B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4492/2022 E-4496/2022 E-4499/2022 U r t e i l v o m 1 7 . J a n u a r 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichter Lorenz Noli, mit Zustimmung von Richter David R. Wenger; Gerichtsschreiber Kevin Schori. Parteien 1. A._______, geboren (…), 2. B._______, geboren am (…), 3. C._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Mischa Hostettler, HR & Law Consulting Hostettler, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügungen des SEM vom 1. September 2022 / N (…), N (…) und N (…). E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 2 Sachverhalt: I. A. Die Beschwerdeführenden suchten am 29. April 2020 in der Schweiz um Asyl nach und wurden dem Bundesasylzentrum ( BAZ) der Region D._______ zugewiesen. B. B.a Mit drei separaten Verfügungen vom 9. November 2020 trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die Asyl- gesuche der Beschwerdeführenden nicht ein und verfügte die Überstellung an den für ihre Asylgesuche zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Italien). Die Verfügungen erwuchsen unangefochten in Rechtskraft. B.b Nachdem die Frist zur Überstellung nach Italien abgelaufen war, nahm die Vorinstanz die Asylverfahren der Beschwerdeführenden mit Verfügun- gen vom 2. (Beschwerdeführende 2 und 3) respektive 4. Februar 2021 (Be- schwerdeführerin 1) wieder auf. Die Beschwerdeführenden wurden dem Kanton D._______ zugewiesen. II. C. C.a Die Anhörungen zu den Asylgründen fanden am 17. (Beschwerdefüh- rerin 2) respektive am 18. (Beschwerdeführerin 1) März 2021 statt. Nach der Zuteilung ihrer Asylverfahren ins erweiterte Verfahren wurde mit der Beschwerdeführerin 1 am 15. Februar 2022 eine ergänzende Anhörung durchgeführt. Die Beschwerdeführerin 3 erschien zwar zu ihrem Anhö- rungstermin am 17. März 2021, konnte aber aus medizinischen Gründen (Diagnose: […], vgl. vorinstanzliche Akten N […] […]-21/2 [nachfolgend: act. 21], Arztbericht vom […] Juni 2020) nicht zu ihren Asylgründen befragt werden. Sie willigte jedoch ein, dass man sowohl ihre Mutter als auch ihre Schwester ebenfalls zu ihren Asylgründen befrage (vgl. a.a.O. act. 38 F9). D. D.a Die Beschwerdeführerin 1 (N […]) machte anlässlich der Befragungen im Wesentlichen Folgendes geltend: Sie sei tamilischer Ethnie und stamme aus E._______ in F._______. Im Jahr (…) habe sie geheiratet und sei mit ihrem Ehemann nach G._______ E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 3 gezogen. Nach ihrer Heirat sei ihr Ehemann festgenommen und während (…) Tagen im Camp von den sri-lankischen Behörden festgehalten und ge- schlagen worden. Anschliessend habe er seitens der Behörden nichts mehr vernommen. Nach zwei weiteren Umzügen und der Geburt der Be- schwerdeführerin 2 seien sie im Jahr (…), als der Krieg wieder entfacht sei, nach Indien gegangen. Anfang des Jahres (…) sei die Familie – nach der Geburt der Beschwerdeführerin 3 – nach Sri Lanka zurückgekehrt, wo sie in E._______ gelebt hätten. Ihr Ehemann sei im Jahr 2002 der Arbeit in der Landwirtschaft wegen ins Vanni-Gebiet gegangen, wo er Kontakte zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gehabt habe. Sie habe gehört, dass ihr Ehemann den LTTE Informationen geliefert habe. Er habe sie ein bis zwei Mal pro Monat zuhause in E._______ besucht und jeweils fremde Leute mitgebracht. Im (…) respektive (…) 2006 habe ihr Ehemann ihr mit- geteilt, dass es wieder Krieg geben werde, sie Probleme mit der sri-lanki- schen Armee bekommen würden und alle sterben könnten, weshalb sie (…) 2006 wieder nach Indien gegangen seien. Im Jahr (…) sei ihr Ehe- mann nach Sri Lanka zurückgekehrt. Aufgrund seiner Verbindungen zu den LTTE habe er jedoch Schwierigkeiten gehabt, weshalb er im Jahr (…) wie- der nach Indien zurückgekehrt sei. Er habe ihr jedoch nur mitgeteilt, dass er als Spion für die LTTE tätig gewesen und deshalb in E._______ gesucht worden sei. Während di eser Zeit hätten sie sich regelmässig gestritten, weshalb ihr Mann im (…) beziehungsweise (…) wieder nach Sri Lanka zu- rückgekehrt sei. Seither habe sie nichts mehr von ihm gehört. Da sie von ihm enttäuscht und genervt gewesen sei, habe es sie auch nicht me hr in- teressiert, wo er sich aufgehalten habe. Bis im (…) 2018 hätten sie sich an verschiedenen Orten in Indien – überwiegend in H._______ – aufgehalten. Im Jahr 2018 hätten sie Probleme mit den indischen Behörden bekommen, da sie sich auf illegalem Weg indische Pässe hätten ausstellen lassen. Die betreffenden Beamten hätten sich jedoch mit einer einmaligen Zahlung von Bestechungsgeld nicht zufriedengegeben. Deshalb sei sie im (…) 2018 ge- meinsam mit der Beschwerdeführerin 3 per Flugzeug nach Sri Lanka zu- rückgekehrt. Da sie mithilfe des UNHCR (United Nations High Commissio- ner for Refugees, Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen) nach Sri Lanka zurückgekehrt seien, seien sie bei ihrer Ankunft nicht von den sri - lankischen Behörden befragt worden. In der Folge hätten sie sich zunächst in I._______ in Colombo bei einem Freund aufgehalten , wo sie erfolglos versucht habe, für die Familie eine Wohnung zu finden. Im (…) 2018 seien sie nach E._______ zurückgekehrt, wo sie im Haus ihrer Mutter gelebt hät- ten. Darauf habe sich die Polizei bei ihr gemeldet und ihr mitgeteilt, dass sie zur Polizeistation J._______ kommen müsse. Sie sei mit ihrer Tochter E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 4 dorthin gegangen, um sich zu registrieren und die Fragen der Polizei zu beantworten. Nach der Registrierung auf der Polizeistation seien am (…) 2018 (ein Freitag) zwei Personen vom CID (Criminal Investigation Depart- ment) für eine Befragung bei ihnen zuhause erschienen, wobei sie auch zu ihrem Ehemann befragt worden sei. Die Beamten hätten sie für den kom- menden Montag ins nahe gelegene Militärcamp beordert. Nach Mitternacht habe sie Schritte und Geräusche gehört. Da sie grosse Angst gehabt habe, habe sie ihre Mutter und Tochter geweckt. Obwohl mehrfach an ihre Türe geklopft worden sei, habe sie diese nicht geöffnet. Eine weitere Türe in der Küche sei aufgebrochen worden und drei maskierte Personen seien in das Haus eingedrungen. Sie und ihre Mutter seien mit einer Waffe bedroht und die Beschwerdeführerin 3 in ein Nebenzimmer gebracht worden. Die Be- schwerdeführerin 3 habe geschrien und sie (Beschwerdeführerin 1) habe versucht, ihr zu Hilfe zu eilen, wobei sie von zwei Personen attackiert und geohrfeigt worden sei, bis sie das Bewusstsein verloren habe. Als sie wie- der zu sich gekommen sei, habe sie die Beschwerdeführerin 3 voller Krat- zer aufgefunden. Sie habe mit der Beschwerdeführerin 2 in Indien telefo- niert und ihr vom Überfall berichtet . Die Beschwerdeführerin 2 habe sie überzeugen können, nach Indien zurückzukehren. Sie sei daraufhin mit ihrer Tochter mit dem Zug nac h Colombo gefahren, wo sie sich wieder bei ihrem Freund aufgehalten hätten. Aus Scham sei sie mit ihrer Tochter nicht ins Spital gegangen, sondern habe in einer Apotheke Medikamente für sie gekauft. Sie habe mit einem Schlepper Kontakt auf- genommen, damit dieser ein Visum für sie und ihre Tochter beantrage. Sie habe Angst gehabt, dass sie wegen ihrem Ehemann und dessen Verbin- dung zu den LTTE vom Militär gesucht werde. Sie hätten via Colombo aus Sri Lanka ausreisen wollen , jedoch aufgrund ihrer offiziellen Ad resse in F._______ und der kurzen Aufenthaltsdauer in Sri Lanka kein indisches Vi- sum erhalten. Ihr Freund habe ihnen daher in der Folge geholfen, im (…) 2019 auf dem Seeweg nach Indien zu kommen. Nach ihrer Ausreise aus Sri Lanka hätten CID-Beamte zweimal ihre Mutter in E._______ aufgesucht und nach ihr gefragt. Sie habe ihrer Mutter daher geraten ihren Aufenthaltsort zu wechseln. Seither pendle ihre Mutter zwi- schen K._______ und E._______. Da sie wegen der Probleme mit den in- dischen Behörden weder in Indien noch ohne ein männliches Familienmit- glied in Sri Lanka hätten leben können, hätten sie sich im (…) 2019 zur illegalen Ausreise aus Indien mit dem Bus entschieden. E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 5 Im (…) 2021 habe sie durch den Bruder ihres Ehemannes erfahren, dass ihr Ehemann in Sri Lanka verstorben sei. Ansonsten stehe sie mit ihrer Schwiegerfamilie nicht in Kontakt. D.b Die Vorbringen der Beschwerdeführerin 2 (N […]) – soweit sie sich überhaupt zu den Aus reisegründen der Beschwerdeführenden 1 und 3 äussern konnte – entsprechen im Wesentlichen und hinsichtlich des vorlie- gend relevanten Sachverhalts denjenigen der Beschwerdeführerin 1, wes- halb auf eine ausführliche Widergabe vorliegend verzichtet werden kann. D.c Die Beschwerdeführenden reichten folgende Dokumente und Beweis- mittel ein (im Original, sofern nicht anders spezifiziert): – Kopien ihrer sri-lankischen Identitätskarten, – zwei Kopien der sri-lankischen Reisepässe der Beschwerdeführenden 1 und 3, – Geburtsurkunden der Beschwerdeführenden 1 und 3, – diverse Dokumente aus Indien (Kopi e des «Voluntary Repatriation Form for Sri Lankan Refugees » des UNHCR, eine Flüchtlings-Identi- tätskarte betreffend die Beschwerdeführerin 1 und ihren Ehemann, eine Rationenkarte , Identitätskarten des «L._______»-Flücht- lingscamps der Beschwerdeführerin 1 und ihres Ehemannes, ein No- tenblatt vom Oktober 2009 betreffend die Beschwerdeführerin 2, di- verse indische Medizinalakten aus dem Jahr 2014 betreffend die Be- schwerdeführerin 3), – zwei medizinische Dokumentationen der Pflege des BAZ vom (…) April 2020 und (…) Mai 2020 sowie zwei Arztberichte vom (…) Juni 2020 und (…) Juli 2021 betreffend die Beschwerdeführerin 3, – drei Seiten handschriftlicher medizinischer Unterlagen sowie vier me- dizinische Kurzberichte der Pflege des BAZ v om (…) April 2020, (…) Juni 2020 und (…) Juni 2020 betreffend die Beschwerdeführerin 1, – zwei medizinische Berichte und eine medizinische Dokumentation der Pflege des BAZ vom (…) und (…) April 2020 respektive April / Mai 2020 betreffend die Beschwerdeführerin 2, – einen Arztbericht vom (…) April 2020 betreffend die Beschwerdeführe- rin 2, – eine Kopie des «Sri Lankan Tamil Re gistration Particulars» vom (…) 2014, – einen Zeitungsartikel betreffend (…) vom (…) Dezember 2009, E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 6 – diverse Kopien von Fotos der Beschwerdeführerin 2 und ihres indi- schen Partners, – einen Ausdruc k eines Online -Artikels vom 11. Juli 2017 betreffend Passbetrug in Indien. E. Mit drei separaten Verfügungen vom 1. September 2022 – eröffnet am 5. September 2022 – verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden und lehnte ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig ver- fügte es ihre Wegweisung aus der Schweiz, schob den Vollzug aber zu- gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Darüber hinaus ordnete es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten an die Beschwerdeführenden an. F. Mit gemeinsamer Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 5. Oktober 2022 beantragten die Beschwerdeführenden die Aufhebung der Verfügungen vom 1. September 2022, die Feststellung der Flüchtlingsei- genschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung. In prozessualer Hinsicht be- antragten sie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbei- ständung sowie die Vereinigung ihrer Beschwerdeverfahren. Als Beweismittel lagen der Beschwerde ein Schreiben der Mutter der Be- schwerdeführerin 1 (inkl. Übersetzung sowie Kopie ihrer Identitätskarte ), ein Foto des Ehemannes (ihn angeblich mit LTTE-Mitgliedern zeigend), ein Familienfoto, ein Schreiben eines angeblichen ehemaligen LTTE -Mitglie- des (inkl. Übersetzung und Kopie der französischen Aufenthaltsbewilli- gung), zwei Auszüge aus Online-Zeitungsberichten zu den LTTE sowie vier Fotos vom Haus der Beschwerdeführenden und dessen Umgebung in Sri Lanka (alle jeweils in Kopie) ein. G. Die vorinstanzlichen A kten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 6. Oktober 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG). E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül- tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene n Verfügungen besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Grundsätzlich bildet jeder vorinstanzliche Entscheid ein selbständiges An- fechtungsobjekt. Ein gemeinsames Beschwerdeverfahren mit einem einzi- gen Urteil ist indes zuzulassen, wenn die einzelnen Sachverhalte in einem engen inhaltlichen Zusammenhang stehen und sich ähnliche Rechtsfragen stellen (André Moser/Michael Beusch/Lore nz Kneubühler, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.17). Die Vorinstanz lehnte die Asylgesuche der Beschwerdeführenden in drei separaten Verfügungen ab. Da es sich um einen zusammenhängenden Sachverhalt handelt und sich die g leichen Rechtsfragen stellen, sind die Verfahren antragsgemäss zu vereinigen und es ist in einem einzigen Urteil über die drei Verfügungen zu entscheiden. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 8 4. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wi e nachste- hend aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend um ein solches Rechts- mittel, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge- richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis; darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2 013/11 E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.). 6. 6.1 Die Vorinstanz kam in den angefochtenen Verfügungen zum Schluss, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden weder den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhielten. E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 9 6.1.1 Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Gescheh- nisse auf die von den Beschwerdeführenden dargelegte Art und Weise zu- getragen hätten. Obwohl sie teilweise durchaus lange Redebeiträge zu Protokoll gegeben hätten, seien sie nicht in der Lage gewesen, die geltend gemachte Verfolgung substanziiert, konsistent und erlebnisbezogen darzu- tun. Einleitend falle auch auf, dass sie vor der Ausreise aus Sri Lanka im Jahr 2006 im vom Militär kontrollierten Geb iet gelebt hätten und erst im Jahr 2018 bei ihrer Rückkehr nach Sri Lanka erstmals persönliche Prob- leme mit den heimatlichen Behörden gehabt hätten. Hinsichtlich der Verbindung ihres Ehemannes zu den LTTE habe die Be- schwerdeführerin 1 mehrfach angegeben, nichts darüber zu wissen. Es er- staune, dass ihren Schilderungen hierzu lediglich allgemeine und stereo- type Angaben zu entnehmen seien. Ihre Aussagen kennzeichneten sich hauptsächlich durch allgemeine bekannte Informationen aus, wie bei- spielswiese, dass ihr Ehemann Informationsaustausch gemacht habe, sin- ghalesisch spreche, fremde Leute mit nachhause gebracht und spioniert habe. Ihren diesbezüglichen Vorbringen mangle es an Realkennzeichen wie einem persönlichen Erlebnisbezug und Substanz. Auch die Beschwerdeführerin 2 habe hierzu lediglich vage, allgemeine und ausweichende Antworten gegeben. Ihre inkonsistenten Angaben, wonach ihr Vater in M._______ in Lebensgefahr gewesen sei, weil verlangt worden sei, dass sich pro Haushalt eine Person der Bewegung anschliesse, er- staunten, zumal er gemäss ihren Angaben damals bereits für die LTTE tätig gewesen wäre. Sie sei folglich ebenfalls nicht in der Lage gewe sen, sub- stanziierte und konsistente Angaben über ihren Vater und seine Verbin- dung respektive Aktivitäten für die LTTE zu machen. Vielmehr sei anzuneh- men, dass sie und ihre Familie Sri Lanka damals aufgrund der allgemeinen Situation im Rahmen des Bürgerkrieges verlassen hätten. Somit erscheine vorliegend auch nicht plausibel, dass sie bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka aufgrund des Vaters / Ehemannes (nachfolgend: Ehe- mann) eine Reflexverfolgung seitens der sri -lankischen Behörden zu be- fürchten hätten. Im Übrigen sei er gemäss Aussagen der Beschwerdefüh- rerin 1 im (…) 2021 verstorben, wonach das von ihnen geltend gemachte behördliche Verfolgungsmotiv auch nicht mehr bestehen würde. 6.1.2 Hinsichtlich des Überfalls auf die Beschwerdeführerin 3 führte das SEM aus, dass aufgrund der teils substanziierten und mit Realkennzeichen versehenen Schilderungen nicht auszuschliessen sei, dass tatsächlich ein E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 10 Überfall auf sie verübt worden sei. Jedoch sei die Beschwerdeführerin 1 nicht in der Lage gewesen, die Umstände dieses Vorf alles glaubhaft dar- zulegen. Es sei somit nicht davon auszugehen, dass sich dieses Ereignis gemäss der von ihr dargelegten Sachverhaltsdarstellung ereignet habe. Zwar gehe das SEM davon aus, dass sie seit ihrer Ausreise im Jahr 2006 wieder nach Sri Lanka zurückgekehrt sei. Ihren Akten sei auch eine Kopie ihres sri-lankischen Passes zu entnehmen, welcher am (…) 2018 in Co- lombo ausgestellt worden sei. Jedoch lasse sich nicht mit Sicherheit fest- stellen, wann sie nach Sri Lanka zurückgekehrt und ob sie tatsächlich auch nach F._______ zurückgekehrt sei. So seien auch ihre Schilderungen be- treffend die Rückkehr nach F._______ unsubstanziiert und mit einer gerin- gen Erzähldichte ausgefallen. Sie habe weder detaillierte Angaben über die Zugfahrt nach F._______ noch über ihre Ankunft machen können. Die Zug- fahrt habe sie mit allgemeinen und stereotypen Angaben geschildert und den weiteren Angaben zur Ankunft in F._______ mangle es bereits ansatz- weise an persönlichem Erlebnisbezug. Ebenso knapp seien ihre Schilde- rungen betreffend ihr Wiedersehen mit ihrer Mutter nach über zehn Jahren ausgefallen. Weiter fehlten substanziierte Angaben über ihren Aufenthalt vor dem besagten Ereignis in F._______. Aufgefordert, über ihren Aufent- halt im Dorf nach ihrer Ankunft zu erzählen, habe sie lediglich ausweichend geantwortet. Zusätzlich mangle es ihren Schilderungen betreffend den Be- such von zwei Beamten des CID auch an persönlichem Erlebnisbezug und Substanz. Sie habe hierzu zwar einen etwas längeren Redebeitrag zu Pro- tokoll geben können. Es falle jedoch auf, dass sie in diesem Beitrag mehr- heitlich wiedergegeben habe, was Drittpersonen zu ihr gesagt hätten. Auf- gefordert, die Umstände dieses Gesprächs darzulegen, habe sie in einem Satz nur angegeben, dass sie am Kochen und Essen gewesen seien. An- schliessend habe sie erneut mehrheitlich über Drittpersonen gesprochen und angegeben, dass diese sie beobachtet hätten. Auf Nachfragen hierzu habe sie ausweichend und vage geantwortet. Sie sei somit nicht in der Lage gewesen, ihre Rückkehr und die U mstände ihres Aufenthalts in F._______ glaubhaft darzulegen. Demnach sei nicht davon auszugehen, dass sie und ihre Tochter dort im Jahr 2018 unter den besagten Umständen einen Überfall erlitten hätten und deshalb aus Sri Lanka hätten ausreisen müssen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sie unter anderen Umstän- den aus Sri Lanka ausgereist seien. Es erscheine auch nicht plausibel, dass sie bei einer erneuten Rückkehr aufgrund ihres verstorbenen Ehe- mannes – mit dem sie seit dem Jahr 2012 weder in Kontakt gestanden sei noch seinen Aufenthaltsort gekannt habe – eine Reflexverfolgung seitens sri-lankischer Behörden zu befürchten habe. Das Verfolgungsmotiv würde E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 11 seit dem Ableben ihres Ehemannes im (…) 2021 auch nicht mehr beste- hen. 6.1.3 Die von den Beschwerdeführenden geschilderten Nachteile in Indien seien mangels Bezug zu den Problemen in ihrem Heimatland – abgesehen davon, dass es sich dabei aufgrund der illegal beschafften Pässe auch um eine legitime staatliche Fahndung handeln könne – flüchtlingsrechtlich nicht relevant. 6.1.4 Ferner lägen auch keine Risikofaktoren im Sinne der Rechtspre- chung (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8, 9.1) vor. Ihre Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und die Landesabwe- senheit reichten gemäss herrschender Praxis nicht aus, um von Verfol- gungsmassnahmen bei ihrer Rückkehr auszugehen. Eine allfällige Befra- gung bei Rückkehr und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise stellten keine flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungs- massnahmen dar. Dies gelte auch für Kontrollmassnahmen am Herkunfts- ort. Aufgrund des blossen Umstands, dass sie während des Bürgerkrieges aus Sri Lanka ausgereist seien, sei nicht davon auszugehen, dass sie in den Augen der sri-lankischen Sicherheitsbehörden als Perso nen gälten, die eine besonders enge Beziehung zu den LTTE gepflegt hätten. So hät- ten sie selber auch keine Verbindung zur Bewegung gehabt. Den Akten seien somit keine Hinweise auf eine relevante Verschärfung ihrer persönli- chen Situation zu entnehmen. Es bestehe kein begründeter Anlass zur An- nahme, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein würden. Auch die aktuelle Situ- ation vermöge diese Einschätzung nicht umzustossen. 6.2 Dem hielten die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde Folgendes entgegen: Sie hätten in den Anhörungen unabhängig voneinander deckungsgleich, glaubwürdig und detailliert von der Verb indung des Ehemannes zu den LTTE berichtet. Es gelte als erstellt, dass er bereits in den 80er-Jahren für die Bewegung aktiv gewesen sei – die eingereichten Beweismittel belegten dies zweifelsfrei. Es liege in der Natur der Sache, dass der Ehemann als Mitglied des LTTE-Geheimdienstes seine Familie zu ihrem eigenen Schutz nicht über seine gefährlichen politischen und beruflichen Aktivitäten infor- miert habe. Es überrasche somit nicht, dass die Schilderung über die Akti- vitäten des Ehemannes nicht sehr detailliert ausgefallen seien. D urch die E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 12 Verbindung des Ehemannes zu den LTTE sei das Verfolgungsmotiv klar nachgewiesen. Das SEM gehe richtigerweise davon aus, dass sich der ge- schilderte Übergriff ereignet habe. Ihre Aussagen seien glaubhaft, detail- liert und widerspruchsfrei ausgefallen. Bei der Komplexität der Lebensge- schichte wäre eine abgesprochene oder erfundene Geschichte sofort auf- geflogen. Die Aussage des SEM, wonach die Aussagen nicht durchgehend logisch konsistent seien und aufgrund allgemeiner stereotypen und inkon- sistenten Angaben nicht überzeugten, sei nicht mit Beispielen substanziiert worden. Zudem seien die Beschwerdeführenden anlässlich der Anhörun- gen oftmals angehalten worden, nicht zu ausführlich zu antworten, was kei- nen Eingang ins Protokoll gefunden habe. In den Beweismit teln fänden sich sodann die schriftliche Zeugenaussage der Mutter der Beschwerde- führerin 1 , welche die Vorbringen bestätigten. Neben den detaillierten Schilderungen der Beschwerdeführerin 1 zeichne die Zeugenaussage der Mutter ein klares Bild vom Vorfall. Mit an Sicherheit grenzender Wahr- scheinlichkeit seien die drei maskierten Männer Mitglieder der Regierung respektive des CID gewesen. Diese hätten die Beschwerdeführerin 1 ein- schüchtern wollen, da sie sich am Morgen des (…) 2018 gegenüber den CID-Beamten geweigert habe, ins Militärcamp zu gehen. Da keinerlei Wert- sachen gestohlen worden seien, könne nicht von einem Raub ausgegan- gen werden. Durch die brutale Vergewaltigung und die schwere Gewaltan- wendung bis zur Ohnmacht sei das Leben der Beschwerdeführenden ge- fährdet worden. Es lägen somit ernsthafte Nachteile vor, die eindeutig mit der LTTE-Vergangenheit des Ehemannes zusammenhingen. Es gelinge dem SEM nicht, die fehlende Glaubhaftigkeit nachvollziehbar zu begrün- den. Vielmehr stelle sie Vermutungen und Mutmassungen auf, die den ein- gereichten Beweismitteln nicht standhielten. Der Umstand, dass die CID - Beamten beim Besuch am Morgen die Umgebung genauestens ausge- kundschaftet hätten, lasse den Schluss zu, dass der brutale Überfall am Abend klar mit der Untersuchu ng des CID in Zusammenhang gestanden habe. Da sich die Beschwerdeführerin 1 als Ehefrau eines LTTE-Mitgliedes der Untersuchung der CID im Militärcamp entzogen habe, sei es sicher, dass ihr und ihren Töchtern bei einer Einreise Lebensgefahr drohe. Es sei hinlänglich bekannt, dass Folter durch die CID und TID ( Terrorist Investi- gation Division) längst Routine sei. Es sei unter diesen Umständen nicht nachvollziehbar, dass eine Reflexverfolgung verneint werde. Gerade die Tatsache, dass sie sich während Jahren in Indien aufgehalten hätten, un- terstreiche den Verdacht auf eine Verbindung zu den LTTE. Den beiliegen- den Zeitungsartikeln sei zu entnehmen, dass die LTTE überwiegend von Indien her organisiert und finanziert würden. Diesen Umstand – wie auch die nachgewiesene Verbindung des Ehemannes zu den LTTE – habe das E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 13 SEM treuwidrig ausser Acht gelassen. Auch wenn in der Zwischenzeit der Ehemann verstoben sei, bestehe weiterhin eine begründete Verfolgungs- furcht. Ihnen sei daher Asyl zu gewähren. Ferner rügen die Besch werdeführenden eine Verletzung des Willkürver- bots und der verfassungsrechtlichen Verfahrensgarantien, da das SEM sie aufgrund der unrechtmässig erschlichenen indischen Reisepässe und der Missachtung der Überstellung nach Italien als nicht glaubwürdig eingestuft habe. Es sei unbestritten und sei von ihnen auch transparent dargelegt worden, dass die Ausstellung der indischen Pässe nicht rechtmässig er- folgt sei. Sie hätten sich jederzeit kooperativ gezeigt und sämtliche Fragen aufrichtig und ehrlich beantwortet. 7. 7.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass die angefochtene Verfügung zu bestätigen ist. Die Vor - instanz ist darin mit im Resultat überzeugender, ausführlicher sowie hin- länglich auf die Akten und die Rechtsprechung abg estützter Begründung zum Schluss gelangt, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden we- der den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand- hielten. Mit ihrer knappen Beschwerdebegründung – welche sich im We- sentlichen in einfachen Gegenbehauptungen unter Bezugnahme auf die eingereichten Beweismittel beschränkt und eine konkrete Auseinanderset- zung mit den einzelnen Argumenten der Vorinstanz vermissen lässt – ver- mögen die Besc hwerdeführenden den überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann daher mit den nachfolgenden Ausführungen auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen wer- den. Eine Verletzung des Willkürverbots nach Art. 9 BV oder anderweitiger Verfahrensgarantien – welche von den Beschwerdeführenden auch nicht weiter konkretisiert wurden – ist offenkundig nicht zu erkennen. 7.2 Die Beschwerdeführenden sind der Ansicht, dass mit den auf Be- schwerdeebene eingereichten Beweismitteln (vgl. Auflistung unter Bst. F) die vom SEM bezweifelte Tätigkeit des Ehemannes für die LTTE zweifels- frei bewiesen sei. Dieser Ansicht ist nicht zu folgen. Die (undatierte) «Zeugenaussage» der Mutter der Beschwerdeführerin 1, in welcher in vier kurzen Sätzen lediglich die Asylgründe der Beschwerde-E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 14 führenden wiederholt werden, ist als Gefälligkeitsschreiben mit entspre- chend geringem Beweiswert zu qualifizieren. Gleiches gilt für das (eben- falls undatierte) Schreiben eines angeblichen ehemaligen LTTE-Mitglieds, welches im Jahr 2002 zusammen mit dem Ehemann bei den LTTE gedient habe. Darüber hinaus wird in der Beschwerde gar nicht erklärt, wie die Be- schwerdeführenden überhaupt an den in Frankreich lebenden B ekannten des Ehemannes respektive an dessen Kontaktdaten gelangt sind, zumal sie ja angaben, seit dem Jahr 2012 weder mit dem Ehemann noch der Schwiegerfamilie – mit zweimaliger Ausnahme des Bruders – Kontakt ge- habt zu haben (vgl. N […] act. 38 F22-24 f.; N […] act. 39 F63 f., F145 f.). Die beiden unsubstanziierten Schreiben vermögen den Asylvorbringen der Beschwerdeführenden daher keine neue Dimension hinzuzufügen. Das Foto, welches angeblich den Ehemann mit LTTE-Mitgliedern zeigt, ist weiter von derart schlechter Qualität, dass nicht festzustellen ist, ob es sich bei einem der Männer tatsächlich um den Ehemann handelt. Ein Abgleich mit dem ebenfalls eingereichten Familienfoto ist daher nicht möglich (wobei auch unklar ist, ob es sich beim Mann in der Mitte tatsächlich um den Ehe- mann handelt). Die Beschwerdeführenden führen sodann weder aus, wo, wann und unter welchen Umständen dieses Foto entstanden ist, noch um wen es sich bei den anderen Personen auf dem Foto handelt oder wie sie an dieses Foto gelangt se ien. Hinsichtlich der Fotos ihres Hauses in Sri Lanka ist unklar, wer diese wann und zu welchem Zweck angefertigt hat , ob es sich dabei überhaupt um ihr Haus handelt und was die Beschwerde- führenden damit zu untermauern gedenken. Aus den Zeitungsartikeln – welche nach Angaben der Beschwerdeführen- den die Organisation und Finanzierung der LTTE aus Indien zum Thema haben – vermögen sie mangels ersichtlichen persönlichen Bezugs nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel vermögen die an- gebliche LTTE-Verbindung des mittlerweile verstorbenen Ehemannes da- her nicht zu untermauern. Mit ihrer pauschalen und ohne jeglichen Proto- kollverweis angeführten Beschwerdebehauptung, ihre diesbezüglichen Aussagen seien glaubwürdig und detailliert ausgefallen, vermögen sie die konkrete und ausführliche Argumentation der Vorinstanz nicht zu widerle- gen. Die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz (vgl. angefochtene Verfügung E. II. Ziff. 1.a) – denen sich das Gericht anschliesst – sind daher zu bestätigen. E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 15 7.3 Zusätzlich ist festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin 1 bis kurz vor dem Vorfall im (…) 2018 scheinbar problemlos möglich war, mit Hilfe eines Agenten offizielle sri -lankische Identitätsdokumente (Identität skarte und Reisepass) für sich und die Beschwerdeführerin 3 zu beantragen und auch zu erhalten (vgl. N […] act. 38 F45-47; act. 44 F60 f.). Angesichts des angeblich erheblichen Verfolgungsinteresses der sri-lankischen Behörden erstaunt dies ebenso wie der Umstand, dass die Beschwerdeführenden 1 und 3 ohne Behelligung über den Flughafen Colombo hätten einreisen kön- nen und bis zu diesem Vorfall angeblich drei Monate lang «normal» gelebt hätten, obwohl die Behörden über ihren Aufenthaltsort im Bilde gewesen seien (vgl. a.a.O. act. 38 F40ff., F49 f.; act. 44 F52 f., F59-61). Dies spricht deutlich gegen die behauptete Reflexverfolgung. 7.4 Den Vorfall vom (…) 2018 mit dem Übergriff auf die Beschwerdeführe- rin 3 hat die Beschwerdeführerin 1 grundsätzlich wortreich geschildert, wo- bei stellenweise auch einige Realkennzeichen wie beispielsweise die Be- schreibung von Überlegungen, Gedanken und Gefühlen sowie Details er- kennbar sind (vgl. a.a.O. act. 44 F41-43). Weiter stimmen die Schilderun- gen der Beschwerdeführerin 2 hinsichtlich des dreimonatigen Aufenthalts ihrer Mutter und Schwester im Jahr 2018 in Sri Lanka zwar im Wesentli- chen mit denjenigen der Beschwerdeführerin 1 überein, sind aber äusserst knapp und vage ausgefallen, wobei sie bei der konkreten Frage nach den Ausreisegründen der Mutter und Schwester hinsichtlich des nächtlichen Überfalls auf die Mutter verwies (vgl. N […] act. 39 F198-204). Die Glaub- haftigkeit des Übergriffs kann letzten Endes offengelassen werden, zumal es den Beschwerdeführenden nicht gelunge n ist, die Umstände dieses Vorfalls – insbesondere dessen Zusammenhang mit einer angeblichen LTTE-Tätigkeit des Ehemannes, welche vorstehend ebenfalls für unglaub- haft befunden wurde – glaubhaft zu machen. Auch hier vermögen sie mit ihrer pauschalen und ohne jeglichen Protokollverweis versehenen Behaup- tung, ihre Schilderungen seien detailliert, widerspruchsfrei und somit glaubhaft ausgefallen, die konkreten Argumente der Vorinstanz (vgl. ange- fochtene Verfügung E. II Ziff. 1.b) nicht zu widerlegen. An den Stellen, an welchen sie in ihrer Beschwerde auf einzelne ihrer Aussagen (ohne An- gabe konkreter Protokollstellen) Bezug nehmen, erschöpft sich ihre Argu- mentation in Mutmassungen (so bspw. hinsichtlich der Täterschaft des nächtlichen Überfalls, deren Beweggründ e und Vorgehen sweise, vgl. a.a.O. Ziff. 34). 7.5 Im Übrigen hat das SEM entgegen de r Rüge der Beschwerdeführen- den seine Argumente hinsichtlich der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen stets E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 16 mit Beispielen respektive Protokollhinweisen untermauert. Den Protokollen ist sodann nicht nur zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin 2 mehr- mals angehalten wurde, sich kurz zu fassen (vgl. N […] act. 39 F34, F181, F196, F199, F205, F208), sondern auch, dass sie mehrmals von der be- fragenden Person gebeten wurden, ausführlich zu berichten (vgl. a.a.O. F42, F108; N […] act. 38 F28-30, F70, F80, F83, F132 sowie act. 44 F40, F51, F59 f., F72, F85). Es ergeben sich daher keine Hinweise, dass ent- sprechende Aufforderungen, sich kurz zu fassen, nicht protokolliert worden respektive im Ra hmen der Gesprächsführung nicht angezeigt gewesen wären. 7.6 Zusammenfassend ist es den Beschwerdeführenden nicht gelungen, eine auf einer angeblichen LTTE-Verbindung des (verstorbenen) Eheman- nes beruhenden Reflexverfolgung, welche in einem sexuellen Übergriff auf die Beschwerdeführerin 2 gegipfelt habe, glaubhaft zu machen. 7.7 Bezüglich allfälliger Risikofaktoren im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 (vgl. a.a.O. E. 8.5), deren Vorliegen zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft führen könnten, kann mit den nachfolgenden Ausführungen vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung (dort E. II Ziff. 3) verwiesen werden. Die Beschwerdeführenden gaben – abgesehen vom geschilderten und un- ter den angegebenen Umständen für unglaubhaft befundenen Vorfall – an, nie Probleme mit den sri-lankischen Behörden gehabt zu haben (vgl. N […] act. 38 F71 f.; N […] act. 39 F187-189). Auch sei nebst dem Ehemann nie- mand in der Familie bei den LTTE gewesen (vgl. N […] act. 38 F74 f.; N […] act. 39 F59). Auch ein mehrjähriger Aufenthalt in Indien führt nicht zu einer Schärfung ihres Risikoprofils. 7.8 Nach dem Ausgeführten ist es den Beschwerdeführenden nicht gelun- gen, eine asylrechtlich relevante Gefährdung im Zeitpunkt ihrer letztmali- gen Ausreise aus Sri Lanka glaubhaft zu machen. Es ist nicht davon aus- zugehen, dass ihnen eine solche im Falle einer Rückkehr mit überwiegen- der Wahrscheinlichkeit drohen würde. Folglich hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfüg ung E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 17 Bundesrecht nicht verl etzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh- renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf in sgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Angesichts der aus den vorstehenden Erwägungen hervorgehenden Aus- sichtslosigkeit der Beschwerde sind die Gesuche um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung und amtlichen Verbeiständung ungeachtet der allfälligen Prozessarmut der Beschwerdeführenden abzuweisen. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit dem v orliegend instruktionslos ergehenden, verfahrensabschliessenden Urteil in der Sache hinfällig. (Dispositiv nächste Seite) E-4492/2022, E-4496/2022, E-4499/2022 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Verfahren E-4492/2022, E-4496/2022 und E-4499/2022 werden verei- nigt. 2. Die Beschwerden werden abgewiesen. 3. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt- lichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Lorenz Noli Kevin Schori Versand: