B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6466/2018 U r t e i l v o m 6. F e b r u a r 2 0 1 9 Besetzung Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, mit Zustimmung von Richter David R. Wenger; Gerichtsschreiber Fabian Füllemann. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Rajeevan Linganathan, Clivia Wullimann & Partner, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des SEM vom 12. Oktober 2018 / N (..) D-6466/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 11. Januar 2016 in die Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 19. Januar 2016 und der Anhörung vom 6. Oktober 2017 machte er im Wesentlichen geltend, er sei wegen seines Vaters – dieser sei verdächtigt worden, Waffen für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) transportiert zu haben, und des- wegen von (…) bis (…) in Haft gewesen – dreimal von den sri-lankischen Sicherheitsbehörden festgenomme n und massiv gefoltert worden . Auch danach sei er weiter unter der Kontrolle der Sicherheitskräfte gestanden und immer wieder massiv bedroht worden. Wegen seiner politischer Betä- tigung bei der (…) sei er ebenfalls verfolgt worden. B. Mit – unangefochten in Rechtskraft erwachsener – Verfügung vom 13. No- vember 2017 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flücht- lingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegwei- sung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug derselben an. Das SEM kam zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers hiel- ten weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit noch an die Asylrele- vanz stand. Aufgrund der realitätsfremden, ungereimten und widersprüch- lichen Aussagen zu Kernelementen der angeblichen Verfolgungslage sei davon auszugeben, dass sich die Asylvorbringen auf einen konstruierten Sachverhalt und nicht auf tatsächlich Erlebtes beziehen würden. Zudem bestünde kein hinreichend begründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka asylrelevante Massnahmen zu befürchten haben. C. C.a Der Beschwerdeführer ersuchte das SEM mit Eingabe vom 31. Juli 2018 um wiedererwägungsweise Aufhebung des Asylentscheides, Fest- stellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls, eventuell um Feststellung der Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme. C.b Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, es sei ihm zwi- schenzeitlich gelungen, Beweismittel für seine Asylvorbringen erhältlich zu machen. Die Ärzte hätten bis anhin aus Angst vor Repressalien seine Be- handlungen nicht bestätigen wollen. Erst nachdem der behandelnde Arzt Dr. B._______ über den drohenden Vollzug seiner Wegweisung informiert D-6466/2018 Seite 3 worden sei, habe dieser schriftlich bestätigt, ihn am (…) nach einem Angriff durch Militärangehörige behandelt zu haben. Weiter würden ein Justice of Peace und ein Pfarrer in Referenzschreiben seine Gefährdung bei einer Rückkehr bestätigen. Zudem schildere die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) in einem Bericht vom 12. Januar 2018 Fälle, in denen der sri lanki- sche Staatsapparat zusammen mit paramilitärischen Gruppen tamilische Personen sowie deren Familienange hörige, welche den LTTE oder den TNA naheständen, systematisch behellige, willkürlich verhafte und Lös e- gelder erpresse. Einem weiteren Bericht sei die Kultur der Überwachung durch die Sicherheitskräfte im Norden und Osten Sri Lankas zu entneh- men. Tamilen stünden generell unter Terrorverdacht. Unzählige Personen würden weiterhin als vermisst gelten, so auch mehrere seiner Familienmit- glieder. Er weise insgesamt ein derartiges Profil auf, dass ihm bei einer Rückkehr nach Sri Lanka asylrelevante Verfolgung drohe. C.c Der Beschwerdeführer reichte ein (bebildertes) ärztliches Bestäti- gungsschreiben sowie zwei Referenzschreiben zu den Akten. D. Mit Verfügung vom 12. Oktober 2018 wies das SEM das Wiedererwä- gungsgesuch ab, erklärte die Verfügung vom 13. November 2017 für rechtskräftig und vollstreckbar, erhob eine Gebühr in Höhe von Fr. 600.– und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. E. Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom 14. November 2018 (Datum Poststempel) Beschwerde beim Bundesver- waltungsgericht. Er beantragte, es sei die Verfügung des SEM vom 12. Ok- tober 2018 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen, eventuell sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, subeventuell sei die Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung festzustellen und ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie einstweilige Aussetzung des Vollzuges der Wegweisung im Rahmen einer superprovi sorischen Massnahme. Ferner sei der Arzt Dr. B._______, (…) Hospital, C._______, im Rahmen einer botschaftlichen Abklärung zu befragen. Der Beschwerde lagen mehrere Medienberichte zur Lage in Sri Lanka bei. D-6466/2018 Seite 4 F. Am 15. November 2018 setzte die Instruktionsrich terin den Vollzug der Wegweisung per sofort einstweilen aus. G. Mit Verfügung vom 21. November 2018 forderte sie den Beschwerdeführer auf, bis 6. Dezember 2018 einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu leisten. Der Kostenvorschuss wurde am 5. Dezember 2018 bezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie- dererwägungsentscheide grun dsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re- gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). D-6466/2018 Seite 5 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Der Beschwerdeführer rügt die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Verletzung der Begrün- dungspflicht und des rechtlichen Gehörs . Diese formellen Rügen sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 4.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a -e aufge- listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). 4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderer- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Er lass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein- greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan- trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent- weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). 4.3 Aus der Begründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ergibt sich, dass die Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermögli- chen soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die D-6466/2018 Seite 6 Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Die Begründungs- dichte richtet sich dabei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfah- rensumständen und den Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwie- genden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen des Betroffenen – und um solche geht es bei Verfahren betreffend Asyl und Wegweisung – eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2). 4.4 Der Beschwerdeführer moniert, das SEM habe die eingereichten Be- weismittel ungenügend berücksichtigt und ohne weitere Abklärungen als falsch bezeichnet. Weiter habe das SEM es unterlassen, öffentlich zugäng- liche Quellen beizuziehen. In Verletzung der Untersuchungspflich t sei dadurch der Sachverhalt unvollständig und falsch festgestellt und sein rechtliches Gehör verletzt worden. Der Beschwerdeführer vermengt die Frage der Feststellung des rechtser- heblichen Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sa- che. Alleine darin, dass das SEM aus sachlichen Gründen zu einer ande- ren Würdigung der Gesuchsvorbringen gelangt, als vom Beschwerdeführer verlangt, liegt keine Verletzung der Untersuchungspflicht respektive keine ungenügende oder falsche Sachverhaltsfeststellung vor. 4.5 Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, das SEM habe die Begrün- dungspflicht und damit sein rechtliches Gehör verletzt, indem es im Zusam- menhang mit dem Vollzug der Wegweisung lediglich auf die diesbezügli- chen Ausführungen in der Verfügung vom 13. November 2017 verwiesen habe. Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar und hinrei- chend differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich leiten liess. Es hat sich dabei mit allen wiedererwägungsweise geltend gemach- ten Vorbringen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt und festgehal- ten, dass diese nicht geeignet seien, die Einschätzungen im Zusammen- hang mit dem Vollzug der Wegweisung in Frage zu stellen. Der blosse Um- stand, dass der Beschwerdeführer die Auffa ssung des SEM nicht teilt, ist keine Verletzung der Begründungspflicht, sondern abermals eine Frage der materiellen Beurteilung. 4.6 Die formellen Rügen erweisen sich dem Gesagten nach als unbegrün- det. Es besteht deshalb keine Veranlassung, die Sache aus forme llen D-6466/2018 Seite 7 Gründen aufzuheben und an das SEM zurückzuweisen. Die diesbezügli- chen Rechtsbegehren sind abzuweisen. 5. Hinsichtlich des Beweisantrages, es sei der Arzt B._______ durch die Schweizerische Vertretung in Sri Lanka zu befragen, ist darauf hinzuwei- sen, dass das Gericht nicht an die von den Parteien angebotenen Beweis- mittel gebunden ist und nur die notwendigen berücksichtigt (Art. 37 BzP [SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG). Gemäss Art. 14 VwVG wird für das Verwal- tungsbeschwerdeverfahren der Grundsatz der Subsidiar ität des Zeugen- beweises aufgestellt, was bedeutet, dass alle anderen Beweismittel erho- ben worden sein müssen, bevor auf einen Zeugenbeweis zurückgegriffen werden kann (vgl. vgl. WEISSENBERGER/ HIRZEL, in: Waldmann/Weissen- berger (Hrsg.), Praxiskommentar VwV G, 2. Aufl. 2016, N 20 zu Art. 14). Gemäss Art. 37 BZP sind im Ausland notwendige Beweisaufnahmen auf dem Weg der Rechtshilfe herbeizuführen, wobei spezialgesetzliche Best- immungen in Bundeserlassen dafür massgebend sind. Ungeachtet des- sen, dass im Verwaltungsbeschwerdeverfahren eine Zeugeneinvernahme im Ausland durch einen diplomatischen Vertreter der Schweiz als Möglich- keit regelmässig mangels Erfüllung der dafür notwendigen kumulativen Vo- raussetzungen (vgl. hierzu PHILIPP WEISSENBERGER/ASTRID HIRZEL, a.a.O., N 54 zu Art. 14) ausscheiden dürfte, ist vorliegend keine Notwendigkeit für die Anordnung einer Zeugeneinvernahme ersichtlich, zumal der Beschwer- deführer im Wiedererwägungs- sowie dem vorliegenden Beschwerdever- fahren die Möglichkeit besass, seine Sachverhaltsdarstellung und Beweis- anerbieten umfassend schriftlich einzubringen. Der angerufene Zeuge kann als nicht am Verfahren beteiligte Drittperson Auskünfte in schriftlicher Form erteilen (vgl. WEISSENBERGER/ HIRZEL, a.a.O., N 104 ff. zu Art. 12), wie dies vorliegend mit dem eingereichten ärztlichen Bestätigungsschrei- ben im Übrigen auch gemacht worden ist. Der Antrag auf Befragung des Arztes B._______ durch die Schweizerische Vertretung in Sri Lanka ist deshalb abzuweisen. 6. 6.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge- regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift- lich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren nach den rev isionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG (Art. 111b Abs. 1 AsylG). D-6466/2018 Seite 8 6.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä- gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung – wie hier – unangefochten blieb, können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (zum sogenannten "qualifizierten Wieder- erwägungsgesuch" vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). 6.3 Das SEM hat den grundsätzlichen Anspruch des Besc hwerdeführers auf Behandlung seines Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede gestellt. Es ist daher zu prüfen, ob es zu Recht davon ausgegangen ist, dass keine Gründe vorliegen, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 13. Novem- ber 2017 zu beseitigen vermögen. 7. 7.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, dass die vorgebrachten Tatsachen und Beweismittel nicht neu beziehungsweise nicht erheblich seien. So habe der Beschwerdeführer keine überzeugen- den Gründe angeführt, weshalb er die Beweismittel er st jetzt habe nach- reichen können. Auch seien die Beweismittel insgesamt nicht beweiskräftig genug, die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Asylvorbringen zu bele- gen. So sei die Person auf dem Foto des ärztlichen Berichtes nicht zu er- kennen. Zudem erwecke das Schreiben – ungeachtet allfälliger Fragen nach der Authentizität – den Eindruck eines wenig überzeugenden Gefäl- ligkeitsschreibens ohne erheblichen Beweiswert. Auch beim Referenz- schreiben des Gemeindepriesters sei von einem Gefälligkeitsschreiben mit entsprechend geringem Beweiswert auszugehen. Schlussendlich scheine das Schreiben des Justice of The Peace aus C._______, wie viele ver- gleichbare Bestätigungsschreiben im sri -lankischen Kontext, auf Wunsch hin ausgestellt worden zu sein und stelle vor dem Hintergrund der gesam- ten Aktenlage ebenfalls kein relevantes Beweismittel dar. Auch sonst habe er keine neuen Tatsachen vorgebracht, welche die bisherige Einschätzung seiner Verfolgungslage in Sri Lanka ändern könnten. Er beziehe sich vor allem auf allgemeine Lageberichte zu Sri Lanka, ohne dass er spezifische neue Informationen über seine Geschichte liefern würde. Es sei damit nach wie vor davon auszugehen, dass er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, weshalb er auch kein Asyl erhalten könne. 7.2 Der Beschwerdeführer wendete in der Rechtsmittelschrift dagegen ein, seit dem Erlass der Verfügung habe sich die politische Lage in Sri Lanka grundlegend geändert. Der ehemalige Präsident Mahinda Rajapaks a sei D-6466/2018 Seite 9 seit dem 26. Oktober 2018 faktisch wieder an d er Macht. Dieser sei wäh- rend seiner letzten Amtszeit mit eiserner Hand gegen verdächtige Tamilen vorgegangen, wobei massivste Menschenrechtsverletzungen begangen worden seien. Eines der Motive der Machtergreifung durch Rajapaksa sei die Verhinderung der Au farbeitung von Kriegsverbrechen. Die Gefähr- dungslage für im Exil lebende Tamilen habe sich damit verschärft. Der Ent- scheid beruhe somit auf einer nicht mehr aktuellen Länderanalyse. Er habe im Wiedererwägungsgesuch ausführlich dargelegt, weshalb er die Bestätigung des Arztes nicht schon im ordentlichen Asylverfahren habe einbringen können. Trotz intensivster Bemühungen habe der Arzt die Be- stätigung aus Angst vor Repressalien erst ausgestellt, nachdem ihm die ausweglose Situation sowie die Gefährdung des Lebens (des Beschwer- deführers) dargelegt worden sei. Im Übrigen seien g emäss Rechtspre- chung eingereichte Beweismittel aber selbst bei einer verspäteten Geltend- machung – wovon hier nicht auszugehen sei – in jedem Fall zu prüfen. Dies sei vorliegend unterblieben. Er habe seine Vorbringen ausführlich dargelegt und mit Beweismitteln un- termauert. Er habe am eigenen Leib erfahren, dass der Verdacht der Un- terstützung protamilischer Gruppierungen nicht harmlos sei. Tamilen stün- den generell unter Terrorverdacht. Seine Furcht sei begründet, wenn er vor diesem Hintergrund um sein Leben gefürchtet und die Flucht ergriffen habe. Familienmitglieder von LTTE-Mitgliedern würden in den Augen des sri-lankischen Staates auch heute noch eine grosse Bedrohung darstellen. Dass sich die Armee nach dem Machtwechsel nicht mehr um zivile Ange- legenheiten kümmere, sei falsch und entspreche – insbesondere seit dem 26. Oktober 2018 – nicht mehr der Realität. Angehörige von verschwunde- nen Personen würden von den Sicherheitsbehörden generell als Feinde wahrgenommen, schikaniert und eingeschüchtert. Insgesamt erfülle er zahlreiche Risikofaktoren und gehöre zur Gruppe derjenigen Personen, in denen die sri-lankischen Behörden eine Gefahr für die Einheit des Landes sehe. Damit erfülle er die Flüchtlingseigenschaft. Schlussendlich habe das SEM die Beurteilung der Zulässigkeit der Wegweisung nicht korrekt und vollständig vorgenommen. Es sei davon auszugehen, dass jeder nach Sri Lanka zurückgeführte tamilische Asylsuchende jederzeit Opfer einer Ver- haftung und von Verhören unter Anwendung von Folter werden könne. Der Vollzug der Wegweisung sei somit unzulässig. Überdies lägen klare Hin- weise dafür vor, dass er konkret gefährdet sei, jederzeit Opfer einer Fest- nahme, Verschleppung oder Tötung durch die Sicherheitskräfte zu werden, insbesondere wenn er aus einem Land wie der Schweiz zurückkehre, wo D-6466/2018 Seite 10 er ein Asylgesuch gestellt habe und die LTTE nicht verboten seien. Der Wegweisungsvollzug sei demzufolge auch unzumutbar. 8. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum Schluss, dass das SEM das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerde- führers zu Recht abgewiesen hat, wobei im Wesentlichen auf die Ausfüh- rungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann. Die Aus- führungen auf Beschwerdeebene sind nicht geeignet, zu einer anderen Be- urteilung zu gelangen. 8.1 Soweit der Beschwerdeführer eine verschärfte Gefährdungslage in Sri Lanka geltend macht, ist zunächst festzustellen, dass der ehemalige Prä- sident Mahinda Rajapaksa mittlerweile als Premierminister zurückgetreten und der abgesetzte Premierminister Ranil Wickremesinghe wieder im Amt ist (vgl. Neue Zürcher Zeitung, Hin und Zurück in Sri Lanka: Der abgesetzte Premierminister wird wieder vereidigt, 16. Dezember 2018; https://www.nzz.ch/internation/entlassener-premierminister-sri-lankas-wie- der-neu-vereidigt-ld.1445221; abgerufen am 25. Januar 2019). Etwas an- deres vermag der Beschwerdeführer auch aus den auf Rechtsmittelebene eingereichten Beilagen nicht abzuleiten. Es besteht demnach keine Veran- lassung, die angefochtene Verfügung wegen einer veränderten politischen Lage in Sri Lanka aufzuheben und die Sache zur erneuten Beurteilung an das SEM zurückzuweisen. 8.2 Der Beschwerdeführer vermag sodann aus dem Vorbringen , er habe die Neuheit der Beweismittel ausführlich dargelegt, nichts für sich abzulei- ten. Es ist zunächst festzustellen, dass er diesbezüglich zu den zwei Refe- renzschreiben weder im Wiedererwägungsgesuch noch auf Rechtsmittel- ebene Ausführungen gemacht hat. Er brachte hinsichtlich der ärztlic hen Bestätigung einzig vor, der Arzt habe gezögert und diese erst nach Erläu- terung seiner ausweglosen Situation ausgestellt. Diese Erklärung vermag nicht zu überzeugen . Es wäre vom Beschwerdeführer respektive seinen Angehörigen spätestens mit der Eröffnung des vorinstanzlichen Asylent- scheids respektive anlässlich des dannzumal möglichen Beschwerdever- fahrens zu erwarten gewesen, den Arzt zur Abgabe einer Bestätigung zu bewegen und diese im ordentlichen Asylverfahren einzureichen. Es ist fest- zuhalten, dass das qualifizierte Wiedererwägungsgesuch nicht dazu dient, bisherige Unterlassungen in der Beweisführung wieder gutzumachen (Art. 66 Abs. 3 VwVG). Dabei hat, analog der Revision, die Beurteilung der Frage, ob die Geltendmachung von erheblichen un d vorbestandenen D-6466/2018 Seite 11 Sachverhaltsumständen oder das Beibringen von Beweismitteln im frühe- ren Verfahren in der Tat unmöglich oder unzumutbar war, restriktiv zu er- folgen hat. Im Übrigen sind die Beweismittel auch nicht als erheblich zu erachten. So sind ärztliche Berichte ihrer Natur nach lediglich geeignet, all- fällige Verletzungsbilder zu beschreiben sowie getroffene Therapiemass- namen zu erläutern. Sie sind jedoch nicht geeignet, rechtserheblich den Ursprung von Verletzungen bestimmten Tätern zuzuordnen beziehun gs- weise diesbezügliche Verfolgungen zu belegen. Unbesehen davon ist fest- zustellen, dass der eingereichte Bericht auch einen äusserst geringen Be- weiswert aufweist. So fällt er nämlich inhaltlich ausgesprochen vage aus, indem er einzig bei einem Angriff durch Mitglieder des Militärgeheimdiens- tes vom (…) entstandene Verletzungen erwähnt. Keine Erwähnung finden Art und Schwere der Verletzungen respektive getroffene medizinische Massnahmen. Weiter ist der Bericht weder datiert noch deutet ausser ei- nem Stempel mit dem Namen des Arztes und einer Unterschrift etwas da- rauf hin, dass er auf offiziellem Papier des Spitals verfasst worden wäre. Auf dem im Bericht enthaltenen – nicht datierten – Foto ist der Beschwer- deführer sodann auch nicht zu erkennen. Es ist mit dem SEM einig zu ge- hen, dass das ärztliche Schreiben den Eindruck eines wenig überzeugen- den Gefälligkeitsschreibens erweckt. Auch das Referenzschreiben des Ge- meindepriesters der (…) in D._______ vom 2. Mai 2018 weist einen äus- serst geringen Beweiswert auf. Das SEM hat zutreffend ausgeführt, dass es sich nicht um ein amtliches Dokument, sondern um ein Gefälligkeits- schreiben mit vagen inhaltlichen Angaben handelt. Im Übrigen ist es äus- serst unerwartet und vermag daher nicht zu überzeugen, dass der Be- schwerdeführer, der Hindu ist (vgl. SEM act. A4, S. 3), während 15 Jahren an den Gottesdiensten einer christlichen Kirche teilgenommen haben soll. Schlussendlich ist dem SEM auch hinsichtlich des Schreibens des Justice of The Peace aus C._______ zuzustimmen, dass dieses wohl auf Wunsch des Beschwerdeführers ausgestellt worden ist und es vor dem Hintergrund der gesamten Aktenlage kein relevantes Beweismittel darstellt. 8.3 Keines der eingereichten Beweismittel vermag demnach die Annahme des SEM anlässlich des ordentlichen Asylverfahrens zu entkräften, wonach die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht glaubhaft sind. 8.4 Soweit der Beschwerdeführer schliesslich geltend macht , er erfülle – insbesondere vor der aktuellen Lage in Sri Lanka – zahlreiche Risikofakto- ren, vermag er abermals nicht zu überzeugen. Nach Auffassung des Ge- richts bestehen – auch vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in Sri Lanka (vgl. E. 8.1) – keine stichhaltigen Gründe zur Annahme, dass er einer der D-6466/2018 Seite 12 im Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichtes E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 genannten Ris ikogruppen zuzurechnen ist. Etwas anderes vermag er auch aus den auf Rechtsmittelebene eingereichten Beilagen nicht abzuleiten. 8.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine wiedererwägungsrechtlich relevanten Sachumstände vorliegen, die geeignet wären, die im Rahmen des ordentlichen Verfahrens rechtskräftig erfolgte Verneinung der Flücht- lingseigenschaft und die Ablehnung des Asy lgesuches des Beschwerde- führers zu beseitigen. 9. Insofern der Beschwerdeführer geltend macht, der Vollzug der Wegwei- sung sei unzulässig beziehungsweise unzumutbar, vermag er daraus nichts für sich abzuleiten. Aufgrund des Gesagten ist d ie der Anordnung des Wegweisungsvollzugs zugrunde liegende Einschätzung in der Verfü- gung vom 13. November 2017 zum jetzigen Zeitpunkt nach wie vor zutref- fend. Eine erneute Prüfung der Wegweisungsvollzugshindernisse war nicht erforderlich (vgl. dazu BVGE 2014/39 E. 8.1). Etwas anderes vermag der Beschwerdeführer auch aus den auf Rechtsmittelebene eingereichten Bei- lagen nicht abzuleiten. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der Beschwerde noch näher einzugehen. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Ein Wiedererwägungsgesuch ist aussichtslos, wenn die Gewinnaus- sichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. BGE 139 II 475). Im Lichte der vorstehenden Erwägungen waren die gestellten Wiedererwä- gungsbegehren als aussichtslos zu beurteilen. Somit wäre das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde abzuweisen ge- wesen, es erweist sich indes mit dem vorliegenden Entscheid in der Sache als gegenstandslos. 11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1500.– D-6466/2018 Seite 13 festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss von Fr. 750.– ist zur teil- weisen Begleichung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-6466/2018 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1‘500.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss von Fr. 750.– wird zur teilweisen Begleichung der Verfahrenskosten verwendet. Der noch ausstehende Be- trag von Fr. 750.– ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Fabian Füllemann Versand: