<h2>SubmittedText<h2><p>Nach Branchenangaben fehlen derzeit auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt 20 000 bis 25 000 ausgebildete und spezialisierte Personen im Informatikbereich. Angesichts dieser Mangelsituation gelangten gewisse Wirtschaftsverbände (u. a. die Schweizerisch-Amerikanische Handelskammer) an den Bundesrat mit dem Begehren, zusätzliche Ausländerkontingente für die Rekrutierung von Informatikspezialisten in Asien und in Osteuropa zuzulassen.</p><p>Wir bitten den Bundesrat, zu folgenden Fragen Stellung zu nehmen:</p><p>1. Der akute Mangel an Informatikern weist darauf hin, dass das Berufsbildungssystem zu wenig flexibel ist und dem Strukturwandel hinterherhinkt. Wie beurteilt der Bundesrat die Arbeitsmarktsituation im Bereich der Informatik- und Hightech-Berufe? Und wie beurteilt er die Klagen der Wirtschaftsverbände über den Mangel an ausgebildetem Personal?</p><p>2. Wird der Bundesrat dem Begehren der Wirtschaftsverbände nach zusätzlichen Rekrutierungskontingenten im Ausland stattgeben? Wenn nicht, welche Lösungen wird er den Verbänden vorschlagen? Wird er ihnen auch vermehrte Anstrengungen zur betrieblichen Ausbildung (Lehrstellen, Umschulung, On-the-Job-Training) vorschlagen, die gerade auch von den amerikanischen Niederlassungen in der Schweiz vernachlässigt wird?</p><p>3. Bisher sind auf Initiative des Parlamentes bereits Massnahmen für eine verstärkte Berufsbildung im Informatikbereich beschlossen oder anvisiert worden, so u. a.:</p><p>- der Lehrstellenbeschluss I (im Rahmen des Beschäftigungsprogrammes 1997-1999);</p><p>- der Lehrstellenbeschluss II (aufgrund einer Parlamentarischen Initiative, 1999);</p><p>- die Ausbildungsverpflichtung für konzessionierte Telecom-Anbieter (Parlamentarische Initiative im Nationalrat).</p><p>Welche Auswirkungen auf den Informatikernachwuchs erwartet der Bundesrat von diesen Massnahmen? Erachtet er sie als ausreichend?</p><p>4. Eine rasche und kostengünstige Lösung für den Mangel an Informatiker könnte darin bestehen, in einjährigen Umschulungs- oder Weiterbildungskursen jene Erwerbstätigen für diesen neuen Berufszweig zu qualifizieren, die bereits eine anderweitige Ausbildung und eine Praxis in der Informatikanwendung haben, wie z. B. Leute aus dem KV-Bereich, aus der CIM-Praxis oder aus der Elektronik und Analogtechnik. Ist der Bundesrat bereit, mit einer rasch präsentierten Vorlage eine solche Informatikweiterbildungs-Offensive in Gang zu setzen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Es ist unbestritten, dass im gegenwärtig sich abspielenden Wandel zur Informationsgesellschaft ein Mangel an Informatikfachleuten herrscht. Über das Ausmass lassen sich allerdings keine verlässlichen Angaben machen.</p><p>Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) stützt sich bei seinen Arbeiten auf die Studie "Berufsbildung Informatik Schweiz, Konzept zur Strukturierung der beruflichen Aus- und Weiterbildung", welche von einer für die Informatikwirtschaft repräsentativen Arbeitsgruppe erarbeitet wurde. Danach arbeiten heute etwa 110 000 Personen im Bereich der Kerninformatik; jährlich sind etwa 4400 Abgänge zu kompensieren und 4000 neue Stellen zu besetzen. Unser Berufsbildungssystem dürfte diese Bedürfnisse ab 2004 abdecken.</p><p>Aufgrund der mittel- bis langfristig unvorhersehbaren Sprünge in der technologischen Entwicklung lassen sich keine über diesen Zeitpunkt hinausgehenden quantitativen Aussagen machen.</p><p>2. Im letzten Kontingentsjahr (ein Kontingentsjahr dauert jeweils vom November bis Oktober) wurden von den zur Verfügung stehenden Jahresaufenthaltsbewilligungen gesamtschweizerisch knapp 80 Prozent, von den Kurzaufenthaltsbewilligungen rund 65 Prozent beansprucht. Dieses Jahr wird die Inanspruchnahme der Kontingente zweifellos höher sein. Jedoch sind nach dem ersten Drittel des Kontingentsjahres von den verfügbaren Kontingenten bis heute noch keine 30 Prozent ausgeschöpft.</p><p>Die grosse Mehrheit der Informatikergesuche werden nicht nur für kürzere Fristen eingereicht, sondern die Projekte werden fortwährend verändert, verlängert oder erneuert. Das liegt in der Natur der sich schnell verändernden Anforderungen dieser Branche.</p><p>Aufgrund der obigen Gründe werden das Bundesamt für Ausländerfragen, das Seco und das BBT in nächster Zeit mit den Kantonen und den interessierten Kreisen den realistischen Bedarf abzuklären versuchen, wobei insbesondere das Projekt "Arbeitsmarktbeobachtung" der französischsprachigen Kantone mit einbezogen wird. Gestützt darauf werden die zuständigen Departemente eine Überprüfung der Kontingentslage in Aussicht nehmen.</p><p>3. Wie bereits unter Ziffer 1 erwähnt, erwartet der Bundesrat, dass das Berufsbildungssystem die Nachwuchsbedürfnisse der Informatikwirtschaft ab 2004 abdecken kann.</p><p>4. Das BBT prüft zurzeit weitere punktuelle und zeitlich befristete Massnahmen zur Behebung des Mangels an Informatikfachleuten. Im Vordergrund der Überlegungen stehen dabei Projekte zur Umschulung von gelernten Berufsleuten:</p><p>- Angesichts des sehr geringen Frauenanteiles der in der Informatikwirtschaft beschäftigten Personen sollen Projekte gefördert werden, welche Frauen den Quereinstieg in die Informatik erleichtern.</p><p>- Für Arbeitslose, welche die erforderlichen Voraussetzungen mitbringen, sollen Umschulungsmöglichkeiten verstärkt genutzt werden.</p><p>- Die Zusammenarbeit zwischen Fernmeldeanbietern und höheren Fachschulen wird im Hinblick auf Nachdiplomstudien und -kurse vertieft.</p><p>- Über "Soft(net)", einem Aktionsprogramm zur Stärkung der Softwareszene am Standort Schweiz, werden zurzeit Angebote für Quereinsteigerinnen und -einsteiger in der Softwareentwicklung sowie für Weiterbildung u. a. im Management von Informatikprojekten sowie in der Qualitätssicherung in Informatikunternehmen aufgebaut.</p><p>- Gestützt auf das unter Ziffer 1 erwähnte Konzept und die Nakom-Studie ("Nachwuchsbedarf für den Telekommunikationstandort Schweiz") bereitet das BBT gegenwärtig einen Auftrag vor, in dessen Mittelpunkt die Erschliessung von Praxislernplätzen (Arbeit und Lernen am selben Platz) sowie die Entwicklung und Umsetzung von neuen, branchenspezifischen Ausbildungsgängen stehen. In die gleiche Richtung zielt die nächste Inseratenkampagne des BBT im Rahmen des Lehrstellenbeschlusses II.</p>  Antwort des Bundesrates.