B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3025/2010 U r t e i l v o m 5 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien 1. A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), dessen Lebenspartnerin 2. C.______, geboren (…), und deren gemeinsame Kinder 3. D.______, geboren (…), 4. E.______, geboren (…), Angola, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. März 2010 / N (…). D-3025/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge gelangten die Beschwerdeführenden 1 und 2 am 26. Februar 2009 in die Schweiz, wo sie am gleichen Tag im Em p- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) F.______ Asylgesuche einreichten. Dazu wurden sie am 3. März 2009 im EVZ F.______ befragt (Kurzbefra- gung) und am 30. November 2009 sowie 5. Februar 2010 respektive am 11. März 2010 in G.______ angehört (Anhörung). A.b Im We sentlichen machte der Beschwerdeführende 1 anlässlich der Befragungen geltend, er habe ab dem Jahr e 2000 unter anderem in H.______ gelebt. Nach einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren in Frankreich im Jahre 2004 sei er nach H.______ zurückgekehrt, wo e r sich ab dem Jahre 2007 beziehungsweise 2008 für die PDP-ANA (Partido Democrático Para o Progresso de Aliança National Angolana ) engagiert habe. Er habe für diese Partei Propaganda gemacht. Ende August 2008 hätten ihn die angolanischen Sicherheitskräfte b eim Kleben eines Plak a- tes festgenommen und inhaftiert. Am 10. Februar 2009 sei ihm die Flucht aus der Haft gelungen. Nachdem er sich knapp zwei Wochen lang bei ei- nem Bekannten versteckt gehabt habe, habe er sich zum Flughafen b e- geben, wo er sich mit der Be schwerdeführenden 2 getroffen habe. G e- meinsam seien sie dann am 23. Februar 2009 via Portugal und Italien in die Schweiz gereist. Anlässlich der Befragungen machte die Beschwerdeführende 2 haup t- sächlich geltend, sie habe ab dem Jahre 2005 zusammen mit dem Be- schwerdeführenden 1 in H.______ gelebt, wo sie auch gearbeitet habe. Im Jahre 2007 sei sie wegen de r Schwierigkeiten des Beschwerdefü h- renden 1 mit den angolanischen Behörden von diesen inhaftiert worden. Deswegen sei sie im Mai 2008 – nachdem sie nach drei Monaten aus der Haft habe fliehen können – nach Frankreich gereist, wo sie ein Asylg e- such gestellt habe. Als die französischen Behörden ihr Gesuch abgelehnt hätten, sei sie im Juni 2008 nach H.______ zurückgekehrt, wo sie keine Probleme mehr gehabt hab e. Am 23. Februar 2009 habe sie zusammen mit dem Beschwerdeführenden 1 wegen dessen Schwierigkeiten Angola verlassen. Für den detaillierten Inhalt der Sachverhaltsvorbringen ist auf die akte n- kundigen Befragungs- und Anhörungsprotokolle zu verweisen. D-3025/2010 Seite 3 A.c Anlässlich der Kurzbefragung reichte die Beschwerdeführende 2 u n- ter anderem zwei Identitätskarten zu den Akten. B. Am (…) gebar die Beschwerdeführende 2 den Sohn D.______. C. Mit Verfügung vom 26. März 2010 – eröffnet am 30. März 2010 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführenden 1 bis 3 erfüllten die Flüchtlings- eigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug. Als Begründung führte die Vorinstanz hauptsächlich aus, die Vorbringen des Be schwerdeführenden 1 seien unglaubhaft. Anlässlich der Kurzb e- fragung habe er versichert, er sei noch nie zuvor in seinem Leben in e i- nem europäischen Land gewesen, habe mit den angolanischen Behörden vor dem 28. August 2008, als er festgenommen worden sei, n ie Schwie- rigkeiten gehabt und sich auch nicht politisch engagiert. Er habe die ihm vorgehaltenen Resultate des Fingerabdruckvergleichs mit Frankreich bestritten. Erst bei der Anhörung habe er dies zugegeben und erklärt, er habe wegen seines Engagements für die Partei FLEC ( Frente para a L i- bertação do Enclave de Cabinda ) im Jahre 2004 nach Frankreich fl iehen müssen, nachdem er zuvor von den angolanischen Behörden festg e- nommen worden sei und um sein Leben habe fürchten müssen. Er habe sich ferner bezüglich seines angeblichen Engagement s für die Partei PDP-ANA widersprochen. Bei der Kurzbefragung habe er angegeben, er sei nie Mitglied dieser Partei gewesen und habe sich seit April 2008 für sie engagiert. Anlässlich der Anhörung habe er aber gesagt, er sei bereits nach der Rückkehr aus Frankreich im Jahr e 2004 für diese Partei aktiv geworden und sei seit dem Jahr e 2007 respektive 2008 Mitglied der Pa r- tei. Bezeichnenderweise seien seine Vorbringen im Zusammenhang mit dieser Partei auch unsubstanziiert und erfahrungswidrig. So sei er nicht in der Lage gewesen, die Bedeutung des Begriffs "PDP -ANA" richtig wi e- derzugeben und habe fälschlicherweise behauptet, diese Abkürzung b e- deute "Parti démocratique national de l'Angola". Der Ausdruck PDP -ANA stehe aber für einen a nderen Parteinamen. Zudem sei e rfahrungswidrig, dass er als Mitglied nie einen Ausweis erhalten habe und nicht in der La- ge sei, die Parteileute zu kontaktieren und seine Mitgliedschaft zu best ä- tigen. Bei der Kurzbefragung habe er ferner gesagt, er sei im F ebruar 2009 vom Gefängnis in ein Spital verlegt worden, wo ihm die Flucht g e- glückt sei. Anlässlich der Anhörung habe er hingegen erklärt, er habe D-3025/2010 Seite 4 nach dem Tod eines Häftlings vom Durcheinander im Gefängnis profitiert und sei geflohen. Die Vorbringen der B eschwerdeführenden 2 seien ebenfalls unglaubhaft. So habe sie bei der Kurzbefragung gesagt, sie sei im Jahr e 2005 nach H.______ gezogen und habe seither nie mehr Probleme mit den Behö r- den gehabt und sei alleine wegen der Schwierigkeiten ihres Lebenspar t- ners ausgereist. Bei der Anhörung habe sie aber vorgebracht, die Behö r- den hätten sie im Jahr e 2007 wegen der politischen Tätigkeiten ihres L e- benspartners festgenommen und drei Monate lang festgehalten. Sie habe dank des Einsturzes des Gefängnisses fliehen können und sei nicht getö- tet worden, weil sie sich in einem Keller versteckt habe. Neben dieser w i- dersprüchlichen Darstellung sei zudem zumindest erstaunlich, dass sie nach ihrem Aufenthalt in Frankreich wieder nach Angola zurückgekehrt sei und wieder gearbei tet habe. Sie habe ferner behauptet, sie habe im Frühjahr 2008 und ein zweites Mal im Februar 2009 Angola wegen der politischen Tätigkeiten ihres Lebenspartners verlassen müssen. Sie sei aber nicht in der Lage gewesen, übereinstimmende Angaben zum Namen der Partei ihres Lebenspartners zu machen und habe in diesem Zusa m- menhang von PPD -ANA, PDPAN und PDP -ANA gesprochen. Sie sei auch nicht imstande gewesen, die Gründe für die Flucht nach Frankreich im Jahre 2008 und diejenige in die Schweiz im Jahr 2009 sowie die Tätig- keiten ihres Lebenspartners, dessen Schwierigkeiten detailreich und l e- bensnah zu schildern und habe sich diesbezüglich in Oberflächlichkeiten verloren. Somit führten die hier nicht abschliessend aufgezählten Ungereimtheiten in zentralen Bereichen zum Schluss, dass die Vorbringen der Beschwe r- deführenden insgesamt unglaubhaft seien und de n Anforderungen von Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht ge- nügten. Überdies sei der Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die w eitere Begründung wird auf die v o- rinstanzliche Verfügung verwiesen. D. Mit Beschwerde vom 28. April 2010 (Poststempel) an das Bundesverwa l- tungsgericht beantragten die Beschwerdeführenden in materieller Hi n- sicht sinngemäss, es sei die Verfügung des BFM aufzuheben und es sei ihnen Asyl im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1 A Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlin ge ( FK, SR 0.142.30) zu gewähren. Für den Fall, dass die Flüchtlingseigenschaft D-3025/2010 Seite 5 nicht zuerkannt werde, sei die Unzulässigkeit und die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die Vorinstanz anzuweisen, ihre Verfügung anzupassen und sie vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchten die Beschwerdeführenden um Verzicht auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses sowie um Gewährung von vorsorglichen Massnahmen, um den Vollzug ihrer Wegweisung aufzuschieben. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit entscheidrelevant, in den nach- folgenden Erwägungen eingegangen. Mit der Rechtsmittelschrift wurden zwei Internetberichte über Angola zu den Akten gereicht. E. Mit Verfügung des Instruktionsrichters vom 6. Mai 2010 wurde den B e- schwerdeführenden mitgeteilt, dass sie den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten kön nten. Gleichzeitig wies er das in der B e- schwerde gestellte Gesuch um Fristgewährung bezüglich Beweismitte l- nachreichung ab und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses. Zudem lud er die Vorinstanz zur Einreichung einer Stellun g- nahme bis zum 21. Mai 2010 ein. F. Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 12. Mai 2010 dem Bundesverwaltungsgericht die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehm- lassung wurde den Beschwerdeführenden 1 bis 3 am 18. Mai 2010 zur Kenntnisnahme zugestellt. G. Am (…) gebar die Beschwerdeführende 2 die Tochter E.______. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM g e- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im S inne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l-D-3025/2010 Seite 6 tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG ist im vorliegenden Verfahren nicht geg eben, so dass das Bundesverwaltung s- gericht in der Sache endgültig entscheidet. 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Ver fügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 1.5 Die am (…) geborene Tochter der Beschwerdeführenden wird in das vorliegende Urteil einbezogen. 2. Mit Beschwerd e kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-3025/2010 Seite 7 4. 4.1 Die Vorinstanz hat den von den Beschwerdeführenden geltend g e- machten Asylvorbringen die Glaubhaftigkeit abgesprochen. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz diese Vorbringen zu Recht als unglau b- haft im Sinne von Art. 7 AsylG beurteilt hat. 4.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie g e- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller per sönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder b e- wusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des G e- suchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welch e für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzuste llen ( vgl. Art. 7 AsylG; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f., Ent scheidungen und Mitteilungen der [vormali- gen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 4.3 Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden 1 und 2 den Wortlaut sämtlicher Protokolle mit ihrer Unterschrift bestätigt haben und sich deshalb ihre Aussagen entgegenhalten lassen müssen, zumal sie die übersetzenden Personen anlässlich der Befragungen gut verstanden h a- ben wollen (vgl. BFM-Akten A 5/10 S. 8, A 6/10 S. 8, A 23/9 S. 1, A 30/21 S. 18, A 33/15 S. 12). Die Behauptung des Beschwerdeführenden 1 in der Rechtsmittelschrift, wonach die von der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung aufgeführten Widersprüche bezüglich seines Engagements für die PDP-ANA respektive seiner Flucht darauf zurückzuführen seien, dass es anlässlich der Befragungen zu Missverständnissen gekommen sei, findet i n den Akten keine Stütze. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführende 1 in den Befragungen widersprüchlich äu s- serte (vgl. nachstehend E. 4.5). Der Einwand, es sei zu Missverständni s- sen gekommen, ist daher lediglich als Schutzbehauptung des Beschwer- deführenden 1 zu werten, um die in der angefochtenen Verfügung aufg e- führten, widersprüchlichen Aussagen zu rechtfertigen. D-3025/2010 Seite 8 4.4 Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass den Aussagen einer asylsu- chenden Person im Empfangszentrum zu den Asylgründen an gesichts des summa rischen Charakters der Befragung f ür die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein beschränkter Beweiswert zukommt (vgl. EMARK 2005 Nr. 7 E. 6.2.1 S. 66 und die dort zitierte, weiterhin gültige Praxis). Widersprüche dürfen nur dann herangezogen werden, wenn klare Aussa- gen im Empfangszentrum in wesentlichen Punkten der Asylbe gründung von den späteren Aussagen in der Anhörung beim Kanton oder beim BFM diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder B e- fürchtungen, welche später als zen trale Asylgründe genannt werden, nicht bereits bei der Befragung im Empfangszentrum zumindest ansat z- weise erwähnt werden. 4.5 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist festzuhalten, dass die Asylvorbringen der Beschwerdeführenden 1 und 2 in wesentlichen Punk- ten widersprüchlich sind. So gab der Beschwerdeführende 1 anlässlich der Kurzbefragung zu Protokoll, er sei in seinem Leben noch nie in einem anderen europäischen Land gewesen, habe in keinem anderen Land um Asyl nachgesucht, habe sich vor dem April 2008 nicht politisch engagiert und mit den angolanischen Behörden vor seiner Verhaftung am 28. A u- gust 2008 keine Probleme gehabt (A 5/10 S. 5 f.). Bei der Anhörung gab er auf Vorhalt jedoch zu, dass er im Jahre 2004 in Frankreich um Asyl nachgesucht hatte. Dies bezüglich führte er zudem aus, er habe wegen seines Engagements für die FLEC nach Frankreich fliehen müssen, nachdem er zuvor vom angolanischen Militär festgenommen worden sei und um sein Leben habe fürchten müssen (A 30/21 S. 12 ). Der B e- schwerdeführende 1 widersprach sich auch hinsichtlich seines Engag e- ments für die PDP-ANA. So gab er anlässlich der Kurzbefragung zu Pr o- tokoll, er sei nie Mitglied dieser Partei gewesen und habe sich erst seit April 2008 für sie engagiert (A 5/10 S. 5), während er bei der An hörung vorbrachte, er sei bereits im Jahre 2007 Mitglied dieser Partei geworden (A 30/21 S. 12). Als ihm anlässlich der Anhörung diese widersprüchlichen Aussagen vorgehalten wurden, war er nicht in der Lage, den Widerspruch aufzulösen (A 30/21 S. 13 f.). Divergierend äusserte sich der Beschwe r- deführende 1 auch hinsichtlich seiner Flucht aus der Haft im Februar 2009. Bei der Kurzbefragung machte er geltend, er sei aufgrund von Krankheit in ein Spital verlegt worden, von wo ihm die Flucht gelungen sei (A 5/10 S. 5). Demgegenüber sagte er bei der Anhörung (sinngemäss) aus, er habe aus dem Gefängnis fliehen können, nach dem dort nach der Tötung eines Häftlings ein Durcheinander geherrscht habe (A 30/21 S. 15). Die Beschwerdeführende 2 machte anlässlich der Kurzbefragung D-3025/2010 Seite 9 geltend, sie sei im Jahre 2005 nach H.______ gezogen und habe seither keine Probleme mehr mit den angolanischen Behörden gehabt; sie sei al- leine wegen der Schwierigkeiten ihres Partners ausgereist (A 6/10 S. 1, 6). Bei der Anhörung gab sie jedoch zu Protokoll, im Jahre 2007 sei sie wegen der politischen Tätigkeit des Partners festgenommen und inhaftiert worden. Nach drei Monaten sei ihr die Flucht aus dem Gefängnis gelu n- gen, da dieses eingestürzt sei. Anschliessend sei sie nach Frankreich ge- reist, wo sie ein Asylgesuch gestellt habe (A 33/15 S. 9). Abgesehen da- von, dass sich diese Vorbringen er heblich widersprechen, erscheinen die geltend gemachte Verfolgung durch die angolanischen Behörden im Ja h- re 2007 und die anschliessende Inhaftierung auch deshalb als unglau b- haft, da die Beschwerdeführen de 2 nach nur einem Monat in Frankreich freiwillig per Flugzeug nach Angola zurückgekehrt sein will (A 33/15 S. 9). Es ist davon ausz ugehen, dass sie nicht fre iwillig in ihr Heimatland z u- rückgekehrt wäre, wäre sie tatsächlich – wie behauptet – in Angola ver- folgt worden. Gegen die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführenden spricht zudem insbesondere die Tatsache, dass der Beschwerdeführende 1 anlässlich der Kurzbefragung nicht i m Stande war, die Bedeutung der Abkürzung "PDP -ANA" korrekt wiede r- zugeben (A 5/10 S. 5). Hätte er sich tatsächlich im behaupteten Ausmass für diese Partei engagiert, wäre er mit Sicherheit dazu in d er Lage gewe- sen. Die diesbezüglichen Vorbringen in der Beschwerde sind nicht geei g- net, an dieser Einschätzung etwas zu ändern. Im Weiteren ist darauf hi n- zuweisen, dass es der Beschwerdeführenden 2 anlässlich der Befragu n- gen nicht möglich war, substanziiert Auskunft über die geltend gemachte politische Tätigkeit des Beschwerdeführenden 1 zu geben (A 6/10 S. 2 f., A 33/15 S. 10 f.), was die Asylvorbringen ebenfalls als konstruiert und nicht wirklich erlebt erscheinen lässt. Nach dem Gesagten ist zu schliesse n, es handle sich bei den geltend gemachten Verfolgungsgründen der Beschwerdeführenden um ein Sac h- verhaltskonstrukt. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf weitere vo r- handene Unglaubhaftigkeitselemente in den Vorbringen der Beschwerde- führenden einzugehen. Soweit sie in der Rechtsmittelschrift beantragen, es seien weitere Abklärungen, insbesondere eine Botschaftsabklärung durchzuführen, ist festzuhalten, dass vorliegend der Sachverhalt gen ü- gend erstellt ist, weshalb sich weitere Abklärungen erübrigen und der diesbezügliche Antrag abzuweisen ist (antizipierte Beweiswürdigung: vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 357, ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ D-3025/2010 Seite 10 KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 165 Rz. 3.144). 4.6 Zusammenfassend ist festzus tellen, dass es den Beschwerdeführe n- den nicht gelungen ist, nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu m a- chen, dass sie in der Heimat ernsthafte Nachteile erlitten haben oder sol- che bei der Ausreise zu befürchten hatte n oder i m Falle der Rückkehr nach Angola befürchten müssten. Nach dem Gesagten erübrigt es sich, auf die Ausführungen und Einwände in der Beschwerde sowie die eing e- reichten Beweismittel im Einzelnen weiter einzugehen, da sie am Erge b- nis nichts ändern. Das BFM hat die Asylgesuche der Beschwerdeführen- den demnach zu Recht abgelehnt. 5. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerdeführenden sind nicht im Besitz einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung und haben auch keinen Anspruch auf Erteilung ei- ner solchen (vgl. Art. 32 Bst. a Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis der asylsuchenden Pers on nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6.2 Die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alternativer Natur: Ist eine von ihnen erfüllt, ist der Vollzug der Wegweisung als undurch - führbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz g e- mäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln. Gegen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme steht dem weggewi e- senen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde an das Bundesverwa l- tungsgericht offen (Art. 112 AuG i.V.m. Art. 84 Abs. 2 AuG), wobei in je-D-3025/2010 Seite 11 nem Verfahren die Vollzugshindernisse von Amtes wegen und nach Massgabe der dannzumal herrschenden Verhältnisse von Neuem zu pr ü- fen sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 mit weiteren Hinweisen). 7. 7.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Ge - fährdung festgestellt, ist unter Vorbehalt von A rt. 83 Abs. 7 AuG die vo r- läufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). Im Folgenden ist zu prüfen, ob sich ein Vollzug der Wegwei sung der Be- schwerdeführenden nach Angola als zumutbar erweist. 7.2 Weil sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung, wie in den nachfo l- genden Erwägungen aufzuzeigen ist, als unzumutbar erweist, erübrigt sich eine Erörterung der beiden anderen Kriterien. 7.3 7.3.1 Eine Situation, welche angolanische Staatsangehörige generell als Gewalt- oder de-facto-Flüchtlinge qualifizieren würde, lässt sich aufgrund der heutigen aktuellen Situation in Angola nicht mehr bejahen. 7.3.2 Gemäss der in EMARK 2004 Nr. 32 festgehaltenen Praxis der ARK wurde der Wegweisungsvollzug von Personen aus Angola, die einer "R i- sikogruppe" (Personen mit gesundheitlichen Problemen, unbegleitete Minderjährige, Personen mit Kleinkindern, alleinstehende Frauen und b e- tagte Personen) angehören, grundsätzlich als unzumutbar erachtet. Au s- nahmsweise wurde diesen Personen eine Rückkehr nach Angola zug e- mutet, wenn sie ihren letzten Wohnsitz in Luanda oder einer leicht z u- gänglichen Stadt der Provinzen Cunene, Huila, Namibe, Benguela, H u- ambo, Cuanza Sul, Cuanza Norte, Bengo und Zaire hatten und dort ü ber ein Beziehungsnetz beziehungsweise über eine finanzielle Situation zu ihrer Existenzsicherung verfügten. Für Familien mit Kindern unter sechs Jahren und Personen mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen wurde der Wegweisungsvollzug ausnahmslos al s unzumutbar erachtet (vgl. zum Ganzen EMARK 2004 Nr. 32 E. 7.3 S. 230 f.). Nach Erkenntnissen des Gerichts ist seit Ergehen dieses Urteils keine markante Verbesserung der humanitären Lage in Angola eingetreten (vgl. D-3025/2010 Seite 12 Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -6319/2009 vom 23. März 2012 E. 7.3.3). Daher ist die dargelegte Praxis der ARK betreffend die Zumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs nach Angola auch unter Berücksicht i- gung der aktuellen Situation in diesem Land vorderhand grundsätzlich weiterzuführen. 7.3.3 Bei den Beschwerdeführenden handelt es sich um ein religiös ge - trautes Paar sowie ihre zwei Kleinkinder, geboren im Jahre (…) bezie- hungsweise (…). Folglich ist die Zugehörigkeit zu einer der oben erwäh n- ten "R isikogruppen" gegeben und die Zumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs bereits gestützt auf dieses Kriterium zu verneinen. Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden erweist sich deshalb zum gegenwärtigen Zeitpunkt als unzumutbar. 7.4 Im Übrigen liegen ge mäss Aktenlage keine Gründe für den Au s- schluss von der vorläufigen Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 7 AuG vor. Somit sind die Voraussetzungen für die Gewährung der vorläufigen Au f- nahme erfüllt. 8. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde, soweit den Vollzug der Wegwei- sung betreffend, gutzuheissen, und die Dispositivziffern 4 und 5 der vor - instanzlichen Verfügung vom 26. März 2010 sind aufzuheben. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. Das BFM wird angewiesen, die B e- schwerdeführenden wegen Unzumutbarkeit des Wegwei sungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufzunehmen (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG). 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind praxisgemäss die um die Hälfte zu reduzierenden Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt Fr. 300.-- festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 10. Vorliegend ist keine Part eientschädigung zuzusprechen , zuma l davon auszugehen ist, dass den nicht vertretenen Beschwerdeführenden durch die Beschwerdeführung keine verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 4 VGKE). D-3025/2010 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird, soweit den Vollzug der Wegweisung betreffend, gutgeheissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 2. Die Dispositivziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung vom 26. März 2010 werden aufgehoben, und das BFM wird angewiesen, die Beschwer- deführenden vorläufig aufzunehmen. 3. Die reduzierten Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300. -- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das B FM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: