Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. April 2020 (725 19 171 / 82) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Rückweisung an den Unfallversicherer zur nochmaligen medizinischen Abklärung der Unfallkausalität von Schulter- und Fussbeschwerden Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter in Susanne Afheldt, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Elisabeth Maier, Advo- katin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen SWICA Versicherungen AG , Rechtsdienst, Römerstrasse 37, Post- fach, 8401 Winterthur, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. A.____, geboren 1962, arbeitete seit dem 1. Sept ember 2016 als Pflegehelferin im Pfle- geheim B.____ und war bei der SWICA Versicherungen AG (SWICA) obligatorisch unfallversi- chert. Am 19. November 2016 erlitt sie auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall. Sie geriet mit ihrem E-Bike bei Regen in eine Tramschiene und stürzte. Dabei zog sie sich eine Tibiaplateauimpres- sionsfraktur am linken Knie zu, die einen Spitalaufenthalt und zwei operative Eingriffe notwendig Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht machte. Die Versicherte litt in der Folge auch an Besch werden an der linken Schulter sowie am linken Fuss. Ab Unfalltag trat eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit ein. Das Arbeitsverhältnis wurde von der Arbeitgeberin per 17. Februar 2017 gekündigt. Die SWICA erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistun gen. Zur Beurteilung des medizini- schen Sachverhalts liess sie die Versicherte durch die SMAB AG Bern (SMAB) bidisziplinär neu- rologisch-orthopädisch abklären (Gutachten vom 30. April 2018). Gestützt auf dieses Gutachten stellte die SWICA mit Verfügung vom 15. Juni 2018 ihr e Leistungen per 31. Mai 2018 ein. Sie hielt fest, dass die Fuss- und Schulterbeschwerden nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit natürlich kausal auf das Unfallereignis zurückzuführen seien, weshalb die Leistungspflicht hierfür abgelehnt werde. Einzig die Beschwerden am linken Kniegelenk seien auf den Unfall zurückzuführen. Diesbezüglich sei ab dem 31. Mai 2018 nicht mehr mit einer namhaf- ten Besserung des Gesundheitszustands zu rechnen. Daher b estehe ab dem 1. Juni 2018 kein Anspruch mehr auf Heilbehandlungen, Kostenvergütungen und Taggelder, ausser im Rahmen von Spätfolgen und Rückfällen. Ein Anspruch auf eine Rente bestehe bei einem Invaliditätsgrad von nur 6 % nicht. Der Integritätsschaden aufgrund der unfallbedingten Knieschädigung betrage 10 %. A.____ erhob gegen diese Verfügung Einsprache und reichte weitere medizinische Unter- lagen ein. In der Folge beauftragte die SWICA die SMAB, dazu Stellung zu nehmen. Mit Beurtei- lung vom 4. Dezember 2018 hielt die SMAB fest, dass sic h aus den nachträglich eingereichten Berichten und den Ausführungen in der Einsprache kein e Gründe ergeben würden, um von der Einschätzung des Gutachtens vom 30. April 2018 abzuweichen. Gestützt darauf wies die SWICA mit Einspracheentscheid vom 12. April 2019 die Einsprache ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Eli sabeth Maier, mit Eingabe vom 24. Mai 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landscha ft, Abteilung Sozialversicherungs- recht. Sie liess unter o/e-Kostenfolge beantragen, es sei der Einspracheentscheid vom 12. April 2019 aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. In verfahrensrecht- licher Hinsicht ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung mit ihrer Rechts- vertreterin als unentgeltlicher Rechtsbeiständin. C. Mit Vernehmlassung vom 11. Juli 2019 schloss die Beschw erdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 27. November 2019 wies die instru ierende Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts das Gesuch der Beschwerdeführerin um Bewilli- gung der unentgeltlichen Verbeiständung aufgrund eine s Einnahmenüberschusses ab. Die da- gegen von der Beschwerdeführerin am 3. Dezember 2019 vorsorglich erhobene Einsprache wurde am 3. Februar 2020 zurückgezogen. Gleichentags liess die Beschwerdeführerin ihre Rep- lik einreichen. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren bisherigen Auffassungen fest. E. Mit Verfügung vom 12. März 2020 wurde die Angeleg enheit dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird in den Erwä- gungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die frist- und formgerecht beim sachlich wie ö rtlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde vom 24. Mai 2019 ist grundsätzlich einzutreten. In Bezug auf die Integritätsentschä- digung betreffend das linke Knie vertritt die Beschwerdegegnerin die Auffassung, die Beschwer- deführerin habe anlässlich der Einsprache keine diesbezüglichen Beanstandungen vorgebracht, weshalb die Verfügung vom 15. Juni 2018 in diesem Punk t in Rechtskraft erwachsen sei. Im vorliegend angefochtenen Einspracheentscheid führte die Beschwerdegegnerin in Ziffer 3.2 aus, dass der Fallabschluss betreffend das linke Knie und die Festsetzung der Integritätsentschädi- gung unangefochten geblieben seien, daher werde nicht weiter darauf eingegangen. 1.2 Im Verhältnis zwischen Verfügung und Einspracheentsch eid ist nach Art. 52 des Bun- desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicher ungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000 grundsätzlich von einer Parallelität der Gegenstände auszugehen. Anders verhält es sich, wenn eine Teilrechtskraft der Verfügung eintritt. Da das Einspracheverfahren Elemente der strei- tigen Verwaltungsrechtspflege aufweist, gilt gemäss bun desgerichtlicher Rechtsprechung das Rügeprinzip (BGE 131 V 407 E. 2.2.1 mit Hinweisen). D ie Verfügung des Versicherungsträgers tritt deshalb in Teilrechtskraft, soweit sie unangefochten bleibt und nicht von Amtes wegen über- prüft wird (BGE 119 V 347 E. 1c). Wenn sich die Einspr ache somit lediglich auf den Rentenan- spruch bezog und hinsichtlich der Integritätsentschädigun g keine Rechtsbegehren gestellt wur- den, ist eine Verfügung, mit der gleichzeitig über den Anspruch auf Invalidenrente und auf Integ- ritätsentschädigung entschieden wird, bezüglich der Integritätsentschädigung beschwerdeweise nicht mehr anfechtbar (Urteil des Bundesgerichts vom 12. April 2019, 8C_768/2018, E. 2 mit Hinweis auf BGE 119 V 347). 1.3 In ihrer Einsprache vom 17. August 2018 ersuchte die Beschwerdeführerin um Aufhe- bung der Verfügung vom 15. Juni 2018 und um Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen. In der Begründung führte sie in Ziffer 7.5 aus, dass die Einschä tzung der Arbeitsfähigkeit unter Ein- schluss der Schulter- und der Fussbeschwerden im Rahmen der gestellten Rechtsbegehren neu zu beurteilen sei, die notwendigen Abklärungen vorzunehmen seien und ihr danach die gesetzli- chen Leistungen (Rente und IE) auszurichten seien. Damit focht die Beschwerdeführerin ein- spracheweise sowohl im Rahmen des Rechtsbegehrens als auch im Rahmen der Begründung die zugesprochene Höhe der Integritätsentschädigung an. Daher ist ihr, soweit sie in Ziffer 15 der Beschwerde ausführt, der Anspruch auf Integritätsentschä digung als Gesamteinschätzung der Schulter-, Knie- und Fussbeschwerden sei weiterhin Gege nstand der vorliegenden Streitsache, zuzustimmen. Von einer Teilrechtskraft der Verfügung vom 15. Juni 2018 bezüglich der Integri- tätsentschädigung des linken Knies von 10 % kann nicht gesprochen werden. Die Rüge gemäss Ziffer 15 der Beschwerde ist demzufolge materiell zu beurteilen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass auf den 1. Januar 2 017 die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 in Kraft getreten sind. Laut A bs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des UVG vom 25. September 2015 werden jedo ch Versicherungsleistungen für Un- fälle, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestimmungen zugetragen haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. So verhält es sich auch im vorliegenden Fall, weshalb nachfolgend auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug genommen wird. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmäs- sige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfal- les voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemä ss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teil- weiser Arbeitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch ent- steht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der ver sicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu minde stens 10 Prozent invalid ist. Der Renten- anspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besse- rung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfäl- lige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (I V) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt vor aus, dass zwischen dem versicher- ten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (gesundheitliche Beschwerden, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher Kau salzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umst ände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder ni cht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspr echend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Er- eignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicher- ten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädi- genden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ei n natürlicher Kausalzusammenhang be- steht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde im Rahmen der ihr obliegenden Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mögli chkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 142 V 435 E. 1 mit Hinweisen). 3.3 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren u nd der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG) beherrscht. Danach haben Verwaltung und Gericht von A mtes wegen für die richtige und voll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. 3.4.1 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leist ungsansprüche ist die rechtsanwen- dende Behörde auf verlässliche medizinische Entscheidungsgrundlagen angewiesen (BGE 134 V 231 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für d en Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) frei, d.h. ohne Bindung an förm- liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen sind und danach zu entscheiden ist, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuv erlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf bei einande r widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigt werden, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor akten (Anamnese) abgegeben wor- den ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi- nischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweisen). Die bundesgerichtliche Rechtsprechung erachtet es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b mit Hin- weisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). 3.4.2 So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens e ingeholten Gutachten externer Spe- zialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen so- wie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssi- gen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung voll e Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper tise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 3.4.3 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten da rf und soll gemäss Bundesgericht der Erfahrungstatsache Rechnung getragen werden, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf- tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen e her zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). 3.4.4 Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fach personen kommt ebenfalls nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu. A n die Beweiswürdigung sind strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüs- sigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1). 4.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des medizinischen Sachver- halts auf das bidisziplinäre Gutachten der SMAB vom 30. April 2018 (orthopädisches Teilgutach- ten vom 4. April 2018 von Dr. med. C.____, Facharzt fü r Orthopädische Chirurgie und Trauma- tologie des Bewegungsapparates sowie Facharzt für Chirurgie, und neurologisches Teilgutachten vom 12. April 2018 von Dr. med. D.____, Fachärztin für Neurologie). Die Beschwerdeführerin stellt die Beweiskraft dieses Gutachtens in Frage und rügt damit die Verletzung von Art. 43 ATSG. 4.2 Die SMAB diagnostiziert im Gutachten vom 30. April 2018 als unfallrelevante Diagnosen 1. eine knöchern konsolidierte Tibiakopf-Fraktur links (Unfall vom 19. November 2016) nach ope- rativem Eingriff (23. November 2016) mit zwischenzeitli ch erfolgter Metallentfernung ohne ver- bliebenes wesentliches Funktionsdefizit sowie 2. Sensi bilitätsstörungen im Versorgungsgebiet des Nervus peroneus superficialis und Nervus suralis links bei Zustand nach Osteosynthesema- terial-Entfernung posterolaterales linkes Knie sowie Neurolyse des Nervus peroneus communis am 26. Oktober 2017, elektroneurographisch unauffälliger Befund im Januar 2018. Als nicht-un- fallrelevante Diagnose werden 1. unklare Schmerzen und Sensibilitätseinschränkungen des lin- ken Rückfusses bei degenerativen Veränderungen des OSG, insbesondere anterior, und 2. de- generative Veränderungen des linken Schultergelenks mit Zusammenhangstrennung der Rota- torenmanschette, SLAP II-Läsion und Impingementsyndrom, festgehalten. Im Rahmen der versicherungsmedizinischen Beurteilung führt das SMAB auf Seite 16 f. aus, die Veränderungen des linken Schultergelenkes seien nicht m it überwiegender Wahrscheinlichkeit durch das Ereignis vom 19. November 2016 verursacht worden. Nach dem Sturz seien die Schul- terschmerzen erstmalig am 5. Januar 2017, somit zwei Monate später, angegeben und als post- kontusionelle Reizung des AC-Gelenks interpretiert worden. Ein entsprechender Untersuchungs- befund habe eine nahezu vollständig freie Beweglichkeit bei positivem Impingementzeichen ge- zeigt. Am 14. Februar 2018 sei erstmalig eine MRI-Unte rsuchung durchgeführt worden, welche eine ansatznahe, transtendinöse partielle Zusammenhangstrennung der Supraspinatussehne mit Retraktion sowie einen ventralen Labrumschaden im Sinn e einer SLAP II-Läsion gezeigt habe. Wären die Veränderungen posttraumatisch bzw. unfallkausal zuzuordnen, so wäre eine erhebli- che Verletzung des linken Schultergelenks am 19. November 2016 vorauszusetzen. Laut wissen- schaftlicher Meinung sei ein unmittelbarer Anprall gegen/mit dem Schultergelenk nicht geeignet, solchermassen geartete Veränderungen zu verursachen, sondern zum Beispiel eine Luxation des Schultergelenks oder aber eine erhebliche, unkontrolli ert auf das Schultergelenk indirekt durch den Arm einwirkende Kraft, wie zum Beispiel das plötzliche, überfallartige Einwirken des gesam- ten Körpergewichts auf das Schultergelenk wie ein durch den Arm zu verhinderndes Abstürzen. Eine direkte Krafteinwirkung gegen/auf das Schultergelenk bzw. ein Stürzen auf den ausgestreck- ten oder seitlich abgewinkelten Arm sei nicht geeignet, eine Zusammenhangstrennung der Rota- torenmanschette zu verursachen, da hier die schützenden S trukturen eine entsprechende Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Krafteinleitung und Krafteinwirkung verhindern würden. Auch der Verlauf nach dem Unfallereig- nis, das erstmalige Feststellen von Schmerzen in der lin ken Schulter zwei Monate nach dem Unfall und ein entsprechender Crescendoverlauf würden g egen einen Unfallzusammenhang sprechen. Zu fordern wären anfangs erhebliche Befunde des linken Schultergelenks, wie z.B. ein initialer Gelenkserguss, eine Schultergelenksluxation, ei n Hämatom oder eine Verletzung des Weichteilmantels mit einer entsprechenden Decrescendosymptomatik, die mit Sicherheit zu einer entsprechenden Diagnostik zeitnah des Unfalles geführt hätte. 4.3.1 Bevor auf die Argumente der Beschwerdeführerin eingegangen wird, ist vorab die Frage zu klären, in welche Kategorie von Beweismitteln (vgl. dazu Erwägung 3.4 hiervor) das SMAB- Gutachten fällt. 4.3.2 Mit Schreiben vom 21. Juli 2017 erteilte die Be schwerdegegnerin Dr. med. E.____, Fach- arzt FMH für Chirurgie, in Funktion als beratender Arzt den Auftrag für eine Aktenbeurteilung der vorliegenden Angelegenheit (act. 46). Dr. E.____ stel lte der Beschwerdegegnerin am 23. Juli 2017 seine Aktenbeurteilung zu (act. 47). In der Fo lge teilte die Beschwerdegegnerin der Be- schwerdeführerin mit Schreiben vom 12. Februar 2018 mit, dass sie die SMAB mit der Begutach- tung beauftragt habe (act. 91). 4.3.3 Dr. E.____ amtete in der vorliegenden Angeleg enheit somit einerseits als Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin, wobei er selbst nach Zuteilung des Gutachtensauftrages zu materiellen unfallversicherungsrechtlichen Fragen Stellung nahm und die Beschwerdegegnerin in ihrem wei- teren Vorgehen beriet (E-Mail vom 6. März 2018, act. 107). Gleichzeitig trägt er die medizinische Verantwortung für das orthopädisch-neurologische Gutach ten, dessen Verlässlichkeit im vorlie- genden Verfahren von der Beschwerdeführerin gerügt wird. Unter diesen Umständen ist mehr als fraglich, ob das SMAB-Gutachten vom 30. April 2018 al s verwaltungsexternes Gutachten im Sinne der bundesgerichtlichen Richtlinien (vgl. Erwägung 3.4.2 hiervor) bezeichnet werden kann. Eher fällt es in die Kategorie der versicherungsinternen Berichte, bei denen bereits geringe Zwei- fel genügen, um weitere medizinische Abklärungen anzuor dnen. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, kann diese Frage im vorliegenden Verfahren letztlich offengelassen werden. Es ist aber wünschenswert, dass diese äusserst ungewöhnliche Konstellatio n gegenüber den versicherten Personen zukünftig transparent dargelegt wird. 4.4.1 Die Beschwerdeführerin zweifelt den Beweiswert d es SMAB-Gutachtens einerseits mit der Begründung an, der Unfallablauf sei nicht erhobe n oder zur Kenntnis genommen worden. Trotz dieses Umstands werde die fehlende Unfallkausalität unter anderem damit begründet, dass kein in der wissenschaftlichen Lehre beschriebener Unfall hergang stattgefunden habe, welcher zur entsprechenden Verletzung führen könne. Dr. med. F. ____, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Facharzt für Chirurgie, habe im Bericht vom 5. Juli 2018 darauf hingewiesen, dass der Unfallmechanismus in einem Sturz auf den abduzierten und leicht retrovertierten Arm bestan- den habe und durchaus eine entsprechende Verletzung er klären könne. Dr. F.____ habe auch mit Bericht vom 22. Februar 2019 an seiner Auffassung festgehalten, wonach die Schulterverlet- zung durchaus vom genannten Sturz herrühren könne. Die Beschwerdegegnerin legt in der Ver- nehmlassung dar, es sei gestützt auf die Unterlagen nicht erstellt, dass die Beschwerdeführerin, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht so wie von Dr. F.____ mit Stellungnahme vom 5. Juli 201 8 beschrieben, einen Sturz auf den abduzierten und leicht retrovertierten Arm erlitten habe. 4.4.2 Dr. F.____ nimmt in seinem Bericht vom 5. Juli 2018 Stellung zur Verfügung der Be- schwerdegegnerin vom 15. Juni 2018 und hält fest, er sei nach Studium der Akten, der klinischen Untersuchung und in Übereinstimmung mit dem behandelnden Schulterorthopäden klar der Mei- nung, dass der Entscheid falsch sei. Es sei überwiegend wahrscheinlich, dass die diagnostizierte Supraspinatussehnenruptur eine direkte Folge des Unfal lereignisses sei. Der Unfallmechanis- mus, ein Sturz auf den abduzierten und leicht retroverti erten (= rotierten) Arm (beim Anzeigen des Abbiegens), könne durchaus eine solche Verletzung er klären. Die Supraspinatussehne reisse bei solchen Traumata am häufigsten (mit Hinweis auf Arthroscopy, 2013, Feb, 29(2): 366- 76). 4.4.3 Die Beschwerdegegnerin unterbreitete den Bericht von Dr. F.____ der SMAB. In der Stellungnahme vom 4. Dezember 2018 hält Dr. C.____ f est, dass die Unfallanamnese mit der Versicherten ausführlich aufgenommen und erörtert worden sei. Das Einsatzprotokoll der Sanität Basel vom 19. November 2016 gebe keine Aufschlüsse über die Art des Sturzes. Die Ausführun- gen von Dr. F.____ würden nicht den allgemeinen Erfa hrungswerten und Richtlinien für die Be- gutachtung von Schulterverletzungen entsprechen. Der zitierte Artikel aus dem Jahr 2013 bringe keine weiteren Erkenntnisse, bei Bedarf könne er Liter aturstellen bezüglich der Begutachtung und Genese der Rotatorenmanschettenläsion beifügen. Di e natürliche Kausalität der Schulter- verletzung sei nicht ausschliesslich unter Hinweis auf den U nfallhergang abgewiesen worden, sondern vor dem Hintergrund der entscheidungsrelevanten Parameter. Der Unfallhergang sei nicht geeignet, die später festgestellten Veränderungen zu verursachen, wie auf S. 35 des Gut- achtens erläutert worden sei. 4.4.4 Dr. C.____ hält in seinem Teilgutachten (S. 29) zum Unfallhergang fest, dass die Versi- cherte am 19. November 2016 mit dem Velo ausgerutscht, auf die linke Körperhälfte gefallen und liegengeblieben sei und sofort Schmerzen der gesamten linken Seite und des linken Kniegelen- kes bestanden hätten. Sie sei mit dem Krankwagen ins Spi tal gebracht worden. Ein weiteres Nachfragen zum genauen Hergang des Sturzes oder auch zu den äusseren Umständen, unter denen der Unfall passierte, lässt sich seinem Gutachten nicht entnehmen. Es handelt sich – ent- gegen der von ihm mit Stellungnahme vom 4. Dezember 2018 vertretenen Auffassung, dass mit der Explorandin ausführlich die Unfallanamnese und der Verlauf aufgenommen und erörtert wor- den seien –, um einen äusserst rudimentären Beschrieb de s Unfallherganges. Auch in seiner Stellungnahme vom 4. Dezember 2018 benennt er keinen konkreten Unfallhergang oder setzt sich substantiiert mit den Angaben der Beschwerdeführerin oder denjenigen von Dr. F.____ aus- einander. Wenn die versicherte Person angibt, dass sie auf die linke Körperhälfte gefallen ist, ist gerade bei einer Schulterverletzung eingehender und detailliert vom medizinischen Experten ab- zuklären, wie die Position des Armes war, weshalb es zum Sturz kam, wie sich die Schmerzen danach präsentierten etc. Ob es effektiv zu einem Direktanprall der Schulter gekommen ist, ergibt sich folglich nicht aus dem von Dr. C.____ beschriebenen Unfallhergang; ein Sturz auf die linke Körperhälfte bedeutet nicht per se, dass der Arm körpernah gehalten wurde. Damit zeigt sich das Gutachten in diesem Punkt als zu ungenau, weshalb die Schlussfolgerung von Dr. C.____, dass Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein direkter Sturz auf die Schulter nicht geeignet sei, eine Verletzung der Supraspinatussehne zu verursachen, im konkreten Fall nicht zu überzeugen vermag. Es bedarf damit weiterer Abklärun- gen, um rechtsgenüglich über die Unfallkausalität der Schulterbeschwerden entscheiden zu kön- nen. 4.5.1 Weiter stellt die Beschwerdeführerin den Beweis wert des SMAB-Gutachtens in Frage, da die Auffassung von Dr. C.____, das erstmalige Feststellen der Schmerzen in der linken Schul- ter hätte erst zwei Monate nach dem Unfall stattgefunden, unzutreffend sei. Es könne substanti- iert belegt werden, dass die Schulterbeschwerden nicht erstmals nach zwei Monaten aufgetreten seien. Die Beschwerdegegnerin weist in diesem Zusammenh ang lediglich darauf hin, dass die Verneinung des Kausalzusammenhangs nicht nur aufgrund de s Zeitpunktes des Auftretens der Schmerzen erfolgt sei, sondern auch aufgrund des Unfal lhergangs und der festgestellten Ge- sundheitsschädigung. 4.5.2 Dr. F.____ führt diesbezüglich in seiner Stell ungnahme vom 5. Juli 2018 aus, die Verlet- zung sei initial im Spital G.____ nicht erkannt worde n, was weder der Versicherten noch dem Spital G.____ anzulasten sei, da die operative Behand lung der Tibiaplateaufraktur im Vorder- grund gestanden sei. Insbesondere bei jüngeren Patienten sei zu beobachten, dass das Ausmass einer Schulterverletzung auf der funktionellen Ebene erst nach Monaten sichtbar werden könne. Somit sei die geforderte zeitliche Nähe des Symptombeginns zum Unfallzeitpunkt kein gutes Kri- terium. Dr. C.____ habe lediglich an die Dokumente des Spitals G.____ angeknüpft. Diese wür- den zudem eine falsche Diagnose enthalten, die als Beleg herhalten müsse, dass angeblich ein chronisches Schulterleiden bestanden habe. Die inkriminierte AC-Gelenksarthrose sei eine Fehl- diagnose. Im MRT vom 14. Februar 2018 sei nur die Red e von einer geringen und zudem nicht aktivierten AC-Gelenksarthrose; dies in Übereinstimmung mit dem konventionellen Schulterrönt- gen vom Februar 2017, wo festgestellt werde, dass keine wesentliche AC-Arthrose bestehe. Wer den MRT-Befund vom 14. Februar 2018 lese, stelle fest, dass keine Zeichen für chronisch dege- nerative Prozesse der linken Schulter nachweisbar seien. M it Schreiben vom 22. Februar 2019 führt Dr. F.____ aus, dass er die Diskussion, ab wann wel ches Symptom begonnen habe, in diesem Zusammenhang für wenig hilfreich halte. Es sei in der Medizin ein bekanntes Phänomen, dass Symptome nach einem Trauma je nach Ausmass der anderen Verletzungen erst verspätet auftreten und erkannt würden. Die Patientin berichte, bis zum Unfall vollständig arbeitsfähig ge- wesen zu sein und die Arbeit im Pflegebereich ohne Einschränkung durchgeführt zu haben. Das mache ein schweres Schulterproblem vor dem Unfall unwahrscheinlich. 4.5.3 Dr. med. H.____, FMH Orthopädische Chirurgie u nd Traumatologie, hält mit Bericht vom 9. Juli 2018 fest, dass sich in der klinischen Untersuchung ei ne deutliche Einschränkung der Schulterfunktion mit zusätzlicher scapulothorakaler Dyskinesi e links zeige. Die Rotatorenman- schettenuntersuchung zeige Schmerzen bei der Prüfung de r posterosuperioren Rotatorenman- schette. Zum Ausschluss einer traumatischen Supraspinatussehnenruptur nach dem Polytrauma vom November 2016 habe er eine Arthro-MRI-Untersuchun g der linken Schulter in die Wege geleitet. Die radiologische Abklärung zeige eine transmurale Supraspinatussehnenruptur (Double layer) mit Retraktion Grad I-II nach Patte. Die Muskula tur scheine nicht atrophisch zu sein. Es Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht zeige sich eine Verfettung Grad I der Supra- und Infraspinatusmuskel nach Goutallier. In Zusam- menschau der Anamnese, dem klinischen und radiologischen Befund habe die Diagnose einer traumatischen Supraspinatussehnenruptur gestellt werden können. Die traumatische Genese der Verletzung sei seiner Auffassung nach klar. Bereits im Be richt vom 28. Februar 2018 diagnosti- ziert Dr. H.____ eine traumatische transmurale Supraspinatussehnenruptur Grad I nach Patte mit sekundärer scapulo-thorakaler Dyokinosie Schulter links nach d em Unfall vom 19. November 2016 (act. 50). 4.5.4 Dem Bericht über das MRT des Schultergelenkes links vom 14. Februar 2018 und der Arthrographie Schulter für MR links vom 14. Februar 20 18 kann sodann entnommen werden, dass eine geringe AC-Arthrose und keine Omarthrose bestehe (act. 181). 4.5.5 Dr. C.____ hält in seiner Stellungnahme vom 4. Dezember 2018 – nach Einsichtnahme in die zuvor zitierten Berichte – weiterhin an seiner B ehauptung fest, der Sachverhalt stelle sich in den vorliegenden Aktenunterlagen so dar, dass Schult erschmerzen erstmals am 5. Januar 2017, also zwei Monate nach dem Ereignis, dokumentier t worden seien. Diese seien als post- kontusionelle Reizung des AC-Gelenkes interpretiert wor den. Der entsprechende Untersu- chungsbefund habe eine nahezu vollständige freie Bewe glichkeit erbracht. Bei einer traumati- schen Läsion der Rotatorenmanschette wären erhebliche Befunde des linken Schultergelenks zu fordern. Hier sei auf Seite 35 des Gutachtens zu verweise n. Die Versicherte sei am 28. März 2018 ganzkörperlich neurologisch/orthopädisch untersucht worden. Die Untersuchungsbefunde seien dokumentiert worden. Die klinischen Untersuchungsbefunde von Dr. H.____ im Sinne einer deutlichen Einschränkung der Schulterfunktion mit zusätzli cher skapulothorakaler Dyskinesie links hätten anlässlich der gutachterlichen Untersuchung n icht nachvollzogen werden können. Auch die Erläuterung von Dr. H.____, wieso die trau matische Genese der Verletzung klar sei, fehle. Die Einholung fremdanamnestischer Angaben von Dr. H.____ seien für die Abklärung der Unfallkausalität nicht erforderlich gewesen. Die Einschät zung des Spitals G.____ bezüglich der AC-Gelenksarthrose sei nicht massgeblich gewesen für di e Einschätzung der Kausalität. Inwie- fern hier zudem eine Fehldiagnose vorliege, sei nicht klar. Sein Gutachten erfülle alle bundesge- richtlichen Kriterien. 4.5.6 Die Beschwerdeführerin reichte im Rahmen ihrer E insprache die Berichte des Pflege- dienstes des Spitals G.____ ein. Aus diesen geht hervor, dass die Beschwerdeführerin bereits kurz nach dem Unfall über Beschwerden an der Schulter klag te. Der Pflegedienst verabreichte ihr am 20. und 22. November 2016 infolge der Schulterschmerzen auf der linken Seite jeweils ein Flektorpflaster. Auch dem Beschrieb des Spitals G.____ vom 9. Januar 2017 kann bezüglich des Verlaufs entnommen werden, dass streng bewegungsabhäng ige Schmerzen über der linken Schulter bestehen würden, die sich unmittelbar im Zusam menhang mit dem Unfall manifestiert hätten, aber bis dato im Hintergrund gestanden seien. Die Beschwerden waren offensichtlich so gross, dass im Rahmen des Spitalaufenthaltes am 28. November 2016 auch eine Röntgendiag- nostik infolge der klinischen Diagnose einer Thoraxkontusi on links in Auftrag gegeben wurde. Damit steht ohne Weiteres fest, dass die Beschwerdeführerin unmittelbar nach dem Unfall bereits Schulterschmerzen äusserte und die Schulterbeschwerden nich t erstmals nach zwei Monaten aufgetreten sind. Soweit Dr. C.____ trotz Kenntnis der Einträge in der Krankengeschichte und Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Stellungnahme von Dr. F.____ weiter daran festhält, dass Schulterschmerzen erstmals knapp zwei Monate nach dem Unfall dokumentiert worden seien, ist diese Haltung nicht nachvollziehbar. Seine Schlussfolgerung zum Kausalzusammenhang beruht damit auf offensichtlich falschen Tat- sachen. Damit ging Dr. C.____ bei der Beurteilung der natürlichen Kausalität von nachweislich falschen Prämissen aus, weshalb nicht auf seine Beurteilung abgestellt werden kann. 4.6 Die Beurteilung von Dr. C.____ vermag aus einem weiteren Grund nicht zu überzeugen. Dr. F.____, der den schweizerischen Facharzttitel eines C hirurgen trägt, verweist auf medizini- sche Literatur aus dem Jahr 2013. Dr. C.____ tut diesen Nachweis einfach mit dem pauschalen Hinweis ab, dass diese Auffassung nicht den allgemein anerkannten Erfahrungswerten und Richt- linien für die Begutachtung von Schulterverletzungen e ntspreche, ohne selbst irgendeinen Hin- weis auf entsprechende medizinische Fachliteratur zu geben. Daher ist auch die Behauptung der Beschwerdegegnerin auf Seite 3 der Vernehmlassung, wonach Dr. C.____ bei der Erstellung des Gutachtens den neuesten Stand des medizinischen Wissens ang ewendet haben, nicht belegt. Dr. C.____ setzt sich auch nicht in qualifizierter Weise mit den Auffassungen von Dr. F.____ und Dr. H.____ auseinander. Der Auffassung der Beschwerdegegnerin ist nicht zu folgen, soweit sie in der Vernehmlassung auf Seite 4 auf die Praxis des Bundesgerichts verweist, wonach zwischen medizinischen Behandlungs- und Aufklärungsauftrag unterschieden werden müsse und es nicht angehen könne, eine medizinische Administrativ- oder eine Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen, wenn die behandelnden Ärzte zu unterschiedli chen Einschätzungen gelangen. Wie bereits in Erwägung 4.3 hiervor dargelegt, entspricht das vorliegende Gutachten der SMAB eher einem versicherungsinternen als einem unabhängigen verw altungsexternen Gutachten. Damit können die Beurteilungen von Dr. H.____ und von Dr. F.____ nicht einfach unter Hinweis auf ihren Behandlungsauftrag in der Beweiswürdigung weni ger gewichtet werden. Bei Dr. H.____ handelt es sich zudem um einen ausgewiesenen Spezialarzt , dessen Kernkompetenzen in der Behandlung von Schultern und Ellbogen sowie Sportverl etzungen an den oberen Extremitäten liegen, und dessen Curriculum im Internet jederzeit ab rufbar ist. Auch das Curriculum von Dr. F.____ ist im Internet jederzeit einsehbar. Demgegenüb er ist über die fachliche Spezialisierung von Dr. C.____ nichts bekannt. Es ist auch nicht bekannt, ob er noch klinisch tätig ist. 4.7 Damit zeigt sich, dass mehrere Gründe gegen die Bew eistauglichkeit des SMAB- Gutachtens sprechen, weshalb gestützt darauf nicht zuve rlässig beurteilt werden kann, ob die Schulterbeschwerden unfallkausal sind. 4.8.1 Auch in Bezug auf den linken Fuss enthält das SM AB-Gutachten gewisse Unklarheiten. Dr. C.____ listet in seinem orthopädischen Teilgutachten die unklaren Schmerzen und Sensibili- tätseinschränkungen des linken Rückfusses als nicht unfallrelevante Diagnose auf, obwohl er auf Seite 35 festhält, dass die Bewertung der Sensibilitätsschwäche des linken Rückfusses dem neu- rologischen Gutachter überlassen bleibe. Dr. D.____ li stet als unfallrelevante Diagnosen Sensi- bilitätsstörungen im Versorgungsgebiet des Nervus peroneus superficiialis und suralis links auf. Nicht-unfallrelevante Diagnosen nennt sie keine. Wieso Dr. D.____ die unklaren Schmerzen und Sensibilitätseinschränkungen im linken Rückfuss nicht in der Diagnoseliste aufführt, wird in der Konsensbeurteilung nicht erklärt, stattdessen werden auf Seite 15 des Gutachtens unklare Be- schwerden und Sensibilitätseinschränkungen des linken Rück fusses als unfallfremde Diagnose Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufgelistet. Die Beschwerdeführerin jedenfalls schilderte ihre Fussbeschwerden beiden Ärzten in ähnlicher Weise. 4.8.2 Weiter sind Widersprüchlichkeiten auszumachen, ind em Dr. C.____ auf Seite 28 fest- hält, dass das Spital G.____ gestützt auf das MRI vom 23. Februar 2017 im Wesentlichen dege- nerative Befunde festgestellt habe. Das Spital G.____ führt im Bericht vom 3. März 2017 jedoch aus, dass die Beschwerden im Fuss durch das Knochenmarködem im anterioren distalen Tibia- bereich erklärt würden, das entweder bedingt sei durch beginnende degenerative Veränderungen oder durch eine Überlastung im Rahmen des Belastungsaufbaus nach der langen Ruhigstellung und Entlastung aufgrund der Tibiaplateaufraktur. Weshalb Dr. C.____ die Überlastung als Folge der Knieoperation ausser Acht lässt, erklärt er nicht. Dr. D.____ hingegen zitiert den Bericht des Spitals G.____ richtig, indem sie festhält, dass es im R ahmen des Belastungsaufbaus zu einer Überlastung des linken Rückfusses gekommen sei. In der Konsensbesprechung setzen sich die Gutachter aber nicht mit diesem Widerspruch auseinander , da aus gesamtmedizinischer Sicht auf Seite 16 f. bezüglich des linken oberen Sprunggele nks und des linken Fusses lediglich die Beurteilung von Dr. C.____ wortwörtlich wiedergegeben wird. 4.8.3 Somit bestehen auch bezüglich der gesundheitli chen Problematik des linken Fusses so- wie der Unfallkausalität dieser Beschwerden Zweifel an der Verlässlichkeit des SMAB- Gutachtens, weshalb auch hier eine medizinische Abklärung im Sinne von Art. 44 ATSG notwen- dig ist, um die Frage verlässlich beantworten zu können. 5.1 Die Beschwerdeführerin moniert sodann die Integri tätsentschädigung für den Integritäts- schaden des linken Knies. Die Höhe von 10 % sei von der Beschwerdegegnerin nicht weiter be- gründet worden. 5.2 Die Beschwerdegegnerin hält in der Verfügung vom 15. Juni 2018 lediglich fest, dass der Integritätsschaden aufgrund der unfallbedingten Knieverletzung 10 % betrage. Im Gutachten der SMAB wird sodann in Ziffer 9 auf Seite 22 ausgeführt, dass eine Verletzung des linken Knie- gelenks im Sinne einer lateralen Tibiakopffraktur mit Beteiligung der Eminentia intercondylaris zu nennen sei. Es bestehe für die Zukunft ein Restrisiko e iner posttraumatischen Arthrose, auch wenn aktuell ein erfreulicher, nahezu unauffälliger Untersuchungsbefund des linken Kniegelenks festzustellen sei. Insofern werde der Integritätsschaden auf 10 % geschätzt gemäss Tabelle 5 der Suva. 5.3 Da dem Gutachten des SMAB kein Beweiswert zukommt, kann für die Beurteilung des Integritätsschadens nicht darauf abgestellt werden. Damit ist auch dieser Punkt erneut im Rah- men einer neuen Begutachtung abzuklären. Selbst wenn dem SMAB-Gutachten Beweiswert zu- kommen würde, würde der pauschale Hinweis von Dr. C.____ auf die Tabelle 5 der Suva nicht genügen, um die von ihm festgelegte Höhe des Integritätsschadens nachvollziehbar zu machen. Der medizinische Experte bzw. die medizinische Expertin i st angehalten, in nachvollziehbarer Weise darzulegen, wie er bzw. sie zum Wert von 10 % gelangt. Ein pauschaler Hinweis auf eine Tabelle genügt nicht. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Zusammenfassend ergibt sich aus dem Gesagten, dass die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutgeheissen wird, als der Einspracheentscheid vom 12. April 2019 aufgehoben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. Die Beschwerdegegnerin wird die Angelegenheit durch Einholung eines externen orthopädisch-neurologischen Gutachtens und un- ter Berücksichtigung der Verfahrensvorschriften von Art. 44 ATSG medizinisch abzuklären ha- ben. Dabei sind Abklärungen betreffend das linke Knie, die linke Schulter und den linken Fuss zu treffen, wobei insbesondere die Beschwerden, ihre Unfallkausalität, die dadurch verursachte Ar- beitsunfähigkeit sowie der Integritätsschaden erneut aus gesamtmedizinischer Sicht zu beurtei- len sind. In Bezug auf die Schulterproblematik ist mit den Parteien einig zu gehen, dass ein hoch- qualifizierter Spezialist bzw. eine hochqualifizierte Spezialistin mit vertieften medizinischen Fach- kenntnissen in der Schulterorthopädie mit der Beurtei lung der Frage zu betrauen sein wird, ob eine degenerative oder traumatische Läsion der Rotato renmanschette vorliegt. Dabei wird sich die Fachperson auch mit den neuesten medizinischen Publ ikationen zu diesem Thema ausei- nander zu setzen haben. 7. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahre ns zu befinden. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Person Anspruch a uf Ersatz ihrer Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Hebt das Kantonsgericht einen bei ihm angefochtenen Einspracheentscheid auf und weist es die Angelegenheit zu weiteren Ab- klärungen an die Beschwerdegegnerin zurück, so gilt in p rozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als obsiegend und hat Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Der in der Hono- rarnote vom 13. März 2020 für das vorliegende Verfahre n geltend gemachte Zeitaufwand von 14 Stunden und 15 Minuten erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung ge langenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifo rdnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen im Umfang von Fr. 263.40. Der Beschwerdeführerin ist demnach eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 4'120.30 (14 Std. und 15 M in. à Fr. 250.-- plus Fr. 263.40 sowie 7.7% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochtene Einspracheentscheid vom 12. April 2019 aufgehoben und die Angele- genheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägun gen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückge- wiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 4'120.30 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht