<h2>SubmittedText<h2><p>Nach wie vor ist in Fachkreisen die Sicherheit der Impfstoffe zur Mumps-Masern-Rötelnimpfung heftig umstritten. Besonders unter Beschuss gerät immer wieder der Impfstoff Triviraten des Schweizerischen Serum- und Impfinstitutes Berna.</p><p>In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Ist er bereit, die Qualität der Impfstoffe strenger zu überprüfen und Präparate, die nicht den nötigen Impfschutz garantieren, vom Markt zu nehmen? Ist er bereit, mit konkreten Massnahmen die korrekte Lagerung und den sicheren Transport der entsprechenden Impfstoffe zu garantieren?</p><p>2. Welche Massnahmen plant er, um der Bevölkerung den Nutzen und die Nebenwirkungen der Impfungen darzulegen? Wie gewährleistet er, dass dabei sowohl befürwortende wie kritische Stimmen ausführlich, aber sachlich und wissenschaftlich fundiert zu Wort kommen?</p><p>3. Ist er bereit, diese Informationsmassnahmen zusammen mit den Fachverbänden und interessierten Elternorganisationen durchzuführen?</p><p>Immer mehr Eltern sind bezüglich der Impfungen verunsichert. Insbesondere gegen die relativ neue Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln regt sich Widerstand, weil es trotz Impfungen nach wie vor zu Erkrankungen kommt und damit Vorbehalte gegenüber dem Impfstoff bestehen. In der Bevölkerung wird ein Expertenstreit zwischen befürwortenden und skeptischen Meinungen bezüglich Impfungen wahrgenommen, der zu einer grossen Verwirrung und Verunsicherung der Eltern führt. Um den Eltern den Entscheid bezüglich Impfungen zu erleichtern, müssen die Informationen von einer offiziellen Stelle (hier wohl vom Bundesamt für Gesundheit) aufbereitet und den Eltern möglichst objektiv zur Verfügung gestellt werden. Bei dieser Aufarbeitung sollen die Fachkreise einbezogen werden.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Für die Zulassung von Impfstoffen ist heute das Bundesamt für Gesundheit (BAG), ab Inkraftsetzung des neuen Heilmittelgesetzes (geplant auf 1. Januar 2002) das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic zuständig.</p><p>Die Beurteilung, ob ein Produkt zugelassen wird oder nicht, erfolgt heute nach strengen Vorgaben und Richtlinien, die international harmonisiert sind (Richtlinien der EU, der Food and Drug Administration der USA bzw. der International Conference on Harmonization). Eine einseitige schweizerische Verschärfung der Zulassungskriterien, die über die international geltenden Zulassungskriterien hinausgehen, ist nicht angebracht. Diese werden laufend dem aktuellen Stand der Technik und des Wissens angepasst werden. Eine einseitige Verschärfung der Kriterien würde vermutlich zudem zu einem Handelshemmnis führen.</p><p>So wird gemäss diesen Richtlinien bei der Zulassung eines Impfstoffes von den jeweils zuständigen Behörden, auch den Schweizer Behörden, nicht nur die Wirksamkeit beurteilt, sondern es wird eine vollständige Nutzen-Risiko-Bewertung durchgeführt, die auch die Unbedenklichkeit und Sicherheit sowie die Qualität der Herstellung umfasst.</p><p>Impfstoffe sind nicht immer zu 100 Prozent wirksam und zeigen je nach Herstellungsverfahren unterschiedliche Vor- und Nachteile. Der behandelnde Arzt ist somit aufgefordert, für jeden seiner Patienten das optimale Produkt zu wählen. Im Falle von Triviraten ist das Produkt beispielsweise frei von aviären Proteinen (die zu Allergien führen können: Hühnereiweiss-Allergie), es enthält keine konservierenden Antibiotika und ist frei von Reverser Transkriptase, einem Enzym aus aviären Retroviren, die in Hühnerzellen enthalten sind. Im Gegensatz ist jedoch die Mumpskomponente des Impfstoffes stärker attenuiert und die Wirksamkeit geringer als in den Konkurrenzprodukten. Die Kriterien zur Zulassung haben alle diese Aspekte zu berücksichtigen.</p><p>Angaben zur korrekten Lagerung und zum sicheren Transport sind seit vielen Jahren Bestandteil der Zulassung von Impfstoffen. So ist z. B. der Masern-Röteln-Mumps-Impfstoff Triviraten der Kühlkettenpflicht unterstellt. Dies bedeutet, dass der Impfstoff immer bei 5 plus/minus 3 Grad Celsius gehalten werden muss (Lagerung des Endproduktes, Transport, Arztpraxis). Die korrekte Lagerung beim Vertreiber wird vom BAG mittels Inspektion regelmässig überprüft. Im Bulletin des BAG werden ausserdem diejenigen Impfstoffe, die der Kühlkettenpflicht unterstellt sind, jährlich publiziert. Die Ärzte sind also in der Lage zu kontrollieren, ob sie den Impfstoff korrekt verpackt erhalten. Dagegen ist die Lagerung bei der vorgeschriebenen Temperatur in der Arztpraxis alleinige Sache des verantwortlichen Arztes.</p><p>2. Mit der Abnahme verschiedener Infektionskrankheiten in der Schweiz dank der Impfungen und verbesserter Hygiene verschwand auch das Wissen über die Gefährlichkeit dieser Infektionskrankheiten vielfach aus dem Bewusstsein der Bevölkerung. Die Besorgnis der Bevölkerung und auch mancher Ärzte  konzentriert sich deshalb weniger auf gefährliche Folgen durch Impfung verhütbarer Krankheiten als auf reale oder häufig hypothetische Nebenwirkungen der Impfstoffe. Die Ausbrüche von Kinderlähmung in Holland 1992/93, in Albanien 1996 und dieses Jahr in Bulgarien sowie der explosionsartige Anstieg der Diphtherie in der ehemaligen Sowjetunion von 1992 bis 1996 machen deutlich, dass eine Vernachlässigung von Schutzimpfungen ernsthafte Konsequenzen haben kann.</p><p>Während der ganze amerikanische Kontinent grosse Fortschritte in der Kontrolle der Masern gemacht hat und der Elimination schon recht nahe gekommen ist, sind in der Schweiz in Zukunft weiterhin Masernepidemien zu erwarten. Eine Masern-Mumps-Röteln-Durchimpfung von etwa 80 Prozent wie in der Schweiz genügt nicht, um eine Wildviruszirkulation zu unterbinden. Die Schweiz droht zu einer "Maserninsel" zu werden und gefährdet durch einen erneuten Export der Masern die Bestrebungen dieser Länder. Das Beispiel von Finnland zeigt, dass auch in Europa eine Masernelimination möglich ist. Dank einer effizienten Zwei-Dosen-Strategie konnten Masern, Mumps und Röteln eliminiert werden. Andere Länder, wie Ungarn oder Schweden, sind diesem Ziel sehr nahe.</p><p>Damit die Zielsetzungen des europaweiten beziehungsweise weltweiten Impfprogramms auch in der Schweiz erreicht werden können, ist ein effizientes nationales Impfprogramm unabdingbar. Das BAG hat die Grundzüge eines solchen Programmes ausgearbeitet. Im Rahmen dieses nationalen Impfprogrammes soll ein umfassendes, zielgruppengerechtes Informationsangebot geschaffen werden, denn der gegenwärtige Zugang zu Informationen über Impfungen ist ungenügend und entspricht nur teilweise den Bedürfnissen wichtiger Zielgruppen. Einer ehrlichen, wissenschaftlich fundierten Impfinformation kommt eine prioritäre Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang kommt dem Nutzen und den Nebenwirkungen der Impfungen ein wichtiger Stellenwert zu.</p><p>Um dieses Ziel zu erreichen, soll ein vernetztes Angebot proaktiver und interaktiver Kommunikationsmedien eingesetzt werden, das im Sinne von Empowerment Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und kollektive Verantwortung fördert. Um den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, muss das Informationsangebot in verschiedenen Sprachen erfolgen. Durch diese neue proaktive und interaktive Informationsstrategie, die ab dem nächsten Jahr umgesetzt werden soll, kann dem Informationsbedürfnis der Bevölkerung in Zukunft besser entsprochen werden.</p><p>3. Eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung, bei den Behörden, den NGO (z. B. Elternorganisationen, Impfkritiker) und den Fachorganisationen soll durch einen partizipativen Einbezug der wesentlichen im Impfbereich engagierten Partner im Rahmen einer nationalen Projektorganisation unter der Federführung des BAG erreicht werden. Dies verlangt allerdings von allen Partnern eine konstruktive Beteiligung an einem Prozess der Konsensfindung.</p>  Antwort des Bundesrates.