Abteilung V E-1065/2007/ {T 0/2} U r t e i l v o m 4 . D e z e m b e r 2 0 0 7 Richterin Therese Kojic (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Jean-Daniel Dubey, Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. A._______, Serbien, vertreten durch Dieter Roth, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM) , Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung vom 2. Februar 2007 / N_______ B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandE-1065/2007 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, eine Roma aus (...) (Provinz Vojvodina), verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 27. Dezember 2006 zusammen mit ihren Verwandten (N ..., N ... und N ...) und reiste am 28. Dezember 2006 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 11. Januar 2007 wurde sie im Empfangszentrum Basel summarisch befragt. Am 30. Januar 2007 folgte eine direkte Anhörung durch das Bundesamt gemäss Art. 29 Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31). Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen damit, ihre beiden Söhne hätten seit ihrer Schulzeit Probleme mit Gleichaltrigen gehabt, welche sie geschlagen und malträtiert hätten. Dies sei jedes Jahr schlimmer geworden. Drei bis vier Tage vor ihrer Ausreise hätten die Angreifer die Fensterscheiben ihres Hauses zer- schlagen, ihre Familie beschimpft und sie zum Verlassen des Dorfes aufgefordert. Ihre Kinder hätten die Angriffe drei- bis viermal bei der Polizei gemeldet. Der Grund für diese Schwierigkeiten sei offenbar die Zugehörigkeit der Familie zur Ethnie der Roma gewesen. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. B. Das Bundesamt trat mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 2. Feb- ruar 2007 auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 9. Februar 2007 beantragte die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter unter Kostenfolge, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, auf das Asylgesuch sei einzutreten und dieses sei gutzuheissen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzu- heben und die Sache zwecks ergänzender Abklärung des Sachver- halts und zur materiellen Behandlung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen. Subeventualiter sei die Wegweisungsverfügung aufzuheben und die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin anzuordnen. In ver- fahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung sowie um Verzicht auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses ersucht. Auf die Begründung im Ein- Seite 2E-1065/2007 zelnen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen ein- gegangen. Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwer- deführerin verschiedene Medienberichte zur Situation der Roma in Serbien zu den Akten. D. Mit Zwischenverfügung vom 15. Februar 2007 hielt die zuständige Instruktionsrichterin fest, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses wurde verzichtet und das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege in einen späteren Zeitpunkt verwiesen. Gleichzeitig wies sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ab. E. In ihrer Vernehmlassung vom 19. März 2007, welche der Beschwer- deführerin am 22. März 2007 zur Kenntnis gebracht wurde, beantragte die Vorinstanz ohne weitere Ausführungen die Abweisung der Be- schwerde. F. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. Okto- ber 2007 wurde der Beschwerdeführerin Gelegenheit gegeben, zu der vom Gericht beabsichtigten Motivsubstitution Stellung zu nehmen. G. Die Beschwerdeführerin reichte am 6. November 2007 eine Stellung- nahme ein. Dabei machte sie geltend, die festgestellten Ungereimt- heiten und Widersprüche seien offen zu legen. Im Übrigen leide sie unter erheblichen gesundheitlichen Problemen, weshalb sie seit eini- gen Mona ten regelmässig ihren Hausarzt und Spezialärzte aufsuche. In ihrem Heimatstaat würde sie mangels finanzieller Mittel sowie we- gen ihrer ethnischen Zugehörigkeit keine adäquate medizinische Ver- sorgung erhalten. Es sei von Amtes wegen ein fachärztliches Gut- achten erstellen zu lassen. Als Beweismittel wurde ein ärztlicher Be- richt von Dr. med. B._______ vom 28. Februar 2007, eine Medi- kamentenliste sowie ein Aufgebot für zwei ärztliche Sprechstunden eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: Seite 3E-1065/2007 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsge- richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge- setzes vom 20. Dezem ber 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine Ausnahme, was das Sachgebiet an- geht, ist nicht gegeben (Art. 32 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Beurteilung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG). 1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich- tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.3 D ie Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; die Be- schwerdeführerin ist legitimiert (Art. 108a AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist - vorbehältlich der nachstehenden Erwägung 2.1 - mithin einzutreten. 2. 2.1 Die vorliegend zu beurteilende Beschwerde richtet sich gegen eine Verfügung, laut deren Dispositiv das BFM auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist (Ziffer 1 des Verfügungsdis- positivs). Die Verfügung bildet als Anfechtungsgegenstand in der Bun- desverwaltungsrechtspflege den äusseren Rahmen, innerhalb wel- chem die Parteien der Rechtsmittelinstanz ein Rechtsverhältnis zur Beurteilung unterbreiten können. Der durch die Parteibegehren defi- nierte Streitgegenstand darf nicht über den Anfechtungsgegenstand hinaus reichen. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann grund- sätzlich nur sein, was Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger Gesetzesauslegung hätte sein sollen (vgl. C HRISTOPH AUER , Streitgegenstand und Rügeprinzip im Spannungsfeld der verwaltungsrechtlichen Prozessmaximen, Bern 1997, S. 63; ALFRED KÖLZ /ISABELLE HÄNER , Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege Seite 4E-1065/2007 des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 149). Werden Nichteintretensent- scheide, mit denen es das BFM der Form nach ablehnt, das Asylge- such auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32-35 AsylG), mit Beschwerde angefochten, so ist dementsprechend einzig zu beurtei- len, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz ist mit anderen Worten darauf beschränkt, im Fall der Begründetheit des Rechtsmittels die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zu neuer Ent- scheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK ] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.). Mit dem am 1. Januar 2007 in Kraft getretenen Nichteintretensgrund von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG hat der Gesetzgeber indes ein Summarverfahren geschaffen, in welchem über das Bestehen bzw. Nichtbestehen der Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entscheiden ist, soweit dies im Rahmen einer summarischen Prüfung möglich ist (vgl. Grundsatzurteil BVGE 2007/8 insbesondere E. 5.6.5 S. 90 f.). Dementsprechend ist im Beschwerdeverfahren auch die Flüchtlingseigenschaft Prozessgegenstand (vgl. BVGE a.a.O. E. 2.1 S. 73). Nicht beschränkt ist die Beurteilungszuständigkeit des Bundesver- waltungsgerichts in der Frage der Wegweisung und deren Vollzugs, weil das BFM sich diesbezüglich gemäss Art. 44 AsylG in Verbindung mit Art. 14a des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG, SR 142.20) materiell zur Sache zu äussern hat. Auf den Antrag betreffend Gewährung des Asyls ist somit nicht einzutreten. 3. Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn Asylsuchende den Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise- oder Identitätspapiere abgeben. Diese Bestimmung findet jedoch keine Anwendung, wenn Asylsuchende glaubhaft machen können, sie seien dazu aus ent- schuldbaren Gründen nicht in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), oder wenn auf Grund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG) oder wenn sich auf Grund der Anhörung die Notwendigkeit zu- sätzlicher Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG). Seite 5E-1065/2007 3.1 Der Begriff "Reise- oder Identitätspapiere", wie er in der revidier- ten Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG verwendet wird, ist mit Rücksicht auf die Zielsetzung der auf den 1. Januar 2007 in Kraft ge- tretenen Gesetzesänderung in einem engen Sinne zu verstehen. Es fallen darunter diejenigen Dokumente, welche sowohl eine zweifels- freie Identifizierung als auch die Rückschaffung ohne (grossen) admi- nistrativen Aufwand ermöglichen. Diesen beiden Anforderungen genü- gen in der Praxis regelmässig Reisepässe und Identitätskarten. Allge- mein sollen von der neuen Formulierung insbesondere jene Ausweise erfasst werden, die primär zum Zweck des Identitätsnachweises durch die heimatliche Behörde ausgestellt worden sind, zumal nur dann die Überprüfung der Identität vor der zu erfolgenden Ausstellung sicherge- stellt ist. Nach diesem - engen - Verständnis müssen demnach Identi- tätspapiere vorliegen, die jemanden als bestimmte Person ausweisen beziehungsweise die Identität nachweisen. Es genügt demgegenüber nicht, dass ein Schriftstück jemanden als einen in einer bestimmten Angelegenheit Berechtigten ausweist, weil in solchen Fällen die Identi- tät nicht Inhalt des Nachweises ist und demnach auch nicht zweifels- frei feststeht. Unter diesen Voraussetzungen können neben den klassi- schen Identitätskarten auch andere Ausweise taugliche Identitätspa- piere darstellen, wie zum Beispiel ein Inlandpass. Andere Ausweise, die zwar Hinweise auf die Identität geben, jedoch in erster Linie einem anderen Zweck dienen, wie die Bestätigung namentlich der Fahrfähig- keit, der Berufsfähigkeit, einer Geburt zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort, des Schulbesuches oder -abschlusses, stel- len dagegen keine Identitätspapiere im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG dar (vgl. zum Ganzen BVGE 2007/7 E. 4-6 S. 58 ff.). 3.2 Der unveränderte Begriff der "entschuldbaren Gründe" im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG ist im Sinne der Praxis zum bisherigen Recht zu verstehen (vgl. EMARK 1999 Nr. 16 E. 5c.aa S. 109 f.). 3.3 Nicht nur in Bezug auf die Qualität der abzugebenden Identitäts- papiere, sondern auch hinsichtlich der Beweismassanforderungen und des zulässigen Prüfungsumfangs wurde mit der Neuformulierung des Nichteintretensgrundes der Papierlosigkeit eine Verschärfung beab- sichtigt. Der Gesetzgeber hat mit der Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG - wie bereits in Ziffer 2.1. festgehalten - ein Summarverfahren geschaffen, in welchem über das Bestehen bezie- hungsweise das Nichtbestehen der Flüchtlingseigenschaft abschlie- ssend materiell befunden wird, soweit dies im Rahmen einer summari- Seite 6E-1065/2007 schen Prüfung möglich ist. Einzutreten ist auf das Asylgesuch dann, wenn bereits auf Grund einer summarischen Prüfung festgestellt wer- den kann, dass die asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne der Definition von Art. 3 AsylG offensichtlich erfüllt (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG). Demgegenüber ist auf das Asylgesuch nicht einzutre- ten, wenn bereits auf Grund einer summarischen Prüfung festgestellt werden kann, dass die asylsuchende Person die Flüchtlingseigen- schaft offensichtlich nicht erfüllt. Die Offensichtlichkeit der fehlenden Flüchtlingseigenschaft kann sich dabei aus der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen, genauso aber auch aus der fehlenden Asylrelevanz erge- ben. Kann auf Grund einer summarischen Prüfung nicht abschliessend festgestellt werden, ob die asylsuchende Person offensichtlich Flücht- ling ist oder offensichtlich nicht Flüchtling ist, ist auf das Asylgesuch zwecks weiterer im ordentlichen Verfahren vorzunehmender Abklärun- gen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft einzutreten (vgl. zum Gan zen BVGE 2007/8 E. 3-5 S. 74 ff.). 4. 4.1 Wie den Akten entnommen werden kann, hat die Beschwerdefüh- rerin im erstinstanzlichen Verfahren zum Nachweis ihrer Identität eine Geburtsurkunde eingereicht. Wie von der Vorinstanz zutreffend festge- stellt, handelt es sich dabei nicht um ein Reise- oder Identitätspapier im Sinne von Art. 1 Bst. b und c der Asylverordnung 1 über Verfahrens- fragen vom 11. August 1999 (AsylV1, SR 142.311) da dieses Doku- ment ohne Fotografie keine zweifelsfreie Überprüfung der Identität dessen Inhabers zulässt. Damit hat die Beschwerdeführerin den Be- hörden innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung ihres Asylgesu- ches keine "Reise- oder Identitätspapiere" abgegeben. Auf die der Beschwerdeführerin anlässlich der Bundesanhörung ge- stellte Frage nach Identitätspapieren gab sie zu Protokoll, sie habe ihre persönlichen Dokumente - einen roten Reisepass sowie eine Identitätskarte - verloren. Da sie nirgendwo hingereist sei, habe sie sich nicht um eine Ausstellung neuer Dokumente gekümmert (vgl. Akte A1, S. 3; A8, S. 2). Ein solches Desinteresse, ein derartiges Dokument für den jederzeitigen Nachweis der Identität (neu) ausstellen zu las- sen, erscheint grundsätzlich wenig plausibel. Zudem erscheint wenig glaubhaft, die Beschwerdeführerin sei auf ihrer Reise in einem Klein- bus durch mehrere Länder ohne gültige Reisepapiere nicht kontrolliert worden. Ihre Antwort auf die Frage, wie dies möglich gewesen sei - Seite 7E-1065/2007 'Ich weiss es auch nicht. Wir waren die ganze Zeit im Kleinbus' (vgl. Akte A1, S. 6)  überzeugt nicht. Weiter kann auf die zutreffenden Er- wägungen der Vorinstanz hingewiesen werden, wonach es per Gesetz für jeden volljährigen Staatsangehörigen der Republik Serbien Pflicht ist, eine Identitätskarte auf sich zu tragen. Der Einwand in der Beschwerdeschrift, die Beschwerdeführerin sei kurzfristig aus ihrem Heimatstaat geflüchtet und habe sich vor ihrer Ausreise keine Identi- tätsausweise mehr besorgen können, muss als Schutzbehauptung ge- wertet werden. Schliesslich vermögen weder die Erklärung, die Identi- fikation der Beschwerdeführerin könne durch die gemeinsame Reise mit ihrem Sohn sowie die vorgelegte Geburtsurkunde vorgenommen werden, noch das Angebot einer genetischen Analyse, das Fehlen von Identitätspapieren zu entschuldigen. Insgesamt ist es der Beschwerde- führerin somit nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass sie aus ent- schuldbaren Gründen keine Reise- oder Identitätspapiere abgegeben hat. 4.2 Demnach bleibt zu prüfen, ob aufgrund der Anhörung sowie ge- stützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festzustellen ist oder allenfalls zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flücht- lingseigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses nötig sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. b und c). Das Bundesverwaltungsgericht, das nicht an die Begründung der Vor- instanz gebunden ist und auf Beschwerdeebene eine Substitution der Motive vornehmen kann, hat mit Zwischenverfügung vom 23. Oktober 2007 angekündigt, dass es sich vorbehält, die Vorbringen der Be- schwerdeführerin auch unter dem Aspekt der Glaubhaftigkeit bezie- hungsweise Unglaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG zu würdigen (Motivsubstitution), wozu die Beschwerdeführerin in Kenntnis sämtli- cher entscheidwesentlicher Akten Stellung genommen hat. Eine Offen- legung allfälliger Widersprüche und Ungereimtheiten in den eigenen Aussagen zur konkreten Stellungnahme  wie dies in der Eingabe vom 6. November 2007 verlangt wird  ist demnach nicht erforderlich. Den Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich der Bundesanhörung können mehrere Ungereimtheiten entnommen werden, die ihre Vor- bringen als insgesamt unglaubhaft erscheinen lassen. So gab die Beschwerdeführerin im Empfangszentrum an, ihre Söhne seien seit ihrer Schulzeit von einer Gruppe Jugendlicher malträtiert worden. Sie und ihre Familie seien ebenfalls ständig bedrängt worden, Seite 8E-1065/2007 wobei sie die Vorfälle immer den Behörden gemeldet habe. Diese seien jeweils vorbeigekommen und hätten ein Protokoll erstellt, ihre Anzeigen jedoch nicht entgegen genommen (vgl. A1, S. 4 f.). Demge- genüber gab sie anlässlich der Bundesanhörung an, sie hätten die Probleme drei- oder viermal gemeldet (vgl. A8, S. 5). Dabei seien ihre Kinder zur Polizei gegangen, währenddem die Beschwerdeführerin zu den Eltern der Angreifer gegangen sei (vgl. A8, S. 5). Zudem ist nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin und ihre Familie den ge- mäss ihren Aussagen schlimmsten Angriff, bei dem die Fensterschei- ben ihres Hauses eingeschlagen worden seien, der Polizei nicht ge- meldet haben (vgl. A8, S. 6). Im Weiteren war die Beschwerdeführerin nicht in der Lage anzugeben, wie gross das Dorf, wo sie immerhin seit 23 Jahren gelebt habe (vgl. A1, S. 1), gewesen sei und wie viele Familien dort gelebt hätten (vgl. A8, S. 5). Dieses Unwissen lässt zu- sätzlich Zweifel bezüglich den Wohnort aufkommen. Schliesslich ste- hen einzelne Angaben der Beschwerdeführerin im Widerspruch zu denjenigen ihrer Verwandten. So unterscheiden sich die Aussagen der Beschwerdeführerin und ihrer Verwandten hinsichtlich der Anzahl der von ihnen gemachten Anzeigen, der Aufnahme von Protokollen und hinsichtlich des Ortes, wo sie aufgenommen worden seien. Insgesamt entsteht der Eindruck, die Beschwerdeführerin und ihre Söhne hätten die von ihr vorgebrachten Schwierigkeiten nicht in dem von ihr geschil- derten Ausmass erlebt. Selbst wenn die Söhne der Beschwerdefüh- rerin gewisse Probleme mit anderen Jugendlichen gehabt haben soll- ten, könnten diese offensichtlich nicht als Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gewertet werden. Die Ausführungen in der Beschwerde sowie die eingereichten Berichte betreffend die allgemeine Situation der Roma in Serbien vermögen ebenfalls keine Verfolgung glaubhaft zu machen. Insgesamt ist aufgrund der wenig substanziierten und nicht plausiblen Schilderungen davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatstaat offensichtlich keiner Verfolgung ausgesetzt war. 4.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall die Voraussetzungen für ein Nichteintreten auf das Asylgesuch in Anwen- dung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG gegeben waren. Das BFM ist demnach zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdefüh- rerin nicht eingetreten. 5. Seite 9E-1065/2007 5.1 Tritt das BFM auf das Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Vorliegend hat der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt (Art. 32 Bst. a AsylV 1). Die Beschwerdeführerin kann sich auch nicht auf einen dahingehenden Anspruch berufen (vgl. EMARK 2001 Nr. 21). Ihre Wegweisung aus der Schweiz steht somit im Einklang mit den ge- setzlichen Bestimmungen. 6. 6.1 Es bleibt zu prüfen, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der Weg- weisung entgegenstehen, da im Fall eines unzulässigen, unzumutba- ren oder unmöglichen Vollzugs das Anwesenheitsverhältnis nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme nach ANAG zu regeln ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG). 6.2 Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin ins Heimat- land ist unter Berücksichtigung der völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz (Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schut- ze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [Europäische Menschen- rechtskonvention, EMRK, SR 0.101], Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [Flüchtlings- konvention, FK, SR 0.142.30]) und der Bestimmungen von Art. 5 Abs. 1 AsylG sowie Art. 25 Abs. 2 und 3 der Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) zuläs- sig, weil offensichtlich keine Menschenrechtsverletzungen drohen und ebenso offensichtlich die Flüchtlingseigenschaft nicht besteht. Auf- grund der Ausführungen der Beschwerdeführerin ist insbesondere das Bestehen einer tatsächlichen Gefahr, auf die Beschwerdeführerin könnte in Art. 3 EMRK zuwiderlaufender Weise psychischer oder phy- sischer Zwang ausgeübt werden, zu verneinen. Alleine aus der allge- meinen Menschenrechtssituation in Serbien und allenfalls aufgrund der Zugehörigkeit der Beschwerdeführerin zur Volksgruppe der Roma lässt sich kein reales Risiko von Folter oder unmenschlicher oder er- niedrigender Strafe oder Behandlung herleiten. 6.3 Angesichts der heutigen Lage in Serbien muss gemäss konstanter Praxis nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder kriegerischen respektive bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen gesprochen werden. Zwar können Übergriffe von Privatpersonen auf Angehörige der Roma Seite 10E-1065/2007 und teilweise behördliche Schikanen sowie Diskriminierungen nicht völlig ausgeschlossen werden. Indessen erreichen diese im Allgemei- nen nicht ein Ausmass, das den Vollzug der Wegweisung in jedem Fall als unzumutbar erscheinen liesse. Zudem ist die Vojvodina, wo die Be- schwerdeführerin herkommt, als eine von vielen Volksgruppen be- wohnte Region bekannt, in welcher das Zusammenleben verschiede- ner Volksgruppen im Allgemeinen als friedlich bezeichnet werden kann. Somit ist die Rückkehr der Beschwerdeführerin dorthin grund- sätzlich zumutbar. Eine Situation, welche die Beschwerdeführerin als de-facto-Flüchtling qualifizieren würde, lässt sich deshalb aufgrund der heutigen Situation in Serbien nicht bejahen. 6.4 Vorliegend sind in Anbetracht der persönlichen Situation der Be- schwerdeführerin keine Gründe ersichtlich, die auf eine konkrete Ge- fährdung beziehungsweise auf ein beachtliches Rückkehrrisiko hin- deuten würden. Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine ..., von ihrem Ehemann getrennte Frau, welche bis vor ihrer Ausreise zusammen mit ihren Angehörigen (N ..., N ..., N ...) gewohnt und gemäss eigenen Aussagen von der Landwirtschaft gelebt hat. Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat mit gewissen Schwierigkeiten konfron- tiert werden könnte. Indessen verfügt sie mit den hievor erwähnten Verwandten, mit denen sie ausgereist ist und mit denen sie nach wie vor an der gleichen Adresse lebt, über ein intaktes Beziehungsnetz, auf das sie weiterhin zurückgreifen kann (vgl. Akte A1, S. 3), zumal die Asylgesuche dieser Verwandten mit gleichem Urteilsdatum ebenfalls letztinstanzlich abgewiesen wurden. Soweit in der Eingabe vom 6. No- vember 2007 erstmals gesundheitliche Probleme der Beschwerdefüh- rerin (multiple Beschwerden im Kreislaufsystem) geltend gemacht wer- den, kann dem eingereichten Überweisungsbericht von Dr. med. B._______, allgemeine Medizin FMH, vom 28. Februar 2007 an Dr. C._______, Endokrinologie, entnommen werden, dass die Beschwer- deführerin seit zirka drei Jahren an Müdigkeit mit subj. Ptosis (= Herabhängen des Oberlides) sowie einer subklin. Hyperthyreose (= er- höhte Aktivität der Schilddrüse) leide. Der behandelnde Hausarzt er- suchte in seinem Bericht um Abklärung einer möglichen Therapie. Den weiteren ärztlichen Unterlagen kann zudem entnom men werden, dass die Beschwerdeführerin bei Dr. C._______ in Behandlung steht und medikamentös behandelt wird. Insgesamt können den ärztlichen Un- terlagen jedoch keine Hinweise dafür entnommen werden, wonach die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin lebensbedrohend Seite 11E-1065/2007 wären. Vielmehr kann der Beschwerdeführerin zugemutet werden, bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat dort medizinische Betreuung in An spruch zu nehmen. Aufgrund der wenig aussagekräftigen Arztberichte und der Tatsache, dass offenbar seit dem 28. Februar 2007 keine nennenswerten ärztlichen Eingriffe nötig waren, ist nicht von einer ernsthaften Erkrankung auszugehen, weshalb der Antrag auf Einholung eines ärztlichen Gutachtens abzuweisen ist. Im Weiteren kann gestützt auf die Aussagen der Beschwerdeführerin sowie diejenigen ihrer Verwandten in deren Asylverfahren davon aus- gegangen werden, dass ihre Familie nach wie vor über ein Haus mit Land verfügt, damit ihre Existenz gesichert werden kann. Aufgrund der Aktenlage ist somit insgesamt trotz der einfachen Verhältnisse im Heimatland der Beschwerdeführerin nicht davon auszugehen, dass sie in eine existenzbedrohende Situation geraten würde. Der Einwand in der Stellungnahme vom 6. November 2007, wonach das Haus wegen Überschwemmungsfol gen eingestürzt sei, vermag nicht zu überzeu- gen. Selbst wenn jedoch das Gebäude mangels des erforderlichen Un- terhalts eingestürzt wäre, ist davon auszugehen, dass die Beschwer- deführerin und ihre Angehörigen mit Hilfe der in der Heimat zurückge- bliebenen Verwandten (vgl. Eingabe vom 6. November 2007) das Ge- bäude wieder bewohnbar machen können. Diesbezügliche Abklärun- gen erübrigen sich demnach, weshalb der entsprechende Antrag ab- zuweisen ist. Aufgrund der Aktenlage ist somit insgesamt trotz der ein- fachen Verhältnisse im Heimatland der Beschwerdeführerin nicht da- von auszugehen, dass sie in eine existenzbedrohende Situation gera- ten würde. 6.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung somit auch als zumutbar zu bezeichnen. 6.6 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zu- ständigen Vertretung ihres Heimatstaates die für eine Rückkehr not- wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes- halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. 6.7 Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zu- mutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anord- nung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 14a Abs. 1 - 4 ANAG). Seite 12E-1065/2007 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen soweit darauf einzutre- ten ist. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht vom 11. Dezember 2006 [VGKE]). Indessen konnten die Beschwerdebegehren im Zeitpunkt ihrer Einrei- chung aufgrund der erst kürzlich erfolgten Klärung respektive Festle- gung der höchstrichterlichen Praxis zum seit 1. Januar 2007 geltenden Nichteintretenstatbestand der Papierlosigkeit im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG (vgl. BVGE 2007/8) nicht als aussichtslos bezeichnet werden, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sin- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet wird. (Dispositiv nächste Seite) Seite 13E-1065/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gutgeheissen. 3. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird verzichtet. 4. Dieses Urteil geht an: - den Rechtsvertreter der Beschwerdefü hrerin (eingeschrieben; Beilage: Angefochtene Verfügung im Original) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Akten (Ref.-Nr. N_______) - Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Therese Kojic Alexandra Püntener Versand: Seite 14