<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Zwangsmassnahmengemäss§StPO</span> <span class="page_no">221</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VI. Zwangsmassnahmen gemäss § 241a StPO</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>41</b></span> <span class="ft2"><b>Zwangsmassnahmen gemäss § 241a StPO</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Voraussetzungen für Zwangsmassnahmen gemäss § 241a Abs. 2 lit. a</b></span><br/> <span class="ft2"><b>StPO im Vergleich zu lit. b (vgl. auch AGVE 2008, S. 207 ff.)</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 3. November 2009 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen P.B. gegen Entscheid der Klinik Königsfelden betreffend Zwangsme-</span><br/> <span class="ft5">dikation (WBE.2009.345).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">3.</span><br/> <span class="ft7">3.1.</span><br/> <span class="ft7">Da die Klinik am 23. Oktober 2009 einen auf fünf Tage befris-</span><br/> <span class="ft7">teten gültigen formellen Zwangsmassnahmen-Entscheid erlassen hat</span><br/> <span class="ft7">(wenn auch teilweise für bereits erfolgte Zwangsmassnahmen und</span><br/> <span class="ft7">zudem nicht auf dem für Zwangsmassnahmen gemäss § 241a StPO</span><br/> <span class="ft7">vorgesehenen Formular), ist im Folgenden zu prüfen, ob die verfügte</span><br/> <span class="ft7">Zwangsmedikation (soweit sie nicht rückwirkend angeordnet wurde</span><br/> <span class="ft7">und unabhängig von der Notfallsituation vom 20. Oktober 2009) ge-</span><br/> <span class="ft7">setzeskonform war, insbesondere soweit der Beschwerdeführer im</span><br/> <span class="ft7">Zeitraum vom 23. Oktober 2009 bis zum 28. Oktober 2009 die Me-</span><br/> <span class="ft7">dikamente allenfalls unter Druck des Zwangsmassnahmen-Entschei-</span><br/> <span class="ft7">des oral eingenommen hat.</span><br/> <span class="ft7">3.2.</span><br/> <span class="ft7">Es stellt sich daher die Frage, ob die angeordnete Zwangsmedi-</span><br/> <span class="ft7">kation mit einem Neuroleptikum (Clopixol) mit dem konkreten</span><br/> <span class="ft7">Massnahmezweck vereinbar ist. Gemäss Urteil des Obergerichts vom</span><br/> <span class="ft7">26. März 2009 wurde eine stationäre therapeutische Massnahme ge-</span><br/> <span class="ft7">mäss Art. 59 StGB bestätigt, weil die Behandlung des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führers in einer vorwiegend medikamentösen Therapie bestehe, was</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">222</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">sowohl bei der wahrscheinlichsten Diagnose einer Schizophrenie wie</span><br/> <span class="ft7">auch bei der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung zutreffe. Unter</span><br/> <span class="ft7">diesen Umständen ist eine neuroleptische Medikation auch gegen</span><br/> <span class="ft7">den Willen des Beschwerdeführers zweifellos mit dem Massnahme-</span><br/> <span class="ft7">zweck vereinbar. Die medizinische Würdigung entspricht zudem den</span><br/> <span class="ft7">Ausführungen der behandelnden Ärztin vom 28. Oktober 2009, wo-</span><br/> <span class="ft7">nach beim Beschwerdeführer ein starker Verdacht auf zumindest</span><br/> <span class="ft7">vorübergehendes psychotisches Erleben bestehe. In diese Punkt ist</span><br/> <span class="ft7">die Beschwerde daher abzuweisen.</span><br/> <span class="ft7">Der Vollständigkeit halber kann festgestellt werden, dass ge-</span><br/> <span class="ft7">mäss Verlaufsbericht der Klinik Königsfelden vom 29. Oktober 2009</span><br/> <span class="ft7">eine Medikamenten-Änderung durchgeführt wurde (neu wurde So-</span><br/> <span class="ft7">lian verordnet), womit sich der Beschwerdeführer einverstanden er-</span><br/> <span class="ft7">klärt hat.</span><br/> <span class="ft7">4.</span><br/> <span class="ft7">Der Beschwerdeführer macht in seiner Eingabe sinngemäss</span><br/> <span class="ft7">geltend, es sei auf eine Medikation zu verzichten, das Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft7">gericht habe dies doch bereits entschieden. Diese Ausführungen tref-</span><br/> <span class="ft7">fen zu, allerdings war die rechtliche Ausgangslage beim Urteil vom</span><br/> <span class="ft7">15. Juli 2008 ganz anders. Damals war der Beschwerdeführer im</span><br/> <span class="ft7">Haftstatus in der Klinik. Unter diesen Umständen dürfen gemäss</span><br/> <span class="ft7">§ 241a Abs. 2 lit. b StPO ohne Zustimmung oder gegen den Willen</span><br/> <span class="ft7">des Gefangenen medizinische Behandlungen oder andere medi-</span><br/> <span class="ft7">zinisch indizierte Vorkehren nur durchgeführt werden, wenn der</span><br/> <span class="ft7">Gefangene aufgrund einer Krankheit nicht zurechnungsfähig ist, sich</span><br/> <span class="ft7">selbst oder Dritte in schwerer Weise gefährdet und die notwendige</span><br/> <span class="ft7">Fürsorge auf andere Weise nicht gewährleistet werden kann. Diese</span><br/> <span class="ft7">strengen Voraussetzungen waren im Juli 2008 nicht erfüllt, weshalb</span><br/> <span class="ft7">die damalige Beschwerde gutgeheissen wurde (AGVE 2008, S. 207</span><br/> <span class="ft7">ff.). Inzwischen wurde für den Beschwerdeführer jedoch eine</span><br/> <span class="ft7">stationäre Massnahme gemäss Art. 59 StGB rechtskräftig angeordnet</span><br/> <span class="ft7">und diese wird seit dem 10. August 2009 in der Klinik Königsfelden</span><br/> <span class="ft7">vollzogen. Das Verwaltungsgericht kann daher gestützt auf § 241a</span><br/> <span class="ft7">Abs. 2 lit. a StPO heute nur noch überprüfen, ob die angefochtene</span><br/> <span class="ft7">Zwangsmedikation mit dem konkreten Massnahmezweck vereinbar</span><br/> <span class="ft7">ist, was zu bejahen ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>