Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 10. März 2016 (725 15 222) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Berufskrankheit. Der rechtsprechungsgemäss qualifiziert erforderliche Kausalzusam- menhang zwischen einer Leukämieerkrankung und einer Benzol- oder Phenolexposition ist sowohl gemäss Art. 9 Abs. 1 UVG als auch gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG zu verneinen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Markus Mattle, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Guido Ehrler , Advokat , Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1974 geborene A.____war als Rohrschlosser b ei der B.____ GmbH angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfal lversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versicher t. Am 4. Mai 2010 zog er sich beim Aus- wechseln eines Ventils infolge Austritts einer tank gelagerten Flüssigkeit Verätzungen am linken Knie zu. Die SUVA erbrachte hierfür in der Folge die gesetzlichen Leistungen. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Im Mai 2014 liess der Versicherte der SUVA über sein e Ärzte eine Berufskrankheit mel- den, wonach er an einer akuten myeloischen Leukämie leide. Nach Abklärung der gesundheitli- chen Verhältnisse lehnte die SUVA mit Verfügung vom 10. Februar 2014 die Übernahme der gemeldeten Beschwerden als Berufskrankheit ab. Eine dagegen gerichtete Einsprache wies sie nach ergänzenden Abklärungen mit Entscheid vom 18. Ma i 2015 ab. Zur Begründung hielt sie zusammenfassend fest, dass der Versicherte nicht an einer in der bundesrätlichen Liste der Berufskrankheiten aufgezählten Krankheiten leide. Im Hinblick auf die Frage, ob die bei ihm gestellte Diagnose unter die subsidiäre Generalklausel der massgebenden Bestimmungen falle, müsse davon ausgegangen werden, dass der hierfür erford erliche qualifizierte Kausalzusam- menhang nicht erstellt sei. Eine arbeitsspezifisch bedingt e Leukämie sei höchst unwahrschein- lich. Im Zusammenhang mit der behaupteten, einmaligen Chemikalienexposition verwende die ehemalige Arbeitgeberin des Versicherten insbesondere se it Jahren generell keine Benzole mehr. Nachdem eine relevante Exposition mit Benzolen da her verneint werden könne, nie eine Exposition gegenüber ionisierenden Strahlungen behaupt et worden sei und Phenol in der Grenzwertliste lediglich als schwach mutagen eingestuft werde, seien von weiteren Erhebungen keine neuen Erkenntnisse mehr zu erwarten. C. Mit Eingabe vom 25. Juni 2015 erhob der Versicherte , vertreten durch Guido Ehrler, Ad- vokat, Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-La ndschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, der ange fochtene Einspracheentscheid vom 18. Mai 2015 sei aufzuheben und es sei die Angelegenh eit an die SUVA zur Durchführung ei- nes rechtskonformen Einspracheverfahrens zurückzuweisen. Eventualiter sei die SUVA zu ver- pflichten, die myeloische Leukämie als Berufskrankheit anzu erkennen und hierfür die gesetzli- chen Leistungen auszurichten, alles unter o/e-Kostenfolge . Zur Begründung liess er zusam- mengefasst vorbringen, dass er im Rahmen des Einspracheverf ahrens beantragt habe, bei sei- nem ehemaligen Arbeitgeber abzuklären, welche Stoffe im Tank gelagert worden seien, mit denen er im Jahre 2010 in Kontakt gekommen sei. Gleic hzeitig habe er innert der noch nicht peremptorisch angesetzten Frist um eine weitere Frist zu r Begründung der Einsprache ersucht, da diese sinnvollerweise nur hätte vorgenommen werden kön nen, nachdem über diesen Ver- fahrensantrag entschieden worden sei. Die SUVA aber habe die Einsprache abgewiesen, ohne die verlangte Fristerstreckung zur Einsprachebegründung zu gewähren. Rechtsfolge dieser schweren Gehörsverletzung sei die Rückweisung der strittigen Angelegenheit zur Durchführung eines rechtskonformen Einspracheverfahrens. In materiel ler Hinsicht sei festzustellen, dass Phenol als Listenstoff grundsätzlich geeignet sei, eine na ch Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 versich erte Berufskrankheit zu verursa- chen. Bekanntlich könnten aber auch Benzole eine Leukä mie auslösen. Zum Beweisthema ge- höre deshalb auch, ob eine Exposition mit Benzol stattge funden habe. Die SUVA habe den Sachverhalt zu dieser Frage nicht ausreichend geklärt. D. Die SUVA schloss mit Vernehmlassung vom 11. August 201 5 auf Abweisung der Be- schwerde. Den bereits erfolgten Abklärungen zufolge seien aufgrund der Angaben der ehemali- gen Arbeitgeberin des Beschwerdeführers keine wiederke hrenden Expositionszenarien mit Benzol denkbar. Ebenfalls könne eine Schädigung aufgru nd von ionisierenden Strahlen ausge- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlossen werden. Es lägen somit keine Anhaltspunkte für d as Vorliegen einer Berufskrankheit vor. Dies verdeutliche die nachträgliche Stellungnahme des Sicherheitsinspektorats C.____ vom 7. Juli 2015, wonach es sich bei den im massgebenden Ke llerbau gelagerten Substanzen der ehemaligen Arbeitgeberin des Beschwerdeführers um ke ine benzolhaltigen Stoffe gehan- delt habe. Die Ablehnung von Beweisanträgen und der V erzicht auf weitere Beweisvorkehren im Einspracheverfahren stelle weder eine Gehörsverletzung noch eine Verletzung des Untersu- chungsgrundsatzes dar. Es sei deshalb nicht zu beanstanden, dass die SUVA im Einsprache- verfahren ohne vorgängigen Erlass der beantragten Zwi schenverfügung direkt über den ent- sprechenden Beweisantrag entschieden habe. E. Mit Replik vom 19. Oktober 2015 hielt der Beschwerde führer an seinen Anträgen fest. Die bisherigen Abklärungen der SUVA hätten lediglich e rgeben, dass im Betrieb der ehemali- gen Arbeitgeberin kein Benzol eingesetzt worden sei. Aufgrund der damaligen Unterlagen habe jedoch nicht festgestanden, welchem Stoff er effektiv a usgesetzt gewesen sei. Aufgrund der nachträglich eingeholten Auskunft durch die SUVA vom 7 . Juli 2015 stehe nunmehr fest, dass phenolhaltige Stoffe die erlittenen Verätzungen verursacht hätten. Das Universitätsspital E.____ habe in diesem Zusammenhang jedoch festgehalten, dass es sich dabei um mit Benzol ver- wandte Stoffe handle und von einer erheblichen Konta mination ausgegangen werden müsse. Ein kausaler Zusammenhang sei zumindest möglich und eine weitere gutachterliche Abklärung sei sinnvoll. Zu diesem Schluss gelange auch der Abklärung sdienst der SUVA, wonach die Kausalität allenfalls neu zu beurteilen sei. Es müsse d eshalb ein Gutachten zur Frage der Kau- salität zwischen den Stoffen, mit denen der Beschwerdeführer in Berührung gekommen sei, und der erlittenen Leukämieerkrankung eingeholt werden, wobei das Gericht diese Begutachtung aus prozessökonomischen Gründen selbst durchführen müsse. Ein e Rückweisung an die Vo- rinstanz führe nur zu einer Verfahrensverzögerung. F. Mit Duplik vom 20. November 2015 hielt die SUVA mi t Verweis auf eine arbeitsmedizini- sche Stellungnahme vom 19. November 2015 an ihren bere its dargelegten Standpunkten fest. Im Gegensatz zu Benzol bestehe wissenschaftlich keine genügende Datenlage, Phenol als kar- zinogen einzustufen. Angesichts der Tatsache, dass im Betri eb der ehemaligen Arbeitgeberin im fraglichen Zeitpunkt kein Benzol mehr eingesetzt word en sei, müsse das Vorliegen einer ausschliesslich oder vorwiegend durch berufliche Faktoren v erursachte Berufskrankheit ver- neint werden. G. Der Beschwerdeführer hielt mit Stellungnahme vom 1 6. Dezember 2015 fest, dass auf- grund der ausgewiesenen Verwandtschaft mit Benzol trot z der neuerlichen Stellungnahme des arbeitsmedizinischen Dienstes der SUVA ein gerichtliches Gut achten zur Frage der Karzinoge- nität von Phenol eingeholt werden müsse. Dies gelte um so mehr, weil es gemäss der neuerli- chen Stellungnahme des erstbehandelnden Firmenarztes vom 3. März 2015 zu einer Kontami- nation mit Phenolen gekommen sei. Auf die übrigen Vorbringen der Parteien ist soweit n otwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 60 A bs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 und Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) v om 20. März 1981 kann gegen Ein- spracheentscheide der Unfallversicherer beim zuständigen ka ntonalen Versicherungsgericht innert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist gemäss Art. 58 ATSG das Versi- cherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versichert e Person zur Zeit der Beschwerde- erhebung ihren Wohnsitz hat. Dieser liegt im vorliegen den Fall in D.____. Gemäss § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspra cheentscheide der Versiche- rungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit sachlich und örtlich für die Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind gr undsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwal tungsbehörde vorgängig verbindlich Stellung genommen hat. Insoweit bestimmen Verfügung oder Einspracheentscheid den be- schwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Str eitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist mithin stet s das Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefochtenen Verfügung bzw. des angefochtenen Ein spracheentscheids bildet, und zwar in dem Ausmass, als die Regelung des Rechtsverhältnisses n ach den Parteianträgen des Be- schwerdeverfahrens noch streitig ist (F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 46). Bezieht sich die Beschwerde auf ein nicht durch die Verfügung oder den Einspracheentscheid bestimmtes Rechtsverhältnis, gehören die beanstandeten Aspekte weder zum Anfechtungs-, noch zum Streitgegenstand (BGE 125 V 414 f. E. 1b). Diesfalls steht den Betroffenen keine Befugnis zu, verfügungs- oder einspr acheweise (noch) nicht geregelte Rechtsverhältnisse durch eine Beschwerde richterlich überp rüfen zu lassen (BGE 118 V 313 f. E. 3b mit Hinweisen; ULRICH MEYER , Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, in: Basler Ju- ristische Mitteilungen [BJM] 1989 S. 25) und das Gericht kann auf die entsprechende Be- schwerde nicht eintreten. 1.3 Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahr ens bildet der Einspracheent- scheid der SUVA vom 18. Mai 2015, worin diese die Üb ernahme der ihr gemeldeten Leukämie als Berufskrankheit abgelehnt und ihre diesbezügliche Ver fügung vom 10. Februar 2015 bestä- tigt hat. Weder die Verfügung vom 10. Februar 2015 noch der angefochtene Einspracheent- scheid befassen sich hingegen mit dem Vorliegen eines zwi schen den Parteien in deren Rechtsschriften ebenfalls thematisierten Vorliegens eines Unfallereignisses bzw. dessen Spät- folgen (vgl. Duplik der SUVA vom 20. November 2015, Ziffer 10; Stellungnahme des Beschwer- deführers vom 16. Dezember 2015, Ziffer 7). Ob der Beschwerdeführer anlässlich des Ereignis- ses vom 4. Mai 2010 einen Unfall erlitten hat und dies bezüglich noch heute allenfalls an ent- sprechenden Spätfolgen leidet, bildet daher nicht Stre itgegenstand des vorstehenden Be- schwerdeverfahrens, weshalb im Rahmen des vorstehenden B eschwerdeverfahrens insoweit Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch nicht darauf eingetreten werden kann. Prozessthema bildet einzig die Frage, ob die SUVA das Vorliegen einer Berufskrankheit zu Recht verneint hat. 2. In formeller Hinsicht ist zu prüfen, ob durch die Nich tgewährung einer weiteren Frist zur ergänzenden Einsprachebegründung einerseits und durch den Nichterlass einer Zwischenver- fügung betreffend seinen Beweisantrag im Einspracheverf ahren vom 30. April 2015 anderer- seits das rechtliche Gehör des Versicherten verletzt worden ist. 2.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist verfassungsmässi g gewährleistet (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [ BV] vom 18. April 1999) und wurde für das sozialversicherungsrechtliche Verfahren in Art. 42 ATSG verankert. Er umfasst das Recht der Parteien auf Teilnahme am Verfahren u nd auf Einflussnahme auf den Prozess der Entscheidfindung (BGE 126 V 132 E. 2b). Die Parte ien haben insbesondere das Recht, Einsicht in die Akten zu nehmen und sich zu den tatsächlichen Fragen zu äussern (UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Rn. 15 zu Ar t. 42). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Die Verletzung des Rechts au f Äusserung führt unabhängig davon, ob die fraglichen verfahrensrechtlichen Mängel einen Ei nfluss auf das Ergebnis haben, grund- sätzlich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides (BGE 126 V 132 E. 2b mit Hinweisen). Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör folgt zudem, dass d ie Behörde rechtzeitig und form- richtig angebotene erhebliche und taugliche Beweismitt el abzunehmen hat. Allerdings darf die Behörde einen Beweisantrag ablehnen, wenn sie ohne Wi llkür in freier, antizipierter Würdigung der beantragten zusätzlichen Beweise zur Auffassung gelan gt, dass weitere Beweisvorkehren an der Würdigung der bereits abgenommenen Beweise vor aussichtlich nichts mehr ändern würden, oder wenn sie den Sachverhalt aufgrund eigene r Sachkenntnis ausreichen würdigen kann. Die Behörde verfügt demnach über einen gewissen Ermessensspielraum. Den Entscheid, auf die Abnahme weiterer Beweise zu verzichten, hat die Behörde aber zu begründen (PATRICK SUTTER , Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahre n, Christoph Au- er/Markus Müller/Benjamin Schindler [Hrsg.], Zürich/St. Gallen 2008, zu Art. 33, S. 458 f.). Praxisgemäss kann eine allfällige Gehörsverletzung im Rech tsmittelverfahren jedoch geheilt werden, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erh ält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslag e frei überprüfen kann. Zudem ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlich en Gehörs von einer Zurückweisung an die Verwaltung jeweils dann abzusehen, wenn sie zu e inem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die m it dem Interesse der betroffenen Partei an einer raschen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbar en wären (BGE 133 I 204 E. 2.2 mit Hinweisen). 2.2 Aus den Akten der Beschwerdegegnerin ergibt sich, dass die SUVA dem Versicherten die Frist zur ergänzenden Einsprachebegründung mehrfach erstreckt hatte. Nachdem dessen Rechtsvertreterin am 13. Februar 2015 Einsprache gegen die Verfügung der SUVA vom 10. Februar 2015 erhoben hatte, setzte die SUVA mit Schreiben vom 17. Februar 2015 erst- mals eine sechswöchige Frist zur Einsprachebegründung bis Ende März 2015 an. Auf telefoni- sche Nachfrage vom 20. März 2015 ersuchte die Rechtsvertrete rin um Zustellung der Akten in Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht elektronischer Form und beantragte am 30. März 2015 ein e Fristerstreckung zur Begründung ihrer Einsprache (vgl. SUVA-Akt N° 42). Die SUVA gab diesem Antrag statt und erstreckte die Begründungsfrist um einen weiteren Monat bis am 30. April 2015 (vgl. SUVA-Akt N° 43). Mit Eingabe vom 30. April 2015 unterbreitete der Rechtsve rtreter des Versicherten der SUVA den Verfahrensantrag, beim zuständigen kantonalen Sicherheitsinspektorat weitere Abklärungen zu den bei der ehemaligen Arbeitgeberin gelagerten Sub stanzen zu tätigen. Diesen Verfahrensan- trag begründete er vor dem grundsätzlich nachvollziehb aren Hintergrund, dass zur Einschät- zung des Gefährdungspotentials zunächst eine genaue Kennt nis der bei der ehemaligen Ar- beitgeberin im Zeitpunkt der Kontamination dazumal ge lagerten Substanz erforderlich sei. Falls die SUVA diesen Verfahrensantrag abweisen würde, ersuc he er um Erlass einer anfechtbaren Zwischenverfügung. Des Weiteren ersuche er um eine weite re Fristerstreckung für die Begrün- dung seiner Einsprache, weil diese ohne die entsprechen de Erkenntnis sinnvollerweise nicht vorgenommen werden könne (SUVA-Akt N° 44). Nachdem die SUVA dem Rechtsvertreter des Versicherten den Eingang seiner Eingabe vom 30. April 2015 bestätigt und mitgeteilt hatte, dass das Dossier nunmehr zur Einsprachebearbeitung weitge leitet würde, in deren Rahmen auch über den Verfahrensantrag entschieden werden würd e, fällte sie am 18. Mai 2015 ohne Weiterungen den vorliegend angefochtenen Einspracheen tscheid. Damit aber verweigerte sie dem Beschwerdeführer implizit eine weitere Fristerstreck ung zur Begründung seiner Einspra- che, wie sie in dessen Eingabe vom 30. April 2015 noch explizit beantragt worden war. Indem die SUVA die Begründung des Verfahrensantrags um Vornahme weiterer Abklärungen offenbar als materielle Begründung der Einsprache entgegengeno mmen hat, stellt ihr Vorgehen in Be- zug auf den Erlass ihres Einspracheentscheids dem Gesagten zufolge (vgl. oben, Erwägung 2.1 hiervor) eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des Versicherten dar. 2.3 Von einer Rückweisung der Angelegenheit an die Vo rinstanz ist jedoch abzusehen. So konnte sich der Beschwerdeführer beim Kantonsgericht, das in der vorliegenden Streitsache über volle Kognition verfügt (§ 57 des Gesetzes über di e Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung, VPO, vom 16. Dezember 1993), zum Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 18. Mai 2015 im Rahmen eines wiederholten Schriftenwe chsels umfassend äussern. Insbeson- dere ist dabei zu berücksichtigen, dass die SUVA die noch im Einspracheverfahren beantragten Abklärungen zu den bei der ehemaligen Arbeitgeberin des Versicherten gelagerten Stoffen nachgeholt hat (vgl. Emailschreiben des Sicherheitsinsp ektorats Bereich Umwelt und Energie vom 7. Juli 2015, Beilage zur Vernehmlassung der SUVA v om 11. August 2015). Auch hierzu hat sich der Beschwerdeführer im Rahmen des vom Gericht angeordneten doppelten Schrif- tenwechsels ausführlich vernehmen lassen. Es ist deshalb von einer Heilung der Gehörsverlet- zung auszugehen. Von einer Rückweisung der Angelegenhei t an die Vorinstanz aus formellen Gründen ist aber auch deshalb zu verzichten, weil eine s olche Rückweisung zu einem formalis- tischen Leerlauf führen würde, der letztlich auch mit dem Interesse des Versicherten an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinba ren wäre. Diese Ansicht scheint denn auch der Beschwerdeführer selbst zu vertreten, soweit e r in seiner Replik vom 19. Oktober 2015 ausführen lässt, dass eine Rückweisung an die Vorin stanz lediglich zu einer Verfahrens- verzögerung führen würde. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Abweichend davon ist hinsichtlich des Einwands des B eschwerdeführers in Bezug auf die Nichtvornahme weiterer Abklärungen der SUVA im Ein spracheverfahren zu entscheiden. Dem Gesagten zufolge besteht in Bezug auf die Vornahme ergänzender Abklärungen des Sachverhalts kein Anspruch auf Erlass einer anfechtbaren Zwischenverfügung, wenn die Be- hörde ihren Entscheid, auf die Abnahme weiterer Bewei se zu verzichten, rechtsgenüglich be- gründet. Diese Voraussetzung ist hier erfüllt. Mit Ve rweis auf die von ihr bereits getätigten Ab- klärungen zum Arbeitsumfeld des Versicherten hat die SUV A in ihrem Einspracheentscheid vom 18. Mai 2015 erwogen, dass der rechtserhebliche Sachve rhalt klar und umfassend erstellt sei. Dieses Beweisergebnis begründete sie im Wesentlichen damit, dass namentlich lediglich eine einmalige Chemikalienexposition zur Diskussion stehe, wobei eine relevante Exposition mit Benzolen klarerweise verneint werden könne. Damit war e s dem Versicherten bzw. seinem Rechtsvertreter ohne weiteres möglich zu erkennen, welche tatsächlichen und rechtlichen Über- legungen in antizipierter Beweiswürdigung zum Verzicht der Abnahme weiterer Beweise geführt haben. Es kann jedenfalls nicht davon gesprochen werden, dass der Versicherte nicht in der Lage gewesen wäre, den Einspracheentscheid vom 18. Mai 2015 sachgerecht anzufechten bzw. von seinem Parteivertreter anfechten zu lassen (KGE S V vom 22. Juni 2008, in BL KGE 2008 III Nr. 51 S. 306 ff., E. 4.3 f.). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs im Ein- spracheverfahren in Bezug auf den Nichterlass einer Zwische nverfügung betreffend den Be- weisantrag des Versicherten vom 30. April 2015 ist daher zu verneinen. 3. In materieller Hinsicht ist zu prüfen, ob der Versich erte an den Folgen einer Berufs- krankheit leidet, für deren Folgen die SUVA die gesetzlichen Leistungen zu erbringen hat. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfa llversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicheru ngsleistungen nebst Berufsunfällen und Nichtberufsunfällen auch bei Berufskrankheiten gewährt. 3.2 Gemäss Art. 9 Abs. 1 Satz 1 UVG gelten Krankheiten , die bei der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe od er bestimmte Arbeiten verursacht worden sind, als Berufskrankheiten. In Art. 9 Abs. 1 Satz 2 UVG wird dem Bundesrat die Kom- petenz übertragen, die Liste dieser Stoffe und Arbeit en sowie der arbeitsbedingten Erkrankun- gen zu erstellen. Gestützt auf diese Delegationsnorm h at der Bundesrat in Anhang 1 zur Ver- ordnung über die Unfallversicherung (UVV) eine Liste de r schädigenden Stoffe und der arbeits- bedingten Erkrankungen aufgestellt. Ziffer 1 dieses Anh anges führt abschliessend die schädi- genden Stoffe (Listenstoffe) auf, die als Ursache für B erufskrankheiten in Frage kommen. In Ziffer 2 des Anhanges werden einerseits die Krankheiten (Listenkrankheiten) und anderseits die Arbeiten, die als Ursache für die jeweils aufgeführten Krankheiten anerkannt sind, abschlies- send aufgezählt (RKUV 1988 Nr. U 61 S. 449 f. E. 1a). Nach der Rechtsprechung ist eine "vor- wiegende" Verursachung von Krankheiten durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten dann gegeben, wenn diese mehr wiegen als alle andern mitbeteiligten Ursachen, mithin im ge- samten Ursachenspektrum mehr als 50 % ausmachen (BGE 119 V 200 E. 2a mit Hinweis). Während das Verzeichnis der Listenstoffe eine einfache Liste ist, welche nur die schädigenden Stoffe aufführt, stellt das Verzeichnis der Listenkran kheiten eine Doppelliste dar. Der Unter- schied besteht darin, dass es für die Anerkennung einer E rkrankung als Berufskrankheit nicht Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht darauf ankommt, ob eine bestimmte Krankheit oder ein bestimmtes Krankheitsbild vorliegt, wenn die ausschliessliche oder vorwiegende Ursache dafür a uf die Einwirkung eines spezifi- schen Listenstoffes zurückgeht. Demgegenüber ist eine Beru fskrankheit bei arbeitsbedingten Erkrankungen nur gegeben, wenn eine bestimmte Listenkra nkheit ausschliesslich oder vorwie- gend durch die entsprechende in der Doppelliste von Zif f. 2 des Anhanges zur UVV erwähnte Arbeit verursacht worden ist (RKUV 1988 U 61, S. 449 f . E. 1a; A LFRED MAURER , Schweizeri- sches Unfallversicherungsrecht, Bern 1985, S. 210). 3.3 Als Berufskrankheiten gelten gemäss Art. 9 Abs. 2 UV G ferner auch andere Krankhei- ten, von denen nachgewiesen wird, dass sie ausschliesslich ode r stark überwiegend durch be- rufliche Tätigkeit verursacht worden sind. Diese General klausel bezweckt, allfällige Lücken zu schliessen, die dadurch entstehen könnten, dass die bundesrätliche Liste gemäss Anhang 1 zur UVV entweder einen schädigenden Stoff, der eine Kran kheit verursachte, oder eine Krankheit nicht aufführt, die durch die Arbeit verursacht wurde ( BGE 119 V 201 E. 2b mit Hinweis). Nach der Rechtsprechung ist die Voraussetzung des "ausschliessli chen oder stark überwiegenden" Zusammenhangs gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG allerdings nur dan n erfüllt, wenn die Berufskrank- heit mindestens zu 75 % durch die berufliche Tätigkeit ve rursacht worden ist (BGE 126 V 186 E. 2b, 119 V 201 E. 2b mit Hinweis; Kranken- und Unf allversicherung: Rechtsprechung und Verwaltungspraxis RKUV 2000 Nr. U 408 S. 407). 3.4 Aufgrund der vorstehenden Definitionen ist der Kau salzusammenhang zwischen dem verursachenden Stoff oder der verursachenden Arbeit demnach insofern qualifizierter Natur, als der Listenstoff oder die Arbeit mindestens 50 % (Art. 9 Abs. 1 UVG) beziehungsweise mindes- tens 75 % (Art. 9 Abs. 2 UVG) aller mitwirkenden Ursach en ausmachen müssen. Ein derart qualifizierter Kausalzusammenhang muss mit dem im Sozial versicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachge wiesen sein (RKUV 1988 Nr. U 61 S. 450 f. E. 1b mit Hinweisen; R UMO -JUNGO , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum UVG, 3. Auflage, Zürich 2003, Art. 9 UVG, S. 83, mit Hinw eisen). Die blosse Möglichkeit eines derart qualifizierten Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches infolge einer Berufskrankheit nicht (BGE 119 V 338 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen). Ebenfalls muss beweismässig mit hinreichender Wahrscheinlichkeit darge tan sein, dass eine bestimmte Krankheit vorwiegend durch einen Listenstoff verursacht worden ist. Wenn der Zusammenhang zwischen einer Gesundheitsschädigung und der vorwiegenden Einwirkung eines bestimmten Stoffes bloss möglich ist, so gilt er nach herrschender L ehre und Rechtsprechung als nicht er- wiesen. Dem Unfallversicherer erwächst alsdann keine Leist ungspflicht (RKUV 1988 Nr. U 61, S. 450 f. E. 1; BGE 108 V 160 mit Hinweis). 4.1 Der Streitsache liegen folgende Unterlagen von R elevanz zu Grunde: Nachdem das Universitätsspital E.____, Diagnostische und Therapeutisch e Hämatologie, darauf hingewiesen hatte, dass der Versicherte bei seiner Arbeit möglicherw eise mit Substanzen wie Phenol und ähnlichen Stoffen, welche potentiell karzinogen sein könn ten, in Kontakt gekommen sei (vgl. SUVA-Akt N° 3), hat die SUVA zur Klärung des rechtserheblichen Sachverhalts am 2. Sep- tember 2014 eine ausführliche Arbeitsanamnese des Ver sicherten erheben lassen (vgl. SUVA- Akt N° 11). Daraus geht hervor, dass der Versicherte am 4 . Mai 2010 beim Wechseln einer Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Flanschverbindung versehentlich mit dem linken Knie wäh rend rund einer halben Stunde in ei- ner ausgetretenen Flüssigkeit gekniet hatte. Die Prod ukte, die in den dort befindlichen Tanks gelagert würden, enthielten oft Phenol. Dabei handl e es sich um ein Gift, welches die Haut be- täube, in das Körperinnere eindringe und in die Blut bahnen gelange. Die eingeleitete, betriebs- ärztliche Kontrolle habe keine schlechten Befunde ergeben . Er befürchte jedoch, dass seine aktuelle Leukämie-Erkrankung durch diesen Vorfall ausgelöst worden sei. Der in der Folge ein- geholten arbeitsmedizinischen Einschätzung von Dr. med. F.____, FMH Arbeitsmedizin und Allgemeine Innere Medizin, vom 21. Oktober 2014 zufolg e werde Phenol in der Grenzwertliste mit schwach mutagen eingestuft, jedoch nicht als C-Stoff . Ein Kanzerogenitätsverdacht habe bisher nicht begründet werden können. Unter anderem kö nne hingegen Benzol Leukämien ver- ursachen. Es sei deshalb zu eruieren, ob der Versicherte bei seiner beruflichen Tätigkeit ge- genüber Benzolen exponiert gewesen sei. Sollte dies zutreffen, sei die kumulative Benzolbelas- tung zu ermitteln (vgl. SUVA-Akt N° 20). Gemäss Mail-Schreiben der ehemaligen Arbeitgeberin des Versicherten vom 24. November 2014 habe diese mit Ausn ahme von zwei Pilotversuchen in den Jahren 2012 und 2014 generell kein Benzol ein gesetzt. Im Übrigen habe der Betrieb we- der in der Produktion noch im Labor Benzol eingesetzt (vgl. SUVA-Akten, Separatbeilage 2). Gestützt auf diese Bestätigung kam Dr. G.____, Arbeitshygieniker Abteilung Gesundheitsschutz der SUVA, in seiner technischen Stellungnahme vom 9. Deze mber 2014 zum Schluss, dass keine Expositionsszenarien mit Benzol bei Wartungs- oder Schweissarbeiten denkbar seien. Es müsse von einer nicht vorhandenen Benzolexposition au sgegangen werden (vgl. SUVA-Akten, Separatbeilage 1). Der gestützt darauf am 10. Dezemb er 2014 ergangenen ärztlichen Beurtei- lung von Dr. F.____ ist zu entnehmen, dass für eine Beu rteilung der Benzol-Exposition nur die letzte Arbeitgeberin des Versicherten von Interesse sei, d a der Versicherte einen Kontakt zu Chemikalien bei seinen früheren Arbeitgebern verneint habe. Die Abklärungen hätten ergeben, dass seit 1998 generell kein Benzol eingesetzt worden sei. Es müsse von einer nicht vorhande- nen Benzol-Exposition ausgegangen werden (vgl. SUVA-Akt N° 25 und 26). 4.2 Den im Nachgang zum angefochtenen Einspracheentsche id beim Gericht eingegange- nen Unterlagen kann entnommen werden, dass die ehemal ige Arbeitgeberin des Versicherten seit Ende 2004 im fraglichen Kellerbau N° 27 in mehre ren Tanks Schwefelsäure, Marlotherm (Wärmeträgeröl) sowie diverse Alkylphenole gelagert habe (vgl. Emailschreiben des Sicher- heitsinspektorats, Bereich Umwelt und Energie, vom 7. Jul i 2015, Separat-Beilage zur Ver- nehmlassung der SUVA vom 11. August 2015). Der in der Folge von der Beschwerdegegnerin eingeholten Stellungnahme von Dr. G.____, stellvertr etender Bereichsleiter Chemie der SUVA, vom 13. Juli 2015 zufolge ergebe sich daraus jedoch keine Änderung zur arbeitshygienischen Beurteilung, weil es sich um keine benzolhaltigen Sto ffe handle. Allenfalls sei die Kausalität durch den Arbeitsmedizinischen Dienst erneut zu beurteilen. Aus dem seitens des Beschwerde- führers im Rahmen seiner Replik eingereichten Bericht vo n Dr. med. H.____, Leitender Arzt Hämatologie des Universitätsspitals E.____, vom 5. Oktobe r 2015 geht sodann hervor, dass Benzol sowie dessen Derivate definitiv mit der Entstehung von Leukämien assoziiert würden. Phenole würden verwandte Stoffe darstellen und würde n über die Haut resorbiert. Falls der Versicherte zwanzig bis dreissig Minuten diesen Substanzen e xponiert gewesen wäre, sei von einer potentiell erheblichen Kontamination auszugehen. In diesem Sinne erscheine ein kausaler Zusammenhang aus medizinischer Sicht zumindest möglich und eine weitergehende Abklärung Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht definitiv sinnvoll (vgl. Beilage zur Replik vom 19. Oktobe r 2015). Aus der von der SUVA an- schliessend eingeholten arbeitsmedizinischen Stellungnahme von Dr. F.____ vom 19. Novem- ber 2015 ergibt sich, dass Phenol tatsächlich ein Benzold erivat darstelle. Trotz der chemischen Verwandtschaft sei bei Phenol im Gegensatz zu Benzol k eine Kanzerogenität ausgewiesen. In der Arbeitswelt seien nebst Benzol auch ionisierende St rahlen als Auslöser für Leukämien be- kannt. Solche Belastungen könnten vorliegend ausgeschlossen w erden. Für eine vorwiegend oder ausschliesslich durch berufliche Faktoren verursachte Krankheit gebe es keine medizi- nisch plausible Erklärung (vgl. Beilage zur Duplik vom 20. November 2015). Dem im Rahmen der Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 16. Dezembe r 2015 eingereichten Arztbericht von Dr. med. I.____, ehemaliger Betriebsarzt der dama ligen Arbeitgeberin des Versicherten, vom 3. März 2015 kann schliesslich entnommen werden, dass es am 4. Mai 2010 zu einer Kon- tamination mit Phenolen am linken Knie gekommen sei. Zu diagnostizieren sei eine Verät- zungswunde durch Phenoleinwirkung über der linken Patel la gewesen. Die nachfolgenden La- borkontrollen hätten keine pathologischen Befunde erge ben. Aus hausärztlicher Sicht sei zwi- schen dem Bagatell-Unfall und der später aufgetretenen Erkrankung keine Kausalität gegeben. 5. Nach Lage der Akten steht fest und ist unbestritten, dass der an einer akuten myeloi- schen Leukämie erkrankte Versicherte (vgl. SUVA-Akt N° 3) an keiner in Ziffer 2 des Anhangs 1 zur UVV aufgeführten Listenerkrankung leidet. Zur Diskussio n steht jedoch die Frage, ob ge- mäss Art. 9 Abs. 1 UVG eine Krankheit vorliegt, die aussch liesslich oder vorwiegend durch die in Ziffer 1 des Anhangs 1 zur UVV aufgeführten Listenst offe Benzol oder Phenol verursacht worden ist. Dabei müsste der Zusammenhang zwischen dem sc hädlichen Listenstoff und der Erkrankung des Versicherten in dem Sinne gegeben sein, dass die ausschliessliche oder vor- wiegende Ursache dafür im gesamten Ursachenspektrum meh r als 50% auf die Einwirkung eines solchen Stoffes zurückzuführen ist (BGE 119 V 200 E . 2a mit Hinweis; ebenso Erwägung 3.2 hiervor). 5.1 Zu prüfen ist zunächst, ob die Leukämieerkrankung d urch einen beruflichen Kontakt mit Benzol im Sinne von Ziffer 1 des Anhangs 1 zur UVV ent standen ist. Diese Frage ist gestützt auf die vorliegenden Akten zu verneinen. Gemäss den Ab klärungsergebnissen hat die ehemali- ge Arbeitgeberin des Versicherten mit Ausnahme zweier Pilotversuche in den Jahren 2012 und 2014 weder in der Produktion noch im Labor je Benzol eingesetzt. Da sich das fragliche Ereig- nis vom 4. Mai 2010 zeitlich noch vor diesen Pilotversuche n ereignet hat, sind keine Expositi- onsszenarien mit Benzol denkbar (vgl. SUVA-Akten, Separat beilage 1). Ausserdem hat der erstbehandelnde Arzt Dr. I.____ angegeben, dass der Versicherte dazumal einzig mit Phenol in Kontakt gekommen ist (vgl. Beilage zur Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 16. De- zember 2015). Davon geht mittlerweile auch der Beschw erdeführer selbst aus, wenn er mit Verweis auf die Erkundigungen der SUVA bei der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel-Landschaft vom 7. Juli 2015 ausführen lässt, dass p henolhaltige Stoffe die Verätzungen vom 4. Mai 2010 verursacht hätten (vgl. Replik vom 19. O ktober 2015, S. 2). Die Antwort der Bau- und Umweltschutzdirektion belegt einzig, dass die ehemalige Arbeitgeberin des Versicher- ten nebst Schwefelsäure und einem Wärmeträgeröl seit Ende des Jahres 2004 diverse Phenole eingelagert hatte, jedoch kein Benzol. Eine Benzolexpo sition des Beschwerdeführers kann Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht demnach ausgeschlossen werden. Damit aber muss auch der Kau salzusammenhang zwischen seiner Erkrankung und einer Benzolverursachung verneint werden. 5.2 Damit stellt sich die weitere Frage, ob die Leukämi e des Versicherten auf Phenole im Sinne von Art. 9 Abs. 1 UVG zurückzuführen ist. Gestützt auf die aktenkundigen Erhebungen ist auch diese Frage zu verneinen. Die am 4. Mai 2010 erlittenen Verätzungen des Versich erten sind zwar auf den Kontakt mit Phenol zurückzuführen. Dies ändert jedoch nichts daran, d ass der für die Anerkennung einer Berufskrankheit erforderliche qualifizierte Kausalzusamm enhang zu verneinen ist. Gegen eine beruflich bedingte Erkrankung spricht, dass Phenole im G egensatz zu Benzol trotz ihrer chemi- scher Verwandtschaft keine Kanzerogenität besitzen (vgl. abschliessend eingeholte arbeitsme- dizinische Stellungnahme von Dr. F.____ vom 19. November 2015, Beilage zur Duplik vom 20. November 2015). Hintergrund bildet der Umstand, dass Phenol lediglich als schwach muta- gen eingestuft wird und bisher kein diesbezüglicher K anzerogenitätsverdacht begründet wer- den konnte (vgl. SUVA-Akt N° 20). Damit aber muss auch der – rechtsprechungsgemäss quali- fiziert (vgl. oben, Erwägung 5 hiervor) – erforderliche Kausalzusammenhang zwischen der Leu- kämieerkrankung und einer Phenolexposition des Versichert en verneint werden. Daran ändert nichts, dass gemäss der Stellungnahme des behandelnden Hä matologen von einer potentiell erheblichen Kontamination auch bei Phenolen auszugehen sei. Zum einen wirken Phenole trotz ihrer unbestritten chemisch verwandtschaftlichen Nähe zu Benzol offensichtlich nicht karzino- gen (vgl. arbeitsmedizinische Stellungnahme von Dr. F.___ _ vom 19. November 2015, Beilage zur Duplik vom 20. November 2015). Andererseits erachtet a uch der behandelnde Hämatologe einen allfälligen Kausalzusammenhang lediglich als mögl ich (vgl. Arztbericht von Dr. H.____ vom 5. Oktober 2015, Beilage zur Replik vom 19. Oktober 2015). Die blosse Möglichkeit eines qualifiziert erforderlichen Zusammenhangs genügt für di e Begründung eines Leistungsanspru- ches infolge einer Berufskrankheit aber nicht (vgl. oben, Erwägung 3.4 hiervor). Der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung lässt sich nur selten auf dem Wege einer Deduktion im naturwissenschaftlich-mathematischen Sinne erschliessen. Wegen der empiri- schen Natur braucht es bei medizinischen Sachverhalten, in denen ein direkter Beweis aus- scheidet, vielmehr einen Vergleich mit anderen Krankhei tsfällen im Sinne einer induktiven Be- weisführung. Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht (EV G) bereits in anderen Zusam- menhängen festgestellt hat, spielt es in solchen Fälle n für den Beweis im Einzelfall eine ent- scheidende Rolle, ob und inwieweit die Medizin, je nac h ihrem Wissensstand in der fraglichen Disziplin, über die Genese einer Krankheit im Allgemein en Auskunft zu geben vermag. Wenn auf Grund medizinischer Forschungsergebnisse ein Erfahrung swert dafür besteht, dass eine berufsbedingte Entstehung eines bestimmten Leidens von seiner Natur her nicht nachgewiesen werden kann, dann schliesst dies den (positiven) Beweis a uf qualifizierte Ursächlichkeit im Ein- zelfall aus. Dieser Zusammenhang zwischen allgemeinen medizinischen Erkenntnissen und der Beweisführung über Tatsachen des medizinischen Wissensbere ichs im streitigen Einzelfall kommt nicht nur in der der bisherigen zu Art. 9 Abs. 2 UVG ergangenen Rechtsprechung zum Ausdruck, sondern ist auch bei der Prüfung des Kausalzusam menhangs im Sinne von Art. 9 Abs. 1 UVG zu beachten. Kann der Nachweis eines qualif izierten –zumindest überwiegenden Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Anteil von mindestens 50%) – Kausalzusammenhanges nach der medizinischen Empirie all- gemein nicht geleistet werden, weil wegen der weiten Verbreitung einer Krankheit in der Bevöl- kerung beispielsweise auszuschliessen ist, dass die eine bestim mte versicherte Berufstätigkeit ausübende Person zumindest doppelt so häufig von einem bestimmten Leiden betroffen ist als die durchschnittliche Bevölkerung, scheidet die Anerkennung einer Berufskrankheit im Einzelfall aus (BGE 116 V 143 E. 5c in fine; RKUV 1999 Nr. U 32 6 S. 109 E. 3 in fine). So verhält es sich auch hier. Die diesbezüglichen Ausführungen der SUVA i n deren Vernehmlassung sind grund- sätzlich einleuchtend. Der an Leukämie erkrankte Versiche rte leidet an einer Krankheit, die in der Bevölkerung notorischerweise leider nicht selten a uftritt. Ob mit Blick auf die Erfahrung zur Genese der Leukämie beim Versicherten auch dessen genetische Vorbelastung als Ursache zu diskutieren ist (vgl. angefochtener Einspracheentscheid vom 18. Mai 2015, S. 6), kann an die- ser Stelle deshalb dahingestellt bleiben. Jedenfalls ver hält es sich dergestalt, dass eine Leukä- mie nicht derart auffallend berufsspezifisch ist, dass von einem qualifizierten Kausalzusammen- hang im Sinne der erforderlichen Massgeblichkeitsgrenze ausgegangen werden kann. Sind die allgemeinen medizinischen Erkenntnisse mit dem gesetzlichen Erfordernis einer qualifiziert überwiegenden Verursachung des fraglichen Leidens durc h die berufliche Tätigkeit des Versi- cherten nicht vereinbar, besteht aber kein Raum für we itere Abklärungen im Einzelfall (BGE 126 V 189 E. 4b/c). Eine Berufskrankheit infolge der Exposition des Versicherten mit Phenolen im Sinne von Ziffer 1 des Anhangs 1 zur UVV ist deshalb ebenfalls auszuschliessen. 5.3 Damit bleibt zu prüfen, ob unbesehen eines spezifi schen Listenstoffs eine Berufskrank- heit gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG vorliegt. Die Anerkennung von Krankheitsbildern ist im Rahmen dieser Generalklausel subsidiär. Sie kommt damit bezügl ich all jener Leiden zum Zuge, die nach bisheriger arbeitsmedizinischer Erkenntnis (noch) nicht in einen dermassen qualifizierten Ursachenzusammenhang mit beruflichen Tätigkeiten gebracht werden können, dass sich des- wegen ihre Bezeichnung als Listenkrankheit im Sinne von Ziffer 2 des Anhangs 1 zur UVV rechtfertigte, die aber doch, auf Grund ihrer eindeu tigen beruflichen Genese, völkerrechtlicher Empfehlung folgend (BGE 116 V 141 E. 5a), im Einzelf all die für Berufskrankheiten vorgesehe- nen Leistungen auslösen sollen. Dies führt dazu, dass im R ahmen von Art. 9 Abs. 2 UVG der Beweis darüber zu führen ist, ob eine stark überwieg ende (mehr als 75%ige) bis ausschliessli- che berufliche Verursachung vorliegt (vgl. oben, Erwägu ng 3.3 hiervor). Dabei wird stets ver- langt, dass die versicherte Person für eine gewisse Dauer einem typischen Berufsrisiko ausge- setzt ist. Eine nur einmalige gesundheitliche Schädigun g, die gleichzeitig mit der Berufsaus- übung eintritt, genügt klarerweise nicht (BGE 126 V 186). Im vorliegenden Fall liegt jedoch keine besondere beruf liche Einwirkung während einer von der Rechtsprechung verlangten längeren Arbeitsdauer vor. De n massgebenden Akten ist zu ent- nehmen, dass es während der hier massgebenden beruflichen Tätigkeit des Versicherten einzig am 4. Mai 2010 zur Kontamination mit Phenolen gekomm en ist (vgl. Arztbericht von Dr. I.____ vom 3. März 2015, Beilage zur Duplik vom 20. November 201 5). Dabei ist davon auszugehen, dass der Versicherte während rund einer halben Stunde ( vgl. Arbeitsanamnese, SUVA-Akt N° 11) bzw. für die Dauer von rund zwanzig bis dreissig Mi nuten (vgl. Arztbericht von Dr. H.____ vom 5. Oktober 2015, Beilage zur Replik vom 19. Oktober 2015) mit dem Knie mit Phenol in Kontakt gekommen war. Unbesehen der von Dr. H.____ als potentiell erheblich ein- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht geschätzten Kontamination genügt dieser einmalige Kont akt rechtsprechungsgemäss indessen nicht, im Einzelfall die für eine Berufskrankheit vorgese henen Leistungen gemäss Generalklau- sel von Art. 9 Abs. 2 UVG auszulösen. 5.4 Ist der Sachverhalt richtig und vollständig festgestel lt worden, und gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, da ss die Leukämie-Erkrankung des Beschwerdeführers nicht mit überwiegender Wahrscheinli chkeit auf dessen berufliche Expositi- on zurückgeführt werden kann, so muss der Entscheid zu se inen Ungunsten ausfallen. Im hier zu beurteilenden Fall kann weder das Vorliegen einer B erufskrankheit gemäss Art. 9 Abs. 1 UVG noch einer solchen gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG als überwiegend wahrscheinlich bezeichnet werden. Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflich t daher zu Recht abgelehnt. Die da- gegen gerichtete Beschwerde ist bei diesem Ergebnis abzu weisen. Mit Blick auf die streitge- genständlich nicht zur Diskussion stehende Frage, ob der B eschwerdeführer anlässlich des Ereignisses vom 4. Mai 2010 einen Unfall erlitten hat und diesbezüglich heute noch an allfälli- gen Spätfolgen leidet (vgl. oben, Erwägung 1.3 hiervo r), bleibt allerdings darauf hinzuweisen, dass die SUVA allenfalls eine diesbezügliche Prüfung auf Veranlassung des Versicherten hin vorzunehmen haben wird. 6. Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Auf die Erhebung von Verfahrenskos- ten ist gemäss Art. 61 lit. a ATSG zu verzichten. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 21 Abs. 4 VPO hat die obsiegende Beschwerde führende Person sodann Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Vor- liegend ist der Beschwerdeführer in materieller Hinsich t zwar unterlegen. Hingegen gilt er in formeller Hinsicht insofern als grundsätzlich obsiegende P artei, als dessen Rüge betreffend die Verletzung des rechtlichen Gehörs in Bezug auf den unmit telbaren Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids vom 18. Mai 2015 stattzugeben ist (vg l. oben, Erwägung 2.2 hiervor). Nachdem die SUVA sein Gesuch vom 30. April 2015 um ern eute Fristansetzung für eine Ein- sprachebegründung ignoriert hatte (vgl. SUVA-Akt N° 44), blieb dem Versicherten keine andere Möglichkeit, als dagegen Beschwerde zu erheben, andernfal ls er seine von der SUVA im Ein- spracheverfahren abgeschnittenen Parteirechte nicht hätt e wahren können. Da die Vorinstanz das vorliegende Beschwerdeverfahren somit mit zu verantwor ten hat, rechtfertigt es sich, dem Beschwerdeführer eine reduzierte Parteientschädigung zu ihren Lasten zuzusprechen. Diese ist gestützt auf die in der Honorarnote vom 11. Januar 201 6 ausgewiesenen und als angemessen zu taxierenden Aufwendungen in angemessener Weise auf insgesamt CHF 1‘620.— festzuset- zen (6 von insgesamt 10,58 Stunden à CHF 250.— und 8% M ehrwertsteuer). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt SUVA hat dem Be- schwerdeführer eine reduzierte Parteientschädigung im U mfang von CHF 1‘620.— (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übri gen werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen.