B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-186/2017 U r t e i l v o m 2 6 . N o v e m b e r 2 0 1 8 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Simon Thurnheer, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am (…), Sudan, amtlich verbeiständet durch MLaw Roman Schuler, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 7. Dezember 2016 / N (…). E-186/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reiste gemäss seiner Darstellung am (…) Juni 2015 in die Schweiz ein und stellte am Folgetag im Empfangs- und Verfahrens- zentrum (EVZ) B._______ ein Asylgesuch. B. Mit Zwischenverfügung vom 8. Juni 2015 eröffnete das SEM dem Be- schwerdeführer, dass er in Anwendung von Art. 4 Abs. 3 der Verordnung über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleunigungsmassnah- men im Asylbereich vom 4. September 2013 (TestV; SR 142.318.1 ) dem Verfahrenszentrum (VZ) C._______ zugewiesen und sein Asylgesuch dort behandelt werde. C. Am 9. Juni 2015 fand die Befragung zur Person und am 12. Juni 2015 ein beratendes Vorgespräch im Beisein der damaligen Rechtsvertretung statt. Am 2. Juli 2015 wurde die Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 17 Abs. 2 Bst. b TestV durchgeführt. D. Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen vor, er gehör e dem Stamm der "Misiry Jablamun" an und stamme aus dem Dorf "D._______“, West D arfur. Im Jahr 2003 sei sein Dorf von bewaffneten Personen überfallen worden. Diese hätten die Stroh- hütte seiner Familie angezündet und einen seiner Brüder erschossen. Er und die übrigen Fam ilienmitglieder seien aus ihrem Dorf weggerannt. Er habe seine Familie dabei aus den Augen verloren und sei schliesslich in ein Nachbardorf gelangt. Dort habe sich ein Viehhändler um ihn geküm- mert und habe ihn mit nach E._______ genommen. Dieser Mann habe ihn adoptiert, und er habe bis zur Ausreise bei ihm (respektive nach seinem Tod 2012 bei dessen Witwe) gewohnt. Nach einer Weile habe ihm sein Adoptivvater mitgeteilt, dass sein leiblicher Vater ebenfalls getötet worden sei. Später habe er von seinem Adoptivvater erfahren, dass seine Mu tter und andere Verwandte sich in einem Flüchtlingslager im Tschad aufhalten würden. Obwohl sie auch nach seinen übrigen Familienmitgliedern gesucht hätten, habe er deren Aufenthaltsort nicht in Erfahrung bringen können. Von 2011 bis 2013 habe er in E._______ an der Universität (…) studiert. Dort sei er Mitglied der Gruppe "Söhne Darfurs" gewesen, welche sich für E-186/2017 Seite 3 die Sache Darfurs und gegen den Krieg eingesetzt habe. Er habe an Tref- fen dieser Gruppe teilgenommen und sie "psychisch" unterstützt und moti- viert. Es sei immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den "Söhnen Darfurs" und regierungstreuen Studenten gekommen, wobei diese sie geschlagen hätten. Er habe auch ausserhalb seines Engagements für die "Söhne Dar- furs" seine politische Meinung bei Gesprächsrunden an der Universität ge- äussert. Im ersten Studienjahr habe ihm die Studentenunion einen Job als Sicherheitsmann angeboten. Weil er dieses Angebot nicht ange nommen habe, hätten sie ihn von da an als Oppositionellen und als Feind betrachtet. Wegen seiner Aktivitäten sei er in den Jahren 2011 und 2012 dreimal zu- sammen mit anderen Personen festgenommen worden, einmal für fünf- zehn Tage, einmal für zehn Tage und einmal für drei Tage. Die Studenten- union habe sie damit daran hindern wollen, Einfluss auf das Ergebnis der Studentenratswahlen zu nehmen. Namentlich sei er während der Wahlen für den Studentenrat im Jahr 2012 von Leuten der Studentenunion wäh- rend 10 bis 15 Tagen in einer Wohnung festgehalten worden. Bei der dritten Festnahme sei er zuerst zum Büro der Studentenunion und danach auf die Polizeistation bei F._______ gebracht worden, wo er drei Tage lang festge- halten worden sei, nachdem eine falsche Anzeige gegen ihn einger eicht worden sei. Es sei dann aber kein Gerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet worden. Schliesslich sei er wieder freigelassen worden, unter der Auflage, sich nicht mehr zu Darfur zu äussern oder die Regierung zu kritisieren und sich nicht mehr an den Diskussionen der "Söhne Darfurs" zu beteiligen. Er habe befürchtet, umgebracht zu werden, wenn er sich nicht an diese Auf- lagen halte. Er sei ferner damit bestraft worden, dass er mehrmals einen Teil seines Studiengangs habe wiederholen müssen. Im Mai 2013 habe er wegen seiner Probleme das Studium abgebrochen und danach auf dem Markt als (…)verkäufer gearbeitet. Er habe sich schliesslich zur Ausreise entschlossen, weil er wegen seines Konflikts mit den Regierungskräften Angst um sein Leben gehabt habe und nicht mehr an die Universität habe zurückkehren können. Er sei im Februar oder April 2015 mithilfe eines Schleppers nach Libyen ausgereist , von wo er nach dreimonatigem Aufenthalt nach Italien weitergereist sei. Zum Beleg seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine n Scan s einer Geburtsur- kunde sowie mehrere kopierte Fotos von Angehörigen und Freunden ein. E. Mit Zuweisungsentscheid vom 10. Juli 2015 wurde der Beschwerdeführer in das erweiterte Verfahren ausserhalb der Testphasen zugewiesen. E-186/2017 Seite 4 F. Mit Verfügung vom 7. Dezember 2016 (eröffnet am 9. Dezember 2016 ) stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. G. G.a Mit Eingabe vom 9. Januar 2017 an das Bundesverwaltungsgericht er- hob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die Verfügung des SEM und beantragte, diese sei vollumfänglich aufzuheben und es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen sowie ihm Asyl zu gewähren ; e ven- tualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen . In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die Beiordnung seines Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbei- stand sowie um den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. G.b Zum Beleg seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer folgende Beweismittel ein: ‒ Anfrage an das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) betreffend Registrierung von Verwandten im Tschad vom 21. Dezember 2016 ‒ Zwei Vorladungen des Bezirksgerichts in E._______ vom (…) 2013 und (…) 2013 und ein Haftbefehl des Bezirksgerichts E._______ vom (…) 2013, inklusive Zustellcouvert ‒ Kartenausschnitt der Grenzregion Darfur -Tschad des US Department of State ‒ Länderbericht 2014 der Global Coalition to Protect Ed ucation from Attack ‒ Mehrere Fotos von Kundgebungen in G._______ und C._______ ‒ Internetartikel vom (…) 2017 über Kundgebungen in C._______ und im Sudan E-186/2017 Seite 5 H. Mit Instruktionsverfügung vom 19. Januar 2017 hiess der Instruktionsrich- ter die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und Verbeiständung im Sinne von Art. 110a AsylG gut, ord- nete dem Beschwerdeführer seinen Rechtsvertreter als unentgeltlichen Rechtsbeistand bei und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses. Ferner forderte er den Beschwerdeführer auf, die in Aussicht gestellten Übersetzungen von Beweismitteln innert sieben Tagen ab Erhalt dieser Verfügung einzureichen. I. Mit Telefax-Schreiben vom 24. Januar 2014 ersuchte der Beschwerdefüh- rer um Erstreckung der Frist für die Einreichung von Übersetzungen sowie um Zustellung der Originale der zu übersetzenden Dokumente. Mit Verfügung vom 25. Januar 2017 erstreckte der In struktionsrichter an- tragsgemäss die Frist zur Einreichung von Übersetzungen, stellte dem Be- schwerdeführer die Originale der Dokumente zu und gewährte ihm ferner Gelegenheit zur Stellungnahme zur Feststellung dass eines der Doku- mente eine Rasur sowie einen auffälligen Fleck aufweise. J. Mit Eingabe vom 2. Februar 2017 (Poststempel) reichte der Beschwerde- führer die eingeforderten Übersetzungen sowie eine Stellungnahme ein. K. Mit Instruktionsverfügung vom 10. Februar 2017 lud der Instruktionsrichter das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. Innert erstreckter Frist hielt die Vorin stanz in ihrer Vernehmlassung vom 14. März 2017 an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. L. Mit Eingabe vom 30. März 2017 machte der Beschwerdeführer von dem ihm mit Verfügung vom 15. März 2017 gewährten Recht zur Stellungnahme Gebrauch und reichte zudem Ausdrucke einer E-Mail-Korrespondenz mit dem UNHCR betreffend den Aufenthaltsort seiner Angehörigen im Tschad sowie weitere Dokumente zum Beleg seiner exilpoliti schen Aktiv itäten (3 Fotos, Unterstützungsschreiben des Generals ekretärs des "Sudanese Movement for Justice and E quality, Switzerland Büro " vom 8. Februar 2017) zu den Akten. E-186/2017 Seite 6 M. Mit Eingabe vom 10. April 2017 legte die Rechtsvertretung eine Kosten- note ins Recht. N. Mit Eingabe vom 25. Juli 2017 wurden zwei ärztliche Zeugnisse vom 7. Ok- tober 2016 und 7. April 2017 betr effend beim B eschwerdeführer festge- stellte Folterspuren (Narben) sowie eine diesbezügliche persönliche Stel- lungnahme des Beschwe rdeführers vom 20. Juli 2017 inklusive Fotos nachgereicht. O. Mit Eingabe vom 16. Februar 2018 reichte der Beschwerdeführer Kopien von Wohnsitzbescheinigungen seiner zwischenzeitlich in den Sudan zu- rückgekehrten Mutter und Schwester vom 11. Dezember 2017, inklusive Übersetzung zu den Akten. Er liess festhalten, im Falle weiter bestehender Zweifel a n seiner Herkunft aus dem Darfur werde die Verifizierung der Echtheit der eingereichten Dokumente durch die Schweizerische Vertre- tung in Khartum beantragt. P. Mit Verfügung vom 25. April 2018 lud der Instruktionsrichter das SEM in Anbetracht der neu vorgetragenen Sachverhaltselemente und der neuen Beweismittel zu einer ergänzenden Vernehmlassung ein. Q. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Mai 2018 hielt die Vorin stanz fest, die neuen Eingaben des Be schwerdeführers enthielten keine neuen erhebli- chen Tatsachen oder Beweismittel welche eine Änderung ihres Standpunk- tes rechtfertigen würden. R. Mit Eingabe vom 7. Juni 2018 machte der Beschwerdeführer von dem ihm mit Instruktionsverfügung vom 23. Mai 2018 eingeräumten Gelegenheit zur Duplik Gebrauch und reichte insbesonders folgende Beweismittel ein: ‒ Originale der Wohnsitzbestätigungen inkl usive Zustellcouvert und Zu- stellungsnachweis ‒ Ein Überweisungsschreiben von Dr. med. H. H._______ vom 5. Juni 2018, ‒ Eine persönliche Stellungnahme zur Anhörung. E-186/2017 Seite 7 ‒ Drei im Studio von Radio I._______ aufgenommene Fotos ‒ Eine Transkription eines vom B eschwerdeführer geführten Radiointer- views inkl. Übersetzung ‒ Zwei Fotos von Demonstrationen in G._______ vom (…) und (…) 2017 ‒ Ein Un terstützungsschreiben des Präsidenten des JEM ("Justice & Equality Movement Sudan")-Büros Schweiz vom 1. Juni 2018 ‒ Einen im Internet publizierten Artikel der Zeitung "L’OBS" vom 24. April 2018 S. Mit Eingabe vom 27. Juli 2018 rei chte der Beschwerdeführer ein weiteres Bestätigungsschreiben der JEM -Sektion Schweiz vom 17. Juli 2018, ein Schreiben des internationalen Vorsitzenden der JEM vom 2. Juni 2017 so- wie einen Vorlehrvertrag ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; E-186/2017 Seite 8 Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist e inzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz zunächst aus, die Identität des Beschwerdeführers stehe nicht fest. Er habe bisher keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere eingereicht. Die von ihm im Verlauf des Verfahrens in Kopie einger eichte Geburtsurkunde sei im (…) an sei- nem Geburtsort ausgestellt worden. Es sei unklar, wie er diese beschafft habe, habe er doch angegeben, nach 2003 nie mehr an seinen Geburtsort zurückgekehrt zu sein. Der in diesem Dokument vermerkte Geburt sort "J._______" stimme nicht mit den entsprechenden Angaben des Be- schwerdeführers überein. Seine Schilderungen dazu, wie er seinen Her- kunftsort verlassen und nach Khartum gekommen sei, würden r ealitäts- fremd anmuten. Es sei nicht klar, weshalb er sich innert Stunden zum Ver- lassen seiner Herkunftsregion entschlossen habe, ohne den Versuch un- ternommen zu haben, nach seinen Familienangehörigen zu suchen ; dies umso weniger als sie nach seinen Angaben gemeinsam aus ihrem Dorf geflohen seien. Es sei auch nicht nachvollziehbar, weshalb sein Pflegeva- ter ihm nicht zuallererst geholfen habe, seine eigene Familie wieder zu fin- den, und es müsse offenbleiben, wieso der Beschwerdeführer auch später keine entsprechenden Anstrengungen unternommen habe. Seine Aus- sage, er habe nicht gewusst, wo seine Familie wohne, sei nicht überzeu- gend, da er sowohl den Herkunftsort seiner Eltern als auch ihren bisherigen Wohnort gekannt habe. Die erheblichen Ungereimtheiten betreffend die Herkunft des Beschwerde- führers liessen auch Zweifel an seinem geltend ge machten Engagement für Darfur aufkommen. Seine Angaben zu seinen angeblichen Aktivitäten für die "Söhne Darfurs" seien sehr plakativ und oberflächlich ausgefallen. So habe er auf die Frage nach seiner konkreten Aufgabe für diese Grup- pierung lediglich gesagt, er habe diese psychisch unterstützt und motiviert. Aus seinen Angaben würden sich keine Hinweise dafür ergeben, dass er sich durch eine herausragende Rolle oder eine spezielle Tätigkeit exponiert habe und damit ein Profil aufweise, welches das Inter esse des sudanesi-E-186/2017 Seite 9 schen Geheimdienstes (NISS) hätte auf ihn lenken können. Soweit der Be- schwerdeführer vorgebracht habe, er sei dreimal von einer regierungs- treuen Studentenorganisation beziehungsweise den Sicherheitskräften je- weils für mehrere Tage festgehalten worden, sei festzustellen, dass er ge- mäss seinen Aussagen jeweils gut behandelt und nicht befragt worden sei. Es habe offensichtlich kein länger andauerndes Inter esse der staatlichen Sicherheitskräfte an ihm bestanden. Es könne daher davon ausgegangen werden, dass er im Falle seiner Rückkeh r in den Sudan nicht mit staatli- chen Verfolgungsmassnahmen von asylrelevanter Intensität zu rech nen habe. Diese Einschätzung werde auch durch den Umstand gestützt, dass er vor seiner Ausreise im Zeitraum von (…) 2013 bis (…) 2015 ohne irgend- welche staatlichen Behelligungen in Khartum habe leben können. Im Weiteren würden sich vorliegend weder aus den Aussagen der Be- schwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ihm eine durch Art. 3 EMRK verbotene Bestrafung oder Behandlung drohe. Schliesslich würde weder die herrschende politi sche Situation im Sudan noch ander e Gründe gegen die Zumutbarkeit des W egweisungs- vollzugs sprechen. Ungeachtet der Zweifel an der Herkunft des Beschwerdeführe rs aus der Region Darfur sei darauf hinzuweisen, dass es ihm aufgrund der bestehen- den Niederlassungs freiheit freistehe, sich ausserhalb di eser Region niederzulassen. Der Besch werdeführer sei ferner jung und gesund un d verfüge über eine gute Ausbildung. Er habe bereits vor seiner Ausreise sei- nen Leb ensunterhalt se lbstständig verdienen können. Darüber hinaus könne davon ausgegangen werden, dass er in Khartum über ein Bezie- hungsnetz verfüge. 3.2 3.2.1 In seiner Beschwerdeeingabe führte der Beschwerdeführer zunächst zum Sachverhalt ergänzend aus, er habe in seinem Wohnquartier immer wieder Probleme mit Mitgliedern der Quartierverwaltung gehabt, welche dem Volkskomitee und der Regierungspartei angehört hätten. Diese hätten ihn wegen seines polit ischen Engagements bei der lokalen Polizei ange- zeigt, und er sei am (…) 2013 sowie am (…) 2013 vom lokalen Gericht in E._______ vorgeladen worden. Da er diesen Vorladungen nicht Folge ge- leistet habe, sei am (…) 2013 ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden. Er habe durch einen Bekannten in Khartum die betreffenden Originaldoku- mente beschaffen können. Ferner habe ein beim UNHCR arbeitender Bru- der eines tschadischen Flüchtlings, den er in der Schweiz kennengelernt E-186/2017 Seite 10 habe, ihm bestätigen können, dass seine Mutter und eine Schwester im Tschad in einem Flüchtlingslager registriert worden seien. Er habe dank dieser Informati onen telefonischen Kontakt mit seiner Mutter herstellen können. 3.2.2 Im Weiteren halte die Argumentation der Vorinstanz einer eingehen- den Prüfung nicht stand. Die beiden Befragungen im T estverfahren seien innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums erfolgt, weshalb verständlich sei, dass er die Kopie seiner Geburtsurkunde erst nachträglich habe einreichen können. Seine Aussage anlässlich der Anhörung, er habe keine Identitäts- dokumente mehr, sei zutreffend, da die G eburtsurkunde nach sudanesi- schem Recht kein eigentliches Identitätsdokument sei. Auch die Umstände des Erhalts dieses Dokuments seien plausibel. Dieses sei von seinem Pflegevater über die Behörden in Khartum beantragt worden. Erst nach der Anhörung habe er sich daran erinnert, dass er in seinem E -Mail-Account eine Kopie dieser Urkunde abgespeichert habe. Bei dem darin vermerkten Geburtsort "J._______" und dem von der Vorin stanz aufgenommenen Herkunftsort "D._______" handle es sich um unterschiedliche Transkripti- onen desselben Ortsnamens. Er habe überdies detaillierte Angaben zu sei- nem Heimatort machen können, namentlich zu geografischen Merkmalen und den dort ansässigen Stämmen. Auch seine Angaben zur Koranlehrer- Tätigkeit seines Vaters würden für eine Sozialisation in der Region Darfur sprechen. Es sei demnach davon auszugehen, dass seine Herkunft aus West-Darfur hinreichend belegt sei. Im Falle ernsthafter Zweifel an seiner Herkunft wäre es an der Vorinstanz gelegen, eine Lingua-Herkunftsanalyse durchzuführen. 3.2.3 Im Weitern habe er sein Heimatdorf nicht freiwillig verlassen, sondern wegen eines Überfalls bewaffneter Reiter. Seine diesbezüglichen Schilde- rungen, welche detailliert und reich an R ealitätskennzeichen seien, seien von der Vor instanz unbeach tet geblieben . Ebenso habe sie die Hinter- grundinformationen zu Darfur gänzlich ausser Acht gelassen, anhand derer es ein Leichtes gewesen wäre , den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen zu verifizieren. Vor diesem Hintergrund gehe auch die Argumentation der Vor- instanz, er habe zu wenig unternommen, um seine Eltern zu finden, kom- plett fehl. Er habe sehr wohl entsprechende Anstrengungen unternommen. Nach der Flucht im Jahr 2003 sei es aber zunächst wichtig gewesen, sein eigenes Leben zu retten. Die Suche von Khartum und E._______ aus sei schwierig und eine Rück kehr in das Kriegsgebiet für eine Suche vor Ort nicht möglich gewesen. E-186/2017 Seite 11 3.2.4 In Bezug auf seine Tätigkeit für die "Söhne Darfurs" und eine sich daraus ergebende Gefährdung sei zunächst darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz den Namen der Organisation mangelhaf t übersetzt habe. Sie heisse "Rabtat Abna Darfur", auf Englisch sei die Bezeichnung "Darfur Stu- dents Association" gebräuchlich. Es handle sich dabei um eine bekannte Bewegung an verschiedenen sudanesischen Universitäten. Er habe durch- aus detaillierte Angaben zu seinem Engagement für diese Gruppierung gemacht. Der Umstand, dass er besch rieben habe, er und seine Mitstu- denten seien anlässlich der Festhaltungen gut behandelt worden, sei ein Indiz für die Glaubhaf tigkeit, da seine Aussagen frei von Übertre ibungen seien. Es bestünden Berichte unabhängiger Quellen, wonach es in dem von ihm genannten Zeitraum zu Protesten von Studenten aus Darfu r und zu zahlreichen Verhaftungen an verschiedenen Universitäten gekommen sei, unter anderem auch in E._______. Die Repressalien und die Unterdrü- ckung hätten im Verlauf seines Studiums immer mehr zugenommen. Nur aufgrund des Umstands, dass er beim letzten Mal nach drei Tagen ohne formelle Anklage entlassen worden sei, könne nicht darauf geschlossen werden, dass er auf ihn ausgeübte physische und psychische Druck nicht genügend intensiv gewesen sei, um eine begründete Furcht vor asylrele- vanter Verfolgung auszulösen. Die Vorinstanz habe den herabgesetzten Beweisanforderungen gemäss Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen, indem sie diese Beweisregel zu restriktiv gehandhabt habe. Die überwiegende Mehrheit der von ihr angeführten Ungereimtheiten könnten ohne weiteres entkräftet werden, und Unklarheiten hätten bei pflichtgemäs- sem Nachfragen ausgeräumt werden können. Er habe seine Herkunft aus West-Darfur anhand seiner präzisen Aussagen und der eingereichten Ge- burtsurkunde glaubhaft machen können. Dieser könne nicht einzig mit der Begründung, es handle sich nur um eine Kopie, jeglicher B eweiswert ab- gesprochen werden. Aufgrund einer mangelhaften Übersetzung bei der einzigen einlässlichen Befragung sei die Vorin stanz gar nicht in der Lage gewesen, seine Gefährdungssituation umfassend abzuklären. Seine Aussagen seien insbesondere vor dem Hinte rgrund der Landesin- formationen und Berichte öffentlich zugänglicher Quellen sehr realitätsnah und glaubhaft. Er sei insbesondere zu dem Zeitraum zwischen seinem Stu- dienabbruch und der Ausreise kaum befragt worden, weshalb ihm nicht vorgehalten werden könne, dass er die gerichtlichen Vorladungen erst im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereicht habe . Selbst verspätete Vorbringen müssten im Übrigen gemäss Art. 32 VwVG berücksichtigt wer- den, wenn sie ausschlaggebend erscheinen würden. E-186/2017 Seite 12 3.2.5 Er habe glaubhaft machen können, dass er als Kind aus seiner Hei- matregion in West-Darfur vertrieben worden sei, und aufgrund seiner kriti- schen Äusserungen und seines politischen Engagements in den Fokus der sudanesischen Behörden geraten sei. Auch wenn er im Rahmen der drei- maligen Festnahmen während seiner Studienzeit keine Misshandlungen oder Folterungen erlitten habe, seien diese G eschehnisse als ernsthaft e Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG einzustufen, allein schon wegen des durch diese verursachten psychischen Drucks. Die Tatsache, dass er auf- grund polit ischer Motive verfolg t worden sei, sei ein ernstzunehmender Hinweis auf eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung. Es entspre- che zudem auch heute den Tatsachen, dass insb esondere Personen ins Visier der sudanesi schen Behörden und nament lich des Geheim- und Sicherheitsdiensts NISS gerat en würden, die sich politisch engagieren, sich kritisch gegenüber der Regierung, der regierenden National Congress Party (NCP), gegen die Behörden oder über die Lage in Darfur äusse rn, oder die verdächtig t würden, eine Rebellengruppe zu unterstützen . Dies habe das Bundesveraltungsreicht in seinem Gru ndsatzentscheid BVGE 2013/5 bestätigt. Es habe in diesem Entscheid darüber hinaus zahlreiche Übergriffe des NISS und anderer Sicherheitsbehörden auf politisch aktive Studenten aus Darfur sowie auf Journalisten und Menschenrechts - aktivisten in Khartum dokumentiert. 3.2.6 Er habe nach einer Anzeige von Parteivertretern aus seinem Wohn- quartier zweimal eine Gerichtsvorladung erhalten und sei aufgrund dessen zur Verhaftung ausgeschrieben worden. Im Falle einer Rückkehr würde er umgehend den Behörden zugeführt und hätte staatliche Verfolgung zu ge- wärtigen. Ausserdem seien Personen nicht -arabischer Ethnie aus Darfur der Gefahr ausgesetzt, mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit bei einer Rück- kehr registr iert, festg ehalten, verhaftet, verhört und misshandelt, sow ie nach einer Entlassung systematisch überwacht zu werden. Dies werde na- mentlich durch die im Jahr 2007 vorgefallenen Verhaftungen von aus Dar- fur stammenden Asylsuchenden aus England illustriert. Der Sicherheits- dienst NISS werde für Menschenrechtsverletzungen gegenüber Personen verantwortlich gemacht, die auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen würden, namentlich bettreffen dies Personen, die exilpolitisch tätig seien, die verdächtigt würden, einer Rebellengruppe anzugehören , oder die regierungsfeindliche Aktivisten sei en und ausländische Regierungen auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam gemacht hätten. Er müsse somit damit rechnen, bereits am Flughafen vom NISS oder der sudanesi-E-186/2017 Seite 13 schen Polizei verhaftet, verhört und wa hrscheinlich misshandelt oder ge- foltert zu werden. E r habe folglich eine begründete Furcht vor staatlicher Verfolgung. 3.2.7 Es stehe ihm ferner keine innerstaatliche Fluchtalternative offen. Eine solche müsste gemäss R echtsprechung des Bu ndesverwaltungsgerichts zumutbar sein. Er verfüge aber über kein tragfähiges Verwandtschaftsnetz in einem sicheren Gebiet im Sudan, name ntlich im Grossraum Khartum. Sein leiblicher Vater sowie sein Adoptivvater seien verstorben. Er habe nur noch eine leibliche Schwester und seine Mutter , welche sich im Tschad aufhalten würden. Entgegen der vorinstanzlichen Behauptung habe er keine in Khartum lebenden Geschwister. Im Jahr 2014 habe er erfahren, dass eventuell Halbgeschwister dort leben wür den, es sei ihm aber nicht gelungen, Kontakt zu diesen herzustellen. Er habe ferner seine Ausbildung nicht abschliessen können und aufgrund seiner politischen Tätigkeit, seiner Herkunft und seiner L andesabwesenheit nicht die M öglichkeit, wieder als (…)händler zu arbeiten. Dies sei umso weniger der Fall, als sich im Zusam- menhang mit den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2015 die Situation für Oppositionelle, Studenten und ethnische Minderheiten weiter verschlech- tert habe. 3.2.8 Eventualiter seien ihm subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG zuzuerkennen. Der sudanesische Geheimdienst NISS über- wache die im Ausland tätige Oppos ition genau. Gemäss Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) seien nicht nur Personen mit herausragendem politischem Profil , sondern alle Men- schen gefährdet, die das aktuelle Regime ablehnen oder einer solchen Ab- lehnung verdächtig würden. Im Ausland politisch aktive Sudanesen würden von den sudanesischen Behörden registriert. Er habe sein politisches En- gagement in der Schweiz fortgesetzt. Er sei Mitglied der Organisation "Su- danjem" und habe an meh reren von dieser organisierten Ku ndgebungen und Standaktionen, namentlich am (…) 2015 und (…) 2016 in G._______ und am (…) 2016 in C._______, teilgenommen. Diese Anlässe würden von der sudanesischen Regierung registriert, weil dabei auf Menschenre chts- verletzungen im Sudan aufmerksam gemacht werde. 3.2.9 Im Weiteren würde der Wegweisungsvollzug, da er die Flüchtlingsei- genschaft erfülle, im Widerspruch zu Art. 33 FK und Art. 5 AsylG stehen und sei daher als unzulässig zu erachten. E s bestehe zudem eine reale Gefahr, Folter und unmenschliche Behandlung zu erleiden , weshalb der E-186/2017 Seite 14 Wegweisungsvollzug auch gegen Art. 3 EMRK und Art. 3 des Übereinkom- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (SR 0.105) verstossen würde. 3.2.10 Ferner sei der Vollzug der Wegweisung auch unzumutbar, da es ihm nicht zumutbar sei, sich ausserhalb von Darfur in einem an deren Landes- teil Sudans niederzulassen, weil er ausserhalb seiner Herkunftsregion über kein soziales Beziehungsnetz verfüge und keine Erwerbstätigkeit finden würde. 3.3 In seiner Eingabe vom 24. Januar 2017 führte der Beschw erdeführer namentlich aus, der Tintenfleck auf der unteren Seite d es Haftbefehls sei kein tauglicher Hinweis auf eine nachträgliche Veränderung dieses Doku- ments. Möglicherweise sei der Stempel noch nicht trocken gewesen, oder das Papier sei beim Anbringen der Unterschrift gerissen. Eine nachträgli- che Veränderung dieses Teils des Dokuments würde ohnehin keinen Sinn ergeben, da di eser lediglich einen Ve rweis auf G esetzesbestimmungen enthalte und irr elevant sei. Ei ne nachträgliche Manipulation könne auch deswegen ausgeschlossen werden, weil de r Tintenfleck zu klein sei , um eine Unterschrift zu überde cken und dieselbe Unte rschrift auch oben auf dem Dokument zu sehen sei. Derselbe Stempel s ei auch auf den Vorla- dungen angebracht. 3.4 3.4.1 In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, es seien anläss- lich der Anhörung keine Einwände gegen den Dolmetscher erhoben wor- den und es könne demnach davon ausgegangen werden, dass dieser und der Bes chwerdeführer sich problemlos vers tanden hätten und der B e- schwerdeführer tatsächlich den Namen "Söhne Darfurs" verwendet und damit die Studentenorganisation nicht korrekt benannt habe. E s sei in Rücksprache mit der Lingua-Fachstelle auf ein Gutachten verzichtet wor- den, weil der Beschwerdeführer nach seinen Angaben den Grossteil seines Lebens in Khartum verbracht habe und somit nur noch über geringe Kennt- nisse seiner Muttersprache verfüge. Rudimentäre Sprachkenntnisse könn- ten aber auch auf andere Weise erworben werden und liessen keine va- lablen Schlüsse auf die Herkunft eines Probanden zu. Es sei nicht nach- vollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer sich im Rahmen der Anhörung nicht an die nunmehr im Beschwerdeverfahren vorgelegten Gerichtsdoku- mente erinnert habe. Er habe mit keinem Wort erwähnt, dass er bereits im E-186/2017 Seite 15 Zeitpunkt der letzten von ihm geltend gemachten Festnahme einer Vorla- dung ferngeblieben sei. Ebenso unerklärlich sei, dass er sich weiterhin an der gewohnten Adresse aufgehalten habe und dennoch nie verhaftet wor- den sei. Schliesslich sei zu bezweifeln, dass er zweimal an einem Freitag vorgeladen worden wäre, da dieser Tag im Sudan ein offizieller Ruhetag sei. Im Übrigen handle es sich bei diesen Beweismitteln um leicht fälsch- bare Dokumente. Da die Identität des Beschwerdeführers weiterhin ni cht feststehe, könnten diese ihm auch nicht eindeutig zugeordnet werden. Der Beschwerdeführer habe nie einen Un terschied zwischen Voll- und Halb- geschwistern gemacht und er habe auch nicht ins Fel d geführt, er habe nicht nach seinen Geschwistern in Khartum gesucht, weil sie nur Halb - geschwister seien. Er verfüge demnach weiterhin an di esem Ort über ein familiäres Netz und stehe auch mit nahestehenden Freunden im Kontakt. 3.4.2 Betreffend die vorgebrachten exilpolitischen Aktivitäten sei festzustel- len, dass im Blickpunkt der sudanesischen Regierung Personen stehen würden, die sich aus der Masse der mit dem Regime und der Situation im Land Unzufriedenen herausheben und sich als ernsthafte Regimegegner profilieren würden. Ausschlaggebend sei dabei ein e öffentliche Exponie- rung, welche den Eindruck erwecke, dass die betreffende Person zu einer Gefahr für den Bestand des Regimes werde. Die Mitgliedschaft bei einer oppositionellen Organisation und die einfache Teilnahme an exilpolitischen Veranstaltungen würden nicht automatisch zum Schluss führen, dass die sudanesischen Behörden an der betreffenden Person interessiert seien. Das Engagement des Beschwerdeführers erschöpfe sich in einer einfa- chen Mitgliedschaft bei der Organisation "Sudanjem" sowie der Teilnahme an Kundgebungen. Dieses vermöge keine Furcht vor flücht lingsrechtlich relevanter Verfolgung zu begründen. Den Akten seien keine konkreten Hin- weise dafür zu entnehmen, dass er sich in qualifizierter Weise exilpolitisch betätigt hätte. Es sei nicht belegt, dass er tatsä chlich ein Radio-Interview gegeben habe. Selbst wenn dies der Fall gewesen sei, würden keine über- prüfbaren Beleg dafür vorl iegen, dass er sich regimekriti sch geäussert habe oder dass das Interview aus gestrahlt und der Beschwerdeführer dabei namentlich genannt worden sei. Den Akten könnten keine Hinweise darauf entnommen werden, dass die sudanesischen Behörden überhaupt Kenntnis von s einer Mitgliedschaft bei "Sudanjem" genommen oder gar irgendwelche Massnahmen zu seinem Nachteil eingeleitet hätten. Schliesslich dürfte es den sudanesischen Behörde n bekannt sein, dass viele sudanesische Emigranten versuchen würden, durch regimekritische Aktivitäten ein Aufenthaltsrecht zu erwirken. E-186/2017 Seite 16 3.5 Der Beschwerdeführer brachte in seiner Replik vor, die Übersetzung des Begriffs "Rabtat Abna Darfur " durch die Vorinstanz sei nicht falsch , aber unvollständig. "Rabtat" heisse im Arabischen "Verband/Vereinigung" und "Abna" heisse "Kinder". Eine fehlende Zuordnung oder Verifizierung seiner glaubhaften Aussagen durch die Vo rinstanz könne ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden. Eine Lingua-Analyse wäre sehr wohl zielführend gewesen. E s sei sehr unwahrscheinlich, dass jemand der aus Khar tum stamme, sich Kenntnisse der Sprache einer kleinen Minderheit aus Darfur aneignen würde. Er verfüge über Passivkenntnisse der Sprache Melereya, welche eine eindeutige Zuordnung zulassen würden. Er habe bereits vor- her versucht, die mit der Beschwerdeeingabe eingereichten Gerichtsdoku- mente zu beschaffen, allerdings erfolglos. Er sei bei der Anhörung nicht zu seinen Problemen im Wohnquartier befragt worden, sondern einzig zu sei- nem Engagement an der Universität. Die F estnahmen an der Uni versität und die Gerichtsvorladungen würden in keinem direkten Zusammenhang stehen. Da bei der Anhörung nur sein studentisches Engagement Th ema gewesen sei und er zu diesem Zeitpunkt noch keine Beweismittel zur Hand gehabt habe, sei es nachvollziehbar, dass er die Vorladungen nicht er- wähnt habe. Er gehe davon aus, dass er, falls er den Vorladungen Folge geleistet hätte, durch Geheimdienstmitarbeiter einver nommen worden wäre, welche auch an Feiertage n Verhöre durchführen würden. E r habe zwar offiziell noch bei seiner Adoptivmutter gelebt, habe sich aber kaum noch bei dieser aufgehalten, sondern sich bei Freunden und Bekannten versteckt. Er sei bei der Zustellung der behördlichen Vorladungen nicht zu- gegen gewesen, sondern von seiner Pflegemutter darüber informiert wor- den. Diese Dokumente könnten ihm durchaus zugeordnet werden, da die angegebenen Personalien mit denjenigen in der Geburtsurkunde über - einstimmen würden. Die familiären Bande zu Halbgeschwistern seien naturgemäss weniger eng als diejenige zu Vollgeschwistern. Zudem habe er zu seinen Halbgeschwis- tern seit der Fl ucht aus sei nem Heimatdorf keinen Kontakt mehr. Auch blosse Kontakte zu Freunden vermöchten den Wegweisungsvollzug nicht als zumutbar erscheinen zu lassen. Betreffend seine exilpolitischen Aktivitäten sei auf die Rechtsprechung des EGMR zu verweisen, wonach bereits niederschwe llige politische Aktivitä- ten zu einer Gefährdung führen würden. Er habe an zahlreichen Demonst- rationen gegen das sudanesische Regime an vorderster Front teilgenom- men. Am (…) 2017 habe er beim Radio I._______ in C._______ ein Inter- view gegeben, in welchem er Aus kunft über die ethnischen Verfolgungen E-186/2017 Seite 17 und Ermordungen der schwarzafrikanischen Bevö lkerung in Darfur, Blue Nile und K ordofan gegeben habe. Zudem habe er zum Sturz des Regimes von Al Bashir aufgerufen. Der Termin an welchem das Interview gesendet werde, sei noch nicht bekannt. Im Schreiben des JEM -Büros Schweiz werde bestätigt, dass er ein sehr aktives Mitglied dieser Organi- sation sei. 3.6 In seiner ergänzenden Eingabe vom 25. Juli 2017 brachte der Be- schwerdeführer namentlich vor, er sei dreimal, im (…) 2012 und (…) 2013, bei gewaltsamen Auseinandersetzungen an der Universität zwischen den "Söhnen Darfurs" und regimetreuen Studentengruppen beziehungsweise den Sicherheitskräften an (…) und am (…), respektive am (…), verletzt worden. Er habe es aus Angst vor den Konsequenzen einer Abschiebung und wegen mangelndem Vertrauen in die schweizerischen Asylbehörden nicht gewagt, diese Umstände bei der Anhörung offenzulegen. Erst mit Hilfe einer Vertrauensperson habe er offen über die erlittenen Misshand- lungen sprechen können. 3.7 Das SEM führte in seiner ergänzenden Vernehmlassung aus, die ein- gereichten Wohnsitzbestätigungen würden sich nicht auf den Beschwerde- führer beziehen, und die darin erwähnten Personen könnten ihm nicht als Verwandte zugeordnet werden, weshalb die Dokumente nur eine sehr be- schränkte Beweiskraft hätten. Derartige Bestätigungen könnten ohne wei- teres käuflich erworben werden. E s bleibe auch unklar, weshalb dem Be- schwerdeführer die Einreichung der Originale unmöglich sein sollte. Es be- stehe demnach kein Anlass für weitere Abklärungsmassnahmen vor Ort. Selbst wenn die in dem vom Beschwerdeführer eingereichten A rztzeug- nisse festgestellten Narben durch Schläge entstanden sein sollten, würde dies keine Rückschlüsse darüber zulassen, unter welchen Umständen und durch wen diese erfolgt seien. Die Erklärungen, weshalb der Beschwerde- führer bei d er Anhörung hierüber nicht habe sprechen können, würden nicht überzeugen, sei er doch durch seine damalige Rechtsvertretung über die Verfahrensmodalität informiert worden, und sie sei auch bei der Anhö- rung anwesend gewesen. Er sei auch durchaus imstande gewesen zu er- wähnen, dass er mit dem Tod bedroht und dass andere Studierende durch die Sicherheitskräfte getötet worden seien. Sch liesslich würden nach wie vor keine stichhaltigen Beweise dafür vorliegen, dass der Beschwerdefüh- rer durch eine qualifizierte exilpolitische Tätigkeit das Interesse de r suda- nesischen Behörden auf sich gezogen hätte. E-186/2017 Seite 18 3.8 Der Beschwerdeführer führte in seiner Entgegnung vom 7. Juni 2018 aus, die eingereichten Wohnsitzbestätigungen seiner Familienangehörigen könnten ihm entgegnen der vorinstanzlichen Behauptung zugeordnet wer- den, da die Schwester denselben Familiennamen wie er trage und der ver- merkte Nachname seiner Mutter mit seinen diesbezüglichen A ngaben in der BzP übereinstimme . Inzwischen sei es ihm gelungen , mithilfe eines Kollegen in Khartum und seines Schwagers die Or iginale dieser Dokumente beizubringen. Das Argument der leichten Käuflichkeit solcher Papiere verfange angesichts der angehefteten Gebührenquittung des Ministeriums für (…) des Distrikts K._______ nicht. Er sei wegen des Verdachts auf eine Posttraumatische Belastungsstörung von seinem Hausarzt zur Sprechstunde für transkulturelle Psychiatrie in L._______ überwiesen worden und habe sich erst in der Folge gegenüber Vertrauenspersonen öffnen können. Er habe sich bei der Anhörung unwohl und geschwächt gefühl t und auch zu seiner damaligen R echtsvertreterin kein Vertrauen fassen können; dies einerseits aus kulturellen Gründen und andererseits, weil sie im Rahmen des Testverfahrens von den Behörden gestellt w orden sei und im selben Gebäude wie diese gearbeitet h abe. Diese Umstände müssten bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit berück- sichtigt werden. Im Übrigen habe er am (…) 2018 erneut einen Auftritt in der Sendung "(…)" bei Radio I._______ gehabt. Er habe sich in der D is- kussionsrunde mit M._______, dem Generalsekretär der JEM, ausführlich zu aktuellen Themen geäussert, welche die sudanesische Diaspora be- schäftigen würden. Zudem habe er am (…) 2017, (…) 2017 und (…) 2017 an weiteren Anlässen von JEM teilgenommen. Schliesslich würden jüngste Zeitungsberichte davon zeugen, dass sich die Lage für politische Dissiden- ten im Sudan weiter verschlechtert habe. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). E-186/2017 Seite 19 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehen- den Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkom- mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Nach Auffassung des Gerichts sind die Zweifel der Vorinstanz an der Herkunft des Beschwerdeführers aus Darfur nicht gerechtfertigt. Zwar steht seine Identität nicht zweifelsfrei fest, da er keine rechtsgenüglichen Identi- tätsdokumente im Sinne von Art. 1a Bst. c der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (SR 142.311) zu den Akten gereicht hat. Es sind aber bei den vom Beschwerdeführer vorgelegten, ihn bezie hungsweise seine An- gehörigen betreffenden Dokumenten (Geburtsschein in Kopie, Wohnsitz- bestätigungen) keine offensichtlichen Fälschungsmerkmale erkennbar und die Dokumente stimmen inhaltlich mit seinen Vorbringen überein. Zu Recht wies er darauf hin, d ass die unterschiedlichen Schreibweisen seines Hei- matorts im BzP -Protokoll sowie im G eburtsschein offensichtlich auf eine unterschiedliche Transkription desselben N amens zurückzuführen sind. Demnach sind diese Dokumente als Indiz für die Richtigkeit der Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Herkunft zu bewerten. Im Weiteren wir- ken seine Ausführungen zu den Ereignissen in seinem Herkunftsort im Jahre 2003 und seiner Flucht nach E._______ durchaus lebensecht und enthalten keine wesentlichen Widersprüche oder andere Ungereimtheiten. Zudem stehen sie im Einklang mit den allgemeinen Erkenntnissen zu den Ereignissen im Darfur in jenem Zeitraum (vgl. Human Rights Watch, Darfur Destroyed, Ethnic Cleansing by Government and Militia Forces in Western Sudan, 7. Mai 2004; Amnesty International, Annual Report 2004) . Ange- sichts der Vertreibungen der Lokalbevölkerung erscheint es auch nachvoll- ziehbar, dass es dem Beschwerdeführer schwer fiel, den Verbleib seiner überlebenden Familienmitglieder ausfindig zu machen. Insgesamt sind die E-186/2017 Seite 20 Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner Herkunft aus der Region Darfur als überwiegend glaubhaft zu betrachten. 5.2 Der Beschwerdeführer kann indessen aus seiner ethnischen Zugehö- rigkeit sowie der von ihm vorgebrachten schwierigen allgemeinen Situation von Personen aus dem Darfur im Sudan keine begründete Furcht vor asyl- relevanter Verfolgung ableiten; das Bundesverwaltungsgericht verneint in konstanter Rechtsprechung eine Kollektivverfolgung der nicht -arabischen Ethnien in Darfur (vgl. BVGE 2013/21 und Urteil E-678/2012 vom 27. Ja- nuar 2016 [publiziert als Referenzurteil]). Diese Rechtsprechung bean- sprucht nach wie vor Gültigkeit. Die vom Beschwerdeführer geschilderten Vorfälle sind, wie von der Vorinstanz zu Recht festgestellt, auf die Situation allgemeiner Gewalt im Kontext des sudanesischen Bürgerkriegs in Darfur zurückzuführen. Das Vorgebrachte ist nicht geeignet, eine individuelle , flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu belegen. 5.3 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch in erster Linie da- mit, dass er aufgrund seines Engagements für die "Söhne Darfurs" respek- tive die "Darfur Students Association " während seines Universitätsstudi- ums in den Jahren 2011 und 2012 dreimal für jeweils mehrere Tage fest- gehalten worden sei und in der Folge weitere Verfolgungsmassnahmen durch die sudanesischen Behörden befürchtet habe. Zwar wies die Vor- instanz zu Recht darauf hin, dass seine Ausführungen zu seinem Engage- ment für die "Söhne Darfurs" wenig substanziiert sind. Jedoch sind auch die Vorbringen des Beschwerdeführers zu den Vorfällen während seines Universitätsstudiums im Wesentlichen widerspruchsfrei und erscheinen vor dem Hintergrund der verfügbaren länderspezifischen Informationen über die Studentenproteste in diesem Zeitraum nicht von vornherein haltlos (vgl. z.B. Immigration and Refugee Board of Canada, Sudan: Student pro- tests in 2012, particularly at the University of Sudan and Gezira University; treatment of protesters by security forces; role of the Darfur Students Or- ganization and the Darfur Graduate Students Association [SDN104454.E], 7. Juni 2013). Ohne abschliessende Prüfung der Glaubhaftigkeit kann indessen festge- stellt werden, dass es diesen Vorfällen an der asylrechtlichen Relevanz fehlt, weil in zeitlicher u nd sachlicher Hinsicht kein genügend enger Kau- salzusammenhang mit der im Jahre 2015, mithin rund drei bis vier Jahre später erfolgten Ausreise besteht. Dies trifft namentlich auch auf das Vor- bringen des Beschwerdeführers zu, wonach er bei gewaltsamen Auseinan-E-186/2017 Seite 21 dersetzungen an der Universität zwischen den "Söhnen Darfurs" und re- gimetreuen Studentengruppen beziehungsweise den Sicherheitskräften Verletzungen erlitten habe. Da er dieses Sachverhaltselement ohne über- zeugende Begründung erst im Verlauf des Bes chwerdeverfahrens vor- brachte, rechtfertigen sich überdies Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens. Das Argument des Beschwerdeführers, er sei durch die Er- eignisse an der Universität einem unerträgliche n psychischen Dr uck im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen erweist sich in Anbetracht der erst mehrere Jahre später erfolgten Ausreise als nicht stichhaltig. Jeden- falls ist festzustellen, dass er gemäss seiner Darstellung sein Studium im Jahre 2013 ab brach und sich den Akten keine substanziiert en Hinweise dafür entnehmen lassen, dass er in der Folge bis zu seiner Ausreise im Zusammenhang mit seinem Engagement für die "Söhne Darfurs" irgend- welche asylrelevanten Nachteile erlitten hätte. 5.4 Der Beschwerdeführer hat in seiner Beschwerdeeingabe vorgebracht, er sei von Mitgliedern der Quartierverwaltung wegen seines politischen En- gagements bei der lokalen Polizei angezeigt und es sei ein Haftbefehl ge- gen ihn ausgestellt worden, weil er zwei Gerichtsvorladungen nicht befolgt habe. Dazu ist zunächst festzustellen, dass er nicht plausibel zu begründen vermag, weshalb er dieses Vorbringen im Rahmen der Befragungen nicht erwähnte. Im Rahmen der Anhörung bestätigte er auf entsprechende Nachfragen hin ausdrücklich, er habe alles für sein Asylgesuch Wesentli- che vorgebracht und es gebe keine weiteren, gegen eine Rückkehr in sei- nen Heimatstaat sprechenden Gründe (vgl. Protokoll Anhörung A19 S. 14 F122 und S. 15 F135). Das Argument, er sei nur zu seinen Problemen an der Universität befragt worden, erweist sich somit als aktenwidrig ; auch seine Erklärung, er sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht im B esitz der Ge- richtsdokumente gewesen, vermag in keiner Weise zu überzeugen. Gegen das tatsächliche Bestehen eines Haftbefehls gegen den Beschwerdeführer spricht ferner der Umstand, dass sich aus den Akten keinerlei Hinweise dafür ergeben, dass er in dem Zeitraum zwischen dessen angeblicher Aus- stellung und seiner Ausreise von den s udanesischen Behörden gesucht worden wäre. Auch wenn er sich, wie von ihm geltend gemacht, nicht mehr bei seiner Adoptivmutter gelebt, sondern sich bei Freunden versteckt hatte, ist davon auszugehen, dass er von einer Suche nach ihm an seinem offizi- ellen Wohnsitz durch seine Adoptivmutter erfahren hätte. Zudem wäre er für die Behörden ohne weiteres an seinem Arbeitsort auf dem Markt auf- findbar gewesen. E-186/2017 Seite 22 Die Dokumente, die der Beschwerdeführer zur Untermauerung des gegen ihn angeblich eingeleiteten Verfahrens eingereicht hat, weisen im Übrigen einige Ungereimtheiten auf: Es fällt auf, dass die beiden Gerichtsvorladun- gen unvollständig ausgefüllt sind: E s fehlen Angaben dazu, wann die be- troffene Person informiert worden sei, beziehungsweise weshalb keine In- formation erfolgt sei. Ferner weisen die sowohl in den Vorladungen als auch im Haf tbefehl genannten Bestimmungen des sudanesischen Straf - gesetzbuchs keinerlei Zusammenhang mit dem ihm angeblich vorgeworfe- nen Straftaten auf. Schliesslich dürften in Anbetracht der weit verbreiteten Korruption im Sudan derartige Dokumente leicht käuflich erwerbbar sein (im Jahr 2017 lag Sudan auf Rang 175 von 180 des Korruptionsindexes von Transparency International, vgl. https://www.transparency.org/country/ SDN, abgerufen am 7.11.2018). Aus diesen Gründen rechtfertigen sich er- hebliche Zweifel an der Authentizität dieser Dokumente, und deren Beweis- wert ist als gering einzustufen . Insgesamt kommt das Gericht bei dieser Ausgangslage zum Schluss, dass das Vorbringen des Beschwerdeführers, es sei im Sudan ein Gerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet worden, als überwiegend unglaubhaft zu erachten ist. 5.5 Nach dem Gesagten kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit gewisse Nachteile im Zusam- menhang mit seiner Herkunft aus der Region Darfur erlitten hat; im Zeit- punkt der Ausreise lag aber keine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG vor. In diesem Z usammenhang ist daran zu erin- nern, dass die Asylgewährung nicht den Ausgleich vergangenen erlittenen Unrechts bezweckt, sondern Schutz vor aktueller oder künftiger Verfolgung bieten soll. 5.6 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, (Vor-)Fluchtgründe im Sinn von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. 6. In Bezug auf die Frage, ob dem Beschwerdeführer aufgrund des von ihm geltend gemachten exilpolitischen Engagements subjektive Nachflucht- gründe zuzuerkennen sind, ist Folgendes festzustellen: 6.1 Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen - schaft im Sinn von Art. 3 AsylG, führen aber nach Art. 54 AsylG zum Asyl- ausschluss. Personen, welche subjektive Nachfluchtgründ e nachweisen E-186/2017 Seite 23 oder glaubhaft machen können, werden hingegen als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. auch BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). 6.2 Eine Person, die subjektive Nachfluchtgründe geltend macht, hat be- gründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat - oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Per son deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise im Sinn von Art. 3 AsylG verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f.; BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352; EMARK 2006 Nr. 1 E. 6.1). Die Anforderungen an den Nachweis einer be- gründeten F urcht bleiben dabei grundsätzlich massgeblich (Art. 3 und Art. 7 AsylG). Wesentlich ist, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung im Sinn von Art. 3 AsylG befürchten muss. 6.3 6.3.1 In Bezug auf die Situation sudanesischer Oppositioneller hielt das Bundesverwaltungsgericht in seinem Referenzurteil D-2899/2016 vom 24. August 2017 (mit Hinweis auf das frühere R eferenzurteil E-678/2012 vom 27. Januar 2016 und dort a ufgeführten Quellen) fest, dass der Geheimdienst NISS als Instrument der NCP dafür besorgt sei, landesweit Kritiker einzuschüchtern oder zum Schweigen zu bringen. Betroffen seien namentlich Mitglieder der Opposition, Studenten, Journalisten, Menschen- rechtsaktivisten, Aktivisten der Zivilgesellschaft sowie Angehörige von nationalen und internationalen Nichtregierungs - und UN-Organisationen. Ins Visier der sudanesischen Behörden un d insbesondere des sudanesi- schen Geheimdienstes würden Personen dann geraten, wenn sie sich po- litisch engagieren, sich kritisch gegen die Regierung und die NCP sowie gegen Behörden oder über die Lage in den aktuellen Konfliktregionen (South Kordofan, Blue Nile, Darfur) äussern oder verdächtigt würden, eine Rebellengruppe zu unterstützen. Auch im Ausland beschäftig e sich der Geheimdienst mit der Überwachung und Kontrolle von sudanesischen Oppositionsbewegungen. Es sei jedoch auch festzuhalten, dass kaum jede politische Aktivität von sudanesischen Personen im Ausland beobachtet werde, zumal eine solche umfassende Beobachtung die finanziellen, technischen und personellen Ressourcen und Möglichkeiten übersteigen dürften. Folglich sei davon auszugehen, dass in erster Linie Personen im Fokus der Regierung st ünden, die sich aufgrund besonderer Umstände aus dem eher anonymen Kreis der blossen Teilnehmer an politischen Ver- anstaltungen von Exilorganisationen herausheben (vgl. a.a.O. E. 4.4.1, mit weiteren Hinweisen). E-186/2017 Seite 24 6.3.2 Zum gleichen Ergebnis gelangte zuletzt auch der EGMR in zwei wei- teren Urteilen betreffend den Sudan (A. I. gegen die Schweiz [Beschwerde Nr. 23378/15] und N. A. gegen die Schweiz [Beschwerde Nr. 50364/14], beide vom 30. Mai 2017). In beiden Entscheiden wiederholte der Gerichts- hof seine bisherige Einschätzung, dass sich die Gefährdung seitens des sudanesischen Staats nicht ausschliesslich auf Oppositionelle mit ausge- prägtem Profil zu beschränken scheine, sondern jede Person treffen kön - ne, die sich dem Regime widersetze oder entsprechend verdächtigt werde. Auch wurde wiederholt, dass das sudanesische Regime die Aktivitäten der politischen Opposition im Ausland überwache (A. I. gegen die Schweiz, Ziff. 50 und 56; N. A. gegen die Schweiz, Ziff. 43). In den beiden genannten Urteilen betreffend den Sudan vom 30. Mai 2017 nahm der EGMR allerdings auch eine gewisse Präzisierung und Differen- zierung seiner entsprechenden Praxis vor. Gestützt auf die Feststellung, dass die Überwachung der Aktivitäten der regimekritischen Opposition im Ausland durch die sudanesischen Geheimdienste nicht systematisch sei, hielt der Gerichtshof fest, dass bei der Beurteilung des Verfolgungsrisikos bei einer Rückkehr in den Sudan verschiedene Kriterien zu berücksichtigen seien (A. I. gegen die Schweiz, Ziff. 53; N. A. gegen die Schweiz, Ziff. 46): Das allfällige Interesse der sudanesischen Behörden an den Betroffenen aufgrund deren Vergangenheit, sei es im Sudan oder im Ausland; die Zugehörigkeit im Sudan zu einer regimekritischen Organisation; die Zuge- hörigkeit im Aufenthaltsland zu einer regimekritischen Organisation, unter Berücksichtigung deren Charakters und der Weise, in welcher diese Orga- nisation durch die sudanesische Regierung anvisiert werde; der Charakter des politischen Engage ments der Betroffenen in ihrem Aufenthaltsland, insbesondere ihre Beteiligung an Versammlungen und Kundgebungen sowie ihre Aktivitäten im Internet; und schliesslich ihre persönlichen oder familiären Verbindungen mit prominenten Mitgliedern der Opposition im Exil. 6.4 6.4.1 In Bezug auf den Beschwerdeführer ist zunächst festzustellen, dass glaubhafte Hinweise auf ein niederschwelliges regierungskritisches Enga- gement während seiner Studienzeit in den Jahren 2011 bis 2013 vorliegen. Der Umstand, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise von keinen gezielten, asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen betroffen war, lässt aber darauf schliessen, dass er von den sudanesischen Behörden vor seiner Ausreise nicht als prononcierter Regimegegner wahrgenommen wurde. E-186/2017 Seite 25 6.4.2 Hinsichtlich seines exilpolitischen Engagements brachte der Be- schwerdeführer vor, er sei Mitglied der Schweizer Sektion der JEM. Dem Bestätigungsschreiben des Präsidenten des JEM -Büros in der Schweiz vom 1. Juni 2018 und vom 17. Juli 2018 lässt sich entnehmen, dass er seit (…) 2016 Vorstandsmitglied der Sektion L._______ der JEM ist und in die- ser Funktion Kundgebungen organisiere sowie Leute zu Sitzungen einlade. Sodann hat er an verschiedenen Konferenzen und Treffen der JEM mit an- dern Organisationen teilgenommen sowie an einer Reihe von Kundgebun- gen und Standaktionen in der Schweiz. Mit Fotos dokumentiert hat er seine Teilnahme an Kundgebungen am (…) 2015, (…) 2016, (…) 2017 und (…) 2017 in G._______, am (…) 2016 in C._______ sowie (…) 2017 in L._______ (vgl. Beschwerdeschrift vom 9. Januar 2017 und ergänzende Eingaben vom 30. März 2017 und 7. Juni 2018). Schliesslich ergibt sich aus den Akten, dass er im Rahmen von zwei auf Radio I._______ ausge- strahlten Sendungen interviewt wurde, wobei er sich unter anderem kritisch über den sudanesischen Präsidenten Al Bashir geäussert habe. 6.4.3 Die JEM ist eine der bedeutendsten Rebellenorganisationen im Su- dan und wird von den staatlichen Behörden mit allen Mitteln bekämpft. Da die JEM im Zusammenhang mit dem Darfur-Konflikt eine gewisse Legiti- mation erhalten hat und zudem die Regierung Al Bashir diskreditiert wird, ist die Gefährlichkeit dieser Bewegung in den Augen der Regierung noch gesteigert worden, was ein schärferes Vorgehen gegenüber deren Mitglie- der ausgelöst hat (vgl. Small Arms Survey / Human Security Baseline As- sessment [HSBA] for Sudan and South Sudan, http://www.smallarmssur- veysudan.org/fileadmin/docs/factsfigures/sudan/darfur/armed-groups/opp osition/HSBA-Armed-Groups-JEM). Gemäss Auffassung des EGMR wür- den Personen, die der Zugehörigkeit zu einer Rebellenorganisation oder zu deren Unterstützung ver dächtigt würden, von den sudanesischen Be- hörden verhaftet, gefangen gehalten und misshandelt (vgl. A. F. g. Frank- reich, Nr. 80086/13 vom 15. Januar 2015, Ziffer 49). 6.4.4 Obschon der Exponierungsgrad des Beschwerdeführers aufgrund der dokumentierten exilpolitischen Tätigkeiten nicht als überaus gewichtig zu bezeichnen ist, erscheint aufgrund seines mehrjährigen andauernden oppositionellen Engagements im Exil, dem Umstand, dass er – wenn auch niederschwellig – bereits im Heimatstaat in Erscheinung getreten ist und nicht zuletzt vor dem Hintergrund des dezidierten Vorgehens der sudane- sischen Regierung gegen die JEM als überwiegend wahrscheinlich, dass die sudanesischen Sicherheitskräfte auf ihn aufmerksam geworden sind. E-186/2017 Seite 26 Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang auch, dass der Beschwerde- führer als ehemaliger Student zur Bildungselite gehört sowie seine Zuge- hörigkeit zu der aus dem Darfur stammenden ethnischen Minderheit der der "Misiry Jablamun ", w eshalb von einem erhöhten Gefährdungsprofil auszugehen ist ( vgl. Urteil des BVGer E -678/2012 vom 27. Januar 2016 E. 5.6). 6.5 Insgesamt besteht nach dem Gesagten , unter Berücksichtigung der oben dargelegten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sowie des EGMR, Grund zur Annahme, dass der Beschwerdeführer von den su- danesischen Sicherheitskräften als ernstzunehmender Regimekritiker ein- gestuft wird und demnach bei einer Rückkehr in den Sudan mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen h ätte. Diese Gefahr dürfte sich be- reits bei einer allfälligen Wiedereinreise in den Sudan zeigen, womit kein hinreichender Anlass zur Annahme besteht, dem Beschwerdeführer stünde eine innerstaatliche Schutzalternative zur Verfügung. Es ist ihm somit eine begründet e Furcht vor asylrechtlich relevanter Verfolgung zu attestieren und er ist folglich als Flüchtling im Sinne von Art. 3 AsylG anzu- erkennen. Da dies auf sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- staat zurückzuführen ist, ist hingegen die Gewährung des Asyls ausge- schlossen (Art. 54 AsylG). Im Weiteren bestehen gemäss Aktenlage keine Ausschlussgründe im Sinne Art. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30). 7. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Feststel- lung der Flüchtlingseigenschaft beantragt wird. Die Ziffern 1, 4 und 5 der Verfügung des SEM vom 7. Dezember 2016 sind aufzuheben. Der Be- schwerdeführer ist als Flüchtling zu anerkennen und das Bundesamt ist anzuweisen, ihn als solchen vorläufig aufzunehmen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wäre dem Beschwerdeführer auf- grund seines bloss teilweisen Obsiegens ein reduzierter Anteil der Verfah- renskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da in dessen mit Zwi- schenverfügung vom 19. Januar 2017 sein Gesuch um unentgeltliche Pro- zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sich seine finanzielle Lage seither E-186/2017 Seite 27 massgeblich verändert hat, ist auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten. 9. 9.1 In der Zwischenverfügung vom 19. Januar 2017 wurde ausserdem das Gesuch des Beschwerdeführers um amtliche Verbeiständung gutgeheis- sen (Art. 110a Abs. 1 VwVG) und ihm sein Rechtsvertreter als unentgeltli- cher Rechtsbeistand zugeordnet. Demnach hat er, soweit er im Verfahren unterlegen ist, Anspruch auf Über- nahme der ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten durch das Bundesverwaltungsgericht (vgl. Art. 110a Abs. 1 AsylG; Art. 8–14 des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]); dieses Honorar ist auf der Basis des am 19. Januar 2017 kommunizierten Stundenansatzes von maximal Fr. 220.– zu berechnen. Soweit der Beschwerdeführer obsiegt hat – angesichts seiner konkreten Rechtsbegehren praxisgemäss im rechnerischen Umfang von zwei Dritteln – ist das Honorar dem SEM zur Vergütung als Parteientschädigung aufzu- erlegen (Art. 64 Abs. 1 VwVG); hier wird der zu berücksichtigende Hono- raransatz durch Art. 10 Abs. 2 VGKE definiert, weshalb der in der Kosten- note ausgewiesene Ansatz von Fr. 300.– zur Anwendung kommen kann. 9.2 Der amtliche Rechtsbeistand hat mit Eingabe vom 7. Juni 2018 eine aktualisierte Kostennote zu den Akten gereicht. Der darin geltend gemach- te zeitliche Aufwand (16.7 Stunden) erscheint auch angesichts des deut- lich überdurchschnittlichen Verfahrensumfangs nicht als vollumfänglich an- gemessen. Unter Berücksichtigung des nach deren Einreichung zusätzlich entstandenen Aufwands ist der notwendige zeitliche Vertretungsaufwand auf insgesamt 15 Stunden festzusetzen und (gleich wie die Auslagen von insgesamt Fr. 240.–) im oben erwähnten Verhältnis des Obsiegens/Unter- liegens zu verteilen. 9.3 Die vom SEM zu vergütende reduzierte Parteientschädigung ist dem- nach auf insgesamt Fr. 3415.– festzulegen; der vom Bundesverwaltungs- gericht zu übernehmende Honoraranteil beträgt insgesamt Fr. 1275.– (beide Beträge je inkl. Auslagen- und Mehrwertsteueranteil). (Dispositiv nächste Seite) E-186/2017 Seite 28 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird − soweit die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und den Vollzug der Wegweisung betreffen d – gutgeheissen; im Übrigen wird sie abgewiesen. 2. Die Ziffern 1, 4 und 6 des Dispositivs der Verfügung des SEM vom 7. De- zember 2016 werden aufgehoben. Die Vorinstanz wird angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. 4.1 Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 3415.– (2/3 des Honorars des amtlichen Rechtsbeistands) auszu- richten. 4.2 Das restliche Honorar, ausmachend Fr. 1275.–, wird dem amtlichen Rechtsbeistand durch das Bundesverwaltungsgericht vergütet. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain