B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1353/2021/E-1354/2021 U r t e i l v o m 7 . A p r i l 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichter Lorenz Noli, mit Zustimmung von Richterin Déborah D'Aveni, Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A._______, geboren am (…) (E-1353/2021 / N […]), und B._______, geboren am (…) (E-1354/2021 / N […]), Afghanistan, beide vertreten durch MLaw Makbule Dügünyurdu, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Ostschweiz, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch (sicherer Drittstaat) und Weg- weisung; Verfügungen des SEM vom 18. März 2021 / N (…) und N (…) E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden (Bruder und Schwester) suchten am 1. Novem- ber 2020 im Bundesasylzentrum in Altstätten um Asyl. B. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Zentralein- heit Eurodac) ergab, dass die Beschwerdeführenden am 7. September 2018 in Griechenland um Asyl nachgesucht hatten und ihnen am 22. Ja- nuar 2019 beziehungsweise am 9. Mai 2019 von den griechischen Behör- den internationaler Schutz gewährt worden war. C. Am 5. November 2020 fanden die Personalienaufnahmen (PA) statt. Die Beschwerdeführerin B._______ (N […]) gab unter anderem an, nie ein Identitätsdokument besessen und den von den griechischen Beh örden ausgestellten Flüchtlingsausweis weggeworfen zu haben. Der Beschwer- deführer A._______ (N […]) gab seinerseits an, sowohl seinen afghani- schen Reisepass als auch den in Griechenland erhaltenen Flüchtlingsaus- weis weggeworfen zu haben. D. Am 6. November 2020 fanden die persönlichen Gespräche gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 vom 23. Mai 2019 (nachfolgend: Dublin- Gespräche) statt. In diesem Rahmen wurde den Beschwerdeführenden das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und zur Möglichkeit einer Überstellung nach Griechenland gewährt. Die Beschwerdeführerin B._______ gab unter anderem an, im Juni 201 8 den Iran gemeinsam mit ihrem Bruder A._______ verlassen zu haben und seither stets mit ihm zusammen gewesen zu sein. Sie und ihr Bruder hätten den Iran wegen ihrem Ehemann und ihren Onkeln mütterlicherseits verlas- sen. Ihr Ehemann, der mit der iranischen Revolutionsgarde (Sepah) zu- sammenarbeite, habe sie oft geschlagen und ihr die Kinder weggenom- men. Sie sei vor ihm geflohen, aber er suche immer noch nach ihr und vor etwa drei oder vier Monaten habe sie ihn auf dem Omoniya-Platz in Athen gesehen. Sie habe sich versteckt und sei in der Folge wegen ihrem Ehe- mann zweimal auf dem Polizeiposten gewesen und habe ihn namentlich genannt. Jedoch habe die Polizei ihr mitgeteilt, dass es keine (registrierte) Person mit diesem Namen gebe. Sie habe jedoch von Leuten im (…) in Athen erfahren, dass ihr Ehemann nach ihrem Wegzug angeblich im (…) E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 3 gewesen sei und nach ihr und ihrem Bruder gefragt habe. Sie vermute, dass ihr Ehemann sie womöglich in den Flüchtlingslagern suche. Sie selbst habe ihn nicht mehr gesehen, aber ob i hr Bruder ihn nochmals gesehen habe, wisse sie nicht. Sie habe das (…) auch wegen der dortigen allgemein unsicheren Situation freiwillig verlassen. Im (…) sei sie psychologisch be- treut worden. Sie leide an Depressionen und Alpträumen. Sie habe für ei- nen Monat ein Zimmer finden können, danach sei sie, wie ihr Bruder, auf der Strasse gewesen. Sie habe lediglich auf die Flüchtlingsdokumente ge- wartet. Zwar habe sie ihre Dokumente drei Monate vor ihrer Ausreise er- halten, ihr Bruder indessen erst zwei Wochen vorher. Der Beschwerdeführer A._______ gab seinerseits an, er sei in Lesbos ent- gegen seinem Willen daktyloskopiert worden und habe nach der Anhörung einen positiven Asylentscheid erhalten. Nach seiner Ankunft in Griechen- land habe er an Verspannungen der Beinmuskulatur, Schlafproblemen und Depressionen gelitten. Der Arzt im (…) habe ihm Schlaftabletten verschrie- ben. Die für die Organisation One Happy Family tätigen Ärzte hätten ihm geraten, schwimmen zu gehen, um besser einschlafen zu können. In Moria hätten sie einen Monat lang bei One Happy Family gearbeitet, während ihres Aufenthaltes im (...) einen Monat auf einer Baustelle in Athen. Zu je- nem Zeitpunkt hätten sie noch keine Identitätsausweise als Flüchtlinge ge- habt, jedoch sei er im Besitz eines Dokumentes gewesen, das ihn durch eine entsprechende Stempelung als Flüchtling ausgewiesen habe. Man er- halte erst dann die Flüchtlingsausweise als Flüchtlinge, wenn man einen Mietvertrag habe. Sie hätten grundsätzlich das Containercamp (…) nach Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft verlassen müssen, ihr Bleiben sei aber von den Behörden, auch wenn diese sie immer wieder zu Gehen auf- gefordert hätten, geduldet worden. Nach dem Austritt aus dem (...) habe seine Schwester zur Finanzierung des Lebensunterhaltes Geld geschickt. Die Behörden hätten ihnen mitgeteilt, sich an die Organisation HELIOS (Hellenic Integration Support for Beneficiaries of International Protection) zu wenden. Mitarbeitende von HELIOS hätten ihnen gesagt, sie müs sten selbst eine Wohnung suchen. Die Miete werde aber von HELIOS übernom- men. Einen Monat lang hätten sie in einem Zimmer gelebt. Die Zeit bis zur Ausreise hätten sie im Freien verbracht. Ihre Ausreise aus Griechenland habe seine in Amerika lebende Schwester finanziert. Die Rechtsvertretung beantragte im Rahmen des Dublin -Gesprächs eine rasche medizinische Abklärung seines Gesundheitszustands und die Auf-E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 4 nahme einer entsprechenden Behandlung. Das SEM verwies auf die Mög- lichkeit, sich an Medic-Help zu wenden, welches im BAZ die erste Anlauf- stelle bei gesundheitlichen Problemen sei. E. Zum Nachweis ihrer Identität und zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden zwei Flüchtling sausweise in Ko pie, eine Passkopie (erste zwei Seiten), einen ärztlichen Bericht von Médecins sans Frontières (MSF) vom 2. Juni 2020 betreffend die psychische Verfassung der Beschwerdeführerin und der im (...) eingeleiteten psychiatrischen so- wie psychologischen Behandlung, und drei Kursbestätigungen aus Grie- chenland (Englischkurs) ein. F. Am 10. November 2020 ersuchte die Vorinstanz die griechischen Behör- den gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Dritt- staatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungs-Richtlinie) und auf das Ab- kommen zwischen der Schweiz und Grie chenland über die Rücküber- nahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom 28. August 2006 (SR 0.142.113.729) schriftlich um Rückübernahme der Beschwerdeführenden. G. Am 12. November 2020 stimmten die griechischen Behörden den Über- nahmeersuchen dem SEM vom 10. November 2020 zu. Sie teilten mit, dass dem Beschwerdeführer am 22. Januar 2019 ein subsidiärer Schutz- status zuerkannt worden sei und er über eine Aufenthaltsbewilligung bis zum 29. August 2022 verfüge. Der Beschwerdeführerin sei am 9. Mai 2019 die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden und die damit einhergehende Aufenthaltsgenehmigung sei bis zum 29. Juli 2022 gültig. H. Am 25. November 2020 wurde der Beschwerdeführer bei (…) wegen Bein- krämpfen und Schlafstörungen vorstellig. Gegen die Beschwerden wurden Magnesium und ein Schlafmittel verschrieben. Am 24. Februar 2021 er- folgte die Überweisung an die (…), wo ein erster Termin am 9. März 2021 stattfand. Im ärztlichen Bericht vom 9. März 2021 wurden Hinweise auf das Vorliegen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) diagnosti- ziert. Es wurde Trittico, ein Medikament mit beruhigender, angstlösender und stimmungsaufhellender Wirkung, verschrieben. E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 5 I. Auch die Beschwerdeführerin wurde am 25. November 2020 bei (…) vor- stellig (u.a. wegen Schlafstörung und Depressionen ). Am 12. Dezember 2020 erfolgte eine Zuweisung zur medizinischen Abklärung. In den ärztli- chen Berichten vom 23. Dezember 2020, 4. Januar 2021, 8. Januar 2021, 16. Januar 202 1, 22. Januar 2021 und vom 26. Januar 2021 wurde das Vorliegen einer PTBS und einer rezidiven depressiven Störung diagnosti- ziert und von der Vornahme einer Traumatherapie berichtet. Am 4. Februar 2021 gab das SEM die Erstellung eines psychiatrischen Berichts in Auftrag. Im in der Folge eingereichten psychiatrischen Bericht vom 13. Februar 2021 wurde der Beschwerdeführerin eine (PTBS) und eine dissoziative Störung attestiert. Es folgten weitere ärztliche Berichte vom 26. Februar 2021 und vom 2. März 2021. Im Austrittsbericht vom 26. Februar 2021 der (…) wurde unter anderem festgehalten, dass keine Hinweise für eine akute Suizidalität oder Fremdgefährdung der Beschwerdeführerin mehr bestün- den. J. Am 5. März 2021 gewährte das SEM das rechtliche Gehör zu der vom Be- schwerdeführer eingereichten Kopie der ersten beiden Seiten seines af- ghanischen Passes. Daraus geht hervor, dass der Pass am 27. November 2019 vom afghanischen Generalkonsulat in C._______ ausgestellt worden war, zu einem Zeitpunkt, in dem sich die Beschwerdeführenden nach eige- nen Angaben in Griechenland aufgehalten hatten. K. In der Stellungnahme vom 12. März 2021 wurde ausgeführt, dass die Pässe von afghanischen Staatsangehörigen, welche sich in Europa auf- hielten, generell durch das afghanische Generalkonsulat in D._______ ausgestellt würden. Die Beschwerdeführenden hätten dies in der afghani- schen Botschaft in Athen erfahren. Sie seien nie in Deutschland gewesen. L. Am 16. März 2021 stellte die Vorinstanz den Beschwerdeführenden die Entscheidentwürfe zu und gewährte ihnen das rechtliche Gehör. Mit Ein- gaben vom 17. März 2021 nahm die Rechtsvertretung Stellung. Aus Sicht der Rechtsvertretung sei den Entscheidentwürfen insbesondere entgegen- zuhalten, dass der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt (im Fall des Beschwerdeführers) noch nicht erstellt beziehungsweise hinsichtlich der Beschwerdeführerin nicht hinreichend gewürdigt worden sei. Der Be- schwerdeführer sei erst kürzlich an die (…) zugewiesen worden und habe E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 6 bisher einen einzigen Termin wahrnehmen können. Es bestehe der Ver- dacht auf eine PTBS, jedoch habe eine verlässliche psychiatrische Begut- achtung bislang nicht stattgefunden. Entgegen der Auffassung im Ent- scheidentwurf habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht bereits deutlich verbessert. Im Bericht vom 2. März 2021 werde nicht festgehalten, dass die diagnostizierte PTBS und die schwere depressive Episode bereits gänzlich abgeklungen wären. Die Beschwerdeführerin be- finde sich nach wie vor in einer Traumatherapie , weil das Trauma noch nicht ganz verarbeitet sei. Gemäss ärztlichem Bericht vom 23. Dezember 2020 sei die Prognose für den weiteren Verlauf ohne Behandlung ungüns- tig. Das SEM sei gehalten zu prüfen, ob bei einer Überstellung nach Grie- chenland eine adäquate medizinische Versorgung wirklich gewährleistet sei. Es bestünden Hinweise dafür, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Griechenland verschlechtern würde. Ohne eine individuelle Garantie einer adäquaten medizinischen Be- handlung durch die griechischen Behörden sei die Überstellung nach Grie- chenland unzulässig. Im Weiteren habe das SEM im Rahmen der Prüfung von Art. 3 EMRK von Amtes wegen eines aktuelle Bewertung der allgemei- nen Lage in Griechenland vorzunehmen, insbesondere hinsichtlich der Zu- gänglichkeit und des Funktionierens des Asylsystems sowie der Garantien, die das Land in der Praxis biete. Dem Gesuchsteller obliege einzig die Be- weisführungslast bezüglich seiner persönlichen Situ ation. Die Beschwer- deführenden hätten im Rahmen des Dublin-Gesprächs ausführlich darge- legt, dass sie in Griechenland kein menschenwürdiges Leben geführt hät- ten. Die Arbeitslosenquote in Griechenland liege derzeit bei knapp 20%. Der Zugang der Beschwerdeführenden zum Arbeitsmarkt werde durch die mangelnde Beherrschung der griechischen Sprache, das Fehlen einer spezifischen beruflichen Qualifikation sowie wegen des schlechten psychi- schen Gesundheitszustands zusätzlich erschwert. M. Mit gleichentags eröffneten Entscheiden vom 18. März 2021 trat die Vo- rinstanz auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, wies sie aus der Schweiz weg und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, ansonsten sie in Haft genom- men und unter Zwang nach Griechenland zu rückgeführt würden. Gleich- zeitig beauftragte die Vorinstanz den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte den Beschwerdeführenden die editions- pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 7 N. Mit Eingaben ihrer Rechtsvertretung vom 25. März 2021 erhoben die Be- schwerdeführenden gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge- richt Beschwerde. Es wurde deren Aufhebung, die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz und die Anweisung an das SEM zum Eintreten auf die Asylgesuche, eventualiter die Gewährung der vorläufigen Aufnahme unter Feststellung der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmögli chkeit des Wegweisungsvollzuges, subeventualiter die Anweisung an die Vorinstanz, von den griechischen Behörden eine individuelle Garantieerklärung einzu- holen, beantragt. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Rechtsvertretung um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Verzicht auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses. Die Verfahren N (…) und N (…) seien zu koordinieren. O. Mit Schreiben vom 26. März 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsge- richt den Eingang der Beschwerde. P. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Gericht am 26. März 2021 in elekt- ronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 und 4 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde- führerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vor-E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 8 instanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.). Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Vollzugs hat das SEM eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Gericht diesbe- züglich volle Kognition zukommt. 4. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend aufgezeigt wird, handelt es sich um solche, weshalb der Beschwerdeent- scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriftenwechsel verzichtet. 5. Die beiden Beschwerdeverfahren E -1353/2021 und E-1354/2021 werden aufgrund des engen sachlichen und persönlichen Zusammenhangs verei- nigt. 6. 6.1 Die Vorinstanz ergänzte und präzisierte in den angefochtenen Verfü- gungen in Würdigung der Stellungnahmen der Rechtsvertretung, dass Griechenland, wie bereits in den Entscheidentwürfen erwähnt, die Richtli- nie 2011/95/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. De- zember 2011 (sogenannte Qualifikationsrichtlinie) umgesetzt habe. Es treffe zwar zu, dass die Traumatherapie der Beschwerdeführerin noch nicht abgeschlossen sei. Sie werde jedoch bis zum Zeitpunkt der Überstellung nach Griechenland in geeigneter Weise fortgesetzt. Ebenso würden die griechischen Behörden bei einer Überstellung über ihren spezifischen psy- chischen Gesundheitszustand informiert werden. Die Rechtsvertretung verkenne, dass die Beschwerdeführerin in Griechenland bereits eine inten- sive psychiatrische und psychologische T herapie durch MSF erfahren habe. Diese habe sie aus eigenem Entschluss von sich aus abgebrochen. Ein derartiges Verhalten stehe im Widerspruch zu der von der Rechtsver- tretung angeführten angeblichen Vulnerabilität aufgrund ihres Gesund- heitszustands. Es sei ihr zuzumuten, sich nach einer Überstellung nach Griechenland sofern notwendig erneut ans MSF in Athen zu wenden, sei es, um die begonnene Therapie fortzuführen oder Unterstützung für eine E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 9 Therapie bei anderen Fachärzten zu erhalten. Da in keinem der vorliegen- den Arztberichte von einer beabsichtigten weiteren stationären psychiatri- schen Behandlung die Rede sei, siehe das SEM von weiteren diesbezüg- lichen Abklärungen ab. Im Weiteren sei darauf hinzuweisen, dass die Be- schwerdeführerin mit der Unterstützung ihres Bruders und der in den USA lebenden Schwester rechnen könne. Aus diesen Gründen bestehe keine Notwendigkeit, bei den griech ischen Behörden eine individuelle Garantie über eine adäquate medizinische Behandlung einzuholen. Auch hinsichtlich des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers sei der rechtserhebliche Sachverhalt vorliegend hinlänglich erstellt, um die Zu- lässigkeit und Zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs nach Griechen- land beurteilen zu können. Den vorliegenden ärztlichen Unterlagen sei zu entnehmen, dass kein Hinweis auf ein schwerwiegendes mentales oder psychisches Krankheitsbild vorliege. In diesem Zusammenhang sei darauf hinzuweisen, dass das BVGer in seinem Urteil D-371/2019 vom 28. Januar 2019 festgehalten habe, dass eine PTBS in Griechenland grundsätzlich behandelbar sei. Darüber hinaus sei hinsichtlich der vorgebrachten ge- sundheitlichen Beschwerden auf die bereits genannte Qualifikationsrichtli- nie zu verweisen. Die Aussage des Beschwerdeführers, in Griechenland mehrfach beziehungsweise «viel» beim Arzt gewesen zu sein, bestätige zweifelsfrei, dass Griechenland die Qualifikationsrichtlinie anwende. Im Rahmen der Vollzugsplanung könnten weitere medizinische Abklärungen durchgeführt beziehungsweise eingeleitet werden. Zudem trage das SEM bei der Organisation der Überstellung dem aktuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden Rechnung, indem es die griechischen Behör- den vor der Überstellung über die notwendige medizinische Behandlung informiere, sollte sich dies zu diesem Zeitpunkt als erforderlich erweisen. Hinsichtlich der Gefahr einer Selbstgefährdung bei einer Überstellung sei erwähnt, dass der wegweisende Staat gemäss Praxis des EGMR nicht ver- pflichtet sei, vom Vollzug der Wegweisung Abstand zu nehmen. In Bezug auf die aktuelle Rechts - und Sachlage in Griechenland sei nicht davon auszugehen, dass Griechenland sich in einen Widerspruch zu sei- nen völkerrechtlichen Verpflichtungen begeben werde; im Fall einer Verlet- zung der Garantien der EMRK stünde ohnehin der Rechtsweg an den EMRG offen. Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG habe der Bundesrat Griechen- land als Staat bezeichnet, in welchen die Rückkehr in der Regel zumutbar sei. Auch in Anbetracht der gegenwärtigen Asylpolitik Griechenlands sei der Bundesrat auf seine diesbezügliche Einschätzung nicht zurückgekom- men (vgl. BVGer-Urteil E-1657/2020 vom 26. Mai 2020). Somit seien die E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 10 Voraussetzungen für eine materielle Behandlung des Asylgesuches nicht erfüllt. 6.2 Auf Beschwerdeebene wurde eingangs darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin nach der Besprechu ng des Entscheidentwurfs am 17. März 2021 aufgrund Suizidalität gleichentags in die (…) eingewiesen worden sei. Der entsprechende ärztliche Bericht über den aktuellen Auf- enthalt in der Psychiatrischen Klinik werde nachgereicht. Hinsichtlich der Feststellung des SEM in den angefochtenen Verfügungen, wonach der Bundesrat Griechenland als sicheren Drittstaat bezeichn et habe, sei darauf hinzuweisen, dass sich Griechenland als EU -Staat nach Art. 6a Abs. 2 AsylG «automatisch» auf der Liste der sicheren Drittstaaten befinde. Auch wenn diese Liste nach Art. 6a Abs. 3 AsylG vom Bundesrat periodisch überprüft werde, könne er die EU/EFTA- Staaten somit gar nicht von der Liste entfernen. Das SEM stehe im Rahmen seiner prozeduralen Pflichten nach Art. 3 EMRK in der Pflicht, zu untersuchen und zu begrün- den, ob und warum ein Staat ein sicherer Drittstaat sei. Bezüglich der allgemeinen Lage in Griechenland sei demnach darauf hin- zuweisen, dass die Behörden im Rahmen von Art. 3 EMRK von Amtes we- gen eine aktuelle Bewertung der allgemeinen Lage in Griechenland vor- nehmen müssten. Der Verweis auf die Bindung Griechenlands an die Flüchtlingskonvention sowie die Richtlinie 2011/95 /EU (Qualifikations- rechtlinie) reiche ihres Erachtens auch mit Bezug auf Personen mit Schutz- status zur Beurteilung einer Gefährdungssituation nicht aus. Diese gerieten in Griechenland in materielle Not (keine Unter kunft, keine Arbeit). In die- sem Zusammenhang werde auf ein Urteil eines Gerichts eines deutschen Bundeslandes hingewiesen. Aus ihrer Sicht dränge sich der Schluss auf, dass Griechenland seinen Verpflichtungen nicht nachkomme. Die Sicher- heitsvermutung gelte demnach als umgestossen. Schliesslich wiederholte die Rechtsvertretung bezüglich des Wegwei- sungsvollzugs die bereits in ihren Stellungnahmen zu den Entscheident- würfen geltend gemachten Vorbringen, wonach sowohl bei der Beschwer- deführerin als auch beim Bes chwerdeführer ernstzunehmende Hinweise auf ein schwerwiegendes mentales Krankheitsbild vorlägen. So lange die Frage, ob die Beschwerdeführenden bei einer allfälligen Überstellung nach Griechenland eine adäquate medizinische Behandlung erhielten, ungeklärt sei, würde eine solche Art. 3 EMRK verletzen und wäre somit unzulässig. E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 11 Selbst wenn kein Verstoss gegen völkerrechtliche Verpflichtungen festge- stellt werden würden, sei der Wegweisungsvollzug unzumutbar, handle es sich bei den Beschwerdeführenden doch um vulnerable Personen mit psy- chischen Beschwerden und herrschten in Griechenland momentan unwür- dige Lebensbedingungen, welche den Standards der Qualifikationsrichtli- nie nicht genügten. Sofern das Gericht von der generellen Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgehe , sei im Sinne eines Eventualantrags die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen und diese um Einholung individueller Garantien einer adäquaten medizinischen Be- handlung aufzufordern. 7. 7.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten wenn die asylsuchende Person in einen sicheren Drittstaat nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher aufgehalten hat. 7.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun- gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6 a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandels- assoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet. 7.3 Die Vorinstanz stellte in den angefochtenen Verfügungen zutreffend fest, dass es sich bei Griechenland, als Mitglied der EU, um einen sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Den Akten ist zu entnehmen, dass die griechischen Behörden die Beschwerdeführenden als Flüchtling anerkannt, ihnen eine Aufenthaltsbewilligung erteilt und ihrer Rückübernahme am 12. November 2020 ausdrücklich zugestimmt haben. Das Land ist unter anderem Signatarstaat der FK und es bestehen weder objektive Anhaltspunkte noch substanzielle Hinweise für eine drohende Rückschiebung in ihren Heimatstaat unter Verletzung des Refoulement - Verbots. Demnach sind die Voraussetzungen für einen Nichteintretensent- scheid (Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG) erfüllt. 8. 8.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück- sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 12 8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird in der Beschwerde nicht bestritten. 8.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an- dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger- krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlag e konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei- sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9. 9.1 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung darauf hin, dass der Vollzug zulässig sei, weil die Beschwerdeführenden im Drittstaat Griechen- land Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden würden und das Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Her- kunftsstaates nicht zu prüfen sei. 9.2 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die Ver- mutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalten. Ge- stützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Weg- weisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 13 Es obliegt der betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzu- stossen. Dass dies gelingen könnte, hätte sie ernsthafte Anhaltpunkte da- für vorzubringen, dass die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten Einzelfall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie mensc henunwürdigen Lebensumständen aus- setzen würden respektive dass sie im in Frage stehenden Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitli- cher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. statt vieler das Urteil des BVGer E -2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4). Das Vorliegen eines Vollzugshindernisses unter dem Aspekt der Zulässigkeit bei Perso- nen, denen von den griechischen Behörden ein Schutzstatus verliehen wurde, wird vom Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss nur unter sehr strengen Voraussetzungen bejaht. Das Gericht geht grundsätzlich davon aus, dass Griechenland als Signatarstaat der EMRK, der FoK und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrech tlichen Verpflichtungen nachkom mt. Zwar anerkennt das Gericht, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind. Gemäss Rechtsprechung ist aber diesbezüglich nicht von einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK respektive einer existenziellen Notlage auszugehen (vgl. Ur- teile des BVGer D-559/2020 vom 13. Februar 2020 E. 8.2 m.w.H. [als Re- ferenzurteil publiziert]; E -4866/2019 vom 2. Oktober 2019 E. 10.1; E - 2360/2019 vom 22. Mai 2019 E. 8.3.1 f.; D-5016/2017 vom 12. März 2018 E. 6.4 m.w.H.). Personen mit Schutzstatus sind griechischen Bürgerinnen und Bürgern gleichgestellt in Bezug auf Fürsorge, den Zugang zu Gerich- ten und den öffentlichen Schulunterricht respektive gleichgestellt mit ande- ren Ausländern und Ausländerinnen beispielsweise in Bezug auf Erwerbs- tätigkeit oder die Gewährung einer Unterkunft (vgl. Art. 16 -24 FK). Unter- stützungsleistungen und weitere Rechte können direkt bei den zuständigen Behörden eingefordert werden, falls notwendig auf dem Rechtsweg. Nicht zuletzt können Schutzberechtigte sich auch auf die Garantien in der Qua- lifikationsrichtlinie berufen, insbesondere die Regeln betreffend den Zu- gang von Personen mit Schutzstatus zu Beschäftigung (Art. 26), zu Bildung (Art. 27), zu Sozialhilfeleistungen (Art. 29), zu Wohnraum (Art. 32) und zu medizinischer Versorgung (Art. 30). Im Falle einer Verletzung der Garan- tien der EMRK steht gestützt auf Art. 34 EMRK letztlich der Rechtsweg an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) offen (vgl. Ur- teil D-559/2020 a.a.O.). E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 14 9.3 Aufgrund der Akten liegen entgegen den Ausführungen der Beschwer- deführenden (vgl. E. 6.2.) keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Be- schwerdeführenden bei einer Rückkehr nach Griechenland dort einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge- setzt wären. 9.3.1 In Bezug auf das Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie habe sich in Griechenland nicht sicher gefühlt und habe angeblich Angst, dass ihr Ehemann sie in Griechenland finde und ihr etwas antun werde, ist festzu- stellen, dass die diesbezüglichen Angaben der Beschwerdeführenden wi- dersprüchlich ausgefallen sind. So machte der Beschwerdeführer im Rah- men des Dublin-Gesprächs abweichend von der Angabe der Beschwerde- führerin, wonach sie ihren Ehemann nach ihrer zufälligen Begegnung nicht mehr gesehen habe, geltend, dass seine Schwester ihren Ehemann zwei Wochen später nochmals gesehen habe. Aufgrund dieses widersprüchli- chen Aussageverhaltens sind diese Vorbringen somit erheblich in Zweifel zu ziehen. Aber auch bei Wahrunterstellung dieser Vorbringen ist festzu- halten, dass Griechenland ein Rechtsstaat ist, der über einen funktionie- renden Polizei- und Justizapparat verfügt (vgl. Urteil D -559/2020 E. 9.2 m.w.H.; Urteil des BVGer E-4234/2018 vom 30. Juli 2018 E. 6.3.3, m.w.H.). Das SEM hat zutreffend ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin und ihr Bruder im Falle einer Bedrohungslage die dortige Schutzinfrastruktur in An- spruch nehmen können, was nach den Angaben der Beschwerdeführen- den auch geschah. Es kann der griechis chen Polizei nicht vorgeworfen werden, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin behördlich nicht re- gistriert ist. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin ihren Ehemann le- diglich gesehen haben will und somit gar keine konkrete Bedrohungslage vorlag. Die gri echische Polizei unternahm daher, was ihr angesichts der Situation möglich war. Auch hätte die Beschwerdeführerin die Möglichkeit gehabt, nach Erhalt ihrer Papiere auszureisen, ohne darauf zu warten, bis ihr Bruder seine Dokumente erhielt, sofern sie sich effektiv bedroht gefühlt hätte. Die Tatsache, dass sie diese Möglichkeit aber nicht ergriff und viel- mehr noch weiter im Land verblieb , ist ein weiteres klares Indiz für eine fehlende Bedrohungslage. 9.3.2 Aus den Akten geht zudem nicht hervor, dass die gesundhe itlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführenden unter die vom EGMR in sei- nem Urteil vom 13. Dezember 2016 (Nr. 41738/10 Paposhvili gg. Belgien), §183, genannten «other very exceptional cases» subsumiert werden könn- ten; bei den Beschwerdeführenden handelt es sich nicht um schwerkranke Personen, bei denen die ernsthafte Gefahr besteht, dass sie bei einer E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 15 Rückschaffung nach Griechenland einer ernsthaften, rapiden und irrever- siblen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, verbunden mit über- mässigem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung der Lebenserwar- tung, ausgesetzt wären, zumal die medizinische Versorgung in Griechen- land gewährleistet ist (vgl. hierzu nachstehend). 9.4 Aus dem als Beweismittel eingereichten, im (...) am 2. Juni 2020 aus- gestellten Bericht von MSF geht hervor, dass die Beschwerdeführerin auf- grund erfahrener Gewalt ihres Ehemannes und einem im Camp Moria er- littenen Missbrauch an Einschlafproblemen, das Wiedererleben von trau- matischen Ereignissen und Depr essionen leide. Es lägen auch suizidale Tendenzen vor. Im Februar 2020 sei eine Begutachtung durch einen Psychologen erfolgt und am 30. März 2020 habe ein psychiatrischer Termin in Klinik stattgefunden. Sie habe Me dikamente verschrieben erhalten und nehme an psychiatrischen Einzelsitzungen und individuellen psychologi- schen Beratungsgesprächen teil. Der Beschwerdeführerin wurde eine schwere depressive Störung attestiert. Am 25. November 2020 wurde die Beschwerdeführerin bei Medbase Kreuzlingen vorstellig (u .a. wegen Schlafstörung und Depressionen). Am 12. Dezember 2020 erfolgte eine Zuweisung zur medizinischen Abklärung. In den ärztlichen Berichten vom 23. Dezember 2020, 4. Januar 2021, 8. Ja- nuar 2021, 16. Januar 2021, 22. Januar 2021 und vom 26. Januar 2021 wurde das Vorliegen einer PTBS und einer rezidiven depressiven Störung diagnostiziert und von der Vornahme einer Traumatherapie berichtet. Am 4. Februar 2021 gab das SEM die Erstellung eines psychiatrischen Be- richts in Auftrag. Im in der Folge eingereichten psychiatrischen Bericht der behandelnden Ärztin vom 13. Februar 2021 wurde der Beschwerdeführerin eine (PTBS) und eine dissoziative Störung attestiert. Bei einer Abschie- bung werde eine akute Verschlechterung des psychischen Zustands ein- treten und gegebenenfalls eine Selbstgefährdung bestehen. Es folgten weitere ärztliche Berichte vom 26. Februar 2021 und vom 2. März 2021. Im Austrittsbericht der (…) vom 26. Februar 2021 wurde festgehalten, dass sich die Beschwerdeführerin vom 15. Februar 2021 bis 26 . Februar 2021 in stationärer Behandlung befunden habe. Als Hauptdiagnosen wurden An- passungsstörungen und der Verdacht auf eine PTBS festgestellt. Der Be- schwerdeführerin wurden verschiedene Medikamente verschrieben und eine Fortführung der bestehenden Pharmakotherapie unter regelmässigen klinischen Verlaufskontrollen empfohlen. Zum Verlauf der Therapie wird im Bericht von einer deutlichen Stabilisierung und eine r durchgehenden Dis-E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 16 tanzierung von Suizidalität berichtet (bestätigt durch den Bericht der be- handelnden Ärztin vom 2. März 2021). Dem Austrittsbericht vom 4. März 2021 kann weiter entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin beim Austritt keine Suizidgedan ken mehr hatte und keine Hinweise für eine akute Suizidalität bestand. 9.5 Entgegen der Auffassung der Rechtsvertretung ist das SEM bei dieser Sachlage zu Recht von der hinreichenden Feststellung des rechtserhebli- chen medizinischen Sachverhalts ausgegangen. Der Vorwurf, das SEM habe den diesbezüglichen Sachverhalt nicht hinreichend festgestellt, er- weist sich als unzutreffend. Die Vorbringen auf Beschwerdeebene, wonach die Beschwerdeführerin nach der Besprechung des Entscheidentwurfs am 17. März 2021 – mithin weniger als 2 Wochen nachdem im Austrittsbericht vom 4. März 2021 explizit festgehalten wurde, dass keine Hinweise für eine akute Suizidalität vorlägen – aufgrund plötzlicher akuter Suizidalität glei- chentags in die (…) gebracht worden sei, vermag an der Einschätzung der grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nichts zu ändern. Es gilt darauf hinzuweisen, dass hinsichtlich der Gefahr einer Selbstgefähr- dung bei einer Überstellung der wegweisende Staat gemäss Praxis des EGMR nicht verpflichtet ist, vom Wegweisungsvollzug Abstand zu nehmen. Es obliegt der mit der Überstellung betrauten Behörde, im Rahmen der Vorbereitung und in Zusammenarbeit mit den (ärztlichen) Betreuungsper- sonen die notwendigen Vorkehren zu treffen, um die Verwirklichung der Drohung zu verhindern. Auch in Griechenland ist eine entsprechende Inf- rastruktur für Personen mit Schutzstatus vorhanden. Nach Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts ist die Behandelbarkeit einer PTBS auch in Griechenland gegeben (vgl. D-371/2019 vom 28. Januar 2019). Die Beschwerdeführerin erhielt denn auch in Griechenland nachweislich eine umfassende psychiatrische und psychologische Unterstützung in Form von regelmässigen fachärztlichen Einzelsitzungen. Auch hinsichtlich des Beschwerdeführers ist der medizinische Sachverhalt vollständig erstellt. Den vorliegenden ärztlichen Unterlagen ist zu entneh- men, dass kein Hinweis auf ein schwerwiegendes mentales oder psychi- sches Krankheitsbild vorliegt. Darüber hinaus ist hinsichtlich der vorge- brachten gesundheitlichen Beschwerden auf die bereits genannte Qualifi- kationsrichtlinie zu verweisen. Die Aussage des Beschwerdeführers, in Griechenland mehrfach beziehungsweise «viel» beim Arzt gewesen zu sein, bestätigt, dass Griechenland die Qualifikationsrichtlinie anwende t. Zudem trägt das SEM bei der Organisation der Überstellung dem aktuellen E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 17 Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden Rechnung, indem es die griechischen Behörden vor der Überstellung über die notwendige medizi- nische Behandlung informiert, sollte sich dies zu diesem Zeitpunkt als er- forderlich erweisen. 9.6 Im Weiteren bestehen keine Hinweise darauf, Griechenland würde den Beschwerdeführenden dauerhaft die ihnen gemäss der Richtlinie zu- stehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten und sie einer exis- tenziellen Notlage aussetzen. Die Beschwerdeführenden müssen sich vor- enthalten lassen, dass sich nicht hinlänglich darüber informiert zu haben, welche Unterstützungsmöglichkeiten ihnen seitens der griechischen Be- hörden und der privaten Hilfsorganisationen offenstanden, obwohl sie über ein Jahr lang in Athen lebten. Zudem weist der Umstand, dass die Be- schwerdeführenden ein Zimmer mieten konnten, zweifelsfrei darauf hin, dass es für Flüchtlinge möglich ist, eine Unterkunft zu finden. Bei HELIOS handelt es sich um ein Pilotprogramm der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Gemäss den Richtlinien haben die Beschwerdeführenden in Griechenland soweit ersichtlich die Voraussetzungen, um durch das Pro- gramm Unterstützung zu erhalten, erfüllt ( vgl. zu den Richtlin ien Urteil BVGer E-515/2020 vom 3. Februar 2020, E. 6.4.3 .). Bei einer Rückkehr nach Griechenland können sie sich erneut darum bemühen, in das Unter- stützungsprogramm aufgenommen zu werden. Zusätzlich können sie, wie bisher, mit der finanziellen Unterstützung der in den USA lebenden Schwester des Beschwerdeführers rechnen. 9.7 Bei dieser Sachlage besteht auch kein Anlass für die Einholung indivi- dueller Garantien betreffend adäquate Unterbringung und medizinische Betreuung (vgl. Urteil E-2169/2020 des BVGer vom 13. Mai 2020, E. 8.4). Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug somit auch als zumutbar. 9.8 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme der Be- schwerdeführenden ausdrücklich zugestimmt haben und sie dort über eine Aufenthaltsbewilligung mit Gültigkeitsdatum bis 29. Juli 2022 beziehungs- weise 29. August 2022 verfügen. Auch die Corona -Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug nicht entge- gen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern voraus- sichtlich eine gewisse Dauer bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 18 dem temporären Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tra- gen (vgl. Entsche idungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre- kurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-Pan- demie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss temporäres Voll- zugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Herkunftsland angepasst wird. 10. Zusammenfassend hat das SEM den Vollzug der Wegweisung nach Grie- chenland zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht. 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. 12.1 Mit Ergehen des vorliegenden Urteils wird das Gesuch um Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 12.2 Die Beschwerde erschien im Zeitpunkt der Einreichung als aussichts- los, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung abzuweisen ist. Bei diesem Ausgang der vereinigten Verfahren sind die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 800.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-1353/2021/E-1354/2021 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerdeverfahren E -1353/2021 und E -1354/2021 werden verei- nigt. 2. Die Beschwerden werden abgewiesen. 3. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werden abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden den Beschwerdeführenden auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Lorenz Noli Daniel Merkli Versand: