<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 104 S.441</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">441</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>104 Grundstückgewinnsteuer (§ 67 StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Bei Rückübertragung einer Liegenschaft innert 5 1/2 Monaten wird</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mangels Erzielung eines Gewinnes keine Grundstückgewinnsteuer</b></span><br/> <span class="ft2"><b>erhoben.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">3. Februar 2000 in Sachen R., RV.1998.50041/K 4407</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Einziger Streitpunkt ist, ob der Verkauf der Liegenschaft</span><br/> <span class="ft1">IR O. Nr. 287 durch P. R. an W. B. (Kaufvertrag vom 2. Juni 1993)</span><br/> <span class="ft1">unter Berücksichtigung des Umstandes, dass diese Liegenschaft</span><br/> <span class="ft1">5 1/2 Monate später (Kaufvertrag vom 22. April 1994) vom Käufer</span><br/> <span class="ft1">aus finanziellen Gründen zum selben Preis wieder an P. R. (rück-)</span><br/> <span class="ft1">übertragen wurde, eine Grundstückgewinnsteuer auslösen kann.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">442</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3. a) Ein gültig begründetes Rechtsverhältnis kann durch Über-</span><br/> <span class="ft1">einkunft (Aufhebungsvertrag, contrarius actus) wiederum aufgeho-</span><br/> <span class="ft1">ben werden, jedoch nur so lange, als ein Rechtsverhältnis bzw. eine</span><br/> <span class="ft1">Forderung noch besteht. Ist ein Vertrag in allen Teilen erfüllt worden,</span><br/> <span class="ft1">so sind sämtliche Forderungen und damit auch der Vertrag als Gan-</span><br/> <span class="ft1">zes untergegangen (Art. 114 Abs. 1 OR). Eine zusätzliche Aufhebung</span><br/> <span class="ft1">des Vertrages ist begrifflich nicht möglich, und denkbar ist höchstens</span><br/> <span class="ft1">eine Rückgängigmachung der Folgen mittels eines neuen Vertrages</span><br/> <span class="ft1">(VGE vom 29. September 1976 in Sachen L. und VGE vom 12. Juni</span><br/> <span class="ft1">1980 in Sachen KStA/W., beide betreffend Grundstückgewinnsteuer,</span><br/> <span class="ft1">mit zahlreichen Literaturhinweisen).</span><br/> <span class="ft1">b) Der Kaufvertrag vom 2. Juni 1993 wurde käuferseitig nicht</span><br/> <span class="ft1">vollumfänglich erfüllt, weil W. B. die ihm unter Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft1">der übernommenen Grundpfandschulden verbleibende Kaufpreis-</span><br/> <span class="ft1">restanz von Fr. 200'000.-- nicht beglichen hat. Die Folgen des am</span><br/> <span class="ft1">2. Juni 1993 abgeschlossenen Kaufvertrages konnten also nicht nur</span><br/> <span class="ft1">durch Begründung eines neuen Rechtsverhältnisses mit Rückwärts-</span><br/> <span class="ft1">wirkung, sondern auch mittels eines Aufhebungsvertrages rückgän-</span><br/> <span class="ft1">gig gemacht werden. Da die Aufhebung eines vom Verkäufer mit</span><br/> <span class="ft1">dem Käufer geschlossenen und nicht vollständig erfüllten Vertrages</span><br/> <span class="ft1">nicht als Rückkauf der Sache aufzufassen ist (vgl. von Thur/Escher,</span><br/> <span class="ft1">Allgemeiner Teil des Schweizerischen Obligationenrechts, Band II,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 1974, S. 165 f.), ist der von P. R. und W. B. am 22. April 1994</span><br/> <span class="ft1">abgeschlossene Kaufvertrag als Aufhebungsvertrag zu qualifizieren.</span><br/> <span class="ft1">Mit dessen Abschluss wurde einer Grundstückgewinnbesteuerung</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf den Kaufvertrag vom 2. Juni 1993 die Grundlage entzo-</span><br/> <span class="ft1">gen.</span><br/> <span class="ft1">c) Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass in der Literatur die</span><br/> <span class="ft1">Auffassung vertreten wird, dass derjenige Gewinn besteuert werden</span><br/> <span class="ft1">soll, welcher dem Veräusserer tatsächlich zufliesst (H. Guhl, Die</span><br/> <span class="ft1">Spezialbesteuerung der Grundstückgewinne in der Schweiz, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1952, S. 166) bzw. der tatsächlich erzielte Gewinn (E. Höhn/R.</span><br/> <span class="ft1">Waldburger, Steuerrecht, Band I, 8. Auflage, 1997, Rz 39 zu § 22).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">443</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Diese Meinung wird sinngemäss auch im Kommentar zum Aargauer</span><br/> <span class="ft1">Steuergesetz vertreten. Danach kann, soweit der Kaufpreis unein-</span><br/> <span class="ft1">bringlich ist, mangels eines tatsächlich erzielten Gewinns keine</span><br/> <span class="ft1">Grundstückgewinnsteuer erhoben werden (N 8 zu § 73 StG). Dies</span><br/> <span class="ft1">hat für den vorliegenden Fall zur Folge, dass gestützt auf den Ver-</span><br/> <span class="ft1">kauf der Liegenschaft vom 2. Juni 1993 durch P. R. auch keine</span><br/> <span class="ft1">Grundstückgewinnsteuer erhoben werden könnte, wenn der Vertrag</span><br/> <span class="ft1">vom 22. April 1994 nicht als Aufhebungsvertrag (sondern Begrün-</span><br/> <span class="ft1">dung eines neuen Rechtsverhältnisses) qualifiziert würde, weil P. R.</span><br/> <span class="ft1">durch die Veräusserung der Liegenschaft an W. B. effektiv keinen</span><br/> <span class="ft1">Gewinn erzielt hat.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>