B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1601/2014/plo U r t e i l v o m 3 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, vertreten durch B._______, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 28. Februar 2014 / N (…). D-1601/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin ersuchte durch ihren Bruder B._______ (vo- rinstanzliches Verfahren ebenfalls N […]), dessen am 24. September 2008 gestelltes Asylgesuch vom BFM mit Verfügung vom 29. Januar 2009 gutgeheissen worden war, mit an das Bundesa mt adressiertem Schreiben vom 15. März 2012 (Eingang beim BFM: 22. März 201 2) um Gewährung des Asyls und um Bewilligung der Einreise in die Schweiz. A.b Mit Zwischenverfügung vom 8. November 2013 teilte d as BFM der Beschwerdeführerin beziehungsweise deren am 29. Januar 2012 bevol l- mächtigtem Bruder unter Hinweis auf das Urteil BVGE 2007/30 mit, die Schweizer Botschaft in Khartum sei aufgrund der Zunahme der eing e- reichten Asylgesuche, des begrenzten Personal bestands sowie wegen fehlender Voraussetzungen im sicherheits technischen und räumlichen Bereich nicht mehr in der Lage, eine persönliche Befragung durchzufü h- ren. Das Bundesamt ersuchte daher die Beschwerdeführerin unter Hin- weis auf ihre Mitwirkungspflicht, zur Vervollständigung des rechtserheb li- chen Sachverhalts bis zum 9. Dezember 2013 konkrete Fragen betre f- fend persönliche Angaben, Familie und Angehörige in einem Drittstaat, Asylgründe sowie Aufenthalt im Sudan zu beantworten. Gleichzeitig wu r- de die Besch werdeführerin aufgefordert, innert derselben Frist Kopien von Identitätsausweisen und Beweismitteln, welche ihre Identität bezi e- hungsweise Vorbringen belegen könnten, einzureichen. Bei ungenutzter Frist werde aufgrund der Aktenlage entschieden und das Gesu ch allen- falls als gegenstandslos geworden abgeschrieben. Das diesbezügliche, auf den 1. Dezember 2013 datierte Antwortschreiben traf am 9. Dezember 2013 beim BFM ein. Darin bestätigte die Beschwer- deführerin in Beantwortung der rubrizierten Fragen mit ihrer Unterschrift, dass ihr Bruder ihr den Fragenkatalog des BFM zur Beantwortung in den Sudan geschickt habe und es absolut ihrem Willen entspreche, dass ihr Bruder für sie ein Asylgesuch eingereicht habe. A.c In den beiden schriftlichen Eingaben machte die Beschwerdeführerin durch ihren Bruder im Wesentlichen geltend, sie sei eritreische Staatsan- gehörige und in der Hauptstadt Asmara aufgewachsen. Seit ihrer Kindheit gehöre sie der verbotenen Pfingstgemeinde an und habe ihren Glauben – zusammen mit ihre r Mutter – zu Hause oder in Privatwohnungen au s- geübt. Im Mai 2011 sei ihre Mutter deswegen während eines Gottesdiens-D-1601/2014 Seite 3 tes festgenommen worden; sie befinde sich nach wie vor in Haft. Ihr se l- ber sei ebenfalls mit der Festnahme gedroht worden, falls sie weiterhin ih- ren Glauben praktiziere. Sie habe sich daher zum Verlassen ihrer Heimat entschlossen. Im September 2011 sei sie von einem Schlepper in den Sudan gebracht worden, wo sie sich zunächst im Flüchtlingslager C._______ ([…]) unweit der Grenze zu Eritrea auf gehalten habe und seit April 2012 bei einem Freund ihres Bruders in Khartum lebe. Als Flüchtling könne sie sich im Sudan nicht frei bewegen , keine Schule besuchen und auch nicht arbeiten. Als Angehörige des christlichen Glaubens sei sie zu- dem ständigen Sch ikanen und Diskriminierungen seitens der sudanes i- schen Bevölkerung und der Behörden ausgesetzt. Überdies habe der Be- kannte ihres Bruders, bei dem sie in Khartum wohne, ein Visum für K a- nada erhalten, so dass sie im Sudan bald ganz auf sich allein gestellt sein werde. Sie fürchte sich auch vor einer Deportation nach Eritrea. Schliess- lich wurde geltend gemacht, da ihr Bruder B._______ in der Schweiz als Flüchtling anerkannt sei, bestehe eine Beziehungsnähe zur Schweiz. B. Mit Verfügung vom 28. Februar 2014 – dem Bruder der Beschwerdefü h- rerin eröffnet am 5. März 2014 – verweigerte das BFM der Beschwerd e- führerin die Einreise in die Schweiz und lehnte das Asylgesuch ab. Auf die Begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. C. Die Beschwerdeführerin beantragte durch ihren Bruder mit Eingabe vom 24. März 2014 beim Bundesverwaltungsg ericht die Aufhebung der vor- instanzlichen Verfügung, die Bewilligung der Einreise in die Schweiz und die Gewährung des Asyls. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei ihr die u n- entgeltliche Prozessführung zu bewilligen , und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Zur Begründung wurde im Wesentlichen erneut die schwierige Lebenss i- tuation für eritreische Flüchtlinge im Sudan dargelegt und auf die stets drohende Gefahr einer Rückschaffung nach Eritrea hingewiesen. Zur U n- termauerung dieser Ausführungen wurden vier dem Internet entnommene Berichte von "Human Rights Watch", von "Amnesty International" und der "Schweizerischen Flüchtlingshilfe" (SFH) zu den Akten g egeben. Sodann wurde die Feststellung der Vorinstanz, durch die Einreichung einer G e- burtsurkunde würden Ungereimtheiten bezüglich des Geburtsdatums be- ziehungsweise der geltend gemachten Minderjährigkeit der Beschwerde- führerin nicht beseitigt, gerügt; das BFM habe dabei keine Dokumenten-D-1601/2014 Seite 4 analyse vorgenommen und sich nicht einmal die Mühe gemacht, allfällige Fälschungsmerkmale aufzuführen. D. Mit Zwischenverfügung vom 2. April 2014 hiess das Bundesverwaltung s- gericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro zessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gut und teilte der Beschwerdeführerin bezi e- hungsweise ihrem sie vertretenden Bruder mit, es werde auch auf die E r- hebung eines Kostenvorschusses verzichten (Art. 63 Abs. 4 VwVG). E. Das BFM beantragte mit Vernehmlassung vom 9 . Juli 2014 sinngemäss die Abweisung der Beschwerde, da diese keine neuen erheblichen Tatsa- chen oder Beweismittel enthalte, welche eine Änderung seines Stan d- punktes rechtfertigen könnten. Die Vernehmlassung wurde dem Brude r der Beschwerdeführerin am 14. Juli 2014 zur Kenntnisnahme zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Gebi et des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Partei Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. September 2012, welche am 29. September 2012 in Kraft getreten sind, kommen vorliegend nicht zur Anwendung, wurde doch in der Übergangsbesti m- mung (Ziffer III) festgehalten, dass für Asylgesuche, die – wie das vorlie- gende – im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung des Asylgesetzes gestellt worden sind, die Art. 12, 19, 20, 41 Absatz 2, 52 und 68 in der bisherigen Fassung gelten. D-1601/2014 Seite 5 2. 2.1 Das Recht auf Einreichung eines Asylgesuchs stellt ein sogenannt höchstpersönliches Recht dar, welches Urteilsfähigkeit, nicht aber Volljäh- rigkeit voraussetzt. Die Beschwerdeführerin, deren Urteilsfähigkeit nicht in Frage gestellt wird, konnte sich demnach zweifellos selber – mithin ohne, dass dafür eine gesetzliche Ver tretung nötig gewesen wäre – zu ihren Asylgründen äussern, wobei sie stets erklärte, am 4. Mai 1996 gebo ren zu sein (vgl. Vorakten B1/5 und B4/4). Der Umstand, dass ihr Bruder B._______ – wie vom BFM in seiner angefochtenen Verfügung vom 28. Februar 2014 ( vgl. Ziff. 6 der Erwägungen) angemerkt wurde – in seiner am 16. September 2008 durchgeführten Befragung zur Person angeg e- ben hatte, seine Schwester D._______, mithin die Beschwerdeführerin, sei im Jahr 1992 geboren, ist für das vorliegende Verfahren ohne Belang, und zwar umso weniger , als die Beschwerdeführerin mittlerweile un- bestrittenermassen volljährig geworden ist. Es erübrigt sich daher auch, zu den Ausführungen des BFM zum Beweiswert der nachträglich eing e- reichten Geburtsurkunde (vgl. BFM -Verfügung S. 3 Ziff. 6) und den en t- sprechenden Rügen in der Beschwerdeschrift (vgl. S. 4 f.) Stellung zu nehmen. 2.2 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt , hat ein schutzwürdiges In teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Ä n- derung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4. 4.1 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes oder ein von einer sich im Ausland befindenden Person eingereichtes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen konn- te oder ihr die Aufnahme in einem Drittsta at zugemutet werden kann (Art. 3, Art. 7 und aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise zur D-1601/2014 Seite 6 Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet werden konnte, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf aArt. 20 Abs. 3 AsylG konnte das Eidgenöss i- sche Justiz - und Polizeidepart ement (EJPD) S chweizerische Vertretu n- gen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machten, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 4.2 Hinsichtlich de s Verfahrens bei der S chweizerischen Vertretung im Ausland sieht aArt. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt (aArt. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht möglich, sind die Asylgründe schriftlich festzuhalten (aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das BFM hat den Verzicht auf eine Befragung im Ausland in der Verfügung zu begründen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8 [S. 368]). Vorliegend begründete das BFM den Verzicht auf eine pers önliche Befra- gung der Beschwerdeführerin bei der S chweizerischen Vertretung in Khartum mit der Zunahme der eingereichten Asylgesuche, dem begrenz- ten Personalbestand der Botschaft und fehlenden Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereic h. Die Beschwerdeführerin erhielt indes die Möglichkeit, ihre Asylgründe ausführlich schriftlich darz u- legen, so dass den verfahrensrechtlichen Anforderungen von aArt. 10 AsylV 1 Genüge getan wurde. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlin gen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie vor der Ausreise zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gr uppe oder wegen ihrer politischen A n- schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Fre i- heit sowie Massnahm en, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, Art. 7 und a Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise in die Schweiz zur Asylerteilung, wenn diese die entsprechenden D-1601/2014 Seite 7 Voraussetzungen erfüllt, oder zur Abklärung de s Sachverhalts, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf aArt. 20 Abs. 3 AsylG kann das EJPD Schweizerische Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass ei- ne unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 5.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum z u- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind mit Blick auf den Asylausschlussgrund von a Art. 52 Abs. 2 AsylG namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die praktische Mögl ichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilati- onsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erte i- lung einer Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betrof- fenen Person, mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet we r- den kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3.). Hält sich die Person, die ein Asylgesuch aus dem Ausland gestellt hat, in einem Drittstaat auf, bedeutet dies zwar nicht zwingend, dass es ihr auch zuzumuten ist, sich dort um Aufnahme zu bemühen. Im Sinne einer R e- gelvermutung ist aber davon auszugehen, si e habe dort den erforderl i- chen Schutz gefunden, was in der Regel zur Ablehnung des Asylgesuchs und zur Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In jedem Fall sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat z u- mutbar erscheinen lassen, und diese mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Eine Beziehungsnähe zur Schweiz aufgrund hier ansässiger naher Familienangehöriger begründet nicht automatisch eine Einreisebewilligung, wenn aufgrund einer Abwägung mit anderen Kriterien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist. Es gilt also zu prüfen, ob es aufgrund der gesamten Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die einer Person den erforde r- lichen Schutz gewähren soll (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1). 6. 6.1 Vorliegend lassen die geltend gemachten Vorbringen, die nicht von vornherein unglaubhaft erscheinen, nicht ausschliessen, dass die B e-D-1601/2014 Seite 8 schwerdeführerin in Eritrea namentlich aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Pfingstgemeinde (wie auch aufgrund ihrer illegalen Ausreise ) ernstzu- nehmende beziehungsweise in flüchtlingsrechtlicher Hinsicht relevante Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden zu befürchten hatte. An dieser Feststellung vermag auch die neue gesetzliche Bestimmung von Art. 3 Abs. 3, 1. Satz AsylG nichts zu ändern, statuiert doch der zweite Satz von Art. 3 Abs. 3 AsylG gleichzeitig den Vorbehalt der Flüchtling s- konvention. Ob die Beschwerdeführerin bei einer allfälligen Rückkehr nach Eritrea einer flüchtlingsrechtlich relevante n Verfolgung ausgesetzt sein könnte, kann dennoch offengelassen werden, da sie den subsidiären Schutz der Schweiz gemäss aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht benötigt, weil es ihr – wie nachfolgend aufgezeigt wird – trotz der gewiss nicht einfachen Bedingungen für eritreische Flüchtlinge im Sudan zuzumuten ist, dort zu verbleiben. 6.2 Die Beschwerdeführerin hat gemäss ihren Angaben Eritrea im Se p- tember 2011 verlassen und in der Folge Zuflucht in einem Drittstaat (S u- dan) gefunden. Sie hat sich – wie der Eingabe vom 1. Dezember 2013 entnommen werden kann – im Flüchtlingslager C._______ beim UNHCR registrieren lassen und den Flüchtlingsstatus erhalten. Im April 2012 hat sie das Flüchtlingslager aber verlassen und sich in die Hauptstadt Kha r- tum begeben. Die Lebensbedingung en für eritreische Flüchtlinge im S u- dan sind zugestandenermassen nicht einfach. Die Beschwerdeführerin teilt diesbezüglich das Leid mit einer grossen Zahl ihrer Landsleute. Seit zweieinhalb Jahren kann sie aber bei einem Freund ihres Bruders in Khartum leben, und sie wird überdies von ihrem in der Schweiz wohnha f- ten Bruder , B._______, finanziell unterstützt (vgl. Eingabe vom 1. Dezember 2013, S. 3). Der Umstand, dass der erwähnte Freund des Bruders angeblich demnächst nach Kanada auswandern soll, vermag an der grundsätzlichen Zumutbarkeit eines weiteren Verbleibs der B e- schwerdeführerin im Sudan nichts zu ändern. Die Beschwerdeführerin hat nämlich nach wie vor die Möglichkeit, in ein Flüchtlingslager (insbesonde- re ins Lager von C._______, wo sie bereits vom U NHCR registriert ist) zurückzukehren. In den Flüchtlingslagern ist die Grundversorgung g e- währleistet, und der dortige Aufenthalt wird für die vom UNHCR registrier- ten Flüchtlinge auch vom Bundesverwaltungsgericht in ständiger Praxis als grundsätzlich zumutbar erachtet. Sodann ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin weiterhin auf die finanzielle Unterstützung ihres Bruders B._______ zählen kann. D-1601/2014 Seite 9 6.3 Hinsichtlich der schon im vorinstanzlichen Verfahren geäusserten und auf Beschwerdeebene unter Hinweis au f verschiedene dem Internet en t- nommene Berichte wiederholten Furcht vor einer Deportation in den He i- matstaat ist festzuhalten, dass das Risiko für im Sudan vo m UNHCR re- gistrierte Flüchtlinge gering ist. Es kann zwar nicht ausgeschlossen we r- den, dass vereinzelte Deportationen erfolgen, doch finden solche gemäss gesicherten Erkenntnissen nicht flächendeckend statt (vgl. statt vieler U r- teile D-3075/2014 vom 2. Juli 2014). Eine generelle Gefahr einer Depo r- tation besteht für die in grosser Zahl im Sudan lebenden eritreischen Flüchtlinge nicht, und es liegen keine konkreten Hinweise dafür vor, dass die vom UNHCR registrierte Beschwerdeführerin von einer Rückscha f- fung bedroht wäre. Insbesondere sind – wie in der angefochtenen Verf ü- gung zutreffend bemerkt wurde – keine Anhaltspunkte ersichtlich, die auf ein besonderes Profil der Beschwerdeführerin, nämlich das jenige einer Person, an deren Auslieferung die eritreische Regierung besonders int e- ressiert wäre, schliessen liessen. Die weiteren Ausführungen in der B e- schwerdeeingabe und auch die dem Internet entnommenen diesbezügl i- chen Berichte vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern , zumal sie in keinem engen Zusammenhang mit den Vorbringen der Beschwe r- deführerin stehen . Auch die Zugehörigkeit der Beschwerdeführerin zur Pfingstgemeinde vermag keine akute und konkrete Gefährdungssituation im Sudan zu begründen. 6.4 Schliesslich vermag auch der Umstand, dass der Bruder der volljähr i- gen Beschwerdeführerin seit sechs Jahren in der Schweiz lebt, keinen derart gewichtigen Anknüpfungspunkt darzustellen, dass eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von aArt. 52 Abs. 2 AsylG dazu führen müsste, dass es gerade die Schweiz ist, die ihr den erforderlichen Schutz gewähren soll. 6.5 Das BFM hat nach dem Gesagten der Beschwerdeführerin zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert und das Asylgesuch aus dem Au s- land abgelehnt. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig fe ststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. D-1601/2014 Seite 10 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG und Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bun desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Bundesverwaltungsgericht bewilligte der Beschwe r- deführerin mit Zwischenverfügung vom 2. April 2014 die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Angesichts der Aktenlage b e- steht keine Veranlassung, auf diesen Entscheid zurückzukommen. (Dispositiv nächste Seite) D-1601/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und das BFM. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Kathrin Mangold Horni Versand: