<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament eine Vorlage zu unterbreiten, die den von der Rechtsprechung des Bundesgerichtes entwickelten Grundsatz "in dubio pro populo" in die Gesetzgebung einfügt.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>In den letzten Jahren hat sich das Bundesgericht (BGer) wiederholt zur Gültigkeit verschiedener kantonaler Volksinitiativen geäussert (siehe z. B. BGE <a href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;highlight_docid=atf://143-I-129">143 I 129</a> und <a href="http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1954&amp;to_year=2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf://138-I-131:de&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir">138 I 131</a>). In seinen Urteilen hat es dabei immer den Grundsatz "in dubio pro populo" berücksichtigt, wonach mehrdeutige Texte im Zweifel der Volksabstimmung zu unterstellen sind. Der Grundsatz leitet sich auch aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip ab (Art. 34 und 36 Abs. 2 und 3 BV; SR 101), nach welchem ein staatlicher Eingriff die Bürgerrechte so wenig wie möglich einschränken soll (BGE <a href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&amp;type=show_document&amp;highlight_docid=atf://143-I-129">143 I 129</a> E. 2.2 S. 133). Das BGer muss diesen Grundsatz jedoch gegen andere abwägen, etwa die Vereinbarkeit mit übergeordnetem Recht (statt vieler: BGE <a href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&amp;type=show_document&amp;highlight_docid=atf://143-I-129">143 I 129</a> E. 2.3). </p><p>2018 hat das BGer zweimal eine Beschwerde gegen eine Ungültigerklärung kantonaler Volksinitiativen abgelehnt im Wesentlichen mit der Begründung, die kantonalen Instanzen seien zu Recht davon ausgegangen, der Wortlaut der Initiativen verstosse gegen übergeordnetes Recht (vgl. Urteil BGer <a href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?highlight_docid=aza://20-08-2018-1C_76-2018&amp;lang=de&amp;type=show_document&amp;zoom=YES&amp;">1C_76/2018</a> vom 20. August 2018 zur Initiative "Kopfbedeckungsverbot an Walliser Schulen" sowie Urteil BGE <a href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=1C_136/2018&amp;highlight_docid=atf://145-I-167:de&amp;azaclir=aza">145 I 167</a> vom 26. November 2018 zur Initiative "Immigration libre et frontières ouvertes: Gardons nos places de travail en priorité pour nos résidents"). Dabei ist es nicht von seiner ständigen Rechtsprechung abgewichen. Vielmehr ist es bei der Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro populo" jeweils zum Schluss gelangt, dass die Volksinitiativen keinen Spielraum für eine mit dem übergeordneten Recht vereinbare Auslegung lassen. Diese Beispiele vermögen folglich die vom Motionär festgestellte Tendenz nicht zu stützen, das BGer habe in seiner jüngeren Rechtsprechung kantonale Volksinitiativen häufiger für ungültig erklärt oder stelle den Grundsatz "in dubio pro populo" in den letzten Jahren vermehrt infrage. </p><p>Nach der Auffassung des Bundesrates deutet nichts darauf hin, dass der Grundsatz "in dubio pro populo" in der Rechtsordnung ungenügend verankert wäre. Abgesehen davon, dass sich der Grundsatz bereits heute aus der Bundesverfassung ergibt, vermöchte seine spezifische Verankerung in einem Gesetz oder in der Bundesverfassung die Tragweite im Einzelfall kaum zu erhöhen. Denn auch in diesem Fall wären die Bundesbehörden jeweils gehalten zu prüfen, ob im konkreten Fall ein hinreichender Auslegungsspielraum zugunsten der Initiative besteht. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Entscheide in Fällen wie den genannten kaum anders ausfallen würden.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.