Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Mai 2019 (715 18 213 / 119) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit gemäss Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV; Prüfung der Zumutbarkeit des Verbleibens an der bis- herigen Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen (Erschöpfungsdepression) Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin Gisela Warten- weiler Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Roman Felix , Advokat , Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1987 geborene A.____ war vom 1. Januar 2015 bis 31. Oktober 2017 als Projekt- managerin/Consultant bei der B.____ AG in X.____ in einem 80%-Teilzeitpensum angestellt. Im März 2017 begann sie zudem eine berufsbegleitende A usbildung (integratives Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Coaching/Beratung IBP). Mit Aufhebungsvereinbarung v om 31. Oktober 2017 wurde das Ar- beitsverhältnis gleichentags aufgelöst. Am 4. Dezember 2017 meldete sich A.____ beim Regio- nalen Arbeitsvermittlungszentrum Y.____ (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob am 8. De- zember 2017 bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Basellan d (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 4. Dezember 2017. B. Mit Verfügung Nr. 232/2018 vom 23. Januar 2018 stel lte die Arbeitslosenkasse A.____ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Novemb er 2017 für 40 Tage in der An- spruchsberechtigung ein. Daran hielt die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Indust- rie, Gewerbe und Arbeit Baselland (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, mit Ent- scheid vom 25. Mai 2018 fest. C. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Roma n Felix, am 25. Juni 2018 Be- schwerde ans Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Sie beantragte, es sei in Aufhebung des Einsp racheentscheids vom 25. Mai 2018 fest- zustellen, dass die Einstellung in der Anspruchsberechtigu ng zu Unrecht erfolgt sei. Eventuali- ter sei die Anzahl Einstelltage angemessen zu reduzieren; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begrün- dung hielt sie im Wesentlichen fest, dass ihr der Verb leib an der gekündigten Stelle aus ge- sundheitlichen Gründen nicht zumutbar gewesen sei und ihr deshalb kein Verschulden angelas- tet werden könne. D. Die Arbeitslosenkasse schloss mit Vernehmlassung vom 12. September 2018 auf Ab- weisung der Beschwerde. E. Am 6. November 2018 beantwortete Dr. med. C.____ , FMH Allgemeine Innere Medizin, die vom instruierenden Präsidium des Kantonsgerichts gest ellten Fragen vom 26. Oktober 2018. F. Die Versicherte liess durch ihren Rechtsvertreter in ih rer Stellungnahme vom 8. Januar 2019 ausführen, Dr. C._____ bestätige, dass es ihr nich t zumutbar gewesen sei, das Arbeits- verhältnis mit der B.____ AG weiterzuführen. Bei einem weiteren dortigen Verbleib wäre keine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes eingetreten. Zudem wurde die Höhe der Einstellta- ge beanstandet. G. Die Arbeitslosenkasse stellte sich in ihrer Eingabe vo m 9. Januar 2019 auf den Stand- punkt, dass es der Versicherten aus medizinischer Sicht zumutbar gewesen sei, bei ihrer bishe- rigen Arbeitsstelle zu verbleiben. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arb eitslosenversicherung und die Insolven- zentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherun gsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasse s die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend erfüllt die Beschwerdeführerin ihre Kontrollpfli cht im Kanton Basel-Landschaft. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassun gs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgeri cht als Versicherungsgericht Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträg er gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwer- de ist somit einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO, in der Fassung ab 1. Januar 2019, entscheidet die präsidie- rende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Ka ntonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialent scheid. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosig- keit für die Dauer von 40 Tagen in der Anspruchsberecht igung eingestellt hat. Bei einem Tag- geld von Fr. 210.70 beläuft sich der Streitwert auf F r. 8'428.--. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, welche die versicherte Person hätte vermeiden o der vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri - sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslo senversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arb eitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem n ach den persönlichen Umständen und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalt en der versicherten Person liegt (ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann d er Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Die Auflösung des Arbeitsverhältni sses "im gegenseitigen Einvernehmen" gilt aus der Sicht des Arbeitslosenversicherungsrechts grund sätzlich als Auflösung des Arbeits- verhältnisses durch die Arbeitnehmerin bzw. den Arbeitne hmer (vgl. ARV 1979 Nr. 23). Nach ständiger Rechtsprechung ist aber zu prüfen, ob eine versi cherte Person unmissverständlich vor die Wahl gestellt worden ist, selber zu kündigen (bzw . das Arbeitsverhältnis im gegenseiti- gen Einvernehmen aufzulösen) oder aber die Kündigung der Arbeitgeberin entgegen zu neh- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht men (B ARBARA KUPFER BUCHER , Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversiche - rung und Insolvenzentschädigung, Zürich 2013, S. 165 f.). 2.3 Vorliegend ist unbestritten, dass das Arbeitsverhält nis zwischen der Versicherten und der B.____ AG mit Aufhebungsvereinbarung vom 31. Oktob er 2017 per 31. Oktober 2017 ohne verbindliche Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle und o hne Einhaltung der 2-monatigen Kün- digungsfrist aufgelöst wurde. Im Antrag auf Arbeitslo senentschädigung vom 8. Dezember 2017 gab die Versicherte mit Verweis auf die Aufhebungsvere inbarung als Grund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses "Krankheit (Erschöpfungsdepression) aufgrund der beruflichen Tätig- keit“ an. In der Arbeitgeberbescheinigung vom 8. Dezembe r 2017 wies die ehemalige Arbeitge- berin bei der Frage nach dem Kündigungsgrund ebenfal ls auf die Aufhebungsvereinbarung hin und führte aus, dass beide Parteien mit der Aufhebun g wegen Krankheit einverstanden gewe- sen seien. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs führte die V ersicherte am 16. Januar 2018 an, ihr und ihrer damaligen Arbeitgeberin sei bewusst gew orden, dass sie nicht mehr ihre Funktion als Projektleiterin habe ausüben können, nachdem sie nach einer rund 2-monatigen vollständi- gen Arbeitsunfähigkeitsperiode Mitte Oktober 2017 ihre Arbeit im Umfang von 40 % wieder auf- genommen habe und erneut Erschöpfungssymptome aufgetrete n seien. Sie hätten sich daher entschieden, den Arbeitsvertrag aufzuheben. Aufgrund dieser unbestrittenen Ausführungen ist erstellt, dass die Auflösung des Arbeitsverhältnisses auf ei nem gemeinsam getroffenen Ent- scheid beruht. Anhaltspunkte, dass die Versicherte gezwunge n worden war, ihr Einverständnis zur Aufhebung des Arbeitsvertrages zu geben, um einer drohenden Kündigung der Arbeitgebe- rin zuvorzukommen, lassen sich den Akten nicht entnehmen u nd werden auch nicht geltend gemacht. Die in gegenseitigem Einvernehmen erfolgte Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist somit – in Übereinstimmung mit der Arbeitslosenkasse - als Selbstkündigung zu werten. Damit ist der Tatbestand von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. b 1. Teilsatz AVIV objektiv erfüllt. 3.1 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzule gen ist (BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Um- stände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemute t werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gef unden hat (ARV 1976 Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 116 ). Die Zumutbarkeit zum Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle wird dabei strenger beurte ilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). 3.2 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. J uni 1988 über Beschäftigungsförderung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinkommen ; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige ("volontairement") Auf- geben einer Stelle ohne triftigen Grund ("sans motif légitime") sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30 . April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 3.3 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwa ltungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nic ht uneingeschränkt; er findet sein Kor- relat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 1 25 V 193 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Den Parteien o bliegt eine Beweislast jedoch nur inso- fern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu U ngunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst dann Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu er mitteln, der zumindest die überwie- gende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteil des Bundesge- richts vom 30. November 2015, 8C_662/2015, E. 3.2.). 3.4 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüge nde Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195, 121 V 47 E. 2a; 208 E. 6b mit Hinweis). 4.1 Die Versicherte beruft sich auf den Ausnahmetatbesta nd gemäss 2. Teilsatz von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV, wonach ihr ein Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle bis zum Auffinden einer neuen nicht mehr zumutbar gewesen sei. Sie macht geltend, dass ab 21. August 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit infolge einer Erschöpfungsdepression bestanden habe und der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verbleib bei der B.____ AG aus gesundheitlichen Grün den nicht zumutbar gewesen sei. Dies habe auch Dr. C._____ bestätigt. Als die Symptome nach W iederaufnahme der Arbeit im Okto- ber 2017 wieder aufgetreten seien, habe sie auf Anra ten von Dr. C.____ das Arbeitsverhältnis beenden müssen, um ihre Gesundheit nicht zu gefährden. 4.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt das Ve rbleiben einer Arbeitsstelle, welche die Gesundheit der versicherten Person gefährdet, als unzumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründe n muss aber durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Grün- den der Rechtssicherheit darf sich die Arbeitslosenkasse ni cht mit blossen Behauptungen der versicherten Person begnügen. Sie benötigt vielmehr zweckdi enliche Beweismittel, welche pri- mär die versicherte Person im Rahmen der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachverhalts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b /bb; Urteil des Bundesgerichts vom 13. März 2013, 8C_943/2012, E. 2). Es ist somit zu prüfen, ob die von der Versicherten behaup- tete Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz au s gesundheitlichen Gründen durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis oder durch andere geeignete Beweismittel belegt ist. 4.3.1 In den Akten liegt das Arztzeugnis von Dr. med. D. ____, FMH Allgemeinmedizin, vom 21. Oktober 2017 vor. Diesem ist zu entnehmen, dass die Versicherte Dr. D.____ erstmals am 17. August 2017 konsultierte. Die Hausärztin berichtete, dass die Versicherte damals seit ca. 1 Woche an Erschöpfung, Kopfschmerzen, Gedankenkreisen, Übelkeit, Schwindel und einer emotionalen Dysbalance gelitten habe. Sie hielt als Dia gnosen eine reaktive depressive Stö- rung aufgrund einer beruflichen Belastung fest und at testierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom 21. August 2017 bis 11. September 201 7 (vgl. auch Eintragungen von Dr. D.____ in der Krankenkarte an den zuständigen Kra nkenversicherer). Sie vermerkte, dass die Weiterbehandlung bei Dr. C.____ stattfinde. 4.3.2 Dr. C.____ bescheinigte mit Eintrag auf der Kra nkenkarte zu Handen des zuständigen Krankenversicherers vom 4. September 2017, dass vom 12. Se ptember bis 13. Oktober 2017 weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Mit Eintrag vom 2. Oktober 2017 attestierte er eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit vom 14. Oktober 2017 bis 31. Oktober 2017. Am 23. Oktober 2017 schrieb er die Versicherte ab 1. Novembe r 2017 bis auf weiteres wieder voll- ständig arbeitsfähig. Gemäss Krankenkarte fand am 13. November 2017 eine weitere Konsulta- tion bei Dr. C.____ statt; eine Änderung der seit 1. November 2017 bestehenden vollständigen Arbeitsfähigkeit wurde aber nicht vorgenommen. 4.3.3 Zusammen mit ihrer Einsprache vom 5. Februar 2018 reichte die Versicherte den Bericht ihres behandelnden Hausarztes Dr. C.____ vom 29. Januar 2 018 ein. Dieser führte darin aus, dass er aufgrund der Diagnose einer mittelgradigen bi s schweren depressiven Episode eine medikamentöse und psychotherapeutische Therapie eingeleitet habe. Es habe bis zum 13. Ok- tober 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Aufgrund des klinischen Verlaufs und der Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach Wiedera ufnahme der Arbeit im Umfang von 40 % Ende Oktober 2017 sei der Versicherten aus med izinischer Sicht nahegelegt worden, das Arbeitsverhältnis aufzulösen. Es beständen keine Zweifel, dass die depressive Episode auf Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihren damaligen Arbeitsplatz zurückzuführen gewesen sei. Dies zeige sich auch an der raschen Erholung nach der Kündigung des Arbeitsverhältnisses. 4.3.4 Im Rahmen der amtlichen Erkundigung durch das Ka ntonsgericht führte Dr. C.____ in seinem Schreiben vom 6. November 2018 als Diagnose eine mittelschwere depressive Episode auf. Zur Begründung dieser Diagnose wies er auf depr essive Symptome im Sinne einer "Burn- out-Symptomatik", wie Aversion gegenüber der Arbeitsstell e sowie den Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, extreme Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Stimmungstief und körperliche Begleitbe- schwerden psychosomatischer Natur, hin. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen hätten mit der damaligen beruflichen Situation im Zusammenhang gestanden, was sich aus der Anamne- se ergebe. Die Versicherte habe die damalige Arbeitssitu ation schwer belastet. Da keine gene- tische Disposition und keine privaten Auslöser für die dep ressive Erkrankung vorgelegen hät- ten, sei die Erschöpfungsdepression auf die damalige belastende berufliche Situation zurückzu- führen. Ob die berufsbegleitende Ausbildung der Ver sicherten (integratives Coaching/Beratung IBP) den Gesundheitszustand damals beeinflusst habe, kö nne er aus medizinischer Sicht nicht sicher beurteilen. Es treffe zu, dass stets die Gesamtbela stung zu einer depressiven Erschöp- fung führe. Der Anteil der einzelnen Faktoren könne j edoch nicht genau bestimmt werden. Er habe der Versicherten die sofortige Kündigung der Arbeitsstelle empfohlen, weil er nach mehre- ren Konsultationen gesehen habe, dass sie sich von ihrer Erschöpfungsdepression andernfalls nicht erhole. Nachdem Massnahmen, wie Gespräche mit der A rbeitgeberin oder andere Einsät- ze in der Firma, ausgeschöpft gewesen seien, sei die Auf lösung des Arbeitsverhältnisses aus medizinischer Sicht entscheidend für die Verbesserung de s Gesundheitszustandes der Versi- cherten gewesen. Eine Kündigung durch die Arbeitgeberi n wäre genauso zweckdienlich gewe- sen. 4.4 Aus den vorliegenden echtzeitlichen ärztlichen Berichte n ergibt sich, dass die Versicher- te während des Anstellungsverhältnisses bei der B.____ A G erkrankte. In der Folge schrieben sie Dr. D.____ und Dr. C.____ aufgrund einer Erschöpfu ngsdepression vom 21. August 2017 bis 13. Oktober 2017 zu 100 % und vom 14. Oktober 2017 bis 31. Oktober 2017 zu 60 % ar- beitsunfähig. Bereits am 23. Oktober 2017 bescheinigte Dr. C.____ ab 1. November 2017 wie- der eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Aus diesen Arbe itsunfähigkeitsbescheinigungen ist zu folgern, dass sich der psychische Zustand der Versicherten a b Mitte Oktober 2017 – entgegen den Vorbringen der Versicherten - zunehmend gebessert h aben muss und sie erst nach Auflö- sung des Arbeitsverhältnisses vollständig gesund war. Di e Aussage von Dr. C.____ in seinem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingeholten Bericht vom 6. November 2018, wonach eine sofortige Kündigung aus medizinischer Sicht indiziert gewesen sei, weil sich die Versicher- te erst nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses von der Erschöpfungsdepression habe erholen können, kann bei vorliegender echtzeitlicher Sachlage nu r dahingehend verstanden werden, dass erst nach dem Verlassen der damaligen Arbeitsstelle eine vollständige Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es der V ersicherten unzumutbar war, zumin- dest bis zur Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle am eh emaligen Arbeitsplatz weiterhin in ei- nem 40%-Pensum zu arbeiten. Dies umso weniger, als es de r Versicherten möglich gewesen war, bis zum letzten Arbeitstag am 31. Oktober 2017 ein 40%-Pensum auszuüben (vgl. Arbeit- geberbescheinigung vom 8. Dezember 2017, Ziffer 14). Aus den vorliegenden ärztlichen Berich- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten und Stellungnahmen geht jedenfalls nicht hervor, dass die Weiterführung des Arbeitsver- hältnisses in einem reduzierten Umfang aus gesundheitlichen Gründen für die Versicherte nicht zumutbar gewesen wäre. Wäre dies der Fall gewesen, hätte Dr. C .____ die Versicherte anlässlich der Konsultation vom 23.Oktober 2017 wieder vollständig ar beitsunfähig schreiben müssen. Insge- samt genügen die nach der Einstellungsverfügung vom 23. Januar 2018 erstellten Beurteilun- gen von Dr. C.____ für sich allein noch nicht, um eine U nzumutbarkeit des Verbleibs an der bisherigen Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen na chzuweisen. Ihnen fehlt es an der Eindeutigkeit, welche gemäss der strengen bundesgerichtlichen Rechtsprechung gefordert wird (vgl. Erwägung 4.2). Damit fehlt es am rechtsgenüglichen Nachweis für die Annahme einer Un- zumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. b, 2. Teilsatz AVIV. Die Folgen der Beweislosigkeit hat die Versicherte zu tra gen, die aus dem unbewiesenen be- haupteten Sachverhalt Rechte ableiten möchte (vgl. Urt eil des Bundesgerichts vom 12. Juni 2014, 9C_701/2013, E. 4.1; BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). Die Arbeitslosenkasse hat demzufolge die Versicherte zu Recht in der Anspruchsberechtigung eingestellt. 4.5 Bei diesem Ergebnis kann die von der Arbeitslosenkasse aufgeworfene Frage, ob die berufliche Belastung an der Arbeitsstelle oder die be rufsbegleitende Ausbildung (integratives Coaching/Beratung IBP) Ursache für die Erschöpfungsdepre ssion gewesen sei, offengelassen werden. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass im Sozialver sicherungsrecht praxisgemäss eine Teilkausalität genügt. 5.1 Zu prüfen bleibt, ob die Anzahl der Einstelltage korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung bemisst sich einzig nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Sie beträgt nach Art. 45 Abs. 2 AVIV 1 - 15 Tage bei lei chtem Verschulden, 16 - 30 Tage bei mittel- schwerem Verschulden und 31 - 60 Tage bei schwerem Versc hulden. Innerhalb dieses Rah- mens entscheidet die Arbeitslosenkasse nach pflichtgemässem E rmessen. Das Gericht greift nur mit Zurückhaltung in das der Arbeitslosenkasse zustehende Ermessen ein. 5.2 Gemäss Art. 45 Abs. 4 AVIV liegt ein schweres Verschul den vor, wenn die versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeit sstelle ohne Zusicherung einer neu- en aufgegeben (lit. a) oder eine zumutbare Arbeit a bgelehnt hat (lit. b). Unter einem entschuld- baren Grund im Sinne dieser Bestimmung ist ein Grund zu verstehen, der das Verschulden als mittelschwer oder leicht erscheinen lassen kann. Ein solche r im konkreten Einzelfall liegender Grund kann - wie etwa gesundheitliche Probleme - die subjektive Situation der betroffenen Per- son oder - so die Befristung einer Stelle - eine objekt ive Gegebenheit beschlagen (BGE 130 V 125 E. 3.5). 5.3 Laut Rechtsprechung ist als sachgemässer Ausgangspunkt für die individuelle Ver- schuldensbeurteilung im Bereich des schweren Verschuldens grundsätzlich ein Mittelwert in der Skala zu wählen. Unter Berücksichtigung der Umstände des ko nkreten Einzelfalls ermöglicht diese Vorgehensweise einerseits eine Verschärfung der verwaltungsrechtlichen Sanktion, ande- rerseits aber auch eine angemessene Reduktion bei Vorlie gen von Milderungsgründen (Urteil Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Bundesgerichts vom 21. August 2006, C 179/04, E.4 mi t Hinweis auf BGE 123 V 150 E. 3c). 6.1 Vorliegend hat die Arbeitslosenkasse das Verhalten der Versicherten als schweres Ver- schulden qualifiziert, was eine Einstellungsdauer von 31 - 60 Tagen zur Folge hat. Innerhalb dieses Rahmens hat sie eine Einstellung in der Anspruchs berechtigung für die Dauer von 40 Tagen verfügt. Als Ausgangspunkt für die Festlegung der Einstellungsdauer bei selbstverschul- deter Arbeitslosigkeit ist sie praxisgemäss von 36 Tagen aus gegangen. Zu Gunsten der Versi- cherten hat sie die gesundheitlichen Beschwerden verschuld ensmindernd mit 4 Tagen berück- sichtigt. Der Nichteinhaltung der 2-monatigen Kündigu ngsfrist trug sie verschuldenserhöhend mit 8 Tagen Rechnung (vgl. Entscheid betreffend Einstell ung in der Anspruchsberechtigung vom 23. Januar 2018 [Dok-Nr. 75 f.). Die damit verfüg te Einstellung in der Anspruchsberechti- gung von insgesamt 40 Tagen bewegt sich somit im untere n Bereich des schweren Verschul- dens und ist nicht zu beanstanden. Die Arbeitslosenkasse ha t ihr Ermessen in Würdigung aller Umstände pflichtgemäss ausgeübt. Gegebenheiten, die ein e abweichende Ermessensaus- übung als näher liegend erscheinen lassen würden, sind nicht ersichtlich. 6.2 Daran ändert auch der Einwand der Versicherten ni chts, wonach der von ihr verursachte Schaden infolge Zuwartens der Anmeldung zum Taggeldbe zug um einen Monat am 1. Dezem- ber 2017 höchstens 20 Taggeldern entspreche. Eine Einste llung von 40 Tagen sei daher un- verhältnismässig. Gemäss konstanter Rechtsprechung ist der U mstand, dass eine versicherte Person nach selbstverschuldeter Beendigung des Arbeitsverh ältnisses mit der Anmeldung zum Taggeldbezug zuwartet, dann als schadenminderndes Verha lten im Rahmen der Verschul- densbeurteilung zu berücksichtigen, wenn sie vor sowie wä hrend dieser Zeitspanne mit der erforderlichen Intensität eine neue Beschäftigung sucht (Urteil des Bundesgerichts vom 28. De- zember 2005, C 73/03, E. 3.4; K UPFER BUCHER , a.a.O, Art. 30 AVIG S. 167 mit Hinweis auf ARV 2006 N 11 S. 147 E. 3.4; vgl. auch AVIG-Praxis ALE Rz. D62). Den Akten ist zu entneh- men, dass die Versicherte vom 1. November 2017 bis 3. Deze mber 2017 lediglich eine Arbeits- bemühung nachweisen konnte. Sie wurde deswegen aufgrund ungenügender Arbeitsbemühun- gen vor Stellenlosigkeit für 4 Tage ab dem 4. Dezember 2017 eingestellt (vgl. Verfügung vom 15. Dezember 2017). Bei Vorliegen einer einzigen Arbeitsbemühung kann nicht von einer inten- siven Stellensuche gesprochen werden, weshalb das Zuwar ten des Taggeldbezugs nach Be- endigung des Arbeitsverhältnisses bis zur Anmeldung um eine n Monat sich nicht verschul- densmindernd auswirkt (vgl. auch Audit-Letter, TCIN, her ausgegeben vom Staatssekretariat für Wirtschaft [seco], Juni 2014). Daran vermag auch der E inwand der Versicherten, wonach es ihr gesundheitsbedingt nicht möglich gewesen sei, genügende Arbeitsbemühungen vorzunehmen, nichts zu ändern, war sie doch von Dr. C.____ ab 1. Nov ember 2017 zu 100 % arbeitsfähig ge- schrieben worden. 6.3 Aus dem Gesagten folgt, dass der angefochtene Einsp racheentscheid vom 23. Januar 2018 nicht zu beanstanden ist. Die Versicherte konnte n icht rechtsgenüglich darlegen, dass ihr aus gesundheitlichen Gründen ein Verbleib an der bishe rigen Arbeitsstelle zumindest bis zur Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle nicht zumutbar gewesen wäre. Die Arbeitslosenkasse hat Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sodann ihr Ermessen bei der Festlegung der Einstelltage korrekt ausgeübt. Die Beschwerde erweist sich folglich als unbegründet und ist abzuweisen. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor de m kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegend e Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht