B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4023/2013 U r t e i l v o m 2 6 . J u n i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. Parteien A.______, geboren (…), gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik), (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. Juni 2013 / N (…). D-4023/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess sein Heimat staat eigenen Angaben zufol- ge am (…) Dezember 2012 und reiste über Nepal, wo er sich in der Folge zweieinhalb Monate aufgehalten habe , und unbekannte Länder am 28. März 2013 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuc h- te. Für die Dauer des Asylverfahrens wurde er dem Kanton B._____ zu- gewiesen. Anlässlich seiner Kurzbefragung am 18. April 2013 im Em p- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._____ sowie der einlässlichen Anhörung am 27. Mai 2013 zu seinen Ausreise- und Asylgründen trug der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes vor: Er sei chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie. Er sei im Dorf D._____, Präfektur E._____, Tibet, geboren und habe dort bis zu s einer Ausreise im Dezember 2012 gelebt. Er habe nur während einem Jahr die Schule besucht, keinen Beruf erlernt und dem Vater auf dem Feld geho l- fen. Im Dezember 2012 habe er gemeinsam mit Freunden an den Vorb e- reitungen für eine am (…) Dezember 2012 geplante Demonstration, wel- che anlässlich der Entführung von Mönchen aus (…) im Jahr 2008 habe stattfinden sollen, teilgenommen und Plakate aufgehängt . Einen Tag vor der Demonstration sei er zuhause von Polizeibeamten aufgesucht wo r- den. Die Eltern hätten ihn gewe ckt, woraufhin ihm die Flucht gelungen sei. Er sei zunächst zu seiner Tante nach F._____ gelaufen und später nach G._____, wo er einen Freund der Tante getroffen habe, welcher ihn in einem Lastwagen nach H._____ gefahren und seine Ausreise organ i- siert habe. B. Im Auftrag des BFM wurde am 2. Mai 2013 mittels eines Telefon - Interviews eine Evaluation des Alltagswissen des Beschwerdeführers durchgeführt (nachfolgend Lingua-Evaluation). Der Sachverständige kam in der landeskundlich -kulturellen Evaluatio n vom 8. Mai 2013 zum Schluss, die Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer im behau p- teten geographischen Raum gelebt habe, sei klein . Anlässlich der Anh ö- rung vom 27. Mai 2013 gewährte das BFM dem Beschwerdeführer zum Abklärungsergebnis der Lingua-Evaluation das rechtliche Gehör. Der Be- schwerdeführer hielt dabei an seinen Aussagen fest, in Tibet aufgewac h- sen zu sein und bis zu seiner Ausreise dort gelebt zu haben. C. Mit Verfügung vom 14. Juni 2013 – eröffnet am 19. Juni 2013 – wies das D-4023/2013 Seite 3 BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 28. März 2013 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der We g- weisung – unter Ausschluss des Vollzugs in die Volksrepublik China – an. Auf die Begründung wird – sofern entscheidwesentlich – in den Erwägun- gen eingegangen. D. Gegen diese vorinstanzliche Verfügung richtet sich die durch den B e- schwerdeführer am 15. Juli 2013 (Datum Poststempel) beim Bundesver- waltungsgericht erhobene Beschwerde mit den Anträgen auf Aufhebung der Verfügung des BFM, Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft, Asy l- gewährung respektive Anordnung der vorläufigen Aufnahme infolge U n- zulässigkeit, Unzumutbarkeit und/oder Unmöglichkeit des Vollzugs der Wegweisung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rech tspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Event u- aliter sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen und die zuständigen Behörden seien vorsorglich anzuweisen, die Ko n- taktaufnahme mit dem Heimatstaat sowie jegliche Datenweite rgabe zu unterlassen; bei bereits erfolgter Datenweitergabe, sei darüber in einer separaten Verfügung zu unterrichten. Auf die Begründung wird –sofern entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Fü r- sorgebestätigung, eine Auskunft der SFH Länderanalyse ( ADRIAN SCHUS- TER, China: Registrierung einer in Indien in einem Flüchtlingslager geb o- renen Tibeterin in China, 4. März 2013), eine n Zeitungsbericht der W a- shington Post ( MAX FISHER, China's latest restric tion for Tibetans: no passports vom 23. Januar 2013) und der Bund (Die Lage in Tibet hat sich massiv verschlechtert, 11. April 2013) sowie einen Bericht des Radio Free Asia (Tibetans face Passport Dilemma vom 20. Januar 2013) zu den A k- ten. E. Mit Verfügung vom 19. Juli 2013 hiess die Instruktionsrichterin das G e- such um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete antragsgemäss auf die Erhebung eines K ostenvor- schusses. Das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde wurde als gegenstandslos abgeschrieben und der Antrag, jegliche Kontaktaufnahme mit den heimatstaatlichen Behörden sowie j e- de Datenweitergabe sei zu unterlassen, abgewiesen . Das BFM wurde D-4023/2013 Seite 4 angewiesen, dem Beschwerdeführer allfällig e bereits erfolgte Datenwei- tergaben offenzulegen. F. Mit Verfügung vom 31. Juli 2013 wurde der Vorinstanz Gelegenheit einge- räumt, innert Frist eine Vernehmlassung einzureichen. G. Mit Vernehmlassung vom 7. August 2013 hielt das Bundesamt an seiner Verfügung vollumfänglich fest und beantragte die Abweisung der B e- schwerde. H. Mit Verfügung vom 12. August 2013 wurde dem Beschwerdeführer Gel e- genheit eingeräumt, innert Frist eine Replik einzureichen. I. Mit Eingaben vom 26. und 27. August 2013 (Poststempel) replizierte der Beschwerdeführer. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorlie genden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solch e Ausnahme liegt hier nicht vor; somit ist das Bundesverwaltungsgericht vorliegend letztinstanzlich zuständig. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die D-4023/2013 Seite 5 angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts im Asylbereich und die z u- lässigen Rügen bestimmen sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder in einem Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, sol - chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt zudem voraus, dass die betroffene Person landesweiter Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in einem an deren Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann (vgl. EMARK 2006 Nr. 18; BVGE 2011/51). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG ; vgl. BVGE 2010/57 E. 2.6, EMARK 2004 Nr. 1 E. 5 S. 4 ff., mit weiteren Hinweisen). 4. 4.1 Das BFM führte zur Begründung seines negativen E ntscheides aus, die seitens des Beschwerdeführers geltend gemachten Vorbringen ver- möchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standzuhalten. Die – aufgrund der äusserst unsubstantiierten und tatsachenwidrigen Angaben des Beschwerdeführers – durchgeführte Eva- luation des Alltagswissen vom 2. Mai 2013 sei zum Schluss gekommen, D-4023/2013 Seite 6 dass er sehr wahrscheinlich ausserhalb der Autonomen Region Tibet r e- spektive der Volksrepublik China sozialisiert worden sei. Der Experte stütze seine Schlüsse im Wesentlichen darauf, dass der Beschwerdefü h- rer äusserst lück enhafte und fehlerhafte Aussagen im Bereich der La n- deskunde und Alltag gemacht habe. Zudem – und obwohl er seinem V a- ter auf dem Feld geholfen habe – habe er die gebräuchlichen Begriffe der Landwirtschaft nicht gekannt. Schliesslich sei er mit Begriffen, di e von Exiltibetern in Indien verwendet würden, gut vertraut. Der Beschwerde- führer habe im Rahmen des ihm gewährten rechtlichen Gehörs den A b- klärungsergebnissen der Evaluation nichts entgegensetzen können. I n- soweit er zu den Vorhalten Stellung genommen habe , habe er seine b e- reits zuvor gemachten Aussagen lediglich wiederholt. Somit würden die aus der Lingua-Evaluation gezogenen Schlüsse, wonach die Hauptsozia- lisation des Beschwerdeführers mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht im behauptete n Lebensraum s tattgefunden habe, seinen geltend gemachten Ausreise- und Asylvorbringen die Grundlage entzie hen. Dar- über hinausgehend seien auch seine Angaben zum Reiseweg äusserst unsubstantiiert und unglaubhaft, weshalb davon auszugehen sei, der B e- schwerdeführer sei au f andere, als die geschilderte Weise nach Europa gelangt. Nach dem Gesagten sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zum geltend gemachten Zeitpunkt nicht aus Tibet ausgereist sei respekt i- ve sich keinesfalls auf chinesischem Territorium aufgehalten habe und den chinesischen Behörden als Staatsangehöriger auch nicht bekannt sei und somit keine subjektiven Nachfluchtgründe vorlägen. A llein die Tatsa- chen, dass er Tibetisch spreche und vermutlich tibetischer Ethnie sei, würden naturgemäss keinen hinreic henden Beleg dafür bilden, dass er chinesischer Staatsbürger sei. Es sei dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen, die behauptete chinesische Staatsangehörigkeit glaubhaft zu machen, und seine tatsächliche Staatsangehörigkeit sei unbekannt. 4.2 In seiner Rechtsmitteleingabe machte der Beschwerdeführer geltend, er habe widerspruchsfrei und glaubhaft geltend gemacht, aus dem Dorf D.______ zu stammen und mit Freunden anlässlich der Vorbereitungen einer Demonstration Plakate aufgehängt zu haben. Als die chinesisc hen Behörden Kenntnis dieser politischen Aktion erhalten hätten, sei er au s- gereist. Es sei allgemein schwierig aus Tibet Dokumente zu beschaffen, wobei es ihm – als Staatsfeind – nicht möglich sei, seine Familie zu ko n- taktieren und Dokumente zu beschaffen, weshalb er seiner Mitwirkung s- pflicht im Sinne von Art. 8 AsylG sehr wohl nachgekommen sei. Die Ev a-D-4023/2013 Seite 7 luation spreche nur von Wahrscheinlichkeiten und nicht von gesicherten Erkenntnissen. Das Telefoninterview sei nicht angekündigt worden und die Befragerin ha be sich nicht einmal vorgestellt, er sich mithin sehr u n- wohl und unter Druck gesetzt gefühlt habe. Er habe nach bestem Wissen und Gewissen Auskunft über die tibetischen Bräuche gegeben. Sodann sei es auch möglich, dass er – da er über Nepal geflohen sei – einige Begriffe adaptiert habe. Schliesslich könne auch nicht verlangt werden, dass er sich – in einem Zustand von Angst und emotionaler Belastung – an sämtliche Details seiner Flucht erinnere. Er sei im Lastwagen ve r- steckt gewesen und habe daher nicht viel sehen können. Da er illegal aus der Volksrepublik China ausgereist sei, habe er schliess- lich bei einer Rückkehr begründete Furcht ernsthaften Nachteilen im Si n- ne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. Das BFM habe in seiner Ve r- fügung festgehalten, dass ein Vollzug der Wegweisung nach China au s- geschlossen sei. Er wisse nicht, wohin er gehen solle, da er sein ganzes Leben bis zu seiner Ausreise in Tibet gewohnt habe. 4.3 In seiner Vernehmlassung führte das BFM aus, die vom Beschwerde- führer gemachte n Einwände betreffend der Lingua -Evaluation seien falsch, wobei er auch an keiner Stelle darauf aufmerksam gemacht habe, er fühle sich unter Druck gesetzt. Zur Widerspruchsfreiheit respektive Glaubhaftigkeit der Aussagen könne vollumfänglich auf die Protokolle verwiesen werden. Sodann sei seine chinesische Staatsangehörigkeit eben gerade nicht belegt, weshalb er keine subjektiven Nachfluchtgründe geltend zu machen vermöge. Vielmehr sei davon auszugehen, dass er t i- betischer Ethnie aber nicht chinesischer Staatsangehöriger sei. 4.4 In seinen Replikeingaben führte der Beschwerdeführer im Wesentl i- chen aus, bei der vorliegenden Lingua-Analyse (recte: Lingua-Evaluation) handle es sich zwar um eine schriftlich e Auskunft und nicht um Sac h- verständigergutachten, nichtsdestotrotz ko mme einem solchen gemäss Rechtsprechung ein erhöhter Beweiswert zu. Die fachliche Qualifikation des Experten sei in Zweifel zu ziehen, da dieser von einer völlig anderen Region stamme. Er habe seinem Bildungsstand entsprechend die Art und Weise seines Lebe ns in Tibet beschrieben. Er sei daher noch einmal durch einen tibetischen Gutachter zu befragen, welcher aus derselben Region stamme wie er. Das BFM führe wiederum pauschal aus, dass seine Aussagen Widersprüche enthielten, ohne hierfür ein einziges Be i- spiel vorzubringen. Sodann könne aus seinen, gemäss BFM dürftigen, Aussagen zum Reiseweg nicht geschlossen werde, er habe sein Leben D-4023/2013 Seite 8 nicht in Tibet verbracht. Er könne sich nicht an Details erinnern, da er sich in einem Ausnahmezustand befunden habe. Er stamme aus Tibet, we s- halb er die Flüchtlingseigenschaft erfülle und wenigstens eine vorläufige Aufnahme anzuordnen sei. 5. Im zur Publikation bestimmten Länderurteil E -2981/2012 vom 20. Mai 2014 präzisierte das Bundesverwaltungsgericht seine Praxis gemäss EMARK 2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft vers chleiern oder verheimlichen, vermutungswei- se davon auszugehen sei, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbe- achtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthalts- ort beständen. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmö g- licht eine tibetische Asylsuchende durch die Verletzung ihrer Mitwirkungs- pflicht die Abklärung, welchen effektiven Status sie in Nepal respektive in Indien innehabe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Pr ü- fung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE E -2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.9 f.). 6. 6.1 Der Beschwerdeführer rügt Verfahrensmängel, insbesondere eine Verletzung des Anspruchs auf rechtlich es Gehör (Begründungspflicht) sowie eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Diese verfahrens- rechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 6.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ande r- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ei n- greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor E r- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Bewe i- se beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen B e- weisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung w esentlicher B e- weise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle D-4023/2013 Seite 9 Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfah- ren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 S. 293; BVGE 2009/35 E. 6.4.1, m.w.H.). Dazu gehört auch die Pflicht, den Entscheid in genügender Weise zu begründen (Begrü n- dungspflicht). 6.3 Der Beschwerdeführer verkennt mit seiner Rüge, mangels Erstellung eines Lingua -Gutachtens respektive einer zweiten Lingua -Evaluation durch einen anderen Experten habe die Vorinstanz die Begründung s- pflicht und den Untersuchungsgrundsatz verletzt, dass der Gesetzgeber keine Pflicht zur Erstellung von Sprachgutachten für die Abklärung des rechtlich relevanten Sachverhalts vorsieht. Im Grundsatz werden mit dem vorgebrachten Einwand nicht Verfahrensmängel, sondern es wird die Beweiswürdigung der Vorinstanz gerügt. Dies geht aus den Vorbringen des Beschwerdeführers, dass die Vorinstanz den Ausschluss der Haup t- sozialisation in Tibet bei vorliegender Ausgangslage nicht rechtgenügend zu begründen vermöge hervor. Auf die entsprechende Rüge ist somit im Zusammenhang mit der Beweiswürdigung näher einzugehen. 6.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass keine Anhaltspunkte für eine Gehörsverletzung oder für eine Verletzung des Untersuchung s- grundsatzes vorliegen. Die entsprechenden Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegründet. Der Antrag auf Rückweisung zur Neube- urteilung ist deshalb abzuweisen. 7. 7.1 Aufgrund der Aktenlage besteht Grund zur Annahme, dass der B e- schwerdeführer seine wahre Herkunft zu verschleiern versucht. Das Bun- desverwaltungsgericht teilt die von der Vorinstanz vertretene Auffassung, wonach sich die Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers zum angeblichen Vorfall in Tibet und der anschliessenden illegalen Ausreise in unplausiblen Schilderungen erschöpft und in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich ausgefallen sind. Insbeson- dere konnte der Beschwerdeführer nicht erklären, an welchem Tag er die Plakate aufklebte (vgl. A 20/19 S. 5). Ferner widerspricht es der allgemei- nen Erfahrung und mutet unglaubhaft an, dass er gegen Mittag angefan- gen haben will, die Plakate aufzukleben , mithin seine Aussage dies betreffend – er habe gedacht, die Aktion sei nicht so gefährlich und es würde sich niemand dafür interessieren – nicht zu überzeugen vermag (vgl. A 20/19 S. 5). In den Au sführungen des Beschwerdeführers findet sich insgesamt kein quantitativer Detailreichtum. Die befragende Person D-4023/2013 Seite 10 musste immer wieder nachhaken um detaillierte Angaben zu erhalten. Die Beschreibung des Beschwerdeführers zu seiner angeblichen Flucht e r- schöpfen sich beispielsweise in den Aussagen, es habe Pässe und We i- den gehabt oder der Fluchtwagen sei ein grosses und langes Auto gew e- sen (A 20/19 S. 11). Im Übrigen kann dies betreffend auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen respektive die Protokolle verwiesen we r- den. 7.2 Hinzu kommt, dass sich das Personalienblatt des Empfangszentrums (BFM-Akten, A1/2) mit tadelloser Schrift au sgefüllt in den Akten befindet. Auf dem Personalienblatt bestätigte der Beschwerdeführer, dass er di e- ses selbstständig ausgefüllt habe. Anlässlich der Anhörung sagte der Be- schwerdeführer jedoch aus, er habe die Schule nur ein Jahr im Alter von 5 Jahren besucht (vgl. A 6/12 S. 3). Diese Erklärung trägt jedoch ang e- sichts der erforderlichen Lese - und Schreibfähigkeit zum Ausfüllen eines Personalienblatts nicht zur Stärkung seiner Glaubwürdigkeit bei. 7.3 Auch die aus der vorgenommenen Lingua -Evaluation (vgl. A 15/6) gewonnenen Erkenntnisse fügen sich in das unglaubhafte Gesamtbild der vorgetragenen Sachverhaltsschilderung ein. Bei der vom BFM in Auftrag gegebenen Evaluation des Alltagswissen wurden die landeskundlich- kulturelle Kenntnisse des Beschwerdeführers geprüft. Die vorliegend zu beurteilende Lingua-Evaluation ist fundiert und mit einer überzeugenden sowie ausgewogenen Begründung versehen , die zu keinen Beansta n- dungen Anlass gibt. Zudem bestehen an der fachlichen Qualifikation des Sachverständigen keine Zweifel, weshalb von ihrer inhaltlichen Richtigkeit und Vollständigkeit ausgegangen wird. Der mit der Erstellung der Lingua- Analyse beauftragte Experte gelangte aufgrund ungenügender geogr a- phischer und sprachlicher Kenntnisse des Beschwer deführers zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er im behaupteten geograf i- schen Raum gelebt habe, klein sei. Schliesslich werden auch in der B e- schwerdeeingabe keine stichhaltigen Entgegnungen vorgebracht, welche die obigen Erwägungen umzustossen vermögen. 7.4 Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass das BFM zu Recht fes t- stellte, dass der Beschwerdeführer über seine Herk unft täuschende A n- gaben gemacht hat. Aufgrund der ausführlich und schlüssig begründeten Verfügung der Vorinstanz und der Lingua -Evaluation ist mit überwiege n- der Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ankunft in der Schwei z nicht in der Volksrepublik China, so n- dern in der exiltibetischen Diaspora gelebt hat. Namhafte exiltibetische D-4023/2013 Seite 11 Gemeinschaften gibt es – nebst der Schweiz und Nordamerika – lediglich in Indien und Nepal. Es ist daher vermutungsweise anzunehmen, dass er in Indien oder Nepal aufgewachsen ist respektive dort gelebt hat. Folglich wäre grundsätzlich zu prüfen, ob er über die chinesische Staatsangeh ö- rigkeit verfügt, was eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 AsylG mit sich bringen würd e, oder ob er die Staatsang e- hörigkeit von Indien oder Nepal erlangt hat, was zur Folge hätte, dass das Vorliegen asylrelevanter Gefährdung hinsichtlich jenes Staates zu prüfen wäre. 7.5 Wie bereits oben ausgeführt, ist das Gericht mit der Vorinstanz der Auffassung, dass der Beschwerdeführer die Mitwirkungspflicht in nicht entschuldbarer Weise verletzt hat und dadurch den Behörden nähere A b- klärungen und eine Rückschaffung in seinen tatsächlichen Heimatsta at verunmöglicht. Durch die Verletzung dieser Pflicht verunmöglicht er auch die Abklärung, welchen effektiven Status er in Indien respektive Nepal i n- nehat. Er hat die Folgen dieses Verhaltens zu verantworten. In diesem Sinne ist die Berufung des Beschwerde führers auf EMARK 2005 Nr. 1 unbehelflich, da auch bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon au s- zugehen ist, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestehen (vgl. BVGE E-2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.10). 7.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG in Bezug auf die Volksrepublik Ch i- na nachzuweisen oder z umindest glaubhaft zu machen vermag und de s- halb nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, weiter auf die übrigen Beschwerd e- vorbringen im Asylpunkt einzugehen. 8. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegwe i- sung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylg e- such ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt w e- der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung ist nicht zu beanstanden. 9. D-4023/2013 Seite 12 9.1 Bezüglich des Wegweisungsvollzugs stellt sich die Vorinstanz vorli e- gend auf den St andpunkt, da die vom Beschwerdeführer geltend g e- machte Staatsangehörigkeit nicht glaubhaft sei, müsse diese als unb e- kannt gelten. Das Gericht folgt der Vorinstanz sowohl in diesem Punkt als auch hinsichtlich der weiteren diesbezüglichen Erwägungen. Zwecks Vermeidung von Wiederholungen kann auf den Entscheid des Bunde s- amtes verwiesen werden. 9.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvol l- zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchung s- pflicht findet, wie bereits vorstehend au sgeführt, ihre Grenzen an der Mi t- wirkungspflicht des Beschwerdeführers. Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden, womöglich gezielt vorenthaltenen Hinweisen nach etwa i- gen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftslä n- dern zu forschen. Vermutungsweise ist vorliegend davon auszugehen, ei- ner Wegweisung stünden keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Si n- ne entgegen, was insbesondere für Nepal und Indien gilt, welche als mögliche He rkunftsstaaten in Frage kommen . Ein Vollzug der Wegwe i- sung in die Volksrepublik China ist im vorinstanzlichen Entscheid au s- drücklich ausgeschlossen worden (vgl. BFM -Verfügung vom 14. Juni 2013, Dispositiv Ziff. 5). An dieser Stelle ist, im Sinne einer Klarstellung und in Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 5 der angefochtenen Ver- fügung, darauf hinzuweisen, dass für alle Exil -Tibeterinnen ein Vollzug der Wegweisung nach China auszuschliessen ist, da ihnen dort gegeb e- nenfalls eine menschenunwürdige Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. 9.3 Mit dem Vorenthalte n von Informationen und dem Fehlen jeglicher Bemühungen, Ausweispapiere und Beweismittel zu beschaffen, die seine Identität, Herkunft und Vorbringen beweisen könnten, ist der Beschwerde- führer selber dafür verantwortlich, weshalb sich zuerst die Vorinstanz und nun auch das Gericht mit den Fragen der Wegweisung und deren Vol l- zugs nur in grundsätzlicher Hinsicht beziehungsweise gemäss den vo r- stehenden Ausführungen befasst. Er entzieht mit seinem Verhalten die für genauere Abklärungen erforderliche Grundlage, u nd es ist nicht Sache des Gerichts, sich in Mutmassungen und Spekulationen zu ergehen. 9.4 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich die für eine Rückkehr alle n- falls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12), weshalb de r Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. D-4023/2013 Seite 13 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Verfügung vom 19. Juli 2013 wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen, weshalb keine Verfahrenskosten zu erheben sind. (Dispositiv nächste Seite) D-4023/2013 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Eva Hostettler Versand: