<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">494</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>107 Polizeiwesen; Anforderungen in Bezug auf die Anordnung einer Wegwei-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>sung und Fernhaltung nach § 34 Abs. 1 PolG und weiterer polizeilicher</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Massnahmen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Departements Volkswirtschaft und Inneres, Gemeindeabtei-</span><br/> <span class="ft2">lung, vom 13. Juli 2009 in Sachen C. gegen die Einwohnergemeinde Y.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">2. Der Anordnung bezüglich Wegweisung und Fernhaltung</span><br/> <span class="ft4">kommt die Eigenschaft einer Verfügung im Sinne des Gesetzes über</span><br/> <span class="ft4">die Verwaltungsrechtspflege vom 9. Juli 1968 (VRPG) zu. Es handelt</span><br/> <span class="ft4">sich um eine Anordnung einer Verwaltungsbehörde im Einzelfall,</span><br/> <span class="ft4">welche Rechte oder Pflichten begründet oder deren Bestand, Nicht-</span><br/> <span class="ft4">bestand oder Umfang feststellt (AGVE 1981, S. 209). Gemäss § 105</span><br/> <span class="ft4">des Gesetzes über die Einwohnergemeinden (GG) vom 19. Dezem-</span><br/> <span class="ft4">ber 1978 (alte Fassung) können Verfügungen und Entscheide der Or-</span><br/> <span class="ft4">gane von Gemeinden, Gemeindeverbänden, öffentlich-rechtlichen</span><br/> <span class="ft4">Waldkorporationen, Gerechtigkeitsgenossenschaften und ähnlichen</span><br/> <span class="ft4">Körperschaften innert zwanzig Tagen seit Eröffnung mit Verwal-</span><br/> <span class="ft4">tungsbeschwerde angefochten werden. Diese Frist ist im vorliegen-</span><br/> <span class="ft4">den Fall eingehalten. Ebenso erfüllt der Beschwerdeführer als von</span><br/> <span class="ft4">der Verfügung betroffene Person die Legitimationsvoraussetzungen.</span><br/> <span class="ft4">Hinsichtlich der Wegweisung und Fernhaltung ist das Rechts-</span><br/> <span class="ft4">schutzinteresse an der Beschwerde an sich hingefallen, da deren</span><br/> <span class="ft4">Dauer längst abgelaufen ist. Vom Erfordernis des aktuellen Interes-</span><br/> <span class="ft4">sens kann abgesehen werden, wenn sonst in Grundsatzfragen kaum</span><br/> <span class="ft4">je ein rechtzeitiger Entscheid gefällt werden könnte. Zudem muss</span><br/> <span class="ft4">sich die aufgeworfene Frage jederzeit unter gleichen oder ähnlichen</span><br/> <span class="ft4">Umständen wieder stellen (Kölz/Bosshart/Röhl, Kommentar zum</span><br/> <span class="ft4">Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zü-</span><br/> <span class="ft4">rich 1999, Rz 25 zu § 21). Dies trifft hier zu. Angesichts der meist</span><br/> <span class="ft4">kurzen Dauer von Wegweisung und Fernhaltung könnte kaum je</span><br/> <span class="ft4">fristgerecht ein Entscheid gefällt werden. Insofern ist auf die Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerde einzutreten.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">495</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">3. Der Beschwerdeführer wirft der Polizei eine Verletzung der</span><br/> <span class="ft4">Begründungspflicht vor. Dem kann nicht beigepflichtet werden. Die</span><br/> <span class="ft4">Verfügung enthält eine knappe Darstellung des Sachverhalts und eine</span><br/> <span class="ft4">kurze Begründung. Dies genügt. Bei einer Wegweisung und Fern-</span><br/> <span class="ft4">haltung dürfen keine allzu hohen Ansprüche an die Begründungs-</span><br/> <span class="ft4">pflicht gestellt werden. Um angespannte Situationen zu entschärfen,</span><br/> <span class="ft4">ist bei solchen Massnahmen grundsätzlich ein rasches Handeln ge-</span><br/> <span class="ft4">boten. Da bleibt wenig Zeit für detaillierte und ausgefeilte Formulie-</span><br/> <span class="ft4">rungen. Zudem erfolgt in der Regel auch noch eine mündliche Er-</span><br/> <span class="ft4">läuterung der Anordnung (vgl. auch Vernehmlassung des Stadtrats Y.</span><br/> <span class="ft4">vom 3. November 2008, S. 1). Schliesslich geht es bei der Wegwei-</span><br/> <span class="ft4">sung und Fernhaltung auch nicht um einen derart komplexen Sach-</span><br/> <span class="ft4">verhalt, welcher erhöhte Anforderungen an die Begründungspflicht</span><br/> <span class="ft4">stellen würde. Der Beschwerdeführer ist hier ausreichend in die Lage</span><br/> <span class="ft4">versetzt worden, die Tragweite der Anordnung zu beurteilen.</span><br/> <span class="ft4">4. a) Die Stadtpolizei Y. hat die Anordnung der Wegweisung</span><br/> <span class="ft4">und Fernhaltung gestützt auf § 34 Abs. 1 des Gesetzes über die Ge-</span><br/> <span class="ft4">währleistung der öffentlichen Sicherheit (PolG) vom 6. Dezember</span><br/> <span class="ft4">2005 erlassen. Demnach kann die Polizei Personen vorübergehend</span><br/> <span class="ft4">von einem Ort wegweisen oder fernhalten, wenn diese die öffentliche</span><br/> <span class="ft4">Sicherheit und Ordnung erheblich gefährden oder stören (lit. a), den</span><br/> <span class="ft4">Einsatz von Polizeikräften, Feuerwehren oder Rettungsdiensten be-</span><br/> <span class="ft4">hindern (lit. b) oder andere Personen ernsthaft gefährden (lit. c).</span><br/> <span class="ft4">Keine Voraussetzung für die Wegweisung und Fernhaltung ist das</span><br/> <span class="ft4">Vorliegen einer strafbaren Handlung. Insofern ist der Hinweis auf die</span><br/> <span class="ft4">Unschuldsvermutung in der Replik des Beschwerdeführers unbehel-</span><br/> <span class="ft4">flich und tut hier nichts zur Sache.</span><br/> <span class="ft4">b) Der Beschwerdeführer bezweifelt die Gesetz- und Verhält-</span><br/> <span class="ft4">nismässigkeit der angefochtenen Verfügung. Eine Massnahme müsse</span><br/> <span class="ft4">sich auf eine genügend bestimmte generell-abstrakte Norm stützen</span><br/> <span class="ft4">und geeignet sein, das im öffentlichen Interesse angestrebte Ziel zu</span><br/> <span class="ft4">erreichen (Beschwerdeschrift vom 9. September 2008, S. 7). Es ist</span><br/> <span class="ft4">somit im Folgenden zu prüfen, ob die umstrittene Verfügung gegen</span><br/> <span class="ft4">übergeordnete Rechtsgrundsätze verstösst oder nicht.</span><br/> <span class="ft4">5. Mit Ausnahme des Kerngehalts der Grundrechte, welcher</span><br/> <span class="ft4">unantastbar ist, können diese eingeschränkt werden (vgl. Art. 36 der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">496</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Bundesverfassung). Dabei bedürfen Einschränkungen einer gesetzli-</span><br/> <span class="ft4">chen Grundlage. Sie müssen zudem durch ein öffentliches Interesse</span><br/> <span class="ft4">gerechtfertigt und verhältnismässig sein.</span><br/> <span class="ft4">a) Die gegen den Beschwerdeführer ausgesprochene Wegwei-</span><br/> <span class="ft4">sung und Fernhaltung stützt sich auf das Polizeigesetz. Dieses stellt</span><br/> <span class="ft4">eine formell-gesetzliche Grundlage im Sinne der Bundesverfassung</span><br/> <span class="ft4">dar. Sinngemäss macht der Beschwerdeführer allerdings geltend, das</span><br/> <span class="ft4">Polizeigesetz erfülle wegen dessen Unbestimmtheit die Anforderun-</span><br/> <span class="ft4">gen einer genügenden Gesetzesgrundlage nicht. Dies trifft nicht zu.</span><br/> <span class="ft4">Eine ähnlich lautende Vorschrift des Polizeigesetzes des Kantons</span><br/> <span class="ft4">Bern ist seitens des Bundesgerichts nicht beanstandet worden. In</span><br/> <span class="ft4">Anbetracht der Schwierigkeiten der Vorhersehbarkeit der im Einzel-</span><br/> <span class="ft4">fall erforderlichen Massnahme, des offenen Kreises der Normadres-</span><br/> <span class="ft4">saten und der geringen Schwere des Grundrechtseingriffs hat es die</span><br/> <span class="ft4">entsprechende Norm für die Aussprechung einer Fernhaltung als ge-</span><br/> <span class="ft4">nügend bestimmt erachtet (BGE 132 I 59). Diese Überlegungen müs-</span><br/> <span class="ft4">sen auch im vorliegenden Fall gelten. Es gibt keine Veranlassung, die</span><br/> <span class="ft4">aargauische Regelung anders zu beurteilen. Die Rüge der ungenü-</span><br/> <span class="ft4">genden Bestimmtheit von § 34 Abs. 1 PolG ist demnach unbegrün-</span><br/> <span class="ft4">det.</span><br/> <span class="ft4">b) Der Beschwerdeführer bestreitet nicht grundsätzlich, dass es</span><br/> <span class="ft4">unter Alkoholeinfluss zu einer Auseinandersetzung mit seinem Bru-</span><br/> <span class="ft4">der und einem Begleiter gekommen ist. Es habe sich jedoch um ei-</span><br/> <span class="ft4">nen Streit unter Freunden gehandelt. Dieser Einwand ist nicht stich-</span><br/> <span class="ft4">haltig. Auch wenn bei diesem Streit keine Drittpersonen direkt von</span><br/> <span class="ft4">der Auseinandersetzung betroffen waren, kann ein polizeiliches Ein-</span><br/> <span class="ft4">schreiten in einer derartigen Situation durchaus geboten sein. Die</span><br/> <span class="ft4">Verhinderung oder Unterbindung von Streitereien im öffentlichen</span><br/> <span class="ft4">Raum, mithin die Aufrechterhaltung der Ordnung sowie Sicherheit</span><br/> <span class="ft4">und Ruhe, liegt zweifelsohne im öffentlichen Interesse. Diese</span><br/> <span class="ft4">Räume, wie beispielsweise ein Bahnhof, sollen alle Personen unge-</span><br/> <span class="ft4">hindert passieren und begehen können. Dabei kann nicht nur physi-</span><br/> <span class="ft4">sche, sondern auch psychische Gewalt bei Leuten Verunsicherung</span><br/> <span class="ft4">und Ängste hervorrufen. Passantinnen und Passanten fühlen sich</span><br/> <span class="ft4">durch Auseinandersetzungen von Personen unter Umständen genö-</span><br/> <span class="ft4">tigt, auszuweichen oder gar andere Wege zu benützen. Es kann dabei</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">497</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">durchaus zu Angst vor Beeinträchtigungen kommen. Damit wird</span><br/> <span class="ft4">aber deren Bewegungsfreiheit, die zu schützen ist, eingeschränkt.</span><br/> <span class="ft4">Die Wegweisung und Fernhaltung von streitenden Personen, die un-</span><br/> <span class="ft4">beteiligte Dritte beeinträchtigen - und sei es auch nur psychisch -</span><br/> <span class="ft4">liegt demzufolge sehr wohl im öffentlichen Interesse.</span><br/> <span class="ft4">c) Schliesslich ist noch zu prüfen, ob die angeordnete Wegwei-</span><br/> <span class="ft4">sung und Fernhaltung das Gebot der Verhältnismässigkeit beachtet.</span><br/> <span class="ft4">Dieses verlangt, dass eine behördliche Massnahme für das Erreichen</span><br/> <span class="ft4">des im öffentlichen Interesse liegenden Zieles geeignet und erforder-</span><br/> <span class="ft4">lich ist und sich für die Betroffenen in Anbetracht der Schwere der</span><br/> <span class="ft4">Grundrechtseinschränkung zumutbar und verhältnismässig erweist.</span><br/> <span class="ft4">Erforderlich ist eine vernünftige Zweck-Mittel-Relation. Eine Mass-</span><br/> <span class="ft4">nahme ist unverhältnismässig, wenn das Ziel mit einem weniger</span><br/> <span class="ft4">schweren Grundrechtseingriff erreicht werden kann (BGE 132 I 62).</span><br/> <span class="ft4">Für die Beschwerdeinstanz besteht keine Veranlassung, an der</span><br/> <span class="ft4">Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdegegnerin zu zweifeln. Ausser</span><br/> <span class="ft4">den pauschalen Vorwürfen an die Adresse der Polizei und die</span><br/> <span class="ft4">Rechtfertigung des eigenen Verhaltens bringt der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft4">keine stichhaltigen Argumente vor. Selbstverständlich kann die</span><br/> <span class="ft4">Frage, ob ein Polizeieinsatz notwendig gewesen ist, nicht von den</span><br/> <span class="ft4">diesen verursachenden Personen beurteilt werden. Stossend und un-</span><br/> <span class="ft4">verständlich ist, dass der Beschwerdeführer die Schuld für die Eska-</span><br/> <span class="ft4">lation des Einschreitens der Polizei zuschieben will. Es fällt denn</span><br/> <span class="ft4">auch auf, dass es der Beschwerdeführer an jeglicher kritischen Re-</span><br/> <span class="ft4">flexion des eigenen Tuns vermissen lässt. Dennoch erscheint unter</span><br/> <span class="ft4">Berücksichtigung aller Umstände sein Verhalten nicht als derart gra-</span><br/> <span class="ft4">vierend, um eine Fernhaltung von 20 Tagen zu rechtfertigen. Eine</span><br/> <span class="ft4">erhebliche Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung oder</span><br/> <span class="ft4">anderer Personen durch den Streit kann nicht vorgelegen haben. An-</span><br/> <span class="ft4">dernfalls hätte die dritte an der Auseinandersetzung beteiligte Person</span><br/> <span class="ft4">ebenfalls mit der gleichen Massnahme belegt werden müssen. Zu-</span><br/> <span class="ft4">dem muss die Gefährdung oder Störung der öffentlichen Sicherheit</span><br/> <span class="ft4">und Ordnung konkret und erheblich sein. Bloss abstrakte Gefährdun-</span><br/> <span class="ft4">gen reichen nicht aus (Andreas Baumann, Aargauisches Polizeige-</span><br/> <span class="ft4">setz, Praxiskommentar, Zürich 2006, Rz. 388). Anzeichen für eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">498</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">konkrete Gefährdung nach der Entlassung der Angehaltenen gibt es</span><br/> <span class="ft4">nicht und werden auch von der Polizei nicht näher dargelegt.</span><br/> <span class="ft4">Bleibt noch das Verhalten des Beschwerdeführers gegenüber</span><br/> <span class="ft4">der Polizei. Hier hätte es nach Ansicht der Beschwerdeinstanz ge-</span><br/> <span class="ft4">nügt, diesen auf den Polizeiposten zu führen. In der Regel reicht eine</span><br/> <span class="ft4">solche Massnahme aus, um die Gemüter zu beruhigen. Falls dem</span><br/> <span class="ft4">nicht so gewesen wäre, hätte eine Wegweisung von Stunden oder</span><br/> <span class="ft4">wenigen Tagen ausgereicht. Insofern erweist sich die hier zu beur-</span><br/> <span class="ft4">teilende Fernhaltung und Wegweisung von 20 Tagen als unverhält-</span><br/> <span class="ft4">nismässig und ist demnach aufzuheben.</span><br/> <span class="ft4">6. Der Beschwerdeführer beanstandet das Verhalten der Polizei</span><br/> <span class="ft4">nach deren Einschreiten gegen die Auseinandersetzung. Die Anhal-</span><br/> <span class="ft4">tung und die weiteren Massnahmen seien unzulässig gewesen. Dem</span><br/> <span class="ft4">kann nicht beigepflichtet werden. Der Bericht der Stadtpolizei vom</span><br/> <span class="ft4">18. September 2008 ist schlüssig und klar. Für die Beschwerdein-</span><br/> <span class="ft4">stanz besteht keine Veranlassung, diesen in Zweifel zu ziehen. Es</span><br/> <span class="ft4">sind keine Gründe ersichtlich, weshalb Polizeibeamte eine Ausein-</span><br/> <span class="ft4">andersetzung mit Personen provozieren sollten, nur um diese an-</span><br/> <span class="ft4">schliessend abführen zu können. Selbst wenn der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft4">die Personenkontrolle als schikanös und unzulässig erachtet hätte,</span><br/> <span class="ft4">wäre dies keine Rechtfertigung für sein anschliessendes Verhalten.</span><br/> <span class="ft4">Dass es bei der Kontrolle zu tätlichen Auseinandersetzungen ge-</span><br/> <span class="ft4">kommen ist, kann wohl kaum ernsthaft bestritten werden. Immerhin</span><br/> <span class="ft4">ist dabei ein Polizist verletzt worden, was auch seitens des Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführers nicht grundsätzlich in Abrede gestellt wird.</span><br/> <span class="ft4">a) Nach § 29 Abs. 3 PolG kann die Polizei die kontrollierten</span><br/> <span class="ft4">Personen auf den Polizeiposten führen, wenn die Identität an Ort</span><br/> <span class="ft4">nicht sicher oder nur mit erheblichen Schwierigkeiten feststellbar ist</span><br/> <span class="ft4">(lit. a) oder Anhaltspunkte bestehen, dass die Personen unrichtige</span><br/> <span class="ft4">Angaben machen (lit. b) oder ein Anfangsverdacht vorliegt (lit. c).</span><br/> <span class="ft4">Bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Anhaltung kann nicht darauf</span><br/> <span class="ft4">abgestellt werden, wie sich die tatsächlichen und rechtlichen Ver-</span><br/> <span class="ft4">hältnisse nach Abschluss der Erhebung effektiv darbieten. Die Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeinstanz hat sich vielmehr in die Lage zu versetzen, in der</span><br/> <span class="ft4">die Polizeiorgane im Zeitpunkt der Abführung gewesen sind. Nach</span><br/> <span class="ft4">glaubhafter Darstellung der Polizei war eine vernünftige Personen-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">499</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">kontrolle vor Ort nicht möglich. Die Situation war angespannt und</span><br/> <span class="ft4">musste bereinigt werden. Zudem erscheint der Verdacht auf Drogen-</span><br/> <span class="ft4">konsum aufgrund der Umstände nicht zum vornherein als abwegig.</span><br/> <span class="ft4">Wie allein schon das Wort "Anfangsverdacht" in § 29 Abs. 3 lit. c</span><br/> <span class="ft4">PolG zeigt, muss eine rechtswidrige Handlung nicht nachgewiesen</span><br/> <span class="ft4">sein. Würde ein derartiger Beweis verlangt, wäre eine Anhaltung und</span><br/> <span class="ft4">Untersuchung überhaupt in Frage gestellt (BGE 107 Ia 142). Unter</span><br/> <span class="ft4">Berücksichtigung aller Fakten ist hinsichtlich der Anhaltung des Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführers kein unrechtmässiges Handeln der Polizei auszu-</span><br/> <span class="ft4">machen.</span><br/> <span class="ft4">b) Auch die weiteren Massnahmen der Polizei sind nach An-</span><br/> <span class="ft4">sicht der Beschwerdeinstanz nicht zu beanstanden. Eine Fesselung ist</span><br/> <span class="ft4">bei einer Anhaltung bereits dann möglich, wenn der Verdacht be-</span><br/> <span class="ft4">steht, dass die Person Widerstand leistet (vgl. § 45 PolG). Diese Vor-</span><br/> <span class="ft4">aussetzung ist hier erfüllt. Der Beschwerdeführer hat sich zumindest</span><br/> <span class="ft4">verbal der Mitnahme auf den Polizeiposten widersetzt (vgl. Replik</span><br/> <span class="ft4">des Beschwerdeführers, S. 5). Daraus durfte die Polizei durchaus</span><br/> <span class="ft4">ableiten, dass er allenfalls Widerstand leisten könnte. Weiter kann</span><br/> <span class="ft4">eine Person bei einer Festhaltung bis maximal 5 Stunden für die Vor-</span><br/> <span class="ft4">nahme der erforderlichen Abklärungen festgehalten werden</span><br/> <span class="ft4">(vgl. § 29 Abs. 4 PolG). Diese Frist ist im vorliegenden Fall nicht</span><br/> <span class="ft4">überschritten worden. Weshalb im Rahmen einer Anhaltung die</span><br/> <span class="ft4">vorübergehende Verbringung in eine Zelle oder einem anderen Raum</span><br/> <span class="ft4">des Polizeipostens nicht zulässig sein soll, ist nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="ft4">Jedenfalls ergibt sich diesbezüglich nichts aus dem angerufenen § 29</span><br/> <span class="ft4">PolG. Bei Verdacht auf Drogenkonsum ist eine körperliche</span><br/> <span class="ft4">Durchsuchung kaum zu umgehen. Dabei ist es verständlich, dass die</span><br/> <span class="ft4">Leibesvisitation von einer Person, die ohne Verschulden von ihr</span><br/> <span class="ft4">betroffen wird, als hart und unangemessen erscheint. Doch ist diese</span><br/> <span class="ft4">aufgrund der konkreten Situation vertretbar gewesen. Schliesslich</span><br/> <span class="ft4">legt der Stadtrat auch überzeugend dar, weshalb dem Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führer weder ein Telefonat noch eine Kontaktnahme mit seinem</span><br/> <span class="ft4">Bruder gewährt worden ist. Für weitere Abklärungen seitens der</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeinstanz in dieser Sache liegen somit keine stichhaltigen</span><br/> <span class="ft4">Gründe vor.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">500</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">c) Der Atemlufttest ist nicht durchgeführt worden, so dass sich</span><br/> <span class="ft4">ein Eingehen darauf an dieser Stelle erübrigt.</span><br/> <span class="ft4">d) Die Anordnung und Durchführung der polizeilichen Mass-</span><br/> <span class="ft4">nahmen gegen den Beschwerdeführer sind somit weder ungesetzlich</span><br/> <span class="ft4">noch unverhältnismässig gewesen. In diesem Punkt ist der Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerde demnach keine Folge zu geben.</span><br/> <span class="ft4">7. Die Beschwerde ist erst Mitte Oktober 2008 an das Departe-</span><br/> <span class="ft4">ment Volkswirtschaft und Inneres überwiesen worden. Zu diesem</span><br/> <span class="ft4">Zeitpunkt war die Dauer der angeordneten Wegweisung und Fern-</span><br/> <span class="ft4">haltung bereits abgelaufen. Demnach erübrigt es sich an dieser</span><br/> <span class="ft4">Stelle, auf das Begehren, die aufschiebende Wirkung wieder zu er-</span><br/> <span class="ft4">teilen, einzugehen. Immerhin ist anzufügen, dass diese in der Regel</span><br/> <span class="ft4">nur sehr zurückhaltend und wohl nur in ausserordentlichen Fällen</span><br/> <span class="ft4">wieder erteilt werden könnte. Eine Wegweisung und Fernhaltung, die</span><br/> <span class="ft4">erst nach Ablauf eines Verfahrens vollzogen werden könnte, würde</span><br/> <span class="ft4">keinen Sinn machen.</span><br/></div> </div> </body> </html>