B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6833/2019 U r t e i l v o m 2 9 . A p r i l 2 0 2 1 Besetzung Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), Richterin Nina Spälti, Richter David R. Wenger, Gerichtsschreiberin Natassia Gili. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, Advokaturbüro Meier & Mayerhoffer, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 19. November 2019 / N (…). E-6833/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 18. August 2016 in der Schweiz um Asyl nach. Am 15. September 2016 wurde er im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) summarisch befragt und am 22. März 2019 einlässlich zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie zu sein und aus B._______, Distrikt Ja ffna, zu stammen. Er sei während seiner Schulzeit Sekretär des Lesesaals der (…) (örtlicher Gemeindeverein) gewesen. Zur Unterstützung der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) habe er an de- ren Anlässen Fahrzeuge organisiert, Dorfbewohner über Demonstrationen informiert und diese zu den jeweiligen Veranstaltungen gebracht. Anfang 2007 sei er verhaftet und während der Haft misshandelt worden. Nach ei- nem Monat sei er dank der Hilfe des Pfarrers und des Friedensrichters wie- der freigekommen. Im September 200 7 sei er von Personen in zivil zu- hause gesucht worden. Er habe sich noch kurze Zeit versteckt gehalten und sei daraufhin nach C._______ gegangen. Ab November 2007 habe er mit D._______, dem Leiter des Polizeidienstes der LTTE, zusammengear- beitet und habe verletzte Personen ins Spital gebracht, verletzten LTTE - Mitgliedern geholfen sowie Nahrungsmittel an die Bevölkerung verteilt und Schutzbunker ausgehoben. Im Jahr 2008 habe er sich einmal kurz in Thai- land aufgehalten. Nach Kriegsende im Mai 2009 sei er nach E._______ in ein IDP-Camp gebracht und dort vom Criminal Investigation Department (CID) befragt worden. Nach circa drei Monaten habe er das Camp verlas- sen können und sei bei einem Onkel in F._______ untergekommen. Im Juni 2010 sei er nach B._______ zurückgekehrt. Einen Monat nach seiner Rückkehr sei er ins G._______-Camp zu einem Verhör vorgeladen und zu seinen Hilfeleistungen für die LTTE befragt worden. Im Jahr 2012 habe er demonstriert. Im Oktober 2012 sei er erneut im G._______-Camp befragt worden, dieses Mal zu seinen Verbindungen zu einem in Haft verstorbenen politischen Gefangenen, wegen dem es zu Protesten gekommen war . Während zwei bis drei Monaten habe er danach einer Meldepflicht unter- legen und sei ermahnt worden, von jeglichen politischen Aktivitäten abzu- sehen. Im Jahre 2013 habe er in seinem Dorf Angaben über vermisste Per- sonen gesammelt und der Vereinten Nationen zugestellt. Zudem habe er im Rahmen des Besuchs von David Cameron (dem damaligen Premiermi- nister des Vereinigten Königre iches) an Aktionen teilgenommen. Im No- vember 2014 sei D._______ erschossen worden, woraufhin er sich aus E-6833/2019 Seite 3 Angst vor eigenen Behelligungen zunächst bei seiner Tante in F._______ versteckt gehalten habe. Er habe erfahren, dass Polizei- und CID-Beamte sowohl zu Hause als auch an seinem Arbeitsplatz nach ihm gesucht hätten. Nach einem circa einjährigen Aufenthalt in F._______ sei er nach Colombo gereist und habe am 26. Oktober 2015 Sri Lanka über Qatar und die Türkei Richtung Schweiz verlassen. Nach seiner Ausre ise sei er weiterhin zu- hause von Personen in zivil gesucht worden. Zur Untermauerung seiner Identität reichte er seine Identitätskarte und sei- nen Führerausweis zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 19. November 2019 – eröffnet am 22. November 2019 – stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlings- eigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. C. Mit Eingabe vom 23. Dezember 2019 erhob der Beschwerdeführer, han- delnd durch den rubrizierten Rechtsvertreter, Beschwerde beim Bundes- verwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzu- heben und ihm sei unter Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. Eventualiter sei ihm die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege. D. Mit Zwischenverfügung vom 10. Januar 2020 wurde das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen und das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. E. Mit Vernehmlassung vom 29. Januar 2020 nahm das SEM zur Beschwerde Stellung und hielt an seinen Erwägungen fest. F. Mit Zwischenverfügung vom 30. Januar 2020 wurde der Beschwerdeführer zur Einreichung einer Replik innert Frist eingeladen. Die Frist liess der Be- schwerdeführer unbeantwortet verstreichen. E-6833/2019 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerde- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entschei- det. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 1.4 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.5 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer - und Integrati- onsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Gesetzesar- tikel (insbesondere Art. 83) sind unverändert vom AuG ins AIG übernom- men worden. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-6833/2019 Seite 5 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 3.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf- gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu werden drohen. Begründete Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat demnach, wer gute – das heisst von Dritten nachvollzieh- bare – Gründe (objektives Element) für seine Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6, je m.w.H.). Die erlittene Verfolgu ng beziehungs- weise die begründete Furcht vor künftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Herkunftsstaat und grundsätz- lich auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheides, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfolgung – im Sinne einer Regelver- mutung – auf eine andauernde Gefährdung hinweist. Veränder ungen der Situation zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 2009/51 E. 4.2.5; 2007/31 E. 5.2 f., je m.w.H.). 3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte E-6833/2019 Seite 6 Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG; vgl. zur Glaubhaftmachung BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft - machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 4. 4.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderung nach Art. 3 und 7 AsylG nicht standhalten würden. Zunächst führte sie aus, dass die von ihm geltend gemachte einmonatige Haft Anfang 2007 mangels zeitli- chen und sachlichen Kausalzusammenhangs nicht asylrelevant sei. Es würden keine Anhaltspunkte vorliegen, dass er aus dem Vorkommnis zum Zeitpunkt der Ausreise noch asylbeachtliche Nachteile zu gewärtigen ge- habt hätte. In Bezug auf die dargelegten Verhöre du rch die sri-lankischen Sicherheitskräfte sei festzustellen, dass er sowohl in E._______ als auch nach seiner im Jahr 2010 erfolgten Rückkehr aus F._______ befragt wor- den sei, ob er für die Bewegung gekämpft habe und in welcher Einheit er tätig gewesen sei. Ein weiteres Verhör habe es im Oktober 2012 im Zu- sammenhang mit Protesten gegeben, wobei diese Anhörung eine zwei - oder dreimonatige Meldepflicht nach sich gezogen habe. Bis zum Tod von D._______ im November 2014 habe er sich keinen Verhören mehr unter- ziehen müssen. Die Verhöre hätten mithin, abgesehen von der Melde- pflicht, keine weiterreichenden Verfolgungsmassnahmen nach sich gezo- gen, so dass nicht davon auszugehen sei, dass die sri-lankischen Behör- den persönlich an ihm interessiert gewesen seien und ihn verdächtigt hät- ten, mit den LTTE in Verbindung gestanden beziehungsweise an Kampf- handlungen teilgenommen zu haben. Hätten die Behörden einen Verdacht gegen ihn gehegt, wäre es kaum bei den Verhören geblieben. Dafür spre- che ausserdem, dass er in E._______ durch das CID befragt worden sei und dieses es nicht für nötig erachtet hätte, ihn einer Rehabilitation zu un- terziehen. Entsprechend habe er auch selbst vo rgebracht, die Situation habe sich im Jahr 2010 beruhigt und er habe an seinen Wohnort zurück- kehren können. Tatsächlich sei es zu jenem Zeitpunkt im Norden Sri Lan- kas zu einer umfassenden Überwachung der Zivilbevölkerung durch die Sicherheitskräfte gekommen. Solche Kontrollen und Verhöre seien aber von ihrer Art und Intensität her nicht geeignet, die Asylrelevanz zu begrün- den. Ebenso in Bezug auf die vom Beschwerdeführer geäusserte Angst vor Verfolgungsmassnahmen nach dem Tod von D._______ im November E-6833/2019 Seite 7 2014 sei festzuhalten, dass es an konkreten Indizien und Anhaltpunkten fehle, welche die Furcht vor einer real drohenden Verfolgung nachvollzieh- bar erscheinen liesse. Bei D._______ handle es sich zwar tatsächlich um ein ehemaliges ranghohes LTTE -Mitglied, das im November 2014 in H._______ erschossen worden sei. Es sei aber nicht nachvollziehbar, wieso dem Beschwerdeführer nach dessen Tod Verfolgungsmassnahmen hätten drohen sollen, zumal er seinen Angaben zufolge den sri-lankischen Behörden alles über seine Zusam menarbeit mit D._______ erzählt habe. Ausserdem seien seine Aussagen diesbezüglich vage und unbestimmt ge- blieben und teils widersprüchlich gewesen. Schliesslich sei nicht ersicht- lich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus de r Be- hörden geraten sollte: Allfällige, im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Ri- sikofaktoren hätten kein Verfolgungsinteresse der Behörden ausgelöst, so dass nicht davon auszugehen sei, dass er in den Augen der sri-lankischen Sicherheitsbehörden als Person gelte, die eine besonders enge Beziehung zu den LTTE gepflegt habe. 4.2 Dem hält der Beschwerdeführer in der Beschwerde entgegen, dass die im Jahre 2007 erfolgte Haft immer noch aktuell sei und ihn belaste. Er sei bereits im Alter von 12 Jahren Ziel staatlicher Verfolgung geworden und diese Verfolgung dauere bis heute an. Dass er bei einer Rückkehr verhaftet werden könnte, erscheine gerade mit dem politischen Machtwechsel in Sri Lanka sehr wohl möglich. Es sei davon auszugehen, dass er seit der Haft im Jahre 2007 durch die staatlichen Sicherheitskräfte vorgemerkt sei. Er sei aktenkundig, habe im Umkreis des getöteten D._______ gestanden und sei für ein Jahr in F._______ untergetaucht. Entsprechend stehe er unter besonderem Verdacht. Ausserdem stamme er aus einem LTTE - freundlichen Umfeld und habe die LTTE seit seiner Schulzeit bis zum Kriegsende unterstützt. Ein Cousin sei «Captain» gewesen und habe den Heldentod gefunden. Selbst nach der Zerschlagung der LTTE habe er sein politisches Engagement fortgeführt und beispielsweise an Demonstratio- nen teilgenommen. All diese Umstände seien für die Sicherheitskräfte von Interesse. Schliesslich sei auf seine Ausführungen im Rahmen der Anhö- rung abzustellen; die BzP sei zu summarisch geführt worden, als dass da- rauf abgestellt werden könnte. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Durchsicht der Akten zum Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit zutreffender Begründung abgelehnt hat. Die Entgegnungen in der Be-E-6833/2019 Seite 8 schwerdeeingabe vermögen zu keiner anderen Betrachtungsweise zu füh- ren. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorab vollumfänglich auf die entsprechenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwie- sen werden (s. angefochtene Verfügung S. 3 ff.). 5.2 Zunächst ist festzustellen, dass das vom Beschwerdeführer während und kurz nach seiner Schulzeit geltend gemachte Engagement für die LTTE sowie die im Jahre 2007, mithin während des Bürgerkriegs erfolgte einmonatige Inhaftierung und die dabei erlittenen Misshandlungen man- gels eines ausrei serelevanten Sachzusammenhangs zu seiner Ausreise, wie vom SEM mit zutreffender Begründung festgehalten, für sich betrachtet nicht asylrelevant sind. Die diesbezüglichen Ausführungen auf Beschwer- deebene sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu führen. 5.3 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei nach seiner Inhaftie- rung erneut gesucht worden, weswegen er im September 2007 nach C._______ gegangen sei, ist weitgehend unsubstantiiert geblieben. So brachte er lediglich in allgemeiner Weise vor, er s ei gesucht worden und seine Angehörigen hätten ihm davon erzählt, er sei aber bei der Arbeit ge- wesen (act. A15/20 F57). Die Umstände der Suche nach ihm vermochte er auch auf Nachfrage hin nicht näher darzulegen (act. A15/20 F58). Ebenso wenig konnte er einen Grund für die Suche nach ihm nennen (act. A15/20 F60). Seine Antwort auf die Frage nach allfälligen behördlichen Behelligun- gen während seiner Zeit in C._______ fiel ebenfalls knapp und unsubstan- tiiert aus (act. A15/20 F69). 5.4 In Bezug auf die vorgebracht en Verhöre ist Folgendes festzustellen: Nach Ende des Bürgerkriegs wurde der Beschwerdeführer eigenen Anga- ben gemäss im Camp in E._______ durch CID-Beamte zusammen mit wei- teren Personen befragt . Seine Freilassung erfolgte nach drei Monaten (act. A15/20 F73). Sodann habe er sich 2010 im Armeecamp in G._______ melden müssen. Ihm seien beide Male dieselben Fragen gestellt worden, insbesondere, ob er an bewaffneten Kämpfen teilgenommen habe, was er wahrheitsgetreu jeweils verneint habe (act. A15/20 F79, 81). Diese Anhö- rungen sind, unter dem Blickwinkel d er damaligen Lage in Sri Lanka, als Teil der umfassenden Überwachung der tamilischen Zivilb evölkerung zu erachten. Ob solche in der Vergangenheit erfolgten behördlichen Mass- nahmen und Behelligungen auch zum heutigen Zeitpunkt relevant im Sinne von Art. 3 AsylG sind, ist im Einzelfall zu beurteilen. Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass sich den Angaben des Beschwerdeführers zufolge die Lage nach diesen behördlichen Befragungen normalisiert habe , er E-6833/2019 Seite 9 Mitte 2010 in seinen Heimatort zurückkehren konnte und dort keinen wei- teren behördlichen Massnahmen ausgesetzt war (act. A15/20 F78). Es ist somit nicht davon auszugehen, dass die Behörden ihn weiterhin spezifisch im Fokus gehabt hätten. Ebenso wenig wurde er über längere Zeit festge- halten oder einem Rehabilitierungsprogramm zugewiesen. Was eine wei- tere Befragung im Oktober 2012 anbelangt, welche im Zusammenhang mit dem Tod eines politischen Gefangenen gestanden haben soll (act. A15/20 F83, 89 ff.), machte der Beschwerdeführer geltend, danach einer zwei- bis dreimonatigen Meldepflicht unterstanden zu haben. Auch diese Mass- nahme vermag für sich gesehen eine zum Zeitpunkt der Ausreise beste- hende Verfolgung oder objektive Verfolgungsfurcht nicht zu begründen. Die Verhöre hatten, wie das SEM zutreffend festgestellt hat, abgesehen von der Meldepflicht, keine weiterreichenden Verfolgungsmassnahmen nach sich gezogen. Es ist nicht davon auszugehen, dass die sri-lankischen Be- hörden persönlich am Beschwerdeführer interessiert gewesen sind und ihn verdächtigt haben, mit den LTTE in relevanter Weise in Verbindung gestan- den beziehungsweise an Kampfhandlungen teilgenommen zu haben. Nach Leistung seiner Meldepflicht lebte der Beschwerdeführer überdies weiterhin unbehelligt in seinem Heimatdorf. Diesbezüglich ist ferner festzu- stellen, dass seine Ausführungen die vorgebrachte Unterschriftspflicht be- treffend vage und unsubstanziiert ausfielen und dabei nicht der Eindruck entsteht, es handle sich um persönlich Erlebtes (act. A15/20 F97). 5.5 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, er habe im Jahre 2013 für die Vereinten Nationen Angaben zu vermissten Personen gesammelt und an einer Demonstration in seinem Dorf im Zusammenhang mit dem Besuch von David Cameron teilgenommen, ist festzuhalten, dass nicht davon aus- zugehen ist, dass er wegen dieser Aktivitäten ernsthaft in den Fokus der sri-lankischen Behörden gelangt ist. So führt er an der Anhörung selbst aus, während dieser Zeit keine Probleme gehabt zu haben (act. A15/20 F100). 5.6 Schliesslich ist der Vorinstanz hinsichtlich der Einschätzung betreffend das Vorbringen um den Tod von D._______ zuzustimmen. Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer in den Jahren des Bürgerkriegs tatsächlich für D._______ Arbeiten verrichtete und nach dem Bürgerkrieg Kontakt mit ihm pflegte. Es ist aber, angesichts des hohen Ranges von D._______ sowie der vom Beschwerdeführer für ihn ausge- führten allgemeinen Arbeiten, nicht plausibel, dass nach dem Tode von D._______ der Beschwerdeführer Verfolgungsmassnahmen zu befürchten E-6833/2019 Seite 10 gehabt hätte. Seine diesbezüglichen Ausführungen an der Anhörung blei- ben denn auch un bestimmt und kaum nachvollziehbar (act. A15/20 F104 f., 139). Zudem sind verschiedene Widersprüche auszumachen in Bezug auf sein Vorbringen, er sei nach dem Tod von D._______ erneut bei sich zu Hause gesucht worden. Zur Vermeidung von Wiederholungen ist hierfür auf die zutreffenden Ausführungen des SEM zu verweisen (Verfü- gung, S. 5 f.). 5.7 Soweit in der Beschwerde ausgeführt wird, die Haft im Jahre 2007 und die dabei erlittenen sexuellen Misshandlungen seien immer noch aktuell und würden den Beschwerdeführer belasten, dürfte sinngemäss auf die Rechtspraxis zu den sogenannten «zwingenden Gründen» verwiesen wer- den. Eine erlittene Vorverfolgung kann auch nach Wegfall einer drohenden Ver- folgungsgefahr weiterhin asylrechtlich relevant sein, nämlich dann, wenn eine Rückkehr in den früheren Verfolgerstaat aus zwingenden, auf diese Verfolgung zurückgehenden Gründen nicht zumutbar ist. Bei dieser Ausle- gung von Art. 3 AsylG stützt sich das Bundesverwaltungsgericht auf die entsprechende Formulierung der Ausnahmebestimmung von Art. 1C Ziff. 5 Abs. 2 des Abkommens über die Rechtstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 (FK, SR 0.142.30). Als zwingende Gründe in diesem Zusammenhang sind vorab traumatisierende Erlebnisse zu betrachten, die es der betroffe- nen Person angesichts erlebter schwerwiegender Verfolgungen, insbeson- dere Folterungen, im Sinne einer Langzeittraumatisierung psycholo gisch verunmöglichen, ins Heimatland zurückzukehren (vgl. Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts [BVGer] E -3842/2006 vom 20. Dezember 2010 E. 5.2.2. unter Hinweis auf BVGE 2007/31 E. 5.4). Von einem solchen Sachverhalt ist vorliegend nicht auszugehen, da si ch weder aus dem vorinstanzlichen Verfahren noch aus dem Vorbringen in der Beschwerde Anhaltspunkte dafür ergeben, dass es dem Beschwerde- führer im Sinne einer Langzeittraumatisierung psychologisch verunmög- licht ist, im Heimatland zu leben. Ohnehin müsste ein kausaler Zusammen- hang zwischen diesen Ereignissen und der Flucht gegeben sein, was vor- liegend nicht der Fall ist. 5.8 Insgesamt konnte der Beschwerdeführer keine zum Zeitpunkt der Aus- reise bestehende Verfolgungssituation oder eine objektiv begründete Furcht vor einer solchen glaubhaft geltend machen. E-6833/2019 Seite 11 5.9 5.9.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E -1886/2015 vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge- fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Be- stimmte Risikofaktoren (Eintrag in die «Stop -List», Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) sind als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen be- reits für sich allein genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht füh- ren können. Demgegenüber stellen das Fehlen ordentlicher Identitätsdo- kumente, gut sichtbare Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in ei- nem westlichen Land schwach risikobegründende Faktoren dar. Dies be- deutet, dass diese in der Regel, für sich alleine genommen, keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen vermögen. Jegliche glaub- haft gemachten Risikofaktoren sind in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfol- gung bejaht werden muss (a.a.O. E. 8.5.5). 5.9.2 Von einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr im Falle einer Rückkehr des Beschwerdeführers ist vorliegend nicht auszugehen. Der Beschwerdeführer oder seine nahen Familienangehörigen waren nie Mitglieder der LTTE. Die vorg ebrachte Nähe des Beschwerdeführers zu den LTTE , seine Unterstützungstätigkeiten während des Bürgerkrieges und der Fokus der Behörde auf den Beschwerdeführer liegen mittlerweile schon lange zurück. Der Beschwerdeführer konnte nicht glaubhaft ma- chen, dass er seither nochmals von den Behörden in relevanter Weise be- helligt wurde. Es ist insgesamt nicht davon auszugehen, dass er ein für die sri-lankischen Behörden relevantes Profil aufweist. Aus der tamilischen Ethnie, der Herkunft aus dem Norden und seiner vie reinhalbjährigen Lan- desabwesenheit in der Schweiz kann er – trotz allenfalls erhöhter Aufmerk- samkeit der sri-lankischen Behörden im Rahmen der Wiedereinreise und Wiedereingliederung – keine Gefährdung ableiten, zumal das Gericht da- von ausgeht, dass er mehrere Jahre vor seiner Ausreise unbehelligt in Sri Lanka leben konnte und seine Familie weiterhin ohne Probleme im Hei- matstaat lebt. Dass er in einer «Stop List» aufgeführt ist, dürfte angesichts seines niederschwelligen Profils wenig wahrscheinlich sein. Zudem ist fest- zuhalten, dass eine allfällige Befragung am Flughafen in Colombo und Kontrollmassnahmen an seinem Heimatort keine asylrelevanten Verfol-E-6833/2019 Seite 12 gungsmassnahmen darstellen (Urteil des BVGer D-5158/2018 vom 2. Sep- tember 2019 E. 8.3). Unter Würdigung aller Umstände ist somit anzuneh- men, dass der Beschwerdeführer von der sri -lankischen Regierung nicht zu jener Gruppe von Personen gezählt wird, die bestrebt ist, den tamili- schen Separatismus wieder aufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellt. Es ist nicht davon auszugehen, dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. 5.10 An der vorangegangenen Einschätzung ändern auch der Regierungs- wechsel vom 16. November 2019 noch die erfolgte Verhaftung einer sri - lankischen Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Colombo etwas, da diesbezüglich kein individueller Bezug zum Beschwerdeführer ersicht- lich ist. 5.10.1 Hinsichtlich des Machtwechsels vom 16. November 2019 gilt fest- zuhalten: Gotabaya Rajapaksa wurde damals zum neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapa-ksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguar- dian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa- premadas-count-continues, abgerufen am 3. März 2021). Er war unter sei- nem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär und wurde an- geklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalisten und Aktivisten began- gen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverlet- zungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die An- schuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.01.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bru- der Mahinda sodann zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma- hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents- brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/, abgerufen am 3. März 2021). Beobachter und ethnische/religiöse Minder- heiten befürchten verstärkte Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositione llen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Die mit der absoluten Mehrheit gewonnene E-6833/2019 Seite 13 16. Parlamentswahl vom 5. August 2020 verstärkt die Machtfülle der Br ü- der Rajapaksa noch weiter (vgl. Stiftung für Wissenschaft und Politik [SWP] Aktuell, Nr. 69, September 2020: Politischer Umbruch in Sri Lanka; https://www.swp-berlin.org/10.18449/2020A69/; abgerufen am 3. März 2021). 5.10.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berück- sichtigt sie bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnis- stand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage für Personen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszugehen (vgl. Re- ferenzurteil des BVGer E‑1866/2015 vom 15. Juli 2016; HRW, Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwech- sel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungs- gefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prü- fen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsident- schaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. 5.10.3 Der Beschwerdeführer war in Sri Lanka keiner asylrelevanten Ver- folgung ausgesetzt. Auch unter Berücksichtigung des aktuellen politischen Kontextes in Sri Lanka lässt sich nicht ableiten, er hätte künftig mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen. 5.11 Insgesamt ergeben sich aus den Akten demnach keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer im heutigen Zeitpunkt be- gründete Furcht hat, mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG zu erleiden. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). E-6833/2019 Seite 14 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisun g nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu we rden (A rt. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschl iche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.1 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutre ffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 7.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für E-6833/2019 Seite 15 den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Fol- terausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen ode r glaubhaft machen, dass ihm im Fall ei ner Rück- schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur- teil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssitu- ation im Heimatstaat lässt den Wegweisungs vollzug zum heutigen Zeit- punkt nicht als unzulässig erscheinen. Der EGMR hat sich mit der Gefähr- dungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkeh- ren müssen, wiederholt befasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; T.N. gegen Däne- mark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P .K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine un- menschliche Behandlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung, ob der oder die Betroffene ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befragung ein Interesse, ver- schiedene Aspekte – welche im Wesentlichen durch die in Erwägung 5.9.1 identifizierten Risikofaktoren abgedeckt sind (vgl. EGMR, T.N. gegen Dä- nemark, a.a.O., § 94) – in Betracht gezogen werden, wobei dem Umstand gebührend Beachtung zu schenken sei, dass diese einzelnen Aspekte, auch wenn sie für sich alleine betrachtet möglicherweise kein «real risk» darstellen, diese Schwelle bei einer kumulativen Würdigung erreichen könnten. Nachdem der Beschwerdeführer – wie ausgeführt – nicht glaubhaft darle- gen konnte, dass er befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrecht- lich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhalts- punkte dafür, ihm würde aus demselben Grund eine menschenrechtswid- rige Behandlung in Sri Lanka drohen. 7.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter E-6833/2019 Seite 16 Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Men- schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu- tigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen. 7.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3 7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, dies gilt auch unter Berücksichtigung der dortigen aktuellen Ereignisse. Nach einer eingehen- den Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundes- verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvoll- zug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä- ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2). 7.3.3 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen gesunden Mann, der aus der Nordprovinz stammt und zu- letzt in B._______ gelebt hat. Er hat im Heimatstaat eine Schulausbildung durchlaufen und war vor seiner Ausreise mehrere Jahre beruflich tätig. Mit seinen Eltern, diversen Tanten und einem Onkel verfügt er über ein famili- äres Beziehungsnetz (vgl. act. A15/20 F12 ff.). Sodann führen seine Eltern ein Geschäft mit (…) und (…), das gut läuft (act. A15/20 F18). Es ist somit davon auszugehen, dass sich der den Akten zufolge gesunde Beschwer- deführer in seiner Heimat beruflich wieder integrieren und auf ein tragfähi- ges Beziehungsnetz zurückgreifen kann, welches ihn nach einer Rückkehr im Bedarfsfall Unterstützung bietet. Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri E-6833/2019 Seite 17 Lanka in eine existentielle Notlage geraten wird. Zutreffend hat die Vo- rinstanz sodann darauf verwiesen, dass trotz der jüngsten politischen Ge- schehnisse keine gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder an- deren unberechenbaren Unruhen dominierte Lage herrscht, aufgrund de- rer Rückkehrer unabhängig ihres individuellen Hintergrunds konk ret ge- fährdet sind. An dieser Einschätzung vermag auch der Machtwechsel mit der erfolgten Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 und die seit- her erfolgte Entwicklung nichts zu ändern, ebenso wenig die Spekulationen über mögliche zukünftige politische Entwicklungen. Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Vollzugsmo- dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland angepasst wird. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung ebenfalls als zumutbar. 7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich , dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit Zwischen- verfügung vom 10. Januar 2020 das Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung gutgeheissen, weshalb auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten ist. E-6833/2019 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Natassia Gili