<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp322128"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>135 V 80<br/><br/><br/><div class="paraatf">11. Urteil der II. sozialrechtlichen Abteilung i.S. U. und B. gegen Stiftung Auffangeinrichtung BVG und G. (Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten)</div> <div class="paraatf">9C_550/2008 vom 12. Dezember 2008</div> <a name="idp323760"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref"><artref id="CH/831.40/20^a/2" type="start"></artref><artref id="CH/831.40/20^a/1" type="start"></artref>Art. 20a Abs. 1 und 2 BVG</span><artref id="CH/831.40/20^a/2" type="end"></artref><artref id="CH/831.40/2" type="end"></artref>; <span class="artref">Art. 15 Abs. 1 lit. b FZV</span>; <span class="artref">Art. 26 Abs. 1 FZG</span>; Anwendbarkeit der Begünstigungsregelung nach BVG auf Freizügigkeitsleistungen. <div class="paratf">Die Begünstigungsregelungen bei Hinterlassenenleistungen der Vorsorgeeinrichtungen nach <span class="artref">Art. 20a BVG</span> und bei Freizügigkeitsleistungen nach <span class="artref">Art. 15 FZV</span> betreffen unterschiedliche Sachverhalte. Der in <span class="artref">Art. 20a Abs. 2 BVG</span> vorgesehene Ausschluss von Hinterlassenenleistungen bei Bezug einer Witwer- oder Witwenrente ist nicht auch auf Freizügigkeitsleistungen anzuwenden (E. 3.4). </div> </div> </div> <a name="idp338640"></a> <a name="idp353472"></a> <br/><div> <a name="idp368032"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 81</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page81"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 80 S. 81</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp369744"></a><span class="bold">A. </span>Der 1945 geborene A. verstarb am 31. Mai 2006. Er hinterliess als gesetzliche Erbinnen seine beiden volljährigen Töchter U. und B. Während rund sechs Jahren vor seinem Tod hatte er im Konkubinat mit G. gelebt. Der Versicherte hatte bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG (nachfolgend: Auffangeinrichtung) ein Freizügigkeitskonto unterhalten. Nach seinem Tod ersuchten die beiden Töchter die Auffangeinrichtung, ihnen das Freizügigkeitsguthaben auszuzahlen. Diese stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, anspruchsberechtigt sei G. als frühere Lebenspartnerin und verweigerte die Auszahlung an die Töchter.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp371664"></a><span class="bold">B. </span>Die von U. und B. gegen die Auffangeinrichtung erhobene Klage auf Herausgabe des Freizügigkeitsguthabens wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern nach Beiladung der G. mit Entscheid vom 11. Juni 2008 ab.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp373184"></a><span class="bold">C. </span>U. und B. erheben Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Antrag, unter Aufhebung des angefochtenen Entscheids sei G. zu verpflichten, ihnen die Freizügigkeitsleistung aus dem bei der Auffangeinrichtung geführten Freizügigkeitskonto ihres verstorbenen Vaters auszurichten, nebst Zins ab 19. Juni 2007.</div> <div class="paraatf">Die Auffangeinrichtung und G. beantragen die Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) schliesst auf deren Gutheissung.</div> <div class="paraatf">Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab.</div> <br/><div> <a name="idp376016"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Das Bundesgericht zieht in Erwägung:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp377008"></a><span class="bold" id="consideration_1.">1. </span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp378096"></a><span class="bold" id="consideration_1.1">1.1 </span>Es ist unbestritten, dass der Verstorbene bei der Auffangeinrichtung ein Freizügigkeitskonto im Sinne von <span class="artref">Art. 10 Abs. 1 FZV</span> <a name="page82"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 80 S. 82</div>(SR 831.425) unterhalten hatte. Umstritten ist einzig die Rechtsfrage, ob das auf diesem Konto vorhandene Kapital den Töchtern des Verstorbenen oder seiner ehemaligen Lebenspartnerin zusteht.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp189904"></a><span class="bold" id="consideration_1.2">1.2 </span>Gestützt auf die Gesetzesdelegation von <span class="artref">Art. 26 Abs. 1 FZG</span> (SR 831.42) hat der Bundesrat in den <span class="artref"><artref id="CH/831.425/10" type="start"></artref>Art. 10-19 FZV</span><artref id="CH/831.425/19" type="end"></artref> die Erhaltung des Vorsorgeschutzes geregelt, falls der Versicherte nicht in eine neue Vorsorgeeinrichtung eintritt (<span class="artref"><artref id="CH/831.42/4/2" type="start"></artref><artref id="CH/831.42/4/1" type="start"></artref>Art. 4 Abs. 1 und 2 FZG</span><artref id="CH/831.42/4/2" type="end"></artref><artref id="CH/831.42/2" type="end"></artref>). <span class="artref">Art. 15 Abs. 1 lit. b FZV</span> (nebst dem - soweit hier von Interesse - gleichlautenden Art. 8 Abs. 2 des Reglements der Stiftung Auffangeinrichtung BVG über die Führung der Freizügigkeitskonten), bezeichnet die begünstigten Personen im Todesfall des Versicherten. Begünstigt sind in erster Linie die (hier nicht vorhandenen) Hinterlassenen im Sinne von <span class="artref"><artref id="CH/831.40/19^a" type="start"></artref><artref id="CH/831.40/19" type="start"></artref>Art. 19, 19a und 20 BVG</span><artref id="CH/831.40/19^a" type="end"></artref><artref id="CH/831.40/20" type="end"></artref> (SR 831.40), in zweiter Linie u.a. die Person, die mit der versicherten Person in den letzten fünf Jahren bis zu ihrem Tod ununterbrochen eine Lebensgemeinschaft geführt hat (was unbestritten auf die Beschwerdegegnerin 2 zutrifft), und in dritter Linie u.a. die Kinder des Verstorbenen, welche die Voraussetzungen von <span class="artref">Art. 20 BVG</span> nicht erfüllen. Nach dem klaren Wortlaut von <span class="artref">Art. 15 FZV</span> hat somit die Beschwerdegegnerin 2 vor den Beschwerdeführerinnen Anspruch auf die Leistung.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp426848"></a><span class="bold" id="consideration_1.3">1.3 </span>Die Beschwerdeführerinnen berufen sich auf <span class="artref">Art. 20a BVG</span>, welcher die Begünstigung durch Hinterlassenenleistungen nach BVG regelt. Danach können u.a. die Person, die mit dem Versicherten in den letzten fünf Jahren bis zu seinem Tod ununterbrochen eine Lebensgemeinschaft geführt hat (Abs. 1 lit. a), beim Fehlen von in dieser Bestimmung genannten Personen u.a. die Kinder des Verstorbenen, welche die Voraussetzungen von <span class="artref">Art. 20 BVG</span> nicht erfüllen (Abs. 1 lit. b), als Begünstigte vorgesehen werden. Insoweit stimmt die Regelung in <span class="artref">Art. 20a Abs. 1 BVG</span> überein mit derjenigen in <span class="artref">Art. 15 FZV</span>. Indessen hat <span class="artref">Art. 20a BVG</span> noch einen zweiten Absatz mit folgendem Wortlaut: "Kein Anspruch auf Hinterlassenenleistungen nach Absatz 1 Buchstabe a besteht, wenn die begünstigte Person eine Witwer- oder Witwenrente bezieht." Es ist unbestritten, dass die Beschwerdegegnerin 2 eine Witwenrente der AHV sowie der beruflichen Vorsorge bezieht und somit nach <span class="artref">Art. 20a Abs. 2 BVG</span> keinen Anspruch auf Hinterlassenenleistungen hätte, mit der Konsequenz, dass dieser den Beschwerdeführerinnen zustünde. In <span class="artref">Art. 15 FZV</span> fehlt jedoch eine zu <span class="artref">Art. 20a Abs. 2 BVG</span> analoge Bestimmung. Die Beschwerdeführerinnen sind der Ansicht, <a name="page83"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 80 S. 83</div>dass <span class="artref">Art. 20a Abs. 2 BVG</span> direkt oder analog auch für die Begünstigung im Rahmen von Freizügigkeitseinrichtungen anwendbar sei.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp444752"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp445792"></a><span class="bold" id="consideration_2.1">2.1 </span><span class="artref">Art. 20a BVG</span> und <span class="artref">Art. 15 Abs. 1 lit. b FZV</span> haben insofern das gleiche Regelungsthema, als es bei beiden Bestimmungen darum geht, diejenigen Personen zu bezeichnen, denen beim Tod einer versicherten Person die Mittel aus der beruflichen Vorsorge zukommen sollen. Auch die Freizügigkeitseinrichtungen gehören zur beruflichen Vorsorge im weiteren Sinne (vgl. <span class="artref">Art. 1 Abs. 1 FZG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2008&amp;to_year=2008&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-III-305%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page305">BGE 129 III 305</a> E. 3.3 S. 312). Das Bundesgericht hat denn auch im Zusammenhang mit Todesfallleistungen bisweilen gleichermassen die Bestimmungen von BVG und Reglement wie diejenigen von <span class="artref">Art. 15 FZV</span> herangezogen (Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts B 92/04 vom 27. Oktober 2005 E. 2.2 und 5.1), eine Parallelität zwischen <span class="artref">Art. 20a BVG</span> und <span class="artref">Art. 15 FZV</span> angenommen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2008&amp;to_year=2008&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-369%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page369">BGE 134 V 369</a> E. 6.3 S. 376 ff., allerdings nicht mit Bezug auf den hier streitigen Abs. 2 von <span class="artref">Art. 20a BVG</span>) oder mit Rücksicht auf die ähnliche Zielsetzung von BVG-Hinterlassenenvorsorge und Erhaltung des Vorsorgeschutzes durch Freizügigkeitseinrichtungen beide Situationen gleich behandelt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2008&amp;to_year=2008&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-III-305%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page305">BGE 129 III 305</a> E. 3.3 S. 312). Trotzdem regeln die beiden Bestimmungen unterschiedliche Sachverhalte. <span class="artref">Art. 20a Abs. 2 BVG</span> kann deshalb nicht direkt auf die in <span class="artref">Art. 15 FZV</span> geregelte Begünstigung im Rahmen von Freizügigkeitskonten angewendet werden. Dass die eine Bestimmung in einem formellen Gesetz, die andere jedoch nur in einer Verordnung steht, ändert daran nichts, da die Regeln der Normenhierarchie nur zum Tragen kommen, wenn überhaupt eine Kollision zwischen zwei Normen vorliegt. Dies setzt voraus, dass beide Normen die gleiche Rechtsfrage unterschiedlich beantworten (HANSJÖRG SEILER, Einführung in das Recht, 2. Aufl. 2004, S. 135). Das ist hier aufgrund der unterschiedlichen geregelten Sachverhalte nicht der Fall. Dass die Auffangeinrichtung in <span class="artref">Art. 60 Abs. 1 BVG</span> als Vorsorgeeinrichtung bezeichnet wird, ist unerheblich: Das bezieht sich nur auf den Umstand, dass sie gemäss <span class="artref">Art. 60 Abs. 2 BVG</span> Aufgaben wahrnimmt, die grundsätzlich von Vorsorgeeinrichtungen wahrzunehmen sind; davon sind die ihr durch <span class="artref">Art. 4 Abs. 2 FZG</span> übertragenen Aufgaben zur Erhaltung des Vorsorgeschutzes zu unterscheiden. Insoweit ist die Auffangeinrichtung nicht als Vorsorge-, sondern als Freizügigkeitseinrichtung tätig (<span class="artref">Art. 4 Abs. 3 FZG</span>). <a name="page84"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 80 S. 84</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp477952"></a><span class="bold" id="consideration_2.2">2.2 </span>Vorliegend ist somit <span class="artref">Art. 15 FZV</span> anwendbar. Dessen Wortlaut ist in Bezug auf die Frage nach der Anspruchsberechtigung eindeutig (E. 1.2). Zutreffend hat die Vorinstanz auch erkannt, dass die Regelung von <span class="artref">Art. 15 FZV</span> diesbezüglich keine Lücke aufweist: Sie gibt auf die gestellte Frage eine klare Antwort, welche jedenfalls für sich allein nicht als sachlich unhaltbar betrachtet werden kann. Fragen kann sich höchstens, ob die Bestimmung - wie die Beschwerdeführerinnen und das BSV annehmen - richterlicher Korrektur bedarf, weil sie inhaltlich von der in <span class="artref">Art. 20a Abs. 2 BVG</span> getroffenen Regelung abweicht.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp484752"></a><span class="bold" id="consideration_2.3">2.3 </span>Zu Recht stellen die Beschwerdeführerinnen die Kompetenz des Bundesrates zum Erlass von <span class="artref">Art. 15 FZV</span> nicht generell in Frage: Diese Zuständigkeit ergibt sich aus <span class="artref">Art. 26 Abs. 1 FZG</span> (E. 1.2), welcher eine hinreichende formellgesetzliche Grundlage für die in <span class="artref">Art. 15 FZV</span> getroffene Regelung bildet (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2008&amp;to_year=2008&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-III-305%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page305">BGE 129 III 305</a> E. 3.4 S. 313 f.). Fraglich ist, ob der Verordnungsgeber ermächtigt war, inhaltlich von derjenigen Regelung abzuweichen, welche der Gesetzgeber für die analoge Situation in <span class="artref">Art. 20a Abs. 2 BVG</span> getroffen hat. Wie ausgeführt, ist dies nicht schon deshalb zu verneinen, weil das Gesetz höherrangig ist als die Verordnung (E. 2.1). So ist es z.B. nicht zu beanstanden, dass die in <span class="artref">Art. 15 FZV</span> getroffene Begünstigungsregelung nicht mit der im formellen Gesetz enthaltenen erbrechtlichen Regelung übereinstimmt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2008&amp;to_year=2008&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-III-305%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page305">BGE 129 III 305</a> E. 3.4 S. 314). Hingegen muss die Bestimmung von <span class="artref">Art. 20a Abs. 2 BVG</span> dann für den Verordnungsgeber massgebend sein, wenn aus ihrer Auslegung hervorgeht, dass sie in Wirklichkeit auch auf Freizügigkeitsleistungen anwendbar sein soll, oder wenn eine unterschiedliche Regelung dem verfassungsmässigen Rechtsgleichheitsgebot (<span class="artref">Art. 8 Abs. 1 BV</span>) widerspricht.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp503344"></a><span class="bold" id="consideration_3.">3. </span>Aus Entstehungsgeschichte und Systematik geht hervor, dass die Begünstigungsregelung nach BVG und diejenige nach FZV nicht völlig deckungsgleich waren und sind:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp504720"></a><span class="bold" id="consideration_3.1">3.1 </span>Das BVG kannte in seiner ursprünglichen Fassung im Obligatorium nur Witwen- und Waisenrenten (<span class="artref"><artref id="CH/831.40/19" type="start"></artref>Art. 19 und 20 BVG</span><artref id="CH/831.40/20" type="end"></artref> in der ursprünglichen Fassung). Die aArt. 27 ff. BVG gewährten einen Freizügigkeitsanspruch im Rahmen des BVG-Obligatoriums. Nach aArt. 29 Abs. 3 BVG war der Vorsorgeschutz durch eine Freizügigkeitspolice oder in anderer gleichwertiger Form zu erhalten, wenn der Betrag weder einer neuen Vorsorgeeinrichtung überwiesen noch <a name="page85"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 80 S. 85</div>in der alten belassen werden konnte. Gemäss aArt. 29 Abs. 4 BVG hatte der Bundesrat die Kompetenz, die Errichtung, den Inhalt und die Rechtswirkungen der Freizügigkeitspolicen und anderer Formen der Erhaltung des Vorsorgeschutzes zu regeln. Gestützt darauf erliess er die Verordnung vom 12. November 1986 über die Erhaltung des Vorsorgeschutzes und die Freizügigkeit (aFZV; AS 1986 2008). Diese benannte in Art. 6 die begünstigten Personen, wozu im Todesfall des Versicherten nebst den Hinterlassenen gemäss den aArt. 18-22 BVG (Witwen und Waisen) auch weitere Personen gehörten, namentlich die übrigen Kinder sowie Personen, die vom Vorsorgenehmer in erheblichem Masse unterstützt worden sind (Abs. 1 lit. b Ziff. 2). Die Begünstigungsregelung bei Freizügigkeitsleistungen wich also erheblich von derjenigen nach BVG ab. Freilich konnten die Vorsorgeeinrichtungen reglementarisch auch Hinterlassenenleistungen an weitere Berechtigte vorsehen (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2008&amp;to_year=2008&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-V-309%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page309">BGE 117 V 309</a>), doch brauchten solche Regelungen nicht zwingend mit derjenigen von <span class="artref">Art. 6 aFZV</span> übereinzustimmen.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp516128"></a><span class="bold" id="consideration_3.2">3.2 </span>Mit dem Inkrafttreten des FZG am 1. Januar 1995 wurden die aArt. 27-30 BVG aufgehoben. Die (jetzt für obligatorische und weitergehende Vorsorge geltende) Erhaltung des Vorsorgeschutzes wurde nunmehr in <span class="artref">Art. 4 FZG</span> geregelt und die Kompetenz zur näheren Regelung mit <span class="artref">Art. 26 Abs. 1 FZG</span> an den Bundesrat delegiert. Gemäss <span class="artref">Art. 15 FZV</span> in der ursprünglichen Fassung wurden die Hinterlassenen nach BVG sowie der Witwer und im Nachgang dazu die natürlichen Personen, die von den Versicherten in erheblicher Weise unterstützt worden sind, sodann die übrigen gesetzlichen Erben unter Ausschluss des Gemeinwesens als begünstigt erklärt. Auch hier wich also die Begünstigungsregelung nach FZV wesentlich von derjenigen nach BVG-Obligatorium ab. Von Gesetzes wegen hatten Kinder ohne Anspruch auf Waisenrenten sowie Konkubinatspartner keine Berechtigung hinsichtlich berufsvorsorgerechtlicher Hinterlassenenleistungen, während sie in Bezug auf die Leistungen aus einer Freizügigkeitseinrichtung begünstigt waren. Das Eidg. Versicherungsgericht erkannte, dass sich diese unterschiedliche Regelung mit Blick auf das Gleichbehandlungsgebot nicht beanstanden lässt (RKUV 2004 S. 578, U 104/03 E. 3.4). Freilich konnten die Vorsorgeeinrichtungen im überobligatorischen Bereich den Kreis der durch Hinterlassenenleistungen Begünstigten ausdehnen, doch waren sie in der Bezeichnung dieser Personen in den allgemeinen Schranken frei (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2008&amp;to_year=2008&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-V-145%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page145">BGE 129 V 145</a> E. 3 und 4 S. 147 ff.; <a name="page86"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 80 S. 86</div>SZS 2006 S. 359, B 103/04 E. 3.1.2) und die reglementarische bzw. vertragliche Regelung brauchte nach wie vor nicht zwingend mit derjenigen von <span class="artref">Art. 15 FZV</span> übereinzustimmen (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2008&amp;to_year=2008&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-V-27%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page27">BGE 131 V 27</a> E. 3.2 S. 30; SZS 2007 S. 563, B 117/05 E. 4.1; 2006 S. 358, B 92/04 E. 3.1; 1998 S. 72, B 34/96 E. 2a).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp531504"></a><span class="bold" id="consideration_3.3">3.3 </span>Mit der 1. BVG-Revision wurde <span class="artref">Art. 20a BVG</span> eingeführt. Damit sollten im Bereich des Überobligatoriums die Hinterlassenenleistungen für nicht verheiratete Lebenspartner verbessert und der Kreis der begünstigten Personen vereinheitlicht werden (Botschaft vom 1. März 2000 zur Revision des BVG, BBl 2000 2683 f. Ziff. 2.9.6). In diesem Zusammenhang führte der Bundesrat in der Botschaft aus: "Der Kreis der begünstigten Personen wird neu im Artikel 20a BVG definiert. Diese Definition soll einheitlich für die überobligatorische berufliche Vorsorge und für den Freizügigkeitsbereich gelten" (BBl 2000 2684 Ziff. 2.9.6.3). Auf den Zeitpunkt des Inkrafttretens von <span class="artref">Art. 20a BVG</span> am 1. Januar 2005 setzte der Bundesrat auch die geänderte Fassung von <span class="artref">Art. 15 FZV</span> sowie eine entsprechend geänderte Fassung von <span class="artref">Art. 2 Abs. 1 lit. b der Verordnung vom 13. November 1985 über die steuerliche Abzugsberechtigung für Beiträge an anerkannte Vorsorgeformen (BVV 3; SR 831.461.3)</span> in Kraft (AS 2004 4649 f.).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp540928"></a><span class="bold" id="consideration_3.4">3.4 </span>Daraus lässt sich schliessen, dass eine Harmonisierung zwischen BVG und FZV angestrebt war (vgl. auch BRECHBÜHL/SCHNYDER, Änderungen bei den Leistungen der beruflichen Vorsorge, SZS 2005 S. 43). In diesem Lichte erschiene es in der Tat kohärenter, wenn der Bundesrat die Regelung von <span class="artref">Art. 20a Abs. 2 BVG</span> auch in <span class="artref">Art. 15 FZV</span> aufgenommen hätte. Dennoch erscheint es zweifelhaft, ob dies geradezu zwingend war. Trotz der angestrebten Harmonisierung unterscheidet sich nämlich die Begünstigungsregelung nach BVG nach wie vor in verschiedener Hinsicht gewollt von derjenigen nach FZV: So enthält Art. 20a Abs. 1 lit. c Ziff. 1 und 2 BVG eine betragsmässige Beschränkung, die in <span class="artref">Art. 15 FZV</span> weder in der bisherigen noch in der revidierten Fassung enthalten ist (vgl. MARKUS MOSER, Die Lebenspartnerschaft in der beruflichen Vorsorge nach geltendem und künftigem Recht, AJP 2004 S. 1510). Sodann betrifft die Begünstigungsregelung von <span class="artref">Art. 20a BVG</span> keine obligatorische BVG-Leistung (BBl 2000 2684 Ziff. 2.9.6.3; MOSER, a.a.O., S. 1510). Es ist den Vorsorgeeinrichtungen überlassen, ob sie eine solche Regelung vorsehen. Machen sie davon Gebrauch, ist zwar <span class="artref">Art. 20a BVG</span> insofern abschliessend, als der darin definierte <a name="page87"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 80 S. 87</div>Begünstigtenkreis nicht erweitert und ihre Reihenfolge nicht verändert werden kann (vgl. <span class="artref">Art. 49 Abs. 2 Ziff. 3 BVG</span>; <span class="artref">Art. 89<sup>bis</sup> Abs. 6 Ziff. 3 ZGB</span>), doch kann davon abgewichen werden, indem die Vorsorgeeinrichtung die Begünstigung auf einzelne der in Art. 20a Abs. 1 genannten Gruppen beschränken kann (WILLI LÖTSCHER, Die neuen Begünstigungsmöglichkeiten in der beruflichen Vorsorge nach der 1. BVG- Revision, HAVE 2005 S. 163; MOSER, a.a.O., S. 1511; RIEMER/RIEMER-KAFKA, Das Recht der beruflichen Vorsorge in der Schweiz, 2. Aufl. 2006, S. 119 f.; HANS-ULRICH STAUFFER, Überblick über die wesentlichen Neuerungen im Hinblick auf die juristische Alltagsarbeit, in: Die 1. BVG-Revision, 2005, S. 38; ISABELLE VETTER, Berufliche Vorsorge, 2005, S. 81). Es ist also ohne weiteres möglich, dass nach <span class="artref">Art. 15 FZV</span> begünstigte Personen von Hinterlassenenleistungen der Vorsorgeeinrichtung ganz oder teilweise ausgeschlossen sind. Das trifft insbesondere auf volljährige Kinder - mithin auf den Fall der Beschwerdeführerinnen - zu. Dass solche überhaupt begünstigt sind, ist an sich vom Vorsorgegedanken der beruflichen Vorsorge her atypisch. Es lässt sich bei Freizügigkeitseinrichtungen dadurch rechtfertigen, dass diese im Unterschied zu den Vorsorgeeinrichtungen weder den Grundsätzen der Planmässigkeit und Angemessenheit noch dem Kollektivitätsprinzip unterstehen und insofern eine gewisse Nähe zur gebundenen Selbstvorsorge besteht, weshalb das Kapital beim Tod des Versicherten nicht bei der Freizügigkeitseinrichtung verbleibt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2008&amp;to_year=2008&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-III-305%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page305">BGE 129 III 305</a> E. 3.2 S. 312). Soweit erwachsene Nachkommen begünstigt sind, sind sie dies in den meisten Konstellationen nachrangig gegenüber der überlebenden Konkubinatspartnerin, nämlich in den Fällen von <span class="artref">Art. 15 FZV</span> sowie von <span class="artref">Art. 20a BVG</span>, sofern die Lebenspartnerin keine Witwenrente bezieht. Der in <span class="artref">Art. 20a Abs. 2 BVG</span> geregelte Fall ist damit im ganzen System eine Ausnahme, welche eine Kumulation von Hinterlassenenleistungen verhindern will (BBl 2000 2691); dies ist wiederum eine spezifisch vorsorgerechtliche (im engeren Sinne) Überlegung und muss für die Leistungen von Freizügigkeitseinrichtungen nicht zwingend gleichermassen gelten.</div> <div class="paraatf">Hinzu kommt, dass die Regelung von <span class="artref">Art. 20a Abs. 2 BVG</span> ihrerseits umstrittene Fragen aufwirft und unklar ist, wie weit sie überhaupt zwingend ist oder nicht doch gewisse Begünstigungen in Form einer Kapitalabfindung zulässt (REGINA AEBI-MÜLLER, Die optimale Begünstigung des überlebenden Ehegatten, 2. Aufl. 2007, S. 256; LÖTSCHER, a.a.O., S. 164; MOSER, a.a.O., S. 1509 ff.; GÄCHTER/ <a name="page88"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 80 S. 88</div>SCHWENDENER, Nichteheliche Lebensgemeinschaften im Sozialversicherungsrecht, Fampra.ch 2005 S. 858; RIEMER/RIEMER-KAFKA, a.a.O., S. 120; Mitteilungen über die berufliche Vorsorge Nr. 79 des BSV vom 27. Januar 2005, S. 9 [<a href="http://www.sozialversicherungen.admin.ch">http://www.sozialversicherungen.admin.ch</a>]). Dies spricht ebenfalls dagegen, <span class="artref">Art. 20a Abs. 2 BVG</span> entgegen dem klaren Wortlaut von <span class="artref">Art. 15 FZV</span> auch auf Freizügigkeitseinrichtungen anzuwenden. Die unterschiedliche Regelung verstösst nach dem Gesagten auch nicht gegen das Rechtsgleichheitsgebot (<span class="artref">Art. 8 Abs. 1 BV</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp579360"></a><span class="bold" id="consideration_4.">4. </span>Die unterliegenden Beschwerdeführerinnen tragen die Kosten des Verfahrens (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>) und haben der Beschwerdegegnerin 2 eine dem Aufwand entsprechende Parteientschädigung auszurichten (<span class="artref">Art. 68 Abs. 2 BGG</span>). Die Beschwerdegegnerin 1 hat keinen Anspruch auf Parteientschädigung (<span class="artref">Art. 68 Abs. 3 BGG</span>).</div> </div></body></html>