<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="last-modified"> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="date"/> <meta content="AGVE 2019 - Band 40" name="description"/> <title>AGVE 2019 - Band 40</title> </meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">251</span> </div> <div class="page" id="S251"> <div role="main"> <span class="text"><b>I. Steuern </b></span><br/> <span class="text"><b>A. Kantonale Steuern </b></span><br/> <span class="text"><b>40 </b> <b>§ 27 Abs. 1 und 2 StG</b></span><br/> <span class="text">Verkauf einer Marke / Abgrenzung zwischen Privatvermögen und Ge-</span><br/> <span class="text">schäftsvermögen: Beim Verkauf der Markenrechte ist von einem Verkauf</span><br/> <span class="text">von Geschäftsvermögen auszugehen, da der Nachweis der Überführung</span><br/> <span class="text">ins Privatvermögen nicht erbracht wurde. Dementsprechend stellt der er-</span><br/> <span class="text">zielte Kapitalgewinn Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit dar. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="text">vom 19. September 2019, in Sachen A. und B. (3-RV.2017.86)</span><br/> <br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <br/> <span class="text">4.</span><br/> <span class="text">4.1.</span><br/> <span class="text">Gemäss § 27 Abs. 1 StG sind alle Einkünfte aus einem Han-</span><br/> <span class="text">dels-, Industrie- und Gewerbebetrieb, aus einem freien Beruf sowie</span><br/> <span class="text">aus jeder anderen selbständigen Erwerbstätigkeit steuerbar. Zu den</span><br/> <span class="text">Einkünften aus selbständiger Erwerbstätigkeit zählen auch alle Kapi-</span><br/> <span class="text">talgewinne aus Veräusserung, Verwertung oder buchmässiger Auf-</span><br/> <span class="text">wertung von Geschäftsvermögen. Der Veräusserung gleichgestellt ist</span><br/> <span class="text">die Überführung von Geschäftsvermögen in das Privatvermögen. Als</span><br/> <span class="text">Geschäftsvermögen gelten alle Vermögenswerte, die ganz oder vor-</span><br/> <span class="text">wiegend der selbständigen Erwerbstätigkeit dienen (§ 27</span><br/> <span class="text">Abs. 2 StG).</span><br/> <span class="text">4.2.</span><br/> <span class="text">Markenrechte gehören wie etwa Darlehen zu den sog. Alterna-</span><br/> <span class="text">tivgütern. Es handelt sich um Vermögenswerte, die nicht aufgrund</span><br/> <span class="text">ihrer Beschaffenheit und Funktion von vornherein unzweifelhaft</span><br/> <span class="text">entweder dem Geschäftsvermögen oder dem Privatvermögen zuzu-</span><br/> <span class="text">ordnen sind. Für die Bestimmung, ob ein Vermögenswert dem Ge-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">252</span> </div> <div class="page" id="S252"> <div role="main"> <span class="text">schäfts- oder Privatvermögen zuzuordnen ist, ist auf die Gesamtheit</span><br/> <span class="text">der objektiv feststellbaren tatsächlichen Verhältnisse abzustellen. Von</span><br/> <span class="text">besonderer Bedeutung ist die technisch-wirtschaftliche Funktion des</span><br/> <span class="text">Vermögenswertes, d.h. ob dieser dem Geschäft tatsächlich dient. Ist</span><br/> <span class="text">dies nicht der Fall, liegt in aller Regel kein Geschäftsvermögen vor.</span><br/> <span class="text">Dass der Vermögenswert für den Betrieb aber zwingend notwendig</span><br/> <span class="text">ist, wird nicht vorausgesetzt. Weiter können als Indizien die Eigen-</span><br/> <span class="text">tumsverhältnisse, die buchmässige Behandlung - soweit sie auf den</span><br/> <span class="text">Willen des Steuerpflichtigen hinweist, den Vermögenswert dem ge-</span><br/> <span class="text">schäftlichen bzw. dem privaten Bereich zuzuordnen - und das Er-</span><br/> <span class="text">werbsmotiv in Betracht fallen. Der subjektive Wille des Steuerpflich-</span><br/> <span class="text">tigen ist für sich allein nicht massgebend, sondern nur, soweit er sich</span><br/> <span class="text">in der tatsächlichen Gestaltung der Verhältnisse niederschlägt</span><br/> <span class="text">(BGE 133 II 420; SGE vom 26. Januar 2017, bestätigt durch</span><br/> <span class="text">VGE vom 9. Juni 2017 (WBE.2017.110) und Bundesgerichtsurteil</span><br/> <span class="text">vom 5. Juni 2018 (2C_629/2017); BStPra XVIII S. 564, mit Hinwei-</span><br/> <span class="text">sen; vgl. StR 2000 S. 482, mit Hinweisen).</span><br/> <span class="text">4.3.</span><br/> <span class="text">Zuerst ist folglich zu prüfen, ob die Marke C. im Zeitpunkt</span><br/> <span class="text">des Verkaufes dem Privat- oder Geschäftsvermögen des Rekurrenten</span><br/> <span class="text">zuzurechnen war. Erfolgte der Verkauf aus seinem Geschäftsvermö-</span><br/> <span class="text">gen, ist von steuerbarem Einkommen aus selbständiger Erwerbstä-</span><br/> <span class="text">tigkeit im Sinne von § 27 Abs. 1 und 2 StG auszugehen.</span><br/> <span class="text">5.</span><br/> <span class="text">5.1.</span><br/> <span class="text">Vorerst ist zu Recht unbestritten, dass die Marke C. im Zeit-</span><br/> <span class="text">punkt des Verkaufes zum Vermögen des Rekurrenten gehörte.</span><br/> <span class="text">Das ergibt sich einerseits aus den Einträgen im Markenregister</span><br/> <span class="text">des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum (Swissregaus-</span><br/> <span class="text">zug-Marken vom 18. September 2019; Marke Nr. (...) C. ). Die</span><br/> <span class="text">Eintragung der Marke C. in das Markenregister erfolgte am</span><br/> <span class="text">23. Januar 1978. Als Haupthinterleger wurde die D. AG eingetragen.</span><br/> <span class="text">Am 31. Januar 1991 bzw. 15. April 1992 wurde die Marke auf A.</span><br/> <span class="text">übertragen. Am 7. Januar 1997 wurde eine Sitzverlegung des Mar-</span><br/> <span class="text">keninhabers A. nachgetragen. Per 2. Juni 2010 wurde neu F. als In-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">253</span> </div> <div class="page" id="S253"> <div role="main"> <span class="text">haber der Marke im Register ausgewiesen. Am 8. Mai 2018 ging die</span><br/> <span class="text">Marke auf die Gesellschaft G. über.</span><br/> <span class="text">Anderseits ergibt sich das Eigentum des Rekurrenten im Zeit-</span><br/> <span class="text">punkt des Verkaufes der Marke C. aus dem Schreiben des Kon-</span><br/> <span class="text">kursamtes Y. vom 25. September 2002. Der Rekurrent habe an der</span><br/> <span class="text">Marke C. sein Eigentum geltend gemacht, was von der Konkurs-</span><br/> <span class="text">verwaltung vorbehältlich der Gläubigerrechte anerkannt worden sei.</span><br/> <span class="text">In der Folge erfolgte keine Admassierung.</span><br/> <span class="text">5.2.</span><br/> <span class="text">5.2.1.</span><br/> <span class="text">Zum Erwerb der Marke C. führte der Rekurrent im Schreiben</span><br/> <span class="text">vom 6. April 2015 an das Gemeindesteueramt X. aus:</span><br/> <span class="text">Nach einem langen Erbstreit konnte ich die D. AG ohne die</span><br/> <span class="text">dazugehörige Marke 'C.' von der Erbengemeinschaft übernehmen.</span><br/> <span class="text">Die D. AG war nicht die Inhaberin der Marke 'C.'. Richtig ist: Inha-</span><br/> <span class="text">ber der Marke war ursprünglich mein Vater und noch zu dessen Leb-</span><br/> <span class="text">zeiten ging die Marke auf mich über.</span><br/> <span class="text">5.2.2.</span><br/> <span class="text">Aus dem Schreiben des Patentanwaltsbüros H. vom 27. März</span><br/> <span class="text">1991 ergibt sich zur Übertragung der Marke C. , dass diese auf die</span><br/> <span class="text">Firma I. in W. übertragen worden sei. Daraus ist zu schliessen, dass</span><br/> <span class="text">es sich ab dem Zeitpunkt dieser Übertragung um Geschäftsvermögen</span><br/> <span class="text">der genannten Firma handelte.</span><br/> <span class="text">5.2.3.</span><br/> <span class="text">Aus dem Schreiben desselben Patentanwaltsbüros vom 18. Mai</span><br/> <span class="text">1992 ist sodann zu schliessen, dass die Marke C. von der Firma I.</span><br/> <span class="text">auf Herrn A. übertragen wurde. Dass damals eine Überführung aus</span><br/> <span class="text">dem Geschäftsvermögen der Einzelunternehmung in das Privatver-</span><br/> <span class="text">mögen stattgefunden haben soll, wurde weder behauptet, noch nach-</span><br/> <span class="text">gewiesen.</span><br/> <span class="text">5.3.</span><br/> <span class="text">5.3.1.</span><br/> <span class="text">Spätestens mit der Übertragung der Markenrechte auf die Ein-</span><br/> <span class="text">zelunternehmung ist die Marke C. dem Geschäftsvermögen (Wid-</span><br/> <span class="text">mung) zuzurechnen. Das gilt selbst dann, wenn sie zuvor bei der</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">254</span> </div> <div class="page" id="S254"> <div role="main"> <span class="text">Übertragung vom Vater auf den Rekurrenten in das Privatvermögen</span><br/> <span class="text">zu überführen gewesen wäre.</span><br/> <span class="text">5.3.2.</span><br/> <span class="text">Gemäss Auszug aus dem Handelsregister des Kantons W. vom</span><br/> <span class="text">6. November 2018 ist die Einzelunternehmung I. erst am 7. Januar</span><br/> <span class="text">1993 erloschen. Die zum Geschäftsvermögen einer Einzelunterneh-</span><br/> <span class="text">mung des Rekurrenten gehörende Marke konnte von diesem dement-</span><br/> <span class="text">sprechend ohne Überführung in das Privatvermögen nur als Ge-</span><br/> <span class="text">schäftsvermögen übernommen werden.</span><br/> <span class="text">5.3.3.</span><br/> <span class="text">Dass die Marke C. noch im Jahr 2006 zum Geschäftsvermö-</span><br/> <span class="text">gen des Rekurrenten gehörte, ergibt sich auch aus dem Urteil des</span><br/> <span class="text">Versicherungsgerichtes des Kantons Aargau vom 19. Mai 2009, in</span><br/> <span class="text">dem bezüglich von Lizenzzahlungen für die Marke C. von AHV-</span><br/> <span class="text">beitragspflichtigem Einkommen ausgegangen wurde.</span><br/> <span class="text">5.3.4.</span><br/> <span class="text">Weiter liess der Rekurrent in der Ruling-Anfrage der M. AG</span><br/> <span class="text">vom 4. November 2011 ausführen, dass er von seinem Vater die Ein-</span><br/> <span class="text">zelfirma I. übernommen habe. In Bezug auf den Verkauf der Marke</span><br/> <span class="text">C. wurde in dieser Anfrage für den Verkauf von einem Liquida-</span><br/> <span class="text">tionsgewinn und von einer selbständigen Erwerbstätigkeit ausgegan-</span><br/> <span class="text">gen.</span><br/> <span class="text">Zwar hat der Rekurrent die Eingabe der M. AG und von mir</span><br/> <span class="text">betreffend Liq. Gewinn Alter 55 zurückgezogen (Schreiben vom</span><br/> <span class="text">4. Januar 2017). Nach einer vor allem im Sozialversicherungsrecht</span><br/> <span class="text">begründeten ständigen Praxis des Bundesgerichts ist gemäss einem</span><br/> <span class="text">allgemeinen Beweisgrundsatz den Aussagen der ersten Stunde im</span><br/> <span class="text">Zweifelsfall grössere Bedeutung beizumessen als späteren abwei-</span><br/> <span class="text">chenden Äusserungen, weil diese letzteren nicht selten durch das an-</span><br/> <span class="text">gestrebte Ergebnis geprägt sind (BGE 121 V 45, 47). Diese Recht-</span><br/> <span class="text">sprechung wendet das aargauische Verwaltungsgericht auch im Steu-</span><br/> <span class="text">errecht an (VGE vom 17. März 2003 (BE.2002.00366); VGE vom</span><br/> <span class="text">17. März 2003 (BE.2002.000589).</span><br/> <span class="text">Dementsprechend ist gestützt auf diese Angaben der ersten</span><br/> <span class="text">Stunde ebenfalls von Geschäftsvermögen auszugehen. Ausdrücklich</span><br/> <span class="text">ist festzustellen, dass der Rekurrent bei dieser Anfrage zweifellos</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">255</span> </div> <div class="page" id="S255"> <div role="main"> <span class="text">fachkundig vertreten war und seine mehrfachen Verweise auf sein</span><br/> <span class="text">fehlendes steuerliches Wissen hier ins Leere stossen.</span><br/> <span class="text">5.4.</span><br/> <span class="text">5.4.1.</span><br/> <span class="text">Da der Rekurrent bis heute nicht geltend gemacht, geschweige</span><br/> <span class="text">denn nachgewiesen hat, dass gegenüber den Steuerbehörden bezüg-</span><br/> <span class="text">lich der Marke C. je eine Überführung aus dem Geschäfts- in das</span><br/> <span class="text">Privatvermögen verlangt wurde, muss beim zu beurteilenden Verkauf</span><br/> <span class="text">der Markenrechte von einem Verkauf von Geschäftsvermögen aus-</span><br/> <span class="text">gegangen werden. Dementsprechend stellt der erzielte Kapitalgewinn</span><br/> <span class="text">Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit im Sinne von § 27</span><br/> <span class="text">Abs. 1 und 2 StG dar.</span><br/> <span class="text">5.4.2.</span><br/> <span class="text">Die Marke war nach den Angaben des Rekurrenten in der Re-</span><br/> <span class="text">plik zwar in vielen Ländern geschützt, jedoch auf Grund der Mar-</span><br/> <span class="text">kenschutzrechte der Gesellschaft J. (Tochtergesellschaft der Gesell-</span><br/> <span class="text">schaft K.) aber nicht verkäuflich und somit wertlos. Werthaltig wur-</span><br/> <span class="text">de die Marke nach den Angaben des Rekurrenten erst, nachdem L.</span><br/> <span class="text">sich im Jahr 2003 für die Marke C. interessierte (E-Mail vom</span><br/> <span class="text">18. Oktober 2003; Replikbeilage).</span><br/> <span class="text">5.4.3.</span><br/> <span class="text">Die Höhe des erzielten Gewinnes und dessen Berechnung sind</span><br/> <span class="text">denn auch nicht nur in den Vorjahren, sondern auch im Jahr 2013 un-</span><br/> <span class="text">bestritten geblieben. Sie geben zu keinen Beanstandungen Anlass.</span><br/> <span class="text">5.5.</span><br/> <span class="text">Insgesamt erweist sich der Rekurs damit als unbegründet und ist</span><br/> <span class="text">abzuweisen.</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>