B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-3756/2025 U r t e i l v o m 2 7 . M a i 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richterin Christa Preisig; Gerichtsschreiberin Evelyn Heiniger. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 15. Mai 2025 / N (…). F-3756/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 14. April 2025 in der Schweiz um Asyl nach. Sein Reisepass enthielt ein vom 7. Mai 2024 bis 6. Mai 2025 gültiges polnisches Visum. Im Rahmen des persönlichen Gesprächs sagte er aus, er habe sich seit dem 8. Mai 2024 in Polen aufgehalten und gearbeitet , hin und wieder sei er gereist. Er sei in die Schweiz gekommen, weil hier Sicherheit, Gesund- heit und Gesellschaftsleben gewährleistet seien. Die Bevölkerung in Polen sei homophob, es werde gegen LGBTQ +-Personen gehetzt, er sei dort nicht in Sicherheit und habe Angst um sein Leben. Er sei diskriminiert und nach drei Monaten aus einer Wohnung geworfen worden, obwohl er für sechs Monate bezahlt habe. Er habe sich aber nicht an die Behörden ge- wendet. Ferner gäbe es keine gesundheitliche Versorgung. Physisch sei er gesund, mache sich aber viele Gedanken und habe Stress. Er habe sich bereits an Medic -Help gewendet, sei aber nicht richtig versorgt worden, sondern habe nur eine Tablette zur Beruhigung erhalten. B. Die polnischen Behörden stimmten dem Übernahmeersu chen der Vor - instanz am 6. Mai 2025 gestützt auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO zu (voll- ständige Referenz: Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Par- laments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied- staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist). C. Mit Verfügung vom 15. Mai 2025 – eröffnet tags darauf – trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Weg- weisung nach Polen und stellte fest, eine allfällige Beschwerde habe keine aufschiebende Wirkung. D. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsg ericht vom 22. Mai 2025 beantragte der Beschwerdeführer die angefochtene Verfügung sei aufzu- heben, die Vorinstanz anzuweisen, ihr Recht zum Selbsteintritt auszuüben und sich für sein Asylverfahren zuständig zu erklären. Eventualiter sei der Entscheid der Vorinstanz aufzuheben und zu weiteren Sachverhaltsabklä- rungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht sei der F-3756/2025 Seite 3 Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessfüh- rung zu gewähren. E. Die Instruktionsrichterin setzte den Vollzug am 26. Mai 2025 per sofort einstweilen aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG) und die Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Be- schwerde einzutreten ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Das Gericht entscheidet über diese endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari- scher Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 2. 2.1 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Polen hat der Aufnahme des Beschwer- deführers gestützt auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO vorbehaltlos zuge- stimmt. Die grundsätzliche Zuständigkeit Polens ist gegeben. 2.2 Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ih- ren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 3. 3.1 Die Vorinstanz hat korrekt erwogen, das polnische Asyl- und Aufnah- mesystem weise rechtsprechungsgemäss keine systemischen Schwach- stellen au f (vgl. statt vieler zuletzt Urteile des BVGer F-3391/2025 vom 14. Mai 2025 E.3.1, F-2669/2025 vom 24. April 2025 E. 3.2 m.w.H, F-911/2025 vom 17. Februar 2025 E. 2.1), aufgrund derer die Zustän -F-3756/2025 Seite 4 digkeit gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf die Schweiz überginge und es seien vorliegend keine völkerrechtlichen Vollzugshindernisse ersicht- lich, welche die Schweiz zu einem Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dub- lin-III-VO verpflichten würden. Dabei hat sie sich mit den Vorbringen des Beschwerdeführers und insbesondere auch mit den geltend gemachten Diskriminierungen aufgrund seiner sexuellen Orientierung und seinem Ge- sundheitszustand ausführlich auseinandergesetzt, weshalb in Abweisung des dahingehenden Eventualantrags auch keine Veranlassung besteht, die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sie hat zutreffend darauf hinge- wiesen, dass Polen über ein funktionierendes Justizsystem und über eine ausreichende medizinische Infrastruktur zur allfälligen Behandlung ge- sundheitlicher Beschwerden verfügt. 3.2 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, er brauche dringend eine Psy- chotherapie zufolge einer (…), findet sich in den Akten leidglich die Emp- fehlung zu einer Therapie und kein Hinweis darauf, wonach diese dringend indiziert wäre. Eine solche ist überdies – entgegen den Ausführungen in der Beschwerde – auch in Polen möglich und steht einer Überstellung nicht entgegen. Was die allgemeinen Ausführungen zur Situation in Polen unter Verweis auf diverse Berichte betrifft, wurden diese Aspekte im Entscheid der Vorinstanz bereits berücksichtigt. Die Wiederholungen auf Beschwer- deebene vermögen nichts an der zutreffend en Einschätzung der Vor - instanz zu ändern. 4. Die Vorinstanz hat in rechtsfehlerfreier Ausübung des ihr nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. Au- gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) zukommenden Ermessens von einem freiwilligen Selbsteintritt der Schweiz abgesehen. Sie ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten und hat in Anwendung von Art. 44 AsylG die Wegweisung nach Polen angeordnet. Die Beschwerde ist abzuweisen. 5. Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses gegenstandslos geworden. Der am 26. Mai 2025 verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem vor- liegenden Urteil dahin. F-3756/2025 Seite 5 6. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu- weisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist. Unbesehen der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers fehlt es an einer gesetzlichen Voraussetzung ge- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-3756/2025 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und die kan- tonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Evelyn Heiniger Versand: