B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5860/2013 U r t e i l v o m 6 . J a n u a r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richter Walter Stöckli, Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Italien (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 26. September 2013 / N (…). E-5860/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer , ein afghanischer Staatsangehöriger und ethn i- scher Hazara, reiste am 5. August 2013 in die Schweiz ein und gab den hiesigen Grenzwachtbehörden gegenüber die Pe rsonalien B._______, geboren am (…), an ( vgl. A3/1, A7/9). Am 6. August 2013 reichte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) (...) unter dem Namen C._______ bzw. D._______, geboren am (…), ein Asylgesuch ein. B. Die am 7. August 2013 durch das BFM mittels der europäischen Finge r- abdruck-Datenbank (EURODAC) durchgeführten Abklärungen ergaben, dass der Beschwerdeführer am 30. Juli 2013 in Italien daktyloskopisch er- fasst worden war (vgl. A5/1 und A6/1). C. Am 13. August 2013 gab das BFM aufgrund der vom B eschwerdeführer geltend gemachten Minderjährigkeit (zum damaligen Zeitpunkt 16 Jahre und 7 Monate) eine medizinische Knochenaltersanalyse in Auftrag; g e- mäss deren Befund liege beim Beschwerd eführer ein Skelettalter von 19 Jahren oder älter (gemäss der Untersuchungsmethode nach Greulich und Pyle) vor (vgl. A10/2 und A11/2). D. Am 13. August, 3. September und 4. September 2013 ( vgl. A8/2, A12/10, A14/2, A15/5, A17/2) wurde der Beschwerdeführer vom BFM unter and e- rem zu seinen Familienverhältnissen, dem Verbleib seiner Identitätsp a- piere sowie zu seinem Alter befragt. Zudem wurde ihm das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Überstellung nach Italien sowie zu den Erge b- nissen der Knochenaltersuntersuchung gewährt. Dabei führte das BFM aus, es erachte die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend seine angebliche Minderjährigkeit als unglaubhaft und es gehe im weiteren Ver- lauf des Verfahrens von seiner Volljährigkeit aus. Der Beschwerdeführer gab hierzu zu Protokoll, dass er sein Geburtsd a- tum vergessen habe. Seine Schwester habe ihm gesagt, er sei 1997 g e- boren. Er habe keine Papiere, deshalb könne er sein Alter nicht belegen. In Bezug auf einen allfällige Wegweisung nach Italien erklärte er, er sei in Italien in ein Flüchtlingslager geschickt worden, wo man ihn jedo ch nicht aufgenommen habe. Daraufhin habe er auf der Strasse leben müssen. Italien sei somit nicht mehr für ihn zuständig. E-5860/2013 Seite 3 E. Am 24. September 2013 ersuchte das BFM die italienischen Behörden gestützt auf Art. 10 Abs. 1 der Verordnung EG Nr. 343/2003 des Ra tes vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrages z u- ständig ist (Dublin II-VO), um Übernahme ("ta ke charge") des Beschwe r- deführers. Mit Schreiben vom 25. September 2013 hielten die italien i- schen Behörden fest, dass der Beschwerdeführer in Italien unter der Identität E._______, geboren am (…), erfasst sei und sie der Rücküber- nahme zustimmen würden (vgl. A24/1 und A25/1). F. Mit Verfügung vom 26. September 2013 – eröffnet am 8. Oktober 2013 – trat das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerd e- führers nicht ein, wies ihn nac h Italien weg, ordnete den Vollzug der Wegweisung an und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. G. Mit Eingabe vom 15. Oktober 2013 (Poststempel) erhob der Beschwerde- führer gegen den vorinstanzlichen Entscheid beim Bundesverwaltungsge- richt Beschwerde und beantragte, die Verfügung des BFM vom 26. Se p- tember 2013 sei aufzuheben, und das Bundesamt sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten beziehungsweise sein Selbsteintrittsrecht auszuüben und sich für das vorliegende Asylgesuch als zuständig zu e r- achten. In prozessualer Hinsicht wurde darum ersucht, es sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme der vorliegenden Beschwerde die au f- schiebende Wirkung zu erteilen, und es seien die Vollzugsbehörden a n- zuweisen, von einer Üb erstellung nach Italien abzusehen, bis das Bu n- desverwaltungsgericht über den Suspensiveffekt der Beschwerde en t- schieden habe. Zudem wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 sowie 2 des Verwaltungsverfah- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und um Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. H. Mit Telefax vom 16. Oktober 2013 setzte das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung im Sinne einer vorsorglichen Massnahme gemäss Art. 56 VwVG aus. E-5860/2013 Seite 4 I. Mit Verfügung vom 23. Oktober 2013 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, der Beschwerde werde die aufschiebende Wirkung eingeräumt und der Wegweisungsvollzug bleibe weiterhin ausgesetzt, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses werde verzicht et, über das Gesuch um unen t- geltliche Prozessführung werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden, das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung werde abgewiesen und das BFM werde darum ersucht, sich vernehmlassungsweise zu äu s- sern. J. Die Vorinstanz liess sich mit Eingabe vom 5. November 2013 an das Bundesverwaltungsgericht vernehmen. K. Mit Verfügung vom 11. November 2013 bot das Bundesverwaltungsge- richt dem Beschwerdeführer Gelegenheit, sich zur Vernehmlassung des BFM zu äussern. L. Der Beschwerdeführer rei chte mit Eingabe vom 21. November 2013 an das Bundesverwaltungsgericht eine Replik ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, SR 172.021. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinsta nz des Bun- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls i n der Regel – so auch vorli e- gend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31 ]); Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). E-5860/2013 Seite 5 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 1.4 Gemäss Art. 49 Satz 2 der Verordnung (EU) Nr. 604 /2013 des Eur o- päischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zustä n- dig ist (ABl. L 180/31 vom 29.6.2013; Dublin III -VO), sind auf das vorli e- gende Verfahren die Kriterien nach Dublin II-VO anzuwenden. 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begrü ndetheit hin zu überprüfen (Art. 32-35a AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdein- stanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5). Die Vor- instanz prüft die Frage der Wegweisung und des Vollzugs materiell, we s- halb dem Bundesv erwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition z u- kommt. 3. 3.1 Nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG tritt das BFM in der Regel auf ein Asylgesuch nicht ein, wenn Asylsuchen de in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfah- rens staatsvertraglich zuständig ist. Diesbezüglich gelangt das Abko m- men vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenosse n- schaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfah- ren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in e i-E-5860/2013 Seite 6 nem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Antrages (Dublin -Asso- ziierungsabkommen [DAA], SR 0.142.392.68) zur Anwendung, und die Zuständigkeitsfrage ist gestützt auf die Dubl in II -VO zu prüfen. Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG setzt im Weiteren voraus, dass der staats vertraglich zuständige Staat einer Übernahme der asylsuchenden Person (minde s- tens implizit) zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Satz 2 Dublin II-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des K a- pitels III als zuständi ger Staat bestimmt wird. Nach Art. 5 i.V.m. Art. 6-13 Dublin II-VO ist unter anderem namentlich derjenige Mitgliedstaat zustä n- dig, welcher einem Familienangehörigen das Recht auf Aufenthalt in se i- ner Eigenschaft als Flüchtling gewährt hat, welcher dem Asylbewerber ei- nen gültigen Aufenthaltstitel oder ein gültiges Visum ausgestellt hat, de s- sen Land-, See- oder Luftgrenze der Asylbewerber aus einem Drittstaat kommend legal oder illegal überschritten hat, oder in welchem der erste Asylantrag gestellt wurde. So dann wird in Abweichung von den vorg e- nannten Zuständigkeitskriterien jedem Mitgliedstaat die Möglichkeit zur Prüfung eines Asylgesuches eingeräumt (Art. 3 Abs. 2 und Art. 15 Dublin II-VO). 3.3 Nach Art. 3 Abs. 2 Dublin II-VO kann die Schweiz ein Asylgesuch ma- teriell prüfen, auch wenn nach den in der Verordnung vorgesehenen Kr i- terien ein anderer Staat zuständig ist ( sog. Selbsteintrittsrecht). Diese Bestimmung ist nicht direkt anwendbar, sondern kann nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts ange- rufen werden (vgl. BVGE 2010/45 E. 5). Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 sieht vor, dass das BFM aus humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin II-VO ein anderer Staat zustän- dig ist. Diese Kann -Bestimmung gibt den Behörden einen gewissen E r- messensspielraum und ist restriktiv auszulegen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.2.2.). Droht hingegen ein Verstoss gege n übergeordnetes Recht, zum Beispiel gegen eine Norm des Völkerrechts, so besteht ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung des Selbsteintrittsrechts (a.a.O. E. 7.2.; CHRISTI- AN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin II-Verordnung, 3. Aufl., Wien/Graz 2010, K8 zu Art. 3). In Frage kommen insbesondere das flüchtlingsrech t- liche Refoulement-Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und me n- schenrechtliche Garantien der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), E-5860/2013 Seite 7 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (UNO - Pakt II, SR 0.103.2), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 g e- gen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ern iedrigende Be- handlung oder Strafe (FoK, SR 0.105). 4. 4.1 Das BFM erachtete in seiner Verfügung vom 2 6. September 2013 in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG Italien für die Durchführung des vorliegenden Asyl- und Wegweisungsverfahrens als zuständig, da die italienischen Behörden dem Übernahmeersuchen des BFM mit Schreiben vom 25. September 2013 gestützt auf Art. 10 Abs. 1 Dublin II-VO explizit zugestimmt hätten. Die Überstellung des Beschwerdeführers nach Italien habe dabei – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder Verlänge- rung (Art. 19 f. Dublin II-VO) – bis spätestens am 25. März 2014 zu erfol- gen. Der Beschwerdeführer könne in einen Drittstaat reisen , in welchem er Schutz vor Rückschiebung i.S.v. Art. 5 Abs. 1 AsylG finde, weshalb das Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimatstaats nicht zu prüfen sei, und zudem keine Hinweise auf eine in Italien drohende Verletzung von Art. 3 EMRK bestehen würden. Weder die in Italien herrschende Situation noch andere Gründe würden gegen die Zumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs dorthin sprechen. Im Übrigen seien die Ausführungen des B e- schwerdeführers anlässlich des ihm gewährten rechtlichen Gehörs – er habe in Italie n auf der Strasse leben müssen und Italien sei daher nicht mehr für ihn zuständig – nicht geeignet, die Zuständigkeit Italiens in Fr a- ge zu stel len. Es obliege den zuständigen italienischen Behörden , den Aufenthaltsstatus des Beschwerdeführers zu regeln oder gegebenenfalls eine Wegweisung ins Heimatland anzuordnen. Im Weiteren sei festzuhal- ten, dass Italien die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 (sog. Aufnahmerichtlinie), welche zahlreiche Mindestnormen für die Au f- nahme und Betreuung beinhalte (somit auch die Unterbringung) von Asylsuchenden umgesetzt habe. Er könne daher sein Anliegen an die zu- ständigen Stellen in Italien richten. Der Vollzug der Wegweisung sei dem- nach sowohl zulässig als auch zumutbar sowie technisch möglich und praktisch durchführbar. 4.2 In der Rechtsmitteleingabe wurde festgehalten, der Beschwerdeführer habe sich nicht permanent und mit der Absicht eines dauernden Verbleibs in Italien aufgehalten. Ferner habe er in Italien keine n Zugang zu einer medizinischen Versorgung gehabt und sei keiner Unterkunft zugeteilt worden. Es sei bekannt, dass Flüchtlinge dort in Abbruchhäusern oder E-5860/2013 Seite 8 auf der Strasse leben, ihre Mahlzeiten von der Caritas erhalten und ke i- nerlei materielle Unterstützung vom italienischen Staat erhalten würden . Es wür den systematische Mängel im italienischen Aufnahmesystem für Asylsuchende und Schutzbedürftige bestehen, womit Italien seine inte r- nationalen Verpflichtungen verletze. Angesichts dieser Ausgangslage tref- fe die überstellenden Dublin -Mitgliedstaaten eine vers tärkte Abklärungs- pflicht im Einzelfall. Sofern einer Person bei einer Überstellung mit gro s- ser Wahrscheinlichkeit ein Leben in Obdachlosigkeit drohe und sie keine Möglichkeit habe, selbständig zu werden, sei das Selbsteintrittsrecht au s- zuüben. Namentlich h ätten bereits zahlreiche deutsche Verwaltungsg e- richte die Abschiebung von Asylsuchenden nach Italien mit der Begrü n- dung gestoppt, dass Mindestno rmen für Flüchtlinge in Italien in grossen Teilen nicht erfüllt seien. Des Weiteren sei dem Umstand Rechnung zu tragen, dass das Alter des Beschwerdeführers unsicher sei . Wäre er nachweislich – beziehungsweise bereits im Zweifelsfall – minderjährig, müsste sich die Schweiz für das Asylgesuch zuständig erklären. Das BFM habe im Übrigen den Sachverhalt betreffend Alte r des Beschwerde- führers nur ungenügend abgeklärt. Es habe sich lediglich damit begnügt zu erwähnen, dass Italien Signatarstaat sei und sämtliche Regeln akze p- tiere. Die Vorinstanz verkenne aber (wohl bewusst) die wirkliche Situation von Asylsuchenden in Ita lien, welche sich selber überlassen seien. S o- dann bedeute es – selbst wenn der Beschwerdeführer in Italien aufg e- nommen würde und die Behörden ihm ein en "permesso" ausstellen wür- den – nicht, dass er Zugang zu einer adäquaten Unterkunft, zu Nahrung sowie medizinischer Versorgung erhalte. Ohne Wohnsitz habe er im Übri- gen keine Möglichkeit, eine Arbeit zu finden. Der Zugang zu sämtlichen sozialen Leistungen sei ihm deshalb verwehrt. Die unzureichende Wohn- situation, die mangelnde Ernährung und der fehlende Zu gang zum G e- sundheitswesen in Italien würden eine erniedrigende Behandlung im Si n- ne von Art. 3 EMRK darstellen, weshalb vom Selbsteintritt srecht Gebrauch zu machen und der Beschwerdeführer nicht nach Italien – dies auch als Zeichen der Solidarität und als B ekenntnis zur Lastenteilung mit Italien – wegzuweisen sei. Im Übrigen wurde auf Urteile deutscher Verwaltungsgerichte sowie auf den Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) "Italien: Aufna h- mebedingungen, Aktuelle Situation von Asylsuchenden und Schutzbe- rechtigten, insbesondere Dublin-Rückkehrenden", vom Oktober 2013 hin- gewiesen. E-5860/2013 Seite 9 4.3 In seiner Vernehmlassung vom 5. November 2013 hielt das BFM fest, dass in Bezug auf die geltend gemachten systematischen Mängel im it a- lienischen Asylsystem zunächst festzuhalten sei, dass der Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) in seinem Urteil Mohammed Hussein und andere vs. Niederlande und Italien (Beschwerde Nr. 27725/10) vom 2. April 2013 zum Schluss gekommen sei, di e allge- meine Situation der Asylsuchenden in Italien lasse nicht darauf schlie s- sen, dass systematische Mängel im italienischen Aufnahmesystem b e- stehen würden. Zudem habe der EGMR in seinem Urteil Halimi vs. Öster- reich und Italien (Beschwer de Nr. 53852/11) vom 18. Juni 2013 explizit darauf hingewiesen, die Eröffnung eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen einen Mitgliedstaat alleine genüge nicht, um daraus zu schliessen, dass das Aufnahmesystem dieses Mitgliedstaates syst ematische Mängel aufweise. Im Übrigen habe Italien in den vergangenen Monaten Anstre n- gungen unternommen, um die Lage im Asylwesen zu verbessern. So h a- be es beispielsweise am 4. Jun i 2013 mit dem Europäischen Asylunte r- stützungsbüro (European Asylum Support Office [EASO]) einen Unte r- stützungsplan unterzeichnet, im Rahmen dessen die italienischen Behö r- den bis Ende 2014 in verschiedenen Bereichen unterstütz t werden soll- ten. Um die steigende Anzahl Asylgesuche rascher bearbeiten zu können, werde die Anzahl der Territorialkommissionen respektive deren Sekti o- nen, die für die Prüfung der Asylgesuche zuständig seien, auf Ende O k- tober erhöht. Das Aufnahmesystem solle ausserdem bis 2014 au f 16'000 Plätze erweitert werden. Überdies sei der Beschwerdeführer in ein em FER-Programm (Fondo europeo per i refugiati = vom Europäischen Flüchtlingsfonds finanzierte Unterkünfte) aufgenommen worden. In Bezug auf die geltend gemachte verstärkte Abklärun gspflicht sei fes t- zuhalten, dass das Dublin -System auf der Grundvoraussetzung beruhe, wonach jeder einzelne Mitgliedstaat Mindeststandards für die Aufnahme von Asylsuchenden gewährleiste. Deshalb se ien im Normalfall für die Überstellung in einen anderen Du blin-Staat keine weiteren spezifischen Abklärungen nötig. Bei vulnerablen Personen, bei denen weitere Abkl ä- rungen vorgenommen werden müssten, prüfe das BFM gemäss Art. 44 Abs. 2 AsylG bei jedem Nichteintretensentscheid einzeln und individuell die Zulässigk eit, Zumutbarkeit und Möglichkeit der Durchführung der Wegweisung. Im Übrigen pflege das BFM seit Jahren enge und direkte Beziehungen zu den zuständigen italienischen Behördenstellen. Seit März 2012 sei ausserdem eine Verbindungsperson des BFM im italien i- schen Innenministerium stationiert. Wie überdies der erwähnte Bericht der SFH hervorhebe, seien Personen mit Schutzstatus in Italien den it a-E-5860/2013 Seite 10 lienischen Staatsbürgern im Zugang zur Gesundheitsversorgung, des A r- beitsmarktes, der Sozialversicherung etc. rechtli ch gleichgestellt. Wir t- schaftliche Schwierigkeiten, von denen auch die ansässige Bevölkerung regelmässig betroffen sei, würden für sich allein kein Wegweisungshi n- dernis darstellen. Ferner würden mehrere aktuelle Entscheide des Bun- desverwaltungsgerichtes fe sthalten, dass es nicht in der Verantwortung der schweizerischen Asylbehörden liege, auszumachen, ob die Asylsu- chenden nach einer Überstellung zufriedenstellende Lebensbedingungen vorfinden würden. Schliesslich sei betreffend das Alter des Beschwerdeführe rs Folgendes festzuhalten: Er sei in Italien unter der Identität E._______, geboren am (…), erfasst worden. Gemäss dem GWK -Rapport habe er gegenüber der Schweizer Grenzbehörde erklärt, am (…) geboren worden zu sein. Z u- dem habe die Handknochenanalyse ergeben, dass er 19 Jahre oder älter sein müsse. Diesen Tatsachen würden lediglich die gegenteiligen Aussa- gen des Beschwerdeführers gegenüberstehen, die als ungenau und w i- dersprüchlich zu bezeichnen seien . Die Abklärungen des BFM seien rechtsgenüglich; jedenfalls sei es dem Bundesamt nicht bekannt, welche weiteren Abklärungen es in diesem Zusammenhang noch tätigen könnte. Vielmehr liege es am Beschwerdeführer, Beweise für seine angebliche Minderjährigkeit vorzulegen. 4.4 In der Replik vom 21. November 2013 hielt der Beschwerdeführer fest, in Berücksichtigung des Kindswohls sei im vorliegenden Fall der Selbsteintritt besonders dringend angezeigt. Ferner sei anzumerken, dass er in Italien kein Verfahren erhalte, welches den Garantien von Art. 13 EMRK genüge, da das Asylverfahren in Italien den Anforderungen dieser völkerrechtlichen Norm nicht entspreche. Zudem wurde auf den Bericht der SFH und The Law Students' Legal Aid Office, Juss -Buss (Norwegen), Oslo und Bern, vom Mai 2011 verwiesen, in welchem auf die prekären Zustände in Italien hingewiesen worden sei . Der Bericht zeige auf, dass der Beschwerdeführer keine Möglichkeit haben werde, in Italien Sozialhilfe oder allfällig benötigte medizinische Betreuung zu erhalten. Es sei zwar klar, dass die unterschiedliche Ausgestaltung der Fürsorge ande- rer Dublin-Staaten für die Zuständigkeit eines Staates nicht massgebend sein könne, jedoch müsse im vorliegenden Fall entsprechend berücksich- tigt werden, dass Italien offenbar diesbezügl ich die Aufnahmerichtlinie nicht erfülle. Im Übrigen sei auch die behauptete Minderjährigkeit ein Grund (nach dem Grundsatz in dubio pro minore), um vom Selbsteintritts- recht Gebrauch zu machen. Zu berücksichtigen sei, dass der Beschwer-E-5860/2013 Seite 11 deführer weder lesen noch schreiben könne. Bei dem von der Vorinstanz genannten Aliasnamen handle es sich um den Namen seines Vaters. An das angeblich an geführte Geburtsdatum könne er sich nicht erinnern. Er sei auch mit den hiesigen Gewohnheiten nicht vertraut; so habe er sic h beispielsweise im Zug auf den Boden gesetzt. Die Volljährigkeit sei jeden- falls nicht bewiesen. Im Übrigen sei es gerichtsnotorisch, dass die Han d- knochenanalyse zu erheblichen Abweichungen zum wahren Alter führe. Schliesslich sei anzumerken, dass es sich die Gerichte in der Schweiz ziemlich leicht machen und lediglich pragmatisch behaupten würden – obwohl die Realität anders aussehe –, es würden keine Anzeichen vorlie- gen, dass Italien die Richtlinien nicht umsetze. 5. 5.1 Das BFM richtete gestützt auf Art. 10 Abs. 1 Dublin II-VO am 24. Sep- tember 2013 ein Übernahmegesuch an die italienischen Behörden, we l- chem diese am 25. September 2013 explizit zustimmten. Demnach e r- weisen sich die vorinstanzlichen Erwägungen als zutreffend und Italien ist zur Übernahme des Beschwerdeführers sowie zur Durchführung des vor- liegenden Asyl- und Wegweisungsverfahrens zuständig. Der Einwand des Beschwerdeführers im Rahmen des ihm gewährten rechtlichen Gehörs – er sei in Italien in ein Flüchtlingslager geschickt worden, wo man ihn jedo ch nicht aufgenommen habe, woraufhin er auf der Strasse habe leben müssen und Italien somit nicht mehr für ihn z u- ständig sei – ist dabei nicht geeignet, die in Anwendung der Kriterien der Dublin II-VO eruierte Zuständigkeit Italiens in Frage zu stel len. Auch die Ausführungen in der Beschwerdeschrift – er habe sich nicht permanent sowie mit der Absicht eines dauernden Verbleibs in Italien aufgehalten und habe ausserdem keinen Zugang zu einer medizinischen Versorgung gehabt und sei keiner Unterkunft zugeteil t worden – vermögen die Z u- ständigkeit Italiens für die Durchführung des vorliegenden Asyl - und Wegweisungsverfahrens nicht zu widerlegen. 5.2 In Bezug auf das Alter des Beschwerdeführer s ist sodann festzuhal- ten, dass die im vorliegenden Fall durchgeführte Knoc henaltersbestim- mung ein Knochenalter ergeben hat, welches einem chronologischen A l- ter von mindestens 19 Jahren entspricht . Zwar lassen gemäss der we i- terhin zu beachtende Praxis der Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) entsprechende Ergebnisse einer radiologischen Knochenaltersbe- stimmung keine sicheren Schlüsse auf die Voll - oder Minderjährigkeit zu E-5860/2013 Seite 12 und weisen generell nur einen beschränkten Aussagewert z ur Besti m- mung des tatsächlichen Alters auf (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK; EMARK] 2000 Nr. 19 E. 7a, EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.2); diese Aussagen beziehen sich indes- sen insbesondere auf die Situation, wonach das behauptete Alter im Ver- gleich zum festgestellten Knochenalter innerhalb der normalen Abwe i- chung von zweieinhalb bis drei Jahren liegt (vgl . EMARK 2000 Nr. 28 E. 5.a). Die Handknochenanalyse gilt jedoch gestützt auf die bisherige Rechtsprechung (vgl. EMARK 2005 Nr. 16 E. 2.3 m.w.H.) unter bestimm- ten Voraussetzungen – nämlich dann, wenn der Unterschied zwischen dem angegebenen Alter und dem festgestellten Knochenalter mehr als drei Jahre beträgt – trotz des beschränkten Aussagewertes als Bewei s- mittel. An solche "Gutachten" zur Altersbestimmung sind gewisse formale und inhaltliche Anforderungen zu stellen (vgl. EMARK 2004 Nr. 31 E. 7) . Die vorliegend durchgeführte Analyse vermag den von der ARK stipulie r- ten und vom Bundesverwaltungsgericht überno mmenen inhaltlichen A n- forderungen an Knochenaltersanalysen insgesamt weitgehend zu gen ü- gen und bezieht sich insbesondere auch klarerweise auf die Person des Beschwerdeführers (vgl. A10/2 und A11/2). Zwar ist vorliegend der Unter- schied zwischen dem vom Besc hwerdeführer angegebenen Alter von (im Zeitpunkt der Analyse) 16 Jahre n und 7 Monaten und dem festgestellten Knochenalter von 19 Jahren (oder älter) nicht grösser als drei Jahre, dennoch bestehen im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller Umstände kaum ernsthafte Hinweise auf eine Minderjährigkeit des Beschwerdefüh- rers. Wie das BFM zutreffend ausführte, ist namentlich nicht nachvol l- ziehbar, weshalb er in Italien unter der Identität E._______, geboren am (…), erfasst worden ist. Ferner hat er g emäss dem Rapport des Grenz- wachtkorps vom (…) August 2013 (vgl. A7/9) gegenüber der Schweizer Grenzbehörde erklärt, am (…) geboren worden zu sein. Ausserdem er- scheint es un plausibel, dass er, bevor er seine Schwester im Jahr 2012 gefragt habe, gar nicht gewusst habe, wie alt er tatsächlich sei (vgl. A15/5 S. 2). Aufgrund dieser bestehenden Ungereimtheiten und der unterbli e- benen Abgabe von Identitätspapieren sprechen überwiegende Umstände gegen eine Minderjährigkeit des Beschwerdeführers. Auch d ie Ausfüh- rungen in der Beschwerdeeingabe sind dabei nicht geeignet, zu einem anderen Ergebnis zu führen. 5.3 Der Beschwerdeführer wendet gegen eine Überstellung nach Italien allerdings ein, ihm drohe aufgrund der dort herrschenden Verhältnisse ei- ne mit Art. 3 EMRK unvereinbare Behandlung. Italien würde sich nicht an seine völkerrechtliche Verpflichtung zur Einhaltung des flüchtlings - oder E-5860/2013 Seite 13 menschenrechtlichen Refoulement -Verbots halten, weshalb eine völke r- rechtliche Pflicht der Schweiz bestehe, von ihrem Recht auf Selbs teintritt nach Art. 3 Abs. 2 Dublin II-VO Gebrauch zu machen. 5.3.1 Aufgrund der Dublin II -VO (vgl. Ziffer 2 der Einleitungsbestimmu n- gen) ist von der Vermutung auszugehen, dass jeder Mitgliedstaat als s i- cher im Sinne der FK erachtet werden kann und alle Staaten das Gebot des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements (Art. 33 FK) und (kraft ihrer EMRK-Mitgliedschaft) d es menschenrechtlichen Rückschiebeverbots gemäss der Praxis zu Art. 3 EMRK beachten. Gemäss der Praxis des EGMR stellt zudem eine Überstellung in den nach der Dublin II -VO zu- ständigen Mitgliedstaat grundsätzlich dann keine Verletzung von Art. 3 EMRK dar, wenn dieser wirksame verfah rensrechtliche Garantien (inkl. Rekursmöglichkeiten) vorsieht, die eine beschwerdeführende Pe r- son vor einer unmittelbaren Zu rückweisung in ihren Herkunftsstaat, in dem sie nachweislich Gefahr laufen würde, Folter oder unmenschlicher Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt zu werden, schützen. Bei einer Überstellung in den zuständigen Mitgliedstaat wird somit von der Prämisse ausgegangen, dieser komme kraft seiner Mitgliedschaft den Verpflichtungen aus der Richtlinie 2005/85/EG des Rates vom 1. Dezem - ber 2005 über Mindestnormen für Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Zuerkennung und Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft (sog. Verfah- rensrichtlinie) sowie jenen aus der Aufnahmerichtlinie, darunter auch dem Refoulement-Verbot, nach (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4.2). Die blosse Ver- letzung der erwähnten Richtlinien durch den zuständigen Mitgliedstaat begründet kein selbständiges Recht einer beschwerdeführenden Person auf Anrufung zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts, sondern es bedarf hierzu grundsätzlich ebenfalls des Nachweises e ines "real risk" im Sinne der EGMR -Rechtsprechung (vgl. dahingehend FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K11 S. 75). Sofern dieser Nachweis nicht gelingt und somit nicht von einem Überstellungshindernis in den zuständigen Mitgliedstaat auszugehen ist, steht d er betroffenen Person die Möglichkeit offen, sich im zuständigen Mitgliedstaat mittelbar auf die Verfahrens - oder Aufnah- merichtlinie zu berufen respektive die entsprechenden innerstaatlichen Rechtsmittel zu ergreifen. Falls es demgegenüber einer notorische n Tat- sache entspricht, dass der zur Prüfung des Asylverfahrens zuständige Mitgliedstaat systematisch gravierende Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 EMRK begeht, trägt eine beschwerdeführende Person nicht die volle Beweislast im soeben umschriebenen Sinne (vgl. Urteil des EGMR vom 21. Januar 2011, M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Beschwerde Nr. 30696/09]; Urteil des Gerichtshofes der Europäischen E-5860/2013 Seite 14 Union [EuGH] vom 21. Dezember 2011 in der Rechtssache C-411/10 und C-493/10). 5.3.2 Italien ist unter anderem Signatarstaat der FK, der EMRK und der FoK und als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin II-VO zuständiger Staat gehal ten, die Verfahrensrichtlinie sowie die Aufnahmerichtlinie von Asylbewerbern in Mitgliedstaaten anzuwenden respektive umzusetzen. Diese Ansicht wird durch den EGMR bestätigt, indem der Gerichtshof in seiner neusten Rechtsprechung festhält, dass in Italien kein systemat i- scher Mangel an Unterstützung und Einrichtungen für Asylsuchende (als eine besonders verletzliche Personengruppe) bestehe, dies obwohl die allgemeine Situation und insbesondere die Lebensumstände von Asyls u- chenden, anerkannten Flüchtlingen und Personen mit einem subsidiären Schutzstatus in Italien gewisse Mängel aufweisen würden (vgl. Urteil des EGMR vom 2. April 2013 , Mohammed Hussein und andere vs. Niede r- lande un d Ita lien [Beschwerde Nr. 27725/10] , Unzulässigkeitsentsche i- dung wegen offensichtlicher Unbegründetheit gemäss Art. 35 Abs. 3 EMRK; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-1814/2013 vom 20. Juni 2013, D -3090/2013 vom 7. Juni 2013 sowie D -3055/2013 vom 6. Juni 2013). Alle vom Gerichtshof zitierten Berichte zeigten detailliert eine Struktur von Einrichtungen und Versorgung auf und es seien in letzter Zeit zudem gewisse Verbesserungen festzustellen (§ 78). Spezifisch be- züglich Dublin-Rückkehrenden verwies der Gerichtshof auf Berichte, die feststellen, dass für sie temporäre Aufnahmezentren ge schaffen worden seien, wobei in den Aufnahmezentren 500 Plätze für besonders verletzl i- che Personen reserviert seien und diese dort auch länger – nämlich bis zu elf Monaten – bleiben könnten (§ 49, 43, 46, 45). Für besonders ve r- letzliche Dublin-Rückkehrende seien in den temporären Aufnahmezentren für Dublin-Rückkehrende 60 Plätze reserviert (§ 49). Der "United Nations High Commissioner for Refugees" (UNHCR) bemängelt zwar, die Betreu- ung dieser Personen sei oft mangelhaft (§ 43), und der Menschenrecht s- kommissar des Europarates sieht zudem Probleme bei der schnellen Identifikation von besonders verletzlichen Personen (§ 44). Der italien i- sche Staat führte demgeg enüber in seiner Stellungnahme aus, wenn der überstellende Staat eine Person als besonders verletzlich bezeichne, würden die notwendigen medizinischen Vorkehrungen getroffen, und b e- tonte, dass besonders verletzlichen Personen spezielle Aufmerksamkeit geschenkt werde (§ 45). Im Übrigen verweist der Gerichtshof spezif isch bezüglich Dublin-Rückkehrenden auf Berichte, die festhalten, dass deren Asylverfahren im selben Stadium wieder aufgenommen werde, in dem es E-5860/2013 Seite 15 sich befunden habe, als sie Italien verlassen hätt en. Der Gerichtshof kam im zu beurteilenden Fall deswegen zum Schluss, dass die asylsuchende Person – eine alleinstehende Frau mit zwei kleinen Kindern – bei einer Rückkehr nach Italien nicht einer ernsthaften und unmittelbar drohenden Gefahr ausgesetzt wäre, in materieller, physischer oder psychischer Hi n- sicht in eine Notlage zu geraten, die in den Schutzbereich von Art. 3 EMRK fallen würde ("a sufficiently real and imminent risk of hardship s e- vere enough to fall within the scope of Article 3"; § 78). Die vom Gerichts- hof gegen die Niederlande angeordnete provisorische Massnahme g e- mäss Art. 39 der Verfahrensordnung des EGMR wurde schliesslich als aufgehoben erklärt (§ 86). 5.3.3 Diese Feststellungen faktischer Natur haben Auswirkungen auf die Beurteilung des vorliegenden Verfahrens. Für den vorliegenden Fall ist insbesondere die Feststellung wichtig, dass Rückkehrende, die noch nicht in einer entsprechenden Einrichtung aufgenommen worden seien, in einem Aufnahmezentrum untergebracht werden können. Nach dem G e- sagten ist nicht davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer bei ei- ner Rücküberstellung nach Italien der Zugang zu einem fairen Asylverfah- ren verwehrt würde, und er damit unmenschlicher Behandlung ausgesetzt oder durch die italienischen Behörden ohne Prüfu ng seiner Asylgründe und unter Missachtung des Non -Refoulement-Gebotes oder von Art. 3 EMRK in den Heimat - oder Herkunftsstaat zurückgeschafft würde. Unter diesen Umständen sind auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür e r- sichtlich, die darauf hindeuten, er würde im Falle einer Rückkehr nach Ita- lien in eine existenzielle Notlage geraten. Im Übrigen stehe es ihm offen, allfällige Probleme bei der Unterbringung oder beim Zugang zum Asylver- fahren bei den zuständigen italienischen Justizbehörden zu rügen, dies entweder unter Beiziehung eines italienischen Rechtsanwalts oder mittels Hilfe unabhängiger, vorhandener Hilfsorganisationen in Italien. An dieser Feststellung vermögen auch die Ausführungen in der Beschwerdeeing a- be sowie der Replik, wonach der Beschwerdefü hrer aufgrund der prek ä- ren Zustände in Italien nicht dorthin zurückkehren könne, nach dem Ge- sagten keinen Grund für einen Selbsteintritt aufzuzeigen. Der EGMR hat in seinem erwähnten Entscheid diverse Berichte zitiert, welche eine unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK genügende Schutzinfrastruktur bel e- gen. Im Übrigen ist festzuhalten, dass die Praxis der deutschen Verwa l- tungsgerichte im Zusammenhang mit einem Vollzugsstopp von (verletzli- chen) Personen nach Italien keinen unmittelbaren Einfluss auf die en t- sprechende Praxis der schweizerischen Behörden hat. Das BFM wies zudem zu Recht darauf hin, dass Italien ein Rechtsstaat mit einem funkti-E-5860/2013 Seite 16 onierenden polizeilichen Apparat ist, welcher als schutzwillig und schut z- fähig gilt, weshalb sich der Beschwerdeführer be i Furcht vor Übergriffen Dritter und gegen allfällige fehlbare Beamte an die zuständigen Stellen wenden könnte. Demnach obliegt es dem Beschwerdeführer, allfällige Schwierigkeiten zunächst bei den zuständigen italienischen Behörden vorzubringen und bei die sen durchzusetzen, und er wird dabei auf den Rechtsweg verwiesen. Wie die Vorinstanz im Übrigen zutreffend festhielt, hat der EGMR in se i- nem Urteil vom 18. Juni 2013, Halimi vs. Österreich und Italien (B e- schwerde Nr. 53852/11), darauf hingewiesen, die Eröffnung eines Ve r- tragsverletzungsverfahrens gegen einen Mitgliedstaat alleine genüge nicht, um daraus zu schl iessen, dass das Aufnahmesystem dieses Mi t- gliedstaates systematische Mängel aufweise (§ 73). 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft darlegen konnte , dass in seinem Fall ein konkretes und erns t- haftes Risiko bestehe, seine Überstellung nach Italien würde gegen Art. 3 EMRK oder gegen eine andere völkerrechtliche Verpflich tung der Schweiz verstossen. Unter diesen Umständen sind keinerlei Hindernisse ersichtlich, insbesondere auch keine humanitären Gründe im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV1, welche eine Überstellung des Beschwerdeführers nach Italien als unzulässig oder unzumutbar erscheinen lassen, weshalb im vorliegenden Fall kein Grund für die Anwendung der Souveränität s- klausel (Art. 3 Abs. 2 erster Satz Dublin II-VO) besteht. 7. 7.1 Das BFM ist somit zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch de s Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat, da er nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederla s- sungsbewilligung ist, ebenfalls zu Recht in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV1). 7.2 Unter diesen Umständen sind allfällige Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 83 Abs. 3 und Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Aus länderinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) nicht mehr zu prüfen, da deren Fehlen bereits Voraussetzung des Nichteintr e- tensentscheides gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ist (BVGE 2010/45 E. 10). Eine entsprechende Prüfung, soweit notwendig, hat mithin bere its E-5860/2013 Seite 17 bei der Prüfung der Gründe zum Nichteintreten stattgefunden. Das BFM hat in dem Sinne den Vollzug der Wegweisung nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. 8. Die angefochtene Verfügung verletzt somit kein Bundesrecht, hat den rechtserheblichen Sachverhalt nicht unrichtig oder unvollständig festg e- stellt und ist nicht unangemessen (Art. 106 Abs. 1 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung des BFM zu bestätigen ist. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600. – (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indes waren die Rechtsbegehren im Zeitpun kt der Einreichung der B e- schwerde nach dem oben Gesagten nicht als aussichtslos zu beurteilen , und d er Beschwerdeführer ist aufgrund der Akten als bedürftig zu b e- trachten, weshalb das mit der Beschwerde eingereichte Gesuch um G e- währung der unentgeltlichen Prozessführung gutzuheissen ist (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG), und folglich keine Verfahr enskosten zu erheben sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 fine VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-5860/2013 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand: