B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3213/2024 U r t e i l v o m 11 . J u n i 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richterin Chrystel Tornare Villanueva; Gerichtsschreiber Nassim Safai-Rad. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch MLaw Yasmin Ernst, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 6. Mai 2024. E-3213/2024 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer zusammen mit seinen drei erwachsenen Ge- schwistern (B._______, N [...]; C._______, N [...]; D._______ N [...]) am 22. Mai 2023 in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass er gemäss der Fingerabdruck -Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) am (…) in Kroatien ein Asylgesuch eingereicht hatte und das SEM gestützt hierauf am 24. Mai 2023 die kroatischen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers ersuchte, dass ihm anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 1. Juni 2023 – im Beisein seiner Rechtsvertretung – das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zustän- digkeit Kroatiens und Überstellung dorthin gewährt wurde, dass er sich gegen eine Überstellung nach Kroatien aussprach, weil zum einen Kroatien aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation nicht gut um Asylbewerber kümmern könne und zum anderen er HIV-positiv sei und nicht glaube, die kroatischen Behörden könnten mit seiner gesundheitli- chen Situation umgehen, er wegen dieser keinem Stress ausgesetzt wer- den dürfe und dass eine Überstellung dorthin für ihn dem Tode gleichkom- men würde, dass er ferner in gesundheitlicher Hinsicht ausführte, dass er wegen seiner HIV-Infektion normalerweise Medikamente einnehme, er auch stark trau- matisiert sei, nachts nicht schlafen könne, bei Sirenengeräuschen in Panik gerate und aufgrund eines bereits in der Schweiz behandelten Abszesses am Zahn weiterhin Schmerzen habe, dass die kroatischen Behörden das Wiederaufnahmeersuchen am 7. Juni 2023 explizit guthiessen, dass das SEM mit Verfügung vom 15. Juni 2023 auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, dessen Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien anordnete, eine Ausreisefrist ansetzte, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragte, die editionspflichti- gen Akten aushändigte und feststellte, der Beschwerde komme keine auf- schiebende Wirkung zu, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E -3637/2023 vom 30. Juni 2023 die dagegen erhobene Beschwerde vom 28. Juni 2023 guthiess und die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückwies und dieses anwies, das geltend gemachte Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihm und seiner E-3213/2024 Seite 3 Schwester (B._______, N [...]) zu klären und sein Verfahren mit den Ver- fahren seiner drei Geschwistern koordiniert zu behandeln, dass er mit Schreiben vom 26. Juli 2023 die Vorinstanz ersuchte, auf sein Asylgesuch sowie auf dasjenige seiner Geschwister einzutreten und einen psychiatrischen Bericht vom 14. Juli 2023 zu den Akten reichte, dass er mit Eingabe vom 1. September 2023 einen weiteren Arztbericht vom 17. Juli 2023 einreichte, dass er am 16. November 2023 dem Kanton E._______ zugewiesen wurde, dass er mit Eingabe vom 5. März 2024 unter Hinweis auf das Beschleuni- gungsgebot und unter Beilage des bereits aktenkundigen psychiatrischen Berichtes vom 14. Juli 2023 und je eines ärztlichen Berichtes über seine Schwester (B._______, N [...]) und über seinen Bruder das SEM ersuchte, auf sein Asylgesuch und dasjenige seiner Geschwister einzutreten, dass das SEM mit Schreiben vom 25. März 2024 die Schwester des Be- schwerdeführers ( B._______, N [...]) aufforderte, den medi zinischen Sachverhalt zu aktualisieren und Angaben zum aktuellen Behandlungs- stand zu machen, worauf diese am 5. April 2024 und am 8. April 2024 Medizinalakten einreichte, dass das SEM mit Verfügung vom 6. Mai 2024 (eröffnet am 13. Mai 2024) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, dessen Wegwei- sung aus der Schweiz nach Kroatien anordnete, eine Ausreisefrist an- setzte, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung beauf- tragte, die editionspflichtigen Akten aushändigte und feststellte, der Be- schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21. Mai 2024 beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde einreichte und beantragte, es sei die Ver- fügung vom 6. Mai 2024 aufzuheben und das SEM anzuweisen, auf sei n Asylgesuch einzutreten, dass er eventualiter beantragte, die Sache sei zur vollständigen Erstellung des rechtserheblichen Sachverhalts beziehungsweise zur Koordination mit den Verfahren seiner Geschwister an die Vorinstanz zurückzuweisen, dass er in pro zessualer Hinsicht beantragte, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren und es seien die Vorinstanz sowie E-3213/2024 Seite 4 die Vollzugsbehörden im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen unver- züglich anzuweisen, bis zum Entscheid über das Rechtsmittel von je gli- chen Vollzugshandlungen abzusehen, dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht weiter beantragte, es sei das Ver- fahren mit den Beschwerdeverfahren seiner Schwester (D._______, N [...]) und seines Bruders (C._______, N [...]) koordiniert zu behandeln und es seien die Vorakten seiner Schwester (B._______, N [...]) zur Beurteilung beizuziehen, dass er schliesslich um Gewährung der unentgeltliche n Prozessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchte, dass der Beschwerde mehrere Beilagen und unter anderem ein Schreiben der Hausärztin über die Geschwister vom 22. April 2024 (Beschwerdebei- lage 5) sowie zwei medizinische Berichte betreffend die Schwester (B._______, N [...]) (Beschwerdebeilagen 6 und 7) beilagen, dass der Instruktionsrichter mit superprovisorischer Massnahme vom 24. Mai 2024 den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus- setzte, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 27. Mai 2024 beim Bundes- verwaltungsgericht einen weiteren Bericht der Hausärztin vom 21. Mai 2024 betreffend die Geschwister zu den Akten nachreichte, dass die vorinstanzlichen Akten der Schwester (B._______, N [...]) dem Bundesverwaltungsgericht in elektronischer Form vorlagen, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re- gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie hungsweise Ände- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), E-3213/2024 Seite 5 dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur- teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver- zichtet wurde, dass mit der vorliegenden Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass dem Antrag auf Koordination des vorliegenden Beschwerdeverfah- rens mit denjenigen der Schwester ( E-3218/2024) und des Bruders (E-3199/2024) des Beschwerdeführers zu entsprechen ist, dass der Beschwerdeführer eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache beantragt, weil die Vorinstanz die Vorbringen der Erniedrigung durch die kroatischen Behörden, das Miterleben der se- xuellen Gewalt und Übergriffe an seinen Geschwistern bei der Prüfung der Wegweisung nach Kroatien erneut nicht berücksichtigt habe (vgl. Be- schwerde S. 8), dass die geschilderte Behandlung im Zusammenhang mit seinen vorbeste- henden Erkrankungen geeignet sei, die Zulässigkeit der Wegweisung in Zweifel zu ziehen (vgl. Beschwerde S. 8), dass der Vollzug der Wegweisung unter diesen Umständen gegen Art. 3 EMRK sowie gegen die Anti -Folterkonvention verstossen würde (vgl. Be- schwerde S. 8), dass die Vorinstanz, indem sie diese Vorbringen im Rahmen der Wegwei- sung nicht prüfte, den relevanten Sachverhalt nicht ausreichend erstellt so- wie ihre Begründungspflicht und das rechtliche Gehör des Beschwerdefüh- rers verletzt habe (vgl. Beschwerde S. 8), dass zudem der medizinische Sachverhalt zum jetzigen Zeitpunkt nicht als abschliessend erstellt erachtet werden könne, da der Beschwerdeführer E-3213/2024 Seite 6 weiterhin in medizinischer Behandlung sei, eine psychologische Behand- lung anstehe und das geltend gemachte Abhängigkeitsverhältnis unter an- derem mit seinem gesundheitlichen Zustand sowie jenem seiner Schwes- ter (B._______, N [...]) zusammenhänge (vgl. Beschwerde S. 8), dass die Vorinstanz die Ausführungen zur vorgebrachten schlechten Be- handlung in Kroatien sowie zur Belästigung des Bruders in ihrer Verfügung benennt (vgl. angefochtene Verfügung S. 3 und S. 8), dass im Übrigen den wesentlichen Ausführungen des Beschwerdeführers im Rahmen des Dublin-Gesprächs in der Verfügung genügend Rechnung getragen wurde und er die sexuelle Gewalt an seiner Schwester erst auf Beschwerdeebene vorbrachte, dass die angefochtene Verfügung ausreichend begründet ist, zumal sich die Vorinstanz nicht mit jedem Argument auseinanderzusetzen hat, dass eine sachgerechte Anfechtung möglich war und keine Gehörsverlet- zung ersichtlich ist, dass im Übrigen die Argumentation, die Überstellung würde gegen Art. 3 EMRK und gegen die Anti -Folterkonvention verstossen, materieller Natur ist und der Umstand, dass der Beschwerdeführer die Schlussfolgerung der Vorinstanz nicht teilt, keine Verletzung der Pfli cht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts darstellt, dass mithin weder eine unvollständige noch eine fehlerhafte Sachverhalts- feststellung aus den Akten hervorgeht, dass namentlich auch der medizinische Sachverhalt ausreichend abgeklärt wurde, dass die Vorinstanz aufgrund der ihr vorliegenden Arztberichte sowie eige- ner Abklärungen davon ausgehen durfte, der medizinische Sachverhalt sei rechtsgenüglich erstellt, dass sie alle ihr vorliegenden wesentlichen medizinischen Vorbringen so- wie Unterlagen würdigte und sich mit diesen ausreichend auseinanderge- setzt hat (vgl. angefochtene Verfügung insb. S. 8 ff.), dass sie sich auch hinreichend mit der gesundheitlichen Situation der Ge- schwister und namentlich mit jener der Schwester (B._______, N [...]) aus- einandersetzte (vgl. angefochtene Verfügung S. 7), E-3213/2024 Seite 7 dass sie aufgrund der gesundheitlichen Situation nicht gehalten war, allfäl- lige weitere Arzttermine abzuwarten, um die Überstellungsfähigkeit d es Beschwerdeführers zu beurteilen, dass überdies auch unter der Berücksichtigung der auf Beschwerdeebene eingereichten medizinischen Unterlagen (vgl. Beschwerdebeilagen 5 bis 7 und Eingabe vom 27. Mai 2024) der rechtserhebliche Sachverhalt zum ak- tuellen Zeitpunkt als ausreichend erstellt zu erachten ist, dass daher keine Veranlassung besteht diesbezüglich weitere Abklärun- gen vorzunehmen beziehungsweise weitere Berichte abzuwarten (zur an- tizipierten Beweiswürdigung vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3; 136 I 229 E. 5.3), dass der Beschwerdeführer ausführt, die Vorinstanz habe das Beschleuni- gungsgebot verletzt, da sie die sechsmonatige Frist nach Art. 29 Abs. 1 Dublin-III-VO für seine Überstellung, die ab dem Kassationsurteil vom 29. Juni 2023 – welches eine endgültige Entscheidung über einen Rechts- behelf darstelle –, zu laufen begonnen habe, verstreichen lassen habe (vgl. Beschwerde S. 6 f.), dass deshalb die Schweiz für die Durchführung des Asylgesuch zuständig sei (vgl. Beschwerde S. 7), dass nach der bunde sverwaltungsrechtlichen Rechtsprechung mit einem Rückweisungsentscheid keine endgültige Entscheidung über die Zustän- digkeitsfrage vorliegt (vgl. BVGE 2015/19 E. 5.4), dass es sich bei einer endgültigen Entscheidung entweder um die zweite Verfügung der Vori nstanz mit einer neuen negativen Zuständigkeitsent- scheidung oder um das Gerichtsurteil, mit dem die zweite Beschwerde ge- gen den Zuständigkeitsentscheid mit Überstellung endgültig abgewiesen wird, zu handeln hat (vgl. a.a.O. E. 5.4), dass mit der endgültige n Entscheidung die Frist zur Überstellung neu zu laufen beginnt (vgl. a.a.O. E. 5.4), dass daher vorliegend die Frist zur Überstellung noch nicht abgelaufen ist und der Vorinstanz keine Verletzung des Beschleunigungsgebots nachzu- weisen ist und demnach die Schweiz aus besagtem Grund auch nicht für das Asylgesuch zuständig ist, E-3213/2024 Seite 8 dass die formellen Rügen folglich unbegründet sind, weshalb eine Rück- weisung an die Vorinstanz ausser Betracht fällt und das Eventualbegehren abzuweisen ist, dass auf Asylgesuche in de r Regel nicht einzutreten ist, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi- gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird, dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein- geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO), wobei im Rahmen des sogenannten Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) grundsätzlich keine (er- neute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III stattfindet und die Zuständig- keit beziehungsweise die Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederauf- nahme sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO ergibt (vgl. Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union [EuGH] [Grosse Kammer] vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 und C-583/17, EU:C:2019:280, Rn. 47–50; BVGE 2019 VI/7 E. 4 -6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.), dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu- rodac»-Datenbank ergab, dass er am (…) in Kroatien um Asyl nachgesucht hat (vgl. SEM-eAkten 8/1), dass, nachdem die kroatischen Behörden dem Gesuch um Wiederauf- nahme gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO ausdrücklich zugestimmt haben, die staatsvertragliche Zuständigkeit Kroatiens zur Behandlung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens grundsätzlich gegeben ist, zumal das Dublin-System auf klaren Zuständigkeitsregeln beruht und den Gesuch- stellern kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selbst aus- zuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3), dass das Bundesverwaltungsgericht in seiner bestätigten Rechtsprechung nicht davon ausgeht, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin -III-VO auf (vgl. [statt vieler ] Urteil des BVGer E-3213/2024 Seite 9 F-83/2024 vom 14. Mai 2024 E. 4.3 m.H.a. das Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 9.5), dass daher die Übernahme der Zuständigkeit gestützt auf die genannte Bestimmung nicht angezeigt ist, dass gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO die Mitgliedstaaten in der Regel Antragsteller, die wegen Schwangerschaft, eines neugeborenen Kindes, schwerer Krankheit, ernsthafter Behinderung oder hohen Alters auf die Un- terstützung ihres Kindes, eines ihrer Geschwister oder eines Elternteils an- gewiesen sind, nicht t rennen beziehungsweise sie zusammenführen, so- fern die familiäre Bindung bereits im Herkunftsland bestanden hat, der nahe Angehörige in der Lage ist, die abhängige Person zu unterstützen und die Betroffenen diesen Wunsch schriftlich kundgetan haben, dass der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe geltend macht, die krebskranke Schwester (B._______, N [...]) sei auf seine Unterstützung und jene seiner Geschwister angewiesen und dass auch er selbst sowie sein Bruder auf das Unterstützungsnetz der Geschwis ter angewiesen seien, weshalb ein zwingender Selbsteintritt nach Art. 16 Abs. 1 Dublin-III- VO und Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO i.V.m. Art. 8 EMRK angezeigt sei (vgl. Beschwerde S. 4 ff.), dass, um Wiederholungen zu vermeiden, bezüglich des vom Beschwerde- führer geltend gemachten Abhängigkeitsverhältnisses auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen ist, wonach kein besonderes Ab- hängigkeitsverhältnis zwischen ihm und seinen Geschwistern bestehe (vgl. angefochtene Verfügung S. 7), dass auch die auf Beschwerdeebene eingereichten Unterlagen daran nichts zu ändern vermögen, dass im Besonderen auch in Bezug auf die Schwester (B._______, N [...]) sich weder aus dem mit der Rechtsmitteleingabe eingereichten noch aus den in den beigezogenen vorinstanzlichen Akten befindlichen aktuellsten Arztberichten (Ambulanter Bericht vom 23. April 2024 [vgl. SEM -eAkten B._______ 49/4] und Bericht der Notfallkonsultation vom 9. Mai 2024 [vgl. SEM-eAkten B._______ 50/4) ein Abhängigkeitsverhältnis beziehungs- weise eine hinreichend schwere Krankheit hervorgeht, dass im Übrigen in Bezug auf die anderen Geschwister Kroatien auch für diese zuständig ist (vgl. Urteile des BVGer E-3199/2023 und E-3218/2024), E-3213/2024 Seite 10 weshalb die diesbezüglichen Ausführungen zur gegenseitigen Abhängig- keit ins Leere gehen, dass die Vorinstanz somit zutreffend ein rechtlich relevantes Abhängig- keitsverhältnis i.S. von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO oder Art. 8 EMRK zwi- schen den erwachsenen Geschwistern verneint und eine entsprechende Zuständigkeit der Schweiz ausgeschlossen hat, dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO be- schliessen kann, einen bei ihm gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kri- terien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht), dass Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) das Selbsteintrittsrecht landesrechtlich konkretisiert und ge- mäss dieser Bestimmung das SEM das Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin -III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, dass der Selbsteintritt zwingend ist, wenn individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vorliegen (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1), dass Kroatien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls zur FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist und grundsätzlich davon aus zugehen ist, dass es sei- nen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt, dass auch anzunehmen ist, dieser Staat anerkenne und schütze weiterhin die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäi- schen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge- meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna- tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben, dass die Vermutung, Kroatien halte seine völker- und gemeinschaftsrecht- lichen Verpflichtungen ein, zwar im Einzelfall widerlegt werden kann, es E-3213/2024 Seite 11 hierfür aber konkreter und ernsthafter Hinweise be darf, die von der be- troffenen Person glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.), dass der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe geltend macht, es habe ein zwingender Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO zu er- folgen, weil seine Familie in Kroatien massive sexuelle Gewalt durch die kroatische Polizei erlebt habe und ihm dies aufgrund seiner Krankheiten stark zugesetzt habe (vgl. Beschwerde S. 7 f.), dass er ferner sinngemäss erklärt, in Kroatien Folter ausgesetzt gewesen zu sein (vgl. Beschwerde S. 8), dass ihm deshalb eine Rückkehr nach Kroatien nicht zugemutet werden könne und eine Wegweisung dorthin gegen Art. 3 EMRK und die Folter- konvention verstossen würde, weshalb die Schweiz zu einem Selbsteintritt verpflichtet sei (vgl. Beschwerde S. 8), dass die nicht substantiierten Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe nicht geeignet sind, die Vermutung, Kroatien halte seine völker - und ge- meinschaftsrechtlichen Verpflichtungen ein, zu widerlegen, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK da r- stellen kann, dass dies insbesondere der Fall ist, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rech- nen müsste und dabei keiner lei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Euro- päischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]), oder wenn eine schwer kranke Person durch die Abschiebung mit einem realen Risiko kon- frontiert würde, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Ver- schlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden (vgl. Ur- teil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H., bestätigt in Savran gegen Däne- mark vom 7. Dezember 2021, Grosse Kammer 57467/15), dass eine solche Konstellation im Fall des Beschwerdeführers offensicht- lich nicht gegeben ist, dass um Wiederholungen zu vermeiden, in Bezug auf die medizinischen Beschwerden vorab auf die diesbezüg lich zutreffenden Erwägungen der E-3213/2024 Seite 12 Vorinstanz zu verweisen ist, wonach diese kein Hindernis für seine Über- stellung nach Kroatien darstellen (vgl. angefochtene Verfügung S. 8 ff.), dass in Bezug auf die psychischen Probleme die diagnostische Beurteilung im psychiatrischen Bericht vom 14. Juli 2023 am ehesten von einer post- traumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) ausgeht (vgl. SEM - eAkten 33/7 und 39/10) dass entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift jedoch weder belegt ist noch aus den vorliegenden medizinischen Unterlagen hervor- geht, der Beschwerdeführer wäre aufgrund seiner psychischen Probleme in medizinischer Behandlung, dass Kroatien gesetzlich vorsieht vulnerable Asylsuchende aufgrund ihrer individuellen Situation (u.a. Geschlecht, sexuelle Orientierung, psychischer Gesundheitszustand, Opfer von Folter, Vergewaltigung oder anderweitiger physischer, psychischer oder sexueller Gewalt) in geeigneter Weise zu un- terstützen (vgl. Urteile des BVGer F-83/2024 vom 14. Mai 2024 E. 7.1 und D-1428/2023 vom 7. Juli 2023 E. 6.4.2), dass daher davon auszugehen ist, dem Beschwerdeführer stehen in Kroa- tien – bei Bedarf – die notwendige psychologische und psychiatrische Be- treuung zur Verfügung (vgl. Urteil F-83/2024 E. 7.1), dass auf Beschwerdeebene keine weiteren gesundheitliche Probleme des Beschwerdeführers geltend gemacht wurden und sowohl die bereits oben genannten psychischen Beschwerden als auch die physischen gesundheit- lichen Probleme – namentlich seine HIV-Erkrankung – kein Hindernis für eine Überstellung nach Kroatien darstellen, zumal Kroatien über eine aus- reichende medizinische Infrastruktur verfügt und es – ungeachtet der ent- sprechenden Ausführungen des Beschwerdeführers – keinen Grund zur An- nahme gibt, ihm werde dort im Rahmen seiner Wiederaufnahme die notwen- dige medizinische Behandlung nicht gewährleistet (zur medizinischen Ver- sorgung in Kroatien vgl. [statt vieler ] Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 10.2 und Urteil des BVGer D-735/2022 vom 28. Februar 2022 E. 6.7.3), dass sich der Beschwerdeführer bei Bedarf an die kroatischen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechts- weg einfordern kann (vgl. insbesondere Art. 26 Aufnahmerichtlinie), E-3213/2024 Seite 13 dass im Übrigen in Bezug auf das geltend gemachte Fehlverhalten kroati- scher Beamte r nicht dargetan und ebensowenig ersichtlich ist, der Be- schwerdeführer liefe ernsthaft Gefahr, bei einer Rückkehr nach Kroatien seine diesbezüglichen Grundrechte nicht durchsetzen zu können, dass Kroatien ein Rechtsstaat mit einem funktionierenden Justizsystem ist, das der Beschwerdeführer nach dem geschilderten Vorfall zwecks Verfol- gung der Handlungen hätte anrufen können (vgl. Urteile des BVGer F-83/2024 E. 8.2 und E-4419/2023 vom 21. August 2023 E. 6.3), dass ferner entgegen den Ausführungen im beilegenden Bericht von (…) vom 15. Mai 2024 (Beschwerdebeilage 4) die Überstellung nach Kroatien im Einklang mit den bei einer Wegweisung von Angehörigen der LGBTI - Gemeinschaft zu beachtenden Grundsätzen steht (vgl. Urteil F-83/2024 E. 8.2), dass insgesamt somit keine zwingenden Gründe für die Anw endung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO vorliegen, dass gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts das SEM bei der An- wendung von Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) verfügt und die angefochtene V erfügung auch unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden ist, dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung zu be- stätigen und die eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb die Begehren auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung und auf Erlass des Kostenvorschusses gegenstandslos geworden sind, dass der am 24. Mai 2024 angeordnete Vollzugsstopp mit dem vorliegen- den Urteil dahinfällt, dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen sind, E-3213/2024 Seite 14 dass bei diesem Ausgang des Verfahrens di e Verfahrenskosten von Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-3213/2024 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Nassim Safai-Rad Versand: