B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3763/2014 U r t e i l v o m 2 2 . D e z e m b e r 2 0 1 5 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter William Waeber, Gerichtsschreiberin Sarah Straub. Parteien A.________, geboren (…), und ihre Kinder B.________, geboren (…), C.________, geboren (…), Syrien, alle vertreten durch Michael Steiner, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl; Verfügung des BFM vom 12. Juni 2014 / N (…). E-3763/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin verliess Syrien eigenen Angaben zufolge zu- sammen mit ihren damals fünf- beziehungsweise dreijährigen Kindern am (…). Sie gelangten am nächsten Tag in die Schweiz und suchten am 4. Januar 2012 im Empfangs - und Verfahrens zentrum D._______ um Asyl nach. Am 17. Januar 2012 e rfolgte die Befragung zur Person (Protokoll: SEM-Akten B4/11); angehört wurde sie am 28. November und am 12. De- zember 2013 (Protokoll: SEM-Akten B28/4 und B34/14). Ihr Ehemann E.________ (Beschwerdeverfahren E-3930/2014) hatte den Heimatstaat gemäss seinen Angaben bereits am (…) verlassen und war am 19. Oktober 2010 in die Schweiz gelangt, wo er am 26. Oktober 2010 um Asyl nachsuchte. Am 2. November 2010 erfolgte seine Befragung zur Person; am 12. und 28. November 2010 fanden seine Anhörungen statt. A.b Zur Begründung ihres Asylgesuches brachte die Beschwerdeführerin vor, die Feindesfamilie ihres Ehemannes habe sich nach dessen Flucht an ihr und den Kindern rächen wollen, indem sie ihn beschul digt habe, die Tochter der Feindesfamilie belästigt beziehungsweise eine Affäre mit ihr gehabt zu haben. Diese Leute hätten deswegen ihre eigene Tochter getö- tet. Nachdem ihr Ehemann in die Türkei gegangen sei, sei sie mit den Kin- dern für drei Monate in das Haus ihres Bruders gezogen, da die andere Familie sich rächen und auch ein Familienmitglied des Ehemannes habe töten wollen. Deshalb sei sie mit den Kindern ins Ausland geflohen. (…) Nach etwa drei Monaten sei sie in die Türkei gereist. Später sei sie nach Syrien zurückgekehrt, habe ihre Papiere vorbereitet und sei definitiv ausgereist. Die Beschwerdeführerin reichte einen ärztlichen Bericht der Dermatologi- schen Praxis F.________ vom (…), einen ärztlichen Bericht von Dr. med. G.________ vom (…) sowie Fotos und Internetausdrucke von Demonstra- tionen ein, an welchen sie und ihr Ehemann in der Schweiz teilgenommen hätten. A.c Mit Verfügung vom 19. Dezember 2013 stellte das BFM fest, die Be- schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylge- such ab und ordnete infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ihre vorläufige Aufnahme in der Schweiz an. Eine im Resultat gleichlau- tende Verfügung erging gleichentags hinsichtlich ihres Ehemannes. E-3763/2014 Seite 3 B. B.a Am 27. Januar 2014 liessen die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann diese Verfügungen durch ihren (gleichen) Rechtsvertreter anfechten. B.b Das Bundesverwaltungsgericht hiess die Beschwerden am 11. Feb- ruar 2014 gut, hob die Verfügungen des BFM vom 19. Dezember 2013 auf und wies die Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Zur Begründung führte es aus, das Gericht habe das BFM in vergleichbaren Fällen bereits wiederholt auf die Pflicht aufmerksam gemacht, entsprechend den Anträgen auch in von ihm als unwesentlich oder als bekannt bezeichnete Akten Einsicht zu gewähren. C. C.a Der Ehemann der Beschwerdeführerin reichte am 14. Februar 2014 ein Schreiben der Partiya Yekitîya Demokrat (PYD), Sektion Europa, vom (…) zu den vorinstanzlichen Akten. C.b Am 1. April 2014 gewähr te die Vorinstanz die anbegehrte Aktenein- sicht, wobei es die Einsicht in das Aktenstück B35/2 (interner Antrag auf vorläufige Aufnahme) verweigerte, da es sich um ein internes Aktenstück handle. Zu den zugestellten Aktenstücken gewährte sie das rechtliche Ge- hör mit Frist bis zum 15. April 2014. C.c Nach Ablauf der Frist teilte d er Rechtsvertreter auf Rückfrage des BFM-Sachbearbeiters am 28. April 2014 mit, es sei ihm ein Versehen un- terlaufen und er werde bis am 1. Mai 2014 eine Eingabe machen. In dieser vom 1. Mai 2014 datierten Eingabe ersuchte er die Vorinstanz zu präzisie- ren, worauf sich die Gewährung des rechtlichen Gehörs beziehe, da in den Beschwerden vom 27. Januar 2014 neben der Verletzung der Pflicht , Ak- teneinsicht zu gewähren, zahlreiche weitere Gehörs verletzungen geltend gemacht worden seien. Er könne nicht nachvollziehen, wozu er konkret das rechtliche Gehör wahrnehmen solle; es müsse ihm mitgeteilt werden, wie das Bundesamt im neuen Entscheid zu argumentieren beabsichtige. Zudem sei ihm die Akte B13/1 nicht zugestellt worden. Am 8. Mai 2014 teilte die Vorinstanz mit, d ie Gehörsgewährung beziehe sich auf die zugestellten Akten, stellte dem Rechtsvertreter die Akte B13/1 zu und verlängerte die Frist zur Einreichung einer Stellungnahme. Mit Schreiben vom 28. Mai 2014 hielt der Rechtsvertreter fest, es sei ihm nicht möglich, sich zur gewährten Akteneinsicht zu äussern, und reichte drei Fotoausdrucke ein. E-3763/2014 Seite 4 Die Vorinstanz erstreckte mit Schreiben vom 2. Juni 2014 die Frist zur Stel- lungnahme letztmals bis zum 10. Juni 2014 und teilte dem Rechtsvertreter mit, es gebe vor der Entscheideröffnung nicht bekannt, wie und mit welcher Begründung entschieden werde, zumal dies von der Stellungnahme im Rahmen des rechtlichen Gehörs und entsprechenden Abklärungen des BFM abhängig sei. Der Rechtsvertreter insistierte in seinem Schreiben vom 10. Juni 2014, er wisse nicht wozu er sich äussern sollte. C.d Mit Verfügung vom 12. Juni 2014, gegenüber dem Rechtvertreter er- öffnet am 17. Juni 2014, stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerin er- fülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete ihre vorläufige Aufnahme in der Schweiz an. An den Ehemann erging am selben Tag eine im Resultat gleichlautende separate Verfügung. D. Die Beschwerdeführerin liess diesen Entscheid mit Eingabe ihres Rechts- vertreters vom 7. Juli 2014 beim Bundesverwaltungsgericht anfechten. Sie liess beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sa- che zur vollständigen und richtigen Abklärung des Sachverhaltes sowie zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen; es sei festzustellen, dass die Rechtswirkungen der vorläufigen Aufnahme bei Aufhebung der Verfügung fortbestehen würden, eventualiter sei der Beschwerdeführerin nach rechts- gültiger Zustellung des Asylentscheides ihres Ehemannes Frist zur Einrei- chung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen; (sub-)eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren; (subsub-)eventualiter sei sie als Flüchtling vor- läufig aufzunehmen; (subsubsub-)eventualiter sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen. Als Beweismittel reichte sie das Begleitschreiben des BFM zu den Asylent- scheiden vom 12. Juni 2014 und zwei Schreiben des Rechtsvertreters vom 18. Juni und 7. Juli 2014 ein. Der Ehemann der Beschwerdeführerin liess den ihn betreffenden Ent- scheid mit Eingabe des Rechtsvertreters vom 14. Juli 2014 ebenfalls an- fechten (Beschwerdeverfahren E-3930/2014). E. Mit Zwischenverfügung vom 24. Juli 2014 stellte der Instruktionsrichter fest, es rechtfertige sich, das vorliegende Beschwerdeverfahren separat E-3763/2014 Seite 5 von demjenigen des Ehemannes zu führen , und erhob einen Kostenvor- schuss. Dieser wurde in der Folge fristgerecht bezahlt. F. Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 11. September 2014, die der Beschwerdeführerin am 3. Oktober 2014 zur Kenntnis gebracht wurde, ohne weitere Ausführungen vollumfänglich an ihren Erwägungen fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM respektive BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ent- scheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist folgenden Vorbehalten einzutreten. 1.3.1 Da das BFM die Beschwerdeführenden wegen unzumutbaren Weg- weisungsvollzugs vorläufig aufgenommen hat und die Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 83 Abs. 1 AuG (SR 142.20) bekanntlich alternativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4), besteht kein schutzwürdiges Interesse an der Feststell ung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs (Art. 25 Abs. 2 VwVG). Auf den entsprechenden Subeventualantrag kann daher nicht eingetreten werden. E-3763/2014 Seite 6 1.3.2 Nicht einzutreten ist auf die Rüge der Verletzung des rechtlichen Ge- hörs, soweit sich diese auf die festges tellte Unzumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzuges bezieht, da ein schutzwürdiges Interesse diesbezüglich ebenfalls fehlt. 1.3.3 Ohnehin nicht einzutreten ist auf den in sich widersprüchlichen An- trag, im Falle der Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei das Fortbe- stehen der Rechtswirkung der vorläufigen Aufnahme festzustellen, würde doch die Aufhebung der Verfügung auch die Wegweisung umfassen, womit die gesetzessystematische Grundlage für eine Ersatzmassnahme für ei- nen undurchführbaren Vollzug dahinfallen würde. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Die Beschwerdeführenden rügten, das BFM habe den Anspruch auf recht- liches Gehör verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollstän- dig und richtig abgeklärt. Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie gegebenenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorin - stanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs- rechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 3.1 In der Beschwerde wurde ausgeführt, die Vorinstanz habe das rechtli- che Gehör verletzt, da sie die Entscheide der Beschwerdeführerin und ih- res Ehemannes nicht gleichzeitig eröffnet habe . Die Frage einer Gefähr- dung der Beschwerdeführerin sei zwingend im Zusammenhang mit der Ge- fährdung des Ehemannes zu betrachten, weshalb es dem Rechtsvertreter mangels Kenntnis des Inhalts der Verfügung des Ehemannes nicht möglich sei, sich in der vorliegenden Beschwerde vollständig zu äussern. 3.1.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein- greift. Dazu gehört ins besondere das Recht der Betroffenen, sich vor Er- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise E-3763/2014 Seite 7 beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan- trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent- weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Ver fahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit- frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab- gefasst sein, dass die betroffene Person den Entscheid sachgerecht an- fechten kann. Sie muss die wesentlichen Überlegungen nennen, von de- nen sich die Be hörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Partei- standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 3.1.2 Die Verfügungen der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes er- folgten im selben Verfahren und stehen in engstem Zusammenhang. (…). In der angefochtenen Verfügung wurde unter anderem auf die den Ehe- mann betreffende Verfügung verwiesen, wo Vorbringen der Besch werde- führerin als unglaubhaft qualifiziert worden seien. Die diesbezügliche Be- gründung konnte folglich nur im Zusammenhang mit der Verfügung des Ehemannes verstanden werden, womit deren Kenntnis zur Anfechtung der vorliegenden Verfügung erforderlich war. V orliegend kann sich die Be- schwerdeführerin indessen nicht auf die Unkenntnis der ihren Ehemann betreffenden Verfügung berufen. Letztere wurde vom BFM fälschlicher- weise nicht dem Rechtsvertreter zugestellt, sondern an den Beschwerde- führer adressiert, an die gemeinsame Adresse des Ehepaars gesandt und von der Beschwerdeführerin entgegengenommen. Da ihr Rechtsvertreter auch den Ehemann vertritt und den sie betreffenden Entscheid erhalten und angefochten hat, konnte er sich vorliegend nicht in guten Treuen auf die mangelhafte Eröffnung und eine angeblich fehlende Kenntnis beider Entscheide berufen. Wie im Beschwerdeverfahren des Ehemannes (E - 3930/2014) mit Zwischenverfügung vom 24. Juli 2014 festgestellt wurde, ist davon auszugehen, der Rechtsvertreter habe bereits in jenem Zeitpunkt E-3763/2014 Seite 8 Kenntnis von beiden Verfügungen gehabt, zumal er sich die den Beschwer- deführer betreffende Verfügung ohne weiteres hätte beschaffen können und müssen. Es bestand daher kein Anlass, der Beschwerdeführerin eine Frist zur Beschwerdeergänzung anzusetzen. Weshalb der Rechtsvertreter beanstandet, dass das BFM zwei separate Verfügungen erliess, ist weder nachvollziehbar noch mit dem Interesse sei- ner Mandantin vereinbar . (…). Im Übrigen wurden die Vorbringen ihres Ehemannes in der angefochtenen Verfügung hinreichend beachtet, und die Beschwerdeverfahren werden parallel und unter Berücksichtigung sämtli- cher Aussagen geführt. Soweit in dem in die Beschwerdeschrift hineinkopierten Text der seinerzei- tigen Beschwerdeschrift vom 27. Januar 2014 (vgl. Prozessgeschichte B.a) gerügt wurde, das BFM habe diverse Sachverhaltselemente nicht aus- drücklich genannt und die Verfügung teilweise pauschal begründet, ist fest- zustellen, dass sich die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid mit den Vorbringen der Be schwerdeführerin differenziert auseinandersetzte und zum Ergebnis kam, sie seien nicht asylbeachtlich und nicht glaubhaft. Sie hat eine konkrete Würdigung des Einzelfalles vorgenommen, und es ist nicht ersichtlich, dass sie Sachverhaltselemente oder vorhandene Beweis- mittel nicht beachtet hätte. Dass in der Zusammenfassung des Sachver- haltes nicht jede Einzelheit der Aussagen der Beschwerdeführerin aufge- führt wurde, ist nicht zu beanstanden. Es liegt nach dem Gesagten keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. 3.2 Die Beschwerdeführerin rügte, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unrichtig und unvollständig festgestellt, ohne dies in der aktuellen Be- schwerdeschrift explizit zu begründen. Gemäss dem in die Beschwerde- schrift hineinkopierten Text der Beschwerde vom 27. Januar 2014 sei nicht nachvollziehbar, weshalb keine Botschaftsabklärung vorgenommen wor- den sei, wobei gleichzeitig zum vorherein Zweifel an der Aussagekraft einer Botschaftsauskunft angemeldet wurden. Die Vorinstanz hätte aufgrund der Hinweise auf eine starke psychische Belastung zudem weitere psychologi- sche Abklärungen vornehmen müssen. 3.2.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Bstn. a–e). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mit- wirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Dazu ge-E-3763/2014 Seite 9 hört, die Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere abzuge- ben, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und in der Anhö- rung die Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel vollständig zu be- zeichnen und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der bio- metrischen Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver- haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach- verhalt zugrunde gel egt wird oder Beweise falsch gewürdigt w erden; un- vollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043). 3.2.2 Aus der angefochtenen Verfügung ergeben sich keine hinreichenden Anhaltspunkte, wonach die Vorinstanz den Sachverhalt unvollständig ab- geklärt oder die eingereichten Beweismittel nicht gewürdigt hätte. Aufgrund des Anhörungsprotokolls vom 12. Dezember 2013 ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bedrückt war, es ist jedoch nicht ersichtlich, dass sich psychologische oder psychiatrische Abklärungen aufgedrängt hätten. Gemäss dem Unterschriftenblatt der Hilfswerksvertretung sah auch diese hierzu keine Veranlassung. Angesichts der Mitwirkungspflicht der Be- schwerdeführerin war die Vorinstanz nicht gehalten, weitere Abklärungen vorzunehmen. Soweit eine Botschaftsabklärung in Syrien angeregt (und gleichzeitig disqualifiziert) wurde, ist darauf hinzuweisen, dass die Schwei- zer Vertretung in Damaskus seit Ende Februar 2012 geschlossen ist. 3.3 Der Antrag, die angefochtene Verfügung sei aus formellen Gründen – wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör und wegen un - vollständiger oder unrichtiger Abklärung des rechtserheblichen Sachver - haltes – aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist mithin abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden ; a ls E-3763/2014 Seite 10 ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy- chischen Druck bewirken , wobei auch frauenspezifischen Fluchtgründen Rechnung zu tragen ist (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). Nach Lehre und Rechtsprechung (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 m.w.H.) erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1 A des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstel- lung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), we nn sie mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund be- stimmter Verfolgungsmotive zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreiche nden staatlichen Schutz erwarten kann . Die in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive sind über die sprachlich al- lenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merkmale, die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers verbunden sind, erfolgt ist bezie- hungsweise droht. Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem vo- raus, dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat kei- nen ausreichenden Schutz finden kann. Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheides über deren Bestehen – nicht diejenige im Zeitpunkt der Ausreise –, wobei aller- dings erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende be- gründete Furcht vor Verfolgung auf andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen. 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte die Vorinstanz aus, wie aus der Verfügung vom 12. Juni 2014 betreffend ihren Ehemann hervorgehe, müssten dessen Vorbringen zum Vorfall mit der verheirateten E-3763/2014 Seite 11 Frau und der Bedrohung durch deren Familie als unglaubhaft qualifiziert werden. Die diesbezüglichen Schilderungen der Beschwerdeführerin wür- den diese Einschätzung bestätigen. Sie habe beispielsweise widersprüch- liche Angaben dazu gemacht, wann und weshalb sie zu ihrem Bruder ge- zogen sei. Zuerst habe sie gesagt, dies sei zwei Tage nach der Ermordung der Frau gewesen, weil Mitglieder jener Familie sie zu Hause angegriffen hätten, anschliessend habe sie demgegenüber angegeben, beim Angriff nicht zu Hause gewesen zu sein, da sie unmittelbar nach dem Tod der Frau zu ihrem Bruder geflohen sei. Weiter müsse ihre Erklärung, wie sie von der Bedrohungssituation erfahren habe, als substanzlos bezeichnet werden . Sie habe erst nach mehrmaligem Nachfragen angeben können, von wem sie die entsprechenden Informationen erhalten habe. Die Schilderung ihrer Gedanken, als sie von der ihrem Ehemann vorgeworfenen sexuellen Handlung mit der besagten Frau erfahren habe, sei inhaltslos. Das Vorbrin- gen halte daher den Anforderungen an die Glaubwürdigkeit (recte: Glaub- haftigkeit) nicht stand. Zudem würden die geltend gemachten Nachteile nicht auf einer in Art. 3 AsylG aufgeführten Verfolgungsmotivation beruhen. (…). Hinsichtlich der Zusammenarbeit ihres Mannes mit kurdischen Par- teien habe sie angegeben, er sei Mitgli ed der kurdischen Partei YPK und habe kurdische Kleider für die Partei genäht. Die Verfügung vom 12. Juni 2014 zum Asylgesuch ihres Ehemannes halte hierzu fest, dass die vorge- brachte Verfolgung aufgrund des Nähens von kurdischen Kleidern un- glaubhaft sei. (…). Die Beschwerdeführerin mache geltend, in der Schweiz an mehreren De- monstrationen von Kurden teilgenommen zu haben. Die syrischen Sicher- heitsdienste seien zwar auch im Ausland aktiv, würden sich aber auf die Erfassung von Personen konzentrieren, welche qualifizierte Aktivitäten ausüben würden. Die von ihr geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten seien nicht geeignet, eine Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung zu begründen. Sie habe sich durch die blosse Teilnahme an Demonstrationen nicht in bedeutender Weise von der grossen Masse exilpolitisch tätiger Sy- rer abgehoben; diese Tätigkeit sei keine qualifizierte Aktivität, die aus Sicht des syrischen Regimes als potentielle Bedrohung wahrgenommen würde. Die geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten seien demnach nicht ge- eignet, eine Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung zu begründen. 5.2 In der Beschwerde wurde der vorinstanzlichen Argumentation entge- gengehalten, die Vorbringen der Beschwerdeführerin (…) seien detailliert E-3763/2014 Seite 12 und von emotionaler Subjektivität geprägt gewesen, und sie habe wieder- holt weinen müssen. (…). Auch ihre Aussagen zum angeblichen Intimkon- takt ihres Mannes mit der getöteten Frau seien glaubhaft , da sie angege- ben habe, nicht zu wissen, ob ihr Mann tatsächlich etwas mit dieser F rau gehabt habe. Hinsichtlich der Frage, wie sie von der Bedrohungssituation durch die Familie der Frau erfahren habe, könne von der Beschwerdefüh- rerin nicht mehr erwartet werden, als dass sie die Person bezeichne, von welcher sie die Information gehabt ha be. Die entsprechenden Aussagen seien nicht substanzlos , und sie habe nicht nach mehrmaligem Nachfra- gen, sondern nach zweimaligem Fragen die betreffende Person genannt . Die Beschwerdeführerin habe angegeben, sie sei unmittelbar nach Kennt- nisnahme vom Tod der Frau zu ihrem Bruder gegangen. Diesbezüglich be- stehe kein Widerspruch in ihren Aussagen, da das Wort "unmittelbar" einen grossen Interpretationsspielraum lasse. (…). (…). Ob ihr Ehemann tatsächlich Kleider genäht habe oder politisch aktiv gewesen sei, sei unerheblich. Entscheidend sei, dass ein entsprechender Verdacht bestanden habe. Weiter sei nicht nachvollziehbar, wie die Vorinstanz zum Schluss komme, die geltend gemachten Ängste vor der Rache der Familie der getöteten Frau würden nicht auf einer in Art. 3 AsylG genannten Verfolgungsmotiva- tion beruhen. Es bestehe aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur kurdischen Eth- nie eine grosse Gefahr, dass sie oder ihre Ehemann einem Ehrenmord zum Opfer fallen könnten, und der syrische Staat sei weder schutzfähig noch wolle er von Ehrenmord bedrohte Kurden schützen. Es drohe ihr aufgrund ihres ethnischen und politischen Profils in Syrien eine Verfolgung, zumal der Verdacht gegen ihren Ehemann weiterhin bestehe. Die Vorinstanz unterstelle der Beschwerdeführerin indirekt, dass es ihr gar kein Anliegen sei, sich gegen die brutalen Vorgänge und das Regime in Syrien zu wehren. Dem sei nicht so. Sie nutze die Möglichkeit, am Protest teilzunehmen, und es schmälere ihr politisches Profil nicht, dass dieser Protest von einer grossen Masse getragen werde. Die Beschwerdeführerin habe durch ihre exilpolitische Tätigkeit in der Öffentlichkeit die Aufmerk- samkeit der syrischen Behörden auf sich gezogen. Angesichts der unkon- trollierbaren Verbreitung der Informationen im Internet und der h eutigen technischen Möglichkeiten sei es für diese ein Leichtes, oppositionelle Per- sonen zu identifizieren, und es werde immer wieder von Hackerangriffen durch syrische, dem Regime nahestehende Gruppierungen berichtet. An-E-3763/2014 Seite 13 gehörige der syrischen Botschaften würden bei regimekritischen Demonst- rationen als Spione eingesetzt, und die Teilnehmenden würden identifiziert. Auch geringe Aktivitäten seien ausreichend, um ins Visier der syrischen Behörden zu gelangen, und zudem könne bereits die Stellung als abge- wiesene Asylbewerberin im Falle einer Rückkehr eine asylrelevante Verfol- gung auslösen. Ohne Bezugnahme auf den vorliegenden Fall warf der Rechtsvertreter in seiner Beschwerdeschrift der Vorinstanz in pauschaler Weise vor, sie sei "bezüglich der Anerkennung von asylrelevanter Verfolgung bezüglich Syrer sehr restriktiv" und versuche immer wieder durch konstruierte Widersprü- che und kleinliche, wenn nicht unfaire Wort auslegungen, den syrischen Asylbewerbern den rechtmässigen Anspruch auf Asyl vorzuenthalten. Die extrem restriktive Anerkennung von Flüchtlingen sei nicht gerechtfertigt. 6. 6.1 Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie sei in Syrien von Famili- enmitgliedern einer Frau, mit der ihr Ehemann angeblich ausserehelichen sexuellen Kontakt gehabt habe, verfolgt worde n; sie hätten sich nach der Ausreise des Ehemannes an ihr rächen wollen. 6.1.1 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung auf gewisse Wi- dersprüche in den Aussagen der Beschwerdeführerin hin. Diese vermochte sie in der Beschwerde nicht aufzulösen. So sagte sie im Rahmen der zwei- ten Anhörung, sie sei zwei Tage nach der Ermordung der Frau zu ihrem Bruder gezogen, weil eine Gruppe von Personen jener Familie sie zu Hause angegriffen habe. Auf die Frage nach dem Angriff gab sie hingegen an, sie seien bereits vorher geflüchtet, und zwar unmittelbar nachdem sie erfahren habe, dass die Frau getötet worden sei (vgl. B34 F 62 f.). Selbst wenn der Argumentation in der Beschwerde gefolgt wird, wonach "unmit- telbar" bei einer grosszügigen Interpretation auch noch "nach zwei Tagen" bedeuten könne, vermag dies den Widerspruch hinsichtlich ihrer Anwesen- heit beim vorgebrachten Angriff nicht zu erklären. Weiter hätte e ntgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht auf die Frage, wie sie von der Bedrohungssituation durch die Familie der getöteten Frau erfahren habe, durchaus eine konkretere Antwort erwartet werden können als die pau- schale Angabe, sie habe dies von Verwandten gehört, welche sie erst nach zweimaligem Nachfragen präzisierte. Ob diese Vorbringen als glaubhaft bezeichnet werden könnten, kann vorliegend jedoch offen bleiben, da es ihnen – wie auch im Verfahren ihres Ehemannes (E-3930/2014 E. 6.1) fest- gestellt wurde – an der flüchtlingsrechtlichen Relevanz fehlt. E-3763/2014 Seite 14 6.1.2 Die geltend gemachte Verfolgung könnte nur von flüchtlingsrechtli- cher Relevanz sein, wenn die ihr drohenden Nachteile aus einem flücht- lingsrechtlichen Verfolgungsmotiv (vgl. E. 4.1 vorstehend) erfolgen wür- den. Der Grund der von der Beschwerdeführerin behaupteten Verfolgung durch Personen der besagten Familie liegt gemäss ihren Angaben im Vor- wurf, ihr Ehemann habe ausserehelichen Sexualkontakt mit einer verhei- rateten Frau gehabt – eine flüchtlingsrechtliches Motiv ( Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, politische Anschauungen) wird nicht geltend gemacht und besteht offensichtlich nicht. Ob völkerrechtliche Verpflichtungen einer Wegweisung nach Syrien entge- genstehen, wäre gegebenenfalls unter dem Aspekt der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs zu prüfen. Da die Besc hwerdeführenden vorläufig aufgenommen worden sind, ist der Wegweisungsvollzug jedoch nicht Ge- genstand des vorliegenden Verfahrens (vgl. E. 1.3 vorstehend). 6.2 (…). 6.3 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin durch ihr Ver- halten nach der Ausreise aus Syrien in der Schweiz Grund für eine zukünf- tige Verfolgung durch die syrischen Behörden gesetzt hat und deshalb (in- folge so genannter subjektiver Nachfluchtgründe) die Flüc htlingseigen- schaft erfüllt, wie sie dies geltend macht. Dabei kann es sich angesichts der Entwicklung in Syrien nur um grundsätzliche und abstrakte Erwägun- gen handeln, ist doch die Zukunft des aktuellen Regimes mit seinem Si- cherheitsapparat, auf den vorliegend Bezug genommen wird, ebenso völlig offen wie der Zeitpunkt einer allfälligen Rückkehr der Beschwerdeführerin. 6.3.1 Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen - schaft nach Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Aus- schluss vom Asyl. Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, werden als Flüchtlinge vorläufig aufge- nommen. Die am 1. Februar 2014 in Kraft getretene Bestimmung von Art. 3 Abs. 4 AsylG regelt zwar, dass Personen, welche Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht Flüchtlinge seien, neutralisiert indes diese einschränkende Formulierung durch den aus- drücklichen Vorbehalt der Geltung der FK (vgl. Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG). E-3763/2014 Seite 15 Eine Person, die subjektive Nachfluchtgründe geltend macht, hat begrün- deten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat - oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von ihren Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flücht- lingsrechtlich relevanter Weise im Sinn e von Art. 3 AsylG verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 und 2009/28 E. 7.1, m.w.H.). Die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht bleiben dabei massgeblich (Art. 3 und Art. 7 AsylG). Wesentlich ist, ob die heimatlichen Behörden die Exilaktivität als staatsfeindlich einstufen und deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten ist. 6.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil D -3839/2013 vom 28. Oktober 2015 (vgl. www.bvger.ch > Rechtsprechung) in Bezug auf die Frage der flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung von exilpolitisch aktiven syrischen Staatsangehörigen anerkannt, dass die Geheimdi enste des syrischen Regimes von Bashar al -Assad in verschiedenen europäi- schen Staaten nachrichtendienstlich tätig sind, mit dem Ziel, regimekriti- sche Personen zu identifizieren und oppositionelle Gruppierungen zu be- spitzeln und zu unterwandern. Syrische St aatsangehörige oder staaten- lose Kurden syrischer Herkunft würden nach längerem Auslandaufenthalt bei der Wiedereinreise regelmässig durch syrische Sicherheitskräfte ver- hört und bei Verdacht auf oppositionelle Exilaktivitäten an einen der Ge- heimdienste überstellt. Das Bundesverwaltungsgericht könne vor diesem Hintergrund nicht ausschliessen, dass syrische Geheimdienste von der Einreichung eines Asylgesuchs in der Schweiz durch syrische Staatsange- hörige oder staatenlose Kurden syrischer Herkunft erfahren würd en, ins- besondere wenn sich die betreffende Person im Exilland politisch betätigt habe oder mit – aus der Sicht des syrischen Regimes – politisch missliebi- gen, oppositionellen Organisationen, Gruppierungen oder Tätigkeiten in Verbindung gebracht werde. Allein der Umstand, dass syrische Geheim- dienste im Ausland aktiv seien und gezielt Informationen sammelten, ver- möge jedoch nicht die Annahme zu rechtfertigen, aufgrund solcher Infor- mationen über exilpolitische Tätigkeiten würden regimekritische Personen im Falle der Rückkehr nach Syrien zwangsläufig in asylrechtlich relevan- tem Ausmass zur Rechenschaft gezogen. Damit die Furcht vor Verfolgung als begründet erscheine, müssten vielmehr über die theoretische Möglich- keit hinausgehende konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die den Schluss zu- liessen, dass die asylsuchende Person tatsächlich das Interesse der syri- schen Behörden auf sich gezogen habe und als regimefeindliches Element namentlich identifiziert und registriert worden sei. Die Rechtsprechung geht diesbezüglich davon aus, dass sich die syrischen Geheimdienste auf die E-3763/2014 Seite 16 Erfassung von Personen konzentrieren, die über niedrigprofilierte Erschei- nungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen wahrgenommen und/oder Aktivitäten entwickelt haben, welche die betreffen de Person als Individuum aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen heraushe- ben und als ernsthaften und potenziell gefährlichen Regimegegner er- scheinen lassen. Für die Annahme begründeter Furcht ist insofern nicht primär das Hervortreten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit und Indi- vidualisierbarkeit massgebend; ausschlaggebend ist vielmehr eine öffent- liche Exponiertheit, die aufgrund der Persönlichkeit des Asylsuchenden, der Form des Auftritts und des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgegebe- nen Erklärungen den Eindruck erweckt, der oder die Asylsuchende werde vom syrischen Regime als potenzielle Bedrohung wahrgenommen (vgl. a.a.O., E. 6.3.1 f., m.w.H.). Im erwähnten Referenzurteil wird sodann ausgeführt, das Regime von Bas- har al-Assad sei im Verlauf des Bürgerkriegs militärisch und wirtschaftlich unter Druck geraten und habe die Kontrolle über weite Landesteile verlo- ren. Gleichzeitig gehe es aber in dem ihm verbliebenen Einflussgebiet mit grösster Brutalität und Rücksichtslosigkeit gegen tatsächliche und ver- meintliche Regimegegner vor. Dementsprechend sei anzunehmen, dass auch aus dem Ausland zurückkehrende Personen verstärkt unter dem Ge- sichtspunkt möglicher exilpolitischer Tätigkeiten oder Kenntnisse solcher verhört würden und von Verhaftung, Folterung und willkürlicher Tötung be- troffen wären, falls sie für Regimegegner gehalten würden. Allerdings sei unklar, ob und in welchem Umfang die syrischen Geheimdienste ihre Tä- tigkeit in den europäischen Ländern nach Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien weiter betreiben beziehungsweise inwieweit sie dazu aktuell noch in der Lage seien. Dabei sei zu berücksichtigen, dass die Aktivitäten der syrischen Geheimdienste in Europa in den letzten Jahren in den Fokus der Nachrichtendienste der betroffenen Länder gerückt seien und diese ihre Tätigkeiten aufgrund der ergriffenen Massnahmen nicht mehr ungehindert ausüben könnten. Angesichts der grossen Anzahl von Personen, welche seit Ausbruch des Bürgerkriegs aus Syrien geflüchtet seien, sei es zudem wenig wahrscheinlich, dass die syrischen Geheimdienste über die logisti- schen Ressourcen und Möglichkeiten verfügten, um sämtliche regimekriti- schen exilpolitischen Tätigkeiten syrischer Staatsangehöriger oder staa- tenloser Kurden syrischer Herkunft im Ausland systematisch zu überw a- chen. Zudem könne davon ausgegangen werden, dass sie sich angesichts des Überlebenskampfes des Regimes primär auf die Situation i n Syrien konzentrierten. Das Bundesverwaltungsgericht geht deshalb weiterhin da-E-3763/2014 Seite 17 von aus, dass der Schwerpunkt der Aktivitäten d er syrischen Geheim- dienste im Ausland nicht bei einer grossflächigen, sondern bei einer selek- tiven und gezielten Überwachung der im Ausland lebenden Opposition liegt. Die Annahme, die betroffene Person habe die Aufmerksamkeit der syri- schen Geheimdienste in einer Weise auf sich gezogen, die auf eine be - gründete Furcht vor Verfolgung wegen exilpolitischer Tätigkeiten schlies- sen lasse, rechtfertigt sich deshalb nur, wenn diese sich in besonderem Mass exponiert und aus Sicht des syrischen Regimes als potenziell e Be- drohung wahrgenommen wird (vgl. a.a.O., E. 6.3.3 ff., m.w.H.). 6.3.3 Die Beschwerdeführerin machte geltend, in der Schweiz an mehre- ren Demonstrationen teilgenommen und dadurch die Aufmerksamkeit der syrischen Behörden auf sich gezogen zu haben. Dass ihr Protest von einer grossen Masse getragen werde, schmälere ihr politisches Profil nicht. Aus den eingereichten Beweismitteln ist ersichtlich, dass die Beschwerde- führerin an mehreren Demonstrationen gegen das syrische Regime teilge- nommen hat. Es ergibt sich aus den eingereichten Dokumenten indessen keine exponierte exilpolitische Tätigkeit im Sinne der oben dargelegten Rechtsprechung, welche über die blosse Teilnahme an Kundgebungen und Veranstaltungen hinausgehen würde. Die Beschwerdeführerin hat sich nicht aus der Menge der Demonstranten hervorgehoben und sich auch an- derweitig nicht namentlich exponiert. Allein die Tatsache, dass sie Syrien vor Ausbruch des Bürgerkrieges ver- lassen und in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt hat, führt nicht z ur An- nahme, sie hätte bei einer (hypothetischen) Rückkehr in ihr Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine menschenrechtswidrige Behandlung zu befürchten. Zwar ist aufgrund ihrer längeren Landesabwesenheit davon auszugehen, dass sie bei einer Wiedereinreise nach Syrien im gegenwär- tigen Zeitpunkt einer Befragung durch die heimatlichen Behörden unterzo- gen würde. Da sie jedoch eine Verfolgung nicht glaubhaft machen konnte und sie nicht geltend machte, vor dem Verlassen Syriens als regimefeind- liche Person ins Blickfeld der Behörden geraten zu sein, ist nicht anzuneh- men, dass die syrischen Behörden sie als staatsgefährdend einstufen wür- den. Die in der Beschwerde aufgestellte Behauptung, wonach angesichts der heutigen Situation in Syrien jeder Staatsange hörige, der eine längere Zeit landesabwesend sei, als Staatsfeind betrachtet werde und deshalb bei der Wiedereinreise mit asylerheblichen Massnahmen zu rechnen habe, vermag nicht zu überzeugen. Vielmehr ist, wie dargelegt (vgl. E. 6.3.1 vor-E-3763/2014 Seite 18 stehend), davon auszugehen, dass die im Ausland tätigen syrischen Ge- heimdienste ihr Augenmerk auf Personen richten, die in exponierter Weise den syrischen Behörden als politisch missliebig und in staatsgefährdender Weise aufgefallen sind, was bei der Beschwerdeführerin nicht zutrifft. 6.3.4 Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass die Be- schwerdeführerin die Voraussetzungen für die Anerkennung von subjekti- ven Nachfluchtgründen im Sinne von Art. 54 AsylG nicht erfüllt. 6.4 Die pauschalen Vorwürfe des Rechtsvertreters gegenüber der Vorin- stanz, sie behandle die Asylgesuche von syrischen Staatsangehörigen be- wusst restriktiv, konstruiere Widersprüche, produziere kleinliche und un- faire Wortauslegungen und enthalte ihnen den rechtmässigen Anspruch auf Asyl vor, sind – weil unzutreffend – unter Hinweis auf die in bundesver- waltungsrechtlichen Verfahren gebotene Pflicht der Rechtsvertreter zum Anstand (vgl. Art. 60 Abs. 1 VwVG) ebenso pauschal zurückzuweisen. 6.5 Das Bundesverwaltungsgericht stellt zusammenfassend fest, dass keine asylrechtlich relevanten Verfolgungsgründe ersichtlich sind, weshalb die Vorinstanz zu Recht das Asylgesuch der Beschwerdeführenden und Verneinung der Flüchtlingseigenschaft abgelehnt hat. 7. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.1 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7.2 Aus den vorangegangenen Erwägungen kann nicht geschlossen wer- den kann, die Beschwerdeführenden seien angesichts der aktuellen Lage in ihrem Heimatland Syrien dort nicht gefährdet. Eine solche Gefährdung ist indes nur unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 3 oder 4 AuG (SR 142.20) einzuordnen, wonach der Wegweisungsvollzug für ausländische Personen nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise in den Heimat -, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegen- stehen, beziehungsweise unzumutbar sein kann, wenn sie im Heimat- oder E-3763/2014 Seite 19 Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemei- ner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Der gene- rellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Syrien wurde durch die Vorinstanz mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme der Beschwer- deführenden wegen unzumutbaren Wegweisungsvollzugs Rechnung ge- tragen. Die Frage der Zulässigkeit des Vollzugs war, wie erwähnt, nicht mehr zu prüfen. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügu ng Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten den Beschwerdeführen- den aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. (Dispositiv nächste Seite) E-3763/2014 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfah- renskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Stöckli Sarah Straub