B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-399/2010/sed U r t e i l v o m 5 . J u n i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. Parteien A.______, Eritrea, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. Dezember 2009 / N (…). D-399/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, eritreischer Staatsbürger, ethnischer Tigriner, aus B.______ stammend und zuletzt in C.______ wohnhaft, verliess seine Heimat eigenen Angaben zufolge am 2. April 2006 und reiste am 17. April 2008 in die Schweiz ein, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Er wurde im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D.______ am 5. Mai 2008 summarisch und eingehend sowie am 30. November 2009 ergän- zend befragt. Für die Dauer des A sylverfahrens wurde er dem Kanton E._______ zugewiesen. Zur Begründung seines Asylgesuchs macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, dass er nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Lehrer, für die Monate Mai und Juni 2000 zur militärischen Grun d- ausbildung eingezogen worden sei . Ab September 2000 sei er sodann von den militärischen Behörden als Lehrer in C.______ eingesetzt wor- den, wo er bis zu seiner Verhaftung am 28. Mai 2005 tätig gewesen sei. Im Mai 2005 habe für alle Beamten eine Versammlung der regierenden People's Front for Democracy and Justice (PFDJ) statt gefunden. Wä h- rend der Versammlung habe er den Redner gefragt, ob die Versammlung nur für Parteimitglieder sei oder allen I nteressierten offen stehe. In der Folge hätten viele Nichtmitglieder, darunter auch er, die Versammlung verlassen, welche daraufhin habe abgebrochen werden m üssen. Zwei Tage später sei er von zwei Personen von der PFDJ diesbezüglich ve r- warnt worden. Es sei ihm vorgeworfen worden, dass er in Staatsbürge r- kunde verbotene Wörter benutze und die aus regierungstreuen Familien stammenden Schüler diskriminiere. Am 28. Mai 2005 sei er verhaftet und ins Gefängnis von F.______ ge- bracht worden, wo er während der folgenden zehn Monate inhaftiert ge- wesen sei . Er sei mehrmals verhört worden, mit der Verlegung in ein schlimmeres Gefängnis bedroht worden, für eine Woche in ein Gefängnis auf einer Insel verlegt und dabei unerträglicher Hitze ausgesetzt worden und einmal mit Wasser übergossen worden, wobei er die Nacht sodann im Freien habe verbringen müssen. Am 31. März 2006 sei er wegen einer Erkrankung in das Militärspital nach G.______ gebracht worden, wo er die erste Gelegenheit genutzt habe und tags darauf am 1. April 2006 geflüchtet sei. Zu Fuss sei er zu seiner Tante in G.______ gelangt. Sein Cousin habe ihm einen Passierschein besorgt und ihn über H.______ nach I.______ gebracht, wo er ihm einen Schlepper vermittelt habe. Am 2. April 2006 habe er mit Hilfe des Schlep-D-399/2010 Seite 3 pers seinen Heimatstaat verlassen und sei in den Sudan gelangt. Über J.______ sei er nach K.______ gereist, wo er sich bis Mitte Februar 2008 aufgehalten habe. Schliesslich sei er am 1. März 2008 in L.______, Liby- en, eingetroffen, wo er sich bis am 10. April 2008 aufgehalten habe. Da- nach sei er über Italien in die Schweiz gereist. Zur Stützung seiner Vo r- bringen reichte der Beschwerdeführer eine Identitätskarte sowie diverse Diplome, insbesondere zwei Schuldiplome der Sekundarschule vom 30. Juni 1998 und vom August 1998, ein Universitätsdiplom der Uni versität B.______ vom 11. September 1999, ein Lehrerdiplom des B.______ Tea- cher Training Institute vom 5. No vember 2000 und eine Weiterbildungs- kursbestätigung vom 17. Januar 2001 bis 23. Januar 2001 zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 18. Dezember 2009 wies die Vorinstanz das Asylg e- such des Beschwerdeführers ab, wies ihn aus der Schweiz weg und schob den Vollzug der Wegweisung zugunsten einer vorläufigen Aufnah- me wegen Unzumutbarkeit derselben auf. Zur Begründung fü hrte das BFM im Wesentlichen aus , dass die V orbringen des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner Reiseroute und d es Zeitpunktes seiner Ausreise und damit auch hinsichtlich seiner illegalen Ausreise als unglaubhaft zu qual i- fizieren seien. Darüber hinaus seien die Ausführungen des Beschwerd e- führers zu seinen Ausreisegründen durch zahlreiche Widersprüche g e- kennzeichnet, zum Teil realitätsfremd und unsubstantiiert. Aus dem G e- sagten resultiere unweigerlich der Eindruck, dass der Beschwerdeführer die schweizerischen Behörden über den wirklichen Aufenthaltsort vor sei- ner Einreise in die Schweiz habe zu täuschen versucht. Die Vorbringen würden eindeutig Kennzeichen einer konstruierten Verfolgungsgeschichte aufweisen, weshalb dem Beschwerdeführer seine Vorbringen nicht g e- glaubt werden könn ten, was insbesondere auch für die illegale Ausreise zu gelten habe. Demzufolge erfülle der Beschwerdeführer die Flüch t- lingseigenschaft nicht, sodass sein Asylgesuch abzulehnen und dieser aus der Schweiz wegzuweisen sei. In Würdigung sämtlicher Umstände und unter Berücksichtigu ng der Aktenlage sei d er Vollzug der Wegwe i- sung zugunsten einer vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutba rkeit auf- zuschieben. C. Mit Eingabe vom 21. Januar 2011 (Poststempel) reichte der Beschwerde- führer durch seine n Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwa l- tungsgericht ein und beantragte unter Kosten- und Entschädigungsfolge die Aufhebung des Entscheids der Vorinstanz im Asyl - und Wegwe i- sungspunkt, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie die G e-D-399/2010 Seite 4 währung von Asyl; eventualiter sei die Wegweisung zugunsten einer vor- läufigen Aufnahme wegen Unzulässigkeit aufzuschieben. In prozessualer Hinsicht wurde um unentgeltliche Rechtspflege ersucht. Auf die Begrü n- dung wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Verfügung vom 9. Februa r 2010 stellte die vormals zuständige In- struktionsrichterin fest, dass über das Gesuch um Gewährung der unen t- geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsver- fahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) zu einem späteren Zeitpunkt zu ent scheiden sei. Auf die Erhebung eines Koste n- vorschusses wurde verzichtet und die Vorinstanz gebeten bis zum 24. Februar 2010 eine Vernehmlassung einzureichen. E. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 24. Februar 2010 die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde und führte an, dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen enthalte. F. Dem Beschwerdeführer wurde am 26. Februar 2010 eine Kopie der Ve r- nehmlassung der Vorinstanz zur Kenntnisnahme zugestellt. G. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte mit Eingabe vom 11. November 2010 (Poststempel) neue Beweismittel zu den Akten : E inen Brief des Bruders des Beschwerdeführers und einen Auszug aus der Operational Guidance Note des UK Home Offices, wonach im Ausland befindliche, wehrdienstpflichtige Personen unter flüchtlingsrechtlichen Schutz zu stel len seien. Ausserdem gelte in Eritrea die Republikflucht, was gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ein subjek- tiver Nachfluchtgrund im Sinne des Flüchtlingsrechts darstelle. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Behandlung von Beschwerden gegen Verfügungen des BFM; dabei en t- scheidet das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls en d- gültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 des Asylgesetzes vo m 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31 D-399/2010 Seite 5 und 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] sowie Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren ri chtet sich nach dem Vw VG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimie rt (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verle tzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetz t sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere V orbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1. In ihrer angefochtenen Verfügung v om 18. Dezember 2009 führt die Vorinstanz aus, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anfo r- derungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen D-399/2010 Seite 6 vermögen, da die Vorbringen des Gesuchstellers zu seinem Reiseweg und zum Zeitpunkt seine r Ausreise widersprü chlich und realitätsfremd seien. Der Beschwerdeführer habe keinen Pass abgegeben, seine Anga- ben zum Reiseweg seien hinsichtlich der gewählten Verkehrsmittel und der Routen zeitlich nicht möglich und es sei realitätsfremd , wenn der Be- schwerdeführer behaupte , ein Unbekannter habe seine Reisekosten in Italien übernommen; dasselbe müsse für die Reise von M.______ nach D.______ für 200 USD gelten. Zudem seien die Angaben des Beschwe r- deführers über die Dauer seines Aufenthaltes in M.______ nicht mit den- jenigen über seine Ankunft in Italien und dem Zeitpunkt seiner Einreise in die Schweiz zu vereinbaren. Da weder der Reiseweg noch der Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Heimatstaat feststünden, sei die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerd eführers, insbesondere diejenigen betre f- fend seiner illegalen Ausreise, in Frage zu stellen. 4.2. Ferner habe sich der Beschwerdeführer in zahlreiche widersprüchl i- che Aussagen hinsichtlich Zeitpunkt der Versammlung, Zeitpunkt und An- zahl anwesender Personen de r darauf folgenden Verwarnung, Anzahl und Inhalt der Verhöre in Gefangenschaft, Grund seines Spitalaufentha l- tes, Dauer seines Aufenthaltes bei der Tante, Anzahl der bei der Flucht zu passierenden Kontrollpunkte und Zeitpunkt der Flucht verwickelt. Die Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner Flucht aus dem Militärspital seien realitätsfremd, und es könne insbesondere nicht geglaubt werden, dass es ihm ohne Hilfe von Drittpersonen gelingen konnte die Flucht zu ergreifen, zumal er gesundheitlich schwer angeschl agen gewesen sei . Schliesslich seien seine Vorbringen über seinen angeblichen Gefängnis - und Spitalaufenthalt weitgehend unsubstantiiert, da jegliche Differenzi e- rung und detaillierte Beschreibung fehle. Schlussendlich liessen die w i- dersprüchlichen, unsubst antiierten und realitätsfremden Aussagen des Beschwerdeführers zusammen mit den vagen Angaben zu seinem Re i- seweg in die Schweiz den Eindruck entstehen, er versuche die schweiz e- rischen Behörden über seinen wirklichen Aufenthaltsort vor seiner Einrei- se in di e Schweiz zu täu schen. Aufgrund dieser Unglaubhaftigkeitsel e- mente könn ten dem Beschwerdeführer die gel tend gemachten Vorbrin- gen nicht geglaubt werden, was insbesondere auch in Bezug auf seine i l- legale Ausreise zu gelten habe. Die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht standhalten, weshalb deren Asylrelevanz nicht zu prüfen sei. Aus diesen Gründen erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingseige n- schaft nicht, weshalb das Asylgesuch abzulehnen sei. D-399/2010 Seite 7 4.3. Ferner würden sich aus den Akten keine Anhaltspunkte ergeben, die den Vollzug der Wegweis ung als unzulässig erscheinen lie ssen. In Wü r- digung sämtlicher Umstände und unter Berücksichtigung der Aktenlage erachte die Vorinstanz eine R ückkehr des Beschwerdeführers im gege n- wärtigen Zeitpunkt aber als unzumutbar, weshalb der Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen sei. 5. 5.1. In seiner Beschwerde hält der Beschwerdeführer der Argumentation der Vorinstanz entgegen, dass dieser zwar keinen Pass zu den Akten ge- reicht habe, jedoch etliche Dokumente beibrachte, die seinen beruflichen Werdegang betreffen. Trotz des fehlenden Passes ergebe sich aus den Akten, dass der Beschwerdeführer mit grosser Wahrscheinlichkeit eritre i- scher Staatsangehöriger sei und er dort im Rahmen des Militärdienstes als Lehrer tätig war, sich somit in der Vergangenheit auch in Eritrea au f- gehalten habe. Die Distanzen und den Reiseweg betreffend hält der Beschwerdeführer fest, dass er, wie den Akten zu entnehmen se i, mit dem Auto von H.______ nach I.______ gefahren sei, die Grenze, und nur diese, mit e i- nem Esel überquert habe, und sodann nach J.______, Sudan, gelangte. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz habe er nie gesagt , er hätte die ganze Strecke von I.______ nach J.______ mit dem Esel zurückgelegt. Ferner habe der Beschwerdeführer lediglich vermutet, dass ein Unb e- kannter seine Reisekosten in Italien übernommen habe, ohne dies jedoch zu behaupten. Die Darstellung der Vorinstanz würde zudem den falschen Eindruck erwecken, dass die ganze Reise von Eritrea in die Schweiz durch einen Unbekannten finanziert wurde. Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er am 12. April 2008 in N.______ ankam, sogleich nach M.______ weiterreiste und dort eine Woche verweilte und am 17. April 2008 ein Asylgesuch in der Schweiz einreichte. Die Behauptung er habe sich während einer Woche in M.______ aufgehalten müsse somit dahingehend konkretisiert werden, dass es sich lediglich um fünf Tage handelte, was unter Umständen aber auch als eine Woche bezeichnet werden könnte. Gemäss den Ausfü h- rungen des Beschwerdeführers erfolgte die Reise von M.______ nach D.______ mit einem Schlepper für 200 USD. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz, gehe aus den Akten nicht hervor, ob weitere Per sonen im Personenwagen des Schleppers anwesend waren, wodurch die Fahrt nach D.______ um Einiges lukrativer geworden wäre. Der mangelnde Geschäftssinn des Schleppers könne aber in keinem Fall dem Beschwer-D-399/2010 Seite 8 deführer angelastet werden . D er Feststellung der Vor instanz, dass gar keine illegale Ausreise aus Eritrea stattgefunden habe, hält der B e- schwerdeführer entgegen, dass er in Eritrea geboren sei, im Jahr 2000 eine Ausbildung zum Lehrer absolviert habe und zum Militärdienst einge- zogen wurde und er am 17. April 2008 ein Asylgesuch in der Schweiz stellte. Daraus resultiere zwingenderweise , dass er das eritreische Staatsgebiet irgendwann zwischen 2000 und 2007, und somit im weh r- pflichtigen Alter, verlassen habe, weshalb die Ausreise illegal erfolgt sein müsse. 5.2. Ferner handle es sich eher um eine Ungenauigkeit als um einen schwerwiegenden Widerspruch, wenn sich der Beschwerdeführer nicht an das genaue Datum der Versammlung erinnern könn e. Es sei davon auszugehen, dass diese irg endwann zwischen Ende März und A nfang April stattgefunden habe. Die Umstände der Verwarnung bertreffend möchte der Beschwerdeführer seine Aussage dahingehend korrigieren, dass er von zwei Personen etwa drei bis vier Tage nach der Versam m- lung aufgesucht worden sei. Den Inhalt und die Anzahl de r in Haft erle b- ten Verhöre betreffend seien die Vorbringen genau genomme n nicht w i- dersprüchlich, da der Beschwerdeführer in der ausführlichen Befragung des BFM vom 5. Mai 2008 gesagt habe, er sei mehrmals verhört worden und bei der ergänzenden Befragung de s BFM vom 30. November 2009 sagte, er sei zweimal verhört worden, wobei mehrmals zweimal mitei n- schliesse. Bezüglich den Inhalt der Verhöre könne kein Widerspruch fes t- gestellt werden. Die Aussagen des Beschwerdeführers würden sinng e- mäss übereinstimmen, wobe i die Schilderungen in der ergänzenden A n- hörung vom November 2009 aufgrund der grösseren Zeitabstands mer k- lich distanzierter aus gefallen seien, was wiederum nicht dem Beschwe r- deführer anzulasten sei. Was den angeblichen Widerspruch betreffend den Grund fü r seinen Sp i- talaufenthalt angehe, habe der Beschwerdeführer in beiden Anhörungen vor dem BFM zu Protokoll gegeben, dass er wegen Hautproblemen auf der Brust in Spital gebracht w orden sei, wobei er in der ergänzenden B e- fragung zusätzlich eine Lungenentzündung angegeben habe. Dies sei als Ergänzung und nicht als Widerspruch zu verstehen. Die Übernachtung bei der Tante betreffend habe es ein Missverständnis mit dem Dolme t- scher gegeben. Der Beschwerdeführer habe sich wegen des beschwerli- chen Fussmarsches und se inem angeschlagen physischen Zustandes bei der Tante ausruhen müssen und dort übernachtet. Schliesslich sei nicht klar, auf was für widersprüchliche Angaben die Vo r- instanz sich hinsichtlich der Anzahl Kontrollposten und Einzelheiten der D-399/2010 Seite 9 Flucht aus dem Spi tal beziehe. Die Anzahl Kontrollposten sei in den Pr o- tokollen widerspruchsfrei. Den Zeitpunkt seiner Flucht aus dem Spital h a- be der Beschwerdeführer einmal auf 14 Uhr und einmal auf 16 Uhr ge- schätzt. Da es in der Haft generell schwierig sei genaue Uhrzeite n abzu- schätzen, sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer irgen d- wann zwischen 14 und 16 Uhr, währen ddem alle Patienten wegen der grossen Hitze schl iefen, geflohen sei . Es handle sich folglich um keinen Widerspruch. Ferner vermöge der Einwand der Vorinstanz, die Vorbringen des B e- schwerdeführers seien realitätsfremd und unsubstantiiert, in keiner Weise zu überzeugen, da sich in den Vorbringen des Beschwerdeführers etliche Realkennzeichen und ein hohes Mass an Detailliertheit fänden. Der Be- schwerdeführer sei seiner Mitwirkungspflicht nachgekommen und habe zusätzliche Beweismittel für seine eritreische Herkunft zu den Akten g e- reicht. 5.3. Der Beschwerdeführer sei desertiert und habe Eritrea somit höchs t- wahrscheinlich illegal verlassen , weshalb ausser Frage stehe, dass ihm bei einer Rückkehr eine brutale Bestrafung drohe. Die Vorbringen des Beschwerdeführers seien somit asylrelevant. Der Beschwerdeführer sei demnach als Flüchtling im Sinne von Art. 3 AsylG zu qualifizieren und ihm sei Asyl zu ge währen. Eventualiter müsse der Wegweisungsvollzug w e- gen Unzulässigkeit aufgeschoben und der Beschwerdeführer vorläufig aufgenommen werden, da diesem bei einer Rückkehr Folter und eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) drohe. 6. 6.1. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaub haft, wenn sie genügend su b- stantiiert, in sich schlüs sig und plausibel sind; sie dür fen sich nicht in va - gen Schilderungen erschöpfen, dürfen in we sentlichen Punkten nicht w i- dersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allge meinen Erfahrung widersprechen. Darüber hin- aus muss die asylsuchende Person persönlic h glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbrin gen auf gefälschte oder verfälschte Be weismittel abstützt (vgl. Art. 7 A bs. 3 AsylG). Aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unter drückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt D-399/2010 Seite 10 oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Ein wände und Zweifel an den Vorbri n- gen des Beschwer deführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaub haft gemacht, wenn der Richter oder die Richterin von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber für überwiegend wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma chung reicht es dem - gegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbrin gen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände ge gen die vorgebrachte Sach verhaltsdarstellung spre chen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Rich tigkeit der Sachver haltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekti vierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylr e- kurskommission [EMARK] 2004 Nr. 1, S. 4f., E. 5a). 6.2. Wie im Folgenden aufzuzeigen ist, hat die Vor instanz bei ihrer Einschä t- zung die Vorbringen des Beschwerdeführers seien unglaubhaft, diesen reduzierten Beweisanforderungen nicht genügend Rechnung getragen und Art. 7 AsylG zu restriktiv ausgelegt. Das BFM führt in seiner Verf ü- gung vom 18. Dezember 2009 an die Ausführungen des Besch werdefüh- rers seien widersprüchlich, realitätsfremd und unsubstantiiert. Das Bu n- desverwaltungsgericht teilt diese Auffassung nicht. Insbesondere geben die Ausführungen des BFM zu folgenden Bemer kungen Anlass: Wie der zu den Akten gereichten Identitätskarte und den diversen Schuldiplomen entnommen werden kann, ist der Beschwerdeführer eritreischer Staat s- angehöriger. Die Identität des Beschwerdeführers als eritreischer Staat s- angehöriger mit Jahrgang (…) wird von der Vorinstanz denn auch nir- gends bestritten. Der nicht weiter erörterte Einwand der Vorinstanz der Beschwerdeführer habe keinen Pass zu den Akten gereicht, ist somit als unwesentlich zu qualifizieren. Ferner wird auch der Beweiswert des vom Beschwerdeführer eingereichten Lehrerdiploms, vom November 2000 da- tierend, und des Weiterbildungsdiploms, vom Januar 2001 datierend, von der Vorinstanz in keiner Weise angezweifelt (vgl. A13). Daraus folgt, dass der Beschwerdeführer Eritrea irgendwann zwi schen dem Jahr 2001 und dem Zeitpunkt der Stellung des Asyl gesuchs in der Schweiz am 17. April 2008 verlassen hat. Den Reiseweg hat der Beschwerdeführer klar und widerspruchslos be- schrieben. Nachdem er zu Fuss zu seiner Tante nach G.______ gelangte, habe sein Cousin ihn mit einem Personenwagen der Marke Toyota nach D-399/2010 Seite 11 H.______ und I.______ gefahren, wo er sodann einem Schlepper übe r- geben wurde (vgl. A1 S. 5; A5 S. 9; A12 S. 6 f.). Aus den Akten geht denn auch hervor, dass Beschwerdeführer über sehr gute Länderkenntnisse verfügt und den Reiseweg gut beschrieben ha t (vgl. A4). Aus den Vor- bringen des Beschwerdeführers folgt auch in keiner Weise, dass er die gesamte Strecke von I.______ nach J.______ auf dem Rücken eines Esels zurückge legt hat, wie es die Vorinstanz in ihrer Verfügung unter Hinweis auf die eine Protokollstelle annimmt (A12 S. 2). Die – und darin ist der Vorinstanz recht zu geben – etwas realitätsfernen Ausführungen des Beschwerdeführers bezüglich seiner Reise von Italien in die Schweiz, vermögen an der grundsätzlichen Glaubhaftigkeit seiner Schil derungen zum Reiseweg bis nach Italien jedoch nichts zu ändern. Dass der Beschwerdeführer den Zeitpunkt der Versammlung in der Anhö- rung vom 5. Mai 2008 auf Anfang April (A5, S. 5), in der zweiten ergä n- zenden Anhörung – welche eineinhalb Jahre später statt fand – hingegen auf Ende März datierte (A 12, S. 11), ist ein unwesentlicher Widerspruch des Beschwerdeführers, welcher aufgrund der ansonsten sehr konsisten- ten Zeitangaben des Beschwerdeführers die Glaubhaftigkeit insgesamt nicht zu beeinträchtigen vermag . Darüber hinaus erscheint es auch u n- wesentlich, wenn der Beschwerdeführer hinsichtlich Ereignisse n, die in der Erzählung dreieinhalb Jahre zurückliegen, einmal von zwei und ei n- mal von drei Personen spricht, die ihn damals nach d er Versammlung verwarnt haben sollen. 6.3. Anzahl und Inhalt der Verhöre betreffend ist den Akten – wie in der Beschwerde zurecht aufgeführt – kein Widerspruch zu ent nehmen. In A5 S. 6 gab der Beschwerdeführer an mehrmals verhört und danach gefragt worden zu sein, wer ihn und seine Tätigkeit gegen die Partei unterstütze. In A12 S. 12 gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, dass er zweimal verhört und gefragt worden sei, wer ihn geschickt habe und welcher Pa r- tei er angehöre. "Mehrmals" und "zweimal" sind keine widersprüchlichen Angaben. Zweimal kann vielmehr als Präzisierung von mehrmals ve r- standen werden, die beiden Begriffe schliessen einander aber sicher nicht aus. Der Inhalt der Verhöre wurde vom Beschwerdeführer sinngemäss übereinstimmend wiedergegeben, wobei er diese n einmal in direkter R e- de (A5 S. 6) und einmal in indirekter Rede schilderte (A12 S. 12) , womit auch hier kein Widerspruch zu finden ist. Ferner erachtet es das Bundes- verwaltungsgericht auch nicht als Widerspruch sondern eher als Ergä n- zung, wenn der Beschwerdeführer als Grund für seinen Spitalaufenthalt in der ergänzenden Befragung ne ben den Hau tproblemen auf der Brust D-399/2010 Seite 12 zusätzlich eine Lungenentzündung , respektive Schmerzen im Brustb e- reich, angibt. Einzig die Aussage des Beschwerdeführers betreffend der Aufenthalt s- dauer bei seiner Tante in G.______ ist widersprüchlich. In der ausführl i- chen Anhörung des BFM sagte der Beschwerdeführer, dass eine Übe r- nachtung bei sein er Tante nicht in Frage gekommen sei, da dies zu g e- fährlich gewesen wäre (A 5, S. 8). In der ergänzenden Anhörung meinte er hingegen, dass er eine Nacht bei seiner Tante übernachtet habe (A 12, S. 2). Dem Einwand der Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers hin- sichtlich seines Gefängnis - und Spitalaufenthalts und die daran a n- schliessende Flucht seien realitätsfremd und unsubstantiiert kann schliesslich auch nicht gefolgt werden. Den Gefängnis - und Spitalaufent- halt hat der Beschwerdeführer substantii ert beschrieben und – wie in der Beschwerdeschrift richtig festgestellt – mit etlichen Realkennzeichen ver- sehen. So konnte der Beschwerdeführer eine detaillierte Skizze des Krankenhauses anfertigen, beschrieb die drei verschiedenen Abteilungen, die Abteilung für HIV infizierte Personen oder das Wartzimmer, wo be i- spielsweise Personen mit einem gebroch enen Arm auf den Arzt warteten (vgl. A5 S. 8). Seine Festnahme betreffend hielt der Beschwerdeführer fest, dass er sich in einer "Vergnügungsbar" auf gehalten und kurze H o- sen getragen habe, da es sehr heiss gewesen sei (A5 S. 6) und er in e i- nem grünen Personenwagen abgeführt worden sei (A12 S. 12). Zur Haft führte er aus, dass er jeweils um 6 Uhr habe aufstehen müssen, sodann 15 Minuten Zeit gehabt habe, um auf die Toilette zu gehen, um 11 Uhr sein Frühstück bestehend aus einem Brötchen, Linsen und Tee erh alten habe, dass er um 17 Uhr noch einmal Gelegenheit erh alten habe auf die Toilette zu gehen und er um 18 Uhr sein Abendessen erh alten habe. Die Ausführungen d es Beschwerdeführers sind folglich sehr substantiiert ausgefallen und mit etlichen Realkennzeichen versehen. Dass dem Beschwerdeführer schliesslich ohne Hilfe und ohne grosse Vorbereitung die Flucht aus dem nur schwach bewachten Militärspital g e- lang und es ihm auch, im gesundheitlich angeschlagenen Zustand mög- lich war die 1.30 Meter hohe Steinmauer zu überwinden und sodann mit einem dreistündigen Fussmarsch zu seiner Tante nach G.______ zu ge- langen, ist im eritreischen Kontext nicht per se als unglaubhaft zu qualifi- zieren. 6.4. Insgesamt geht das Bundesverwaltungsgericht von der Glaubhafti g- keit der Vorbringen des Beschwerdeführers aus, da seine Ausführungen D-399/2010 Seite 13 mehrheitlich schlüssig, widerspruchslos und substantiiert sind. Der Arg u- mentation des BFM, wonach es sich bei seinen Vorbringen um eine ko n- struierte Geschichte handeln soll, kann nicht gefolgt werden. Der Voll- ständigkeit halber sei hier n och angemerkt, dass der Verweis der Vorin- stanz auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -4281/2008 zur Unglaubhaftigkeit einer allfälligen illegalen Ausreise ebenfalls fehl geht, ging es doch dort um ein Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. a AsylG, wo mithin ein erhöhter Massstab gemäss Art 7 AsylG gilt. 7. 7.1. Es gilt demnach die Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerd e- führers im Sinne von Art. 3 AsylG zu prüfen. Entsprechend der Lehre und Rechtsprechung ist für die Anerkennung der Flücht lingseigenschaft erfor- derlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte Nachteile von bestimm- ter Intensität erlitten hat , beziehungsweise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Pe r- son gezielt und auf grund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder z u- gefügt worden sein. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG liegt vor, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat oder in begründeter Weise in absehbarer Zukunft befürchten muss, we l- che ihr gezielt und aufgrund von bestimmter, in Art . 3 Abs.1 AsylG aufge- zählten Verfolgungsmotiven zugefügt worden sind oder zugefügt zu we r- den drohen, ohne dass im Heimatland effektiver Schutz erlangt werden könnte. Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinn ist keine Frage des U r- hebers, sondern des Vorhandenseins adäquaten Schutzes im Herkunft s- staat. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrsche in- lichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebendieser Wahrscheinlichkeit in absehb a- rer Zeit verwirklichen. Ob in einem bestimmten Fall eine solche Wah r- scheinlichkeit besteht, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Diese objektivierte Betrachtungsweise ist mit dem, der Furcht innewohnenden subjektiven Element zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Grü n- de für eine subjektive Furcht. Die erlittene Verfolgung beziehungsweise die begründete Furcht vor künf- tiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise D-399/2010 Seite 14 aus dem Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asy l- entscheids noch aktuell sein ( EMARK 2000 Nr. 2 E. 8c, S. 21 f.; EMARK 1996 Nr. 29 E. 2b, S. 299; EMARK 1995 Nr. 5 E. 6a, S. 43). Im Übrigen muss feststehen, dass die von einer Verfolgung bedrohte asylsuchende Person über keine angemessene innerstaatliche Fluchtalternative verfügt. 7.2. In seinem wegleitenden Urteil (vgl. EMARK 2006, Nr. 3) setzte sich die schweizerische Asylrekurskommission (ARK) mit der eritreischen Pra- xis betreffend Rekrutierung und Behandlung von Dienstverweigerern auseinander. Dieses Urteil blieb auch für die bisheri ge Praxis des Bu n- desverwaltungsgerichts massgebend (vgl. etwa E -4212/2006 vom 10. Februar 2010; D-8454/2007 vom 29. Januar 2010 ; D-3876/2010 vom 12. Januar 2011). Nach den Erkenntnissen des Gerichts besteht die Diens t- pflicht für den aktiven Wehrdienst in E ritrea gegenwärtig für Frauen zw i- schen 18 und 27 Jahren und für Männer zwischen 18 und 40 Jahren. Frauen bleiben bis ins Alter von 47 und Männer bis ins Alter von 54 Ja h- ren dienstpflichtige Angehörige der Reserve und können jederzeit aufg e- boten werden. Das heutige Alter des Beschwerdeführers von fast (…) Jahren liegt demnach innerhalb der aktiven Dienstpflicht. Im Unterschied zur alleinigen Einberufung in den Militärdienst kommt der in Eritrea prakti- zierten Bestrafung von Dienstverweigerern asylrechtliche Bedeutung zu, da diese als unver hältnismässig streng und politisch motiviert im Sinne eines absoluten Malus gilt (vgl. EMARK 2006 Nr. 3). Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweigerung oder Desertion ist dann begrü n- det, wenn die betroffene Per son in einem konkreten Kontakt zu den Mil i- tärbehörden stand. Ein solcher Kontakt ist regelmässig dann an zuneh- men, wenn die betroffene Person im aktiven Dienst stand und desertierte. Darüber hinaus ist jeglicher Kontakt mit den Behörden relevant, aus d em erkennbar wird, dass die betroffene Person rekrutiert werden sollte. Pe r- sonen, die ihren Dienst noch nicht geleistet haben, ohne sich ihm aktiv entzogen zu haben, können gestützt auf die erwähnte Praxis zumindest theoretisch nicht bestraft werden. Sie w erden zwangsweise rekrutiert oder sind auf eine der wenigen Möglichkeiten verwiesen, sich vom Dienst dispensieren zu lassen (vgl. UNHCR Eligibility Guidelines for Assessing the International Protection Needs of Asylum-Seekers from Eritrea vom 20. April 2011). Folglich muss eine begründete Furcht vor Verfolgung angenommen we r- den, wenn die mit der Durchsetzung der Dienstpflicht betrauten eritre i- schen Organe mit der betreffenden Person in konkreten Kontakt getreten sind. Ein konkreter Kontakt , welcher Anlass z u einer begründeten Furcht D-399/2010 Seite 15 gibt, ist jedenfalls gegeben, wenn die betreffende Person desertiert ist oder wenn sie einen Marschbefehl erhalten hat. Schliesslich können Staatsangehörige Eritreas ihr Heimatland nur mit ei- nem gültigen Reisepass und einem Ausr eisevisum legal verlassen. Au s- reisevisa werden in der Praxis jedoch bereits seit mehreren Jahren nur noch unter sehr restriktiven Bedingungen und gegen Bezahlung hoher Geldbeträge an wenige, als loyal beurteilte Personen ausgestellt. 7.3. Wie dem glaubhaften S achverhalt und den zu den Akten gereichten Beweismitteln zu entnehmen ist, ist der Beschwerdeführer eritreischer Staatsangehöriger. Er hat im Mai 2000 das Teachers Training Institute abgeschlossen und absolvierte anschliessend eine militärische Grun d- ausbildung. Im September 2000 erhielt er seinen Marschbefehl, wonach er seinen Militärdienst als Lehrer in C.______ zu absolvieren habe. Bis zu seiner Festnahme im Mai 2005 war er sodann als Lehrer tätig. Nach zehnmonatiger Inhaftierung ist er am 1. April 2006 a us dem Spital gefl o- hen und gelangte schliesslich über H.______ und I.______ mit einem Schlepper in den Sudan. Der Beschwerdeführer ist somit aus dem aktiven Militärdienst desertiert und hat Eritrea illegal verlassen, womit ihm , gemäss obigen Ausführu n- gen, bei einer Rückkehr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen. Angesichts der Omnipräsenz des eritreischen Militärs und der ak- tuellen Lage in Eritrea besteht für die Annahme einer innerstaatlichen Fluchtalternative nach wie vor kein Raum (vgl. U NHCR Eligibility Guideli- nes for Assessing the International Protection Needs of Asylum -Seekers from Eritrea vom 20. April 2011, S. 33 ff.). Mit dem vom Beschwerdeführer vorgebrachten Sachverhalt ist den Anforderungen von Art. 3 AsylG genü- ge getan und der Beschwerdeführer erfüllt die Flüchtlingseigenschaft. 7.4. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 3 und Art. 7 AsylG erfüllt sind. Den Akten sind keinerlei Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen im Sinne von Art. 53 AsylG zu ent- nehmen. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Ve r- fügung der Vorinstanz aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG als gegenstandslos geworden abzu- schreiben ist. D-399/2010 Seite 16 9. Einer mittellosen Partei wird in einem nich t aussichtslosen Verfahren ein Anwalt oder eine Anwältin bestellt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist (Art. 65 Abs. 2 VwVG). Für die Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtsverbeiständung ist ausschlaggebend, ob die Partei zur Wa h- rung ihrer Rechte notwendigerweise der professionellen juristischen Hilfe eines Anwaltes oder einer Anwältin bedarf (vgl. dazu BGE 128 I 225 E. 2.5.2 S. 232 f., BGE 122 I 49 E. 2c S. 51 ff.; BGE 120 Ia 43 E. 2a S. 44 ff.). In Verfahren, welche – wie das vorliegende – vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht sind, sind strenge Massstäbe an die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung anzusetzen (vgl. EMARK 2000 Nr. 6 sowie BGE 122 I 8 E. 2c S. 10), wobei es im asylrechtlichen B e- schwerdeverfahren im Wesentlichen um di e Feststellung des rechtse r- heblichen Sachverhalt s geht. Zur wirksamen Beschwerdeführung sind besondere Rechtskenntnisse daher im Regelfall nicht unbedingt erforde r- lich, weshalb praxisgemäss die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG nur in den besonderen Fällen gewährt wird, in welchen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwie- rigkeiten bestehen. Das vorliegende Verfahren erscheint weder in ta t- sächlicher noch in rechtlicher Hinsicht besonders komplex, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist. 10. Dem Beschwerdeführer ist angesichts des Obsiegens im Beschwerdever- fahren in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen Vertretungskosten zuzusprechen (Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Recht s- vertreter hat keine Kostennote eingereicht. Es kann jedoch auf die Nac h- forderung einer solchen verzichtet werden, da im vorliegenden Verfahren der Aufwand für das Beschwerdeverfahren zuverlässig abgeschätzt we r- den kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Das BFM wird unter Anwendung der genannten Bestimmungen und unter Berücksichtigung de r massgeb- lichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) angewiesen, dem B e- schwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 1'400.- auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-399/2010 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 18. Dezember 2009 wird aufgehoben und das BFM angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von A rt. 65 Abs. 1 VwVG wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG wird abgewiesen. 5. Das BFM wird angewiesen dem Beschwerdeführer eine Parteienen t- schädigung von Fr. 1'400. zu entrichten. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Eva Hostettler Versand: