Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. März 2021 (715 20 287 / 63) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Die vom Beschwerdeführer vom 18. Mai bis Ende Juni 2020 ausgeübte Tätigkeit war die- sem sowohl grundsätzlich als auch insbesondere finanziell zumutbar, weshalb er in die- ser Zeit nicht arbeitslos war Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Unia Arbeitslosenkasse , Kompetenzzentrum D-CH West, Monbi- joustrasse 61, Postfach 3398 , 3001 Bern, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Der am X.____ geborene A.____ meldete sich am 30. September 2019 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung und stellte bei der Unia Arbeitslosen- kasse (Arbeitslosenkasse) Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 1. Oktober 2019. In der Folge wurde A.____ die Rahmenfrist für den Leistungsbe zug vom 1. Oktober 2019 bis 30. Sep- tember 2021 mit einem versicherten Verdienst von Fr. 4'881.-- und einem Taggeld von Fr. 157.45 (70 % des versicherten Verdienstes) eröffnet. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit befristetem Arbeitsvertrag vom 17. März 2020 wurde A.____ von der Einwohnergemeinde Y.____ als Saisonier Gartenbad und als Aufsicht Gartenb ad für die Dauer vom 15. Mai bis zum 20. September 2020 angestellt. Der Beschäftigungsgrad sei variabel und die Einsätze würden in einem separaten Arbeitsplan festgehalten. Am 4. Juni 2020 hat die Unia Arbeitslosenkasse (Ar- beitslosenkasse) das Formular "Angaben der versicherten P erson für den Monat Mai 2020" er- halten, wonach A.____ vom 15. Mai bis zum 31. Mai 202 0 bei der Gemeinde Y.____ gearbeitet habe, bisher aber – trotz mehrfacher Aufforderung – noch keinen Zwischenverdienstbeleg erhal- ten habe. Nachdem der Versicherte angefragt hatte, ob bereits eine Auszahlung der Arbeitslo- senentschädigung gestützt auf seine Angaben und – sobald der Zwischenverdienstbeleg vorliege – eine definitive Abrechnung erfolgen könne, wurde d em Versicherten mit Abrechnung vom 5. Juni 2020 unter Anrechnung eines Zwischenverdienstes in der Höhe von Fr. 1'913.75 ein Net- tobetrag von Fr. 1'812.60 ausbezahlt. Nachdem bei der A rbeitslosenkasse das Zwischenver- dienstformular für den Monat Mai 2020 eingegangen war, erliess diese eine erneute Abrechnung und verlangte von A.____ mit Schreiben vom 9. Juni 2020 unter Anrechnung eines Zwischenver- dienstes (Bruttolohn abzüglich Ferienentschädigung) von nunmehr Fr. 2'009.40 den Betrag von Fr. 58.15 zurück bzw. kündigte sie die Verrechnung dieses Betrags mit der nächsten Auszahlung an. Am 6. Juli 2020 hat die Arbeitslosenkasse weitere Unt erlagen erhalten (Formular Angaben des Versicherten für den Monat Juni 2020, das Zwischenverdienstformular für den Monat Juni 2020 in Bezug auf die Tätigkeit als Saisonier Gartenbad u nd das Zwischenverdienstformular für den Monat Juni 2020 in Bezug auf die Tätigkeit als Aufsich t Gartenbad). Mit zwei Verfügungen vom 6. Juli 2020 hat die Arbeitslosenkasse den Anspruch von A.____ auf Arbeitslosenentschädigung vom 18. Mai bis 31. Mai 2020 sowie für die Kontrollperiode Juni 2020 mit der Begründung abge- lehnt, dass in diesen Zeitspannen kein anrechenbarer Verdienstausfall vorliegen würde. In einer weiteren Abrechnung vom 8. Juli 2020 hat die Arbeitslosenkasse eine erneute Korrektur für die Kontrollperiode Mai 2020 vorgenommen, was zu einem Rückforderungsbetrag von nun- mehr Fr. 1'754.45 führte. Eine gegen die Verfügungen vom 6. Juli 2020 sowie die Abrechnung vom 8. Juli 2020 erhobene Einsprache wies die Arbeitslosenkasse mit Entscheid vom 22. Juli 2020 ab, wobei die Verfügun- gen vom 6. Juli 2020 in Bezug auf die Anspruchsablehnun g bestätigt und die neu berechnete Rückforderung in der Höhe von insgesamt Fr. 216.30 abgeschrieben wurde. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit Schreiben v om 11. August 2020 Beschwerde am Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Da- rin beantragte er sinngemäss, dass der Einspracheentschei d aufzuheben und die Arbeitslosen- kasse zu verpflichten sei, ihm monatlich eine Taggeldabr echnung zukommen zu lassen. Des Weiteren habe die Arbeitslosenkasse die Rückforderung n achvollziehbar zu berechnen, wobei daran festzuhalten sei, dass die Arbeitslosenkasse ihm d ie Rückforderung erlasse und in ihrem System abschreibe. Auch solle der Einspracheentscheid insofern aufgehoben werde, als davon ausgegangen werde, dass Bademeister ein zumutbarer Ber uf für ihn sei. Ausserdem sei sein Verdienst bei der Gemeinde Y.____ als Zwischenverdienst a nzurechnen und der Entscheid sei Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufzuheben, soweit die Arbeitslosenkasse pauschal davon a usgehe, dass er bis Ende seines Vertrages als nicht mehr arbeitslos gelte. Des Weiter en sei ihm sein Aufwand zu entschädigen, da die Verfügung der Arbeitslosenkasse nicht notwendig gewesen sei und ihm viel Arbeit verur- sacht habe. C. Mit Vernehmlassung vom 28. August 2020 beantragte d ie Arbeitslosenkasse, dass die Beschwerde abgewiesen werde. D. Der Beschwerdeführer reichte mit Schreiben vom 29. August 2020 die Abrechnung der Arbeitslosenkasse vom Juli 2020 zu den Akten und erklärte, d agegen Einsprache erhoben zu haben. Er beantragte, dass die beiden Entscheide der Ar beitslosenkasse in einem Gerichtsver- fahren zu behandeln seien. Mit Schreiben vom 3. Septe mber 2020 wies der instruierende Ge- richtsschreiber daraufhin, dass die Zusammenlegung der Ve rfahren nicht möglich sei, da die Durchführung des Einspracheverfahrens gesetzlich vorgeschrieben sei und den beiden Verfah- ren nicht der gleiche Streitgegenstand zu Grunde liege. In einem weiteren Schreiben vom 6. Sep- tember 2020 beantragte der Beschwerdeführer, das Gericht habe zu prüfen, ob die Tätigkeit als Bademeister/Life Guard als Haupttätigkeit eine zumutbare Tätigkeit darstelle und er deshalb nicht mehr als arbeitslos gelte und dadurch sowohl seinen Anspruch auf eine monatliche Abrechnung als auch seinen Anspruch auf kontrollfreie Tage verliere. Ausserdem habe das Gericht zu prüfen, ob er gemäss Art. 8 AVIV anspruchsberechtigt sei und die Folgen daraus darzulegen. Mit einem weiteren Schreiben vom 2. Oktober 2020 teilte der Besch werdeführer mit, dass sich die Anmel- dung bei der Pensionskasse im Zusammenhang mit seinem Zwi schenverdienst verzögere. Die nachträglich einzubezahlenden Mitgliederbeiträge würden seinen Nettolohn reduzieren. E. Mit Schreiben vom 20. Oktober 2020 verwies die Arbeit slosenkasse auf ihren Ein- spracheentscheid vom 22. Juli 2020 sowie auf ihre Verneh mlassung vom 28. August 2020. Im Übrigen führte sie aus, dass sich die Berechnung des Zwisch enverdienstes auf den Bruttolohn stütze, weshalb ein BVG-Abzug keinen Einfluss auf ihren Entscheid habe. F. Am 2. November 2020 teilte der Beschwerdeführer mi t, dass er für den Zeitraum Mai bis Oktober 2020 nachträglich Mitgliederbeiträge an die Pensionskasse in der Höhe von Fr. 965.40 nachzahlen müsse. Weiter führte er aus, dass die Arbeitslosenkasse in ihrer Beschwerdeantwort selbst ausgeführt habe, dass sie zum heutigen Zeitpunkt nicht beurteilen könne, ob der Verdienst bis zum Vertragsende am 20. September 2020 zumutbar se i oder nicht. Trotzdem habe die Ar- beitslosenkasse im angefochtenen Entscheid festgehalten, dass er vom Mai bis September 2020 als nicht mehr arbeitslos gelte. Mit Schreiben vom 13. November 2020 reichte der Beschwerde- führer die Taggeldabrechnung vom Oktober 2020 zu den A kten und führte aus, dass ihm die Arbeitslosenkasse ohne Angabe von Gründen seinen Anspruch auf kontrollfreie Bezugstage massiv gekürzt habe. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obli gatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversi- cherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht e rhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherun g und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desj enigen Kantons, in dem die versi- cherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrol lpflicht erfüllt. Vorliegend hat der Be- schwerdeführer die Kontrollpflicht im Kanton Basel-Lan dschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger g emäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 11. August 2020 ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 (VPO) entscheidet die präsidiere nde Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Bei einer Taggeldhöhe von Fr. 157.45 beläuft sich der Streitwert für die Zeit von Mitte Mai bis Ende Juni 2020 auf weniger als Fr. 20'000.--. Die Angelegenheit ist daher präsidial zu entscheiden. 1.3 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind gr undsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwer- deweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsge- genstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung er- gangen ist (BGE 131 V 164 f. E. 2.1, 125 V 414 E. 1a und b, je mit Hinweisen). Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet, und zwar in dem Ausmass, als die Regelung des Rechts- verhältnisses nach den Parteianträgen des Beschwerdeverfah rens noch streitig ist (vgl. F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983 , S. 46). Soweit der Beschwerde- führer in seinen diversen Schreiben Anträge stellt, die nicht im Verwaltungsverfahren verbindlich beurteilt wurden, kann darauf nicht eingetreten werden. Dies gilt insbesondere für den Antrag des Beschwerdeführers, dass der Einspracheentscheid aufzuheben sei, soweit dieser feststelle, dass er bis Ende seines Bademeister-Vertrages als arbeitslo s gelten solle. Der Einspracheentscheid hat sich jedoch lediglich zu den Monaten Mai und Juni 2020 geäussert, weshalb auf diesen Antrag nicht einzutreten ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist vorweg, ob der Beschwer deführer ab dem 18. Mai 2020 bis 30. Juni 2020 grundsätzlich Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat. Dabei ist insbesondere zu beurteilen, ob der Beschwerdeführer in dieser Zeit als arbeitslos zu gelten hat. 2.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt na ch Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslos ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeits- ausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schweiz wohn t (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurück- gelegt und weder das Rentenalter der AHV erreicht ha t noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), ver- mittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG hat die Beitragszeit erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rah- menfrist für die Beitragszeit von zwei Jahren (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Mo- naten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (vgl. AVIG-Praxis ALE, Arbeitsmarkt und Arbeitslosenversicherung [AVIG-Praxis] Rz. B143). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit be- ginnt gemäss Art. 9 Abs. 3 AVIG zwei Jahre vor der Rahmenfrist für den Leistungsbezug zu lau- fen. Letztere wiederum fängt gemäss Art. 9 Abs. 2 AVIG mit dem Tag an, an dem sämtliche An- spruchsvoraussetzungen erfüllt sind. 2.2 Vorliegend ist unbestritten, dass am 1. Oktober 201 9 sämtliche Anspruchsvoraussetzun- gen erfüllt waren, so dass an diesem Tag die zweijährige Rahmenfrist für den Leistungsbezug zu laufen begonnen hat. 3.1 Die Arbeitslosenentschädigung wird in Form von Tagg eldern ausgerichtet, ein volles Taggeld beträgt 80 oder 70 % – vorliegend unbestrit tenermassen 70 % – des versicherten Ver- dienstes (vgl. Art. 22 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver- sicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIG). Als versi cherter Verdienst gilt der im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeitraumes aus ei- nem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wurde (Art. 23 Abs. 1 AVIG). Ge- mäss Art. 24 AVIG sind Zwischenverdienste an die Arbeitslo senentschädigung anzurechnen. Beim Vorliegen eines Zwischenverdienstes ist die Arbeitslosenentschädigung allein aufgrund des Verdienstausfalls und unabhängig vom Umfang des Arbeit sausfalls zu berechnen (BGE 121 V 360 E. 5c). Als Zwischenverdienst gilt jedes Einkommen aus unselbstständiger oder selbststän- diger Erwerbstätigkeit, das die arbeitslose Person innerhalb einer Kontrollperiode erzielt (Art. 24 Abs. 1 AVIG) und das geringer ist, als die ihr zustehen de Arbeitslosenentschädigung (Art. 41a Abs. 1 AVIV). Die versicherte Person hat innerhalb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug An- spruch auf Ersatz des Verdienstausfalles für Tage, an denen sie einen Zwischenverdienst erzielt (Art. 24 Abs. 2 AVIG). Als Verdienstausfall gilt die Differenz zwischen dem in der Kontrollperiode erzielten Zwischenverdienst, mindestens aber dem berufs- und ortsüblichen Ansatz für die be- treffende Arbeit, und dem versicherten Verdienst. Ein Nebenverdienst bleibt unberücksichtigt (Art. 24 Abs. 3 AVIG). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Ist eine bestimmte Tätigkeit einem Arbeitslosen b ezüglich des erzielten Lohnes und der übrigen Verhältnisse im Sinne von Art. 16 AVIG zumutba r, so kann jedoch nicht von Zwischen- verdienst gesprochen werden. Die Aufnahme einer zumutbaren und mindestens eine ganze Kon- trollperiode dauernden Arbeit führt zur Beendigung d er Arbeitslosigkeit beziehungsweise lässt eine solche gar nicht entstehen (BARBARA KUPFER BUCHER in: Murer/Stauffer, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, AVIG, 5. Auflage, Zü- rich/Basel/Genf 2019, S. 180 f., THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung in: Schweizeri- sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, 3. Auflage , Basel 2016, S. 2386 Rz 411). Massgebend für die Beurteilung, ob eine finanziell zumu tbare Arbeit vorliegt ist dabei, ob der Brutto-Tageslohn höher ist als das versicherte Brutto-Ta ggeld (Urteil des Bundesgerichts vom 26. April 2007, C 236/06, E. 3). 3.3 Nach Art. 16 Abs. 2 lit. i AVIG ist eine Arbeit unzumutbar, wenn sie dem Versicherten einen Lohn einbringt, der geringer ist als 70 % des ve rsicherten Verdienstes, es sei denn, der Versicherte erhalte Kompensationsleistungen nach Art. 24 AVIG (Zwischenverdienst). Nimmt der Versicherte während der streitigen Kontrollperiode eine – insbesondere lohnmässig – zumutbare Arbeit auf, mithin eine Tätigkeit, die ihm ein Einkommen verschafft, welches zumindest dem Be- trag der Arbeitslosenentschädigung entspricht, bleibt für die Annahme eines Zwischenverdiens- tes kein Raum (BGE 120 V 502). 3.3.1 Zur Bestimmung, ob eine Tätigkeit als – lohnmä ssig – zumutbar einzustufen ist, also das erzielte Einkommen mehr als 70 % des versicherten Verdienstes beträgt, hat das Bundesgericht folgendes ausgeführt: Eine sachgerechte Lösung, die d er Tatsache Rechnung trägt, dass die Kalendermonate eine unterschiedliche Anzahl Stempeltage aufweisen, ergibt sich nur, wenn für Bruttolohn und Brutto-Arbeitslosenentschädigung identi sche Vergleichsgrössen herangezogen werden. Dabei ist es naheliegend, vom versicherten Tage sverdienst auszugehen, der gemäss Art. 40a AVIV ermittelt wird, indem der versicherte Monatsverdienst durch 21,7 geteilt wird. Das Bruttotaggeld beträgt dementsprechend 80 % (im vorliegenden Verfahren 70 %) des versicherten Tagesverdienstes. Um eine übereinstimmende Vergleichsgrösse zu erhalten, ist auch der Brut- tomonatslohn mit dem gleichen Divisor 21,7 auf einen Tagesverdienst umzurechnen. Ist der Brut- totagesverdienst tiefer als das Bruttotaggeld, handelt es sich um einen Zwischenverdienst mit der Folge, dass die Voraussetzungen für einen Differenzausg leich nach Art. 24 Abs. 2 und 3 AVIG erfüllt sind; verhält es sich umgekehrt – der Bruttotag esverdienst ist höher als das Bruttotaggeld –, liegt eine lohnmässig zumutbare Arbeit vor und für die Annahme eines Zwischenverdienstes bleibt kein Raum (BGE 121 V 51 E. 4a). 3.3.2 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdefü hrer ab 18. Mai bis Ende Juni 2020 ein Einkommen von mehr als 70 % des versicherten Verdien stes erzielt hat. Vom 18. Mai 2020 bis zum 31. Mai 2020 hat der Beschwerdeführer bei der Gemeindeverwaltung Y.____ einen Ver- dienst von 2'009.40 (ohne Ferientanteil) erzielt, was bei 10 Arbeitstagen einem Verdienst von Fr. 200.90 pro Tag entspricht. Damit liegt sein Einkommen über dem Taggeld von Fr. 157.45. Glei- ches gilt auch für den Monat Juni 2020, in welchem er bereits aus seiner Tätigkeit als Saisonier Gartenbad ein Einkommen von Fr. 3'638.75 erzielt hat, was bei 22 Arbeitstagen einem Verdienst von Fr. 165.40 pro Tag entspricht. Damit hat der Besch werdeführer auch im Juni mehr als das Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht versicherte Taggeld von Fr. 157.45 verdient. Die Tätigk eit ist somit finanziell zumutbar. Ferner wurde die lohnmässig zumutbare Tätigkeit während mehr als einer Kontrollperiode ausgeübt. 3.4 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die Tä tigkeit als Bademeister sei gestützt auf seinen Werdegang nicht als eine für ihn zumutbare Tätigkeit im Sinne von Art. 16 Abs. 2 AVIG zu beurteilen. Er habe in den letzten fünf Jahren als selbständiger Unternehmensberater gear- beitet und neben anderen Kunden auch das Top Manageme nt der Z.____ als weltweit grösste Chemiefirma der Welt mit Market Research Studien und w issenschaftlichen Studien beraten. Seine Kunden seien meist im September auf ihn zugekomm en, wobei er dann Aufträge bis ca. im April/Mai des Folgejahres gehabt habe. Die letzten zwei Jahre seiner Selbständigkeit habe er jeweils über die Sommermonate als Life Guard/Bademeist er in diversen Schwimmbädern und Gemeinden auf Saisonbasis befristet und auf Stundenbasis gearbeitet. Dies um die Auftragslücke in den Sommermonaten auszugleichen. Seine selbständige Erwerbstätigkeit habe er wegen der Coronavirus-Pandemie und aus anderen Gründen aufgeben und sich per 1. Oktober 2019 als arbeitslos anmelden müssen. Sein Verdienst als selbständig Erwerbender sei nicht berücksichtigt worden, um die Höhe seiner Taggelder zu berechnen. 3.4.1 Vorweg ist festzuhalten, dass die Angabe des Beschwe rdeführers, dass er seine selb- ständige Erwerbstätigkeit unter anderem wegen der Corona-Pandemie aufgegeben und sich per 1. Oktober 2019 bei der Arbeitslosenkasse angemeldet habe, nicht nachvollziehbar bzw. nicht glaubhaft ist, da die Corona-Pandemie zu diesem Zeitpunkt noch kein Thema war. 3.4.2 Der Beschwerdeführer hat mit der Gemeinde Y.__ __ einen vom 15. Mai bis 20. Septem- ber 2020 befristeten Vertrag als Saisonier Gartenbad / Aufsicht Gartenbad abgeschlossen. Wie der Beschwerdeführer in seiner Einsprache angegeben hat, waren die Arbeitsstunden als Saiso- nier fix und nicht wetterabhängig, die Aufsichtsstunden hingegen variabel und somit wetterab- hängig. In den Jahren 2018 und 2019 war der Beschwerdeführer in den Sommermonaten bereits als Bademeister tätig (Schwimmbad B.____ vom 9. Mai 2018 bis 12. September 2018, Schwimm- bad in C.____ vom1. April 2018 bis 30. September 2018 [stundenweise], Gartenbad D.____ vom 12. Mai 2018 bis 30. September 2018 und vom 18. März 2019 bis 30. September 2019 als Ba- daushilfe in E.____). 3.4.3 Gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. b AVIG ist eine Arbe it unzumutbar, die nicht angemessen auf die Fähigkeiten oder auf die bisherige Tätigkeit des Versicherten Rücksicht nimmt. Mit der Be- zugnahme auf die Fähigkeiten soll vor allem eine Über forderung des Versicherten auf Grund seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten sowie fachlichen Fertigkeiten und Kenntnisse ver- hindert werden. Eine allfällige Unterbeanspruchung begründet dagegen keine Unzumutbarkeit (Urteil des Bundesgerichts vom 27. April 2006, C 65/06, E. 3.3; SVR 2005 ALV Nr. 7 [C 165/03] S. 22 E. 2.1; N USSBAUMER , a.a.O., S. 95 Rz 239; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N 16 zu Art. 16; vgl. auch Art. 17 Abs. 1 Satz 2 AVIG, wonach ein Versicherter verpflichtet ist, nötigenfalls auch ausserhalb seines bisherigen Berufes Arbeit zu suchen). Was die gesetzli- che Forderung nach einer angemessenen Rücksichtnahme auf die bisherige Tätigkeit betrifft, so zielt diese darauf ab, dass berufliche Qualifikationen nicht verloren gehen oder gemindert werden (erwähntes Urteil des Bundesgerichts vom 27. April 2006, C 65/06, E. 3.3; Gerhards, a.a.O., N 18 Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zür ich 1998, S. 118). Ein solcher Verlust oder eine solche Verminderung von Qualifikationen findet durch den – gemäss dem Beschwerdeführer im Übrigen nur einen Überbrückun gscharakter aufweisenden – Einsatz als Bademeister nicht statt. Zu beachten ist dabei, dass es sich bei dieser Arbeit als Bademeister um eine zeitlich befristete Tätigkeit handelt, weshalb auch diese weniger qualifizierte Arbeit eher als zumutbar zu erachten ist (ARV 1980 Nr. 8 S. 19, Nr. 43 S. 108 E. 4; Urteile des Bundesge- richts vom 10. Februar 2003, C 135/02, E. 2.2.1 und v om 19. März 2001, C 371/00, E. 3b/aa). Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Beschwerdeführer auch in den vorangegangenen Jahren 2018 und 2019 freiwillig und unabhängig von ei ner Schadenminderungspflicht – er war damals nicht bei der Arbeitslosenversicherung angemeldet – als Bademeister gearbeitet hat. Es ist nun nicht einzusehen, weshalb dieselbe Tätigkeit – nur weil der Beschwerdeführer jetzt ar- beitslos ist – nicht mehr zumutbar sein sollte, zumal er diese erneut freiwillig aufgenommen hat. Im Gegenteil spricht auch die Schadenminderungspflicht dafür, dass die Tätigkeit als Bademeis- ter zumutbar ist. 3.5 Nach dem Gesagten ist dem Beschwerdeführer die Tä tigkeit als Bademeister grund- sätzlich und insbesondere lohnmässig in den Monaten Mai bis Ende Juni 2020 zumutbar gewe- sen, weshalb die Arbeitslosenkasse zu Recht davon ausgegangen ist, dass der Beschwerdefüh- rer in dieser Zeit als nicht arbeitslos zu bewerten ist. 4. Des Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, dass di e Arbeitslosenkasse verpflichtet werden solle, ihm monatlich eine Taggeldabrechnung zukommen zu lassen, auch wenn er einen höheren Zwischenverdienst erziele als das ihm zustehende Taggeld. Dieser Antrag ist abzuwei- sen, da ein Anspruch auf eine Taggeldabrechnung nicht besteht, wenn keine Arbeitslosigkeit vor- liegt. 5. Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, die Arb eitslosenkasse solle den Rückfor- derungsbetrag nachvollziehbar begründen. Es ist dem Beschwerdeführer insofern zuzustimmen, dass die Entstehung der Rückforderung mit den vor dem E inspracheentscheid ergangenen di- versen Korrekturen verwirrend ist. Nach Auffassung des Ger ichtspräsidenten ist die Höhe der Rückforderung im Einspracheentscheid nun jedoch plausibel und verständlich begründet worden. Im Übrigen wurde die Rückforderung mit dem Einspracheentscheid erlassen und abgeschrieben, weshalb der Beschwerdeführer insoweit nicht mehr beschwert ist und ihm ein aktuelles Rechts- schutzinteresse fehlt. 6. Gestützt auf die obigen Ausführungen ergibt sich, da ss die Beschwerdegegnerin die Tä- tigkeit als Bademeister zu Recht als grundsätzlich zumutb ar und insbesondere vom 18. Mai bis 30. Juni 2020 auch als finanziell zumutbar erachtet hat, weshalb der Beschwerdeführer in dieser Zeit korrekterweise als nicht arbeitslos beurteilt wurde. Die vorliegende Beschwerde ist somit ab- zuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gü ltig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 1. Januar 2021) hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird keine Parteient- schädigung zugesprochen (Art. 61 lit. g ATSG). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird – soweit darauf eingetrete n werden kann – abge- wiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht