Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. Februar 2015 (720 14 6 / 36) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die Abwägung aller im vorliegenden Fall entscheidenden objektiven und subjektiven Ge- sichtspunkte zeigt, dass es der versicherten Person aufgrund ihrer körperlichen, berufli- chen und sprachlichen Voraussetzungen nicht mehr zugemutet werden kann, die beste- hende Restarbeitsfähigkeit in einer den gesundheitlichen Störungen angepassten Tätig- keit auf dem ausgeglichenen allgemeinen Arbeitsmarkt wirtschaftlich zu verwerten, wes- halb Anspruch auf eine ganze IV-Rente besteht Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____, Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Andreas Noll , Adv o- kat, Falknerstrasse 3, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1960 geborene A.____ arbeitete zuletzt vom 2 5. Juni 2001 bis 31. Januar 2002 als Gipser. Mit Gesuch vom 11. Juli 2003 meldete er sic h bei der Eidgenössischen Invalidenversi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherung (IV) unter Hinweis auf rezidivierende bronchopu lmonale Infekte zum Leistungsbezug an und beantragte eine Berufsberatung sowie die Umschu lung auf eine neue Tätigkeit. Nach Durchführung beruflicher Massnahmen und nach Abklärung d er erwerblichen und gesundheitli- chen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 12. September 2005 bei einem IV- Grad von 10 % den Rentenanspruch ab. Mit Schreiben v om 20. September 2005 ersuchte der Versicherte die IV-Stelle um Unterstützung bei der St ellensuche. Entsprechend seinem Gesuch wurden ihm berufliche Massnahmen in Form von Arbeitsvermittlung zugesprochen. Mit Eingabe vom 13. Oktober 2005 erhob A.____, vertreten durch Dr. Andreas Noll, Advokat in Basel, Ein- sprache gegen die Verfügung vom 12. September 2005. Mi t Einspracheentscheid vom 4. Au- gust 2006 wies die IV-Stelle die Einsprache ab. Dagegen erhob A.____, wiederum vertreten durch Dr. Noll, am 5. September 2006 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialve rsicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente. Mit Urteil vom 27. Juni 2007 hiess das Kantonsgericht die Beschwerde in dem Sinne gut, als es d en Einspracheentscheid vom 4. Au- gust 2006 aufhob und die Sache zur erneuten Abklärung an die IV-Stelle zurückwies. Dabei stellte das Kantonsgericht unter anderem fest, dass der Gesundheitszustand und die Frage, in welchem Ausmass der Versicherte aufgrund seiner gesundheit lichen Beeinträchtigungen in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei, gestützt auf die vorhandene Aktenlage nicht entschie- den werden könne. Zudem müsse die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit abgeklärt werden. Auf eine von der IV-Stelle beim Schweizerischen Bundesgericht erhobene Beschwerde trat die- ses mit Urteil vom 19. Februar 2008 nicht ein. In der Folge tätigte die IV-Stelle weitere medizini- sche Abklärungen. Mit Eingabe vom 21. Juli 2011 erhob A.____, wiederu m vertreten durch Dr. Noll, Rechtsverzö- gerungsbeschwerde beim Kantonsgericht und beantragte, e s sei ihm rückwirkend ab Juli 2003 eine ganze IV-Rente auszurichten, zuzüglich Zins von 5 % mit Wirkung ab Fälligkeit der jeweili- gen Renten. Eventualiter sei durch das Gericht selbst ein neues polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben; alles unter o/e-Kostenfolge. Mit V erfügung vom 19. Dezember 2011 sprach die IV-Stelle dem Versicherten für die Zeitspanne vom 1. April 2009 bis 30. Juli 2010 eine be- fristete Viertelsrente zu. Dagegen erhob A.____, wiederum vertreten durch Dr. Noll, mit Eingabe vom 20. Januar 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht. Da rin beantragte er erneut, es sei ihm rückwirkend ab Juli 2003 eine ganze IV-Rente zu entrichte n, zuzüglich Zins von 5 % mit Wir- kung ab Fälligkeit der jeweiligen Renten. Eventualite r sei ein gerichtliches polydisziplinäres Gutachten einzuholen und in dessen sachgerechten Würdigu ng über die Rentenleistungen zu entscheiden; alles unter o/e-Kostenfolge. Mit Urteil vo m 28. Juni 2012 schrieb das Kantonsge- richt das Verfahren betreffend Rechtsverzögerungsbeschwer de als gegenstandslos ab. In teil- weiser Gutheissung der Beschwerde vom 20. Januar 2012 hob es die angefochtene Verfügung auf und stellte fest, dass der Versicherte ab dem 1. November 2009 Anspruch auf eine Viertels- rente habe zuzüglich Zins von 5 % ab 1. Dezember 2011 auf den ausstehenden monatlichen Rentenleistungen. Die dagegen vom Versicherten beim Bun desgericht geführte Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten hiess das Bundesg ericht teilweise gut. Es hob den Ent- scheid des Kantonsgerichts vom 28. Juni 2012 und die Verf ügung der IV-Stelle vom 19. De- zember 2011 auf und wies die Sache an die IV-Stelle zu rück, damit sie nach Abklärungen im Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sinne der Erwägungen über den Anspruch des Versicherten auf eine IV-Rente neu verfüge. Im Übrigen wies es die Beschwerde ab (Urteil des Bundesgeri chts vom 20. März 2013, 9C_941/2012). Nach weiteren Abklärungen im Zusammenhan g mit der erwerblichen Verwert- barkeit der Restarbeitsfähigkeit und nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügungen vom 31. Mai 2013 und vom 15. November 2013 ab dem 1. November 2009 eine Viertelsrente zu. B. Dagegen erhob A.____, erneut vertreten durch Dr. N oll, mit Eingabe vom 3. Januar 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht und beantragte, es se i die Verfügung vom 15. November 2013 aufzuheben und es sei ihm in Abänd erung der Verfügung vom 31. Mai 2013 rückwirkend ab Juli 2003 eine ganze IV-Rente auszuri chten, zuzüglich Zins zu 5 % mit Wirkung ab Fälligkeit der jeweiligen Renten; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels und die Durchführung einer mündlichen Parteiverhandlung. Der Beschwerdefüh rer vertritt die Auffassung, dass die Abklärungen der Beschwerdegegnerin betreffend Verwert barkeit der Restarbeitsfähigkeit dem Anspruch auf rechtliches Gehör nicht genügen würden. Da lediglich eine Aktennotiz, ansonsten aber keinerlei schriftliche Unterlagen bestehen würden, mit denen man die Richtigkeit und Qua- lität der Ergebnisse der Abklärungen überprüfen könnte, seien diese bei der beweisrechtlichen Würdigung als blosse Parteibehauptungen zu werten. Som it könne die Beschwerdegegnerin daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Trotz der grunds ätzlichen Einwände gegen die be- weisrechtliche Verwertbarkeit der Abklärungsergebnisse d er Beschwerdegegnerin und der Ak- tennotiz vom 16. August 2013 würden die Zweifel an der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit selbst durch die von der Beschwerdegegnerin getätigten Abklärungen bestätigt. Es spiele keine Rolle, welche Gründe die Arbeitgeber von einer Anstell ung abhalten würden, da letztlich die gesundheitlichen Probleme ausschlaggebend gewesen seien, um die Arbeitgeber zu einem negativen Bescheid zu veranlassen. Auch der Umstand, dass keiner der angefragten Arbeitge- ber bereit gewesen sei, schriftliche Angaben zu machen aufgrund der Befürchtung, man könnte ihnen vorwerfen, keine behinderten Menschen einstellen zu wollen, zeige ganz klar, dass die Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwertbar sei. C. Mit Vernehmlassung vom 14. März 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. Im Rahmen der Abklärungen seien zehn Betriebe angefragt worden, ob unter den gegebenen Umständen eine konkrete Tätigke it für das Leistungsprofil des Be- schwerdeführers existiere, welche das sei und ob grundsät zlich eine Anstellung in Frage käme, wenn so eine Stelle zu besetzen wäre. Die Befragung d er Betriebe habe ergeben, dass in je- dem Fall Stellen existieren würden, die mit den besteh enden Beeinträchtigungen vereinbar wä- ren. Wenn es allerdings darum gegangen sei, ob ein l ängerfristiges Arbeitsverhältnis mit dem Beschwerdeführer eingegangen würde, sei jedes Mal ein gewendet worden, dass die aufgrund der zu erwartenden krankheitsbedingten Ausfälle drohen de Prämienerhöhung für die Kranken- taggeldversicherung dagegen spreche. Von 80 % der ange fragten Betriebe sei als weiterer Grund, der gegen eine Einstellung spreche, die Gefähr dung der Kontinuität der Arbeit genannt worden. Diese beiden Gründe würden aber nicht dazu f ühren, dass das Finden einer – bei sämtlichen angefragten Betrieben vorhandenen und geeig neten Arbeitsmöglichkeiten – nur un- ter nicht realistischem Entgegenkommen des Arbeitsgebers möglich wäre. Das Abschliessen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Krankentaggeldversicherung sei nicht obligatorisch. Stattdessen könnte arbeitsvertraglich vereinbart werden, dass ein im Umfang der zu erwartend en Arbeitsausfälle verminderter Lohn vereinbart würde. Was die Kontinuität der Arbeit betr effe, sei zu beachten, dass diese nicht bei allen Betrieben sichergestellt sein müsse. Sonstige Grü nde, die gegen die Verwertbarkeit spre- chen würden, seien keine vorhanden. D. Mit Eingabe vom 23. September 2014 reichte der B eschwerdeführer Berichte von Prof. Dr. med. B.____, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychoth erapie FHM, vom 15. September 2014 und von Dr. med. C.____, Spezialarzt für Innere Medizin spez. Lungenkrankheiten FMH, vom 16. September 2014 zu den Akten. E. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 25. September 2 014, an welcher der Teamleiter Arbeitsvermittlung der Beschwerdegegnerin als Auskunfts person befragt wurde, stellte das Kantonsgericht den Fall aus und unterbreitete den Parteien einen Vergleich. Die Parteien erhiel- ten in Folge Frist zur Erklärung der Annahme des Vergle ichs. Mit Eingabe vom 1. Dezember 2014 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er den Vergleichsvorschlag ablehne. Zudem liess er dem Gericht Unterlagen in Zusammenhang mit von ihm i n der Zwischenzeit gemachten Bewer- bungen bei verschiedenen Arbeitgebern zukommen. F. Mit Stellungnahme vom 15. Januar 2015 liess sich die Beschwerdegegnerin verneh- men und hielt an der Abweisung der Beschwerde fest. Di e vom Beschwerdeführer getroffenen Abklärungen würden keinen Erkenntniswert bringen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Da die Beschwerde beim örtlich und sachlich zuständige n Gericht form- und fristge- recht eingereicht worden ist, ist darauf einzutreten. 2.1 Vorweg ist die Rüge des Beschwerdeführers zu prüfen , es sei zu einer Verletzung sei- nes Gehörsanspruchs gekommen, da – ausser der Aktennotiz de s Teamleiters Arbeitsvermitt- lung – keine schriftlichen Unterlagen zu den bei den A rbeitgebern eingeholten Auskünften vor- handen seien. 2.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwei zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch au f rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vo r Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche B eweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen g ehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zuminde st zum Beweisergebnis zu äus- sern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 127 I 56 E. 2b, 127 III 578 E. 2c, 126 V 130 E. 2a). Nach der Rechtsprechung kann ein e nicht besonders schwerwiegende Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als gehe ilt gelten, wenn die betroffene Per- son die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinsta nz zu äussern, die sowohl den Sach- verhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Ge- hörs von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abz usehen, wenn sie zu einem pro- zessualen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der An- hörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Par tei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 133 I 201 E. 2.2, 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis). 2.3 Ob das Vorgehen der Beschwerdegegnerin überhaupt eine Gehörsverletzung des Be- schwerdeführers verursacht hat, ist fraglich und kann vorli egend offengelassen werden. Denn selbst wenn es zu einer Gehörsverletzung gekommen wäre, würden ihm daraus keine Rechts- nachteile erwachsen. Der Teamleiter Arbeitsvermittlung wurde anlässlich der Parteiverhandlung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 der Konvention zum Schutze d er Menschenrechte und Grundfreihei- ten (für die Schweiz in Kraft getreten am 28. Novembe r 1974; EMRK) als Auskunftsperson ver- nommen. Anlässlich dieser Parteiverhandlung konnte sich der Beschwerdeführer mündlich zur Sache äussern, sämtliche Einwände vorbringen und den T eamleiter Arbeitsvermittlung persön- lich befragen. In Anbetracht des Umstands sodann, dass das Kantonsgericht den Sachverhalt und die Rechtslage frei überprüfen kann, würde sich eine Heilung des Verfahrensmangels rechtfertigen lassen. Eine Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin würde zudem – wie auch beide Parteien vorbringen – zu einer sinn- und zwecklosen Verfahrensverzögerung verbunden mit unnötigen Kosten führen, weshalb von ein er Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung aus formellen Gründen wegen einer allfälligen Verletzung von Verfahrensrechten abge- sehen wird. 3. Streitig und zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdefü hrer ab dem 1. Juli 2003 Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat. Prozessthema bildet dabei lediglich die Frage, ob der Beschwerdefüh- rer die ihm verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem aus geglichenen Arbeitsmarkt verwerten kann (vgl. Art. 7 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 16 ATSG). 4.1 Am 1. Januar 2008 sind die vom Gesetzgeber am 6. Okt ober 2006 beschlossenen Än- derungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 und die vom Bundesrat am 28. September 2007 verordneten Anpassun gen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 (5. IV-Re vision) in Kraft getreten. Was die Anwendbarkeit dieser neuen materiell-rechtlichen Besti mmungen betrifft, ist in zeitlicher Hin- sicht – von hier nicht interessierenden Ausnahmen abgeseh en – der übergangsrechtliche Grundsatz massgebend, wonach im Falle einer Änderung de r gesetzlichen Grundlagen die Ordnung anwendbar ist, die zur Zeit galt, als sich der zu Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (BGE 132 V 220 E. 3.1.1, 131 V 11 E. 1). Liegt eine Dauerleistung der IV – wie etwa der Anspruch auf eine IV-Rente – im Streit, de ren Beginn noch in den Geltungszeitraum des alten Rechts (vor Ende 2007) fällt, und erging die Verfügung der IV-Stelle nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision, sind demnach der Beurteilung des str ittigen Leistungsbegehrens bis 31. Dezember 2007 das alte Recht und ab 1. Januar 20 08 die im Rahmen der 5. IV-Revision erfolgten Änderungen des IVG und der IVV zu Grunde zu legen (vgl. BGE 130 V 329 ff. und Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 446 f. E. 1.2.1 f.). Vorliegend liegt eine Dauerlei stung im Streit, deren Beginn in den Geltungs- raum des alten Rechts fallen könnte. Deshalb sind der Beurteilung des Leistungsbegehrens des Beschwerdeführers für den Zeitraum bis 31. Dezember 20 07 die bis dahin geltenden Bestim- mungen des IVG und der IVV zu Grunde zu legen. Für den Zeitraum ab 1. Januar 2008 ist der Anspruch hingegen anhand der im Rahmen der 5. IV-Revi sion erfolgten Änderungen des IVG und der IVV zu beurteilen. 4.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 20 07 gültig gewesenen Fassung) bzw. nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 20 08 anwendbaren Fassung) hat die versi- cherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreivier- telsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Re nte, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% i nvalid ist. Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit sschaden als Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 des Bun- desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicher ungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 des Bun- desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicher ungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000 anwendbar (Art. 28 Abs. 2 IVG [in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung] bzw. Art. 28a Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwendbaren Fassung]). 5.1 Gemäss ständiger Praxis des Bundesgerichts zur Verwertbar keit der Restarbeitsfähig- keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ist davon auszug ehen, dass dieser durch ein gewis- ses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbei tskräften gekennzeichnet ist und einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten aufweist. D ies gilt sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzung en wie auch hinsichtlich des körperli- chen Einsatzes. Dabei darf nicht von realitätsfremden Ein satzmöglichkeiten ausgegangen wer- den. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten un d Verdienstaussichten sind jedoch keine übermässigen Anforderungen zu stellen. Je restrikti ver indessen das medizinische Anfor- derungsprofil umschrieben ist, desto eingehender ist in der Regel die Verwertbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt abzuklären und nachzuweisen. De r ausgeglichene Arbeitsmarkt um- fasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- u nd Arbeitsangebote, bei denen Be- hinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann jedoch dann nicht me hr gesprochen werden, wenn die zu- mutbare Tätigkeit nurmehr in so eingeschränkter Form mög lich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nic ht realistischem Entgegenkommen ei- nes durchschnittlichen Arbeitsgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint. Für die Invaliditätsbemessung ist somit grundsätzlich nicht darauf abzustellen, ob eine invalide P erson unter den konkreten Arbeits- marktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die v erfügbaren Arbeitsplätze dem Ange- bot an Arbeitskräften entsprechen würden. Massgebend ist der Arbeitsmarkt von seiner Struktur her, jedoch abstrahiert von den konjunkturellen Verhäl tnissen (Urteil des Bundesgerichts vom 20. März 2013, 9C_941/2012, E. 4.1.1 mit weiteren Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Gleichwohl können für die Frage der Verwertbarke it der verbliebenen Restarbeitsfähig- keit auf dem aus medizinisch-theoretischer Sicht grundsätzli ch in Betracht fallenden ausgegli- chenen Arbeitsmarkt unter Umständen auch erfolglose Bemüh ungen um eine Anstellung trotz fachlicher Unterstützung insbesondere durch die Invalide nversicherung im Rahmen von Ar- beitsvermittlung von Bedeutung sein. Voraussetzung ist , dass die versicherte Person ihren Mit- wirkungspflichten bei der beruflichen Integration vollu mfänglich nachgekommen ist und auch deutlich wird, dass der fehlende Eingliederungserfolg nicht der konjunkturellen, sondern der strukturellen Verfassung des Arbeitsmarktes geschuldet ist. Von Relevanz sind auch die Dauer und die Intensität der Bemühungen, ob lediglich lokal oder regional oder sogar in einem grösse- ren Gebiet gesucht wurde, ob die nachgefragten Stelle n dem medizinischen Anforderungsprofil und den Ergebnissen der beruflichen Abklärung effektiv entsprachen und verschiedenste in Betracht fallende Tätigkeiten umfassten sowie Gründe, weshalb es zu keiner Anstellung kam (Urteil des Bundesgerichts vom 20. März 2013, 9C_941/2012, E. 4.1.2). 5.3 Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwe rten oder nicht (BGE 110 V 276 E. 4b; AHI 1998 S. 291 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der ihr auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen ste henden Möglichkeiten zur Verwertung seiner Resterwerbsfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren ver langt werden, die unter Berücksichti- gung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenhei ten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG; Urteil des EVG vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinwei- sen). Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Reste rwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine g anze Invalidenrente begründet (Urteil der EVG vom 21. August 2006, I 831/05, E. 4.1.1 mit Hinweisen). 6.1 Das Bundesgericht wies in seinem Entscheid vom 20. Mä rz 2013 die Rüge des Be- schwerdeführers, den Gutachten des Begutachtungsinstituts D.____ komme kein Beweiswert zu, ab. Damit schützte es die Sachverhaltsermittlung des K antonsgerichts in medizinischer Hin- sicht, wie sie im Urteil vom 28. Juni 2012 vorgenommen wurde. Zur Beurteilung der zumutbaren Restarbeitsfähigkeit und ihrer Verwertbarkeit ist desha lb auf die Gutachten vom 25. Februar 2008 und vom 20. Juni 2011 sowie auf die Erwägungen d es Kantonsgerichts im Urteil vom 28. Juni 2012 abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20 . März 2013, 9C_941/2012, E. 3). Mit polydisziplinärem Gutachten (Innere Medizin, Pneumologie und Psychiatrie) vom 25. Febru- ar 2008 hält das Begutachtungsinstitut D.____ als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits- fähigkeit Bronchiektasen, vorwiegend im dorsalen Ober lappensegment links (ICD-10 J47) bei Status nach Lobektomie des linken Unterlappens und Wedg e-Resektion der Lingula 05/1992 bei zystischen Bronchiektasen, rezidivierende bronchopulmon ale Infekte mit intermittierender Hämoptoe, aktuell leichte restriktive Ventilationsstörun g, keine Obstruktion, ergospirometrisch: formal leicht eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Nachweis von masshaft Pseudomonas aerugi- nosa und Hypoplasie des linken Hauptbronchus (Bronchoskopie vom 23. April 2003) fest. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bleibe eine mittel gradige depressive Episode (ICD-10 F32.1). Für körperlich schwere sowie anhaltend mittelschwere Täti gkeiten bestehe bleibend eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit. Nicht möglich seien Tät igkeiten mit Exposition zu Reizstoffen, zu Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht extremer Kälte und Nässe, mit häufigem Wechsel des Klim as, mit Exposition zu Staub und Dreck. Ungeeignet seien Tätigkeiten in lebensmittelverarb eitenden Betrieben infolge der Hus- tensymptomatik und der Besiedelung mit Pseudomonas aeru ginosa. Ungünstig seien ebenfalls Tätigkeiten mit direktem Kundenkontakt. Möglich seien T ätigkeiten, die diesen Einschränkun- gen Rechnung tragen würden und körperlich leicht bis intermittierend mittelschwer seien. Für solchermassen angepasste Tätigkeiten sei eine 90 %-ige Prä senzzeit mit dabei voller Leis- tungsfähigkeit zumutbar. Die 10 %-ige Einschränkung erg ebe sich daraus, dass der Explorand sekretmobilisierende Massnahmen regelmässig und selbständig durchführen sollte. Bei der aktuellen Häufigkeit der Infektexazerbationen sei zudem fünf- bis sechsmal pro Jahr während drei bis fünf Tagen mit einer vollen Arbeitsunfähigkeit zu rechnen. Anlässlich der Begutachtung durch das Begutachtungsinstit ut D.____ im Jahr 2011 diagnosti- zieren die Fachärzte (Gutachten vom 20. Juni 2011) – be i ansonsten gleichbleibenden somati- schen Diagnosen – mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig keit neu eine rezidivierende depressi- ve Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11), auf dem Boden einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2), pha- senweise leichteren Ausmasses (F43.23). In der Gesamtbeur teilung halten die Fachärzte fest, dass es aus pneumologischer Sicht zu einer geringen Versc hlechterung der Situation gekom- men sei, die sich aber nicht gravierend auf die somatisc h begründbare Arbeitsunfähigkeit aus- wirke. Eine Verschlechterung sei jedoch aus psychiatrischer Sicht eingetreten. So werde aktuell von einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatisc hem Syndrom ausgegangen. Für körperlich schwere Tätigkeiten wie die früher ausgeübte Tätigkeit als Gipser/Bauarbeiter beste- he weiterhin eine volle Arbeitsunfähigkeit. Für eine körperlich leichte, vorwiegend sitzende Tä- tigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von neu 70 %. Die Reduktion ergebe sich vor allem aus psychiatrischer Sicht und lasse genügend Zeit für die aus p neumologischer Sicht indizierte re- gelmässige Inhalationstherapie und die sekretmobilisiere nden Massnahmen. Aus pneumologi- scher Sicht müsse es sich um eine vorwiegend sitzende Tätig keit handeln, ohne direkten Kun- denkontakt (in Anbetracht der mit den Bronchiektasen einh ergehenden Hustensymptomatik), keine Tätigkeiten in einem lebensmittelverarbeitenden Betrieb oder Betrieb mit entsprechenden Hygienerichtlinien (eine Ansteckungsgefahr bestehe aller dings nicht), keine Arbeit in Konditio- nen, die zu einer Atemswegreizung führen könnten wie Staub, Reizgase, Feuchtigkeit oder ext- reme Kälte. Zu denken sei dabei an einfache Montagea rbeiten. Im Moment komme es pro Jahr zum Auftreten von etwa sechs Episoden mit Infektexazerba tionen. Während dieser Zeit sei von einer drei- bis fünftägigen vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. 6.2 Der Beschwerdeführer reichte im vorliegenden Verfa hren Berichte des behandelnden Pneumologen und des behandelnden Psychiaters ein. Gestützt auf diese Berichte sind weder eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands noch eine höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, die in der Zwischenzeit eingetr eten wären, ausgewiesen. Zudem bringen die beiden Ärzte keine Aspekte vor, die noch nicht Eingang in die Würdigung des medizinischen Sachverhalts durch die Gutachter des Begutachtungsinstitut s D.____ gefunden hätten. Die Be- richte von Dr. C.____ vom 16. September 2014 und von P rof. Dr. B.____ vom 15. September 2014 sind deshalb für die vorliegende Entscheidung nicht ausschlaggebend. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Im Rückweisungsentscheid vom 20. März 2013 (E. 4.3.2) hat das Bundesgericht mo- niert, dass die Beschwerdegegnerin keine Abklärungen zu r erwerblichen Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit getroffen und auch das Kantonsgericht hier nicht insistiert habe, obwohl Anlass zu weiteren Abklärungen – insbesondere aufgrund der I nfektanfällen mit mehrtätiger Arbeitsun- fähigkeit und des psychischen Leidens – Anlass bestanden hä tte. Im Nachgang dazu hat die Beschwerdegegnerin diesbezüglich Abklärungen getätigt. D abei hat sich der Teamleiter der Abteilung Arbeitsvermittlung der Beschwerdegegnerin be i zehn möglichen Arbeitgebern erkun- digt, ob in ihrem Betrieb Arbeitsstellen für den Besch werdeführer existieren und falls ja, ob die Arbeitgeber den Beschwerdeführer einstellen würden. Der Teamleiter Arbeitsvermittlung ist eine Fachperson, die über besondere Kenntnisse des Arbeitsmark tes in der Region verfügt. Es ist deshalb davon auszugehen, dass er die Arbeitgeber mit Bedacht ausgewählt hat. Das Profil des Beschwerdeführers hat er ebenfalls berücksichtigt. Wie er in der Aktennotiz vom 16. August 2013 festgehalten und anlässlich seiner Befragung best ätigt hat, hat er keinen einzigen Arbeit- geber gefunden, der den Beschwerdeführer einstellen würde. 7.2 Der Beschwerdeführer hat keinen Beruf erlernt. S eine angestammte Tätigkeit im Bau- gewerbe, die er während ca. zehn Jahren ausübte, kann er aufgrund seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen heute nicht mehr verrichten; die Ar beitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit beträgt 100 %. Nach der Lungenoperation üb te er diverse kürzere Beschäftigungen aus, unter anderem als Portier und in einer Liegenschaf tsverwaltung. Aufgrund der Lungen- krankheit sind ihm nur noch körperlich leichte, vorwiegen d sitzende Tätigkeiten ohne direkten Kundenkontakt, ohne Tätigkeiten in einem lebensmitte lverarbeitenden Betrieb oder Betrieb mit entsprechenden Hygienerichtlinien, ohne Arbeiten in Konditionen, die zu einer Atemswegrei- zung führen könnten wie Staub, Reizgase, Feuchtigkeit ode r extreme Kälte zumutbar. Eine Bü- rotätigkeit, welche diesem medizinischen Anforderungspro fil am besten entsprechen würde, kommt wegen der persönlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers (schulische und berufliche Ausbildung, bisherige berufliche Tätigkeit, mangelnde Sprachkenntnisse) nicht in Betracht. Die berufliche Abklärung im Jahr 2004 ergab, dass deutliche schulische Defizite und eine schwache und langsame Auffassungsgabe bestehen. Montage- und Ve rpackungsarbeiten sind regelmäs- sig mit grösserer körperlicher Anstrengung verbunden als e ine reine Schreibtischtätigkeit. Auch Kontrollarbeiten im Montagebereich können körperliche A nforderungen stellen, unter anderem wenn ein Eingreifen des Kontrolleurs erforderlich ist. Es kommt hinzu, dass Montage- und Ver- packungsarbeiten häufig in Hallen oder Aussenräumen unter klimatischen Bedingungen (Staub, Hitze, Kälte oder Feuchtigkeit) auszuführen sind, die für den Beschwerdeführer ungeeignet sind. Selbst wenn man aber davon ausgehen würde, dass auf d em ausgeglichenen Arbeitsmarkt Stellen angeboten werden, die der eingeschränkten Lei stungsfähigkeit und den persönlichen Verhältnissen des Beschwerdeführers grundsätzlich genügen d Rechnung tragen, wären diese Stellen dem Beschwerdeführer wohl nicht zugänglich. Be i ihm kommt nämlich erschwerend hinzu, dass gemäss den ärztlichen Beurteilungen aufgrund der Lungenkrankheit gehäuft mit jeweils einigen Tage dauernden Perioden von Arbeitsun fähigkeiten zu rechnen ist. Diese Tat- sache ist ein Faktor, der einen Arbeitgeber von einer An stellung abhält und damit für die be- troffene Person das Finden einer Stelle zusätzlich erschwe rt (vgl. dazu auch das kürzlich er- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gangene Urteil des Bundesgerichts vom 18. November 2014, 9C_485/2014). Häufige Arbeits- absenzen verlangen vermehrten organisatorischen Aufwand und bedingen zusätzliche perso- nelle Ressourcen, weil ein Arbeitsplatz in vielen Arbe itsbereichen nicht unbesetzt bleiben kann. Die Anstellung eines krankheitsbedingt häufig ausfallend en Arbeitnehmers hat zudem zur Fol- ge, dass die Taggeldversicherung des Arbeitgebers vermehrt beansprucht wird, was vor allem bei kleineren Unternehmen zu einem spürbaren Anstieg d er Versicherungsprämien führen könnte. Diese beiden Umstände sind denn auch von den vo m Teamleiter Arbeitsvermittlung angefragten Arbeitgebern als Gründe für den abschlägi gen Entscheid genannt worden. An das Entgegenkommen eines Arbeitsgebers oder einer Arbeitgeb erin ergeben sich vorliegend zu- sätzliche Anforderungen, weil der Beschwerdeführer – neb en seinen somatischen Beschwer- den – auch unter erheblichen psychischen Beschwerden leid et. Dieses Leiden erfordert ein nicht ohne Weiteres vorauszusetzendes Verständnis der übri gen Mitarbeitenden und des Ar- beitgebers. Dass das Finden einer Stelle schwierig ist, b estätigen auch die vom Beschwerde- führer mit Eingabe vom 1. Dezember 2014 eingereichten Stellenbewerbungen vom 18. bzw. 21. Oktober 2014, selbst wenn die Aussagekraft dieser Abkläru ng fraglich ist, da unklar ist, aus welchen Gründen die Absagen erfolgt sind. 7.3 Nach Abwägung aller vorliegend entscheidenden objek tiven und subjektiven Gesichts- punkte ist deshalb davon auszugehen, dass es dem Beschwerde führer aufgrund seiner körper- lichen, beruflichen und sprachlichen Voraussetzungen ni cht mehr zugemutet werden kann, die bestehende Restarbeitsfähigkeit in einer den gesundhei tlichen Störungen angepassten Tätig- keit auf dem ausgeglichenen allgemeinen Arbeitsmarkt w irtschaftlich zu verwerten. Die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens des Beschwerdeführe rs schränkt den Kreis mögli- cher Verweisungstätigkeiten vorliegend so stark ein, so dass intakte Anstellungschancen ver- neint werden müssen. Soweit die Beschwerdegegnerin fü r die Verwertbarkeit der Restarbeits- fähigkeit den Vergleich mit der Gruppe der Migräne-Pa tienten anführt, kann sie daraus für den vorliegenden Fall nichts ableiten. Es dürfte sich so ve rhalten, dass viele der Migräne- und auch der Lungenpatienten durch ihre Arbeitsausfälle Kosten verursachen und dennoch effektiv am Erwerbsleben teilnehmen. Bei einer ansonsten aber vol l leistungsfähigen arbeitnehmenden Person ohne weitere Beeinträchtigungen stellen solche Ar beitsausfälle für sich alleine kein un- überwindliches Handicap auf dem Arbeitsmarkt dar. Beim B eschwerdeführer kommen aber noch weitere Faktoren hinzu, die ihm das Finden einer Stelle nur unter nicht realistischem Ent- gegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers ermöglicht. Es liegt deshalb eine vollstän- dige Erwerbsunfähigkeit vor, die den Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet. 8.1 Es stellt sich die Frage nach dem Rentenbeginn. Gemä ss dem hier anwendbaren Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG (in der bis Ende 2007 gült ig gewesenen Fassung) entsteht der Renten- anspruch nach Art. 28 IVG frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen ist. Die einjährige Wartezeit gi lt in dem Zeitpunkt als eröffnet, ab wel- chem eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % vorliegt. Die Arb eitsunfähigkeit gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG entspricht bei Erwerbstätigen der medizinisch festgestellten Einschränkung im bisheri- gen Beruf und die Wartezeit ist erfüllt, wenn die ver sicherte Person in diesem Beruf während eines Jahres im erforderlichen Ausmass arbeitsunfähig w ar (Art. 6 ATSG; BGE 130 V 343 Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3.1.2). Nicht vorausgesetzt ist dagegen, dass währen d dieser Zeit auch bereits die für den Rentenanspruch erforderliche Erwerbsunfähigkeit vorlie gt (Urteil des EVG vom 6. Februar 2004, I 75/03, E. 2.2). Damit eine Rente zugesprochen werden kann, müssen sowohl die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres a ls auch die nach Ablauf der Warte- zeit bestehende Erwerbsunfähigkeit die für die betre ffende Rentenabstufung erforderliche Min- desthöhe erreichen (BGE 121 V 274 E. 6b/cc). 8.2 Beim Beschwerdeführer liegt in Bezug auf die Lung enkrankheit seit Jahren ein chroni- fiziertes Krankheitsgeschehen vor. Dieses hat dazu geführt, dass er seine angestammte schwe- re Tätigkeit als Bauarbeiter und Gipser, bei der er Kälte und Staub ausgesetzt ist, unbestritten nicht mehr ausüben kann. Die Arbeitsunfähigkeit in seinem Beruf hat seit Einreichung des Ren- tengesuches bleibend 100 % betragen (vgl. Bericht des Spitals E.____, Abteilung Pneumonolo- gie, vom 19. Mai 2003, Gutachten des Begutachtungsinstituts D.____ vom 25. Februar 2008, S. 11). Das Wartejahr ist daher erfüllt. Gestützt auf di e medizinische Aktenlage ist weiter davon auszugehen, dass die Restarbeitsfähigkeit in der Zeitspanne zwischen allfälligem Rentenbeginn im Jahr 2003 und Oktober 2009 in einer angepassten Täti gkeit nicht in dem Sinne einge- schränkt war, dass sie vom Beschwerdeführer nicht mehr hätte verwertet werden können. Im November 2009 kam es aufgrund der erneuten Lungenentzü ndung mit Bluterbrechen und der notfallmässigen Hospitalisation zu einer psychischen Zust andsverschlechterung, die seither andauert. Die Arbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit musste aus psychischen Gründen von 10 % auf 30 % erhöht werden. Dieser Umst and engt den Kreis möglicher Verwei- sungstätigkeiten des Beschwerdeführers zusätzlich so entschei dend ein, dass intakte Anstel- lungschancen verneint werden müssen (vgl. Erwägung 7.3 hiervor). Damit liegt ab diesem Zeit- punkt eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit vor , weshalb ab dem 1. November 2009 eine ganze IV-Rente zuzusprechen ist. 9.1 Der Beschwerdeführer beantragt im Weiteren die Be zahlung von Verzugszinsen von 5 % ab Fälligkeit der jeweiligen Renten. 9.2 Gemäss Art. 26 Abs. 2 ATSG werden die Sozialversicheru ngen, sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich nachgekommen ist, für ihre Leistungen nach Ab- lauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung verzugszinspflichtig. 9.3 Der Anspruch der monatlichen ganzen IV-Rente ist a m 1. November 2009 entstanden. In Anwendung von Art. 26 Abs. 2 ATSG hat dies zur Fol ge, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer ab 1. Dezember 2011 Verzugszinsen von 5 % auf den jeweiligen Rentenbe- treffnissen schuldet. 10. Die Beschwerde vom 3. Januar 2014 ist teilweise gutz uheissen. Die angefochtenen Ver- fügungen vom 31. Mai 2013 und vom 15. November 2013 werden aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab dem 1. Novembe r 2009 Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat zuzüglich Zins von 5 % ab dem 1. Dezember 2011 auf den ausstehenden Renten- leistungen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11.1 Abschliessend bleibt über die Kosten im Beschwerdever fahren zu entscheiden. 11.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die Beschwerdegeg- nerin als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfah renskosten zu tragen. In diesem Zusam- menhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vor- behältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VP O – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Pr ozess keine Verfahrenskosten erho- ben werden. Der vom Beschwerdeführer bereits geleistet e Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- ist ihm zurückzuerstatten. 11.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. De r Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers hat in seinen Honorarnoten vom 23. April 2014 und vom 26. Januar 2015 für das vorliegende Verfahren nebst Auslagen von insgesamt Fr. 665.55, welche zu keinen Bean- standungen Anlass geben, einen Zeitaufwand von insgesamt 34.71 Stunden geltend gemacht. Dieser Aufwand erscheint in Anbetracht der sich stellenden Fragen und im Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen als zu hoch. Der geltend gemachte Au fwand muss daher aus Gründen der Rechtsgleichheit angemessen gekürzt werden. Insgesamt rec htfertigt es sich, vorliegend bei der Bemessung des Honorars von einem angemessenen Zeitauf wand von 25 Stunden auszu- gehen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherung sprozessen praxisgemäss zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. Der Beschwerdefüh- rerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 7'468.80 (25 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 665.55 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde vom 3. Januar 2014 werden die Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 31. Mai 20 13 und vom 15. November 2013 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab dem 1. November 2009 Anspruch auf e ine gan- ze IV-Rente hat zuzüglich Zins von 5 % ab 1. Dezember 20 11 auf den ausstehenden monatlichen Rentenleistungen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der vom B eschwerdefüh- rer geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird ihm zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 7‘468.80 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdegegnerin am 8. Juni 2015 Beschwerde (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahrens-Nr. 9C_412/2015 ) beim Bundesgericht erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht