B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5694/2022 U r t e i l v o m 2. F e b r u a r 2 0 2 3 Besetzung Richter Simon Thurnheer (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Thomas Segessenmann, Gerichtsschreiberin Leslie Werne. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, (…), Gesuchsteller, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern. Gegenstand Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-1464/2020 vom 10. Februar 2021. D-5694/2022 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass das SEM mit Verfügung vom 10. Februar 2020 das Asylgesuch des Gesuchstellers vom 25. Juli 2016 ablehnte und dessen Wegweisung aus der Schweiz verfügte, wobei es wegen Unzulässigkeit des Wegweisungs- vollzugs eine vorläufige Aufnahme anordnete, dass das Bundesverwaltungsgericht eine gege n diesen Entscheid erho- bene Beschwerde mit Urteil D-1464/2020 vom 10. Februar 2021 abwies, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D -1401/2021 vom 5. Mai 2021 auf ein Revisionsgesuch des Gesuchstellers vom 27. März 2021 nicht eintrat, dass der Gesuchsteller mit einer als «Mehrfachgesuch» bezeichneten Ein- gabe vom 24. November 2022 an das SEM gelangte und um wiedererwä- gungsweise Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft sowie um Asylge- währung ersuchte, dass er im Wesentlichen geltend machte, er habe vor etwa zwei Monaten erfahren, dass die syrischen Behörden schriftlich zu seiner Festnahme auf- gerufen hätten, womit eine nachträglich veränderte Sachlage vorliege, dass der Eingabe ein Schreiben vom 6. Juni 2011 in arabischer Schrift im Original (inklusive deutscher Übersetzung) beilag, dass das SEM vorgenannte Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht überwies und ausführte, sie ziele auf die Neubeurteilung eines Sachver- halts ab, der bereits vor dem Urteil vom 10. Februar 2021 bestanden habe, weshalb ein Revi sionsgesuch vorliege, für welches das Bundesverwal- tungsgericht zuständig sei, dass der Instruktionsrichter den Gesuchsteller mit Zwischenverfügung vom 14. Dezember 2022 dazu aufforderte, innert Frist ein rechtsgenügliches Revisionsgesuch nachzureichen, dass er i hm mit vorgenannter Verfügung zudem androhte , im Falle einer ungenügenden Verbesserung werde auf sein Revisionsgesuch nicht ein- getreten, dass der Gesuchsteller mit Eingabe vom 21. Dezember 2022 der Aufforde- rung zur Revisionsverbesserung fristgerecht nachkam, D-5694/2022 Seite 3 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 105 AsylG (SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG) ent- scheidet und es ausserdem zuständig ist für die Revision von Urteilen, die es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1), dass gemäss Art. 45 VGG für die Revision von Urteilen des Bundesverwal- tungsgerichts die in Art. 121–128 BGG aufgeführten Revisionsgründe sinn- gemäss gelten, dass nach Art. 47 VGG auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsge- suches Art. 67 Abs. 3 VwVG Anwendung findet, dass im Revisionsgesuch insbesondere der angerufene Revisionsgrund anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von Art. 124 BGG darzutun ist, dass der Gesuchsteller den Revisionsgrund des Vorliegens neuer erhebli- cher Tatsachen respektive Beweismittel (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG) gel- tend macht, dass erhebliche Tatsachen beziehungsweise Beweismittel nur dann einen Revisionsgrund im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG bilden, wenn sie vor dem in Revision zu ziehenden Entscheid entstanden sind, in früheren Verfahren aber nicht beigebracht werden konnten, da sie der gesuchst el- lenden Person damals nicht bekannt waren beziehungsweise trotz hinrei- chender Sorgfalt nicht bekannt sein konnten oder ihr die Geltendmachung oder Beibringung aus entschuldbaren Gründen nicht möglich war, dass der Revisionsgrund der unechten Noven nicht d azu dient, bisherige Unterlassungen in der Beweisführung wiedergutzumachen, und demnach nur mit Zurückhaltung anzunehmen ist, dass es einer Partei nicht möglich war, Tatsachen und Beweise bereits im früheren Verfahren beizubringen (vgl. ESCHER ELISABETH, i n: Basler Kommentar , Bundesgerichtsgese tz, 3. Aufl. 2018, Art. 123 N 8), dass es an der genügenden Sorgfalt mangelt, wenn die Entdeckung neuer Tatsachen oder Beweismittel auf Nachforschungen zurückzuführen ist, die D-5694/2022 Seite 4 bereits im früheren Verfahren hätten ange stellt werden können und müs- sen (vgl. OBERHOLZER NIKLAUS, in: Stämpflis Handkommentar, Bundesge- richtsgesetz, 2. Aufl. 2015, Art. 123 N 9), dass sich der Inhalt des neu zu den Akten gereichten Beweismittels (Poli- zeiliches Rundschreiben vom 6. Juni 2011) auf einen vor dem Absch luss des Beschwerdeverfahrens entstandenen Sachverhalt (angeblicher Aufruf zur Verhaftung des Gesuchstellers) bezieht, dass aber unklar bleibt, weshalb der Gesuchsteller das (angeblich) vor über elf Jahren entstandene Dokument nicht längst hätte beschaffen kön- nen, dass davon auszugehen ist, bei Anwendung der zumutbaren Sorgfalt und unter Beachtung der ihm obliegenden und im ordentlichen Verfahren be- reits hinlänglich zur Kenntnis gebrachte n Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 8 AsylG) hätte der Gesuchsteller das behauptungsgemäss neue Beweismit- tel vom 6. Juni 2011 bereits im ordentlichen Verfahren geltend machen können, sollen und müssen (vgl. Art. 125 BGG), dass er denn auch in keiner Weise darlegt, weshalb entsprechende Be- schaffungsbemühungen nicht hätten möglich sein sollen, dass der Gesuchsteller somit seiner Pflicht zur Darlegung der Rechtzeitig- keit seines Revisionsgesuchs nicht nachkommt und das betreffende Be- weismittel als verspätet eingereicht gilt, dass verspätet vorgetragene Revisionsgründe praxisgemäss ungeachtet der Verspätung zur Revision eines rechtskräftigen Urteils führen können, wenn aufgrund dieser Vorbringen offensichtlich wird, dass einem Gesuch- steller Verfolgung oder unmenschliche Behandlung droht und damit ein völ- kerrechtliches Wegweisungshindernis besteht, dass das Gericht in Würdigung des neuen Beweismittels allerdings zum Schluss gelangt, dass der Gesuchsteller das Vorliegen solcher völkerrecht- licher Wegweis ungsvollzugshindernisse nicht schlüssig nachweisen konnte, dass das Revisionsgesuch somit als unzulässig zu qualifizieren ist, wes- halb gemäss dem Koordinationsurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-4607/2019 darauf in einem Spruchkörper aus drei Richterin nen oder Richtern nicht einzutreten ist (vgl. a.a.O. E. 12), D-5694/2022 Seite 5 dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 1'500.– dem Gesuchsteller aufzuerlegen sind (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-5694/2022 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Auf das Revisionsgesuch wird nicht eingetreten. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.– werden dem Gesuchsteller auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Gesuchsteller, das SEM und die zuständige kan- tonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Leslie Werne