<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bildungsbericht 2023 weist Seite 327 darauf hin, dass es keine Daten über den Anteil der Studierenden gibt, die sich zu eidgenössischen Prüfungen anmelden oder nicht. Seite 330 wird ergänzt, der Mangel an Daten verunmögliche es, etwas über die Effizienz der höheren Berufsbildung auszusagen. Seite 321 wird betont, der Mangel an Daten erlaube auch keine Aussagen darüber, wie viele eidgenössische Berufsprüfungen oder höhere Fachprüfungen es in Zukunft geben könnte. Auf der Website des SBFI &gt; Höhere Berufsbildung &gt; Statistik verweist der neueste Eintrag auf Zahlen von 2010. </p><p>Dieser Mangel an Daten wiegt umso schwerer, als laut Bericht des Bundesamtes für Statistik zur Ausbildungssituation der Kandidatinnen und Kandidaten der höheren Berufsbildung die Spannbreite der erfolgreich abgeschlossenen Prüfungen je nach Bildungsfeld 2021 sehr gross war. Bei Prüfungen für den eidgenössischen Fachausweis (EF) und das eidgenössische Diplom (ED) gibt es Bildungsfelder mit Erfolgsquoten von unter 70 Prozent aller Kandidierenden (Sicherheitsdienstleistungen: ED 60,7 Prozent; Rechnungswesen, Marketing und Sekretariatsarbeit: ED 68,4 Prozent / EF 66,1 Prozent usw.). Das Scheitern ist umso dramatischer, als die Kandidierenden ihre Ausbildung ja häufig selber finanzieren und dafür viel Zeit investiert haben.</p><p>Ich ersuche um Beantwortung dieser Fragen: </p><p>1. Ist der Bundesrat bereit, Datenlücken im Bereich der Höheren Berufsbildung zu schliessen? </p><p>2. Wie erklärt er die tiefe Erfolgsquote von eidgenössischen Prüfungen in bestimmten Bildungsfeldern? Welche Bestrebungen gibt es, um die Situation zu verbessern? </p><p>3. Gibt es einen Zusammenhang zwischen privater Finanzierung und niedriger Erfolgsquote? Nehmen private Anbieter auch ungeeignete Personen in ihre Kurse auf, weil das Kursgeld ja unabhängig von der Erfolgsquote bezahlt werden muss?</p><p>4. Ecoplan führte im Rahmen des Projekts "Erwartungen an die Bildungsgefässe erheben" eine Online-Umfrage durch. Der Rücklauf war höchst bescheiden. Nur 27 Prozent der Organisationen der Arbeitswelt (Träger der Höheren Berufsbildung) nahmen teil und nur 46 Prozent der Bildungsinstitutionen. Wie kann der Rücklauf und mittels Verlaufsdaten das systemische Wissen erhöht werden?</p><p>5. Die Befragten gaben einen hohen Anpassungsbedarf bei der Finanzierungspraxis, der Annäherung an die Fachhochschullogik und zur Vermeidung von Doppelspurigkeiten an. Wie trägt der Bundesrat zur Umsetzung bei?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Bei den eidgenössischen Prüfungen in der höheren Berufsbildung ist lediglich die Prüfung durch den Bund geregelt. Die Kandidatinnen und Kandidaten an eidgenössischen Berufsprüfungen (BP) und höheren Fachprüfungen (HFP) haben die Möglichkeit, Vorbereitungskurse zu besuchen. Diese fakultativen Kurse sind nicht an einen schulischen Rahmen gebunden und unterstehen keiner staatlichen Kontrolle. Auch eine autodidaktische Prüfungsvorbereitung ist möglich.</p><p>&nbsp;</p><p><span style="background-color:white;">1. Das Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlicht mit der Unterstützung des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) regelmässig die Resultate der Erhebungen zur höheren Berufsbildung. Im November&nbsp;2022 hat das BFS</span> die Resultate der dritten Erhebung publiziert <span style="background-color:white;">(Bundesamt für Statistik &gt; Statistiken finden &gt; Bildung und Wissenschaft)</span>. <span style="background-color:white;">2023 führt das BFS die vierte Erhebung durch, deren Resultate Anfang 2025 vorliegen sollen. Da die Vorbereitung auf die eidgenössischen Prüfungen nicht reglementiert ist, unterscheiden sich die Kurse hinsichtlich des Umfangs und der Dauer beträchtlich, selbst wenn es sich um die gleiche Prüfung handelt. Deshalb sind die Daten des BFS zu den Teilnehmenden an Vorbereitungskursen schwer zu erfassen und folglich teils unvollständig. Aus Sicht des SBFI bestehen im Bereich der Vorbereitungskurse jedoch keine relevanten Datenlücken. Das SBFI kennt die Anzahl Personen, die zur Prüfung zugelassen werden und diese bestehen oder nicht bestehen, sowie die Anzahl Personen, die Bundesbeiträge für die Vorbereitungskurse erhalten, und die ausbezahlten Beträge pro Person. Darüber hinaus hat das BFS 2023 erstmals Szenarien für die eidgenössischen Prüfungen erarbeitet, die die mögliche Entwicklung der Anzahl Erstabschlüsse bis 2031 aufzeigen.</span></p><p>&nbsp;</p><p>2. Die Ergebnisse der Erhebung zur höheren Berufsbildung 2021 des BFS zeichnen ein differenzierteres Bild der Erfolgsquote an eidgenössischen Prüfungen nach Bildungsfeld. Auf Ebene BP variiert die Erfolgsquote zwischen 66&nbsp;Prozent und 93&nbsp;Prozent, bei den HFP liegt sie zwischen 61&nbsp;Prozent und 100&nbsp;Prozent. Hier gilt es zu präzisieren, dass das Anforderungsniveau vom Arbeitsmarkt bestimmt wird, d.&nbsp;h. von den Trägerschaften der Prüfung. Diese Anforderungen werden bei der eidgenössischen Prüfung kontrolliert, die Qualitätskontrolle erfolgt somit durch die Prüfung selbst.</p><p>&nbsp;</p><p>3. Personen, die sich für einen Vorbereitungskurs interessieren, wählen eines der auf dem Markt verfügbaren Angebote, die gegen Bezahlung von öffentlichen und privaten Anbietern bereitgestellt werden. Es besteht kein Zusammenhang zwischen der Art der Finanzierung und der Erfolgs- oder Durchfallquote an den eidgenössischen Prüfungen. Da die Vorbereitung auf die eidgenössischen Prüfungen nicht reglementiert ist, erfolgt die Qualitätssicherung und die Überprüfung der Kompetenzen der Kandidatinnen und Kandidaten ausschliesslich bei der eidgenössischen Prüfung. Vor diesem Hintergrund sind keine qualitativen oder quantitativen Aussagen darüber möglich, ob die Kursanbieter Personen aufnehmen, die gar nicht in der Lage sind, die eidgenössische Prüfung zu bestehen, bloss weil diese Personen Bundesbeiträge beantragen können, nachdem sie die Prüfung abgelegt haben. Das BFS erhebt regelmässig die Erfolgsquote an eidgenössischen Prüfungen; deren Entwicklung kann folglich beobachtet werden. Seit Einführung der Subjektfinanzierung 2018 hat sich die Erfolgsquote an den eidgenössischen Prüfungen nicht wesentlich verändert.</p><p>&nbsp;</p><p>4. und 5. Das BFS erhebt Daten zu den Bildungsverläufen von Abgängerinnen und Abgängern der höheren Berufsbildung. Bei der Erhebung von Ecoplan handelte es sich um eine Online-Umfrage, welche im Rahmen des Projekts «Positionierung der Höheren Fachschulen» durchgeführt wurde.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Das dabei erworbene Wissen ist in die Diskussionen zwischen den Verbundpartnern und andere Projektarbeiten eingeflossen. Diesbezüglich verweist der Bundesrat auf die drei Berichte zu den strukturellen Merkmalen des Systems der höheren Berufsbildung, die von&nbsp;BSS Volkswirtschaftliche Beratung AG erstellt wurden (Teil 1 Strukturelle Merkmale des HF-Systems; Teil 2: Finanzierung und Kompetenzen; Teil 3: RFA Quick-Check). Die Verbundpartner beteiligen sich an diesem Projekt. 2022 verabschiedeten sie am Spitzentreffen der Berufsbildung ein Massnahmenpaket, das insbesondere die Frage der Finanzierung der höheren Berufsbildung und der Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Akteuren der höheren Berufsbildung und jenen der Hochschulen enthält. <span style="background-color:white;">Die Umsetzung dieser Massnahmen wird entsprechend der rechtlichen Zuständigkeiten und der politischen Prozesse erfolgen und über das Jahr 2023 hinausgehen.</span></p>