Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 24. Februar 2022 (720 21 275 / 46) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Verletzung des Fragerechts, Verlaufsbegutachtung, Beurteilung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Stephan Müller, Advokat, c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1970 geborene, zuletzt als Betriebsangestellter Fahrzeugreinigung bei einem Ei- senbahnunternehmen tätig gewesene A.____ meldete sich i m Januar 2005 unter Hinweis auf Husten, Asthma, Atemprobleme, psychische Probleme, Migrä ne, Ohrenschmerzen, Nacken- und Schulterschmerzen sowie Fingerbeschwerden bei der E idgenössischen Invalidenversiche- rung (IV) zum Leistungsbezug an. Nachdem die IV-Stelle B asel-Landschaft (IV-Stelle) die Ver- hältnisse abgeklärt hatte, ermittelte sie einen Invalid itätsgrad von 20 %, worauf sie mit Verfü- gung vom 21. September 2005 einen Anspruch von A.__ __ auf eine Rente abwies. Daran hielt sie auf Einsprache des Versicherten hin mit Entscheid v om 19. Dezember 2006 fest. Die hier- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegen erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 5. Septem ber 2007 (KGSV 720 07 79) in dem Sinne gut, als es den Einspracheentscheid vom 19. Dezemb er 2006 aufhob und die Sache zur Durchführung weiterer medizinsicher Abklärungen und zum E rlasse einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückwies. In Nachachtung des Urteils de s Kantonsgerichts vom 5. September 2007 liess die IV-Stelle bei der Ärztlichen Begutachtun gsinstitut GmbH (ABI) eine ergänzende Sachverhaltsabklärung durchführen. Gestützt auf die Abkl ärungsergebnisse der ABI vom 19. September 2008 ermittelte sie einen IV-Grad von 36 %, worauf sie mit Verfügung vom 18. Februar 2010 einen Anspruch von A.____ auf eine R ente erneut abwies. Dieser Entscheid wurde auf Beschwerde des Versicherten hin vom Kantonsgeri cht mit Urteil vom 13. Oktober 2010 (KGSV 720 10 83) und vom Bundesgericht mit Urteil vom 1. April 2011, 9C_40/2011, be- stätigt. A.2 Am 21. Mai 2014 meldete sich A.____ unter Hinweis auf multiple Beschwerden erneut bei der IV zum Leistungsbezug an. In der Folge beauf tragte die IV-Stelle die Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) mit einem rheumatologisch-psychi atrischen Gutachten, welches am 10. Mai 2016 erstattet wurde. Mit Schreiben vom 16. Ju ni 2016 zeigte die Procap Nordwest- schweiz (Procap) der IV-Stelle die Mandatsübernahme an und reichte eine Vollmacht ein. Nachdem der Regionale ärztliche Dienst (RAD) das Gutachte n der asim vom 10. Mai 2016 als nicht verwertbar qualifizierte, zeigte die IV-Stelle A .____ am 28. November 2019 an, dass eine neue medizinische Abklärung notwendig sei. Am 12. Dezemb er 2019 beauftragte sie die Dres. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und C.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, mit einem bidisziplinär en Gutachten, welches am 20. Februar/28. März 2020 erstattet wurde. Bereits am 18. Februar 2020 stellte die Procap fest, dass ihr die Begutachtung nicht angezeigt worden sei u nd sie keine Gelegenheit gehabt habe, den Gutachtern Ergänzungsfragen zu stellen. Im Sinne ei ner Vervollständigung des medizini- schen Sachverhalts übermittelte die IV-Stelle den Gutac htern am 28. Juli 2020 die von der Rechtsvertretung am 20. März 2020 resp. am 7. Mai 2020 eingereichten Zusatzfragen zur Stel- lungnahme. Hierzu äusserten sich Dr. B.____ am 25. Au gust 2020 und Dr. C.____ am 15. Oktober 2020. Nach Rücksprache mit dem RAD und Dr. B.____ sowie nach durchgeführ- tem Vorbescheidverfahren verneinte die IV-Stelle eine n Rentenanspruch bei einem Invaliditäts- grad von 34 % (Verfügung vom 23. Juli 2021). B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Ste phan Müller, Procap Schweiz, am 14. September 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht. Er beantragte, in Gutheissung der Be- schwerde sei die Verfügung der IV-Stelle vom 23. Juli 2021 aufzuheben. Es sei ein Gerichts- gutachten in Auftrag zu geben und anschliessend über den Leistungsanspruch zu entscheiden; unter o/e-Kostenfolge. Er rügte im Wesentlichen ein un zulässiges Vorgehen der IV-Stelle und eine mehrfache Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör. C. In ihrer Vernehmlassung vom 28. September 2021 schlo ss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Mit Instruktionsverfügung vom 12. Oktober 2021 wurde die Angelegenheit der Dreier- kammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel -Landschaft, so dass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist . Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 14. September 2021 ist demnach einzutreten. 2. Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Ände- rung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kra ft. Die vorliegend angefochtene Verfü- gung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgeme inen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vie ler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmun gen des IVG und diejenigen der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (AT SG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendb ar (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021 E. 2). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 3.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht, d ie IV-Stelle habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör in mehrfacher Hinsicht verletzt. S o habe sie es unterlassen, seiner Rechtsvertretung die Begutachtung bei den Dres. B.____ und C.____ anzuzeigen und ihr Gele- genheit zu geben, sich vorgängig zu den Gutachterfragen zu äussern, dagegen Einwände zu erheben und Ergänzungsfragen zu stellen. Hinsichtlich de s Fragerechts sei keine Heilung der Gehörsverletzung im Verwaltungs- und Rechtsmittelverfahren möglich, weshalb schon aus die- sem Grund durch das Kantonsgericht eine Begutachtung zu veranlassen sei. Zudem seien we- der der Vorbescheid noch die angefochtene Verfügung vo m 23. Juli 2021 sachgerecht begrün- det und damit dem Anspruch auf rechtliches Gehör nicht Genüge getan. Sollten sich diese Rü- gen als begründet erweisen, kann dies zur Aufhebung d es angefochtenen Entscheids führen, ohne dass die Angelegenheit materiell geprüft würde. Diese Einwände sind deshalb vorab zu prüfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2009, 8C_951/2008, E. 3). 3.2.1 Nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwe izerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 und Art. 42 Satz 1 ATSG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sacha ufklärung, anderseits stellt es ein per- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Ent scheids dar, welcher in die Rechtsstellung des Betroffenen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht, sich vorgängig zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und sich zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, die Entscheidung zu beeinflussen (vgl . Urteil des Eidgenössischen Versi- cherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrecht liche Abteilungen] vom 20. September 2006, I 618/04, E. 4.1). In Konkretisie rung des verfassungsrechtlichen Gehörs- anspruchs statuiert Art. 49 Abs. 3 ATSG die grundsätzliche Pflicht der Versicherungsträger, ihre Verfügungen zu begründen, wenn sie den Begehren der P arteien nicht voll entsprechen. Zur Frage, welche Begründungsdichte die Verfügung aufweis en muss, äussert sich die genannte Bestimmung nicht. Diesbezüglich ist auf die bundesgerichtl iche Rechtsprechung zu verweisen, wonach die Begründung so abgefasst sein muss, dass die betroffene Person die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl die betroffene Person wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die T ragweite des Entscheids ein Bild ma- chen können. Zu diesem Zweck müssen wenigstens kurz die Über legungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihre Verfügung stützt. Dies be- deutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jede r tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Viel mehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 3.2.2 Holt der Versicherungsträger zur Abklärung des Sach verhalts ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen ein, gibt er der Partei deren oder dessen Namen be- kannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und Gegenvorschläge ma- chen (Art. 44 ATSG). Weiter besteht ein Anspruch dara uf, sich vorgängig zu den Gutachterfra- gen zu äussern, dagegen Einwände zu erheben und Ergänzu ngsfragen zu stellen (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9). Nach der Rechtsprechun g gelten die rechtsstaatlichen Anfor- derungen bei polydisziplinären Gutachten, u.a. bezüglich der Partizipationsrechte, sinngemäss auch bei mono- und bidisziplinären medizinischen Beguta chtungen (vgl. BGE 139 V 349 E. 5.4). Weil hier die zufallsbasierte Zuweisung zu ei ner Gutachterstelle nicht zur Anwendung gelangt, ist die Beachtung der Verfahrensgarantien be i mono- und bidisziplinären Expertisen umso wichtiger (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. Nove mber 2014, 8C_557/2014, E. 5.2.1). Zu diesen Garantien gehört namentlich das Recht der versicherten Person zur vor- gängigen Fragestellung (vgl. BGE 139 V 349 E. 5.1, 5.2.3 und 5.4). Ziel dieser Mitwirkungsmög- lichkeit ist eine einzelfalladäquate Fragestellung, welche zur Qualität des Gutachtens wesentlich beiträgt (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9). Dies bedeut et umgekehrt, dass allfällige Fragen der versicherten Person nicht unbesehen ihrer Quantität und Qualität den Experten zur Beantwor- tung vorzulegen sind. Vielmehr darf sich der Versicheru ngsträger oder das kantonale Versiche- rungsgericht darauf beschränken, lediglich die für den Einzelfall erheblichen Fragen weiterzulei- ten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Oktober 201 4, 8C_386/2014, E. 4.3). In beiden Fäl- len der vorgängigen oder nachträglichen Fragestellung geht es letztlich um dasselbe, nämlich die Qualität des Gutachtens und damit die Tragfähigkeit der tatsächlichen Entscheidungsgrund- lage zu erhöhen. Es besteht indessen ein wesentlicher Un terschied, was die Schwere und da- mit die Heilbarkeit eines diesbezüglichen Mangels im Be schwerdeverfahren betrifft. Die nach- trägliche Fragestellung betrifft in erster Linie das Re cht der versicherten Person, sich zum Be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht weisergebnis zu äussern. Dabei geht es hauptsächlich darum, dass unklare Aussagen im Gut- achten erläutert und präzisiert, offen gebliebene Frag en beantwortet und (scheinbare) Wider- sprüche aufgelöst werden. Demgegenüber steht bei der vor gängigen Fragestellung der Ge- sichtspunkt der Waffengleichheit und damit der Verfahre nsfairness (mehr) im Vordergrund. In gleicher Weise wie die IV-Stelle soll die versicherte Person, gegebenenfalls zusammen mit ihrer Rechtsvertretung und allenfalls nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzten oder ihrem Hausarzt die aus ihrer Sicht für die Beurteilung des Le istungsanspruchs bedeutsamen Fragen vorgängig den Gutachtern stellen können (vgl. zum Ganzen : Urteil des Bundesgerichts vom 26. November 2018, 9C_595/2018, E. 4.3.1 f.). 3.2.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mit wirkungsrecht somit alle Befugnis- se, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in ein em Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann. Wie weit dieses Recht geht, lässt sich nicht in allgemeiner Weise, sondern nur unter Würdigung der konkreten Umstände sage n (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3). Nach der Rechtsprechung kann selbst eine schwerwiegende Verl etzung des rechtlichen Gehörs ge- heilt werden, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (d er Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurt eilung der Sache nicht zu vereinbaren wä- ren. Voraussetzung ist, dass die heilende Instanz selber in Bezug auf die vom Gehörsmangel betroffenen Aspekte die gleiche Kognition hat wie di e untere Instanz (vgl. BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2). Unter diesen Umständen kann sogar eine Pflicht zur Heilung im Rechtsmittelverfah- ren bestehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1. Septe mber 2008, I 706/06, E. 4.2.1 mit Hinweisen, u.a. auf BGE 132 V 387 E. 5.1-2). 3.2.4 Nach Art. 37 Abs. 3 ATSG sind Mitteilungen von Be hörden an die Vertretung einer Par- tei zu richten, solange die Partei ihre Vollmacht ni cht widerrufen hat. Nach konstanter Recht- sprechung führt eine fehlerhafte Eröffnung nicht zur Ni chtigkeit der Verfügung; dem Verfü- gungsadressat darf daraus indessen kein Nachteil erwachsen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. August 2010, 8C_322/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 3.3.1 Hinsichtlich der gerügten Verletzung des Fragere chts ist unbestritten, dass die Mittei- lung vom 28. November 2019 betreffend die beabsichtigt e bidisziplinäre Untersuchung bei den Dres. B.____ und C.____ direkt dem Beschwerdeführer zuge stellt wurde. Aufgrund des beste- henden Vertretungsverhältnisses hätte sie aber an dessen R echtsvertretung erfolgen müssen (vgl. Art. 37 Abs. 3 ATSG). Diese erfuhr erst im Rahme n der Akteneinsicht von der bereits in Auftrag gegebenen Begutachtung, weshalb zweifellos von einer fehlerhaften Mitteilung auszu- gehen ist. Was mögliche Ausstands- und Ablehnungsgründe m it Blick auf die angeordnete Be- gutachtung betrifft, ist festzuhalten, dass die Rechtsver tretung solche weder im Einwand vom 2. März 2021 noch im Rahmen der vorliegenden Beschwerde geltend machte. Aus der mangel- haften Mitteilung im Zusammenhang mit der Begutachtu ng ist dem Beschwerdeführer somit kein Nachteil entstanden (vgl. Urteil des Bundesgericht s 8C_322/2010 vom 9. August 2010 E. 4.2 mit Hinweis). Was das Stellen von Ergänzungsfrage n angeht, erhielt die Rechtsvertre- tung des Beschwerdeführers erst im Rahmen des Abklärungsve rfahrens Gelegenheit, solche einzubringen. Hierzu äusserten sich Dr. B.____ am 25. Aug ust 2020 und Dr. C.____ am Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 15. Oktober 2020. Dieser Verfahrensfehler wiegt nicht leicht. Vorliegend fällt allerdings ins Ge- wicht, dass es den Gutachtern möglich war, die von der R echtsvertretung am 20. März 2020 resp. 7. Mai 2020 unterbreiteten Fragen zu beantworten. Zudem ist aufgrund der medizinischen Aktenlage nicht davon auszugehen, dass die Beurteilung a nders ausgefallen wäre, wenn die Zusatzfragen des Versicherten vorgängig unterbreitet wo rden wären, konnten sich die Gutach- ter doch auch aufgrund der zahlreichen Vorakten ein hi nreichendes Bild zum Gesundheitszu- stand des Versicherten machen. Etwas anderes macht der Besc hwerdeführer zu Recht nicht geltend. Die Tatsache, dass keine neue Exploration stattfand, ist daher kein Grund, den Antwor- ten der Gutachter keine Beweiskraft zuzuerkennen, zumal sie eine erneute Befragung offenbar nicht für nötig befanden. Unter diesen Umständen darf daraus geschlossen werden, dass der Verfahrensmangel mit den Stellungnahmen der Experten vom 25. August 2020 und 15. Oktober 2020 zu den Ergänzungsfragen des Versicherten geheilt wurde. Da das hiesige Gericht sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfe n kann, ist der Verfahrensmangel aber jedenfalls im vorliegenden Beschwerdeverfahrens einer H eilung zugänglich (vgl. dazu BGE 137 I 195 E. 2.3.2 mit Hinweisen). Soweit der B eschwerdeführer geltend macht, hinsicht- lich des Fragerechts der versicherten Person sei keine Heil ung der Gehörsverletzung im Ver- waltungs- und Rechtsmittelverfahren möglich, kann ihm nach dem Gesagten nicht beigepflichtet werden. 3.3.2 Auch mit den weiteren formellen Rügen vermag d er Beschwerdeführer nicht durchzu- dringen. Wenn er geltend macht, die Beschwerdegegnerin habe weder den Vorbescheid vom 14. Januar 2021 noch die angefochtene Verfügung vom 23 . Juli 2021 rechtsgenüglich begrün- det, kann ihm nicht beigepflichtet werden. So legte d ie Beschwerdegegnerin in der angefochte- nen Verfügung den massgebenden medizinischen Sachverhal t dar, indem sie die Beurteilung im Gutachten der Dres. B.____ und C.____ vom 20. Februar/28. März 2020 wiedergab und sich zur Arbeitsfähigkeit äusserte. Zudem erörterte sie die Grundlagen für die Bemessung der Inva- lidität nachvollziehbar. Der angefochtenen Verfügung können somit die Überlegungen, welche zum gefällten Entscheid geführt haben, klar entnommen werden. Der Versicherte wurde ohne Weiteres in die Lage versetzt, diesen in voller Kenntni s der Sachlage beim Kantonsgericht an- zufechten. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt d amit weder in Bezug auf die Begrün- dung des Vorbescheids noch der angefochtenen Verfügung vor. 3.4 Zum Einwand des Beschwerdeführers, wonach richtigerwe ise eine Verlaufsbegutach- tung durch die asim angezeigt gewesen wäre, nachdem si e ihn bereits im April 2016 begutach- tet habe (Expertise vom 10. Mai 2016), ist festzuhalt en, dass es in aller Regel sachgerecht ist, wenn der gesundheitliche Verlauf von dem mit dem Fall schon vertrauten medizinischen Vor- gutachter abgeklärt und beurteilt wird. Für eine zuver lässige Beurteilung allfälliger Veränderun- gen des Gesundheitszustands setzt eine Verlaufsbegutachtung aber jedenfalls ein den Beweis- anforderungen genügendes Vorgutachten voraus. Erscheint der Beweiswert eines solchen für die Beurteilung der seitherigen gesundheitlichen Entwicklung als zweifelhaft, ist auf dieser Basis eine Verlaufsbegutachtung nicht zuverlässig und fällt daher ausser Betracht. In diesen Fällen ist eine erneute, unabhängige und umfassende Beurteilung der medizinischen Sachlage anzuord- nen. Eine solche Konstellation liegt hier vor. Der RAD qualifizierte das Gutachten der asim vom 10. Mai 2016 aufgrund von Inkonsistenzen und weil die Schlussfolgerungen der Gutachter in Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bezug auf die Arbeitsfähigkeit nicht plausibel waren, als nicht verwertbar (vgl. dazu insbes. die RAD-Berichte vom 19. Mai 2016 und 30. November 2016 und 27. November 2019). Dieser Auf- fassung des RAD hielt der bereits damals rechtlich vertr etene Beschwerdeführer nichts entge- gen (vgl. Eingaben der Rechtsvertretung des Beschwerde führers vom 18. und 19. Februar 2020, 2. und 20. März 2020 sowie vom 7. Mai 2020). Au ch im vorliegenden Verfahren bringt er nichts vor, was die damalige Auffassung des RAD als unz utreffend erscheinen liesse. Unter diesen Umständen ist eine Verlaufsbegutachtung durch di eselben Gutachter aber ungeeignet und die IV-Stelle kam daher nicht umhin, den Versichert en durch bisher nicht involvierte Fach- personen umfassend begutachten zu lassen. Das Vorgehen d er IV-Stelle ist demnach nicht zu beanstanden. Da Hinweise dafür, dass den Dres. B.____ u nd C.____ die Rahmenbedingungen der Auftragsvergabe nicht hinreichend klar waren und deshalb eine verlässliche Begutachtung nicht möglich war, fehlen, kann auch dieser Rüge des Be schwerdeführers nicht beigepflichtet werden. 4. Materiell streitig ist der Rentenanspruch des Beschwe rdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 23. Juli 2021 entwi- ckelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemä ss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2). 5.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krank- heit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung u nd Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten a uf dem in Betracht kommenden aus- geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Er- werbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundh eitlichen Beeinträchtigung zu be- rücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vo r, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Beeinträchtigung en der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. 5.2 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im S inne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychi- sche Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi- tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung d er Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhän- gig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem wei tgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zum utbar ist, eine Arbeitsleistung zu er- bringen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfah ren nach BGE 141 V 281 zu un- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht terziehen. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht st ets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserhebli- chen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). 5.3 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 5.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Unt ervarianten des Schätzungs- oder Pro- zentvergleichs (vgl. BGE 114 V 313 E. 3a) und der ausse rordentlichen Methode (vgl. BGE 128 V 29). 5.5 Auf ein Revisionsgesuch oder eine Neuanmeldung nach rechtskräftiger Verneinung eines Rentenanspruchs hat die Verwaltung nur einzutreten, wenn die versicherte Person glaub- haft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise ge- ändert hat (Art. 87 Abs. 3 IVV). Erheblich ist eine S achverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente (ode r deren Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (SVR 2014 IV Nr. 33 E. 2). Tritt die Verwaltung auf ein Revisionsgesuch oder eine Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die v on der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrads auch tatsächli ch eingetreten ist (SVR 2011 IV Nr. 2 E. 3.2; BGE 117 V 198 E. 4b). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Ge- such ab. Andernfalls hat sie zu prüfen, ob die festgeste llte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende Invalidität zu bejahen, und he rnach zu beschliessen. Im Beschwerde- fall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (SVR 2008 IV Nr. 35 E. 2.1; BGE 117 V 198 E. 3a). 6.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 6.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 6.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheiden d, ob dieser für die streitigen Be- lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen ber uht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin ode r des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 6.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandeln- den Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsa che Rechnung tragen, dass diese mit- unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauen sstellung in Zweifelsfällen eher zu Guns- ten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschied- liche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tä tigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinisc hen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des damaligen Eidge nössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 1 3. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnde n Ärzte zu anderslautenden Einschät- zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf- drängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und n icht rein subjektiver ärztlicher Interpretati- on entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgericht s vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 7. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 8.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, wel che sich für den vorliegenden Ent- scheid als zentral erweisen. 8.2 In der Verfügung vom 18. Februar 2010, mit welch er ein Rentenanspruch des Be- schwerdeführers abgewiesen wurde, stützte sich die IV-S telle bei der Beurteilung des Gesund- heitszustands des Versicherten auf das polydisziplinäre Gut achten der ABI vom 19. September 2008. Demnach wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) und eine anhaltende somatoforme Schme rzstörung (ICD-10 F45.4) diagnosti- ziert. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein chronisches unspezifisches Nacken- Schultergürtel-Armsyndrom beidseits (ICD-10 M54.1), eine unspezifische Periarthopathia coxae beidseits linksbetont (ICD-10 M24.8), Restbeschwerden be i Status nach operativer Revision einer ulnaren Seitenbandläsion MCP I links am 29. Juni 2005, eine Periarthropathia genu rechts (ICD-10 M77.9) und eine Adipositas (BMI 35 kg/m 2). Der Versicherte präsentiere ein buntes Beschwerdebild mit Schmerzen, Husten bei Anstrengung, Än gsten und Albträumen. Aufgrund der objektiven Befunde bestünde aus psychischen Gründen ei ne leicht verminderte Arbeitsfä- higkeit von 20 %. In rheumatologischer Hinsicht seien mei st unspezifische, objektiv nur gering ausgeprägte Befunde am Bewegungsapparat erhoben worden. Diese hätten keinen Einfluss auf körperlich leicht- bis mittelschwer belastende Tätigkeite n. Rein internistisch seien ebenfalls kei- ne Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fe stzustellen. Aus gesamtmedizinischer Sicht sei der Versicherte in körperlich leicht bis mittelsch wer belastenden Tätigkeiten zu 80 % arbeitsfähig. 8.3.1 Nachdem sich der Versicherte am 21. Mai 2014 erneu t bei der IV zum Leistungsbezug angemeldet hatte, beauftragte die IV-Stelle die Dres. B.____ und C.____ mit einem bidisziplinä- ren Gutachten. Am 20. Februar 2020 diagnostizierte Dr. B.____ mit Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwä rtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und p sychischen Faktoren (ICD- 10 F45.41). Die Stimmung sei klagsam und leichtgradig dep ressiv. Die Psychomotorik aber nicht Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gehemmt und der Antrieb nicht vermindert. Das Denken sei von depressiven Klagen geprägt. Der Versicherte sei wach und bewusstseinsklar. Er drücke sich einfach aus, die Verständigung sei aber gut möglich gewesen. Die in der Untersuchung gemachten Beobachtungen und Fest- stellungen würden auf eine unterdurchschnittliche Intel ligenz hinweisen. Konzentrationsschwä- chen habe er keine gezeigt und die Merk- und Gedächtnisleistungen seien intakt. Es bestünden weder Gedankenkreisen noch Neologismen noch Gedankenleer e. Der Versicherte habe einen klaren und guten Bezug zur Realität und zur eigenen Per son. Hinweise auf Zwangshandlungen seien nicht vorhanden. Er berichte weder von Ängsten noch von Phobien. Er sei seit Jahren passiv und zeige ein regressives Verhalten. Die geklagten somatischen Beschwerden würden ihn im Alltag nicht wesentlich einschränken und er nehme die verordneten Schmerzmittel nicht regelmässig ein. Somit könne die Diagnose einer anhal tenden somatoformen Schmerzstörung nicht bestätigt werden. Es handle sich vielmehr um eine c hronische Schmerzstörung mit soma- tischen und psychischen Faktoren. Der Versicherte lebe zurü ckgezogen und leide vor allem unter psychosozialen Belastungen (keine Arbeit, finanziel le Abhängigkeit, Herabsetzungen durch seine Angehörigen). Frühere Belastungssituationen (Wegräumen von Leichenteilen, Mit- erleben eines Mordes, ungerechtfertigte Verhaftung) w ürden ihn heute nicht mehr belasten. Er leide nicht unter Angstträumen oder Flashbacks. Die Dia gnose einer posttraumatischen Belas- tungsstörung (PTBS) könne deshalb nicht bestätigt werden . Eine Persönlichkeitsstörung sei ebenfalls nicht zu diagnostizieren. Er habe eine einfach strukturierte Persönlichkeit und zeige eine ausgeprägte Krankheitsüberzeugung, die sich aber w eder aus psychiatrischer noch aus somatischer Sicht hinreichend objektivieren lasse. Der Ve rsicherte versorge sich selbstständig, er sei in der Lage, sich im öffentlichen Raum zu bewegen und nehme seine Termine war. Auf- grund der leichten depressiven Episode könne nur eine geringe Beeinträchtigung der Arbeitsfä- higkeit von 20 % attestiert werden. Im Vergleich zur früheren Untersuchung durch die ABI vom 19. September 2008 habe sich keine wesentliche Änderu ng des Gesundheitszustands einge- stellt. 8.3.2 Am 28. März 2020 diagnostizierte Dr. C.____ in r heumatologischer Hinsicht ein pan- vertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.80), eine Pes plano Valgus mit tibialis posterior In- suffizienz beidseits und Achillessehnen Tendinopathie links (ICD-10 M21.4) und eine beginnen- de bilaterale mediale Gonarthrose (ICD-10 M17.9). O hne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden an der linken Hand Restbeschwerden bei Statu s nach operativer Revision einer ul- naren Seitenbandläsion MCP I am 29. Juni 2005 (ICD-10 S63.4), einen Status nach Kniege- lenksarthroskopie mit Resektion einer Plica mediopatell aris rechts am 3. April 2006, nach Cheilektomie bei Hallux rigidus rechts am 14. Februar 2 017 (ICD-10 M20.2) und funktionelle Beschwerden des linken Arms ohne eindeutiges organisch es Korrelat (ICD-10 M79.6). Klinisch imponiere eine ausgeprägte muskuläre Dekonditionierung , die zu einer schlechten Stabilisie- rung der Rumpfmuskulatur mit diffusen myotendinotischen Verspannungen der paravertebralen Muskulatur im zervikalen und lumbosakralen Bereich führe. Klinisch seien keine Zeichen einer zervikalen oder lumbalen Radikulopathie, insbesondere au f Höhe L5 links feststellbar. Die pas- sive Mobilisierung der Wirbelsäule liesse keine strukturel l bedingten segmentalen Dysfunktio- nen erkennen. Kernspintomographisch würden sich im zervikalen Bereich diskrete degenerative Veränderungen ohne Nachweis einer Nervenwurzelaffektion bzw. einer zervikalen Myelopathie zeigen. Im lumbalen Bereich bestünde eine dehydrierte Bandscheibe mit breitbasiger dorsaler Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht mediolateraler links akzentuierter Diskushernie und Spon dylarthrose beidseits. Daraus resultie- re eine bilaterale linksbetonte rezessale Einengung au f Höhe L4/L5 mit möglicher Kompression L5 links und Verdacht auf Kompression L5 rechts, wobei kli nisch keine entsprechende Symp- tomatik einer irritativen Radikulopathie vorliege. Die leichtgradigen degenerativen Veränderun- gen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) könnten die vo m Versicherten geklagten Beschwer- den im Bereich des linken Arms in Form von Kribbelparäst hesien nicht erklären. Weiter finde sich ein bilateraler Pes plano Valgus mit Tibia posteri or-Insuffizienz und Achillessehnen Tendinopathie links bei Status nach OSG Distorsion links am 23. Juni 2012. Das MRI der Achil- lessehne links vom 13. September 2013 zeige eine ausgede hnte Tendinitis mit subtotaler Ruptur und Elongation der Sehne. Aktuell bestünde ein e leichtgradige Atrophie der linken Wa- de. Daraus entstehe eine mechanische Überlastung der Be ine mit Bildung einerseits von Ver- spannungen der Beinmuskulatur und andererseits von einer beginnenden medialen bilateralen Gonarthrose. Zudem bestünde ein Zustand nach Cheilekto mie bei Hallux rigidus rechts am 14. Februar 2017, der klinisch reizlos sei. Das Röntgenbild beider Hände vom 11. Februar 2020 würde keine wesentlichen arthrotischen Veränderungen, Sklerosen der Gelenkfläche oder Ero- sionen zeigen. Das Ausmass der subjektiv beklagten Beschwer den liesse sich mit den vorlie- genden Veränderungen am Bewegungsapparat nicht erklär en. Aus rheumatologischer Sicht bestünde weiterhin eine volle Arbeitsunfähigkeit für körperlich mittelschwere bis schwere Tätig- keiten. In einer leidensadaptierten Tätigkeit lasse sich hingegen keine Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit begründen. Aus gesamtmedizinischer Sicht b estünde für angepasste Tätigkeiten einer Arbeitsfähigkeit von 80 %. 8.4 Am 25. August 2020 nahm Dr. B.____ zu den Zusatzfr agen des Versicherten vom 7. Mai 2020 Stellung. Er hielt fest, dass dieser keine Flashbacks und keine Albträume habe, weshalb die Diagnose einer chronifizierten PTBS nicht bestätigt werden könne. Der Versicherte gehe seit Jahren keiner beruflichen Tätigkeit nach, verbringe den Alltag passiv und sei physisch wie psychisch dekonditioniert. Hinweise dafür, dass er ni cht mit Stress umgehen könne, be- stünden nicht. Wenn der Versicherte die notwendige Mo tivation aufweisen würde, könnte ihm im Rahmen eines Arbeitstrainings geholfen werden, sich w iederum an die Belastungen der Ar- beitswelt zu gewöhnen. Er sei aber subjektiv derart da von überzeugt, aufgrund seiner Schmer- zen nicht arbeiten zu können, dass ein Arbeitstraining ni cht durchführbar sei. Ein wesentliches Misstrauen des Versicherten sei im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung nicht festgestellt worden. Er sei in der Lage gewesen, während Jahren in der freien Wirtschaft zu arbeiten, so- dass keine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende selb stunsichere oder misstrauische Persön- lichkeitsstörung vorliege. Die Selbstunsicherheit sei Folge der andauernden Herabsetzung durch seine Familie. 8.5 Am 15. Oktober 2020 hielt Dr. C.____ zu den zu de n Zusatzfragen des Versicherten vom 7. Mai 2020 fest, dass er im Gutachten, bei der Beur teilung der Arbeitsfähigkeit die Aus- wirkungen der muskulären Dekonditionierung berücksichtigt habe. Aus rheumatologischer Sicht bestünden keine weiteren Einschränkungen der Arbeits- und Leistungsfähigkeit. 8.6 Am 2. März 2021 nahm der behandelnde Arzt. Dr. me d. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, zum Gutachten von Dr. B.____ vom 20. Febr uar 2020 Stellung. Entgegen den Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausführungen des Gutachters verfüge der Versicherte nur über limitierte Deutschkenntnisse, was die klinische Beurteilung der Intelligenz verzerren könne. Sicher sei die Intelligenz unter- durchschnittlich. Menschen mit eingeschränkten intellektue llen Fähigkeiten hätten häufig eine Somatisierungstendenz. Diese sei auch beim Versicherten de utlich vorhanden. Um die Intelli- genzminderung quantifizieren zu können, müssten jedoch en tsprechende Tests durchgeführt werden, was bis anhin nicht erfolgt sei. Entgegen der Ansicht von Dr. B.____ könne aufgrund der Tatsache, dass der Versicherte die Medikamente nicht regelmässig einnehme, die Diagno- se einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht ve rneint werden. Zudem seien die Diagnosekriterien einer komplexen PTBS erfüllt. Sicher würden beim Versicherten verschiede- ne psychosoziale Belastungsfaktoren eine Rolle spielen. Di ese würden aber im Gutachten übermässig betont. Vielmehr sei davon auszugehen, dass der Versicherte sehr wohl an einer eigenständigen komplexen psychischen Störung leide, die sic h über die Jahre chronifiziert ha- be. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei von einer äussert ungünstigen Prognose auszugehen. Dr. B.____ berücksichtige wichtige Punkte der Patienteng eschichte eindeutig zu wenig und be- tone andere in übermässiger Weise, weshalb eine erneute Begutachtung angezeigt sei. 8.7 Am 22. April 2021 nahm Dr. B.____ zum Bericht von Dr. D.____ vom 2. Februar 2021 Stellung, wobei er festhielt, dass es für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht von Bedeutung sei, ob der Versicherte gemäss ICD-10 eine Intelligenzmin derung aufweise. Er sei früher in der Lage gewesen und deshalb auch heute fähig, einer einf achen Hilfstätigkeit nachzugehen. Eine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige Intelligenzminder ung liege daher nicht vor. Weiter sei auf- grund der Angaben des Versicherten davon auszugehen, da ss er nicht unter schweren, quä- lenden und invalidisierenden Schmerzen leide, weshalb di e Diagnose einer anhaltenden soma- toformen Schmerzstörung nicht gestellt werden könne. Vie lmehr bestehe – wie im Gutachten angegeben – eine chronische Schmerzstörung mit somatische n und psychischen Faktoren. Der Versicherte habe zwar Belastendes erlebt. Im Rahmen der Untersuchung habe er aber weder über Angstträume noch über Flashbacks noch über angstbese tzte Träume berichtet. Zudem habe er ausgeführt, mit den Medikamenten einigermassen schlafen zu können und sich auch tagsüber kaum mehr an die belastenden Ereignisse zu eri nnern. Hinweise auf ein Vermei- dungsverhalten oder eine Überregung hätten sich während der Untersuchung nicht gezeigt. Die Diagnosekriterien für eine PTBS seien nicht erfüllt. D er Versicherte sei vor allem durch die psy- chosozialen Umstände belastet. Die depressive Störung sei g ering ausgeprägt und begründe zusammen mit der chronischen Schmerzstörung eine leichte B eeinträchtigung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit. 9.1 Die IV-Stelle stützte sich in der Verfügung vom 23. Juli 2021 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Versiche rten auf die Ergebnisse im Gutach- ten der Dres. B.____ und C.____ vom 20. Februar/28. M ärz 2020, auf deren ergänzende Be- richte vom 25. August 2020 und 15. Oktober 2020 sowie auf die Stellungnahme von Dr. B.____ vom 22. April 2021. Sie ging demnach davon aus, dass de r Versicherte in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig sei. Diese vorinstanzli che Beweiswürdigung ist im Ergebnis nicht zu beanstanden und wird auch vom Beschwerdeführer nicht substantiiert in Frage gestellt. Wie in Erwägung 6.3 hiervor ausgeführt, prüft das Gericht frei, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ge statten. Hinsichtlich des Beweis- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht werts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob diese r für die streitigen Belange umfas- send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in Ke nntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ei nleuchtet und seine Schlussfolge- rungen begründet sind. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Gutachten der Dres. B.____ und C.____ v om 20. Februar/28. März 2020 in Fra- ge zu stellen oder gar davon abzuweichen. Vielmehr er füllt es sowohl in formeller Hinsicht als auch inhaltlich die bundesgerichtlichen Anforderungen a n eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage. Die Gutachter hatten Kenntnis von sämtlichen bei den Akten liegen- den medizinischen Unterlagen, sie setzten sich in angemessen er Weise mit den geäusserten Beschwerden auseinander und begründeten die Schlussfol gerungen in nachvollziehbarer Wei- se. In inhaltlicher Hinsicht vermag sodann zu überzeugen un d ist zu Recht unbestritten, dass der Beschwerdeführer in einer körperlich angepassten Verw eistätigkeit voll arbeitsfähig ist. Auch die psychiatrische Beurteilung ist nachvollziehbar. S elbst wenn die Ausführungen im psy- chiatrischen Gutachten stellenweise etwas knapp ausgefallen , setzte sich Dr. B.____ dennoch hinreichend mit der Biographie, dem beruflichen Wer degang und den Alltagsaktivitäten des Versicherten auseinander. Seine Feststellungen des Befun ds und dessen funktionellen Auswir- kungen vermitteln ein einleuchtendes und stimmiges Bild über den Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit der Versicherten. Es wird deutlich, da ss die leichte depressive Störung und die chronische Schmerzstörung die Leistungsfähigkeit des Versicherten weiterhin nur geringfü- gig im Umfang von 20 % beeinträchtigen. Die soziale Zurückgezogenheit und das eher tiefe Aktivitätsniveau sind nicht krankheitsbedingt und invalidenv ersicherungsrechtlich deshalb nicht relevant. Das Beschwerdebild des Versicherten ist aber erhe blich durch psychosoziale Belas- tungsfaktoren (geringe Bildung, finanzielle Abhängigke it, schwierige familiäre Situation) mitbe- stimmt, die vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt a us unbeachtlich sind (vgl. BGE 130 V 352 E. 2.2.5 und BGE 143 V 409 E. 4.5.2). 9.2 An diesem Beweisergebnis vermag auch die abweichend e Beurteilung des behandeln- den Arztes Dr. D.____ vom 2. März 2021 nichts zu ändern. Zunächst ist in Erinnerung zu rufen, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-) Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4) nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärung en zu nehmen, wenn die behan- delnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Wei- ter ist zu beachten, dass eine Exploration von der Natu r der Sache her nicht ermessensfrei er- folgen kann. Sie eröffnet den Gutachtern praktisch im mer einen Spielraum für verschiedene medizinische Interpretationen, was zulässig und zu respe ktieren ist, sofern die Gutachter – wie hier – lege artis vorgegangen sind. Vorbehalten bleib en Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Arztpersonen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgeri chts vom 23. April 2019, 8C_835/2018, E. 3 mit Hinweis). Der Beschwerdeführer legt nicht dar und es ist auch nicht ersichtlich, dass aus dem Bericht des behandelnden Arztes Dr. D.____ vom 2. März 2021 Gesichtspunkte her- vorgingen, die von den Gutachtern nicht berücksichtigt w orden wären. Insgesamt vermag die Beurteilung im Gutachten zu überzeugen, weshalb in ant izipierter Beweiswürdigung Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. BGE 137 V 64 E. 5.2) darauf abgestellt und davo n ausgegangen werden kann, dass sich die Arbeitsfähigkeit der Versicherten seit der letzten Begutachtung durch das ABI vom 19. September 2008 nicht massgeblich verändert hat und ihm weiterhin angepasste Verweistä- tigkeiten im Umfang von 80 % zumutbar sind. 10. Nach dem Gesagten ist im Ergebnis nicht zu beansta nden, dass die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gestützt auf die Ergebnisse im bidisziplinären Gutachten der Dr es. B.____ und C.____ vom 20. Februar/28. März 2020, deren ergänzenden Stellun gnahmen vom 25. August 2020 und 15. Oktober 2020 sowie der Stellungnahme von Dr. B.___ _ vom und 22. April 2021 davon aus- gegangen ist, dass der Versicherte weiterhin ein rente nausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen könnte. Die von der Beschwerdegegnerin vorgeno mmene Bemessung der Vergleichs- einkommen anhand der Tabellenlöhne hat der Beschwerde führer zu Recht nicht bestritten, weshalb von weiteren Erörterungen dazu abgesehen und stattdessen auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 23. Juli 2021 verwiesen werden kann. Die dagegen gerichtete Beschwerde ist unbegründet und deshalb abzuweisen. 11. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend unte rliegt der Beschwerdeführer, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Diese werd en mit dem geleisteten Vorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Bei diesem Verfahrensausgang wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- werden dem Beschwerde- führer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht