A bteilung V E -4343/2006 {T 0/2} U rteil vom 21. M ai 2007 M itw irkung: R ichter W eber (Vorsitz), Schürch, W espi G erichtsschreiberin Balm elli A._______, Türkei, vertreten durch lic. iur. M ichael G uidon, Berner R echtsberatungsstelle für Asylsuchende, Schw arztorstrasse 124, 3007 Bern, Beschw erdeführerin gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 19. A pril 2005 in Sachen A syl und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschw erdeführerin zusam m en m it ihren Eltern und ihrem Bruder die Türkei am 27. Septem ber 2003 und gelangte am 1. O ktober 2003 in die Schw eiz, w o sie gleichentags ein Asylgesuch einreichte. Am 6. O ktober 2003 w urde sie in der Em pfangsstelle Kreuzlingen befragt. D er B._______ hörte die Beschw erdeführerin am 14. N ovem ber 2003 zu den Asylgründen an. Im W esentlichen m achte die Beschw erdeführerin geltend, sie sei kurdischer Ethnie sow ie alevitischen G laubens und stam m e ursprünglich aus C ._______, D ._______, Kahram anm aras. Sie habe die M atura gem acht und sich für die U ni-Prüfungen vorbereitet. Sie habe nur einm al m it den Behörden in ihrem H eim atland Problem e gehabt und die Türkei w egen der Schw ierigkeiten ihres Vaters verlassen. Im Jahre 1994 sei der C ousin H . S., w elcher für die PKK gekäm pft habe, erm ordet w orden. N ach der Beerdigung von H . S. habe ihr Vater Schw ierigkeiten m it den Behörden gehabt. Ein Bruder ihres Vaters habe Todes- drohungen erhalten, sei M itte 1999 auf den Polizeiposten m itgenom m en w orden und seither verschw unden. Im M ai 2002 habe ihre Fam ilie w ährend zw eier W ochen H . und Z., die nach Verbüssung einer G efängnisstrafe aus politischen G ründen aus der H aft entlassen w orden seien, bei sich zu H ause aufgenom m en. Eine W oche nachdem H . und Z. ihr H aus verlassen hätten, sei ihr Vater w ährend dreier Tage von der Polizei auf der Sicherheitsdirektion festgehalten und dabei auch gefoltert w orden. Ihr Bruder sei m ehrm als von der Polizei unm ittelbar vor den Prüfungen verhaftet w orden. Er habe deshalb die Prüfungen nicht absolvieren und sein Studium nicht fortsetzen können. Anlässlich der W ahlen im H erbst 2002 hät- ten sie und ihre Fam ilie ihre Stim m en der H AD EP gegeben. Einen Tag nach den W ahlen seien sie von der Antiterroreinheit von E._______ zuhause abgeholt und w ährend eines Tages auf der Sicherheitsdirektion festgehalten w orden. Im M ai 2003 sei ihr Vater w ährend dreier Tage festgehalten, verhört sow ie m isshandelt und im Septem ber 2003 ihre M utter w ährend eines Tages festgehalten sow ie ge- schlagen w orden. Auch seien sie telefonisch m it dem Tod bedroht w orden. Es sei für sie sehr schw er gew esen, das H eim atland zu verlassen. B. Im R ahm en w eiterer Abklärungen hörte das BFM die Beschw erdeführerin am 24. Februar 2005 ergänzend zu den Asylgründen an. D abei w iederholte die Be- schw erdeführerin im W esentlichen ihre bisherigen Aussagen. C . M it Verfügung vom 19. April 2005 stellte das BFM fest, die Beschw erdeführerin er- fülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. G leichzeitig ordnete es die W egw eisung aus der Schw eiz sow ie deren Vollzug an. D . M it Beschw erde vom 18. M ai 2005 (Poststem pel) an die Schw eizerische Asylre- kurskom m ission (AR K) beantragte die Beschw erdeführerin durch ihren Vertreter, die Verfügung des BFM sei aufzuheben. Es sei festzustellen, dass sie die Flücht- lingseigenschaft erfülle, und es sei ihr Asyl zu gew ähren. Eventualiter sei sie in die Flüchtlingseigenschaft ihrer Eltern (N _______) einzubeziehen. Subeventualiter sei vom Vollzug der W egw eisung abzusehen und das BFM anzuw eisen, die vorläufige Aufnahm e anzuordnen. In prozessualer H insicht sei ihr die unentgeltliche R echts-3 pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG zu gew ähren und von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen. Auf die Begründung w ird, sow eit für den Entscheid w esentlich, in den Erw ägungen eingegangen. E. M it Zw ischenverfügung vom 26. M ai 2005 hiess der Instruktionsrichter der AR K das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege gut und verzichtete antragsgem äss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. F. D as BFM schloss in der Vernehm lassung vom 15. August 2005 auf Abw eisung der Beschw erde. M it Schreiben vom 23. August 2005 nahm der Vertreter der Be- schw erdeführerin im R ahm en von Art. 32 Abs. 2 Vw VG Stellung zur Vernehm - lassung des BFM . G . Am 9. Juni 2006 ersuchte die AR K die Schw eizerische Vertretung in Ankara um Abklärung noch offener Fragen betreffend die Fam ilie M urat und Sehriban Sahin. D ie Schw eizerische Botschaft antw ortete am 12. O ktober 2006. M it Zw ischenver- fügung vom 17. N ovem ber 2006 unterbreitete der Instruktionsrichter der AR K der Beschw erdeführerin das Antw ortschreiben der Botschaft zur Stellungnahm e. Innert der angesetzten Frist reichte die Beschw erdeführerin zusam m en m it ihren Eltern am 30. N ovem ber 2006 eine Stellungnahm e ein. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge- setzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der ehem aligen AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; die Beschw erdeführerin ist legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m ithin einzutreten.4 3. 3.1 G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling w ird eine ausländische Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim at- staat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gelten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M ass- nahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken; den frauenspezifi- schen Fluchtgründen ist R echnung zu tragen (Art. 3 AsylG ). 3.2 W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zum in- dest glaubhaft m achen. D iese ist glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vor- handensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. U nglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begründet oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m ass- geblich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (Art. 7 AsylG ). 3.3 D as BFM lehnte das Asylgesuch ab, da die Vorbringen der Beschw erdeführerin den Anforderungen an das G laubhaftm achen gem äss Art. 7 AsylG nicht standhiel- ten. D ie Beschw erdeführerin begründe ihr Asylgesuch m it N achteilen, w elche Fam ilienangehörige erlitten hätten, und m it Vorfällen, w elche sich in den Jahren 2002 und 2003 ereignet hätten. D ie vom Vater der Beschw erdeführerin geltend ge- m achte Verfolgungssituation habe das BFM als nicht glaubhaft erachtet. Auch die M itnahm e im N ovem ber 2002 hätten die Fam ilienm itglieder w idersprüchlich darge- legt, w om it dieser Vorfall nicht glaubhaft sei. Im Ü brigen habe die Beschw erdeführerin keine Schw ierigkeiten m it den heim atlichen Behörden gehabt und sei nur w egen der Problem e ihres Vaters ausgereist. 3.4 In der R echtsm itteleingabe w ird ausgeführt, die Beschw erdeführerin habe als H auptgrund ihrer Flucht die Behelligungen ihres Vaters durch die türkischen Be- hörden genannt. Zur Begründung der gestellten R echtsbegehren w erde daher grundsätzlich auf die Beschw erdeschrift der Eltern verw iesen. 3.5 In der Botschaftsantw ort vom 12. O ktober 2006 w ird ausgeführt, die Fam ilie der Beschw erdeführerin sei polizeilich nicht registriert und es w ürde auch kein Pass- verbot gegen sie bestehen. D ie Fam ilie habe vor m ehr als 20 Jahren ihr H eim at- dorf C ._______ verlassen, sei nach E._______ gezogen und habe dort ein Teppichgeschäft betrieben. 3.6 In der R eplik w ird ausgeführt, die Tatsache, dass die Fam ilie der Beschw erdefüh- rerin nicht in einem der Schw eizerischen Botschaft zugänglichen R egistrierungs- system verzeichnet sei, spreche nicht gegen eine Verfolgung. 3.7 3.7.1 N ach der w eiterhin zutreffenden Praxis der AR K ist die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vorhandensein m it überw iegender W ahr- scheinlichkeit für gegeben hält. Vorbringen sind dann glaubhaft, w enn sie ge-5 nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in w esentlichen Punkten nicht w idersprüchlich sein oder der innern Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgem einen Erfahrung w idersprechen. D arüber hinaus m uss der G esuchsteller persönlich glaubw ürdig erscheinen. G laubhaftm achen bedeutet ferner - im G egen- satz zum strikten Bew eis - ein reduziertes Bew eism ass und lässt durchaus R aum für gew isse Einw ände und Zw eifel an den Vorbringen des G esuchstellers. Es ist auf eine objektivierte Sichtw eise abzustellen (vgl. Entscheidungen und M itteilun- gen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 1993 N rn. 11 und 21, 1994 N r. 5 sow ie 1996 N rn. 27 und 28). 3.7.2 Aufgrund der Akten ist festzustellen, dass die Beschw erdeführerin anlässlich ihrer Befragungen übereinstim m end aussagte, der H auptgrund für ihre Ausreise seien die Problem e ihres Vaters gew esen (vgl. A1, S. 4; A7, S. 7). D iesbezüglich ist fest- zuhalten, dass das Bundesverw altungsgericht m it U rteil des heutigen Tages die von den Eltern und dem Bruder der Beschw erdeführerin zu Protokoll gegebenen Sachverhalte als nicht glaubhaft erachtet und auch die Voraussetzungen zur Aner- kennung als Flüchtlinge verneint hat. Bezüglich der Einzelheiten kann auf die Er- w ägungen im U rteil betreffend die Eltern der Beschw erdeführerin verw iesen w er- den. Insow eit hat das BFM die Ablehnung des Asylgesuchs der Beschw erdeführe- rin zu R echt m it den als nicht glaubhaft bew erteten Vorbringen ihrer Eltern und ihres Bruders begründet. W eitergehend hat die Beschw erdeführerin keine Proble- m e m it den heim atlichen Behörden geltend gem acht. 4. 4.1 D ie Beschw erdeführerin beruft sich in der R echtsm itteleingabe auf die Ausführun- gen in der Beschw erdeschrift ihrer Eltern. D am it m acht sie sinngem äss geltend, sie habe begründete Furcht vor künftigen asylrelevanten Verfolgungsm assnahm en im Sinne einer R eflexverfolgung. 4.2 U nter R eflexverfolgung versteht m an behördliche Belästigungen oder Behelligun- gen von Angehörigen aufgrund des U m standes, dass die Behörden einer gesuch- ten, politisch unbequem en Person nicht habhaft w erden oder schlechthin von deren Polit-M alus auf einen solchen auch bei Angehörigen schliessen. D er Zw eck einer solchen R eflexverfolgung kann insbesondere darin liegen, Inform ationen über effektiv gesuchte Personen zu erlangen beziehungsw eise G eständnisse von Inhaftierten zu erzw ingen. Eine "Sippenhaft" in diesem w eiteren Sinn ist von den türkischen Behörden etw a in den Süd- und O stprovinzen nicht selten angew andt w orden, w enn es galt, den Aufenthaltsort von flüchtigen Angehörigen der PKK oder anderer staatsfeindlicher O rganisationen zu ergründen. D ie W ahrscheinlich- keit, O pfer einer R eflexverfolgung zu w erden, ist nam entlich dann gegeben, w enn nach einem flüchtigen Fam ilienm itglied gefahndet w ird und die Behörde Anlass zur Verm utung hat, dass jem and m it dem G esuchten in engem Kontakt steht. D iese W ahrscheinlichkeit erhöht sich, w enn der R eflexverfolgte aus einer den türkischen Sicherheitskräften als "staatsfeindlich" bekannten Fam ilie stam m t respektive m eh- rere illegal politisch tätige Verw andte aufw eist. Auch ein eigenes, nicht unbedeu- tendes Engagem ent seitens des R eflexverfolgten für illegale politische O rganisationen erhöht das R isiko, O pfer einer Sippenhaft im w eiteren Sinne zu w erden (vgl. dazu EM AR K 1994 N r. 5).6 Zuletzt hat die AR K in ihrer - w eiterhin zutreffenden - R echtsprechung zur Lage- entw icklung in der Türkei festgehalten, dass die G efahr allfälliger R epressalien gegen Fam ilienangehörige m utm asslicher Aktivisten der PKK (beziehungsw eise einer ihrer N achfolgeorganisationen) oder anderer von den Behörden als separa- tistisch eingestufter kurdischer G ruppierungen nicht auszuschliessen sei. Zw ar sei festzustellen, dass sich die Verfolgungspraxis der türkischen Behörden im Zuge des R eform prozesses zur Annäherung an die Europäische U nion insofern geän- dert habe, als Fälle, in denen Fam ilienangehörige kurdischer Aktivisten gefoltert oder m isshandelt w orden seien, abgenom m en hätten. D agegen m üssten Fam ilien- angehörige auch gegenw ärtig noch m it H ausdurchsuchungen und kürzeren Fest- nahm en rechnen, die oft m it Beschim pfungen und Schikanen verbunden seien (vgl. EM AR K 2005 N r. 21). 4.3 D ie Beschw erdeführerin w ar nie politisch aktiv und hat sich auch anderw eitig nicht exponiert. Auch ihre Eltern und ihr Bruder w aren politisch nicht aktiv. Ferner konn- ten w eder die Eltern noch der Bruder der Beschw erdeführerin staatliche Ver- folgungsm assnahm en glaubhaft m achen. Fest steht jedoch aufgrund der Akten, dass die Fam ilie der Beschw erdeführerin ursprünglich aus C ._______ stam m t und zur G rossfam ilie A._______ gehört. D ass dieser Personenkreis aufgrund zahlreicher politischer Aktivisten, w elche behördlicher R epression ausgesetzt w aren und m ittlerw eile in der Schw eiz respektive in anderen Ländern teilw eise als Flüchtlinge anerkannt sind, das besondere Augenm erk der türkischen Behörden auf sich gezogen hat und noch im m er zieht, dürfte unbestritten sein. Zw ar sind die Voraussetzungen einer R eflexverfolgung allein aufgrund der fam iliären respektive geografischen H erkunft einer Person im vorerw ähnten Sinne nicht bereits gegeben, auch w enn die "M assierung" von in Europa als Flüchtlinge anerkannten Verw andten bereits ein gew ichtiges Indiz für eine drohende Verfolgung bei der W iedereinreise darstellen dürfte. Allerdings reiste der Vater der Beschw erdeführerin w ährend Jahren m ehrm als jährlich ins Ausland und hatte dabei offenbar keinerlei Schw ierigkeiten m it den heim atlichen G renzbehörden. Bei dieser Sachlage und da die Beschw erdeführerin gem äss Auskunft der Schw eizerischen Vertretung in Ankara w eder polizeilich registriert ist noch ein Passverbot gegen sie besteht, ist nicht davon auszugehen, dass sie bei einer W iedereinreise in die Türkei, abgesehen von einer allgem einen R outinekontrolle, ernsthaften Benachteiligungen ausgesetzt sein w ird. D am it liegen w eder Anhaltspunkte für eine R eflexverfolgung noch für die Annahm e einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung vor. An diesem Schluss verm ag auch der U m stand, dass der C ousin des Vaters der Beschw erdeführerin (_______) sow ie dessen Ehefrau w egen drohender R eflexverfolgung als Flüchtlinge anerkannt w orden seien, nichts zu ändern. D er von ihnen geltend gem achte Sachverhalt unterscheidet sich w esentlich von dem jenigen der Fam ilie der Beschw erdeführerin, w eshalb es sich erübrigt, näher darauf einzugehen. 5. Zusam m enfassend ist som it festzuhalten, dass die Beschw erdeführerin ihre Asyl- vorbringen nicht glaubhaft dargelegt hat und auch die Voraussetzungen für die Zu- erkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesam t das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 7 es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an; da- bei ist der G rundsatz der Einheit der Fam ilie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zu- m utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzli- chen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 6.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus- länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 6.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 6.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D ezem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon- vention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder ernied- rigender Strafe oder Behandlung unterw orfen w erden. 6.5 D ie Beschw erdeführerin verfügt w eder über eine frem denpolizeiliche Aufenthalts- bew illigung noch hat sie einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie W egw ei- sung w urde dem nach zu R echt angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). 6.6 D ie Vorinstanz w ies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der G rundsatz der N ichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingsei- genschaft erfüllen (vgl. M ario G attiker, D as Asyl- und W egw eisungsverfahren, Bern 1999, S. 89). D a es der Beschw erdeführerin nicht gelungen ist, eine asyl- rechtlich erhebliche G efährdung nachzuw eisen oder glaubhaft zu m achen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen N on-refoulem ents im vorliegenden Verfahren keine Anw endung finden. Eine R ückkehr der Beschw er- deführerin in die Türkei ist dem nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht- m ässig. 6.7 Sodann ergeben sich w eder aus den Aussagen der Beschw erdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in die Türkei dort m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EM R K oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt w äre. G em äss Praxis des Europäischen G erichtshofes für M enschenrechte sow ie jener des U N -Anti-Folter- ausschusses m üsste die Beschw erdeführerin eine konkrete G efahr ("real risk") nachw eisen oder glaubhaft m achen, dass ihr im Fall einer R ückschiebung Folter oder unm enschliche Behandlung drohen w ürde (vgl. die w eiterhin zutreffende Praxis der AR K in EM AR K 2001 N r. 16 S. 122, m .w .H .). D ie allgem eine M enschen-8 rechtssituation in der Türkei lässt den W egw eisungsvollzug zum heutigen Zeit- punkt klarerw eise nicht als unzulässig erscheinen. N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung sow ohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim m ungen zulässig. 6.8 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung auch verzichtet, w enn die R ück- kehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung darstellt. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herrschenden allge- m einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situati- on allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om ente, w ie beispielsw eise einer notw endigen m edizinischen Behandlung, angenom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 6.9 D en Akten sind keine Anhaltspunkte zu entnehm en, w onach es der Beschw erde- führerin nicht zuzum uten w äre, in ihr H eim atland zurückzukehren. N ach der w eiter- hin zutreffenden Praxis der AR K (vgl. EM AR K 2004 N r. 8) erachtet auch das Bun- desverw altungsgericht den W egw eisungsvollzug in die Türkei als zum utbar. N am entlich ergibt sich aufgrund der Akten, dass die Beschw erdeführerin zusam - m en m it ihren Eltern und ihrem Bruder in die Türkei zurückkehren w ird. Am ehe- m aligen W ohnort E._______ leben die Eltern sow ie drei G eschw ister des Vaters der Beschw erdeführerin. D am it und aufgrund der langjährigen G eschäftstätigkeit des Vaters der Beschw erdeführerin in E._______ ist davon auszugehen, dass auch die Beschw erdeführerin dort über ein bestehendes Beziehungsnetz verfügt, w elches ihr bei einer R ückkehr und R eintegration zur Seite stehen kann. Blosse soziale und w irtschaftliche Schw ierigkeiten, w ie nam entlich der M angel an W ohnungen und Arbeitsstellen, stellen nach der w eiterhin zutreffenden und konstanten R echtsprechung der AR K keine existenzbedrohende Situation dar, w elche den Vollzug der W egw eisung in den H eim atstaat eines betroffenen Ausländers als unzum utbar erscheinen liessen (vgl. die w eiterhin zutreffende Praxis der AR K in EM AR K 1994 N r. 19 E. 6b S. 149). Schliesslich steht es der Beschw erdeführerin offen und ist ihr zuzum uten, sich an einem anderen als ihrem bisherigen W ohnort niederzulassen, ein Studium oder eine Berufsausbildung in Angriff zu nehm en und sich alsdann eine eigene Existenz aufzubauen. Insgesam t ist der Vollzug der W egw eisung som it als zum utbar zu erachten. 6.10 D ie Beschw erdeführerin ist im Besitze einer türkischen Identitätskarte, w eshalb der Vollzug der W egw eisung auch als m öglich zu bezeichnen ist. 6.11 Insgesam t ist die durch das BFM verfügte W egw eisung zu bestätigen. D ie Vorin- stanz hat deren Vollzug zu R echt als zulässig, zum utbar und m öglich erachtet. N ach dem G esagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahm e ausser Be- tracht (Art. 14a Abs. 1 - 4 AN AG ). 7. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig fest- stellt und angem essen ist (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist nach dem G esag- ten abzuw eisen. 8. M it Zw ischenverfügung vom 25. M ai 2005 hat der dam als zuständige Instruktions-9 richter der AR K das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege gut- geheissen, w eshalb der Beschw erdeführerin keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. (D ispositiv nächste Seite)10 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - Beschw erdeführerin durch Verm ittlung ihres Vertreters, 2 Expl. (eingeschrie- ben) - BFM , Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N _______) - B._______ (Beilage: Türkische Identitätskarte SER I _______) D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: Beat W eber Barbara Balm elli