<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp297424"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>115 IV 173<br/><br/><br/><div class="paraatf">39. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 5. September 1989 i.S. Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich gegen A. (Nichtigkeitsbeschwerde)</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp298848"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf">Art. 48 Ziff. 2, <span class="artref"><artref id="CH/311.0/58/4" type="start"></artref><artref id="CH/311.0/58/1" type="start"></artref>Art. 58 Abs. 1 und 4 StGB</span><artref id="CH/311.0/58/4" type="end"></artref><artref id="CH/311.0/4" type="end"></artref>; Einziehung. <div class="paratf">Die Höhe einer Busse ist nach den in <span class="artref">Art. 48 Ziff. 2 StGB</span> festgelegten Grundsätzen zu bemessen (E. 2; Bestätigung der Rechtsprechung). Unabhängig davon muss der Richter die Einziehung anordnen, wenn deren Voraussetzungen vorliegen; insbesondere darf er eine ausgesprochene Busse nicht bei der Abschöpfung des unrechtmässig erlangten Vermögensvorteils auf die Ersatzforderung anrechnen (E. 3). </div> </div> </div> <a name="idp307344"></a> <a name="idp311504"></a> <br/><div> <a name="idp319776"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 174</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page174"></a><div class="center pagebreak">BGE 115 IV 173 S. 174</div> </div> <div class="paraatf"> Das Bezirksgericht Zürich verurteilte A. am 9. März 1988 wegen gewerbsmässiger Kuppelei zu zehn Monaten Gefängnis sowie einer Busse von Fr. 30'000.-- und verpflichtete ihn, vom unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil Fr. 87'034.-- an den Kanton Zürich abzuliefern. Das Obergericht des Kantons Zürich gelangte am 29. November 1988 zum gleichen Schuld- und Strafspruch, sah aber von einer Einziehung ab.</div> <div class="paraatf">Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich führt eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag, das angefochtene Urteil sei aufzuheben und die Sache zur Abschöpfung des unrechtmässig erlangten Vermögensvorteils an das Obergericht zurückzuweisen.</div> <div class="paraatf">A. beantragt in seiner Vernehmlassung, die Beschwerde sei abzuweisen. Das Obergericht verzichtete auf Gegenbemerkungen.</div> <br/><div> <a name="idp324176"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Das Bundesgericht zieht in Erwägung:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp325168"></a><span class="bold" id="consideration_1.">1. </span>Umstritten ist einzig die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht von einer Abschöpfung des unrechtmässig erlangten Vermögensvorteils absah.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp326544"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span>Als einzige Vermögensstrafe des Strafgesetzbuches ist die Busse (<span class="artref"><artref id="CH/311.0/50" type="start"></artref><artref id="CH/311.0/48" type="start"></artref>Art. 48-50, 106 StGB</span><artref id="CH/311.0/50" type="end"></artref><artref id="CH/311.0/106" type="end"></artref>) wie die Freiheitsstrafe persönlicher Natur (<a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=13&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1989&amp;to_year=1989&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F86-II-71%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page75">BGE 86 II 75</a> f.); sie bleibt auch dann eine Hauptstrafe, wenn sie gemäss <span class="artref">Art. 50 StGB</span> mit einer Freiheitsstrafe verbunden wird (<a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=13&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1989&amp;to_year=1989&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F86-IV-226%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page231">BGE 86 IV 231</a> ff. E. 3). Innerhalb des Strafrahmens von <span class="artref">Art. 48 Ziff. 1 StGB</span> bestimmt der Richter den Betrag der Busse je nach den Verhältnissen des Täters so, dass dieser durch die Einbusse jene Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist. Massgebend bleibt in erster Linie das Verschulden; erst danach ist unter Berücksichtigung der übrigen in <span class="artref">Art. 48 Ziff. 2 Abs. 2 StGB</span> genannten Umstände anhand der Einkommens- und Vermögensverhältnisse die Höhe der Busse so anzusetzen, dass sie den <a name="page175"></a><div class="center pagebreak">BGE 115 IV 173 S. 175</div>Verurteilten in der dem Verschulden angepassten Höhe trifft (<a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=13&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1989&amp;to_year=1989&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F101-IV-16%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page16">BGE 101 IV 16</a> f. mit Hinweisen; SCHULTZ, Einführung in den allgemeinen Teil des Strafrechts II, 4. Aufl., S. 122 ff.; REHBERG, Strafrecht II, 4. Aufl., S. 42 ff.). Durch ihren Strafcharakter unterscheidet sich die Busse unter anderem von der Massnahme der Einziehung nach <span class="artref">Art. 58 StGB</span> (SCHWANDER, Das Schweizerische Strafgesetzbuch, 2. Aufl., S. 192, N. 369).</div> <div class="paraatf">Dem Bezirksgericht erschien nach Würdigung der Strafzumessungsgründe und angesichts des Vermögens von Fr. 1'886'000.-- eine Strafe von zehn Monaten Gefängnis sowie eine Busse von Fr. 30'000.-- dem Verschulden des Beschwerdegegners als angemessen. Das Obergericht verwies im wesentlichen auf die Erwägungen des Bezirksgerichts und erachtete die ausgesprochene Strafe, "verbunden mit Fr. 30'000.-- Busse", ebenfalls als angemessen.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp347840"></a><span class="bold" id="consideration_3.">3. </span>Die Vorinstanz erwog für den Beschwerdegegner einen "unbestimmten, Fr. 20'645.-- nicht übersteigenden Betrag" als unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil, hielt diesen in der Bussenhöhe von Fr. 30'000.-- als genügend berücksichtigt und verzichtete deswegen auf eine "zusätzliche Vorteilsbeseitigung". Damit verstiess sie gegen die für die Bussenbemessung im Schuldstrafrecht geltenden Grundsätze (SCHULTZ, a.a.O., S. 208 f.) und missachtete das zwingende Gebot der Einziehung bzw. Ersatzeinziehung nach <span class="artref"><artref id="CH/311.0/58/4" type="start"></artref><artref id="CH/311.0/58/1" type="start"></artref>Art. 58 Abs. 1 und 4 StGB</span><artref id="CH/311.0/58/4" type="end"></artref><artref id="CH/311.0/4" type="end"></artref> (STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, AT II, S. 487 N. 31; SCHULTZ, a.a.O., S. 210 f.), wonach unter den gegebenen Voraussetzungen auf eine Ersatzforderung des Staates in der Höhe des unrechtmässigen Vorteils hätte erkannt werden müssen. Indem die Vorinstanz letzteres nicht tat, verletzte sie Bundesrecht. Dies führt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils.</div> </div></body></html></html>