B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1397/2015 U r t e i l v o m 3 0 . A u g u s t 2 0 1 8 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richterin Daniela Brüschweiler, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren am (...), Sri Lanka, vertreten durch Saif Al-Rubai, Advokatur Gysin + Roth, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 30. Januar 2015 / N_______. D-1397/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der aus B._______ stammende Beschwerdeführer tamilischer Ethnie reichte – zusammen mit V._______ – am (...) bei der Schweizer Vertretung in C._______ ein Asylgesuch ein. Am (...) wurde er von der Botschaft be- fragt und gab im Wesentlichen zur Begründung an, seit dem Jahre (...) Mit- arbeiter des D._______ und für dieses zuletzt als (Nennung Funktion) tätig gewesen zu sein. Während seiner Tätigkeit sei er wiederholt – so erstmals im Jahre (...) – von den E._______ aufgefordert worden, Hilfsgüter abzu- geben oder Transporte auszuführen, was er jeweils abgelehnt habe. Nach- dem er im Jahre (...) einen Van gekauft habe, hätten ihm die E._______ aufgetragen, er solle (Nennung Auftrag). Er habe sich geweigert und in der Folge seinen Van einer (Nennung Organisation) vermietet. Im (...) habe er eine Aufforderung der E._______, sich dringend bei ih nen zu melden, ig- noriert. Im (...) hätten (...) Angehörige der E._______ – wovon (...) bewaff- net gewesen seien – im Haus seiner (Nennung Verwandte) nach ihm ge- sucht und, da er nicht anwesend gewesen sei, an seiner Stelle (Nennung Verwandte) mitgenommen und gedroht, diese würden nicht eher freigelas- sen, bis er sich den E._______ zeige. Er habe der Drohung nicht nachge- geben, sondern sei untergetaucht. Die E._______ hätten daraufhin seine Verwandten nach (...) Tagen freigelassen, auch deshalb, weil seine Familie die Probleme angezeigt respektive die (Nennung Organisationen) darüber informiert habe. In der Folge habe er sich abwechselnd an diversen Orten (Nennung Orte) versteckt und (...) geheiratet. Insbesondere F._______ habe sich für ihn und seine Frau eingesetzt. Am (...) sei er in C._______ bei einer Kontrolle festgenommen, aber kurz darauf freigelassen worden, nachdem sein dortiger Aufenthalt in einer (...) Einrichtung überprüft worden sei. Die E._______ hätten ihn während dieser Zeit an verschiedenen Orten gesucht. Im (...) sei (Nennung Verwandter) tot aufgefunden worden. Die Polizei habe sich bislang geweigert, den Bericht über die Todesursache herauszugeben. Er vermute aber, dass die E._______ für dessen Tod ver- antwortlich seien, da er in deren Augen ein Verräter sei, zumal er sich nie für diese habe engagieren wollen und sich auch zu keinem Zeitpunkt für deren Anliegen eingesetzt habe. A.b Mit Schreiben vom (...) (Eingang BFM: 5. September 2007) liess die Botschaft der Vorinstanz weitere Informationen zum Beschwerdeführer zu- kommen. Gemäss diesen habe sich V._______ an die Schweizer Vertre- tung gewendet und mitgeteilt, dass seit dem (...) in verschiedenen sri-lan-D-1397/2015 Seite 3 kischen Medien die Nachricht veröffentlicht worden sei, dass der Be- schwerdeführer am (...) zwei Mitarbeiter des D._______ aus B._______ in C._______ entführt und getötet haben soll e. Er sei unter dem Namen G._______ bekannt und habe die Tat für die von de n E._______ abge- trennte H._______ begangen. A.c Mit Verfügung vom (...) bewilligte das BFM dem Beschwerdeführer und V._______ die Einreise in die Schweiz. Am (...) (V._______) respektive am (...) (Beschwerdeführer) stellten sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) I._______ jeweils ein Asylgesuch. A.d Am 21. Januar 2008 fand im EVZ I._______ die Befragung zur Person (BzP) des Beschwerdeführers statt. Am 14. März 2008 wurde er vom BFM direkt angehört. Dabei führte er in Ergänzung zu seinen bisherigen Ausfüh- rungen an, es sei ihm erst nach einigen Versuchen geglückt, mit (Nennung Dokument) aus Sri Lanka auszureisen. Da er sich geweigert habe, de n E._______ zu helfen, seien sowohl (Nennung Verwandte) am (...) an seiner Stelle von Ange hörigen der E._______ mitgenommen und festgehalten worden. Nachdem die (Nennung Organisation) Druck aufgesetzt habe, seien sein (Nennung Verwandter) am (...) und (...) Tage später (Nennung Verwandter) freigelassen worden, obwohl er sich der Forderung der Orga- nisation, sich bei ihr zu melden, nicht gebeugt habe. Er werde von de n E._______ derart massiv verfolgt, weil man ihn wiederholt unter Druck ge- setzt habe, J._______ zu liefern und K._______ zu transportieren. Wäh- rend er gezwungen gewesen sei, einen Teil der erhaltenen J._______ be- ziehungsweise Hilfsgüter an die E._______ abzugeben – da sie ansonsten ihre Arbeit nicht hätten erledigen können – habe er sich stets geweigert, K._______ zu transportieren oder auch die Forderung zu akzeptieren, (Nennung Forderung). Aus Sicht der E._______ habe er sie dadurch nicht respektiert. Zudem besitze er eine Identitätskarte von C._______ und eine Identitätskarte vom L._______. Mit beiden Karten würden sich viele Dinge bewerkstelligen lassen. Deswegen und weil sie v erschiedene Behörden und Organisationen eingeschaltet hätten, sei er zu einem wichtigen Feind der Organisation geworden. Er denke, dass ihm die sri-lankischen Behör- den deshalb die Morde an den beiden Mitarbeitern des D._______ unter- schieben wollten, um den Fall abzuschliessen. Deren Ermittlungen hätten ergeben, dass er vormals für das D._______ gearbeitet habe und unterge- taucht sei. Obwohl seiner Ansicht nach den Behörden die wahre Täter- schaft bekannt sei, habe man ihn als Sündenbock präsentieren wollen. F._______, der von seiner Unschuld überzeug t sei, habe ihm schliesslich die Ausreise organisiert. D-1397/2015 Seite 4 A.e Am 7. April 2008 liess die Vorinstanz Abklärungen vor Ort durchführen. Am 10. Juni 2008 traf das Abklärungsergebnis der Schweizer Vertretung vom (...) beim BFM ein. A.f Mit Schreiben vom 8. April 2008 forderte das BFM den Beschwerdefüh- rer zur Beantwortung diverser Fragen zu seiner Ausreise und den gegen ihn erhobenen Anschuldigungen betreffend den Mord an zwei Mitarbeitern des D._______ auf. Der Beschwerdeführer liess seine Antworten dem BFM mit Schreiben vom 14. April 2008 zukommen. A.g Am 22. September 2008 ging beim BFM ein anonymes Schreiben ein, gemäss welchem der Beschwerdeführer für den Tod mehrerer Personen in Sri Lanka verantwortlich sei und für M._______ arbeite. A.h Mit Eingängen beim BFM vom 9. Mai 2008, 22. August 2008, 19. De- zember 2008, 12. Februar 2009, 17. Februar 2009, 24. Februar 2009 und 8. März 2010 liess der Beschwerdeführer der Vorinstanz weitere Informa- tionen zukommen. A.i Am 22. September 2010 wurde die Schweizer Vertretung in C._______ erneut um Durchführung weiterer Abklärungen ersucht. Deren Ergebnisse wurden der Vorinstanz am (...) und am (...) zugestellt. A.j Am (...) wurde das gemeinsame Kind N._______ des Beschwerdefüh- rers und seiner V._______ in der Schweiz geboren. A.k Mit Schreiben vom (...) teilte (Nennung Behörde) dem BFM mit, dass der Beschwerdeführer per Interpol öffentlich zur Verhaftung ausgeschrie- ben sei. A.l Am 7. November 2014 wurde der Beschwerdeführer ergänzend ange- hört. Dabei wurde ihm auc h das rechtliche Gehör zu Aussagen von F._______, die dieser am (...) gegenüber der Schweizer Vertretung in C._______ gemacht hatte, gewährt. Auf die anlässlich dieser Anhörung ge- machten Aussagen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwä- gungen eingegangen. A.m Der Beschwerdeführer reichte (Auflistung Beweismittel) zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 30. Januar 2015 – eröffnet am 5. Februar 2015 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle – im Gegensatz zu V._______ D-1397/2015 Seite 5 und dem gemeinsamen Kind – die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG (SR 142.31), bezog V._______ und das Kind jedoch in die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers mit ein, lehnte das Asyl- gesuch des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 53 AsylG sowie dasjenige von V._______ gestützt auf Art. 3 AsylG ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug derselben schob es wegen Unzulässig- keit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz auf. C. Mit Beschwerde vom 3. März 2015 (Poststempel) focht der Beschwerde- führer ausschliesslich in seinem Namen den Entscheid des SEM beim Bun- desverwaltungsgericht an und beantragte, es sei ihm Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Erlass der Verfahrenskosten. Auf die Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen einge- gangen. Der Eingabe lagen (Auflistung Beweismittel) bei. D. Mit Zwischenverfügung vom 5. Mai 2015 teilte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer mit, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wurd e unter der Vo- raussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung (und unter Vor- behalt der Veränderung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers) gut- geheissen und der Beschwerdeführer aufgefordert, bis zum 20. Mai 2015 eine Fürsorgebestätigung nachzur eichen oder mit dem beigelegten Ein- zahlungsschein einen Kostenvorschuss von Fr. 600. – zugunsten der Ge- richtskasse zu überweisen, unter Androhung des Nichteintretens im Unter- lassungsfall. E. Mit Eingabe vom 18. Mai 2015 (Datum Poststempel) legte der Beschwer- deführer (Nennung Beweismittel) ins Recht. F. Mit Verfügung vom 21. Mai 2015 wurde die Vorinstanz gestützt auf Art. 57 VwVG zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 5. Juni 2015 aufge- fordert. D-1397/2015 Seite 6 G. In seiner Vernehmlassung vom 26. Mai 2015 hielt das SEM fest, die Be- schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis- mittel, welche den vorinstanzlichen Standpunkt zu ändern vermöchten. H. Mit Eingabe vom 2. Juni 2015 an das SEM, die an das Bundesverwaltungs- gericht überwiesen wu rde, legte der Beschwerdeführer ein weiteres Be- weismittel (Nennung Beweismittel) ins Recht. I. Mit Verfügung vom 9. Juni 2015 wurde das SEM ersucht, bis zum 24. Juni 2015 eine ergänzende Vernehmlassung einzureichen. Die Vorinstanz liess sich am 19. Juni 2015 vernehmen. J. Am 9. Oktober 2015 (Eingang BVGer: 13. Oktober 2015) übermittelte das SEM dem Bundesverwaltungsgericht Unterlagen der Schweizer Botschaft in Sri Lanka. K. Mit Eingabe vom 5. Mai 2016 (Eingang BVGer: 12. Mai 2016) liess die Bot- schaft dem Bundesverwaltungsgericht (Nennung Beweismittel) zukom- men. L. In einer an das Bundesverwaltungsgericht adressierten, mit „Rechtsverzö- gerungsgesuch“ bezeichneten Eingabe vom 24. März 2017 beantragte der Beschwerdeführer unter Bezugnahme auf das hängige Beschwerdeverfah- ren, es sei eine kurze Frist zur materiellen Entscheidung der Einsprache anzusetzen. Diese Eingabe wurde mit Schreiben des Instruktionsrichters vom 30. März 2017 beantwortet. M. Mit Eingabe vom 25. April 2017 zeigte der Rechtsvertreter die Übernahme des Mandats an und ersuchte gleichzeitig um ergänzende Akteneinsicht sowie um amtliche Verbeiständung gemäss Art. 110a Abs. 1 AsylG. N. Mit Verfügung vom 2. Mai 2017 hielt der Instruktionsrichter fest, dass die Einsichtnahme in act. 11 (der Beschwerdeakten) zum jetzigen Zeitpunkt D-1397/2015 Seite 7 ausgenommen bleibe und eine allenfalls in diesem Zusammenhang zu er- gehende Beurteilung oder Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt ver- wiesen werde. Weiter wurde Einsicht in die in den Erwägungen genannten Aktenstücke (Aktenverzeichnis, act. 7, 10 und 12) und bis zum 17. Mai 2017 Frist für eine allfällige Stellungnahme gewährt. Das Gesuch um amt- liche Verbeiständung gemäss Art. 110a Abs. 1 AsylG wurde gutgeheissen und dem Beschwerdeführer Saif Al -Rubai, Advokat, (...), als amtlicher Rechtsbeistand bestellt. O. Am 16. Mai 2017 reichte der Beschwerdeführer eine Beschwerdeergän- zung zu den Akten. Darin präzisierte er die bisherigen Anträge wie folgt: Es seien die Ziffern 4 bis 9 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und es sei die Vorinsta nz anzuweisen, ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Sache zur Neubeu rteilung im Asylpunkt an das SEM zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht sei ihm zu jeglichen Eingaben der Vorinstanz das Replikrecht zu gewähren. P. Mit Verfügung vom 29. Mai 2017 wurde das SEM eingeladen, bis zum 13. Juni 2017 eine ergänzende Vernehmlassung einzureichen. Q. In ihrer ergänzenden Vernehmlassung vom 14. Juni 2017 verwies das SEM – nebst ergänzenden Bemerkungen – auf seine Erwägungen in der ange- fochtenen Verfügung, an denen es vollumfänglich festhielt. R. Mit Verfügung vom 22. Juni 2017 erhielt der Beschwerdeführer Gelegen- heit, bis zum 7. Juli 2017 eine Replik in zwei Exemplaren und entspre- chende Beweismittel einzureichen. Das Gesuch um Einsicht in das Akten- stück act. 11 der Beschwerdeakten wurde im Sinne der Erwägungen ab- gewiesen. Der Beschwerdeführer replizierte – unter Beilage einer Kostennote – mit Eingabe vom 6. Juli 2017. S. Am (...) brachte V._______ das gemeinsame Kind O._______ zur Welt. Am (...) wurde es als Flüchtling anerkannt und vorläufig aufgenommen. D-1397/2015 Seite 8 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh- rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge- reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG) ist einzutreten. 1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfäls chte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 2.3 Nachdem das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 30. Januar 2015 bejaht und ihn wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufgenommen hat, be- schränkt sich der Prozessgegenstand vorliegend auf die Frage, ob das SEM zu Recht vom Bestehen des Asylausschlussgrundes der Asylunwür- digkeit gemäss Art. 53 AsylG ausgegangen ist. D-1397/2015 Seite 9 3. 3.1 Zur Begründung ihres Entscheids führte die Vorinstanz aus, aufgrund des vom Beschwerdeführer geltend gemachten Sachverhalts sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit von asylrele- vanten Verfolgungsmassnahmen auszugehen, weshalb er die Flüchtlings- eigenschaft erfülle. Er sei jedoch von der Asylgewährung auszuschliessen, weil er als asylunwürdig im Sinne von Art. 53 AsylG einzustufen sei. Dieser Bestimmung zufolge sei eine Asylgewährung ausgeschlossen, wenn ein Gesuchsteller wegen verwerflicher Handlungen des Asyls unwürdig sei. Darunter würden auch Handlungen fallen, die im Ausland beziehungsweise im Heimatstaat eines Gesuchstellers begangen worden seien. Als verwerf- liche Handlungen würden Delikte gelten, die dem abstrakten Verbrechens- begriff von Art. 10 Abs. 2 StGB entsprechen würden. Die Straftat müsse folglich mit einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren bedroht sein. Der Beschwerdeführer werde von den sri -lankischen Behörden seit dem (...) beschuldigt, am (...) in C._______ zwei Mitarbeiter des D._______ entführt und ermordet zu haben. Er sei in Sri Lanka landesweit zur Fahndung aus- geschrieben und auch per Interpol international gesucht. Der Beschwerde- führer habe erklärt, er werde von den sri-lankischen Behörden fälschlicher- weise dieser Straftat bezichtigt, da er mit der Ermordung dieser beiden Per- sonen nichts zu tun habe. Werde eine Person national und international gesucht, so sei im Regelfall von deren Involvierung in ein strafbares Delikt auszugehen. Eine Beschuldigung wider besseres Wissen respektive ein Amtsmissbrauch könne nicht leichthin a ngenommen werden. Diesbezüg- lich sei auch zu untersuchen, wie der Beschwerdeführer das behördliche Verfolgungsinteresse an seiner Person erkläre. Den Akten zufolge hätten die sri-lankischen Behörden vor dem Mordverdacht vom (...) keinen Grund gehabt, ihn zu verfolgen. Auf die Frage, was denn das plötzliche Verfol- gungsinteresse ausgelöst habe, habe er bei der direkten Anhörung zu- nächst keine Antwort zu geben vermocht, um auf Nachfrage anzuführen, die Behörden hätten aufgrund Ermittlungen an seinem Wohnort von der Beendigung seiner Tätigkeit beim D._______ und seinem Untertauchen erfahren, weshalb diese den Fall hätten abschliessen wollen. Er nehme an, die effektive Täterschaft sei den Behörden bekannt. Bei der ergänzenden Anhörung habe er die Vermisstenanzeige seiner (Nennung Verwandte) als Grund für die behördliche Kenntnis von seinem Verschwinden angeführt. Ausserdem sei seine Tätigkeit für das D._______ bekannt gewesen, wes- halb die Behörden die beiden Elemente kombiniert hätten. Diese Erklärun- gen seien nicht überzeugend, da damals viele Leute vermisst gemeldet worden seien, ohne dass man ihnen ein Verbrechen zur Last gelegt hätte, und der Mord an (Nennung Personen) sei überhaupt nicht naheliegend. D-1397/2015 Seite 10 Die vom Beschwerdeführer aufgestellte Hypothese sei untauglich, da nicht einsichtig sei, weshalb die sri-lankischen Behörden einen bis anhin unbe- scholtenen Bürger wie ihn anstelle einer Person, an welcher bereits ein Verfolgungsinteresse bestehe, als Zielscheibe wählen sollten. Da es der Schweizer Vertretung nicht gelungen sei, etwas Konkretes über das Ver- fahren, in welchem er der Morde beschuldigt werde, herauszufinden oder Beweismittel zu beschaffen, sei insbesondere auf die Aussagen des Be- schwerdeführers zurückzugreifen. Die Auswertung seiner Aussagen zur Frage, wo er sich zum Tatzeitpunkt aufgehalten habe, würden sich als wi- dersprüchlich erweisen. Auf Vorhalt habe er keine plausible Erklärung ab- zugeben vermocht. Da der Zeitpunkt des Interviews auf der Botschaft und der Tatzeitpunkt nur wenige Tage auseinanderliegen würden, sei es umso erstaunlicher, dass er sich sowohl zu seinem eigenen Aufenthaltsort wäh- rend des Tatzeitpunkts als auch zu seiner Reise nach C._______ (...) Tage später widersprochen habe. Die seitens F._______ gegenüber der Bot- schaft am (...) gemachten Angaben als Auskunftsperson vermöchten nicht zur Klärung beizutragen, da sie ihrerseits nicht mit seinen Ausführungen in Übereinstimmung gebracht werden könnten . Im Rahmen des anlässlich der ergänzenden Anhörung gewährten rechtlichen Gehörs habe er nicht s dazu sagen können. Da zum Zeitpunkt des Interviews die Anschuldigungen gegen ihn noch nicht bekannt gewesen seien, bestehe kein Grund, die An- gaben von F._______ der Botschaft gegenüber zu bezweifeln. Es sei daher davon auszugehen, dass er im Tatzeitpunkt nicht in der Obhut der (...) ge- wesen sei und diesen Umstand der Botschaft vorenthalten habe. Weiter falle auf, dass der Beschwerdeführer vom Zeitpunkt der steckbrieflichen Suche bis zu seiner Ausreise (...) Monate später keinerlei Massnahmen zu seiner Entlastung ergriffen respektive entlastende Argumente und Beweise gesammelt habe. Dies sei umso erstaunlicher, als F._______ (Nennung Beruf und Tätigkeiten) gewesen sei und ihn überdies in allen Lebensberei- chen tatkräftig unterstützt habe. Weiter würden seine Angaben zur Verwick- lung mit de n E._______ Widersprüche – so bezüglich seiner Leistungen zugunsten der E._______, des Zeitpunkts der letzten Forderung derselben und seiner letzten Weigerung – aufweisen und die vorgebrachten Gründe, weshalb er von der Organisation verfolgt worden sei, seien zu wenig sub- stanziiert ausgefallen. Aufgrund seiner streckenweise detaillierten Schilde- rungen sei nachvollziehbar, dass er die E._______ unterstützt habe. Die Frage nach der Art und dem Ausmass der Unterstützung lasse sich jedoch wegen seines unstimmigen Aussageverhaltens nicht schlüssig beantwor- ten. Es werde aber ersichtlich, dass er sich in seinen Aussagen durch tak- tische Überlegungen leiten lasse, weshalb eine wesentlich intensivere Ver-D-1397/2015 Seite 11 flechtung mit den E._______ (und allenfalls mit von ihr abgesplitterten Ein- heiten) als er eingeräumt habe, nicht ausgeschlossen werden könne. Er sei denn auch persönlich mit M._______ bekannt gewesen. Sodann seien seine Erklärungen für die hohe Intensität der Verfolg ung durch die E._______ weder individuell noch grundsätzlich angesichts des damals üblichen Vorgehens derselben nachvollziehbar. So seien Personen bei ab- gelehnter Hilfestellung kaum in einem vergleichbaren Ausmass anschlies- send durch die E._______ verfolgt worden. Folglich müssten sie noch wei- tere Gründe für ihre Verfolgung gehabt haben, welche jedoch von ihm nicht geltend gemacht worden seien. Aufgrund der Lücken in seinen Aussagen sei anzunehmen, dass er im Asylverfahren zwar gewisse Sachverhaltselement e verschwiegen habe, nicht aber welche dies gewesen seien. Hingegen sei der Umstand, dass er sich veranlasst gesehen habe, gewisse Sachverhaltselemente auszublen- den, dahingehend zu interpretieren, dass diese sein Asylverfahren negativ beeinflusst hätten, es also um verwerfliche Handlungen gehe. Entlastende Hinweise, so insbesondere die Beurteilung der Botschaft in ihrem Zusatz- bericht vom (...) oder vom (...), seien nicht geeignet, den Tatvorwurf gegen ihn zu widerlegen, da es sich dabei im Lichte der heutig en Erkenntnisse um nicht fundierte subjektive Eindrücke handle. Auch die Zeitabfolge (Asyl- gesuch vor der Tat) schliesse dies nicht aus. Die ursprüngliche Einschät- zung, wonach das BFM von einer Gefährdung und der überwiegenden Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen, welche letztlich zur Erteilung der Einrei- sebewilligung geführt habe, ausgehe, lasse sich aufgrund der in der Folge durchgeführten weiteren Abklärungen (Ergebnisse der Botschaftsanfrage vom [...]) nicht mehr aufrechterhalten. Schliesslich sei im Sinne einer Güterabwägung, insbesondere unter Be- rücksichtigung der Schwere der Taten und der Beachtung seines Schutz- interesses durch die Anerkennung als Flüchtling in der Schweiz, der Aus- schluss von der Asylgewährung aufgrund verwerflicher Handlungen auch als verhältnismässig zu qualifizieren. 3.2 3.2.1 Dagegen wendete der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmittelein- gabe ein, in den durchgeführten Befragungen seien laut vorinstanzlicher Einschätzung gewisse Aussagen von ihm widersprüchlich ausgefallen, was er auch akzeptier e. Die Gründe für diese Unstimmigkeiten seien auf die angespannte Situation, seine Nervosität und auf die lange Zeitspanne zurückzuführen. Auch wenn er seine Situation nicht vollständig erläutern D-1397/2015 Seite 12 könne, habe er Probleme. Da das SEM in letzter Zeit Asylgesuche sri-lan- kischer Gesuchsteller unterschiedlich beurteilt habe, stelle er sich die Frage, ob die Massnahmen, die zu seinem Entscheid geführt hätten, par- teiisch gewesen seien. Diese Gedanken würden ihn psychisch belasten. Dem Vorhalt seiner Untätigkeit im fraglichen Mordfall sei zu entgegnen, dass er den Behörden sein Versteck preisgegeben hätte, falls er versucht hätte, seine Unschuld zu beweisen. Das Justizsystem in seinem Land sei nicht unparteiisch und der Prevention of Terrorism Act (PTA) in Kraft, wes- halb er befürchtet habe, ohne Befragung ins Gefängnis gebracht zu wer- den. Bislang habe er noch keine Gelegenheit erhalten, seine Unschuld dar- zulegen, da gegen ihn an keinem Gericht in Sri Lanka Anklage erhoben worden sei. Bis zu einem Gerichtsurteil gelte er aber nur als Verdächtiger. Das SEM habe im angefochtenen Entscheid aber bereits seine Schuld an- gedeutet, was ihn sehr verletze. Als Antwort auf die Frage, wieso er von den E._______ und dem sri-lankischen Staat so intensiv gesuch t werde, sei eine mögliche Antwort, dass man nicht genau wisse, was in Sri Lanka alles geschehe. Es sei die im Entscheid der Vorinstanz getroffene Andeu- tung, dass er diesen Doppelmord begangen habe, richtigzustellen respek- tive zu entkräften. 3.2.2 In seiner Beschwerdeergänzung machte er sodann geltend, er habe die ihm von den sri -lankischen Behörden vorgeworfenen Tötungsdelikte nicht begangen und jederzeit bestritten. Abseits der Beschuldigungen durch die Behörden des sri-lankischen Unrechtsstaates würden denn auch keinerlei Indizien, geschweige Beweismittel für seine Täterschaft vorliegen. Trotzdem schliesse die Vorinstanz in unzulässiger Weise darauf, dass er diese Taten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit begangen habe. Die un- haltbaren Unterstellungen der Vorinstanz würden darauf hinauslaufen, ihm den faktisch unmöglichen, strikten Beweis seiner Unschuld zu überbinden. Die sri -lankischen Sicherheitskräfte könnten weitgehend nach Belieben schalten und es bestehe keine unabhängige Justiz. Auch sei eine willkürli- che Behandlung durch die Behörden weit verbreitet. Dies werde durch die schweizerischen Asylbehörden nicht bestritten, schon gar nicht für die in Frage stehende Endphase des Bürgerkriegs im Jahr (...) (mit Verweis auf BVGE 2008/2, insbesondere E. 7.2.4). Beschuldigungen der sri-lankischen Strafverfolgungsbehörden seien daher mit grösster Vorsicht zu geniessen. Die vorinstanzliche Darstellung in E. 2.1 ihres Entscheids sei vor diesem Hintergrund grob verharmlosend. Absichtliche Falschbeschuldigungen durch die sri-lankischen Behörden seien aus unterschiedlichen Motiven sehr häufig. Die Grundprämisse des angefochtenen Entscheids greife zu kurz. Im Klima der Willkür und Gewalt würden neben einer vorbestehenden D-1397/2015 Seite 13 politischen Verfolgungsmotivation auch andere Motive für falsche Beschul- digungen in Betracht fallen. So sei es naheliegend, dass ein Unrechtsstaat bei durch eigene Kräfte begangenen Tötungsdelikten versuche, den Ver- dacht auf andere, unschuldige Personen zu lenken. Dies sei in seinem Fall geschehen. Die Falsc hbeschuldigung folge keineswegs dem Zufallsprin- zip, zumal er sich als untergetauchter Arbeitskollege der getöteten Mitar- beiter der D._______ viel mehr angeboten habe als ein beliebiger Dritter. Zudem habe er aufgrund seiner Verbindungen zu den E._______ im Fokus der sri-lankischen Behörden gestanden und die Vorinstanz gehe in E. 2.5 ihres Entscheids selber davon aus, dass er die Organisation unterstützt habe. Sogar die mit den örtlichen Verhältnissen vertraute Schweizer Ver- tretung sei davon ausgegangen, dass er fälschlicherweise beschuldigt wor- den sein dürfte (A12 und A48). Die gegen ihn gerichtete Falschbeschuldi- gung sei deshalb plausibel erklärbar, während neben der Behauptung sei- tens der sri-lankischen Behörden nichts für seine Täterschaft spreche. Die Vorinstanz habe im Entscheid nicht begründet, weshalb seine Schuld über- wiegend wahrscheinlich sein soll, sondern sich damit begnügt, seine Erklä- rungen als unplausi bel zu taxieren. Dies stelle im Ergebnis eine Umkehr der Beweislast dar und bedeute, von einem Asylsuchenden den Beweis zu verlangen, bestimmte Taten im Ausland nicht begangen zu haben. Die vor- instanzliche Würdigung sei daher schon im Ausgangspunkt rechtsfehler- haft. Ohnehin würden sich die Erwägungen der Vorinstanz vielfach als wi- dersprüchlich und lebensfremd erweisen. Entgegen der vorinstanzlichen Auffassung sei er aus Sicht der sri-lankischen Behörden ein naheliegender Sündenbock gewesen. Daran ändere nichts, dass er in Wirklichkeit wegen einer Bedrohung durch die E._______ untergetaucht sei. Ferner habe er im Zeitpunkt des Interviews durch die Botschaft noch gar nicht wissen kön- nen, dass man ihn unberechtigterweise bezichtigen würde, Menschen ge- tötet zu haben. Dazu sei es selbst nach den vorinstanzlichen Sachverhalts- feststellungen erst Wochen spät er, nämlich ab dem (...) gekommen. Er habe sich somit logischerweise Wochen vorher keine Gedanken über ir- gendwelche Alibis machen können. Lebensfremd seien sodann die Aus- führungen, er habe nichts zu seiner Entlastung unternommen. Zwischen Verdächtigung und Ausreise habe es nur darum gehen können, sich zu verstecken und die Flucht zu organisieren, zumal ihn Entlastungsbemü- hungen exponiert und das Risiko einer Verhaftung massiv erhöht hätten. Infolge fehlender Rechtsstaatlichkeit habe er auch nicht darauf hoffen kön- nen, mittels Entlastungszeugen seine Unschuld zu beweisen. Da er zum fraglichen Zeitpunkt bereits versteckt gewesen sei, hätten allfällige Helfer kein Interesse daran haben können, sich gegenüber den Behörden zu ex- ponieren. Ferner habe das Botschaftsinterview während des Bürgerkriegs D-1397/2015 Seite 14 und auf dem Höhepunkt der Verfolgungsmassnahmen gegen die E._______ stattgefunden, weshalb er in nachvollziehbarer Weise in seinen Äusserungen vorsichtig gewesen sei und eine Unterstützung zugunsten der E._______ nicht erwähnt habe, da er nicht recht habe einschätzen kön- nen, ob seine Aussagen nicht doch in die Hände der sri-lankischen Behör- den gelangen würden. Zudem habe er der Vorinstanz die auf einem Flug- blatt und die im Internet zirkulierenden falschen Verdächtigungen (...) sel- ber mitgeteilt, was er kaum getan hätte, wäre er tatsächlich schuldig, was seine Glaubwürdigkeit illustriere. Es könne insgesamt keine Rede davon sein, dass er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit verwerfliche Taten im asylrechtlichen Sinne begangen habe. 3.3 In seiner Vernehmlassung vom 14. Juni 2017 hielt das SEM ergänzend fest, die in der Beschwerdeergänzung geäusserte Erklärung bezüglich der widersprüchlichen Angaben zu seinem Aufenthaltsort zum Zeitpunkt der Entführung/Ermordung der beiden Mitarbe iter der D._______ greife zu kurz. Es wäre dem Beschwerdeführer möglich gewesen, anlässlich der Be- fragung auf der Botschaft die entsprechende Frage wahrheitsgetreu zu be- antworten. Bei der ergänzenden Anhörung hingegen sei, obwohl er zu die- sem Zeitpunkt von den Vorwürfen bereits gewusst habe und davon ausge- gangen werden könne, dass er sich Gedanken zu seinem Aufenthaltsort zum Tatzeitpunkt gemacht habe, die Antwort nicht gleich ausgefallen. Der Umstand, dass er bei der späteren Befragung einen anderen Ort er wähnt habe, könne daher nicht damit erklärt werden, dass er sich zum Zeitpunkt der ersten Aussage nicht bewusst gewesen sei, sie könne später wichtig werden. Vielmehr seien die unterschiedlichen Angaben ein klarer Hinweis für die Unglaubhaftigkeit der ents prechenden Aussagen. Es stehe fest, dass sein Aufenthaltsort zwischen (...) und seiner Ausreise unbekannt sei. Im selben Zusammenhang sei im Übrigen auf die Erwägungen am Schluss von Ziffer 2.3 hinzuweisen, wonach F._______ trotz seiner wohlwollenden Einstellung gegenüber dem Beschwerdeführer zum Interviewzeitpunkt dessen Vorbringen, wonach dieser damals in seinen Einrichtungen unter- gebracht gewesen sei, nicht bestätigt habe. Auch die Beschwerdeergän- zung gebe zu dieser Frage noch immer keine Antworten. In d ieser Zeit- spanne sei es in Sri Lanka zu mehreren Morden gekommen, mit denen der Name des Beschwerdeführers in Verbindung gebracht werde. Konkret habe sich seit der letzten Vernehmlassung in diesem Zusammenhang er- geben, dass er gemäss zahlreichen öffentlich zugänglichen Medienberich- ten am (...) in Sri Lanka angeklagt worden sei, an der Ermordung des (Nen- nung Personen) am (...) beteiligt gewesen zu sein, wobei er (Nennung Tat-D-1397/2015 Seite 15 beitrag) haben soll. (...) Personen seien angeklagt worden, wobei (...) Per- sonen während der Gerichtsverhandlung nicht anwesend gewesen seien. Am (...) habe der (Nennung Gericht) alle Angeklagten freigesprochen, auch die Abwesenden. Das Berufungsverfahren sei noch hängig und die nächste Verhandlung sei für den (...) anberaumt worden. Der Beschwerde- führer gelte den Medienberichten und auch dem Gerichtsverfahren zufolge in Sri Lanka als ehemaliges Mitglied der E._______, welches sich bei der Trennung im (...) der P ._______ und bei deren Aufspaltung im Jahr (...) M._______ angeschlossen habe. 3.4 In seiner Replik hielt der Beschwerdeführer an seinen bisherigen An- gaben fest und brachte ergänzend vor, die Vorinstanz gehe in ihrer Ver- nehmlassung bezeichnenderweise nicht auf die Beschwerdeergänzung ein und erschöpfe sich in für das Verfahren bedeutungslosen Ausführungen. Im Zeitpunkt des Botschaftsinterviews habe er nicht wegen der angebli- chen Tötung sdelikte, sondern wegen seiner Verbindungen zu den E._______ im Fokus der sri -lankischen Behörden und daher unter enor- mem Druck gestanden, weshalb er sich im Untergrund habe bewegen müssen. Deshalb, und weil er seine Verstecke ständig gewechselt habe, habe er sich zu seinem Aufenthaltsort wohl unstimmig geäussert, was aber vor diesem Hintergrund begreiflich sei. Da F._______ eine Mehrzahl von den Sicherheitskräften gesuchte n Personen unterstütze, könne nicht er- wartet werden, dass er gegenüber jeglichen Anfr agen der Botschaft voll- umfänglich und korrekt Auskunft erteilen könne, da sich dieser sonst selber und auch die anderen Personen gefährde. Ohnehin sei nicht ersichtlich, weshalb die Angaben zu seinem Aufenthaltsort im Vorfeld der Befragung durch die Botsch aft eine derartige Bedeutung haben sollten. Das SEM könne keinerlei Umstände anführen, die für seine Täterschaft sprechen würden, und es werde ihm in unzulässiger Weise der Gegenbeweis aufge- bürdet. Soweit den Mordvorwurf in einem anderen Verfahren des Jahr es (...) betreffend sei anzuführen, dass er mit dieser Tat nichts zu tun habe und von dem angeblichen Verfahren ebenfalls nur über sri-lankische Medi- enberichte erfahren habe. Sollte dieses Verfahren tatsächlich stattgefun- den haben, unterstreiche dies das Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden und deren Bemühungen, ihm diese Straftat unter zuschieben. Die Vorinstanz selber habe in ihrem Entscheid in E. 2.2 das mögliche Motiv der sri-lankischen Behörden, angebliche oder tatsächliche Tötungsdelikte Unschuldigen zuzuweisen, um aus den Reihen der Behörden beziehungs- weise des Militärs oder regimetreuer Milizen stammende Täter zu schüt- zen, nicht als abwegig bezeichnet. Insgesamt habe er sich keiner Straftat schuldig gemacht und sei daher keinesfalls asylunwürdig. D-1397/2015 Seite 16 4. 4.1 Gemäss Art. 53 AsylG bedingt die Asylunwürdigkeit – unter anderem – die Begehung einer verwerflichen Handlung, wobei darunter diejenigen Delikte zu subsumieren sind, welche gemäss allgemeinem Teil des schwei- zerischen Strafgesetzbuches als "Verbrechen" (vgl. Art. 10 Abs. 2 StGB; abstrakte Höchststrafe von mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe) gelten, wobei es irrelevant ist, ob die verwerfliche Handlung als rein gemeinrecht- liches oder aber als politisches Delikt einzustufen ist (vgl. BVGE 20 11/29 E. 9.2.2 S. 564; 2011/10 E. 6 S. 131, jeweils m.w.H.). Hinsichtlich des anzuwendenden Beweismasses ist bei Straftaten, die im Ausland begangen wurden, kein strikter Nachweis erforderlich. Es genügt die aus schwerwiegenden Gründen gerechtfertigte Anna hme, das heisst die überwiegende Wahrscheinlichkeit, dass sich die betroffene Person ei- ner Straftat im erwähnten Sinne schuldig gemacht hat. Dabei ist von einer pauschalen Betrachtungsweise Abstand zu nehmen und der individuelle Tatbeitrag − zu welchem die Schwere der Tat und der persönliche Anteil am Tatentscheid wie auch das Motiv des Täters und allfällige Rechtferti- gungs- oder Schuldminderungsgründe zu zählen sind − zu ermitteln. Ein entsprechender Tatbeitrag, der zum Ausschluss von der Asylgewährung führt, kann zum einen in unmittelbarer Täterschaft erfolgt sein. Zum ande- ren ist auch nach einer Tatbeteiligung und einer mittelbaren Täterschaft zu fragen, die sich aus einer Verantwortung für Handlungen Dritter aufgrund einer entsprechenden Befehlsgewalt ergeben kann (vgl. diesbezüglich Ur- teil des BVGer E-3306/2017 vom 21. November 2017 E. 4.1 m.w.H.). Liegt eine entsprechende Delinquenz vor, ist ausserdem zu prüfen, ob die Rechtsfolge des Asylausschlusses auch eine verhältnismässige Mass- nahme darstellt. Dab ei ist vorab in Betracht zu ziehen, wie lange die Tat bereits zurückliegt, wobei auf die Verjährungsbestimmungen des Straf- rechts verwiesen wird. Ebenso haben das Alter im Zeitpunkt der Tatbege- hung sowie eine allfällige Veränderung der Lebensverhältnisse na ch der Tat Einfluss auf die diesbezügliche Entscheidfindung (vgl. BVGE 2011/10 E. 6 S. 132; 2011/29 E. 9.2.3 f. S. 565 m.w.H.; Urteil des BVGer D-5696/2016 vom 5. Mai 2017 E. 4.1). 4.2 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-D-1397/2015 Seite 17 stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverf ahren durchzufüh- ren ist (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, in: Waldmann/Weis- senberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S.1264 ). Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz lich zwar auch durch die Beschwer- deinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozess- ökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber nicht, zumal dem Beschwerdeführer dadurch eine Instanz verloren ginge (vgl. BVGE 2015/10 E. 7.1). 4.3 4.3.1 Das SEM stützte sich in der angefochtenen Verfügung bei der Be- gründung für die Asylunwürdigkeit einerseits auf die dem Beschwerdefüh- rer von den sri-lankischen Behörden zur Last gelegten Morde an zwei Mit- arbeitern des D._______, welche am (...) entführt und am folgenden Tag tot aufgefunden worden seien, zumal er national und international zur Fahndung ausgeschrieben sei, was in der Regel eine Mitbeteiligung an strafbaren Delikten impliziere. Andererseits verwendete es in Ermangelung konkreter Anhaltspunkte und/oder schriftlicher Beweismittel für die behörd- lichen Vorwürfe die dem SEM gegenüber gemachten Aussagen des Be- schwerdeführers. Diesbezüglich führte es aus, weder habe er ein Verfol- gungsinteresse der Behörden plausibel machen noch ein Alibi für den Tat- zeitpunkt nachweisen können und auch keine Massnahmen zu seiner Ent- lastung ergriffen, obwohl dies möglich gewesen wäre. Schliesslich bestün- den Lücken in seinen Aussagen zu den Hilfeleistungen an die E._______. Bei den gegen eine Asylunwürdigkeit s prechenden Hinweisen handle es sich um nicht weiter oder näher begründete subjektive Eindrücke oder Ein- schätzungen der Botschaft in ihren Berichten vom (...), (...) und (...). Es sei daher insgesamt überwiegend wahrscheinlich, dass er sich an den ihm vor- geworfenen Taten beteiligt und somit verwerfliche Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG begangen habe. Sodann sei der Asylausschluss verhält- nismässig. 4.3.2 Vorliegend kann aktuell nicht von einem vollständig erstellten Sach- verhalt bezüglich des in E. 4.3.1 erwähnten Tatbestandes ausgegangen werden. Wohl hat die Vorinstanz diverse Abklärungen über die Schweizer Vertretung getätigt und den Beschwerdeführer wiederholt befragt. Jedoch hat sie im angefochtenen Entscheid selber eingeräumt, es sei ihr bei ihren Abklärungen nicht gelungen, über das Verfahren betreffend den Mordvor- wurf etwas Konkretes herauszufinden oder Beweismittel zu beschaffen. Dabei verwies sie auf die Ergebnisse i n der Botschaftsanfrage vom D-1397/2015 Seite 18 22. September 2010 (vgl. act. C45) sowie auf die Ausführungen in der er- gänzenden Anhörung. Diesbezüglich ist zunächst anzuführen, dass die Vorinstanz bei der Suche nach Hinweisen, die gegen die überwiegende Wahrscheinlichkeit der Begehung verwerflicher Handlungen sprechen könnten, die ursprüngliche Risikobewertung – die sich im Wesentlichen auf Beurteilungen der Botschaft in deren Berichten vom (...) und (...) stützte – umstiess und anführte, die Einschätzungen der Botschaft in den erwähnten Berichten seien entweder zu wenig auf die Tat se lbst bezogen oder es handle sich bei diesen um nicht näher begründete subjektive respektive nicht weiter fundierte Eindrücke. Demgegenüber ist aus dem von der Vo- rinstanz in ihrem Entscheid letztlich verwendeten Abklärungsergebnis der Botschaft (Botschaftsantwort [...] vom (...); act. [...]) in substanzieller Hin- sicht lediglich ersichtlich, dass Abklärungen zu Gerichtsverfahren ohne Ge- richtsnummer nicht möglich seien, der fragliche Gerichtsfall eingestellt wor- den sei und das L._______ den Fall nicht aufzurol len gedenke, weil dies ohnehin Sache des D._______ wäre, und sich keine neueren Berichte in Zeitungen finden würden. Im Anschluss an diese Ausführungen wurden so- dann von der Botschaft verschiedene Annahmen getroffen und Beobach- tungen weitergegeben. Bei diesen handelt es sich lediglich um subjektive Einschätzungen und es wird im angefochtenen Entscheid diesbezüglich nicht näher ausgeführt, weshalb sich diese Bewertungen als stimmiger und fundierter erweisen würden als diejenigen in den Auskünften der Botschaft vom (...) und (...). Zudem führte die Botschaft in ihrer Antwort vom (...) an, dass weitere Abklärungen zum Fall – auch über die D._______ oder an- dere Behörden – zwar heikel seien, aber unter gewissen Umständen trotz- dem durchgeführt werden könnten. Dies lässt den Schluss zu, dass gerade mit Blick auf das angebliche Gerichtsverfahren bezüglich der Ermordung von zwei Mitgliedern des D._______ oder zur Ermittlung anderer sachdien- licher Hinweise zur behaupteten Involvierung des Beschwerdeführers in diese Taten die – von der Vorinstanz offenbar nicht mehr genutzte – Mög- lichkeit bestanden hätte, auf diesem Weg konkrete Erkenntnisse erhältlich zu machen. Angesichts der dem Beschwerdeführer im Verlaufe des Verfahrens unter- stellten Verbindungen zu M._______ respektive H._______ (vgl. insbeson- dere auch die diesbezüglichen Annahmen in der Botschaftsantwort vom [...]) und der damit angeblich in Zusammenhang stehenden strafbaren Handlungen erstaunt sodann, dass dem Beschwerdeführer im Rahmen der ergänzenden Anhörung lediglich durch die Hilfswerkvertretung ein paar wenige Fragen zu seinen Beziehungen zu M._______ gestellt wurden , aber keine durch die Befragerin selber. Dies ist umso überraschender, als D-1397/2015 Seite 19 der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhan g anführte, M._______ schon zu kennen, aber es habe kein e feste Freundschaft bestanden (vgl. act. C53 S. 11). Ferner zog die Vorinstanz zur Begründung der Asylunwürdigkeit die Aus- sagen des Beschwerdeführers bei, die sich in diversen Punkten als wider- sprüchlich respektive als ungereimt erwiesen hätten. Soweit sie diesbezüg- lich auf ein fehlendes Alibi für den Tatzeitpunkt schlies st, weil der Be- schwerdeführer unterschiedliche Angaben zum Anreiseweg zur Schweizer Vertretung in C._______ gemacht habe, ist ihre Schlussfolgerung erheblich zu relativieren und kann in dieser Form nicht nachvollzogen werden. So führte der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung in der Botschaft aus, er sei ab (...) in verschiedenen (Nennung Institution) gewesen und habe sich immer wieder abwechslungsweise in Q._______, R._______, S._______ und T._______ aufgehalten. Da sich die Ortschaft T._______ auf einem der Wege zwischen Q._______ und C._______ befindet und zwischen der Befragung bei der Botschaft und der ergänzenden Anhörung durch die Vorinstanz eine überaus lange Zeit (Nennung Dauer) verstrichen ist, lassen sich nicht zuletzt auch aufgrund der vorgebrachten und nach- vollziehbaren Nervosität des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Vorspra- che bei der Schweizer Vertretung die unterschiedlichen Angaben zum ef- fektiven Abreiseort durchaus plausibel erklären. Alleine aus der Aussage von F._______, dass der Beschwerdeführer mit einigen Freunden unter- wegs gewesen und bei diesen geblieben sei und im Zeitpunkt des Inter- views respektive im Moment bei keiner ihrer Verbindungen beziehungs- weise Einrichtungen bleibe, lässt noch keinen eindeutigen Rückschluss zu, ob er im Tatzeitpunkt – also wenige Tage vorher – bereits nicht mehr für die Bewegungen des Beschwerdeführers verant wortlich gewesen war (vgl. act. A8/31 S. 31). Diesbezüglich lassen die betreffenden Aussagen ohne Weiteres auch eine andere Interpretation zu. Die von der Vorinstanz im Entscheid getroffenen Annahmen zum Vorhandensein eines Alibis basie- ren daher bei der vorliegenden Sachlage nicht auf schlüssigen Aussagen. Sodann sind die Entgegnungen des Beschwerdeführers zum Vorhalt, er habe nach Kenntnis der Mordanklage keine Entlastungsmassnahmen ge- troffen, als durchaus nachvollziehbar zu bezeichnen. So durfte er ange- sichts der sich im damaligen Zeitpunkt stetig verschlechter nden Sicher- heitslage, der ab Dezember 2006 weitergehenden Verhaftungs- und Fest- haltekompetenzen der Sicherheitskräfte gestützt auf den PTA , der Ver- schleppungen und Entführungen von Zivilpersonen, der missbräuchlichen und willkürlichen Polizeimassnahmen gegenüber Tamilen sowie der nicht D-1397/2015 Seite 20 unabhängigen Justiz und einer eingeschränkten Rechtsstaatlichkeit (vgl. zum Ganzen BVGE 2008/2 E. 7.2.1 ff.) nicht damit rechnen, einem fairen und unparteiischen (Ermit tlungs-)Verfahren unterzogen zu werden. Die Vorinstanz hat denn auch nicht konkret dargelegt, wie es dem Beschwer- deführer unter den damaligen Umständen hätte möglich sein sollen, ent- lastende Argumente und Beweise zu sammeln. Dem Hinweis in der ange- fochtenen Verfügung, F._______ habe den Beschwerdeführer sonst in al- len Lebensbereichen unterstützt, vermag deshalb nicht zu überzeugen (vgl. act. C62/17 S. 9 oben), weil ebenso die Möglichkeit bestanden haben könnte, dass F._______ es als von Beginn weg – und dies nicht zu Unrecht – als aussichtslos erachtet haben könnte, entsprechende Entlastungsbe- weise zu beschaffen. Im Weiteren hält die Vorinstanz aufgrund der unterschiedlichen Ausführun- gen zum Umfang der Unterstützungsleistungen zugunsten der E._______ und deren letzten an den Beschwerdeführer gerichteten Forderung sowie der unplausiblen Begründung für die Intensität der Verfolgung durch die E._______ fest, der Beschwerdeführer lasse sich in seinen Aussagen durch taktische Überlegungen leiten, er habe absichtlich Sachverhaltsele- mente verschwiegen respektive ausgeblendet, weshalb seine Verstrickung mit den E._______ (und allenfalls von ihr abgesplitterten Einheiten) we- sentlich intensiver gewesen sei, als er schliesslich eingeräumt habe. So- dann sei dieses Verhalten dahingehend zu interpretieren, dass diese Ele- mente sein Asylverfahren negativ beeinflussen würden, es mithin um ver- werfliche Handlungen gehe. Dazu ist festzuhalten, dass sich der Be- schwerdeführer hinsichtlich der Unterstützungsleistungen an die E._______ wohl unterschiedlich äusserte. Bezüglich der Abgabe von J._______ und (...) ist jedoch mit Blick auf seine Aussage im Botschaftsin- terview, er selber habe nichts für die Sache zugunsten von U._______ ge- tan (vgl. act. A8/31 S. 17), zu bemerken, dass diese Aussage dahingehend verstanden werden kann , dass er als Einzelperson die E._______ nicht unterstützte. Demgegenüber gab er bei der Anhörung an, die Arbeit des D._______ – wo er angestellt gewesen sei – hätte ohne gelegentliche Ab- gabe von Hilfsgütern an die E._______ im Vanni-Gebiet gar nicht durchge- führt werden können (vgl. act. C10/13 S. 4 f.). In diesem Sinne ist der von der Vorinstanz angeführte Einwand zu relativieren. Sodann erweist sich der vorinstanzliche Vorhalt einer widersprüchlichen Aussage bezüg lich der Übergabe einer Karte an die E._______ bei näherer Betrachtung als unbe- gründet, da es sich um zwei verschiedene Sachverhalte handelt. Zum ei- nen soll der Beschwerdeführer im Jahre (...) aufgefordert worden sein, auf einer Landkarte über die Militärc amps Angaben zu sammeln (vgl. act. D-1397/2015 Seite 21 C10/13 S. 5), um andererseits im Botschaftsinterview vorzubringen, er hätte im Jahre (...) einem Angehörigen der E._______ – nachdem er zu einem deren Büros in der Nähe einer (Nennung Institution) namens (...) gerufen worden sei – eine Karte (...) von B._______ beschaffen sollen, was er aber nicht habe tun können, da der D._______ über keine solche verfügt habe (vgl. act. A8/31 S. 13). Dass sich der Beschwerdeführer bezüglich des Zeitpunkts der letzten konkreten Forderunge n der E._______ unter- schiedlich geäussert hat, ist zwar zutreffend, lässt sich aber nach Ansicht des Gerichts in Berücksichtigung der offenbar diversen, über die Jahre er- lebten Kontakte des Beschwerdeführers mit den E._______ und der Mög- lichkeit, sich diesbezüglich bei der Chronologie der Ereignisse zu irren, ebenfalls plausibel erklären. Soweit die Vorinstanz in diesem Zusammen- hang zur Stützung ihrer Aussagen den Zeitpunkt der Vermietung des Vans an eine (Nennung Organisation) am (...) anführt, zumal die letzte Forde- rung der E._______ je nach Aussage einmal vor und das andere Mal nach diesem Zeitpunkt geschehen sein soll, ist festzustellen, dass der fragliche Mietvertrag (vgl. act. A1/Dokument Nr. 6) weder auf den Namen des Be- schwerdeführers lautet noch v on diesem unterschrieben wurde, weshalb dieses Argument nicht verfängt. Die in diesem Zusammenhang getroffene Annahme der Vorinstanz, wo- nach sich der Beschwerdeführer wegen unterschiedlicher Angaben zu Art und Ausmass seiner Unt erstützungstätigkeit bei seinen Aussagen durch taktische Überlegungen leiten lasse, kann daher aufgrund der vorliegen- den Aktenlage nicht gefolgt werden. Insbesondere trifft das SEM in diesem Punkt (vgl. act. C 62/17 S. 10 Ziff. 2.5 letzter Absatz) eine Anna hme, die letztlich darin gipfelt, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass seine Verbindung mit den E._______ und insbesondere auch von ihr allenfalls abgesplitterten Einheiten wesentlich intensiver gewesen sei, als er schliesslich eingeräumt habe. Dadurch dürfte sie implizit einen Bezug zum in den Botschaftsberichten enthaltenen Vorwurf, beim Beschwerdeführer handle es sich um einen für die Gruppe von M._______ agierenden Mör- der, zu erstellen versuchen. Die oben erwähnte Verknüpfung („kann nicht ausgeschlossen werden, dass…“) fusst jedoch aufgrund obiger Erörterun- gen weder auf einer soliden Aktenlage noch lässt sich dieser Rückschluss aus den Aussagen des Beschwerdeführers im Sinne des Beweisgrades der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ableiten. So genügt die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts den Beweisanforderungen nicht. Auch die von der Vorinstanz geäusserte Theorie zu den Gründen, weshalb die E._______ den Beschwerdeführer mit hoher Intensität verfolgt D-1397/2015 Seite 22 haben müssten – wobei sie dabei beispielhaft auf die Auseinandersetzun- gen im Zusammenhang mit der Abspaltung von H._______ verweist (vgl. act. C62/17 S. 11 oben) – erweist sich bei der derzeitigen Sachlage als wenig griffig. In Ziffer 2.7 trifft die Vorinstanz sodann verschiedene Annahmen, die letzt- lich darin münden, dass das Ausblenden von verschiedenen Sachverhalt- selementen durch den Beschwerdeführer dahingehend zu interpretieren sei, dass diese das Asylverfahren negativ beinflussen würden, weshalb es sich dabei um verw erfliche Handlungen handle . Wie in den vorgängigen Erwägungen ausgeführt, sind die Schlussfolgerungen der Vorinstanz zu den Aussagen des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner Verwicklung mit den E._______, der Ursachen der Verfolgung durch dieselben, seines Ali- bis sowie der unterbliebenen Anstrengungen bezüglich Entlastungsmass- nahmen bei derzeitigem Aktenstand entweder zu relativieren oder sind als nicht überzeugend oder als wenig griffig zu erachten und lassen erhebli- chen Spielraum bei deren Beurteilung zu. Diese Annahmen der Vorinstanz lassen zu wenig sachverhaltsmässig erstellte, konkrete Indizien erkennen, um aus diesen zu schliessen, die Folgerungen des SEM würden mit Blick auf das Erfordernis der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zur Annahme von verwerflichen Handlungen den wahrscheinlichsten Geschehensablauf abbilden (vgl. zum Beweisgrad Urteil des BGer 9C_717/2009 E. 3.3; BGE 126 V 353 E. 5b S. 360; 125 V 146 E. 2c S. 150 ; 125 V 195 E. 2; 121 V 47 E. 2a). Sodann hätten Möglichkeiten bestanden, den bislang nicht weiter konkretisierten Sachverhalt durch weitere Abklärungen zu erschlies- sen. Zu denken ist dabei im Übrigen auch an die Möglichkeit, Abklärungen zum Berufungsverfahren betreffend den getöteten tamilischen Abgeordne- ten gegen das am (...) erlassene Urteil des (Nennung Behörde), welches mit einem Freispruch aller (...) Angeklagten – darunter auch der Beschwer- deführer – endete, durchzuführen, aus welchen sich allenfalls Erkenntnisse zu den Vorhalten einer Verstrickung des Beschwerdeführers mi t M._______ respektive H._______ ergeben könnten. 4.3.3 Nach dem Gesagten ist derzeit nicht von einem vollständig erstellten Sachverhalt bezüglich der dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Strafta- ten auszugehen. Die angefochtene Verfügung beruht somit diesbezüglich auf einem unvollständig abgeklärten Sachverhalt. Die Vorinstanz hat daher alle notwendigen Abklärungen vorzunehmen, die es dem Gericht ermögli- chen zu prüfen, ob die aus schwerwiegenden Gründen gerechtfertigte An- nahme respektive die überwiegende Wahrscheinlichkeit besteht, dass den D-1397/2015 Seite 23 Beschwerdeführer eine individuelle Verantwortlichkeit für "verwerfliche Handlungen" im Sinne von Art. 53 AsylG trifft. 4.4 Beschwerden gegen Verfügungen des SEM über Verweigerung des Asyls und die Wegweisung haben grundsätzlich reformatorischen und nur ausnahmsweise kassatorischen Charakter (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 61 Abs. 1 VwVG). Reformatorische Entscheidung setzt in- dessen Entscheidreife, insbesondere eine genügende Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes, voraus. Dies ist vorliegend nicht der Fall. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, soweit beantragt wird, es seien die Dispositiv-Ziffern 4 bis 9 der angefochtenen Verfügung – betref- fend den Beschwerdeführer – aufzuheben und eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung im Asylpunkt an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Dispositivziffern 4 bis 9 der Verfügung vom 30. Januar 2015 sind demnach betreffend den Beschwerdeführer aufzuheben und die Sache ist im Sinne der Erwägungen zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. 5. 5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheb en (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 5.2 Das Honorar des amtlichen Rechtsbeistands ist angesichts des Obsie- gens des Beschwerdeführers dem SEM zur Vergütung unter dem Titel ei- ner Parteientschädigung gemäss Art. 64 VwVG aufzuerlegen. Der Be- schwerdeführer reichte am 6. Juli 2017 eine Kostennote ein. Der darin aus- gewiesene Aufwand von insgesamt acht Stunden und 55 Minuten ist um eine halbe Stunde zu kürzen, da die „voraussichtlichen Abschlussbemü- hungen“ nach Erlass des Urteils nicht mehr als notwendiger Aufwand an- zuerkennen sind. Das ausgewiesene Hon orar (Ansatz Advokat) ist dem- nach um Fr. 100.– zu verringern. Unter Berücksichtigung obiger Ausfüh- rungen, der eingereichten Kostennote und gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 des Reglements vom 21. Feb- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) ist das Honorar des Rechtsbeistands zulasten der Vorinstanz auf insgesamt Fr. 1668.– festzusetzen. D-1397/2015 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Ziffern 4 bis 9 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung vom 30. Januar 2015 betreffend den Be- schwerdeführer werden aufgehoben. 2. Die Sache wird im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vor - instanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1668.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand: