Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. November 2019 (720 19 243 / 303) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Das verwaltungsexterne bidisziplinäre Gutachten ist beweistauglich, weshalb die Be- schwerdegegnerin gestützt darauf zu Recht einen Invaliditätsgrad von 0 % ermittelte und den Rentenanspruch ablehnte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Anouck Zehntner, Ad- vokatin, Indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1960, meldete sich ein erstes Mal im Januar 2004 zum Bezug von Leistungen der Schweizerischen Invalidenversicherung (IV) an. Mit Verfügung vom 16. Juni 2005 verneinte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) e inen Leistungsanspruch. Im Rahmen des Einspracheverfahrens liess sie die Versicherte durch das AB I, Ärztliches Begutachtungsinstitut Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht GmbH, polydisziplinär medizinisch begutachten (Gutachten vom 1. Juni 2006). In der Folge zog A.____ ihre Einsprache am 21. Dezember 2007 zurück und d as Verfahren wurde von der IV- Stelle als gegenstandslos abgeschrieben. Am 17. Juli 2014 meldete sich A.____ unter Hinweis auf eine seit 2010 bestehende Rheumatoide Arthritis bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der beruflichen, erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse lehnte die IV-Stell e mit Verfügung vom 12. Juni 2019 einen Rentenanspruch aufgrund eines Invaliditätsgrads von 0 % ab. In medizinischer Hinsicht holte sie – neben den Berichten der behandelnden Ärzte sowie den Stellungnahmen des Regionalen Ärzt- lichen Dienstes beider Basel (RAD) – insbesondere ein bid isziplinäres rheumatologisch-psychi- atrisches Gutachten bei Dr. med. B.____, Facharzt FMH für Rheumatologie und FMH für Innere Medizin (Teilgutachten vom 10. August 2018), und Dr. med. C.____, Facharzt FMH für Psychiat- rie und Psychotherapie (Teilgutachten vom 31. August 2018), ein. B. Gegen die Verfügung vom 12. Juni 2019 erhob A.____ , vertreten durch Advokatin Anouck Zehntner, mit Eingabe vom 10. Juli 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Land- schaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Darin beantra gte sie unter o/e-Kostenfolge die Auf- hebung der angefochtenen Verfügung und die Verpflich tung der Beschwerdegegnerin, ihr eine ganze Invalidenrente auszurichten. In der Begründung führte die Beschwerdeführerin aus, dass der Beurteilung der Beschwerdegegnerin, wonach sie in einer vorwiegend sitzenden, sehr leich- ten, angepassten Tätigkeit mit extrem leichter Belastun g der Hände von weniger als einem Kilo (heben, stossen oder ziehen) zu 100 % arbeitsfähig sei, nicht gefolgt werden könne. Dabei sei die Beweiskraft des Gutachtens von Dr. C.____ und Dr. B .____ in Zweifel zu ziehen; insbeson- dere das Gutachten von Dr. B.____ sei als nicht valid zu b ezeichnen, da das von ihm beschrie- bene zumutbare angepasste Tätigkeitsprofil nicht nachvollziehbar sei. Ausserdem habe die Be- schwerdegegnerin die Abklärungspflicht verletzt, indem sie anstelle eines polydisziplinären ein bidisziplinäres Gutachten angeordnet habe. Zudem würd en neue Diagnosen vorliegen, die von der Beschwerdegegnerin nicht berücksichtigt worden seien. Die festgestellte Arbeitsfähigkeit von 100 % sei auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht verwertbar. Ausserdem sei bei der Berech- nung des Invalideneinkommens kein leidensbedingter Abzug gemacht worden. Es rechtfertige sich aber die Vornahme des maximalen Abzugs von 25 %. C. Mit Vernehmlassung vom 22. August 2019 beantragte d ie Beschwerdegegnerin unter Hin- weis auf die Stellungnahme von Dr. med. D.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, RAD, vom 22. Juli 2019 die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Strittig und zu prüfen ist, ob die Ablehnung des Rentenanspruchs durch die Beschwerdegegnerin korrekt ist. Massgebend für diese Beurteilung sind die tatsächlichen Verhältnisse bis zum Erlass der a ngefochtenen Verfügung vom 12. Juni 2019. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Zwischen den Parteien zu Recht nicht umstritten ist das Eintreten der Beschwerdegeg- nerin auf die Neuanmeldung vom 17. Juli 2014, da sich der Sachverhalt seit der rechtskräftigen Rentenablehnung im Jahr 2007 in gesundheitlicher und in erwerblicher Hinsicht wesentlich ver- ändert hat. Im Jahr 2007 diagnostizierten die ABI-Gutachter mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit Vorfussschmerzen rechts. Keinen Einfluss auf die Arbeitsfäh igkeit massen sie dem Metaboli- schen Syndrom, der leichtgradigen depressiven Episode, de m Hallux valgus links, dem Status nach Arthroskopie des linken Knies sowie dem beginnenden multilokulären Schmerzyndrom zu. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit gelangten die Gutachter zur Auffassung, dass in der angestamm- ten Tätigkeit seit Januar 2004 eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 50 % gegeben sei. Aufgrund der etwas verminderten Belastbarkeit der beiden Füsse b edürfe die Versicherte für Tätigkeiten im Stehen oder Gehen regelmässiger Pausen, um die Füsse zu entlasten. Ein grosser Teil dieser Überlastungssituation sei durch das erhebliche Übergewicht bedingt, sodass bei dessen Norma- lisierung eine sukzessive Steigerung der Arbeitsfähigkeit für stehende und gehende Tätigkeiten zu erwarten wäre. Für andere körperlich leichte bis mittelschwere adaptierte Tätigkeiten bestehe eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 100 %. Im Rahmen des vorliegend zu prüfenden Rentenge- suchs ist zu den Vorfussschmerzen beidseits ein weiteres gesundheitliches Leiden hinzugekom- men, das sich auf den Rentenanspruch auswirkt, denn – w ie nachfolgend aufzuzeigen sein wird – sind der Beschwerdeführerin aufgrund der Rheumatoiden Arthritis nur noch sehr leichte körper- liche Tätigkeiten zuzumuten. Darüber hinaus wäre die Beschwerdeführerin im Gesundhe itsfall in einem vollen Pensum er- werbstätig, da die Kinder in der Zwischenzeit erwachsen geworden sind. Der Wechsel von der gemischten zur allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs stellt ebenfalls eine wesentli- che Veränderung des Sachverhalts dar. 2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Erw erbsunfähigkeit ist der durch Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursachte und nach zu- mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs- möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli chenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol- gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu- dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnah- men wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % a rbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewe- sen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 4 0 % invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invalidi tätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 2.4 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person sowie um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigke iten die versicherte Person arbeits- unfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 2.5 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheide nd, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch- tet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder d es Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizini- scher Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführ- lichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 2.6 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Gesche- hensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 121 V 47 E. 2a, 115 V 142 E. 8b, je mit Hinweisen). 2.7 Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass das Adm inistrativverfahren und der kanto- nale Sozialversicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz be herrscht sind (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des strei- tigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Kla rheit besteht (Urteil des Bundesge- richts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 3.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des medizinischen Sachver- halts auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. B.____ un d Dr. C.____ vom 10. bzw. 31. August 2018. Gestützt auf diese fachärztlichen Beurteilungen ging sie davon aus, dass der Beschwerde- führerin die Ausübung einer leidensadaptierten Tätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar sei. 3.2 Dr. B.____ diagnostiziert in seinem rheumatologisch en Teilgutachten vom 10. August 2018 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Rheu matoide Arthritis, RF negativ, Anti-CCP schwach positiv, Beginn 2010 sowie Vorfussschmerzen beidseit s, mehr links als rechts. Ohne Auswirkungen würden ein zervikovertebrales Syndrom mit intermittierend zervikobrachialem Syn- drom, eine Adipositas, ein Diabetes mellitus Typ 2, de r Verdacht auf Meralgia paraesthetica rechts, eine Laktoseintoleranz sowie der Status nach Cholezystektomie bleiben. Die Versicherte sei als Reinigungsfrau arbeitstätig. Diese Funktion werde vor allem gehend und stehend getätigt. Es sei aber auch der Einsatz der Hände notwendig, was bedeute, dass die Versicherte regelmäs- sig mit den Händen arbeite, Flächen abwische, Böden na ss aufziehe und auch einmal einen Wassereimer trage. Es handle sich vor allem um eine m anuelle Tätigkeit. Für diese Tätigkeit bestehe aufgrund des erosiven Verlaufs der Rheumatoide n Arthritis seit dem 17. Februar 2014 eine Arbeitsfähigkeit von 0 %. In Bezug auf die funktionellen Einschränkungen in einer angepass- ten Tätigkeit hält Dr. B.____ fest, dass die Explorand in ihre Hände nicht mehr mit über 1 kg be- lasten könne. Eine extrem leichte Belastung unterhalb dieser Limite sei möglich. Sie könne z.B. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht in einer Tätigkeit mit vorwiegend optischer Kontrolle und ohne den dauernden Einsatz der Hände arbeiten. Von Seiten der Füsse könne sie nicht dauernd stehen und nicht dauernd gehen. Die Gehstrecke sei auf etwa eine halbe Stunde beschränkt. Sie könne nicht auf Leitern und Gerüste steigen und nicht dauernd Treppensteigen. Gelegentliches Besteigen von Treppen hingegen sei problemlos möglich. Die Einschränkungen bezüglich der Fü sse sei weniger schwer festzulegen als noch im ABI-Gutachten 2006, da es ihr möglich gewes en sei, die Reinigungsarbeiten zu ei- nem grossen Teil über Jahre hinweg zu tätigen. Für ein e körperlich sehr leichte Tätigkeit, bei welcher die Explorandin vorwiegend sitzen könne und welche die oben genannten Restriktionen berücksichtige, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %, bezogen auf ein Ganztagespensum. 3.3 Dr. C.____ stellt weder Diagnosen mit noch ohne Au swirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Gutachten vom 31. August 2018, S. 21). Die Explorand in leide seit Jahren unter körperlichen Beschwerden, insbesondere sei eine Rheumatoide Arthri tis bekannt. Die Beschwerden seien weitgehend durch die somatischen Erkrankungen erklärbar . Es fänden sich keine Hinweise auf eine wesentliche psychische Überlagerung der geklagten Besch werden. Sie befände sich nicht in psychiatrischer Behandlung, werde aber seit Jahren antidepressiv behandelt. Die antidepres- sive Therapie helfe in Bezug auf die Schmerzdistanzierung . Mithilfe von Amitriptylin könne sie besser schlafen. Bei der psychiatrischen Untersuchung hätten keine depressiven Symptome fest- gestellt werden können. Sie sei im Alltag durch ihre körperlichen Beschwerden, nicht aber durch psychische Beschwerden beeinträchtigt. Eine psychiatrische Diagnose könne daher nicht gestellt werden. Es fänden sich auch keine Hinweise dafür, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht jemals eingeschränkt gewesen sei. 3.4 Dr. C.____ und Dr. B.____ gelangen im Rahmen ih rer interdisziplinären Gesamtbeurtei- lung vom 31. August 2018 zur Auffassung, dass mit Auswirku ngen auf die Arbeitsfähigkeit eine Rheumatoide Arthritis, RF negativ, Anti-CCP schwach po sitiv, Beginn 2010 sowie Vorfuss- schmerzen beidseits, mehr links als rechts, zu diagnostizieren seien. Ohne Auswirkungen blieben ein zervikovertebrales Syndrom mit intermittierend zervikobrachialem Syndrom, eine Adipositas, ein Diabetes mellitus Typ 2, der Verdacht auf Meralgia paraesthetica rechts, eine Laktoseintole- ranz sowie der Status nach Cholezystektomie. In Bezug auf d ie funktionellen Auswirkungen der Befunde und Diagnosen halten sie aus gesamtmedizinischer Sicht fest, dass die Tätigkeit als Reinigungsfrau aufgrund des erosiven Verlaufs der Rheumatoiden Arthritis nicht mehr zumutbar sei. In einer sehr leichten, angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. 4.1 Das bidisziplinäre Gutachten von Dr. C.____ und Dr. B.____ erfüllt alle Voraussetzun- gen, die das Bundesgericht an die Beweistauglichkeit ei ner verwaltungsexternen Begutachtung (vgl. Erwägung 2.5 hiervor) stellt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird – für die streitig en Belange umfassend, beruht auf allseiti- gen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwer den, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, ist in der Darlegung der medizinische n Zusammenhänge bzw. der Beurtei- lung der aktuellen medizinischen Situation schlüssig, setzt sich mit den vorhandenen abweichen- den ärztlichen Einschätzungen auseinander und enthält e inleuchtende Schlussfolgerungen. Es ist damit grundsätzlich darauf abzustellen, solange nich t konkrete Indizien Zweifel an der Be- weistauglichkeit hervorrufen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.1 Vorab ist die Rüge der Beschwerdeführerin zu p rüfen, die Beschwerdegegnerin habe ihre Abklärungspflicht verletzt, da sie anstelle eines polydisziplinären nur ein bidisziplinäres Gut- achten in Auftrag gegeben habe. Die Beschwerdeführerin verweist dabei auf BGE 139 V 349 E. 3.2, wonach die umfassende administrative Erstbegutachtu ng regelmässig polydisziplinär und damit zufallsbasiert anzulegen sei. Es bestehe mindestens noch Klärungsbedarf aus ophthalmo- logischer und internistischer/endokrinologischer Sicht. Wei tere Abklärungen der tatsächlichen Leistungsfähigkeit aus arbeitsmedizinischer Sicht wären aufgrund des sehr eingeschränkten Tä- tigkeitsprofils ebenfalls aufschlussreich gewesen. Auch die neuerdings bekannte Schulterproble- matik könnte dabei berücksichtigt werden. Aus diesem Grun d müsse nun ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten erfolgen. 4.2.2 Im Rahmen der Anmeldung zum Leistungsbezug führt e die Beschwerdeführerin als Art der gesundheitlichen Beeinträchtigung die Rheumatoide Arthritis auf (act. 41). Vor Erteilung des Begutachtungsauftrags lagen der Beschwerdegegnerin namentlich die folgenden ärztlichen Be- richte vor: 4.2.3 Dr. med. E.____, Innere Medizin und Rheumatolo gie FMH, weist im Schreiben vom 14. August 2014 (act. 47) darauf hin, dass er die Patienti n zur weiteren Abklärung der gesundheitli- chen Problematik in die Rheumatologie des Spitals F.____ überwiesen habe. 4.2.4 Im IV-Bericht der Rheumatologie des Spitals F.__ __ vom 23. September 2015 (act. 68) wird als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigk eit eine Rheumatoide Arthritis festgehal- ten. Ohne Auswirkungen seien eine Sicca-Problematik, eine Adipositas, der Diabetes mellitus Typ 2, eine Dyslipidämie, eine Laktoseintoleranz sowie e ine Fibromyalgie. In Bezug auf die Ar- beitsfähigkeit könne man keine konkreten Angaben machen, weil über die Arbeitstätigkeit keine Informationen bestünden. Die Arbeitsfähigkeit bei manuellen Tätigkeiten dürfte aber aktuell ein- geschränkt sein. Dem Bericht sind sodann zwei Abklärungsberichte vom 26. Mai 2015 und vom 17. April 2015 beigefügt. 4.2.5 Weiter liegt bei den Akten ein Arztbericht des S pitals G.____ vom 18. November 2016 (act. 88). Darin werden als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Fibromyal- gie, eine Rheumatoide Arthritis, eine Adipositas sowie eine depressive Episode festgehalten. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit werden ein Diabetes mellitus Typ 2, eine Dyslipidä- mie, der Ausschluss einer koronaren Herzkrankheit und eine Lactoseintoleranz genannt. Die Pa- tientin habe sich infolge einer laparoskopischen Magenbypassrevision in stationärer Behandlung befunden. Sie beklage in der Konsultation eine Exazerbation der Schmerzen in den Fingergrund- gelenken beidseits sowie eine Morgensteifigkeit. Dies verunmögliche die Arbeit als Reinigungs- frau. Seit der Operation bestünden zudem stechende Schmerzen im Oberbauch beidseits. Nach einer deutlich depressiven Stimmung im August habe sich ihre psychische Situation wieder etwas stabilisiert. Bezüglich der Magenbypass-Operation sei ni cht von einer langfristigen Arbeitsunfä- higkeit auszugehen. Hinsichtlich einer Prognose der depre ssiven Episode und vor allem der Rheumatoiden Arthritis könnten keine Aussagen gemacht werden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.6 Dr. E.____ hält im Zwischenbericht vom 26. März 20 17 (act. 96) als Diagnose eine Se- ropositive Rheumatoide Arthritis fest. Der Krankheitsverl auf sei sehr ungünstig. Verschiedenste Therapien hätten keine relevante Verbesserung gebrach t. Es bestünden erhebliche Beschwer- den in beiden Händen und Schultern und seit dem 17. Februar 2014 eine 100 %-ige Arbeitsun- fähigkeit. Eine andere Tätigkeit sei momentan nicht zumutbar. 4.2.7 Im IV-Arztbericht vom 16. Mai 2017 (act. 100) de r Rheumatologie des Spitals F.____ wird eine Erosive Rheumatoide Arthritis diagnostiziert. Aufgrund der Arthritis sei die bisherige Tätigkeit nicht zumutbar. Das Ausführen einer manuel len Tätigkeit sei nicht möglich, da die ge- sundheitlichen Beschwerden die Feinmotorik und den Gebr auch der Hände einschränken wür- den. Im Abklärungsbericht vom 17. Mai 2017 (act. 102) werden erneut die bereits bekannten Diagnosen festgehalten. 4.2.8 Die Würdigung der vorstehenden medizinischen Beri chte zeigt, dass der Gesundheits- zustand der Beschwerdeführerin zwar unterschiedliche medizinische Aspekte beschlägt. Aus in- validenversicherungsrechtlicher Sicht betrachtet betreffe n diese aber klar nur die Fachgebiete der Rheumatologie und der Psychiatrie. Weitere medizinische Fachrichtungen, die eine polydis- ziplinäre Abklärung notwendig machen würden, um die i nvalidisierenden gesundheitlichen Ein- schränkungen rechtsgenüglich abzuklären, sind in den Akten n icht ersichtlich. Zwar wird in den Berichten der Rheumatologie des Spitals F.____ eine Sicca-Problematik (Augentrockenheit) er- wähnt. Diese wirkt sich aber gemäss der fachärztlichen Beu rteilung des Spitals F.____ nicht in- validisierend aus. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin gegenüber Dr. B.____ kein einzi- ges Mal erwähnte, dass sie aufgrund der trockenen Augen Beschwerden habe. Es ist ausserdem davon auszugehen, dass Dr. B.____ als erfahrener Rheumatologe die Bedeutung dieser Proble- matik im Rahmen der rheumatologischen Grunderkrankung g ut erkannt und eingeordnet hat. Auch soweit er Tätigkeiten mit vorwiegend optischer K ontrolle als zumutbar erachtet, ist darin kein Widerspruch zu erkennen. Es sind Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vorhan- den, bei denen vorwiegend optische Kontrollen notwend ig sind, so z.B. bei einer Tätigkeit an einem Empfang oder einer Pforte oder Tätigkeiten im Sicherheitsbereich. Weitere Abklärungen in ophthalmologischer Hinsicht waren damit nicht angezeigt. Auch die internistischen/endokrinologischen Beschwerdebilder waren der Beschwerdegegnerin vor Auftragserteilung bekannt. Da diese Diagnosen nich t umstritten oder unsicher sind und sie sich gemäss Beurteilung der behandelnden Ärzte nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken, be- stand bzw. besteht ebenfalls kein Anlass, diese gutachterlich fachärztlich weiter abklären zu las- sen. Auch werden in der Beschwerde keine weiteren Anga ben hierzu gemacht, insbesondere wird nicht substantiiert dargelegt, inwiefern diese ge sundheitlichen Leiden die Arbeitsfähigkeit beeinflussen würden. Gegenüber den Gutachtern Dr. B.____ und Dr. C.____ gab die Beschwer- deführerin jedenfalls neben den Schmerzen zervikal mit Ausstrahlung in beide Schultern und in die Hände sowie den Schmerzen in den Füssen nur an, da ss sie teilweise auch in den Hüftge- lenken Schmerzen verspüre. In Bezug auf den Diabetes me llitus Typ 2 und die Adipositas gab die Beschwerdeführerin gegenüber Dr. B.____ keine besonderen Beschwerden oder Einschrän- kungen an. Gemäss eigenen Angaben macht die Beschwerdeführerin die Bestimmung des Blut- zuckers jeden Morgen selbst. Sie macht keine Diät, da sie weiss, was sie essen darf und was Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht. Inwiefern hier eine quantitative oder qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkt werden könnte, ist nicht erkennbar. Zusammenfassend ist damit nicht ersichtlich, weshalb eine polydisziplinäre Begutachtung in Auf- trag hätte gegeben werden müssen. Unter diesen Vorausse tzungen genügte die Anordnung ei- nes bidisziplinären psychiatrischen-rheumatologischen Gutachtens durch die Beschwerdegegne- rin (BGE 139 V 349 E. 3.2). 4.3.1 Die Beschwerdeführerin macht zudem geltend, dass die Angelegenheit auch aufgrund der neuerdings bekannten Schulterproblematik polydisziplinär abzuklären sei. Sie verweist dabei auf den Arztbericht von Dr. med. H.____, Facharzt Orth opädische Chirurgie und Traumatologie FMH, 8. April 2019. Dr. H.____ diagnostiziert darin eine Cuff-Arthropathie Schulter rechts mit schwerer chronischer Insuffizienz der Supraspinatus- und Infraspinatussehne sowie vollständiger Luxation der langen Bizepssehne und chronischer Läsion der Subscapularissehne, Status nach traumatischer Schulterluxation Schulter rechts 2007. Di e Patientin habe angegeben, dass ihrer Auffassung nach die Schulterfunktion 30 bis 40 % betra ge. Als Befund erhob Dr. H.____ eine erstaunlicherweise gute Beweglichkeit der Schulter mit F lexion 160°, Aussenrotation 40° passiv und aktiv, Innenrotation bis L3. Trotz des radiologischen Befundes zeige die Patientin eine gute Beweglichkeit der Schulter. Nichtsdesdotrotz sei die Funktion der rechten Schulter sehr einge- schränkt. Eine arthroskopische Rekonstruktion sei leider ni cht mehr möglich, einzig möglich sei eine Schultertotalprothese. 4.3.2 Dr. B.____ listet unter Ziffer 2.3 "Röntgendossi er" die Schulter-Arthrographie und das Arthro-MRI Schulter rechts vom 23. Juli 2007 sowie den Befund dieser apperativen Untersuchung auf. Die Schulterproblematik der Beschwerdeführerin war ihm somit bekannt. Zudem erhob er im Rahmen seiner klinischen Untersuchung auch bezüglich der Schultern einen Befund (S. 31). Die- ser ist vergleichbar mit demjenigen von Dr. H.____ aus gefallen. Aus diesem Grund erscheinen die Ausführungen von Dr. D.____, die dieser nach Rücksprache mit Dr. med. I.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, in seiner Stellung- nahme vom 22. Juli 2019 vornimmt, nachvollziehbar. Dr. D.____ legt dar, dass die Einschränkun- gen der Schulterbelastbarkeit durch die von Dr. B.____ definierte weitgehende Einschränkung der Belastbarkeit der Hände grundsätzlich ausreichend miterfasst worden seien. Der Beschwer- deführerin seien in qualitativer Hinsicht keine Tätigkeiten auf oder über der Horizontalen zuzumu- ten, ansonsten habe das Zumutbarkeitsprofil von Dr. B.___ _ weiterhin Gültigkeit. Ein Indiz, das Zweifel an der Verlässlichkeit des Abklärungsresultats de r Beschwerdegegnerin bezüglich der Schulterproblematik wecken würde, liegt damit nicht vor. 4.4.1 Die Beschwerdeführerin stellt sich zudem auf den Standpunkt, dass das von Dr. B.____ beschriebene Tätigkeitsprofil nicht nachvollziehbar sei. Obwohl sie während der gutachterlichen Untersuchung mehrfach angegeben habe, dass sie nicht läng er als 30 Minuten sitzen könne, halte Dr. B.____ eine vorwiegend sitzende Tätigkeit für angepasst, ohne eine durch diese Ein- schränkung bedingte Leistungsminderung zu berücksichtigen bzw . ohne auf nachvollziehbare Weise darzulegen, weswegen in einer sitzenden Tätigkeit trotz der beschriebenen Einschränkun- gen eine Leistung von 100 % erbracht werden könne. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.2 Im Rahmen seiner Befragung nach den konkreten S chmerzen und Beschwerden gab die Beschwerdeführerin gegenüber Dr. B.____ einmal zur Auskunft, dass das Sitzen wegen des Nackens etwa für 30 Minuten möglich sei (S. 22), das an dere Mal hielt sie fest, dass nicht das Sitzen das Problem sei, dort mache der Nacken etwas weh (S. 24). Es handelt sich somit lediglich um eine subjektive zeitliche Angabe der Beschwerdeführe rin. Sie hat zudem im Rücken selbst keine ausgeprägten Beschwerden, die gegen längeres Sitz en sprechen würden. Objektive Hin- weise, die gegen eine vorwiegend sitzende Tätigkeit spr echen würden, sind damit nicht ersicht- lich. Auch in den Berichten der behandelnden Ärzte ist eine derartige funktionelle Einschränkung nicht erwähnt. Damit vermag die rein subjektive Einschätzung der Beschwerdeführerin keine be- gründeten Zweifel an der Festlegung des Leistungsprofils durch Dr. B.____ wecken. 4.5 Hinsichtlich der psychiatrischen Abklärung durch die Be schwerdegegnerin bringt die Be- schwerdeführerin keine Rügen vor. Die Beurteilung von Dr. C.____ wird nicht in Zweifel gezogen. 4.6 Insgesamt ist damit zum Schluss zu kommen, dass sämtliche Rügen gegen die Gutach- ten von Dr. B.____ und Dr. C.____ vom 10. August 2018 bzw. vom 31. August 2018 keine Zweifel an deren Verlässlichkeit wecken können, so dass zur Beurte ilung des Leistungsvermögens der Beschwerdeführerin darauf abzustellen ist. Es ist ausserdem nicht ersichtlich, dass eine polydis- ziplinäre Abklärung notwendig gewesen wäre bzw. ist. Damit ist gestützt auf die Beurteilung von Dr. B.____ davon auszugehen, dass die Beschwerdeführer in ihre Hände nicht mehr mit über 1 kg belasten kann. Eine extrem leichte Belastung unterhalb dieser Limite ist möglich. Sie kann z.B. in einer Tätigkeit mit vorwiegend optischer Kontrolle und ohne den dauernden Einsatz der Hände arbeiten. Von Seiten der Füsse kann sie nicht dauernd stehen und nicht dauernd gehen. Die Gehstrecke ist auf etwa eine halbe Stunde beschränkt. Si e kann nicht auf Leitern und Gerüste steigen und nicht dauernd Treppensteigen. Gelegentliches Besteigen von Treppen hingegen ist problemlos möglich. Für eine körperlich sehr leichte Tätigkeit, bei welcher sie vorwiegend sitzen kann und welche die genannten Restriktionen berücksichtigt , besteht eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Darüber hinaus sind die Limitierungen zu berücksichtigen, wie sie Dr. D.____ festgelegt hat, indem der Beschwerdeführerin keine Tätigkeiten a uf oder über der Horizontalen mehr zu- mutbar sind. 5.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchtigun- gen. Die Beschwerdeführerin bestreitet die Verwertbar keit der Restarbeitsfähigkeit auf dem all- gemeinen Arbeitsmarkt. Das von Dr. B.____ beschriebene Tätigkeitsprofil sei dermassen einge- schränkt, dass es unvorstellbar sei, dass sie auch bei einem sehr entgegenkommenden Arbeit- geber Chancen auf eine Anstellung hätte. Es sei nicht ersichtlich, welche Arbeiten angesichts der umfangreichen grob- und feinmotorischen Einschränkungen der Hände noch zur Verfügung ste- hen würden. Selbst optische Kontrollen seien mit regelmässigem Einsatz der Hände verbunden, da diese beinhalten würden, dass Werte schriftlich über tragen oder die zu kontrollierenden Ob- jekte in die Hand genommen werden müssten. Selbst wenn Nischenarbeitsplätze vorhanden wä- ren, die dem gutachterlichen Zumutbarkeitsprofil entsprechen würden, sei es unrealistisch, dass sie, die in wenigen Jahren pensioniert werde und seit Jahren als Reinigungskraft tätig gewesen sei, von einem durchschnittlichen Arbeitgeber eingestellt würde. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Im Rahmen der Invaliditätsbemessung bei der Bestim mung des trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbaren Einkommens darf nicht von realitätsfremden Ein- satzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kan n dort nicht von einer Arbeitsge- le- genheit gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realis- tischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum vorneherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundes- gerichts vom 17. Dezember 2008, 9C_854/2008, E. 2.1; ZA K 1991 S. 318 E. 3b). Der ausgegli- chene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) hält von seiner Struktur her einen Fächer verschie- denartiger Stellen offen, und zwar sowohl bezüglich der dafür verla ngten beruflichen und intel- lektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 273 E. 4b S. 276; ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der der versicherten Person auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offenstehenden Möglichkei- ten der Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (Urteil der EVG vom 21 . August 2006, I 831/05, E. 4.1.1 mit Hinweisen). 5.3 Es ist mit der Beschwerdegegnerin einig zu gehen, d ass der Beschwerdeführerin unter Annahme eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes noch ein breites Spektrum an Verweistätigkeiten offensteht. Wie bereits erwähnt, stehen ihr Überwachun gstätigkeiten oder Tätigkeiten mit opti- scher Kontrolle weiterhin offen. Die Einschränkungen, die die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Erkrankung erleidet, reduzieren zwar ihre Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, lassen aber eine Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit – insbesonder e aufgrund der 100 %-igen Restarbeitsfä- higkeit – im Rahmen einer Selbsteingliederung nicht vö llig unrealistisch erscheinen. Auch in An- betracht des Alters der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begutachtung von 58 Jahren kann – unter Berücksichtigung der strengen bundesgerichtlichen Praxis (BGE 138 V 457 E. 3.1) – nicht von einem IV-rechtlich erheblichen, fehlenden Zugang z um Arbeitsmarkt im Sinne des Art. 16 ATSG gesprochen werden. 6.1 Damit ist gestützt auf die Aktenlage davon auszugehen, dass zum Zeitpunkt der Leis- tungsprüfung im Juni 2019 ein Gesundheitszustand vorlag, der es der Beschwerdeführerin er- laubt hätte, eine leidensangepasste Tätigkeit im Umfang von 100 % auszuüben. Die Beschwer- degegnerin nahm in der Verfügung einen Einkommensvergleich vor und ermittelte einen Invalidi- tätsgrad von 0 %. Dabei ging sie gestützt auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstruk- turerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) für d as Jahr 2014 von einem Valideneinkom- men im Betrag von Fr. 54'877.-- und von einem Invalideneinkommen in der gleichen Höhe aus. 6.2 Das von der Beschwerdegegnerin anhand lohnstatistisch er Angaben und unter Berück- sichtigung der Nominallohnentwicklung sowie der durchschni ttlichen wöchentlichen Arbeitszeit berechnete Valideneinkommen wird von der Beschwerdefü hrerin nicht beanstandet. Nachdem Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Kantonsgericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre, erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem ermittel ten Wert und es wird auf die betreffenden Ausführungen in der Verfügung verwiesen. 6.3.1 Zu klären bleibt die Höhe des Invalideneinkomme ns. In Bezug auf die Ermittlung des Invalideneinkommens wird in der Beschwerde einzig gerügt , dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht keinen leidensbedingten Abzug vorgenommen habe. Die bald 60-jährige Beschwerde- führerin sei nach ihrem fünfjährigen Schulbesuch in Italien einzig als Raumpflegerin tätig gewe- sen. Sowohl die Ausbildung als auch die Kenntnisse der d eutschen Sprache seien für die Aus- übung dieses Berufes ausreichend. Die Stellensuche für eine angepasste Tätigkeit würde durch diese Faktoren limitiert. Ausserdem müsse bereits aufgru nd des extrem eingeschränkten Tätig- keitsprofils von einer erheblichen Senkung der Lohnhöhe ausgegangen werden. Aus diesem Grund rechtfertige sich die Vornahme eines maximalen Leidensabzugs von 25 %. 6.3.2 Praxisgemäss kann von dem anhand de LSE Tabellenlö hne ermittelten Invalidenein- kommen unter bestimmten Voraussetzungen ein leidensbedingter Abzug vorgenommen werden. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltska- tegorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Aus- prägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem aus- geglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll aber nicht a utomatisch erfolgen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa-cc). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfun g kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den di e Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipie n in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen . Soll in die Ermessensbetätigung der Vorinstanz eingegriffen werden, muss sich die richter liche Behörde demnach auf Gegeben- heiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näherliegend erschei- nen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil de s Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 6.3.3 Solche Gegebenheiten sind vorliegend nicht ohne weiteres ersichtlich. Die Beschwerde- gegnerin bringt in der Vernehmlassung zutreffend vor, dass die gesundheitlichen Beeinträchti- gungen bereits im zumutbaren Leistungsprofil berücksichtigt worden seien. Da die weiteren Merk- male Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad im vorliegenden Fall keine massgebende Auswirkung auf die Lohnhöhe haben, ist der Entscheid der Beschwerdegegnerin, keinen leidensbedingten Abzug vorzunehmen, nicht zu beanstanden. Es ist daher von einem Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 54'877.-- auszugehen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4 Aus der Gegenüberstellung der beiden Vergleichsein kommen resultiert eine erwerbliche Einbusse von 0 %. Anzumerken ist daher, dass selbst bei eine m Abzug in der maximalen Höhe von 25 % die Erheblichkeitsschwelle des 40 %-igen Invaliditätsgrades nicht erreicht würde. 7. Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerdegegnerin i n der angefochtenen Verfügung vom 12. Juni 2019 zu Recht feststellte, dass bei einem Inva liditätsgrad von 0 % kein Rentenan- spruch bestehe. Damit ist die Beschwerde abzuweisen. 8.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdev erfahrens zu befinden. Beim Ent- scheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Part eikosten ist grundsätzlich auf den Pro- zessausgang abzustellen. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei. 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitw ert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnitt- licher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Kanton sgericht die Verfahrenskosten in Be- rücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des Gesetzes übe r die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 in der Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Dem Prozessausga ng entsprechend hat deshalb die Be- schwerdeführerin als unterliegende Partei die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- zu tragen. Dieser Betrag ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zu verrechnen. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens ent sprechend wird keine Parteientschä- digung zugesprochen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht