Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. Februar 2022 (720 21 194 / 30) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Schlüssigkeit des bidisziplinären Verwaltungsgutachtens bejaht. Rentenanspruch zu Recht verneint. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichteri n Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin i.V. Céline Christen Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Raffaella Biaggi , Advo- katin, Advokatur Biaggi, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 2102, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1964 geborene A.____ war seit Februar 2008 b ei der B.____ in einem Teilzeitpen- sum als Pflegefachfrau tätig. Am 9. Februar 2011 erlit t sie bei einem Patiententransfer ein Ver- hebetrauma. Nach längerer Arbeitsunfähigkeit meldete sie sich am 2. Januar 2013 bei der Eid- genössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an . Nach einer Umschulung zur Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diabetesfachberaterin, welche die Versicherte erfolgr eich abschloss, arbeitete sie ab 1. Juni 2017 im Kantonsspital C.____ in einem Pensum von 50 %. Am 22. August 2017 beendete die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen. Zur Prüfung der Rentenfrage veranlasste sie bei Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologi e, und Dr. med. E.____, FMH Psychi- atrie und Psychotherapie, ein bidisziplinäres Gutachten, welches am 19./27. April 2020 erstattet wurde. Nach weiteren Abklärungen lehnte die IV-Stell e einen Rentenanspruch in Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung (80 % Erwerbstätigkeit, 20 % Haushalt) ab (Verfügung vom 21. Mai 2021). B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Raffaella Biaggi, am 21. Juni 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Land schaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei die V erfügung der IV-Stelle vom 21. Mai 2021 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu ve rurteilen, ihr ab Februar 2012 die ge- setzliche Invalidenrente zu bezahlen. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten einzuholen. Sube- ventualiter sei die Sache zur Abklärung des rechtserhebli chen medizinischen Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter o/e-Kostenf olge. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, dass der medizinische Sachverhal t unzureichend abgeklärt worden sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 27. Juli 2021 schloss die I V-Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen ein e Beurteilung von Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD), vom 30. Juni 2021 bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19 . Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. D ie vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vie ler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmun gen des IVG und diejenigen der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (AT SG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendb ar (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021 E. 2). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 2. Streitig ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführe rin. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verf ügung vom 21. Mai 2021 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitli che Grenze der richterlichen Überprü- fungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (vgl. BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzug eltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstä nden kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der ve rsicherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht heitsbeeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicher- te Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheid end ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternati- ve Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (vgl. BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 4.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.2.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Be stimmung des Invaliditätsgrads das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). Bei nichterwerbstätigen Versicher ten, die im Aufgabenbereich (z.B. Haus- halt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerb stätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei Versicherten, die nur zum Te il erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Au fgabenbereich tätig, so wird die Invali- dität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG fe stgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzul egen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). 4.2.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig, teilz eitig oder als nichterwerbstätig einzustu- fen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übri gen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im G esundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerb stätig wäre (vgl. BGE 133 V 504 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt täti- gen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, f amiliären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Bet reuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, berufliche Fähigkeiten und die Ausbildung s owie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, s owie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüf en und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandeln- den Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsa che Rechnung tragen, dass diese mit- unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauen sstellung in Zweifelsfällen eher zu Guns- ten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschied- liche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tä tigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinisc hen Experten anderseits Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des damaligen Eidge nössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 1 3. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stet s in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnde n Ärzte zu anderslautenden Einschät- zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf- drängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretati- on entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un- gewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgericht s vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 7.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Berichte wiedergegeben werden, welche für den Entscheid von Bedeutung sind. 7.2 Am 9. September 2017 stellte med. pract. G.____, FMH Psychiatrie und Psychothera- pie, eine rezidivierende depressive Störung, derzeit mi ttelgradige Episode, fest. Hintergrund für die Entwicklung der depressiven Episode seien die anhalten de Schmerzproblematik und die reduzierte Belastbarkeit des rechten Arms. Zudem bestün den Sorgen durch Umstrukturierun- gen am Arbeitsplatz, Erschöpfung, Kraftlosigkeit, Schla fstörungen und ein eingeschränkter An- trieb. Die Versicherte sei zu 50 % arbeitsfähig. 7.3 Am 17. Juli 2019 diagnostizierte Dr. med. H.____ , FMH Allgemeine Innere Medizin, eine Struma multinodosa beidseits, rezidivierende depre ssive Episoden, ein chronisches thera- pieresistentes thorakovertebrales und zervikovertebrales S chmerzsyndrom, eine eingeschränk- te Beweglichkeit der rechten Schulter bei Status nach Frozen shoulder rechts 2016 und eine rezidivierende Epicondylitis links. Die Versicherte leide unter einer latenten Schilddrüsenüber- funktion (Hyperthyreose). In den sonographischen Verlau fskontrollen habe sich innert einem Jahr eine deutliche Grössenprogredienz gezeigt, weshalb im Januar 2019 eine operative He- mithyreoidektomie stattgefunden habe. Trotz komplikation sloser Operation und Normalisierung der Schilddrüsenwerte bleibe klinisch eine rasche physische und psychische Erschöpfbarkeit. Zudem bestünden rezidivierende depressive Episoden mit An triebslosigkeit, ausgeprägtem Grübeln und Gedankenkreisen, Zukunfts- und Existenzängsten, Ein- und Durchschlafstörungen, Hoffnungslosigkeit in Bezug auf die Schmerzsymptomatik und ein sozialer Rückzug. Die Versi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherte zeige beim aktuellen Pensum von 50 % Symptome de r Überforderung und Erschöpfung. Aus medizinischer Sicht sei eine Entlastung notwendig. Akt uell werde eine Gesprächstherapie aufgegleist. Bestenfalls könne das jetzige Pensum vom 50 % aufrecht- erhalten werden. 7.4 Die IV-Stelle liess die Versicherte durch die Dres. D.____ und E.____ bidisziplinär be- gutachten. Am 19. April 2020 stellte Dr. D.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Schmerzsyndrom mit chronischem therapieresisten tem, vorwiegend tendomyoti- schem, cervico-thoracalem Schmerzsyndrom rechts und einen St atus nach Capsulitis adhäsiva der Schulter rechts fest. Ohne Einfluss auf die Arbeits fähigkeit bestünden ein Status nach tho- raco-lumbalem Rotationstrauma rechts im Rahmen eines V erhebetraumas am 9. Februar 2011 und anamnestisch eine Epicondylopathia humeri-radialis l inks, aktuell asymptomatisch und ab- geheilt. Ab dem Zeitpunkt des Unfallereignisses vom 9. F ebruar 2011 sei der Versicherten die angestammte Tätigkeit als Pflegefachfrau nicht mehr mög lich. Die aktuelle Tätigkeit als Diabe- tesfachberaterin sei aber leidensangepasst und ohne Ei nschränkung vollumfänglich zumutbar. Hinsichtlich des psychischen Gesundheitszustands diagnostizierte Dr. E.____ am 27. April 2020 einen Verdacht auf eine subdepressive oder leichte depressive Störung (ICD-10 F33.0). Die Stimmung scheine subjektiv eher vermindert, doch nich t völlig aufgehoben oder dauernd gedrückt zu sein. Hinweise auf Persönlichkeitsauffälligkei ten seien nicht ersichtlich. Die Anga- ben der Versicherten bezüglich ihrer Aktivitäten seien verallgemeinernd, diffus und nicht ohne weiteres nachvollziehbar. In der Untersuchung wirke die Explorandin nicht durch eine allfällige psychische Problematik beeinträchtigt. Sie sollte durchau s in der Lage sein, auf ihre Fähigkei- ten und Funktionen zurückzugreifen. Die subjektiven Ang aben der erhöhten Erschöpfbarkeit seien nicht ohne weiteres nachvollziehbar. Aus psychiatrisc her Sicht sei ihr in der letzten Zeit nie eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert worden. Aufgrund der Angaben der Explo- randin könne angenommen werden, dass aufgrund des erhöh ten Erholungsbedarfs eine Beein- trächtigung der Leistungsfähigkeit von 20 % bestünde. Unklar sei jedoch, ab wann diese Beein- trächtigung vorhanden sei. Die erhöhte Erschöpfbarkeit scheine sich auf jede Tätigkeit auszu- wirken, es könne daher keine angepasste Tätigkeit genannt werden, bei der die Explorandin eine höhere Leistung erzielen könnte. 7.5 Der behandelnde Arzt Dr. med. I.____, FMH Psychia trie und Psychotherapie, diagnos- tizierte am 22. Juni 2020 eine rezidivierende mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11), rezidivierende latente Hyperth yreosen in der Vorgeschichte, einen Status nach operativer Hemithyreoidektomie im Januar 201 9 mit weiterbestehenden Sympto- men der Erschöpfung, Antriebsschwäche und Depressionen, differenzialdiagnostisch eine per- sistierende Hyperthyerose. Vermutlich würde sich die sei t Jahren bestehende rezidivierende latente Hyperthyerose auf das psychische Befinden der Ve rsicherten auswirken. Die Wechsel- wirkungen biologischer und psychischer Faktoren könnten die subjektiven Angaben der Versi- cherten erklären, welche von Dr. E.____ nicht ohne weiteres hätten nachvollzogen werden kön- nen. Die Beurteilung von Dr. E.____ würde nicht auf den vollständigen Akten beruhen und er habe nicht geprüft, ob somatische Gründe für die rezi divierenden Depressionen vorlägen. Ent- gegen dessen Auffassung würden die Befunde für eine mi ttelgradig ausgeprägte depressive Symptomatik sprechen. Insgesamt erfasse das Gutachten das ko mplexe psychische Krank- heitsbild nicht hinreichend. Im Behandlungszeitraum vo m 30. September 2019 bis Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 22. November 2019 habe die Einschränkung der Arbeitsf ähigkeit zwischen 50 % und 60 % be- tragen. 7.6 Am 4. September 2020 nahm Dr. E.____ zu den Ausf ührungen des behandelnden Psychiaters Dr. I.____ vom 22. Juni 2020 Stellung. Dabei hielt er fest, dass eine Hyperthyerose sicher Einfluss auf den Gesundheitszustand habe. Dies müss e aber aus somatischer Sicht be- urteilt werden. In diesem Fall wäre eine endokrinolo gische Beurteilung sinnvoll. Anlässlich der Begutachtung habe er psychopathologisch keinen auffälligen Befund erheben können. 7.7 In einer weiteren Stellungnahme vom 8. Januar 2 021 hielt Dr. E.____ fest, dass Dr. D.____ auch Facharzt für Allgemeine Innere Medizi n und damit durchaus in der Lage sei, eine Schilddrüsenerkrankung zu beurteilen. Zum Zeitpunkt der Begutachtung sei dieses Leiden adäquat behandelt worden, sodass kein Anlass bestanden habe, eine endokrinologische Abklä- rung einzuholen. Erstaunlich sei, dass Dr. I.____ bis heute keine entsprechende Abklärung ver- anlasst habe. 7.8 Am 30. Juni 2021 nahm der RAD-Arzt Dr. F.____ St ellung. Er führte aus, Dr. I.____ könne insofern beigepflichtet werden, als eine Schilddr üsenerkrankung Symptome hervorrufen könne, welche sich mit der Depression teils überschneiden. Dies sei allerdings nur der Fall, wenn die Schilddrüsenerkrankung manifest klinisch hyper- oder hypothyreot sei. Im vorliegen- den Fall sei die Hormonlage allerdings euthyreot. Dam it könne eine manifeste schilddrüsen- hormonelle Symptomatik, die derart gravierend wäre, da ss sie die Arbeitsfähigkeit über das bereits attestierte Mass hinaus beeinflussen könne, ausgesc hlossen werden. Zur Hyper- und allenfalls Hypothyreose sei festzuhalten, dass diese versiche rungsmedizinisch wirksam und zweckmässig behandelt werden könne. Damit fehle es am Krit erium der Dauerhaftigkeit und Erheblichkeit des Gesundheitsschadens. Insgesamt seien kei ne Hinweise, Argumente oder Befunde erkennbar, welche geeignet wären, die bisherigen Abklärungen grundlegend in Zweifel zu ziehen. 8.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 21. Mai 2021 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands der Versicherten au f die Ergebnisse, zu denen die Gut- achter Dres. D.____ und E.____ in ihrem bidiziplinäre n Gutachten vom 19./27. April 2020 ge- langt waren. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ging sie aber entgegen der Auffassung der Dres. D.____ und E.____, welche eine 20%ige Einschränkun g der Leistungsfähigkeit attestier- ten, davon aus, dass der Versicherten die Ausübung einer a ngepassten Tätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar sei. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.4 hiervor), ist den im Rahm en des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, di e aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bidiszip linäre Gutachten der Dres. E.____ und D.____ vom 19./27. April 2020 weist weder formale noc h inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.3 hiervo r) – für die streitigen Belange umfas- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht send, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es ber ücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leu chtet in der Darlegung der medizini- schen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen m edizinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen abweichenden ärztlichen Ei nschätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Hinsichtlich d er Beurteilung der Arbeitsfähigkeit attestierte Dr. E.____ lediglich aufgrund der subjektive n Angaben der Beschwerdeführerin eine mögliche 20 %ige Leistungseinschränkung aufgrund des erhöhten Erholungsbedarfs. Damit die Leistungspflicht der IV ausgelöst wird, muss aber eine relevante Krankheit diagnostiziert sein. Ein blosser Verdacht auf eine (leichte) affektive Stör ung genügt invalidenversicherungsrechtlich nicht. Demnach ging die IV-Stelle zu Recht davon aus, d ass die Versicherte in einer angepass- ten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig ist. 8.2.1 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht geeignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens der Dres. D.____ und E.____ vom 19./27. April 2020 in Frage zu stel- len. Sie beanstandet, dass im Rahmen der Abklärung de s medizinischen Sachverhalts fälschli- cherweise die Hyperthyreose nicht berücksichtigt worden s ei, folglich auch in neuropsychologi- scher und endokrinologischer Sicht eine Begutachtung hätte stattfinden müssen. Diese Rüge ist nicht sichthaltig. Bei der Hyperthyreose handelt es sich um eine Überfunktion der Schilddrüse. Diesbezüglich führte Dr. F.____ in seiner Stellungnah me vom 30. Juni 2021 nachvollziehbar aus, dass bei der Beschwerdeführerin keine Dekompensation eingetreten sei, sodass keine schilddrüsenhormonelle Symptomatik vorliege, welche die A rbeitsfähigkeit allein oder im Zu- sammenspiel mit einer allfälligen psychischen Erkrankung beeinträchtigen könne. Gemäss den medizinischen Akten (vgl. IV-act. 162) hat sich die Beschw erdeführerin im Januar 2019 für eine Hemithyreoidektomie bei subklinischer Hyperthyreose entschi eden. Subklinisch bezeichnet ei- nen milden Verlauf, meist ohne Symptome. Die Operatio n verlief gemäss Bericht von Dr. H.____ vom 17. Juli 2019 (vgl. E. 7.3 hiervor) g ut, worauf sich die Schilddrüsenwerte nor- malisierten. Damit fehlt es an der Erheblichkeit des Ge sundheitsschadens, um invalidenversi- cherungsrechtlich ins Gewicht zu fallen. Insgesamt legt Dr. D.____ schlüssig dar, dass die Ver- sicherte aus somatischer Sicht weder qualitative noch qua ntitative Einschränkungen der Ar- beitsfähigkeit aufweise. Da sich aus den vorliegenden m edizinischen Akten keine Hinweise auf relevante somatische Beschwerden mit Einfluss auf die Ar beitsfähigkeit ergeben, sind hinsicht- lich des somatischen Gesundheitszustands keine zusätzlichen Abklärungen angezeigt. 8.2.2 Auch die Kritik der Beschwerdeführerin am Gutacht en von Dr. E.____ verfängt nicht. Soweit sie bemängelt, Dr. E.____ habe keine Verlaufsb eurteilung beim behandelnden Psychia- ter Dr. I.____ eingeholt, ist darauf hinzuweisen, dass solche Rückfragen nicht zwingend erfor- derlich sind. Die Notwendigkeit einer Fremdanamnese ist in erster Linie eine Frage des medizi- nischen Ermessens (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 14 . Oktober 2015, 8C_444/2015, E. 4.5 und vom 23. Juli 2014, 8C_323/2014, E. 5.2.1). Auch aus den Qualitätsleitlinien für versi- cherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen Gesell schaft für Psychiatrie und Psy- chotherapie ergibt sich in dieser Hinsicht nichts anderes (vgl. die 3. vollständige überarbeitete und ergänzte Auflage vom 16. Juni 2016; in: SZS 2016 S 435 ff.). Soweit Dr. E.____ in seiner Stellungnahme vom 4. September 2020 den Verzicht auf eine Kontaktaufnahme mit Dr. I.____ damit begründete, dass dieser kaum Angaben zum bisher igen Verlauf hätte machen können, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht weil die Behandlung (erst) kurz vor der Begutachtung a m 7. Dezember 2019 aufgenommen worden sei, vermag dies zwar nicht zu überzeugen, zumal ihm die Behandlungsfrequenz be- kannt war, im Begutachtungszeitpunkt bereits mehrere Sit zungen stattgefunden hatten und er das Gutachten erst am 27. April 2020 fertig stellte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Behandlung bereits knapp sieben Monate angedauert, weshalb Dr. I.____ durchaus in der Lage gewesen wäre, zuverlässig über seinen bisher erhobenen Befund zu b erichten. Eine Rücksprache mit dem behandelnden Psychiater wäre also durchaus möglich g ewesen. Besondere Gründe, wes- halb im vorliegenden Fall zwingend Auskünfte des behande lnden Psychiaters einzuholen ge- wesen wären, liegen aber nicht vor, weshalb die Beschwe rdeführerin aus ihrer Argumentation nicht zu ihren Gunsten ableiten kann. 8.2.3 Wenn die Beschwerdeführerin weiter geltend mach t, das psychiatrische Fachgutachten sei nicht beweistauglich, da Dr. E.____ nicht die vollst ändigen Akten gehabt habe, ist ihr entge- genzuhalten, dass der Gutachter die bisherigen psychiatrische n Behandlungen zutreffend er- fasste. So gab die Beschwerdeführerin im Explorationsgesp räch an, bereits im Jahr 2017 kurz- zeitig bei Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychother apie, und hernach bei med. prakt. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in Behandlun g gewesen sei. Nachdem Dr. J.____ krankheitsbedingt ausgefallen und sie mit me d. prakt. G.____ nicht zurechtgekom- men sei, sei es nach der dritten Therapiesitzung zum Abbr uch der Behandlung gekommen. Während von Dr. J.____ kein Zeugnis in den Akten liegt, wird im Bericht von med. prakt. G.____ vom 9. September 2017 ausgeführt, dass drei Gespräche stattgefunden hätten. Sodann bestätigte sie am 2. Juli 2019, die Besch werdeführerin letztmals am 18. August 2017 gesehen zu haben. Aus den vorliegenden Unterlagen ergibt sich weiter, dass die Versi- cherte Jahre zuvor bei Dr. med. K.____, FMH Psychiatrie u nd Psychotherapie, wegen eines psychischen Leidensdrucks in Behandlung war, wobei im Jahr 2010 zwei Sitzungen stattfanden (Bericht vom 9. Februar 2012; IV-akt. 17 S. 72). Zude m berichtete Dr. med. L.____, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie, die Versicherte in der Zeit vom 22. Januar 2010 bis 21. Dezember 2011 behandelt und ihr vom 6. Juli 2011 bis 21. Juli 20 11 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert zu haben (Bericht vom 5. Februar 2012; IV-Akt . 17 S. 66). Die Behandlung erfolgte – gemäss präzisierender Angaben der Beschwerdeführerin im Schreiben an die Unfallversiche- rung vom 12. Juli 2012 (IV-act. 17 S. 16) – ausschliessl ich zur Aufarbeitung einer Trennung und zur Reflexion der Beziehungsmuster bzw. zur Verarbeitung des väterlichen Suizids. In diesem Rahmen scheint auch ein stationärer Aufenthalt in der Klinik M.____ empfohlen worden zu sein, der jedoch – wohl wegen fehlender Kostengutsprache ( vgl. IV-act. 17 S. 48) – nicht erfolgte. Vor diesem Hintergrund bestehen aus Sicht des Kantonsgerichts w eder relevante Lücken in der Aktenlage als Ausgangspunkt für die gutachterliche Beurte ilung noch Anhaltspunkte für eine längerdauernde psychische Erkrankung der Beschwerdeführerin. Offenbar waren für Dr. E.____ die medizinischen Unterlagen und die Angaben der Beschw erdeführerin hinreichend präzise und kohärent genug, um sich ein zuverlässiges Bild über ihren psychischen Gesundheitszu- stand machen zu können. Bei blossem Verdacht auf eine (höchstens) leichte Depression ist aber eine affektive Störung nicht hinreichend gesichert, weshalb invalidenversicherungsrecht- lich keine relevante Krankheit bestätigt werden kann. Entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh- rerin ist nicht davon auszugehen, dass Dr. E.____ die K lassifizierung des Leidens als «schwie- rig» empfand. Die Schwierigkeit ergab sich vielmehr a ufgrund der Tatsache, dass die Angaben Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Versicherten vage und ungenau blieben. Dass der Gut achter die subjektiv geklagten Kon- zentrationsstörungen aus objektiver Sicht nicht bestätigen konnte, ist denn auch nicht als Lücke im Gutachten zu werten. Bei dieser Sachlage bestand ke ine Notwendigkeit, eine neuropsycho- logische Testung durchzuführen. 8.2.4 Soweit sich die Beschwerdeführerin auf die abwei chende Beurteilung des behandeln- den Arztes Dr. I.____ beruft, ist zunächst in Erinneru ng zu rufen, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätige n (Fach-)Person einerseits und Begut- achtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen E xperten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4) nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen , wenn die behandelnden Arztper- sonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzunge n gelangen. Weiter ist zu beach- ten, dass eine Exploration von der Natur der Sache h er nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet den Gutachtern praktisch immer einen Spielra um für verschiedene medizinische Inter- pretationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern die Gutachter – wie hier – lege artis vorgegangen sind. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf- drängt, weil diese wichtige Aspekte benennen, die be i der Begutachtung unerkannt oder unge- würdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vo m 23. April 2019, 8C_835/2018, E. 3 mit Hinweis). Die Beschwerdeführerin legt nicht substant iiert dar und es ist auch nicht ersicht- lich, dass aus den vorliegenden Berichten des behandelnde n Arztes Dr. I.____ Gesichtspunkte hervorgingen, die vom psychiatrischen Gutachter nicht berücksichtigt worden wären. Insgesamt ergibt sich aus den Akten nichts, was geeignet wäre, den Beweiswert des Gutachtens der Dres. D.____ und E.____ vom 19./27. April 2020 in Zwe ifel zu ziehen, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreic hen Hinweisen) auf zusätzliche Abklä- rungen verzichtet und davon ausgegangen werden kann, das s die Beschwerdeführerin invali- denversicherungsrechtlich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufweist. 9. Bei der Bemessung der Invalidität ging die IV-Stel le davon aus, dass die Beschwerde- führerin im Gesundheitsfall lediglich in einem 80 % Pensum erwerbstätig wäre, weshalb sie bei der Invaliditätsbemessung die gemischte Methode anwend ete. Vorliegend fällt aber ins Ge- wicht, dass die Beschwerdeführerin alleinstehend ist, keine Kinder hat und einen Ein-Personen- Haushalt führt. Damit wäre es ihr im Gesundheitsfall möglich, den Haushalt neben einem 100 % Pensum zu führen. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprec hung lässt sich in dieser Konstella- tion neben dem Erwerb kein Aufgabenbereich «Haushalt » absondern. Die Beschränkung auf ein 80 %-Pensum wurde von der Beschwerdeführerin bei v oller Gesundheit aus freien Stücken gewählt. Die 20 % «Freizeit» sind invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant. Die Rentenbe- rechnung muss deshalb auf der Basis der allgemeinen Methode für Teilerwerbstätige ohne Auf- gabenbereich vorgenommen werden (vgl. Urteil des Bund esgerichts vom 3. Dezember 2018, 9C_583/2018, und vom 1. Dezember 2020, 9C_552/2020). Massgebend ist demnach, ob und allenfalls inwieweit die Beschwerdeführerin in einem 80%igen Erwerbspensum in der Arbeitsfä- higkeit eingeschränkt ist. Dieses Pensum bildet die Basis f ür das Valideneinkommen. Da insge- samt keine Anhaltspunkte vorliegen, die auf eine läng erdauernde Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in Verweistätigkeiten schliesse n lassen könnten, ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im hier zu beurteilenden Zeitraum ein renten- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen könnte. Bei di eser Sachlage erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Einkommensverg leich. Die angefochtene Verfügung vom 21. Mai 2021 ist im Ergebnis nicht zu beanstanden und die Beschwerde deshalb abzuwei- sen. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend unter liegt die Beschwerdeführerin, wes- halb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Vorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Bei diesem Verfahr ensausgang ist der Beschwerdeführerin keine Parteientschädigung zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht