Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Dezember 2021 (720 20 275 / 330) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1959 geborene A.____ war seit 25. Mai 2005 a ls Betriebsmitarbeiter bei der B.____ GmbH angestellt. Am 11. April 2017 meldete er sich unter Hinweis auf einen am 28. September 2016 erlittenen Hirnschlag bei der Eidg enössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Land schaft klärte die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse ab, wobei sie einen Inva liditätsgrad des Versicherten von 56 % ermittelte. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach sie A.__ __ nach durchgeführtem Vorbescheid- verfahren mit Verfügung vom 23. Juni 2020 rückwirkend a b 1. Oktober 2017 eine halbe Rente zu. In Bezug auf den Rentenbeginn wies die IV-Stelle d en Versicherten darauf hin, dass der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rentenanspruch frühestens sechs Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs ent- stehe. Seine Anmeldung sei am 12. April 2017 eingegan gen, weshalb die halbe Rente erst ab 1. Oktober 2017 ausgerichtet werden könne. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 15. Juli 20 20 "Einsprache" bei der IV-Stelle. Diese leitete die Eingabe am 17. Juli 2020 zuständigkeit shalber zur Behandlung als Beschwer- de an das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsre cht (Kantonsgericht), weiter. Da das Schreiben des Versicherten vom 15. Juli 2020 den gesetzli chen Anforderungen an eine Be- schwerdeschrift nicht genügte, räumte das Kantonsgericht A.____ eine unerstreckbare Nach- frist zur Beschwerdeverbesserung ein. In der Folge reich te der Versicherte am 8. September 2020 fristgerecht eine verbesserte Beschwerde ein. Darin beantragte er, es sei die angefochte- ne Verfügung aufzuheben und es sei ihm "mindestens e ine Dreiviertelsrente seit Gesuchsein- reichung auszurichten." Eventualiter sei die Angelegen heit an die Vorinstanz zurückzuweisen mit der Massgabe, ein neuropsychologisches Gutachten erst ellen zu lassen und gestützt auf dieses Gutachten neu zu verfügen. Im Weiteren sei ihm für das vorliegende Beschwerdeverfah- ren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren; alles unter Kosten- und Entschädigungsfol- gen. C. Gestützt auf die eingereichten Unterlagen bewilligt e das Kantonsgericht dem Be- schwerdeführer mit Verfügung vom 7. Oktober 2020 für d as vorliegende Verfahren die unent- geltliche Prozessführung. D. In ihrer Vernehmlassung vom 12. Oktober 2020 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 28. Januar 2021 ste llte das Kantonsgericht fest, dass die IV-Stelle dem Versicherten laut dem eingereichten IV-Dossier praktisch im selben Zeit- raum, in welchem die vorliegend strittige Rentenverfüg ung ergangen war, als Hilfsmittel der IV einen Rollator abgegeben hatte. Dieser Umstand werfe Fragen auf, die im vorliegenden, den Rentenanspruch betreffenden Beschwerdeverfahren bis a nhin nicht thematisiert worden seien. So sei nicht klar, ob die gutachterlich attestierte Zumu tbarkeitsbeurteilung vor dem geschilder- ten Hintergrund noch aktuell sei. Ebenso stelle sich di e Frage, ob der offenbar auf einen Rolla- tor angewiesene Beschwerdeführer überhaupt noch in der Lage sei, seine Resterwerbsfähigkeit wirtschaftlich zu verwerten, wenn man zusätzlich sein vorgerücktes Alter mitberücksichtige. Das Kantonsgericht entschied deshalb, vor einer abschliessende n Beurteilung der Angelegenheit eine ergänzende Stellungnahme der Beschwerdegegnerin zu diesen Fragen einzuholen. F. Am 12. April 2021 und - auf eine weitere Nachfra ge des Kantonsgerichts vom 29. April 2021 hin - mit zusätzlichen Ausführungen vom 14. Juni 2021 liess die IV-Stelle dem Kantonsge- richt ihre Antworten zukommen. Nachdem sich der Beschwer deführer am 22. Juni 2021 hierzu geäussert hatte, wurde die Angelegenheit mit Verfügu ng vom 6. Juli 2021 erneut dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden . Anfechtungsobjekte des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Sodann hat der Versicherte am 8. Septem- ber 2020 und somit innert der vom Kantonsgericht angese tzten Nachfrist eine verbesserte Be- schwerde eingereicht, die - im Gegensatz zur ursprüngl ichen Eingabe vom 15. Juli 2020 - nun- mehr ein klares Rechtsbegehren sowie eine ausführliche un d sachbezogene Begründung ent- hält. Schliesslich erleidet der Versicherte auch keinen Na chteil aus dem Umstand, dass er die ursprüngliche, als "Einsprache" betitelte Beschwerde vom 1 5. Juli 2020 bei der IV-Stelle ein- reichte. Diese leitete die Eingabe gestützt auf Art. 58 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den All- gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ohne Verzug zu- ständigkeitshalber zur Behandlung als Beschwerde an das K antonsgericht weiter. Zu ergänzen ist in diesem Zusammenhang, dass mit der rechtzeitigen E inreichung der Beschwerde bei der unzuständigen Behörde die Beschwerdefrist gewahrt wird (Art. 60 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 39 Abs. 2 ATSG). Auf die Beschwerde des Versi cherten gegen die Verfügung der IV- Stelle vom 23. Juni 2020 kann somit eingetreten werden. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die vo raussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der g esundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, ob und gegebe- nenfalls in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrun d ihrer gesundheitlichen Beein- trächtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2, 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die ander e medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2). Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist demnach entschei- dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntn is der Vorakten (Anamnese) abge- geben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Z usammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schl ussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2019, 9C_609/2018, E. 3.2.2). 5.1 Vorliegend gab die IV-Stelle zur Abklärung des akt uellen Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten bei den Dres. med. C. ____, Neurologie FMH, und D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein bidisziplinäres (ne urologisches/psychiatrisches) Gut- achten in Auftrag. 5.2.1 Im neurologischen Teilgutachten erhob Dr. C.____ als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (1) einen Zustand nach cerebr ovasculärem Ereignis lenticulo-striatal rechts am 29. September 2016 mit initial Sprechstörung und Hemisymptomatik links sowie (2) ein intermittierendes Lumbovertebralsyndrom rechts b ei Discusprotrusionen und Facetten- gelengsarthrosen L4/L5 sowie Discushernie rechts L5/S1 m it möglicher intermittierender Radi- kulopathie S1 rechts. Als Diagnosen ohne Einfluss auf di e Arbeitsfähigkeit gab er eine Symp- tomausweitung sowie eine Verdeutlichungstendenz und Agg ravation im Rahmen der verhal- tensneurologischen/psychometrischen Untersuchung an. In seiner Beurteilung der Arbeitsfähig- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit gelangte Dr. C.____ zum Schluss, dass der Explorand s eit dem Schlaganfall, also seit dem 29. September 2016, in der angestammten Tätigkeit nic ht mehr arbeitsfähig sei. Diese Ein- schätzung beruhe auf den Annahmen, dass der Versicherte di e angestammte Tätigkeit in aus- schliesslich stehender Haltung habe verrichten müssen, und dass die Tätigkeit zum Teil körper- lich belastend gewesen sei. Was die Arbeitsfähigkeit i n einer angepassten Tätigkeit angehe, so müsse es sich um eine solche mit frei wählbarer Körperha ltung (sitzend/stehend/gehend) han- deln, wobei die Körperachse nicht mehr als leicht bi s höchstens mässig belastet werden dürfe. In einer entsprechenden Tätigkeit sei dem Exploranden eine maximale Präsenz von 6 Stunden zumutbar. Zudem bestehe während dieser Präsenzzeit eine zusätzliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit, da der Explorand vermehrt Pausen benötige und einen erhöhten Erholungs- bedarf habe. Insgesamt sei somit in einer angepassten T ätigkeit im freien Arbeitsmarkt - bezo- gen auf ein 100 %-Pensum - von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen. In zeitlicher Hin- sicht dürfte bis April 2017 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten bestanden haben. Ab diesem Zeitpunkt gelte dann die erwähnte 50 %-ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit. 5.2.2 Im psychiatrischen Teilgutachten gelangte Dr. D.__ __ zur Auffassung, dass sich beim Exploranden weder eine psychiatrische Diagnose gemäss ICD -10 mit Einfluss auf die Arbeits- fähigkeit noch eine solche ohne Auswirkungen auf die Ar beitsfähigkeit erheben lasse. Ange- sichts dieses Umstands sei davon auszugehen, dass der Exploran d aus rein psychiatrischer Sicht medizinisch-theoretisch als zu 100 % arbeitsfähig be urteilt werden müsse. Dabei sei klar, dass die somatischen Elemente die Arbeits- und Leistung sfähigkeit mit an Sicherheit grenzen- der Wahrscheinlichkeit erheblich beeinträchtigen würden. 5.2.3 Im Rahmen ihrer interdisziplinären Konsensbeurtei lung kamen die Dres. C.____ und D.____ zum Schluss, dass die neurologische Beurteilung hin sichtlich der Einschätzung der Ar- beits- und Leistungsfähigkeit massgebend sei. 5.3 Aufgrund der Vorbringen des damaligen Rechtsvertre ters des Versicherten im Vorbe- scheidverfahren holte die IV-Stelle beim neurologischen Gutachter Dr. C.____ eine ergänzende Stellungnahme zum Schweregrad der neurologischen Erkra nkung des Beschwerdeführers ein. Der Experte führte dazu in seinem Antwortschreiben vom 9. November 2019 aus, er sei sowohl im Rahmen der klinisch-neurologischen als auch der verhal tensneurologischen psychometri- schen Untersuchung mit einer ausgeprägten Verdeutlichun gstendenz (Verzerrung des Antwort- verhaltens und Präsentation der Symptome) des Exploranden konfrontiert gewesen. Diese sei derart ausgeprägt gewesen, dass aufgrund der erhobenen Befunde eine selbständige Lebens- führung und auch die Fähigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen, in keiner Weise mehr gegeben wäre. Auch im Bereich der unteren Extremitäten habe sich im Rahmen der klinisch- neurologischen Untersuchung eine Aggravation bei Fehli nnervation mit Giving way finden las- sen. Zudem sei der Gang ausgesprochen unterschiedlich gewesen, zum Teil hinkend mit Nach- ziehen des rechten Beins, zum Teil vollkommen unauffällig mit guten Mitbewegungen. Er neh- me an, dass dieses Phänomen beim Exploranden "kulturell und bildungsbedingt" sei. Ansons- ten müsste von einer gezielten Aggravation ausgegangen werden, was auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit stärker mit zu berücksichtigen wäre. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 23. Juni 2020 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfäh igkeit des Versicherten auf die Ergeb- nisse, zu denen die Gutachter Dres. C.____ und D.____ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 4. März 2019 gelangten. Sie ging davon aus, dass dem Versicherten nach Ablauf des Wartejah- res (September 2017) die Ausübung einer angepassten Tä tigkeit im Umfang von 50 % zumut- bar sei. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltung sverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund einge hender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigun g volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigke it der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Guta chten der Dres. C.____ und D.____ vom 4. März 2019 weist weder formale noch inhaltliche Mänge l auf, es ist - wie dies vom Bundesge- richt verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - für die st reitigen Belange umfassend, es beruht auf all- seitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Besch werden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situati on ein, es setzt sich mit den vorhande- nen abweichenden ärztlichen Einschätzungen auseinander u nd es ist in den Schlussfolgerun- gen überzeugend. 6.2 Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht gee ignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens der Dres. C.____ und D.____ vom 4. März 2019 in Frage zu stellen. 6.2.1 Der Versicherte beanstandet, dass im Rahmen des p sychiatrischen Gutachtens kein strukturiertes Beweisverfahren durchgeführt worden sei. Mit diesem Einwand kann er vorlie- gend jedoch nichts zu seinen Gunsten ableiten. Der psychi atrische Experte begründet schlüs- sig, dass beim Versicherten keine Befundlage für eine psyc hiatrische Diagnose bestehe, die eine Arbeitsunfähigkeit begründen könnte. Die neuropsy chologischen Defizite hätten sich nicht derart auf die Psyche ausgewirkt, dass eine begleitende P sychopathologie festzustellen sei. Der Gutachter verweist sodann auch auf die aktenkundig feststellbaren, vorhandenen und aus psychiatrischer Sicht wenig beeinträchtigten Ressourcen de s Versicherten. Zudem würden sich auch im Längsschnittverlauf keine Hinweise auf eine p sychiatrische Erkrankung finden, der Ex- plorand sei denn auch weder früher noch aktuell in psychiatrischer Behandlung gewesen und auch nicht psychopharmakologisch behandelt worden. Angesich ts dieser eindeutigen Sachlage bestand aber für den psychiatrischen Experten - entgegen der heutigen Auffassung des Be- schwerdeführers - keinerlei Anlass für die Vornahme ein es vertieften strukturierten Beweisver- fahrens. 6.2.2 Der Beschwerdeführer moniert sodann, dass die Gut achter seiner durch die Erkran- kung sehr stark eingeschränkten Konzentrationsfähigkeit zu wenig Rechnung getragen hätten. Dieser Einwand erweist sich ebenfalls als unbegründet. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Versicherte anlässlich der Begutachtung zwar über Müdigkei t und Vergesslichkeit berichtete, aber weder in der neurologischen noch in der psychiatri schen Untersuchung über Konzentrati- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht onsschwierigkeiten klagte. Auch fielen im Rahmen der Be gutachtung keine Konzentrations- schwierigkeiten auf. Der neurologische Facharzt wies einzi g darauf hin, dass sich im Laufe der Untersuchung die Ablenkbarkeit leicht vermehrt habe. E r stellte darüber hinaus zwar auch fest, dass der Versicherte bei der Testung der einfachen Aufme rksamkeit einen sehr schlechten Wert erreicht habe, nach Einschätzung des Experten kann dieser Wert aber nicht erklärt wer- den. Die demonstrierte mnestische Beeinträchtigung sowi e die Befunde seien derartig, dass dem Beschwerdeführer das nachweislich von ihm geführte selbständige Leben nicht mehr mög- lich wäre, wenn eine entsprechende Kompromittierung ta tsächlich vorliegen würde. Zudem verweist der Gutachter darauf, dass in den vorangehenden Untersuchungen beim behandeln- den Neurologen Dr. med. E.____, Neurologie FMH, nur geringe kognitive Defizite aufgefallen seien. Diese dürften denn auch, so das Fazit des Gutachte rs, das effektive Leistungspotential des Beschwerdeführers widerspiegeln. Dieser Einschätzung d es neurologischen Experten ist beizupflichten und es ist ihr nichts mehr hinzuzufügen. 6.2.3 Der Beschwerdeführer macht schliesslich geltend, er könne sich lediglich mit einem Rollator fortbewegen und sei deshalb in seiner Mobilität stark eingeschränkt. Aus diesem Grund müsse bei ihm von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Auch mit die- sem Einwand kann der Beschwerdeführer vorliegend nichts zu seinen Gunsten ableiten. Das Kantonsgericht hatte zwar anlässlich seiner ersten Urteilsb eratung vom 28. Januar 2021 fest- gestellt, dass die IV-Stelle dem Versicherten laut dem eingereichten IV-Dossier im Sommer 2020 und somit praktisch im selben Zeitraum, in welchem die vorliegend strittige Rentenverfü- gung ergangen war, als Hilfsmittel der IV einen Rolla tor zugesprochen hatte. Vor diesem Hin- tergrund war für das Kantonsgericht nicht klar, ob die gutachterlich attestierte Zumutbarkeitsbe- urteilung noch aktuell sei. Es entschied deshalb, vor ei ner abschliessenden Beurteilung der An- gelegenheit eine ergänzende Stellungnahme der Beschw erdegegnerin zu dieser Frage einzu- holen. Deren Antwortschreiben vom 14. Juni 2021 bracht e diesbezüglich nun aber die ge- wünschte Klarheit. Die IV-Stelle gab darin an, sie ha be damals in der Tat nicht ausreichend überprüft, ob der Versicherte effektiv Anspruch auf ei nen Rollator habe. Hingegen habe sie mit Verfügung vom 5. Januar 2021 das weitere Gesuch des Versi cherten um Abgabe eines Roll- stuhls abgelehnt, weil man seine Schilderung, er könne si ch nicht mehr ohne entsprechende Hilfsmittel fortbewegen, mangels aktueller klinisch-neur ologischer Befunde nicht habe objekti- vieren können. Diese Verfügung sei unangefochten in Re chtskraft erwachsen. Diese Ausfüh- rungen der Beschwerdegegnerin machen deutlich, dass keine fachärztlichen Berichte vorliegen, welche die Darstellung des Versicherten, zur Fortbewegun g auf einen Rollator angewiesen zu sein, objektiv hinreichend stützen würden. An dieser Einsc hätzung ändern auch die Vorbringen des Beschwerdeführers in seiner abschliessenden Stellungn ahme vom 22. Juni 2021 nichts. Darin beschränkt er sich auf den Hinweis, sein Hausarzt D r. med. F.____, Allgemeine Innere Medizin FMH, könne bestätigen, dass er an Gleichgewichtspr oblemen leide und vermehrt ge- stürzt sei. Diese nicht weiter belegte Schilderung des B eschwerdeführers vermag einen aktuel- len Bericht - mit entsprechender Befunderhebung - eine s neurologischen Facharztes klarer- weise nicht zu ersetzten. Für die Beurteilung der Frage, ob und inwieweit der Beschwerdeführer in seiner Mobilität eingeschränkt ist, ist daher weiterh in auf die betreffenden überzeugenden Einschätzungen von Dr. C.____ in der Expertise vom 4. März 2019 abzustellen. Dies wiederum hat zur Folge, dass auch für die Beurteilung der Arbei tsfähigkeit des Versicherten nach wie vor Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die im genannten Gutachten erfolgte, schlüssig begründ ete Zumutbarkeitsbeurteilung massge- bend bleibt. 7.1 In seinem Beschluss vom 28. Januar 2021, in welchem es den Fall ausgestellt hatte, warf das Kantonsgericht zusätzlich die Frage auf, ob der offenbar auf einen Rollator angewie- sene Beschwerdeführer überhaupt noch in der Lage sei, seine Resterwerbsfähigkeit wirtschaft- lich zu verwerten, wenn man zusätzlich sein vorgerücktes Alter mitberücksichtige. Es entschied, vor einem Entscheid in der Angelegenheit, die Beschwerd egegnerin auch hierzu Stellung neh- men zu lassen. In ihren Ausführungen vom 12. April 20 21 legte die Beschwerdegegnerin dar, dass die betreffende Frage ihres Erachtens zu bejahen se i. Dieser Auffassung ist, wie im Fol- genden zu zeigen sein wird, beizupflichten. 7.2 Das Bundesgericht anerkennt in ständiger Rechtsprec hung, dass das (vorgerückte) Alter zusammen mit weiteren persönlichen und beruflich en Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbs fähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt w ird. Massgebend sind die Umstände des konkreten Falles, etwa die Art und Beschaffenheit d es Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 2021, 8C_55/2021, E. 5. 1). Für den Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der (Rest-) Arbeitsfähig keit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, ist auf das Feststehen der medizinischen Zumutbarke it einer (Teil-) Erwerbstätigkeit abzu- stellen (BGE 146 V 16 E. 7.1, 145 V 2 E. 5.3.1, 138 V 457 E. 3, je mit Hinweisen). 7.3 Im hier zu beurteilenden Fall stand die medizinisch e Zumutbarkeit einer (Teil-) Er- werbstätigkeit mit der Erstattung des Gutachtens der D res. C.____ und D.____ am 4. März 2019 fest. Im massgebenden Zeitpunkt war der Beschwerdef ührer 59 Jahre und zehneinhalb Monate alt. Bis zum Erreichen des AHV-Pensionsalters ver blieb ihm somit eine Aktivitätsdauer von etwas mehr als fünf Jahren. 7.5 Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 6.2.3 hiervor) ist die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Notwendigkeit, zur Fortbewegung auf einen R ollator angewiesen zu sein, aus medi- zinischer Sicht nicht belegt. Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten bleibt da- her die schlüssig begründete Zumutbarkeitsbeurteilung de r Dres. C.____ und D.____ gemäss deren Gutachten vom 4. März 2019 massgebend. Darin hatten diese das Profil einer angepass- ten Tätigkeit wie folgt umschrieben: Es müsse sich um eine solche mit frei wählbarer Körperhal- tung (sitzend/stehend/gehend) handeln, wobei die Körperachse nicht mehr als leicht bis höchs- tens mässig belastet werden dürfe. In einer entsprechenden Tätigkeit sei dem Versicherten eine maximale Präsenz von 6 Stunden zumutbar. Zudem bestehe während dieser Präsenzzeit eine zusätzliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit, da der V ersicherte vermehrt Pausen benöti- ge und einen erhöhten Erholungsbedarf habe. Insgesa mt sei somit in einer angepassten Tätig- keit im freien Arbeitsmarkt - bezogen auf ein 100 %-Pe nsum - von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen. Hält man sich diese gutachterliche Zumu tbarkeitsbeurteilung vor Augen, so Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht kann nicht gesagt werden, eine entsprechende Tätigkeit sei nur in so eingeschränkter Form möglich, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennen würde oder nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre, und dass das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vorn herein als ausgeschlossen er- scheinen würde. 7.6 Bei einer verbleibenden Aktivitätsdauer von etwas me hr als fünf Jahren, der nach wie vor bestehenden 50 %-igen Arbeitsfähigkeit in einer a ngepassten Tätigkeit und im Lichte der relativ hohen Hürden, welche das Bundesgericht für die Annahme der Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit älterer Menschen errichtet hat, kan n - mit der IV-Stelle - im Fall des Be- schwerdeführers nicht von einer praktischen Unverwertbarke it der gutachterlich attestierten Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ausgegangen werden. 8.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestim men. In der angefochtenen Ver- fügung vom 23. Juni 2020 nahm die IV-Stelle den erfor derlichen Einkommensvergleich vor. Da der Beschwerdeführer seit Eintritt der gesundheitliche n Beeinträchtigungen keiner oder jeden- falls keiner zumutbaren Erwerbstätigkeit mehr nachging, setzte die IV-Stelle das Invalidenein- kommen zu Recht unter Beizug der Tabellenlöhne der Sc hweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik fest (vgl. dazu BG E 126 V 75 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 321 E. 3b/aa). Auf diese Weise errechnete sie a b 29. September 2017 (Ablauf des War- tejahres) auf der Basis der gutachterlich attestierten 5 0 %-igen Arbeitsfähigkeit und unter Ge- währung eines Abzugs von 5 % vom ermittelten Tabellen lohn ein zumutbares Invalidenein- kommen in der Höhe von Fr. 31'859.--. Diesen Betrag stellte sie dem gestützt auf die Angaben der letzten Arbeitgeberin ermittelten Valideneinkomm en von Fr. 72'036.-- gegenüber und ge- langte so zu einem Invaliditätsgrad von 56 %. 8.2 Der Beschwerdeführer beanstandet im Zusammenhang mi t den genannten Berech- nungen einzig, dass ihm die IV-Stelle bei der Bemessung des Invalideneinkommens einen un- zureichenden Abzug vom Tabellenlohn gewährt habe. 8.2.1 Wird das Invalideneinkommen wie im vorliegenden Fall auf der Grundlage von statisti- schen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem Abzug vom Tabellenlohn nach BGE 126 V 75 soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Ar t und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthal tskategorie und Beschäftigungsgrad Aus- wirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach A usprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf ein em ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. dazu BG 134 V 64 E. 4.2.1) nur mit unterdurchschnittl ichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. E r ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätz en und darf 25 % nicht über- steigen. Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalidenein- kommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körp erlich leichter Hilfsarbeitertätig- keit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Ab zugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit zahl- reichen Hinweisen). 8.2.2 Vorliegend nahm die IV-Stelle bei der Berechnu ng des Invalideneinkommens einen Abzug vom Tabellenlohn von 5 % vor. Demgegenüber mach t der Beschwerdeführer geltend, dass ihm ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 20 % zu gewähren sei. Entgegen der Auffassung des Versicherten lässt sich in sei nem Fall ein Abzug im geforderten Umfang nicht rechtfertigen. In diesem Zusammenhang ist vorab darauf hinzuweisen, dass der gesamthaft vorzunehmende Abzug vom Tabellenlohn grundsä tzlich eine Schätzung darstellt. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterliche Behör- de ihr Ermessen an die Stelle des Sozialversicherers setzt (BGE 126 V 75 E. 6). Das kantonale Versicherungsgericht greift daher in das Ermessen des Sozi alversicherers nur bei triftigen Gründen ein. Dabei muss sich das kantonale Gericht auf Gegebenheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als naheliegender er scheinen lassen (BGE 123 V 150 E. 2). Vorliegend sind keine solche triftigen Gründe e rsichtlich, aufgrund derer sich ein Abwei- chen von der vorinstanzlichen Ermessensausübung aufdrängen w ürde. Es ist vielmehr festzu- halten, dass die gesundheitlichen Einschränkungen des Ve rsicherten bereits in der gutachterli- chen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, wonach von einer maximal noch zumutbaren Präsenzzeit von sechs Stunden täglich und zusätzlich einer 20 %-igen Beeinträchtigung der Leistungsfähig- keit auszugehen ist, ausreichend berücksichtigt wurden. Die Gewährung des vom Beschwerde- führer als angemessen erachteten leidensbedingten Abzug s würde deshalb ein Stück weit zu einer unzulässigen doppelten Berücksichtigung dieser Einsch ränkungen führen. Weitere Krite- rien, die eine Erhöhung des Abzugs vom Tabellenlohn rechtfertigen würden, sind ebenfalls nicht ersichtlich. So nehmen sowohl die Bedeutung des Alters al s auch diejenige der Dienstjahre der Versicherten ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist, weshalb diese Faktoren bei Tätigkeiten, die dem Kompetenzniveau 1 der Tätigkeit gemäss LSE (“e infache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art“) entsprechen, in der Regel keinen Anlass zu einem (weiteren) Abzug vom Tabellenlohn geben (vgl. BGE 126 V 75 E. 5a/cc). Unter Würdigung der gegebenen Umstände und in Berücksichtigung der in Betracht fallenden Merkma le lässt sich deshalb die vom Be- schwerdeführer in seinem Fall verlangte Gewährung eines Tabellenlohnabzugs von mindestens 20 % nicht begründen. 8.3 Die vorinstanzliche Bemessung des massgebenden Validen - und des zumutbaren In- valideneinkommens erweist sich (auch) in den übrigen Punkte n als korrekt. Die von der IV- Stelle ermittelten Zahlen sind denn auch - abgesehen vom vorstehend erörterten Einwand - in der vorliegenden Beschwerde nicht beanstandet worden. Unter diesen Umständen kann hier von weiteren Ausführungen zum Einkommensvergleich abgesehen und stattdessen vollumfäng- lich auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 23. Juni 2020 verwiesen werden. 9. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV -Stelle dem Versicherten in der angefochtenen Verfügung vom 23. Juni 2020 auf der Ba sis des ermittelten Invaliditätsgrades Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 56 % zu Recht mit Wirkung ab 1. Oktober 2017 eine halbe Rente zugesprochen hat. Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde erweist sich a ls unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Verfügung vom 7. Oktober 2020 die une ntgeltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorl äufig auf die Gerichtskasse genom- men. 10.2 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. http://www.bl.ch/kantonsgericht