B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-862/2016 U r t e i l v o m 1 2 . J u l i 2 0 1 6 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter David R. Wenger, Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner, Gerichtsschreiberin Regina Derrer. Parteien A._______, geboren am (…), Russland, vertreten durch lic. iur. Okan Manav, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl (ohne Wegweisungsvollzug; Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des SEM vom 8. Januar 2016 / N (…). E-862/2016 Seite 2 Sachverhalt: I. A. Die Beschwerdeführerin – eine russische Staatsangehörige mit letztem Wohnsitz in B._______, Inguschetien – verliess ihre Heimat eigenen An- gaben zufolge am 6. November 2014 und reiste am 11. November 2014 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags im Empfangs - und Verfahrenszent- rum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch stellte . Am 26. November 2014 wurde sie zu ihrer Person und summarisch zu ihren Gesuchsgründen be- fragt. Am 15. Dezember 2014 fand die einlässliche Bundesanhörung nach Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) statt. Anlässlich dieser beiden Befragun- gen machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie sei auf- grund der Probleme ihrer beiden Söhne, welche bereits vor einigen Jahren aus Russland geflohen seien (einer von ihnen in die Schweiz), wiederholt von den inguschetischen Behörden behelligt worden . So sei ihr Haus im- mer wieder durchsucht worden, wobei sogar Granaten in ihren Garten ge- worfen worden seien. Ferner sei sie von den Sicherheitskräften wiederholt vorgeladen und nach dem Verbleib ihrer Söhne befragt worden. B. Mit Verfügung vom 24. März 2015 wies das SEM das Asylgesuch der Be- schwerdeführerin mit der Begründung ab, die von ihr geltend gemachte Reflexverfolgung halte den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Indes nahm es sie wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz auf. C. C.a Auf die am 4. Juni 2015 gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 19. Juni 2015 nicht ein, mit der Begründung, sie sei verspätet und mithin nicht zulässig (vgl. Urteil des BVGer E-3609/2015 vom 19. Juni 2015). C.b Mit Eingabe vom 8. September 2015 ersuchte die Beschwerdeführerin das Bundesverwaltungsgericht darum, das Verfahren fortzusetzen und von einer Verfahrensabschreibung abzusehen, auf die Beschwerde einzutreten und diese gutzuheissen. Mit Urteil vom 30. September 2015 wies das Ge- richt diese als sinngemässes Fristwiederherstellungsgesuch entgegenge- nommene Eingabe ab (vgl. Urteil des BVGer E -5550/2015 vom 30. Sep- tember 2015). E-862/2016 Seite 3 II. D. Mit Eingabe vom 14. Dezember 2015 ersuchte die Beschwerdeführerin das SEM um Wiedererwägung der Verfügung vom 24. März 2015 und um Ge- währung von Asyl, allenfalls um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft . Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass sie neue Ereignisse und Beweismittel vorbringen könne, welche ihre Verfolgungssituation be- legten. So bestätige Magomed Muzolgov – der Vorsitzende der Menschen- rechtsorganisation MASHR in Inguschetien – in seinem beigelegten Schreiben vom 18. M ai 2015 (vgl. B2, Beilage 5) ihre prekäre Situation. Wie den ebenfalls beigelegten Berichten von Civil Rights Defenders und Frontline Defenders vom 9. November 2015 sowie von Human Rights Watch vom 10. N ovember 2015 (vgl. B2, Beilage n 6-8) entnommen wer- den könne, sei Magomed Muzolgov nun selbst Opfer von Repressionen seitens der inguschetischen Behörden geworden. Ein auf der Webseite (...) hochgeladener Beitrag vom 28. Mai 2014 und entsprechende Fotografien, welche auch zusammen mit de m Wiedererwägungsgesuch eingereicht wurden (vgl. B2, Beilagen 9 -10), belegten ihre Vorbringen anlässlich des ordentlichen Verfahrens, wonach sie zusammen mit weiteren Eltern von angeblichen inguschetischen Rebellen zu einem Treffen mit dem Staats- chef von I nguschetien vorgeladen worden sei. Ein weiterer, ebenfalls ins Recht gelegter Bericht des Cuacasian Knot vom (…) 2010 (vgl. B2, Bei- lage 11) schildere zudem eindrücklich, wie sie sich für die Rechte ihrer ver- folgten Söhne eingesetzt habe. Dieser Bericht könne unter anderem dazu beigetragen haben, dass sie ins Fadenkreuz der Sicherheitskräfte geraten sei. Des Weiteren leide sie seit den Ereignissen in Inguschetien an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und einer mittelgradig de- pressiven Episode. Im ebenfalls eingereichten Arztzeugnis ihres behan- delnden Arztes vom 1. November 2015 (vgl. B2, Beilage 12) seien die Zu- sammenhänge zwischen dem von ihr Erlebten und ihrem Gesundheitszu- stand geschildert. Schliesslich legte die Beschwerdeführerin zusammen mit ihrem Wiedererwägungsgesuch einen Bericht von Amnesty Internatio- nal vom November 2015 bezüglich der Menschenrechtssituation im Nord- kaukasus ins Recht (vgl. B2, Beilage 13) und verwies auf die bisher beim SEM eingereichten Unterlagen und das Beschwerdeschreiben vom 4. Juni 2015. In diesem Beschwerdeschreiben machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, das SEM habe den von ihr eingereichten USB-Stick, auf dem sich unter anderem ein Video der Hausdurchsuchung [von Anfang 2014] befinde (vgl. A26, Beilage 9), nicht gewürdigt. Ferner reichte sie zu-E-862/2016 Seite 4 sammen mit dieser Rechtsmitteleingabe einen bereits im ordentlichen Ver- fahren eingereichten Ausdruck von Fahndungslisten betreffend ihre Söhne ein. E. E.a Mit Verfügung vom 8. Januar 2016 – eröffnet am 11. Januar 2016 – wies das SEM das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführerin ab und erklärte die Verfügung vom 24. März 2015 für rechtskräftig und voll- streckbar. Ferner auferlegte es der Beschwerdeführerin eine Gebühr von Fr. 600. und hielt fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschie- bende Wirkung zukomme. E.b Zur Begründung nahm das SEM zunächst Bezug zum Inhalt der Be- schwerde vom 4. Juni 2015 (vgl. Bst. C.a), in der die Beschwerdeführerin gerügt habe, es seien nicht alle ins Recht gelegten Beweismittel gewürdigt worden, weshalb fälschlicherweise auf die Unglaubhaftigkeit ihrer Verfol- gungsvorbringen geschlossen worden sei. Dazu sei zu bemerken, dass die in der Beschwerde bezeichneten Beweismittel – ein USB-Stick, auf dem ein Video der Hausdurchsuchung [von Anfang 2014] abgespeichert sei (A26, Beilage 9) , und ein Fahndungss chreiben (A26, Beilage 8) – in der SEM-Verfügung vom 24. März 2015 kurz erörtert worden seien. Folglich seien sie nicht neu und könnten mithin nicht Gegenstand einer Revision sein, diene diese doch nicht dazu, erneut eine Würdigung von Bekanntem vorzunehmen. E.c Neue Beweismittel zwecks Begründung der Flüchtlingseigenschaft im Wiedererwägungsverfahren seien demnach das Schreiben von Magomed Muzolgov vom 18. Mai 2015 (B2, Beilage 5), die Berichte von Civil Rights Defenders und Frontline Defenders vom 9. November 2015 sowie von Hu- man Rights Watch vom 10. November 2015 (B2, Beilagen 6-8), der auf der Webseite (...) hochgeladene Beitrag vom 28. Mai 2014 (B2, Beilage 9; die damit eingereichten Fotos in Beilage 10 seien bereits im ordentlichen Ver- fahren eingereicht w orden) sowie der Bericht von Amnesty International vom November 2015 (B2, Beilage 13). Die übrigen Beweismittel seien be- reits im ordentlichen Verfahren bekannt gewesen oder tangierten Verfah- rensfragen im ordentlichen Beschwerdeverfahren, auf das wegen verpass- ter Beschwerdefrist nicht eingetreten worden sei. Die Beilagen 6 bis 8 beträfen nicht die Beschwerdeführerin, weshalb sie als unerheblich zu qualifizieren seien, da sie nicht geeignet gewesen wä-E-862/2016 Seite 5 ren, im ordentlichen Verfahren ein günstigeres Resultat für die Beschwer- deführerin herbeizuführen. Die Beilagen 9, 10 und 13 verwiesen zwar auf einen länderspezifischen Kontext, der jedoch im ordentlichen Verfahren ebenso wenig zwingend auf eine andere Erwägung der Asylrelevanz hätte führen müssen. Das Beweismittel in Beilage 5 sei tatsächlich neu und erheblich, da es ge- eignet sei, für die Beschwerdeführerin ein besseres Resultat zu erzielen. So seien darin die von ihr im ordentlichen Verfahren ebenfalls vorgebrach- ten Hausdurchsuchungen erwähnt. Zunächst sei aber festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin diese Durchsuchungen im ordentlichen Verfahren überhaupt nicht habe glaubhaft machen können. Des Weiteren würden diese in der Beilage 5 auch nur sehr vage auf den Sommer 2014 datiert. Ebenso approximativ sei die darin angegebene Anzahl der involvierten Si- cherheitskräfte. Ferner stammten die darin enthaltenen Angaben von Nachbarn, ohne dass weitere Details genannt würden . Die von der Be- schwerdeführerin erwähnten Explosionen seien im Schreiben zudem gänz- lich unerwähnt geblieben, obwohl davon auszugehen sei, dass ein solch markantes Ereignis auch von Zeugen hätte wahrgenommen werden müs- sen. Zusätzliche Informationen seien dem siebenzeiligen Bericht schliess- lich nicht zu entnehmen. Folglich gebe dieser bloss einen schwachen Hin- weis ab, den es anzuzweifeln gelte, da Beweismittel gerade im vorliegen- den länderspezifischen Kontext käuflich erwerbbar und mithin nicht fäl- schungssicher seien. Die inhaltlichen Ungereimtheiten bezüglich der Aus- sagen der Beschwerdeführerin und die krassen Unglaubhaftigkeitsele- mente im ordentlichen Verfahren vermöchten damit in jedem Fall nicht ent- kräftet zu werden. Demnach sei das vorgebrachte Beweismittel revisions- rechtlich nicht erheblich. Der Antrag auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aufgrund eines medizinischen Leidens (PTBS) sei zudem unbehilflich, da die Beschwer- deführerin in der Schweiz bereits vorläufig aufgenommen worden sei. F. Mit Eingabe vom 10. Februar 2016 (Poststempel) erhob die Beschwerde- führerin gegen die Verfügung des SEM vom 8. Januar 2016 beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr Asyl zu gewähren oder jedenfalls ihre Flüchtlingseigenschaft fest- zustellen. In prozessualer Hinsicht liess sie ferner darum ersuchen, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihr die un- entgeltliche Rechtspflege, inklusive Verbeiständung, zu gewähren. E-862/2016 Seite 6 Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass es für sie nicht ver- ständlich sei, weshalb das SEM auch in seinem Entscheid vom 8. Ja- nuar 2016 an den geringfügigen Ungereimtheiten anlässlich ihrer im Rah- men des ordentlichen Verfahrens durchgeführten Befragung zur Person und ihrer Bundesanhörung festhalte. Sie sei bei den Ereignissen im Som- mer 2014 unter Schock gestanden, weshalb von ihr nicht erwartet werden könne, diese Vorfälle im Detail wiedergeben zu können. Fakt sei, dass Si- cherheitspersonen bei ihr zu Hause gewesen seien und ihr damit gedroht hätten, ihr Haus beim nächsten Mal in die Luft zu jagen. Dabei hätten sich die Sicherheitsleute klar auf ihre beiden Söhne – welche aufgrund von ein- deutigen Verfolgungsmotiven in der Schweiz und in [einem anderen euro- päischen Land] Asyl erhalten hätten – bezogen. Die sich aus diesen Ereig- nissen ergebende begründete Furcht vor weiterer Reflexverfolgung werde auch durch den auf der Webseite (...) hochgeladenen Beitrag vom 28. Mai 2014 und die dazugehörigen Fotografien untermauert. Das SEM habe sich weder in der ursprünglichen V erfügung vom 24. März 2015 noch im Ent- scheid vom 8. Januar 2016 die Mühe gemacht, den durch diesen Bericht vor Augen geführten Druck auf Familienangehörige in seine Begründung einfliessen zu lassen. Ferner habe das SEM selbst erwähnt, dass es den USB-Stick, der stichhaltige Beweise zur Verfolgung der Beschwerdeführe- rin enthalte, lediglich „kurz“ erörtert habe. Dies könne nicht einer rechts- genüglichen Würdigung eines Beweismittels entsprechen. Schliesslich wurde in der Beschwerdeschrift auf einen sich in Arbeit befindlichen Bericht von Amnesty International zur Nordkaukasusregion verwiesen, in dem auch eine Auseinandersetzung mit der Reflexverfolgung von Familienan- gehörigen stattfinde. G. Mit Zwischenverfügung vom 17. Februar 2016 hielt das Bundesverwal- tungsgericht fest, dass die Beschwerdeführerin gestützt auf die vom SEM mit Verfügung vom 24. März 2015 angeordnete vorläufige Aufnahme über einen gültigen Aufenthaltstitel in der Schweiz verfüge . Ferner forderte es die Beschwerdeführerin auf, innert sieben Tagen ab Erhalt dieser Zwi- schenverfügung das auf dem im ordentlichen Verfahren eingereichten, be- schädigten und deshalb nicht einsehbaren USB-Stick abgespeicherte Da- tenmaterial auf einem lesbaren Datenträger einzureichen. H. Mit Eingabe vom 23. Februar 2016 ersuchte die Beschwerdeführerin das Gericht darum, ihr den beschädigten USB-Stick zukommen zu lassen, da- mit sie versuchen könne, diesen zu reparieren. So befänden sich darauf E-862/2016 Seite 7 einige für die Beweislage wichtigen, ansonsten verlorenen Videos – darun- ter ein Video einer Hausdurchsuchung , auf dem in Übereinstimmung mit ihren Ausführungen eine Explosion zu hören sei. Des Weiteren reichte die Beschwerdeführerin einen neuen USB-Stick ein, auf dem sich ebenfalls ein Video einer anderen Hausdurchsuchung befinde, das sie noch habe auf- finden können. Ferner seien auf dem USB-Stick drei Fotoaufnahmen vom Verwaltungsgebäude in Inguschetien abgespeichert, welche sie ihrer Ein- gabe vom 23. Februar 2016 ebenfalls in ausgedruckter Form beilegte. Auf diesen ungefähr Mitte Februar 2016 von einem Verwandten der Beschwer- deführerin gemachten Aufnahmen sei zu erkennen, dass für sie und ihre beiden Söhne ein Fahndungsschreiben beim Eingang dieses Verwaltungs- gebäudes angebracht worden sei. Aus diesem Fahndungsschreiben gehe hervor, dass ihr angelastet werde, sich der Beihilfe zu terroristischen Tätig- keiten gemäss Art. 205.1 des russischen Strafgesetzbuches schuldig ge- macht zu haben. Sie, die Beschwerdeführerin, hätte gerne den Vorsteher der Menschenrechtsorganisation MASHR damit beauftragt, dem Fahn- dungsschreiben auf den Grund zu gehen und einen entsprechenden Be- richt zu verfassen. Aufgrund der Schwierigkeiten, mit welchen MASHR sei- tens der inguschetischen Regierung konfrontiert sei, habe davon aber bis- her abgesehen werden müssen. I. In seiner Zwischenverfügung vom 26. Februar 2016 hielt das Gericht fest, dass auch der mit Eingabe vom 23. Februar 2016 eingereichte USB-Stick beschädigt sei, weshalb er an die Beschwerdeführerin retourniert werde. Es räumte der Beschwerdeführerin Gelegenheit dazu ein, das auf den am 23. Februar 2016 und im ordentlichen Verfahren eingereichten, beschädig- ten USB-Sticks gespeicherte Datenmaterial innert Frist auf einem lesbaren Datenträger nachzureichen. Bezüglich des Gesuchs um Herausgabe des im ordentlichen Verfahren bei der Vorinstanz eingereichten USB -Sticks verwies das Gericht die Beschwerdeführerin an die Vorinstanz und trat auf das Gesuch mangels Zuständigkeit nicht ein. Schliesslich forderte das Ge- richt die Beschwerdeführerin auf, innert Frist eine deutsche Übersetzung aller auf den mit Eingabe vom 23. Februar 2016 eingereichten Fotografien ersichtlichen Schriftzüge nachzureichen und Auskunft darüber zu erteilen, wann und von wem diese Fotografien erstellt wurden, wo sich das auf den Fotografien ersichtliche Verwaltungsgebäude genau befinde t und wie diese Fotografien – unter Beilage eines Zustellnachweises – zu ihr in die Schweiz gelangt sind. E-862/2016 Seite 8 J. Mit Eingabe vom 7. März 2016 reichte die Beschwerdeführerin eine CD - Rom mit den auf dem mit Eingabe vom 23. Februar 2016 ins Recht geleg- ten USB-Stick enthaltenen Daten sowie eine Übersetzung aller wichtigen Schriftzüge auf den mit Eingabe vom 23. Februar 2016 ins Recht gelegten Fotografien ein. Zur Erläuterung führte sie aus, dass das Fahndungsschrei- ben auf einem Verwaltungsgebäude der Russischen Föderation in der Re- publik Inguschetien i n B._______, (…), angebracht sei. Die Aufnahmen stammten von einem Cousin der B eschwerdeführerin, dessen Identitäts- karte in Kopie beiliege und der sich geleg entlich in B._______ aufhalte. Mutmasslich seien die Fotografien um den 10. Februar 2016 herum ge- macht worden und ihrem in der Schweiz lebenden Sohn eine Woche später per WhatsApp zugestellt worden. Die Organisation MASHR sei nach wie vor ausser Stande, Nachforschungen zum Fahndungsschreiben zu ma- chen. Allerdings dürfte es wohl für eine Person einer Schweizerischen Ver- tretung in Russland ein Leichtes sein, weitere Informationen zu ihrer Fahn- dung ausfindig zu machen. Ferner teilte die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 7. März 2016 mit, dass sie den im ordentlichen Verfahren bei der Vorinstanz eingereichten USB-Stick zwecks Wiederherstellung der da- rauf enthaltenen Daten bestellt habe. Schliesslich machte sie – ohne die entsprechenden N-Nummern anzugeben – auf weitere Familienangehö- rige – das heisst auf ihre Tochter, C._______, und ihren Cousin, D._______ – aufmerksam, die ebenfalls wegen Reflexverfolgung im Zusammenhang mit ihren Söhnen Asyl in der Schweiz erhalten hätten. K. Mit Eingabe vom 24. März 2016 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie den im ordentlichen Verfahren eingereichten USB -Stick zwischenzeitlich von der Vorinstanz zugestellt erhalten habe, diesen aber leider nicht repa- rieren und die darauf enthaltenen Daten mithin nicht wiederherstellen könne. L. Mit Zwischenverfügung vom 28. April 2016 lud das Bundesverwaltungsge- richt das SEM unter ausdrücklichem Hinweis auf die Akten der Tochter der Beschwerdeführerin (N […]) und deren Angaben anlässlich ihrer Befragun- gen ein, eine Stellungnahme zur Beschwerde vom 10. Februar 2016 ein- zureichen. In seiner Vernehmlassung vom 23. Mai 2016 führte das SEM aus, dass der Tochter der Beschwerdeführerin nach erneuter Prüfung ihrer Vorbringen im Beschwerdeverfahren Asyl gewährt worden sei. Das SEM habe sich dabei im Wesentlichen auf den Umstand gestützt, dass dem E-862/2016 Seite 9 Ehemann der Tochter zwischenzeitlich Asyl gewährt worden sei. Da die Vorbringen der Tochter sich grösstenteils mit denjenigen ihres Ehemannes deckten, sei ihr ebenfalls originär Asyl gewährt worden. Es habe jedoch keine erneute Prüfung der Glaubhaftigkeit stattgefunden. Zudem seien we- der den Vorbringen der Tochter der Beschwerdeführerin noch jenen ihres Ehemannes Hinweise auf Nachteile seitens der Beschwerdeführerin – de- ren Probleme erst im Jahr 2014 zu situieren wären – zu entnehmen. Be- züglich der Vorbringen der Beschwerdeführerin selbst führte das SEM aus, dass diese im ordentlichen Verfahren als unglaubhaft taxiert worden seien und im Wiedererwägungsverfahren keine neue Glaubhaftigkeitsprüfung durchgeführt worden sei. Die im Wiedererwägungsverfahren geäusserte Kritik, das SEM habe selbst zugegeben, dass der Inhalt des USB -Sticks nur kurz erörtert worden sei, sei insofern nicht stichhaltig, als sich die For- mulierung „kurz erörtert“ nicht auf den eigentlichen Prozess der Prüfung bezogen habe, sondern bloss auf das knapp formulierte Resultat des irre- levanten Inhalts. Die Behauptung in der Beschwerde vom 4. Juni 2015, das SEM sei auf den Inhalt des USB -Sticks „mit keinem Wort“ eingegangen, sei folglich falsch. Mit Bezug zu einer möglichen Reflexverfolgung lasse sich aus jener Beschwerde vom 4. Juni 2015 (S. 4) zudem herauslesen, dass die Beschwerdeführerin solche Nachteile selbst eingrenze. So spre- che sie von Drohungen ihr gegenüber, die nicht auf sie selbst, sondern klar auf ihre Söhne bezogen gewesen seien. Dass bei diesen Drohungen auch erwähnt worden sei, dass ihr Haus beim nächsten Mal in die Luft gejagt werde, stelle eher eine Reflexwirkung dar. Bei der Reflexwirkung stelle sich bei der betroffenen Person der Schaden, in casu allenfalls die Zerstörung des Hauses, als mittelbarer Schaden ein, bedingt durch die erfolglose Su- che nach den Söhnen. Es handle sich dabei aber nicht um eine gezielte Verfolgung und führe daher auch nicht zur Anerkennung der Flüchtlingsei- genschaft. Bezüglich des mit Eingabe vom 23. Februar 2016 neu einge- reichten Videos lasse sich nur schwer erkennen, wann, wo und was genau der Gegenstand der Hausdurchsuchung gewesen sei, falls es sich tatsäch- lich um eine solche gehandelt habe, ebenso wenig, ob Maskierte die Durchsuchung durchgeführt hätten oder diese von Ex plosionen begleitet gewesen sei . Die Authentizität des als Fotografie eingereichten Fahn- dungsschreibens betreffend die Beschwerdeführerin sei zudem nur schwer überprüfbar. In vergleichbaren Fahndungsschreiben – so auf https://06.mv- d.ru/news/item/7621864 – seien die Angaben aber detaillierter ausgefallen, sofern das Innenministerium und der Geheimdienst Autoren diese Schrei- bens sein sollten. Schliesslich seien auf der vorerwähnten Internetseite zwar die Söhne der Beschwerdeführerin ausgeschrieben, nicht aber die Beschwerdeführerin selbst. E-862/2016 Seite 10 M. In ihrer Replik vom 10. Juni 2016 führte die Beschwerdeführerin aus, dass ihre gesamte Familie in Europa, darunter auch in der Schweiz, teilweise wegen Reflexverfolgung, Asyl erhalten habe. Folglich erstaune es, weshalb nicht auch sie asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt gewesen sei soll. So sei es bekannt und auch durc h die zahlreichen während des Verfahrens eingereichten Beweismittel belegt, dass Familienangehörige von Rebellen und politisch Verfolgten in Russland und insbesondere im Nordkaukasus tyrannisiert würden. Zur Vernehmlassung des SEM sei festzuhalten, dass die Situation für sie, die Beschwerdeführerin, von vorneherein denkbar schlecht sei, wenn das SEM weiterhin prinzipiell von der Unglaubhaftigkeit ihrer Vorbringen ausgehe und diese nicht neu prüfe. Spätestens nach der Erkenntnis, dass die neu eingebrachten Beweismittel nicht auf ihre Authen- tizität überprüft werden könnten, sollte die Glaubhaftigkeit aber nochmals in Erwägung gezogen und geprüft werden. Bezüglich des Verweises auf die nicht nachvollziehbare Fluchtgeschichte der Beschwerdeführerin zwecks Untermauerung der angeblichen Unglaubhaftigkeit ihrer Vorbrin- gen sei nochmals zu erwähnen, dass die Beschwerdeführerin ihre Heimat unter sehr traumatisierenden Umstände n verlassen habe. Folglich wun- dere es nicht, wenn sie zu ihrer Flucht teilweise verwirrte Angaben gemacht habe. Anlässlich der Vorladung beim inguschetischen Sicherheitschef zu- sammen mit Familienangehörigen anderer Rebellen habe man vorgege- ben, einen gemeinsamen Weg zu finden, um die Rebellen dazu zu bringen, die Waffen nieder zulegen und sich wieder in die Gesellschaft ein zuglie- dern. Tatsächlich seien die vorgeladenen Personen jedoch unter Druck ge- setzt und bedroht worden, was aus den eingereichten Fotografien zu die- ser Veranstaltung ersichtlich sei. Schliesslich sei schwierig zu beurteilen, ob – wie das SEM dies getan habe – von einem mittelbaren Schaden die Rede sein könne, wenn das eigene Haus in die Luft gejagt werde, während man darin lebe. Dass sie, die Beschwerdeführerin unter diesen Umständen nicht an Leib und Leben bedroht gewesen sein soll, sei nicht nachvollzieh- bar. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den E-862/2016 Seite 11 Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem Wiedererwägungsentscheide ge- mäss Lehre und Praxis grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer - deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf diese ist mithin einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulä ssigen Rügen richten sich im vorliegenden Verfahren nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein Rechtsbehelf, auf dessen Behandlung durch die verfügende Behörde grundsätzlich kein Anspruch besteht. Gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts wird jedoch aus Art. 29 BV unter bestimmten Vorausset- zungen ein verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abgelei- tet (vgl. BVGE 127 I 133 E. 6, m.w.H.). Demnach ist auf ein Wiedererwägungsgesuch einerseits dann einzutreten, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Ent- scheid, beziehungsweise seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz, in wesentlicher Weise verändert hat und mithin die ur- sprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an die nachträglich eingetretenen Ver- änderungen der Sachlage anzupassen ist, ohne dass deren Gegenstand neu beurteilt wird (vgl. BVGE 2010/27 E. 2.1). Im Asylgesetz sind die ent- sprechenden Tatbestände in den Art. 111b und 111c AsylG kodifiziert (vgl. zum Ganzen BVGE 2014/39). E-862/2016 Seite 12 Andererseits können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiederer- wägung begründen, sofern sie sich auf eine rechtskräftige Verfügung be- ziehen, die entweder unangefochten geblieben ist oder deswegen niemals einer materiellen Prüfung unterzogen wurde, weil das angeho bene Be- schwerdeverfahren mit einem formellen Urteil endete. Ein solchermassen als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist grundsätzlich nach den Regeln des Rev isionsverfahrens gemäss Art. 66 ff. VwVG zu behandeln (vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4; Entscheide und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [ EMARK] 2003 Nr. 17 E. 2a, 1998 Nr. 8). 3.2 Die Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig. Sie darf nicht dazu die- nen, die Rechtskraft von Verwaltungsentscheiden immer wieder infrage zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu umgehen. Auf ein Wiedererwägungsgesuch ist nicht einzutreten, wenn lediglich eine neue Würdigung der beim früheren Entscheid bereits bekannten Tatsachen herbeigeführt werden soll oder Gründe angeführt werden, die bereits in ei- nem ordentlichen Beschwerdeverfahren gegen die frühere Verfügung hät- ten geltend gemacht werden können (vgl. Art. 66 Abs. 3 VwVG und EMARK 2000 Nr. 24 E. 5b). 4. 4.1 In ihrer Eingabe vom 14. Dezember 2015 verlangte die Beschwerde- führerin mittels der von ihr eingereichten Beweismittel die Korrektur der ih- rer Ansicht nach ursprünglich fehlerhaften Verfügung vom 24. März 2015, welche nie gerichtlich materiell überprüft worden ist (vgl. oben Bst. C). Das SEM hat diese Eingabe somit korrekterweise als qualifiziertes Wiederer- wägungsgesuch entgegengenommen und nach Art. 66 ff. VwVG behan- delt. 4.2 Aus den nachfolgenden Gründen gelangt das Gericht zum Schluss, dass das SEM dieses qualifizierte Wiedererwägungsgesuch zu Recht ab- gewiesen hat. 4.2.1 Bezüglich der mit Eingabe vom 14. Dezember 2015 ins Recht geleg- ten Beweismittel ist dem SEM be izupflichten, dass diese keine asylrele- vante Verfolgung der Beschwerdeführerin zu belegen vermögen. Die im Bericht vom 28. Mai 2014, einschliessli ch der dazugehörigen Fotografien (B2, Beilagen 9 und 10) , dargelegten Ereignisse und Behelligungen der Beschwerdeführerin weisen nicht die vom Asylrecht geforderte Inte nsität auf, stellen sie doch weder eine Bedrohung von Leib und Leben noch einen E-862/2016 Seite 13 Entzug d er Freiheit dar. So geht daraus lediglich hervor, dass die Be- schwerdeführerin zusammen mit anderen Angehörigen angeblicher Terro- risten vom Staatschef Inguschetiens zu einer Versammlung eingeladen worden sei, anlässlich welcher alle Anwesenden aufgefordert worden seien, ihre Kinder dazu zu bewegen, die Waffen niederzulegen und sich den Behörden zu stellen, ansonsten die Durchsuchungen ihrer Häuser fort- geführt würden. Ebenso wenig kann anhand des Geschilderten davon aus- gegangen werden, dass die Beschwerdeführerin dadurch in die vom Asyl- gesetz für die Bejahung eines unerträglichen psychischen Drucks gefor- derte Zwangslage versetzt wurde und ihr deshalb ein menschenwürdiges Leben verunmöglicht oder in unzumutbarem Ausmass erschwert worden wäre (vgl. BVGE 2010/28 E. 3.3.1.1). Auch die im Schreiben der Organisa- tion MASHR vom 18. Mai 2015 (B2, Beilage 5) von Magomed Muzolgov geschilderten Ereignisse – die inguschetischen Sicherheitskräfte hätten nach Angaben der Nachb arn der Beschwerdeführerin im Sommer 2014 eine Durchsuchung ihres Hauses durchgeführt und ihr dabei körperliche Gewalt und die Sprengung ihres Hauses angedroht – sind aus asylrechtli- cher Sicht nicht genügend intensiv. So lässt sich diesem Beweismittel keine über die darin erwähnten Drohungen hinausgehende Verfolgung der Be- schwerdeführerin an Leib und Leben entnehmen. Die Drohungen anläss- lich der Hausdurchsuchung alleine vermögen auch nicht die zuvor be- schriebene, geforderte Zwangslage herbeizuführen. An die ser Einschät- zung ändern auch die drei, in diesem Zusammenhang eingereichten Be- richte der Organisationen Civil Rights Defenders, Frontline Defenders und Human Rights Watch vom November 2015 (B2, Beilagen 6-8) betreffend das Schicksal von Magomed Muzolgov n ichts. So kann die Beschwerde- führerin daraus insofern nichts zu ihren Gunsten ableiten, als sich diese Berichte, wie vom SEM zu Recht angeführt, nicht auf ihre Person, sondern, wie bereits gesagt, auf Magomed Muzolgov beziehen. Ähnlich verhält es sich mit dem Bericht des Caucasian Knot vom (…) 2010, ist darin doch nur davon die Rede, dass die Söhne der Beschwerdeführerin von den ingu- schetischen Behörden verfolgt werden. Zwar wird darin erwähnt, dass die Beschwerdeführerin um Hilfe bezüglich der Verteidigung der Rechte ihrer Söhne ersucht hat. Dass sie deswegen selbst in asylrelevanter Weise ver- folgt worden wäre, lässt sich dem Artikel indes nicht entnehmen . Zudem lagen die darin dokumentierten Vorfälle im Zeitpunkt der Flucht der Be- schwerdeführerin mehrere Jahre zurück, so dass kein zeitlicher Kausalzu- sammenhang mehr bestanden haben kann (B2, Beilage 11). Der Bericht von Amnesty International vom November 2015 äussert sich lediglich all- gemein zur Lage in der Heimatregion der Beschwerdeführerin, indes nicht zu deren spezifischer Situation (B2, Beilage 13) . Das Arztzeugnis vom E-862/2016 Seite 14 1. November 2015 (B2, Beilage 12) , in dem attestiert wird , dass die Be- schwerdeführerin an psychischen Problemen leidet, vermag schliesslich auch keine asylrelevante Verfolgung zu belegen. So geht daraus einerseits nicht eindeutig hervor (und lässt sich wohl auch nur schwer bestimmen ), was die Ursachen für die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin sind. Andererseits erreichen die in der Anamnese nur sehr allgemein ge- schilderten Erlebn isse der Beschwerdeführerin im Heimatland – Haus- durchsuchungen und Drohungen seitens der inguschetischen Sicherheits- kräfte – die Intensität einer asylrelevanten Verfolgung, wie bereits zuvor dargelegt, nicht. Die Rüge, das SEM habe das Datenmaterial auf dem im ordentlichen Ver- fahren eingereichten USB -Stick nicht richtig gewürdigt, konnte trotz ent- sprechender Instruktion seitens des Gerichts von der Beschwerdeführerin nicht beweiskräftig dargelegt werden. So beruft sich die Beschwerdeführe- rin diesbezüglich auf ein untaugliches Beweismittel, ist der im ordentlichen Verfahren eingereichte USB-Stick doch beschädigt, und mithin nicht mehr einsehbar, und das Datenmaterial auch nicht mehr anderweitig verfügbar. 4.2.2 Das auf Beschwerdeebene auf einer CD-Rom eingereichte Video ist zwar einsehbar, vermag aber ebenso wenig wie die bei der Vorinstanz ein- gereichten Beweismittel eine asylrelevante Verfolgung zu belegen. Obwohl es sich beim aufgenommenen Ereignis tatsächlich um eine Hausdurchsu- chung handeln könnte, da vor der Eingangstüre und in der Nachbarschaft stationierte Sicherheitskräfte ersichtlich sind, scheint diese – gemäss dem auf dem Video Ersichtlichen – ruhig und ohne jegliche Gewalt abgelaufen zu sein. Folglich ist es zu weit hergeholt, gestützt darauf eine Gefährdung für Leib und Leben respektive einen unerträglichen psychischen Druck an- zunehmen. Die ebenfalls auf der CD-Rom abgespeicherten Fotoaufnahmen vom Ver- waltungsgebäude in Inguschetien vermögen das Vorliegen einer asylrele- vanten Verfolgung n icht plausibler zu machen. So leuchtet es nicht ein, weshalb die inguschetischen Behörden Anfang 2016 noch mittels eines le- diglich lokal wirksamen Anschlags am Verwaltungsgebäude nach den be- reits im Jahr 2009 ausgereisten Söhnen der Beschwerdeführerin fahn den sollten, dürfte es nach fast sieben Jahren doch auch den Behörden klar geworden sein, dass sich die Söhne der Beschwerdeführerin nicht mehr in ihrer Heimat befinden. Ferner erscheint es, wie vom SEM in seiner Ver-E-862/2016 Seite 15 nehmlassung dargelegt, tatsächlich merkwürdig, dass die Söhne der Be- schwerdeführerin auf der internetbasierten Fahndungsliste gefunden wer- den konnten, die Beschwerdeführerin selbst indes nicht. Dem auf Hinweis der Beschwerdeführerin beigezogenen N -Dossier ihrer Tochter (N […]) ist zwar zu entnehmen, dass die inguschetischen Sicher- heitsbehörden die Beschwerdeführerin immer wieder bei ihr zu Hause be- helligt hätten. Da die Anhörung der Tochter aber bereits am 11. Novem- ber 2013 stattgefunden hat, die Beschwerdeführerin indes erst am 6. No- vember 2014 aus Inguschetien ausgereist ist, können die von der Tochter erwähnten Vorfälle bereits mangels zeitlichem Kausalzusammenhang nicht asylrelevant sein. Der von der Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 7. März 2016 erwähnte Cousin konnt e im Zentralen Migrationsinfor- mationssystem (ZEMIS) nicht gefunden werden. Der auf Beschwerdeebene in Aussicht gestellte, aktuelle Bericht von Am- nesty International zur Nordkaukasusregion wurde bis heute nicht beim Gericht eingereicht. Indes ist – wie bezüglich der bei der Vorinstanz einge- reichten Lagebeurteilungen von Menschenrechtsorganisationen (vgl. E. 4.2.1) – davon auszugehen, dass auch dieser Bericht sich le diglich all- gemein zur Lage in der Heimatregion der Beschwerdeführerin äussert, in- des nicht zu deren spezifischer Situation. Schliesslich bleibt festzuhalten, dass die in der Rechtsmitteleingabe vorge- tragene Rüge – es sei nicht verständlich, weshalb das SEM auch im ange- fochtenen Entscheid an den geringfügigen Ungereimtheiten anlässlich der im Rahmen des ordentlichen Verfahrens durchgeführten Kurzbefragung und der Bundesanhörung festhalte – nicht gehört werden kann. So wird damit doch eine neue Würdigung von Tatsachen verlangt, die beim frühe- ren Entscheid bereits bekannt waren (vgl. E. 3.2). 5. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – ange- messen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist mithin abzuweisen. 6. 6.1 Bei diesem Prozessausgang wären die Kosten des Rechtsmittelverfah- rens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nach- dem deren Vorbringen auf Beschwerdeebene nicht als von vorneherein E-862/2016 Seite 16 aussichtslos bezeichnet werden mussten und aufgrund der Aktenlage von ihrer Bedürftigkeit auszugehen ist, ist indessen das in der Beschwerdeein- gabe gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Demnach sind auf Beschwerdeebene keine Verfahrenskosten zu erheben. 6.2 Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltli- chen Verbeiständung ist nach den Kriterien von Art. 65 Abs. 2 VwVG zu beurteilen, da Beschwerden in Wiedererwägungs- und Revisionsverfahren gemäss Art. 110a Abs. 2 AsylG ausdrücklich vom Anwendungsbereich von Art. 110a Abs. 1 AsylG ausgenommen sind. Gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wird der mittellosen Partei in einem nicht aussichtslosen Verfahren ein Anwalt bestellt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist. Dabei ist ausschlaggebend, ob die Partei zur Wah- rung ihrer Rechte notwendigerweise der professionellen juristischen Hilfe eines Anwaltes bedarf (vgl. dazu BGE 128 I 225 E. 2.5.2 S. 232 f., BGE 122 I 49 E. 2c S. 51 ff., BGE 120 Ia 43 E. 2a S. 44 ff.). Im asylrechtlichen Beschwerdeverfahren sind strenge Massstäbe an die Gewährung der un- entgeltlichen Verbeiständung anzusetzen (vgl. EMARK 2000 Nr. 6) und be- sondere Rechtskenntnisse zur wirksamen Beschwerdeführung im Regel- fall nicht erforderlich. Die unentge ltliche Verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG wird hier praxisgemäss nur in den besonderen Fällen gewährt, in welchen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkeiten bestehen oder die Beschwerdeführenden sich aus Grün- den, die i n ihrer Person liegen, im Verfahren nicht alleine zu recht finden. Dieses Vorgehen ist im ausserordentlichen Verfahren betreffend Anfech- tung einer Wiedererwägungsverfügung erst recht angezeigt. Das vorliegende Beschwerdeverfahren ist weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht von einer Komplexität im erwähnten Sinne geprägt. Auch ist nicht ersichtlich, weshalb sich die Beschwerdeführerin im vorlie- genden Verfahren nicht alleine zurechtfinden sollte. Mangelnde Kenntnisse der Verfahrenssprache reichen dazu praxisgemäss nicht aus. Folglich ist das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG für das Beschwerdeverfahren mangels Notwendigkeit abzuweisen, weshalb keine Entschädigung zuzusprechen ist. E-862/2016 Seite 17 (Dispositiv nächste Seite) E-862/2016 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeistädung wird abgewiesen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Regina Derrer Versand: