Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 24. November 2016 (720 16 239) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente bejaht, weil Restarbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich aufgrund des Alters der Versicherten (62 Jahre alt), fehlender Berufsausbildung und gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht verwertbar ist. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Raffaella Biaggi , Adv o- katin, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1953 geborene A.____ arbeitete zuletzt als Helpdesk-Mitarbeiterin in einem 50%- Teilzeitpensum bei der B.____ in X.____. Am 18. Jan uar 2014 meldete sie sich mit Hinweis auf Beeinträchtigungen am linken Bein bei der Eidgenöss ischen Invalidenversicherung (IV) zum Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bezug von Leistungen an. In der Folge klärte die IV-S telle die medizinischen, erwerblichen und hauswirtschaftlichen Verhältnisse der Versicherten ab. Gest ützt auf die Abklärungsergebnisse ermittelte sie bei der Versicherten in Anwendung der g emischten Methode der Invaliditätsbe- messung ab 1. August 2014 einen Invaliditätsgrad von 53 % und ab 1. September 2014 einen solchen von 12 %. Mit Verfügung vom 1. Juli 2016 sprach sie B.____ eine für die Zeit vom 1. August 2014 bis 30. November 2014 befristete halbe Invalidenrente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertret en durch Advokatin Raffaella Biaggi, am 21. Juli 2016 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung auch ab 1. Dezember 2014 mindestens eine halbe Invalidenrente auszurichten; alles unter o/e- Kostenfolge. Im Wesentlichen machte sie geltend, dass das G utachten von Dr. med. C.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie FMH Rh eumatologie, vom 4. November 2015, nicht beweiskräftig sei. Zudem sei ihre Restarbei tsfähigkeit aufgrund ihres Alters nicht mehr verwertbar. Ausserdem rügte sie eine unvollständig e Abklärung des rechtserheblichen medizinischen Sachverhalts und die Fehlerhaftigkeit des Haushaltsabklärungsberichts. C. In ihrer Vernehmlassung vom 8. September 2016 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Versicherte An- spruch auf eine Invalidenrente hat. 1.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 1. Juni 1959 Versicherte, d ie ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit. 1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 1.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 1.4 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG d arauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen ( Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 1.5 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 2.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitwei lig erwerbstätig oder als nicht er- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bunde sgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versich erten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 1. Juli 2016) entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesund- heitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Vorliegend bemass die IV-Stelle den Invaliditätsgr ad der Versicherten nach der ge- mischten Methode. Dabei stellte sie bei der Festlegung der Anteile der Erwerbstätigkeit und der Haushalttätigkeit auf die im “Fragebogen zur Ermittl ung der Erwerbstätigkeit“ vom 21. Dezem- ber 2015 wiedergegebenen Angaben der Versicherten ab, wonach diese ohne gesundheitliche Beeinträchtigung wie bisher in einem Pensum von 50 % eines Vollpensums bis zu ihrer Pensio- nierung einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachge gangen wäre. Gestützt auf diese Aus- sage der Versicherten setzte die IV-Stelle den Anteil d er Erwerbstätigkeit auf 50 % und jenen der Haushaltstätigkeit entsprechend auf 50 % fest, wa s von der Versicherten nicht in Frage ge- stellt wird. 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruch s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person – ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab vo n Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stell ung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Dar über hinaus bilden die ärztlichen Stellung- nahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung d er Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren p ersönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet we rden können (U LRICH MEYER - BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den i m Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass die Versi cherte am 30. Oktober 2001 an der Lendenwirbelsäule (LWS) operiert (Dekompressio n und Diskektomie L5/S1) wurde. Ge- mäss den medizinischen Unterlagen seien am 8. August 2013 nach einer Bückbewegung mas- sive lumboischialgiforme Schmerzen mit einer sensomotorisch en Störung L5/S1 links aufgetre- ten. Zudem habe die Versicherte Einschränkungen des Fers en- und Zehengangs bemerkt. Nach einer Infiltrationsbehandlung am 23. August 2013 hätten sich die radikulären Schmerzen deutlich vermindert. Die Motorik und die Sensibilitätsst örung hätten sich dagegen nicht verän- dert (vgl. Berichte von Dr. med. D.____, FMH Neurolo gie, E.____, vom 27. September 2013 und Dr. med. F.____, FMH Neurochirurgie, vom 2. Okto ber 2013). In der EMG-Abklärung vom 27. Oktober 2013 zeigte sich eine akute hochgradige Den ervation in der Höhe L5 links. In der Folge wurde am 7. Oktober 2013 eine erweiterte inter laminäre Fensterung sowie eine Seques- ter- und Diskektomie L4/5 links durchgeführt (vgl. Bericht von Dr. F.____ vom 7. Oktober 2013). Nach der Operation sei es zu einer deutlichen Rückläufigk eit der ausstrahlenden Schmerzsymptomatik und des sensiblen Ausfallsyndroms L5 links gekommen. Die Grossze- henheber- und die Fussaussenrandheberparese seien hinge gen noch persistent (vgl. Bericht von Dr. F.____ vom 12. Oktober 2013). Anfang Dezember 2 013 habe die Versicherte über ei- nen glutealen Schmerz mit Ausstrahlung in den dorsalen Oberschenkel, teilweise bis in den Unterschenkel und die Ferse sowie über massive muskuläre V erspannungen geklagt (vgl. Be- richt von Dr. F.____ vom 4. Dezember 2013). Am 19. Dezem ber 2013 berichtete Dr. D.____, dass sich die L5-Symptomatik auf der linken Seite verbesser t habe. Anamnestisch sei es aber zu einer Verstärkung der S1-Schmerzausstrahlung links gekom men. Die elektro-myografische Untersuchung habe ausgeprägte Denervationszeichen in d er S1-innervierten Ex- tremitätenmuskulatur gezeigt. Im Dermatom S1 auf der rechten Seite seien chronisch- neurogene Veränderungen festzustellen. Aufgrund dieser Beschwerdesymptomatik erfolgte eine stationäre Aufnahme in der E.____ vom 20. Dezembe r 2013 bis 5. Januar 2014, wo eine wesentliche Verbesserung der Beschwerden erreicht worden sei (vgl. Berichte von Dr. F.____ vom 7. Januar 2014 und der E.____ vom 9. Januar 2014). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Gemäss den Angaben der Versicherten verschlechterte sich ihr gesundheitlicher Zu- stand bereits wieder ab 23. Januar 2014. Sie klagte über linksseitige Ischialgien und einem Ein- schlafgefühl im Bereich des dorsalen Oberschenkels (vgl. Ber icht von Dr. F.____ vom 30. Ja- nuar 2014). Laut Beurteilung von Dr. F.____ vom 10. Februar 2014 habe die EMG-Kontrolle eine deutliche Verbesserung der Denervation in der H öhe L5, jedoch eine Verschlechterung in der Höhe S1 gezeigt. Aufgrund des aktuellen MRI bestehe der Verdacht auf eine kleine Rezidiv- Diskushernie in der Höhe L5/S1, weshalb am 10. Februar 2014 eine Re-Fenestration und eine Re-Dekompression L5/S1 erfolgt seien (vgl. Bericht von Dr. F.____ vom 10. Februar 2014). 4.3 Mit Bericht vom 19. August 2014 schrieb Dr. F.____ die Versicherte von Oktober 2013 bis Ende August 2014 zu 100 % arbeitsunfähig. Die bish erige oder eine alternative wechselbe- lastende Tätigkeit könne die Versicherte ab September 2014 bis zu 3 Stunden täglich ausfüh- ren. Gegebenenfalls könne dieser Umfang im weiteren V erlauf gesteigert werden. Sie könne maximal 5 - 10 kg tragen oder heben; Sitzen und Gehe n über 30 Minuten seien nicht mehr möglich. Zwangshaltungen und einseitige Belastungen seien dringend zu vermeiden. 4.4 Anlässlich der Untersuchung vom 10. September 2014 berichtete die Versicherte, dass das Taubheitsgefühl im linken Gesäss und am Fuss seit der Operation im Februar 2014 rück- läufig sei. Die Schmerzen hätten sich graduell gebessert, seien aber insgesamt immer noch sehr prominent. Gemäss Dr. D.____ könne im Myotom L5 un d S1 auf der linken Seite ein aus- geprägter chronisch-neurogener Umbau objektiviert werden . Es gebe jedoch keine "frischen Schädigungszeichen". Insgesamt sei somit eine deutliche B efundverbesserung festzustellen. Aktuell stehe nebst den motorischen Ausfällen ein chroni fiziertes neuropathisches Schmerzsyndrom im Vordergrund (vgl. Bericht von Dr. D.____ vom 12. September 2014). 4.5 Gemäss Bericht des Hausarztes der Versicherten, Dr. m ed. G.____, FMH Innere Me- dizin und Onkologie, vom 28. November 2014 habe die Ve rsicherte am 1. September 2014 ei- nen Arbeitsversuch gestartet; dieser habe jedoch zu tägli chen Schmerzexazerbationen nach etwa einer Stunde Arbeitszeit geführt und sei deshalb abgebrochen worden. In der Folge wurde eine Implantation eines Rückenmarksstimulators diskutiert . Die Versicherte entschied sich je- doch dagegen und wünschte einen Therapieversuch mit A kupunktur (vgl. Stellungnahme des Regionalen ärztlichen Dienstes [RAD] vom 9. Juli 2015). 4.6 Aufgrund dieser medizinischen Ausgangslage beauftr agte die IV-Stelle Dr. C.____ mit einer rheumatologischen Begutachtung der Versicherten. In seinem Gutachten vom 4. Novem- ber 2015 hielt er als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach De- kompression L4/5 links (2003; recte: 2013), Re-Fenestrat ion (2014) und Re-Dekompression links (2014) bei diskretem, residualem sensomotorischem Ausfallsyndrom L5/S1 links, bei chro- nifiziertem neuropathischem Schmerzsyndrom und bei diskre ter (inkonstanter) Fussheber- schwäche links fest. In der Beurteilung führte er aus, d ass der Verlauf nach der zweiten und dritten Operation gemäss den klinischen Angaben der Vor untersucher nicht so "leid" gewesen sein könne, wie es die Versicherte präsentiere. Bei der heutigen Untersuchung erlebe er sie aus neurologischer und rheumatologischer Sicht als gesund. D ie festgestellte leichte Hyposensibili- tät und die intermittierende Fussheberschwäche seien kein e schweren Befunde und stellten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine ausgeprägte Behinderung dar. Die Versicherte fahr e auch Velo und Auto, gehe einkau- fen, mache den Haushalt, könne sitzen, stehen und gehen , bis zu 10 kg problemlos heben und sei über die Rückendisziplin gut orientiert. Die Funktion sbeeinträchtigungen seien daher sehr gering. Eine Einschränkung bestehe einzig bei Arbeiten in repetitiv gebückter Haltung. Die bis- herige Tätigkeit entspreche gemäss den Schilderungen der Versicherten keiner körperlich be- lastenden Arbeit. Sie könne auch wechselbelastend im Si tzen, Stehen und Gehen ausgeübt werden und beinhalte keine Arbeiten mit Zwangshaltun g der LWS. Es sei deshalb der Versi- cherten zumutbar, in ihrer angestammten Tätigkeit ab S eptember 2014 im bisherigen Umfang von 50 % (d.h. 4 Stunden pro Tag) zu arbeiten. Bei der Ausführung der bisherigen Tätigkeit von 8 Stunden pro Tag sei eine geringe Leistungsminderung wegen Ermüdung zu erwarten. In einer dem Rücken und dem linken Fuss angepassten Tätigkeit bes tehe ebenfalls eine volle Arbeits- fähigkeit, sofern repetitives Bücken, Heben aus gebeugter Haltung und häufiges Treppengehen vermieden würden. 5.1 Die IV-Stelle stellte in der angefochtenen Verfü gung auf das Gutachten von Dr. C.____ vom 4. November 2015 ab. Sie ging demzufolge davon a us, dass die Versicherte ihre ange- stammte und jede andere leidensangepasste Tätigkeit im b isher ausgeübten Teilzeitpensum von 50 % ausüben könne. Diese Ansicht ist nicht zu beansta nden. Die vorinstanzliche Beweis- würdigung ist - bis auf die Zumutbarkeitsbeurteilung bezüglich der angestammten Tätigkeit (vgl. nachfolgende E. 5.3) - nicht zu beanstanden. Wie ob en ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachte n externer Spezialärztinnen und - ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Unt ersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutachten von Dr. C.____ weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.3 hiervor ) - für die streitigen Belange umfas- send, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berü cksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leu chtet in der Darlegung der medizini- schen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinisch en Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen ärztlichen Einschätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. 5.2 An diesem Ergebnis vermögen die Einwände der Versich erten nichts zu ändern. Ent- gegen der Ansicht der Versicherten drängt sich eine Abkl ärung in psychiatrischer Hinsicht nicht auf. Die IV-Stelle weist in ihrer Vernehmlassung vom 8. September 2016 zu Recht darauf hin, dass sich aus den Akten keine Hinweise für eine psychiatrische Erkrankung der Versicherten ergeben; sie stand auch noch nie in psychiatrischer Behand lung. Weiter macht die Versicherte geltend, dass Dr. C.____ den gescheiterten Arbeitsversuch im September 2014 nicht berück- sichtigt und zu den chronisch neurogenen Veränderungen k eine Stellung genommen habe. Diesen Einwänden ist entgegenzuhalten, dass Dr. C.____ auf Seite 5 seines Gutachtens unter Sozial- und Berufsanamnese den gescheiterten Arbeitsversu ch aufführte. Desgleichen wies er auf Seite 11 auf den Bericht des Hausarztes vom 28. Nove mber 2014 hin, welchem zu entneh- men ist, dass der Arbeitsversuch aufgrund täglicher Schmerzexazerbationen habe abgebrochen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden müssen. Daraus ist zu schliessen, dass er sich des Sch eiterns des Arbeitsversuchs bewusst war. Da Dr. C.____ bei der Versicherten zudem ke ine erheblichen Funktionsein- schränkungen feststellen konnte, ist der erfolglose Arbei tsversuch nicht geeignet, an seiner Zumutbarkeitsbeurteilung zu zweifeln. Weiter nimmt Dr. C.____ - ebenfalls auf Seite 11 seines Gutachtens - zu den von Dr. D.____ erwähnten neurogen en Veränderungen Stellung. Mit der Hervorhebung des von Dr. D.____ verfassten Textes betref fend Befundverbesserung macht er deutlich, dass er übereinstimmend mit Dr. D.____ davon a usgeht, dass diese Veränderungen den Gesundheitszustand der Versicherten nicht verschlechterten. 5.3 Demgegenüber ist der Versicherten zuzustimmen, dass Dr . C.____ dem Arbeitsplatz- beschrieb der letzten Arbeitgeberin vom 29. Januar 20 14 keine oder nur ungenügende Beach- tung schenkte. Diesem ist nämlich zu entnehmen, dass die Versicherte - entgegen ihren Anga- ben - bei der Ausübung ihrer angestammten Tätigkeit am Helpdesk sehr häufig sitzen müsse und nur selten stehen könne. Indem sie gemäss Beurteilun g von Dr. C.____ gesundheitsbe- dingt jedoch nur noch wechselbelastende Arbeiten ausfüh ren kann, entspricht ihr ehemaliger Arbeitsplatz nicht dem ihr noch zumutbaren Arbeitsplatzprofil. Damit steht gleichzeitig fest, dass es der Versicherten nicht mehr möglich ist, ihre angestam mte Tätigkeit auszuüben. Hingegen besteht kein Anlass, die Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. C.____ hinsichtlich einer Verweistä- tigkeit zu beanstanden. Die Versicherte bezweifelt diese auch nicht substantiiert. Es ist demzu- folge davon auszugehen, dass sie in einer leidensangepassten Tätigkeit ab September 2014 im Rahmen eines 50%-Teilzeitpensums zu 100 % arbeitsfähig ist. 6.1 Im Zusammenhang mit der zumutbaren Verweistätigkeit macht die Versicherte geltend, dass ihr in Anbetracht ihres fortgeschrittenen Alters ni cht mehr zugemutet werden könne, eine andere Arbeit anzunehmen. 6.2 Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein in validitätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die e iner versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen An spruch auf eine ganze Invalidenrente begründet. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermö- gen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Ein zelfalls ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und de ssen Folgen, der absehbare Um- stellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruk- tur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbild ung, beruflicher Werdegang oder An- wendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE 138 V 460 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Möglichkeit, die verbliebene Arbei tsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Ar- beitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, w elcher Zeitraum der versicherten Per- son für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch f ür einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juli 2015, 9C_118/2015, E. 2.2). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Für den Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwo rtet wird, ist auf das Feststehen der me- dizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit a bzustellen (BGE 138 V 457 E. 3.3 S. 462). Vorliegend bildet das von der IV-Stelle eing eholte Gutachten von Dr. C.____ vom 4. November 2015 Grundlage für die angefochtene Verf ügung. Für die Frage der Rentenbe- rechtigung ist demnach die Verwertbarkeit der Restarbe itsfähigkeit ab 4. November 2015 ent- scheidend (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 14. Okt ober 2016, 9C_416/2016, E. 5.1). Im massgeblichen Zeitpunkt war die am 19. Oktober 1953 geborene Versicherte rund 62 Jahre alt. Bis zum Erreichen des ordentlichen AHV-Alters von 6 4 Jahren verbleibt ihr nur noch eine kurze Aktivitätsdauer von knapp 2 Jahren. 6.4 Das Bundesgericht befasste sich schon verschiedentlich mi t Fällen von Versicherten, in denen sich die Frage stellte, ob diese angesichts ihr es fortgeschrittenen Alters in einem als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt noch als vermitte lbar gelten und die ihr verbliebene Leistungsfähigkeit erwerblich verwerten konnten (vgl. z.B . Urteil des Bundesgerichts vom 10. September 2013, 8C_345/2013 mit zahlreichen Hinweisen). Im kürzlich ergangenen und mit dem vorliegenden Fall vergleichbaren Urteil vom 14. Okto ber 2016 (9C_416/2016) setzte sich das Bundesgericht mit einem Fall auseinander, in welche m die 62,5-jährige Versicherte die von ihr zuletzt ausgeübte Tätigkeit seit 2005 als Montagemi tarbeiterin am Fliessband aufgrund ihrer eingeschränkten Belastbarkeit (chronisches Schmerzsyndrom u nd psychische Beeinträchtigun- gen) nicht mehr ausüben konnte. Die Ausführung von kö rperlich leichten bis teilweise mittel- schweren wechselbelastenden Tätigkeiten ohne Zeitdruck un d Hektik waren ihr dagegen voll- umfänglich zumutbar. Das Bundesgericht verneinte die Ve rwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit mit der Begründung, bei der Versicherten sei aufgrund ihrer kurzen Aktivitätsdauer von 1,5 Jah- ren und der minimalen (Aus-)Bildung von einer gering en Anpassungsfähigkeit an eine neue Tätigkeit auszugehen. Ihre Arbeitskraft werde unter den konkreten Umständen auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachg efragt (vgl. E. 5.1 des zitierten bun- desgerichtlichen Urteils). 6.5 Vorliegend war die am 19. Oktober 1952 geborene Versicherte in den Jahren vor Ein- tritt der invalidisierenden Gesundheitsbeeinträchtigungen als Helpdesk-Mitarbeiterin tätig. Diese Tätigkeit kann ihr - wie in Erwägung 5.3 dargelegt - aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zugemutet werden. Die Ausübung einer den Rücken- und linken Fussleiden angepassten Ver- weistätigkeit ist ihr zwar im Rahmen eines 50%-Teilzeitp ensums zu 100 % möglich. Bei einem 100%-Arbeitspensum ist aber gemäss Beurteilung von Dr. C. ____ aufgrund Ermüdungser- scheinungen eine Leistungsminderung zu erwarten. Ausserde m muss die Verweistätigkeit wechselbelastend (Sitzen, Stehen und Gehen) sein und da rf keine körperlichen Belastungen sowie Zwangshaltungen der LWS, kein repetitives Bücken, Heben aus gebeugter Haltung und häufiges Treppensteigen beinhalten. Mit diesen zusätzliche n Einschränkungen wird der Kreis möglicher Verweistätigkeiten beträchtlich eingeschränkt . Dazu kommt, dass die Versicherte über keine Berufsbildung verfügt und ihr bis zur ordentl ichen Pensionierung nur noch knapp 2 Jahre verblieben. Es ist davon auszugehen, dass diese pe rsönlichen Umstände sich auf die für einen Berufswechsel erforderliche Anpassungsfähigkeit ungünstig auswirken. Aufgrund die- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ser konkreten Umstände ist davon auszugehen, dass die Versich erte mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit keinen Arbeitgeber mehr findet, der sie fü r eine geeignete Tätigkeit einstellen würde, zumal behindertengerechte Arbeitsplätze von gesu ndheitlich Beeinträchtigten in jungem und mittlerem Alter ebenfalls stark nachgefragt werden . Zusammenfassend ist daher festzuhal- ten, dass die der Versicherten verbleibende Restarbeitsf ähigkeit auf dem ausgeglichenen Ar- beitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird und ihr deren Verwertung auch ge- stützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zug emutet werden kann. Ist die Restar- beitsfähigkeit aber wirtschaftlich nicht mehr verwertbar , liegt im Erwerbsbereich eine vollständi- ge Erwerbsunfähigkeit vor. 7.1 In Bezug auf die Invalidität im Aufgabenbereich beanstandet die Versicherte die Haus- haltsabklärung vom 4. Januar 2016, mit welcher ledigl ich eine Einschränkung von 5 % festge- stellt wurde. Die Abklärungsperson habe unberücksichtigt g elassen, dass sie bei der Verrich- tung der Haushaltsarbeiten massiv eingeschränkt sei und eine Drittperson mit dem Hundespa- ziergang habe beauftragt werden müssen, weil sie dies n icht mehr selbst tun könne. Zudem sei die vom Ehemann erwartete Mitwirkung im Haushalt zu gross. Streitig und zu prüfen ist somit, in welchem Masse die Versicherte zufolge ihrer gesundheitlich en Beschwerden im Haushalt ein- geschränkt ist. 7.2 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsberei ch bedarf es im Regelfall einer Ab- klärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Hinsichtlich des Beweiswertes des Abklärungsberichts sind - analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft von Arztberi chten (BGE 134 V 232 E. 5.1) - verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein Haushaltsabkl ärungsbericht ist beweiskräftig, wenn er von einer qualifizierten Person verfasst wird, we lche Kenntnis der örtlichen und räumli- chen Verhältnisse sowie der Beeinträchtigungen und Beh inderungen hat, die sich aus den me- dizinischen Diagnosen ergeben. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berück- sichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteilig ten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Be- richtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angem essen detailliert bezüglich der ein- zelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. AHI-Praxis 2003 S. 218 E. 2.3.2; U rteil des Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sof ern der Bericht eine zuverlässige Ent- scheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstel lt, in das Ermessen der Abklä- rungsperson nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinsch ätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate vorliegen. Das gebi etet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkret en Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (vgl. Urteil des Bundesg erichts vom 18. August 2008, 8C_107/2008, E. 3.2.1 mit Hinweis; BGE 128 V 93 f. E. 4). 7.3 Der Haushaltsbericht vom 4. Januar 2016 ist umfassend und berücksichtigt die Be- schwerden der Versicherten sowie die medizinischen Vorakten . Die verschiedenen Aufgaben- bereiche (Haushaltsführung, Ernährung, Wohnungspfleg e, Einkauf, Wäsche, Hundebetreuung) wurden sorgfältig und ausführlich untersucht und gewich tet. Schadenmindernd wurde nament- lich angerechnet, dass der Ehemann der Versicherten beim Kochen, beim Abräumen des Ti- sches, beim Ausräumen des Geschirrspülers, beim Reinigen de r Wohnung, bei der Gartenar- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht beit mithelfen, die Grosseinkäufe erledigen, die Wäsche in die Waschküche tragen und mit dem Hund morgens spazieren kann. 7.4 Die Ergebnisse der Haushaltsabklärung lassen sich nic ht beanstanden und sind auch durch die Vorbringen der Versicherten nicht in Zweifel zu ziehen. Insbesondere macht sie denn auch nur allgemein geltend, dass in der Haushaltstätig keit infolge ihrer Verlangsamung von einer höheren Einschränkung auszugehen sei. Im Hinblick au f diese Einschränkung ist darauf hinzuweisen, dass im Haushalt die Möglichkeit besteht, di e Arbeitsabläufe an die Behinderung anzupassen und jederzeit Pausen einzulegen. Was die gelte nd gemachte Verlangsamung an- belangt, so ist nicht die im Haushalt aufgewendete Zeit, sondern die Einschränkung in den nach der Rechtsprechung umschriebenen Bereichen massgebend (U rteil des Eidgenössischen Ver- sicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht] vom 18. November 2003, I 835/02, E. 6.5). Was die Mithilfe des Ehemannes anbelangt, ist darauf hinzu weisen, dass gemäss bundesgerichtli- cher Rechtsprechung bei im Haushalt tätigen Personen ein invaliditätsbedingter Ausfall nur in- soweit angenommen werden darf, als die Aufgaben, wel che nicht mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen Entlöhnung oder durch Angeh örige verrichtet werden, denen dadurch nachgewiesenermassen eine Erwerbseinbusse oder doch eine unverhältnismässige Belastung entsteht. Mit Bezug auf die Mitarbeit von F amilienangehörigen, ist danach zu fragen, wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einrichte n würde, wenn keine Versicherungs- leistungen zu erwarten wären. Nach dieser Rechtsprechung ist für die Feststellung der Ein- schränkungen nicht entscheidend, was die Versicherte als gesu nde Person im Haushaltsbe- reich leisten konnte. Die im Rahmen der Invaliditätsbeme ssung bei einer Hausfrau zu berück- sichtigende Mithilfe von Familienangehörigen geht dah er weiter als die ohne Gesundheitsschä- digung üblicherweise zu erwartende Unterstützung (BGE 133 V 504 E. 4.2 S. 509 mit zahlrei- chen Hinweisen). Eine wesentliche Einschränkung ist vorlieg end nur dann gegeben, wenn die Mithilfe ihres Ehemannes nicht mehr mit der Schadenmi nderungspflicht vereinbar wäre und die Versicherte deshalb für die Arbeiten, welche sie nicht m ehr erledigen kann, eine Hilfskraft ge- gen Entlöhnung beiziehen müsste. Dieser Fall trifft vor liegend nicht zu, trug doch die Abklä- rungsperson der Schadenminderungspflicht der Versicherten angemessen Rechnung. Aus dem gleichen Grund führt die Tatsache, dass die Versicherte zw eimal in der Woche eine Drittperson organisiert hat, damit diese einen längeren Spazierg ang mit ihrem Hund unternimmt, nicht zu einer zusätzlichen Einschränkung, welche im Haushaltsber icht zu berücksichtigen wäre. Im Rahmen der Schadenminderungspflicht hat sie keinen An spruch, dass ihrem Hund die von ihr gewünschten längeren Spaziergänge zukommen. Zusammenfa ssend ist somit festzuhalten, dass sich die IV-Stelle bei der Beurteilung der Einschrä nkungen im Haushalt zu Recht auf den Abklärungsbericht vom 4. Januar 2016 stützte und von einer 5%igen Einschränkung ausging. 7.5 Lassen die vorhandenen medizinischen Unterlagen nach dem Gesagten eine zuverläs- sige Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes der Versicherten und den Einschränkun- gen im Haushaltsbereich zu, so kann auf die von ihr event ualiter beantragte Rückweisung an die Vorinstanz zur Vornahme weiterer medizinischer Abkl ärungen verzichtet werden. Desglei- chen besteht kein Anlass, aufgrund der Aktenlage eine n eue Haushaltsabklärung in Auftrag zu geben, lassen sich hiervon keine entscheidrelevante Aufschlü sse erwarten (sog. antizipierte Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beweiswürdigung; vgl. dazu BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 7.6 In Anwendung der gemischten Methode der Invalidit ätsbemessung ergibt sich somit ge- wichtet nach der zeitlichen Beanspruchung in den jeweiligen Bereichen (Erwerb 50 %, Haushalt 50 %) ab 1. August 2014 eine Einschränkung im Erwerbsb ereich von 50 % (100 % x 0.5) und eine solche im Haushaltsbereich von 2.5 % (5 % x 0.5). Gesamthaft resultiert daraus ein Invali- ditätsgrad von 52,5 %. 7.7 Obwohl die Versicherte die Anwendung der gemischte n Methode der Invalidi- tätsbemessung nicht gerügt hat, ist der Vollständigkeit halber kurz auf die diesbezügliche Prob- lematik hinzuweisen. Im Fall "di Trizio" gegen die Schweiz verurteilte der Europäische Gerichts- hof für Menschenrechte (EGMR) die Schweiz am 2. Februa r 2016 wegen Verletzung von Art. 14 (Diskriminierungsverbot) in Verbindung mit Art. 8 (R echt auf Achtung des Privat- und Famili- enlebens) der Konvention zum Schutze der Menschenrechte u nd Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950, da sich die aktuelle Praxis zur gemisch ten Methode diskriminierend gegen- über Frauen auswirke. Das Urteil des EGMR ist seit 4. Ju li 2016 rechtskräftig. Bis zum Urteils- zeitpunkt hat weder das Bundesgericht noch das BSV dazu S tellung genommen, wie zukünftig die Alternative zur bisher angewandten Berechnungsmetho de bzw. gemischten Methode aus- sehen soll. Im vorliegenden Fall kann dies jedoch offe n gelassen werden, da die Versicherte selbst mit der für sie günstigsten Berechnungsmethode kein en höheren Invaliditätsgrad als 55 % erreichen würde. Auch bei einem Invaliditätsgrad von 55 % hätte sie weiterhin Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. 8. Aus dem Gesagten folgt als Ergebnis, dass die angefoch tene Verfügung der IV-Stelle vom 1. Juli 2016 aufzuheben und festzustellen ist, dass di e Versicherte mit Wirkung ab 1. Au- gust 2014 Anspruch auf eine halbe unbefristete Invalid enrente hat. Demgemäss ist die vorlie- gende Beschwerde gutzuheissen. 9.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin obsiegende und die IV-Stelle unterliegende Partei. 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der R egel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten auf erlegt werden. Aufgrund dieser Be- stimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterlie gens nicht für die Verfahrenskosten auf- zukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden P rozess keine Verfahrenskosten er- hoben werden. Der Versicherten ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Versicherte obsiegende Pa rtei ist, ist ihr eine Parteientschädi- gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Ihre Rechtsver treterin machte in ihrer Honorarnote vom 30. September 2016 für das vorliegende Verfahren e inen Zeitaufwand von 9 Stunden und 50 Minuten geltend, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in So zialversicherungsprozessen pra- xisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelang enden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiese- nen Auslagen von Fr. 93.--. Der Versicherten ist deshal b eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'755.45 (9 Stunden und 50 Minuten à Fr. 250 .- + Auslagen von Fr. 93.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung vom 1. Juli 2016 aufgehoben und festgestellt wird, dass die Beschwerdeführerin ab 1. August 2014 Anspruch auf ein e unbefristete halbe Invalidenrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle hat der Beschwerdeführerin eine Par teientschädigung in der Höhe von Fr. 2'755.45 (inkl. Auslagen und 8 % Meh rwertsteuer) zu bezahlen.