A bteilung V E -2981/2007 kom /bir/scb {T 0/2} U rteil vom 22. M ai 2007 M itw irkung: R ichter König, R ichterin Teuscher, R ichterin Schenker Senn G erichtsschreiber Bindschedler 1. A ._______, R ussland, 2. B ._______, R ussland, 3. C ._______, R ussland, 4. D ._______, R ussland, alle vertreten durch lic. Iur. Johan G öttl, Anlaufstelle Baselland, O berfeldstrasse 11a, 4133 Pratteln, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 18. A pril 2007 i.S. vorsorgliche W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest und zieht in Erw ägung: Sachverhalt: A. D ie Beschw erdeführer stellten am 15. M ai 2006 im Em pfangszentrum E._______ ein Asylgesuch, das sie anlässlich der Anhörungen vom 18. M ai 2006 und 12. Juli 2006 beziehungsw eise 2. August 2006 m it staatlicher Verfolgung aufgrund ihrer _______ Volkszugehörigkeit begründeten. Am 22. Juni 2006 w ies das BFM die Beschw erdeführer für den Aufenthalt w ährend des Asylverfahrens dem Kanton F._______ zu. In der Folge ordnete das BFM eine H erkunftsanalyse der Fachstelle LIN G U A an, w elche in ihrem Bericht vom 22. M ai 2006 die von den Beschw erdeführern ange- gebene H erkunft vollum fänglich bestätigte. B. M it Verfügung vom 20. N ovem ber 2006 ordnete das BFM die vorsorgliche W eg- w eisung der Beschw erdeführer nach G .______ an. D ie Beschw erdeführer fochten diese Verfügung bei der dam als zuständigen Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) an. D ie Beschw erdeinstanz hiess das R echtsm ittel m it U rteil vom 15. D ezem ber 2006 gut, hob die angefochtene Verfügung auf und überw ies die Akten der Vorinstanz zur W eiterführung des Ver- fahrens. C . M it Verfügung vom 5. April 2007 gew ährte das BFM den Beschw erdeführern das rechtliche G ehör zu einer beabsichtigten vorsorglichen W egw eisung nach H .______. M it Schreiben vom 15. April 2007 w idersetzten sich die Beschw erdeführer der vorsorglichen W egw eisung und w iesen - unter Einreichung eines entsprechenden Arztzeugnisses vom 11. April 2007 - insbesondere darauf hin, dass die Beschw erdeführerin aufgrund von Schw angerschaftsbeschw erden nicht reisefähig sei. In der Folge w andte sich die BFM -Sachbearbeiterin am 17. April 2007 telefonisch an die Ärztin der Beschw erdeführerin, erkundigte sich nach dem Stand der Schw angerschaft sow ie der Art der Schw angerschaftsbeschw erden und verfasste eine entsprechende Aktennotiz ("Antw ort: 36. SW , G eburt steht unm ittelbar bevor [...] Antw ort: Anäm ie"). D . M it Verfügung vom 18. April 2007 ordnete das BFM die sofortige vorsorgliche W egw eisung der Beschw erdeführer nach H .______ an. E. M it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht vom 27. April 2007 beantragten die Beschw erdeführer sinngem äss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die W eiterführung ihres Asylverfahrens in der Schw eiz. In verfahrensrechtli- cher H insicht ersuchten sie um W iederherstellung respektive Anerkennung der aufschiebenden W irkung der Beschw erde, um G ew ährung der unentgeltlichen Pro- zessführung und um Befreiung von der Pflicht zur Leistung eines Kostenvorschus-3 ses. M it der Beschw erde w urde ein ärztliches Zeugnis vom 25. April 2007 zu den Akten gereicht. F. N ach Eingang der Beschw erde am 30. April 2007 w urden das BFM und die zu- ständige kantonale Behörde vom zuständigen Instruktionsrichter gleichentags per Telefax angew iesen, einstw eilen von Vollzugsm assnahm en abzusehen. M it Verfügung vom 4. M ai 2007 ordnete der Instruktionsrichter die definitive Voll- zugsaussetzung für die D auer des Beschw erdeverfahrens an und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. G . M it Vernehm lassung vom 9. M ai 2007 - den Beschw erdeführern bisher noch nicht zur Kenntnis gebracht - hielt das BFM an seiner Verfügung fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Ver- w altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Be- hörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31). D as Bundesverw altungsgericht entscheidet in die- sem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge- setzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 Bei der Anordnung einer vorsorglichen W egw eisung gem äss Art. 42 Abs. 2 AsylG handelt es sich um eine selbständig anfechtbare Verfügung im Sinne von Art. 107 Abs. 2 Bst. a AsylG , m ithin um ein taugliches Anfechtungsobjekt einer Verw al- tungsbeschw erde, für deren Behandlung das Bundesverw altungsgericht zuständig ist. 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. 2.1 D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht w orden. In diesem Zusam - m enhang ist darauf hinzuw eisen, dass das BFM seine Verfügung vom 18. April 2007 m it einer fehlerhaften R echtsm ittelbelehrung versehen hat. D ie Beschw erde- frist für die Anfechtung der angeordneten vorsorglichen W egw eisung beträgt ge- m äss Art. 50 Abs. 1 Vw VG in der seit 1. Januar 2007 geltenden Fassung neu 30 Tage; überdies sind solche Beschw erden nicht m ehr im D oppel einzureichen, ist doch der vom BFM in der Verfügung zitierte Art. 51 Vw VG m ittlerw eile 4 aufgehoben w orden (vgl. zum G anzen Botschaft des Bundesrates zur Totalrevision der Bundesrechtspflege vom 28. Februar 2001, BBl 2001 4409). 2.2 D ie Beschw erdeführer sind legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist einzutreten. 2.3 D ie Vernehm lassung vom 9. M ai 2007 ist den Beschw erdeführern bisher aus G ründen der Prozessökonom ie nicht zur Kenntnis gebracht w orden. Eine Kopie des D okum ents ist ihnen im Sinne der Verfahrenstransparenz m it diesem U rteil zu eröffnen. 3. W er in der Schw eiz ein Asylgesuch gestellt hat, kann sich gestützt auf Art. 42 Abs. 1 AsylG grundsätzlich bis zum Abschluss des Verfahrens hierzulande aufhal- ten. G em äss Art. 42 Abs. 2 AsylG können die G esuchsteller jedoch vom BFM vor- sorglich w eggew iesen w erden, w enn die W eiterreise in einen D rittstaat zulässig, zum utbar und m öglich ist. 4. 4.1 In den beiden Zeugnissen vom 11. und 25. April 2007 hält die Ärztin der Be- schw erdeführerin unm issverständlich fest, ihre Patientin sei angesichts der unm it- telbar bevorstehenden G eburt und einer schw eren Anäm ie (Blutarm ut) nicht reise- fähig. D as BFM nim m t w eder in der angefochtenen Verfügung noch in der Vernehm las- sung inhaltlich Stellung zu dem von einer m edizinischen Fachperson festgestellten Fehlen der R eisefähigkeit. D ie Vorinstanz beschränkt sich diesbezüglich - aus- schliesslich unter dem Blickw inkel der Zum utbarkeit der vorsorglichen W egw ei- sung - auf die Feststellungen, die belgischen Behörden seien gem äss R ücküber- nahm eabkom m en für die m edizinische Behandlung der Beschw erdeführerin zu- ständig, die G esundheitsbeschw erden könnten auch in diesem D rittstaat behandelt w erden und "dem fortgeschrittenen G rad der Schw angerschaft" könne im R ahm en des Vollzugs vollum fänglich R echnung getragen w erden (vgl. angefochtener Verfü- gung, S. 2 f). N ahe liegende Fragen, beispielsw eise nach der Behandelbarkeit der Schw angerschaftsbeschw erden w ährend des Vollzugs oder nach der zuständigen G esundheitsbehörde für die Zeit zw ischen Verlassen der Schw eiz auf dem Land- w eg und der Einreise in H ._______, bleiben unbeantw ortet. Vorliegend sind den Akten keinerlei Anhaltspunkte für die m angelnde Authentizität der beiden im O riginal vorliegenden Arztberichte, für das Fehlen der fachlichen Q ualifikation der ausstellenden Ärztin oder für das Vorliegen blosser G efälligkeits- berichte zu entnehm en. Solches w ird auch von der Vorinstanz nicht behauptet. Es darf als bekannt vorausgesetzt w erden, dass die R eisefähigkeit von hochschw an- geren Frauen - auch bei gänzlich kom plikationslosen Schw angerschaften - grund- sätzlich stark eingeschränkt ist; Fluggesellschaften befördern beispielsw eise sol- che Personen erfahrungsgem äss nicht m ehr. Bei der unm ittelbar vor der G eburt stehenden Beschw erdeführerin kom m en Schw angerschaftsbeschw erden in Form einer Anäm ie hinzu. Aufgrund der Akten ist davon auszugehen, dass sie effektiv nicht reisefähig ist.5 M angels R eisefähigkeit erw eist sich die vorsorgliche W egw eisung der Beschw er- deführerin als unm öglich im Sinne von Art. 42 Abs. 2 AsylG . Eine Staffelung des Vollzugs der vorsorglichen W egw eisung der Fam ilienangehörigen steht aufgrund der konkreten Verfahrensum stände offensichtlich nicht zur D ebatte. 4.2 D ie vorsorgliche W egw eisung scheint sich im Ü brigen m ittlerw eile auch aus einem anderen G rund als unm öglich zu erw eisen: Einem behördeninternen Schriften- w echsel ist zu entnehm en, dass die zuständige h._______ Behörde offenbar am 9. M ai 2007 die gem äss R ückübernahm eabkom m en vorerst auf 30 Tage befristete Ü bernahm e der Beschw erdeführer verw eigern, w eil das BFM nach Ablauf der 30-tägigen Frist um deren Erstreckung nachgesucht habe. 4.3 D er Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle Folgendes festzuhalten: D ie vorsorg- liche W egw eisung nach Art. 42 Abs. 2 AsylG betrifft rechtlich ausschliesslich die Frage des Aufenthaltsorts w ährend der - davon rechtstechnisch unberührten - H ängigkeit des Asylverfahrens in der Schw eiz. Beide Beschw erdeführer hatten bei ihren ersten Befragungen im Em pfangszentrum die vorherigen Aufenthalte in G ._______ und H ._______ zu Protokoll gegeben (vgl. Protokolle der beiden Ehegatten, je S. 4 ff.). D ie Anordnung einer vorsorglichen W egw eisung fast ein Jahr nach Zuw eisung eines Aufenthaltskantons lässt sich unter diesen U m ständen schw er nachvollziehen. D ies um so m ehr, als das BFM nach der Bestim m ung des Aufenthaltskantons für beide Beschw erdeführer aufw ändige landeskundlich- kulturelle und linguistische H erkunftsexpertisen der Fachstelle LIN G U A in Auftrag gab und die zuständige kantonale Behörde in der Folge die einlässlichen Befragungen der Beschw erdeführer zu den Asylgründen durchführen liess. N achdem nun bereits der zw eite Versuch einer vorsorglichen W egw eisung der Be- schw erdeführer scheitert, ist das BFM aufzufordern, die Asylvorbringen der Be- schw erdeführer nun m ateriell zu beurteilen. 4.4 Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die rechtlichen Voraussetzungen für eine vorsorgliche W egw eisung der Beschw erdeführer nach H ._______ nicht gegeben sind. D ie Frage der Zulässigkeit und der Zum utbarkeit dieser W eg- w eisung kann dam it offen bleiben. D ie Beschw erde ist gutzuheissen, die angefoch- tene Zw ischenverfügung des BFM vom 18. April 2007 aufzuheben und das BFM anzuw eisen, das Asylverfahren w eiterzuführen. 5. 5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens w erden keine Kosten erhoben (vgl. Art. 63 Abs. 1 bis 3 Vw VG ); das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung erw eist sich dam it als gegenstandslos. 5.2 D en Beschw erdeführern ist in Anw endung von Art. 64 Abs. 1 Vw VG sow ie Art. 7 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw al- tungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 (VG KE, SR 173.320.2) für die ihnen notw en-6 digerw eise erw achsenen Kosten eine Parteientschädigung zuzusprechen. D ie Beschw erdeführer haben keine Kostennote zu den Akten reichen lassen. Auf die N achreichung einer solchen kann jedoch praxisgem äss verzichtet w erden, nachdem sich der notw endige Vertretungsaufw and zuverlässig abschätzen lässt. D ie Parteientschädigung w ird von Am tes w egen und in Berücksichtigung der m assgeblichen Bem essungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VG KE) auf Fr. 500.-- (inkl. aller Auslagen) festgesetzt. (D ispositiv nächste Seite)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. D ie Zw ischenverfügung des BFM vom 18. April 2007 w ird aufgehoben. 2. D as BFM w ird angew iesen, das Asylverfahren der Beschw erdeführer im Sinne der Erw ägungen w eiterzuführen. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. D as BFM w ird angew iesen, den Beschw erdeführern für das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht eine Parteientschädigung in der H öhe von Fr. 500.-- (inkl. aller Auslagen) zu entrichten. 5. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter der Beschw erdeführer (eingeschrieben, vorab per Telefax; Postbeilage: Kopie der Vernehm lassung des BFM ) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N _______) - das Am t für M igration des Kantons F.______ ad _______ D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: M arkus König R udolf Bindschedler Versand am :