A bteilung III C -954/2006 {T 0/2} U rteil vom 1. M ärz 2007 M itw irkung: R ichter Antonio Im oberdorf; R ichter Andreas Trom m er; R ich- ter Blaise Vuille; G erichtsschreiber D aniel Brand O ._______, Beschw erdeführerin, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung in B ezug auf R ._______, D om inika- nische R epublik B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. Am 28. Juni 2006 beantragte R ._______ beim Schw eizerischen G eneral- konsulat in Santo D om ingo eine Einreisebew illigung, um die im Kanton Tessin w ohnhafte Schw eizerbürgerin O ._______ (Beschw erdeführerin), die er als seine Freundin bezeichnete, w ährend drei M onaten besuchen zu können. N ach form loser Verw eigerung überm ittelte die Schw eizerische Vertretung das G esuch zur Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz. D abei verw ies sie nicht nur auf die schw ierige w irtschaftliche Lage in der D om inikanischen R epublik, sondern auch auf die fehlenden Bindungen des G esuchstellers zum H eim atland, w elche die fristgerechte W iederaus- reise in Frage stellten. B. M it Verfügung vom 28. Juli 2006 w ies die Vorinstanz das Einreisegesuch m it der Begründung ab, die W iederausreise des G esuchstellers nach Ab- lauf des Visum s sei nicht hinreichend gesichert. Insbesondere Touristen- oder Besuchervisa w ürden im m er w ieder von Personen, w elche sich ei- gentlich dauerhaft hier niederlassen m öchten, für eine erleichterte Einreise in die Schw eiz m issbraucht. D em Eingeladenen oblägen im H eim atland w eder zw ingende berufliche Verpflichtungen noch fam iliäre Verantw ortlich- keiten, die gegebenenfalls G ew ähr für eine fristgerechte R ückkehr bieten könnten. C . M it Eingabe vom 4. August 2006, m itunterzeichnet von der M utter und zw ei Schw estern der Beschw erdeführerin, w ird sinngem äss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des gew ünschten Besu- chervisum s beantragt. Zur Begründung bringt die R ekurrentin im W esent- lichen vor, sie habe den W unsch, dem G esuchsteller ihre Fam ilie vorzu- stellen und ihr Land zu zeigen, nachdem sie dessen Lebensum feld habe kennen lernen dürfen. Ihr G ast w eise beruflich und fam iliär enge Bin- dungen zum H eim atland auf; es bestehe keine G efahr, dass er bei Ablauf seines Visum s nicht ausreisen w erde. Auf die w eiteren Vorbringen w ird – sow eit entscheiderheblich – in den Er- w ägungen eingegangen. D . In ihrer Vernehm lassung vom 14. Septem ber 2006 spricht sich die Vorin- stanz für die Abw eisung der Beschw erde aus und hält ergänzend fest, die Ausführungen zur beruflichen Situation des Eingeladenen m üssten nicht zuletzt aufgrund seines befristeten Arbeitsvertrags stark relativiert w erden. Im Ü brigen stehe der R ekurrentin die M öglichkeit offen, den G esuchsteller in der D om inikanischen R epublik zu besuchen. E. Trotz gew ährtem R eplikrecht liess sich die Beschw erdeführerin nicht m ehr vernehm en.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanz gelten die in Art. 33 und Art. 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eigerung der Einreise (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG ], SR 142.20 i.V.m . Art. 31 und Art. 33 Bst. d VG G ). D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G ], SR 173.110). 2. D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die bei Inkrafttreten des Verw al- tungsgerichtsgesetzes bei Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m is- sionen oder bei Beschw erdediensten der D epartem ente hängigen R echts- m ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 VG G ). 3. D ie Beschw erdeführerin ist als "M itbeteiligte" (G astgeberin und G arantin) gem äss Art. 20 Abs. 2 AN AG i.V.m . Art. 48 Vw VG zur Beschw erde legiti- m iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutre- ten (Art. 49 ff. Vw VG ). 4. Ausländer/-innen sind zur Anw esenheit in der Schw eiz berechtigt, w enn sie eine Aufenthalts- oder N iederlassungsbew illigung besitzen oder w enn sie keiner solchen bedürfen (vgl. Art. 1a AN AG ). D ie Behörde entscheidet, im R ahm en der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge m it dem Aus- land, nach freiem Erm essen über die Bew illigung von Aufenthalt oder N ie- derlassung (Art. 4 AN AG ). D aher räum t das schw eizerische R echt w eder einen Anspruch auf Einreise noch auf Erteilung eines Visum s ein (vgl. PETER U EBE R SAX , Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax/Peter M ünch/Thom as G eiser/M artin Arnold (H rsg.), Ausländerrecht, Auslände- rinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143). D em behörd- lichen Erm essen steht som it im Falle der Erteilung einer Einreisebew illi- gung ein w eiterer Spielraum offen als beispielsw eise bei der Verlängerung einer allm ählich den Vertrauensschutz verfestigenden Anw esenheitser- laubnis. D ies gilt auch für die Beurteilung von Einreiseersuchen zur Anw e- senheit von bis zu drei M onaten, die bew illigungsfrei sind (vgl. Art. 2 Abs. 1 AN AG ). 5. D as Visum w ird verw eigert, w enn die Ausländerin oder der Ausländer die Einreisevoraussetzungen nach Art. 1 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern (VEA, SR 142.211) nicht erfüllt (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). So m üssen Personen, die in die Schw eiz reisen m öchten, unter anderem G ew ähr bieten, dass sie 4 fristgerecht w ieder ausreisen w erden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c. VEA). D azu las- sen sich jedoch, da ein künftiges Verhalten zu beurteilen ist, in der R egel keine gesicherten Feststellungen, sondern lediglich Voraussagen m achen. D abei sind säm tliche U m stände des konkreten Einzelfalles zu w ürdigen. 6. D er G esuchsteller kann sich auf keine Ausnahm eregelung berufen und un- terliegt aufgrund seiner N ationalität den Visum sbestim m ungen (vgl. Art. 1 - 5 VEA). 6.1 Anhaltspunkte zur Beurteilung der fristgerechten W iederausreise können sich aus der allgem einen Lage im H erkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten beziehungsw eise R egionen m it politisch oder w irtschaftlich ver- gleichsw eise ungünstigen Verhältnissen können darauf hindeuten, dass die persönliche Interessenlage in solchen Fällen nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einreisebew illigung in Einklang steht. 6.2 N ach m ehr als zehn Jahren starken W achstum s befindet sich die D om ini- kanische R epublik seit Anfang 2003 in einer w irtschaftlich schw ierigen Si- tuation. Zur W irtschaftskrise hat unter anderem die Insolvenz einer der grössten G eschäftsbanken beigetragen, deren Verbindlichkeiten von der dom inikanischen Zentralbank übernom m en w urden. D ie W irtschaftsdaten w eisen für das Jahr 2003 eine Verdoppelung der Staatsverschuldung auf etw a 56% des Bruttoinlandproduktes aus, und die Inflationsrate betrug al- lein in diesem Jahr 42,7% . D ie W irtschaftskrise hat vor allem auch die Be- völkerung em pfindlich getroffen. In diesem Zeitraum stieg der Anteil der unter der Arm utsgrenze lebenden dom inikanischen Bevölkerung um etw a 582'000 auf 5,71 M io (bei einer G esam tbevölkerung von 8,75 M io). D er ge- setzliche M indestlohn pro M onat betrug Ende 2003 zw ischen 73 U SD (klei- ne U nternehm en) und 119 U SD (grosse U nternehm en) und ist dam it im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen. D ie Arbeitslosen- quote ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und betrug im Jah- re 2004 18,4% (Q uelle: http://w w w .ausw aertiges-am t.de, Stand M ärz 2006). Vor allem in der jüngeren Bevölkerung ist aufgrund der ungünstigen Lebensverhältnisse ein starker M igrationsdruck festzustellen. D abei gilt auch die Schw eiz als Zielland vieler Ausw anderer im erw erbsfähigen Alter, w elche sich hier unter besseren Lebensbedingungen eine neue Existenz aufbauen m öchten. D iese Tendenz zur Ausw anderung w ird erfahrungsge- m äss dort noch begünstigt, w o bereits ein soziales Beziehungsnetz im Ausland (Verw andte oder Freunde) besteht. 6.3 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch, w ie unter Ziffer 5 ausgeführt, säm tliche G e- sichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller oder einer G esuchstellerin im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W ie- derausreise begünstigen. Andererseits m uss bei G esuchstellern, die in der H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m ög- lichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfahrungen 5 das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässen Verhaltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 6.4 Beim Eingeladenen handelt es sich um einen 20-jährigen (dam als) ledigen M ann, w elcher zum Zeitpunkt der G esuchseinreichung lediglich über einen befristeten Arbeitsvertrag verfügte. Selbst w enn dieser Vertrag in der Zw i- schenzeit m öglicherw eise verlängert w urde, könnte angesichts der erst re- lativ kurzen Anstellungsdauer ohnehin zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon ausgegangen w erden, der G esuchsteller sei schon stark im Berufsleben verw urzelt. D em Eingeladenen, w elcher die m axim al zulässige Aufent- haltsdauer von drei M onaten voll ausschöpfen m öchte (vgl. Ziff. 17 des persönlichen Einreisegesuches), dürften som it im H eim atland keine beson- deren beruflichen Verpflichtungen obliegen, die ihn ernsthaft von einer Em igration abzuhalten verm öchten, zum al er m it der G astgeberin und R e- kurrentin über eine w ichtige Bezugsperson in der Schw eiz verfügt. Berücksichtigt m an zudem die oben erw ähnte allgem eine w irtschaftliche Lage in der D om inikanischen R epublik, dürften die m ittelfristigen Zukunfts- aussichten des G esuchstellers zum indest als schw ierig einzustufen sein. In Anbetracht der niedrigen Lebensqualität, der schlechten sozialen Absi- cherungen und des vergleichsw eise geringen Lohnniveaus kann näm lich selbst eine Arbeitsstelle im H eim atland nicht verlässlich vom Entschluss abhalten, aus dem Land zu em igrieren, ebenso w enig zurückbleibende Fa- m ilienangehörige. Vielm ehr könnte die Absicht auszuw andern gar von der H offnung getragen sein, die Angehörigen aus dem Ausland w irtschaftlich besser unterstützen zu können. Vor diesem H intergrund m üssen die Vor- bringen auf Beschw erdeebene, w onach genügend G arantien für eine frist- gerechte W iederausreise vorhanden seien, als nicht ausschlaggebend be- zeichnet w erden. Im Ü brigen hegte auch die Schw eizerische Vertretung in Santo D om ingo, w elche m it den sozialen, w irtschaftlichen und politischen Verhältnissen im H erkunftsstaat des Ausländers gut vertraut ist und sich som it durchaus ein Bild des Einreisew illigen m achen kann, Bedenken be- züglich der anstandslosen W iederausreise und verw eigerte form los die Einreisebew illigung. 6.5 N ach dem G esagten durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass die frist- gerechte und anstandslose W iederausreise des Eingeladenen nicht gesi- chert erschien. Insbesondere aufgrund der schlechten Zukunftsperspekti- ven bestand keine genügende G ew ähr dafür, dass der G esuchsteller nach Abschluss seines Besuches fristgerecht und anstandslos in sein H eim at- land zurückkehren w ürde. Zw ar liess sich diese Prognose nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten; sie reichte aber aus, um die Erteilung eines Einreisevisum s – auf das, w ie erw ähnt, ohnehin kein R echtsan- spruch besteht – abzulehnen. D aran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Beschw erdeführerin für die R ückreise ihres G astes garantiert hätte, denn eine solche G arantie ist trotz bester und ehrlicher Absichten nicht m öglich bzw . rechtlich nicht durchsetzbar (vgl. VPB 57.24). D ie Abw ägung der für und gegen eine W iederausreise sprechenden G esichtspunkte ob- liegt allein der zuständigen Behörde. D ie G astgeber in der Schw eiz, deren 6 Staatsangehörigkeit im Ü brigen keine R olle spielt, haben darauf keinen Einfluss. W ie bereits m ehrfach betont, ist bei der Beurteilung von Einrei- sebegehren in erster Linie auf das U m feld bzw . die (persönlichen) Verhält- nisse der eingeladenen Personen – und nicht der G astgeber – abzustellen. 7. D er Vollständigkeit halber bleibt schliesslich festzustellen, dass das Schw eizerische G eneralkonsulat in Santo D om ingo entsprechend den gel- tenden Zuständigkeitsvorschriften und W eisungen gehandelt hat, indem es das Einreisegesuch (w eil die fristgerechte W iederausreise nicht als hinrei- chend gesichert erachtet w urde) der Vorinstanz zur eingehenderen Prü- fung und zum Entscheid unterbreitete. Inw iefern die Beteiligten dadurch in ihren R echten verletzt sein sollten, ist nicht ersichtlich. 8. Zusam m enfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen für die Erteilung einer Einreisebew illigung zu Besuchszw ecken im vorliegenden Fall nicht erfüllt w aren, w eshalb die Vorinstanz die Visum erteilung zu R echt verw ei- gert hat. N icht in diesem Verfahren zu prüfen ist, ob allenfalls unter dem G esichtspunkt der inzw ischen erfolgten Eheschliessung eine Einreisebe- w illigung zu erteilen w äre. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt. D ie Beschw erde ist dem zufolge abzuw eisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschw erdeführerin die Ko- sten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D iese sind in Anw endung von Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht (VG KE; SR 173.320.2) auf Fr. 600.-- festzusetzen. D iesen Betrag hat die Be- schw erdeführerin gestützt auf Art. 63 Abs. 4 Vw VG bereits als Vorschuss geleistet. D ie Verfahrenskosten sind dam it gedeckt. * * * * * * * (D ispositiv S. 7)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden der Beschw erdeführerin auf- erlegt. Sie sind durch den am 17. August 2006 geleisteten Kostenvor- schuss gleicher H öhe gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (eingeschrieben) - dem Schw eizerischen G eneralkonsulat in Santo D om ingo (via Vorins- tanz) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. 2 239 632 zurück) - alla Sezione dei perm essi e dell'im m igrazione, Bellinzona, m it den kan- tonalen Akten (via Vorinstanz) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf D aniel Brand Versand am :