Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. August 2020 (720 19 338 / 188) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Prüfung des Anspruchs auf eine Hilflosenentschädigung ab Geburt bei einem Kind mit Trisomie 21 und weiteren Gebrechen Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Hilflosenentschädigung A. Der 2017 geborene A.____ leidet unter anderem am Geburtsgebrechen Trisomie 21 (Down-Syndrom) gemäss Nr. 489 des Anhangs der Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV) vom 9. Dezember 1985, einem Artriumseptumdefekt, einer transienten myeloischen Leukämie, einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) und eine m gastroösophagealen Reflux. Auf- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht grund dieser Beeinträchtigungen sprach ihm die IV-Stel le Basel-Landschaft diverse medizini- sche Massnahmen zu. Am 12. März 2018 meldeten die Eltern ihren Sohn A.____ zum Bezug von Hilflosenentschädigung an. Nach Abklärung der gesundh eitlichen Verhältnisse teilte die IV- Stelle in ihrem Vorbescheid vom 26. März 2019 mit, dass e ine langdauernde Hilflosigkeit ab 1. Juni 2018 vorliege. Da damit das Wartejahr am 1. Juni 2019 ablaufen werde, seien die Voraus- setzungen für die Ausrichtung einer Hilflosenentschädigun g erst ab diesem Zeitpunkt erfüllt. Gestützt auf diesen Vorbescheid lehnte sie mit Verfügung vom 10. September 2019 einen An- spruch auf eine Hilflosenentschädigung zurzeit ab. Mit Verfügung vom 23. Oktober 2019 sprach die IV-Stelle dem Versicherten eine Hilflosenentschädigung leichten Grades ab 1. Juni 2019 zu. B. Gegen die Verfügung vom 10. September 2019 erho ben die Eltern des Versicherten am 13. Oktober 2019 Beschwerde ans Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragten, es sei d ie angefochtene Verfügung aufzuhe- ben und es seien ihrem Sohn eine Hilflosenentschädigun g und ein Intensivpflegezuschlag ab Geburt bis Ende April 2018 aufgrund einer dauernden Überwachungsbedürftigkeit und von Juni 2018 bis Dezember 2018 aufgrund der intensiven Überwachu ng zu Hause während der Che- motherapie und der nachfolgenden 3 Risikomonate zuzusp rechen. In der Begründung wurde vor allem geltend gemacht, dass der Abklärungsbericht Hi lflosenentschädigung vom 11. Feb- ruar 2019 fehlerhaft sei. Am 25. November 2019 reicht en die Eltern des Versicherten Berichte des behandelnden Kinderarztes, Dr. med. B.____, FMH Ki nder- und Jugendmedizin, vom 21. November 2019 und des Spitals C.____ vom 23. und 24. Oktober 2019 ein. C. Mit Vernehmlassung vom 19. Dezember 2019 stellte die IV-Stelle den Antrag auf teil- weise Gutheissung der Beschwerde. Eine Überprüfung der Aktenlage habe ergeben, dass der Versicherte Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades ab März 2018 und einen Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag für die Zeit von März 2018 bis Mai 2018 aufgrund eines Mehraufwandes von über 6 Stunden habe. Zur Beg ründung führte sie an, dass entgegen den Ausführungen in der Verfügung vom 10. September 2019 bei Kleinkindern im 1. Lebensjahr keine Wartezeit zu bestehen sei. Gemäss Abklärungsbericht vom 11. Februar 2019 sei eine Hilfsbedürftigkeit in der Lebensverrichtung "Fortbewegu ng" ab dem 10. Lebensmonat, d.h. ab März 2018, gegeben. Zudem sei im Abklärungsbericht zu we nig beachtet worden, dass auch in der Lebensverrichtung "Essen" eine Hilfsbedürftigkeit schon ab dem 10. Lebensmonat vorliege. Da damit ab März 2018 in zwei alltäglichen Lebensverricht ungen ein anspruchsrelevanter Hilfe- bedarf bestehe, habe der Versicherte ab diesem Zeitpunk t Anspruch auf eine Hilflosenentschä- digung leichten Grades. Dies führe dazu, dass in Bezu g auf den Intensivpflegezuschlag für die Zeit von März 2018 bis Mai 2018 ein Mehraufwand von 6 Stunden und 18 Minuten zu berück- sichtigen sei. Danach habe sich der Pflege- und Betreuung saufwand massiv reduziert, weshalb ab Juni 2018 kein Intensivpflegezuschlag mehr geschuldet sei. D. Advokat Nicolai Fullin nahm im Auftrag und im Name n der Eltern am 21. Februar 2020 Stellung zur Vernehmlassung der IV-Stelle. Er beantra gte, es sei die IV-Stelle in Gutheissung der Beschwerde vom 13. Oktober 2019 zu verpflichten, fü r die Zeit ab dem 15. Juni 2017 eine Hilflosenentschädigung und einen Intensivpflegezuschlag zu leisten; unter o/e-Kostenfolge. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle, welche einen Anspr uch auf Hilflosenentschädigung erst ab Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem 10. Altersmonat anerkenne, habe eine anspruchsrelev ante Hilfsbedürftigkeit bereits mit Austritt aus der Intensivstation der neonatologischen Ab teilung des Spitals C.____ per 15. Juni 2017 bestanden. Der Versicherte habe einen schwachen Tonus, wodurch die Körperpflege, das An- und Auskleiden sowie das Essen viel schwieriger seien und viel mehr Zeit in Anspruch nähmen als bei einem gesunden Kind gleichen Alters. Z udem sei aufgrund der Atemprobleme und der damit verbundenen grossen Erstickungsgefahr sowie der transienten myeloischen Leu- kämie für eine längere Zeit eine permanente Überwachung der Eltern notwendig gewesen. E. Mit Duplik vom 20. April 2020 hielt die IV-Stelle an ihrem Antrag auf teilweise Gutheis- sung der Beschwerde fest. Sie sei weiterhin der Ansicht, dass keine Überwachungsbedürftigkeit im Sinne des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosi gkeit in der Invalidenversicherung (KSIH, gültig ab 1.1.2015) im hier strittigen Zeitra um vorgelegen habe. Die geltend gemachte Hilflosigkeit bei den Lebensverrichtungen "Körperpflege " sowie "An- und Auskleiden" werde nicht begründet, weshalb kein Anlass bestehe, von ihrer bisherigen Beurteilung abzuweichen. Vor diesem Hintergrund sei die Frage, ob eine regelmä ssige Dritthilfe im Bereich "Essen" be- reits vor März 2018 anzuerkennen sei, nicht relevant, da für die Zusprechung einer Hilflo- senentschädigung leichten Grades in mindestens zwei Lebe nsverrichtungen eine regelmässige Dritthilfe vorliegen müste. Eine solche Dritthilfe bestehe erst mit der Anerkennung einer Hilfsbe- dürftigkeit in der Lebensverrichtung "Fortbewegung" ab März 2018. F. Am 7. Mai 2020 wies Advokat Fullin bezüglich der A usführungen der IV-Stelle zur feh- lenden Überwachungsbedürftigkeit darauf hin, dass zur Übe rwachung der Atemprobleme des Versicherten ein Monitoring-Gerät habe eingesetzt werd en müssen. Ein solches Gerät diene dazu, Alarmzeichen zu geben, wenn die Atmung aussetze. Das Monitoring allein habe aber zur Überwachung der Atemprobleme nicht ausgereicht. Denn bei Aussetzern hätten die Eltern den Versicherten in der Nacht aufnehmen und aktivieren müsse n, um die Gefahr von Sauerstoff- mangel zu minimieren. Solche Aussetzer seien rund 50 Mal in der Nacht aufgetreten. Dazu komme, dass aufgrund des äusserst schwachen Tonus und des sch laffen Gewebes des Versi- cherten ein Aussetzer viel länger gedauert habe als bei anderen Kindern in der gleichen Situa- tion. Es sei deswegen trotz des Monitorings eine ständige persönliche Überwachung des Versi- cherten notwendig gewesen. Hierdurch sei auch ein Mehra ufwand gegenüber einem gesunden Kind entstanden. Weiter wies der Rechtsvertreter bezüglich des Mehraufwandes zu den alltägli- chen Lebensverrichtungen darauf hin, dass gemäss den Berich ten über die Entwicklungs- sprechstunden des Spitals C.____ bereits nach 5 Lebensmo naten eine Entwicklungsverzöge- rung des Versicherten festzustellen gewesen sei. Zudem se i eine ausgeprägte muskuläre Hy- potonie bestätigt worden. So habe er im März 2018 auf grund des sehr schwachen Tonus den Kopf nicht selber halten sowie Arme und Beine kaum be wegen können. Dies habe sich auf das An- und Auskleiden und die übrige Körperpflege ausgewirkt. Ausserdem müsse der Versicherte seit der Geburt aufgrund der transienten myeloischen L eukämie mehrmals täglich ausgezogen und auf Petechien (stecknadelkopfgrosse Blutungen) untersucht werden. G. Die IV-Stelle hielt in ihrer Stellungnahme vom 2 9. Mai 2020 an ihrem bisherigen Stand- punkt fest. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Eingabe vom 30. Juni 2020 reichte Advokat Full in nochmals den Bericht von Dr. B.____ vom 21. November 2019 und einen weiteren vom 31. Mai 2019, eine Stellungnahme der Eltern vom 26. Juni 2020 sowie Berichte des Spital s C.____ vom 23. Januar 2019 und 22. Januar 2020 ein. Daraus gehe hervor, dass eine dauernde Überwachungsbedürftigkeit auf- grund des schweren obstruktiven Apnoesyndroms vorgelegen und dadurch ein enormer Be- treuungsaufwand bestanden habe. I. In der Stellungnahme vom 21. Juli 2020 hielt die IV-Stelle fest, dass ihre Ausführungen in der Vernehmlassung vom 19. Dezember 2019 im Einklang mit den massgebenden Kriterien des KSIH ständen, weshalb sie am Antrag auf teilweise Gutheissung der Beschwerde im Sinne der Ausführungen in der Vernehmlassung festhalten würden. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den A llgemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbindung mit Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 kann gegen Verfügungen der kantona- len IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versiche rungsgericht am Ort der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Das Kantonsgericht ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 örtlich und sachlich zuständig. Au f die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde vom 13. Oktober 2019 ist einzutreten. 2.1 Vorliegend ist der Anspruch des minderjährigen Versicherten auf eine Hilflosenentschä- digung und einen Intensivpflegezuschlag strittig. Anspr uch auf eine Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung haben versicherte Personen, die hilfl os sind (Art. 9 ATSG) und ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt in der Schw eiz haben, vorbehalten bleiben die Bestimmungen nach Art. 42 bis IVG (Art. 42 Abs. 1 IVG). Hilflos im Sinne von Art. 9 ATSG ist, wer wegen Beeinträchtigung der Gesundheit für alltäg liche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedar f. Das Gesetz unterscheidet zwischen schwerer, mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG). 2.2 Als schwer gilt die Hilflosigkeit, wenn die versicher te Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies de r dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 1 der Verordnung ü ber die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Nach Art. 37 Abs. 2 IVV ist die Hilflosigkeit mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten all täglichen Lebensverrichtungen regel- mässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange wiesen ist (lit. a) oder in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblich er Weise auf die Hilfe Dritter ange- wiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Übe rwachung bedarf (lit. b) oder in min- destens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Beg leitung im Sinne von Art. 38 IVV ange- wiesen ist (lit. c). Dagegen gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz Ab- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen L ebensverrichtungen regelmässig in er- heblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV) oder der dauern- den persönlichen Überwachung (Art. 37 Abs. 3 lit. b IV V) oder einer durch das Gebrechen be- dingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege be darf (Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV), wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körp erlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter g esellschaftliche Kontakte pflegen kann (Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV) oder dauernd auf lebenspr aktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. e IVV). Gemäss Art. 42 bis Abs. 5 IVG haben Minderjährige keinen Anspruch auf Hilflosenentschädigung, wenn sie ledi glich eine lebenspraktische Beglei- tung benötigen. 2.3 Praxisgemäss sind die folgenden sechs alltäglichen Leb ensverrichtungen massge- bend: Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen, Absitzen, Ablieg en; Essen; Körperpflege; Verrichten der Notdurft; Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kont aktaufnahme (KSIH Rz. 8010; BGE 133 V 463 E. 7.2, 127 V 97 E. 3c). Für die Hilfsbedürftigkeit in einer Lebensverrichtung mit mehreren Teilfunktionen ist nicht verlangt, dass die ver sicherte Person bei allen oder bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr genügt es, wenn sie bei einer dieser Teilfunktionen regelmässig in erheblicher Weise auf Dritthilfe angewiesen ist (BGE 117 V 146 E. 2 mit Hinweis; KSIH Rz. 8011). 2.4 Die zur Vornahme einer Lebensverrichtung erforderl iche Hilfe kann sowohl in direkter als auch in indirekter Dritthilfe, d.h. in der Form einer Überwachung der versicherten Person bei der Bewältigung der relevanten Lebensverrichtung, best ehen (BGE 133 V 450 E. 7.2 mit diver- sen Hinweisen). Eine indirekte Dritthilfe liegt vor, w enn die versicherte Person bei der Ausfüh- rung einer alltäglichen Lebensverrichtung, z.B. wegen Erstickungsgefahr beim Essen, über- wacht werden muss (vgl. CAROLINE BRUGGER SCHMIDT /D ANIA TREMP , Kinder, Diabetes und Hilf- losenentschädigung, in: SZS 2020, S. 79). Die indirekte Hilfe, die zur Hauptsache psychisch und geistig Behinderte betrifft, setzt ferner nach KSIH Rz. 8030 voraus, dass die Drittperson regelmässig anwesend ist und die versicherte Person insbeson dere bei der Ausführung der in Frage stehenden Verrichtungen persönlich überwacht, sie zum Handeln anhält oder von schä- digenden Handlungen abhält und ihr nach Bedarf hilft. 2.5.1 Die indirekte Dritthilfe ist von der dauernden persönlichen Überwachung zu unterschei- den, welche sich als eigenständiges Bemessungskriterium (vgl . Art. 37 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b und Abs. 3 lit. b IVV) nicht auf die alltäglichen Leb ensverrichtungen bezieht. Hilfeleistungen, die bereits als direkte oder indirekte Hilfe in einem B ereich der alltäglichen Lebensverrichtung Be- rücksichtigung gefunden haben, können bei der Beurteilun g der Überwachungsbedürftigkeit nicht nochmals ins Gewicht fallen. Vielmehr ist darunter eine medizinische und pflegerische Hilfeleistung zu verstehen, welche infolge des physischen un d/oder psychischen Gesundheits- zustandes der versicherten Person notwendig ist (vgl. Urte ile des Bundesgerichts vom 11. De- zember 2019, 8C_533/2019, E. 3.2.5, und vom 25. Februar 2014, 9C_666/2013, E. 8.1, in: SVR 2014 IV Nr. 14 S. 55). Gemäss KSIH Rz. 8078 (Stand: 1. Januar 2018) und Anhang III (Richtli- nien zur Bemessung der massgebenden Hilflosigkeit von Mi nderjährigen) ist die persönliche Überwachung in der Regel bei Kindern unter 6 Jahren nicht in Betracht zu ziehen, eine beson- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ders intensive Überwachung nicht unter 8 Jahren, da au ch ein gesundes Kind in dem Alter Überwachung braucht. Ausnahmen gelten bei Erstickungsgefahr nach häufigem Erbrechen und bei Atemproblemen. Das Erfordernis der persönlichen Übe rwachung ist insbesondere dann erfüllt, wenn das Kind sich selbst oder Drittpersonen g efährdet und/oder wenn die persönliche Überwachung ein gewisses Mass an Intensität aufweist, welches den Überwachungsbedarf von nicht behinderten Kindern im gleichen Alter übersteig t (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. Dezember 2019, 8C_533/2019, E. 3.2.5; B RUGGER SCHMIDT /T REMP , a.a.O., S. 79 mit Hin- weis auf KSIH Rz. 8078 in Verbindung mit Rz. 8035 [St and: 1. Januar 2017] bzw. KSIH Rz. 8078.1 und Rz. 8078.2 [Stand: 1. Januar 2018]). 2.5.2 Eine besonders intensive dauernde Überwachung lie gt vor, wenn von der Betreuungs- person überdurchschnittlich hohe Aufmerksamkeit und ständige Interventionsbereitschaft gefor- dert wird (KSIH Rz. 8079). Dies bedeutet, dass sich die Betreuungsperson permanent in unmit- telbarer Nähe der versicherten Person aufhalten muss, da eine kurze Unachtsamkeit mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit lebensbedrohliche Folgen hätte oder zu einer massiven Schädi- gung von Personen oder Gegenständen führen würde. Aufg rund der geforderten 1:1 Überwa- chung bzw. Betreuung kann sich die Betreuungsperson kaum anderen Aktivitäten widmen. Zum Schutz der versicherten Person und ihrer Umgebung müssen Massnahmen zur Schadenminde- rung getroffen worden sein, wobei es diesbezüglich nicht zu einer unzumutbaren Situation der Umgebung kommen darf. Können Überwachungsinstrumente ( Monitor, Alarm) eingesetzt wer- den, ist nicht per se von einer besonders intensiven Überwachung auszugehen (KSIH Rz. 8079, Stand: 1. Januar 2018). 2.5.3 Die Überwachung muss dauernd erforderlich sein. " Dauernd" heisst nicht rund um die Uhr, sondern ist als Gegensatz zu "vorübergehend" zu verstehen (KSIH Rz. 8036 in Verbindung mit Rz. 8078). Dies kann erfüllt sein, wenn medizinische Anfälle (z.B. epileptische Anfälle) nur alle zwei bis drei Tage auftreten, diese aber unverm ittelt und am Tag mehrmals erfolgen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2009, 9C_431/2008, E. 4.4.1). Überwachungs- bedürftigkeit kann auch vorliegen, wenn sich die mit de r (gezielten und individuellen) Überwa- chung betraute Person dazu besonderer Techniken (z.B. B abyphon) bedient. Relevant ist die Überwachung dann, wenn sie sich nicht bloss in reiner P räsenz einer Überwachungsperson erschöpft, sondern mit aktiven Handlungen verbunden ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 21. April 2015, 9C_598/2014, E. 5.2.1 und vom 15. Oktober 2008, 8C_158/2008, E. 5.2.1). 2.6 Gemäss Art. 37 Abs. 4 IVV ist bei Minderjährigen n ur der Mehrbedarf an Hilfeleistun- gen und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nichtbe hinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen (BGE 137 V 434, E. 3.3.3.2; Urt eil des Bundesgerichts vom 11. De- zember 2019, 8C_533/2019, E. 3.2.4). Diese Sonderreg elung trägt dem Umstand Rechnung, dass bei Kleinkindern eine gewisse Hilfs- und Überwachu ngsbedürftigkeit auch bei voller Ge- sundheit besteht. Für die Bestimmung der Hilflosigkeit Minderjähriger dienen die im Anhang III des KSIH enthaltenen Richtlinien zur Bemessung der ma ssgebenden Hilflosigkeit bei Minder- jährigen (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Dezember 2019, 8C_533/2019, E. 3.2.4 mit Hin- weis; KSIH Rz. 8086). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.7 Nach KSIH Rz. 8094 entsteht bei Kleinkindern im er sten Lebensjahr der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung in dem Zeitpunkt, in welch em die Hilflosigkeit das erforderliche Ausmass erreicht hat; es ist keine Karenzfrist abzuwarten. In diesem Zeitpunkt muss aufgrund der Abklärung der IV-Stelle mit überwiegender Wahrsche inlichkeit feststehen, dass die Hilflo- sigkeit voraussichtlich mehr als 12 Monate bestehen wird ( vgl. auch Art. 42 bis Abs. 3 IVG; Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2012, 9C_428/2011, E. 2). 2.8 Verwaltungsweisungen, zu welchen auch das KSIH zählt , richten sich primär an die Durchführungsstellen und sind für das Kantonsgericht somi t nicht verbindlich. Deren Regeln werden vom Kantonsgericht dennoch berücksichtigt, sofern si e eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht daher nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben da rstellen. Insofern wird dem Bestre- ben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine recht sgleiche Gesetzesanwendung zu ge- währleisten, Rechnung getragen (BGE 140 V 543 E. 3.3.2.2.1 mit Hinweisen). 3.1 Gemäss Art. 42 ter Abs. 3 IVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 2 IVV wird die Hilflo- senentschädigung für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive Betreuung brauchen, um ei- nen Intensivpflegezuschlag erhöht, sofern sie sich nicht in einem Heim aufhalten. Der monatli- che Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem invaliditätsb edingten Betreuungsaufwand von mindestens 8 Stunden pro Tag 60 % (in der bis 31. Dez ember 2017 gültig gewesenen Fassung des Art. 42 ter Abs. 3 IVG) bzw. 100 % (ab der seit 1. Januar 2018 in Kraft stehenden Fassung des Art. 42 ter Abs. 3 IVG) bei einem solchen von mindestens 6 Stunden pro Tag 40 % (in der bis 31. Dezember 2017 gültig gewesenen Fassung des Art. 42 ter Abs. 3 IVG ) bzw. 70 % (ab der seit 1. Januar 2018 in Kraft stehenden Fassung des Art. 42 ter Abs. 3 IVG ) und bei einem sol- chen von mindestens 4 Stunden pro Tag 20 % (in der bis 31. Dezember 2017 gültig gewesenen Fassung des Art. 42 ter Abs. 3 IVG) bzw. 40 % (ab der seit 1. Januar 2018 in Kraft stehenden Fassung des Art. 42 ter Abs. 3 IVG) des Höchstbetrages der Altersrente nach Art . 34 Abs. 3 und 5 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversi cherung (AHVG) vom 20. De- zember 1946. Der Zuschlag berechnet sich pro Tag. 3.2 Eine intensive Betreuung im Sinne von Art. 42 ter Abs. 3 IVG liegt nach Art. 39 IVV vor, wenn Minderjährige im Tagesdurchschnitt infolge Beeint rächtigung der Gesundheit zusätzliche Betreuung von mindestens 4 Stunden benötigen (Abs. 1). Anrechenbar als Betreuung ist der Mehrbedarf an Behandlungs- und Grundpflege im Vergl eich zu nicht behinderten Minderjähri- gen gleichen Alters. Nicht anrechenbar ist der Zeitaufw and für ärztlich verordnete medizinische Massnahmen, welche durch medizinische Hilfspersonen vorgen ommen werden, sowie für pä- dagogisch-therapeutische Massnahmen (Abs. 2). Bedarf ein e minderjährige Person infolge Be- einträchtigung der Gesundheit zusätzlich einer dauernde n Überwachung, so kann diese als Betreuung von 2 Stunden angerechnet werden. Eine bes onders intensive behinderungsbeding- te Überwachung ist als Betreuung von 4 Stunden anrechen bar (Abs. 3; zur anrechenbaren Be- treuung im Einzelnen: KSIH, Rz. 8074 ff.). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Für die Bemessung der Hilflosigkeit der versicherte n Person ist in der Regel eine Ab- klärung an Ort und Stelle (Art. 57 Abs. 1 lit. f IVG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 2 IVV) erforder- lich. Rechtsprechungsgemäss muss ein Abklärungsbericht fol genden Anforderungen genügen: Als Berichterstatterin wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumli- chen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergeben- den Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeiten hat. Bei Unklarheiten über physische oder psy- chische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltäg liche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zu lässig, sondern notwendig (BGE 130 V 61 E. 6.1.1). Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksich- tigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Be- richtstext muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebens- verrichtungen sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Berich t eine zuverlässige Entscheidungs- grundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in d as Ermessen der die Abklärung tätigen- den Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschät zungen vorliegen. Das gebietet insbe- sondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklär ungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gerich t (BGE 140 V 543 E. 3.2.1, 133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.2). 4.2.1 Vorliegend lehnte die IV-Stelle mit der angef ochtenen Verfügung vom 10. September 2019 einen Anspruch des Versicherten auf Hilflosenentsc hädigung und einen Intensivpflegezu- schlag ab Geburt (= XX.XX.2017) bis 31. Mai 2019 ab, w eil sie im Zeitpunkt des Verfügungser- lasses noch davon ausging, dass eine Hilfsbedürftigkeit in zwei alltäglichen Lebensverrichtun- gen erst ab 1. Juni 2018 vorlag. In Anwendung von Art . 28 Abs. 1 lit. b IVG könne ein Leis- tungsanspruch frühestens nach Ablauf eines Wartejahres, d.h. am 1. Juni 2019, entstehen. In der Vernehmlassung vom 19. Dezember 2019 erkannte sie r ichtig, dass Kleinkinder im 1. Le- bensjahr kein Wartejahr zu bestehen haben (vgl. Erwäg ung 2.7). Weiter stellte sie fest, dass – entgegen ihren Ausführungen in der angefochtenen V erfügung – seit März 2018 eine Hilfsbe- dürftigkeit in den Lebensverrichtungen "Essen" und "Fort bewegung" gegeben sei, weshalb ab 1. März 2018 ein Anspruch auf eine Hilflosenentschädig ung leichten Grades zu bejahen sei. Darüber hinaus sei für die Zeit von März 2018 bis Mai 2018 aufgrund eines Mehraufwandes von 6 Stunden und 18 Minuten ein Intensivpflegezuschlag anzuerkennen. Ab 1. Juni 2018 seien die Anspruchsvoraussetzungen für einen Intensivpflegezuschlag nicht mehr erfüllt; der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades bleibe dagegen bestehen. Sodann liegt die Verfügung vom 23. Oktober 2019 in den Akten, mit welch er dem Versicherten eine Hilflo- senentschädigung leichten Grades für die Zeit vom 1. Ju ni 2019 bis 1. Mai 2020 (Revision) zu- gesprochen wird. Von der Zusprechung eines Intensivpfl egezuschlages wurde abgesehen. Dass der Beginn des Anspruchs auf den 1. Juni 2019 und nicht auf den 1. Juni 2018 festgelegt wurde, ist darauf zurückzuführen, dass im Zeitpunkt des Verfügungserlasses immer noch irr- tümlicherweise angenommen wurde, es sei ein Wartejahr zu bestehen. 4.2.2 Unbestritten ist somit, dass der Versicherte ab 1 . März 2018 bei einer anerkannten Hilfsbedürftigkeit in den Lebensverrichtungen "Essen" un d "Fortbewegung" Anspruch auf eine Hilfslosenentschädigung leichten Grades und vom 1. März 2018 bis 31. Mai 2018 Anspruch auf Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht einen Intensivpflegezuschlag hat. Der Rechtsvertreter de s Versicherten stellt sich jedoch auf den Standpunkt, dass die Voraussetzungen für die Ausrichtu ng einer Hilfslosenentschädigung bereits ab Austritt aus dem Spital C.____, d.h. ab 15 . Juni 2017, erfüllt seien. Aus seiner Be- gründung geht hervor, dass er der Ansicht ist, ab Spital austritt seien der Hilfebedarf und der Mehraufwand für einen Intensivpflegezuschlag in den Leb ensverrichtungen "Essen", "An- und Auskleiden" sowie "Körperpflege" und der Bedarf an per sönlicher Überwachung ausgewiesen. Strittig und zu prüfen ist somit, ob der Versicherte vom 15. Juni 2017 bis 31. Mai 2018 Anspruch auf eine mindestens leichtgradige Hilflosenentschädigun g und einen Intensivpflegezuschlag für die Zeit vom 15. Juni 2017 bis 28. Februar 2018 und a b 1. Juni 2018 aufgrund eines invalidi- tätsbedingten Betreuungsaufwandes von mindestens 4 Stunden hat. 4.3.1 Bei ihrem Entscheid über den Anspruch auf Hilflose nentschädigung und den Intensiv- pflegezuschlag stützte sich die IV-Stelle auf den Abklärungsbericht Hilflosigkeit IV-Minderjährige inkl. Intensivpflegezuschlag vom 11. Februar 2019. Darin wurde eine invaliditätsbedingte Hilflo- sigkeit in den Bereichen "An- und Auskleiden", "Körperpflege, und "Verrichten der Notdurft" ver- neint, da in diesen Bereichen ein altersentsprechender Betreuungsaufwand bestehe. Desglei- chen wurde ein Bedarf an persönlicher Überwachung abg elehnt. Dagegen wurde die Notwen- digkeit von Dritthilfe in der Lebensverrichtung "Aufstehe n/Absitzen/Abliegen" ab August 2018 bejaht, da der Versicherte im August 2018, also im Alte r von 15 Monaten, weder in der Lage gewesen sei, selbst aufzustehen noch sich an Möbeln ode r Personen hochzuziehen noch zu krabbeln. Weiter wurde in der Lebensverrichtung "Essen" in der Teilfunktion "Nahrung zum Munde führen" ab Juni 2018 und in der Lebensverrichtun g "Fortbewegung" in der Teilfunktion "in der Wohnung" ab März 2018 eine Hilfsbedürftigkeit anerkannt. Ferner wurde in den Lebens- verrichtungen "An- und Auskleiden", "Aufstehen/Absitzen/ Abliegen", "Essen", beim "Bedarf einer dauernden Hilfe im Rahmen der Behandlungs- un d Grundpflege" und bei der "Begleitung zu Arzt- und Therapiebesuchen" ein anspruchsrelevanter Meh raufwand für die Intensivpflege von gesamthaft 6 Stunden und 18 Minuten für die Zeit von März 2018 bis Mai 2018, von 2 Stunden und 22 Minuten für die Zeit von Juni 2018 bis Oktober 2018 und von 1 Stunde und 17 Minuten für die Zeit ab November 2018 ermittelt. An diesen Abklärungsergebnissen hielt die zuständige Abklärungsperson mit Stellungnahme vom 19. August 2019 fest. 4.3.2 Der Abklärungsbericht vom 11. Februar 2019 erfü llt grundsätzlich die formellen An- forderungen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung. Die Abklärung wurde von einer er- fahrenen Aussendienstmitarbeiterin und einem erfahren en Aussendienstmitarbeiter der IV- Stelle vorgenommen. Beide hatten Kenntnis von den räu mlichen und örtlichen Verhältnissen, der medizinischen Aktenlage sowie den entsprechenden Di agnosen und ihren Auswirkungen. Nicht zu bemängeln sind die unterschiedlichen Abklärungsze iträume (März 2018 bis Mai 2018, Juni 2018 bis Oktober 2018 und ab November 2018). Die Abklärungsperson erklärte hierzu in ihrer Stellungnahme vom 19. August 2019 überzeugend, d ass sich die Zeiträume nach den vorgegebenen Altersangaben in den Richtlinien zur Bemessung der massgebenden Hilflosigkeit bei Minderjährigen (KSIH Anhang III) richten würden. In inhaltlicher Hinsicht fällt aber auf, dass die Abklärungen erst ab März 2018 vorgenommen wurden, obwohl die Hilfsbedürftigkeit des Versicherten ab Geburt bzw. ab Spitalaustritt per 15. Ju ni 2017 (vgl. Art. 42 bis Abs. 4 IVG). zu prüfen gewesen wäre. Eine Erklärung für dieses Vorgehen ist der Stellungnahme der zuständi- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen Abklärungsperson vom 19. August 2019 zu entnehmen. A us den Abschlussbemerkungen geht hervor, dass diese für die Entstehung des Anspruchs auf Hilflosenentschädigung die An- meldung zum Leistungsbezug im März 2018 als massgebend erac htete. Da vorliegend bereits die Zeit ab Geburt (XX.XX.2017) bzw. ab Spitalaustrit t (15. Juni 2017) für die Bemessung der Hilflosigkeit relevant ist, erweist sich der Abklärungsbericht in dieser Hinsicht als unvollständig. 4.3.3 Auch wenn der Abklärungsbericht nur wenige Infor mationen über die Hilfsbedürftig- keit des Versicherten ab Geburt bzw. ab Spitalaustritt M itte Juni 2017 enthält, sind Hinweise vorhanden, dass der Versicherte schon damals auf Hilfe Dr itter in mindestens 2 Lebensverrich- tungen angewiesen war, welche über diejenige eines g leichaltrigen gesunden Kindes lag. Beim "Essen" ist insbesondere zu berücksichtigen, dass die IV-Stell e in ihrer Vernehmlassung vom 19. Dezember 2019 aufgrund des zeitaufwendigen und ausserordentlich häufigen Stillens, den Vorkehrungen beim Eingeben von pürierter Kost und von Flüssigkeiten, der Schluck- und Atembeschwerden etc. beim "Essen" einen tatsächlichen Be darf an Hilfeleistungen ab dem 10. Lebensmonat, d.h. ab März 2018, anerkannt hat. Übe r den Hilfebedarf beim "Essen" für die Zeit vor März 2018 hat sie sich nicht geäussert. Es ist je doch nicht anzunehmen, dass das Stil- len in den ersten 9 Lebensmonaten weniger Zeit in Anspruch genommen hat und der Versicher- te weniger oft hat gestillt werden müssen als ab März 2 018, zeigten sich doch die Schluck- und Atembeschwerden bereits ab Geburt. Gleichermassen wird d er Versicherte sich wohl auch be- reits vor März 2018 geweigert haben, Flüssigkeiten in ein em Schoppen oder einem Schnabel- becher einzunehmen. Wenn er gemäss den Feststellungen i m Abklärungsbericht im Alter von 10 Monaten nicht in der Lage war, den üblichen Mundsch luss zu machen, wird ihm auch in den ersten Lebensmonaten das Wasser zur Hälfte neben dem M und heruntergelaufen sein, wenn die Mutter versuchte, ihm mit einem Glas Flüssigkeit in d en Mund zu träufeln. Was das Essen eines Breis angelangt, so ist dem Abklärungsbericht nicht zu entnehmen, ab welchem Lebens- monat dem Versicherten Brei verabreicht wurde. Gemäss d en Angaben der Eltern in ihrem Be- richt vom 13. September 2019 erhielt er im Alter von 8 Monaten zum ersten Mal einen von der Mutter selbst zubereiteten Brei. Bei dieser Sachlage i st anzunehmen, dass er nicht erst mit 10 Monaten, sondern bereits ab der ersten Breinahrung in den Maxi Cosi gesetzt wurde, weil es zu anstrengend war, die ganze Zeit den Kopf des Versicherten zu stützen. Gemäss den Ausfüh- rungen im Abklärungsbericht war das Stützen des Kopfes erforderlich, da der Versicherte zu schwache Nackenmuskeln hatte, um seine Kopfhaltung zu kon trollieren. Den übrigen Akten ist zur Lebensverrichtung "Essen" zu entnehmen, dass der Versic herte in den ersten Monaten nach der Geburt mit einer Magensonde ernährt wurde ( vgl. Bericht des Spitals C.____ vom 6. September 2017). Offenbar wurde der Versicherte i m August 2017 immer noch sondiert, wenn auch nur noch zeitweise (vgl. Bericht der Spitex vom 21. August 2017). Diese Hinweise reichen jedoch nicht aus, den Hilfebedarf in der Leben sverrichtung "Essen" für die Zeit ab 15. Juni 2017 zuverlässig zu ermitteln. In dieser Hinsich t bedarf es daher einer ergänzenden Abklärung. 4.3.4 Was den Zeitraum ab März 2018 anbelangt, stell te die IV-Stelle in ihrer Vernehmlas- sung einleuchtend dar, dass in der Lebensverrichtung "Essen" seit März 2018 – und nicht wie in der Verfügung vom 10. September 2019 erst seit Juni 20 18 – ein Hilfebedarf im Vergleich mit Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht einem gleichaltrigen gesunden Kind bestanden habe. Es erübrigt sich daher, auf die diesbezüg- lichen Einwände des Rechtsvertreters und der Eltern des Versicherten näher einzugehen. 4.4.1 In Bezug auf den Bedarf an persönlicher Überwachu ng ab 15. Juni 2017 ist zu be- achten, dass in den echtzeitlichen Berichten des Spitals C.____ vom 24. Juli 2017, 6. Septem- ber 2017 und 6. November 2017 eine Atem- und Schluckproblematik beschrieben wurde. Da- nach habe der Versicherte bereits bei der Geburt eine muskuläre Hypotonie mit Zurückfallen der Zunge und eine Sekretproblematik aufgewiesen. Di ese Problematik habe zu tiefen Sauer- stoffsättigungswerten geführt (Desaturationen bis 68 %). Um eine genügende Sauerstoffzufuhr gewährleisten zu können, sei bereits im Spital eine nächtliche Pulsoxymetrie und ein gelegentli- ches Absaugen des Sekrets notwendig gewesen. Dieser Zusta nd hielt offenbar auch nach der Entlassung aus dem Spital C.____ an. So stellte die Sp itex am 21. August 2017 immer noch eine beeinträchtigte Atmung mit Sauerstoffsättigungsab fällen im Schlaf fest, welche weiterhin ein Monitoring erfordere. Gleichermassen stellten auc h die Abklärungspersonen in ihrem Be- richt vom 11. Februar 2019 fest, dass der Versicherte n ach der Geburt auf die Intensivpflege- station des Spitals C.____ habe gebracht werden müssen. Mitte Juni 2017 sei er nur deshalb nach Hause entlassen worden, weil die Mutter als Heb amme grosse Erfahrung mit Babys habe und den Atem- und Herzfrequenz-Monitor bedienen könne . Dabei wurde vermerkt, dass der Versicherte aufgrund seiner Schluck- und Atemschwierigkei ten (Reflux/Atemabfälle) fast nicht aus den Augen habe gelassen werden können. Diese Situation unterscheidet sich nicht wesent- lich von derjenigen im Zeitpunkt, ab welchem die Abklär ungspersonen den Bedarf des Versi- cherten an persönlicher Überwachung abgeklärt haben. D enn im März 2018 berichtete die Spi- tex, dass sich die gesundheitliche Situation des Versichert en nicht verbessert habe. Nach wie vor bestehe eine Atemproblematik, welche mittels einer Pulsoxymetrie kontinuierlich überwacht werden müsse. Aufgrund der Refluxproblematik mit häu figem Erbrechen bestehe eine hohe Aspirationsgefahr, was immer wieder zu medizinischen Int erventionen führe (vgl. Spitex- Fragebogen/Verordnung vom 1. März 2018). Trotz dieser Atem- und Schluckproblematik ver- neinten die Abklärungspersonen und somit auch die IV-S telle einen Bedarf an persönlicher Überwachung im Wesentlichen mit der Begründung, der M onitor löse in Gefahrsituationen ei- nen Alarm aus, weshalb keine zusätzliche Überwachung geleistet werden müsse. 4.4.2 Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Aufgrun d der medizinischen Aktenlage steht fest, dass beim Versicherten unmittelbar nach der Geburt eine insuffiziente Atmung auffiel und er wegen der erheblichen Desaturationen mit Saue rstoffzugaben therapiert werden musste (vgl. Bericht des Spitals C.____ vom 24. Juli 2017). Dab ei äusserte die behandelnde Ärztin, Dr. med. D.____, schon damals den Verdacht, dass die Desa turationen auf obstruktive Apnoen im Rahmen der muskulären Hypotonie und der Sekretprobl ematik zurückzuführen seien (vgl. Bericht vom 6. September 2017). Diese Verdachtsdia gnose wurde schliesslich mit der am 11./12. Januar 2018 durchgeführten Polysomnographie bestätigt. So diagnostizierte Prof. Dr. med. E.____, FMH Kinder- und Jugendmedizin und FM H Intensivmedizin, Spital C.____, in seinem Bericht vom 23. Januar 2018/1. März 2018 ein schw eres OSAS im Rahmen der Triso- mie 21. Auch wenn es sich bei dieser Untersuchung ledigli ch um eine Momentaufnahme han- delt, sind sich die behandelnden medizinischen Fachperson en einig, dass das OSAS seit Ge- burt vorliegt (vgl. Berichte von Dr. B.____ vom 12. un d 13. Mai 2019 sowie von Prof. E.____ Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 22. Januar 2020). Aufgrund der mit den Atem- und Sekretproblemen verbundenen Aspira- tionsgefahr wurde der Versicherte während des Aufenth alts im Spital C.____ und zu Hause bis März/April 2018 mittels Monitoring überwacht. Bei Apno en habe der Versicherte immer wieder aufgenommen und zur Atmung stimuliert werden müssen ( vgl. Berichte von Dr. B.____ vom 12. und 13. Mai 2019 sowie 16. Februar 2020). Somit genügte das Monitoring – entgegen der Ansicht der IV-Stelle – allein nicht, um der Erstickung sgefahr angemessen begegnen zu kön- nen. Denn das Überwachungssystem meldete lediglich kritisch e Sauerstoffwerte, entsprechen- de Massnahmen mussten aber die Eltern vornehmen, was ein e ständige Interventionsbereit- schaft erforderte; d.h. sie mussten sich ständig in unmitt elbarer Nähe des Versicherten aufhal- ten, da auch nur eine kurze Unachtsamkeit lebensbedro hliche Folgen haben konnte. Es be- stand somit eine latente Selbstgefährdung des Versicherte n, der nur mit einer persönlichen Überwachung begegnet werden konnte. Daran ändert ni chts, dass Prof. E.____ nicht von einer Notwendigkeit der persönlichen Überwachung sprach, geht doch aus den medizinischen Beur- teilungen hervor, dass eine solche erforderlich war (vgl. Berichte von Dr. B.____ vom 12. und 13. Mai 2019). Auch Dr. med. F.____, Fachärztin für Ki nder- und Jugendmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), ging davon aus, dass nebst dem Mo nitoring aufgrund der Aspirations- gefahr eine persönliche Überwachung notwendig war (vgl . Stellungnahme vom 12. April 2018). Selbst im Abklärungsbericht vom 11. Februar 2019 wurd e unter Ziffer 4.4 "persönliche Überwa- chung" festgehalten, dass die Mutter den Versicherten au fgrund seiner Schluck- und Atemschwierigkeiten (Reflux/Atemabfälle) fast nicht au s den Augen habe lassen können. Ge- mäss Rechtsprechung ist das Erfordernis der persönlichen Über wachung gemäss Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV erfüllt, wenn sich die mit der Überwachu ng betraute Person bestimmter Techniken – wie hier das Monitoring – bedient und die Überwachung nötigenfalls mit aktiven Handlungen verbunden ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 23. Juni 2015, 9C_825/2014, 4.1.1 und vom 21. April 2015, 9C_598/2014/9C_664/2014, 5.2.1). Da mit übersteigt der Bedarf des Versicher- ten an persönlicher Überwachung denjenigen eines gesun den Kindes, weshalb ein Überwa- chungsbedarf im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV seit Geburt anzuerkennen ist. 4.4.3 Wie lange ein anspruchsrelevanter Überwachungsb edarf bestand oder noch besteht, mithin das Erfordernis der voraussichtlich 12 Monate dau ernden Hilfsbedürftigkeit im Rahmen der persönlichen Überwachung erfüllt ist, kann aufgrund der vorliegenden Aktenlage nicht schlüssig beantwortet werden. Aus den Akten geht lediglich hervor, dass beim Versicherten am 1. März 2018 eine Adenotonsillektomie vorgenommen wurde . Danach verbesserte sich die Atemproblematik, so dass das Monitor-Gerät im März/April 2018 zurückgegeben werden konnte (vgl. Berichte des Spitals C.____ vom 3. Dezember 2018/ 26. September 2019, 24. Oktober 2019 und von Dr. B.____ vom 16. Februar 2020). Ob u nd inwieweit unmittelbar nach der Rück- gabe des Monitor-Geräts eine persönliche Überwachung des Versicherten notwendig war, ist nicht klar. Es steht einzig fest, dass im Juni 2018 die b ei Geburt diagnostizierte transiente myeloische Leukämie akut wurde. Es folgten deswegen Hospitalisationen im Spital C.____ vom 26. Juni 2018 bis 7. Juli 2018 und vom 25. September 2018 bis 5. Oktober 2018 mit 4 Zyklen intensiver Chemotherapien. Dabei musste die Mutter den Versicherten während des Spitalau- fenthalts ständig begleiten (vgl. Berichte des Spitals C .____ vom 13. September 2018, vom 22. Oktober 2018, vom 3. Januar 2019 und vom 4. Februar 2019), Nach Abschluss der Chemo- therapie war der Versicherte während mindestens 3 Monat en nicht immunkompetent. Durch Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht das erhöhte Infektrisiko war aus medizinischer Sicht eine engmaschige Betreuung durch die Eltern notwendig. Was diese Betreuung konkret beinhalt ete, geht aus den medizinischen Be- richten nicht hervor. Gemäss den Angaben der Eltern des Versicherten habe diese in einer ständigen Überwachung des Zustandes des Versicherten in B ezug auf Fieber und Wohlbefin- den sowie in einer Vermeidung jeglicher Kontakte mit anderen Menschen bestanden. Es sei ihnen dadurch nicht möglich gewesen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, einkaufen, in den Zoo oder auf einen Bauernhof zu gehen oder Freunde zu besuchen. Die zuständige Abklä- rungsperson anerkannte in ihrer Stellungnahme vom 19. Februar 2019, dass der Versicherte wegen seiner mangelnden Immunkompetenz vor einem Infekt habe geschützt werden müssen. Sie war jedoch der Auffassung, dass keine Hinweise für e ine akute Gefährdung vorgelegen hätten, welche eine Isolation nach Ausbruch der myeloisch en Leukämie im Juni 2018 gerecht- fertigt hätten. Mit entsprechenden Massnahmen (z.B. Mund schutz) wäre ein alltäglicher Spa- ziergang oder ein Einkauf in einem Lebensmittelladen möglich gewesen. Dieser Vorschlag ist nicht stichhaltig, erachtete doch die behandelnde Ärztesch aft der Abteilung Hämatolo- gie/Onkologie des Spitals C.____ einen Infektionsschut z mit einer Atemschutzmaske als nicht praktikabel (vgl. Berichte des Spitals C.____ vom 8. Mai 2019 und 30. September 2019). Aus der Tatsache, dass der Versicherte stets in gutem Allgem einzustand aus dem Spital entlassen wurde und die behandelnden Ärzte nie einen Isolationsb edarf erwähnten, kann noch nicht ab- geleitet werden, es sei keine Isolierung notwendig gew esen. Weiter fällt auf, dass die Abklä- rungsperson auf die Frage des Ausmasses und der Intensi tät der Überwachung des Versicher- ten in Bezug auf Veränderungen seines Gesundheitszustan des nicht einging. Aufgrund dieser Aktenlage kann nicht beurteilt werden, ob eine dauern de persönliche Überwachung von vo- raussichtlich mehr als 12 Monaten gegeben war bzw. noch immer gegeben ist. 4.5.1 In Bezug auf die Lebensverrichtungen "An- und Auskl eiden" und "Körperpflege" stell- ten die Abklärungspersonen keinen Bedarf der regelmässi gen und erheblichen Hilfe ab März 2018 fest. Diese Auffassung ist nicht zu beanstanden. De nn gemäss KSIH Rz. 8014 wird im Bereich "An- und Auskleiden" von einer Hilfslosigkeit ausg egangen, wenn die versicherte Per- son ein unentbehrliches Kleidungsstück nicht selber an- ode r ausziehen kann oder wenn kon- trolliert werden muss, ob sie sich korrekt angekleidet ha t. Nach den Richtlinien zur Bemessung der massgebenden Hilflosigkeit bei Minderjährigen im An hang III des KSIH kann ein gesundes Kind sich ab 3 Jahren unter Anleitung an- und ausziehen , wobei es für einzelne Handreichun- gen, wie Knöpfe öffnen und schliessen, auf Hilfe ange wiesen ist. Ab 5 Jahren solle es in der Lage sein, sich mehrheitlich alleine an- und auszuziehen . Ab 10 Jahren braucht es keine Kon- trolle mehr. Ein Mehraufwand wird beim Anlegen von P rothesen und Orthesen, bei hochgradi- ger Spastizität und bei komplexen Hautproblemen anerk annt. Bei der "Körperpflege" ist eine Hilfslosigkeit anzunehmen, wenn das Kind die täglich not wendige Körperpflege (Waschen, Kämmen, Rasieren, Baden und Duschen) nicht selber vornehm en kann (KSIH Rz. 8020). Ab 6 Jahren lässt ein gesundes Kind sich bei der Körperpfle ge nicht mehr gerne helfen, aber Kon- trolle und Anleitung sind immer noch nötig. Haarewaschen und Kämmen sind ab 8 Jahren unter Kontrolle möglich. Ab 10 Jahren braucht es auch keine r egelmässig Kontrolle mehr (KSIH An- hang III). Gemäss den Akten bedarf der Versicherte bei diesen beiden Lebensverrichtungen bislang keiner Dritthilfe im Sinne der Richtlinien, w elche wesentlich über das Ausmass der Hilfe hinausgeht, wie sie bei gleichaltrigen gesunden Kindern besteht. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5.2 Daran ändern auch die Vorbringen in der Beschw erde nichts. Der Rechtsvertreter und die Eltern machen geltend, dass der Versicherte au fgrund der Entwicklungsverzögerung in der Motorik und seines schwachen Tonus im Alter von 10 M onaten beim An- oder Auskleiden den Kopf nicht habe halten und sich kaum mit den Armen und Beinen habe bewegen können. Er habe deshalb – anders als bei gleichaltrigen gesunde n Kindern – beim Kleiderwechsel und bei der Körperpflege mobilisiert werden müssen. Zudem habe er aufgrund der diagnostizierten Leukämie drei Mal täglich auf Petechien untersucht un d beim Baden gestützt werden müssen, da er noch nicht selbstständig aufrecht habe sitzen könne n. Es ist nicht zu bestreiten, dass das An- und Ausziehen der Kleider sowie das Baden des damals 10 Monate alten Versicherten un- ter erschwerten Bedingungen vorgenommen werden mussten. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung begründet jedoch eine blosse Erschwerung und Verlangsamung bei der Vor- nahme von Lebensverrichtungen noch keine Hilfslosigkeit (v gl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Januar 2013, 9C_633/2012, E. 3.4). Auch die Unter suchung des Körpers des Versicherten auf Petechien reicht nicht aus, um darin einen anspruch srelevanten Hilfebedarf zu erkennen, kann doch diese gleichzeitig beim Kleider- und Windelwechsel ohne grossen Aufwand durchge- führt werden. 4.5.3 Bei diesem Ergebnis blelibt aber offen, ob für die Zeit vor März 2018 eine Hilfsbe- dürftigkeit in den Lebensverrichtungen "An- und Auskleid en" und "Körperpflege" bestand. Dies wird im Rahmen einer ergänzenden Abklärung zu prüfen sein. 5.1 Weiter ist auf den Anspruch auf einen Intensivpfleg ezuschlag näher einzugehen. Im Abklärungsbericht vom 11. Februar 2019 wurde bei der L ebensverrichtung "Aufste- hen/Absitzen/Abliegen" ein Mehraufwand von 10 Minuten ab August 2018 anerkannt. Diese Einschätzung wird vom Rechtsvertreter und den Eltern de s Versicherten nicht beanstandet. Beim An- und Auskleiden berücksichtigten die Abklärungsper sonen nach Abzug eines alters- entsprechenden Aufwandes von 20 Minuten für die Zeit von März 2018 bis Mai 2018 einen täg- lichen Mehraufwand von 80 Minuten, von Juni 2018 bis O ktober 2018 einen solchen von 50 Minuten und ab November 2018 einen solchen von 10 Minuten. Bei der "Körperpflege" ermit- telten sie in der Teilfunktion "Waschen" einen Mehrauf wand von 20 Minuten pro Tag und in der Teilfunktion "Baden" einen Mehraufwand von 6 Minuten pro Tag. Nach Berücksichtigung der altersentsprechenden Abzüge liess sich in diesen beiden Teilfunktionen kein relevanter Mehr- aufwand ausweisen. Da sich aus den Akten keine Hinweise e rgeben, welche eine Abweichung von dem von den Abklärungspersonen erfassten Mehraufwand in den beiden Lebensverrich- tungen "An- und Auskleiden" und "Körperpflege" rechtfe rtigen würden und der Rechtsvertreter und die Eltern des Versicherten einen höheren Mehrauf wand nicht konkret begründen, ist auf die diesbezüglichen Feststellungen im Abklärungsbericht abzustellen. Demgegenüber fehlt auch hier eine Beurteilung des Mehraufwandes in den Bereichen "An- und Auskleiden" sowie "Körperpflege" für die Zeit von Juni 2017 bis Ende Fe bruar 2018. Dieser wird im Rahmen einer ergänzenden Abklärung zu ermitteln sein. 5.2.1 In Bezug auf den Mehraufwand beim "Essen" stellte n die Abklärungspersonen nach Berücksichtigung eines altersentsprechenden Abzugs ab März 2018 einen Mehraufwand von Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht insgesamt 247 Minuten und ab Juni 2018 einen solchen v on 10 Minuten fest. Dabei anerkann- ten sie – nach Rücksprache mit dem RAD – eine Stilldaue r von maximal 45 Minuten bei 7 Mal Stillen am Tag. Gemäss den Ausführungen der Mutter w urde der Versicherte tatsächlich aber 12 Mal jeweils ca. 45 bis 60 Minuten am Tag gestillt. Es ist mit den Eltern des Versicherten einig zu gehen, dass mangels Begründung für eine Reduktion de r effektiven Stilldauer und – häufigkeit nicht nachvollziehbar ist, weshalb die IV-Stelle von Angaben der Mutter abwich. Es ist deshalb nicht möglich zu beurteilen, ob der RAD die b ekannten Schwierigkeiten beim Stillen von Kindern mit Trisomie 21 berücksichtigte (vgl. das vom Spital C.____ herausgegebene Merkblatt "Ernährungsempfehlung für Kinder mit Down- Syndrom"). In dieser Hinsicht ist somit eine Rückfrage an den RAD erforderlich. 5.2.2 Ab Juni 2018 ermittelten die Abklärungspersonen beim "Essen" einen Mehraufwand von 10 Minuten. Diesen Zeitaufwand beanstandeten die Eltern insofern, als sie geltend ma- chen, es sei nicht berücksichtigt worden, dass der Versich erte im Vergleich zu einem gleichalt- rigen gesunden Kind mit 10 Monaten nur püriertes Essen , aber noch nicht Stückkost essen könne. Gemäss KSIH Anhang III ist ein altersentsprechend er Mehraufwand bei pürierter Nah- rung erst ab 2 Jahren zu berücksichtigen. Aufgrund der vo rliegenden Aktenlage besteht kein Anlass, von diesen Richtlinien abzuweichen. Es ist des halb nicht zu beanstanden, dass die Ab- klärungspersonen keinen zusätzlichen Mehraufwand für die Z ubereitung des pürierten Essens erfassten. Da im Übrigen der erfasste tägliche Mehraufwand von 10 Minuten ab Juni 2018 nicht bemängelt wurde und sich aus den Akten keine Anhaltspu nkte ergeben, dass dieser nicht kor- rekt wäre, ist bei der Lebensverrichtung "Essen" von eine m massgebenden Mehraufwand von 10 Minuten ab Juni 2018 auszugehen. 5.3 Weiter anerkannten die Abklärungspersonen beim "Be darf einer dauernden Hilfe im Rahmen der Behandlungs- und Grundpflege" und bei de r "Begleitung zu Arzt- und Therapiebe- suchen" einen Mehraufwand ab März 2018. Die erfassten Ze itwerte wurden vom Rechtsvertre- ter und den Eltern des Versicherten zu Recht nicht bestr itten. Da aber auch in diesen beiden Bereichen der Mehraufwand für die Zeit vor März 201 8 nicht beurteilt wurde, wird dies im Rah- men einer ergänzenden Abklärung nachzuholen sein. 5.4 Sollte sich erweisen, dass ein invaliditätsbedingter Bedarf an persönlicher Überwa- chung besteht (vgl. Erwägungen 4.4.1 – 4.4.3), ist zude m zu prüfen, ob daraus ein Mehrauf- wand resultiert, welcher beim Anspruch auf einen Inten sivpflegezuschlag zu berücksichtigen ist (vgl. Art. 42 ter Abs. 3 IVG). 6.1 In einem letzten Punkt stellt sich die Frage, ob al lenfalls eine Hilflosigkeit aufgrund einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und beso nders aufwendigen Pflege besteht (Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV). Diese Pflege umfasst medizi nische oder pflegerische Hilfeleistungen, die aufgrund des physischen oder psychischen Zustandes der versi cherten Person notwendig sind. Sie bezieht sich ausdrücklich nicht auf die alltägli chen Lebensverrichtungen (BGE 133 V 450 E. 7.2; Urteile des Bundesgerichts vom 17. Januar 2017, 8C_663/2016, E. 2.2.2 und vom 17. Juli 2014, 8C_920/2013, E. 2). Die Pflege kann a us verschiedenen Gründen aufwendig sein: Sie ist es nach einem quantitativen Kriterium, we nn sie einen grossen Zeitaufwand erfor- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht dert oder besonders hohe Kosten verursacht. In qualitativer Hinsicht kann sie es sein, wenn die pflegerischen Verrichtungen unter erschwerenden Umständen zu erfolgen haben, so etwa, weil sich die Pflege besonders mühsam gestaltet oder die Hilfe leistung zu aussergewöhnlicher Zeit (z.B. jeweils gegen Mitternacht) zu erbringen ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 17. Januar 2017, 8C_663/2016, E. 2.2.2, vom 17. Juli 2014, 8C_920/2013, E. 2 sowie vom 10. Oktober 2013, 9C_384/2013 2013, E. 4.1, je mit H inweisen). Ein täglicher Pflegeaufwand von mehr als 2 Stunden ist sicher dann als besonders aufw endige Pflege zu qualifizieren, wenn erschwerende Momente mit zu berücksichtigen sind. Bei meh r als 3 Stunden braucht es min- destens ein erschwerendes Moment und ab einem täglichen Pflegeaufwand von 4 Stunden be- darf es keines weiteren qualitativen Moments mehr (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 17. Januar 2017, 8C_663/2016, E. 2.2.3; B RUGGER SCHMIDT /T REMP , a.a.O., S. 85). Erschwe- rende Momente sind beispielsweise pflegerische Hilfeleis tungen in der Nacht oder eine Atemtherapie und Inhalationen (vgl. KSIH Rz. 8057 ff.). 6.2 Die IV-Stelle verneint das Vorliegen einer beso nders aufwendigen Pflege. Eine nach- vollziehbare Begründung fehlt jedoch und ergibt sich auc h nicht aus den Akten. Da allein die nicht planbaren Interventionen bei Apnoen in der Nacht das Kriterium "Hilfeleistung zu ausser- gewöhnlicher Zeit" erfüllen (vgl. Erwägung 6.1), rech tfertigt es sich auch in Bezug auf den An- spruch gemäss Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV weitere Abklärungen vorzunehmen. 7. Nach dem Gesagten steht fest, dass der Anspruch auf ein e Hilflosenentschädigung des Versicherten nicht in allen Belangen zuverlässig gepr üft werden kann. Die Abklärungser- gebnisse aus dem Verwaltungsverfahren sind nicht ausreich end beweiskräftig, weshalb der relevante medizinische Sachverhalt weiterer Abklärung bedarf. Die IV-Stelle, an welche die An- gelegenheit zurückzuweisen ist, hat in einem ersten Schritt die Hilflosigkeit des Versicherten für die Zeit ab Geburt bzw. ab Spitalaustritt per 15. Jun i 2017 abzuklären. Dabei hat sie insbeson- dere die Ausführungen zum Hilfe- und Mehrbedarf in d en Lebensverrichtungen "Essen", "Fort- bewegung", "An- und Auskleiden" und "Körperpflege" in den Erwägungen 4.3.3, 4.5.1. 5.2.1 und 5.3. zu beachten. In Bezug auf das "Essen" hat sie ausserd em zu begründen, weshalb sie bei den Angaben der Mutter betreffend Stillen abgewichen ist. Weiter ist festzustellen, dass ein persönlicher Überwachungsbedarf ab 15. Juni 2017 besteht . Allerdings ist noch abzuklären, ob das Erfordernis der voraussichtlichen Dauer von 12 Monaten erfüllt ist (vgl. Erwägungen 4.4.1 – 4.4.3). Sind sämtliche Voraussetzungen für die Bejahung eines persönlichen Überwachungsbe- darfs gegeben, ist in diesem Rahmen der Mehraufwand fü r die Intensivpflege zu ermitteln. Schliesslich bedarf die Verneinung des Anspruchs auf eine ständige und besonders aufwendige Pflege einer nachvollziehbaren Begründung (vgl. Erwägungen 6.1 und 6.2). Die Beschwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, als die angefochtene V erfügung aufzuheben und die Ange- legenheit zur Vornahme dieser Abklärungen im Sinne de r Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen ist. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Praxisgemäss setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Ko stenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Vorliegend ist die IV-Stelle unterl iegende Partei. Die ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- werden somit ihr auferlegt, und der gelei stete Kostenvorschuss ist dem Versicherten zurückzuerstatten. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Versicherte obsiegende P artei ist, ist ihm eine Parteientschädi- gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsver treter des Versicherten hat in seiner Honorarnote vom 8. Juni 2020 für das vorliegende Verf ahren einen Zeitaufwand von insgesamt 13 Stunden und 25 Minuten geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sach- verhalts- und Rechtsfragen und des umfangreichen Schriftenwechsels als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozesse n praxisgemäss zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 49.90. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'666.20 (13 Stunden und 25 Minuten à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 49.90 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlichrechtlichen Angele genheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid a n den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als die angefochte- ne Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 19. Juni 2019 auf- gehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an di e IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt . Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdef ührer eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3'666.20 (inkl. A uslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.