Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 14. Juni 2016 (470 16 91) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Untersuchungs- / Sicherheitshaft Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref.), Richter Ste- phan Gass; Gerichtsschreiberin Manuela Illgen Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdeführerin gegen Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft, Grenzacherstrasse 8, Postfach 810, 4132 Muttenz, Beschwerdegegner A.____, vertreten durch Advokat Thomas Zajac, Kohlenberg 29 A, 4051 Basel, Beschwerdegegner Gegenstand Untersuchungs- / Sicherheitshaft Beschwerde gegen den Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 29. April 2016 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 29. April 201 6 wurde unter ande- rem der Antrag der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabteilung (nac h- folgend: Staatsanwaltschaft) auf Anordnung der Untersuchungshaft abgewiesen und A.____ (nachfolgend: der Beschuldigte) unverzüglich aus der Haft entlassen. Mit gleichentags erla s- sener Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts wurde die Freilassung des Beschuldigten bis zu einem anderslautenden Entscheid der Beschwerdeinstanz aufgeschoben. Zudem wurde darin der Staatsanwaltschaft die Gelegenheit gegeben, ihre mündlich angekündigte Beschwerde schriftlich und begrü ndet spätestens gleichentags bis 14.30 Uhr einzureichen, ansonsten eine Haftentlassungsverfügung erlassen werde. Auf die Begründung dieses Entscheids sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Beschlusses eing egan- gen. B. Gegen diesen Entscheid erhob die Staatsanwaltschaft gleichentags (beim Zwang s- massnahmengericht um 14.14 Uhr eingegangen) beim Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht (nachfolgend: Kantonsgericht), Beschwerde, indem sie b eantragte, (1.) es sei der Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 29. April 2016 aufzuheben, (2.) es sei für die Dauer von drei Monaten ab dem Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids des Zwangsmassnah- mengerichts die Untersuchungshaft anzuordnen, (3.) e s sei der Beschwerde die aufschi e- bende Wirkung zu erteilen und für die Dauer des Beschwerdeverfahrens zunächst superpr o- visorisch Untersuchungshaft anzuordnen, (4.) es sei der Staatsanwaltschaft nach Vorliegen der schriftlichen Begründung des angefochtenen Entscheids des Zwangsmassnahmeng e- richts eine angemessene Frist anzusetzen, um eine einlässliche Beschwerdeschrift einz u- reichen, (5.) unter o/e Kostenfolge. C. Das Zwangsmassnahmengericht verzichtete mit Eingabe vom 29. April 2016 vorerst auf eine Stellungnahme und beantragte unter Verweis auf seinen begründeten Entscheid die Abweisung der Beschwerde. D. Mit superprovisorischer Verfügung des Präsidenten des Kantonsgerichts vom 29. April 2016 wurde unter anderem der Beschwerde der Staatsanwaltschaft die aufschie bende Wir- kung erteilt und die einstweilige Fortdauer der Haft angeordnet. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Der Beschuldigte schloss mit Stellungnahme vom 3. Mai 2016 auf Abweisung des A n- trages der Staatsanwaltschaft bezüglich der Erteilung der aufschiebenden Wirkung und b e- gehrte eine unverzügliche Haftentlassung. F. In ihrer ergänzenden Beschwerdebegründung vom 4. Mai 2016 hielt die Staatsa n- waltschaft an ihren Anträgen vom 29. April 2016 fest. G. Mit provisorischer Verfügung des Präsidenten des Kantonsgerichts vom 4. Mai 2016 wurde in Bestät igung der Ziffern 1 und 2 der superprovisorischen Verfügung vom 29. April 2016 der Beschwerde der Staatsanwaltschaft weiterhin die aufschiebende Wirkung erteilt und die Fortdauer der Untersuchungshaft während der Dauer des kantonsgerichtlichen B e- schwerdeverfahrens angeordnet. H. In seiner Stellungnahme vom 17. Mai 2016 beantragte das Zwangsmassnahmeng e- richt abermals, die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen, unter o/e-Kostenfolge. I. Der Beschuldigte hielt in seiner Stellungnahme vom 19. Mai 2016 ebenfalls an seinen bisherigen Anträgen fest. J. Schliesslich wurde mit Schlussverfügung des Präsidenten des Kantonsgerichts vom 20. Mai 2016 unter anderem der Schriftenwechsel geschlossen. Erwägungen 1. Formelles 1.1 Gemäss Art. 222 StPO kann die verhaftete Person Entscheide über die Anordnung, die Verlängerung und die Aufhebung der Untersuchungs - oder Sicherheitshaft bei der B e- schwerdeinstanz anfechten. Obwohl in Art. 222 StPO nicht explizit als beschwerdebefugt genannt, kommt auch der Staatsanwaltschaft Beschwerdelegitimation zu (BGE 137 IV 22, Erw. 1.2 ff.; MARC FORSTER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Art. 222 N 6, m.w.H.). Das Verfahren richtet sich diesfalls nach Art. 393 ff. StPO. Laut Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO ist die Beschwerde zulässig gegen die Entscheide des Zwangsmassnahmengerichts in den in di e- sem Gesetz vorgesehenen Fällen. Die Beschwerde ist innert 10 Tagen schriftlich und b e- gründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art . 396 Abs. 1 StPO). Die Beschwe r- deinstanz beurteilt unter anderem Entscheide des Zwangsmassnahmengerichts in den in Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht diesem Gesetz vorgesehenen Fällen (Art. 20 Abs. 1 lit. c StPO). Im Kanton Basel-Landschaft wird die Funktion der Beschwerdeinstanz gemäss § 15 Abs. 2 EG StPO durch die Dreie r- kammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, ausgeübt. 1.2 Der Entscheid des Zwangs massnahmengerichts vom 29 . April 2016 beinhaltet eine Abweisung des Antrages der Staatsanwaltschaft auf Anordnung von Untersuchungshaft so- wie eine umgehende Freilassung des Beschuldigten. Damit ist neben der Voraussetzung der Legitimation der Staatsanwaltschaft auch diejenige eines gültigen Anfechtungsobjektes e r- füllt. Die Anforderungen an die Frist und Form der Beschwerde gemäss Art. 385 Abs. 1 und Art. 396 Abs. 1 StPO sind allesamt gegeben. So wurden die begründete Beschwerde am 29. April 2016 sowie eine ergänzende begründete Beschwer de am 4. Mai 2016 gegen den Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 2 9. April 2016 fristgerecht bei der B e- schwerdeinstanz als zuständige Behörde eingereicht. Die örtliche, sachliche und funktionelle Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Beschwe r- deinstanz liegt ebenfalls vor. Auf die Beschwerde der Staatsanwaltschaft ist daher einzutre- ten. 1.3 Die Beschwerde stellt gestützt auf die in Art. 393 Abs. 2 StPO aufgezählten Beschwe r- degründe ein umfassendes ordentliches Rechtsmittel dar. Die Rechtsmittelinstanz verfügt über eine volle Kognition. Mit der Beschwerde können alle Mängel des angefochtenen En t- scheids geltend gemacht werden ( PATRICK GUIDON, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Art. 393 N 15). Gemäss Art. 393 Abs. 2 lit. a StPO können zunächst Rechtsverletzungen, ei n- schliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, gerügt werden. Lit. b sieht die unvollständige oder unrichtige Festste l- lung des Sachverhalts als Beschwerdegrund vor. Namentlich aus Gründen der Verfa h- rensökonomie übt das Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Strafrecht, in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz trotz voller Kognitionsbefugnis mit der uneingeschränkten Möglichkeit, neue Tatsachenbehauptungen und Beweise vorzubringen, Zurückhaltung. In diesem Zusammenhang gilt es zu berücksichtigen, d ass Beschwerden grundsätzlich in e i- nem schriftlichen Verfahren behandelt werden (Art. 397 Abs. 1 StPO) und im Rechtsmitte l- verfahren generell keine Beweiserhebung stattfindet (Art. 389 Abs. 1 StPO). Schliesslich sieht Art. 225 Abs. 4 StPO bereits für das Ha ftverfahren vor dem Zwangsmassnahmeng e- richt vor, dass sich dieses bei der Prüfung des Tatverdachts oder der Haftgründe auf die E r- hebung der sofort verfügbaren (liquiden) Beweise zu beschränken hat. Damit wird dem in Art. 5 Abs. 2 StPO statuierten Beschleun igungsgebot in Haftsachen, welches im Beschwe r- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht deverfahren ebenso Geltung hat, Rechnung getragen. Art. 393 Abs. 2 lit. c StPO sieht als letzten Beschwerdegrund die Unangemessenheit vor. In der Literatur wird zu Recht darauf hingewiesen, dass die Rechtsmittelinstanz den Begriff der Unangemessenheit wird eng def i- nieren müssen, um einer Beschwerdeflut vorzubeugen, die nicht sachgerecht wäre ( PATRICK GUIDON, a.a.O., N 17 ff.). 2. Materielles 2.1 Art. 212 Abs. 1 StPO statuiert den Grundsatz, wonach die beschuldi gte Person in Frei- heit bleibt. Untersuchungs- und Sicherheitshaft sind gemäss Art. 221 Abs. 1 StPO nur zulä s- sig, wenn die beschuldigte Person eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtig und ernsthaft zu befürchten ist, dass sie sich durch Flucht d em Strafverfahren oder der zu erwartenden Sanktion entzieht (lit. a, sog. Fluchtgefahr); Personen beeinflusst oder auf B e- weismittel einwirkt, um so die Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen (lit. b, sog. Kollusionsg e- fahr); oder durch schwere Verbrechen oder Vergehen die Sicherheit anderer erheblich g e- fährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten verübt hat (lit. c, sog. Wiederh o- lungsgefahr). Haft ist gestützt auf Art. 221 Abs. 2 StPO auch zulässig, wenn ernsthaft zu b e- fürchten ist, eine Person w erde ihre Drohung, ein schweres Verbrechen auszuführen, wah r- machen (sog. Ausführungsgefahr). Als letzte Voraussetzung schliesslich darf Haft nur angeordnet oder aufrechterhalten werden, wenn und solange sie verhältnismässig ist. Dieser Grundsatz ergibt si ch aus Art. 197 Abs. 1 lit. d StPO. Wenn mildere Massnahmen zum gleichen Ziel führen, dann ist die Haft an deren Stelle aufzuheben und es können Ersatzmassnahmen angeordnet werden (Grundsatz der Subsidiarität; vgl. Art. 197 Abs. 1 lit. c, Art. 212 Abs. 2 l it. c und Art. 237 StPO). Unters u- chungs- und Sicherheitshaft dürfen nicht länger dauern als die zu erwartende Freiheitsstrafe (Art. 212 Abs. 3 StPO). Im Weiteren kann eine Haft die zulässige Dauer auch dann übe r- schreiten, wenn das Strafverfahren nicht genü gend vorangetrieben wird (Art. 5 Abs. 2 StPO e contrario; Urteil des Bundesgerichts 1B_289/2009 vom 28. Oktober 2009, Erw. 4.1). Ein Vergleich des angefochtenen Entscheids mit den seitens der Parteien eingereichten Rechtsschriften zeigt, dass Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens die Haf t- gründe der Kollusions - und Wiederholungsgefahr sowie, bei einer Bejahung derselben, die Frage der Verhältnismässigkeit bilden. Demgegenüber ist der allgemeine Haftgrund des dringenden Tatverdachts, bezogen auf die Tatbestände der qualifizierten Sachbeschädigung und des Landfriedensbruchs, im Wesentlichen unbestritten. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2.1 Ein dringender Tatverdacht besteht, wenn schwerwiegende Anhaltspunkte für das Vor- liegen eines Verbrechens oder Vergehens und für die Täterschaft des zu Verhaftenden spre- chen ( FRANZ RIKLIN, Schweizerische Strafprozessordnung, Kommentar, 2. Aufl., Art. 221 N 2). Im Haftprüfungsverfahren genügt dabei der Nachweis von konkreten Verdachtsmomen- ten, wonach das inkriminierte Verhalten mit erheblicher Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbestandsmerkmale erfüllen könnte. Das Beschleunigungsgebot in Haftsachen (Art. 5 Abs. 2 StPO) lässt nur wenig Raum für ausgedehnte Beweismassnahmen. Zur Schuldfrage hat der Haftrichter jedenfalls weder ein eigentliches Beweisverfahren durchzuführen noch dem erkennenden Strafrichter vorzugreifen. Als Haftvoraussetzung sollte sich der Tatverdacht im Verlauf des Verfahrens in der Regel zunehmend bestätigen oder verdichten (MARC FORSTER, a.a.O., N 3, m.w.H.). Im vorliegende n Fall wird dem Beschuldigten vorgeworfen, an den Ausschreitungen am Nachmittag des 10. April 2016 im Anschluss an das Fussballspiel des FC B.____ gegen den FC C.____ beteiligt gewesen zu sein. Nach tätlichen Auseinandersetzungen von ca. 100, mehrheitlich vermummten Personen mit den anwesenden Polizeikräften im Bereich der Platt- form haben ca. 15 Personen ein Polizeifahrzeug auf dem Parkplatz vor der D.____ -Halle mit Steinen, Körpergewalt, einem massiven Kantholz sowie einer brennenden Pyrofackel derart stark beschädigt, dass ein Totalschaden mit einem Deliktsbetrag von ca. Fr. 92‘000. -- ent- stand. Des Weiteren wurde ein Polizeibeamter mit einem Faustschlag auf das rechte Auge verletzt (vgl. Ermittlungsakten, insb. polizeiliche Anzeige vom 21. April 2016). Der Beschul- digte hat diesen Vorhalt nach anfänglicher Aussagenverweigerung am 26. April 2016 sowohl anlässlich der Hafteröffnungseinvernahme vom 27. April 2016 als auch anlässlich der Ve r- handlung vor dem Zwangsmassnahmengericht am 29. April 2016 im Kern zuges tanden. Er gab unter anderem an, die Ausschreitungen auf der Eventplattform vor dem Stadion mit ca. 100 Personen zunächst beobachtet zu haben, ohne sich daran zu beteilig en. Danach sei er aber mit diesen Personen Richtung D.____-Parkhaus gezogen. Als er das dort parkierte Po- lizeiauto gesehen habe, habe er einen Stein genommen und diesen in das Fahrzeug gewo r- fen. Dies sei im Affekt geschehen, denn er sei sehr aufgewühlt gewesen und Alkohol habe auch mitgespielt. Vermutlich sei er dabei vermummt gewesen (vgl . Einvernahme de s Be- schuldigten, a.a.O.). Hinzu kommt in objektiver Hinsicht eine DNA -Spur des Beschuldigten, welche im Innern des beschädigten Polizeieinsatzfahrzeug s ab einem Stein sichergestellt werden konnte (vgl. polizeilicher Bericht, Forensik, vom 27. April 2016). Schliesslich wurden anlässlich der Hausdurchsuchung beim Beschuldigten am 26. April 2016 neben diversen Fanartikeln drei Sturmhauben, zwei davon in den FC B.____ -Farben, sichergestellt (vgl. Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlagnahme- / Sicherstellungsprotokoll). Der Beschuldigte ist damit einerseits dringend der Beteiligung an der Zerstörung des Polizeifahrzeugs zu verdächtigen, wobei aufgrund der Höhe des Sachschadens von ca. Fr. 92‘000. -- vom Qualifikationsmerkmal des „grossen Schadens“ gemäss Art. 144 Abs. 3 StGB a uszugehen ist (vgl. STEFAN TRECHSEL / MARK PIETH, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl., Art. 144 N 10, m.w.H.). Trotz des teilweisen Bestreitens besteht aufgrund des derzeitigen Ermittlungsstands zusät z- lich der dringende Verdacht, das s der Beschuldigte an einer öffentlichen Zusammenrottung, bei der mit vereinten Kräften gegen Menschen oder Sachen Gewalttätigkeiten begangen worden sind (vgl. Art. 260 Abs. 1 StGB), teilgenommen hat. Davon geht zutreffenderweise auch das Zwangsmassnahmeng ericht im angefochtenen Entscheid (vgl. Erw. 2.1) aus und selbst der Beschuldigte bestreitet einen diesbezüglichen dringenden Tatverdacht in seinen beiden Stellungnahmen vom 3. und 19. Mai 2016 nicht mehr. 2.2.2 Der besondere Haftgrund der Kollusionsgefahr gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. b StPO liegt vor, wenn ernsthaft zu befürchten ist, dass der Beschuldigte Personen beeinflusst oder auf Beweismittel einwirkt, um so die Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen. Damit soll verhindert werden, dass die beschuldigte Person die Freiheit dazu missbrauchen würde, die wahrheit s- getreue Abklärung des Sachverhalts zu vereiteln oder zu gefährden. Als Kollusion oder Ve r- dunkelung gilt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein Verhalten, durch das die beschuldigte Person Beweismittel bzw. Spuren manipuliert oder beseitigt, zum Beispiel i n- dem sie sich mit Zeugen, Auskunftspersonen, Sachverständigen oder Mitangeschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst. Die theoretische Möglichkeit, dass die beschuldigte Person in Freiheit kolludieren könnte, genügt allerdings nicht, um die Fortsetzung der Haft unter diesem Titel zu rechtfertigen. Es müssen vielmehr konkrete Indizien für die Annahme von Verdunkelungsgefahr sprechen ( MARC FORSTER, a.a.O., N 6, m.w.H., u.a. auf BGE 137 IV 127, Erw. 4). Konkrete Anhaltspunkte für Kollus i- onsgefahr können sich namentlich ergeben aus dem bisherigen Verhalten der beschuldigten Person im Strafprozess, aus ihren persönlichen Merkmalen, aus ihrer Stellung und i hren Tatbeiträgen im Rahmen des untersuchten Sachverhalts sowie aus den persönlichen Bezi e- hungen zwischen ihr und den sie belastenden Personen. Bei der Frage, ob eine massgebl i- che Beeinträchtigung des Strafverfahrens wegen Verdunkelung droht, ist auch der Art und Bedeutung der von der Beeinflussung bedrohten Aussagen und Beweismittel, der Schwere und Natur der untersuchten Straftaten sowie dem Stand des Verfahrens Rechnung zu tr a- gen. Nach Abschluss der Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft bedarf der Ha ftgrund der Kollusionsgefahr einer besonders sorgfältigen Prüfung. Er dient primär der Sicherung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer ungestörten Strafuntersuchung. Je weiter das Strafverfahren vorangeschritten ist und je präziser der Sachverhalt bereits abgeklärt werden konnte, desto h öhere Anforderungen sind an den Nachweis von Verdunkelungsgefahr zu stellen ( MARC FORSTER, a.a.O., N 7, m.w.H.). Wie bereits unter Ziff. 2.2.1 ausgeführt, ist aufgrund der bisherigen Untersuchungsergebni s- se davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte am 10. April 2016 zusammen mit ca. 100 weiteren, grösstenteils ebenfalls vermummten Personen von der Eventplattform vor dem D.____-Stadion in Richtung Parkplatz bewegte und dabei zumindest an der massiven B e- schädigung eines Polizeifahrzeug s beteiligt war. Die weiteren Mitbeteiligten dieser Au s- schreitungen sind mehrheitlich noch nicht bekannt und konnten dementsprechend bisher nicht einvernommen werden . Überdies sind die Rolle und der konkrete Tatbeitrag des B e- schuldigten, eine allfällige T atplanung sowie die Organisation innerhalb der Gruppierung noch nicht hinreichend aufgeklärt. Der Beschuldigte verweigerte anlässlich der ersten Ei n- vernahme vom 26. April 2016 die Aussage vollumfänglich. In der darauffolgenden Hafteröf f- nungseinvernahme vom 27. April 2016 blieb der Beschuldigte in seinen Schilderungen eher vage, indem er nur die ohnehin objektiv bewiesenen Tatsachen zugestand. Dieses Verhalten ist bei der Prüfung der Kollusionsgefahr zu berücksichtigen. Zudem gilt es, die, wenn auch knappen, Angaben des Beschuldigten kollusionsfrei zu überprüfen. Richtigerweise geht selbst d as Zwangsmassnahmengericht trotz Verneinens von Kollusionsgefahr davon aus, dass der genaue Sachverhalt, insbesondere die Rolle des Beschuldigten, trotz seines in gro- ben Zügen vorliegenden Geständnisses, noch nicht geklärt ist (vgl. Erw. 2.2 des angefocht e- nen Entscheids sowie Erw. 3.4 de s zwischenzeitlich ergangenen Entscheids des Zwang s- massnahmengerichts vom 17. Mai 2016 betreffend Entsiegelung). Insbesondere seien mö g- liche Mitbeteiligte nicht bekannt. Ebenso sei unklar, wie es genau zu diesem Gewaltausbruch gekommen und was im Anschluss an den Steinwurf geschehen sei (vgl. Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 17. Mai 2016, a.a.O.). Des Weiteren ist in casu zu b e- rücksichtigen, dass sich die Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft zum jetzigen Zeit- punkt noch in der Anfangsphase befindet. Es sind - entgegen der Auffassung des Beschu l- digten (vgl. S. 2 der Stellungnahme vom 3. Mai 2016) - bei Weitem noch nicht alle Bewei se erhoben bzw. ausgewertet. Wie die Staatsanwaltschaft in ihrer ergänzenden Beschwerdebe- gründung vom 4. Mai 2016 (S. 2) plausibel ausführt, gilt es insbesondere, weitere Einve r- nahmen durchzuführen und technisches Material wie Videobilder und Mobiltelefone erhältlich zu machen bzw. auszuwerten. Die Staatsanwaltschaft weist überdies darauf hin, dass auch im Kanton E.____ Ermittlungen bezüglich der Vorfälle vom 10. April 2016 laufen und das bei Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Staatsanwaltschaft E.____ offensichtlich vorhandene Bildmater ial auf Hinweise betre f- fend den Beschuldigten zu sichten ist sowie die Aussagen der im selbigen Zusammenhang im Kanton E.____ inhaftierten Personen zu erheben und untereinander abzugleichen sind (vgl. ergänzende Beschwerdebegründung vom 4. Mai 2016, a.a.O. ). Schliesslich liegen die Vorfälle vom 10. April 2016 entgegen der Ansicht der Vorinstanz (vgl. Erw. 2.2 des angefoch- tenen Entscheids) und des Beschuldigten (vgl. S. 1 f. der Stellungnahme vom 3. Mai 2016) noch nicht derart lange zeitlich zurück, dass kei ne Möglichkeit von Absprachen zwischen dem Beschuldigten und weiteren, derzeit noch nicht bekannten Beteiligten mehr besteht. Daher liegt die Gefahr der Einwirkung auf Beweismittel in Form von Absprachen, aber auch von Vernichten von Beweismitteln, nach wi e vor auf der Hand. Da die an den Ausschreitu n- gen Beteiligten, worunter auch der Beschuldigte zu zählen ist, grösstenteils vermummt w a- ren, ist davon auszugehen, dass sie sich unter dem sicheren Schutz der Anonymität wäh n- ten und aus diesem Grund nicht mit E rmittlungen rechneten. Daher ist entgegen der Ansicht der Vorinstanz (vgl. Erw. 2.2 des angefochtenen Entscheids) auch nicht anzunehmen, dass sie bereits vorgängig kolludiert haben. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der Umstand, dass Mitbeschuldigte allenfalls vor der Inhaftierung die Gelegenheit hatten, ihr Aussageve r- halten abzusprechen, ohnehin nur von zweitrangiger Bedeutung ist, können sich bei Befr a- gungen doch beweisrelevante Widersprüche ergeben (vgl. MARKUS HUG / ALEXANDRA SCHEIDEGGER, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl., Art. 221 N 24). Entgegen der Auffassung des Beschuldigten (vgl. S. 2 der Stellungnahme vom 3. Mai 2016) wird auch der Beschuldig- te selbst wohl kaum um den sich im Polizeiauto befindlichen Stein mit seiner DNA -Spur ge- wusst und aufgrun d dessen auf Ermittlungen gegen ihn geschlossen haben. Dass auf dem Stein im Innern des Polizeifahrzeugs überhaupt eine brauchbare Spur gesichert werden konnte, ist eher dem Zufall zu verdanken. Auch in dieser Hinsicht muss der Beschuldigte keinen Anlass gehabt haben, vor seiner Inhaftierung Absprachen mit Mitbeteiligten zu treffen oder sonstige Kollusionshandlungen vorzunehmen. Würde der Beschuldigte hingegen zum jetzigen Zeitpunkt in die Freiheit entlassen, hätte er die reale Möglichkeit, seine Aussagen mit denjenigen seiner Mittäter abzusprechen und dadurch die Untersuchung zumindest e r- heblich zu erschweren. Wie zudem aus den Akten ersichtlich und auch seitens des Beschu l- digten angegeben (vgl. S. 2 der Stellungnahme vom 19. Mai 2016), sind die Fans mitein an- der stark vernetzt und tauschen sich auf diversen sozialen Medien intensiv aus; dies erhöht jedoch gerichtsnotorisch das Risiko von Kollusionshandlungen zusätzlich. Entgegen der Auf- fassung der Vorinstanz (vgl. Erw. 2.2 des angefochtenen Entscheids) beste ht deshalb nicht bloss eine theoretische Kollusionsmöglichkeit. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aus den genannten Gründen ist der besondere Haftgrund der Kollusionsgefahr gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. b StPO klarerweise zu bejahen. Da das Vorliegen eines besonderen Haftgrundes zur Anord nung von Haft bereits ausreicht, brauchen weitere Haftgründe nicht geprüft zu werden ( MARC FORSTER, a.a.O., N 4, m.w.H.). Ungeachtet dessen ist nachfolgend zusätzlich der besondere Haftgrund der Wiederholungs- gefahr i.S.v. Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO zu erörtern. 2.2.3 Der Haftgrund der Wiederholungs- oder Fortsetzungsgefahr setzt gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO die ernsthafte Befürchtung voraus, dass die beschuldigte Person durch schwere Verbrechen oder Vergehen die Sicherheit anderer erheblich gefährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten verübt hat. Verlangt ist mithin eine ernsthafte und erheb- liche Gefährdung der Sicherheit anderer durch "schwere Verbrechen oder Vergehen". Ve r- brechen sind Taten, die mit Freiheitsstrafe von mehr als dre i Jahren bedroht sind (Art. 10 Abs. 2 StGB); Vergehen bilden Taten, die mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe sanktioniert werden (Art. 10 Abs. 3 StGB). Die deutschsprachige sowie die itali e- nische Fassung von Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO sind als missglückt einzustufen, denn "minder schwere" Verbrechen werden vom Wortlaut nicht erfasst, obwohl sie mit höheren Strafen bedroht sind als Vergehen. Sachgerecht erscheint, jegliche Verbrechen zu erfassen. G e- stützt auf den französischsprachigen Gesetzestext – "des crimes ou des délits graves" – ist die Bestimmung deshalb durch Umplatzierung des Adjektivs "schwere" dahingehend ausz u- legen, dass "Verbrechen oder schwere Vergehen" drohen müssen. Die Begehung der in Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO genannt en Delikte muss ernsthaft zu befürchten sein. Erforderlich ist eine ausgesprochen ungünstige Rückfallprognose; dabei sind insbesondere die Häufigkeit und Intensität der untersuchten Delikte sowie die einschlägigen Vorstrafen zu berücksicht i- gen (MARKUS HUG/ALEXANDRA SCHEIDEGGER, a.a.O., N 34). Grundsätzlich können Rechtsgü- ter jeder Art betroffen sein ( MARC FORSTER, a.a.O., N 8 ff.). Hinsichtlich der Legalprognose stellen sich ähnliche Fragen wie im Zusammenhang mit der Gewährung oder Verweigerung des bedingten Strafvollzuges nach Art. 42 Abs. 1 StGB. Massgebliche Kriterien sind unter anderem die finanzielle Situation, die familiäre Verankerung, die Möglichkeiten einer Beruf s- tätigkeit und nicht zuletzt der physische un d psychische Gesundheitszustand des Beschul- digten (vgl. MARKUS HUG/ALEXANDRA SCHEIDEGGER, a.a.O., N 34 mit Hinweisen). In die Prognose fliessen auch persönliche Anlagen und Gegebenheiten (Drogen - oder Spielsucht bzw. andere psychische Abnormitäten) ein, we lche eine erhöhte Gefahr weiterer Straftaten indizieren (NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar StPO, 2. Aufl., Art. 221 N 13). Das Gesetz Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht verlangt als weitere Voraussetzung für die Präventivhaft wegen Wiederholungsgefahr, dass die beschuldigte Person bereits frü her mindestens zwei schwere, andere Personen in ihrer Sicherheit erheblich gefährdende Verbrechen oder Vergehen begangen hat ( NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N 1; BOTSCHAFT S. 1229 Mitte). Auch bei den Vortaten muss es sich u m Verbrechen oder schwere Vergehen gege n gleiche oder gleichartige Rechtsgüter gehandelt haben. Dabei kann die sehr grosse Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung im konkreten Ei n- zelfall als Nachweis von schwerer Vordelinquenz genügen ( MARC FORSTER, a.a.O., N 15). Für die Beurteilung des Vorliege ns von Wiederholungsgefahr braucht es zudem nach bu n- desgerichtlicher Rechtsprechung weder einen Eintrag ins Strafregister noch eine rechtskrä f- tige Verurteilung, solange mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausg e- gangen werden kann, dass die beschuldigte Person solche Straftaten begangen hat (vgl. BGE 137 IV 84; BGer 1B_133/2011). In Bezug auf die Voraussetzung von früher begangenen, gleichartigen Vortaten ist festzustel- len, dass der Beschuldigte mit Entscheid der Jugendanwaltschaft des Kant ons F.____ vom 10. März 2015 wegen Raubes in Mittäterschaft und Übertretung des Betäubungsmittelgeset- zes verurteilt worden ist. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz, wonach der Beschuldigte im vorliegenden Verfahren als nicht vorbestraft gelte (vgl. Erw. 2.3.1 des angefochtenen Ent- scheids), handelt es sich hierbei nicht um eine aus dem Strafregister entfernte Vorstrafe, welche aufgrund des Ziels der vollständigen Rehabilitation von Verurteilten nach langem Zeitablauf nicht mehr zu berücksichtigen wäre (vg l. BGE 135 I 71, Erw. 2.11), sondern um eine solche, welche gemäss Art. 366 Abs. 3 und 3bis StGB gar nicht erst im Strafregister einzutragen ist. Früher begangene Delikte können jedoch auch bei fehlendem Strafregi s- tereintrag, insbesondere bei Minderjährige n, berücksichtigt werden (vgl. NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N 12). Die Vortat des Raubes bildet - entgegen der Auffassung des Verteidigers (vgl. S. 3 der Stellungnahme vom 3. Mai 2016) - nicht bloss ein „Scharmützel“, sondern ein schwerwiegendes Delikt. So ist dem obgenannten Entscheid der Jugendanwaltschaft des Kantons F.____ zu entnehmen, dass der Beschuldigte sich mit einer Gruppe von Personen bewegte, welche eine andere Person niedergeschlagen und diese gegen den Kopf getreten hat. Der Geschädigte war als Fo lge davon eine Woche lang arbeitsunfähig und der Delikt s- betrag beläuft sich auf über Fr. 4‘000. --. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte noch am Tag der Einvernahme vor der Jugendanwaltschaft vom 13. November 2014 beim Drehen eines Joints erwischt wurde, wodu rch er sich zudem der Übertretung d es Betäubungsmittelgeset- zes schuldig gemacht hat (vgl. Entscheid der Jugendanwaltschaft des Kantons F.____ vom 10. März 2015). Im vorliegenden Verfahren zeigt sich der Beschuldigte bezüglich des Vo r- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht falls vom 10. April 2016 zumindest betreffend die qualifizierte Sachbeschädigung am Polizei- fahrzeug geständig (vgl. hierzu obenstehend Ziff. 2.2.1.). Was das Erfordernis der Gleicha r- tigkeit der Straftaten betrifft, so sind zwar, wie die Vorinstanz und der Beschuldigte zu Recht entgegen halten, beim Raub und bei der qualifizierten Sachbeschädigung bzw. beim Lan d- friedensbruch formal gesehen nicht die identischen Rechtsgüter betroffen. Das Gesetz spricht in Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO jedoch nicht von gleichen, sondern lediglich von gleichar- tigen Delikten. Dieses Erfordernis der Gleichartigkeit ist nach Überzeugung des Kantonsg e- richts nicht allzu restriktiv zu interpretieren. So ist im vorliegenden Fall zu b erücksichtigen, dass der Beschuldigte sowohl anlässlich der Vortat als auch der hier zu beurteilenden Taten in demselben sozialen Umfeld (Fussballmatch zwischen FC B.____ und FC C.____ ) und wiederum aus nichtigem Anlass jeweils massive Gewalt gegen Personen und Sachen ange- wandt hat. Hinzu kommt, dass der Tatbe stand des Raubes wie d erjenige des Landfriedens- bruchs das Tatmittel der Gewalt bzw. der Gewalttätigkeiten beinhaltet. Entgegen der Auffas- sung der Vorinstanz (vgl. S. 4 des angefochtenen Entscheids) und des Beschuldigten (vgl. S. 2 der Stellungnahme vom 19. Mai 2016) ist daher mit den Schuldsprüchen gemäss dem Ent- scheid der Jugendanwaltschaft des Kantons F.____ vom 10. März 2015 sowie aufgrund je- ner Taten, welche der Beschuldigte am 10. April 2016 mit an Sicherheit grenzender Wah r- scheinlichkeit begangen hat, die Voraussetzung der früher begangenen, gleichartigen Vorta- ten zu bejahen. Zu prüfen ist sodann, ob Verbrechen oder schwere Vergehen drohen, das heisst ob eine ausgesprochen ungünstige Rückfallprognose gegeben ist. Bei der qualifizierten Sachb e- schädigung handelt es sich um ein Verbrechen und beim Landfriedensbruch um ein Verg e- hen. Dabei geht es vorliegend um für die Wiederholungsgefahr relevante schwere Delikte. Im vorliegenden Fall ist von einer schlechten Prognose auszugehen: Beim Beschuldigten ha n- delt es sich um einen 18 -Jährigen, welcher zusammen mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder in G.____ wohnt. Nach Abschluss der Sekundarschule begann der Beschuldigte eine Lehre als Chemie- und Pharmatechnologe, die er jedoch schon nach einem halben Jahr a b- brach. Im März 2014 begann der Beschuldigte ein Praktikum als Fachmann Betreuung und ist laut eigenen Angaben (vgl. Prot. Verhandlung vor Zwangsmassnahmengericht vom 29. April 2016, S. 2 f.) aktuell immer noch auf Lehrstellensuche. Gemäss den Depositionen des Beschuldigten konsumiert dieser regelmässig Alkohol, ist FC B.____ -Fan und verfügt über ein Jahres-Abo für die H.____-Kurve im D.____-Stadion (vgl. Prot. Verhandlung vor der J u- gendanwaltschaft des Kantons F.____ vom 13. November 2014, S. 4). Schliesslich ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte auch zumindest gelegentlich Marihuana konsumiert (vgl. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid der Jugendanwaltschaft des Kantons F.____ vom 10. März 2015, S. 2). Damit zeigen sich die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten als nicht in jeder Hinsicht stabil. In den Akten liegen des Weiteren als Folge des Verhaltens des Beschuldigten vom 16. April 2014 ein 12 -monatiges Rayonverbot der Polizei Basel -Landschaft betreffend das Areal um das D.____ -Stadion, datierend vom 8. Juli 2014, sowie ein 12 -monatiges, s chweizweites Stadionverbot der I.____ League, datierend vom 18. Juli 2014. Diese Verbote sowie die Vo r- strafe aus dem Jahr 2015 vermochten den Beschuldigten offenbar nicht davon abzuhalten, erneut anlässlich eines Fussballspiels in massiver Weise zu delinquieren. Aus diesem Grund ist der seitens des Beschuldigten geltend gemachte Hinweis, er habe nie gegen dieses R a- yon- und Stadionverbot verstossen (vgl. S. 3 der Stellungnahme vom 3. Mai 2016), irrel e- vant. Wie bereits erwähnt, wurden zudem anlässlich der Hausdurchsuchung drei Sturmkap- pen sichergestellt. Aus den Ermittlungsakten ergibt sich des Weiteren, dass der Beschuldigte eine solche Sturmkappe zum Auswärtsspiel gegen den FC J.____ am 24. April 2016 in se i- ner Jackentasche mitgetragen hat. Schliesslich finden Fussballspiele in hoher Kadenz und immer wieder sog. Risikospiele in Bezug auf gewalttätige Ausschreitungen statt. Es ist fest- zustellen, dass der Beschuldigte wiederholt, sowohl am 16. April 2014 wie auch am 10. April 2016, seine Bereitschaft zur Begehu ng von erheblich gewalttätigen Straftaten gegen Pers o- nen und Sachen im Rahmen von Fussballspielen offenbart hat. Wie sich schliesslich aus den Ausführungen des Beschuldigten selbst (vgl. Prot. Hafteröffnungseinvernahme vom 27. April 2016 sowie Verhandlung vor Zwangsmassnahmengericht vom 29. April 2016) ergibt, neigt dieser unter bestimmten Umständen wie Alkoholeinfluss und sog. Risikofussballspielen zu Gewalttätigkeiten, wie sie am 10. April 2016 vorgefallen sind. Dies spricht für ein ausgespr o- chen unüberlegtes und impulsives Verhalten des Beschuldigten. Aus den genannten Gründen ist, entgegen der Auffassung der Vorinstanz und des Beschu l- digten, die Gefahr, dass sich der Beschuldigte bei nächster Gelegenheit wieder einer Z u- sammenrottung wie derjenigen vom 10. April 2016 anschliesst, als gross einzustufen. Au f- grund dieser Erwägungen ergibt sich, dass auch der besondere Haftgrund der Wiederh o- lungsgefahr gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO im vorliegenden Fall zu bejahen ist. 2.2.4 Ein Grundrechtseingriff lässt sich schliesslich nur rechtfertigen, wenn er verhältnismäs- sig ist. Dabei müssen drei Aspekte der Verhältnismässigkeit kumulativ erfüllt sein; nämlich die Eignung, die Erforderlichkeit und die Verhältnismässigkeit von Eingriffs zweck und Ei n- griffswirkung ( RAINER J. SCHWEIZER, Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl., Art. 36 N 37, m.w.H.). Art. 197 Abs. 1 lit. c StPO statuiert die Vorau s- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht setzung der Erforderlichkeit, die als Teilgehalt der Verhältnismässigkeit auch in Art. 36 Abs. 3 BV enthalten ist. Allgemein besagt der Grundsatz der Erforderlichkeit, dass ein Grun d- rechtseingriff nicht weiter gehen darf, als es das öffentliche Interesse erfordert (mildeste Massnahme); die betreffende Massnahme darf in ze itlicher, räumlicher, sachlicher und pe r- soneller Hinsicht das Notwendige nicht überschreiten. In der Strafprozessordnung kommt die Voraussetzung der Erforderlichkeit etwa in den Ersatzmassnahmen gemäss Art. 237 ff. StPO zum Ausdruck, wonach die Untersuchungs- oder Sicherheitshaft nur angeordnet bzw. fortge- führt werden darf, wenn der Zweck der Haft nicht durch eine oder mehrere mildere Mas s- nahmen wie etwa Kaution, Schriftensperre oder Hausarrest erreicht werden kann ( JONAS WEBER, Basler Kommentar StPO, 2. Au fl., Art. 197 N 9, m.w.H.). Schliesslich muss die A n- ordnung einer Zwangsmassnahme verhältnismässig i.e.S., d.h. angemessen bzw. zumutbar sein. Bei dieser Abwägung sind jeweils auch die konkrete Ausgestaltung der Zwangsmas s- nahme und ebenso deren Zeitdauer z u berücksichtigen, was insbesondere bedeutet, dass eine ursprünglich zumutbare Zwangsmassnahme nach einer gewissen Zeitdauer unzumu t- bar werden kann ( JONAS WEBER, a.a.O., N 11, m.w.H.). Die obgenannten Bestimmungen von Art. 197 Abs. 1 lit. c StPO und Art. 2 12 Abs. 2 lit. c StPO werden in Art. 237 StPO ko n- kretisiert. Demnach ordnet das Gericht an Stelle von Untersuchungs - oder Sicherheitshaft eine oder mehrere mildere Massnahmen an, wenn sie den gleichen Zweck wie die Haft erfül- len (Abs. 1). Untersuchungs - und Sicherheitshaft sind danach unzulässig, wenn ihr Zweck - die Verhinderung von Flucht, Kollusion, Wiederholung oder Ausführung der Tat - durch mil- dere Massnahmen erreicht werden kann. Untersuchungs - und Sicherheitshaft sind also ult i- ma ratio (MATTHIAS HÄRRI, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Art. 237 N 1, m.w.H.). Bei der Beurteilung der Frage, ob und gegebenenfalls welche Ersatzmassnahmen zur Erreichung des Haftzwecks ausreichen, steht dem Gericht ein Ermessensspielraum zu ( MATTHIAS HÄRRI, a.a.O., N 4 f.). Die Zulässigkeit solcher Ersatzmassnahmen ergibt sich namentlich aus dem Grundsatz „in maiore minus“, dem Grundsatz der Subsidiarität der Untersuchung s- haft, dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit und der Pflicht der staatlichen Organe zum Schutz der persönlichen Freiheit (MATTHIAS HÄRRI, a.a.O., N 7, m.w.H.). Wie bereits mit superprovisorischer Verfügung vom 29. April 2016 und mit provisorischer Verfügung des Kantonsgerichts vom 4. Mai 2016 festgestellt, sind im vorliegenden Fall keine geeigneten Ersatzmassnahmen, mit welchen der nach wie vor bestehenden Kollusions - und Wiederholungsgefahr wirksam begegnet werden könnte, als Alternative zur Untersuchung s- haft ersichtlich: Das Aussprechen eines Rayon - und Stadionverbots ist angesichts der Vie l- zahl von Personen, die einem Fussballspiel in der Regel beiwohnen, nur beschränkt kontro l- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht lier- und durchsetzbar. Es kommt in casu hinzu, dass das bereits einmal gegenüber dem Beschuldigten ausgesprochene Rayon- und Stadionverbot aus dem Jahr 2014 jenen offe n- sichtlich nicht von der Begehung weiterer schwerwiegender Straftaten abgehalten hat. Dies macht die Anordnung von Haft erforderlich, womit die inhaltliche Verhältnismässigkeit de r- selben zu bejahen ist. In zeitlicher Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass die Untersuchun gs- haft nicht länger dauern darf als die zu erwartende Freiheitsstrafe (vgl. Art. 212 Abs. 3 StPO). Der Beschuldigte befindet sich seit dem 26. April 2016 in Haft, wobei die Staatsa n- waltschaft mit Antrag vom 27. April 2016 begehrt, es sei Untersuchungshaft für die Dauer von drei Monaten auszusprechen. Wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Beschwerde vom 29. April 2016 (S. 6) zutreffend ausführt, muss der Beschuldigte bei einer Verurteilung allein nur wegen qualifizierter Sachbeschädigung mit einer Freiheitsstr afe von mindestens einem Jahr rechnen. Straferhöhend zu berücksichtigen sein wird dabei die Vorstrafe des Beschuldigten. Angesichts dessen erreicht eine Untersuchungshaft von drei Monaten Dauer bei Weitem noch nicht die zu erwartende Strafe. Ob die dannzum al auszusprechende Freiheitsstrafe eine bedingte oder teilbedingte sein wird, spielt gemäss der bundesgerichtlichen Rechtspr e- chung (vgl. BGE 125 I 60, BGer 1B_275/2014) für die Beurteilung der Verhältnismässigkeit keine Rolle. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass die Untersuchung derzeit noch in den Anfängen steht und weitere Beweise zu erheben bzw. auszuwerten sind. Aus diesen Grü n- den ist die Untersuchungshaft von drei Monaten auch in zeitlicher Hinsicht als verhältni s- mässig einzustufen. 2.3 Zusammenfassend erweist sich somit die Beschwerde der Staatsanwaltschaft als begründet, weshalb sie gutzuheissen ist. In Anwendung von Art. 397 Abs. 2 StPO wird Ziffer 1 des Entscheids des Zwangsmassnahmengerichts Basel -Landschaft vom 29. April 2016 aufgehoben un d es wird gegenüber dem Beschuldigten in sinngemässer Anwendung von Art. 226 StPO für die vorläufige Dauer von 3 Monaten, d.h. bis zum 26. Juli 2016, Unters u- chungshaft angeordnet. 3. Kosten 3.1 Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nac h Massgabe ihres O b- siegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Im vorliegenden Fall wurde der vorinstanzlich gefällte Entscheid in Gutheissung der B e- schwerde der Staatsanwaltschaft abgeändert. Dem damit unterliegenden Beschuldigten und Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdegegner sind daher die Verfahrenskosten, welche gestützt auf § 13 Abs. 1 GebT auf Fr. 1‘000.-- festgesetzt werden, aufzuerlegen. 3.2 Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Parteientschädigung. Nach- dem der Beschuldigte bzw. dessen Verte idiger im vorliegenden Beschwerdeverfahren ohne- hin keine solche geltend gemacht hat, wird keine Parteientschädigung ausgesprochen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. 2. In Gutheissung der Beschwerde der Staatsanwaltschaft Basel - Landschaft wird Ziffer 1 des Entscheids des Zwangsmassnahmenge- richts Basel-Landschaft vom 29. April 2016 aufgehoben. Es wird gegenüber A.____ für die vorläufige Dauer von 3 Monaten, d.h. bis zum 26. Juli 2016, Untersuchungshaft angeordnet. 3. Die ordentlichen Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘000.-- gehen zu Lasten des Beschuldigten. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin Manuela Illgen