<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">259</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <span class="ft3"><b>42</b></span> <span class="ft3"><b>Beginn der Sperrfrist bei vorzeitiger Kündigung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Die Sperrfrist nach Art. 336 Abs. 1 lit. b OR beginnt mit Eintritt der Ar-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>beitsunfähigkeit zu laufen, unabhängig davon, ob die (vom Kündigungs-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>termin zurückzurechnende) Kündigungsfrist zu diesem Zeitpunkt bereits</b></span><br/> <span class="ft3"><b>läuft oder nicht. Bei vorzeitiger Kündigung kann die Sperrfrist somit</b></span><br/> <span class="ft3"><b>konsumiert werden, bevor die Kündigungsfrist überhaupt zu laufen be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ginnt. Das gilt jedenfalls insoweit, als Art. 336c Abs. 1 lit. b und Abs. 2 OR</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(gestützt auf § 7 GAL) als kantonales öffentliches (Personal-)Recht (für</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Lehrpersonen) anwendbar sind. In diesem Anwendungsbereich erhei-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schen Gründe des Arbeitnehmerschutzes keine Verlängerung der Kündi-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gungsfrist infolge Arbeitsunfähigkeit.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 22. April</span><br/> <span class="ft4">2015 in Sachen A. gegen Gemeindeverband B. (WKL.2015.9).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">260</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Klägerin wurde per 1. Februar 2011 als Lehrperson beim</span><br/> <span class="ft1">Beklagten unbefristet angestellt. Am 28. Oktober 2013 kündigte die</span><br/> <span class="ft1">Kreisschulpflege das Arbeitsverhältnis mit der Klägerin im Rahmen</span><br/> <span class="ft1">der Umstellung von 5/4 (5 Jahre Primarstufe, 4 Jahre Oberstufe) auf</span><br/> <span class="ft1">6/3 aus organisatorischen Gründen per 31. Juli 2014.</span><br/> <span class="ft1">Die Klägerin war, wie aus den eingereichten Arztzeugnissen er-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich, vom 28. November 2013 - 20. Dezember 2013, vom</span><br/> <span class="ft1">6. Januar 2014 - 20. Januar 2014 sowie vom 8. Februar 2014 -</span><br/> <span class="ft1">5. Juli 2014 vollumfänglich (100% arbeitsunfähig) sowie vom 5. Juli</span><br/> <span class="ft1">2014 - 18. Juli 2014 teilweise krankgeschrieben (60% arbeitsun-</span><br/> <span class="ft1">fähig). Seit dem 19. Juli 2014 ist die Klägerin wieder voll arbeitsfä-</span><br/> <span class="ft1">hig.</span><br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage,</span><br/> <span class="ft1">wie lange die Lohnzahlungspflicht des Beklagten dauerte. Dies hängt</span><br/> <span class="ft1">letztlich davon ab, ob das Anstellungsverhältnis der Klägerin per</span><br/> <span class="ft1">31. Juli 2014 endete oder ob sich ihre Anstellung infolge Krankheit</span><br/> <span class="ft1">bis zum nächstmöglichen Kündigungstermin verlängerte. Die Recht-</span><br/> <span class="ft1">mässigkeit der am 28. Oktober 2013 erfolgten Kündigung wird von</span><br/> <span class="ft1">der Klägerin nicht in Frage gestellt.</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beurteilung, wann das Anstellungsverhältnis der Klägerin</span><br/> <span class="ft1">endete, richtet sich nach § 7 GAL in Verbindung mit Art. 336c OR.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss dieser Bestimmung darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhält-</span><br/> <span class="ft1">nis im ersten Dienstjahr während 30 Tagen, ab zweitem bis und mit</span><br/> <span class="ft1">fünftem Dienstjahr während 90 Tagen und ab sechstem Dienstjahr</span><br/> <span class="ft1">während 180 Tagen nicht kündigen, sofern die Arbeitnehmerin ohne</span><br/> <span class="ft1">eigenes Verschulden durch Krankheit ganz oder teilweise an der Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsleistung verhindert ist (Art. 336c Abs. 1 lit. b OR). Eine wäh-</span><br/> <span class="ft1">rend einer solchen Sperrfrist erklärte Kündigung ist nichtig; ist die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">261</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kündigung dagegen vor Beginn einer solchen Frist erfolgt, aber die</span><br/> <span class="ft1">Kündigungsfrist bis dahin noch nicht abgelaufen, so wird deren Ab-</span><br/> <span class="ft1">lauf unterbrochen und erst nach Beendigung der Sperrfrist fortgesetzt</span><br/> <span class="ft1">(Art. 336c Abs. 2 OR).</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Sperrfrist für die Klägerin, welche seit dem 1. Februar 2011</span><br/> <span class="ft1">als Lehrperson bei der Beklagten tätig war, betrug gemäss Art. 336c</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 lit. b OR 90 Tage.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">In concreto betrug die Kündigungsfrist gemäss Vertrag und Ge-</span><br/> <span class="ft1">setz drei Monate. Gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtspre-</span><br/> <span class="ft1">chung beginnt die Kündigungsfrist nicht mit dem Zugang der Kündi-</span><br/> <span class="ft1">gung zu laufen, sondern ist durch Rückrechnung vom Endtermin aus</span><br/> <span class="ft1">zu bestimmen (BGE 134 III 354, Erw. 2 f. mit Hinweisen). Der Be-</span><br/> <span class="ft1">klagte kündigte der Klägerin mit Schreiben vom 28. Oktober 2013</span><br/> <span class="ft1">auf den 31. Juli 2014. Somit begann die dreimonatige Kündigungs-</span><br/> <span class="ft1">frist am 1. Mai 2014 zu laufen.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, sie sei in der mass-</span><br/> <span class="ft1">gebenden dreimonatigen Kündigungsfrist vom 1. Mai bis zum</span><br/> <span class="ft1">31. Juli 2014 krank gewesen, und zwar vom Beginn weg bis und mit</span><br/> <span class="ft1">dem 19. (recte: 18.) Juli 2014. Die Kündigungsfrist sei dementspre-</span><br/> <span class="ft1">chend unterbrochen worden bzw. habe erst am 19. Juli 2014 zu lau-</span><br/> <span class="ft1">fen begonnen und Anfang Oktober 2014 geendet. Da gemäss Anstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsvertrag vom 21. Mai 2013 und gemäss § 10 Abs. 4 GAL eine</span><br/> <span class="ft1">Kündigung ab dem 2. Anstellungsjahr nur auf das Ende eines Schul-</span><br/> <span class="ft1">halbjahrs möglich sei, sei gestützt auf Art. 336c Abs. 3 OR die Kün-</span><br/> <span class="ft1">digung erst per 31. Januar 2015 wirksam geworden. Damit habe auch</span><br/> <span class="ft1">die Lohnfortzahlung bis zu diesem Zeitpunkt zu erfolgen. Die Krank-</span><br/> <span class="ft1">heitstage vor Beginn der Kündigungsfrist würden "keine Rechtswir-</span><br/> <span class="ft1">kung" entfalten.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beklagte argumentiert demgegenüber, dass das Anstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsverhältnis zwischen der Klägerin und ihm per 31. Juli 2014 be-</span><br/> <span class="ft1">endet worden sei. Die durch die Krankheit der Klägerin ausgelöste</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">262</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Sperrfrist von 90 Tagen habe spätestens am 28. November 2013 zu</span><br/> <span class="ft1">laufen begonnen und damit spätestens am 25. Februar 2014 geendet.</span><br/> <span class="ft1">Folglich sei zu Beginn der Kündigungsfrist, laufend ab 30. April</span><br/> <span class="ft1">2014, die Sperrfrist bereits abgelaufen gewesen und habe keine Aus-</span><br/> <span class="ft1">wirkungen mehr zeitigen können. Ein Aufschub des Kündigungster-</span><br/> <span class="ft1">mins sei nur möglich, wenn im Zeitpunkt der Kündigungsfrist über-</span><br/> <span class="ft1">haupt noch eine Sperrfrist laufe, was im vorliegenden Fall nicht zu-</span><br/> <span class="ft1">treffe.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mung. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Interpretati-</span><br/> <span class="ft1">onen möglich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht wer-</span><br/> <span class="ft1">den unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente. Abzustellen</span><br/> <span class="ft1">ist dabei namentlich auf die Entstehungsgeschichte der Norm und</span><br/> <span class="ft1">ihren Zweck, auf die dem Text zu Grunde liegenden Wertungen so-</span><br/> <span class="ft1">wie auf die Bedeutung, die der Norm im Kontext mit anderen</span><br/> <span class="ft1">Bestimmungen zukommt. Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht</span><br/> <span class="ft1">unmittelbar entscheidend, dienen aber als Hilfsmittel, um den Sinn</span><br/> <span class="ft1">der Norm zu erkennen. Namentlich bei neueren Texten kommt den</span><br/> <span class="ft1">Materialien eine besondere Stellung zu, weil veränderte Umstände</span><br/> <span class="ft1">oder ein gewandeltes Rechtsverständnis eine andere Lösung weniger</span><br/> <span class="ft1">nahelegen. Das Bundesgericht hat sich bei der Auslegung von Erlas-</span><br/> <span class="ft1">sen stets von einem Methodenpluralismus leiten lassen und nur dann</span><br/> <span class="ft1">allein auf das grammatische Element abgestellt, wenn sich daraus</span><br/> <span class="ft1">zweifelsfrei die sachlich richtige Lösung ergab (BGE 133 V 9,</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3.1 mit Hinweisen; vgl. auch AGVE 2003, S. 191 f. mit</span><br/> <span class="ft1">Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 336c Abs. 2 OR wird der Ablauf der Kündigungs-</span><br/> <span class="ft1">frist unterbrochen und nach Beendigung der Sperrfrist fortgesetzt,</span><br/> <span class="ft1">wenn die Kündigung vor Beginn einer Sperrfrist erfolgt ist, aber die</span><br/> <span class="ft1">Kündigungsfrist bis dahin noch nicht abgelaufen ist. Wie der Beklag-</span><br/> <span class="ft1">te zu Recht festhält, lässt dieser Wortlaut darauf schliessen, dass die</span><br/> <span class="ft1">Sperrfrist grundsätzlich durch Eintritt der (durch Krankheit oder Un-</span><br/> <span class="ft1">fall verursachten) Arbeitsunfähigkeit ausgelöst wird.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">263</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die so verstandene Bedeutung von Art. 336c Abs. 2 OR er-</span><br/> <span class="ft1">scheint in all jenen Konstellationen unproblematisch, in denen der</span><br/> <span class="ft1">Arbeitnehmer (erst) innerhalb der Kündigungsfrist erkrankt oder ver-</span><br/> <span class="ft1">unfallt. Demgegenüber lässt sich mit Fug die Frage stellen, ob der</span><br/> <span class="ft1">Wortlaut der Bestimmung auch jene Fälle erfasst, wo die Kündigung</span><br/> <span class="ft1">bereits erfolgt ist, die Arbeitsunfähigkeit jedoch vor Beginn der Kün-</span><br/> <span class="ft1">digungsfrist eintritt. Allerdings hätte eine Auslegung, wonach dieser</span><br/> <span class="ft1">Sachverhalt nicht von Art. 336c Abs. 2 OR erfasst wird, den Makel,</span><br/> <span class="ft1">dass je nach Zeitpunkt der Kündigung der Beginn der Arbeitsunfä-</span><br/> <span class="ft1">higkeit einmal die Sperrfrist auslöst (wenn er in die Kündigungsfrist</span><br/> <span class="ft1">fällt; dasselbe im Übrigen auch, wenn er vor der Kündigung erfolgt)</span><br/> <span class="ft1">und einmal nicht (wenn er in die Zeit zwischen Kündigung und Be-</span><br/> <span class="ft1">ginn der Kündigungsfrist fällt). Für eine derartige unterschiedliche</span><br/> <span class="ft1">Behandlung bietet der Wortlaut von Art. 336c Abs. 2 OR nicht den</span><br/> <span class="ft1">geringsten Anhaltspunkt.</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">Aus der systematischen Stellung von Art. 336c Abs. 2 OR und</span><br/> <span class="ft1">der historischen Auslegung ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür,</span><br/> <span class="ft1">ob bei einer vorzeitigen Kündigung die Sperrfrist mit Eintritt der Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsunfähigkeit oder erst später (mit Beginn der Kündigungsfrist) zu</span><br/> <span class="ft1">laufen beginnt. Insbesondere die Gesetzesmaterialien enthalten keine</span><br/> <span class="ft1">hilfreichen Hinweise zur Beantwortung der vorliegenden Streitfrage.</span><br/> <span class="ft1">4.4.</span><br/> <span class="ft1">Art. 336c Abs. 1 und 2 OR wollen den Arbeitnehmer in einer</span><br/> <span class="ft1">Periode, in der er in aller Regel keine Chance bei der Stellensuche</span><br/> <span class="ft1">hat und von einem Arbeitgeber in Kenntnis der Arbeitsverhinderung</span><br/> <span class="ft1">nicht angestellt würde, vor dem Verlust seiner Arbeit schützen (siehe</span><br/> <span class="ft1">statt vieler U</span><span class="ft4">LLIN</span> <span class="ft1">S</span><span class="ft4">TREIFF</span><span class="ft1">/A</span><span class="ft4">DRIAN VON</span> <span class="ft1">K</span><span class="ft4">AENEL</span><span class="ft1">/R</span><span class="ft4">OGER</span> <span class="ft1">R</span><span class="ft4">UDOLPH</span><span class="ft1">,</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsvertrag, 7. Auflage, Art. 336c N 2). Sinn und Zweck von</span><br/> <span class="ft1">Art. 336c OR liegen somit darin, dass dem Arbeitnehmer eine besse-</span><br/> <span class="ft1">re Chance geboten wird, die neue Stelle gesund anzutreten, und dass</span><br/> <span class="ft1">sich zwischen dem alten und neuen Arbeitsverhältnis nach Möglich-</span><br/> <span class="ft1">keit kein Unterbruch ergeben soll.</span><br/> <span class="ft1">Im Zusammenhang mit der Frage, ob die Kündigungsfrist bei</span><br/> <span class="ft1">einer vorzeitigen Kündigung mit Zugang der Kündigung zu laufen</span><br/> <span class="ft1">beginnt oder ob der Anfang der Kündigungsfrist durch Rückrech-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">264</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nung vom Kündigungsendtermin aus festlegt wird, hielt das Bundes-</span><br/> <span class="ft1">gericht Folgendes fest (BGE 115 V 437, Erw. 3b f.):</span><br/> <span class="ft1">(Wiedergabe von BGE 115 V 437, Erw. 3b und c)</span><br/> <span class="ft1">Gestützt auf diese Erwägungen könnte der Schluss gezogen</span><br/> <span class="ft1">werden, Art. 336c Abs. 2 OR sei so auszulegen, dass bei einer vorzei-</span><br/> <span class="ft1">tigen Kündigung eine Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit bzw. Un-</span><br/> <span class="ft1">fall nur dann eine Sperrfrist auszulösen vermag, wenn die Kündi-</span><br/> <span class="ft1">gungsfrist bereits zu laufen begonnen hat; andernfalls beginnt die</span><br/> <span class="ft1">Sperrfrist erst, wenn und soweit die Arbeitsunfähigkeit in die Kündi-</span><br/> <span class="ft1">gungsfrist fällt.</span><br/> <span class="ft1">Gleichzeitig gilt es indessen darauf hinzuweisen, dass eine Re-</span><br/> <span class="ft1">gelung, wonach die Sperrfrist stets mit Eintritt der Arbeitsunfähigkeit</span><br/> <span class="ft1">zu laufen beginnt (also unabhängig davon, ob die Kündigungsfrist</span><br/> <span class="ft1">bereits läuft oder nicht), für den Arbeitgeber einen gewissen Anreiz</span><br/> <span class="ft1">darstellen kann, eine Kündigung möglichst früh zu kommunizieren.</span><br/> <span class="ft1">Dies dürfte aber auch im Interesse der betroffenen Arbeitnehmer lie-</span><br/> <span class="ft1">gen, damit sie frühzeitig die Stellensuche organisieren können.</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">In der bundesgerichtlichen Rechtsprechung lassen sich keine</span><br/> <span class="ft1">Aussagen in Bezug auf den Beginn der Sperrfrist finden, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfall nach der Kündi-</span><br/> <span class="ft1">gung und vor Beginn der Kündigungsfrist eintritt. In der Lehre wird</span><br/> <span class="ft1">überwiegend die Auffassung vertreten, auch bei dieser Konstellation</span><br/> <span class="ft1">löse der Eintritt der Arbeitsunfähigkeit die Sperrfrist aus; die Kündi-</span><br/> <span class="ft1">gungsfrist werde aber bloss unterbrochen, wenn und soweit die Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsunfähigkeit in die Kündigungsfrist falle:</span><br/> <span class="ft1">"Die Kündigungserklärung geht dem Arbeitnehmer vor</span><br/> <span class="ft1">Beginn der Sperrfrist zu; die Kündigungsfrist reicht</span><br/> <span class="ft1">aber in die Sperrfrist hinein, d.h., die Sperrfrist beginnt</span><br/> <span class="ft1">erst nach erfolgtem Zugang der Kündigung, dauert aber</span><br/> <span class="ft1">während der noch laufenden Kündigungsfrist. In die-</span><br/> <span class="ft1">sem Fall ist die Kündigung als solche gültig. Jedoch</span><br/> <span class="ft1">verlängert sich die Kündigungsfrist mindestens um die</span><br/> <span class="ft1">Dauer der hineinragenden Sperrfrist" (A</span><span class="ft4">DRIAN</span> <span class="ft1">S</span><span class="ft4">TÄHE</span><span class="ft1">-</span><br/> <span class="ft4">LIN</span><span class="ft1">, in: Zürcher Kommentar, Teilband V 2c, 4. Auflage,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 2013, Art. 336c OR N 19).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">265</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">C</span><span class="ft4">HRISTIANE</span> <span class="ft1">B</span><span class="ft4">RUNNER</span><span class="ft1">/J</span><span class="ft4">EAN</span><span class="ft1">-M</span><span class="ft4">ICHEL</span> <span class="ft1">B</span><span class="ft4">ÜHLER</span><span class="ft1">/J</span><span class="ft4">EAN</span><span class="ft1">-</span><br/> <span class="ft1">B</span><span class="ft4">ERNARD</span> <span class="ft1">W</span><span class="ft4">AEBER</span><span class="ft1">/C</span><span class="ft4">HRISTIAN</span> <span class="ft1">B</span><span class="ft4">RUCHEZ</span><span class="ft1">, Kommentar</span><br/> <span class="ft1">zum Arbeitsvertragsrecht, 3. Auflage, Basel 2005,</span><br/> <span class="ft1">S. 253, Fall 2.</span><br/> <span class="ft1">"Fällt (...) die Sperrfrist teilweise in die Kündigungs-</span><br/> <span class="ft1">frist, so verlängert sich diese entsprechend (...)" (J</span><span class="ft4">ÜRG</span><br/> <span class="ft1">B</span><span class="ft4">RÜHWILER</span><span class="ft1">, Kommentar zum Einzelarbeitsvertrag,</span><br/> <span class="ft1">3. Auflage, Basel 2014, Art. 336c OR N 7c).</span><br/> <span class="ft1">"Damit Art. 336c zur Anwendung kommt, muss sich ein</span><br/> <span class="ft1">in Absatz 1 genannter Tatbestand zum Zeitpunkt der</span><br/> <span class="ft1">Kündigung oder während der Kündigungsfrist verwirk-</span><br/> <span class="ft1">licht haben" (S</span><span class="ft4">TREIFF</span><span class="ft1">/</span><span class="ft4">VON</span> <span class="ft1">K</span><span class="ft4">AENEL</span><span class="ft1">/R</span><span class="ft4">UDOLPH</span><span class="ft1">, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Art. 336c OR N 2 sowie N 3/Beispiel C. Wesentlich ist</span><br/> <span class="ft1">jedoch auch das Beispiel B, wonach die Arbeitsunfähig-</span><br/> <span class="ft1">keit nach der Kündigung eintritt und vor Beginn der</span><br/> <span class="ft1">Kündigungsfrist beendet ist. In diesem Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">wird ausgeführt: "[...] Sperrfrist tangiert Kündigungs-</span><br/> <span class="ft1">frist nicht [...]." Diese Aussage belegt, dass nach Mei-</span><br/> <span class="ft1">nung der Autoren eine Sperrfrist tatsächlich lief bzw.</span><br/> <span class="ft1">diese nicht erst zu laufen beginnt, wenn sie mit der</span><br/> <span class="ft1">Kündigungsfrist zusammenfällt).</span><br/> <span class="ft1">"Auszugehen ist stets vom 'ursprünglichen' Endtermin,</span><br/> <span class="ft1">d.h. vom Zeitpunkt, auf den das Arbeitsverhältnis geen-</span><br/> <span class="ft1">det hätte, wenn kein Sperrtatbestand eingetreten wäre.</span><br/> <span class="ft1">Von diesem Zeitpunkt aus ist durch 'Zurückrechnen' zu</span><br/> <span class="ft1">ermitteln, wieviele Tage der Kündigungsfrist beim Ein-</span><br/> <span class="ft1">tritt des Sperrtatbestandes noch nicht abgelaufen wa-</span><br/> <span class="ft1">ren" (A</span><span class="ft4">NDREA</span> <span class="ft1">T</span><span class="ft4">ARNUTZER</span><span class="ft1">-M</span><span class="ft4">ÜNCH</span><span class="ft1">, in: P</span><span class="ft4">ETER</span><br/> <span class="ft1">M</span><span class="ft4">ÜNCH</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft4">ARKUS</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft4">ERZ</span> <span class="ft1">[Hrsg.], Stellenwechsel und</span><br/> <span class="ft1">Entlassung, 2. Auflage, Basel 2012, N 2.52).</span><br/> <span class="ft1">"Die Kündigungsfrist wird unterbrochen, solange sie</span><br/> <span class="ft1">sich mit der Sperrfrist überschneidet" (R</span><span class="ft4">OLF</span> <span class="ft1">A.</span> <span class="ft1">T</span><span class="ft4">OB</span><span class="ft1">-</span><br/> <span class="ft4">LER</span><span class="ft1">/C</span><span class="ft4">HRISTIAN</span> <span class="ft1">F</span><span class="ft4">AVRE</span><span class="ft1">/C</span><span class="ft4">HARLES</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft4">UNOZ</span><span class="ft1">/D</span><span class="ft4">ANIELA</span><br/> <span class="ft1">G</span><span class="ft4">ULLO</span> <span class="ft1">E</span><span class="ft4">HM</span><span class="ft1">, Arbeitsrecht, Lausanne 2006, Art. 336c</span><br/> <span class="ft1">OR N 2.5).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">266</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Explizit zur Frage, ob die Sperrfrist vor Beginn der Kündi-</span><br/> <span class="ft1">gungsfrist nicht nur zu laufen anfangen, sondern unter Umständen</span><br/> <span class="ft1">auch ablaufen kann, äussert sich (soweit ersichtlich) nur eine Litera-</span><br/> <span class="ft1">turstelle: "War die Arbeitnehmerin wegen einer Diskushernie</span><br/> <span class="ft1">65 Tage im Spital, so wäre sie bei einem Rückfall und einer Sperr-</span><br/> <span class="ft1">frist von 90 Tagen noch während 25 Tagen gegen eine Kündigung</span><br/> <span class="ft1">geschützt bzw. würde eine bereits laufende Kündigungsfrist um wei-</span><br/> <span class="ft1">tere 25 Tage unterbrochen. <b>Damit ist auch gesagt, dass der Schutz</b></span><br/> <span class="ft7"><b>durch die Sperrfrist bereits vor der Kündigung konsumiert wer-</b></span><br/> <span class="ft7"><b>den kann (...)"</b> (S</span><span class="ft4">TREIFF</span><span class="ft1">/</span><span class="ft4">VON</span> <span class="ft1">K</span><span class="ft4">AENEL</span><span class="ft1">/R</span><span class="ft4">UDOLPH</span><span class="ft1">, a.a.O., Art. 336c</span><br/> <span class="ft1">OR N 4; Hervorhebung im vorliegenden Urteil).</span><br/> <span class="ft1">Eine gegenteilige Lehrmeinung zum Beginn der Sperrfrist ver-</span><br/> <span class="ft1">tritt F</span><span class="ft4">RANK</span> <span class="ft1">E</span><span class="ft4">MMEL</span> <span class="ft1">(Handkommentar zum Schweizer Privatrecht,</span><br/> <span class="ft1">Vertragsverhältnisse 2. Teil, 2. Auflage, Zürich 2012, Art. 336c OR</span><br/> <span class="ft1">N 2): "Auf diese Weise lösen insbesondere Arbeitsunfähigkeiten, die</span><br/> <span class="ft1">nach Zugang der Kündigung, aber vor Beginn dieser Kündigungsfrist</span><br/> <span class="ft1">eintreten, bis zu diesem Beginn noch keine Sperrfristen aus (gegen-</span><br/> <span class="ft1">teilig jedoch BGE 131 III 467, Erw. 2.1)."</span><br/> <span class="ft1">6.</span><br/> <span class="ft1">Für den vorliegenden Fall ist zusätzlich zu den vorstehenden</span><br/> <span class="ft1">Erwägungen Folgendes von entscheidender Bedeutung: Gemäss § 7</span><br/> <span class="ft1">GAL gelten die subsidiär anwendbaren Normen des Obligationen-</span><br/> <span class="ft1">rechts als kantonales öffentliches Recht. Dies entspricht dem allge-</span><br/> <span class="ft1">meinen Grundsatz, dass dort, wo durch Verweis im kantonalen öf-</span><br/> <span class="ft1">fentlichen Recht ergänzend die Bestimmungen des Obligationen-</span><br/> <span class="ft1">rechts zur Anwendung gelangen, diese Bestimmungen zum öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Recht des betreffenden Gemeinwesens werden. Entsprechend</span><br/> <span class="ft1">ist in diesen Fällen das Privatrecht nach den Regeln des kantonalen</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Rechts anzuwenden und auszulegen (Urteil des</span><br/> <span class="ft1">Bundesgerichts vom 29. Dezember 2011 [8C_294/2011], Erw. 3.4</span><br/> <span class="ft1">mit zahlreichen Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">In diesem Zusammenhang fällt auf, dass das kantonale öffentli-</span><br/> <span class="ft1">che Recht im Gegensatz zum Obligationenrecht (vgl. Art. 324a OR</span><br/> <span class="ft1">bzw. die hierzu entwickelte Berner, Zürcher und Basler Skala) eine</span><br/> <span class="ft1">bedeutend grosszügigere Lohnfortzahlungspflicht bei Krankheit und</span><br/> <span class="ft1">Unfall des Arbeitnehmers kennt (Lohnfortzahlung von 6 Monaten so-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Personalrecht</span> <span class="page_no">267</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wie Krankentaggeldversicherung für weitere 18 Monate; § 19 f.</span><br/> <span class="ft1">LDLP). Diese Besserstellung zeigt sich auch am Ende eines Anstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsverhältnisses. So ist es nach der OR-Regelung ohne weiteres</span><br/> <span class="ft1">denkbar, dass infolge einer verlängerten Kündigungsfrist das Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">verhältnis noch andauert, dem arbeitsunfähigen Arbeitnehmer jedoch</span><br/> <span class="ft1">kein Lohnanspruch mehr zusteht; gemäss dem kantonalen öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Recht ist eine derartige Konstellation jedoch weitgehend ausge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen. Diese grundsätzlich deutliche finanzielle Besserstellung</span><br/> <span class="ft1">des erkrankten bzw. verunfallten öffentlich-rechtlichen Arbeitneh-</span><br/> <span class="ft1">mers spricht dagegen, in der vorliegenden Streitfrage bzw. bei der</span><br/> <span class="ft1">Auslegung von Art. 336c OR als kantonales öffentliches Recht dem</span><br/> <span class="ft1">Arbeitnehmerschutz ein zusätzliches Gewicht einzuräumen; diesem</span><br/> <span class="ft1">Gedanken wurde schon mit der grosszügigen Lohnfortzahlungs-</span><br/> <span class="ft1">pflicht Rechnung getragen.</span><br/> <span class="ft1">Hinzu kommt, dass eine teleologische Auslegung, welche sich</span><br/> <span class="ft1">primär nach dem Gedanken des Arbeitnehmerschutzes richtet, bei</span><br/> <span class="ft1">kantonalen Lehrpersonen auch deshalb kaum gerechtfertigt ist, weil</span><br/> <span class="ft1">ihnen bereits ab dem zweiten Anstellungsjahr bloss auf Ende eines</span><br/> <span class="ft1">Schulhalbjahres gekündigt werden darf (§ 10 Abs. 4 GAL). Jede Ver-</span><br/> <span class="ft1">längerung der Kündigungsfrist ist daher für den Arbeitgeber mit mas-</span><br/> <span class="ft1">siven Konsequenzen verbunden, weshalb auch seine Interessen adä-</span><br/> <span class="ft1">quat zu berücksichtigen sind.</span><br/> <span class="ft1">7.</span><br/> <span class="ft1">Insgesamt ergibt sich Folgendes: Der Wortlaut von Art. 336c</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 OR spricht grundsätzlich dafür, dass die Sperrfrist auch dann</span><br/> <span class="ft1">mit Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zu laufen beginnt (und unter Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen auch bereits ablaufen kann), wenn die Kündigung zwar be-</span><br/> <span class="ft1">reits ausgesprochen wurde, die Kündigungsfrist jedoch noch gar</span><br/> <span class="ft1">nicht läuft. Eine teleologische Auslegung von Art. 336c Abs. 2 OR</span><br/> <span class="ft1">spricht, soweit die Norm allein als privatrechtliche Bestimmung ver-</span><br/> <span class="ft1">standen wird, tendenziell eher dagegen, dass die Sperrfrist schon vor</span><br/> <span class="ft1">der Kündigungsfrist zu laufen beginnen kann. Allerdings orientiert</span><br/> <span class="ft1">sich diese Auslegung nach Sinn und Zweck der Norm an der Über-</span><br/> <span class="ft1">zeugung, aus Gründen des Arbeitnehmerschutzes dürfe die Sperrfrist</span><br/> <span class="ft1">weder ganz noch teilweise vor Beginn der Kündigungsfrist konsu-</span><br/> <span class="ft1">miert werden. Genau diese Überlegung spielt indessen eine unterge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">268</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ordnete Rolle, soweit Art. 336c Abs. 2 OR als öffentliches Recht des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Aargau zur Anwendung gelangt, steht doch hier dem er-</span><br/> <span class="ft1">krankten bzw. verunfallten Arbeitnehmer ein deutlich besserer Lohn-</span><br/> <span class="ft1">fortzahlungsanspruch zu als nach dem Obligationenrecht (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Erw. II/6). Zudem bewirkt in Fällen wie dem vorliegenden jede Ver-</span><br/> <span class="ft1">längerung der Kündigungsfrist eine erhebliche Beeinträchtigung der</span><br/> <span class="ft1">Interessen des Arbeitgebers, da eine Kündigung nur per Ende Schul-</span><br/> <span class="ft1">halbjahr zulässig ist. Der teleologischen Auslegung zugunsten des</span><br/> <span class="ft1">Arbeitnehmers kommt insofern ein deutlich geringeres Gewicht zu,</span><br/> <span class="ft1">als ihr allenfalls im Privatrecht zuzubilligen ist.</span><br/> <span class="ft1">Daraus folgt, dass Art. 336c Abs. 2 OR jedenfalls insofern, als</span><br/> <span class="ft1">die Norm als öffentliches kantonales Recht zur Anwendung gelangt,</span><br/> <span class="ft1">primär anhand des Wortlauts auszulegen ist. Dieser legt es nahe, dass</span><br/> <span class="ft1">die Sperrfrist einheitlich stets mit Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zu</span><br/> <span class="ft1">laufen beginnt, und zwar unabhängig davon, ob die Kündigungsfrist</span><br/> <span class="ft1">bereits läuft oder nicht. Dies entspricht im Übrigen der herrschenden</span><br/> <span class="ft1">Lehre zu Art. 336c Abs. 2 OR. Konsequenterweise kann, sofern die</span><br/> <span class="ft1">Kündigung entsprechend vorzeitig erfolgt, unter Umständen die</span><br/> <span class="ft1">Sperrfrist bereits abgelaufen sein, bevor die Kündigungsfrist über-</span><br/> <span class="ft1">haupt zu laufen anfängt.</span><br/></div> </div> </body> </html>