Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. Oktober 2020 (725 20 145 / 244) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes durch punktuelle kreisärztliche Abklä- rungen im Einsprache- und Beschwerdeverfahren zur Beurteilung später beigebrachter Berichte behandelnder Ärzte. Wurde eine prinzipiell bildgebend nachweisbare Verletzung in einer bildgebenden Unter- suchung nicht nachgewiesen, so kann eine hiervon divergierende in Aktenbeurteilung ergangene Verdachtsdiagnose keine auch nur geringen Zweifel hieran wecken. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber i.V. Stefan A. Buchwalder Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Jan Herrmann , Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A.1 Die 1960 geborene A.____ war seit dem 1. Novembe r 1997 als Abteilungsleiterin Ver- kauf/Marketing bei der Stiftung B.____ in W.____ täti g. In dieser Eigenschaft war sie bei der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schweizerischen Unfallversicherungsgesellschaft (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Be- rufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 11. Mai 201 8 befand sie sich in X.____, auf dem Autobahn-Pannenstreifen, als ein Lastkraftwagen in ihren Anhänger prallte und A.____ zwischen Anhänger und Leitplanke eingeklemmt wurde. Dabei zog si e sich Kontusionen im Bereich des Abdomens und im Bereich des unteren linken Beines zu; schwere Verletzungen konnten jedoch am folgenden Tag in der Erstuntersuchung im Krankenha us von Y.____, ausgeschlossen wer- den. Die Suva erbrachte für die Folgen dieses Unfallereignisses die gesetzlichen Versicherungs- leistungen (Taggelder und Heilbehandlungskosten). A.2 Mit Schreiben vom 22. Januar 2019 teilte die Suva A.____ unter Hinweis auf die Errei- chung des status quo sine spätestens am 31. Dezember 2018 sowie den hieraus ergeb enden fehlenden natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang hinsichtlich der verbleibenden Be- schwerden mit, dass sie ihre Leistungen aus der obligatori schen Unfallversicherung auf den 22. Januar 2019 hin einstellen würde. Hiergegen erhob A.____ am 14. Februar 2019 Einwand. Nach diversen Aktenbeurteilungen und einer kreisärztliche n Untersuchung erklärte die Suva A.____ mit Verfügung vom 11. Juni 2019 die Einstellu ng der Leistungen per selbigem 11. Juni 2019. A.3 Dagegen erhob A.____, vertreten durch lic.iur. Al ain Blum, Assista Rechtsschutz AG, mit Schreiben vom 11. Juli 2019 Einsprache gegen die V erfügung und beantragte die weitere Ausrichtung von Versicherungsleistungen in Form von Heilungs- und Therapiekosten sowie even- tualiter die Einholung eines versicherungsexternen fach medizinischen Gutachtens. Sie begrün- dete dies damit, dass die noch bestehenden Leiden als Folge des Unfalls anzusehen seien, wes- halb ihr die gesetzlichen Leistungen auch weiterhin auszu richten seien. An der kreisärztlichen Beurteilung ihres Zustandes würden durch die beigebra chten Berichte der behandelnden Ärzte Zweifel geweckt, weshalb der Suva der Beweis für den Wegfall des ursächlichen Kausalzusam- menhangs nicht gelungen sei. Mit Entscheid vom 18. Mä rz 2020 wies die Suva die Einsprache unter erneutem Hinweis auf den fehlenden Kausalzusammenhang sowie auf die Stellungnahmen von Dr. med. C.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs- apparates, Kreisarzt Suva Basel, ab. B. Gegen den Einspracheentscheid der Suva erhob A.__ __, vertreten durch lic.iur. Jan Her- mann, Advokat, am 14. April 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) und beantragte die über das Einstellungsdatum hin- ausgehende Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen aus der Unfallversicherung. Eventualiter sei durch das Kantonsgericht ein orthopädisch-manualtherapeutisches Gerichtsgutachten anzu- ordnen und neu über den Leistungsanspruch zu urteilen . Darüber hinaus sei die Beschwerde- gegnerin zu verpflichten, ihr die vorprozessual eingeholte medizinische Expertise mit Kosten im Umfang von Fr. 562.06 zu erstatten; dies unter o/e Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegeg- nerin. C. In ihrer Vernehmlassung vom 19. Mai 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin, unter Hinweis auf die ausführliche Stellungnahme von PD Dr. med. D.____, Facharzt für Orthopädische Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Fachgruppe Chirurgie Suva, die Abwei- sung der Beschwerde. D. Mit Replik vom 12. Juni 2020 hielt die Beschwerdefü hrerin an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in Z.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungs- träger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich z ur Behandlung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde ist dem- nach einzutreten. 2. Materiell streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin über den 11. Juni 2019 hinaus Anspruch auf Leistungen der obli gatorischen Unfallversicherung hat. Das Sozialversicherungsgericht stellt dabei auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Ein- spracheentscheids eingetretenen Sachverhalt ab; vorliegend also auf den 18. März 2020 (BGE 143 V 411 E. 2.1, 134 V 397 E. 6, 116 V 248 E. 1a). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 144 V 213 E. 4.3.1, 130 V 140 E. 2.1, BGE 117 V 293 E. 4). Sie sind nur insoweit zu berücksich- tigen, als sie mit dem Streitgegenstand in einem engen Sachzusammenhang stehen und geeig- net sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungser lasses zu beeinflussen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 18. September 2015, 9C_341/2015, E. 3.3, vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.1 und vom 12. Juni 2007, 9C_101/2007, E. 3.1). 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsun- fällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Die Leistungspflicht eines Unfallversiche- rers gemäss UVG setzt dabei voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem einge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tretenen Schaden (Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher und ein adäquater Kausalzu- sammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 10. März 2020, 8C_627/2019, E. 3.2). 3.2 Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhang s sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetre ten gedacht werden kann. Es genügt, wenn das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis- tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall also nicht weggedacht werden kann, ohne dass die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 142 V 438 E. 1, 129 V 181 E. 3.1; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 6 . Juni 2018, 8C_813/2017, E. 3.2, in SVR 2018 UV Nr. 42 S. 151). Das Vorliegen eines natürliche n Kausalzusammenhangs ist eine Tat- frage und muss daher mit dem im Sozialversicherungsrecht üb lichen Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden (BGE 119 V 338 E. 1; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 21. Januar 2020, 8C_623/2019, E. 2.1.2). Hierfür reicht es jedoch nicht aus, wenn – im Sinne der Formel “post hoc ergo propter ho c“ – die Schädigung schon dann als durch einen Unfall verursacht angesehen würde, weil sie nach diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 341 E. 2b/bb; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 29. Mai 2020, 8C_241/2020, E. 3, vom 21. August 2015, 8C_331/2015, E. 2.2.3.1, in: SVR 2016 UV Nr. 18 S. 57 und vom 9. November 2009, 8C_626/2009, E. 3.2, in: SVR 2010 UV Nr. 10 S. 41). 3.3 Als adäquate Ursache eines Erfolgs gilt ein Ereigni s dann, wenn es nach dem gewöhn- lichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfah rung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2, 125 V 461 E. 5a; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 21. Januar 2020, 8C_623/2019, E. 2.2 ). Die Adäquanz als rechtliche Ein- grenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfall- versicherers spielt im Bereich organisch objektiv ausgewiese ner Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 138 V 250 E. 4, 134 V 111 E. 2, 127 V 103 E. 5b/bb; vgl. auch U rteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2020, 8C_518/2019, E. 3, in: SVR 2020 UV Nr. 27 S. 111). Objektivierbar sind Untersuchungser- gebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Unt ersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärun- gen bestätigt wurden und die hierbei angewendeten U ntersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (BGE 138 V 251 E. 5.1; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 17. März 2020, 8C_106/2020, E. 3, vom 10. März 2020, 8C_627/2019, E . 3.2, vom 21. Januar 2020, 8C_623/2019, E. 2.2, und vom 9. Mai 2019, 8C_53/2019, E. 2.2, in: SVR 2019 UV Nr. 40 S. 150). 3.4 Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderl ichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst , wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn al so Letzter nur noch und aus- schliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesund- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht heitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante) oder aber derje- nige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist. Selbiges gilt dann, wenn durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert o der überhaupt erst manifest wird. Die versicherte Person hat bis zum Erreichen des Status quo sine vel ante deshalb Anspruch auf eine zweckgemässe Behandlung und allenfalls Taggelder (vgl. Ur teile des Bundesgerichts vom 20. Juni 2020, 8C_956/2011, E. 4.2, vom 29. Januar 20 20, 8C_614/2019, E. 5.2, in: SVR 2020 UV Nr. 24 S. 97 und vom 21. August 2015, 8C_331/2015, E. 2.1.1, in: SVR 2016 Nr. 18 S. 57). Die Beweislast für den – ebenfalls dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit un- terliegenden – Wegfall der Kausalität liegt beim Unfallversicherer (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 29. Mai 2020, 8C_241/2020, E. 3, vom 19. März 2019, 8C_834/2018, E. 3 und vom 28. Au- gust 2018, 8C_421/2018, E. 3.2, in: SVR 2019 IV Nr. 9 S. 27). Der Beweis des Wegfalls des Kausalzusammenhangs muss nicht durch den Nachweis unfallfre mder Ursachen erbracht wer- den. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversichere r den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nun bei voller Gesund- heit sei. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kau- sale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 14. Februar 2020, 8C_840/2019, E. 3.2, vom 10. Janua r 2020, 8C_548/2019, E. 3.2, und vom 5. Dezember 2018, 8C_276/2018, E. 2.3, je mit Hinweisen). 3.5 Die vorübergehenden Leistungen, wie Taggelder un d Heilbehandlung, hat der Unfallver- sicherer nach Art. 19 Abs. 1 UVG nur so lange zu gewähren , als von der Fortsetzung der ärztli- chen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesund heitszustandes erwartet werden kann, mithin also der medizinisch-therapeutische Endzustand noch nicht erreicht ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. April 2017, 8C_786/2016, E. 2.2). Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere – jedoch nicht a usschliesslich (vgl. Urteile des Bundes- gerichts vom 29. Januar 2020, 8C_615/2019, E. 5.3 und vom 10. Juli 2014, 8C_354/2014, E. 3.2) – nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wie derherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Dabei muss die durch weitere (zweckmässige) Heil- behandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen (BGE 134 V 115 E. 4.3; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 3. März 2010, 8C_537/2009, E. 6, in: SVR 2010 UV Nr. 30 S. 122). In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicher- ten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 29. Januar 2020, 8 C_614/2019, E. 5.2, in: SVR 2020 UV Nr. 24 S. 96 und vom 20. Dezember 2019, 8C_377/2019, E. 3.2, je mit Hinweisen). 4.1 Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer v ersicherten Person ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiese n, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be- urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4, 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht können (BGE 132 V 99 E. 4 mit Hinweisen; vgl. auch ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenau- igkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach d em für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wes- halb es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob de r Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; vgl. auch A LFRED BÜHLER , Versicherungsinterne Gutachten und Privatgutachten, in : Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der medizinischen Begutachtung in der Sozialversi- cherung, St. Gallen 1997, S. 179 ff.). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich so- mit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auf- trag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachte n (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach al- leine ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicher ungsträger nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Berich- ten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG ein- geholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfol- gerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7; vgl. auch U rteile des Bundesgerichts vom 13. Mai 2020, 8C_224/2020, E. 4.3 und vom 17. März 2020, 8C_106/2020, E. 4.1). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtlic he Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Ein von einer Partei eingeholtes Gutachten hat in beweisrechtlicher Hinsicht nicht den gleichen Rang wie ein vom Gericht oder von einem Unfallversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht ein- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht geholtes Gutachten. Es verpflichtet indessen das Gericht , den von der Rechtsprechung aufge- stellten Richtlinien für die Beweiswürdigung folgend, zu prüfen, ob es in den rechtserheblichen Fragen die Auffassung und Schlussfolgerungen der entge genstehenden Berichte derart zu er- schüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (BGE 125 V 354 E. 3c; vgl. auch Urteil des Bun- desgerichts vom 4. Mai 2018, 8C_725/2017, E. 3.4). 5. Der strittigen Angelegenheit liegen diverse ärztli che Unterlagen zu Grunde. Im Folgen- den sollen jedoch lediglich diejenigen Berichte und Stellungnahmen wiedergegeben werden, wel- che sich für den Entscheid als zentral erweisen. 5.1 In seinem Bericht vom 12. Mai 2018 erklärte MD E._ ___, Krankenhaus von Y.____, dass die Patientin nach ihrem Unfall vom 12. Mai 2018 [rect e: 11. Mai 2018] untersucht und wegen leichter Verletzungen im chirurgischen Notfall behand elt wurde. Der Unfall habe dabei lediglich Kontusionen des Abdomens und des unteren linken Beines v erursacht. Schwere Verletzungen konnten durch eine sonographische sowie eine computertomo graphische (CT) Untersuchung ausgeschlossen werden. 5.2 Mit Zeugnis vom 23. Juli 2018 sowie ärztlichem Zwi schenbericht vom 17. August 2018 diagnostizierte Dr. med. F.____, FMH Innere Medizin, eine grosse prätibiale Wunde links, aus- geprägte Hämatome am linken Fuss und am Unterschenkel l inks, persistierende Verhärtungen der Hämatome in der Wadenmuskulatur und Unterschenkelödeme, eine Schwellung des oberen Sprunggelenks links mit leichter Instabilität sowie eine Thoraxkontusion rechts. Sie berichtete von keinen unfallfremden Krankheiten, Gebrechen oder Folgen früherer Unfälle. Prognostisch stellte sie fest, dass sich die Hämatome nur langsam resorbieren w ürden und noch deutliche, dolente Verhärtung palpabel seien. Sie empfehle der Patientin deshalb eine Therapie durch Schonen und Hochlagern; hinzu komme Physiotherapie und Lymphdrainage. 5.3 Am 12. Dezember 2018 stellte Dr. med. G.____, Fa charzt für Nuklearmedizin, Spital H.____, mittels röntgendiagnostischer Untersuchung des oberen Sprunggelenks anterior-poste- rior, des Fusses links dorso-plantar und lateral sowie mi t Saltzman-Aufnahmen fest, dass die Patientin eine normale Stellung der Malleolengabel und regelrechte Gelenkspaltweiten aufweise. Es sei kein Erguss sichtbar, der Talus werde intakt dargestellt und das untere Sprunggelenk sei frei einsehbar. Ein kleiner plantarer Fersensporn sow ie ein deutlicher Hallux valgus beider Grosszehengrundgelenke von 335 Grad seien erkennbar; zudem bestände eine geringgradige Arthrose im Grosszehengrundgelenk. Die Metatarsalia 1-5 sei intakt, ebenso die navicu- locuneiformen Gelenke. Das talonaviculare Gelenk sei gl att und scharf begrenzt. In der Saltz- mann-Aufnahme habe sich zudem ein Varus von 3 Grad gezeigt. 5.4 Mit Sprechstundenbericht vom 14. Dezember 2018 diag nostizierte Dr. med. I.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Spital H.____, bei der Patientin hinsichtlich des Fusses links den Verdacht auf eine traumatische Ruptur der Tibialis posterior-Sehne bei Insuffizienz Grad III, konsekutivem Pes planovalgus – links mehr als rechts – nach schwerem Distorsionstrauma des oberen Spr unggelenks. Auch eine Chondro- pathie im oberen Sprunggelenk oder Vernarbungen nach schwerem Distorsionstraumata kämen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht als Ursache der Bewegungseinschränkung in Frage. Anamnestisch seien persistierende und im Verlauf progrediente Sprunggelenksschmerzen, Beschwerden entlang des medialen Fussrandes sowie ein vermehrtes Einknicken und Absenken erhoben wo rden. In seiner Erhebung des klini- schen Befundes verzeichnete Dr. I.____ ein intaktes Integ ument am Fuss links, eine Varikosis, keine Hämatome sowie lediglich diskrete Knöchelödeme beidseits. Er machte einen links akzen- tuierten Pes planovalgus sowie eine leichte Druckdolenz i n Projektion auf die distale Tibialis posterior-Sehne aus; letztere sei abgeschwächt gegen Widerstand aktivierbar. Die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks sei eingeschränkt im Seitenvergleich 0-0-20 Grad. Der Silfverskjöld- Test sei negativ ausgefallen; der Einbeinzehenspitzstand (Single-Heel-Rise-Test) sei hingegen pathologisch. 5.5 Am 9. Januar 2019 teilte Dr. F.____ als Diagnose n einen Status nach grosser prätibialer Wunde links, einen Status nach ausgeprägten Hämatomen a m linken Fuss und Oberschenkel bei persistierenden Verhärtungen im Bereich der Hämatome, Wadenmuskulatur und Unterschen- kel, einen Status nach Thoraxkontusion, sowie die Distor sion des oberen Sprunggelenks mit möglicher Ruptur der Tibilialis posertior-Sehne, Chond ropathie im oberen Sprunggelenk oder Vernarbungen mit. Das obere Sprunggelenk links sei weiterhin geschwollen und schmerze vent- ral sowie dorsal und sei in der Extension stark eingeschrä nkt. Es fände sich eine Druckdolenz über dem ventralen Gelenkspalt, wobei das Abrollen erschwert sei. Die Behandlung sei weiterhin als Physiotherapie mit Ultraschall und Lymphdrainage ausgestaltet. 5.6 Anlässlich seiner magnetresonanztomographischen (M RT) Untersuchung vom 15. Ja- nuar 2019 stellte Dr. med. J.____, Facharzt für Radiolo gie, Spital H.____, fest, dass typische geringe Kaliberschwankungen und Signalinhomogenität d er insertionsnahen Tibialis posterior- Sehne mit möglichen mukoiden/degenerativen Umbauten, jedoch ohne Ruptur, vorliegen wür- den. Es gäbe keinen Anhalt für frische ossäre Läsionen u nd die Syndesmosebänder sowie das Ligamentum fibulotalare anterius seien intakt. Er hab e ein intaktes, nur minimal heterogenes Pfannenband/“spring ligament“ und keine relevanten Kn orpeldefekte oder Ergüsse im oberen Sprunggelenk aufgefunden. Es bestehe jedoch eine gering e Lisfranc-Gelenks-Arthrose, fortge- schrittene Arthrose zwischen Os cuboideum und Os cuneiforme laterale mit deutlichem angren- zendem Knochenödem sowie eine heilende respektive geheilte Teilläsion in der tiefen Deltaband- Schicht. Eine Demaskierung einer okkulten Fraktur sei nicht aufgefallen. 5.7 Mit versicherungsmedizinischer Stellungnahme vom 21. J anuar 2019 stellte Dr. C.____, in Beurteilung der vorliegenden Akten fest, dass die Gesundheit der Patientin am linken Fussge- lenk und Unterschenkel mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon vor dem Unfall vom 11. Mai 2018 durch die Lisfranc-Arthrose und die Degeneration der Tibialis posterior-Sehne beeinträchtigt gewesen sei. Einzig die Hämatome am Unterschenkel und am Fuss links seien durch den Unfall verursacht worden, wobei diese seit Dezember 2018 abgeheilt seien. Der Vorgang habe zudem nicht zu zusätzlichen objektivierbaren strukturellen Läsionen geführt. 5.8 Am 23. Januar 2019 verzeichnete Dr. med. K.____, Fachärztin Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Spital H.____, als Diagnosen hinsichtlich des obe- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren Sprunggelenks links eine Syndesmosen-Instabilität und persistierende Schmerzen bei Insuf- fizienz Grad III der Tibialis posterior-Sehne, Pes planovalgus beidseits links mehr als rechts, so- wie Status nach schwerem Distorsionstrauma des oberen Sp runggelenks ohne Ruhigstellung. Hinzu komme der Verdacht einer Insuffizienz des Ligamen tum fibulotalare anterius und des Li- gamentum bifurcatum. In der klinischen Befunderhebung hätten sich eine leichtgradige Schwel- lung im oberen Sprunggelenk im Seitenvergleich, eine D ruckdolenz über dem anterolateralen Gutter und der distalen Syndesmose sowie ein positiver Squeeze-Test über dem Lisfranc-Gelenk gezeigt. Die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks in Dorsalextension/Plantarflexion liege bei 0-0-20 Grad, wobei der Einbeinzehenspitzstand nicht möglich und der Rotationstest schmerzhaft gewesen seien. Eine am 21. Januar 2019 durchgeführte röntgendiagnostische Untersuchung des Knies anterior-posterior und lateral mit Patella-Que raufnahme links hätten eine milde, medial deutliche Verschmälerung ohne Zeichen einer höhergradigen Arthrose zu Tage gefördert. Es lä- gen keine frischen Frakturen und kein grösserer suprapatellarer Gelenkerguss bei unauffälligem retropatellaren Gleitlager beidseits vor. Sie empfehle der Patientin deshalb die Durchführung ei- ner Arthroskopie des oberen Sprunggelenks mit Bandrekonstruktion medial beziehungsweise la- teral sowie eine Syndesmosenrekonstruktion gegebenenfalls mit TightRope. 5.9 Mit versicherungsmedizinischer Stellungnahme vom 18. F ebruar 2019 begründete Dr. C.____ seine Beurteilung vom 21. Januar 2019 in a usführlicher Form. Die Gesundheit der Patientin am linken Fussgelenk und Unterschenkel sei mit üb erwiegender Wahrscheinlichkeit schon vor dem Unfall vom 11. Mai 2018 beeinträchtigt g ewesen. In den MRT-Befunden und - Bildern vom 15. Januar 2019 seien eine geringe Lisfranc-Gelenkarthrose und eine Arthrose zwi- schen Os cuboideum und Os cuneiforme erkennbar. Diese V eränderungen seien eindeutig un- fallfremd und hätten bereits vor dem Ereignis vom 11. Mai 2018 bestanden. Zusätzlich bestehe der Nachweis einer unfallfremd vorbestehenden mukoid degenerativ veränderten Tibialis poste- rior-Sehne ohne Hinweise für eine linksseitige Ruptur. Durch den Unfall vom 11. Mai 2018 habe die Patientin eine Quetschung im Bereich der unteren Extremitäten mit einer prätibialen Wunde links und Hämatombildung am linken Fuss und Unterschenkel sowie im Bereich der Wadenmus- kulatur links erlitten. Hinzu komme eine Thoraxkontusion rechts. Diese Gesundheitsschäden wür- den vorübergehende Verschlimmerungen darstellen, welche jedoch nicht richtunggebend seien. Im Bericht vom 9. Januar 2019 habe Dr. F.____ bestätigt, dass die prätibiale Wunde bereits ver- heilt sei, von den grösseren Hämatomen jedoch noch sichtbare Schwellungen und tastbare Ver- härtungen der medialen Tibia und der Wadenmuskulatur links sowie am rechten medialen Ober- schenkel vorhanden seien; auch sei das obere Sprunggelenk links noch geschwollen. Zwar sei davon auszugehen, dass die beschriebenen Hämatome noch n icht vollständig abgeheilt seien, jedoch sei in der Tendenz mit einer zunehmenden Heilu ng und positiver Entwicklung bis Ende März 2019 zu rechnen. Hinsichtlich der Frage, ob der U nfall zu zusätzlichen, objektivierbaren strukturellen Läsionen geführt habe, führte Dr. C.____ aus, dass keine derartigen Läsionen aus der Röntgendiagnostik vom 5. Juni 2018 und aus der MRT -Untersuchung vom 11. Januar 2019 hervorgehen würden. Eine Ruptur beziehungsweise Kontinu itätsunterbrechung respektive eine traumatische Verletzung der Tibialis posterior-Sehne werde eindeutig in der vorgenannten MRT- Untersuchung von Dr. J.____ ausgeschlossen. Auch seien e ine intakte Syndesmose sowie ein intaktes Ligamentum fibulotalare anterius bestätigt worden. Die im Bericht von Dr. K.____ ange- sprochene Insuffizienz der Syndesmose im Bereich des oberen Sprunggelenkes links sowie die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Instabilität des oberen Sprunggelenkes bezüglich Innen- und Aussenband liessen sich anhand der anlässlich der MRT-Untersuchung von Dr. J.____ erhobenen Befunde zudem nicht nachvoll- ziehen. 5.10 Am 9. Mai 2019 teilte Dr. F.____ mit, dass bei der Patientin weiterhin persistierende Schmerzen im linken oberen Sprunggelenk vorliegen würd en. Sie sehe bei der Patientin diag- nostisch bei Status nach Distorsion des oberen Sprunggelenks links eine Syndesmoseninstabili- tät und persistierende Schmerzen mit Tibialis posterior-Sehneninsuffizienz Grad III und Pes pla- novalgus beidseits, links mehr als rechts. Derzeit werde die Patientin weiterhin konservativ durch Physiotherapie, Ultraschall und Lymphdrainage behandelt , eine Operation sei jedoch eventuell vorgesehen. 5.11 Mit Bericht vom 6. Juni 2019 rapportierte Dr. C._ ___ seine kreisärztliche Untersuchung der Patientin vom gleichen Tag. Anamnestisch gab diese an, zeitweise noch Beschwerden im Sitzen beziehungsweise Liegen mit Schmerzen im linken obe ren Sprunggelenk zu haben. Das Treppensteigen sei aufgrund des linken Beines noch schwierig und im Liegen käme es noch zu ziehenden und ausstrahlenden Beschwerden vom linken Unterschenkel in den linken Oberschen- kel. In der klinischen Befunderhebung zeige sich bei der Patientin ein flüssiges Gangbild mit re- gelrechter Abrollfunktion im Bereich beider Füsse, wo bei der Zehenspitzstand und der Fersen- stand beidseits gelingen würden. Während dieses Vorganges stütze sich die Patientin mit einer Hand an der Wand ab. Inspektorisch seien unfallfremd Sen k-/ Spreizfüsse und Hallux valgus- Fehlstellungen beidseits auffällig. Es seien keine Hinweise auf eine Schwellungsproblematik oder Ergussbildung im Bereich des linken oberen beziehungsweise unteren Sprunggelenkes oder des linken Unterschenkels auszumachen. Unfallfremd seien Vari zenbildungen und Varikosis im Be- reich beides Unterschenkel feststellbar. Hingegen gäbe es keinen Anhalt für eine Kapselbandin- stabilität im Bereich des linken oberen und unteren S prunggelenks; auch die Achillessehne sei intakt und der Thompson-Test sei beidseits negativ aus gefallen. Schliesslich lägen auch kein Talusvorschub linksseitig oder Druckschmerzen im Bereich der proximalen Fibula beidseits vor. Die leicht indurierte Narbe am ventralen Unterschenkel links sei reizlos abgeheilt ohne Anhalt für Infekt. Als Diagnosen stellte Dr. C.____ deshalb bei der Patientin einen Status nach Quetschung im Bereich des oberen Sprunggelenks links mit Hämatombi ldung linker Fuss und linker Unter- schenkel sowie mit grosser prätibialer Wunde links und einer Thoraxkontusion rechts fest. In sei- ner versicherungsmedizinischen Beurteilung legte er dar, dass im Rahmen der zu früherem Zeit- punkt erhobenen MRT- und röntgendiagnostischen Befunde keine strukturell objektivierbaren Lä- sionen infolge des Ereignisses vom 11. Mai 2018 im Bere ich des linken oberen und unteren Sprunggelenks, des linken Fusses und des linken Unterschenk els feststellbar seien. Die durch Fotodokumentation vom 13. Mai 2018 festgehaltenen un fallbedingten Hämatome seien anläss- lich der kreisärztlichen Untersuchung vollständig abgeklungen gewesen. Auch die Quetschungs- problematik linker Unterschenkel und linkes oberes Sprungg elenk sowie linker Fuss seien voll- ständig abgeheilt. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit würden deshalb Unfallfolgen seit dem Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersuchung in den Bereichen des linken Unterschenkels, des lin- ken oberen und unteren Sprunggelenkes, des linken Fusses sowie des Thorax keine Rolle mehr spielen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.12 Anlässlich seiner radiologischen Untersuchung vom 20. Juni 2019 beobachtete Dr. med. L.____, FMH Radiologie, bei der Patientin eine rege lrechte Darstellung der distalen Tibia, der distalen Fibula und des unteren Sprunggelenks. Es habe sich ein plantarer Fersensporn bei er- haltenem Fussgewölbe, normaler Artikulation der Fusswur zelknochen untereinander sowie er- haltenen Lisfranc’schen Gelenkreihen gezeigt. Zudem sei keine Gefügestörung, jedoch ein Hallux valgus mit einem Winkel von 30 Grad zu verzeichnen. Der Intermetatarsale-Winkel Dig. I/II be- trage 14 Grad. Es lägen zudem eine lateralisierte Ossa sesamoldea und eine geringfügige Weich- teilschwellung über dem Köpfchen Os metatarsale Dig. I vor. 5.13 Am 8. Juli 2019 stellte Dr. med. M.____, FMH O rthopädische Chirurgie und Traumato- logie des Bewegungsapparates, die Diagnose von Restbeschw erden im oberen Sprunggelenk links, differentialdiagnostisch einer Arthrofibrose sowi e einer Läsion des distalen Tibiofibularge- lenks nach Quetschtrauma des Unterschenkels links. Anamnestisch seien die Beschwerden da- bei am oberen Sprunggelenk links anterolateral Richtung anteriore Syndesmose, aber auch diffus im oberen Sprunggelenk anteriore Gelenkslinie links zu lo kalisieren. Im klinischen Befund habe sich eine normale Rückfussachse ohne Fussdeformität mit Ausnahme eines Hallux valgus erge- ben. Fersen- und Zehenspitzengang seien – mit Varisieru ng der Ferse in letzterem – zögerlich und mit etwas Beschwerden durchführbar. Die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks in Fle- xion/Extension sei aktiv 15-10 Grad und passiv 30-20 Grad; die Beweglichkeit des unteren Sprunggelenks hingegen sei passiv frei und aktiv verzöge rt. Die Koordination der extrinsischen Fussmuskeln sei nicht vorhanden, wobei die extrinsischen Fussm uskelfunktionen aktiv, jedoch abgeschwächt und zögerlich seien. Druckdolenz würden sich an der anterioren Gelenkslinie des oberen Sprunggelenks mit punctum maximum anterior auf Höhe Syndesmose sowie etwas auch retromalleolar ergeben. Keine Druckdolenz läge hingeg en beim medialen/lateralen Malleolus, beim Ligamentum deltoideum, beim Ligamentum fibulocalcaneare, beim Ligamentum fibulotalare anterius sowie im Mittel- und Vorfussbereich vor. Der Tibia fibula-Kompressionstest, der Aussen- rorationstest, der Cotton-Test und der Talar Tilt-Test seien allesamt negativ ausgefallen. Hieraus folgerte Dr. M.____ in seiner Beurteilung, dass die Beschwerden der Patientin durchaus mit dem distalen Tibiofibulargelenk einhergehen können würden , wobei es sich auch um eine Arthro- fibrose und noch funktionelle Restbeschwerden durch die Entlastung nach Quetschtrauma und ungenügender Mobilisation des oberen und unteren Spr unggelenks initial handeln könne. Die degenerativen Veränderungen im Bereich des lateralen Os cuneiforme zum Os cuboideum stän- den jedoch nicht im Vordergrund; vielmehr seien die Hau ptbeschwerden weiterhin proximal auf Höhe des oberen Sprunggelenks und der anterioren Syndesmose zu sehen. Er empfehle deshalb einen weiteren Belastungsaufbau mit physiotherapeutisch en Kräftigungs- und Stabilisierungsü- bungen, da die Unfallfolgen und Beschwerden noch nicht abgeschlossen und die Funktionen noch nicht vollständig wiedererlangt seien. Sollten si ch die Beschwerden auch weiterhin nicht bessern, empfehle er zudem eine Infiltration des oberen Sprunggelenks und allenfalls eine Arth- roskopie desselbigen. Zum jetzigen Zeitpunkt gäbe es jedo ch keine Indikation für eine Rekon- struktion der Syndesmose oder eine laterale Bandrekonstruktion. 5.14 Mit Bericht vom 26. September 2019 rapportierte Dr. med. N.____, FMH Radiologie, dass sich in der weichteilsonographischen Untersuchung der unteren Extremität eine von ventral unauffällige Darstellung der tibiotalaren Artikulation gezeigt habe. Die Extensor digitorum-Sehne Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit habe ein homogenes hyperechogenes Sygnal aufgewiesen. Im Bereich des Retinaculum ex- tensorum zeige sich eine Retinakulum-Verdickung mit lokal minimal Flüssigkeit im Bereich der Sehnenscheide. Lateral seien die Poronaeus longus et b revis-Sehne und -Sehnenscheide un- aufällig. Das Ligamentum fibulotalare anterius et posterius sei intakt und dorsal sei kein abgrenz- bares Ganglion auszumachen. In der MRT-Untersuchung seie n ein normales Knochenmarksig- nal, ein kleiner plantarer Fersensporn und subchondrale Geröllzysten mit Gelenkspaltverschmä- lerung cuboidocuneiform lateral zu beobachten gewesen; hinzu käme ausgehend vom anterioren unteren Sprunggelenk ein plantares Ganglion. Sowohl das Ligamentum tibiofibulare anterius et posterius als auch das Ligamentum fibulotalare anterius et posterius, das Ligamentum fibulokal- kaneare, das Ligamentum interosseus, das Ligamentum talokalkaneare, der mediale Bandappa- rat und die Plantarfaszie seien intakt. Die Peronaeus l ongus et brevis-Sehne sei bei intaktem Retinakulum ebenso unauffällig wie die Flexorensehnen. Auffällig seien einzig die akzessorische Retinakulum-Schlinge sowie das lokale leichte Weichteilö dem der Extensor digitorum longus- Sehne sowie das subkutane diffuse leichte Unterschenkelö dem supramalleolär. Insgesamt sah Dr. N.____ in ihrer Beurteilung eine intakte Syndesmo se sowie einen intakten medialen und la- teralen Bandapparat, keine signifikaten degenerativen V eränderungen des oberen und unteren Sprunggelenks, mässiggradige cuboidocuneiforme laterale Arthrose mit subchondralen Geröll- zysten, ein akzessorisches dorsales Extensorenretinakulum um die Extensor digitorum longus- Sehne mit leichter Verdickung und lokal diskretem Weichteilödem sowie das vom anterioren un- teren Sprunggelenk plantaris ausgehenden Ganglion. 5.15 In seiner versicherungsmedizinischen Stellungnahme v om 16. Oktober 2019 erklärte Dr. C.____, dass zwischen seiner kreisärztlichen Untersuchun g vom 6. Juni 2019 und der im Bericht vom 8. Juli 2019 festgehaltenen Untersuchung durch Dr. M.____ Unterschiede in der Er- hebung der Beweglichkeit des linken oberen Sprunggelenks vorlägen. Dies aufgrund der Tatsa- che, dass Dr. C.____ selber keine Beweglichkeitseinschränkung der oberen Sprunggelenke beid- seits festgestellt habe, während Dr. M.____ eine aktive Beweglichkeit des linken oberen Sprung- gelenks mit Flexion/Extension von 15-0-10 Grad und eine passive Beweglichkeit des linken obe- ren Sprunggelenks von 30-0-20 Grad beschreibe. Während Dr. M.____ aus seiner Untersuchung den Verdacht auf eine Arthrofibrose ableite, könne die s aufgrund der kreisärztlichen Untersu- chungsergebnisse nicht nachvollzogen werden. Unter Berücksi chtigung der vorliegenden medi- zinischen Berichte verbleibe deshalb die Beurteilung anlässich der kreisärztlichen Untersuchung vom 6. Juni 2020 unverändert bestehen. 5.16 Mit Bericht vom 25. Februar 2020 präzisierte Dr. M.____, dass das in der MRT- Untersuchung vom 15. Januar 2019 dargestellte Knochenmarksödem in der Synchondrose zwi- schen Os cuboideum und Os cuneiforme laterale mit Zystenbildungen im Sinne einer Gelenkslä- sion normalerweise nicht von einer degenerativen Veränderung herrühren könne. Die Synchond- rose weise praktisch keine Bewegungen ausser Wackelbeweg ungen zwischen dem os cuboi- deum und dem Os cuneiforme laterale auf. Bei einem Quetschtrauma des Rück- und Mittelfusses würde dieses Gelenk jedoch einen starken Schlag abbekomm en, weshalb diese Läsion sehr wahrscheinlich kausal mit dem Unfall in Zusammenhang zu bringen sei. In der klinischen Unter- suchung habe sich die Lokalisation insofern bestätigt, als beim Stressen des III. gegenüber dem Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht IV. Strahl die bekannten Beschwerden im dorsolateralen Mittelfuss ausgelöst hätten werden kön- nen. Eine definitive Bestätigung des Schmerzursprungs kön ne allenfalls mit einer durchleuch- tungskontrollierten Injektion des Gelenks zwischen Os cuboi deum und Os cuneiforme laterale bestätigt werden. 5.17 Am 16. März 2020 bestätigte Dr. C.____ in seinem Bericht, dass aus der MRT- Untersuchung vom 15. Januar 2019 ein Knochenmarksödem zwisch en Os cuboideum und Os cuneiforme laterale hervorgehe. Dieses sei jedoch bis zur MRT-Untersuchung vom 26. Septem- ber 2019 vollständig abgeklungen. Hingegen seien mässigg radige arthrotische Veränderungen zwischen Os cuboideum und Os cuneiforme laterale mit subcho ndralen Geröllzysten auszu- machen gewesen. Bis zum Bericht vom 25. Februar 2020 würd en sich keine anamnestischen Klagen über Beschwerden im Bereich Os cuboideum und O s cuneiforme laterale, sondern viel- mehr lediglich im Bereich des linken oberen Sprunggelenkes finden. So sei insbesondere im vor- gehenden Bericht von Dr. M.____ vom 20. Juni 2019 dokumentiert worden, dass keine Druckdo- lenzen im Bereich des Mittel- und Vorfusses bestehen würden. Es sei deshalb überwiegend wahr- scheinlich, dass es im Bereich des Vor- und Mittelfusses d urch das Ereignis vom 11. Mai 2018 zu keinen strukturell objektivierbaren Läsionen gekommen sei. 5.18 In ihrer (akten-)gutachterlichen Stellungnahme vom 9. April 2020 erklärt Dr. med. Dr. h.c. O.____, geprüfte Gutachterin der BDC Akademie, Abteilung Unfallchirurgie und Orthopä- die der Klinik P.____, dass die durch das Ereignis vom 1 1. Mai 2018 entstandenen Ödeme und Hämatome die Versorgungswege zwischen Blutgefässen und Gewebe erheblich verlängern wür- den, weshalb der Stoffausaustausch und damit auch die Heilung sich verzögern würden. Bei ei- weissreichen Ödemen komme es durch eine Mesenchymreaktion zu einer Fibrosierung mit mög- licher überschiessenden Narbenbildung, wodurch es nach A bheilung der Grunderkrankung zu bleibenden Funktionseinschränkungen kommen könne. Denkb ar sei jedoch beim vorliegenden Unfallmechanismus auch eine Verletzung von Syndesmose u nd Deltaband, welche nicht direkt nach dem Trauma nachgewiesen wurden und acht Monate n ach dem Ereignis wohl auch nicht mehr nachgewiesen werden könne. Weiter denkbar sei eine hohe Knöchelverstauchung in Kom- bination mit einer schweren Knöchelverstauchung. Jedenfalls seien die von Dr. M.____ geschil- derten Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine verzögerte Hämatomauflö- sung und damit verbundene Residuen in Form von Verklebungen der Faszien und des Bindege- webes zurückzuführen. Dass ausschliesslich unfallfremde Faktore n zum verbleibenden Be- schwerdebild geführt hätten, erscheine höchst unwahrschei nlich. Durch eine Arthroskopie wäre eine Diagnose intraartikulärer Unfallfolgen möglich, wobei durchaus auch die Möglichkeit be- stehe, dass die bereits chronifizierten Beschwerden keiner operativen Therapie mehr zugänglich wären. Diesfalls wäre eine Weiterführung der bisherigen konservativen Therapie angezeigt. 5.19 Mit Bericht vom 15. Mai 2020 stellte PD Dr. D.__ __ zu Handen der Suva fest, dass die von Dr. I.____ am 14. Dezember 2018 gestellte Verdach tsdiagnose einer traumatischen Ruptur der Tibialis posterior-Sehne, die von Dr. K.____ am 21. Januar 2019 dokumentierte Syndesmo- seninstabilität und die von Dr. M.____ am 20. Juni 20 19 erkannte Differentialdiagnose einer Arthrofibrose sowie einer Läsion des distalen Tibiofi bulargelenks zwar aufgrund der anamnesti- schen Angaben der Patientin nachvollziehbar seien, jedoch anhand der bildgebenden Diagnostik Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihren Ausschluss fänden. Dabei verwies er insbesondere dar auf, dass anlässlich der MRT- Untersuchung durch Dr. J.____ vom 15. Januar 2019 die “Tibialis posterior-Sehne ohne erkenn- bare Diskontinuität“ und “intakte Syndesmosebänder“ zur Darstellung gelangt seien. Hinsichtlich des gemäss Dr. M.____ beeinträchtigten distalen Tibio fibulargelenks habe dieser ein negatives Ergebnis des Tibiafibula-Kompressionstests postuliert, was eine Schmerzentstehung durch die- ses Gelenk unwahrscheinlich erscheinen lasse. Auch die hernach von Dr. N.____ durchgeführte MRT-Untersuchung vom 26. September 2019 habe, bis auf geringe degenerative Veränderun- gen, einen Normalbefund und insbesondere eine intakt e Syndesmose sowie einen intakten in- nen- und aussenseitigen Bandapparat zu Tage gefördert. Die Tibilialis posterior Sehneninsuffizi- enz Grad III bei Pes planovalgus sei vielmehr überwiegen d wahrscheinlich als unfallfremd im Rahmen der vorbestehend pathologischen Fussstatik zu werte n. Des Weiteren legte PD Dr. D.____ dar, dass es nicht nachvollziehbar sei, wesha lb Dr. M.____ in seinem Bericht vom 25. Februar 2020 einen Zusammenhang der von der Patientin geklagten Beschwerden mit dem am 15. Januar 2019 von Dr. J.____ festgestellten – und hernach abgeheilten – Knochenmarks- ödem in der Synchondrose zwischen Os cuboideum und Os cune iforme laterale erkenne. So habe Dr. M.____ noch am 8. Juli 2019 die Lokalisation der Schmerzen am oberen Sprunggelenk links anterolateral Richtung anteriore Syndesmose verzeichnet, was in anatomischer Ferne zum Os cuboideum und zum Os cuneiforme laterale sei. Auch habe dieser im gleichen Bericht darge- legt, dass die degenerativen Veränderungen im Bereich des Os cuboideum und des Os cuneiforme laterale nicht im Vordergrund stehen würden; dies aber stehe im diametralen Wider- spruch zur Feststellung vom 25. Februar 2020. Schliesslich stellte PD Dr. D.____ fest, dass es nicht überzeugend sei, dass Dr. O.____ ohne persönliche Untersuchung der Patientin mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit eine organische Unfallfolge diagnostizieren könne, während dies den involvierten Spezialisten trotz persönlicher Untersuch ungen und weiteren diagnostischen Vorkehrungen entgangen sein solle. Insbesondere lägen auch bildgebend keine Befunde vor, die einer überschiessenden Narbenbildung – wie von Dr. O.____ vorgebracht – entsprechen würden. Ohnehin stelle Dr. O.____ lediglich theoretische Möglichkeiten in den Raum, ohne dass sich hie- raus überwiegend wahrscheinliche Unfallfolgen überzeugend ableiten lassen würden. Die Diag- nose einer verletzten Syndesmose überzeuge nicht, da zwar am 23. Januar 2019 durch Dr. K.____ eine Druckdolenz über dem anterolateralen Gutter und der distalen Syndesmose und ein schmerzhafter Rotationstest beschrieben worden seien, die Bildgebung von MD E.____ vom 12. Mai 2018 und von Dr. J.____ vom 15. Januar 2019 jedoch bis auf unregelmässige tiefe Del- taband-Anteile den Ausschluss erlittener Verletzungen erbracht habe. Auch habe Dr. M.____ am 8. Juli 2019 eine symmetrisch unauffällige Stabilität dokumentiert, da der Talusvorschub etwa seitengleich zur Gegenseite sei und ein negativer Tala r Tilt-Test vorliege. Diesbezüglich seien die weiteren von Dr. M.____ erhobenen Befunde unspe zifisch und nicht geeignet, mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit die von Dr. O.____ postulierte Residuenbildung bei verzögerter Hä- matomauflösung in Form von Verklebungen von Faszien und des Bindegewebes. PD Dr. D.____ erklärte deshalb, dass durch den Unfall vom 11. Mai 2018 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Verletzungen eingetreten seien, welche die über den 11. Juni 2019 hinaus beklagten Be- schwerden erklären könnten. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt die Beschw erdeführerin in sinngemässer Ausführung vorab, es seien die im Rahmen der Einsprache- und Beschwerdeverfahren eingehol- ten orthopädischen Beurteilungen von Dr. C.____ und PD Dr. D.____ aus dem Recht zu weisen, weil die Beschwerdegegnerin damit in unzulässiger Weise den Untersuchungsgrundsatz sowie das Prinzip der Waffengleichheit der Parteien missachtet habe. 6.2 Die Abklärung des Sachverhaltes ist gemäss dem im Sozia lversicherungsverfahren gel- tenden Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen vorzunehmen. Danach hat der Versiche- rungsträger von sich aus und ohne Bindung an die Parte ibegehren für die richtige und vollstän- dige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen, indem er die vorgebrachten Begehren prüft, die notwendigen Abklärungen vornimmt und die erforderlich en Auskünfte einholt (Art. 43 Abs. 1 ATSG; BGE 136 V 377 E. 4.1.1; vgl. auch T HOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Auflage, Bern 2014, § 70 R z. 2 f.). Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsa- chen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteile des Bu ndesgerichts vom 8. April 2020, 8C_641/2019, E. 3.3.1 und vom 28. Februar 2019, 8C_701/2018, E. 4.1). Die Verwaltung darf die für die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts notwendigen Abklärungen nicht in das Einspracheverfahren verschieben (BGE 132 V 374 E. 5; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 11. Februar 2019, 8C_755/2018, E. 4.2.1). Im Einspracheverfahren soll der Versicherungsträger jedoch als ungenügend erkannte Abklärungen, Fehlbeurt eilungen oder Missverständnisse kos- tenlos und weitgehend formfrei ausräumen können, ohne dass ein Gericht angerufen werden muss (BGE 132 V 375 E. 6.1, 131 V 412 E. 2.1.2.1; vgl . auch Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2009, 8C_528/2009, E. 4.1). Der Versicheru ngsträger kann zudem Verfügungen oder Einspracheentscheide, gegen welche Einsprache ode r Beschwerde erhoben wurde, so lange in Wiedererwägung ziehen, bis er im Beschwerdever fahren gegenüber der Beschwer- deinstanz Stellung nimmt (Art. 53 Abs. 3 ATSG; T HOMAS FLÜCKIGER , in: Steiger-Sackmann/Mo- simann [Hrsg.], Recht der sozialen Sicherheit, Basel 2014 , Rz. 4.297). Diesbezüglich kann der Versicherungsträger deshalb sogar im sozialversicherungsrechtlichen Beschwerdeverfahren – im Sinne des durch die Wiedererwägungsmöglichkeit relati vierten Devolutiveffekts (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zü- rich/St. Gallen 2016, Rz. 1168) – noch punktuelle Abklä rungen wie das Einholen von Arztzeug- nissen oder Rückfragen bei Ärzten vornehmen (BGE 136 V 6 E. 2.7, 127 V 233 E. 2b/bb; THOMAS FLÜCKIGER , Basler Kommentar ATSG, Frésard-Fellay/Klett/Leuzinge r [Hrsg.], Basel 2020, Art. 53, Rz. 101). 6.3 Zu den punktuellen Abklärungen, welche selbst im Besc hwerdeverfahren noch zulässig sind, gehört insbesondere die Einholung neuerlicher versicherungsinterner ärztlicher Aktenbeur- teilungen hinsichtlich erstmals im Beschwerdeverfahren b eigebrachter Berichte behandelnder Ärzte (BGE 136 V 6 E. 2.7, vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 2. März 2017, 8C_81/2017, E. 6.3 und vom 15. Januar 2014, 8C_410/2013, E. 5.5) . Dies gilt umso mehr im vorgelagerten Einspracheverfahren, welches wie erwähnt der Ausmerzung vo n Mängeln des Vorverfahrens dient. Die verschiedenen Berichte von Dr. C.____ und PD Dr. D.____ sind denn auch offensicht- lich mit dieser Rechtsprechung vereinbar. Im Vorverfahren hatte Dr. C.____ den Gesundheitszu- stand der Patientin mit zwei Stellungnahmen vom 21. Ja nuar 2019 und vom 18. Februar 2019 Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie mit Untersuchungsbericht vom 6. Juni 2019 ausführlich rapportiert. Die Suva durfte in der Folge – dem Grundsatz entsprechend, wonach die Verwa ltung eine Tatsache nur als bewiesen annehmen darf, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt i st (BGE 144 V 429 E. 3.2) – sich zu Recht auf diese Beurteilungen verlassen und hierauf gest ützt die Verfügung vom 11. Juni 2019 erlassen. In der Folge wurden die Dienste von Dr. C.____ und PD Dr. D.____ lediglich zur Beur- teilung neu beigebrachter Berichte behandelnder Ärzte in Anspruch genommen: Auf die im Ein- spracheverfahren von der Patientin eingereichten Bericht e der Dres. L.____ und M.____ vom 20. Juni 2019 respektive vom 8. Juli 2019 hin erging die Beurteilung von Dr. C.____ vom 16. Ok- tober 2019. Auch die Stellungnahme von Dr. C.____ vom 16. März 2020 diente einzig der Beur- teilung des von der Patientin in selbigem Einsprachever fahren eingereichten zweiten Berichts von Dr. M.____ vom 25. Februar 2020. Der ausführliche Bericht von PD Dr. D.____ erging schliesslich als Antwort auf die im Beschwerdeverfahren ei ngereichte gutachterliche Stellung- nahme von Dr. O.____. Diese Berichterstattung der beid en Versicherungsmediziner – welche notabene nicht der Mitwirkung der versicherten Person bedurfte (siehe hierzu BGE 136 V 6 E. 2.7, 127 V 232 E. 2b/aa) – stellt denn auch keine zuvor zu Unrecht unterlassenen Abklärung, sondern vielmehr einen zulässigen und fachmedizinisch gebotenen Beizug zur Einordnung und Einschät- zung der beigebrachten neuen Unterlagen dar. Eine Ve rfahrensverzögerung oder ein anderer prozessualer Nachteil sind der Beschwerdeführerin hierdurch nicht entstanden. Aus diesen Grün- den geht die Rüge der Beschwerdeführerin, wonach die Beschwerdegegnerin die entscheidrele- vanten Abklärungen erst im Einsprache- respektive Beschwerdeverfahren getätigt habe, fehl. Die Stellungnahmen und Berichte von Dr. C.____ und PD Dr. D.____ sind somit nicht aus dem Recht zu weisen. 7.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdefüh rerin am 11. Mai 2018 einen Unfall auf dem Autobahn-Pannenstreifen erlitt, als ein Lastkraftwagen in ihren Anhänger prallte und sie zwischen ihrem Anhänger und der Leitplanke einklemmte. Streitig ist hingegen, ob die über den 11. Juni 2019 noch bestehenden Beschwerden durch diesen Unfall verursacht wurden und des- halb als Unfallfolgen weiterhin einen Anspruch auf die gesetzlichen Leistungen aus der obligato- rischen Unfallversicherung begründen. Die Beschwerdegegnerin stützt sich zur Beurteilung der Unfallkausalität in ihrem Einspracheentscheid im Wesentlichen auf die Stellungnahmen und Un- tersuchung ihres Kreisarztes Dr. C.____, wonach die ver bleibenden Beschwerden mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit auf unfallfremde degenerative Veränderungen des Fusses zurückzu- führen seien und unfallbedingte Beschwerden mit über wiegender Wahrscheinlichkeit zum Zeit- punkt des Erlasses der Verfügung ausgeschlossen werden kön nten. Die Beschwerdeführerin wendet hiergegen ein, dass den kreisärztlichen Berichten die Einschätzungen von Dr. M.____ und Dr. O.____ diametral gegenüberstehen würden, won ach die heutigen Beschwerden sehr wahrscheinlich respektive mit hoher Wahrscheinlichkeit kausa l auf das Unfallereignis vom 11. Mai 2018 zurückzuführen seien. Selbst wenn die Berich te von Dr. M.____ und Dr. O.____ nicht geeignet wären, die unfallkausale Ursache der Besch werden mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit festzustellen, würden sie zu zumindest geringen Zweifeln an den versicherungsin- ternen Einschätzungen führen, welche damit jedoch ihrer Beweiskraft beraubt würden. 7.2 Das Gericht prüft frei, ob die verfügbaren Unterl agen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten (siehe Erwägung 4.2 hiervor). Rechtsprechungsgemäss Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind dabei an versicherungsinterne Beurteilungen – wie die vorliegenden Berichte von Dr. C.____ und PD Dr. D.____ – strenge Anforderungen zu stellen und bereits bei geringen Zweifeln an de- ren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit ergänzende Abklärung en vorzunehmen (siehe Erwägung 4.3 hiervor). Solche Zweifel liegen indessen nicht vor. Sowohl die versicherungsmedizinischen Stellungnahmen von Dr. C.____ wie auch insbesondere sein aufgrund eigener Untersuchung der Beschwerdeführerin erstellter Bericht erweisen sich als üb erzeugend und decken sich mit der bildgebenden Diagnostik im vorliegenden Fall. Die grosse prätibiale Wunde links sowie die aus- geprägten Hämatome am linken Fuss sowie am Unter- und Oberschenkel links hatten sich bereits anlässlich des Berichts von Dr. I.____ vom 14. Dezember 2018 als abgeheilt erwiesen. Die röntendiagnostischen, MRT- und CT-Untersuchungen der Dres. G.____, J.____ und N.____ vom 12. Dezember 2018, vom 15. Januar 2019 und vom 26. S eptember 2019 haben ergeben, dass grundsätzlich keine Ergüsse, keine Ruptur der Syndesmosebänder und der (allerdings degene- rativ belasteten) Tibialis posterior-Sehne und keine relevanten Knorpeldefekte sichtbar seien. Die Ligamenta fibulotalare anterius et posterius, tibiofibulare anterius et posterius, fibulokalkaneare, talokalkaneare und interosseus seien allesamt – wie auch der mediale Bandapparat und die Plantarfaszie – intakt. Allerdings konnten ein deutlich er Hallux valgus, eine geringgradige Arth- rose im Grosszehengrundgelenk, eine geringe Lisfranc-Gel enks-Arthrose, eine fortgeschrittene Arthrose zwischen Os cuboideum und Os cuneiforme laterale respektive eine mässiggradige cuboidocuneiforme laterale Arhtrose mit subchondralen Geröllzysten nachgewiesen werden. Da- mit liegen in apparativer Hinsicht keine auf das Erei gnis vom 11. Mai 2018 zurückzuführende strukturell objektivierbaren Läsionen des Tibiofibulargel enks und der Syndesmose sowie keine Hinweise auf eine Arthrofibrose vor. Auch klinisch konnte eine verbleibende Verletzung der Syn- desmose bei seitengleichem Talusvorschub und negativem Talar Tilt-Test sowie (nach anfängli- cher Pathologie) negativem Einbeinzehenspitzstand festge stellt werden. Zu Recht weist PD Dr. D.____ zudem darauf hin, dass sich die Berichte von Dr. M.____ vom 8. Juli 2019 und vom 25. Februar 2020 widersprechen, als die Beschwerden in ersterem hauptsächlich in der Syn- desmose verortet werden, während sie in letzterem nunmehr ihren Ursprung im Gelenk zwischen Os cuboideum und Os cuneiforme laterale fänden. Dr. C .____ setzt sich in seinen Stellungnah- men und Berichten ausführlich mit den bei den Akten li egenden medizinischen Unterlagen die verschiedenen behandelnden Ärzte auseinander, geht auf die objektivierten wie auch der subjek- tiven Beschwerden der Beschwerdeführerin ein und vermittelt so ein umfassendes Bild über de- ren Gesundheitszustand. Die Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge ist ausführlich be- gründet und leuchtet ein. 7.3.1 Die “gutacherliche“ Stellungnahme von Dr. O.____ vom 9. April 2020 erfüllt die formalen Anforderungen an ein orthopädisches Gutachten nicht. So folgt es weder formell noch materiell dem gängigen Aufbau eines solchen Gutachtens (vgl. Leitlinien für die orthopädische Begutach- tung der Schweizerischen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie, S. 5 ff., Ziff. 3.4) und eine Diskussion der ihrer Beurteilung – teilweise oder vo llständig – widersprechenden Berichte findet nicht statt. Insbesondere fehlt es an einer eingängigen Befassung mit den Stellungnahmen und Berichten von Dr. C.____, wobei aus der summarischen Zusammenfassung der Vorakten auch nicht hervorgeht, ob diese vollständig an Dr. O.____ übersandt wurden. In diesem Sinne ist die Aktenbeurteilung von Dr. O.____ – unabhängig von der Betitelung des Dokuments – vielmehr auf der Stufe des Berichtes eines behandelnden Arztes denn eines Parteigutachtens im engeren Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sinne anzusiedeln. Die diesbezüglich geltenden Beweisricht linien (siehe Erwägung 4.3 hiervor) haben deshalb vorliegend Anwendung zu finden. 7.3.2 Offen bleiben kann, ob Dr. O.____ überhaupt d ie notwendige Qualifikation zur gutachter- lichen Berichterstattung aufgewiesen hätte. Anzumerken i st hierzu immerhin, dass eine begut- achtende Person zwar nicht zwingend über eine FMH-Ausbild ung verfügen muss; auch eine im Ausland erworbene gleichwertige Fachausbildung genügt rechtsprechungsgemäss (BGE 137 V 245 E. 3.3.2). Allerdings obliegt es der begutachtenden Person, sich die durch die schweizerische Rechtsprechung gebildeten besonderen versicherungsrechtl ichen und versicherungsmedizini- schen Termini anzueignen (vgl. C HRISTIAN A. LUDWIG , Anforderungen an Gutachten – Anforde- rungen an Gutachter, in: SAEZ 2006, S. 1035; M ARCO WEISS , Der Arzt als Gutachter, in: SAEZ 2018, S. 1464; J ACQUES OLIVIER PIGUET , Commentaire romand ATSG, Dupont/Moser-Szelless [Hrsg.], Basel 2018, Art. 44, Rz. 13). So hat die begu tachtende Person zumindest diejenigen Rechtsbegriffe und Verfahrensregeln zu kennen, welche f ür die Verwertbarkeit des Gutachtens entscheidend sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 8C_767/2019, E. 3.3.3, be- sprochen in: A NDREAS TRAUB , Fachliche Qualifikationen von ärztlichen IV-Gutachtern aus dem In- und Ausland, in: SZS 2020, S. 198 ff.; FRANZISKA MÜLLER ET AL ., Evaluation der medizinischen Begutachtung in der Invalidenversicherung, Bericht vom 10. August 2020 zu Handen des Gene- ralsekretariats des Eidgenössischen Departements des Innern , S. 56). Aus der Zertifizierung in einem ausländischen versicherungsrechtlichen und versicherungsmedizinischen Lehrgang – wie vorliegend dem Zertifikat einer geprüften Gutachterin der BDC Akademie – könnte jedenfalls nicht ohne Weiteres eine genügende Kenntnis der hiesigen Versicherungsmedizin abgeleitet werden. Da jedoch nach dem Gesagten beim Bericht von Dr. O.____ vom 9. April 2020 ohnehin nicht von einem (Partei-)Gutachten im Sinne der Rechtsprechung des Bundesgerichts ausgegangen wer- den kann, erübrigen sich Weiterungen zu dieser Frage. 7.3.3 Auch die Rüge, wonach der Arztbericht von Dr. O. ____ nachvollziehbar und schlüssig aufzeige, dass eine Unfallkausalität fortbestehe und damit zumindest geringe Zweifel an der Be- richterstattung durch Dr. C.____ entstanden seien, überze ugt nicht. Vielmehr ist der Beschwer- degegnerin und insbesondere PD Dr. D.____ dahingehend zu folgen, wonach es höchst unwahr- scheinlich ist, dass Dr. O.____ ohne persönliche Untersuchung der Patientin eine organische Unfallfolge nachweisen habe können, während dies den i nvolvierten Spezialisten trotz stattge- fundener Untersuchungen und weiteren diagnostischen Vorkehrungen entgangen sein soll. Auch äussert sich Dr. O.____ lediglich in theoretischen Mög lichkeiten, wonach eine Funktionsein- schränkung durch Fibrosierung entstehen könne, eine Syndesmoseverletzung durch Verdrehung des Unterschenkels denkbar sei, oder eine Knöchelverstauchung auftreten könne. Damit bewegt sie sich jedoch höchstens im Bereich von Verdachtsdiagnosen, was für die Anerkennung einer Unfallfolge mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht aus- reicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. Septemb er 2013, 8C_454/2013, E. 6.3; vgl. auch Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug vom 24. Nov ember 2016, S 2016 62, E. 3.1.4, in: GVP 2016 S. 54). Schliesslich ist darauf hinzuweisen , dass – nebst den im Zusammenhang mit Dr. M.____ bereits besprochenen Diagnosen – auch für eine überschiessende Narbenbildung keine bildgebenden Befunde vorliegen, welche diese bes tätigen könnten. Die von Dr. O.____ postulierte Residuenbildung bei verzögerter Hämatomauf lösung in Form von Verklebungen der Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bindegewebs-Faszien erscheint unter diesem Blickwinkel ebenfalls nicht geeignet, auch nur ge- ringe Zweifel an der Beurteilung von Dr. C.____ zu erwecken. 7.4 Nach dem Gesagten ist deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszuge- hen, dass das Ereignis vom 11. Mai 2018 lediglich zu eine r vorübergehenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin geführt hat. Diese vorübergehenden Beein- trächtigungen waren spätestens ab dem 11. Juni 2019 wieder abgeklungen, weshalb der status quo sine vel ante spätestens im genannten Zeitpunkt wied er erreicht war. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sind somit durch das Ereignis vom 11. M ai 2018 keine Verletzungen einge- treten, welche über den 11. Juni 2019 hinaus bestehen bleiben. 8. Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten ein e zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, so besteht kein Anlass, dem in der Beschwerde vom 14. April 2020 gestellten Verfahrensantrag der Ver sicherten zu entsprechen, wonach ein unabhängiges medizinisches Gerichtsgutachten einzuholen se i. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen , und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheb- lich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Recht- sprechung zulässig (BGE 144 II 435 E. 3.1.3, 141 I 64 E. 3.3). 9.1 Soweit die Beschwerdeführerin die Formel bemüht, wonach aus einer fehlenden Objek- tivierbarkeit von Beschwerden noch nicht ohne Weiteres g eschlossen werden könne, dass kein Kausalzusammenhang zum Unfallereignis bestehe, kann sie daraus nichts zu ihren Gunsten ab- leiten. Die von der Beschwerdeführerin zitierte Rechtsp rechung statuiert zwar tatsächlich, dass in gewissen Fällen trotz fehlender Objektivierbarkeit der Beschwerden eine Leistungspflicht des Unfallversicherers bestehen kann. Allerdings wurden in diesen Fällen die Diagnosen eines my- ofaszialen Schmerzsyndroms (ICD-10 M79.19; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. März 2020, 8C_689/2019, E. 5.3) respektive eines neuropathischen au tonom unterhaltenen Schmerzsyn- droms (ICD-10 F45.4 oder R52.2; vgl. Urteil des Bunde sgerichts vom 11. August 2020, 8C_254/2020, E. 4.2.2) gestellt, welche sich rechtsprechu ngsgemäss nicht organisch nachwei- sen lassen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 11. März 2011, 8C_918/2010, E. 4.2, respektive vom 16. Januar 2019, 8C_647/2018, E. 4.3.2). Für diese Fälle war deshalb der Beweis der feh- lenden natürlichen Kausalität aufgrund fehlender Obj ektivierbarkeit der besagten Beschwerden nicht zulässig. Vielmehr war eine spezielle Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs nach den zu psychischen Fehlentwicklungen nach einem Unfall ent wickelten Grundsätzen angezeigt (BGE 115 V 138 E. 6, 140 V 358 E. 3.2, 138 V 251 E. 4, 134 V 111 E. 2.1). Die vorliegend von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Verdachts- re spektive Differentialdiagnosen einer Syndesmoseverletzung (vgl. GWENDOLYN GOLD , Diagnostik traumatischer isolierter Syndesmo- senverletzungen des oberen Sprunggelenks, Diss. Hamburg 2 016, S. 10 ff.; S TEFAN RAMMELT /E LISABETH MANKE , Syndesmosenverletzungen, in: Der Unfallchirurg 2018/121, S. 695 Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht ff.), einer Arthrofibrose des Fussgelenks (vgl. JAMES M. LINKLATER /C HRIS K. FESSA , Imaging Fin- dings in Arthrofibrosis of the Ankle and Foot, in: Seminars in Musculoskeletal Radiology 2012/16- 3, S. 188 ff.) sowie der Beeinträchtigung des distalen Tibiofibulargelenks (vgl. P APUNA TSIREKIDZE , Relevanz der intraoperativen 3D-Bildgebung zur Rekonstruktion des distalen Tibio- fibulargelenks (TFB) bei oberen Sprunggelenksverletzungen, Diss. Halle [Saale] 2019, S. 16 ff.) wären jedoch grundsätzlich organisch nachweisbar. Nach Distorsion des oberen Sprunggelenks sind bei nicht zeitgerechtem Rückgang der Beschwerden ohnehin regelmässig MRT- respektive CT-Untersuchungen zum Nachweis unfallkausaler Verletzu ngen angezeigt (vgl. U LRICH C. LIENER , Distorsion des oberen Sprunggelenkes, in: Trauma und Berufskrankheit 2018/20, S. 153 ff.). Ferner sind keine Hinweise aus den medizinischen Unt erlagen ersichtlich, wonach die ge- klagten Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin allenfalls psychischer Genese wären; selbi- ges wird auch von der Beschwerdeführerin selber nicht g eltend gemacht. Vielmehr sind vorlie- gend mässiggradige arthrotische Veränderungen zwischen Os cuboideum und Os cuneiforme laterale mit subchondralen Geröllzysten als (unfallfrem de) Ursache für die bestehenden Be- schwerden diagnostiziert worden, während im Grundsatzurt eil, auf welches sich die oben ge- nannte neueste Rechtsprechung stützt (vgl. Urteil des Ei dgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht] vom 1. März 2006, U 334/2005, E. 2.3), gerade eben keine organi- sche Ursache für die geklagten Leiden gefunden werden k onnte. Damit unterscheidet sich der vorliegende Sachverhalt grundsätzlich von den in den ange führten Urteilen zugrundeliegenden Umständen, weshalb die Beschwerdeführerin mit ihrer Rüge fehl geht. 9.2.1 Selbst wenn die spezielle Adäquanzprüfung im Zusa mmenhang mit psychischen Fehl- entwicklungen vorgenommen würde, würde sich an der Situation der Beschwerdeführerin nichts ändern. Der Unfall der Beschwerdeführerin wäre – nach Massgabe des augenfälligen Gesche- hensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften und im Hinblick auf die bundesgerichtliche Praxis (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 21. August 2019 , 8C_212/2019, E. 4.2.1 und vom 6. November 2012, 8C_398/2012, E. 5.2, in: SVR 2013 UV Nr. 3 S. 8) – höchstens im mittleren Bereich im engeren Sinne einzustufen (vgl. Urteile de s Bundesgerichts vom 16. Oktober 2013, 8C_258/2013, E. 4.4.1 und vom 24. September 2013, 8 C_546/2013, E. 3.2 und die dortige Ka- suistik). Die Adäquanz eines Kausalzusammenhangs wäre somit dann zu bejahen, wenn drei der massgeblichen Kriterien oder ein einzelnes Kriterium in ausgeprägter Weise erfüllt wären (vgl. Ur- teile des Bundesgerichts vom 10. März 2020, 8C_627/20 19, E. 5.4, vom 19. Februar 2020, 8C_518/2019, E. 4.2, in: SVR 2020 UV Nr. 27 S. 111, und vom 10. Mai 2019, 8C_632/2018, E. 8.3, in: SVR 2019 UV Nr. 41 S. 158). 9.2.2. Das Kriterium des Grades und der Dauer der ph ysisch bedingten Arbeitsunfähigkeit wäre ohne weiteres zu verneinen, da die Beschwerdeführerin bereits am 19. Juli 2018 ihre Arbeit wie- der vollständig aufnehmen konnte. Hinsichtlich der Kriterien des schwierigen Heilungsverlaufs mit erheblichen Komplikationen und der ärztlichen Fehlbehandlung mit erheblicher Verschlimmerung der Unfallfolgen (vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 14. Juni 2018, 8C_803/2017, E. 3.6 und vom 24. Mai 2013, 8C_15/2013, E. 10) lassen sich de n Akten keine Hinweise entnehmen, dass diese vorliegend erfüllt wären. Auch eine ungewöhnlich lange Dauer der physisch bedingten ärztlichen Behandlung, welche sowohl zeitlich als auch nach der Intensität dieser Behandlungen zu beurteilen ist (vgl. vom 19. Februar 2020, 8C_518/2 019, E. 4.4.4, in: SVR 2020 UV Nr. 27 Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht S. 112 und vom 11. November 2019, 8C_473/2019, E. 5.4), ist vorliegend nicht gegeben. Beson- ders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls – wobei je- dem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche noch nicht für die Bejahung des Kriteriums ausreicht (vgl. Urteil e des Bundesgerichts vom 10. März 2020, 8C_627/2019, E. 5.4.1 und vom 14. September 2015, 8C _134/2015, E. 5.3.2, in: SVR 2016 UV Nr. 21 S. 69) – lagen anamnestisch ebenfalls nicht vor. Die erlittenen Verletzungen in Form einer grösseren prätibialen Wunde sowie diversen Hämatomen sind denn auch nicht sonderlich schwer oder besonderer Art, dass sie erfahrungsgemäss geeignet wären, psychische Fehlentwicklungen auszulösen (vgl. die Kasuistik in BGE 140 V 360 E. 5.5 .1). Auch die echtzeitliche Untersuchung im Krankenhaus von Y.____ ergab, dass der Unfall keine schweren Verletzungen gezeitigt hätte. Schliesslich wäre auch das verbleibende Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen nicht oder zumindest nicht in ausgeprägter Weise als erfüllt zu be trachten, treten doch die Beschwerden nach den anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin vor allem bei andauernder Belas- tung wie Treppensteigen oder Bergaufgehen auf. Gerade belastungsabhängige Schmerzen gel- ten jedoch nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung regel mässig nicht als körperliche Dauer- schmerzen im Sinne des Adäquanzkriteriums (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. März 2018, 8C_720/2017, E. 4.4). Wäre aber wie vorliegend kein Kriterium in der geforderten Art und Weise erfüllt, wäre auch im Rahmen der speziellen Adäquanzp rüfung im Zusammenhang mit psychi- schen Fehlentwicklungen eine verbleibende unfallbezogene Kausalität der verbleibenden Be- schwerden zu verneinen. 10. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Be schwerdegegnerin den adä- quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 11. Mai 2018 und den über den 11. Juni 2019 hinaus geklagten Beschwerden zu Recht verneint und deshalb die Versicherungs- leistungen eingestellt hat. Demnach ist der angefochten e Einspracheentscheid vom 18. März 2020 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 11.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Dies gilt insbesondere auch für das Verfahren betreffend Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kos- ten zu erheben. 11.2.1 Dem Prozessausgang entsprechend wird der Beschwerd eführerin keine Parteientschä- digung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zugesprochen. So weit die Beschwerdeführerin vor Kantonsgericht das Rechtsbegehren stellt, dass die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, ihr die Kosten der medizinischen Expertise bei Dr. O.____ zu erstatten, dringt sie nicht durch. Grund- sätzlich sind die Kosten für Privatgutachten im weiteren Sinne innerhalb der Parteikosten unter den Auslagen zu subsumieren (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. April 2010, 9C_178/2010, E. 2, in: SVR 2011 IV Nr. 13 S. 36). Die Kosten eines Privatgutachtens im weiteren Sinne sind zu ersetzen, soweit dieses wesentliche sachdienliche Angaben enthält, mithin also zur Beurteilung der Sache von erheblichem Einfluss respektive für die En tscheidfindung unerlässlich war und insbesondere dem Gericht den Beizug eines gerichtlichen Gutachtens ersparte (BGE 115 V 63 E. 5d; Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2016, 9C_671 /2015, E. 5 sowie Urteile des EVG vom 24. April 2007, I 1008/06, E. 3.1 und vom 15. De zember 2006, I 591/06, E. 5.1; vgl. auch Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht SUSANNE LEUZINGER -NAEF , Bundesrechtliche Verfahrensanforderungen betreffend Verfahrens- kosten, Parteientschädigung und unentgeltlichen Rechtsbei stand im Sozialversicherungsrecht, in: SZS 1991 S. 183). Dies gilt unter Umständen auch dann, wenn die versicherte Person in der Sache selbst unterliegt, sofern sich der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt erst aufgrund des Privatgutachtens schlüssig feststellen lässt und dem Un fallversicherer insoweit eine Verlet- zung der Untersuchungspflicht vorzuwerfen ist (vgl. Urte il des Bundesgerichts vom 4. Februar 2013, 8C_1005/2012, E. 5.2; vgl. auch Urteile des EVG vom 14. März 2005, U 85/2004, E. 2.1, in: RKUV 2005 Nr. U 547 S. 221 und vom 21. Oktober 2003, U 282/2000, E. 5.1, in: RKUV 2004 Nr. U 503 S. 186). Dieser Grundsatz ist für das Verwa ltungsverfahren ausdrücklich in Art. 45 Abs. 1 ATSG festgehalten (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 45, Rz. 32). Ob ein Parteigutachten für die Entscheidfindung unerlässlich ist, liegt dabei im Ermessen des Gerichts (vgl. C RISTINA SCHIAVI , Basler Kommentar ATSG, Frésard-Fel- lay/Klett/Leuzinger [Hrsg.], Basel 2020, Art. 45, Rz. 6). 11.2.2 Die “gutachterliche“ Stellungnahme von Dr. O. ____ hat vorliegend keine neuen, uner- lässlichen Angaben enthalten, welche dem Gericht den Be izug eines gerichtlichen Gutachtens erspart hätten. Grundsätzlich hat Dr. O.____ lediglich mehrere Hypothesen dargelegt, welche mangels persönlicher Untersuchung der Patientin oder entsprechender bildgebender Diagnostik nicht von ihr verifiziert wurden. Auch das reine Refere nzieren ausgewählter früherer Rapporte und Diagnosen von Berufskolleginnen und -kollegen ohne Diskussion der entgegenstehenden Berichte erfüllt offensichtlich nicht die Anforderung an die massgebende Bedeutung, die einem Arztbericht zukommen muss, um als unerlässlich für die Entscheidfindung angesehen zu werden. Damit wären der Beschwerdeführerin im Falle des Obsiegens keine Erstattung der hierdurch ent- standenen Kosten zuzusprechen gewesen. Auch die Zusprach e einer Entschädigung im Falle des Unterliegens ist vorliegend nicht angezeigt, da de r Sachverhalt sich auch ohne den Bericht von Dr. O.____ schlüssig darstellt und der Beschwerdegegn erin gerade keine Verletzung der Untersuchungspflicht vorgeworfen werden kann (siehe Erwägungen 6.3 und 8 hiervor). Das Be- gehren der Beschwerdeführerin auf Ersatz der aus dem Parteigutachten entstandenen Kosten ist deshalb abzuweisen. Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht