Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 2. April 2019 (470 18 386) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Genehmigung einer Überwachung mit technischen Überwachungsgeräten Für die Überwachung mit technischen Überwachungsgeräten bedarf es gemäss Art. 281 Abs. 4 in Verbindung mit Art. 269 Abs. 2 StPO einer Katalog tat. Trotz in räumlicher Nähe verursachten Sprayereien ist in casu keine natürliche Handlungseinhe it anzunehmen, weshalb die Voraus- setzungen für eine solche Überwachung nicht erfüllt sind (E. 2.5.4.2). Hingegen sind vorliegend die Voraussetzungen für eine Observation (mit Bild- oder Tonaufzeichnungen) im Sinne von Art. 282 StPO erfüllt (E. 2.6.3 und 2.6.4). Die Beschwerd einstanz kann in Einzelfällen rechtswidrig erlangte Beweismittel unter Berücksichtigung der Aktenla ge und der Gegebenheiten des kon- kreten Falls aus den Akten entfernen, falls sich die Unve rwertbarkeit dieser Beweismittel schon im Untersuchungsstadium eindeutig feststellen lässt. Dies ist vorliegend nicht der Fall (E. 2.6.5). Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richterin Helena Hess (Re f.), Richter Daniel Häring; Gerichtsschreiber i.V. Cédric Saladin Parteien A. ____, gesetzlich vertreten durch B.____, vertreten durch Advokat Gabriel Giess, Oberwilerstrasse 3, Postfach, 4123 Allschwil, Beschwerdeführer gegen Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft , Grenzacherstrasse 8, Postfach 810, 4132 Muttenz, Vorinstanz Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft , Rheinstrasse 55, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Gegenstand Genehmigung einer Überwachung mit technischen Überwa- chungsgeräten Beschwerde gegen den Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts Basel-Landschaft vom 12. Juni 2018 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 8. Juni 2018 ordnete die Staatsanwaltschaft Basel-L andschaft, Allgemeine Haupt- abteilung (nachfolgend: Staatsanwaltschaft), im Rahmen einer Untersuchung gegen eine unbe- kannte Täterschaft wegen mehrfacher Sachbeschädigung gem äss Art. 144 Abs. 3 des Schwei- zerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) eine optische Überwachung des Sportplatzes der Primarschule Z.____ und der Bushaltestelle Y.____ in Fahrtrichtung X.____ vom 8. Juni 2018 bis zum 7. September 2018 an. Gleichentags ersuchte sie das Zwangsmassnahmenge- richt Basel-Landschaft (nachfolgend: Zwangsmassnahmengeri cht) gemäss Art. 274 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) um Genehmigung dieser Überwa- chungen. Mit Entscheid vom 12. Juni 2018 bewilligte d as Zwangsmassnahmengericht die von der Staatsanwaltschaft angeordnete optische Überwachung für die Zeit vom 8. Juni 2018 bis zum 7. September 2018. B. Mit Schreiben vom 10. Dezember 2018 eröffnete die Jug endanwaltschaft Basel- Landschaft (nachfolgend: Jugendanwaltschaft) dem Vertei diger von A.____, Advokat Gabriel Giess, die im Strafverfahren angeordnete und vom Zwangsm assnahmengericht mit Entscheid vom 12. Juni 2018 genehmigte Echtzeit-Überwachung. C. Gegen den obgenannten Entscheid erhob A.____ (nachfol gend: Beschwerdeführer), vertreten durch Advokat Gabriel Giess, mit Eingabe vom 21 . Dezember 2018 beim Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht (nachfolg end: Kantonsgericht) Beschwerde. Er be- antragte, der Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 1 2. Juni 2018 sei aufzuheben (Rechtsbegehren Ziffer 1) und es seien sämtliche diesbe zügliche Dokumente und Daten (inklu- sive Folgebeweise) aus den Strafakten zu entfernen, bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens unter separatem Verschluss zu halten und dana ch zu vernichten (Ziffer 2), unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Jugendanwaltschaft. Ferner sei die Jugendanwaltschaft anzu- weisen, ein Aktenverzeichnis zu den Strafakten im Verfahren J 18 302 zu erstellen (Ziffer 3) und dem Beschwerdeführer im Falle des Obsiegens eine Parte ientschädigung zuzusprechen (Zif- fer 4). Zudem stellte der Beschwerdeführer die Verfahrensanträge, dass dem Beschwerdeführer die genauen Akten zu benennen und zuzustellen seien, w elche dem Zwangsmassnahmenge- richt bei seinem Entscheid vom 12. Juni 2018 vorgelegen haben sowie dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu Eingaben von Parteien dieses Verfahrens einzuräumen. D. Mit Stellungnahme vom 10. Januar 2019 beantragte das Zwangsmassnahmengericht die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde unter o/e-K ostenfolge zu Lasten des Be- schwerdeführers. E. Mit Eingabe vom 11. Januar 2019 stellte die Staatsanwal tschaft den Antrag, die Be- schwerde sei abzuweisen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Die Jugendanwaltschaft stellte mit Stellungnahme vom 15. Januar 2019 das Begehren, das Rechtsbegehren gemäss Ziffer 3 der Beschwerde sei abz uschreiben, da ein Aktenver- zeichnis mittlerweile erstellt und dem Beschwerdeführer zugestellt worden sei. G. Am 29. Januar 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein. H. Mit Eingabe vom 1. Februar 2019 verzichtete die Staats anwaltschaft auf eine duplizie- rende Stellungnahme. I. Mit Eingabe vom 6. Februar 2019 verzichtete das Zwangsma ssnahmengericht auf die Möglichkeit zur duplizierenden Stellungnahme, hielt an seinen Anträgen fest und verwies auf seinen begründeten Entscheid vom 12. Juni 2018 sowie sei ne Stellungnahme vom 10. Januar 2019. Erwägungen 1. Formelles 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts Ba sel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Beschwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. c und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Ab s. 2 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO; SGS 250). Gemäss Art. 281 Abs. 4 i.V.m. Art. 279 Abs. 3 StPO können Personen, die technisch übe rwacht worden sind, Beschwerde nach den Art. 393-397 StPO führen. Die Beschwerdefri st beginnt mit Erhalt der Mitteilung zu laufen. Die Beschwerde ist gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO zulässig gegen Entscheide des Zwangsmassnahmengerichts in den in diesem Gesetz vorgeseh enen Fällen. Gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO können Rechtsverletzungen, die falsche Fest stellung des Sachverhalts sowie Un- angemessenheit gerügt werden. Da mit der Beschwerde a lle Mängel des angefochtenen Ent- scheids geltend gemacht werden können, verfügt die Rec htsmittelinstanz über volle Kognition (PATRICK GUIDON , in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord nung, 2. Auflage 2014, Art. 393 N 15). Die Beschwerdefrist gegen schrift lich oder mündlich eröffnete Entscheide beträgt zehn Tage, wobei die Beschwerde schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen ist (Art. 396 Abs. 1 StPO). Verlangt das G esetz, dass das Rechtsmittel begründet wird, so hat die Person oder die Behörde, die das Rec htsmittel ergreift, gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO genau anzugeben, welche Punkte des Entscheides sie an ficht (lit. a), welche Gründe ei- nen anderen Entscheid nahe legen (lit. b) und welche Beweismittel sie anruft (lit. c). Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Abänderung der angefochtenen Verfügung hat, zur Beschwerde legitimiert. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Mit der vorliegenden Beschwerde wird der Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 12. Juni 2018 betreffend Genehmigung einer Überwa chung mit technischen Überwa- chungsgeräten angefochten, welcher ein taugliches Beschwe rdeobjekt darstellt. Der angefoch- tene Entscheid ist dem Beschwerdeführer mit Schreiben der Jugendanwaltschaft vom 10. De- zember 2018 mitgeteilt worden, wobei dem Beschwerdefü hrer diese Mitteilung gemäss Sen- dungsverfolgung der Schweizerischen Post am 12. Dezembe r 2018 zugestellt worden ist. Mit Eingabe vom 21. Dezember 2018 ist die 10-tägige Rech tsmittelfrist eingehalten worden. Auch sind die Anforderungen an die Begründung der Beschwer de gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO er- füllt. Als beschuldigte Person des entsprechenden Strafv erfahrens ist der Beschwerdeführer unmittelbar in seinen Rechten betroffen und somit be schwert. Nachdem die übrigen formellen Voraussetzungen zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass ge ben, ist auf die Beschwerde grundsätzlich einzutreten. Dem Rechtsbegehren des Beschwerdeführers, wonach die Juge ndanwaltschaft anzuweisen sei, ein Aktenverzeichnis zu den Strafakten im Verfahren J 18 302 zu erstellen, ist die Jugend- anwaltschaft mittlerweile nachgekommen. Deshalb ist die Beschwerde diesbezüglich gegen- standslos geworden. 2. Materielles 2.1 Das Zwangsmassnahmengericht hat in seinem Entscheid vom 12 . Juni 2018 erwogen, dass seit Juni/Juli 2017 in der Gemeinde W.____ in ca. 7 0 Fällen Sprayereien und sonstige Sachbeschädigungen begangen worden seien. Unter ander em seien das Schulhaus Z.____ und die Bushaltestelle Y.____ mehrfach betroffen, letztmals in der Nacht vom 11./12. Mai 2018. Insgesamt sei ein Sachschaden von ca. CHF 25‘000.00 en tstanden. Es könnte sich deshalb im vorliegenden Fall mindestens teilweise um eine qualifi zierte Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 3 StGB handeln. Nach den Gesuchsakten sei en die Voraussetzungen für eine optische Überwachung des Sportplatzes der Primarschule Z. ____ und der Bushaltestelle Y.____ in Fahrtrichtung X.____ in der Untersuchung ge gen Unbekannt demzufolge erfüllt, wer- de dieser doch dringend der Begehung von Katalogtate n (Art. 144 Abs. 3 StGB gemäss Art. 269 Abs. 2 lit. a StPO) verdächtigt. Die Schwere der strafbaren Handlung rechtfertige eine Überwachung mit technischen Überwachungsgeräten. In Übereinstimmung mit den Vorbringen der Staatsanwaltschaft sei gestützt auf die derzeitige Akt en- und Sachlage zudem davon aus- zugehen, dass die Ermittlungen ohne diese Überwachung un verhältnismässig erschwert wür- den. 2.2 Demgegenüber macht der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 21. Dezember 2018 geltend, dass es ohne Weiteres möglich gewesen wär e, den konkreten Schadensbetrag ausfindig zu machen und substantiiert zu bezeichnen. Das Zwangsmassnahmengericht hätte auf eine weitere Substantiierung bestehen müssen, um si ch ein umfassendes Bild machen zu Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht können. Aus der dem Zwangsmassnahmengericht eingereichten Deliktsliste gehe hervor, dass kein einzelner Sachschaden von mehr als CHF 10‘000.00 vorliege. Eine Kumulation sei aus mehreren Gründen nicht zulässig. Die fraglichen Sachbeschädigungen seien in einem Zeitraum von mehr als einem Jahr und offenbar von mehreren Täte rn begangen worden. Jedenfalls sei es nicht zulässig, aufgrund von reinen Schadensschätzungen vo n Taten, die über einen Zeit- raum von über einem Jahr von mehreren Tätern verübt w orden seien, eine natürliche Hand- lungseinheit anzunehmen. Von einer sukzessiven Tatbegehu ng könne aufgrund der vorliegen- den Akten keine Rede sein. Es sei nicht belegt und auch nicht anzunehmen, dass am selben Graffiti an mehreren Nächten gearbeitet worden sei. Es könne denn auch nicht beurteilt werden, ob einzelne Tags von der gleichen Täterschaft gebraucht worden seien oder ob es sich um sog. Crew-Tags handle, welche von verschiedenen Sprayern benutzt würden. Unter den gegebenen Umständen sei es für das Zwangsmassnahmengericht schlicht unm öglich gewesen, zu ent- scheiden, ob eine natürliche Handlungseinheit vorgeleg en habe. Aufgrund der Ausführungen folge, dass in casu keine qualifizierte Sachbeschädigung und damit keine Katalogtat im Sinne von Art. 269 Abs. 2 StPO vorgelegen habe. Im Übrigen h abe das Zwangsmassnahmengericht in seinem Entscheid vom 12. Juni 2018 ausdrücklich offeng elassen, ob eine qualifizierte Sach- beschädigung und damit eine Katalogtat vorliege. Dami t habe das Zwangsmassnahmengericht die Begründungspflicht verletzt. Im Weiteren liege k eine Observationsverfügung für eine 24 Stunden Videoüberwachung der Bushaltestelle für de n fraglichen Zeitraum vor. Die Obser- vationsverfügung vom 8. Juni 2018 betreffe nur den mobi len Ermittlungsdienst, von einer 24 Stunden Videoüberwachung sei dort keine Rede. Sch liesslich moniert der Beschwerdefüh- rer, dass es für ihn mühsam und zeitraubend gewesen sei , sich in den Akten zu Recht zu fin- den, da kein Aktenverzeichnis von der Jugendanwaltschaft erstellt worden sei. 2.3 Das Zwangsmassnahmengericht hingegen stellt sich in seiner Stellungnahme vom 10. Januar 2019 auf den Standpunkt, es handle sich beim dringenden Tatverdacht immer um eine Hypothese. Dieser sei gegeben, wenn sich der Sach verhalt wie angenommen beweisen lasse und für die entsprechenden Annahmen objektive Anh altspunkte vorlägen. Ob tatsächlich eine Handlungseinheit vorliege, wie hoch die Deliktssumme sei und ob deswegen eine Verurtei- lung wegen qualifizierter Sachbeschädigung möglich sei, habe das Sachgericht zu beurteilen. Ein dringender Tatverdacht sei bereits gegeben, wenn objektive Hinweise vorlägen, dass die entsprechenden Tatbestandsmerkmale erfüllt sein könnten. Im vorliegenden Fall würden der begrenzte Tatzeitraum, die örtliche Begrenzung der Tat orte und die vergleichbare Vorgehens- weise objektive Hinweise darstellen, dass die Sachbeschädi gung durch dieselbe Täterschaft begangen worden sein könnte. Aufgrund der mutmassliche n Deliktssumme habe das Zwangs- massnahmengericht deshalb von einem dringenden Tatverda cht wegen qualifizierter Sachbe- schädigung ausgehen können, womit das Erfordernis eine s dringenden Tatverdachts wegen einer Katalogtat gegeben sei. Auch die übrigen Voraussetzungen zur Anordnung einer Überwa- chung mit technischen Überwachungsgeräten seien vorliegend erfüllt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Die Staatsanwaltschaft weist in ihrer Stellungnahme vom 11. Januar 2019 darauf hin, dass der Schaden von Sprayereien zu Beginn eines Ermit tlungsverfahrens regelmässig nicht exakt festgestellt werden könne, weshalb Schätzungen unvermeidlich seien. Schadenssummen von mehr als CHF 10‘000.00 seien bei Sprayereien durc haus zu erwarten. Hinsichtlich der na- türlichen Handlungseinheit führt die Staatsanwaltschaf t aus, dass Sprayer-Crews zusammen- wirken und sich gegenseitig unterstützen würden, weshalb d ie Sprayereien den Mittätern anzu- rechnen und die verschiedenen Sachschäden zusammenzurechne n seien. Auch sei von einer natürlichen Handlungseinheit auszugehen, da die Distan z zwischen den einzelnen Tatorten lediglich 700 bis 900 Meter betragen habe. Daran änd ere nichts, dass zwischen den Sprayerei- en zwei Tage gelegen hätten. So habe das Obergericht Bern im Fall eines Täters, welcher Sprayereien über einen Zeitraum von mehr als fünfein halb Jahren begangen habe, einen Ge- samtvorsatz und eine Einheitstat angenommen. Somit könn e der für die Annahme eines Ein- heitsdelikts geforderte enge zeitliche und örtliche Ko nnex und die Gleichartigkeit der Vorge- hensweise des Täters vorliegend angenommen werden. Ausse rdem sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer mittels Überwachung an der B ushaltestelle Y.____ erfasst worden sei. Diese Videokamera habe sich von Anfang an im öffentlichen Raum befunden und zu keiner Zeit der Genehmigung des Zwangsmassnahmengerichts bedurft. Nach Art. 282 StPO könne die Staatsanwaltschaft die Observation genehmigen. Damit e rübrige sich die Prüfung, ob eine Ka- talogtat nach Art. 269 Abs. 2 i.V.m. 280 f. StPO vorliege. 2.5.1 Zwangsmassnahmen wie geheime Überwachungsmassnahmen stel len immer einen Eingriff in die Grundrechte des Betroffenen dar. Einsch ränkungen von Grundrechten müssen nach Art. 36 Abs. 2 und 3 der Bundesverfassung der Schwei zerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig sein. Dies konkre- tisiert Art. 197 Abs. 1 StPO. Danach können Zwangsmassn ahmen nur ergriffen werden, wenn sie gesetzlich vorgesehen sind (lit. a), ein hinreichende r Tatverdacht vorliegt (lit. b), die damit angestrebten Ziele nicht durch mildere Massnahmen errei cht werden können (lit. c; Subsidiari- tätsprinzip) und die Bedeutung der Straftat die Zwan gsmassnahme rechtfertigt (lit. d; Verhält- nismässigkeitsprinzip). Diese Voraussetzungen müssen für alle Zwangsmassnahmen ku mulativ erfüllt sein (vgl. NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , in: Praxiskommentar zur Schweizerischen Strafpro- zessordnung, 3. Auflage 2018, Art. 197 N 1 ff., m.w.H. ; BGer 1B_324/2013 vom 24. Januar 2014 E. 3.2.2). Hinweise auf eine strafbare Handlung müssen erheblich und konkreter Natur sein, um einen hinreichenden Tatverdacht begründen zu können. Ein bloss vager Verdacht ge- nügt nicht (BGE 141 IV 87 E. 1.3.1; 137 IV 122 E. 3. 2; BGer 6B_1105/2013 vom 18. Juli 2014 E. 3.1; 6B_830/2013 vom 10. Dezember 2013 E. 1.4, m. H.). Der erforderliche Verdachtsgrad richtet sich nach der Eingriffsschwere der Zwangsmassnahme. Bei den am schärfsten in die Freiheitsrechte eingreifenden Massnahmen wie z.B. Unter suchungs- oder Sicherheitshaft wird ein dringender Tatverdacht verlangt, während bei wen iger eingreifenden Zwangsmassnahmen wie z.B. die Observation ein geringerer Grad erforder lich ist. Die verschiedenen Grade des er- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht forderlichen Verdachts richten sich nach den einzelnen Zw angsmassnahmen. Unzulässig ist jedenfalls der sog. Ausforschungsbeweis („fishing expediti ons“), d.h. Untersuchungsmassnah- men, die den Tatverdacht erst begründen sollen (vgl. N IKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , a.a.O., Art. 197 N 5 f., unter Hinweis u.a. auf die Botschaft, S. 1216). Der Grundsatz der Ver- hältnismässigkeit ist von den Strafbehörden im Einzelfall anzuwenden, wobei sich die Verhält- nismässigkeit nach objektiven Gesichtspunkten beurteilt (vgl . N IKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , a.a.O., Art. 197 N 7). Die Verhinderung zukünftiger und die Aufklärung geschehener Straftaten liegen immer im öffentlichen Interesse (vgl. BGE 120 Ia 147 E. 2d). 2.5.2 Gemäss Art. 280 lit. b StPO kann die Staatsanwaltschaft technische Überwachungsge- räte einsetzen, um Vorgänge an nicht öffentlichen ode r nicht allgemein zugänglichen Orten zu beobachten oder aufzuzeichnen. Der Einsatz darf nur geg enüber der beschuldigten Person angeordnet werden (Art. 281 Abs. 1 StPO). Räumlichkei ten oder Fahrzeuge von Drittpersonen dürfen nur überwacht werden, wenn aufgrund bestimmter Tatsachen angenommen werden muss, dass die beschuldigte Person sich in diesen Räumlichkei ten aufhält oder dieses Fahr- zeug benutzt (Art. 281 Abs. 2 StPO). Schliesslich regelt Art. 281 Abs. 4 StPO, dass sich der Einsatz technischer Überwachungsgeräte im Übrigen nach den Artikeln 269-279 StPO richtet. So statuiert Art. 269 Abs. 1 StPO als Voraussetzungen für diese Massnahmen, dass der drin- gende Verdacht besteht, eine in Absatz 2 genannte Str aftat sei begangen worden (lit. a); die Schwere der Straftat eine solche Massnahme rechtfertigt (lit. b) sowie die bisherigen Untersu- chungshandlungen erfolglos geblieben sind oder die Er mittlungen sonst aussichtslos wären oder unverhältnismässig erschwert würden (lit. c). Zu den sog. Katalogtaten von Art. 269 Abs. 2 lit. a StPO zählt unter anderem Art. 144 Abs. 3 StGB (qualifizierte Sachbeschädigung). 2.5.3 Der Einsatz von technischen Überwachungsgeräten zu strafpr ozessualen Zwecken, mit deren Verwendung in die Privatsphäre und damit die Grundrechte der beobachteten Person eingegriffen wird, ist unter vergleichbaren Voraussetz ungen wie die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs möglich. Der Einsatz kann nur von d er Staatsanwaltschaft angeordnet werden, während die Durchführung üblicherweise der P olizei oder deren Spezialisten obliegt (vgl. NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , a.a.O., Art. 280 N 1, 4). Die seitens der Staatsanw alt- schaft erfolgte schriftliche Anordnung der Überwachung i st im Anschluss vom Zwangsmass- nahmengericht genehmigen zu lassen. Diese Anordnung m uss begründet werden; die Begrün- dung ist im Genehmigungsverfahren vorzubringen (vgl. N IKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , a.a.O., Art. 269 N 2, unter Hinweis auf Art. 198 f., 241, 272 Abs. 1 und 274 StPO). Der dringende Tatverdacht (Art. 269 Abs. 1 lit. a StP O) setzt konkrete, objektivierbare Anhalts- punkte voraus, die dafür sprechen, dass die Zielperson der geheimen Überwachung Täter eines Verbrechens oder Vergehens ist. Der Tatverdacht kann sich auf bereits begangene oder noch im Gange befindliche Straftaten beziehen. Ein Versuch g enügt. An die Erheblichkeit des Tat- verdachts sind je nach Schwere der Straftat unterschiedl iche Massstäbe anzulegen, und in die Abwägung ist ebenso die Eingriffsschwere für die durch di e Überwachung Betroffenen und da- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit die Art der Überwachungsmassnahme einzubeziehen. Ei gentliche Beweise sind jedoch nicht erforderlich (vgl. N IKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , a.a.O., Art. 269 N 6, unter Hinweis u.a. auf BGer 1B_425/2011 vom 22. Juni 2011 E. 3.1). Solche Überwachungen sind nur zur Verfolgung von Straftaten, hingegen nicht zu präventiv en Zwecken zulässig (N IKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , a.a.O., Art. 269 N 7, unter Hinweis auf BGE 137 IV 340 E. 5.6). Die Voraussetzung von Art. 269 Abs. 1 lit. b StPO berü cksichtigt, dass der Katalog nach Art. 269 Abs. 2 StPO auch weniger schwerwiegende Straf taten erfassen kann. Diese Voraus- setzung ist in jedem Fall zu prüfen (vgl. NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , a.a.O., N 8 f.). Art. 269 Abs. 1 lit. c StPO ruft in Erinnerung, dass de r mit dieser Zwangsmassnahme verbun- dene erhebliche Eingriff in die Freiheitsrechte nur un ter Beachtung des Verhältnismässigkeits- bzw. Subsidiaritätsgrundsatzes (Art. 197 Abs. 1 lit. d StPO) zulässig ist. Die Bestimmung ver- langt allerdings nicht, dass in jedem Fall zuerst die ü brigen Ermittlungsmethoden wie Einver- nahmen, aber auch weniger eingreifende Mittel wie die Observation erfolglos eingesetzt worden sind. Dies gilt vorab für gewisse Kriminalitätsformen, die sich weitgehend abgeschottet und im Verborgenen abwickeln und bei denen andere Formen der Ermittlung praktisch aussichtslos wären. Zu berücksichtigen ist ferner das zeitliche Moment. Die Subsidiarität schlägt auch auf die innerhalb von Art. 269 ff. StPO denkbaren verschied enen Massnahmen durch (vgl. NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , a.a.O., Art. 269 N 10 ff.). 2.5.4.1 Das Kantonsgericht stellt fest, dass vorliegend die erste Grundvoraussetzung der ge- setzlichen Grundlage gemäss Art. 197 Abs. 1 lit. a StPO m it dem Vorliegen von Art. 280 f. i.V.m. Art. 269-279 StPO fraglos erfüllt ist. 2.5.4.2 Was des Weiteren die Voraussetzung der Katalogtag im Sinne von Art. 269 Abs. 1 lit. a i.V.m. Abs. 2 StPO betrifft, so ist hinsichtlich bereits begangener Straftaten zunächst zu prüfen, ob mindestens eine solche vor der erstmaligen Anordnun g der technischen Überwachung (Ent- scheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 12. Juni 2018) vorgele gen hat. In casu steht ein- zig der Tatbestand der qualifizierten Sachbeschädigung ( Art. 144 Abs. 3 StGB) im Raum. Ge- mäss Art. 144 Abs. 1 StGB macht sich der Sachbeschädigung strafbar, wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutzniessungsrech t besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht. Hat der Täter einen grossen Sch aden verursacht, so liegt gemäss Art. 144 Abs. 3 StGB eine qualifizierte Sachbeschädigun g vor. Praxisgemäss gilt ein Schaden in der Höhe von mindestens CHF 10'000.00 als gross im Sin ne von Art. 144 Abs. 3 StGB (BGE 136 IV 117 E. 4.3.1; BGer 6B_375/2014 vom 28. August 2014 E. 2.5). Der Beschwerde- führer bestreitet nicht, dass der Tatbestand von Art. 144 Abs. 3 StGB eine Katalogtat darstellt. Er führt jedoch ins Feld, dass auf der dem Zwangsmassnahme ngericht eingereichten Deliktslis- te („ Sprayereien W .____“) vom 1. Juni 2018 kein einzelner Sachschaden von m ehr als CHF 10‘000.00 enthalten ist. Um auf einen Betrag von mehr als CHF 10‘000.00 zu kommen, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht müsste eine natürliche Handlungseinheit zwischen der Bege hung der einzelnen Sachschäden angenommen werden. Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass der Betr ag von CHF 10‘000.00 vorliegend nur durch Kumulation von mehreren einzelnen Schäden erreich t werden kann. Im Sinne einer na- türlichen Handlungseinheit können mehrere Einzelhandlu ngen ausnahmsweise als Einheit zu- sammengefasst werden, wenn sie auf einem einheitlichen Willensakt beruhen und wegen des engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhangs bei objek tiver Betrachtung noch als ein ein- heitliches Geschehen erscheinen. Dazu zählen namentlich Fäl le der iterativen Tatbestandsver- wirklichung (z.B. eine "Tracht Prügel") oder der sukzessive n Tatbegehung (z.B. Besprayen ei- ner Mauer mit Graffiti in mehreren aufeinanderfolge nden Nächten). Die natürliche Handlungs- einheit ist jedoch nur mit Zurückhaltung anzunehmen (BGE 133 IV 256 E. 4.5.3; BGer 6B_453/2007 vom 19. Februar 2008 E. 3.4.1). Vor liegend deuten die unterschiedlichen Tags bzw. Spayereien daraufhin, dass diese von mehreren Tätern verursacht worden sind. Zwar spricht die räumliche Nähe der Sprayereien (Distanz zwischen den einzelnen Tatorten beträgt weniger als einen Kilometer) für eine natürl iche Handlungseinheit. Die Begehung der Sachschäden ist jedoch in einem Zeitraum von mehr als e inem Jahr erfolgt, womit kein enger zeitlicher Zusammenhang vorliegt. Im Weiteren erhellt aus den Akten, dass vorliegend nicht von einer sukzessiven Tatbegehung auszugehen ist. Weder ist genügend dargelegt (vgl. Deliktsliste „Sprayereien W.____“ vom 1. Juni 2018) noch anzunehmen, dass am selben Graffiti an mehre- ren (aufeinanderfolgenden) Nächten gearbeitet worde n ist. Auch bestehen abgesehen von der räumlichen Nähe der Sprayereien keine Anhaltspunkte für ein einheitliches Geschehen, das auf einem einheitlichen Willensakt beruht. Wie erörtert, ist eine natürliche Handlungseinheit mit Zu- rückhaltung anzunehmen. Insgesamt bestehen deswegen zu we nig konkrete Anhaltspunkte für eine natürliche Handlungseinheit der verschiedenen Sachb eschädigungen. Somit ist keine Ka- talogtag im Sinne von Art. 269 Abs. 1 lit. a i.V.m. Abs. 2 StPO gegeben. Im Ergebnis ist deshalb die Anordnung der Überwachung mit technischen Überwachungsgeräten gemäss Art. 281 StPO mangels Katalogtat vorliegend nicht zulässig gewesen, w omit die Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen ist. 2.6.1 Im Weiteren beantragt der Beschwerdeführer, es seien sämtliche aus der optischen Überwachung gewonnenen Dokumente und Daten (inklusive Folgebeweise) aus den Strafakten zu entfernen und bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verf ahrens unter separatem Ver- schluss zu halten und danach zu vernichten (Rechtsbegehren Ziffer 2). Gemäss Art. 141 Abs. 2 StPO dürfen Beweise, welche Strafbehörden in strafbarer Weise oder unter Verletzung von Gül- tigkeitsvorschriften erhoben haben, nicht verwertet werden, es sei denn, ihre Verwertung sei zur Aufklärung schwerer Straftaten unerlässlich. Es ist festzu stellen, dass grundsätzlich die Frage der Verwertbarkeit von Beweismitteln nicht im Beschwerd everfahren zu entscheiden ist, son- dern durch den Sachrichter im Hauptverfahren (vgl. BGE 143 IV 475 E. 2.7; N IKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , a.a.O., Art. 279 N 14). Allerdings kann es sich in Ein zelfällen bei rechtswidrig erlangten Beweisen als geboten erweisen, diese dem zust ändigen Sachgericht vorzubehalten. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Lässt sich die Unverwertbarkeit der umstrittenen Aktenstücke unter Berücksichtigung der Akten- lage und der Gegebenheiten des konkreten Falls schon im Untersuchungsstadium eindeutig feststellen, kann bereits die Beschwerdeinstanz diese Bewei smittel aus den Akten entfernen (vgl. BGE 143 IV 475 E. 2.7). 2.6.2 Im vorliegenden Fall ist der Beschwerdeführer mit eine r aufgrund von Art. 282 StPO an- geordneten Kamera bei der Begehung von Sprayereien an der Bushaltestelle Y.____ gefilmt worden. Es bleibt zu prüfen, ob die Voraussetzungen z ur von der Staatsanwaltschaft mit Verfü- gung vom 8. Juni 2018 genehmigten Fortsetzung der dur ch die Polizei angeordneten Observa- tion vorliegend erfüllt sind. Die Staatsanwaltschaft u nd – im Ermittlungsverfahren – die Polizei können gemäss Art. 282 Abs. 1 StPO Personen und Sachen an allgemein zugänglichen Orten verdeckt beobachten und dabei Bild- oder Tonaufzeichnungen machen, wenn aufgrund konkre- ter Anhaltspunkte anzunehmen ist, dass Verbrechen oder V ergehen begangen worden sind (lit. a) und die Ermittlungen sonst aussichtslos wären oder unverhältnismässig erschwert wür- den (lit. b). Nach Art. 282 Abs. 2 StPO bedarf die Fortsetzung einer von der Polizei angeordne- ten Observation, die über einen Monat gedauert hat, der Genehmigung durch die Staatsanwalt- schaft. Gemäss § 36 Abs. 3 des Polizeigesetzes des Kantons Base l-Landschaft (PolG; SGS 700) kann der Leiter oder die Leiterin der Poli zei Basel-Landschaft auch die präventive Observation anordnen. Die mit der Observation in der R egel verbundene Registrierung von Vorgängen kann mittels Bild- und Tonaufnahmegeräten o der auch nur durch eine visuelle Überwachung durch die Polizei erfolgen. Im Übrigen f ällt auch der im Rahmen einer Observati- on ausschliessliche Einsatz von Bild- und Tonaufzeichnungsgeräten ohne Einsatz von Beamten unter Art. 282 StPO (N IKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , a.a.O., Art. 282 N 6; T HOMAS HANSJAKOB , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess ordnung, 2. Auflage 2014, Art. 282 N 9). Im Gegensatz zu Art. 280 StPO bezieht sich die Observati on auf Vorgänge, die sich in der Öf- fentlichkeit abspielen (vgl. N IKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , a.a.O., Art. 282 N 6 f.). Art. 282 StPO umfasst nur den Einsatz von Geräten, welche die übl iche Observationstätigkeit auf einfa- che Weise aufzeichnen können. Werden Geräte eingesetzt, die die natürliche Hör- und Sehfä- higkeit deutlich verstärken (z.B. durch den Einsatz von Rest lichtverstärker zur Beobachtung oder Mikrofone zur akustischen Wahrnehmung), ist eine Bew illigung nach Art. 280 StPO einzu- holen (vgl. T HOMAS HANSJAKOB , a.a.O., Art. 282 N 9). Hinsichtlich der allgemeinen Vorausset- zungen von Zwangsmassnahmen gemäss Art. 197 StPO kann auf die vorstehende Erwägung 2.5.1 verwiesen werden. Vorliegend ist die Observation mittels Videoüberwachung beim Sport- platz des Primarschulhauses Z.____ und an der Bushaltestell e Y.____ durchgeführt worden. Somit ist die Observation an allgemein zugänglichen, öffentlichen Orten im Sinne von Art. 282 Abs. 1 StPO erfolgt. Es ist ausserdem festzustellen, dass vorliegend die erste Grundvorausset- zung der gesetzlichen Grundlage gemäss Art. 197 Abs. 1 lit . a StPO mit dem Vorliegen von Art. 282 f. StPO zweifellos erfüllt ist. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.6.3 Für die Anordnung der Observation sind konkrete Anhalts punkte erforderlich, dass Ver- brechen oder Vergehen begangen worden sind (Art. 282 Abs. 1 lit. a StPO). Mit Observationen sind weniger einschneidende Eingriffe in die Privatsphä re der Betroffenen verbunden als zum Beispiel mit der geheimen Überwachung des Fernmeldeverk ehrs (Art. 269 ff. StPO), dem Ein- satz technischer Überwachungsgeräte (Art. 280 f. StPO) oder der verdeckten Ermittlung (Art. 285a ff. StPO), weshalb das Gesetz für die Obse rvation weder eine richterliche Genehmi- gung vorschreibt, noch qualifizierte Beweisverwertungsrege ln vorsieht (vgl. Art. 277, Art. 281 Abs. 4 oder Art. 289 Abs. 6 StPO). Weil Zwangsmassnahmen allgemein nur angeordnet werden dürfen, wenn ein hinreichender Tatverdacht vorliegt ( Art. 197 Abs.1 lit. b StPO), müssen für eine zulässige Observation die Verdachtsmomente entspreche nd konkret sein (Vgl. L UZIUS EUGSTER / ANNEGRET KATZENSTEIN , in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess- ordnung, 2. Auflage 2014, Art. 282 N 11). Wie darge legt, genügen vage Hinweise auf ein Ver- brechen oder Vergehen, die noch keinen Tatverdacht beg ründen, nicht (vgl. E. 2.5.1). Nicht zulässig bzw. dem Polizeirecht vorbehalten ist eine rein p räventive Observation zur Verdachts- begründung (LUZIUS EUGSTER / ANNEGRET KATZENSTEIN , a.a.O., Art. 282 N 12 f.). Die Beschä- digung einer Sache ist gemäss Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Art. 10 Abs. 3 StGB ein Vergehen. Wegen Sprayereien sind in der Gemeinde W.____ bis zu 70 An zeigen erfolgt. Bei der grossen Mehr- zahl der Anzeigen hat sich die Tat nicht auf einen geringen Schaden gerichtet (Art. 172 ter StGB). Ausserdem sind gemäss der Deliktsliste („ Sprayereien W.____“) vom 1. Juni 2018 im Januar 2018 die Primarschule Z.____ an der V.____strasse 43 in W.____ (Sachschaden gemäss An- zeigen in der Höhe von insgesamt CHF 5‘200.00) und d as Wartehäuschen der Bushaltestelle Y.____ an der V.____strasse 38 in W.____ (Sachschaden ge mäss Anzeigen in der Höhe von insgesamt CHF 1‘800.00) mehrmals mit dem Tag „ U.____ “ versprayt worden. Am 12. Mai 2018 ist sodann derselbe Tag an einer Stützmauer der Primarsch ule Z.____ (Sachschaden gemäss Anzeige in der Höhe von CHF 1‘000.00) erneut angebr acht worden. Somit ist die Observation vorliegend nicht präventiv zur Verdachtsbegründung angeor dnet worden, vielmehr haben (auch) zum Zeitpunkt der Genehmigung der Fortsetzung de r Observation durch die Staatsan- waltschaft am 8. Juni 2018 zweifelsohne konkrete Anhaltspunkte für die Begehung von mehrfa- chen Sachbeschädigungen rund um die Observationsorte mit einem jeweiligen Sachschaden im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB bestanden, womit die Vo raussetzung von Art. 282 Abs. 1 lit. a StPO erfüllt ist. 2.6.4 Weiter setzt die Observation voraus, dass Ermittlungen sonst aussichtslos oder unver- hältnismässig erschwert wären (Art. 282 Abs. 1 lit. b St PO). Da es sich bei der Observation um eine relativ eingriffsmilde Massnahme handelt, dürfen a n die Subsidiarität dieser Massnahme keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden (vgl. NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , a.a.O., Art. 282 N 14). Die Observation ist vorliegen d (auch) im Zeitpunkt der Genehmigung ihrer Fortsetzung bzw. Durchführung tauglich gewesen, u m das angestrebte Ermittlungsziel – Identifizierung der unbekannten Täterschaft mittels Vi deoüberwachung – zu erreichen. Durch die bis zu jenem Zeitpunkt durchgeführten Massnahmen wie z.B. Jugendpatrouillen und Netz- werkkontakte konnte dieses Ziel nicht erreicht werden. Wi e dargelegt, ist die Observation zu- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem weniger eingriffsintensiv als andere Zwangsmassnahmen. Im Weiteren ist nicht ersichtlich, wie in casu der verfolgte Zweck, nämlich die Aufklärun g geschehener wie auch die Verhinde- rung zukünftiger Straftaten, mit milderen Massnahmen a ls mit der Observation hätte erreicht werden können. Da die Identifizierung der Täterschaft ohne Observation nahezu aussichtslos gewesen wäre, ist die Voraussetzung der Subsidiarität i m Sinne von Art. 282 Abs. 1 lit. b StPO vorliegend erfüllt. 2.6.5 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach in der Ve rfügung der Staatsanwalt- schaft zur Genehmigung der Fortsetzung der Observation vom 8. Juni 2019 keine Rede von einer 24 Stunden Überwachung sei, vermag nicht zu über zeugen. Den gesetzlichen Bestim- mungen von Art. 282 ff. StPO lässt sich nicht entnehmen , dass in einer staatsanwaltlichen Ver- fügung im Sinne von Art. 282 Abs. 2 StPO die genaue D auer sowie die Detailmodalitäten der Observation festgelegt werden müssten. Im Ergebnis ist s omit festzustellen, dass die Voraus- setzungen für die Genehmigung der Fortsetzung der von de r Polizei angeordneten Observation gemäss Art. 282 Abs. 1 StPO vorliegend erfüllt sind. Es handelt sich um eine gesetzeskonform angeordnete und durchgeführte Zwangsmassnahme. Wie darg elegt, kann bereits die Be- schwerdeinstanz in Einzelfällen rechtswidrig erlangte Be weismittel unter Berücksichtigung der Aktenlage und der Gegebenheiten des konkreten Falls aus den Akten entfernen, falls sich die Unverwertbarkeit dieser Beweismittel schon im Untersuchu ngsstadium eindeutig feststellen lässt (Vgl. E. 2.6.1). Derartiges lässt sich indes in diese m konkreten Fall aufgrund des Darge- legten nicht feststellen. Durfte doch die Staatsanwalt schaft gestützt auf Art. 282 StPO der Poli- zei die Genehmigung erteilen, ihre angeordnete Observ ation mit Bildaufzeichnungen, welche bereits 30 Tage andauerte und erste Erkenntnisse daraus gewonnen werden konnten, fortzu- setzen. Bei diesem Ergebnis ist das Rechtsbegehren des Be schwerdeführers, es seien sämtli- che diesbezügliche Dokumente und Daten aus den Strafakten zu entfernen, bis zum rechtskräf- tigen Abschluss des Verfahrens unter separatem Verschluss zu halten und danach zu vernich- ten, abzuweisen. 2.7 Zusammenfassend ist damit festzustellen, dass die Vorausset zungen für die Überwa- chung mit technischen Überwachungsgeräten (Art. 280 St PO) mangels Katalogtat (Art. 269 Abs. 2 StPO) nicht erfüllt sind, womit der Entscheid d es Zwangsmassnahmengerichts vom 12. Juni 2018 aufzuheben ist. Die diesbezüglichen Dat en und Dokumente sind nicht aus den Strafakten zu entfernen und unter Verschluss zu halten, womit die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen ist. Im Ergebnis ist die Beschwerde somit teilweise gutzuheissen. 3. Kosten 3.1 Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Ko sten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Der angefochtene Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 12. Juni 2018 ist vollumfänglich aufgehoben worden. Die von der Beschwerdeinstanz angeführten Erwägungen (vgl. E. 2 .6-2.7) für die Abweisung des Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsbegehrens des Beschwerdeführers, es seien sämtlich e aus der optischen Überwachung gewonnenen Dokumente und Daten (inklusive Folgebeweise) aus den Strafakten zu entfernen und bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens unter separatem Verschluss zu halten und danach zu vernichten, waren für den Beschwerdeführ er aufgrund der zu Recht beanstan- deten Aktenführung der Jugendanwaltschaft und dem Umsta nd, dass die Strafverfolgungsbe- hörden selbst die Gesetzesbestimmungen von Art. 280 StP O und Art. 282 StPO nicht klar aus- einandergehalten haben (vgl. Textbaustein auf S. 2 der Mitteilung der Jugendanwaltschaft an den Beschwerdeführer betreffend technische Überwachung vom 10. Dezember 2018), zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht eindeutig ersich tlich. Aus diesen Gründen, aber auch weil der Beschwerdeführer im Ergebnis nur marginal u nterliegt, sind ihm keine Verfahrenskos- ten aufzuerlegen. Entsprechend diesen Ausführungen ge hen die Kosten des Beschwerdever- fahrens in der Höhe von CHF 1‘100.00, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 1‘000.00 und Auslagen von pauschal CHF 100.00, zu Lasten des Staates. 3.2 Aufgrund des Ausgangs dieses Verfahrens ist dem Beschwer deführer zudem ge- stützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine Parteientsc hädigung zuzusprechen. Die Höhe der Entschädigung richtet sich grundsätzlich nach den kantonale n Anwaltstarifen. Da das Strafver- fahren vorliegend im Kanton Basel-Landschaft durchgefüh rt worden ist, gelangt die Tariford- nung für die Anwältinnen und Anwälte (TO; SGS 178.112) zur Anwendung. Bei der Festsetzung des Honorars ist somit der konkret angefallene Zeitaufwan d massgebend (vgl. § 2 Abs. 1 TO). Grundsätzlich werden die Verteidigungskosten voll entschädigt. Die Bemühungen des Anwaltes müssen im Umfang aber den Verhältnissen entsprechen, d.h . sachbezogen und angemessen sein. Wird eine Honorarnote als unverhältnismässig beur teilt, kann sie in entsprechendem Um- fang gekürzt werden, wobei die Herabsetzung lediglich bei massgeblichen Abweichungen von der Kostennote zu begründen ist. Praxisgemäss werden soge nannter anwaltlicher Kleinstauf- wand wie auch typische Sekretariatstätigkeiten, beispielsw eise das Weiterleiten von Mitteilun- gen der Strafverfolgungsbehörden an Klienten, abgesehe n vom tatsächlich angefallenen Porto nicht separat vergütet. Vorliegend hat der Rechtsvertr eter des Beschwerdeführers die vom 29. Januar 2019 datierende Honorarnote eingereicht un d einen Aufwand von insgesamt 9 Stunden und 40 Minuten à CHF 230.00 pro Stunde ge ltend gemacht. Dieser Aufwand scheint unter Berücksichtigung der Schwierigkeiten und des Umfan gs des vorliegenden Falls als zu hoch. Das Kantonsgericht erachtet für das Aktenstudium und das Verfassen der Beschwerde einen Aufwand von 5 Stunden und 30 Minuten sowie je weils 45 Minuten für das Verfassen der Replik und die Korrespondenz bzw. Besprechungen mit s einem Klienten als angemessen. Dementsprechend ist dem Beschwerdeführer eine Parteient schädigung von 7 Stunden à CHF 230.00 pro Stunde zuzüglich Auslagen von CHF 69.00 und 7.7 % Mehrwertsteuer von CHF 129.30, mithin ein Betrag von CHF 1‘808.30 zuzusprechen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird, soweit nicht gegenstandslos gewo rden, in Aufhebung des Entscheids des Zwangsmassnahmengerichts vom 12. Juni 2018 teilweise gutgeheissen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus ein er Ge- richtsgebühr von CHF 1‘000.00 und Auslagen von pauschal CHF 100.00, insgesamt somit CHF 1‘100.00, gehen zu Las ten des Staates. Dem Privatverteidiger, Advokat Gabriel Giess, wird für das Beschwer- deverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 1‘679.00 (inkl. Auslagen) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer (= CHF 12 9.30), somit insgesamt CHF 1‘808.30, ausgerichtet. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber i.V. Cédric Saladin