<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 115 S.531</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Ausländerrecht</span> <span class="page_no">531</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>115 Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 13 lit. f BVO</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Gemäss kantonaler Praxis ist die finanzielle Unabhängigkeit (BGE</b></span><br/> <span class="ft2"><b>124 II 110) nicht gegeben, wenn eine Familie, die vorläufig</b></span><br/> <span class="ft2"><b>aufgenommen ist, von der öffentlichen Hand teilunterstützt wird (E.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>2.2 und 2.3)</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung einzig zum Zweck, dass</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Jugendliche bei der Lehrstellensuche angeblich bessere Chancen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hat, ist nicht zulässig (E. 2.4)</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Auszug aus dem Entscheid des Rechtsdienstes des Migrationsamts Kanton</span><br/> <span class="ft3">Aargau vom 10. August 2005 in Sachen Familie S.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.2 Der Einsprecher hält sich seit Oktober 1997, d.h. seit 7 ¾</span><br/> <span class="ft1">Jahren und seine Familie seit August 1999, d.h. seit sechs Jahren in</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz auf. Damit erfüllen die beiden ältesten Kinder A. und</span><br/> <span class="ft1">B., welche beide älter als 13 Jahre sind, die zeitlichen Anwesen-</span><br/> <span class="ft1">heitsvoraussetzungen von fünf Jahren. Davon profitieren die übrigen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">532</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Familienmitglieder indirekt, so dass damit die ganze Familie S. die</span><br/> <span class="ft1">zeitlichen Voraussetzungen für eine Härtefallregelung erfüllt. Ausser-</span><br/> <span class="ft1">dem haben sich die Einsprecher bislang nichts zu Schulden kommen</span><br/> <span class="ft1">lassen und sind - soweit dies den Akten zu entnehmen ist - sowohl</span><br/> <span class="ft1">beruflich als auch sozial gut integriert. Diese Ansicht vertritt of-</span><br/> <span class="ft1">fensichtlich auch die Sektion, da sie den ablehnenden Entscheid</span><br/> <span class="ft1">einzig auf wirtschaftliche Gründe stützt. Zu prüfen bleibt demnach,</span><br/> <span class="ft1">ob die Einsprecher in der Schweiz wirtschaftlich ausreichend gut</span><br/> <span class="ft1">integriert bzw. finanziell unabhängig sind.</span><br/> <span class="ft1">2.3 Der Einsprecher weist keine Betreibungen oder Verlust-</span><br/> <span class="ft1">scheine auf. Der kantonale Sozialdienst kommt jedoch für die Kran-</span><br/> <span class="ft1">kenkassenprämien der Familie S. vollumfänglich auf, was von den</span><br/> <span class="ft1">Einsprechern auch nicht bestritten wird. Somit werden sie zumindest</span><br/> <span class="ft1">teilweise durch die öffentliche Hand unterstützt. Damit erfüllen die</span><br/> <span class="ft1">Einsprecher die Voraussetzung der finanziellen Unabhängigkeit, wel-</span><br/> <span class="ft1">che für die Annahme eines Härtefalles gemäss Art. 13 lit. f BVO un-</span><br/> <span class="ft1">erlässlich ist, nicht. Folglich kann offen gelassen werden, wie es sich</span><br/> <span class="ft1">mit den eher knappen Einnahmen der Einsprecher im Vergleich zu</span><br/> <span class="ft1">ichren Ausgaben gestützt auf die Richtlinien für die Ausgestaltung</span><br/> <span class="ft1">und Bemessung der Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien) konkret verhält.</span><br/> <span class="ft1">Anzufügen bleibt, dass es für eine kinderreiche Familie, die vorläufig</span><br/> <span class="ft1">aufgenommen ist, zwar schwierig ist, finanziell vollständig auf eige-</span><br/> <span class="ft1">nen Füssen zu stehen. Allerdings gab es viele kinderreiche Familien,</span><br/> <span class="ft1">namentlich aus Serbien-Montenegro, die der in der Schweiz mit einer</span><br/> <span class="ft1">Jahresaufenthaltsbewilligung lebende und arbeitende Familienvater</span><br/> <span class="ft1">erst nachziehen konnte, nachdem er die finanziellen Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft1">gemäss Art. 39 Abs. 1 lit. c BVO erfüllte. Es geht nicht an und liesse</span><br/> <span class="ft1">sich mit der Rechtsgleichheit auch nicht vereinbaren, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Einsprecher diesbezüglich privilegiert behandelt würden. Dies gilt</span><br/> <span class="ft1">umso mehr, als mit der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung</span><br/> <span class="ft1">nunmehr die aktuelle Wohnsitzgemeinde der Einsprecher und nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr der Bund für die Bezahlung der Gesundheitskosten aufkommen</span><br/> <span class="ft1">müsste. Mit einem Zusatzverdienst der Ehefrau ist es schliesslich</span><br/> <span class="ft1">möglich, wirtschaftlich vollständig auf eigenen Füssen zu stehen.</span><br/> <span class="ft1">Der Einsprecherin wird geraten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten</span><br/> <span class="ft1">eine Teilzeittätigkeit zu suchen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Ausländerrecht</span> <span class="page_no">533</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.4 Unbeachtlich ist auch das Vorbringen der Einsprecher, dass</span><br/> <span class="ft1">es für die Kinder bei der Lehrstellensuche besonders wichtig sei,</span><br/> <span class="ft1">über eine ordentliche Aufenthaltsbewilligung zu verfügen, da der An-</span><br/> <span class="ft1">tritt einer Lehrstelle durch den Status der vorläufigen Aufnahme</span><br/> <span class="ft1">nicht ausgeschlossen wird und die mit dem Status der vorläufigen</span><br/> <span class="ft1">Aufnahme verbundenen Unsicherheiten und Beschränkungen praxis-</span><br/> <span class="ft1">gemäss keine Elemente des Härtefalles darstellen (vgl. Urteil</span><br/> <span class="ft1">2A.29/2001 vom 2. April 2001, insb. E. 1a und 2d). Zwar kann nicht</span><br/> <span class="ft1">ausgeschlossen werden, dass die Nationalität oder der Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft1">status bei gewissen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern Einfluss auf</span><br/> <span class="ft1">die Vergabe von Lehrstellen haben kann. Dies wäre diskriminierend.</span><br/> <span class="ft1">Generell ist zum vorgebrachten Argument Folgendes zu sagen: Heute</span><br/> <span class="ft1">stehen alle in der Schweiz lebenden Jugendlichen vor der schwieri-</span><br/> <span class="ft1">gen, zeitaufwendigen und teilweise auch frustrierenden Aufgabe, ei-</span><br/> <span class="ft1">ne ihren Fähigkeiten und Interessen entsprechende Lehrstelle zu fin-</span><br/> <span class="ft1">den. Entscheidend sind dabei in erster Linie die (schulischen) Leis-</span><br/> <span class="ft1">tungen. Die Lehrstellensuche wird nicht einfacher, wenn sich die</span><br/> <span class="ft1">Jugendlichen auf einen bestimmten Beruf fixieren, bei dem mögli-</span><br/> <span class="ft1">cherweise die Lehrstellennachfrage grösser als das entsprechende</span><br/> <span class="ft1">Angebot ist. Von den Jugendlichen wird ebenfalls Flexibilität erwar-</span><br/> <span class="ft1">tet, d.h. sie müssen notgedrungen auch eine Lehrstelle annehmen, die</span><br/> <span class="ft1">bei ihnen lediglich zweite oder dritte Priorität geniesst. Der</span><br/> <span class="ft1">Einsprecher A. (geb. 1988) bringt nun nichts vor, was darauf schlies-</span><br/> <span class="ft1">sen lässt, dass er trotz vorläufiger Aufnahme keine reellen Chancen</span><br/> <span class="ft1">hat, eine Lehrstelle zu finden. Er hat vielmehr die gleichen Probleme</span><br/> <span class="ft1">wie schweizerische oder ausländische Jugendliche. Daraus kann er</span><br/> <span class="ft1">jedenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>