A bteilung III C -948/2007 {T 0/2} U rteil vom 17. Juli 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichterin Beutler; R ichter Vuille; G erichtsschreiber Longauer. A ._______, Beschw erdeführer, vertreten durch R echtsanw alt Pablo Blöchlinger, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend A usdehnung der kantonalen W egw eisung. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer (geb. 1966) ist türkischer Staatsangehöriger. Am 11. Juli 1988 gelangte er in die Schw eiz und stellte ein Asylgesuch, das m it Entscheid des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ents vom 16. Februar 1990 letztinstanzlich abgew iesen w urde. N ach Ablauf der ihm angesetzten Ausreisefrist hielt sich der Beschw erdeführer rechtsw idrig in der Schw eiz auf, bis er am 22. M ärz 1996 ein zw eites M al um Asyl ersuch- te, um seiner Ausschaffung nach der kurz zuvor erfolgten Aufdeckung des illegalen Aufenthaltes zu entgehen. Auch dieses zw eite Asylgesuch lehnte das Bundesam t für Flüchtlinge am 24. Septem ber 1999 ab. Auf eine dage- gen eingereichte Beschw erde trat die Asylrekurskom m ission (AR K) m it U r- teil vom 13. D ezem ber 1999 nicht ein. B. W ährend der R echtshängigkeit des Asylverfahrens vor dem BFF heiratete der Beschw erdeführer am 8. Januar 1999 eine in der Schw eiz niedergelas- sene Landsfrau und erhielt gestützt darauf im Kanton Zürich eine Aufent- haltsbew illigung. Bereits kurze Zeit nach dem Eheschluss w urde die eheli- che W ohngem einschaft w egen der G ew alttätigkeit des Beschw erdeführers aufgegeben und seitens der Ehefrau im M ärz 1999 die Scheidungsklage eingereicht, w as zu einer ersten N ichtverlängerung der Aufenthaltsbew illi- gung durch die kantonale M igrationsbehörde führte. N achdem die Ehefrau die Scheidungsklage im D ezem ber 2000 zurückgezogen hatte und im Ja- nuar 2001 die eheliche W ohngem einschaft w ieder aufgenom m en w orden w ar, kam die kantonale M igrationsbehörde am 24. April 2001 auf ihren Entscheid zurück. Im Juni 2002 w urde die eheliche W ohngem einschaft er- neut w egen gew alttätigen Ü bergriffen des Beschw erdeführers auf seine Ehefrau aufgelöst. D ie Trennung dauerte bis M ai 2004. D anach kam en die Ehegatten offenbar nochm als zusam m en. Seit N ovem ber desselben Jah- res sind sie w ieder getrennt. Zur Zeit ist das Scheidungsverfahren hängig. C . D as M igrationsam t des Kantons Zürich verw eigerte dem Beschw erdefüh- rer am 21. N ovem ber 2003 eine w eitere Verlängerung seiner Aufenthalts- bew illigung und setzte ihm eine Frist zum Verlassen des Kantonsgebiets an. Eine dagegen gerichtete Beschw erde lehnte der R egierungsrat des Kantons Zürich am 14. D ezem ber 2005 ab. D as kantonale Verw altungsge- richt w ie auch das Bundesgericht, an die sich der Beschw erdeführer in der Folge w andte, traten auf seine Verw altungsgerichtsbeschw erden m it U rtei- len vom 28. Juni 2006 bzw . 17. O ktober 2006 nicht ein. Am 13. N ovem ber 2006 setzte das M igrationsam t des Kantons Zürich dem Beschw erdeführer eine neue Ausreisefrist an und ersuchte die Vorinstanz um Ausdehnung der kantonalen W egw eisung. D . M it Verfügung vom 31. Januar 2007 dehnte die Vorinstanz die kantonale W egw eisung auf das ganze G ebiet der Schw eiz und auf das Fürstentum Liechtenstein aus. Einer allfälligen Beschw erde entzog sie vorsorglich die aufschiebende W irkung.3 E. G egen die vorgenannte Verfügung erhob der Beschw erdeführer am 5. Februar 2007 Beschw erde beim Bundesverw altungsgericht m it den fol- genden R echtsbegehren: D ie angefochtene Verfügung sei aufzuheben, von einer Ausdehnung der kantonalen W egw eisung sei abzusehen und der Beschw erde sei die aufschiebende W irkung zu erteilen. F. M it Zw ischenverfügung vom 20. Februar 2007 lehnte das Bundesverw al- tungsgericht das G esuch um W iederherstellung der aufschiebenden W ir- kung ab. G . D ie Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehm lassung vom 12. Juni 2007 auf Abw eisung der Beschw erde. H . Auf den w eiteren Akteninhalt w ird, sow eit rechtserheblich, in den Erw ägun- gen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. Verfügungen des BFM betr. Ausdehnung der kantonalen W egw eisung un- terliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N ie- derlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 ff. des Verw al- tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 2. G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Verw altungsge- richtsgesetz nichts anderes bestim m t. 3. D er Beschw erdeführer ist als Adressat der angefochtenen M assnahm e zur Beschw erdeführung legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 4. M it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Ü berschreitung oder M issbrauch des Er- m essens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes sow ie die U nangem essenheit gerügt w erden (Art. 49 Vw VG ). D as Bundesverw altungsgericht w endet im Beschw erdeverfahren das Bundesrecht von Am tes w egen an. Es ist gem äss Art. 62 Abs. 4 Vw VG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Be- schw erde auch aus anderen als den geltend gem achten G ründen gut- heissen oder abw eisen. M assgebend ist grundsätzlich die Sach- und R echtslage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. E. 1.2 des in BG E 129 II 215 teilw eise publizierten U rteils 2A.451/2002 vom 28. M ärz 2003). 5. G em äss Art. 12 Abs. 3 AN AG ist ein Ausländer unter anderem dann zur Ausreise verpflichtet, w enn ihm die Erteilung oder Verlängerung einer Be- w illigung verw eigert w ird (gem äss Art. 15 Abs. 1 und Art. 18 AN AG liegt die Zuständigkeit bei der kantonalen Frem denpolizeibehörde). D ie zustän- dige Behörde hat diesfalls den Tag festzusetzen, an dem die Aufenthalts- berechtigung aufhört, das heisst sie hat dem Ausländer eine Ausreisefrist anzusetzen. Ist die Behörde eine kantonale, so hat der Ausländer aus dem 4 Kanton, ist sie eine eidgenössische, so hat er aus der Schw eiz auszurei- sen. D ie eidgenössische Behörde kann die Pflicht zur Ausreise aus einem Kanton auf die ganze Schw eiz ausdehnen (nachfolgend als Ausdehnung oder Ausdehnungsverfügung bezeichnet). Art. 17 Abs. 2 letzter Satz der Vollziehungsverordnung vom 1. M ärz 1949 zum Bundesgesetz über Auf- enthalt und N iederlassung der Ausländer (AN AV, SR 142.201) präzisiert diese N orm , indem er festhält, dass das Bundesam t "in der R egel die Aus- dehnung der W egw eisung auf die ganze Schw eiz" verfügt, "w enn nicht aus besonderen G ründen dem Ausländer G elegenheit geboten w erden soll, in einem anderen Kanton um eine Bew illigung nachzusuchen". N ach ständi- ger R echtsprechung setzt dies voraus, dass der Betroffene in einem D ritt- kanton um die Erteilung einer Aufenthaltsbew illigung ersucht und der D ritt- kanton ihm den Aufenthalt w ährend des Bew illigungsverfahrens gestattet. D ie Ausdehnung ist som it nur noch der konsequente Vollzug eines rechts- kräftigen kantonalen Entscheides und w ird daher nur in seltenen Ausnah- m efällen unterbleiben (vgl. BG E 110 Ib 201 E. 1c S. 204 f.; U rteile des Bundesverw altungsgerichts C -595/2006 vom 18. Juni 2007 E. 2.2 und C - 598/2006 vom 16. April 2007 E. 2 und 3, jew eils m it H inw eisen). 6. D er Beschw erdeführer hat m it der N ichtverlängerung seiner Aufenthaltsbe- w illigung durch die Behörden des Kantons Zürich den R echtstitel für einen w eiteren legalen Aufenthalt in der Schw eiz verloren. Schritte zur Aufent- haltsregelung in einem D rittkanton w urden offensichtlich nicht unternom - m en, solche hätten angesichts der U m stände auch kaum Aussicht auf Er- folg gehabt. D ie Ausdehnung der kantonalen W egw eisung ist dem nach als rechtm ässig zu bestätigen, und es bleibt zu prüfen, ob w egen Vollzugshin- dernissen im Sinne von Art. 14a Abs. 2 bis 4 AN AG an Stelle des Vollzugs die Ersatzm assnahm e der vorläufigen Aufnahm e zu treten hat. 7. D er Beschw erdeführer m acht geltend, als Sym pathisant der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK drohe ihm bei einer R ückkehr in der Türkei politisch m otivierte Verfolgung. Seiner Argum entation ist entgegenzuhal- ten, dass die behauptete politische Verfolgung im R ahm en des rechtskräf- tig abgeschlossenen zw eiten Asylverfahrens als nicht stichhaltig beurteilt w urde und er nichts vorbringt, w as ein Zurückkom m en auf die dam alige Beurteilung rechtfertigen könnte. Es kann diesbezüglich auf die zutreffen- den Ausführungen der Vorinstanz verw iesen w erden. D ass der Beschw er- deführer zum Zeitpunkt des negativen Asylentscheids als Ehem ann einer hier niedergelassenen Ausländerin im Besitz einer Aufenthaltsbew illigung w ar und dass der negative Asylentscheid gerichtlich nicht überprüft w urde, w eil der Beschw erdeführer es versäum te, den verlangten Kostenvorschuss zu entrichten, ist in diesem Zusam m enhang nicht von Bedeutung. 8. G egen den Vollzug der W egw eisung m acht der Beschw erdeführer ferner eine depressive Erkrankung m it Suizidalität geltend. Auf der G rundlage des von ihm eingereichten, ausführlichen Berichts der psychiatrischer Pri- vatklinik B._______ vom 16. Januar 2007 kann dem Beschw erdeführer allerdings nicht gefolgt w erden. Zw ar w ar er vom 11. D ezem ber 2006 bis 11. Januar 2007 w egen einer m ittelgradigen depressiven Episode m it som atischem Syndrom in stationärer Behandlung. Seine Krankenge-5 schichte ist jedoch unauffällig, und es konnte auch zu keinem Zeitpunkt des stationären Aufenthaltes eine akute handlungsrelevante Suizidalität festgestellt w erden. N ach Einschätzung der Klinik entsprach seine psychi- sche Situation beim Austritt einer leichtgradigen depressiven Sym ptom atik. Auch w enn der Bericht für den Fall von Belastungssituationen eine Ver- schlechterung der depressiven Sym ptom e und ein Auftreten von Suizidge- danken als m öglich, ja als w ahrscheinlich bezeichnet, können gestützt dar- auf keine Vollzugshindernisse abgeleitet w erden. Solchen Zuständen lässt sich hinreichend durch entsprechende Ausgestaltung des Vollzugs R ech- nung tragen, und es bestehen keine ernsthaften G ründe anzunehm en, dass der Beschw erdeführer im Falle der R ückkehr nicht auf eine ausrei- chende m edizinische Infrastruktur zurückgreifen kann (vgl. U rteile des Bundesverw altungsgerichts D -4765/2006 vom 13. Juni 2007 E. 5.7 und E- 6448/2006 vom 7. M ai 2007 E. 5.5.3). D er ärztliche Bericht, den D r. m ed. C ._______, Spezialarzt FM H für Psychiatrie und Psychotherapie, am 2. Februar 2007 ausgestellt hat, und der auf 3½ Zeilen ohne jeden Kom - m entar dem Beschw erdeführer akute Suizidgefährdung für den Fall der W egw eisung und die N otw endigkeit einer stationären Behandlung attes- tiert, ist in dieser Form dagegen ohne Bew eisw ert. 9. W eder die angeblich drohende Verfolgung des Beschw erdeführers als PKK-Sym pathisant noch die vorgebrachten gesundheitlichen G ründe sind deshalb geeignet, die Vollziehbarkeit der W egw eisung unter einem der in Art. 14a AN AG genannten Tatbestände in Frage zu stellen. Andere poten- tielle Vollzugshindernisse w erden w eder geltend gem acht noch ergeben sie sich aus den Akten. Ein Vollzugshindernis lässt sich nam entlich nicht aus dem Interesse des Beschw erdeführers ableiten, am gegenw ärtig hängigen Scheidungsverfahren persönlich teilnehm en zu können. 10. Aus den obenstehenden Erw ägungen folgt, dass die angefochtene Verfü- gung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden sind. D ie Be- schw erde ist deshalb abzuw eisen. 11. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w ird der unterliegende Be- schw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverw altungsgericht [SR 173.320.2]). 12. D as vorliegende U rteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 4 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [SR 173.110]). D ispositiv S. 66 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Kosten des Verfahrens im Betrag von Fr. 700.-- w erden dem Be- schw erdeführer auferlegt. Sie sind durch den am 16. M ärz 2007 geleiste- ten Kostenvorschuss in gleicher H öhe gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer - der Vorinstanz D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: A. Trom m er J. Longauer Versand am :