Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 14. Dezember 2016 (810 16 153) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Stefan Schulthess, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl, Beat Walther , Gerichtsschreiberin i.V. Claudia Caderas Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Wagner , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz (RRB Nr. 752 vom 24. Mai 2016) A. Der türkische Staatsangehörige A.____ wurde 1991 in B.____ geboren, erhielt in der Folge die Niederlassungsbewilligung und besuchte sä mtliche Schulen im Kanton Basel- Landschaft. Derzeit ist er als Sachbearbeiter in de r Immobilienverwaltung C.____ tätig und wohnt bei seinen Eltern in D.____. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Während seines bisherigen Aufenthaltes in der Schwei z wurde A.____ mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 10. September 2015 we gen versuchter schwerer Körper- verletzung und mehrfacher fahrlässiger, teilweise schwerer Körperverletzung zu einer Freiheits- strafe von zweieinviertel Jahren, davon 6 Monate unbedingt, verurteilt. Die Verurteilung erfolgte, weil A.____ am 9. März 2014 um ca. 23:00 Uhr in alkoh olisiertem Zustand E.____ im Rahmen einer Auseinandersetzung rivalisierender Gruppierungen t ürkischer beziehungsweise kosova- risch-albanischer Abstammung in B.____ mit seinem Klappm esser eine schwere Stichverlet- zung am linken Oberschenkel zufügte. Das Opfer musste in de r Folge mittels einer Notoperati- on behandelt werden und befand sich in kritischem Zustand. C. Aufgrund dieser Straftat gewährte das Amt für Migr ation Basel-Landschaft (AfM) A.____ am 6. Oktober 2015 das rechtliche Gehör betref fend den Widerruf seiner Niederlas- sungsbewilligung und der damit verbundenen Wegweisung aus der Schweiz. D. Am 23. November 2015 nahm A.____, nachfolgend imme r vertreten durch Daniel Wagner, Advokat, zum gewährten rechtlichen Gehör Stellung. Er beantragte, es sei vom Wider- ruf der Niederlassungsbewilligung und der Wegweisung a bzusehen. Eventualiter sei eine Ver- warnung auszusprechen. E. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2015 widerrief da s AfM die Niederlassungsbewilli- gung von A.____ und setzte seine Ausreise auf spätesten s 14. Februar 2016 fest. Zur Begrün- dung wurde im Wesentlichen festgehalten, dass A.____ durch den strafrechtlich geahndeten Vorfall vom 9. März 2014 einen gesetzlichen Widerrufsgr und für seine Niederlassungsbewilli- gung verwirklicht habe. F. Mit Eingabe vom 17. Dezember 2015 erhob A.____ Besc hwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft und beantragte die Aufheb ung der angefochtenen Verfügung des AfM und das Absehen von einer Wegweisung aus der S chweiz. A.____ sei zwar zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, doch würden alle anderen Komponenten (Integ- rationsgrad, soziale Eingliederung, Familie, Beruf, etc.) sowohl für die Belassung der Niederlas- sungsbewilligung aus Ermessensgründen, wie auch für die Annahme eines Härtefalls sprechen. Vor allem aber sei eine Wegweisung nicht verhältnismässi g. Dies ergebe sich unter anderem aus der näheren Betrachtung seines Verschuldens am genannten Vorfall, welches sich im straf- rechtlichen Verfahren nicht als schwer dargestellt habe. G. Am 8. März 2016 nahm das AfM zur Beschwerde von A.___ _ Stellung und beantragte die Abweisung derselben. H. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 0752 vom 24. Mai 2016 wies der Regierungs- rat die Beschwerde von A.____ ab. Begründet wurde der Entscheid im Wesentlichen damit, dass mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 10 . September 2015 eine Verurteilung zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe von zweieinviert el Jahren vorliege, womit der Widerrufs- grund im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. a des Bundesgeset zes über die Ausländerinnen und Aus- länder (AuG) vom 16. Dezember 2005 in Verbindung mi t Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG erfüllt sei. Auch ermessensweise sei unter Berücksichtigung von Art. 96 A bs. 1 AuG nicht von einem Wi- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht derruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung von A.____ abzusehen. Zudem seien der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die Weg weisung verhältnismässig. Unter Wür- digung der gesamten Umstände würden die öffentlichen Interessen an der Wegweisung von A.____ dessen private Interessen am Verbleib in der Schweiz knapp überwiegen. I. Fristgerecht erhob A.____ mit Eingabe vom 2. Juni 2016 Beschwerde gegen den RRB vom 24. Mai 2016 beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht), mit dem Rechtsbegehren, e s sei der Entscheid vom 24. Mai 2016 des Regierungsrates des Kantons Basel-Landschaft aufzuheben und vom Widerruf der Nieder- lassungsbewilligung sowie von der Wegweisung des Beschwe rdeführers aus der Schweiz ab- zusehen. Zudem sei der Beschwerdeführer von den Verfahre nskosten für das vorinstanzliche Verfahren zu befreien und es sei ihm für das vorinstanzli che Verfahren eine angemessene Par- teientschädigung zuzusprechen; sämtliches unter o/e-Kostenf olge. Überdies stellt er zwei Ver- fahrensanträge: Es sei der Beschwerde die aufschiebend e Wirkung zu erteilen, respektive auf den Entzug der aufschiebenden Wirkung zu verzichten und es sei eine Parteianhörung durch- zuführen. J. Am 5. September 2016 liess sich der Regierungsrat ver nehmen. Er beantragt die Ab- weisung der Beschwerde und hält an den Erwägungen des angefochtenen Beschlusses vom 24. Mai 2016 vollumfänglich fest. K. Mit Verfügung vom 6. September 2016 wurde der Fal l der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Die Parteiverhandlung wurde auf den 14. Dezember 2016 angesetzt. L. An der Parteiverhandlung nehmen der Beschwerdefüh rer und sein Rechtsvertreter sowie F.____ als Vertreter des Regierungsrates teil. Die Parteien halten an ihren Anträgen fest und verweisen zur Begründung im Wesentlichen auf ihre sch riftlichen Eingaben. Auf die weite- ren Ausführungen wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verf assungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da d er Beschwerdeführer Adressat des angefochtenen Entscheides ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung hat, die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt und sowohl di e örtliche wie auch die sachliche Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts gegeben sind, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetre- ten werden. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und lit. b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts gerügt werden. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefo chtenen Rechtsaktes ist dem Kan- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tonsgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorlie genden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 3.1. Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 AuG; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustä ndige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzl ichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Ertei lung einer Aufenthaltsbewilligung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 189; M ARC SPESCHA , in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 4. Auflage, Zürich 2015, Rz 1 ff. zu Art. 3 AuG). Gemäss Art. 3 Abs. 2 AuG wird Ausländerinnen und Ausländern d er Aufenthalt in der Schweiz bewilligt, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen, humanitäre Gründe oder die Vereinigung der Familie es erfordern. 3.2. Zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der T ürkei besteht kein Staats- vertrag, der dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf An wesenheit in der Schweiz gewähren würde. Es sind entsprechend die Bestimmungen des AuG, vorbehältlich anderer völkerrechtli- cher Verträge, anwendbar. 3.3. Gemäss Art. 34 Abs. 1 AuG verleiht die Niederlassun gsbewilligung ihrem Inhaber grundsätzlich einen zeitlich unbefristeten und unbedingt en Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz. Es ist somit von einem grundsätzlichen gesetzlichen Anspruch des Beschwerdefüh- rers auf Aufenthalt in der Schweiz auszugehen. 4.1. Der Beschwerdeführer macht einen Anwesenheitsans pruch aus dem Grundrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäss Art. 8 Ziff . 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschen rechtskonvention, EMRK) vom 4. November 1950 geltend. Der Beschwerdegegner vernein t demgegenüber im angefochtenen Beschluss einen entsprechenden grundrechtlichen Anspruch , da der Beschwerdeführer er- wachsen und kinderlos sei und er über keine Kernfamilie in der Schweiz verfüge. Hinweise auf ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zu seiner Familie würden nicht bestehen, da er finanzi- ell unabhängig von seinen Eltern lebe. Damit sei der Schutzbereich dieses Grundrechts nicht eröffnet. 4.2. Aus dem in Art. 8 Ziff. 1 EMRK sowie dem inhaltl ich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) v om 18. April 1999 geschütz- ten Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens kö nnen ausländische Staatsangehörige in besonderen Fällen einen Anspruch auf Aufenthalt od er Verbleib in einem andern Staat ablei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten, wenn eine staatliche Entfernungsmassnahme zur Trennu ng von Familienmitgliedern führt (vgl. A NDREAS ZÜND /THOMAS HUGI YAR , Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schweizeri- schen Ausländerrecht, insbesondere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, Europä- ische Grundrechte-Zeitschrift [EuGRZ] 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1). Diese Garantien können somit dann verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren Familienangehörige in der Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das gemeinsame Familienleben vereitelt wird. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rech tsprechung müssen die sich hierzu- lande aufhaltenden Angehörigen über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen. Dies ist ins- besondere der Fall, wenn sie das Schweizer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung besitzen oder über eine Aufenthaltsbewilligung verfüg en, die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht. Zudem müssen diese Personen zur K ernfamilie (Ehegatte oder im gleichen Haushalt lebende, minderjährige Kinder) gehören und es muss eine enge, tatsächliche und intakte Beziehung zu ihnen bestehen (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1; BGE 130 II 281 E. 3.1; BGE 127 II 60 E. 1d/aa). Indessen gehen der Europäisch e Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) und das Bundesgericht in ihrer Rechtsprechung in Fällen von aufenthaltsbeendenden Massnahmen erwachsener Ausländer der zweiten Generation von einem kombinierten Schutz- bereich von Privat- und Familienleben aus (BGE 130 II 281 E. 3.2.2; BGE 129 II 193 E. 5.4; Urteil des Bundesgerichts 2C_480/2013 vom 24. Oktober 2 013 E. 4.4.1; Urteil des EGMR M.P.E.V. et al. gegen die Schweiz [3910/2013] vom 8. Juli 2014 § 32; Urteil des EGMR Maslov gegen Österreich [1638/03] vom 23. Juni 2008 § 63). D abei wird nicht verlangt, dass notwendi- gerweise die Bedingungen für einen allein aus dem Schutz des Privatlebens abgeleiteten Bewil- ligungsanspruch (überdurchschnittliche, besondere Integrat ion) vorliegen müssten (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.2.2; Urteil des Bundesgeri chts 2C_451/2009 vom 7. Dezember 2009 E. 2.2). Nach der Rechtsprechung fallen die sozialen Bindungen einer ausländischen Person im Aufenthaltsstaat und zur Gemeinschaft, in der sie lebt – insbesondere wenn sie im Aufenthalts- staat geboren wurde –, in den Schutzbereich des Privat lebens. Unabhängig vom Bestehen ei- nes Familienlebens wird deshalb bei im Aufenthaltsstaat geborenen und aufgewachsenen (er- wachsenen) Ausländerinnen und Ausländern der zweiten Ge neration insbesondere dann ein Anspruch aus der kombinierten Garantie des Privat- und F amilienlebens angenommen, wenn eine aufenthaltsbeendende Massnahme die Trennung von de n hier lebenden Eltern und Ge- schwistern bedeutet (vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts 2 C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3; 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.2; 2C_551 /2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4; Urteil des EGMR Emre gegen die Schweiz [42034/04] vom 23. Juni 2008 § 60; Urteil des EGMR Üner gegen die Niederlande [46410/99] vom 18. O ktober 2006 § 59; M ARTIN BERTSCHI /T HOMAS GÄCHTER , Der Anwesenheitsanspruch aufgrund der Garantie des Privat- und Familienlebens, Schweizerisches Zentralblatt für Staats - und Verwaltungsrecht [ZBl] 2003, S. 231; Urteile des Kantonsgerichts, Abteilung Verfa ssungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 4. März 2015 [810 14 305] E. 3.4 ff.; vom 4. März 2015 [810 14 255] E. 4.4.1). 4.3. Der Beschwerdeführer wurde am 12. Juni 1991 als Sohn türkischer Eltern in B.____ geboren. So hält der Regierungsrat in seinem Beschluss denn auch fest, dass der Beschwerde- führer ein in der Schweiz geborener Ausländer “zweite r Generation“ sei. Die Eltern, die beiden Schwestern und der Bruder sowie der Bekanntenkreis des Be schwerdeführers wohnen in der Schweiz. Der Beschwerdeführer ist zudem in der Schweiz auf gewachsen und hat hier die obli- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gatorische Schulzeit absolviert. Aus den Verfahrensakte n und der heutigen Parteiverhandlung geht hervor, dass die Beziehung zu seinen Eltern gelebt wird, indem er mit ihnen zusammen- wohnt, ihnen im Alltag behilflich ist und sie in admin istrativen Angelegenheiten unterstützt. Die aufenthaltsbeendende Massnahme würde die Trennung des B eschwerdeführers von seinen hier lebenden Eltern und Geschwistern bedeuten. Er kann sich folglich auf seinen Anspruch aus dem kombinierten Schutzbereich von Privat- und Familienleben gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV berufen. Es kann daher offen bleibe n, ob sich der Beschwerdeführer auf die- sen Anspruch auch aufgrund seiner mehrjährigen Beziehung zu seiner Freundin, welche Schweizer Staatsbürgerin ist, berufen kann. 4.4. Zusammenfassend kann sich der Beschwerdeführer vorlieg end somit auf den durch die Niederlassungsbewilligung im Rahmen des Ausländerge setzes gewährten Rechtsanspruch auf Aufenthalt in der Schweiz sowie auf das Grundrec ht auf Achtung des Privat- und Familien- lebens berufen. 5.1. Indes gelten weder der gesetzliche Anspruch auf Aufenthalt nach Art. 34 Abs. 1 AuG noch der grundrechtliche Anspruch auf Privat- und Famil ienleben absolut. Bei Vorliegen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG kann die Niederlassun gsbewilligung entzogen werden. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung ist selbst dann möglich, wenn die ausländische Person in der Schweiz geboren wurde und ihr ganzes bisheriges Leben hier zugebracht hat (BGE 139 I 31 E. 2.3.1; BGE 139 I 16 E. 2.2.1). 5.2. Gestützt auf Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbind ung mit Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die Ausländerin oder der Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt worde n ist. Das Bundesgericht hat das Kriterium der Längerfristigkeit der Strafe in diesem Kontext dahingehend konkretisiert, dass es einer Frei- heitsstrafe von mehr als einem Jahr bedarf, wobei mehre re unterjährige Strafen bei der Be- rechnung nicht kumuliert werden dürfen (BGE 137 II 297 E. 2.3.6 und 135 II 377 E. 4.2). Keine Rolle spielt, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt o der unbedingt ausgesprochen wurde (Urteil des Bundesgerichts 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2 .1). Ein Widerruf ist auch möglich, wenn die ausländische Person in schwerwiegender Weise ge gen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder die se gefährdet hat (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Die Praxis geht hiervon aus, wenn die au sländische Person durch ihr Handeln be- sonders hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr gebracht hat, sich von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und sich im Rahmen ein er Gesamtbetrachtung zeigt, dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig ist, si ch an die Rechtsordnung zu halten (Urteil des Bundesgerichts 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.2). Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK darf in das durch Ziff. 1 geschützte Rechtsgut eingegriffen werden, soweit der Eingriff gesetzlich vorgesehen ist und eine Massnahme darstellt, die in eine r demokratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnu ng, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung der Ordnung und zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutz der Gesellschaft und Moral sowie der Rechte und Freihei ten anderer notwendig ist. Dabei darf auch generalpräventiven Gesichtspunkten Rechnung getragen werden (Urteil des Bundesge- richts 2C_578/2009 vom 23. Februar 2010 E. 2.4 mit weiteren Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3. Der Beschwerdeführer wurde gemäss rechtskräftigem St rafgerichtsurteil vom 10. September 2015 zu einer Freiheitsstrafe von zweiein viertel Jahren, davon 6 Monate unbe- dingt, verurteilt. Demzufolge liegt den obigen Ausfüh rungen entsprechend ein Widerrufsgrund im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG vor. Dies wird vom Beschwerdeführer zu Recht auch nicht bestritten. Ob das V erhalten des Beschwerdeführers zugleich als schwerwiegender Verstoss gegen die öffentlich e Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu werten ist, bedarf kein er näheren Betrachtung, da dieser Wider- rufsgrund nur dann zur Anwendung gelangt, wenn es an den Voraussetzungen für einen Wider- ruf aufgrund der Verurteilung zu einer längerfristig en Freiheitsstrafe fehlt (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.2; Urteile des Bundesgerichts 2C_888/2012 vom 13. M ärz 2013 E. 3 und 2C_1029/2011 vom 10. April 2012 E. 3.1). Der gesetzliche Anwesenheit sanspruch des Beschwerdeführers ist damit grundsätzlich erloschen. Die Verurteilung zu ein er längerfristigen Freiheitsstrafe rechtfer- tigt dem Grundsatz nach gleichzeitig einen Eingriff in den grundrechtlich begründeten Anwe- senheitsanspruch, denn der angefochtene Entscheid stützt sich auf eine gesetzliche Grundlage und bezweckt die Aufrechterhaltung der öffentlichen Or dnung sowie die Verhinderung weiterer strafbarer Handlungen. Er verfolgt damit öffentliche Interessen, die in Art. 8 Ziff. 2 EMRK aus- drücklich erwähnt sind. 6.1. Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG ist Grundvoraussetzung für den Widerruf der Bewilligung. Der Widerruf der Nied erlassungsbewilligung und die damit ver- bundene Wegweisung (vgl. Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) ist indes nur gerechtfertigt, wenn er sich gestützt auf eine im Einzelfall vorzunehmende Interessen abwägung als verhältnismässig er- weist (Art. 96 Abs. 1 AuG). Nach dem Grundsatz der Ver hältnismässigkeit muss eine Verwal- tungsmassnahme zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und notwendig sein. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in ei nem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die dem Privaten auferlegt we rden (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich 201 6, Rz. 581 ff.). Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Martina Caroni/Thomas Gächter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., Rz. 3 zu Ar t. 51; A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , a.a.O., Rz. 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwägu ng der sich gegenüberstehenden pri- vaten Interessen am Belassen der Bewilligung und der ö ffentlichen Interessen an deren Wider- ruf, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, da ss sich der Eingriff als notwendig er- weist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Dabei sind namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit der Tat ver gangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad seiner Integrati on beziehungsweise die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichti- gen (BGE 135 II 377 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 2 C_1033/2013 vom 4. Juli 2014 E. 4.3). Die Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich sch on seit langer Zeit hier aufhält, soll zwar nur mit besonderer Zurückhaltung widerrufen w erden, doch ist dies bei schwerer be- ziehungsweise wiederholter Straffälligkeit selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn er hier gebo- ren ist und sein ganzes bisheriges Leben im Land verbrach t hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.3 [Widerruf der Niederlassungsbewilligung eines Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht hier geborenen, wiederholt straffällig gewordenen 43 -jährigen Türken]). Bei schweren Strafta- ten, Rückfall und wiederholter Delinquenz, insbesonder e bei Gewalt- und Betäubungsmittelde- likten, besteht ein wesentliches öffentliches Interesse, zu r Aufrechterhaltung der Ordnung be- ziehungsweise Verhütung von (weiteren) Straftaten die Anwesenheit des Ausländers zu been- den (BGE 139 I 31 E. 2.3.1; BGE 137 II 233 nicht pub lizierte E. 3.1). Was das Fernhalteinteres- se anbetrifft, so muss gemäss der bundesgerichtlichen Recht sprechung bei schweren Strafta- ten – wozu auch gravierende Delikte gegen Leib und Leb en gehören – selbst ein geringes Rest- risiko weiterer Delinquenz nicht in Kauf genommen werd en (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; BGE 130 II 176 E. 4.2 - 4.4 mit Hinweisen). In diesem Zusammenh ang ist auch auf die Bestimmungen von Art. 121 Abs. 3 - 6 BV hinzuweisen. Gemäss diesen Bestimmu ngen verlieren Ausländerinnen und Ausländer unabhängig von ihrem ausländerrechtlichen Status ihr Aufenthaltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz, we nn sie unter anderem wegen eines Ge- waltdelikts rechtskräftig verurteilt worden sind (Art. 12 1 Abs. 3 lit. a BV). Zwar sind diese Ver- fassungsbestimmungen gemäss der bundesgerichtlichen Rechts prechung nicht direkt anwend- bar, das Bundesgericht hat aber festgehalten, der vo m Verfassungsgeber zum Ausdruck ge- brachten Wertung sei insoweit Rechnung zu tragen, als dies zu keinem Widerspruch zu über- geordnetem Recht beziehungsweise zu keinen Konflikten mit dem Beurteilungsspielraum führe, den der EGMR den einzelnen Konventionsstaaten bei de r Umsetzung ihrer Migrations- und Ausländerpolitik zugestehe (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; BGE 139 I 16 E. 5.3). Gleich wie Art. 96 Abs. 1 AuG verlangt auch die EMRK in diesem Zusammenhan g eine Abwägung der sich ge- genüberstehenden privaten Interessen an der Belassung d er Niederlassungsbewilligung und den öffentlichen Interessen an deren Widerruf. Der EG MR stützt sich bei der Beurteilung der Zulässigkeit aufenthaltsbeendender Massnahmen im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK auf die gleichen Aspekte wie die bundesgerichtliche Praxis (Z ÜND /H UGI YAR , a.a.O., S. 13; BGE 139 I 31 E. 2.3.3). Daraus folgt, dass eine Massnah me, die sich im Sinne von Art. 96 Abs. 1 AuG als verhältnismässig erweist, grundsätzlich auch vor Art. 8 EMRK standhält (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 4). 6.2. Demzufolge ist anhand der aufgezeigten Rechtslage zu prüfen, ob unter Berücksich- tigung der konkreten Umstände des vorliegenden Falles die öffentlichen Interessen am Widerruf der Niederlassungsbewilligung die privaten Interessen de s Beschwerdeführers an einem Ver- bleib in der Schweiz überwiegen. 7.1. Ausgangspunkt für die vorzunehmende ausländerrecht liche Interessenabwägung ist die strafrechtliche Verurteilung des Beschwerdeführers u nd die Schwere seines Verschuldens. Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Strafgericht s Basel-Landschaft vom 10. September 2015 wegen versuchter schwerer Körperverletzung und meh rfacher fahrlässiger, teilweise schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zweie inviertel Jahren, davon 6 Monate unbedingt, verurteilt. Mit dem Strafgericht ist aufgr und der Höhe der verhängten Strafe von ei- nem schweren Delikt sowie einem erheblichen Tatverschuld en des Beschwerdeführers auszu- gehen, woraus sich grundsätzlich ein gewichtiges Interesse a m Widerruf der Niederlassungs- bewilligung und der Wegweisung des Beschwerdeführers ergibt. Allerdings räumte das Strafge- richt im Rahmen der Beurteilung der Strafzumessung ei n, dass in Berücksichtigung sämtlicher Tat- und Täterkomponenten ein gerade noch leichtes bis mittelschweres Verschulden festzu- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellen und von einer ungetrübten Legalbewährungspro gnose des Beschwerdeführers auszu- gehen sei (vgl. Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaf t vom 15. September 2015 [300 15 61] S. 15 ff.). 7.2. Den genannten öffentlichen Interessen sind die pr ivaten Interessen des Beschwer- deführers am Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Der Beschwerdeführer wurde im Jahr 1991 in der Schweiz geboren und hat sein ganzes Leb en hier verbracht und seine Ausbil- dung absolviert. Aufgrund der langen Aufenthaltsdauer ist von einem gewichtigen privaten Inte- resse des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schw eiz auszugehen. Gesamthaft be- trachtet liegt denn auch eine gute Integration des Besc hwerdeführers in der Schweiz vor. So beherrscht er die deutsche Sprache, spricht Mundart und verfügt aktenkundig über ein grosses soziales Beziehungsnetz in der Schweiz. Mit wenigen Ausna hmen lebt seine gesamte nähere Verwandtschaft im Lande. Aufgrund dessen, dass er sein g esamtes Leben in der Schweiz ver- bracht hat, ist nachvollziehbar, dass er hier auch alle se ine Freundschaften und Kontakte ge- knüpft hat. Der Beschwerdeführer hat überdies eine Fre undin in der Schweiz, welche er in ab- sehbarer Zeit zu heiraten gedenkt. Er macht zudem geltend, dass er sich strafrechtlich – bis auf zwei marginale SVG-Übertretungen – nie etwas zu Schuld en habe kommen lassen und sich seit der Tatbegehung am 9. März 2014 wohl verhalten ha be. Auch beruflich sei er schon immer überdurchschnittlich gut integriert gewesen. Nach erfolg reicher Absolvierung der Sekundar- schule Niveau E in G.____ habe er eine Ausbildung als Ka ufmann bei der H.____ angefangen und erfolgreich beendet. Nach Beendigung seiner Ausbil dung habe er sich bei C.____ bewor- ben, woraufhin er im Jahr 2013 bei der Immobilienverwaltung C.____ eine Stelle erhalten habe. Bei dieser Anstellung habe er bereits vor dem strafrech tlichen Vorfall ausserordentliche Leis- tungen erbracht und erbringe diese weiterhin, was die Arbeitsbeurteilungen respektive Zeugnis- se aufzeigen würden. Aufgrund seiner vorzüglichen Arbeitsleistungen habe es sein Arbeitgeber, C.____, auch nach seiner Verurteilung bei einer Verw arnung belassen und das Arbeitsverhält- nis nicht gekündigt. Der Beschwerdeführer habe sich in d er Folge entschieden, eine Weiterbil- dung als Immobilienfachmann mit Eidgenössischem Fachauswei s zu absolvieren, welche er im April 2016 erfolgreich abgeschlossen habe. Durch seine Arbeit als Sachbearbeiter in der Immo- bilienverwaltung C.____ sei er nie in finanzielle Sch wierigkeiten geraten und habe weder die Arbeitslosenkasse noch den Sozialdienst je beansprucht. Er h abe zu keinem Zeitpunkt eine schwere Körperverletzung verursachen wollen. Bei der Tat begehung am 9. März 2014 habe er deshalb das Messer auf Beinhöhe gehalten, um keine Verl etzung in Rumpfnähe zu riskieren. Unglücklicherweise habe er beim Stich fast die Hauptvene des Beines verletzt, weshalb das Opfer einen erheblichen Blutverlust erlitten habe un d er wegen versuchter schwerer Körperver- letzung verurteilt worden sei. Nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft habe er seine Arbeit umgehend wieder aufgenommen und sich vollkommen auf seine Arbeitstätigkeit kon- zentriert. Zur Beruhigung der Situation sei er nicht mehr nach B.____ in den Ausgang gegangen und habe sich extrem zurückgezogen. 7.3. Bereits im Rahmen des ihm seitens des AfM gewährten rechtlichen Gehörs teilte der Beschwerdeführer am 23. November 2015 mit, dass er die von ihm begangene Tat zutiefst be- reuen würde. Sein Messer, mit welchem er seinem Opfer eine lebensgefährliche Stichverlet- zung zufügte, habe er lediglich hervorgenommen, weil e r unter Alkoholeinfluss gestanden habe Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht und einen neuerlichen Angriff seitens der gegnerischen G ruppierung befürchtet habe. Dazu komme, dass er bei diesem Geschehen zunächst selbst Opfer gewesen sei und dadurch in eine emotionale Situation gebracht worden sei, welche ihn die Nerven habe verlieren lassen. Er stel- le keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar; de r Vorfall, für den er weiterhin in Form von Genugtuungszahlungen Sühne leiste, sei ein einmaliger Ausrutscher gewesen. Anlässlich der Parteiverhandlung beteuerte der Beschwerdeführer schliesslich, dass er heute nur mehr noch in kontrolliertem Masse Alkohol trinke und im Alltag kein Messer mehr auf sich trage. 7.4. Im vorliegenden Fall erscheint die vom Beschwerdefü hrer geltend gemachte Reue ge- genüber dem Tatgeschehen aufgrund der genannten Umstän de als glaubwürdig. Es ist in der Tat zu Gunsten des Beschwerdeführers zu würdigen, dass er in beruflicher Hinsicht bereits vor der Tatbegehung am 9. März 2014 sehr gut integriert war und sich trotz seiner Verurteilung wei- terhin mit grossem Einsatz seiner beruflichen Laufbahn widmet und seinen finanziellen Ver- pflichtungen zur Abgeltung der Straftat durch eine r atenweise Abzahlung nachkommt, was er anlässlich der Parteiverhandlung bestätigte. Seine Bemü hungen, ein geregeltes und konflikt- freies Leben zu führen, wie er es vor der Tatbegehung a m 9. März 2014 bereits getan hatte, sind mithin als ernsthaft zu bezeichnen. Dieser Umstand r echtfertigt es, dem Läute- rungsprozess des Beschwerdeführers im Rahmen der Interesse nsabwägung grosses Gewicht beizumessen. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass es sich be i der Verurteilung des Straf- gerichts Basel-Landschaft vom 10. September 2015 um die erstmalige strafrechtliche Verurtei- lung des Beschwerdeführers handelt. Dieser hatte sich zuv or – bis auf zwei marginale SVG- Übertretungen – keine Fehltritte geleistet und zeigt e auch nach dem Vorfall vom 9. März 2014 ein nicht zu beanstandendes Wohlverhalten. In Übereinsti mmung mit dem Strafgericht Basel- Landschaft ist beim Beschwerdeführer von einer ungetrüb ten Legalbewährungsprognose aus- zugehen, weshalb er keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt (E. 7.1). 7.5. Der Beschwerdeführer bringt überdies vor, dass er ke inen Bezug zur Türkei habe und das Land nur von wenigen Ferienaufenthalten her kenne. Im ursprünglichen Heimatort seiner Eltern sei er schon seit mehreren Jahren nicht mehr g ewesen und seine letzten Aufenthalte in der Türkei in den Jahren 2014 und 2015 beschränkten sich auf die Besichtigung der Stadt Is- tanbul im Rahmen einer Städtereise. Überdies würde se ine nächste Verwandtschaft, seine El- tern, seine beiden Schwestern und sein Bruder, in der Schweiz leben. In der Türkei habe er, anders als in der Schweiz, kein soziales Netz und müsste se in Leben komplett neu aufbauen. Die Vorinstanz hält demgegenüber fest, dem Beschwerdefü hrer sei die Ausreise in die Türkei insgesamt zumutbar, zumal ihm das Land aufgrund von Ferienaufenthalten nicht unbekannt sei. 7.6. Für den Beschwerdeführer wäre es unbestritten mi t erheblichen Schwierigkeiten ver- bunden, sich in der Türkei neu zu integrieren, zumal er die türkische Sprache nach eigenen Aussagen nicht gut beherrscht und auch mit den kulturell en Gepflogenheiten des Landes nicht vertraut ist. Zusätzlich zu berücksichtigen ist, dass seine Fre undin die Schweizer Staatsbürger- schaft besitzt und hier verwurzelt ist, weshalb der Beschwerdeführer ein schwerwiegendes Inte- resse am Verbleib in der Schweiz hat. Die Freundin des B eschwerdeführers, mit welcher er eine mehrjährige Beziehung führt und welche er nach e igenen Aussagen in absehbarer Zeit zu heiraten gedenkt, hält in ihrem Schreiben vom 10. Jul i 2016 fest, dass sie Schweizerin sei und Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich nicht vorstellen könne, in der Türkei zu leben, da sie weder der türkischen Sprache mächtig noch mit der türkischen Kultur vertraut sei. Eine Wegw eisung des Beschwerdeführers in die Türkei ginge folglich mit der Trennung von seiner Freun din sowie seinen Eltern und Geschwis- tern einher und wäre für den Beschwerdeführer mit be trächtlichen Nachteilen verbunden. Die Schweiz verlassen zu müssen, würde nicht nur den Beschwer deführer selbst, sondern auch sein familiäres Umfeld hart treffen. Unter Berücksichti gung dieser Umstände ist vorliegend von einem sehr gewichtigen privaten Interesse des Beschwerdefü hrers an einem Verbleib in der Schweiz auszugehen. Vor diesem Hintergrund erweist sich der von der Vorinstanz geschützte Widerruf der Niederlassungsbewilligung mit Blick auf di e privaten Interessen des Beschwerde- führers als unverhältnismässig. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. 8. Ist eine ausländerrechtliche Massnahme begründet, aber den Umständen nicht ange- messen, so kann die betroffene Ausländerin oder der bet roffene Ausländer unter Androhung der Massnahme verwarnt werden (Art. 96 Abs. 2 AuG). Di e Verwarnung nach Art. 96 Abs. 2 AuG ist eine eigenständige ausländerrechtliche Massnahm e, welche das Verfahren mit einer weniger einschneidenden Folge als dem Widerruf oder d er Nichtverlängerung der Bewilligung abschliesst und einen Endentscheid bildet. Die Verwarnun g soll als Ausfluss des Verhältnis- mässigkeitsprinzips verhindern, dass es überhaupt zu einer auf enthaltsbeendenden Massnah- me kommt, und den Betroffenen auf sein problematisches Verhalten zu einem Zeitpunkt hin- weisen, in welchem sich die Anordnung der angedrohten Massnahme gerade noch nicht recht- fertigt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_114/2012 vom 26. März 2013 E. 1.1 sowie 2A.737/2004 vom 30. März 2005 E. 2, in: Pra 2006 Nr. 26 S. 184). Im vorliegenden Fall ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer ausländerrechtli ch vor der Tatbegehung vom 9. März 2014 nie verwarnt worden war. Dies ist im vorlie genden Urteil nachzuholen und der Beschwerdeführer förmlich zu verwarnen (Art. 96 Abs. 2 AuG). Sollte er erneut in relevanter Weise straffällig oder in relevanter Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährden o der die innere oder die äussere Sicherheit gefährden und damit das durch das Gericht in ihn gesetzte Vertrauen missbrauchen, muss er trotz seiner langen Anwesenheit mit dem Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung rechnen. 9.1. Es bleibt noch über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Ver- fahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verf ahrenskosten umfassen die Gerichts- gebühren und die Beweiskosten und werden nach § 20 Ab s. 3 VPO in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Da den kantonalen Behörden gemäss § 20 Abs. 3 und Abs. 4 VPO nur Verfahrenskosten auferlegt werden können, wenn sie das Kan- tonsgericht in Anspruch nehmen, werden dem Regierung srat im vorliegenden Verfahren keine Verfahrenskosten auferlegt. 9.2. Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei f ür den Beizug eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werden. Ge stützt darauf hat der Re- gierungsrat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Kantonsgericht eine Par- teientschädigung auszurichten. Die am 6. Oktober 2016 e ingereichte Honorarnote umfasst ei- nen Aufwand von insgesamt 15.33 Stunden (ohne Hauptver handlung) à Fr. 250.-- sowie Ausla- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen in der Höhe von insgesamt Fr. 127.50 (Kopien à Fr. 0.50 sowie Porti), was nicht zu bean- standen ist. Für die heutige Parteiverhandlung und di e Vorbereitung derselben werden dem Rechtsvertreter vier weitere Stunden zugesprochen. Der R egierungsrat hat dem Beschwerde- führer demzufolge eine Parteientschädigung von Fr. 5'3 57.60 (19.33 Stunden à Fr. 250.-- inkl. Fr. 127.50 Auslagen und 8 % MWSt) auszurichten. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Der Beschwerdeführer wird im Sinne der Erwägunge n ausländerrechtlich verwarnt. 3. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat zurückgewiesen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'100 .-- wir dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 5. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwerde- führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5 '357.60 (inkl. Aus- lagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.