B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1452/2012 U r t e i l v o m 1 5 . J u n i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, c/o Schweizerische Vertretung in Khartoum/Sudan, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 27. Dezember 2011 / N (…). E-1452/2012 Seite 2 Sachverhalt A. Mit englischsprachiger Eingabe vom 18. Februar 2011 (Eingang Bot - schaft: 20. Februar 2011 ) wandte sich d er Beschwerdeführer an die Schweizerische Botschaft in Khartoum, Sudan, und ersuchte um Asyl in der Schweiz. Betreffend seine Ausreise- und Asylgründe machte er im Wesentlichen geltend, er sei Sohn [halb Eritreer, halb Äthiopier] und in B._______, Erit- rea, geboren, wo er aufgewachsen und zur Schule gegangen sei. Im [90er-Jahre] sei er nach C._______ ins Militärtraining gegan gen, und sechs Monate später habe er den nationalen Dienst in D._______ absol- viert. In der Folge sei der Grenzkonflikt zwischen Eritrea und Äthiopien ausgebrochen, und er habe bis im (…) 2000 dem Staat gedient. Am (…) 2000 hätten ihn A ngehörige des Sicherheitsdienstes festgenommen, mit verbundenen Augen an einen unbekannten Ort gebracht und in einem un- terirdischen Raum eingesperrt, wo er tagelang geschlagen, eingeschüc h- tert und befragt worden sei. Dem Beschwerdeführer seien wegen [äthio- pischer Elternteil] Spionagetätigkeiten für die äthiopischen Behörden vo r- geworfen worden. Nach fünf Tagen sei er in ein anderes unterirdisches Gefängnis gekommen. Ein Jahr später sei er nach E._______ überführt worden, wo er zur Zwangsarbeit in der Landwirtschaft genötigt worden sei. Nach einem Jahr und neun Mona ten Zwangsarbeit sei ihm sowie ei- nem anderen Häftling beim Holzsammeln die Flucht gelungen. Nach zwei Tagen hätten sie beide im (…) 2003 Kassala/Sudan erreicht. Er habe sich unverzüglich beim Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) als Flüchtling registrieren lassen. Seither lebe er mit seiner Familie – seine Frau habe er im (…) 2008 geheiratet, und er habe mit ihr ein Kind – in Karthoum, wo sie allerdings viele soziale Schwierig- keiten zu bewältigen hätten. Zur Stützung seiner geltend gemachten Vorbringen legte d er Beschwer- deführer folgende Dokumente in Kopie ins Recht: seinen Flüchtlingsaus- weis, ein Schreiben des UNHCR vom (…) 2003 betreffend das Legal Screening des Beschwerdeführers sowie ein fremdsprachiges Dokument, ausgestellt vom UNHCR. B. Mit Schreiben vom 4. Juli 2011 setzte das BFM d en Beschwerdeführer darüber in Kenntnis, dass die Schweizerische Botschaft aus Kapazitäts- gründen keine Befragung durchführen könne, weswegen ihn das Bu n-E-1452/2012 Seite 3 desamt – unter Hinweise auf seine Pflicht, bei der Feststellung des Sach- verhalts mitzuwirken (Art. 8 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [ AsylG, SR 142.31]) – auffordere, sein Gesuch mit einer schriftlichen Stellung - nahme zu ergänzen. C. Der Beschwerdeführer ergänzte seine geltend gemachten Vorbringen mit englischsprachiger Eingabe vom 29. Juli 2011 (Eingang Botschaft offen- bar am 31. Juli 2011) und reichte als Beilage nochmals in Kopie das Schreiben des UNHCR vom (…) 2003 betre ffend das Legal Screening des Beschwerdeführers – diese Version des Schreibens wurde allerdings mit einer handschriftlichen Notiz die Ehefrau des Beschwerdeführers betreffend versehen – sowie eine fremdsprachige Geburtsurkunde, aus- gestellt durch das sudanesische Gesundheitsministerium, zu den Akten. Hierbei machte er insbesondere geltend, keiner Arbeit nachgehen zu können. Sodann hätten er und seine Familie aufgrund ihrer Staatsang e- hörigkeit und ihrer Religion unter vielfacher Diskriminierung zu leid en. Überdies habe er Angst, ins Flüchtlingscamp zurück kehren zu müssen oder nach Eritrea verschleppt zu werden. Schliesslich führte der Be- schwerdeführer an, keine Verwandten oder Bekannten in der Schweiz zu haben. D. Mit Verfügung vom 27. Dezember 2011 – eröffnet am 13. Februar 2012 – verweigerte das BFM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte sein Asylgesuch ab. Das B undesamt begründete die Verweigerung der Einreise in d ie Schweiz und die Ablehnung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers im Wesentlichen dahingehend, dass aufg rund des vollständig erstellten Sachverhalts davon ausgegangen werden könne, es liege keine unmittel - bare Gefährdung vor, welche seine Einreise in die Schweiz notwendig er- scheinen lasse. Zwar würden die Schilderungen des Beschwerdeführers darauf schliessen lassen, dass seine Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden asylbeachtlich seien, im Folgenden sei jedoch zu prüfen, ob ei- ner Asylgewährung durch die Schweiz der Asylausschluss grund von Art. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe, wonach einer Person das Asyl ve r- weigert werden könne, wenn ihr zugemutet werden könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. D er Beschwerdeführer sei ei- genen Angaben zufolge vom UNHCR im Sudan registriert worden . Den E-1452/2012 Seite 4 Akten sei aber nicht zu entnehmen, ob er sich je mals in einem Flücht- lingslager aufgehalten habe. Jedenfalls sei er eigenen Angaben zufolge unverzüglich nach Khartoum gereist, wo er sich allerdings vor einer Ver- schleppung nach Eritrea fürchte. Laut Bericht des United States Commit- tee for Refugees and Immigrants, World Refugee Survey 2009 – Sudan, vom 17. Juni 2009 würden sich 165800 eritreische Flüchtlinge und Asy l- bewerber im Sudan befinden. Vor diesem Hintergrund sei nicht zu ve r- kennen, dass die Lage vor Ort für die se Menschen wie auch für den B e- schwerdeführer nicht einfach sei. Dennoch würden keine konkreten A n- haltspunkte zur Annahme bestehen, dass ein weiterer Verbleib im Sudan für den Beschwerdeführer nicht zumutbar oder möglich sei. Ferner erach- te das Bundesamt d ie geäusserte Befürchtung, nach Eritrea verschleppt zu werden, als klar unbegründet. Das BFM verfüge namentlich mit der Schweizer Botschaft im Sudan über sehr gute Informationen betreffend die Lage vor Ort. Gemäss gesicherten Erkenntnissen sei das Risiko e iner Deportation oder Verschleppung für Eritreer, welche im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt worden seien, gering. Auch das Bu n- desverwaltungsgericht komme in vergleichbaren Fällen zum Schluss, dass die sudan esischen Behörden zwar tatsächlich teilw eise eritreische Asylsuchende sowie Flüchtlinge in ihr Heimatland deportieren würden, diese Rückführungen würden indesse n nicht flächendeckend erfolgen (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgericht s D-2047/2010 vom 29. April 2010 sowie D-7225/2010 vom 14. Februar 2011). Im Übrigen sei zu e r- wähnen, dass Flüchtlinge im Sudan, welche vom UNHCR registriert wo r- den seien, einem Flüchtlingslager zugeteilt w ürden, wo sie sich aufzuha l- ten hätten und die nötige Versorgung erhalten würden. Es sei davon au s- zugehen, dass auch der Beschwerdeführer einem Flüchtlingslager zug e- wiesen worden sei. Falls dies nicht der Fall sei, stehe ihm diese Möglic h- keit freilich zu. Die Flüchtlinge würden im Sudan allerdings nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land verfügen. Es sei dem B e- schwerdeführer daher zuzumuten, sich in ein ihm zugewiesenes Flüch t- lingslager zu begeben. Nach dem Gesagten benötige der Beschwerd e- führer den zusätzlichen subsidiären Schutz der Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht, und es sei ihm zuzumuten, im Sudan zu verbleiben. E. Das BFM leitete am 14. März 2012 eine englischsprachige Eingabe des Beschwerdeführers vom 4. März 2012 (Eingang Botschaft am gleichen Tag) an das Bundesverwaltungsgericht weiter, mit welcher er gegen den vorinstanzlichen Entscheid beim Gericht Beschwerde erhob und sinng e- mäss die Aufhebung der Verfügung des BFM sowie die Bewilligung der E-1452/2012 Seite 5 Einreise in die Schweiz zwecks Feststellung der Flüchtlingseigen schaft beantragte. Zur Begründung führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er sei in seinem Heimatland aufgrund seiner Identität – er sei halb Eritreer, halb Äthiopier – stetiger Diskriminierung ausgesetzt gewesen und sogar aus diesem Grunde inhaftiert worden. Nach seiner Flucht habe er erfahren, dass die meisten Mitinsassen infolge Folter oder gesundheitliche r Prob- leme gestorben seien. Weiter verschlechtere sich seine Sicherheitssitua- tion im Sudan zunehmend. Er sei zwei Mal von der sudanesischen Polizei verhaftet worden; nachdem man ihm gedroht h abe, ihn nach Eritrea zu deportieren, wenn er nicht zahle , habe er sich durch Bestechung freikau- fen können. Sodann habe er vernommen, dass die sudanesische Regi e- rung im Oktober 2011 etwa 350 Erit reer, unabhängig davon, ob es sich um registrierte Flüchtlinge gehandelt habe oder nicht, nach Eritrea depor- tiert habe. Ferner sei er Taglöhner und werde bei der Arbeit mehrfach we- gen seines nichtmuslimischen Glaubens benachteiligt. Zudem gehe er nach getaner Arbeit, aus Angst von der Polizei festgenommen und nach Eritrea verschleppt zu werden , unverzüglich nach Hause und könne ni e- mals ausgehen. Schliesslich führte der Beschwerdeführer aus, dass se i- ne Ehefrau und er ein weiteres Kind bekommen hätten. Zur Untermauerung der geltend gemachten Vorbringen wurde eine wei - tere Geburtsurkunde in Kopie, ausgestellt durch das sudanesische G e- sundheitsministerium, ins Recht gelegt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver - waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreff ende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende E-1452/2012 Seite 6 Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Ein solches Au s- lieferungsersuchen steht vorliegend nicht zur Dis kussion, weshalb das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich zuständig ist. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Inte- resse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die B e- schwerde ist mithin einzutreten. 1.3 Die Beschwerde ist in englischer Sprache und somit nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung oder auf die Einholung einer Übersetzung kann indessen aus prozessökonomischen Gründen praxisgemäss ve r- zichtet werden, da der Eingabe des Beschwerdeführers genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne Weiteres – die zu beurteilende Sachlage ist rechtsge - nüglich erstellt – darüber befunden werden kann. 1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durc h- führung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2. Mit Beschwerde kann die Ve rletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Vorab ist festzustellen, dass die angefochtene Verfügung des BFM vom 27. Dezember 2011 lediglich an den Beschwerdeführer adressiert ist und lediglich ihn ausdrücklich anspricht, nicht aber auch seine Ehefrau und die minderjährigen Kinder . Zwar werden die Ehefrau und das zum Zeitpunkt des Ergehens der Verfügung bereits geborene Kind im An- schluss an das Verfügungsdispositiv und die Rechtsmittelbelehrung unter dem Titel "Diese Verfügung bezieht sich auf" erwähnt, diese nachträgliche E-1452/2012 Seite 7 Nennung der betreffenden Namen genügt jedoch nicht den Anforderu n- gen einer rechtswirksamen Verfügung, zumal d ie gesamte Begründung der Verfügung sich ausschliesslich auf den Beschwerdeführer bezieht (vgl. PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, § 28 ff., S. 224 ff.). 3.2 Ferner ist festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung angesichts des im Entscheidzeitpunkts vorliegenden Abklärungsstandes in Bezug auf die Ehefrau des Beschwerdeführers ohnehin nicht hätte ergehen dürfen. In seinem zur Publikation vorgesehenen Urteil BVGE E -3162/2011 vom 6. Dezember 2011 hielt das Bundesverwaltungsgericht nämlich fest, dass sich zwar gemäss Art. 11 Abs. 1 VwVG eine Partei, wenn sie nicht pe r- sönlich zu handeln hat, auf jeder Stufe des Verfahrens vertreten lassen kann, als Einschränkung sind jedoch Verfahrenshandlungen von d er Möglichkeit der Vertretung ausgenommen, die eine persönliche Mitwi r- kung des oder der Vertretenen erfordern, entweder weil es gesetzlich vorgeschrieben ist (namentlich die Anhörung zu den Asylgründen nach Art. 29 AsylG) oder weil die Verfahrenshandlungen der Natur der Sache nach nur von ihm oder ihr ausgehen können. Gemäss langjähriger asy l- rechtlicher Praxis gilt die Einreichung eines Asylgesuches als sogenannt "relativ höchstpersönliches Recht" (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 5). Die Initiierung eines Asylverfahrens aus dem Ausland durch die ur- teilsfähige (mündige oder unmündige) Person setzt prinzipiell einen pe r- sönlichen Antrag derselben voraus. Fehlt ein solcher, ist eine Mangel be- hebung indes nicht zwangsläufig ausgeschlossen. Eine Heilung kann bei- spielsweise dadurch erfolgen, dass der Inhalt eines vertretungsweise ei n- gereichten Asylgesuchs anlässlich einer mündlichen Anhörung oder durch Einreichung einer persönlich verfassten od er zumindest unterzeichneten Stellungnahme zum Fragenkatalog des BFM im Falle des Verzichts auf eine Befragung bestätigt wird (vgl. zum Ganzen BVGE E -3162/2011, a.a.O., E. 4.3.2). 3.3 Im vorliegenden Fall ist die Ehefrau des Beschwerdeführers im ga n- zen bisheri gen Verfahren – und insbesondere im erstinstanzlichen Ve r- fahren – nie in irgendeiner Weise persönlich vor einer schweizerischen Asylbehörde im In- oder Ausland aufgetreten. Mithin ist die angefochtene Verfügung in Bezug auf die Ehefrau des Beschwerdeführer s zu Recht nicht ergangen. Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat demzufolge bis dato kein Asylverfahren in der Schweiz durchlaufen respektive kein Asyl - gesuch in der Schweiz eingereicht. E-1452/2012 Seite 8 4. 4.1 Gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei ei - ner schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem Be - richt an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizeri - sche Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Be- fragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylvero rdnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asy l- gründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Die schwei - zerische Vertretung überweist dem Bundesamt das Befragungsprotokoll oder das schriftliche Asylgesuch sowie weitere zweckdienliche Unterl a- gen und einen ergänzenden Bericht, der ihre Beurteilung des Asylg e- suchs enthält (Art. 10 Abs. 3 AsylV 1). 4.2 Vorliegend sah sich die Botschaft in Khartoum nicht in der Lage, eine persönliche Anhörung des Beschwerdeführers durchzuführen. Das BFM begründete diesen Verzicht in der Verfügung vom 27. Dezember 2011 mit dem begrenzten Personalbestand der Botschaft sowie den fehlenden Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich. Das Bundesamt ersuchte den Beschwerdeführer daraufhin mit Schreiben vom 4. Juli 2011 zur Einreichung einer ergänzenden Stellungnahme zwecks Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhaltes. Er nahm in der Folge mit Eingabe vom 29. Juli 2011 ausführlich zu den gestellten Fragen Stellung. Vorliegend erhielt der Beschwerdeführer somit rechtsgenügend Gelegenheit, seine Asylgründe darzulegen und bei der Erhebung und E r- gänzung des massgebenden Sachverhalts mitzuwirken. Die Schweizerische Botschaft verzichtete darauf, in einem ergänzenden Bericht ihre Beurteilung des Asylgesuchs darzulegen, und überwies die Unterlagen dem BFM ohne Kommentar. 5. Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen , wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat z ugemutet werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Nach Art. 20 Abs. 2 AsylG be- willigt das Bundesamt einer asylsuchenden Per son die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet wer- den kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein ande- res Land auszureisen (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.2; BVGE 2011/10 E. 3). E-1452/2012 Seite 9 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer Ei n- reisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den B e- hörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werd en kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3, mit weiteren Hinweisen). Hält sich eine asylsuchende Person bereits in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne der Vermutung davon auszugehen, die betreffende Person habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuz u- muten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat (v gl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch auf die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu prü - fen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung g e- funden hat oder erlangen kann, was in der Regel zur Ablehnung des Asyl- gesuchs und zur Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In jedem Fall sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit eine r all - fälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Bei dieser Abwägung bildet die besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz ein zentrales, wenn auch nicht das einzige Kriterium (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1, mit weiteren Hinweisen). Zu be rücksichtigen sind ausser- dem die Beziehungsnähe zum Drittstaat (oder zu anderen Staaten) sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in der Schweiz beziehungsweise im Drittstaat (oder in anderen Staaten). A l- lein die Tatsache, dass die asylsuchende Person keine besondere Bezi e- hungsnähe zur Schweiz hat, ist deshalb für die Ablehnung des Asylges u- ches nicht ausschlaggebend (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f. S. 131 f.). Hält sich die asylsuchende Person in einem Drittstaat auf, ist die Einreise in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen, wenn der Drittstaat keine hin- reichende Gewähr für ein ordentliches Asylverfahren bietet und eine A b- schiebung in den Heimatstaat nicht ausgeschlossen erscheint, auch wenn eine Beziehungsnähe der asylsuc henden Person zur Schweiz fehlt (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). Umgekehrt führt der Umstand, dass eine Beziehungsnähe zur Schweiz namentlich aufgrund von hier E-1452/2012 Seite 10 ansässigen nahen Familienangehörigen gegeben ist, nicht zur Erteilung einer Einreisebe willigung, wenn aufgrund einer Abwägung mit anderen Kriterien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist. 6. 6.1 Vorliegend gelangt das Bundesverwaltungsgericht nach eingehender Prüfung der Akten in Übereinstimmung mit dem BFM zum Schluss, dass die geltend gemachten Vorbringen des Beschwerdeführers nicht a priori unglaubhaft erscheinen und darauf schliessen lassen, dass er in Eritrea ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden gehabt hat. Ob er bei einer allfälligen Rückkeh r nach Eritrea einer flüchtling s- rechtlich relevanten Gefährdung ausgesetzt sein könnte , kann vorliegend dennoch offen gelassen werden, da er den zusätzlichen Schutz der Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht benötigt, weil es ihm – wie im Nachfolgenden aufzuzeigen sein wird – trotz der zugestandenermassen nicht einfachen Bedingungen für eritreische Flüchtlinge im Sudan zuz u- muten ist, dort zu verbleiben. 6.2 Der Beschwerdeführer befindet sich eigenen Angabe n zufolge seit (…) 2003 im Sudan. Aufgrund des – zwar lediglich in qualitativ schlechter Kopie vorliegenden – Flüchtlingsausweises und des Schrei bens des UNHCR vom (…) 2003 betreffend das Legal Screening des Beschwerde- führers ist davon auszugehen, dass er durch das UNHCR im Sudan als Flüchtling registriert worden ist. Folglich verfügt er über die erforderliche temporäre Bewilligung, um sich im Sudan aufhalten zu können, und ge- niesst weitgehend Schutz vor einer Abschiebung nach Eritrea. Ob schon unlängst von vorkommenden Deportationen von Eritreern in den Heima t- staat berichtet wurde (vgl. Urteil des Bundesverwaltu ngsgerichts E-6004/2011 vom 25. April 2012 mit weiteren Hinweisen, sowie UNHCR , "UNHCR deeply concerned by deportation of Eritreans from Sudan", vom 26. Juli 2011), ist gleichwohl gemäss gesicherten Erkenntnissen das Risi- ko einer Verschleppung für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt sind, gering, da die sudanesischen Behörden zwar tatsächlich teilweise eritreische Asylsuchende sowie Flüchtlinge deportie- ren, diese Rückführungen indessen nicht flächendeckend erfolgen (vgl. statt vieler das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -6054/2011 vom 24. April 2012). Den Akten sind denn auch keine Hinweise zu en t- nehmen, die auf ein besonder es Profil des Beschwerdeführers, nämlich das Profil einer Person, an deren Auslieferung die eritreische Regierung besonders interessiert wäre, schliessen liessen. Sodann ist, wenngleich E-1452/2012 Seite 11 nicht abzusprechen ist, dass die Lebensbedingungen in Khart oum schwierig sind, nicht anzunehmen, dass der Beschwerdefüh rer den L e- bensunterhalt für sich und seine Familie nicht bestreiten könne, denn ei- genen Angaben zufolge lebt er einerseits bereits seit 2003 im Sudan, a n- dererseits besteht für ihn die Möglichkeit, als Taglöhner Geld zu verdie- nen. Auch der geltend gemachte Umstand, er habe in der Arbeitswelt Be- nachteiligungen erfahre n, vermag keine Asylrelevanz zu entfalten. Schliesslich ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer über keine in der Schweiz lebenden Angehörigen verfügt. Demnach sind die Vorau s- setzungen für einen Familiennachzug aufgrund fehlender in der Schweiz lebender Familienangehörigen nicht erfüllt, weshalb Art. 51 AsylG vorlie - gend nicht zur Anwendung kommt. 6.3 Aufgrund dieser Argumentation erscheint es für den Beschwerdefüh - rer objektiv nicht unzumutbar, den im Sudan gegenüber einer allfälligen Verfolgungsgefahr in seinem Heimatstaat bestehenden Schutz weiterhin in Anspruch zu nehmen. Eine S chutzgewährung durch die Schweiz er - scheint somit unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände, wel - che mit dem Aufenthalt des Beschwerdeführers im Sudan und seinem dortigen Status als vom UNHCR registrierten Flüchtling verbunden sind, nicht erforderlich. Zusammenfassend ergibt sich, dass das BFM zu Recht und mit weitgehend zutreffender Begründung feststellte, eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG führe zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer ein Verbleib im Sudan zuzumuten ist. Unter diesen Umständen hat das Bundesamt zu Recht die Erteilung der Einreisebewilligung verweigert und das Asylgesuch abgelehnt. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sa chverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungs- ökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist indes sen auf di e Erhebung der Verfah renskosten zu verzichten. E-1452/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird festgestellt, dass die Ehefrau sowie die Kinder des Beschwerde- führers kein Asylverfahren in der Schweiz hatten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die schweize- rische Vertretung in Khartoum. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand: