B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Abteilung IV D-3524/2011/les U r t e i l v o m 1 3 . J u l i 2 0 11 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch Nicole Hohl, Advokatin, Advokatur Gysin + Roth, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Ver- fügung des BFM vom 7. April 2011 / N (…). D-3524/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, ein e Staatsangehörige der Türkei kurdischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______, ersuchte am 15. November 2010 bei der schweizerischen Vertretung in C._______ um Anerkennung als Flüchtling in der Schweiz. Am 11. Januar 2011 wurde sie anlässlich ih- res Besuchs bei der schweizerischen Botschaft in C._______ angehört. Sie machte geltend, sie sei ledig, arbeite in einem Krankenhaus und lebe mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in B._______. Seit der Flucht ihres Vaters aus der Türkei wür den sie und ihre Angehörigen von den Siche r- heitskräften unter Druck gesetzt. Zwischen Herbst 2009 und November 2010 sei die Polizei etwa zehn Mal an ihrem Wohnort vorbeigekommen und habe die Familie unter Drohungen nach dem Verbleib des Vaters der Beschwerdeführerin gefragt. Im Juli 2010 hätten die Polizisten zudem e i- ne Hausdurchsuchung durchgeführt. Der jüngeren Schwester der B e- schwerdeführerin sei das Stipendium gestrichen worden und ab Herbst 2009 sei die Beschwerdeführerin etwa fünfzehn Mal vom immer gl eichen Polizisten telefonisch bedroht worden. Dabei sei es um den Aufenthaltsort des Vaters gegangen. Nach einer Drohung, an der Arbeitsstelle vorbeiz u- kommen, sei die Beschwerdeführerin auch bei ihrer Arbeit im Kranke n- haus telefonisch bedroht und belästigt worden. In ihrer Abwesenheit sei die Polizei eines Tages an ihrem Arbeitsplatz erschienen, worauf der B e- schwerdeführerin gekündigt worden sei. Zudem sei sie seit Ende Januar 2010 zwei Mal von den Sicherheitskräften beschattet worden. Die Beschwerdeführerin legte eine Bestätigung ihrer Nachbarn und deren Übersetzung in die deutsche Sprache ins Recht. B. Mit Verfügung vom 7. April 2011 verweigerte das BFM de r Beschwerde- führerin die Einreise in die Schweiz und lehnte ihr Asylgesuch ab. Zur Begründung machte es geltend, dass die vo n der Beschwerdeführe- rin geltend gemachten Reflexverfolgungsmassnahmen grundsätzlich möglich seien, weil ihr Vater, ein kurdischer Musiker, in mehrere politisch motivierte Strafverfahren involviert gewesen und am 11. Juni 2010 in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden sei. Aufgrund ihrer Art und I n- tensität vermöchten die geltend gemachten Einschüchterungsversuche und Kontrollen indessen – unabhängig von deren Glaubhaftigkeit – den Anforderungen an eine einr eiserelevante Verfolgung nicht zu genügen. D-3524/2011 Seite 3 Vielmehr würden die geltend gemachten Behelligungen durch die türk i- schen Behörden übertrieben und lebensfremd erscheinen. Zudem sei es der Beschwerdeführerin zumutbar und möglich, beispielsweise mit der Hilfe eine s Rechtsanwaltes oder einer Menschenrechtsorganisation A n- zeige zu erstatten. Ungeachtet der Frage der Intensität der geltend g e- machten Reflexverfolgung handle es sich ferner um nur lokal beschränkte Verfolgungsmassnahmen, weshalb die Beschwerdeführerin diesen durch den Wegzug in einen anderen Teil ihres Heimatlandes ausweichen kö n- ne. Gemäss ihren Angaben sei auch ihre Mutter von den Behelligungen betroffen. Diese hätte jedoch die Türkei gestützt auf eine vom BFM ertei l- te Einreisebewilligung bereits seit Nov ember 2010 verlassen können, um zu ihrem Ehemann in die Schweiz zu reisen. Die Tatsache, dass sie diese Möglichkeit bisher nicht genutzt habe, spreche gegen eine wirklich u n- haltbare Bedrohungslage, der sie sich nur durch Flucht ins Ausland en t- ziehen könne . Die Beschwerdeführerin sei somit nicht schutzbedürftig, weshalb ihr die Einreise in die Schweiz nicht bewilligt werde und ihr Asyl- gesuch abzulehnen sei. C. Mit Beschwerde vom 21. Juni 2011 beantragte die Beschwerdeführerin die vollumfängliche Aufhebung der angefochtenen Verfügung des BFM, die Einreisebewilligung und die Möglichkeit, das Beschwerdeverfahren in der Schweiz abzuwarten, sowie die Gutheissung ihres Asylgesuchs und die Anerkennung als Flüchtling. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuc h- te sie um Gewährung der vollständigen unentgeltlichen Rechtspflege für den Fall des Unterliegens, um einen unverzüglichen Entscheid über das Gesuch um Einreise in die Schweiz und um ein Replikrecht. Zur Begrü n- dung wurde vorgebracht, die Vorinstanz habe die Beweise w illkürlich ge- würdigt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig festgestellt und de s- halb das Recht verletzt. Gegen den Vater de r Beschwerdeführerin seien infolge seines Engagements für die kurdische Kultur in der Türkei zahlre i- che Verfahren eröffnet worden. Unter anderem sei er wegen des Versto s- ses gegen das Anti-Terror-Gesetz angeklagt und mit einer Gefängnisstr a- fe von bis zu zwei Jahren bedroht worden. Da gegen ihn Haftbefehl e r- lassen worden sei, habe er die Türkei verlassen müssen. Nach seiner Flucht s ei die Polizei regelmässig bei den Angehörigen vorbeigegangen und habe sie bedroht. Wie die andern Familienmitglieder sei auch die Be- schwerdeführerin wiederholt von Sicherheitskräften nach dem Vater b e- fragt worden. Sie sei zudem telefonisch bedroht, als Te rroristin b e- schimpft, beschattet und an ihrem Arbeitsplatz aufgesucht sowie belästigt worden. Ferner habe im Juli 2010 eine Hausdurchsuchung stattgefunden. D-3524/2011 Seite 4 Obwohl die Beschwerdeführerin den Sicherheitskräften mitgeteilt habe, dass sich ihr Vater im Ausland befinde, hätten diese die Repressionen mit unverminderter Härte fortgesetzt. Man habe ihr mitgeteilt, sie solle die Besuche der Polizei und die Drohungen dem Vater mitteilen, damit dieser aus Angst um seine Familie in die Türkei zurückkomme. Nachdem der Druck der ständigen Beschattung und Bedrohungen unerträglich gewo r- den sei, habe sie psychologische Hilfe in Anspruch nehmen müssen . Die Mutter habe die Türkei aus Angst um ihre beiden älteren Kinder noch nicht verlassen. Gleichzeitigt fürchte sie um ihre ps ychisch sehr ang e- schlagene minderjährige Tochter. Die Argumentation der Vorinstanz, w o- nach aus dem Verharren der Mutter in der Türkei geschlossen werde, der Druck der Polizei könne nicht so schlimm sein, gehe an der Realität vo r- bei und schlage fehl. Infolg e der geltend gemachten Verfolgung führe die Beschwerdeführerin kein menschenwürdiges Leben in der Türkei. Der Druck auf sie sei inzwischen so unerträglich geworden, dass er Asylrel e- vanz erlangt habe. Entgegen der Meinung des BFM stehe de r Beschwer- deführerin keine innerstaatliche Fluchtalternative offen, da die ganze F a- milie als Terroristen verdächtigt werde und der Vater de r Beschwerdefüh- rerin sowie die engsten Familienangehörigen im D._______ registriert seien. Im Fall einer Anzeige müsse sie noch vermehrt mit staatlichen Re- pressionen rechnen und könne bei den staatlichen Behörden nicht um Unterstützung nachsuchen. Der psychische Druck auf sie sei inzwischen unerträglich geworden, weshalb sie als Flüchtling anerkannt werden müsse. Ausserdem sei sie infolge ihrer psychischen Angeschlagenheit auf die Unterstützung durch ihre Familie angewiesen, auch wenn sie voll- jährig sei, weshalb sie im Rahmen des Familienasyls in die Flüchtlingse i- genschaft ihres Vaters einzubeziehen sei. Ihre Aussagen seien als glaub- haft z u erachten, da sie ausgesprochen klar, detailliert und differenziert ausgefallen seien. Sie habe sogar den Namen eines Polizisten und die Telefonnummer, von welcher aus sie bedroht worden sei, angeben kö n- nen. Ihre Schilderungen würden auch viele Realkennze ichen enthalten. Es sei deshalb nicht haltbar, dass das BFM in pauschaler Weise behau p- te, die geltend gemachten Repressionen seien übertrieben und realität s- fremd. Vielmehr sei vollumfänglich auf die Angaben der Beschwerdefü h- rerin abzustellen. In verfahrens rechtlicher Hinsicht wurde geltend g e- macht, dass die Beschwerde nicht aussichtslos und die Beschwerdefüh- rerin bedürftig sowie mangels Kenntnis der deutschen Sprache nicht in der Lage sei, aus der Türkei den Entscheid des BFM anzufechten. Zudem sei infolge der komplexen Rechtslage eine anwaltliche Vertretung unb e- dingt notwendig. D-3524/2011 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM g e- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betre ffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bunde s- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren richtet sich nach de m VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verlet zung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufg e- zeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwe r- deentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). D-3524/2011 Seite 6 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh - rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsät z- lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat o der im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nac hteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifi- schen Gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 5. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM einer asylsuchenden Person die Einreise zur Abklärung des Sachve r- halts, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Aufent- haltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische Justiz - und Polizeidepar- tement (EJPD) schweizerische Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG besteht. Hinsichtlich des Verfahrens bei der schweize- rischen Vertretung im Ausland sieht Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass die- se mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt (Art. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich fest zuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1; vgl. hierzu auch Entschei de des schwei zerischen Bundesver- waltungsgerichts [BVGE] 2007/30 E. 5.2 – E.5.4). Eine Befragung bezi e- hungsweise eine schriftliche Sachverhaltsab klärung kann sich auch erü b- rigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylg e- suchs als ents cheidreif erstellt scheint. Bei Anhörungsverzicht ist jedoch das rechtliche Gehör zu gewähren und das BFM hat den Verzicht auf die Anhörung zu begründen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.6 – 5.7). Vorliegend wurde eine Anhörung durchgeführt. D-3524/2011 Seite 7 6. 6.1. Für die Erteilung eine r Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum z u- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische und objektive Zumutbarkeit zur ande r- weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. Entsch eidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2.e. - g. S. 131 ff.). 6.2. Die Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe sind nicht geeignet, eine Änderung der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Wie das BFM zu- treffend darlegte, kann im Hinblick auf die aus politischen Gründen dr o- henden Verfolgung des Vaters de r Beschwerdeführerin nicht ausg e- schlossen werden, dass sich die türkischen Sicherheitskräfte bei den in der Türkei verbliebenen Angehörigen nach der ge suchten Person – dem Vater der Beschwerdeführerin – erkundigt und die Familienmitglieder u n- ter Druck gesetzt haben, um den Aufenthaltsort der gesuchten Person in Erfahrung zu bringen. Indessen ist davon auszugehen, dass sie die Fami- lienmitglieder in Ruhe gelassen haben, sobald sie Kenntnis vo m Aufent- halt des Vaters der Beschwerdeführerin im Ausland erlangt haben. Erfah- rungsgemäss erscheint es – entgegen der Argumentation in der B e- schwerde – weder überzeugend noch nachvollziehbar, dass mit Druckmit- teln gegen über den Familienangehörigen eine aus politischen Gründen gesuchte Person zur Rückkehr in die Türkei veranlasst werden soll. Vie l- mehr verlieren die türkischen Behörden in diesem Fall ihr Interesse an weiteren Erkundigungen nach der gesuchten Person. Vorliegend kann deshalb nicht geglaubt werden, dass die Beschwerdeführerin auch nach Kenntnisnahme der türkischen Sicherheitskräfte über den Aufenthaltsort ihres Vaters weiterhin unter Druck gesetzt worden ist, um ihren Vater zur Rückkehr in die Türkei zu bewege n. Den türkischen Behörden dürfte b e- kannt sein, dass aus politischen Gründen verfolgte Personen, welche sich nicht mehr in der Türkei befinden, im Ausland als Flüchtlinge anerkannt werden und nicht mehr in ihr Heimatland zurückkehren. Die geltend g e- machte, fortlaufende weitere Suche nach de m Vater der Beschwerdefüh- rerin erscheint deshalb nicht überzeugend. An dieser Einschätzung ver- mag auch die Begründung, die türkischen Behörden wollten den Vater der Beschwerdeführerin mit den Repressionen gegenüber den An gehörigen D-3524/2011 Seite 8 zur Rückkehr zu veranlassen, aus den erwähnten Gründen nicht zu übe r- zeugen. Schon unter diesem Blickwinkel sind die geltend gemachten Ver- folgungsmassnahmen im heutigen Zeitpunkt nicht mehr als glaubhaft zu betrachten, auch wenn sie anfänglich bestanden haben mögen. 6.3. Sodann ist festzustellen, dass die Argumentation in der Beschwerde, wonach die Mutter de r Beschwerdeführerin aus Angst um ihre beiden ä l- teren Kinder noch nicht ausgereist sei, angesichts der geltend gemachten Unerträglichkeit der Verfolgung nicht zu überzeugen vermag. Wären die geltend gemachten Verfolgungsmassnahmen – wie vorgebracht – in der Tat derart unerträglich, dass dem dadurch entstandenen psychischen Druck nur mit einer Flucht aus dem Land beizukommen wäre, könnte d a- von au sgegangen werden, dass die Mutter de r Beschwerdeführerin mit deren minderjährigen Schwester bereits in die Schweiz gereist wäre, z u- mal ihr vom BFM die Einreisebewilligung seit einigen Monaten erteilt wo r- den ist. Auch diesbezüglich ist der Argumentation des BFM zuzustimmen. 6.4. Zudem ist die Argumentation des BFM hinsichtlich der fehlenden I n- tensität der vorgebrachten Verfolgungsmassnahmen zu bestätigen. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, sei an dieser Stelle auf die z u- treffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen. 6.5. Wie das BFM ebenfalls zutreffend darlegte, wäre de r Beschwerde- führerin die Möglichkeit offen gestanden, sich an einen Rechtsanwalt oder an eine Menschenrechtsorganisation zu wenden, um gegen die geltend gemachten Druckversuche s eitens der türkischen Sicherheitsbehörden Anzeige zu erstatten. Dies trifft vorliegend umso mehr zu, als die B e- schwerdeführerin gemäss ihren Angaben in der Lage sein will , den N a- men eines der Polizisten und die Telefonnummer, von welcher aus sie bedroht worden sein soll, bekannt zu geben. Zudem soll sie immer vom gleichen Polizisten telefonisch bedroht worden sein, weshalb nicht ei n- fach angenommen werden kann, dass ein allfällig vorschriftswidriges Verhalten oder eine Kompetenzüberschreitung dieses Polizist en von den türkischen Behörden geschützt würde, sollte sich die Beschwerdeführerin diesbezüglich – beispielsweise mit der Hilfe eines Anwaltes – an seine Vorgesetzten wenden. Der Einwand in der Beschwerde, wonach die Be- schwerdeführerin von den türkischen B ehörden – wie ihre Angehörigen auch – als Terroristin bezeichnet werde und im Fall einer Anzeige mit noch stärkeren Repressalien zu rechnen hätte, vermag in dieser pa u- schalen und in keiner Weise belegten Art nicht zu überzeugen. Damit feh- len konkrete Anhaltspunkte, gestützt auf welche davon auszugehen wäre, D-3524/2011 Seite 9 die Beschwerdeführerin würde die heimatlichen Behörden vergeblich um Schutz nachsuchen. Die gegenteilige und durch nichts belegte Argume n- tation in der Beschwerde vermag demgegenüber nicht zu überzeugen. Die Beschwerdeführerin ist somit nicht auf den Schutz der Schweiz a n- gewiesen. 6.6. Insgesamt werden den Erwägungen des BFM keine stichhaltigen und substanziellen Gründe entgegengesetzt. Insbesondere kann der Arg u- mentation in der Beschwerde, die geltend gemachte n behördlichen Massnahmen würden einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne des Asylgesetzes verursachen und es de r Beschwerdeführerin verun- möglichen, ein menschenwürdiges Leben in der Türkei zu führen, ma n- gels Intensität der vorgebrachten Nachteile n icht zugestimmt werden. Un- ter diesen Umständen ist es nicht relevant, ob die Beschwerdeführerin in einem andern Teil ihres Heimatlandes den geltend gemachten Behell i- gungen ausweichen könnte, weshalb dieser Punkt der vorinstanzlichen Argumentation offen ble iben kann. Die Tatsache, dass sich die Be- schwerdeführerin zudem problemlos einen eigenen Reisepass bescha f- fen kann, spricht ebenfalls gegen eine asylerhebliche Verfolgung ihrer Person. Nach dem Gesagten erfüllt sie die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht. 6.7. Unter diesen Umständen erübrigt es sich, auf die weiteren Vorbri n- gen in der Beschwerde und das eingereichte Beweismittel im Einzelnen einzugehen, da sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Es ist de r Beschwerdeführerin nicht gelungen, eine Ve rfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Ihre Schutz- bedürftigkeit im Sinne von Art. 20 i.V.m. Art. 3 AsylG ist mithin als nicht gegeben zu qualifizieren, und es liegen auch keine anderen Gründe vor, welche die Ert eilung einer Einreisebewilligung indizieren würden. Insb e- sondere kann der Argumentation, die Beschwerdeführerin sei wegen ihrer psychischen Angeschlagenheit auf die Unterstützung durch ihre Familie angewiesen, nicht zugestimmt werden, da entsprechende Beweismittel nicht eingereicht wurden. Zudem ist sie nicht das einzige Familienmi t- glied, das in der Türkei verbleiben muss, da auch das Einreisegesuch i h- res Bruders mit gleichem Datum abgewiesen wurde und das Bundesve r- waltungsgericht dessen Beschwerde gege n diesen Entscheid mit gle i- chem Datum abweist. Somit ist der Antrag, sie im Rahmen des Familie n- asyls nach Art. 51 Abs. 2 AsylG in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters miteinzubeziehen, ebenso abzuweisen wie der Antrag, sie im Rahmen von Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtling anzuerkennen, zumal die dazu n ö-D-3524/2011 Seite 10 tigen Voraussetzungen mit der Volljährigkeit der Beschwerdeführerin vor- liegend nicht gegeben sind. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rech tserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Entgegen der Argumentation in der Beschwerde hat die Vorinstanz die Beweise nicht willkürlich gewürdigt und das Recht nicht verletzt. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das Gesuch um Gewährung der vollständigen unentgeltlichen Rechtpflege nach Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG abzuweisen. Die Verfahrensk osten wären grundsätzlich der B e- schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Aus verwa l- tungsökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend auf die Erhebung von Verfahren s- kosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3524/2011 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um vollständige unentgetliche Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die schwe i- zerische Botschaft in C._______. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: