B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2348/2024 U r t e i l v o m 2 4 . A p r i l 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richter Basil Cupa; Gerichtsschreiber Nassim Safai-Rad. Parteien A._______, geboren am (…), Aserbaidschan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 9. April 2024. E-2348/2024 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 3. März 2024 in der Schweiz um Asyl nach- suchte, dass am 5. März 2024 seine Personalien aufgenommen wurden, dass er am 6. März 2024 der in den B._______ tätigen Rechtsvertretungs- organisation Vollmacht erteilte, dass ihm anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 11. März 2024 das rechtli- che Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit der Niederlande und Deutsch- lands sowie zu seinem Gesundheitszustand gewährt wurde, dass er gem äss der Fingerabdruck -Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) am (…) in Deutschland, am (…) sowie am (…) in den Niederlanden und erneut am (…) in Deutschland ein Asylgesuch eingereicht hatte und das SEM gestützt hierauf am 12. März 2024 die niederländischen Behörden um seine Übernahme ersuchte, die das Ersuchen am 21. März 2024 gut- hiessen, dass das SEM mit Verfügung vom 9. April 2024 auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, dessen Wegweisung aus der Schweiz in die Niederlande anordnete, eine Ausre isefrist ansetzte, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragte, die editionspflichti- gen Akten aushändigte und feststellte, der Beschwerde komme keine auf- schiebende Wirkung zu, dass die Rechtsvertretung ihr Mandat am 11. April 2024 niederlegte, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 17. April 2024 beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde einreichte, dass er sinngemäss beantragte, es sei die vorinstanzliche Verfügung vom 9. April 2024 aufzuheben und das Asylverfahren in der Schweiz durchzu- führen, dass er mit Eingabe vom 19. April 2024 eine Kopie eines fremdsprachigen Zeitungsartikels sowie eine Übersetzung vom 7. Juni 2019 beim Bundes- verwaltungsgericht einreichte, E-2348/2024 Seite 3 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen des SEM entscheidet (vgl. dazu Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31‒33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass sich die Kognition des Gerichts beziehungsweise die zulässigen Rü- gen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, dass der Beschwerdeführer zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG), seine Eingabe nach dem Gesagten den formellen Anforderungen an eine Beschwerde genügt (Art. 52 Abs. 1 VwVG) und er seine Beschwerde fristgerecht eingereicht hat (Art. 108 Abs. 3 AsylG), wo- mit auf die Beschwerde einzutreten ist, dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über- prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), d ie Beurteilungskompetenz der Be- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1, 2012/4 E. 2.2), dass sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich unbegründet erweist, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zuständig- keit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechse l zu verzichten und der Ent- scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), dass das SEM zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates die Zuständigkeitskriterien nach der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra tes vom 26. Juni 2013 zur Festle- gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der E-2348/2024 Seite 4 für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu- ständig ist (Dublin-III-VO) prüft, dass, wenn diese Prüfung zur Feststellung führt, dass ein anderer Mitglied- staat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, das SEM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung ex- plizit oder implizit zugestimmt hat, auf das Asylgesuch grundsätzlich nicht eintritt (vgl. BVGE 2015/41 E. 3.1), dass jeder Mitgliedstaat beschliessen kann, einen bei ihm von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgeleg- ten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dub- lin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht), dass die Vorinstanz anhand der Zentraleinheit Eurodac zu Recht die Zu- ständigkeit der Niederlande erkannte und die niederländischen Behör- den – gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO – am 12. März 2024 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers (take -back-Verfahren) er- suchte, dass die niederländischen Behörden diesem Gesuch am 21. März 2024 explizit zustimmten, dass damit von der grundsätzlichen Zuständigkeit der Niederlande zur Rückübernahme auszugehen ist, dass sich der Beschwerdeführer am Dublin-Gespräch vom 11. März 2024 im Wesentlichen dahingehend äusserte, dass er, nachdem er in den Nie- derlanden einen negativen Asylentscheid erhalten habe, gegen welchen er erfolglos Beschwerde geführt habe, über Deutschland, wo ihn die Behör- den in die Niederlande wegweisen wollten, in die Schweiz gereist sei, dass er anlässlich des rechtlichen Gehörs zur allfälligen Zuständigkeit der Niederlande unter anderem erklärte, dort herrschten Anarchie, Drogen und Geschlechtsänderungen und er würde sich sogleich als Organspender an- melden, wenn er dorthin weggewiesen werden würde, dass er ferner in gesundheitlicher Hinsicht ausführte, er habe Schmerzen in den Beinen, sorge sich um seinen Tumor und würde gerne untersucht werden, wobei er ergänzte, bereits bei der entsprechenden Anlaufstelle im Bundesasylzentrum vorstellig geworden zu sein, E-2348/2024 Seite 5 dass der Beschwerdeführer sich mit seiner Rechtsmitteleingabe sinnge- mäss gegen eine Überstellung in die Niederlande wehrt, dass aufgrund der Aktenlage indessen keine Sachverhaltsumstände er- sichtlich sind, die in rechtserheblicher Weise gegen eine Überstellung des Beschwerdeführers in den für ihn zuständigen Dublin -Vertragsstaat spre- chen, dass in dieser Hinsicht festzuhalten ist, dass die Niederlande Signatarstaat der EMRK (SR 0.101), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 ge- gen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Be- handlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) sind, wobei die Niederlande nach Auffassung der Schweiz ihren diesbezüglichen völ- kerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen, dass die Schweiz gleichzeitig davon ausgeht, die Niederlande würden die Rechte anerkennen und schützen, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber- kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) und 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf- nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah- merichtlinie), ergeben, dass überdies kein Grund zur Annahme besteht, die niederländischen Be- hörden, die der Rückübernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zu- gestimmt haben, würden ihm den Zugang zum Asylverfahren unter Einhal- tung der Regeln der Verfahrensrichtlinie verweigern bezieh ungsweise in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden, oder ihm die aus der Aufnahmerichtlinie zustehenden Lebens- bedingungen vorenthalten, weshalb die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dub- lin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, dass auch weder die unsubstanziierte Beschwerde noch die auf Beschwer- deebene ins Recht gelegten Beweismittel (Zeitungsartikel und Überset- zung) einen Anlass zur Annahme geben, der Beschwerdeführer wäre in den Niederlanden ernsthaft gefährdet, E-2348/2024 Seite 6 dass, um Wiederholungen zu vermeiden, bezüglich der vom Beschwerde- führer geltend gemachten gesundheitlichen Probleme auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen ist, wonach diese kein Hindernis für seine Überstellung in die Niederlande darstellen, zumal die Niederlande über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügen und der Zu- gang zum dortigen Gesundheitssystem für asylsuchende Personen ge- währleistet ist, dass die Dublin -III-VO den Antragstellenden kein Wahlrecht hinsichtlich des Mitgliedstaates gewährt, der ihren Antrag prüfen soll (BVGE 2010/45 E. 8.3; Urteil des BVGer F-1357/2024 vom 12. März 2024 E. 5), dass demgemäss kein Grund für einen Selbsteintritt auf das Asylgesuch respektive für eine Anwendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 29 a Abs. 3 AsylV1 dargetan oder er- sichtlich ist, dass nach dem Gesagten der Nichteintretensentscheid in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG in keinem Punkt zu bemängeln ist, dass gleichzeitig die Anordnung der Wegweisung in die Niederlande der Systematik des Dublin-Verfahrens entspricht und im Einklang mit der Be- stimmung von Art. 44 (erster Satz) AsylG steht, dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung zu be- stätigen und die eingereichte Beschwerde als offen sichtlich unbegründet abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Verfahrenskosten von Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-2348/2024 Seite 7 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Nassim Safai-Rad Versand: