B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1558/2015 U r t e i l v o m 1 8 . N o v e m b e r 2 0 1 5 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, geboren am (…), Somalia, vertreten durch Hansjörg Trüb, Asylbrücke Zug, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 26. Februar 2015 / N (…). E-1558/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer stellte am 24. September 2010 am Flughafen Zü- rich ein Asylgesuch. Dieses begründete er a nlässlich der Befragung vom 26. September 2010 und der Anhörung vom 5. Oktober 2010 im Wesent- lichen damit, aus B._______ zu stammen und dort von der Al -Shabaab- Miliz beziehungsweise von Islamisten verfolgt zu sein. Mit Verfügung vom 12. Oktober 2010 lehnte das damalige BFM das Asyl- gesuch ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus dem Transitbereich des Flughafens sowie den Vollzug an. Betreffend seinen ablehnenden Asylentscheid führte das BFM aus, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers den Anforderungen von Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht genügten und er daher die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht erfülle. Die Wegweisung stelle die Regelfolge eines ablehnenden Asylentscheides dar und es seien keine zureichenden Gründe ersichtlich, die auf Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit eines Weg- weisungsvollzugs schliessen lassen würden, wobei die Zumutbarkeit ei- nes Wegweisungsvollzuges nach B._______ angesichts der dortigen La- ge zwar zu verneinen, bezüglich Nordsomalia aber zu bejahen sei. Eine gegen diese Verfügung eingereichte Beschwerde vom 17. Oktober 2010 wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-7414/2010 vom 15. November 2010 insoweit gutgeheissen , als es di e Ziffern 3 –5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung (Anordnung der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs) aufhob und die Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückwies. Im Übrigen – betreffend Flüchtlingseigenschaft und Asylge- währung (Ziffern 1 und 2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung) – wies das Gericht die Beschwerde in Bestätigung der vorinstanzlichen Er- kenntnisse als unbegründet ab. B. Am 18. November 2010 bewilligte das BFM die Einre ise des Beschwer- deführers in die Schweiz. C. Mit Eingabe vom 4. September 2011 reichte der Beschwerdeführer beim BFM ein Gesuch um Wiedererwägung der Verfügung vom 12. Oktober 2010 betreffend die Dispositivziffern 1 und 2 (Flüchtlingseigenschaft und Asyl) ein. Dieses begründete er mit neuen Verfolgungsereignissen (öffent-E-1558/2015 Seite 3 licher Aufruf der Al Shabaab vom Sommer 2011 zur Ermordung de s Be- schwerdeführers). In der Folge mahnte der Beschwerdeführer das BFM mehrmals zur Be- handlung des wiederaufgenommenen Asylverfahre ns im Wegweisungs - und Vollzugspunkt sowie des Wiedererwägungsgesuchs vom 4. Septem- ber 2011 betreffend Flüchtlingseigenschaft und Asyl. D. Das Bundesverwaltungsgericht retournierte die ihm am 15. November 2013 vom BFM mit der schlichten Bemerkung "Revision" und im Übrigen kommentarlos überwiesenen Akten umgehend an den Absender. E. Mit Verfügung vom 21. Februar 2014 trat das BFM in Anwendung des per 1. Februar 2014 aufgehobenen aArt. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf das "Asylgesuch" des Beschwerdeführers vom "18. November 2010" nicht ein und ordnete gleichzeitig dessen Wegweisung an, gewährte ihm aber zu- folge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach Somalia die vor- läufige Aufnahme. Zur Begründung stellte es fest, dass das erste Asylver- fahren im Asylpunkt rechtskr äftig abgeschlossen und damals die Un- glaubhaftigkeit der Vorbringen erkannt worden sei, die neuen Gründe und Beweismittel im Wesentlichen eine Wiederholung der damaligen darstell- ten und sich aus den Akten keine Hinweise ergäben, dass nach dem Ab- schluss dieses Verfahrens Ereignisse eingetreten seien, die geeignet wä- ren, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant wären. Die Wegweisung aus der Schweiz stelle die Regelfolge eines Nichteintretensentschei des dar, je- doch sei der Vollzug der Wegweisung in den Herkunfts- beziehungsweise Heimatstaat oder in einen Drittstaat in Würdigung sämtlicher Umstände nicht zumutbar. Mit Eingabe vom 28. Februar 2014 erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung vom 21. Februar 2014 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Darin beantragte er im Wesentlichen deren Aufhebung und die Anweisung des BFM zum Eintreten auf das Asylgesuch . In der Be- gründung wandte er sich nicht grundsätzlich gegen eine Qualifikation von Wiedererwägungsgründen der vorliegenden Art als neues Asylgesuch . Indessen bekräftigte er gegenüber der offensichtlich unzutreffenden Ein- schätzung des BFM , neue, nach Abschluss des ersten Asylverfahrens eingetretene Verfolgungsgründe vorgebracht zu haben, die zudem durch-E-1558/2015 Seite 4 aus Hinweise beziehungsweise gar Beweise zur Begründung der Flücht- lingseigenschaft enthielten, was die Anwendung von aArt. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG ausschliesse . Damit habe er Anspruch darauf, dass das BFM seine neuen Gr ünde materiell im Rahmen eines Wiedererwägungs - oder Zweitasylverfahrens behandle und prüfe. Im Weiteren übte er scharfe Kri- tik an der Verfahrensführung des BFM. Mit Urteil E-1040/2014 vom 20. März 2014 hob das Bundesverwaltungs- gericht die Verfügung des BFM vom 21. Februar 2014 unter Gutheissung der Beschwerde vom 28. Februar 2014 auf und wies die Sache zur Neu- beurteilung an die Vorinstanz zurück. In der Begründung schützte es zwar unter Hinweis auf die Übergangsbestimmungen zur Änderung des Asyl- gesetzes v om 14. Dezember 2012 die grundsätzliche übergangsrechtli- che Anwendbarkeit von aArt. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG. Dennoch erkannte es eine Bundesrechtsverletzung sowie eine unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts . Begründet wurde dies damit (Zitat:), "dass der altrechtliche Nichteintretenstatbestand des Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG nach der klaren gesetzlichen Konzeption rechtslogisch nur auf ein multiples Asylgesuch nach erfolglosem Durchlaufen eines oder mehrerer vorgängiger Asylverfahren(s) Anwendung finden kann, dass das mit Gesuch vom 24. September 2010 eingeleitete erste Asylver- fahren insoweit als rechtskräftig abgeschlossen bezeichnet werden kann, als das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 15. November 2010 die mit Verfügung des BFM vom 12. Oktober 2010 festgestellte Nichterfüllung der Flüchtlingseigenschaft und Ablehnung des Asylgesuchs letztinstanz- lich bestätigt hat, wogegen das Gericht die vom BFM getroffene Wegwei- sungs- und Vollzugsanordnung aufgehoben und das erste Asylverfahren insoweit zur Wiederaufnahme und Neubeurteilung an das BFM zurück- gewiesen hat, dass dennoch gemäss zuvor erwähnter Praxis (vgl. EMARK 2006 Nr. 20 E. 2.1, 1998 Nr. 1 E. 5) die in Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG statuierte Vo- raussetzung des erfolglosen Durchlaufens eines vorgängigen Asylverfah- rens vorliegend grundsätzlich erfüllt ist, dass indessen seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. November 2010 betreffend den Beschwerdeführer das wiederaufge- nommene Asylverfahren im Wegw eisungs- und Vollzugspunkt und seit dem 4. September 2011 zusätzlich ein Wiedererwägungsverfahren betref- fend Flüchtlingseigenschaft und Asyl beim BFM hängig sind beziehungs- weise waren, wogegen der Beschwerdeführer gemäss den vorliegenden Akten und ebenso g emäss dem Aktenverzeichnis des Dossiers N (…) je-E-1558/2015 Seite 5 doch nie ein zweites Asylgesuch gestellt hat, insbesondere auch nicht – wie vom BFM in der Verfügung vom 21. Februar 2014 (dort S. 1) behaup- tet – am 18. November 2010, dass das BFM denn auch – entgegen seiner bei Zweitgesuchen üblichen Praxis – keine separierten "B" -Akten mit eigenem Aktenverzeichnis er- stellt hat, dass das Datum des 18. November 2010 gemäss den vorliegenden Akten eine prozessgeschichtliche Relevanz einzig durch die Tatsache aufweist, dass da mals das BFM die Einreise des Beschwerdeführers in die Schweiz bewilligt hat, dass der Inhalt der vorliegend angefochtenen Verfügung die Vermutung nahelegt, das BFM würdige erneut das am 24. September 2010 gestellte (erste) Asylgesuch und ansatzweise die mit Gesuch vom 4. September 2011 geltend gemachten Wiedererwägungsgründe, dass sich das BFM jeglichen Kommentars zu seinem prozessualen Vor- gehen enthält und damit gänzlich ungeklärt bleibt, welches das Verhältnis der Verfügung vom 21. Februar 2014 zum wie deraufgenommenen ersten Asylverfahren im Wegweisungs - und Vollzugspunkt einerseits und zum Wiedererwägungsverfahren betreffend Flüchtlingseigenschaft und Asyl anderseits wäre, insbesondere welche rechtlichen und prozessualen Aus- wirkungen die Verfügung vom 21. Februar 2014 auf diese beiden Verfah- ren hätte, dass nach dem Gesagten aber jedenfalls die Anwendbarkeit des Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG mangels Bestehens des vom BFM behaupteten zwei- ten Asylgesuchs vom 18. November 2010 ausser Betracht fällt". Weiter erwog das Gericht (Zitat:), "dass mit diesem Kassationsausgang die in der Beschwerde geübte Kritik an der Verfahrensführung des BFM für das vorliegende Verfahren zwar keiner Beurteilung mehr bedarf, angesichts ihrer offensichtlichen Berech- tigung aber vom BFM im Hinblick auf die Verfahrenswiederaufnahme zur Kenntnis zu nehmen ist, dass das Gericht im selben Zusammenhang im Übrigen insoweit weitere Mängel in der Verfahrensführung feststellt, als verschiedene Aktenstücke unpaginiert und unchronologisch im Dossier liegen und das BFM vermut- lich verschiedene weitere Dokumente bzw. Aktennotizen weder in den Ak- ten abgelegt noch im Aktenverzeichnis erfasst hat". F. Mit Eingabe vom 23. März 2014 reichte der Beschwerdeführer beim BFM die im Urteil E -1040/2014 als nicht aktenkundig festgestellten weiteren Dokumente (Gesuche um Rückgabe von Dokumenten, Anfragen nach E-1558/2015 Seite 6 dem Verfahrensstand und Bitte um beförderlichen Verfahrensabschluss) nochmals ein . Gleichzeitig ersuchte er aber mals um eine baldige Ent- scheidfällung über das wiederaufgenommene Asylverfahren im Wegwei- sungs- und Vollzugspunkt sowie d as Wiedererwägungsgesuch vom 4. September 2011 betreffend Flüchtlingseigenschaft und Asyl. G. Mit Verfügung vom 26. Februar 2015 – eröffnet am 4. März 2015 – ver- neinte das SEM das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft des Beschwer- deführers und lehnte dessen "Asylgesuch" vom "18. November 2010" be- ziehungsweise vom "18. November 2011" ab (Ziff. 1 und 2 des Dispositivs der Verfügung vom 26. Februar 2015) . Gleichzeitig ordnete es se ine Wegweisung aus der Schweiz an (Ziff. 3 des Dispositivs) , gewährte ihm aber zufolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach Somalia die vorläufige Aufnahme (Ziffern 4 bis 7 des Dispositivs) . Schliesslich er- hob das SEM vom Beschwerdeführer eine (red uzierte) Gebühr von Fr. 300.– (Ziff. 8 des Dispositivs). Auf die Begründung wird, soweit we- sentlich, in den Erwägungen eingegangen. H. Am 5. März 2015 erhielt der Beschwerdeführer antragsgemäss Einsicht in das Aktenverzeichnis. I. Mit Eingabe vom 9. März 2015 erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung vom 2 6. Februar 201 5 beim Bundesverwaltungsgericht Be- schwerde. Darin beantragt er die Aufhebung der Dispositivziffern 1, 2, 3 und 8, die wiedererwägungsweise Gewährung von Asyl, eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu neuer Entscheidung sowie den Verzicht auf die Erhebung sowohl von Verfahrenskosten als auch ei- nes Kostenvorschusses. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. J. Am 12. März 2015 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. K. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 2. Juli 2015 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung E-1558/2015 Seite 7 im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung de r vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerde- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3 Wie nachstehend zu erörtern sein wird, handelt es sich bei dem in die angefochtene Verfügung vom 26. Februar 2015 mündenden Verfahren um ein multiples Asylverfahren, das vor der am 1. Februar 2014 in Kraft gesetzten neue n Fassung des Asylgesetzes (Änderungen vom 14. De- zember 2012) eingeleitet wurde. D iese Fassung enthält unter anderem auch neue Bestimmungen zur Wiedererwägung und eben zu Mehrfach- asylgesuchen (insb. Art. 111 b und 111c AsylG). Die Übergangsbestim- mungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012 halten in ihrem Absatz 2 indessen fest, dass bei im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Rechtsände- rung hängigen Wiedererwägungs - und Mehrfachasylgesuchen weiterhin das bisherige Recht (in der Fassung vom 1. Januar 2008) anwendbar bleibt. E-1558/2015 Seite 8 1.4 Die Kognition und die möglichen Rügen richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 3. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz- lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem He imatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 In der Begründung des angefochtenen Entscheides hält das SEM zu- nächst fest, dass der Beschwerdeführer zwar am 24. September 2010 ein Asylgesuch gestellt habe, vorlie gend aber "systembedingt" der "18. No- vember 2011" (recte 18. November 2010) als Datum des Asylgesuchs gelte. Sodann verweist das SEM auf die im Asylpunkt eingetretene Rechtskraft betreffend das Asylgesuch vom 24. September 2010, dies nachdem das Bundesverwaltungsgericht – mit Urteil vom 15. November 2010 – die "diesbezügliche Beschwerde vom 15. November 2010" (recte: 17. Oktober 2010) infolge "fehlender Glaubwürdigkeit" abgewiesen habe. Die nun neu geltend gemachte , von einer Pressekonferenz der Al - Shabaab stammende Morddrohung sei im Ra hmen eines zweiten Asyl- gesuchs zu behandeln. Indessen knüpfe sie an die bereits "im ordentli- chen Verfahren" geltend gemachte Verfolgungslage an, welche aber vom Bundesverwaltungsgericht rechtskräftig als unglaubhaft qualifiziert wor- den sei, weshalb "begriffslogisch" auch das neue Vorbringen unglaubhaft sei. Die hierzu vorgelegten Beweismittel vermöchten daran nichts zu än- dern, da einerseits Informationen aus dem Internet und Fotokopien von Zeitungsartikeln notorisch wenig zuverlässig seien und anderseits de r Standpunkt des SEM vom Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich rechtskräftig gestützt worden sei. Soweit auf der Glaubhaftigkeit der im E-1558/2015 Seite 9 ordentlichen Verfahren geltend gemachten Vorfluchtgründe beharrt wer- de, sei dies revisionsweise beim Bundesverwaltun gsgericht geltend zu machen. Demnach ergäben sich "keine neuen Hinweise, dass nach dem Abschluss des ersten Verfahrens Ereignisse eingetreten wären, die ge- eignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen". Die bürgerkriegs- ähnliche Situation und prekäre Sicherheitslage in Somalia begründe schliesslich keinen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls. Ihnen werde im Rahmen der Prüfung der Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges Rechnung getragen. Schliesslich auferlegte das SEM dem Beschwerdeführer in Anwendung von aArt. 17b Abs. 4 AsylG und Art. 7c Abs. 1 AsylV 1 eine auf die Hälfte reduzierte Ver- fahrensgebühr von Fr. 300.–, wogegen es die Ausrichtung einer Entschä- digung in Anwendung von aArt. 17b Abs. 1 AsylG verweigerte. 4.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe zunächst darauf aufmerksam, dass das SEM ein Gesuch vom 2. Juni 2014 um Be- richtigung von Daten (insbesondere des Gesuchsdatums vom "18. No- vember 2010") bis heute unbeantwortet belassen und auf eine Aufforde- rung vom 6. September 2014 um beförderliche Behandlung erst am 27. Januar 2015 – telefonisch – reagiert habe; beide Eingaben seien wie- derum nicht in die im Übrigen nun korrekt geführten neuen B -Akten auf- genommen worden. Sodann rügt er eine Missachtung des Entscheidge- genstandes durch das SEM, indem dieses trotz klarer Beanstandung im Urteil vom 20. März 2014 erneut über ein "Phantom-Asylgesuch" vom 18. November 2010 befinde und dieses Datum als "systembedingt" erklä- re, ohne die Gründe und die Notwendigkeit für ein solches System auszu- führen. Er habe am 18. November 2010 entgegen der rechtswidrigen An- nahme des SEM kein zweites Asylgesuch gestellt. Der Begründung des angefochtenen Entscheides sei ferner zu entnehmen, dass das SEM fak- tisch über ein Wiedererwägungsgesuch befinde, ohne dies indessen zu deklarieren und in das Dispositiv aufzunehmen. Angesichts der Unfähig- keit des SEM, in der vorliegenden Sache ein korrektes Verfahren zu füh- ren und innert nützlicher Frist einen nac hvollziehbaren Entscheid zu fäl- len, wünsche er einen reformatorischen Entscheid durch das Bundesver- waltungsgericht und nehme den dadurch entstehenden Instanzenverlust in Kauf. In der Sache selber sei nicht einzusehen, weshalb die nun wie- dererwägungsweise geltend gemachten Morddrohungen nur vordergrün- dig neue Elemente mit Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft darstell en sollten, sondern vielmehr an die früher geltend gemachte Verfolgung an- knüpften. Die Unglaubhaftigkeit der letzteren schliesse die Glaubhaftigkeit einer späteren Verfolgung aufgrund seiner unbestrittenen Eigenschaft als E-1558/2015 Seite 10 Betreiber eines (…) nicht aus; das SEM zeige denn auch einen nachvoll- ziehbaren Zusammenhang zwischen den beiden Verfolgungsgründen nicht auf. Sodann sei es unzulässig, den vorgel egten Beweismitteln mit dem Hinweis auf die notorische Unzuverlässigkeit von Informationen aus dem Internet jeglichen Beweiswert abzusprechen, ohne sich inhaltlich mit ihnen zu befassen und ihre konkrete Untauglichkeit zu begründen. Die Morddrohungen seien vielmehr glaubhaft und durch die Beweismittel gar bewiesen, weshalb er Anspruch auf Gewährung des Asyls habe. Im Kos- tenpunkt rügt der Beschwerdeführer eine rechtswidrige Anwendung von aArt. 17b AsylG, da diese Bestimmung seit dem 1. Februar 2014 aufge- hoben sei. Sel bst die altrechtliche Gesetzesan wendung wäre rechtswid- rig, weil die Voraussetzung des rechtskräftigen Abschlusses eines vorma- ligen Asyl - und Wegweisungsverfahrens nicht erfüllt sei; das Wegwei- sungsverfahren des mit Gesuch vom 24. September 2010 i niziierten Asylgesuchs sei nämlich noch hängig. Abgesehen davon habe das SEM offensichtlich das mit dem Wiedererwägungsgesuch gestellte Gesuch um Verzicht auf die Erhebung von Verfahrenskosten übersehen. Im Übrigen habe die Vorinstanz – zu seinen Gunsten – auch Art. 17c AsylV 1 falsch wiedergegeben. Die Gebühr sei daher aufzuheben. Als Beweismittel gibt der Beschwerdeführer nebst eine r Sozialhilfebestä- tigung Kopien seiner beiden Eingaben vom 2. Juni 2014 und vom 6. Sep- tember 2014 inklusive entsprechende Zustellbestätigungen zu den Akten. 5. 5.1 Der Wunsch des Beschwerdeführers nach Fällung eines reformatori- schen Entscheides durch das Bundesverwaltungsgericht unter Inkauf- nahme eines Instanzenverlustes ist angesichts der in der bisherigen Pro- zessgeschichte festgeste llten und nachfolgend noch festzustellenden Mängel und Verzögerungen in der Verfahrensführung de r Vorinstanz nachvollziehbar. Indessen steht die Form des durch die Beschwer- deinstanz zu treffenden Entscheides (kassatorisch oder reformatorisch) nicht zur Disposition der Beschwerde führenden Partei, sondern sie bildet das Ergebnis einer rechtlichen Überprüfung von Amtes wegen. Stellt das Bundesverwaltungsgericht somit in einem hängigen Verfahren unheilbare Kassationsgründe fest, kann der Verfahrensausgang n ur ein Kassations- entscheid sein. Zur freien Disposition stünde dem Beschwerdeführer selbstredend jederzeit der Verzicht oder der Rückzug eines Gesuchs oder Rechtsmittels. E-1558/2015 Seite 11 5.2 Hinsichtlich der Verfahrensführung ist festzustellen, dass die vorlie- gend angefochtene Verfügung einen Entscheid über ein scheinbar zwei- tes Asylgesuch darstellt. Die Vorinstanz hat die im Urteil E -1040/2014 bemängelte Aktenführung insofern verbessert, als nun klar separierte B-Akten betreffend das zweite Asylgesuch vorliegen. Unklar bleibt freilich der Verbleib der im damaligen Verfahren vom Beschwerdeführer offenbar eingereichten, aber vom BFM nicht in die Akten aufgenommen en Einga- ben. Die Vorinstanz enthält sich diesbezüglich (und ebenso bezüglich ei- ner nicht aktenkundigen Rückzugsanf rage) jeglichen Kommentars. Fest- zustellen ist, dass der Beschwerdeführer einerseits bislang keine auf- sichtsrechtlichen Schritte unternommen oder eine Rechtsverzögerungs - beziehungsweise Rechtsverweigerungsbeschwerde eingereicht hat und anderseits Kopien der betreffenden Eingaben zwecks Vervollständigung der vorinstanzlichen Akten aus eigener Initiative am 23. März 2014 nochmals eingereicht hat und diese nunmehr aktenkundig sind (vor - instanzliche Akte B16). Eine Verletzung des Anspruchs auf Wahrung des rechtlichen Gehörs (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 29 VwVG sowie das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-7452/2014 E. 6.1 [mit weiterfüh- renden Hinweisen]) liegt daher diesbezüglich nicht vor. Ungeklärt ist je- doch der Verbleib der vom Beschwerdeführer neu elektronisch übermittel- ten Briefe vom 2. Juni 2014 (Gesuch um Berichtigung von Daten, insbe- sondere des Gesuchsdatums vom "18. November 2010") und vom 6. September 2014 (Bitte um beförderliche Behandlung). Kopien dersel- ben inklusive entsprechende Zustellbestä tigungen liegen nunmehr als Beschwerdebeilagen vor. Die Frage nach einer allfälligen diesbezüglichen Verletzung des rechtlichen Gehörs unter Berücksichtigung der Frage des Beweiswertes und der Beweistauglichkeit der Zustellbelege kann einst- weilen offenbleiben, da das Urteil aus anderen Gründen auf Kassation lautet. 5.3 Unter Hinweis auf das Kassationsurteil E -1040/2014 vom 20. März 2014 (vgl. dort S. 7 unten f.) ist festzustellen, dass das mit Gesuch vom 24. September 2010 eingeleitete erste Asylverfahren insoweit als rechts- kräftig abgeschlossen zu bezeichnen ist , als das Bundesverwaltungsge- richt mit Urteil vom 15. November 2010 die mit Verfüg ung des BFM vom 12. Oktober 2010 festgestellte Nichterfüllung der Flüchtlingseigenschaft und Ablehnung des Asylgesuchs letztinstanzlich bestätigt hat. Entspre- chend der Praxis (vgl. EMARK 2006 Nr. 20 E. 2.1, 1998 Nr. 1 E. 5) liegt damit ein erfolglos durchl aufenes Asylverfahren vor, an welchem Um- stand auch die Tatsache nichts ändert, dass das Gericht im besagten Kassationsurteil die vom BFM getroffene Wegweisungs - und Vollzugsan-E-1558/2015 Seite 12 ordnung aufgehoben und das erste Asylverfahren insoweit zur Wieder- aufnahme und Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen hat. Mit dem SEM (vgl. angefochtene Verfügung S. 4 oben) ist somit festzuhalten, dass das später geltend gemachte Beharren auf der Glaubhaftigkeit der dama- ligen Verfolgungsvorbringen prozessual mit dem ausserordentlic hen Rechtsmittel der Revision beim Bundesverwaltungsgericht geltend ge- macht werden könn te. Das SEM verkennt dabei jedoch, dass die vom Beschwerdeführer nunmehr geltend gemachten Morddrohungen bezie- hungsweise öffentliche n Aufrufe zu seiner Ermordung tatsächlich neue Verfolgungsvorbringen darstellen, zumal sie sich zeitlich nach dem Urteil E-1040/2014 vom 20. März 2014 ereignet haben sollen. Der Beschwerde- führer ist daher mit diesen neuen Vorbringen richtigerweise an das zur Beurteilung erstinstanzlich zustän dige BFM gelangt, welches denn auch mit der angefochtenen Verfügung eine materielle Beurteilung vorgenom- men hat. Prozessual steht hierzu einzig die Form eines neuen Asylge- suchs oder jene des Wiedererwägungsgesuchs zur Verfügung. Der Beschwerdeführer hat di ese neuen Gründe ( Morddrohungen bezie- hungsweise öffentliche Aufrufe der Al -Shabaab zu seiner Ermordung ) in Form eines Wiedererwägungsgesuchs vom 4. September 2011 bei der Vorinstanz geltend gemacht, wogegen d iese in der angefochtenen Verfü- gung über ein neues Asylgesuch befindet. Die Frage der prozessual rich- tigen Wahl des Gesuchs ist nachfolgend zu erörtern. Festzustellen sind indessen bereits an dieser Stelle folgende M ängel: Wenn das BFM – zu- recht oder nicht – ein klar als "Wiedererwägungsgesuch" betiteltes Anlie- gen in der Form eines Entscheides auf ein neues Asylgesuch (welchen Datums auch immer) beurteilen will, hat es eine solche abweichende Be- handlung nicht nur zu begründen, sondern auch in das Dispositiv aufzu- nehmen; dies umso mehr, als der Be schwerdeführer – wie der vorliegen- den Beschwerde entnommen werden kann – sein Wiedererwägungsge- such scheinbar nach wie vor als solches (statt als neues Asylgesuch) be- handelt wissen möchte und ihm gegen die "U mqualifikation" durch das SEM eine wirksame Beschwerdemöglichkeit offenstehen müsste. Im Wei- teren hat das SEM sowohl in der Begründung als auch im Dispositiv zu klären, welches das Verhältnis des getroffenen Asylentscheides zu gleichzeitig hängigen Verfahren in denselben Materien (Asyl und Weg- weisung) ist. Obwohl das Bundesverwaltungsgericht bereits im Urteil E - 1040/2014 (dort S. 8) unmissverständlich auf diesen Mangel aufmerksam gemacht hat, wird er im vorliegenden Entscheid nicht behoben. Das Ge- richt hat klar festgehalten (Zitat:), "dass sich das BFM jeglichen Kommen- tars zu seinem prozessualen Vorgehen enthält und damit gänzlich unge-E-1558/2015 Seite 13 klärt bleibt, welches das Verhältnis der Verfügung (…) zum wiederaufge- nommenen ersten Asylverfahren im Wegweisungs- und Vollzugspunkt ei- nerseits und zum Wiedererwägungsverf ahren betreffend Flüchtlingsei- genschaft und Asyl anderseits wäre, insbesondere welche recht lichen und prozessualen Auswirkungen die Verfügung (…) auf diese beiden Ver- fahren hätte ". Der Beschwerdeführer hat ein berechtigtes und von ihm mehrfach bekundetes p rozessuales Interesse daran zu wissen, ob und inwieweit diese beiden Verfahren aus Sicht des SEM mit der nun ange- fochtenen Verfügung gegenstandslos geworden oder womöglich doch noch hängig sind. 5.4 Auch aus anderen Gründen erscheint die Behandlung des Entsche id- gegenstandes durch das SEM nicht adäquat: Es hält im angefochtenen Entscheid (dort Ziff. I/3) zwar fest, dass es über ein Asylgesuch entschei- de und als dessen Datum "systembedingt" der "18. November 2011" (rec- te 18. November 2010; vgl. auch die Datumsangabe im einleitenden Be- gleitbrief des SEM zum Asylentscheid) gelte. Die Rüge des Beschwerde- führers, wonach das SEM, indem es trotz klarer Beanstandung im Urteil vom 20. März 2014 erneut über ein "Phantom -Asylgesuch" vom 18. No- vember 2010 befinde un d dieses Datum als "systembedingt" erkläre, oh- ne die Gründe und die Notwendigkeit für ein solches System auszufüh- ren, ist berechtigt. Das SEM entscheidet über ein Asylgesuch vom 18. November 2010, das zu jenem Datum gar nicht gestellt wurde. Der Ver- fügungsgegenstand ist daher scheinbar inexistent und lässt sich jeden- falls nicht auf die vorliegenden Akten abstützen. Es liesse sich zwar ar- gumentieren, das SEM prüfe faktisch die im Wiedererwägungsgesuch vom 4. September 2011 vorgebrachten neuen Verfolgungsgrün de (Mord- drohungen) als neues Asylgesuch. Dies läge denn auch durchaus auf der Hand. In diesem Fall müsste aber das SEM nicht nur die Qualifikation des Wiedererwägungsgesuchs als Asylgesuch in die Begründung und in das Dispositiv aufnehmen (vgl. oben), sondern rechtslogisch auch das Datum des Wiedererwägungsgesuchs als Datum des neuen Asylgesuchs heran- ziehen. Angesichts des Umstandes, dass das SEM wiederholt und trotz bereits erfolgter Kassation aus demselben Grund über ein imaginäres Asylgesuch entscheidet, ist ein solch gravierender Mangel in der Sach- verhaltsfeststellung nicht zu heilen. 5.5 Das Bundesverwaltungsgericht stellt von Amtes wegen einen weite- ren groben Verfahrensmangel fest : Will das SEM tatsächlich über die neuen Verfolgungsgründe mittels einer Verfügung über ein multiples, in der Schweiz gestelltes Asylgesuch materiell entscheiden, sind in diesem E-1558/2015 Seite 14 neuen Verfahren grundsätzlich die gleichen Verfahrensbestimmungen wie bei einem ersten Asylgesuch anzuwenden. Dazu gehört insbesondere der unabdingbare u nd als Kernstück der Sachverhaltsermittlung schlechthin zu bezeichnende Verfahrensschritt der Durchführung einer Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 AsylG (vgl. EMARK 2006 Nr. 20, bestä- tigt in BVGE 2009/53 E. 6) . Zwar verweist das SEM im Sachverhalt der angefochtenen Verfügung (dort S. 2 unten) auf "die Anhörungsprotokolle". Dieses hat aber keine solche Anhörung betreffend das neue Asylgesuch durchgeführt und den B -Akten oder dem betreffenden Aktenverz eichnis ist auch kein Anhörungsprotokoll zu entne hmen. Dies stellt eine schwer- wiegende Verletzung des Anspruchs auf Wahrung des rechtlichen Gehörs und eine Bundesrechtsverletzung dar, welche zwingend die Kassation des angefochtenen Entscheides nach sich zieht. 5.6 Wiederum unter hypothetischer Annahme, das SEM entscheide mit der vorliegend angefochtenen Verfügung über das unter dem Titel "Wie- dererwägungsgesuch" gestellte, aber als neues Asylgesuch zu qualifizie- rende Asylbegehren, ist eine weitere Verletzung des rechtlichen Gehörs festzustellen. Wie der Besch werdeführer zutreffend geltend macht, trifft das SEM seinen Kostenentscheid unter Ignorierung des mit dem "Wie- dererwägungsgesuch" vom 4. September 2011 gestellten Kostenerlass- gesuches (Antrag Ziff. 6). Die weiteren Rügen des Beschwerdeführers zum Kosten - und Entschädi- gungspunkt sind vorliegend der Vollständigkeit halber unter hypotheti- scher Annahme eines nicht gestellten Kostenerlassgesuchs zu behandeln und differenziert zu betrachten: So trifft der Einwand, das SEM wende für die Gebührenerhebung zu Unrech t aArt. 17 b AsylG an, obwohl die Be- stimmung seit dem 1. Februar 2014 ausser Kraft sei und die Üb ergangs- bestimmungen für hängige Verfahren das neue Recht vorsähen, nicht zu. Abs. 2 dieser Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012 relativiert nämlich den im Abs. 1 veranke rten Grundsatz der neu- rechtlichen Gesetzesanwendung dahingehend, dass bei hängigen Wie- dererwägungs- und Mehrfachgesuchen dennoch das bisherige Recht gel- te. Auch die Rüge, wonach selbst die altrechtliche Gesetzesanwendung deshalb rechtswidrig wäre, weil die Voraussetzung des rechtskräftigen Abschlusses eines vormaligen Asyl - und Wegweisungsverfahrens auf- grund des wiederaufgenommenen und noch hängigen Wegweisungsver- fahrens des mit Gesuch vom 24. September 2010 indiziierten Asylverfah- rens nicht erfüllt sei, ist angesichts der obigen Erwägung E. 5.3 (1. Ab- schnitt) unbegründet. Im Weiteren macht der Beschwerdeführer darauf E-1558/2015 Seite 15 aufmerksam, das SEM habe "Art. 17c AsylV 1" falsch wiedergegeben. Die Beanstandung trifft in ihrer eigentlichen Stossrichtung ins Leere, denn das SEM spricht nirgends von einem "Art. 17 c AsylV1", sondern von Art. "7 c AsylV1" und diese Bestimmung gibt es hinsichtlich der nach aktuellem Recht geltenden Gebührenhöhe richtig wieder. Damit wendet es aber fälschlicherweise den neurechtlichen Art. 7c AsylV1 an, statt richtiger- weise den auf aArt. 17b AsylG basierten altrechtlichen, in der ab 1. Janu- ar 2008 in Kraft stehenden Fassung; diese sah die doppelte Gebühren- höhe vor. Im Übrigen verweigert das SEM in der angefochtenen V erfü- gung gestützt auf den inzwischen aufgehobenen aArt. 17b Abs. 1 AsylG die Zusprechung einer Parteientschädigung und verkennt dabei, dass sich diese Bestimmung auf Wiedererwägungsgesuche bezog. Wenn das SEM daher über ein multiples Asylgesuch befindet, hätte es die Verwei- gerung der P arteientschädigung richtigerweise auf " aArt. 17 b Abs. 4 i.V.m. Abs. 1 AsylG" stützen müssen. 5.7 Im Hinblick auf eine allfällig e erneute materiell ablehnende Asylverfü- gung nach Wiederaufnahme des Verfahrens ist das SEM auf weitere Un- zulänglichkeiten in den Erwägungen seines Entscheides vom 26. Februar 2015 aufmerksam zu machen: Die in der angefochtenen Verfügung (dort E. I I/1, zweitletzter A bschnitt) erkannte "Verknüpfung" der neuen Verfol- gungsgründe mit der bereits im "ordentliche n" (recte: ersten) Asylverfah- ren geltend gemachten Bedrohungslage durch die Al-Shabaab ist zwar insoweit durchaus zutreffend, als es sich – angeblich – um den oder die gleichen Verfolger sowie denselben Verfolgungshintergrund (Betreiben eines gegen die islamischen Prinzipien verstossenden […]) handelt. Auch würdigt das SEM die neuen Gründe tatsächlich und zutreffend als solche. Wenn nun aber das SEM die neuen Verfolgungshandlungen "begriffslo- gisch" deshalb als unglaubhaft erkennt, weil bereits die vormaligen Ver- folgungsgründe rechtkräftig als unglaubhaft erkannt worden seien, greift diese Argumentation zu kurz und stellt eine Missachtung der Begrün- dungspflicht dar (vgl. Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1 VwVG). Klarzustel- len ist vorab erneut, dass nu r ein Dispositiv, nicht aber eine Erwägung in Rechtskraft erwachsen kann. Die Argumentationslinie des SEM ist nur in- soweit statthaft, als aus dem Umstand der Unglaubhaftigkeit der auf demselben Verfolgungshintergrund basierten früheren Verfolgungsgründe eine gewisse persönliche Unglaubwürdigkeit des Beschwerdeführers er- wächst, die durchaus auch Nachwirkungen auf die Glaubhaftigkeitsprü- fung im Rahmen des zweiten Asylverfahrens haben kann. Mehr als ein Indiz für ein Glaubhaftigkeitsmanko auch der neuen Gründe ist darin aber nicht zu erblicken. Jedenfalls ist die vom SEM als einzige tragende Stütze E-1558/2015 Seite 16 für die Unglaubhaftigkeit der neuen Gründe verwendete Ar gumentations- basis zu dünn. Das SEM hat vielmehr die neuen Verfolgungsgründe als solche einer Glaubhaftigkeits prüfung (und/oder Prüfung der flüchtlings- rechtlichen Bedeutsamkeit) zu unterziehen und dabei die eingereichten Beweismittel miteinzubeziehen. Die in der Verfügung (vgl. dort S. 3 letzter Abschnitt) geäusserten grundsätzlichen Bedenken an Beweiswert und - tauglichkeit der vorgelegten Beweismittel sind zwar nicht gänzlich von der Hand zu weisen, genügen aber ebenso wenig für die implizite Schlussfol- gerung, dass die Beweismittel keiner weiteren Würdigung zu unterziehen seien. Den vom Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (vgl. dort S. 5) formulierten Beanstandungen ist in diesem Sinne durchaus Beachtung zu schenken. Die in E. II/1 (letzter Abschnitt) getroffene Schlussfolgerung des SEM, wonach sich somit keine neuen Hinweise ergäben, dass nach dem Ab- schluss des ersten Verfahrens Ereignisse eingetreten wären, die geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen , ist auf altrechtliche Nicht- eintretensentscheide (auf multiple Asylgesuche) nach aArt. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zugeschnitten. Im Gegensatz zur kassie rten Verfügung vom 21. Februar 2014 handelt es sich aber bei der vorliegend angefochtenen Verfügung um einen materiellen Entscheid, der eben gerade nur dann er- gehen darf beziehungsweise durfte, wenn solchermassen Hinweise auf Verfolgung vorhanden sind und deshalb einer materiellen Prüfung im normalen Asylverfahren bedürfen. 5.8 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die angefochtene Verfü- gung mehrere Sachverhaltsfehler und Rechtsverletzungen aufweist. Die- se sind zum Teil schwerwiegend und nicht heilbar (zur Frage der Heilbar- keit vgl. das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -7452/2014 E. 6.5 mit weiteren Hinweisen) , so dass s ie zwingend zur Kassation der ange- fochtenen Verfügung führen. Die Verfügung vom 26. Februar 2015 ist deshalb hinsichtlich der angefochtenen Dispositivziffern 1, 2, 3 und 8 auf- zuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das SEM ist gehalten, den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig und richtig abzu- klären, zu erfassen und gestützt darauf sowie unter Mitberücksichtigung des Inhalts der vorliegenden Beschwerde einen neuen Entscheid zu fäl- len. Angesichts des erneut kassatorischen Verfahrensabschlusses, der fest- gestellten Mängel in der Sachverhaltsfeststellung und in der Anwendung formellen und materiellen Rechts sowie der Verfahrensdauer erscheint es E-1558/2015 Seite 17 geboten, dass das Bundesverwaltungsgericht dem SEM folgende Leitli- nien für das wiederaufzunehmende Verfahren skizziert: Sollte , wie zu vermuten und zu begrüssen ist, das SEM beabsichtigen, die im "Wieder- erwägungsgesuch" vom 4. S eptember 2011 geltend gemachten neuen Verfolgungsgründe im Rahmen eines zweiten Asylverfahrens zu prüfen, hat es eine solche Umqualifikation zu begründen und in das Dispositiv des neuen Entscheides aufzunehmen. Die entsprechende Dispositivziffer würde beispielsweise lauten: "Das Wiedererwägungsgesuch vom 4. Sep- tember 2011 wird als zweites Asylgesuch vom 4. September 2011 qualifi- ziert." Keinesfalls darf dabei das Datum des 18. November 2010 (oder des 18. November 2011) mehr als Gesuchsdatum erscheinen. Das SEM hätte dieses zweite Asylgesuch materiell zu prüfen, da angesichts beste- hender Hinweise auf Verfolgung ein Nich teintretensentscheid nach aArt. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG nicht in Betracht fällt. Im Rahmen dieses zweiten Asylverfahrens ist eine ordentliche Anhörung nach Art. 29 AsylG durchzuführen. Im Hinblick auf die Entscheidfällung über das zweite Asyl- gesuch sind sämtliche zwischen dem 4. September 2011 und bis zum neuen Entscheiddatum angefallenen Akten zu berücksichtigen und die vorgelegten Beweismittel in rechtsgenüglicher Weise zu würdigen; zudem ist der Tatsache des rechtskräftigen Abschlusses des ersten Asylverfah- rens Beachtung zu schenken. Sollte der Entscheid auf Gewährung des Asyls lauten, wäre festzustellen, dass sämtliche zuvor betreffend den Be- schwerdeführer getroffenen Wegweisungs - und Wegweisungsvollzugs- entscheidungen hinfällig würden. Sollte bloss die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt werden oder sowohl die F lüchtlingseigenschaft als auch das Asyl abschlägig beurteilt werden, wäre die Wegweisung anzuordnen. Hingegen wäre der Vollzug der Wegweisung keiner Prüfung mehr zu un- terziehen, sondern die mit Verfügung vom 26. Februar 2015 angeordnete vorläufige Aufnahme (Ziffern 4-7 des dortigen Dispositivs) hätte nach wie vor Bestand, zumal die betreffenden Dispositivziffern mit der vorliegenden Beschwerde nicht angefochten wurden. Für alle beschriebenen Konstella- tionen gilt, dass das mit Urteil des Bundesverwaltungsger ichts E- 7414/2010 vom 15. November 2010 wiederaufgenommene erste Asylver- fahren im Wegweisungs- und Vollzugspunkt mit einem Entscheid des SEM über das zweite Asylgesuch hinfällig wird und sowohl in der Be- gründung als auch im Dispositiv als gegenstandslos ge worden abzu- schreiben ist, weil es durch das vorliegende zweite Asylverfahren überholt worden und konsumiert ist. In seinem neuen Entscheid über das zweite Asylgesuch hätte das SEM zudem im Kostenpunkt über das am 4. Sep- tember 2011 gestellte Kostenerlassgesuch zu befinden. E-1558/2015 Seite 18 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig sowie unvollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die angefochtene Verfügung ist daher betreffend die angefochtenen Dispositivziffern 1, 2, 3 und 8 aufzuheben. Die Sache geht zurück an das SEM zur vollständigen und richtigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung. Die Beschwerde ist dementsprechend gutzuheissen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem ohnehin unentgeltliche Prozessführung geniessenden Beschwerdeführer keine Kosten aufzuer- legen (Art. 63 Abs. 1 - 3 und Art. 65 Abs. 1 VwVG). 7.2 Obsiegende Parteien haben grund sätzlich Anspruch auf eine Partei- entschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnis- mässig hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Vorliegend ist der Beschwerdeführer als im Hauptantrag (Aufhebung der Dispositivziffern 1, 2, 3 und 8) vollumfänglich obsiegend zu betrachten . Der Beschwerdeführer beziehun gsweise sein Rechtsvert reter beantragt nicht formell die A usrichtung einer Parteientschädigung und weist auch keine Parteikosten aus. Die Entschädigung ist daher von Amtes wegen festzusetzen und ohne Einholung einer Kostennote zuverlässig ab- schätzbar. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung ist unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren (vgl. Art. 7 ff. VGKE) vorliegend auf angemessene Fr. 600.– (inkl. Auslagen) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) E-1558/2015 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des SEM vom 26. Februar 2015 wird betreffend die ange- fochtenen Dispositivziffern 1, 2, 3 und 8 aufgehoben. Die Sache geht zu- rück an das SEM zur vollständigen und richtigen Feststellung des rechts- erheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschä- digung von gesamthaft Fr. 600.— (inkl. Auslagen) auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand: