Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 11. Januar 2022 (470 21 238) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Nichtanhandnahme Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Dominique Steiner (Ref.), Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin Unbekannte Täterschaft , (Mitarbeiter der B.____ AG), Beschuldigte Gegenstand Nichtanhandnahme des Verfahrens (Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft vom 4. Oktober 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Schreiben vom 14. Juli 2021 erstattete A.____ Stra fanzeige bei der Staatsanwalt- schaft St. Gallen gegen die Firma B.____ AG wegen der Vorwürfe der Drohung und der Nöti- gung. Dieser Anzeige legte A.____ im Wesentlichen folg enden Sachverhalt zugrunde: Er habe bei der Firma C.____ in China einen "Coin Pusher" ge kauft, inklusive Verschiffung von China in die Schweiz. Die Maschine und die Beförderungskosten seien von ihm im Voraus per Bank- überweisung bezahlt worden. In der Schweiz habe die Fir ma D.____ die Verzollung übernom- men, und die Firma B.____ AG berechne ihm nun einen Betrag von CHF 466.36 (sic!) als Ge- bühren. Auf seine Reklamation hin sei ihm die Auskunft verweigert worden. Schliesslich habe ihm die B.____ AG mit E-Mail vom 12. Juli 2021 mit d er Vernichtung der Ware gedroht. Er er- suche darum, die Firma B.____ AG von der Vernichtung se ines Eigentums abzuhalten. In ei- nem Nachtrag zu seiner Anzeige, ebenfalls datierend vo m 14. Juli 2021, führte A.____ ergän- zend aus, er habe auf Facebook herausgefunden, dass seine Maschine erhebliche Kratzer aufweise. Die Firma B.____ AG verweigere ihm den Zutr itt, um hiervon Fotos zu machen, wel- che er als Beweismittel benötige, um die Annahme der Maschine zu verweigern. B. Am 15. Juli 2021 stellte die Staatsanwaltschaft St. G allen bei der Staatsanwaltschaft Ba- sel-Landschaft gestützt auf Art. 31 Abs. 1 StPO ein Ersuch en um Verfahrensübernahme. Die- sem Ersuchen wurde durch die Staatsanwaltschaft Basel-Lan dschaft, Allgemeine Hauptabtei- lung, mit Übernahmeverfügung vom 2. August 2021 stattg egeben. Mit Datum vom 14. September 2021 unterzeichnete A.____ in vorstehend er Sache einen Strafantrag zu Han- den der Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt bezüglich sämtlicher in Frage kommender Delikte gemäss der Anzeige vom 14. Juli 2021. Ebenfalls mit Da tum vom 14. September 2021 nahm A.____ zudem schriftlich Stellung zu einem in vorstehen der Sache erhobenen Fragebogen der Staatsanwaltschaft. In der Folge verfügte diese mit D atum vom 4. Oktober 2021, dass das Ver- fahren in Bezug auf die Straftatbestände des Betruges und der Nötigung gegen Unbekannt (Mitarbeiter der B.____ AG) in Anwendung von Art. 31 0 Abs. 1 lit. a StPO nicht an Hand ge- nommen werde (Ziff. 1) und die Kosten zu Lasten des St aates gingen (Ziff. 2). Auf die Begrün- dung dieser Verfügung sowie der nachfolgenden Eingab en der Parteien wird, soweit erforder- lich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. C. Gegen die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwal tschaft vom 4. Oktober 2021 erhob A.____ mit Schreiben vom 13. Oktober 2021 Besch werde beim Kantonsgericht Basel- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Landschaft, Abteilung Strafrecht, und beantragte dabei sinngemäss deren Aufhebung sowie die Weiterführung der Strafuntersuchung. D. Demgegenüber begehrte die Staatsanwaltschaft in ihre r Stellungnahme vom 26. Oktober 2021 die Abweisung der Beschwerde unter Auferlegung der Kosten an den Beschwerdeführer. E. Mit Datum vom 3. November 2021 und vom 5. November 20 21 reichte der Beschwerde- führer dem Kantonsgericht nach Schluss des Schriftenwechsels weitere Stellungnahmen ein. Erwägungen 1. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Rechtsmittelinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StPO. Nach Art. 310 Abs. 2 StPO in Verbin- dung mit Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 393 Abs. 1 l it. a StPO ist die Beschwerde zulässig gegen die Verfügungen und die Verfahrenshandlungen v on Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertretungsstrafbehörden. Gemäss Abs. 2 von Art. 393 S tPO können mit der Beschwerde gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Übersch reitung und Missbrauch des Er- messens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a ); die unvollständige oder unrichti- ge Feststellung des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unangem essenheit (lit. c). In Anwendung von Art. 310 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete En tscheide innert zehn Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen. Die Legitimation des Beschwerdeführers zur Ergreifung d es Rechtsmittels wird in Art. 310 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO so wie Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Da- nach kann jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, ein Rechtsmittel ergreifen. Im vo rliegenden Fall hat sich der Beschwer- deführer als Privatkläger und damit im Sinne von Art. 1 04 Abs. 1 lit. b StPO in Verbindung mit Art. 118 Abs. 1 und Abs. 2 StPO als Partei konstituiert und ist ausserdem durch den angefoch- tenen Entscheid unmittelbar in seinen Rechten betroffe n, womit seine Beschwerdelegitimation Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht in Bezug auf die Nichtanhandnahmeverfügung der Staat sanwaltschaft vom 4. Oktober 2021 zu bejahen ist. Nachdem im Übrigen die angefochtene Ver fügung ein taugliches Anfechtungsob- jekt darstellt, der Beschwerdeführer zudem eine zulässige Rüge erhebt, die Rechtsmittelfrist gewahrt hat sowie der Begründungspflicht in dem von so genannten Laienbeschwerden zu er- wartenden Umfang nachgekommen ist, ist ohne Weiteres a uf das vorliegende Rechtsmittel ein- zutreten. 2.1 Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung der angef ochtenen Verfügung aus, nach Ansicht des Anzeigestellers handle es sich beim Vorgehen d er B.____ AG um einen Betrug, da diese überhöhte Taxen verrechnet habe, sowie um eine Nötigung, nachdem mit der Vernich- tung der Ware im Falle der Nichtbezahlung gedroht wor den sei. Die Höhe der Frachtgebühren und Taxen und wer diese zu tragen habe, bestimme sich aufgrund zivilrechtlicher Vereinbarun- gen, die beim Vertragsabschluss geregelt würden. Wenn de m Privatkläger zu hohe oder gar nicht vereinbarte Kosten in Rechnung gestellt würden, h andle es sich dabei in erster Linie um eine zivilrechtliche Angelegenheit. Dies gelte umso mehr aufgrund des Umstandes, wonach die verschiedenen Reklamationen des Privatklägers bei der B.__ __ AG dazu geführt hätten, dass diese mit dem chinesischen Versender der Ware Rücksprache genommen und die unbegründe- ten Kosten zurückbezahlt habe. So schreibe der Privatkläge r selbst in seiner E-Mail vom 16. September 2021, dass er nach erfolgten Rückerstattun gen nur CHF 255.-- bezahlt habe und folgere, dass ihm die Rechnung langsam wieder auf gehe. Aufgrund dieser Rückzahlungen sei davon auszugehen, dass die B.____ AG tatsächlich unbe rechtigte Positionen in Rechnung gestellt habe, diese allerdings auch auf Beanstandung hi n zurückgezahlt habe. Hätte sie vor- sätzlich betrügerisch gehandelt und sich unrechtmässig bere ichern wollen, hätte sie zweifellos keine Rückzahlungen getätigt. Anhaltspunkte, welche für die Begehung eines vorsätzlichen Betruges sprechen würden, lägen keine vor, weshalb di esbezüglich das Verfahren nicht an Hand zu nehmen sei. Am 12. Juli 2021 habe der Privatkl äger sodann eine E-Mail der B.____ AG erhalten mit dem Hinweis, der chinesische Versender h abe die Vernichtung der Ware an- geordnet, sollte die Zahlung nicht bis zum 15. Juli 20 21 nachweislich eingegangen sein. Hierzu sei zu bemerken, dass gemäss den Allgemeinen Geschäftsbedin gungen der schweizerischen Logistikbranche, aufgeschaltet auf der Internetseite de r B.____ AG, ein Retentionsrecht beste- he für nicht bezahlte Gebühren. Eine Vernichtung der Ware sei vom Retentionsrecht nicht um- fasst, dafür eine Verwertung nach unbenutztem Ablauf ei ner Zahlungsfrist, welche ebenfalls dazu führe, dass der Empfänger seine Ware nicht erhalte. Damit sei festzustellen, dass sich die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht B.____ AG an die branchenüblichen Geschäftsbedingungen gehalten und nicht widerrechtlich gehandelt habe. Folglich sei ein Verfahren wegen Nötigung ebenfalls nicht an Hand zu nehmen. Vielmehr handle es sich im vorliegenden Fall um eine zi vilrechtliche Angelegenheit, welche auf dem Zivilrechtsweg zu verfolgen sei. Dies betreffe auch d ie vom Privatkläger monierten Quali- tätsmängel beim empfangenen Produkt. In ihrer Beschwerdeantwort legt die Beschwerdegegnerin ergänzend dar, ein rechtsgenüglicher Anfangsverdacht auf die Begehung einer Straftat liege nicht vor, weshalb das Verfahren nach Tätigung einiger Abklärungen nicht an Hand genommen w orden sei. Der Beschwerdeführer moniere, dass das Gebilde der B.____ AG völlig intransp arent sei. Es sei aber nicht die Aufga- be der Strafuntersuchungsbehörden, die Transparenz von Firmen sicherzustellen, sondern Straftaten zu untersuchen. Da eine solche vorliegend ni cht erkennbar sei, sei das Strafverfah- ren nicht eröffnet worden. 2.2 Demgegenüber legt der Beschwerdeführer zur Begründu ng seines Rechtsmittels was folgt dar: Er habe zwar sein Geld schätzungsweise zurückerha lten, aber er wolle wissen, wer ihn betrogen habe. Das Gebilde, welches sich die B.____ AG zusammengezimmert habe, sei völlig intransparent, ohne jegliche Möglichkeit zur Kon trolle durch den Importeur. Er habe bele- gen können, dass die B.____ AG falsche und unrechtmässige Rechnungen ausstelle. Seine Rechnung sei über CHF 600.-- zu hoch gewesen und sei ihm zurückerstattet worden. Zudem sei es ihm geglückt, die Erpressung durch die B.____ AG nachzuweisen, welche ebenfalls stattgefunden habe. Ausserdem seien ihm fast einen Monat lang ungerechtfertigte Lagergebüh- ren verrechnet worden. Die B.____ AG gebe die Ware n ur frei, wenn die intransparenten Rech- nungen bezahlt würden. Sie dürfe zwar Gebühren verrech nen, müsse aber offenlegen, wo die Kosten angefallen seien. Der B.____ AG hätte schon vo m Volumen her klar sein müssen, dass es sich nicht um Terminalgebühren habe handeln können. V ielmehr hätte sie sofort überprüfen müssen, ob die verrechneten Gebühren tatsächlich den Haf enterminaltaxen in China und der Schweiz entsprächen. Die B.____ AG habe keinen guten Willen gezeigt, die betrügerische Ha- fenterminalgebühr zu senken. Sie habe sich eiskalt, rü cksichtslos und nicht wie eine normale Firma verhalten, wofür sie sich auch nie entschuldigt ha be. Auch gewerbsmässige Betrüger könnten Geld zurücküberweisen, wenn sie sich vor einer S trafverfolgung fürchteten, was vorlie- gend der Fall sei. Er bitte darum, dass der Fall besse r abgeklärt werde, damit hervorgehe, wer der Schuldige sei. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 a) Eine Nichtanhandnahmeverfügung hat zu ergehen, wenn die Staatsanwaltschaft allein aufgrund der Ermittlungsergebnisse oder der Strafanzeige die Untersuchung nicht eröffnet, weil die Führung eines Verfahrens geradezu aussichtslos erscheint. Dies ist gemäss Art. 310 Abs. 1 StPO unter anderem der Fall, wenn feststeht, dass die fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen eindeutig nicht erfüllt sind (lit. a) oder wenn Verfahrenshindernisse bestehen (lit. b). Das Prinzip "in dubio pro duriore" schreibt vor, dass eine Nichtanhandnahme von der Staatsanwaltschaft nur ausgesprochen werden darf, wenn es klar erscheint, dass der Sachverhalt nicht strafbar ist oder nicht bestraft werden kann. Die Bestimmung besitzt zwingen- den Charakter, weshalb bei Vorliegen der in Art. 310 Abs. 1 StPO genannten Gründen der Staatsanwaltschaft kein Ermessen in Bezug auf den Erla ss einer Nichtanhandnahmeverfügung zukommt. Sind die Nichtanhandnahmegründe nicht mit abs oluter Sicherheit gegeben, hat das Verfahren eröffnet zu werden. Entsprechend kommt ein e Nichtanhandnahme nur in Frage, wenn keine Untersuchungshandlungen vorgenommen werden m üssen. Es muss sich folglich allein aus den Akten um sachverhaltsmässig und rechtlich klar e Fälle handeln. Mit dem soforti- gen Entscheid, kein Untersuchungsverfahren durchzuführen, soll primär verhindert werden, dass Personen durch grundlose Anzeigen oder Ermittlunge n Nachteile verschiedenster Art entstehen sowie nutzlose Umtriebe anfallen (ESTHER OMLIN , in: Basler Kommentar, Schweizeri- sche Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 8 zu A rt. 386 StPO, mit Hinweisen; NATHAN LANDSHUT / THOMAS BOSSHARD , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafpro- zessordnung, 3. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2020, N 1 f. zu Art. 310 StPO, mit Hinweisen; BGer 1B_368/2012 vom 13. Mai 2013 E. 3; BGE 137 IV 285 E. 2.3). b) Der Nichtanhandnahmegrund der eindeutigen Nichterfül lung der fraglichen Straftatbe- stände oder der Prozessvoraussetzungen gemäss Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO liegt vor, wenn mit Sicherheit feststeht, dass der zur Beurteilung vorliege nde Sachverhalt unter keinen Straftatbe- stand fällt oder gar nicht verfolgbar ist (OMLIN , a.a.O., N 9 zu Art. 310 StPO). Die Situation muss sich für die Staatsanwaltschaft demnach so präsentieren, dass gar nie ein Verdacht hätte an- genommen werden dürfen oder der Anfangsverdacht voll ständig entkräftet worden ist. Der Staatsanwaltschaft kommt bei der Beurteilung der Frage, ob klare Straflosigkeit gegeben ist, ein gewisser Spielraum zu. Bei missbräuchlichen oder von vorn herein aussichtlosen Strafanzeigen hat ebenfalls eine Nichtanhandnahme zu erfolgen. Wirr e und nicht einzuordnende Anzeigen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht können allenfalls sogar formlos abgelegt werden (L ANDSHUT / BOSSHARD , a.a.O., N 4 zu Art. 310 StPO; BGE 138 IV 86 E. 4.1.2). Bei blossen Z weifeln, ob ein Straftatbestand vorliegt oder ob der Nachweis strafbaren Verhaltens gelingen wird, darf keine Nichtanhandnahme erfol- gen. In diesen Fällen ist die Untersuchung zu eröffnen oder der Tatverdacht durch eigene oder polizeiliche Ermittlungen abzuklären (L ANDSHUT / BOSSHARD , a.a.O., N 5 zu Art. 310 StPO; BGer 1B_478/2012 vom 26. November 2012 E. 2.2). Obsc hon nicht explizit erwähnt, kann eine Nichtanhandnahmeverfügung nach Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO auch ergehen, wenn offenkundig ein Rechtfertigungsgrund besteht. Eine Untersuchungs eröffnung kann unterbleiben, wenn ein tatbestandsmässiges Verhalten (z.B. aufgrund einer Amtspf licht) erlaubt oder gar geboten ist (LANDSHUT / BOSSHARD , a.a.O., N 5a zu Art. 310 StPO; O MLIN , a.a.O., N 11a zu Art. 310 StPO; BGer 1B_158/2012 vom 15. Oktober 2012 E. 2.6). c) Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich des Betruges un ter anderem schuldig, wer in der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiege- lung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt und so den Irrenden zu einem Verhal- ten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen and eren am Vermögen schädigt. Auf der objektiven Seite kann das tatbestandmässige Geschehen in vi er Stadien aufgelöst werden: a) das motivierende Verhalten, das im Normalfall eine Täu schung ist, aber nicht zu sein braucht; b) als Erfolg dieses Verhaltens die Setzung eines Motivs beim anderen, das auf einem Irrtum beruhen muss; c) eine dadurch motivierte Vermögensverfüg ung des anderen; d) einen durch die Verfügung herbeigeführten Vermögensschaden (G ÜNTER STRATENWERTH / GUIDO JENNY / FELIX BOMMER , Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Aufl age, Bern 2010, § 15 N 4, mit Hinweisen). Betrügerisches Verhalten ist strafrechtlich nur relevant, wenn der Täter mit einer gewissen Raffinesse oder Durchtriebenheit täuscht. Dieses Erfordernis ist erfüllt, wenn er ein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe bedient. Ein- fache falsche Angaben sind arglistig, wenn deren Überpr üfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist, und wenn der Täte r das Opfer von der möglichen Über- prüfung abhält oder er nach den Umständen voraussieht, dass jenes die Überprüfung der An- gaben aufgrund eines besonderen Vertrauensverhältnisse s unterlassen werde (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2; 135 IV 76 E. 5.2; 128 IV 18 E. 3a; je mit Hinweisen). Arglist scheidet hingegen aus, wenn der Getäuschte den Irrtum mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit hätte vermei- den können. Nach der Praxis des Bundesgerichts (vgl. zum Gan zen BGer 6B_150/2017 vom 11. Januar 2018 E. 3.3) zeichnet sich der Tatbestand des Betrugs als "Beziehungsdelikt" Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dadurch aus, dass der Täter das Opfer durch motivierende, kommunikative Einwirkung dazu veranlasst, sich selbst durch die Vornahme einer Vermög ensverfügung zugunsten des Täters oder eines Dritten zu schädigen. Das Opfer trägt folglich zur eigenen Vermögensschädigung bei (BGE 135 IV 76 E. 5.2; BGer 6B_1231/2016 vom 22. Juni 2017 E. 7.1). Auf der subjektiven Sei- te erfordert der Betrug zweierlei: den Vorsatz und d ie Bereicherungsabsicht. Der Vorsatz muss sich auf die Verwirklichung sämtlicher objektiver Tatbestandsmerkmale richten, also sowohl das motivierende Verhalten und das Setzen eines Motivs beim B etroffenen, wie dessen Verfügung und die Vermögensschädigung – einschliesslich des Motivatio nszusammenhangs zwischen ihnen – umfassen. Dass Eventualdolus genügt, ist unbestri tten (S TRATENWERTH / JENNY / BOMMER , a.a.O., § 15 N 58 ff.). Bereicherungsabsicht setzt voraus, dass die Absicht des Täters selbst dann, wenn er die Bereicherung bloss für möglich hält, auf Erlangung des Vorteils gerich- tet ist; er will die Bereicherung für den Fall, dass sie eintritt. Dies bedeutet, dass die Bereiche- rung zwar nicht ausschliessliches Motiv des Handelns sein muss, sie muss aber zumindest mit- bestimmend sein. Damit genügt eine bloss eventuelle Absi cht in diesem Zusammenhang nicht (STEFAN MAEDER / MARCEL ALEXANDER NIGGLI , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, Basel 2019, N 271 zu Art. 146 StGB, mit Hinweisen). d) Nach Art. 181 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu dre i Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Be- schränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Der Tatbestand schützt die Freiheit der Willensbildung un d Willensbetätigung des Einzelnen. Der Taterfolg besteht darin, dass eine andere Person dazu veranlasst wird, sich entsprechend dem Willen des Täters zu verhalten. Das abgenötigte Verhalt en kann darin bestehen, dass das Op- fer eine bestimmte Handlung vornimmt, eine bestimmte Handlung unterlässt oder aber darin, dass das Opfer das Verhalten des Täters oder eines Dritt en duldet. Die Tathandlung besteht darin, dass der Täter Gewalt anwendet, dem Opfer erns tliche Nachteile androht oder auf ande- re Weise seine Handlungsfreiheit beschränkt. Gewalt i st die physische Einwirkung auf den Kör- per des Opfers, die geeignet ist, die Willensfreihei t zu beeinträchtigen. Welches Mass an Zwangswirkung erforderlich ist, entscheidet sich aufgrund der Umstände des Einzelfalls. Eine Androhung ernstlicher Nachteile liegt vor, wenn nach der Darstellung des Täters der Eintritt des Nachteils als von seinem Willen abhängig erscheint und we nn die Androhung geeignet ist, den Betroffenen in seiner Entscheidungsfreiheit einzuschränken. Ob der Täter das angedrohte Übel tatsächlich bewirken will oder kann, ist irrelevant. Ern stlich sind die angedrohten Nachteile, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht wenn diese geeignet sind, auch eine verständige Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen. Die Generalklausel der anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit bedarf einer restriktiven Auslegung. Erfasst sind allein Verhaltensweisen , denen eine den Alternativen der Gewaltanwendung und der Androhung ernstlicher Nachtei le vergleichbare Zwangswirkung zu- kommt. Die Tathandlung muss ursächlich dafür sein, dass si ch das Opfer in der vom Täter ge- wünschten Art und Weise verhält. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei beding- ter Vorsatz genügt. Eine weitergehende Absicht ist nich t vorausgesetzt. Die Rechtswidrigkeit der Nötigung ist nur gegeben, wenn diese positiv begrü ndet werden kann. Rechtswidrig ist eine Nötigung dann, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel zum erstreb- ten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn d ie Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbrä uchlich oder sittenwidrig ist. Vollendet ist die Nötigung, wenn sich das Opfer dem W illen des Täters entsprechend verhält. Misslingt die Bestimmung von Willensbildung oder Willens betätigung, bleibt es beim Versuch (GÜNTER STRATENWERTH / WOLFGANG WOHLERS , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkom- mentar, 2. Auflage, Bern 2009, N 1 ff. zu Art. 181 StGB, mit zahlreichen Hinweisen). 3.2 a) Im vorliegenden Fall ist zunächst zu konstatieren, da ss der im Rahmen der Beschwerde vorgebrachte Vorwurf der Erpressung nicht von der angefochtenen Verfügung umfasst wird und demnach nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden kann (vgl. P ATRICK GUIDON , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung , 2. Auflage, Basel 2014, N 9b zu Art. 396 StPO, mit Hinweisen). Im Hinblick auf den Vorwurf des Betruges ist unter Verwe is auf die vorgängigen Erwägungen festzustellen, dass der Tatbestand von Art. 146 StGB ei ne irrtumsbedingte, auf einer Täu- schung basierende Vermögensverfügung des Getäuschten vorauss etzt, wodurch dieser sich selbst bzw. das seiner tatsächlichen Verfügung unterliege nde Vermögen eines Dritten unmittel- bar schädigt. Von einer solchen irrtumsbedingten Vermög ensverfügung kann in casu jedoch keine Rede sein. Vielmehr legt der Beschwerdeführer in seiner E-Mail vom 14. September 2021 an die Staatsanwaltschaft dar, sofort nachdem er zugesa gt habe, dass die B.____ AG die Ver- zollung machen könne, was völlig normal sei, habe diese angefangen, absurde Rechnungen für Hafenterminalgebühren zu erheben, ohne dies vorher m itgeteilt zu haben. Damit bestätigt der Beschwerdeführer also ausdrücklich, eine vertragliche Vere inbarung mit der B.____ AG abge- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlossen zu haben. Unter diesen Umständen liegt es aber fraglos in seiner Verantwortung, die Einzelheiten mit der Vertragspartnerin zu regeln bzw. zu mindest Kenntnis davon zu haben, be- vor er eine entsprechende vertragliche Beziehung eingeh t. Soweit er seiner Vertragspartnerin unredliches Geschäftsgebaren vorwirft und namentlich von den Forderungen der B.____ AG überrascht worden sein sollte, welche aus dem von ihm erteilten Auftrag zur Verzollung resultie- ren, betrifft dies Fragen, welche unabhängig vom Umsta nd, dass sich der Beschwerdeführer übervorteilt gefühlt haben mag, ausschliesslich auf zivilr echtlichem Weg zu klären sind. Dem- nach steht fest, dass sich der vorliegend massgebliche Sa chverhalt nicht unter die strafrechtli- che Norm von Art. 146 StGB subsumieren lässt, womit di e Staatsanwaltschaft zu Recht kein diesbezügliches Verfahren wegen Betruges an Hand genommen hat. b) Beim Straftatbestand der Nötigung nach Art. 181 StGB hat sich mit dem Vorzug eines relativ umfassenden Schutzes der Handlungsfreiheit von A nfang an die bis heute ungelöste – und auf diesem Abstraktionsniveau anscheinend auch nicht lösbare – Schwierigkeit verbunden, das wirklich strafwürdige vom nicht strafwürdigen, sozi al völlig angepassten oder doch nur an- stössigen oder sittenwidrigen Verhalten nach hinreichend präzisen Kriterien abzugrenzen (STRATENWERTH / JENNY / BOMMER , a.a.O., § 5 N 1). In allgemeiner Weise ist zu konstat ieren, dass ein strafrechtlich relevantes Verhalten nur dann vorliegt, wenn alle Tatbestandselemente der fraglichen Strafrechtsnorm, im vorliegenden Fall von Art. 181 StGB, gegeben sind. Dies ist zu verneinen. Für die Erfüllung von Art. 181 StGB sind als objektive Tatbestandselemente vo- rausgesetzt entweder die Anwendung von Gewalt (d.h. ei ne physische Einwirkung auf einen anderen), die Androhung ernstlicher Nachteile (was bei m Adressaten zu einer unzulässigen Freiheitsbeschränkung führt) oder eine andere Beschränk ung der Handlungsfreiheit (vgl. zum Ganzen VERA DELNON / BERNHARD RÜDY , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, B asel 2019, N 18 ff. zu Art. 181 StGB, mit Hinweisen). Für das Kantonsgericht ist nicht ersichtlich, dass ein im Sinne des Strafrechts relevantes irgendwie ge artetes Nötigungsmittel vorliegen könnte. Die vom Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang vorgebrachte angebliche Andro- hung ernstlicher Nachteile bzw. angebliche Beschränkung seiner Handlungsfähigkeit durch die Androhung der Vernichtung seiner Ware bei Ausbleiben der Zahlung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ist im vorliegenden Ausmass strafrechtlich nic ht bedeutsam, zumal gemäss den vor- stehenden Erwägungen zwischen dem Beschwerdeführer und d er B.____ AG ein Vertragsver- hältnis bestanden hat und ‒ wie dies bereits die Staatsanwaltschaft zu Recht erkannt hat ‒ ge- stützt auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der schwe izerischen Logistikbranche Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht (SPEDLOGSWISS, Art. 31) zweifellos ein Retentionsrech t am fraglichen Gegenstand vorgele- gen hat. Zwar wäre die Vernichtung der Ware im Gegen satz zur Verwertung derselben nicht Teil dieses vertraglich vereinbarten Retentionsrechts gew esen, dies ändert aber nichts daran, dass die B.____ AG grundsätzlich das Recht gehabt hat, u nter Verwertungsandrohung eine Zahlungsfrist zu setzen und bei deren unbenutztem Abla uf das Gut tatsächlich zu verwerten. Sollte die B.____ AG dieses grundsätzliche Retentionsrecht mit der Androhung zur Vernichtung allenfalls vertragswidrig ausgeübt haben, wäre dies wie derum eine Frage, welche in einer aus- schliesslich zivilrechtlichen Auseinandersetzung zu klären wäre . Infolgedessen ist die Ansicht der Vorinstanz, wonach im zur Anzeige gebrachten Sachverha lt keine Nötigung nach Art. 181 StGB zu erblicken und demnach kein Verfahren an Hand zu nehmen ist, zu bestätigen. c) Gemäss diesen Erwägungen ist die Beschwerde vom 13. Okt ober 2021 in Bestätigung der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung vom 4. Oktober 2021 vollumfänglich abzuwei- sen. 4. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens, wobei al s unterliegend auch jene Partei gilt, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird o der die das Rechtsmittel zurückzieht. In An- betracht des Verfahrensausganges gehen im vorliegenden Verfahren die ordentlichen Kosten des Kantonsgerichts in der Höhe von CHF 1'050.--, be stehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 1'000.-- sowie Auslagen von CHF 50.--, zu Lasten des Beschwerdeführers. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von CHF 1'050.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1'000 .-- sowie Aus- lagen von CHF 50.--) gehen zu Lasten des Beschwerdeführers. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Pascal Neumann Dieser Entscheid ist zufolge Weiterzugs an das Bundesgericht noch nicht rechtskräftig