<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 1 S.21</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">21</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Zivilrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>A. Familienrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft3"><b>1</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 146 f. ZGB.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Honorar des anwaltlichen Kinderbeistandes:</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Die Kosten für die Vertretung des Kindes sind Gerichts-, nicht Unter-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>haltskosten (§ 196f Abs. 2 ZPO) (Erw. 3a).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Rechtsmittel, wenn der Kinderbeistand ausschliesslich die Festset-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zung seines Honorars beanstandet (Erw. 3b).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Bemessung des Honorars des anwaltlichen Kinderbeistandes: Direkte</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Anwendung des Anwaltstarifs (§ 3 Abs. 1 lit. b AnwT); das zum</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Grundhonorar des Anwalts in einer Scheidung ohne Streitwert in Be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ziehung zu setzende Grundhonorar des anwaltlichen Kinderbei-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>standes beträgt - aussergewöhnliche Fälle vorbehalten - Fr. 2'500.--</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 3c).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Mediation zwischen den Eltern ist nicht Aufgabe des Kinderbeistandes</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 3c/dd).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 1. Zivilkammer, vom 26. September</span><br/> <span class="ft4">2001 in Sachen K. J.-T. gegen Ph. J.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3. a) Bezüglich der Kosten schreibt das Bundesrecht lediglich</span><br/> <span class="ft6">vor, dass das Kind nicht mit Gerichts- und Parteikosten belastet wer-</span><br/> <span class="ft6">den darf (Art. 147 Abs. 3 ZGB). Im Übrigen richtet sich die Rege-</span><br/> <span class="ft6">lung der Kosten der Kindesvertretung nach kantonalem Recht</span><br/> <span class="ft6">(Spühler, Neues Scheidungsverfahren, Zürich 1999, S. 46 f.; Bähler,</span><br/> <span class="ft6">Die Vertretung des Kindes im Scheidungsprozess, Beistandschaft</span><br/> <span class="ft6">nach Art. 146 ZGB, ZVW 2001 S. 196). Bei der Kindesvertretung</span><br/> <span class="ft6">handelt es sich faktisch um eine Kindesschutzmassnahme, weshalb</span><br/> <span class="ft6">für die Entschädigung der Kindesvertretung die Grundsätze des</span><br/> <span class="ft6">Vormundschaftsrechts zur Anwendung kommen (Botschaft vom</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">22</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">15. November 1995 zum neuen Scheidungsrecht, S. 148). Einige</span><br/> <span class="ft6">Autoren vertreten deshalb die Auffassung, die Kosten seien - soweit</span><br/> <span class="ft6">sie die Tätigkeit des Beistandes und nicht das Verfahren seiner Ein-</span><br/> <span class="ft6">setzung betreffen - von den Eltern als Unterhaltskosten i.S.v. Art. 276</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 ZGB, d.h. entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit, zu tragen</span><br/> <span class="ft6">(Reusser, Die Stellung der Kinder im neuen Scheidungsrecht, in:</span><br/> <span class="ft6">Hausheer [Hrsg.], Vom alten zum neuen Scheidungsrecht, Bern</span><br/> <span class="ft6">1999, Rz. 4.97; Hausheer, Die wesentlichen Neuerungen des neuen</span><br/> <span class="ft6">Scheidungsrechts, ZBJV 1999 S. 29 f.). Der überwiegende Teil der</span><br/> <span class="ft6">Lehre hält hingegen dafür, dass die Kosten der Kindesvertretung</span><br/> <span class="ft6">unter Einschluss der durch die Vertretung ausgelösten Folgekosten</span><br/> <span class="ft6">(Gutachten, Zeugenbefragungen etc.) aufgrund des überwiegenden</span><br/> <span class="ft6">prozessualen Konnexes als Verfahrenskosten zu qualifizieren sind,</span><br/> <span class="ft6">welche vom Gericht - wie die Kosten eines Prozesses über den Fa-</span><br/> <span class="ft6">milienstand (Hegnauer, Berner Kommentar, Bern 1997, N 42 zur</span><br/> <span class="ft6">Art. 276 ZGB) - nach dem Prozessausgang, oder, falls dies nicht</span><br/> <span class="ft6">möglich ist, weil z.B. die Kindesvertretung gegen ein von den Eltern</span><br/> <span class="ft6">akzeptiertes Urteil appelliert, nach Billigkeitsgesichtspunkten zu</span><br/> <span class="ft6">verlegen sind (Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum neuen Schei-</span><br/> <span class="ft6">dungsrecht, N 59 zu Art. 146/147 ZGB; Freiburghaus, Auswirkungen</span><br/> <span class="ft6">der Scheidungsrechtsrevision auf die Kinderbelange und die</span><br/> <span class="ft6">vormundschaftlichen Organe, ZVW 1999 S. 148; Sutter-Somm, Das</span><br/> <span class="ft6">neue Scheidungsrecht als Schwerpunkt der Änderung des Zivilge-</span><br/> <span class="ft6">setzbuches vom 26. Juni 1998, ZZW 1998 S. 355; PraxisKommen-</span><br/> <span class="ft6">tar/Schweighauser, Basel 2000, N 46 ff. zu Art. 147 ZGB; Breit-</span><br/> <span class="ft6">schmid, Kind und Scheidung der Elternehe, in: Das neue Schei-</span><br/> <span class="ft6">dungsrecht, Zürich 1999, S. 134; Steck, Die Vertretung des Kindes</span><br/> <span class="ft6">im Prozess der Eltern, AJP 1999 S. 1566; Bähler, a.a.O., S. 196). Der</span><br/> <span class="ft6">Qualifikation als Unterhaltskosten wird vorab entgegengehalten, dass</span><br/> <span class="ft6">in diesem Fall die Kosten durch die Vormundschaftsbehörde festge-</span><br/> <span class="ft6">setzt und von den Eltern mittels vormundschaftlicher Aufsichtsbe-</span><br/> <span class="ft6">schwerde angefochten werden müssten, was zu einer unnötigen</span><br/> <span class="ft6">Komplizierung des Rechtsweges führe (Sutter-Somm, a.a.O., S. 355;</span><br/> <span class="ft6">Freiburghaus, a.a.O., S. 148; Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 59 zu</span><br/> <span class="ft6">Art. 146/147 ZGB). Bereits in der Botschaft zum neuen Scheidungs-</span><br/> <span class="ft6">recht war darauf hingewiesen worden, dass die Kosten, die direkt</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">23</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">oder indirekt wegen der Vertretung des Kindes entstehen, zu den</span><br/> <span class="ft6">Gerichtskosten geschlagen und den Parteien je nach Ausgang des</span><br/> <span class="ft6">Verfahrens ganz oder teilweise auferlegt werden können. Mit Schrei-</span><br/> <span class="ft6">ben vom 26. März 1999 empfahl sodann das Bundesamt für Justiz</span><br/> <span class="ft6">den Kantonen, aus prozessökonomischen Gründen eine Regelung zu</span><br/> <span class="ft6">schaffen, wonach im Scheidungsurteil die Höhe der Vertretungs-</span><br/> <span class="ft6">kosten festgesetzt und über deren Verteilung entschieden wird, um</span><br/> <span class="ft6">im Interesse des Rechtsfriedens ein separates vormundschaftliches</span><br/> <span class="ft6">Streitverfahren im Nachgang zur Scheidung zu vermeiden.</span><br/> <span class="ft6">Der Kanton Aargau hat - wie die meisten Kantone (Freiburg-</span><br/> <span class="ft6">haus/Leuenberger/Sutter-Somm, Übersicht über die kantonale Ein-</span><br/> <span class="ft6">führungsgesetzgebung zum neuen Scheidungsrecht, FamPra 2000</span><br/> <span class="ft6">S. 396) - diese Lösung gewählt und in § 196f Abs. 2 ZPO bestimmt,</span><br/> <span class="ft6">dass die Kosten für die Vertretung des Kindes im Prozess Bestandteil</span><br/> <span class="ft6">der Gerichtskosten bilden. Laut Botschaft des Regierungsrates vom</span><br/> <span class="ft6">8. September 1999 zum Entwurf der entsprechenden Änderung der</span><br/> <span class="ft6">Zivilprozessordnung war für die vorgeschlagene - und vom Grossen</span><br/> <span class="ft6">Rat alsdann diskussionslos angenommene - Regelung ausschlagge-</span><br/> <span class="ft6">bend, dass der Beistand vor allem Vertretungsaufgaben im Prozess</span><br/> <span class="ft6">wahrnimmt und die Einschätzung seiner Kosten als Verfahrenskosten</span><br/> <span class="ft6">ermöglicht, dass das Gericht im Scheidungsurteil über deren Höhe</span><br/> <span class="ft6">und Verlegung befindet und zudem die unentgeltliche Rechtspflege</span><br/> <span class="ft6">gewähren kann (Botschaft, S. 15). Damit ist gleichzeitig gesagt, dass</span><br/> <span class="ft6">der Richter im Scheidungsurteil gesamthaft und abschliessend über</span><br/> <span class="ft6">die direkten und indirekten (z.B. durch eine beantragte Expertise</span><br/> <span class="ft6">oder Zeugenbefragungen entstandenen) Kosten der Kindesvertretung</span><br/> <span class="ft6">entscheidet. Eine separate Rechnungsstellung der Vormundschafts-</span><br/> <span class="ft6">behörde gegenüber den Eltern mit Überprüfungsmöglichkeit auf dem</span><br/> <span class="ft6">vormundschaftlichen Beschwerdeweg findet nicht statt (Sut-</span><br/> <span class="ft6">ter/Freiburghaus, N 59 und 62 zu Art. 146/147 ZGB; Bähler, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">S. 196; Schreiben des Bundesamtes für Justiz vom 26. März 1999,</span><br/> <span class="ft6">S. 4). Der Hinweis in der Botschaft des Regierungsrates vom 8. Sep-</span><br/> <span class="ft6">tember 1999, dass der Kindervertreter künftig zwei Rechnungen zu</span><br/> <span class="ft6">führen habe, nämlich eine für die Leistungen im Rahmen des ordent-</span><br/> <span class="ft6">lichen Kindesschutzes und eine zweite für die im Rahmen der pro-</span><br/> <span class="ft6">zessualen Interessenwahrnehmung notwendigen Leistungen (Bot-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">24</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">schaft, S. 15), kann sich aufgrund der Entstehungsgeschichte sowie</span><br/> <span class="ft6">von Sinn und Zweck der in § 196f Abs. 2 ZPO getroffenen Regelung</span><br/> <span class="ft6">nur auf ein allfälliges Doppelmandat des Beistandes i.S.v. Art. 308</span><br/> <span class="ft6">und 146 f. ZGB beziehen, das in der Praxis wohl nicht selten anzu-</span><br/> <span class="ft6">treffen sein dürfte (vgl. dazu Steck, Die Vertretung des Kindes - erste</span><br/> <span class="ft6">praktische Erfahrungen, ZVW 2001 S. 102 ff.).</span><br/> <span class="ft6">b) Das Rechtsmittel gegen die im ordentlichen Verfahren ergan-</span><br/> <span class="ft6">genen Endentscheide des Bezirksgerichtes ist die Appellation (§ 317</span><br/> <span class="ft6">ZPO). Gegen Endentscheide über die Tragung und Festsetzung der</span><br/> <span class="ft6">Prozesskosten ist indes das Rechtsmittel der Beschwerde einzulegen,</span><br/> <span class="ft6">wenn nicht in der Sache selbst Appellation erklärt wird oder die Ko-</span><br/> <span class="ft6">stenbeschwerde i.S.v. § 94 GOG gegeben ist (§§ 121 Abs. 3 i.V.m.</span><br/> <span class="ft6">335 lit. c ZPO). Letzteres ist der Fall, wenn eine Partei nur die Fest-</span><br/> <span class="ft6">setzung der Gerichtskosten bemängelt (AGVE 1962 S. 73; Büh-</span><br/> <span class="ft6">ler/Edelmann/Killer, Kommentar zur aargauischen Zivilprozessord-</span><br/> <span class="ft6">nung, Aarau 1998, N 1 der Vorbemerkungen zu §§ 100-134 ZPO,</span><br/> <span class="ft6">N 17 zu § 121 ZPO). Die Verteilung der Gerichtskosten oder die Zu-</span><br/> <span class="ft6">sprechung und Festsetzung der Parteikostenersatzforderung ist hin-</span><br/> <span class="ft6">gegen mit der Beschwerde i.S.v. § 335 lit. c ZPO zu rügen (Büh-</span><br/> <span class="ft6">ler/Edelmann/Killer, a.a.O., N 17 zu § 121 ZPO). Diese ist im or-</span><br/> <span class="ft6">dentlichen Verfahren innert 20 Tagen einzureichen (§ 336 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">ZPO; Bühler/Edelmann/Killer, a.a.O., N 1 zu § 336 ZPO).</span><br/> <span class="ft6">Da die Kosten für die Vertretung des Kindes im Scheidungspro-</span><br/> <span class="ft6">zess Bestandteil der Gerichtskosten (§ 196f Abs. 2 ZPO) bilden, wäre</span><br/> <span class="ft6">deren Festsetzung nach den vorab dargelegten Grundsätzen</span><br/> <span class="ft6">grundsätzlich mit der Kostenbeschwerde i.S.v. § 94 GOG zu rügen.</span><br/> <span class="ft6">Die Kostenbeschwerde ist Verwaltungsbeschwerde, da die Einforde-</span><br/> <span class="ft6">rung von Kostenvorschüssen und die Erhebung der tarifgemässen</span><br/> <span class="ft6">Gebühren und Barauslagen dem Gericht übertragene Verwaltungstä-</span><br/> <span class="ft6">tigkeit darstellt und im Streit um die Höhe dieser Kosten die Partei</span><br/> <span class="ft6">dem Staat gegenübersteht (AGVE 1962 S. 73 ff.; Botschaft des Re-</span><br/> <span class="ft6">gierungsrates vom 8. Dezember 1980 zum Gesetz über die Organisa-</span><br/> <span class="ft6">tion der ordentlichen richterlichen Behörden, GOG, S. 17). Verlangt</span><br/> <span class="ft6">aber der Kindesvertreter i.S.v. Art. 146 f. ZGB eine Erhöhung seiner</span><br/> <span class="ft6">Entschädigung, so wirkt sich die allfällige Gutheissung seines Be-</span><br/> <span class="ft6">gehrens direkt zum Nachteil der - nach § 196f Abs. 2 ZPO kosten-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">25</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">pflichtigen - Parteien des Scheidungsprozesses aus. Die prozessuale</span><br/> <span class="ft6">Interessenlage bei der Anfechtung des Honorars des Kindesvertreters</span><br/> <span class="ft6">entspricht damit viel eher derjenigen der Beschwerde i.S.v. § 335</span><br/> <span class="ft6">lit. c ZPO, mit welcher die Festsetzung der Parteikostenersatzfor-</span><br/> <span class="ft6">derung zu rügen ist, als der Kostenbeschwerde i.S.v. § 94 GOG. Es</span><br/> <span class="ft6">kann auch nicht gesagt werden, der Kindesvertreter habe seine all-</span><br/> <span class="ft6">fällige Mehrforderung - wie der vom Gericht eingesetzte Sachver-</span><br/> <span class="ft6">ständige - gegenüber dem Staat auf dem Weg der verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft6">richtlichen Klage geltend zu machen (Pra 1990 S. 241 Erw. 2c;</span><br/> <span class="ft6">Bühler/Edelmann/Killer, a.a.O., N 3 zu § 261 ZPO). Denn im Ge-</span><br/> <span class="ft6">gensatz zum - als Gehilfe des Richters eingesetzten (BGE 114 Ia</span><br/> <span class="ft6">462 ff. Erw. 2b = Pra 1990 S. 241; Vogel, Grundriss des Zivilprozess-</span><br/> <span class="ft6">rechts, 6. A., Bern 1999, Kapitel 10 Rz. 154) - Sachverständigen ist</span><br/> <span class="ft6">der Kindesvertreter Parteivertreter, dessen Entschädigung vom</span><br/> <span class="ft6">Scheidungsrichter endgültig und abschliessend festgesetzt wird (Erw.</span><br/> <span class="ft6">3a hievor). Ein Begehren um Erhöhung oder Herabsetzung der mit</span><br/> <span class="ft6">den Gerichtskosten festgesetzten Entschädigung der Kindesvertre-</span><br/> <span class="ft6">tung ist daher mit der Beschwerde i.S.v. § 335 lit. c ZPO gegen das</span><br/> <span class="ft6">Scheidungsurteil geltend zu machen. Vorliegend kommt hinzu, dass</span><br/> <span class="ft6">die Beiständin nicht nur im Kostenpunkt, sondern auch in weiteren</span><br/> <span class="ft6">Punkten gegen das Scheidungsurteil appelliert hat. Auch wenn auf</span><br/> <span class="ft6">die diesbezüglichen Anträge nicht eingetreten werden kann (Erw. 2</span><br/> <span class="ft6">hievor), ist ihr Antrag auf Änderung des vorinstanzlichen Kostenent-</span><br/> <span class="ft6">scheides gleichwohl im Rahmen des dadurch ausgelösten Ap-</span><br/> <span class="ft6">pellationsverfahrens zu überprüfen und nicht in ein separates Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeverfahren zu verweisen.</span><br/> <span class="ft6">Die Postulationsfähigkeit des Kindesvertreters ist gemäss</span><br/> <span class="ft6">Art. 147 Abs. 2 ZGB auf Anträge und Rechtsmittel in Bezug auf die</span><br/> <span class="ft6">Zuteilung der elterlichen Sorge, grundlegende Fragen des persönli-</span><br/> <span class="ft6">chen Verkehrs und Kindesschutzmassnahmen beschränkt. Da dem</span><br/> <span class="ft6">Kind durch die Einsetzung einer Kindesvertretung i.S.v. Art. 146</span><br/> <span class="ft6">ZGB im Rahmen der beschränkten Kompetenzen von Art. 147 Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">ZGB im Scheidungsprozess seiner Eltern zumindest parteiähnliche</span><br/> <span class="ft6">Stellung zukommt (Erw. 2b) und die Kosten seiner Vertretung im</span><br/> <span class="ft6">Scheidungsurteil abschliessend festgesetzt und verlegt werden</span><br/> <span class="ft6">(Erw. 3a), muss der Vertreter aber auch bei der Anfechtung des Kos-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">26</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">tenpunktes als postulationsfähig betrachtet werden (PraxisKom-</span><br/> <span class="ft6">mentar/Schweighauser, a.a.O., N 53 zu Art. 147 ZGB).</span><br/> <span class="ft6">c) aa) (...)</span><br/> <span class="ft6">bb) In Bezug auf die Höhe des Honoraranspruches des Beistan-</span><br/> <span class="ft6">des enthält das Gesetz keine Vorgaben. Aufgrund der Vergleichbar-</span><br/> <span class="ft6">keit der Vertretung mit einer Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">bzw. 309 ZGB kommen diesbezüglich die Grundsätze des Vormund-</span><br/> <span class="ft6">schaftsrechts zur Anwendung (Botschaft zum neuen Scheidungs-</span><br/> <span class="ft6">recht, S. 148). Damit ist die Regelung der Entschädigung grund-</span><br/> <span class="ft6">sätzlich Sache der Kantone (Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 61 zu</span><br/> <span class="ft6">Art. 146/147 ZGB; PraxisKommentar/Schweighauser, a.a.O., N 50</span><br/> <span class="ft6">zu Art. 147 ZGB; Freiburghaus, a.a.O., S. 149; Reusser, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">N. 4.97; Bähler, a.a.O., S. 196). Nach der bundesgerichtlichen Recht-</span><br/> <span class="ft6">sprechung sind dabei kantonale Tarifordnungen für Berufsgruppen zu</span><br/> <span class="ft6">berücksichtigen, wobei die festsetzende Behörde eine gewisse Er-</span><br/> <span class="ft6">messensfreiheit behält, die es ihr erlaubt, je nach den Umständen das</span><br/> <span class="ft6">gemäss Tarif geschuldete Honorar herabzusetzen oder von diesem</span><br/> <span class="ft6">sogar abzuweichen (BGE 116 II 399 ff. = Pra 1991 861 ff.). In der</span><br/> <span class="ft6">Lehre wird mehrheitlich eine Entschädigung des Kindesvertreters</span><br/> <span class="ft6">nach Massgabe des konkreten Aufwandes und unter Berücksichti-</span><br/> <span class="ft6">gung der für die entsprechende Berufsgruppe üblicherweise anwend-</span><br/> <span class="ft6">baren Ansätze befürwortet (Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 61 zu</span><br/> <span class="ft6">Art. 146/147 ZGB; PraxisKommentar/Schweighauser, N 50 ff. zu</span><br/> <span class="ft6">Art. 147 ZGB; Sutter-Somm, a.a.O., S. 358 f. FN 61; Bähler, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">S. 196; a.M. Breitschmid [a.a.O., S. 134], der die Auffassung vertritt,</span><br/> <span class="ft6">die Vertretung durch einen Anwalt sei nur dann nach dem entspre-</span><br/> <span class="ft6">chenden Tarifansatz zu entschädigen, wenn das konkrete Mandat den</span><br/> <span class="ft6">Beizug eines Anwaltes als solchen erfordert habe). Schweighauser</span><br/> <span class="ft6">empfiehlt, auf die Festlegung eines starren Kostenrahmens zu ver-</span><br/> <span class="ft6">zichten, und spricht sich auch gegen eine Abstufung des Stunden-</span><br/> <span class="ft6">aufwandes nach Tätigkeit am oder ausserhalb des Gerichtes aus;</span><br/> <span class="ft6">wegen der Beschränkung auf kinderrelevante Fragen erachtet er ei-</span><br/> <span class="ft6">nen um 50 % reduzierten Zeitaufwand gegenüber dem Aufwand des</span><br/> <span class="ft6">Scheidungsanwaltes als angemessen (Die Vertretung der Kindes-</span><br/> <span class="ft6">interessen im Scheidungsverfahren - Anwalt des Kindes, Diss. Basel</span><br/> <span class="ft6">1998, S. 282 f.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">27</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">cc) Mit der Einsetzung einer Kindesvertretung wollte der Ge-</span><br/> <span class="ft6">setzgeber die verfahrensrechtliche Position des Kindes stärken. Der</span><br/> <span class="ft6">Prozessbeistand soll, soweit es um die Zuteilung der elterlichen</span><br/> <span class="ft6">Sorge, um grundlegende Fragen des persönlichen Verkehrs oder um</span><br/> <span class="ft6">Kindesschutzmassnahmen geht (Art. 147 Abs. 2 ZGB), für die best-</span><br/> <span class="ft6">mögliche Wahrung des Kindeswohles sorgen, wobei er - soweit tun-</span><br/> <span class="ft6">lich - die Meinung des Kindes berücksichtigt (Art. 301 Abs. 2 ZGB).</span><br/> <span class="ft6">Dazu ist erforderlich, dass er über umfassende Aktenkenntnis ver-</span><br/> <span class="ft6">fügt, mit dem Kind und allenfalls mit weiteren involvierten Personen</span><br/> <span class="ft6">in direkten Kontakt tritt, an der Gerichtsverhandlung teilnimmt und</span><br/> <span class="ft6">sich mündlich oder schriftlich im Verfahren äussert sowie das Kind</span><br/> <span class="ft6">über den Gang des Verfahrens informiert und in gewisser Weise im</span><br/> <span class="ft6">Prozess begleitet (PraxisKomentar/Schweighauser, N 18 ff. zu Art.</span><br/> <span class="ft6">147 ZGB; Reusser, a.a.O., N. 4.98 ff.; Steck, a.a.O. [AJP 1999],</span><br/> <span class="ft6">S. 1562 f; Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 46 f. zu Art. 146/147 ZGB;</span><br/> <span class="ft6">Bähler, a.a.O., S. 190 f.). Die Vertretung des Kindes ist nicht An-</span><br/> <span class="ft6">wälten vorbehalten. Das Gesetz spricht lediglich von einer in fürsor-</span><br/> <span class="ft6">gerischen und rechtlichen Fragen erfahrenen Person, die von der</span><br/> <span class="ft6">Vormundschaftsbehörde zu ernennen ist (Art. 147 Abs. 1 ZGB). Es</span><br/> <span class="ft6">kommen somit unter anderem auch Sozialarbeiter oder Psychologen</span><br/> <span class="ft6">mit entsprechenden Kenntnissen im Scheidungs-, Kindschafts- und</span><br/> <span class="ft6">Prozessrecht in Frage. Der Kindesvertreter wird aber gerade auf-</span><br/> <span class="ft6">grund seiner besonderen fachlichen Qualifikation zur Ausübung die-</span><br/> <span class="ft6">ses Mandates berufen. Für die Bemessung seiner Entschädigung sind</span><br/> <span class="ft6">daher die für seine Berufsgruppe geltenden Ansätze zu berücksichti-</span><br/> <span class="ft6">gen (vgl. BGE 116 II 403 f. = Pra 1991 S. 864 Erw. 4c).</span><br/> <span class="ft6">Ausgangspunkt bildet, dass der Kinderbeistand im Rahmen ei-</span><br/> <span class="ft6">nes Scheidungsverfahrens tätig wird. Deshalb ist die Honorierung</span><br/> <span class="ft6">des als Kinderbeistand eingesetzten Anwalts grundsätzlich in Bezie-</span><br/> <span class="ft6">hung zu setzen zum Honorar, das einem Anwalt in Scheidungen</span><br/> <span class="ft6">zugesprochen wird. Gemäss AGVE 1996 S. 83 beträgt das Grundho-</span><br/> <span class="ft6">norar (für Aktenstudium, Instruktion, Korrespondenz, Telefonate,</span><br/> <span class="ft6">Abfassen einer Rechtsschrift und Teilnahme an einer Gerichtsver-</span><br/> <span class="ft6">handlung; § 6 AnwT) für durchschnittliche Scheidungen nach § 3</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 lit. b AnwT Fr. 3'300.-- bzw. unter Berücksichtigung der zwi-</span><br/> <span class="ft6">schenzeitlich erfolgten Teuerungsanpassung Fr. 3'630.--, sofern nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">28</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">zufolge eines güterrechtlichen Streitwerts gemäss § 3 Abs.1 lit. a</span><br/> <span class="ft6">AnwT ein höheres Grundhonorar resultiert (§ 3 Abs. 1 lit. c AnwT).</span><br/> <span class="ft6">Dieses Grundhonorar von Fr. 3'630.-- setzt den Rahmen für die Ho-</span><br/> <span class="ft6">norierung des <i>anwaltlichen</i> Kinderbeistandes. Zu beachten ist aller-</span><br/> <span class="ft6">dings, dass im Scheidungsverfahren regelmässig mehr als bloss ein-</span><br/> <span class="ft6">zelne Kinderbelange streitig sind und der Scheidungsanwalt daher in</span><br/> <span class="ft6">der Regel einen erheblich höheren Zeitaufwand zu verzeichnen hat</span><br/> <span class="ft6">als der Kindesvertreter. Unter diesen Umständen erscheint es in An-</span><br/> <span class="ft6">wendung von § 3 Abs. 1 lit. b AnwT gerechtfertigt, bei einem als</span><br/> <span class="ft6">Kindesvertreter bzw. -beistand im Sinne Art. 146 f. ZGB tätigen</span><br/> <span class="ft6">Anwalt ein Grundhonorar von Fr. 2'500.-- für die in § 6 Abs. 1 AnwT</span><br/> <span class="ft6">aufgeführten Bemühungen (Aktenstudium, Instruktion, Korres-</span><br/> <span class="ft6">pondenz, Telefonate, Abfassen einer Rechtsschrift und Teilnahme an</span><br/> <span class="ft6">einer Gerichtsverhandlung) einzusetzen. Diese schliesst - wie beim</span><br/> <span class="ft6">Scheidungsanwalt - ein höheres Grundhonorar in Einzelfällen, die</span><br/> <span class="ft6">von der Bedeutung und/oder Schwierigkeit des Mandates her vom</span><br/> <span class="ft6">Durchschnitt deutlich abweichen, nicht aus.</span><br/> <span class="ft6">dd) [Die Kinderbeiständin machte im konkreten Verfahren gel-</span><br/> <span class="ft6">tend, wegen eines entsprechenden Mandats des Bezirksgerichtspräsi-</span><br/> <span class="ft6">denten habe die Vermittlung zwischen den Parteien die primäre Auf-</span><br/> <span class="ft6">gabe der Kinderbeiständin gebildet.]</span><br/> <span class="ft6">Eine solche Auffassung der Prozessbeistandschaft, welche die</span><br/> <span class="ft6">Konfliktbereinigung zwischen den Eltern in den Vordergrund stellt,</span><br/> <span class="ft6">widerspricht aber der gesetzlichen Konzeption einer unabhängigen</span><br/> <span class="ft6">Vertretung des Kindes, die einzig dessen wohlverstandenen Interes-</span><br/> <span class="ft6">sen verpflichtet ist (vgl. für das vergleichbare Institut des Verfah-</span><br/> <span class="ft6">renspflegers gemäss § 50 des deutschen Gesetzes über die freiwillige</span><br/> <span class="ft6">Gerichtsbarkeit Motzer, Die neueste Entwicklung von Gesetzgebung</span><br/> <span class="ft6">und Rechtsprechung auf dem Gebiet von Sorge- und Umgangrecht,</span><br/> <span class="ft6">Zeitschrift für das gesamte Familienrecht FamRZ 2001 S. 1043).</span><br/> <span class="ft6">Zwar ist es nicht ausgeschlossen, dass der Beistand im Streit der</span><br/> <span class="ft6">Eltern eine gewisse Vermittlungsfunktion wahrnimmt (PraxisKom-</span><br/> <span class="ft6">mentar/Schweighauser, N 24 zu Art. 147 ZGB; Steck, a.a.O. [AJP</span><br/> <span class="ft6">1999] S. 1563), doch darf dadurch niemals seine primäre und eigent-</span><br/> <span class="ft6">liche Aufgabe - die Kindesvertretung - beeinträchtigt werden oder in</span><br/> <span class="ft6">den Hintergrund treten (Schweighauser, a.a.O. [Diss.], S. 223; Pra-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">29</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">xisKommentar/Schweighauser, N 16 zu Art. 147 ZGB; Steck, a.a.O.</span><br/> <span class="ft6">[AJP 1999], S. 1563; Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 35 i.f. zu</span><br/> <span class="ft6">Art. 146/147 ZGB). Schlechterdings ausgeschlossen ist aber auf</span><br/> <span class="ft6">jeden Fall eine Weisung des Gerichts oder der Vormundschaftsbehör-</span><br/> <span class="ft6">de über die inhaltliche Mandatsausführung (Sutter/Freiburghaus,</span><br/> <span class="ft6">a.a.O., N 52 zu Art. 146/147 ZGB; PraxisKommentar/Schweighau-</span><br/> <span class="ft6">ser, N 8 ff. zu Art.147 ZGB).</span><br/> <span class="ft6">Dass aus einer zu weit ausgelegten Vermittlungsaufgabe mit ei-</span><br/> <span class="ft6">ner sachgerechten Kindesvertretung nicht mehr vereinbare Interes-</span><br/> <span class="ft6">senkollisionen und Widersprüchlichkeiten entstehen können, wird</span><br/> <span class="ft6">aus der Eingabe vom 3. November 2000 deutlich, mit welcher die</span><br/> <span class="ft6">Beiständin dem Gericht Antrag auf dringliche Abklärung und thera-</span><br/> <span class="ft6">peutische Begleitung der Kinder wegen erheblichen Verdachts auf</span><br/> <span class="ft6">sexuelle Ausbeutung durch den Kindsvater stellt und in gleichem</span><br/> <span class="ft6">Zug eine gemeinsam mit den Eltern erarbeitete Vereinbarung über</span><br/> <span class="ft6">ein das übliche Mass weit übersteigendes Besuchsrecht des Kinds-</span><br/> <span class="ft6">vaters (jedes 2. Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend) zur</span><br/> <span class="ft6">Genehmigung einreicht.</span><br/></div> </div> </body> </html>