JAAC69.31 Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 10. Mai 2004 i.S. B.L., Guinea, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 23 Art. 11 al. 3 PA. Art. 7 al. 2 OA 1. Communication au mandataire. L’art. 11 al. 3 PA s’applique aussi à la représentation légale; la curatelle instituée en faveur des demandeurs d’asile mineurs non accompagnés constitue une telle représentation. Art. 11 Abs. 3 VwVG. Art. 7 Abs. 2 AsylV 1. Mitteilung an den Vertreter. Die Bestimmung von Art. 11 Abs. 3 VwVG gilt auch für gesetzliche Vertreter. Die für unbegleitete minderjährige Asylsuchende zu errichtende Beistandschaft stellt eine derartige gesetzliche Vertretung dar. Art. 11 cpv. 3 PA. Art. 7 cpv. 2 OAsi 1. Comunicazione diretta al rappresentante. La regola di cui all’art. 11 cpv. 3 PA vale anche per i rappresentanti legali, quali il curatore del richiedente l’asilo minorenne non accompagnato. 1ZusammenfassungdesSachverhalts: DerminderjährigeBeschwerdeführerverliessseinHeimatlandGuineaimJuli 2002undersuchteam13.August2002inderSchweizumAsyl. DasBundesamt fürFlüchtlinge(BFF)lehntemitVerfügungvom13.März2003dasAsylgesuch abundordnetedieWegweisungunddenWegweisungsvollzugan. MitBeschwerdevom15.April2003beantragtederBeschwerdeführerdurch seineRechtsvertreterinunteranderemdieAufhebungderangefochtenen VerfügungundRückweisungderSachezurNeubeurteilungandieVorinstanz. BegründetwurdedieserAntragimWesentlichendamit,dassdemBeistanddes BeschwerdeführersdieVorladungzurkantonalenAnhörungnichtzugestellt wordensei,weshalbdasVerfahrenaufzuhebenundeineerneuteBefragung durchzuführensei. AbklärungendesInstruktionsrichtersderSchweizerischen Asylrekurskommission(ARK)beiderzuständigenkantonalenBehörde ergaben,dassdieVorladungzuderam6.November2002stattfindenden kantonalenBefragungdemBeistanddesBeschwerdeführersam25.Oktober 2002inKopiezugestelltwordensei. DieRechtsvertreterinmachteinihrer Stellungnahmehierzugeltend,gemässtelefonischerAuskunftdesBeistandes seidasSchreibenmitderBekanntgabedesBefragungsterminserstam 4.November2002beidiesemeingetroffen. DieVorladungseizudemanden BeschwerdeführerselbstgerichtetgewesenundnichtandenBeistand. Somit seidieseverspätetundzudemandiefalschePersonversandtworden. AufAnfragederARKandenBeistand,oberseineTeilnahmeander kantonalenAnhörungfürerforderlichgehaltenundoberbeiBejahung dieserFrageversuchthabe,mitderkantonalenStelle,zwecksVerschiebung desTermins,Kontaktaufzunehmen,teiltediesermit,erhabeesnichtfür notwendigerachtet,anderkantonalenBefragungteilzunehmen. DieARKweistdieBeschwerdeab. AusdenErwägungen: 3. DieRechtsvertreterindesBeschwerdeführersbeantragtinihrer RechtsmitteleingabedieRückweisungderSacheandasBFFzwecks DurchführungeinerneuenAnhörung. ZurBegründungmachtsiegeltend, demBeistanddesminderjährigenBeschwerdeführersseidieVorladungzur kantonalenBefragungnichtnotifiziert,sondernfälschlicherweisedirektdem Minderjährigenzugestelltworden. DamitliegeeineVerfahrensverletzungvor, diegemässRechtsprechungderARK(vgl. EntscheidungenundMitteilungen derSchweizerischenAsylrekurskommission[EMARK]1999Nr.2= VPB64.5) durchdieKommissionnichtgeheiltwerdenkönne. Dervorinstanzliche EntscheidseidaheraufzuhebenundderBeschwerdeführersei-unter EinhaltungderVerfahrensbestimmungen-erneutanzuhören. a. GemässArt.17Abs.3desAsylgesetzesvom26.Juni1998(AsylG,SR142.31) ernenntderKanton,demeineunbegleiteteminderjährigeasylsuchende Personzugewiesenwird,fürdieDauerdesVerfahrensunverzüglicheine Vertrauensperson,welchederenInteressenwahrnimmt. Dienachkantonalem RechtzuständigeBehördedesKantonsoderderGemeindeleitetgemässArt.7 Abs.2derAsylverordnung1vom11.August1999überVerfahrensfragen (AsylV1,SR142.311)beiminderjährigenasylsuchendenPersonen,dienicht 2vonihrergesetzlichenVertretungbegleitetwerdenundderengesetzliche VertretungsichnichtinderSchweizbefindet,nachdemZuweisungsentscheid gemässArt.27Abs.3AsylGvormundschaftlicheMassnahmennachdem SchweizerischenZivilgesetzbuchvom10.Dezember1907(ZGB,SR210)ein. Im vorliegendenVerfahrenbezeichnetediezuständigeStelleam16.September 2002HerrnW.T.alsVertretungsbeistanddesBeschwerdeführersundteilte dieseErnennungumgehendderkantonalenBehördemit. ImEntscheid EMARK1999Nr.2= VPB64.5,aufwelchensichdieRechtsvertreterin desBeschwerdeführersbezieht,stelltedieARKfest,ausdemGrundsatz desrechtlichenGehörsergebesichdiePflicht,einemminderjährigen AsylbewerberfürdieDauerdesAsylverfahrenseinerechtskundigePerson beizuordnen,erfordereindessennichtunbedingtdieAnwesenheitdieser PersonbeiderAnhörung. DasUnterlasseneinerVorladungandiesePerson könneallerdingsdasrechtlicheGehörverletzen. b. DieWeisunganeinenAsylsuchenden,zueinerAnhörungzuseinen Asylgründenzuerscheinen,stellteineVerfügungimSinnevonArt.5des Bundesgesetzesvom20.Dezember1968überdasVerwaltungsverfahren (VwVG,SR172.021)darundistalssolcheschriftlichzueröffnen(Art.34 VwVG).Art.11Abs.3VwVGsiehtvor,dassdieBehördenihreMitteilungen aneineProzessparteioderandenRechtsvertreterzurichtenhaben,sofern einsolcherernanntwordenist(vgl. dazuEMARK2002Nr.5= VPB66.79). DieseBestimmung,dieihremWortlautnachnurfürgewillkürteVertreter gilt,mussvonihremRechtssinnherfürgesetzlicheVertretungenebenfalls Anwendungfinden,dadortdieVertretenennichtinderLagesind,ihre InteressenselbständigwahrzunehmenundgeradedeshalbderBegleitung undUnterstützungdurcheineVertrauenspersonbedürfen(vgl. Art.7Abs.5 AsylV1). DiegemässArt.7Abs.2AsylV1zuerrichtendeBeistandschaftstellt einederartigegesetzlicheVertretungdar(vgl. denRandtitelvonArt.392ZGB). Darauserhellt,dassVorladungenzuBefragungenangesetzlichvertretene AsylsuchendedemVertreterzueröffnensind. c. DieEröffnungvonVerfügungenhat,wieerwähnt,grundsätzlichschriftlich zuerfolgen(Art.34Abs.2VwVG).WeitergehendeAnforderungenergeben sichwederausdemVwVGnochausdemAsylG.Insbesonderebrauchtdie VerfügungnichtmiteingeschriebenemBriefzugestelltzuwerden;dieskann vielmehrauchmiteinfachemBrieferfolgen,wobeiderBeweisderZustellung derBehördeobliegt(vgl. J. Stadelwieser,DieEröffnungvonVerfügungen, St. Gallen1994,S.89f.). AusdiesemGrundempfiehltessich,wichtige AnordnungenmiteingeschriebenemBriefzueröffnen. DasBFFhatdieEinladungzurAnhörungdesBeschwerdeführersvom 6.November2002dessenBeistandblossmitgewöhnlicherPostzugestellt. GemässAbklärungenderARKbeimAmtfürBevölkerungundMigration deszuständigenKantonsX.istdieVorladungam25.Oktober2002anden Beistandversandtworden. DieserbestätigtegegenüberderARK,dasgenannte Schreibenam4.November2002erhaltenzuhaben. NachdemobenGesagten brachtedasAmtdemBeistanddenAnhörungsterminsomitgehörigzur 3KenntnisundhatdiediesbezüglichenVerfahrensgarantienfürunbegleitete minderjährigeAsylsuchendeinsoferneingehalten. DieRügederVerletzung desAnspruchsdesrechtlichenGehörsistindiesemPunktunbegründet. d. DieRechtsvertreterinmachtfreilichgeltend,dieZustellungderVorladung andenBeistandseizwaroffenbarerfolgt,keinesfallsjedochrechtzeitig. Eine derartigeVorladungmüssebeimBeistandfrühgenugeintreffen,damitdieser inderLageseizuentscheiden,oberanderAnhörungteilnehmenmöchte odernicht,undumallfällignotwendigeDispositionenrechtzeitigtreffen zukönnen. DurchdasUnterlasseneinerrechtzeitigenMitteilungseider GrundsatzdesrechtlichenGehörsverletzt. Wiebereitsobenausgeführt,stelltediekantonaleBehördedemBeistand desBeschwerdeführerseineKopiederVorladungzurkantonalenAnhörung mitPostaufgabevom25.Oktober2002zu. DieserbestätigtederenEmpfang am4.November2002. AufeineAnfragederARKbeimBeistand,oberseine TeilnahmeanderkantonalenAnhörungfürerforderlichgehaltenhabeund oballenfallsterminlicheSchwierigkeitenvorgelegenseien,teiltediesermit, erhabeesnichtfürnotwendigerachtet,anderAnhörungteilzunehmen. Esistdavonauszugehen,dassesdemBeistanddesBeschwerdeführersals einemberufsmässigenundsomitüberhinreichendeErfahrungverfügenden VertreterohneweiteresundohneerheblichenZeitaufwandmöglichwar, dieNotwendigkeiteinerTeilnahmeanderBefragungabzuschätzen. Obdie sehrkurzfristigeInformationeinesBeistandsodereinerVertrauensperson inandernFällenalsausreichendbetrachtetwerdenkönnte,namentlich wenndieseranderAnhörungteilnehmenwollte,brauchtvorliegendnicht entschiedenzuwerden. JedenfallswäreinsolchenFälleneinemehrals blosszweitägigeZeitspannezurVorbereitungderBefragungzweifellos wünschenswert. VorliegenderweistsichindesauchdieRügedernicht rechtzeitigenZustellungderVorladungandenBeistandalsunbegründet. DerAntragaufRückweisungderSacheandasBFFzurNeubeurteilungist daherabzuweisen. 4Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali JAAC 69.31 - Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 10. Mai 2004 i.S. B.L., Guinea, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 23 In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione Jahr 2005 Année Anno Band 69 Volume Volume Seite --- Page Pagina Ref. No 150 006 923 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. 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