Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. September 2016 (725 16 99 / 243) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Eine physiologische Altersgebrechlichkeit von wesen tlicher Bedeutung ist nicht erstellt. Folglich sind die Voraussetzungen für die Anwendbar keit von Art. 28 Abs. 4 UVV nicht gegeben. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Altermatt , Recht s- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. Der 1952 geborene A.____ war seit 1996 bis zu se iner vorzeitigen Pensionierung per 31. Dezember 2013 bei der B____AG als Sicherheitsan gestellter tätig und durch die Arbeitge- berin bei der Schweizerischen Unfallversicherungsan stalt (SUVA) obligatorisch gegen die Fol- gen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 21. April 2010 meldete A.____ der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht SUVA eine Hörschädigung. Nachdem die SUVA die erforde rlichen Abklärungen durchgeführt hatte, anerkannte sie ihre Leistungspflicht und erbracht e die gesetzlichen Leistungen. Am 20. Februar 2013 meldete A.____ der SUVA eine weitere Verschlechterung des Hörvermögens, wofür die SUVA ihre Leistungspflicht zunächst mit Verf ügung vom 11. Dezember 2013 ablehn- te. Auf Einsprache hin führte die SUVA weitere Abklä rungen durch und bejahte dann mit Verfü- gung vom 17. Juli 2014 einen Anspruch von A.____ auf e ine Integritätsentschädigung aufgrund einer Integritätseinbusse von 7,5%. Am 16. November 201 4 liess A.____ der SUVA mitteilen, dass sein Arbeitsverhältnis zufolge vorzeitiger Pensionier ung per 31. Dezember 2013 aufgelöst worden sei. Gleichzeitig beantragte er die Prüfung des Rentenanspruchs. Mit Verfügung vom 31. März 2015 verneinte die SUVA einen Rentenanspruch mit der Begründung, dass keine Be- einträchtigung der Erwerbsfähigkeit vorliege. Daran hielt sie auch auf Einsprache hin mit Ent- scheid vom 16. Februar 2016 fest. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwa lt Daniel Altermatt, am 21. März 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Aufhebung des Einspracheentscheids vom 16. Februar 2016 sei ihm eine Rente auf der Basis eines IV-Grads von 45% zuzusprechen; unter o/e- Kostenfolge. Zur Be- gründung führte er im Wesentlichen an, dass er seine Ar beit aufgrund einer unfallbedingten Schädigung des Gehörs nicht mehr habe ausüben können. A us diesem Grund sei er per 31. Dezember 2013 vorzeitig pensioniert worden. Für d ie Bemessung des Valideneinkommens sei daher nicht gemäss Art. 28 Abs. 4 der Verordnung üb er die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 das Einkommen einer Person mittleren Alters massgebend, sondern das zuletzt erzielte Erwerbseinkommen. Bei der Bemessung de r Invalideneinkommen sei zu be- rücksichtigen, dass er aufgrund seiner gesundheitlichen Besc hwerden nur noch einfachere Ar- beiten ausüben könne. Ausserdem sei ein Abzug vom Tabellenlohn von 25% vorzunehmen. C. Mit Vernehmlassung vom 26. April 2016 schloss die SUV A, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer-Münch, auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 11 . Juli 2016 / Duplik vom 2. August 2016) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 21. März 2015 ist einzutreten. 2. Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10% invalid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche rungsrechts [ATSG] vom 6. Ok- tober 2000), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG] vom 20. März 1981). Invalidität ist die voraussichtlich blei- bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilwei se Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird gemäss Art. 16 ATSG das Er- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach der Rech tsprechung des Bundesgerichts sind für den Einkommensvergleich grundsätzlich die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des Rentenanspruchs massgebend (BGE 129 V 222, 128 V 174). 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bi ldet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person unfallbedingt resp. zufolge einer Berufskrankheit arbeitsunfähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichti ge Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstä tigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (vgl. U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschät- zung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen d er Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.2 Die Rechtsprechung erachtet es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche Zusammenstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol ten Gutachten externer Spezialärz- tinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobac htungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spr echen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Im Rahmen der frei en Beweiswürdigung ist es auch ohne weiteres zulässig, dass Verwaltung und Gerichte ihren Ent scheid in erster Linie auf versiche- rungsinterne Entscheidungsgrundlagen abstützen (vgl. BGE 123 V 334 E. 1c). Ein Gutachten ist nach der Rechtsprechung nicht zu beanstanden, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben u nd diese Daten unbestritten sind. Fer- ner ist erforderlich, dass der Untersuchungsbefund vollständig vorliegt und der Sachverständige sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein gesamthaft lückenloses Bild machen kann (vgl. RKUV 1988, Nr. 56 S. 370 f. E. 5b mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Die SUVA ging in ihrem Einspracheentscheid vom 16. Februar 2016 gestützt auf die Beurteilung der SUVA-Ärztin Dr. med. C.____, FMH Oto -Rhino-Laryngologie und Arbeitsmedi- zin, vom 5. Februar 2015 davon aus, dass der Versicherte a uf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu 100% arbeitsfähig sei. Aufgrund der erheblichen Hö rstörung seien aber Arbeiten, die beson- dere Anforderungen an das Gehör stellen würden, wegen des erhöhten Unfallrisikos nicht mehr zumutbar. Auch bei Tätigkeiten auf Baustellen sei von e iner erhöhten Unfallgefahr bei Nichter- kennen von akustischen Signalen auszugehen. Daher seien au ch Arbeiten im Aktionsradius von Baumaschinen nicht mehr zumutbar. Dieser – vom Beschwe rdeführer zu Recht nicht be- mängelte – Bericht erfüllt die rechtsprechungsgemässen An forderungen an eine beweiskräftige ärztliche Stellungnahme (vgl. E. 3.2 hiervor), weshalb ihm voller Beweiswert zuzuerkennen ist. 4.1 Wie bereits erwähnt (vgl. E. 2 hiervor), hat die I nvaliditätsbemessung bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu erfo lgen. Gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG beginnt der Rentenanspruch, wenn keine namhafte Verbes serung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten ist und allfällige Eingliederungsmassn ahmen der IV abgeschlossen sind. Da beim vorliegenden Beschwerdebild keine namhafte Veränderung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist und der Versicherte aus gesundheitlichen Grü nden vorzeitig per 31. Dezember 2013 pensioniert wurde, ist der frühestmögliche Rentenb eginn und demnach für den strittigen Einkommensvergleich massgebender Zeitpunkt der 1. Januar 2014. 4.2.1 Nach Art. 18 Abs. 3 UVG kann der Bundesrat ergänze nde Vorschriften über die Be- stimmung des Invaliditätsgrads erlassen. Von dieser Befugnis hat er mit dem Erlass von Art. 28 UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Art. 28 Abs. 4 UVV sind für die Bestimmung des Invaliditäts- grads die Erwerbseinkommen massgebend, die eine versiche rte Person im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesundheitsschädigung erzielen kö nnte, wenn sie nach dem Unfall die Erwerbstätigkeit altershalber nicht mehr aufnimmt (Va riante I) oder wenn sich das vorgerückte Alter erheblich als Ursache der Beeinträchtigung der Er werbsfähigkeit auswirkt (Variante II). Nach der Rechtsprechung ist die Anwendung von Art. 28 Abs. 4 UVV ab einem Alter der versi- cherten Person von rund 60 Jahren grundsätzlich in Betra cht zu ziehen, was aber nicht be- deutet, dass bei der Invaliditätsbemessung ab jenem Alt er stets nach Art. 28 Abs. 4 UVV zu verfahren wäre. Auch bei Versicherten im vorgerückten Alte r ist die Anwendung dieser Bestim- mung erst dann zu erwägen und durch entsprechende Abklär ungen zu ergründen, wenn An- haltspunkte dafür bestehen, dass der physiologischen Alter sgebrechlichkeit verglichen mit den anderen Ursachen der Beeinträchtigung der Erwerbsfäh igkeit eine wesentliche Bedeutung zu- kommt (Urteil des Bundesgerichts vom 20. Juni 2016, 8C_205/2016, E. 3.4 mit Hinweisen). 4.2.2 Während die SUVA in Anwendung von Art. 28 Abs. 4 UVV bei der Bemessung des Vali- deneinkommens den hypothetischen Lohn eines Versicherten mittleren Alters beizog, welcher sich nach den Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin auf Fr. 71'500.-- (13 x Fr. 5‘500.--) be- misst, erachtet der Beschwerdeführer diese Sonderbestimmung als nicht anwendbar, da er sei- ne Arbeit als Sicherheitsangestellter infolge seiner Geh örschädigung nicht mehr habe ausüben können. Das Alter spiele keine Rolle. Auch eine jüngere Person mit einer Gehörsschädigung hätte seine Arbeit nicht mehr ausüben können. Für die Bemessung des Valideneinkommens sei daher der zuletzt erzielte Verdienst massgebend. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.3 Der Beschwerdegegnerin ist zwar insofern beizupfl ichten, als der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des möglichen Rentenbeginns im Januar 2014 da s 60. Altersjahr überschritten hatte und damit zweifellos im vorgerückten Alter im Sinne von Art. 28 Abs. 4 UVV ist. Indes sind auf- grund der vorliegenden medizinischen Unterlagen keine An haltspunkte ersichtlich, dass der Beschwerdeführer neben der Gehörsschädigung auch eine b edeutende physiologische Alters- gebrechlichkeit aufweist. Dafür spricht auch die Tatsac he, dass er auch im fortgeschrittenen Alter von 61 Jahren bis zur Auflösung des Arbeitsverhältni sses per 31. Dezember 2013 in ei- nem Vollzeitpensum tätig war und die Untauglichkeit als Sicherheitswärter nicht dem Alter zu- zuschreiben war, sondern ausschliesslich mit der Hörstörung begründet wurde. Demnach kann bei dieser Aktenlage – entgegen der nicht weiter begrü ndeten Feststellung der Beschwerde- gegnerin, wonach sich das vorgerückte Alter auf die Erwer bsfähigkeit auswirke – nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine physiologische Alter sgebrechlichkeit von wesentlicher Bedeutung angenommen werden. Folglich sind die Voraussetzungen für die Anwendbarkeit von Art. 28 Abs. 4 UVV nicht gegeben. Für die Bemessung de s Valideneinkommens ist daher am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der r ealen Einkommensentwicklung angepass- ten Verdienst anzuknüpfen, da es einer empirischer Erf ahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wä re. Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer ohne den Hörschaden weiterhin be i der früheren Arbeitgeberin als Si- cherheitswärter tätig gewesen wäre. Nach dem Lohnauswe is 2013 erzielte er im Jahr 2013 ein Jahreseinkommen von Fr. 85‘033.--. Davon ist auszugehen. Unter Berücksichtigung der Nomi- nallohnentwicklung im Baugewerbe von +0,5% für das Jah r 2014 (vgl. Bundesamt für Statistik, Die Lohnentwicklung 2014, Tabelle T1.1.10, Nominalloh nindex Männer 2012-2014, Sektor F “Baugewerbe/Bau“) resultiert ein massgebendes Valideneinkommen von Fr. 85‘458.15. 4.3.1 Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisier- baren Einkommens (Invalideneinkommen) ist primär von de r beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht . Kann bei der Invaliditätsbemes- sung nicht auf einen von der versicherten Person tatsächli ch erzielten Verdienst abgestellt wer- den, ist dem Einkommensvergleich ein hypothetisches Invali deneinkommen zu Grunde zu le- gen. Um dieses zu ermitteln, können nach der Rechtspre chung entweder Tabellenlöhne ge- mäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge gebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die sogenannten DAP-Zahlen herangezogen we rden (BGE 129 V 4 75 E. 4.2.1 mit Hinweisen). 4.3.2 Im vorliegenden Fall hat die SUVA das Invalidene inkommen gestützt auf die LSE 2012 ermittelt, was zu Recht unbestritten ist. Streitig ist a ber das Kompetenzniveau. Die SUVA stütz- te sich auf den Tabellenlohn von Fr. 5‘633.-- gemäss TA1 , privater Sektor, Total, Kompetenzni- veau 2, Spalte Männer. Diesen rechnete sie nach Anpassung an die Nominallohnentwicklung von 0,8% (2013) und 0,7% (2014; vgl. Bundesamt für Sta tistik, T 39; Entwicklung der Nominal- löhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1976-2015) auf die betriebsübliche wöchent- liche Arbeitszeit von 41,7 Stunden um. Daraus resultier t ein Invalideneinkommen von Fr. 71‘529.80 (Fr. 5‘633.-- x 12 : 40 x 41,7 x 100,8% x 100,7%). Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass nicht das Komp etenzniveau 2, sondern vielmehr Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Kompetenzniveau 1 anzuwenden sei, da er aufgrund de s Gehörschadens keine für ihn grundsätzlich in Frage kommenden Tätigkeiten mehr ausüben könne. 4.3.3 Dem Einwand des Beschwerdeführers ist beizupflichten . Zunächst umfasst das Kompe- tenzniveau 2 vorwiegend Tätigkeiten (Verkauf, Pflege, Datenverarbeitung und Administration), die der Beschwerdeführer nie ausübte und für die er aufgrund seiner Ausbildung auch nicht qualifiziert wäre. In den weiteren im Kompetenzniveau 2 aufgeführten Tätigkeiten (Bedienen von Geräten und Maschinen, Sicherheitsdienst und Fahrdienst) war der Beschwerdeführer zwar beschäftigt. Diese Berufe fallen aber aufgrund der G ehörschädigung ausser Betracht, zumal im Verkehr resp. beim Bedienen von Maschinen und im Sicher heitsbereich das Erkennen von akustischen Signalen erforderlich ist. Fallen aber diese vom Beschwerdeführer aufgrund seiner Arbeitsbiographie grundsätzlich passenden Stellen ausser Betracht, wird das Spektrum der er- werblichen Tätigkeiten, welche realistischerweise noch i n Frage kommen würden, so eng, dass nicht mehr von einem genügend breiten Spektrum an zumut baren Verweisungstätigkeiten aus- gegangen werden kann. Es ist deshalb sachgerecht, bei d er Ermittlung des Invalideneinkom- mens des Beschwerdeführers nicht vom Kompetenzniveau 2, sondern vom Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art) auszugehen. Gemäss LSE 2012 TA1, privater Sektor, Total, Kompetenzniveau 1, Spalt e Männer, belief sich der Zentralwert auf Fr. 5‘210.--. Nach Umrechnung auf die wöchentliche Ar beitszeit von 41,7 Stunden und Anpas- sung an die Nominallohnentwicklung resultiert ein Invali deneinkommen von Fr. 66‘158.40 (Fr. 5‘210.-- x 12 : 40 x 41,7 x 100,8% x 100,7%). 4.3.4 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage vo n statistischen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 323 E. 3b/aa). Ein Abzug hat jedoch nicht automatisch, sondern nur dann zu erfolgen, wenn im Einzelfall An- haltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person we gen eines oder mehrerer dieser Merkmale die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 80 E. 5b/aa in fine). Besteht Anlass für einen Abzug, so ist dieser unter Würdi gung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Er darf 25% nicht übersteigen (BGE 135 V 301 E. 5.2, 126 V 80 E. 5b/bb-cc). Die Ein schätzung des leidensbedingten Abzugs ist ein Ermessensentscheid. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass das Kan- tonsgericht als kontrollierende richterliche Behörde i hr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Es geht vielmehr um die Frage, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgem einen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Allerdings darf das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle des- jenigen der Verwaltung setzen; es muss sich somit auf Gege benheiten abstützen können, wel- che seine abweichende Ermessensausübung als naheliegend e rscheinen lassen (vgl. BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3.5 Vorliegend hat die Vorinstanz keinen Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen. Der Be- schwerdeführer macht geltend, dass aufgrund seiner gesun dheitlichen Einschränkungen, des Alters und der fehlenden Dienstjahre ein maximaler Abz ug vom Tabellenlohn von 25% ange- zeigt sei. Dieser Auffassung ist nicht beizupflichten. S o wird der gesundheitlichen Beeinträchti- gung mit der Berücksichtigung des tieferen Lohnes aus dem Kompetenzniveau 1 ausreichend Rechnung getragen. Da der Beschwerdeführer in einer a ngepassten Tätigkeit weiterhin voll- ständig arbeitsfähig ist, besteht keine Grundlage für einen Abzug wegen leidensbedingter Ein- schränkung. Weitere Kriterien, die einen Abzug vom Tabe llenlohn rechtfertigen würden, sind nicht ersichtlich. So nehmen sowohl die Bedeutung des Alters als auch diejenige der Dienstjah- re der Versicherten ab, je niedriger das Anforderungsp rofil ist, weshalb diese Faktoren bei ein- fachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art, die dem Kompetenzniveau 1 der LSE entsprechen, in der Regel keinen Anlass zu einem Abzug vom Tabellenlohn geben (vgl. BGE 126 V 79 E. 5a/cc). Vor diesem Hintergrund gibt es keinen Anlass, in das Ermessen der Vorinstanz einzugreifen und einen leidensbedingten Abzug zu gewähren. 4.4 Stellt man im Einkommensvergleich dieses Invalidene inkommen von Fr. 66‘158.40 dem Valideneinkommen von Fr. 85‘458.15 gegenüber, so resu ltiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 19‘299.75, was einen IV-Grad von rund 23% ergibt (zur Rundungspraxis des Bundesge- richts vgl. BGE 130 V 121 ff.). Demnach ist die Beschwerd e in dem Sinne teilweise gutzuheis- sen, als der angefochtene Einspracheentscheid der SUVA vo m 16. Februar 2016 aufzuheben und festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer mit Wirkun g ab 1. Januar 2014 Anspruch auf eine Invalidenrente basierend auf einem IV-Grad von 23% hat. 5.1 Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren v or dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und na ch der Schwierigkeit des Prozesses be- messen. Nachdem der Beschwerdeführer im Grundsatz obsiegt hat, hat er Anspruch auf Ersatz seiner Parteikosten. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 22. August 2016 einen Zeitaufwand von 8,58 Stunden g eltend gemacht, was umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfra gen nicht zu beanstanden ist. Die zeitlichen Bemühungen sind zu dem seit dem 1. Januar 2004 in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden S tundenansatz von Fr. 250.-- zu ent- schädigen. Hinzu kommen die in der Honorarnote ausgew iesenen Auslagen von Fr. 85.--. So- mit ist dem Beschwerdeführer für das vorliegende Beschwe rdeverfahren eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 2'408.40 (8,58 Stunden à Fr . 250.-- sowie Auslagen von Fr. 85.-- zu- züglich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise gu tgeheissen, als der Einspracheentscheid der SUVA vom 16. Februar 2016 aufg ehoben und festgestellt wird, dass der Beschwerdeführer ab 1. Januar 2014 Anspruch auf eine Invalidenrente basierend auf einem I V-Grad von 23% hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die SUVA hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsc hädigung in der Höhe von Fr. 2‘408.40 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwert steuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht