B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3133/2014 U r t e i l v o m 1 8 . D e z e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi; Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), und die Kinder B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), Äthiopien, alle vertreten durch lic. iur. LL.M. Susanne Sadri, Asylhilfe Bern, (…), Beschwerdeführerinnen, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Mai 2014 / N (…). D-3133/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführerin), eine ethnische Oromo aus dem Dorf D._______, verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 1. September 2009 und gelangte auf dem Luft weg an einen ihr unbekannten Ort, von wo aus sie mit dem Zug am 2. September 2009 in die Schweiz einreiste. Gleichentags reichte sie im Empfangs - und Ver- fahrenszentrum (EVZ) E._______ ihr Asylgesuch ein. Am 7. September 2009 wurde sie im EVZ zur Person sow ie – summarisch – zu ihren Asyl- gründen befragt. Die Beschwerdeführerin wurde für die Dauer des Asy l- verfahrens dem Kanton F._______ zugewiesen und die zuständigen kan- tonalen Behörden errichteten angesichts der Minderjährigkeit der B e- schwerdeführerin am 8. Dezember 2009 eine Beistandschaft. Am 12. Januar 2010 wurde die Beschwerdeführerin erstmals vom BFM ang e- hört, am 15. Juni 2012 fand eine weitere Anhörung statt. Zur Begründung ihres Asylgesuches brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, ihr Vater sei wegen seiner Mitgliedschaft bei der OLF - Partei verhaftet und sechs Monate festgehalten worden. Anlässlich dieser Verhaftung sei sie von den Männern, die ihren Vater festgenommen hä t- ten, geschlagen worden. Während der Abwesenheit des Vaters sei sie – während sie das Vieh versorgt habe – von zwei unbekannten Männern vergewaltigt worden. Nach der Rückkehr ihres Vaters habe dieser b e- schlossen, sie zu ihrem Schutz ins Ausland bringen zu lassen. Zu ihrem Vater habe sie seit ihrer Ausreise keinen Kontakt mehr. Zudem wies die Beschwerdeführerin darauf hin, sie sei in der Schweiz exilpolitisch tätig. B. Am (…) brachte die Beschwerdeführerin ihre Tochter B._______ und am (…) die zweite Tochter C._______ zur Welt. Beide Töchter wurden in das Asylverfahren der Beschwerdeführerin einbezogen. Vater dieser Kinder ist nach Angaben der Beschwerdeführerin ihr ebenfalls als Asylsuchender in der Schweiz lebender Partner (D-3165/2014), mit dem sie nach Brauch verheiratet sei. C. Mit Verfügung vom 8. Mai 2014 – eröffnet am 10. Mai 2014 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerinnen erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig wurde die Wegweisung der Beschwerdeführerinnen au s der Schweiz und der Wegweisungsvol l- zug angeordnet. D-3133/2014 Seite 3 Zur Begründung führte das Bundesamt zusammengefasst aus, die Schi l- derungen der Beschwerdeführerin zu den Vorkommnissen im Heimatland hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht stand. Was die exilpolitische Betätigung in der Schweiz anbelange, so erfülle diese die Anforderungen an die Flüchtlingseige n- schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht. Den Wegweisungsvollzug erachtete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. D. Mit Beschwerde vom 6. Juni 2014 an das Bundesverwaltungsgericht lies- sen die Beschwerdeführerinnen durch ihre Rechtsvertreterin beantragen, der Entscheid des BFM vom 8. Mai 2014 sei aufzuheben, der Beschwe r- deführerin sei politisches Asyl zu gewähren, es sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs aus der Schweiz festzustellen und als Folge davon sei die Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege. Der Beschwerdeschrift lagen unter anderem zwei Internetartikel über die Situation der Oromo in Äthiopien bei. Auf die Begründung der Beschwerdebegehren sowie die eingereichten Beweismittel wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den na chfol- genden Erwägungen eingegangen. E. Der Instruktionsrichter teilte den Beschwerdeführerinnen mit Zwische n- verfügung vom 12. Juni 2014 mit, sie dürften den Ausgang des Verfa h- rens in der Schweiz abwarten. Weiter wurden die Gesuche um Gewä h- rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses abgewiesen und die Beschwerdeführerinnen aufgefordert, bis zum 27. Juni 2014 e i- nen Kostenvorschuss von Fr. 600.— zu leisten. F. Der Kostenvorschuss ging am 25. Juni 2014 bei der Gerichtskasse ein. D-3133/2014 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG un d ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerd e legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unr ichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Beschwerdeführerinnen beantragen keine Vereinigung ihres B e- schwerdeverfahrens mit demjenigen ihres Partners beziehungsweise V a- ters (D-3165/2014) und eine solche erscheint auch nicht angezeigt . Die Beschwerdeverfahren sind indessen koordiniert zu behandeln. 4. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise D-3133/2014 Seite 5 einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Mass nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstan den sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehen- den Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des A b- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Ungl aubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Auf Beschwerdeebene wird den Ausführungen in der angefochtenen Verfügung entgegengehalten, das BFM lasse das (junge) Alter und die Unerfahrenheit der Beschwerdeführerin zu Unrecht unberücksichtigt . Aus den Akten, insbesondere der Anhörung vom 12. Januar 2010, sei ersicht- lich, dass sie suggestiv und unfreundlich angesprochen und befragt wo r-D-3133/2014 Seite 6 den sei. Die Beschwerdeführerin sei über ihre (verstorbene: Anmerkung des Gerichts) Mutter eingehender befragt worden als über ihre erlittenen frauenspezifischen Nachteile im Zus ammenhang mit der Vergewaltigung. Erst anlässlich der dritten (recte: zweiten) Anhörung und fast drei Jahre nach diesem Ereignis sei sie dann ausführlich dazu befragt worden und dann werde erwartet, dass die Fragen lückenlos beantwortet würden. Es sei niemandem möglich, einen Sachverhalt bei Wiederholungen und Ja h- re nach einem Erlebnis genau gleich zu erzählen. Hinzu komme, dass die Angaben der Beschwerdeführerin sehr wohl übereinstimmend und pla u- sibel seien. Sie habe überdies nachvollziehbar erklärt, dass bei der ersten Anhörung (gemeint wohl der Befragung zur Person) nur Männer anw e- send gewesen seien und sie sich geschämt habe, über die Vergewalt i- gung zu sprechen. Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, aufgrund der Tatsache, dass sie seit ihrer Einre ise wegen frauenspezifischer Probleme zu med i- zinischen Untersuchungen zur Frauenklinik geschickt und dort während Jahren behandelt worden sei, bestünden genügend Indizien, dass man von einer Vergewaltigung ausgehe. Da der Beschwerdeführerin bei der Vergewaltigung der Mund und die Augen verbunden gewesen seien, h a- be sie weder um Hilfe schreien, noch die Täter später identifizieren kö n- nen. Sie reagiere immer noch emotional, wenn sie darüber spreche. Z u- dem sei ihre Vermutung plausibel und nachvollziehbar, dass ihre Verge- waltiger Angehörige der regierenden Behörden gewesen seien, weil sie gerade während der Inhaftierung ihres Vaters bekannterweise auf sich al- lein gestellt gewesen sei. Die Beschwerdeführerin verweist weiter auf ihr ethnische Zugehörigkeit und die allgemein bekannten, damit in Zusammenhang stehenden B e- nachteiligungen in Äthiopien. Schliesslich kritisiert sie die lange Dauer des erstinstanzlichen Asylverfahrens. 6.2 6.2.1 Der Beschwerdeführerin ist zwar darin zuzustimmen, dass in die Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Vorbringen auch relevante individuel- le Aspekte der asylsuchenden Person einbezogen werden müssen (vgl. statt vieler etwa Urteil des BVGer D -5429/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.2.2). Entsprechend sind bei der Anwendung des Beweismasses g e- wisse persönliche Umstände der asylsuchenden Person zu berücksicht i- gen. Solche persönliche Umstände können etwa in einem tiefen Bi l- dungsniveau, geringen intellektuellen Fähigkeiten, dem Alter oder psych i-D-3133/2014 Seite 7 schen Problemen gesehen werden. Das Bundesverwaltungsgericht sieht indessen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Vorinstanz den konkreten Umständen bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen zu wenig Rechnung getragen hätte. Die Beschwerdeführerin war im Zei t- punkt ihrer Befragung zur Person (…)jährig, im Zeitpunkt der ersten A n- hörung beinahe (…)jährig und bei der zweiten Anhörung mehr als (…)jährig. Von einer asylsuchenden Person dieses Alters kann ohne wei- teres eine detailreiche und realitätsnahe Schilderung von selbst Erlebtem erwartet werden. Dass die Vorinstanz diesbezüglich überhöhte Anford e- rungen gestellt hätte, ist nicht ersichtlich. 6.2.2 Das Bundesamt hat in seinen Erwägungen sodann (zutreffend) e r- wähnt, dass die Beschwerdeführerin die Vergewaltigung an der BzP mit keinem Wort erwähnt hatte. Dass das BFM diesem Umstand ein mass- gebliches Gewicht bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit zugemessen hätte, lässt sich indessen nicht erkennen. Es kann deshalb offen bleiben, ob die unterlassene Erwähnung der Vergewaltigung als nachvollziehbar erscheint oder nicht. 6.2.3 Festzuhalten gilt es sodann, dass – entgegen der auf Beschwerd e- ebene erhobenen Kritik – bei derart einschneidenden Erlebnissen wie ei- ner Vergewaltigung auch nach einer gewissen Zeit noch übereinsti m- mende Angaben zum Kerngeschehen erwartet werden kön nen. Dazu ge- hört etwa die Schilderung, ob d ie Beschwerdeführerin mit einem Tuch oder mit der Hand über den Mund am Schreien gehindert worden sein soll. Auch konkrete Angaben zum Zeitpunkt der behaupteten Tat können erwartet werden. Nichts zu ihren Gunsten kann die Beschwerdeführerin sodann aus der behaupteten medizinischen Behandlung wegen fraue n- spezifischer Probleme ableiten. Zunächst fehlen diesbezüglich jegliche ärztliche Unterlagen. Zudem lassen frauenspezifische medizinische Prob- leme nicht per se auf e ine Vergewaltigung schliessen, umso weniger, als diese Probleme weder vor der Vorinstanz noch auf Beschwerdeebene konkretisiert wurden. 6.2.4 Die Erwägungen des BFM bezüglich der geltend gemachten exilp o- litischen Betätigung der Beschwerdeführerin erachtet das G ericht als zu- treffend; sie sind zu bestätigen. Da die Beschwerdeführerin diesbezüglich auf Beschwerdeebene nichts vorbringt, erübri gt es sich, weitergehende Erörterungen anzustellen. D-3133/2014 Seite 8 6.2.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das BFM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerinnen verneint und ihre Asylgesuche abgewiesen hat. Daran vermögen weder d ie monierte Ve r- fahrensdauer, die weiteren Vorbringen in der Beschwerdeschrift noch die eingereichten Beweismittel etwas zu ändern, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine auslände r- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entg egenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausr eise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). D-3133/2014 Seite 9 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da r- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführerinnen nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine A nwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerinnen nach Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung nach Äthiopien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlu ng ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müssten die Beschwe rdeführerinnen eine konkrete Gefahr (« real risk ») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschi e- bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008 , Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschen rechtssi- tuation in Äthiopien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zei t- punkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vol l- zug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrecht- lichen Bestimmungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkret e G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1 Das BFM begründete die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs damit, dass die generelle Lage in Äthiopien nicht dagegen spreche und D-3133/2014 Seite 10 auch keine indi viduellen Gründe ersichtlich seien, welche der Zumutba r- keit entgegenstünden. Die Beschwerdeführerin verfüge insbesondere dank ihrem Ehemann, mit welchem sie und die Kinder zurückkehren könnten, und ihrer Verwandtschaft in Äthiopien über ein tragfähiges B e- ziehungsnetz. Überdies weise sie eine Schulbildung von fünf Jahren und eine mehrjährige Tätigkeit in der Landwirtschaft auf. Damit müssten die beruflichen und sozialen Reintegrationsmöglichkeiten als positiv bewertet werden. Auch das Kindeswohl stehe in Anbetracht des Alters und der kur- zen Aufenthaltsdauer der Kinder in der Schweiz dem Wegweisungsvol l- zug nicht entgegen. 8.4.2 Dem lassen die Beschwerdeführerinnen zunächst die schlechte humanitäre Situation in Äthiopien, speziell für ethnische Oromo, entg e- genhalten. Weiter machen sie geltend, eine Rückkehr wäre für die B e- schwerdeführerin besonders schwer, da sie keine Ausbildung habe, lange und prägende Jahre im Ausland gelebt und zwei kleine Kinder habe. Auch ihr Ehemann sei in Äthiopien verfolgt und das wirtschaft liche Existenzmi- nimum wäre im Heimatland nicht gesichert. Aufgrund der allgemeinen S i- tuation in Äthiopien sowie der persönlichen Verhältnisse habe das öffen t- liche Interesse am Wegweisungsvollzug gegenüber dem privaten Interes- se der Beschwerdeführerinnen am Verbleib in der Schweiz zurückzutr e- ten. 8.4.3 Gemäss der immer noch zutreffenden Lageanalyse in BVGE 2011/25 ist der Wegweisungsvollzug nach Äthiopien grundsätzlich z u- mutbar (a.a.O., E. 8.3 S. 520). Aufgrund der schwierigen sozioökonom i- schen Situation ist bei alleinstehenden Frauen die Zumutbarkeit in Abwei- chung von diesem Grundsatz jedoch nur anzunehmen, wenn begünst i- gende Faktoren vorliegen, welche ihr eine soziale und wirtschaftliche Eingliederung in der Heimat ermöglichen (a.a.O., E. 8.5 S. 521 f.). Da die Beschwerdeführerin indessen nicht allein, sondern zusammen mit ihrem Partner (beziehungsweise nach ihren eigenen Angaben nach Brauch ver- heirateten Ehemann) – dessen Beschwerde mit Urteil vom gleichen D a- tum ebenfalls abgewiesen wird – zurückkehren kann, ist bei ihr nicht von einer alleinstehenden Frau auszugehen, weshalb auf die Prüfung der e r- wähnten begünstigenden Faktoren verzichtet werden kann. Für die ind i- viduellen Umstände des Ehemannes ist auf die entsprechenden Ausfü h- rungen in seinem Beschwerdeverfahren zu verweisen. Es sind damit ke i- ne Gründe ersichtlich, welche einer erfolgreichen sozialen und wirtschaf t- lichen Reintegration der Beschwerdeführerin und ihrer Familie im Heimat- land entgegenstehen würden. Das Bundesamt hat schliesslich zutreffend D-3133/2014 Seite 11 darauf hingewiesen, dass eine Rückkehr nicht zu einer Entwurzelung der noch sehr jungen Kinder der Beschwerdeführerin führen würde. Es liegen keine Umstände vor, welche es angezeigt erscheinen liessen, im Lichte des Kindeswohls vom Wegweisungsvollzug abzusehen. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführerinnen, sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.6 Zusammenfassend hat d ie Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf ins- gesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– ist zur Deckung der Verfahrenskosten zu verwen- den. (Dispositiv nächste Seite) D-3133/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführerinnen auferlegt. Der in der gleichen Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das BFM und die kan- tonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand: