Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Januar 2021 (720 19 63 / 06) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Hilfsmittel / Orthopädische Massschuhe, orthopädische Serienschuhe, orthopädische Schuhzurichtungen Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber in i.V. Lena Eichen- berger Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Roman Felix, Advokat, Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff Hilfsmittel A. Die 1961 geborene A.____ leidet an einer Polyneu ropathie unklarer Ätiologie an Füssen und Beinen, an einem beidseitigen Pes planovalgus mit chronischem Schmerzsyndrom und an einer Instabilität der oberen Sprunggelenke (OSG). Am 20. Januar 2018 ersuchte sie die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) um Übernahme der Aufwendungen für orthopädische Serienschuhe und Einlagen. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren wies die IV-Stelle das Leistungsbe- gehren mit Verfügung vom 18. Januar 2019 mit der Begründung ab, dass die Versicherte gemäss Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht den medizinischen Unterlagen weder orthopädische Massschuhe noch orthopädische Serien- schuhe benötige. Der Pes planovalgus könne auch mit angepassten Einlagen in geeigneten Kon- fektionsschuhen versorgt werden. Die aufgrund der neuerlich beschriebenen leichten Instabilität der OSG empfohlenen Eigenschaften würden sich bei entsp rechender Auswahl auch in einem geeigneten Konfektionsschuh finden lassen. B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertret en durch Advokat Roman Felix, am 21. Februar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kan tons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es seien ihr in Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung die gesetzlichen Leistungen zu erbri ngen, insbesondere sei ihr eine Kos- tengutsprache für orthopädische Serienschuhe bzw. Massschuhe zu erteilen. Zur Begründung liess sie im Wesentlichen geltend machen, dass sowohl die behandelnden Ärzte als auch der zuständige Schuhorthopäde die Versorgung mit einem or thopädischen Serienschuh empfehlen würden. Einzig der Regionale ärztliche Dienst (RAD) wid erspreche dieser Auffassung, obschon sie von diesem nie untersucht worden sei. Die Beurteilun g des RAD nehme keine ganzheitliche Betrachtung vor, sondern beschränke sich auf die Feststel lung, dass es bei der Empfehlung bleibe, die Versorgung mit angepassten Einlagen vorzuneh men. Eine solche Empfehlung exis- tiere aber nicht. C. Am 14. März 2019 reichte die Versicherte ergänzende B erichte ihrer behandelnden Ärztin und der B.____ AG ein. Dabei hielt sie fest, dass ein e schmerzfreie und stabile Mobilisation mit Normalschuhwerk nicht gewährleistet sei. D. Unter Hinweis auf eine Stellungnahme des RAD vom 27. März 2019 schloss die IV-Stelle mit Vernehmlassung vom 13. Mai 2019 auf Abweisung der Beschwerde. Von medizinischer Seite her bestünde die Empfehlung, den Pes planovalgus konseq uent mit angepassten Einlagen zu versorgen, wobei bei der Wahl des Einlagematerials die vorhandene Polyneuropathie zu berück- sichtigen sei. Zudem sei aufgrund der leichten OSG-Instabilität ein knöchelübergreifendes Schuh- werk in unebenem Gelände empfohlen worden. Das Schuhwe rk sollte daher über eine stabile Sohle und eine leichte Abrollung im Ballen- und Mit telsohlenbereich verfügen. Dabei handle es sich um Eigenschaften, die sich bei entsprechender Auswahl an einem geeigneten Konfektions- schuh finden liessen. Andernfalls könnten funktionell erf orderliche Änderungen im Sinne ortho- pädischer Änderungen bzw. Schuhzurichtungen an solchen Ko nfektionsschuhen nachträglich noch immer umgesetzt werden. Die Beschwerdeführerin habe jedoch klar kommuniziert, nur an Massschuhen oder orthopädischen Serienschuhen interessiert zu sein. Diese würden jedoch eine bestmögliche Versorgung darstellen, welche nicht von der Invalidenversicherung (IV) übernom- men werden könnte. E. Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 14. Au gust 2019 an ihren Rechtsbegehren fest. Es treffe zwar zu, dass die behandelnde Ärztin keine Indikation für orthopädische Mass- schuhe gestellt habe. In der Beschwerde sei jedoch beant ragt worden, dass die IV-Stelle die gesetzlichen Leistungen zu übernehmen habe. Dazu gehörten auch die in der Vernehmlassung thematisierten orthopädischen Abänderungen und Schuhzu richtungen an Konfektionsschuhen. Auch diese Leistungen würden Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens bilden. Ein Blick in Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht die medizinischen Unterlagen zeige auf, dass die Indikat ion für eine Versorgung mit orthopädi- schen Serienschuhen, allenfalls mit orthopädischen Schuhzurichtungen, gegeben sei, respektive weitere medizinische Abklärungen zu tätigen seien. Die Einschätzung des RAD sei nicht verläss- lich. F. Die IV-Stelle hielt mit Duplik vom 16. Oktober 20 19 am Antrag auf Abweisung der Be- schwerde fest. Vor dem Hintergrund der Einfachheit und der Zweckmässigkeit erübrige sich eine weiterreichende Schuhversorgung, weil die für das Schuhwerk erforderlichen Eigenschaften sich auch an einem geeigneten Konfektionsschuh finden liessen. G. Mit Schreiben vom 10. Januar 2020 fragte das Kanton sgericht die Parteien zwecks Klä- rung allenfalls übereinstimmender Parteianträge oder einer weitergehenden Einigung nach freiem Ermessen an, ob sie sich mit einer Kostengutsprache zu Gunst en der Versicherten für orthopä- dische Schuhzurichtungen definitiv einverstanden erklären könnten. H. Die IV-Stelle teilte am 3. Februar 2020 mit, dass sie mit einer Kostengutsprache für ortho- pädische Schuhzurichtungen einverstanden sei. I. In ihrer Stellungnahme vom 11. März 2020 hielt di e Beschwerdeführerin fest, dass sie aufgrund der E-Mail des involvierten Schuhtechnikers C._ ___ vom 17. Februar 2020 nach wie vor von der Notwendigkeit der Versorgung mit orthopädischen Serienschuhen ausgehe und sich deshalb nicht mit einer Kostengutsprache für orthopädisch e Schuhzurichtungen einverstanden erklären könne. J. Mit Stellungnahme zur Eingabe der Beschwerdeführer in vom 11. März 2020 führte die IV- Stelle aus, dass sich der Lieferant der Schuhversorgung, die B.____ AG, in seiner E-Mail auf die Austauschbefugnis gemäss Art. 21 bis IVG beziehe und sich hauptsächlich zu den orthopädischen Massschuhen und Serienschuhen gemäss Ziff. 4.01 des Anhangs zur HVI äussere. Jedoch be- inhalte die Austauschbefugnis zwischen den zwei Versorgung en die teilweise Kostenvergütung für orthopädische Serienschuhe anstelle der orthopädische n Schuhzurichtung, wobei die IV- Stelle dem nichts entgegenzusetzen habe. K. Die Beschwerdeführerin hielt mit Schreiben vom 29. Mai 2020 an ihren Begehren vollum- fänglich fest. Sie habe in der Zwischenzeit Dr. med. D. ____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, konsultiert, welcher ihr bestätigt habe, dass eine Ver- sorgung mit einem orthopädischen Serienschuh indiziert sei. L. Mit Stellungnahme vom 29. Mai 2020 hielt die IV-S telle am 18. Juni 2020 am Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest, da die geforderten An passungen auch an einem geeigneten Konfektionsschuh vorgenommen werden könnten. M. Das Kantonsgericht teilte mit Schreiben vom 23. Juni 2020 mit, dass gestützt auf die Stel- lungnahme der IV-Stelle vom 18. Juni 2020 samt RAD-Bericht vom 15. Juni 2020 gegebenenfalls Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht von einem veränderten Befund ausgegangen werden müsse, sollte in der Zwischenzeit insbe- sondere eine aktuelle radiologische Diagnostik nach dem 8. September 2017 erfolgt sein. N. Die Beschwerdeführerin hielt mit Schreiben vom 23. Juli 2020 fest, dass erhebliche Zwei- fel an der Einschätzung von Dr. med. E.____, Facharzt für Orthopädische und für Physikalische und Rehabilitative Medizin, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, RAD beider Basel, beste- hen würden und die Aktenlage zum Schluss führe, dass die Versorgung mit orthopädischen Se- rienschuhen angezeigt sei. O. Mit Stellungnahme zur Eingabe der Beschwerdeführe rin vom 23. Juli 2020 hielt die IV- Stelle am 6. August 2020 am Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest, da sich die Beurteilung von Dr. E.____ als konsistent erweise. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invalidenv ersicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Verfügungen der IV-Stelle beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle innert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Sach- lich zuständig zur Beurteilung der Beschwerde ist im Kanton Basel-Landschaft gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltun gsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozi alversicherungsrecht des Kantonsge- richts über Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr . 20'000.--. Vorliegend ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten in der Höhe von Fr. 3'37 8.30 für die beantragten, individuell gefertigten orthopädischen Serienschuhe zu übernehmen hat. Die Angelegenheit ist damit präsi- dial zu entscheiden. 2.1 Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versic herte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 lit. d IVG Anspruch auf die Abga be von Hilfsmitteln. Dieser Anspruch be- zieht sich gemäss Art. 21 Abs. 1 IVG auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbs- tätigkeit oder der Tätigkeit in ihrem Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedürfen. Kosten für Zahnprothesen, Brillen und Schuh- einlagen werden nur übernommen, wenn diese Hilfsmittel eine wesentliche Ergänzung medizini- scher Eingliederungsmassnahmen bilden. Des Weiteren hat d ie versicherte Person, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herst ellung des Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedarf, gemäss Art . 21 Abs. 2 IVG unabhängig von einer allfälligen Erwerbstätigkeit im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf Hilfsmittel. 2.2 Der Bundesrat hat in Art. 14 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 (in der ab 2019 anwendbaren Fassung) die ihm durch Art. 14 Abs. 2 und 4 IVG Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht übertragene Befugnis, einschliesslich derjenigen zum Erlass näherer Bestimmungen über Bei- träge an die Kosten invaliditätsbedingter Anpassungen von Geräten und Immobilien, an das Eid- genössische Departement des Innern delegiert, welches di e Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) vom 29. November 1976 erlassen hat. Gemäss deren Art. 2 besteht im Rahmen der im Anhang aufgefü hrten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, so- weit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbst- sorge notwendig sind (Abs. 1). Anspruch auf die mit (*) bezeichneten Hilfsmittel besteht nur, so- weit diese für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnu ng oder für die in der zutreffenden Ziffer des Anhangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (Abs. 2; BGE 122 V 212 E. 2a). 2.3 Nach Art. 21 Abs. 3 IVG und Art. 2 Abs. 4 HVI beste ht nur Anspruch auf Hilfsmittel in einfacher und zweckmässiger Ausführung. Das Kriterium der Zweckmässigkeit verlangt insbe- sondere, dass das Hilfsmittel bestimmt und geeignet ist, dem gesundheitlich beeinträchtigten Ver- sicherten in wesentlichem Umfang zur Erreichung eines der gesetzlich anerkannten Ziele zu ver- helfen (BGE 122 V 214 E. 2c mit Hinweis). Indem die e inschlägigen Vorschriften die Leistungs- pflicht der Invalidenversicherung auf Hilfsmittel in ein facher Ausführung beschränken, wird dem allgemeinen Grundsatz der Verhältnismässigkeit Rechnung getragen. Danach ist die Eingliede- rung nur soweit sicherzustellen, als sie im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist. Die ver- sicherte Person hat dementsprechend in der Regel nur Anspruch auf die dem jeweiligen Einglie- derungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebe- nen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Ferner muss der voraussichtliche Erfolg einer Einglie- derungsmassnahme in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten stehen (BGE 124 V 110 E. 2a, 122 V 214 E. 2c). Durch eine andere Ausführung ve rursachte zusätzliche Kosten hat der Versicherte selbst zu tragen. 3.1 Ziff. 4 des Anhangs zur HVI regelt die Kategorie Schuhwerk und orthopädische Fussein- lagen und führt folgende Hilfsmittel auf: 4.01: Orthopädische Massschuhe und orthopädische Se- rienschuhe einschliesslich Fertigungskosten, sofern eine Versorgung gemäss den Ziff. 4.02-4.04 nicht möglich ist; 4.02: Orthopädische Änderungen und Schuhzurichtungen an Konfektionsschu- hen oder orthopädischen Spezialschuhen; 4.03: Orthopädische Spezialschuhe; 4.04: Invaliditäts- bedingter Mehrverbrauch von Konfektionsschuhen; 4.05*: Orthopädische Schuheinlagen, sofern sie eine notwendige Ergänzung einer medizinischen Eingl iederungsmassnahme darstellen. Die in diesen Ziffern statuierte Hilfsmittelversorgung unt erliegt stets den allgemeinen Anspruchsvo- raussetzungen gemäss Art. 8 IVG (Geeignetheit, Erforder lichkeit, Eingliederungswirksamkeit; siehe BGE 122 V 212 E. 2c; vgl. auch Urteil des Eidgenö ssischen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht] vom 21. Februar 2003, I 84/02, E. 2.2). Dabei besteht nur Anspruch auf Hilfsmittel in einfacher, zweckmässiger und wirtschaftlicher Ausführung (Art. 21 Abs. 3 IVG, Art. 2 Abs. 4 HVI; Urteil des Bundesgerichts vom 13. September 2011, 8C_34/2011, E. 3.2). 3.2 Gemäss Ziff. 4.01 Anhang zur HVI besteht ein Anspr uch auf orthopädische Massschuhe und orthopädische Serienschuhe einschliesslich Fertigungskost en nur, sofern eine Versorgung gemäss den nachfolgenden Ziff. 4.02 - 4.04 HVI Anhang nicht möglich ist. Der orthopädische Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Massschuh ist ein orthopädisches Hilfsmittel zur Rehabilit ation und Versorgung bei pathologi- schem Zustand. Nach Ziff. 4.01 des Kreisschreibens über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (KHMI; Stand 1. Januar 2019; S. 2 4 f.) wird der Schuh über einen indivi- duell für den Patienten angefertigten Leisten hergestellt. Alle erforderlichen schuh- und orthopä- dietechnischen Konstruktionselemente werden im Schuh ein gearbeitet. Der orthopädische Se- rienschuh dagegen ist ein Halbfabrikat. In indizierten F ällen ist er geeignet, die kostspieligere Anfertigung orthopädischer Massschuhe zu umgehen. Orthopädische Serienschuhe müssen ge- eignet sein, von der Norm abweichende und pathologische Fussformen zu versorgen und speziell umschriebene Anforderungen erfüllen zu können. Diese Sch uhe haben kein Fussbett. Ein sol- ches wird individuell hergerichtet und eingebaut (a.a.O., S. 25). Sie dürfen deshalb auch nur von anerkannten OSM-Orthopädieschuhmachern und -meistern a ngefertigt werden. Orthopädische Spezialschuhe dagegen sind konfektionierte Schuhe, welche zum Tragen loser Einlagen konzi- piert sind und sich zur Ausführung ergänzender orthopädi scher Zurichtungen eignen. Sie besit- zen besondere Elemente zur Erleichterung der Abrollun g, Dämpfung oder Stabilisierung (Ziff. 4.03 KHMI, S. 25). Orthopädische Änderungen und Schuh zurichtungen an Konfektionsschuhen oder orthopädischen Spezialschuhen dürfen schliesslich nur an Spezialschuhen oder an qualita- tiv geeigneten Konfektionsschuhen, welche eine angemessene Tragdauer sicherstellen, vorge- nommen werden. Die entsprechenden Anpassungen gehen üb er das Anfertigen von Einlagen hinaus und bestehen beispielsweise in Anpassungen des Schuhbodens, der Zurichtung von Ab- rollhilfen, einer Absatzdämpfung oder einer Absatz- bzw. Sohlenerhöhung. Bei einer erstmaligen Zusprache können solche Änderungen für erwachsene Perso nen für vier Paare pro Jahr und anschliessend noch für maximal zwei Paare jährlich bewilligt werden (Ziff. 4.02 KHMI, S. 25). 3.3 Gestützt auf den Bericht der behandelnden Ärztin Dr . med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 12. März 2019 stimmen die Par- teien mittlerweile zu Recht überein, dass kein orthopä discher Massschuh indiziert ist. Einigkeit besteht ferner darüber, dass bei der Versicherten grundsätzlich die Indikation für eine angepasste Schuhversorgung besteht. Fraglich ist einzig deren Ausführung: Die IV-Stelle vertritt die Auffas- sung, dass sich die funktionell erforderlichen Eigenschaften grundsätzlich an geeigneten Konfek- tionsschuhen finden liessen; sollten sich keine Schuhe mit den entsprechenden Eigenschaften finden lassen, könnten die funktionellen Anpassungen im Sinne orthopädischer Änderungen und Schuhzurichtungen noch immer nachträglich geprüft werden. In beiden Fällen liege eine äquiva- lente und funktionelle Versorgung vor. Demgegenüber stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, dass sie Anspruch auf die Kostenübernahme von orthopädischen Serienschuhen, mindestens jedoch auf die in der Vernehmlassung der IV -Stelle thematisierten orthopädischen Änderungen und Schuhzurichtungen habe. Da sich die angefochtene Verfügung vom 18. Januar 2019 auf die Frage beschränkt hat, ob die Versicherte A nspruch auf eine Versorgung durch or- thopädische Serienschuhe hat, bilden orthopädische Änder ungen und Schuhzurichtungen nicht Streitgegenstand der vorliegenden Beschwerde im engeren Sinne. Im Laufe des Rechtsmittel- verfahrens kann sich der Streitgegenstand verengen bzw. um nicht mehr strittige Punkte redu- zieren, grundsätzlich jedoch nicht erweitern oder inhal tlich verändern (BGE 136 II 463 E. 4.2, 136 II 174 E. 5, 133 II 34 E. 2.4). Gemäss der Rechtspr echung des Bundesgerichts ist die Aus- dehnung des Anfechtungsgegenstandes auf eine ausserhalb des durch die Verfügung bestimm- ten Rechtsverhältnisses liegende Frage nur ausnahmsweise aus prozessökonomischen Gründen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und unter der Erfüllung dreier Voraussetzungen zulässig: Die Frage muss erstens spruchreif sein. Sie muss zweitens mit dem bisherigen Streitgegenstand so eng zusammenhängen, dass von einer Tatbestandsgesamtheit gesprochen werden kann. Drittens muss hierzu das rechtliche Ge- hör gewährt worden sein, die Verwaltung wie auch die Beschwerde führende Partei müssen sich zu dieser Streitfrage also mindestens in Form einer Pr ozesserklärung geäussert haben (BGE 130 V 503 E. 1.2, 130 V 140 E. 2.1; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 3. Juli 2020, 8C_719/2019, E. 4.2.2 und vom 12. März 2019, 9C_747/2018, E. 3.5). Bei der Ausdehnung des Anfechtungsgegenstandes handelt es sich dabei nicht um eine Pflicht, sondern um eine pro- zessuale Befugnis (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. Se ptember 2009, 9C_599/2009, E. 2.2.1, in: SVR 2010 IV Nr. 18 S. 56, mit Hinweis). 3.4 Im vorliegenden Fall sind diese Voraussetzungen gege ben. Die IV-Stelle hat sich in ihrer Beschwerdeantwort ebenfalls zu einer allfälligen Verso rgung mit orthopädischen Änderungen bzw. Schuhzurichtungen an einem Konfektionsschuh vernehmen lassen. Ausserdem hat die Be- schwerdeführerin in ihrer Replik explizit darum ersucht, dass gegebenenfalls alternativ auch über dieses Hilfsmittel befunden werde. Beide Parteien haben sich demnach zumindest in Form einer Prozesserklärung auch mit der Streitfrage auseinandergesetzt, ob die Versicherte Anspruch auf orthopädische Änderungen bzw. Schuhzurichtungen hat. Zud em besteht zwischen dem ur- sprünglich verfügten Streitgegenstand in Form orthopädischer Serienschuhe und dem fraglichen Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin um Kostengutsprach e auch alternativer Hilfsmittel of- fensichtlich ein enger sachlicher Zusammenhang. Eine Rückweisung der Sache an die IV-Stelle zwecks Erlass einer diesbezüglichen Verfügung käme einem formalistischen Leerlauf gleich und widerspräche dem Grundsatz der Prozessökonomie (BGE 121 V 116, 116 V 187 E. 3d). Unter den gegebenen Umständen ist es demnach angezeigt, im vor liegenden Beschwerdeverfahren auch die Frage zu beurteilen, ob die Beschwerdeführerin allenfalls Anspruch auf alternative Hilfs- mittel hat. Der Streitgegenstand ist folglich entsprechend auszuweiten. 4.1 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer me- dizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforde- rungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 219 E. 1.2.1). Allerdings ist hinsicht- lich des Beweiswerts zu differenzieren: Stützt sich der an gefochtene Entscheid ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen – zu den en die RAD-Berichte gehören –, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen . In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergän- zende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 229 E. 5.2, 135 V 470 E. 4.4 und E. 4.7; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 18. November 2020, 8C_517/ 2020, E. 4.2 mit weiteren Hinwei- sen). 4.3 Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie au ch der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil d es Bundesgerichts vom 7. Oktober 2020, 9C_372/2020, E. 2.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Mai 2020, 9C_721/2019, E. 3). 4.4 Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialve rsicherungsgericht die Gesetz- mässigkeit der Einspracheentscheide grundsätzlich nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Er- lasses des Einspracheentscheides gegeben war (BGE 143 V 411 E. 2.1, 134 V 397 E. 6). Medi- zinische Berichte und Gutachten, die nach Erlass des ange fochtenen Einspracheentscheides vorgebracht werden und in einem engen Sachzusammenhang mit dem streitigen Leistungsan- spruch stehen, sind jedoch in die Beurteilung einzubeziehen, soweit sie Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegebene Situation erlauben (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 5. November 2019, 9C_114/2019, E . 2 und vom 25. September 2019, 8C_414/2019, E. 2.2.2; siehe auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. Oktober 2020, C-6058/2019, E. 2.3 mit Hinweisen). 5.1 Mit RAD-Bericht vom 10. September 2018 verneinte D r. E.____ die Indikation orthopä- discher Serienschuhe. Er stützte sich hierbei auf den fach ärztlichen Sprechstundenbericht von Dr. F.____ vom 8. September 2017, wonach anamnestisch eine Einlagenversorgung in den Wan- derschuhen getragen werde und hierunter deutlich wenig er Beschwerden bestünden. In der kli- nischen Untersuchung hätten sich keinerlei Druckstellen finden lassen. Im Röntgen zeige sich ein abgeflachtes Fusslängsgewölbe, differentialdiagnostisch ei ne Tibialis posterior Insuffizienz, bei ansonsten achsengerechten Stellungsverhältnissen, sowie ke inen degenerativen Veränderun- gen. Dr. F.____ empfehle, die vorhandenen Einlagen anzupassen und sie während des gesam- ten Tages und nicht nur in den Wanderschuhen zu tragen. Auch Dr. E.____ empfahl in der Folge, den Pes planovalgus konsequent mit angepassten Einlagen im geeigneten Konfektionsschuh- werk zu versorgen, wobei bei der Wahl des Einlagenmate rials die vorhandene Polyneuropathie berücksichtigt werden sollte. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Mit RAD-Bericht vom 19. November 2018 führte Dr. E .____ aus, dass gemäss Untersu- chung von Dr. F.____ vom 15. November 2018 als neue Dia gnose eine leichte Instabilität des OSG beidseits beschrieben worden sei, wobei diese kein en orthopädischen Serienschuh recht- fertige. Des Weiteren seien die Beschwerden vornehmlich der Polyneuropathie unklarer Ätiologie zuzuordnen und nachrangig zum Pes planovalgus. Da sich aus dem Bericht von Dr. F.____ keine neuen Erkenntnisse ergeben würden, verbleibe es bei de r Empfehlung, den Pes planovalgus konsequent mit angepassten Einlagen im geeigneten Kon fektionsschuhwerk zu versorgen und bei der Wahl des Einlagenmaterials die vorhandene P olyneuropathie zu berücksichtigen. Dies entspreche einer einfachen, zweckmässigen und wirtschaftlichen Versorgung. 5.3 Dr. E.____ hielt im RAD-Bericht vom 10. Januar 2 019 fest, dass sich auf den Aufnahmen der Fotodokumentation beider Füsse vom 22. Dezember 2018 keine Druckstellen finden liessen, die von einem Schuhwerk herrühren würden. Es liege ei n Pes planus mit abgeflachtem, jedoch nicht aufgehobenem Längsgewölbe bei orthograder Einstellung des Rück- und Mittelfusses sowie eine Verbreiterung des Vorfusses und eine Unterlänge D I beidseits und eine Überlänge D II beidseits vor. Bei den Befunden sei die Polyneuropat hie führend. Dr. E.____ verblieb bei der Empfehlung, den Pes planovalgus konsequent mit angepassten Einlagen im geeigneten Konfek- tionsschuhwerk zu versorgen und bei der Wahl des Einlagenmaterials die vorhandene Polyneu- ropathie zu berücksichtigen. Aufgrund der neuerlich beschr iebenen leichten OSG-Instabilität werde ein knöchelübergreifendes Schuhwerk in unebenem Gelände empfohlen. Ferner sollte der Konfektionsschuh über eine stabile Sohle und eine leichte Abrollung im Ballen- und Mittelfussbe- reich verfügen. Diese Eigenschaften würden sich bei en tsprechender Auswahl auch in einem geeigneten Konfektionsschuh finden lassen. Eine entsprechende schuhverkäuferische Beratung sei zumutbar. 5.4 Bezüglich der RAD-Berichte von Dr. E.____ ist festzu halten, dass diese den Anforde- rungen der Rechtsprechung (siehe Erwägung 4.1 hiervor) an einen versicherungsinternen ärztli- chen Bericht im vorliegenden Fall genügen. Sie sind für die streitigen Belange umfassend, beru- hen auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigen die geklagten Beschwerden, sind in Kennt- nis der Berichte von Dr. F.____ abgegeben worden und leuchten in der Darlegung der medizini- schen Zusammenhänge, insbesondere hinsichtlich einer geeigneten Versorgung des Pes plano- valgus, ein. Diese Schlussfolgerungen werden dabei eingehend – nicht zuletzt unter Berücksich- tigung der vorliegenden Fotodokumentationen – begründ et. Es bestehen daher keine auch nur geringen Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der RAD-Berichte, womit ihnen voller Beweiswert zukommt, und die IV-Stelle zu Recht auf sie abstellen durfte. 6.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die nach dem Einsp racheverfahren eingereichten Be- richte auf eine Indikation orthopädischer Serienschuhe schliessen lassen. Wie in Erwägung 4.4 erwähnt, sind nach Erlass des Einspracheentscheids verfasste Arztberichte in die Beurteilung einzubeziehen, wenn sie Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt d es Abschlusses des Verwaltungs- verfahrens gegebene Situation erlauben. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 C.____ von der B.____ AG bezog sich in seiner E-Ma il vom 17. Februar 2020 auf die Austauschbefugnis gemäss Art. 21 bis IVG. Austauschbefugnis bedeutet, dass die versicherte Per- son auf der Grundlage und nach Massgabe des Gesetzes mit einer Geldzahlung zu entschädigen ist, wenn sie aus schützenswerten Gründen von einem gesetzl ichen Leistungsanspruch keinen Gebrauch macht und stattdessen einen funktionell gleichen Behelf zur Erreichung desselben ge- setzlichen Zieles wählt. Der Kerngehalt der Austauschbefugnis liegt darin, dass es grundsätzlich ohne Bedeutung ist, auf welchem Weg oder durch welches Mittel das gesetzliche Ziel angestrebt wird. Umfasst das vom Versicherten selber angeschaffte Hilfsmittel auch die Funktion eines ihm an sich zustehenden Hilfsmittels, so steht einer Gewährung von Amortisations- und Kostenbei- trägen nichts entgegen; diese sind alsdann auf der Basis der Anschaffungskosten des Hilfsmittels zu berechnen, auf das der Versicherte an sich Anspruch hat (BGE 131 V 110 ff. E. 3.2.1 und E. 3.2.3; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 7. Septe mber 2018, 9C_594/2017, E. 3.2). Be- züglich der Austauschbefugnis äusserte sich C.____ hauptsächlich zu den orthopädischen Mass- schuhen und Serienschuhen gemäss Ziff. 4.01 des Anhangs zur HVI. Wie in Erwägung 3.3 dar- gelegt, stimmen die Parteien jedoch überein, dass kein orthopädischer Massschuh indiziert ist. Da vorliegend lediglich der orthopädische Serienschuh u nd die orthopädische Schuhzurichtung als adäquate Hilfsmittel in Frage kommen, bringt die beigebrachte E-Mail vom 17. Februar 2020 keine neuen medizinischen Tatsachen vor, welche zu neuen Erkenntnissen im vorliegenden Ver- fahren führen würden. 6.3 Der Spezialist für Fuss- und Sprunggelenkchirurgie Dr . D.____ von der Hirslanden Klinik Birshof führte in seiner E-Mail vom 28. Mai 2020 aus, dass die Beschwerdeführerin einen Schuh mit einer stabilen Sohle und Vorfussabrollrampe sowie bei guter Fersenfassung eine weite wei- che Zehenbox benötige. Aufgrund ihrer peripheren Polyneuropathie sei es äusserst wichtig, dass keine Druckstellen entstehen würden, der Schuh perfekt sitze, und keine Nahtstellen in der wei- chen Zehenbox bestehen würden. Die orthopädische Fussbettung müsse genügend Platz bieten und das einbrechende Fusslängsgewölbe stützen. Geht man die einzelnen Positionen durch, ist ersichtlich, dass sämtliche Anforderungen durch einen geeigneten Konfektionsschuh umgesetzt werden können, da sich sowohl eine Versteifung der Sohl e als auch eine Vorfussabrollrampe anbringen lassen. Des Weiteren hat der Konfektionsschuh e ine gute Führung in der Fersen- kappe, bietet genügend Platz für die Zehen bzw. für de n Vorfuss und ist einlagenversorgbar. Dr. D.____ führt ferner aus – ohne allerdings neue radiologische Befunde oder Unterlagen bei- zubringen –, dass bei der Beschwerdeführerin die Diagnose einer Arthrose der Mittelfussgelenke mit Einbruch des Fusslängsgewölbes gestellt werden könne. Diese Aussage steht allerdings nicht im Einklang mit der einzigen vorliegenden Röntgendoku mentation vom 8. September 2017, die ein abgeflachtes Fusslängsgewölbe bei ansonsten achsen gerechten Stellungsverhältnissen ohne degenerative Veränderungen gezeigt hat. 6.4 Mit E-Mail vom 30. Juni 2020 führte Dr. D.____ au s, er habe in seiner Untersuchung vom 5. März 2020 praktisch keine Sensibilität bis unterha lb der Knie festgestellt. Auch anhand dieser Ausführungen ergeben sich jedoch keine neuen Erkenntnisse. Von medizinischer Seite ist deshalb nach wie vor von einem unveränderten Befund auszugehen, da sich keine Hinweise auf Ulzerationen, Druckstellen oder Wunden an den Füssen finden lassen. Auch liegt keine aktuali- sierte radiologische Diagnostik vor, die eine andere Einschätzung zulassen würde. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aus den Berichte n von C.____ und Dr. D.____ nichts hervorgeht, was darauf schliessen lässt, dass eine Versorgung mit orthopädischen Serien- schuhen angezeigt ist. Eine derartige Versorgung wäre nur bei Vorliegen eines veränderten me- dizinischen Befunds, der sich in nachvollziehbaren und belastbaren Hinweisen auf Ulzerationen, Druckstellen und Wunden an den Füssen im Rahmen einer fortgeschrittenen Polyneuropathie, in einer veränderten Form der Füsse entsprechend eines akt uellen klinischen Befunds oder in ei- nem veränderten bzw. verschlechterten radiologischen Befu nd zeigen kann, gerechtfertigt. Da keines dieser Kriterien erfüllt ist, hat die Beschwerdege gnerin zu Recht den Anspruch auf eine Versorgung der Beschwerdeführerin mit orthopädischen S erienschuhen mit Verfügung vom 18. Januar 2019 abgelehnt. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 7.1 Es verbleibt über die Kosten zu befinden. Der Stre itgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfah rensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei präsidi- alen Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtig ung des bundesrechtlichen Kosten- rahmens einheitlich auf Fr. 400.-- fest. Nach § 20 Abs . 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 400.-- ihr aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 400.-- verrechnet. 7.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat die Beschwerdef ührerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 400.-- w erden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kosten vorschuss in Höhe von Fr. 400.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet.