<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 10 S.44</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">44</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>10</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 80 SchKG, Art. 164 OR; definitive Rechtsöffnung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Mit rechtsgültiger Forderungsabtretung zum Zweck der Bevorschussung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>geht die Unterhaltsforderung vom Abtretenden auf die Gemeinde über,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>welche anstelle des Abtretenden forderungsberechtigt wird. Der Forde-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rungsübergang kann mit Abtretungsurkunde oder Legalzession nachge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wiesen werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 5. Zivilkammer, vom 20. Januar</span><br/> <span class="ft3">2003, i.S. Gemeinde O. ca. W.B.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. a) Definitive Rechtsöffnung muss gewährt werden, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Forderung auf einem vollstreckbaren gerichtlichen Urteil oder auf</span><br/> <span class="ft1">einem Urteilssurrogat beruht (Art. 80 SchKG). Die im Entscheid als</span><br/> <span class="ft1">Gläubiger bezeichnete Person und der Betreibende müssen grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich identisch sein (Staehelin/Bauer/Staehelin, Basler Kommen-</span><br/> <span class="ft1">tar, Basel 1998, N 33 zu Art. 80 SchKG). Ein allfälliger Rechtsnach-</span><br/> <span class="ft1">folger des Gläubigers hat neben der Forderung als solche auch seine</span><br/> <span class="ft1">Rechtsnachfolge durch Urkunde zu beweisen. Wurde die Forderung</span><br/> <span class="ft1">abgetreten, ist somit zusätzlich zum betreffenden Urteil die schriftli-</span><br/> <span class="ft1">che Zessionserklärung des ursprünglich Berechtigten vorzulegen</span><br/> <span class="ft1">(Art. 165 Abs. 1 OR; Stücheli, Die Rechtsöffnung, Diss. Zürich</span><br/> <span class="ft1">2000, S. 170). Die Forderungsabtretung ist als Vertrag zwischen dem</span><br/> <span class="ft1">abtretenden Gläubiger bzw. dessen gesetzlichen Vertreter und dem</span><br/> <span class="ft1">neuen Gläubiger ohne Einwilligung des Schuldners gültig, soweit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">45</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nicht das Gesetz, eine Vereinbarung oder die Natur des Rechtsver-</span><br/> <span class="ft1">hältnisses dem entgegenstehen (Art. 164 Abs. 1 OR). Aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">höchstpersönlichen Natur des familienrechtlichen Unterhaltsan-</span><br/> <span class="ft1">spruchs des Kindes ist dieser grundsätzlich einer Abtretung nicht</span><br/> <span class="ft1">zugänglich (BGE 107 II 474 f.). Das Abtretungsverbot, das dem</span><br/> <span class="ft1">Schutze des Kindes dient und auf die besondere Art der Unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">ansprüche Rücksicht nimmt, kann aber dort nicht angerufen werden,</span><br/> <span class="ft1">wo weder der Leistungsinhalt verändert noch die Forderung ihrem</span><br/> <span class="ft1">Zweck entfremdet wird, wie bei der Forderungsabtretung an die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde zum Zweck der Alimentenbevorschussung (§ 31 Abs. 3 So-</span><br/> <span class="ft1">zialhilfegesetz, aufgehoben per 1. Januar 2003; vgl. auch RBOG</span><br/> <span class="ft1">2001 Nr. 15 S. 126 für das mündige Kind und BlSchKG 1992 Nr. 33</span><br/> <span class="ft1">für Unterhaltsbeiträge der Ehefrau).</span><br/> <span class="ft1">Mit der rechtsgültigen Forderungsabtretung zum Zweck der</span><br/> <span class="ft1">Bevorschussung geht die Forderung vom abtretenden Gläubiger so-</span><br/> <span class="ft1">mit auf die Gemeinde über, welche anstelle des Abtretenden forde-</span><br/> <span class="ft1">rungsberechtigt wird und an dessen Stelle die Forderung gegenüber</span><br/> <span class="ft1">dem Schuldner geltend machen und, soweit sie auf einem Urteil oder</span><br/> <span class="ft1">Urteilssurrogat beruht, definitive Rechtsöffnung verlangen kann</span><br/> <span class="ft1">(RBOG 2001 Nr. 15 S. 126; allgemein: Staehelin/Bauer/Staehelin,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., N 35 zu Art. 80 SchKG; AGVE 1992, S. 60). Der Schuldner</span><br/> <span class="ft1">kann die Rechtsöffnung jedoch abwenden, wenn er durch Urkunden</span><br/> <span class="ft1">beweist, dass die Schuld seit Erlass des Urteils getilgt oder gestundet</span><br/> <span class="ft1">worden ist, oder die Verjährung anruft und diese eingetreten ist (Art.</span><br/> <span class="ft1">81 Abs. 1 SchKG).</span><br/> <span class="ft1">b) Mit unbestritten rechtskräftigem Entscheid des Bezirksge-</span><br/> <span class="ft1">richtes Z. vom 17. Juni 1993 wurde der Beklagte verpflichtet, seiner</span><br/> <span class="ft1">früheren Ehefrau an den Unterhalt der Tochter N. unter Berücksich-</span><br/> <span class="ft1">tigung der Indexierung monatlich vorschüssig Fr. 650.-- zuzüglich</span><br/> <span class="ft1">Kinderzulagen bis Ende April 2002 bzw. Fr. 700.-- zuzüglich Kin-</span><br/> <span class="ft1">derzulagen ab Mai 2002 bis zur vollen Erwerbsfähigkeit, mindestens</span><br/> <span class="ft1">bis zum vollendeten 18. Altersjahr und längstens bis zur Mündigkeit,</span><br/> <span class="ft1">zu bezahlen. Mit Erklärung vom 10. Dezember 1993 hat die frühere</span><br/> <span class="ft1">Ehefrau des Beklagten als gesetzliche Vertreterin der Tochter N. die</span><br/> <span class="ft1">Unterhaltsbeiträge an die Klägerin gemäss Art. 164 ff. OR im Um-</span><br/> <span class="ft1">fang von Fr. 560.-- mit Wirkung ab 1. Juli 1993 zum Zwecke der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">46</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Alimentenbevorschussung abgetreten. Aus den Ausführungen der</span><br/> <span class="ft1">Klägerin geht hervor, dass sie Ausstände von Juli 1993 bis Dezember</span><br/> <span class="ft1">1994, somit insgesamt für 18 Monate, geltend macht. Dies ergibt bei</span><br/> <span class="ft1">einer abgetretenen Forderung in der Höhe von monatlich Fr. 560.--</span><br/> <span class="ft1">einen Gesamtbetrag von Fr. 10'080.--, für welchen die Klägerin über</span><br/> <span class="ft1">einen definitiven Rechtsöffnungstitel verfügt. Für den Restbetrag</span><br/> <span class="ft1">kann keine definitive Rechtsöffnung gewährt werden, da sich dieser</span><br/> <span class="ft1">nicht aus der Abtretungsurkunde ergibt und eine Legalzession (bzw.</span><br/> <span class="ft1">gesetzliche Subrogation) i.S.v. Art. 289 Abs. 2 ZGB entgegen der</span><br/> <span class="ft1">Ansicht der Vorinstanz nicht nachgewiesen ist. Die Klägerin hat es</span><br/> <span class="ft1">vorliegend versäumt, die Bevorschussung neben dem die Unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">pflicht festlegenden Titel durch Urkunden zu belegen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>