Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 8. Dezember 2021 (810 21 171) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz / Sozi- alhilfeabhängigkeit; Verhältnismässigkeit der Massnahme Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Claude Jeanneret , Jgnaz Jermann, Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichts- schreiber i.V. Dimitri Schärer Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Vorinstanz Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 962 vom 29. Juni 2021) A. A.____ (geb. 1966), Staatsangehörige der Demokrat ischen Republik Kongo, reiste am 25. August 1995 in die Schweiz ein und stellte ein Asylg esuch, welches vom damaligen Bun- desamt für Flüchtlinge (heute: Staatssekretariat für Mi gration [SEM]) mit Verfügung vom 7. Dezember 1995 abgewiesen wurde. Eine bei der schwe izerischen Asylrekurskommission dagegen erhobene Beschwerde wurde ebenfalls abgewiesen. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Verfügung vom 27. Februar 1997 trat das SEM auf einen von A.____ anlässlich einer erneuten Einreise in die Schweiz gestellten Asyl antrag nicht ein und wies diese aus der Schweiz weg. Die bei der schweizerischen Asylrekurskommission dagegen erhobene Be- schwerde wurde abgewiesen. Aufgrund fehlender Reisedo kumente konnte die Wegweisung nicht vollzogen werden. C. Am 27. August 1999 heiratete A.____ den in der Sch weiz aufenthaltsberechtigten B.____. Die gemeinsame Tochter C.____ war am 10. Feb ruar 1997 geboren worden. Mit Ein- gabe vom 30. August 1999 stellte B.____ das Gesuch um F amiliennachzug für seine Ehefrau und das gemeinsame Kind. Das Amt für Migration des Kan tons Basel-Landschaft (AfM, heute: Amt für Migration und Bürgerrecht, AfMB) trat mit Ve rfügung vom 9. September 1999 auf das Gesuch nicht ein. Am 7. Dezember 1999 gebar A.____ ihre zweite Tochter D.____. D. Am 30. Juni 2011 erhielten A.____ und B.____ so wie ihre Kinder eine Aufenthaltsbe- willigung aufgrund eines Härtefalls. Am 23. August 201 1 unterzeichnete A.____ eine Integrati- onsvereinbarung, in welcher sie sich bereit erklärte, ei ne Neuverschuldung zu vermeiden bzw. langfristig die bestehenden Schulden abzubezahlen, ein regelmässiges Erwerbseinkommen zu erzielen, ihre Deutschkenntnisse in Wort und Schrift zu v erbessern sowie die schweizerische Rechtsordnung zu respektieren. E. Mit Verfügung vom 13. Juni 2012 wurde A.____ vom A fM verwarnt, nachdem sie ihre Arbeitsstelle während der Probezeit wegen ungenügend er Arbeitsleistungen verloren hatte. Es werde von ihr erwartet, dass sie sich nachhaltig in den schweizerischen Arbeitsmarkt integriere. Am 12. Juni 2013 verwarnte das AfM A.____ und B.____, da sie mit der Anhäufung neuer Schulden gegen die Integrationsvereinbarung verstossen h ätten. Die Verlustscheinschulden von A.____ hatten sich im damaligen Zeitpunkt um rund F r. 5'000.-- auf insgesamt Fr. 8'475.90 und diejenigen von B.____ um rund Fr. 55'000.-- auf insgesamt Fr. 90'227.75 erhöht. Zusätzlich wurde A.____ aufgefordert, ihr Arbeitspensum zu erhöhen. F. Mit Strafbefehlen der Staatsanwaltschaft Basel-Land schaft vom 22. Oktober 2013 bzw. 19. Mai 2015 wurde A.____ wegen der Nichtabgabe von Ausweisen und/oder Kontrollschildern zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 7 Tagessät zen à Fr. 30.-- sowie einer Busse von Fr. 200.-- bzw. einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à Fr. 30.-- verurteilt. G. Mit Urteil des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Wes t vom 8. Dezember 2015 wurde die Ehe zwischen A.____ und B.____ geschieden. H. Mit Schreiben vom 8. Mai 2017 verwarnte das AfM A. ____ wegen ihrer Sozialhilfeab- hängigkeit und Verschuldung. A.____ habe Sozialhilfele istungen in der Höhe von Fr. 45'000.-- bezogen und sei beim Betreibungsamt des Kantons Basel-La ndschaft (Betreibungsamt) mit Verlustscheinen in der Höhe von Fr. 16'027.55 verzeichne t. Sie werde aufgefordert, alle zumut- baren Anstrengungen zu unternehmen, um so bald als mög lich finanziell unabhängig zu wer- den. Andernfalls müssten weitere ausländerrechtliche Massnahmen geprüft werden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Schreiben vom 8. Oktober 2020 gewährte das AfMB A.____ das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Nichtverlängerung ihrer Aufenthaltsbew illigung und Wegweisung aus der Schweiz, welches A.____ mit Schreiben vom 17. Oktober 2020 wahrnahm. J. Am 17. Dezember 2020 sowie 23. Dezember 2020 äusser te sich die Beiständin von D.____ zur Frage, was die Wegweisung der Mutter für die Tochter bedeuten würde. D.____ ist kognitiv beeinträchtigt und bezieht eine volle IV-Rente. K. Mit Verfügung vom 22. Januar 2021 verweigerte das AfMB die Verlängerung der Auf- enthaltsbewilligung von A.____ und wies diese aus der Schweiz weg. Eine dagegen erhobene Beschwerde wies der Regierungsrat des Kantons Basel-Land schaft mit Beschluss (RRB) Nr. 962 vom 29. Juni 2021 ab. L. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit Eingabe vo m 12. Juli 2021 sowie verbes- serter Eingabe vom 21. Juli 2021 (Posteingang) Beschwerd e beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragt, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und es sei ihr die Aufenthaltsbewilligung zu verlän- gern, eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurt eilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Alles unter o/e-Kostenfolge. M. Mit Vernehmlassung vom 11. August 2021 beantragt der Regierungsrat die kostenfälli- ge Abweisung der Beschwerde. N. Mit Verfügung vom 20. August 2021 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über- wiesen. O. Mit Eingabe vom 18. November 2021 reichte A.____ e inen Arbeitsvertrag vom 10. No- vember 2021 ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzli cher Ausschlusstatbestand vor- liegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Be urteilung der vorliegenden Beschwerde gegeben. 2. Nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde befugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt is t und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Die Beschwerdefüh rerin ist Adressatin des angefochte- nen Entscheids und hat ein schutzwürdiges Interesse an desse n Aufhebung, weshalb sie zur Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerde legitimiert ist. Da auch die übrigen form ellen Voraussetzungen erfüllt sind, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetreten werden. 3. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können nac h § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 4. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Nichtver längerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin und deren Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 5. Eine ausländische Person ist gemäss Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (Ausländergesetz, AuG; seit 1. Januar 2019: Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die In tegration [Ausländer- und Integrations- gesetz, AIG]) vom 16. Dezember 2005 zur Anwesenheit in der Schweiz berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (vgl. auch Art. 2 AIG). Die zuständige kantonale Behörd e entscheidet gemäss Art. 18 ff. und Art. 27 ff. AIG – im Rahmen der gesetzlichen Vorschrif ten und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbew illigung hat die ausländische Person so- mit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AIG oder völkerr echtliche Verpflichtungen sehen einen solchen vor (BGE 133 I 185 E. 2.3; MARC SPESCHA , in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. Auflage, Zürich 2019, N 1 ff. zu Art. 3 AIG; P ETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 6.1 Nach Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG kann eine Aufenthal tsbewilligung widerrufen bzw. nicht verlängert werden, wenn der Ausländer oder eine Person, für die er zu sorgen hat, auf Sozialhil- fe angewiesen ist. Für den Widerruf einer Bewilligung wegen Sozialhilfeabhängigkeit ist neben den bisherigen und den aktuellen Verhältnissen auch die wahrscheinliche finanzielle Entwick- lung auf längere Sicht abzuwägen. Ein Widerruf kommt i n Betracht, wenn eine Person hohe finanzielle Unterstützungsleistungen erhalten hat und nicht damit gerechnet werden kann, dass sie in Zukunft für ihren Lebensunterhalt sorgen wird (Urteile des Bundesgerichts 2C_958/2011 vom 18. Februar 2013 E. 2.3; 2C_74/2010 vom 10. Juni 2010 E. 3.4). Inwiefern die Fürsorge- abhängigkeit im konkreten Fall auf ein Selbstverschulde n zurückzuführen ist, spielt einzig bzw. erst im Rahmen der Prüfung der Verhältnismässigkeit der ausländerrechtlichen Massnahme eine Rolle (Urteile des Bundesgerichts 2C_263/2016 vom 10. November 2016 E. 3.2; 2C_549/2019 vom 9. Dezember 2019 E. 4.2.2). 6.2 Der Regierungsrat erwog, dass die Beschwerdeführerin seit April 2015 von der Sozial- hilfe unterstützt werde und bis Ende Juni 2021 rund F r. 124'000.-- an Sozialhilfeleistungen be- zogen habe. Zurzeit werde sie mit Fr. 1'912.55 pro Mon at unterstützt. Der Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 Bst. e AIG sei somit erfüllt. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Für die Beurteilung der Erheblichkeit des Sozialhil febezugs ist die Gesamtsumme der bisher entstandenen Sozialhilfeleistungen massgebend. Hinsichtlich der Höhe des Bezugs kann ein Sozialhilfebezug bereits ab einem Betrag von Fr. 5 0'000.-- als erheblich gelten (Urteile des Bundesgerichts 2C_813/2019 vom 5. Februar 2020 E. 2.3; 2C_263/2016 vom 10. November 2016 E. 3.3.1; 2C_672/2008 vom 9. April 2009 E. 3.3 ). Gemäss den unbestrittenen Feststellun- gen der Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin vom 1. A pril 2015 bis zum 7. Oktober 2020 ins- gesamt Fr. 103'751.-- bzw. bis Ende Juni 2021 rund Fr. 124'000.-- an Sozialhilfeleistungen be- zogen und wird nach wie vor von der Sozialhilfe unterstützt. Damit ist der bisher erfolgte Sozial- hilfebezug der Beschwerdeführerin als erheblich zu qual ifizieren, was von ihr zu Recht nicht bestritten wird. 6.4.1 Der Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG setz t im Weiteren voraus, dass nicht mit einer Ablösung von der Sozialhilfe gerechnet werden kann . Demnach ist zu prüfen, ob nach wie vor die Gefahr einer fortgesetzten Sozialhilfeabhängigkeit besteht. 6.4.2 Diesbezüglich ist vorab auf den von der Beschwerde führerin mit Eingabe vom 18. November 2021 eingereichten Arbeitsvertrag vom 10. November 2021 sowie die geltend gemachte Ausbildung beim E.____ einzugehen. 6.4.3 Gemäss dem genannten Arbeitsvertrag wurde die B eschwerdeführerin als Unterhalts- reinigerin zu einem Pensum von 30 % (entsprechend 12.6 Wochenstunden) bei einem Stundenlohn von brutto Fr. 22.85 angestellt. Sie erzielt somit ein monatliches Einkommen in der Höhe von brutto Fr. 1'152.--. Dem Einkommen sind die monatlichen Ausgaben der Beschwerde- führerin in der Höhe von Fr. 1'850.05 (Gesuch um une ntgeltliche Rechtspflege vom 3. August 2021) sowie die Lebenshaltungskosten in der Höhe von Fr. 997.-- (Richtsätze der Schweizeri- schen Konferenz für Sozialhilfe [SKOS-Richtlinien]) gege nüberzustellen. Demnach ist von mo- natlichen Ausgaben in der Höhe von Fr. 2'847.05 auszu gehen, welche das erzielte Einkommen um Fr. 1'695.50 übersteigen. Die neue Anstellung rei cht somit nicht aus für die Bestreitung des Lebensunterhalts der Beschwerdeführerin und diese ist fo lglich weiterhin auf Unterstützung durch die Sozialhilfe angewiesen. Hinzu kommt, dass die Anstellung offenkundig unter dem Druck des laufenden ausländerrechtlichen Verfahrens zust ande gekommen ist, was die ent- sprechenden Bemühungen relativiert und kaum Rückschlüsse auf die längerfristige Bereitschaft der Beschwerdeführerin zur Erwerbstätigkeit zulässt. 6.4.4 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Eingabe a n das Kantonsgericht überdies gel- tend, dass sie sich beim E.____ in F.____ für eine Ausb ildung im Bereich Pflege eingeschrie- ben habe (Schreiben vom 14. Januar 2021) und somit in Zukunft damit zu rechnen sei, dass sie sich von der Sozialhilfe werde lösen können. Dazu ist fe stzustellen, dass die Beschwerdeführe- rin keinerlei Belege einreichte, aus denen ersichtlich wäre, dass sie die geltend gemachte Aus- bildung effektiv angetreten hat. Die Beschwerdeführeri n reichte namentlich keine Kursbestäti- gung oder dergleichen ein. In diesem Zusammenhang ist z udem festzustellen, dass sich die Beschwerdeführerin bereits im Jahr 2012 beim E.____ in F.____ für eine Pflegeausbildung an- gemeldet hatte (Anmeldung beim E.____ G.____ vom 23. Mai 2012), ohne dass ersichtlich wä- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht re, dass sie diese Ausbildung in der Folge effektiv abs olvierte. Schliesslich ist auch nicht er- stellt, dass die fragliche Ausbildung in näherer Zukunf t zu einer vollständigen Ablösung der Be- schwerdeführerin von der Sozialhilfe führen könnte. Di e Ausführungen der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der geltend gemachten Aufnahme e iner Ausbildung können bei der Prognose über die künftige Sozialhilfeabhängigkeit s omit nicht massgeblich zu ihren Gunsten berücksichtigt werden. 6.4.5 Der Beschwerdeführerin ist zugute zu halten, dass si e im Zeitraum von 2011 bis 2016 insgesamt fünfeinhalb Jahre erwerbstätig war. In den J ahren 2017 bis 2018 ging sie hingegen nur noch insgesamt neun Monate einer Erwerbstätigkeit nach (Kontoauszug der Sozialversiche- rungsanstalt Basel-Landschaft vom 10. November 2020) u nd seit dem 1. Januar 2019 ist sie arbeitslos (Schreiben der Beschwerdeführerin vom 17. O ktober 2020). Zu berücksichtigen ist zudem, dass die Beschwerdeführerin bereits ab dem Jahr 20 15 von der Sozialhilfe unterstützt werden musste. Sie entfernte sich somit ab dem Jahr 201 7 sukzessive vom schweizerischen Arbeitsmarkt und ist seit nunmehr drei Jahren arbeitslos, wobei sie sich im Zeitraum von 2018 bis 2021 lediglich sieben Mal für eine Stelle beworbe n hatte. In Anbetracht der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz keine Ausbildung oder Weiterbildung absolvierte, nie auf dem in ihrem Heimatland erlernten Beruf erwerbst ätig war (Eingabe vom 17. Oktober 2020) und ihre Deutschkenntnisse nie verbesserte (Zertifikat Niveau A1 vom 23. Mai 2017 sowie Zerti- fikat Niveau A1 des Ausländerdienstes Baselland vom 21. Dezember 2009), kann ihr keine gute Prognose in Bezug auf die Ablösung von der Sozialhilfe gestellt werden. 6.4.6 In Anbetracht der ungenügenden Stellensuchbemü hungen der letzten drei Jahre, ihrer fehlenden Ausbildung in der Schweiz und der langen Abw esenheit vom Arbeitsmarkt bzw. der misslungenen Wiedereingliederung in den schweizerischen Ar beitsmarkt in den letzten fünf Jahren ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, d ass die Beschwerdeführerin auch künftig unterstützungsbedürftig bleiben wird. Es besteht somit die konkrete Gefahr einer fortge- setzten Sozialhilfeabhängigkeit. Der Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG ist demnach erfüllt. 7.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Nichtverl ängerung ihrer Aufenthaltsbewilli- gung und die damit verbundene Wegweisung verletzten d as Verhältnismässigkeitsprinzip ge- mäss Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 sowie ihr Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäss Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. Novem- ber 1950 und Art. 13 Abs. 1 BV. Namentlich sei ihre ü ber ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügende Tochter D.____ abhängig von ihr und erhalte seit der Geburt ihre Unterstützung. 7.2 Die Vorinstanz erwog, dass die ältere Tochter der Be schwerdeführerin nicht mehr bei dieser wohne und die jüngere Tochter eine volle IV-Ren te beziehe, verbeiständet sei und in einem Heim lebe. Die jüngere Tochter wohne nur zeitw eise bzw. besuchsweise bei der Be- schwerdeführerin. Unter diesen Umständen sei eine Berufung auf den in Art. 8 EMRK garantier- ten Anspruch auf Familienleben nicht möglich. Ferner könne sich die Beschwerdeführerin nicht auf das Recht auf Privatleben nach Art. 8 EMRK stütze n, da sie sich rechtmässig erst seit acht Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Jahren und fünf Monaten in der Schweiz aufhalte und üb erdies in gesellschaftlicher, beruflicher und sozialer Hinsicht nicht gut integriert sei. 7.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der Sc hutzbereich des Rechts auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK so wie Art. 13 Abs. 1 BV im Wesentlichen auf die eigentliche Kernfamilie, folglich auf die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjäh- rigen Kindern, beschränkt. Das Verhältnis zwischen Eltern und ihren volljährigen Kindern ist lediglich geeignet, einen Bewilligungsanspruch zu begrün den, falls – über die üblichen Bindun- gen im Eltern-Kind-Verhältnis hinaus – ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen der über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügenden Person und der um die Bewilligung nach- suchenden Ausländerin vorliegt. Ein solches kann sich aus B etreuungs- oder Pflege- bedürfnissen bei körperlichen oder geistigen Behinderun gen und schwerwiegenden Krankhei- ten ergeben. Nach der bundesgerichtlichen Praxis soll ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern indessen nicht leichthin bejaht werden. Allein das Vorlie- gen eines Pflege- und Betreuungsbedürfnisses reicht nich t aus; erforderlich ist zusätzlich, dass die betreffende Pflege- und Betreuungsleistung unabdi ngbar von den in der Schweiz anwesen- heitsberechtigten Angehörigen erbracht werden muss. Be i Fehlen eines derartigen Verhältnis- ses ist der Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV nicht berührt (BGE 144 II 1 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_757/2019 vom 21. April 2020 E. 2.1 f.; Urteil des Eu- ropäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] i.S. S livenko gegen Lettland vom 9. Ok- tober 2003 [Nr. 48321/99] § 97; jeweils mit Hinweisen). 7.4 Die jüngere Tochter der Beschwerdeführerin ist kog nitiv beeinträchtigt und bezieht eine volle IV-Rente (E-Mail der Beiständin vom 14. Dezember 2020). Sie lebt in einer betreuten Wohnform (E-Mail der Beiständin vom 23. Dezember 202 0). Dass von der Beschwerdeführerin konkrete Betreuungsaufgaben wahrgenommen werden, wird von ihr nicht substantiiert dargetan und es liegen dafür keine Anhaltspunkte vor. Vielmehr i st die Tochter der Beschwerdeführerin nach Angaben der Beiständin nur besuchsweise bei der Mutter und benötigt keine Betreuung von ihr (E-Mail der Beiständin vom 23. Dezember 2020). Das von der Beschwerdeführerin gel- tend gemachte Mutter-Tochter-Verhältnis ist somit kein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung und sie kan n sich somit nicht auf das Recht auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK sowie Art. 13 Abs. 1 BV berufen. 7.5 Unabhängig vom Vorliegen einer familiären Bezieh ung kann eine ausländerrechtliche Fernhaltemassnahme unter gewissen Umständen den Anspruch a uf Achtung des Privatlebens gemäss Art. 8 EMRK verletzen: Nach ständiger Rechtsprechu ng des Bundesgerichts genügen eine lange Anwesenheit und die damit verbundene normale Integration hierzu nicht; erforderlich sind besonders intensive, über eine normale Integratio n hinausgehende private Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur (BGE 144 II 1 E. 6.1; BGE 130 II 281 E. 3.2.1; BGE 126 II 377 E. 2c; jeweils mit Hinweisen). Nach einer re chtmässigen Aufenthaltsdauer von rund zehn Jahren kann regelmässig davon ausgegangen werden, dass die sozialen Beziehungen in der Schweiz so eng geworden sind, dass es für eine Aufent haltsbeendigung besonderer Grün- de bedarf, wobei es sich im Einzelfall anders verhalten und die Integration zu wünschen übrig- lassen kann. Es kann aber auch sein, dass schon zu einem frü heren Zeitpunkt der Anspruch Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf Achtung des Privatlebens betroffen ist. Liegt nach einer längeren bewilligten Aufenthalts- dauer, die zwar zehn Jahre noch nicht erreicht hat, eine besonders ausgeprägte Integration vor, kann es den Anspruch auf Achtung des Privatlebens verlet zen, wenn eine Bewilligung nicht erneuert wird (BGE 144 I 266 E. 3.9). 7.6 Die Beschwerdeführerin erhielt am 30. Juni 2011 d ie Aufenthaltsbewilligung aufgrund eines Härtefalls. Sie hat somit zwischenzeitlich seit übe r zehn Jahren rechtmässigen Aufenthalt in der Schweiz. Der Beschwerdeführerin ist es während ihres Aufenthalts in der Schweiz jedoch nicht gelungen, sich nachhaltig im schweizerischen Arbeitsmarkt zu integrieren. Zwar spricht sie Französisch und kann sich somit in einer Landessprache unt erhalten; sie spricht jedoch unbe- strittenermassen nicht gut Deutsch (Aktennotiz des AfMB v om 27. Juli 2020). Die Beschwerde- führerin wird zudem seit über sechseinhalb Jahren von der Sozialhilfe unterstützt. Ferner ist sie mit 18 Betreibungen zu einem Gesamtbetrag von Fr. 13'664.-- und Verlustscheinen in der Höhe von Fr. 30'320.65 im Betreibungsregister verzeichnet (B etreibungsregisterauszug vom 13. Ja- nuar 2021). In wirtschaftlicher Hinsicht ist somit nicht von einer gelungenen Integration auszu- gehen. Ebenfalls vermag die Beschwerdeführerin keine besonders intensiven, über eine norma- le Integration hinausgehenden privaten Beziehungen be ruflicher oder gesellschaftlicher Natur vorzuweisen. Die Beschwerdeführerin kann sich somit nicht auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen. 7.7 Zu berücksichtigen ist im Übrigen, dass bei Vorliegen von Widerrufsgründen verhält- nismässige Eingriffe in das Recht auf Familien- und Priva tleben gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK statthaft sind. Bei der Beurteilung aufenthaltsbeende nder Massnahmen im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist auf dieselben Kriterien, die auch b ei der Verhältnismässigkeit eines Bewilli- gungswiderrufs zu beurteilen sind, abzustellen (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; Urteil des Bundesge- richts 2C_872/2013 vom 1. Mai 2014 E. 2.2.3). Auch jah relange schuldhafte Sozialhilfeabhän- gigkeit vermag Eingriffe in die konventions- und verfassun gsmässig geschützten Beziehungen zu legitimieren (Urteil des Bundesgerichts 2C_1064/2017 vom 16. Juni 2018 E. 6.3). Selbst wenn sich die Beschwerdeführerin auf Art. 8 Ziff. 1 EM RK berufen könnte, wäre eine Ein- schränkung dieses Anspruchs somit unter der Voraussetzung z ulässig, dass sie sich als ver- hältnismässig erweist. 8.1 Damit ist zu prüfen, ob die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und die damit verbundene Wegweisung aus der Schweiz im vorliegenden F all verhältnismässig sind (vgl. Art. 96 Abs. 1 AIG; BGE 135 II 377 E. 4.3). Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öf fentlichen sowie die privaten Inte- ressen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (BGE 135 II 110 E. 2.1; MARTINA CARONI , in: Caro- ni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., N 3 zu Art. 51 A uG; ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehen- den privaten Interessen an der Beibehaltung der Bewil ligung und der öffentlichen Interessen an deren Widerruf, wobei Letztere in dem Sinne überwieg en müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen ). Dabei sind beim Widerrufsgrund der Sozialhilfeabhängigkeit insbesondere die Hintergründe, warum eine Person sozialhilfeabhängig wurde, und somit das Verschulden der ausländischen Person in den Entscheid miteinzubezie- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht hen und zu würdigen, aber auch der Grad ihrer Integr ation bzw. die Dauer der bisherigen An- wesenheit sowie die der betroffenen Person und ihrer Familie drohenden Nachteile zu beachten (Urteil des Bundesgerichts 2C_709/2019 vom 17. Januar 2020 E. 4). 8.2 Der Regierungsrat erwog, dass die Beschwerdeführeri n seit November 1996 in der Schweiz lebe, wobei die lange Aufenthaltsdauer ein g ewichtiges privates Interesse am Verbleib in der Schweiz bilde. Ein gewichtiges Interesse am Verble ib liege auch mit Blick auf die beiden in der Schweiz lebenden volljährigen Töchter vor. Die Beschwerdeführerin sei jedoch beruflich und wirtschaftlich nicht integriert. Sie sei auch gesell schaftlich und sprachlich nur schlecht inte- griert. In der Demokratischen Republik Kongo lebten ih re Eltern sowie weitere Verwandte. Die Beschwerdeführerin habe den Kontakt mit diesen stets aufrechterhalten und die Demokratische Republik Kongo, wo sie bis zu ihrem 30. Lebensjahr geleb t habe, auch besucht. Insofern liege keine bedeutende Entfremdung von ihrer Heimat vor, welche eine Rückkehr nach 25 Jahren als unzumutbar erscheinen liesse, zumal die gesellschaftlich en Beziehungen in der Schweiz nicht besonders eng seien. Die Beschwerdeführerin habe die ersten 30 Jahre und damit den über- wiegenden Teil ihres Lebens in der Demokratischen Repub lik Kongo verbracht. Sie habe in diesem Land sämtliche Schulen bis zur Matura besucht und während sechs Jahren als Primar- lehrerin gearbeitet. Sie sei gesund, beherrsche die Sprache ihres Heimatlands und kenne des- sen Sitten und Bräuche. Auch wenn die Beschwerdeführer in seit dem Verlassen ihrer Heimat nicht mehr als Primarlehrerin gearbeitet habe, werde ihr der Wiedereinstieg in diesen Beruf möglich sein. Mit ihren Kindern könne sie den Kontakt mittels gegenseitiger Besuche sowie der modernen Kommunikationsmittel pflegen. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und als Folge die Wegweisung seien somit verhältnismässig. 8.3 Die Beschwerdeführerin beruft sich im Wesentlichen a uf die Beziehung zu ihren Töch- tern und ihren langen, seit dem Jahr 1996 andauernde n Aufenthalt in der Schweiz. Ferner macht sie geltend, dass sie zu ihrem Heimatland keine Ver bindung habe und dort auch keine Verwandten mehr lebten. Sie kümmere sich zudem um die Sanierung ihrer Schulden, indem sie den Verein "H.____" besuche. Im Weiteren bemühe sie sich im Rahmen der Aufnahme eines neuen Arbeitsverhältnisses, von der Sozialhilfe unabhängig zu werden. 8.4 Ausgangspunkt der vorzunehmenden Interessenabwägun g ist das Interesse der Öf- fentlichkeit, Ausländer und Ausländerinnen, welche dauerhaft und in erheblichem Masse auf die Sozialhilfe angewiesen sind und dadurch die öffentlich e Hand stark beanspruchen bzw. belas- ten, wegzuweisen. Ferner ist im Zusammenhang mit der Schuldenwirtschaft zu berücksichtigen, dass die öffentlichen Interessen am Widerruf bzw. an d er Nichtverlängerung der Bewilligung umso gewichtiger sind, je mehr sich eine ausländische Perso n verschuldet und sich trotz Ver- warnung nicht um Schuldentilgung bemüht hat. Indessen ist das öffentliche Interesse an der Fernhaltung ausländischer Personen, welches einzig zum Sc hutz potentieller Gläubiger dient, grundsätzlich von geringerem Gewicht als dasjenige, straffällige oder dauernd sozialhilfeabhän- gige Ausländerinnen und Ausländer aus der Schweiz fernzu halten (SILVIA HUNZIKER , in: Caro- ni/Gächter/Thurnherr [Hrsg], a.a.O., N 36 zu Art. 62 AuG). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.5 Die Beschwerdeführerin bezieht seit 2015 Sozialhil feleistungen, welche sich gemäss den unbestrittenen Erwägungen des Regierungsrats mittl erweile auf einen Betrag von Fr. 124'000.-- belaufen. Ferner hat die Beschwerdeführerin, seit sie sich in der Schweiz aufhält, Schulden in der Höhe von Fr. 30'320.65 angehäuft (Be treibungsregisterauszug vom 13. Januar 2021), wobei Fr. 14'293.10 auf die Periode nach ihre r letzten Verwarnung im Jahr 2017 fallen (Betreibungsregisterauszüge vom 27. März 2017 und 13. J anuar 2021). Die Beschwerdeführe- rin legt nicht substantiiert dar, inwiefern sie sich um eine nachhaltige Sanierung ihrer Schulden bemühen würde. Negativ ins Gewicht fällt zudem, dass sie i n den Jahren 2013 und 2015 von der Staatsanwaltschaft wegen Nichtabgabe von Ausweisen und/oder Kontrollschildern zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 7 Tagessätzen à Fr. 30.-- sowie einer Busse von Fr. 200.-- bzw. einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à Fr. 30.-- ver urteilt wurde. Insgesamt besteht somit ein gewichtiges Interesse an der Wegweisung der Beschwerdeführerin. 8.6.1 Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Sozialhilfeab hängigkeit der Beschwerdeführerin als selbstverschuldet zu qualifizieren ist. 8.6.2 Der Regierungsrat hielt diesbezüglich fest, da ss es zwar sein möge, dass die Situation der Beschwerdeführerin als alleinerziehende Mutter und die Krankheit der jüngeren Tochter die Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt erschwert hätten. Die jüngere Tochter sei indessen seit vier Jahren volljährig, verbeiständet und wohne in ein em Heim. Aus den Akten ergäben sich zudem keine substantiellen Bemühungen um eine Erwerbstä tigkeit. Der Sozialhilfebezug er- weise sich damit als selbstverschuldet. 8.6.3 Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, dass sie seit 2011 nie ohne wichtigen Grund sozialhilfeabhängig gewesen sei. Sie habe nie eine Erwerbstätigkeit verweigert; vielmehr habe sie sich seit dem Jahr 2011 alleine um ihre Töcht er kümmern müssen, da ihr damaliger Ehepartner Vollzeit habe arbeiten müssen. Damals sei si e in Teilzeitarbeit erwerbstätig gewe- sen. Seit dem Jahr 2015 sei sie alleinerziehende Mutter . Man könne von ihr deshalb nicht ver- langen, dass sie ständig zu einem Pensum von 100 % hätte erwerbstätig sein müssen. Ferner sei sie 57 Jahre alt und werde in einigen Jahren pension iert. Da die meisten Arbeitgeber jünge- re Arbeitnehmerinnen bevorzugen würden, sei es für sie sehr schwer, eine Arbeitsstelle zu fin- den. Zudem habe sie im Laufe ihres Aufenthalts stets nu r auf drei Monate befristete Aufent- haltsbewilligungen erhalten. Dies habe die Stellensuche zusätzlich erschwert. 8.6.4 Der Beschwerdeführerin ist vorzuhalten, dass sie e s trotz wiederholten Aufforderungen des AfMB und ausländerrechtlichen Verwarnungen während Jahren unterlassen hat, sich ernsthaft um eine Arbeitsstelle zu bemühen, welche ihr die Ablösung von der Sozialhilfe ermög- licht hätte. Sie wurde zuletzt im Jahr 2017 vom AfM ver warnt und aufgefordert, alle zumutbaren Anstrengungen zu unternehmen, um so bald als möglich f inanziell unabhängig zu werden, an- dernfalls ausländerrechtliche Massnahmen zu prüfen seien. Obschon sie damals seit fünf Jah- ren im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung war, hatte sie zu diesem Zeitpunkt weder eine Aus- bildung oder Weiterbildung absolviert noch ihre Deutschkenntnisse verbessert (Zertifikat Niveau A1 vom 23. Mai 2017 sowie Zertifikat Niveau A1 des Ausl änderdienstes Baselland vom 21. De- zember 2009). Selbst die Verwarnung konnte nicht bewirken, dass sich die Beschwerdeführerin Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ernsthaft um ein regelmässiges Einkommen bemühte. Zwische n 2017 und 2018 war sie ledig- lich neun Monate erwerbstätig, seit 2018 ist sie arbeitslos. In den letzten drei Jahren bewarb sie sich insgesamt lediglich sieben Mal für eine Arbeitsstell e, obschon sie um die Folgen ihrer Er- werbslosigkeit und die Notwendigkeit, eine Arbeitsstelle zu finden, wusste. Vor diesem Hinter- grund bzw. mit Blick auf die ungenügenden Stellensuchbe mühungen kann das Argument der Beschwerdeführerin, wonach es für sie aufgrund ihres Alters schwierig sei, eine Arbeitsstelle zu finden, nicht gehört werden. Dass es Arbeitsstellen g ibt und die Beschwerdeführerin trotz ihres Alters und Kurzverlängerungen ihrer Aufenthaltsbewill igung Stellen zu finden vermag, hat sie mit der Eingabe des Arbeitsvertrags vom 10. November 2021 letztlich selbst bewiesen. Zudem ist ihr die Sozialhilfeabhängigkeit trotz der von ihr ge ltend gemachten familiären Situation vor- zuwerfen; namentlich geht die ausländerrechtliche Praxis davon aus, dass einer allein erzie- henden Mutter ab dem dritten Altersjahr des jüngsten K indes zugemutet werden kann, dass sie sich um eine Arbeit bemüht und sich ihren Lebensunterhal t nicht von der Sozialhilfe finanzieren lässt (Urteile des Bundesgerichts 2C_870/2018 vom 13. Mai 2019 E. 5.3.3; 2C_775/2017 vom 28. März 2018 E. 4.4.2 und 2C_1228/2012 vom 20. Juni 2 013 E. 5.4 mit Hinweis). Während zum Zeitpunkt der letzten Verwarnung im Jahr 2017 die jüngere Tochter D.____ kurz vor der Volljährigkeit stand, war die ältere Tochter C.____ bereits volljährig. Es sind somit keine Gründe ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerin aufgrund di eser familiären Situation verhindert ge- wesen sein soll, einer Arbeit nachzugehen oder sich ern sthaft um eine Stelle zu bemühen. Die Beschwerdeführerin trifft somit ein erhebliches Verschulden an ihrer Sozialhilfeabhängigkeit. 8.7.1 Zu prüfen bleibt schliesslich, ob unter Berücksicht igung der konkreten Umstände des vorliegenden Falls die öffentlichen Interessen am Wider ruf der Aufenthaltsbewilligung die priva- ten Interessen der Beschwerdeführerin am Verbleib in der Schweiz überwiegen. 8.7.2 Die Beschwerdeführerin lebt seit über 26 Jahren in der Schweiz und ist seit zehn Jah- ren im Besitz der Aufenthaltsbewilligung. Im Hinblick a uf diese lange Aufenthaltsdauer ist von einem gewichtigen privaten Interesse am Verbleib in de r Schweiz auszugehen. Die Beschwer- deführerin hat zwei in der Schweiz lebende volljährige Töchter, wobei die jüngere Tochter zwi- schenzeitlich besuchsweise bei der Beschwerdeführerin woh nt und zur älteren Tochter eine enge Mutter-Tochter Beziehung besteht (Schreiben von C .____ vom 17. Oktober 2020). Eine Wegweisung aus der Schweiz würde die Beschwerdeführerin und ihre Töchter somit zweifellos hart treffen. Anderseits ist festzuhalten, dass sich die B eschwerdeführerin erst seit zehn Jahren rechtmässig in der Schweiz aufhält und sich wie bereits dargelegt nicht in den schweizerischen Arbeitsmarkt integrieren konnte. Sie unternahm trotz m ehrfacher ausländerrechtlicher Verwar- nungen keine ernsthaften Anstrengungen, selbständig für ihren Lebensunterhalt aufzukommen, und bezieht seit 2015 ununterbrochen Sozialhilfe. Ersc hwerend kommt hinzu, dass die Be- schwerdeführerin Schulden anhäufte und strafrechtlich in Erscheinung getreten ist. Was die Zumutbarkeit der Wegweisung als solche betrifft, so ist f estzustellen, dass die Beschwerdefüh- rerin ihre prägenden Kindheits- und Jugendjahre in d er Demokratischen Republik Kongo ver- brachte und dort bis zu ihrem 28. Lebensjahr lebte, eh e sie in die Schweiz einreiste. Anhand ihres Lebenslaufs (Eingabe vom 17. Oktober 2020) ist zu dem erstellt, dass sie in der Demokra- tischen Republik Kongo das Lehrerseminar absolvierte und über 6 Jahre als Primarlehrerin ar- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitete. Zudem spricht sie die dortige Landessprache. E ine Wiedereingliederung in ihrem Hei- matland ist deshalb möglich. 8.7.3 Im Weiteren ist festzustellen, dass sich die Situa tion der Beschwerdeführerin dem Kan- tonsgericht nicht als persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG präsentiert. Die Beschwerdeführerin wird durch die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung nicht ungleich härter getroffen als andere Ausländerinnen und Ausländ er in derselben Lage (BGE 130 II 39 E. 3). Die Vorinstanz durfte einen schwerwiegenden per sönlichen Härtefall demnach ohne Rechtsverletzung verneinen. 8.8 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass sich die Nichtv erlängerung der Aufenthalts- bewilligung und die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz als verhältnismässig erweisen. Der Regierungsrat hat entsprechend den recht lichen Anforderungen die öffentlichen Interessen, die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration im Rahmen einer um- fassenden Interessenabwägung berücksichtigt. 9. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung de r Beschwerdeführerin und ihre Wegweisung aus der Schweiz erfolgten nach dem Gesagten zu Recht, was zur Abweisung der Beschwerde führt. 10.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 2 0 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'200.-- sind ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin a ufzuerlegen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). 10.2 Die Beschwerdeführerin stellt das Gesuch um unent geltliche Prozessführung. Gemäss § 22 Abs. 1 VPO wird eine Partei auf ihr Begehren vo n der Bezahlung der Verfahrenskosten und der Kosten von Beweismassnahmen befreit, sofern ih r die nötigen Mittel fehlen und ihr Be- gehren nicht offensichtlich als aussichtslos erscheint. Die Be schwerdeführerin wird von der So- zialhilfe unterstützt und ist somit nachweislich mittellos. Ihre Begehren erweisen sich zudem nicht als aussichtlos, weshalb dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung stattzugeben ist. Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewillig ung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gericht sorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'200.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 23. März 2022 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 2C_248/2022) erhoben.