<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">228</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>34</b></span> <span class="ft2"><b>Sozialhilfe; junge Erwachsene</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Junge Erwachsene, welche in einer Wohngemeinschaft leben, ohne eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Wirtschaftsgemeinschaft zu bilden, erhalten anteilmässig den Grundbe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>darf I und II für einen Zweipersonenhaushalt.</b></span><br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 1. Juni 2015 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">Einwohnergemeinde A. gegen B. und Departement Gesundheit und Soziales</span><br/> <span class="ft4">(WBE.2015.31).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft8">3.3.</span><br/> <span class="ft8">Nach § 10 Abs. 1 SPV sind für die Bemessung der materiellen</span><br/> <span class="ft8">Hilfe die SKOS-Richtlinien mit den bis zum 1. Juli 2004 ergangenen</span><br/> <span class="ft8">Änderungen, unter Vorbehalt der Absätze 2-5 und soweit das SPG</span><br/> <span class="ft8">beziehungsweise dessen Ausführungserlasse keine weiteren Abwei-</span><br/> <span class="ft8">chungen enthalten, gemäss Anhang verbindlich.</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">Nach den SKOS-Richtlinien erhalten junge Erwachsene, die</span><br/> <span class="ft8">keinen eigenen Haushalt führen und nicht im Haushalt der Eltern,</span><br/> <span class="ft8">sondern in einer Wohngemeinschaft leben, ohne eine Wirtschaftsge-</span><br/> <span class="ft8">meinschaft zu bilden (z.B. Zimmer in einer Studenten-Wohngemein-</span><br/> <span class="ft8">schaft), zur Deckung ihres Lebensunterhaltes anteilsmässig den</span><br/> <span class="ft8">Grundbedarf I und II für den Zweipersonenhaushalt (Kap. H.11</span><br/> <span class="ft8">Junge Erwachsene in der Sozialhilfe). Als junge Erwachsene gelten</span><br/> <span class="ft8">Menschen zwischen dem vollendeten 18. und dem vollendeten</span><br/> <span class="ft8">25. Altersjahr (C</span><span class="ft4">LAUDIA</span> <span class="ft8">H</span><span class="ft4">ÄNZI</span><span class="ft8">, Die Richtlinien der schweizerischen</span><br/> <span class="ft8">Konferenz für Sozialhilfe, Basel 2011, S. 206). Ziel der SKOS-Richt-</span><br/> <span class="ft8">linien ist es, junge Erwachsene ohne Erstausbildung in der Sozial-</span><br/> <span class="ft8">hilfe nicht besser zu stellen als nicht unterstützte junge Erwachsene</span><br/> <span class="ft8">in vergleichbarer Lebenssituation (SKOS-Richtlinien, H.11-4).</span><br/> <span class="ft8">3.4.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">229</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Die Beschwerdegegnerin lebt zusammen mit drei weiteren</span><br/> <span class="ft8">Personen in einem Einfamilienhaus. Sie macht geltend, sie seien be-</span><br/> <span class="ft8">freundet und hätten eine Wohngemeinschaft gegründet, damit sie</span><br/> <span class="ft8">Kosten wie Miete und Strom teilen könnten. Jeder kaufe aber sein ei-</span><br/> <span class="ft8">genes Essen, koche für sich selbst und habe eigene Regale für seine</span><br/> <span class="ft8">Sachen in der Küche. Es komme ausnahmsweise vor, dass sie zusam-</span><br/> <span class="ft8">men etwas essen würden.</span><br/> <span class="ft8">Entgegen der Annahme der Beschwerdeführerin reicht allein die</span><br/> <span class="ft8">Tatsache, dass die Bewohner des Einfamilienhauses befreundet sind,</span><br/> <span class="ft8">sie die Räume - abgesehen von ihren Schlafräumen - gemeinsam</span><br/> <span class="ft8">nutzen und durch die Teilung der Stromkosten, Miete etc. Geld spa-</span><br/> <span class="ft8">ren können, nicht aus, um von einer Wirtschaftsgemeinschaft auszu-</span><br/> <span class="ft8">gehen. Eine solche Wohnform ist vorliegend vielmehr mit einem</span><br/> <span class="ft8">Studenten-Wohnheim vergleichbar, in welchem abgesehen vom</span><br/> <span class="ft8">eigenen Zimmer gemeinsame Einrichtungen und Räumlichkeiten mit</span><br/> <span class="ft8">andern Bewohnern geteilt werden (vgl. VGE III/105 vom 17. Ok-</span><br/> <span class="ft8">tober 2013 [WBE.2013.298], Erw. 1.5.2).</span><br/> <span class="ft8">3.5.</span><br/> <span class="ft8">Aus dem Mietvertrag lässt sich entnehmen, dass als Hauptmie-</span><br/> <span class="ft8">ter des Einfamilienhauses C. sowie D. aufgeführt sind. Die Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdegegnerin ist als ''Mitmieter mit gleichen Rechten und</span><br/> <span class="ft8">Pflichten'' aufgeführt. Solidarmieter für Kaution und Mietzinse sind</span><br/> <span class="ft8">drei weitere Personen, u.a. der Vater der Beschwerdegegnerin.</span><br/> <span class="ft8">Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, durch</span><br/> <span class="ft8">die Unterzeichnung als Solidarmieter gebe der Vater der Beschwer-</span><br/> <span class="ft8">degegnerin zu erkennen, dass er in der Lage sei, den gesamten</span><br/> <span class="ft8">Mietzins zu bezahlen. Dies trifft jedoch nicht zu; es lässt sich daraus</span><br/> <span class="ft8">lediglich schliessen, dass der Vermieter davon auszugehen scheint,</span><br/> <span class="ft8">der Vater der Beschwerdegegnerin sei in der Lage, den gesamten</span><br/> <span class="ft8">Mietzins zu bezahlen. Ungeachtet davon stellt dies kein Indiz für das</span><br/> <span class="ft8">Vorliegen einer Wirtschaftsgemeinschaft dar, sondern es wäre allen-</span><br/> <span class="ft8">falls zu prüfen, ob der Vater der Beschwerdegegnerin zur Zahlung</span><br/> <span class="ft8">von Unterhalt (...) zu verpflichten ist (§ 7 SPG). Dies wurde aller-</span><br/> <span class="ft8">dings durch die Sozialbehörde bereits abgeklärt und verneint.</span><br/></div> </div> </body> </html>