Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 27. August 2014 (810 12 220) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Fremdplatzierung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Doris Vollenweider , Ad- vokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Beschwerdege g- nerin Betreff Fremdplatzierung von C.____ (Beschluss der Vormundschaftsbehörde D.____ vom 02. Juli 2012) A. Mit Beschlüssen der Vormundschaftsbehörde D.____ (Vormundschaftsbehörde; heute: Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) vom 2. Juli 2 012 wurden die Kinder von A.____, C.____, geboren 2003, und E.____, geboren 2006, im Schulheim F.____ in G.____ platziert. Der Beistand, H.____, erhielt den Auftrag, die Unte rbringung zu überwachen, regelmässig Be- richt an die Vormundschaftsbehörde zu erstatten und das Besuchsrecht der Mutter zu regeln. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zur Begründung wurde ausgeführt, dass der Mutter berei ts vor Jahren die Obhut über C.____ und E.____ entzogen worden und jetzt eine Umplatzieru ng der beiden Kinder von der Grossfa- milie I.____ in das Schulheim F.____ im Hinblick auf di e Förderung von C.____ und E.____ notwendig sei. Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. B. Gegen den Beschluss der Vormundschaftsbehörde vom 2. Juli 2012 erhob A.____ mit Eingabe vom 12. Juli 2012 beim Kantonsgericht, Abteil ung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde. Sie beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie die unentgeltliche Rechtspflege und b ehielt sich nachträgliche Ergänzungen der Beschwerde vor. C. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 13. August 2012 wurde das Gesuch von A.____, vertreten durch Doris Vollenweider, Advokatin, um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung bewilligt. D. Am 27. August 2012 reichte A.____, vertreten durch Doris Vollenweider, eine ergänzen- de Beschwerdebegründung ein. Sie beantragte, die Besc hlüsse der Vormundschaftsbehörde vom 2. Juli 2012 betreffend Fremdplatzierungen von C.__ __ und E.____ seien vollumfänglich aufzuheben und die beiden Kinder seien in die Obhut der Beschwerdeführerin zurückzugeben. Eventualiter sei die vorliegende Streitsache infolge Verletzung des rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. In verfah rensrechtlicher Hinsicht wurde der Antrag gestellt, die Parteien seien zur Verhandlung zu laden. In der ergänzenden Beschwer- debegründung wurde dargelegt, dass das formelle Anfecht ungsobjekt im Beschluss der Vor- mundschaftsbehörde zwar die Umplatzierung der Kinder i n das Schulheim F.____ darstelle, jedoch werde mit dem Beschluss der Vormundschaftsbehörde der bereits früher verfügte Ob- hutsentzug bestätigt. E. Die Vormundschaftsbehörde liess sich mit Eingabe vom 14. September 2012 verneh- men und schloss auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfü gung vom 9. Oktober 2012 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Vorg ängig der Hauptverhandlung wurde am 30. November 2012 eine Anhörung von C.____ und E.____ im Schulheim F.____ durch die Präsidentin des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- u nd Verwaltungsrecht, durchgeführt. Am 26. Oktober 2012 bzw. am 8. November 2012 reichten das Schulheim F.____ sowie der Beistand der beiden Kinder dem Kantonsgericht je eine n schriftlichen Bericht über die aktuelle Situation von C.____ und E.____ ein. F. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 12. Dezember 2012 wurde das vorliegende Be- schwerdeverfahren mit Einverständnis der Parteien bis 30. Juni 2013 oder bis zum Widerruf durch eine Partei sistiert und festgehalten, dass das Kantonsgericht im Januar 2013 an die Kin- des- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) gelange n würde, um Vorschläge bezüg- lich des weiteren Vorgehens betreffend Mitwirkung der B eschwerdeführerin zu unterbreiten. Mit Verfügung vom 25. Januar 2013 wurde der KESB das Proto koll der Parteiverhandlung vom 12. Dezember 2013 zugestellt, um die Vorschläge bezüg lich des weiteren Vorgehens aufzuzei- gen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Eingabe vom 29. Mai 2013 orientierte die KESB das Kantonsgericht über den Stand der Angelegenheit und hielt fest, dass ihrerseits noch gewisse Zweifel bestehen würden, dass die Kindsmutter das für die Kinder benötigte enge Setting und die Stabilität gewährleisten könne. Gestützt auf diese Eingabe wurde mit Verfügung vom 3. Juni 2013 die Sistierung des Verfahrens aufgehoben und eine Vorverhandlung angeordnet. H. Anlässlich der Vorverhandlung vom 2. Juli 2013 wurd e das Verfahren mit Einverständ- nis der Parteien bis 31. Dezember 2013 sistiert und die KESB erklärte sich bereit, die Fremdplatzierung per Januar 2014 aufzuheben und die el terliche Obhut über C.____ und E.____ wieder an die Kindsmutter zu übertragen, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt seien: Die Mutter besuche 14-täglich die Familienberatung des Schulheims F.____ bis Ende 2013 und das Schulheim F.____ empfehle die Rückplatzierung. Die Mutter akzeptiert die vom Schulheim F.____ empfohlenen Begleitmassnahmen und akzeptiert di e vom Schulheim F.____ und dem Schulpsychologischen Dienst aufgezeigten schulischen und the rapeutischen Massnahmen für E.____ und C.____. Zudem erklärte sich die KESB dazu bereit, die Modalitäten und die Finan- zierung mit dem Schulheim F.____ zu regeln und einzul eiten und mit allen Beteiligten per Ende Oktober 2013 eine Standortbestimmung durchzuführen so wie die dafür erforderlichen Berichte einzuholen. I. Mit Eingabe vom 17. Dezember 2013 beantragte die K ESB nach Absprache mit der Beschwerdeführerin die Aufrechterhaltung der Sistierun g bis 30. Juni 2014, da noch weitere Abklärungen durchgeführt und Berichte eingeholt würd en. Mit Verfügung vom 19. Dezember 2013 wurde die Sistierung des Verfahrens antragsgemäss bis 30. Juni 2014 verlängert. J. Die KESB reichte mit Eingabe vom 25. Juni 2014 ihre Stellungnahme ein und führte aus, dass sie unter den gegebenen Umständen und mit Ver weis auf die beiliegenden Berichte am Entzug der Obhut über die Kinder C.____ und E.____ sowie an deren Platzierung im Schul- heim F.____ festhalten würde. Das Schulheim F.____ rate im jetzigen Zeitpunkt zum Wohle der Kinder von einer Rückkehr zu der Mutter dringend ab, wom it nicht alle Voraussetzungen der Vereinbarung vom 2. Juli 2013 erfüllt seien. Dementsprechend beantragte die KESB die Abwei- sung der Beschwerde. K. Mit Verfügung vom 27. Juni 2014 wurde die Sistier ung des Verfahrens aufgehoben. Die Beschwerdeführerin, vertreten durch Doris Vollenw eider, reichte mit Eingabe vom 4. Juli 2014 ihre Stellungnahme ein und hielt dabei an ihrer Beschwerde gegen die Umplatzierung und gegen die Bestätigung des Obhutsentzugs fest und beantragte, dass die Kinder unter die Obhut der Beschwerdeführerin zu stellen seien. L. Mit Verfügung vom 11. Juni 2014 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung überwie- sen und der Beistand sowie eine für C.____ und E.____ zuständige Person des Schulheims F.____ zur Parteiverhandlung geladen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht M. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen die Besch werdeführerin mit ihrer Vertrete- rin teil. Die KESB wird von J.____ vertreten. Das Ka ntonsgericht befragt die Parteien sowie die als Auskunftspersonen vorgeladenen H.____, Beistand, un d K.____, Gesamtleiter des Schul- heims F.____. Die Parteien halten nachfolgend vollumfä nglich an ihren bereits schriftlich ge- stellten Anträgen fest. Im Anschluss führt das Kantonsgeri cht eine geheime Urteilsberatung durch. N. Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschrift en und in der heutigen Verhand- lung wird, soweit erforderlich, in den Urteilserwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Mit Inkrafttreten des neuen Kindes- und Erwachsenensc hutzrechts per 1. Januar 2013 findet gemäss Art. 14a des Schlusstitels zum Schweizerischen Z ivilgesetzbuch (ZGB) vom 10. Dezember 1907 auf hängige Verfahren für den Erw achsenenschutz das neue Verfahrens- recht Anwendung. Diese Bestimmung kommt auch bei häng igen kindesrechtliche Verfahren analog zur Anwendung (R UTH E. REUSSER , in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Basel 2012, Art. 14 SchlT Rz. 4). Über die noch unter altem Recht erho- bene Beschwerde vom 12. Juli 2012 ist mithin unter Anwendung der neurechtlichen Verfahrens- regeln zu entscheiden. 1.2 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide einer Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht e rhoben werden. § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzb uches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach A rt. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach dem Gesagten ist die Fün- ferkammer der Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrech t des Kantonsgerichts zur Beurtei- lung der vorliegenden Beschwerde zuständig (§ 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 19 93). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren b eteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffe- nen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtl ich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff . 3). Die Beschwerdeführerin ist als direkt Verfahrensbeteiligte ohne weiteres zur Beschwerde erhebung legitimiert. Da auch die üb- rigen formellen Voraussetzungen gegeben sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 1.3 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachve rhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Die Beschwerdeführerin rügt vorerst in formeller Hi nsicht die Verletzung des rechtli- chen Gehörs. Sie bringt vor, sie sei zu der Umplatzierung ihrer beiden Kinder in das Schulheim F.____ nicht angehört worden. Nebst ihrem Anspruch auf rechtliches Gehör, sei auch derjenige von C.____ und E.____ verletzt worden. Die beiden Kin der seien im Zusammenhang mit der Umplatzierung ebenfalls nicht angehört worden. 2.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich zunäch st aus Art. 29 Abs. 2 der Bun- desverfassung (BV) vom 18. April 1999. Er umfasst die Rechte der Parteien auf Teilnahme am Verfahren und auf Einflussnahme auf den Prozess der En tscheidfindung. In diesem Sinne dient das rechtliche Gehör einerseits der Sachaufklärung, ander erseits stellt es ein persönlichkeits- bezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar , welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört das Recht des Betrof fenen, sich vor Erlass eines Ent- scheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubrin gen, Einsicht in die Akten zu neh- men, mit erheblichen Beweisen entweder mitzuwirken ode r sich zumindest zum Beweisergeb- nis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 370, 127 I 56, 122 II 469, je mit Hinweisen). Art. 29 Abs. 2 BV räumt keinen Anspruch auf persönliche An- hörung der betroffenen Person ein (BGE 134 I 140 E. 5.3). Der verfassungsrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör wurde jedoch in Art. 447 ZGB au sgedehnt, indem darin die persönliche Anhörung der betroffenen Person vorgeschrieben wird, soweit dies nicht als unverhältnismässig erscheint (CHRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Basel 2012, Art. 447 Rz. 6). Art. 44 7 ZGB verpflichtet somit die KESB die betroffene Person persönlich anzuhören. Der betroffenen Person steht es indessen frei, auf die persönliche Anhörung zu verzichten, soweit sich die Anhörung im Mitwirkungsrecht erschöpft (CHRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , a.a.O., Art. 447 Rz. 9 und 36; Praxisanleitung Erwachsenen- schutzrecht, KOKES [Hrsg.], Zürich/St.Gallen 2012, N 10. 18). Der Anspruch auf persönliche Anhörung steht nur der betroffenen Person zu, wobei zu den betroffenen Personen gemäss Art. 447 Abs. 1 ZGB auch die Eltern zu zählen sind, sowe it Anordnungen über Kinder zu treffen sind (CHRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , a.a.O., Art. 447 Rz. 13). 2.3 Aus den vorliegenden Akten geht hervor, dass die B eschwerdeführerin nach einer Be- sichtigung des Schulheims F.____ am 30. März 2012, einer Schnupperwoche der beiden Kin- der im Schulheim vom 21. Mai bis 25. Mai 2012 und ei ner Besprechung im Schulheim am 31. Mai 2012 am 11. Juni 2012 eine Beschwerde bei der damaligen Vormundschaftsbehörde eingereicht und festgehalten hat, dass sie mit einer Um platzierung ihrer Kinder in das Schul- heim F.____ absolut nicht einverstanden sei. Im Weitere n hielt sie fest, dass man ihr eine be- schwerdefähige Verfügung zustellen möge, sofern ihrem W unsch nicht entsprochen werde. Die Beschwerdeführerin hat sich somit vor dem Erlass des angef ochtenen Entscheids vom 12. Juli 2012 bei verschiedenen Gelegenheiten und schlie sslich in ihrer Beschwerde an die Vormundschaftsbehörde zu der bevorstehenden Umplatzierung geäussert. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör liegt demzufolge nicht vor. Diese Rüge ist damit unbegründet. 3.1 Gemäss Art. 314a Abs. 1 ZGB ist das Kind im Rahmen von Kindesschutzmassnahmen durch die Kindesschutzbehörde oder durch eine beauftrag te Drittperson in geeigneter Weise persönlich anzuhören, soweit nicht sein Alter oder and ere wichtige Gründe dagegen sprechen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Als Richtlinie ist eine Kindesanhörung grundsätzlich ab dem vollendeten sechsten Altersjahr möglich (BGE 131 III 553 E. 1.2.3). Es handelt sich hi erbei um die innerstaatliche Kodifizierung des in Art. 12 Abs. 2 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes (UKRK) vom 20. November 1989 verankerten Grundsatzes, wonach Kinder anzuhören sind, wenn ein Ge- richts- oder Verwaltungsverfahren ihre Angelegenheiten betrifft (CHRISTOPH HÄFELI , Die Aufhe- bung der elterlichen Obhut nach Art. 310 ZGB, in: Ze itschrift für Vormundschaftswesen [ZVW], 56 1-2/200 S. 111 ff., S. 122). Gemäss bundesgerichtl icher Praxis ist Art. 12 Abs. 2 UKRK di- rekt anwendbar (BGE 124 III 93 E. 3a). Die Anhörung dient einerseits der Wahrung der Persön- lichkeitsrechte des Kindes und andererseits der Sachverhalt sermittlung (P ETER TUOR /B ERNAHRD SCHNYDER /J ÖRG SCHMID /A LEXANDRA RUMO -JUNGO , Das Schweizerische Zivil- gesetzbuch, 12. Auflage, Zürich 2002, S. 260). Die re chtsanwendenden Behörden sind grund- sätzlich nur dann verpflichtet, dem Kind Gelegenheit zu r Meinungsäusserung zu geben – und anschliessend diese Meinung auch angemessen zu berücksichtig en – wenn das Kind fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden (vgl. Art. 12 Abs. 2 Abs. 1 UKRK). 3.2 Dem Zwischenbericht des Beistands der beiden Kinder vom 25. Juni 2012 ist zu ent- nehmen, dass am 31. Mai 2012 im Schulheim F.____ ein Aufnahmegespräch stattgefunden hat, an welchem neben der Kindsmutter auch die beiden Kinder anwesend gewesen sind. C.____ und E.____ hätten sich dabei spontan für einen Eintritt in das Schulheim F.____ ausge- sprochen. Vorgängig seien die beiden Kinder im Rahmen einer Schnupperwoche im Schulheim F.____ gewesen, was ihnen sehr gefallen habe. C.____ und E.____ haben sich demzufolge vor Erlass des angefochtenen Entscheids mit der Umplatzierung in das Schulheim F.____ ausei- nandersetzen und sich anlässlich des Aufnahmegesprächs auch diesbezüglich äussern kön- nen. Eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör liegt demzufolge nicht vor. Die vor- liegende Beschwerde ist somit materiell zu beurteilen. 4.1 Die Beschwerdeführerin wehrt sich in materieller Hinsicht gegen den Obhutsentzug mit Fremdplatzierung ihrer beiden Söhne C.____ und E.___ _. Sie macht geltend, dass sich ihre psychische Verfassung in den letzten Jahren deutlich stabili siert habe. Der Obhutsentzug ge- mäss Art. 310 ZGB lasse sich im heutigen Zeitpunkt nicht mehr rechtfertigen, da eine Gefähr- dung der körperlichen, geistigen und sittlichen Entwicklun g der Kinder nicht bestehe und sich die Beschwerdeführerin wieder bereit fühle, die Kind er zu betreuen. Eventualiter seien die Kin- der an einem Ort unterzubringen, an dem die Mutter weiterhin die Möglichkeit hätte, einen en- gen Kontakt zu ihnen zu wahren, wie bspw. in einem bet reuten Wohnheim. Da es zudem zwi- schen dem für die Regelung des Besuchsrechts zuständigen Beistand und der Beschwerdefüh- rerin Differenzen gäbe, könne nicht davon ausgegangen werden, dass dieser sich genügend für die Rechte der Beschwerdeführerin einsetze. 4.2 Die Beschwerdegegnerin begründet ihren Entscheid im Wesentlichen damit, dass eine Umplatzierung auch im Hinblick auf die Meldungen der K indsmutter, in welchen sie angebliche Missstände in der Grossfamilie I.____ aufzeige, angezei gt sei. Auch der Beistand befürworte die Umplatzierung in ein Schulheim, da dies für die We iterentwicklung der beiden Kinder unbe- dingt notwendig sei. Es sei zudem wichtig, dass die be iden Brüder weiterhin zusammenbleiben können. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Vorliegend richtet sich die Beschwerde grundsätzlich gegen die verfügte Umplatzie- rung in das Schulheim F.____, primär jedoch gegen den bereits vor längerer Zeit verfügten Ob- hutsentzug über C.____ und E.____. In der Regel fall en der Entscheid der KESB über den Ob- hutsentzug und derjenige über die angemessene Unterbr ingung des betroffenen Kindes zu- sammen (YVO BIDERBOST , in: Breitschmid/Rumo-Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schwei- zer Privatrecht, 2. Auflage, Zürich 2012, Rz. 6 zu Art . 310 ZGB), weshalb auch beide Mass- nahmen jeweils angefochten werden können. Bei einer U mplatzierung muss jedoch der Obhut- sentzug nicht noch einmal angeordnet werden, obschon dessen Voraussetzungen nach wie vor gegeben sein müssen (Y VO BIDERBOST , a.a.O., Rz. 6 zu Art. 310 ZGB). Aus diesem Grund kann im Zusammenhang mit einer Beschwerde gegen eine Umplatzierung auch die Aufhebung eines bestehenden Obhutsentzugs verlangt werden, ohne dass dieser nochmals verfügt wurde. Somit ist nachfolgend zu prüfen, ob die Vormundschaftsbe hörde zu Recht eine Umplatzierung von C.____ und E.____ angeordnet und den bestehenden Obhutsentzug indirekt bestätigt hat. Dabei ist zunächst zu beurteilen, ob die Voraussetzungen für diese Kindesschutzmassnahmen, insbesondere die Verhältnismässigkeit, zum Zeitpunkt des Entscheids gegeben waren. 4.4 Ist das Wohl des Kindes gefährdet und sorgen die Elt ern nicht von sich aus für Abhilfe oder sind sie dazu ausserstande, so trifft die Kindesschutzbehörde gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kindes. Art. 307 Abs. 1 ZGB enthält die Aufforde- rung, die im Einzelfall geeigneten, vom Gesetz vorgese henen Massnahmen (Art. 307 Abs. 3 ZGB bis Art. 312 ZGB) zu treffen. Nach Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die KESB das Kind den Eltern oder, wenn es sich bei Dritten befindet, diesen wegzu nehmen und in angemessener Weise un- terzubringen, wenn der Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden kann. Die KESB hat zu bestimmen, wo das Kind untergebracht wird. In Betracht kommen Familienpflege, eine betreute Wohngruppe, Heimpflege oder eine selbständi ge Unterkunft (P ETER BREITSCHMID , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zivil gesetzbuch, 4. Auflage, Basel 2010, Rz. 8 zu Art. 310 ZGB). 4.5 Kindesschutzmassnahmen bezwecken im Allgemeinen die Abw endung einer Gefähr- dung des Kindeswohls (C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl., Bern 1999, Rz. 27.09). Von einer Gefährdung des Kindeswohls wird n ach herrschender Auffassung dann ausgegangen, wenn nach den konkreten Umständen die ernstliche Möglichkeit einer gegenwär- tigen oder zumindest unmittelbar bevorstehenden Gefahr für die Kindesentwicklung abzusehen ist, die bei ihrer Fortdauer eine erhebliche Beeintr ächtigung des physischen oder psychischen Wohls des Kindes voraussehen lässt (P ETER BREITSCHMID , a.a.O., Rz. 18 zu Art. 307; A LBERT GULER , in: Jolanta Kren Kostkiewicz et al. [Hrsg.], Orell Füssli Kommentar zum Zivilgesetzbuch, 2. Auflage, Zürich 2011, Rz. 5 zu Art. 307; PATRICK FASSBIND , Systematik der elterlichen Perso- nensorge in der Schweiz, Basel 2006, S. 357). Unerheb lich ist, auf welche Ursachen die Ge- fährdung zurückzuführen ist: Sie können in den Anlagen od er in einem Fehlverhalten des Kin- des, der Eltern oder der weiteren Umgebung liegen. D esgleichen spielt es keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefährdung trifft. Massgebend sind die Verhältnisse im Zeitpunkt der Entziehung. Alle Kindesschutzmassnahmen müssen erforderlich sein (Subsidiarität), und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme a nzuordnen (Proportionalität); diese Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sollen elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplementarität vgl. Art. 389 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB, s. zum Ganzen H EGNAUER , a.a.O., Rz. 27.10 ff.; Urteil des Bundesgerichts 5A_701/2011 vom 12. März 2012 E. 4.2.1, in: FamPra.ch 2012, S. 821 mit wei- teren Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung). 5.1 Der Beistand der beiden Kinder hält in seinem Zw ischenbericht vom 25. Juni 2012 fest, dass E.____ und C.____ im Jahr 2008 zusammen mit der Beschwerdeführerin in die Institution Grossfamilie I.____ gekommen seien. Die Beschwerdeführerin sei nach relativ kurzer Zeit aus- fällig und gewalttätig geworden, so dass eine fürsorg erische Unterbringung verfügt und die Be- schwerdeführerin mit einem Wiedereintrittsverbot für d as Wohnheim belegt werden musste. Seither würden die beiden Kinder alleine im Wohnheim leben. In Bezug auf die Heimorganisati- on bemängelte der Beistand, dass für C.____ und E.___ _ kein regelmässiger Besuchsrechts- turnus mit der Kindsmutter, dem Kindsvater und den Gro sseltern bestehe. Ebenso sei die Durchsetzung von Abmachungen und Regeln im Wohnheim sehr inkonsequent und hänge strak von den jeweiligen Betreuern ab. Schliesslich würde die Kommunikation zwischen dem Wohn- heim und der Schulleitung bzw. dem Kindergarten von E. ____ und C.____ nicht funktionieren und es sei zu Beschwerden über die Unzuverlässigkeit des Wohnheims gekommen. Von Seiten des Wohnheims herrsche hingegen grosser Unmut, da man de r andauernden Unzufriedenheit und den Anschuldigungen der Beschwerdeführerin ausgesetzt sei. In Bezug auf E.____ hielt der Beistand fest, dass er aufgrund seines überdrehten, aggressiven Verhaltens und der Unfä- higkeit, sich selber zu beschäftigen, permanenten Support durch die Lehrpersonen fordere. Ab- schliessend hat der Beistand dringend empfohlen, die be iden Kinder im Schulheim F.____ zu platzieren. Das Schulheim biete den idealen Rahmen f ür E.____ und C.____, um auch aus- serhalb der Schule ganzheitlich an einem Ort begleite t zu werden. Allenfalls müsse dort das Besuchsrecht der Beschwerdeführerin gestoppt oder begleitet durchgeführt werden, da sie sich sehr ambivalent und teilweise schwierig verhalte und damit gute Lösungen für ihre Kinder sabo- tiere. 5.2 Im Fachbericht des Schulpsychologischen Dienstes L.____ vom 23. April 2012 wurde betreffend E.____ festgehalten, dass er im schulischen B ereich vermehrt auf eine enge Füh- rung und Einzelbetreuung angewiesen sei. Er weise überd ies Entwicklungsverzögerungen und Merkfähigkeitsschwächen in einigen Bereichen auf. Aus schulp sychologischer Sicht könne ein Schulheimwechsel für E.____ unterstützt werden. Dr. med. M.____, Fachärztin FMH für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie, und lic. phil. N.____, Psychologe FSP, hielten in ihrem Bericht vom 3. Juni 2012 in Bezug auf C.____ fest, dieser stamme aus einem sehr belas- teten Familiensystem mit diversen traumatischen Erlebni ssen. C.____ habe aber eine sehr starke Bindung zu seinem Bruder E.____. Zum weiteren Prozedere hielten sie fest, dass C.____ nach dem Eintritt in das Schulheim F.____ je n ach Verlauf eine ergänzende Diagnostik und Förderplanung sowie psychotherapeutische Begleitung durch die Heimpsychologin benöti- ge. 5.3 Das Schulheim F.____ hält zu der Situation von C.__ __ im Bericht vom 25. Oktober 2012 fest, dass die Zusammenarbeit mit der Beschwerdeführerin schwanke und massiv von ihrer aktuellen psychischen Verfassung abhänge. Di e Beziehung zwischen der Be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführerin und C.____ sei sehr schwer einzuschätzen. C.____ verhalte sich ihr gegen- über sehr distanziert. Auch E.____ zeige ein ambivalentes Verhalten in Bezug auf seine Mutter. Nach Einschätzung des Schulheims würden beide Kinder sehr viel Schutz und Sicherheit benö- tigen. Die Distanz zur Mutter sei dafür sehr hilfreich. M it der Beschwerdeführerin habe man kla- re Regeln und Abmachungen in Bezug auf die Begegnung mit den Kindern getroffen und es sei oftmals eher schwierig, wenn die Kinder über einen län geren Zeitraum bei der Mutter gewesen seien. Die Beschwerdeführerin wohne in einem Hotel, w eshalb sie an den Besuchswochenen- den jeweils mit ihren Söhnen nach L.____ zu den Grosseltern fahre. 5.4 Aufgrund der obenstehenden Ausführungen ist erstel lt, dass die Umplatzierung in das Schulheim F.____ und die damit verbundene Beibehaltu ng des Obhutsentzugs verhältnismäs- sig und damit gerechtfertigt waren. Die Beschwerdeführerin wohnte zum damaligen Zeitpunkt in einem Hotel, welches ihren Angaben zufolge viel zu klein und für Kinder nicht geeignet war. Die Besuche zwischen ihr und ihren beiden Kindern waren je weils sehr stark vom Gemütszustand der Beschwerdeführerin beeinflusst, was bei den Kinder n zusätzliche Unruhe und Stress be- wirkte, da sie sich immer auf die Launen ihrer Mutter e instellen mussten. Nach den Besuchen bei der Beschwerdeführerin werden beide Kinder als oft sehr aufgedreht und frech beschrieben (vgl. Rechenschaftsbericht des ehemaligen Beistands vom 28. November 2011). Die Be- schwerdeführerin zeigte sich gemäss dem Zwischenbericht des Beistands vom 25. Juni 2012 anfangs einverstanden mit der Umplatzierung in das Schulh eim F.____. Allen vorliegenden Fachberichten ist übereinstimmend zu entnehmen, dass C.____ und E.____ aufgrund ihrer De- fizite im schulischen wie auch im sozialen Bereich auf ei ne enge und professionelle Betreuung angewiesen waren. Aus den Berichten lässt sich der Eindru ck gewinnen, dass die Erziehung der beiden Kinder die Beschwerdeführerin überfordert und sie oft ausfallend und aufbrausend reagiert hat, was wiederum zu einer starken Verunsicher ung und Einschüchterung der Kinder führte. Eine derart unausgeglichene Beziehung hat das Wohl von C.____ und E.____ gefährdet und ist für die emotionale sowie soziale Entwicklung der bereits vorbelasteten Kinder nicht zu- träglich gewesen. Um den Bedürfnissen von C.____ und E._ ___ gerecht werden zu können, war es notwendig, die Beziehung zwischen ihnen und der Beschwerdeführerin zu stabilisieren und zu beruhigen, damit eine vertrauensvolle Erziehung sgrundlage geschaffen werden konnte. Aufgrund ihrer damaligen Wohn- und Überforderungssitu ation sowie der schulischen und per- sönlichen Bedürfnisse der beiden Kinder war die Beschwerd eführerin nicht in der Lage, beide Kinder bei sich aufzunehmen und sich angemessen um sie z u kümmern und für sie zu sorgen. Dass zudem mit dem Entscheid vom 2. Juli 2012 der Beistand beauftragt wurde, die Unterbrin- gung zu überwachen, regelmässigen Bericht an die Vormun dschaftsbehörde abzugeben sowie das Besuchsrecht zu regeln, ist ebenfalls nicht zu beanstan den. Dazu ist anzufügen, dass ge- gen die Ernennung von H.____ als Beistand vom 19. Deze mber 2011 kein Rechtsmittel erho- ben wurde, weshalb diese Anordnung in Rechtskraft erw achsen ist. Die in der Rechtsschrift geäusserte Kritik an H.____ als Beistand ist unter dies en Umständen unbeachtlich, obschon festzuhalten bleibt, dass es nicht Aufgabe des Erziehungsbe istands ist, die Rechte der Be- schwerdeführerin durchzusetzen, sondern vielmehr im Sin ne des Kindeswohls die Kinder ins- besondere während der Platzierung zu begleiten und das Besuchsrecht zwischen ihnen und der Kindsmutter zu koordinieren. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5 Aufgrund der vorliegenden Fachberichte, welche de utlich aufzeigen, dass für die weitere Entwicklung von C.____ und E.____ eine gewisse Distanz zu der Beschwerdeführerin wichtig war, stellten mildere Massnahmen, wie bspw. ein betreutes Wohnheim, wo die Beschwerdefüh- rerin mit ihren Kindern zusammen hätte wohnen können, keine Alternativen dar. Zudem ist es im Wohnheim I.____, wo die Beschwerdeführerin zusammen mit ihren Söhnen gewohnt hat, zu einem Wiedereintrittsverbot für die Beschwerdeführeri n gekommen, nachdem sie ausfallend und gewalttätig geworden war (vgl. Zwischenbericht des Beistands vom 25. Juni 2012). 6.1 Den vorstehenden Ausführungen zufolge und insbes ondere aufgrund der bereits seit mehreren Jahren vorhandenen Probleme war die getroff ene Massnahme geeignet, erforderlich und im engeren Sinne verhältnismässig, weshalb die mit Verfügung vom 2. Juli 2012 vorge- nommene Umplatzierung und die Beibehaltung des Obhutse ntzugs im damaligen Zeitpunkt nicht zu beanstanden sind. Die KESB (und im Beschwerdef all das Gericht) ist nach Art. 313 Abs. 1 ZGB jedoch verpflichtet, geänderten Verhältniss en Rechnung zu tragen. Es kann in ge- wissen Fällen vorkommen, dass zwischen der Anhängigmachung de r Beschwerde und dem Entscheid des Kantonsgerichts eine erhebliche Zeitspanne liegt, in der sich die Verhältnisse ändern können. Da vorliegend verschiedentlich versucht wurde, das Beschwerdeverfahren aus- sergerichtlich zu erledigen, sind seit dem Entscheid der Vormundschaftsbehörde am 2. Juli 2012 bis zum heutigen Urteilszeitpunkt mehr als zwei Jahre vergangen, weshalb nach- folgend zu prüfen ist, ob die angefochtene Fremdplatzi erung der beiden Kinder und der damit einhergehende Obhutsentzug über C.____ und E.____ zum aktuellen Zeitpunkt immer noch gerechtfertigt sind. 6.2 Die KESB führt in ihrer Stellungnahme vom 25. Ju ni 2014 aus, dass C.____ und E.____ zwar Fortschritte gemacht hätten, der Schulheimr ahmen mit seinem therapeutischen Setting und seiner engen pädagogischen Begleitung je doch nach wie vor indiziert und notwen- dig sei, um beide Kinder in ihrer Entwicklung zu unterst ützen und adäquat zu fördern. Die Be- schwerdeführerin sei zwar sehr engagiert und um das Wohl ihrer Söhne besorgt, es sei ihr je- doch nicht bewusst, dass diese Kompetenzen geübt und weit erentwickelt werden müssten und sie dazu nach wie vor fachliche Hilfestellungen benöti ge. Sie ist sich der hohen Anforderungen an die Betreuung ihrer Kinder nicht bewusst und ihre Vorstellungen bezüglich des notwendigen Betreuungsaufwands nicht der Realität entsprechend. Au s diesen Gründen halte die KESB an der Fremdplatzierung und dem Obhutsentzug fest. 6.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie ihrerse its an der Beschwerde festhal- te. Sie habe sich an alle Auflagen gehalten, habe die Familienbegleitung im Schulheim F.____ regelmässig besucht und sich zudem bereit erklärt, die Die nste der Sozialpädagogischen Fami- lienbegleitung bei sich zu Hause einmal pro Woche in A nspruch zu nehmen. Zudem habe sie sich mit der schulischen Abklärung durch den Schulpsychologisc hen Dienst einverstanden er- klärt. Die Beschwerdeführerin sei bereit, auch weiterh in die empfohlene intensive Sozialpäda- gogische Familienbegleitung in Anspruch zu nehmen. Mit dieser Massnahme sei auch sicher- gestellt, dass das Wohl der Kinder weiterhin im Auge be halten werde. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung führt die Beschwerdeführerin aus, sie habe Aussicht auf eine Festanstellung und wolle ein Arbeitspensum von 100% erreichen. Sie s ei ruhiger geworden und werde ihre Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeit und die Kinderbetreuung alleine mit ihrem Le benspartner und einem Kinderhort bewälti- gen. Sie brauche keine Sozialpädagogische Familienbegleitung und auch keine psychologische Unterstützung. Die Beschwerdeführerin fügt an, sie sei zw ar ab und zu “ausgerastet“, es habe aber immer einen Grund dafür gegeben. 6.4 Der Beistand führt anlässlich der Parteiverhandlung aus, dass er die Wochenendbe- suche der Kinder bei der Beschwerdeführerin unterstütze , jedoch sollten C.____ und E.____ sicher bis zum vollendeten 5. Schuljahr im Schulheim F._ ___ bleiben. Er habe den Eindruck, den Kindern gehe es psychisch sowie physisch im Schulheim besser. 6.5 Der beigeladene Gesamtleiter des Schulheims F.____ macht im Rahmen der Partei- verhandlung geltend, dass sich die Kinder gut entwickelt hätten und gerne in die Schule gingen. Beide seien in Kleinklassen mit Heilpädagogin. C.____ könnte die Sekundarschule Niveau E erreichen und E.____ bekomme ein gutes Fundament für d ie Primarschule. Würde es jetzt zu einer Rückplatzierung zu der Mutter kommen, seien die erzielten schulischen Fortschritte ge- fährdet. 6.6 Aus dem Bericht des Schulpsychologischen Dienstes O.____ vom 10. April 2014 geht im Wesentlichen hervor, dass der bisherige pädagogische und therapeutische Rahmen, der sich durch Stabilität, klare Leitplanken und eine inten sive Betreuung auszeichnen würde, dazu beigetragen habe, dass C.____ und E.____ trotz Schwie rigkeiten Fortschritte bei ihren Schuli- schen- sowie Sozialkompetenzen erzielt hätten. Aus schulpsych ologischer Sicht gefährde die Massnahme einer Reintegration in eine Grossklasse in P.___ _ den stabilen Rahmen, von dem beide Kinder offensichtlich profitieren würden. Q.____, Sozialpädagogische Familienbegleitung, hält in ihren Berichten vom 19. Mai 2014 und vom 26. M ai 2014 fest, dass sie die Beschwerde- führerin seit Mitte Februar 2014 während ihrer Besuch e mehrmals zu Hause begleitet habe. Dabei habe sie feststellen können, dass die Beschwerdefü hrerin in der Erziehung mittlerweile einige Regeln anwenden und versuchen würde, konsequente r zu handeln. Sofern es keine Probleme gebe, sei sie sehr liebevoll und gebe den Kin dern emotionale Zuneigung. Sobald die Kinder jedoch nicht mehr gehorchen würden, werde sie ungeduldig, sehr schnell laut und könne dabei verletzend sein. Es falle ihr schwer, auf die emotionalen Bedürfnisse ihrer Söhne einzu- gehen, sie zu trösten und Verständnis zu zeigen. Nach ein igen konfliktfreien Stunden oder Ta- gen sei es immer wieder zu schlimmen Vorfällen und Ausei nandersetzungen gekommen. Eine längere stabile Phase habe es nicht gegeben. Sie empfeh le der Beschwerdeführerin, andere Verhaltensweisen einzuüben und belastende Erlebnisse a us der Vergangenheit in einer Thera- pie aufzuarbeiten. In ihrem Bericht zu Handen der KESB vom 9. August 2014 führt Q.____ aus, dass die Kindsmutter sehr angespannt wirke und sich durch kleinste Belastungen gleich aus der Bahn werfen lasse. Es sei nie voraussehbar, wann die Beschwerdeführerin explodiere. Über die kleinsten Dinge rege sie sich auf, rede permanent auf d ie Kinder ein, schreie sie an, weise sie zurecht und werte sie ab. Die beiden Kinder seien jedoc h sehr lieb, freundlich und folgsam. Nach Aussagen der Kinder komme es jedoch immer wieder zu sc hlimmen Wutausbrüchen, wo die Beschwerdeführerin die Kontrolle über sich verliere . Q.____ kommt zum Schluss, dass das Wohl von E.____ und C.____ gefährdet sei, zumal die B eschwerdeführerin auch angefangen habe, die Kinder zu schlagen. Das Schulheim F.____ rät i n seinem Bericht vom 27. Mai 2014 Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht zum jetzigen Zeitpunkt von einer Rückkehr der beiden Kin der zu der Beschwerdeführerin drin- gend ab. Die bestehende gut strukturierte und enge Z usammenarbeit (Mutter, Beistand, Wohn- gruppe, Schule und Therapie) sowie die klaren institut ionellen Rahmenbedingungen würden eine positive Entwicklung von C.____ und E.____ begünsti gen. Das Schulheim biete ihnen ei- nen sicheren Schulheimrahmen, um sich altersgemäss entwickel n und aufwachsen zu können. Bei einer Rückkehr zu der Mutter wäre das Wohl der beiden Kinder stark gefährdet. 6.7 Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Fremdplatzie rung eine positive Entwicklung bei C.____ und E.____ bewirkt hat. Dies bestätigen all e involvierten Fachpersonen überein- stimmend in ihren jeweiligen Berichten. Dennoch ist fe stzuhalten, dass im Wesentlichen von Fortschritten im schulischen wie auch im sozialen Bereich berichtet, aber gleichzeitig ausgeführt wird, dass der eingeschlagene Weg weiterzuverfolgen ist u nd eine jetzige Rückplatzierung zu der Mutter und der Eintritt in eine öffentliche Schul e die erlangte Verbesserung gefährden. E.____ und C.____ brauchen gemäss den übereinstimmende n Einschätzungen aller Fachper- sonen in schulischen Belangen einen ganz klaren Rahmen und starke Strukturen, wobei E.____ zusätzlich auf intensive Begleitung angewiesen ist. Um ihr Selbstwertgefühl und eine positive Entwicklung zu fördern, ist ein verlässlicher und ressource n- bzw. lösungsorientierter Umgang mit den beiden Buben unabdingbar. Die Kontinuität, die Verlässlichkeit und Konsequenz des professionellen Umfelds haben dazu beigetragen, dass sich E.____ und C.____ seit ihrem Heimaufenthalt positiv entwickelt haben. Es ist somit davon auszugehen, dass die Beschwerde- führerin auch im jetzigen Zeitpunkt nicht in der Lage ist, ihren beiden Söhnen ein stabiles und förderndes Umfeld zu bieten. Dass sie sich bemüht hat, an den Angeboten des Schulheims teilzunehmen und gewisse Ratschläge in der Erziehung umzu setzen, ist unbestritten. Jedoch kam es an Besuchswochenenden und während der Ferien un bestrittenermassen zu Situatio- nen, in welchen die Beschwerdeführerin die Unterstützu ng des Schulheims notfallmässig in Anspruch nehmen musste und die Kinder früher als vorgese hen in das Schulheim zurück ge- bracht hatte (vgl. Bericht des Schulheims F.____ vom 27. Mai 2014). Bevor eine Rückplatzie- rung von E.____ und C.____ in Betracht gezogen werde n kann, ist es mitunter entscheidend, dass längere Aufenthalte bei der Mutter ohne grosse Zwi schenfälle ablaufen können und Ge- währ dafür besteht, dass die Kinder keiner Gefährdungssi tuation ausgesetzt sind. Die Be- schwerdeführerin scheint zum heutigen Zeitpunkt mit der Erziehung beider Söhne während ei- ner längeren Zeitspanne überfordert zu sein. So ist allen vorliegenden Berichten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin laut, unbeherrscht und drohend auftritt, wenn ihr auch nur kleinste Dinge missfallen. Dieses Verhalten zeige sie auch gege nüber ihren Söhnen. Alternativen bzw. mildere Massnahmen fallen zurzeit ausser Betracht, zumal bspw. eine Sozialpädagogische Familienbegleitung bereits besteht. Hinzu kommt, das s beide Kinder kleine Klassen und einen stark strukturierten Schulrahmen brauchen. Das Schulheim F .____ bietet mit dem sozialpäda- gogischgeschulten Personal und dem schulischen Angebot ein geeignetes Umfeld für beide Kinder, damit sie sich altersgerecht entwickeln können. E s ist demzufolge zumindest von einer unmittelbar bevorstehenden Gefahr für die Kindesentwicklung auszugehen, welche längerfristig eine erhebliche Beeinträchtigung des physischen und insbe sondere psychischen Wohls der Kinder hervorrufen kann, sollten sie zum jetzigen Zeitpu nkt zu der Beschwerdeführerin zurück- gehen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aufrechterhalt ung der Fremdplatzierung und des Obhutsentzugs auch im jetzigen Zeitpunkt als ange messen beurteilt werden. Demzu- folge ist die vorliegende Beschwerde abzuweisen. 8.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu befinden. 8.2 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend rechtfertigt es sich, die Verfahrenskosten in de r Höhe von Fr. 1‘800.-- je hälftig auf die beiden Verfahren 810 12 220 und 810 12 231 zu vertei len. Die vorliegenden Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 900.-- werden der unterlegenen B eschwerdeführerin auferlegt. Zufolge Be- willigung der unentgeltlichen Rechtspflege gehen die V erfahrenskosten zulasten der Gerichts- kasse. 8.3 Vorliegend sind die ausserordentlichen Kosten wettzu schlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege ist der Rechtsvertreteri n der Beschwerdeführerin ein Honorar zulasten der Gerichtskasse auszurichten. Die Rechtsvertreteri n hat für die Verfahren 810 12 220 und 810 12 231 eine gemeinsame Honorarnote eing ereicht, weshalb die Parteientschädi- gung hälftig auf beide Verfahren zu verteilen ist. Der in der Honorarnote vom 15. August 2014 geltend gemachte Aufwand ist als angemessen zu beurteile n. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tariford- nung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. Novembe r 2003 beträgt das Honorar bei unent- geltlicher Verbeiständung ab Januar 2014 Fr. 200.-- pr o Stunde und bis Januar 2014 Fr. 180.-- pro Stunde; im vorliegenden Verfahren wird ein Stun denansatz von Fr. 100.-- für Volontärinnen und Volontäre als angemessen erachtet. Aus dem Gesagten resultiert für die Verfahren 810 12 220 und 810 12 231 ein Gesamthonorar (inkl. 2 Stunden Hauptverhandlung) von Fr. 5'652.40 (0.83 Stunden à Fr. 180.--, 11 Stunden à Fr. 200.00 , 26.67 Stunden à Fr. 100.--), zuzüglich Auslagen von Fr. 217.30. Daraus ergibt sich ein aus der G erichtskasse auszurichtendes Hono- rar für das vorliegende Verfahren von Fr. 2'826.20 (inkl. 8% MWST). 8.4 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hing ewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in d er Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 900.-- we rden der Beschwer- deführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführu ng gehen die der Beschwerdeführerin auferlegten Verfahrenskosten zulasten der Ge- richtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird der Rechts- vertreterin der Beschwerdeführerin für das vorliegende V erfahren eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 2'826.20 (inkl. Ausl agen und 8 % MWSt) zulasten der Gerichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin