<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 119 S.546</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">546</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>119 Verursacherprinzip und Kostentragungspflicht bei Altlastensanierung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Art. 32d USG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Aufgrund eines Ausschlussverfahrens ist ausreichend nachgewiesen,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dass nur die ursprüngliche Grundeigentümerin CKW-belasteter Par-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zellen bzw. deren Zulieferer als Verursacher der Verunreinigung in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Frage kommt (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Verhaltensstörerin ist im Gegensatz zu den heutigen Parzellen-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>eigentümerinnen (Zustandsstörerinnen) für die notwendigen Sanie-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rungsmassnahmen kostenpflichtig (Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Eine Reduktion der Kostentragungspflicht zugunsten der Verhaltens-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>störerin ist aus Billigkeitsgründen nicht angezeigt, nachdem sie auch</b></span><br/> <span class="ft2"><b>von der Verwendung von CKW-haltigen Stoffen wirtschaftlich jahre-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lang profitieren konnte (Erw. 4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Regierungsrates vom 17. August 2005 i.S. W. I. AG gegen</span><br/> <span class="ft3">das Baudepartement</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutz</span> <span class="page_no">547</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) aa) Wer Massnahmen nach diesem Gesetz verursacht, trägt</span><br/> <span class="ft1">nach Art. 2 USG dafür die Kosten. Dieser Grundsatz wird bezüglich</span><br/> <span class="ft1">der Sanierung von Altlasten in Art. 32d USG (in Kraft seit 1. Juli</span><br/> <span class="ft1">1997) als lex specialis konkretisiert. Abs. 1 wiederholt den Grundsatz</span><br/> <span class="ft1">von Art. 2; Abs. 2 präzisiert ihn: Mehrere Verursacher tragen die</span><br/> <span class="ft1">Kosten entsprechend ihren Anteilen an der Verursachung. In erster</span><br/> <span class="ft1">Linie trägt die Kosten, wer die Sanierung durch sein Verhalten verur-</span><br/> <span class="ft1">sacht hat (Verhaltensstörer). Wer lediglich als Inhaber der Deponie</span><br/> <span class="ft1">oder des Standortes beteiligt ist (Zustandsstörer), kommt erst subsi-</span><br/> <span class="ft1">diär zum Zuge. Zudem kann er sich unter bestimmten Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft1">gen von jeglicher Kostenpflicht befreien. Mit dieser Regelung wird</span><br/> <span class="ft1">dem Umstand Rechnung getragen, dass die Kostenpflicht für den un-</span><br/> <span class="ft1">beteiligten Zustandsstörer unverhältnismässig und unbillig sein kann.</span><br/> <span class="ft1">Soweit weder Verhaltens- noch Zustandsstörer belangt werden kön-</span><br/> <span class="ft1">nen, sind die Kosten durch das Gemeinwesen zu tragen, wobei ein</span><br/> <span class="ft1">Teil dieser Aufwendungen aus den nach Art. 32e USG zu erhebenden</span><br/> <span class="ft1">Abgaben finanziert wird (vgl. BGE 1A.214/1999 vom 3. Mai 2000</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Im Altlastenrecht gilt das Verursacherprinzip im engeren</span><br/> <span class="ft1">Sinn, welches einen direkten Kausalzusammenhang zwischen einem</span><br/> <span class="ft1">konkreten umweltschädigenden oder umweltgefährdenden Verhalten</span><br/> <span class="ft1">bzw. Zustand und den daraus konkret entstandenen externen Kosten</span><br/> <span class="ft1">erfordert. Der Begriff des Verursachers wird im positiven Recht,</span><br/> <span class="ft1">insbesondere im Umweltschutzgesetz, nicht näher definiert. Lehre</span><br/> <span class="ft1">und Rechtsprechung greifen deshalb auf den polizeirechtlichen Be-</span><br/> <span class="ft1">griff des Störers zurück (vgl. BGE in URP 1994, S. 501 ff.). Dabei</span><br/> <span class="ft1">können sowohl Verhaltens- als auch Zustandsstörer Verursacher sein.</span><br/> <span class="ft1">Verhaltensstörer ist, wer durch sein eigenes Verhalten - d.h.</span><br/> <span class="ft1">sein Tun oder Unterlassen - oder durch das Verhalten Dritter, für die</span><br/> <span class="ft1">er verantwortlich ist, die öffentliche Ordnung und Sicherheit</span><br/> <span class="ft1">unmittelbar stört oder gefährdet. Als Zustandsstörer wird bezeichnet,</span><br/> <span class="ft1">wer die tatsächliche oder rechtliche Herrschaft über Sachen inne hat,</span><br/> <span class="ft1">welche die Polizeigüter unmittelbar stören oder gefährden. Nebst</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">548</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dem Eigentümer kommen beispielsweise auch Mieter, Verwalter oder</span><br/> <span class="ft1">Beauftragte als Zustandsstörer in Betracht.</span><br/> <span class="ft1">Aus der Gleichsetzung der Begriffe des Störers und des</span><br/> <span class="ft1">Verursachers ergibt sich das Erfordernis der Unmittelbarkeit der Ver-</span><br/> <span class="ft1">ursachung. In der Kausalkette entferntere, lediglich mittelbare Verur-</span><br/> <span class="ft1">sachungen scheiden aus. Weiter folgt aus dem Störerprinzip, dass es</span><br/> <span class="ft1">für die Bejahung der Verursachereigenschaft nicht auf ein konkretes</span><br/> <span class="ft1">Verschulden ankommt; denn ein solches ist nicht Voraussetzung der</span><br/> <span class="ft1">Störereigenschaft (BGE 127 I 60). Die Eigenschaft als Störer bzw.</span><br/> <span class="ft1">Verursacher bestimmt sich vielmehr ausschliesslich nach objektiven</span><br/> <span class="ft1">Kriterien (vgl. zum Ganzen: Heribert Rausch, Arnold Marti, Alain</span><br/> <span class="ft1">Griffel, Umweltrecht, Ein Lehrbuch, Zürich 2004, Rz. 82 ff.).</span><br/> <span class="ft1">bb) Nach Art. 3a und 54 GSchG gilt ebenfalls das Verursa-</span><br/> <span class="ft1">cherprinzip. In Bezug auf die Kostentragungspflicht und die Pflicht,</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen zu ergreifen, besteht kein Unterschied zu den von der</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz zu Grunde gelegten Rechtsnormen des Umweltschutz-</span><br/> <span class="ft1">rechtes.</span><br/> <span class="ft1">b) Die Vorinstanz hielt fest, dass die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">alleinige Verhaltensstörerin und damit Verursacherin im altlasten-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Sinn sei.</span><br/> <span class="ft1">Der Handelsregisterauszug der Beschwerdeführerin zeigt</span><br/> <span class="ft1">auf, dass diese aus der Kollektivgesellschaft W., S. &amp; Cie., hervor-</span><br/> <span class="ft1">ging und nach Änderung der Gesellschaftsform von 192z als W. A.G.</span><br/> <span class="ft1">(später redaktionell geändert in W. AG) eingetragen wurde. 199w er-</span><br/> <span class="ft1">folgte durch Statutenänderung eine Änderung des Zweckes und der</span><br/> <span class="ft1">Firma in W. I. AG. Damit handelt es sich bei der W. AG und der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin weiterhin um ein und dieselbe juristische Person.</span><br/> <span class="ft1">Daran ändert weder die Änderung des Gesellschaftszweckes noch</span><br/> <span class="ft1">der Verkauf der beweglichen Aktiven und Passiven sowie der Firma</span><br/> <span class="ft1">W. an U. B. etwas. Auch die hypothetischen Konstellationen bezüg-</span><br/> <span class="ft1">lich Gründung einer neuen Gesellschaft und der Veräusserung des</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentums an diese verlangen mangels Relevanz für die Beur-</span><br/> <span class="ft1">teilung des vorliegenden Falles keine weitere Beachtung.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin erwarb in den Jahren zwischen</span><br/> <span class="ft1">1929 und 1955 vier Parzellen, welche zur Parzelle 1951 vereinigt</span><br/> <span class="ft1">wurden. Mit Kaufvertrag vom 29. Juni 1978 verkaufte die Beschwer-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutz</span> <span class="page_no">549</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">deführerin die von der Parzelle 1951 abgetrennte Parzelle 3274 an</span><br/> <span class="ft1">die Einwohnergemeinde L.. Am 26. Oktober 1982 trennte die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin weitere 3'798 m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">von der Parzelle 1951 und ver-</span><br/> <span class="ft1">äusserte sie u.a. mit dem Gebäude 1911 (Fasslager) für Fr. 575'760.-</span><br/> <span class="ft1">an die Einwohnergemeinde L., welche sie mit ihrer Parzelle 3274</span><br/> <span class="ft1">vereinigte. Die Beschwerdeführerin trennte die Parzelle 3334 (Halle)</span><br/> <span class="ft1">mit Kaufvertrag vom 17. Dezember 1982 von der Parzelle 1951 ab</span><br/> <span class="ft1">und übertrug die Fläche von 1'342 m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">samt Gebäuden für</span><br/> <span class="ft1">Fr. 380'000.- an die H. AG. Die in der Fläche reduzierte Parzelle</span><br/> <span class="ft1">1951 steht immer noch im Eigentum der Beschwerdeführerin.</span><br/> <span class="ft1">c) Die P. L. AG führte im W.-Areal und im angrenzenden Be-</span><br/> <span class="ft1">reich des Industriegebietes (...), Betriebserhebungen durch. Dabei</span><br/> <span class="ft1">stellte sie fest, dass die W. AG früher Perchlorethylen-Entfettungs-</span><br/> <span class="ft1">anlagen betrieben hatte, wobei während der 70er-Jahre ein jährlicher</span><br/> <span class="ft1">Verbrauch an Perchlorethylen von mehreren Tonnen anzunehmen ist.</span><br/> <span class="ft1">Einen weiteren Betrieb, welcher Perchlorethylen verwendete und für</span><br/> <span class="ft1">die festgestellte Verschmutzung des Grundwassers im betreffenden</span><br/> <span class="ft1">Gebiet in Frage kommt, konnte die P. L. AG nicht ausfindig machen.</span><br/> <span class="ft1">Dabei sei aber zu berücksichtigen, dass aufgrund verhältnismässig</span><br/> <span class="ft1">häufiger Wechsel der Betriebe auf dem genannten Areal keine</span><br/> <span class="ft1">vollkommen gesicherten Aussagen möglich seien.</span><br/> <span class="ft1">d) Die Beschwerdeführerin bestreitet die Verwendung von</span><br/> <span class="ft1">Perchlorethylen in grossen Mengen im W.-Areal nicht. Allerdings</span><br/> <span class="ft1">weist sie darauf hin, dass sie sich die CKW-haltigen Stoffe in Fässern</span><br/> <span class="ft1">mit Lastwagen von heute nicht mehr zu eruierenden externen Unter-</span><br/> <span class="ft1">nehmen liefern liess. Dass die Zulieferung früher an den heute nach</span><br/> <span class="ft1">Vornahme von Sanierungsmassnahmen immer noch belasteten</span><br/> <span class="ft1">Standort Fasslager erfolgte, die Fässer dort zwischengelagert und da-</span><br/> <span class="ft1">nach einzeln mit einem Handwagen zu den Entfettungsanlagen im</span><br/> <span class="ft1">W.-Areal geführt wurden, ist ebenfalls unbestritten. Dagegen wurden</span><br/> <span class="ft1">im Gebiet der Halle - soweit bekannt - offenbar weder CKW-haltige</span><br/> <span class="ft1">Stoffe gelagert noch verarbeitet.</span><br/> <span class="ft1">Nicht bestritten ist auch, dass seit der Abparzellierung und</span><br/> <span class="ft1">dem Verkauf der betroffenen Parzellen im W.-Areal an die heutigen</span><br/> <span class="ft1">Eigentümerinnen keine CKW-haltigen Stoffe mehr verwendet wur-</span><br/> <span class="ft1">den. Damit fallen die heutigen Grundeigentümerinnen der belasteten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">550</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Grundstücke - die H. AG und die Einwohnergemeinde L. - als Ver-</span><br/> <span class="ft1">haltensstörerinnen weg; sie sind angesichts der Belastung an den</span><br/> <span class="ft1">Standorten allerdings als Zustandsstörerinnen zu qualifizieren, da sie</span><br/> <span class="ft1">die tatsächliche und rechtliche Gewalt über ihre Parzellen mit den</span><br/> <span class="ft1">belasteten Standorten inne haben, welche Polizeigüter unmittelbar</span><br/> <span class="ft1">stören bzw. gefährden (vgl. Rausch, Marti, Griffel, a.a.O., Rz. 89).</span><br/> <span class="ft1">Weitere potentielle Verwender von CKW-haltigen Stoffen im</span><br/> <span class="ft1">W.-Areal konnten weder die P. L. AG in ihrem Bericht noch die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin als (ehemalige) Grundeigentümerin des W.-Areals</span><br/> <span class="ft1">benennen. Solche sind angesichts der Arealhistorie und der Tatsache,</span><br/> <span class="ft1">dass zwischen der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und dem Verkauf</span><br/> <span class="ft1">von Parzellenteilen in den Jahren 1978 und 1982 einzig die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin CKW-haltige Stoffe verwendet hatte, auch nicht</span><br/> <span class="ft1">zu vermuten.</span><br/> <span class="ft1">Im Bereich des alten Fasslagers ist ohne weiteres von einer</span><br/> <span class="ft1">Verschmutzung des Erdreiches und des Grundwassers im Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhang mit der Zulieferung, dem Lagern und dem Weitertransport</span><br/> <span class="ft1">von CKW-haltigen Stoffen für die Beschwerdeführerin auszugehen.</span><br/> <span class="ft1">Dagegen ist die Belastung des Standortes Halle weniger</span><br/> <span class="ft1">offensichtlich. Der belastete Standort liegt einerseits unmittelbar an</span><br/> <span class="ft1">der Zufahrtsstrecke der Lastwagen, welche die Per-Fässer früher zum</span><br/> <span class="ft1">Fasslager transportierten, aber bereits rund 50 m vom Transportweg</span><br/> <span class="ft1">entfernt, auf welchem die Per-Behälter auf Handkarren über die alte</span><br/> <span class="ft1">Rampe zu den verschiedenen Entfettungsanlagen in den umliegenden</span><br/> <span class="ft1">Gebäuden geführt wurden. Dieser Transportweg ist im Bereich der</span><br/> <span class="ft1">alten Rampe uneben und verfügt über diverse Bodenabläufe. Weiter</span><br/> <span class="ft1">ist zu beachten, dass CKW selbst Beton zu durchdringen vermag und</span><br/> <span class="ft1">CKW sogar beim Ausschütten eines ganzen Fasses innert Kürze ver-</span><br/> <span class="ft1">dampft bzw. sich verflüchtigt und danach nichts mehr sichtbar ist.</span><br/> <span class="ft1">Diese Tatsachen widersprechen denn auch dem Argument der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin, dass ein Unfall mit CKW mit Sicherheit registriert</span><br/> <span class="ft1">worden wäre. Schon ein einziges 200 l-Per-Fass vermag die festge-</span><br/> <span class="ft1">stellte Grundwasserbelastung im Bereich der Halle zu verursachen.</span><br/> <span class="ft1">Indem versickernde Flüssigkeiten bevorzugt dem Verlauf von</span><br/> <span class="ft1">Kanalisationsleitungen folgen, konnte ein Versickern von Per in das</span><br/> <span class="ft1">Erdreich bei den Per-Entfettungsanlagen, vor allem aber im Bereich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutz</span> <span class="page_no">551</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der alten Rampe sowie der Transportwege angesichts der Gefäll- und</span><br/> <span class="ft1">Flusssituation des Grundwassers sowie der Kanalisationsleitungen</span><br/> <span class="ft1">zweifellos die festgestellte Belastung unter der Halle bewirken. Das</span><br/> <span class="ft1">Eindringen von CKW-haltigen Stoffen durch die Kanalisation von</span><br/> <span class="ft1">ausserhalb des W.-Areals ist auszuschliessen, da die Kanalisation</span><br/> <span class="ft1">ausschliesslich das W.-Areal umfasst. Ein Einbringen von CKW</span><br/> <span class="ft1">durch die Ablagerung von Aushubmaterial ist auszuschliessen, da im</span><br/> <span class="ft1">Bereich der Halle (im Gegensatz zum alten Fasslager) nicht das Erd-</span><br/> <span class="ft1">reich, sondern vor allem das Grundwasser eine hohe Konzentration</span><br/> <span class="ft1">an CKW aufweist. Aufgrund der fehlenden Verunreinigung im</span><br/> <span class="ft1">Anstrombereich ist erkennbar, dass der Verschmutzungsherd auf dem</span><br/> <span class="ft1">Areal selbst liegt.</span><br/> <span class="ft1">e) Gestützt auf die umfangreichen Abklärungen der Fach-</span><br/> <span class="ft1">institute und die Beurteilung durch die kantonalen Fachexperten ist</span><br/> <span class="ft1">vorerst festzuhalten, dass aufgrund eines Ausschlussverfahrens nur</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführerin und allenfalls deren Zulieferer der Per-</span><br/> <span class="ft1">Fässer als Verursacher in Frage kommen.</span><br/> <span class="ft1">Eine zusätzliche Expertise erübrigt sich aufgrund einer</span><br/> <span class="ft1">antizipierten Beweiswürdigung, da mangels weiterer Informationen</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin bzw. früherer Angestellter, welche als ein-</span><br/> <span class="ft1">zige Quellen noch in Frage kommen, keine neuen Erkenntnisse zum</span><br/> <span class="ft1">genauen Hergang der Verschmutzungen zu erwarten sind. Ebenso</span><br/> <span class="ft1">wenig verheissen zusätzliche Untersuchungen des Areals und eine</span><br/> <span class="ft1">Überprüfung der vorgenommenen Abklärungen durch die Fachinsti-</span><br/> <span class="ft1">tute neue bzw. klärende Grundlagen für den Entscheid der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde; es kann diesbezüglich auf die umfangreichen und aussage-</span><br/> <span class="ft1">kräftigen Untersuchungsakten verwiesen werden. Aufgrund des Ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnismässigkeitsprinzips sind die Aufwendungen der altlastenrecht-</span><br/> <span class="ft1">lichen Untersuchungen so gering wie möglich, aber so ausführlich</span><br/> <span class="ft1">wie nötig durchzuführen. Zusätzliche kostenintensive Abklärungen,</span><br/> <span class="ft1">welche von Vornherein keine neuen Ergebnisse erwarten lassen,</span><br/> <span class="ft1">haben deshalb zu unterbleiben; die entsprechenden finanziellen</span><br/> <span class="ft1">Mittel sollen vielmehr der Sanierung dienen, zumal die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin lediglich Zweifel anbringt, es aber trotz der zu er-</span><br/> <span class="ft1">wartenden Kosten im Falle einer Übernahmepflicht unterlassen hat,</span><br/> <span class="ft1">die Zweifel fachlich weiter zu begründen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">552</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3. a) Gemäss Art. 32d Abs. 1 USG trägt im Altlastenrecht der</span><br/> <span class="ft1">Verursacher die Kosten der Sanierung. Sind mehrere Verursacher be-</span><br/> <span class="ft1">teiligt, so tragen sie die Kosten entsprechend ihren Verursacherantei-</span><br/> <span class="ft1">len (Art. 32d Abs. 2 USG). Diese Regelung lehnt sich an die privat-</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Regressordnung von Art. 50 f. OR an: Primär trägt der</span><br/> <span class="ft1">schuldhafte Verhaltensstörer die Sanierungskosten, subsidiär - mit</span><br/> <span class="ft1">Entlastungsmöglichkeit - der schuldlose Zustandsstörer. Zivilrechtli-</span><br/> <span class="ft1">che Vereinbarungen (z.B. Gewährsausschluss im Vertrag zwischen</span><br/> <span class="ft1">Verkäufer [Verhaltensstörer] und Käufer [Zustandsstörer]) sind dabei</span><br/> <span class="ft1">auf den Zivilweg zu verweisen, weshalb im verwaltungsrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Verfahren lediglich die notwendigen zivilrechtlichen Vorfragen zu</span><br/> <span class="ft1">behandeln sind.</span><br/> <span class="ft1">b) Vorab ist die Frage zu klären, ob die aufgrund eines Aus-</span><br/> <span class="ft1">schlussverfahrens festgestellte Verursachung durch die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin bzw. allenfalls deren Zulieferer für die Auferlegung der Kos-</span><br/> <span class="ft1">ten im Zusammenhang mit der Untersuchung und den Massnahmen</span><br/> <span class="ft1">der Altlasten ausreichend ist.</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 46 USG ist jedermann verpflichtet, den Behörden</span><br/> <span class="ft1">die für den Vollzug erforderlichen Auskünfte zu erteilen, nötigenfalls</span><br/> <span class="ft1">Abklärungen durchzuführen oder zu dulden. Diesbezüglich ist auch</span><br/> <span class="ft1">die in § 21 VRPG verankerte Mitwirkungspflicht der Verfahrens-</span><br/> <span class="ft1">beteiligten zu beachten. Die Beschwerdeführerin machte mehrfach</span><br/> <span class="ft1">geltend, dass allenfalls ihre Lieferanten von Per-Fässern die Grund-</span><br/> <span class="ft1">wasser- und Bodenbelastungen auf ihrer damaligen Parzelle verur-</span><br/> <span class="ft1">sacht haben könnten. Details zu den damaligen Lieferungen</span><br/> <span class="ft1">unterbreitete die Beschwerdeführerin den zuständigen Behörden</span><br/> <span class="ft1">dagegen nicht. Dies ist insofern nachvollziehbar, als die Aufbewah-</span><br/> <span class="ft1">rungsfrist für Buchhaltungsunterlagen (und damit auch Liefer-</span><br/> <span class="ft1">scheine) zwischenzeitlich wohl verstrichen ist und entsprechende</span><br/> <span class="ft1">Auskünfte auch von ehemaligen Mitarbeitenden nicht mehr in der</span><br/> <span class="ft1">erforderlichen Tiefe erhältlich sind. Ebenso schwierig dürften</span><br/> <span class="ft1">verlässliche Informationen betreffend einem allfälligen Unfall mit</span><br/> <span class="ft1">Per auf dem ehemaligen Gesamtareal der Beschwerdeführerin sein,</span><br/> <span class="ft1">da solche aufgrund des schnellen Verflüchtigens von CKW ohne ir-</span><br/> <span class="ft1">gendwelche sichtbaren Rückstände kaum registriert worden sein</span><br/> <span class="ft1">dürften und schon geringste Mengen von Per zu einer grossen Belas-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutz</span> <span class="page_no">553</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tung des Grundwassers führen können. Durch die umfangreichen</span><br/> <span class="ft1">Untersuchungen und den Einbezug der massgebenden Parteien, hat</span><br/> <span class="ft1">die Vorinstanz die notwendigen Schritte unternommen, die zum</span><br/> <span class="ft1">Nachweis der Verursachung ausreichen.</span><br/> <span class="ft1">c) Bereits das damalige Gesetz über die Nutzung und den</span><br/> <span class="ft1">Schutz der öffentlichen Gewässer vom 22. März 1954 enthielt u.a.</span><br/> <span class="ft1">für die Grundwasserströme Schutzbestimmungen. Art. 13 des inzwi-</span><br/> <span class="ft1">schen aufgehobenen Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer</span><br/> <span class="ft1">vor Verunreinigung (Gewässerschutzgesetz) vom 6. Oktober 1971</span><br/> <span class="ft1">(aGSchG) verpflichtete sodann jedermann, alle nach den Umständen</span><br/> <span class="ft1">erforderliche Sorgfalt anzuwenden, um die Verunreinigung der ober-</span><br/> <span class="ft1">und unterirdischen Gewässer zu vermeiden. Weiter enthielt Art. 14</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 aGSchG folgende Regelung:</span><br/> <br/> <span class="ft6">"Es ist untersagt, feste, flüssige oder gasförmige Stoffe jeder Art, die geeignet sind, das</span><br/> <span class="ft6">Wasser zu verunreinigen, mittelbar oder unmittelbar in die Gewässer einzubringen oder</span><br/> <span class="ft6">abzulagern. Sofern die Gefahr einer Verunreinigung des Wassers entsteht, ist auch das</span><br/> <span class="ft6">Ablagern ausserhalb der Gewässer untersagt."</span><br/> <br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin verwendete wie gezeigt mehrere</span><br/> <span class="ft1">Tonnen CKW-haltige Stoffe für ihre Entfettungsanlagen. Unbestritte-</span><br/> <span class="ft1">nermassen erfolgte diese Tätigkeit auch in der Zeit zwischen dem In-</span><br/> <span class="ft1">krafttreten des aGSchG und dem Verkauf der abparzellierten belaste-</span><br/> <span class="ft1">ten Parzellen. Als Lager für die Per-Fässer nutzte die Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin u.a. das alte Fasslager auf der heutigen Parzelle 3274. Wie</span><br/> <span class="ft1">der Bericht der P. L. AG und auch der Augenschein vor Ort ergaben,</span><br/> <span class="ft1">konnte ein Versickern von CKW-haltigen Stoffen im Bereich des</span><br/> <span class="ft1">Fasslagers aufgrund der Bodenkonstruktion während längerer Zeit</span><br/> <span class="ft1">unbemerkt erfolgen, da Per sowohl Kies- als auch Betonböden</span><br/> <span class="ft1">durchdringen kann und dadurch in den Untergrund und ins Grund-</span><br/> <span class="ft1">wasser gelangt. Dazu reichen bereits geringe Verluste von Per beim</span><br/> <span class="ft1">Abladen, Hantieren und Weitertransportieren der Fässer bzw. deren</span><br/> <span class="ft1">Inhaltes. Damit aber ist nachgewiesen, dass die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">sowohl die starke Belastung des Erdreiches und des Grundwassers</span><br/> <span class="ft1">im Umfeld des alten Fasslagers in unmittelbarem Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">mit der Verwendung von grossen Mengen Per als gewässerge-</span><br/> <span class="ft1">fährdendem Stoff sowie den ungenügenden technischen Einrichtun-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">554</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gen zur Verhinderung des Versickerns des Stoffes (mit)verursachte</span><br/> <span class="ft1">bzw. zu verantworten hat. Selbst wenn ein beauftragter Zulieferer</span><br/> <span class="ft1">beim Ab- oder Aufladen der Per-Fässer etwas verschüttet hätte, liegt</span><br/> <span class="ft1">die Herrschaft über den entsprechend zu schützenden Boden und die</span><br/> <span class="ft1">Überwachung der korrekten Behandlung des Materials in ihrem</span><br/> <span class="ft1">Betrieb bzw. auf ihrem Areal bei der Beschwerdeführerin. Diese</span><br/> <span class="ft1">weiss zwar offenbar nicht mehr, wer das Material per Lastwagen</span><br/> <span class="ft1">lieferte; trotzdem macht sie dann aber geltend, dass es sich um einen</span><br/> <span class="ft1">spezialisierten Verkäufer gehandelt habe, womit sie die ihr</span><br/> <span class="ft1">obliegende Sorgfaltspflicht eingehalten habe. Die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rerin war dadurch verpflichtet, durch geeignete Massnahmen</span><br/> <span class="ft1">(Instruktion der Angestellten und Zulieferer, technische Schutz-</span><br/> <span class="ft1">vorrichtungen im Bereich des Fasslagers, Ausstattung des</span><br/> <span class="ft1">Handkarrens für den Transport zu den Entfettungsanlagen, Wahl und</span><br/> <span class="ft1">Beschaffenheit des Transportweges usw.) eine Belastung des Unter-</span><br/> <span class="ft1">grundes und des Grundwassers durch Per zu vermeiden. Selbst wenn</span><br/> <span class="ft1">sich bei einem - heute nicht mehr zu eruierenden - Zulieferer der Per-</span><br/> <span class="ft1">Fässer ein Unfall im Bereich des Fasslagers ereignet und dieser da-</span><br/> <span class="ft1">durch die Sanierungsmassnahmen (mit)verursacht hätte, liegt die</span><br/> <span class="ft1">Kostentragungspflicht dafür bei der Beschwerdeführerin als Bestelle-</span><br/> <span class="ft1">rin, Lagernde sowie Verbraucherin des Per, für ihr Grundstück Ver-</span><br/> <span class="ft1">antwortlichen sowie Weisungs- und Überwachungspflichtigen.</span><br/> <span class="ft1">Die Belastung mit CKW betrifft im Bereich der heutigen</span><br/> <span class="ft1">Halle vorab das Grundwasser und - im Gegensatz zum Fasslager -</span><br/> <span class="ft1">nur in geringem Mass das Erdreich. Wie gezeigt, fallen alle</span><br/> <span class="ft1">Vermutungen des Hergangs zur Verschmutzung, welche die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin entlasten könnten, weg. Die Angestellten der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin transportierten die CKW-haltigen Stoffe mit einem</span><br/> <span class="ft1">Handkarren vom alten Fasslager am heutigen Depot vorbei und an</span><br/> <span class="ft1">der Ostseite des Neubaus entlang über die alte Rampe zu den</span><br/> <span class="ft1">Einsatzorten. Der dazu benutzte Weg ist teilweise nicht befestigt und</span><br/> <span class="ft1">weist insbesondere im Bereich der alten Rampe Unebenheiten auf,</span><br/> <span class="ft1">welche beim erwähnten Transport ohne weiteres zu einem Zwischen-</span><br/> <span class="ft1">fall führen konnten. Wie erwähnt, vermögen CKW selbst Beton- und</span><br/> <span class="ft1">andere verfestigte Oberflächen zu durchdringen und sich im Erdreich</span><br/> <span class="ft1">sowie im Grundwasser weiterzubewegen. Da CKW schwerer als</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutz</span> <span class="page_no">555</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Wasser sind, bleiben diese trotz Grundwasserströmungen in</span><br/> <span class="ft1">Vertiefungen während langer Zeit unverändert bestehen. Anhand des</span><br/> <span class="ft1">Kanalisationsplanes des W.-Areals ist erkennbar, dass sich im Be-</span><br/> <span class="ft1">reich der Halle der Regenauslass der Kanalisation befindet. Wegen</span><br/> <span class="ft1">der Tatsache, dass CKW bevorzugt Kanalisationsleitungen folgen, ist</span><br/> <span class="ft1">aufgrund eines Versickerns von Per im Bereich des Transportweges,</span><br/> <span class="ft1">der alten Rampe und sogar im Umfeld der Einsatzorte des Per eine</span><br/> <span class="ft1">konzentrierte Belastung in grösserer Distanz bei der Halle aufgrund</span><br/> <span class="ft1">der Gefällsituation im Untergrund und der physikalischen Eigen-</span><br/> <span class="ft1">schaften von Per nachvollziehbar.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund der Arealgeschichte hatten keine anderen Personen</span><br/> <span class="ft1">CKW-haltige Stoffe in Mengen verwendet, welche die Belastung im</span><br/> <span class="ft1">Bereich der Halle hätte hervorrufen können. Die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">hat somit sowohl durch ihre Produktionstätigkeit mit Per, die</span><br/> <span class="ft1">ungenügenden Vorsorgemassnahmen zur Vermeidung einer Verunrei-</span><br/> <span class="ft1">nigung des Grundwassers sowie durch die Tätigkeit der ihr vertrag-</span><br/> <span class="ft1">lich verbundenen Personen (Arbeitnehmer, allenfalls Zulieferer) die</span><br/> <span class="ft1">Belastung der Standorte Fasslager und Halle adäquat kausal und un-</span><br/> <span class="ft1">mittelbar verursacht (vgl. Karin Scherrer, Handlungs- und Kostentra-</span><br/> <span class="ft1">gungspflichten bei der Altlastensanierung, Störer- versus Verur-</span><br/> <span class="ft1">sacherprinzip, Bern 2005, S. 85 ff.).</span><br/> <span class="ft1">d) Die Beschwerdeführerin ist somit als Verhaltensstörerin</span><br/> <span class="ft1">zu qualifizieren und war vor dem Verkauf der abparzellierten Grund-</span><br/> <span class="ft1">stücke gleichzeitig Zustandsstörerin. Nach dem Verkauf der be-</span><br/> <span class="ft1">lasteten Parzellen wurden dagegen die H. AG und die Einwohner-</span><br/> <span class="ft1">gemeinde L. zu Zustandsstörerinnen. Weitere Störer sind nicht vor-</span><br/> <span class="ft1">handen. Inwiefern die Beschwerdeführerin gegen ihr damals ver-</span><br/> <span class="ft1">traglich verpflichtete Personen privatrechtliche Regressansprüche zu-</span><br/> <span class="ft1">stehen, ist im vorliegenden verwaltungsrechtlichen Verfahren nicht</span><br/> <span class="ft1">zu untersuchen.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">e) Als Grundsatz für die Kostentragung gilt, dass der Verhal-</span><br/> <span class="ft1">tensstörer stärker als der Zustandsstörer, der schuldhaft Handelnde</span><br/> <span class="ft1">stärker als der an der Massnahme Schuldlose zu belangen ist (vgl.</span><br/> <span class="ft1">zum Ganzen Scherrer, a.a.O., S. 125 ff.). Im vorliegenden Fall ist of-</span><br/> <span class="ft1">fensichtlich, dass die heutigen Zustandsstörerinnen keinen Beitrag</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">556</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zur Belastung ihrer Grundstücke geleistet haben. Dagegen lag die</span><br/> <span class="ft1">Verhinderung der Belastung während der Zeit der Verwendung von</span><br/> <span class="ft1">CKW-haltigen Stoffen im Herrschaftsbereich der Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft1">rin. Inwiefern sie die Verschmutzung widerrechtlich verursacht hat</span><br/> <span class="ft1">oder sie daran ein Verschulden trifft, ist angesichts der vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">Konstellation nicht von Belang.</span><br/> <span class="ft1">f) aa) Nach Art. 32d Abs. 2 USG sind die Kosten - ihren An-</span><br/> <span class="ft1">teilen an der Verursachung entsprechend - auf die betreffenden</span><br/> <span class="ft1">Verursacher zu verteilen. In erster Linie trägt die Kosten der Untersu-</span><br/> <span class="ft1">chungen und Massnahmen, wer diese durch sein Verhalten verur-</span><br/> <span class="ft1">sacht hat. Dagegen haben die reinen Zustandsstörer als Eigentümer</span><br/> <span class="ft1">der belasteten Parzellen keine Kosten zu tragen, wenn sie bei</span><br/> <span class="ft1">Anwendung der gebotenen Sorgfalt von der Belastung keine Kennt-</span><br/> <span class="ft1">nis haben konnten, die Belastung ihnen keinen Vorteil verschaffte,</span><br/> <span class="ft1">und ihnen aus der Sanierung kein Vorteil erwächst. Die</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen für die Entlastung sind in der Lehre umstritten. Ins-</span><br/> <span class="ft1">besondere Art. 32d Abs. 2 lit. c USG, welcher das Nichtvorliegen ei-</span><br/> <span class="ft1">nes Vorteils aus der Sanierung für den Zustandsstörer verlangt, ist</span><br/> <span class="ft1">und war Anlass vieler Diskussionen. Anlässlich der Revisionsbestre-</span><br/> <span class="ft1">bungen u.a. der Art. 32c ff. USG soll auch die Exzeptionsklausel ver-</span><br/> <span class="ft1">deutlicht bzw. durch Streichung von lit. c vereinfacht werden (vgl.</span><br/> <span class="ft1">BBl 2003, S. 5040 ff.). Nachdem die Kostentragungspflicht durch</span><br/> <span class="ft1">die Zustandsstörerinnen nur subsidiär zu derjenigen einer Verhaltens-</span><br/> <span class="ft1">störerin zum Tragen kommt, erfolgen die nachfolgenden Ausführun-</span><br/> <span class="ft1">gen zur Verdeutlichung, dass die Zustandsstörerinnen auch gestützt</span><br/> <span class="ft1">auf Art. 32d Abs. 2 lit. c USG von einer Kostentragungspflicht</span><br/> <span class="ft1">ausgenommen sind.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die heutigen Eigentümerinnen verwendeten unbestritte-</span><br/> <span class="ft1">nermassen keine Stoffe, welche die festgestellte Belastung mit Per</span><br/> <span class="ft1">hätten verursachen können. Fraglich ist dagegen, ob die H. AG bzw.</span><br/> <span class="ft1">die Einwohnergemeinde L. im Zeitpunkt des Erwerbes der belasteten</span><br/> <span class="ft1">Parzellen um deren Zustand wusste. Die Beschwerdeführerin weist</span><br/> <span class="ft1">einerseits darauf hin, dass in den Kaufverträgen eine Wegbedingung</span><br/> <span class="ft1">der Gewähr aufgenommen worden sei und die vereinbarten Preise</span><br/> <span class="ft1">für das Land auffällig tief ausgefallen seien, was auf ein Wissen um</span><br/> <span class="ft1">die Belastung schliessen lasse.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutz</span> <span class="page_no">557</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die in die Kaufverträge aufgenommenen Gewährsaus-</span><br/> <span class="ft1">schlüsse ("Die Verkäuferin leistet für den Zustand des Kaufobjektes</span><br/> <span class="ft1">keine Gewähr" bzw. "Für den Zustand des Kaufobjektes leistet die</span><br/> <span class="ft1">Verkäuferin keine Gewähr. Die Käuferin übernimmt die Gebäude Nr.</span><br/> <span class="ft1">363 und 731 wie besichtigt") stellen keine Seltenheit dar und sind</span><br/> <span class="ft1">durchaus als üblich zu bezeichnen. So lässt denn insbesondere auch</span><br/> <span class="ft1">der Wortlaut der Kaufverträge nicht darauf schliessen, dass die Par-</span><br/> <span class="ft1">teien um die Belastung der Parzellen mit CKW wussten oder eine</span><br/> <span class="ft1">solche vermuteten, ansonsten entsprechende Hinweise beim Kauf-</span><br/> <span class="ft1">preis oder in anderen Vertragsstellen angebracht worden wären.</span><br/> <span class="ft1">Anzufügen ist ferner, dass das Altlastenverdachtskataster erst 1987</span><br/> <span class="ft1">erstellt wurde und die betroffenen Parzellen nicht enthalten waren.</span><br/> <span class="ft1">Angesichts der möglichen Nutzungseinschränkungen und der</span><br/> <span class="ft1">Kostenfolgen ist es - zumindest was die letzten Jahre zeigten - eher</span><br/> <span class="ft1">unwahrscheinlich, dass ein belastetes oder auch nur ein verdächtiges</span><br/> <span class="ft1">Grundstück gekauft wird. Die Thematik um die Sanierung von mit</span><br/> <span class="ft1">CKW verschmutzten Standorten ist in den 80er-Jahren aufgekom-</span><br/> <span class="ft1">men, was ebenfalls nicht darauf schliessen lässt, dass die heutigen</span><br/> <span class="ft1">Eigentümerinnen die abparzellierten Grundstücke im Bewusstsein</span><br/> <span class="ft1">um eine Belastung gekauft haben. Insofern ist aber die Frage, ob die</span><br/> <span class="ft1">(teilweise sogar ohne Gebäude separat ausgewiesenen) Landpreise in</span><br/> <span class="ft1">den Kaufverträgen tatsächlich ungewöhnlich tief waren, für die</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung des Wissens um die damals bestehende Belastung der</span><br/> <span class="ft1">Parzellen nicht massgebend. So gäbe es noch unzählige Gründe für</span><br/> <span class="ft1">einen Verkauf auf tiefem Niveau, da die Preisbildung durch die ver-</span><br/> <span class="ft1">schiedensten Faktoren (Nachfrage, Gegengeschäft, Lage, Notlage der</span><br/> <span class="ft1">Verkäuferin, Freundschaftspreis usw.) beeinflusst sein kann. Daran</span><br/> <span class="ft1">ändert auch die Tatsache nichts, dass eine Nachbarparzelle, welche</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführerin 1989 veräussert hat, einen höheren Land-</span><br/> <span class="ft1">preis aufwies. Die beantragte Expertise der Beschwerdeführerin zur</span><br/> <span class="ft1">Klärung der Landpreise im Jahre 1982 ist demzufolge für die</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung der Beschwerde nicht erforderlich.</span><br/> <span class="ft1">cc) Die heutigen Grundeigentümerinnen konnten aus der be-</span><br/> <span class="ft1">reits bestehenden Verschmutzung ihrer Parzellen keinen ersichtlichen</span><br/> <span class="ft1">Vorteil - ausser selbstverständlich eines sanierten und weniger be-</span><br/> <span class="ft1">lasteten Grundstückes - ziehen. Ein solcher wäre u.a. darin zu er-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">558</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">blicken, dass die belastungsfördernde Nutzung der Parzelle mit</span><br/> <span class="ft1">CKW-haltigen Stoffen einen grösseren Gewinn für die betroffenen</span><br/> <span class="ft1">Eigentümerinnen ermöglicht hätte. Dies war allerdings nur bei der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin der Fall, welche Per-Entfettungsanlagen als Mit-</span><br/> <span class="ft1">tel zur Produktion verwendet hatte. Ein Vorteil für die Käuferinnen</span><br/> <span class="ft1">hätte allenfalls auch in einem besonders günstigen Landpreis beste-</span><br/> <span class="ft1">hen können. Diese Thematik ist allerdings aufgrund der damals</span><br/> <span class="ft1">unbekannten Verschmutzung nicht zu berücksichtigen, selbst wenn</span><br/> <span class="ft1">die Vertragsparteien tatsächlich einen günstigen Preis (aus welchen</span><br/> <span class="ft1">Gründen auch immer) vereinbart hätten.</span><br/> <span class="ft1">dd) Die Nutzbarkeit der belasteten Parzellen war bisher</span><br/> <span class="ft1">durch die nach dem Kauf bekannt gewordene Verschmutzung nicht</span><br/> <span class="ft1">beeinträchtigt. Ebenso wenig kann es sich beim Erwerb der Parzellen</span><br/> <span class="ft1">um einen im Wissen um die Belastung und damit allenfalls zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhängenden finanziellen Einbussen entsprechend tiefen Kaufpreis</span><br/> <span class="ft1">gehandelt haben. Weder die Beschwerdeführerin, die H. AG noch die</span><br/> <span class="ft1">Einwohnergemeinde L. sind im Zeitpunkt der Kaufverträge im Jahre</span><br/> <span class="ft1">1982 offenbar von einer Preisreduktion aufgrund der Belastung der</span><br/> <span class="ft1">Parzellen ausgegangen. Unabhängig davon, welcher Kaufpreis für</span><br/> <span class="ft1">die Parzellen(teile) nach der Sanierung erzielbar wäre, handelt es</span><br/> <span class="ft1">sich nicht um einen Vorteil im Sinne von Art. 32d Abs. 2 lit. c USG,</span><br/> <span class="ft1">da erst nach erfolgreichem Abschluss der notwendigen Massnahmen</span><br/> <span class="ft1">mit einem Verkauf und einem reellen Kaufpreis für ein unbelastetes</span><br/> <span class="ft1">Grundstück zu rechnen ist. Diese vermeintliche Situation bestand im</span><br/> <span class="ft1">Jahre 1982 noch. Ein allenfalls zu berücksichtigender Vorteil, indem</span><br/> <span class="ft1">aufgrund der durchzuführenden Massnahmen eine derartige Auf-</span><br/> <span class="ft1">wertung stattfände, dass gar eine Umzonung in eine höherwertige</span><br/> <span class="ft1">Nutzungszone erfolgen würde (z.B. in eine Wohnzone), ist ange-</span><br/> <span class="ft1">sichts der Lage und Nutzungsmöglichkeiten der Parzellen nicht zu</span><br/> <span class="ft1">erwarten (vgl.</span> <span class="ft1">Scherrer, a.a.O., S. 145 f.).</span><br/> <span class="ft1">g) Damit und mit der Folgerung aus Erw. d hiervor ist aus</span><br/> <span class="ft1">Billigkeitsgründen eine Mitbeteiligung der heutigen Eigentümerin-</span><br/> <span class="ft1">nen der belasteten Standorte an der Kostentragung für die altlasten-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Massnahmen nicht angezeigt (vgl. auch Scherrer, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">S. 139 ff.). Es bleibt einzig die Beschwerdeführerin als kostentra-</span><br/> <span class="ft1">gungspflichtige Person.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutz</span> <span class="page_no">559</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">4. a) Aus Billigkeitsgründen ist - selbst ohne ausdrückliche</span><br/> <span class="ft1">Nennung im Umweltschutzgesetz - zu prüfen, ob die gesamten Kos-</span><br/> <span class="ft1">ten für die erforderlichen Massnahmen im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft1">festgestellten Belastung der beiden Standorte durch die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin zu tragen sind.</span><br/> <span class="ft1">b) Zu beachten ist die wirtschaftliche Interessenlage der Be-</span><br/> <span class="ft1">troffenen. So ist erkennbar, dass der Beschwerdeführerin aus der</span><br/> <span class="ft1">Durchführung der Massnahmen lediglich Kosten anfallen, sie aber</span><br/> <span class="ft1">letztlich keinen Nutzen mehr daraus hat. Andererseits bestehen die</span><br/> <span class="ft1">Interessen der Standortinhaberinnen darin, erstmals nach dem Kauf</span><br/> <span class="ft1">eine unbelastete und damit heute im Grundstückmarkt handelbare</span><br/> <span class="ft1">Parzelle mit entsprechendem Wert im Eigentum zu haben. Dadurch</span><br/> <span class="ft1">stellt sich allerdings erst die Situation ein, welche zwischen den Ver-</span><br/> <span class="ft1">tragsparteien im Jahre 1982 eigentlich vereinbart war. Würde aus</span><br/> <span class="ft1">diesen Gründen dennoch eine Reduktion der Kostenquote zu</span><br/> <span class="ft1">Gunsten der Beschwerdeführerin vorgenommen, hätte dies eine</span><br/> <span class="ft1">unzulässige Durchbrechung des Verursacherprinzips zur Folge (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Scherrer, a.a.O., S. 132 f.).</span><br/> <span class="ft1">c) Ein weiterer Grund für eine allfällige Reduktion der</span><br/> <span class="ft1">Kostenquote kann die wirtschaftliche Zumutbarkeit und allenfalls die</span><br/> <span class="ft1">Tragbarkeit der Kostenauflage bilden. Bei einer juristischen Person</span><br/> <span class="ft1">muss - im Gegensatz zu einer Privatperson - weniger Rücksicht auf</span><br/> <span class="ft1">die finanzielle Tragbarkeit genommen werden. Insbesondere dann</span><br/> <span class="ft1">nicht, wenn diese Person durch die Veräusserung belasteter Grund-</span><br/> <span class="ft1">stücke Einnahmen generierte, die in Kenntnis von möglichen Folge-</span><br/> <span class="ft1">kosten aufgrund der bestehenden Belastung nie zu erzielen gewesen</span><br/> <span class="ft1">wären (vgl. Scherrer, a.a.O., S. 135). Die Beschwerdeführerin macht</span><br/> <span class="ft1">eine finanzielle Untragbarkeit nicht geltend, weshalb ein solcher Re-</span><br/> <span class="ft1">duktionsgrund ohnehin wegfällt.</span><br/> <span class="ft1">d) Vorerst ist zusammenzufassen, dass die Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft1">rin die erforderlichen Kosten im Zusammenhang mit der Belastung</span><br/> <span class="ft1">der Standorte und der altlastenrechtlichen Massnahmen vollumfäng-</span><br/> <span class="ft1">lich zu tragen hat. Dieser Umstand rechtfertigt sich denn auch in An-</span><br/> <span class="ft1">betracht des durch die Beschwerdeführerin gezogenen wirtschaftli-</span><br/> <span class="ft1">chen Nutzens aus der Verwendung von CKW-haltigen Stoffen zur</span><br/> <span class="ft1">Produktion auf dem heute dadurch belasteten W.-Areal.</span><br/></div> </div> </body> </html>