B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1274/2013 U r t e i l v om 1 5 . M a i 2 0 1 3 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Claudia Cotting-Schalch, Richter Bruno Huber, Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______, Pakistan, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. März 2013, ersetzt durch Verfügung vom 3. April 2013 / N (…). E-1274/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess nach eigenen Angaben seinen Heima t- staat im Jahr 2011 in Richtung Grossbritannien und reiste von dort nach Spanien weiter, wo er ein Asylgesuch stellte. Am 1. Dezember 2012 ge- langte er auf dem Luftweg nach Zürich -Kloten, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Mit Verfügung vom selben Tag wurde ihm die Einreise in die Schweiz verweigert und der Transitbereich des Flughafens als vorläu- figer Aufenthaltsort zugewiesen. Am 4. Dezember 2012 wurde er zu se i- ner Person und summarisch zu seinen Asylgründen befragt, wobei ihm das rechtliche Gehör betreffend Zuständigkeit Spaniens für die Durchfü h- rung des Asyl- und Wegweisungsverfahren sowie der Zumutbarkeit einer Wegweisung dorthin gewährt wurde. Am 6. Dezember 2012 wurde er vom BFM zu seinem Aufenthalt in Spanien sowie zu seinen Asylgründen a n- gehört und am 20. Dezember 2012 wurde ihm die Einreise in die Schweiz bewilligt. Zur Begründung des Asylgesuchs führte er aus, i n Pakistan hätten zwe i- mal Leute versucht, ihn zu ermorden, was er bei der Polizei zur Anzeige gebracht habe. Ausserdem habe er Probleme mit Politikern gehabt, da er von der PPP (Pakistan Peoples Party) in die PTI (Pakistan Tehrik -e- Insaaf) gewechselt habe. Er sei daraufhin von Leuten der PPP angegri f- fen worden. Auch gegen diese Leute habe er Anzeige erstattet. Um die Anzeigen habe er sich j edoch nicht weiter gekümmert, sonder n sei vier Monate später ausgereist. Danach habe er sich mit einem Visum unge- fähr von März bis Juni 2011 in Grossbritannien aufgehalten. Eines Tages habe er einen seiner Gegner in Leeds gesehen und sei daraufhin nach Spanien weitergereist. Dort habe er sich bis zum 30. November 2012 aufgehalten, habe um Asyl ersucht und sei offiziell registriert worden. Er sei damit einverstanden, nach Grossbritannien oder Spanien ausgewi e- sen zu werden, wobei er lieber nach Spanien ginge. Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätspapiere zu den Akten. E i- nen Reisepass besitze er nicht, dieser sei in Pakistan beziehungsweise Barcelona, wo er ihn beziehungsweise eine Kopie davon in einem öffent- lichen Park vergraben habe . Die Identitätskart e habe er in Pakistan g e- lassen. Als Beweismittel reichte er zwei an die Polizei B._______ gerich- tete Anzeigen vom 10. Und 17. Juli 2010 zu den Akten. B. Das BFM ersuchte Spanien am 5. Dezember 2012 gestützt auf E-1274/2013 Seite 3 Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung {EG} Nr. 3 43/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Besti m- mung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drit t- staatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zustä n- dig ist (Dublin-II-VO) um R ückübernahme und am 20. Dezember 2012 wurde dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz bewilligt. Mit Schreiben vom 24. Januar 2013 lehnten die spanischen Asylbehörden das Ersuchen um Rückübernahme ab, da keine Hinweise bestünden, wonach sich der Beschwerdeführer legal oder illegal in Spanien aufgehal- ten habe. Mit Schreiben vom 19. Februar 2013 beendete das BFM das Dublin-Verfahren und nahm ein nationales Asyl- und Wegweisungsverfah- ren auf. C. Mit Verfügung vom 1. März 2013 – eröffnet am 4. März 2013 – trat das BFM gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. Auf die detaillierte Begründung wird – soweit entscheidwe sentlich – in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Beschwerde vom 11. März 2013 focht der Beschwerdeführer die vor - instanzliche Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht an und beantra g- te, diese sei aufzuheben und zur Neubearbeitung an die Vorinstanz z u- rückzuweisen, eventualiter sei die Sache zur Abklärung des rechtserhe b- lichen Sachverhaltes an die Vorinstanz zurückzuweisen, subeventualiter sei er direkt gestützt auf die Akten als Flüchtling an zuerkennen und die Vorinstanz anzuweisen, ihm Asyl zu gewähren und subsubeventualiter sei die Unzumutbarkeit der Wegweisung unter Anordnung der vorläufigen Aufnahme anzuordnen. In formeller Hinsicht beantragte er die Ansetzung einer sieben tägigen Nachfrist zur Verbesserung der Beschwerde sowie den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung. E. Am 19. März 2013 hielt die Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdefü h- rer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, wies das Gesuch um Ansetzung einer Nachfrist zur Beschwerdeergänzung und Beibringung von Dokumenten ab, verzichtete auf einen Kostenvorschuss und hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-E-1274/2013 Seite 4 rung gemäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (V wVG, SR 172.021) gut. Gleichzeitig stellte sie fest, dass die Vorinstanz zwei vom Beschwerdeführer eingereichte Kopien von heimatlichen Dokumenten (zwei an die Polizei in B._______ gerichtete Anzeigen) nicht berücksichtigt zu haben scheine und setzte Frist zur Ein- reichung einer Vernehmlassung. F. Am 3. April 2013 verfügte das BFM erneut und hielt fest, diese Verfügung ersetze die bereits ergangene vom 1. März 2012. Es wurde erneut auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG nicht eingetreten und die Wegweisung aus der Schweiz sowie d e- ren Vollzug angeordnet. Bezüglich der beiden in der Instruktionsverf ü- gung erwähnten Aktenstücke wurde festgehalten, dabei handle es sich um Anzeigen, welche der Beschwerdeführer persönlich verfasst habe und denen kein Beweiswert zukomme. G. Mit Instruktionsverfügung vom 8. April 2013 stellte die Instruktionsrichterin fest, das Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht werde weitergeführt und räumte dem Beschwerdeführer Frist ein, sich zur neuen Verfügung des BFM zu äussern. Die Frist verstrich unbenutzt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsc heidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. E-1274/2013 Seite 5 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Nachdem das BFM im Rahmen der Vernehmlassung seine ursprüngliche Verfügung vom 1. März 2013 aufhob und durch eine neue Verfügung, da- tiert vom 3. April 2013, ersetzte, ist im Rahmen des vorliegenden B e- schwerdeverfahrens letztere zu überprüfen. 4. 4.1 Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen eine Verfügung, laut deren Dispositiv das BFM nicht auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh- rers eingetreten ist. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32 – 35a AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grun dsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Demnach enthält sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensen t- scheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen materiellen Prüfung, hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73 m.w.H.). Im Falle des Nichteintretens auf ein Asylgesuch gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG ist indessen abschliessend mate- riell zu entscheiden, soweit dies im Rahmen einer summarischen Prüfung möglich ist (vgl. BVGE 2007/8 insb. E. 5.6.5 S. 90 f.). Dementsprechend bildet in einem diesbezüglichen Beschwerdeverfahren ungeachtet der vorzunehmenden Überprüfung eines formellen Nichteintretensentsche i-E-1274/2013 Seite 6 des auch die Flüchtlingseigenschaft Prozessgegenstand (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73). Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Weg- weisungsvollzuges hat die Vorinstanz eine mate rielle Prüfung vorgenom- men, wes halb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kog - nition zukommt. 4.2 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn Asylsuchende den Behörden nicht innerhalb von 48 Stun - den nach Einreichung des Gesuchs Reise - oder Identitätspapiere abge- ben. Diese Bestimmung findet jedoch keine Anwendung, wenn Asylsu - chende glaubhaft machen können, sie seien dazu aus entschuldba ren Gründen nicht in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), oder wenn au f- grund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlings- eigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG), oder sich die Notwendigkeit zusätzlicher Abklärungen zur Feststellung der Flüchtling s- eigenschaft oder e ines Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG). 5. Bezüglich der vom Beschwerdeführer zu den Akten gereichten und vom BFM in seiner zwischenzeitlich ersetzten Verfügung vom 1. März 2013 nicht berücksichtigten Dokumente n ist festzustellen, dass die Vorinstanz dies in ihrer vorliegend zu überprüfende n Verfügung vom 3. April 2013 nachgeholt hat. Dem Beschwerdeführer ist Gelegenheit geboten worden, sich hierzu zu äussern, wodurch seinem Anspruch auf rechtliches Gehör nachgekommen worden ist. 6. 6.1 Der Beschwerdeführer hat trotz mehrm aliger Aufforderung bis heute weder einen Reisepass noch ein anderes Identitätsdokument zu den Ak- ten gereicht, womit der Tatbestand der Nichteinreichung von Identitätspa- pieren grundsätzlich erfüllt ist. Es bleibt somit zu prüfen, ob entschuldbare Gründe fü r die Nichteinreichung von Reise - oder Identitätspapieren ge- mäss Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG vorliegen. 6.2 6.2.1 Die Vorinstanz führte aus, der Beschwerdeführer habe in der Befr a- gung zur Person erklärt, sein pakistanischer Reisepass befinde sich in Barcelona, seine Identitätskarte hingegen in Pakistan. Bei der Anhörung habe er demgegenüber zu Protokoll gegeben, das Original des Passes sei zu Hause, das Dokument in Spanien sei lediglich eine Kopie. Später E-1274/2013 Seite 7 habe er eingeräumt, das Original sei in Spanien , vergraben in einem öf- fentlichen Park. Obwohl er mehrmals versichert habe, Ausweispapiere beschaffen zu können, habe er keine beigebracht. Seine widersprüchl i- chen Angaben diesbezüglich seien nicht glaubhaft . Er sei offensichtlich nicht gewillt, Identitätsdokumente zu beschaffen und einzureichen. Es lie- ge nahe, dass er dadurch ein allfälliges Ausschaffungsverfahren zu ve r- hindern versuche. 6.2.2 Der Beschwerdeführer entgegnet dem in seiner Rechtsmitteleing a- be, er habe über die spanischen Behörden versucht, die sic h dort befind- lichen Dokumente zu beschaffen, welche ihm jedoch nicht behilflich ge- wesen seien. Er werde deshalb versuchen, die Dokumente mit Hilfe eines Anwalt zu organisieren. Weiter betont er , die Sache mit der fehlenden Registrierung in Spanien sei ungeklärt. Auf jeden Fall habe er korrekte Angaben gemacht und sich bemüht, an seine Papiere zu gelangen , wo- durch er seiner Mitwirkungspflicht nachgekommen sei. Ausserdem sei er davon ausgegangen, dass es dem BFM gelinge n werde, eine Kopie der Ausweise von Spa nien zu erhalten. Es würden somit entschuldbare Gründe für die bislang nicht erfolgte Einreichung von Reise- oder Identi- tätspapieren vorliegen. 6.2.3 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Argumentation des BFM zu stützen ist. Die Aussa- gen des Beschwerdefüh rers zum Verbleib seines Passes sind als wider- sprüchlich und realitätsfremd einzustufen. Seine wiederholten, unbeleg- ten Beteuerungen – sowohl anlässlich der beiden Befragungen als auch auf Beschwerdeebene –, er sei bemüht, Dokumente zu beschaffen und werde diese einreichen, können nicht geglaubt werden. In Übereinstim- mung mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass er Papiere besitzt, diese den Behörden aber nicht einreichen will. Es liegen keine entschuld- baren Gründe für deren Nichtabgabe vor. Nachdem Spanien die Rückübernahme des Beschwerdeführers verwe i- gert und das BFM ein nationales Asylverfahren ein geleitet hat, erübrigen sich Ausführungen zur angeblich fehlenden Registrierung in Spanien. 6.3 6.3.1 Bezüglich der Flüchtlingseigenschaft führt die Vorinstanz in ihrer Verfügung aus, die Asylgründe des Beschwerdeführers seien weder asyl- relevant noch glaubhaft. Bei den geltend gemachten Schwierigkeiten handle es sich um Auseinandersetzungen mit Drittpersonen. Aus serdem E-1274/2013 Seite 8 habe sich der Beschwerdeführer diesen lokalen Verfolgungsmassnahmen durch den Umzug nach Lahore entzogen, wo er sich vor seiner Ausreise während eines Jahres unbehelligt habe aufhalten können. Zu seinen An- zeigen bei der Polizei habe der Beschwerdefü hrer ausgesagt, sich nicht weiter um diese gekümmert zu haben, da er bald darauf ausgereist sei. Somit könne den pakistanischen Behörden nicht vorgeworfen werden, i h- re Schutzpflicht nicht wahrgenommen zu haben. Weiter sei festzuhalten, dass die Aussagen de s Beschwerdeführers in verschiedenen Punkten nicht plausibel seien. Insbesondere vermöge er nicht zu erklären, we s- halb seine Gegner ihn umbringen wollten. Allgemein erwiesen sich die Angaben der geltend gemachten Überfälle als substanzlos und stereotyp. Schliesslich sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer entgegen se i- nen Behauptungen in Spanien offensichtlich kein Asyl beantragt habe. Zusammenfassend erfülle er die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und Art. 7 AsylG nicht und es seien auch keine zusä tzlichen Abklärungen nötig. 6.3.2 Der Beschwerdeführer hält den Ausführungen des BFM lediglich entgegen, es würden deutliche Hinweise auf asylrelevante Verfolgung vorliegen. 6.3.3 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich den vorinstanzlichen Erwägungen vollumfänglich an. Zwecks Vermeidung von Wiederholungen wird darauf verwiesen . Der Beschwerdeführer macht eine Verfolgung durch private Drittpersonen geltend (vgl. beispielsweise vorinstanzliche Akten A15 F77), gegen welche er sich einerseits mit Hilfe der Behörden hätte wehren können – was er auch tat – und welchen er sich andere r- seits offenbar durch seinen Wohnort swechsel nach Lahore entziehen konnte. Die von ihm eingereichten Beweismittel vermögen an dieser Sichtweise nichts zu ändern, da es sich lediglich um von ihm verfasste Anzeigen handelt, welche keinen Beweiswert haben. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft of- fenkundig nicht erfüllt und sich weitere Abklärungen erübrigen. 6.4 Das BFM ist somit zu Recht in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetr e- ten. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet E-1274/2013 Seite 9 den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Au f- enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnah me von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwal tungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen. 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpfl ichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. E-1274/2013 Seite 10 8.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrücks chiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde - führers nach Pakistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Pakistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgeme i- ne Menschenrechtssituation i n Pakistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1 Die Vorinstanz führte in ihrer Verfügung betreffend Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus, die Sicherheitslage in Pakistan sei zwar a n- gespannt, jedoch herrsche keine allgemeine Situation der Gewalt, welche eine Aufnahme des Beschwerdeführers rechtfertigen würde . Dieser sei jung und gesund und stamme aus einer Händlerfamilie, welche ihn be- reits während seines langjährigen Aufenthalts in Europa unterstützt habe. Somit sei davon auszugehen, dass ihn seine Angehörigen im Falle einer Rückkehr auch nach einer Rückkehr in Heimatland unterstützen würden. E-1274/2013 Seite 11 8.3.2 Diesen Erwägungen ist ebenfalls vollumgänglich zuzustimmen. Der Beschwerdeführer machte geltend, seine Familie führe ein (…)geschäft, in welchem er gearbeitet habe (vgl. A10 S. 5 und A15 F108). Zwei seiner Brüder würden sich nach wie vor in seinem Heimatdorf aufhalten (vgl. A10 S. 8). Zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes habe er Geld von Pakistan kommen lassen (vgl. A15 F 116). Es kann somit davon ausg e- gangen werden, dass es ihm nach seiner Rückkehr gelingen wird, alle n- falls mit Unterstützung der Familie, seine Existenz zu sichern. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung somit auch als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme au sser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 19. März 2013 gutgeheissen wurde sind keine Kosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) E-1274/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel Versand: