Obergericht des Kantons Zürich Verwaltungskommission Geschäfts-Nr.: VB140004-O/U Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident lic. iur. R. Naef, Vizepräsident lic. iur. M. Burger, Oberrichterin Dr. D. Scherrer, Oberrichter lic. iur. P. Helm und Oberrichter lic. iur. Th. Meyer sowie die Ge- richtsschreiberin lic. iur. A. Gürber Beschluss vom 11. Juni 2014 gegen A._____, Beschwerdegegner betreffend Aufsichtsbeschwerde - 2 - Erwägungen: I. 1. Mit Eingabe vom 9. Februar 2014 richtete B._____ (nachfolgend: Anzeige- erstatterin) eine Eingabe an das Obergericht des Kantons Zürich betreffend "Be- schwerde". Einen ausdrücklichen Antrag enthält diese Beschwerde nicht, es kann den Ausführungen jedoch entnommen werden, dass die Anzeigeerstatterin im Wesentlichen das Verhalten von Bezirks richter lic. iur. A._____ im Zusammen- hang mit einer zwischen ihm und der Anzeigeerstatterin bestehenden erbrechtli- chen Streitigkeiten beanstandet (act. 1). 2. Mit Schreiben vom 28. Februar 2014 wurde der Anzeigeerstatterin der Ei n- gang ihrer Aufsichtsbeschwerde bestätigt und sie wurde darauf hingewiesen, dass ihr als Anzeigeerstatterin im aufsichtsrechtlichen Beschwerdeverfahren kei- ne Verfahrensrechte zustehen, namentlich weder ein Anspruch auf Kenntnisnah- me der Erledigung des Verfahrens noch ein Recht zur Ergreifung eines Recht s- mittels bestehe (act. 3). 3. Am 17. Februar 2014 richtete die Anzeigeerstatterin eine mit der vorliege n- den Beschwerde weitgehend identische Eingabe an die Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich, welche Letztere mit Schreiben vom 27. Februar 2014 zuständigkeitshalber an das Obergericht weiterleitete . Diese Eingabe wurde zu den Akten des vorliegenden Verfahrens genommen (act. 4). 4. Nach § 83 Abs. 2 GOG stellt die Aufsichtsbehörde die Aufsichtsbeschwerde den Betroffenen zur schrift lichen Vernehmlassung zu, wenn sie sich nicht sofort als unbegründet erweist. Da dies - wie im Folgenden zu zeigen sein wird - der Fall ist, kann auf eine Vernehmlassung verzichtet werden. - 3 - II. Gemäss § 80 lit. b i.V.m. § 84 GOG i.V.m. § 18 lit. k der Verordnung über die O r- ganisation des Obergerichts (LS 212.51) übt die Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich die Aufsicht über die dem Obergericht unterstell- ten Gerichte und nach § 80 Abs. 2 GOG die mittelbare Aufsicht über die den B e- zirksgerichten unterstellten Behörden aus (vgl. auch Hauser/Schweri/Lieber, GOG-Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2012, N 1 zu § 80 GOG und N 1 zu § 84 GOG). Die Verwaltungskommission ist daher zur Behandlung der Beschwerde zuständig. III. 1. Aufgabe der Aufsichtsbehörde ist es, durch Gebrauch ihrer Aufsichts - und Disziplinargewalt auf entsprechende Anzeige hin ein ordnungs - und rechtswidri- ges Verhalten einer Justizperson zu ahnden (sog. administrative Beschwerde) oder eine tatsächlich oder vermeintlich unrechtmässige oder unzweckmässige Anordnung aufzuheben bzw. abzuändern (sog. sachliche Beschwerde). Mit der administrativen Aufsichtsbeschwerde wird die Aufsichtsbehörde veranlasst, von ihrer Aufsichts- und Disziplinargewalt Gebrauch zu machen. Ihrem Wesen nach stellt die administrative Aufsichtsbeschwerde nichts anderes als eine Verzeigung dar, mit der auf ein ordnungs - und rechtswidriges Verhalten einer Justizperson hingewiesen wird. Dieses kann ei ne Saumseligkeit (d.h. eine Unterlassung pflichtgemäss beförderlichen Handelns und somit ein schuldhafterweise zu geri n- ger persönlicher Einsatz) oder ein ungehöriges (vorwiegend subjektiv betontes und somit zu weit gehendes persönlich bestimmtes) Handeln s ein. Eine Au f- sichtsanzeige verpflichtet die Aufsichtsbehörde nicht zum Eingreifen bzw. zur A n- handnahme eines Verfahrens, immerhin kann sich aber aus der Art der Vorwürfe die Pflicht der Aufsichtsbehörde ergeben, weitere Abklärungen zu treffen. Keine Anhandnahme eines Verfahrens erfolgt dann, wenn sich aus der Art der Vorwürfe ergibt, dass die Anzeige offensichtlich unbegründet ist (vgl. zum Ganzen Hauser/ Schweri/Lieber, a.a.O., N 43 f. zu § 82 GOG). - 4 - 2. Eine Aufsichtsbeschwerde ist innert zehn Tagen seit Kenntnisnahme der Amtspflichtverletzung schriftlich einzureichen. Sie hat einen Antrag und eine B e- gründung zu enthalten (§ 83 Abs. 1 GOG). Es erscheint bereits als fraglich, ob die Anzeigeerstatterin diese Frist für die Erhebung einer Beschwerde gewahrt hat . Zwar ist ihrer Beschwerde nicht zu entnehmen, wann sich die von der Anzeigeer- statterin beanstandeten Vorfälle ereignet haben (vgl. act. 1), doch datiert das ihrer Beschwerde vom 9. Februar 2014 beigelegte Schreiben von Bezi rksrichter lic. iur. A._____ vom 10. März 2012 (act. 2). Die Frage der Fristwahrung kann jedoch letztlich offengelassen werden, da - wie nachfolgend zu zeigen ist - ohnehin von der Anordnung von aufsichtsrechtlichen Massnahmen abzusehen ist. 3. Die Anzeigeerstatterin legt zunächst die Geschehnisse vor dem Tod der Erblasserin C._____ am tt.mm.2011 dar (act. 1 S. 1 f.) und schildert hernach die Konflikte, welche zwischen ihr und Bezirksrichter lic. iur. A._____ entstanden sind. In diesem Zusammenhang wirft sie Bezirksrichter lic. iur. A._____ zusammenge- fasst vor, dieser habe Auskünfte über Sachverhalte erhalten, welche er aufgrund des Bankgeheimnisses nicht hätte erhalten sollen. Zudem habe er absurde B e- hauptungen aufgestellt, habe gedroht und sei selbst vor erpresserischen Machen- schaften ni cht zurückgeschreckt. Der Eindruck dränge sich auf, dass er seine Funktion als Richter für private Interessen genutzt habe bzw. als Richter und Pr ä- sident eines Gerichts erheblichen Einfluss auf Verfahren und Menschen genom- men habe mit dem Ziel, seine Interessen und Welten zu bedienen (act. 1 S. 2 und S. 3). 4. Der vorliegenden Beschwerde liegt ein rein privater Konflikt zwischen der Anzeigeerstatterin und Bezirksrichter lic. iur. A._____ zugrunde, welcher nicht d i- rekt dessen Richtertätigkeit betrifft. Es handelt sich nicht um einen Rechtsstreit, der am Bezirksgericht D._____ pendent ist und in dem Bezirksrichter A._____ als Richter amtet, sondern um einen Erbstreit, in den die Anzeigeerstatt erin und B e- zirksrichter A._____ verwickelt sind. Beim Vorwurf, Bezirksrichter lic. iur. A._____ habe seine Funktion als Richter bzw. als Präsident des Bezirksgerichts D._____ zur Durchsetzung seiner privaten Interessen genutzt , handelt es sich um eine blosse Vermutung der Anzeigeerstatterin ("Der Eindruck drängt sich hier auf, dass - 5 - seine Funktion als Richter hier für private Interessen genutzt werden" bzw. "Die Vermutung drängt sich auf, dass hier ein Richter und Präsident eines Gerichtes erheblichen Einfluss auf Verfahren und Menschen nimmt, mit dem Ziel, seine Inte- ressen und Welten zu bedienen", vgl. act. 1 S. 2 und S. 3), für welche keine kon- kreten Anhaltspunkte bestehen. Insbesondere kann aufgrund des von der Anzei- geerstatterin ins Recht gelegten Schreibens von Bezirksrichter lic. iur. A._____ nicht auf aufsichtsrec htlich relevante Amtspflichtverletzungen geschlossen wer- den (vgl. act. 2). Damit sind keine Amtspflichtverletzungen von Bezirksrichter lic. iur. A._____ ersichtlich, welche in Ausübung des pflichtgemässen Ermessens ein Einschreiten der Aufsichtsbehörde erf orderlich machen würden. Von auf- sichtsrechtlichen Massnahmen ist daher abzusehen. IV. 1. Im Verfahren betreffend administrative Aufsichtsbeschwerde sind gemäss gängiger Praxis des Obergerichts keine Kosten zu erheben, sofern diese nicht mutwillig erhoben wurde (§ 83 Abs. 3 GOG i.V.m. Art. 108 ZPO, § 20 GebV OG; Gschwend/Bornatico, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2013, N 39 zu Art. 132 ZPO). Entschädigungen sind keine zu entrichten. 2. Hinzuweisen ist sodann auf das Rechtsmittel des Rekurses an die Rekur s- kommission. Es wird beschlossen: 1. Soweit auf die Aufsichtsbeschwerde einzutreten ist, werden keine aufsicht s- rechtlichen Massnahmen angeordnet. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Es werden keine Prozessentschädigungen zugesprochen. - 6 - 4. Schriftliche Mitteilung an Bezirksrichter lic. iur. A._____, unter Beilage einer Kopie von act. 1, gegen Empfangsschein. 5. Rechtsmittel: Ein Rekurs gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen von der Zustel- lung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids bei der Rekurs- kommission des Obergerichts, Postfach 2401, 8021 Zürich, eingereicht wer- den. In der Rekursschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. All- fällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Zürich, 11. Juni 2014 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Verwaltungskommission Die Gerichtsschreiberin: lic. iur. A. Gürber versandt am: