BRKE II Nr. 103/1997 vom 20. Mai 1997 in BEZ 1997 Nr. 19 2. Die Rekurrentin beabsichtigt, das bestehende, schwach geneigte Schrä g- dach ihres Gebäudes abzubrechen und statt dessen ein zu W ohnzwecken genutztes Dachgeschoss zu erstellen. W estseits (talwärts) ist der projektierte Gebäudea b- schnitt gegen die dort ebenfalls neu geplante Terrasse als Attikageschoss ausgebi l- det. Ostseits ist ein schwach gewölbtes Tonnendach vorgesehen, welches im nor d- östlichen Teil eine zirka 2,5 m breite Dachaufbaute aufweist. Dieses liegt mit seinem nordöstlichen Teil über knapp die halbe Breite des Gebäudes auf der teilweise au f- zumauernden Ostfassade auf. … 4.a) Nach § 292 PBG dürfen Dachaufbauten, wo nichts anderes bestimmt ist, nicht breiter sein als ein Drittel der betreffenden Fassadenläng e, sofern sie bei Schrägdächern über die tatsächliche Dachebene hinausragen (lit. a) bzw. bei Flac h- dächern die für ein entsprechendes Schrägdach zulässigen Ebenen durchstossen (lit. b). Mit der von § 281 PBG definierten Dachebene, innerhalb welcher der First eines Schrägdaches liegen muss, ist das in § 292 PBG erwähnte hypothetische Dachprofil nur insofern gleichzuse tzen, als die entsprechende Linie ebenfalls in e i- nem W inkel von 45° anzulegen ist. M it Bezug auf den Punkt, an dem diese Linien anzusetzen sind, unterscheiden sich die in den genannten Normen erwähnten Dachprofile. Nach dem gesetzlich geregelten Spez ialfall von § 281 Abs. 2 PBG darf ein Schrägdach an jene Ebenen stossen, welche durch die beidseits im genannten Winkel auf der maximal zulässigen Gebäudehöhe angeset zten Linien gebildet we r- den. Wird die Gebäudehöhe nicht ausgeschöpft, sind daher D ächer möglich, welche steiler als 45° anstei gen (vgl. zur Messweise der Firsthöhe BEZ 1996 Nr. 9). Das von § 292 PBG e rwähnte, ausschliesslich für Bauten mit Flachdächern geltende Dachprofil ist unabhä ngig davon, ob die maximal zulässige Gebäudeh öhe e rreicht sei oder nicht, am tatsächlichen Schnittpunkt zwischen Fassade und (Flach - )Dachfläche anzusetzen. Ein fiktiver Kniestock (§ 275 Abs. 2 PBG) darf nicht in A n- schlag gebracht werden, wenn die Bauordnung — was dem Regelfall entspricht — Geschosszahlvorschriften enthält (vgl. BEZ 1995 Nr. 36 und RB 1993 Nr. 42). Der Grund dafür liegt darin, dass Attikage schosse, welche sich an einem derart erhöhten hypothetischen Dachprofil orientieren würden, von Vollgeschossen praktisch nicht mehr zu unte rscheiden wären. Gebäudeabschnitte unter veritablen Schrägdächern werden demgegenüber auch dann, wenn sie das darunte rliegende Vollgeschoss in - 2 - begrenztem U mfang mit einer sichtbaren Aussenfa ssade überragen (und damit e i- nen Kniestock aufwe isen), visuell noch ohne weiteres als Dachgeschosse wahrg e- nommen. § 275 Abs. 2 PBG bestimmt daher, dass Gebäudeabschnitte mit einer Kniestockhöhe von höchstens 0,9 m, gemessen 0,4 m hinter der Fassade (noch), als Dachgeschosse gelten. Der B eschränkung von § 292 PBG unterliegen bei Schrä g- dächern — sofern es sich nicht um Kamine, Anlagen zur Nutzung von Sonnenene r- gie oder kleinere technisch bedingte Au fbauten handelt — sämtliche Bauteile, we l- che über die ta tsächliche (Haupt -)Dachebene hinausragen. Die Ansetzung eines hypothetischen Dachprofils (mit Ausnahme der e rwähnten Sonderfälle) ist bei Schrägdächern dementsprechend nicht erforderlich. b) Den im angefochtenen Beschluss gegen das streitige Projekt erhobenen Einwand, wonach Mischformen zwischen Fl ach- und Schrägdächern nicht zu lässig seien, hat die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zu Recht relativiert. Es ist in der Tat nicht einzusehen, weshalb eine derartige Dachgestaltung unzulä ssig sein sollte. Das kantonale Recht sieht gemischte Dachformen zwar nicht vor, verbietet solche aber auch nicht. Damit ist allerdings die Frage noch nicht beantwortet, wie die Vo r- schrift von § 292 PBG in solch en Fällen anzuwenden sei. Die Vorinstanz hält offe n- sichtlich dafür, dass in Fällen wie dem vorliegenden, da das oberste Vollgeschoss eines Gebäudes einseitig ein Flachdach mit darübe rliegendem Dach(Attika-)Geschoss aufweist, das Niveau des Flachdaches insg esamt besti m- mend und bei der Anwendung von § 292 PBG daher auch auf der gegenüberliege n- den Gebäudeseite, wo sich der fragliche Gebäudeabschnitt als solcher unter einem Schräg- bzw. Tonnendach präsentiert, auf den Schnittpunkt zwischen Flachdach und Fassade abzustellen sei. Soweit die Baubehörde dies damit begründet, dass bei der Berücksichtigung eines Kniestockes auf beiden Gebäude(trauf -)seiten einer missbräuchlichen Ausgestaltung von Attikageschossen Tür und Tor geöffnet würde, zielt dies an der Sache vor bei. Es geht nicht darum, ob auf jener Gebäudeseite, wo tatsächlich ein Flachdach vorhanden ist, ein (hypothetischer) Kniestock in Anschlag gebracht werden dürfe. Dies wird von der Rekurrentin auch nicht geltend gemacht. Sie hält lediglich dafür, dass auf derjenigen Gebäudeseite, wo ein Schrägdach g e- plant ist, der unter diesem befindliche Gebäudea bschnitt einen Kniestock aufweisen dürfe. Dem steht entgegen der Auffassung der Vorinstanz nichts entgegen. Da sich auf dieser Gebäudeseite nicht die Fassade eines Attikageschosses, sondern ein Schrägdach präsentiert, kann sich die optisch unerwünschte W irkung eines kaum mehr von einem Vollgeschoss unterscheidbaren Dachgeschosses zum vornherein nicht einstellen. Daran ändert nichts, dass die Rekurrentin den fraglich en Gebäude- abschnitt nicht durch ein übliches Schrägdach, sondern ein schwach gewölbtes, e i- nem Pultdach nahekommendes Tonnendach überdecken will. W esentlich ist, dass gegen Osten nicht die (befensterte) Fassade eines Geschosses, sondern zur Haup t- sache nur eine Dachfläche sichtbar ist. Es ist nicht erkennbar, aus welchen Gründen der dort als Gebäudeabschnitt unter einem effektiv geplanten Schrägdach bzw. e i- nem mit einem solchen gleichzusetzenden Tonnendach ausgebildete Gebäudea b- schnitt abweichend von § 275 Ab s. 2 PBG keinen Kniestock aufweisen dürfen soll. Ob das geplante Tonnendach in der projektierten Form zulässig sei, beurteilt sich danach, ob es das nach § 281 PBG erlaubte Dachprofil respektiere. Dies ist au f- grund der schwachen W ölbung ohne weiteres der F all. Für die Frage, ob das nach § 292 PBG zulässige Mass für Aufbauten eingehalten sei, ist bei einem Schrägdach, - 3 - wovon hier auszug ehen ist, wie erwähnt die tatsächliche Durchbrechu ng der (Haupt-)Dachfläche massgebend. Eine solche Durchbrechung ist beim re kurrenti- schen Bauvorhaben lediglich durch die projektierte schleppgaubenähnliche Aufba u- te gegeben. Deren Breite von 2,49 m überschreitet einen Drittel der 10,8 m betr a- genden Länge der Ostfassade des rekurrentischen Gebäudes nicht. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz liegt keine Verletzung von § 292 PBG vor und stellt der im Streit stehende Gebäudeabschnitt daher insoweit kein überzähliges drittes Vol l- geschoss dar. c) Fragen könnte sich lediglich, ob letzteres zufolge Überschreitung des zulä s- sigen Kniestockes der Fall sei. § 275 Abs. 2 PBG bestimmt, dass der gemäss dort i- ger Festlegung zu messende Kniestock maximal 0,9 m betragen dürfe, damit noch von einem Dachgeschoss gesprochen werden könne. Die in dieser Norm statuierte Ausnahmeregelung (zulässige Knies tockhöhe von 1,3 m bei vor dem 1. Juli 1978 bewilligten Bauten) gilt nur für bestehende Dachgeschosse und ist auf neu zu erste l- lende Dachgeschosse bei vor dem genannten Zeitpunkt bewilligten Bauten, was mit Bezug auf das rekurrentische Gebäude zutreffen dü rfte, nicht anwendbar. Beim streitigen Bauvorhaben ist daher eine maximale Kniestockhöhe von 0,9 m zulässig. Dieses Mass wird nach den Plänen bei dem im südöstlichen Teil des rekurrent i- schen Gebäudes bestehenden Vorbau, welcher teilweise aufgemauert und mi t e i- nem Flachdach versehen werden soll, gerade ausgeschöpft. Bei dem im Bereich des Vorbaus auf dessen Flachdach (bzw. einer geringfügigen weiteren Aufmauerung) aufliegenden Tonnendach ist, da dieses dort nicht auf der Aussenfassade abgestützt ist, kein Kn iestock vorhanden. Dagegen liegt im nordöstlichen Teil des rekurrent i- schen Gebäudes dort ein Kniestock vor, wo das Tonnendach über eine Länge von 4,8 m auf der ebenfalls aufzumauernden Ostfassade aufliegt. Das zulässige Mass ist dabei mit rund 1,5 m deutlich überschritten. Aus den nachgenannten Gründen ist der Kniestock jedoch als für die Qualifikation des fraglichen Gebäudeabschnitts unb e- achtlich anzusehen. § 280 Abs. 1 PBG bestimmt, dass die zulässige Gebäudehöhe von der jeweil i- gen Schnittlinie zwischen F assade und Dachfläche auf den darunterliegenden ge- wachsenen Boden zu messen ist. Nach Satz 2 der genannten Norm sind Mehrh ö- hen, die durch einzelne, bis 1,5 m tiefe Gebäuderücksprünge bewirkt werden, unbe- achtlich. Diese Regelung ist reflexweise auch für die Kniestockhöhe von Bedeutung. Müsste nämlich die zulässige Kniestockhöhe auch in den zurückspringenden, für die Gebäudehöhe unmassgeblichen Bereichen eines Gebäudes ei ngehalten sein, so verlöre die in § 280 Abs. 1 PBG getroffene Regelung weitgehend ihren Sinn. Bei ei- nem gewissermassen im Normwinkel von 45° ansteigenden Dach (eines in horizo n- taler Lage anzunehmen Baukörpers) bilden die Verbindungslinie zwischen den bei d- seitigen Schnittpunkten Dach/Aussenfassade sowie die Dachfläche und die Fassade eines 1,5 m zurückliegenden Gebäuderücksprungs ein gleichschenkliges Dreieck. Der Rüc ksprung und die zurückliegende Fassade (als Katheten dieses Dreiecks) weisen daher identische Masse auf. Der unter einem derartigen Schrägdach befin d- liche Gebäudeabschnitt wiese dah er selbst dann, wenn dessen Boden auf dem N i- veau des Schnittpunktes zwischen Dachfläche und Aussen(Haupt -)fassade situiert und insoweit kein Kniestock vorhanden wäre, im Bereich des G ebäuderücksprungs eine das zulässige Mass übersteigende Kniestockhöhe auf und würde dadurch zum Vollgeschoss. Die Regelung von § 280 Abs. 1 PBG käme daher nur noch bei G e-- 4 - bäuden mit relativ schwach geneigten Schrägdächern zum Tragen und würde im ü b- rigen durch die Geschosszahlvorschriften zunichte gemacht. Diese Konsequenz hat der Gesetzgeber bei der anlässlich der Gesetzesrevision vom 1. September 1991 neu statuierten Unbeachtlichkeit von maximal 1,5 m tiefen Gebäuderücksprüngen bei der Ermittlung der Gebäudehöhe offensichtlich nicht gewollt. Das im Bereich von Gebäuderücksprüngen im Sinne von § 280 Abs. 1 PBG vorha ndene Kniestockmass muss bei der Geschossqualifikation der entsprechenden Gebäudeabschnitte daher unberücksichtigt bleiben. Massgebend ist allein, dass der Kniestock – sofern vo r- handen – das zulässige Mass an der Hauptfassade nicht überschreitet. Von einem derartigen, für die Geschossqualifikation unbeachtlichen Gebäud e- rücksprung kann vorliegend, auch wenn es sich um einen Grenzfall handelt (noch), ausgegangen werden. Die 6 m breite Ostfassade des vorstehend als Gebäudev or- sprung bezeichneten Teils der streitbetroffenen Baute ist als die für die Ermittlung der Gebä ude- und der Kniestockhöhe massgebliche (Haupt -)fassade anzunehmen. Das dort gegebene Kniestockmass liegt nach dem vorstehend Gesagten im Rahmen des nach § 275 Abs. 2 PBG Zulässigen. Der rund 1 m zurückspringende, 4,8 m bre i- te Teil der Ostfassade des rekurrentischen Gebäudes ist als «Rücksprung» im Sinne von § 280 Abs. 1 PBG anzusehen. Das in jenem Bereich gegebene Kniestoc kmass ist aus den vorgenannten Gründen un beachtlich. Der im Streit stehende Gebäud e- abschnitt stellt daher ein – aufgrund der vorgesehenen Nutzung zu W ohnzwecken anrechenbares – Dachgeschoss dar. Ein solches ist nach Art. 19 BauO in der hier massgeblichen Wohnzone W2/1.4 zulässig.