Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 7. September 2016 (810 16 105) ____________________________________________________________________ Personalrecht Lohnanspruch Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Stefan Schulthess, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Serge Flury , Rechtsa n- walt gegen Gerichte des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Personalamt des Kantons Basel-Landschaft Betreff Lohnanspruch (Lohnabrechnung Februar 2016/ Verfügung der Gerichte des Kantons Basel-Landschaft, Geschäftsleitung, vom 29. März 2016) A. A.____ war seit dem 1. April 2014 beim Strafgeri cht des Kantons Basel-Landschaft als Sicherheitsassistentin in einem 90 %-Pensum angeste llt. Der unbefristete Arbeitsvertrag vom 18. März 2014 wurde zwischen A.____ und der Geschäf tsleitung der Gerichte des Kantons Ba- sel-Landschaft (Geschäftsleitung) geschlossen. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Gesuch vom 13. November 2014 stellte A.____ einen Antrag auf bezahlten Mutter- schaftsurlaub vom 27. März 2015 bis zum 16. Juli 2015 sow ie ab dem 17. Juli 2015 bis zum 29. Februar 2016 einen Antrag auf unbezahlten Mutterschaftsurlaub. Am 2. resp. 17. Dezember 2014 wurde das Gesuch von A.____ mit provisorischem Entsch eid bewilligt und es wurde darin mitunter festgehalten, dass eine allfällige Wiederauf nahme und der Umfang der Arbeit im Herbst 2015 besprochen würden. C. Mit definitivem Entscheid vom 5. Mai 2015 entschied d ie Geschäftsleitung Folgendes: " 1. A.____, Mitarbeiterin Sicherheits- und Weibeld ienst am Strafgericht in Muttenz, wird ein be- zahlter Mutterschaftsurlaub von 16 Wochen ab 9. März 2015 bis 28. Juni 2015 gewährt. 2. Nach Antritt des Mutterschaftsurlaubes wird der L ohn in Form einer Lohnfortzahlung ausge- richtet. Sie erhält in dieser Zeit einen Lohn von 80 % des vor dem Mutterschaftsurlaub bezo- genen Lohnes. 3. Anschliessend an den bezahlten Mutterschaftsurlaub wird A.____ vom 29. Juni 2015 bis 10. Februar 2016 ein unbezahlter Mutterschaftsurlaub gewährt. Sie wird die Ferien von 12 Tagen für das Jahr 2015 ab 11. Februar 2016 bis 29. Februar 2016 beziehen. 4. Eine allfällige Wiederaufnahme und Umfang der Ar beit ab 1. März 2016 wird im Herbst 2015 mit den Vorgesetzten von A.____ besprochen. Sollte A. ____ die Arbeit nach dem Elternur- laub nicht wieder aufnehmen, wird der bezahlte Mutter schaftsurlaub um 2 Wochen auf 14 Wochen gekürzt, was eine Rückforderung der zu viel erfol gten Lohnfortzahlung zur Folge hätte. Eine Pensenänderung wird per 1. Tag nach dem bezahlten Schwangerschaftsurlaub gültig. […]." D. Mit Arbeitsvertrag vom 9./30. Dezember 2015 wurde de r Beschäftigungsgrad von A.____ per 11. Februar 2016 auf 40 % reduziert. Diese s Arbeitsverhältnis begann sie vereinba- rungsgemäss mit Ferien. E. Gemäss Lohnabrechnung vom 23. Februar 2016 wurde A. ____ ein Nettolohn in der Höhe von Fr. 1'053.30 (Bruttolohn ausgehend von einem 40 %-Pensum abzüglich 10 Tage un- bezahlter Mutterschaftsurlaub) ausbezahlt. Nach Erhalt der Lohnabrechnung Februar 2016 in- formierte sich A.____ telefonisch bei der personalverantw ortlichen Person der Gerichte des Kantons Basel-Landschaft darüber, weshalb ihr die 12 n icht bezogenen Ferientage aus dem Jahr 2015 basierend auf einem 40 %-Pensum ausbezahlt worden seien. Da sie mit der Auszah- lung nicht einverstanden war, ersuchte sie mit E-Mail vom 3. März 2016 um Erlass einer an- fechtbaren Verfügung. F. Am 29. März 2016 verfügte die Geschäftsleitung, das s eine Pensenänderung und da- mit eine Anpassung des Arbeitsvertrages ab dem 1. Tag na ch dem bezahlten Mutterschaftsur- laub gelten würden. Ein unbezahlter Urlaub oder die Kompensation von Gleit- oder Überzeit nach dem bezahlten Mutterschaftsurlaub erfolge zu reduziertem Pensum. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Serge Flury, Rechtsanwalt in Aarau, am 7. April 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie stellte folgende Rechtsbegehren : 1. Es sei die Verfügung vom 29. März 2016 aufzuheben, 2. Es seien der Beschwerdeführerin die 12 nicht bezogenen Urlaubstage aus dem Jahr 2015 zum Pensum von 90 % anzurechnen, 3. Die B eschwerdegegnerin sei demnach zu verpflichten, der Beschwerdeführerin den Betrag von F r. 2‘069.75 abzüglich der üblichen Sozialleistungen zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 1. März 2016 zu bezahlen, 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. H. Am 24. Mai 2015 liess sich die Geschäftsleitung, vertre ten durch das Personalamt des Kantons Basel-Landschaft (Personalamt), vernehmen und sc hloss auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. I. Mit präsidialer Verfügung vom 25. Mai 2016 wurde der Fall der Kammer zur Beurtei- lung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 i.V.m. § 71 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Arbeits- verhältnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kantons (Personalgesetz) vom 25. September 1997 i.V.m. § 35 des Reglements über di e Gerichtsverwaltung vom 26. Mai 2014 können personalrechtliche Verfügungen der gerichtlichen Anstellungsbehörden sowie des Ombudsmanns beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- u nd Verwaltungsrecht, angefoch- ten werden. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschw erde befugt, wer durch die angefoch- tene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Die Beschwerdefü hrerin ist als Adressatin des ange- fochtenen Entscheides berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sin d, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetreten werden. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Überprüfung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht im vorliegenden Fall ver- wehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die im Feb ruar 2016 bezogenen 12 Ferientage würden aus dem Jahr 2015 stammen, und damals habe sie in einem 90 %-Pensum gearbeitet, weshalb ihr bei deren Bezug ein Lohn basierend auf ein em 90 %-Pensum auszuzahlen sei. Mündlich sei ihr mitgeteilt worden, dass sie einen Lohn von 90 % erhalten hätte, wenn sie die Ferien während des 90 %-Arbeitspensums bezogen, oder we nn sie die Arbeit nach Ablauf des unbezahlten Mutterschaftsurlaubs nicht mehr aufgenomm en hätte. Darüber hinaus enthalte die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht angefochtene Verfügung keine nachvollziehbare und einsc hlägige Begründung. Es stelle eine Ungleichbehandlung ohne sachlichen Grund dar, dass ihr Ferienanspruch basierend auf einem 40 %-Pensum errechnet worden sei, während die Berechnu ng entsprechend einem 90 %- Pensum erfolgt wäre, sofern sie das Arbeitsverhältnis beendet hätte. Das vorliegende Vorgehen stelle ferner eine Verletzung von § 6 des Dekretes zum Personalgesetz (Personaldekret) vom 8. Juni 2000 dar, wonach Mitarbeiterinnen und Mitarb eiter Anspruch auf Ferien "bei vollem Lohn" haben. Auch im Privatrecht werde es so gehandha bt, dass nach einer Pensenreduktion bezogene Ferien, deren Anspruch vor der Reduktion entstanden sei, zum ursprünglichen höhe- ren Ansatz entschädigt würden. 3.2 Die Beschwerdegegnerin hält dafür, es sei bereits i m definitiven Entscheid vom 5. Mai 2015 festgehalten worden, dass eine Pensenänderung per 1. Tag nach dem bezahlten Mutter- schaftsurlaub erfolge. Folglich habe die Beschwerdeführerin nicht davon ausgehen dürfen, dass die Ferien aus dem Jahr 2015, welche sie ab dem 11. Feb ruar 2016 bezog, entsprechend ei- nem 90 %-Pensum vergütet würden. Die Pensenreduktio n auf 40 % gelte unabhängig davon, ob Arbeit geleistet würde oder Ferien bezogen würde n. Gemäss Merkblatt des Personalamtes vom 4. April 2014 richte sich der Betrag für die Auszahl ung von Ferien nach der Lohntabelle des jeweiligen Bezugsjahres. Unbestritten sei, dass bei ei nem Austritt eine Auszahlung basie- rend auf dem 90 %-Pensum erfolgt wäre, weil die Besc hwerdeführerin in diesem Fall nach wie vor zu diesem Pensum angestellt gewesen wäre. Gemäss Richt linie des Personalamtes vom Mai 2014 blieben die Ferientage unabhängig des Beschä ftigungsgrades bestehen, würden je- doch bei einer Pensenreduktion an Wert verlieren. Im vorliegenden Fall seien keine Ferien, sondern der Februarlohn vergütet worden. § 6 Personal dekret sei nicht verletzt worden, da die Beschwerdeführerin Ferien bei vollem Lohn gehabt habe , richte sich dieser doch nach dem dem Arbeitsverhältnis zugrunde liegenden Arbeitsvertrag. Vorliegend richte sich der Ferienan- spruch nach der Richtlinie des Personalamtes vom Mai 2014, weshalb die subsidiären Bestim- mungen des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Sch weizerischen Zivilgesetzbu- ches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) vom 30. März 1 911 nicht zur Anwendung gelangen wür- den. 3.3 Das kantonale Recht enthält in § 32 Personalgesetz, § 6 Personaldekret, § 46 der Ver- ordnung zum Personalgesetz (Personalverordnung) vom 19. D ezember 2000 sowie den §§ 5 und 9 der Verordnung über den Elternurlaub vom 11. Ja nuar 2011 zwar diverse Bestimmungen zum "Ferienbezug", diese sind jedoch nicht einschlägig und das kantonale Personalrecht ent- hält keine weitere Regelung, welche die Frage, wie vor einer Pensenänderung erworbene Ferien, die erst nach der entsprechenden Anpassung de s Arbeitsvertrages bezogen werden, abzugelten sind, beantworten würde. 3.4 Gemäss der Praxis der Eidgenössischen Personalrekurskomm ission (Personalrekurs- kommission, ab 1. Januar 2007: Bundesverwaltungsgericht) bleibt grundsätzlich ein Ferienan- spruch auch dann bestehen, wenn der Arbeitnehmer im Ve rlauf eines Kalenderjahres den Be- schäftigungsgrad ändert. Das Recht auf Ferien umfasst nic ht nur das Recht auf Erholung, son- dern auch auf Entlöhnung, wobei in bestimmten Fällen ein finanzieller Ausgleich vorzusehen ist, um eine Ungleichbehandlung in der Besoldung zu vermeiden. Ein Arbeitnehmer, der aus objek- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tiven Gründen oder wegen dienstlicher Verpflichtungen sein Ferienguthaben vor der Änderung des Beschäftigungsgrades nicht beziehen konnte, hat Ansp ruch auf eine Ausgleichszahlung im Umfang der verlorenen Differenz (vgl. Verwaltungspraxi s der Bundesbehörden [VPB] 63.20 vom 14. Mai 1998 E. 4c). Entsprechendes gilt mangels ein schlägiger gesetzlicher Grundlage auch im Privatrecht. Nach STREIFF /VON KAENEL /R UDOLPH wäre in solchen Konstellationen eine faire Richterregel im Sinne von Art. 1 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907, dass im Falle einer Pensumsredukti on auch bei einem späteren Bezug aufgelaufener Ferien noch der Lohn entsprechend dem früheren, höheren Pensum bezahlt würde. Im umgekehrten Fall einer Pensumserhöhung müs ste toleriert werden, dass der Arbeit- nehmer beim Bezug der alten Ferienansprüche lediglich d en früheren, tieferen Lohn erhält (vgl. ULLIN STREIFF /A DRIAN VON KAENEL /R OGER RUDOLPH , Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319-362 OR, 7. Auflage, Zürich 2012, N 14 zu Art. 329d des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Te il: Obligationenrecht, OR] vom 30. März 1911). 3.5 Die Beschwerdegegnerin beruft sich auf das "Merkblat t Stundenlohn, Überzeitlohn, Ferienlohn" vom 8. April 2014 (Merkblatt) sowie die Ri chtlinie zum Ferienanspruch bei Pen- senänderung vom Mai 2014 (Richtlinie). Richtlinien un d Merkblätter als Verwaltungsverordnun- gen sind gemäss herrschender Lehre keine Rechtsquellen des Verwaltungsrechts, da sie keine Rechtsnormen enthalten, insbesondere keine Pflichten oder Rechte der Privaten statuieren. Sie sind vielmehr generelle Dienstanweisungen und richten sich an die Behörden (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zü- rich/St. Gallen 2016, N 81 ff.). Sie verpflichten gru ndsätzlich nur im verwaltungshierarchischen Verhältnis zwischen übergeordneter und untergeordneter Verwaltungseinheit (vgl. P IERRE TSCHANNEN /U LRICH ZIMMERLI /M ARKUS MÜLLER , Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Bern 2014, § 14 N 10). Die Hauptfunktion der Verwaltungsve rordnung besteht darin, eine einheitli- che, gleichmässige und sachrichtige Praxis des Gesetzesvollzugs sicherzustellen. Sie kann auch organisatorische Anordnungen enthalten (vgl. H ÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., N 83). Nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind Richtlinien in der Regel Ausdruck des Wissens und der Erfahrung bewährter Fachstellen und in diesem Sinn beachtlich (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1A.51/2005 vom 29. November 2005 E. 2.3). Gemäss § 8 Abs. 2 Personal- gesetz erarbeitet das Personalamt die Grundlagen für die Personalpolitik und sorgt mit entspre- chenden Weisungen für die einheitliche Anwendung der personalrechtlichen Bestimmungen. 3.6 Das Merkblatt des Personalamts hält fest, dass Ferien g rundsätzlich vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu beziehen seien. Sollte das ausna hmsweise nicht möglich sein, würden verbleibende Ferientage bei Austritt ausbezahl t (§ 46 Personalverordnung). Die Aus- zahlung der Ferien erfolge in Stunden und richte sich n ach der Lohntabelle des jeweiligen Be- zugsjahres. Immerhin lässt sich dieser Regelung entnehmen , dass bei der Ferienlohnentschä- digung am Ende eines Arbeitsverhältnisses auf die Lohn tabelle des aktuellen Jahres, d.h. auf den Auszahlungszeitpunkt, abgestellt wird. Der massgebende Lohn für die Auszahlung am En- de eines Arbeitsverhältnisses berechnet sich demzufolge na ch dem aktuell geltenden bzw. ver- einbarten Lohn und nicht nach dem Lohn im Zeitpunkt der Anspruchsentstehung. Diese Rege- lung ist als Grundsatz nicht zu beanstanden, wobei zu bea chten ist, dass sie lediglich im Fall Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Geltung hat. Da die Beschwerdeführerin das Ar- beitsverhältnis jedoch nicht beendet, sondern lediglich das Arbeitspensum reduziert hat, kann dieser Grundsatz nicht unbesehen auf den vorliegenden F all angewandt werden. Bei einer Än- derung des Pensums ergeben sich besondere Probleme, und die vorstehende Regelung trägt diesem Umstand keine Rechnung. Die Richtlinie bestimmt, dass sich die Ferien nach Tagen und nicht nach Zeit berechnen, d.h. jede Mitarbeiteri n und jeder Mitarbeiter hat Anspruch auf eine bestimmte Anzahl Ferientage, unabhängig vom Beschä ftigungsgrad. In Punkt 4 dieser Richtlinie wird als "Schlussfolgerung" ausgeführt: "Die Anzahl Ferientage bleibt unabhängig vom aktuellen Pensum dieselbe. Damit bei einer Reduktion eines Pensums kein Gefühl eines Ferienverlustes entsteht, kann der betroffenen Person e mpfohlen werden, den pro rata tempo- ris-Ferienanspruch des höheren Pensums vor der Vertragsä nderung zu beziehen". Damit wur- den die Arbeitgeber vom Personalamt darauf hingewiesen, ihren Mitarbeitern bei einer Redukti- on des Pensums empfehlen zu können, den verbleibenden F erienanspruch des höheren Pen- sums vor der Vertragsänderung zu beziehen, um so einen a llfälligen Wertverlust der Ferien zu verhindern. Damit hat das Personalamt eine einschlägig e Regelung zum vorliegenden Streitge- genstand verfasst. Diese "Schlussfolgerung" ist zwar als Kann-Vorschrift formuliert, dennoch ist zu prüfen, ob sie allenfalls in die Praxis der Geschäftsleitung einfliesst bzw. einfliessen sollte. 3.7 Die angefochtene Verfügung vom 29. März 2016 stützt sich auf die "einheitliche Praxis des Kantons Basel-Landschaft" und lautet wie folgt: "E ine Pensenänderung und damit eine An- passung des Arbeitsvertrages gilt ab dem 1. Tag nach de m bezahlten Mutterschaftsurlaub. Ein unbezahlter Urlaub oder die Kompensation von Gleit- oder Überzeit nach dem bezahlten Mut- terschaftsurlaub erfolgt zu reduziertem Pensum." Der V erfügungstext enthält keine Regelung in Bezug auf die Ferien. Es geht daraus weder hervor, wie es sich mit den Ferien bei einer Pen- senreduktion verhält, noch ob die Arbeitgeberin oder d er Arbeitgeber allenfalls gehalten ist, die Arbeitnehmerin oder den Arbeitnehmer vorab auf die vo rliegende Problematik aufmerksam zu machen. 3.8 Wie ausgeführt, soll mit Hilfe von Richtlinien ein e einheitliche, gleichmässige und sach- richtige Praxis des Gesetzesvollzugs sichergestellt werden (vgl. auch § 8 Abs. 2 Personalge- setz). Durch die Formulierung als Kann-Vorschrift überlässt es die Richtlinie der jeweiligen Ar- beitgeberin oder dem jeweiligen Arbeitgeber, eine M itarbeiterin oder einen Mitarbeiter im Zu- sammenhang mit einer Pensenreduktion auf die vorliegend e Problematik aufmerksam zu ma- chen oder nicht. Wie der vorliegende Fall zeigt, weist zumindest ein Teil der Arbeitgebenden die Arbeitnehmenden nicht auf die Konsequenzen in Bezug a uf die Ferien bei einer Pensenreduk- tion hin. Andere Arbeitgebende werden den Arbeitneh menden diese Schwierigkeit rechtzeitig erläutern und auch dieses Vorgehen ist von der Richtl inie gedeckt. Die "Schlussfolgerung" des Personalamtes lässt also zwei unterschiedliche Vorgehenswei sen zu bzw. überlässt es der je- weiligen Arbeitgeberin oder dem jeweiligen Arbeitge ber, wie er diese Situationen handhabt. Demzufolge hat die Richtlinie das Ziel einer einheitli chen und gleichmässigen Praxis nicht er- reicht und sie entspricht nicht dem Sinn und Zweck von § 8 Abs. 2 Personalgesetz. Darüber hinaus gilt zu beachten, dass aufgrund dieser Kann-Formu lierung der Grundsatz der Rechts- gleichheit (Art. 8 der Bundesverfassung der Schweizerisch en Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999) bei der diesbezüglichen Rechtsanwendu ng nicht gewährleistet ist. Dem Grund- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht satz der Rechtsgleichheit kommt umfassende Geltung zu (vgl . H ÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., N 565 ff.). Ein Erlass, welcher Rechtssetzungsstufe auch immer, verletzt demnach den Grundsatz der Rechtsgleichheit erst, wenn er rechtliche U nterscheidungen trifft, für die ein ver- nünftiger und sachlicher Grund in den zu regelnden Ver hältnissen nach dem Regelungszweck nicht ersichtlich ist, oder wenn er Unterscheidungen unt erlässt, die sich aufgrund der Verhält- nisse aufdrängen (vgl. R AINER J. SCHWEIZER , in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kom mentar, 3. Auflage, St. Gallen 2014, N 38 ff. zu Art. 8 BV). Wie vorstehend ausgefüh rt, kann nach der Richtlinie eine Arbeit- nehmerin oder ein Arbeitnehmer bei einer Pensenreduk tion auf einen pro rata-Ferienbezug während des höheren Pensums hingewiesen werden oder nicht. Daraus erhellt, dass diejenigen Arbeitnehmenden, welche die unter dem höheren Pensum erworbenen Ferien noch unter die- sem beziehen, besser gestellt werden, als jene, welche ei nen offenen Ferienanspruch unter dem neuen, reduzierten Pensum beziehen, weil der Ferie nlohn bei Letzteren einen wirtschaft- lich geringeren Wert aufweist. Insofern kann die Richtli nie zu einer Ungleichbehandlung der Arbeitnehmenden führen, die nicht auf einen vernünft igen und sachlichen Grund zurückzufüh- ren ist. 3.9 Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen sowie d ie Praxis der Personalrekurs- kommission ist festzuhalten, dass es solche Situationen, in welchen der Arbeitnehmer während des Arbeitsverhältnisses sein Pensum ändert und noch Ferien aus dem ursprünglichen Arbeits- vertrag offen sind, zu vermeiden gilt, mit dem Ziel, da ss die Arbeitnehmerin oder der Arbeit- nehmer beim Pensenwechsel weder einen positiven noch einen negativen Feriensaldo des ur- sprünglichen Beschäftigungsgrades aufweist (vgl. VPB 63.20 vom 14. Mai 1998 E. 4.c). Dies kann grundsätzlich dadurch erreicht werden, dass die Arbei tgeberin oder der Arbeitgeber ver- pflichtet wird, die Arbeitnehmerin oder den Arbeitne hmer aufzufordern bzw. ihr oder ihm die Möglichkeit einzuräumen, die anteilsmässigen Ferien vor d em Pensenwechsel zu beziehen. Soweit die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer aus betrieblichen oder anderen objektiven Gründen dazu nicht in der Lage ist, hat der Arbeitgebe r bei einem positiven Feriensaldo eine entsprechende Ausgleichszahlung vorzunehmen (vgl. VPB 63 .20 E. 4c). Ein solcher objektiver Grund, welcher eine Ausgleichszahlung erforderlich mach t, stellt auch die fehlende Aufforde- rung des Arbeitgebers, das verbleibende Ferienguthaben vor der Pensenänderung zu bezie- hen, dar. Die Lohndifferenz resultiert aus der Tatsache, dass der Arbeitnehmer Ferientage, wel- che er zu einem Zeitpunkt erworben hatte, in welchem er zu einem höheren oder vollen Pen- sum beschäftigt war, sie aber zu einem Zeitpunkt bezieht, in welchem er nur noch in Teilzeit angestellt ist. Dadurch wird sein Gehaltsanspruch entspr echend reduziert (vgl. VPB 63.20 E. 4.e). Aufgrund der vorstehenden Ausführungen und u nter Verweis auf das Fairnessgebot ist es angezeigt, Pensenänderungen erst dann zu vollziehen, wenn die ursprünglichen Ansprüche abgegolten bzw. ausdrücklich geregelt wurden. 3.10 Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin von der Beschwerdegegnerin nicht ausdrücklich dazu aufgefordert wurde, die Ferien noch vor dem Pensenwechsel zu beziehen bzw. über die Folgen des Nichtbezugs informiert wurde. Die Beschwerdegegnerin leitet aus den Entscheiden betreffend Mutterschaftsurlaub ab (vgl. Ve rnehmlassung vom 24. Mai 2015 [recte: 2016] S. 2), dass die Beschwerdeführerin Kenntnis darüb er haben musste, dass ihre offenen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ferien aus dem Jahr 2015, welche sie erst im Februar 20 16 bezogen hat, basierend auf einem Beschäftigungsgrad von 40 % berechnet und ausbezahlt wü rden. Ziffer 3 des definitiven Ent- scheids der Beschwerdegegnerin hält fest, dass die Beschwer deführerin die 12 verbliebenen Ferientage vom 11. Februar 2016 bis zum 29. Februar 2 016 beziehen müsse. Ziffer 4 dessel- ben Entscheids lautet wie folgt: "Eine allfällige Wie deraufnahme und Umfang der Arbeit ab 1. März 2016 wird im Herbst 2015 mit den Vorgesetzten von A.____ besprochen. Sollte A.____ die Arbeit nach dem Elternurlaub nicht wieder aufneh men, wird der bezahlte Mutterschaftsur- laub um 2 Wochen auf 14 Wochen gekürzt, was eine Rückf orderung der zu viel erfolgten Lohn- fortzahlung zur Folge hätte. Eine Pensenänderung wird per 1. Tag nach dem bezahlten Mutter- schaftsurlaub gültig." Damit hat die Beschwerdegegnerin zwar den Grundsatz festgehalten, wonach eine Pensenänderung ab dem 1. Tag nach dem bez ahlten Mutterschaftsurlaub gilt. Doch konnte die Beschwerdeführerin daraus nicht ohne wei teres schliessen, dass dieser auch für die während des vormaligen Pensums erworbenen Feri en gelte. In der angefochtenen Ver- fügung war unmittelbar im Anschluss an diesen Grundsatz vo n unbezahltem Urlaub sowie der Kompensation von Gleit- oder Überzeit die Rede, nicht aber von Ferien. Im definitiven Ent- scheid betreffend Mutterschaftsurlaub wurde diese grunds ätzliche Regelung ebenfalls nicht in Bezug auf die Ferien festgehalten. Vielmehr wurde de r Ferienbezug in einer eigenen Ziffer ge- regelt. Darüber hinaus erweckt die Formulierung "allfä llige Wiederaufnahme […] ab 1. März 2016" den Eindruck, als würden zunächst noch die ursprüng lichen Ansprüche abgegolten bzw. geregelt, und erst ab 1. März 2016 der neue Lohn bezah lt. Da sich also weder der Wortlaut der Verfügung noch derjenige des definitiven Entscheides b etreffend Mutterschaftsurlaub als ein- deutig erwiesen hat, kann daraus nicht abgeleitet werd en, die Beschwerdeführerin habe Kennt- nis davon gehabt, dass die 12 Ferientage basierend auf dem neuen Pensum errechnet und ausbezahlt würden. Auch der Verweis auf den Grundsatz, dass bei einem Ferienbezug der je- weils vertraglich vereinbarte Lohn als Ferienlohn auszuza hlen ist, ist wenig behelflich. Gerade in einer Konstellation wie der vorliegenden kann dieser Grundsatz nicht vorbehaltlos gelten. Wie vorstehend ausgeführt, könnte ein solches Vorgehen allenf alls zu einer Reduktion des Lohnan- spruchs einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters und damit zu einer Ungleichbehandlung füh- ren. Zusammenfassend ist demzufolge festzuhalten, dass di e Beschwerdeführerin nicht aus- drücklich darauf aufmerksam gemacht wurde, ihre Ferien v or dem bezahlten Mutterschaftsur- laub zu beziehen und aus den Verfahrensakten kein ande rweitiger klarer Hinweis ersichtlich ist, dass die Beschwerdeführerin darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass ihr Ferienanspruch aus dem Jahr 2015 basierend auf einem Beschäftigungsgrad vo n 40 % bezahlt würde. Wie darge- legt, stellt die fehlende Aufforderung einen objektive n Grund dar, welcher es der Beschwerde- führerin verunmöglicht hat, ihre Ferien vor der Pensen änderung zu beziehen (vgl. E. 3.9). Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es sich, eine Ausgleichsz ahlung für die nicht bezogenen Ferien im Umfang der entstandenen Differenz zu bezahlen. Dem nach ist die vorliegende Beschwerde gutzuheissen. 4. Vorliegend hätte die Beschwerdeführerin gestützt auf den ursprünglichen Beschäfti- gungsgrad von 90 % brutto Fr. 5'477.50 verdient. Diese r Lohn bildet im vorliegenden Fall die massgebende Berechnungsbasis des Lohnes für die 12 Ferien tage aus dem Jahr 2015. Zu- nächst sind von diesem Bruttolohn 10 Tage für den unb ezahlten Mutterschaftsurlaub vom 1. - 10. Februar 2016 in Abzug zu bringen. Daraus resu ltiert ein Betrag in der Höhe von Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 1'886.90, was nicht bestritten wird. Weiter ist der bereits ausbezahlte Bruttolohn für Februar 2016 in der Höhe von Fr. 1'520.85 abzuziehen. Die Diff erenz zwischen dem ausbezahlten und der der Beschwerdeführerin zustehenden Zahlung beläuft sich demzufolge auf Fr. 2'069.75. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin somit Fr. 2'069.75 abzüglich der üblichen Sozialabzüge sowie zuzüglich 5 % Zins seit dem 1. März 2016 zu bezahlen. 5.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 71 Abs. 3 Personalgesetz ist das Ver- fahren vor dem Kantonsgericht unter Vorbehalt von § 2 0 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensge- setzes Basel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 koste nlos. Demzufolge sind im vorlie- genden Verfahren keine Kosten zu erheben. 5.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parte ientschädigung zulasten der Ge- genpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausg ang des vorliegenden Verfahrens ist der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung zulasten der Beschwerdegegnerin zuzuspre- chen. Der in der Honorarnote vom 30. Mai 2016 für da s Verfahren vor Kantonsgericht geltend gemachte Aufwand von 6 Stunden und 50 Minuten à Fr. 250.-- erweist sich als angemessen. Die Auslagen für das kantonsgerichtliche Verfahren in de r Höhe von Fr. 50.-- sind ebenfalls nicht zu beanstanden. Der Beschwerdeführerin ist demzufol ge für das vorliegende Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 1'899.-- (inkl. Auslag en und 8 % MWSt) zulasten der Be- schwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 1‘899.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) auszurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiberin