200 17 445 IV SCP/GET/ARJ Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 10. August 2017 Verwaltungsrichter Schütz, Kammerpräsident Verwaltungsrichterin Fuhrer, Verwaltungsrichter Ackermann Gerichtsschreiber Germann A.________ Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 28. März 2017 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 2 Sachverhalt: A. Die … geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwerde- führerin), seit 2000 im Umfang eines 80 bzw. 70%-Pensums als ... erwerbs- tätig, meldete sich im Oktober 2015 unter Hinweis auf „psychisch schlechte Phasen aufgrund einer Borreliose“ bei der Eidgenössischen Invalidenversi- cherung (IV) zum Leistungsbezug in Form von beruflichen Massnahmen und einer Invalidenrente an (Akten der IV-Stelle Bern [nachfolgend IVB bzw. Beschwerdegegnerin], [act. II], 20; 28, 60.1 S. 7). Die IVB führte mit der Versicherten ein Erstgespräch durch, klärte den Sachverhalt in erwerb- licher Hinsicht ab, zog Berichte der behandelnden Ärzte bei, holte die Akten des zuständigen Krankentaggeldversicherers sowie des sozialen Unfallver- sicherers (Suva) ein und liess die Versicherte in der MEDAS B.________ polydisziplinär begutachten (Expertise [nachfolgend MEDAS-Gutachten] vom 18. Januar 2017 [act. II 60.1 S. 2 ff.]). Mit Vorbescheid vom 16. Febru- ar 2017 (act. II 62) stellte die IVB der Versicherten die Ablehnung des Leis- tungsbegehrens mit der Begründung in Aussicht, es liege kein Gesundheitsschaden im Rechtssinne vor. Dagegen erhob die Versicherte Einwand, woraufhin die IVB beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eine Stellungnahme einholte (act. II 69 S. 3). Am 28. März 2017 (act. II 70) ver- fügte die IVB wie im Vorbescheid in Aussicht gestellt. B. Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 10. Mai 2017 Be- schwerde. Die Beschwerdeführerin beantragt die Ausrichtung einer Invali- denrente, eventuell die Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen. In der Begründung verweist sie auf die Stellungnahme von Dr. med. C.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 10. Mai 2017 (act. I 2 [nachfolgend act. II 73 S. 9-35]). Darin macht die behandelnde Ärztin der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, das MEDAS-Gutachten vom 18. Januar 2017 weise diverse Mängel auf. Entge- gen der Auffassung der Gutachter leide die Beschwerdeführerin an einer Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 3 chronischen Borreliose, wobei sämtliche Einschränkungen durch die pha- senhafte Apathie, Bettlägerigkeit mit starker Hypersomnie, extrem tiefen Blutdruckwerten und kognitiven Störungen mit grösster Wahrscheinlichkeit auf infektiöse Veränderungen des Gehirns zurückzuführen seien (S. 30). Mit Beschwerdeantwort vom 30. Juni 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 28. März 2017 (act. II 70). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 4 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1 2.1.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.1.2Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 141 V 281 E. 2.1 S. 285). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 5 objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110). 2.2Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weite- ren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 3. 3.1Im vorliegend massgebenden Beurteilungszeitraum bis zur ange- fochtenen Verfügung vom 28. März 2017 (act. II 70) präsentierte sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin aufgrund der medizinischen Akten im Wesentlichen wie folgt: 3.1.1Vom … bis … 2014 war die Beschwerdeführerin im Spital D.________ hospitalisiert. Im entsprechenden Austrittsbericht vom 30. September 2014 (act. II 25 S. 14-19) wurde im Wesentlichen ein hoch- gradiger Verdacht auf chronische Neuroborreliose, eine progrediente bilate- rale pancochleäre Perzeptions-Schwerhörigkeit sowie ein Verdacht auf eine Migraine accompagnée diagnostiziert. Die Beschwerdeführerin berich- te von einer seit 2-3 Jahren bestehenden progredienten spastischen Gangstörung, Schwäche in den Armen und Beinen sowie einer raschen Ermüdbarkeit. Ausserdem bestehe seit ca. einem Jahr eine progrediente Hörminderung und seit April 2014 trage die Beschwerdeführerin Hörgeräte (S. 14). Es sei eine dreiwöchige Behandlung mit Rocephin verordnet wor- den (S. 16). Vom …. bis zum … 2014 erfolgte im Spital D.________ eine Kurzhospitali- sation zwecks Standortbestimmung. Im entsprechenden Austrittsbericht Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 6 vom 29. Oktober 2014 (act. II 25 S. 7-10) wurde festgehalten, subjektiv bemerke die Beschwerdeführerin keine wesentliche Besserung der Gangstörung oder der Miktionsbeschwerden seit Beendigung der Antibioti- katherapie. Eine regelmässige Physiotherapie habe nicht stattgefunden. Klinisch stehe eine spastische, proximal betonte Paraparese mit positiven Pyramidenbahnzeichen sowie eine Stand- und Gangataxie im Vordergrund. Verglichen mit den klinischen Befunden vor einem Monat zeige sich objek- tiv eine leichte Besserung in der Einzelkraftprüfung insbesondere im Be- reich der oberen Extremitäten (S. 7). Die deutliche Befundregression im MRI und im Liquor sowie die klinische Verbesserung im Neurostatus nach dreiwöchiger Antibiotikatherapie erhärteten den Verdacht auf eine chroni- sche Neuroborreliose als Ursache der Symptome. Es werde eine regel- mässige und intensivierte Physiotherapie empfohlen (S. 8). Im Bericht des Spitals D.________ vom 29. Januar 2015 (act. II 56.49 S. 2- 4) wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin zeige weiterhin einen stabi- len klinischen Zustand; sie führe nur noch einmal monatlich Physiotherapie durch. Weiterhin habe sie eine Harndrangsymptomatik, sei aber sonst mit dem motorischen Verlauf zufrieden (S. 3). In der Beurteilung wurde festge- halten, hinsichtlich der Gangstörung zeige sich aktuell eine stabile Sym- ptomatik ohne weitere Befundverschlechterung; dennoch sei die Physiotherapie regelmässiger durchzuführen und die Beschwerdeführerin solle selbständig noch Übungen und Sport betreiben. Dies habe ebenso einen positiven Einfluss auf die Stresstoleranz bei der Arbeit. Die bisherige antibiotische Therapie erscheine ausreichend, so dass bei stabiler Sym- ptomatik keine weitere medikamentöse Therapie notwendig erscheine. Be- züglich der Stimmungslage werde eine psychiatrische Vorstellung im Verlauf empfohlen, um gegebenenfalls die antidepressive Medikation wei- ter auszubauen (S. 4). Am 21. Juli 2015 erfolgte im Spital D.________ eine weitere Konsultation im Rahmen der allgemeinen neurologischen Sprechstunde. Im entspre- chenden Bericht vom 22. Juli 2015 (act. II 56.41 S. 12-14) wurde eine chronische Neuroborreliose, eine progrediente bilaterale pancochleäre Perzeptions-Schwerhörigkeit sowie ein Verdacht auf eine Migräne mit Aura diagnostiziert (S. 12). Die Beschwerdeführerin berichte seit der letzten Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 7 Konsultation vom 20. Januar 2015 (vgl. act. II 56.49 S. 2-4) über einen sta- bilen Verlauf hinsichtlich der Gangstörung. Es werde weiter empfohlen, Sport und Physiotherapie regemässig durchzuführen. Bei anamnestisch gedrückter Stimmung und Antriebslosigkeit sei eine reaktive depressive Verstimmung nicht ausgeschlossen. Es sei keine weitere Verlaufskontrolle vorgesehen (S. 14). 3.1.2Dr. med. C.________ hielt im Bericht vom 28. Januar 2016 (act. II 31 S. 1-5) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chro- nische Neuroborreliose fest. Als „Diagnosen resp. Symptome“ ohne Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie Gangstörungen wie Paraspastik, Gleichgewichtsstörungen mit Stolpern – „mit überwiegender Wahrschein- lichkeit Ausdruck einer fortbestehenden“ Neuroborreliose – sowie eine durch ein Hörgerät korrigierte Hörminderung (S. 1). Ab November 2014 habe die Beschwerdeführerin Phasen völliger Antriebslosigkeit und Er- schöpfung gehabt, weswegen sie Hilfe beim Borreliosespezialisten Dr. med. E.________ (vgl. auch act. II 26 S. 1) gesucht habe. Kognitive Defek- te, Apathie und seelische Tiefs seien zunächst als psychische Störungen fehlinterpretiert worden, weshalb die Beschwerdeführerin ihre Praxis auf- gesucht habe (S. 2). Wegen des Mangels an Konzentration, Auffassung, Anpassung und Belastbarkeit seien die jetzigen Arbeiten im Büro kaum machbar und es bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 20% (S. 5). Bei einer (aufgrund eines Missverständnisses vorübergehend gestoppten [S. 3]) Langzeitantibiose sei eine langsame Besserung des Gesundheitszustan- des sowie eine langsame Erhöhung der Arbeitsfähigkeit wahrscheinlich (S. 4). 3.1.3Mit zu Handen des Krankentaggeldversicherers verfasstem und auf persönlicher Untersuchung beruhendem Bericht vom 23. Februar 2016 (act. II 34 S. 2 ff.) hielt Dr. med. F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, fest, die Beschwerdeführerin leide an einer Neuroborrelio- se, die lange nicht diagnostiziert und dann nicht genügend behandelt wor- den sei. Jetzt sei sie in Behandlung bei der Psychiaterin Dr. med. C.________, die sich auf Borrelienerkrankungen spezialisiert und die nun eine Langzeittherapie begonnen habe. Die psychische Symptomatik sei nicht psycho-, sondern somatogen (ICD-10 F06). Schon die Symptomatik Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 8 (phasisch, zyklisch, antriebsarm-energielos, maniform-überdreht, keine affektive Störung, keine depressiven Gedanken) sei hinreichend. Wie Dr. med. C.________ richtig schreibe, müsse jetzt mit einer sehr langen Be- handlung gerechnet werden und die Heilung werde nicht unbedingt mit einer Symptomfreiheit einhergehen. Die im MRI sichtbaren Gehirnverände- rungen seien auch nicht zwingend synchron mit der Symptomatik (Energie- losigkeit/Antriebsarmut abwechselnd mit Phasen mit zu viel Antrieb/Energie und zu wenig emotionalem Tiefgang, Gangataxie und Hörstörung [S. 5]). 3.1.4Mit Bericht vom 5. September 2016 (act. II 56.25) hielt Dr. med. C.________ fest, unter der Langzeitantibiose hätten sich die Gangstörun- gen verbessert, desgleichen das Gehör, so dass die Beschwerdeführerin kein Hörgerät mehr brauche. Das Hauptproblem sei noch immer die schubweise sehr starke Apathie mit wochenlanger Bettlägerigkeit, die bis- her nicht habe behandelt werden können (S. 1). Mit weiterem, zu Handen der Suva erstelltem Bericht vom 12. Oktober 2016 (act. II 56.21) hielt Dr. med. C.________ fest, bis zum Beweis des Gegenteils seien sämtliche psychisch-geistigen Einschränkungen als Folge der Neuroborreliose zu betrachten (S. 2). Während den Phasen schwerer Apathie sei die Beschwerdeführerin nicht mal in der Lage, das Nötigste für sich zu machen. In den sogenannt guten Phasen übersprudle sie fast und könne die Schwere ihrer Behinderungen nicht einschätzen respektive sie berührten sie emotional überhaupt nicht. Um die Arbeitsfähigkeit klären zu können, habe sie daher mit dem Vorgesetzten der Beschwerdeführerin Kontakt aufgenommen. Durch die Fremdanamnese schätze sie die Ar- beitsunfähigkeit auf rund 80%, wobei mit Bezug auf die meisten Arbeits- plätze die unvermittelten Ausfälle über Wochen untragbar wären (S. 5). 3.1.5Im MEDAS-Gutachten vom 18. Januar 2017 (act. II 60.1 S. 2 ff.) wurden im Wesentlichen die folgenden Diagnosen gestellt (S. 30): Mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 1. Hochtonbetonte Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseits (ICD-10 H90.3) - Zustand nach binauraler Hörgeräteversorgung 2. Intermittierende Gangunsicherheit (ICD-10 H82)Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 9 Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 1. Chronische Neuroborreliose (Stadium 3; ICD-10 A69.2), ED 09/2014 2. Periodische Hypersomnie (ICD-10 G47.1) - wahrscheinlich psychogen - möglicherweise medikamentös bedingt - leichte kognitive Störung 3. Wirbelsäulenfehlstatik (thorakale langgezogene Hyperkyphose, lumbale Hyperlordose; ICD-10 R29) - konsekutiv allgemeine Haltungsinsuffizienz bei Abschwächung der abdominellen und rückenstabilisierenden Muskelgruppen - klinisch völlig unauffällige Bewegungsprüfung an der Wirbelsäu- le In der Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter fest, bei der Beschwerde- führerin könne eine chronische Neuroborreliose festgestellt werden, welche 2014 im Spital D.________ mittels Liquorpunktion diagnostiziert und be- handelt worden sei. Im Rahmen der infektiologischen Untersuchung sei eine chronische Neuroborreliose Stadium 3 diagnostiziert worden. In den aktuellen Laboruntersuchungen habe keine aktive Infektion mehr festge- stellt werden können. Aus infektiologischer Sicht bestehe daher keine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit. In der neurologischen Untersuchung sei neben der durchgemachten Neuroborreliose eine periodische Hypersomnie unklarer Ätiologie diagnostiziert worden. Eine Hypersomnie könne zwar bei einer Neuroborreliose beobachtet werden, nach erfolgreicher antibiotischer Behandlung sei dies aber ungewöhnlich. Die bei der neuropsychologischen Untersuchung festgestellte leichte kognitive Störung könne mit der Hyper- somnie erklärt werden, habe aber keine organische Grundlage der Neuro- borreliose. Aus neurologischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. In der otorhinolaryngologischen Untersuchung sei eine hochtonbetonte Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseits diagnostiziert worden. Diese sei möglich im Rahmen der Neuroborreliose. Seit der Be- handlung habe sie sich wieder zurückgebildet. Eine vestibuläre Störung als Ursache der Gangunsicherheit bestehe nicht. Aus otorhinolaryngologischer Sicht bestehe eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, indem Tätigkeiten mit erhöhtem Umgebungsgeräuschpegel oder solche mit Ab- sturzgefährdung nicht geeignet seien. In der rheumatologischen Untersu- chung sei eine Wirbelsäulenfehlstatik mit Haltungsinsuffizienz und Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 10 Abschwächung der rückenstabilisierenden Muskelgruppen diagnostiziert worden. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für eine kaufmännische Tätigkeit bestehe dadurch nicht. In der allgemeininternistischen Untersu- chung seien keine weiteren Diagnosen gestellt worden. Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei nicht eingeschränkt. Die psychiatrische Unter- suchung habe unauffällige Befunde ergeben. Das zeitweise erhöhte Schlafbedürfnis könne nicht mit einem psychischen Leiden erklärt werden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähig- keit. Zusammengefasst sei die Beschwerdeführerin aus polydisziplinärer Sicht für die angestammte kaufmännische Tätigkeit wie auch für jede ande- re körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit zu 100% arbeits- und leistungsfähig. Einzig Tätigkeiten mit erhöhtem Umgebungsgeräuschpegel oder Absturzgefährdung seien nicht geeignet (S. 31). Aufgrund der ana- mnestischen Angaben, der Untersuchungsbefunde, der vorliegenden Do- kumente sowie der früher attestierten Arbeitsunfähigkeiten sei davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit während der akuten Phase der Neu- roborreliose bis zum Behandlungsende erheblich eingeschränkt gewesen sei. Nach Abschluss der Behandlung im Spital D.________ im Oktober 2014 sei aus medizinischer Sicht eine rasche Steigerung der Arbeitsfähig- keit möglich gewesen. Spätestens ab anfangs 2015 könne von der festge- stellten 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (S. 31 f.). 3.1.6In ihrer Stellungnahme „zur Ablehnung der IV-Leistungen […] re- spektive zur Begutachtung durch das […] MEDAS […]“ vom 10. Mai 2017 (act. II 73 S. 9-35) äusserte Dr. med. C.________ mannigfaltige Kritik so- wohl an der diagnostischen Einordnung der Beschwerden als auch hin- sichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im MEDAS-Gutachten. 3.2 3.2.1Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 11 ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a). 3.2.2Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.3Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom 28. März 2017 massgeblich auf das polydisziplinäre Gutachten des MEDAS vom 18. Januar 2017 (act. II 60.1 S. 2 ff.) ab. Dieses erfüllt die Voraussetzungen der Rechtsprechung an Expertisen (vgl. E. 3.2.2 hiervor) und erbringt vollen Beweis (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). Es ist nachvollziehbar und die Schlussfolgerungen sind überzeugend begründet. Was die Beschwerdeführerin unter Verweis auf den Bericht ihrer behan- delnden Ärztin Dr. med. C.________ vom 10. Mai 2017 (act. II 73 S. 9-35) dagegen vorbringt, dringt nicht durch: 3.4Zunächst fällt auf, dass zwischen den Gutachtern der MEDAS ei- nerseits und der behandelnden Ärztin andererseits offenkundig erhebliche fachliche Differenzen hinsichtlich der Beurteilung der Kausalität zwischen den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Symptomen und der Neuroborreliose, der daraus ableitbaren Arbeitsunfähigkeit sowie bezüglich der Auffassungen nach den notwendigen und wirksamen Therapien beste- hen. Dabei fiel die von Dr. med. C.________ geübte, teils massive Kritik nicht durchwegs sachlich aus, wenn sie von „aggressiven Gutachtern“, welche „Laborresultate ignorieren“ und Symptome und Befunde übergingen (act. II 77 S. 1) bzw. bezogen auf den vorliegenden Fall von „eklatant ab- weichenden Fehleinschätzungen der Arbeitsfähigkeit im MEDAS- Gutachten“ (act. II 73 S. 31) spricht. Dies wird auch nicht durch den Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 12 Umstand gerechtfertigt, dass die MEDAS-Gutachter im Rahmen ihrer Ge- samtbeurteilung namentlich die Langzeitantibiotika-Therapie als nicht indi- ziert beurteilt haben (act. II 60.1 S. 32) und der Infektiologe die umgehende Absetzung von Minocyclin und Hydroxychloroquin postulierte bzw. deren Nutzen als spekulativ bezeichnete (S. 26), welche Einschätzung vom be- gutachtenden Neurologen gestützt wird (S. 20). Denn es ist gerade die Aufgabe von Gutachtern, von behandelnden Ärzten attestierte Arbeitsun- fähigkeiten sowie gestellte Diagnosen bzw. die Zuordnung von Befunden oder Symptomen zu (scheinbar) feststehenden Diagnosen, aber auch die Zweckmässig- und Wirksamkeit laufender Therapien kritisch zu diskutieren. Mit Blick auf Letzteres gilt dies umso mehr, als die Frage nach der geeigne- ten Therapieform bei Neuroborreliose – was auch Dr. med. C.________ anerkennt – innerhalb der Medizin offenbar umstritten ist, woran auch nichts ändert, dass es sich bei diesen fachlichen Auseinandersetzungen ihrer Auffassung nach um „unfruchtbare Kontroversen“ handeln und die „herkömmliche Medizin Mühe mit der Akzeptanz der hochkomplexen Zu- sammenhänge“ haben soll (act. II 73 S. 33). Insgesamt weckt die von Dr. med. C.________ teils vehemente und mit einer zum absoluten Geltungsanspruch neigenden Kritik am Vorgehen von Gutachtern in Borreliosefällen im Allgemeinen und damit auch an jenem der MEDAS-Experten im Besonderen Zweifel an der Objektivität ihrer Ein- schätzungen, was deren Beweiswert schmälert. Davon abgesehen, vermö- gen die vorgebrachten Kritikpunkte jedoch auch in sachlicher Hinsicht nicht zu überzeugen respektive die Zuverlässigkeit des MEDAS-Gutachtens nicht in Frage zu stellen: 3.5 3.5.1Die MEDAS-Expertise vom 18. Januar 2017 (act. II 60.1 S. 2 ff.) beinhaltet eine allgemeininternistische, psychiatrische, rheumatologische, neurologische, neuropsychologische, infektiologische sowie eine otorhino- laryngologische Untersuchung, während die Gesamtbeurteilung im Rah- men eines interdisziplinären Konsensus erfolgte (vgl. S. 30 ff.). Mit diesem Vorgehen wurde dem von Dr. med. C.________ wiederholt geäusserten Kernanliegen einer „fächerübergreifenden“ Beurteilung (vgl. act. II 73 S. 20) Rechnung getragen, wobei gerade die abschliessende, gesamthafte Beur-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 13 teilung von Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit dem Gutachten be- sonderes Gewicht verleiht (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 21. März 2014, 9C_789/2013, E. 3.2). Dass die Berücksichtigung eines weiteren Fachbereichs erforderlich gewesen wäre, macht die behandelnde Ärztin nicht geltend und dergleichen ergibt sich auch nicht aus den übrigen Akten. Sodann haben die MEDAS-Gutachter in Übereinstimmung mit den übrigen medizinischen Akten (vgl. insbesondere E. 3.1.1 vorne) eine (durchgemachte) chronische Neuroborreliose festgestellt (act. II 60.1 S. 31). Auch besteht Konsens mit sämtlichen behandelnden Ärzten, dass zu- folge der medikamentösen antibiotischen Therapie sich die im Jahre 2014 akut aufgetretenen Symptome (Gangataxie, motorische Störungen, Mus- kelschwäche, Störung der Miktion und Hörminderung) in der Zwischenzeit deutlich zurückgebildet haben, die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf insoweit nicht mehr eingeschränkt (vgl. auch act. II 31 S. 1) und diesbezüg- lich von stabilen Verhältnissen auszugehen ist. Die von der Beschwerdeführerin nunmehr geltend gemachte und die Ar- beitsfähigkeit nach ihrer Auffassung im Wesentlichen reduzierende Rest- symptomatik einer heute subjektiv im Vordergrund stehenden periodischen Hypersomnie lässt sich gemäss den MEDAS-Gutachtern ätiologisch kei- nem Fachbereich – namentlich weder dem psychiatrischen noch dem neu- rologischen – zuordnen. Anders als Dr. med. C.________ insinuiert, haben die Gutachter insoweit jedoch keineswegs gleichsam apodiktisch einen Zusammenhang mit der Neuroborreliose negiert, sondern vielmehr festge- halten, dass eine Hypersomnie nach einer Neuroborreliose beobachtet werden könne, dies nach einer erfolgreichen antibiotischen Behandlung jedoch „ungewöhnlich“ sei (act. II 60.1 S. 31). Diese Auffassung steht u.a. im Einklang mit den von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zur Neuroborreliose publizierten Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie (AWMF-Register Nr. 030/071), wonach über die Bedeutung von chronischen und unspezifischen Beschwerden (u.a. „Chronic Fatigue“) in Zusammenhang mit Neuroborreliosen eine kontroverse Diskussion geführt werde bzw. klinische Verlaufsuntersuchungen und epidemiologische Studi- en darauf wiesen, dass diese Beschwerden nach einer Lyme-Borreliose nicht häufiger aufträten als bei Kontrollpersonen respektive nach anderen Erkrankungen. Es sei insoweit in der Regel von einer Koinzidenz und nicht Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 14 einer Kausalität zwischen dem Nachweis von Borrelien-spezifischen Anti- körpern und unspezifischen klinischen Beschwerden auszugehen. Wenn die Gutachter die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Sym- ptome – namentlich die periodisch auftretende Müdigkeit – nicht unbese- hen der Neuroborreliose zugeschrieben haben, so vermag dies den Beweiswert des MEDAS-Gutachtens demnach nicht in Frage zu stellen, zumal das transparente Aufzeigen von Unsicherheiten und Unklarheiten den Beweiswert einer Expertise nicht schmälert, sondern gegenteils stärkt (Entscheid des BGer vom 21. Juni 2016, 9C_614/2015, E. 5.1). Wurden zudem – wie vorliegend – die geklagten Beschwerden von diversen Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen auf ihre Genese hin untersucht, erweist es sich in beweismässiger Hinsicht nicht als überzeugend, „bis zum Beweis des Gegenteils sämtliche psychisch-geistigen Einschränkungen als Folge der Neuroborreliose zu betrachten“, wie dies – entgegen der im Sozialver- sicherungsrecht geltenden Beweislastverteilung – Dr. med. C.________ im Bericht vom 12. Oktober 2016 postuliert (act. II 56.21 S. 2). Dies umso we- niger, als gemäss dem begutachtenden Neurologen differentialdiagnostisch auch eine medikamentöse Verursachung in Betracht gezogen werden muss (act. II 60.1 S. 20). Sodann vermag auch der Umstand, wonach die MEDAS-Gutachter – in Übereinstimmung mit den Neurologen des Spitals D.________ (vgl. act. II 56.49 S. 4) – die Langzeitantibiose als kontraindi- ziert erachteten, die Zuverlässigkeit der Expertise nicht in Frage zu stellen: Zum einen wird in den bereits genannten AWMF-Leitlinien eine Langzeit- oder Dauerbehandlung mit Antibiotika nicht empfohlen. Zum andern be- steht für die von Dr. med. C.________ applizierten Medikamente Plaquenil und Minac betreffend die Borreliose keine Indikation (vgl. www.swissmedic.ch, Arzneimittelinformationen zu Minac und Plaquenil unter: Fachinformationen, Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten), weshalb auch insoweit nicht gesagt werden kann, die Gutachter verträten eine fachlich unhaltbare Auffassung, welche ihre Schlussfolgerungen als nicht nachvollziehbar und damit beweismässig nicht verwertbar erscheinen liessen. Mit Bezug auf Plaquenil ist darüber hinaus zu beachten, dass gemäss Arzneimittelinformation die Behandlung abgebrochen werden sollte, wenn nach sechs Monaten keine Besserung eingetreten ist. Vor diesem Hintergrund bleibt anzumerken, dass sich unter der von Dr. med. C.________ durchgeführten Langzeitantibiose gemäss ihren Angaben wohl Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 15 die Gangsicherheit und die Schwerhörigkeit, nach Lage der Akten nicht jedoch die (die Arbeitsfähigkeit einzig beeinflussende und auch subjektiv im Vordergrund stehende) Hypersomnie verbesserten (vgl. act. II 56.25 S. 1). Soweit die behandelnde Ärztin sodann „sämtliche Einschränkungen“ mit infektiösen Veränderungen des Gehirns begründet (act. II 73 S. 30), findet diese Behauptung aus neurologischer Sicht sowohl im MEDAS-Gutachten als auch in den übrigen Akten keine Stütze, während der begutachtende Psychiater einen Zusammenhang gar ausschloss (act. II 60.1 S. 12) und auch Dr. med. F.________ einen solchen nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit herstellte. Anders als von Dr. med. C.________ ferner behauptet (act. II 73 S. 17), wurde die Schilddrüsen- funktion untersucht und als im Normbereich liegend taxiert (act. II 60.1 S. 8). 3.5.2Im Weiteren verkennen Beschwerdeführerin und Dr. med. C.________, dass die genaue diagnostische Einordnung eines (psychi- schen oder somatischen) Leidens für die Beurteilung der Invalidität im inva- lidenversicherungsrechtlichen Kontext nicht von vorrangiger Bedeutung ist; massgeblich ist vielmehr, ob und wenn ja inwieweit (hinreichend objekti- vierbare) Befunde (plausibilisierbare [vgl. BGE 140 V 290 E. 3.3.2 S. 297]) Auswirkungen auf das funktionelle Leistungsvermögen und damit die Ar- beits- bzw. Erwerbsfähigkeit zeitigen (vgl. E. 2.1.2 vorne). Die MEDAS- Gutachter haben die objektive Befundlage in ihren Fachbereichen jeweils detailliert wiedergegeben und diese im anamnestischen sowie diagnosti- schen Kontext erörtert. Schliesslich haben sie – im Rahmen der polydiszi- plinären Gesamtbeurteilung – die (medizinisch-theoretische) Arbeitsfähigkeit im Einklang mit der geltenden Rechtsprechung allein an- hand der objektivierbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen und nicht (allein) aufgrund subjektiver Angaben beurteilt. Dabei erscheint ein Aspekt wesentlich: Nach Auffassung der behandelnden Ärztin wirkt sich insbeson- dere die im Rahmen einer Restsymptomatik weiterhin geltend gemachte Apathie und eine damit einhergehende (periodische) Hypersomnie auf die Arbeitsfähigkeit aus. Die Beschwerdeführerin gibt hierzu an, während guten Phasen normal arbeitsfähig zu sein, während dem sie „in schlechten Zei- ten“ nicht arbeiten könne (act. II 60.1 S. 8). Gegenüber dem psychiatri- schen Experten der MEDAS erklärte die Beschwerdeführerin, sie habe sich Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 16 „gestern Abend“ (vor der Begutachtung) sehr müde gefühlt und arbeite zur- zeit nicht. Sie habe sich daher „nicht in der Lage gefühlt, zur heutigen Un- tersuchung nach ... zu reisen“, worauf sie das Taxi genommen habe (S. 9). Demnach erfolgte die psychiatrische Begutachtung offensichtlich in einer Phase, während der sich die Beschwerdeführerin erschöpft fühlte. Gleich- wohl hielt der Gutachter fest, es hätten sich während der ganzen Untersu- chung nie Zeichen von Konzentrationsschwäche gezeigt (S. 11) und obwohl die Beschwerdeführerin am Morgen des Untersuchungstages an- gegeben habe, sie könne ihr Bett nicht verlassen, sei müde und erschöpft, habe sie sich anlässlich der Begutachtung in völlig unauffälligem Zustand präsentiert, wobei die von ihr geklagte schwere Müdigkeit überhaupt nicht habe festgestellt werden können (S. 12). Auch im Rahmen der neuropsy- chologischen Untersuchung zeigte sich einzig eine leichte kognitive Störung (S. 23). Unter diesen Umständen zielt die Kritik von Dr. med. C.________, das allgemeininternistische Gutachten lasse die Hauptsym- ptome wie Bettlägerigkeit, Erschöpfung und Apathie „ganz einfach weg“ (act. II 73 S. 20), ins Leere. Vielmehr ist mit Blick auf die – auch in Phasen der Erschöpfung präsentierte, allein bescheidene – Befundlage die von den MEDAS-Gutachtern mit Bezug auf die angestammte Tätigkeit attestierte volle Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar und schlüssig. Unter diesem Blick- winkel kann auch offen bleiben, ob noch eine aktive Infektion vorliegt – was vom begutachtenden Infektiologen verneint (act. II 60.1 S. 26), von Dr. med. C.________ dagegen (wenngleich einzig unter Verweis auf klinische Befunde) bejaht wird (act. II 73 S. 19) –, manifestierte sie sich doch kaum auf der Befundebene. Dass die Gutachter sodann auf fremdanamnestische Angaben – insbesondere des Arbeitgebers – verzichteten, ist nicht zu be- anstanden: Zum einen besteht für Gutachter keine Pflicht, fremdanamnes- tische Angaben einzuholen (vgl. Entscheid des BGer vom 19. September 2013, 9C_351/2013, E. 3.2). Zum andern beurteilt sich die Arbeitsfähigkeit nicht anhand des gegenüber dem Arbeitgeber gezeigten oder von diesem beobachteten bzw. rapportierten, sondern aufgrund des objektiv zumutba- ren Leistungsvermögens (vgl. E. 2.1.2 vorne), für dessen Beurteilung die medizinischen Feststellungen Anknüpfungspunkt bilden (vgl. E. 2.2 vorne). Zur Befragung des Arbeitgebers bestand zudem umso weniger Anlass, als sich die begutachtenden Fachärzte gestützt auf ihre eigenen Untersuchun-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 17 gen ohne weiteres im Stande sahen, eine zuverlässige Einschätzung des leistungsmässig Machbaren vorzunehmen. 3.5.3Demnach wecken weder die Berichte von Dr. med. C.________ noch jene der übrigen behandelnden Ärzte Zweifel am Beweiswert des MEDAS-Gutachtens vom 18. Januar 2017 (act. II 60.1 S. 2 ff.), womit sich der medizinische Sachverhalt als hinreichend abgeklärt erweist und es der von der Beschwerdeführerin eventualiter beantragten Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zwecks Vornahme weiterer Abklärungen nicht bedarf. 3.6Zur Arbeitsfähigkeit wurde im MEDAS-Gutachten aus gesamtme- dizinischer Sicht festgehalten, während der akuten Phase der Neuroborre- liose bis zum Behandlungsende sei von einer erheblichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Ab anfangs 2015 bestehe für die ange- stammte kaufmännische Tätigkeit sowie für andere ähnlich gelagerte, kör- perlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit (act. II 60.1 S. 31 f.). Nachdem die Anmeldung zum Leistungsbezug in Form von beruflichen Massnahmen und einer Invalidenrente erst im Oktober 2015 (act. II 20 S. 6) erfolgt war (die erste Anmeldung vom Februar 2014 betraf einzig den An- trag auf Hilfsmittel bzw. ein Hörgerät [act. II 1]), resultiert aus der für die Zeit bis Ende 2014 attestierten Arbeitsunfähigkeit kein Leistungsanspruch. Die in der Folge seitens der Gutachter bescheinigte volle Arbeitsfähigkeit wird durch die übrigen Akten nicht in Frage gestellt: Dr. med. F.________ bescheinigte im Bericht vom 23. Februar 2016 (act. II 34 S. 2 ff.) keine Ar- beitsunfähigkeit bzw. hielt insoweit lediglich fest, die genauen Angaben über die erbrachte Leistung seien beim Arbeitgeber einzuholen (S. 5). Dr. med. C.________, welche die Beschwerdeführerin seit November 2015 behandelt (act. II 31 S. 1), attestierte zwar fortwährend eine 80%ige Ar- beitsunfähigkeit. Diese basiert indessen nicht in erster Linie auf allfälligen von ihr erhobenen (psychiatrischen) Befunden, sondern massgebend auf den Angaben des Arbeitgebers der Beschwerdeführerin (vgl. act. II 56.21 S. 5), was in beweismässiger Hinsicht nicht ausreicht (vgl. E. 3.5.2 vorne). 3.7Demnach ist sowohl in medizinischer wie auch in rechtlicher Hin- sicht von einer seit anfangs 2015 bestehenden Arbeitsfähigkeit von 100% Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 18 in der angestammten Tätigkeit auszugehen, womit im vorliegend massge- benden Beurteilungszeitraum bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfü- gung vom 28. März 2017 eine Invalidität im Rechtssinne nicht erstellt ist. An diesem Ergebnis ändert schliesslich auch nichts, dass die Suva „für die Folgen des Zeckenstiches“ Taggeldleistungen erbringt (vgl. act. II 56.3 S. 3), entfalten doch Entscheide des Unfallversicherers gegenüber der In- validenversicherung keine Bindungswirkung (BGE 133 V 549 E. 6.4 S. 555). 3.8Zusammenfassend erging die angefochtene Verfügung zu Recht und die Beschwerde ist abzuweisen. 4. 4.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh- rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen. Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnom- men. 4.2Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 61 lit. g ATSG (Umkehrschluss) besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die obsiegende Beschwerdegegnerin hat als Sozialversicherungsträgerin nach allgemeinem sozialversicherungsrechtlichem Prozessgrundsatz keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. BGE 128 V 124 E. 5b S. 133). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Aug. 2017, IV/17/445, Seite 19 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ent- nommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - A.________ - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.