<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 127 S.489</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Grundbuchrecht</span> <span class="page_no">489</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VIII. Grundbuchrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>127 Art. 781 ZGB; Art. 7 GBV</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Verein X; Grundbuchbeschwerde vom 11. Juni 2003 gegen die Abwei-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sungsverfügung des Grundbuchamtes A. vom 21. Mai 2003 i.S. Kaufver-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>trag und Begründung einer Dienstbarkeit; Abweisung</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Verfügung des Departementes des Innern vom 23. Februar 2004</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft6">1. Mit Datum vom 20. Mai 2003 meldete der vom Verein X be-</span><br/> <span class="ft6">auftragte Y die Begründung einer Dienstbarkeit und einen Kaufver-</span><br/> <span class="ft6">trag zur Eintragung im Grundbuch an. Gemäss Vertrag vom 10. April</span><br/> <span class="ft6">2003 räumen die jeweiligen Eigentümer von GB Nr. Zzz, einer</span><br/> <span class="ft6">Stockwerkeigentumseinheit, dem Verein X ein selbständiges und</span><br/> <span class="ft6">dauerndes Benutzungsrecht an einem eingeschossigen Atelier mit</span><br/> <span class="ft6">WC im Erdgeschoss ein. Hiefür würde gemäss Vertrag ein eigenes</span><br/> <span class="ft6">Grundbuchblatt angelegt. Das selbständige und dauernde Benut-</span><br/> <span class="ft6">zungsrecht wird zu einem Kaufpreis von 52'000 Franken an B. ver-</span><br/> <span class="ft6">kauft. Das Grundbuchamt A. wies die Anmeldung mit Verfügung</span><br/> <span class="ft6">vom 21. Mai 2003 jedoch mit der Begründung ab, dass der Kaufver-</span><br/> <span class="ft6">trag für den Verein X eine übermässige Belastung darstelle, da mit</span><br/> <span class="ft6">dem Verkauf des selbständigen und dauernden Benutzungsrechts</span><br/> <span class="ft6">eine Aushöhlung des Grundeigentums bewirkt werde. Zudem sei</span><br/> <span class="ft6">auch fraglich, ob damit nicht die Vorschriften der Nutzniessung un-</span><br/> <span class="ft6">terlaufen würden.</span><br/> <span class="ft6">2. Mit Eingabe vom 11. Juni 2003 legte der durch Y vertretene</span><br/> <span class="ft6">Verein X beim Departement des Innern gegen die Abweisungsverfü-</span><br/> <span class="ft6">gung Beschwerde ein. Zur Begründung führte er im Wesentlichen an,</span><br/> <span class="ft6">dass sich für das selbständige und dauernde Benutzungsrecht eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">490</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Bodenfläche von 41,19 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span> <span class="ft6">ergebe und die gesamte Fläche der</span><br/> <span class="ft6">Stockwerkeinheit zweigeschossig sei und somit betrage die mit der</span><br/> <span class="ft6">Dienstbarkeit belastete Bodenfläche ca. 20% der Gesamtfläche. Von</span><br/> <span class="ft6">einer übermässigen Belastung oder gar einer Aushöhlung des Grund-</span><br/> <span class="ft6">eigentums könne nicht die Rede sein. Mit Verweis auf Lehre und</span><br/> <span class="ft6">Rechtsprechung führt der Beschwerdeführer an, dass die bestellte</span><br/> <span class="ft6">Dienstbarkeit auf Grund von Art. 781 Abs. 1 ZGB zulässig sei. Im</span><br/> <span class="ft6">Weiteren würden die Vorschriften über die Nutzniessung nicht ver-</span><br/> <span class="ft6">letzt; erstens, weil kein Bundesgerichtsentscheid existiere, der ein</span><br/> <span class="ft6">Rechtsgeschäft wie das vorliegende als unzulässig bezeichnen</span><br/> <span class="ft6">würde; zweitens, weil in der neueren Literatur die Ansicht vertreten</span><br/> <span class="ft6">würde, dass die Beschränkung der Nutzniessung auf einzelne Teile</span><br/> <span class="ft6">eines Grundstücks zulässig sei (insbes. im Hinblick auf Art. 11</span><br/> <span class="ft6">BGBB); drittens werden bei allen Grundbuchämtern des Kantons</span><br/> <span class="ft6">Aargau Autoabstellplätze, Kellerabteile usw. als ausschliessliche Be-</span><br/> <span class="ft6">nutzungsrechte und damit als übertragbare irreguläre Dienstbarkeiten</span><br/> <span class="ft6">nach Art. 781 ZGB ausgestaltet und im Grundbuch eingetragen;</span><br/> <span class="ft6">viertens habe der vom Beschwerdeführer beauftragte Notar selbst</span><br/> <span class="ft6">schon ein absolut analoges Geschäft beim Grundbuchamt B. ange-</span><br/> <span class="ft6">meldet; fünftens entspreche das Rechtsgeschäft einem legitimen Be-</span><br/> <span class="ft6">dürfnis im Grundstücksverkehr und stelle kein Umgehungsgeschäft</span><br/> <span class="ft6">vor.</span><br/> <span class="ft6">3. Am 7. Juli 2003 erstattete der Grundbuchverwalter zur Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerde einen Amtsbericht. Sinngemäss hielt er an der in der Ab-</span><br/> <span class="ft6">weisungsverfügung vertretenen Auffassung fest und beantragte die</span><br/> <span class="ft6">vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Insbesondere führte er</span><br/> <span class="ft6">an, dass es nicht zulässig sei, die geltenden Beschränkungen, wie sie</span><br/> <span class="ft6">sich aus dem Sachenrecht ergeben, mit Hilfe der allgemeinen Be-</span><br/> <span class="ft6">stimmungen von Art. 730 ff. und 781 ZGB auszuschalten. Ein Wohn-</span><br/> <span class="ft6">recht könne bspw. nicht über Art. 730 ZGB als Grunddienstbarkeit</span><br/> <span class="ft6">oder über Art. 781 ZGB zu einer übertragbaren Personaldienstbarkeit</span><br/> <span class="ft6">ausgestaltet werden, wobei gleichzeitig eine unübertragbare Nut-</span><br/> <span class="ft6">zungsdienstbarkeit i.S.v. Art. 781 ZGB mit Beschränkung auf einen</span><br/> <span class="ft6">Gebäudeteil - als Ersatz für eine solcherart begrenzte Nutzniessung,</span><br/> <span class="ft6">welche als unzulässig angesehen wird - als zulässig betrachtet</span><br/> <span class="ft6">werde. Die hier in Frage stehende Stockwerkeigentumseinheit leite</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Grundbuchrecht</span> <span class="page_no">491</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">sich aus dem Grundstück GB Nr. Z, auf welchem ein selbständiges</span><br/> <span class="ft6">und dauerndes Baurecht für die Erstellung und Beibehaltung von</span><br/> <span class="ft6">Reihen- und Mehrfamilienhäusern, befristet bis 30.06.2075, verselb-</span><br/> <span class="ft6">ständigt unter GB Nr. Zz, eingetragen sei. Es sei unzulässig eine über</span><br/> <span class="ft6">die Baurechtsdauer dauernde Dienstbarkeit einzutragen. Die beab-</span><br/> <span class="ft6">sichtigte irreguläre Personalservitut sei nach Art. 781 ZGB nur in</span><br/> <span class="ft6">Interdependenz zur maximalen Baurechtsdauer vom 30.06.2075 und</span><br/> <span class="ft6">unter Berücksichtigung der maximalen Nutzniessungsdauer nach Art.</span><br/> <span class="ft6">749 Abs. 2 ZGB zulässig, was zur Folge hätte, dass dieses, je</span><br/> <span class="ft6">nachdem, zeitlich befristet und unübertragbar sein müsste. Ein</span><br/> <span class="ft6">Wohnrecht sei zudem nur für natürliche Personen zulässig und eine</span><br/> <span class="ft6">Nutzniessung könne sich nicht auf einzelne Teile einer Liegenschaft</span><br/> <span class="ft6">beschränken. Die vom Beschwerdeführer vorgelegten behaupteten</span><br/> <span class="ft6">vergleichbaren Fälle haben natürliche Personen betroffen, was zur</span><br/> <span class="ft6">Folge habe, dass diese nicht herangezogen werden könnten. Zudem</span><br/> <span class="ft6">gelte der Grundsatz, dass kein Anspruch auf Gleichbehandlung im</span><br/> <span class="ft6">Unrecht bestehe.</span><br/> <span class="ft6">4. Der Beschwerdeführer erklärte in seiner Stellungnahme vom</span><br/> <span class="ft6">19. August 2003, dass gemäss Art. 734 ZGB jede Grunddienstbarkeit</span><br/> <span class="ft6">mit dem vollständigen Untergang des belasteten oder des berechtig-</span><br/> <span class="ft6">ten Grundstückes untergehe. Dieser Grundsatz gelte gemäss Art. 781</span><br/> <span class="ft6">Abs. 3 ZGB auch für irreguläre Personaldienstbarkeiten. Daraus</span><br/> <span class="ft6">folge, dass auf Baurechtsgrundstücken ohne weiteres dauernde</span><br/> <span class="ft6">Dienstbarkeiten auf unbestimmte Zeit eingetragen werden könnten.</span><br/> <span class="ft6">Das Grundbuchamt A. trage auch auf Baurechtsdienstbarkeiten im-</span><br/> <span class="ft6">mer wieder Dienstbarkeiten auf unbefristete Dauer ein. Vorschriften</span><br/> <span class="ft6">über die Nutzniessung werden mit dem angemeldeten Geschäft nicht</span><br/> <span class="ft6">verletzt. Das Bundesgericht habe einen analogen Fall noch nie zu</span><br/> <span class="ft6">beurteilen gehabt und die neuere Literatur erachte die Beschränkung</span><br/> <span class="ft6">der Nutzniessung auf einzelne Teile eines Grundstücks als zulässig,</span><br/> <span class="ft6">zudem gehe auch Art. 11 Abs. 3 BGBB von der Teilbarkeit aus. Alle</span><br/> <span class="ft6">Grundbuchämter des Kantons Aargau würden die Ausgestaltung von</span><br/> <span class="ft6">Autoeinstellplätzen, Kellerabteilen usw. als ausschliessliche Benut-</span><br/> <span class="ft6">zungsrechte und damit als übertragbare irreguläre Dienstbarkeiten</span><br/> <span class="ft6">nach Art. 781 ZGB zulassen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">492</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">5. In der Duplik vom 11. September 2003 weist der Grund-</span><br/> <span class="ft6">buchverwalter zusätzlich darauf hin, dass im vorliegenden Fall Art.</span><br/> <span class="ft6">734 ZGB nicht anwendbar sei, und die vom Beschwerdeführer zi-</span><br/> <span class="ft6">tierte Literatur nicht einschlägig sei. Insbesondere dürften die Be-</span><br/> <span class="ft6">stimmungen von Art. 730 ff. und 781 ZGB nicht ausgeschaltet wer-</span><br/> <span class="ft6">den.</span><br/> <span class="ft6">...</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. Gegen die Abweisungsverfügung einer Grundbuchanmel-</span><br/> <span class="ft6">dung kann innert 30 Tagen, gerechnet ab deren Zustellung, bei der</span><br/> <span class="ft6">kantonalen Aufsichtsbehörde Beschwerde geführt werden (vgl. Art.</span><br/> <span class="ft6">103 Abs. 1 GBV). Beschwerdebefugt sind der Anmeldende sowie</span><br/> <span class="ft6">alle weiteren Personen, die von der Abweisungsverfügung berührt</span><br/> <span class="ft6">sind. Die Eingabe der Beschwerde erfolgte fristgerecht und der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer ist legitimiert.</span><br/> <span class="ft6">Das Departement des Innern als kantonale Aufsichtsbehörde</span><br/> <span class="ft6">über die Grundbuchämter ist zur Behandlung der Beschwerde zu-</span><br/> <span class="ft6">ständig (vgl. Art. 956 ZGB i.V.m. § 1 Abs. 1 lit. a der Delegations-</span><br/> <span class="ft6">verordnung (SAR 153.111)).</span><br/> <span class="ft6">Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.</span><br/> <span class="ft6">2. Damit die Zulässigkeit des selbständigen und dauernden Be-</span><br/> <span class="ft6">nutzungsrechts im konkreten Fall beurteilt werden kann, wird in</span><br/> <span class="ft6">Folge die Bestimmung von Art. 781 ZGB ausgelegt.</span><br/> <span class="ft6">Art. 781 Abs. 1 ZGB statuiert, dass Dienstbarkeiten anderen In-</span><br/> <span class="ft6">haltes zugunsten einer beliebigen Person oder Gemeinschaft an</span><br/> <span class="ft6">Grundstücken bestellt werden können, so oft diese in bestimmter</span><br/> <span class="ft6">Hinsicht jemandem zum Gebrauch dienen können, wie für die Ab-</span><br/> <span class="ft6">haltung von Schiessübungen oder für Weg und Steg.</span><br/> <span class="ft6">3. Die irreguläre Personaldienstbarkeit nach Art. 781 ZGB ist</span><br/> <span class="ft6">eine persönliche Dienstbarkeit. Sie ist im Gegensatz zu den anderen</span><br/> <span class="ft6">persönlichen Dienstbarkeiten wie Wohnrecht und Nutzniessung</span><br/> <span class="ft6">nicht unlösbar mit einer Person verbunden. Während bei der irregulä-</span><br/> <span class="ft6">ren Personaldienstbarkeit die Übertragbarkeit und Vererblichkeit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Grundbuchrecht</span> <span class="page_no">493</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">festgelegt werden kann (Art. 781 Abs. 2 ZGB), hat das Wohnrecht</span><br/> <span class="ft6">höchst persönlichen Charakter. Übertragbarkeit und Vererblichkeit</span><br/> <span class="ft6">sind ausgeschlossen (Art. 776 Abs. 2 ZGB). Es äussert sich auch</span><br/> <span class="ft6">darin, dass beim dinglichen Wohnrecht nur natürliche Personen Be-</span><br/> <span class="ft6">rechtigte sein können, während die irreguläre Personaldienstbarkeit</span><br/> <span class="ft6">sowohl zu Gunsten natürlicher wie auch juristischer Personen er-</span><br/> <span class="ft6">richtet werden kann (Felix Zurbriggen, Die irregulären Personal-</span><br/> <span class="ft6">dienstbarkeiten (Art. 781 ZGB), Diss. Freiburg 1981, S. 99, 157).</span><br/> <span class="ft6">4. a) Belastungsgegenstand der irregulären Personaldienst-</span><br/> <span class="ft6">barkeit kann nur die Liegenschaft als Ganze sein. Bestimmte abge-</span><br/> <span class="ft6">grenzte Flächen einer Liegenschaft (reale Teile) oder ideelle Teile</span><br/> <span class="ft6">können nicht Objekte der Belastung sein. Wohl kann aber vertraglich</span><br/> <span class="ft6">und durch den Wortlaut der Eintragung die Ausübung der irregulären</span><br/> <span class="ft6">Personaldienstbarkeit auf einen räumlich begrenzten Teil der Liegen-</span><br/> <span class="ft6">schaft beschränkt werden (Zurbriggen S. 24 f.; RVJ 1987 S. 197).</span><br/> <span class="ft6">Faktisch ist somit regelmässig nur ein Teil der Liegenschaft mit der</span><br/> <span class="ft6">irregulären Personaldienstbarkeit belastet, de iure aber liegt die Last</span><br/> <span class="ft6">auf der ganzen Liegenschaft. Durch die irreguläre Personaldienstbar-</span><br/> <span class="ft6">keit wird zwar die ganze Grundbuchparzelle belastet, nur ein Teil des</span><br/> <span class="ft6">Grundstücks wird aber meistens durch ihre Ausübung in Anspruch</span><br/> <span class="ft6">genommen. Dieser Teil kann durch fortwährende Ausübung der irre-</span><br/> <span class="ft6">gulären Personaldienstbarkeit festgelegt werden. Häufiger aber ist</span><br/> <span class="ft6">die Ausübungsstelle im Dienstbarkeitsvertrag vereinbart und zudem</span><br/> <span class="ft6">im Grundbuchplan durch Einzeichnung der Dienstbarkeitsgrenzen</span><br/> <span class="ft6">örtlich genau festgelegt (Zurbriggen S. 109).</span><br/> <span class="ft6">Das Grundstück kann bei der irregulären Personaldienstbarkeit</span><br/> <span class="ft6">somit nur in bestimmter Hinsicht belastet werden (Art. 781 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">ZGB). Dieser Grundsatz der Begrenztheit der Belastung unterschei-</span><br/> <span class="ft6">det nämlich die Grunddienstbarkeiten und die irregulären Personal-</span><br/> <span class="ft6">dienstbarkeiten von der Nutzniessung, welche dem Nutzniesser den</span><br/> <span class="ft6">vollen Genuss des Gegenstandes gewährt (Art. 745 Abs. 2 ZGB;</span><br/> <span class="ft6">Zurbriggen S. 130). Sowohl Art. Art. 781 wie auch 730 ZGB, der</span><br/> <span class="ft6">analog für die irregulären Personaldienstbarkeiten gilt, legen das</span><br/> <span class="ft6">Kriterium der Begrenztheit der Belastung fest und verhindern die</span><br/> <span class="ft6">vollständige Entleerung des Eigentums. Sie besteht lediglich in einer</span><br/> <span class="ft6">partiellen Sachherrschaft.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">494</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">b) Da bei den irregulären Personaldienstbarkeiten ein herr-</span><br/> <span class="ft6">schendes Grundstück regelmässig nicht vorhanden ist, sind - unter</span><br/> <span class="ft6">Vorbehalt anderer Abrede - gemäss Art. 781 Abs. 2 ZGB für die</span><br/> <span class="ft6">Bemessung ihres Inhalts lediglich die persönlichen, und zwar die</span><br/> <span class="ft6">gewöhnlichen, durchschnittlichen Bedürfnisse der berechtigten Per-</span><br/> <span class="ft6">son massgebend.</span><br/> <span class="ft6">c) Art. 781 ZGB ist vom Gesetzgeber inhaltlich sehr offen for-</span><br/> <span class="ft6">muliert, so dass den Parteien eine genügend grosse Freiheit bleibt,</span><br/> <span class="ft6">eben auch andere Personaldienstbarkeiten als z.B. eine Nutzniessung</span><br/> <span class="ft6">und ein Wohnrecht zu errichten. Den irregulären Personaldienstbar-</span><br/> <span class="ft6">keiten fehlt jede gesetzliche Umschreibung. Ihr Inhalt wird durch die</span><br/> <span class="ft6">Vertragsparteien grundsätzlich frei bestimmt (BGE 116 II 281; Jörg</span><br/> <span class="ft6">Schmid/Bettina Hürlimann-Kaupp, Sachenrecht, Zürich 2003, N.</span><br/> <span class="ft6">1324).</span><br/> <span class="ft6">,,Andere Dienstbarkeiten" gemäss Marginalie von Art. 781 ZGB</span><br/> <span class="ft6">sind weder Nutzniessungs-, noch Wohnrechte noch Grund-</span><br/> <span class="ft6">dienstbarkeiten. Mit den Grunddienstbarkeiten stimmen sie in ihrem</span><br/> <span class="ft6">Inhalt aber überein (Abs. 3). Ihr Inhalt, ihre Existenz und ihre Verän-</span><br/> <span class="ft6">derung werden nach grunddienstbarkeitsrechtlichen Vorschriften be-</span><br/> <span class="ft6">urteilt (Art. 730 ff. ZGB). Jede Belastung, die als Grunddienstbarkeit</span><br/> <span class="ft6">möglich ist, kann also auch als Dienstbarkeit nach Art. 781 ZGB be-</span><br/> <span class="ft6">gründet werden. Schliesslich ist der Dienstbarkeitsinhalt beim Wohn-</span><br/> <span class="ft6">recht durch das Gesetz (Art. 776 Abs. 1 ZGB) konkretisiert, während</span><br/> <span class="ft6">bei den irregulären Personaldienstbarkeiten der Inhalt durch einen</span><br/> <span class="ft6">Dienstbarkeitsvertrag festgelegt wird. Mit den persönlichen Dienst-</span><br/> <span class="ft6">barkeiten treffen sich diese anderen Dienstbarkeiten im Subjekt, in</span><br/> <span class="ft6">der Person des Berechtigten (BGE 78 II 27; Zurbriggen, S. 13, 18,</span><br/> <span class="ft6">99, 132, 157; Tuor/Schnyder/Schmid/Rumo-Jungo, Das Schweizeri-</span><br/> <span class="ft6">sche Zivilgesetzbuch, Zürich 2002, S. 964; RVJ 1987 S. 196 f.).</span><br/> <span class="ft6">d) Vorliegend stellt sich die Frage nach dem Verhältnis der</span><br/> <span class="ft6">zwingenden Bestimmungen über Nutzniessung und Wohnrecht zu</span><br/> <span class="ft6">den ,,anderen Dienstbarkeiten" (vgl. auch Hans-Peter Friedrich, Zum</span><br/> <span class="ft6">Inhalte von Nutzungsdienstbarkeiten, in: Basler Festgabe zum Juris-</span><br/> <span class="ft6">tentag 1963, S. 37 ff.). Ein Wohnrecht und eine Nutzniessung, wel-</span><br/> <span class="ft6">che an einem Grundstück begründet werden, stehen sich in ihrer</span><br/> <span class="ft6">Struktur her betrachtet sehr nahe. Die Nutzniessung gestattet grund-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Grundbuchrecht</span> <span class="page_no">495</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">sätzlich dieselbe Sachnutzung wie ein Wohnrecht. Die strukturelle</span><br/> <span class="ft6">Ähnlichkeit zeigt sich auch darin, dass das ZGB die Bestimmungen</span><br/> <span class="ft6">über die Nutzniessung für das Wohnrecht als subsidiär anwendbar</span><br/> <span class="ft6">erklärt (Art. 776 Abs. 3 ZGB). Beides sind Personaldienstbarkeiten.</span><br/> <span class="ft6">Die Lehre hat deshalb schon früher die Beschränkung der Ausübung</span><br/> <span class="ft6">einer Nutzniessung auf einen bestimmten Gebäudeteil für zulässig</span><br/> <span class="ft6">erachtet (Friedrich; Heinz Rey, Funktionen des Dienstbarkeitsvertra-</span><br/> <span class="ft6">ges in ZBGR 64 S. 263; vgl. Gesetzesnovelle in Art. 745 Abs. 3</span><br/> <span class="ft6">ZGB).</span><br/> <span class="ft6">,,Andere Dienstbarkeiten" können grundsätzlich mit beliebigen</span><br/> <span class="ft6">Inhalten begründet werden. Der Typenzwang verbietet lediglich die</span><br/> <span class="ft6">Ausgestaltung eines gesetzlich typisierten (beschränkten) dinglichen</span><br/> <span class="ft6">Rechtes als ,,andere Dienstbarkeit" zwecks Umgehung derjenigen</span><br/> <span class="ft6">Einschränkungen, welche der Gesetzgeber bei diesen bestimmten</span><br/> <span class="ft6">Typen (beschränkter) dinglicher Rechte vorgesehen hat. Was bei den</span><br/> <span class="ft6">bestimmten Dienstbarkeiten ausgeschlossen wurde, weil er darin eine</span><br/> <span class="ft6">übermässige Beschränkung des Eigentums liegt, kann nicht Gegens-</span><br/> <span class="ft6">tand einer irregulären Personaldienstbarkeit bilden. Namentlich be-</span><br/> <span class="ft6">ziehen sich diese Dienstbarkeiten - anders als die Nutzniessung - nur</span><br/> <span class="ft6">auf einzelne bestimmte Nutzungs- und Gebrauchsrechte. Vom Sys-</span><br/> <span class="ft6">tem des Typenzwangs her steht fest, dass der Inhalt der Dienstbarkeit</span><br/> <span class="ft6">nicht so ausgestaltet werden kann, dass damit der Eigentümer sein</span><br/> <span class="ft6">Recht in zeitlicher und sachlicher Hinsicht überhaupt aufgibt. Eine</span><br/> <span class="ft6">solche Dienstbarkeit darf somit nicht im Ergebnis auf die Übertra-</span><br/> <span class="ft6">gung des Eigentums hinauslaufen und nicht so ausgestaltet werden,</span><br/> <span class="ft6">dass das Eigentum völlig seines Gehalts entleert wird. Daraus (und</span><br/> <span class="ft6">aus Art. 776 Abs. 2 ZGB) folgt z.B., dass die Parteien auch unter</span><br/> <span class="ft6">dem Gesichtspunkt von Art. 781 ZGB keine Personaldienstbarkeit</span><br/> <span class="ft6">vereinbaren können, welche auf ein übertragbares und vererbliches</span><br/> <span class="ft6">Wohnrecht hinausläuft (BGE 116 II 281, 290; Jörg Schmid/Bettina</span><br/> <span class="ft6">Hürlimann-Kaupp, Sachenrecht, Zürich 2003, N. 1324; E. Petit-</span><br/> <span class="ft6">pierre, N. 12 f. zu ZGB 781; vgl. Urteil des Kantonsgerichts Grau-</span><br/> <span class="ft6">bündens vom 30. August 1976 in PKG 1976, 4, S. 33 f.).</span><br/> <span class="ft6">So ist es beispielsweise nicht zulässig, als Dienstbarkeit im</span><br/> <span class="ft6">Sinne von Art. 781 ZGB ein zeitlich unbefristetes und übertragbares</span><br/> <span class="ft6">Nutzungsrecht an bestimmten Räumen eines Hauses zu begründen,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">496</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">weil damit die Bestimmung umgangen würde (Typenfixierung), dass</span><br/> <span class="ft6">ein Wohnrecht unübertragbar und befristet ist (BGE 116 II 289 ff.).</span><br/> <span class="ft6">Nach herrschender Lehre ist nämlich beim Wohnrecht, im Gegensatz</span><br/> <span class="ft6">zur Nutzniessung, nicht nur das Recht als solches, sondern auch des-</span><br/> <span class="ft6">sen Ausübung nicht übertragbar (BGE 116 II 289). Vor der Gesetzes-</span><br/> <span class="ft6">revision in Art. 745 Abs. 3 ZGB galt, dass eine auf einzelne Teile ei-</span><br/> <span class="ft6">nes Grundstücks beschränkte Nutzungsdienstbarkeit nicht als Nutz-</span><br/> <span class="ft6">niessung, sondern nur als andere Dienstbarkeit im Sinne von Art. 781</span><br/> <span class="ft6">ZGB im Grundbuch eingetragen werden kann. Demgegenüber liess</span><br/> <span class="ft6">es das Bundesgericht zu eine nutzniessungsähnliche Dienstbarkeit,</span><br/> <span class="ft6">die sich auf einzelne Teile eines Grundstücks beschränkt, als andere</span><br/> <span class="ft6">Dienstbarkeit i. S. von Art. 781 ZGB zu errichten. Das eingeräumte</span><br/> <span class="ft6">Herrschaftsrecht muss aber immer ein beschränktes bleiben, dies ent-</span><br/> <span class="ft6">spricht der Regelung der Grunddienstbarkeiten (BGE 116 II 289 f.;</span><br/> <span class="ft6">Jörg Schmid/Bettina Hürlimann-Kaupp, Sachenrecht, Zürich 2003,</span><br/> <span class="ft6">N. 1324, 1429, Petitpierre, N. 12 f. zu ZGB 781; Hans Michael Rie-</span><br/> <span class="ft6">mer, Die beschränkten dinglichen Rechte, Bern 2000, § 13 N. 1;</span><br/> <span class="ft6">Tuor/ Schnyder/Schmid/Rumo-Jungo, S. 964).</span><br/> <span class="ft6">e) Grundsätzlich wird die Möglichkeit einer Belastung einer</span><br/> <span class="ft6">Stockwerkeigentumseinheit mit einer irregulären Personaldienstbar-</span><br/> <span class="ft6">keit nicht bestritten. Der Mangel eines körperlichen Substrats wie bei</span><br/> <span class="ft6">den Miteigentumsanteilen besteht bei den Stockwerkeigentumsein-</span><br/> <span class="ft6">heiten gerade nicht. Objekt der irregulären Personaldienstbarkeit ist</span><br/> <span class="ft6">der Anteil, Inhalt der irregulären Personaldienstbarkeit ist die Belas-</span><br/> <span class="ft6">tung jener Teile, welche zu Sonderrecht ausgeschieden sind. Abge-</span><br/> <span class="ft6">lehnt wird aber zu Recht die Errichtung solcher Dienstbarkeiten,</span><br/> <span class="ft6">durch welche die Ausübung von Befugnissen der Gemeinschaft be-</span><br/> <span class="ft6">einträchtigt wird, nämlich die Veräusserung des Grundstücks, die</span><br/> <span class="ft6">Nutzung und Verwaltung gemäss bestehenden Zweckbestimmung</span><br/> <span class="ft6">sowie Änderung der Zweckbestimmung. Der Schutz der Stockwerk-</span><br/> <span class="ft6">eigentumsgemeinschaft geht hier vor. Dies führt vor allem zur Ab-</span><br/> <span class="ft6">lehnung von affirmativen irregulären Personaldienstbarkeiten, wel-</span><br/> <span class="ft6">che die Entscheidungsfreiheit der Gemeinschaft in irgendeiner Weise</span><br/> <span class="ft6">beeinträchtigen. Der Belastete müsste Handlungen dulden, die er als</span><br/> <span class="ft6">Stockwerkeigentümer abwehren könnte. Er müsste ferner auch als</span><br/> <span class="ft6">Folge von Art. 737 Abs. 3 ZGB alles unterlassen, was die Ausübung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Grundbuchrecht</span> <span class="page_no">497</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">der Dienstbarkeit verhindern oder erschweren würde. Er hätte dem-</span><br/> <span class="ft6">nach gegen all jene Beschlüsse der Stockwerkeigentumsgemein-</span><br/> <span class="ft6">schaft zu stimmen, welche die Ausübung der Dienstbarkeit erschwe-</span><br/> <span class="ft6">ren oder verhindern würden, was sich aber unter Umständen - insbe-</span><br/> <span class="ft6">sondere beim Einstimmigkeitsprinzip - als Beschränkung der Frei-</span><br/> <span class="ft6">heit der Stockwerkeigentümer auswirken könnte. Als Beispiel einer</span><br/> <span class="ft6">abzulehnenden affirmativen irregulären Personaldienstbarkeit kann</span><br/> <span class="ft6">man hier ein Platzrecht zugunsten einer Möbelfabrik anführen, das</span><br/> <span class="ft6">den belasteten Stockwerkeigentümer verpflichtet, die Benutzung sei-</span><br/> <span class="ft6">ner Räume zur Lagerung von Holz zu dulden. Sollte nun das Ge-</span><br/> <span class="ft6">samtgebäude aus wirtschaftlichen Gründen einer Zweckänderung</span><br/> <span class="ft6">unterworfen werden (z.B. in ein Hotel umgewandelt werden), so</span><br/> <span class="ft6">müsste der belastete Stockwerkeigentümer als Folge des Art. 737</span><br/> <span class="ft6">Abs. 3 ZGB gegen diesen Beschluss stimmen, obwohl er vielleicht</span><br/> <span class="ft6">von der wirtschaftlichen Notwendigkeit dieser Umwandlung über-</span><br/> <span class="ft6">zeugt ist. Ist für die Zweckänderung des Gebäudes Einstimmigkeit</span><br/> <span class="ft6">erforderlich (vgl. Art. 648 Abs. 2 ZGB), so würde der belastete</span><br/> <span class="ft6">Stockwerkeigentümer dieses Vorhaben der Umwandlung vereiteln</span><br/> <span class="ft6">und damit den übrigen Stockwerkeigentümern unter Umständen</span><br/> <span class="ft6">schweren Schaden zufügen (Zurbriggen, S. 39 ff.).</span><br/> <span class="ft6">Deshalb vertritt die neuere Lehre einhellig die Auffassung, das</span><br/> <span class="ft6">ZGB lasse eine dienstbarkeitsrechtliche Ersatzlösung für das Stock-</span><br/> <span class="ft6">werkeigentum, die dem Dienstbarkeitsrecht widerspricht, nicht zu.</span><br/> <span class="ft6">Das Wohnrecht sei in den Artikeln 776 bis 778 abschliessend gere-</span><br/> <span class="ft6">gelt, es sei gemäss Art. 776 Abs. 2 ZGB weder vererblich noch</span><br/> <span class="ft6">übertragbar. Es sei deshalb nicht zulässig, ein dem Wohnrecht inhalt-</span><br/> <span class="ft6">lich entsprechendes Benützungsrecht in der Form von Art. 781 ZGB</span><br/> <span class="ft6">als übertragbare irreguläre Personaldienstbarkeit zu begründen. Will</span><br/> <span class="ft6">man ein übertragbares Wohnrecht als dingliches Recht begründen,</span><br/> <span class="ft6">bietet das Gesetz nur das Stockwerkeigentum an (Zurbriggen S. 158;</span><br/> <span class="ft6">Tuor/Schnyder/Schmid/Rumo-Jungo, S. 959; BGE 103 II 176, 181</span><br/> <span class="ft6">f.). Das Bundesgericht betrachtet übertragbare irreguläre Personal-</span><br/> <span class="ft6">servitute, die inhaltlich einem Wohnrecht gleichkommen, als mit</span><br/> <span class="ft6">dem Gesetz unvereinbar und daher als nichtig (BGE 103 II 183). Es</span><br/> <span class="ft6">verstösst nämlich gegen zwingende Grundsätze des Sachenrechts,</span><br/> <span class="ft6">vor allem das Prinzip der Typengebundenheit, ein mit dem Stock-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">498</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">werkeigentum vergleichbares Benützungsrecht an einem Stockwerk</span><br/> <span class="ft6">oder an einer Wohnung als übertragbare und vererbliche Personal-</span><br/> <span class="ft6">servitut im Sinne des Art. 781 ZGB nach der Einführung des Stock-</span><br/> <span class="ft6">werkeigentums im Jahre 1965 ins Grundbuch eintragen zu lassen.</span><br/> <span class="ft6">Der Gesetzgeber hat sich mit der Einführung der Ablehnung von</span><br/> <span class="ft6">übertragbaren irregulären Personalservituten mit dem Inhalt des</span><br/> <span class="ft6">Wohnrechts oder der Nutzniessung durch die neuere Lehre ange-</span><br/> <span class="ft6">schlossen (vgl. Urteil des Kantonsgerichts Graubündens vom 30.</span><br/> <span class="ft6">August 1976 in PKG 1976, 4, S. 30 ff.; Heinz Rey, Schweizerisches</span><br/> <span class="ft6">Stockwerkeigentum, Zürich 2001, N 206).</span><br/> <span class="ft6">De facto geht es hier in diesem Sachverhalt um die Einräumung</span><br/> <span class="ft6">einer Stockwerkeigentumseinheit in einer bereits bestehenden</span><br/> <span class="ft6">Stockwerkeigentumseinheit. Sie erfüllte aber nicht die Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft6">gen hiefür, weil der Zugang nicht über einen Gemeinschaftsraum</span><br/> <span class="ft6">möglich wäre (Art. 712b Abs. 1 ZGB), sondern nur über die bereits</span><br/> <span class="ft6">bestehende Stockwerkeigentumseinheit erfolgen würde.</span><br/> <span class="ft6">5. Das Bundesgericht stützt sich in seinen Ausführungen in</span><br/> <span class="ft6">BGE 116 II 281 vor allem auf den Artikel von Hans-Peter Friedrich,</span><br/> <span class="ft6">Zum Inhalte von Nutzungsdienstbarkeiten, in: Basler Festgabe zum</span><br/> <span class="ft6">Juristentag 1963, S. 37 ff. Der Argumentation von Friedrich kann</span><br/> <span class="ft6">daher für den vorliegenden Entscheid mit entsprechender kritischer</span><br/> <span class="ft6">Würdigung gefolgt werden.</span><br/> <span class="ft6">Der Gebrauch und die Nutzung des Grundstücks sollen mit der</span><br/> <span class="ft6">Errichtung einer irregulären Personaldienstbarkeit nicht, wie bei der</span><br/> <span class="ft6">Nutzniessung, in vollem Umfange dem Eigentümer entzogen werden</span><br/> <span class="ft6">können. Der Genuss der Sache muss dem Eigentümer zum mindesten</span><br/> <span class="ft6">teilweise erhalten bleiben (Friedrich S. 40). Die Dienstbarkeit darf</span><br/> <span class="ft6">nicht dazu führen, dass der Eigentümer sein Recht in zeitlicher und</span><br/> <span class="ft6">sachlicher Hinsicht überhaupt aufgibt. Unter dem System des Typen-</span><br/> <span class="ft6">zwangs wird die Sachenrechtsordnung keine beschränkte dingliche</span><br/> <span class="ft6">Rechte zulassen, deren Einräumung im Ergebnis auf die Übertragung</span><br/> <span class="ft6">des Eigentums als solchem hinausläuft (Friedrich S. 45).</span><br/> <span class="ft6">Wird eine Dienstbarkeit auf unbestimmte, also unbeschränkte</span><br/> <span class="ft6">Zeit bestellt, so kann sich daraus eine Belastung für das Grundstück</span><br/> <span class="ft6">ergeben, die einem dauernden Entzug der dem Eigentümer zustehen-</span><br/> <span class="ft6">den Befugnisse gleichkommt (Friedrich S. 47). Wenn eine Dienst-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Grundbuchrecht</span> <span class="page_no">499</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">barkeit das Grundstück in sachlicher Hinsicht, wie etwa bei der Ein-</span><br/> <span class="ft6">räumung umfassender Nutzungsrechte, sehr weitgehend belastet, je-</span><br/> <span class="ft6">doch diese Last in zeitlicher Hinsicht beschränkt ist, so kann hierin</span><br/> <span class="ft6">eine Belastung in bestimmter Hinsicht i.S.v. 781 iVm. 730 ZGB ge-</span><br/> <span class="ft6">sehen werden. Als Massstab einer Belastung sollte im Vergleich im-</span><br/> <span class="ft6">mer berücksichtigt werden, dass bei einer Nutzniessung das persönli-</span><br/> <span class="ft6">che Moment zurückgedrängt wird (z.B. Art. 758 ZGB), und bei ei-</span><br/> <span class="ft6">nem Baurecht die zeitliche Komponente kaum einschränkend wirkt</span><br/> <span class="ft6">(Art. 779l Abs. 1 ZGB; auf höchstens 100 Jahre).</span><br/> <span class="ft6">Eine umfassende Dienstbarkeit, die auf beschränkte Zeit be-</span><br/> <span class="ft6">gründet wird, also keine dauernde Belastung des Grundstücks be-</span><br/> <span class="ft6">deutet, kann als partielle und damit zulässige Beschränkung der</span><br/> <span class="ft6">Herrschaftsbefugnisse des Grundeigentümers erscheinen.</span><br/> <span class="ft6">6. a) Die Voraussetzung für die Aufnahme als ,,Grundstück"</span><br/> <span class="ft6">ins Grundbuch ist, dass die Dienstbarkeit als selbständige (nicht zu</span><br/> <span class="ft6">Gunsten eines herrschenden Grundstücks oder ausschliesslich zu</span><br/> <span class="ft6">Gunsten einer bestimmten Person) und dauernde (auf mind. 30 Jahre</span><br/> <span class="ft6">oder unbestimmte Zeit) errichtet worden ist (Art. 7 GBV;</span><br/> <span class="ft6">Tuor/Schnyder/Schmid/Rumo-Jungo S. 965; Schmid/Hürlimann-</span><br/> <span class="ft6">Kaupp, N. 1437).</span><br/> <span class="ft6">Im Gesetz ist nicht abschliessend aufgezählt, welche Fälle als</span><br/> <span class="ft6">selbständige und dauernde Rechte ins Grundbuch aufgenommen</span><br/> <span class="ft6">werden dürfen (vgl. Art. 7 Abs. 1 GBV). Nach herrschender Lehre ist</span><br/> <span class="ft6">die Verliegenschaftung jedes dinglichen Nutzungsrechts an</span><br/> <span class="ft6">Grundstücken möglich, sofern es selbständigen und dauernden Cha-</span><br/> <span class="ft6">rakter hat (Zurbriggen S. 178). Von Gesetzes wegen ist das Wohn-</span><br/> <span class="ft6">recht nicht übertragbar (Art. 776 Abs. 2 ZGB); es kann somit nicht</span><br/> <span class="ft6">als selbständiges und dauerndes Recht ins Grundbuch aufgenommen</span><br/> <span class="ft6">werden, ebenso die Nutzniessung, die der Substanz nach unübertrag-</span><br/> <span class="ft6">bar ist (lediglich die Ausübung ist übertragbar, vgl.</span><br/> <span class="ft6">Tuor/Schnyder/Schmid/Rumo-Jungo S. 959; Besprechung von BGE</span><br/> <span class="ft6">116 II 281 in Berner Notar 1991, S. 192 ff., 200).</span><br/> <span class="ft6">Die irreguläre Personaldienstbarkeit kann durch Vereinbarung</span><br/> <span class="ft6">nach Art. 781 Abs. 2 ZGB übertragbar ausgestaltet werden, somit er-</span><br/> <span class="ft6">füllt sie die eine Voraussetzung der Selbständigkeit. Wenn sie weiter</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">500</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">auch auf mindestens 30 Jahre errichtet wird, hat sie auch dauerhaften</span><br/> <span class="ft6">Charakter (siehe Zurbriggen S. 182).</span><br/> <span class="ft6">b) Im vorliegenden Beschwerdefall wurde die irreguläre Perso-</span><br/> <span class="ft6">naldienstbarkeit, das selbständige und dauernde Benutzungsrecht</span><br/> <span class="ft6">betr. Atelier mit WC, auf unbeschränkte Zeit errichtet.</span><br/> <span class="ft6">Am Grundstück Nr. Zz, ein selbständiges und dauerndes Bau-</span><br/> <span class="ft6">recht, sind die einzelnen Stockwerkeigentümer beteiligt. Das Bau-</span><br/> <span class="ft6">recht ist bis 30. Juni 2075 befristet. Das selbständige und dauernde</span><br/> <span class="ft6">Benützungsrecht betr. Atelier mit WC würde somit erst mit dem</span><br/> <span class="ft6">Untergang des belasteten Hauptblattes, vorerst Grundstück Nr. Zzz,</span><br/> <span class="ft6">dem Stockwerkeigentumsanteil, und schlussendlich Nr. Zz unterge-</span><br/> <span class="ft6">hen (Art. 734 ZGB). Gemäss Art. 734 ZGB geht jede Grunddienst-</span><br/> <span class="ft6">barkeit unter mit dem vollständigen Untergang des belasteten oder</span><br/> <span class="ft6">des berechtigten Grundstücks. Dieser Grundsatz gilt auch für irregu-</span><br/> <span class="ft6">läre Personaldienstbarkeiten (Art. 781 Abs. 3 ZGB; Mattia Tonella,</span><br/> <span class="ft6">Die Löschung eine bedeutungslos gewordenen Dienstbarkeit, ZBGR</span><br/> <span class="ft6">2003 S. 231). Längstens würde die irreguläre Personaldienstbarkeit</span><br/> <span class="ft6">bis zum 30. Juni 2075 bestehen. Diese umfassende Nutzungsdienst-</span><br/> <span class="ft6">barkeit würde vorliegend mit der Anlegung eines eigenen Grund-</span><br/> <span class="ft6">buchblattes (Art. 7 GBV) auf unbeschränkte Zeit begründet und be-</span><br/> <span class="ft6">deutete somit eine dauernde Belastung des Hauptgrundstücks (vgl.</span><br/> <span class="ft6">Friedrich S. 48). Damit würde der Eigentümer sein Recht in zeitli-</span><br/> <span class="ft6">cher und sachlicher Hinsicht überhaupt aufgeben. Zum Wesen einer</span><br/> <span class="ft6">Grunddienstbarkeit wie der ,,anderen Dienstbarkeiten" gehört es,</span><br/> <span class="ft6">dass sie nur einzelne bestimmte Nutzungs- und Gebrauchsbefugnisse</span><br/> <span class="ft6">zum Gegenstand haben (vgl. Art. 781 ZGB), so dass alle übrigen</span><br/> <span class="ft6">Gebrauchsbefugnisse dem Eigentümer des belasteten Grundstückes</span><br/> <span class="ft6">verbleiben, dieser also von der Benutzung weder seines ganzen</span><br/> <span class="ft6">Grundstücks noch eines Teils desselben völlig ausgeschlossen ist.</span><br/> <span class="ft6">Denn eine Dienstbarkeit, die dem Berechtigten ein unbegrenztes Ge-</span><br/> <span class="ft6">brauchsrecht verliehe, würde das Eigentum seiner Substanz berau-</span><br/> <span class="ft6">ben. Die Nutzung auf Grund der Personaldienstbarkeit würde zudem</span><br/> <span class="ft6">wesentliche Teile des Stockwerkeigentumsanteils belasten. Es würde</span><br/> <span class="ft6">dem Eigentümer auf dem belasteten Grundstück das nackte Eigen-</span><br/> <span class="ft6">tum verbleiben. Eine Verfügbarkeit über die Liegenschaft wäre we-</span><br/> <span class="ft6">sentlich herabgesetzt. Eine derart schwerwiegende Beeinträchtigung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Grundbuchrecht</span> <span class="page_no">501</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">der Eigentümerbefugnisse in sachlicher und zeitlicher Hinsicht</span><br/> <span class="ft6">sprengt den zulässigen Inhalt der Dienstbarkeit (vgl. Friedrich S. 50;</span><br/> <span class="ft6">PKG 1976, 4, S. 33 f.).</span><br/> <span class="ft6">c) In BGE 116 II 281 ff. wurde festgehalten, dass es nicht zu-</span><br/> <span class="ft6">lässig sei, als Dienstbarkeit im Sinne von Art. 781 ZGB ein zeitlich</span><br/> <span class="ft6">unbefristetes und übertragbares Nutzungsrecht an bestimmten Räu-</span><br/> <span class="ft6">men eines Hauses zu begründen, weil damit die Bestimmung um-</span><br/> <span class="ft6">gangen würde, dass ein Wohnrecht unübertragbar und befristet ist.</span><br/> <span class="ft6">Vorliegend wurde das mit einem Wohnrecht vergleichbaren Benüt-</span><br/> <span class="ft6">zungsrecht zwar nicht zu Gunsten einer natürlichen Person, sondern</span><br/> <span class="ft6">dem Verein X, einer juristischen Person, eingeräumt. Diese wie-</span><br/> <span class="ft6">derum verpflichtete sich das selbständige und dauernde Benutzungs-</span><br/> <span class="ft6">recht an eine natürliche Person zu verkaufen. Da die Nutzniessung</span><br/> <span class="ft6">und auch das Wohnrecht nicht übertragbar sind, kann die irreguläre</span><br/> <span class="ft6">Personaldienstbarkeit nach Art. 781 ZGB nicht im Sinne von Art. 7</span><br/> <span class="ft6">GBV ausgestaltet werden.</span><br/> <span class="ft6">7. Wenn eine Behörde in einem Fall eine vom Gesetz abwei-</span><br/> <span class="ft6">chende Entscheidung getroffen hat, gibt das den Privaten, die sich in</span><br/> <span class="ft6">der gleichen Lage befinden, grundsätzlich keinen Anspruch darauf,</span><br/> <span class="ft6">ebenfalls von der Norm abweichend behandelt zu werden (kein An-</span><br/> <span class="ft6">spruch auf Gleichbehandlung im Unrecht, vgl. Ulrich Häfelin/Georg</span><br/> <span class="ft6">Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, Zürich 2002, N 518 mit Ver-</span><br/> <span class="ft6">weis auf die bundesgerichtliche Praxis). Das vom Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">vorgebrachte seines Erachtens analoge Geschäft, welches nach der</span><br/> <span class="ft6">Anmeldung beim Grundbuchamt B. eingetragen wurde, kann deshalb</span><br/> <span class="ft6">nicht angeführt werden. Der vorliegende Sachverhalt kann zudem</span><br/> <span class="ft6">auch nicht mit Autoabstellplätzen verglichen werden, wie dies der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer geltend macht.</span><br/> <span class="ft6">8. Unter diesen Voraussetzungen war die Abweisungsverfügung</span><br/> <span class="ft6">vom 21. Mai 2003 richtig ergangen. Die Anmeldung der irregulären</span><br/> <span class="ft6">Personaldienstbarkeit nach Art. 781 ZGB und deren anschliessende</span><br/> <span class="ft6">Ausgestaltung zu einem selbständigen und dauernden</span><br/> <span class="ft6">Benutzungsrecht an einem eingeschossigen Atelier mit WC im Sinne</span><br/> <span class="ft6">von Art. 7 GBV verstösst gegen die zwingende Sachenrechtsord-</span><br/> <span class="ft6">nung.</span><br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">502</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">...</span><br/> <br/> <span class="ft6">Demgemäss wird</span><br/> <br/> <br/> <span class="ft8"><b>verfügt:</b></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft6">1.</span><br/> <br/> <span class="ft6">Die Beschwerde vom 11. Juni 2003 gegen die Abweisungsver-</span><br/> <span class="ft6">fügung des Grundbuchamtes A. vom 21. Mai 2003 i.S. Kaufvertrag</span><br/> <span class="ft6">und Begründung einer Dienstbarkeit wird abgewiesen.</span><br/> <span class="ft6">...</span><br/></div> </div> </body> </html>