200 16 1117 UV SCI/JAP/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 8. März 2017 Verwaltungsrichter Schwegler, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Matti Gerichtsschreiber Jakob A.________ Beschwerdeführer gegen Suva Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 17. Oktober 2016 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1954 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) war über seine Arbeitgeberin bei der Suva obligatorisch unfallversichert, als er gemäss Schadenmeldung am 9. März 2016 mit dem Fahrrad auf einer Eis- fläche ausrutschte und sich eine Verletzung der rechten Schulter zuzog (Akten der Suva [act. II] 1, 7). Die Suva gewährte im Zusammenhang mit diesem Ereignis zunächst die gesetzlichen Unfallversicherungsleistungen in Form von Heilbehandlung und Taggeld (act. II 2, 19/2). Mit Verfügung vom 31. August 2016 (act. II 19) stellte sie die vorübergehenden Leistun- gen per dato ein und verneinte einen Anspruch auf weitere Versicherungs- leistungen. Daran hielt sie auf Einsprache hin (act. II 26) mit Entscheid vom 17. Oktober 2016 (act. II 33) fest. B. Mit Eingabe vom 15. November 2016 erhob der Versicherte Beschwerde und beantragte sinngemäss, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, über den 31. August 2016 hinaus die gesetzlichen Unfallversicherungsleistungen zu erbringen. In ihrer Beschwerdeantwort vom 13. Januar 2017 schloss die Suva (Be- schwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Zuschrift vom 20. Januar 2017 hielt der Beschwerdeführer an seinem Rechtsbegehren fest und nahm zur Beschwerdeantwort Stellung. Diese Eingabe wurde der Beschwerdegegnerin mit prozessleitender Verfügung vom 25. Januar 2017 zugestellt.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 3 Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver- waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Ok- tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechts- pflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde ein- zutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 17. Okto- ber 2016 (act. II 33). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf die gesetz- lichen Unfallversicherungsleistungen im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 9. März 2016 und dabei insbesondere, ob die Beschwerdegegnerin die vorübergehenden Leistungen zu Recht per 31. August 2016 einstellte und weitere Versicherungsleistungen verneinte. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). Sie beurteilen offensichtlich begründete oder offensichtlich unbegründete Fälle in Zweier- besetzung (Art. 56 Abs. 3 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 4 2. 2.1Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversi- cherung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Ein- wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi- schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). 2.2Der Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversiche- rung setzt im Weiteren einen natürlichen und adäquaten Kausalzusam- menhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden voraus (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181; SVR 2012 UV Nr. 2 S. 6 E. 3.1). 2.2.1Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne die der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht als zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja- hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Be- dingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele («conditio sine qua non»; BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 119 V 335 E. 1 S. 337; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 121 E. 5.1). Für die Bejahung des natürli- chen Kausalzusammenhangs genügt es, wenn der Unfall für eine bestimm- te gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125, 123 V 43 E. 2b S. 45; SVR 2009 UV Nr. 3 S. 12 E. 8.3). Zu den im Sinne von Art. 6 Abs. 1 UVG massgebenden Ursachen gehören sodann Umstände, ohne die die gesundheitliche Beeinträchtigung nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Eine schadensauslösende traumatische Einwirkung ist also selbst dann leistungsbegründend, wenn der betreffende Schaden auch ohne das versicherte Ereignis früher oder später wohl einge- treten wäre, der Unfall somit nur hinsichtlich des Zeitpunkts des Schadens-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 5 eintritts «conditio sine qua non» war. Anders verhält es sich, wenn der Un- fall nur Gelegenheits- oder Zufallsursache ist, welche ein gegenwärtiges Risiko, mit dessen Realisierung jederzeit zu rechnen gewesen wäre, mani- fest werden lässt, ohne im Rahmen des Verhältnisses von Ursache und Wirkung eigenständige Bedeutung anzunehmen (SVR 2012 UV Nr. 8 S. 29 E. 4.2.1). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs- recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu be- finden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhanges genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 121 E. 5.1). Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über- haupt erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesund- heitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall be- standen hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine) er- reicht ist (SVR 2016 UV Nr. 18 S. 56 E. 2.1.1, 2011 UV Nr. 4 S. 13 E. 3.2; RKUV 1994 U 206 S. 328 E. 3b). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursa- chen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast – an- ders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 6 sammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (SVR 2011 UV Nr. 4 S. 13 E. 3.2). 2.2.2Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ur- sache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt die- ses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181, 125 V 456 E. 5a S. 461; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 122 E. 5.2). Bei organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen deckt sich die adäquate Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausa- lität; die Adäquanz hat hier praktisch keine selbstständige Bedeutung (BGE 140 V 356 E. 3.2 S. 358). 3. 3.1Dass das Ereignis vom 9. März 2016 die kumulativen Tatbestands- voraussetzungen des Unfallbegriffs gemäss Legaldefinition erfüllt, ist zu Recht unbestritten. Sowohl in der Bagatellunfall-Meldung (act. II 1) als auch in der Unfallmeldung (act. II 7) wurde ein Ausrutschen mit dem Fahrrad geschildert und gegenüber den erstbehandelnden Ärzten ausdrücklich ein Sturz angegeben (act. II 9 Ziff. 2; Akten des Beschwerdeführers [act. I] 4). Dies wurde in den Rechtsschriften bestätigt (act. II 26/1; Beschwerde S. 2 Lemma 2 und S. 5 [Skizze]). 3.2Den Akten lassen sich in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen die folgenden Angaben entnehmen: 3.2.1Die am Unfalltag dem 9. März 2016 notfallmässig konsultierten Ärz- te des Spitals … befundeten eine Schürfwunde über dem Trochanter major rechts (d.h. im Bereich des Oberschenkelknochens) sowie am Ellenbogen rechts (act. II 9 Ziff. 4). Sie schlossen anhand der bildgebenden Untersu- chung der rechten Schulter (act. II 5) eine Fraktur aus, diagnostizierten eine Schulterkontusion rechts (act. II 9 Ziff. 5 f.; act. I 4) und prognostizierten einen Abschluss der konservativen Behandlung in vier bis sechs Wochen (act. II 9 Ziff. 10).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 7 Ein durch den Hausarzt Dr. med. B.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, im Spital Interlaken veranlasstes Arthro-MRI vom 1. April 2016 zeigte nebst einer Aufweitung des Akromioklavikulargelenks (AC- Gelenks) im Sinne einer Tossy I-Verletzung eine Ruptur der Supraspina- tussehne, einen Anriss des vorderen sowie des oberen Labrum glenoidale rechts sowie eine mukoide Degeneration der distalen Subscapularissehne (act. II 6). Aufgrund dieses Befundes unterzog sich der Beschwerdeführer am 15. Juli 2016 im besagten Spital einer operativen Schultersanierung (arthroskopische Bizepstenodese, ventrale Akromioplastik und Rekonstruk- tion der Rotatorenmanschette [RM] rechts bzw. offene Revision des AC- Gelenks rechts [act. II 13 f.]). 3.2.2Auf Vorlage der Akten gelangte der Suva-Kreisarzt Dr. med. C.________, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungs- apparates, am 16. August 2016 zum Schluss, dass die im MRI beschriebe- ne Retraktion der Supraspinatussehne nicht innerhalb von drei Wochen bis zum AC-Gelenk erfolgen könne und der Schaden – ebenso wie die Arthro- se des AC-Gelenks – älter sein müsse (act. II 15). Im Bericht vom 16. August 2016 (act. II 18) hielt Dr. med. C.________ an seiner Beurteilung fest und erklärte unter anderem, weder im MRI noch im Operationsbericht ergäben sich Hinweise auf einen kausalen Zusammen- hang zwischen den festgestellten und operierten Schäden einerseits und dem Unfallereignis andererseits. Es müsse von einer vorübergehenden aber nicht sehr ausgedehnten Verschlimmerung eines degenerativen Vor- zustandes ausgegangen werden, der bei konservativer Therapie innerhalb von vier bis sechs Wochen wieder erreicht gewesen wäre. Die Operation vom 15. Juli 2016 sei damit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen. Dementsprechend bezeichnete er ledig- lich die Schulterkontusion rechts vom 9. März 2016 als unfallkausal. Als unfallfremde Diagnosen vermerkte er hingegen eine degenerative Bizeps- sehnenläsion rechts, eine zeitlich zurückliegende vollständige Ruptur der Supraspinatussehne mit Retraktion bis unter das AC-Gelenk und Teilruptur der Infraspinatussehne, eine Arthrose des AC-Gelenks rechts sowie ein Status nach Schulterarthroskopie, Bizepstenodese, RM-Rekonstruktion und offener AC-Revision rechts.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 8 In seiner ergänzenden Beurteilung vom 26. September 2016 (act. II 29) im Rahmen des Einspracheverfahrens wies er auf zusätzliche Umstände hin, die für eine Aktivierung eines degenerativen Vorzustandes und gegen eine akute Traumatisierung sprächen. 3.2.3Im hängigen Beschwerdeverfahren legte die Beschwerdegegnerin eine chirurgische Beurteilung ihrer Abteilung Versicherungsmedizin vom 10. Januar 2017 (Akten der Beschwerdegegnerin [act. IIA] 1) auf. Darin gelangte PD Dr. med. D.________, Facharzt für Chirurgie, zum Schluss, dass die nach dem 31. August 2016 geklagten Beschwerden an der rech- ten Schulter nicht überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall zurückzu- führen seien. Es habe eine degenerative Vorschädigung des Schulterge- lenks vorgelegen, die durch die Schulterkontusion – welche bei einer ent- sprechenden Vorschädigung äusserst schmerzhaft sein könne – ver- schlimmert worden sei. In der präoperativen Bildgebung sowie im intraope- rativen Befund seien keine unfallbedingten Veränderungen vorgefunden worden, welche auf eine richtunggebende Verschlimmerung hindeuteten, es sei dementsprechend von einer vorübergehenden Verschlimmerung des Vorzustands auszugehen. Für eine Schulterkontusion betrage die Behand- lungsdauer höchstens sechs Wochen, dies entspreche der allgemein aner- kannten und bekannten Heilungszeit von Muskeln, Sehnen und Ligamen- ten im klinischen Alltag. 3.3Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweis- wert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 9 sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverläs- sigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem An- stellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Gleiches gilt, wenn ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung wiederholt für die Erstellung von Gutachten beigezogen wird (SVR 2008 IV Nr. 22 S. 70 E. 2.4). Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gut- achters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354). 3.4Der angefochtene Einspracheentscheid vom 17. Oktober 2016 (act. II 33) basiert auf den kreisärztlichen Stellungnahmen von Dr. med. C.________ (act. II 15, 18, 29). Die entsprechenden fachärztlichen Beurtei- lungen erfüllen – ebenso wie der im vorliegenden Beschwerdeverfahren ins Recht gelegte Aktenbericht von PD Dr. med. D.________ (act. IIA 1) – die vorerwähnten höchstrichterlichen Beweisanforderungen (vgl. E. 3.3 hiervor) und erbringen vollen Beweis. Es besteht deshalb im Rahmen des gerichtli- chen Untersuchungsgrundsatzes (Art. 61 lit. c ATSG) kein Bedarf für zu- sätzliche Sachverhaltserhebungen (antizipierte Beweiswürdigung [BGE 122 V 157 E. 1d S. 162]), zumal der Beschwerdeführer auch keine konkreten Beweismittel offeriert, sondern pauschal auf seine Kontaktpersonen bzw. Referenzen (Beschwerde S. 5) verwiesen hat. 3.4.1Dass die Dres. med. C.________ und D.________ den Beschwer- deführer nicht persönlich untersuchten schmälert den Beweiswert ihrer Schlussfolgerungen nicht. Einerseits konnten sie sich aufgrund der ana- mnestischen Angaben in den Vorakten, der Bildgebung sowie den doku- mentierten intraoperativen Befunden ein gesamthaft lückenloses Bild ver- schaffen (vgl. RKUV 2006 U 578 S. 175 E 3.4, 1988 U 56 S. 371 E. 5b) und andererseits sind aus einer klinischen Exploration nach der stattgehabten Schultersanierung für die sich hier stellenden Fragen keine zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 10 3.4.2Die Dres. med. C.________ und D.________ berücksichtigten den bildgebend dokumentierten und intraoperativ festgestellten krankhaften Vorzustand. Das konventionelle Röntgen vom Unfalltag (act. II 5) ergab erhebliche degenerative Veränderungen an den knöchernen Strukturen (Tuberculum majus) und wenige Wochen nach dem Ereignis vom 9. März 2016 konnten im MRI unter Kontrastmittel (act. II 6) auch an den Weichtei- len der Schulter (Subscapularissehne) pathologische Veränderungen ob- jektiviert werden. Die Operation im Juli 2016 (act. II 14) offenbarte schliess- lich weitere Degenerationen (deutlich degenerierte lange Bizepssehne mit Partialruptur, degenerative Bizeps-Verankerung im Sinne einer SLAP [su- periores Labrum von anterior nach posterior]-Läsion Typ II). Der Be- schwerdeführer anerkennt, dass er gewisse Vorschädigungen hatte (Ein- gabe vom 20. Januar 2017 S. 3 Lemma 7), er vertritt jedoch die Ansicht, dass nicht alle der rekonstruierten Sehnen vorgeschädigt gewesen seien (Eingabe vom 20. Januar 2017 S. 2 Lemma 8). Tatsächlich ist denkbar, dass die von ihm erwähnte SLAP-Läsion unfallbedingt entstehen kann, so könnte ein Sturz auf den ausgestreckten abduzierten Arm nach epidemio- logischen Erkenntnissen eine solche Verletzung theoretisch verursachen (vgl. HAURY et. al., Inzidenz der SLAP-, Labrum- und Rotatorenmanschet- ten-Läsion bei Leichenschultern – MR-tomograpisch und arthroskopisch kontrolliert, in: IMHOFF/KÖNIG [Hrsg.], Schulterinstabilität – Rotatorenman- schette, 1999, S. 150), in seinem Fall wurde die nach kranial abgerissene Bizeps-Verankerung von den Operateuren aber explizit als degenerativ beschrieben (act. II 14/1), mithin eine traumatische Genese ausgeschlos- sen. Zudem wies PD Dr. med. D.________ darauf hin, dass eine SLAP- Läsion dritten oder vierten Grades in der Regel traumatisch verursacht werde, beim Beschwerdeführer aber eine zweitgradige Läsion beschrieben worden sei (act. IIA 1/18). 3.4.3Dass die beiden Fachärzte der Beschwerdegegnerin das fortge- schrittene Lebensalter des Beschwerdeführers berücksichtigten und ihre Argumentation mit medizin-wissenschaftlichen Erfahrungswerten unter- mauerten, ist nicht zu beanstanden, bezogen sie sich doch auch auf den konkreten Einzelfall und die individuelle Situation des Beschwerdeführers (Beschwerde S. 2 Lemma 4). Ob der Suva-Kreisarzt das Fehlen einer Bone Bruise (vgl. RANGGER/GOOST/KABIR/BURGER, Bone Bruise, in: Trauma und Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 11 Berufskrankheiten, Bd. 8 Ausgabe 2/2006 – Zusatz 2, S. 178) richtigerwei- se als ein Indiz gegen eine Gewalteinwirkung interpretierte (act. II 18/2; Beschwerde S. 2 Lemma 5; Eingabe vom 20. Januar 2017 S. 3 Lemma 4), kann offen bleiben. Ein solches Knochenmarködem (im Bereich des Tuber- culum majus) soll nach älterer Literatur ein charakteristisches Zeichen einer frischen traumatischen RM-Läsion darstellen (vgl. MARKUS LOEW, Begut- achtung von Verletzungen und Funktionsstörungen der Schulter, in: ROM- PE/ERLENKÄMPFER [Hrsg.], Begutachtung der Haltungs- und Bewegungsor- gane, 4. Aufl. 2004, S. 337), wohingegen PD Dr. med. D.________ auch darauf hinwies, dass eine Bone Bruise in der neueren medizinischen Litera- tur für die Unterscheidung zwischen degenerativen und traumatischen Ur- sachen teilweise nicht mehr als tauglich erachtet werde (act. IIA 1/14). So oder anders stellt das Fehlen eines derartigen Befundes höchstens einen von mehreren in der Kausalitätsbeurteilung zu würdigenden Anhaltspunk- ten dar. Überzeugend wurden von den Ärzten zufolge der Sehnenretraktion bis zum Akromion, des Stadiums der Muskelverfettung sowie der biome- chanischen Abläufe aus medizinischen Überlegungen auf eine fehlende natürliche Kausalität geschlossen (act. II 6, 15, 18/2; act. IIA 1/15-19). Weil sich die Tatfrage der natürlichen Unfallkausalität nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit beurteilt (vgl. E. 2.2.1 hiervor) ist nicht erforderlich, dass sich die Ärzte mit Sicherheit für die eine oder andere Hy- pothese aussprechen, es genügt allemal, dass sie schlüssig aufzeigen, wie die verschiedenen Indizien medizinisch zu gewichten sind und welche Tat- sache vor diesem Hintergrund letztlich überzeugt, dazu können sie sich auch mit Bewertungssystemen wie dem BONNAIRE-Score (act. IIA 1/16) behelfen. Angesichts der eingehend begründeten und nachvollziehbaren fachärztlichen Beurteilungen ist es überwiegend wahrscheinlich, dass bloss eine vorübergehende Verschlimmerung des krankhaften Vorzustanden eintrat. 3.4.4Zwar bestehen gewisse Unklarheiten bezüglich des genauen Un- fallhergangs. So ist aus dem Bericht über die ambulante Erstbehandlung (act. I 4) sowie aus den radiologischen Befundberichten (act. II 5 f.) auf eine direkte Schulterkontusion zu schliessen, während der Beschwerdefüh- rer im vorliegenden Verfahren angab, er sei auf den Ellenbogen gestürzt, in der Folge sei der Oberarm «nach aussen und gleichzeitig nach oben» ge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 12 schlagen worden, wodurch die Schulter «buchstäblich bis über Augen- höhe» geschnellt sei (Beschwerde S. 2 Lemma 5; vgl. auch Beschwerde S. 5 [Skizze] sowie Eingabe vom 20. Januar 2017 S. 2 Lemma 6). Ob er die rechte Schulter direkt kontusionierte oder es zu einer indirekten Kontu- sion bzw. biomechanisch hauptsächlich zu einer axialen Stauchung kam, ist aber letztlich nicht entscheidend, den die Beurteilungen der Dres. med. C.________ sowie D.________ umfassen beide Sachverhaltsvarianten und sie gelangten – wie dargelegt – mit einleuchtenden Argumenten zu identi- schen Ergebnissen. Die in diesem Zusammenhang erhobene Rüge des Beschwerdeführers, PD Dr. med. D.________ habe den Unfallmechanis- mus falsch wiedergegeben (Eingabe vom 20. Januar 2017 S. 2 Lemma 4 und 6), ist unbegründet. Denn im Bericht vom 10. Januar 2017 (act. IIA 1) wurde ein nach vorne ausgestreckter Arm – welchen der Beschwerdeführer tatsächlich nie geschildert hat – im Zusammenhang mit einer Lehrmeinung von FELIX BONNAIRE (Begutachtung der Rotatorenmanschettenläsionen, in: Trauma und Berufskrankheiten, Bd. 10 Ausgabe 1/2008 – Zusatz, S. 19) erwähnt (act. IIA 1/17). PD Dr. med. D.________ hat den in der Beschwer- de präzisierten Unfallhergang schliesslich sowohl zur Kenntnis genommen als auch medizinisch sorgfältig gewürdigt (act. IIA 1/17). 3.4.5Es liegt schliesslich kein Bericht von (behandelnden) Ärzten vor, der darauf hindeutete, dass die fachärztlichen Beurteilungen der Dres. med. C.________ und D.________ mangelbehaftet sein könnten. Daran ändert die durchaus glaubhafte Darstellung des Beschwerdeführers, er habe an- lässlich des Sturzes erhebliche Schmerzen verspürt (Beschwerde S. 3 Lemma 1; Eingabe vom 20. Januar 2017 S. 3 Lemma 3) und dissimuliere grundsätzlich (Beschwerde S. 4 Lemma 2 f.; Eingabe vom 20. Januar 2017 S. 4 am Ende), nichts. Vorliegend geht es um medizinische Tatsachen, die davon unberührt sind. Zudem erklärte PD Dr. med. D.________, dass auch eine Kontusion eines degenerativ vorgeschädigten Schultergelenks äus- serst schmerzhaft sein könne (act. IIA 1/20). Allein der Umstand, dass erst anlässlich des Fahrradsturzes starke Schmerzen auftraten, lässt im Übri- gen nicht auf eine unfallkausale Verursachung der am 15. Juli 2016 ope- rierten Schulterverletzung schliessen, denn auch wenn der krankhafte Vor- zustand vorher offenbar asymptomatisch (stumm) war, wurde er durch das versicherte Ereignis dennoch lediglich aktiviert. Weil der Sturz nach den Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 13 beweiskräftigen Einschätzungen der Dres. med. C.________ und D.________ nicht zu einer richtunggebenden, sondern bloss vorüberge- henden Verschlimmerung führte, bestand die Leistungspflicht der Be- schwerdegegnerin lediglich bis zum Zeitpunkt, in welchem sich der Ge- sundheitszustand auch ohne Unfall derart eingestellt hätte (Status quo si- ne; vgl. E. 2.2.1 hiervor; Beschwerde S. 3 Lemma 4). Dieses Stadium wäre nach der fachärztlichen Beurteilung bei konservativer medizinischer Be- handlung überwiegend wahrscheinlich jedenfalls noch vor dem operativen Eingriff erreicht worden (act. II 18/6; act. IIA 1/20). 3.5Nach dem Gesagten steht fest, dass spätestens am 31. August 2016 keine unfallkausalen Beschwerden mehr bestanden, womit die Be- schwerdegegnerin die vorübergehenden Leistungen zu Recht per dato terminierte und einen Anspruch auf weitere Unfallversicherungsleistungen verneinte. Die gegen den Einspracheentscheid vom 17. Oktober 2016 (act. II 33) erhobene Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegrün- det und ist abzuweisen. 4. 4.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 4.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist dem Beschwerdeführer keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch eine Parteientschä- digung zugesprochen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. März 2017, UV/16/1117, Seite 14 3. Zu eröffnen (R): - A.________ - Suva - Bundesamt für Gesundheit Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.