Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. März 2021 (725 20 232 / 67) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Anordnung eines zusätzlichen Gutachtens durch den Versicherer: Da die Verfahrensho- heit bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens beim Versicherer liegt und ihm im Rahmen der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendig- keit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zukommt, muss die richterliche Prüfung bei einer knappen Beurteilung der Aktenlage im Sinne einer Plausi- bilitäts- resp. Missbrauchskontrolle ihr Bewenden haben Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei ber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Katrin Plattner, Behin- dertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen SOLIDA Versicherungen AG , Saumackerstrasse 35, Postfach, 8048 Zürich, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Martin Bürkle, Rechtsanwalt LL.M., Thouvenin Rechtsanwälte KLG, Klausstras- se 33, 8024 Zürich Betreff Gutachten A. Die 1960 geborene A.____ wurde am 25. Juni 2004, als sie sich zu Fuss auf ihrem Arbeitsweg befand, von einem Unbekanntem angegriffen , mit einer Waffe bedroht und verge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht waltigt. Im Anschluss daran rannte sie in Panik in Richtun g Unterführung und stürzte dort die Treppe hinunter. Als Folge dieses Ereignisses litt sie an starken psychischen Beeinträchtigun- gen. Mit Verfügung vom 14. April 2011 sprach ihr die SOLIDA Versicherungen AG (nachfol- gend: SOLIDA) als zuständiger obligatorischer Unfallver sicherer mit Wirkung ab 1. Mai 2010 eine auf einem Invaliditätsgrad von 50 % basierende I nvalidenrente zu. Bereits zuvor, mit Ver- fügung vom 16. Oktober 2008, hatte ihr die IV-Stell e Basel-Landschaft mit Wirkung ab 1. Oktober 2007 eine halbe Rente der Eidgenössischen I nvalidenversicherung (IV) zugespro- chen. Am 25. Oktober 2013 wurde A.____ in einer Tiefgarage nach der Rückkehr vom Einkaufen überfallen, wobei ihr die Handtasche geraubt wurde. Beim Überfall wurde sie von einem der Täter in den Rücken und den Beckenbereich getreten. Na chdem die Schweizerische Unfallver- sicherungsanstalt (Suva) als zuständiger obligatorischer Unfallversicherer die gesetzlichen Leis- tungen für die Folgen dieses Ereignisses erbracht hat te, erliess sie am 18. Februar 2015 (be- stätigt mit Einspracheentscheid vom 16. April 2015) ei ne Verfügung, mit welcher sie den Fall bezüglich der Unfallfolgen per 24. November 2014 abschl oss und die Weiterausrichtung von Versicherungsleistungen ab diesem Datum ablehnte. Zur Begründung hielt sie fest, laut kreis- ärztlicher Beurteilung seien die aktuell bestehenden Beschwerden nicht mehr auf dieses Unfall- ereignis zurückzuführen. Die von A.____ hiergegen erho bene Beschwerde wies das Kantons- gericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht ) mit Urteil vom 10. September 2015 (Verfahren-Nr. 725 15 180 / 228) ab. Mit Verfügung vom 19. Mai 2917 erhöhte die IV-Stell e Basel-Landschaft die laufende halbe IV- Rente der Versicherten aufgrund eines im Rahmen eines Revisionsverfahrens neu ermittelten Invaliditätsgrads von 87 % rückwirkend ab 1. März 2015 auf eine ganze Rente. In medizinischer Hinsicht stützte sie sich dabei auf das von ihr eingeholte psychiatrische Gutachten von PD Dr. med. B.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 17. November 2016. Am 17. Juli 2017 ersuchte A.____ die SOLIDA um Erhöhun g der laufenden Invalidenrente. Zur Begründung verwies sie auf eine persistierende Verschlecht erung ihres psychischen Gesund- heitszustands und auf die in der Zwischenzeit ergangene IV-Revisionsverfügung. Im Rahmen der nachfolgenden medizinischen Abklärungen gab die SOLIDA bei Dr. med. C.____, Psychiat- rie und Psychotherapie FMH, das versicherungsexterne psychia trische Gutachten vom 20. August 2018 in Auftrag. Nach dessen Eingang nahm Dr. med. D.____, Psychiatrie und Psy- chotherapie FMH, als beratender Arzt der SOLIDA hierzu Stellung. Gestützt auf seine versiche- rungspsychiatrische Beurteilung vom 4. März 2019 entschi ed die SOLIDA mit Verfügung vom 20. Mai 2019, dass sie den Antrag der Versicherten auf Erhöhung der Invalidenrente ablehne. Gegen diese Verfügung erhob A.____ Einsprache bei de r SOLIDA. Im Rahmen des Ein- spracheverfahrens gelangte die SOLIDA zur Auffassung, da ss der medizinische Sachverhalt weiterer Abklärung bedürfe. Nachdem sie A.____ vorgängi g das rechtliche Gehör gewährt hat- te, ordnete die SOLIDA deshalb mit Zwischenverfügung vom 26. Mai 2020 eine polydisziplinäre (orthopädische, neurologische und psychiatrische Begutachtun g) der Versicherten an. Gleich- zeitig ernannte sie die IB-Bern, Interdisziplinäre Begutachtungen, als Gutachterstelle. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durc h Katrin Plattner, Rechtsdienst Behindertenforum, am 10. Juni 2020 Beschwerde beim Ka ntonsgericht, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es se i die angefochtene Verfügung auf- zuheben und es sei ihr ab dem 1. März 2015 eine Vollin validenrente zuzusprechen. Dement- sprechend sei festzustellen, dass der medizinische Sachverh alt rechtsgenüglich abgeklärt und deshalb auf die Durchführung eines weiteren (polydiszipl inären) Gutachtens zu verzichten sei. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Beschwerdege gnerin zurückzuweisen und diese an- zuweisen, ihr mittels Erlasses einer Leistungsverfügung e ine Vollinvalidenrente zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 18. September 2020 bean tragte die SOLIDA, vertreten durch Rechtsanwalt Martin Bürkle, die Beschwerde sei vo llumfänglich abzuweisen, soweit da- rauf einzutreten sei. D. Im Hinblick auf die Beurteilung der vorliegenden Be schwerde zog das Kantonsgericht bei der IV-Stelle Basel-Landschaft die IV-Akten der Versicherten bei. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer oder gegen Verfügungen de r Unfallversicherer, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, beim zuständigen kanto nalen Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 AT SG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in E.____ (BL), weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Deze mber 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger oder gegen Verfügungen der Versiche- rungsträger, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Gemäss § 1 Abs. 3 lit. g VPO entscheidet die präsidi erende Person der Abteilung durch Präsidialentscheid über Beschwerden gegen selbstä ndig anfechtbare prozess- und ver- fahrensleitende Verfügungen gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bu ndesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000. Bei der vorliegend ange- fochtenen Zwischenverfügung der SOLIDA vom 26. Mai 202 0 handelt es sich um eine solche verfahrensleitende Verfügung im Sinne der genannten B estimmung. Die Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde fällt somit in die Kompetenz der pr äsidierenden Person des Kantonsge- richts, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.3 Im versicherungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind g rundsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen der zuständige Sozialversicherer vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung - Stellung geno mmen hat. Insoweit bestimmt die Verfü- gung den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgeg enstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurt eilsvoraussetzung, wenn und inso- weit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 f. E. 2.1, 125 V 414 E. 1a und b, je mit Hin- weisen). In der vorliegend angefochtenen Zwischenverfüg ung vom 26. Mai 2020 ordnete die SOLIDA eine polydisziplinäre (orthopädische, neurologische und psychiatrische) Begutachtung der Versicherten an, mit welcher sie die IB-Bern, Int erdisziplinäre Begutachtungen, betraute. In ihrer gegen diese Verfügung erhobenen Beschwerde vom 10. Juni 2020 beantragte die Versi- cherte nicht nur die Aufhebung dieser Verfügung, sonder n darüber hinaus auch, es sei ihr ab dem 1. März 2015 eine Vollinvalidenrente zuzusprechen; e ventualiter sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese anzuweisen, ihr mittels Erlasses einer Leis- tungsverfügung eine Vollinvalidenrente zuzusprechen (Ziff ern 2 und 4 der Rechtsbegehren), Die Höhe des Rentenanspruchs, welcher der Versicherten gegenüber der Beschwerdegegnerin zusteht, bildet nun aber nicht Gegenstand des vorliege nden Beschwerdeverfahrens. In diesem ist ausschliesslich die Frage zu beurteilen, ob die SOLID A zu Recht eine polydisziplinäre (or- thopädische, neurologische und psychiatrische) Begutachtung d er Versicherten durch die IB- Bern angeordnet hat. Auf die Ziffern 2 und 4 der Re chtsbegehren der Beschwerde der Versi- cherten vom 10. Juni 2020 kann daher im vorliegenden B eschwerdeverfahren nicht eingetreten werden. 2. Im Folgenden ist demnach einzig zu prüfen, ob sich die Beschwerdeführerin der durch die SOLIDA in der Zwischenverfügung vom 26. Mai 2020 angeordneten polydisziplinären (or- thopädischen, neurologischen und psychiatrischen) Begutacht ung durch die IB-Bern zu unter- ziehen hat. 3.1 Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgeme inen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 statuiert die Sachv erhaltsabklärung von Amtes we- gen, wobei es grundsätzlich im Ermessen des Versicherungstr ägers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln dies zu erfolgen hat. Im Rahmen d er Verfahrensleitung kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me- dizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sic h aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist de r Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Bewe isgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit entschieden werden kann (Urteil des Bundesge richts vom 27. Mai 2020, 9C_721/2019, E. 3 mit Hinweisen). Die für die Beurte ilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen durchzuführenden Abklärungen im Sinne von Art. 4 3 Abs. 1 ATSG beinhalten indessen rechtsprechungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträge rs, eine "second opinion" zu dem bereits in einem Gutachten festgestellten Sachverh alt einzuholen, wenn dieser nicht sei- nen Vorstellungen entspricht. Entscheidend für die Fra ge, ob weitere Abklärungen angeordnet werden können und müssen, ist, inwieweit die bereits vo rliegenden Gutachten die praxisge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht mässen inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen erfü llen (Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2 mit Hinweisen). 3.2 Für eine abschliessende Beantwortung der Frage, ob es sich bei der vorgesehenen polydisziplinären Begutachtung um das Einholen einer un zulässigen "second opinion" zu dem von Dr. C.____ gutachterlich festgestellten medizinischen Sachverhalt handelt, müsste die vor- liegende medizinische Aktenlage auf ihre Vollständigkei t und Schlüssigkeit hin überprüft wer- den. Eine eingehende Überprüfung der medizinischen Aktenlage würde aber dazu führen, dass die Endverfügung im Hinblick auf die Beurteilung der m edizinischen Sachlage weitgehend prä- judiziert würde. Weil die Verfahrenshoheit bis zum Absc hluss des Verwaltungsverfahrens bei der Beschwerdegegnerin liegt und ihr nach dem Gesagten (vgl. E. 3.1 hiervor) im Rahmen der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zukommt, muss im vo rliegenden Verfahren die richterliche Prüfung bei einer knappen Beurteilun g der Aktenlage im Sinne einer Plausibili- täts- resp. Missbrauchskontrolle ihr Bewenden haben. Entsch eidend ist, ob die Gründe, die die Beschwerdegegnerin für die Notwendigkeit weiterer med izinischer Abklärungen anführt, plausi- bel erscheinen. Demnach greift das Gericht bei der Fr age der Notwendigkeit einer weiteren Be- gutachtung in das Ermessen der mit der Abklärung betraut en Verwaltung nur dann ein, wenn klar erkennbare Fehleinschätzungen vorliegen, eine Begu tachtung von vornherein untauglich angelegt wäre oder Anhaltspunkte bestehen, dass sich die Beschwerdegegnerin bei ihrem Ent- scheid von sachfremden Motiven leiten liess (vgl. das Urte il der Präsidentin des Kantonsge- richts, Abteilung Sozialversicherungsrecht, vom 7. März 2018 , 725 17 56 / 65, E. 3.2 mit Hin- weisen). 4.1 Nachdem die Versicherte um Erhöhung der laufenden Invalidenrente ersucht hatte, holte die SOLIDA zur Abklärung des aktuellen medizinisc hen Sachverhalts das versicherungs- externe psychiatrische Gutachten von Dr. C.____ vom 20. Au gust 2018 ein. Darin erhob dieser als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ei ne posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und eine schwere depressive Episode (ICD- 10 F32.2) bei Suizidversuch mit Tabletten 2017 und unter langdauernder antidepressiver und psychiatrischer Behandlung. Die Versicherte sei in ihrer Leistungsfähigkeit seit 2013 stark eingeschränkt. Dies sei in den Arztbe- richten, in der IV-Begutachtung und in der aktuellen U ntersuchung plausibel geschildert worden und lasse sich mit der Symptombelastung gut erklären. E s liege weiterhin eine vollständige Ar- beitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt vor. Zur Unfall kausalität der aktuellen Gesundheitsbe- einträchtigungen führte Dr. C.____ aus, die Symptome der Psychotraumatologie würden persis- tieren, was gut dokumentiert sei, und sie seien durch d as zweite Ereignis vom Oktober 2013 wieder verschlechtert worden. Die vorhandene Symptomatik u nd die sich daraus ergebenden psychiatrischen Diagnosen stünden weiterhin in einem über wiegend wahrscheinlichen bis si- cheren natürlichen, teilkausalen Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 25. Juni 2004. Ohne den ersten Unfall wäre die Symptomatik nicht vorha nden gewesen, die durch das zweite Ereignis verschlechtert worden sei. Somit sei die Verschle chterung der Depression und der posttraumatischen Belastungsstörung, die zur Erhöhung de s IV-Grads geführt habe, in einem überwiegend wahrscheinlichen bis sicheren natürlichen, te ilkausalen Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 25. Juni 2004 zu sehen. Auf die Fra ge nach allfälligen unfallfremden Ursa- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen wies Dr. C.____ darauf hin, dass die Versicherte n eben dem zweiten Ereignis, dem Über- fall in der Tiefgarage, noch eine Rückenoperation zu bewältigen gehabt habe. Sonst würden keine zusätzlichen sozialen Belastungsfaktoren bestehen. 4.2 In der Folge ersuchte die SOLIDA ihren beratende n Arzt Dr. D.____ um eine Stellung- nahme zum Gutachten von Dr. C.____ bzw. um eine versicher ungspsychiatrische Beurteilung der Angelegenheit im Rahmen einer Aktenbeurteilung. In seinem ausführlichen Bericht vom 4. März 2019 vertrat Dr. D.____ die Auffassung, dass das Gutachten von Dr. C.____ den recht- sprechungsgemässen Anforderungen an eine medizinische Beur teilungsgrundlage nicht zu ge- nügen vermöge. Aufgrund der vorliegenden Befundlage sei es durch das Ereignis vom Oktober 2013 nicht zu einer vorübergehenden oder richtunggebe nden Verschlimmerung des durch den Unfall vom 25. Juni 2004 bestehenden Vorzustands gekommen . Vorrangig seien Gründe der somatischen Erkrankungsumstände für den Verlauf seit Ende 2013 verantwortlich. Bezogen auf die psychiatrischen Aspekte seien bei der Versicherten no ch Ressourcen für die Fortsetzung des bisher ausgeübten 50 %-Pensums in einer kaufmännischen Tätigkeit gegeben. 4.3.1 Gestützt auf diese versicherungspsychiatrische Beurt eilung von Dr. D.____ lehnte die SOLIDA mit Verfügung vom 20. Mai 2019 den Antrag de r Versicherten auf Erhöhung der Invali- denrente ab. Nachdem die Versicherte hiergegen Einspra che erhoben hatte, gelangte die SOLIDA im Einspracheverfahren zur Auffassung, dass der m edizinische Sachverhalt weiterer Abklärung bedürfe. Sie ordnete deshalb mit der vorlie gend angefochtenen Zwischenverfügung vom 26. Mai 2020 eine polydisziplinäre (orthopädische, ne urologische und psychiatrische Be- gutachtung) der Versicherten durch die IB-Bern an. 4.3.2 Demgegenüber vertritt die Beschwerdeführerin di e Auffassung, dass dem versiche- rungsexternen Gutachten von Dr. C.____ voller Beweiswe rt zukomme. Dessen Ergebnisse würden gänzlich mit den Resultaten übereinstimmen, zu denen bereits PD Dr. B.____ in seinem im Rahmen des IV-Revisionsverfahrens erstellten psychiatri schen Gutachten vom 17. Novem- ber 2016 gelangt sei. Es würden somit zwei unabhängige psychiatrische Gutachten vorliegen, die beide mit dem erforderlichen Beweisgrad der über wiegenden Wahrscheinlichkeit davon ausgehen würden, dass der zweite Unfall vom Oktober 201 3 die aus dem ersten Unfall vom Juni 2004 resultierende Traumasymptomatik reaktiviert und den Gesundheitszustand damit dramatisch verschlechtert habe. Beide Gutachten gingen davon aus, dass die verschlechterte gesundheitliche Situation mit an Sicherheit grenzend er Wahrscheinlichkeit eine teilkausale Fol- ge des am 25. Juni 2004 erlittenen Unfalls sei. Beide Experten seien zudem der Ansicht, dass keine (Dr. C.____) bzw. praktisch keine (PD Dr. B.____) verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr vor- liege. Vor diesem Hintergrund bestehe keine Veranlass ung für die Anordnung einer weiteren Begutachtung. Es könne nicht akzeptiert werden, dass di e Beschwerdegegnerin so lange im- mer wieder andere (Fach-) Ärzte involviere, bis sie das von ihr gewünschte Resultat habe. Ein solches Vorgehen sei stossend. Zu beachten sei ausserdem, dass vorliegend einzig die Ver- schlechterung des psychischen Gesundheitszustands zur Debatte stehe, die von zwei ausge- wiesenen Gutachtern überzeugend begründet worden sei . Der Somatik komme im Zusammen- hang mit der hier zu beurteilenden Frage nach dem Um fang der Leistungspflicht der SOLIDA Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht keinerlei Bedeutung zu, weshalb die angeordnete Abkläru ng in den Fachbereichen Neurologie und Orthopädie auch unter diesem Aspekt nicht nachvollziehbar sei. 5.1 Wie oben dargelegt (vgl. E. 3.2 hiervor), geht es bei der vorliegenden Beurteilung ein- zig darum, gestützt auf eine summarische Würdigung der A ktenlage zu überprüfen, ob die As- pekte, die von der Beschwerdegegnerin in Bezug auf di e Notwendigkeit einer weiteren Begut- achtung genannt werden, plausibel erscheinen. Eine vert iefte Würdigung des Beweiswerts der medizinischen Akten hat zum jetzigen Verfahrensstand dur ch das kantonale Versicherungsge- richt nicht zu erfolgen. 5.2 Vorab ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass das psychiatrische Gutach- ten von PD Dr. B.____ vom 17. November 2016 im vorlieg enden Zusammenhang nicht mass- gebend sein kann. Insofern sind denn auch die Schlüsse, w elche die Beschwerdeführerin in Bezug auf die strittige Kausalitätsfrage aus dieser E xpertise zieht (vgl. E. 4.3.2 hiervor), erheb- lich zu relativieren. Das Gutachten von PD Dr. B.____ wur de für die Invalidenversicherung er- stellt. Da diese als finale Versicherung - und nicht wie die Unfallversicherung kausal - ausgestaltet ist, hat sie sämtliche Leiden unabhängig von ihrer Ursache zu berücksichtigen (BGE 124 V 174 E. 3b). Die IV-Stelle und ihr Gutacht er PD Dr. B.____ mussten deshalb, an- ders als die SOLIDA und der von ihr beauftragte Gutach ter Dr. C.____, keine Kausalitätsbeur- teilung vornehmen. 5.3 Dr. D.____ weist in seiner Beurteilung vom 4. Mä rz 2019 darauf hin, dass im Gutach- ten von Dr. C.____ vom August 2018 - wie bereits im IV -Gutachten von PD Dr. B.____ vom November 2016 - eine erhebliche Depressivität der Explor andin beschrieben werde. Da aber noch im Jahre 2014 die damaligen Dokumente auf eine ausreichend gute Verfassung der Ver- sicherten verwiesen hätten und diese ihre damalige Täti gkeit wieder habe aufnehmen können, könne diese Intensivierung nicht auf eine unmittelbare Z unahme der posttraumatischen Prob- lematik in Zusammenhang mit dem Ereignis von 2013 in V erbindung gebracht werden. Hinge- gen habe damals eine komplexe, krankheitsbedingte (Rü cken-) Schmerzproblematik mit einer ausgewiesenen neurologischen Beeinträchtigung vorgeleg en, was durchaus auch als Ursache einer manifesten depressiven Symptomatik eingeordnet werd en könne, denn der Zusammen- hang zwischen Rückenschmerzen und depressiven Symptomen sei in der Literatur evident. Diese Aspekte hätte Dr. C.____ in seinem Gutachten viel detaillierter und vertiefter erheben müssen, da er ja die schwere depressive Episode als Diagnos e mit Einfluss auf die Arbeitsfä- higkeit erachte. Auf die Frage der SOLIDA, ob durch d en Überfall vom Oktober 2013 der auf- grund des Unfalls vom Juni 2004 bestehende Vorzustand ric htunggebend oder vorübergehend verschlimmert worden sei, führt Dr. D.____ sodann aus, d er zeitnahe Aktenverlauf nach dem 25. Oktober 2013 weise in Bezug auf eine psychiatrische P roblematik keine akute Zunahme einer Beschwerdesymptomatik auf. Es sei auch unmittelbar in Zusammenhang mit dem Ereig- nis keine Intensivierung der psychiatrischen Behandlung erfo lgt. Vielmehr werde beschrieben, dass die Versicherte nach diesem Überfall ihre Arbeit wieder aufgenommen habe, was mit einer akuten Intensivierung einer psychopathologischen Symptomat ik nicht vereinbar gewesen wäre. Auch die darauffolgenden Einschränkungen der Gesundhei t seien ausschliesslich auf somati- sche Aspekte in Zusammenhang mit der Wirbelsäulenproblematik zurückzuführen. Im Weiteren Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei belegt, dass die Versicherte im Sommer 2014 angegebe n habe, dass es ihr sehr gut gehen und sie wieder ihre bisherige Arbeit aufnehmen würde. Auch in diesem Zeitabschnitt würden sich keine Hinweise mit Krankheitswert finden, die auf e ine Verschlimmerung einer vorbeste- henden psychopathologischen Symptomatik hingewiesen hätte n. Noch im März 2015, also gut anderthalb Jahre nach dem Überfall, werde seitens de s behandelnden Psychiaters darauf hin- gewiesen, dass die Traumatherapie zurückgestellt worden sei. Dies wäre sicherlich nicht er- folgt, wenn wirklich eine derart schwerwiegende Verschlech terung bezüglich der psychischen Verfassung bestanden hätte, wie sie die Versicherte im Jah re 2016 im Rahmen der IV- Begutachtung geschildert habe. Auffallend sei, dass auc h dieser Widerspruch weder im IV- Gutachten noch in der Expertise von Dr. C.____ auch n ur im Ansatz geklärt worden sei. Schliesslich weist Dr. D.____ darauf hin, dass gemäss den Angaben, welche die Versicherte anlässlich der IV-Begutachtung gemacht habe, sich ihre p sychische Verfassung seit der zwei- ten Operation vom 25. November 2014 deutlich verschlecht ert habe, da die rechtsseitigen Beinschmerzen seit dieser Operation wieder permanent vorhanden und wieder sehr stark seien. PD Dr. B.____ führe dazu in seinem Gutachten aus, dass d ie Explorandin seither unter einer anhaltenden und ausgeprägten depressiven Grundstimmung l eide. In Anbetracht dieser Be- fundlage sei, so das Fazit von Dr. D.____, belegt, dass es durch das Ereignis vom 25. Oktober 2013 zu keiner vorübergehenden oder richtunggebenden V erschlimmerung des durch den Un- fall vom 25. Juni 2004 bestehenden Vorzustands gekomme n sei. Vorrangig seien unfallfremde somatische Erkrankungsumstände für den Verlauf seit 2013 verantwortlich. 5.4 Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, wonach dem Gutachten von Dr. C.____ kein ausreichender Beweiswert zukommt, um den fraglichen medizinischen Sachverhalt im er- forderlichen Masse zu klären, erscheint in einer summarischen Würdigung der medizinischen Unterlagen, wie sie hier zur Anwendung gelangen hat (vgl. E. 3.2 hiervor), plausibel. Wie Dr. D.____ in seiner Beurteilung zutreffend aufzeigt, lässt das Gutachten von Dr. C.____ ver- schiedene Fragen offen. Insbesondere setzte sich Dr. C._ ___ nicht oder nur unzureichend mit den nach dem Ereignis vom Oktober 2013 zeitnah erstellt en Fakten, der offenbar fehlenden Behandlungsintensivierung und dem somatischen Krankheitsverl auf auseinander. Dies er- schwert oder verunmöglicht die Beurteilung der releva nten Frage, ob allenfalls unfallfremde somatische Erkrankungsumstände für den Verlauf seit 201 3 (mit-) verantwortlich sind. Mit Blick auf die in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierte Abklärungspfl icht und den der Beschwerdegegnerin zukommenden Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umf ang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen, ist nicht zu beanstanden, d ass die Vorinstanz eine Neubegut- achtung anordnete. Da sich auch die Frage nach den Auswi rkungen allfälliger unfallfremder Faktoren auf den Gesundheitszustand und die Arbeitsfäh igkeit stellt, erscheint es auch ange- bracht, die zusätzlichen Abklärungen in Form eines polydi sziplinären (orthopädischen, neurolo- gischen und psychiatrischen) Gutachtens vornehmen zu lassen. Diese Neubegutachtung dient der für den Endentscheid notwendigen Sachverhaltsabkläru ng und stellt nicht bloss eine "se- cond opinion" dar, wie die Beschwerdeführerin sinngemä ss moniert. Weil die Verfahrenshoheit bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens bei der Beschwerd egegnerin liegt und zudem keine Hinweise ersichtlich sind, dass der Beschwerdeführeri n die Begutachtung beschwerde- bedingt nicht zumutbar wäre, besteht für das Kantonsger icht kein Anlass, korrigierend einzu- greifen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Zusammenfassend folgt aus dem Gesagten, dass die angef ochtene Zwischenverfü- gung der SOLIDA vom 26. Mai 2020 nicht zu beanstanden ist. Die dagegen erhobene Be- schwerde ist deshalb abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann (vgl. E. 1.3 hiervor). 7.1 Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gültig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Art. 83 ATSG) hält fest, dass das Verfahren vor de m kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Parteientschädigungen sind keine zuzusprechen. Die Be schwerdeführerin hat als un- terliegende Partei keinen Anspruch auf Ersatz der Par teikosten; die Beschwerdegegnerin wie- derum ist zwar obsiegende Partei und anwaltlich vertreten, Art. 61 lit. g ATSG schränkt den An- spruch auf eine Parteientschädigung jedoch ausdrücklich auf die Beschwerde führende Person ein. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde i n öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). 8.2 Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um ei nen selbständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des BGG. Wie das Bundesgericht i m Grundsatzurteil 138 V 271 fest- gestellt hat, sind kantonale Entscheide über Beschwerden gegen Verfügungen der Versiche- rungsträger betreffend die Einholung von medizinischen Gutachten nicht an das Bundesgericht weiterziehbar, sofern nicht Ausstandsgründe beurteilt wo rden sind. Der Entscheid darüber, ob die Voraussetzungen für eine Beschwerde im vorliegenden Fall erfüllt sind, obliegt dem Bun- desgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erf olgt unter diesem ausdrücklichen Vor- behalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht