Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. Oktober 2018 (720 18 85 / 282) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1963 geborene A.____ absolvierte die Primar- und Sekundarschule und schloss in der Folge eine Berufslehre zur Verkäuferin ab. Nach Lehrabschluss war sie bei verschiedenen Arbeitgebern als Verkäuferin tätig, bis sie im Jahr 1990 eine Anstellung in einer Bank fand und dort als Sachbearbeiterin arbeitete. Nachdem A.____ auch für eine Krankenkasse als Sachbe- arbeiterin tätig gewesen war, arbeitete sie zuletzt bei der B.____. Dort sei sie aber massiv über- fordert gewesen, was zur Krankschreibung und im Jahr 2009 schliesslich zur Kündigung geführt habe. Am 30. Juni 2014 meldete sich A.____ unter Hi nweis auf Schmerzen und Beschwerden Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der rechten Hand bei der IV-Stelle zum Leistungsbe zug an. Nach Prüfung beruflicher Mass- nahmen und Abklärung der gesundheitlichen Beschwerden l ehnte die IV-Stelle nach durchge- führtem Vorbescheidverfahren einen Rentenanspruch von A .____ bei einem Invaliditätsgrad von 22 % mit Verfügung vom 2. Februar 2018 ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Daniel Altermatt, am 7. März 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, neue medizi nische Abklärungen vorzunehmen; unter o/e-Kostenfolge. Des Weiteren wurde die Gewähru ng der unentgeltlichen Rechtspflege beantragt. C. Mit Schreiben vom 9. April 2018 zog die Beschwerde führerin ihren Antrag um unent- geltliche Rechtspflege zurück. D. In ihrer Vernehmlassung vom 25. April 2018 beantrag te die Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen. E. Mit Schreiben vom 20. August 2018 hielt die Beschwer deführerin an ihren Rechtsbe- gehren und Ausführungen in ihrer Beschwerde fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten ist demnach ein zutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer du rch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Vo- raussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der E rfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtlic he Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussa gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therape utisch tätigen (Fach-)Arztes einer- seits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht seits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu a nderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich e ine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rei n subjektiver ärztlicher Interpretation ent- springende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begut achtung unerkannt oder ungewür- digt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arb eitsfähigkeit der Beschwerde- führerin liegen im Wesentlichen folgende ärztliche Unterlagen vor: 5.1 Mit Bericht vom 15. April 2015 hält Dr. med. C.__ __, Leitende Ärztin Handchirurgie, X.____-Spital, als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: 1. Bandlaxität bei höchstens minimalen degenerativen Ve ränderungen am Daumen- und Sattelgelenk rechts 2. Verdacht auf stattgehabte Partialruptur des ulnars eitigen Bandapparates MP-Gelenk Daumen rechts ohne erinnerliches Trauma 3. Persistierende Parästhesien bei Status nach Dekompr ession Carpaltunnel rechts im Februar 2013 und links im Juli 2014 und Status nach Ring bandspaltung A1 am Daumen rechts im Februar 2013 Dr. C.____ hält eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit Februar 2013 fest. Zum Belastungsprofil führt sie aus, dass die Beschwerdeführerin theoretisch in einer manuell nicht belastenden Arbeit zumindest teilweise arbeitsfähig sei. Längeres Schreibe n sei nicht möglich, weshalb eine Büro- arbeit kaum in Frage komme, theoretisch wären vor allem Überwachungsarbeiten möglich. Leichtere, wechselnde Belastung der Hände seien sicher möglich, allerdings kein Heben schwerer Lasten, keine repetitiven Tätigkeiten, kein längeres Schreiben. Mit Arztbericht vom 20. Januar 2016 berichtet Dr. C.__ __ von einer Operation am rechten Daumen vom 13. Oktober 2015. Die Beschwerdeführerin hab e drei Monate nach der Operation nach wie vor Schmerzen, sobald sie den Daumen etwas mehr bewege und versuche, ihn zu belasten. 5.2 Am 13. Juli 2017 erstatten Dr. med. D.____, FMH P sychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. E.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologi e, ein bidisziplinäres Gutachten. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit werd en chronische Beschwerden an den Händen beidseits, rechts ausgeprägter als links - St. n. extendierender Osteotomie nach Wilson Metac arpale I rechts und modifizier- ter Bandplatik nach Brunelli Damensattelgelenk rechts s owie Straffung des ulnaren Seitenbandes Daumen-MP-Gelenk rechts am 13.10.2015 be i beginnender Arthrose Daumensattel- und Grundgelenk rechts bei zusätzlich bestehender Bandlaxität Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht - St. n. Carpaltunnel-Dekompression rechts sowie Ringba nd-Dekompression A1 Dig. I rechts am 7.2.2013 wegen Carpaltunnelsyndrom und Tenovaginitis stenosans Dig. I rechts mit protrahiertem Heilungsverlauf - St. n. Carpaltunnel-Dekompression links vom 28.07.201 4 wegen Carpaltunnelsyn- drom - V. a. chronische Schmerzproblematik mit möglicher Sc hmerzverarbeitungsstörung und Selbstlimitierung, soziale Rehabilitationshindernissen angegeben. Zur Arbeitsfähigkeit wird festgehalten, dass aus psychiatrischer Sicht die bisherige angestamm- te wie auch eine alternative Tätigkeit im vollen Umfang möglich sei. Aus rheumatologischer Sicht bestehe für die angestammte Tätigkeit als Sachbearbeiterin ab dem Zeitpunkt des Abschlusses der handchirurgischen Betreu ung, also ab Mitte Februar 2017 eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit bei zuvor 100 % Arbei tsunfähigkeit ab 7. Februar 2013. Be- züglich sämtlicher anderweitiger Verweistätigkeiten, oh ne oder nur mit geringer manueller Be- lastung, insbesondere Betätigung des rechten Daumens, be stehe eine volle Arbeitsfähigkeit ohne zusätzliche Leistungseinbusse. 5.3 Die RAD-Ärztin Dr. med. F.____, FMH Physikalische und Rehabilitative Medizin, hält mit Bericht vom 18. Juli 2017 fest, dass aufgrund des Guta chtens das Belastungsprofil der Ver- weistätigkeit so sei, dass dieses einer Tätigkeit entsprech e ohne repetitive manuelle Belastun- gen insbesondere des rechten Daumens, d.h. ohne feinmotorische Aufgaben mit Notwendigkeit des Pinzettengriffs, ohne Haltegriffe mit Kraftaufwan d. So seien Tätigkeiten wie Katzen- und Hundesitting, was bereits schon von der Beschwerdeführer in praktiziert worden sei, ganztags ohne Einschränkungen durchführbar. In einer derartigen Verweistätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Des Weiteren führt Dr. E.____ aus, auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. E.____ und Dr. D.____ könne abgestellt werden. Mit einem weiteren Bericht nimmt Dr. E.____ am 4. Januar 2018 zu den Einwendungen im Vor- bescheidverfahren Stellung und hält fest, dass der Rheum atologe Dr. E.____ aufgrund seiner Ausbildung und klinischer Erfahrung fachkompetent sei i n der Beurteilung der Funktionsfähig- keit des gesamten Bewegungsapparats. Der Unterschied zwische n dem Rheumatologen und dem Handchirurgen liege im therapeutischen Ansatz. Hand chirurgen würden operieren, Rheu- matologen dagegen würden konservativ behandeln. Versicher ungsmedizinisch bestehe keine Indikation neben der bereits durchgeführten rheumatolo gischen Begutachtung auch noch eine handchirurgische Begutachtung zu veranlassen. 6. Im vorliegenden Fall ist streitig, ob sich die IV-Ste lle zu Recht auf die Beurteilung im rheumatologischen Gutachten von Dr. E.____ abgestützt hat. Die psychiatrische Beurteilung im Gutachten von Dr. D.____ wird nicht beanstandet, so da ss auf die psychiatrische Gesundheits- problematik nicht eingegangen werden muss. Die IV-Stel le ging demzufolge davon aus, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Verweistätig keit ohne repetitive manuelle Belas- tung zu 100 % arbeitsfähig sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, d ass eine handchirurgische Be- gutachtung hätte vorgenommen werden müssen. Die rheuma tologische Einschätzung von Dr. E.____ erweise sich als nicht rechtsgenüglich. Es seien keine genauen Untersuchungen der Hände erfolgt, so würden z.B. detaillierte Angaben üb er die Beweglichkeit der einzelnen Gelen- ke und Schmerzlokalisationen fehlen. Die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Einwände überzeugen nicht. Vorweg kann fest- gehalten werden, dass der rheumatologische Gutachter e ine ausführliche Anamnese vorge- nommen hat. Er hält in Bezug auf den hier interessier enden rechten Daumen die Einschrän- kung der Flexion wie auch der Extension in Graden fest. Auch wurde der Faustschluss dyna- mometrisch gemessen und in diesem Zusammenhang hält Dr. E.____ fest, dass sich sowohl bei der Begrüssung wie auch bei der Verabschiedung ei n insgesamt kräftiger Händedruck ge- zeigt habe, was in einer gewissen Diskrepanz zu den klinisch fassbaren Befunden stehe. Mit diesen detaillierten Ausführungen auf Seite 13 und 14 im Gutachten setzt sich die Beschwerde- führerin nicht auseinander, sondern begnügt sich ledigl ich damit, geltend zu machen, dass es an einer handchirurgischen Abklärung mangle. Diesbezügl ich ist noch anzumerken, dass keine Stellungnahme der handchirurgischen Abteilung des X. ____-Spitals vorliegt, die allenfalls Ein- wände gegen die rheumatologische Beurteilung liefern würde. 6.2 Als weiteres Argument bringt die Beschwerdeführerin vor, dass die Einschätzung der aus der Funktionseinschränkung des rechten Daumens result ierenden Arbeitsfähigkeit nicht nachvollzogen werden könne. Es sei widersprüchlich, wenn der rheumatologische Gutachter angesichts der Funktionseinschränkung des rechten Daumen s der Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zumute. Die IV-Stelle weist diesbezüglich zu Recht darauf hin, dass im vorliegenden Fall die Einschät- zungen von Dr. E.____ hinsichtlich der Verweistätigkeit u nd nicht der angestammten Tätigkeit entscheidend sei. 6.3 Insgesamt ist festzuhalten, dass die Beurteilung von Dr. E.____ durchaus detailliert, nachvollziehbar und überzeugend ausgefallen ist, auch wa s die Genauigkeit der Beschreibung der Verweistätigkeit anbelangt. Diesbezüglich hält Dr. E.____ fest, dass feinmotorische manuel- le Tätigkeiten wie Pinzettengriff und ähnliche Funktion en und auch repetitiv manuelle Belastun- gen mit Benützen des Daumens und Durchführen eines ver mehrten manuellen Kraftaufwandes nur noch deutlich eingeschränkt möglich seien. Hinsichtli ch der angestammten Tätigkeit hat Dr. E.____ eine Differenzierung insoweit vorgenommen , als er eine 50%ige Arbeitsfähigkeit angenommen hat, unter der Voraussetzung, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeit nicht aus- schliesslich am PC auszuführen hat. Auch die Tatsache, dass der Konsensteil des Gutachtens knapp ausgefallen ist, vermag nichts an der Aussagekraft des Gutachtens zu ändern, da bei der hier vorliegenden Konstellation das rheumatologische Teilgutachten massgebend ist. In Bezug auf die – vorliegend massgebliche – Verweistä tigkeit hält Dr. E.____ fest, dass für jegliche Tätigkeiten ohne repetitive manuelle Belastun g die Beschwerdeführerin vollumfänglich Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht arbeitsfähig ist. Er verweist in diesem Zusammenhang d arauf, dass sie sich zwischenzeitlich auch vermehrt mit Katzen- und Hundesitting im Rahmen v on Ferienvertretungen beschäftige; derartige Tätigkeiten – wie auch andere leidensadapt ierte Tätigkeiten ohne manuelle repetitive Belastung der rechten Hand – seien aus rheumatologische r Sicht weiterhin uneingeschränkt und vollumfänglich möglich. Auch im Konsensteil wird ausg eführt, dass bezüglich Verweistätig- keiten ohne oder nur mit geringer manueller Belastung , insbesondere Betätigung des rechten Daumens, eine volle Arbeitsfähigkeit ohne zusätzliche Leistungseinbusse bestehe. Zusammenfassend ist demzufolge festzuhalten, dass das rheu matologische Teilgutachten und damit auch das bidisziplinäre Gutachten von Dr. D.____ u nd Dr. E.____ nicht zu beanstanden sind, zumal keine konkreten Indizien gegen das verwaltun gsexterne Gutachten vorliegen, ins- besondere auch keine vom Gutachten divergierenden Stel lungnahmen von behandelnden Ärz- ten (vgl. oben E. 4.3). 7. Der von der IV-Stelle vorgenommene Einkommensvergle ich wird von der Beschwerde- führerin zu Recht nicht beanstandet. Die IV-Stelle h at das Valideneinkommen korrekterweise unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundes- amtes für Statistik festgesetzt, da die Beschwerdeführer in ihre letzte Stelle nicht wegen Krank- heit, sondern wegen Mobbings verloren hat. Im Übrigen ist ihr Einkommen gemäss IK-Auszug deutlich geringer als das ihr von der IV-Stelle gutgesch riebene Valideneinkommen von Fr. 68‘923.--. Ebenfalls mittels LSE wurde das Invalide neinkommen festgesetzt und mit Fr. 54‘162 eingesetzt (LSE 2014 TA1, Sektor Total, Ko mpetenzniveau 1). Die IV-Stelle hat kei- nen leidensbedingten Abzug vom Invalideneinkommen vorg enommen, was vorliegend grund- sätzlich denkbar wäre. Selbst wenn jedoch von einem – hi er maximal vertretbaren – Abzug von 15 % ausgegangen würde, würde dies am Ergebnis nichts ändern, da dennoch ein IV-Grad von unter 40 % resultieren würde. 8. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die I V-Stelle in der angefochte- nen Verfügung vom 2. Februar 2018 einen Rentenanspru ch der Versicherten zu Recht abge- lehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind . Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost vorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht