Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 13. September 2018 (810 18 215) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Vorsorgliche Neuzuteilung der elterlichen Obhut Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, G erichtsschreiber Sandro Jaisli Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Christina Reinhardt , Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Daniel Olstein, Advokat Betreff Vorsorgliche Neuzuteilung der elterlichen O bhut / Zweiter Rechtsgang (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 12. Oktober 2017) A. A.____ und C.____ sind die geschiedenen, gemeins am sorgeberechtigten Eltern von D.____ (geb. 2010). Am 9. Oktober 2017 meldete der Kindsvater der Kindes- und Erwachse- nenschutzbehörde B.____ (KESB), sein Sohn werde von der obhutsberechtigten Kindsmutter geschlagen. Nach ersten Abklärungen bei der Polizei Basel-Landschaft und dem Universitäts- Kinderspital beider Basel (UKBB) sowie der Anhörung der Kindsmutter übertrug die KESB mit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid vom 12. Oktober 2017 die Obhut über D.____ vo rsorglich dem Kindsvater. Einer all- fälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten dur ch Christina Reinhardt, Advokatin in Basel, mit Eingabe vom 20. Oktober 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie stellte den Antrag, der angefochtene Ent- scheid sei aufzuheben und es sei die Obhut über D.____ unverzüglich an sie zurück zu übertra- gen, eventualiter sei die Obhut und die Betreuung fü r D.____ unter den Kindseltern aufzuteilen, subeventualiter sei ihr ein grosszügiges Kontaktrecht mit D.____ einzuräumen. Der Beschwer- de sei weiter die aufschiebende Wirkung zu erteilen, ev entualiter sei ihr für die Dauer des Ver- fahrens ein grosszügiges Kontaktrecht mit D.____ einzuräumen. Dies alles habe unter o/e-Kos- tenfolge zu geschehen, wobei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen sei. C. Das Kantonsgericht wies den Antrag auf Wiederherstel lung der aufschiebenden Wir- kung am 24. Oktober 2017 superprovisorisch ab. D. Mit Eingabe vom 13. November 2017 teilte C.____, vertreten durch Daniel Olstein, Advokat in Basel, dem Kantonsgericht mit, dass er beim Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West (Zivilkreisgericht) Klage auf Abänderung des Scheidungsur teils eingereicht und eine Reduktion der Kinderunterhaltsbeiträge beantragt habe. E. Am 14. November 2017 liess sich die Vorinstanz vernehme n und schloss auf vollum- fängliche Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfol ge. Sie verwies auf das mittlerweile vor dem Zivilkreisgericht anhängig gemachte Verfahren un d unterstrich, dass sie sich in der Sache zufolge Kompetenzattraktion durch das Scheidungsg ericht nicht mehr für zuständig er- achte. Mit Schreiben vom 17. November 2017 eröffnete d as Kantonsgericht mit dem Zivilkreis- gericht Basel-Landschaft West einen Meinungsaustausch hin sichtlich der Zuständigkeitsfrage für vorsorgliche Kindesschutzmassnahmen. F. Mit Verfügung vom 29. November 2017 begründete die Präsidentin des Kantonsge- richts den Übergang der Entscheidzuständigkeit von der Kindesschutzbehörde (respektive dem Kantonsgericht als deren Beschwerdeinstanz) an das Zivilkre isgericht und schrieb das Verfah- ren (810 17 284) zufolge Entfalls der sachlichen Zuständ igkeit nachträglich als gegenstandslos ab. G. Gegen diese Präsidialverfügung erhob A.____, nach w ie vor vertreten durch Christina Reinhardt, mit Eingabe vom 11. Dezember 2017 Beschwer de in Zivilsachen beim Bundesge- richt. Sie stellte den Antrag, die angefochtene Verfü gung sei aufzuheben und es sei die Vo- rinstanz anzuweisen, die Beschwerde vom 20. Oktober 2017 zu behandeln und gutzuheissen. H. Mit Entscheid vom 13. Juli 2018 hob das Bundesgericht die Präsidialverfügung vom 29. November 2017 auf und wies die Sache zur Fortführung des Verfahrens und zur neuen Ent- scheidung an das Kantonsgericht zurück. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Am 7. August 2018 verfügte das Kantonsgericht, dass das Verfahren unter der neuen Verfahrensnummer 810 18 215 fortgesetzt wird, und dass die Akten des Strafverfahrens gegen die Beschwerdeführerin von der Staatsanwaltschaft Base l-Landschaft (Staatsanwaltschaft) bei- gezogen werden. J. In seiner Vernehmlassung vom 21. August 2018 beantra gte C.____, nach wie vor ver- treten durch Daniel Olstein, unter o/e-Kostenfolge, es sei die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne. Für den Fall seines Unterliegens ersuchte er gleichzeitig um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgeset zbuches (ZGB) vom 10. De- zember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen En tscheide einer Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 6 6 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB d as Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen de s kantonalen Verwaltungsprozess- rechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Der angefochte ne Entscheid vom 12. Oktober 2017 regelt die Neuzuteilung der elterlichen Obhut nur vor läufig, bis darüber im Hauptentscheid defi- nitiv entschieden worden ist. Er schliesst somit das Verfahre n nicht ab, sondern stellt bloss ei- nen Schritt auf dem Weg zum verfahrensabschliessenden End entscheid dar. Letzterer steht noch aus. Der Entscheid hat demnach eine vorsorgliche M assnahme zum Gegenstand und ist als Zwischenentscheid zu qualifizieren (vgl. I SABELLE HÄNER , Vorsorgliche Massnahmen im Verwaltungsverfahren und Verwaltungsprozess, Zeitschrift f ür Schweizerisches Recht [ZSR] 116, 1997 II, Rz. 26). Gegen Entscheide über vorsorgli che Massnahmen kann gemäss Art. 445 Abs. 3 ZGB innert zehn Tagen nach deren Mitteilung Be schwerde erhoben werden. Über Be- schwerden gegen Zwischenentscheide, die vorsorgliche Massn ahmen zum Inhalt haben, ent- scheidet die präsidierende Person des Kantonsgerichts dur ch Präsidialentscheid (§ 1 Abs. 3 lit. f des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltung sprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993 i.V.m. § 43 Abs. 2 bis VPO). Die Beschwerdeerhebung erfolgte vorliegend rechtzeitig und die Beschwerdeführerin ist als direkt Ve rfahrensbeteiligte grundsätzlich legiti- miert (Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB). 1.2 Gemäss Urteil des Bundesgerichts 5A_995/2017 vom 13. Ju li 2018 ist das Kantonsge- richt für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde auch zuständig. Zusammenfassend be- gründet das Bundesgericht seinen Entscheid damit, dass mi t dem Massnahmeentscheid der KESB vom 12. Oktober 2017 sowohl die Zuständigkeit d er Vorinstanz als auch deren Rechts- mittelbehörde fixiert worden sei. Zudem vermögen auch n ach dem Erlass des Massnahmeent- scheids eingetretene Umstände, an der einmal gegebenen Zuständigkeit der KESB (und damit auch der Zuständigkeit des Kantonsgerichts als Rechtsmittelinstanz) nichts mehr zu ändern. Da Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht somit sämtliche Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachv erhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Materiell bleibt die strittige Frage zu beantwort en, ob die Vorinstanz mit Entscheid vom 12. Oktober 2017 das Aufenthaltsbestimmungsrecht über den Sohn der Beschwerdeführerin zu Recht vorsorglich auf den Beschwerdegegner übertrug. 4.1 Gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB trifft die Kindes- und E rwachsenenschutzbehörde die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kindes, wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist und die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder sie dazu ausserstande sind. Auf Antrag einer am Verfahren beteiligten Person oder von Amtes wegen trifft die Kindes- und Erwachse- nenschutzbehörde auch alle für die Dauer des Verfahrens notwendigen Massnahmen (Art. 445 Abs. 1 ZGB). Vorsorgliche Massnahmen müssen unumgänglich, d.h. so dringlich sein, dass der ordentliche, spätere Entscheid nicht abgewartet werden ka nn, ohne einen erheblichen Nachteil für die betroffene Person in Kauf zu nehmen. Sie erge hen gestützt auf eine bloss summarische Prüfung der Sach- und Rechtslage, wobei für deren Ano rdnung das Beweismass der Glaub- haftmachung genügt (vgl. C HRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Basel 2012, Art. 445 N 29). In materieller Hinsicht ist von Art. 310 Abs. 1 ZGB auszugehen, wonach die Kindesschutzb ehörde, wenn einer Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden kann, dieses den E ltern wegzunehmen und in an- gemessener Weise unterzubringen hat. Die vorsorgliche N euzuteilung der elterlichen Obhut ist angezeigt, wenn das Kind beim bisherigen Obhutsinhabe r nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für seine körperliche, geistige und sittlich e Entfaltung nötig wäre. Unerheblich ist, auf welche Ursache die Gefährdung zurückzuführen ist. Ma ssgebend ist, dass die Vorkehr das richtige Mittel zur Verwirklichung des Zieles ist, d.h. d ie Unterbringung muss besser als jene beim bisherigen Obhutsinhaber Gewähr dafür bieten, d ass das Kind in seiner Entfaltung ge- schützt und gefördert wird (vgl. Urteil des Kantonsgericht s, Abteilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht [KGE VV], vom 25. Juli 2016 E. 4.1; Urteil des BGer 5A_322/2014 vom 14. Juli 2014 E. 2). Der Entzug und die Neuzuteilung der elterlichen Obhut können insbesondere bei allen Formen der Misshandlung durch ein Elternteil angezeigt sein. Massgebend sind die Verhältnis- se im Zeitpunkt der Anordnung. 4.2 Im vorliegenden Fall lagen der KESB im Entscheidze itpunkt konkrete objektive Hinwei- se auf regelmässig vorkommende körperliche Misshandlungen d urch die Beschwerdeführerin vor. Im Rahmen des Strafverfahrens gegen die Kindsmutter liess die Staatsanwaltschaft beim rechtsmedizinischen Institut Fotos von D.____ Verletzungen anfertigen. In diesem Zusammen- hang wurde die KESB am 10. Oktober 2017 vom UKBB info rmiert, dass D.____ von drei Per- sonen untersucht worden sei und zu allen drei gesagt habe, der Fleck sei von einem Gürtel, mit dem ihn seine Mutter geschlagen habe. Der Abdruck des Gü rtels sei sehr gut sicht- und er- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht kennbar gewesen, was durch das Bildmaterial in den Akte n der Vorinstanz bestätigt wird. Das UKBB informierte die Vorinstanz zudem darüber, dass der Vater von D.____ berichtet habe, dass der Sohn bereits mehrmals von Schlägen durch die Besch werdeführerin erzählt habe. Die Aussagen von D.____ und seinem Vater seien kongruent e rschienen, und D.____ selber habe sehr adäquat erzählt. Nach der Untersuchung des Hämato ms am rechten Oberschenkel von D.____ habe die UKBB eine Diagnose mit Verdacht auf Kindsmisshandlung durch Schläge ge- stellt. Auch die Polizei Basel-Landschaft habe der KESB am 11. Oktober 2017 eine Meldung mit den Aussagen des Kindsvaters zukommen lassen und habe um die Abklärung der Notwendig- keit von Kindesschutzmassnahmen gebeten. Demgegenüber hätt en die Erklärungen der Be- schwerdeführerin vom 12. Oktober 2017 gegenüber der KESB, wonach D.____ vom Velo gefal- len sei und es sich bei den Berichten ihres Sohnes letztlich um einen Racheakt ihres Exmannes handeln würde, wenig überzeugend gewirkt und hätten j edenfalls den Verdacht regelmässiger Kindsmisshandlungen nicht genügend zu zerstreuen vermögen. 4.3 Aufgrund dieser Ausführungen hatte die Vorinstanz im Zeitpunkt des Massnahmeent- scheids hinreichend konkrete und glaubhafte Anhaltspunkte für eine zumindest drohende Ge- fährdung des Kindeswohls von D.____. Die mit Entscheid vo m 12. Oktober 2017 verfügte vor- sorgliche Obhutsumteilung für die Dauer der weiteren S achverhaltsabklärungen erscheint auch aus heutiger Sicht unter Berücksichtigung des damaligen Informationsstands der KESB und der gebotenen summarischen Würdigung der Sach- und Rechtslag e als eine verhältnismässige, angemessene und damit nachvollziehbare Kindesschutzmassnah me, um die als glaubhaft ein- geschätzte Kindeswohlgefährdung abzuwenden. 5.1 Im Vergleich zum Zeitpunkt des Massnahmeentscheides vom 12. Oktober 2017 haben sich die tatsächlichen Gegebenheiten geändert, indem die durch die Staatsanwaltschaft und die E.____ durchgeführten Untersuchungen neue Erkenntnisse hervorgebracht haben, welche den anfänglichen Verdacht auf Kindsmisshandlung nicht mehr im ursprünglichen Umfang aufrecht erhalten lassen. 5.2 Aus den Akten der Staatsanwaltschaft ergibt sich, das s das Strafverfahren wegen Tät- lichkeiten und einfacher Körperverletzung gegen die Besc hwerdeführerin mangels Tatverdacht eingestellt wurde. Die im Strafverfahren durchgeführt en weiteren Untersuchungshandlungen (zahlreiche Befragungen von Auskunftspersonen und Zeugen , Einholung von ärztlichen und psychologischen Berichten über D.____ sowie Zuzug der Akten aus den Verfahren bei der KESB und dem Zivilkreisgericht) hätten den Tatverdacht gegen die Beschuldigte nicht erhärten können. Es lägen keine objektiven Beweise vor. Zudem würd en die Aussagen von D.____ auf jeden Fall nicht glaubhafter erscheinen als die Aussagen der Beschuldigten und seien aufgrund deren Entstehungsgeschichte sowie der Familienverhältnisse (insbesondere der Solidarisierung mit dem Kindsvater) mit Vorbehalt zu geniessen respekti ve müssten zurückhaltend gewertet werden. Aus all diesen Gründen wurde die Strafuntersuc hung gegen die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 27. Juni 2018 eingestellt. 5.3 Aus dem Schreiben der E.____ vom 15. Mai 2018 geh t zusammenfassend hervor, dass sich D.____ seit mehreren Jahren inmitten der gro ssen Streitigkeiten zwischen seinen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eltern befinde und viel Kampf miterlebt habe, was ihn emotional belaste und sich bei ihm insbe- sondere auf der Verhaltensebene in auffälligen und unangebrachten Verhaltensweisen äussere. Um intrapsychisch mit dem grossen Loyalitätskonflikt umgehe n zu können, habe sich D.____ mit dem Beschwerdegegner solidarisiert. D.____ sehe in der Mutter das Böse und rede sehr abwertend über sie. Die Eigenständigkeit von D.____ gehe im Ehestreit komplett unter, weshalb die beschriebenen Symptome als Hilferufe zu verstehen seien. Falls es die Eltern nicht schaffen würden, unter sich einen respektvollen Umgang zu pfleg en und insbesondere ihren Streit ohne Einbezug von D.____ zu lösen, sei dieser in seiner Ent wicklung gefährdet, weshalb diesfalls eine Platzierung in einem Schulheim zu empfehlen sei. Zudem sei D.____ in jüngster Zeit – trotz Besuchs einer Kleinklasse in F.____ – auch in der S chule vermehrt negativ aufgefallen. 5.4 Zusammenfassend ergibt sich aus heutiger Sicht, dass sich der Verdacht der Kinds- misshandlung (Tätlichkeiten und einfache Körperverletzung) gegen die Beschwerdeführerin aus strafrechtlicher Sicht durch die Einstellungsverfügung vom 27. Juni 2018 in keiner Art und Wei- se erhärtet hat. Gleichzeitig hat die über einen läng eren Zeitraum dauernde Untersuchung von D.____ durch die E.____ ergeben, dass dessen Aussagen un ter Berücksichtigung der eindeuti- gen Solidarisierung mit dem Kindsvater und Beschwerdege gner zu werten sind. Schliesslich geht aus den vorhandenen Akten klar hervor, dass sich der allgemeine sowie der schulische Zustand von D.____ während der Dauer der vorsorglichen Obhutszuteilung an den Beschwer- degegner keinesfalls verbessert hat. Dagegen scheint sich D.____ die negativen Bilder über die Mutter und Beschwerdeführerin unter den gegebenen Voraussetzungen mit zunehmender Dau- er (ungerechtfertigterweise) als wahr einzuprägen. 6. Nach dem Gesagten erweist sich die vorsorgliche Übertr agung der Obhut an den Be- schwerdegegner gestützt auf die gebotene summarische Würd igung der Sach- und Rechtslage als unverhältnismässig und unangemessen. Im Ergebnis ist so mit festzuhalten, dass sich die anfängliche Vermutung, die Beschwerdeführerin könnte D.____ durch körperliche Gewalt miss- handelt haben, spätestens mit den Erkenntnissen aus dem eingestellten Strafverfahren sowie den Ergebnissen aus den Untersuchungen von D.____ durch d ie E.____ nicht mehr aufrecht- erhalten lässt. Es liegt somit kein ausreichender Hinweis auf eine Gefährdung von D.____ in der Obhut seiner Mutter vor. Auch wenn der Entscheid v om 12. Oktober 2017 zum damaligen Zeitpunkt richtig gewesen ist, lässt sich die von der KESB verfügte vorsorgliche Übertragung der Obhut über D.____ auf den Beschwerdegegner heute nicht mehr rechtfertigen. Die Be- schwerde ist demnach gutzuheissen. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. 7.2 Der Beschwerdegegner ersucht um unentgeltliche Rech tspflege. Gemäss Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 hat jede Person, die nicht über die erforderlichen Mi ttel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht als aussichtslo s erscheint. Soweit es zur Wah- rung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechts- beistand. Eine Person ist bedürftig, wenn sie nicht in der Lage ist, für die Prozesskosten aufzu- kommen, ohne dass sie Mittel beanspruchen müsste, die sie zu r Deckung des Lebensunterhal- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tes für sie und ihre Familie notwendig sind (BERNHARD WALDMANN , in: Waldmann/Belser/Epiney [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesverfassung, Basel 2015, N 77 zu Art. 29 BV). Mit den Ein- gaben vom 21. und 31. August 2018 hat der Beschwerdegegner ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege gestellt und die erfor derlichen Belege eingereicht. In Berück- sichtigung dieser Unterlagen ist seine Bedürftigkeit f ür das vorliegende Beschwerdeverfahren nachgewiesen. Da auch die weiteren Voraussetzungen gem äss § 22 VPO erfüllt sind, ist das Gesuch des Beschwerdegegners um unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. 7.3 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Der Vorinstanz werden keine Kosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Entsprechend dem Aus- gang des Verfahrens ist dem Beschwerdegegner ein hälfti ger Verfahrenskostenanteil in der Höhe von Fr. 400.-- aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung geht der Verfahrenskostenanteil in der Höhe von Fr. 400.-- zu Lasten der Gerichtskasse. 7.4 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Gemäss dem Ausgang des Verfahrens ist der Beschwer- deführerin als obsiegende Partei antragsgemäss eine Pa rteientschädigung zu Lasten des Be- schwerdegegners zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 2 8. August 2018 geltend ge- machte Aufwand von 7.25 Stunden à Fr. 200.-- sowie die geltend gemachten Auslagen von Fr. 165.10 sind nicht zu beanstanden. Der Beschwerdefü hrerin wird eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1‘742.95 (inkl. Auslagen und 8.0, re spektive 7.7 % MWST) zugesprochen, welche je zur Hälfte, d.h. im Umfang von je Fr. 871.5 0, dem Beschwerdegegner und der Vo- rinstanz aufzuerlegen ist. 7.5 Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspf lege ist dem Rechtsvertreter des Be- schwerdegegners ein Honorar zulasten der Gerichtskasse auszurichten. Der in der Honorarnote vom 31. August 2018 geltend gemachte Aufwand von 7.44 Stunden à Fr. 200.-- sowie die gel- tend gemachten Auslagen von Fr. 63.40 sind nicht zu bean standen. Folglich wird dem Rechts- vertreter des Beschwerdegegners aus der Gerichtskasse ein Ho norar in der Höhe von Fr. 1‘673.20 (inkl. Auslagen und 8.0, respektive 7.7 % MWST) ausgerichtet. Soweit die Rechts- vertreterin der Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe v om 28. August 2018 um Zustellung der Beilagen im Zusammenhang mit dem Antrag des Beschwerde gegners um unentgeltliche Pro- zessführung ersucht, ist darauf hinzuweisen, dass ihr diesbe züglich praxisgemäss mangels Parteistellung keine Legitimation zukommt. 8. Der Beschwerdegegner wird ausdrücklich darauf hingew iesen, dass er zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d der KESB vom 12. Oktober 2017 aufgehoben. 2. Das Gesuch des Beschwerdegegners um unentgeltliche Pr ozessfüh- rung und Verbeiständung wird bewilligt. 3. Dem Beschwerdegegner wird ein Verfahrenskostenante il in der Höhe von Fr. 400.-- auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g geht der Ver- fahrenskostenanteil zulasten der Gerichtskasse. 4. Der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschädig ung in der Höhe von Fr. 1‘742.95 (inkl. Auslagen und 8.0, respektive 7.7% Me hrwertsteuer) zugesprochen, welche je zur Hälfte, d.h. im Umfang von je Fr. 871.50, dem Beschwerdegegner und der Vorinstanz auferlegt wird. 5. Dem Rechtsvertreter des Beschwerdegegners wird zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung ein Honorar von Fr. 1‘673.20 (inkl. Auslagen und 8.0, respektive 7.7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiber