<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 21 S.72</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">72</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft1"><b>21</b></span> <span class="ft1"><b>. 279 und 280 Abs. 1 ZGB; Art. 164 Abs. 1 OR; § 171 Abs. 1 ZPO</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Zulässigkeit der Abtretung des Unterhaltsanspruchs des mündigen Kin-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>des an den bisherigen Inhaber der elterlichen Sorge zur gerichtlichen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Durchsetzung, wenn der bisherige Inhaber der elterlichen Sorge die Un-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>terhaltspflicht gegenüber seinem mündigen Kind wahrnimmt, die der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Pflichtige nicht mehr erbringen will.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Die Unterhaltsklage des mündigen Kindes, für welche das beschleunigte</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Verfahren gilt, ist im summarischen Eheschutzverfahren zwischen den</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Eltern des Unterhaltsberechtigten ausgeschlossen (§ 171 Abs. 1 ZPO).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 5. Zivilkammer, vom 2. Dezember</span><br/> <span class="ft2">2002, i.S. L.T. gegen K.T.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">3. a) Die Vorinstanz berechnete unter Berufung auf die bundes-</span><br/> <span class="ft4">und obergerichtliche Rechtsprechung die vom Beklagten an die Klä-</span><br/> <span class="ft4">gerin und die Kinder zu bezahlenden Unterhaltsbeiträge unter Be-</span><br/> <span class="ft4">rücksichtigung des mündigen Sohnes Daniel auf Seiten der Klägerin.</span><br/> <span class="ft4">Der Beklagte machte während des ganzen Verfahrens geltend, Daniel</span><br/> <span class="ft4">habe seine Unterhaltsansprüche in einem separaten Verfahren geltend</span><br/> <span class="ft4">zu machen. Im Wesentlichen begründet er dies auch in seiner Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerde damit, mit der Abtretung gehe die Forderung samt Vor-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">73</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">zugs- und Nebenrechten über. Daniel bzw. die Klägerin habe sie</span><br/> <span class="ft4">daher im ordentlichen Verfahren beim Bezirksgericht geltend zu</span><br/> <span class="ft4">machen und nicht im summarischen Verfahren beim Eheschutzrich-</span><br/> <span class="ft4">ter.</span><br/> <span class="ft4">b) Gemäss Art. 176 Abs. 3 ZGB trifft das Gericht im Eheschutz-</span><br/> <span class="ft4">verfahren die nötigen Massnahmen für die unmündigen Kinder der</span><br/> <span class="ft4">Ehegatten. Der Eherichter ist daher von vornherein nicht zuständig,</span><br/> <span class="ft4">Beiträge für Kinder festzusetzen, die bei Einleitung des Verfahrens</span><br/> <span class="ft4">bereits mündig sind (Hegnauer, Berner Kommentar, Bern 1997,</span><br/> <span class="ft4">N 140 zu Art. 279/280 ZGB). Der Unterhaltsanspruch steht nur dem</span><br/> <span class="ft4">mündigen Kind zu und ist auch von diesem selbst geltend zu ma-</span><br/> <span class="ft4">chen. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung steht jedoch trotz</span><br/> <span class="ft4">der höchstpersönlichen Natur des familienrechtlichen Unterhaltsan-</span><br/> <span class="ft4">spruchs des Kindes der Abtretung des Anspruchs des mündigen Kin-</span><br/> <span class="ft4">des an den bisherigen Inhaber der elterlichen Sorge zur gerichtlichen</span><br/> <span class="ft4">Durchsetzung nichts entgegen und kann das dem Schutze des Kindes</span><br/> <span class="ft4">dienende Abtretungsverbot dort nicht angerufen werden, wo der</span><br/> <span class="ft4">bisherige Inhaber der elterlichen Sorge nun selbst die Unterhalts-</span><br/> <span class="ft4">pflicht gegenüber seinem mündigen Kind wahrzunehmen hat, die der</span><br/> <span class="ft4">Pflichtige nicht mehr erbringen will (BGE 107 II 465 Erw. 6b,</span><br/> <span class="ft4">S. 474). Daniel wohnt bei der Klägerin und sie kommt für seinen</span><br/> <span class="ft4">Unterhalt auf. Er konnte ihr somit sowohl in der Vergangenheit fällig</span><br/> <span class="ft4">gewordene als auch in Zukunft fällig werdende Unterhaltsansprüche</span><br/> <span class="ft4">gegen den Beklagten abtreten.</span><br/> <span class="ft4">Damit ist aber noch nichts darüber ausgesagt, in welchem</span><br/> <span class="ft4">Verfahren der Unterhaltsanspruch geltend zu machen ist; dies wird</span><br/> <span class="ft4">vom kantonalen Recht bestimmt. Zwar kann auch das mündige Kind</span><br/> <span class="ft4">bereits im Rahmen vorsorglicher Massnahmen und damit im summa-</span><br/> <span class="ft4">rischen Verfahren verlangen, dass angemessene Beiträge durch den</span><br/> <span class="ft4">Pflichtigen zu hinterlegen oder vorläufig zu zahlen sind (Art. 281</span><br/> <span class="ft4">Abs. 2 ZGB). Dies setzt jedoch voraus, dass ein Hauptverfahren</span><br/> <span class="ft4">eingeleitet worden ist, was vorliegend nicht der Fall ist. Der Unter-</span><br/> <span class="ft4">haltsbeitrag des mündigen Kindes ist im beschleunigten Verfahren</span><br/> <span class="ft4">geltend zu machen (§ 51 lit. a EG ZGB), sachlich zuständig ist das</span><br/> <span class="ft4">Bezirksgericht (§ 12 ZPO). Für die örtliche Zuständigkeit gelten die</span><br/> <span class="ft4">zwingenden Gerichtsstände des Art. 17 GestG. Die Unterhaltsklage</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">74</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">des mündigen Kindes ist im summarischen Eheschutzverfahren zwi-</span><br/> <span class="ft4">schen den Eltern des Unterhaltsberechtigten daher ausgeschlossen</span><br/> <span class="ft4">(§ 171 Abs. 1 ZPO). Die Beschwerde ist daher insoweit gutzuheissen</span><br/> <span class="ft4">und Dispositiv-Ziffer 5b des Urteils der Vorinstanz aufzuheben.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>