B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-16/2016 pjn U r t e i l v o m 1 . D e z e m b e r 2 0 1 6 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Daniela Brüschweiler, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiberin Martina Kunert. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Daniel Weber, Fürsprecher, Advokaturbüro, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 27. November 2015 / N (…). D-16/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer – ein sri-lan- kischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie aus B._______ beziehungs- weise C._______ (beide Örtlichkeiten im D._______-Distrikt; Nordprovinz) – seine Heimat am (…) und gelangte auf dem Luft- und Landweg über In- dien, die Malediven und Italien am (…) illegal in die Schweiz, wo er am selben Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nachsuchte. Nach der Befragung zur Person (BzP , vgl. Act. A4) im EVZ Kreuzlingen vom 14. November 2013 wurde er mit Entscheid des BFM vom 15. November 2013 für den weiteren Aufenthalt dem Kanton So- lothurn zugewiesen. Am 23. Dezember 2014 wurde er durch das BFM an- gehört (vgl. Act. A15). A.b Anlässlich der BzP (vgl. Act. A4) gab der Beschwerdeführer an, von seiner Geburt bis zu seiner Ausreise gemeinsam mit seinen Eltern und sei- nen Schwestern an derselben Adresse im Dorf B._______ gelebt zu ha- ben, wo seine Familie bis heute lebe. Sein Vater habe in einem Bezirksamt gearbeitet, bis er seine Arbeitstätigkeit wegen einer Verletzung am Auge nach einem Bombenangriff habe aufgeben müssen, seither lebe die Fami- lie von einer bescheidenen Rente (S. 4 f.). Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er im Wesentlichen vor, wäh- rend der Schulferien im August 2013 von „einer Person aus dem Dorf“ als Wahlkampfhelfer für die bevorstehenden Wahlen vom 21. September 2013 angeworben worden zu sein, wobei er bereits fr üher politische Veranstal- tungen besucht habe. Sein Einsatz habe am (…) begonnen, am (…) sei er erstmals von fünf bis sechs Personen aufgefordert worden, sein Engage- ment einzustellen, andernfalls er Probleme bekommen werde. Die Drohun- gen habe er nicht ernst genommen und seinen Einsatz bis am (…) oder (…) fortgesetzt, bis er und seine Kollegen von sechs bis sieben Personen angegriffen worden seien, wobei er zwei bis drei Stockhiebe auf den Rü- cken abbekommen und solche Schmerzen davon getragen habe, dass er fünf Tage die Arbeit habe einstellen und sich in eine ayurvedische Behand- lung begeben müssen. Von einer Selbsteinweisung in ein staatliches Spital habe er abgesehen, da der Vorfall polizeilich registriert worden wäre und er von seinen Peinigern ausdrücklich aufgefordert worden sei, sich nicht an die Polizei zu wenden . Ab dem (…), einen Tag nachdem er die Arbeit wieder aufgenommen habe, sei er erneut von Unbekannten belästigt und D-16/2016 Seite 3 geschlagen worden – auch zuhause, zuletzt am (…). Unterstellte Sympa- thien für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) seien der Grund für die Schläge gewesen, wobei er deren Urheber nicht benennen oder mit Sicherheit zuordnen könne, mutmasslich habe es sich um Mitglieder von anderen Parteien gehandelt. Die geschilderten Umstände hätten seine El- tern veranlasst, ihr Haus zu verkaufen und ihn in die Schweiz zu schicken (S. 7 f.). Im Zusammenhang mit einer möglichen Überstellung nach Italien im Rah- men eines allfälligen Dublin -Verfahrens gab der Beschwerdeführer an, nicht nach Italien zu wollen. Er sei in die Schweiz gekommen, weil ihm mitgeteilt worden sei, „dass die Sicherheit hier gut“ sei und er seine Familie finanziell werde unterstützen könne (S. 9). A.c Im Rahmen der Anhörung (vgl. Act. A15) führte der Beschwerdeführer ergänzend aus, ungefähr ein Jahr nachdem sein Vater verletzt worden sei, sei die Familie nach Thamakilapu gezogen (F25). Aufgrund der Verletzun- gen und des Umzugs sei ihnen und insbesondere seinem Vater unberech- tigterweise vorgeworfen worden, Verbindungen zu den LTTE zu unterhal- ten (F25, 108). Hingegen sei es so, dass sein Vater bis zu seinem Arbeits- unfall – mutmasslich im Jahr (…) oder (…) – für die Tamil National Alliance (TNA) gearbeitet und Wahlpropaganda für sie gemacht habe (F48 –52). Nach seiner Ausreise habe sein Vater seinetwegen Schwierigkeiten in Form von Drohungen und Belästigungen bekomme n, weshalb er inzwi- schen versteckt in Colombo lebe (F13 und F141). Seither werde seine Mut- ter, welche ebenfalls den Wohnort gewechselt habe und in E._______, be- lästigt und als „Köder“ benutzt (F14 und F142). Ihn unmittelbar selbst betreffend gab er im Zusammenhang mit den ge- schilderten Problemen wegen seines Einsatzes als Wahlkampfhelfer über das an der BzP geltend Gem achte hinausgehend an was folgt: Am (…) seien sechs Personen, darunter dieselben, die ihn am (…) geschlagen hät- ten, in sein Elternhaus gekommen und ein Mann habe ihn gegen die Wand gedrückt und gewürgt und erst von ihm abgelassen, als seine Eltern ver- sprochen hätten, er werde sein Engagement für die TNA einstellen. Am Tag nach der Wahl vom (…) sei er mit einem Kollegen mit dem Motorrad unter- wegs gewesen, als er ungefähr zwei Kilometer vor D._______-Town gese- hen habe, dass es „irgendeine Auseinandersetzung“ gegeben habe. Sie hätten einfach vorbei fahren wollen, seien jedoch in die Auseinanderset- zung mit ungefähr 30 Beteiligten hineingezogen worden, indem sie mit dem D-16/2016 Seite 4 Holzstock geschlagen und so zu Fall gebracht worden seien. Die ihm un- bekannten Schläger hätten sie „mit Absicht in die Mitte“ gebracht „mit der Hoffnung, dass“ sie „bestimmt von beiden Parteien angegriffen“ würden „und so ums Leben“ kämen. E s sei zwar möglich gewesen zu reden und zu telefonieren, nicht jedoch zu fliehen, weshalb sein Kollege ihre Auftrag- geberin angerufen habe, damit sie sie abholen komme. Letztere sei in Be- gleitung der Polizei gekommen, in der Zwischenzeit seien sie wegen ihrer Unterstützung der TNA brutal zusammengeschlagen worden. Ihnen sei mit Nachdruck verboten worden, der Polizei vom Vorfall zu berichten. Hätte er sich dem widersetzt und Strafanzeige erstattet, wäre sein Leben noch mehr in Gefahr gewesen und zwar von den Schlägern und der Polizei. Die Auf- raggeberin habe sie schliesslich in Begleitung von Polizisten abgeholt, am Folgetag hätten Zeitungen über den Vorfall berichtet. Am (…), als er mit seinem Fahrrad unterwegs gewesen sei, sei er auf der Strasse angehalten und nochmals heftig zusammengeschlagen worden, so dass er sich in Be- gleitung seines Vaters in eine Art Spital begeben habe. Am selben Tag hät- ten sechs Personen in seinem Elternhaus nach ihm gesucht und seine Mut- ter unter Gewaltanwendung angehalten, ihn nachhause zu holen, damit sie ihn mitnehmen könnten. Sie hätten erwähnt, dass ihn der Umstand, dass er die TNA unterstützt habe, das Leben kosten werde (F25, F86ff., F121, F134ff. und F156ff.). Schliesslich habe er es zuhause nicht ausgehalten und sich aus Angst während ungefähr eines Monats bei seiner Tante, sei- nem Onkel in E._______ und in F._______ versteckt. Während dieser Zeit sei zuhause mehrmals nach ihm gesucht worden und jedes Mal sei gedroht worden, ihn umzubringen. Aus Angst um i hn hätten ihm seine Eltern zur Ausreise aus Sri Lanka geraten und seine Mutter habe ein Haus, welches sie bei ihrer Heirat als Mitgift erhalten habe, verkauft, um die Ausreise zu finanzieren. Im Übrigen sei auch bei seiner Tante und kurz danach bei sei- nem Onkel nach ihm gesucht worden (F25). Vor seinem Engagement als Wahlkampfhelfer, welches hauptsächlich finanziell motiviert gewesen sei, sei er nie politisch aktiv gewesen, wobei er durchaus mit der TNA sympa- thisiere, weil sie sich für die Rechte und Bedürfnisse der Tamilen einsetze (F117 ff.). B. Mit am 1. Dezember 2015 eröffneter Verfügung vom 27. November 2015 lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers unter Verneinung der Flüchtlingseigenschaft ab, verfügte die Wegweisung und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. D-16/2016 Seite 5 Zur Begründung hielt das SEM im Wesentlichen fest, bei der Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft sei die Situation im Zeitpunkt des Asylentschei- des massgeblich. Vorliegend habe der durch die TNA unterstützte Opposi- tionskandidat Maithripala Sirisena die weitgehend friedlich verlaufenen Präsidentschaftswahlen vom (…) für sich entscheiden können und sei seit dem (…) Präsident in Sri Lankas. Ein Interesse der sri-lankischen Behör- den an der Verfolgung von Personen, die eine legale Partei wie die TNA unterstützten, sei grundsätzlich nicht anzunehmen, wobei hervorzuheben sei, dass er kein Parteimitglied gewesen sei, vor den Parlamentswahlen im Jahr 2013 nichts mit der TNA zu tun gehabt habe und seine Aufgaben für die Partei von untergeordneter Natur gewesen seien. Die im Zusammen- hang mit den Wahlen im Jahr 2013 geschilderten Vorfälle seien somit zwar bedauerlich, jedoch sei nicht anzunehmen, dass die sri-lankischen Behör- den tatsächlich ein ernsthaftes Verfolgungsinteresse an seiner Person ge- habt hätten, da es ihm möglich gewesen sei, aus Sri Lanka mit einem auf ihn lautenden Pass auszureisen. Zudem erscheine sein Vorbringen, wo- nach er in Sri Lanka um sein Leben habe fürchten müssen, vor dem Hin- tergrund, dass seine Gegner mehrmals die Möglichkeit gehabt hätten, ihm schwerwiegendere Verletzungen als die geschilderten zuzufügen, über- steigert. Aufgrund der veränderten politischen Situation sei im gegenwärti- gen Zeitpunkt nicht mehr mit einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG aufgrund der Unterstützung der TNA im Jahr 2013 zu rechnen. Schliesslich sei auch nicht davon auszugehen, dass die geschilderten Nachstellungen im Zusammenhang mit einer ihm unterstellten Nähe zu den LTTE gestan- den hätten, zumal diese erst im Kontext der Regionalwahlen und nicht be- reits vorher erfolgt seien. Insgesamt sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine im gegenwärtigen Zeitpunkt bestehende asylrechtlich rele- vante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft darzulegen. Den Wegweisungsvollzug erachtete das SEM unter Ber ücksichtigung der Menschenrechts- und Sicherheitslage am Herkunftsort des Beschwerde- führers (D._______-Distrikt) und nach Würdigung seiner individuellen Ver- hältnisse als zulässig, zumutbar und möglich. C. Mit Eingabe vom 31. Dezember 2015 erhob der Beschwe rdeführer durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde gegen die Verfügung des SEM und beantragte deren Aufhebung und die Rückweisung der Sache zur Neube- urteilung an die Vorinstanz, eventuell die Gewährung von Asyl, subeventu- ell die Anordnung der vorläufigen Aufnahme infolge fehlender Zulässigkeit D-16/2016 Seite 6 und Zumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung und in prozessualer Hin- sicht die Gewährung der vollumfänglichen unentgeltlichen Rechtspflege und den Erlass der Kostenvorschusspflicht. Der Beschwerde lagen diverse Beweismittel in Kopie bei, auf deren Inhalt – soweit entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird. D. Mit Zwischenverfügung vom 14. Januar 2016 hiess der Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährung der vollumfänglichen unentgeltlichen Rechts- pflege gut. E. Mit Eingabe vom 15. Januar 2016 reichte der Beschwerdeführer durch sei- nen Rechtsvertreter die Originale der mit der Beschwerdeeingabe einge- reichten Beweismittel nach. F. F.a Mit Instruktionsverfügung vom 30. Juni 2016 gewährte der Instruktions- richter dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör im Hinblick auf eine mögliche Motivsubstitution. F.b Nach gewährter Fristerstreckung vom 14. Juli 2016 reichte der Be- schwerdeführer am 22. Juli 2016 durch seinen Rechtsvertreter eine Stel- lungnahme und am 5. August 2016 eine Kostennote zu den Akten. F.c Am 21. September 2016 ging die Ver nehmlassung der Vorinstanz vom 20. September 2016 beim Gericht ein und wurde dem Beschwerdeführer am 6. Oktober 2016 zur Kenntnisnahme zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-D-16/2016 Seite 7 det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitim iert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 1.4 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten so- zialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheides, wobei bereits erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Aus- reise bestehende begründete Furcht vor Verfolgung auf andauernde Ge- fährdung hinweisen kann (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 m.w.H.). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen D-16/2016 Seite 8 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich au f gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen – namentlich eine Verlet- zung des rechtlichen Gehörs sowie der Pflicht zur vollständigen und richti- gen Abklärung des rechtserheblichen Sach verhalts – erhoben, welche vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeigne t wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer rügt diesbezüglich, in den Akten befänden sich keine Anhaltspunkte, welche die Zweifel an der Intensität der erlittenen Nachteile und am Verdacht, de n LTTE nahezustehen, begründen würden. Zudem habe es die Vorinstanz unterlassen, eine mögliche Reflexverfolgung wegen der unterstellten LTTE-Vergangenheit seines Vaters zu prüfen. Ausserdem habe das SEM eine Rechtsverletzung begangen, indem es dem Schreiben vom 12. De- zember 2013 zu Unrecht einen verfahrensrelevanten Beweiswert abge- sprochen habe, obwohl dieses geeignet gewesen wäre, ein zentrales Vor- bringen zu belegen. Schliesslich unterstelle ihm das SEM einen Alias-Na- men, wozu sich ebenfalls keine Anhaltspunkte in den Akten befänden. Die Rüge der zu Unrecht unterlassenen Auseinandersetzung mit der gel- tend gemachten Reflexverfolgung w urde mit Eingabe vom 22. Juli 2016 zurückgezogen, weshalb sich Ausführungen dazu erübrigen. 3.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, unvoll- ständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sach- umstände berücksichtigt werden. Mit dem Gehörsanspruch von Art. 29 VwVG korreliert die Pflicht der Behör- den, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Be- gründung muss so abgefasst sein, dass der oder die Betroffen e den Ent- scheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die we- sentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass D-16/2016 Seite 9 sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander- setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Somit darf die Vorinstanz sich bei der Begründung der Verfügung auf die für den Ent- scheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und ist nicht gehalten, sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung auseinanderzu- setzen (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b). 3.3 Im Zusammenhang mit dem Schreiben vom 12. Dezember 2013, wel- ches im Übrigen unter der Bezeichnung „Bestätigung der Partei“ auf dem Beweismittelcouvert aufgeführt ist (vgl. Act. A14 , Nr. 4 ), ist festzuhalten, dass die Vorinstanz dieses – wie in der Beschwerdeeingabe erwähnt – als Gefälligkeitsschreiben ohne jeden Beweiswert qualifiziert und damit nicht „ignoriert“ hat. Ob diese Beweiswürdigung zutreffend ist, ist nicht unter dem Aspekt der Gehörsverletzung zu prüfen, sondern bildet Gegenstand der nachfolgenden Erwägungen. Ferner hat die Vorinstanz die im Zusammen- hang mit den Regionalwahlen 2013 geschilderten Nachteile im Umfang der geltend gemachten Intensität für nicht asylrelevant befunden, weshalb sie nicht veranlasst war, bestehende Zweifel an der Intensität zu substantiie- ren. Was den durch das SEM erfassten Alias-Namen anbelangt, ist festzu- halten, dass dem Beschwerdeführer daraus kein ersichtlicher Nachteil er- wachsen ist und folglich keine Veranlassung besteht, durch das SEM „die Namensfrage zu klären“. Entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeeingabe verletzte das SEM die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts genauso wenig wie den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör. Der Rückweisungsantrag ist abzuweisen. 4. 4.1 Das SEM führt e in der angefochtenen Verfügung im Einzelnen aus, weshalb es die Vorbringen des Beschwerdeführers für nicht asylrelevant erachtete. Eine Auseinandersetzung mit der Glaubhaftigkeit der Vorbringen fand folgerichtig nicht statt. 4.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist an die Begründung der Vorinstanz nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG); es kann die Beschwerde auch aus andern Überlegungen als jenen der Vorinstanz abweisen (sog. Motivsub- stitution; vgl. MADELEINE CAMPRUBI in: A uer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2008, N 15 zu Art. 62 VwVG; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfah- ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, S. 398, D-16/2016 Seite 10 Rz. 1136). Wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt, hat das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers – ungeachtet der Frage, ob seine Begründung in allen Teilen zutreffend ist – zu Recht abgelehnt. 4.3 Dem SEM ist insoweit beizupflichten, als es die unmittelbar im Zusam- menhang mit den Aktivitäten des Beschwerdeführers als Wahlkampfhelfer für die TNA im Rahmen der Regionalwahlen vom 21. September 2013 er- littenen Nachteile mangels aktuellen Bezugs für nicht asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG erachtet hat. Da das Schreiben vom 12. Dezember 2013 diese für nicht asylrelevant befundenen Vorbringen des Beschwerdefüh- rers zum Inhalt hat, k önnte die Frage, ob es von der Vorinstanz zu Recht als reines Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert qualifiziert worden ist, offen bleiben. Nichts destotrotz gibt es zu folgenden Bemerkungen Anlass: Der Verfasser des Schreibens, dem der Beschwerdeführer sehr g ut be- kannt sei, war nicht in der Lage, seinen Namen korrekt zu schreiben (G._______ anstatt H._______), was erste Zweifel aufkommen lässt, wie gut er diesen tatsächlich kannte. Sodann wird der Beschwerdeführer im erwähnten Schreiben als glühender Anhänger (ardent supporter) der TNA bezeichnet, der sich während der gesamten Wahlkampagne pausenlos dem Wahlkampf gewidmet und beispielsweise Treffen organisiert und Leute mobilisiert habe. Das geschilderte Engagement scheint vor dem Hin- tergrund, dass er eigenen Angaben zufolge nie Parteimitglied und sein En- gagement hauptsächlich finanziell motiviert gewesen sei und sich im Auf- hängen von Plakaten, Verteilen von Flyern und dem Verrichten von Hilfs- arbeiten erschöpft habe, stark übertrieben (vgl. A4, S. 7 und A15, F19, F25 und F34). Ausserdem vermochte er kaum Angaben über die TNA zu ma- chen, was bei einem „glühenden Anhänger“ – ebenso wie einer Parteimit- gliedschaft – eigentlich zu erwarten gewesen wäre (vgl. A15, F32 ff.). Schliesslich spricht auch der Umstand, dass er den Verfasser des Schrei- bens vom 12. Dezember 2013 im vorinstanzlichen Verfahren gänzlich un- erwähnt liess, dagegen, dass sich die beiden (wenn überhaupt) im darge- legten Ausmass gekannt haben. Das Schreiben wurde von der Vorinstanz folglich zu Recht als reines Gefälligkeitsschreiben ohne jeglichen Beweis- wert qualifiziert. Sodann machte er im vorinstanzlichen Verfahren geltend, er werde auf- grund seines Einsatzes als Wahlkampfhelfer in seinem Heimatstaat ge- sucht und würde im Falle einer Rückkehr „bestimmt bereits am Flughafen getötet“ werden (vgl. A15, F27, F138, F142–146, F150). Zwar konnte er die potenziellen Urheber nicht genauer benennen, allerdings scheint er diese D-16/2016 Seite 11 in Regierungskreisen zu vermuten, andernfalls nicht ersichtlich wäre, wes- halb er „bereits am Flughafen“ getötet werden sollte (vgl. A15, F150 f.). In der Beschwerdeeingabe wird hierzu ergänzend ausgeführt, die Familie des Beschwerdeführers werde nach wie vor belästigt. Beispielsweise sei seine Mutter am 2. Juli 2015 von vier Personen attackiert worden und habe sich danach in Spitalpflege begeben müssen , was sie veranlasst habe, Straf- anzeige zu erstatten ( vgl. Englische Übersetzung des Spitalberichts vom 12. Juli 2015 und der Anzeige bei der Polizei vom 14. Juli 2015, Beschwer- debeilagen 7 und 8). Sollte der Beschwerdeführer im gegenwärtigen Zeitpunkt in seinem Hei- matstaat aufgrund seiner Vergangenheit als Wahlkampfhelfer für die TNA und wegen einer angeblichen Beteiligung bei den LTTE gesucht werden und an Leib und Leben gefährdet sein, so wäre darin ein asylrelevanter Nachteil zu erkennen, welcher die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung zur Folge hätte. Wie es sich mit der Glaubhaftigkeit der fraglichen Vorbringen verhält, ist Gegenstand der nachfolgenden Aus- führungen. In diesem Zusammenhang wird auf die Instruktionsverfügung vom 30. Juni 2016 verwiesen. 4.4 In der Beschwerdeeingabe vom 15. Januar 2016 und der Eingabe vom 22. Juli 2016 wird an der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen festgehalten. Die Darlegungen des Beschwerdeführers seien kohärent, widerspruchsfrei und detailreich ausgefallen, so dass aus Sicht eines verständigen Dritten überhaupt keine Zweifel daran aufkommen könnten, dass sich die fragli- chen Vorfälle wie geschildert zugetragen hätten; den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nach Art. 7 AsylG werde Genüge getan. 4.5 Das Gericht kommt nach Würdigung der Akten zu einem gegenteiligen Schluss. Vorab ist die Auffassung des SEM zu bestätigen, wonach der Um- stand, dass der Beschwerdeführer sein Heimatland mit einem auf ihn lau- tenden Pass verlassen habe, gegen ein ernsthaftes Verfolgungsinteresse der heimatlichen Behörden an seiner Person im Ausreisezeitpunkt spre- che. Ferner weist das SEM zu Recht darauf hin, dass die geschilderten Nachstellungen erst im Kontex t der Regionalwahlen im September 2013 und nicht bereits vorher erfolgt seien, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass die unterstellte Unterstützung der LTTE für die geltend gemachten Nachteile ursächlich gewesen sei. Im Übrigen finden sich in den Akten keine Hinweise darauf, die seine Behauptung, ihm sei eine Beteiligung be- ziehungsweise Unterstützung der LTTE unterstellt worden, stützen wür-D-16/2016 Seite 12 den. Auf Nachfrage, weshalb ihm ein Bezug zu den LTTE unterstellt wor- den sei, führte er zusammengefasst aus, dieser Verdacht leite sich aus ei- nem gleichlautenden Verdacht gegen seinen Vater ab (vgl. A15, F108). Nachdem der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 22. Juli 2016 von der Behauptung, sein Vater habe unter einem entsprechenden Verdacht ge- standen, Abstand genommen hat, wird der Behauptung eines auf letzterem fussenden Verdachts jegliche Grundlage entzogen. Die geltend gemachte Unterstützung beziehungsweise Beteiligung der LTTE erweist sich insge- samt als unglaubhaft. Im Übrigen enthalten die Aussagen des Beschwer- deführers zahlreiche Widersprüche und Ungereimtheiten und können mit- nichten als kohärent und wi derspruchsfrei bezeichnet werden . Bezüglich des Vorfalls vom 22. September 2013 i st festzuhalten, dass sich dieser kaum wie geschildert zugetragen haben konnte. Zwar ist nicht auszu- schliessen, dass der Beschwerdeführer und sein Bekannter unverhofft in eine Auseinandersetzung geraten sind, allerdings erscheint es ausgespro- chen unwahrscheinlich, dass sie unter den geschilderten Umständen zum Mittelpunkt derselben hätten werden sollen, zumal sie rein zufällig in diese geraten seien. Jeglicher Logik entbehrt auch die Darstellung, sie seien an der Flucht gehindert worden, nicht jedoch daran, ihre Auftraggeberin anzu- rufen, die sie dann in Begleitung der Polizei abgeholt habe. Im Zusammen- hang mit dem fraglichen Vorfall ist sodann festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer geltend machte, er sei „extrem“ zusammengeschlagen worden und habe sich am 23. September 2013 in ein „sogenanntes Spital“ begeben, weshalb er nicht zuhause gewesen sei, als Unbekannte nach ihm gesucht hätten. Wie er unter den geschilderten Umständen am Folge- tag morgens im Stande gewesen sei, Fahrrad zu fahren, wirft weitere Fra- gen auf. Davon unbenommen dürfte seine Aussage, er sei am 23. Septem- ber 2013 morgens auf dem Weg zum Laden so zusammengeschlagen wor- den, dass er sich kaum noch habe aufrichten können, kaum in Einklang zu bringen sein mit der Behauptung, er sei auf dem Nachhauseweg nach ei- nem Computerkurs – den er nach dem regulären Schulunterrich t besucht habe – angegriffen worden. Im Übrigen mutet es seltsam an, dass seiner Mutter ohne weitere Angaben beschieden worden sei, er müsse sich „bei ihnen“ melden, ist doch nicht ersichtlich, wie er dieser Aufforderung man- gels weitere Angaben überhaupt h ätte nachkommen können (vgl. A15, F25, F100 ff., F134 ff. und 156 ff.). Hinzu kommt, dass der Beschwerdefüh- rer angab, bis zu seinem (hauptsächlich finanziell motivierten) Engage- ment als Wahlkampfhelfer bei den Regionalwahlen im September 2013 nie politisch aktiv gewesen zu sein (vgl. A117 ff.). Somit ist nicht ersichtlich, weshalb er im präsentierten Ausmass in den Fokus der heimatlichen Be-D-16/2016 Seite 13 hörden hätte geraten sollen . Folglich erweisen sich die angeblichen D ro- hungen und Belästigungen gegenüber seiner Famili e als nicht glaubhaft. Die eingereichten Beweismittel vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. 4.6 Überdies ist nicht davon auszugehen, dass ihm im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka aufgrund seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie ernst- hafte Nachteile drohen würden. Das Bundesverwaltungsgerichts hat im Ur- teil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festge- stellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaf- tung und Folter ausgesetzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsäch- lichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und Vor- liegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicher- weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin- dung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisa- tion für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikof aktoren eine asylrechtlich relevante Gefähr- dung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri -lanki- schen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamili- schen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8.5.1). Wie bereits erwähnt , konnte der Beschwerdeführer nicht glaubhaft ma- chen, der Unterstützung oder Mitgliedschaft bei den LTTE verdächtigt ge- wesen zu sein. Die Asylvorbringen haben sich sodann als unglaubhaft und asylrechtlich nicht relevant erwiesen. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise darauf, dass die sri-lankischen Behörden dem Beschwerdeführer ernsthaft eine Verbindung zu den LTTE unterstellen würden. Im Übrigen D-16/2016 Seite 14 hat er im November 2013 am Heldentag und im Dezember 2013 an einer Grossdemonstration teilgenommen und sich somit nicht in nennenswertem Ausmass exilpolitisch betätigt (F136). Nach dem Gesagten liegen keine Nachfluchtgründe vor, die die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh- rers begründen würden. 4.7 Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. 5. 5.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf E rteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn v ölkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über D-16/2016 Seite 15 die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (Folter Üb., SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be - schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. So- dann ergeben sich – entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift (vgl. S. 9–12 und 14) – weder aus seinen Aussagen noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Ge- mäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenr echte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Be - schwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaub- haft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmensch- liche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.), was ihm mit den allgemeinen Ausführungen in der Beschwerdeschrift nicht ge- lingt. Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä- ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be- schwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Gros sbritannien, a.a.O.; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P .K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine un- menschliche Behandlung. Weder die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka noch individuelle Faktoren in Bezug auf die Situation des Be- schwerdeführers lassen demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug D-16/2016 Seite 16 der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.3.1 Das SEM hält in der angefochtenen Verfügung fest, der Vollzug der Wegweisung in die Nord- und die Ostprovinz Sri Lankas sei aufgrund der seit dem Ende des Krieges im Mai 2009 deutlich verbesserten Sicherheits- lage grundsätzlich zumutbar. Es würden auch keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen. Der Be- schwerdeführer stamme aus dem D._______-Distrikt, wo er nahezu sein ganzes Leben verbracht habe und wo seine Mutter und seine Schwestern lebten, somit verfüge er vor Ort über ein tragfähiges Beziehungsnetz. Schliesslich sei er gemäss der Aktenlage gesund und habe ein Studium angefangen und dabei gute Resultate erzielt . Gemäss eigenen Angaben würde er eine gute Stelle bekommen, wenn er weiterstudieren könnte. Diese Faktoren erlaubten ihm die Wiederbegründung einer Lebensgrund- lage in seinem Heimatland. 6.3.2 Der Beschwerdeführer bringt dagegen unter Verweis auf dem Gericht bekannte Themenpapiere der Schweizerischen Flüchtlingshilfe pauschal vor, seine Wegweisung sei angesichts der im Verfahren dargelegten Tat- sachen und im Lichte aller relevanten aktenkundigen Umstände unzulässig und unzumutbar. 6.3.3 Mit Urteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesverwal- tungsgericht seine bisherige Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/24) und die gegenwärtige Praxis des SEM bestätigt, wonach der Wegweisungsvollzug sowohl in die Nordprovinz (Distrikte Jaffna [ausgenommen das Vanni-Ge- biet], Kilinochchi, Mullaitivu, Mannar und Vavuniya) als auch in die Ostpro- vinz (Distrikte Trincomalee, Batticaloa und Ampara) zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aus- sichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht wer- den kann. Der Beschwerdeführer stammt aus dem D._______-Distrikt, wo er fast sein ganzes Leben bis zur Ausreise verbracht hat und wo er auf ein D-16/2016 Seite 17 Beziehungsnetz bestehend aus seiner Mutter und seinen Schwestern zu- rückgreifen kann. Es ist davon auszugehen, dass er in seiner Heimat eine stabile Wohnsituation vorfinden wird, da seine Mutter gemäss Aktenlage noch an derselben Adresse wohnt wie vor seiner Ausreise. Zwar machte er im vorinstanzlichen Verfahren geltend, seine Familie habe ihr Haus ver- kaufen müssen, um ihm die Flucht in die Schweiz zu ermöglichen (vgl. A4, S. 4 f.). Diese Behauptung kann ihm allerdings nicht geglaubt werden, da er an anderer Stelle ausführte, seine Familie wohne nach wie vor an der- selben Adresse (vgl. A4, S. 7). Somit kann davon ausgegangen werden, dass er die Möglichkeit hat, sich in seiner Heimatregion niederzulassen. Im Übrigen handelt es sich in der Person des Beschwerdeführers um einen jungen Mann mit guter Schulbildung und erster Arbeitserfahrung (vgl. A4, S. 3 ff.). Nach dem Gesagten bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr in eine existenzielle Notlage geraten würde. Vor diesem Hintergrund erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da mit Zwischenverfügung vom 14. Januar 2016 das Gesuch um Gewährung der vollumfänglichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 110 a AsylG) gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. D-16/2016 Seite 18 8.2 Mit der Honorarabrechnung vom 5. August 2016 macht der amtliche Rechtsbeistand einen Vertretungsaufwand von insgesamt Fr. 2‘981.80 gel- tend, wobei ein zeitlicher Vertretungsaufwand von zwölf Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 220.–, Auslagen von Fr. 121.– sowie eine Mehr- wertsteuer von Fr. 220.80 ausgewiesen werden. Der ausgewiesene Zeit- aufwand fällt in Anbetracht des Aktenumfangs und der Komplexität der Ma- terie leicht überhöht aus und ist auf zehn Stunden zu kürzen. Das amtliche Honorar ist bei Anpassung der Kostennote auf Fr. 2‘497.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und Fürsprecher Daniel Weber zu Las- ten der Gerichtskasse auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-16/2016 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das amtliche Honorar für den als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsvertreter beträgt Fr. 2'497.– und geht zulasten der Kasse des Bun- desverwaltungsgerichts. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Martina Kunert Versand: