B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Entscheid erläutert (resp. berichtigt) durch Entscheid des BVGer vom 5.08.2021 (D-3482/2021) Abteilung IV D-3336/2021 U r t e i l v o m 2 6 . J u l i 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichterin Contessina Theis, mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 19. Mai 2021 / N (…). D-3336/2021 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer , ein afghanischer Staatsangehöriger , am (…) 2021 von Österreich aus mit dem Zug in die Schweiz einreiste und tags darauf um Asyl nachsuchte, dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der eu- ropäischen Fingerabdruck -Datenbank (Eurodac) ergab, dass dieser be- reits am (…) 2018 in Bulgarien und am (…) 2021 in Österreich um Asyl nachgesucht hatte, dass der Beschwerdeführer mit Vollmacht vom 24. Juni 2021 die ihm zu- gewiesene Rechtsvertretung mandatierte, dass am 25. Juni 2021 die Personalienaufnahme (PA) stattfand, dass am 1. Juli 2021 das Dublin-Gespräch durchgeführt wurde, wobei dem Beschwerdeführer – im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertretung – das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Bulgariens beziehungs- weise Österreichs für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsver- fahrens, zu einer allfälligen Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt gewährt wurde, dass er hierzu erklärte, er wolle in keinen der beiden Staaten zurückkehren, nach Bulgarien schon deshalb nicht, weil die Bulgaren die Afghanen nicht mögen würden und wenn er länger dortbleiben müsste, verrückt werden würde; sein Zielort sei ohnehin die Schweiz gewesen, wo er – im Vergleich zu Österreich oder anderen europäischen Ländern – auch Verwandte habe, dass er hinsichtlich seines Gesundheitszustands angab, er würde an (…)- Problemen leiden, infolge derer er (…)-Probleme und dadurch wiederum (…) Schwierigkeiten habe; er des Weiteren (…)-Probleme habe und nur über eine (…) verfüge, dass der Beschwerdeführer anlässlich des Dublin-Gesprächs diverse Un- terlagen aus Serbien, eine Fotokopie seines Reisepasses sowie ein medi- zinisches Datenblatt für interne Arztbesuche im EVZ B._______ (recte: BAZ B._______) mit Eintrag vom (…) 2021 zu den Akten reichte und einen Antrag um psychologische Abklärung stellte, D-3336/2021 Seite 3 dass die Vorinstanz am 1. Juli 2021 die österreichischen Behörden ge- stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Eu- ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in ei- nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) um Wiederaufnahme des Beschwerdefüh- rers ersuchte, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 2. Juli 2021 das Ergebnis ei- ner labortechnischen Blutuntersuchung durch das Labor C._______ vom (…) 2021 zu den Akten reichen liess, dass die österreichischen Behörden am 12. Juli 2021 dem Ersuchen der Vorinstanz um Wiederaufnahme gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin- III-VO zustimmten, dass das SEM am 13. Juli 2021 per E-Mail eine Anfrage an die Pflege im Bundesasylzentrum D._______ stellte, welche gleichentags unter Beilage eines medizinischen Datenblatts für interne Arztbesuche im EVZ B._______ (recte BAZ B._______) mit Eintrag vom (…) 2021, eines medizinischen Datenblatts für interne Arztbesuche im BAZ D._______ mit Eintrag vom (…) 2021, eine s Endbefunds des Labors E._______ vom 8. Juli 2021 und eines Ergebnisses einer labortechnischen Blutuntersu- chung durch das Labor C._______ vom (…) 2021 beantwortet wurde, dass das SEM mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 14. Juli 2021 in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asylgesetzes (AsylG; SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Österreich anordnete, den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen und den Kanton F._______ mit dem Voll- zug der Wegweisung beauftrage, dass es ferner die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwerdeführer aushändigte und fes tstellte, einer allfälligen Be- schwerde gegen die Verfügung komme keine aufschiebende Wirkung zu, dass die zugewiesene Rechtsvertretung des Beschwerdeführers mit Schreiben vom 15. Juli 2021 dem SEM die Beendigung des Mandatsver- hältnisses mitteilte, D-3336/2021 Seite 4 dass mit Eingabe vom 20. Juli 2021 ein medizinisches Datenblatt für in- terne Arztbesuche im BAZ D._______ mit Einträgen vom (…) 2021 sowie vom (…) 2021 ins Recht gelegt wurde, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21. Juli 2021 (Datum des Poststempels) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und darin in materieller Hinsicht beantragte, die ange- fochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, seine Flüchtlingseigenschaft sei anzuer- kennen und es sei ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässig- keit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs festzu- stellen und er sei vorläufig aufzunehmen, dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht darum ersuchte, der Beschwerde sei aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden anzuwei- sen seien, von jeglichen Vollzugshandlungen abzusehen, bis über die auf- schiebende Wirkung der Beschwerde entschieden worden sei, zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, von der Erhebung ei- nes Kostenvorschusses abzusehen und ein amtlicher Rechtsbeistand bei- zuordnen, dass er zur Begründung im Wesentlichen geltend machte, er sei am (…) 2021 in Österreich eingereist, wo er unmittelbar danach – ohne wirk- lich zu wissen weshalb – verhaftet worden sei, daraufhin vom (…) 2021 bis am (…) 2021 zunächst in Isolationshaft gewesen, anschliessend in eine offene Haftanstalt verlegt und schliesslich nach zwei Wochen auf die Strasse gesetzt worden sei , es ihm zudem schon seit längerer Zeit psy- chisch und physisch nicht gut gehe, weshalb er sich wünsche in der Schweiz bleiben zu dürfen und er aufgrund seiner aktuellen gesundheitli- chen Verfassung ohnehin nicht wüsste, wie er eine Überstellung nach Ös- terreich oder gar Bulgarien überstehen sollte, dass der Beschwerde eine Kopie einer Haftbestätigung der (…), (…) vom 24. März 2021 beilag, worin bestätigt wurde, dass der Beschwerdeführer vom (…) 2021 bis am (…) 2021 in Haft war, dass das (…) dem Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe vom 22. Juli 2021 mitteilte, dass der Beschwerdeführer sich zurzeit im BAZ D._______ aufhalte, wo er sicher unterstützt werde, jedoch im Kanton D-3336/2021 Seite 5 F._______ bisher noch in keinem Asylzentrum oder einer Gemeinde ge- meldet worden sei, weshalb keine verbindliche Fürsorgebestätigung erteilt werden könne, dass mit dem Schreiben die Anfrage des Beschwerdeführers an das (…) betreffend Bestätigung seiner Fürsorgeabhängigkeit vom 21. Juli 2021 zu den Akten gereicht wurde, dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am 22. Juli 2021 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re- gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒ 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass mit asylrechtlicher Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (ein- schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un- richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur- teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), D-3336/2021 Seite 6 dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver- zichtet wurde, dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.), dass die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Ge- währung von Asyl demgegenüber nicht Gegenstand des angefochtenen Nichteintretensentscheides und damit auch nicht des vorliegenden Verfah- rens bilden, weshalb auf die entsprechenden Beschwe rdeanträge nicht einzutreten ist, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG) und das SEM in diesem Fall in der Regel die Wegwei- sung aus der Schweiz verfügt und den Vollzug anordnet (Art. 44 AsylG), dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi- gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein- geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO), dass im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden sind, und dabei von der Situ- ation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen ist, in dem der Asylsuchende erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat (Art. 7 Abs. 2 Dub- lin-III-VO), D-3336/2021 Seite 7 dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zus tändigkeitsprüfung nach Kapitel III stattfindet (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.), dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist, einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an- deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe der A rtikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO), dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu- rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am (…) 2021 in Österreich ein Asyl- gesuch eingereicht hatte, dass die österreichischen Behörden dem Gesuch des SEM um Wiederauf- nahme gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO vom 1. Juli 2021 am 12. Juli 2021 ausdrücklich zugestimmt haben, dass der Beschwerdeführer nicht bestreitet, in Österreich ein Asylgesuch eingereicht zu haben, und auch die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates unbestritten blieb, dass somit die Zuständigkeit Österreichs für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens gegeben ist, dass es sodann keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragstellende in Öster- reich würden systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschli- chen oder entw ürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU– Grundrechtecharta mit sich bringen würden und nach Art. 17 Abs. 1 Dub- lin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben wäre, dass der Beschwerdeführer auch nicht aufzeigt e, eine Überstellung nach Österreich würde völkerrechtliche Normen verletzen, dass er in seiner Rechtsmitteleingabe zwar ausführte, er sei in Österreich – ohne Angabe eines Grundes – vom (…) 2021 bis am (…) 2021 in Isola- tionshaft gewesen und sei anschliessend für zwei Wochen in eine offene Haftanstalt verlegt worden, D-3336/2021 Seite 8 dass er demgegenüber gemäss der auf Beschwerdeebene eingereichten Haftbestätigung vom 24. März 2021 lediglich vom (…) 2021 bis am (…) 2021 inhaftiert wurde und davon auszugehen ist, die kurze Haft sei im Einklang mit der nationalen Gesetzgebung und dem anwendbaren Völker- recht angeordnet worden, dass Österreich ein Rechtsstaat mit einem funktionierenden Justizsystem ist und der Beschwerdeführer bei der zuständigen Stelle Beschwerde ein- reichen könnte, sollte er sich ungerecht oder rechtswidrig behandelt fühlen, dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be- schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO), dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert wird und die Vorinstanz das Asylgesuch gemäss dieser Be- stimmung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, dass der Beschwerdeführer in sein er Rechtsmitteleingabe im Wesentli- chen den bereits aktenkundigen Sachverhalt wiederholt aufführte und vor- brachte, er wünsche sich nichts mehr, als dass die Schweiz sein Asylge- such prüfe, dass der Wunsch des Beschwerdeführers auf Verbleib in der Schweiz an der Zuständigkeit Österreichs für die Prüfung eines Asylgesuchs nichts zu ändern vermag, zumal die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3), dass der Beschwerdeführer mit seinem Hinweis auf seine gesundheitlichen Probleme implizit die Anwendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respek- tive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 fordert, dass Österreich Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folte r und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 D-3336/2021 Seite 9 (SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich- tungen nachkommt, dass gleichzeitig auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat an- erkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber- kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf- nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah- merichtlinie) ergeben, dass der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge- tan hat, die österreichischen Behörden würden sich weigern ihn wieder auf- zunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen, dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind, Österreich werde in seinem Fall den Grundsatz des Non -Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein La nd zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol- ches Land gezwungen zu werden, dass der Beschwerdeführer keine konkreten Hinweise für die Annahme dargetan hat, Österreich würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnahme- richtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten, und er sich bei einer vorübergehenden Einschränkung im Übrigen nötigenfalls an die österreichischen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnah- mebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern könnte (vgl. Art. 26 Auf- nahmerichtlinie), dass der Beschwerdeführer geltend macht, die Überstellung nach Öster- reich setze ihn einer Gefahr für seine (psychische) Gesundheit aus, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann, insbesondere wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todes- nähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unte rstützung erwarten könnte D-3336/2021 Seite 10 (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Euro- päischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]), dass ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK gemäss neuerer Praxis des EGMR aber auch vorliegen kann, wenn eine schwer kranke Person durch die Ab- schiebung – mangels angemessener medizinische r Behandlung im Ziel- staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Leb enserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.), dass dies im vorliegenden Fall für die Situation des Beschwerdeführers of- fensichtlich nicht zutrifft, dass es im Übrigen allgemein bekannt ist, dass Österreich über eine aus- reichende medizinische Infrastruktur verfügt, und die geltend gemachten gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers ( […]-Probleme, […], […] Schwierigkeiten, […]-Probleme und […]) – entgegen dem pauschalen und nicht weiter differenzierten Einwand auf Beschwerdeebene – dort be- handelt werden können, dass diesbezüglich auch auf die zu bestätigenden Erwägungen in der an- gefochtenen Verfügung zu verweisen ist, dass die Mitgliedstaaten den Antragstelle nden die erforderliche medizini- sche Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt er- forderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Stö- rungen umfasst, zug änglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahme- richtlinie), und den Antragstellenden mit besonderen Bedürfnissen die er- forderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich erforderlichen- falls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren haben (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie), dass keine Hinweise vorliegen, wonach Österreich dem Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung verweigern würde, dass es dem Beschwerdeführer demnach offensteht, nötigenfalls medizi- nische Betreuung in Anspruch zu nehmen beziehungsweise dass die ge- gebenenfalls erforderlichen weiteren medizinischen Abklärungen auch in D-3336/2021 Seite 11 Österreich möglich sind und dass auch die Verfügbarkeit von Medikamen- ten gewährleistet ist, dass für das weitere Dublin-Verfahren einzig die Reisefähigkeit ausschlag- gebend ist, welche erst kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt wird, dass die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten Verfügung beauftragt sind, den medizinischen Umständen bei der Bestim- mung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Beschwerdeführen- den Rechnung tragen und die österreichischen Behörden vorgängig in ge- eigneter Weise über die spezifischen medizinischen Umstände informieren werden (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO), dass die österreichischen Behörden in ihrer Zustimmung um Übernahme des Beschwerdeführers ihrerseits darum ersucht haben, dass allfällige psychische und physische Einschränkungen sowie notwendige besondere Vorkehrungen bei beziehungsweise nach der Überstellung den österreichi- schen Behörden vorab mitzuteilen seien, womit davon ausgegangen wer- den kann, dass die medizinischen Beeinträchtigungen des Beschwerde- führers bei der Überstellung, falls notwendig, Berücksichtigung finden wer- den, dass sich aus der Überstellung nach Österreich mithin auch unter Berück- sichtigung der gesundheitlichen Vorbringen des Beschwerdeführers keine Verletzung von Art. 3 EMRK oder anderer völkerrechtlicher Verpflichtungen ergibt, dass sich somit ein (zwingender) Selbsteintritt gestützt auf Art. 17 Dublin- III-VO und Art. 3 EMRK vorliegend nicht gebietet, dass gestützt auf den Einwand des Beschwerdeführers er habe einen ent- fernten Verwandten in der Schweiz (Cousin väterlicherseits), welcher ihn in dieser schwierigen Phase, in welcher sich gerade befinde, begleite und unterstütze, zu prüfen ist, ob de ssen Anwesenheit in der Schweiz einer Überstellung im Rahmen des vorliegenden Dublin -Verfahrens entgegen- stehen beziehungsweise ob eine Rückführung des Beschwerdefüh rers nach Österreich gegen Art. 8 EMRK verstossen würde, dass sich auf den Schutz von Art. 8 EMRK zunächst Mitglieder der Kern- familie berufen können, mithin Ehegatten und die minderjährigen Kinder, D-3336/2021 Seite 12 dass ein entfernter Verwandter nicht unter den Schutzbereich dieser Be- stimmung fällt, weshalb der Beschwerdeführer daraus nichts z u seinen Gunsten ableiten kann, dass demzufolge Art. 9 Dublin-III-VO keine Anwendung findet, dass es angesichts der vorstehenden Erwägungen keine Gründe für eine Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO gibt und an dieser Stelle festzuhalten bleibt, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchen- den – wie bereits erwähnt – kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfen- den Staat selber zu bestimmen (BVG E 2010/45 E. 8.3), weshalb der Be- schwerdeführer aus seinem Einwand die Schweiz sei von Anfang an sein Ziel gewesen, nichts für sich abzuleiten vermag, dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 gemäss Praxis des Bundesverwaltungs gerichts Er messen zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine geset- zeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch die Vorinstanz zu entnehmen sind, dass sich das Bundesverwaltungsgericht unter diesen Umständen weiterer Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält, dass andere Gründe, die der Schweiz Anlass geben könnten oder sie gar verpflichten würden, von ihrem Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO Gebrauch zu machen, weder geltend gemacht wer- den noch ersichtlich sind, dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und – weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufent- halts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Österreich angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), dass keine Gründe für die vom Beschwerdeführer beantragte Rückwei- sung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung ersichtlich sind, und solche in der Beschwerde auch nicht dargelegt wurden, dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshinderni sse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration ( Ausländer und Integrationsgesetzes, D-3336/2021 Seite 13 AIG; SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das Fehlen von Überstel- lungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentsche ides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.), dass schliesslich der Vollständigkeit halber darauf hinzuweisen ist, dass allfällige Verzögerungen bei der Überstellung nach Österreich aufgrund der herrschenden Situation im Z usammenhang mit der COVID -19-Pandemie – gemäss aktuellem Kenntnisstand – lediglich temporäre Vollzugshinder- nisse darstellen und am Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern vermögen (vgl. Urteil des BVGer D-139/2020 vom 19. Juni 2020 E. 9.6 m.w.H.), dass nach dem Gesagten die Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist, und die Verfügung des SEM zu bestätigen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung so- wie auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegen- standslos erweisen, dass die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung einer amtlichen Rechts- verbeiständung – ungeachtet der allfälligen Bedürftigkeit des Beschwerde- führers – abzuweisen sind, da die Begehren – wie sich aus den vorstehen- den Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen waren, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1– 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-3336/2021 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der amtlichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Kathrin Rohrer Versand: