Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. September 2021 (720 20 461 / 249) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Daniel Tschopp, Advo- kat, Baur Laubscher Tschopp Manera Brodbeck Advokaturbüro, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1967 geborene A.____ war seit März 2002 bei d er B.____ als Reinigungsangestellte tätig. Am 24. August 2009 erlitt sie einen Treppenstur z, wobei sie sich eine Rissquetschwunde am Kopf sowie eine Kontusion am Steissbein zuzog. In de r Folge entwickelte sie psychische Beschwerden. Am 11. November 2010 meldete sie sich unte r Hinweis auf unfall- und krank- heitsbedingte Beschwerden bei der Eidgenössischen Invali denversicherung (IV) zum Leis- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungsbezug an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Ste lle) klärte die erwerblichen, hauswirt- schaftlichen und gesundheitlichen Verhältnisse ab, wobei sie die Versicherte durch das Zent- rum für Medizinische Begutachtung (ZMB) polydisziplinär b egutachten liess (Expertise vom 11. Juni 2013). Gestützt auf die daraus gewonnenen Erke nntnisse ermittelte sie in Anwendung der gemischten Methode mit einem Erwerbsanteil von 80 % und einem Haushaltsanteil von 20 % ab August 2010 (Ablauf des Wartejahrs) einen IV-Grad von 47 % und ab September 2011 einen solchen von 80 %. In der Folge sprach sie A.____ u nter Berücksichtigung, dass der Ren- tenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten na ch Geltendmachung des Leistungs- anspruchs entsteht, mit Verfügung vom 13. August 2014 f ür den Zeitraum vom 1. Juni 2011 bis 30. November 2011 eine Viertelsrente und ab 1. Dezemb er 2011 eine ganze Rente zu. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. Der Rentenanspruch wurd e in der Folge wiederholt revisi- onsweise überprüft und bestätigt. A.2 Am 9. August 2018 leitete die IV-Stelle eine wei tere Revision des Rentenanspruchs ein, wobei sie Dr. med. C.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatolo- gie, und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychothera pie, mit einem bidisziplinären Gut- achten beauftragte (Expertisen vom 28. Mai 2019/22. Juli 2019). Gestützt auf deren Untersu- chungsergebnisse gelangte sie zur Auffassung, dass A.____ a b August 2019 in einer ange- passten Verweistätigkeit wiederum zu 70 % arbeitsfähig sei und nunmehr in Anwendung der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs ermittelt e Invaliditätsgrad 37 % betrage. Als- dann hob sie die laufende ganze Rente nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Ver- fügung vom 10. November 2020 per Ende Dezember 2020 auf. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat D aniel Tschopp, am 30. November 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die V erfügung vom 10. November 2020 aufzuheben und die IV-Stelle zu verpflichten, ihr wei terhin eine ganze Invalidenrente auszurich- ten; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hi nsicht beantragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Advokat Tschopp als Rec htsvertreter, die Gewährung des Replikrechts und darum, der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Zur Begrün- dung brachte sie im Wesentlichen vor, dass sich ihr Gesu ndheitszustand nicht verbessert habe und der Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Mit Verfügung vom 5. Januar 2021 wurde der Beschwer deführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokat Da niel Tschopp als Rechtsvertreter be- willigt und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. D. In ihrer Vernehmlassung vom 15. Januar 2021 schloss d ie IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen eine Beurteilung von Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler ärztlicher D ienst (RAD), vom 14. Dezember 2020 bei. E. Mit Verfügung vom 26. Januar 2021 wies der instruie rende Präsident des Kantonsge- richts, Abteilung Sozialversicherungsrecht, den Antrag de r Beschwerdeführerin, es sei der Be- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerde gegen die Verfügung vom 10. November 2020 die aufschiebende Wirkung zu ertei- len, ab. F. Mit Replik vom 24. März 2021 hielt die Beschwerdefü hrerin an ihren Begehren fest. Gleichzeitig reichte sie eine Stellungnahme des behand elnden Arztes Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 13. März 2021 ein und beantragte, die IV-Stelle sei zu verpflichten, sämtliche von ihr bei Dr. D.____ eingeh olten Gutachten seit 1. Januar 2019 herauszugeben. G. In ihrer Duplik vom 15. April 2021 hielt die IV-St elle an ihrem Abweisungsantrag fest. H. Mit Instruktionsverfügung vom 20. April 2021 wurde d ie Angelegenheit der Dreierkam- mer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 30. November 2020 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (vgl. BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzug eltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstä nden kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der ve rsicherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund- heitsbeeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicher- te Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheid end ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternati- ve Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (vgl. BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. W aren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der un entgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehe- gatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigke it im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 144 I 21 E. 2.1 mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen) 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 6.1 Streitig ist, ob die IV-Stelle in der angefochte nen Verfügung vom 10. November 2020 die laufende ganze Rente der Versicherten zu Recht per Dezember 2020 aufgehoben hat. 6.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezüg erin oder eines Rentenbezügers er- heblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf G esuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhält nissen, die geeignet ist, den Invalidi- tätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen . Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustan- des erheblich verändert haben (vgl. BGE 130 V 343 E. 3 .5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen a uf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 11. Mai 2009, 9C_26 1/2009, E. 1.2 und vom 28. August 2003, I 212/03, E. 2.2.3). Ein Revisionsgrund ist ferne r unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wand- lung des Aufgabenbereichs eingetreten ist (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5 mit weiteren Hinweisen). 6.3 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschät zung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu einer materiellen Revision. Bloss auf ei- ner anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhe bliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugr enzen. Eine ärztliche Schlussfol- gerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens zurückzuführen (vgl. dazu BGE 137 V 210 E. 3.4.2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Liegt dagegen ein Revisionsgrund im Sin- ne von Art. 17 Abs. 1 ATSG vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hin- sicht umfassend zu prüfen, wobei keine Bindung an früher e Beurteilungen besteht (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 2018, 8C_145/2018, E. 3.2). 6.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (vgl. BGE 133 V 108 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 71 E . 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 13. August 2014 ab vom 1. Juni 2011 eine Viertelsrente und ab 1. Dezember 2011 eine ganze Invalidenrente zu. Der Rentenanspruch wurde in der Fol- ge zwar wiederholt revisionsweise überprüft und bestätig t, wobei jedoch keine einlässlichen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht materiellen Abklärungen erfolgten. Im Rahmen der akt uellen Rentenrevision hob die IV-Stelle nach Vornahme einer umfassenden medizinischen und erwer blichen Abklärung die laufende ganze Invalidenrente der Versicherten mit Verfügung 10. November 2020 per Dezember 2020 auf. Demnach beurteilt sich die Frage, ob eine Änderu ng in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der I nvalidenrente rechtfertigt, durch Ver- gleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Verfüg ung vom 13. August 2014 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angef ochtenen Verfügung vom 10. November 2020. 7.1 Die entscheidende, von den Parteien unterschiedlich beantwortete Frage des vorliegen- den Verfahrens ist, ob ein Revisionsgrund im Sinne des Ar t. 17 ATSG gegeben ist. Die Be- schwerdegegnerin stützte ihre Annahme einer Verbesserung des Gesundheitszustands auf einen Vergleich zwischen dem ZMB-Gutachten vom 11. Juni 2013 und dem bidisziplinären Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 28. Mai 20 19/22. Juli 2019. Im Gutachten des ZMB vom 11. Juni 2013 wurden mit Auswirkung auf die Arb eitsfähigkeit eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Epi- sode ohne psychotische Symptome, ein chronisches lumboverteb rales Syndrom, ein chroni- sches links-betontes zervikovertebrales Syndrom und ein Schult erimpingement diagnostiziert. Im Bereich des Achsenskeletts finde sich im lumbalen Abschnitt ein chronisches lumbovertebra- les Syndrom mit intermittierend auftretender S1-assoziie rter radikulärer Reizsymptomatik links aufgrund eines Status nach Diskushernienoperation L5/S 1 im Jahr 2000. Es bestünde aktuell eine Rezidiv-Diskushernie mediolateral links auf derselben Höhe, motorische Ausfälle hätten sich nicht objektivieren lassen. Hingegen sei der lumbale Abschnitt der Wirbelsäule wenig be- lastbar und in der Bewegung blockiert. Ferner bestünde ein links-betontes zervikovertebrales Syndrom mit zephaler Schmerzbeteiligung bei Status nach Treppensturz im August 2009 mit Schädelhirntrauma im Sinne einer Commotio cerebri. R adikuläre Reiz- oder Ausfallsyndrome auf zervikaler Höhe lägen aber nicht vor. Weiter bestün de eine Schmerzsymptomatik der linken Schulter in Form eines Schulterimpingements. Aus rheumat ologischer Sicht seien der Versi- cherten angepasste Verweistätigkeiten im Umfang von 3 x 2 Stunden pro Tag zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht zeige die Versicherte ein ausgeprägtes depressives Syndrom ohne psy- chotische Symptome. Sie sei im Jahr 1991 mit ihren beiden Kindern im Rahmen des damaligen Balkankriegs in einem serbischen Lager für Frauen und Kin der interniert gewesen. Dort sei sie Zeugin von Erschiessungen und Vergewaltigungen geword en und habe während des zweimo- natigen Lageraufenthalts in ständiger Angst und Pani k gelebt. Ihren eigenen Angaben zufolge habe sie die traumatischen Erlebnisse während des Balkan kriegs während Jahren emotional verkraftet. Nach dem Treppensturz im Jahr 2009 scheine sie eine depressive Symptomatik entwickelt zu haben. Im Vordergrund stünden Schlafstörungen. Wahrscheinlich seien durch das Ereignis verdrängte Erinnerungen an den Balkankrieg re aktiviert worden. Zusätzlich habe die Versicherte eine Anhedonie, eine Lärmempfindlichkeit u nd soziale Rückzugstendenzen entwi- ckelt. Diese Symptome würden auch zu einer PTBS passen, wobei ungewöhnlich, aber nicht ausgeschlossen sei, dass dieses Leiden mehr als 20 Jahre na ch den traumatisierenden Erleb- nissen manifest werde. Heute entspreche die depressive Sympt omatik einer schweren depres- siven Episode. Aufgrund des schweren psychischen Leidens sei der Versicherten aktuell weder im angestammten Beruf noch in einer Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit zuzumuten, so dass Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht seit dem Unfall vom 24. August 2009 von einer vollständi gen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. 7.2.1 Im Rahmen des aktuellen Revisionsverfahrens beauftr agte die IV-Stelle die Dres. C.____ und D.____ mit einem bisdiszinären Begutachten. Am 28. Mai 2019 diagnostizier- te Dr. C.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebralsyndrom mit differentialdiagnostisch spondylogener/radikulärer (S1) Schmerzausstrahlung ins linke Bein bei breitbasiger, nach caudal umgeschlagener Diskushernie L5/S1 mediolateral links mit Tan- gierung der Wurzel S1 links gemäss MRT der Lendenwirbelsäule (LWS) vom 22. März 2019. Im Vergleich zur früheren Untersuchung habe sich insofern ei ne Besserung eingestellt, als das Zervikovertebralsyndrom, die muskulären Dysbalancen am Schultergürtel und das Schulterimp- ingement rechts nicht mehr vorliegen würden. Bezüglich der Hauptdiagnose bestünde dagegen weder klinisch noch radiologisch eine relevante Besserung . Obwohl auch Zeichen einer Schmerzfehlverarbeitung gegeben seien, würden die be schriebenen Kreuzschmerzen mit Aus- strahlung ins linke Bein gut mit den klinischen und radio logischen Befunden korrelieren. Zei- chen von Inkonsistenzen bestünden nicht. In einer körperli ch leichten, wechselbelastenden und rückenadaptierten Tätigkeit sei die Versicherte weiterh in im Umfang von 70 % (3 x 2 Stunden pro Tag) ohne zusätzliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit arbeitsfähig. 7.2.2 Dr. D.____ diagnostizierte am 22. Juli 2019 mi t Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung mit chronischem Verlau f, gegenwärtig leicht- bis mittelgradi- ge Episode, ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33) und ei ne Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.1), differenzialdiagnostisch eine generali sierte Angststörung (ICD-10 F41). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein disso ziativer Schwindel (ICD-10 F44.9) und ein Verdacht auf eine PTBS (ICD-10 F43.1). Anamnestisc h liessen sich eine oft bedrückt- traurige Stimmung, eine verminderte Energie, wöchent lich auftretende Albträume, häufige Müdigkeit, Durchschlafstörungen, Vergesslichkeit, Konzentr ationsstörungen, ein geringes Selbstvertrauen und eine Libidoverminderung eruieren . Diese Symptome würden die Kriterien einer depressiven Episode erfüllen. Die Depression habe sich nach dem Unfall vom 25. August 2008 [recte: 24. August 2009] entwickelt. Die Stimmung sei zu Beginn der Untersuchung aus- geglichen bis fröhlich gewesen, bei der Beschwerdeschild erung sei die Versicherte bedrückt und weinerlich geworden, ausserhalb der Beschwerdeschilderung habe sich die Stimmung aber wieder aufgehellt. Die affektive Modulationsfähigkeit und die Vitalität seien insgesamt leichtgra- dig eingeschränkt. Diagnostisch sei von einer rezidivieren den depressiven Störung auszuge- hen, die aktuell als leicht- bis mittelgradig zu beur teilen sei. Gegen eine ausschliesslich mittel- gradige oder gar schwergradige Depression spreche die Ta tsache, dass anamnestisch keine Freud- oder Interesselosigkeit vorliege, auch keine andau ernd bedrückt-traurige, gereizt- aggressive Stimmung oder eine andauernd verminderte Ene rgie. Ferner sei die psychosoziale Funktionsfähigkeit der Versicherten in Bezug auf ihren Ehemann, ihre drei Kinder, ihre Ge- schwister und eine langjährige Freundin intakt. Ausserde m seien keine relevanten kognitiven Beeinträchtigungen festzustellen. Im Vergleich zu den psych iatrischen Befunden im Jahr 2013 sei es zu einer deutlichen Verbesserung gekommen. Insbe sondere hinterlasse sie nicht mehr während der gesamten Untersuchung einen depressiven, lei denden und antrieblosen Eindruck. Zudem könne keine wechselhafte Konzentrations- und Aufm erksamkeitsfähigkeit festgestellt Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden. Vielmehr habe die Versicherte während der akt uellen Untersuchung einen sehr kon- zentrierten Eindruck hinterlassen. Bezüglich des Zeitpunkt s der Verbesserung der depressiven Beschwerden liesse sich aufgrund der aktuellen Untersuchu ng, resp. der unpräzisen Angaben der Versicherten keine verlässlichen Angaben machen. Sie gebe an, dass es seit dem Unfall zu keinen wesentlichen Veränderungen der depressiven Beschwe rden gekommen sei. Ein gleich- gebliebener psychischer Gesundheitszustand lasse sich bezüglich der Depression im Vergleich mit den Befunden im Jahr 2013 indes nicht bestätigen. In Bezug auf die Angstsymptomatik sei von einer Agoraphobie mit Panikstörung auszugehen. Der Schweregrad bezüglich Häufigkeit der Beschwerden sei als leichtgradig zu beurteilen. S o sei es der Versicherten möglich, alleine in den Wald spazieren zu gehen oder das öffentliche V erkehrsmittel zu benutzen. Im Weiteren habe sie bei der Untersuchung ohne äusserlich sichtbare p sychovegetative Mitbeteiligung über ihre Alpträume sprechen können. Ferner hätten bei de r Untersuchung weder eine Schreckhaf- tigkeit noch eine Hypervigilanz noch Dissoziationen beobacht et werden können. Der Sturz auf der Treppe am 24. August 2009 sei nicht geeignet, um e ine bis anhin während Jahren latent gebliebene PTBS manifest werden zu lassen. Eine solche lasse sich daher nicht mit Sicherheit diagnostizieren. Festzuhalten sei, dass die Versicherte angebe, lediglich einmal pro Woche un- ter Albträumen zu leiden. Auch die behandelnden Psychi ater der Klinik G.____ hätten keine PTBS diagnostiziert. Erst im Jahr 2015 tauche die Diag nose erstmals definitiv auf, nachdem diese im April 2011 differentialdiagnostisch in Betrach t gezogen worden war. Sollte tatsächlich von einer PTBS ausgegangen werden, so wäre der Schwere grad jedenfalls leicht und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, ebenso wie der ze itweise auftretende dissoziative Schwin- del. Betreffend die intermittierend auftretenden Sch merzen liege zumindest teilweise eine so- matische Ursache vor. Es gebe keine Hinweise, dass die Ve rsicherte unter andauernden schweren und quälenden Schmerzen leide, so dass die Diagn ose einer anhaltenden somato- formen Schmerzstörung nicht gestellt werden könne. Bei der Versicherten sei eine gewisse Tendenz zur Verdeutlichung und eine bewusstseinsnahe Agg ravation festzustellen. Ihrer Anga- ben seien nicht immer konsistent. So beschreibe sie beispi elsweise eine erhebliche Intensität der depressiven Beschwerden. Anlässlich der aktuellen Unt ersuchung lasse sich aber beim Gespräch über gewisse Themen eine Aufhellung der Stimm ung feststellen und am Ende der Exploration habe die Versicherte einen vitalen Eindruck mit ausgeglichener Stimmung hinter- lassen. Weiter sei nicht nachvollziehbar, weshalb es angesi chts der erheblichen geklagten Be- schwerden nie zu einer psychiatrischen Hospitalisation geko mmen sei. Ferner seien die erheb- lichen subjektiven Beschwerden nicht vereinbar mit dem völlig intakten und normalen Familien- leben. Weitere Inkonsistenzen bestünden darin, dass sie e inerseits angebe, am Abend nie zu kochen. Andererseits äussere sie sich dahingehend, dass Kochen und das Anschauen von Kochsendungen im TV ihr Hobby sei. Zudem habe sie zu Beginn der Untersuchung angegeben, das Haus nie alleine zu verlassen. Später habe sie aber eingeräumt, alleine im Wald spazieren zu gehen und alleine mit dem Tram zum Begutachtungsges präch gefahren zu sein. Es sei kaum nachvollziehbar, dass die Versicherte seit dem relativ banalen Treppensturz andauernd unter erheblichen depressiven Beschwerden gelitten haben soll, wohingegen sie während und nach dem Bosnienkrieg zu keinem Zeitpunkt depressiv gewesen sei. Ihre Ressourcen seien gemessen am Ratingbogen Mini-ICF-APP insgesamt aufgru nd der aktuellen Untersuchung als leicht- bis mittelgradig eingeschränkt. Namentlich seien die Durchhalte-, die Selbstbehaup- tungs-, und die Gruppenfähigkeit sowie die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit beeinträchtigt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die übrigen Items des Ratingbogens seien aber nicht relevant eingeschränkt. Im Gutachten des ZMB vom 11. Juni 2013 sei eine vollständige Arbeitsunfäh igkeit aus psychischen Gründen fest- gestellt worden. Auch attestiere der behandelnde Psych iater Dr. F.____ eine durchgehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Dennoch lasse sich heute im Vergleich zu den früheren Berichten eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit erkennen. Zwar könnten aufgrund der unpräzisen Angaben der Versich erten keine verlässlichen Aussa- gen zum Zeitpunkt der Verbesserung gemacht werden, wesha lb bis zum Begutachtungszeit- punkt von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgeg angen werden müsse. Ab dem Zeit- punkt der Begutachtung betrage die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bezogen auf ein Vollzeitpensum 70 %. 7.3 Am 1. September 2020 führte Dr. F.____ aus, dass das Gutachten von Dr. D.____ ober- flächlich und ohne Fremdanamnese erstellt worden sei. Zu dem entspreche der psychopatholo- gische Befund nicht der Realität und die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit berücksichtige nicht das gesamte Krankheitsbild. Die Versicherte habe sich von Dr. D.____ angegriffen gefühlt und Angst vor ihm gehabt. Auf penetrante und drängelnde F ragen des Gutachters habe sie ihm aus Angst, von ihm bestraft zu werden, die Antworten gege ben, die er habe hören wollen. Ihr sei aus Angst schwindlig geworden und sie habe nach der Expl oration kaum mehr stehen können. Es treffe nicht zu, dass sich die Versicherte aufgesetzt oder demonstrativ verhalte. Eine Drama- tisierungstendenz, Verdeutlichung oder Aggravation bestün den ebenfalls nicht. Ihre Beschwer- den hätten eine deutlich depressive Verstimmung mit In teressen- und Freudlosigkeit, vermin- dertem Antrieb, gedrückter Stimmung, verminderter Kon zentration und Selbstwertgefühl, nega- tiven und pessimistischen Zukunftsperspektiven, Gedanken des Lebensüberdrusses und erheb- lichen Schlafstörungen sowie vermindertem Appetit er kennen lassen. Sie würden eine mindes- tens mittelgradige depressive Episode begründen. Dazu komme eine soziale Isolation. Zudem beschreibe sie Symptome einer generalisierten Angststöru ng mit Panikstörung, die es ihr ver- unmöglichen würden, im Alltag zurechtzukommen. Die Ang aben betreffend das Kochen seien im Gutachten nicht korrekt. Die Gutachten von Dr. D.___ _ würden immer wieder die gleichen Formulierungen enthalten. Der Psychostatus sei nicht nac h dem AMDP-System (Arbeitsge- meinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiat rie) zur standardisierten Erfassung und Dokumentation eines psychopathologischen Befunds beschrieben worden und der Gutach- ter nenne die Symptome einer PTBS nicht. Zudem seien w eder testpsychologische Untersu- chungen noch eine Fremdanamnese durchgeführt worden. In sgesamt sei das Gutachten nicht nachvollziehbar. Die Diagnosekriterien für eine PTBS se ien klar gegeben und die Versicherte sei aufgrund der phobischen Ängste und der Panikstörung i m Alltag stark behindert. Demge- genüber habe Dr. D.____ die funktionellen Einschränkungen einzig aufgrund der affektiven Stö- rung interpretiert. Seine Einschätzung der Arbeitsfähi gkeit sei nicht plausibel. Die Versicherte leide mindestens an einer mittelgradig ausgeprägten rezidivierenden depressiven Störung (ICD- 10 F33.2), einer generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.0) bei PTBS und Exazerbation nach Unfallereignis mit Intrusionen und wiederkehrendem A uftreten von Panikattacken (ICD-10 F43.1). Differenzialdiagnostisch sei eine Agoraphobie mi t Panikstörungen (ICD-10 F40.1) zu erwägen. Er behandle die Versicherte seit mehr als 10 Jahren. Zu einer Besserung des Ge- sundheitszustands sei es trotz der durchgeführten ambulant en und pharmakologischen Be- handlung nicht gekommen. In den psychometrischen Untersu chungen (Hamilton Depressions- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht skala; HAMD) im Verlauf der Behandlung habe die Versicherte immer wieder Werte erreicht, die einer mittelgradigen bis schweren depressiven Verstimmung entsprechen würden. Die Arbeits- fähigkeit sei mittel- bis schwergradig eingeschränkt. 7.4 Am 15. Dezember 2020 nahm Dr. E.____ Stellung. E r hielt fest, dass sich die von Dr. F.____ diagnostizierte affektive Störung nur gering fügig von derjenigen von Dr. D.____ un- terscheide. Die gutachterliche Untersuchung habe aber er geben, dass das Ausmass der objek- tiven psychopathologischen Befunde den mittleren Depressi onsgrad nicht ganz erfülle und durchaus Ressourcen vorhanden seien. Dr. F.____ habe die Diagnosekriterien für eine genera- lisierte Angststörung nicht vollständig dargetan. Mit der Diagnose der PTBS habe sich der Gut- achter eingehend befasst. Der Einwand von Dr. F.____ er gäbe keine neuen Aspekte. Nicht nachvollziehbar sei ein sozialer Rückzug der Versicherten in allen Lebenslagen. Sie sei in der Kern- und erweiterten Familie durchaus integriert und nehme am Alltagsgeschehen teil. 7.5 Am 13. März 2021 verwies Dr. F.____ auf seine Ausf ührungen im Bericht vom 1. September 2020, kritisierte die Art und Weise der B egutachtung durch Dr. D.____ und hielt fest, dass das Gutachten vom 22. Juli 2019 sehr oberflä chlich sei und in keiner Weise der Rea- lität entsprechen würde. Es sei davon auszugehen, dass der Gutachter in aggressiver und do- minanter Art und Weise exploriere und nur höre, was er hören möchte. Die Untersuchung habe die Versicherte retraumatisiert. Der Versicherten sei krankheitsbedingt keine berufliche Tätigkeit mehr zumutbar. Eine Oberbegutachtung sei dringend indiziert. 8.1 Die IV-Stelle ging in ihrer Verfügung vom 10. N ovember 2020 gestützt auf die Erkennt- nisse aus dem Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 28. Mai 2019/22. Juli 2019 davon aus, dass sich bei der Versicherten im Vergleich zum Jahr 2 013 eine Besserung des psychi- schen Gesundheitszustands eingestellt hatte und sie spätestens im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. D.____ am 16. Mai 2019 (Untersuchungsdatum) eine Arbeitsfähigkeit von 70 % auf- wies. Dieser Auffassung ist beizupflichten. Das bidisziplinä re Gutachten der Dres. C.____ und D.____ erfüllt die rechtsprechungsgemässen Voraussetzun gen an eine medizinische Beurtei- lungsgrundlage (vgl. E. 4.2 hiervor). Es ist umfassen d, berücksichtigt die geklagten Beschwer- den, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und leuchtet in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinisc hen Situation ein. Sodann weist das Gutachten keine Widersprüche von entscheidrelevan ter Bedeutung auf, setzt sich hinläng- lich mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) f achärztlichen Einschätzungen auseinan- der und enthält alle erforderlichen Angaben für die Prüfung der Frage, ob sich ein invalidisie- render Gesundheitszustand anhand der Standardindikator en verifizieren lässt. Insgesamt ge- nügt das Gutachten sowohl formal wie inhaltlich den b undesgerichtlichen Vorgaben an ein be- weistaugliches Revisionsgutachten. Die entsprechenden, vorst ehend (vgl. E. 7.2.1 und E. 7.2.2 hiervor) wiedergegebenen Darlegungen der Gutachter vermögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. Ein Vergleich zum Gutachten des Z MB vom 11. Juni 2013 zeigt klar auf, dass eine deutliche Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands der Beschwerde- führerin eingetreten ist. Während im ZMB-Gutachten 1 1. Juni 2013 noch eine schwere depres- sive Symptomatik beschrieben wurde, stellte Dr. D.____ i m aktuellen Gutachten noch eine leicht- bis mittelgradig ausgeprägte affektive Störung und eine leichtgradige Angstsymptomatik Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht fest. Diese Beurteilung erscheint in Anbetracht des von ihm erhobenen psychopathologischen Befunds nachvollziehbar. So konnte er keine Freud- oder Interessenlosigkeit, andauernd be- drückt-traurige, gereizt-aggressive Stimmung, kognitiven Beeinträchtigungen, Konzentrations- störungen oder eine andauernd verminderte Energie me hr erheben und die psychosoziale Funktionsfähigkeit erachtete er als intakt. Damit werde n erheblich veränderte psychische Ver- hältnisse beschrieben. Von einem völlig gleich gebliebe nen Sachverhalt kann – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin – keine Rede sein. Zu dem setzte sich Dr. D.____ mit der Diagnose PTBS kritisch auseinander und kam aufgrund der Akten, der Angaben der Versicher- ten und seinen Beobachtungen anlässlich der Exploration zum überzeugenden Schluss, dass sich diese Diagnose nicht mit Sicherheit diagnostizieren l asse, gegebenenfalls aber nur von einer leichten Ausprägung ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Soweit die Beschwerdeführerin unterstellt, Dr. D.____ habe in se inem Gutachten das Vorliegen einer PTBS verneint, trifft dies offensichtlich nicht zu. Wenn sie weiter annimmt, dass sich seine Beur- teilung/Einschätzung ausschliesslich auf sein Gespräch mit der Versicherten stütze, verkennt sie, dass dem psychiatrischen Gutachter diverse, bisher zum Ge sundheitszustand der Versi- cherten erstellte medizinische Akten zur Verfügung standen, die es ihm durchaus ermöglichten, eine nicht auf eine Momentaufnahme beschränkte Beurte ilung abzugeben. Die Tatsache, dass Dr. D.____ die erhobenen Befunde diagnostisch teilweise anders einordnete als die Vorgutach- ter und der behandelnde Arzt Dr. F.____, schmälert den Beweiswert des Gutachtens nicht. Dies umso weniger, als sich Dr. D.____ mit den abweichenden Diagnosen hinreichend auseinander- setzte. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass l etztlich nicht die Diagnosen, sondern die funktionellen Einschränkungen und die damit einhergehenden Auswirkungen auf das Leistungsvermögen der versicherten Person ausschlaggebe nd sind (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 6. August 2009, 9C_617/2008, E. 4.5). Dieses hat sich nach den überzeugen- den Ausführungen von Dr. D.____ seit der Rentenzuspra che deutlich verbessert. Während im ZMB-Gutachten vom 11. Juni 2013 noch eine vollständige E inschränkung der Arbeitsfähigkeit bejaht wurde, ist im aktuellen Gutachten für eine ange passte Tätigkeit von einer medizinisch- theoretischen Arbeitsfähigkeit von 70 % die Rede. Dami t ist mit dem im Sozialversicherungs- recht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrsch einlichkeit (vgl. dazu BGE 138 V 218 E. 6) erstellt, dass sich der psychische Gesun dheitszustand der Beschwerde- führerin seit dem Jahr 2013 wesentlich verbessert hat. Abgesehen davon genügt als Revisions- grund bereits der Statuswechsel von der gemischten zur allgemeinen Methode des Einkom- mensvergleichs, wie in Erwägung 6.2 hiervor dargelegt. Dieser Wechsel in der Methode ist un- ter den Parteien unbestritten. Damit ist mit der Beschw erdegegnerin davon auszugehen, dass die Revisionsvoraussetzung nach Art. 17 ATSG erfüllt ist. 8.2.1 Was die Beschwerdeführerin gegen Dr. D.____ als Gutachter und die Beweiskraft sei- nes Gutachtens vorbringt, verfängt nicht. Soweit sie die Auffassung vertritt, dass Dr. D.____ praktisch in sämtlichen Explorationen eine «Dramatisieru ngstendenz» resp. ein «gezielt ge- steuertes Verhalten» unterstelle und die Beschwerdeschi lderungen wiederholt pauschal als «zeitweise aber auch vage und wenig fassbar» bezeichne, e rkennt das Gericht darin keinen begründeten Anfangsverdacht bezüglich der Begehung einer strafbaren Handlung. So ist weder behauptet noch erwiesen, dass Dr. D.____ wider besseren Wissens Dramatisierungstendenzen feststellen und diese regelmässig mit derselben Zumutbar keitsbeurteilung verbinden würde. Ob Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. D.____ in seinen Gutachten etwa den Terminus «Dra matisierungstendenz» öfter verwendet als andere Fachexperten, kann offen bleiben. Zu beach ten sind aber die Besonderheiten des sozialversicherungsrechtlichen Abklärungsverfahrens, bei welche n versicherte Personen, wel- che mit ihrer Anmeldung bei der Invalidenversicherung die Zusprechung von Versicherungsleis- tungen bezwecken, vielfach (wenn auch nicht ausnahmslos) – bewusst oder unbewusst – ihre Beschwerden und Einschränkungen im Hinblick auf dieses Zi el präsentieren (vgl. KOPP /M ARELLI , Somatoforme Störungen, wie weiter? SZS 2012 S. 25 6). Allein aus den genannten Äusserungen kann jedoch nicht auf eine Befan genheit des Gutachters geschlossen werden. Befangenheit ist rechtsprechungsgemäss anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die in objektiver Weise und nicht bloss aufgrund des subje ktiven Empfindens der Partei geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit und Unvoreinge nommenheit der sachverständigen Per- son zu erwecken (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. De zember 2009, 9C_893/2009, E. 1.1; BGE 132 V 93 E. 7.1 mit Hinweis). Der Anschein der Befangenheit oder die Gefahr der Voreingenommenheit ist etwa zu bejahen, wenn das Gut achten nicht objektiv und sachlich ge- halten ist (vgl. BGE 132 V 93 E. 7.2.2 mit weiteren H inweisen; Urteile des Bundesgerichts vom 22. August 2013, 8C_227/2013 und vom 20. Juni 2013, 8C_978/2012, E. 5.3.2). Aus dem Gut- achten von Dr. D.____ ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Experte nicht von objektiven Kriterien hätten leiten lassen, die erhobenen Befunde fehlerhaft interpretiert, oder die Beurteilung nicht lege artis durchgeführt hätte. Daran könnte auch die von der Beschwerdefüh- rerin beantragte Edition der Gutachten von Dr. D.____ nichts ändern, weshalb darauf verzichtet werden kann. 8.2.2 Es trifft zu, dass im Rahmen der aktuellen psychiatri schen Begutachtung keine testpsy- chologische Abklärung durchgeführt wurde. Sind derartige Untersuchungen unterblieben, kann daraus aber nicht ohne weiteres auf fehlende Beweiskraft der Expertise geschlossen werden. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass Dr. D.____ für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit den Ratingbogen Mini-ICP-APP verwendete, insofern der Ein wand der Beschwerdeführerin, der Gutachter habe auf die Verwendung von Testwerkzeugen vollständig verzichtet, nicht zutrifft. Im Übrigen liegt es im Ermessen der Gutachterin oder des Gu tachters, ob (und welche) Zusatzun- tersuchungen durchzuführen sind (vgl. Urteil des Bundesge richts vom 6. Januar 2015, 8C_516/2014, E. 6.2). Ein solches Erfordernis lag nach Einschätzung des psychiatrischen Gut- achters offenbar nicht vor. Ausserdem basieren zahlreiche Tests auf Selbsteinschätzungen und sind daher nur beschränkt aussagekräftig. Dazu gehört auch der HAMD. Ob sich eine depressi- ve Störung gebessert hat, ist für einen erfahrenen Gut achter auch ohne Testung eruierbar. Wenn die Beschwerdeführerin weiter bemängelt, dass kein e fremdanamnestischen Angaben eingeholt worden seien, ist ihr zwar insofern beizupflich ten, als eine Fremdanamnese resp. Auskünfte der behandelnden Arztpersonen häufig wünsche nswert sind. Sie sind aber nicht zwingend erforderlich. Die Notwendigkeit der Einholung einer Fremdanamnese bei der behan- delnden Arztperson oder Dritten ist vielmehr in erster Linie eine Frage des medizinischen Er- messens (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 14. Oktober 2015, 8C_444/2015, E. 4.5 und vom 23. Juli 2014, 8C_323/2014, E. 5.2.1). Auch aus den Qualitätsleitlinien für versicherungspsychi- atrische Gutachten der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie ergibt sich in dieser Hinsicht nichts anderes (vgl. die 3. vollst ändige überarbeitete und ergänzte Aufla- ge vom 16. Juni 2016; in: SZS 2016 S 435 ff.). Aus dem Gutachten von Dr. D.____ geht hervor, Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass ihm zahlreiche Arztberichte betreffend die Beschwerdeführerin zur Verfügung standen. Die medizinischen Unterlagen und die Angaben der Beschwerde führerin waren offenbar hinrei- chend präzise und kohärent genug, um ein zuverlässiges Bil d über ihren psychischen Gesund- heitszustand machen zu können. Besondere Gründe, warum im vorliegenden Fall Auskünfte von Dritten einzuholen gewesen wären, werden weder sub stantiiert vorgebracht noch sind sie aus den Akten ersichtlich. Unter diesen Umständen ist es ni cht zu beanstanden, dass Dr. D.____ vorliegend keine fremdamnestischen Auskünfte einholte. Gesicherte Hinweise da- rauf, dass der Gutachter der Beschwerdeführerin einen f alschen Sachverhalt unterstellte, wich- tige Aspekte unberücksichtigt liess oder verharmlost hätte, sind weder ersichtlich noch substan- tiiert dargetan. Vor diesem Hintergrund kann nicht ge sagt werden, die Beurteilung des Gesund- heitszustands und der Zumutbarkeit im Gutachten basiere a uf einem unzutreffenden Sachver- halt. Vielmehr steht die gutachterliche Einschätzung mi t den objektiven Umständen in Einklang und gibt ein schlüssiges Bild zum Gesundheitszustand und der daraus resultierenden Leis- tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin. 8.2.3 Soweit sich die Beschwerdeführerin auf die abwei chende Beurteilung des behandelnden Arztes Dr. F.____ beruft, ist zunächst in Erinnerung zu rufen, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach -)Person einerseits und Begutach- tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4) nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgut achten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapie- kräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Weite r ist zu beachten, dass eine Explo- ration von der Natur der Sache her nicht ermessensfre i erfolgen kann. Sie eröffnet den Gutach- tern praktisch immer einen Spielraum für verschiedene m edizinische Interpretationen, was zu- lässig und zu respektieren ist, sofern die Gutachter – wi e hier – lege artis vorgegangen sind. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweiche nde Beurteilung aufdrängt, weil diese wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation e ntspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2019, 8C_835/2018, E. 3 mit Hinweis). D ie Beschwerdeführerin legt nicht sub- stantiiert dar und es ist auch nicht ersichtlich, dass aus den Berichten des behandelnden Arztes Dr. F.____ vom 1. September 2020 und 15. Dezember 20 20 Gesichtspunkte hervorgingen, die vom psychiatrischen Gutachter nicht berücksichtigt worden w ären. Insgesamt ergibt sich aus den Akten nichts, was geeignet wäre, den Beweiswert des G utachtens der Dres. C.____ und D.____ vom 28. Mai 2019/22. Juli 2019 in Zweifel zu zie hen, weshalb in antizipierter Beweis- würdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hi nweisen) auf zusätzliche Abklärungen verzichtet und davon ausgegangen werden kann, dass die Be schwerdeführerin spätestens im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. D.____ am 16. Ma i 2019 (Untersuchungsdatum) wiede- rum zu 70 % arbeitsfähig ist. 8.3 Nach dem Gesagten ist im Ergebnis nicht zu beanstanden , dass die Beschwerdegegne- rin bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe- rin gestützt auf die Beurteilungen der Dres. C.____ und D.____ vom 28. Mai 2019/22. Juli 2019 davon ausgegangen ist, dass sich der psychische Gesundheitszu stand der Versicherten deut- lich verbessert hat und ihr angepasste Tätigkeiten im Um fang von 70 % zumutbar sind. Nach- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rah men der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung d er Vergleichseinkommen vorzu- nehmen wäre und die Berechnung auch von der Versicherten nicht beanstandet wurde, erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem durc h die IV-Stelle angestellten Einkom- mensvergleich. Es ist mit ihr davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ein rentenaus- schliessendes Erwerbseinkommen erzielen könnte, was zur Au fhebung der bisher ausgerichte- ten ganzen Rente führt. 9. Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verf ügung vom 10. November 2020 nicht zu beanstanden ist. Die dagegen erhobene Be schwerde erweist sich als unbegrün- det, weshalb sie abzuweisen ist. 10.1 Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss Art . 69 Abs. 1 bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligun g oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliege nden, in denen ein durchschnittlicher Verfah- rensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer- legt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist nun allerdings mit Verfügung vom 5. Januar 2021 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden, weshalb die Verfahrenskosten vorläu- fig auf die Gerichtskasse genommen werden. 10.2 Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht ausgerichtet. Da der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 5. Januar 2021 die unentgeltliche Verbeistän- dung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Rechtsvertreter der Be schwerdeführerin hat in seiner Ho- norarnote vom 21. April 2021 für das vorliegende Verf ahren einen Zeitaufwand von 15 Stunden und 10 Minuten geltend gemacht, was umfangmässig in Anb etracht der sich stellenden Sach- verhalts- und Rechtsfragen sowie des zweiten Schriftenwe chsels angemessen ist. Nicht zu be- anstanden sind die geltend gemachten Auslagen in der Hö he von Fr. 178.60. Dem Rechtsver- treter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 3' 459.25 (15,16 Stunden à Fr. 200.-- [vgl. § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwä lte vom 17. November 2003] und Ausla- gen von Fr. 178.60 sowie 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 10.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 3'459.25 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus de r Gerichtskas- se ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht