht geltend, die Muttergesellschaft</span><br/> <span class="text">habe mit der Umwandlung von Fremdkapital in Eigenkapital auf</span><br/> <span class="text">keine Vermögenswerte verzichtet, sondern gleichzeitig die Ge-</span><br/> <span class="text">stehungskosten der Beteiligung an der Tochtergesellschaft um</span><br/> <span class="text">CHF 8 Mio. erhöht. Es handle sich daher um eine steuerneutrale Ka-</span><br/> <span class="text">pitaleinlage. Diese Vorgänge seien ausschliesslich in der Bilanz er-</span><br/> <span class="text">folgt, was die Vorinstanz in Verletzung des Massgeblichkeitsprinzips</span><br/> <span class="text">nicht beachtet habe. Eventualiter macht sie geltend, es liege - wenn</span><br/> <span class="text">überhaupt - ein erfolgsneutraler Forderungsverzicht vor, da die Dar-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Steuern und Abgaben</span> <span class="page_no">59</span> </div> <div class="page" id="S59"> <div role="main"> <span class="text">lehen wegen des schlechten Geschäftsganges gewährt worden seien</span><br/> <span class="text">und Dritte nicht zu denselben Konditionen Darlehen in dieser Höhe</span><br/> <span class="text">gesprochen hätten.</span><br/> <span class="text">2.</span><br/> <span class="text">2.1.</span><br/> <span class="text">Als erfolgsneutrale Vorgänge beschreibt § 70 lit. a StG (über-</span><br/> <span class="text">einstimmend mit Art. 24 Abs. 2 lit. a StHG; und Art. 60 lit. a DBG)</span><br/> <span class="text">Kapitaleinlagen von Mitgliedern von Kapitalgesellschaften und Ge-</span><br/> <span class="text">nossenschaften, einschliesslich Aufgelder und Leistungen à fonds</span><br/> <span class="text">perdu. Dadurch entsteht kein steuerbarer Gewinn. Entgegen der Leh-</span><br/> <span class="text">re, welche unter einer Kapitaleinlage jede Erhöhung der Eigenkapi-</span><br/> <span class="text">talbasis durch die Gesellschafter in der Eigenschaft als Inhaber von</span><br/> <span class="text">Kapitalanteilsrechten versteht, stellt das Bundesgericht (Urteil</span><br/> <span class="text">2C_634/2012 vom 20. Oktober 2014) und die Eidgenössische</span><br/> <span class="text">Steuerverwaltung (ESTV Kreisschreiben Nr. 32 vom 23. Dezember</span><br/> <span class="text">2010, Ziff. 4.1.1.1), zumindest für die Beurteilung von Forderungs-</span><br/> <span class="text">verzichten durch Aktionäre im Zusammenhang mit Sanierungen, auf</span><br/> <span class="text">objektive Kriterien ab. Die Qualifikation einer Leistung als Kapital-</span><br/> <span class="text">einlage fusst auf der Form, Art und den Umständen der erbrachten</span><br/> <span class="text">Leistung (PETER BRÜLISAUER/OLIVER KRUMMENACHER, in:</span><br/> <span class="text">MARTIN ZWEIFEL/MICHAEL BEUSCH [Hrsg.], Bundesgesetz über die</span><br/> <span class="text">Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden</span><br/> <span class="text">[StHG], 3. Auflage, Basel 2017, Art. 24 N 379 f.). Offene Kapital-</span><br/> <span class="text">einlagen sind solche, welche bei der leistenden Muttergesellschaft</span><br/> <span class="text">und der empfangenden Tochtergesellschaft bewertungs- und buch-</span><br/> <span class="text">mässig als solche gekennzeichnet sind. Sie sind mit dem tatsäch-</span><br/> <span class="text">lichen Wert in den jeweiligen Jahresrechnungen aufgeführt und</span><br/> <span class="text">können handelsrechtlich erfolgsneutral oder -wirksam verbucht wer-</span><br/> <span class="text">den, was auf den konkreten Sachverhalt ankommt. Als Beispiele</span><br/> <span class="text">werden formelle Kapitalerhöhungen und à fonds perdu Zuschüsse</span><br/> <span class="text">genannt. In der Lehre werden i.d.R. auch von Anteilsinhabern im</span><br/> <span class="text">Rahmen von Sanierungen geleistete Forderungsverzichte zu den Ka-</span><br/> <span class="text">pitaleinlagen gezählt, was gemäss der Rechtsprechung des Bundes-</span><br/> <span class="text">gerichts nur ausnahmsweise der Fall sein soll (BRÜLISAUER/</span><br/> <span class="text">KRUMMENACHER, a.a.O., Art. 24 N 385).</span><br/> <span class="text">2.2.</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">60</span> </div> <div class="page" id="S60"> <div role="main"> <span class="text">Eine formelle Kapitalerhöhung führte die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="text">im Zuge der Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital nicht durch,</span><br/> <span class="text">obwohl im Detailkontoauszug der Buchhaltung der Muttergesell-</span><br/> <span class="text">schaft die Bezeichnung Kapitalerhöhung verwendet wird. Stattdessen</span><br/> <span class="text">wurden die bestehenden Darlehen um CHF 8 Mio. gegen Reserven</span><br/> <span class="text">ausgebucht und der den gesetzlichen Reserven zugeführte Betrag von</span><br/> <span class="text">CHF 8 Mio. gegen Gewinnvortrag verbucht. Damit verschwand der</span><br/> <span class="text">Verlustvortrag von CHF 6.5 Mio. in der Bilanz der Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führerin vollständig. Als Gegenleistung erhöhte die Muttergesell-</span><br/> <span class="text">schaft die Gestehungskosten ihrer Beteiligung um CHF 8 Mio. Der</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführerin ist zwar zuzustimmen, dass es bei einer zu</span><br/> <span class="text">100% am Nominalkapital der Tochtergesellschaft beteiligten Mutter-</span><br/> <span class="text">gesellschaft grundsätzlich nicht darauf ankommen kann, ob sie für</span><br/> <span class="text">die Umwandlung von Fremdkapital in Eigenkapital Aktien erhält, um</span><br/> <span class="text">den Vorgang als steuerneutral einzustufen, da die Beteiligungsquote</span><br/> <span class="text">auf jeden Fall unverändert bei 100% bleibt. Das ist vorliegend jedoch</span><br/> <span class="text">nicht ausschlaggebend - die Vermögenslage der leistenden Mutter-</span><br/> <span class="text">gesellschaft verändert sich nämlich grundsätzlich nicht bei solchen</span><br/> <span class="text">Geschäften, da Gegenleistung und Wertzunahme der Beteiligung zu-</span><br/> <span class="text">sammen immer ein äquivalentes Entgelt für die erbrachte Leistung</span><br/> <span class="text">darstellen (MARKUS REICH, Verdeckte Vorteilszuwendungen</span><br/> <span class="text">zwischen verbundenen Unternehmen, in: ASA, Band 54 1985/86,</span><br/> <span class="text">S. 625) - vielmehr ist bedeutsam, dass eben gerade keine formelle</span><br/> <span class="text">Kapitalerhöhung wie sie § 70 lit. a StG fordert, vorgenommen wur-</span><br/> <span class="text">de. Indem § 70 lit. a StG ausdrücklich die Zuschüsse à fonds perdu</span><br/> <span class="text">erwähnt und diese als unentgeltliche Leistungen der Beteiligten an</span><br/> <span class="text">die Kapitalgesellschaft ausserhalb einer Kapitalerhöhung umschrie-</span><br/> <span class="text">ben werden (BRÜLISAUER/KRUMMENACHER, a.a.O., Art. 24 N 415;</span><br/> <span class="text">Urteil des Bundesgerichts 2C_634/2012 vom 20. Oktober 2014,</span><br/> <span class="text">E. 5.2.2), kann es sich bei den Kapitalerhöhungen nur um solche</span><br/> <span class="text">formeller Art handeln. Die Beschwerdeführerin hätte also eine Kapi-</span><br/> <span class="text">talerhöhung mittels Verrechnungsliberierung (debt-equity swap) ge-</span><br/> <span class="text">mäss Art. 650 und 652c OR i.V.m. Art. 634a Abs. 2 und 635 Ziff. 2</span><br/> <span class="text">OR vornehmen und die in diesem Zusammenhang aufgestellten ge-</span><br/> <span class="text">setzlichen Vorschriften einhalten müssen (PETER LOCHER, Kommen-</span><br/> <span class="text">tar zum DBG, Therwil/Basel 2004, Art. 60 N 31). Damit wären die</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Steuern und Abgaben</span> <span class="page_no">61</span> </div> <div class="page" id="S61"> <div role="main"> <span class="text">Verpflichtungen der Gesellschaft vermindert und gleichzeitig das</span><br/> <span class="text">nominelle Eigenkapital entsprechend erhöht worden. Weil die</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführerin mit ihrem Verzicht auf die Darlehensforderung</span><br/> <span class="text">und gleichzeitiger Erhöhung der ursprünglichen Gestehungskosten</span><br/> <span class="text">ihrer Beteiligung den informellen Weg ohne Kapitalerhöhung</span><br/> <span class="text">gewählt hat und die entsprechenden Vorschriften nicht eingehalten</span><br/> <span class="text">hat, ist der Vorgang als blosser Forderungsverzicht und nicht als</span><br/> <span class="text">Kapitaleinlage zu qualifizieren.</span><br/> <span class="text">2.3.</span><br/> <span class="text">Daran vermag auch das von der Beschwerdeführerin angerufene</span><br/> <span class="text">Massgeblichkeitsprinzip nichts zu ändern. Die (formelle) Mass-</span><br/> <span class="text">geblichkeit bedeutet zwar, dass die Steuerbehörde auf die von den</span><br/> <span class="text">Organen der Gesellschaft verabschiedete konkrete Jahresrechnung</span><br/> <span class="text">abzustellen hat (vgl. ERNST BLUMENSTEIN/PETER LOCHER, System</span><br/> <span class="text">des schweizerischen Steuerrechts, 7. Aufl., Zürich 2016, S. 326 mit</span><br/> <span class="text">Hinweisen; vgl. zur Unterscheidung zwischen formeller und mate-</span><br/> <span class="text">rieller Massgeblichkeit ROLF BENZ, Handelsrechtliche und steuer-</span><br/> <span class="text">rechtliche Grundsätze ordnungsmässiger Bilanzierung, Zürich 2000,</span><br/> <span class="text">S. 195). Kommt aber die Steuerbehörde wie hier zum Schluss, es lie-</span><br/> <span class="text">ge entgegen der Verbuchung in der Jahresrechnung ein erfolgswirk-</span><br/> <span class="text">samer Vorgang vor, darf sie für steuerliche Zwecke eine Bilanz-</span><br/> <span class="text">berichtigung vornehmen. In diesem Fall hilft der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="text">auch die Bestätigung der handelsrechtskonformen Verbuchung durch</span><br/> <span class="text">die Revsionsstelle nicht weiter (MARKUS BERGER, Probleme der</span><br/> <span class="text">Bilanzberichtigung, ASA 70 2001/2002, S. 552 f.).</span><br/> <span class="text">Die von der Beschwerdeführerin gerügte unterschiedliche</span><br/> <span class="text">Qualifikation desselben Vorgangs bei der Emissionsabgabe (Kapital-</span><br/> <span class="text">einlage) und bei den direkten Steuern (erfolgswirksamer Forde-</span><br/> <span class="text">rungsverzicht) mag zwar unbefriedigend erscheinen, ist aber auf-</span><br/> <span class="text">grund der Unterschiede dieser beiden Steuerarten hinzunehmen.</span><br/> <span class="text">Art. 5 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes vom 27. Juni 1973 über die</span><br/> <span class="text">Stempelabgaben (SR 641.10) behandelt Forderungsverzichte durch</span><br/> <span class="text">die Gesellschafter als Kapitaleinlage, was die ESTV in ihrem Kreis-</span><br/> <span class="text">schreiben Nr. 32 in Ziff. 4.1.3 nochmals explizit festhält. Die im</span><br/> <span class="text">selben Kreisschreiben Nr. 32 enthaltene Einschätzung der ESTV</span><br/> <span class="text">über die Erfolgswirksamkeit von Forderungsverzichten bei den</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">62</span> </div> <div class="page" id="S62"> <div role="main"> <span class="text">direkten Steuern, hat das Bundesgericht - wie erwähnt - geschützt.</span><br/> <span class="text">Auch an der Ungleichbehandlung von Forderungsverzichten</span><br/> <span class="text">zwischen Schwestergesellschaften, welche dem Konzept als geld-</span><br/> <span class="text">werte Leistungen (Drittvergleich) folgen, einerseits und Forderungs-</span><br/> <span class="text">verzichten zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften, welche stets</span><br/> <span class="text">erfolgswirksam sind, andererseits, ist nichts zu ändern, nachdem das</span><br/> <span class="text">Bundesgericht an seiner mit BGE 115 Ib 269 entwickelten Praxis</span><br/> <span class="text">festgehalten hat und zwar unter ausdrücklicher Verwerfung der ent-</span><br/> <span class="text">gegenstehenden Lehrmeinungen (Urteil 2C_634/2012 vom 20. Okto-</span><br/> <span class="text">ber 2014).</span><br/> <span class="text">Damit ist vorliegend grundsätzlich von einer erfolgswirksamen</span><br/> <span class="text">Sanierungsleistung auszugehen.</span><br/> <span class="text">3.</span><br/> <span class="text">3.1.</span><br/> <span class="text">Zu prüfen bleibt, ob eine Ausnahme gemäss Kreisschreiben</span><br/> <span class="text">Nr. 32 der ESTV, Ziff. 4.1.1.1 vorliegt und der Forderungsverzicht</span><br/> <span class="text">im konkreten Fall nicht doch eine steuerneutrale Kapitaleinlage dar-</span><br/> <span class="text">stellt. Dabei ist die Frage zu beantworten, ob es sich, wie die Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführerin geltend macht, um ein Aktionärsdarlehen handelt,</span><br/> <span class="text">das im Hinblick auf den schlechten Geschäftsgang gewährt worden</span><br/> <span class="text">ist und ihr unter den gleichen Umständen von unabhängigen Dritten</span><br/> <span class="text">nicht zugestanden worden wäre.</span><br/> <span class="text">3.2.</span><br/> <span class="text">Die Muttergesellschaft gewährte der Beschwerdeführerin per</span><br/> <span class="text">31. Dezember 2010 Darlehen über CHF 3 Mio. (Zinssatz 1.86%,</span><br/> <span class="text">Laufzeit bis Ende 2013) und CHF 25 Mio. (Zinssatz 2.66%, Laufzeit</span><br/> <span class="text">bis Ende 2016). Dafür wurden neue Darlehensverträge aufgesetzt.</span><br/> <span class="text">Für die Darlehensgewährung verlangte die Muttergesellschaft keine</span><br/> <span class="text">Sicherheiten. Mit der Beschwerdeführerin und entgegen der Vorin-</span><br/> <span class="text">stanz ist festzuhalten, dass dem Darlehen in der Höhe von</span><br/> <span class="text">CHF 3 Mio. der Sanierungszweck nicht mit dem Hinweis auf den</span><br/> <span class="text">Ablauf per Ende 2013, also der hier massgebenden Steuerperiode,</span><br/> <span class="text">abgesprochen werden kann. Wie die Beschwerdeführerin zu Recht</span><br/> <span class="text">geltend macht, ist der Zeitpunkt der Darlehensgewährung im Jahr</span><br/> <span class="text">2010 relevant für die Beurteilung, ob das Aktionärsdarlehen im</span><br/> <span class="text">Hinblick auf den schlechten Geschäftsgang gewährt worden ist und</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 6 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Steuern und Abgaben</span> <span class="page_no">63</span> </div> <div class="page" id="S63"> <div role="main"> <span class="text">ein unabhängiger Dritter ein solches Darlehen nicht zu denselben</span><br/> <span class="text">Konditionen gewährt hätte. Die Beschwerdeführerin hat dazu mit</span><br/> <span class="text">Eingabe vom 28. Februar 2019 folgende Übersicht über ihre</span><br/> <span class="text">Geschäftszahlen (jeweils per 31.12.) eingereicht:</span><br/> <img src="https://agve.weblaw.ch/img/public/AGVE-2019-6.png" width="300"/><br/> <!-- <span class="text">2003 CHF</span><br> <span class="text">-3'173'903.00</span><br> <span class="text">2004 CHF</span><br> <span class="text">-366'939.00</span><br> <span class="text">2005 CHF 1'257'807.00</span><br> <span class="text">2006 CHF 1'030'102.00</span><br> <span class="text">2007 CHF 2'140'477.00</span><br> <span class="text">2008 CHF 25'554.00</span><br> <span class="text">2009 CHF</span><br> <span class="text">-4'008'526.00</span><br> <span class="text">2010 CHF</span><br> <span class="text">-1'107'232.00</span><br> <span class="text">2011 CHF</span><br> <span class="text">-63'718.00</span><br> <span class="text">2012 CHF</span><br> <span class="text">-1'903'065.00</span><br> <span class="text">2013 CHF</span><br> <span class="text">-242'666.00</span><br> --> <span class="text">Aus den beim KStA eingeforderten Jahresrechnungen der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführerin geht für das Jahr 2002 ein Jahresgewinn von</span><br/> <span class="text">CHF 1'370'721.00 und für 2001 ein solcher von CHF 6'318'201.00</span><br/> <span class="text">hervor. Im Jahr 2004 erfolgte wegen Auslaufens des langfristigen</span><br/> <span class="text">Darlehens und aufgrund reduzierter Erwartungen an die budgetierten</span><br/> <span class="text">Zahlen für das Geschäftsjahr 2004 eine Umschuldung mit einer Er-</span><br/> <span class="text">höhung des Langfristdarlehens. Dass es sich bei den umstrittenen</span><br/> <span class="text">Darlehen im Jahre 2010 um neu gewährte Darlehen handelt, zeigt</span><br/> <span class="text">auch die Entwicklung der langfristigen Verbindlichkeiten Aktionär</span><br/> <span class="text">in der Bilanz (2008: CHF 28 Mio.; 2009: CHF 0; 2010:</span><br/> <span class="text">CHF 28 Mio.) und der kurzfristigen Verbindlichkeiten Aktionär</span><br/> <span class="text">(2008: CHF 1.5 Mio.; 2009: CHF 32 Mio.; 2010: 2 Mio.). Die 2010</span><br/> <span class="text">abgeschlossenen Darlehen weisen denn auch im Vergleich zu den</span><br/> <span class="text">früheren Darlehen andere Summen, verschiedene Laufzeiten und</span><br/> <span class="text">veränderte Zinskonditionen auf. Im Anhang der Jahresrechnung 2010</span><br/> <span class="text">erklärte die Muttergesellschaft überdies gegenüber der Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führerin wegen der Gefahr einer Überschuldung (der Verlust lag</span><br/> <span class="text">bereits über dem hälftigen buchmässigen Eigenkapital) einen Rang-</span><br/> <span class="text">rücktritt in der Höhe von CHF 2 Mio.</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 7 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">64</span> </div> <div class="page" id="S64"> <div role="main"> <span class="text">3.3.</span><br/> <span class="text">Die von der Vorinstanz angeführte Tatsache, wonach die Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführerin in der Steuerperiode 2013 zum Verkauf gestanden</span><br/> <span class="text">habe, hat keinen erkennbaren Einfluss auf den Sanierungszweck der</span><br/> <span class="text">im Jahre 2010 gewährten Darlehen. Es ergibt durchaus Sinn, eine</span><br/> <span class="text">Gesellschaft vor dem Verkauf zu sanieren, um einen höheren Ver-</span><br/> <span class="text">kaufspreis zu erzielen oder sie überhaupt verkaufen zu können. Eben</span><br/> <span class="text">so wenig schadet in diesem Zusammenhang die Aufhebung des</span><br/> <span class="text">zwischenzeitlich auf CHF 6 Mio. angehobenen Rangrücktritts der</span><br/> <span class="text">Muttergesellschaft zu Gunsten der Beschwerdeführerin per 30. Sep-</span><br/> <span class="text">tember 2013. Diese Ereignisse beziehen sich auf die Steuerperiode</span><br/> <span class="text">2013, ausschlaggebend sind jedoch gemäss Bundesgericht (Urteil</span><br/> <span class="text">2C_634/2012 vom 20. Oktober 2014 E. 6.1.2) und ESTV Kreis-</span><br/> <span class="text">schreiben Nr. 32 Ziff. 4.1.1.1. lit. a die Verhältnisse im Zeitpunkt der</span><br/> <span class="text">Darlehensgewährung im Jahre 2010.</span><br/> <span class="text">3.4.</span><br/> <span class="text">Zu fragen ist in diesem Zusammenhang, ob ein unabhängiger</span><br/> <span class="text">Dritter, angesichts der ausgewiesenen finanziellen Verhältnisse der</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführerin, die von der Muttergesellschaft gesprochenen</span><br/> <span class="text">Darlehen zu denselben Konditionen gewährt hätte. Dies ist vorlie-</span><br/> <span class="text">gend auch bei der vom Bundesgericht angemahnten restriktiven An-</span><br/> <span class="text">wendung der Ausnahmen (Urteil des Bundesgerichts 2C_634/2012</span><br/> <span class="text">vom 20. Oktober 2014 E. 5.2.4) zu verneinen. Ein unabhängiger</span><br/> <span class="text">Dritter hätte der Beschwerdeführerin angesichts deren schwierigen</span><br/> <span class="text">finanzieller Lage und der wirtschaftlich schlechten Aussichten kein</span><br/> <span class="text">langfristiges Darlehen ohne Sicherheiten in dieser Grössenordnung</span><br/> <span class="text">gewährt und falls doch, hätte er einen höheren Zins für das Eingehen</span><br/> <span class="text">dieses höheren Risikos ohne Sicherheiten verlangt. Dem Forde-</span><br/> <span class="text">rungsverzicht ist daher im vorliegenden Fall ausnahmsweise die Er-</span><br/> <span class="text">folgswirksamkeit abzusprechen.</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>