Obergericht des Kantons Zürich Verwaltungskommission Geschäfts-Nr. VB190010-O/U Mitwirkend: Obergerichtspräsident lic. iur. M. Burger, Vizepräsident lic. iur. M. Langmeier, Oberrichterin Dr. D. Scherrer, Oberrichterin lic. iur. F. Schorta und Oberrichter Dr. D. Bussmann sowie die Gerichts- schreiberin lic. iur. A. Leu Beschluss vom 12. Juli 2019 in Sachen A._____, Anzeigeerstatter gegen B._____, lic. iur., Beschwerdegegner betreffend Aufsichtsbeschwerde gegen Bezirksrichter lic. iur. B._____ - 2 - Erwägungen: I. 1.1. Nachdem A._____ (fortan: Anzeigeerstatter) der Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich bereits zwei Eingaben vom 25. und 26. Juni 2019 (act. 3 und 4) zukommen lassen hatte, erhob er mit Eingabe vom 27. Juni 2019 eine Aufsichtsbeschwerde im Sinne von § 82 des G e- richtsorganisationsgesetzes (GOG, LS 211.1) gegen Bezirksrichter lic. i ur. B._____ des Bezirksgerichts C._____ (fortan: Beschwerdegegner) und stell- te gleichzeitig ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (act. 1). Zur Begründung brachte er unter Hinweis auf seine Eingabe vom 26. Juni 2019 (act. 4) vor, der Besc hwerdegegner weigere sich, die Frage, ob er das begründete Urteil vom 25. Oktober 2016, Nr. GG160068- ..., als befangener Richter verfasst und unterzeichnet habe, zu beantworten. Diese Weigerung stelle eine Amtspflichtverletzung dar (act. 1 S. 1). Anlässlich des Telefonats vom 26. Juni 2019 habe der Beschwerdegegner nicht in Abrede gestellt, das erwähnte Urteil als befangener Richter unterschrieben zu ha- ben. Zudem habe er sich anlässlich des Telefonats einer nicht integren Wortwahl bedient und dieses bereits nach zwei bis drei Minuten beendet, i n- dem er aufgehängt habe (act. 4 S. 1). 1.2. Am 28. Juni 2019 reichte der Anzeigeerstatter bei der Verwaltungskommi s- sion sodann eine weitere Aufsichtsbeschwerde im Sinne von § 82 GOG ein und beanstandete, der Beschwerdegegner habe ihn, den Anzeigeerstatter, vermutlich brandschwarz angelogen. Wer lüge, begehe eine Amtspflichtver- letzung. Nachdem er, der Anzeigeerstatter, gegen den Beschwerdegegner eine Anzeige erhoben habe, sei er befangen gewesen. Es müsse im Rah- men des vorliegenden Verfahrens abgeklärt werden, inwiefern der B e- schwerdegegner im Schreiben vom 7. Juni 2019 [recte 6. Juni 2019] gel o- gen habe. Im Falle des Nachweises einer Lüge sei er von seinem Amt zu suspendieren (act. 2). - 3 - 2. Die Verwaltungskommission eröff nete in der Folge das vorliegende Verfa h- ren und zog die in den vergangenen Wochen mit dem Anzeigeerstatter ge- führte Korrespondenz bei (act. 5/1-8). 3. Nach § 83 Abs. 2 GOG stellt die Aufsichtsbehörde die Aufsichtsbeschwerde den Betroffenen zur schriftlichen Vernehmlassung zu, wenn sie sich nicht sofort als unbegründet erweist. Da dies - wie im Folgenden zu zeigen sein wird - der Fall ist, kann auf eine Vernehmlassung verzichtet werden. II. Gemäss § 80 Abs. 1 lit. b GOG i.V.m. § 18 Abs. 1 lit. k der Verordnung über die Organisation des Obergerichts (LS 212.51) übt die Verwaltungskommi s- sion des Obergerichts des Kantons Zürich die Aufsicht über die dem Ober- gericht unterstellten Gerichte und nach § 80 Abs. 2 GOG die mittelbare Auf- sicht über die den B ezirksgerichten unterstellten Behörden aus (vgl. auch Hauser/Schweri/Lieber, GOG-Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2017, § 80 N 1 und § 84 N 1). Die Verwaltungskommission ist daher zur Behandlung der Beschwerde zuständig. III. 1.1. Verletzen Mitglieder von Gerichtsbehörden Amtspflichten, kann bei der un- mittelbaren Aufsichtsbehörde Aufsichtsbeschwerde erhoben werden. Diese ordnet die notwendigen Massnahmen an (§ 82 Abs. 1 und 2 GOG). Aufgabe der Aufsichtsbehörde ist es, durch Gebrauch ihrer Aufsichts - und Dis zipli- nargewalt auf entsprechende Anzeige hin ein ordnungs - und rechtswidriges Verhalten einer Justizperson zu ahnden (sog. administrative Beschwerde) oder eine unrechtmässige oder unzw eckmässige Anordnung aufzuheben bzw. abzuändern (sog. sachliche Beschwerde). 1.2. Die administrative Aufsichtsbeschwerde zielt auf die Person des Amtstr ä- gers ab. Mit ihr sollen Disziplinarfehler geahndet werden, d.h. ordnungs - - 4 - oder rechtswidrige Verhaltensweisen von Justizpersonen, welche Pflichtver- letzungen darstellen. Diese können in Saumseligkeiten (d.h. Unterlassungen pflichtgemäss beförderlichen Handelns und somit ein schuldhafterweise zu geringer persönlicher Einsatz) oder in ungehörigem (vorwiegend subjektiv betontem und somit zu weit gehendem persönlich bestimmtem ) Handeln be- stehen (vgl. Hauser/Schweri/Lieber, a.a.O., § 82 N 20 und N 43 m.w.H.). Als mögliche Sanktionen kommen insbesondere die Ermahnung, die Erteilung eines Verweises oder die Anordnung von personalrechtlichen Massnahmen in Betracht (vgl. Hauser/Schweri/Lieber, a.a.O., § 83 N 22). 1.3. Als Anzeige kann eine administrative Aufsichtsbeschwerde grundsätzlich von jedermann erhoben werden. Die anzeigeerstattende Person gilt jedoch nicht als Verfahrenspartei und kann aus ihrer Stellung keine Verfahrensrech- te ableiten. Denn die in einem separaten Verfahren zu prüfende Aufsicht s- beschwerde betrifft nicht eine Streitigkeit zwischen dieser und der Verwal- tung, sondern beschlägt vielmehr das Verhältnis zwischen der Verwaltung und dem Gesetz bzw. der Aufsichtsbehörde und dem Beaufsichtigten. Es ist der anzeigeerstattenden Person daher grundsätzlich weder vom Ausgang des Verfahrens Mitteilung zu machen, noch steht ihr die Legitimation zur Er- greifung eines Rechtsmittels zu (Hauser/Schweri/Lieber, a.a.O., § 82 N 44). 1.4. Gemäss § 83 Abs. 1 GOG ist die Aufsichtsbeschwerde schriftlich und be- gründet einzureichen. Sie hat demnach konkrete Anträge zu enthalten, aus denen hervorgeht, in welchem Umfang der vorinstanzliche Entscheid ange- fochten wird. Dabei genügt bei Laien als Antrag eine – allenfalls in der B e- gründung enthaltene – Formulierung, aus der sich mit gutem Willen heraus- lesen lässt, wie das Obergericht entscheiden soll (OGer ZH Nr. PF110034-O vom 22. August 2011, E. 3.2; DIKE Komm entar ZPO-Hungerbühler/Bucher, Art. 321 N 17 i.V.m. Art. 311 N 16; Hauser/Schweri/Lieber, a.a.O., § 83 N 13). Im Rahmen der Begründung ist sodann darzulegen, an welchen Mängeln der vorinstanzliche Entscheid leidet. Die Beschwerde führende Partei hat sich mit dem angefochtenen Entscheid auseinanderzusetzen und im Einzelnen aufzuzeigen, aus welchen Gründen dies er falsch sei (vgl. etwa - 5 - ZK ZPO-Freiburghaus/Afheldt, Art. 321 N 14 f.). Bei Parteien ohne anwaltl i- che Vertretung wird sowohl an die Formulierung der Anträge als auch an die Begründungslast ein weniger strenger Massstab gestellt als bei anwaltlich vertretenen Prozessbeteiligten (OGer ZH Nr. PS110192-O vom 21. Februar 2012, E. 5.1). Enthält die Beschwerde jedoch keinen rechtsgenügenden A n- trag bzw. keine Begründung, ist darauf nicht einzutreten (vgl. statt vieler: DI- KE Kommentar ZPO-Hungerbühler/Bucher, Art. 321 N 17 i.V.m. Art. 311 N 28 und 46). 2.1. Soweit der Anzeigeerstatter dem Beschwerdegegner in der Eingabe vom 26. Juni 2019 vorwirft, anlässlich des gleichentags geführten Telefonats eine nicht adäquate Wortwahl gewählt zu haben, und daraus auf dessen fehlende Integrität schliesst (act. 4 S. 1), so fehlt es an einer hinreichenden Begrün- dung für diese Behauptung. Der Anzeigeerstatter sieht davon ab, seine A n- schuldigung näher darzulegen bzw . zu belegen, sondern bringt einzig vor, der Beschwerdegegner sei sehr unhöflich gewesen. Konkret hält er sodann fest, er wolle nicht im Detail auf dessen Wortwahl eingehen (act. 4 S. 1). Ohne nähere Begründung seines Vorwurfs kommt der Anzeigeerstatter j e- doch seiner Substantiierungspflicht nicht nach. Auf die Beschwerde ist damit insoweit nicht einzutreten. 2.2. Im Weiteren beanstandet der Anzeigeerstatter, der Beschwerdegegner habe das Telefonat abrupt beendet (act. 4 S. 1). Soweit diese Rüge zutreffen s oll- te, so könnte daraus keine Amtspflichtverletzung abgeleitet werden, da nicht jede Unhöflichkeit eine solche zu begründen vermag. Weitere Abklärungen hierzu drängen sich daher nicht auf. 2.3. Ferner rügt der Anzeigeerstatter in den Eingaben vom 26. bzw. 27. Juni 2019, dass sich der Beschwerdegegner weigere, die Frage, ob er das be- gründete Urteil vom 25. Oktober 2016, Nr. GG160068- ..., als befangener Richter verfasst und unterzeichnet habe, zu beantworten, und leitet daraus eine Amtspflichtverletzung ab (a ct. 1 und 4). Dieser Ansicht kann ebenfalls nicht gefolgt werden. Gerichtsmitglieder sind nicht verpflichtet, sich aus- serhalb eines formellen Ausstandsverfahrens zur Frage, ob zu einem gewi s-- 6 - sen Zeitpunkt der Anschein von Befangenheit bestand oder nicht, zu äus- sern. Eine solche gewissenhafte Erklärung haben sie lediglich im Rahmen eines hängigen Ausstandsverfahrens abzugeben. Insoweit vermag aus dem Umstand, dass sich der Beschwerdegegner zur massgeblichen Frage alle n- falls nicht geäussert hat, keine Amtspflichtverletzung abgeleitet werden. 2.4. In der Eingabe vom 28. Juni 2019 bezichtigt der Anzeigeerstatter den B e- schwerdegegner sodann insoweit der Lüge, als dieser im Schreiben vom 7. Juni 2019 [recte: 6. Juni 2019] unwahre Angaben gemacht habe (act. 2). Vorab sei festgehalten, dass der Anzeigeerstatter auch mit den diesbezügl i- chen Ausführungen seiner Begründungspflicht nicht nachkommt. Der Anzei- geerstatter führt lediglich aus, am 25. Oktober 2016, d.h. im Zeitpunkt der Fällung des massgeblichen Entscheides, sei der Beschwerdegegner noch nicht befangen gewesen, jedoch etwa ab dem 3. November 2016, nachdem er selbst angezeigt worden sei. Wer lüge, verletze seine Amtspflichten (act. 2). Diese Ausführungen sind zu wenig konkret und vermögen nicht im Einzelnen aufzuzeigen, aus welchen Gründen eine Lüge bzw. eine Amt s- pflichtverletzung vorliegen soll. Bereits aus diesem Grunde ist auf das B e- gehren nicht einzutreten. Auch wäre der Standpunkt des Anzeigeerstatters in der Sache unbegründet . Im aktenkundigen Schreiben vom 6. Juni 2019 (act. 5/1), auf welches der Anzeigeerstatter Bezug nimmt, legte der Beschwerdegegner diesem dar, weshalb er die Verfügung vom 7. November 2016 durch einen Gericht s- schreiber unterzeichnen liess. Selbst wenn - wie sich im Nachhinein heraus- stellte (vgl. Beschluss der III. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich vom 30. Januar 2017, Nr. UH160358-O) - die Auffassung des B e- schwerdegegners unzutreffend war, so kann aus einem solchen prozessua- len Fehler kein aufsichtsrechtlich relevantes Fehlverhalten abgeleitet wer- den. Ebenso wenig ergeben sich aus dem erwähnten Schreiben Hinweise auf eine Lüge des Beschwerdegegners. Aufsichtsrechtliche Massnahmen würden sich somit ohnehin nicht aufdrängen. - 7 - 3. Abschliessend ist damit festzuhalten, dass die Aufsichtsbeschwerde abz u- weisen ist, soweit darauf einzutreten ist. IV. 1.1. Im Verfahren betreffend administrative Aufsichtsbeschwerde sind gemäss gängiger Praxis des Obergerichts keine Kosten zu erheben, sofern diese nicht mutwillig erhoben wurde (§ 83 Abs. 3 GOG i.V.m. Art. 108 ZPO, § 20 GebV OG). Die vorliegende Beschwerde grenzt an Mutwilligkeit. Von der Kostenauflage an den Anzeigeerstatter ist indes noch einmal abzusehen. Die Kosten fallen daher ausser Ansatz. Damit entfällt auch die Prüfung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. 1.2. Prozessentschädigungen sind keine zu entrichten. 2. In Änderung der bisherigen Praxis steht dem betroffenen Beschwerdege g- ner gegen diesen Beschluss kein Rechtsmittel zur Verfügung (Ha u- ser/Schweri/Lieber, a.a.O., § 83 N 7). Es wird beschlossen: 1. Die Aufsichtsbeschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird als ge- genstandslos geworden abgeschrieben. 3. Die Kosten fallen ausser Ansatz. 4. Es werden keine Prozessentschädigungen zugesprochen. 5. Schriftliche Mitteilung an den Beschwerdegegner, gegen Empfangsschein. - 8 - Zürich, 12. Juli 2019 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Verwaltungskommission Die Gerichtsschreiberin: lic. iur. A. Leu versandt am: