Obergericht des Kantons Zürich Präsident Geschäfts-Nr.: VO150071- O/U Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident lic. iur. R. Naef sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. A. Leu Urteil vom 12. Mai 2015 in Sachen A._____, Gesuchsteller vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege - 2 - Erwägungen: 1. Ausgangslage 1.1. Am 2. April 2015 liess A._____ (nachfolgend: Gesuchsteller) durch seine Rechtsvertreterin beim Friedensrichteramt Zürich, Kreise 6 & 10, ein Schlichtungsgesuch gegen B._____ betreffend Unterhalt einreichen (act. 4/1). Mit Eingabe vom 20. April 2015 liess er sodann beim Obergericht des Kantons Zürich ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pr o- zessführung stellen (act. 1). 1.2. Mit Verfügung vom 27. April 2015 (act. 6) wurde dem Gesuchsteller Frist zur Nachreichung weiterer Unterlagen angesetzt. Dieser Aufforderung kam der Gesuchsteller am 6. Mai 2015 nach (act. 7-9/2-4). 1.3. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Parte i- entschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Partei- entschädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpar tei ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören. 2. Beurteilung des Gesuchs 2.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor der Einreichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichts- präsident im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die unentgeltliche Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder I n- stanz neu zu beantragen, weshalb der Obergerichtspräsident diese bei Vor- liegen der Anspruchsvoraussetzungen nur bi s zum Abschluss des Schlich- tungsverfahrens bewilligen kann. 2.2. Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie einer- seits nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (sog. "Mittellosigkeit" oder "Bedürftigkeit") und andererseits ihr R echtsbegehren nicht aussichtslos e r- scheint (Art. 117 ZPO). - 3 - Die Mittellosigkeit wird gemeinhin dann bejaht, wenn der Aufwand des not- wendigen Lebensunterhalts (sog. "zivilprozessualer Notbedarf") das mas s- gebliche Einkommen übersteigt bzw. aus der Differenz nur ein kleiner Über- schuss resultiert, welcher es der gesuchstellenden Person nicht erlauben würde, die Prozesskosten innert nützlicher Frist zu bezahlen. Nebst dem Einkommen ist auch das Vermögen zur Bestreitung des Prozessaufwands einzusetzen. Zu berücks ichtigen ist vorhandenes Vermögen jeglicher Art, soweit es effektiv verfügbar, realisierbar und sein Verbrauch zumutbar ist. Sind ausreichend liquide Mittel wie bspw. Bankkonten oder Wertpapiere vorhanden, sind diese zur Bezahlung des Prozesses zu verwenden, es sei denn, sie werden mangels ausreichenden Einkommens für den laufenden Lebensunterhalt benötigt (BSK ZPO -Rüegg, Art. 117 N 15). Als Lebensau f- wandkosten sind grundsätzlich zu berücksichtigen der Grundbetrag, rech t- lich geschuldete Unterhaltsbeiträge, Wohnkosten, obligatorische Versich e- rungen, Transportkosten zum Arbeitsplatz, Steuern sowie Verpflichtungen gegenüber Dritten, wenn sie tatsächlich erfüllt werden (Emmel in: Kommen- tar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Sutter -Somm/Hasenböhl- er/Leuenberger [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2013, Art. 117 N 9). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Gesuchstellung (E m- mel, a.a.O., Art. 117 N 4). 2.3. Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit bei Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren sind sehr strenge Massstäbe anzulegen. D ie in einem Schlichtungsverfahren entstehenden Kosten sind – anders als vor einer Gerichtsinstanz – sehr beschränkt und können deshalb bereits bei einem relativ geringen Überschuss des Einkommens und Verm ö- gens über den zivilprozessualen Notbedarf bestritten werden. 2.4. Die gesuchstellende Person hat gemäss Art. 119 Abs. 2 ZPO die zur Beu r- teilung ihres Gesuchs relevanten Einkommens - und Vermögensverhältnisse umfassend darzulegen - es tri fft sie bei der Abklärung der wirtschaftlichen Verhältnisse eine umfassende Mitwirkungspflicht. Kommt sie dieser Mitwi r- kungspflicht nicht oder nur ungenügend nach und kann als Folge davon ihre - 4 - Bedürftigkeit nicht hinreichend beurteilt werden, ist der Anspr uch um unent- geltliche Rechtspflege zu verweigern (BGE 120 Ia 179). 2.5. Der Gesuchsteller lässt geltend machen, seit Oktober 2013 arbeite er in ei- ner Temporäranstellung für die C._____ AG. Dabei erziele er ein monatl i- ches Nettoeinkommen von rund Fr. 3'200.- (act. 1 Rz 3 f.). Als Belege liess er die Lohnabrechnungen Februar bis April 2015 (act. 4/5) sowie den Loh n- ausweis 2014 (act. 4/3) und die Leistungsabrechnung der Arbeitslosenversi- cherung 2014 (act. 4/4) einreichen. Seine Vermögensverhältnisse belegt er mittels Auszugs seines Kontos bei der Postfinance, woraus sich per 31. März 2015 ein Saldo von Fr. 437.85 ergibt (act. 4/6). Die notwendigen Lebenshaltungskosten beziffert und belegt der Gesuchstel- ler wie folgt: Mietkosten Fr. 1'341.- pro Monat (act. 4/7), Krankenkassenprä- mien KVG Fr. 198.30 pro Monat ( inkl. IPV, vgl. act. 4/9) sowie Abzahlung Schulden F r. 500.- pro Monat (act. 4/10). Die Kosten für Telefon, Internet und Billag sind bereits im Grundbetrag enthalten u nd können nicht zusätzlich berücksichtigt werden (DIKE-Kommentar ZPO, Huber, Art. 117 N 49). Eben- so wenig finden die Mietkosten für den Parkplatz von Fr. 50.- Eingang in die Bedarfsrechnung (BSK SchKG I -Vonder Mühll, Art. 93 N 26). Die Aufwen- dungen für die Arbeitswegkosten, die auswärtige Verpflegung sowie die Steuern wurden nicht belegt und sind daher ebenfalls nicht zu berücksicht i- gen. Grundsätzlich wäre dem Gesuchsteller eine Frist zur Nachreichung der massgeblichen Belege anzusetzen. Da er aber selbst o hne Berücksichti- gung dieser Positionen einen über dem Einkommen liegenden Bedarf auf- weist (mtl. Einkommen Fr. 3'200.-, mtl. Notbedarf Fr. 3'239.30 inkl. Grundbe- trag von Fr. 1'200.-) und die Mittellosigkeit des Gesuchstellers ohnehin aus- gewiesen ist, kann darauf verzichtet werden. 2.6. Für die Beurteilung der fehlenden Aussichtslosigkeit als zweite Vorausset- zung der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist eine gewisse Pr o- zessprognose notwendig, wobei auf den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung - 5 - abzustellen ist. Als aussichtslos sind dabei nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnau s- sichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. z. B. BGE 69 I 160). Zur Vornahme der Prüfung ist auf die vorhandenen Akten abzustellen (vgl. auch BSK ZPO-Rüegg, Art. 117 N 20). 2.7. Der Gesuchsteller bringt zum Begehren in der Hauptsache vor, er beantrage die Reduktion der Unterhaltsbeiträge, welche zurzeit Fr. 1'000.- pro Monat betrügen. Bei einem Nettoeinkommen von Fr. 3'200.- sei es ihm unmöglich, Unterhaltszahlungen in der betreffenden Höhe zu leisten (act. 1 Rz 7 f.). Gemäss Art. 286 Abs. 2 ZGB und Art. 287 Abs. 2 ZGB setzt das Gericht den Unterhaltsbeitrag bei erheblicher Veränderung der Verhältnisse auf Antrag eines Elternteils oder des Kindes neu fest oder hebt ihn auf. Die rechtshän- gig gemachte Abänderungsklage des Gesuchstellers gegen seinen Sohn kann aus heutiger Perspektive nicht als aussichtsl os bezeichnet werden, zumal sich sein monatliches Einkommen seit dem Abschluss der Unterhalt s- vereinbarung vom 5. Dezember 2006 von monatlich brutto Fr. 5'200.- (act. 9/2) auf Fr. 3'200.- reduziert hat und die vom Bezirksgericht Zürich ge- nehmigte Reduktion der Unterhaltszahlungen nur vorübergehender Natur war (act. 9/4). 2.8. Folglich kann dem Antrag des Gesuchstellers entsprochen werden und ist ihm für das Schlichtungsverfahren vor dem Friedensrichteramt Zürich, Krei- se 6 & 10, betreffend oberwähnte Abänderu ngsklage die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. 2.9. Der Gesuchsteller lässt um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ersuchen (act. 1), lässt aber keinen Antrag auf Bestellung einer unentgeltl i- chen Rechtsbeiständin stellen. Damit ist darüber nicht zu entscheiden bzw. ein solcher nicht zu bestellen. - 6 - 3. Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege Gemäss den einschlägigen Bestimmungen der Zivilprozessordnung werden die Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege vom "Kanton" getragen bzw. wird der unent geltliche Rechtsbeistand vom "Kanton" entschädigt (Art. 113 Abs. 1 und Art. 122 ZPO). Der ständigen Praxis des Obergerichts des Ka n- tons Zürich zur Schweizerischen Zivilprozessordnung folgend sowie en t- sprechend der bisherigen zürcherischen Praxis sind die K osten der unen t- geltlichen Rechtspflege für das Verfahren vor der Schlichtungsbehörde von der zuständigen Gemeinde zu tragen, vorliegend somit von der Stadt Zürich. Zu beachten ist indes, dass die Kosten des Schlichtungsverfahrens gemäss Art. 207 Abs. 2 ZPO bei der Einreichung der Klage zur Hauptsache geschla- gen werden und das erkennende Gericht somit in der Folge über diese z u- sammen mit den übrigen Prozesskosten gemäss Art. 104 ff. ZPO zu en t- scheiden hat. Die Kostenauflage an die Gemeinde erfolgt deshalb un ter die- sem Vorbehalt. 4. Kosten und Rechtsmittel 4.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Recht s- pflege kostenlos. 4.2. Die Gegenpartei in der Hauptsache verfügt im vorliegenden Verfahren nicht über Parteistellung. Ihr steht aber gegen den Entscheid betreffend unentgelt- liche Rechtspflege die Beschwerde gemäss Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO offen, sofern ihr ein nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil droht. Es wird erkannt: 1. Dem Gesuchsteller wird für das Schlichtungsverfahren vor dem Friedens- richteramt der Stadt Zürich, Kreise 6 & 10, betreffend die Klage auf Abände- rung Unterhalt gegen B._____ die unentgeltliche Rechtspflege gewährt. Eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird nicht bestellt. - 7 - 2. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege des Schlichtungsverfahrens trägt unter Vorbehalt von Art. 207 Abs. 2 ZPO die Stadt Zürich. 3. Das obergerichtliche Verfahren ist kostenlos. 4. Schriftliche Mitteilung an: − die Rechtsvertreterin des Gesuchstellers, zweifach, für sich und zuhan- den des Gesuchstellers (gegen Empfangsschein), − das Friedensrichteramt der Stadt Zürich, Kreise 6 & 10 (gegen Emp- fangsschein), − die Gegenpartei in der Hauptsache, B._____, vertreten durch die gesetz- liche Vertreterin D._____, … [Adresse], zweifach (gegen Empfangs- schein). 5. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge- richt des Kantons Zürich, Zivilkammern, Postfach 2401, 8021 Zürich, einge- reicht werden. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO). - 8 - Zürich, 12. Mai 2015 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Die Gerichtsschreiberin: lic. iur. A. Leu versandt am: