BRKE I Nr. 123/1995 vom 24. März 1995 in BEZ 1995 Nr. 17 4. Soll ein Gebäude erstellt werden, das den ordentlichen Grenzabstand nicht respektiert, hat die Baubehörde nur zu prüfen, ob eine nachbarliche Vereinbarung über ein entsprechendes Näherbaurecht vorliegt (§ 270 Abs. 3 PBG). Wird zusätzlich zur Grenzabstandsunterschreitung auch noch der ordentliche Gebäudeabstand unterschritten, so darf die Bewilligung nur erteilt werden, wenn einwandfreie wohnhygienische und fe uerpolizeiliche Verhältnisse gewährleistet sind. Wird der Grenzabstand vom projektierten Gebäude eingehalten und steht ein nac h- barliches G ebäude näher an der Grenze, als es nach den Bauvorschriften zulässig ist, muss das Vorhaben bewilligt werden, wenn der nach § 274 Abs. 1 PBG zu b e- messende Gebä udeabstand (Summe aus dem Grenzabstand, den das neue Ba u- vorhaben benötigt, und dem kantonalrechtlichen Mindestgrenzabstand) eingehalten ist oder wenn der Nachbar auch einer Unterschreitung dieses Gebäudeabstandes zustimmt und einwandfreie wohnhygienische und feuerpolizeiliche Verhältnisse vo r- liegen (§ 270 Abs. 3 PBG). Die Baubehörde darf sich angesichts dieser öffentlichrechtlichen Regelungen ohne weiteres auf eine Prüfung des jeweils gerade zur Beurteilung stehenden kon- kreten Vo rhabens beschränken. Es drängen sich mithin keine Regelungen im Hi n- blick auf künftige Bauten auf den Nachbargrundstücken auf. Steht nur dem Erstba u- enden ein Näherba urecht zu, so braucht sich die Baubehörde vorderhand nicht da r- um zu kümmern, we lche Konsequenzen sich hinsichtlich künftiger Bauten auf dem Nachbargrundstück ergeben. Es ist primär Sache der Grundeigentümer, die Nähe r- baurechte im Rahmen des öffen tlichrechtlich Zulässigen zu stipulieren. Dabei hat der ein Näherbaurecht einräumende Zwe itbauende zu bedenken, dass er dereinst aufgrund der wohnhygienischen und fe uerpolizeilichen Verhältnisse (§ 270 Abs. 3 PBG) allenfalls weiter von der Grenze abr ücken müssen wird, als es nach den pr i- vatrechtlichen Abmachungen zulässig wäre. Ein Eingreifen der Baubehörde in die privatrechtlichen Belange in der W eise, dass der Erstbauende vorbehältlich der Statuierung eines gegenseitigen Näherba u- rechts e ine Abrückungserklärung des Zweitbauenden im Sinne von § 274 Abs. 2 PBG beizubringen hätte, ist weder erfor derlich noch zulässig. Mit der gesetzlich g e- schaffenen Möglichkeit, Näherbaurechte zu stipulieren, sind die Abstände zwischen Grundstücksgrenzen und Gebäuden weitgehend der Disposition der Grundeigent ü- mer anhei mgestellt worden und können die ordentlichen ö ffentlichrechtlichen A b-- 2 - stände von der Baubehörde nicht mehr durchgesetzt werden. Es muss demnach bei der nur einseitigen Einräumung eines N äherbaurechts hingenommen werden, dass der Zweitbauende den reduzierten Gebäudeabstand gemäss § 274 Abs. 1 PBG b e- anspruchen kann. Eine A brückungserklärung im Sinne von § 274 Abs. 2 PBG zwecks Sicherung der zoneng emässen Gebäudeabstände kann von der Baubehö r- de indessen nicht verlangt werden.