B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-7063/2013 U r t e i l v o m 11 . M ä r z 2 0 1 4 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Ruth Beutler, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien 1. X._______, 2. Y._______, vertreten durch lic. iur. Robert Frauchiger, Advokaturbüro, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-7063/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die philippinischen Staatsangehörigen A._______ (geb. 1990, nachfolgend: Gesuchsteller 1) und B._______ (geb. 1991, nachfolgend: Gesuchsteller 2 ) beantragten am 14. Februar 2013 bei der Schweizerischen Botschaft in Ma- nila je ein Schengen -Visum für einen einmonatigen Besuchsaufenthalt (vom 8. Mai bis 6. Juni 2013) bei ihrer in der Schweiz lebenden Mutter und deren Ehemann (nachfolgend: Beschwerdeführende bzw. Gastgeber). B. Mit Formularentscheid vom 25. März 2013 lehnte es die Botschaft ab, d ie gewünschten Visa auszustellen. Sie begründete dies damit, der Nachweis über ausreichende finanzielle Mittel zur Bestreitung des Lebensunterhaltes für die Dauer des beabsichtigten Aufenthalts oder für die Rückkehr in den Herkunfts- oder Wohnsitzstaat oder für die Durchreise in einen Drittstaat sei nicht erbracht. C. Gegen diese Entscheide erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache (Eingang BFM am 28. März 2013). D. Nachdem die Vorinstanz durch das Amt für Migration und Integration d es Kantons Aargau weitere Abklärungen zum Sachverhalt veranlasst hatte, wies sie die Einsprache mit Verfügung vom 5. Juni 2013 ab. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, nach Einschätzung der zuständigen kantonalen Migrationsbehörde bestehe vor liegend – aufgrund von Steuer- ausständen, vorhandenen Zahlungsbefehle n sowie Konkursandrohungen – nicht genügend Bonität. E. Die dagegen von den Beschwerdeführenden eingereichte Rechtsmittelei n- gabe vom 3. Juli 2013 hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 25. September 2013 gut. Die angefochtene Verfügung wurde aufgehoben und die Sache zur ergänzenden Abklärung und Beurteilung an das BFM z u- rückgewiesen. Begründet w urde dies mit dem Umstand, die vorliegenden Akten würden keine abschliessende n Aussagen zu den finanziellen Verhäl t- nissen der Beschwerdeführenden zulassen. Das BFM habe nicht berüc k- sichtigt, dass die Gastgeber in ihrer Beschwerde gel tend machten, sie hä t- ten keine Steuerausstände mehr und auch die Zahlungsbefehle und Ko n- kursandrohungen seien erledigt. Die diesbezüglichen Vorbringen der B e-C-7063/2013 Seite 3 schwerdeführenden seien mittels entsprechen der Dokumente belegt wor- den. F. In der Folge ersuchte die Vorinstanz die Migrationsbehörde des Kantons Aargau wie auch die Schweizer Vertretung nochmals um D urchführung er- gänzender Abklärungen hinsichtlich der finanziellen Verhältnisse der B e- schwerdeführenden sowie der übrigen Voraussetzungen zur Erteilung eines Schengenvisums (Aufenthaltszweck, Garantie für eine Wiederausreise der Gäste). G. Mit Verfügung vom 14. November 2013 wies die Vorinstanz die Einsprache der Beschwerdeführenden abermals ab. Dabei führte sie aus, die G e- suchsteller würden in einer Region leben, aus der als Folge der dort insb e- sondere in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderungs druck festzustellen sei. Besondere Gewähr für die fristgerechte Wieder ausreise nach einem Besuchsaufenthalt ergebe sich auch aus den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen de r Ge- suchsteller nicht. Sie seien jung, ledig und kinderlos und würden angeblich noch bei ihrer Tante leben . Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse der G e- suchsteller würden keine besondere Gewähr für eine gesicherte und fristg e- rechte Wiederausreise bieten. Hinzu komme, dass die kantonale Behörde nach nochmals durchgeführten Inlandabklärungen die erforderlichen fina n- ziellen Garantien weiterhin anzweifle. Da jedoch mit der nicht gesicherten Wiederausreise die Voraussetzungen zur Erteilung eines Schengen -Visums ohnehin nicht erfüllt seien, erübrige sich vorliegend eine abschliessende Prüfung der finanziellen Mittel der Gastgeber. H. Mit Beschwerde vom 16. Dezember 2013 beantragen die Beschwerdefü h- renden die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, und die zuständigen Stellen seien anzuweisen, den Gesuchstellern die beantragten Visa zu ertei- len. Sie machen im Wesentlichen geltend, die Mutter der Gesuchsteller – die Beschwerdeführerin – lebe seit vier Jahren in der Schweiz und sei mit einem Schweizer Bürger verheiratet. Es sei naheliegend, dass sowohl der Gastge- ber die Söhne seiner Ehefrau kennenlernen wolle wie auch die Mutter ihren Söhnen ihr Lebensumfeld und die Schweiz zeigen wolle. Beide Gesuchste l- ler hätten eine solide Arbeitsstelle in ihrem Heimatland. Es lägen Bestäti- gungen der Arbeitgeber vor, dass die Brüder für einen Ferienaufenthalt in der Schweiz Urlaub bekämen. Die Garantien der Beschwerdeführer seien C-7063/2013 Seite 4 zudem in keiner Weise berücksichtigt worden. Der im Pensionsalter stehe n- de Beschwerdeführer sei daran, seine Erwerbstätigkeit als Garag ist einzu- stellen und seinen Betrieb zu verkaufen. Er habe von seinem Nachfolger be- reits Teilkaufzahlungen erhalten. So weise sein Geschäftskonto per 5. D e- zember 2013 einen Aktivsaldo von Fr. 156'981.77 auf. Die Beschwerdeführe- rin weise ihrerseits auf ihrem Ban kkonto per 13. Dezember 2013 ein Guth a- ben von Fr. 24'319.82 auf. I. Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 4. Februar 2014 die Ab- weisung der Beschwerde. J. Mit Replik vom 17. Februar 2014 halten die Beschwerdeführenden an ihren Anträgen fest. Ergänzend wird festgehalten, die Gastgeber hätten vom 15. bis zum 31. Januar 2014 Ferien in der Heimat der Ehefrau verbracht. Sie hätten bei dieser Gelegenheit ein Einfamilienhaus erworben, in welches nun die beiden Söhne einziehen werden. Die Beschwerdeführer in habe bereits eine Einzahlung von Fr. 17'000.- (gesamte Kaufsumme ca. Fr. 100'000.-) ge- leistet. K. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit erheblich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügun gen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums zu Besuchs zwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheid et das Bundesver waltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichts gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). C-7063/2013 Seite 5 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführenden sind gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be - schwerde berechtigt. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerd e auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gut heissen oder ab- weisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 sowie BVGE 2011/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung liegen die Gesuche philippinischer Staatsan- gehörigen um Erteilung eines Visums für einen 30-tägigen Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich d ie Gesuchsteller nicht auf die EU/EFTA - Personenfreizügigkeitsabkommen berufen k önnen und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die vorliegende Strei t- sache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Sche n- gen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen - Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsverordnung gelangen nur soweit zur Anwe n- dung, als die Schengen -Assoziierungsabkommen keine abweichenden B e- stimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung ei-C-7063/2013 Seite 6 nes Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätz- lich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gesta t- ten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Auslän- derinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen-Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitli che Voraussetzunge n für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaa ten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus setzungen nicht erfüllt sind. E i- nen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Martina Caroni / Thomas Gächter / Daniela Thurn herr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bu n- desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Bürger von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schengen- Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen je Zeitraum von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedokumente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Dritt länder, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, s o- wie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gültigen Aufenthaltstitels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristigen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die V i- sumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verord- nung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeins chaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a –c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfolgend: V i- sakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufentha l- tes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederaus-C-7063/2013 Seite 7 reise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Des weiteren dür- fen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentl i- che Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die i n- ternationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristgerecht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Pers o- nen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwander ung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mi t dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenommen) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitli- ches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder auf grund internationaler Verpflic h- tungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt staatsangehörigen Per- son, welche die ordentlichen Einreisevorausset zungen nicht erfüllt, au s- nahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Die ses Visum ist grundsätzlich nur für das H o- heitsgebiet des ausstellen den Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter den selben Voraussetzungen kann einer drittstaat s- angehörigen Person die Einreise a n den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 4.6 Aufgrund ihrer philippinischen Staatsangehörigkeit unterliegen die G e- suchsteller der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einreisevo r- aussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesicherten Wi e- derausreise im Vordergrund. Eine solche erachtet die Vorinstanz aufgrund C-7063/2013 Seite 8 der allgemeinen Situation im Heimatland und der persönlichen Verhältnisse des Gesuchstellers als nicht genügend gesichert. Zur Einschätzung entspre- chender Risiken sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 4.7 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und an- standslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreiseges u- che von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen können ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht. 5. 5.1 Die philippinische Wirtschaft weist die für viele Entwicklungsländer typ i- sche Zweiteilung auf: Moderne Elektronik -Industrie und boomender Diens t- leistungssektor auf der einen Seite, Armut und Subsistenzlandwirtschaft a n- dererseits. Die Wachstumsaussichten für die nächsten Jahre sind grundsätz- lich vielversprechend. Insbesondere sind die Staatsfinanzen und der private Finanzsektor in einer sehr stabilen Verfassung und sollten selbst stärkeren weltwirtschaftlichen Turbulenzen widerstehen können. Trotz der grundsät z- lich positiven wirtschaftlichen Entwicklung in den Philippinen sind jedoch dort nach wie vor breite Bevölkerungss chichten von kargen ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen betroffen ( Quelle: Webseite des deutschen Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de, Aussen- und Europapolitik > Länderinformationen > Länder A -Z > Philippinen > Wirtschaft, Stand: April 2013 > Seite besucht im Februar 2014). 5.2 Im Falle der Schweiz wird die Tendenz zur Immigration erfahrungs ge- mäss dort noch begünstigt, wo durch die Anwesenheit von Verwandten oder Freunden bereits ein minimales soziales Beziehungsnetz besteht. An - gesichts der restriktiven Zulassungsregelung werden dabei nicht selten au s- länderrechtliche Bestimmungen umgangen, indem versucht wird, den Au f- enthalt – einmal eingereist – auf eine ganz andere rechtliche oder fakti sche Basis zu stellen und sich so der Pflicht zur Wi ederausreise zu ent ziehen. Solche Umstände und Erfahrungen sind beim Entscheid über die Erteilung eines Visums zu berücksichtigen. 5.3 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur die erwähnten allgemei - nen Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtlich e Gesichts punkte C-7063/2013 Seite 9 des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt ei ner gesuchstellen- den Person im Heimatland beispielsweise eine besondere berufliche, gesell- schaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederaus reise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein ausländerrecht lich nicht regelkonformes Verhalten (nach bewilligter Ein reise zu einem Besuchsaufent halt) hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Beide Gesuchsteller (geb. 1990 bzw. 1991) sind kinderlos und unverhei- ratet. Im Auskunftsbogen vom 6. Mai 2013 führt die Beschwerdeführerin aus, ihre Söhne würden noch bei ihrer Schwester in Laguna leben. In ihrer Replik machen die Beschwerdeführenden nun ergänzend geltend, sie hätten mit t- lerweile anlässlich eines Ferienaufenthaltes vom 15. bis 31. Januar 2014 in der Heimat der Gastgeberin ein Einfamilienhaus erworben, in welches die beiden jungen Männer nun einziehen w ürden. Eine Anzahlung von ca. Fr. 17'000. - sei bereits geleis tet worden. Beweismässig unterlegt wurden diese Aussagen durch Einreichung des Kaufvertrag s, eines Dokuments betreffend Zusammenstellung der Finanzierung und des Zahlungsvertrags (je in Kopieform) sowie durch zwei Fotos der Liegenschaft. 6.2 Die wirtschaftlichen Verhältnisse der beiden Brüder stellen sich gemäss den Akten wie folgt dar: Der Gesuchsteller 1 arbeitet seit dem 28. Februar 2012 als Kellner bei C._______ und verdient dort monatlich 11'856 PHP (ca. Fr. 235.-; vgl. Schreiben C._______ vom 12. Februar 2013 ). Der Beschwer- de beigelegt wurden überdies drei Lohnabrechnungen. Es ist somit nicht von der Hand zu weisen, dass der Gesuchsteller 1 seit rund zwei Jahren einer Arbeit nachgeht und damit ein regelmässiges Einkommen zur Deckung sei- nes Lebensunterhaltes erzielt. Kommt hinzu, dass sein erzielter Lohn das monatliche philippinische Durch schnittseinkommen von 184.00 USD (ca. Fr. 163.-) übersteigt (vgl.http://durchschnittseinkommen.net/durchschnittsein- kommen-philippinen, besucht im Februar 2014). Gemäss den Akten schloss der Gesuchsteller 2 sein Studium am San Pedro College of Business Administration am 13. April 2013 ab (vgl. Auskunftsbo- gen vom 6. Mai 2013; Student Copy 16. November 2012). Nachdem er un- mittelbar nach Beendigung seines Studiums noch über keine Arbeit verfügte, ist er nun seit Juni 2013 als "Project Officer" tätig und verdient damit monat- lich 17'500 PHP brutto (vgl. Bestätigung der D._______ vom C-7063/2013 Seite 10 21. Okto ber 2013 sowie Lohnabrechungen vom September bis November 2013). Zu den Akten gelegt wurden zudem auch die Bestätigungen beider Arbeitgeber, den Gesuchsteller n für den 30 -tägigen Aufenthalt in der Schweiz Urlaub zu bewilligen (vgl. Certifica tion D._______ vom 21. Oktober 2013 sowie Certification C._______ vom 18. Oktober 2013). Kommt hinzu, dass die Vorinstanz durch die schweizerische Auslandvertretung weitere Ab- klärungen durchführen liess. In diesem Rahmen wurden die Arbeitgeber bei- der Gesuchsteller kontaktiert. Dabei bestätigten jene erneut, dass den Ge- suchstellern für den Aufenthalt in der Schweiz maximal ein Monat Urlaub gewährt werde (vgl. E -Mails vom 11. November 2013 bzw. 12 November 2013). Mit diesen Ausführungen kann davon ausgegangen werden, die Ge- suchsteller lebten in wirtschaftlich erträglichen und soliden Verhältnissen, zumal sich nun auch ihre Wohnsituation dadurch verändert hat, dass die Be- schwerdeführenden für sie ein Haus in San Pedro, Laguna erworben haben. Es kann somit vorliegend nicht von Lebensverhältnissen ausgegangen we r- den, die unmittelbar auf vorhandene Emigrationsabsichten hinweisen. 6.3 Nicht unbeachtlich ist zudem auch der Umstand, dass es sich bei den Gesuchstellern um die Söhne der Beschwerdeführerin handelt, welche seit 4 Jahren in der Schweiz lebt. Die Gastgeber weisen damit beschwerdeweise zu Recht daraufhin, es bestehe ein naheliegendes Bedürfnis der Ge- suchsteller, einmal das Lebensumfeld ihrer Mutter kennenzulernen. 7. Die aufgezeigten Verhältnisse lassen bei den Gesuchstellern auf eine genü- gende Gewähr für lautere Absichten bzw. die Wahrscheinlichkeit regelko n- formen Verhaltens schliessen. Auch wenn das Risiko für eine Missachtung ausländerrechtlicher Normen nie gänzlich ausgeschlossen werden kann, e r- scheint es vorliegend doch als gering. Es ist mit anderen Worten nicht davon auszugehen, es bestünden Hinderungsgründe dieser Art gemäss Art. 5 SGK bzw. Art. 5 AuG für die Erteilung des beantragten Visums. 8. In ihrer Verfügung vom 14. November 2013 macht die Vorinstanz des Weite- ren geltend, die erforderlichen finanziellen Garantien der Gastgeber würden durch die kantonalen Behörden weiterhin angezweifelt. Die Vorinstanz ve r- zichtete hingegen auf eine abschliessende Prüfung der finanziellen Mittel der Gastgeber, da die Voraussetzungen zur Erteilung des beantragten Schengen-Visums ohnehin nicht erfüllt seien. Vollständigkeitshalber gilt es hingegen darauf hinzuweisen, dass man aufgrund der Akten und der b e- schwerdeweise getätigten Ausführungen nicht ohne Weiteres darauf C-7063/2013 Seite 11 schliessen kann, die Gastgeber könnten die finanziellen Garantien nicht erbringen. So wird denn auch erneut geltend gemacht, die Gastgeberin a r- beite zu 60% bei E._______ und arbeite zusätzlich 6 Stunden pro Woche als Putzfrau. Der Beschwerdeführer führe eine Garage und erhalte zusätzli ch AHV-Leistungen. Zudem wird ausgeführt, der Beschwerdeführer sei daran, seine Erwerbstätigkeit als Garag ist einzustellen und seinen Betrieb zu ve r- kaufen. In diesem Zusammenhang habe er von seinem Nachfolger bereits Teilkaufzahlungen erhalten. Sein Geschäftskonto weise per 5. Dezember 2013 einen Aktivsaldo von Fr. 156'981.77 auf. Die Beschwerdeführerin b e- sitze ihrerseits auf ihrem Bank konto ein Guthaben von Fr. 24'319.82. Die Steuern 2010 bis 2012 seien beglichen worden. Zudem seien auch die pr o- visorischen Steuern für das laufende Jahr bereits beglichen worden. Be legt werden diese Vorbringen mittels Kopien von Bankauszügen und einer Ste u- errechnung/-quittung des Jahres 2013. 9. Indem die Vorinstanz den entscheidsrelevanten Sachverhalt wesentlich a n- ders gewichtete, hat sie Bundesrecht verletzt (Art. 49 Bst. a VwVG). Die B e- schwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung ist aufzu he- ben und die Sache zur neuerlichen Beurteilung an die Vorinstanz zurückz u- weisen. Dabei bleibt von der Vorinstanz zu prüfen, ob auch die übrigen in Art. 5 SGK genannten Einr eisevoraussetzungen erfüllt sind (vgl. dazu auch E. 8) oder allenfalls gemäss Art. 2 Abs. 4 VEV ein Visum mit räumlich b e- schränkter Gültigkeit zu erteilen ist. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 e contrario und 2 VwVG) und der geleistete Kosten vorschuss ist zurückzuerstatten. 10.2 Die Beschwerdeführenden haben gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG Anrecht auf eine Parteientschädigung für die ih nen erwachsenen notwendigen Ko s- ten (vgl. auch Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge richt [VGKE, SR 173.320.2]). Diese Entschädigung geht zu Lasten der Vorinstanz (vgl. Art. 64 Abs. 2 VwVG). Es wurde keine Kostennote eingereicht, so dass das Gericht die Parteientschädigung aufgrund der Akten festsetzt (vgl. Art. 14 V GKE i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). C-7063/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die angefochtene Verfügung vom 14. November 2013 wird aufgehoben und die Sache zu neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben und der bereits geleistete Ko s- tenvorschuss von Fr. 1'000.- wird den Beschwerdeführenden zurückerstattet. 3. Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführenden eine Parteientschädigung von Fr. 1'500.- (inkl. MWST und Auslagen) auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführenden (Einschreiben; Beilage: Formular: "Zahl - adresse") – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. [...], […] retour) – das Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau Der Instruktionsrichter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer Versand: