Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. Februar 2021 (720 20 316 / 49) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Jan Herrmann, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1978 geborene A.____ arbeitete vom 1. Janua r bis 31. Mai 2001 bei der B.____ AG in X.____ als ungelernter Bauarbeiter. Am 26. August 2002 meldete er sich unter Hinweis auf Rückenbeschwerden bei der IV-Stelle des Kantons Basel-Lan dschaft (IV-Stelle) zum Leis- tungsbezug an, wobei er um Umschulung auf eine neue Tä tigkeit ersuchte. Nach Durchführung der erforderlichen Abklärungen übernahm die Eidgenössisch e Invalidenversicherung (IV) die Kosten für den Besuch der AKAD, an welcher A.____ am 2 8. Januar 2005 das Bürofachdiplom VSH und am 7. Juli 2005 das Handelsdiplom VSH erlang te. Am 28. Juni 2007 schloss er seine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausbildung zum EFZ Kaufmann ab. In der Folge beende te die IV-Stelle die beruflichen Mass- nahmen (Verfügung vom 24. September 2007). A.2 Ab dem 1. Januar 2013 war A.____ in seiner eigene n Firma, der C.____ GmbH, als Versicherungsberater tätig. Am 30. April 2017 wurde e r von einem Auto angefahren, wobei er sich am rechten Fuss verletzte. In der Folge entwickelten sich psychische Beschwerden. Die obligatorische Unfallversicherung erbrachte in der Folg e die gesetzlichen Leistungen (Tag- geld/Heilbehandlung). Mit Verfügung vom 27. Oktober 2017 ging sie davon aus, dass die Ver- letzungen abgeheilt und dem Versicherten die bisherige Tätigkeit als Kundenberater in der Ver- sicherungsbranche wieder zumutbar seien, worauf sie die Heilungskosten und Taggeldleistun- gen rückwirkend per 14. Mai 2017 einstellte. Daran hiel t sie auf Einsprache der zuständigen Krankenversicherung hin fest (Einspracheentscheid vom 1 7. Juli 2018). Dieser Entscheid er- wuchs in Rechtskraft. A.3 Am 24. Oktober 2017 meldete sich A.____ unter Hi nweis auf unfallbedingte Fussbe- schwerden und Schmerzen erneut bei der IV zum Leistungsbe zug an. Nach Abklärung der er- werblichen und medizinischen Verhältnisse, namentlich nac h Einholung der Unfallakten und eines bidisziplinären Gutachtens bei Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 20. Juni 2019, sowie nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (Verfügung vom 3. Juli 2020). Begründend hielt sie fest, dass keine langandauernde Ar- beitsunfähigkeit bestehe und dem Versicherten die bisherige Tätigkeit als selbstständiger Versi- cherungsberater uneingeschränkt zumutbar sei. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten du rch Rechtsanwalt Jan Herrmann, am 2. September 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Besch werde sei die Verfügung vom 3. Juli 2020 aufzuheben und es sei ihm spätestens ab Mai 2018 eine ganze bzw. eine halbe Invaliden- rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindest ens 70 % bzw. mindestens 50 % zuzu- sprechen. Eventualiter sei ein rheumatologisch-psychiatrische s Gerichtsgutachten einzuholen und hernach erneut über seinen Leistungsanspruch zu en tscheiden; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass der a ngefochtene Entscheid auf unzureichen- den medizinischen Unterlagen beruhe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 9. Oktober 2020 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen eine Beurteilung von Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 29. September 2020 bei. D. Am 14. Oktober 2020 holte das Kantonsgericht bei d er Unfallversicherung die Akten des Versicherten ein. E. Am 17. November 2020 liess sich der Versicherte erneu t vernehmen. Die IV-Stelle ver- zichtete am 23. November 2020 auf eine Stellungnahme. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel -Landschaft, so dass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen i st. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 2. September 2020 ist demnach einzutreten. 2. Streitig ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführer s. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Ver fügung vom 3. Juli 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitli che Grenze der richterlichen Überprü- fungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten od er verbessern können (lit. a), wäh- rend eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschni ttlich mindestens 40 % arbeitsun- fähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Te il des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) gewesen (lit. b) und nac h Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von min destens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Drei viertelrente und bei einem Invalidi- tätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art . 28 Abs. 2 IVG). Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sin ne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychi- sche Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi- tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung d er Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhän- gig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem wei tgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zum utbar ist, eine Arbeitsleistung zu er- bringen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfah ren nach BGE 141 V 281 zu un- terziehen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztliche n Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbei tsunfähigkeit schliessen lassen (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (vgl. BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). Gemäss diesen Richtlinien ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spe zialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinwei- sen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten und Ärztinnen darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese im Hi nblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des bzw. der therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes bzw. Ärztin einerseits und von Begutachtungsauf- trag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten u nd Expertinnen anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2 001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu st ellen und zum Anlass weiterer Abklä- rungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte bzw. Ärzt innen zu anderslautenden Ein- schätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in de nen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benenn en, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Berichte wiedergegeben werden, welche für den Entscheid zentral sind. 6.2 Die Unfallversicherung liess den Versicherten durch ih ren Vertrauensarzt Dr. med. G.____, FMH Chirurgie, untersuchen. Am 23. Oktober 2 017 diagnostizierte er mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein am 30. April 2017 erli ttenes Trauma am rechten Fuss mit leichter Prellung der Ferse und einem Verdacht auf eine Reizung der Peronealsehnen. Ohne Relevanz Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die Arbeitsfähigkeit bestünde der Verdacht auf eine Lumboischialgie. Das zeitnah zum Un- fall angefertigte MRI habe keine unfallbedingten Schä digungen am rechten Fuss gezeigt. An- lässlich der Untersuchung habe der Versicherte vom rechten A ussenknöchel bis in die rechte Hüfte ausstrahlende Schmerzen angegeben. Der rechte Fu ss sei weitgehend unauffällig und der Schmerzpunkt im Bereich des Aussenknöchels nicht repro duzierbar. Der Versicherte sei seit dem 14. Mai 2017 uneingeschränkt arbeits- und leistungsfähig. 6.3 Am 15. Januar 2018 diagnostizierte der behandelnde Arzt Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eine seit November 2017 bestehende mittelgradige de- pressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10), jedoch mit ausgeprägten Angstzuständen. Der Versichere sei bewusstseinsklar und allse its orientiert. Im Affekt wirke er deprimiert und der Antrieb sei vermindert. Es bestünde n Ängste, Appetit- und Schlaflosigkeit, Vergesslichkeit und eine soziale Isolation. Zudem habe er Konzentrationsprobleme. Der Versi- cherte sei innerlich blockiert und berichte über latente Suizidgedanken. Formale oder inhaltliche Denkstörungen oder ein psychotisches Geschehen seien aber ni cht feststellbar. Die Therapie- gespräche würden wöchentlich durchgeführt und der Versic herte nehme ein Antidepressivum und Beruhigungsmittel ein. Zurzeit bestünde eine vollstä ndige Arbeitsunfähigkeit. Mit einer Ver- besserung des Gesundheitszustands sei zu rechnen. 6.4 Die Unfallversicherung veranlasste bei der GUTSO, In terdisziplinäre medizinische Be- gutachtungen GmbH (GUTSO) eine psychiatrische Plausibilit ätsabklärung. Am 28. April 2018 diagnostizierte Prof. Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eine Angst und de- pressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2) bei eventuelle r narzisstischer Persönlichkeit. In der Exploration sei die Aufmerksamkeit teilweise beeinträch tigt und das Denken leicht- bis mittel- gradig verlangsamt, jedoch klar und geordnet. Teilweise bestünde der Eindruck einer gewissen Denkhemmung, wobei das Denken eindeutig auf das Them a Gesundheit eingeengt sei. Zudem sei ein Grübeln festzustellen. Der Versicherte wirke mitt elstark deprimiert, offensichtlich hoff- nungslos, aber auch ratlos und gefühlsverarmt. Aufgrund d er Schilderungen müsse eine Stö- rung der Vitalgefühle angenommen werden. Es bestünde offensichtlich eine Ängstlichkeit und der Versicherte sei innerlich deutlich angespannt. Es fa lle ihm schwer, Entscheidungen zu tref- fen. Teilweise würden Schuldgefühle angedeutet. Die affektive Modulation sei relevant vermin- dert und es bestünde teilweise eine Affektintoleranz o hne Hinweise auf eine Affektlabilität. Im Antrieb wirke der Versicherte deutlich reduziert. Die P sychomotorik sei mässig beeinträchtigt. Der angegebene soziale Rückzug wirke authentisch. Aufgrun d der Akten, der Angaben des behandelnden Psychiaters Dr. H.____ und der Feststellung en in der Untersuchung bestünde seit längerer Zeit eine ängstlich-depressive Entwicklung in mindestens mittelstarker Ausprä- gung. Ob eine Persönlichkeitsstörung oder zumindest akzent uierte Persönlichkeitszüge zu be- jahen seien, lasse sich nicht beurteilen. Es sei von ein er relevanten Beeinträchtigung der Ar- beitsfähigkeit auszugehen. Mit einer angemessenen Beha ndlung könne eine vergleichsweise rasche Besserung und Stabilisierung des psychischen Gesundheit szustands erreicht werden. Die bisherige Therapie erscheine unzureichend, wofür a ber in erster Linie die mangelnde The- rapieadhärenz des Versicherten verantwortlich sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Am 9. Juli 2018 stellte Dr. H.____ fest, dass sich d ie depressive Symptomatik trotz anti- depressiver Medikation chronifiziert habe. Für ein stationäres oder teilstationäres Behandlungs- setting sei der Versicherte nicht motiviert. Dafür bestün de aber auch keine eindeutige medizini- sche Indikation. Ab dem 1. August 2018 betrage die Arb eitsunfähigkeit 80 %, ab dem 1. Okto- ber 2018 sei mit einer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % zu rechnen. 6.6 Die IV-Stelle beauftragte die Dres. D.____ und E .____ mit einem bidisziplinären Gutach- ten, welches am 20. Juni 2019 erstattet wurde. Darin wurde keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine ängstlich-depressive Störung (ICD-10 F41.2), eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54), ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom rechts, ein St atus nach lateraler rechtsseitiger Fersenprellung, ein initial myofasziales Syndrom, eine ra diomorphologisch lumbosakrale Über- gangsanomalie und wahrscheinlich ein Knocheninfarkt mi t zentraler zystischer Knochenläsion im rechten Darmbein. Aufgrund der aktuellen Bildgebung mit MRI der Lendenwirbelsäule (LWS) könne eine intermittierende belastungsabhängige Clau dicatio radicularis rechtsseitig mit Re- zessuseinengung L4/5 bei degenerativem Wirbelgleiten L4 /5 diskutiert werden. Sensomotori- sche Ausfälle würden aber nicht bestehen. Es hätten sich deutliche Diskrepanzen zwischen den subjektiven Angaben und den objektiven Befunden gezeigt. Namentlich sei es schwierig, die in Ruhe bestehenden Schmerzen der rechtsseitigen Ischialgie zu erklären. Aus somatischer Sicht sei von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in der bish erigen Tätigkeit als selbstständiger Versi- cherungsberater auszugehen. In psychiatrischer Hinsicht wurde festgehalten, dass der Versi- cherte über unfallbedingte körperliche Beschwerden klag e, wobei die Schilderung etwas diffus sei. Er berichte von Ängsten, vor allem vor dem Allein sein, und von innerer Unsicherheit. Die Stimmung sei etwas herabgesetzt, aber nicht depressiv. D er Versicherte mache einen gefass- ten Eindruck, berichte ausführlich und differenziert üb er seinen Alltag und seine Beschwerden. Konzentrationsstörungen oder -schwächen seien nicht festste llbar. Er sei wach, bewusstseins- klar, gut orientiert, drücke sich differenziert aus und h abe auf die gestellten Fragen gut einge- hen können. Zudem seien die Merkfähigkeit und die Ged ächtnisleistungen intakt. Das Denken sei nicht eingeengt und der Versicherte zeige weder ein Gedankenabreissen noch Neologismen noch eine Gedankenleere. Hinweise auf überwertige Ide en seien nicht erkennbar. Wahnhaftes Denken oder Wahnvorstellungen seien ebenfalls nicht vor handen. Zudem gäbe es keine An- haltspunkte für illusionäre Verkennungen oder Halluzinationen. Der Versicherte habe einen kla- ren und guten Bezug zur Realität und zu seiner Person. Er könne sich gegenüber seiner Um- gebung klar abgrenzen. Zwangsgedanken oder -handlungen seien nicht vorhanden. Hinweise auf Veränderungen der Stimmung oder des Antriebs im Laufe des Tages würden sich nicht er- geben. Seine Angaben, wonach er Gesellschaft suche, um s einen Ängsten vor dem Alleinsein begegnen zu können, und sich bei humoristischen Sendungen entspannen könne und fröhlich sei, seien keinesfalls typisch für eine Depression. Auch sp reche der Umstand, dass – wie der Versicherte berichte – die Behandlung mit Antidepressiva zu massiven Nebenwirkungen führe, gegen eine mittelgradige oder schwere Depression. Zudem sei nicht nachvollziehbar, dass er über schwerste Konzentrationsstörungen klage, gleichzeitig aber in der Lage sei, Auto und noch bis vor kurzem Motorrad zu fahren. Anlässlich der Untersuch ung hätten keine Konzentrations- störungen und kein verminderter Antrieb festgestellt w erden können. Der Versicherte sei auch nicht durch ausgeprägte Ängste beeinträchtigt. Er tref fe sich zwei- bis dreimal pro Woche mit Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kollegen, unternehme regelmässig Spaziergänge, sei mit dem Fahrrad oder dem Auto unter- wegs, erledigte Einkäufe und pflege rege soziale Konta kte. Eine eigenständige Angsterkran- kung oder eine eigenständige depressive Erkrankung könnt en nicht diagnostiziert werden. Vielmehr handle es sich um eine leichtgradig ausgeprägt e ängstlich-depressive Störung, die den Versicherten im Alltag kaum einschränke und die Arb eitsfähigkeit nicht beeinträchtige. Ent- gegen der Auffassung des behandelnden Arztes Dr. H.____ liege keine mittelgradige depressi- ve Episode vor. So sei die Stimmung des Versicherten ni cht depressiv, sondern lediglich leicht- gradig herabgesetzt. Er sei auch nicht traurig und der Antrieb sei nicht vermindert. Vielmehr gestalte der Versicherte seinen Tag aktiv und die geklagt e Schlafstörung sei mit einem schlaf- anstossenden Antidepressivum behandelbar. Eine soziale I solation bestünde ebenfalls nicht, weshalb insgesamt nicht von einer depressiven Störung auszugehen sei. Auch Prof. Dr. I.____ habe eine ängstlich-depressive Störung festgestellt. Bei dieser Störung würden die Symptome nicht ausreichen, um eine Angst- oder eine depressive Stö rung diagnostizieren zu können. Es handle sich vielmehr um ein sehr leichtgradiges psychiatr isches Zustandsbild. Es sei davon auszugehen, dass der Versicherte nach dem Unfall 30. A pril 2017 zu keiner Zeit eine mittelgra- dige oder schwere Depression aufgewiesen habe. Aus psychia trischer Sicht sei die Arbeitsfä- higkeit nicht eingeschränkt. Dies gelte auch in gesamtmedizinischer Hinsicht. 6.7 Am 13. November 2019 nahm Dr. H.____ Stellung zum Gutachten von Dr. G.____. Er hielt daran fest, dass die Kriterien für eine mittelgr adige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10) erfüllt seien. Ab April 2019 habe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden können. Eine depressive Episode sei auch von Prof. Dr. I.____ beschrieben worden. Es sei Teil der ressourcenorientierten Behandlung, dass der Versicherte zu Alltagsaktivitäten er- muntert werde, um von den depressiven Symptomen wegzukom men. Die Feststellung des Gutachters, wonach die beim Versicherten aufgetretenen Nebenwirkungen infolge der medika- mentösen Behandlung gegen eine mittelgradige oder schw ere Depression sprächen, sei wis- senschaftlich nicht belegt. Der Gutachter habe versucht, den Versicherten so gesund als mög- lich darzustellen. Demgegenüber sei den Beurteilungen des behandelnden Psychiaters über- haupt kein Gewicht beigemessen worden. 7.1 Wie oben (vgl. E. 4.4 hiervor) dargelegt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Das Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vom 20. Juni 2019 erfüllt sowohl in formeller Hinsicht als auch inhaltlich die bundesge- richtlichen Anforderungen an eine beweiskräftige medizin ische Entscheidungsgrundlage. Die Gutachter hatten Kenntnis von sämtlichen medizinischen Vo rakten, sie setzten sich in ange- messener Weise mit den geäusserten Beschwerden auseinander und begründeten die Schluss- folgerungen in nachvollziehbarer Weise. In inhaltlicher Hinsicht vermag zu überzeugen und ist zu Recht unbestritten, dass der Beschwerdeführer in somatischer Hinsicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufweist. Auch die psychiatrische Beu rteilung ist nachvollziehbar. Es wird deutlich, dass beim Versicherten weder die Kriterien ein er mittelgradigen depressiven Episode Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht (ICD-10 F32.10) erfüllt noch ausgeprägte Angstzuständ e vorhanden sind und die leichtgradig ausgeprägte ängstlich-depressive Störung im Sinne von ICD -10 F41.2 seine Leistungsfähigkeit kaum beeinträchtigt. Insgesamt bestehen keine Anhaltspunkte, dass die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung als wichtigste Grund- lage gutachtlicher Feststellungen und Schlussfolgerungen nicht lege artis erfolgt wäre (vgl. Ur- teil des Bundesgerichts vom 4. August 2016, 9C_410/201 6, E. 2.2.1 mit Hinweis, in: SVR 2016 IV Nr. 53 S. 178). Zwar weist das psychiatrische Teilgu tachten gewisse Schwächen auf. Na- mentlich ist die Erfassung und Diskussion der Standardindi katoren eher knapp ausgefallen. Diese Unzulänglichkeiten vermögen aber letztlich am Bew eiswert des Gutachtens nichts zu ändern, weshalb darauf abgestellt werden kann. 7.2.1 Daran vermögen die Vorbringen in der Beschwerde nichts zu ändern. Der Beschwerde- führer macht geltend, Dr. E.____ sei angesichts seines bekannten hohen Auftragsvolumens für IV-Stellen wirtschaftlich von der IV abhängig. Daher sei es angezeigt, sein Gutachten – wolle man nicht von vornherein eine Befangenheit annehmen – anhand der Grundsätze zu den Be- richten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen zu w ürdigen, wonach bereits gerin- ge Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der g utachterlichen Feststellungen genü- gen, um einem Bericht den Beweiswert abzusprechen und ergänzende Abklärungen vorzu- nehmen. Zudem beantragte er, die IV-Stelle sei anzu weisen, die an Dr. E.____ im Jahr 2019 vergebenen Aufträge bzw. das entsprechende Honorarvolumen offenzulegen. 7.2.2 Hierzu ist festzuhalten, dass gemäss bundesgerichtl icher Rechtsprechung aus dem Um- fang einer Begutachtungstätigkeit für sich allein noch keine Befangenheit des Experten oder der Expertin abgeleitet werden kann (vgl. Urteil des Bundes gerichts vom 25. Oktober 2016, 8C_354/2016, E. 5.2 mit Hinweisen). Deshalb besteht auch kein Anlass zu weiteren Abklärun- gen betreffend das von Dr. E.____ im Jahr 2019 durch IV-Aufträge erzielte Auftrags- bez. Hono- rarvolumen. Zwar können strengere Anforderungen an die Beweiswürdigung gestellt werden, falls eine Gutachterperson ihr Einkommen weitgehend d urch Gutachtensaufträge der IV erzielt und insoweit eine wirtschaftliche Abhängigkeit besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2016, 8C_354/2016, E. 5.3). Ob diese strengeren Anforderungen an die Beweis- würdigung hier zum Zug kommen sollen, kann aber offen gelassen werden, da die vom Be- schwerdeführer ins Feld geführten Rügen und Arztberichte der involvierten Fachärzte an der Beurteilung von Dr. E.____ keine auch nur geringen Z weifel zu begründen vermögen, wie sich nachstehend ergibt. 7.3 Der Beschwerdeführer rügt, es sei irritierend, da ss Dr. E.____ das Vorliegen einer mit- telgradigen oder schweren depressiven Störung und damit einhergehend eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit auch retrospektiv kategorisch ausschl iesse. Seine Beurteilung stünde in einem unauflösbaren Widerspruch zu denjenigen der Dre s. H.____ und I.____, welche beide von erheblichen psychischen Beeinträchtigungen und zuminde st bis Juni 2018 von einer voll- umfänglichen Arbeitsunfähigkeit ausgehen würden. Dem ist zunächst entgegenzuhalten, dass Prof. Dr. I.____ beim Beschwerdeführer keine schwerwieg ende psychische Erkrankung fest- stellte. Vielmehr ordnete er die Befunde der Diagnos e "Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)" zu, was diagnostisch mit der Beurteilung von Dr. E.____ übereinstimmt. Zudem Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht beinhaltet der Bericht von Prof. Dr. I.____ vom 28. A pril 2018 keine nachvollziehbare und indi- katorengestützte Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, w eshalb er schon aus diesem Grund keine verlässliche Entscheidgrundlage bildet. Seine Hinweise, w onach mit einer angemessenen Be- handlung eine vergleichsweise rasche Besserung und Stabilisierung des psychischen Zustands erreicht werden könne und die mangelnde Therapieadhär enz des Versicherten fachärztlich nicht nachvollziehbar sei, sprechen gegen eine schwere psych ische Erkrankung. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers begründete Dr. E.____ die diagnostische Zuordnung und legte unter Hinweis auf das hohe Aktivitätsniveau, die persönlichen Ressourcen des Beschwer- deführers und die vorhandenen Inkonsistenzen nachvollzieh bar dar, weshalb auch retrospektiv – anders als von Prof. Dr. I.____ postuliert – nicht von einer relevanten Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit auszugehen ist. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers setzte sich Dr. E.____ auch hinreichend mit den für die Beurteil ung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Gesundheitsschäden zu beachtenden Standardindikatoren ause inander, wobei er zum über- zeugenden Schluss kam, dass der Beschwerdeführer aufgrun d der leichtgradig ausgeprägten depressiven Verstimmungen, der Ängste und der Schmerzen im Alltag kaum eingeschränkt sei. Die im Gutachten beschriebenen erheblichen persönlichen und sozialen Ressourcen vermag der Beschwerdeführer nicht substantiiert in Frage zu st ellen. Bei dieser Sachlage kann auf eine detaillierte Gegenüberstellung von privaten und beruf lichen Aktivitäten bzw. Leistungsmöglich- keiten und -einschränkungen verzichtet werden. Insgesamt g ibt die Beurteilung von Dr. E.____ ein schlüssiges Bild zum Gesundheitszustand des Beschwerdef ührers und der daraus resultie- renden Leistungsfähigkeit. Sie steht auch im Einklang mit der Rechtsprechung, wonach die Di- agnose "Angst und depressive Störung, gemischt" gemäss I CD-10 F41.2 ganz allgemein im Grenzbereich dessen zu situieren ist, was überhaupt noch als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und potentiell invalidisierendes Leiden gelten k ann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juli 2011, 8C_437/2011, E. 3.2.3 mit Hinweis). 7.4 Soweit sich der Beschwerdeführer auf die abweichend e Beurteilung des behandelnden Arztes Dr. H.____ beruft, ist zunächst in Erinnerung zu rufen, dass es die unterschiedliche Na- tur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutach- tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4) nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgut achten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapie- kräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Weite r ist zu beachten, dass eine Explo- ration von der Natur der Sache her nicht ermessensfre i erfolgen kann. Sie eröffnet den Gutach- tern praktisch immer einen Spielraum für verschiedene m edizinische Interpretationen, was zu- lässig und zu respektieren ist, sofern die Gutachter – wi e hier – lege artis vorgegangen sind. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweich ende Beurteilung aufdrängt, weil die be- handelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte wichtige – u nd nicht rein subjektiver Interpretati- on entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begut achtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2019, 8C_835/2018, E. 3 mit Hin- weis). Der Beschwerdeführer legt nicht substanziiert dar und es ist auch nicht ersichtlich, dass aus dem Bericht des behandelnden Arztes Dr. H.____ vom 9. September 2019 Gesichtspunkte hervorgingen, die vom psychiatrischen Gutachter nicht berücksichtigt worden wären. Die Tatsa- che, dass Dr. E.____ die erhobenen Befunde diagnostisch anders einordnete als Dr. H.____, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht der eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1 0) diagnostizierte, schmälert den Be- weiswert des Gutachtens nicht. Dies umso weniger, als sich Dr. E.____ mit der abweichenden Diagnose des behandelnden Psychiaters auseinandersetzte. Er legte plausibel dar, weshalb seiner Auffassung nach die Kriterien für eine mittelg radige depressive Störung nicht erfüllt sei- en. Dies tat er unter Verweis auf die klinisch-diagnosti schen Leitlinien der ICD-10. Eine offen- sichtlich unrichtige Sachverhaltsfeststellung bezüglich der diagnostischen Zuordnung ist nicht ersichtlich. 8. Insgesamt ergibt sich aus den Akten nichts, was geeignet wäre, den Beweiswert des Gutachtens der Dres. D.____ und E.____ vom 20. Juni 201 9 in Zweifel zu ziehen, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2 a mit zahlreichen Hinweisen) auf die beantragte zusätzliche Abklärung verzichtet und davon au sgegangen werden kann, dass der Beschwerdeführer kein invalidisierendes Leiden aufweist. Die angefochtene Verfügung vom 3. Juli 2020 ist im Ergebnis nicht zu beanstanden und die Beschwerde deshalb abzuweisen. 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Bei die diesem Ausgang des Verfah- rens wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht