<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 52" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 52</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">413</span> </div> <div class="page" id="S413"> <span class="text"><b>52 </b> <b>Feststellungsverfügung über unbeschränkte Steuerpflicht bei beschränk-</b></span><br/> <span class="text">ter Steuerpflicht (Art. 127 Abs. 3 BV)</span><br/> <span class="text">Ist im interkantonalen Verhältnis die unbeschränkte Steuerpflicht bei</span><br/> <span class="text">unbestrittener beschränkter Steuerpflicht (Liegenschaft im Kanton</span><br/> <span class="text">Aargau) bestritten, ist direkt eine Leistungsverfügung zu erstellen. </span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">414</span> </div> <div class="page" id="S414"> <div role="main"> <span class="text">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="text">vom 26. Juli 2018 in Sachen H. + B.W. (3-RV.2018.25).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">4.</span><br/> <span class="text">Unbestrittenermassen waren die Rekurrenten per 31. Dezember</span><br/> <span class="text">2014 noch im Kanton Zürich unbeschränkt steuerpflichtig. Die</span><br/> <span class="text">Steuerkommission A. stellte die unbeschränkte Steuerpflicht der Re-</span><br/> <span class="text">kurrenten im Kanton Aargau per 31. Dezember 2015 fest. Die Re-</span><br/> <span class="text">kurrenten machen eine unbeschränkte Steuerpflicht im Kanton</span><br/> <span class="text">Schwyz geltend. Sie haben die Steuererklärung für das Jahr 2015 im</span><br/> <span class="text">Kanton Schwyz eingereicht. Damit besteht die Gefahr einer</span><br/> <span class="text">Doppelbesteuerung.</span><br/> <span class="text">5.</span><br/> <span class="text">5.1.</span><br/> <span class="text">Eine gegen Art. 127 Abs. 3 BV verstossende Doppelbesteue-</span><br/> <span class="text">rung liegt vor, wenn eine steuerpflichtige Person von zwei oder</span><br/> <span class="text">mehreren Kantonen für das gleiche Steuerobjekt und für die gleiche</span><br/> <span class="text">Zeit zu Steuern herangezogen wird (aktuelle Doppelbesteuerung)</span><br/> <span class="text">oder wenn ein Kanton in Verletzung der geltenden Kollisionsnormen</span><br/> <span class="text">seine Steuerhoheit überschreitet und eine Steuer erhebt, die einem</span><br/> <span class="text">anderen Kanton zustehen würde (virtuelle Doppelbesteuerung; Urteil</span><br/> <span class="text">des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016 [2C_565/2016] =</span><br/> <span class="text">StR 2017 S. 324).</span><br/> <span class="text">Das Bundesgericht hat für interkantonale Verhältnisse mit Blick</span><br/> <span class="text">auf doppelbesteuerungsrechtlich erhebliche Sachverhalte in gesetzes-</span><br/> <span class="text">vertretender Rechtsprechung aus dem Doppelbesteuerungsverbot von</span><br/> <span class="text">Art. 127 Abs. 3 BV einen Anspruch des Bürgers auf Vorausbeurtei-</span><br/> <span class="text">lung der Steuerhoheitsfrage abgeleitet und hierfür gleichsam eine</span><br/> <span class="text">gesetzliche Grundlage geschaffen, dies ausdrücklich ohne Rücksicht</span><br/> <span class="text">darauf, ob das kantonale Recht ein solches Vorverfahren kenne oder</span><br/> <span class="text">nicht . Es hat diesen Anspruch auf einen Vorentscheid damit begrün-</span><br/> <span class="text">det, dass wer der Steuerhoheit eines Kantons gemäss dem Doppelbe-</span><br/> <span class="text">steuerungsrecht nicht unterliege, in diesem Kanton weder mit einer</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">415</span> </div> <div class="page" id="S415"> <div role="main"> <span class="text">Steuer belegt noch auch nur in ein Steuerveranlagungsverfahren</span><br/> <span class="text">einbezogen werden dürfe. Dem zur Veranlagung Herangezogenen</span><br/> <span class="text">müsse daher ein Anspruch auf einen Vorentscheid darüber zustehen,</span><br/> <span class="text">ob er einer bestimmten Steuerhoheit überhaupt unterliege (StE 2006</span><br/> <span class="text">B 11.1 Nr. 19; mit Hinweisen).</span><br/> <span class="text">5.2.</span><br/> <span class="text">Nach § 17 Abs. 1 lit. b StG sind natürliche Personen ohne</span><br/> <span class="text">steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt im Kanton aufgrund</span><br/> <span class="text">wirtschaftlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig, wenn sie an Grund-</span><br/> <span class="text">stücken im Kanton Eigentum, dingliche Rechte oder diesen</span><br/> <span class="text">wirtschaftlich gleichkommende persönliche Nutzungsrechte haben.</span><br/> <span class="text">Der Grundstückbegriff knüpft dabei an die zivilrechtlichen Be-</span><br/> <span class="text">stimmungen an (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O., § 17</span><br/> <span class="text">StG N 10). Die Steuerpflicht beginnt mit dem Tag, an dem die</span><br/> <span class="text">steuerpflichtige Person im Kanton steuerbare Werte erwirbt (§ 20</span><br/> <span class="text">Abs. 1 StG).</span><br/> <span class="text">5.3.</span><br/> <span class="text">Es ist unbestritten, dass die Rekurrenten während des ganzen</span><br/> <span class="text">Jahres 2015 - und damit insbesondere auch am Stichtag</span><br/> <span class="text">31. Dezember 2015 - in A. Eigentümer einer Liegenschaft waren.</span><br/> <span class="text">Damit unterlagen die Rekurrenten im Jahr 2015 zufolge wirtschaft-</span><br/> <span class="text">licher Zugehörigkeit in A. für das Liegenschaftseinkommen und</span><br/> <span class="text">-vermögen der Steuerhoheit des Kantons Aargau. Bereits aufgrund</span><br/> <span class="text">dieser (beschränkten) Steuerpflicht oblag den Rekurrenten eine um-</span><br/> <span class="text">fassende Mitwirkungspflicht. Damit war die Steuerkommission A.</span><br/> <span class="text">befugt, die Rekurrenten in der Steuerperiode 2015 zu besteuern und</span><br/> <span class="text">direkt eine Veranlagungsverfügung - ohne Erlass einer vorgängigen</span><br/> <span class="text">Feststellungsverfügung - zu erlassen.</span><br/> <span class="text">5.4.</span><br/> <span class="text">Zum gleichen Ergebnis führt auch die Rechtsprechung des aar-</span><br/> <span class="text">gauischen Verwaltungsgerichtes zur Zulässigkeit von Feststellungs-</span><br/> <span class="text">verfügungen (vgl. ausführlich AGVE 2009 S. 137; VGE vom</span><br/> <span class="text">19. Mai 2010 [WBE.2009.403]; VGE vom 17. Juni 2009</span><br/> <span class="text">[WBE.2008.284], bestätigt durch Entscheid des Bundesgerichtes</span><br/> <span class="text">vom 8. Juni 2010 [2C_496/2009]). Danach sind in Veranlagungs-</span><br/> <span class="text">verfügungen über die Festlegung der Steuerfaktoren hinausgehende</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">416</span> </div> <div class="page" id="S416"> <div role="main"> <span class="text">rechtskraftfähige Feststellungen ausgeschlossen. Nur aus zwingen-</span><br/> <span class="text">den praktischen Gründen kann in besonderen Einzelsituationen die</span><br/> <span class="text">Vorwegnahme eines Entscheids über eine Rechtsfrage geboten sein,</span><br/> <span class="text">obwohl es mangels Verwirklichung eines Steuertatbestandes noch</span><br/> <span class="text">nicht zu einer Veranlagung kommt. Für solche Sonderfälle ist</span><br/> <span class="text">ausnahmsweise das Recht auf bzw. die Pflicht zum Erlass einer</span><br/> <span class="text">selbständigen Feststellungsverfügung vorzubehalten (SGE vom</span><br/> <span class="text">22. Dezember 2016 [3-RV.2016.113]). Ein Sonderfall liegt nicht vor.</span><br/> <span class="text">Wie ausgeführt besteht kein Anlass für eine separate Feststellung der</span><br/> <span class="text">Steuerpflicht, wenn bereits die beschränkte Steuerpflicht besteht</span><br/> <span class="text">(VGE vom 28. Februar 2018 [WBE.2017.490]).</span><br/> <span class="text">5.5.</span><br/> <span class="text">Die Steuerkommission A. hätte somit als Folge der unbestritte-</span><br/> <span class="text">nen sekundären Steuerpflicht (wirtschaftliche Zugehörigkeit) einen</span><br/> <span class="text">Leistungsentscheid fällen müssen. Darin wäre die Feststellung der</span><br/> <span class="text">unbeschränkten Steuerpflicht konkludent enthalten gewesen, indem</span><br/> <span class="text">die Besteuerung sich nicht auf die der wirtschaftlichen Zugehörigkeit</span><br/> <span class="text">entsprechenden Steuerfaktoren beschränkt hätte. Ein Interesse oder</span><br/> <span class="text">ein zwingender praktischer Grund am Erlass einer selbständigen</span><br/> <span class="text">Feststellungsverfügung betreffend die unbeschränkte Steuerpflicht</span><br/> <span class="text">lag unter diesen Umständen nicht vor.</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>