<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 425</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">425</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>95</b></span> <span class="ft2"><b>Hundeübungsplatz bzw. Hundeschule</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Nutzung einer in der Landwirtschaftszone gelegenen Parzelle als</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Hundeübungsplatz bzw. Hundeschule mit Zaun und Vereinscontai-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ner sowie mit weiteren Teilen (Materialcontainer, Hundeboxen, Holz-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schnitzelplatz mit Tischen und Bänken, Hindernisse auf der Wiese)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>erweist sich als nicht bewilligungsfähig und ist daher grundsätzlich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zu beseitigen bzw. die Nutzung ist einzustellen.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Sollte der Beschwerdeführer als sog. Verhaltensstörer der Beseiti-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gungsanordnung keine Folge leisten (können), hätte sich die Baupo-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lizeibehörde zwecks Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands</b></span><br/> <span class="ft2"><b>an den sog. Zustandsstörer zu halten. Aus diesem Grund wurde der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Grundeigentümer der Parzelle ins Verfahren vor Regierungsrat bei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>geladen (Erw. 5.4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 23. Februar 2011 i.S. S.O.A.</span><br/> <span class="ft5">gegen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (Abteilung</span><br/> <span class="ft5">für Baubewilligungen)/Gemeinderats S. (RRB Nr. 2011-000207).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">426</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">2.</span><br/> <span class="ft7">2.1</span><br/> <span class="ft7">Der Beschwerdeführer betreibt auf der Parzelle 2030 in S. einen</span><br/> <span class="ft7">Hundeübungsplatz bzw. eine Hundeschule. Grundeigentümer ist der</span><br/> <span class="ft7">in D. wohnhafte Landwirt A. T., welcher dem Baugesuch zugestimmt</span><br/> <span class="ft7">hat. Die Nutzung der Parzelle 2030 als Hundeübungsplatz basiert auf</span><br/> <span class="ft7">einem Nutzungsvertrag vom (...) 2008 und hat Gültigkeit vom (...)</span><br/> <span class="ft7">2008 bis (...) 2017. Der frühere Standort in U. musste infolge</span><br/> <span class="ft7">Überbauung - er lag in der dortigen Industriezone - aufgegeben</span><br/> <span class="ft7">werden.</span><br/> <span class="ft7">Die Parzelle 2030 liegt ausserhalb des Baugebiets in der Land-</span><br/> <span class="ft7">wirtschaftszone. (...) Die Parzelle 2030 mit einer Grösse von rund</span><br/> <span class="ft7">6'500 m2 wurde bis vor zwei Jahren zum Maisanbau landwirtschaft-</span><br/> <span class="ft7">lich genutzt; sie ist mehrheitlich umgeben von ebenfalls in der Land-</span><br/> <span class="ft7">wirtschaftszone liegenden, gestützt auf die Besitzstandsgarantie aber</span><br/> <span class="ft7">gewerblich genutzten Parzellen und grenzt auf ihrer südwestlichen</span><br/> <span class="ft7">Seite unmittelbar an die Landstrasse K (...).</span><br/> <span class="ft7">2.2</span><br/> <span class="ft7">Die Parzelle 2030 besteht heute im Wesentlichen aus einer Wie-</span><br/> <span class="ft7">se und ist mit einem rund 1.6 m hohen Maschendrahtzaun umgeben,</span><br/> <span class="ft7">der an in den Boden geschlagenen Holzpfosten befestigt ist; der Zaun</span><br/> <span class="ft7">verfügt über insgesamt drei Tore. Auf der Wiese ist verschiedenes</span><br/> <span class="ft7">Material deponiert, welches für die Übungen mit den Hunden benö-</span><br/> <span class="ft7">tigt wird (u.a. von den Hunden zu überwindende Hindernisse und</span><br/> <span class="ft7">Versteckmöglichkeiten). Im Vereinscontainer mit einer Grundfläche</span><br/> <span class="ft7">von rund 7 x 3 m, somit etwa 21 m</span><span class="ft8"><sup>2</sup></span><span class="ft7">, wird Theorieunterricht erteilt.</span><br/> <span class="ft7">Der Platz vor dem Vereinscontainer ist mit Holzschnitzeln einge-</span><br/> <span class="ft7">deckt, auf welchem mehrere Festtische und -bänke platziert wurden.</span><br/> <span class="ft7">Zusätzlich ist seit Mai 2010 ein rund 10 m</span><span class="ft8"><sup>2</sup></span> <span class="ft7">grosser, begehbarer Ma-</span><br/> <span class="ft7">terialcontainer vorhanden, in welchem beispielsweise Sonnenschirme</span><br/> <span class="ft7">und mobile Scheinwerfer gelagert werden können; daneben gibt es</span><br/> <span class="ft7">zusätzlich mehrere auf einem Fundament ortsfest installierte Boxen</span><br/> <span class="ft7">für Hunde.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">427</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Der Vereinscontainer verfügt über Strom, welcher von der Fir-</span><br/> <span class="ft7">ma C. auf der Nachbarparzelle bezogen werden kann und mit wel-</span><br/> <span class="ft7">chem auch die auf dem Container fest montierten Scheinwerfer ge-</span><br/> <span class="ft7">spiesen werden. Es ist weder eine Wasserzufuhr noch eine Toilette</span><br/> <span class="ft7">vorhanden. Parkierungsgelegenheiten bestehen bei den unmittelbar</span><br/> <span class="ft7">benachbarten Firmen S. und C.; die nächste Bushaltestelle ist rund</span><br/> <span class="ft7">200 m entfernt, wobei aber der Grossteil der Vereinsmitglieder ohne-</span><br/> <span class="ft7">hin mit dem Auto anreist.</span><br/> <span class="ft7">2.3</span><br/> <span class="ft7">Der Beschwerdeführer bietet von jeweils März bis Oktober</span><br/> <span class="ft7">verschiedene Kurse an (vgl. Jahresübungsplan, ...). Einmal wöchent-</span><br/> <span class="ft7">lich, nämlich mittwochs, von 19-22 Uhr findet das Training "Unter-</span><br/> <span class="ft7">ordnung, Schutzdienst und Fährten" statt (sog. Sporthundetraining,</span><br/> <span class="ft7">...); dieses Training wird zusätzlich jeden Samstag zusammen mit</span><br/> <span class="ft7">dem Training "Familienhund" von 9-18 Uhr durchgeführt. Wöchent-</span><br/> <span class="ft7">lich jeweils sonntags von 10-12 Uhr findet ein Diensthundtraining</span><br/> <span class="ft7">statt; während dieser Ausbildung wird zu Ausbildungszwecken pro</span><br/> <span class="ft7">Hund zweimal mit Markiermunition geschossen, was pro Training</span><br/> <span class="ft7">14-20 Schüsse mit 6- oder 9-mm-Pistolen ergibt. Weiter werden</span><br/> <span class="ft7">Kurse für Familienhunde (wöchentlich freitags von 19-22 Uhr, zu-</span><br/> <span class="ft7">sätzlich jeden Samstag zusammen mit dem Sporthundetraining von</span><br/> <span class="ft7">9-18 Uhr), Erziehungskurse (im Mai und Oktober je 4 x 3 Stunden</span><br/> <span class="ft7">von 19-22 Uhr), obligatorische SKN-Nachweis-Kurse (Theorie im</span><br/> <span class="ft7">Juni 5 x 4 Stunden, Praxis im Juli 5 x 5 Stunden) oder "Hund im</span><br/> <span class="ft7">Alltag" (2 x 2 Stunden im Mai) angeboten. Daneben gibt es weitere</span><br/> <span class="ft7">je ganztägige, teilweise auch mehrtägige Kurse wie "Wildhüter",</span><br/> <span class="ft7">"Bachblüten", "erste Hilfe beim Hund", "Kinder und Hund", "Jugend</span><br/> <span class="ft7">und Hund", "Schutzdiensthelferkurs" sowie "Plauschtag". Zusätzli-</span><br/> <span class="ft7">che Kurse sind möglich und die obigen Trainingszeiten sind variabel;</span><br/> <span class="ft7">das Total der Kurse richtet sich aber in etwa nach obigem Plan.</span><br/> <span class="ft7">Der Platz wird so pro Woche insgesamt während rund 30 Stun-</span><br/> <span class="ft7">den genutzt, wobei sogar geplant wäre, die Anlage für weitere Hun-</span><br/> <span class="ft7">dekurse zu vermieten. Pro Kurs gibt es etwa 5 bis 20 Teilnehmende;</span><br/> <span class="ft7">der Vereinscontainer fasst maximal 20 Personen. (...)</span><br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">428</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">3.</span><br/> <span class="ft7">3.1</span><br/> <span class="ft7">Der Beschwerdeführer bringt zunächst vor, die Umzäunung des</span><br/> <span class="ft7">Geländes, welche für die Sicherheit in der Ausbildung unumgänglich</span><br/> <span class="ft7">sei, unterscheide sich in ihrer Ausführung in keiner Art und Weise</span><br/> <span class="ft7">von einem anderen in der Landwirtschaft verwendeten und bewilli-</span><br/> <span class="ft7">gungsfreien Zaun (§ 30 Abs. 1 ABauV).</span><br/> <span class="ft7">3.2</span><br/> <span class="ft7">Gemäss § 30 Abs. 1 lit. a ABauV bedürfen, unter Vorbehalt ab-</span><br/> <span class="ft7">weichender Nutzungsvorschriften für bestimmte Schutzzonen, im</span><br/> <span class="ft7">ganzen Gemeindegebiet herkömmliche Weidezäune bis 1.5 m Höhe</span><br/> <span class="ft7">keiner Baubewilligung.</span><br/> <span class="ft7">Vorweg ist anzumerken, dass anlässlich der Augenscheinsver-</span><br/> <span class="ft7">handlung vom 19. Mai 2010 eine Nachmessung des Maschendraht-</span><br/> <span class="ft7">zauns ergeben hat, dass dieser - jedenfalls an der dort gemessenen</span><br/> <span class="ft7">Stelle - 1.6 m hoch ist. Baubewilligungsfrei sind aber nur Weidezäu-</span><br/> <span class="ft7">ne bis zu einer Höhe von 1.5 m; insofern verliert die Argumentation</span><br/> <span class="ft7">des Beschwerdeführers ohnehin an Bedeutung. Sollte der Zaun aber</span><br/> <span class="ft7">dennoch teilweise die Grenze von 1.5 m nicht überschreiten, ist mit</span><br/> <span class="ft7">der Abteilung Landwirtschaft DFR festzuhalten, dass schon der Be-</span><br/> <span class="ft7">griff "Weidezaun" aussagt, dass weidende Tiere umzäunt werden; zu</span><br/> <span class="ft7">anderen Zwecken umzäunte Flächen - z.B. für Hunde oder andere</span><br/> <span class="ft7">Heimtiere - fallen nicht unter dieses Privileg. Maschendrahtzäune</span><br/> <span class="ft7">sind zudem keine herkömmliche Weidezäune und gelten als Bauten</span><br/> <span class="ft7">und Anlagen im Sinne des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes,</span><br/> <span class="ft7">die das kantonale Recht nicht von der Baubewilligungspflicht befrei-</span><br/> <span class="ft7">en darf (BGE 118 Ib 49 ff., insbesondere S. 52, mit zahlreichen Hin-</span><br/> <span class="ft7">weisen). Folglich handelt es sich bei der Einzäunung eines Hunde-</span><br/> <span class="ft7">ausbildungsplatzes nicht um eine bewilligungsfreie Baute gemäss</span><br/> <span class="ft7">§ 30 Abs. 1 lit. a ABauV.</span><br/> <span class="ft7">Sind aber solche baubewilligungspflichtige bauliche Massnah-</span><br/> <span class="ft7">men mit dem Hundeübungsplatz bzw. mit der Hundeschule verbun-</span><br/> <span class="ft7">den, entfällt auch von vornherein die Möglichkeit einer Bewilligung</span><br/> <span class="ft7">unter dem Titel "Zweckänderungen ohne bauliche Massnahmen aus-</span><br/> <span class="ft7">serhalb der Bauzonen" nach Art. 24a RPG.</span><br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">429</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">4.</span><br/> <span class="ft7">4.1</span><br/> <span class="ft7">Der Beschwerdeführer ist weiter der Ansicht, seine in der Land-</span><br/> <span class="ft7">wirtschaftszone betriebene Hundeschule mit Hundetraining und Hun-</span><br/> <span class="ft7">deausbildung samt der zugehörigen Infrastruktur wie Vereinscontai-</span><br/> <span class="ft7">ner sei als negativ standortgebunden zu beurteilen. Bei den Trai-</span><br/> <span class="ft7">nings- und Ausbildungsanlässen entstünden durch unvermeidlich</span><br/> <span class="ft7">dauerndes lautes Hundegebell der sich auf dem Ausbildungsplatz und</span><br/> <span class="ft7">in den Hundeboxen befindlichen Hunde grosse Lärmemissionen. Es</span><br/> <span class="ft7">befänden sich regelmässig mehrere Hunde in Boxen in aus Gründen</span><br/> <span class="ft7">des Tierschutzes offenen Autos. Diese Hunde würden in ihren Boxen</span><br/> <span class="ft7">permanent bellen. Sie würden sich gegenseitig animieren und seien</span><br/> <span class="ft7">nicht oder nur sehr schwer zu kontrollieren. Das Gebell der in den</span><br/> <span class="ft7">Autos wartenden Dienst- und Sporthunde steigere sich beim Schutz-</span><br/> <span class="ft7">diensttraining noch um ein Vielfaches. Das Diensthundetraining</span><br/> <span class="ft7">müsse auf der betroffenen Parzelle 2030 durchgeführt werden, weil</span><br/> <span class="ft7">die Kursleiter aus zeitlichen Gründen nicht zusätzlich noch in einer</span><br/> <span class="ft7">anderen Hundeschule trainieren könnten. Insgesamt sei das streitige</span><br/> <span class="ft7">Hundetraining und die streitige Hundeausbildung mit dem dauernden</span><br/> <span class="ft7">Gebell von einer Vielzahl von Hunden abends und an den Wochen-</span><br/> <span class="ft7">enden während der Erholungs- und Ruhezeiten innerhalb der Bauzo-</span><br/> <span class="ft7">nen, etwa in der Wohnzone, Wohn- und Gewerbezone oder Arbeits-</span><br/> <span class="ft7">platzzone in der Gemeine S., für die dort lebende Bevölkerung unzu-</span><br/> <span class="ft7">mutbar. Nachbarschaftliche Streitigkeiten wären unweigerlich die</span><br/> <span class="ft7">Folgen davon.</span><br/> <span class="ft7">4.2</span><br/> <span class="ft7">In der Landwirtschaftszone sind Bauten und Anlagen zonen-</span><br/> <span class="ft7">konform, die zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den</span><br/> <span class="ft7">produzierenden Gartenbau nötig sind (Art. 16a RPG). Eine Baube-</span><br/> <span class="ft7">willligung darf nur erteilt werden, wenn der Baute oder Anlage am</span><br/> <span class="ft7">vorgesehenen Standort keine überwiegenden Interessen entgegenste-</span><br/> <span class="ft7">hen (Art. 34 Abs. 4 RPV).</span><br/> <span class="ft7">Die Errichtung und der Betrieb einer Hundeschule mit Hunde-</span><br/> <span class="ft7">training und Hundeausbildung steht in keinem Zusammenhang mit</span><br/> <span class="ft7">landwirtschaftlicher Bewirtschaftung oder produzierendem Garten-</span><br/> <span class="ft7">bau. Der Hundetrainings- und -ausbildungsplatz ist somit in der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">430</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Landwirtschaftszone nicht zonenkonform und einer ordentlichen</span><br/> <span class="ft7">Baubewilligung gemäss Art. 22 Abs. 2 RPG nicht zugänglich. Dies</span><br/> <span class="ft7">wird vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten.</span><br/> <span class="ft7">4.3</span><br/> <span class="ft7">Gemäss Art. 24 RPG können Bauten und Anlagen ausnahms-</span><br/> <span class="ft7">weise und in Abweichung von Art. 22 Abs. 2 lit. a RPG bewilligt</span><br/> <span class="ft7">werden, wenn der Zweck der Bauten und Anlagen einen Standort</span><br/> <span class="ft7">ausserhalb der Bauzonen erfordert (lit. a) und keine überwiegenden</span><br/> <span class="ft7">Interessen entgegenstehen (lit. b). Bauten gelten als standortgebun-</span><br/> <span class="ft7">den, wenn sie aus technischen, betriebswirtschaftlichen Gründen</span><br/> <span class="ft7">oder wegen der Bodenbeschaffenheit auf einen Standort ausserhalb</span><br/> <span class="ft7">der Bauzone angewiesen sind (positive Standortgebundenheit) oder</span><br/> <span class="ft7">wenn das geplante Bauvorhaben wegen Immissionen in einer Bau-</span><br/> <span class="ft7">zone ausgeschlossen ist oder nicht sinnvoll betrieben werden kann</span><br/> <span class="ft7">(negative Standortgebundenheit). Subjektive Vorstellungen, Wünsche</span><br/> <span class="ft7">oder persönliche Zweckmässigkeit resp. Bequemlichkeit begründen</span><br/> <span class="ft7">keine Standortgebundenheit (vgl. BGE 121 II 68 ff. und 310 f., 119</span><br/> <span class="ft7">Ib 442, 118 Ib 17 und 340; AGVE 1996 S. 346 f., 1993 S. 363 f.).</span><br/> <span class="ft7">Dass der Hundeübungsplatz mit der dazugehörigen Infrastruk-</span><br/> <span class="ft7">tur wie Vereinscontainer, Materialcontainer und Zaun nicht positiv</span><br/> <span class="ft7">standortgebunden ist, wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten.</span><br/> <span class="ft7">Fraglich ist aber, ob der Hundetrainings- und -ausbildungsplatz auf-</span><br/> <span class="ft7">grund des von ihm ausgehenden Lärms als negativ standortgebunden</span><br/> <span class="ft7">betrachtet werden muss.</span><br/> <span class="ft7">4.4</span><br/> <span class="ft7">4.4.1</span><br/> <span class="ft7">Damit eine Baute oder Anlage als negativ standortgebunden be-</span><br/> <span class="ft7">willigt werden kann, muss sie wegen der von ihr ausgehenden Im-</span><br/> <span class="ft7">missionen in der Bauzone ausgeschlossen sein oder nicht sinnvoll</span><br/> <span class="ft7">betrieben werden können (vgl. Bernhard Waldmann/Peter Hänni,</span><br/> <span class="ft7">Handkommentar, RPG 2006, Art. 24 N 19). Nach der Recht-</span><br/> <span class="ft7">sprechung des Bundesgerichts darf die negative Standortgebunden-</span><br/> <span class="ft7">heit jedoch nur sehr zurückhaltend angenommen werden (vgl. Urteil</span><br/> <span class="ft7">des Bundesgerichts vom 16. Juni 1989 i.S. Sch., in ZBl 91/1990,</span><br/> <span class="ft7">S. 187 ff., BGE 118 Ib 17). So sind z.B. Tierheime in der Regel</span><br/> <span class="ft7">standortgebunden, weil sie immissionsträchtig sind; in einer Wohn-,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">431</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Gewerbe- oder Industriezone wären sie kaum denkbar, denn insbe-</span><br/> <span class="ft7">sondere das unvermeidliche dauernde Gebell der in den Gehegen un-</span><br/> <span class="ft7">tergebrachten oder sich im Auslauf befindlichen Hunde, das ange-</span><br/> <span class="ft7">sichts des naturgemäss häufigen Wechsels der Tiere das normale</span><br/> <span class="ft7">Mass erheblich übersteigen dürfte, wäre der Nachbarschaft in der Re-</span><br/> <span class="ft7">gel nicht zuzumuten. Der Betreiber oder die Betreiberin eines Tier-</span><br/> <span class="ft7">heims für Hunde sind daher wegen des Lärms (allenfalls auch wegen</span><br/> <span class="ft7">des Geruchs) grundsätzlich auf Land ausserhalb des Baugebiets an-</span><br/> <span class="ft7">gewiesen. Das Erfordernis der negativen Standortgebundenheit ist</span><br/> <span class="ft7">deshalb bei grösseren Hundehaltungen einerseits aus naturbedingt-</span><br/> <span class="ft7">technischen Gründen und anderseits wegen erheblicher Beeinträch-</span><br/> <span class="ft7">tigung der allgemeinen Siedlungsnutzung gegeben (vgl. auch das</span><br/> <span class="ft7">Urteil des Bundesgerichts vom 5. April 1994 i.S. Verein "T.A.", R.,</span><br/> <span class="ft7">in ZBl 96/1995, S. 166 f.).</span><br/> <span class="ft7">4.4.2</span><br/> <span class="ft7">Auf eine Hundeschule und einen Hundeübungsplatz, wie sie der</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführer betreibt, trifft dies aber nicht im gleichen Ausmass</span><br/> <span class="ft7">zu. Insbesondere ist die Erteilung des Unterrichts und der sonstigen</span><br/> <span class="ft7">Tätigkeiten im klaren Unterschied zu einem Tierheim wie auch zu</span><br/> <span class="ft7">einem Hundezuchtbetrieb auf bestimmte Zeiten beschränkt (vgl.</span><br/> <span class="ft7">Erw. 2.3 hiervor). Vom Montag bis Freitag finden die Kurse in der</span><br/> <span class="ft7">Regel abends von 19-22 Uhr, am Samstag tagsüber von 9-18 Uhr</span><br/> <span class="ft7">und am Sonntag von 10-12 Uhr statt; dies insgesamt wiederum</span><br/> <span class="ft7">beschränkt auf die Monate März bis Oktober. Schon unter diesem</span><br/> <span class="ft7">zeitlichen Aspekt sind die mit dem Betrieb des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft7">zusammenhängenden Immissionen erheblich geringer als die von</span><br/> <span class="ft7">einem Tierheim oder von einer Hundezucht ausgehenden, rund um</span><br/> <span class="ft7">die Uhr und während des ganzen Jahres wahrnehmbaren Immissio-</span><br/> <span class="ft7">nen. Zusätzlich sind die in der Hundeschule auszubildenden Tiere</span><br/> <span class="ft7">unter ständiger Aufsicht und Kontrolle; sie bellen demzufolge natur-</span><br/> <span class="ft7">gemäss weniger als ein Hund, der zusammen mit anderen Artgenos-</span><br/> <span class="ft7">sen in einem Gehege, einer Boxe oder einem Auslauf eingesperrt ist.</span><br/> <span class="ft7">Anlässlich der Augenscheinsverhandlung zeigte der Beschwer-</span><br/> <span class="ft7">deführer einen Querschnitt durch das Ausbildungsprogramm. Die-</span><br/> <span class="ft7">jenigen Hunde, die geschult wurden (Einlaufen und Unterordnungs-</span><br/> <span class="ft7">kurs), verhielten sich grundsätzlich ruhig. Der Beschwerdeführer be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">432</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">stätigte diesbezüglich ausdrücklich, auch wenn mehr Hunde (als wie</span><br/> <span class="ft7">gezeigt sieben) gleichzeitig übten, sei es nicht lauter, weil es wäh-</span><br/> <span class="ft7">rend des Unterrichts ruhig sein müsse. Der Verkehrslärm war denn</span><br/> <span class="ft7">auch deutlich mehr wahrnehmbar als die Geräusche der Hunde und</span><br/> <span class="ft7">ihrer Halter bzw. Halterinnen, was der Beschwerdeführer sogar be-</span><br/> <span class="ft7">stätigte. Kurzes, schnell wieder verebbendes Gebell - vergleichbar et-</span><br/> <span class="ft7">wa mit dem teilweise auch anschwellenden Verkehrslärm - entstand</span><br/> <span class="ft7">nur dann, wenn sich Personen den in den Autos wartenden Hunden</span><br/> <span class="ft7">näherten. Wie der Beschwerdeführer an der Augenscheinsverhand-</span><br/> <span class="ft7">lung weiter ausführte, gibt es im Verlauf des Schutzdiensttrainings</span><br/> <span class="ft7">Elemente, wo die Hunde bellen müssen, wobei vielleicht während</span><br/> <span class="ft7">rund 15 Minuten andauernd gebellt würde; das gezeigte Verbellen</span><br/> <span class="ft7">des "Täters" in einem Zelt war jedoch weder so intensiv noch so aus-</span><br/> <span class="ft7">dauernd, dass es als aussergewöhnlich gelten müsste. Zusammenfas-</span><br/> <span class="ft7">send kann das am Augenschein festgestellte Hundegebell weder als</span><br/> <span class="ft7">penetrant laut noch als dauernd bezeichnet werden. Der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führer wurde vorgängig ersucht, dafür besorgt zu sein, dass der für</span><br/> <span class="ft7">diesen Abend geplante Kurs (Unterordnung, Schutzdienst und Fähr-</span><br/> <span class="ft7">ten) im üblichen Rahmen stattfindet; er kann sich daher nun nicht</span><br/> <span class="ft7">darauf berufen, die anlässlich der Augenscheinsverhandlung entstan-</span><br/> <span class="ft7">denen Lärmimmissionen seien erheblich geringer gewesen als in den</span><br/> <span class="ft7">entsprechenden tatsächlich stattfindenden Trainings. Selbst wenn</span><br/> <span class="ft7">aber davon ausgegangen wird, dass bei einem "tatsächlichen"</span><br/> <span class="ft7">Schutzdiensttraining das Gebell aufgrund mehrerer anwesender Hun-</span><br/> <span class="ft7">de einiges höher ist, hält der Betrieb einem Vergleich mit einem Tier-</span><br/> <span class="ft7">heim oder einer Hundezucht klar nicht stand (vgl. auch AGVE 2003</span><br/> <span class="ft7">S. 207 ff., insbes. S. 216 ff. sowie Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft7">12. September 2003 [1A.214/2002]).</span><br/> <span class="ft7">Während des Diensthundetrainings werden auch Schüsse mit</span><br/> <span class="ft7">Platzpatronen abgegeben, in der Regel während eines zweistündigen</span><br/> <span class="ft7">Trainings rund 14-20 Schüsse. Wöchentlich fallen insgesamt ca. 40</span><br/> <span class="ft7">Schüsse. Mit der Abteilung für Baubewilligungen ist festzuhalten,</span><br/> <span class="ft7">dass bei den acht anlässlich der Augenscheinsverhandlung abgegebe-</span><br/> <span class="ft7">nen Schüssen kein durchdringend lauter Lärm entstand. Eine Ähn-</span><br/> <span class="ft7">lichkeit mit einer Schiessanlage, welche allenfalls als negativ stand-</span><br/> <span class="ft7">ortgebunden bewilligt werden kann (vgl. Waldmann/Hänni, a.a.O,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">433</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Art. 24 N 19), fehlt aber nicht nur aufgrund der Häufigkeit und Re-</span><br/> <span class="ft7">gelmässigkeit der abgegebenen Schüsse, sondern auch aufgrund der</span><br/> <span class="ft7">Zahl der gleichzeitig abgegebenen Schüsse. Die Immissionen des</span><br/> <span class="ft7">Markierschiessens sind deutlich geringer. Eine Bewilligung der Hun-</span><br/> <span class="ft7">deschule in einer Bauzone - beispielsweise in einer Gewerbezone -</span><br/> <span class="ft7">könnte zudem allenfalls mit der Auflage versehen werden, dass nur</span><br/> <span class="ft7">zu bestimmten Zeiten werktags geschossen werden darf.</span><br/> <span class="ft7">Unter diesen Umständen lässt sich nicht sagen, der Betrieb</span><br/> <span class="ft7">einer Hundeschule bzw. eines Hundeübungsplatzes sei aus Immis-</span><br/> <span class="ft7">sionsgründen auf einen Standort ausserhalb der Bauzonen angewie-</span><br/> <span class="ft7">sen. Von der konkreten Hundeschule gehen nicht mehr Lärmemissi-</span><br/> <span class="ft7">onen aus als etwa von Sport- und Freizeitanlagen, wie Skater-, Fuss-</span><br/> <span class="ft7">ball- und Tennisplätzen, Minigolfanlagen, Schwimmbädern etc., die</span><br/> <span class="ft7">gemäss der bundesgerichtlichen Praxis ausserhalb des Baugebiets</span><br/> <span class="ft7">unzulässig sind (vgl. RRB Nr. ...). Der Betrieb einer solchen Hunde-</span><br/> <span class="ft7">schule ist innerhalb des Baugebiets ohne weiteres denkbar; der bis-</span><br/> <span class="ft7">herige Übungsplatz des Beschwerdeführers in U. befand sich denn</span><br/> <span class="ft7">auch innerhalb des Baugebietes, nämlich in der Industriezone.</span><br/> <span class="ft7">Der Beschwerdeführer bringt in diesem Zusammenhang mehr-</span><br/> <span class="ft7">fach vor, dass keine anderen Standorte für die strittige Anlage inner-</span><br/> <span class="ft7">halb der Bauzonen der Gemeinde S. und Umgebung existieren, wel-</span><br/> <span class="ft7">che von Dauer und finanziell tragbar wären. Auch der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft7">S. ist dieser Ansicht. Diese Umstände lassen es aber nicht zu, das Pri-</span><br/> <span class="ft7">vileg, Land ausserhalb der Bauzonen zu beanspruchen, auf den Be-</span><br/> <span class="ft7">trieb einer an sich in der Bauzone möglichen Hundeschule auszudeh-</span><br/> <span class="ft7">nen und auf diesem Weg dem Raumplanungsrecht die Anwendung zu</span><br/> <span class="ft7">versagen. Dass sich der Beschwerdeführer - im Gegensatz zu ande-</span><br/> <span class="ft7">ren Kursanbietenden - einen Ausbildungsplatz in einer Bauzone fi-</span><br/> <span class="ft7">nanziell nicht leisten kann, ist ein subjektiver Umstand, der nie eine</span><br/> <span class="ft7">Standortgebundenheit in der günstigeren Landwirtschaftszone zu be-</span><br/> <span class="ft7">gründen vermag, und die fehlende Dauerhaftigkeit dürfte primär da-</span><br/> <span class="ft7">rauf zurückzuführen sein, dass der Beschwerdeführer Land lediglich</span><br/> <span class="ft7">mieten oder pachten statt kaufen will. Bei objektiv fehlender Verfüg-</span><br/> <span class="ft7">barkeit von geeignetem Bauland wären allenfalls planerische Mass-</span><br/> <span class="ft7">nahmen zu ergreifen (vgl. Erw. 4.5 hiernach). Im Übrigen hat sich</span><br/> <span class="ft7">auch der jetzige Verpächter vorbehalten, bei einer allfälligen Umzo-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">434</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">nung der Parzelle 2030 die Nutzungsentschädigung auf ein bauland-</span><br/> <span class="ft7">übliches Niveau zu erhöhen.</span><br/> <span class="ft7">Zusammenfassend kommt dem Hundeübungsplatz bzw. der</span><br/> <span class="ft7">Hundeschule des Beschwerdeführers keine negative Standortgebun-</span><br/> <span class="ft7">denheit zu; folglich sind auch die zugehörigen Bauten und Anlagen -</span><br/> <span class="ft7">Zaun, Vereinscontainer, Materialcontainer und Hundeboxen - nicht</span><br/> <span class="ft7">negativ standortgebunden und können nicht bewilligt werden. Nicht</span><br/> <span class="ft7">näher geprüft werden muss somit, ob der Nutzung der Parzelle 2030</span><br/> <span class="ft7">als Hundeübungsplatz bzw. Hundeschule auch überwiegende Interes-</span><br/> <span class="ft7">sen entgegenstehen (Art. 24 lit. b RPG); immerhin sei angemerkt,</span><br/> <span class="ft7">dass sich diese durchaus für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung</span><br/> <span class="ft7">eignen würde. Die zonenkonforme landwirtschaftliche Nutzung wird</span><br/> <span class="ft7">durch den Umstand unterbunden, dass der Eigentümer und Verpäch-</span><br/> <span class="ft7">ter mit der zonenwidrigen Nutzung einen höheren Ertrag erwirtschaf-</span><br/> <span class="ft7">tet.</span><br/> <span class="ft7">4.5</span><br/> <span class="ft7">Eine Bewilligung des Hundeübungsplatzes bzw. der Hunde-</span><br/> <span class="ft7">schule an diesem Standort wäre dann möglich, wenn die Gemeinde</span><br/> <span class="ft7">das fragliche Gebiet einer geeigneten Zone (z.B. Gewerbe-, Indus-</span><br/> <span class="ft7">trie- oder Spezialzone) zuweisen würde. Die Parzelle 2030 ist von</span><br/> <span class="ft7">besitzstandsgeschützten Gewerbebetrieben umgeben, eine Umzo-</span><br/> <span class="ft7">nung wäre somit grundsätzlich denkbar (vgl. zweite Vernehmlassung</span><br/> <span class="ft7">der Abteilung für Baubewilligungen ...). Allerdings ist aufgrund der</span><br/> <span class="ft7">noch vorhandenen Baulandreserven in S. "in den nächsten 10 Jahren"</span><br/> <span class="ft7">keine Einzonung geplant oder möglich (vgl. Augenscheins-Protokoll</span><br/> <span class="ft7">...). Dass in den nächsten Jahren eine Umzonung zu erwarten ist -</span><br/> <span class="ft7">wie der Beschwerdeführer vorbringt - trifft somit offenkundig nicht</span><br/> <span class="ft7">zu und kann damit auch nicht in die Entscheidfindung - z.B. mittels</span><br/> <span class="ft7">längerfristiger Tolerierung - miteinfliessen.</span><br/> <span class="ft7">4.6</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">5.</span><br/> <span class="ft7">5.1</span><br/> <span class="ft7">Gemäss § 159 Abs. 1 BauG kann die Beseitigung materiell</span><br/> <span class="ft7">rechtswidrig erstellter Bauten und Anlagen angeordnet werden, wenn</span><br/> <span class="ft7">durch deren Errichtung ohne Bewilligung, unter Verletzung einer sol-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">435</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">chen oder auf andere Weise ein unrechtmässiger Zustand geschaffen</span><br/> <span class="ft7">wurde. Die Beseitigung bzw. Anpassung der Baute oder Anlage setzt</span><br/> <span class="ft7">demnach einen in irgendeiner Weise geschaffenen rechtswidrigen</span><br/> <span class="ft7">Zustand voraus (AGVE 1993 S. 390 mit Verweisungen). Ausserdem</span><br/> <span class="ft7">ist zu prüfen, ob die Beseitigung des rechtswidrigen Zustands mit</span><br/> <span class="ft7">den verfassungs- und verwaltungsrechtlichen Grundsätzen der Ver-</span><br/> <span class="ft7">hältnismässigkeit, der Rechtsgleichheit und des Schutzes des guten</span><br/> <span class="ft7">Glaubens vereinbar ist (§§ 3 und 4 VRPG; vgl. zur unveränderten</span><br/> <span class="ft7">Rechtslage Erich Zimmerlin, Baugesetz des Kantons Aargau vom</span><br/> <span class="ft7">2. Februar 1971, Kommentar, 2. Auflage, Aarau 1985, Einleitung</span><br/> <span class="ft7">N 13 ff.). So hat ein Abbruch oder die Abänderung der rechtswidrig</span><br/> <span class="ft7">erstellten Baute oder Anlage zu unterbleiben, wenn die Abweichung</span><br/> <span class="ft7">vom Erlaubten nur unbedeutend ist oder die Wiederherstellung des</span><br/> <span class="ft7">rechtmässigen Zustands nicht im öffentlichen Interesse liegt, wenn</span><br/> <span class="ft7">die Bauherrschaft in gutem Glauben angenommen hat, sie sei zur</span><br/> <span class="ft7">Bauausführung ermächtigt, oder wenn der Beibehaltung des unge-</span><br/> <span class="ft7">setzlichen Zustands nicht schwerwiegende öffentliche Interessen ent-</span><br/> <span class="ft7">gegenstehen (vgl. BGE 111 Ib 213 E. 6 S. 221 und 108 Ia 216 E. 4</span><br/> <span class="ft7">S. 217; AGVE 1996 S. 513, 1990 S. 280, je mit Verweisungen; René</span><br/> <span class="ft7">A. Rhinow/Beat Krähenmann, Schweizerische Verwaltungsrecht-</span><br/> <span class="ft7">sprechung, Ergänzungsband, Basel/Frankfurt a.M. 1990, Nr. 56 B VI</span><br/> <span class="ft7">d; Zimmerlin, a.a.O., § 218 N 3c und 4, je mit Hinweisen). Schliess-</span><br/> <span class="ft7">lich muss auch die Festsetzung der Beseitigungs- bzw. Anpassungs-</span><br/> <span class="ft7">frist den Verhältnissen angemessen sein. Der Bauherrschaft ist aus-</span><br/> <span class="ft7">reichend Zeit einzuräumen, um die Entfernung bzw. Anpassung der</span><br/> <span class="ft7">Installationen und Bauteile in geordneter Weise zu vollziehen</span><br/> <span class="ft7">(AGVE 1994 S. 607, 1990 S. 280).</span><br/> <span class="ft7">5.2</span><br/> <span class="ft7">Wie dargelegt, ist die Nutzung der Parzelle 2030 als Hunde-</span><br/> <span class="ft7">übungsplatz bzw. Hundeschule mit Zaun und Vereinscontainer sowie</span><br/> <span class="ft7">mit den weiteren in der Zwischenzeit errichteten Teilen (Material-</span><br/> <span class="ft7">container, Hundeboxen, Holzschnitzelplatz mit Tischen und Bänken,</span><br/> <span class="ft7">Hindernisse auf der Wiese) nicht bewilligungsfähig und daher grund-</span><br/> <span class="ft7">sätzlich zu beseitigen bzw. die Nutzung ist einzustellen. Es kann</span><br/> <span class="ft7">auch nicht von einer geringfügigen Abweichung vom Erlaubten aus-</span><br/> <span class="ft7">gegangen werden; ebenso wenig kann gesagt werden, die Herstel-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">436</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">lung des rechtmässigen Zustands liege nicht im öffentlichen Interes-</span><br/> <span class="ft7">se, geht es doch um die Durchsetzung der Bauvorschriften betreffend</span><br/> <span class="ft7">Bauten ausserhalb der Bauzonen und damit um grundsätzliche Anlie-</span><br/> <span class="ft7">gen der Raumplanung. Im Zuge der Interessenabwägung zwischen</span><br/> <span class="ft7">öffentlichem und privatem Interesse ist der Durchsetzung von Bau-</span><br/> <span class="ft7">vorschriften ausserhalb der Bauzonen besondere Bedeutung beizu-</span><br/> <span class="ft7">messen (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Aargau</span><br/> <span class="ft7">VGE III/34 vom 25. April 2006, E. II 3.3). Ebenso ist dabei in beson-</span><br/> <span class="ft7">derem Masse die entsprechende präjudizielle Wirkung (BGE 1A.23/</span><br/> <span class="ft7">2007 vom 31. Juli 2007, E. 3.2) mit zu berücksichtigen, da nicht der</span><br/> <span class="ft7">Anschein erweckt werden darf, dass die Errichtung derartiger Anla-</span><br/> <span class="ft7">gen und Bauten in einer Landwirtschaftszone ohne weiteres geduldet</span><br/> <span class="ft7">würde. Auch die Beachtung des Rechtsgleichheitsgebots muss in</span><br/> <span class="ft7">diese Interessenabwägung miteinbezogen werden, weil es nicht ange-</span><br/> <span class="ft7">hen darf, den Beschwerdeführer im Vergleich zu Personen, welche</span><br/> <span class="ft7">ein korrektes Baugesuch eingereicht haben, in ungerechtfertigter</span><br/> <span class="ft7">Weise zu privilegieren (RRB Nr. ...). Immerhin ist zu würdigen, dass</span><br/> <span class="ft7">der Beschwerdeführer u.a. die im öffentlichen Interesse liegenden</span><br/> <span class="ft7">und von der Tierschutzgesetzgebung geforderten Sachkundenachwei-</span><br/> <span class="ft7">se für Hundehalter und Hundehalterinnen anbietet; allerdings kann</span><br/> <span class="ft7">dies auch nicht dazu führen, das geltende Raumplanungsrecht vorlie-</span><br/> <span class="ft7">gend nicht anzuwenden. Es ist in diesem Zusammenhang auch darauf</span><br/> <span class="ft7">hinzuweisen, dass im Grossraum S. bis zum 1. März 2010 insgesamt</span><br/> <span class="ft7">45 Personen gemeldet waren, die berechtigt sind, die obligatorische</span><br/> <span class="ft7">Hundehalterausbildung zu erteilen; die Versorgung der hundehalten-</span><br/> <span class="ft7">den Bevölkerung im Raum S. mit einem ansprechenden Ausbil-</span><br/> <span class="ft7">dungsangebot darf daher als genügend bezeichnet werden und nach-</span><br/> <span class="ft7">teilige Folgen für die Bevölkerung wären bei Einstellung des Ange-</span><br/> <span class="ft7">bots des Beschwerdeführers diesbezüglich wohl keine zu erwarten</span><br/> <span class="ft7">(vgl. Bericht des Amts für Verbraucherschutz ...). Andererseits wür-</span><br/> <span class="ft7">de aber der Wettbewerb verzerrt, wenn Personen, die ihre Kurse im</span><br/> <span class="ft7">teureren Baugebiet anbieten, durch im Landwirtschaftsgebiet günsti-</span><br/> <span class="ft7">ger durchgeführte Kurse konkurrenziert würden.</span><br/> <span class="ft7">Schliesslich lassen auch die durch die Beseitigung der Anlage</span><br/> <span class="ft7">und Bauten entstehenden Kosten den Rückbau nicht als unverhältnis-</span><br/> <span class="ft7">mässig erscheinen. Der Beschwerdeführer schätzt die Rückbaukosten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">437</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">zwar auf Fr. 20'000.--. Dies erscheint aber eher hoch, zumal allen-</span><br/> <span class="ft7">falls der Vereinscontainer, der Materialcontainer wie auch das Zaun-</span><br/> <span class="ft7">material wieder verkauft oder an einem neuen Standort wieder ver-</span><br/> <span class="ft7">wendet werden könnten. Selbst wenn dies nicht möglich sein sollte,</span><br/> <span class="ft7">ist nicht erkennbar, dass die jeweiligen Kosten derart massiv ausfal-</span><br/> <span class="ft7">len könnten, dass die Duldung des unrechtmässigen Zustands die</span><br/> <span class="ft7">entgegenstehenden öffentlichen Interessen in den Hintergrund treten</span><br/> <span class="ft7">lassen. Ob die finanzielle Lage des Vereins im Übrigen diese Rück-</span><br/> <span class="ft7">baukosten zulässt, kann nicht entscheidend sein. Wer unrechtmässig</span><br/> <span class="ft7">baut, hat nebst anderen auch mit finanziellen Nachteilen zu rechnen.</span><br/> <span class="ft7">Zwar bringt der Beschwerdeführer vor, auf dem Bauamt S. vor Ver-</span><br/> <span class="ft7">tragsunterzeichnung (...) betreffend Baubewilligungsfreiheit eines</span><br/> <span class="ft7">nicht fest montierten Zaunes Abklärungen getroffen zu haben; eine</span><br/> <span class="ft7">entsprechende Bestätigung der Gemeinde fehlt aber. Es mag zwar zu-</span><br/> <span class="ft7">treffen, dass ihm bei der Errichtung des Hundeübungsplatzes bzw.</span><br/> <span class="ft7">der Hundeschule ein Unrechtsbewusstsein bezüglich des Zaunes feh-</span><br/> <span class="ft7">lte, indessen vermag er daraus keinen guten Glauben für sich und die</span><br/> <span class="ft7">gesamte Anlage mit zwei grossen Containern, Hundeboxen und</span><br/> <span class="ft7">Schnitzelplatz mit Tischen und Bänken abzuleiten. Jeder Bürger und</span><br/> <span class="ft7">jede Bürgerin hat sich vor der Erstellung einer Baute oder Anlage</span><br/> <span class="ft7">über die anwendbaren Vorschriften in Kenntnis zu setzen. Dem Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführer war offensichtlich bewusst, dass sich der Platz in der</span><br/> <span class="ft7">Landwirtschaftszone befindet (vgl. Nutzungsvertrag ...), weshalb</span><br/> <span class="ft7">eine lediglich telefonische Nachfrage auf dem gemeindeeigenen</span><br/> <span class="ft7">Bauamt noch nicht als ausreichende Abklärung bezeichnet werden</span><br/> <span class="ft7">kann, um sich auf den guten Glauben berufen zu können (vgl.</span><br/> <span class="ft7">VGE III/60 vom 30. Oktober 2007, E. 5.2 und RRB Nr. ...).</span><br/> <span class="ft7">5.3</span><br/> <span class="ft7">Der Beschwerdeführer betreibt den strittigen Hundeübungsplatz</span><br/> <span class="ft7">bzw. die strittige Hundeschule seit (...) 2008. Der kantonale Ent-</span><br/> <span class="ft7">scheid über das Baugesuch datiert vom 23. Dezember 2008. Im</span><br/> <span class="ft7">angefochtenen Entscheid ist dem Beschwerdeführer sodann vom Ge-</span><br/> <span class="ft7">meinderat S. am 7. Dezember 2009 eine äusserst grosszügige Frist</span><br/> <span class="ft7">von 12 Monaten ab Rechtskraft zur Beseitigung des Vereinscontai-</span><br/> <span class="ft7">ners und Zauns sowie zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zu-</span><br/> <span class="ft7">stands eingeräumt worden. Wäre der erstinstanzliche Entscheid in</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">438</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Rechtskraft erwachsen, hätte die Anlage bis etwa Ende Dezember</span><br/> <span class="ft7">2010 beseitigt werden müssen. Der Beschwerdeführer hätte damit</span><br/> <span class="ft7">bereits mehr als 2 Jahre vom unrechtmässigen Zustand profitiert.</span><br/> <span class="ft7">Zur Beseitigung der Bauten und Einrichtungen des Hundübungsplat-</span><br/> <span class="ft7">zes und der Hundeschule erscheint daher nun eine nicht mehr allzu</span><br/> <span class="ft7">lange Frist von sechs Monaten ab Rechtskraft des vorliegenden Ent-</span><br/> <span class="ft7">scheids als angemessen. So können - im Interesse der Ausbildung der</span><br/> <span class="ft7">Hundehalter- und Hundehalterinnen - die bereits angebotenen bzw.</span><br/> <span class="ft7">gebuchten Kurse abgeschlossen werden. Eine längere Frist ist auch</span><br/> <span class="ft7">aus Gründen der Konkurrenzfähigkeit von Hundeschulen innerhalb</span><br/> <span class="ft7">der Bauzonen nicht gerechtfertigt.</span><br/> <span class="ft7">5.4</span><br/> <span class="ft7">Anlässlich der Augenscheinsverhandlung wies der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führer darauf hin, dass er die von ihm geschätzten Rückbaukosten im</span><br/> <span class="ft7">Betrag von Fr. 20'000.-- voraussichtlich nicht aufbringen könnte.</span><br/> <span class="ft7">Sollte der Beschwerdeführer als sog. Verhaltensstörer aber einer Be-</span><br/> <span class="ft7">seitigungsanordnung keine Folge leisten (können), hätte sich die</span><br/> <span class="ft7">Baupolizeibehörde zwecks Wiederherstellung des rechtmässigen Zu-</span><br/> <span class="ft7">stands an den sog. Zustandsstörer zu halten. Aus diesem Grund wur-</span><br/> <span class="ft7">de der Grundeigentümer der Parzelle 2030 ins Verfahren vor Regie-</span><br/> <span class="ft7">rungsrat beigeladen (vgl. § 12 VRPG). Sollte der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft7">also der Beseitigungs- und Wiederherstellungsanordnung keine Folge</span><br/> <span class="ft7">leisten, wäre der Grundeigentümer A. T. im Rahmen der Voll-</span><br/> <span class="ft7">streckung ins Recht zu fassen (vgl. AGVE 2007 S. 408 ff.; Matthias</span><br/> <span class="ft7">Spack, Richtige Wahl des Adressaten und Wahrung des rechtlichen</span><br/> <span class="ft7">Gehörs im Wiederherstellungsverfahren). Es erscheint angemessen,</span><br/> <span class="ft7">ihm hierfür eine zusätzliche Frist von drei Monaten nach Ablauf der</span><br/> <span class="ft7">für den Beschwerdeführer geltenden Beseitigungs- bzw. Wiederher-</span><br/> <span class="ft7">stellungsfrist anzusetzen.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>