Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. Juli 2018 (710 17 391 / 194) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Schadenersatz; Verantwortlichkeit einer Geschäftsführerin einer GmbH im Zusammen- hang mit unterlassenen Lohnsummenanpassungen bejaht. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Felix Schürch , Recht s- anwalt und Notar, Buchenstrasse 5, Postfach, 6210 Sursee gegen Ausgleichskasse Luzern , Würzenbachstrasse 8, Postfach , 6000 Luzern 15, Beschwerdegegnerin Betreff Schadenersatz A. Die B.____ GmbH (GmbH) war als beitragspflichtig e Arbeitgeberin bei der Ausgleichs- kasse Luzern (Kasse) angeschlossen. Im Rahmen einer Übertragung ihrer Stammanteile ver- legte sie Ende des Jahres 2014 ihren Sitz in den Ka nton Basel-Landschaft. Am 8. März 2016 wurde über die GmbH der Konkurs eröffnet. Am 11. Ma i 2016 wurde das Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Verfügung vom 20. März 2017 forderte die Kasse von A.____ als ehemalige Ge- schäftsführerin der GmbH Schadenersatz für ausstehende Lohnbeiträge ab 27. August 2013 bis Ende Dezember 2014 in der Höhe von Fr. 47‘674.05. Da ran hielt sie auf Einsprache hin mit Entscheid vom 20. Oktober 2017 fest. C. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwa lt Felix Schürch, am 22. November 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beant ragte, der angefochtene Entscheid der Kasse sei aufzuheben und es sei der geschuldete Betra g auf Fr. 10‘917.15 zu reduzieren, eventualiter sei die Angelegenheit zur ergänzenden Abkl ärung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen, unter o/e-Kostenfolge unter anderem auch für das v orinstanzliche Einspracheverfahren. Die unbezahlt gebliebenen Lohnbeiträge gemäss Jahresab rechnung 2013 vom 13. Februar 2014 im Zusammenhang mit offenen Tilgungsraten im Umf ang von Fr. 4‘000.—, gemäss Akon- to-Rechnung über Fr. 3‘560.20 vom 12. Dezember 2014 und gemäss Jahresabrechnung 2014 vom 30. Juni 2015 über Fr. 29‘196.70 seien im Zeitpun kt ihres effektiven Austritts noch nicht fällig gewesen. Zudem habe sie weder absichtlich noch grobfahrlässig Vorschriften missachtet. Die Haftung in Verbindung mit diesen drei Rechnungen im Umfang von insgesamt Fr. 36‘756.90 sei zu verneinen. Die Schadenersatzverfügung im Umfang ursprünglich von Fr. 47‘674.05 sei demnach auf Fr. 10‘917.15 zu reduzieren. D. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 25. Januar 2018 auf Abweisung der Be- schwerde. E. Mit Replik vom 23. März 2018 und Duplik vom 24. April 2018 hielten die Parteien an ih- ren Rechtsbegehren und den damit verbundenen Begründungen fest. Auf deren Ausführungen ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. F. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 8. Mai 2018 w urde festgestellt, dass sich eine Beweisabnahme im Zusammenhang mit dem Antrag der Be schwerdeführerin, die Buchhal- tungsunterlagen der gelöschten GmbH für das Jahr 2014 b eizuziehen, als unmöglich erweise. Gleichzeitig wurde die Angelegenheit dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechtes (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Ein spracheentscheide der Versi- cherungsträger Beschwerde erhoben werden. Jeder Kanton bestellt ein Versicherungsgericht als einzige Instanz zur Beurteilung von Beschwerden aus de m Bereich der Sozialversicherung (Art. 57 ATSG). Laut § 54 Abs. 1 lit. a des kantonal en Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Kantonsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons zur Beurteilung von Beschw erden gegen Einspracheentschei- de der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG sachlich zuständig. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Nach Art. 52 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Alter s- und Hinterlassenenversiche- rung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 ist in Abweichung vo n Art. 58 Abs. 1 ATSG für Be- schwerden betreffend Schadenersatzansprüche der Ausgleic hskassen das Versicherungsge- richt desjenigen Kantons zuständig, in dem der Arbeitge ber seinen Wohnsitz hat, beziehungs- weise die als Arbeitgeberin auftretende juristische Perso n ihr statutarisches Domizil hat, unge- achtet des jeweiligen Wohnsitzes der in Anspruch genommene n Organe. Bevor sie mangels Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustands von Amtes wege n auf aufgelöst erklärt wor- den war, hatte die GmbH ihren Sitz im Kanton Basel-L andschaft. Damit ist auch die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben. Auf die im Üb rigen form- und fristgerecht erhobe- ne Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Nach Art. 52 Abs. 1 AHVG hat ein Arbeitgeber, wel cher der Versicherung durch ab- sichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine jur istische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäfts führung oder Liquidation befassten Perso- nen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden ve rantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 2 AHVG). Die H aftung nach Art. 52 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben sein, d .h. es muss ein Schaden einge- treten sein, der auf widerrechtliches und schuldhaftes Ver halten der Arbeitgeberin und – subsidiär – des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist . 2.2 Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwi- ckelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bu ndesgesetzes über die Invaliden- versicherung vom 19. Juni 1959), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft vo m 25. September 1952) und Arbeits- losenversicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen- versicherung und die Insolvenzentschädigung vom 25. Juni 19 82) sowie auf jene an die Famili- enausgleichskassen gemäss dem Bundesgesetz über die Familie nzulagen vom 24. März 2006 (Art. 25 lit. c). 3.1 Der Schaden der Ausgleichskasse besteht bei einer Anwe ndung von Art. 52 Abs. 1 AHVG darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, den die Kasse nich t erhältlich machen kann. Verwal- tungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngeb ühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 384 E. 3bb mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 27. August 2013, 9C_646/2012, E. 4.1; zum Ganzen: T HOMAS NUSSBAUMER , Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatz- prozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Die Beschwerdegegnerin macht aufgrund der ungedeckt gebliebenen Forderung einen Schaden im Umfang Fr. 47‘674.05 geltend. Die Höhe des Schadens wird von der Beschwerdefü hrerin nicht bestritten, sodass das Kantonsgericht keine Veranlassung hat, die Berechnung eingehend zu überprüfen. Der Verwal- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungsprozess ist zwar vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht, di eser entbindet jedoch die rechtsuchende Partei nicht davon, selber die Beanstandu ngen vorzubringen und ihrerseits zur Feststellung des Sachverhaltes beizutragen (Urteil des E idgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Schweizerisches Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilungen] vom 21. April 2006 H 157/05, E. 2.2). Mangels offenkundiger Anhaltspunkte für Berechnungsfehler ist die Scha- densberechnung der Beschwerdegegnerin daher zu bestätig en und von einem vorliegend rele- vanten Schadensbetrag von Fr. 47‘674.05 auszugehen. 3.2 Der Schaden der Ausgleichskasse muss auf ein widerre chtliches Verhalten des Scha- denersatzpflichtigen zurückzuführen sein. Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicher ung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 schreibt vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit seinen eigenen Beiträgen de r Ausgleichskasse periodisch zu ent- richten hat. Diese werden von der Ausgleichskasse aufgrund der voraussichtlichen Lohnsumme festgesetzt, wobei die Arbeitgeber wesentliche Änderun gen der Lohnsumme während des Jah- res zu melden haben. Nach Ablauf einer Abrechnungsperiod e, welche jeweils das Kalenderjahr umfasst, nimmt die Ausgleichskasse aufgrund der Abrechn ung der Arbeitgeber den Ausgleich zwischen den geleisteten Akontobeiträgen und den tatsächli ch geschuldeten Beiträgen vor, wobei ausstehende Beiträge innert 30 Tagen ab Rechnung sstellung zu bezahlen sind (Art. 36 Abs. 3 und 4 AHVV). Diese Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlich-rechtliche Aufgabe. Dazu erklärte das Bundesgericht wie- derholt, dass die Nichterfüllung dieser öffentlich-rechtlichen Aufgabe eine Missachtung von Vor- schriften im Sinne von Art. 52 AHVG bedeute und die v olle Schadensdeckung nach sich ziehe (BGE 111 V 173 E. 2 und 118 V 195 E. 2a; Urteil des EVG vom 21. April 2006, H 157/05, E. 4.1; vgl. auch M ARCO REICHMUTH , Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG, Freiburg 2008, Rz. 504). Im vorliegend en Fall muss der GmbH insofern eine Missachtung von Vorschriften vorgeworfen werden, als sie in den Jahren 2013 und 2014 den ihr obliegenden Abrechnungs- und Zahlungsverpflichtungen nicht bzw. nur unvollständig nachge- kommen ist. Letztlich blieben Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der nun- mehr geltend gemachten Höhe von Fr. 47‘674.05 offen. Damit hat die GmbH gegen die ihr ob- liegenden gesetzlichen Pflichten als Arbeitgeberin ver stossen und damit öffentlich-rechtliche Vorschriften verletzt. 3.3. Zwischen dem bei der Ausgleichskasse eingetretenen S chaden und dem pflichtwidrigen Verhalten der Arbeitgeberin bzw. ihrer Organe muss sod ann ein adäquater Kausalzusammen- hang bestehen (BGE 119 V 406 E. 4a mit Hinweisen; Urt eile des Bundesgerichts vom 2. November 2012, 9C_369/2012 und 9C_370/2012, E. 7. 1; so auch Urteile des Kantonsge- richts vom 7. April 2016, 710 14 238/84, E. 6 und vom 10. Dezember 2015, 710 14 283/326, E. 3.4). Vorliegend ist offensichtlich, dass die Nichterf üllung der der GmbH als Arbeitgeberin obliegenden Pflicht zur vollständigen Begleichung der p aritätischen Sozialversicherungsbeiträ- ge für den bei der Kasse entstandenen Schaden kausal i st und dass ein derartiges Verhalten nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, den eingetretenen Erfolg zu bewirken. Der adäquate Kausalzusammenhang ist somit gegeben. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Art. 52 Abs. 1 AHVG setzt für die Haftbarkeit des Arbeitgebers voraus, dass die Miss- achtung von Vorschriften in absichtlicher oder grobfahrl ässiger Weise erfolgt ist. Sowohl den Arbeitgeber wie auch das allfällige Arbeitgeberorgan muss ein Verschulden treffen; verlangt wird somit ein doppeltes oder zweistufiges Verschulden (R EICHMUTH , a.a.O., Rz. 535). Das Bundesgericht geht in seiner Praxis allerdings davon aus, d ass bei Verletzung der Beitragszah- lungs- und Abrechnungspflicht ein Verschulden des Arbeit gebers grundsätzlich gegeben ist. Lediglich wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung de r einschlägigen Vorschriften als er- laubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen, entfällt eine Haftung (THOMAS NUSSBAUMER , Die Haftung des Verwaltungsrates nach Art. 52 AHVG [Haftung des Verwaltungsrates], in: AJP 1996 S. 1077 f. mit Hinweisen auf BGE 108 V 186 E. 1b und ZAK 1985 S. 576 E. 2). In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass fehlende finanzielle Mittel der Gesellschaft für sich allein keinen Rechtfertigungs- oder Entschuldigungsg rund darstellen, da ansonsten die Haf- tungsvorschrift von Art. 52 Abs. 1 AHVG weitgehend ihres Gehaltes entleert würde. Es liegen weder Anhaltspunkte vor noch werden solche geltend ge macht, die das fehlerhafte Verhalten der GmbH im Zusammenhang mit der Beitragsabrechnung und -ablieferung als gerechtfertigt erscheinen liessen, beziehungsweise ein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahr- lässigkeit ausschliessen würden. Besondere Umstände, welche die Verletzung der Beitragszah- lungspflicht ausnahmsweise als gerechtfertigt erscheinen lassen, sind jedenfalls nicht ersicht- lich. Dies wäre namentlich dann der Fall, wenn Sozialve rsicherungsbeiträge vorübergehend in der Absicht zurückbehalten worden wären, in einer schwi erigen finanziellen Situation die Exis- tenz des Unternehmens zu retten (BGE 108 V 187 E. 2). Solche Bemühungen – etwa die Einlei- tung von Sanierungsmassnahmen – sind hier nicht gegebe n. Es ist zudem festzuhalten, dass gerade in finanziell schwierigen Zeiten besonders auf d ie regelmässige Entrichtung der Sozial- versicherungsbeiträge zu achten ist, was eine ständige Über wachung der Abrechnungen und Zahlungen bedingt. So hielt das Bundesgericht wiederh olt fest, eine Arbeitgeberin dürfe bei fi- nanziellen Schwierigkeiten grundsätzlich immer nur so viel Lohn ausbezahlen, als die darauf unmittelbar entstehenden Beitragsforderungen gedeckt s eien (Urteil des Bundesgerichts vom 17. September 2007, 9C_111/2007, E. 3.1, mit Hinweisen). Somit steht fest, dass die Schaden- ersatzforderung ihre Ursache in einer Missachtung der Vo rschriften zur Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht hat. Da die Missachtung dieser Pflichten als schuldhaftes Verhalten zu qua- lifizieren ist, muss die Haftung der GmbH für den entstandenen Schaden bejaht werden. 4.1 Ist der Arbeitgeber eine juristische Person, die im Zeitpunkt der Geltendmachung der Haftung nicht mehr besteht oder infolge Konkurseröffnu ng nicht mehr belangbar ist, so können gegebenenfalls subsidiär die verantwortlichen Organe i n Anspruch genommen werden (BGE 123 V 15 E. 5b, 122 V 66 E. 4a, 119 V 405 E. 2 , 114 V 219 ff. E. 3). In BGE 129 V 11 ff. hat das Bundesgericht diese Rechtsprechung bestätigt und entschieden, dass kein Anlass be- stehe, von der konstanten Rechtsprechung zur Arbeitgeber-O rganhaftung abzuweichen (BGE 129 V 11 ff. E. 3 mit zahlreichen Hinweisen; vgl. zum Ganzen auch N USSBAUMER , Haf- tung des Verwaltungsrates, S. 1071 ff., insbesondere S. 1075 f.). 4.2 Bei der Prüfung der Organhaftung bei der Gesell schaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist zu beachten, dass die GmbH grundsätzlich eine dreiteilige Organisation aufweist: Von Gesetzes wegen sind als Organe die Gesellschafterversammlung (Art. 808 ff. des Bundes- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivil gesetzbuches [OR] vom 30. März 1911), die Geschäftsführung und Vertretung (durch all e Gesellschafter [sog. Selbstorganschaft] bzw. durch einzelne Gesellschafter oder durch Dritte [sog . Drittorganschaft], Art. 811ff. OR) so- wie die Kontrolle (entweder durch die nicht geschäftsf ührenden Gesellschafter oder durch eine Kontrollstelle, Art. 819 OR) vorgesehen. Grundsätzlich si eht das Gesetz in Art. 811 Abs. 1 OR die Selbstorganschaft vor, d.h. die Geschäftsführung u nd Vertretung erfolgt durch alle Gesell- schafter. In dieser Konstellation ist dann auch jeder Ges ellschafter zugleich Organ der Gesell- schaft (E RIC L. DREIFUSS /A NDRÉ E. LEBRECHT , Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Obligationenrecht II, Basel/Frankfurt am Main 1994, N 1 und 4 zu Art. 808). 4.3 Gemäss Art. 827 OR gelten für die Verantwortlichke it der bei der Gesellschafts- gründung beteiligten und der mit der Geschäftsführung und der Kontrolle einer GmbH betrauten Personen sowie der Liquidatoren die Bestimmungen über die Aktiengesellschaft analog. Die Kriterien, welche die Rechtsprechung für die Organhaft ung bei der Aktiengesellschaft gebildet hat, lassen sich daher auf die Organe einer GmbH übert ragen (vgl. THOMAS NUSSBAUMER , Das Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG [Schadenersatzverfahren], in: Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV , St. Gallen 1998, S. 104). Ist demnach eine GmbH als Selbstorganschaft organisiert, herrscht in Bezug auf Art. 52 AHVG Klarheit über die haftbaren Organe. Alle Gesellschafter sind in anal oger Anwendung von Art. 754 OR in Ver- bindung mit Art. 759 Abs. 1 OR sowohl der Gesellschaft a ls auch den Gesellschaftsgläubigern für den Schaden verantwortlich, den sie durch absichtlich e oder fahrlässige Verletzung der ihnen obliegenden Pflichten verursachen, wobei sie solida risch dafür haften, wenn sie für den gleichen Schaden verantwortlich sind (BGE 114 V 214 E . 3). In den Entscheiden 126 V 237 ff. und AHI-Praxis 2002 S. 172 ff. hat sich das damalige EV G sodann mit der Verantwortlichkeit von eingesetzten Geschäftsführern einer GmbH (im Sinne der Drittorganschaft nach Art. 812 OR) befasst. Es hat darauf hingewiesen, dass die Haftungsgrundsätze bei der AG nicht unbesehen auf die GmbH angewendet werden können. Na ch Art. 716 Abs. 2 OR führt der Ver- waltungsrat die Geschäfte der AG, soweit er diese nicht der Geschäftsführung übertragen hat. Wesentliche, in Art. 716a OR umschriebene Aufgaben ble iben indessen unübertragbar. Nach der geltenden gesetzlichen Regelung steht bei der AG som it die Verantwortung des Verwal- tungsrates im Vordergrund. Demgegenüber können Gesell schafter einer GmbH von Gesetzes wegen die Geschäftsführung als Ganzes übertragen (Dritto rganschaft nach Art. 812 OR). Für auf diese Weise eingesetzte Geschäftsführer gelten die Ve rantwortlichkeitsvorschriften von ge- schäftsführenden Gesellschaftern (Art. 812 Abs. 2 OR). Mithin können Geschäftsführer einer AG, die nicht zugleich Verwaltungsräte sind, nicht mit d enjenigen einer GmbH verglichen wer- den, welche nicht Gesellschafter sind. Die Verantwortlich keit der Geschäftsführung bei der GmbH geht weiter, weshalb es sich - so die Folgerung d es EVG - rechtfertigt, sie auch der for- mellen Organhaftung zu unterstellen (AHI-Praxis 2002 S. 173 E. 3c). 5.1 Gemäss den Handelsregisterauszügen war die Beschwerde führerin seit der Gründung der GmbH als deren Geschäftsführerin mit Einzelunterschr iftsberechtigung im Handelsregister eingetragen. Zwischen den Parteien ist deshalb zu Recht unbestritten geblieben, dass ihr in dieser Eigenschaft eine formelle Organstellung zugekommen ist. Uneinigkeit besteht indes über den Zeitpunkt, bis wann die Beschwerdeführerin kraft i hrer Organstellung einen massgebenden Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einfluss auf die GmbH ausüben konnte und damit, bis w ann sie für den der Kasse entstande- nen Schaden in zeitlicher Hinsicht zur Verantwortung gezogen werden kann. 5.2 Nach ständiger Rechtsprechung zu Art. 52 AHVG endet die Organstellung mit der tat- sächlichen Beendigung des Mandates oder dem Ausscheiden au s der Firma und nicht etwa erst mit der Löschung einer bestimmten Eintragung im Handelsregister (BGE 126 V 61). Identi- sches ergibt sich auch aus der Wegleitung über den Bezug d er Beiträge in der AHV, IV und EL (WBB; Stand 1. Januar 2018), wonach die Organstellung weder vom Handelsregistereintrag noch von der Unterschriftsberechtigung abhängt (a.a.O. , Rz. 8007), und der Zeitpunkt der Lö- schung im Handelsregister nicht entscheidend ist (a.a.O, Rz. 8009; vgl. auch AHI 2000 S. 283). Eine Person haftet demnach grundsätzlich nur für jenen Schaden, der durch die Nichtbezahlung von Beiträgen verursacht ist, die zu einem Zeitpunkt zur Zahlung anstanden und fällig waren, als sie eine formelle oder materielle bzw. faktische Org anstellung innehatte. Vorbehalten bleibt der Fall, in dem der Schaden durch Handlungen oder U nterlassungen verursacht worden ist, deren Wirkungen sich erst nach ihrem Rücktritt entfaltet h aben (BGE 126 V 61 E. 4a sowie REICHMUTH , a.a.O., Rz. 244 f. mit Hinweisen). Die Schadenersatz pflicht nach Art. 52 Abs. 1 AHVG reicht grundsätzlich mit anderen Worten nur soweit, als die betreffende Person in Bezug auf die nichtbezahlten Beiträge disponieren und Zahl ungen an die Ausgleichskasse veranlas- sen konnte (BGE 103 V 123 E. 5; Urteil des Bundesgerich ts vom 8. Oktober 2008, 9C_901/2007, E. 5.1, BGE 134 V 401). Das gilt jedenf alls in denjenigen Fällen, in denen die Betroffenen, nach ihrer Demission, keinen Einfluss mehr auf den Gang der Geschäfte und keine Entschädigung für ihre Organstellung mehr erhalten ha ben (BGE 126 V 61 E. 4a). Dem Zeit- punkt der Löschung im Handelsregister kommt dabei nur ei n – wenn auch gewichtiges – Indiz für den Austritt zu (BGE 109 V 93 E. 13; 112 V 4 E. 3c). Liegen die beiden Zeitpunkte ausei- nander, so muss die Loslösung von der Unternehmung bewei smässig erstellt sein, wobei eine faktische Organstellung solange andauert, bis eine tatsä chliche Einwirkung im Bereich des Bei- tragswesens ausgeschlossen werden kann (REICHMUTH , a.a.O., Rz. 244 f. mit Hinweisen). Aus- genommen hiervon sind jene Fälle, in welchen gewisse Ha ndlungen, die eine Person nach der Niederlegung ihrer Organstellung noch erbringt, nachwe islich einzig ihrer Mandatsliquidation dienen; auch diesfalls kann nicht mehr von einer faktische n Organstellung gesprochen werden. Weiter ist zu beachten, dass gesellschaftsrechtliche und ver tragsrechtliche Verhältnisse zwi- schen Organ und Gesellschaft auseinander gehalten werden müssen. Bei einem Rücktritt als Organ endet die Organstellung mit sofortiger Wirkung , auch wenn das Vertragsverhältnis – ins- besondere ihr Arbeitsvertrag – aufgrund von Kündigun gsfristen noch länger bestehen bleibt (REICHMUTH , a.a.O., Rz. 251 mit Hinweis). 5.3 Im Zusammenhang mit dem Austritt bzw. der Niederle gung der formellen Organstel- lung ging die Vorinstanz im angefochtenen Einspracheen tscheid davon aus, die Beschwerde- führerin sei erst im Zeitpunkt der handelsregisterrechtli chen Löschung per 30. Dezember 2014 als Geschäftsführerin aus der GmbH ausgeschieden. Demgegen über stellt sich die Beschwer- deführerin auf den Standpunkt, dass sie im Zeitpunkt des Gesellschaftsbeschlusses vom 15. Dezember 2014 aus der Gesellschaft ausgetreten, und damit bereits zwei Wochen zuvor auch ihre Unterschriftsberechtigung erloschen sei. Zur B egründung hat sie bereits im Ein- spracheverfahren eine öffentliche Urkunde vom 15. Dezemb er 2014 über die Beschlüsse der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gesellschaftsversammlung der GmbH ins Recht gelegt (Beilage 6 zur Replik). Daraus geht her- vor, dass die Beschwerdeführerin aus der Geschäftsführung der GmbH ausscheidet und ihre Zeichnungsberechtigung erlischt. Gleichzeitig wird im B eschluss festgehalten, dass ein neuer Geschäftsführer mit Einzelunterschrift gewählt wurde un d dieser die Annahme der Wahl erklärt hat. Der Beschluss präzisiert zwar keinen bestimmten Zeitpu nkt, auf den der Wechsel in der Geschäftsführung zu erfolgen hatte. Daraus vermag die Kasse jedoch nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Mangels anderweitiger Anhaltspunkte ist vie lmehr von einer sofortigen Wirkung des Beschlusses auszugehen. Einerseits liegen keine Hinweise vor, dass die Beschwerdeführerin nach dem 15. Dezember 2014 weiterhin irgendwelche Ha ndlungen als Geschäftsführerin vor- genommen hätte. Das Gegenteil ist der Fall: Die noch g leichentags erfolgte Meldung an das Handelsregisteramt hat bereits der neue Geschäftsführer unterzeichnet. Alleine diese Tatsache indiziert deutlich, dass der Wechsel in der Geschäftsführ ung sofort vollzogen worden und die Beschwerdeführerin mit sofortiger Wirkung am 15. Deze mber 2014 aus der GmbH ausgeschie- den ist. Hierfür sprechen sodann auch sowohl die ebenfa lls auf den 15. Dezember 2014 neu erlassenen Statuten der GmbH als auch die Sitzverlegung d erselben nach C.____. Letztere deckt sich mit der durch den neuen Geschäftsführer ebenf alls am 15. Dezember 2014 abgege- benen Domizilhalte-Erklärung. Zumal angesichts einer öffentlichen Beurkundung mitnichten von einer reinen Parteibehauptung ausgegangen werden kann (Vernehmlassung S. 2 a. E.), spre- chen all diese Umstände klarerweise dafür, dass eine tatsä chliche Einflussnahme auf die Ge- schicke der GmbH und mit ihr auch auf Entscheidungen im Bereich des Beitragswesens ab diesem Zeitpunkt durch die Beschwerdeführerin ausgeschlo ssen werden kann. Dass den vor- gelegten Statuten zufolge das Geschäftsjahr mit dem Kal enderjahr identisch ist, ändert daran nichts. Jedenfalls kann angesichts der Domizilhalte-Erkläru ng per 15. Dezember 2014 gerade nicht darauf geschlossen werden, die neue Geschäftsführ ung habe ihre Aufgaben erst per 1. Januar 2015 aufgenommen. Der Kasse ist zwar zuzustimmen, d ass der Austritt der Beschwer- deführerin in ihrer Eigenschaft als Geschäftsführerin erst mit Wirkung ab 30. Dezember 2014 im Handelsregister vermerkt worden ist. Rechtsprechungsgemäss hat die ausgeschiedene Ge- schäftsführerin im Hinblick auf den Schutz des guten Glaub ens Dritter für allfällige Folgen ihrer Handlungen oder Unterlassungen nach dem 15. Dezember 20 14 jedoch nicht mehr einzu- stehen. Ihre Organverantwortlichkeit, für die Bezahlu ng geschuldeter Sozialversicherungsbei- träge zu sorgen, beruht gemäss Art. 52 AHVG auf einer gesetzlichen Pflicht. Damit aber unter- scheidet sich die Situation der Kasse wesentlich von derje nigen eines privaten Gläubigers, der ausschliesslich auf der Grundlage einer handelsregisterrechtlich ausgewiesenen Besetzung der Organe die Bonität einer Gesellschaft einzuschätzen und sich gestützt darauf zu entschliessen hat, ob er mit dieser Geschäfte einzugehen bereit ist (BGE 126 V 61, E. 4a). Damit muss es sein Bewenden haben. Es ist mithin von einem Austritt d er Beschwerdeführerin als Geschäfts- führerin bereits per 15. Dezember 2014 auszugehen. 6.1 Uneinigkeit zwischen den Parteien besteht sodann im Zusammenhang mit dem Entste- hen einerseits und der Fälligkeit von Beitragsforderung en andererseits. Wie es sich damit im Detail verhält, kann offen bleiben. Eine Person hafte t grundsätzlich nur für jenen Schaden, der durch die Nichtbezahlung von Beiträgen verursacht ist, d ie zu einem Zeitpunkt zur Zahlung an- standen und fällig waren, als sie noch immer eine Organstellung innehatte. Vorbehalten bleiben allerdings jene Fälle, in denen der Schaden durch Han dlungen oder Unterlassungen verursacht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht worden ist, deren Wirkungen sich erst nach ihrem Rücktritt entfaltet haben (BGE 126 V 61 E. 4a sowie REICHMUTH , a.a.O., Rz. 244 f. mit Hinweisen; oben, Erwägung 5. 2). Ausnahmsweise be- steht eine Haftung deshalb namentlich auch für Beitrag sschulden, welche nach dem Ende der eigentlichen Dispositionsbefugnis entstehen, weil Beiträge nicht bezahlt worden sind. Ein Rück- tritt als Organ ist der höchstrichterlichen Rechtsprechun g zufolge daher nicht in jedem Fall und nicht ohne weiteres als Exkulpationsgrund zu betrachten. Würde ein solches Verhalten per se einen Entlastungsgrund darstellen, würde Art. 52 AHVG seines Gehalts weitgehend entleert (Urteil des Eidgenössisches Versicherungsgericht [EVG] vom 2 6. Februar 2003, H 91/00). Zu prüfen ist daher, ob die Beschwerdeführerin durch eine vorsätzliche oder grobfahrlässige Hand- lung bzw. Unterlassung bewirkt hat, dass die Beiträge für das Jahr 2014 nicht bezahlt wurden. 6.2 Art. 35 Abs. 2 AHVV in der seit 1. Januar 2001 ge ltenden Fassung verpflichtet die Ar- beitgeber, der Ausgleichskasse wesentliche Änderungen de r Lohnsumme auch während des laufenden Jahres zu melden. Als wesentliche Änderung gi lt eine Abweichung der jährlichen Lohnsumme im Umfang von mindestens 10% von der ursprün glichen, voraussichtlichen Lohn- summe. Abweichungen unter Fr. 20‘000.— müssen die Arbei tgebenden nicht melden (WBB, Rz. 2048). Die Akontobeiträge werden in der Folge für künftige Zahlungsperioden neu festge- setzt. Sind für bereits abgelaufene Zahlungsperioden zu wenig Beiträge entrichtet worden, so kann die Ausgleichskasse diese entweder separat in Rechnun g stellen oder die Akontobeiträge für die künftigen Zahlungsperioden entsprechend erhö hen. Nach Ablauf des Kalenderjahres werden die Akontobeiträge nicht mehr rückwirkend angepasst. Die ausstehenden Beiträge wer- den vielmehr im Rahmen des Ausgleichsverfahrens gemäss Art. 36 AHVV eingefordert, wobei die Ausgleichskasse die Differenz auch sofort in Rechnung stellen kann, sofern es ihr aufgrund der Umstände nötig erscheint (WBB, Rz. 2053 ff.). Hinte rgrund dieser Anpassung der Beiträge während des Jahres ist das Ziel, eine zu grosse Abweichun g der Akontobeiträge von den ge- schuldeten Beiträgen zu verhindern (WBB, Rz. 2051). 6.3 Im vorliegenden Fall wurde der Kasse anlässlich der Rekapitulation der Lohnmeldung 2013 am 17. Januar 2014 für das Jahr 2014 eine voraussi chtliche Lohnsumme von Fr. 150‘000.— gemeldet (Beilagen 12 und 13 zur Verne hmlassung). Gestützt auf eine telefoni- sche Meldung vom 11. April 2014, wonach die Lohnsumme 2 014 im Moment Fr. 0.— betrage, erfolgte gleichentags eine rückwirkende Korrektur im entsp rechenden Umfang (Beilage 11 zur Vernehmlassung). Am 5. August 2014 meldete die Beschwe rdeführerin der Kasse wieder eine Erhöhung der voraussichtlichen Lohnsumme für das Jahr 201 4 und bezifferte diese für das ganze Jahr auf Fr. 100‘000.— (Beilage 9 zur Vernehmlassu ng). Ende August 2014 hatte die Lohnsumme indes den Betrag von knapp Fr. 114‘000.— er reicht (Beilagen 3 und 5 zur Ver- nehmlassung). Damit war bereits nach acht Monaten eine Lohnsumme angefallen, welche die knapp einen Monat zuvor gemeldete Jahreslohnsumme wieder um mehr als 10% überstieg. Die Beschwerdeführerin hätte der Kasse im Zeitpunkt ihrer letzten Meldung am 5. August 2014 da- her eine deutlich höhere Jahreslohnsumme für 2014 mel den müssen. Daran vermag nichts zu ändern, dass Abweichungen unter Fr. 20‘000.— nicht geme ldet werden müssen. Aus den Lohnsummenmeldungen der GmbH ergibt sich nämlich, dass d ie konkursite GmbH offenbar bereits im August 2014 umfangreiche Arbeiten zu verr ichten hatte, für welche im Vergleich zur Zeit zuvor just im August 2014 deutlich mehr Arbeitnehmer angestellt waren (Beilage 3 zur Ver- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nehmlassung). In ihrer Rekapitulation der Lohnmeldung 2013 hatte die GmbH am 17. Januar 2014 angegeben, über kein BVG-pflichtiges Personal zu ve rfügen, weil jeweils nur für drei Mo- nate befristete Arbeitsverhältnisse vorliegen würden. D iese Auskunft erwies sich nicht nur mit Blick auf die Beschwerdeführerin selbst, sondern auch hin sichtlich weiterer Arbeitnehmer aber als offensichtlich unzutreffend (Beilage 3 zur Vernehmlassung). Als Geschäftsführerin muss der Beschwerdeführerin generell eine massgebende Kenntnis betreffend den allgemeinen Ge- schäftsgang der GmbH angerechnet werden. Es erschiene deshalb realitätsfremd annehmen zu wollen, sie hätte in dieser Eigenschaft nicht bereits a nfangs August 2014 insbesondere über jene Arbeiten Bescheid gewusst, welche bereits rund drei Wochen später zu deutlich höheren Lohnzahlungen geführt haben. Identisches gilt in Bezug auf die im Zusammenhang mit den Auf- trägen ab September 2014 ausbezahlten Löhne. Dabei i st zu berücksichtigen, dass es sich bei der konkursiten GmbH um ein kleines Unternehmen gehandel t hat. Folglich war von der Be- schwerdeführerin als einzelzeichnungsberechtigte Geschäfts führerin umso mehr zu erwarten, dass sie nicht nur den grundsätzlichen Überblick über alle wesentlichen Belange der operativen Geschäfte, sondern bereits anfangs August 2014 auch über die noch anstehenden Arbeiten ab August 2014 und damit schliesslich auch über die gegenüber der Kasse approximativ zu verab- gabenden Sozialversicherungsbeiträge für das ganze Jahr 20 14 haben musste. Anderes anzu- nehmen besteht keine Veranlassung, weil die Beschwerdefüh rerin mit der Abrechnungs- und Beitragszahlungspflicht gegenüber der Kasse persönlich bef asst war (Beilage 9 zur Vernehm- lassung) und ein nicht unbeachtlicher Anteil des im Jahr 2014 beschäftigten Personals durch- gehend von August bis November 2014 angestellt war (Beilage 3 zur Vernehmlassung). Es darf und muss angenommen werden, dass die Beschwerdeführerin mit Blick auf die ab August 2014 erhöht angefallenen Löhne im Zusammenhang mit den bi s Ende des Jahres anstehenden Auf- trägen der GmbH bereits anfangs August 2014 weitgehen de Kenntnis über die abgeschlosse- nen sowie noch abzuschliessenden Arbeitsverträge für das laufende Jahr gehabt hat. 6.4 Damit ist zugleich gesagt, dass die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der ihr obliegenden Lohnsummenanpassung vom 5. August 2014 gehalten gewesen wäre, eine appro- ximative Schätzung der per 2014 noch anfallenden Lohnsu mme anzugeben und dabei zumin- dest auf der Basis der für die Zeit bis Ende August 2014 bereits am 5. August 2014 ersichtli- chen Lohnsumme eine Hochrechnung der Lohnsumme nach Ar t. 35 Abs. 2 AHVV vorzuneh- men. Dies aber hat sie in widerrechtlicher Weise unterla ssen. Anders zu entscheiden bedeute- te, dass eine Gesellschaft die zu bezahlenden Beiträge le tztlich eigenmächtig nach ihrem Gut- dünken festsetzen und ungeachtet der tatsächlich zu veranl agenden Rechnungen beliebige Beiträge bezahlen könnte (SVR 2003 AHV Nr. 1). Jeden falls kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Erhöhung der approximativen Jahres-Lohn summe um mindestens 10% erst im Verlauf des späteren Herbstes 2014 hinreichend erstell t war (Beschwerdebegründung, Ziffer 32). Ohne weiteres zu bejahen ist in diesem Zusammenha ng auch der Kausalzusammenhang zwischen dem Zurückbehalten der auf der Basis einer korrekt en Lohnsummenmeldung ge- schuldeten Lohnbeiträge und dem letztlich eingetretenen Schaden. Hintergrund bildet der Um- stand, dass es nicht zum Beitragsausfall kommen kann, so lange das verantwortliche Organ nur so viele Löhne zur Auszahlung kommen lässt, als es ihm auch möglich ist, die darauf ex lege entfallenden Sozialversicherungsbeiträge zu begleichen (R EICHMUTH , Rz. 775 mit Hinweisen). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auch bestehen keine Anhaltspunkte, dass der Schaden in F orm ausgebliebener Beiträge mit mindestens hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin eingetreten wäre (oben, Erwägung 3.3 hiervor). 6.5 Nachdem die Gesellschaft bis Ende August 2014 Brutto -Löhne im Umfang von Fr. 138‘324.— zu verbuchen hatte, hätte die Beschwerdefü hrerin in ihrer Eigenschaft als opera- tive Leiterin der GmbH demnach bereits anfangs August 2 014 erkennen und melden müssen, dass die GmbH auf dieser Basis für das laufende Kalender jahr eine approximative Lohnsumme von Fr. 207‘486.— zu verabgaben haben würde (Fr. 138‘3 24.— dividiert durch acht Monate hochgerechnet auf zwölf Monate). Eine derartige Hochr echnung mindestens in diesem Umfang vorzunehmen wäre ohne weiteres möglich gewesen. Am entspr echenden Vorwurf ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde be hauptet, während des laufenden Kalenderjahrs keinen Lohn ausbezahlt erhalten zu habe n. Einerseits widerspricht dieser Ein- wand den Akten (Beilage 3 und 5 zur Vernehmlassung). Z umal von ihr nicht geltend gemacht worden ist, auf ihren Lohn zwecks finanzieller Überbrückung von Verbindlichkeiten verzichtet zu haben, erscheint es andererseits als wenig überzeugend, dass die Beschwerdeführerin wäh- rend Monaten ihre Arbeit als Geschäftsführerin ohne j eglichen Lohnanspruch verrichtet hat. Dabei ist in Erinnerung zu rufen, dass für den Zeitpu nkt des Entstehens der Beitragsforderun- gen gegenüber der Kasse auf jenen Zeitpunkt abzustellen ist, in welchem das Erwerbseinkom- men des befristet und auftragsbedingt neu angestellt en Personals für dessen geleistete Arbei- ten tatsächlich realisiert worden ist (BGE 111 V 61). G leiches gilt auch für das Salär der Be- schwerdeführerin selbst. Ob sie die Lohnsumme bewusst tie f gehalten hat oder nicht, kann bei diesem Zwischenergebnis offen bleiben. So oder anders li egt in der falschen Lohnsummenmel- dung und mit ihr in der Missachtung der in Art. 35 Abs. 2 AHVV statuierten Meldepflicht ein qua- lifiziert schuldhaftes Verhalten und damit eine Grobfä hrlässigkeit. Daran vermag auch der Ver- weis der Beschwerdeführerin auf eine analoge Anwendung der Rechtsprechung zum Verschul- den bei Beitragsausständen von kurzer Dauer (Replik, S. 1 0) nichts ändern, weil sie im Zeit- punkt ihrer Lohnsummenanpassung am 5. August 2014 berei ts deutlich noch vor Ablauf des Kalenderjahres verpflichtet gewesen wäre, der Kasse eine approximative Lohnsumme im ge- nannten Umfang über Fr. 200‘000.— zu melden. Soweit d ie Beschwerdeführerin mit Blick auf ihre Exkulpation schliesslich auf das im vorliegenden Beschwe rdeverfahren eingereichte Urteil des Obergerichts des Kantons Uri vom 19. November 2010 (OG V 09 49) verweist, kann ihr nicht gefolgt werden. Die entsprechende Erwägung des Ob ergerichts Uri (a.a.O., E. 3b), wo- nach die Differenz zwischen der Summe der geleisteten Ak ontozahlungen und den für das Ka- lenderjahr definitiv geschuldeten Beiträgen nicht zum Vorwurf berechtigt, der Arbeitgeber habe schwerwiegend gegen seine Obliegenheiten verstossen, indem er während des laufenden Jah- res die Höhe der Zahlungen nicht an steigende Lohnsumme n angepasst habe, stützt sich noch auf die noch vor der Novelle von Art. 35 AHVV ergangene Rechtsprechung (AHI-Praxis 1993 S. 165; ZAK 1992 S. 246 E. 3b). Sie ist daher für den hier zu beurteilenden Fall nicht einschlägig. 6.6 Wäre die Beschwerdeführerin ihrer Verpflichtung n achgekommen, am 5. August 2014 korrekterweise eine Lohnsumme von Fr. 207‘486.— zu melden , hätte die Kasse in Nachach- tung von Art 34 Abs. 1 lit. a AHVV die Zahlungsperiode n mit überwiegender Wahrscheinlichkeit monatlich angesetzt und die für die bis zu diesem Zeitp unkt hin abgelaufenen Quartalsperioden zu wenig entrichteten Beiträge entweder separat in Re chnung gestellt oder die künftigen Akon- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht tobeiträge ab diesem Zeitpunkt für September bis Dezem ber 2014 entsprechend erhöht (WBB, Rz. 2053). Daran zu zweifeln besteht alleine schon deshal b kein Anlass, weil die Kasse unmit- telbar nach Erhalt der (unzutreffenden) Lohnsummenänd erung vom 5. August 2014 reagiert und ihre Akontobeiträge sogleich mit Rechnungen vom 7. August 2014 veranlagt hat (Schaden- ersatzverfügung vom 20. März 2017, S. 2). Gleichzeitig aber ist mit Blick auf die letzte, hypothe- tische Monatsrechnung für Dezember 2014 davon auszugehen, dass diese – wie auch die tat- sächlich ergangene Quartalsrechnung vom 12. Dezember 2014 – erst nach dem Austritt der Beschwerdeführerin als Geschäftsführerin der GmbH fäll ig geworden wäre. Die Beschwerde- führerin kann deshalb nicht mehr für die Begleichung j ener Akonto-Rechnungen haftbar ge- macht werden, deren Fälligkeit per 31. Dezember 2014 und mit ihr die entsprechende Zah- lungsverpflichtung erst am 10. Januar 2015 eingetreten wäre (oben, Erwägung 5.3 hiervor). Damit resultiert, dass ausgehend von einer approximati ven Lohnsumme per 2014 von Fr. 207‘486.— eine Schadenersatzhaftung der Beschwerdefüh rerin lediglich für die Monate Ja- nuar bis und mit November 2014 auf der Basis einer Lohn summe von Fr. 190‘196.— (Fr. 207‘486.— dividiert durch 12 x 11 Monate; zuzüglich Verwaltungskosten) bejaht werden kann (BGE 109 V 86). 6.7 Es verbleibt, über die Haftung der Beschwerdeführe rin für die gemäss Tilgungsplan vom 22. Juli 2014 ausgebliebenen Sozialversicherungsbeiträge zu befinden. Zwischen den Par- teien ist unbestritten geblieben, dass die Beschwerdefüh rerin während der Dauer ihrer Ge- schäftsführung der GmbH alle Ratenzahlungen stets fristg erecht zur Zahlung veranlasst hat. Daran ist festzuhalten. Die Kasse stellt sich in diesem Zusammenhang allerdings auf den Standpunkt, dass die Beschwerdeführerin ebenfalls für die im Anschluss noch offenen Schul- den im Umfang von Fr. 4‘000.— haftbar sei, nachdem der Tilgungsplan am 16. Dezember 2014 aufgehoben und der in diesem Zeitpunkt noch offene Re stbetrag ex tunc wieder zur Zahlung fällig geworden sei. Dieser Auffassung kann nicht gef olgt werden. Ein Zahlungsaufschub be- wirkt die Stundung nach Massgabe des Tilgungsplans (WBB, Rz. 2205). Die ganze Beitrags- schuld wird erst wieder fällig, wenn die Beitragsschuld enden den Tilgungsplan nicht einhalten (Art. 34b AHVV; WBB, Rz. 2207). Eine Fälligkeitswirkung ex tunc ist damit klarerweise nicht verbunden, was sich alleine schon daraus ergibt, dass dem B eitragspflichtigen mit einem Til- gungsplan zuvor ein Abweichen von den ordentlichen Za hlungsterminen zugestanden worden ist (BGE 124 V 253). Entgegen dem von der Kasse vertr etenen Standpunkt ist der Eintritt einer neuen Fälligkeit deshalb sehr wohl von Bedeutung (Ver nehmlassung, ad Ziffer 21-22). Erst da- nach konnte der Restbetrag von Fr. 4‘000.— von der Kasse wieder vollständig eingefordert werden. Nachdem der Zahlungsaufschub aber erst am 16. Dezember 2014 dahingefallen war, kann für die tags zuvor aus der GmbH als Geschäftsführeri n ausgeschiedene Beschwerdefüh- rerin im Zusammenhang mit der Restanz von Fr. 4‘000.— keine Haftung aus Art. 52 AHVG be- stehen. 6.8 Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis teilweise g utzuheissen und der angefochtene Einspracheentscheid ist dahingehend abzuändern, dass der g eschuldete Schadenersatz aus nicht bezahlten Sozialversicherungsbeiträgen (zuzüglich Ver waltungskosten) für die Zeit von Januar bis November 2014 auf der Basis einer Lohnsumme von Fr. 190‘196.— festzusetzen ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO in Verbindung mit Art. 61 lit. g ATSG kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug einer Anwä ltin oder eines Anwalts eine angemes- sene Parteientschädigung zugesprochen werden. Vorliegen d ist die Beschwerdeführerin mit ihrem Rechtsbegehren nur teilweise durchgedrungen. Dem Ausgang des Verfahrens entspre- chend ist ihr deshalb eine reduzierte Parteientschädigun g zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Basis bildet die Honorarnote des Rechtsvert reters der Beschwerdeführerin vom 9. Mai 2018, in welcher ein Zeitaufwand von 20,22 S tunden und Auslagen von insgesamt Fr. 10.30 ausgewiesen worden sind. Mit Blick auf den Streitwert des vorliegenden Verfahre ns hat die Beschwerdeführerin lediglich teilweise obsiegt. Damit rechtfertigt es sich, die in der Honorarnote ausgewiesenen Bemühun- gen ihres Rechtsvertreters im Umfang von total 22,2 St unden angemessen auf 15 Stunden zu kürzen. Diese sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.— zu en tschädigen und mangels Spezifizie- rung in der Honorarnote je hälftig auf die Jahre 20 17 und 2018 zu schlagen. Hinzu kommen die in der Honorarnote für das gerichtliche Beschwerdeverfa hren ausgewiesenen Auslagen von Fr. 10.30, welche dem Jahr 2018 zuzuordnen sind. Damit ist der Beschwerdeführerin für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine reduzierte Parteie ntschädigung in der Höhe von Fr. 4‘055.45 (7,5 Stunden à Fr. 250.— zuzüglich 8% Mehrwer tsteuer; 7,5 Stunden à Fr. 250.— so- wie Auslagen von Fr. 10.30 zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer ) zu Lasten der Beschwerdegegne- rin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Ein- spracheentscheid der Ausgleichskasse Luzern vom 20. Oktobe r 2017 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdefü hrerin der Ausgleichskasse Luzern einen Schadenersatz aus nicht bezahl ten Sozialversicherungsbeiträgen (zuzüglich Verwaltungskosten) für die Zeit von Januar bis November 2014 basierend auf einer Lohnsumme von Fr. 190‘196.— schuldet. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer ei ne reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4‘055.45 (inkl . Auslagen und 8% bzw. 7,7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht