Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. September 2016 (720 16 123) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Es ist nicht zu beanstanden, dass sich die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die Arbeits- fähigkeit der Beschwerdeführerin auf das Gutachten der C.____ vom 21. Juli 2015 stützte. Was die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 25. April 2016 vorbringt, ist nicht geeignet, die beweisrechtliche Verwertbarkeit des G utachtens in Frage zu stellen. Die Beschwerde wird abgewiesen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber i.V. Robin Eschbach Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Dr. Alex Hediger, Advokat, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ arbeitete zuletzt bei B.____, wo sie als Küchenhilfe, Zimmermädchen, in der Lingerie und als Putzkraft tätig war. Am 13. Mai 2015 meldete sich die Versicherte aufgrund von Beschwerden an der Wirbelsäule bei der IV-Stelle Ba sel-Landschaft (IV-Stelle) zum Bezug von Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Leistungen an. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren und Abklärung der gesundheitli- chen und erwerblichen Verhältnisse lehnte die IV-Stell e mit Verfügung vom 7. März 2016 einen Anspruch auf eine Invalidenrente ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Dr. Alex Hediger, Advokat, am 25. April 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Sie beantragte, es sei ihr in Aufhebung der Verfügung vom 7. März 2016 mit Wir- kung ab 1. Dezember 2015 eine ganze Invalidenrente b asierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auszurichten. Des Weiteren sei ihr für die o/e-Kosten des vorliegenden Ver- fahrens der Kostenerlass mit dem Advokaten Hediger als u nentgeltlicher Rechtsbeistand zu bewilligen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorge bracht, es könne bei der Beurteilung ihrer Arbeitsfähigkeit nicht auf das neurologische Guta chten der C.____ vom 21. Juli 2015 ab- gestellt werden. Sie sei seit November 2014 bis auf wei teres arbeitsunfähig und könne sowohl aus somatischer als auch aus psychiatrischer Sicht keine Erwe rbstätigkeit mehr ausüben. Sie habe deshalb ab Dezember 2015 Anspruch auf Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente. C. Mit Verfügung vom 27. Mai 2016 wurde der Beschwerd eführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokat Hediger als Rechtsbeistand bewilligt und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. D. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 5. Ju li 2016 auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 25. April 2 016 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführer in Anspruch auf eine Rente der In- validenversicherung hat. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der ge sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die Versicherten haben Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid sind. 3.5 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.6 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.7 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Des Weiteren darf und soll das Gericht in Bezug auf Berichte von behandelnden Ä rzten der Erfahrungstatsache Rech- nung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen un d Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). 4. Ausgangspunkt des invalidenversicherungsrechtlichen An spruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer ges undheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Zur Beurteilung des Gesundheitszusta nds der Beschwerdeführerin sind im Wesentlichen die folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 4.1 Im Austrittsbericht des Spitals D.____, Orthopädie, vom 2. Dezember 2014 wurden folgende Diagnosen gestellt: Ein intraforaminaler Bandscheibenvorfall LWK 4/5 links mit radiku- lärem Schmerzsyndrom L4 links, eine Skoliose ohne ossäre Läsionen, eine intraforaminale Dis- kushernie links LWK 4/5 mit Wurzelkompression von L4 links, e ine degenerative Wirbelsäulen- veränderung bei rechtskonvexer Skoliose mit punctum maximum auf Höhe von LWK 4/5, eine Osteochondrose der Bandscheibe L5/S1 mit zirkulärer Prot rusion, bei gleichzeitiger hyper- thropher Spondylarthrose rechtsbetont mit rechtsbetont er Einengung des Neuroforamens L5/S1. Des Weiteren beständen eine arterielle Hyperto nie und ein Status nach Varicectomie links vor 10 Jahren. Die Patientin habe am 2. Dezember 2014 in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden können. Eine Einschätzung der Ar beitsfähigkeit ist dem Bericht nicht zu entnehmen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Im Arztbericht des Spitals D.____ vom 24. Februar 20 15 wurden im Wesentlichen die gleichen Diagnosen gestellt, wie im Austrittsbericht vom 2. Dezember 2014. Vom 26. November 2014 bis 16. Januar 2015 habe eine 100 %-ige Arbeitsu nfähigkeit für die bisher ausgeübte Tä- tigkeit bestanden. Während der Hospitalisation ab dem 26. November 2014 hätten sich die Schmerzen regredient gezeigt, weshalb von einer guten Prognose ausgegangen werden könne. 4.3 Mit Bericht vom 28. Mai 2015 diagnostizierten Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, und pract. med. F.____, interventionel- le Schmerztherapie, grundsätzlich die gleichen Gesundheitsbeeinträchtigung wie im Austrittsbe- richt des Spital D.____ vom 2. Dezember 2014. Die Kraf t der unteren Extremitäten sei seiten- gleich normal (Zehen- und Fersengang sowie Kniebeugen seien beidseitig problemlos möglich). Die Sensibilität des rechten Beins sei normal, links b estehe im Bereich des ventrolateralen OS eine leichte Hypästhesie. Im Bereich des linken Untersche nkels finde sich eine nicht derma- tombezogene diffuse Hypästhesie. Die MER (PSR, ASR, Tibi alis posterior) seien beidseitig normal. Die Beinumfänge der Ober- und Unterschenkel s eien seitengleich normal. Der Quad- rantentest lumbal links und das Lasègue-Zeichen links bei 70° seien positiv, verstärkt durch den Bragard-Test. Des Weiteren bestünden Myogelosen paravertebral im Bereich der LWS. 4.4 Die IV-Stelle stützte sich bei ihrem Entscheid auf da s von der Krankentaggeldversiche- rung G.____ bei der C.____ in Auftrag gegebene neur ologische Gutachten vom 21. Juli 2015. Die Gutachter, Dr. med. H.____, FMH Neurologie, und Prof. Dr. med. I.____, FMH Neurologie, diagnostizierten eine leichtgradige Lumbago (M 54.9) bei Adipositas und einen Opioid- Fehlgebrauch. Im Untersuchungsbefund hätten sich eine erhebliche Adipositas und ein leicht- gradiger paravertebraler Hartspann erheben lassen. Ze ichen einer Nervenwurzelkompression würden nicht vorliegen. Die erhaltenen Kennreflexe (insbesondere für L4) würden eine namhaf- te Spinalnervenwurzelkompression von L3, L4, L5, und S1 sehr unwahrscheinlich machen. Auch würden keine dermatombezogenen sensiblen Ausfälle und keine Paresen der Kennmus- kulatur vorliegen. Auffällig sei eine Diskrepanz zwischen re klamierten Schmerzen und dem nicht schmerzgeplagten klinischen Eindruck sowie eine grobe Diskrepanz zwischen den in den formalen Gangproben demonstrierten Einschränkungen und dem freien und flüssigen Gangbild ausserhalb der formalen Untersuchungssituation. Es bestünden sichere Zeichen einer bewusst- seinsnahen demonstrativen Darbietung von Einschränkung en und Beschwerden. Die angege- bene Sensibilitätsstörung des linken Beines sei weder ra dikulär noch anderweitig biologisch plausibel einzuordnen. Die aktenkundig erwähnte Betonu ng im Bereich des linken ventro- lateralen Oberschenkels könne allenfalls noch für eine sei nerzeitige Irritation des Nervus cuta- neus femoris lateralis links am Leistenband im Rahmen der Adipositas sprechen. Aktuell beste- he dafür kein Anhalt mehr. Die Visusstörung beidseitig sei durch eine adäquate Brillenversor- gung leicht behebbar. Angesichts der hohen Prävalenz asym ptomatischer degenerativer Band- scheibenveränderungen in der allgemeinen Population sei en allfällige derartige Befunde nur im Licht einer gegebenenfalls korrelierenden klinischen Stör ung als krankheitswertig einzuordnen. Auch in den Vorberichten sei jedoch niemals eine auf d as Dermatom und das Myotom von L4 eingrenzbare Störung objektiviert worden, insbesondere sei der Kennreflex für L4 als auslösbar beschrieben worden, was eine namhafte Kompression von L4 sehr unwahrscheinlich mache. Offenkundig sei vorangehend auch keine qualifizierte n eurologische Mitbewertung erfolgt. Die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ableitung spinaler Erkrankungsdiagnosen aus Bildbefunde n ohne schlüssiges klinisches Korre- lat gelte versicherungsmedizinisch als unzureichend. Eine vorbeschriebene „leichte Fussheber- schwäche links“ (November 2014) sei in einer Nachuntersuch ung von Dr. E.____ und pract. med. F.____ vom 28. Mai 2015 nicht reproduziert worden und finde sich auch im aktuellen klini- schen Bericht nicht. Schliesslich sei die aktuelle analgeti sche Medikation kritisch zu hinterfra- gen, zumal diese nach Angaben der Versicherten zu keiner relevanten Besserung geführt habe. Die hier erfolgende, zudem undokumentierte (kein Schm erzkalender) und potenziell suchtindu- zierte Opioid-Dauertherapie sei auch unter Berücksichtig ung des aktuellen klinischen Befundes in ihrer Indikation nicht haltbar. Therapeutisch sinnvol l seien vorrangig eine Gewichtsabnahme, Physiotherapie in Eigenregie und Schwimmen in ansteige nder Intensität. Zusammengefasst bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für T ätigkeiten mit leicht- bis mittelgradiger körperlicher Belastung. Auch die zuletzt ausgeübte Tätigke it sei per sofort als vollumfänglich leistbar anzusehen (Pensum und Rendement 100 %). 4.5 Dr. med. J.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, st ellte in ihrem Bericht vom 26. Juli 2015 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeit sfähigkeit: Ein radikuläres Schmerzsyn- drom L4 links seit November 2014 sowie eine intraforami nale Diskushernie LWK 4/5 links mit Wurzelkompression. Als Küchenhilfe bestehe ab 26. Novembe r 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Die angestammte Tätigkeit werde meist im St ehen verrichtet, was nicht mehr zu- mutbar sei. Sitzen sei gemäss den Angaben der Patienti n noch höchstens eine Stunde am Stück möglich. Die Patientin sei durch die Schmerzen im Beruf und in den Alltagsaktivitäten stark eingeschränkt, wobei das Gehen am Stock Erleichteru ng bringe. Durch die Schmerzen bestehe eine leicht depressive Grundstimmung. Ein Arbeitsv ersuch mit 30 % ab 1. April 2015 sei nach vier Tagen abgebrochen worden. Die Patientin se i auch in der Haushaltsarbeit einge- schränkt, z. B. sei das Staubsaugen nicht möglich. Der Ehem ann müsse etliche Arbeiten über- nehmen. 4.6 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nahm Dr. med. K._ ___, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Re gionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, mit Bericht vom 13. Juni 2016 Stellung zu r Beschwerde vom 25. April 2016. Die neurologischen Gutachter Dr. H.____ und Prof. I.____ h ätten die Versicherte in ihrem Gutach- ten vom 21. Juli 2015 ausführlich untersucht und die fu nktionellen Auswirkungen der letztlich objektivierbaren Befunde abschliessend beurteilt. Dabei sei eine grobe Diskrepanz zwischen den in formalen Gangproben demonstrierten Einschränkun gen und dem freien und flüssigen Gangbild ausserhalb der Untersuchungssituation genannt worden, was als sicheres Zeichen einer bewusstseinsnahen demonstrativen Darbietung von Ei nschränkungen und Beschwerden gewertet worden sei. Die Indikation einer weiterführ enden orthopädischen oder gar polydiszipli- nären Zusatzbegutachtung ergebe sich aus RAD-orthopädisch er Sicht nicht, die im neurologi- schen Fachgutachten erhobenen medizinischen Daten seien au ch bezüglich Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf orthopädischem Fachgebiet als hi nlänglich und plausibel einzustufen. Eine Tätigkeit mit leichter bis mittelgradiger körperliche r Belastung sei der Versicherten bei genauer Betrachtung der detaillierten medizinischen Befunde au ch aus RAD-orthopädischer Sicht zu- mutbar. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit könne in diese m Sinne als angepasst eingestuft wer- den. Die neurologischen Gutachter würden neben dem ze ntral relevanten neurologischen Sta- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tus auch aussagefähige Eckdaten des Psychostatus der Versich erten erheben. Diagnostische Kriterien einer krankheitswertigen psychiatrischen Störung seien dabei nicht festgestellt worden. Eine depressive Grundstimmung sei nicht festgestellt worden und die aktuellen Angaben zur zwischenzeitlichen psychiatrischen Behandlung würden bezüglich Diagnosen und dem Resultat nach Leitlinien gerechter psychiatrischer Behandlung ohn e aussagefähige medizinischen Be- funde im Raum stehen. Zum Zeitpunkt der neurologischen Behandlung seien keine diagnosti- schen Kriterien einer psychiatrisch relevanten Erkrankung erfüllt und bis dato auch nicht aus- gewiesen oder überwiegend wahrscheinlich zu erwarten. D ie bezeichnete schmerzbedingte depressive Grundstimmung, wie sie Dr. J.____ aufgeführt h abe, sei ausdrücklich als leicht be- zeichnet worden und hätte im neurologischen Gutachten zeitnah nicht bestätigt werden können. Gegebenenfalls könne sie bis auf weiteres als behandelbar und die Arbeitsfähigkeit als nicht dauerhaft limitierend eingestuft werden. Auch Hinwei se auf eine speziell krankheitswertige Schmerzstörung ergäben sich im Gutachten nicht, jedoch liessen sich die Beschwerden bei gutachterlich kritischer Reflexion der Beschwerden als Zeic hen einer bewusstseinsnahen, de- monstrativen Darbietung von Einschränkungen und Beschwer den einordnen. Das Gutachten sei verwertbar, woran nichts ändere, dass es im Auftrag d er Taggeldversicherung erstellt wor- den sei. 5. Die IV-Stelle ging gestützt auf das Gutachten der C .____ vom 21. Juli 2015 davon aus, dass der Beschwerdeführerin in ihrer angestammten sowie jeglicher ihrer Neigungen und Fä- higkeiten entsprechenden Tätigkeit eine Arbeitstätigke it von 100 % zumutbar sei. Es bestehe somit vor Ablauf der Wartezeit am 24. November 2015 wieder eine vollständige Erwerbsfähig- keit, weshalb in der Folge das Leistungsbegehren abgew iesen wurde. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist – wie nachfolgend aufgezeigt wird – nicht zu beanstanden. Wie oben aus- geführt (vgl. E. 3.7 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut- achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgru nd eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutachten der C.____ vom 21. Juli 2015 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.6 hiervor) – für die streitigen Belange u mfassend, es beruht auf allseitigen Untersu- chungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abge- geben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizi nischen Zusammenhänge bzw. der Be- urteilung der aktuellen medizinischen Situation ein, e s setzt sich mit den vorhandenen abwei- chenden ärztlichen Einschätzungen auseinander und es verma g in den Schlussfolgerungen zu überzeugen. 6. Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht gee ignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens der C.____ vom 21. Juli 2015 in Frage zu stellen, weshalb darauf abzustellen ist. 6.1 Wenn die Beschwerdeführerin vorbringt, der Gutachte r Prof. I.____ sei ein Vertrauens- arzt der G.____ Krankentaggeldversicherung, womit das G utachten nicht als unabhängig und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht fachlich neutral qualifiziert werden könne, ist ihr nich t zu folgen. Es ist festzustellen, dass Prof. I.____ kein Vertrauensarzt der G.____ ist, sonder n ein Arzt der C.____, wobei es sich um eine vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) anerk annte Gutachterstelle handelt. An der Unabhängigkeit der Gutachterstelle besteht demnach kein Zweifel. 6.2 Sofern die Beschwerdeführerin geltend macht, das G utachten könne nicht als schlüs- sig bezeichnet werden, da es unverständlich sei, dass Prof. I.____ im Gegensatz zu den Ärzten im Spital D.____ sowie im Spital L.____ das Vorliege n einer Diskushernie mit Wurzelkompres- sion, einer degenerativen Wirbelsäulenveränderung bei rechtskonvexer Skoliose sowie einer Osteochondrose mit zirkulärer Diskusprotrusion bestreite, ist ihr ebenso nicht zu folgen. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt, bestreiten die G utachter das Vorliegen der vorstehen- den Befunde nicht, sondern beschreiben diese als asymptom atische degenerative Bandschei- benveränderungen. Es ist festzustellen, dass alleine die abweichende medizinische Einschät- zung der Gutachter die Beweiskraft des Gutachtens nicht in Frage zu stellen vermag. 6.3 Soweit die Beschwerdeführerin rügt, die Beschwerde gegnerin hätte es nicht dabei be- wenden lassen dürfen, ein neurologisches Gutachten einzu holen, sondern hätte auch eine or- thopädische Abklärung vornehmen müssen, ist ihr nicht zu fo lgen. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die Neurologie sich mit der Behandlu ng und Beurteilung von Erkrankun- gen des Nervensystems und der Muskulatur befasst und in Bezug auf die geklagten Beschwer- den eine Überschneidung mit dem orthopädischen Fachbere ich aufweist (vgl. P SCHYREMBEL , Klinisches Wörterbuch, Berlin 2007, 261. Auflage, S. 13 36). Insbesondere ist eine neurologi- sche Beurteilung in Bezug auf die radikuläre Schmerzsympto matik der Versicherten sinnvoller als eine Orthopädische. Wie Dr. K.____ in seinem Bericht vom 13. Juni 2016 ausführte, sind die im neurologischen Fachgutachten erhobenen medizinischen Daten auch bezüglich Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in orthopädischer Hinsicht als hin länglich und plausibel einzustufen. Des Weiteren ist zu beachten, dass Dr. J.____ als Ärztin mit Sp ezialisierung im Fachbereich Allge- meine Innere Medizin keine neurologische oder orthopädi sche Fachausbildung hat, weshalb ihre Beurteilung nicht geeignet ist, die Beweiskraft der im Gutachten vorgenommenen Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit in Frage zu stellen. Zu berü cksichtigen ist insbesondere auch, dass der ausgewählte Gutachter verpflichtet ist, den erteilten Auftrag zurückzugeben, falls er der An- sicht sein sollte, die ausgewählte Disziplin sei nicht zutreffend (vgl. BGE 139 V 352 E. 3.3). Es ist demnach keine zusätzliche orthopädische Abklärung vorzunehmen. 6.4 Schliesslich ändert auch das Vorbringen der Beschwerde führerin an der Beweiskraft des Gutachtens nichts, dass sie neben somatischen Beschwerden auch an massiven psychi- schen Problemen leide, welche bislang nicht berücksichtigt worden seien. Sie führt dazu im Wesentlichen aus, die behandelnde Ärztin, Dr. J.____, weise in ihrem Arztbericht auf eine de- pressive Grundstimmung hin und die Versicherte sei zwischenzei tlich auch in psychiatrischer Behandlung. Ihre Arbeit sowie die ständig an Intensit ät zunehmenden Schmerzen würden auch zu einer Verstärkung des psychischen Grundleidens führen. Es ist festzustellen, dass Dr. J.____ lediglich eine leicht depressive Grundstimmung erkennt und keine psychiatrische Diagnose stellt, welche eine andauernde Arbeitsunfähig keit zur Folge hätte. In diesem Zusam- menhang ist zunächst auf die Erfahrungstatsache hinzuwei sen, dass behandelnde Ärzte mitun- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensste llung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. E 3.7 hiervor). Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass es sich bei Dr. J.____ um eine Ärztin mit Spezialisierung im Fa chbereich Allgemeine Innere Medizin handelt und nicht um eine Psychiaterin. Insgesamt ist ihre Beurteilung deshalb nicht geeignet, die Beweiskraft der im Gutachten vorgenommenen Einschätzu ng der Arbeitsfähigkeit in Frage zu stellen. 7. Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass sich die Be schwerdegegnerin in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführeri n auf das Gutachten der C.____ vom 21. Juli 2015 stützte. Was die Beschwerdeführerin in ih rer Beschwerde vom 25. April 2016 vor- bringt, ist nicht geeignet, die beweisrechtliche Verwer tbarkeit des Gutachtens in Frage zu stel- len. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin ist somit nicht zu beanstanden. Die gegen die Ver- fügung vom 7. März 2016 erhobene Beschwerde erweist sich unter diesen Umständen als un- begründet, weshalb sie abzuweisen ist. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr aufzuerlegen sind. Da ihr mit Verfügung vom 27. Mai 2016 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde , gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 8.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin ebenfalls mit Verfügung vom 27. Mai 2016 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wurde, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwer deführerin hat in seiner Honorarnote vom 14. Juli 2016 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 9.34 Stunden und Aus- lagen von Fr. 242.50 geltend gemacht. Der vorliegen d geltend gemachte Aufwand für das Be- schwerdeverfahren erweist sich als angemessen, weshalb eine – auf den Ansatz von Fr. 200.-- reduzierte – Entschädigung von Fr. 2‘279.35 (9.34 Stun den à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 242.50 und 8% Mehrwertsteuer) gerechtfertigt ist. Dem Rechtsvertreter der Beschwer- deführerin wird deshalb ein Honorar in dieser Höhe aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 8.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2‘279.35 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht