Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. September 2015 (720 14 384) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Nichteintreten auf eine Beschwerde betreffend die Ablehnung eines Hilfsmittelgesuches mangels Streitgegenstands sowie mangels eines praktischen und aktuellen Rechts- schutzinteresses. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei ber Stephan Paukner Parteien A.____ , vertreten durch Stephan Müller , Advokat , c/o Procap Schweiz, Froburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Hilfsmittel A. Die 2008 geborene A.____ leidet an einer angebor enen cerebralen Entwicklungsstörung. In der Vergangenheit sprach ihr die IV-Stelle desha lb bereits diverse Leistungen in Form von medizinischen Massnahmen und Hilfsmitteln sowie ein e Hilflosenentschädigung zu. Am 21. Januar 2010 erging ein Gesuch um Kostengutsprac he für Unterschenkelorthesen und am 16. Juli 2012 ein Gesuch um Kostengutsprache für or thopädische Spezialschuhe. Mit Mitteilun- gen vom 22. März 2010 und vom 20. Juli 2012 erfolgt en entsprechende Kostengutsprachen für Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Periode ab 14. Dezember 2009 bis Ende Dezember 2014 bzw. ab 6. Juni 2012 bis Ende Juli 2017. B. Mit Gesuch vom 16. Juni 2013 ersuchten die Eltern der Versicherten unter Beilage der entsprechenden Rechnungen der B.____ GmbH in C.____ in Deutschland vom 29. November 2012 um Kostenübernahme für ein Paar Orthesenschuhe, e in Paar Stabilschuhe und Fussein- lagen, eine funktionelle US-Orthese links sowie eine knö chelübergreifende OSG-Orthese rechts. Nach einer fachtechnischen Beurteilung vom 5. Jul i 2013 teilte die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) den Eltern der Versicherten am 3. Januar 2014 mit, dass es sich bei der B.____ GmbH nicht um einen anerkannten Tarifpartner h andle. Die Kosten für die bezogenen Orthesen, Schuhe und Fusseinlagen könnten deshalb nicht übernommen werden. Mit Schrei- ben vom 27. Februar 2014 bat die Rechtsvertreterin der Eltern der Versicherten um Wiederer- wägung der abschlägigen Mitteilung der IV-Stelle vom 3. Januar 2014. Die IV-Stelle hielt mit Schreiben vom 19. März 2014 an ihrer ablehnenden Haltu ng mit dem Argument fest, dass selbst eine günstigere und gleichwertige Versorgung bei einer nicht zugelassenen Durchfüh- rungsstelle im Ausland nicht zugelassen werden könne. C. Mit einem weiteren Gesuch vom 31. August 2014 ersu chte der Vater der Versicherten gestützt auf drei Kostenvoranschläge der B.____ GmbH vom 27. August 2014 erneut um eine Kostenübernahme für ein Paar neue Orthesen sowie je ein Paar Orthesensandalen bzw. Orthe- senschuhe. Mit Schreiben vom 3. September 2014 teilte die IV-Stelle gestützt auf ihre bisherige Korrespondenz mit, dass die entsprechenden Kosten nicht ü bernommen werden könnten. So- bald eine zugelassene Durchführungsstelle gefunden sei, würden die anfallenden Kosten aber selbstverständlich übernommen. Mit Schreiben vom 9. Oktober 2014 teilte die Rechtsvertreterin der Versicherten mit, dass an der von ihr vertretenen Au ffassung festgehalten werde, und bat um eine anfechtbare Verfügung. Dabei hielt sie fest, d ass sich die Durchführung eines Vorbe- scheidverfahrens erübrige, da die entsprechenden Einwände bereits im Anschluss an die Mittei- lung der IV-Stelle vom 3. Januar 2014 geltend gemacht worden seien. Mit Verfügung vom 3. November 2014 lehnte die IV-Stelle das entsprechen de Gesuch mit der Begründung ab, dass es sich bei der B.____ GmbH um eine nicht zugelassene Durchführungsstelle handle. D. Hiergegen erhoben die Eltern der Versicherten, ver treten durch Stephan Müller, Advokat, am 8. Dezember 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantra gten, es sei die angefochtene Ver- fügung aufzuheben. Die IV-Stelle sei zu verpflichten, der Versicherten eine Kostengutsprache in der Höhe von Fr. 5‘038.75 für die am 16. Juni 2013 b eantragten Orthesen samt dazugehören- der Schuhe und Einlagen zu erteilen. Zur Begründung l iessen sie im Wesentlichen vorbringen, dass triftige Gründe vorlägen, welche die Wahl einer nicht auf der entsprechenden Tarifliste figurierenden Abgabestelle rechtfertigen würde. E. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 23. De zember 2014 auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorg ebracht, dass eine Ausweitung der Anwendbarkeit der Austauschbefugnis unzulässig sei. Der von der Beschwerdeführerin beauf- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tragte Hilfsmittelanbieter erfülle die Voraussetzungen zur Orthesenversorgung zu Lasten der Invalidenversicherung daher nicht. F. Mit Schreiben vom 14. April 2015 teilte das Gerich t dem Rechtsvertreter der Beschwerde- führerin mit, eine detaillierte Durchsicht der von der Vorinstanz eingereichten Akten habe erge- ben, dass die IV-Stelle sowohl für die vorliegend strittige Unterschenkel-Orthese als auch für die zwei Paar Spezialschuhe mit Mitteilungen vom 24. Septem ber 2014 die Kostenvoranschläge der D.____ GmbH in E.____ bereits gutgeheissen habe. Diese Mitteilungen seien noch vor der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 3. November 20 14 ergangen und hätten in gegen- ständlicher Hinsicht ebenso die Abgabe derselben Hilfsmitt el beinhaltet, wie sie bereits den Of- ferten der B.____ GmbH aus Deutschland zu Grunde geleg en sei. Es sei somit davon auszu- gehen, dass die beantragen Hilfsmittel mittlerweile üb er die D.____ GmbH bezogen und von der IV-Stelle auch bereits vergütet worden seien. Es e rscheine fraglich, ob die Beschwerdefüh- rerin ein aktuelles und praktisches Rechtsschutzinteresse an der Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 3. November 2014 besitze. G. Mit Stellungnahme vom 4. Mai 2015 liess sich der Rech tsvertreter der Beschwerdeführerin dahingehend vernehmen, dass die mit Verfügung vom 3. No vember 2014 erfolgte Ablehnung der am 16. Juni 2013 beantragten Kostengutsprache für d ie im November 2012 durch die B.____ GmbH gefertigten Orthesen samt Zubehör strittig sei. Wegen ihres Wachstums benötige die Versicherte alle sechs bis neun Monate neue Orthesen. Zuletzt sei ein Ersatz im August 2014 indiziert gewesen, weshalb eine Kostengutsprache fü r eine erneute Versorgung durch die B.____ GmbH beantragt worden sei. Nachdem die IV-St elle erneut eine Ablehnung in Aussicht gestellt hätte, habe mit der D.____ GmbH eine praktika ble und zumutbare Versorgung mit der dringend notwendigen Orthese erreicht werden können. Der entsprechende Kostenvoranschlag vom 17. September 2014 sei von der IV-Stelle am 24. S eptember 2014 genehmigt worden, so- dass die neuen Orthesen im Oktober 2014 angefertigt we rden konnten. Für die strittige Orthe- senversorgung des Jahres 2012 verweigere die Beschwerdeg egnerin nach wie vor die Vergü- tung. Auch sei dazumal die inzwischen mögliche Lösung ü ber die D.____ GmbH noch nicht zur Verfügung gestanden. Ein aktuelles und praktisches Rechtssc hutzinteresse liege somit vor. Ausserdem sei anzumerken, dass die Beschwerdeführerin ang esichts der zeitlichen Dringlich- keit einer Erneuerung der Orthese jeweils nicht zuwarte n könne, bis ein Gerichtsurteil vorliege. Im Hinblick auf künftige Neuversorgungen wäre es wichtig zu klären, ob die Orthesen unter be- sonderen Umständen ausnahmsweise auch im Ausland bezogen werden könnten. Selbst wenn inzwischen eine Vergütung durch die IV-Stelle erfolgt wäre, bestünde demnach ein relevantes Rechtsschutzinteresse. Auf die übrigen Vorbringen der Parteien ist soweit n otwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invalidenversich erung (IVG) vom 19. Juni 1959 in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Verfügungen der IV- Stelle beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle i nnert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Sachlich zuständig zur Beurteilung der Beschwe rde ist im Kanton Basel-Landschaft gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 das Kantonsgericht, Abteil ung Sozialversicherungsrecht. Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts über Streitigkeiten bis zu einem Str eitwert von Fr. 10'000.--. Vorliegend ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten in der H öhe von Fr. 5‘038.75 für beantragte Or- thesen samt dazugehörender Schuhe und Einlagen zu übe rnehmen hat. Die Angelegenheit ist damit präsidial zu entscheiden. 2. Gemäss § 16 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist von Amtes wegen, d.h. unabhängig von allfälligen Par- teianträgen, zu prüfen, ob jeweils auf das angehobene Rechtsmittel eingetreten werden kann. Zu den Prozessvoraussetzungen, die allesamt erfüllt sein müssen, damit überhaupt zur Be- gründetheit oder Unbegründetheit der geltend gemachten Rechtsbegehren Stellung genommen werden kann, gehören namentlich ein taugliches Anfechtungsobjekt, eine frist- und formgerech- te Rechtsmittelvorkehr, die Zuständigkeit der Rechtsmittelinstanz sowie die Legitimation und die Beschwer der Beschwerde führenden Partei (F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 71 ff.). 2.1 Im Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicheru ngsgericht sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu beurteilen, zu denen die zuständig e Sozialversicherungsbehörde vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung oder eines Einspracheentscheids - Stellung genommen hat. Insoweit bestimmen die Verfügung und der nachfolgende Einspracheentscheid den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstan d. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und damit an einer Sachurteilsvor aussetzung, wenn und insoweit kei- ne Verfügung bzw. kein Einspracheentscheid ergangen ist ( BGE 131 V 164 f. E. 2.1, 125 V 414 E. 1a und b, je mit Hinweisen). Streitgegenstand im S ystem der nachträglichen Verwaltungs- rechtspflege ist demnach stets das Rechtsverhältnis, das Geg enstand der angefochtenen Ver- fügung bildet, und zwar in dem Ausmass, als die Regelung des Rechtsverhältnisses nach den Parteianträgen des Beschwerdeverfahrens noch streitig i st (F RITZ GYGI , Bundesverwaltungs- rechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 46). Nach di eser Begriffsumschreibung sind Anfech- tungsgegenstand und Streitgegenstand identisch, wenn d ie Verwaltungsverfügung insgesamt angefochten wird. Bezieht sich demgegenüber die Beschwerde bzw. eine Eingabe auf ein nicht durch die Verfügung bestimmtes Rechtsverhältnis, gehören die beanstandeten Aspekte weder zum Anfechtungs- noch zum Streitgegenstand (BGE 125 V 414 f. E. 1b). Diesfalls steht den Betroffenen keine Befugnis zu, verfügungsweise nicht ger egelte Rechtsverhältnisse durch eine Beschwerde richterlich überprüfen zu lassen. Das Gericht kan n auf eine diesbezügliche Be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerde folglich nicht eintreten (BGE 118 V 313 f. E . 3b mit Hinweisen; U LRICH MEYER , Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, in: BJM 1989 S. 25). 2.2 Gemäss Art. 59 des Bundesgesetzes über den Allgem einen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist zur Beschwerde ausserdem nur berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den Einspracheen tscheid berührt ist und ein schutz- würdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung hat . Der Begriff des schutzwürdigen Inte- resses stimmt materiell mit Art. 89 Abs. 1 lit. c des Bund esgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG, in Kraft seit 1. Januar 2007) überein, der die Voraussetzungen für die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an s Bundesgericht umschreibt und dem bisherigen Erfordernis von Art. 103 lit. a des Bundes gesetzes über die Organisation der Bun- desrechtspflege vom 16. Dezember 1943 (OG, in Kraft bis 31. Dezember 2006) entspricht (KARL SPÜHLER in: Spühler/Dolge/Vock, Kurzkommentar zum Bundesgerich tsgesetz [BGG], Zürich/St. Gallen 2006, Art. 89 Rz. 5). Der Begriff d es schutzwürdigen Interesses ist folglich bei allen drei Gesetzesbestimmungen gleich auszulegen, wesh alb die zu Art. 103 lit. a OG ergan- gene Rechtsprechung im Rahmen von Art. 59 ATSG (dazu BG E 130 V 390 E. 2.2) und von Art. 89 Abs. 1 lit. c BGG Anwendung findet. Nach diese r Rechtsprechung besteht das schutz- würdige Interesse im praktischen Nutzen, den die Guthei ssung der Beschwerde dem Verfü- gungsadressaten verschaffen würde, oder – anders ausgedrü ckt – im Umstand, einen Nachteil wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderwei tiger Natur zu vermeiden, welchen die ange- fochtene Verfügung mit sich bringen würde (F RITZ GYGI , a.a.O., S. 154). Fehlt ein solches Inte- resse, wird ein Begehren nicht geprüft. 2.3 Die Rechtsprechung verlangt insbesondere, dass das pr aktische Interesse der Be- schwerde führenden Partei an der Aufhebung des angefoc htenen Entscheids bzw. an der Überprüfung der von ihr erhobenen Rügen grundsätzlich aktuell sein muss, damit auf die Be- schwerde eingetreten werden kann. Dieses Erfordernis soll sicherstellen, dass das Gericht kon- krete und nicht bloss theoretische Fragen entscheidet. Es dient damit der Prozessökonomie. Das Interesse an der Beschwerdeführung ist aktuell und pra ktisch, wenn der erlittene Nachteil im Zeitpunkt der gerichtlichen Beurteilung noch besteht und durch die beantragte Aufhebung des angefochtenen Hoheitsaktes beseitigt würde (BGE 125 I 397 E. 4a und 116 Ia 363 E. 2a). Liegt das praktische Interesse im Zeitpunkt der Beschwerde erhebung noch vor, fällt aber nach- träglich im Laufe des Verfahrens dahin, ist die Beschwer de als gegenstandslos oder erledigt abzuschreiben (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerich ts [EVG, seit 1. Januar 2007: Schweizerisches Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen ] vom 3. Mai 2005, K 77/2003, E. 6). 3.1 Vorab ist zu klären, was Streitgegenstand der vor liegenden Beschwerde ist. Die Be- schwerdeführerin lässt vorbringen, dass die mit Verfügung vom 3. November 2014 erfolgte Ab- lehnung der am 16. Juni 2013 beantragten Kostengutspra che für die im November 2012 durch die B.____ GmbH gefertigten Orthesen samt Zubehör stri ttig sei (vgl. Rechtsbegehren in der Beschwerdebegründung vom 8. Dezember 2014 sowie insbesond ere Stellungnahme der Be- schwerdeführerin vom 4. Mai 2015). Dieser Auffassung kan n nicht beigepflichtet werden. Die angefochtene Verfügung betrifft nicht die beantragte Kostengutsprache der Eltern der Versi- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherten vom 16. Juni 2013, sondern das erneute Kostengu tsprachegesuch des Vaters der Ver- sicherten vom 31. August 2014 (IV-Dok 234). Hierfür spri cht die Tatsache, dass sich die ange- fochtene Verfügung einzig auf das Gesuch vom 10. Oktober 2014 bezieht, mit welchem die damalige Rechtsvertreterin der Versicherten auf die St ellungnahme der IV-Stelle vom 3. Sep- tember 2014 Bezug genommen hatte. Diese aber hatte sic h ihrerseits ausschliesslich auf das neuerliche Kostengutsprachegesuch vom 31. August 2014 bezo gen. Zu berücksichtigen ist ausserdem, dass innert nützlicher Frist seit dem abschlägi gen Wiedererwägungsschreiben der IV-Stelle vom 19. März 2014 (vgl. IV-Dok 188 und 196) ke ine formelle Verfügung verlangt wor- den ist. Insbesondere aber übersieht die Beschwerdeführerin, dass ihre damalige Rechtsvertre- tung mit Schreiben vom 9. Oktober 2014 – mit welchem sie die nunmehr angefochtene Verfü- gung verlangt hat – explizit ebenfalls auf die ablehne nde Stellungnahme der IV-Stelle vom 3. September 2014 Bezug genommen hat (vgl. IV-Dok 235). Diese Stellungnahme der IV-Stelle aber umfasste – wie bereits erwähnt – einzig das erneut e Kostengutsprachegesuch des Vaters der Versicherten vom 31. August 2014. Am Umstand, dass sic h die angefochtene Verfügung somit lediglich auf das neuerliche Kostengutsprachegesuch des Vaters der Versicherten vom 31. August 2014 bezieht, vermag auch nichts zu ändern, da ss mit Schreiben vom 9. Oktober 2014 (vgl. IV-Dok 242) als Begründung für den Verzicht auf das der verlangten Verfügung grundsätzlich vorangehende Vorbescheidverfahren auf die E inwände verwiesen wurde, wie sie bereits im Anschluss an die Mitteilung der IV-Stelle vom 3. Januar 2014 geltend gemacht wor- den waren. Für die Annahme, dass mit der vorliegend angefochtenen Verfügung nebst über die im Gesuch des Vaters der Versicherten vom 31. August 2014 b eantragten Kosten auch über das Gesuch vom 16. Juni 2013 (vgl. IV-Dok 158) entschiede n worden wäre, besteht daher kei- ne Veranlassung. Damit ist zugleich gesagt, dass sich di e angefochtene Verfügung in streitge- genständlicher Hinsicht lediglich auf das Kostenübernahmegesuch des Vaters der Beschwerde- führerin vom 31. August 2014 bezieht. Auf die Beschwerde kann deshalb insoweit nicht einge- treten werden, als damit die Überprüfung des Kostengut sprachegesuchs vom 16. Juni 2013 beantragt worden ist. 3.2 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin hinsich tlich des Kostenübernahmegesuchs vom 31. August 2014 ein aktuelles und praktisches Rechtsschut zinteresse an der Überprüfung ihrer Beschwerde besitzt. Diese Frage ist zu verneinen. Den Akten zufolge hat die IV-Stelle am 24. September 2014 sowohl für die vorliegend strittigen Orthesen als auch für die beiden Orthe- sensandalen bzw. –schuhe die Kostenvoranschläge der D.__ __ GmbH in E.____ vom 17. Sep- tember 2014 gutgeheissen (vgl. IV-Dok 238 f.). Diese Ko stengutsprache erfolgte bereits vor Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 3. Nove mber 2014. Die entsprechenden Kostenvoranschläge der D.____ GmbH entsprechen inhaltl ich ausserdem vollumfänglich jenen Hilfsmitteln, wie sie bereits in den Kostenvoranschlägen der B.____ GmbH vom 27. August 2014 offeriert worden waren (vgl. IV-Dok 234 sowie 2 36 f.). Wie die Eltern der Versicherten zu- dem selbst vorbringen lassen, konnte seither mit der D._ ___ GmbH eine praktikable und zu- mutbare Versorgung mit den ohne Frage jeweils innert nützlicher Frist dringend benötigten Or- thesen erreicht werden (vgl. Stellungnahme vom 4. Mai 2015, S. 2). Aus den Akten geht in der Tat hervor, dass die Kostenvoranschläge der D.____ GmbH i nnert einer Woche und damit äus- serst rasch gutgeheissen worden sind. Nachdem die mit Gesu ch vom 31. August 2014 bean- tragte Hilfsmittelversorgung offenbar zur vollen Zufrie denheit der Betroffenen bereits vor Erlass Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der vorliegend strittigen Verfügung gutgeheissen worden ist, muss ein aktuelles und praktisches Rechtsschutzinteresse an deren Überprüfung durch das Geri cht deshalb verneint werden. Ein praktischer Nutzen, den eine Gutheissung der vorliegende n Beschwerde den Adressaten der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 3. November 20 14 verschaffen würde, ist unter die- sen Umständen nicht auszumachen. 3.3 Die Beschwerdeführerin lässt vorbringen, dass von de r Voraussetzung eines aktuellen Rechtsschutzinteresses abzusehen sei, da sich die in der Be schwerde aufgeworfene Frage jederzeit unter gleichen oder ähnlichen Umständen wie der stellen könnte, ohne dass mit Blick auf eine zeitgerechte Neuversorgung eine rechtzeitige g erichtliche Überprüfung stattfinden könnte (BGE 131 II 670 E. 1.2). Sie übersieht, dass sich die nachträgliche Überprüfung einer noch vor Verfügungserlass gegenstandlos gewordenen Ano rdnung dabei stets auf die in Zu- kunft mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erneut stellenden Streitfragen zu reduzieren hat. Diese zusätzliche Voraussetzung ist indes zu verneinen. Wie die Beschwerdeführerin selbst vorbringen lässt, wäre im vorliegenden Verfahren nämli ch lediglich zu klären, ob die Orthesen „unter besonderen Umständen ausnahmsweise“ auch im Auslan d bezogen werden könnten. Nachdem mittlerweile den Ausführungen in der Stellun gnahme der Beschwerdeführerin vom 4. Mai 2015 zufolge aber davon auszugehen ist, dass mit de r Firma D.____ GmbH mittlerweile eine praktikable und zumutbare Versorgung mit der notw endigen Orthese sichergestellt ist, muss angenommen werden, dass dies ebenso für eine künftig e Hilfsmittelversorgung gilt. Auf- grund der Akten ist jedenfalls erstellt, dass die D.____ GmbH insbesondere in zeitlicher Hinsicht in der Lage ist, die notwendige Orthesenversorgung äusse rst rasch sicherzustellen (vgl. IV-Dok 236 f.). Dies gilt umso mehr, als aus deren Sicht die Er stversorgung mittlerweile erfolgt ist, und eine neue Orthese deshalb künftig umso rascher in angep asster Form bereitgestellt werden kann (vgl. IV-Dok 236, ad Erstversorgung). Ein relevantes Rechtsschutzinteresse an der ge- richtlichen Überprüfung der vorliegend angefochtenen Verfügung ist daher auch unter dem Titel einer potentiellen Grundsatzfrage zu verneinen. 3.4 Zusammengefasst resultiert, dass auf die Beschwerde ma ngels Streitgegenstands nicht eingetreten werden kann, soweit sie sich auf das Koste nübernahmegesuch der Eltern der Ver- sicherten vom 16. Juni 2013 bezieht. In Bezug auf das mi ttlerweile gutgeheissene Gesuch um Hilfsmittelversorgung vom 31. August 2014 fehlt es sodann an einem schutzwürdigen Interesse an der Aufhebung oder der Änderung der angefochtenen Verfügung. Auf die vorliegende Be- schwerde ist Ergebnis deshalb nicht einzutreten. 4. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Ein Nichteintreten auf die Beschwerde kommt in prozessualer Hinsicht einem Unterliegen gleich, weshalb die Verfahr enskosten vorliegend grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind. Praxisgemäss wird allerdings in Beschwerdeverfahren, in denen dem Gericht bis zur Prozesserledigung ein nur geringer Aufwand entstanden ist, ge- stützt auf § 4 Abs. 2 der Verordnung über die Gebühren der Gerichte vom 15. November 2010 auf die Erhebung von (minimalen) Gerichtskosten verzichtet . Vorliegend handelt es sich um Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht einen solchen Fall, in welchem das Gericht lediglich d ie Eintretensvoraussetzungen zu prüfen hatte. Es rechtfertigt sich deshalb, von der Erhebung vo n Verfahrenskosten abzusehen. Der geleistete Kostenvorschuss ist der Beschwerdeführerin dem nach zurückzuerstatten. Die aus- serordentlichen Kosten wiederum sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.— w ird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde am 9. November 2015 Beschwerde beim Bundesgericht erho- ben (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_831/2015 ). http://www.bl.ch/kantonsgericht