B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-5616/2012 U r t e i l v o m 2 8 . N o v e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Maria Amgwerd (Vorsitz), Richter Francesco Brentani, Richter Marc Steiner, Gerichtsschreiber Lukas Abegg. Parteien Swissclear AG, Postplatz 3, 6431 Schwyz, vertreten durch Rechtsanwälte Bernard Volken und Stefan Hubacher, Fuhrer Marbach & Partner, Konsumstrasse 16 A, 3007 Bern, Beschwerdeführerin, gegen VZ Holding AG, Beethovenstrasse 20-24, 8002 Zürich, vertreten durch Rechtsanwalt Christian Sutter, Blum & Grob Rechtsanwälte AG, Neumühlequai 6, Postfach 3954, 8021 Zürich, Beschwerdegegnerin, Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum IGE, Stauffacherstrasse 65/59g, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Verfügung vom 28. September 2012 im Widerspruchsverfah- ren Nr. 11792 CH 484 165 VZ VermögensZentrum / CH 612 805 SVZ Schweizer VorsorgeZentrum. B-5616/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Schweizer Marke Nr. 612 805 SVZ Schweizer VorsorgeZentrum wur- de am 8. März 2011 als Wortmarke in Swissreg veröffentlicht. Die Inhabe- rin dieser Marke ist die Beschwerdeführerin . Die Marke ist für folgende Dienstleistungen hinterlegt: Klasse 35: Werbung; Geschäftsführung; Unternehmensverwaltung; U n- ternehmungsberatung; Büroarbeiten. Klasse 36: Versicherungswesen; Finanzwesen; Geldgeschäfte; finanzie l- le Vorsorgeplanung und –beratung; Immobilienwesen. B. Am 8. Juni 2011 erhob die Beschwerdeg egnerin Widerspruch gegen die Eintragung dieser Marke für Dienstleistungen der Klasse 36 . Die B e- schwerdegegnerin stützt sich dabei auf ihre Schweizer Marke Nr. 484 165 VZ VermögensZentrum. Diese Widerspruchsmarke ist für folgende Dienstleistungen eingetragen: Klasse 36: Versicherungswesen, Finanzwesen, Geldgeschäfte, Immob i- lienwesen. C. Mit Schreiben vom 13. Oktober 2011 reichte die Beschwerdeführerin ihre Stellungnahme ein, in welcher sie u.a. den Nichtgebrauch der Wide r- spruchsmarke geltend machte und im Übrigen um Abweisung des Wider- spruchs ersuchte. Die Parteien konnten sich mit Replik vom 20. April 2012 und Duplik vom 12. Juni 2012 zusätzlich zur Thematik äus- sern und weitere Beweismittel ins Recht legen. D. Die Vorinstanz erliess mit Verfügung vom 28. September 2012 folgenden Entscheid: 1. Der Widerspruch Nr. 11792 wird gutgeheissen. 2. Die Eintragung der Schweizer Marke Nr. 612 805 "SVZ Schweizer VorsorgeZentrum" wird teilweise widerrufen, d.h. für die nachg e- nannten Dienstleistungen: B-5616/2012 Seite 3 Klasse 36: Versicherungswesen; Finanzwesen; Geldgeschäfte; finanzielle Vorso rgeplanung und –beratung; Immob i- lienwesen. 3. Die Widerspruchsgebühr von Fr. 800.00 verbleibt beim Institut. 4. Die Widerspruchsgegnerin hat der Widersprechenden eine Entsch ä- digung von Fr. 2'800.00 (inkl. Widerspruchsgebühr) zu bezahlen. 5. … Die Vorinstanz begründete ihre Entscheidung im Wesentlichen damit, dass zum einen glaubhaft gemacht wurde, dass die Widerspruchsmarke für Teilbereiche der beanspruchten Dienstleistungen, namentlich für fi- nanzielle Beratung bezüglich Geldanlagen, Hypotheken, Steuern, sowie Pensionierungs- und Nachlassplanung, rechtserhaltend gebraucht würde. Zum anderen stellte die Vorinstanz eine Verwechslungsgefahr zwischen den strittigen Zeichen fest. Diese begründete sie da mit, dass die Diens t- leistungen, für welche einerseits die angefochtene Marke eingetragen und andererseits die Widerspruchsmarke den Gebrauch glaubhaft mac h- te, gleichartig seien und die Zeichen ähnlich seien. Insbesondere seien die Zeichen in Schrift- und Klangbild ähnlich, der leichte semantische Un- terschied würde keinen genügenden Zeichenabstand herstellen. Zudem seien beide Zeichen in der Art gleich gestaltet; beiden sei die Abkürzung der ausgeschriebenen Worte vorangestellt. E. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 29. Oktober 2012 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht . Sie b e- antragt, der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben und der Wide r- spruch gegen die angefochtene Marke SVZ Schweizer VorsorgeZentrum sei unter Kosten - und Entschädigungsfolge vollumfänglich abzuweisen. Eventualiter sei der Entscheid der Vorinstanz aufzuheben und an diese zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen des Bundesverwaltungsge- richts zurückzuweisen. Die Beschwerdeführerin begründet ihre B e- schwerde damit, dass das Argument der Vorinstanz unzulässig sei, w o- nach eine Verwechslungsgefahr bestehe , weil im Aufbau der Marken j e- weils die Abkürzung der ausgeschriebenen Worte vorangestellt seien. Dieses Argument stelle einen unzulässigen Konz eptschutz dar. Weiter seien die Zeichen grundsätzlich nicht ähnlich und jener Bereich, welcher tatsächlich Ähnlichkeit aufweise, sei gemeinfrei und daher für die Ve r- wechselbarkeit irrelevant. Zudem sei die Widerspruchsmarke von geri n- gem Schutzumfang, insbesondere reduziere sie sich im Wesentlichen auf B-5616/2012 Seite 4 die Abkürzung VZ, da der Bestandteil V ermögensZentrum kaum wahrge- nommen würde. Die Feststellung der Vorinstanz, wonach die Wide r- spruchsmarke für die Dienstleistungen finanzielle Beratung bezüglich Geldanlagen, Hypotheken, Steuern, Pensionierungs - und Nachlasspla- nung rechtserhaltend gebraucht werden blieb von der Beschwerdeführ e- rin unangefochten. F. Mit Eingabe vom 10. Januar 2013 verzichtet e die Vorinstanz auf die Ei n- reichung einer Stellungnahme und beantragt, un ter Hinweis auf die B e- gründung der angefochtenen Verfügung, die Beschwerde sei unter Ko s- tenfolge abzuweisen. G. Mit Eingabe vom 11. Februar 2013 reichte die Beschwerdegegnerin ihre Stellungnahme zur Beschwerde ein. Sie beantragt, die Beschwerde sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge im Hauptantrag und im Eventua l- antrag vollständig abzuweisen. Die Beschwerdegegnerin begründet ihren Antrag im Wesentlichen damit, dass die Vorbringen der Beschwerdefü h- rerin nicht stichhaltig seien; so sei der Entscheid der Vori nstanz keines- wegs von der Idee des Konzeptschutzes getragen, vielmehr würde die Vorinstanz die naheliegende Feststellung treffen, dass zwei Zeichen, wel- che in ihrem Aufbau ähnlichen oder gleichen Mustern folgen, sich auch im Gesamteindruck ähnlich sein können, was vorliegend der Fall sei. Weiter führt die Beschwerdegegnerin aus, dass die Beschwerdeführerin unz u- lässigerweise nur Teile der be iden Marken vergleicht, ohne die Wirkung des Gesamteindrucks der jeweiligen Marken zu berücksichtigen. Die B e- rücksichtigung des Gesamteindrucks sei insbesondere auch wichtig, da kennzeichnungsschwache Bestandteile einer Marke auch ihre Berüc k- sichtigung finden müssen und nicht lediglich auf kennzeichnungskräftige Elemente abgestellt werden darf. Die Beschwerdegegnerin geht ansons- ten mit den Ausführungen der Vorinstanz einig und ficht insbesondere auch die Feststellung des rechtserhaltenden Gebrauchs der Marke ledi g- lich für Teilbereiche nicht an . Sie entgegnet allerdings, dass ihre Marke, entgegen der Annahmen der Vorinstanz, über einen erhöhten Schutzu m- fang verfüge. B-5616/2012 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden g e- gen Entscheide der Vorinstanz in Widerspruchssachen zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. e des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Die Beschwerde wurde in der gesetzlichen Frist von Art. 50 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Deze m- ber 1968 (VwVG, SR 172.021) eingereicht und der Kostenvorschuss rechtzeitig ge leistet. Als Adressatin der angefochtenen Verfügungen ist die Beschwerdeführerin zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 2. Vom Markenschutz ausgeschlossen sind Zeichen, die einer älteren Marke ähnlich und für gleiche oder gleichartige Waren oder Dienstleistungen be- stimmt sind, so dass sich daraus eine Verwechslungsgefahr ergibt (Art. 3 Abs. 1 Bst. c des Markenschutzgesetzes vom 28. August 1992 [MSchG, SR 232.11]). Der Inhaber dieser älteren Marke kann sich alle r- dings nur auf den Ausschlussgrund der Verwechslungsgefahr stützen, wenn seine Marke im Zusammenhang mit den Waren und Dienstleistu n- gen ernsthaft gebraucht wird, für die sie beansprucht wird (Art. 11 Abs. 1 MSchG). 2.1 Ob sich zwei Marken hinreichend deutlich unterscheiden oder im Ge- genteil verwechselbar sind, ist nicht auf Grund eines abstrakten Zeiche n- vergleichs, sondern stets vor dem Hintergrund aller relevanten Umstände zu beurteilen. Der Massstab, der an die Unterscheidbarkeit anzulegen ist, hängt dabei einerseits vom Umfang des Ähnlichkeitsbereichs ab, dessen Schutz der Inhaber der älteren Marke beanspruchen kann, und andere r- seits von den Waren und Dienstleistungen, für welche die sich gegen ü- berstehenden Marken hinterlegt sind (BGE 122 III 382 E. 1 Kamillo- san/Kamillan). 2.2 Je näher sich die Waren und Dienstleistungen sind, für welche die Marken registriert sind, desto grösser wird das Risiko von Verwechslu n- gen und desto stärker muss sich das jüngere Zeichen vom älteren abh e- ben, um die Verwechslungsgefahr zu ba nnen. Ein besonders strenger Massstab ist anzulegen, wenn beide Marken für weitgehend identische Waren oder Dienstleistungen bestimmt sind. Im Weiteren ist für die Ve r- wechselbarkeit von Bedeutung, an welche Abnehmerkreise sich die W a-B-5616/2012 Seite 6 ren und Dienstleistungen richten und unter welchen Umständen sie übl i- cherweise gehandelt bzw. angeboten werden. Bei Massenartikeln des täglichen Bedarfs ist mit einer geringeren Aufmerksamkeit und einem g e- ringeren Unterscheidungsvermögen der Konsumenten zu rechnen als bei Spezialprodukten bzw. Spezialdienstleistungen , deren Absatzmarkt auf einen mehr oder weniger geschlossenen Kreis von Berufsleuten b e- schränkt bleibt (BGE 126 III 315 E. 6b/bb Rivella/Apiella; BGE 122 III 382 E. 3a Kamillosan/Kamillan; Urteil des Bundesgerichts 4C .258/2004 vom 6. Oktober 2004 E. 2.3 Yello/Yellow). 2.3 Die Markenähnlichkeit beurteilt sich nach dem Gesamteindruck, den die Marken in der Erinnerung der angesprochenen Verkehrskreise hinte r- lassen (BGE 121 III 377 E. 2a Boss/Boks; EUGEN MARBACH, in: Roland von Büren/Lucas David [Hrsg.], Schweizerisches Immaterialgüter - und Wettbewerbsrecht, Bd. III/1, Markenrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N. 864; LUCAS DAVID, in: Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Marke n- schutzgesetz/Muster- und Modellgesetz, 2. Aufl., Ba sel 1999, MSchG Art. 3 N. 11 und 15; CHRISTOPH WILLI, in: Markenschutzgesetz, Kommen- tar zum schweizerischen Markenrecht unter Berücksichtigung des eur o- päischen und internationalen Markenrechts, Zürich 2002, Art. 3 N. 63 und 67). 2.4 Bei reinen Wortmarken ist der Wortklang, das Schriftbild und gegebe- nenfalls der Sinngehalt massgebend (BGE 127 III 160 E. 2b/cc Securitas; BGE 121 III 377 E. 2b Boss/Boks). Dabei genügt es für die Annahme der Ähnlichkeit, wenn diese in Bezug auf nur eines dieser Kriterien bejaht wird ( EUGEN MARBACH, in: Roland von Büren/Lucas David [Hrsg.], Schweizerisches Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht, Bd. III/1, Ma r- kenrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N. 875; RKGE in sic! 2006 S. 761 E. 4 McDonald's/McLake). Der Wortklang wird im Wesentlichen durch die Silbenzahl, die Aussprachekadenz und die Aufeinanderfolge der Vokale bestimmt, das Erscheinungsbild durch die Wortlänge und die opt i- sche Wirkung der Buchstaben. Schliesslich ist zu beachten, dass der Wortanfang respektive Wortstamm und die Endung in der Regel grössere Beachtung finden als dazwischen geschobene, unbetonte weitere Buc h- staben oder Silben (BGE 127 III 160 E. 2b/cc Securitas; BGE 122 III 382 E. 5a Kamillosan/Kamillan; BGE 119 II 473 E. 2c Radion/ Radomat; RKGE in sic! 2002 S. 101 E. 6 Mikron [fig.]/ Mikromat [fig.]). B-5616/2012 Seite 7 3. 3.1 Die Vorinstanz beurteilt die hier relevanten Dienstleistungen der W i- derspruchsmarke (finanzielle Beratung bezüglich Geldanlagen, Hypoth e- ken, Steuern, Pensionierungs - und Nachlassplanung in Klasse 36) bzw. der angefochtenen Marke ( Versicherungswesen; Finanzwesen; Geldg e- schäfte; finanzielle Vorsorgeplanung und –beratung; Immobilienwesen in Klasse 36) im Umfang der Dienstleistungen der Widerspruchsmarke als gleich und für weitergehende Dienstleistungen gemäss Dien stleistungs- eintrag der angefochtenen Marke als hochgradig gleichartig . Die Vorin- stanz begründet diese Feststellung damit, dass für die sich gegenübe r- stehenden Dienstleistung en ein verwandtes Know -How benötigt werde sowie mit dem Umstand, dass es für einen Anbieter dieser Dienstleistun- gen sinnvoll sei, solche Dienstleistungen zusammen anzubieten bzw. sei es für einen Abnehmer sinnvoll, diese Dienstleistungen zusammen in An- spruch zu nehmen. Diese Ansicht wurde im Beschwerde verfahren nicht beanstandet. Da sich auch sonst keine abweichende Beurteilung au f- drängt, kann der vorinstanzlichen Einschätzung im Beschwerdeverfahren gefolgt werden. 3.2 Die Dienstleistungen finanzielle Beratung bezüglich Geldanlagen, Hy- potheken, Steuern, Pensionierungs - und Nachlassplanung in Klasse 36 richten sich an Fachleute der Finanzbranche, aber auch an Durc h- schnittsverbraucher (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts B-8242/2010 vom 22. Mai 2012 E. 3.2 LOMBARD ODIER & CIE./Lombard NETWORK [fig.] sowie B -2125/2008 vom 15. Mai 2009 E. 3 Total Trader). Spricht eine Marke, wie im vorliegenden Fall, gleichzei- tig mehrere Verkehrskreise an, so genügt es zur Gutheissung eines W i- derspruchs bereits, wenn eine Verwechslungsgefahr mit Bezug auf einen dieser Verkehrskreise besteht (Urteil des Bund esverwaltungsgerichts B-37/2011 vom 6. Oktober 2011 E. 4 Sansan/Santasana, mit Hinweisen auf EUGEN MARBACH, in: Roland von Büren/Lucas David [Hrsg.], Schwe i- zerisches Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht, Bd. III/1, Markenrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N. 954). 4. Als Nächstes ist die Zeichenähnlichkeit zu prüfen. Es stehen sich die re i- nen Wortmarken VZ VermögensZentrum einerseits und SVZ Schweizer VorsorgeZentrum andererseits gegenüber. B-5616/2012 Seite 8 4.1 Die Widerspruchsmarke bildet sich aus der Abkürzung VZ und dem Wort VermögensZentrum, welches aus fünf Silben besteht. Das Schrif t- bild wird massgeblich durch die Wiederholung der Buchstaben VZ in der vorangestellten Abkürzung und den Anfangsbuchstaben der beiden zum Kompositum kontrahierten Worte Vermögen und Zentrum geprägt. Weiter wird das Schriftbild durch den Buchstaben g mit seinem signifikanten U n- terschwung und dem Umlaut ö mit den charakteristischen zwei Punkten im Wortbestandteil Vermögen sowie durch den eher seltenen Buchstaben z und den schriftbildlich nach oben h erausragenden t im Wortbestandteil Zentrum beeinflusst. Zur Grossschreibung des Buchstabens z vgl. E. 4.4 nachfolgend. Die angefochtene Marke übernimmt weitgehend diese prägenden Mer k- male. Es werden ebenfalls die Buchstaben V und Z als Abkürzung für das Kompositum VorsorgeZentrum ebendiesem Wort vorangestellt. Die schriftbildliche Prägung durch die Buchstaben V und Z wird dadurch gänzlich übernommen. Ebenso findet sich ein Buchstabe g in der gle i- chen Silbe wie in der Widerspruchsmarke wieder. Der zweite Wor tbe- standteil des Kompositums VermögensZentrum wird identisch überno m- men. Der Buchstabe ö findet sich hingegen in der angefochtenen Marke nicht. Die Wortlänge wiederum ist lediglich um einen Buchstaben kürzer und ebenfalls aus fünf Silben bestehend, was hin sichtlich des Wortkla n- ges die aufgrund der Nutzung gleicher Buchstaben bereits bestehende Ähnlichkeit verstärkt. Die Tatsache, dass zwei Silben der angefochtenen Marke andere Vokale als die Widerspruchsmarke verwenden, vermag diese Ähnlichkeit, die nicht z uletzt auch durch die Verwendung gleicher Konsonanten mit prägender Phonetik wie v, r, g, z und t herbeigeführt wird, nicht zu schmälern. 4.2 Die angefochtene Marke verfügt gegenüber der Widerspruchsmarke über zwei zusätzliche Elemente, nämlich das Wort Schweizer und dessen Initiale S. Diese Änderungen vermögen indes die von der Widerspruch s- marke übernommenen prägenden Bestandteile nicht in den Hintergrund zu verdrängen, bzw. vermögen kein en derart neuen Eindruck zu erzeu- gen, wonach die übernommenen Teile mit d er neuen Marke derart ve r- schmolzen würden, dass diese in der neuen Marke nur noch als unterg e- ordnete Teile erscheinen würden (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. August 2013 B-4772/2012 E. 5.2 Mc (fig.)/MC2 (fig.) mit weiteren Hinweisen, GALLUS JOLLER , in: Michael G. Noth/Gregor Bühler/Florent Thouvenin [Hrsg.], Markenschutzgesetz [MSchG], Bern 2009, Art. 3 N. 128). Auch ist vorliegend kein unterschiedlicher Sinngehalt der Marken B-5616/2012 Seite 9 auszumachen, welcher eine Ähnlichkeit der Zeichen aufheben könnte. Sowohl das Wort Vermögenszentrum als auch das Wort Vorsorgezentrum werden mit Dienstleistungen der Finanzindustrie assoziiert und unte r- scheiden sich nur insoweit, als das zweite einen etwas spezifischeren In- halt als das erste hat. Das Wort Schweizer und seine Abkürzung S im vorangestellten Akronym vermögen auch bezüglich des Sinngehalts ke i- nen genügenden Abstand vom älteren Zeichen herzustellen, da die ange- sprochenen Verkehrskreise sowohl vo m Widerspruchszeichen als auch von der angefochtenen Marke annehmen werden, schweizbezogene Dienstleistungen im Schweizer Markt zu bezeichnen, wodurch das Wort Schweizer und der dazugehörige Buchstabe S kaum Unterscheidung s- kraft aufweis t. Es besteht vielme hr die Gefahr, dass durch die gleiche bzw. ähnliche Verwendung der prägenden Elemente der Widerspruch s- marke und das Zufügen des wenig charakteristischen Wortes Schweizer und seines Initialen S mögliche Abnehmer von einer Serienmarke oder zumindest von Marken verbundener Unternehmen ausgehen könnten. 4.3 Weiter fällt auf, dass beiden Zeichen die Abkürzung der ausgeschri e- benen Worte vorangestellt ist. Die Idee, die Initialen mehrerer Worte ebendiesen voranzustellen begründet für sich alleine keinen Schutz. Inso- fern hat die Beschwerdeführerin Recht, wenn sie ausführt, dass das Ma r- kenrecht keinen Konzeptschutz kennt (EUGEN MARBACH, in: Roland von Büren/Lucas David [Hrsg.], Schweizerisches Immaterialg üter- und Wett- bewerbsrecht, Bd. III/1, Markenrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N. 111; MICHEL NOTH/FLORENT THOUVENIN , in: Michael G. Noth/Gregor Bühler/Florent Thouvenin [Hrsg.], Markenschutzgesetz [MSchG], Bern 2009, Art. 1 N. 66). Es ist hingegen aber möglich, dass die Verwendung der gleichen Anordnung von Abkürzung und ausgeschriebenem Wort eine bestehende Zeichenähnlichkeit in einer Gesamtbeurteilung noch weiter verstärkt. Ge- nau dies ist vorliegend der Fall. 4.4 Aussergewöhnlich erscheint zudem, dass die Widerspruchsmarke ein zusammengesetztes Wort beinhalte t, dessen zweiter Teil – Zentrum – entgegen der ordentlichen Rechtschreibung mit einem Grossbuchstaben geschrieben wird. Diese anormale Schreibweise wird von der angefoc h- tenen Marke übernommen, auch hier wird in dem in der Marke verwende- ten Kompositum das zweite Wort – ebenfalls Zentrum – mit einem Gross- buchstaben geschrieben. Es gilt zwar als anerkannt, dass eine unterschiedliche Gestaltung der Buchstaben bei Wortmarken grundsätzlich eine vorhandene Ähnlichkeit B-5616/2012 Seite 10 nicht beseitigen kann ( Entscheid der RKGE in sic! 2005 S. 656 Leponex/ Felonex; GALLUS JOLLER, in: Michael G. Noth/Gregor Bühler/Florent Thouvenin [Hrsg.], Markenschutzgesetz [MSchG], Bern 2009, Art. 3 N. 132; CHRISTOPH WILLI, in: Markenschutzgesetz, Kommentar zum schweizerischen Markenrecht unter Berücksichtigung de s europäischen und internationalen Markenrechts, Zürich 2002, Art. 3, N. 81). Im vorlie- genden umgekehrten Fall einer exakten Übernahme einer bewussten Abweichung von der Norm vom älteren in das jüngere Zeichen scheint es allerdings vielmehr gerechtfer tigt, dieses Übernehmen der Abweichung von der Norm als Verstärkung einer bereits vorhandenen Zeichenähnlich- keit zu beurteilen. 4.5 Insgesamt ist somit festzuhalten, dass durch die Übernahme der pr ä- genden Elemente der Widerspruchsmarke eine Zeichenähnlichkeit mit der angefochtenen Marke besteht. 5. Um die Frage der Verwechslungsgefahr beurteilen zu können, muss letzt- lich die Kennzeichnungskraft und damit der Schutzumfang der Wide r- spruchsmarke bestimmt werden. Die Verwechslungsgefahr kann etwa dann ausgeschlossen werden, wenn die Widerspruchsmarke nur über e i- ne geringe Kennzeichnungskraft verfügt und aufgrund dessen nur einen kleineren geschützten Ähnlichkeitsbereich beanspruchen kann (BGE 122 III 385 E. 2a Kamillosan/Kamillan; Urteile des Bundesverwa l- tungsgerichts B -317/2010 vom 13. September 2010 E. 7.2 Lifetex/ Lifetea; B -2235/2008 vom 2. März 2010 E. 4.3 Dermoxane/Dermosane; B-7492/2006 vom 12. Juli 2007 E. 6 Aromata/Aromathera). Von einem schmalen Schutzbereich ist insbesondere dann auszugehen, wenn das Zeichen als Ganzes oder wesentliche Teile davon stark beschreibend oder gar gemeinfrei sind ( GALLUS JOLLER , in: Michael G. Noth/Gregor Bühler/Florent Thouvenin [Hrsg.], Markenschutzgesetz [MSchG], Bern 2009, Art. 3 N. 86 f. EUGEN MARBACH, in: Roland von Büren/Luca s David [Hrsg.], Schweizerisches Immaterialgüter - und Wettbewerbsrecht, Bd. III/1, Markenrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N. 981 mit Hinweisen). In einem solchen Fall genügen schon geringe Abweichungen, um die Verwech s- lungsgefahr zu bannen. 5.1 Die Widerspruchsma rke VZ VermögensZentrum besteht aus dem Kompositum Vermögen und Zentrum sowie der vorangestellten Abkü r- zung VZ. Die Abkürzung kann im Sinne der Lehre und Rechtsprechung zu den Akronymmarken als grundsätzlich normal kennzeichnungskräftig B-5616/2012 Seite 11 angesehen werden (v gl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-38/2011, B-39/2011, B-40/2011 vom 29. April 2011 E. 8.2 IKB/ICB [fig.], IKB/ICB, IKB/ICB Banking mit Hinweisen, RKGE in sic! 2000, S. 509 E. 4 DK/dk Daniel Kramer Cosmetics ; GALLUS JOLLER , in: Michael G. Noth/Gregor Bühler/Florent Thouvenin [Hrsg.], Markenschutzgesetz [MSchG], Bern 2009, Art. 3 N. 83 mit zahlreichen Hinweisen; a. A. STEFAN DAY in sic! 2000, S. 546 Ausgedehnter Schutz für Akronyme?). Auch der zweite Teil des Kompositums, das Wort Zentrum, ist für die registrierten Dienstleistungen nicht beschreibend und in Kombination verwendet, wie vorliegend, auch nicht anderweitig gemeinfrei. Einzig der Wortteil Vermö- gen ist im Zusammenhang mit den Dienstleistungen finanzielle Beratung bezüglich Geldanlagen, Hypotheken, Steuern, Pensionierungs - und Nachlassplanung stark beschreibend und daher von nur geringer Ken n- zeichnungskraft. Dies tut der Kennzeichnungskraft der vollständigen Ma r- ke allerdings keinen Abbruch. Der Widerspruchsmarke kann in einer G e- samtbetrachtung somit eine mindestens normale Kennzeichnungskraft at- testiert werden. Ob die Widerspruchsmarke erhöhte Kennzeichnungskraft hat, wie von der Beschwerdegegnerin behauptet, kann indes offen b leiben, da die Wi- derspruchsmarke mit normaler Kennzeichnungskraft einen durchschnittl i- chen Schutzumfang besitzt und in Kombination mit der starken Gleicha r- tigkeit der Dienstleistungen und der Zeichenähnlichkeit bereits eine Ve r- wechslungsgefahr besteht (vgl . E. 6 nachfolgend). Es muss daher nicht weiter auf die eingereichten Belege bezüglich der erhöhten Bekanntheit eingegangen werden. 6. In einer Gesamtbetrachtung aller Vorbringen muss nun beurteilt werden, ob eine Verwechslungsgefahr vorliegt. Die sich gege nüberstehenden Dienstleistungen sind hochgradig gleichartig, weshalb zur Beurteilung der Verwechslungsgefahr ein strenger Massstab angewendet wird. In Komb i- nation mit dem durchschnittlichen Aufmerksamkeitsgrad, welcher vorli e- gend zur Beurteilung zur Anwend ung kommt, und der Übernahme der prägenden Elemente von der Widerspruchsmarke in die angefochtene Marke muss auch schon bei einer durchschnittlichen Kennzeichnung s- kraft der Widerspruchsmarke von einer Verwechslungsgefahr zwischen den strittigen Zeichen ausgegangen werden. Die Beschwerde erweist sich daher als unbegründet und ist abzuweisen. B-5616/2012 Seite 12 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwerdeführerin kosten - und entschädigungspflichtig (Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). 7.1 Die Gerichtsgebühr ist nach Umfang und Schwierigkeitsgrad der Streitsache, Art der Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien festzulegen (Art. 63 Abs. 4bis VwVG, Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht ist dafür ein Streitwert zu veranschl a- gen (Art. 4 VGKE). Die Schätzung des Streitwertes hat sich nach Lehre und Rechtsprechung an Erfahrungswerten aus der Praxis zu orient ieren, wobei bei eher unbedeutenden Zeichen grundsätzlich von einem Strei t- wert zwischen Fr. 50'000.– und Fr. 100'000.– auszugehen ist (BGE 133 III 492 E. 3.3 Turbinenfuss [3D] mit Hinweisen; Urteil des Bu n- desgerichts 4A_161/2007 vom 18. Juli 2007 E. 1 we make ideas work mit Hinweis). Von diesem Erfahrungswert ist auch im vorliegenden Verfahren auszugehen. Es sprechen keine konkreten Anhaltspunkte für einen höhe- ren oder niedrigeren Wert der strittigen Marke. Aufgrund des vorliegend anzunehmenden Streitwerts werden die Verfahrenskosten auf Fr. 4'000.– festgelegt. 7.2 Die Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin eine angeme s- sene Parteientschädigung zu entrichten (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 VGKE). Das Gericht setzt diese aufgrund der eingereichten Kostennote der Beschwerdegegnerin fest (Art. 14 Abs. 2 Satz 1 VGKE). Der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer B e- schwerdeantwort vorsorglich eine angemessene Umtriebsentschädigung nach Ermessen des Bundesverwaltungsgerichts, jedoch nicht weniger als Fr. 3'500.– (exkl. MWST), und offeriert das Einreichen einer Honorarnote soweit dies für die Bemessung der Parteientschädigung vonnöten sei. Auf das Einfordern einer Honorarnote wird indes verzichtet und die Parteien t- schädigung für das Beschwerdeverfahren in Würdigung der Aktenlage und des vorsorglichen Antrags auf Fr. 3'780.– (inkl. MWST) festgesetzt (Art. 14 VGKE). 8. Gegen dieses Urteil steht keine Beschwerde an das Bundesgericht offen (Art. 73 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 20 05 [BGG, SR 173.110]) und ist daher mit Eröffnung rechtskräftig. B-5616/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 4'000.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 3'500.- verrechnet. Der Restbetrag von Fr. 500. – ist innert 30 Tagen ab Eröffnung dieses Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Die Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin eine Parteien t- schädigung für das Besch werdeverfahren in der Höhe von Fr. 3'780.– (inkl. MWST) zu entrichten. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein) – die Beschwerdegegnerin (Einschreiben; Beilagen zurück) – die Vorinstanz (Ref-Nr. 11792; Einschreiben; Vorakten zurück) Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Maria Amgwerd Lukas Abegg Versand: 3. Dezember 2013