B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-4338/2011 U r t e i l v o m 1 9 . J u n i 2 0 1 2 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Jean-Daniel Dubey, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. Parteien A._______, Beschwerdeführer, vertreten durch lic. iur. Linda Keller, Rechtsanwältin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-4338/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1990 geborene pakistanische Staatsangehörige B._______ (im Fol- genden: Gesuchsteller) beantragte am 20. April beziehungsweise 3. Mai 2011 bei der Schweizerischen Botschaft in Islamabad ein Schengenvisum für einen einmonatigen Besuchsaufenthalt bei seine m Vater A._______ (im Folgenden: Gastgeber bzw. Beschwerdeführer) in St. Gallen. B. Mit Formularentscheid vom 5. Mai 2011 lehnte es die Schweizer Vertr e- tung ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihre Ha l- tung mit der ihrer Auffassung nach fehlenden Gewähr für eine fristgerech- te Wiederausreise des Gesuchstellers aus dem Schengen -Raum nach einem Besuchsaufenthalt. C. Gegen diesen Entscheid erhob der Gesuchsteller am 2 0. Mai 2011 Ein- sprache bei der Vorinstanz. D. Am 27. Juni 2011 richtete das Migrationsamt des Kantons St Gallen einen Fragenkatalog an den Gastgeber, den dieser am 1. Juli 2011 beantworte- te. In seinem Antwortschreiben ersuchte der Gastgeber implizit um Gu t- heissung der Einsprache seines Sohnes. E. Mit Verfügung vom 14. Juli 2011 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, die anstandslose und fristg e- rechte Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt könne nicht als gesichert betrachtet werden. Der Gesuchsteller lebe in einer Region, aus der als Folge de r dort insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht her r- schenden Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderungsdruck festz u- stellen sei. Beim Gesuchsteller handle es sich um einen jungen, unve r- heirateten und kinderlosen Mann, der gemäss eigenen Angaben einem Studium nachgehe. Seine Eltern und Geschwister lebten in der Schweiz. Solchermassen oblägen ihm weder berufliche Verpflichtungen noch fam i- liäre oder gesellschaftliche Verantwortlichkeiten, welche trotz der allg e- meinen Verhältnisse besondere Gewähr für eine Wiederausreise bieten könnten. C-4338/2011 Seite 3 F. Mit Beschwerde vom 4. August 2011 lässt der Gastgeber beim Bunde s- verwaltungsgericht beantragen, die vorinstanzliche Verfügung sei aufz u- heben, und das gewünschte Besuchsvisum sei zu erteilen. Zur Begrü n- dung wird im Wesentlichen geltend gemacht, die Vorinstanz gehe zu U n- recht davon aus, dass die Wiederausreise des Gesuchstellers nach e i- nem Besuchsaufenthalt nicht gesichert wäre. Dieser befinde sich mitten in einem vierjährigen Grundstudium an einer Universität in Peshawar und habe vor, an der gleichen Bildungsstätte anschliessend noch ein Aufba u- studium zu absolvieren. Mit den angestrebten Studienabschlüssen habe er beste Berufsaussichten. Angesichts der Tatsache, dass die Familie ei- nerseits schon sehr viel Geld und Zeit in diese Ausbildung investiert habe und der Gesuchsteller andererseits keine adä quaten Zukunftsperspekti- ven in der Schweiz habe, sei das Risiko für einen Verbleib im Zielland als gering einzustufen. G. Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 2 . November 2011 auf Abweisung der Beschwerde. In Pakistan sei nicht nur die wirtschaftl i- che Situation angespannt, sondern auch die Sicherheitslage habe sich in- folge instabiler politischer Verhältnisse im Verlauf der letzten Jahre z use- hends verschlechtert. Im ganzen Land bestehe das Risiko, Opfer von Gewalttaten und Terroranschlägen zu werden. Als Folge dieser Umstände sei ein anhaltend hoher Migrationsdruck ins westliche Ausland zu ve r- zeichnen. Dieser schlage sich in der Schweiz auch in den Asylbewerber- zahlen nieder: 2010 hätten hier über 100 pakistanische Staatsbürger e i- nen Asylantrag gestellt. Auch der Beschwerdeführer sei zweimal (1996 bzw. 2002) als Asylbewerber hierher gelangt. Seinen Asylgesuchen sei zwar kein Erfolg beschieden gewesen. Er sei aber im zweiten Verfahren vorläufig aufgenommen worden und habe 2007 eine Aufenthaltsbewilli- gung erhalten. Im darauf folgenden Jahr habe er dann für seine Ehefrau und die drei jüngeren Kinder (darunter auch der Gesuchsteller) ein Fami- liennachzugsgesuch gestellt. Der Gesuchsteller selbst habe altersmässig die Bedingungen nicht mehr erfüllt, weshalb das Gesuch in Bezug auf ihn schliesslich zurückgezogen worden sei. Der Ehefrau und den zwei d a- mals noch minderjährigen Kindern sei der Familiennachzug in der Folge bewilligt worden. Unter diesen Umständen biete das vom Gesuchsteller angefangene Studium keine Gewähr für eine fristgerechte Wiederausre i- se. C-4338/2011 Seite 4 H. In einer Replik vom 14. Dezember 2011 hält der Beschwerdeführer an seinem Rechtsbegehren und an dessen Begründung fest. In Pakistan be- stehe zwar ein Sicherheitsrisiko. Der Gesuchsteller könne dort aber ein normales Leben führen und fühle sich nicht bedroht. Ein Asylgesuch in der Schweiz, welches mit Sicherheit abgewiesen würde, sei für ihn keine Alternative zum Abschluss des begonnenen Studiums an einer anges e- henen Universität. Zwar treffe zu, dass auch für den Gesuchsteller d a- mals ein Familiennachzug in die Schweiz angestrebt worden sei. Von den Behörden einmal darauf aufmerksam gemacht, dass er die Vorausse t- zungen dafür nicht mehr erfüllte, habe man dieses Unterfangen aber oh- ne weiteres aufgegeben. Im Übrigen lebe die Mutter heute wieder in P a- kistan, so dass er mit ihr, einem dort verbliebenen Bruder und einer i n- zwischen verheirateten Schwester sehr wohl über ein familiär es Bezi e- hungsnetz in der Heimat verfüge. I. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit entscheidswesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG auf- geführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügun gen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums zu Besuchs - zwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bundesver - waltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Zi ff. 1 des Bundesgerichts - gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich - tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be - schwerde berechtigt. Auf die im Übrigen frist - und formgerecht einge - reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). C-4338/2011 Seite 5 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwV G). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch eines pakistanischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen einmonatigen Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich der Gesuchsteller nicht auf die EU/EFTA -Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungs- bereich der Schengen -Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtli - chen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz vom 16. De- zember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsverordnung gelan- gen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen -Assoziierungsabkom- men keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über Ausländerinnen und Auslä nder vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Vo r-C-4338/2011 Seite 6 aussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus- setzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Martina Caroni / Thomas Gächter / Daniela T hurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Auslän derinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Angehörige von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsmonatszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellun g der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengren - zen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötig en Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti - gen Aufenthaltstitels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristi- gen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumertei- lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend : Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Weiterhin dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge - schrieben sein und keine Gefahr f ür die öffentliche Ordnung, die innere C-4338/2011 Seite 7 Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Bezie - hungen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner U rteil des deutschen Bundesverwaltungsge - richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Ge - fahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako - dex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit He r- vorhebung des Zusammenhangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund intern a- tionaler Verpflichtungen fü r erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt - staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset - zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk - ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Die ses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellen den Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter den selben Voraus- setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Der Gesuchsteller unterliegt als pakistanischer Staatsangehöriger der Visumspflicht (Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesicherten Wiederausreise im Vor- dergrund, welche die Vorinstanz vor allem aufgrund der allgemeinen Lage im Heimatland sowie der persönlichen Verhältnisse des Gesuchstellers anzweifelt. Dazu lassen sich in der Regel keine gesicherten F eststellun-C-4338/2011 Seite 8 gen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wi e- derausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsl and der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesuche von Bü r- gerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit politisch oder wir t- schaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen können darauf hi n- deuten, dass die persönliche Interessenlage in solchen Fällen nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein - klang steht. 5.3 Die Feststellungen der Vorinstanz zu den wirtschaftlichen und siche r- heitspolitischen Verhältnissen in Pakistan treffen in groben Zügen zu. Das Wirtschafts- und Investitionsklima leide t unter einer anhaltenden politi- schen Instabilität, einer angespannten Sicherheitslage, schlechter Regi e- rungsführung und einer fortdauernden Energiekrise. Da seit dem Jahre 2000 zu wenig in den Energiesektor investiert wurde, kommt es seit 2009 regelmässig und in allen Landesteilen zu Engpässen in der Stromverso r- gung. Dies, aber auch die seit 2009 verschärft auftretenden Auseinander- setzungen zwischen dem pakistanischen Militär und der Taliban, führten zu einem Einbruch bei den ausländischen Direktinvestitionen. Im letzten Haushaltsjahr (1.7.2010 – 30.6.2011) konnte Pakistan nur noch ein Wir t- schaftswachstum von 2,4% des BIP verzeichnen. Die Inflationsrate be- wegt sich zwischen 13 und 14%. Eine positive Entwicklung ist der deutl i- che Anstieg der Rücküberweisungen von im Ausland arbeitenden Paki s- tanern (Quelle: http://www.auswaertiges-amt.de, Aussen- und Europapoli- tik > Länderinformationen > Pakistan > Wirtschaft bzw. Staatsau f- bau/Innenpolitik, Stand März 2012, besucht im Mai 2012). Das Land ve r- zeichnet aus den erwähnten Gründen eine anhaltend hohe Emigration s- rate, wobei nicht nur weitere Teile des arabischen Raumes, sondern auch Europa und hier unter anderem die Schweiz zu den Wunschdestinationen auswanderungswilliger Staatsbürger gehören. Die Tendenz zur Immigr a- tion in die Schweiz zeigt sich erfahrungsgemäss besonders stark bei Pe r- sonen, die hier bereits über minimale soziale Kontakte verfügen. 5.4 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur die erwähnten allg e- meinen Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesicht s- punkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer g e- suchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine besondere be- rufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser U m-C-4338/2011 Seite 9 stand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise b e- günstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine b e- sonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein ausländerrechtlich nicht regelkonformes Verhalten (nach bewilligter Einreise zu einem B e- suchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Beim Gesuchsteller handelt es sich um einen 22-jährigen, unverheira- teten und ki nderlosen Mann. In Pakistan leben momentan seine Mutter, der ältere Bruder und eine Schwester. Letztere ist gemäss den Ausfü h- rungen des Beschwerdeführers verheiratet und möglicherweise aus die- sem Anlass nach Pakistan zurückgekehrt, nachdem sie sich zuvor mit den Eltern und einem weiteren Geschwister in der Schweiz aufgehalten hatte. Die Mutter verlor ihre Aufenthaltsberechtigung in der Schweiz, nachdem sie sich offenbar aus gesundheitlichen Gründen über längere Zeit hinweg wieder in Pakistan aufgehalten hat te. Damit sind zwar meh - rere Familienmitglieder inzwischen wieder in Pakistan ansässig. Das ä n- dert allerdings nichts an der Tatsache, dass die Familie des Gesuch - stellers – angeführt von seinem Vater, dem Beschwerdeführer – einen ausgeprägten Migrationshintergrund aufweist. In Konstellationen wie der vorliegenden, in denen nahe Verwandte sowohl in der Heimat wie auch am Zielort leben, können unterschiedlichste Aspekte sozialer, wirtschaft - licher oder anderer Art den Ausschlag geben, wenn es darum geht, sich für oder gegen einen Wegzug aus der Heimat zu entschei den. Vor dem aufgezeigten familiären Hintergrund kann nicht mit genügender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass der Gesuchsteller, einmal in der Schweiz, versucht sein könnte, sich seine Zukunft bei den hier ansässigen Angehö- rigen aufzubauen. 6.2 Aus seinen eigenen Unterlagen zu schliessen studiert der Gesuch - steller seit Herbst 2009 an einer Universität in Peshawar, rund 160 km von seinem Wohnort im Distrikt Haripur entfernt. Er strebt dort erklärter- massen einen Studienabschluss als Bachelor of Business Administration (BBA) an und möchte anschliessend noch ein Master of Business Adm i- nistration (MBA) erreichen. Dabei steht er allerdings noch lange nicht vor der Zielerreichung und ob sich die Berufsaussichten im Informatikbereich mit den angestrebten Abschlüssen tatsächlich so gut präsentieren wie von ihm geltend gemacht, daran sind vor dem aufgezeigten wirtschaftl i- chen Hintergrund zumindest gewisse Zweifel am Platz. C-4338/2011 Seite 10 6.3 Die Vorinstanz durfte unter den gege benen Umständen zu Recht d a- von ausgehen, die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise de s Gesuchstellers nach einem Besuchsaufenthalt sei nicht genügend ge- währleistet. An dieser Risikobeurteilung vermag die gegenteilige Zusiche- rung des Beschwerdeführers auf Beschwerdeebene nichts zu ändern. Als Gastgeber kann dieser zwar für bestimmte finanzielle Risiken im Zusa m- menhang mit dem Besuchsaufenthalt, nicht aber für ein be stimmtes Tun oder Unterlassen seines Gastes einstehen (vgl. in diesem Zusamme n- hang BVGE 2009/27 E. 9). 6.4 Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit (vgl. E. 4.5.) wurden vom Beschwerdeführer nicht geltend g e- macht und sind auch nicht ersichtlich. Zu Recht macht der Beschwerd e- führer nicht geltend, die Aufrechterhaltung angemessener familiärer Kon- takte mit seinem erwachsenen Sohn sei nur durch dessen Einreise in die Schweiz zu gewährleisten. 7. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens w ird der unterliegende Be- schwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über d ie Kosten und Ent schä- digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). Dispositiv S. 11 C-4338/2011 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref-Nr. ZEMIS […]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Denise Kaufmann Versand: