B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2112/2014 U r t e i l v o m 2 2 . J u l i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Bruno Huber, Gerichtsschreiberin Sarah Straub. Parteien A._______, geboren (…), Beschwerdeführerin, und ihr Sohn B._______, geboren (…), Türkei, beide vertreten durch Edith Hofmann, Freiplatzaktion Zürich, (…) gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. März 2014 / N (…). E-2112/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin, eine türkische Staatsangehörige kurdischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in C._______, reiste am (…) auf dem Luf t- weg mit einem Schengen-Visum (…) nach Prag, von wo sie eigenen A n- gaben zufolge gleichentags mit dem Auto durch ihr unbekannte Länder in die Schweiz gelangte. A.b Am (…) wurde sie anlässlich einer Personenkontrolle (…) in der Wohnung ihres heutigen Ehemannes festgenommen. Am 13. April 2012 wurde sie dem (…) zugeführt, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 24. April 2012 wurde sie zur Person befragt ( BzP), am 19. Juli 2012 erfolgte die einlässliche Anhörung zu den Asylgründen. B. Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin ge l- tend, (…) hätten sie gegen ihren Willen an ei nen viel älteren Mann ver- kaufen wollen. Sie habe dies nicht gewollt und sei mit dem Einverständnis ihrer Mutter nach D._______ gereist, wo ihr (…) zur Ausreise verholfen habe. Sie reichte ihren Pass, ihre Identitätskarte, ihren Führerschein und einen Ausweis der E._______ zu den Akten. C. Am (…) heiratete die Beschwerdeführerin einen türkischen Staatsang e- hörigen mit Aufenthaltsbewilligung B. Am (…) kam der gemeinsame Sohn B._______ zur Welt. D. Mit Verfügung vom 21. März 2014 – eröffnet am 26. März 2014 – stellte das Bundesamt fest, die Beschwerdef ührerin erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch vom 13. April 2012 ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug. E. Diese Verfügung liess die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer neu mandatierten Rechtsvertreterin vom 17. April 2014 anfechten. Sie bea n- tragte in materieller Hinsicht, ihr Asylgesuch sei nochmals zu prüfen und ihr und ihrem Sohn in der Schweiz Asyl zu gewähren, allenfalls sei die Unzumutbarkeit respektive Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges E-2112/2014 Seite 3 festzustellen und eine vorläufige Aufnahme anzuordnen. In formeller Hi n- sicht beantragte sie die Gewährung der aufschiebenden Wirkung und die Sistierung des Vollzuges. Ausserdem sei der Rechtsvertreterin vor einem allfälligen positiven Entscheid die Möglichkeit zu r Einreichung einer Ko s- tennote zu geben. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte sie drei Artikel des Schweizerischen Kompetenzzentrums für Menschenrechte und einen Artikel der Schweize- rischen Beobachtungsstelle für Asyl - und Ausländerrecht zu migration s- rechtlichen Themen, einen Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) zu häuslicher Gewalt in der Türkei vom März 2014, einen türk i- schen Internetartikel zu Gewalt an Frauen vom 4. April 2014 inklusive Übersetzung, einen Geburtsregisterauszug betreffend ihren Sohn, einen Eheregisterauszug und den Familienausweis in Kopie, Fotos ihrer Fam i- lie, mehrere Unterlagen zum Miet - und Arbeitsverhältnis ihres Ehema n- nes sowie ein Schreiben betreffend Entzug der Vollmacht des vorherigen Rechtsvertreters zu den Akten. F. Am 23. April 2014 bestätigte das Gericht den Eingang der Beschwerde. G. Die Instruktionsrichterin gelangte mit Schreiben vom 7. Mai 2014 an das Migrationsamt (…) und ersuchte um Auskunft betreffend den Aufenthalts- status des Ehemannes der Beschwerdeführerin. Am 5. Juni 2014 ging das Antwortschreiben beim Gericht ein. H. Mit Zwischenverfügung vom 19. Juni 2014 wurde die Beschwerdeführerin ersucht, innert Frist bei den zuständigen kantonalen Behörden ein G e- such um Familiennachzug durch ihren Ehemann einreichen z u lassen und dem Gericht eine Kopie desselben zuzustellen beziehungsweise schriftlich mitzuteilen, aufgrund welcher Umstände davon abgesehen werde. I. Am 24. Juni 2014 teilte die Beschwerdeführerin mit, sie habe mit ihrem Ehemann (…) bei der (…) ein Formulargesuch um Familiennachzug aus- gefüllt, und die Beamtin habe mitgeteilt, sie werde dieses an (…) senden. Eine Kopie des Gesuches hätten sie nicht erhalten können. E-2112/2014 Seite 4 Am 5. Juli 2014 teilte sie mit, ihr Ehemann habe bisher noch keine An t- wort auf das Gesuch um Familiennachzug erhalten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist vorbehältlich der nachsteh enden Erwägungen einzutre- ten. 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Der Beschwerde kommt aufschiebende Wirkung zu ( Art. 55 Abs. 1 VwVG; Art. 42 AsylG), und das BFM hat einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung nicht entzogen (Art. 55 Abs. 2 VwVG), weshalb auf den Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung nicht einzutreten ist. 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. E-2112/2014 Seite 5 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifi- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das BFM führte zur Begründung seines ablehnenden Entscheides aus, die Türkei habe in den vergangenen J ahren kontinuierlich Schritte zur Verbesserung der rechtlichen und gesellschaftlichen Situation der Frauen unternommen, insbesondere zu deren Schutz vor Übergriffen mit soziokulturellem Hintergrund, und es seien verschiedene neue Gesetze s- bestimmungen in Kraft getreten. Zudem gebe es etliche Frauenhäuser, eine Telefon-Hotline für bedrohte Frauen und verschiedene spezifische Nichtregierungsorganisationen, welche um eine Verbesserung der Ste l- lung der Frau und um Unterstützung und Gewährung von Schutz für O p- fer inn erfamiliärer Gewalt bemüht seien . Die Türkei verfüge über eine wirksame und funktionierende staatliche Infrastruktur, weshalb es zumu t- bar sei, bei den zuständigen Behörden und Anlaufstellen um Schutz und Unterstützung nachzusuchen. Zudem könne die Beschwer deführerin auf eine innerstaatliche Schutzalternative zurückgreifen, da sie in D._______ durch (…) unterstützt und dort von (…) nicht behelligt worden sei, und ausserdem ihr Bruder in D._______ wohne. Die geltend gemachten Übergriffe seien folglich nicht asylrelevant. Obwohl angesichts der fehlenden Asylrelevanz darauf verzichtet werden könne, eine Glaubhaftigkeitsprüfung vorzunehmen, sei festzustellen, dass E-2112/2014 Seite 6 bezüglich ihres Vorbringens, (…) hätten sie an einen Mann verkaufen r e- spektive verheiraten wollen, Zweifel angebracht seien. Zum einen sei a u- genfällig, dass sie ihr Asylgesuch in engem zeitlichem Zusammenhang mit ihrer Verhaftung eingereicht habe, nachdem sie bereits rund zehn Monate in der Schweiz gewesen sei und eine frühere Einreichung des Gesuches zumutbar und möglich gewesen wäre. Abgesehen davon habe sie anlässlich ihrer polizeilichen Einvernahme widersprüchliche Angaben zu ihrer Einreise und ihrem Aufenthalt in der Schweiz gemacht. Ihr Ve r- halten entspreche nicht demjenigen einer verfolgten Person. 5.2 Die Beschwerdeführerin hielt diesen Erwägungen entgegen, die Tür- kei habe zwar viele Schritte unternommen, um die Situation der Frauen zu verbessern, diese seien jedoch offensichtlich absolut ungenügend. Es nütze einer zwangsverheirateten Frau nichts, wenn (…) deswegen b e- straft würden, weil sie dann bereits mit einem ungeliebten Mann verheir a- tet sei. Die SFH komme in ihrem Bericht jedenfalls zu einem anderen Schluss, was die Möglichkeiten der Frauen betreffe. Die Beschwerdefü h- rerin ha be es nicht so weit komm en lassen und sei in die Schweiz g e- flüchtet. Der Vorwurf, sie habe ihr Asylgesuch erst gestellt, nachdem sie verhaftet worden sei, könne nicht widerlegt werden. Sie habe aber vorher ang e- nommen, ihr Asylgesuch würde nicht entgegengenommen, da sie in der Türkei nicht politisch aktiv gewesen sei und keine spezifischen Probleme gehabt habe. Nach der Verhaftung habe sie auf Anraten ihres Rechtsve r- treters ein Asylgesuch gestellt und ihre Probleme geschildert, wie sie ta t- sächlich gewesen seien. Entgegen den Ausführungen im angefochtenen Entscheid komme es für den Ehemann nicht in Frage, zur Wahrung der Familieneinheit mit der Beschwerdeführerin und dem gemeinsamen Sohn in die Türkei zurückzu- kehren, da er eine gute Anstellung habe und sein Sohn aus erster Ehe in der Schweiz lebe. Eine Trennung vom Vater wäre für den Sohn der B e- schwerdeführerin schlecht, da beide Elternteile für seine Entwicklung wichtig seien. 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt in Übereinstimmung mit dem Bundesamt fest, dass die Beschwerdeführer in die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. Die vom BFM geäusserten Zweifel am Wahrheitsgehalt der Vorbringen konnten auf Beschwerdeebene nicht zerstreut werden , und E-2112/2014 Seite 7 die Einschätzung der Vorinstanz, wonach das Verhalten der Beschwerde- führerin nicht demjen igen einer verfolgten Person entspreche, wird vom Gericht geteilt. Wie jedoch bereits vom BFM ausgeführt, kann die Glau b- haftigkeit der Asylgründe vorliegend offenbleiben. 6.2 Wie die Vorinstanz festgestellt hat, haben die türkischen Behörden grosse Anstrengungen zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt und von Ehrenmorden unternommen und in den vergangenen Jahren bei der fa k- tischen Wahrnehmung frauenspezifischer Schutzanliegen erhebliche Fortschritte erzielen können (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-1207/2011 vom 28. September 2011 E. 4.2.5, m.w.H.). Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die entsprechenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Ergänzend zu den vorinstanzlichen Erwägungen kann festgehalten we r- den, dass die Türkei das Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt vom 11. Mai 2011 unterzeichnet hat. Die neue europäische Konvention soll Frauen besser vor Gewalt und häuslichen Übergriffen schützen. Die en t- sprechende Übereinkunft wurde bei einem Aussenministertreffen des E u- roparates von 13 Staaten unterzeichnet, unter anderem auch von der Türkei. In dem Dokument verpflichten sich die Staaten erstmals auf ein konkretes Vorgehen gegen häusliche Gewalt. Anfang März 2012 wurde in der Türkei ein Gesetz verabschiedet, das Frauen besser vor häuslicher Gewalt schützen soll. Die wichtigste Neuerung dieses Geset zes ist, dass alle Frauen unabhängig von ihrem Beziehungsstatus An recht auf Schutz haben. Ausserdem soll di e Polizei nun schneller auf Anzeigen und Hilf e- gesuche durch Betroffene reagieren . Weiter wurden unter dem Gesetz Nr. 6284 über die Verhütung von Ge walt gegen Frauen (verabschiedet am 8. März 2012) vorbeugende Massnahmen gegen häusliche Gewalt und Missbrau ch geregelt und neue Zentren zur Gewaltprävention und Überwachung (ŞÖNIM) geschaffen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsge- richts D-4592/2013 vom 8. Januar 2014 E. 5.1 m.w.H.). 6.3 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass bei den türkischen Behö r- den in den vergangenen Jahren ein Umdenken in Bezug auf frauenspezi- fische Schutzanliegen begonnen hat und erste entsprechende Einric h- tungen geschaffen wurden; daneben bieten auch mehrere nichtstaatliche Stellen betroffenen Frauen Unterstützung. Auch wenn die Umsetzung der staatlichen Programme nur langsam vorankommt und das Phänomen i n- nerfamiliärer Gewalt bis hin zu Ehrenmorden immer noch verbreitet ist, ist E-2112/2014 Seite 8 davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin in der Türkei nicht in einer ausweglosen Situation befand und na ch der Rückkehr aufgrund der weiter verbesserten Situation auch nicht in einer solchen befinden wird. Im Falle von Behelligungen durch (…) nach der Rückkehr hätte sie die Möglichkeit, an die grundsätzlich vorhandene Schutzinfrastruktur zu gelangen. Im vorliegenden Fall kommt hinzu, dass sie sich ihren eigenen Angaben zufolge gar nie an die türkischen Behörden ge wandt hat ( vgl. A13/12 S. 8, A25/13 S. 6), weshalb diesen weder mangelnder Schutzwille noch mangelnde Schutzfähigkeit vorgeworfen werden kann. Ausserdem konnte die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise während zwei Monaten unbehelligt in D._______ leben und wurde durch (…) unterstützt. Wie in der angefochtenen Verfügung zutreffend ausgeführt, besteht für die B e- schwerdeführerin damit im Bedarfsfall eine zumutbare innerstaatliche Schutzalternative. Die Beschwerdevorbringen vermögen an dieser Ei n- schätzung nichts zu ändern, weshalb es sich erübrigt, weiter darauf ei n- zugehen. 6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Türkei hinsichtlich der von der Beschw erdeführerin geltend gemachten privaten Verfolgung als schutzwillig und schutzfähig zu erachten ist, und dass der Beschwerd e- führerin die Inanspruchnahme dieses Schutzes zumutbar ist. Somit hat das BFM zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft verneint und das A sylge- such abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Wegweisung wird unter anderem dann nicht verfügt, wenn die asylsuchende Person im Besitze einer gültigen Niede r- lassungs- oder Aufenthaltsbewilligung ist (Art. 32 Bst. a der Asylveror d- nung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]) oder Anspruch auf Erteilung einer solchen hat. 7.2 Gemäss Art. 14 Abs. 1 AsylG kann eine asylsuchende Person ab Ein- reichung des Asylgesuches bis zur Ausreise nach einer rechtskräftig a n- geordneten Wegweisung, nach einem Rückzug des Asylgesuches oder bis zur Anordnung einer Ersatzmassnahme bei nicht durchführbarem Vollzug kein Verfahren um Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufen t- haltsbewilligung einleiten, ausser es bestehe ein Anspruch auf deren E r- teilung. Ist dies der Fall, geht die Zuständigkeit, die Weg weisung aus der E-2112/2014 Seite 9 Schweiz zu verfügen, von den Asylbehörden auf die kantonale Auslä n- derbehörde über, welche über die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu befinden hat. Im Asyl- und Wegweisungsverfahren ist die Wegweisung deshalb nicht zu verfügen, falls ein grundsätzlicher Anspruch auf Erte i- lung einer Aufenthaltsbewilligung besteht, über den konkret zu befinden die kantonale Ausländerbehörde zuständig ist. Ist die asylsuchende Pe r- son nicht im Besitze einer Aufenthalts - oder Niederlassungsbewilligung, ist im Asyl- und Wegweisungsverfahren mit Blick auf die mögliche Z u- ständigkeit der kantonalen Ausländerbehörde daher vorfrageweise zu prüfen, ob die asylsuchende Person sich im Sinne von Art. 14 Abs. 1 AsylG auf einen grundsätzlichen Anspruch auf Erteilung ei ner Aufen t- haltsbewilligung berufen kann. Soweit nicht das Gesetz oder Freizügi g- keitsabkommen einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewill i- gung vermitteln, fällt als Anspruchsgrundlage Art. 8 EMRK in Betracht, wobei diesbezüglich die bundesgerichtliche Rechtsprechung massgeblich ist (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3341/2011 vom 10. April 2013 E. 5; BVGE 2013/37 E. 4.4). Diese besagt, dass Ausländerinnen und Ausländer gestützt auf den in Art. 8 EMRK und Art. 13 BV gewähr- leisteten Schutz des Familienlebens ein potenzieller Anspruch auf Au f- enthalt in der Schweiz erwächst, wenn intakte und tatsächlich gelebte Familienbande zu nahen Verwandten (sog. Kernfamilie) bestehen, die über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfügen. Letzte- res ist der Fall, wenn der sich in der Schweiz aufhaltende Angehörige das Schweizer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung besitzt oder über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, die ihrerseits auf einem gefestig- ten Rechtsanspruch beruht (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1 S. 145 f., 130 II 281 E. 3.1 S. 285 f., Entscheidungen und Mitteilungen der Schwe i- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 3 E. 3.1 S. 31 f.). Kann sich die asylsuchende Person auf einen grundsätzlichen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung berufen, ist sie im Asyl - und Wegweisungsverfahren darauf hinzuweisen, dass sie ein entsprechendes Bewilligungsgesuch bei der zuständigen kantonalen Ausländerbehörde einzureichen hat. Ist bei der kantonalen Ausländ erbehörde bereits ein Verfahren um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung hängig, so hat das BFM – weist es das Asylgesuch ab oder tritt es auf dieses nicht ein – die Wegweisung nicht zu verfügen. Das Bundesverwaltungsgericht hebt g e- gebenenfalls eine vom BFM verfügte Wegweisung auf (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 9a S. 177). E-2112/2014 Seite 10 7.3 Die Beschwerdeführerin ist seit (…) mit F._______, welcher über eine Aufenthaltsbewilligung B verfügt, verheiratet. Der gemeinsame Sohn B._______ kam am (…) zur Welt. Der Ehemann der Beschwe rdeführerin reiste am 13. Mai 2002 in die Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Mit Verfügung vom 9. April 2003 lehnte das BFM das Asylg e- such ab, die dagegen erhobene Beschwerde wurde mit Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 12. April 2006 abgewiesen. Gemäss Auskunft der zuständigen kantonalen Behörde vom 5. Juni 2014 erhielt der Ehemann per 7. Mai 2008 eine Aufenthaltsbewilligung, nach- dem er (…) seine in der Schweiz niedergelassene erste Ehefrau geheira- tet hatte. Seine Aufenthaltsbewilligung werde voraussichtlich im Juli 2014 verlängert und der Aufenthaltsgrund geändert in "Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der Ehe", da die erste Ehe über drei Jahre gedauert habe und er erfolgreich integriert sei . Der Ehemann der Beschwerde führerin befindet sich nach dem Gesagten se it über zwölf Jahren in der Schweiz und ist seit sechs Jahren im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung (der An- spruch auf eine solche bestand bereits fast zwei Jahre vor der erstmal i- gen Erteilung) , welche voraussichtlich verlängert wird. Gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. a und b AuG (SR 142.20) kann einem Ausländer die Niede r- lassungsbewilligung erteilt werden, wenn er sich insgesamt mindestens zehn Jahre mit einer Kurzaufenthalts - oder Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz aufgehalten hat und während de r letzten fünf Jahren ununte r- brochen im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung war und keine Widerruf s- gründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Gemäss Art. 34 Abs. 4 AuG kann bei erfolgreicher Integration, namentlich wenn die betroffene Person über gu- te Kenntnisse einer Landessprache verfügt, nach ununterbrochenem Auf- enthalt mit Aufenthaltsbewilligung während der letzten fünf Jahre die Ni e- derlassungsbewilligung erteilt werden. Aufgrund der Auskunft des Migr a- tionsamts des Kantons Zürich vom 5. Juni 2014, welche eine erfolgreiche Integration als Grund für die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nennt, und der Tatsache, dass er seit mehr als fünf Jahren über eine Auf- enthaltsbewilligung verfügt, ist festzustellen, dass der Ehemann der B e- schwerdeführerin die Voraussetzungen von Art. 34 Abs. 4 AuG erfüll en dürfte. Die Voraussetzungen von Art. 34 Abs. 2 Bst. a und b AuG dürften in absehbarer Zeit ebenfalls erfüllt sein. Vor diesem Hintergrund ist von einem gefestigten Anwes enheitsrecht des Ehemannes der Beschwerd e- führerin in der Schweiz auszugehen. Aufgrund der Akten ist weiter von einer gelebten, intakten Ehe auszug e- hen, sodass sich die Beschwerdeführerin auf Art. 8 EMRK berufen kann. Die Vorfrage, ob den Familienangehörige n grundsätzlich ein Anspruch E-2112/2014 Seite 11 gestützt auf die genannte Norm zusteht, ist somit zu bejahen. Die konkre- te Beurteilung des Anspruchs ist nicht mehr Sache des Bundesverwa l- tungsgerichts. Mit Eingabe vom (…) hat der Ehemann bei der (…) ein Gesuch um Familiennach zug betreffend die Beschwerdeführerin eing e- reicht. Damit liegt die Zuständigkeit für den Entscheid über eine Wegwei- sung und deren allfälligen Vollzug bei der kantonalen Fremdenpolizeib e- hörde. 7.4 Die im Asylverfahren angeordnete Wegweisung wird praxisgemäss aufgehoben, wenn ein Anspruch gestützt auf Art. 8 EMRK vorfrageweise bejaht wird (vgl. BVGE 2013/37 E.4.4.2; Urteil des Bundesverwaltungsge- richts D -5547/2008 vom 16. März 2011 m .w.H.). Damit erübrigen sich Ausführungen zur Durchführbarkeit des Wegweisungsvol lzuges; allfällige Wegweisungshindernisse sind durch die kantonale Migrationsbehörde zu prüfen. 8. Zusammenfassend ist die Beschwerde betreffend die Dispositivziffern 1 (Nichterfüllen der Flüchtlingseigenschaft) und 2 (Ablehnung des Asylg e- suchs) der Verfügun g des BFM vom 21. März 2014 abzuweisen , soweit darauf einzutreten ist . Betreffend die Dispositivziffer 3 (verfügte Wegwe i- sung) ist die Beschwerde gutzuheissen, und betreffend den Vollzug der Wegweisung (Dispositivziffern 4 und 5) ist sie als gegenstandslos gewor- den abzuschreiben. Die Dispositivziffern 3 -5 der angefochtenen Verf ü- gung sind infolgedessen aufzuheben. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist von einem hälftigen Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Kosten des Verfahrens sind daher auf Fr. 300.– festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 2 und 3 VGKE i.V.m. Ar t. 16 Abs. 1 Bst. a VGG) und der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. 9.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren hin eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 2 VGKE). Nachdem die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin keine Kostennote eingereicht hat, ist die Parteientschädigung auf Grund der Akten festz u-E-2112/2014 Seite 12 setzen (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Die Vertretungskosten sind deshalb unter Berück sichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) auf insgesamt Fr. 700.– (inkl. Auslagen und Meh r- wertsteuer) zu bemessen, und das BFM ist anzuweisen, der Beschwerde- führerin den um die Hälf te gekürzten Betrag von Fr. 350.– als Parteient- schädigung auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-2112/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird betreffend die Dispositivziffern 1 und 2 der Verf ü- gung des BFM vom 21. März 2014 abgewiesen, soweit darauf eingetr e- ten wird. 2. Die Beschwerde wird betreffend die Dispositivziffer 3 der Verfügung des BFM vom 21. März 2014 gutgeheissen. Betreffend die Dispositivziffern 4 und 5 wird die Beschwerde als gegenstandslos geworden abgeschrieben. Die Dispositivziffern 3-5 werden aufgehoben. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 300.– werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 350.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Sarah Straub Versand: