Seite 1 Entscheid vom 8. November 2013 (510 13 63) __________________________________________________ ___________________ Krankheitskosten / behinderungsbedingte Kosten Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Gerich tsschreiber D. Brügger Parteien A. B. und B. B., vertreten durch C. Rekurrenten gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Staatssteuer 2009 Seite 2 Sachverhalt 1. Mit Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2009 vom 20. September 2009 wurden die von den Pflichtigen geltend gemachten Krankheitskosten in Höhe von Fr. 13‘804.-- auf Fr. 6‘580.-- gekürzt und die geltend gemachten behinderung sbedingten Kosten in Höhe von Fr. 5‘157.-- nicht zum Abzug zugelassen. 2. Mit Schreiben vom 8. Oktober 2012 erhob der Vertret er der Pflichtigen Einsprache und stellte mit Einsprachebegründung vom 9. November 2012 die Begehren, 1. Zusätzlich zu den in der Veranlagungsverfügung anerkannten Krankheitskosten seien die ärztlich bescheinigten Di- ät-Mehrkosten von Fr. 5'475.-- zum Abzug zuzulassen, 2. Es seien Transportkosten im Betrag von Fr. 10'400.-- als behinderungsbedingte Kosten zum Abzug zuzulassen, 3. Die im Steuerjahr 2009 als periodenfremd eingestuften Zahnarztkosten von F r. 228.-- seien bei den Veranlagun- gen für das Jahr 2010 von Amtes wegen als abzugsfähige K rankheitskosten zu berücksichti- gen. Zur Begründung machte er geltend, die Mehrkosten einer ärztlich angeordneten, lebens- notwendigen Diät als Krankheitskosten könnte abgezogen we rden. Für die Pflichtige sei die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel nicht zumutbar, da sie an einer für ihre IV-Berentung relevanten Erkrankung leide (allergisches Asthma, insbesonde re Allergie auf Tierhaare). Daher sei die Pflichtige auf den Gebrauch eines Privatautos angewiesen. Die Unzumutbarkeit der Be- nützung der öffentlichen Verkehrsmittel sei generell un d treffe somit auch auf Fahrten zu, die nicht therapeutisch bedingt seien. Rund 10'600 km der ca. 30'000 Fahrtkilometer pro Jahr wür- de der Ehemann für den Arbeitsweg zurücklegen. Die rest lichen 18'000 km seien den Fahrten der Ehefrau sowie den gemeinsam unternommenen Fahrte n zuzurechnen. Von den daraus resultierenden Kosten von Fr. 12'600.-- seien die Koste n des Generalabonnement der SBB (GA) von Fr. 2'200.-- abzuziehen, was dem geltend gemach ten Betrag von Fr. 10'400.-- ent- spreche. 3. Mit Einsprache-Entscheid vom 14. Juni 2013 hiess die S teuerverwaltung die Einsprache teilweise gut und reduzierte das steuerbare Einkommen v on Fr. 80'358.-- auf Fr. 77'858.--. Zur Begründung machte sie geltend, unpräjudiziell gewähre man, anstelle des Abzugs der effekti- ven Kosten bei andauernden lebensnotwendigen Diäten, eine Pauschale von Fr. 2'500.--. Die Seite 3 periodenfremde Zahnarztrechnung könne im Rahmen der n ächsten Steuererklärung geltend gemacht werden. Die Pflichtige sei Mitglied einer Wan dergruppe, wo sie auch als Wanderleite- rin agiere. Dabei würden auch Strecken von über zwei S tunden pro Weg mit dem Zug zurück- gelegt. Daher seien die Fahrten zur Therapie und zum A rzt ebenfalls mit dem öffentlichen Ver- kehr zumutbar, zumal Transportkosten nur sehr restriktiv als behinderungsbedingte Kosten zum Abzug zugelassen würden. 4. Mit Eingabe vom 17. Juli 2013 erhob der Vertreter mit den Begehren, 1. Der angefoch- tene Einsprache-Entscheid sei aufzuheben und das steuerba re Einkommen der Rekurrenten auf Fr. 67'458.-- zu reduzieren, 2. Die Steuerverwalt ung sei anzuweisen, die als periodenfremd eingestuften Zahnarztkosten von Fr. 228.-- bei der Vera nlagung für das Steuerjahr 2010 von Amtes wegen als abzugsfähige Krankheitskosten zu berücksicht igen und 3. unter o/e Kosten- folge, Rekurs. Zur Begründung machte er geltend, der im Einsprache-Entscheid teilweise gut- geheissene Antrag betreffend die Diät-Mehrkosten werde akzeptiert. Die periodenfremd geltend gemachten Zahnarztkosten von Fr. 228.-- müssten richtige rweise im Steuerjahr 2010 zum Ab- zug zugelassen werden. Da die Pflichtigen die Steuere rklärung 2010 vor Erhalt der Veranla- gungsverfügungen 2009 vom 20. September 2012 eingereicht hätten, sei diese Korrektur in der Veranlagung des Steuerjahres 2010 von Amtes wegen vorzu nehmen. Die Rekurrentin sei seit jeher umweltbewusst eingestellt und würde, da D. mit d en öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erschlossen sei, Fahrten, falls sie gesund wäre, durchweg s mit dem Bus bzw. Zug absolvieren. Zu den Wanderungen der Wandergruppe sei die Pflichtig e jeweils mit dem Motorfahrzeug an den Ausgangsort gefahren. Überdies fände sich in den Programmbeschreibungen der aus- drückliche Hinweis, dass die Teilnehmer keine Hunde mitführen sollten. Die geltend gemachten Mehrkosten für die Benützung des Privatautos seien im Umf ang von Fr. 10‘400.-- zum Abzug zuzulassen. 5. Mit Vernehmlassung vom 26. August 2013 stellte die S teuerverwaltung Antrag auf Ab- weisung des Rekurses. Zur Begründung führten sie aus, di e geltend gemachten Zahnarztkos- ten von Fr. 228.-- würden von Amtes wegen im Steuerja hr 2010 berücksichtigt. Die Pflichtige habe zwei Arztzeugnisse eingereicht, welche ihre Hundeh aarallergie bestätigten würden. Aller- dings sei keiner der beiden Ärzte im Stande, den gena uen Schweregrad der angeblichen Hun- Seite 4 dehaarallergie festzustellen, da dieselben nicht übe r genügend Kenntnisse im Bereich der Al- lergologie verfügten. Hunde seien im öffentlichen Ver kehr zwar erlaubt, aber nicht alltäglich. Und wenn man auf Hunde treffe, so lägen diese meisten s am Boden oder würden mittels Käfig, Korb, etc. transportiert, was eine Kontamination der Sitze, geschweige denn des ganzen Rau- mes praktisch unmöglich mache. Überdies könne bei Anwesenheit eines Hundes in ein anderes Abteil gewechselt werden. Es sei der Rekurrentin somit se hr wohl möglich, sich mittels öffentli- cher Verkehrsmittel fortzubewegen. 6. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Pa rteien an ihren Anträgen fest. Auf Anfrage, wieso die IV-Rentenverfügung nicht ins Recht gelegt worden sei, wies der Vertreter darauf hin, dass der Verfügung die Diagnosen nicht zu e ntnehmen seien. Der Hauptgrund für die Berentung der Pflichtigen sei die Allergie. Der Präsident des Steuergerichts zieht in E r wägung : 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu- ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurt eilung des vorliegenden Rekurses zu- ständig. Gemäss § 129 Abs. 1 StG werden Rekurse, deren u mstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 2'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigt, vom Präsidenten des Steuerge- richts als Einzelrichter beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden An- forderungen erfüllt sind, ist ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten. 2. Vorliegend unterliegt zunächst der Beurteilung, ob die Steuerverwaltung anzuweisen ist, die Zahnarztkosten von Fr. 228.-- bei der Veranlagung für das Steuerjahr 2010 von Amtes we- gen als abzugsfähige Krankheitskosten zu berücksichtigen. Ü ber die zahnärztlichen Behand- lungen, welche im Zeitraum vom 20. September 2009 bis am 8. Januar 2010 stattfanden, wurde im Jahr 2010 abgerechnet. Das Veranlagungsverfahren ist ein Massenverfahren, in welchem eine Abgrenzung, d.h. die Aufsplittung von Rechnungen , vorliegend auf die Jahre 2009 und Seite 5 2010, nicht praktikabel ist. Damit ist zu entscheiden, in welchem Steuerjahr der Abzug geltend gemacht werden kann. Massgebend für die Erfassung der i n Frage kommenden Kosten ist das Datum der Zahlung (Ist-Methode) (vgl. Entscheid des Steuergerichts [StGE] vom 10. Dezember 2004, 510 04 55, unter Verweis auf Ziffer 3 des Krei sschreibens Nr. 16 der Eidgenössischen Steuerverwaltung [ESTV] vom 14. Dezember 1994 betre ffend Abzug von Krankheits-, Unfall- und Invaliditätskosten, welches zwischenzeitlich durch das Krei sschreibens Nummer 11 der ESTV betreffend den Abzug von Krankheits- und Unfallkoste n sowie von behinderungsbeding- ten Kosten bei der direkten Bundessteuer vom 31. August 2005 [ESTV KS Nr. 11] ersetzt wor- den ist). In casu wurde die Rechnung im Jahr 2010 ausgeste llt und bezahlt, so dass über den Abzug nicht im vorliegenden Verfahren betreffend Staatssteuer 2009 zu entscheiden ist. Letzte- res ist auch der Grund, wieso auf die beantragte Anwei sung an die Steuerverwaltung das Steu- erjahr 2010 betreffend nicht eingetreten werden kann . Hinzuweisen bleibt allerdings darauf, dass die Steuerverwaltung im vorliegenden Verfahren die Abzugsfähigkeit der geltend gemach- ten Kosten bzw. deren Berücksichtigung von Amtes wegen im Steuerjahr 2010 zugesichert hat. 3. Schliesslich bleibt über die unter dem Titel behind erungsbedingte Kosten geltend ge- machten Fahrtkosten zu entscheiden. a) Gemäss § 29 Abs. 1 lit. m StG werden von den steue rbaren Einkünften die be- hinderungsbedingten Kosten des Steuerpflichtigen und der von ihm unterhaltenen Personen mit Behinderung im Sinne des Behinderungsgleichstellungsgesetzes vom 13. Dezember 2002 (Be- hiG) abgezogen, soweit der Steuerpflichtige die Kosten selber trägt. Da der Begriff „behinde- rungsbedingte Kosten” in § 29 Abs. 1 lit. m StG und Art. 9 Abs. 2 lit. h bis des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kan tone und Gemeinden (StHG) vom 14. Dezember 1990 wörtlich gleich wie in Art. 33 Abs. 1 lit. h bis des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 zu verstehen ist , sind für die Staatssteuern die gleichen Anforderungen für die Abzugsfähigkeit von behinderungsbedingten Kosten, wie sie die ESTV für die direkten Bundessteuern festlegte, anzuwen den (vgl. StGE vom 27. März 2009, 510 08 75, E. 3c; StGE vom 22. Januar 2010, E. 3a). b) Gemäss Kreisschreiben ESTV KS Nr. 11 ist ein Mensch mit Behinderung eine Person, der es eine voraussichtlich dauernde körperliche, geistige oder psychische Beeinträch- Seite 6 tigung erschwert oder verunmöglicht, alltägliche Verr ichtungen vorzunehmen, soziale Kontakte zu pflegen, sich fortzubewegen, sich aus- und fortzubilde n oder eine Erwerbstätigkeit auszu- üben. Die Beeinträchtigung ist dauernd, wenn sie berei ts während eines Jahres die Ausübung der genannten Tätigkeiten verunmöglicht oder erschwert hat oder voraussichtlich während min- destens eines Jahres verunmöglichen oder erschweren wird (Ziff. 4.1) c) Als behinderungsbedingt gelten gemäss ESTV KS Nr. 1 1 die notwendigen Kos- ten, die als Folge einer Behinderung gemäss Ziff. 4.1 entstehen (kausaler Zusammenhang) und weder Lebenshaltungs-, noch Luxusausgaben darstellen. Zu den Lebenshaltungskosten sind die Aufwendungen zu zählen, die zur Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse dienen. Darun- ter fallen die üblichen Kosten für Nahrung, Kleidung , Unterkunft, Gesundheitspflege, Freizeit und Vergnügen. Aufwendungen, die den Rahmen üblicher und notwendiger Massnahmen über- steigen, nur aus Gründen der persönlichen Annehmlichkeit anfallen oder besonders kostspielig sind, können nicht zum Abzug gebracht werden (Ziff. 4.2). d) Tatsachen, welche einen bestimmten Aufwand als beh inderungsbedingte Kosten im Sinne von § 29 Abs. 1 lit. m StG erscheinen lassen, sin d steuermindernd und deshalb von der steuerpflichtigen Person darzutun und nachzuweisen . Dieser Nachweis muss in der Re- kursschrift durch substantiierte Sachdarstellung und durch B eschaffung oder Bezeichnung von Beweismitteln für die Richtigkeit seiner Darstellung gel eistet werden (StGE vom 23. Februar 2007, Nr. 510 06 70, E. 3). e) Gemäss ESTV KS Nr. 11 können durch die Behinderung verursachte Kosten für den Transport zum Arzt, zu Therapien, zu Tagesstätten e tc. abgezogen werden. Zum Abzug zugelassen sind dabei die Kosten des öffentlichen Verkehr smittels oder eines Behindertenfahr- dienstes. Ist deren Benutzung nicht möglich oder nicht zumutbar, können die Kosten eines pri- vaten Motorfahrzeuges (Kilometerentschädigung) abgezogen werden. Kosten für übrige Trans- porte (insbesondere Freizeitfahrten) sind in der Regel nicht als behinderungsbedingte Kosten abzugsfähig. Ein Abzug ist ausnahmsweise dann zulässig, we nn die behinderte Person glaub- haft machen kann, dass sie ohne ihre Behinderung ausschlie sslich das öffentliche Verkehrsmit- tel benützt hätte, dies nun aber behinderungsbedingt nicht tun kann. In diesem Fall sind die im Vergleich zur Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels entstehenden Mehrkosten der Benüt- zung eines Motorfahrzeugs abzugsfähig (Ziff. 4.3.6). Seite 7 4. Die Rekurrentin macht geltend, sie sei auf den Gebr auch eines Privatautos angewiesen. Die Unzumutbarkeit der Benützung der öffentlichen Verkeh rsmittel sei generell und treffe somit auch auf Fahrten zu, die nicht therapeutisch bedingt sei en. Eine IV-Verfügung wurde nicht ein- gereicht, so dass auf die ins Recht gelegten Arztzeugnisse abzustellen ist, wobei im Nachhinein und damit rückwirkend ausgestellte Arztzeugnisse nicht zu be achten sind (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGE] vom 10. Juli 2009, publ. in: Der S teuerentscheid [StE], 2009, B 27.5 Nr. 15, E. 3.1). a) Mit Datum vom 5. November 2007 bestätigt Dr. med. E., Allgemeine Medizin FMH, dass die Rekurrentin aus gesundheitlichen Gründen zu m Besuch der Therapien auf das eigene Auto angewiesen sei. Weiter bestätigt Dr. med. F., Allgemeine Medizin FMH mit Datum vom 26. November 2011 in welcher Höhe im Jahr 2009 Beha ndlungskosten angefallen sind. Über die Notwendigkeit der Benützung eines Autos spricht sich dieses Arztzeugnis nicht aus. Weiter bestätigt erneut Dr. med. F., Allgemeinde Med izin FMH mit Datum vom 5. November 2012, dass der Rekurrentin die Benützung der öffentli chen Verkehrsmittel wegen einer für ihre IV-Berentung relevanten Erkrankung (allergisches Asthma, insbesondere Allergie auf Tierhaa- re) nicht zumutbar sei. Folglich sei sie für weitere Dist anzen (ab ca. 1.5 km) auf ein Auto ange- wiesen. Schliesslich bestätigt Dr. med. G., FMH Innere Medizin mit Datum vom 9. Juli 2012 mit Fragebogen für Ärzte und Ärztinnen (Beilage zum ESTV KS Nr. 11), dass der Rekurrentin die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel nicht möglich ode r nicht zumutbar sei. Aufgrund der hier- vor zitierten Praxis sind sowohl das Arztzeugnis vom 5. Nove mber 2012 als auch der Fragebo- gen vom 9. Juli 2012, da erst im Nachhinein und damit rückwirkend ausgestellt, nicht zu beach- ten. Gestützt auf das eingangs erwähnte Arztzeugnis vom 5. November 2007 ist damit lediglich, aber immerhin erstellt, dass die Rekurrentin für medizi nisch notwenige Fahrten auf das Auto angewiesen ist. b) Hinsichtlich der Freizeitfahrten lässt sich nichts aus d em Arztzeugnis vom 5. No- vember 2007 ableiten. Ein Nachweis liegt somit nicht vo r. Ein Abzug ist, wie oben dargetan, ausnahmsweise aber auch dann zulässig, wenn die behinderte Person glaubhaft machen kann, dass sie ohne ihre Behinderung ausschliesslich das öffentlich e Verkehrsmittel benützt hätte, dies nun aber behinderungsbedingt nicht tun kann. Es h andelt sich um eine Ausnahmebestim- Seite 8 mung, welche restriktiv auszulegen ist. Nach bundesgericht licher Rechtsprechung bedeutet Glaubhaftmachen, „dass der Richter nicht von der Richtig keit der aufgestellten tatsächlichen Behauptungen überzeugt zu werden braucht, sondern dass es genügt, ihm auf Grund objektiver Anhaltspunkte … den Eindruck einer gewissen Wahrscheinlichke it ... zu vermitteln, ohne dass er dabei den Vorbehalt preisgeben müsse, dass die Ver hältnisse sich auch anders gestalten können“ (vgl. BGE 88 I 11 E. 5a.; BGE 130 III 321 E. 3.3.; BGE 132 III 715 E. 3.). c) Die Rekurrentin macht geltend, sie sei seit jeher um weltbewusst eingestellt und würde, da D. mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erschlossen sei, Fahrten, falls sie gesund wäre, durchwegs mit dem Bus bzw. Zug absolvieren. Als Nachweis legte sie eine Auflis- tung zu ihrem „Umwelt-Engagement“ ins Recht. Als Belege werden unter anderem Mitglieder- ausweise des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) und der Natur freunde Schweiz der Jahre 2009 bzw. 2013 eingereicht. Weiter wird von der Universi tät H. der Besuch diverser Veranstal- tungen zu den Themen Energie, Ökologie und Nachhaltig keit bestätigt. Ein Umweltbewusstsein ist bei der Rekurrentin somit vorhanden. Daraus kann ind es nicht abgeleitet werden, dass sie - ausschliesslich, wie dies von der Praxis gefordert wird - di e öffentlichen Verkehrsmittel benüt- zen würde. Zudem müssten für die geforderte Glaubhaftm achung Hinweise für den Zeitraum vor der IV-Berentung, d.h. für die Zeit vor dem 1. Ja nuar 1996 vorliegen. Hätte die Rekurrentin beispielsweise nachgewiesen, dass sie vorher immer ein GA gehabt hätte, könnte daraus allen- falls der Schluss gezogen werden, dass sie ohne ihre Behind erung auch weiterhin ausschliess- lich das öffentliche Verkehrsmittel benützt hätte. Da der Rekurrentin somit die Glaubhaftma- chung nicht gelungen ist, sind die Kosten für das Auto h insichtlich der Freizeitfahrten nicht zum Abzug zuzulassen. 5. Abschliessend ist über den quantitativen Umfang der m edizinisch notwendigen Autofahr- ten der Rekurrentin zu befinden. a) Nachgewiesen wurde der Einkauf orthopädischer Schuh einlagen und Schuhe in I. bzw. in H., ein Arztbesuch in J., ein Zahnarztbesuch in K., zwei Physiotherapiesitzungen in H. und zwölf Arztbesuche in L., insgesamt somit 18 Arzt- bzw . Therapietermine. Im Weiteren hat die Rekurrentin ein Jahresabonnement der Medizinischen T rainingstherapie MTT im M.-Spital in H. eingereicht, wobei hier unklar ist, an wie vielen Tagen sie diese Therapie besucht hat. Ei- Seite 9 ner Bestätigung von Dr. med. F., Allgemeine Medizin FM H vom 11. Juni 2012 ist dazu zu ent- nehmen, dass im Jahr 2009 für das ganze Jahr zweimal w öchentlich eine medizinische Trai- ningstherapie verordnet worden ist. Aufgrund der oben zitierten Praxis ist dieses Arztzeugnis, da erst im Nachhinein und damit rückwirkend ausgestellt, nicht zu beachten. Trotzdem geht das Steuergericht davon aus, dass aufgrund der geltend gema chten gesundheitlichen Probleme sowie der eingereichten Belege an mehr als den vorgena nnten 18 Tagen eine ärztliche Be- handlung oder Therapie stattgefunden hat. Ermessenwei se ist von rund ein bis zwei Therapien pro Woche auszugehen. Grosszügig aufgerundet geht das Ste uergericht von 130 Tagen (und damit rund der Hälfte aller Wochentage eines Jahres) aus. b) Die Rekurrenten haben ein Fahrtenbuch eingereicht, welchem für das Jahr 2009 für den Toyota Corolla 14‘959 km und für den Renault Clio 2‘625 km, insgesamt somit 17‘584 km zu entnehmen sind. Nach § 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 der Verordnung zum Steuergesetz vom 13. Dezember 2005 können Unselbständigerwerbende bei Benützung eines Motorrades oder eines Privatautos die Auslagen für die Kosten der Fahrt zwischen Wohn- und Arbeitsstätte, die bei Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels entstehen wü rden, abziehen. Steht kein solches zur Verfügung oder kann dessen Benützung dem Steuerpfl ichtigen nicht zugemutet werden (z.B. bei Gebrechlichkeit, bei mehr als 1,5 km Entfernun g von der nächsten Haltestelle, bei ei- nem täglichen Zeitaufwand von mehr als 2 1/2 Stunden), so ist pro Fahrkilometer ein Abzug bis zu Fr. 0.40 für Motorräder (mit weissem Kontrollschild) und bis zu Fr. 0.70 für Autos zulässig. Der Nachweis höherer Kosten bleibt vorbehalten. Bei ei ner wie in casu ausgewiesenen jährli- chen Fahrleistung zwischen 15‘001 und 20‘000 km ist von e inem km-Ansatz von Fr. 0.65 aus- zugehen (vgl. Kurzmitteilung Nr. 434 der Steuerverwalt ung Basel-Landschaft vom 6. November 2008). Von den vorgenannten 17‘584 km sind praxisgemäss 2/7 für Fahrten an den Wochenen- den abzuziehen, da dann keine Therapien stattfinden ( vgl. StGE Nr. 510 07 58 vom 18. Januar 2008, E. 5.). Somit verbleiben für die Werktage 12‘5 60 km (= 17‘584 km / 7 x 5). Aufgrund der hiervor ermessensweise vorgenommenen Berechnung der rund 130 Tage, an welchen die Re- kurrentin Arzt- oder Therapietermine wahrzunehmen hat te, sind die 12‘560 km aufzuteilen, in eine Hälfte Freizeitfahrten und die andere Hälfte medizinisch bedingte Fahrten, was je 6‘280 km (= 12‘560 km / 2) ergibt. Damit ist unter dem Titel b ehinderungsbedingte Kosten ein Anteil für das Auto in Höhe von Fr. 4‘082.-- (= 6‘280 km x Fr. 0.65) zum Abzug zuzulassen. Seite 10 Der Rekurs ist demzufolge teilweise gutzuheissen. 6. a) Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind den Rekurrenten nach § 130 StG i.V.m. § 20 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) reduzierte Verfahrenskosten aufzuerlegen. b ) Nach § 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO kann bei Beschwer den in Steuersachen der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Bei zug eines Vertreters eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesproche n werden. Mit Honorarnote vom 5. November 2013 machte der Vertreter der Pflichtigen ein e Parteientschädigung in Höhe von Fr. 2‘818.80 geltend, welche sich aus einem Honorar von 10. 25 Stunden à Fr. 250.--, Auslagen in Höhe von Fr. 47.50 und Mehrwertsteuer (MWSt) in Höhe von Fr. 208.80 zusammensetzte. Ent- sprechend dem Ausgang des Verfahrens wird den Pflichtige n, aufgrund des teilweisen Obsie- gens, eine um 3/5 reduzierte Parteientschädigung in Höh e von Fr. 1‘130.-- inkl. Auslagen und MWSt (Fr. 2‘818.80 / 5 x 2) zu Lasten der Steuerverw altung des Kantons Basel-Landschaft zu- gesprochen. Seite 11 Demgemäss w i r d e r k a n n t : ://: 1. Der Rekurs wird im Sinne der Erwägungen teil weise gutgeheissen. 2. Die Steuerverwaltung wird angewiesen, unter dem Titel behinderungsbedingte Kosten einen Anteil für das Auto in Höhe von Fr. 4‘082.-- zum Abzug zuzulassen. 3. Den Rekurrenten werden gemäss § 130 StG i.V.m. § 20 VPO die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 240.-- (inkl. Auslagen) auferlegt, w elche mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss verrechnet werden. Der zuviel bezahlte Koste nvorschuss in Höhe von Fr. 160.-- wird den Rekurrenten zurückerstattet. 4. Die Steuerverwaltung hat dem Rekurrenten eine red uzierte Parteientschädigung in Höhe von Fr. 1‘130.-- (inklusive Auslagen und MWSt) zu bezahlen. 5. Mitteilung an den Vertreter, für sich und zhd. der Rekurrenten (2), die Gemeinde D. (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3). Steuergerichtspräsident: C. Baader Gerichtsschreiber: D. Brügger