<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 99 S.375</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">375</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>99</b></span> <span class="ft2"><b>Übernahme von Erschliessungsanlagen (§ 37 Abs. 2 BauG).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Anwendbares Recht (Erw. 2.1 - 2.2.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Bestehen einer Übernahmepflicht (Erw. 3.1. - 3.2.1.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Grundsätze zum Zeitpunkt des Eintritts der Übernahmepflicht (Erw.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>3.2.2. - 3.2.4.).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Übernahmepflicht beschränkt sich auf Erschliessungsanlagen,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>für die auch eine kommunale Erschliessungspflicht zu bejahen wäre</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 3.2.5.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus einem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft5">25. März 2003 in Sachen R. gegen Einwohnergemeinde O.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, der Gemeinderat ar-</span><br/> <span class="ft1">gumentiere zum Erschliessungsprogramm, zu Privaterschliessungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">376</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sowie zur Übernahme solcher Erschliessungen in das Gemeindeei-</span><br/> <span class="ft1">gentum aus heutiger Optik; der relevante Sachverhalt habe sich je-</span><br/> <span class="ft1">doch unter dem Regime des aBauG ereignet (...).</span><br/> <span class="ft1">2.2. Der Beschwerdegegner verlangte am 8. August 2000 erst-</span><br/> <span class="ft1">mals konkret die Überführung der Strassen ins öffentliche Eigentum</span><br/> <span class="ft1">(...). Die Verfügung, in der der Gemeinderat die Übernahme "zur</span><br/> <span class="ft1">Zeit" ablehnt, und die Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfah-</span><br/> <span class="ft1">rens ist, datiert vom 6. November 2000 (...). Entsprechend ist zur</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung der Beschwerde auf das damals geltende Recht, das</span><br/> <span class="ft1">aktuelle Baugesetz, abzustellen (...).</span><br/> <span class="ft1">Altrechtliche Bestimmungen im Sinne des aBauG sind lediglich</span><br/> <span class="ft1">in dem Masse von Bedeutung, als sie Auswirkungen auf den Sach-</span><br/> <span class="ft1">verhalt haben, soweit er sich vor Inkrafttreten des BauG ereignet hat</span><br/> <span class="ft1">und für das vorliegende Verfahren relevant ist. Dass der Anspruch</span><br/> <span class="ft1">nach geltendem Recht zu prüfen ist, ergibt sich im Übrigen schon</span><br/> <span class="ft1">daraus, dass die Gemeinde vor dessen Inkrafttreten zwar ebenfalls</span><br/> <span class="ft1">eine Erschliessungspflicht, jedoch keine Übernahmepflicht bezüglich</span><br/> <span class="ft1">bestehender Anlagen traf (Art. 19 Abs. 2 RPG [in der bis 13. März</span><br/> <span class="ft1">1996 gültigen Fassung = aRPG]; Erich Zimmerlin, Baugesetz des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Aargau, Kommentar, 2. Auflage, Aarau 1985, N 7 zu § 18</span><br/> <span class="ft1">aBauG und N 6a zu § 157/158 aBauG; BDE 1996.0054.25.10.04</span><br/> <span class="ft1">vom 14. Juni 1996 in Sachen M. gegen Gemeinderat E., Erw. II/4c</span><br/> <span class="ft1">m.w.H.). In diesem Sinne regelte § 18 Abs. 2 und 3 aBauG bezüglich</span><br/> <span class="ft1">der Übernahme von Privatstrassen durch Gemeinden lediglich die</span><br/> <span class="ft1">Fälle einer einvernehmlichen bzw. einer vom Gemeinwesen erzwun-</span><br/> <span class="ft1">genen, sich nach den Grundsätzen der Enteignung richtenden Über-</span><br/> <span class="ft1">nahme / Übergabe. Ein Rechtsanspruch auf Übernahme von Pri-</span><br/> <span class="ft1">vatstrassen durch die Gemeinden bestand ebenso wenig wie eine</span><br/> <span class="ft1">Pflicht zur Übernahme (Zimmerlin, a.a.O., N 7 und 10 zu § 18</span><br/> <span class="ft1">aBauG).</span><br/> <span class="ft1">3.1.1. Die Gemeinden sind verpflichtet, die Bauzonen zeitge-</span><br/> <span class="ft1">recht zu erschliessen oder auf Antrag erschliessungswilliger Grund-</span><br/> <span class="ft1">eigentümer erschliessen zu lassen (Art. 19 Abs. 2 und 3 RPG; § 33</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 Satz 1 BauG). Im Rahmen eines entsprechenden Sondernut-</span><br/> <span class="ft1">zungsplanes können die Grundeigentümer mit Bewilligung des Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderates die geplanten Erschliessungsanlagen auf eigene Kosten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">377</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">erstellen. Die Bewilligung ist zu erteilen, wenn die Anlagen den</span><br/> <span class="ft1">Anforderungen des Gemeinwesens entsprechen und keine überwie-</span><br/> <span class="ft1">genden Interessen entgegenstehen (§</span> <span class="ft1">37 Abs.</span> <span class="ft1">1 BauG). Diese</span><br/> <span class="ft1">Pflichten können auch nach § 33 Abs. 3 BauG durchgesetzt werden.</span><br/> <span class="ft1">3.1.2. Der Gemeinderat erstellt ein Erschliessungsprogramm, in</span><br/> <span class="ft1">dem er festlegt, welche Gebiete in welchem Zeitpunkt erschlossen</span><br/> <span class="ft1">und welche bestehenden Erschliessungsanlagen geändert oder er-</span><br/> <span class="ft1">neuert werden sollen. Er berücksichtigt dabei namentlich die bauli-</span><br/> <span class="ft1">che Entwicklung und ihre Auswirkungen auf die Gemeinde, die</span><br/> <span class="ft1">Nachfrage nach Bauland, die Lage und Form der Grundstücke sowie</span><br/> <span class="ft1">die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde. Gemeindeversamm-</span><br/> <span class="ft1">lung oder Einwohnerrat nehmen davon Kenntnis; die Beschlussfas-</span><br/> <span class="ft1">sung über einzelne Kredite für Erstellung und Erneuerung der Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessungsanlagen bleibt vorbehalten (§ 33 Abs. 2 BauG). Von</span><br/> <span class="ft1">Privaten erstellte Erschliessungsanlagen übernimmt die Gemeinde in</span><br/> <span class="ft1">der Regel spätestens im Zeitpunkt, in dem sie nach dem Erschlies-</span><br/> <span class="ft1">sungsprogramm hätten erstellt werden müssen (§ 37 Abs. 2 Satz 1</span><br/> <span class="ft1">BauG).</span><br/> <span class="ft1">3.1.3. Bauzonen umfassen Land, das sich für eine Überbauung</span><br/> <span class="ft1">eignet und entweder weitgehend überbaut ist oder voraussichtlich</span><br/> <span class="ft1">innert 15 Jahren benötigt und erschlossen wird (Art. 15 RPG). Ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend sind die Gemeinden grundsätzlich gehalten, ihre</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsplanung so vorzunehmen, dass das gesamte Baugebiet</span><br/> <span class="ft1">innerhalb von längstens 15 Jahren erschlossen ist (vgl. Art. 19 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">RPG).</span><br/> <span class="ft1">3.2.1. Im Unterschied zum alten Recht (Erw. 2.2.) sieht das</span><br/> <span class="ft1">neue ausdrücklich eine Übernahme von vorfinanzierten Anlagen</span><br/> <span class="ft1">durch das Gemeinwesen vor (§ 37 Abs. 2 BauG). Analog zur Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessungs- bzw. Erstellungspflicht (Erw. 3.1.1.) muss die Vor-</span><br/> <span class="ft1">schrift nach Überzeugung der Schätzungskommission ebenfalls als</span><br/> <span class="ft1">Verpflichtung verstanden werden. Ansonsten ergäben sich zwischen</span><br/> <span class="ft1">und innerhalb von Gemeinden sowie zwischen Grundeigentümern,</span><br/> <span class="ft1">die Erschliessungsanlagen vorfinanzierten, und jenen, deren Land</span><br/> <span class="ft1">durch die Gemeinde erschlossen wurde, Ungleichheiten (z.B. hin-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich des Unterhalts der Anlagen), die sich sachlich nicht recht-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">378</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fertigen liessen und damit verfassungsrechtlich (Art. 8 und 9 BV)</span><br/> <span class="ft1">unhaltbar wären.</span><br/> <span class="ft1">3.2.2. Die Übernahmepflicht besteht erst seit dem Inkrafttreten</span><br/> <span class="ft1">des BauG am 1. April 1994. Aktuell wird sie - wie erwähnt (Erw.</span><br/> <span class="ft1">3.1.2.) - im Zeitpunkt, in dem die Anlagen nach Erschliessungspro-</span><br/> <span class="ft1">gramm hätten erstellt werden müssen. Auch die gesetzliche Pflicht,</span><br/> <span class="ft1">ein Erschliessungsprogramm zu erstellen, wurde mit dem BauG neu</span><br/> <span class="ft1">eingeführt (im RPG ist das Erschliessungsprogramm gar erst seit</span><br/> <span class="ft1">dem 1. April 1996 erwähnt: Art. 19 Abs. 2 RPG). Zusammen mit der</span><br/> <span class="ft1">bundesrechtlichen Vorgabe, wonach die Erschliessungsplanung so</span><br/> <span class="ft1">vorzunehmen ist, dass das Baugebiet innert 15 Jahren erschlossen</span><br/> <span class="ft1">wird (Erw. 3.1.3.), ergibt sich, dass die Gemeinden Anlagen, mit</span><br/> <span class="ft1">denen Land erschlossen wird, das am 1. April 2009 seit mindestens</span><br/> <span class="ft1">15 Jahren zum RPG-konformen Baugebiet gehört, spätestens dann zu</span><br/> <span class="ft1">übernehmen haben werden (...). Eine Verkürzung dieses Horizonts</span><br/> <span class="ft1">oder ein früherer Beginn des Fristenlaufs (z.B. tatsächliches Inkraft-</span><br/> <span class="ft1">treten der ersten RPG-konformen Nutzungsplanung) ist den Gemein-</span><br/> <span class="ft1">den gegen ihren Willen nach Auffassung der Schätzungskommission</span><br/> <span class="ft1">nicht zuzumuten.</span><br/> <span class="ft1">Das gilt lediglich für bereits bestehende Anlagen. In diesen</span><br/> <span class="ft1">Fällen ist einzig noch deren Finanzierung abschliessend zu regeln.</span><br/> <span class="ft1">Dagegen fällt die weitergehende Frage, ob Eigentümer von Grund-</span><br/> <span class="ft1">stücken, die bereits seit mindestens 15 Jahren in RPG-konformen</span><br/> <span class="ft1">Bauzonen liegen, aber noch nicht erschlossen sind, eine Erstellung</span><br/> <span class="ft1">der fehlenden Anlagen durchsetzen können, von vornherein nicht in</span><br/> <span class="ft1">die Zuständigkeit der Schätzungskommission. Darüber wäre im Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahren gemäss § 33 Abs. 3 BauG vom Regierungsrat bzw. allenfalls</span><br/> <span class="ft1">vom Verwaltungsgericht zu entscheiden (vgl. auch Erw. 3.1.1.).</span><br/> <span class="ft1">3.2.3. Vor dem 1. April 2009 aktualisiert sich die Übernahme-</span><br/> <span class="ft1">pflicht, wenn das Erschliessungsprogramm für die Erschliessung</span><br/> <span class="ft1">einer RPG-konformen Bauzone einen solchen früheren Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft1">vorsieht (...). Beim Erschliessungsprogramm handelt es sich aller-</span><br/> <span class="ft1">dings um ein nicht direkt grundeigentümerverbindliches Führungsin-</span><br/> <span class="ft1">strument des Gemeinderates - vergleichbar zu einem kommunalen</span><br/> <span class="ft1">Richtplan. Es ist periodisch zu überprüfen und gegebenenfalls zu</span><br/> <span class="ft1">überarbeiten. Im Einzelfall kann sich daher der massgebliche Termin</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">379</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nach vorn oder - wahrscheinlicher - nach hinten verschieben. Ein</span><br/> <span class="ft1">Aufschieben über den 1. April 2009 hinaus ist jedoch bei Parzellen,</span><br/> <span class="ft1">die dann seit mehr als 15 Jahren zum RPG-konformen Baugebiet</span><br/> <span class="ft1">gehören werden, grundsätzlich (für die Ausnahmen vgl. folgende</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3.2.4.) nicht zulässig (§ 37 Abs. 2 Satz 1 BauG; wohl in diesem</span><br/> <span class="ft1">Sinne zu verstehen auch Ernst Kistler/René Müller, Baugesetz des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Aargau, Kommentar, 2. Auflage, Lenzburg 2002, N 7 zu</span><br/> <span class="ft1">§ 37 BauG).</span><br/> <span class="ft1">3.2.4. Nach dem 1. April 2009 tritt die Übernahmepflicht ein,</span><br/> <span class="ft1">wenn der erste RPG-konforme Nutzungsplan in der Gemeinde erst</span><br/> <span class="ft1">nach dem 1. April 1994 geschaffen wurde bzw. wird. In diesem Fall</span><br/> <span class="ft1">berechnet sich der Zeitpunkt, ab dem die Übernahmepflicht spätes-</span><br/> <span class="ft1">tens gegeben ist, aus dem Datum des Inkrafttretens des Nutzungs-</span><br/> <span class="ft1">plans zuzüglich 15 Jahre. Analog dasselbe gilt für neu einzuzonende</span><br/> <span class="ft1">Gebiete (15 Jahre ab Rechtskraft der Einzonung).</span><br/> <span class="ft1">3.2.5. Die Übernahme von Erschliessungsanlagen durch das</span><br/> <span class="ft1">Gemeinwesen drängt sich im Übrigen selbstverständlich nur auf,</span><br/> <span class="ft1">wenn diesen innerhalb der kommunalen Infrastruktur eine gewisse</span><br/> <span class="ft1">Bedeutung zukommt. Die Grenze ist analog jener der kommunalen</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungspflicht zu suchen. Demnach steht für Hauszufahrten</span><br/> <span class="ft1">oder -anschlüsse eine Übernahme von vornherein nicht zur Diskus-</span><br/> <span class="ft1">sion. Die nähere Beschreibung der Abgrenzung wird wesentlich von</span><br/> <span class="ft1">der kommunalen Praxis geprägt. Sie braucht aber vorliegend nicht</span><br/> <span class="ft1">weiter untersucht zu werden, weil die hier in Frage stehenden Stras-</span><br/> <span class="ft1">senstücke einen Bereich erschliessen, für den nicht ernstlich bezwei-</span><br/> <span class="ft1">felt werden kann, dass er der kommunalen Erschliessungspflicht</span><br/> <span class="ft1">unterliegt.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>