Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer II II 2023 70 Entscheid vom 22. November 2023 Besetzung lic.iur. Achilles Humbel, Präsident Dr.oec. Andreas Risi, Richter Dr.iur. Frank Lampert, Richter lic.iur. Anna Maria Rüesch, Gerichtsschreiberin Parteien A.________ gegen Ausgleichskasse Schwyz, Rechtsdienst, Postfach 53, 6431 Schwyz, Vorinstanz, Gegenstand Alters- und Hinterlassenenversicherung (Beitragsverfügungen für Nichterwerbstätige 2019 und 2020 sowie Verzugszinsverfügungen)2 Sachverhalt: A.Gestützt auf eine Meldung der Steuerverwaltung vom 19. Juli 2022, wo- nach A.________ (geboren ________1965; nachstehend: der Versicherte) im Jahr 2020 über ein Reinvermögen von Fr. 1'755'603.-- und Einkünfte aus un- selbständiger Erwerbstätigkeit (USE) von Fr. 9'325.-- verfüge (Vi-act. 1), leitete die Ausgleichskasse Schwyz mit Schreiben vom 11. August 2022 an den Versi- cherten eine Abklärung dessen Beitragspflicht als Nichterwerbstätiger (NE) ein (Vi-act. 2). Mit E-Mail vom 15. September 2022 (Vi-act. 6) teilte der Versicherte der Ausgleichskasse mit, er habe im September 2021 (gemäss Handelsregister- eintrag recte 15.9.2017) die Firma "B.________ GmbH" gegründet. Er sei mit dem Aufbau des Geschäfts beschäftigt und habe sich daher im Geschäftsjahr 2018 ein Gehalt von Fr. 21'000.-- ausbezahlen können. Leider sei dann Corona hereingebrochen. Deshalb habe er sich in den Geschäftsjahren 2019 und 2020 nur je ein Gehalt von Fr. 10'000.-- ausbezahlen können. Im Geschäftsjahr 2021 habe es wieder "angezogen" und das Gehalt habe Fr. 21'000.-- betragen. Das Geschäftsjahr 2022 laufe sehr gut; er werde sich voraussichtlich ein Gehalt von Fr. 70'000.-- bis Fr. 100'000.-- ausbezahlen können. Mit Schreiben vom 28. November 2022 informierte die Ausgleichskasse den Ver- sicherten, dass sie ihn ab dem Jahr 2019 als NE anschliessen werde (Vi-act. 31). B.Mit provisorischen Verfügungen vom 29. November 2022 (Vi-act. 34 und 38) erhob die Ausgleichskasse vom Versicherten - für das Jahr 2019 auf der Basis eines Reinvermögens von Fr. 2'094'750.-- AHV/IV/EO-Beiträge von insgesamt Fr. 4'407.50 zuzüglich Verwaltungskos- ten von Fr. 169.15; abzüglich der Beiträge aus dem Erwerbseinkommen von Fr. 1'025.-- resultierte ein Betrag von Fr. 3'551.65 sowie - für das Jahr 2020 auf der Basis eines Reinvermögens von Fr. 2'037'750.-- AHV/IV/EO-Beiträge von insgesamt Fr. 4'378.25 zuzüglich Verwaltungskos- ten von Fr. 162.50; abzüglich der Beiträge aus dem Erwerbseinkommen von Fr. 1'128.20 resultierte ein Betrag von Fr. 3'412.55. Mit Verfügungen ebenfalls vom 29. November 2022 (Vi-act. 32 und 35) erhob die Ausgleichskasse zudem - Verzugszinsen für die Beitragsnachforderung 2019 von Fr. 468.10 sowie - Verzugszinsen für die Beitragsnachforderung 2020 von Fr. 326.55. Gleichzeitig stellte die Ausgleichskasse dem Versicherten am 29. November 2022 die Differenzrechnungen für die persönlichen Beiträge 2019 und 2020 von Fr. 4'019.75 bzw. Fr. 3'739.10 in Rechnung (Vi-act. 37 und 39). 3 C.Mit Schreiben vom 23. Dezember 2022 liess der Versicherte bei der Aus- gleichskasse Einsprache gegen die Differenzabrechnungen für die Jahre 2019 und 2020 erheben mit dem Antrag auf deren ersatzlose Aufhebung, weil er seine Beiträge für diese beiden Jahre als USE bereits entrichtet und somit die AHV- Beitragspflicht erfüllt habe (Vi-act. 45). D.Mit Entscheid Nr. 1297/22 vom 20. Juni 2023 wies die Ausgleichskasse die Einsprache ab. E.Gegen diesen Einspracheentscheid (Versand am 20.6.2023) erhebt der Versicherte mit Eingabe vom 21. August 2023 (Postaufgabe am gleichen Tag) fristgerecht Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz mit den folgenden Anträgen: 1. Der Einspracheentscheid vom 20. Juni 2023 sei aufzuheben. 2. ln Aufhebung der Verfügungen vom 29. November 2022 sei von der Anrechnung von Akontobeiträgen für Nichterwerbstätige für die Jahre 2019 und 2020 abzusehen. 3. ln Aufhebung der Verfügung vom 29. November 2022 sei auf die Erhebung von Verzugszins für die Jahre 2019 und 2020 abzusehen. 4. Eventualiter sei die Sache zur vertieften Sachverhaltsabklärung und zum Neuentscheid an die Ausgleichskasse Schwyz zurückzuweisen. 5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Vorinstanz. F.Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 5. September 2023 die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde unter Kostenfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers. G.Mit Replik vom 16. Oktober 2023 hält der Beschwerdeführer an den Anträ- gen gemäss der Beschwerde vom 21. August 2023 fest. Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.1Der AHV-Beitragspflicht unterliegt grundsätzlich, wer obligatorisch oder freiwillig versichert ist. Obligatorisch sind nach Art. 1a Abs. 1 lit. a und b des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) vom 20. Dezember 1946 natürliche Personen versichert, die in der Schweiz ihren zivilrechtlichen Wohnsitz haben, und diejenigen, welche in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben (vgl. Scartazzini/Hürzeler, Bundessozial- versicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 124, Rz. 30).4 1.2.1Nichterwerbstätige, für die nicht der jährliche Mindestbeitrag gemäss Art. 10 Abs. 2 AHVG vorgesehen ist, bezahlen einen Beitrag entsprechend ihren sozialen Verhältnissen (Art. 10 Abs. 1 AHVG). Die Beiträge bemessen sich nach dem Vermögen und dem Renteneinkommen. Verfügt ein Nichterwerbstätiger gleichzeitig über Vermögen und Renteneinkommen, wird der mit 20 multiplizierte jährliche Rentenbetrag zum Vermögen hinzugerechnet (Art. 28 Abs. 1 und 2 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.1010] vom 31.10.1947) und auf die nächsten 50'000.-- Franken abge- rundet (Art. 28 Abs. 3 AHVV). Beläuft sich dieser Betrag auf weniger als Fr. 300'000.--, ist der Mindestbeitrag von Fr. 422.-- (ab 1.1.2023, bzw. insgesamt Fr. 514.-- AHV/IV [Fr. 68.--] /EO [Fr. 24.--]) zu bezahlen (Art. 28 Abs. 1 AHVV [2019: total Fr. 482.--; 2020: total Fr. 496.--]). 1.2.2Die Beiträge werden für jedes Beitragsjahr festgesetzt. Als Beitragsjahr gilt das Kalenderjahr (Art. 29 Abs. 1 AHVV). Massgebend ist das von der Aus- gleichskasse ermittelte Renteneinkommen und das von den kantonalen Steuer- behörden ermittelte Vermögen am 31. Dezember des Beitragsjahres (Art. 29 Abs. 2 - 4 AHVV). Die Veranlagungen für die direkte Bundessteuer sind für die Ausgleichskassen verbindlich (Art. 29 Abs. 5 AHVV). 1.3.1Personen, die nicht dauernd voll berufstätig sind, leisten Beiträge wie Nich- terwerbstätige, wenn ihre Beiträge vom Erwerbseinkommen zusammen mit de- nen ihres Arbeitgebers in einem Kalenderjahr nicht mindestens der Hälfte des Betrages nach Art. 28 AHVV entsprechen. Ihre Beiträge vom Erwerbseinkommen müssen auf jeden Fall den Mindestbeitrag nach Art. 28 AHVV erreichen (Art. 10 Abs. 1 AHVG i.V.m. Art. 28bis AHVV). Betroffen von dieser Bestimmung sind Per- sonen, die zwar dauernd, aber nicht voll, oder zwar voll, aber nicht dauernd er- werbstätig sind. Unerheblich ist, ob die Merkmale einer selbstständigen oder ei- ner unselbstständigen Erwerbstätigkeit vorliegen. Diese Personen müssen unter Umständen, nach Vornahme einer Vergleichsrechnung, Beiträge wie Nichter- werbstätige leisten (vgl. Wegleitung über die Beiträge der Selbständigerwerben- den und Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO [WSN], vom 1.1.2008, Stand 1.1.2023 Rz. 2033). Die Vergleichsrechnung wird zwischen den eingezahlten Beiträgen und der Hälfte des hypothetischen Beitrags aufgrund der Vermögens- und Rentenverhältnisse vorgenommen. Ist der hypothetische Beitrag höher, so bezahlt die Person Beiträge wie Nichterwerbstätige (Art. 28 bis AHVV; WSN Rz. 2041 ff.). Die Beiträge vom Erwerbseinkommen können angerechnet oder zurückerstattet werden (Art. 10 Abs. 3 AHVG; Art. 28 bis AHVV i.V.m. Art. 30 AHVV; WSN Rz. 2045; BGE 140 V 338 E. 1.1 m.w.H.). 5 Nicht dauernd voll Erwerbstätige werden nach Art. 28 bis Abs. 1 AHVV nicht als Nichterwerbstätige qualifiziert, sondern diesen beitragsmässig gleichgestellt (vgl. BGE 140 V 338 E. 1.1), d.h. an der grundsätzlichen Qualifizierung als selbstän- digerwerbende Person ändert sich nichts. 1.3.2 Als dauernd gilt eine Erwerbstätigkeit von mehr als neun Monaten im Ka- lenderjahr (WSN Rz. 2035). Volle Erwerbstätigkeit liegt in der Regel vor, wenn für die (selbständige oder unselbständige) Tätigkeit ein erheblicher Teil der im be- treffenden Erwerbszweig üblichen Arbeitszeit aufgewendet wird. Diese Voraus- setzung ist nach der Verwaltungspraxis und Rechtsprechung erfüllt, wenn die beitragspflichtige Person während mindestens der halben üblichen Arbeitszeit (also 50%) tätig ist (BGE 140 V 338 E. 1.2 m.w.H.; siehe auch WSN Rz. 2039). Im Steuerrecht wird bei ganzjähriger Vollzeittätigkeit in der Regel von 220 Ar- beitstagen ausgegangen. 50% davon (volle Erwerbstätigkeit) entsprechen daher 110 Arbeitstagen. Ausgehend von einer wöchentlichen Normalarbeitszeit von rund 42 Stunden ergibt dies 8,4 Stunden pro Tag, für 110 Arbeitstage müsste somit ein Jahressoll von rund 924 Stunden ausgewiesen werden können, um vol- le Erwerbstätigkeit zu begründen (VGE II 2020 115 vom 18.3.2021 E. 3.2). 1.3.3 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind die tatsächlichen Ge- gebenheiten und nicht die Höhe der Beiträge nach Art. 10 Abs. 1 AHVG aus- schlaggebend für die Beurteilung, ob eine beitragspflichtige Person erwerbstätig ist (BGE 139 V 12 E. 5.2). Die volle Erwerbstätigkeit darf im Bereich der Selbständigkeit nicht schon aufgrund eines einfachen Vergleichs der erzielten Gewinne mit dem Durchschnittsverdienst aus einer entsprechenden unselbstän- digen Erwerbstätigkeit verneint werden, wo eine selbständige Betätigung erst nach längerer Zeit zu Einkünften führt oder vorübergehende Ertragseinbrüche, Investitionen, Amortisationen oder Veränderungen die betriebliche Rechnung negativ beeinflussen. Die Erwerbsabsicht ist dann nicht in Frage gestellt, wenn die tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht auf Nichterwerbstätigkeit, bloss vorgegebene Erwerbstätigkeit oder Erwerbstätigkeit unbedeutenden Um- fangs schliessen lassen (BGE 140 V 338 E. 2.3.1). Für die Beantwortung der Frage nach der Erwerbsorientierung ist der Lohn mit der erbrachten Leistung und nicht mit der finanziellen Lage der Arbeitgeberfirma zu vergleichen (Urteil BGer 9C_228/2021 vom 9.7.2021 E. 4.3.2). 1.4.1Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz be- herrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollstän- dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwal- tung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine 6 Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen über- zeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines be- stimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 138 V 218 E. 6 m.H.; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3; Urteil BGer 8C_448/2020 vom 3.3.2021 E. 2.4.1). 1.4.2Ab wann überwiegende Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, lässt sich kaum quantifizieren. Auch das Schrifttum äussert sich übereinstimmend mit der Rechtsprechung dahingehend, dass die blosse Annahme einer Möglichkeit oder einer Hypothese nicht ausreicht, während anderseits auch nicht die strikte An- nahme der zu beweisenden Tatsache (wie im Zivilprozess) zu verlangen ist (Cris- tina Schiavi, in: Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungs- rechts, 2020, Art. 43 N 11). Die Wahrscheinlichkeit ist insoweit überwiegend, als der begründeten Überzeugung keine konkreten Einwände entgegenstehen (Kie- ser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 43 N 59). 2.1.1Mit der Einsprache vom 23. Dezember 2022 reichte der Beschwerdeführer als Beilagen 1 bis 3 Arbeitsrapporte (Kalenderkopien) der Jahre 2019 und 2020 sowie das Fahrtenbuch 2020 ein (vgl. Vi-act. 45-3 ff./9). Zudem machte er gel- tend, im Rahmen des Unternehmensaufbaus habe er seine Zeit in der Anfangs- phase vorwiegend für die Akquisition, Business Developement, Trai- ning/Ausbildung und Auftragsbeschaffung eingesetzt. Diesen Zeitaufwand bezif- ferte er summarisch wie folgt: Art der Tätigkeit Tage 2019 Tage 2020 Aufträge, Vor-/Nachbereitungen, Reisezeiten 40 25 Akquisition 50 25 Business Development, Gründung/Aufbau, etc. 25 12 Business Development u.a. -- 58 Potentielle Kollaborationspartner etc. 10 -- Ausbildung 7 5 Marketing 10 15 E-Mail & Administration 50 64 Recherche & Studium 20 23 Total Arbeitstage 212 227 Anzahl E-Mails insgesamt 1'038 1'479 2.1.2Die Vorinstanz hat in Würdigung der vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen (Honorarrechnungen ab 2019 [Vi-act. 10 bis 28], Arbeitsrapporte 7 2019 und 2020 und Fahrtenbuch 2019) erwogen, für die beiden Jahre 2019 und 2020 könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine SE des Be- schwerdeführers von mindestens einem 50 %-Pensum geschlossen werden (an- gefochtener Entscheid E. 10). Konkret hat die Vorinstanz dargelegt, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2019 12.75 Tage für Workshops verwendet habe. Zusätzlich seien zwei Stunden für Leadership Hangout und Consulting Services in Rechnung gestellt worden. Hier- für habe der Beschwerdeführer Fr. 3'600.-- verrechnet, was bei einem Stunden- ansatz von Fr. 225.-- (gemäss Rechnung Nr. 191106 = Vi-act. 16 [2-stündiges Leadership Hangout zu total Fr. 450.--]) 16 Stunden entsprechend rund zwei Ta- ge ergebe. Total resultierten aufgerundet 15 Arbeitstage. Unter Berücksichtigung der Vor- und Nachbereitungszeit könne von 40 Tagen ausgegangen werden. Aus dem Fahrtenbuch 2019 seien total für das ganze Jahr 62 Tage aufgelistet. Einige davon könnten den Aufträgen aus den Rechnungen zugeordnet werden. Würden in grosszügiger Weise alle 62 Tage zu den 40 Tagen addiert, so ergebe das 102 Arbeitstage. Dies entspreche einem Arbeitspensum von 42.5%. Im Jahr 2020 seien gemäss Rechnungsstellung 8.5 Tage sowie Consulting Ser- vices im Betrag von Fr. 1'800.-- verrechnet worden, was bei einem Stundenan- satz von Fr. 225.-- einem Arbeitstag (Fr. 1'800.-- : Fr. 225.-- = acht Stunden) ent- spreche. Zusätzlich seien Spesen in Höhe von Fr. 1'696.70 in Rechnung gestellt worden. Aufgerechnet mit Vor- und Nachbearbeitungszeit ergebe dies wiederum ca. 40 Arbeitstage. Würde man die Vor- und Nachbearbeitungszeit verdoppeln, so könne von maximal 70 Arbeitstagen ausgegangen werden, was einem Pen- sum von 30% entspreche. 2.2Der Beschwerdeführer macht beschwerdeweise geltend, im September 2017 habe er die Firma "B.________ GmbH" mit Sitz in Unterägeri gegründet. Seit 2018 sei er bei dieser angestellt und seither durchgehend in einem Vollpen- sum tätig. Die tiefe Entlöhnung von Fr. 10'000.-- in den Jahren 2019 und 2020 bedeute nicht per se eine fehlende Gewinnerzielungsabsicht bzw. eine nicht volle Erwerbstätigkeit (Beschwerde S. 4 Ziff. 6 mit Hinweis auf Urteil BGer 9C_251/2021 vom 21.7.2021 [i.Sa. H. vs. Ausgleichskasse Schwyz] E. 4.2). Die Vorinstanz habe ausser Acht gelassen, dass sich die Unternehmung in dieser Zeit in der Aufbauphase befunden habe, und ihre Beurteilung auf die Kalender- kopien sowie das Fahrtenbuch 2019 abgestützt. Zu berücksichtigen sei auch, dass der Beschwerdeführer in den Jahren 2019 und 2020 erstmals als Berater Aufträge und Workshops durchgeführt habe mit einem entsprechend erhöhten Aufwand für die Vor- und Nachbereitung (Beschwerde S. 4 f. Ziff. 7.1 f.). 8 2.3.1Festzuhalten ist einerseits, dass die sich aus Unterlagen (Honorarrechnun- gen, Arbeitsrapporte 2019 und 2020 und Fahrtenbuch 2019) ergebenden num- merischen Angaben, auf welche die Vorinstanz zur Ermittlung des approximati- ven zeitlichen Arbeitsaufwandes des Beschwerdeführers abgestellt hat, vom Be- schwerdeführer nicht bestritten werden. Anderseits erweist sich, dass die - weder näher konkretisierten noch belegten - Angaben des Beschwerdeführers in der Einsprache nicht nur übertrieben erscheinen, sondern in offenkundigem Wider- spruch zu den von ihm dokumentierten Zahlen stehen. 2.3.2Mit den Erfolgsrechnungen 2019 und 2020 wies die B.________ GmbH Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen von Fr. 23'731.20 bzw. Fr. 34'578.18 aus (Vi-act. 8-4/9). Dies entspricht bei einem von der Vorinstanz angenommenen Stundenansatz von Fr. 225.--, der als plausibel erscheint und vom Beschwerdeführer zu Recht nicht bestritten wird, rund 105 Stunden bzw. 154 Stunden, d.h. rund 13 bzw. 19 Tagen (zu je acht Stunden). Wenn die Vorin- stanz unter Einbezug der Vor- und Nachbereitungszeit von jeweils 40 Tagen ausgegangen ist, erfolgte dies offenkundig nicht zum Nachteil des Beschwerde- führers. Die Vorbereitung wurde (jedenfalls teils) als Zeitaufwand den Kunden verrechnet (Vi-act. 10-2/2, 12-2/2, 15-2/2, 17, 19-2/2, 22-2/2) und ist somit im ver- rechneten Zeitaufwand bereits mitenthalten; ebenso (jedenfalls teils) auch die Zeit für An- und Rückreise (Vi-act. 13-2/2 [je halber Tag]; 19-2/2 [Reisezeit 1 Tag]). Ebenso hat bereits die Vorinstanz zu Recht auf die Überschneidungen mit den im Fahrtenbuch belegten (Arbeits-)Tagen mit den Workshops hingewiesen. 2.4.1Zutreffend ist, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid nicht expli- zit auf die geltend gemachte Aufbauphase der Unternehmung eingegangen ist. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Vorinstanz dieses Argument übersehen hat. Zum einen war dieses vom Beschwerdeführer bereits initial vor- gebrachte Argument (vgl. vorstehend Ingress lit. A) hinlänglich bekannt. Mit den grosszügig angerechneten Arbeitstagen anderseits hat die Vorinstanz diesem Umstand denn auch rechtsgenüglich Rechnung getragen. Soweit der Beschwer- deführer in dieser Hinsicht eine Verletzung der Begründungspflicht geltend ma- chen will, kann diese Rüge nicht verfangen. Abgesehen davon lässt sich aus der Begründungspflicht nicht ableiten, dass sich eine Rechtsmittelinstanz ausdrück- lich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand aus- einandersetzen muss. Im Übrigen wäre, läge denn eine Verletzung der Begrün- dungspflicht als Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor, eine solche Verletzung mit dem vorliegenden verwaltungsgerichtlichen Verfahren heilbar und auch geheilt worden. 9 2.4.2Vernehmlassend bringt die Vorinstanz vor, die Argumentation des Be- schwerdeführers sei angesichts der Neugründung grundsätzlich nachvollziehbar. Dennoch sei bekannt und zu berücksichtigen, dass die Arbeit im eigenen Unter- nehmen auch aus persönlichem lnteresse erfolge und der erbrachte Zeitaufwand über die eigentliche Erwerbsorientierung hinausgehen könne. Der Beschwerde- führer habe sich offenbar nur aufgrund seiner guten Vermögensverhältnisse mit einer tieferen Entschädigung begnügt. Es liege daher nahe, dass er ohne ent- sprechendes Vermögen einen solch tiefen und marktunüblichen Lohn nicht ak- zeptiert hätte. Dies werde durch den IK-Auszug belegt. Dem ist beizupflichten. Aus dem IK-Auszug des Beschwerdeführers (Vi-act. 5) ergibt sich, dass er seit 1998 stets (weit) über Fr. 200'000.-- und mehr verdient hat (2013: Fr. 422'016.--, 2015: Fr. 418'972.--, 2016: Fr. 439'276.--; erste zwei Monate 2017: Fr. 166'354.--). Für die ersten beiden Jahre (2018 und 2019) kann auch nicht die Coronakrise (vgl. vorstehend Ingress lit. A) verantwortlich gemacht werden. Zu Recht wird dies vom Beschwerdeführer vor dem Verwaltungsgericht nicht mehr geltend gemacht. Es bestehen zudem keine Anhaltspunkte dafür und wird vom Beschwerdeführer ebenfalls nicht geltend gemacht, dass sich die un- ternehmerischen Aussichten bereits anfangs 2020 erheblich verbessert hätten. 2.4.3Zu Recht weist die Vorinstanz vernehmlassend auch auf die Beweislage hin, wonach der Beschwerdeführer weder für die behaupteten Arbeitsleistungen echtzeitliche Arbeitsdokumentationen noch einen detaillierten Ausweis der nicht zu entschädigenden Arbeitsstunden beigebracht hat. Soweit sich das Fahrten- buch nicht auf mit Rechnungen belegte Workshops bezieht, bleibt deren (Ge- schäfts-)Zweck und insbesondere der damit verbundene Aufwand völlig im Dun- keln. Auch hieraus ergibt sich, dass die Vorinstanz mit der Anrechnung ganzer Tage für diese im Fahrtenbuch erfassten Fahrten zu Gunsten des Beschwerde- führers verfahren ist. Insoweit sich von der Vorinstanz aufgezeigte Ungereimthei- ten im Fahrtenbuch (Vernehmlassung S. 2) allenfalls erklären lassen (Replik S. 3 Ziff. 4) oder aber nicht, ist daher für den Ausgang des Verfahrens unerheblich. Abgesehen davon anerkennt der Beschwerdeführer gewisse Ungenauigkeiten im Fahrtenbuch (Replik S. 4 Ziff. 4). Als Schutzbehauptung ist schliesslich die replizierende (S. 3 Ziff. 3) Entgegnung des Beschwerdeführers zu würdigen, in der Aufbauphase in den Jahren 2019 und 2020 habe er nicht alle Termine und Arbeiten, die er in diesen Jahren für die Firma leistete, detailliert festgehalten. Auch wenn keine entsprechende Doku- mentationspflicht besteht, dürften gerade beispielsweise Akquisitions- Bemühungen, die von erheblichem geschäftlichem Interesse für das inskünftige 10 und anvisierte Gedeihen einer (Beratungs-)Unternehmung sind, als dokumentati- onswürdig erscheinen. 2.5Zusammenfassend vermag der Beschwerdeführer mit seinen Vorbringen die Rechtmässigkeit des angefochtenen Einspracheentscheides nicht zu erschüt- tern. Es bleibt dabei, dass er aufgrund der aktenkundigen Unterlagen und deren pflichtgemässer Würdigung nach Massgabe des Beweisgrades der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit in den Jahren 2019 und 2020 nicht als voll erwerbstätig qualifiziert werden kann. Die nummerischen Angaben als solche und insbeson- dere die Vergleichsrechnung nach Art. 28 bis AHVV sowie die Verzugszinsberech- nungen (angefochtener Entscheid E. 14 f.) werden vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 3.Gemäss Art. 61 lit. f bis des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) vom 6. Oktober 2000 ist das Ver- fahren bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Es ist das kantonale Recht anwendbar (Art. 61 ATSG; § 71ff. des Verwaltungsrechtspflegegesetzes [SRSZ 234.110; VRP] vom 6.6.1974). Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des verwal- tungsgerichtlichen Verfahrens (Gerichtsgebühr, Kanzleikosten und Barauslagen) von Fr. 800.-- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (§ 72 Abs. 2 VRP). Eine Parteientschädigung ist ebenfalls dem Verfahrensausgang entsprechend nicht zuzusprechen (Art. 61 lit. g ATSG; § 74 VRP). 11 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten (Gerichtsgebühr, Kanzleikosten und Barauslagen) von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Er hat am 28. Au- gust 2023 einen Kostenvorschuss in gleicher Höhe geleistet, so dass die Rechnung ausgeglichen ist. 3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwer- de* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, Schwei- zerhofquai 6, 6004 Luzern, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundes- gesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005). 5. Zustellung an: -den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (2/R) -die Vorinstanz (R) -und das Bundesamt für Sozialversicherungen BSV, 3003 Bern (A). Schwyz, 22. November 2023 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 27. November 2023