Amtshilfe 2011/14 BVGE / ATAF / DTAF 227 9 Wirtschaft – Technische Zusammenarbeit Economie – Coopération technique Economia – Cooperazione tecnica 14 Auszug aus dem Urteil der Abteilung II i. S. A. gegen Eidgenössische Finanzmarktaufsicht B–934/2011 vom 3. Mai 2011 Internationale Amtshilfe bei Verdacht auf Marktmanipulation (sog. « Scalping »). Art. 38 BEHG. 1. Ein wichtiges Element der internationalen Amts - und Rechtshilfe bildet das völkerrechtliche Vertrauensprinzip (E. 2). 2. Die zwangsweise Erhebung und grenzüberschreitende Übermitt - lung personenbezogener Informationen an ausländische Behör - den tangieren das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Sie müssen den zentralen rechtsstaatlichen Anforderungen des Legalitätsprinzips und des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit standhalten (E. 3). 3. Verbot der Beweisausforschung (sog. « fishing expeditions ») und Anforderungen an den Anfangsverdacht (E. 5.2.2). 4. Verdacht auf Marktmanipulation in Form des sogenannten « Scalpings » (E. 5.3). 5. Entkräftung des Verdachts auf Marktmanipulation (E. 5.4). Entraide administrative internationale en cas de soupçon de mani - pulation des marchés sous une forme appelée « scalping ». Art. 38 LBVM. 1. Le principe de la confiance en droit international public est un élément important de l'entraide administrative et judiciaire in - ternationale (consid. 2). 2. La collecte forcée de données à caractère personnel, ainsi que leur communication à des autorités étrangères porte atteinte au 2011/14 Amtshilfe 228 BVGE / ATAF / DTAF droit à l'autodétermi nation en matière de données personnelles. Elles doivent satisfaire aux exigences primordiales d'un Etat de droit que sont les principes de la légalité et de la propor tionnalité (consid. 3). 3. Interdiction de la recherche d'informations à l'aveugle (« fishing expeditions ») et exigences quant au soupçon initial (con - sid. 5.2.2). 4. Soupçon de manipulation des marchés sous la forme appelée « scalping » (consid. 5.3). 5. Levée du soupçon de manipulation des marchés (consid. 5.4). Assistenza amministrativa internazionale in caso di sospetto di mani- polazione del mercato (cosiddetto « Scalping »). Art. 38 LBVM. 1. Un elemento importante dell'assistenza amministrativa e giu di- ziaria internazionale è il principio dell'affidamento nel diritto internazionale pubblico (consid. 2). 2. La raccolta forzata e la trasmissione transfrontaliera ad autorità estere di dati di carattere personale collidono con il diritto all'autodeterminazione in materia di dati personali. Le medesime devono ri spettare centrali esigenze dello stat o di diritto quali il principio di legalità e quello di proporzionalità. (consid. 3). 3. Divieto di ricerca di informazioni alla cieca ( « fishing expedi - tions ») e requisiti del sospetto iniziale (consid. 5.2.2). 4. Sospetto di manipolazione dei mercati nella f orma del cosiddetto « Scalping » (consid. 5.3). 5. Eliminazione del sospetto di manipolazione del mercato (con - sid. 5.4). Am 28. Januar 2010 ersuchte die deutsche Bundesan stalt für Finanz - dienstleistungsaufsicht (BaFin) die Eidgenössische Finanzmarktaufsich t (FINMA, V orinstanz) um Amtshilfe wegen Verdachts der Marktmanipu - lation in Zusammenhang mit Aktien der Z. Corp. Die vertrauliche Be - handlung und Zweckge bundenheit der Informationen wurden zugesi - chert. Amtshilfe 2011/14 BVGE / ATAF / DTAF 229 Zur Begründung führte die BaFin aus, ein Herausgeb er verschiedener Börseninformationsdienste stehe im Verdacht, Marktmanipulationen am Aktienmarkt in Form des sogenannten « Scalpings » begangen zu ha ben. Demnach habe der Verdächtige zwischen September 2005 und Juni 2007 in E -Mails vertriebenen Börsenb riefen an der Frankfurter Wert papier- börse gehandelte Aktien empfohlen, ohne seine eigenen wirt schaftlichen Interessen an der Kursentwicklung dieser Papiere offen zulegen. Diese Empfehlungen hätten regelmässig zu Kurssteigerungen beziehungsweise Kursstabilisierungen geführt. Der Verdächtige habe in der überwiegenden Zahl der Fälle den durch seine Empfehlun gen hervorge rufenen Anstieg von Nachfrage und Kursniveau ausge nutzt, indem er die von ihm direkt oder über Treuhandgesellschaften ge haltenen un d zuvor von ihm empfohlenen Wertpapiere in grossem Umfang veräussert habe. Zwischen Oktober 2006 und Februar 2007 hät ten dem Verdächtigen zurechenbare Börseninformationsdienste die Aktien der Z. Corp. beworben, ohne dabei bestehende Interes senkonflikte hinsichtlich eigener Positio nen offen - zulegen. Im Rahmen der Ermittlungsmassnahmen seien Transak tionen der C. aufgefallen, die den überwiegenden Teil aller Verkäufe ausge - macht hätten. Betroffen seien namentlich ein Verkauf von 50'000 Ak tien am 9. Oktober 2006, ein Verkauf von 125'000 Aktien am 16. Oktober 2006 und ein Verkauf von 100'000 Ak tien am 17. Oktober 2006. Nach Auskunft der C. seien sämtli che Transaktionen für die D. AG vorge nom- men worden. Die BaFin ersuchte daher um Übermittlung der Identität der jeweiligen Auf traggeber beziehungsweise wirtschaftlich Berech tigten dieser Transaktionen. Die V orins tanz wurde zudem er sucht, der BaFin die entsprechende n Depoteröffungsunterlagen zuzu stellen sowie all fäl- lige weitere Personen, die zur Verfügung über das Depot berechtigt seien oder gewesen seien, zu benennen. Mit Verfügung vom 21. Januar 2011 gab die V orinstanz dem Ersuchen der BaFin vollumfänglich statt und ordnete die Übermittlung der erbe - tenen Informationen an. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 7. Februar 2011 Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht. Darin stellt er den An - trag, dass die Verfü gung vom 21. Januar 2011 kostenfällig aufzuheben und die Amtshilfe an die BaFin zu verweigern sei. Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerde ab. 2011/14 Amtshilfe 230 BVGE / ATAF / DTAF Aus den Erwägungen: 2. Ein wichtiges Element der internationalen Behördenzusammen - arbeit bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmiss- brauch – grundsätzlich kein Anlass besteht, an der Richtigkeit und E in- haltung der Sachverhaltsdarstellung und an Erklärungen anderer Staa ten zu zwei feln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip; vgl. BGE 128 II 407 E. 3.2, 4.3.1 und 4.3.3, BGE 126 II 409 E. 4; Urteil des Bundesge - richts 2A.153/2003 vom 26. August 2003 E. 3.1; CHRISTOPH PETER, Zielkonflikte zwischen Rechts schutz und Effi zienz im Recht der inter - nationalen Amts - und Rechts hilfe, in: Bernhard Ehren zeller [Hrsg.], Aktuelle Fra gen der inter nationalen Amts - und Rechts hilfe, St. Gallen 2005, S. 195 f. mit weiteren Hinwei sen). Auf die sem Vertrauen gründet letztlich das ganze Amtshilfeverfahren. Die ersuchte Behörde ist demgemäss an die Darstellung des Sachver halts in einem Ersuchen insoweit gebunden, als diese nicht wegen offen sichtli- cher Feh ler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet werden kann (vgl. BGE 129 II 484 E. 4.1, BGE 128 II 407 E. 5.2.1; BVGE 2010/26 E. 5.1). Erst eine solche Ent kräftung könnte zum Anlass genommen wer - den, die Vermutung des Vertrauens in die ersuchende Behör de umzustos- sen und die Amtshilfepraxis gegenüber dem entsprechenden Staat neu zu überdenken. So könnten Amtshilfeleistun gen an weitere Bedin gungen und Auflagen, beispielsweise an eine zusätzliche beweisrechtliche Doku- mentierung des Ersu chens, geknüpft oder die Über mittlung vertraulicher Informationen verweigert werden (vgl. BGE 128 II 407 E. 3.2, 4.3.1 und 4.3.3, BGE 126 II 409 E. 4, BGE 126 II 126 E. 6; BVGE 2008/33 E. 3; STEPHAN BREITENMOSER, Internationale Amts- und Rechtshilfe, in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Gei ser [Hrsg.], Auslän- derrecht, Handbücher für die Anwaltspraxis Bd. VIII, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 23.106 und 23.110 mit weiteren Hinweisen). V on der er - suchenden Aufsichts behörde darf aber nicht ver langt werden, dass sie den mass geblichen Sachverhalt je weils be reits völ lig lückenlos und widerspruchsfrei darlegt, soll doch gerade das Amtshilfe verfahren zur Klärung dieser offenen Punkte im Rahmen des ausländischen Verfahrens beitragen (vgl. Ur teil des Bun desgerichts 2A.154/2003 vom 26. August 2003 E. 4.1; unten E. 5.2.2). Bei Bedarf darf die V orinstanz im Einzelfall gleichwohl Prä zisierungen und Er gänzungen verlan gen (vgl. HANS-PE- TER SCHAAD, in: Rolf Wat ter/Peter V ogt [Hrsg.], Basl er Kommen tar. Amtshilfe 2011/14 BVGE / ATAF / DTAF 231 Börsengesetz und Finanzmarktaufsichtsgesetz, 2. Aufl., Basel 2010, N 83 zu Art. 38 BEHG). 3. Die zwangsweise Erhebung und Bearbeitung personenbezoge - ner Informa tionen (z. B. Bankdaten) gegen den ausdrücklichen Wider - stand oder in Unkenntnis der davon Betroffenen stellen Grundrechtsein - griffe dar. Sie tan gieren ins besondere das Recht auf infor mationelle Selbstbestimmung und damit das Recht auf Achtung der Privatsphäre gemäss Art. 13 Abs. 2 der Bundes verfassung der Schweizerischen Eid - genossenschaft vom 18. April 1999 (BV , SR 101) sowie Art. 8 der Kon - vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Men schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und Art. 17 des Internationa len Pakts vom 16. Dezember 1966 über bürgerliche und poli tische Rechte (SR 0.103.2; vgl. Ur teil des Bundesverwaltungsgerichts B –1092/2009 vom 5. Januar 2010 E. 4 und 6.3.1 mit weite ren Hinweisen, teilweise publiziert in BVGE 2009/31). Die grenz überschreitende Übermitt lung solcher Infor mationen an ausl ändische Behör den kann dabei auch un - geachtet des Prinzips des gleichwertigen Datenschutzes einen qualifizier- ten Eingriffstatbe stand darstellen, da mit dem Wechsel des Rechts sys- tems zugleich eine Änderung des Verfahrens rechts und des Rechts - schutzes verbunden ist. Derartige Eingriffe in perso nenbezogene Daten bergen zudem eine latente Missbrauchsgefahr, weshalb sie nicht uneinge- schränkt und an lassunabhängig zulässig sein kön nen. Sie müs sen viel - mehr den zentralen rechtsstaatli chen Anforderungen sowohl einer präzi - sen ge setzlichen Grundlage im Sinne des Legali tätsprinzips als auch einer einzelfallbezogenen Verhältnismässigkeitsprüfung standhalten (vgl. unten E. 5). Diese sich aus dem Recht sstaatsprinzip (Art. 5 Abs. 1 und 2 BV) ergebenen Anforderungen bilden gleichsam die V oraussetzungen und Schranken für die grundrechtsbezo gene Leistung in ternationaler Amts- und Rechtshilfe (vgl. BVGE 2009/31 E. 5; BREITENMOSER, a. a. O., Rz. 23.88 ff. mit weiteren Hinweisen). Entsprechende Rechtsgrundlagen finden sich im Börsengesetz vom 24. März 1995 (BEHG, SR 954.1) sowie in dem am 1. Januar 2009 in Kraft getretenen Fi nanzmarktaufsichtsgesetz vom 22. Juni 2007 (FINMAG, SR 956.1), welche je eigene Regelungen über die Amts hilfe gegenüber auslän dischen Finanzmarktaufsichtsbehör den ent halten (Art. 38 BEHG und Art. 42 FINMAG). Die Bestimmungen des FINMAG sind dabei subsidiär gegen über den jenigen der anderen Finanz - marktgesetze (Art. 2 FINMAG; vgl. Bot schaft zum Bundesgesetz üb er die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht [Finanzmarktaufsichtsgesetz; 2011/14 Amtshilfe 232 BVGE / ATAF / DTAF FINMAG] vom 1. Feb ruar 2006 [ BBl 2006 2829 , 2848]). Im vorliegen - den Fall ist daher Art. 38 BEHG als lex specialis anwend bar. Nach stän- diger bundesgerichtli cher Rechtsprechung handelt es sich bei diesen Bestimmungen über die inter nationale Amtshilfe um Verfah rens- bestimmungen, weshalb in inter temporalrechtlicher Hinsicht je weils das Recht anwendbar ist, das im Zeitpunkt des Erla sses der an gefochtenen Verfügung in Geltung war, selbst wenn der zum Amts hilfeersuchen Anlass gebende Sachverhalt sich vor der Rechtsände rung ereignet hat (vgl. Urteil des Bundesverwal tungsgerichts B–3703/2009 vom 3. August 2009 E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). 4. Gemäss Art. 38 Abs. 2 Bst. a und b BEHG darf die V orinstanz ausländischen Finanzmarktaufsichtsbehörden nicht -öffentlich zugäng - liche Aus künfte und sachbezogene Unterlagen übermitteln, sofern die Informationen ausschliesslich zur Durchsetzu ng von Regulierungen über Börsen, Ef fektenhandel und Effektenhändler verwendet oder zu diesem Zweck an andere Behörden, Gerichte oder Organe weiterge leitet werden (sog. Spezia litätsprinzip) und die ersuchenden Behör den an ein Amts - und Berufsgeheimnis gebunden sind; V orschriften über die Öffentlichkeit von Ver fahren und die Orientierung der Öffentlichkeit über solche bleiben jedoch vorbehalten (sog. Vertraulichkeitsprinzip). Auch wenn die er suchten Behörden die V orbehalte der Spezialität und der Vertraulichkeit in ihren Genehmigungs- und V ollzugsschreiben regel- mässig erwähnen, ergibt sich die Pflicht zu ihrer Berücksichtigung durch den er suchenden Staat wegen der vertragsrechtlichen Rechtsnatur der völkerrechtlichen Amts- und Rechtshilfehandlungen nach stetiger Recht - sprechung ebenfalls aus dem völker rechtlichen Vertrauensprinzip ( vgl. BGE 128 II 407 E. 3.2, 4.3.1 und 4.3.3, BGE 126 II 409 E. 4 und 6b/cc; für die in ternationale Rechtshilfe in Strafsachen vgl. Urteil des Bun des- gerichts 1A.225/2006 vom 6. März 2007 E. 1.5.2 und Urteil des Bundes - gerichts 1A.228/2003 vom 10. März 2004 E. 3.3.2). Die BaFin ist eine ausländische Aufsichtsbehörde, welcher die V or - instanz im Rahmen von Art. 38 Abs. 2 BEHG Amtshilfe leisten kann (vgl. Urteil des Bundesver waltungsgerichts B–3703/2009 vom 3. August 2009 E. 3). Sie si chert in ihrem Gesuch die vertrauliche Behand lung so- wie die Zweckgebun denheit der Informationen zu. Der ange fochtene Entscheid ent hält die entsprechenden V orbehalte i n Ziff. 2 des Dis - positivs. Wie die V orinstanz in ihrer Verfügung vom 21. Januar 2011 be- reits dargelegt hat, ist die BaFin ausserdem V ollmitglied (A-Signatar) des Amtshilfe 2011/14 BVGE / ATAF / DTAF 233 « Multilateral Memoran dum of Understanding concerning Consulta tion and Coopera tion and the Exchange of Infor mation » der Interna tionalen Organisation für Effektenhandels - und Börsenaufsichtsbehörden, weshalb davon ausgegangen wer den darf, dass sie die Anfor derungen an die Spezi alität (Art. 10) und Ver traulichkeit (Art. 11) der über mittelten Information einhält (vgl. BVGE 2008/33 E. 3; Urteil des Bundes ver- waltungsgerichts B–5469/2010 vom 7. Dezember 2010 E. 3.2 und 4.2.2). Es beste hen weder Anhaltspunkte noch wird vom Beschwerde führer geltend gemacht, dass die BaFin ihre ei genen Erklärungen und Zu siche- rungen missachte. Diesbezüglich ist eine V oraussetzung für die Leistung von Amtshilfe unbestrittenermassen gegeben. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer rügt, dem Amtshilfeersuchen der BaFin liege kein genügend konkreter Anfangsverdacht zu grunde. Das Bun des- gericht habe zwar bereits in ähnlichen Fällen Amtshilfe gewährt, doch sei der vorlie gende Fall nicht identisch. Es müssten mi nimale Anforde - rungen an die Dokumentation des Anfangs verdachts oder des Konkre - tisierungsgrads der Behau ptung verlangt wer den, an sonsten es für die ersuchende Behörde ein Leichtes sei, durch geschick tes Formulieren jede « fishing expedition » zu begründen. Die BaFin habe vorliegend lediglich pauschal be hauptet, dass die besagte Ak tie von zahlreichen B örsen- briefen gleichzeitig empfohlen worden sei, ohne aber entsprechen de Be- lege mitzuschicken. Sie habe sich nicht einmal die Mühe gemacht, ei nige Titel dieser Börsenbriefe zu nen nen oder wenigstens aufzulisten, wann diese publiziert worden sind. Sie habe auch nicht versucht, eine Verbin - dung zwi schen der E. Inc. und den Börsenbriefen sowie den Emp - fehlungen aufzuzeigen. V or allem in der heutigen Zeit, wo unzäh lige Ti- tel schweren Kurs schwankungen unterliegen würden, müsste man zumindest mi nimale Anforde rungen an die Konkretisierung und Dokumentation betref fend die so genannten « irreführenden Infor ma- tionen » verlangen. Ansonsten müsse man da von ausgehen, dass alleine eine ungewöhnliche Kursschwankung einer Aktie für die Gewährun g der Amtshilfe und die Aushöh lung des Bankgeheimnis ses genüge. Aus ser- dem könne man auf grund ei nes sol chen Verdachts niemanden dem « Risiko eines starken Imageschadens » oder einer existenzvernichtenden « V orverurteilung durch eine medi ale Begleitung » aussetzen. Die vorlie- gende Amtshilfeleistung durch die V or instanz sei deshalb unver hält- nismässig. 2011/14 Amtshilfe 234 BVGE / ATAF / DTAF Nachfolgend ist zu prüfen, ob in casu ein für die Übermittlung der er - suchten Informa tionen rechtsgenügender Anfangsverdacht besteht, und ob es sich bei dem vorliegenden Ersuchen der BaFin um eine unverhält - nismässige und deshalb verpönte sogenannte « fishing expedition » handelt. 5.2 5.2.1 Wie aufgezeigt, ist mit Art. 38 BEHG grundsätzlich eine hinrei - chende gesetzliche Grundlage für den grenzüberschreitenden Informati - onsaustausch vorhanden (vgl. oben E. 3). Jedes staatliche Handeln und insbesondere die Einschränkung von Grundrechten müssen ausserdem im öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs . 3 BV; vgl. ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHL- MANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 535 ff.). So berücksichtigt auch die Vorinstanz bei ihrem Ent scheid über die Ge währung und den Umfang der Amts hilfe den Grund satz der Verhältnismässigkeit. Die Übermittlung von Informa tionen über Perso - nen, die offensichtlich nicht in die zu untersuchende Angelegenheit verwickelt sind, ist unzuläs sig (Art. 38 Abs. 4 BEHG). Mit dieser Re - gelung wurde der für das Amtshilfeverfahren wesentliche rechtsstaatliche Grundsatz der Ver hältnismässigkeit aus drücklich im Gesetz verankert und auf die diesbe zügliche differenzierte Praxis des Bundesgerichts Be - zug genommen (vgl. Botschaft zur Änderung der Bestimmung über die internationale Amts hilfe im Bundesgesetz über die Börsen und den Effektenhandel vom 10. November 2004 [BBl 2004 6747, 6766 f.]). In der bundesgerichtli chen Recht sprechung zur inter nationalen Amtshilfe wird die Verhältnismässigkeit durch die Pflicht, sachbezogene, das heisst für die Ab klärung des in Frage stehenden Ver dachts potentiell relevante Informationen zu über mitteln, konkretisiert (sog. Grund sätze der po - tentiellen Erheblichkeit, der Sach bezogenheit und des Über massverbots; vgl. BGE 126 II 126 E. 5 b/aa). 5.2.2 5.2.2.1 Das Ver bot der Be weisausforschung (sog. « fishing expedi - tions »; zu Deutsch etwa « Fischzüge ») ist Ausfluss des Rechtsstaats - prinzips und da mit auch des Gesetzmässigkeits - und des Verhältnismäs- sigkeitsgrundsatzes (vgl. BGE 129 II 484 E. 4.1, BGE 128 II 407 E. 5.2.1, BGE 126 II 409 E. 6 b/cc, BGE 126 II 126 E. 5 b/aa, BGE 125 II 65 E. 6a; BVGE 2010/26 E. 5.1; SCHAAD, a. a. O., N 57 zu Art. 42 FINMAG und N 67 zu Art. 38 BEHG mit weiteren Hinweisen). Unter ei- ner « fishing ex pedition » wird i n der internatio nalen Rechtshilfe in Amtshilfe 2011/14 BVGE / ATAF / DTAF 235 Strafsachen nament lich eine Beweis massnahme verstanden, die mit der verfolgten Straftat kei nen Zusammenhang aufweist und offensichtlich ungeeignet ist, die Unter suchung voranzutrei ben, so dass das Ersuchen als V orwand für eine unbe stimmte Suche nach Beweismitteln erscheint (vgl. Urteil des Bundesge richts 1A.234/2005 vom 31. Januar 2006 E. 3.2 und Urteil des Bundesgerichts 1A.182/2001 vom 26. März 2002 E. 4.2; Entscheid des Bundestraf gerichts RR 2007.64 vom 3. September 2007 E. 3.2 bis 3.4; SABINE GLESS, Inter nationales Strafrecht, Ba sel 2011, N 378 f. mit weiteren Hinweisen). Eine verpönte und damit un rechtmässige Beweisausforschung liegt namentlich vor, wenn zur Begründung oder Er- härtung eines (noch) fehlen den oder ungenü genden Verdachts nach be - lastenden Be weismitteln gesucht wird, ohne dass zu vor bereits h inrei- chend konkrete Anhalts punkte für ein be stimmtes strafba res Verhalten bestehen (vgl. BGE 129 IV 141 E. 3.2, BGE 116 Ib 89 E. 4c, BGE 113 Ib 257 E. 5c, BGE 103 Ia 206 E. 6; PAOLO BERNASCONI, Internationale Amts- und Rechts hilfe bei Einziehung, o rganisiertem Verbrechen und Geldwäscherei, in: Nik laus Schmid [Hrsg.], Kom mentar Ein ziehung, Organisiertes Verbrechen, Geldwäscherei, Bd. II, Zürich 2002, N 273 ff. mit weite ren Hinweisen). Auch in der inter nationalen Rechts hilfe in Zivilsachen e rgibt sich die Unzulässig keit gene rell gehalte ner Aus - forschungsversuche, trotz erheblicher rechts dogmatischer Unter schiede zur internationalen Rechtshilfe in Strafsa chen, aus dem Lega litäts- und dem Verhältnismässigkeitsgrundsatz und haben die er suchten Be weis- massnahmen in einem hinreichend relevanten sachlichen Zusammenhang zum Prozessthema zu stehen (vgl. BGE 132 III 291 E. 2.1 und 4). 5.2.2.2 Der Tatver dacht bildet in Ana logie zur internationalen Straf - rechtshilfe auch Anlass und Zweck in fi nanzmarktaufsichtsrechtlichen Amtshilfeverfahren. Einer ersuchenden Behörde obliegt dabei aber in der Regel die Überwachung des Marktgeschehens schlechthin, wes halb an diesem breiten Auftrag zu prüfen ist, ob bei entsprechenden Ersuchen ein hinreichender Anlass für die Gewährung der Amtshilfe besteht (vgl. BGE 128 II 407 E. 5.2.1, BGE 125 II 65 E. 6b/aa mit weiteren Hinweisen). Art. 38 BEHG wurde mit seiner Revision insbesondere da hingehend geändert, dass im Rahmen des Spezialitätsgrundsatz es das Prinzip der langen Hand, wonach die ausländische Aufsichtsbehörde bei der W eiter- leitung der Informationen an Strafverfol gungsbehörden auch bei der Aufklärung von Finanzmarktdelikten einen Zusatzverdacht darlegen und das Einverständnis der V orinstanz einholen musste, abgeschwächt wurde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.266/2006 vom 8. Februar 2007 E. 3.1; 2011/14 Amtshilfe 236 BVGE / ATAF / DTAF BVGE 2008/33 E. 3.1; zum altrechtlichen Zu satzverdacht vgl. BGE 128 II 407 E. 5.3.1, BGE 127 II 323 E. 7). Ausserdem befindet sich die um Amtshilfe ersu chende Be hörde gewöhnlich noch am Anfang ih rer Ermittlungen. Folglich sind an das V orliegen eines Verdachts auf Verlet- zung von Re gulierungen über Bör sen sowie Effektenhan del und Ef - fektenhändler im Aus gangs- beziehungsweise Hauptverfahren des ersu - chenden Staa tes keine allzu ho hen Anforderungen zu stel len. Vielmehr genügt ein schlüs siger und substan tiiert ge schilderter Anfangsverdacht eines mögli chen Verstosses ge gen die Marktre geln. Verboten sind reine Beweisausforschungen. Konkret muss die ersu chende Auf sichtsbehörde den Sachver halt dar - stellen, welcher ihren Ver dacht auslöst, die gesetzli chen Grundlagen der Untersuchung nennen so wie die benö tigten Informationen und Unterla - gen aufführen. Nicht ver langt wird, dass der geschil derte Sachverhalt auch vom schweizerischen Aufsichts recht er fasst wird oder die ob jek- tiven Merkmale eines nach schweizerischem Recht strafbaren Tat be- stands (doppelte Strafbarkeit) aufweist (vgl. BGE 129 II 484 E. 4.1, BGE 126 II 409 E. 6c/bb; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B –6039/2008 vom 8. Dezember 2008 E. 4; zur Sachver haltsdarstellung bei Ersuchen betreffend die internatio nale Strafrechtshilfe vgl. BGE 129 II 462 E. 5.3; ANDREAS J. KELLER, Praxis der Rechtshilfe in Strafsachen – ausgewählte formell- und materiellrechtliche Fragestellungen, in: Stephan Breitenmo - ser/Bernhard Eh renzeller [Hrsg.], Aktuelle Fra gen der inter nationalen Amts- und Rechts hilfe, St. Gal len 2009, S. 90 ff. mit weiteren Hinweisen). Es reicht, wenn in die sem Sta dium erste konkrete Indizien oder Hinweise auf eine mögli che Verletzung finanzmarktrechtlicher V or- schriften ange führt wer den. Die V orin stanz geht bei ihre n eige nen Untersuchungen in Fäl len von Marktmiss brauch ähnlich vor (vgl. hierzu den Bericht der FINMA: Die inter nationale Amtshilfe im Börsenbereich, August 2009, S. 18 f., abrufbar unter: http:// www.finma.ch/d/aktuell/ Documents/Amtshilfebericht_20090916_d.pdf). Auch wenn im Zeit - punkt, in dem entsprechende Abklärungen aufgenom men werden, wegen auffälliger Kursverläufe erst der Verdacht auf solche Delikte besteht, ohne dass schon eine personelle Zuordnung (Effektenhänd ler oder Kunde) möglich wäre, bleibt die Amtshilfe, die sich auf das Marktge - schehen als Ganzes bezieht, dennoch zulässig (vgl. BGE 128 II 407 E. 5.2, BGE 125 II 65 E. 5 und 6; BVGE 2010/26 E. 5.1, BVGE 2007/28 E. 5; SCHAAD, a. a. O., N 82 ff. zu Art. 38 BEHG). Amtshilfe 2011/14 BVGE / ATAF / DTAF 237 Die V orinstanz hat sich nicht dar über auszusprechen, ob der dem Ersu - chen zugrunde liegende Ver dacht zutrifft oder nicht. Sie hat weder Tat - noch irgendwelche Schuldfragen zu prüfen und ihrerseits eine Beweis - würdigung vorzunehmen (vgl. BGE 128 I I 407 E. 5.2.1). In ihrer Eigen- schaft als um Amts hilfe ersuchte Behörde übt die V orinstanz eine blosse Hilfsfunktion bei der Sachverhaltsermittlung aus, das heisst , sie liefert unter den V o raussetzungen von Art. 38 BEHG spezifi sche Sach - verhaltselemente. Das Bun desverwaltungsgericht und das Bun desgericht haben im Zu sammenhang mit vermuteten Marktma nipulationen wiederholt fest gehalten, die er suchte Behörde müsse hierzu le diglich prüfen, ob genügend In dizien für eine mögliche Marktver zerrung vorliegen würden. Es ge nüge die Fest stellung, dass die ersuchten In - formationen oder Unterlagen nicht ohne jeden Bezug zu den ver muteten Unregelmässigkeiten stünden. Die ei gentlichen formellen und materiellen Abklärungen, wie die voll ständige Sachverhaltser mittlung und die kor rekte Auslegung und An wendung der ein schlägigen Bestim - mungen des ausländischen Auf sichtsrechts, oblie gen der ausländischen Aufsichtsbehörde im Ausgangs - beziehungsweise Hauptverfah ren. Wie bereits aufge zeigt, ist es ausreichend, wenn die In formationen oder Unterlagen zur Durchfüh rung des ausländischen Auf sichtsverfahrens potentiell relevant er scheinen und dies im Gesuch angemes sen dargelegt wird. Erst die ausländische Aufsichtsbehörde hat die ihr amtshilfeweise gelieferten Informati onen oder Unterlagen im Zusam menhang mit eige - nen weiteren Ab klärungen im Rahmen des Haupt verfahrens umfas send zu wür digen. Ist der Ver dacht auf eine mögli che Rechtsverlet zung im Ersuchen hinreichend und schlüssig dargetan und gelingt es den an den kritischen Transak tionen beteiligten, in das Auf sichtsverfahren einbe - zogenen Personen nicht, den das Aus gangs- bzw. Hauptverfahren auslö- senden Ver dacht zu ent kräften, ist die Amtshilfe grund sätzlich zu gewähren (vgl. BGE 128 II 407 E. 5.2.1 und 5.2.3, BGE 127 II 323 E. 6b/aa; Urteil des Bun desverwaltungsgerichts B–3703/2009 vom 3. August 2009 E. 4.1). Sollen die übermittelten Informationen ferner zu einem anderen als dem in Art. 38 Abs. 2 Bst. a BEHG genannten Zweck an Strafbehörden weitergeleitet werden, kann die V orinstanz dem Ersuchen im Einverneh - men mit dem Bundesamt für Justiz zustimmen, sofern die Rechtshilfe in Strafsachen nicht ausge schlossen ist (Art. 38 Abs. 6 BEHG). Selbstre - dend bedarf es für die Bewilligung der Weiterleitung von im Rahmen der Amtshilfe erhaltenen Informationen und Unterlagen an die Strafbehörden 2011/14 Amtshilfe 238 BVGE / ATAF / DTAF im Einzel fall jeweils eines zusätzlichen Verdachts, welcher auf die Verletzung weite rer Strafbestimmungen hinweist. Die Amtshilfe aus ser- halb der Regulie rungen über Börsen, Effektenhandel und E ffektenhänd- ler darf jedenfalls nicht zur Umgehung der Rechtshilfe in Strafsachen führen (vgl. BGE 128 II 407 E. 4.3.2, BGE 126 II 409 E. 6; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B–6039/2008 vom 8. Dezember 2008 E. 3.3; SCHAAD, a. a. O., N 29 ff., N 66 und 138 ff. zu Art. 38 BEHG mit weiteren Hinwei sen; zur Abgren zung der Amts - von der Rechtshilfe ferner Urteil des Bun desgerichts 1C_486/2010 vom 20. Dezember 2010 E. 2.3.1; zur Sachver haltsdarstellung zwecks Durchführung von pro zes- sualen Zwangs massnahmen im er suchten Staat beim V ollzug der akzessorischen Rechts hilfe vgl. Entscheid des Bundes strafgerichts RR.2010.92 und RP.2010.25 vom 19. Januar 2011 E. 4). 5.3 5.3.1 Die BaFin schildert in ihrem Amtshilfeersuchen, dass ein Ver - dächtiger zwischen September 2005 und Juni 2007 in seinen per E -Mail vertriebenen Bör senbriefen an der Frankfurter Wertpapierbörse gehan - delte Aktien empfohlen habe, ohne seine eigenen wirtschaftlichen Inte - ressen an der Kursentwicklung dieser Papiere offenzulegen. An schlies- send habe dieser den durch seine Empfehlungen hervorgerufenen Anstieg von Nachfrage und Kursniveau ausgenutzt, indem er die von ihm di rekt oder über Treu handgesellschaften gehaltene Wertpapiere veräus serte. Zwischen Okto ber 2006 und Februar 2007 h ätten dem Ver dächtigen zurechenbare Bör seninformationsdienste die Aktien der Z. Corp. beworben. Die Ba Fin leitetet daraus den Anfangs verdacht eines Ver - stosses gegen das Verbot der Marktmanipulation ab. Es handle sich da bei um die Form des sogenannten « Scalpings » gemäss der bundesdeutschen Wertpapierhandelsgesetzgebung in Verbindung mit dem entspre chenden Verordnungsrecht. 5.3.2 Im vorliegenden Verfahren ist, ohne damit eine Pflicht zur ver - tieften Abklärung ausländischer Markt missbrauchstatbestände präju - dizieren zu wollen, darauf hinzuweisen, dass im deutschen Kapitalmarkt - recht unter « Scalping » die öffent liche Empfeh lung eines Finanz - instruments verstanden wird, über das der « Scalper » zuvor eine eigene Position eingenommen hat (z. B. durch den Kauf von Wertpapie ren), um anschliessend die zu seinen Guns ten eintretende Preisveränderung durch Glattstellung (z. B. Verkauf der Wertpapiere) zu nut zen (vgl. EBERHARD SCHWARK, in: Eberhard Schwark/Daniel Zimmer [Hrsg.], Kapital markt- rechts-Kommentar, 4. Aufl., München 2011, N 70 ff. zu § 20a WpHG; Amtshilfe 2011/14 BVGE / ATAF / DTAF 239 WOLFGANG WOHLERS/TILO MÜHLBAUER, Strafbarkeit des « Scalping », Zur Verantwortlichkeit von Finanz analysten und [Wirt schafts-]Jour- nalisten nach den Normen gegen In siderhandel, Kursma nipulation und Betrug, in: Hans Casper V on der Crone/Rolf H. Weber/Roger Zäch/Dieter Zobl [Hrsg.], Neuere Tendenzen im Gesell schaftsrecht, Festschrift für Peter Forstmoser zum 60. Geburtstag, Zürich 2003 , S. 743 ff. mit weiteren Hinweisen). Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung sinngemäss dar legt, ist das vorliegende Amtshilfeersuchen insofern mit Amtshilfe gesuchen wegen Verdachts auf Insiderdelikte vergleichbar, als es auch bei der in Frage stehenden allfälligen Marktmanipulation um ein m ögliches regel- widriges Ausnützen eines Informationsvorsprungs geht. Das Bun desver- waltungsgericht hat bereits in früheren Urteilen festgestellt, dass auf - grund dieser wesentlichen Vergleichbarkeit die in der bun desgerichtli- chen Rechtsprechung entwicke lten Grund sätze zu Amts hilfegesuchen wegen Insiderdelikten analog auch auf Amtshilfe gesuche wegen Markt - manipulationen durch irreführende In formationen anwendbar sind (vgl. BVGE 2010/26 E. 5.1, BVGE 2007/28 E. 6.2). Gemäss ständiger Recht - sprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist ein ausreichender Anfangs- verdacht gegeben, wenn auf ausländischen Finanzmärkten getä tigte Transaktionen in einem zeitlich nahen Bezug zu einer fraglichen Markt - entwicklung stehen (vgl. BGE 129 II 484 E. 4.2; Urteil des Bun des- verwaltungsgerichts B –8397/2010 vom 31. Januar 2011 E. 7, Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B–5469/2010 vom 7. Dezember 2010 E. 5.2). Die BaFin hat neben den gesetzli chen Grundlagen ihre r Untersuchung einen konkreten Sachver halt geschildert und von der Vorins tanz präzis umschriebene Informatio nen verlangt. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers hat sie in ihrem Ersuchen insbesondere auch mitge - teilt, in welchem Zeitraum die fragl ichen Aktienempfehlungen publiziert worden sind. Es bestehen hinrei chend konkre te Indi zien, die auf - sichtsrechtlich unter suchungswürdig er scheinen und auf die Verlet zung gesetzlicher Markt aufsichtsregeln hindeu ten. Der von der er suchenden Behörde geäus serte Verdacht auf Marktmani pulation ist ange sichts der im Gesuch dargelegten Anhalts punkte nachvollziehbar und hinrei chend begründet. Es ist nicht ersicht lich, in wiefern die Darstel lung der BaFin offensichtliche Fehler, Lü cken oder Wi dersprüche enthal ten sollte, welche die Zuverlässig keit des Amtshilfegesuchs in Frage stel len würde. Wie dargelegt, wird von den ersu chenden Be hörden kein be reits völlig 2011/14 Amtshilfe 240 BVGE / ATAF / DTAF lückenloser und wider spruchsfreier Sachver halt erwartet; viel mehr werden si e bis her im Dun keln gebliebene Punkte ge stützt auf die er - suchten Informa tionen und Unterlagen erst noch zu klä ren haben. Inso - fern wird Be standteil der Unter suchungen der BaFin insbe sondere auch die Frage ei ner allfälli gen Verbindung zwischen den Auftraggebern der Transaktionen und den Ur hebern der Börsenpublikatio nen sein. Die V orinstanz ist nicht gehalten, dies selbst vertieft abzuklären. Es ist jeden - falls nicht auszu schliessen und wird vom Beschwerdeführer auch nicht ausdrücklich bestritten, dass die er suchten Informationen zur Auf klärung des ge schilderten Sachver halts er heblich sein können. V on ei ner reinen Beweisausforschung oder einer unzulässigen Ermittlung ins Blaue hin ein kann deshalb keine Rede sein. Mit de n von der BaFin gelieferten Anhaltspunkten ist im vorliegenden Fall der nach der Recht sprechung geforderte, hinreichend begründete Verdacht im Zu sammenhang mit Marktmanipulationen somit prinzipiell gegeben. 5.4 Es bleibt zu prüfen, ob die Einwände des Bes chwerdeführers ge- eignet sind, die Übermittlung ihrer Bankdaten in Frage zu stellen und namentlich den Verdacht der Marktmanipulation zu entkräften. 5.4.1 Der Beschwerdeführer rügt zunächst grundsätzlich die tiefe An - lassschwelle des für die amtshilfeweise Ü bermittlung von Bank infor- mationen statuier ten Anfangsverdachts. Er führt hierzu sinngemäss aus, dass vor al lem in der heutigen Zeit, in welchen unzählige Titel schwere Kursschwankungen erlei den wür den, die Anforderun gen an den Anfangsverdacht und die Konkretisierungs- und Dokumentierungspflicht überdacht werden müs sten, da ansons ten bereits eine ungewöhnli che Kursschwankung einer Ak tie zur Ge währung der Amtshilfe und damit einer Aus höhlung des Bankgeheimnis ses führe. Mit Verweis auf se ine Eingabe vom 17. März 2010 an die V orin stanz macht der Beschwerde - führer schliess lich geltend, dass nie mand durch die amts hilfeweise Übermittlung seiner Informationen aufgrund vager Verdachtsgründe dem Risiko einer media len V orverurteilung i m ausländi schen Verfah ren auszusetzen sei. So habe die BaFin in casu lediglich eine Aufstellung der C. über den Ver- kauf von 275'000 Stück der besagten Aktien beige legt, wobei unter Be - rücksichtigung des gesamten Aktienkapitals der Z. Corp. wohl kaum v on einer grösseren Position gesprochen werden könne. Ausserdem macht der Beschwerdeführer sinngemäss geltend, dass die BaFin weder konkrete Amtshilfe 2011/14 BVGE / ATAF / DTAF 241 Börsenbriefe noch sonstige Dokumente oder « Printouts » geliefert habe, welche es der V orinstanz er möglicht hät te, eine verdachtsimmanente Relevanzkontrolle der geforderten Informationen durchzuführen. 5.4.2 Im vorliegenden Fall ist unbestritten und aktenkundig, dass der Beschwerdeführer namens der E. Inc. und als deren wirt schaftlich Berechtigter im Oktober 2006 der D. AG Verkäufe von Z. Corp. -Aktien in Auftrag gegeben hat und somit nicht als unverwickelter Dritter ein - gestuft werden kann (zum unverwickelten Dritten vgl. BVGE 2008/66 E. 7; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B–8397/2010 vom 31. Januar 2011 E. 10). Was die grundsätzliche Kritik an der fi nanzmarktrechtlichen Amtshilfe- praxis anbelangt, ist vorab auf die obenge nannten Erwägungen zu verweisen. Ausserdem ist festzuhalten, dass, wer auf ausländischen Finanzmärkten operiert, sich damit ausländischem Au fsichtsrecht unter - stellt und somit in Kauf nehmen muss, in aufsichtsrechtliche Ver fahren im Ausland einbezogen zu werden. Die für das gute Funktionieren ei nes Finanzmarkts zuständige Behörde hat das Recht, die Akteure auf die sem Markt zu kennen und – im Rahmen der vom Gesetz geber festgeleg ten Regeln – nach eigenem Ermessen Verfahren durchzuführen (vgl. MARCO FRANCHETTI/ROLF HAUDENSCHILD, Revi sion der interna tionalen Amts- hilfebestimmungen im Börsenbereich, Die V olkswirtschaft 2006, S. 33). Das Bankkundengeheimnis geniesst diesbezüg lich kei nen ab soluten Schutz, sondern die V orinstanz ist vielmehr berechtigt, unter den ge schil- derten Umstän den perso nenbezogene Bankdaten an aus ländische Auf - sichtsbehörden zu übermit teln (vgl. BGE 125 II 83 E. 5; BVGE 2009/31 E. 5). Das aufsichtsrechtliche Agieren der BaFin und die schweize rische Amtshilfepraxis im Finanzmarktbereich müssten dem Be schwerdeführer ausserdem be kannt sein, war dieser doch bereits Par tei in einem ähnli - chen Verfahren der V orinstanz und vor dem Bundes verwaltungsgericht (vgl. Urteil des Bun desverwaltungsgerichts B–3703/2009 vom 3. August 2009). Der Be schwerdeführer substanti iert weder, inwie fern ihm durch das ausländische Aufsichtsverfahren eine medi ale V orverurteilung drohe, noch weshalb seine Bankdaten besonders schüt zenswerte Informati onen enthalten sollten. Es sind auch sonst keine Gründe ersichtlich, welche die grundsätzlich mögli che Aufhebung des Bank geheimnisses zwecks Aufklärung von Finanz marktdelikten ausländi scher Aufsichtsbehörden einschränken könnten. Der Gesetzgeber hat die Amtshilfe vielmehr ge - rade deshalb geschaffen, damit die Auf sichtsbehörden zum Schutz der zusehends ver netzten Märkte auf Miss bräuche adäquat und zeitge recht 2011/14 Amtshilfe 242 BVGE / ATAF / DTAF reagieren kön nen. Die verschiede nen Transaktionen lassen sich dabei äusserlich in der Regel nicht in ver dächtige und unverdächtige aufteilen (vgl. BGE 128 II 407 E. 5.2.3, BGE 126 II 409 E. 5b/aa). Folglich muss es im Ergebnis auch im Interesse des Beschwer deführers liegen, dass die BaFin im Rah men einer entlas tenden und belastenden Be weiswürdigung den Sachverhalt und da mit letzt lich die Wahrheit auf klärt. Gründe, die rechtsstaatliche Ausgestal tung des deut schen Aufsichtsverfah rens anzu - zweifeln, be stehen keine. Dabei ist nochmals dar auf hinzuwei sen, dass die BaFin in ihrem Ersuchen vom 28 . Januar 2010 die vertrauliche und zweckgebundene Bearbeitung der benötigten Informationen ausdrücklich zugesichert hat. Was den weiteren Einwand des Beschwerdeführers betrifft, die BaFin habe ihre Behauptungen ungenügend belegt, so kann ihm auch diesbe - züglich nicht gefolgt werden. Dem pauschalen Einwand, dass in der heutigen Zeit unzählige Titel schwere Kursschwankungen erleiden wür - den, kann keine Beachtung geschenkt werden. Einer ausländischen Auf - sichtsbehörde ist ohne Weiteres zuzutrauen, aufsic htsrechtlich relevante Kursschwankungen von unverdächtigen Marktbewegungen sondieren zu können. Wie bereits oben darge legt, wird die internatio nale Behördenzu- sammenarbeit durch gegenseitiges Vertrauen konstituiert. Gemäss ständi- ger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge richts reicht es aus, dass die ersuchende Behörde die ihrem Anfangsverdacht zu grunde liegenden Sachverhaltsmomente sub stantiiert. Konkrete schriftliche Beweis mittel sind darüber hinaus nicht erforderlich. Jedenfalls dann nich t, wenn es sich bei den in Frage stehen den Umständen um öffent lich bekannte Tatsachen wie Kurs verläufe und an dere auf dem Inter net erhältli che Informationen handelt und keine konkreten Anhaltspunkte vorliegen oder substantiiert und nachvollzieh bar vorgebracht werden, dass die von der ersuchenden Behörde behaupteten Sachverhaltsmo mente lediglich fin - giert sind (vgl. BVGE 2010/26 E. 5). Wie die V orinstanz mit dem Ver - weis auf eine eigene Recher che ausser dem zu Recht anmerkt, kann der Beschwerdeführer bereits durch eine simple Eingabe im Internet mit sol - chen ähnlichen V orgängen, wie dem Verfas sen von Börsenbrie fen und dem geschickten Anwerben und Mar keting von Ak tien, in Verbindung gebracht werden (…). Das Bundesverwal tungsgericht hat im Rahmen seiner Prüfung der ihm vorgeleg ten Unterlagen zudem festgestellt, dass die streitigen Aktien im be sagten Zeitraum auf verschiedenen Internet - seiten angepriesen worden sind, was die Rele vanz der erbetenen Infor - mationen und Unterlagen ebenfalls noch zu unterstreichen vermag. Amtshilfe 2011/14 BVGE / ATAF / DTAF 243 Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer denn auch gar nicht bestritten, dass die BaFin den auffälligen Kursverlauf korrekt wieder - gegeben hat. Zwar hat die BaFin durch Dokumente nicht bele gt, dass die Aktien de r Z. Corp. in der dar gelegten Art und im relevanten Zeit raum durch Börsenbriefe empfohlen worden sind, was aber im Hinblick auf das völkerrechtliche Vertrauensprinzip und auch aufgrund der durch das Internet erlangten Notorietät solcher Informationen gru ndsätzlich nicht notwendig ist. Das Ersuchen der BaFin enthält jedenfalls keine offen - sichtlichen Feh ler oder Widersprüche, weshalb sich die V orinstanz zu Recht als an den ge schilderten Sachverhalt gebunden erachten durfte. Der V orinstanz ist überdies zuzustimmen, dass es nicht als nachvollzieh - bar erscheint, wie die ersuchende Behörde ohne die mittels Amtshilfe verlangten Informatio nen und Unterlagen Anhalts punkte für Verbindun - gen zwischen dem Auftraggeber der Transaktionen und den Urhebern der Publikationen überhaupt liefern könnte. Die Rüge, dass die BaFin ih ren Anfangsverdacht ungenügend dokumentiert habe, er weist sich da her als unbegründet. Der Umstand, dass einem Amtshilfeersuchen mit Bezug auf die abzu klä- renden börsenrechtlich en Straftatbestände kein bedeutendes Trans - aktionsvolumen oder ein hoher Gewinn zugrunde liegt, ver mag weder ei- nen Anfangsverdacht auszuschliessen noch einen Verstoss gegen den Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu begründen. Letztlich ist nur die ersuchende ausländische Behörde im Rahmen des Ausgangs - bezie- hungsweise Hauptverfahrens in der Lage, gegebenenfalls aufgrund eigener Abklärungen und der weiteren, durch Amtshilfe erhaltenen Infor - mationen festzu stellen, ob die Behauptungen des Beschwerde führers bezüglich des V olu mens der vorgenommenen Transaktionen zutreffen oder nicht (vgl. Ur teil des Bundesgerichts 2A.50/2005 vom 16. März 2005 E. 2.3 und Urteil des Bundesgerichts 2A.595/1998 vom 10. März 1999 E. 2b veröffentlicht in: EBK Bulletin 38/1999 S. 36 ff.; BVGE 2007/28 E. 7; Urteil des Bun desverwaltungsgerichts B –7195/2008 vom 27. Januar 2009 E. 5.5). Es ist im bör senrechtlichen Amts hilfeverkehr nicht Aufgabe der ersuchten Be hörde, die doppelte Straf barkeit einge - hend zu prüfen oder eine diesbe zügliche straf rechtliche Beweiswürdi - gung vorzunehmen, solange die auslän dische Be hörde In formationen ausschliesslich zur Durchsetzung der Finanzmarkt regulierung und damit zusammenhängende Strafverfah ren ver wendet. Die kor rekte Auslegung und Anwendung der ein schlägigen Be stimmungen des deutschen Aufsichtsrechts, mithin auch die Prü fung, ob der Beschwer deführer 2011/14 Amtshilfe 244 BVGE / ATAF / DTAF sämtliche Tatbestandselemente des verpön ten « Scalpings » erfülle oder nicht, ist folg lich allein die Auf gabe der BaFin (vgl. BGE 128 II 407 E. 5.2.1 und 5.2.3; Ur teil des Bundes verwaltungsgerichts B –3703/2009 vom 3. August 2009 E. 4.1, Urteil des Bundesverwal tungsgerichts B – 6039 vom 8. Dezember 2008 E. 7, Urteil des Bundesverwal tungsgerichts B–5297 vom 5. November 2008 E. 3, Urteil des Bundesverwal tungs- gerichts B–4675/2008 vom 29. August 2008 E. 5.3 und Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts B–2980/2007 vom 26. Juli 2007 E. 6.2). Auf den sinngemässen Einwand des Be schwerdeführers, beim Ver kauf von 275'000 Stück der besagten Aktien handle es sich um eine straf- und auf- sichtsrechtlich unbe deutende Transak tion, ist mit Blick dar auf und die Ausführungen der V orinstanz folglich nicht weiter einzugehen. Das Amtshilfeersuchen stützt sich aus diesen Gründen auf einen rechts - genüglichen Anfangsverdacht und ist verhältnismässig. Die V oraus set- zungen für die Gewährung von Amtshilfe sind deshalb insgesamt erfüllt.