A bteilung III C -836/2006 {T 0/2} U rteil vom 22. A ugust 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichter Vuille und R ichterin Beutler; G erichtsschreiberin Kaufm ann. R ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung für M ._______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie aus dem Kosovo stam m ende serbische Staatsangehörige M ._______ (im Folgenden: G esuchstellerin) beantragte am 20. Juni 2006 beim Schw eizerischen Verbindungsbüro in Pristina ein Visum für einen einm o- natigen Besuchsaufenthalt bei ihrem N effen R ._______ (im Folgenden: G astgeber bzw . Beschw erdeführer) in Zürich. D as G esuch enthielt diverse Beilagen, darunter einen Arbeitsvertrag und eine Bestätigung der Arbeitge- berin. B. D ie Schw eizerische Auslandvertretung lehnte eine Erteilung des Visum s form los ab und überw ies das G esuch der Vorinstanz zum Entscheid. C . N achdem das M igrationsam t des Kantons Zürich beim G astgeber w eitere Auskünfte eingeholt hatte, verw eigerte die Vorinstanz in einer Verfügung vom 17. August 2006 die nachgesuchte Einreisebew illigung. D ies im W e- sentlichen m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W ieder- ausreise könne angesichts der w irtschaftlichen und soziokulturellen Lage im H erkunftsland sow ie der persönlichen Verhältnisse der G esuchstellerin nicht als gesichert betrachtet w erden. D . M it Beschw erde vom 6. Septem ber 2006 (D atum des Poststem pels) bean- tragte der G astgeber beim dam als zuständigen Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) im plizit die Aufhebung der vorinstanzli- chen Verfügung und die Erteilung der Einreisebew illigung. Zur Begründung m achte er im W esentlichen geltend, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die W iederausreise der G esuchstellerin nach einem Besuchsaufent- halt w äre nicht gesichert. Es gehe lediglich um einen Besuch der in der Schw eiz lebenden Angehörigen, und der Aufenthalt der G esuchstellerin w ürde hier m axim al vier W ochen dauern. D ie G esuchstellerin habe im Ko- sovo ihre Fam ilie (Eltern und G eschw ister) und sei zufrieden m it ihrer Situation. Sie habe keinerlei Absicht, länger als im Einreisegesuch ange- geben in der Schw eiz zu bleiben. Er (der Beschw erdeführer) garantiere für eine fristgerechte W iederausreise. E. D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 11. O ktober 2006 die Abw eisung der Beschw erde. D ie G esuchstellerin sei jung und unver- heiratet. Sie habe keine fam iliären Verpflichtungen, die sie von einer Em i- gration abhalten könnten. Zw ar habe sie eine Arbeitsstelle, doch könne nicht auf besondere berufliche O bliegenheiten geschlossen w erden, w enn ihr von der Arbeitgeberin nur M onate nach Stellenantritt eine zw eim onatige Absenz – in Form eines Jahresurlaubs und zusätzlich eines unbezahlten U rlaubs – zugestanden w erde. F. D ie ihm eingeräum te M öglichkeit zur R eplik nahm der Beschw erdeführer innert dazu angesetzter Frist nicht w ahr. H ingegen reichte er am 14. D e- zem ber 2006 unaufgefordert eine von zw ei Zeugen unterzeichnete und vom örtlich zuständigen Bezirksgericht beglaubigte Erklärung der G esuch- stellerin nach, w onach sie sich im Kosovo um ihre M utter küm m ere (w obei 3 diese Aufgabe in ihrer Abw esenheit von einem Bruder übernom m en w erde) und sie nach Ablauf ihres Jahresurlaubs verpflichtet sei, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM betr. Einreiseverw eigerung unterliegen der Be- schw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesge- setzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20], Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelverfahren w erden vom Bundesverw al- tungsgericht übernom m en. D ie Beurteilung erfolgt nach neuem Verfah- rensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Artikel 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz über das Verw altungsverfahren vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021), sofern dieses G esetz nichts an- deres bestim m t. D as U rteil ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 D er Beschw erdeführer ist zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 20 Abs. 2 AN AG , Art. 48 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist – vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe – von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]; PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M ., 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La pro- tection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA).4 U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D ie G esuchstellerin benötigt aufgrund ihrer N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass ein Visum . D ie Vorinstanz verw eigerte die Ertei- lung eines solchen Visum s unter anderem m it der Begründung, die an- standslose und fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinrei- chend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.3 D ie G esuchstellerin lebt im Kosovo. D ie Sicherheitslage in dieser R egion konnte zw ar im Verlauf der letzten Jahre w eitgehend stabilisiert w erden und der W iederaufbau von Adm inistration und Infrastruktur ist unter Beteili- gung internationaler O rganisationen und Staatengem einschaften in G ang gekom m en. D ie dam it verbundenen H offnungen w urden aber durch eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und einen niedrigen Lebensstandard schon bald m assiv gedäm pft. D er w irtschaftliche Transform ationsprozess entw ickelt sich nur langsam und eine nachhaltige Verbesserung der w irt- schaftlichen und sozialen Situation erw eist sich als schw ierig. D ie w irt- schaftlichen Prognosen sind eher schlecht, w ird doch von Experten für die nächsten Jahre ein m assiver R ückgang bei den H ilfsgeldern erw artet. In breiten Teilen der Bevölkerung ist bereits jetzt eine gew isse D esillusionie- rung eingetreten. Entsprechend hoch ist nach w ie vor der Anteil derer, die sich zur Em igration entschliessen. Laut der "International O rganization for M igration" (IO M ) sollen in einer zu Beginn des Jahres 2003 durchgeführten U m frage über 50% der Befragten angegeben haben, sie w ürden lieber im Ausland leben und arbeiten. U nter den M igrationsw illigen gilt vor allem W esteuropa und dam it auch die Schw eiz als W unschdestination. D er W ille zur Ausw anderung w ird erfahrungsgem äss dort noch begünstigt, w o - w ie vorliegend - sich bereits Verw andte oder Bekannte im Ausland etabliert ha- ben und entsprechend ein soziales N etz besteht. 4. Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller oder einer G e- suchstellerin im H eim atland beispielsw eise eine besondere berufliche, ge- sellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durch- aus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m -5 gekehrt m uss bei G esuchstellern, die in ihrer H eim at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R isiko für ein frem denpolizeilich nicht vor- schriftsgem ässes Verhalten (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchs- aufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 5. 5.1 Bei der G esuchstellerin handelt es sich um eine 33-jährige, ledige Frau, die - gem äss einem im G esuchsverfahren eingereichten am tlichen D oku- m ent - zusam m en m it einem Bruder und ihrer M utter in Terstenik, G em ein- de G llogoc in einem gem einsam en H aushalt lebt. Besondere Verpflichtun- gen oder Verknüpfungen daraus w aren in den G esuchs- und Beschw erde- akten vorerst nicht erkennbar. N ach Abschluss des Schriftenw echsels w ur- de zw ar eine Erklärung nachgereicht, w onach die G esuchstellerin sich um ihre 73-jährige M utter küm m ere. W orin genau diese Betreuung besteht, w urde nicht dargelegt, kann aber offen bleiben. D enn m it dem H inw eis auf eine Vertretung durch den Bruder w ährend ihrer Landesabw esenheit nim m t selbst die G esuchstellerin nicht für sich in Anspruch, dass die gel- tend gem achte Betreuungsaufgabe nur durch sie w ahrgenom m en w erden könne. Alles in allem sind in den geltend gem achten fam iliären Verhältnis- sen keine Verpflichtungen erkennbar, die die G esuchstellerin nachhaltig von einer Em igration abzuhalten verm öchten. 5.2 D er Beschw erdeführer m acht geltend, die G esuchstellerin w erde schon aus beruflichen G ründen fristgerecht in ihre H eim at zurückkehren. G em äss der im G esuchsverfahren eingereichten Arbeitgeberbescheinigung ist sie seit dem 1. O ktober 2005 als Verkäuferin bei einer Firm a in G llogoc ange- stellt und verdient dabei m onatlich 300 Euro. D er Arbeitgeberbescheini- gung, datiert vom 20. M ärz 2006, kann w eiter entnom m en w erden, dass die Arbeitgeberin bereit w ar, der G esuchstellerin 18 Ferientage sow ie 42 Tage unbezahlten U rlaub zu gew ähren. Zum einen erstaunt tatsächlich, dass einer Arbeitnehm erin nur schon w enige M onate nach Stellenantritt nicht nur der Ferienanspruch für ein ganzes Jahr, sondern darüber hinaus auch noch unbezahlter U rlaub gew ährt w ird. Zum andern fällt auf, dass die beabsichtigte Besuchsdauer w iederholt m it einem M onat beziffert w urde, andererseits aber gem äss der Arbeitgeberbestätigung eine Abw esenheit vom Arbeitsplatz w ährend sechzig Arbeitstagen (w as ungefähr drei M ona- ten tatsächlicher Abw esenheit entsprechend dürfte) geplant und bew illigt w urde, w obei die Arbeitgeberin in ihrer Erklärung sow ohl die Ferien w ie auch den unbezahlten U rlaub in Verbindung m it dem Besuchsaufenthalt in der Schw eiz brachte. D iese U m stände sprechen nicht nur gegen ein be- sonderes berufliches Engagem ent, sondern lassen Zw eifel darüber auf- kom m en, ob nicht über den deklarierten einm onatigen Besuchsaufenthalt hinaus w eitergehende Zw ecke verfolgt w erden. 5.3 Vor dem aufgezeigten persönlichen und allgem einen H intergrund durfte die Vorinstanz dem nach davon ausgehen, dass keine hinreichende G e- w ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise der G esuch- stellerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht. D iese Beurteilung kann durch die Zusicherung des Beschw erdeführers nicht in Frage gestellt w er-6 den. D iese ist rechtlich nicht verbindlich und faktisch auch nicht durchsetz- bar. D er Beschw erdeführer kann zw ar für gew isse finanzielle R isiken im Zusam m enhang m it dem geplanten Besuchsaufenthalt, aus naheliegenden G ründen aber nicht für ein bestim m tes Verhalten seines G astes garantie- ren. Letztlich bleibt es diesem anheim gestellt, ob er sich an die deklarier- ten Vorgaben halten w ill oder nicht. 6. Aus vorstehenden D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist deshalb abzuw eisen. 7. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w ird der unterliegende Be- schw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver- w altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdeführer aufer- legt. Sie sind durch den am 22. Septem ber 2006 in gleicher H öhe geleiste- ten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten 2 237 107 zurück) D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: A. Trom m er D . Kaufm ann Versand am :