<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 64 S.329</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">329</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>X. Verwaltungsrechtspflege</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>64 Rechtliches</b></span> <span class="ft3"><b>Gehör.</b></span> <span class="ft3"><b>Verfügungsform.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>-</b></span> <span class="ft3"><b>In Gesuchsverfahren kann von einer Anhörung grundsätzlich abge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sehen werden; dies gilt auch bezüglich der Erhebung von Gebühren</b></span><br/> <span class="ft3"><b>im Zusammenhang mit der Gesuchsstellung (Erw. 2/b).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Ist eine Verfügung von einer nicht unterschriftsberechtigten Person</b></span><br/> <span class="ft3"><b>unterzeichnet worden, kann dieser Mangel nicht geheilt werden</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 2/c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 30. November 2004 in Sa-</span><br/> <span class="ft4">chen N. AG gegen Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2. (...)</span><br/> <span class="ft6">b) (...). In Verfahren, welche durch Einreichung eines Gesuchs</span><br/> <span class="ft6">eingeleitet werden, bedarf es nach bundesgerichtlicher Rechtspre-</span><br/> <span class="ft6">chung grundsätzlich keiner Anhörung mehr; es findet gewissermas-</span><br/> <span class="ft6">sen eine Vorverlagerung des rechtlichen Gehörs statt, indem der Ge-</span><br/> <span class="ft6">suchsteller sein Gesuch entsprechend zu begründen hat (BGE</span><br/> <span class="ft6">111 Ia 103 f.; Michele Albertini, Der verfassungsmässige Anspruch</span><br/> <span class="ft6">auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staa-</span><br/> <span class="ft6">tes, Bern 2000, S. 263). Damit ist allerdings nur der begünstigende</span><br/> <span class="ft6">Teil der Bewilligung abgedeckt. Aber auch wenn mit der Bewil-</span><br/> <span class="ft6">ligung belastende Nebenbestimmungen verknüpft oder - wie im vor-</span><br/> <span class="ft6">liegenden Falle - Gebühren erhoben werden, braucht der Bewilli-</span><br/> <span class="ft6">gungsnehmer in aller Regel nicht angehört zu werden. Nebenbe-</span><br/> <span class="ft6">stimmungen bilden als mildere Massnahme (in Befolgung des Ver-</span><br/> <span class="ft6">hältnismässigkeitsprinzips) eine Alternative zur Bewilligungsver-</span><br/> <span class="ft6">weigerung (Albertini, a.a.O., S. 38; AGVE 2002, S. 242 f.). Mit der</span><br/> <span class="ft6">Gebührenerhebung wiederum muss der Gesuchsteller normalerweise</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">330</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">rechnen, was offenbar auch die Beschwerdeführerin anerkennt.</span><br/> <span class="ft6">Zudem hat sich die verfügende Behörde in materieller Hinsicht an</span><br/> <span class="ft6">die gesetzlichen Grundlagen sowie an das Kostendeckungs- und das</span><br/> <span class="ft6">Äquivalenzprinzip zu halten (siehe Ulrich Häfelin / Georg Müller,</span><br/> <span class="ft6">Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Zürich 2002, Rz. 2636</span><br/> <span class="ft6">ff., 2656 ff., 2693 ff.). Vor diesem Hintergrund kann die Hinweis-</span><br/> <span class="ft6">und Warnfunktion des Äusserungsrechts, die den Rechtsunterwor-</span><br/> <span class="ft6">fenen vor überraschenden Entscheidungen schützen soll (Albertini,</span><br/> <span class="ft6">a.a.O., S. 259), nicht zum Tragen kommen. (...). Der Regierungsrat</span><br/> <span class="ft6">hat deshalb eine Gehörsverletzung zu Recht verneint.</span><br/> <span class="ft6">c) Nicht einig geht das Verwaltungsgericht dagegen mit der</span><br/> <span class="ft6">Schlussfolgerung des Regierungsrats, auf die Gültigkeit der Ver-</span><br/> <span class="ft6">fügung vom 18. Juli 2002 wirke sich nicht weiter aus, dass diese von</span><br/> <span class="ft6">einer nicht unterschriftsberechtigten Sachbearbeiterin unterzeichnet</span><br/> <span class="ft6">worden sei. Nach der Rechtsprechung kann insbesondere die Ver-</span><br/> <span class="ft6">letzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör wieder gutgemacht</span><br/> <span class="ft6">werden, wenn die unterlassene Anhörung, Akteneinsicht oder Be-</span><br/> <span class="ft6">gründung in einem Rechtsmittelverfahren nachgeholt wird, das eine</span><br/> <span class="ft6">Prüfung im gleichen Umfang wie die Vorinstanz erlaubt; eine Rück-</span><br/> <span class="ft6">weisung der Sache käme in solchen Fällen einem formalisierten</span><br/> <span class="ft6">Leerlauf gleich (BGE 125 I 219; AGVE</span> <span class="ft6">1997, S.</span> <span class="ft6">374; Häfe-</span><br/> <span class="ft6">lin/Müller, a.a.O., Rz. 986 f.). Eine "Heilung" des formellen Mangels</span><br/> <span class="ft6">hat das Bundesgericht auch in einem Fall angenommen, in welchem</span><br/> <span class="ft6">die Steuerbehörde in einer Verfügung allein den Ehemann als</span><br/> <span class="ft6">Adressaten nannte, obschon sie von Gesetzes wegen verpflichtet</span><br/> <span class="ft6">gewesen wäre, sämtliche Mitteilungen an verheiratete Steuerpflich-</span><br/> <span class="ft6">tige, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, an die</span><br/> <span class="ft6">Ehegatten gemeinsam zu richten; der Ehefrau sei durch den Fehler</span><br/> <span class="ft6">kein Nachteil entstanden, nachdem die Verfügung an den gemeinsa-</span><br/> <span class="ft6">men Vertreter der Beschwerdeführer zugestellt worden sei und beide</span><br/> <span class="ft6">dagegen rechtzeitig Beschwerde erhoben hätten (BGE vom 12. Mai</span><br/> <span class="ft6">2004 [2A.442/2003] in Sachen A. und Mitb., S. 2). Demgegenüber</span><br/> <span class="ft6">stellt das Fehlen einer rechtsgültigen Unterzeichnung einen for-</span><br/> <span class="ft6">mellen Mangel der Verfügung dar, der naturgemäss einzig durch die</span><br/> <span class="ft6">verfügende Behörde selbst behoben werden kann. Eine "Heilung"</span><br/> <span class="ft6">des Fehlers im Beschwerdeverfahren ist anders als bei der Verletzung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">331</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">des rechtlichen Gehörs nicht möglich. Beseitigt werden kann der</span><br/> <span class="ft6">Mangel nur durch die vollumfängliche Aufhebung der fehlerhaften</span><br/> <span class="ft6">Verfügung und deren Ersatz durch einen korrekt erlassenen Verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsakt. Letzteres kann geschehen, indem die Rechtsmittelinstanz</span><br/> <span class="ft6">die Angelegenheit zum Erlass einer neuen Verfügung zurückweist</span><br/> <span class="ft6">oder aber die entsprechenden materiellen Anordnungen selbst erlässt.</span><br/> <span class="ft6">Bei der Überprüfung des vorinstanzlichen Kostenentscheids ist</span><br/> <span class="ft6">deshalb davon auszugehen, dass die hier in Frage stehende Verfah-</span><br/> <span class="ft6">rensrüge zu Recht erhoben worden ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>