<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 27 S.166</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">166</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>27</b></span> <span class="ft2"><b>Anmerkung im Grundbuch gemäss § 163 BauG.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Verhältnis zwischen einer Anmerkung gemäss § 163 BauG und einem</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Erschliessungsplan.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 28. Mai 2008 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">M.K. und Mitb. gegen den Regierungsrat (WBE.2007.129).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Sinn und Zweck einer Anmerkung im Grundbuch gemäss § 163</span><br/> <span class="ft1">BauG bestehen darin, Dritte auf einen spezifisch parzellenbezogenen</span><br/> <span class="ft1">öffentlich-rechtlichen Tatbestand aufmerksam zu machen. Dritte</span><br/> <span class="ft1">sollen anhand der Anmerkung im Grundbuch erkennen können, dass</span><br/> <span class="ft1">für das betreffende Grundstück eine öffentlich-rechtliche Verpflich-</span><br/> <span class="ft1">tung besteht, die der Eigentümer zu beachten hat (AGVE 2005,</span><br/> <span class="ft1">S. 613). Anmerkungen dienen lediglich der Publizität. Sie geben über</span><br/> <span class="ft1">bestimmte Rechtsverhältnisse an einem Grundstück Auskunft. Die</span><br/> <span class="ft1">Anmerkung im Grundbuch hat aber keine konstitutive oder heilende</span><br/> <span class="ft1">Wirkung (BGE 124 III 211 Erw. 1a = Pra 1998, S. 935 f.). Sie unter-</span><br/> <span class="ft1">steht auch nicht der negativen Rechtskraft des Grundbuches</span><br/> <span class="ft1">(Art. 971 ZGB). Die betreffenden Rechtsverhältnisse bestehen auch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">167</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ohne Anmerkung im Grundbuch (Dominik Scherrer, Anmerkung im</span><br/> <span class="ft1">Grundbuch unter Berücksichtigung des Bundesrechtes und des kan-</span><br/> <span class="ft1">tonal-st. gallischen Rechtes, Diss. Fribourg 1984, S. 307).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Rechtsgrundausweis für die Anmerkung und damit Grund-</span><br/> <span class="ft1">lage des öffentlich-rechtlichen Verhältnisses ist die mit Verfügung</span><br/> <span class="ft1">vom 31. Januar 1995 abgeänderte Auflage zur rückwärtigen Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessung der Parzelle Nr. 000. Diese Verfügung ist eine behördli-</span><br/> <span class="ft1">che Anordnung, die gestützt auf das Baugesetz einseitig und für den</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümer verbindlich die Erschliessung vorschreibt, sofern</span><br/> <span class="ft1">die in der Verfügung vorgesehenen Bedingungen eintreten. Diese</span><br/> <span class="ft1">Anordnungen entfalteten verbindliche Rechtswirkungen zwischen</span><br/> <span class="ft1">dem Verfügungsadressaten - hier die Grundeigentümerin - und der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde. Die Verfügung des Gemeinderats vom 31. Januar 1995</span><br/> <span class="ft1">entfaltet indessen keine Rechtswirkungen zwischen dem Gemeinwe-</span><br/> <span class="ft1">sen und Dritten in dem Sinne, dass sie Rechtsansprüche Dritter ge-</span><br/> <span class="ft1">gen die Gemeinde begründet. Wie bereits ausgeführt, ändert die An-</span><br/> <span class="ft1">merkung der verfügten Auflagen im Grundbuch nichts an dieser</span><br/> <span class="ft1">Rechtslage.</span><br/> <span class="ft1">Die Rechtsbeständigkeit (materielle Rechtskraft) einer Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung ist sodann nicht absolut, sondern beschränkt. Eine formell</span><br/> <span class="ft1">rechtskräftige Verfügung kann unter bestimmten Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft1">einseitig aufgehoben oder abgeändert werden (vgl. Ulrich Häfelin /</span><br/> <span class="ft1">Georg Müller / Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,</span><br/> <span class="ft1">5. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2006, Rz. 994 ff.). Die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft1">ist davon ausgegangen, dass die Auflagen zur rückwirkenden Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessung der Parzelle Nr. 000 mit dem Erschliessungsplan wieder-</span><br/> <span class="ft1">erwägungsweise aufgehoben wurden. Ob die Voraussetzungen für</span><br/> <span class="ft1">eine Wiedererwägung oder einen Widerruf (siehe dazu §§ 25 f.</span><br/> <span class="ft1">VRPG) vorliegen, ist wegen der planungsrechtlichen Situation nicht</span><br/> <span class="ft1">abschliessend zu prüfen.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Art. 19 RPG verpflichtet die Gemeinden zur planmässigen Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessung der Bauzonen, und § 16 Abs. 1 BauG hält den Grundsatz</span><br/> <span class="ft1">fest, dass die Erschliessung soweit nötig durch Erschliessung- und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">168</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gestaltungspläne und entsprechende Vorschriften sichergestellt wird.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 16 Abs. 3 BauG können die allgemeinen Nutzungspläne</span><br/> <span class="ft1">für bestimmte Gebiete die Sondernutzungsplanung vorsehen. In die-</span><br/> <span class="ft1">ser Bestimmung konkretisiert das BauG ausdrücklich den planungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Grundsatz, dass sich die Erschliessung der Bauzonen</span><br/> <span class="ft1">nach den Nutzungsplänen zu richten hat (BGE 116 Ia 221 Erw. 4a;</span><br/> <span class="ft1">Bernhard Waldmann / Peter Hänni, Raumplanungsgesetz, Bern 2006,</span><br/> <span class="ft1">Art. 19 N 46 mit Hinweisen). Nutzungspläne sind "für jedermann</span><br/> <span class="ft1">verbindlich" und verpflichten auch das Gemeinwesen (Art. 21 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">RPG). Die Nutzungspläne legen die zulässige Nutzung allgemein-</span><br/> <span class="ft1">verbindlich und parzellenscharf fest und schliessen jede andere als</span><br/> <span class="ft1">eine plankonforme Nutzung aus (Waldmann / Hänni, a.a.O., Art. 14</span><br/> <span class="ft1">N 4).</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Gemeindeversammlung X. beschloss am 7. Juni 2005 die</span><br/> <span class="ft1">Bauzonen- und Kulturlandplanänderung "A.". Diese wurde am</span><br/> <span class="ft1">19. Oktober 2005 vom Regierungsrat genehmigt und ist rechtskräf-</span><br/> <span class="ft1">tig. Durch diese Änderung wurde die Parzelle Nr. 000 von der Wohn-</span><br/> <span class="ft1">und Gewerbezone mit Gestaltungsplanpflicht in die Wohnzone W2</span><br/> <span class="ft1">umgezont. Die Zone wurde neu einer Erschliessungsplanpflicht un-</span><br/> <span class="ft1">terstellt.</span><br/> <span class="ft1">Mit dieser Änderung der Nutzungsplanung, namentlich mit der</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsplanpflicht, hat sich die raumplanerische Rechtslage</span><br/> <span class="ft1">der Parzelle Nr. 000 auch mit Bezug auf die Erschliessung verändert.</span><br/> <span class="ft1">Die Erschliessung setzt eine Erschliessungsplanung nach den für die</span><br/> <span class="ft1">Sondernutzungspläne geltenden Bestimmungen voraus. Damit ist</span><br/> <span class="ft1">eine Erschliessung auf der Grundlage der Verfügung vom 31. Januar</span><br/> <span class="ft1">1995 ausgeschlossen, zumal die Parzelle Nr. 000 bereits mit der Teil-</span><br/> <span class="ft1">revision des Bauzonenplans vom 20. November 1998 und damit nach</span><br/> <span class="ft1">Rechtskraft der genannten Verfügung einer Gestaltungsplanpflicht</span><br/> <span class="ft1">unterstellt wurde. Die neuen planungsrechtlichen Vorschriften ver-</span><br/> <span class="ft1">pflichteten den Grundeigentümer und den Gemeinderat zur Sonder-</span><br/> <span class="ft1">nutzungsplanung, und eine Erschliessung gestützt auf die Auflagen</span><br/> <span class="ft1">von 1995 war mit Inkrafttreten der Planänderung am 12. Mai 1999</span><br/> <span class="ft1">ausgeschlossen. Mit der Revision des Bauzonen- und Kulturland-</span><br/> <span class="ft1">plans "A." verlor die Verfügung, die zur Anmerkung im Grundbuch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">169</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">führte, ihre Rechtsgrundlage. Eine rückwärtige Erschliessung konnte</span><br/> <span class="ft1">nur noch in Frage kommen, soweit sie mit den Grundsätzen der Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessungsplanung zu vereinbaren war. Mit der Erschliessungs-</span><br/> <span class="ft1">planpflicht wurden insbesondere auch die Bedingungen in lit. a-c der</span><br/> <span class="ft1">Verfügung vom 31. Januar 1995, welche die Voraussetzungen für die</span><br/> <span class="ft1">Pflicht der Grundeigentümer zur Erstellung einer rückwärtigen Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessung umschrieben, hinfällig. Weder aufgrund einer Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsänderung noch einer Veräusserung der Parzelle Nr. 000 konn-</span><br/> <span class="ft1">ten die Erschliessungsanlagen erstellt werden.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>