6. Oktober 1995 N 2213 Interpellation Zwygart #ST# 95.3181 Interpellation Zwygart Schlaganfall. Hilfe für Aphasiker Apoplexie. Aide aux personnes aphasiques Wortlaut der Interpellation vom 24. März 1995 Der Schlaganfall (Apoplexie) trifft nicht nur ältere Menschen. In den USA ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursa- che (American Heart Association), ebenso in Deutschland («Der Schlaganfall-Patient» 1994). Schlaganfälle müssen möglichst verhindert werden. Vor allem sind betroffene Men- schen durch geeignete Rehabilitation zu unterstützen, vor al- lem auch die Aphasiker (Aphasie = Sprachstörung). Leider hat das Bundesamt für Gesundheitswesen im Bericht «Gesundheit in der Schweiz» (1993) kein Wort über den Schlaganfall geschrieben und keine Daten darüber veröffent- licht. Ich frage den Bundesrat an: 1. Ist das Bundesamt für Gesundheitswesen in der Lage, eine Statistik über den Schlaganfall zu erstellen? 2. Ist der Bundesrat bereit, eine Langzeituntersuchung einer repräsentativen Anzahl von Aphasikern in die Wege zu lei- ten? 3. Nur wenn das Wissen über die Problematik der Aphasie in der Öffentlichkeit genügend bekannt ist, wird das Leben für betroffene Menschen und ihre Angehörigen erträglicher wer- den. Wieweit kann hier der Bund mithelfen? Texte de l'interpellation du 24 mars 1995 Les crises d'apoplexie ne touchent pas seulement les per- sonnes d'un certain âge. Aux Etats-Unis, l'apoplexie arrive au troisième rang des causes de décès (American Heart As- sociation), de même qu'en Allemagne («Der Schlaganfall- Patient», 1994). Les crises d'apoplexie doivent être évitées autant que possible et lorsqu'elles arrivent, les malades, en particulier les personnes aphasiques (qui souffrent de trou- bles du langage), doivent être aidés par des mesures théra- peutiques appropriées. Malheureusement, l'Office fédéral de la santé publique n'a pas même mentionné l'apoplexie dans son rapport de 1993 intitulé «La santé en Suisse». Dans ce contexte, je pose les questions suivantes au Conseil fédéral: 1. L'Office fédéral de la santé publique est-il en mesure d'éta- blir une statistique sur l'apoplexie? 2. Le Conseil fédéral est-il disposé à demander qu'une en- quête de longue durée soit faite sur un échantillon représen- tatif d'aphasiques? 3. La situation des personnes aphasiques et de leur entou- rage ne pourra s'améliorer que lorsque la population sera mieux informée à ce sujet. Dans quelle mesure la Confédé- ration peut-elle y contribuer? Mitunterzeichner- Cosignataires: Dünki, Gonseth, Grendel- meier, Maeder, Meier Samuel, Schmid Peter, Weder Hans- jürg, Wick (8) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 16. August 1995 Rapport écrit du Conseil fédéral du 16 août 1995 1.Die Erstellung einer regelmässigen jährlichen Statistik über den Schlaganfall ist in der Schweiz zurzeit nicht mög- lich. Dafür bedürfte es einer Morbiditätsstatistik, die sich in- dessen erst im Aufbau befindet. Ein Expertengremium des Eidgenössischen Departementes des Innern (EDI) und der Schweizerischen Sanitätsdirekto- renkonferenz (SDK) ist unter der Leitung des Bundesamtes für Statistik daran, die Betriebsstatistik der Spitäler sowie die medizinische Statistik zu revidieren. Die Datenerhebung soll umfassender und detaillierter erfolgen und neu sowohl Dia- gnosen als auch Operationen einschliessen. Damit werden die für eine umfassende Statistik notwendigen Krankheitsda- ten der Schweizer Bevölkerung erfasst werden können. Mit der Erfassungsarbeit wird allerdings frühestens 1997 begon- nen werden können. Das Bundesamt für Statistik ist aber aufgrund der Mortalitäts- statistik und der Gesundheitsbefragung in der Lage, Anga- ben über die Häufigkeit und Verteilung des Schlaganfalls zu machen. Die Mortalitätsstatistik, die bis ins Jahr 1876 zurück- reicht, zeigt, dass 1993 beispielsweise 5440 Personen (1991: 5505; 1992: 5446) an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben sind (8,6 Prozent aller Todesfälle). Dabei gingen 5653 Lebensjahre (2,1 Prozent aller verlorenen Lebensjahre) durch vorzeitige Todesfälle vor dem siebzigsten Altersjahr verloren. Es lässt sich feststellen, dass seit 1971 die Mortali- tät von Schlaganfällen - hauptsächlich dank der Behandlung von Hypertonie (Bluthochdruck) - rückläufig ist. Aufgrund der Angaben der Gesundheitsbefragung liegt die Prävalenz (Er- krankungshäufigkeit pro Jahr) bei der Schweizer Bevölke- rung zwischen 15 und 74 Jahren bei 0,5 Prozent. Eingehen- dere Angaben können beim Bundesamt für Statistik, Sektion Gesundheit, bezogen werden. 2. Die Aphasie kann als Sekundärfolge einer Krankheit oder eines Unfalles auftreten und stellt für die betroffenen Men- schen eine schwerwiegende Behinderung dar. Sie bedarf einer sofortigen und intensiven Therapie. An den Universi- tätskliniken und in grösseren Spitälern bestehen speziali- sierte Abteilungen, die bei den stationären Patientinnen und Patienten die notwendige Behandlung einleiten. Die ambu- lante Therapie, die je nach Schweregrad mehrere Jahre dau- ern kann, wird u. a. durch eine logopädische Betreuung fort- gesetzt. Ob eine Langzeituntersuchung an Aphasikern in der Schweiz notwendig ist und welche Ziele damit erreicht werden sollen, müsste vorgängig anhand verschiedener Kriterien abgeklärt werden. So wäre z. B. zu prüfen, ob das Therapieangebot unvollständig ist und verbessert werden müsste oder ob durch eine Studie neue und wichtige Erkenntnisse gewonnen werden könnten. Aufgrund der föderalistischen Regelung unseres Gesund- heitssystems gehören Therapie und Rehabilitation der Apha- sie in den Zuständigkeitsbereich der Kantone. Der Bundesrat betrachtet es nicht als vordringliche Bundesaufgabe, eine Untersuchung hierüber in die Wege zu leiten. 3. Der Bundesrat kann die Bestrebungen für eine breite und sachliche Information über Ursachen und Folgen von Krank- heiten grundsätzlich befürworten. Damit kann bei der Bevöl- kerung das Verständnis für betroffene Mitmenschen geför- dert werden. Das neue Krankenversicherungsgesetz (KVG) sieht auch die Möglichkeit von Massnahmen zur Krankheits- prävention und zur Gesundheitsförderung vor. Inwieweit das Anliegen des Interpellanten auf diesem Weg erfüllt werden kann, wird zu prüfen sein, wenn einmal feststeht, welche In- stitution (gemäss Art. 19 KVG) diese Aufgabe wahrnehmen wird und welches die Schwergewichte der Tätigkeit sein wer- den. Erklärung des Interpellanten: teilweise befriedigt Déclaration de l'interpellateur: partiellement satisfaitSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Zwygart Schlaganfall. Hilfe für Aphasiker Interpellation Zwygart Apoplexie. Aide aux personnes aphasiques In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1995 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 13 Séance Seduta Geschäftsnummer 95.3181 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 06.10.1995 - 08:00 Date Data Seite 2213-2213 Page Pagina Ref. No 20 026 199 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.