A bteilung IV D -816/2007 haf/w ig {T 0/2} U rteil vom 24. A ugust 2007 M itw irkung: R ichter Fulvio H aefeli, D aniel Schm id, G érald Bovier G erichtsschreiber W inter A ._______, geboren _______, Aethiopien, alias A ._______, geboren _______, Aethiopien, alias A ._______, geboren _______, Eritrea, alias A ._______, geboren _______, Eritrea, vertreten durch lic. iur. H assan Tarig, _______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 23. Januar 2007 i.S. N ichteintreten auf A sylgesuch und W egw ei- sung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest, dass das BFM m it Verfügung vom 12. M ai 2006 ein erstes Asylgesuch des Beschw erde- führers vom 8. O ktober 2004 ablehnte und die W egw eisung aus der Schw eiz sow ie den Vollzug anordnete, dass die dagegen erhobene Beschw erde m it U rteil der Schw eizerischen Asylrekurskom - m ission (AR K) vom 6. O ktober 2006 abgew iesen w urde, dass der Beschw erdeführer m it als "W iedererw ägungsgesuch" bezeichneter Eingabe vom 22. D ezem ber 2006 (Eingangsstem pel BFM vom 29. D ezem ber 2006) ein zw eites M al in der Schw eiz um Asyl ersuchte (R echtsbegehren 1) und im W esentlichen geltend m achte, die Sachlage habe sich nachträglich in tatsächlicher H insicht insow eit geändert, als er bei einer H eim kehr nach Eritrea w egen der D auer seiner Landesabw esenheit und w egen seines Asylgesuchs eine unverhältnism ässig hohe H aftstrafe, Folter und Verschleppung zu gew ärtigen habe, dass er darüber hinaus m it dem M itgliederausw eis vom 7. N ovem ber 2006 belegen kön- ne, aktives M itglied der O ppositionsbew egung Eritrean Liberation Front – R evolutionary C ouncil zu sein, w eshalb ihm bei einer R ückkehr in den H eim atstaat R epressalien droh- ten, dass er daher w egen subjektiven N achfluchtgründen als Flüchtling vorläufig in der Schw eiz aufzunehm en sei (R echtsbegehren 2; Eventualantrag), dass das Bundesam t die Eingabe als w eiteres Asylgesuch entgegennahm und auf die- ses m it Verfügung vom 23. Januar 2007 - eröffnet am folgenden Tag - gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG nicht eintrat, die W egw eisung aus der Schw eiz verfügte und den Beschw erdeführer - unter Androhung von Zw angsm itteln im U nterlassungsfall - auffor- derte, die Schw eiz am Tag nach Eintritt der R echtskraft zu verlassen, dass das Bundesam t zur Begründung seiner Verfügung im W esentlichen ausführte, das am 8. O ktober 2004 eingeleitete Asylverfahren sei seit dem 10. O ktober 2006 (recte: 6. O ktober 2006) rechtskräftig abgeschlossen und die Ereignisse, w elche der Beschw erde- führer für den Zeitraum nach dem Abschluss dieses Verfahrens geltend m ache, seien w eder für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft geeignet noch für die G ew ährung vorübergehenden Schutzes relevant, dass bereits dem Entscheid des BFM vom 12. M ai 2006 zu entnehm en sei, der Be- schw erdeführer habe von G eburt an bis zur Ausreise in Aethiopien gelebt und besitze die äthiopische Staatsbürgerschaft, dass die Angaben des Beschw erdeführers keine H inw eise auf Schw ierigkeiten m it den äthiopischen Behörden enthielten, dass ferner ausführlich begründet w orden sei, w eshalb die behauptete eritreische H er- kunft des Beschw erdeführers w eder glaubhaft noch nachgew iesen sei, dass schliesslich der W egw eisungsvollzug als zulässig, zum utbar und m öglich einge- stuft w orden sei, dass die in der Eingabe vom 22. D ezem ber 2006 dargelegten Ausführungen über die dem Beschw erdeführer bei einer W egw eisung nach Eritrea drohenden Verfolgungs-3 m assnahm en angesichts der oben dargelegten Erw ägungen irrelevant und deshalb nicht geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, zum al der Beschw erdeführer aufgrund der Aktenlage nach Aethiopien zurückkehren könne, dass der Beschw erdeführer m it Eingabe vom 31. Januar 2007 gegen diesen Entscheid beim Bundesverw altungsgericht Beschw erde erheben und dabei unter anderem die Kas- sation der angefochtenen Verfügung und R ückw eisung an die Vorinstanz zu neuem Ent- scheid beantragen liess, nam entlich sei das BFM anzuw eisen, auf das Asylgesuch ein- zutreten, dass er in prozessualer H insicht die G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG sow ie den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses beantragen liess, dass der Beschw erdeführer m it Eingaben vom 9. Februar und 22. M ärz 2007 eine Für- sorgeabhängigkeitsbestätigung vom 31. Januar 2007 des Sozialam ts Eschenbach, eine M itgliedskarte der Assoziation der jungen Eritreer aus der Schw eiz (AJES) im O riginal sow ie ein Bestätigungsschreiben der AJES zu den Akten reichen liess, dass die vorinstanzlichen Akten am 2. Februar 2007 beim Bundesverw altungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG ), und zieht in Erw ägung, dass das Bundesverw altungsgericht endgültig über Beschw erden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren [Vw VG , SR 172.021]) des BFM entscheidet (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG , SR 142.31] i.V.m . Art. 31 - 34 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]), dass m it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht die Verletzung von Bundes- recht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die U nangem essenheit gerügt w erden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG ), dass der Beschw erdeführer legitim iert ist, w eshalb auf die frist- und form gerecht einge- reichte Beschw erde einzutreten ist (Art. 108a AsylG sow ie Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 52 Vw VG ), dass ein Anspruch auf W iedererw ägung nam entlich dann besteht, w enn sich der rechts- erhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungsw eise seit dem U rteil der m it Beschw erde angerufenen R echtsm ittelinstanz (vgl. EM AR K 1995 N r. 21 E. 1c S. 204) in w esentlicher W eise verändert hat und m ithin die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetretene Veränderungen der Sachlage anzupassen ist (vgl. EM AR K 2003 N r. 7 E. 1 S. 42 f.), dass Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG (vgl. EM AR K 1998 N r. 1 E. 6b S. 11 f., w elches U rteil die Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG vorausgegangene Bestim m ung von Art. 16 Abs. 1 Bst. d AsylG in der Fassung gem äss Ziff. 1 des BB vom 22. Juni 1990 über das Asylverfahren betraf) besagt, auf ein Asylgesuch w erde nicht eingetreten, w enn Asylsuchende in der Schw eiz bereits ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen oder ihr G esuch zurückgezogen 4 haben oder w ährend des hängigen Asylverfahrens in den H eim at- oder H erkunftsstaat zurückgekehrt sind, ausser die Anhörung ergebe H inw eise, dass in der Zw ischenzeit Er- eignisse eingetreten sind, die für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft geeignet oder für die G ew ährung vorübergehenden Schutzes relevant sind, dass gem äss Praxis im N achgang zu einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren ein- gereichte G esuche um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, in denen keine R evi- sionsgründe geltend gem acht w erden, ungeachtet ihrer Bezeichnung nach Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu behandeln sind (vgl. EM AR K 1998 N r. 1 E. 6 S. 10 ff.), dass indessen der Beschw erdeführer in casu, w ie nachstehend aufgezeigt w ird, in erster Linie keine nachträglich veränderte Sachlage, sondern einen R evisionsgrund geltend m acht, dass das U rteil vom 6. O ktober 2006 der AR K von der äthiopischen Staatsangehörigkeit des Beschw erdeführers ausgeht, die eritreische als unglaubhaft erachtet und dem ent- sprechend die Zulässigkeit, die Zum utbarkeit und die M öglichkeit des Vollzugs der W eg- w eisung nach Aethiopien bejaht, dass der Beschw erdeführer in seinem W iedererw ägungsgesuch vom 22. D ezem ber 2006 dem gegenüber auf seine eritreische H erkunft pocht und zur U nterm auerung dieses Vorbringens am 29. D ezem ber 2006 ein von einer privaten O rganisation in D eutschland ausgestelltes D okum ent der „Eritrean Liberation Front-R .C .“ einreichte, dass der Beschw erdeführer som it das U rteil vom 6. O ktober 2006 der AR K insow eit in Frage stellt, als darin von einer äthiopischen Staatsangehörigkeit ausgegangen w ird, dass schriftliche Eingaben von Privaten an die Behörden so auszulegen sind, w ie sie nach Treu und G lauben (Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 der Bundesverfassung der Schw eizeri- schen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) verstanden w erden durften und m ussten (vgl. BG E 126 II 97 E. 4b S. 104 f., m it w eiteren H inw eisen; R EN É R H IN O W , G rundzüge des Schw eizerischen Verfassungsrechts, Basel u.a. 2003, N 2399; PIER R E M O O R , D roit adm inistratif, Bd. I, 2. Aufl., Bern 1994, S. 435 f.), dass eine R echtsschrift ungeachtet ihrer allenfalls unrichtigen Bezeichung nach Treu und G lauben als das R echtsm ittel entgegenzunehm en ist, dessen form elle Anforderun- gen erfüllt sind (vgl. BG E 131 I 291 E. 1.3 S. 296, 120 Ib 379 E. 1a S. 381), dass sich die als „W iedererw ägungsgesuch“ bezeichnete Eingabe vom 22. D ezem ber 2006 des Beschw erdeführers unm ittelbar gegen das U rteil der AR K vom 6. O ktober 2006 richtet, zum al das G ericht darin - aus Sicht des Beschw erdeführers - von der fal- schen Staatsangehörigkeit ausgegangen ist, dass der Beschw erdeführer som it die ursprüngliche Fehlerhaftigkeit des U rteils der AR K vom 6. O ktober 2006 rügt, w as bei rechtskräftigen Beschw erdeentscheiden (vgl. zur R echtskraft der U rteile der AR K die - inzw ischen aufgehobene - Bestim m ung von Art. 33 der Verordnung über die Schw eizerische Asylrekurskom m ission vom 11. August 1999 [VO AR K, ehem als SR 142.317]) nur auf dem W ege der R evision m öglich ist (vgl. FR ITZ G YG I, Bundesverw altungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 229 f.; U LR IC H H ÄFELIN /G EO R G M Ü LLE R /FELIX U H LM AN N , Allgem eines Verw altungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, N 1037 und 1822), dass sich die Eingabe des Beschw erdeführers vom 22. D ezem ber 2006 daher entgegen ihrer Bezeichnung als ein G esuch um R evision des U rteils der AR K vom 6. O ktober 5 2006 erw eist, dass das Bundesverw altungsgericht für die Beurteilung von G esuchen um R evision sei- ner U rteile zuständig ist (vgl. Art. 45 VG G ), w eshalb die angefochtene Verfügung des BFM zu kassieren ist, dass die Beschw erde dem nach gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 23. Ja- nuar 2007 aufzuheben und die Sache als R evisionsgesuch an die H and zu nehm en ist, dass an dieser Betrachtungsw eise auch die vom Beschw erdeführer geltend gem achten subjektiven N achfluchtgründe, w elche an die behauptete eritreische Staatsangehörigkeit anknüpfen und gegebenenfalls w iedererw ägungsw eise zu behandeln w ären, nichts zu ändern verm ögen, w eil der Beschw erdeführer gem äss U rteil vom 6. O ktober 2006 in sei- nen H eim atstaat - Aethiopien - und nicht in einen D rittstaat - Eritrea - w eggew iesen w ird, dass auf die entsprechenden Vorbringen betreffend subjektive N achfluchtgründe dem - entsprechend nicht w eiter einzugehen ist, zum al zunächst die prioritäre Frage, ob der Beschw erdeführer die eritreische Staatsangehörigkeit besitzt, zu klären ist, und erst, falls diese Frage bejaht w ird, über subjektive N achfluchtgründe im Kontext m it Eritrea zu befinden ist, dass bei diesem Ausgang des Beschw erdeverfahrens keine Verfahrenskosten aufzuer- legen sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG ), w om it das G esuch um G ew ährung der unentgelt- lichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG gegenstandslos w ird, dass dem Beschw erdeführer in Anw endung von Art. 64 Abs. 1 Vw VG und Art. 7 ff. des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht (VG KE, SR 173.320.2) eine von der Vorinstanz zu entrichten- de Parteientschädigung zuzusprechen ist, dass sich - es w urde keine Kostennote zu den Akten gereicht - der notw endige Vertre- tungsaufw and aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen lässt und die Parteient- schädigung auf Fr. 300.-- (inkl. Auslagen und M W St) festzusetzen ist (Art. 14 Abs. 2 VG KE), (D ispositiv nächste Seite)6 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D ie Verfügung des BFM vom 23. Januar 2007 w ird aufgehoben. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. D as BFM w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht eine Parteientschädigung im Betrage von Fr. 300.-- zu entrichten. 5. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter des Beschw erdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N _______) - B._______ D er R ichter: D er G erichtsschreiber: Fulvio H aefeli G ert W inter Versand am :