Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. März 2018 (731 17 358 / 79) ____________________________________________________________________ Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung Auslegung der AVB; Leistungsausschluss nur, wenn Klinikaufenthalt aus- schliesslich auf einem der Ausschlussgründe (Drogen, Betäubungs- und Sucht- mittel, Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch) beruht Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin Christina Mar- kiewicz Parteien A.____ , Kläger, vertreten durch Pascal Riedo, Advokat, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz gegen CONCORDIA Versicherungen AG , Bundesplatz 15, Postfach, 6002 Luzern, Beklagte Betreff Forderung A. Der 1956 geborene A.____ ist bei der CONCORDIA V ersicherungen AG (Versicherung) für die obligatorische Krankenpflege und im Rahmen der Zusatzversicherungen gemäss Bun- desgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) vom 2 . April 1908 für Spitalleistungen in der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht halbprivaten Abteilung bei freier Arzt- und Spitalwah l versichert (Spitalversicherung HALBPRIVAT). A.____ ist seit längerem bei seinem Hausar zt, Dr. med. B.____, FMH Allge- meinmedizin, wegen Depressionen, Rückenbeschwerden, eine s Restless Legs Syndroms mit Schlafstörungen sowie wegen der Folgen eines im Sommer 2016 behandelten Plattenepithel- karzinoms des Gaumens und einer Alkoholproblematik in Behandlung. Am 28. September 2016 wurde er von der Sanität ins Spital eingeliefert und dort bis zum 17. Oktober 2016 stationär be- handelt. Die C.____ stellte A.____ für diesen Aufent halt die Mehrkosten der halbprivaten Abtei- lung in Rechnung, nachdem die Versicherung die Deckung aus der Zusatzversicherung ablehn- te mit der Begründung, dass der stationäre Aufenthalt aufgrund eines Alkoholentzugs erfolgt sei und deshalb gestützt auf Art. 31 Ziffer 1 der Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) und Art. 17 Ziffer 2 der Zusätzlichen Versicherungsbedingunge n (ZVB) der Spitalversicherung HALBPRIVAT keine Leistungspflicht bestehe. Am 31. Januar 2017 ersuchte A.____, vertreten durch Advokat Pascal Riedo, die Versicherung, die ausstehe nde Rechnung zu begleichen. Der stationäre Aufenthalt sei in erster Linie wegen einer schweren Hyponatriämie erfolgt, die als medikamentös-bedingtes SIADH (Syndrom der inadäquaten A DH [antidiuretisches Hormon]- Sekretion) interpretiert worden sei und nicht aufgrun d Alkoholmissbrauchs. Die Leistungsver- weigerung sei folglich unrechtmässig. Mit Schreiben vom 15. Februar 2017 lehnte die Versiche- rung die Kostenvergütung ab. Es sei irrelevant, ob der Spitalaufenthalt primär oder nur sekun- där infolge Konsums von Drogen, Betäubungs- und Suchtmitteln oder Alkohol- und Medikamen- tenmissbrauchs erfolgt sei. Gemäss Austrittsbericht vom 25. Oktober 2016 und vertrauensärzt- licher Beurteilung sei Alkoholmissbrauch mit ein Grund für die Einweisung gewesen. Auch nach einem weiteren Schriftenwechsel vom 29. März 2017 und 1 5. September 2017 hielten die Par- teien an ihren Auffassungen fest. B. Mit Eingabe vom 23. Oktober 2017 reichte A.____ du rch seinen Rechtsvertreter Klage gegen die Versicherung ein. Er beantragte, diese sei zu verurteilen, Fr. 7'309.50 zuzüglich Zins von 5 % seit dem 7. Dezember 2016 zu bezahlen. Ob die Alkoholproblematik im Zentrum oder am Rand der Behandlung gestanden habe, sei irrelevant, solange sie nicht alleinige Ursache für die Hospitalisation gewesen sei. Dies sei hier nicht der Fall gewesen, weshalb die Versicherung leistungspflichtig sei. C. In ihrer Klageantwort vom 11. Dezember 2017 bean tragte die Versicherung die Abwei- sung der Klage. Massgebend für die Beurteilung der Lei stungspflicht seien die medizinischen Akten des Spitals bzw. der C.____. Der Austrittsbericht d es Spitals vom 25. Oktober 2016, das Minimal Clinical Dataset (MCD) vom 16. November 2016, die Rechnung an die Beklagte vom 14. November 2016 sowie der vom Kläger eingereichte Rückforderungsbeleg vom 7. Dezember 2016 hätten allein das Alkoholentzugsdelir als Grund f ür die stationäre Behandlung genannt. Dementsprechend habe sie ihre Leistungspflicht zu Recht abgelehnt. D. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen der Kläg er, sein Rechtsvertreter, Pascal Riedo, sowie die Rechtsvertreterin der Versicherung tei l. Die Parteien halten an ihren Anträgen und Begründungen fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung unt erstehen gemäss Art. 12 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Krankenversicher ung (KVG) vom 18. März 1994 dem VVG. Streitigkeiten im Bereich dieser Zusatzversich erungen sind privatrechtlicher Natur, weshalb strittige Ansprüche darüber in einem zivilprozess ualen Verfahren geltend zu machen sind. Das Verfahren im Zivilprozess regelt die Schweizerisc he Zivilprozessordnung (ZPO) vom 19. Dezember 2008. 1.2 Die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts, Abte ilung Sozialversicherungsrecht, ergibt sich aus Art. 7 ZPO i.V.m. § 54 Abs. 1 lit. d de s Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993. W ie das Bundesgericht in BGE 138 III 558 festhielt, ist bei Klagen betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung keine vorgängige Schlichtung du rchzuführen, womit sie direkt am Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht, einzureichen sind (vgl. auch Beschluss des Kantonsgerichts vom 1. Dezember 2011, 731 11 262). 1.3 Die örtliche Zuständigkeit richtet sich grundsätzlich nach Art. 9 ff. ZPO. Der dem vorlie- genden Fall zu Grunde liegende Versicherungsvertrag ist als Konsumentenvertrag im Sinne von Art. 32 ZPO zu qualifizieren, weshalb die Klage am Wo hnsitz der versicherten Person einge- reicht werden kann (Art. 32 Abs. 1 lit. a ZPO; vgl. N OËLLE KAISER JOB , in: Schweizerische Zivil- prozessordnung, Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basel 2013, Art. 32 N 7 und 14 ff.). Nichts anderes ergibt sich im vorliegenden Fall aus Art. 37 Zif fer 2 AVB, Ausgabe 2007, wonach ein Wahlgerichtsstand am Wohnsitz der versicherten Person besteht . Da der Kläger in X.____ wohnt, ist das angerufene Gericht auch örtlich zuständig. Auf die formgerecht beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht erhobene Klage ist einzutr eten (vgl. Urteil des Kantonsgerichts vom 13. August 2008, 731 08 3). 1.4 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Gegenstand des vorliegenden Verfahre ns sind Versicherungsleistungen in Höhe von Fr. 7'309.50. Die Angelegenheit ist demnach präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 247 Abs. 2 lit. a i.V.m. Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO ist der vorliegende Prozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Die Untersuchungsmaxi me gebietet es dem Gericht zwar, den Sachverhalt mit eigenen Mitteln abzuklären un d mit vertretbarem Aufwand zu einem hinreichend sicheren Beweisergebnis zu gelangen; es ist dabei aber nicht an Beweisanträge gebunden und kann auch von sich aus Beweis erheben. Die Parteien werden dadurch jedoch nicht von der Mitwirkung an der Erhebung der Beweise un d der Erstellung des Sachverhaltes entbunden. Sie sind es, die primär die Verantwortung für die Ermittlung des Sachverhaltes tra- gen. Das Bundesgericht hat die in den Vorgängernormen zu Abs. 2 enthaltene Untersu- chungsmaxime daher bisweilen auch als gemilderte Verhand lungsmaxime bezeichnet. Nur wenn an der Vollständigkeit der Behauptungen oder Be weise ernsthafte Zweifel bestehen, muss das Gericht nachforschen. Diese Nachforschung besteht aber allein darin, die Parteien Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf ihre Mitwirkungspflicht sowie auf die Pflicht zum Be ibringen von Beweisen hinzuweisen. Die Untersuchungsmaxime zwingt das Gericht nicht dazu, das Bew eisverfahren beliebig auszudeh- nen oder alle möglichen Beweise abzunehmen. Ebenso wen ig verleiht die Untersuchungsma- xime den Parteien Anspruch auf ein bestimmtes Beweismit tel. Das Gericht muss die betroffene Partei nur einmal auf etwaige Unzulänglichkeiten in i hren Tatsachenbehauptungen und Be- weismitteln hinweisen. Bei anwaltlicher Vertretung ist das Mass der gerichtlichen Mitwirkung auf "krasse Fälle" beschränkt. Indessen verpflichtet die Unter suchungsmaxime das Gericht, ord- nungsgemäss eingebrachte und taugliche Beweismittel zu b erücksichtigen, wenn es von der Nichterweislichkeit einer bestimmten Tatsache ausgehen wi ll. Die Untersuchungsmaxime än- dert nichts an der formellen Beweislast. Kann etwa das Bestehen einer entscheidungserhebli- chen Tatsache durch das Gericht weder bejaht noch verneint werden, so entscheidet das Ge- richt trotz Untersuchungsmaxime gemäss Art. 8 des Schweizer ischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 nach Beweislastgesichtspunkten (vgl. B ERND HAUCK , in: Sutter- Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Kommentar, Art. 247 Abs. 2 ZPO N 33 ff.). 2.2 Wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, hat gemäss Ar t. 8 ZGB derjenige das Vor- handensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, de r aus ihr Rechte ableitet. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung müssen im Privatversicherungsrecht die anspruchsbegrün- denden Tatsachen lediglich mit dem Beweisgrad der übe rwiegenden Wahrscheinlichkeit erwie- sen sein (BGE 130 III 327 E. 3.5). Das gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Tat- sachen, für welche die Beweislast aufgrund von Art. 8 Z GB beim Versicherer liegt (Praxis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Schwei zerischen Bundesgerichts vom 22. Novem- ber 1990]). 2.3 Gelangt das Gericht in Würdigung von Beweisen zur Ü berzeugung, eine Tatsachenbe- hauptung sei bewiesen oder widerlegt, ist die Beweislast verteilung gegenstandslos (BGE 109 II 251 E. 3.5). Diesfalls liegt freie Bewei swürdigung vor, die bundesrechtlich nicht geregelt ist, auch nicht durch Art. 8 ZGB. Diese Bestimmung schreibt dem Gericht nicht vor, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären und wie das Ergebnis davon zu würdigen ist (BGE 112 II 179); sie schliesst selbst vorweggenommene Be weiswürdigung und Indizienbewei- se nicht aus (BGE 109 II 31 E. 3b und 344/45). Eine be schränkte Beweisabnahme verletzt Art. 8 ZGB daher nicht, wenn das Gericht schon nach der en Ergebnis von der Sachdarstellung einer Partei überzeugt ist, gegenteilige Behauptungen also für unbewiesen hält (BGE 114 II 290 E. 2). Ebenso schliesst der im Verfahren zur Beurteilung von Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung herrschende Untersuchungsgrund- satz die antizipierte Beweiswürdigung nicht aus (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Novem- ber 2006, 5C.206, E. 2.1). 2.4 Dem Versicherer steht ein - aus Art. 8 ZGB abgeleit etes - Recht auf Gegenbeweis zu. Für das Gelingen des Gegenbeweises ist mithin bloss erford erlich, dass der Hauptbeweis er- schüttert wird (BGE 120 II 393 E. 4b) und damit die S achbehauptungen nicht mehr als überwie- gend wahrscheinlich erscheinen. Gelingt der Gegenbeweis, an der Sachdarstellung des An- spruchsberechtigten erhebliche Zweifel zu wecken, so ist der Hauptbeweis des Anspruchsbe- rechtigten gescheitert. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde t die Frage, ob die Beklagte die Kos- ten für die stationäre Behandlung des Klägers im Spit al vom 28. September 2016 bis 17. Okto- ber 2016 in der halbprivaten Abteilung aus der Spital versicherung HALBPRIVAT zu überneh- men hat. Dabei ist unbestritten, dass sich eine allfälli ge Leistungspflicht der Versicherung nach Art. 31 Ziffer 1 AVB, Ausgabe 2007, und Art. 17 Zif fer 2 ZVB, Ausgabe 2010, richtet. Die Versi- cherung vertrat zuerst die Auffassung, dass es für einen Leistungsausschluss genüge, wenn der Alkoholmissbrauch lediglich eine Teilursache für den Klinikaufenthalt darstelle (vgl. Schreiben vom 15. Februar 2017). Der Kläger wendete dagegen mit Verweis auf das Urteil des Kantonsgerichts vom 17. September 2015 (731 15 105 ) ein, dass die Ausschlussgründe nach Art. 31 Ziffer 1 AVB und Art. 17 Ziffer 2 ZVB nur dann zum Tragen kämen, wenn sie die alleinige Ursache für einen Spitalaufenthalt seien. Soweit – wie im vorliegenden Fall – die Alko- holproblematik neben der Hyponatriämie und des lumbover tebralen Schmerzsyndroms Anlass zur stationären Behandlung gegeben habe, könne die Ve rsicherung sich ihrer Leistungspflicht nicht entziehen. Daraufhin stellte sich die Versicherung a uf den Standpunkt, dass das Alkohol- entzugsdelir alleiniger Grund für die Hospitalisation gewesen sei. Dies gehe klar aus dem Aus- trittsbericht des Spitals vom 25. Oktober 2016 sowie an deren Dokumenten hervor, worin als Eintrittsgrund explizit das Alkoholentzugsdelir genann t werde. Eine Pflicht, die Kosten für den Aufenthalt in der halbprivaten Abteilung zu übernehmen, bestehe demnach nicht. 3.2 Wie der Kläger richtig vorgebracht hat, hat das Kan tonsgericht mit Entscheid vom 17. September 2015 einen vergleichbaren Fall beurte ilt. In Bezug auf die Ausführungen und Erwägungen zur Auslegung von vorformulierten AVB im A llgemeinen (E. 3.2) und zur Bedeu- tung von Art. 33 VVG, wonach es Sache des Versicherers i st, darzutun, dass ein Ereignis auf- grund vertraglicher Vereinbarung aus der Versicherung a usgeschlossen ist, wird auf die Erwä- gungen 3.2 und 3.3 des Urteils verwiesen. Im Besonderen war gleich wie im vorliegenden Fall die Auslegung von Art. 31 Ziffer 1 AVB und Art. 17 Ziffer 2 ZVB strittig. 3.3 Nach Art. 31 Ziffer 1 AVB entfällt eine Leistung spflicht der Versicherung, wenn Krankhei- ten oder Unfälle sowie deren Komplikationen und Spätf olgen im Zusammenhang mit dem Kon- sum von Drogen, Betäubungs- und Suchtmitteln sowie mit Alkohol- und Medikamentenmiss- brauch auftreten. Als Krankheit gilt gemäss Art. 8 Ziffer 1 AVB jede vom Willen der versicherten Person unabhängige, medizinisch wahrnehmbare körperliche oder geistige Gesundheitsstö- rung, die ärztliche Behandlung notwendig macht und ni cht auf einen Unfall oder eine unfallähn- liche Körperschädigung gemäss dem Bundesgesetz über die Unf allversicherung (UVG) vom 20. März 1981 zurückzuführen ist. Gemäss Art. 17 Ziffer 2 ZVB werden aus der Spitalversiche- rung für die Behandlung und den Aufenthalt in Akutspi tälern und psychiatrischen Kliniken we- gen Drogen, Betäubungs- und Suchtmitteln, Alkohol- o der Medikamentenmissbrauchs sowie bei chronischer Erkrankung keine Leistungen ausgerichtet. Die Formulierung "im Zusammen- hang mit Konsum von Drogen, Betäubungs- und Suchtmitte ln sowie Alkohol- und Medikamen- tenmissbrauch" kann – wie die Versicherung zuerst vorbra chte – dahingehend verstanden wer- den, dass Leistungen bereits verweigert werden können, wenn ein Ausschlussgrund teilursäch- lich für eine ärztliche Behandlung und einen Klinikaufe nthalt ist, unabhängig davon, ob vom Leistungsausschluss nicht betroffene Ursachen vorliegen. Si e kann aber auch so ausgelegt Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden, dass die Versicherung nur dann einen Leistungsau sschluss geltend machen kann, wenn ein Ausschlussgrund dafür alleinige Ursache ist. Di ese Auslegung wird von Art. 17 Zif- fer 2 ZVB unterstützt, indem der Begriff "wegen" eher darauf deutet, dass eine Leistung nur dann entfällt, wenn die Notwendigkeit der Behandlung und des Aufenthalts ausschliesslich auf die Einnahme von Drogen, Betäubungs- und Suchtmitteln oder auf den Missbrauch von Alkohol oder Medikamenten zurückzuführen ist. Das Kantonsgericht k am in seiner ausführlichen Ur- teilsbegründung zum Schluss, dass weder die Police noch die AVB noch die ZVB einen klaren Haftungsausschluss für den Fall formuliert hätten, dass ein Ausschlussgrund neben anderen Gründen für die ärztliche Behandlung bzw. einen Klinika ufenthalt verantwortlich gewesen sei. Folglich könne sich die Versicherung mit Blick auf Art. 33 VVG ihrer Leistungspflicht nicht ent- ziehen, wenn ein Ausschlussgrund Teilursache von medizinisch en Leistungen bilde (vgl. E. 4.1 des Urteils vom 17. September 2015). Daran ist festzuhalten. 4.1 Demnach ist in Würdigung der ärztlichen Berichte zu beurteilen, ob der Klinikaufenthalt des Beschwerdeführers im Spital einzig auf den Ausschlussgrund Alkoholmissbrauch zurückzu- führen ist. 4.2 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist anal og zur Rechtsprechung im So- zialversicherungsrecht entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagte n Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worde n ist, in der Darlegung der medi- zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sin d (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). Bei der Würdigung von Berichten be handelnder Ärztinnen und Ärzte ist (ebenfalls analog zur Rechtsprechung im Sozialversicherung srecht) zu beachten, dass sie in der Regel nicht den Zweck verfolgen, zu einem medizini schen Sachverhalt abschliessend Stel- lung zu nehmen und eine objektive Beurteilung von Versich erungsansprüchen zu erlauben, denn ihre Verfasserinnen und Verfasser sind auf die Beh andlung der versicherten Person kon- zentriert. Dennoch sind ihre Berichte korrekt zu würdige n und Anhaltspunkte zu beachten, wo- nach die Feststellungen der begutachtenden oder von versicherungsinternen Fachpersonen als nicht schlüssig erscheinen (vgl. BGE 135 V 470 f. E. 4.5 f., 125 V 353 E. 3b/cc sowie Urteile des Bundesgerichts vom 1. Oktober 2013, 4A_172/2013, E. 3.3, mit weiteren Hinweisen, vom 12. Februar 2010, 8C_907/2009, E. 1.1 und vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2). 4.3 Der Versicherte wurde am 28. September 2016 notfa llmässig ins Spital eingewiesen und dort stationär bis zum 17. Oktober 2016 behandelt. Aus dem Austrittsbericht des Spitals vom 25. Oktober 2016 geht hervor, dass er morgens aufgewacht sei und am ganzen Körper gezittert und leichte Kopfschmerzen verspürt habe. Er konsumiere i n der Regel jeden Tag eine Flasche Weisswein. Am Vortag habe er jedoch mit dem Trinken auf gehört. Sein Hausarzt habe ihm Te- mesta verschrieben und er habe sich zuhause zum Schlafen hingelegt. Da sich sein Zustand nicht gebessert habe, sei er von seinem Hausarzt ins Spital überwiesen worden. Als Hauptdi- agnosen führten die behandelnden Ärzte ein lumbovert ebrales Schmerzsyndrom, eine schwere Hyponatriämie, ein Alkoholentzugsdelir, eine hyporegenerative, makrozytäre Anämie multifakto- rieller Genese, eine passagere Thrombopenie sowie ein en Verdacht auf rezidivierende Gicht- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schübe an. Als Nebendiagnosen wurden ein Status nach Orp harynx-Plattenepithelkarzinom, eine arterielle Hypertonie, eine depressive Störung so wie ein Restless Legs Syndrom genannt. Bei einem progredienten Natrium-Abfall bis 115 mmol/ l und zunehmender Deliranz sei am 30. September 2016 die Verlegung auf die Überwachung sstation erfolgt. Die Infusionstherapie mit 3 % NaCl Lösung sei dort fortgeführt und die Tri nkmenge auf 700 ml pro Tag reduziert wor- den. Am 2. Oktober 2016 sei bei der Körperpflege ein Fentanylpflaster am Brustkorb entdeckt worden. Bei Verdacht auf einen zusätzlichen Opiatentzug sei ein Fentanylpflaster in kleinster Dosierung zum Abfangen der Symptome verabreicht worden. Bei steigenden Natriumwerten und regredienter Entzugssymptomatik habe der Versicherte am 3. Oktober 2016 auf die Station zurückverlegt werden können. Die therapieresistente Hypon atriämie sei als medikamentös- bedingtes SIADH zu interpretieren. Zusätzlich seien die Medikamente Pramipexol (gegen das Restless Legs Syndrom) und Escitalopram (Antidepressivum) be i stabilem psychischem Zu- stand gestoppt worden. Bei chronischer, therapieresistente r Lumbalgie sei das Fentanyl in der Dosierung erhöht sowie eine Physiotherapie eingeleitet worden. In Bezug auf das weitere Vor- gehen sei unter anderem insbesondere zu berücksichtigen, dass möglichst auf die Abgabe von Thiazid-Diuretika (harntreibende Bluthochdruckmittel) sowie Pramipexol nach schwerer Hy- ponatriämie verzichtet werde. Weiter sei eine intensive stationäre Rehabilitation bei lumbover- tebralem Schmerzsyndrom, schwerem Restless Leg Syndrom und nach Hyponatriämie und Alkoholentzugsdelir wichtig. 4.4 Aus dem Austrittsbericht geht erkennbar hervor, dass d as Alkoholentzugsdelir nicht der alleinige Grund für den Spitaleintritt war. Im Vord ergrund stand die schwere Hyponatriämie, welche den behandelnden Ärzten zufolge auf die Einnah me von Escitalopram und Pramipexol zurückzuführen war. Ferner bestand der Verdacht auf Ent zugserscheinungen aufgrund eines längere Zeit verborgenen und deshalb nicht rechtzeitig ersetzten Fentanylpflasters, welches der Versicherte zur Behandlung der chronischen Rückenbeschwe rden appliziert hatte. Diesbezüg- lich führte der Hausarzt in seinem Bericht vom 15. Sep tember 2017 aus, dass bei der Fentanyl- therapie das hochpotente Opioid mittels Pflaster auf d ie Haut appliziert werde, welches alle 72 Stunden gewechselt werden müsse. Die verabreichte Dosis vo n 25ug/h Fentanyl entspreche einer Tagesdosis von 60 mg Morphin per os täglich. Zum Ve rgleich werde zu Beginn einer Opi- oidtherapie mit 3 mg pro Applikation gestartet. Der a brupte Stopp einer solch hohen Dosis kön- ne ohne weiteres zu Entzugssymptomen führen. Dies sei vorliegend wahrscheinlich auch der Fall gewesen. 4.5 Dem Einwand der Versicherung, dass sowohl im Austr ittsbericht des Spitals vom 25. Oktober 2016 als auch im MCD vom 16. November 2016, in der Rechnung an die Beklagte vom 14. November 2016 sowie im vom Kläger eingereichten R ückforderungsbeleg vom 7. Dezem- ber 2016 das Alkoholentzugsdelir als Grund für den Spita laufenthalt genannt werde, womit ein Ausschlussgrund vorliege, kann nicht gefolgt werden. Es tr ifft zwar zu, dass im Austrittsbericht des Spitals auf Seite 2 unter dem Titel Therapie und Verlauf steht, die stationäre Aufnahme sei infolge eines Alkoholentzugssyndroms erfolgt. Isoliert betrachtet, könnte diese Eintrittsdiagnose, welche unbesehen in die Rechnungsdaten übernommen wurde , auf einen Ausschlussgrund hinweisen. Die Schlussfolgerung der Versicherung, dass d as Alkoholentzugssyndrom daher einziger Grund für die Hospitalisation gewesen sei, ü berzeugt in Kenntnis des ganzen Austritts- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht berichts des Spitals sowie der Ausführungen des Hausarztes a ber nicht. Daraus ergibt sich nämlich ein differenziertes Bild vom Gesundheitszustand de s Versicherten und von den ver- schiedenen Leiden, die zum Spitalaufenthalt geführt ha ben. Das Alkoholentzugssyndrom war ein Grund unter mehreren. Dabei ist nicht von Bedeu tung, ob es im Zentrum oder nur am Ran- de der Behandlung stand. Massgebend ist allein, dass di e schwere Hyponatriämie und das lumbovertebrale Schmerzsyndrom zusammen mit dem Alkohol entzugsdelir als mitwirkende Ursache zum Klinikaufenthalt führten. Damit ist die Ver sicherung für den Aufenthalt in der halb- privaten Abteilung des Spitals vom 28. September 2016 bis 17. Oktober 2016 im Rahmen der Spitalversicherung HALBPRIVAT leistungspflichtig. Da verschiedene Rechnungsbeträge in den Akten sind und der Betrag für die Spitalleistungen in der halbprivaten Abteilung - auch auf Nachfrage an der heutigen Parteiverhandlung hin - ni cht genau beziffert werden kann, ist die eingeklagte Summe von Fr. 7'309.50 in ihrer Höhe nicht zu bestätigen. Insbesondere ist unklar, ob darin noch Leistungen der obligatorischen Krankenpfl egeversicherung berücksichtigt sind. Die Beklagte wird aber verpflichtet, für die zusätzliche n Kosten aus dem stationären Aufenthalt in der halbprivaten Abteilung des Spitals gemäss Zusat zversicherungen aufzukommen. Die Klage ist in diesem Sinne gutzuheissen. 5. Der Kläger beantragt eine Verzinsung der Forderun g zu 5 % seit dem 7. De- zember 2016. Nach Auskunft des Klägers und seines Rechtvertreters an der heutigen Verhand- lung sind die in Rechnung gestellten Kosten noch nicht beglichen worden, sondern es wurde eine Stundung vereinbart. Somit ist dem Kläger kein f inanzieller Schaden erwachsen, weshalb von einer Verzinsung abzusehen ist. 6. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Das Verfahren vor dem Versicherungsgericht ist nach Art. 114 Abs. 2 lit. f ZPO kostenlos. Dem obsiegen den Kläger ist gestützt auf Art. 106 Abs. 1 ZPO eine Parteientschädigung zu Lasten der Versich erung zuzusprechen. Der Rechts- vertreter des Klägers machte in seiner Honorarnote vom 4 . Januar 2018 einen zeitlichen Auf- wand von 14,6 Stunden geltend, was angemessen ist. Daz u ist eine Stunde für die Parteiver- handlung zu vergüten. Gemäss dem praxisgemäss zur Anwendun g gelangenden Stundenan- satz von Fr. 250.-- (vgl. § 2 Abs. 1 der Tarifordnung fü r die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003) hat der Kläger Anspruch auf Verg ütung der Parteikosten in Höhe von Fr. 4'283.05 (inkl. Auslagen in Höhe von Fr. 50.-- un d 8 % bzw. 7,7 % Mehrwertsteuer [für den Aufwand ab Januar 2018]). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Klage wird die Beklagte veru rteilt, die Kosten für den stationären Aufenthalt vom 28. September 2016 bis 17. Oktober 2016 in der Halbprivat-Abteilung des Spitals gestützt auf die Zu satzversicherun- gen nach Versicherungsvertragsgesetz (Spitalversicherung HALBPRIVAT) zu bezahlen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Die Beklagte hat dem Kläger eine Parteientschädigu ng von Fr. 4'283.05 (inkl. Auslagen und 8 % bzw. 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht