Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Juni 2012 (725 12 112) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Rückfall und Adäquanzprüfung Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Maurizio Greppi Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Vaudoise Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft AG , Place de Milan, Case postale 120, 1001 Lausanne, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1965 geborene A.____ erlitt am 24. März 2001 einen Skiunfall, bei welchem sie eine Kontusion am Hinterkopf mit anschliessend zervikalen Schm erzen und HWS-Distorsion erlitt. Zum Unfallzeitpunkt war sie sei bei der Vaudoise Allge meine Versicherungs-Gesellschaft AG (Vaudoise) obligatorisch für Berufs- und Nichtberufsunfälle sowie Berufskrankheiten versichert. B. Es bestand eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 24. März 2001 bis zum 2. Mai 2001 und eine 50% Arbeitsunfähigkeit vom 3. Mai 2001 bis zu m 22. Juli 2001. Vom 27. August 2001 bis zum 31. Dezember 2001 setzte A.____ die Arbeit teil weise zu 25% aus. Die Vaudoise er- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht brachte die gesetzlichen Leistungen in Form von Taggelde rn und Heilungskosten. Die letzte bezahlte medizinische Therapie betraf die physiotherape utische Behandlung vom 3. Juni 2009 bis 17. Dezember 2009. C. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2011 teilte die Vaud oise A.____ mit, dass die Wieder- aufnahme der physiotherapeutischen Behandlung ab November 2010 nicht mehr in natürlichem und adäquatem Kausalzusammenhang mit dem Unfallereig nis vom 24. März 2001 stehe und sie den Fall rückwirkend per 18. Dezember 2009 abschlie sse. Die dagegen erhobene Einspra- che wies die Vaudoise mit Entscheid vom 22. Februar 2012 ab. Sie verneinte abermals die na- türliche und adäquate Kausalität zum Unfallereignis. D. Hiergegen erhob A.____ am 28. März 2012 Beschwerde an das Kantonsgericht, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) und beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheides. Zur Begründung führ t sie zum Sachverhalt vorwiegend aus, dass die durch den Unfall vom 24. März 2001 destabi lisierte Halswirbelsäule immer wieder zu akuten Beschwerden und Schmerzen führe, die sie nur dan k regelmässiger und eingespiel- ter physiotherapeutischer Behandlung sowie stetigem Kräft igungstraining und Akupunktur auf eigene Kosten im Griff halten könne. Sie bestritt, dass es sich um einen Rückfall handle, da sie andauernd in physiotherapeutischer Behandlung gestanden habe, deren Kosten aber für die Zeit vom 1. Januar 2010 bis 30. April 2011 aufgrund ihrer durch die zweite Schwangerschaft verstärkten Beschwerden von der Krankenkasse übernommen worden seien. E. Die Vaudoise beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 30. April 2012 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie insbesondere auf ihre Adäquanzprüfung, die ergeben habe, dass der Vorfall vom 24. März 2001 als mittelschwer er Unfall nahe zu den leichten Un- fallereignissen anzusiedeln sei und keine für die Adäqu anzbeurteilung massgebenden Kriterien erfüllt seien. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Die Beschwerdeführerin hat ihren Wohnsitz in Oberwil BL, w eshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 5 4 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übri- gen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegner in zu Recht die Übernahme der wei- teren Heilbehandlungskosten über den 18. Dezember 2009 hinaus abgelehnt hat. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. 2.2 Art. 11 der Verordnung über die Unfallversicherun g (UVV) vom 20. Dezember 1982 hält fest, dass Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spä tfolgen gewährt werden. Ein Rückfall wird definiert als das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, welche zu ärztlicher Behandlung und/oder zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit führt (BGE 118 V 293 E. 2c). Von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheilte s Leiden im Verlaufe längerer Zeit or- ganische oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu ein em anders gearteten Krankheits- bild führen können. 2.3 Der Fallabschluss hat jeweils in Form einer Verfügu ng zu erfolgen, wenn und solange die (weitere) Erbringung erheblicher Leistungen zur Diskussion steht (BGE 132 V 412 E. 4; Art. 124 UVV). Erlässt der Versicherer stattdessen nur ein ei nfaches Schreiben, erlangt dieses in der Regel jedenfalls dann rechtliche Verbindlichkeit, w enn die versicherte Person nicht inner- halb eines Jahres Einwände erhebt (BGE 134 V 145). Sta nden zu einem bestimmten Zeitpunkt keine Leistungen mehr zur Diskussion, kann ein Rückfall auch vorliegen, ohne dass der versi- cherten Person mitgeteilt wurde, der Versicherer schliesse den Fall ab und stelle seine Leistun- gen ein. In dieser Konstellation ist entscheidend, ob zu m damaligen Zeitpunkt davon ausge- gangen werden konnte, es werde keine Behandlungsbedürf tigkeit und/oder Arbeitsunfähigkeit mehr auftreten. Dies ist im Rahmen einer ex ante-Betra chtung unter Berücksichtigung der kon- kreten Umstände zu beurteilen. Dabei kommt der Art der Verletzung und dem bisherigen Ver- lauf eine entscheidende Rolle zu: Lag ein vergleichswei se harmloser Unfall mit günstigem Hei- lungsverlauf vor, welcher nur während relativ kurzer Zei t einen Anspruch auf Leistungen be- gründete, wird tendenziell eher von einem stillschweigend erfolgten Abschluss auszugehen sein als nach einem kompliziert verlaufenen Heilungsprozess. Ande rerseits ist der Leistungsan- spruch unter dem Aspekt des Grundfalls und nicht unter de mjenigen eines Rückfalls zu prüfen, wenn die versicherte Person während der leistungsfreien Zeit weiterhin an den nach dem Unfall aufgetretenen Beschwerden gelitten hat (vgl. Urteil U 344/03 vom 9. Dezember 2004, E. 3.3 am Anfang) bzw. wenn Brückensymptome gegeben sind, die das Geschehen über das betreffende Intervall hinweg als Einheit kennzeichnen. Dies setzt ni cht zwingend eine durchgängige ärztli- che Behandlung voraus (Urteil U 12/06 vom 6. Juni 2006, E. 4.3 und 4.3.2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Die Beschwerdegegnerin hat die erneute Schadensmel dung als Rückfallmeldung zum Unfallereignis vom 24. März 2001 betrachtet und sie in der Folge unter diesem Aspekt geprüft und beurteilt. Demgegenüber macht die Beschwerdeführ erin geltend, ihre unfallbedingten Be- schwerden seien nie vollständig abgeklungen, weshalb in d er vorliegenden Streitigkeit nicht ein Rückfall, sondern Leistungsansprüche aus dem Grundfall zur Beurteilung stünden. 2.5 Heilbehandlung und Taggeld sind nur solange zu ge währen, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung d es Gesundheitszustandes erwartet werden kann. Solange von einer Fortsetzung der ärztlich en Behandlung noch eine namhafte Besserung erwartet werden kann, ist dem Unfallversicherer verwehrt, die Adäquanzprüfung vorzunehmen und dadurch den Behandlungsabschluss herbeizu führen (vgl. Urteil des Eidge- nössischen Versicherungsgerichts vom 10. Januar 2005, U 269/04 E. 1.3). Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und auf eine Integri tätsentschädigung abzuschliessen. Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkei t, soweit diese unfallbedingt beeinträch- tigt ist. Dabei verdeutlicht die Verwendung des Begriff es "namhaft" durch den Gesetzgeber, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besse rung ins Gewicht fallen muss. Un- bedeutende Verbesserungen genügen nicht (BGE 134 V 11 5 E. 4.3). Wenn mit der erforderli- chen Wahrscheinlichkeit keine namhafte Besserung des Gesun dheitszustandes mehr erwartet werden kann, ändert deshalb auch die Geltendmachung an dauernder Schmerzen nichts an der Tatsache, dass ein Anspruch auf eine weiterführende Beh andlung nicht mehr besteht und der Unfallversicherer den Fallabschluss vorzunehmen hat (vgl. ALEXANDRA RUMO -JUNG , Rechtspre- chung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bu ndesgesetz über die Unfallversi- cherung, Zürich/Basel/Genf 2003, Art. 19). 2.6 Das Unfallereignis lag zum Zeitpunkt der Leistungsein stellung per 18. Dezember 2009 über acht Jahre zurück. Der medizinische Verlauf zeigt auf, dass Restbeschwerden bestehen, diese jedoch annähernd stabil sind. Strukturell objektivi erbare Folgen des Unfalls liegen nicht vor. Von den eingeleiteten und möglichen medizinischen M assnahmen ist daher keine namhaf- te Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten, insbesondere fällt vorliegend die Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit ausser Betracht, da die Beschwerdefüh- rerin spätestens ab 2002 ununterbrochen zu 100% arbeit sfähig war. Bei regelmässigen Kräfti- gungs- und Dehnungsübungen durch den Versicherten, Physio therapie bei Beschwerdever- mehrung, sowie einem jährlichen Kuraufenthalt, kann n icht von einer spezifischen, zielgerichte- ten ärztlichen Behandlung gesprochen werden (Urteil d es Eidgenössischen Versicherungsge- richts vom 5. Dezember 2005, U 32/05). Von der physiother apeutischen Behandlung ist somit mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit keine namhaft e Besserung des Gesundheitszustan- des zu erwarten. Die Beschwerdegegnerin hat daher am 2 8. Oktober 2011 den Fall zu Recht rückwirkend per 18. Dezember 2009 abgeschlossen und die Schadenmeldung als Rückfallmel- dung entgegengenommen. 3.1 Da der Rückfall begrifflich an ein bestehendes Unf allereignis anschliesst, muss für eine Bejahung der Leistungspflicht des (damaligen) Unfallve rsicherers ein natürlicher Kausalzu- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sammenhang zwischen den erneut geltend gemachten Beschwe rden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung best ehen (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). In diesem Zusammenhang gilt es klarzustellen, dass der Unfallversicherer in Bezug auf den geltend gemachte n Rückfall nicht auf der Anerkennung des natürlichen Kausalzusammenhangs beim Grundfall behaf tet werden kann, weil die unfall- kausalen Faktoren durch Zeitablauf wegfallen können. D er natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem Unfall muss mit überwiegender Wahrscheinlich- keit erstellt sein, damit eine erneute Leistungspflicht d es Unfallversicherers entsteht. Im Falle der Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der v ersicherten Person aus, die aus dem un- bewiesen gebliebenen natürlichen Kausalzusammenhang a ls anspruchsbegründender Tatsa- che Rechte ableiten wollte (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). 3.2 Wie die nachfolgenden Erwägungen aufzeigen, ist - selbst wenn die natürliche Kausali- tät bejaht würde - die Adäquanz des Kausalzusammenhang s zu verneinen. Die Frage, ob die im Zeitpunkt des Einspracheentscheids geklagten gesundhe itlichen Beeinträchtigungen in ei- nem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 22. Februar 2004 stehen, kann daher vorliegend letztlich offen bleiben. 3.2 Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfo lgen spielt die Adäquanz als recht- liche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusam menhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der na- türlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, 1 27 V 103 E. 5b/bb). Als objektivierbar gel- ten Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Würde ledi glich auf Ergebnisse klinischer Unter- suchungen abgestellt, so würde fast in allen Fällen ein organisches Substrat namhaft gemacht, welches eine Adäquanzprüfung als nicht erforderlich erschei nen liesse. Nach konstanter bun- desgerichtlicher Rechtsprechung kann deshalb von organisc h objektiv ausgewiesenen Unfall- folgen erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparati- ven/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden (für viel e: Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2008, 8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen Hinweisen). Diese Untersuchungsmetho- den müssen zudem wissenschaftlich anerkannt sein (BGE 134 V 231 ff. mit Hinweisen). 3.4 Liegen keine organisch (hinreichend) nachweisbare Un fallfolgeschäden vor wie vorlie- gend, hat eine besondere Adäquanzprüfung zu erfolgen . Dabei ist rechtsprechungsgemäss (BGE 127 V 103 E. 5b/bb mit Hinweisen) wie folgt zu differenzieren: Hat die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, e inen äquivalenten Verletzungsmecha- nismus oder ein Schädel-Hirntrauma, dessen Folgen sich mi t jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen (BGE 117 V 382 E. 4b), erlitten un d liegt in der Folge das für diese Verlet- zung typische bunte Beschwerdebild vor (diffuse Kopfschmerz en, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affekt- labilität, Depression, Wesensveränderung usw., vgl. BGE 1 19 V 338 E. 1), so ist die Adäquanz nach Massgabe der in BGE 117 V 359 ff. entwickelten un d mit BGE 134 V 109 ff. modifizierten (vgl. die nachfolgende E. 6.2) Grundsätze zu prüfen. Li egt kein Unfall mit einem Schleuder- trauma oder einer adäquanzrechtlich äquivalenten Verle tzung vor oder fehlt es nach einer sol- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Verletzung an dem hierfür typischen bunten Beschwerdebild, so hat die Adäquanzbeurtei- lung psychischer Folgeschäden des Unfalls nach den in BGE 1 15 V 133 ff. entwickelten Krite- rien zu erfolgen. Der Unterschied besteht darin, dass be i Unfällen mit einem Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Unfallfolgen verzichtet wird (BGE 134 V 117 E . 6.2.1, 117 V 367 E. 6a in fine), währenddem bei den übrigen Unfällen für die Beurtei lung der Adäquanz psychischer Fehlent- wicklungen lediglich das Unfallereignis als solches und di e dabei erlittenen körperlichen Ge- sundheitsschäden sowie deren objektive Folgen massgebend sind (BGE 115 V 140 E. 6c/aa). 3.5 Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten ist er stellt, dass die Beschwerdeführerin am 24. März 2001 eine Distorsion der HWS erlitten hat, wobei gemäss MRI-Bericht vom 24. August 2001 keine objektivierbaren strukturellen Verände rungen festzustellen waren. Gemäss neurologischem Teilgutachten von Dr. med. B:____, Neur ologe, vom 26. April 2004 verspürte Beschwerdeführerin nach dem Unfall Nacken- und Kopfschm erzen. Bei dieser Sachlage ist es sachgerecht und nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegeg nerin die Adäquanzprüfung nach Massgabe der in BGE 117 V 359 ff. entwickelten un d mit BGE 134 V 109 ff. modifizierten (vgl. die nachfolgende E. 6.2) Grundsätze durchgeführt hat. 4.1 Im bereits mehrfach erwähnten BGE 134 V 109 ff. h at sich das Bundesgericht ausführ- lich mit der bisherigen Praxis zur Kausalitätsprüfung bei Unfall mit Schleudertrauma, äquivalen- ter Verletzung der HWS oder Schädel-Hirntrauma ohne o rganisch objektiv ausgewiesene Be- schwerden (so genannte Schleudertrauma-Praxis nach BGE 1 17 V 359 ff.) befasst. Dabei hat es entschieden, dass am Erfordernis einer besonderen Adä quanzprüfung bei Unfällen mit sol- chen Verletzungen festzuhalten sei (S. 118 ff. E. 7-9 ). Auch bestehe keine Veranlassung, die bewährten Grundsätze über die bei dieser Prüfung vo rzunehmende Einteilung der Unfälle nach deren Schweregrad und den abhängig von der Unfallschwe re gegebenenfalls erforderlichen Einbezug weiterer Kriterien in die Adäquanzbeurteilu ng zu ändern (S. 126 f. E. 10.1). Demnach ist für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs i m Einzelfall nach wie vor zu ver- langen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit zukommt. Dies trifft dann zu, wenn e r eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für di e Beurteilung dieser Frage ist an das Un- fallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augen fälligen Geschehensablauf - zwischen banalen bzw. leichten Unfällen einerseits, schweren Unf ällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden mittleren Bereich unterschieden wi rd. Während der adäquate Kausalzu- sammenhang in der Regel bei schweren Unfällen ohne wei teres bejaht und bei leichten Unfäl- len verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäq uanz bei Unfällen aus dem mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schl üssig beantworten. Es sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit de m Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubezie- hen. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müsse n mehrere herangezogen werden (S. 126 f. E. 10.1 mit Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Im Übrigen hat das Bundesgericht jedoch die bish erige Schleudertrauma-Praxis im ge- nannten Urteil BGE 134 V 109 ff. in mehrfacher Hinsicht präzisiert. So hat es die Anforderungen an den Nachweis einer natürlich unfallkausalen Verletzung, welche die Anwendung der Schleu- dertrauma-Praxis rechtfertigt, erhöht (S. 121 ff. E. 9) und die adäquanzrelevanten Kriterien teil- weise modifiziert (S. 126 ff. E. 10.2 und 10.3). Dies betrifft zunächst das Kriterium der "unge- wöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung", das nur dann vorliegt, wenn nach dem Un- fall fortgesetzt spezifische und die versicherte Person be lastende ärztliche Behandlung im Zeit- raum bis zum Fallabschluss notwendig gewesen war (S. 128 E. 10.2.3). Weiter wird für die Er- füllung des Kriteriums "Dauerbeschwerden" vorausgesetzt, da ss diese erheblich sind, was auf Grund glaubhaft geltend gemachter Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die ver- unfallte Person im Lebensalltag erfährt, zu beurteile n ist (S. 128 f. E. 10.2.4). Hinsichtlich des Kriteriums "Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit" schliesslich ist nicht die Dauer an sich, son- dern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche massg eblich, die zu überwinden die versi- cherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt (S. 1 29 f. E. 10.2.7). Zusammenfassend hat das Bundesgericht den Katalog der bisherigen adäqu anzrelevanten Kriterien (BGE 117 V 367 E. 6a, 383 E. 4b) in BGE 134 V 109 wie folgt neu gefasst (S. 130 E. 10.3): - besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; - die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; - fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung; - erhebliche Beschwerden; - ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; - schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; - erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen. 4.3 Massgebend für die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensab- lauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (vgl. Kran ken- und Unfallversicherung - Recht- sprechung [RKUV] 1999 Nr. U 335 S. 207 E. bb), nicht j edoch Folgen des Unfalles oder Be- gleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können. Derartigen dem eigentlichen Unfallgeschehen nicht zuzuordnenden F aktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen. Dies gilt etwa für die - ein eigenes Kriterium bildenden - Verletzungen, welche sich die versicherte Person zuzieht, a ber auch für - unter dem Gesichts- punkt der besonders dramatischen Begleitumstände oder be sonderen Eindrücklichkeit des Un- falls zu prüfende - äussere Umstände, wie eine allfällige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder Ver- letzungs- resp. gar Todesfolgen, die der Unfall für an dere Personen nach sich zieht. Dieser Grundsatz gilt sowohl in Bezug auf die Adäquanzbeurteil ung bei psychischen Fehlentwicklun- gen nach Unfall (Sozialversicherungsrecht - Rechtsprechung [SVR] 2008 UV Nr. 8 S. 27 E. 5.3.1) als auch bei Anwendung der Schleudertrauma -Praxis (Urteil des Bundesgerichts 8C_536/2007 vom 11. Juni 2008, E. 6.1). 4.4 Im angefochtenen Einspracheentscheid ging die Besc hwerdegegnerin davon aus, dass es sich beim Skiunfall um ein leichtes bis mittelschweres E reignis im Grenzbereich zu einem leichten Ereignis handle. Diese Beurteilung der Beschwer degegnerin ist mit Blick auf die Mass- stäbe, wie sie durch die Rechtsprechung zur Unfallschwere bei Schleudertraumen oder adä- quanzrechtlich äquivalenten Verletzungsmechanismen entw ickelt worden sind, nicht zu bean- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht standen (vgl. BGE Urteil U 299/03 vom 20. April 2004, E. 3: beim Eislaufen rückwärts auf den Hinterkopf geprallt; BGE Urteil 8C_441/2009 vom 23. September 2009: auf vereister Piste mit Snowboard verkantet und dabei auf den Hinterkopf gest ürzt; BGE Urteil 8C_970/2008 vom 30. April 2009; E.5.1: Snowboard-Sturz mit HWS-Distorsion; BGE Urteil 8C_817/2007 vom 11. De- zember 2008, E. 6.1: beim Snowboarden nach vorne gestü rzt und auf den Kopf gefallen mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit und Diagnose einer Commotio cerebri und Schleudertrauma). 5.1 Geht man von einem mittelschweren Unfall aus, mü ssen für die Bejahung des adäqua- ten Kausalzusammenhanges entweder eines der relevanten Adäquanzkriterien (vgl. E. 6.2 hier- vor) in besonders ausgeprägter oder aber mehrere dieser Kriterien in gehäufter oder auffallen- der Weise erfüllt sein (Urteile T. des Bundesgerichts vom 31. März 2009, 8C_987/2008, E. 5.2, und J. vom 16. Mai 2008, 8C_726/2007, E. 4.3.2.1). 5.2 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitum stände oder besonderen Eindrück- lichkeit des Unfalles, das unverändert weiter besteht (BGE 134 V 127 E. 10.2.1), ist objektiv zu beurteilen und nicht auf Grund des subjektiven Empfind ens bzw. Angstgefühls der versicherten Person (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2008 U 56/07, E. 6.1). Dieses Kriterium ist vorliegend nicht erfüllt. 5.3 Was das Kriterium der Schwere und besonderen Art de r erlittenen Verletzung anbelangt, genügt die Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen, adäquanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung) für sich allein nicht zu dessen Bejahung. Es bedarf hiezu einer be- sonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Besch werden oder besonderer Um- stände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (SV R 2007 UV Nr. 26, S. 89, E. 5.3; RKUV 2005 Nr. U 549, S. 238, E. 5.2.3 mit Hinweisen) . Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung u nd den dadurch bewirkten Komplika- tionen bestehen (SVR 2007 UV Nr. 26, S. 89, E. 5.3; RKUV 2003 Nr. U 489, S. 361, E. 4.3 mit Hinweisen). Auch erhebliche Verletzungen, welche sich di e versicherte Person neben dem Schleudertrauma (oder einer anderen, adäquanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung) beim Unfall zugezogen hat, können bedeutsam sein (BG E 134 V 127 E. 10.2.2 mit Hinweisen). Vorliegend hat sich die Beschwerdeführerin beim Unfall nebst einer distorsionsartigen HWS- Verletzung eine Kontusion am Hinterkopf, insgesamt abe r keine zusätzlichen ernsthaften Ver- letzungen zugezogen. Die Beschwerdeführer hat auch kei ne Beeinträchtigungen davon getra- gen, welche sie im Alltag enorm einschränken. Das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung ist daher nicht erfüllt. 5.4 Im Zusammenhang mit dem Kriterium der ärztlichen Behandlung ist entscheidwesent- lich, ob nach dem Unfall bis zum Fallabschluss eine fortgesetzt spezifische, die versicherte Per- son belastende Behandlung notwendig war (BGE 134 V 12 8 E. 10.2.3). Die Beschwerdeführe- rin wurde nach dem Unfallereignis ambulant versorgt, anschliessend beschränkte sich die Be- handlung auf ärztliche Verlaufskontrollen und Physiothe rapiesitzungen. Zu Aufenthalten in Krankenhäusern oder Rehakliniken kam es nicht. In diesem Zusammenhang ist auf die bun- desgerichtliche Rechtsprechung zu verweisen, wonach eine Be handlungsbedürftigkeit während zwei bis drei Jahren nach einem HWS-Schleudertrauma res pektive äquivalenten Verletzungen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit ähnlichem Beschwerdebild als durchaus üblich zu bezeich nen ist (RKUV 2005 Nr. U 549, S. 239, E. 5.2.4 in fine; Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2008, 8C_57/2008, E. 9.3.3). Zudem kommt Abklärungsmassnahmen im Hinblick auf therapeutische und versicherungsrecht- liche Fragen sowie blossen ärztlichen (Verlaufs-) Kontrol len nicht die Qualität einer regelmässi- gen, zielgerichteten Behandlung zu, weshalb sie in die sem Rahmen nicht zu berücksichtigen sind (Urteil A. des Bundesgerichts vom 25. Januar 2008, U 56/07, E. 6.3.1). Im Lichte dieser höchstrichterlichen Praxis kann demnach nicht von einer f ortgesetzt spezifischen, belastenden Behandlung gesprochen werden, so dass das betreffende Kriterium nicht erfüllt ist. 5.5 Was das Kriterium der erheblichen Beschwerden betrif ft, ist vorab festzuhalten, dass nur diejenigen erheblichen Beschwerden adäquanzrelevan t sein können, die in der Zeit zwi- schen dem Unfall und dem Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG ohne wesentlichen Unter- bruch bestanden haben. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach Massgabe der glaubhaften Schmerzen und der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 128 E. 10.2.4). Die Kopf- und Nackenschmerzen treten nur von Zeit zu Zeit in unerträglicher Intensität auf. Die ses Kriterium ist deshalb ebenfalls nicht er- füllt. 5.6 Das nicht geänderte Kriterium der ärztlichen Fehlbe handlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat (BGE 134 V 129 E. 10.2.5), ist unbestrittenermassen nicht erfüllt. 5.7 Unverändert beibehalten wird das Kriterium des schw ierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen (BGE 134 V 129 E. 10.2.6) . Diese beiden Teilaspekte müssen nicht kumulativ erfüllt sein (BGE 117 V 369 E. 7b). Au s der ärztlichen Behandlung und den er- heblichen Beschwerden darf nicht auf einen schwierigen H eilungsverlauf und/oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu beson derer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Die Einnahme vieler Medikamente und die Durchführung verschiedener Therapien genügen nicht zur Bejahung dieses Kriteriums. Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz regelmässiger Therapien weder eine Beschwerdefrei heit noch eine (vollständige) Arbeits- fähigkeit in der angestammten Tätigkeit erreicht werd en konnten (Urteile des Bundesgerichts vom 16. Mai 2008 8C_252/2007, E. 7.6, und vom 16. Mai 2008 8C_57/2008, E. 9.6.1, je mit Hinweisen). Im Vergleich mit anderen Fällen von Schleud ertraumen und äquivalenten Verlet- zungen kann vorliegend zweifellos nicht von erheblichen K omplikationen oder einem schwieri- gen Heilungsverlauf ausgegangen werden. Das Kriterium ist deshalb nicht erfüllt. 5.8 Ebenfalls nicht erfüllt ist das Kriterium der erheb lichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausge- wiesener Anstrengungen. Die Beschwerdeführerin war laut den medizinischen Akten nach dem Unfall vom 24. März 2011 bis zum 2. Mai 2011 vollständi g und anschliessend vom 3. Mai 2001 bis zum 22. Juli 2007 zu 50% arbeitsunfähig. Vom 27. A ugust 2001 bis zum 31. Dezember 2001 setzte sie die Arbeit teilweise zu 25% aus. Es lag keine erhebliche, länger dauernde Ar- beitsunfähigkeit vor, welche mit ernsthaften Anstrengungen überwunden werden musste. 6. Keines der sieben Kriterien kann als erfüllt betrach tet werden. Die Beschwerdegegne- rin hat demnach den adäquaten Kausalzusammenhang zwisc hen dem Unfallereignis vom 24. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht März 2001 und den von der Beschwerdeführerin über den 1 8. Dezember 2009 hinaus geklag- ten Kopf- und Nackenbeschwerden zu Recht verneint. Da de r adäquate Kausalzusammenhang nicht gegeben ist, fehlt es auch an der Grundlage für die Zusprechung von Leistungen aufgrund des gemeldeten Rückfalls. Als Ergebnis ist somit festzuha lten, dass die Beschwerdegegnerin ihre Versicherungsleistungen für die Folgen der HWS-Verletzung, welche die Beschwerdeführe- rin anlässlich des Unfalls vom 24. März 2001 erlitten hat , zu Recht per 18. Dezember 2009 ein- gestellt hat. Die gegen den betreffenden Einsprachee ntscheid vom 22. Februar 2012 erhobene Beschwerde muss deshalb abgewiesen werden. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Gesundheit