B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2858/2014/mel U r t e i l v o m 2 9 . J u l i 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren (…), (Beschwerdeführerin 1), B._______, geboren (…), (Beschwerdeführerin 2) C._______, geboren (…), (Beschwerdeführer 3) D._______, geboren (…), (Beschwerdeführerin 4) alle Somalia, alle vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan LL.M., gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. April 2014 / N (…). D-2858/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin 1 reiste am 24. Mai 2012 mit zwei Nichten (Be- schwerdeführerinnen 2 und 4) und ihrem Neffen (Beschwerdeführer 3) über den Luftweg in die Schweiz ein, nachdem ihr in der Schweiz lebe n- der Sohn für sie und die Kinder ein Asylgesuch aus dem Ausland gestellt und das BFM die Einreise in der Folge bewilligt hatte. Am 29. Mai 2012 stellten sie und die Kinder Asylgesuche. Am 13. Juni 2012 wurden sie und zwei der Kinder zur Person befragt und am 8. April 2014 führte das BFM die Anhörungen durch. Die Beschwerdeführen den machten im Wesentlichen geltend, sie sei en Angehörige des Abgal-Clans, hätten in E._______ gelebt und seien von Al-Shabab-Milizen verfolgt worden, weil sie mit Behördenmitgliedern Handel getrieben hätten. Die Beschwerdeführerin 1 sei die Ehefrau eines Al-Shabab-Anhängers. Sie habe ihre Nichten und den Neffen grossgez o- gen, weil deren Mutter früh verstorben sei. Aus Angst vor weiteren Verfol- gungen sei sie nach F._______ geflohen und habe die Kinder bei ihrer Schwester in E._______ zurückgelassen. Nach der Durchführung einer Zwangsrekrutierung in der Schule der Kinder durch die Al -Shabab habe die Beschwerdeführerin 1 die Kinder in E._______ abgeholt und sei mit ihnen ins Flüchtlingslager G._______ geflohen. Dort seien eines Nachts Al-Shabab-Leute ins Lager eingedrungen und hätten den Ehemann der Beschwerdeführerin aufgegriffen. Dieser sei später getötet wor den. Die Beschwerdeführenden hätten fliehen und das Land verlassen können. Die Beschwerdeführen den gaben somalische Reisepä sse, Visa für die Schweiz, eine Identitätskarte und Kopien der Flugtickets zu den Akten. B. Mit Entscheid vom 23. April 2014 – eröffnet am folgenden Tag – wurde die Flüchtlingseigenschaft gestützt auf Art. 3 AsylG (SR 142.31) verneint und die Asylgesuche der B eschwerdeführenden wurden abgelehnt. Die B e- schwerdeführenden wurden aus der Schweiz weggewiesen, der Vollzug der Wegweisung indessen zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme info l- ge fehlender Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aufgeschoben. Der Kanton H._______ wurde mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme beauftragt. Zur Begründung legte das BFM dar, dass die Vorbringen der Beschwe r- deführerin 1 insgesamt den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht D-2858/2014 Seite 3 standzuhalten vermögen. Ihre Aussagen seien in mehrfacher Hinsicht wi- dersprüchlich ausgefallen. So habe sie einerseits ausgesagt, das Gem ü- se an Soldaten geliefert zu haben, während sie andererseits dieses den Polizisten des Polizeihauptquartiers verkauft haben wolle. Ferner sei das Auto gemäss der einen Vers ion von der Al -Shabab niedergebrannt wo r- den, während dieses gemäss der zweiten Version zerstört worden sei, als die Al-Shabab ihren Sohn mit Handgranaten angegriffen und entführt h a- be. Sie habe zudem unterschiedlich angegeben, wie lange sie im Flüch t- lingslager gewesen seien: Einmal soll dies vier Jahre und ein anderes Mal zwei Jahre gewesen sei. Auch die Umstände der Mitnahme des Ehemannes aus dem Lager habe sie nicht übereinstimmend dargestellt: Während nach der einen Version einzig der Ehemann im Flüchtli ngslager festgehalten worden sei, soll dieser gemäss einer weiteren Version mit al- len im Lager lebenden Männern von den Leuten der Al -Shabab mitg e- nommen worden sein. Beide Versionen seien überdies mit der Angabe, sie wisse nicht, was mit dem Ehemann gesche hen sei und wo er sich aufhalte, nicht vereinbar. Widersprüchlich zu allen drei Versionen sei schliesslich die Aussage, sie habe bereits im Juni 2010 vom Tod des Ehemannes erfahren. Des Weiteren habe sie erst am Schluss der Anh ö- rung und nur auf Nachfrage angegeben, auf sie sei von der Al-Shabab ein Kopfgeld ausgesetzt worden und man suche sie mit Plakaten. Die Aussa- gen des Neffen und der befragten Nichte würden ebenfalls nicht mit de n- jenigen der Beschwerdeführerin 1 übereinstimmen. Die befragte Nichte und der Neffe hätten sich zudem auch hinsichtlich der Vorfälle im Z u- sammenhang mit dem Besuch der Al -Shabab in der Schule widerspr o- chen. C. Mit Eingabe vom 26. Mai 2014 liessen die Beschwerdeführenden die Auf- hebung der Ziff. 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung, die Anerkennung als Flücht ling und die Gewährung von Asyl beantragen. In verfahren s- rechtlicher Hinsicht ersuchte n sie um Beizug der Akten des Sohnes und derjenigen des Auslandverfahrens der Beschwerdeführenden , um G e- währung einer Frist zur Stellungnahme sowie um Gewährung der vol l- ständigen unentgeltlichen Prozessführung unter Einschluss des Verzichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur Begründung machten sie im Wesentlichen geltend, dass die Vorinstanz nicht berücksichtigt habe, dass es sich be i der Beschwerdeführerin 1 um eine ältere Frau handle, welche eine strapaziöse Reise hinter sich habe, jahrelangen miserablen Bedingungen in Flüchtlingslagern und einer ständigen Angst, dass ihren Angehörigen von Seiten der Al -Shabab etwas zustossen könne, ausge-D-2858/2014 Seite 4 setzt gewesen sei. Zudem habe sie keine Schulbildung genos sen und könne weder lesen noch schreiben, weshalb sie Mühe mit Zeitangaben habe. Sie sei an der Befragung zur Person verwirrt gewesen und habe als Folge des enormen Leidens, das sie habe ertra gen müssen, vieles vergessen. Sie sei offensichtlich traumatisiert gewesen, als sie in die Schweiz kam, was auch in den Protokollen zum Ausdruck kommt. All dies werde von der Vorinstanz ignoriert. Dem Unterschied, ob die Beschwe r- deführerin 1 mit Polizisten oder mit Soldaten Handel getrieben habe, komme keine Entscheidrelevanz zu, weil es sich in beiden Fällen um G e- genspieler der Al -Shabab handle, was sie habe zum Ausdruck bringen wollen. Dass sie nicht von Anfang an erwähnt habe, das Auto sei im Z u- sammenhang mit der Entführung des Sohnes zerstört worden, sei darauf zurückzuführen, dass sie zunächst nicht genauer befragt worden sei und somit nur erklärt habe, das Auto sei beschädigt worden. Auch hier handle es sich um eine unnötig genaue Auseinandersetzung mi t den Aussagen der Beschwerdeführerin 1. Zudem habe sich bei der Übersetzung ein Fehler eingeschlichen. Hinsichtlich des Verschwinden des Ehemannes der Beschwerdeführerin 1 liege kein Widerspruch vor, da die Beschwe r- deführenden übereinstimmend ausgesagt hä tten, während vier bis fünf Jahren im Lager gelebt zu haben. Nach dem Überfall auf das Lager in G._______ seien sie ins Lager I._______ geflohen, von wo aus sie J._______ verlassen hätten. Die Tatsache, dass sie erst am Schluss der Anhörung vorgebracht hab e, man habe ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt und suche sie mit Plakaten, sei darauf zurückzuführen, dass sie strikt auf die ihr gestellten Fragen geantwortet habe. Das sei nicht gleichzusetzen mit einer nachgeschobenen Aussage. Die unterschiedlichen Aussage n der Nichte und des Neffen hinsichtlich Schulbesuch der Al-Shabab beruh- ten auf den unterschiedlichen Blickwinkeln, aus welchen die Kinder b e- richtet hätten. Insgesamt habe die Vorin stanz den herabgesetzten Be- weisanforderungen gemäss Art. 7 AsylG nicht hinr eichend Rechnung ge- tragen, indem sie die Beweisregel von Art. 7 AsylG zu restriktiv gehan d- habt habe. Die überwiegende Mehrheit der vorgehaltenen Ungereimthe i- ten könne entkräftet werden. Die wesentlichen Elemente des Sachverhal- tes seien von allen Beschwerde führenden übereinstimmend dargelegt worden. Sie würden auch mit den Angaben des Sohnes der Beschwerde- führerin 1 (Anmerkung Gericht: N 516 267) übereinstimmen. Somit könne von insgesamt glaubhaften Aussagen der Beschwerdeführenden ausg e- gangen werden. D-2858/2014 Seite 5 Der Beschwerde lagen eine Vollmacht, Kopien der angefochtenen Verf ü- gung und des Anhörungs - sowie des Befragungsprotokolls des Sohnes sowie Fürsorgebestätigungen bei. D. Mit Zwischenverfügung vom 4. Juni 2014 wurde den Beschwerdeführen- den mitgeteilt, dass die G esuche um Gewährung der vollständigen u n- entgeltlichen Rechtspflege infolge Aussichtslosigkeit der Beschwerdeb e- gehren abzuweisen seien. Die Beschwerdeführenden wurden aufgefo r- dert, innert Frist einen Kostenvorschuss zu bezahlen, verbunden mit der Androhung, im Unterlassungsfall werde auf die Beschwerde nicht eing e- treten. E. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltu ngsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG) Beschwerde ist einzutreten. D-2858/2014 Seite 6 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rech tserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile ge lten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Wie in der Zwischenverfügung vom 4. Juni 2014 bereits dargelegt, ist der Argumentation in der Beschwerde, wonach das BFM die persönliche Situation der Beschwerdeführerin 1 – ihr Alter, ihre beschwerliche Reise D-2858/2014 Seite 7 in die Schweiz, die im Heimatland erlebten Ereignisse und die damit ve r- bundene gesundheitliche Verfassung sowie die Tatsache, dass sie keine Schule besucht habe – nicht berücksichtigt habe, nicht zuzustimmen. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die entsprechenden E r- wägungen in der erwähnten Zwischenverfügung zu verweisen (vgl. act. 2 S. 3 f. Ziff. 2.3). 5.2 Sodann ergeben sich aus den Protokollen, wie in der vorangehend erwähnten Zwischenverfügung ebenfalls festgehalten, keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin 1 persönliche Probleme, welche die Befragung oder die Anhörung hätten wesentlich beeinflu ssen können, hatte. Andernfalls wäre dies in der Fragestellung oder in den Antworten sowie allenfalls als zusätzliche Bemerkung oder als Hinweis seitens der anwesenden Hilfswerksvertretung zum Ausdruck gekommen, was inde s- sen nicht der Fall ist. Immerhin is t in diesem Zusammenhang auch fes t- zuhalten, dass sie beide Protokolle vorbehaltlos unterschrieb (bezi e- hungsweise mit dem Fingerabdruck und dem Kreuz versah), womit sie sich mit dem ihr rückübersetzten Inhalt der Protokolle einverstanden e r- klärt hat. Die ihr vom BFM vorgeworfenen Ungereimtheiten in ihren Au s- sagen lassen sich unter den gegebenen Umständen nicht auf persönliche Probleme oder Verständigungsschwierigkeiten während der Befragung oder während der Anhörung zurückführen. Insbesondere ist – entgegen der Argumentation in der Beschwerde – nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin 1 bei der Erstbefragung verwirrt oder offensich t- lich traumatisiert war, zumal – ausser einem entsprechenden Hinweis sei- tens der Beschwerdeführerin 1 selber – den Akten keine Anhaltspunkte entnommen werden können, gestützt auf welche davon auszugehen w ä- re, dass eine allfällige Traumatisierung das Aussageverhalten oder die Aussagen selber hätten wesentlich beeinflussen können. Folglich hat sich die Beschwerdeführerin 1 sämtliche in den Protokollen enthaltenen Au s- sagen voll und ganz anrechnen zu lassen. 5.3 Des Weiteren ist – wie sich ebenfalls aus der Zwischenverfügung vom 4. Juni 2014 ergibt – der Argumentation des BFM insgesamt zuzusti m- men. Auch diesbezüglich kann zwecks Vermeidung von Wiederholungen auf die Zwischenverfügung und die zutreffende Argumentation in der a n- gefochtenen Verfügung verwiesen werden. 5.4 Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass die Aussagen der B e- schwerdeführerin 1 über den Verbleib beziehungsweise über das Schick- sal ihres Ehemannes in wesentlichen Teilen und in mehrfacher Weise w i-D-2858/2014 Seite 8 dersprüchlich ausgefallen sind, wie in der Zwischenverfügung vom 4. Juni 2014 dargelegt wurde (vgl. Ziff. 2.5), und s omit nicht als glaubhaft gelten können. Die in der Beschw erde aufgeführten Erklärungen hingegen ve r- mögen angesichts der klaren und unmissverständlichen Aussagen der Beschwerdeführerin 1 nicht zu überzeugen. Da diese Aussagen im Z u- sammenhang mit der geltend gemachten Verfolgung stehen, sind auch die diesbezüglichen Vorbringen grundsätzlich zu bezweifeln. 5.5 Entgegen der Darstellung in der Beschwerde ist es darüber hinaus re- levant, wem – den Soldaten oder den Polizisten – die Beschwerdeführe- rin 1 Gemüse verkauft beziehungsweise geliefert haben will, zumal die Soldaten und Polizisten nicht am gleichen Ort stationiert sind und somit die Lieferadresse nicht die gleiche gewesen sein kann. Diesbezüglich machte sie denn auch geltend, die Soldaten seien in einem leeren Haus stationiert gewesen (vgl. Akte B4/10 S. 6), währen d sie später darlegte, sie hätten das Gemüse ins Polizeihauptquartier geliefert (vgl. Akte B21/13 S. 4). Ausserdem dürfte für sie der Unterschied zwischen Soldat und P o- lizist schon aufgrund deren Uniform erkenn bar sein. Schliesslich will sie gemäss ihren A ussagen einen der Polizisten gekannt haben, was impl i- ziert, dass ihr der Unterschied zwischen Polizist und Soldat schon b e- kannt war. Unter diesen Umständen vermögen d ie Einwände in der B e- schwerde, wonach beide Gruppen Gegenspieler der Al -Shabab seien, weshalb die unterschiedliche Angabe nicht entscheidrelevant sei, nicht zu überzeugen. 5.6 Es spielt für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen auch eine Rolle, ob das Auto der Familie von den Al -Shabab bloss einfach nie- dergebrannt oder ob es – wie anlässlich der Anhörung nachgeschoben – im Zusammenhang mit einem Granatbeschuss und der Entführung des Sohnes zerstört wurde. Dabei vermag der Einwand in der Beschwerde, die Beschwerdeführerin habe in der ersten Befragung nur die ihr gestel l- ten Fragen beantwortet und über die Verletzung des Sohnes sei sie nicht befragt worden, weshalb sie diesen Teil nicht erwähnt habe, nicht zu überzeugen, zumal die Beschwerdeführerin die Angabe , das Auto sei niedergebrannt worden, anlässlich der Erstbefragung im Rahmen der freien Erzählung zu den Gesuchsgründen – und nicht auf eine konkrete Frage hin – von sich aus vorbrachte und dabei erklärte, ihr Sohn sei d a- mals noch in J._______ gewesen (vgl. Akte B4/10 S. 6 f.), was mit ihren späteren Vorbringen, das Auto sei im Zusammenhang mit der Entführung des Sohnes zerstört worden, nicht übereinstimmt. Vielmehr stellen sich auch diese Aussa gen als widersprüchlich heraus, während auch der D-2858/2014 Seite 9 diesbezügliche Einwand in der Beschwerde , dies stelle eine unnötig g e- naue Auseinandersetzung mit den Aussagen dar, als untauglicher Erklä- rungsversuch zu sehen ist . Ebenso wenig handelt es sich – wie in der Beschwerde dargelegt – um einen eingeschlichenen Übersetzungsfehler. 5.7 Hinsichtlich der erst im Verlauf der Anhörung geltend gemachten Aus- setzung eines Kopfgeldes ist ebenfalls auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung zu verweisen. 5.8 Auch hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin 2 und vom B e- schwerdeführer 3 zu Protokoll gegebenen Aussagen und deren Unglau b- haftigkeit ist auf die angefochtene Verfügung und die Erwägungen in der Zwischenverfügung vom 4. Juni 2014 zu verweisen. 5.9 Aufgrund der zahlreichen Ungereimtheiten – widersprüchliche, nach- geschobene und substanzlose Aussagen – kann den Beschwerdeführen- den nicht geglaubt werden, dass sie ihr Heimatland als Folge der von i h- nen dargelegten Verfolgung verlassen haben. 5.10 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden nicht glaubhaft machen oder belegen konnten, sie seien in ihrem Heima t- land aus asylrechtlich relevanten Gründen ernsthaften Nachteilen ausg e- setzt gewesen oder hätten solche in Zukunft zu befürchten. Ihre Furcht vor einer Rückkehr in ihr Heimatland ist demnach als flüchtlingsrechtlich nicht begründet zu betrachten. Aufgrund der vorstehenden Erw ägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde und in den Verweiserdossiers (Sohn: N 516 267 und Auslandverfahren der B e- schwerdeführenden) im Einzelnen einzugehen. Das BFM hat ihre Asylge- suche zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). D-2858/2014 Seite 10 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 7.2 Die Vorinstanz nahm die Beschwerdeführenden mit Verfügung vom 23. April 2014 infolge fehlender Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig auf. Unter diesen Umständen ist auf eine Erörterung der beiden andern Kriterien – insbesondere der Zulässigkeit des Wegweisungsvol l- zugs – zu verzichten. Zur Durchführbarkeit des Wegweis ungsvollzugs er- übrigen sich im heutigen Zeitpunkt weitere Erwägungen. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer - deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorsch uss in gle i- cher Höhe wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. (Dispositiv nächste Seite) D-2858/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur B e- zahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: