200 14 388 IV KOJ/JAP/ARJ Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 11. August 2014 Verwaltungsrichter Kölliker, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Schütz, Verwaltungsrichter Schwegler Gerichtsschreiber Jakob A.________ vertreten durch B.________ Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 3. April 2014 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1953 geborene A.________ (fortan Versicherte bzw. Beschwerdeführe- rin) meldete sich am 23. Mai 2011, unter Hinweis auf seit Dezember 2010 bestehende Rückenbeschwerden, bei der IV-Stelle Bern (fortan IVB bzw. Beschwerdegegnerin) zum Leistungsbezug an (vgl. Akten der IVB, Ant- wortbeilage [AB] 2). Diese erteilte Kostengutsprachen für berufliche Ab- klärungen (vgl. AB 15, 29), ein Aufbautraining (vgl. AB 35) sowie Mass- nahmen beruflicher Art in Form von Arbeitsvermittlung (vgl. AB 32) und einem Arbeitsversuch (vgl. AB 42, 54). Nachdem der Arbeitsversuch am 24. Juni 2013 abgebrochen (vgl. AB 55) und die Versicherte am 19. Juni sowie 29. Juli 2013 bidisziplinär begutachtet worden war (vgl. AB 59.2, 63.1, 63.2), stellte die IVB ihr mit Vorbescheid vom 19. bzw. 21. Februar 2014 (AB 65 f.) in Aussicht, die beruflichen Massnahmen abzuschliessen und bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 24 % das Leistungsgesuch hinsichtlich eines Rentenanspruchs abzuweisen. Die Versicherte liess sich hierzu nicht vernehmen, worauf die IVB mit zwei separaten Verfügungen vom 3. und 10. April 2014 (AB 67 f.) wie angekündigt einen Anspruch auf eine Invalidenrente sowie weitere berufliche Massnahmen verneinte. B. Mit Eingabe vom 25. April 2014 erhob die Versicherte, vertreten durch ihre Schwester, Beschwerde und beantragte sinngemäss, die beiden Verfügun- gen seien aufzuheben und ihr seien Massnahmen beruflicher Art in Form von Arbeitsvermittlung zu gewähren sowie eine Invalidenrente zuzuspre- chen. Zudem ersuchte sie implizit um Gewährung des Rechts auf unent- geltliche Rechtspflege. Am 19. Mai 2014 reichte die Beschwerdeführerin Unterlagen zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege sowie weitere Dokumente nach (Akten der Beschwerdeführerin, Beschwerdebeilagen [BB] 6-14).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 3 Am 17. Juni 2014 hob die Beschwerdegegnerin die den Anspruch auf Massnahmen beruflicher Art betreffende Verfügung vom 10. April 2014 (AB 68) wiedererwägungsweise auf (vgl. AB 74) und beantragte mit Be- schwerdeantwort vom 18. Juni 2014, das entsprechende Beschwerdever- fahren sei als gegenstandslos vom Protokoll abzuschreiben und die Be- schwerde betreffend Verfügung vom 3. April 2014 (AB 67) sei abzuweisen. In der Folge trennte der Instruktionsrichter mit prozessleitender Verfügung vom 25. Juni 2014 das Beschwerdeverfahren IV/2014/389 betreffend Ver- fügung vom 10. April 2014 (Massnahmen beruflicher Art) vom Beschwer- deverfahren IV/2014/388 betreffend Verfügung vom 3. April 2014 (Invali- denrente) ab und hiess gleichzeitig das Gesuch um unentgeltliche Rechts- pflege gut. Mit Prozessurteil vom 20. Juni 2014 wurde das Beschwerdeverfahren IV/2014/389 als gegenstandslos geworden vom Geschäftsverzeichnis ab- geschrieben. Erwägungen: 1. 1.1Die angefochtene Verfügung ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Organi- sation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Verfügungen. Die Be- schwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung, weshalb sie zur Beschwer- de befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 4 Abs. 1 lit. a IVG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG) einge- halten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 3. April 2013 (AB 67). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geisti- gen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Be- handlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Erwerbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem aus- geglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 2.2Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 5 und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. 2.3Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99). 3. 3.1In medizinischer Hinsicht lassen sich den Akten im Wesentlichen die folgenden Angaben entnehmen: 3.1.1Dr. med. C.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, diagnostizierte im Bericht vom 1. Juli 2011 (AB 11) einen Status nach Halswirbelsäulenoperation bei komprimierender Diskushernie auf Höhe C7 sowie eine lumbospondylogene Symptomatik bei konservativ behandelter Diskushernie auf Stufe L4/5. Er erklärte, es bestehe seit 16. Mai 2011 wie- der eine 50%ige und ab 1. Juli 2011 eine uneingeschränkte Arbeitsfähig- keit, wobei auf eine Schonung der betroffenen Wirbelsäulenbereiche ge- achtet werden müsse. 3.1.2Dr. med. D.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera- pie FMH, gab am 11. November 2011 an, sie behandle die Beschwerdefüh- rerin ambulant und beurteile sie als arbeitsfähig und belastbar (vgl. AB 19). 3.1.3Die Ärzte der Psychiatrischen Dienste des Spitals I.________ in … behandelten die Beschwerdeführerin vom 22. September 2012 bis 16. Ja- nuar 2013 ambulant. Sie vermerkten im undatierten (am 2. Mai 2013 bei der Beschwerdegegnerin eingelangten) Bericht (AB 51) in diagnostischer Hinsicht hauptsächlich eine mittelgradige depressive Episode mit somati-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 6 schen Symptomen (ICD-10: F33.11 [vgl. aber E. 3.3 hienach]). Sie gaben an, es bestehe eine verminderte Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit und verwiesen bezüglich der Arbeitsfähigkeit auf die laufende berufliche Abklärung. 3.1.4Auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. AB 47) erfolgte im Juni und Juli 2013 eine bidisziplinäre Begutachtung durch die Dres. med. E.________, Fachärztin für Neurochirurgie, und F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Im neurochirurgischen Gutachten vom 10. Juli 2013 (AB 59.2) führte Dr. med. E.________ die nachstehenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (vgl. AB 59/18 Ziff. 4): Chronifiziertes zervikales und zervikobrachialgieformes Schmerz- syndrom links mit/bei: -HWS-Fehlform/-haltung -degenerativen HWS-Veränderungen -Status nach Dekompression, Mikrodiskektomie und Einlage einer Bandscheiben-Prothese auf Stufe C6/7 im Februar 2011 Chronisches lumbales und lumboischialgieformes Schmerzsyn- drom beidseits mit/bei: -degenerativen LWS-Veränderungen Die Neurochirurgin gelangte zum Schluss, dass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei und eine anhaltende medizinisch be- gründete Arbeitsunfähigkeit von 20 % oder mehr zumindest für körperlich schwere Tätigkeiten seit 2011 angenommen werden könne. Für körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere (max. 5 %) konsequent wechselbe- lastende Tätigkeiten bestehe spätestens ab September 2011 dagegen eine Arbeitsfähigkeit von 8.5 Stunden täglich an fünf Tagen der Woche mit einer Leistungseinschränkung von 10-20 %. Ausgeschlossen seien körperlich schwere, ständig sowie häufig/überwiegend körperlich mittelschwere Tätig- keiten, die HWS und LWS statisch belastende Verrichtungen, Tätigkeiten mit Haltungs- und Positions-Monotonie der HWS und LWS, Tätigkeiten in Zwangshaltung der HWS und LWS (repetitive Arbeiten über Schulterhöhe und über Kopf, vornüber geneigte Tätigkeiten), Verrichtungen mit repetiti- ven Rotationsbewegungen der HWS und LWS, Vibrationen und Schläge auf das Achsenorgan sowie das Heben, Tragen und Bewegen von Lasten Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 7 über zehn bzw. repetitiv über fünf Kilogramm (vgl. AB 59.2/22 ff. lit. C Ziff. 1 ff.). Dr. med. F.________ konnte in der psychiatrischen Expertise vom 23. Au- gust 2013 (AB 63.1) keine eigenständige primär psychische Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen. Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit qualifizierte er einen Zustand nach depressivem Syn- drom, fraglich im Ausprägungsgrad einer depressiven Episode oder einer Anpassungsstörung als depressive Reaktion zwischen Januar 2011 und der aktuellen Untersuchung, mit noch bestehender Restsymptomatik (vgl. AB 63.1/12). Er bescheinigte aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 8.5 Stunden täglich an fünf Tagen pro Woche ohne Leistungsein- schränkung (vgl. AB 63.1/3 Ziff. 4, 63.1/21 Ziff. 13 f.). Aus interdisziplinärer Sicht attestierten die Dres. med. E.________ und F.________ eine medizinisch-theoretisch volle Arbeitsfähigkeit mit 10- 20%iger Leistungseinschränkung mit dem im neurochirurgischen Gutach- ten (AB 59.2) formulierten Zumutbarkeitsprofil (vgl. 63.2). 3.1.5Dr. med. G.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera- pie, berichtete am 6. September 2013, dass sie die Beschwerdeführerin seit 24. Juni 2013 ambulant behandle. Sie diagnostizierte aus psychiatri- scher Sicht eine seit September 2010 bestehende Anpassungsstörung mit Angst und Depression (ICD-10: F43.22; vgl. AB 64/2 Ziff. 1.1). Sie beschei- nigte für die angestammte Tätigkeit seit Behandlungsbeginn und bis auf weiteres eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit und erklärte, zurzeit bestehe eine depressiv-resignierte Situation, die nur begrenzte Kraft, Ausdauer, Konzen- tration und Stresstoleranz mit sich bringe (vgl. AB 64/3 Ziff. 1.6, 64/5 Ziff. 1.7). 3.2Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 8 ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a). Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia- lärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte- rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2009 IV Nr. 50 S. 154 E. 4.3). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini- schen Experten anderseits lässt es nicht zu, ein medizinisches Administra- tiv- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weite- rer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslau- tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (SVR 2008 IV Nr. 15 S. 44 E. 2.2.1). 3.3Die angefochtene Verfügung vom 3. April 2014 (AB 67) basiert in medizinischer Hinsicht auf den Schlussfolgerungen der neurochirurgischen und psychiatrischen Expertisen vom 10. Juli 2013 (AB 59.2) bzw. 23. Au- gust 2013 (AB 63.1) sowie der entsprechenden interdisziplinären Beurtei-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 9 lung der Dres. med. E.________ und F.________ (AB 63.2). Diese exter- nen Administrativgutachten erfüllen die beweisrechtlichen Anforderung gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung (vgl. E. 3.2 hievor). Zwar lagen der neurochirurgischen Gutachterin die Hospitalisations- und Operationsbe- richte im Zusammenhang mit dem am Februar 2011 in der Klinik für Or- thopädie und Traumatologie des Spitals I.________ durchgeführten Eingriff nicht vor (vgl. AB 59.2/4), ihr war aber trotzdem die gesamte Anamnese bekannt. So hatte sie Kenntnis von den präoperativen bildgebenden Be- funden (vgl. AB 7 [= BB 12 f.], 59.2/2) und veranlasste im Rahmen der Be- gutachtung am 19. Juni 2013 aktuelle konventionelle radiologische und magnetresonanztomographische Untersuchungen der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule (vgl. AB 59.2/8 lit. A Ziff. 3). Zudem wurde am 8. Juli 2013 durch Dr. med. H.________, Facharzt für Neurologie, zusätzlich ein elektrophysiologischer Untersuchungsbefund erhoben (vgl. AB 59.2/9-18 lit. A Ziff. 3). Dr. med. E.________ stützte sich damit nicht nur auf die Er- kenntnisse aus der klinischen Exploration, sondern auch auf die schriftlich dokumentierten objektiven Befunde sowie den aktenmässigen Verlauf. Darüber hinaus setzten sich sowohl Dr. med. E.________ als auch Dr. med. F.________ eingehend und differenziert mit den Berichten der be- handelnden Ärzte auseinander (vgl. AB 59.2/19 f. lit. B, 63.1/14 ff.). Bei- spielsweise zeigte der psychiatrische Gutachter auf, dass die seitens der Psychiatrischen Dienste des Spitals I.________ diagnostizierte mittelgradi- ge depressive Episode nicht mit der dabei angegebenen ICD-10- Kodifizierung korrelierte (vgl. AB 63.1/14). Die Beurteilung der beiden Sachverständigen ist einleuchtend und nachvollziehbar. Insbesondere ist im Umstand, dass der psychiatrische Gutachter einerseits keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen vermochte (vgl. AB 63.1/12) und andererseits die Beschwerdeführerin lediglich als «weit- gehend, nämlich mehr als 80%» (vgl. AB 63.1/19) arbeitsfähig beurteilte, kein Widerspruch zu erblicken. Denn die letztere Aussage bezog sich auf eine fragliche anhaltende somatoforme Schmerzstörung und die im Rah- men des massgebenden biopsychischen Krankheitsmodells prinzipiell aus- zuklammernden psychosozialen Belastungsfaktoren. In der Beantwortung des Fragekatalogs (vgl. AB 63.1/19 ff. Ziff. 4 ff.) sowie in der interdiszi- plinären Konsensbesprechung (vgl. AB 63.2/2 f.) wurde klar und unzwei- deutig deklariert, dass medizinisch-theoretisch aus der psychiatrischen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 10 Fachdisziplin keine Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit zu begründen ist. Die Beschwerdeführerin stellte die Beweiskraft des Begutachtungsergeb- nisses nicht durch substantiierte Rügen in Frage und es bestehen auch keine ärztlichen Berichte, die geeignet wären, die schlüssige gutachterliche Beurteilung in Zweifel zu ziehen. Nachdem die Beschwerdeführerin anläss- lich der psychiatrischen Begutachtung angab, sie stehe bei Dr. med. G.________ in Behandlung (vgl. AB 63.1/8), holte die Beschwerdegegnerin bei dieser Psychiaterin ebenfalls einen Arztbericht ein. Diese vermochte aber keine wichtigen Aspekte zu benennen, die im Rahmen der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären (vgl. E. 3.2 hievor). Sie äusserte sich nicht zur Arbeitsfähigkeit in einer Verweisungstätigkeit und führte explizit aus, dass kein eigentlicher Behandlungswunsch bestehe, sondern «der Wunsch nach Unterstützung für eine IV-Rente» (vgl. AB 64/6 Ziff. 1.11). Die Beschwerdegegnerin legte zudem in der Beschwerdeant- wort überzeugend dar, dass die von der behandelnden Psychiaterin gestell- te Diagnose einer Anpassungsstörung mit Angst und Depression (ICD-10: F 43.22; vgl. AB 64/2 Ziff. 1.1) sich nicht mit den anamnestischen Angaben bzw. den diagnostischen Kriterien vereinbaren lässt (vgl. dazu: DIL- LING/MAMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch diagnostische Leitlinien, 8. Aufl., 2011, S. 209 f.). Zwar erwähnte auch Dr. med. F.________ eine fragliche Anpassungsstörung, jedoch lediglich als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und im Sinne einer depressiven Reaktion (vgl. AB 63.1./12). Dr. med. D.________ hielt ihre Patientin für arbeitsfähig so- wie belastbar und erklärte ebenfalls, dass die psychischen Beschwerden (Deprimiertheit) reaktiver Natur seien. Eine reaktive Depression ist jedoch praxisgemäss ohnehin nicht invalidisierend, da sie hauptsächlich durch die belastenden Lebensumstände (hier: Trennung vom Lebenspartner, Ar- beitsplatzverlust, Tod des Hundes, finanzielle Sorgen [vgl. AB 51/2, 63.1/7 f. und 19]) geprägt ist (ULRICH MEYER; Bundesgesetz über die Inva- lidenversicherung, 2. Aufl. 2010, S. 31). 3.4Als Zwischenergebnis ist somit festzuhalten, dass aufgrund der be- weiskräftigen Beurteilung der Dres. med. E.________ und F.________ Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 11 einzig die somatischen Gesundheitsschäden massgebend sind. Die Be- schwerdegegnerin stellte damit zu Recht auf das entsprechende medizini- sche Zumutbarkeitsprofil ab und zog bei der attestierten Leistungsein- schränkung von 10-20 % zutreffend das arithmetische Mittel von 15 % her- an (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 19. August 2009, 9C_226/2009, E. 3.2). Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen dieser medizinischen Ausgangslage. 4. 4.1Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 4.2 4.2.1Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange- passten Verdienst angeknüpft (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30, 134 V 322 E. 4.1 S. 325). Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung realisierbare Einkommen nicht hinrei- chend genau beziffern, ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte gemäss Tabellenlohn abzustellen. Auf sie darf jedoch im Rahmen der Invaliditäts- bemessung nur unter Mitberücksichtigung der für die Entlöhnung im Einzel- fall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren ab- gestellt werden (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30; Entscheid des Eidgenössi- schen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht] vom 30. Oktober 2002, I 517/02, E. 1.2).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 12 4.2.2Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; SVR 2011 IV Nr. 37 S. 110 E. 4.1). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheits- schadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbs- tätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöh- ne gemäss den vom Bundesamt für Statistik (BFS) herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; SVR 2010 IV Nr. 52 S. 162 E. 4.3.1). Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurch- schnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit ei- nem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Ein- schränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Be- schäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalidenein- kommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wo- bei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2011 IV Nr. 31 S. 91 E. 4.1.1). 4.3Die Beschwerdeführerin hatte ursprünglich eine Berufslehre als … absolviert, war jedoch danach in anderen Bereichen (…und … «…», …, …) und zuletzt von 1988 bis 2011 in einer …(anfänglich in der … und «…», als …, später im …) tätig (vgl. AB 8, 12 f., 23/2, 63.1/8). Da sie ihre letzte Ar- beitsstelle zudem unbestrittenermassen aus invaliditätsfremden Gründen verlor (vgl. AB 12/2, 24/3, 63.1/8), stützte sich die Beschwerdegegnerin zur Ermittlung des Valideneinkommens zu Recht auf den Totalwert der LSE und dabei auf das Anforderungsniveau 4 (vgl. AB 67/2). Mit Blick auf das medizinische Zumutbarkeitsprofil ist ebenfalls nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin auch für das Invalideneinkommen denselben Ta-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 13 bellenlohn heranzog. Da beide Vergleichseinkommen anhand des gleichen Tabellenlohns berechnet werden, erübrigt sich deren betragsmässige Er- mittlung. Der Invaliditätsgrad entspricht dem Grad der Arbeitsunfähigkeit bzw. Leistungseinschränkung unter Berücksichtigung eines allfälligen Ab- zuges vom Tabellenlohn (vgl. Entscheid des BGer vom 9. März 2007, I 697/05, E. 5.4). Die Beschwerdegegnerin liess einen Abzug von 10 % vom Tabellenlohn für das Invalideneinkommen zu, ohne dies näher zu begründen (vgl. AB 67/2). In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass rechtsprechungsgemäss die leidensbedingte Einschränkung in der Regel bereits mit der verringerten Leistungsfähigkeit zusammenfällt. So hat das Bundesgericht an seiner Pra- xis festgehalten, wonach der Umstand, dass eine grundsätzlich vollzeitlich arbeitsfähige versicherte Person gesundheitlich bedingt lediglich reduziert leistungsfähig ist, an sich keinen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt (vgl. SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90 E. 4.3.2). Weil zudem sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen anhand statistischer Tabellenlöhne ermittelt wurden, müssen die invaliditätsfremden Gesichtspunkte (Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie) ausser Betracht fallen, weil sie bei beiden Vergleichseinkommen zu berücksichtigen wären (Entscheid des BGer vom 19. Januar 2009, 8C_42/2008, E. 5). Vor diesem Hintergrund erscheint der gewährte Abzug von 10 % als wohlwollend. Damit resultiert ein aufgerundeter (vgl. BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123) Invaliditätsgrad von 24 % (1 ./. [1 ./. 15 % ./. 10 %] x 100). Damit wird ein anspruchsbegründender Invaliditätsgrad von 40 % (vgl. E. 2.2 hie- vor) nicht erreicht, weshalb die Beschwerdegegnerin einen Rentenan- spruch mit Verfügung vom 3. April 2014 (AB 67) zu Recht verneinte. Die Beschwerde vom 25. April 2014 erweist sich folglich als unbegründet und ist abzuweisen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 14 5. 5.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Im vorliegenden Fall sind die Verfahrenskosten auf Fr. 700.-- festzusetzen und grundsätzlich der unterliegenden Beschwerdeführerin zur Bezahlung aufzuerlegen. Da mit Verfügung vom 25. Juni 2014 das Gesuch um unent- geltliche Rechtspflege gutgeheissen wurde, wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 113 VRPG i.V.m. Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272), d.h. sobald sie innert zehn Jahren nach Abschluss des Verfahrens zur Nachzahlung in der Lage ist – von der Zahlungspflicht be- treffend die Verfahrenskosten befreit. 5.2Bei vorliegendem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Um- kehrschluss]). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Aug. 2014, IV/14/388, Seite 15 4. Zu eröffnen (R): - B.________ z.H. der Beschwerdeführerin - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen - Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 3001 Bern Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.