Entscheid vom 7. März 2013 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Cornelia Cova, Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja Parteien BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, FACHBEREICH AUS- LIEFERUNG, Antragsteller und Beschwerdegegner gegen A. (alias B.), Antragsgegner und Beschwerdeführer Gegenstand Auslieferung an Serbien Auslieferungsentscheid (Art. 55 Abs. 1 IRSG), Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer n: RR.2012.175 + RR.2012.194 - 2 - Sachverhalt: A. Interpol Belgrad hat mit Fahndungs - und Verhaftsersuchen vom 19. März 2009 um Verhaftung d es serbischen Staatsangehörigen A., geb. 4. Juli 1978, alias B., geb. 19. Juli 1978, (nachfolgend “ A.“) zwecks Auslieferung an Serbien zur Strafvollstreckung einer Freiheitsstrafe von vier Jahren wegen mehrfachen Einbruchdiebstahls im Jahre 2001 ersucht (RR.2012.175, act. 1.2). B. Am 23. März 2012 ordnete das Bundesamt für Justiz (nachfolgend “BJ“) die Auslieferungshaft gegen A. an, der sich zu jenem Zeitpunkt im Kanton Bern im Strafvollzug befand (RR.2012.175, act. 1.4). Anlässlich der Einverna h- me vom 23. März 2012 verweigerte A. das Gespräch vollständig (RR.2012.175, act. 1.5). C. Mit Schreiben vom 28. März 2012 ernannte das BJ Rechtsanwalt C. zum amtlichen Rechtsbeistand von A. im Rahmen des Auslieferung sverfahrens (RR.2012.175, act. 1.6). D. Das BJ erlies s am 28. März 2012 gegen A. einen Auslieferungshaftbefehl (RR.2012.175, act. 1.8), welcher ihm am Folgetag eröffnet wurde (RR.2012.175, act. 1.9). Dagegen wurde keine Beschwerde erhoben. E. Mit Note vom 10. April 2012 ersuchte die serbische Botschaf t in Bern die Schweiz formell um Auslieferung von A. im Hinblick auf die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe von vier Jahren aus dem Urteil des Gemeind egerichts Bela Crkva vom 14. März 2005 i.V.m. dem Urteil des Bezirksgerichts Pa n- cevo vom 7. Juni 2005 weg en mehrfachen Einbruchdiebstahls (RR.2012.175, act. 1.10, Beilagen 57Aü, 57Bü, 57Cü). Anlässlich seiner Einvernahme vom 24. April 2012 erklärte A., mit der Auslieferung an Se r- bien nicht einverstanden zu sein (RR.2012.175, act. 1.11). F. Mit Schreiben vom 2. Mai 2012 reichte A., vertreten durch Rechtsanwalt C., eine vorläufige schriftliche Stellungnahme zum serbischen Auslieferungser- suchen ein (RR.2012.175, act. 1.12). - 3 - G. Mit Note vom 3. Mai 2012 ersuchte das BJ die serbischen Behörden um verschiedene Ergän zungen (RR.2012.175 , act. 1.13), welche am 23. Mai 2012 eingingen (RR.2012.175, act. 1.14, Beilagen 83Aü, 83Bü, 83Cü, 83Dü, 83Eü, 83Fü) und gleichentags A. unterbreitet wurden (RR.2012.175, act. 1.15). Mit Schreiben vom 4. Juni 2012 liess A. durch seinen Rechtsvertreter eine ergänzende Stellungnahme einreichen, in we l- cher er die Einrede des politischen Delikts erhebt (RR.2012.175, act. 1.16). H. Mit Note vom 13. Juni 2012 ersuchte das BJ die serbischen Behörden um weitere Ergänzungen (RR.2012.175, act. 1.18 ). Namentlich ersuchte es nochmals um Mitteilung, wann das Urteil des Gemeindegerichts Bela Crkva vom 14. März 2005 tatsächlich in Rechtskraft erwachsen sei und wann die Strafvollstreckungsverjährung effektiv eintreten werde. Dabei sei insbeso n- dere anzugeb en, welche konkreten Handlungen nach Art. 99 Ziff. 3 des serbischen Strafgesetzbuchs die Strafvollstreckungsverjährung vorliegend unterbrochen hätten und wann diese jeweils erfolgt seien. Ebenfalls wurde um Angabe gebeten, ob vorliegend allenfalls Art. 99 Ziff. 2 des serbischen Strafgesetzbuches Anwendung finde und falls ja, aus welchen Gründen (RR.2012.175, act. 1.18). I. Die angeforderten Ergänzungen gingen am 25. Juni 2012 beim BJ ein (RR.2012.175, act. 1.19). Die ersuchende Behörde erklärte mit Schreibe n vom 21. Juni 2012, dass das Urteil des Gemeindegerichts in Bela Crkva vom 14. März 2005 am 7. Juni 2005 in Rechtskraft erwachsen sei und die absolute Strafvollstreckungsverjährung am 7. Juni 2015 eintreten werde. Aufgrund diverser Handlungen sei die Fris t zur Strafvollstreckungsverjä h- rung unterbrochen worden. Diese Ergänzung wurde A. bzw. seinem Rechtsvertreter am 26. Juni 2012 zur Stellungnahme unterbreitet (RR.2012.175, act. 1.20). Mit Schreiben vom 2. Juli 2012 teilte dieser mit, auf die Einreichung ei ner ergänzende Stellungnahme zu verzichten (RR.2012.175, act. 1.21). J. Mit Auslieferungsentscheid vom 11. Juli 2012 bewilligte das BJ die Ausli e- ferung von A. an die serbische Republik für die dem Auslieferungsersuchen der serbischen Botschaft in Bern vom 10. April 2012, ergänzt am 23. Mai 2012 und 25. Juni 2012, zugrunde liegenden Straftaten. Der Auslieferung s- entscheid erfolgte unter Vorbehalt des Entscheids des Bundesstra fgerichts über die Einrede des politischen Delikts im Sinne von Art. 55 Abs. 2 IRSG (RR.2012.175, act. 1.1). - 4 - K. Mit Eingabe vom 11. Juli 2012 beantragt das BJ die Ablehnung der von A. im Auslieferungsverfahren erhobene Einrede des politischen Delikts (RR.2012.175, act. 1). L. Gegen den Auslieferungsentscheid erhebt A. mit Schrei ben vom 13. Juli 2012, eingegangen am 10. August 2012, Beschwerde bei der B e- schwerdekammer des Bundesstrafgerichts (RR.2012.194, act. 1). Zur B e- gründung bringt er in einem Satz vor, er könne nicht zurück nach Serbien. Mit Schreiben vom 10. August 2012 wurd e A. über seinen Rechtsvertreter im Auslieferungsverfahren eine Frist bis zum 20. August 2012 zur Verbe s- serung der Beschwerde, namentlich zu deren Begründung, angesetzt (RR.2012.194, act. 3). In der Folge teilte der Rechtsvertreter mit, dass sein Mandat mit dem Erlass de s Auslief erungsentscheids des BJ vom 11. Juli 2012 erloschen sei, und ersuchte, allfällige Korrespondenz direkt an seinen Klienten zu richten (RR.2012.194, act. 4). Mit Schreiben vom 21. August 2012 wurde A. Frist zur Verbesserung der Beschwerde, n a- mentlich zu deren Begründung, angesetzt (RR.2012.194, act. 6). Am 27. August 2012 reichte A. seine Beschwerdebegründung nach (RR.2012.194, act. 7). Soweit nicht speziell anders gekennzeichnet, we r- den die Akten nachfolgend jeweils aus dem Dossier RR.2012.175 zitiert. M. Mit Schreiben vom 9. Oktober 2012 wurde A. zur Stellungnahme zum A n- trag auf Abweisung der Einrede des politischen Delikts eingeladen (act. 3). Am 19. Oktober 2012 reichte er eine 15 -seitige Eingabe auf Serbisch ein (act. 4). In der Folge wurde deren Übersetzung in Auftrag gegeben (act. 5), welche am 2. November 2012 einging (act. 6). N. Das BJ reichte mit Schreiben vom 15. November 2012 seine Beschwerd e- antwort und Gesuchsreplik ein. Es beantragt, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, im Falle ein es Eintretens sei sie abzuweisen. Es begründet seinen Antrag damit, dass innerhalb der 30 -tägigen Beschwerdefrist keine Begründung der Beschwerde eingereicht worden sei (act. 8). Mit Schreiben vom 19. November 2012 wurde die Beschwerdeantwort und Gesuchsre plik A. zur Kenntnis zugestellt (act. 12). O. A. liess dem Gericht am 19. November 2012 unaufgefordert zwei auf Se r- bisch verfasste Eingaben datiert vom 14. November 2012 (act. 9 und 10) samt zwei Beilagen zum serbischen Auslieferungsersuchen zukommen - 5 - (act. 10.1 und 10.2). Die in Auftrag gegebenen Übersetzung dieser Eing a- ben gingen am 26. November 2012 ein (act. 13 und 13.1) und wurden am Folgetag dem BJ zur Kenntnis gebracht (act. 14). Auf die Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird, so- weit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen. Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 1. Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Serbien sind pr i- mär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. D ezember 1957 (E AUe, SR 0.353.1) sowie das zu diesem Übereinkommen am 15. Oktober 1975 ergangene erste Zusatzprotokoll (1. ZP, SR 0.353.11) und das am 17. März 1978 ergangene zweite Zusatzprotokoll (2. ZP, SR 0.353.12) massgebend. Wo Übereinkommen und Zusatzprotokolle nichts anderes bestimmen, findet auf das Verfahren der Auslieferung au s- schliesslich das Recht des ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG, SR 351.1) un d die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSV, SR 351.11). Das innerstaatliche Recht gelangt nach dem Günstigkeitspri n- zip auch dann zur Anwendung, wenn dieses geringere Anforderungen an die Auslieferung stellt (vgl. BGE 137 IV 33 E. 2.2.2; 136 IV 82 E. 3.1 ; 129 II 462 E. 1.1; 122 II 140 E. 2). Vorbehalten ist die Wahrung der Mensche n- rechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c). 2. 2.1 Über ausländische Auslieferungsersuchen entscheidet das BJ (Art. 55 Abs. 1 IRS G). Macht der Verfolgte geltend, er werde eines polit i- schen Deliktes b ezichtigt, oder ergeben sich bei der Instruktion ernsthafte Gründe für den politischen Charakter der Tat, so entscheidet die B e- schwerdekammer des Bundesstrafgerichtes darüber auf Antrag des BJ und nach Einholung einer Stellungnahme des Verfolgten (Art. 55 Abs. 2 IRSG). 2.2 Der Antragsgegner und Beschwerdeführer (nachfolgend "Beschwerdefü h- rer") erhob im Auslieferungsverfahren die Einrede des politischen Delikts (act. 1.16). Mit Eingabe vom 1 1. Juli 2012 stellte der Antragsteller und B e- schwerdegegner (nachfolgend "Beschwerdegegner") Antrag auf Abweisung dieser Einrede. In Anwendung von Art. 55 Abs. 2 IRSG ist die Beschwer-- 6 - dekammer demnach zuständig für die Beurteilung des vorliegenden Antr a- ges. 3. 3.1 Gegen Auslieferungsentscheide des BJ kann innert 30 Tagen seit der E r- öffnung des Entscheides bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafg e- richts Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG; Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 des Bundes gesetzes vom 19. März 2010 über die Organsiation der Strafbehörden des Bundes [S tBOG; SR 173.71], Art. 19 Abs. 1 des Organisationsreglements vom 31. August 2010 für das Bundesstrafgericht [BStGerOR; SR 173.713.161]). 3.2 Mit Eingabe datiert vom 13. Juli 2012 , hierorts eingegangen am 10. August 2012, erklärte der Beschwerdeführer, dass er gegen den Auslie- ferungsentscheid vom 11. Juli 2012 Beschwerde erheben "möchte" (RR.2012.194, act. 1). Wird insbesondere berücksichtigt, dass der B e- schwerdeführer ein Laie ist , stellt seine Eingabe keine Beschwerdeankü n- digung im Sinne von Art. 56 Abs. 1 lit. b IRSG dar. Vielmehr handelt es sich um eine Beschwerde. 3.3 Zur Begründung seiner Beschwerde führte der B eschwerdeführer lediglich aus: "Ich kann nicht zurück nach Serbien!" (RR.2012.194, act. 1). Damit enthielt die grundsätzlich fristgerecht erhobene Beschwerde keine rechtsgenügliche Begründung, weshalb sie als unvollständig im Sinne von Art. 52 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG zu beurteilen war. In Anwendung dieser Bestimmung wurde dem Beschwerdeführer eine kurze Nachfrist zur Verbesserung der Beschwerde, d.h. zur Begründung der Beschwerde, eingeräumt (act. 6), welche innert Frist nachgereicht wu r- de (act. 7). Da die weiteren Eintretensvoraussetzungen zu k einen Bemer- kungen Anlass geben, ist auf die Beschwerden einzutreten. 4. Da im Verfahren betreffend der Einrede des politischen Deliktes (RR.2012.175) und im Beschwerdeverfahren (RR.2012.194) inhaltlich ko n- nexe auslieferungsrechtliche Fragen zu klären sind, rechtfertigt sich eine gemeinsame Behandlung im Rahmen des vorliegenden Entscheides und eine Vereinigung der beiden Verfahren. 5. Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichtes ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüf t die Auslieferungs-- 7 - voraussetzungen grundsätzlich mit freier Kognition. Die Beschwerdeka m- mer befasst sich jedoch nur mit Tat - und Rechtsfragen, die Streitgege n- stand der Beschwerde bilden (BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 E. 1.4, je m.w.H.; Urteile des Bunde sstrafgerichts RR.2007.34 vom 29. März 2007, E. 3; RR.2007.27 vom 10. April 2007, E. 2.3). 6. 6.1 Zum gegen den B eschwerdeführer geführten Strafverfahren in Serbien ist dem eingereichten Urteil des Gemeindegerichts in Bela Crkva (nachfolgend "Gemeindegericht") vom 14. März 2005 (n achfolgend "Urteil vom 14. März 2005") Folgendes zu entnehmen: Am 14. März 2005 fand die mündliche Hauptverhandlung im Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer und die vier mitangeklagten D., E., F. wegen schweren Diebstahls statt. Das Verfahren gegen den ursprünglich mitange- klagten G. wurde einstweilen eingestellt, da dieser an paranoider Schiz o- phrenie erkrankt war. Mit Ausnahme des Beschwerdeführers, welcher zwar mit zwei Mitangeklag- ten vom 8. bis 28. Dezember 2001 in Untersuchungshaft, aber im Zeitpunkt des Urteils mit unbekanntem Wohn - und Aufenthaltsort in Österreich war, waren alle Angeklagten sowie der Pflichtverteidiger des Beschwerdefü h- rers, Rechtsanwalt H., an der Hauptverhandlung anwesend (act. 1.10, 57Bü S. 3). Von einer Trennung des Strafverfahrens gegen den Beschwer- deführer wurde abgesehen. Alle Angeklagten waren zum Urteilszeitpunkt mehrfach, teilweise einschl ä- gig vorbestraft. Sie wurden mit Urteil vom 14. März 2005 zu Freiheitsstrafen zwischen einem Jahr und dreiein halb Jahren verurteilt. Der Beschwerd e- führer wurde wegen sechsfache n schweren Diebstahls nach Art. 166 Abs. 1 Nr. 1 des serbischen St rafgesetzbuches als Mittäter im Sinne des Art. 22 des Grundstrafgesetzes der Republik Serbien (nachfolgend "GSG") zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren verurteilt. Er wurde im Sinne der An- klage der Gemeindestaatsan waltschaft vom 21. Februar 2002 (präzisiert am 25. Februar und 14. März 2005 ) schuldig gesprochen, zwischen dem 28. Oktober 2001 und dem 26. November 2001 zusammen m it den weite- ren Mitangeklagten in Z. insgesamt sechsmal in Häuser, Wohnungen und Geschäfte eingebrochen und dabei Gegenstände in einem Gesamtwert von ca. RSD 97'566.64 (zum Tatzeitpunkt ca. CH F 2'500.--) entwendet zu h a- ben: - 8 - 1. In der Nacht zum 28. Oktober 2001 brach der Beschwerdeführer mit G. in das Haus von I. in Z. ein. Dabei entwendeten sie Gegenstände mit einem Gesamtwert von RSD 15'000.--. 2. In der Zeit vom 24. bis 26. November 2001 brachen der Beschwe r- deführer und D. in das Haus des geschädigten J. in Z. ein und ent- wendeten mit Hilfe von E. Gegenstände mit einem Wert von ca. RSD 2'000.--. 3. In der Zeit vom 24. bis 26. November 2001 brachen der Beschwe r- deführer und D. in das Haus des geschädigten J. in Z. ein und ent- wendeten Gegenstände im Gesa mtwert von RSD 30'000. --. E. be- wahrte die gestohlenen Sachen, welche weiter verkauft werden soll- ten, in seinem Hause auf. 4. In der Nacht zum 28. Oktober 2001 brachen der Beschwerdefü hrer, D. und E. in das Haus von K. in Z. ein. Sie entwendeten Ge gens- tände im Gesamtwert von RSD 15'000.--, und verkauften in der Fo l- ge die weggenommenen Sachen. 5. In der Nacht zum 5. November 2001 brach D. mit Hilfe des B e- schwerdeführers sowie von F. in den Verkaufsladen "L." von M. in Z. ein und entwendete mit deren Hilfe Gegenstände im Gesamtwert von RSD 21'566.64. Alle drei Angeklagten fuhren mit den gestohl e- nen Sachen nach Y., wo sie von einer Polizeistreife aufgegriffen wurden. 6. In der Nacht zum 7. November 2001 brachen der Beschwerdeführer und G. in den Verkaufsladen "N." von O. in Z. ein und entwendeten insgesamt 530 Zigarettenpackungen verschiedener Marken im Ge- samtwert von RSD 14'000. --. Die gestohlenen Sachen verkauften sie in Y. und teilten das Geld unter sich auf. Die Angeklagten haben die Begehung aller Stra ftaten bei der Festnahme und vor dem Ermittlungsrichter gestanden, wobei einige ein volles und ein i- ge ein Teilgeständnis abgegeben haben. Anlässlich der Einvernahme vom 8. Dezember 2001 durch den Ermittlungsrichter gestand der Beschwerde- führer die ihm zur Last gelegten sechs Straftaten (act. 1.4, 83Bü, S. 20). 6.2 Mit Urteil vom 7. Juni 2005 hat das Bezirksgericht Pancevo (nachfolgend "Bezirksgericht") die gegen das erstinstanzliche Urteil erhobene Berufung des Gemeindestaatsanwalts in Bela Crkva gutgeheissen und die Berufu n-- 9 - gen der Verteidiger aller Angeklagten als unbegründet verworfen. Das U r- teil vom 14. März 2005 wurde hinsichtlich der Strafzumessung betreffend den Beschwerdeführer und E. abgeändert und in den übrigen Punkten b e- stätigt. Der Beschwerdeführer wurde für die Sachverhaltsvorwürfe, für die er mit erstinstanzlichen Urteil schuldig gesprochen worden war, zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 4 Jahren verurteilt. Gemäss den Erwägu n- gen der Rechtsmittelinstanz hat die Vorinstanz bei der Bemessung de r Ge- samtstrafe fast die Hälfte der Summe der Einzelstrafen erlassen. Die Vo r- instanz hätte berücksichtigen müssen, dass der Beschwerdeführer und die weiteren Angeklagten wegen gleichartiger Straftaten vorbestraft und offe n- sichtlich rückfällig waren und die Straftaten in einer zeitlichen Kontinuität begangen haben. Aufgrund dieser Umstände hätte das erstinstanzliche Ge- richt strengere Strafen für die Angeklagten verhängen müssen (act. 1.14, 83Cü, S. 9). 7. 7.1 Der Beschwerdeführer macht zunächst sinngemäss gelten d, er habe bloss zwei und nicht – wie in den Urteilen festgehalten – sechs Diebstähle b e- gangen (RR.2012.194, act. 11, S. 2). 7.2 Das Auslieferungsverfahren dient nicht der nachträglichen Überprüfung der Beweiswürdigung rechtskräftiger Strafurteile durch den Rechtshilferichter. Dieser hat weder Tat- noch Schuldfragen zu prüfen und grundsätzlich auch keine Beweiswürdigung vorzunehmen, sondern ist vielmehr an die Sachverhaltsdarstellung im Ersuchen gebunden, soweit sie nicht durch o f- fensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet wird (vgl. BGE 132 II 81 E. 2.1; Urteile des Bundesgerichts 1A.163/2006 vom 23. J a- nuar 2007, E. 3.2 f.; 1A.189/2006 vom 7. Februar 2007, E. 2.6; 1A.125/2006 vom 10. August 2006, E. 2.1, je m.w.H.). 7.3 Der im Urteil vom 14. März 2005 wiedergegebenen Sachverhaltsschilderung (s. supra 6.1) sind offensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche, welche den Sachverhaltsvorwurf im Auslieferungse r- suchen sofort im Sinne der Rechtsprechung entkräften würden, nicht zu entnehmen. Solche Mängel zeigt der Beschwerdeführer weder mit seinen Bestreitungen noch mit seinen übrigen Argumenten auf. Bei seiner Darl e- gung handelt es sich um eine im Rechtshilfeverfahren unzulässige Gege n- darstellung, auf die nicht weiter einzugehen ist (vgl. BGE 132 II 81 E. 2.1; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2008.62 vom 30. Mai 2008, E. 3.2). Unter dem geprüften Gesichtspunkt erweist sich nach dem Gesagten die - 10 - Rüge hinsichtlich der Sachverhaltsdarstellung im Auslieferungsersuchen als unbegründet. 8. 8.1 Weiter b eanstandet der Beschwerdeführer, dass ihm gemäss Verhaftsersuchen von Interpol Belgrad die Begehung von 8 Diebstählen vorgeworfen werde, währendem er gemäss den dem Verhaftsersuchen z u- grunde liegenden Urteilen vom 14. März und 7. Juni 2005 zu 6 Diebstä hlen verurteilt worden sei (act. 6, S. 2). 8.2 Die vom Beschwerdeführer gerügte Unstimmigkeit trifft zwar zu. Allerdings ersuchten die serbischen Behörden formell um Auslieferung des B e- schwerdeführers einzig für die sechs Diebstahlsvorwürfe, zu denen der B e- schwerdeführer gemäss den Urteilen vom 14. März und 7. Juni 2005 verur- teilt wurde (s. supra 6). Lediglich diesbezüglich erfolgte denn auch die B e- willigung seiner Auslieferung im angefochtenen Auslieferungsentscheid. Bei dieser Sachlage kann der Beschwerdeführer vorliegend allein aus der Ungenauigkeit im Verhaftsersuchen nichts zu seinen Gunsten ableiten. 9. 9.1 Der Beschwerdeführer rügt sodann die in den Urteilen vom 14. März und 7. Juni 2005 vorgenommene Strafzumessung. Sinngemäss bringt er vor, die gegen ihn ausge fällte unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren stehe nicht im Verhältnis zur Schwere der ihm vorgeworfenen Diebstähle. S o- dann macht er geltend, alle anderen Angeklagten seien zu einer symbol i- schen Strafe und er hingegen sei zur Höchststrafe verurteilt w orden (RR.2012.194, act. 11, S. 3). 9.2 Nach Massgabe des EAUe sind die Vertragsparteien grundsätzlich ve r- pflichtet, einander Personen auszuliefern, die von den Justizbehörden des ersuchenden Staates wegen einer strafbaren Handlung verfolgt oder zur Vollstreckung einer Strafe oder einer sichernden Massnahme gesucht we r- den (Art. 1 EAUe). Auszuliefern ist wegen Handlungen, die sowohl nach dem Recht des ersuchenden als auch nach demjenigen des ersuchten Staates mit einer Freiheitsstrafe (oder die Freiheit beschr änkenden s i- chernden Massnahme) im Höchstmass von mindestens einem Jahr oder mit einer schwereren Strafe bedroht sind. Ist im Hoheitsgebiet des ers u- chenden Staates eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe erfolgt, so muss deren Mass mindestens vier Monate betragen (Art. 2 Ziff. 1 EAUe; vgl. auch Art. 35 Abs. 1 IRSG und BGE 128 II 355 E. 2.1 S. 360). - 11 - 9.3 Das serbische Auslieferungsersuchen stützt sich auf eine rechtskräftige strafrechtliche Verurteilung zu vier Jahren Freiheitsstrafe wegen schweren Diebstahls, weshalb die Auslieferungsvoraussetzungen des EAUe im vo r- liegenden Fall erfüllt sind. Den Einwendungen des Beschwerdeführers ist zunächst entgegenzuhalten, dass das Auslieferungsverfahren nicht der nachträglichen Überprüfung der Strafzumessung rechtskräftiger Strafurteile durch den Rechtshilferichter dient (Urteil des Bundesgerichts 1A.265/2003 vom 29. Januar 2004, E. 2.2). Soweit die Voraussetzungen des EAUe e r- füllt sind, kann die Rechtsh ilfe nur verweigert werden, wenn das ausländ i- sche Strafurteil dem internationalen ordre public widerspräche (vgl. BGE 126 II 324 E. 4a S. 326, mit Hinweisen). Auch die besondere Strenge einer Strafe stellt grundsätzlich kein Auslieferungshindernis dar (vgl . BGE 121 II 296 E. 4a S. 299 f.; Urteil des Bundesgericht 1A.135/2005 vom 22. August 2005, E. 3.4 m.w.H.). Die Auslieferung kann in diesem Zusammenhang nur abgelehnt werden, wenn die Strafe in ke inem Verhältnis mehr zur Schwere der Straftat und z um Verschulden des Täters steht und deshalb als une r- träglich harte, unmenschliche Strafe i.S.v. Art. 3 EMRK erscheinen würde (Urteil des Bundesgerichts 1A.35/2005 vom 22. August 2005, E. 3.4). 9.4 Eine Verletzung des internationalen ordre public ist vorliegend nicht ersicht- lich, zumal auch das schweizerische Recht für qualifizierten Diebstahl i.S.v. Art. 139 Ziff. 3 StGB eine Strafobergrenze von Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen vorsieht, wobei sich dieser Strafrahmen bei me hrfacher Tatbegehung im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB um die Hälfte erhöht. Ebenso wenig geht es vorliegend um ein offensichtliches Bagatelldelikt, dessen Verfolgung nach dem Sinn und Zweck des EAUe nicht auf dem Wege der internationalen Rechtshilfe zu er- folgen hätte (vgl. BGE 117 Ib 337 E. 4a S. 342). Von einer unerträglich har- te, unmenschlichen Strafe i.S.v. Art. 3 EMRK kann keine Rede sein. 10. 10.1 Weiter bringt der Beschwerdeführer sinngemäss vor, dass für die ihm in den Auslieferungsunterlagen zur Last gele gten Straftaten die Vollstr e- ckungsverjährung eingetreten sei (RR.2012.194, act. 11, S. 3). 10.2 Gemäss Art. 10 EAUe wird die Auslieferung nicht bewilligt, wenn nach den Rechtsvorschriften des ersuchenden oder des ersuchten Staates die Stra f- verfolgung oder -vollstreckung verjährt ist. - 12 - 10.3 Laut Art. 97 Ziff. 4 GSG kann eine ausgesprochene Strafe von vier Ja hren, fünf Jahre nach erfolgtem Schuldspruch nicht mehr vollstreckt werden. Die Vollstreckungsverjährung beginnt mit der Rechtskraft des Urteils (Art. 99 Ziff. 1 GSG). Die Verjährung wird mit jeder Strafvollstreckungshandlung der zuständigen Behörde unterbrochen (Art. 99 Ziff. 3 GSG), wobei mit jeder Unterbrechung die Verjährungsfrist von neuem beginnt (Art. 99 Ziff. 4 GSG). Die absolute Verjährungsfrist beträgt dabei zehn Jahre (Art. 99 Ziff. 4 GSG). Mit Schreiben vom 13. Juni 2012 ersuchte der Beschwerdegegner die se r- bischen Behörden um Mitteilung, wann das Urteil des Gemeindegerichts Bela Crkva vom 14. März 2005 in Rechtskraft erwachsen sei und wann die Strafvollstreckungsverjährung effektiv eintreten werde (act. 1.18). Die angeforderten Ergänzungen gingen am 25. Juni 2012 beim Beschwe r- degegner ein (act. 1.19). In ihrem Antwortschreiben vom 21. Juni 2012 er- klären die serbischen Behörden, dass das Urteil des Gemeindegerichts in Bela Crkva vom 14. März 2005 am 7. Juni 2005 in Rechtskraft erwachsen sei und die absolute Strafvollstreckungsverjährung am 7. Juni 2015 eintr e- ten werde. Aufgrund folgender Handlungen sei die Frist zur Strafvollstr e- ckungsverjährung unterbrochen worden: - am 1. September 2005 sei ein Vorladungsbescheid für den verurteilten A. zum Vollzug der Freiheitsstrafe erlassen worden; - am 7. September 2005 sei die Vorladung zum Vollzug der Freiheitsstrafe zugestellt worden; - am 9. September 200 5 sei die Anordnung zur Ausschreibung eines Steckbriefes erlassen worden; - am 20. August 2008 habe das Gemeindegericht in Bela Crkva der Pol i- zeiverwaltung in Pancevo den Erlass eines internationalen Haftbefehls b e- antragt. Inwiefern diese sowohl in rechtli cher wie auch in tatsächlicher Hinsicht im Einzelnen nachvollziehbaren Angaben der serbischen Behörden nicht z u- treffen sollen, hat der Beschwerdeführer nicht ausgeführt (act. 10) und ist auch nicht ersichtlich. 10.4 Nach Art. 99 Abs. 1 lit. d. StGB verjährt e ine Strafe in 15 Jahren, wenn u.a. eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren ausgesprochen wurde. Die Verjährung beginnt mit dem Tag, an dem das Urteil rec htlich vollstreckbar wird - 13 - (Art. 100 StGB). Da das Urteil des Gemeindegerichts am 7. Juni 2005 in Rechtskraft erwachsen ist, ist die Vollstreckungsverjährung auch nach schweizerischem Recht nicht eingetreten. Die Beschwerde erweist sich damit in diesem Punkt als unbegründet. 11. 11.1 Der Beschwerdeführer rügt, dass er die ihm zur Last gelegten Straftaten den serbischen Strafverfolgungsbehörden nur gestanden habe, weil er drei Tage lang geschlagen worden sei (act. 4, S. 4). 11.2 Die Schweiz prüft die Auslieferungsvoraussetzungen des EAUe auch im Lichte ihrer grundrechtlichen völkerrechtlichen Verpflichtungen. Einem E r- suchen wird nicht entsprochen, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass das ausländische Verfahren den Grundsätzen der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) oder des Internationalen Paktes über bürg erliche und politische Rechte vom 16. Dezember 1966 (UNO -Pakt II; SR 0.103.2) nicht entspricht oder andere schwere Mängel aufweist (Art. 2 Abs. 1 lit. a und d IRSG). Art. 2 IRSG soll verhindern, dass die Schweiz die Durchführung von Strafverfahren oder den Vollzug von Strafen unterstützt, in welchen den Personen die ihnen in einem Rechtsstaat zustehenden und insbesondere durch die EMRK und den UNO -Pakt II umschriebenen Minimalgarantien nicht gewährt werden oder welche den internationalen "ordre public" verl et- zen. Dies ist von besonderer Bedeutung im Auslieferungsverfahren, gilt aber grundsätzlich auch für andere Formen von Rechtshilfe (BGE 130 II 217 E. 8.1 S. 227; 129 II 268 E. 6.1 A. 271, je m.w.H.). Der im ausländischen Strafverfahren Beschuldigte muss glaubhaft machen, dass er objektiv und ernsthaft eine schwerwiegende Verletzung der Me n- schenrechte im ersuchenden Staat zu befürchten hat (BGE 130 II 217 E. 8). Abstrakte Behauptungen genügen nicht. Der Beschwerdeführer muss seine Vorbringen im Einzelnen p räzisieren (Urteil 1A.210/1999 vom 12. Dezember 1999 E. 8b). Beziehen sich die von diesem geltend gemach- ten Mängel wie vorliegend auf ein im ersuchenden Staat bereits rechtskrä f- tig abgeschlossenes Strafverfahren, sind im Auslieferungs - bzw. B e- schwerdeverfahren insofern erhöhte Anforderungen an die Glaubhaft- machung zu stellen, als er die seinem Einwand zufolge erfolgten Grun d- rechtsverletzungen konkret aufzuzeigen hat. Der Beschwerdeführer behauptet in seiner Stellungnahme zum Antrag auf Abweisung der Einre de des politischen Delikts pauschal, sein Geständnis - 14 - sei durch Gewalt erwirkt worden. Annähernd präzise Angaben zu Zeitpunkt, Dauer, Art und den physischen sowie psychischen Auswirkungen der ge l- tend gemachten Schläge fehlen nicht nur im Auslieferungs - bzw. Be- schwerdeverfahren, sondern gemäss den vorliegenden Akten auch im se r- bischen Strafverfahren. Seine pauschale Behauptung vermag nicht eine er- folgte Grundrechtsverletzung konkret aufzuzeigen. Der in diesem Zusa m- menhang geltend gemachte Ausschlussgrund im S inne von Art. 2 lit. a IRSG erweist sich demnach als unbegründet. 12. 12.1 In einem nächsten Punkt macht der Beschwerdeführer geltend, die ihm in den Auslieferungsunterlagen zur Last gelegten Straftaten seien lediglich vorgeschoben worden, um ihn wegen seiner Desertion aus dem Kosov o- krieg zu verfolgen (act. 4, S. 10 ). Sinngemäss führt er aus, dass er 1998 in X. (Stadt im Südosten von Kosovo) seinen Militärdienst für die jugoslaw i- sche Volksarmee geleistet habe (act. 4, S.1) . Während dem Kosovokrieg habe er sich geweigert, Kriegsverbrechen gegen die nicht-serbische Bevöl- kerung zu begehen und er habe Soldaten, die Kriegsverbrechen verübt hät- ten, angezeigt, weswegen er innerhalb der Armee in Ungnade gefallen sei. Aufgrund dieser für ihn äusserst prekären Situation, in welcher er u.a. g e- schlagen, bedroht und provoziert worden sei, habe er sich gezwungen ge- sehen, mitsamt seinen Militärwaffen nach Hause zu fliehen (act. 4, S. 11). 12.2 Einem Auslieferungsersuchen wird nicht entsprochen, wenn Gegenstand des Verfahrens ein militärisches Delikt im Sinne von Art. 3 Abs. 1 IRSG ist. Die Auslieferung wird auch nicht bewilligt, wenn die strafbare Handlung, de- rentwegen sie begehrt wird, vom ersuchten Staat als eine politische oder eine mit einer solchen zusammenhängende strafbare Handlung angesehen wird (Art. 3 Ziff. 1 EAUe; vgl. auch Art. 3 Abs. 1 IRSG). Ebenso wird d ie Auslieferung nicht bewilligt, wenn der ersuchende Staat ernstliche Gründe hat, anzunehmen, dass das Auslieferungsersuchen wegen einer nach g e- meinem Rechts strafbaren Handlung gestellt worden ist, um eine Person aus rassischen, religiösen, nationalen oder auf politischen Anschauungen beruhenden Erwägungen zu verfolgen oder zu bestrafen, oder dass die verfolgte Person der Gefahr einer Erschwerung ihrer Lage aus einem di e- ser Gründe ausgesetzt wäre (Art. 3 Ziff. 2 EAUe; Art. 2 lit. b IRSG). Um den Schutz der Bestimmungen von Art. 3 Ziff. 2 EAUe und Art. 2 lit. b IRSG b e- anspruchen zu können, genügt es nicht, dass die Person, deren Auslief e- rung verlangt wird, behauptet, aufgrund einer besonderen rechtspolitischen Lage bedroht zu sein. Sie muss vielmehr in glaubhafter Weise darlegen, inwiefern ernsthafte und objektive Risiken einer verbotenen Diskriminierung - 15 - bestehen sowie konkret aufzeigen, dass die strafrechtliche Verfolgung nur vorgeschoben und in Wirklichkeit politisch m otiviert ist (BGE 132 II 469 E. 2.4 S. 472 f.; 129 II 268 E. 6.3 S. 272). 12.3 Zunächst ist auf das am 26. Februar 2001 verabschiedete und am 5. März 2001 in Kraft getretene Amnestiegesetz der damaligen Bundesr e- publik Jugoslawien einzugehen, das ab 2003 seine Gültigkeit auch im Staa- tenbund Serbien und Montenegro hatte bzw. ab 2006 ebenfalls in Serbien als Nachfolgestaat des Staatenbundes gilt. Dieses Amnestiegesetz gilt für Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründ en und Deserteure, die sich dem Militärdienst in der jugoslawischen Armee zwischen April 1992 und Oktober 2000 entzogen haben . Eine Desertion im Jahre 1998 , wie vorli e- gend vom Beschwerdeführer geltend gemacht, unterliegt nach diesem A m- nestiegesetz keiner Strafverfolgung mehr. 12.4 Was die allgemeine Menschenrechtssituation von (Kriegs-)Deserteuren in Serbien ab 1999 und die Wirksamkeit des vorgenannten Amnestiegesetzes anbelangt, zeichnen die nachfolgenden Berichte folgendes Bild: Gemäss dem Jahresbericht 200 0 (Berichtszeitraum 1. Januar bis 31. Dezember 1999) der Menschenrechtsorganisation Amnesty Internati o- nal zur Bundesrepublik Jugoslawien seien Tausende Männer, unter ihnen Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen, die sich während des Ausnahmezustands den Einberufungsbestimmungen widersetzt hätten, strafrechtlich verfolgt worden und hätten mit der Verhängung von erhöhten Strafen rechnen müssen (s. im Einzelnen auch "The forgotten resisters - the plight of conscientious objectors to military service afte r the conflict in Kosovo", Amnesty International-Index EUR 70/111/99). Zum Berichtszeitraum 1. Januar bis 31. Dezember 2000 führte Amnesty I n- ternational in ihrem Jahresbericht 2001 aus, dass in der Zeit vor den Präs i- dentschaftswahlen und der Ernennung ei ner neuen Regierung im O ktober ein Anstieg sowohl der Zahl als auch der Schwere der berichteten Me n- schenrechtsverletzungen zu verzeichnen gewesen sei. Die Mehrzahl der Übergriffe habe sich neben anderen Personengruppen auch gegen Krieg s- dienstverweigerer au s Gewissensgründen gerichtet. Zu den bekannt g e- wordenen Menschenrechtsverletzungen würden unter anderem willkürl iche Inhaftierungen, Misshandlungen, unfaire Gerichtsverfahren und politisch motivierte Strafverfolgung zählen. Nach dem Regierungswechsel habe sich die Situation merklich gebessert, doch seien auch weiterhin Beric hte über Misshandlungen durch Polizeibeamte eingetroffen. Anfangs Jahr seien Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen sowie Deserteure weite r-- 16 - hin strafgerichtlich verfolgt worden. Bis Ende November seien jedoch sämt- liche Personen, die wegen Kriegsdienstverweigerung oder Desertion Fre i- heitsstrafen verbüsst hätten, aus der Haft entlassen worden. Diejenigen, die das Land verlassen hätten oder untergetaucht seien, müssten weiterhin mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen. Zwar hätten die Behörde ein A m- nestiegesetz für diese Fälle angekündigt, das jedoch bis Ende 2000 dem Parlament noch nicht vorgelegt worden sei. Die für den Zivildienst gelte n- den Regelungen würden hinter den internationalen Standards zurückblei- ben (s. im Einzelnen "Still forgotten - an update on conscientious objectors after the Kosovo conflict", Amnesty International-Index EUR 70/028/200). Amnesty International hielt in ihrem Jahresbericht 2002 (Berichtszeitraum 1. Januar bis 31. Dezember 2001) fest, dass im Februar ein Amnestieg e- setz in Kraft getreten sei, das Kriegsdienstverweigerern aus Gewisse n- gründen und Deserteuren, die es abgelehnt hätten, zwischen 1992 und 2000 an den Kriegshandlungen teilzunehmen, Schutz vor straf rechtlicher Verfolgung gewähren würde. Anschliessend wies sie auf den Fall des K o- ordinators des Netzwerkes für Kriegsdienstverweigerer aus Gewissen s- gründen hin, welcher im Zusammenhang mit seiner angeblichen Desertion aus der jugoslawischen Armee im Jahr 1 999 vor das Militärgericht gestellt, aber später ohne Anklageerhebung wieder freigekommen sei. Trotz des Amnestiegesetzes sei er sodann zwischen März und September 2001 we i- tere vier Mal beim Verlassen des Landes verhaftet worden, als er im Au s- land an Konferenzen über Kriegsdienstverweigerung habe teilnehmen wo l- len. Im Dezember 2001 habe das Bundesparlament ein Gesetz vera b- schiedet, in dem die Dauer der Wehrpflicht auf neun Monate und die des alternativen Dienstes in nicht für Kampfeinsätze vorgesehenen Einh eiten des Militärs auf 13 Monate gesenkt worden sei. Gemäss dem Jahresbericht 2003 (Berichtszeitraum 1. Januar bis 31. D e- zember 2002) würde zwar nach wie vor für Kriegsdienstverweigerer kein gesetzlicher Anspruch auf eine echte Alternative zum Militärdie nst best e- hen. Amnesty International hielt hierzu fest, dass mindestens sieben Mä n- ner wegen Kriegsdienstverweigerung verurteilt worden seien und minde s- tens zwei Personen die gegen sie wegen Kriegsdienstverweigerung ve r- hängten Freiheitsstrafen hätten antreten müssen. Im Bericht wurden hinge- gen keine Fälle von strafrechtlicher Verfolgung von Deserteuren oder Übergriffen anderer Art gegenüber Deserteuren genannt. Solches ist auch nicht den folgenden Jahresberichten 2004 bis 2012 (Berichtszeitraum 1. Januar 2003 bis 31. Dezember 2011) von Amnesty International zu Se r- bien zu entnehmen. In ihrem Asylgutachten vom 22. Dezember 2004 zum Amnestiegesetz präzisierte Amnesty International, das am 5. März 2001 in - 17 - Kraft getretene Amnestiegesetz werde nach ihren Erkenntnissen weites t- gehend umgesetzt und die vereinzelten Ausnahmen seien v.a. auf U n- kenntnis der unteren Verwaltungsebenen des Militärs zurückzufüh ren (Am- nesty International-Index, EUR 70-04.051). Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass seit 2002 und somit se it ei- nem Jahrzehnt Amnesty International keine Fälle von strafrechtlicher Ve r- folgung von Kriegsdeserteuren und deren Diskriminierung verzeichnet. Hinweise auf solche Fälle sind auch nicht den Fortschrittsberichten der E u- ropäischen Kommission über Serbien z u entnehmen (s. zuletzt Europä i- sche Kommission, Serbia 2010 Progress Report vom 9. November 2010, SEC[2010] 1330 und Serbia 2012 Progress Report vom 10. Oktober 2012, SEC[2012] 330 final). 12.5 Der Beschwerdeführer bringt ausser der Behauptung, die serbischen Be- hörden hätten die ihm in den Auslieferungsunterlagen zur Last gelegten Straftaten lediglich vorgeschoben, um ihn wegen seiner Desertion aus dem Kosovokrieg zu verfolgen, nichts vor, was seine Darstellung fundieren könnte. Seine Ausführungen decken sich nicht mit den Beobachtungen von Amnesty International, welche, wie oben dargelegt, auf das Amnestieg e- setz für Deserteure hinweist und seit 2002 keine Fälle von militärstrafrech t- licher Verfolgung von Deserteuren registriert hat. Der Beschwerdeführer unterlässt es somit, in glaubhafter Weise darzulegen, dass die serbischen Behörden die strafrechtliche Verfolgung nur vorgeschoben haben und die- se in Wirklichkeit politisch m otiviert ist. Im Lichte dieser Ausführungen ist die Einrede des politischen Delikts demnach abzuweisen. 13. Vollständigkeitshalber sei erwähnt, dass der Beschwerdeführer an der Hauptverhandlung vom 14. März 2005 nicht anwesend war und ein Abw e- senheitsurteil im Sinne der serbischen Strafprozessordnung gegen ihn e r- gangen ist (s. supra 6.1), weswegen der Beschwerdegegner die serbischen Behörden in Anwendung von Art. 3 Ziff. 1 des 2. ZP am 3. Mai 2012 um Abgabe einer Zusicherung im Zusammenhang mit dem Abwesenheitsve r- fahren ersuchte. In der Folge erklärte das serbische Justizministerium mit Schreiben vom 18. Mai 2012, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Auslieferung eine neues Gerichtsverfahren gewährt werde, falls er dies ver- lange. Diese Erklärung der serbischen Behörde stellt eine ausreichende Zusicherung im Sinne von Art. 3 Ziff. 1 Satz 2 des 2. ZP dar und dem Be- schwerdeführer steht demnach die Möglichkeit offen, ein neues Gericht s- verfahren zu verlangen. - 18 - 14. Andere Auslieferungshindernisse werden weder geltend gemacht noch sind solche ersichtlich. Die Auslieferung des Beschwerdeführers an Serbi en für die dem Auslieferungsersuchen der serbischen Botschaft in Bern vom 10. April 2012 zugrunde liegenden Straftaten ist zulässig, weshalb die B e- schwerde abzuweisen ist. 15. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die G e- richtskosten selber zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG). Für die Berechnung der Gerichtsgebühren gelangt das Reg- lement des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, G e- bühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren (BStKR; SR 173.713.162) i.V.m. Art. 63 Abs. 5 VwVG zur Anwendung. Unter B e- rücksichtigung aller Umstände ist die Ge richtsgebühr vorliegend auf Fr. 1'500.-- festzusetzen. - 19 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Die Verfahren RR.2012.175 und RR.2012.194 werden vereinigt. 2. Die Einrede des politischen Delikts wird abgewiesen. 3. Die Beschwerde wird abgewiesen. 4. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. Bellinzona, 7. März 2013 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: Zustellung an - Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung - A. (alias B.) Rechtsmittelbelehrung Gegen Entscheide auf dem G ebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der int ernationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem Geheimbereich betrifft und es sic h um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).