Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 7. August 2018 (460 18 107) __________________________________________________________________ Strafrecht Mehrfache einfache Körperverletzung etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref. ), Richter Dominique Steiner; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Berufungsklägerin A.____ , Privatkläger B.____ , Privatklägerin C.____ , Privatkläger D.____ , Privatkläger gegen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht E.____ , vertreten durch Advokatin Martina Horni, Steinenschanze 6, 4051 Basel, Beschuldigter Gegenstand Mehrfache einfache Körperverletzung etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiu ms Basel- Landschaft vom 2. November 2017 Sachverhalt A. Mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Lands chaft vom 2. November 2017 wurde E.____ des versuchten Diebstahls sowie des Raufhand els schuldig erklärt und, als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 2. Juli 2012, zu einer be- dingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 9 Monaten, bei einer Probezeit von 3 Jahren, verurteilt, dies unter Anrechnung der vom 29. bis zum 30. Novem ber 2016 ausgestandenen Untersu- chungshaft von 2 Tagen (Ziffer 1 des Urteilsdisposi tivs). Demgegenüber wurde das Verfahren wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs zufol ge Eintritts der Verjährung eingestellt (Ziffer 2) und der Beschuldigte von der Anklage der mehrfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziffer 1 StGB freigesprochen (Ziffer 3). F erner wurde gemäss Dispositiv-Ziffer 4 das beim Beschuldigten beschlagnahmte Bargeld in Höhe von CHF 1‘000. ‒ gemäss Art. 267 Abs. 3 StPO eingezogen und gemäss Art. 442 Abs. 4 StPO an die Verfahrenskosten angerechnet. Die geleistete Sicherheitsleistung in Höhe von CHF 10‘0 00. ‒ wurde gemäss Art. 239 Abs. 1 StPO unter Aufhebung der diesbezüglichen Ersatzmassnahme mit sofortiger Wirkung freigegeben und das Geld auf das Konto der amtlichen Verteidige rin zuhanden der berechtigten Personen überwiesen (Ziffer 5). Des Weiteren wurden die Zivi lforderungen von B.____ und D.____ in An- wendung von Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Ziv ilweg verwiesen (Ziffer 6). Die Verfahrenskosten von insgesamt CHF 6‘458. ‒ gingen in Anwendung von Art. 426 StPO zu Las- ten des Beschuldigten (Ziffer 7). Schliesslich wurd en die Kosten der amtlichen Verteidigung in Höhe von gesamthaft CHF 7‘326.95 (inkl. Auslagen un d 8% Mehrwertsteuer), unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung des Beschuldigten nac h Art. 135 Abs. 4 StPO, aus der Ge- richtskasse entrichtet (Ziffer 8). B. Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft mit Eingabe vom 6. November 2017 die Berufung an. Mit bereits begrü ndeter Berufungserklärung vom 12. März 2018 stellte die Staatsanwaltschaft folgende Rechtsbegehren: "1. In teilweiser Abänderung von Ziff. 1 des Urt eils vom 6. November 2017 [recte: Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. November 2017] sei der Beschuldigte zu einer unb edingt vollziehbaren Frei- heitsstrafe von zwölf Monaten zu verurteilen. 2. In Ergänzung des Urteils vom 6. November 2017 [recte: 2. November 2017] sei der Beschuldigte gestützt auf Art. 66a bis StGB für fünf Jahre des Landes zu ver- weisen. 3. Unter o/e-Kostenfolge." C. Demgegenüber beantragte der Beschuldigte in seiner Berufungsantwort vom 28. Juni 2018 Folgendes: "1.) Es sei die Berufung der Staatsanwaltschaft Basel-La ndschaft vom 6. November 2017 vollumfänglich abzuweisen und demgemäss das Ur teil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 2. November 2017 zu bestätigen. 2.) Es sei Herrn E.____ für das vorliegende Beru fungsverfahren die amtliche Vertei- digung mit der Unterzeichnenden zu gewähren. 3.) Unter o/e Kostenfolge." D. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügungen der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft betrifft, so wurde mit Verfügung vom 11. April 2018 festge- stellt, dass der Beschuldigte und die Privatkläger weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben haben. Ferner ordnete der Präsident des Kan tonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, mit Verfügung vom 25. April 2018 gestüt zt auf Art. 406 Abs. 2 lit. a und lit. b StPO das schriftliche Verfahren an. Schliesslich wurde m it Verfügung vom 2. Juli 2018 konstatiert, dass die Privatkläger auf eine Stellungnahme zur be gründeten Berufungserklärung der Staats- anwaltschaft vom 12. März 2018 verzichtet haben. Erwägungen I. F ORMELLES Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanz licher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (Art. 398 Abs. 1 StPO). Das Urteil des Strafge- richtspräsidiums vom 2. November 2017 ist demgemäss mit Berufung anfechtbar. Die Zuständigkeit der Dreierkammer der Abteilung Strafrecht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt si ch aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO in Verbin- dung mit § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einführu ngsgesetzes vom 12. März 2009 zur Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO; SGS 2 50). Die Legitimation der Staatsan- waltschaft zur Ergreifung des Rechtsmittels wird in Art. 381 Abs. 1 StPO normiert. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungs gericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Es kann zugunsten der be schuldigten Person auch nicht ange- fochtene Punkte überprüfen, um gesetzwidrige oder u nbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 StPO). Die Kognition des Berufungs gerichts ist gemäss Art. 398 Abs. 2 StPO weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht eingeschränkt (vgl. L UZIUS EUGSTER , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 398 N 1). Gemäs s Art. 398 Abs. 3 lit. a StPO können zu- nächst Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschr eitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, gerügt we rden. Lit. b sieht die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts und l it. c schliesslich die Unangemessenheit als Berufungsgrund vor. Zunächst ist die Berufung dem e rstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlic h anzumelden und danach dem Berufungsge- richt innert 20 Tagen seit der Zustellung des begrü ndeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen (Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO). Vorliegend hat die Staatsanwaltschaft gegen das Urt eil des Strafgerichtspräsidiums vom 2. November 2017 am 6. November 2017 fristgerecht d ie Berufung angemeldet. Das vor- instanzliche Urteil wurde ihr in der Folge am 2. Mä rz 2018 schriftlich begründet zugestellt, woraufhin sie mittels Eingabe vom 12. März 2018 die Berufungserklärung beim Kantonsgericht einreichte. Die Berufung ist somit rechtzeitig und formgerecht erhoben worden (vgl. Art. 399 Abs. 3 StPO). Das angefochtene Urteil stellt ein ta ugliches Anfechtungsobjekt dar, die von der Staatsanwaltschaft erhobenen Rügen sind zulässig un d sie ist ihrer Erklärungspflicht nachge- kommen, weshalb auf die Berufung der Staatsanwaltschaft einzutreten ist. II. M ATERIELLES A. Gegenstand des Berufungsverfahrens In casu liegt einzig eine Berufung der Staatsanwalt schaft vor; demgegenüber haben der Be- schuldigte sowie die Privatkläger weder Berufung no ch Anschlussberufung erhoben. Aufgrund des Berufungsgegenstandes gemäss der Berufungserklä rung der Staatsanwaltschaft vom 12. März 2018 stehen einzig die Höhe der vom Strafgerichtspräsid enten ausgesprochenen Freiheitsstrafe, die Gewährung des bedingten Strafv ollzugs sowie die Anordnung einer fakulta- tiven Landesverweisung gemäss Art. 66a bis StGB im Streit. Alle anderen Aspekte des Urteils des Strafgerichtspräsidiums vom 2. November 2017 (S chuldsprüche gemäss Urteilsdispositiv- Ziffer 1, Strafart der Freiheitsstrafe sowie Urteil sdispositiv-Ziffern 2–7) bilden demgegenüber nicht Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Die angefochtenen Punkte im Einzelnen 1. Strafzumessung 1.1 Die Berufung der Staatsanwaltschaft bezieht sich zunächst auf die Bemessung der Stra- fe, wobei sie die Verurteilung des Beschuldigten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten beantragt. Die Staatsanwaltschaft macht im Wesentlichen geltend, der Vorderrich- ter habe die Frage, ob der Beschuldigte den Diebsta hlsversuch vom 3./4. Juli 2010 zusammen mit einem weiteren Täter begangen habe und welche R olle ihm im Einzelnen zugekommen sei, zu Unrecht offen gelassen. Zudem sei er im Zweifel davon ausgegangen, der Beschuldigte ha- be keine führende Rolle innegehabt, was sich ebenfa lls als unzutreffend erweise. Der Vorderrichter habe die Tatsache, dass sich sämtlich e Aussagen des Beschuldigten in Bezug auf den angeblichen Mittäter "F.____" als unhaltbar erwiesen hätten, missachtet. Zudem habe am Tatort einzig die DNA des Beschuldigten festgest ellt werden können. All diese Indizien sprächen gegen eine Beteiligung eines Mittäters, we swegen es nicht nachvollziehbar sei, dem Beschuldigten gemäss dem strafprozessualen Grundsatz "in dubio pro reo" eine lediglich unter- geordnete Rolle beim Diebstahlsversuch zuzuschreibe n. Des Weiteren werde dem Beschuldigten in Bezug auf den Raufhandel zu Unrecht zugute gehalten, dass er an der eigent- lichen Schlägerei nicht mehr beteiligt gewesen sei. Diesbetreffend gelte es zu beachten, dass der Beschuldigte unstrittig der Initiator der Ausei nandersetzung gewesen sei, er mit der einge- tretenen Eskalation habe rechnen müssen sowie dass er das Lokal lediglich aufgrund des Eingreifens des Sicherheitspersonals frühzeitig ver lassen habe. Somit erweise sich das Ver- schulden des Beschuldigten sowohl in Bezug auf den Diebstahlsversuch wie auch in Bezug auf den Raufhandel als nicht unerheblich, weswegen in A nbetracht der Vielzahl seiner Vorstrafen eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten als der Tat und seinen persönlichen Verhältnissen ange- messen erscheine. 1.2 Der Beschuldigte erachtet demgegenüber zusammenge fasst die Erwägungen im vor- instanzlichen Urteil als zutreffend. In Bezug auf d en Raufhandel sei der Umstand, dass er die Auseinandersetzung ausgelöst habe, durch die Vorinstanz bereits zu seinen Lasten berücksich- tigt worden. 1.3 Die Berufungsinstanz fällt ein neues Urteil (vgl. A rt. 408 StPO) und hat die Strafe nach ihrem eigenen Ermessen festzusetzen. Unter dem Vorb ehalt des Verbots der "reformatio in peius" muss sie sich nicht daran orientieren, wie d ie erste Instanz die einzelnen Strafzumes- sungsfaktoren gewichtet hat (vgl. BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014, E. 6.2). 1.4.1 Wie sich aus den obigen Erwägungen ergibt, hat sich der Beschuldigte des versuchten Diebstahls sowie des Raufhandels schuldig gemacht. Vorab kann festgehalten werden, dass die Vorinstanz in casu die gesamte Strafzumessung p rinzipiell richtig und korrekt durchgeführt hat. So wurde auf sämtliche relevanten Kriterien (v gl. Art. 47 StGB) massgeblich und ausrei- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht chend eingegangen. Namentlich wurden das Verschulde n, das Vorleben, die persönlichen Ver- hältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Lebe n des Beschuldigten angemessen berücksichtigt. Es kann daher vorliegend vorab auf die zutreffenden Erwägungen des Strafge- richtspräsidenten (vgl. Urteil der Vorinstanz S. 11 –16; Art. 82 Abs. 4 StPO) verwiesen werden, denen sich die strafrechtliche Abteilung des Kanton sgerichts anschliesst. Im Folgenden werden hinsichtlich der Strafzumessung nur insoweit ergänz ende Ausführungen gemacht, als dies auf- grund der Einwendungen der Staatsanwaltschaft als erforderlich erscheint. Der Beschuldigte hat zugestanden, in G.____/BL zwis chen dem 3. Juli 2010, 16.00 Uhr, und dem 4. Juli 2010, 10.00 Uhr, gemeinsam mit einem Mi ttäter einen Diebstahlsversuch begangen zu haben (act. 515 ff., 525, 1229, Protokoll der vo rinstanzlichen Hauptverhandlung, S. 4, act. 1501). Der Strafgerichtspräsident führt zwar im Rahmen der Strafzumessung aus, es könne vorliegend offen gelassen werden, ob der Beschuldig te tatsächlich zusammen mit einem weite- ren Täter gehandelt habe und welche Rolle im Einzel nen dem Beschuldigten bei diesem Diebstahlsversuch zugekommen sei. Indem er aber in der Folge zum Schluss gelangt, im Zwei- fel könne "zugunsten des Beschuldigten nicht davon ausgegangen werden, dass dieser die führende Rolle bei diesem Diebstahlsversuch innehat te", ergibt sich, dass die Vorinstanz im Ergebnis von einem mittäterschaftlich begangenen Diebstahl ausgegangen ist. Diese Annahme ist in casu nach Auffassung der strafrechtlichen Ab teilung des Kantonsgerichts nicht zu bean- standen. Weder der Umstand, dass am Tatort einzig d ie DNA-Spuren des Beschuldigten gesichert werden konnten, noch dass die Ermittlunge n hinsichtlich des vom Beschuldigten ge- nannten Mittäters "F.____" nicht erfolgreich verlau fen sind, führen zur Erkenntnis, dass der Beschuldigte alleine gehandelt hat. Vielmehr ist de r Strafgerichtspräsident aufgrund des dies- bezüglichen Geständnisses des Beschuldigten zu Rech t von einer Tatbegehung mit einem Mittäter ausgegangen, was sich straferhöhend auswirkt, hat dann aber – mangels anderer kon- kreter Anhaltspunkte – gemäss dem strafprozessualen Grundsatz "in dubio pro reo" innerhalb des mittäterschaftlich durchgeführten Diebstahls zutreffend angenommen, dass der Beschuldig- te nicht in führender Rolle gehandelt hat. 1.4.2 Ebenso fehl geht die Sichtweise der Staatsanwaltsch aft, bezüglich des Raufhandels könne dem Beschuldigten im Rahmen der Strafzumessung als Initiator der Auseinandersetzung nicht zu Gute gehalten werden, dass er an der eigen tlichen Schlägerei nicht mehr beteiligt ge- wesen sei, da er das Lokal nur aufgrund des Eingrei fens des Sicherheitspersonals, somit unfreiwillig, frühzeitig verlassen habe. Innerhalb des weit gefächerten Tatbestands des Rauf- handels bestehen zwischen den Beteiligten naturgemä ss in den meisten Fällen höchst unterschiedliche Verantwortlichkeiten und Verschuld ensgrade. Der Beschuldigte muss sich zwar unbestrittenermassen anrechnen lassen, den Rau fhandel durch seine – für sich allein be- trachtet jedoch nicht als besonders gravierend zu b ezeichnenden – Tätlichkeiten gegenüber einer unbekannt gebliebenen Frau im Sinne der natür lichen Kausalität verursacht zu haben. Demgegenüber gilt es aber zu seinen Gunsten zu berü cksichtigen, dass er auf die nachfolgen- de heftige Auseinandersetzung keinerlei Einfluss me hr hatte, da er aufgrund des Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht einschreitenden Sicherheitspersonals das Lokal bereits verlassen hatte. Daran vermag auch die fehlende Freiwilligkeit seines Fortgehens nichts zu ändern. Insgesamt ist die Vorinstanz hin- sichtlich des Raufhandels zu Recht von einem eher l eichten Verschulden des Beschuldigten ausgegangen. 1.5 Ausgehend von der zutreffenden Strafzumessung des Vorderrichters ist somit gegen- über dem Beschuldigten eine schuldangemessene Freih eitsstrafe von 9 Monaten auszusprechen. 2. Bedingte Strafe 2.1 Das Gericht schiebt den Vollzug einer Strafe in d er Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht als notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Wurde de r Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbedingten Fre iheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt, so ist gemäss Art. 42 Abs. 2 StGB der A ufschub nur zulässig, wenn besonders güns- tige Umstände vorliegen. 2.2 Hinsichtlich der Gewährung des bedingten Strafvol lzugs hat die Vorinstanz nach Auffas- sung der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts zunächst zutreffend erwogen, dass der Grenzwert von Art. 42 Abs. 2 StGB von mehr als 6 Mo naten in casu lediglich durch eine mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 10. Juli 2014 in gesetzwidriger Weise ge- bildete Gesamtstrafe erreicht wird (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 27; Art. 82 Abs. 4 StPO). Im besagten Entscheid wurde von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt eine rechtskräftig ausge- sprochene Geldstrafe in eine Freiheitsstrafe umgewa ndelt, was im Rahmen der Bildung einer Gesamtstrafe gemäss Art. 46 Abs. 1 Satz 2 StGB nich t zulässig ist (vgl. BGE 137 IV 249, E. 3.4.3). Es erscheint deshalb mit dem Vorderricht er als angezeigt, Art. 42 Abs. 2 StGB vorlie- gend nicht zur Anwendung zu bringen, weswegen sich der Aufschub des Vollzugs einzig nach Art. 42 Abs. 1 StGB richtet. In formeller Hinsicht ist in Anbetracht der Strafhöhe der bedingte Vollzug der auszusprechenden Freiheitsstrafe möglic h. Aufgrund der anzuwendenden gesetzli- chen Regelung von Art. 42 Abs. 1 StGB wird eine gün stige Prognose vermutet. Die Vermutung kann jedoch widerlegt werden, wofür das Gesamtbild der Täterpersönlichkeit massgebend ist. Zu beachten sind die Tatumstände, das Vorleben, der Leumund und alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters u nd die Aussichten seiner Bewährung zulas- sen (BGE 136 IV 1 ff.). Der Beschuldigte weist zwar zahlreiche Vorstrafen ( insgesamt 5 in der Schweiz [act. 16.7 ff.], 4 in Frankreich [act. 43 f.] sowie 5 in Deutschland [act. 51 ff.]) auf, doch gilt es zu beachten, dass diese allesamt nicht einschlägig sind und teilweise bereits sehr weit zurückliegen. Nament- lich die Verurteilung in Deutschland wegen fahrläss iger Tötung durch das Amtsgericht Heilbronn vom 11. September 1997 wirkt sich aus die sem Grund vorliegend nicht mehr zu sei- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen Lasten aus. Überdies wurde der Beschuldigte bis her weder wegen Vermögensdelikten noch wegen Gewaltdelikten verurteilt. Ferner ist de m Beschuldigten zugute zu halten, dass er sich nunmehr ernsthaft um eine stabile und deliktsfreie Zukunft zu bemühen scheint. So zeigt er gewisse Anstrengungen, sich legal bei seiner Frau u nd seinen zwei Kindern in Deutschland aufzuhalten und für diese sorgen zu können. Aufgrun d der aktuellen Lebenssituation des Be- schuldigten erachtet das Kantonsgericht eine unbedi ngte Freiheitsstrafe in casu nicht als notwendig, um ihn von weiterer Delinquenz abzuhalte n, weswegen ihm für die auszufällende Freiheitsstrafe von 9 Monaten der bedingte Strafvollzug gewährt werden kann. Schiebt das Ge- richt den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so bestimmt es dem Verurteilten gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB eine Probezeit von 2 bis 5 Jahr en. Die Probezeit wird mit Blick auf das um- fangreiche Vorstrafenregister des Beschuldigten vorliegend auf 3 Jahre festgesetzt. 2.3 Das Urteil des Vorderrichters ist demnach bezügli ch des Strafmasses, der Gewährung des bedingten Strafvollzuges sowie der aufzuerlegen den Probezeit vollumfänglich zu bestäti- gen, was in diesen Punkten zur Abweisung der Berufung der Staatsanwaltschaft führt. 3. Landesverweisung 3.1 Hinsichtlich der Landesverweisung kam der Strafge richtspräsident zum Schluss, gegen- über dem Beschuldigten sei keine solche anzuordnen. Zur Begründung führte der Vorderrichter zusammengefasst aus, der Beschuldigte habe zwar kei ne eigentlich enge Beziehung zur Schweiz. Dennoch verfüge er über ein berechtigtes I nteresse daran, sich in die Schweiz zu be- geben, da er sich immer wieder – und in Zukunft mög licherweise dauerhaft – legal in der Grenzregion aufhalte und über Bekannte in der Schwe iz verfüge. Im Rahmen der gemäss Art. 66a bis StGB vorzunehmenden Abwägung stehe demnach ein lediglich geringes öffentliches Inte- resse an einer Landesverweisung einem nicht unerheb lichen Eingriff in die berechtigten Interessen und Persönlichkeitsrechte des Beschuldig ten gegenüber, weswegen Letztgenannte überwiegten. Eine Landesverweisung erscheine somit als unverhältnismässig. 3.2 Die Staatsanwaltschaft beantragt demgegenüber, der Beschuldigte sei in Anwendung von Art. 66a bis StGB für 5 Jahre aus der Schweiz zu verweisen. Ein e Landesverweisung in die- ser Höhe sei in casu zum Schutze der öffentlichen S icherheit notwendig. Die Staatsanwaltschaft stellt sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, der Strafgerichtspräsident habe die Abwägung der Interessen des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz gegen die Interessen der Öffentlichkeit an der Fernhaltung vo n kriminellen Ausländern im vorliegenden Fall unzutreffend vorgenommen. Der Beschuldigte sei offensichtlich nicht gewillt, sich an die geltende Rechtsordnung zu halten, was sich aus sein en Strafregisterauszügen ergebe. Sodann verfüge er über keine gefestigte Bindung zur Schwei z und beabsichtigte überdies hierzulande keinen regelmässigen Aufenthalt. Schliesslich habe der Beschuldigte auch nicht dargelegt, in- wiefern ihn eine Landesverweisung tatsächlich in na chvollziehbarer Weise schwer treffen würde. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3.1 Die Vorinstanz hat unter Ziffer III. ausführliche E rwägungen hinsichtlich der Vor- aussetzungen der Landesverweisung gemacht und dabei die massgeblichen Lehrmeinungen sowie die einschlägige Rechtsprechung – inklusive d es Leitentscheids der strafrechtlichen Ab- teilung des Kantonsgerichts vom 25. Juli 2017 (KGer 460 17 66) – zitiert. Diese Ausführungen wiederspiegeln den aktuellen Stand von Lehre und Re chtsprechung, sodass vorab – zwecks Vermeidung von Wiederholungen – darauf verwiesen we rden kann (S. 16–19; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zusammenfassend kann festgehalten werden, da ss die Landesverweisung gemäss Art. 66a ff. StGB rechtsdogmatisch als Massnahme mi t pönalem Charakter einzustufen ist. Aus diesem Grund steht die Frage der Verhältnismässigke it im Vordergrund, währenddem das Ver- schulden nur als eines von mehreren weiteren Kriterien herangezogen werden kann, keinesfalls aber ausschlaggebend ist. Da die Landesverweisung k eine Sanktion für vergangenes Fehlver- halten, sondern eine Massnahme zur Abwehr künftiger Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt, berücksichtigt das Kantonsge richt bei der Prüfung, ob eine Landesver- weisung auszusprechen ist, in Beachtung der bundesg erichtlichen Rechtsprechung zum Ausländerrecht (vgl. nur BGer 2C_935/2014 vom 11. M ai 2015, E. 2.1 ff.; 2C_160/2013 vom 15. November 2013, E. 2.2 ff.; 2C_310/2011 vom 17. November 2011, E. 3 ff.; BGE 135 II 377, E. 4.3 ff.) neben der Art der Tatbegehung, der krim inellen Energie, dem Zeitablauf seit der Tat- begehung und dem seitherigen Verhalten des Beschuld igten auch die Vorstrafen, die Zukunftsprognose, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, den Integrationsgrad, die beruf- lichen Perspektiven, die familiäre und soziale Bind ung zur Schweiz sowie die Möglichkeit der Wiedereingliederung des Beschuldigten im Herkunftsl and. Was die im Rahmen der Verhältnis- mässigkeitsprüfung beim Entscheid über die fakultat ive Landesverweisung vorzunehmende Güterabwägung betrifft, so ist das Interesse der be schuldigten Person an einem Verbleib in der Schweiz beziehungsweise an der Möglichkeit, in die Schweiz einreisen und sich in der Schweiz aufhalten zu können, den sicherheitspolizeilichen I nteressen der Schweiz an der Fernhaltung des Beschuldigten gegenüber zu stellen (A NDREAS DONATSCH , Kommentar StGB, 20. Aufl. Zü- rich 2018, Art. 66a bis N 2). 3.3.2 Eine Landesverweisung kommt nur in Betracht bei Str aftaten, die nach dem Inkrafttre- ten der Art. 66a ff. StGB am 1. Oktober 2016 begang en worden sind. Aufgrund des Rückwirkungsverbotes (vgl. Art. 2 StGB) darf demnac h der vom Beschuldigten am 3./4. Juli 2010 begangene versuchte Diebstahl vorliegend nicht als Anlasstat für eine Landesverweisung herangezogen werden. Demgegenüber hat der Beschuldigte am 29. November 2 016, mithin nach dem Inkrafttreten der Art. 66a ff. StGB, einen Raufhandel (Art. 133 Abs. 1 StGB) began- gen. Dieser stellt keine Katalogtat der obligatoris chen Landesverweisung nach Art. 66a StGB dar. Zu prüfen bleibt somit nachfolgend die fakulta tive Landesverweisung. Das Gericht kann gemäss Art. 66a bis StGB einen Ausländer für 3–15 Jahre des Landes verweisen , wenn er we- gen eines Verbrechens oder Vergehens, das nicht von Art. 66a StGB erfasst wird, zu einer Strafe verurteilt oder gegen ihn eine Massnahme nac h den Artikeln 59–61 StGB oder Art. 64 StGB angeordnet wird. Raufhandel stellt gemäss Art. 133 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 10 Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 3 StGB ein Vergehen dar. Folglich liegt mit de m vom Beschuldigten begangenen Rauf- handel grundsätzlich eine Anlasstat vor, die eine fakultative Landesverweisung zur Folge haben kann. 3.3.3 Da es sich bei der fakultativen Landesverweisung um eine Massnahme handelt, gilt es, diese Massnahme auf ihre Verhältnismässigkeit hin zu überprüfen. Das Kantonsgericht erachtet in casu eine fakultative Landesverweisung fraglos als geeignet, um den Beschuldigten vom wei- teren Delinquieren in der Schweiz abzuhalten. 3.3.4 Was das Verschulden betrifft, so kann dem Beschuldi gten zwar ein eher leichtes attes- tiert werden. Wie bereits unter E. 3.3.1 ausgeführt worden ist, spielt dieses geringe Verschulden im vorliegenden Kontext allerdings nur eine unterge ordnete Rolle und hat keinen entscheiden- den Einfluss auf die Frage, ob eine fakultative Landesverweisung verhältnismässig erscheint. 3.3.5 Die Vorinstanz bescheinigt dem Beschuldigten aufgru nd seines Wohnorts im deutschen X.____ in der Grenzregion Basel ein berechtigtes In teresse, sich in die Schweiz zu begeben. Diesbezüglich ist indessen anzumerken, dass die Übe rlegung des Vorderrichters – welche hin- sichtlich der Landesverweisung letztlich zu einer P rivilegierung von nahe an der Schweizer Grenze im Ausland wohnhaften Beschuldigten führen w ürde – nicht als sachgerecht erscheint. Vielmehr ist eine Landesverweisung grundsätzlich un abhängig vom aktuellen Wohnort eines Beschuldigten zu beurteilen. 3.3.6 Der 30-jährige Beschuldigte weist keine enge Bindun g zur Schweiz auf. Er stammt aus dem Kosovo und verfügt über die serbische Staatsangehörigkeit. Zudem ist er mehrfach sowohl in der Schweiz (vgl. act. 11 ff.) wie auch in Deuts chland (act. 51 ff.) und Frankreich (vgl. act. 43 f.) vorbestraft. Ferner hat der Beschuldigte selber angegeben, mehrfach illegal in Deutschland gewesen zu sein und dort teilweise schwarz gearbeitet zu haben. Sodann hat er gemäss seinen eigenen Depositionen auch in der Schweiz mit Touris tenstatus als Gerüstbauer ohne entspre- chende Bewilligung gearbeitet (vgl. act. 231). Der Beschuldigte hat zudem mehrfach zu Protokoll gegeben, dass eine Landesverweisung für i hn keine einschneidenden Folgen nach sich ziehen würde. So erklärte er anlässlich der Ei nvernahme zur Person vom 9. Februar 2017, wenn er die Schweiz nicht mehr betreten dürfte, so hätte dies keine Konsequenzen für ihn. Er wäre zwar darüber "nicht glücklich", aber eine Rück kehr in sein Heimatland wäre für ihn "nicht schlimm" (act. 233). Vor dem Strafgerichtspräsident en sagte der Beschuldigte auf Vorhalt einer möglichen Landesverweisung aus, eine solche wäre fü r ihn "schade", da er sich inskünftig in der Grenzregion zur Schweiz aufzuhalten gedenke. Er verfüge zudem über zahlreiche Bekann- te in der Schweiz (act. 1499 ff.). Im Schlusswort v or dem Strafgerichtspräsidenten legte der Beschuldigte dar, er sehe seine Zukunft in Deutschland und wolle für seine Frau und seine Kin- der da sein (act. 1507). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3.7 Im Rahmen der Güterabwägung ist festzustellen, da ss der Beschuldigte überhaupt kei- ne Bindung zur Schweiz aufweist und eine Landesverw eisung seine familiären Beziehungen und seinen gewählten Wohnsitz in Deutschland in kei ner Weise tangiert. Mithin vermag er kei- nen tatsächlichen Nachteil aufgrund der Verhängung einer Landesverweisung darzulegen. Daher bedeutet eine Landesverweisung für ihn nicht einmal ansatzweise eine besondere Härte. Sein Interesse an einem ohnehin nur gelegentlichen Aufenthalt bzw. Besuch in der Schweiz ist als sehr gering einzustufen. Demgegenüber stellt de r Beschuldigte angesichts seines bisheri- gen Verhaltens eine unerwünschte Gefährdung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung dar. Wie die Staatsanwaltschaft zu Recht vorbringt, soll en nicht nur Kriminaltouristen, sondern auch Ausländer, welche sich dauerhaft oder gelegentlich in der Schweiz aufhalten und dabei bereits deliktisch tätig wurden und dies künftig erneut wer den könnten – wie es beim Beschuldigten aufgrund seiner Vorgeschichte ohne Zweifel mit eine r erhöhten Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist – von der Schweiz ferngehalten und somit davon abgehalten werden, die öffentliche Sicher- heit und Ordnung zu gefährden. Angesichts dessen is t das öffentliche Interesse an der Fernhaltung von kriminellen Ausländern in Abwägung aller Aspekte in casu klarerweise höher zu werten als das private Interesse des Beschuldigt en, gegebenenfalls einmal Bekannte in der Schweiz besuchen zu können. Folgerichtig ist gegenü ber dem Beschuldigten eine fakultative Landesverweisung auszusprechen. 3.3.8 Hinsichtlich der Frage der Dauer der fakultativen Landesverweisung gemäss Art. 66a bis StGB ist der Rahmen von 3–15 Jahre zu beachten, wob ei die obere Grenze von 15 Jahren der- jenigen der obligatorischen Landesverweisung entspr icht. Unter Berücksichtigung, dass die öffentlichen Interessen klarerweise überwiegen, dem Beschuldigten aber andererseits bloss ein eher leichtes Verschulden zur Last gelegt werden ka nn, erscheint die von der Staatsanwalt- schaft beantragte Landesverweisung für einen Zeitra um von 5 Jahren vorliegend als angemessen. 4. Fazit Entsprechend den obigen Ausführungen ist die Berufu ng der Staatsanwaltschaft hinsichtlich des Strafmasses sowie der Gewährung des bedingten S trafvollzugs abzuweisen, demgegen- über erweist sie sich bezüglich der Aussprechung ei ner Landesverweisung als begründet. Der Beschuldigte ist somit in teilweiser Gutheissung de r Berufung der Staatsanwaltschaft des ver- suchten Diebstahls sowie des Raufhandels schuldig z u sprechen und als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 2. Juli 2012 zu einer bedingt vollzieh- baren Freiheitsstrafe von 9 Monaten, bei einer Prob ezeit von 3 Jahren, zu verurteilen, dies unter Anrechnung der vom 29. bis zum 30. November 2 016 ausgestandenen Untersuchungs- haft von 2 Tagen. Zudem ist der Beschuldigte gestüt zt auf Art. 66a bis StGB für die Dauer von 5 Jahren des Landes zu verweisen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht III. K OSTEN 1. Ordentliche Kosten Die ordentlichen Kosten des kantonsgerichtlichen Ve rfahrens werden in Anwendung von § 12 Abs. 1 GebT auf CHF 1‘100. ‒, umfassend eine Urteilsgebühr von CHF 1‘000. ‒ sowie Auslagen von CHF 100. ‒, festgesetzt. Sie gehen gemäss Art. 428 Abs. 1 StP O dem Ausgang des Rechtsmittelverfahrens entsprechend je zur Hälfte z u Lasten des Beschuldigten und des Staa- tes. 2. Ausserordentliche Kosten 2.1 Die Verfahrensleitung ordnet die amtliche Verteidi gung an, wenn die beschuldigte Per- son nicht über die erforderlichen Mittel verfügt un d die Verteidigung zur Wahrung ihrer Interessen geboten ist (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO ). Die Zuständigkeit zur Bestellung der amtli- chen Verteidigung liegt beim Präsidenten der Dreier kammer der Abteilung Strafrecht des Kantonsgerichts (Art. 133 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 6 1 lit. c StPO i.V.m. § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO). Aus den Verfahrensakten geht hervor, dass sich der Beschuldigte seit dem 22. November 2017 in Frankreich in Mulhouse in Unte rsuchungs- resp. Sicherheitshaft befindet und somit über kein hinreichendes Einkommen oder Vermögen verfügt, weswegen seine Mittel- losigkeit zu bejahen ist. Überdies bietet das vorli egende Berufungsverfahren durchaus Schwierigkeiten in rechtlicher Hinsicht, welchen de r Beschuldigte allein nicht gewachsen wäre, weswegen ihm für das vorliegende Verfahren präsidia liter die amtliche Verteidigung mit Advo- katin Martina Horni für das Rechtsmittelverfahren zu bewilligen ist. 2.2 Da die eingesetzte Advokatin keine Honorarnote ein gereicht hat, ist die Entschädigung von Amtes wegen nach Ermessen festzusetzen (§ 18 Ab s. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte, TO, SGS 178.112), wobei das Honorar de r amtlichen Verteidigung gemäss § 3 Abs. 2 TO CHF 200. ‒ pro Stunde beträgt. Unter Berücksichtigung der kon kreten Umstände er- achtet die Berufungsinstanz eine Entschädigung in d er Höhe von CHF 600. ‒ (inklusive Auslagen) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer von CHF 46. 20, somit insgesamt CHF 646.20, für angemessen. Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung de r Entschädigung der amtlichen Verteidi- gung an den Kanton im Umfang von 50% verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Base l-Landschaft vom 2. November 2017, auszugsweise lautend: "1. E.____ wird des versuchten Diebstahls sowi e des Raufhandels schuldig erklärt und, als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staa tsanwaltschaft Basel-Stadt vom 2. Juli 2012, zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 9 Monaten, bei einer Probezeit von 3 Jahren, verurteilt, unter Anrechnung der vom 29. bis zum 30. November 2 016 aus- gestandenen Untersuchungshaft von 2 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 (i.V.m. Art. 22 A bs. 1 StGB), Art. 133 Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 und 2 StGB sowie Art. 51 StGB. 2. Das Verfahren wegen Sachbeschädigung und Ha usfriedens- bruchs wird zufolge Eintritts der Verjährung eingestellt. 3. Der Beurteilte wird von der Anklage der meh rfachen Körperverlet- zung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB freigesprochen. 4. Das beim Beschuldigten beschlagnahmte Barge ld in Höhe von Fr. 1‘000.-- wird gemäss Art. 267 Abs. 3 StPO einge zogen und gemäss Art. 442 Abs. 4 StPO an die Verfahrenskosten angerech- net. 5. Die geleistete Sicherheitsleistung in Höhe von Fr. 10‘000.-- wird gemäss Art. 239 Abs. 1 StPO unter Aufhebung der die sbezügli- chen Ersatzmassnahme mit sofortiger Wirkung freigeg eben. Das Geld wird auf das Konto der amtlichen Verteidigerin zuhanden der berechtigten Personen überwiesen. 6. Die Zivilforderungen von B.____ und D.____ werden in Anwen- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht dung von Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen. 7. Der Beurteilte trägt in Anwendung von Art. 426 StPO die Verfah- renskosten von insgesamt Fr. 6‘458.--, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens in Höhe von Fr. 4‘108.--, den Kos ten des Zwangsmassnahmengerichts von Fr. 350.-- und der Ger ichtsge- bühr von Fr. 2‘000.--. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründet es Urteil ver- langt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtl iche Gebühr auf Fr. 1‘000.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). 8. Das Honorar der amtlichen Verteidigerin in Höhe von insgesamt Fr. 7‘326.95 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer ) wird unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung des Beurtei lten nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Gerichtskasse entrichtet. " wird in teilweiser Gutheissung der Berufung der Staatsan waltschaft Ba- sel-Landschaft in Dispositiv-Ziffer 1 wie folgt geändert: 1. (aufgehoben) 1. a) E.____ wird des versuchten Diebstahls s owie des Raufhandels schuldig erklärt und, als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staa tsanwaltschaft Basel-Stadt vom 2. Juli 2012, zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 9 Monaten, bei einer Probezeit von 3 Jahren, verurteilt, unter Anrechnung der vom 29. bis zum 30. November 2 016 aus- gestandenen Untersuchungshaft von 2 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 (i.V.m. Art. 22 A bs. 1 StGB), Art. 133 Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 und 2 StGB sowie Art. 51 StGB. 1. b) E.____ wird gestützt auf Art. 66a bis StGB für die Dauer von 5 Jahren des Landes verwiesen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichtspräsidiums bestätigt. II. 1. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfah rens in der Höhe von CHF 1‘100. ‒, beinhaltend eine Urteilsgebühr von CHF 1‘000. ‒ sowie Auslagen von CHF 100. ‒, gehen je zur Hälfte zu Lasten des Beschul- digten (CHF 550. ‒) und des Staates (CHF 550. ‒). 2. Dem Beschuldigten wird die amtliche Verteidigu ng für das Berufungs- verfahren mit Advokatin Martina Horni bewilligt. 3. Der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten, Advokatin Martina Hor- ni, wird für das Berufungsverfahren ein Honorar in der Höhe von CHF 600. ‒ (inkl. Auslagen) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer (CHF 46.20), somit insgesamt CHF 646.20, aus der Ge richtskasse ausgerichtet. Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädig ung der amtlichen Verteidigung an den Kanton im Umfang von 50% (CHF 3 23.10) ver- pflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhält nisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger