B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7076/2018 U r t e i l v o m 2 7 . M ä r z 2 0 1 9 Besetzung Einzelrichterin Esther Marti, mit Zustimmung von Richter Simon Thurnheer; Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler. Parteien A._______, geboren am (…), unbekannter Herkunft (eigenen Angaben zufolge Tibet), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 14. November 2018 / N (…). E-7076/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin wurde am (…) 2018 an der schweizerisch-(…) Grenze von der Eidgenössischen Zollwache aufgegriffen. Unter anderem wurde bei ihr ein Notizzettel gefunden, der handschriftliche englische, teil- weise korrigierte Angaben zu ihren Personalien sowie zu ihrem Herkunfts- ort enthielt (vgl. Beweismittel im Beweiscouvert der SEM -Akten: A7). Bei dieser Kontrolle stellte die Beschwerdeführerin ein Asylgesuch, welches sie gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel formell ein- reichte. Am 3. Oktober 2018 befragte das SEM sie summarisch zu ihrer Person, zum Reiseweg und zu ihren Ausreisegründen (BzP , Protokoll in den SEM-Akten: A6/16). A.b Betreffend ihr Alter gab die Beschwerdeführerin bei der BzP an, am (…) geboren und damit minderjährig zu sein . Da das SEM diesbezüglich mehrere Ungereimtheiten feststellte, gewährte es ihr am Ende der Befra- gung das rechtliche Gehör und wies sie darauf hin, dass sie für das weitere Verfahren als volljährig zu betrachten sei und als ihr Geburtsdatum der (…) registriert würde. A.c Am 16. Oktober 2018 hörte das SEM die Beschwerdeführerin ausführ- lich zu ihrer Herkunft und ihre n Asylgründen an (Protokoll in den Akten: A12/22). B. Im Rahmen der BzP und der Anhörung gab die Beschwerdeführerin im We- sentlichen an, aus B._______ beziehungsweise C._______, Autonome Region Tibet, zu stammen und dort mit ihrer Familie als Nomadin gelebt zu haben. Mit der Polizei, dem Militär oder Beamten habe sie nie persönliche Probleme gehabt. Allerdings hätten die chinesischen Behörden sie aufge- fordert, eine Soldatenschule zu besuchen. Deswegen seien chinesische Personen regelmässig beziehungsweise zwei bis dreimal bei ihnen zu Hause vorbeigekommen und hätten sich mit ihren Eltern unterhalten. Da sie nicht habe Chinesisch lernen wollen und auch ihre Eltern nicht gewollt hätten, dass sie eine chinesische Schule besuche , sei sie aus Tibet ge- flüchtet. C. Mit Verfügung vom 14. November 2018 – eröffnet am 19. November 2018 – stellte die Vorinstanz fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlings- eigenschaft nicht erfülle, lehnte ihr Asylgesuch ab, wies sie aus der E-7076/2018 Seite 3 Schweiz weg und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Den Vollzug der Wegweisung nach China schloss das SEM aus. D. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 10. Dezember 2018 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfü- gung sei aufzuheben, ihre Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und ihr sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei aufgrund von subjektiven Nach- fluchtgründen die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen, eventualiter sei die vorläufige Aufnahme aufgrund der Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des Wegwei- sungsvollzugs zu gewähren. In verfahrensrechtlicher H insicht ersuchte sie um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung sowie Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. Gleichzeitig sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren. Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentli ch, in den Er- wägungen eingegangen. E. Am 17. Dezember 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht der Be- schwerdeführerin den Eingang der Beschwerde und stellte fest, dass sie den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten könne. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. Septem- ber 2015 [SR 142.31]). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet be treffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver waltungsgericht ist daher E-7076/2018 Seite 4 zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezem- ber 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AI G) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG über- nommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbe- zeichnung verwenden wird. 2. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingerei cht. Die Beschwer - deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs . 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeent- scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-7076/2018 Seite 5 5. Angesichts des vorlieg enden Entscheides in der Sache erübrigt es sich, näher auf das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung einzu- gehen. Dasselbe gilt betreffend den Antrag, auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses sei zu verzichten. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder in einem Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten nament- lich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei sen oder zumindest glaubhaft machen. G laubhaft gemacht ist die Flücht lings- eigenschaft, wenn die Behörde ihr V orhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor - bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfol- gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanti- ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkret e Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tat- sächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Origi- nalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 m.w.H.). 6.3 In BVGE 2014/12 hat das Bundesverwaltungs gericht seine bis dahin geltende Praxis (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der (vormaligen) Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK)] 2005 Nr. 1) dahinge- hend präzisiert, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Her- kunft verschleierten oder verheimlichten, vermutungsweise davon auszu - gehen sei, es bestünden keine flüchtlingsrechtlich relevanten oder im Zu- sammenhang mit allfälligen Wegwei sungsvollzugshindernissen bea chtli- chen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort; die E-7076/2018 Seite 6 Abklärungspflicht der Asylbehörden finde nämlich ihre Grenze an der Mit- wirkungspflicht der asylsuchenden Person. 7. 7.1 Das SEM führte zur Begründung des abweisenden Entscheids im We- sentlichen aus, es sei zwar von der tibetischen Ethnie der Beschwerdefüh- rerin auszugehen, indessen sei es ihr nicht gelungen, ihre Herkunft aus der Volksrepublik China sowie ihre Asylgründe glaubhaft zu machen. Vielmehr sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in China, sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da sie aber keine konkreten, glaubhaften Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert habe, komme das SEM zum Schluss, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtli- chen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort be- stünden. 7.1.1 Diesen Schluss zog das SEM insbesondere daraus, dass die Be- schwerdeführerin völlig unsubstantiiterte und gänzlich unplausible Anga- ben zu ihrer Identität, zur Herkunft sowie zu ihren Asylgründen gemacht habe: Bereits beim a ngegebenen Alter hätten sich erhebliche Ungereimtheiten ergeben. Obwohl die Besch werdeführerin im Rahmen ihrer Mitwirkungs- pflicht zur Offenlegung ihrer Identität verpflichtet sei, habe sie keinerlei Identitätspapiere eingereicht, wobei sie das Versäumnis nicht plausibel habe erklären können. Vielmehr habe sie auf die vom SEM gestellten Fra- gen beharrlich geschwiegen. Auffällig sei zudem, dass die Beschwerdefüh- rerin bei ihrer Einreise in die Schweiz einen Zettel mit sich geführt habe, welcher mehrere nicht nachvollziehbare Angaben zu ihren Personalien ent- halten habe. So sei etwa das zunächst angege bene Geburtsjahr (…) durchgestrichen und auf (…) korrigiert worden; auch das angegebene Alter stimme nicht mit dem Geburtstag überein . Weitere nicht miteinander ver- einbare Angaben habe die Beschwerdeführerin auch bei den Befragungen gemacht, weshalb die geltend gemachte Minderjährigkeit nicht glaubhaft sei. Betreffend die Herkunft aus China habe sich die Beschwerdeführerin selbst bei vermeintlich unverfänglichen Fragen in Ungereimtheiten verstrickt und auffallend oft geschwiegen. Soweit sie Ausführungen zu Erlebnissen in ih- rer Heimat, den Tätigkeiten ihrer Eltern, ihren familiären Verhältnissen und ihrem Geburtsort gemacht habe, seien diese überwiegend ohne Substanz E-7076/2018 Seite 7 oder widersprüchlich ausgefallen. Unter anderem habe sie in der BzP an- gegeben, in B._______ geboren zu sein und dort bis zur Ausreise mit ihren Eltern gelebt zu haben. Sowohl in der BzP als auch in der Anhörung habe sie erklärt, B._______ liege in der Nähe von C._______. In der Anhörung habe sie als Geburts- und Aufenthaltsort demgegenüber C._______ ange- geben und auf Nachfrage hin zu Protokoll gegeben, bei C._______ und B._______ handle es sich um dieselben Ortschaften. Weder zu den lokalen Gegebenheiten noch zu den Verwaltungseinheiten dieser Ortschaften habe sie detaillierte Angaben machen können. Selbst wenn sie, wie ange- geben, nicht zur Schule gegangen wäre, wäre ein rudimentäres Wissen zu erwarten gewesen. Die Behauptung, nie zur Schule gegangen zu sein, sei aber angesichts der Tatsache, dass sie das Personalienblatt im Empfangs- zentrum sowohl in Tibetisch als auch in lateinischer Schrift selbständig und in geübter Weise ausgefüllt habe, ohnehin nicht plausibel. Die diesbezüg- liche Erklärung der Beschwerdeführerin, dies vom Schlepper gelernt zu ha- ben, überzeuge nicht, weshalb es nicht erstaune, das s sie auf entspre- chenden hin Vorhalt geschwiegen habe. Es sei insgesamt davon auszuge- hen, dass die Beschwerdeführerin versuche ihre wahre Herkunft zu ver- schleiern. Auch die in diversen Punkten nicht nachvollziehbare Schilderung der Be- schwerdeführerin zu ihrer angeblichen Ausreise aus China spreche gegen eine Herkunft von dort. Insbesondere habe sie keine weiterführenden An- gaben zum Ausreisezeitpunkt oder dem Reiseweg machen können. In der BzP habe sie zunächst angegeben, ihr Vater habe s ie bis D._______ be- ziehungsweise bis C._______ begleitet. In der Anhörung habe sie angege- ben, die Begleitung sei bis D._______ erfolgt. Die Ungereimtheit habe sie nicht erklären können. Weitere wesentliche Fragen – etwa zum Grenzüber- tritt nach E._______, zur Dauer des dortigen Aufenthalts und zur Reise von E._______ über F._______ in die Schweiz – habe sie entweder nicht be- antwortet oder substanzlose Ausführungen gemacht. Vor dem Hintergrund der nicht glaubhaften Angaben zur Herkunft, überra- sche es nicht, dass ihre Angaben zu den Asylgründen ebenfalls nicht über- zeugten. Unabhängig von der fehlenden Asylrelevanz sei der angegebene Asylgrund, nämlich die Aufforderung zum Schulbesuch, substanzlos und oberflächlich ausgefallen. Insbesondere sei sie nicht in der Lage gewesen, Näheres zur Häufigkeit oder zum Zeitraum der Besuche der chinesischen Personen anzugeben. Auch hier habe sie bei diversen Fragen einfach ge- schwiegen und mehr, als dass es sich bei den Personen um Chinesen ge- handelt habe, habe sie nicht sagen können. Die Befürchtung, bei einer E-7076/2018 Seite 8 Rückkehr nach China drohe ihr der Tod, habe sie – zumal sie dies nur bei der BzP vorgebracht habe - nicht näher erläutern können, sondern einzig darauf hingewiesen, dass sie aus Tibet geflohen sei. Weitere Nachfragen zu möglichen Tätern oder Motiven habe sie nicht beantwortet. Unter diesen Umständen sei es der Be schwerdeführerin nicht gelungen, die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft zu machen. 7.1.2 Betreffend den Wegweisungsvollzug hielt das SEM fest, dass eine grobe Verletzung der Mitwirkungspflicht den Vollzug einer Wegweisung nicht verhindern könne, wenn eine asylsuchende Person , wie vorliegend, eine sinnvolle Prüfung ihrer wahren Herkunft verunmögliche. Es sei dann nicht Sache der Asylbehörden, bei fehlen den anderweit igen Hinweisen , nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Her- kunftsländern zu forschen. Vielmehr sei vermutungsweise davon auszuge- hen, es stünden einer Wegweisung an den bisherigen Aufenthaltsort keine Vollzugshindernisse entgegen. Ein Vollzug nach China sei hingegen aus- geschlossen, da aufgrund ihrer tibetischen Ethnie nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Beschwerdeführerin unter Umständen die chine- sische Staatsangehörigkeit besitze. 7.2 Die Beschwerdeführerin hielt den Argumenten des SEM im Wesentli- chen entgegen, alleine aus der Tatsache, dass sie keine Identitätspapiere oder sonstige Beweismittel zu ihrer Herkunft beigebracht habe, könne noch nicht geschlossen werden, dass sie nicht in Tibet sozialisiert worden sei. Es sei unverhältnismässig, einzig aufgrund von vagen Aussagen auf die- ses Ergebnis zu kommen. Das Interview habe für sie eine ausserordentli- che Situation dargestellt. Sie sei sehr nervös gewesen und habe Mühe ge- habt, sich auf die gestellten Fragen zu konzentrieren . Allerdings habe sie trotzdem auf alle Fragen, soweit möglich, geantwortet und immer die Wahr- heit gesagt. Ihre Flucht sei traumatisch gewesen, und sie in einer absoluten Ausnahmesituation. Angesichts der ständigen Angst, die chinesischen Be- hörden könnten sie aufspüren und für ihr Verhalten bestrafen, sei es ver- ständlich, dass sie sich gänzlich dem Schlepper anvertraut und sich nicht gleichzeitig jedes einzelne Dorf oder jeden Grenzposten gemerkt habe. 8. 8.1 Nach Durchsicht der Akten teilt das Bundeverwaltungsgericht die An- sicht der Vorinstanz, wonach weder die behauptete Minde rjährigkeit und die angegebene Herkunft der Beschwerdeführerin aus China noch ihre Verfolgungsgründe glaubhaft dargelegt wurden. E-7076/2018 Seite 9 8.2 Insbesondere ist offensichtlich nicht glaubhaft, dass sie, wie geltend gemacht, in Tibet sozialisiert worden sei und bis kurz vor ihrer Ausreise als Nomadin in B._______ beziehungsweise in C._______ gelebt habe. Zu dieser Einschätzung führt unter anderem der Umstand, dass die Beschwer- deführerin keinerlei spezifis che Angaben über die Region zu machen wusste, in welcher sie angeblich den Grossteil ihres Lebens verbracht ha- ben will. Wie die Vorinstanz zutreffend feststellte, wich die Beschwerdefüh- rerin den wesentlichen Fragen entweder aus oder beantwortet e sie so, dass es weder gelingt, sich ein konkretes Bild zu ihrer angeblichen Her- kunftsregion noch zu ihrer dortigen Lebensweise als Nomadin zu machen. Selbst einfachste Fragen zu ihrem Heimatort oder den im Tibet vorherr- schenden kulturellen und religiösen Gepflogenheiten – so namentlich die Fragen, in welcher Gemeinde oder Präfektur ihr Heimatdorf liege (vgl. A6 Ziff. 1.07, Ziff. 6.01), wie die Ortschaft und die Tätigkeiten ihrer Familie dort ausgesehen hätten (vgl. insb. A12 F127 ff.; F159 ff.) oder was sie über den Buddhismus wisse beziehungsweise wie sie ihre Religion praktiziert habe (vgl. Ziff. A6 1.13; A12 F141 ff.) – konnte die Beschwerdeführerin nicht be- antworten. Dazu passt, dass auch die Angaben der Beschwerdeführerin zu ihren Asyl- gründen gänzlich ohne Subst anz aus fielen beziehungsweise, dass sie auch diesbezüglich zur überwiegenden Mehrheit der Fragen schwieg (vgl. A6 Ziff. 7.01, A12 F163 ff.). Insbesondere vermochte sie nicht einmal an- zugeben, in welchem Jahr beziehungsweise Zeitrahmen sich die Besuche durch chinesische Personen in etwa abgespielt hätten; auch bezüglich An- zahl und Umstände der Besuche entsteht durch ihre Schilderungen nicht den Eindruck, diese Ereignisse hätten tatsächlich stattgefunden (vgl. insb. A12 F166-175). Nebst dem ebenfalls offensichtlich zutreffenden Hinweis des SEM auf die fehlende Asylrelevanz der vorgebrachten Aufforderung zum Schulbesuch – davon abgesehen habe sie nämlich nie Probleme mit den chinesischen Behörden gehabt (vgl. A12 F42 ff.) –, vermochte sie auch die illegale Aus- reise aus Tibet nicht glaubhaft darzulegen. So war sie nicht in der Lage, den Ausreisezeitraum ungefähr anzugeben (A6 Ziff. 5.01) und es gelang ihr auch nicht annährend, ihre Flucht von Tibet nach E._______ lebensnah zu schildern (vgl. A12 F188-228). Dies zeigt sich deutlich etwa bei den Fra- gen, ob sie sich bei Fluchtantritt von ihrer Mutter verabschiedet (vgl. A12 F194 f.), was sie für Erinnerungen zum Reiseweg (F197) und was sie von der Grenze zwischen Tibet und E._______ mitbekommen (vgl. A12 F213) habe, welche die Beschwerdeführerin allesamt unbeantwortet liess. E-7076/2018 Seite 10 8.3 Das SEM qualifizierte also die Vorbringen der Beschwerdeführerin an- gesichts ihrer gänzlichen Unplausibilität, Substanzarmut und Widersprüch- lichkeit zu Recht als haltlos und die geltend gemachte hauptsächliche So- zialisation, die illegalen Ausreise aus Tibet sowie die ihr drohende Verfol- gung damit für unglaubhaft. Auf die weiteren zutreffenden Ausführungen in den Erwägungen der angefochtenen Verfügung kann ergänzend verwie- sen werden. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene vermögen offen- sichtlich nicht zu einer anderen Einschätzung zu führen. Insbesondere ver- mag der Hinweis der Beschwerdeführerin, sie sei bei der Befragung nervös gewesen, und sie habe sich auf ihrer Flucht in einer absoluten Ausnahme- situation befunden (vgl. Beschwerde S. 3) die unsubstantiierten Aussagen und das Schweigen zu einer Vielzahl der Fragen nicht zu erklären. 8.4 Festzuhalten bleibt, dass das SEM aufgrund der haltlosen Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrer Herkunft und ihren Asylgründen nicht gehal- ten war, für die Beurteilung des Asylgesuchs der Beschwerdeführerin, wei- tere fachliche Abklärungen, wie etwa eine Sprach - und Herkunftsanalyse durch die Fachstelle Lingua, durchzuführen (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.3.1). Vielmehr hat es unter den dargelegten Umständen zu Recht geschlossen, dass die Beschwerdeführerin ihre Identität und ihre wahre Herkunft zu verschleiern versucht. 9. Bei dieser Sachlage ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus- zugehen, dass d ie Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in einer exiltibetischen Diaspora gelebt hat. Namhafte exiltibetische Gemeinschaften gibt es – nebst in der Schweiz und in Nordamerika – lediglich in Indien und Nepal. Das Gericht vertritt mit der Vorinstanz, die Auffassung, dass die Beschwerdeführerin ihre Mitwirkungspflicht verletzt hat und dadurch den Behörden nähere Ab- klärungen sowie eine Rückschaffung an ihren tatsächlichen Herkunftsstaat verunmöglicht. Die Folgen dieses Verhaltens hat sie zu verantworten (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10). Unabhängig von der seitens der Vorinstanz unbestritten gebliebenen tibe- tischen Ethnie der Beschwerdeführerin, sind i hre Vorbringen hinsichtlich des Ortes ihrer hauptsächlichen Sozialisation, der illegalen Ausreise aus Tibet und ihrer Asylgründe nicht glaubhaft. Weder hatte sie im Zeitpunkt ihrer angeblichen Ausreise eine asylrechtlich relevante Verfolgung zu be- fürchten noch ist dies im heutigen Zeitpunkt der Fall, zumal, wie erwähn t, E-7076/2018 Seite 11 auch die illegale Ausreise aus China nicht glaubhaft gemacht ist. Die Vo- rinstanz hat folglich zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerde- führerin verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt. 10. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegwei- sung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An- spruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 11. 11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 11.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisung svoll- zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungspflicht findet ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin. Die- ser ist sie nicht nachgekommen und sie hat die Folgen, wie das SEM zu- treffend festgestellt hat, insofern zu tragen, als seitens der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts gegen eine Rück- kehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort, da sie keine konkreten, glaubhaf- ten Hinweise geliefert hat, die gegen eine entsprechende Rückkehr spre- chen würden. Im Sinne einer Klarstellung und in Übereinstimmung mit der Dispositivzif- fer 5 der angefochtenen Verfügung ist abschliessend darauf hinzuweisen, dass für alle Exil -Tibeterinnen und -Tibeter ein Vollzug der Wegweisung nach China gemäss Art. 45 Abs. 1 Bs t. d AsylG auszuschliessen ist, da ihnen dort gegebenenfalls Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinn bezie- hungsweise eine menschenunwürdige Behandlung nach Art. 3 EMRK droht (BVGE 2014/12 E. 5.11). E-7076/2018 Seite 12 11.3 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 11.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisun gsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 12. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, de n rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 13. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Ihr Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist unabhängig von der nicht belegt en Bedürftigkeit abzuweisen, da sich die Beschwerde als aussichtslos im Sinne der massgeblichen Be- stimmung erwiesen hat; dies angesichts der haltlosen Vorbringen der Be- schwerdeführerin. Sie hat demzufolge die Kosten des Verfahrens zu tragen und diese sind auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-7076/2018 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.- werden der Beschwerde- führerin auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Esther Marti Sibylle Dischler