Kantonsgericht von Graubünden Dretgira chantunala dal Grischun Tribunale cantonale dei Grigioni Ref.: Chur, 23. Mai 2014 Schriftlich mitgeteilt am: ZK2 13 40 28. Mai 2014 Urteil II. Zivilkammer Vorsitz Pritzi RichterInnen Hubert und Michael Dürst Aktuarin ad hoc Sonder In der zivilrechtlichen Berufung der X . _ _ _ _ _ , Klägerin und Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. et oec. Pius Fryberg, Quaderstrasse 8, 7000 Chur, gegen den Entscheid des Bezirksgerichtes Surselva vom 16. Mai 2013, mitgeteilt am 6. Juni 2013, in Sachen der Klägerin und Berufungsklägerin gegen Y._____ und Z._____, Beklagte und Berufungsbeklagte, vertreten durch A._____ und B._____, wieder vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Guido Ranzi, Quaderstrasse 5, 7001 Chur, betreffend Forderung, hat sich ergeben:Seite 2 — 19 I. Sachverhalt A. In der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 2011 ereignete sich auf der Pa- rzelle _____ im Dorfteil C._____ in O.1_____ ein Brandfall, von welchem das Zweifamilienhaus (Objekt-Nr. _____), der Stall (Nr. _____-A), die Remise (Nr. _____-B) und die Doppelgarage (Nr. _____-A) betroffen waren. Nach dem Brand blieben vom Wohnhaus nur noch das Parterre und das erste Obergeschoss ste- hen, da teilweise noch in der Brandnacht das Dach geöffnet werden musste, um den Brand im Innern des Wohnhauses zu löschen. Vom Stall und der Remise wa- ren nach dem Brand nur noch die Grundmauern übrig. Die Doppelgarage und der dort eingestellte Personenwagen Seat Alhambra wurden ebenfalls stark beschä- digt. Auch am Hühnerstall (Nr. _____-C) sowie an der Südfassade des benachbar- ten Wohnhauses (Atelieranbau, Nr. _____-A), Parzelle Nr. _____, entstanden Brandschäden. Das Zweifamilienhaus (Objekt-Nr. _____) war zu diesem Zeitpunkt in Stockwerk- eigentum aufgeteilt. Die Stockwerkeinheit 50‘077 (Wertquote 633/1‘000) sowie die Stockwerkeinheit 50‘080 (Wertquote 61/1‘000) waren im Eigentum von D._____, die Stockwerkeinheiten 50‘078 (Wertquote 245/1‘000) und 50‘079 (Wertquote 61/1‘000) in hälftigem Miteigentum von E._____ und F._____. Nach dem Brand verkauften E._____ und F._____ ihre Stockwerkeinheiten an D._____, welcher die Stockwerkeinheiten auflöste und nun Alleineigentümer der Liegenschaft Nr. _____ ist. B. Noch in der Brandnacht wurden die beiden Söhne von A._____ und B._____, Y._____ (damals 14-jährig) und Z._____ (damals 11-jährig), zum Brand befragt. Beide gaben an, dass sie sich von ca. 18.00 Uhr bis 19.00 / 19.30 Uhr im Stall aufgehalten und dabei in einer alten Blechwanne bzw. in einem Kübel oder Topf einige Blätter Papier angezündet hätten und nachdem die Blätter verbrannt und die Glut erloschen waren, den Stall wieder verlassen hätten (Vorinstanz act. II/22 und II/23). C. Der Spezialdienst 2 der Kantonspolizei Graubünden wurde mit der Untersu- chung des Brandes beauftragt. Dem Auswertbericht zufolge ist der Brand im Stall ausgebrochen. Um die Brandursache ermitteln zu können, wurde das Eliminati- onsverfahren angewendet. Dabei wurde festgehalten, dass keine Hinweise zu natürlichen, chemischen oder biologischen Brandursachen hätten gefunden wer- den können. Auch eine technische Ursache als Brandursache könne mit grosser Seite 3 — 19 Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, zumal diesbezüglich auch keine An- gaben durch die Auskunftspersonen hätten gemacht werden können. Ein allfälliger Tierfrass oder eine vorsätzliche Brandlegung könnten nicht gänzlich ausgeschlos- sen werden, es seien aber keine Hinweise diesbezüglich gefunden worden. Somit sei der Brand mit grösster Wahrscheinlichkeit dadurch entstanden, weil die beiden Knaben Papierblätter im Stallinnern verbrannt hätten. Durch den kleinen Brand sei entweder unbemerkt etwas Glut oder brennendes Papier aus dem Behälter gefal- len und habe dann dort einen kleinen Schwelbrand und schliesslich den ganzen Brand ausgelöst. Es könne jedoch auch nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Behälter auf einem leicht brennbaren Untergrund befunden und eventuell so- gar ein kleines Loch aufgewiesen habe und es dort durch die Wärme zu einem kleinen Schwelbrand gekommen sei, welcher schlussendlich den Brand ausgelöst habe. Hinweise auf eine andere Brandursache seien nicht gefunden worden (Vor- instanz act. II/24). D. Die X._____ erstellte nach dem Brand die folgenden Schadenabrechnun- gen (Vorinstanz act. II/7, II/8, II/10, II/11, II/13, II/14, II/16, II/19): a. Zweifamilienhaus C._____ Totalschaden mit Überresten Laut Versicherungssumme 2011 Fr. 600‘400.00 abzüglich brauchbare Überreste Fr. 21‘500.00 Fr. 578‘900.00 + Abbruchs- und Räumungskosten Fr. 27‘300.00 + Bauleitung für Gesamtabbruch Fr. 1‘700.00 Schaden gesamte StWE-Gemeinschaft Fr. 607‘900.00 b. Anbau Stall Totalschaden Fr. _____‘500.00 + Abbruchs- und Räumungskosten Fr. 6‘600.00 Schaden gesamte StWE-Gemeinschaft Fr. 152‘100.00 c. Anbau Remise Totalschaden Fr. 39‘600.00 + Abbruchs- und Räumungskosten Fr. 1‘800.00Seite 4 — 19 Schaden gesamte StWE-Gemeinschaft Fr. 41‘400.00 d. Hühnerstall C._____ Minderwert Fr. 1‘500.00 e. Garage C._____ Wiederstellungskosten Fr. 4‘200.00 f. Anbau Atelier G._____ (Parzelle Nr. _____, Objekt Nr. _____-A) Wiederherstellungskosten Fr. 36‘343.10 E. Mit Schreiben vom 28. März 2012, eingereicht am 29. März 2012, ersuchte die X._____ das Vermittleramt des Bezirks Surselva um Ansetzung und Durch- führung einer Vermittlungsverhandlung. Das Schlichtungsgesuch richtete sich ei- nerseits gegen Y._____ und Z._____, vertreten durch ihre Eltern A._____ und B._____, und andererseits gegen B._____. Anlässlich der Vermittlungsverhand- lung vom 15. Mai 2012 konnte zwischen den Parteien keine Einigung erzielt wer- den, weshalb der Vermittler am 22. Mai 2012 die Klagebewilligung ausstellte, wel- che die folgenden klägerischen Rechtsbegehren enthielt: „1. Die Beklagten seien je einzeln und solidarisch zu verpflichten der X._____ den Betrag von CHF 250‘000.00, allenfalls einen Betrag nach richterlichem Ermessen, nebst 5 % Zins seit 28. März 2012, zu bezah- len. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten.“ F. Am 20. September 2012 reichte die X._____ beim Bezirksgericht Surselva Klage mit unveränderten Rechtsbegehren ein, wobei sich die Klage nur noch ge- gen Y._____ und Z._____, vertreten durch ihre Eltern A._____ und B._____, rich- tete und die Klage gegen B._____ nicht prosequiert wurde. G. Mit Klageantwort vom 5. November 2012 beantragten Y._____ und Z._____, vertreten durch ihre Eltern A._____ und B._____, die kostenfällige Ab- weisung der Klage. H. Am 11. Dezember 2012 fand vor dem Bezirksgericht Surselva eine Instruk- tionsverhandlung statt, an welcher auch Vergleichsverhandlungen geführt wurden. Der Abschluss eines Vergleiches wurde von der Stellungnahme der Haftpflichtver- sicherung von B._____ abhängig gemacht. Innert der angesetzten Frist teilte der Rechtsvertreter von Y._____ und Z._____ mit, dass sich die Haftpflichtversiche-Seite 5 — 19 rung nicht geäussert habe, weshalb der Vergleichsvorschlag mangels eigener fi- nanzieller Möglichkeiten und Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen abge- lehnt werde. I. Am 16. Mai 2013 fand die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Sur- selva statt, welches mit Entscheid vom 16. Mai 2013, mitgeteilt am 6. Juni 2013, erkannte: „1. Die Klage wird abgewiesen. 2.a) Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 12‘000.00 (Entscheidgebühr) ge- hen zu Lasten der Klägerin und werden mit dem geleisteten Vorschuss verrechnet. Der Restbetrag/Überschuss in Höhe von CHF 3‘000.00 wird der Klägerin erstattet. b) Die Klägerin hat die Beklagten mit CHF 19‘899.00 (inklusiver Barausla- gen, Mehrwertsteuer und Interessenwertzuschlag) aussergerichtlich zu entschädigen. 3. (Rechtsmittelbelehrung). 4. (Mitteilung).“ J. Gegen diesen Entscheid liess die X._____ mit Eingabe vom 8. Juli 2013 Berufung an das Kantonsgericht von Graubünden erheben. Dabei stellte sie fol- gende Rechtsbegehren: „1. Das angefochtene Urteil sei aufzuheben. 2. Die Beklagten und Berufungsbeklagten seien je einzeln und solidarisch zu verpflichten, der X._____ den Betrag von CHF 200‘000.00, allenfalls einen Betrag nach richterlichem Ermessen, nebst 5 % Zins seit 28. März 2012, zu bezahlen. 3. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an das Bezirksgericht Surselva zurückzuweisen. 4. Die Kosten des Bezirksgerichtes Surselva in Höhe von CHF 12‘000.00 seien den Beklagten aufzuerlegen, welche zudem zu verpflichten seien, die Klägerin für das erstinstanzliche Verfahren mit CHF 19‘899.00 aus- sergerichtlich zu entschädigen. 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge für das Berufungsverfahren zu Lasten der Berufungsbeklagten.“ K. Am 6. September 2013 reichten Y._____ und Z._____, vertreten durch ihre Eltern A._____ und B._____, ihre Berufungsantwort ein, wobei sie folgende Rechtsbegehren stellten: „1. Die Berufung sei in Bestätigung des Urteils der Vorinstanz vollumfäng- lich abzuweisen. 2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich 8 % MWSt.) zu- lasten der Berufungsklägerin.“Seite 6 — 19 L. Mit Schreiben vom 3. Oktober 2013 reichten Y._____ und Z._____, vertre- ten durch ihre Eltern A._____ und B._____, weitere Unterlagen ein, die gemäss ihren Angaben erst jetzt vorgefunden worden seien. Am 1. November 2013 reichte auch die X._____ noch weitere Unterlagen ein. M. Am 6. Dezember 2013 liessen Y._____ und Z._____, vertreten durch ihre Eltern A._____ und B._____, zudem noch den Beschwerdeentscheid des Oberge- richtes des Kantons Thurgau einreichen. Bei diesem Beschwerdeentscheid han- delt es sich um die Abweisung der Beschwerde von D._____, welcher die Einstel- lungsverfügung des gegen Y._____ und Z._____ eröffneten Strafverfahrens we- gen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst gemäss Art. 222 Abs. 1 und 2 StGB angefochten hatte. Auf die Begründung der Anträge in den Rechtsschriften und die Erwägungen im angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwä- gungen eingegangen. II. Erwägungen 1. Beim angefochtenen Entscheid, welcher eine vermögensrechtliche Angele- genheit mit einem Streitwert über Fr. 10‘000.-- zum Gegenstand hat, handelt es sich um einen erstinstanzlichen Endentscheid, welcher mit Berufung angefochten werden kann (vgl. Art. 308 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]). Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts von Graubünden ergibt sich aus Art. 7 Abs. 1 des kantonalen Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (EGzZPO; BR 320.100). Gemäss Art. 311 ZPO ist die Beru- fung unter Beilage des angefochtenen Entscheids innert 30 Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheids beziehungsweise seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung schriftlich und begründet einzureichen. Das angefoch- tene Urteil des Bezirksgerichts Surselva vom 16. Mai 2013 wurde den Parteien am 6. Juni 2013 begründet mitgeteilt. Die Berufung der X._____ erfolgte mit Eingabe vom 8. Juli 2013 fristgerecht. Da die Rechtsschrift zudem den übrigen Formerfor- dernissen entspricht, ist auf die Berufung einzutreten. 2. Sowohl die Berufungsklägerin als auch die Berufungsbeklagten haben dem Kantonsgericht von Graubünden nach Abschluss des Schriftenwechsels Beweis- mittel eingereicht. Dabei handelt es sich seitens der Berufungsklägerin um Foto- aufnahmen, welche einen mit alter Erde gefüllten und mit verbranntem Holz be- deckten runden Kupferkessel aufzeigen. Bei den Beweismitteln der Berufungsbe-Seite 7 — 19 klagten handelt es sich ebenfalls um diverse Fotoaufnahmen vom 2. August 2011, die den Kessel, in welchem die Berufungsbeklagten am Abend des 31. Juli 2011 Papier angezündet hatten, am Tag nach dem Brand im Brandschutt aufzeigen sollen. Sämtliche neu eingereichten Beweismittel finden sich in den Akten, die der Vorinstanz vorgelegen haben, nicht. Es handelt sich folglich um neue Beweismit- tel. Damit stellt sich die Frage, ob neue Beweismittel im Berufungsverfahren noch eingelegt werden können. a) Im Berufungsverfahren sind neue Tatsachenbehauptungen und Beweismit- tel grundsätzlich nur noch zulässig, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Die neuen Beweise, welche die Parteien eingelegt haben, können somit nur Beachtung finden, wenn sie die Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO erfüllen, das heisst, wenn sie ohne Verzug vorgebracht wor- den sind und - kumulativ - trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor der ersten In- stanz vorgebracht werden konnten. Dies würde im Übrigen selbst dann gelten, wenn vorliegend der Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen wäre (BGE 138 III 625). b) Mit den neuen Beweisen will die Berufungsklägerin offensichtlich unter- mauern, dass es sich bei dem auf den Fotoaufnahmen befindlichen Kupferkessel um denjenigen handelt, in welchem die Berufungsbeklagten am Abend des 31. Juli 2011 Papier verbrannt hatten. Die Berufungsklägerin ist der Ansicht, dass, wenn die Jugendlichen in diesem Kupferkessel bzw. oberhalb des verbrannten Holzes Papier angezündet hätten, es auf der Hand liege, dass der Brand auf ihr Verhalten zurückzuführen sei. Die Berufungsbeklagten ihrerseits wollen mit den neu eingereichten Beweismitteln aufzeigen, dass der von ihnen beschriebene Kessel am Tag nach dem Brand im Brandschutt vorhanden gewesen war, obwohl die Kantonspolizei in ihrem Auswertbericht zur Ermittlung der Brandursache dar- gelegt hatte, dass kein Kessel, wie er von den Berufungsbeklagten von Anfang an beschrieben worden war, gefunden worden sei. Sämtliche Fotoaufnahmen sind lange vor der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 16. Mai 2013 erstellt wor- den. Zudem war der Kessel, in welchem die Berufungsbeklagten Papier angezün- det hatten, bereits vor der Vorinstanz ein zentrales Thema. Es hätte sich daher schon im erstinstanzlichen Verfahren aufgedrängt, die nun im Berufungsverfahren eingereichten Unterlagen zu den Akten zu geben, um die jeweiligen Behauptun- gen zu stützen. Mit zumutbarer Sorgfalt hätten die neuen Beweismittel somit be- reits im vorinstanzlichen Verfahren vorgebracht werden können, zumal sämtliche Seite 8 — 19 Fotoaufnahmen offensichtlich vom 1./2. August 2011 stammen. Die neuen Be- weismittel erfüllen die Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO daher nicht, weshalb sie vorliegend keine Beachtung finden dürfen. Selbst wenn sie im Übri- gen in die Beurteilung miteinbezogen werden könnten, würden sie am Ausgang des Verfahrens nichts ändern, wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen deut- lich ergibt. 3.a) Mit ihrer Berufung wendet sich die Berufungsklägerin gegen die Feststel- lung der Vorinstanz, die Berufungsbeklagten seien für den Brand und dessen Fol- gen nicht haftbar. Die Berufungsklägerin beanstandet, dass sich das Forensische Institut Zürich bei ihren Versuchen und Analysen fast ausschliesslich auf die Aus- sagen der beiden Jugendlichen gestützt habe. Entscheidend sei jedoch, ob auf diese Aussagen überhaupt abgestellt werden könne, das heisst, ob diese Aussa- gen tatsächlich glaubhaft seien. Beim Behälter, in welchem die Berufungsbeklag- ten Papier verbrannt hatten, habe es sich gemäss den Aussagen der Berufungs- beklagten um einen Kübel (Topf) bzw. eine Blechwanne oder einen Metallbehälter gehandelt. Die Aussagen der beiden Jugendlichen seien diesbezüglich nicht schlüssig und nicht widerspruchslos. Z._____ habe den Kübel als Topf, ca. 50 cm hoch, rund und habe ausgesehen wie eine halbe Kugel beschrieben, während Y._____ von einer alten Blechwanne, die sich schon seit mehreren Jahren dort befunden habe und einen Durchmesser von ca. 45 cm und einer Höhe von ca. 30 cm, gesprochen habe. Der Spezialist der Kantonspolizei Graubünden habe explizit im Brandschutt nach diesem Behälter gesucht, diesen aber nicht finden können. Zudem sei unbestritten, dass ein solcher metallener Behälter, wie er von den Be- rufungsbeklagten beschrieben worden sei, nicht verbrannt wäre. Demnach handle es sich bei den Aussagen der beiden Jugendlichen um Schutzbehauptungen, wel- che im Rahmen der Strafuntersuchung erfolgt seien. Sie seien nicht verpflichtet gewesen, sich selbst zu belasten, weshalb nicht auf diese Aussagen abgestellt werden könne. Aus diesem Grund könne auch das Gutachten des Forensischen Instituts Zürich nicht zur Beurteilung herangezogen werden, um die natürliche Kausalität auszuschliessen. Weiter würden gegen die Aussagen der Jugendlichen sprechen, dass diese in ihrer Klageantwort ausgeführt hätten, sie hätten das Pa- pier angezündet, um das Verbrennen zu beobachten. Da Jugendliche in diesem Alter wüssten, was passiere, wenn Papier angezündet werde und wie es verbren- ne, bräuchte es dazu keine Versuche oder Experimente. Dies untermauere noch- mals, dass es sich um reine Schutzbehauptungen der Jugendlichen handle. Seite 9 — 19 b) Die Berufungsbeklagten berufen sich unter anderem auf die Einstellungs- verfügung der Staatsanwaltschaft Thurgau vom 22./23. Juli 2013, worin festgehal- ten worden sei, dass aufgrund der gesamten Umstände, der Aussagen der beiden Jugendlichen und insbesondere des Gutachtens des Forensischen Instituts Zürich nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden könne, dass Y._____ und Z._____ die ihnen zur Last gelegte fahrlässige Herbeiführung einer Feuersbrunst begangen hätten respektive das Verhalten der Beschuldigten mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit der Grund für die Feuersbrunst gewesen sei. Es seien auch keine weiteren Untersuchungshandlungen möglich, die einen Beweis erbringen könnten, welcher zur Verurteilung der beiden Jugendlichen führen könnte. Das Gutachten des Forensischen Instituts Zürich habe zudem ergeben, dass die Knaben den Brand nicht verursacht haben konnten. Die Vorinstanz habe zu Recht auch ge- stützt auf das Gutachten geschlossen, dass der Kausalzusammenhang nicht ge- geben sei. Es gebe auch keinen Grund an den Aussagen der Jugendlichen zu zweifeln, da diese bereits in der Brandnacht anlässlich der Befragung durch die Polizei unabhängig voneinander von einem Metallbehälter gesprochen hätten, in welchem sie wenige Blätter Papier verbrannt und den Stall wieder verlassen hät- ten, nachdem die Blätter nicht mehr gebrannt hätten. Ob der Behälter in der Brandnacht von den Jugendlichen nun als Kessel, Topf oder Blechwanne be- schrieben worden sei, spiele keine Rolle, dies könne auch auf die Art der Befra- gung und die vom Protokollführer noch in der Brandnacht gewählten Bezeichnun- gen zurückzuführen sein. Hinzu komme noch der Druck, der auf den Kindern ge- lastet habe, als sie von der Polizei noch in der Brandnacht befragt und in vorweg eilendem Gehorsam schon als überführte Täter angesehen worden seien. Anders sei es nicht zu erklären, dass sie wegen der Polizeimeldung am nächsten Tag schon als überführte Brandstifter in den Medien erschienen seien. Es werde auch bestritten, dass es sich bei den Angaben der Jugendlichen um Schutzbehauptun- gen handle. Die Aussagen der Berufungsbeklagten seien kohärent und gäben ihre Absichten und das wieder, was vorgegangen sei. Das vom Spezialdienst 2 der Kantonspolizei Graubünden durchgeführte Eliminationsverfahren erfülle zudem nicht im Geringsten die Erfordernisse, um den Jugendlichen straf- und zivilrecht- lich die Täterschaft nachzuweisen. Auch der Brandschutt sei weder gesichert noch überprüft worden. Darüber hinaus habe man auch die anderen möglichen Scha- densursachen nicht bzw. viel zu wenig ernsthaft in Erwägung gezogen. 4.a) Die X._____ ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersön- lichkeit, welche dem kantonalen Gebäudeversicherungsgesetz (GebVG; BR 830.100) untersteht. Nach Art. 44 GebVG gehen Schadenersatzansprüche der Seite 10 — 19 Versicherten auf die X._____ über, wenn Dritte für den Schaden haftbar sind und soweit die X._____ Entschädigung geleistet hat. Es handelt sich dabei um eine kantonale Subrogationsnorm, wobei nicht bloss Ersatzansprüche aus unerlaubter Handlung, sondern auch solche aus schuldhafter Verletzung vertraglicher Pflich- ten auf die X._____ übergehen. Es ist aber zu beachten, dass die bundesrechtli- che Bestimmung von Art. 51 OR Vorrang vor der kantonalen Gesetzgebung hat, was bedeutet, dass es den Kantonen nicht zusteht, die Rechtsstellung des Schä- digers zugunsten der von ihr organisierten Brandversicherungsanstalt abzu- schwächen, also das von Art. 51 OR vorgesehene Rückgriffsrecht weiter auszu- dehnen. Nach dieser Norm wird die Bestimmung von Art. 50 Abs. 2 OR, welche den Rückgriff unter Personen regelt, die denselben Schaden gemeinsam ver- schuldet haben, entsprechend angewandt, wenn mehrere Personen aus verschie- denen Rechtsgründen haften. Dabei trägt nach Abs. 2 in der Regel derjenige in erster Linie den Schaden, der ihn durch unerlaubte Handlung verschuldet hat, und in letzter Linie derjenige, der ohne eigene Schuld und ohne vertragliche Verpflich- tung nach Gesetzesvorschrift haftet (PKG 1994 Nr. 6 mit Verweisungen). Vorliegend geht es um die Schadenersatzansprüche der Eigentümer der abge- brannten Gebäude, die mit Bezahlung der ausgerichteten Beträge auf die X._____ übergegangen sind. Die X._____ ist der Ansicht, dass die Berufungsbeklagten aufgrund von Art. 41 ff. OR für den entstandenen Schaden haften müssen, was nachfolgend zu prüfen ist. b) Nach Art. 41 Abs. 1 OR wird zum Ersatze verpflichtet, wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht oder aus Fahrlässigkeit. Eine Haftung nach Art. 41 Abs. 1 OR setzt demnach einen Schaden, eine adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Schaden und dem die Haftpflicht begrün- denden Verhalten, die Widerrechtlichkeit der Schadenszufügung und ein Ver- schulden des Haftpflichtigen voraus. Das Bezirksgericht Surselva wies die Haftpflichtforderung der Berufungsklägerin mit der Begründung ab, dass der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten der Kinder und dem Ausbruch des Brandes in der Nacht vom 31. Juli 2013 nicht bejaht werden könne, da dieser nicht mit überwiegender Wahrschein- lichkeit nachgewiesen worden sei. Aufgrund dessen prüfte die Vorinstanz die übri- gen Voraussetzungen der Haftpflicht wie adäquater Kausalzusammenhang, Wi- derrechtlichkeit, Verschulden der Beklagten und Vorliegen eines Schadens nicht mehr.Seite 11 — 19 c) Ein natürlicher Kausalzusammenhang ist immer dann gegeben, wenn das fragliche Verhalten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch der eingetre- tene Erfolg entfiele (BGE 95 IV 139 E. 2a) bzw. nicht in gleicher Weise oder zur gleichen Zeit als eingetreten gedacht werden könnte (Urteil des Bundesgerichts 4A_444/2010 vom 22. März 2011, E. 2.1). Der schädigende Vorgang muss im Rahmen der natürlichen Kausalität aber nicht die alleinige Ursache des Schadens sein. Es genügt, wenn das fragliche Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen - im Sinne einer Teilursache - den Schaden bewirkt hat (BGE 129 V 177 E. 3.1, Urteil des Bundesgerichts 4A_444/2010 vom 22. März 2011, E. 2.1). Allerdings muss diese Teilursache genügend bedeutsam sein, um für sich allein als condicio sine qua non des Schadens zu gelten (BGE 128 III 174 E. 2c; Brehm, in: Haus- heer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar, Obligationenrecht, Die Entstehung durch unerlaubte Handlung, Art. 41-61 OR, 4. Auflage, Bern 2013, Art. 41 N 109; Rey, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2008, N 518). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist Tatfrage, weshalb der Be- weis desselben dem Geschädigten obliegt (Urteil des Bundesgerichts 4A_51/2012 vom 21. Mai 2012 E. 2.2). Nach Art. 8 ZGB hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, jene Partei das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu bewei- sen, die aus ihr Rechte ableitet. Dabei ergibt sich grundsätzlich aus dem anwend- baren materiellen Bundesrecht, wer die Folgen der Beweislosigkeit einer behaup- teten Tatsache zu tragen hat (BGE 128 III 271 E. 2a/aa mit Hinweisen). Beweislo- sigkeit liegt vor, wenn die anspruchsbegründenden oder anspruchsvernichtenden Tatsachen nicht dem bundesrechtlichen Beweismass entsprechend von der be- weisbelasteten Partei nachgewiesen sind, die ihrerseits aus Art. 8 ZGB einen bundesrechtlichen Beweisführungsanspruch ableiten kann (BGE 122 III 219 E. 3c mit Hinweisen). Nach dem bundesrechtlichen Regelbeweismass gilt ein Beweis als erbracht, wenn das Gericht von der Richtigkeit einer Sachbehauptung so über- zeugt ist, dass allfällige Zweifel als unerheblich erscheinen (BGE 128 III 271 E. 2b/aa). Ausnahmen von diesem Regelbeweismass der vollen Überzeugung nach objektiven Gesichtspunkten ergeben sich einerseits aus dem Gesetz und sind an- dererseits durch Rechtsprechung und Lehre herausgearbeitet worden (Urteil des Bundesgerichts 4A_458/2008 vom 21. Januar 2009 E. 2.3). Der Beweis des natür- lichen Kausalzusammenhangs wird dadurch erschwert, dass er etwas Abstraktes ist und der Vorgang im Zeitpunkt des Beweisverfahrens bereits abgeschlossen ist. Aus diesem Grund ist es oft unmöglich, einen strikten Beweis zu erbringen. Wenn nur Vermutungen über die Kausalität möglich sind, muss mit Indizien und mit den Hypothesen gearbeitet werden, die nach den Umständen vernünftigerweise in Be-Seite 12 — 19 tracht fallen (Urteil des Bundesgerichts 5C.174/2003 vom 4. Dezember 2003, E. 4.1). Die Rechtsprechung begnügt sich in solchen Fällen („Beweisnotstand“) meis- tens mit dem Wahrscheinlichkeitsbeweis. Wenn nichts gegen die Schilderung der Schadensentstehung durch den klagenden Geschädigten spricht und diese vom Beklagten auch nicht ernsthaft in Frage gestellt wird, kann sich das Gericht mit der vorgetragenen Glaubhaftmachung begnügen. Macht der Beklagte hingegen eben- falls Hypothesen zu seinen Gunsten geltend, wird das Gericht in der Regel auf „überwiegende Wahrscheinlichkeit“ abstellen (BGE 132 III 715 E. 3.1, Urteil des Bundesgerichts 4A_744/2011 vom 12. Mai 2012, E. 10.1). Eine überwiegende Wahrscheinlichkeit ist ein relativer Begriff, welcher schwierig zu definieren ist. Das Bundesgericht hat in seinem Entscheid 131 III 12 festgehalten, dass nach dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ein Beweis als erbracht gilt, wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten derart gewichtige Gründe sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten vernünf- tigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen. Eine überwiegende Wahrschein- lichkeit wird als ausreichend betrachtet, wo ein strikter Beweis nicht nur im Einzel- fall, sondern der Natur der Sache nach nicht möglich oder nicht zumutbar ist (vgl. auch BGE 132 III 715 E. 3.1, 130 III 321 E. 3.2). Die vom Geschädigten geltend gemachte überwiegende Wahrscheinlichkeit verliert an Beweiskraft, wenn andere mögliche Schadenursachen plausibel sind. Wenn also weitere Umstände als die- jenigen, die der Geschädigte geltend macht, als überwiegend erscheinen oder wenn sie ernsthafte Zweifel über die entscheidende Rolle des geltend gemachten Umstandes erwecken, gilt die natürliche Kausalität nicht als erwiesen (Urteil des Bundesgerichts 5C.230/2002 vom 16. April 2003, E. 4.1; Brehm, a.a.O., Art. 41 N 117; Rey, a.a.O., N 518b; Oftinger/Stark, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Allge- meiner Teil, Band I, Zürich 1995, § 3 N 38; Heierli/Schnyder, in: Hon- sell/Vogt/Wiegand [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationenrecht I, Art. 1-529, 5. Auflage, Basel 2011, Art. 41 N 15; Müller, in: Furrer/Schnyder [Hrsg.], Handkom- mentar zum Schweizer Privatrecht, Obligationenrecht, Allgemeine Bestimmungen, Art. 1-183 OR, 2. Auflage, Zürich 2012, Art. 41 N 36). d) Vorliegend geht es um die Frage, ob die Handlungen der Berufungsbeklag- ten am Abend des 31. Juli 2011 den Brand ausgelöst haben, in einem ersten Schritt also darum, ob zwischen dem Spielen der Berufungsbeklagten im Stall und dem Brand ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Dazu werden die Aus- sagen der Parteien, der Auswertbericht der Kantonspolizei Graubünden sowie das Gutachten des Forensischen Instituts Zürich zur Beurteilung herangezogen. Seite 13 — 19 aa) Die Berufungsbeklagten wurden noch in der Brandnacht von der Kantons- polizei Graubünden zur Brandursache befragt. Y._____ gab damals zu Protokoll, dass er am 31. Juli 2011 mit seinem Vater und seinem Bruder auf einer Wande- rung gewesen und etwa um 17.00 Uhr zurückgekehrt sei. Anschliessend seien er und sein Bruder in den Stall gegangen und hätten dort in einer alten Blechwanne, die eine Durchmesser von ca. 45 cm und eine Höhe von ca. 30 cm gehabt habe und sich im oberen Teil des Stalles bzw. auf dem Vorratsraum befunden habe, zwei Blätter Papier angezündet. Die Wanne hätten sie dazu auf ein Holzbrett auf den Boden gestellt. Nachdem das Papier verbrannt sei, hätten sie die Wanne so zurückgelassen und den Stall verlassen. Beim Hühnerstall auf der dortigen Mauer hätten sie nochmals etwa zwei A6-Blätter angezündet. Anschliessend habe er noch den Rasen gemäht und sie seien um etwa 19.30 Uhr wieder ins Wohnhaus zurückgekehrt, hätten das Nachtessen eingenommen, einen Film angeschaut und seien um ca. 22.00 Uhr ins Bett gegangen (Vorinstanz act. II/22). Auch Z._____ gab in seiner Einvernahme an, dass er und sein Bruder sich zwischen 18.00 Uhr und 19.00/19.30 Uhr im Stall aufgehalten hätten und dort in einem Blechkübel bzw. einem ca. 50 cm hohen Topf ein paar A5-Blätter verbrannt hätten. Es habe weder einen Funkenflug gegeben, noch habe der Topf ein Loch am Boden gehabt, da darin jeweils Flüssigkeiten aufbewahrt worden seien. Nachdem die Blätter ver- brannt und die Glut erloschen sei, hätten sie den Stall verlassen, wobei sie den Topf nicht geleert hätten. Beim Hühnerstall auf einer Schieferplatte hätten sie dann noch ein Blatt Papier angezündet (Vorinstanz act. II/23). Beide bestätigten zudem, dass weder Funken noch andere brennende Gegenstände über den Topf bzw. die Wanne hinausgegangen oder auf den Boden gefallen seien (Vorinstanz act. II/22 S. 2, II/23 S. 2). Diese Aussagen der Berufungsgegner erscheinen glaubhaft und decken sich auch. Beide gaben zu, dass sie im Stall in einem Gefäss Papierblätter angezündet hatten. Ob es sich bei diesem Gefäss nun um eine Blechwanne oder einen Blech- kübel bzw. einen Topf, welcher wie eine halbe Kugel aussah, handelte, darf nicht zu stark gewichtet werden, da die unterschiedlichen Bezeichnungen des Behälters durch die beiden Brüder verschiedene Gründe haben können (Unkenntnis, unter- schiedliche Wahrnehmung, Drucksituation) und keine Rückschlüsse darauf zulas- sen, dass ihre Aussagen nicht der Wahrheit entsprechen. Diese „Aussagen der ersten Stunde“ erscheinen insgesamt als glaubwürdig. Es ist schwierig, noch unter dem Eindruck des tatsächlichen Geschehens glaubwürdig eine Lügengeschichte von sich zu geben, die man zudem zuerst noch erfinden muss; vielfach schlägt zudem das Motiv, das zur Lüge veranlasst, auch nicht unmittelbar, sondern erst Seite 14 — 19 allmählich durch (Kieser/Pantli/Pribnow, Die „Aussage der ersten Stunde“ im Schadenausgleichsrecht -- und die Mangelhaftigkeit ihrer Aufzeichnungen, in: AJP 2000, 1195, S. 1199). Auch die Tatsache, dass die Berufungsbeklagten in der Brandnacht geweint und einen aufgewühlten Eindruck gemacht hatten, ist keines- wegs ein Hinweis darauf, dass sie den Brand verursacht hatten. Zu sehen, wie ein Zweifamilienhaus, ein Stall, eine Remise und eine Garage brennen, erscheint durchaus ein plausibler Grund dafür zu sein. Es kann davon ausgegangen wer- den, dass auch die übrigen Inhaber oder Mieter der Parzelle schockiert, aufge- wühlt und traurig gewesen waren, als sie sahen, wie mehrere Gebäude brannten. Im Übrigen waren die Brüder zu diesem Zeitpunkt 11 bzw. 14 Jahre alt, ihre Reak- tion war somit durchaus ihrem Alter entsprechend. bb) Der Spezialdienst 2 der Kantonspolizei Graubünden wurde mit den Ermitt- lungen der Brandursache beauftragt. Dem Auswertbericht ist zu entnehmen, dass der Ermittler im Brandschutt nach dem Behälter gesucht hatte, welchen die beiden Brüder beschrieben hatten. Seinen Angaben zufolge konnte dieser jedoch nicht gefunden werden. Im Brandschutt hätten sich lediglich ein viereckiger Behälter sowie ein runder Kupferkessel, welcher bis zur Hälfte mit Erde gefüllt und mit ver- branntem Holz bedeckt gewesen sei, befunden. Um die Brandursache ermitteln zu können, sei das Eliminationsverfahren (Ausschlussverfahren) angewendet wor- den. Dabei wurde festgehalten, dass keine Hinweise zu natürlichen, chemischen oder biologischen Brandursachen hätten gefunden werden können. Auch eine technische Ursache als Brandursache könne mit grosser Wahrscheinlichkeit aus- geschlossen werden. Beim Branduntersuch im Stall seien keine Leitungen, Schal- ter oder Lampen mehr gefunden worden, da diese durch den Brand gänzlich zer- stört oder beschädigt worden seien. Die Auskunftsperson H._____ habe in ihrer Einvernahme erklärt, dass der Stall mit elektrischer Installation ausgerüstet gewe- sen sei, es jedoch keine Probleme damit gegeben habe. Es dürfe auch davon ausgegangen werden, dass im Stall um diese Uhrzeit keine Lampe eingeschaltet gewesen sei. Somit könne mit grosser Wahrscheinlichkeit ein technischer Defekt an der elektrischen Installation ausgeschlossen werden. Ein allfälliger Tierfrass könne nicht gänzlich ausgeschlossen werden, es seien aber keine diesbezügli- chen Hinweise gefunden worden. Da das Stallgebäude teilweise offen und mit Rundholz erstellt worden sei, könnten jederzeit Tiere ins Gebäudeinnere gelan- gen. Angesichts der Jahreszeit rücke diese Version jedoch eher in den Hinter- grund. Hinweise auf eine vorsätzliche Brandlegung hätten keine gefunden werden können; dies sei aber nie gänzlich auszuschliessen. Somit sei der Brand mit grös- ster Wahrscheinlichkeit dadurch entstanden, weil die beiden Knaben Papierblätter Seite 15 — 19 im Stallinnern verbrannt hätten. Es sei möglich, dass durch den kleinen Brand un- bemerkt etwas Glut oder brennendes Papier aus dem Behälter gefallen sei und dann dort einen kleinen Schwelbrand und schliesslich den ganzen Brand aus- gelöst habe. Es könne jedoch auch nicht ausgeschlossen werden, dass der Behäl- ter auf einem leicht brennbaren Untergrund gestanden sei und eventuell sogar ein kleines Loch aufgewiesen habe oder sich leicht brennbares Material am Boden des Behälters befunden habe und es dort durch die Wärme zu einem kleinen Schwelbrand gekommen sei, welcher schlussendlich den Brand ausgelöst habe. Zudem könnten die Papierblätter auch in einem Plastikkessel verbrannt worden sein, der dann anschliessend vollständig verbrannte, weshalb er im Brandschutt auch nicht mehr gefunden werden konnte. Hinweise auf eine andere Brandursa- che seien nicht gefunden worden (Vorinstanz act. II/24). Wie dies auch im Gutachten des Forensischen Instituts Zürich festgehalten wurde (Vorinstanz act. III/2 S. 8), handelt es sich bei der Brandermittlung um eine der schwierigsten Methoden in der Forensik. Anhand der Brandrückstände ist es äus- serst schwierig, die Brandursache mit rechtsgenügender Sicherheit zu eruieren und zu beweisen. Meistens wird deshalb im Ausschlussverfahren ein Gemisch von Erfahrung, gefundenen objektiven Spuren und bekannten Aussagen verwendet, um ebenfalls Hypothesen bzw. Varianten von Brandzündungen und Brandabläu- fen aufzustellen und zu überprüfen und gegeneinander abzuwägen. Entsprechend ist auch der Spezialdienst 2 der Kantonspolizei Graubünden vorgegangen und hat aufgrund des Eliminationsverfahrens versucht die Brandursache zu bestimmen. Auch der Spezialdienst 2 der Kantonspolizei Graubünden arbeitet lediglich mit In- dizien und Hypothesen, es konnte nicht mit absoluter Sicherheit festgestellt wer- den, was den Brand verursacht hat, weshalb auch eine Bewertung schwierig ist. Abgesehen von der Brandverursachung durch die Berufungsbeklagten konnten beispielsweise auch die Brandstiftung und ein Tierfrass nicht gänzlich ausge- schlossen werden. Dem Ermittler zufolge ist der Brand mit grösster Wahrschein- lichkeit durch die beiden Brüder verursacht worden. Er geht implizit davon aus, dass diese in ihren Aussagen entweder nicht die Wahrheit gesagt hatten oder während des Anzündens der Blätter Papier etwas übersehen hatten. Jedoch lie- gen auch dazu keine Beweise vor, es handelt sich lediglich um Mutmassungen des Experten. cc) Die Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau hat im Rahmen ihrer Strafun- tersuchung gegen die Berufungsbeklagten betreffend fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst das Forensische Institut Zürich mit der Erstellung eines Gut-Seite 16 — 19 achtens bezüglich der Brandursache beauftragt. Das Forensische Institut Zürich kam in seinem Gutachten zum Schluss, dass es ihnen nicht möglich sei, die Ursa- che des Brandes rechtsgenügend wissenschaftlich zu eruieren, auch nicht an- satzweise. Sie könnten einzig aussagen, dass das in den Einvernahmen der Ju- gendlichen beschriebene Hantieren mit dem Feuer in der Metallwanne in dieser Art und Weise nicht zu dem vorliegenden Brand hätte führen können. Gemäss ihren Versuchen werde ein Metallbehälter (Kessel, Wanne) nach dem Verbrennen von 5 Blättern im Format A5 oder A6 am Boden lediglich etwa 110 Grad Celsius warm, was nicht ausreiche, das darunterliegende Holz anzuzünden, auch wenn dieses morsch oder besonders trocken sei. Eine aus dem Kessel austretende Glut sei ebenfalls nicht in der Lage, einen Brand zu zünden. Bei ihren Versuchen hät- ten sie aber ohnehin keine austretende Glut beobachten können. Wenn die Glut gross sei, könne sie wegen ihrem Gewicht nicht über den Rand der Wanne hin- ausfliegen, wenn sie klein sei, beinhalte sie zu wenig Energie, um Holz zu zünden. Mit einer Glut im Kessel sei keine Brandentstehung möglich, auch nicht mittels Mottbrand. Dazu müssten grössere Mengen brennbaren Materials ausserhalb des Kessels gezündet worden sein, die Feuertests an anderen Gegenständen und anderen Orten durchgeführt oder die Glühlampe nicht abgelöscht worden sein, wobei diese dann in unmittelbarer Nähe von brennbarem Material hätte sich befin- den müssen (Vorinstanz act. III/2). dd) Zu beurteilen ist nun, ob diese Punkte ausreichen, um das Vorliegen eines natürlichen Zusammenhangs zwischen dem Handeln der Berufungsbeklagten und dem Ausbruch des Brandes zu bejahen. Dabei ist auch noch darauf hinzuweisen, dass vorliegend nicht nur keinerlei Bindung des Zivilrichters an den im gleichen Zusammenhang ergangenen Entscheid im Strafverfahren besteht, sondern auch bei der Beweiswürdigung unterschiedliche Massstäbe anzulegen sind. Während im Strafverfahren sehr hohe Anforderungen an die zu erbringenden Beweise ge- stellt werden, da dort der Grundsatz in dubio pro reo gilt, genügt es im Zivilpro- zess, wenn die Berufungsklägerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darzutun vermag, dass die Berufungsbeklagten den Brand verursacht haben. Selbst wenn somit das Strafgericht und das Zivilgericht die Wahrscheinlichkeit der Täterschaft gleich hoch einschätzen (z.B. auf 80%), so kann der Beweis im Zivilprozess als gelungen erscheinen, wohingegen im Strafprozess ein Freispruch ergehen muss. Die im Strafrecht geltende Unschuldsvermutung darf als Beweiswürdigungsregel nicht ins Zivilrecht übertragen werden (Urteil des Appellationsgericht Basel-Stadt SG 2009 Nr. 1628 vom 22. Oktober 2008).Seite 17 — 19 Vorliegend gibt es verschiedene Indizien, die darauf hinweisen, dass die Beru- fungsbeklagten den Brand verursacht haben könnten. So erscheint es doch etwas merkwürdig, dass die Berufungsbeklagten im Stall Papier anzünden und einige Stunden später im Stall ein Feuer ausbricht. Auch der Spezialdienst 2 der Kan- tonspolizei Graubünden kam zum Schluss, dass der Brand mit grösster Wahr- scheinlichkeit dadurch verursacht worden sei, weil die beiden Knaben Papierblät- ter im Stallinnern verbrannt hätten. Jedoch muss dazu festgehalten werden, dass der Ermittler zu diesem Schluss kam, da keine anderen stichhaltigen Beweise für den Brand gefunden werden konnten. Der Ermittler kam auch lediglich auf diese Brandursache, weil die Berufungsbeklagten selber in der Brandnacht gegenüber der Polizei erwähnt hatten, dass sie einige Stunden vor dem Brand im Stall einige Blätter Papier angezündet hätten. Sonstige Hinweise, die auf die Brandverursa- chung durch die Berufungsbeklagten sprechen würden, hatte auch der Brander- mittler nicht gefunden. Dies bedeutet, dass sich die gesamte These der Brandver- ursachung durch die Berufungsbeklagten auf ihre eigenen Aussagen stützt. Die Berufungsklägerin zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Aussagen der Berufungs- beklagten. Dies erscheint unter den gegebenen Umständen etwas widersprüch- lich. Es gibt keine Beweise, welche die Berufungsbeklagten mit dem Brand vom 31. Juli 2011 in Verbindung bringen. Es gab weder Zeugenaussagen, welche die- se These bestätigten, noch konnten im Brandschutt irgendwelche Hinweise auf die Täterschaft der Berufungsbeklagten gefunden werden. Die einzigen Hinweise sind die Aussagen der Berufungsbeklagten selber. Sie haben sich also insofern durch ihre Aussagen selber belastet, als ansonsten keinerlei Gründe für eine Verdächti- gung der Berufungsbeklagten vorliegen würden. Somit erscheint es unwahrschein- lich, dass die Berufungsbeklagten bei ihrer Aussage in der Brandnacht nicht die Wahrheit gesagt haben. Wenn sie hätten lügen wollen, hätten sie auch direkt sa- gen können, dass sie nicht im Stall gewesen seien oder im Stall nur Holz gehackt hätten, auf jeden Fall hätten sie dann verschweigen können, dass sie im Stall Pa- pier angezündet hatten. Zudem erscheinen die Angaben der Berufungsbeklagten - wie bereits ausgeführt - glaubwürdig. Beide hatten noch in der Brandnacht unab- hängig voneinander den gleichen Ablauf der Geschehnisse erzählt. Es erscheint unwahrscheinlich, dass sich Kinder bzw. Jugendliche in diesem Alter, während sie noch aufgewühlt sind von den Geschehnissen, eine Lügengeschichte ausdenken, ihre Versionen aufeinander abstimmen und bedenken, dass sie sonst in Schwie- rigkeiten kommen könnten. Es gibt auch sonst keinerlei Hinweise dafür, dass die Berufungsbeklagten nicht die Wahrheit gesagt haben sollten, weshalb auf ihre Aussagen abgestellt werden muss. Ab diesem Punkt ist sodann auf das Gutach-Seite 18 — 19 ten des Forensischen Institut Zürich abzustellen, welches in seinen Tests und Versuchen zum Ergebnis gekommen ist, dass der Brand nicht durch das Verbren- nen der Papierblätter in einem Topf verursacht worden sein kann. Dies hat zur Folge, dass der Beweis - die Berufungsbeklagten hätten durch ihr Spielen im Stall den Brand verursacht - auch nach dem Beweismass der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit durch die Berufungsklägerin nicht erbracht werden konnte. Wie dies bereits die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, reicht die blosse Möglichkeit ei- nes Zusammenhangs zwischen dem Verhalten der Kinder, - selbst wenn es sich anders als von ihnen beschrieben zugetragen hätte - und dem Ausbruch des Brandes in der Nacht vom 31. Juli 2011 für die Bejahung des natürlichen Kausal- zusammenhangs nicht aus. Die natürliche Kausalität zwischen dem Handeln der Berufungsbeklagten und dem Schaden gilt also nicht als erwiesen. Die Folge der Beweislosigkeit trägt die Berufungsklägerin. Es erübrigt sich folglich ebenfalls, die weiteren Haftungsvoraussetzungen zu prüfen. 5. Ist die Berufung nach dem Gesagten abzuweisen und der Entscheid des Bezirksgerichts Surselva vom 16. Mai 2013 zu bestätigen, bleibt es folglich auch bei der vorinstanzlichen Kostenregelung. Vorliegend ist somit nur über die Kosten des Berufungsverfahrens zu befinden. Nach Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten, wozu sowohl die Gerichts- kosten als auch die Parteientschädigungen zählen (Art. 95 Abs. 1 ZPO), der unter- liegenden Partei auferlegt. Im vorliegenden Berufungsverfahren vermag die Beru- fungsklägerin mit ihren Begehren nicht durchzudringen. Die Kosten des Beru- fungsverfahrens, die gestützt auf Art. 9 der Verordnung über die Gerichtsgebühren in Zivilverfahren (VGZ; BR 320.210) auf Fr. 7‘000.-- festgesetzt werden, sind da- her der unterliegenden Berufungsklägerin aufzuerlegen, welche die Gegenpartei zudem für das Berufungsverfahren ausseramtlich zu entschädigen hat (Art. 106 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 95 Abs. 1 ZPO). Der Rechtsvertreter der Berufungsbeklag- ten reichte mit Schreiben vom 3. Oktober 2013 eine Honorarnote in Höhe von total Fr. 5‘005.80 inklusive Mehrwertsteuer ein (act. D.6), welche gemäss detaillierter Aufstellung einem Aufwand von 17.25 Stunden zum Stundenansatz von Fr. 260.-- (act. C.0) zuzüglich Auslagen sowie Mehrwertsteuer von 8 % entspricht. Der gel- tend gemachte Zeitaufwand erscheint angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen, des Umfangs der Berufungsantwort und der notwendigen Bemühungen als angemessen.Seite 19 — 19 III. Demnach wird erkannt: 1. Die Berufung wird abgewiesen. 2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 7‘000.-- gehen zu Lasten der X._____ und werden mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss verrech- net. Der Restbetrag des Kostenvorschusses von Fr. 1‘000.-- wird der X._____ durch das Kantonsgericht erstattet. 3. Die X._____ hat Y._____ und Z._____ für das Berufungsverfahren ausser- amtlich mit Fr. 5‘005.80 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu ent- schädigen. 4. Gegen diese, einen Streitwert von mindestens 30‘000 Franken betreffende Entscheidung kann gemäss Art. 72, Art. 74 Abs. 1 lit. b des Bundesge- richtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Zivilsachen an das Schweizerische Bundesgericht geführt werden. Diese ist dem Bundesgericht schriftlich, in- nert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entschei- dung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Vorausset- zungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 72 ff. und 90 ff. BGG. 5. Mitteilung an: