Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. Januar 2018 (720 17 105 / 29) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beweiswürdigung von Stellungnahmen des Regionalen ärztlichen Dienstes Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Roman Felix, Advokat, Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Beigeladene C.____ AG Betreff IV-Rente / Drittauszahlung A. Der 1967 geborene A.____ arbeitete zuletzt als A utomechaniker bei der B.____ AG in X.____. Am 14. April 2008 meldete er sich unter Hinweis auf eine Schultererkrankung zum Leis- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungsbezug bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Nachdem berufliche Abklä- rungen im C.____ gescheitert waren, beauftragte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) das Zentrum für die Medizinische Begutachtung (ZMB) mit de r Begutachtung des Versicherten. Ge- stützt auf die Empfehlungen von Dr. med. E.____, FMH A rbeitsmedizin und FMH Allgemeine Innere Medizin, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD), nah m die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen vor. Mit Vorbescheid vom 9. Oktober 2012 tei lte sie dem Versicherten mit, dass sie beabsichtige, ihm vom 1. November 2007 bis 31. März 2008 eine ganze Rente, vom 1. April 2008 bis 31. Juli 2008 eine Dreiviertelsrente und vom 1 . Juli 2011 bis 30. Juni 2012 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Für die Zeit nach dem 1. Juli 2012 bestehe kein Rentenanspruch. Infolge der vom Versicherten gegen diesen Vorbescheid erhobenen Einwände klärte die IV- Stelle den medizinischen Sachverhalt erneut ab. Dabei b eauftragte sie das Spital F.____ mit einer rheumatologischen Begutachtung. Gestützt auf das G utachten vom 28. August 2015/11. Dezember 2015 und der Stellungnahme von Dr. E.____ vo m 20. Juni 2016 sprach sie dem Versicherten mit Verfügung vom 27. Februar 2017 die i m Vorbescheid vom 9. Oktober 2012 vorgesehenen befristeten, abgestuften Invalidenrenten zu. B. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertre ten durch Advokat Roman Felix, am 29. März 2017 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilun g Sozialversicherungsrecht. Er beantragte, es sei die Verfügung vom 27. Februar 2017 insoweit aufzuheben, als ihm für den Zeitraum vom 1. April 2008 bis 31. Juli 2008 lediglich eine Dreiviertelsrente und für den Zeit- raum ab 1. Juli 2012 keine Rente zugesprochen worden se i. Die IV-Stelle sei sodann zu ver- pflichten, ihm ab 1. November 2007 eine unbefristete ganze Invalidenrente auszurichten. Weiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, soweit sie eine Drittauszahlung an die C._____ AG in Höhe von Fr. 25'203.-- vorsehe. Dabei sei die IV -Stelle zu verurteilen, ihm den gesamten Nachzahlungsbetrag von Fr. 79'020.-- inkl. Zinsen zu be zahlen; alles unter o/e-Kostenfolge. In der Begründung wurde im Wesentlichen eine ungenügend e medizinische Abklärung geltend gemacht. Zudem gehe die IV-Stelle zu Unrecht von eine m Eingliederungspotenzial und einer Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit aus. Ausserdem sei d ie Höhe der Drittauszahlung von Fr. 25‘203.-- nicht nachvollziehbar. C. In ihrer Vernehmlassung vom 15. Mai 2017 schloss die IV -Stelle mit Verweis auf den RAD-Bericht vom 4. April 2017 und die Stellungnahme der zuständigen Ausgleichskasse Han- del Schweiz vom 5. Mai 2017 auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Replik vom 18. Juli 2017 hielt der Versicherte d urch seinen Rechtsvertreter an sei- nen Anträgen und Ausführungen fest. E. Die IV-Stelle verwies in ihrer Duplik vom 21. August 2017 auf die RAD-Stellungnahme vom 7. August 2017 und beantragte weiterhin die Abweisung der Beschwerde. F. Das Kantonsgericht lud mit Verfügung vom 31. August 2 017 die C.____ AG zum vor- liegenden Verfahren bei. Dabei gab es ihr Gelegenhei t, sich zur strittigen Drittauszahlung zu äussern. Die Beigeladene führte in ihrer Eingabe vom 30. Oktober 2017 aus, dass die Höhe der Drittauszahlung von Fr. 25'203.-- rechtens sei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 29. März 2017 ist demnach ei nzutreten. 2.1 Vorliegend ist zu prüfen, ob der Versicherte ab 1 . November 2007 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 27. Februar 2017 entwickel t hat. Dieser Zeitpunkt bildet recht- sprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Übe rprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch au f eine Rente, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu min destens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über d en Allgemeinen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG ). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesund heitlichen Beeinträchtigung zu be- rücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht ein Anspruch auf ei ne ganze Rente, wenn die ver- sicherte Person zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsr ente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und a uf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruch s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Gr undlage für die Beurteilung der Zumut- barkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkei ten als die zuletzt ausgeübte Berufsar- beit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, a usgeglichenen und nach ihren persön- lichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumu tbarerweise noch verrichtet wer- den können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in : Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidit ät in der So-zialversicherung, St. Gal- len 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.4 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Widersprechen sich medizinische Berichte, darf da s Gericht den Prozess nicht erledi- gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und d ie Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These a bstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die g eklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.5 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 3.6 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Inva- lidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist mit jen em externer medizinischer Sachver- ständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemä ssen Anforderungen an ein ärztli- ches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232) genügen und die Arztperson über die notwen- digen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1 S. 219). Auf das Ergebnis von RAD-Berichten kann demgemäss nicht abgestellt werden, w enn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2 S. 229, 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. und E. 4.7 S. 471). 4.1 Aus den Akten geht hervor, dass beim Versicherten auf grund der seit 2006 bestehen- den linksseitigen Schulterbeschwerden am 25. Juni 2007 eine arthroskopische Akriomoplastik durchgeführt wurde (Operationsbericht von Dr. med. G.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 25. Juni 2 006). Nach langwierigem postoperati- vem Verlauf zeichnete sich im November 2007 eine deutli che Besserung ab. Dr. G.____ erach- tete eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ab 1. Januar 2008 a ls möglich. Der Umfang der Arbeitsfähig- keit könne danach schrittweise gesteigert werden (vgl. Be richt von Dr. G.____ vom 19. Novem- ber 2007). In der Folge wurde der Versicherte schrittw eise am Arbeitsplatz integriert. Die Auf- nahme einer vollen Arbeitstätigkeit war jedoch infolg e Auftretens erneuter, starker Schmerzen nicht möglich (vgl. Berichte von Dr. med. H.____, FMH A llgemeine Innere Medizin, vom 29. April 2008, von Dr. med. I.____, FMH Chirurgie, vom 9. Mai 2008 und von Dr. G.____ vom 26. Juni 2008). Der Hausarzt, Dr. H.____, attestiert e dem Versicherten jedoch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Verweistät igkeit. Vom 18. August 2008 bis 26. September 2008 fand im D.____ eine berufliche Ab klärung statt. Gemäss Bericht der D.____ vom 10. Oktober 2008 könne der Versicherte seine angestammte Tätigkeit als Autome- chaniker nicht mehr ausführen. Dagegen sei es ihm zumutba r, leichte Arbeiten, welche nicht monoton repetitiv und selten bis nie über der Horizontalen zu verrichten seien, ganztags auszu- üben. Am 14. November 2008 und 18. September 2009 b erichtete Dr. med. J.____, FMH Rheumatologie, über persistierende Schulterschmerzen, we lche nicht genügend objektiviert werden könnten. Es folgten ab 24. August 2009 erneut b erufliche Abklärungen im D.____, wel- che jedoch schmerzbedingt am 16. Oktober 2009 abgebroc hen werden mussten. Im Ab- schlussbericht der beruflichen Massnahmen vom 16. November 2009 wurde festgehalten, dass der Versicherte aufgrund der Schulterschmerzen selbst leichteste Arbeiten nicht habe durchfüh- ren können. Die neurologische Untersuchung durch Dr. me d. K.____, FMH Neurologie, ergab keine wesentlichen Auffälligkeiten (vgl. Bericht vom 12 . November 2009). Dr. med. L.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe gungsapparates, diagnostizierte in seinem Gutachten vom 25. Februar 2010 einen chronifizie rten Schmerzzustand im Bereich der linken Schulter ventral ohne sicheres pathologisches Su bstrat. Anlässlich der Untersuchung habe er eine muskuläre Atrophie am linken nicht domin anten Schultergürtel feststellen können. Zudem bestehe ein Verdacht auf eine Bizepssehnentendin ose im Sulcus und auf eine Instabili- tät der Bizepssehne oder eine SLAP-Läsion im Ansatzgebiet der Bizepssehne. Aufgrund dieses Leidens könne der Versicherte seinen linken Arm praktisch für keine Tätigkeiten mehr einset- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zen, welche Heben, Haltefunktionen, Tragen, Stemmen, kraftvolles Drehen, Klopfen, Halten und Drehen mit Kraft sowie Überkopfarbeiten erfordert en. Den Beruf des Automechanikers könne er nicht mehr ausüben. Arbeiten, die unter völli ger Schonung des linken Armes und der linken Hand durchgeführt werden könnten, seien ihm dag egen zumutbar. Dabei könne er leich- tere Tätigkeiten auf Tischhöhe auch mit der linken Hand ohne repetitive Bewegung des gesam- ten Armes ausführen. 4.2 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens beauftragte die IV-Stelle das ZMB mit der Be- gutachtung des Versicherten. Im polydisziplinären Gutachten vom 28. Oktober 2010 mit den Disziplinen Allgemeinmedizin, Orthopädie und Psychiatrie hielten die ZMB-Experten als Diag- nosen einen chronifizierten Schmerzzustand an der linken S chulter bei Status nach Arthrosko- pie und athroskopischer subacromialer Dekompression fest. Z udem stellten sie als Verdachts- diagnosen ein subacromiales Impingement und eine Instab ilität der langen Bizepssehne oder eine SLAP-Läsion im Ansatzgebiet der Bizepssehne. Eine psychische Erkrankung von invalidi- sierendem Ausmass liege nicht vor. Aufgrund der somatischen Beeinträchtigungen bestehe seit 2007 in der angestammten Tätigkeit als Automechaniker ke ine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer dem Schulterleiden angepassten Tätigkeit ohne repetit ive Arbeiten über Augenhöhe, Heben von schweren Lasten mit dem linken Arm oder Aussenrotatio nsbewegungen im linken Arm sei der Versicherte zu 100 % arbeitsfähig. Die Gutachter em pfahlen jedoch die Durchführung einer Arthroskopie, um den intraartikulären Verlauf d er Bizepssehne beurteilen zu können. Da- bei könne geprüft werden, ob eine SLAP-Läsion vorlieg e (vgl. auch ergänzende Stellungnahme des ZMB vom 13. Januar 2011). 4.3 In der Folge beauftragte die IV-Stelle Dr. G.__ __ mit einer Verlaufsarthroskopie, wel- che am 7. April 2011 stattfand. Dr. G.____ stellte ein e Tendinose der langen Bizepssehne fest. Er führte daher gleichentags eine subacromiale Dekompression und eine Bizepstenodese durch (vgl. Operationsbericht vom 7. April 2011). 4.4 Am 27. März 2012 berichtete Dr. med. M.____, FMH Anästhesie, über den Gesund- heitszustand des Versicherten. Es sei auffallend, dass der Versicherte sämtliche Bewegungen mit dem linken Arm vermeide, welche die Anspannung des B izepses benötigten. Das linke Schultergelenk könne schmerzfrei bewegt werden. Ledigli ch am Ansatz der kurzen Bizepsseh- ne könne ein massiver Druckschmerz ausgelöst werden. Zudem finde sich im medialen Teil des Bizepsmuskels eine eindeutige, druckschmerzhafte Myogelose. W ährend in psychischer Hin- sicht keine Beeinträchtigungen festzustellen seien, sei der Versicherte aufgrund der Schmerzen im linken proximalen Oberarm körperlich stark eingeschränkt. In einer reinen Bürotätigkeit be- stehe vorerst eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Diese könn e dann später "eine Vollzeitstelle" wer- den. 4.5 Dr. med. N.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte am 12. April 2012 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, welche seit mehr als 5 Jahre bestehe. Aufgrund der zeitweisen Konzentrationsstörungen, des Gedankenkreisens und der Schlafstö- rungen sei die Leistungsfähigkeit des Versicherten etwas herabgesetzt. Die Arbeitsfähigkeit könne sie nicht beurteilen, da sich diese aus den Schulterbeschwerden ergebe. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6 Nach Einsicht in die medizinischen Akten kam der RAD -Arzt Dr. E.____ am 27. August 2012 zum Schluss, dass der Versicherte aufgrund der therap ieresistenten Schmerzen im Be- reich des linken kurzen Bizepssehnenansatzes in seiner angest ammten Tätigkeit als Autome- chaniker seit dem 16. Dezember 2006 zu 100 % arbeitsunfä hig sei. Demgegenüber habe in einer leidensangepassten Verweistätigkeit ab Januar 2 008 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit be- standen. Gemäss dem orthopädischen Gutachten von Dr. L.__ __ vom 25. Februar 2010 und dem ZMB-Gutachten vom 28. Oktober 2010 sei davon auszugehen, dass ab 29. April 2008 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Infolge der Arthroskopie vom 7. April 2011 sei der Versicherte vom 6. April 2011 bis 19. Januar 2012 vollstän dig arbeitsunfähig gewesen. Ab dem 20. Januar 2012 sei es dem Versicherten gestützt auf die Beurteilung von Dr. M.____ vom 27. März 2012 zumutbar gewesen, einer leidensangepasste n Arbeit zunächst im Umfang von 50 % und dann ab 27. März 2012 von 100 % nachzugehen. 4.7 Am 18. März 2014 berichtete Dr. H.____, dass der V ersicherte im Jahr 2013 wegen Nierenzysten und im November 2012 wegen Gallensteinen o periert wurde. Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielt er ein chro nisches Schulterimpingementsyndrom rechts und eine Anpassungsstörung mit intermittierender leichter depressiver Episode fest. Funktionell sei der Versicherte einhändig, weil er nur die rechte Hand mit vollständiger Kraft einsetzen könne. Die anhaltend leicht bedrückte Stimmung slage, die Schlafstörungen, die ver- minderte Auffassungsgabe und Anpassungsfähigkeit beeinf lussten nun auch die Arbeitsfähig- keit in psychischer Hinsicht. Aufgrund der funktionellen Ei nhändigkeit und der Anpassungsstö- rung könne in einer "der Ausbildung des Versicherten en tsprechenden Verweistätigkeit" keine zumutbare Arbeitsfähigkeit erreicht werden. 4.8 Gemäss neurologischem Konsilium von Dr. med. O.___ _, FMH Neurologie, vom 17. Juni 2014 sei eine leichte Atrophie im Bereich des Musculus deltoideus objektivierbar. Die Minderbeweglichkeit könne aber auch inaktivitätsbedingt sein. Hinweise auf eine Nervenschä- digung oder eine Armplexusläsion beständen nicht. Eine neurogene oder muskuläre Affektion scheine nicht vorzuliegen. Aus neurologischer Sicht drängt en sich keine weiteren Abklärungen auf. 4.9 Gestützt auf die Stellungnahme von Dr. E.____ vom 5. Mai 2014 beauftragte die IV- Stelle das Spital F.____ mit einem rheumatologischen G utachten. Die begutachtende Ärzte- schaft diagnostizierte in ihrem Gutachten vom 28. August 2015/11. Dezember 2015 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein Schulter-Arm-Syndrom mi t chronischer Schmerzstörung bei thera- pierefraktärer Omalgie und Brachialgie. Die Beweglichkeit der linken Schulter sei eingeschränkt. Das geklagte Ausmass könne jedoch mit den klinisch erhobene n Untersuchungsbefunden nicht ausreichend erklärt werden. Der Armumfang sei beidsei ts gleich, allenfalls bestehe eine leichte Atrophie der Muskulatur am linken Arm. Beeinträchtigun gen beständen beim Heben schwerer Lasten über 5 kg, bei Überkopftätigkeiten, bei welchen beide Arme benötigt würden, bei ge- bückten Arbeiten und bei leichten, sich wiederholenden T ätigkeiten mit der linken Hand, z.B. Büroarbeiten. Für leichte und mittelschwere einar mige Tätigkeiten und Arbeiten, bei wel- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen lediglich eine vorübergehende Zuhilfenahme der li nken Hand ohne Heben schwerer Las- ten nötig sei, bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. 4.10 Dr. E.____ hielt nach Prüfung des rheumatologis chen Gutachtens des Spitals F.____ in seiner Stellungnahme vom 20. Juni 2016 im Wesentlich en an seinen Zumutbarkeitsbeurtei- lungen vom 27. August 2012 und 14. April 2016 fest. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens setzte er sich in seiner Stellungnahme vom 4. April 2017 sodann mit dem Austrittsbericht des Spitals P.____ vom 15. April 2015 auseinander. Darin wurden als Diagnosen eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, ein e mittelgradige depressive Episode, chronische Kopfschmerzen und ein Vitamin-D-Mang el festgehalten. Dr. E.____ stellte sich auf den Standpunkt, dass die diagnostizierte mitte lgradige depressive Episode nicht be- gründet worden sei, weshalb sie nicht als gesichert gelt en könne. Zudem sei bei tatsächlichem Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Störung davon auszugehen, dass die Gutachter des Spitals F.____ psychische Beeinträchtigungen erwähnt hätten, was aber nicht der Fall gewesen sei. Dazu komme, dass die von den behandelnden Ärzten des Spitals P.____ diagnostizierte mittelgradige depressive Episode ohne psychische Komorbiditäten gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zu einer Einschränkung der Arbeitsf ähigkeit führen könne. Die chroni- sche Schmerzstörung könne nicht sehr ausgeprägt sein, neh me der Versicherte gegen die Schmerzen doch nur Dafalgan ein. Da es dem Versicherten zudem möglich sei, seinen linken Arm intermittierend kurzzeitig zu Hilfe zu nehmen, könne nicht von einer funktionellen Einarmig- keit gesprochen werden. Weitere Abklärungen erübrigten sich. Denn die Schmerzen seien rheumatologisch abgeklärt worden, eine neurologische Be gutachtung bringe keine neuen Er- kenntnisse und für eine psychische Untersuchung bestehe keine Indikation. 5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 25. Februar 2017 auf das Gutachten des Spitals F.____ vom 28. August 2015/11. Deze mber 2015 und die Stellungnah- men von Dr. E.____. Sie ging demzufolge davon aus, dass d er Versicherte seine angestammte Tätigkeit als Automechaniker nicht mehr ausüben kann. In Bezug auf eine Verweistätigkeit stell- te sie sich auf den Standpunkt, dass der Versicherte ges tützt auf den Bericht von Dr. G.____ vom 19. November 2007 ab 1. Januar 2008 in einer sein em Leiden angepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig gewesen sei. Gemäss Arztbericht von Dr . med. H.____ vom 29. April 2008 habe sich dann die zumutbare Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit ab 29. April 2008 auf 100 % erhöht. Für die Zeit vom 6. April 2011 bis 19. Januar 2012 habe aufgrund der Schulter- arthroskopie keine Arbeits- und Erwerbsfähigkeit best anden. Ab 20. Januar 2012 sei dem Ver- sicherten gemäss telefonischer Rückfrage bei Dr. M.____ w ieder eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit zumutbar gewesen (vgl. auch R AD-Bericht vom 7. Februar 2012). Ge- stützt auf den Bericht von Dr. M.____ vom 23. März 2012 u nd das Gutachten des Spitals F.____ vom 28. August 2015/11. Dezember 2015 sei davo n auszugehen, dass der Versicherte seit 27. März 2012 in einer leidensangepassten Arbeit zu 100 % arbeitsfähig sei. 5.2.1 Diese vorinstanzliche Würdigung des medizinischen Sac hverhaltes vermag nicht zu überzeugen. Wie der Versicherte in seiner Beschwerde zutr effend geltend macht, zeigt der in den Akten dokumentierte Krankheitsverlauf, dass der RAD-Arzt Dr. E.____ seinem psychischen Gesundheitszustand zu wenig Rechnung trug. Gemäss Bericht v on Dr. N.____ vom 12. April Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2012 begab sich der Versicherte am 17. November 2011 e rstmals in psychiatrische Behand- lung. Die Psychiaterin diagnostizierte damals eine anhal tende somatoforme Schmerzstörung, welche die Leistungsfähigkeit etwas herabsetze. Zur Beha ndlung der Konzentrationsstörungen und des Gedankenkreisens verschrieb sie ihm Antidepressi va (Cymbalta). Im weiteren Verlauf wurden immer wieder psychische, jedoch wenig ausgeprägt e Störungen erwähnt. So beobach- tete der Hausarzt Dr. H.____ anlässlich seiner Untersu chung vom 18. März 2014 beim Versi- cherten eine leicht bedrückte Stimmungslage, eine leicht gehemmte Psychomotorik, eine mäs- sige Anhedonie und anhaltende Schlafstörungen, was die Auffassungsgabe und die Anpas- sungsfähigkeit beeinträchtige (vgl. Bericht vom 18. Mä rz 2014). Auch Dr. O.____ stellte in sei- nem neurologischen Konsilium vom 17. Juni 2014 fest, dass beim Versicherten psychisch leich- te Beeinträchtigungen beständen. Selbst Dr. E.____ ver neinte nicht das Bestehen von psychi- schen Störungen, bestätigte er doch in seinem RAD-Bericht vom 5. Mai 2014, dass beim Versi- cherten eine wenig ausgeprägte Anpassungsstörung mit int ermittierender leichter depressiver Episode vorliege (vgl. auch Bericht vom 7. August 2017). Dieser im Wesentlichen übereinstim- mend beschriebene psychische Gesundheitszustand erfährt mi t Austrittsbericht des Spitals P.____ vom 15. April 2015 eine Veränderung, indem di e behandelnden Ärzte neu eine mittel- gradige depressive Episode diagnostizieren. Nebst den i n den Vorberichten erwähnten psychi- schen Symptomen führten sie erstmals eine depressive Stimmun g mit Insuffizienz- und Verar- mungsgefühl und schambesetztem sozialem Rückzug sowie ein e Beeinträchtigung der Vitalge- fühle auf. Zudem schwitze er nachts häufig und viel. Zum ersten Mal wurde auch die Fortfüh- rung der Psychotherapie mit allfälliger Unterstützung einer kognitiven Verhaltenstherapie emp- fohlen. Aufgrund der Diagnosestellung und der psychischen Befunderhebung bestehen gewich- tige Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des psychischen Zustandes des Versicherten. Ob dadurch gegebenenfalls die Arbeitsfähigkeit des Versicher ten beeinflusst wird, lässt sich auf- grund der vorliegenden Aktenlage aber nicht beurteilen. 5.2.2 Daran ändert auch der Bericht von Dr. E.____ v om 4. April 2017 nichts. Darin stellte er sich auf den Standpunkt, dass die begutachtenden Ärzte de s Spitals F.____ anlässlich der Un- tersuchung im Juni 2015 psychische Einschränkungen erwähnt hätten, sollte eine mittelgradige depressive Episode vorgelegen haben. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Als Erstes ist darauf hinzuweisen, dass sich im Gutachten des Spitals F.____ vom 28. August/11. Dezem- ber 2015 durchaus Hinweise auf eine psychische Erkrankung finden lassen. So wurde in der Systemanamnese aufgeführt, dass der Versicherte unter Ein- und Schlafstörungen aufgrund kreisender Gedanken leide. Weiter empfahlen die Begut achter – übereinstimmend mit der Ärz- teschaft des Spitals P.____ – ebenfalls die Fortsetzung d er ambulanten Psychotherapie. Diese Ausführungen lassen darauf schliessen, dass zum Zeitpunkt der Begutachtung im Spital F.____ psychische Beeinträchtigungen bestanden. Dass diese nicht i n die gutachterliche Beurteilung einflossen, ist vielmehr auf die Auftragserteilung der IV-Stelle zurückzuführen, beauftragte diese das Spital F.____ ausschliesslich mit einer rheumatologisch en Begutachtung (vgl. Auftrag der IV-Stelle vom 20. Mai 2015). 5.2.3 Weiter verneinte Dr. E.____ die Notwendigkeit einer psychiatrischen Untersuchung unter anderem mit der Begründung, dass gemäss bundesger ichtlicher Rechtsprechung leichte und mittelgradige depressive Störungen keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu begründen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht vermögen. Nun ist zu beachten, dass das Bundesgericht seit den Beurteilungen von Dr. E.____ vom 4. April 2017 und 7. August 2017 seine Praxis zur Beurteilung des Anspruchs auf eine In- validenrente bei psychischen Leiden mit den beiden Urtei len BGE 143 V 418 und 143 V 409 vom 30. November 2017 geändert hat. Die für somatofo rme Schmerzstörungen entwickelte Rechtsprechung, wonach in einem strukturierten Beweisve rfahren anhand von Indikatoren die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der betrof fenen Person zu ermitteln ist, findet künf- tig auf sämtliche psychischen Erkrankungen Anwendung. Für leichte bis mittelschwere Depres- sionen im Speziellen bedeutet dies, dass dem bisherigen K riterium der "Therapieresistenz" als Voraussetzung für eine Invalidenrente nicht mehr die gle iche Bedeutung zukommt. Diese neue Praxis findet auf alle laufenden Verfahren Anwendung. Aus diesem Grund und der Tatsache, dass den Akten immer wieder Hinweise auf eine psychische Erkrankung zu entnehmen sind und der Versicherte seit der Behandlung bei Dr. Erhar d in den Jahren 2011/2012 nie mehr von einer psychiatrischen Fachperson untersucht wurde, dräng t sich eine psychiatrische Begutach- tung auf. 5.3 Ferner zeigen sich bei näherer Betrachtung der i n der Verfügung vom 27. Februar 2017 vorgenommenen Rentenabstufungen Unklarheiten und Widersprüche, was den Zeitraum seit Beginn des Wartejahres (= November 2006) bis zur Begutachtung im Spital F.____l im Jahr 2015 anbelangt. Die IV-Stelle stützte sich dabei auf di e Beurteilungen von Dr. E.____ vom 7. Februar 2012, 27. August 2012 und vom 14. April 2 016. Mit Verweis auf den Bericht von Dr. G.____ vom 19. November 2007 ging der RAD-Arzt da von aus, dass der Versicherte ab 1. Januar 2008 in einer Verweistätigkeit zu 50 % arbe itsfähig sei. Dabei übersieht er, dass Dr. G.____ eine 50%ige Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit nur als möglich betrachtete. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt jedoch nicht, um auf die Zumutbarkeitsbeur- teilung von Dr. G.____ abstellen zu können (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversi- cherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, § 74 Rz. 25 mit V erweis auf § 68 Rz. 43). Weiter ist der RAD-Arzt der Auffassung, dass aufgrund der diagnostischen Arthroskopie vom 7. April 2011 nur bis 19. Januar 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit be stätigt werden könne. Ab 20. Januar 2012 sei es dem Versicherten zuzumuten gewesen, eine l eidensangepasste Tätigkeit zu 50 % auszuführen. Dabei stützte er sich auf das mit Dr. M.____ geführte Telefonat vom 20. Januar 2012, welches im RAD-Bericht vom 7. Februar 2012 wieder gegeben wird. Es fällt auf, dass Dr. M.____ damals den Umfang der Arbeitsfähigkeit für leichte leidensangepasste Arbeiten nicht bestimmte. Er bestätigte nur, dass eine Arbeitsfäh igkeit gegeben sei. Erst einige Wochen später am 27. März 2012 attestierte er, dass der Versiche rte eine reine Bürotätigkeit zunächst im Umfang von 50 % ausführen könne. Später "könnte" das Pensum auf 100 % gesteigert wer- den. Diese Zumutbarkeitsbeurteilung beruhte auf einer Konsultation vom 23. März 2012, also mehr als 2 Monate nach dem Telefonat mit Dr. E.____. Damit steht fest, dass ab 20. Januar 2012 noch keine Arbeitsfähigkeit in einer leidensang epassten Tätigkeit im Umfang von 50 % vorlag. Eine solche bestand gemäss den Angaben von Dr. M. ____ erst ab 23. März 2012. Vor diesem Hintergrund ist die von Dr. E.____ angenommene Erhöhung der Arbeitsfähigkeit auf 100 % ab 27. März 2012 unwahrscheinlich, hätte der Versi cherte seine 50%ige Arbeitsfähigkeit innert 4 Tagen (23. bis 27. März 2012) auf eine 100%i ge steigern müssen. Zudem ist die von Dr. M.____ in Aussicht gestellte Steigerung der Arbeit sfähigkeit zu vage formuliert, um darauf abstellen zu können. Es ist vielmehr anzunehmen, dass zuver lässige Aussagen über den Um- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht fang der Arbeitsfähigkeit vom weiteren Krankheitsverlauf abhängig waren. Aufgrund dieser Aus- führungen ist festzustellen, dass sich die den Rentenabstu fungen gemäss Verfügung vom 27. Februar 2017 zugrunde liegenden Arbeitsfähigkeit en nicht durchwegs mit den ärztlichen Beurteilungen decken, weshalb sie einer Neubeurteilung bedürfen. 5.4 Aus dem Gesagten folgt, dass die vorhandene Aktenla ge keine abschliessende Beur- teilung des Rentenanspruchs des Versicherten zulässt. Die Ab klärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren sind mit andern Worten nicht ausrei chend beweiskräftig. Der medizini- sche Sachverhalt bedarf vielmehr weiterer Abklärungen u nd die den Rentenabstufungen zu- grunde liegenden Arbeitsunfähigkeiten sind neu zu beurteilen. Demzufolge ist die angefochtene Verfügung vom 27. Februar 2017 aufzuheben. Die IV-St elle, an welche die Angelegenheit zu- rückzuweisen ist, hat den Gesundheitszustand und die Arbe itsfähigkeit des Versicherten aus psychiatrischer Sicht gutachterlich abklären zu lassen und die Rentenabstufungen im Sinne der Erwägungen einer Überprüfung zu unterziehen. Gestützt a uf die Ergebnisse ihrer zusätzlichen Abklärungen wird die IV-Stelle anschliessend über den Rentenanspruch des Versicherten neu zu befinden haben. Die Beschwerde ist demgemäss gutzuheissen. 6. Aufgrund dieses Ergebnisses kann die strittige Frag e betreffend Höhe des Verrech- nungsanspruchs der beigeladenen C.____ AG als Kranken versicherer des Versicherten nicht beurteilt werden, bedarf es hierfür der Kenntnis des R entenanspruchs. Immerhin ist festzustel- len, dass der Versicherte den Anspruch der C.____ AG auf Auszahlung der Rentennachzah- lung vom 1. April 2013 bis 31. August 2013 in zeitlicher Hinsicht nicht bestreitet. 7.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zur weiteren Abkläru ng im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Be- schwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der R egel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten aufe rlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 7.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Versicherte obsiegende P artei ist, ist ihm eine Parteientschädi- gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsv ertreter des Versicherten machte in seiner Kostennote vom 6. Dezember 2017 einen Aufwand vo n 11,95 Stunden geltend, welcher Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Dieser Aufwand ist zum in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu e ntschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Ausla gen von Fr. 107.80. Dem Versicher- ten ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘342.90 (11,95 Stunden à Fr. 250.-- + Fr. 107.80 inkl. 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zust ändigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öff entlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeifüh- ren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit ode r Kosten für ein weitläufiges Beweisver- fahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). N ach der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an de n Versicherungsträger zur Ak- tenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 8.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil des Bun- desgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2 - 4 ; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 27. Februar 2017 aufgehoben und die Angelegenheit zu r weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in Höhe von Fr. 3'342.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.