Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 2. Oktober 2018 (470 18 263 resp. 470 18 264) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verfahrenseinstellung Die Strafbehörden haben von Amtes wegen alle für die Beurteilung der Tat und der beschuldig- ten Person bedeutsamen Tatsachen abzuklären. Bei Entschei den über die Einstellung eines Strafverfahrens dürfen sie den Sachverhalt daher nicht wie ein urteilendes Gericht feststellen, es sei denn die Tatsachen sind „klar“ bzw. „zweifelsfrei“ , sodass im Falle einer Anklage mit grosser Wahrscheinlichkeit keine abweichende Würdigung zu erwarten ist. Der Entscheid über die Einstellung eines Verfahrens richtet sich nach dem Gru ndsatz „in dubio pro duriore“. Dieser verlangt, dass bei konkreten Zweifeln über die Straflosi gkeit bzw. betreffend Prozesshindernis- se eine gerichtliche Beurteilung erfolgt. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Stephan Gass (Ref.), Richter Daniel Häring; Gerichtsschreiber i.V. Michael Schmassmann Parteien A.____ , vertreten durch B.____, wiederum vertreten durch Advokat Sebastian Laubscher, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel, Beschwerdeführerin gegen Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin Dr. med. C.____ , vertreten durch Advokat Dr. Christian von Wartburg, Hauptstrasse 104, Postfach, 4102 Binningen, Beschuldigter Gegenstand Verfahrenseinstellung Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 30. Juli 2018 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____, die seit Geburt an infantiler Zerebralparese leidet, nahm vom 20. bis 22. Februar 2015 an einer Veranstaltung der Vereinig ung L.____ in Z. ____ teil. In der Nacht vom 21. auf den 22. Februar 2015 zog sie sich aus nicht geklärten Gründen blasenbildende Exantheme an der rechten Hand und unter der linken Brust zu. B. In der Folge begaben sich am 22. Februar 2015 die Leiterin der Veranstaltung, D.____, und der Vater, E.____, zusammen mit A.____ auf die No tfallstation des Y.____spitals wo A.____ ambulant versorgt wurde. Behandelnder Assistenzar zt war Dr. med. F.____, behan- delnder Oberarzt, Dr. med. C.____. C. Am 23. Februar 2015 musste sich A.____ im Ambulatorium X.____ behandeln lassen, worauf sie vom dortigen behandelnden Arzt, Dr. med. G.____, in das W.____spital eingewiesen wurde. Dort wurde A.____ aufgrund der festgestellten Sepsis bei bullösen Hautläsionen an der rechten Hand am Handballen notoperiert und für mehrere Wochen nachbehandelt. D. Am 12. März 2015 stellte die Mutter der Beschwerdefüh rerin, B.____, Strafanzeige gegen Unbekannt. Am 23. Mai 2015 stellte der Vater der Beschwerdeführerin, E.____, Strafan- trag wegen leichter Körperverletzung gegen Unbekannt. E. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) leitete daraufhin am 25. September 2017 gestützt auf den Erke nntnissen des Gutachtens vom 8. Dezember 2016, welches sie an das Institut für Rechtsme dizin Basel (IRM) erteilt hatte, ein Strafverfahren gegen Dr. med. F.____ und Dr. med. C .____ wegen fahrlässiger schwerer Kör- perverletzung ein. F. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 30. Juli 201 8 wurde das Verfahren einge- stellt. G. Dagegen erhob A.____ (nachfolgend Beschwerdeführerin) , vertreten durch Advokat Sebastian Laubscher mit Postaufgabe am 8. August 2018, B eschwerde an das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht (nachfolgend: Kantonsgericht), und beantragte unter o/e Kostenfolge, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die St aatsanwaltschaft Basel-Landschaft an- zuweisen, Anklage gegen Dr. med. F.____ bzw. Dr. med. C .____ wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu erheben. Ferner sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspfle- ge mit Advokat Sebastian Laubscher als unentgeltlichen Rechtsbeistand zu gewähren. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Eingabe vom 22. August 2018 beantragte Dr. med. C.____ (nachfolgend: Beschul- digter), Advokat Dr. Christian von Wartburg, die Beschw erde sei unter o/e Kostenfolge vollum- fänglich abzuweisen. I. Die Staatsanwaltschaft (nachfolgend: Beschwerdegegneri n) liess sich mit Stellung- nahme vom 23. August 2018 vernehmen und beantragte di e angehobene Beschwerde vollum- fänglich abzuweisen unter o/e-Kostenfolge. Erwägungen 1. Formelles 1.1 Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts, die vorliegende Beschwerde als Rechtsmitte- linstanz zu beurteilen, ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 li t. b der schweizerischen Strafprozessord- nung (StPO; SR 312.0) und § 15 Abs. 2 des Einführungsg esetzes zur Schweizerischen Straf- prozessordnung (EG StPO; SGS 250). Die Beschwerde ist zulässig gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertretungsstrafbehörden (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Sie ist innert 10 Tagen schriftli ch und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit Beschwerde könn en Rechtsverletzungen, unvollstän- dige oder unrichtige Feststellungen des Sachverhalts sowi e Unangemessenheit gerügt werden (Art. 393 Abs. 2 StPO). Die Beschwerdeinstanz verfügt somit über volle Kognition (P ATRICK GUIDON , Basler Kommentar StPO, 2. Auflage 2014, Basel Art. 393 N 15). Zur Beschwerde legi- timiert ist jede Partei, die ein rechtlich geschützte s Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheids hat (Art. 382 Abs. 1 StPO). Die legit imierten Parteien sind im Gesetz nicht abschliessend aufgeführt. Der Parteibegriff ist nach Ma ssgabe der Art. 104 StPO und Art. 105 StPO zu verstehen. Demnach wird nebst der beschuldigten Person und der Privatklägerschaft auch den anderen am Verfahren beteiligten Personen d ie Beschwerdelegitimation zuerkannt, sofern sie sich am erstinstanzlichen Verfahren beteiligt haben und ein rechtlich geschütztes Interesse geltend machen können (Botschaft vom 21. Dezem ber 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006, S. 1308; V IKTOR LIEBER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Auflage, 2014, Zürich, Art. 382 N 7; N IKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , Praxiskommentar StPO, 3. Auflage, 2018, Zürich/St. Gallen, Art. 382 N 1). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Die angefochtene Verfügung stellt ein taugliches Be schwerdeobjekt dar und die dage- gen erhobene Beschwerde ist mit Postaufgabe vom 8. Au gust 2018 fristgerecht erfolgt. Die Be- schwerdeführerin ist als geschädigte Person im Sinne von A rt. 105 Abs. 1 lit. a StPO durch die angefochtene Verfügung unmittelbar in ihren Rechten betroffen und nach Art. 105 Abs. 2 StPO zur Beschwerde legitimiert. Nachdem auch die anderen f ormellen Voraussetzungen zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass geben, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Materielles 2.1 Vorliegend ist die Frage zu entscheiden, ob die Staat sanwaltschaft das gegen den Be- schuldigten geführte Strafverfahren wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung hat einstel- len dürfen. 2.2.1 Gemäss Art. 308 Abs. 1 StPO klärt die Staatsanwaltschaf t in der Untersuchung den Sachverhalt tatsächlich und rechtlich so weit ab, dass sie das Vorverfahren abschliessen kann. Die Staatsanwaltschaft stellt in der Untersuchung die wesentlichen Tatsachen fest (P IERRE CORNU , Commentaire Romand StPO, 2. Auflage, 2018, Basel, Ar t. 308 N 4). Nach Beendigung des Untersuchungsverfahrens entscheidet sie, ob ein Strafbefehl zu erlassen, Anklage zu erhe- ben oder das Verfahren einzustellen sei (Art. 318 Abs. 1 StPO). Eine vollständige oder teilweise Einstellung des Verfahrens erfolgt nach Art. 319 Abs. 1 StPO, wenn kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfertigt (lit. a), kein Stra ftatbestand erfüllt ist (lit. b), Rechtfertigungs- gründe einen Straftatbestand unanwendbar machen (li t. c), Prozessvoraussetzungen definitiv nicht erfüllt werden können oder Prozesshindernisse aufgetreten sind (lit. d) oder nach gesetzli- cher Vorschrift auf Strafverfolgung oder Bestrafung verzichtet werden kann (lit. e). 2.2.2 Der Entscheid über die Einstellung eines Verfahrens richtet sich nach dem Grundsatz „in dubio pro duriore“. Dieser verlangt, dass bei kon kreten Zweifeln über die Straflosigkeit bzw. betreffend Prozesshindernisse eine gerichtliche Beurteilu ng erfolgt. Als praktischer Richtwert kann gelten, dass Anklage zu erheben ist, wenn eine Veru rteilung wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch (BGE 143 IV 241 E. 2.2.1; 138 IV 18 6 E. 4.1; 138 IV 86 E. 4.1.1; BGer 1B_184/2012 vom 27. August 2012 E. 3.3; N ATHAN LANDSHUT /T HOMAS BOSSHARD , Zürcher Kommentar StPO, 2. Auflage, 2014, Zürich, Art. 319 N 15 f.; NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , Praxiskommentar StPO, 3. Auflage, 2018, Zürich/St. Gall en, Art. 319 N 5). Bei schweren Delik- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten drängt sich in der Regel eine Anklageerhebung auf, wenn sich die Wahrscheinlichkeiten eines Freispruchs oder einer Verurteilung in etwa di e Waage halten (BGE 143 IV 241 E. 2.2.1; 138 IV 186 E. 4.1; 138 IV 86 E. 4.1.2). 2.3.1 Die Staatsanwaltschaft führt in der angefochtenen Ver fügung und ihrer Stellungnahme im Wesentlichen aus, dass die schwere Schädigung der Besch werdeführerin in der geringeren Restbeweglichkeit ihrer rechten Hand bestehe. Der Darste llung im Gutachten des IRM vom 8. Dezember 2016, wonach die Verschlechterung des Gesund heitszustands der Beschwerde- führerin durch die Perforation der Blase(n), die ansch liessende bakterielle Infektion im ehemali- gen Blasengebiet am Daumenballen und die nicht adäq uate Wundbehandlung auf der Notfall- station des Y.____spitals verursacht worden sei, entspräche nicht dem Beweisergebnis. Anders als das Gutachten annehme, sei(en) – so das Beschwerdeerg ebnis – die Blase(n) über dem Daumenballen auf der Notfallstation noch nicht perfori ert gewesen. Die diesbezüglich anders- lautenden Aussagen von D.____ und E.____ seien widersprüchlich und würden zudem seltsam anmuten. Die Staatsanwaltschaft verweist sodann auf ein Foto der rechten Hand der Be- schwerdeführerin, welches nach der Behandlung auf der Notfallstation des Y.____spitals in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 2015 aufgenommen wo rden sein soll. Darauf sei – so die Staatsanwaltschaft – nicht ersichtlich, dass die Hautblas e über dem Daumenballen perforiert sei. Es könne jedenfalls nicht mehr geklärt werden, wo u nd wann die Perforation der Blase(n) sowie die bakterielle Infektion stattgefunden hätten, welche die Blutvergiftung und die letztlich bleibende Schädigung der Beschwerdeführerin bewirkt h ätten. Der gegen den Beschuldigten bestandene Anfangsverdacht erhärte sich nicht; das gegen ihn geführte Verfahren müsse daher eingestellt werden. 2.3.2 Die Beschwerdeführerin beruft sich im Wesentlichen auf das IRM-Gutachten vom 8. Dezember 2016 und führt im Weiteren aus, dass die In terpretation des aktenkundigen Foto- materials durch die Staatsanwaltschaft eine unqualifizi erte sei und die daraus gezogene Schlussfolgerung im Widerspruch zu den Aussagen von D._ ___ sowie derjenigen des Vaters der Beschwerdeführerin stünden, welche zu Protokoll ge geben bzw. bestätigt hätten, dass die fragliche(n) Blase(n) im Y.____spital aufgeplatzt seien. 2.4.1 Gemäss Aktenlage ist von einer schweren Körperverletzung zu m Nachteil der Be- schwerdeführerin auszugehen, die im Wesentlichen in ein er geringeren Beweglichkeit ihrer rechten Hand besteht. Aufgrund einer ausgeprägten „Th umb-in-palm-Deformität“ kann die Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführerin den Daumen ihrer rechten Hand nicht mehr abspreizen, wodurch sich ihre spastische Verkrampfung verstärkt hat (Sprechstundenbericht ambulant vom 8. Juni 2015, act. 369–371). Ferner wird die Restbeweglichkeit ihrer rechten Hand allein aufgrund deren Ver- narbung dauerhaft eingeschränkt bleiben (Arztbericht W._ ___spital vom 4. September 2015, act. 387–389, Ziff. 6). 2.4.2 Nach Art. 125 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB ; SR. 311.0) wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Gelds trafe bestraft, wer fahrlässig einen Men- schen am Körper oder an der Gesundheit schädigt (Abs. 1) . Ist die Schädigung schwer, so wird der Täter von Amtes wegen verfolgt (Abs. 2). Eine fah rlässige Körperverletzung kann durch pflichtwidrige Untätigkeit begangen werden (Art. 11 A bs. 1 StGB). Pflichtwidrig untätig bleibt, wer die Gefährdung oder Verletzung eines strafrechtlic h geschützten Rechtsguts nicht verhin- dert, obwohl er aufgrund seiner Rechtsstellung dazu verpflichtet wäre (Art. 11 Abs. 2 StGB). 2.4.3 Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens au s pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt (Art. 12 Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch we- gen fahrlässiger Körperverletzung gemäss Art. 125 StGB se tzt voraus, dass der Täter den Er- folg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Grundvoraussetzung für die Fahrläs- sigkeitshaftung bildet die Vorhersehbarkeit des Erfolg s. Die zum Erfolg führenden Geschehen- sabläufe müssen für den konkreten Täter mindestens in ih ren wesentlichen Zügen vorausseh- bar sein. Für die Beantwortung dieser Frage gilt der Massstab der Adäquanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf d er Dinge und den Erfahrungen des Le- bens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführ en oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist dagegen zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitver- schulden des Opfers, als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrschei nlichste und unmittelbarste Ursa- che des Erfolgs erscheinen und so alle anderen mitverursa chenden Faktoren in den Hinter- grund drängen (BGE 135 IV 56 E. 2.1). Erforderlich i st zudem, dass der Eintritt des Erfolgs vermeidbar war. Dabei wird ein hypothetischer Kausalverl auf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeb lieben wäre. Für die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten des Täters mindeste ns mit einem hohen Grad an Wahr- scheinlichkeit die Ursache des Erfolgs bildete (BGE 140 I I 7 E. 3.4; 135 IV 56 E. 2.1; BGer 6B_606/2017 vom 13. November 2017 E. 2.2). Wo beson dere der Unfallverhütung und der Si- cherheit dienende Normen ein bestimmtes Verhalten geb ieten, bestimmt sich das Mass der zu Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Dies schliesst nicht aus, dass der Vorwurf der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgru ndsätze wie etwa den allgemeinen Gefahrensatz gestützt werden kann (BGE 135 IV 56 E. 2.1; 133 IV 158 E. 5.1; BGer 6B_1341/2015 vom 25. Februar 2016 E. 4.3.1). 2.5.1 Das IRM-Gutachten vom 8. Dezember 2016 kommt zum Schluss, dass „ [a]us medizini- scher Sicht (…) die Behandlung in der Notfallstation des Y.____spitals einen wesentlichen Aus- schlag für die weitere Entwicklung der Erkrankung gegebe n [hat]. Dem Notfallbericht [des Y.____spitals] ist zu entnehmen, dass dem behandelnden Arzt die Blasenbildung im Bereich des Daumenballens zwar auffiel, er ihr aber keine weitere Bedeutung beimass. (…) Im Rahmen der Behandlung wird die Hand zwar äusserlich desinfizi ert und mit einem sterilen Verband ver- sehen, die Gefahr einer Infektion unterhalb der grossfl ächigen Oberhautablösung wird jedoch ausser Acht gelassen. Eine adäquate Versorgung hätte d arin bestanden, die absterbende Bla- senhaut vorsichtig abzutragen und im betroffenen Berei ch für eine konsequente Keimfreiheit (Antisepsis) zu sorgen “ (act. 485). Dieser Annahme liegt offenbar die Aussag e von D.____ zu- grunde, dass es „ [z]ur Perforation der grossen Hautblase über dem Dau menballen (…) erst im [Y.____-]Spital gekommen [sei], wodurch gleichzeitig au ch die Voraussetzung für eine erste bakterielle Besiedlung des Inneren der Blase gegeben wa r “ (act. 485). Hinsichtlich des Fotos der rechten Hand der Beschwerdeführerin, das nach der Behandlung auf der Notfallstation des Y.____spitals in der Nacht vom 22. auf den 23. Februa r 2015 aufgenommen worden sein soll (vgl. Einvernahmeprotokoll Beschuldigter vom 10. Janua r 2018, act. 599, Rz. 140–141), führt das IRM-Gutachten Folgendes aus: „ Auf dem ersten Bild (oben links) [vgl. act. 509] sieht m an die Innenfläche der rechten Hand, wobei der Handtel ler eine unterschiedlich intensive Rötung aufweist. Der gesamte Daumenballen wird von einer grossen, blasenartigen Oberhautabhebung eingenommen. Weitere, jedoch wesentlich kleinere, gleic hartige Läsionen zeigen sich am Übergang zum Handgelenk “ (act. 481). 2.5.2 Der Notfallbericht von Dr. med. C.____ und Dr. med . F.____ vom 22. Februar 2015 stellt in Bezug auf die Verletzung an der Handinnenf läche fest, dass der Daumenballen teilwei- se Blasenbildung aufweise (act. 425). Ob die fragliche(n) Blase(n) während des Aufenthalts der Beschwerdeführerin auf der Notfallstation offen oder geschlossen waren, wird im Notfallbericht nicht präzisiert. Demgegenüber gibt D.____ zu Protokoll , dass „ die Blase (…) bis zum Zeit- punkt, als wir in der Notfallstation angekommen sind, g eschlossen [war]. Sie hat sich erst dort entleert. Erst im Y.____spital fing es an zu fliessen . Das Kissen im Y.____spital, auf welchem Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Irina die Hand hatte, war voll mit Flüssigkeit. Danach kam jemand von der Notfallstation und hat die Hand eingebunden “ (Einvernahme vom 2. September 2015 als Auskunftsperson , act. 515, Rz. 59–63; vgl. auch act. 529, Rz. 370–372). Ähnliches f ührt der Vater der Beschwerdeführerin aus (auch er, wie D.____, in Unkenntnis des IRM-Gutach tens vom 8. Dezember 2016), indem er auf die Frage, in welchem Zustand er seine Tochter am 22. Februar 2015 in Z.____ aufge- funden habe, Folgendes zu Protokoll gibt: „ Sie war unruhig, weil sie Schmerzen hatte. Sie hatte eine geschwollene Hand mit einer grossen Blase. Es ist sc hon ein wenig Flüssigkeit aus der Blase gelaufen .“ (Einvernahme als Privatklägerschaft und Auskunftsperson vom 28. Mai 2015, act. 499, Rz. 158–159). 2.5.3 Ein Fall klarer Straflosigkeit ist aufgrund der festge stellten Unklarheit, ob die fragli- che(n) Blase(n) im Zeitpunkt der Behandlung im Y.___ _spital offen oder geschlossen war(en), nicht gegeben. Auch ist darauf hinzuweisen, dass bei e iner unklaren Beweis- oder Rechtslage nicht die Staatsanwaltschaft über die Stichhaltigkeit d es strafrechtlichen Vorwurfs zu entschei- den hat, sondern das zur materiellen Beurteilung zuständige Gericht (BGE 143 IV 241 E. 2.2.1). Die Staatsanwaltschaft darf bei Entscheiden über die E instellung eines Strafverfahrens den Sachverhalt daher nicht wie ein urteilendes Gericht fe ststellen, es sei denn die Tatsachen sind „klar“ bzw. „zweifelsfrei“, sodass im Falle einer Anklage mit grosser Wahrscheinlichkeit keine abweichende Würdigung zu erwarten ist. Davon kann ind es nicht ausgegangen werden, wenn eine abweichende Beweiswürdigung durch das Gericht eben so wahrscheinlich erscheint. Ge- mäss den Aussagen von E.____ und D.____ sollen sich – wie bereits dargelegt – die Blasen während der Notfallkonsultation entleert bzw. teilentl eert haben. Das IRM-Gutachten nimmt of- fenbar (auch) deswegen eine Perforation der Blase(n) während der Konsultation im Y.____spital an. Auf der anderen Seite lassen sich aus d em Notfallbericht der behandelnden Ärzte keine gesicherten Schlüsse zum Zeitpunkt der Perforation der Blase(n) ziehen. Bei einem derart nicht hinreichend untersuchten Sachverhalt verb ietet sich eine Einstellung des Verfah- rens. 2.5.4 Im Weiteren ist Folgendes festzustellen: Bei der Erne nnung einer sachverständigen Person stehen ihre Person und das damit verbundene Vert rauen in ihre Fachkompetenz und Unabhängigkeit im Vordergrund, was in Art. 182, Art. 183 Abs. 1, Art. 184 Abs. 2 lit. a sowie Art. 185 Abs. 1 StPO zum Ausdruck kommt. Es ist folglich nicht zulässig, statt einer bestimmten und individualisierbaren natürlichen Person, eine jurist ische Person, Rechtsgemeinschaft oder eine Institution mit der Erstellung eines Gutachtens zu beauftragen (M ARIANNE HEER , Basler Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kommentar StPO, 2. Auflage, 2014, Basel, Art. 183 N 8). Ebenfalls unzulässig ist es, Chefärzte als Sachverständige zu benennen, wenn die notwendigen U ntersuchungen und Abklärungen sowie die Redaktion des Gutachtens überwiegend durch O ber- oder Assistenzärzte vorgenom- men werden (M ARIANNE HEER , a.a.O., Art. 183 N 9). Eine eigentliche Delegation bzw. Weiter- gabe der gutachterlichen Kernaufgaben beispielsweise v om beauftragten Chef- auf einen Oberarzt steht einerseits unter dem Vorbehalt der Ermä chtigung durch die auftraggebende Strafbehörde und ist andererseits im Gutachten transpare nt zu machen, indem der „Untergut- achter“ im Gutachtensauftrag namentlich zu nennen und in die Pflicht zu nehmen ist (BGE 144 IV 176 E. 4.5.2; BGer 6B_989/2017 vom 20. Dezember 20 17 E. 2.3 und E. 2.5; 6B_265/2015 vom 3. Dezember 2015 E. 4.1.2). Umgekehrt ist der bestellte Sachverständige nicht verpflichtet, sämtliche für die Begutachtung notwendigen Tätigkeiten selber vorzunehmen. Er kann für un- tergeordnete Arbeiten Hilfspersonen heranziehen (BGer 6B_918/2017 vom 20. Februar 2018 E. 3.2; 6B_989/2017 vom 20. Dezember 2017 E. 2.3; 6 B_265/2015 vom 3. Dezember 2015 E. 4.1.2 mit Hinweis). Eine solche Substitution ist wi ederum im Gutachten transparent zu ma- chen, indem Funktion sowie Art und Inhalt der Mitwirku ng bzw. des konkreten Beitrags der ein- gesetzten Personen offengelegt werden (Art. 187 Abs. 1 StPO; präzisierend BGE 144 IV 176 E. 4.5.2; BGer 6B_989/2017 vom 20. Dezember 2017 E. 2 .3; 6B_265/2015 vom 3. Dezember 2015 E. 4.1.2; 6B_884/2014 vom 8. April 2015 E. 3.3 und E. 3.4.2). 2.5.5 Die Staatsanwaltschaft hat am 28. April 2016 Prof. D r. med. Dipl. phys. H.____, Direk- torin des IRM, mit der rechtsmedizinischen Begutachtung de r Beschwerdeführerin beauftragt. Im Auftrag wurde die Gutachterin darauf hingewiesen, dass auch allfällige von ihr beigezogene Mitarbeiter der Strafdrohung gemäss Art. 307 StGB unt erstehen und bei einer Delegation zur Erstellung des Gutachtens an eine andere Person vorgäng ig mit der Verfahrensleitung Rück- sprache zu nehmen sei. Vorliegend ist aktenkundig, dass da s Sekretariat des IRM Basel der Staatsanwaltschaft mitgeteilt hat, dass Dr. med. I.____ für das Gutachten zuständig sein soll (E- Mail der Staatsanwaltschaft vom 12. Oktober 2016, act . 461). Laut einem Telefongespräch der Staatsanwaltschaft mit Dr. med. I.____ soll sich jedoch h erausgestellt haben, dass für die rechtsmedizinische Begutachtung der Beschwerdeführerin nun mehr ein anderer Arzt zuständig sein soll (Aktennotiz der Staatsanwaltschaft vom 12. Oktob er 2016, act. 463). Fest steht, dass das Gutachten vom 8. Dezember 2016 von Dr. med. J.___ _, leitender Oberarzt, und Dr. med. K.____, stellvertretender Oberarzt, unterzeichnet word en ist. Aus dem Gutachten geht die Funktion, welche Dr. med. J.____ und Dr. med. K.____ b ei der Erstellung des Gutachtens hat- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten, nicht klar hervor. Art. 187 Abs. 1 StPO schreibt j edoch ausdrücklich vor, dass der Beizug von weiteren Personen bei der Ausarbeitung eines Gutach tens transparent zu machen ist, in- dem die beigezogenen Personen namentlich zu nennen sow ie Art und Inhalt ihrer Mitwirkung bzw. ihres konkreten Beitrags anzugeben sind. Während die Übertragung der Aufarbeitung der Aktenlage und der Anamnese durch beigezogene fachlich qu alifizierte Mitarbeiter keine unzu- lässige Gutachtensdelegation an eine Drittperson darstel lt (BGer 6B_989/2017 vom 20. Dezember 2017 E. 2.5), verstösst es gegen das Delegat ionsverbot, wenn Drittpersonen die Grundlagen der Beurteilung sowie die Diagnose erstell en und daraus die Schlussfolgerungen ziehen (BGer 6B_884/2014 vom 8. April 2015 E. 3.4.2; 6B_265/2015 vom 3. Dezember 2015 E. 6.2). Die oben erwähnten Umstände deuten darauf h in, dass Prof. Dr. med. Dipl. phys. H.____ mit Dr. med. J.____ und Dr. med. K.____ nicht bloss Hilfspersonen für die Erstellung des Gutachtens beigezogen hat. Insbesondere ist Art un d Inhalt der Mitwirkung bzw. des kon- kreten Beitrags von Dr. med. K.____ im Rahmen der Gutachtenerstellung nicht klar erkennbar. 2.5.6 Heisst die Beschwerdeinstanz die Beschwerde gegen eine Ei nstellungsverfügung gut, so kann sie der Staatsanwaltschaft oder der Übertretung sstrafbehörde für den weiteren Gang des Verfahrens Weisungen erteilen (Art. 397 Abs. 3 StPO). Gestützt auf das Ausgeführte ist die Beschwerdegegnerin anzuweisen, aufgrund der hier festge stellten Mängel und der somit grundsätzlichen Unverwertbarkeit des IRM-Gutachtens vom 8. Dezember 2016 ein den festge- legten Anforderungen genügendes rechtsmedizinisches Gutach ten in Auftrag zu geben. Im Weiteren sind E.____ und D.____ im Hinblick auf das in Auftrag zu gebende, neue medizini- sche Gutachten nochmals explizit und unter Vorlage des ange blich in der Nacht vom 22. Auf den 23. Februar 2015 aufgenommenen Fotos zum Zustand der fraglichen Blase(n) an der Hand der Beschwerdeführerin und deren allfälligen Entleer ung zum Zeitpunkt ihrer Behandlung im Y.____spital (erneut) zu befragen und ihre Aussagen zu Protokoll zu nehmen. Werden der neuen sachverständigen Person die mit den Einvernahmen von E.____ und D.____ ergänzten Verfahrensakten ausgehändigt und wir d diese bei deren Studium feststellen, dass sie bezüglich eines bestimmten, für das Gutachten relev anten Sachverhalts verschiedene Varianten zulassen – vorliegend betreffend die Perforat ion der fraglichen Blase(n) zum Tatzeit- punkt – gebührt es nicht der sachverständigen Person, in Konkurrenz zum Gericht eine der Va- rianten auszuwählen oder eigene Abklärungen zu treffen. Die sachverständige Person hat nicht den Sachverhalt zu erforschen, sondern ihn nur zu beurt eilen, wie er ihr vorgegeben ist. Bleibt der Sachverhalt unklar, ist dies im Gutachten festzuhalte n. Dabei ist bei Zweifeln nicht zuguns- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten des Beschuldigten zu befinden, sondern mit Arbeit shypothesen zu arbeiten, weil die Sach- verhaltsfeststellung bei unklarer Beweislage in Berücksicht igung des Grundsatzes „in dubio pro duriore“ dem urteilenden Gericht zukommt. Insofern ist die sachverständige Person bei unklarer Sachlage mit der Ausfertigung eines Alternativgutacht ens auf der Grundlage verschiedener Sachverhalte bzw. Arbeitshypothesen zu beauftragen. Dadu rch wird (nachdem die Staatsan- waltschaft alle für die Beurteilung der Tat bedeutsamen Tatsachen im Sinne der kantonsgericht- lichen Erwägungen abgeklärt hat und soweit danach die Voraussetzungen für eine Anklageer- hebung gegeben sind) der erkennende Richter in die La ge versetzt, in freier Beweiswürdigung, namentlich unter Berücksichtigung der Perspektive von E.__ __ und D.____ (sofern diese trotz Vorlage des in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 2015 erstellten Fotos weiterhin an ihren bisherigen Aussagen festhalten), die ihm richtig erschei nende Sachverhaltsvariante auszuwäh- len (grundlegend M ARC HELFENSTEIN , Der Sachverständigenbeweis im schweizerischen Straf- prozess, Zürcher Studien zum Verfahrensrecht, Band 25, 1 978, Zürich, S. 178 f.; ferner MARIANNE HEER , a.a.O., Art. 185 N 2 und N 18 in fine). Die Arbei tshypothesen für die sachver- ständige Person sind demnach vorliegend u.a. dahingehen d zu fassen, was eine adäquate Wundbehandlung gewesen wäre, wenn die fragliche(n) Bl ase(n) zum Zeitpunkt der Wundbe- handlung auf der Notfallstation des Y.____spitals noch geschlossen gewesen wäre(n), und wie nach allgemeinen Erfahrens- oder Wissenssätzen zu verfahr en gewesen wäre, wenn die fragli- che(n) Blase(n) zu diesem Zeitpunkt perforiert bzw. aufge platzt gewesen wäre(n), jeweils im Vergleich zwischen einer gesunden mit einer wie die Besch werdeführerin behinderten Person. Weiter zu klären ist, wie wesentlich die allenfalls ni cht fachgerecht erfolgte Behandlung auf der Notfallstation des Y.____spitals für die weitere Entwicklung der Erkrankung der Beschwerdefüh- rerin gewesen ist, und ob die behandelnden Ärzte vor dem Hintergrund des sich präsentieren- den Behinderungsbildes nach den Regeln der ärztlichen K unst – ungeachtet davon, ob die Bla- se(n) auf der Notfallstation bereits voll, teilweise ode r nicht entleert war(en) – prophylaktisch Antibiotika verschreiben oder andere Massnahmen hätten ergreifen müssen. Die Sache ist somit an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen mit der Anweisung an diese, die weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen vorzunehm en. Alsdann ist entweder Anklage zu erheben oder die erneute Einstellung des Verfahrens vorzunehmen. 3. Kosten Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Die Verfahrensleitung ordnet die unentgeltliche Rech tspflege gestützt auf Art. 29 Abs. 3 BV an, wenn eine Person nicht über die erforde rlichen Mittel verfügt und ihr Rechtsbe- gehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie zudem Anspruch auf unentgeltlichen Rechtsbeistand (zule tzt BGer 6B_1039/2017 vom 13. März 2018 E. 2.2 und E. 2.3). Die Zuständigkeit zur Bestellung der unentgeltlichen Rechts- pflege liegt beim Präsidenten des Kantonsgerichts (Art . 136 Abs. 1 i.V.m. Art. 61 lit. c StPO i.V.m. § 15 Abs. 1 lit. a des EG StPO). Nachdem die entsprechenden Voraussetzungen im vor- liegenden Fall erfüllt sind, ist der Beschwerdeführeri n für das vorstehende Beschwerdeverfah- ren die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokat Sebast ian Laubscher als unentgeltlichen Rechtsbeistand zu bewilligen. 3.2.1 Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. En tsprechend dem Ausgang des vor- liegenden Verfahrens hat keine Partei gänzlich obsiegt. Obwohl die Beschwerdeführerin nur teilweise obsiegt hat, ist sie im Ganzen betrachtet mit ihrer Beschwerde durchgedrungen, wes- halb die Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von CHF 1‘500.00 zu Lasten des Staa- tes gehen (§ 4 GebT). 3.2.2 Dem unentgeltlichen Rechtsbeistand, Advokat Sebastian L aubscher, ist für seine Be- mühungen im Rechtsmittelverfahren eine Entschädigung a us der Gerichtskasse zu entrichten. Nachdem Advokat Sebastian Laubscher keine Honorarnote e ingereicht hat, ist die Entschädi- gung von Amtes wegen gemäss § 18 Abs. 1 und 2 der Tari fordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO; SGS 178.112) nach Ermessen festzusetzen. Unte r Berücksichtigung der konkre- ten Umstände erachtet die Beschwerdeinstanz eine Entschä digung in der Höhe von pauschal CHF 400.00 (inklusive Auslagen) zuzüglich 7.7% Mehrwertst euer im Betrag von CHF 30.80, somit total CHF 430.80, für angemessen. 3.2.3 Den sich fakultativ am Verfahren beteiligten Beschuldigt en ist im vorliegenden Be- schwerdeverfahren mit Blick auf den Verfahrensausgang kei ne Parteientschädigung aus der Staatskasse auszurichten. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, di e Einstellungsverfü- gung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 30. Jul i 2018 aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an di ese zurück- gewiesen. 2. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Bewilligung de r unentgeltli- chen Rechtspflege mit Advokat Sebastian Laubscher als un entgeltli- chen Rechtsbeistand wird gutgeheissen. 3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von CHF 1‘500.00 gehen zu Lasten des Staats. 4. Der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschädigu ng in der Höhe von pauschal CHF 400.00 (inkl. Auslagen) zzgl. Mehrwertsteu ern von 7.7% im Betrag von 30.80, insgesamt somit CHF 430.80, aus der Gerichtskasse bezahlt. 5. Dem Beschuldigten wird keine Parteientschädigung au sgerichtet. 6. Dieser Beschluss wird den Parteien schriftlich eröffnet. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber i.V. Michael Schmassmann Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundes- gericht Beschwerde in Strafsachen nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR. 173.110) oder subsidiär Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. B GG eingereicht werden. Diese Frist kann nicht verlä n- gert werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die Beschwerdesch rift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat di e Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten (Art. 42 Abs. 1 BGG). In der Begründung ist in gedrängter Form darz ulegen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verlet zt (Art. 42 Abs. 2 BGG). Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht