B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-924/2014 U r t e i l v o m 1 4 . O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Walter Stöckli, Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. Parteien A._______, und deren Kinder B._______, und C._______, Eritrea, vertreten durch D._______, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 20. Januar 2014 / N (…). E-924/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. D._______, ein von der Schweiz anerkannter Flüchtling (N […]), ersuchte mit Schreiben vom 20. April 2012 an das BFM um Einreise und Asylg e- währung für seine drei Brüder , darunter E._______ (geboren am […] wohnhaft in Khartoum) und dessen Ehefrau – A._______ (geboren am […], wohnhaft in Khartoum) – und deren gemeinsame Söhne B._______ (geboren am […]) und C._______ (geboren am […]). Hinsichtlich E._______ machte er im Wesentlichen geltend, dieser sei zu- sammen mit seiner Ehefrau und den gemeinsamen Kindern im (…) 2011 aus Eritrea ausgereist. Von Schleppern seien sie direkt nach Khartoum gebracht worden, wo das Leben für sie sehr hart sei. B. Mit Eingabe vom 21. Mai 2012 reicht e D._______ je eine Vollmacht zu seinen Gunsten unterschrieben von A._______ und von E._______ beim Bundesamt ein. C. Der Rechtsv ertreter, D._______, teilte am 16. Juli 2012 dem BFM mit, dass sein Bruder E._______ durch Angehörige der ethnischen Rashaida (…) entführt worden sei. D. Mit Schreiben vom 28. September 2012 teilte das BFM dem Rechtsver- treter mit, dass die Schweizer Botschaft aufgrund des begrenzten Pe r- sonalbestandes sowie fehlender Voraussetzungen im sicherheitstechn i- schen und räumlichen Bereich nich t in der Lage sei, Befragungen von Asylsuchenden durchzuführen. Gleichzeitig wurde n A._______ und E._______ mittels eines detaillierten Fragekatalogs aufgef ordert, nähere Angaben zu ihrer Person und ihrer Situation in Eritrea sowie im Sudan zu machen. E. Mit Eingabe vom 25. Oktober 2012 nahm die Beschwerdeführerin dazu fristgerecht Stellung. Am 24. Dezember 2013 folgte eine ergänzende Ei n- gabe. F. Das BFM verfü gte am 20. Januar 2014, dass das Asylgesuch von E-924/2014 Seite 3 E._______ mangels Rechtsschutzinteresse als gegenstands los ab zu- schreiben sei. G. Mit einer weiteren Verfügung gleichen Datums – eröffnet am 23. Januar 2014 – verweigerte es die Einreise der Beschwerdeführenden in die Schweiz und lehnte deren Asylgesuche ab. Es begründete diesen En t- scheid im Wesentlichen damit, d ass zwar darauf zu schliessen sei, dass die Beschwerdeführerin ernstzunehmende Schwierigkeiten mi t den he i- matlichen Behörden habe . Es sei zudem nicht zu verkennen, dass die Lage vor Ort für eritreische Flüchtlinge nicht einfach sei, indes würden vorliegend keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, dass ein weiterer Verbleib im Sudan für die Beschwerdeführenden ni cht zumutbar oder möglich wäre. H. Mit Eingabe vom 12. Februar 2014 wurde dem BFM im Namen der B e- schwerdeführenden eine Vollmacht zugun sten der Berner Rechtsber a- tungsstelle für Menschen in Not – ausgestellt von D._______ – zugestellt. I. Am 20. Februar 2014 erhob D._______ gegen die Verfügung vom 20. Januar 2014 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und bea n- tragte dabei, nach Aufhebung der Verfügung sei den Beschwerdeführe n- den die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und es sei ihnen Asyl zu gewähren. In prozessrechtlicher Hinsicht sei die unentgeltliche Recht s- pflege zu gewähren und von der Erhebung eines Ko stenvorschusses ab- zusehen. Diese Rechtsmitteleingabe wurde im Wesentlichen damit b e- gründet, die Beschwerdeführerin sei in Eritrea aufgrund des Verschwi n- dens ihres Ehemannes von den dortigen Behörden verfolgt worden. Nach ihrer Ausreise habe sie in Khartoum ihren Ehemann wieder getro ffen, doch später sei er in (…) entführt worden. Ihr Leben in Khartoum sei menschenunwürdig, da sie wiederholt sexuell misshandelt worden sei. J. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde mit Verfügung vom 25. Juni 2014 verzichtet und das Gesuch um unen tgeltliche Prozessfüh- rung u nd Rechtsverbeiständung abgewiesen (Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]). E-924/2014 Seite 4 K. Im vorinstanzlichen Dossier fanden sich ein Ausdruck einer E -Mail vom (…) 2012 in englischer Sprache von D._______ (zwei Seiten); Kopien ei- nes Certificate's of Marriage von E._______ und A._______ vom (…) 2010 (mit Heiratsdatum vom […]), von Geburtsurkunden vom (…) 2005 von C._______ (geboren am […]) und von B._______ (geboren am […]), von eritreischen Identitätskarten (No. […] und […]), eines Familienfotos , eines Diploms des Asmara (…) Training Institute vom (…), eines Student Transcripts von A._______, sowie eines Empfehlungsschreibens der (…) Asmara vom (…) 2010. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die besc hwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt n icht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingerei cht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorin stanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bzw. Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. E-924/2014 Seite 5 1.4 Auf einen Schriftenwechsel wurde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts im Asylbereich und die zu- lässigen Rügen richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Soweit mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. Sep- tember 2012 (AS 2012 5359; in Kraft getreten am 29. September 2012) die Möglichke it der Asylgesuchstellung im Ausland abgeschafft wurde, kommt dies im vorliegenden Fall nicht zur Anwendung, da gemäss Übe r- gangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012 für Asylges u- che, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung gestellt worde n sind – was vorliegend zutrifft –, die einschlägigen Normen in der bisher i- gen Fassung gelten. 4. 4.1 Gemäss aArt. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch aus dem Ausland direkt beim BFM eingereicht werden (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3). Hi n- sichtlich des Verfahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht aArt. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt. Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen andern Staat auszureisen (aArt. 20 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib namentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbe- dürftig ist, d.h. wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen A n- schauung ernsthaften Nachte ilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Das BFM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hinwei- se auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder E-924/2014 Seite 6 ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (aArt. 52 Abs. 2 AsylG). 4.3 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Beurteilungsspielraum z u- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zu mutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Einglied e- rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschla g- gebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzb e- dürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prüfung der Frage, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wurde und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabkläru n- gen zugemutet werden kann. Die Einreise ist aber selbst im Falle einer allfälligen Schutzbedürftigkeit zu verweigern, wenn Asylausschlussgründe vorliegen (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3). 4.4 Eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ist dann glaubhaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Gemäss der Eingabe vom 20. April 2012 habe E._______ in Eritrea bis im (…) 2008 an verschiedenen Orten als Lehrer gearbeitet, wobei er im (…) 2006 für (…) Tage auf einer Polizeistation festgehalten worden sei. Als die Lage für ihn unerträglich gew orden sei, habe er einen Flucht- versuch unternommen. Doch sei er von Grenzsoldaten verhaftet und ins (…) Gefängnis in der Nähe von F._______ gebracht worden. Nach zwei Jahren sei er freigelassen und mit einer Verwarnung wieder an die Arbeit geschickt worden. Als der Druck für ihn zu hoch geworden sei, sei er im (…) 2011 – diesmal erfolgreich – aus Eritrea ausgereist. Von Schleppern sei er direkt nach Khartoum gebracht worden, weshalb er über keine n Flüchtlingsausweis verfüge. Das Leben in Khartoum sei sehr hart, zwar fände er immer wieder Arbeit, doch manchmal werde er nicht bezahlt oder sogar verhaftet, dann m üsse er sich wieder freikaufen (A1 S. 2 f.; vgl. auch E -Mail vom […] 2012). Mit Schreiben vom 16. Juli 2012 wurde E-924/2014 Seite 7 das BFM informiert, dass E._______, als er – durch e inen Sudanesen vermittelt – in der Landwirtschaft abseits von Khartoum habe arbeiten wollen, durch Angehörige der ethnischen Rashaida (…) entführt worden sei. Man habe seine Ehefrau in Khartoum aufgefordert, Lösegeld zu b e- zahlen, was sie nicht habe erfüllen können (A6). Nach den neuesten E r- kenntnissen sei nicht klar, ob er sich inzwischen in G._______ oder in H._______ aufhalten würde (A10). 5.2 Die Beschwerdeführerin machte mittels ihrer Stellungnahme vom 25. Oktober 2012 geltend, sie sei in ihrem Zuhause von eritreischen Si- cherheitskräften aufgesucht und verhaftet worden, als ihr Ehemann Eri t- rea Richtung Sudan verlassen habe. Sie sei auf einer Polizeistation fes t- gehalten worden, bis ihr Schwiegervater nach einem Monat die Busse von 50'000 Nakfa habe bezahlen k önnen. Nachdem sie noch zweimal t e- lefonisch bedroht worden sei, habe sie sich entschlossen, Eritrea zu ve r- lassen. Am (…) 2011 habe sie die Grenze in den Sudan mit ihren Kindern illegal überquert und sei nach Khartoum gereist (A8 S. 3). Derzeit lebe sie in Khartoum bei ihrem (...) I._______, welcher auf sie und ihre Kinder aufpasse und als Taglöhner in einem (…)laden arbeite (A8 S. 3). Ihre Situation sei indes als unzumutbar zu betrachten, da ihre Ki n- der nicht in die Schule dürften. Zudem sei sie vom So hn der sudanesi- schen Familie, für welche sie den Haushalt geführt habe, sexuell belästigt und vergewaltigt worden, weshalb sie diese Tätigkeit aufgegeben habe. Aber auch als sie noch im (...) gearbeitet habe, sei sie immer wieder – auch von Polizisten – zu sexuellen Handlungen aufgefordert worden; dies insbesondere, weil sie über keinen Flüchtlingsausweis von UNHCR ve r- füge (A8 S. 4). 5.3 Gemäss dem Schreiben vom 24. Dezember 2013 sei J._______ – mutmasslich identisch mit I._______ – im (…) 2013 aus dem Sudan Rich- tung H._______ ausgereist, wo er für (…) ins Gefängnis gekommen sei. Sein derzeitiger Aufenthaltsort sei unbekannt (A10). 5.4 Das BFM hielt in seiner Verfügung vom 20. Januar 2014 zwar fest, dass die Beschwerdeführerin ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden habe. Hinsichtlich der Lage von eritreischen Flüchtlingen im Sudan sei nicht zu verkennen, dass diese nicht einfach sei. Dennoch würden keine konkreten Anhaltspunkte zur Annahme b e- stehen, dass ein weiterer Verbleib für die Beschwerdef ührenden im S u- dan nicht zumutbar oder möglich wäre. Es sei ihnen insbesondere zuz u-E-924/2014 Seite 8 muten, sich beim UNHCR registrieren zu lassen, sollte ihre Situation – keine Schulbildung für die Kinder sowie der Umstand, dass die B e- schwerdeführerin sexuell belästigt und schikaniert werde – tatsächlich derart kritisch sein. Die Befürchtung der Beschwerdeführenden, nach Erit- rea zurückgeschafft zu werden, sei unbegründet, da das Risiko einer D e- portation oder Verschleppung von vom UNHCR registrierten Eritreern g e- ring sei. Zud em sei nicht glaubhaft dargelegt worden, weshalb die B e- schwerdeführenden persönlich faktisch und unmittelbar bedroht sein sol l- ten. Obwohl das Leben in Khartoum gewiss nicht einfach sei, seien die B e- schwerdeführenden doch schon mehr als zwei Jahre in dieser Stadt. Die Beschwerdeführerin sei verschiedenen Tätigkeiten nach gekommen, so dass die Hürden für eine zumutbare Existenz in Khartoum nicht unübe r- windbar seien, auch wenn die Beschwerdeführerin als Frau auf dem A r- beitsmarkt exponiert und den Schikanen der sudanesischen Polizei au s- geliefert sei. Dank ihrer beruflichen Erfahrung könne sie, wie sie durch ih- re Stellenwechsel bewiesen habe, für sich und ihre Kinder sorgen und sich auch einzelnen Schikanen oder sexuellen Belästigungen entziehen. Zudem kümmere sic h ihr (…) um sie und in Khartoum lebe eine grosse eritreische Diaspora, die für in Not geratene Landsleute bereitstehe und Unterstützung biete. Der in der Schweiz lebende (...) sei als Anknüpfungspunkt zur Schweiz nicht derart gewichtig, als dass eine Abwägung dazu führen müsse, dass es gerade dieses Land sei, welches den erforderlichen Schutz gewähren solle. 5.5 Mittels der Rechtsmitteleingabe vom 20. Februar 2014 wurde das Bundesverwaltungsgericht dahingehend informiert, dass die Beschwerde- führerin von (…) 2007 bis (…) 2010 in Asmara als (…) (gemäss Bestäti- gungsschreiben vom […] 2010 für die […] Asmara, A8) tätig gewesen sei. Ihr Ehemann habe im (…) 2011 Eritrea verlassen, danach sei sie von S i- cherheitsbeamten aufgesucht und nach ihrem Ehemann befragt worden. Da sie nicht gewusst habe, wo er sich damals aufgehalten habe, habe man sie auf eine Polizeistation mitgenommen. Sie sei erst nach einer Be- zahlung von 50'000 Nakfa freigelassen, indes weiterhin belästigt worden, weshalb sie sich entschieden habe, Eritrea zu verlassen. Im (…) 2011 sei sie nach Khartoum gereist, wo sie ihren Ehemann wieder getroffen habe. Dieser habe die Stadt spä ter verlassen. Deswegen wisse sie derzeit nicht, wo er sich aufhalte. E-924/2014 Seite 9 In Khartoum habe sie in einem (…) und als Haushaltshilfe gearbeitet. Der Sohn der Familie, bei welcher sie angestellt gewesen sei, habe sie wi e- derholt sexuell belästigt und vergewaltigt. Die Arbeit im (...) habe sie auf- gegeben, da sie von sudanesischen Polizisten bedroht worden sei . Ihr (...), mit welchem sie zusammen gelebt habe, habe Khartoum im (…) 2013 verlassen, seither lebe sie als Christin in dieser Stadt ohne soziale Hilfe und Arbeit und sei für die Schutz ihrer Kinder alleine verantwortlich. Die Beschwerdeführerin fürchte sich ferner vor einer Reise in das UNHCR-Lager Shagarab, da Flüchtlinge an den Kontrollposten festgehal- ten und zur Zahlung einer hohen Summe genötigt oder inhaftiert würden. Aber auch die Versorgungslage im Lager sei schlecht und es bestehe die Gefahr, dass Me nschen direkt aus dem Lager verschleppt würden. Z u- dem befürchte sie, nach Eritrea deportiert zu werden. Die Familie der Beschwerdeführerin befinde sich in Eritrea und der Au f- enthaltsort ihres Ehemannes sei unbekannt. Die Bindung zu ihrem Rechtsvertreter und (...) in der Schweiz sei sehr eng; er sei ihre einzige Bezugsperson, zu welchem sie noch Kontakt habe. Zeitweilig werde sie von ihm finanziell unterstützt. 6. 6.1 Gemäss verschiedenen Bericht en zu Eritrea werden Angehörige von im Ausland lebenden Dissidenten, Wehrdienstpflichtigen und Deserteuren oder Personen, welche die von Eritreern im Ausland erhobene zweipr o- zentige Einkommenssteuer nicht bezahlt haben, von den Sicherheitso r- ganen befragt und häufig inhaftiert, damit sie den Aufenthaltsort der g e- suchten Person preisgeben (vgl. US Department of State, 2010 Human Rights Report, Eritrea, 2. April 2011, Section 1f; UNHCR, Eligibility Guide- lines for Assessing the International Protection Needs of Asylum -Seekers from Eritrea, 20. April 2011, S. 17 f.). Dem Bundesverwaltungsgericht ist auch bekannt, dass die Angehörigen eines Familienmitglieds, welches z.B. aus dem National Service desertiert ist, oftmals eine Strafe von 50'000 Nakfa – ohne dass dafür eine gesetzliche Grundlage bestehen würde – zu bezahlen haben. Wenn die Familie diese Strafe nicht beza h- len kann, können ihre Angehörigen festgenommen oder Eigentum bzw. Land kann beschlagnahmt werden, was indes nicht heissen muss, dass die Angehörigen von Deserteuren systematisch mit Haft bestraft werden, wenn sie den B etrag von 50'000 Nakfa nicht bezahlen können (vgl. A m- nesty International, Eritrea: 20 Years of Independence, but still no Fre e- dom, 2013). Hingegen sind dem Bundesverwaltungsgericht keine Fälle E-924/2014 Seite 10 von wiederkehrenden Bussen bekannt. Folglich liegt keine beacht liche Wahrscheinlichkeit einer bevorstehenden möglichen weiteren Verfo l- gungsmassnahme aufgrund der Desertion von E._______ im (…) 2011 vor, welche eine Furcht vor künftiger Verfolgung der Beschwerdeführe n- den begründen würde. 6.2 Indes ist davon auszuge hen, dass die Beschwerdeführenden im (…) 2011 Eritrea auf illegalem Weg verliess en. Die illegale Ausreise stellt e i- nen subjektiven Nachfluchtgrund dar, davon betroffene anerkannte Flüchtlinge werden von der Asylgewährung ausgeschlossen (Art. 54 AsylG). Gemäss der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts entspricht es aber nicht der gesetzlichen Logik, Personen, die sich im Ausland befi n- den, die Einreise in die Schweiz zu gewähren, um sie anschliessend – trotz einer allfälligen Anerkennung als Flüchtlinge – aus der Sch weiz wegzuweisen. Aus diesem Grund ist die Einreise trotz allfälligen Best e- hens der Flüchtlingseigenschaft und allfälliger Beziehungsnähe zur Schweiz nicht zu bewilligen (vgl. BVGE 2012/26 E. 7.1 m.w.H.). Zusammenfassend gilt festzustellen, dass hinsichtli ch der Situation im Heimatland keine Gefährdung nach Art. 3 AsylG vorliegt. Die Asyl - und Einreisegesuche sind unbesehen von der Beziehungsnähe zur Schweiz und ohne nähere Prüfung, inwiefern ein Verbleib für die Beschwerdefü h- renden im Sudan zumutbar ist, a bzulehnen. Ohnehin ist im vorliegenden Fall mutmasslich von einem zumutbaren Verbleib im derzeitigen Aufen t- haltsstaat auszugehen, da die Beschwerdeführenden in ein Lager des UNHCR reisen können, wo die sudanesische Regierung für ihren Zugang zum RSD-Verfahren (Refugee-Status-Determination) des UNHCR sorgt und rund 99% der ankommenden asylsuchenden Personen Flüchtling s- status gewährt. Das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Erit- reer, die im Sudan als Flüchtlinge anerkannt worden sind, ist eher gering, da die sudanesischen Behörden zwar teilweise eritreische Asylsuchende sowie Flüchtlinge de portieren, dies indes nicht flächendeckend erfolgt (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -6478/2013 vom 24. Dezember 2013 E. 5.3 m.w.H.). Seit Februar 2013 ist von keinen Ent- führungen oder von Menschenhandel aus den UNHCR -Camps berichtet worden; neuere Fälle fanden Berichten zufolge in Grenzgebieten und a n- deren Orten im Sudan statt. Zwar ist ein Leben für eine alleinstehende Frau mit Kindern in ein em Flüchtlingslager bestimmt beschwerlich, doch ist anzunehmen, dass das UNHCR bemüht ist, den Grundbedarf an Ve r- sorgung und Betreuung zu decken. Hinzu kommt im konkreten Fall, dass E-924/2014 Seite 11 die Beschwerdeführerin zeitweilig von ihrem (...) aus der Schweiz fina n- ziell unterstützt wird. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das BFM hat die Asyl- gesuche und die Ges uche um Einreise in die Schweiz zu Recht abg e- lehnt. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG), indes wurde mit Verfügu ng vom 25. Juni 2014 bereits auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet. (Dispositiv nächste Seite) E-924/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die zu- ständige schweizerische Vertretung. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe Versand: