Entscheid vom 17. Juli 2013 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Cornelia Cova, Gerichtsschreiber Martin Eckner Parteien A., vertreten durch Advokat Oliver Borer Beschwerdeführer gegen BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, FACHBEREICH AUS- LIEFERUNG Beschwerdegegner Gegenstand Auslieferung an Italien Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer n: RR.2013.158 / RP.2013.34 - 2 - Sachverhalt: A. Mit Ausschreibung vom 26. März 2012 im Schengener Informationssystem ersuchte Italien um die Verhaftung von A. zwecks Auslieferung ( act. 6.1). Das Auslieferungsersuchen stützt sich auf einen Haftbefehl vom 23. Se p- tember 2011 des Landesgerichts Triest wegen Abgabebetrugs (in act. 6.6). Darin wird A. im Wesentlichen vorgeworfen, erhebliche Mengen von Min e- ralöl (Dieseltreibstoff) von Z. und Y. nach Slowenien verbracht zu haben, wofür er falsche Zollstempel erstell en lassen und wahrheitswidrig angeg e- ben habe, dieses nach Serbien ausführen zu wollen. Dur ch diese Vorg e- hensweise seien Mehrwert - und Verbrauchssteuern in Höhe von EUR 1'359'078.17 nicht bezahlt worden. B. Am 12. März 2013 wurde A. am Flughafen Basel festgenommen. Das Bun- desamt für Justiz (nachfolgend "BJ") erliess gleichentags eine Haftanor d- nung, worauf A. in provisorische Auslieferungshaft versetzt wurde. Anläss- lich der Befragung vom 13. März 2013 durch die Kantonspolizei Basel- Stadt erklärte A., mit der vereinfachten Auslieferung nicht einverstanden zu sein (act. 6.2 - 6.4). Das BJ erliess am 14. März 2013 den Auslieferungs- haftbefehl gegen A.; er wurde ihm am 15. März 2013 eröffnet (act. 6.5). C. Das formelle Auslieferungsersuchen Italiens datiert vom 19. März 2013 (act. 6.6). Am 26. April 2013 fällte das BJ den Auslieferungsentscheid (act. 6.9). Dieser bewilligte die Auslieferung von A. an Italien für die dem Auslieferungsersuchen des italienischen Justizministeriums vom 19. März 2013 zugrunde liegenden Straftaten (act. 6.9 [ohne Seitenza h- len]). D. Gegen den Auslieferungsentscheid gelangte A. mit Schreiben vom 29. Mai 2013 an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts (act. 1). Er beantragt: "1. Es sei in Guth eissung der vorliegenden Beschwe rde der Antrag des italien i- schen Justizministeriums vom 19. März 2013 auf Auslieferung abzuweisen und der Entscheid des Bundesamtes für Justiz vom 26. April 2013 vollumfänglich aufzuheben. 2. Demgemäss sei der Beschwerdeführer nicht auszuliefern und die Auslief e- rungshaft über den Beschwerdeführer unverzüglich aufzuheben. 3. Unter o/e Kostenfolge zu Lasten des Staates. Es sei zudem dem Beschuldigten eine Entschädigung nach Art. 15 IRSG zu leisten." - 3 - Das BJ beantragt in seiner Beschwerdeantwort vom 12. Juni 2013 die Ab- weisung der Beschwerde und verweist dazu im Wesentlichen auf seinen Auslieferungsentscheid (act. 6; act. 6.9). Die Replik des Beschwerdeführers vom 8. Juli 2013 wurde dem BJ zur Kenntnis zugestellt (act. 9; act. 10). Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, s o- weit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen. Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 1. 1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Italien sind primär massgebend das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezember 1957 (EAUe; SR 0.353.1; BGE 132 II 81 E. 3.2.3), das zu diesem Übereinkommen am 17. März 1978 ergangene zweite Zusatzproto- koll (2. ZP; SR 0.353.12) sowie die Bestimmungen der Art. 59 ff. des Über- einkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Über einkommens von Schengen vom 14. Juni 198 5 (Schenge ner Durchführungsüberei n- kommen, SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19 - 62; BGE 136 IV 88 E. 3). Günstigere Bestimmungen bilateraler oder multilateraler Übe r- einkünfte zwischen den Vertragsparteien bleiben von diesen multilateralen Abkommen unberührt (Art. 28 Abs. 2 EAUe; Art. 48 Abs. 2 SDÜ; zum Gan- zen ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en matière pén a- le, 3. Aufl., Brüssel/Bern 2009, N. 22-24, 49 ff., 79 ff.). 1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschl iessend regeln, findet auf das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich das Recht des er- suchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bunde s- gesetz vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1 982 über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11 ; Art. 1 Abs. 1 lit. a IRSG; BGE 136 IV 82 E. 3.1; 130 II 337 E. 1 ). Das innerstaatliche Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn dieses geringere Anforderungen an die Auslieferung stellt (BGE 137 IV 33 E. 2.2.2 ; 136 IV 8 2 E. 3.1; 135 IV 212 E. 2.3; 122 II 140 E. 2; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 229). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 129 II 100 E. 3.3; 123 II 595 E. 7c; TPF 2008 24 E. 1.1; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 211 ff., 223 ff., 680 ff.). Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten - 4 - sind darüber hinaus die Bestimmu ngen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfa h- rensgesetz, VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG ; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 275). 1.3 Gegen Auslieferungsentscheide des BJ kann innerhalb von 30 Tagen nach Eröffnung des Entscheids bei der Besch werdekammer des Bundesstrafge- richts Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG; Art. 12 Abs. 1 IRSG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 VwVG). Die Frist beginnt an dem auf ihre Mitteilung folgenden Tage zu laufen (Art. 20 Abs. 1 VwVG). 1.4 Der angefochtene Entscheid wurde dem Vertreter des Beschwerdeführers am 29. April 2013 eröffnet (act. 6.10). Seine Beschwerde vom 29. Mai 2013 ist daher fristgereicht eingereicht . Die übrigen Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass, weshalb auf die Beschwerde einzu- treten ist. 2. 2.1 Der Besch werdeführer rügt erstmals in seiner Replik, dass bereits eine Strafuntersuchung in Slowenien eingeleitet worden sei. Die Auslieferung an Italien verstosse damit gegen die Zuständigkeitsvorschriften in EU-Richt- linien und den Grundsatz "ne bis in idem" (act. 9, 9.1). Einzugehen ist z u- nächst auf die Zuständigkeitsfrage. 2.2 Ist die strafbare Handlung, die dem Auslieferungsersuchen zugrundeliegt, ausserhalb des Hoheitsgebiets des ersuchenden Staates begangen wor- den, so kann die Auslieferung nur abgelehnt werden, wenn die Rechtsvo r- schriften des ersuchten Staates die Verfolgung einer ausserhalb seines Ho- heitsgebiets begangenen strafbaren Handlung gleicher Art oder die Ausli e- ferung wegen der strafbaren Handlung nicht zulassen, die Gegenstand des Ersuchens ist (Art. 7 Ziff. 2 EAUe). 2.3 Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat das schweizerische Rechts- hilfegericht in der Regel nicht abzuklären, ob die Zuständigkeit des ers u- chenden Staates gegeben sei. Die Auslegun g des Rechts des ersuche n- den Staates ist in erster Linie Sache seiner Behörden; die Rechtshilfe d arf daher nur in Fällen verweigert werden, in denen der ersuchende Staat o f- fensichtlich unzuständig ist, d.h. die Justizbehörden des ersuchenden Staa- tes ihre Z uständigkeit in willkürlicher Weise bejaht haben. Rechtshilfe we- gen völkerrechtswidriger Inanspruchnahme der Strafgewalt zu versagen - 5 - kann aufgrund des eingeräumten grossen Ermessensspielraums der Staa- ten ohnehin nur in Betracht kommen, wenn der Sachverhalt keine Bezie- hung zu legitimen Rechtspflegeinteressen des ersuchenden Staates auf - weisen würde, die Inanspruchnahme der Strafgewalt also klar rechtsmis s- bräuchlich wäre (BGE 132 II 178 E. 5 , 132 II 81 E. 2.12; 126 II 212 E. 6c; 116 Ib 89 E. 2c aa; 113 Ib 157 E. 4; Urteile des Bundesgerichts 1A.15/2002 vom 5. März 2002, E. 3.2; 1A.9/2002 vom 18. Juni 2002, E. 2.2.5; En t- scheid des Bundesstrafgerichts RR.2012.309 vom 5. Juni 2013, E. 4.3.1/4.3.3 m.w.H.; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 564 ff., 567 f., 657). 2.4 Führt de r Beschwerdeführer selbst an, die Zuständigkeit Italiens sei g e- mäss den EU-Richtlinien 2008/118/EG und 92/12/EWG zumindest subsi - diär gegeben, so schliesst schon dies aus, dass die italienischen Strafve r- folgungsbehörden ihre Zuständigkeit in wil lkürlicher Weise bejaht hätten (vgl. auch S. 2 des Haftbefehls vom 23. September 2011 des Landesg e- richts Triest [S. 3 der deutschen Übersetzung]). Ebensowenig ist vorliegend eine Anknüpfung der italienischen Zuständigkeit an das Territorialitätspri n- zip ode r gegebenenfalls an das Schutzprinzip völkerrechtlich klar recht s- missbräuchlich (vgl. dazu nur BROWNLIE, Principles of Public International Law, 7. Aufl., Oxford 2008, S. 301-305; SHAW, International Law, 6. Aufl., Cambridge 2008, S. 65 2-658, 666 -668; HERDEGEN, Völkerrecht, 8. Aufl., München 2009, S. 183-188). 2.5 Ist die strafrechtliche Zuständigkeit Italiens damit nicht zu beanstanden, ist im nächsten Punkt auf die vorgebrachte Verletzung des Prinzips "ne bis in idem" einzugehen. 2.6 Der ersuchte Staat kann die Auslieferung des Verfolgten wegen einer straf- baren Handlung ablehnen, welche nach seinen Rechtsvorschriften ganz oder zum Teil auf seinem Hoheitsgebiet oder an einem diesem gleichg e- stellten Ort begangen worden ist (Art. 7 Ziff. 1 EAUe). Sodann kann die Auslieferung auch abgelehnt werden, wenn wegen derselben Handlungen bereits ein Strafverfahren im ersuchten Staat hängig ist (Art. 8 EAUe). Unter dem Titel "ne bis in idem" wird die Auslieferung nicht bewilligt, wenn der Verfolgte wegen Handlungen, derentwe gen um Auslieferung ersucht wird, von den zuständigen Behörden des ersuchten Staates rechtskräftig abgeurteilt worden ist . Die Auslieferung kann abgelehnt werden, wenn die zuständigen Behörden des ersuchten Staates entschieden haben, wegen derselben Handlungen kein Strafverfahren einzuleiten oder ein bereits ei n- geleitetes Strafverfahren einzustellen (Art. 9 EAUe; vgl. auch Art. 2 des 1. ZP; Art. 54 SDÜ und Art. 5 Abs. 1 lit. a und b IRSG; BGE 128 II 355 - 6 - E. 5.2; 112 IB 215 E. 6; Entscheide des Bundesstrafger ichts RR.2013.42 vom 7. Mai 2013, E. 6.1; RR.2010.163 vom 6. Dezember 2010, E. 4.3; ZIM- MERMANN, a.a.O., N. 658 ff., 661 ff., insbes. 665 ff.). Die Schweiz behält sich des weiteren in ihrem Vorbehalt zu Art. 9 EAUe das Recht vor, die Auslieferung des Verfolgten auch dann abzulehnen, wenn die nach dieser Bestimmung die Ablehnung der Auslieferung begrü n- denden Entscheidungen in einem dritten Staat ergangen sind und es sich dabei um den Staat handelt, auf dessen Hoheitsgebiet die strafbare Han d- lung begangen worden ist. Das 1. ZP wurde von Italien nicht ratifiziert, wes halb dessen Art. 2 keine Anwendung findet. 2.7 In der Schweiz w ar der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt – was übri- gens der Beschwerdeführer ebensowenig für Slowenien behauptet – nicht Gegenstand eines Sachentscheides ; auch wird er in der Schweiz nicht strafrechtlich untersucht. Es ist damit kein Anwendungsfall von "ne bis in idem" gegeben. Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers ist die Schweiz nicht einmal befugt, von ihrer Auslieferungsverpflichtung aus Art. 1 EAUe absehen zu dürfen. Die Schweiz kann im Übrigen darauf ver trauen, dass Italien – wie sie ein Signatarstaat der EMRK und na mentlich des 7. Zusatzprotokolls vom 22. November 1984 (SR 0.101.07) – ihren grund- rechtlichen Verpflichtungen gemäss handeln wird. 2.8 Insgesamt erweisen sich die Rügen fehlender italienischer Zuständigkeit und der Verletzung von "ne bis in idem" als unbegründet. 3. 3.1 Der Beschwerdeführer rügt die mangelhafte Sachverhaltsschilderung im Rechtshilfeersuchen (act. 1 S. 3 f.). Die doppelte Strafbarkeit ist, anders als vor dem BJ (vgl. act. 6.8), nicht mehr Verfahrensgegenstand. 3.2 Gemäss Art. 12 Ziff. 2 lit. b EAUe hat das Auslieferungsersuchen eine Da r- stellung der Handlungen zu enthalten , der entwegen um Auslieferung e r- sucht wird . Zeit und Ort ihrer Begehung sowie ihre rechtliche Würdigung unter Bezugnahme auf die anwendbaren Gesetzesbestimmungen sind so genau wie möglich anzugeben. Unter dem Gesichtspunkt des hier massgebenden EAUe reicht es grund- sätzlich aus, wenn die Angaben im Rechtshilfeersuchen sowie in dessen - 7 - Ergänzungen und Beilagen es den schweizerischen Behörden ermöglichen zu prüfen, ob ausreichende Anhaltspunkte für auslieferungsfähige Straft a- ten vorliegen, ob Verweigerungsgründe gegeben sind bzw. für welche mut- masslichen Delikte dem Begehren al lenfalls zu entsprechen ist. Das Rechtshilfegericht muss namentlich prüfen können, ob die Voraussetzung der beidseitigen Strafbarkeit erfüllt ist. Es kann hingegen nicht verlangt wer- den, dass die Behörden des ersuchenden Staates den Sachverhalt, der Gegenstand ihrer Strafuntersuchung bildet, lückenlos und völlig wide r- spruchsfrei darstellen und die Tatvorwürfe bereits abschliessend mit Bewei- sen belegen. Das wäre mit dem Sinn und Zweck des Auslieferungsverfah- rens unvereinbar. Die ersuchte schweizerische Behörde hat sich beim En t- scheid über ein ausländisches Begehren nicht dazu auszusprechen, ob die darin angeführten Tatsachen zutreffen oder nicht. Sie hat somit nach dem Grundsatz der abstrakten beidseitigen Strafbarkeit weder Tat- noch Schuld- fragen zu prüfen und grundsätzlich auch keine Beweiswürdigung vorzuneh- men (BGE 136 IV 179 E. 2.3.4, 136 IV 4 E. 4.1; 133 IV 76 E. 2.2; 132 II 81 E. 2.1; Urteile des Bundesgerichts 1C.559/2011 vom 7. März 2012, E. 2.4; 1C.205/2007 vom 18. Dezember 2007, E. 3.2; Entscheid des Bundesstraf- gerichts RR.2012.164 v om 12. September 2012, E. 2.1; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 22, 290 ff.). 3.3 Dem Haftbefehl vom 23. September 2011 des Landesgerichts Triest (in act. 6.6) liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Ab November 2008 soll der Verfolgte, als Mitglied einer kriminellen Vereini- gung, in welcher er namentlich Geldgeber, Auftraggeber und Anstifter g e- wesen sei, sowie unter Einsetzung von Scheinfirmen und Strohmännern, in Z. und Y. erhebliche Mengen Mineralöl (Dieseltreibstoff) gekauft haben, wobei er wahrheitswidrig angegeben habe, dieses nach Serbien ausführen zu wollen. Dabei habe der Verfolgte falsche Zollstempel erstellen lassen, welche bestätigen sollten, dass das Mineralöl aus der EU exportiert werde. Stattdessen sei dieses innerhalb der EU nach Slowenien verbracht worden, damit es dort hätte verkauft werden können . In diesem Zusammenhang seien zwischen dem 20. November 2008 und 22. Mai 2009 ab Z. 52 Fahrten und zwischen dem 10. September 2009 und 15. März 2010 ab Y. 51 Fahrten mit Mineralöl durchgeführt worden. Durch die se Vorgehens- weise seien Mehrwert - und Verbrauchssteuern in Höhe von EUR 1'359'078.17 nicht bezahlt worden. 3.4 Daran rügt der Beschwerdeführer: Aus dem Haftbefehl sei nicht ersichtlich, wann und vor allem durch welche Handlungen sich der Beschwerdeführer schuldig gemacht habe . Jegliche Beweise fehlten. Auch wann und in wel-- 8 - cher Form die Anstiftungen stattgefunden hätten, werde in keinem Satz e r- wähnt. Gleichermassen seien die Abnehmer des Mineralöls unbekannt g e- blieben. Dass der Beschwerdeführer an den Trans portdaten keinerlei Aus- führungsmacht hatte , werde von den italienischen Behörden selbst gar nicht bestritten. Entgegen den völkerrechtlichen Anforderungen fehlten die erwähnten GPS -Nachverfolgungen und Aussagen von Mitangeklagten im Ersuchen. Es bestünden auch Lücken in der Sachverhaltsdarstel lung. So bleibe unerwähnt, dass der mitangeklagte Bruder des Beschwer deführers (†B.) acht Monate vor Erlass des Haftbefehls verstorben sei. Zwar seien die Voruntersuchungen zwei Monate vor der Verhaftung des Beschwerd e- führers abgeschlossen worden, doch diese entscheidenden Fakten fehlten dennoch im Haftbefehl (act. 1 S. 3 f.). 3.5 In der Sachverhaltsdarstellung wird j ede einzelne vorgeworfene Fahrt mit Datum und Tankfüllung und weiteren Angaben konkretisiert. Verschiedene Fahrten wurden von Anfang bis Ende überwacht. Der Beschwerdeführer behauptet zwar, dass ein Beweisdossier dem Ersuchen beigelegt werden müsse, kann hierfür indes auf keine Rechtsgrundlage verweisen, zumal ei- ne solche auch nicht existiert. Die Schilderung im Auslieferungsersuchen weist keine offensichtlichen Fehler, Lücken oder Widersprüche auf, welche den Sachverhaltsvorwurf sofort im Sinne der Rechtsprechung entkräften würden. Was der Beschwerdeführer im Einzelnen und detailliert gegen die Sachverhaltsdarstellung im Ersuchen vorbringt, beschlägt die Beweiswürdi- gung, die im Rechtshilfeverfahren nicht zu übe rprüfen, sondern dem Sach- gericht vorbehalten ist. Dieses wird über seine Strafbarkeit zu befinden und im Strafverfahren das Ableben des Bruders zu würdigen haben. 3.6 Damit erweist sich die Beschwerde in diesem Punkt als unbegründet. 4. 4.1 Eine weitere Rüge lautet, im italienischen Strafverfahren seien die Mindest- rechte der Verteidigung nach Art. 6 Ziff. 3 lit. b und lit. c EMRK nicht g e- wahrt worden (act. 1 S. 5-7). 4.2 Die Schweiz prüft die Auslieferungsvoraussetzungen des EAUe auch im Lichte ihrer grundrechtlichen und völkerrechtlichen Verpflichtungen. Die Auslieferung wird nicht bewilligt, wenn Gründe für die Annahme bestehen, das Verfahren im Ausland entspreche nicht den in der Europäischen Ko n- vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) oder im internationalen Pakt vom 16. Dezember 1966 über bürgerliche und politische Rechte (UNO -Pakt II; - 9 - SR 0.103.2) festgelegten Verfahrensgrundsätzen oder weise andere schwere Mängel auf (Art. 2 lit. a und d IRSG). Der im ausländischen Stra f- verfahren Beschuldigte muss glaubhaft machen, dass objektiv und erns t- haft eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte im ersuchenden Staat zu befürchten ist (BGE 133 IV 76 E. 4.1; 130 II 217 E. 8.1; 129 II 268 E. 6.1, je m.w.H. ; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR. 2012.175 vom 7. März 2013, E. 11.2; RR.2012 .23 vom 2. August 2012, E. 5.2; ZIMMER- MANN, a.a.O., 205 ff., 221 f., 531, 627 ff., 680 ff.). 4.3 Dagegen bringt der Beschwerdeführer vor, d as gesamte italienische Stra f- verfahren scheine nun beinahe abgeschlossen zu s ein, ohne dass er je- mals die Möglichkeit gehabt habe, sich in Italien zu verteidigen. Er wisse nicht, was ihm vorgeworfen werde, kenne die ihn belastenden Bewei se nicht und habe keine Gelegenheit erhalten, sich zu entlasten. Und dies, obwohl ihm ein abge kürztes Strafv erfahren vorgeschlagen werde, soweit die Untersuchung nicht bereits eingestellt worden sei. Sein italienischer Anwalt kenne ihn nicht, habe nie mit ihm kommuniziert und habe nur als Zustelladresse gedient. Es mute äusserst seltsam an, dass de rselbe A n- walt auch den mitangeklagten verstorbenen Zwillingsbruder †B. verteidige. Es bestehe hier eine frappante Verwechslungsgefahr. Österreich habe zu - vor mangels Unterlagen eine Auslieferung abgelehnt. 4.4 Vorliegend bestehen keine konk reten Anhaltspunkte dafür, dass das itali e- nische Strafverfahren nicht die internationalen Menschenrechts - und Ver- fahrensgarantien respektiert. Selbst wenn alle seine Vorwürfe im Einzelnen zuträfen, so hat der Beschwerdeführer nicht behauptet, es sei ihm ve r- wehrt, damit vor ein unabhängiges , unparteiisches und auf Gesetz ber u- hendes italienisches Gericht zu gelangen. Er legt damit nichts dar, was It a- lien selbst zum Vorwurfe gereichte. Es ist in ständiger Rechtsprechung vielmehr davon auszugehen, dass die Vertragsstaaten de r EMRK, wie die Schweiz und Italien es sind, auch die entsprechenden Garantien einhalten und damit ein faires Strafverfahren gewährleisten (vgl. Art. 26 des Wiener Übereinkommens über das Recht der Verträge vom 23 Mai 1969 [VRK; SR 0.111]; BGE 121 I 181 E. 2c; 117 Ib 337 E. 2; Urteile des Bundesg e- richts 1C.480/2008 vom 1. Dezember 2008, E. 4; 1C.408/2007 vom 21. Dezember 2007, E. 2.2; 1A.297/2005 vom 13. Januar 2006, E. 5; 1A.112/2004 vom 17. September 2004, E. 5.2 in fine; 1A.70/200 3 vom 8. September 2003, E. 6.3; Entscheid des Bundesstr afgerichts RR.2012.103 vom 12. Dezember 2012, E. 6.2 in fine; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 204 ff.). - 10 - 4.5 Insgesamt sind d ie Beanstandungen des Beschwerdeführers nicht derge- stalt, dass sie ei ne EMRK -Verletzung dartäten. Die Vermutung der Ve r- tragstreue Italiens ist nicht im Ansatz tangiert. Demnach ist die Beschwerde auch in diesem Punkt unbegründet. 5. 5.1 Wer sich in Auslieferungshaft befindet, kann jederzeit ein Haftentlassung s- gesuch einreichen (Art. 50 Abs. 3 IRSG). Das Gesuch ist an das Bunde s- amt für Justiz zu richten, gegen dessen ablehnenden Entscheid innert zehn Tagen Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafg e- richts geführt werden kann (Art. 48 Abs. 2 und Art. 50 Abs. 3 IRSG; Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG; TPF 2009 145 E. 2.5.2; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 350 und N. 501). Ausnahmsweise kann die Beschwerdekammer in er s- ter Instanz über ein Haftentlassungsgesuch befinden, wenn sie auf B e- schwerde die Auslieferung verweigert und als unmittelbare Folge die Ent- lassung aus der Auslieferungshaft anordnet. Das Haftentlassungsgesuch ist insofern rein akzessorischer Natur (Urteil des Bundesg e- richts 1A.13/2007 vom 9. März 2007, E. 1.2; Entscheide des Bundesstra f- gerichts RR.2013.9 vom 23. April 2013, E. 10.3; RR.2008.59 vom 19. Juni 2008, E. 2). 5.2 Da die Auslieferung des Beschwerdeführers grundsätzlich gewährt werden kann (vgl. obenstehende Erwägungen 3 und 4), ist sein akzessorisches Haftentlassungsgesuch abzuweisen. 6. Insgesamt erweist sich keine Rüge als zutreffend. Weitere als die geprüften Auslieferungshindernisse sind weder geltend gemacht noch ersichtlich. Die Auslieferung des Beschwerdeführers an Italien ist folglich zulässig für die dem Auslieferungsersuchen vom 19. März 2013 des Ministero della Giust i- zia zugrunde liegenden Straftaten. Die Beschwerde ist abzuweisen. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer stellt ein Gesuch um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege und Verbeiständung (RP.2013.34 act. 1). 7.2 Die Beschwerdekammer bestellt einer Partei, die nicht über die erforderl i- chen Mittel verfügt, auf Antrag einen Anwalt, wenn es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos er scheint (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG). Diese Rege-- 11 - lung ist Ausfluss von Art. 29 Abs. 3 BV. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Prozessbegehren als aussichtslos anzuse hen, wenn die Gewinnaussichten beträchtlic h geringer erscheinen als die Verlustg e- fahren. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich G e- winnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese (BGE 138 III 217 E. 2.2.4; 134 I 92 E 3.2.1; 129 I 129 E. 2.3.1; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 475 f.). 7.3 Vorstehende Erwägungen zeig en, dass die Vorbringen ständiger Rech t- sprechung zuwiderlaufen. Die Beschwerde war demnach offensichtlich un- begründet und ohne Aussicht auf Er folg. Das Gesuch um Gewährung d er unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung ist deshalb abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem B e- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 3'000.-- festzusetzen (Art. 63 Abs. 4bis und Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und Art. 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). Es besteht kein Anspruch auf eine Prozessentschädigung (Art. 429 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 15 Abs. 1 IRSG). - 12 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das akzessorische Haftentlassungsgesuch wird abgewiesen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbei - ständung wird abgewiesen. 4. Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. Bellinzona, 17. Juli 2013 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: Zustellung an - Advokat Oliver Borer - Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung Rechtsmittelbelehrung Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn Tagen nach der Eröff nung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Ausl ieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 BGG). Ein besonders bedeuten der Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).