<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird eingeladen, Bericht zu erstatten, wie die bisher ungleich verteilte bezahlte und unbezahlte Arbeit zwischen Frauen und Männern umverteilt werden kann. Der Bericht soll insbesondere aufzeigen:</p><p>1. mit welchen Massnahmen (Arbeitszeitverkürzungen, neue Arbeitszeitmodelle, verschiedene Formen der Arbeitsverteilung) alle Männer und Frauen im erwerbsfähigen Alter ihren Unterhalt durch bezahlte Arbeit zu angemessenen Bedingungen bestreiten können;</p><p>2. mit welchen Massnahmen eine gleichberechtigte Verteilung der gesellschaftlich notwendigen Nichterwerbsarbeit sowie der Dienste im Interesse der Allgemeinheit zwischen den Geschlechtern ohne soziale und berufliche Benachteiligung erreicht werden kann;</p><p>3. mit welchen Massnahmen allen Menschen im erwerbsfähigen Alter eine angemessene berufliche Weiterbildung oder Umschulung ermöglicht werden kann.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Dieses Postulat stammt aus einer von der Gesellschaft für gerechte Arbeitsverteilung lancierten Initiative, der kein Erfolg beschieden war und die als Petition (mit 20 000 Unterschriften versehen) auf der Bundeskanzlei deponiert wurde. Frau Goll hat in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben beantragt, die Petition in ein Postulat umzuwandeln und in dieser Form vorzulegen. Dieser Antrag ist von der Kommission an der Sitzung vom 31. Januar 2000 mit 15 zu 7 Stimmen abgelehnt worden.</p><p>Das Postulat verlangt die Erstellung einer Analyse betreffend drei verschiedene Arten von Eingriffen mit dem Ziel, eine insgesamt bessere Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern herbeizuführen. Vorab geht es dabei um Massnahmen, die es der erwerbsfähigen Bevölkerung ermöglichen sollen, auch bei Arbeitszeitverkürzungen von ihrer Berufstätigkeit leben zu können. Ausserdem sollen Massnahmen studiert werden, die es erlauben, die unbezahlten Tätigkeiten und die Dienste im Interesse der Allgemeinheit gleichmässig auf Männer und Frauen aufzuteilen. Schliesslich sollen die für alle erwerbsfähigen Personen verfügbaren Weiterbildungs- und Umschulungsmassnahmen erforscht werden. Der Bundesrat anerkennt die Bedeutung dieser drei Zielsetzungen. Seiner Meinung nach basiert eine generelle Arbeitszeitverkürzung auf der Idee, dass der Faktor Arbeit leicht auf eine grössere Anzahl von Arbeitnehmenden aufgeteilt werden könnte. Nun sind aber gewisse Tätigkeiten nicht beliebig teilbar. Ferner ist die Arbeit nicht einfach eine starre Grösse, die nur besser auf die Individuen verteilt werden müsste ("lump of labour fallacy"). Hingegen könnten nach Auffassung des Bundesrates individuelle, auf der Ebene der Unternehmen und in bestimmten Branchen ausgehandelte Arbeitszeitverkürzungen Arbeitsplätze schaffen. Kürzlich hat das Seco einen praktischen, von der Aufsichtskommission für den Ausgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung finanzierten Führer herausgegeben. Dieser richtet sich an Unternehmen, die an einer Arbeitszeitverkürzung im Verbund mit einer erhöhten Arbeitszeitflexibilität interessiert sind.</p><p>Ausserdem ist der Bundesrat durchaus der Auffassung, dass die unbezahlte Arbeit und die Dienste im Interesse der Allgemeinheit von Männern und Frauen gleichmässig wahrgenommen werden sollten. Dies ist zurzeit offensichtlich noch nicht der Fall, sind es doch die Frauen, auf welche der überwiegende Anteil an unbezahlter Arbeit entfällt. Auch ist festzustellen, dass die Gleichheit zwischen den Geschlechtern im Berufsleben faktisch noch nicht verwirklicht ist. Dies schränkt die Wahlfreiheit der Individuen ein. Es ist nämlich anzunehmen, dass Lohndiskriminierungen oder ungleiche Berufsaussichten zwischen Frauen und Männern es einem Paar nicht erlauben, völlig frei zu entscheiden, wer nun auf eine Berufsausübung verzichten oder die Arbeitszeit reduzieren soll, um sich der Erziehung der Kinder zu widmen. Im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung erstellt das Bundesamt für Statistik regelmässig eine Analyse über die von den Individuen dem Haushalt, der Freizeit und der Erwerbstätigkeit gewidmete Zeit. Zudem hat der Bundesrat in seiner Stellungnahme vom 23. Februar 2000 auf die Motion Goll 99.3610 bereits präzisiert, dass er vom Nutzen einer Untersuchung betreffend das Zeitbudget überzeugt ist und dafür sorgen wird, dass sie in das Mehrjahresprogramm 2003-2007 aufgenommen wird.</p><p>Nicht zuletzt fördert der Bundesrat offen eine Bildungspolitik, insbesondere auch eine solche berufsbegleitender Art. So hat er den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung mit der Lancierung eines landesweiten Forschungsprogrammes über das Thema Ausbildung und Beschäftigung, dotiert mit 8 Millionen Franken, beauftragt. Eines der von den Forschern behandelten Themen wird die Weiterbildung sein. Die ersten Studien starten im Laufe des Frühjahres 2000. Eine zusätzliche Studie zu dieser Frage scheint zurzeit verfrüht.</p>  Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.