B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-739/2016/plo U r t e i l v o m 3 . J u n i 2 0 1 6 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am (…), und ihre Kinder B._______, geboren am (…) und C._______, geboren am (…), Kosovo, vertreten durch Asllan Karaj, Cabinet de Conseil Karaj, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 5. Januar 2016 / N (…). D-739/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a A._______ (die Beschwerdeführerin) – eine Staatsangehörige von Ko- sovo aus D._______ – ersuchte am 26. Januar 2015 mit ihren Kindern B._______ und C._______ um die Gewährung von Asyl in der Schweiz. Am 29. Januar 2015 wurde sie vom SEM zu ihrer Person, zu ihrem Reise- weg, zum Verbleib ihrer Reise - und Identitätspapiere und summarisch zu ihren Gesuchsgründen befragt. Die einlässliche Anhörung zu den Ge- suchsgründen fand am 12. Februar 2015 statt. A.b Im Rahmen der Befragung zur Person brachte die Beschwerdeführerin namentlich vor, sie halte sich schon seit fast drei Jahren in der Schweiz auf, zumal sie im Mai 2012 ihrem Mann hierher nachgefolgt sei. Gleichzei- tig gab sie an, sie gelte noch als ledig. Ihr erstes gemeinsames Kind sei noch im Kosovo geboren, wogegen das zweite Kind schon in der Schweiz geboren sei. Ihr Mann – E._______, welcher zufolge Heirat einer Schwei- zerin, deren Namen er angenommen habe, über eine Niederlassungsbe- willigung verfüge – habe sich jedoch während der ganzen Zeit geweigert, ihren Aufenthalt zu legalisieren. Als es zwischen ihnen wegen einer weite- ren Beziehung ihres Mannes zu ehelichen Problemen gekommen sei, habe er sie mit ihrem illegalen Aufenthalt in der Schweiz unter Druck gesetzt. Wenn er manchmal tagelang abwesend gewesen sei, hätten sie und ihre Kinder kein Essen mehr gehabt. Gleichzeitig gab die Beschwerdeführerin an, ihre gesamte Familie lebe in der Schweiz, zumal ihre (…) Brüder und ihre (…) Schwestern alle entweder über eine schweizerische Niederlas- sungs- oder Aufenthaltsbewilligung verfügten. Schliesslich befinde sich auch ihre Mutter in der Schweiz, wogegen ihr Vater bereits verstorben sei. In der Heimat verfüge sie daher über keine Verwandten mehr, zumal sie dort weder Onkel noch Tanten habe. Auf die Frage nach dem Grund für ihr Asylgesuch führte die Beschwerdeführerin aus, im Kosovo habe sie weder mit den Behörden noch mit Privatpersonen je Probleme gehabt. Sie habe ihre Heimat einzig wegen ihres Mannes verlassen, welcher ihr eine Aufent- haltsbewilligung für die Schweiz versprochen habe. Jetzt sei sie schon seit drei Jahren hier, in dieser Zeit aber nie glücklich geworden, da ihr Mann sich nie für sie eingesetzt und sich auch nie um sie und die Kinder geküm- mert habe. Schliesslich habe er sie am letzten Wochenende aus der Woh- nung geworfen. Nun befürchte sie, dass er ihr die Kinder wegnehmen und in den Kosovo schicken wolle, zumal sie von ihm per SMS entsprechende Drohnachrichten erhalten habe. Das wolle sie verhindern. D-739/2016 Seite 3 A.c Im Rahmen der Anhörung berichtete die Beschwerdeführerin über ihre Beziehung zu E._______, welchen sie vor ungefähr 5½ Jahren kennenge- lernt und mit welchem sie ihre zwei Kinder habe. Verheiratet seien sie nicht, sondern sie seien miteinander verlobt, da er noch mit der Schweizerin ver- heiratet sei. Gleichzeitig bestätigte sie, dass sie sich bereits seit 2012 in der Schweiz aufhalte, wobei sie erneut über Beziehungsprobleme und Druckversuche vonseiten ihres Mannes wegen ihres illegalen Aufenthalts in der Schweiz berichtete. Eigentlich hätten sie schon immer Probleme mit- einander gehabt, in den letzten acht Monaten sei es aber schlimmer ge- worden, zumal er häufig lange weggeblieben sei, nach seiner Rückkehr die Kinder geschlagen habe und dabei auch ihr mit Schlägen gedroht habe. Auf Nachfrage hin, ob sie von ihrem Mann geschlagen worden sei, brachte sie vor, sie sei von ihm geschubst worden . Geschlagen habe er nur ihre kleinen Kinder. Gleichzeitig machte sie geltend, e r habe öfters damit ge- droht, die gemeinsamen Kinder zu seiner Mutter in den Kosovo zu sch i- cken. Auch mit seiner Schweizer-Ehefrau habe er Kinder und auch dieser Frau habe er gedroht, die Kinder in den Kosovo zu bringen. Daneben gab die Beschwerdeführerin an, nachdem sie ihren Mann verlassen habe, habe er sie im Empfangszentrum gesucht, um sich mit ihr zu versöhnen. Sie glaube ihm aber nicht mehr und bleibe hier, damit er ihr die Kinder nicht wegnehmen könne. In den Kosovo könne sie nicht zurück, da sie sich vor ihm fürchte, zumal er ihr anlässlich der Trennung mit dem Tod gedroht habe. Gegen Ende der Anhörung machte sie diesbezüglich geltend, sie habe Angst davor, von ihm erschossen zu werden. Im Verlauf der Anhörung führte die Beschwerdeführerin im Weiteren aus, im Kosovo habe sie nie- manden mehr, da ihre gesamte Familie in der Schweiz lebe. Im Kosovo könne sie daher auf keine Unterstützung zählen. Das Verhältnis zur ihrer Familie sei zwar gut, aber man könne ja nicht damit rechnen, für längere Zeit von seiner Familie unterstützt zu werden. Auf Nachfragen hin gab sie gleichzeitig an, vor ihrer Einreise in die Schweiz habe sie mit ihrer Mutter in D._______ gewohnt, im Haus der Familie, welches jedoch vor zwei Jah- ren verkauft worden sei. Sie und ihre Mutter seien dabei stets von ihren in der Schweiz wohnhaften Geschwistern unterstützt worden, zumal ihr Vater schon vor zehn Jahren verstorben sei. Sie selbst habe bloss ein Jahr als Verkäuferin gearbeitet. Dies ungefähr von 2008 bis 2009, die Stelle habe sie aber wieder aufgegeben, da ihre Mutter krank geworden sei. Ihre Mutter lebe nun schon seit einiger Zeit ebenfalls in der Schweiz, in F._______ (Kanton G._______), bei einer ihrer Schwestern. Im Verlauf der Anhörung berichtete die Beschwerdeführerin schliesslich über gesundheitliche Prob- leme ihres Kindes C._______, welches an Blutarmut leide und medikamen- tös behandelt werde. Abschliessend brachte sie vor, in der Schweiz fühle D-739/2016 Seite 4 sie sich vor ihrem Mann sicher. Nachdem er auch seiner Schweizer -Ehe- frau mit dem Entzug der gemeinsamen Kinder gedroht habe, habe er diese Kinder schon seit fünf Jahren nicht mehr sehen dürfen. Das zeige, dass in der Schweiz, anders als im Kosovo, der Staat funktioniere. B. Aus den Akten geht hervor, dass das SEM am 19. Februar 2016 der schweizerischen Botschaft in Pristina (nachfolgend: die Botschaft) den Auf- trag erteilte, die familiären beziehungsweise verwandtschaftlichen Bezie- hungen der Beschwerdeführerin abzuklären und zu prüfen, ob diese tat- sächlich über keinerlei Verwandte n im Kosovo mehr verfüge. Ebenfalls wurde die Botschaft beauftragt, die Wohnsituation der Beschwerdeführerin abzuklären und das Vorbringen zu prüfen, wonach das Haus der Familie vor zwei Jahren verkauft worden sei. C. In Beantwortung der vorgenannten Anfrage teilte die Botschaft dem SEM am 16. April 2015 im Rahmen eines Bericht s mit Fotos im Wesentlichen mit, die von der Beschwerdeführerin angegebene Wohnadresse sei zwar unzutreffend gewesen, über das Zivilstandsamt habe jedoch ihr letzter Wohnort in D._______ ermittelt werden können. Zuletzt sei sie an jener Adresse gemeldet gewesen, wo sich das Haus der Familie von E._______ befinde. Auch die Adressangabe zu ihrem Elternhaus sei unzutreffend ge- wesen, jedoch habe auch dieses Haus ermittelt werden können. Die Fami- lie (… [der Beschwerdeführerin]) besitze ein grosses zweiteiliges H aus, dessen rechter Teil gemäss verschiedener Aussagen auch heute noch der Mutter der Beschwerdeführerin gehöre. Gemäss Aussage von E._______ werde das ihm bekannte Haus der Familie (… [der Beschwerdeführerin]) von den im Ausland lebenden Angehörigen der Familie nur noch zu Feri- enzwecken genutzt. Auch habe er angegeben, im Kosovo lebten noch On- kel und Cousinen der Beschwerdeführerin. Neben diversen persönlichen Angaben zur Person von E._______ wurde im Bericht ausgeführt , dieser halte sich seit März 2015 im Kosovo auf, nachdem ihm seine Niederlas- sungsbewilligung entzogen worden sei. D. Nach Eingang des vorgenannten Berichts führte das SEM mit der Be- schwerdeführerin am 22. April 2015 eine ergänzende Anhörung durch, an welcher auch deren damalige Rechtsvertretung teilnahm. Im Verlauf dieser Anhörung wurde ihr vom Staatssekretariat eröffnet, die im Kosovo durch- geführten Botschaftsabklärungen hätten ergeben, dass sie im Kosovo in D-739/2016 Seite 5 der Person von Onkeln, Cousins und Cousinen weiterhin über ein ver- wandtschaftliches Beziehungsnetz verfüge n dürfte . Diese Feststellung wurde von der Beschwerdeführerin zunächst bestritten, indem sie geltend machte, sie habe nur einen Onkel väterlicherseits, welcher in England lebe. In der Folge führte sie aus, im Kosovo habe sie nur entfernte Verwandte, respektive sie habe dort tatsächlich noch fünf Cousins mütterlicherseits, welche alle in der Nähe von H._______ lebten, sowie zwei verheiratete Cousinen, deren Aufenthaltsort sie nicht kenne. Ihre Cousins habe sie aber vor ihrer Ausreise nur noch selten gesehen. Andere Verwandte habe sie nicht. Nach Vorhalt des SEM, das elterliche Haus dürfte nach wie vor ihrer Mutter gehören, machte die Beschwerdeführerin geltend, das Haus sei tat- sächlich schon seit zwei Jahren verkauft. Die neuen Besitzer würden schon dort leben, allerdings sei es bei den Behörden noch nicht offiziell auf diese übertragen worden. Beim Haus handle es sich tatsächlich um ein Doppel- haus. Der eine Teil gehöre ihrem Onkel , der andere ihrer Mutter. Der Teil des Onkels sei unbewohnt, da dieser in England lebe. Sein Haus sei immer unbewohnt gewesen und ob sie dort wohnen dürfte, wisse sie nicht, zumal der Onkel immer gesagt habe, er würde es nicht mögen, wenn jemand dort leben würde. Das Verhältnis zu ihrem Onkel sei aber gut. Auf Nachfrage hin bestritt die Beschwerdeführerin die von der Botschaft ermittelten An- gabe zu ihrem letzten Wohnsitz in D._______ an der Adresse (…), zumal sie dort nie offiziell gemeldet gewesen sei. Was sich dort befinde, wisse sie nicht. Nach Vorlage eines Fotos des Hauses an dieser Adresse bestätigte sie jedoch, dass es sich dabei um das Haus der Familie von E._______ handle. Nach Vorlage des entsprechenden Fotos bestätigte sie ferner, dass darauf das Doppelhaus ihrer Mutter und ihres Onkels abgebildet sei. Auf Nachfrage hin gab sie im Weiteren an, mit E._______ seit dem 27. Ja- nuar 2015 keinen Kontakt mehr gehabt zu haben. Gleichzeitig bekräftigte sie, er habe die Kinder oft geschlagen, wenn diese ihn gestört hätten, und sie immer weggestossen, wenn sie ihn daran zu hindern versucht habe. Geschlagen habe er sie aber nicht, zumal er einzig die kleinen Kinder ge- schlagen habe. Sie hätten sich am 24. Januar 2015 getrennt, wobei er da- mals gesagt habe, nimm die Kinder, geh weg und verschwinde. Sie habe sich daraufhin von ihrem Bruder abholen lassen. Gleichzeitig bekräftigte die Beschwerdeführerin, sie sei zuvor anlässlich jeder Auseinandersetzung respektive jede Woche zwei - bis dreimal von E._______ mit dem Entzug der Kin der bedroht worden. Zudem habe er sie nach der Trennung per SMS bedroht. In diesem Zusammenhang legte sie als Beweismittel den Ausdruck einer mit einer anonymen Nummer geführten elektronischen Konversation (Chat-Protokoll) vor. Für die weiteren Vorbringen anlässlich der ergänzenden Anhörung ist auf die Akten zu verweisen. Zum Schluss D-739/2016 Seite 6 der Anhörung wurde die Beschwerdeführerin vom SEM aufgefordert, innert 14 Tagen Beweismittel betreffend den geltend gemachten Verkauf des Hauses der Mutter nachzureichen. E. Fünf Tage nach der ergänzenden Anhörung – mit Eingabe vom 27. April 2015 – teilte die Beschwerdeführerin dem SEM mit, laut ihren Aussage würden weder ihre Mutter noch ihr Onkel noch ihre (…) Geschwister sie im Kosovo unterstützen, zumal allen die Mittel dazu fehlen würden. Auch werde der Onkel ihr nicht die Erlaubnis geben, in seinem leerstehenden Hausteil zu wohnen. Zur Frage des Hausverkaufs sei es so, dass es laut Auskunft ihrer Mutter kei nen schriftlichen Kaufvertrag gebe, was mit den Gepflogenheiten im Kosovo zu tun habe und mit dem Umstand, dass die Käufer noch nicht der gesamte Kaufpreis bezahlt hätten. Ihre Mutter werde sich aber um einen Kaufvertrag bemühen, sobald das Haus bezahlt sei. F. Am 27. April 2015 wurden die Beschwerdeführenden für den weiteren Auf- enthalt während des Asylverfahrens dem Kanton I._______ zugewiesen. G. Aus den Akten geht hervor, dass der Mutter der Beschwerdeführerin von der für sie zuständigen Migrationsbehörde des Kantons G._______ bereits am 28. Oktober 2014 die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung verweigert worden war. Am 16. September 2016 setzte die kantonale Migrationsbe- hörde das SEM davon in Kenntnis, dass eine gegen diesen Entscheid an- gehobene Beschwerde vom kantonalen Verwaltungsgericht mit Urteil vom 7. September 2015 abgewiesen worden sei. H. Mit Schreiben vom 29. September 2015 forderte das SEM die Beschwer- deführerin auf, betreffend die geltend gemachte schwere Blutarmut ihres Kindes C._______ innert Frist einen ärztlichen Bericht nachzureichen. In der Folge hielt die das Kind seit dem 29. April 2015 behandelnde Kinder- ärztin in ihrem Bericht vom 21. Oktober 2015 zuhanden des SEM fest, das Kind habe vormals an einer schweren Eisenmangel-Anämie gelitten, wel- che ab dem 27. Mai 2015 zuerst mit einem III-wertigen Eisenpräparat (Mal- tofer) behandelt worden sei. Nachdem diese Therapie erfolglos gewesen sei, sei das Kind ab dem 15. Juli 2015 mit einem II-wertigen Eisenpräparat (Aktiferrin) behandelt worden, wor auf die Anämie verschwunden sei. Die Laborkontrolle vom 20. Oktober 2015 habe zwei Wochen nach Ende dieser D-739/2016 Seite 7 Therapie normale Werte angezeigt. Bei unauffälligem Kind sollten die La- borwerte in zwei bis drei Monaten nochmals kontrolliert werden, im Falle von Blässe oder Müdigkeit als Zeichen der Blutarmut früher. Ob später wie- der eine Behandlung nötig werde, könne derzeit noch nicht gesagt werden. Ebenfalls offen sei, ob im Falle einer neuerlichen Anämie weitergehende Abklärungen betreffend die Ursache notwendig würden. Nicht bekannt sei schliesslich, ob im Kosovo im Bedarfsfall eine Behandlung mit Aktiferrin, einem sehr teuren Medikament, welches nicht auf der Spezialitätenliste stehe, erhältlich sei. I. Am 11. Dezember 2015 wurde das SEM von der Migrationsbehörde des Kantons G._______ auf Nachfrage hin davon in Kenntnis gesetzt, dass die Mutter der Beschwerdeführerin die Schweiz noch nicht verlassen habe, weshalb ihr eine Ausreisefrist per 22. Januar 2016 angesetzt worden sei. J. Mit Verfügung vom 5. Januar 2016 – eröffnet am 8. Januar 2016 – lehnte das SEM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab und ordnete de- ren Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung führte das Staatssekretariat im Wesentlichen aus, die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Furcht vor Nachstellungen ihres ehemaligen Lebenspartners und Vater s ihrer Kinder seien nicht asylrele- vant, da der kosovarische Staat im Falle von häuslicher Gewalt seiner Schutzpflicht im Rahmen seiner Möglichkeiten nachkomme. Mithin bestän- den keine Hinweise darauf, dass im Falle einer Meldung an die Behörden wegen möglicher Übergriffe ihres ehemaligen Lebenspartners der erforder- liche Schutz nicht gewährleistet würde. Vor diesem Hintergrund sei für die Beschwerdeführerin möglich und zumutbar, sich nach ihrer Rückkehr in den Kosovo im Bedarfsfall mit dem notwendigen Nachdruck an die zustän- digen Behörden zu wenden. Sollten einzelne Beamte untätig bleiben wol- len, könne dies von der Beschwerdeführerin, gegebenenfalls mit der Hilfe eines Anwalts, bei der vorgesetzten Stelle gerügt werden. Vor diesem Hin- tergrund, mangels Asylrelevanz der Vorbringen, könne auf eine Prüfung der Glaubhaftigkeit des Sachverhaltsvortrages verzichtet werden, womit sich eine Auseinandersetzung mit dem als Beweismittel vorgelegten Chat- Protokoll erübrige, wie auch mit dem Umstand, dass E._______ laut der durchgeführten Botschaftsabklärung Tätlichkeiten gegen die Beschwerde- führerin bestreite. Auf die weiteren Entscheidbegründung wird nachfolgend eingegangen. D-739/2016 Seite 8 K. Gegen diesen Entscheid liess die Beschwerdeführerin am 4. Februar 2016 (Poststempel) durch den rubrizierten Rechtsvertreter Beschwerde erhe- ben. In ihrer Eingabe beantragte sie im Wesentlichen die Vornahme weite- rer Abklärungen zur Feststellung der Flüchtl ingseigenschaft, eventualiter die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz zufolge Unzu- mutbarkeit respektive Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges. Dabei führte sie im Rahmen der Beschwerdebegründung aus, erst nach ihrer Ein- reise in die Schweiz sei ihr bekannt geworden, dass ihr Verlobter mit der in J._______ wohnhaften K._______ verheiratet sei und er mit dieser bereits drei Kinder habe. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes seien ihre Bezie- hungsprobleme unerträglich geworden, zumal ihr Verlobter sie und die Kin- der psychisch und physisch misshandelt habe. Da sie keinen geregelten Aufenthalt in der Schweiz gehabt habe, habe sie s ich dagegen nicht zur Wehr setzen können. Der Grund für ihr Asylgesuch liege daher in der sys- tematischen physischen und psychischen Misshandlung durch E._______. Die Beschwerdeführerin machte sodann im Rahmen von Ausführungen zu den Bestimmungen von aArt. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG und aArt. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG (beide aufgehoben seit dem 1. Februar 2014) dem wesentli- chen Sinngehalt nach geltend, es seien weitere Abklärungen zur Flücht- lingseigenschaft notwendig, zumal im Länderkontext den frauenspezifi- schen Gründen gebührend Rechnung zu tragen sei, auch wenn sich alleine aus der patriarchalen Struktur des Kosovo noch keine asylrelevante Ver- folgung ergebe. Dabei sei auch die Komponente des unerträglichen psy- chischen Drucks zu berücksichtigen. Schliesslich seien gerade in Gesell- schaften wie im Kosovo die staatlichen Organe nicht sehr geeignet, im Falle häuslicher Gewalt zu intervenieren. So sei der Druck, welche n die albanischen Gesellschaft gegen Frauen ausübe, die sich der Familie ent- ziehen, untragbar und deren psychische und physische Integrität in Gefahr. In ihrem Fall sei daher absehbar, dass ein Wegweisungsvollzug in den Ko- sovo eine konkrete Gefährdung ihres Lebens zur Folge hätte. Schliesslich müsse eine individuelle Prüfung ihrer persönlichen Umstände auch zur Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges führen. Da- bei machte die Beschwerdefüh rerin unter Verweis auf ihre Eingabe vom 27. April 2015 nochmals geltend, sie könne mit keiner finanziellen Unter- stützung vonseiten ihrer Familie rechnen und sie habe im Kosovo auch keine Wohnmöglichkeit. L. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerich ts vom 10. Februar 2016 wurde auf das E rheben eines Kostenvorschusses gemäss Art. 63 D-739/2016 Seite 9 Abs. 4 VwVG verzichtet, unter Hinweis auf das Kostenrisiko respektive die Kostentragungspflicht nach Art. 63 Abs. 1 VwVG. Gleichzeitig wurde das SEM zum Schriftenwechsel eingeladen (Art. 57 Abs. 1 VwVG). M. In seiner Vernehmlassung vom 24. Februar 2016 hielt das SEM an der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Be- schwerde. Dabei führte das Staatssekretariat aus, die Beschwerdeschrift beschränke sich faktisch auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzuges und die Berufung auf die Notwendigkeit einer vertieften Einzelfallprüfung, wenn die Frage der Wegweisung einer Frau in eine pat- riarchalische Gesellschaft zur Frage stehe. Diesem Aspekt sei in der ange- fochtenen Verfügung jedoch Rechnung getragen worden, indem der Weg- weisungsvollzug nach eingehenden Prüfung als zumutbar erkannt worden sei. Diesbezüglich könne noch angemerkt werden, dass sich die Be- schwerdeführerin ausserdem vor Ort an den Sozialdi enst oder bei Bedarf an geschlechterspezifische Nichtregierungsorganisationen wenden könne. N. Nach Einladung zur Stellungnahme bekräftigte die Beschwerdeführerin in ihrer Replikeingabe vom 14. März 2016 das Vorbringen einer ernsthaften Gefährdung im Falle einer Wegweisung in den Kosovo, zumal es sich bei E._______ um einen Psychopathen handle, von welchem eine ernsthafte Gefahr ausgehe. Müsse sie in den Kosovo zurückkehren, werde er ihr die Kinder wegnehmen und sie werde diese nie mehr sehen. Schliesslich s ei den schweizerischen Behörden dessen Verhalten bereits bekannt. Mit der Replikeingabe reichte sie nochmals das bereits bekannte Chat -Protokoll zu den Akten (vgl. oben, Bst. D [am Ende]), wobei sie geltend machte, da- bei handle es sich um die letzten Drohu ngen, welche sie vonseiten von E._______ erhalten habe. Zudem habe er damals auch ihre Brüder verbal mit dem Tod bedroht. Zwar sei es seither zu keinen weiteren Drohungen gekommen, genau dies zeige aber seine Verschlagenheit. In ihren weite- ren Ausführungen machte sie geltend, im Kosovo existiere kein ordentli- ches Justizsystem, sondern es herrschten mafiöse Zustände, zumal ledig- lich die KFOR eine minimale Ordnung ins Land bringe. Für die weiteren Vorbringen ist auf die Akten zu verweisen. D-739/2016 Seite 10 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei- det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorlie- gend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. dazu Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 ff. AsylG). 1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 1.4 Die Beschwerdeführerin ist legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und ihre Eingabe erweist sich als frist - und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. In ihrer Beschwerdeeingabe beantragt die Beschwerdeführerin vorab die Vornahme weiterer Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigen- schaft, was sie im Rahmen der Beschwerdebegründung in Zusammen- hang mit den Voraussetzungen zur Anwendung der schon vor zwei Jahren ausser Kraft gesetzten Bestimmung von aArt. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG in Verbindung mit aArt. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG stellt. Da das SEM keinen alt- rechtlichen Nichteintretensentscheid ausgefällt, sondern materiell über das Asylgesuch der Beschwerdeführerin entschieden hat, zielen ihre diesbe- züglichen Vorbringen ins Leere. Mit Blick auf die nachfolgenden Erwägun- gen ist festzustellen, dass es keiner weiteren Sachverhaltsabklärungen be- darf. Der entscheidrelevante Sachverhalt ist als erstellt zu erkennen, womit das Gericht einen Entscheid in der Sache zu fällen hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG) 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer D-739/2016 Seite 11 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Die Beschwerdeführerin hatte ihren Angaben zufolge bis zu ihrer Aus- reise aus dem Kosovo im Mai 2012 weder mit den heimatlichen Behörden noch mit Privaten jemals Probleme. Ihre Heimat habe sie einzig deswegen verlassen, um ihrem Verlobten in die Schweiz nachzufolgen. Damit ist be- zogen auf d en Ausreisezeitpunkt von vornherein keine Verfolgungssitua- tion ersichtlich. Die Beschwerdeführerin hat ihr Gesuch mit der Furcht vor zukünftigen Nachstellungen vonseiten ihres bisherigen Lebenspartners be- gründet, welcher ihr während ihres gemeinsamen Aufen thalts in der Schweiz im Rahmen von Streitigkeiten immer wieder mit dem Entzug der gemeinsamen Kinder und darüber hinaus anlässlich ihrer Trennung auch mit dem Tod gedroht habe. In diesem Zusammenhang ist zunächst festzu- stellen, dass sich die Beschwerdeführerin damit bei objektiver Betrachtung auf keine flüchtlingsrechtlich relevante Bedrohungslage beruft, sondern le- diglich auf eine private Konfliktlage. Mithin besteht aufgrund ihrer Vorbrin- gen kein Anlass zur Annahme, ihr würde in ihrer Heimat aus einem flücht- lingsrechtlich relevanten Grund – wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer poli- tischen Anschauungen – Verfolgung drohen. Wie vom SEM zu Recht er- wogen, besteht auch kein hinreichender Anlass zur Annahme, es würde ihr aus einem der vorgenannten Gründe von den dafür zuständigen Polizei - und Justizbehörden allenfalls benötigter Schutz vor möglichen Nachstel- lungen vonseiten ihres bisherigen Lebenspartners verweigert. In dieser Hinsicht ist mit dem Staatssekretariat nicht nur von der grundsätzlichen Schutzfähigkeit, sondern ebenso von der grundsätzlichen Schutzwilligkeit der kosovarischen Polizei- und Justizbehörden auszugehen, zumal die Be- schwerdeführerin nicht aus einem allenfalls noch rückständigen Gebiet des D-739/2016 Seite 12 Landes, sondern aus der Stadt D._______ stammt. Zwar hat sie im erstin- stanzlichen Verfahren angeführt, die staatlichen Strukturen im Kosovo seien viel schlechter als in der Schweiz. Auf Beschwerdeebene macht sie zudem geltend, in der patriarchalen Gesellschaft des Kosovo könne sie als Frau keinen Schutz vonseiten der Behörden erwarten. Diese Vorbringen vermögen jedoch nicht zu überzeugen, zumal es sich bei ihrem Heimatort D._______ um eine entwickelte Grossstadt mit immerhin rund 180‘000 Ein- wohnern handelt, welche über ausgebaute Polizei - und Justizstrukturen verfügt und in welcher nicht nur nationale Frauenrechtsgruppen (bspw. das Kosovo Women’s Network [KWN]), sondern auch lokale Frauenrechts- und Hilfsorganisationen (bspw. die Organisation Dora Dorës) aktiv sind. Es darf daher mit dem SEM davon ausgegangen werden, dass der Beschwerde- führerin in ihrer Heimatstadt D._______ im Falle von Behelligungen von- seiten von E._______ adäquater Schutz zur Verfügung steht, ebenso wie adäquate Beratungsangebote oder anwaltlicher Beistand , sollte sie sol- chen zur Durchsetzung eigener Ansprüche (namentlich Unterhaltszahlun- gen für die Kinder) oder Abwehr fremder Ansprüche benötigen . Dies gilt insbesondere, da sie in D._______ verwurzelt ist und dort – wie nachfolgen aufgezeigt – auch über eine gesicherte Wohnsituation verfügt (unten, E. 5.3). 3.4 Vor dem Hintergrund der vorstehenden Erwägungen kann mit dem SEM auf eine Prüfung der Frage der Glaubhaftigkeit der Angaben und Aus- führungen der Beschwerdeführerin verzichtet werden. In diesem Zusam- menhang ist aber immerhin festzuhalten, dass nicht unerhebliche Zweifel am Sachverhaltsvortrag bestehen, zumal die Beschwerdeführerin im Ver- lauf des Verfahrens ihre Vorbringen klar erkennbar nach und nach ausge- baut hat. Machte sie zu Beginn des Verfahrens noch primär eine allge- meine Enttäuschung, ständige Streitereien und eine zunehmende Ver- nachlässigung vonseiten von E._______ geltend, behauptet sie auf Be- schwerde schliesslich, von seiner Seite über lange Zeit systematische phy- sische und psychische Misshandlung erlitten zu haben . Die damit insge- samt ersichtliche, zunehmende Steigerung der Vorbringen vermag kaum zu überzeugen. Der über das Verfahren zu beobachtende Ausbau der Vor- bringen weckt ebenso Zweifel wie die durch die Botschaftsabklärung er- sichtlich gewordenen Unstimmigkeiten in den weiteren Angaben der Be- schwerdeführerin. Auf eine abschliessende Würdigung kann indes – wie einleitend erwähnt – verzichtet werden. 3.5 Nach dem Gesagten sind die Verneinung d er Flüchtlingseigenschaft und die Ablehnung des Asylgesuches zu bestätigen. D-739/2016 Seite 13 4. 4.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 [erster Satz] AsylG). 4.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. auch BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 5. 5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige A ufnahme (Art. 44 [zweiter Satz] AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). In diesem Zusammenhang bleibt festzuhalten, dass bezüglich der Geltend- machung von Wegweisungsvollzugshindernissen gemäss Praxis des Bun- desverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht- lingseigenschaft gilt, das heisst, allfällige Vollzugshindernisse sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 5.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn v ölkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. Die Vorinstanz weist in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen D-739/2016 Seite 14 schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdefüh- rerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu- weisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An- wendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden nach Kosovo ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann er- geben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführenden für den Fall einer Ausschaffung nach Kosovo mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt würden. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr (« real risk») nach- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr und ihren Kindern im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124-127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssitu- ation in Kosovo lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völker- rechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt oder me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Im Rahmen der Beschwerde macht die Beschwerdeführerin unter Verweis auf ihre Eingabe vom 27. April 2015 nochmals geltend, sie könne mit keiner finanziellen Unterstützung vonseiten ihrer in der Schweiz lebenden Ge- schwister rechnen und sie habe im Kosovo auc h keine Wohnmöglichkeit. Diese Vorbringen sind indes nicht geeignet, die insgesamt überzeugenden Erwägungen des SEM über die grundsätzliche Zumutbarkeit einer Rück- kehr an den angestammten Heimatort D._______ zu erschüttern. So ist aufgrund der Aktenlage mit dem Staatssekretariat zunächst darin einig zu gehen, dass die Familie der Beschwerdeführerin in D._______ auch wei- terhin über ihr eigenes Haus verfügen dürfte, womit die Beschwerdeführe- rin nicht auf eine Unterstützung durch ihren Onkel angewiesen ist, welcher das Nachbarhaus besitzt. Der behauptete Verkauf des Hauses wurde von D-739/2016 Seite 15 der Beschwerdeführerin bis heute mit nichts belegt und steht im klaren Wi- derspruch zum Abklärungsergebnis der Botschaft. Daher ist mit dem Staatssekretariat von einer gesicherten Wo hnsituation auszugehen. Die Beschwerdeführerin hat sodann eigenen Angaben zufolge stets in D._______ gelebt, weshalb sie dort über ein soziales Beziehungsnetz ver- fügen dürfte. Gleichzeitig ist auch ihre Mutter zur Ausreise aus der Schweiz verpflichtet, weshalb die Beschwerdeführerin zusammen mit ihr in die Hei- mat zurückkehren kann, respektive mit ihren Kindern ihrer Mutter nachfol- gen kann, sollte diese die Schweiz weisungsgemäss am 22. Januar 2016 verlassen haben. Nachdem die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zu- folge während der letzten Jahre stets von ihren insgesamt (…) Brüdern und (…) Schwestern unterstützt worden ist, zusammen mit ihrer Mutter, darf mit hinreichender Sicherheit davon ausgegangen werden, sie werde von die- ser Seite auch in Zukunft die notwendige finanzielle Unterstützung erhal- ten. Das anders lautende Vorbringen ist aufgrund der Aktenlage als Schutzbehauptung zu erkennen. Aufgrund der Akten spricht auch die vormalige Erkrankung d es Kindes C._______ nicht gegen den Wegweisungsvollzug, zumal gemäss Bericht der behandelnden Kinderärztin vom 21. Oktober 2015 die schwere Eisen- mangel-Anämie des Kindes erfolgreich behandelt worden ist. Im Rahmen der Beschwerde und auch der Replikeingabe wurde diesbezüglich nichts mehr geltend gemacht, weshalb davon ausgegangen werden darf, die fachärztliche Behandlung vom Sommer 2015 habe eine nachhaltige Wir- kung gehabt. Schliesslich spricht auch die geltend gemachte Bedrohungslage vonseiten von E._______ nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges, da – wie oben aufgezeigt – im Falle von D._______ grundsätzlich vom Vor- handensein eines adäquaten Schutz- und Unterstützungsangebots auszu- gehen ist. Zwar macht die Beschwerdeführerin in ihrer Replikeingabe gel- tend, die Bedrohungslage sei weiterhin sehr aktuell , zumal es sich bei E._______ tatsächlich um einen Psychopathen handle . Da sie an dieser Stelle aber gleichzeitig ausweist, dass der letzte Kontakt mit ihm am 27. Ja- nuar 2015 und damit vor weit ü ber einem Jahr stattgefunden hat, vermag dieses Vorbringen kaum zu überzeugen. Das Vorbringen, dessen lange Nicht-Kontaktnahme sei ein Beleg für seine Verschlagenheit, ist wiederum als Schutzbehauptung zu bezeichnen. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. D-739/2016 Seite 16 5.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, für sich und ihre Kinder bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG ; BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin die Ver- fahrenskosten von Fr. 600.– aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-739/2016 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand: