<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie hoch ist in der Schweiz der Anteil der Frauen, die schon vor einer Schwangerschaft Folsäurepräparate einnehmen, um damit der Spina bifida ("offener Rücken") und anderen Fehlbildungen beim Kind vorzubeugen? Hat sich die betreffende Informationskampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) positiv ausgewirkt?</p><p>2. Plant der Bundesrat zusätzliche Massnahmen in diesem Bereich? Falls ja, welche? Werden auch spezialgesetzliche Vorschriften über die Prävention bestimmter Fehlbildungen erwogen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Daten des Bundesamtes für Statistik zeigen, dass die Zahl der Neugeborenen mit Spina bifida in den letzten Jahren relativ stabil geblieben ist (2009: 20; 2010: 16; 2011: 20).</p><p>Der sechste schweizerische Ernährungsbericht (SEB; 2012) fasst die Ernährungssituation der Schweizer Wohnbevölkerung, die beobachteten Veränderungen bei den Essgewohnheiten sowie deren Auswirkungen auf die Gesundheit zusammen. Der Bericht zeigt, dass die Folsäurezufuhr ungenügend ist (Verzehr von 295 Mikrogramm pro Tag statt der empfohlenen 400 Mikrogramm pro Tag). Die Lage hat sich somit seit dem fünften SEB und der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2002 nicht verbessert. Es ist nicht bekannt, welche Rolle Folsäurepräparate in der Gesamtzufuhr spielen. Seit dem fünften SEB wurden keine aktuellen Daten zum Zusatz von Folsäure vor und zu Beginn der Schwangerschaft zwecks Vorbeugung von Neuralrohrdefekten veröffentlicht.</p><p>Der Anteil der Frauen, die heute in der Schweiz vor und zu Beginn der Schwangerschaft ein Folsäurepräparat einnehmen, ist nicht bekannt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) arbeitet derzeit an der Lancierung der nächsten Ausgabe des Monitorings Stillen. Aufgrund der für 2015 erwarteten Ergebnisse können der Anteil der Frauen, die ein Folsäurepräparat einnehmen, sowie der Zeitpunkt des Einnahmebeginns ("mindestens ein Monat vor der Schwangerschaft", "vor der achten Schwangerschaftswoche" oder "nach der achten Schwangerschaftswoche") ermittelt werden.</p><p>Der Bundesrat kann sich nicht zur Wirkung der Informationsmassnahmen des BAG äussern. Er kann jedoch bestätigen, dass die Information zu den Folsäurepräparaten die betroffenen Gesundheitsfachleute sowie die breite Öffentlichkeit erreicht hat. Die Broschüre für die Gesundheitsfachleute und das Faltblatt für die Frauen, die vom BAG 2008 herausgegeben wurden, wurden in etwa 3000 (2000 deutsch, 900 französisch, 300 italienisch) bzw. 60 000 (38 000 deutsch, 16 000 französisch, 3000 italienisch) Exemplaren gedruckt. Die Unterlagen werden auf der Website des BAG noch etwa 30-mal pro Tag heruntergeladen. Die Information wurde von den Partnern des BAG - der Schweizerischen Stiftung zur Förderung des Stillens, der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) und der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, die den Expertenbrief Nr. 33 (2010) zur Präkonzeptionsberatung verfasst (und an alle ihre Mitglieder abgegeben) hat - weiterverbreitet.</p><p>2. Neben den Informationsmassnahmen konzentriert sich das BAG auch auf die Kennzeichnung. Im Unterschied zur Europäischen Union erlaubt das BAG die Verwendung folgender Angabe auf den Lebensmitteln: "wird für die Entwicklung des Neuralrohrs des ungeborenen Kindes benötigt", gemäss Verordnung des EDI über die Kennzeichnung und Anpreisung von Lebensmitteln (SR 817.022.21; Anhang 8, Art. 29f Abs. 2; Art. 29h Abs. 2).</p><p>Wie in der vorliegenden Interpellation erwähnt, ist der Gesetzesrahmen festgelegt. In Erwartung der Ergebnisse des nächsten Monitorings Stillen führt das BAG seine Tätigkeit im Rahmen der Schweizer Ernährungsstrategie 2013-2016 weiter. Diese stützt ihre Handlungsfelder auf die wichtigsten Schlussfolgerungen des sechsten SEB ab, nach dem die Gesamtbevölkerung nicht genügend Früchte und Gemüse isst, was einer der vier Hauptrisikofaktoren für nichtübertragbare Krankheiten ist. Früchte und Gemüse sind eine natürliche Folsäurequelle. Die Aufgabe des BAG besteht somit darin, eine ausgewogene Ernährung im Sinne der Schweizer Lebensmittelpyramide, die 2011 vom BAG und von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) gemeinsam erarbeitet wurde, vermehrt zu fördern.</p><p>Angesichts der vom BAG und von anderen Beteiligten unternommenen Anstrengungen fasst der Bundesrat derzeit keine zusätzlichen Massnahmen ins Auge.</p>  Antwort des Bundesrates.