B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II Postfach CH-9023 St. Gallen Telefon +41 (0)58 465 25 60 Fax +41 (0)58 465 29 80 www.bundesverwaltungsgericht.ch Geschäfts-Nr. B-2560/2021 sce/grb/fma Z w i s c h e ne n t s c h e i d v o m 2 7 . J u l i 2 0 2 1 Besetzung Richterin Eva Schneeberger (Vorsitz), Richterin Kathrin Dietrich, Richter Pascal Richard, Gerichtsschreiberin Beatrice Grubenmann. In der Beschwerdesache Parteien X._______ SA, vertreten durch Maître François Membrez, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Strassen ASTRA, Abteilung Strasseninfrastruktur Ost, Filiale Winterthur, Grüzefeldstrasse 41, 8404 Winterthur, Vergabestelle, Gegenstand Öffentliches Beschaffungswesen; Zuschlag betr. Projekt "070191 N03-70 KER, TP1 BSA 5 – Mittelstreifen-Überleitsystem (MÜLS) West" SIMAP-Projekt-ID 206221, SIMAP-Meldungsnummer 1196571, B-2560/2021 Seite 2 stellt das Bundesverwaltungsgericht fest: A. Am 24. Juni 2020 schrieb das Bundesamt für Strassen ASTRA (im Folgen- den: Vergabestelle) auf der Internetplattform SIMAP ( Informationssystem über das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz) einen Bauauftrag unter dem Projekttitel "070191 N03 -70 KER, TP1 BSA 5 - Mittelstreifen- Überleitsystem (MÜLS) West" im offenen Verfahren aus (Meldungsnum- mer 1141931). In der Ausschreibung umschrieb die Vergabestelle den Ge- genstand und den Umfang des Auftrags wie folgt: "Das Los BSA 5, Mittelstreifen-Überleitsystem (MÜLS) West, umfasst Leistun- gen für die Lieferung, Montage und Inbetriebnahme eines Mittelstreifen-Über- leitsystems (MÜLS) in der Vorzone Kerenzerbergtunnel West. - 1 MÜLS inkl. Steuerkabine - Lieferung und Mon tage Übergangsstücke an best. Fahrzeugrückhaltesys- teme - Rückbau und Entsorgung bestehender Fahrzeugrückhaltesysteme " (vgl. Ausschreibung, Ziff. 2.6) Der Bauauftrag soll im Zeitraum vom 1. Oktober 2020 bis 30. Juni 2023 im Nationalstrassenabschnitt N03/70, Kanton Glarus, zwischen den Anschlüs- sen Weesen und Murg ausgeführt werden (Ausschreibung, Ziff. 2.13, 2.7). Die Angebote waren bis zum 4. August 2020 einzureichen (Ausschreibung, Ziff. 1.4). B. In der Folge gingen drei Angebote ein, darunter das Angebot der X._______ SA. C. Am 4. November 2020 erteilte die Vergabestelle der Z._______ AG den Zuschlag zum Preis von Fr. 756'748.– (exkl. MWST). D. Gegen den am 5. November 2020 auf SIMAP publizierten Zuschlag erhob die Y ._______ AG mit Eingabe vom 25. November 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. B-2560/2021 Seite 3 E. Mit Zwischenentscheid vom 26. Februar 2021 hiess d as Bundesverwal- tungsgericht den Antrag der Y ._______ AG auf Erteilung der aufschieben- den Wirkung gut. F. Am 25. März 2021 widerrief die Vergabestelle den Zuschlag und publizierte dies am gleichen Tag auf SIMAP (Meldungsnummer 1188345). Zur Be- gründung führte sie an, dass der Widerruf gestützt auf den Zwischenent- scheid aus dem laufenden Beschwerdeverfahren und die sich damit erge- bende neue Evaluation erfolgt sei. G. Mit Schreiben vom 10. April 2021 teilte die Vergabestelle der X._______ SA mit, dass ihr Angebot aufgrund einer nicht erfüllten Zertifi- zierung von der Bewertung habe ausgeschlossen werden müssen. Der Zu- schlag sei der Y ._______ AG zum Betrag von Fr. 833'965.– (exkl. MWST) erteilt worden. Gemäss Lastenheft Kapitel 2.1.3 sei mit dem Angebot die Zertifizierung der Aufhaltestufe nach SN 640 561 für ein MÜLS mit fixem Anprallschutz oder kurzer Absenkung nachzuweisen. Die Verriegelung der MÜLS-Arme (mit fixem Anprallschutz) sei bestimmend für die Festigkeit des Gesamtsystems. Während der Zertifizierung werde diese Verbindung mit Auffahrversuchen geprüft. Die X._______ SA habe indessen den Nach- weis für ei n MÜLS ohne fixe n Anprallschutz oder kurze Absenkung er- bracht. In ihrem Angebot sei die technische Verriegelung weder aufgezeigt noch seien weiterführende Erläuterungen dazu vorhanden. Die geforderte Zertifizierung des zu liefernden Systems zum Zeitpunkt der Angebotsein- gabe sei damit eindeutig nicht erfüllt. Die Erfüllung der im Lastenheft for- mulierten Anforderung hätte eine vollständige Neukonstruktion der Verrie- gelung und eine Neuzertifizierung zur Folge. H. Am 10. Mai 2021 teilte die Vergabestelle auf der Internetplattform SIMAP mit, dass sie am 7. Mai 2021 den Zuschlag der Y ._______ AG zum Preis von Fr. 833'965.– (ohne MWST) erteilt habe (Meldungsnummer 1196571). Zur Begründung führte die Vergabestelle aus, nach der Evaluation der ein- gegangenen Offerten sei die Anbieterin als geeignet und als wirtschaftlich sowie finanziell leistungsfähig qualifiziert worden. Die Offerte der Anbiete- rin sei somit in ihrer Gesamtheit die wirtschaftlich günstigste. Die einge- reichte Offerte erfülle sämtliche formellen Kriterien und Eignungskriterien, so dass der Zuschlag erteilt werden könne. B-2560/2021 Seite 4 I. Gegen diesen Zuschlag erhebt die X._______ SA (im Folgenden: Be- schwerdeführerin) am 31 . Mai 2021 Beschwerde beim Bundesverwal- tungsgericht. Sie beantragt im Hauptbegehren, die Ausschlussverfügung der Vergabestelle vom 10. April 2021 und die Verfügung der Vergabestelle vom 7. Mai 2021 seien aufzuheben und der Zuschlag sei der Beschwerde- führerin zu erteilen. Eventualiter beantragt sie, die Verfügungen vom 10. April 2021 und vom 7. Mai 2021 seien aufzuheben und die Sache sei an die Vergabestelle zurückzuweisen mit der Anordnung, der Zuschlag sei der Beschwerdeführerin zu erteilen. Subeventualiter beantragt sie, die Ver- fügung vom 10. April 2021 sei aufzuheben und es seien die Rechtswidrig- keit des Zuschlags vom 7. Mai 2021 festzustellen und die Vergabestelle zu verpflichten, der Beschwerdeführerin Schadenersatz im Betrag von Fr. 20'600.– samt Zins von 5% seit 10. Mai 2021 zuzusprechen. In pro- zessualer Hinsicht beantragt die Beschwerdeführerin, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung in dem Sinne zu erteilen. Weiter beantragt die Beschwerdeführerin, es sei ihr Gelegenheit zur Ergänzung ihrer Be- schwerde zu gewähren. Die Beschwerdeführerin rügt, die Vergabestelle habe den Ausschluss ihres Angebots mit dem Fehlen des gem äss Lastenheft erforderlichen Zertifi- kats, das die Erfüllung der Norm SN 640 561-2 belege, begründet. Gemäss der Auffassung der Vergabestelle habe die Beschwerdeführerin nicht be- legt, dass ihr MÜLS über einen Anprallschutz oder eine kurze Absenkung verfüge. Die Vorwürfe der Vergabestelle seien indessen ungerechtfertigt, denn die Beschwerdeführerin habe ihrem Angebot das EG-Konformitäts- zertifikat beigefügt, aus dem hervorgehe, dass ihr MÜLS die Anforderun- gen der Norm EN 1317-5: 2007 + A1: 2008 erfülle. Gemäss dem Anhang zu diesem Zertifikat weise die mobile Mittelstreifenschranke der Beschwer- deführerin die Aufhaltestufe H1 auf, die Anprallheftigkeitsstufe B1 und den Wirkungsbereich der Klasse W8. In Kapitel 2.1.3 des Lastenhefts werde die Einhaltung genau dieser Werte verlangt. Schon in ihrer Offerte habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie die Anforderungen erfülle und ihre Schranke einen Anpralldämpfer aufweise. Auch habe die Be- schwerdeführerin die Fragen der Vergabestelle vom 1. September 2020 beantwortet und bestätigt, dass ihr MÜLS die Anforderungen gemäss Ka- pitel 2.1.3 des Lastenhefts erfülle und vollautomatisch funktioniere. Die Vergabestelle habe demnach den Sachverhalt unrichtig festgestellt und das Angebot der Beschwerdeführerin zu Unrecht ausgeschlossen. B-2560/2021 Seite 5 Die Beschwerdeführerin beantragt, ihrer Beschwerde sei die aufschie- bende Wirkung zu erteilen. Es sei kein entgegenstehendes öffentliches In- teresse ersichtlich. Das private Interesse der Beschwerdeführe rin am Er- halt des Zuschlags und das öffentliche Interesse an der Garantie des Rechtsschutzes überwögen das Interesse der Vergabestelle an einem ra- schen Zuschlagsentscheid. Sollte das Gericht die aufschiebende Wirkung nicht erteilen, sei die Widerrechtlichkeit der angefochtenen Verfügung fest- zustellen. J. Mit Verfügung vom 1. Juni 2021 ordnete die Instruktionsrichterin an, dass bis zum Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts über den Antrag betref- fend Erteilung der aufschiebenden Wirkung alle Vollzugsvorkehru ngen, welche den Ausgang des hängigen Beschwerdeverfahrens präjudizieren könnten, namentlich der Vertragsabschluss mit der Zuschlagsempfängerin, zu unterbleiben hätten. K. Mit Vernehmlassung vom 16. Juni 2021 beantragt die Vergabestelle, das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung sei abzuweisen (1), über das Gesuch sei ohne weiteren Schriftenwechsel und ohne Verzug zu entscheiden (2), sowie, die Beschwerde sei abzuweisen (3). Die Vergabe- stelle bestreite die Ausführungen der Beschwerdeführerin in der Be- schwerde. Es gebe sachliche Gründe für den Ausschluss der Beschwerde- führerin. Die Vergabestelle habe den ersten Zuschlag aufgrund neuer Erkenntnisse aus dem Beschwerdeverfahren mit SIMAP-Publikation vom 23. März 2021 (recte: 25. März 2021) widerrufen. Nach erneuter Evaluation der Angebote habe sie alle Anbieter nochmals detailliert überprüft. Dabei habe sich her- ausgestellt, dass die Beschwerdeführerin nicht alle Anforderungen gemäss Ausschreibung erfülle und demzufolge vom Vergabeverfahren auszu- schliessen sei. Neben der Beschwerdeführerin sei auch die ursprüngliche Zuschlagsempfängerin ausgeschlossen worden. Die sogenannten Mittelstreifen -Überleitsysteme seien Komponenten, die auf dem Mittelstreifen der Fahrbahn eingebaut würden und im Bedarfsfal l eingesetzt werden könnten, um den Verkehr von der einen auf die andere Seite der Fahrbahn leiten zu können. Sowohl im offenen als auch im ge- schlossenen Zustand müssten sie diverse Eigenschaften aufweisen, damit B-2560/2021 Seite 6 die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer gewährleistet werden könne. Ge- mäss Lastenheft, Kapitel 2.1.3, müsse das System verschiedene Anforde- rungen, insbesondere im Bereich Sicherheit, erfüllen. Unter anderem sei das MÜLS zur Sicherheit der Verkehrsteilnehmer mit einem fixen Anprall- schutz (Anpralldämpfer) oder einer kurzen Absenkung zu versehen. Das von der Beschwerdeführerin angebotene System verfüge weder über eine kurze Absenkung noch über einen fixen Anprallschutz (Anpralldämpfer). Die Beschwerdeführerin habe in ihrem Angebot ausgeführt, dass die En t- wicklung eines integrierten Anpralldämpfers eine wesentliche Anpassung darstelle und eine Neuzertifizierung nach der Norm SN 640 567 respektive der Norm EN 1317 zur Folge hätte. Die Beschwerdeführerin habe diese Zertifizierung nicht offeriert und zudem darauf hingewiesen, dass sie keine Notwendigkeit dafür sehe. Das System erfülle damit eine wesentliche An- forderung gemäss Ausschreibung nicht. Die Beschwerdeführerin sei daher zu Recht vom Vergabeverfahren ausgeschlossen worden. Weiter führt die Vergabestel le aus, e s bestünden erhebliche Interessen, dass die Arbeiten sobald als möglich aufgenommen werden könnten. Bei einem Start der Leistungen anfangs August 2021 könnten die nötigen Schnittstellen noch zielführend abgeglichen und eine Inbetriebnahme mit moderaten Mehraufwendungen realisiert werden. Bei weiteren V erzöge- rungen führe dies zu nachträglichen Anpassungen an produzierten Syste- men, einer abgesetzten Integration mit weiteren Verkehrsbehinderungen (zusätzliche Nachtsperrungen) sowie erheblichen Aufwendungen für eine aufwendige Nachprüfung einer ausgetesteten, für den Verkehrsteilnehmer sicherheitsrelevanten Anlage (gesamte Signalisation) und die Planung von Provisorien für die fehlende Anlage. Nur mit einem zeitnahen Start der Ar- beiten für die Arbeitsvo rbereitung könne demnach sichergestellt werden, dass die straff abgestimmten Terminvorgaben sowie Materiallieferungen (Lieferfristen) eingehalten werden könnten. Die Vergabestelle beantragt schliesslich, die Akteneinsicht der Beschwer- deführerin sei einzuschränken, soweit es sich um die Offerten der Konkur- renten handle. L. Mit Eingabe vom 22. Juni 2021 teilte die Zuschlagsempfängerin mit, dass sie aufgrund der zutreffenden Vernehmlassung der Vergabestelle und der aus ihrer Sicht offensichtlichen Sach- und Rechtslage darauf verzichte, zu den prozessualen Anträgen der Beschwerdeführerin Stellung zu nehmen. Für den Fall, dass die vorsorglichen Massnahmen der Beschwerdeführerin B-2560/2021 Seite 7 gewährt werden sollten, beantrage die Zuschlagsempfängerin, sich für das Hauptverfahren als Beschwerdegegnerin konstituieren zu können, und be- halte sich vor, i m Hauptverfahren vollumfänglich zu den Vorbringen Stel- lung zu nehmen. M. Mit Eingabe vom 9. Juli 2021 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträ- gen fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gegenstand des vorliegenden Zwischenentscheids ist der Antrag der Be- schwerdeführerin auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung. 1.1 Am 1. Januar 2021 traten das totalrevidierte Bundesgesetz vom 21. Juni 2019 über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB, SR 172.056.1) und die dazugehörende Verordnung vom 12. Februar 2020 über das öffentliche Beschaffungswesen (VöB, SR 172.056.11) in Kraft. Gemäss der in Art. 62 BöB enthaltenen Übergangsbestimmung werden Vergabeverfahren, die vor Inkrafttreten dieses Gesetzes eingeleitet wur- den, nach bisherigem Recht zu Ende geführt. Die im vorliegenden Verfah- ren massgebliche Ausschreibung datiert vom 24. Juni 2020. Damit sind grundsätzlich die in jenem Zeitraum geltenden Rechtssätze anwendbar, nämlich insbesondere das Bundesgesetz vom 16. Dezember 1994 über das öffentliche Beschaffungswesen (im Folgenden: aBöB [AS 1996 508 ff.]) und die Verordnung vom 11. Dezember 1995 über das öffentliche Be- schaffungswesen (im Folgenden: aVöB [AS 1996 518 ff.]). 1.2 Ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der anhängig ge- machten Beschwerde zuständig, so entscheidet es auch über Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung (Art. 28 Abs. 2 aBöB). 1.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen die Erteilung eines Zuschlages, der in den Anwen- dungsbereich des aBöB fällt (Art. 29 Bst. a i.V.m. Art. 27 Abs. 1 aBöB). 1.4 Das aBöB erfasst nur Beschaffungen, welche dem GATT/WTO-Über- einkommen vom 15. April 1994 über das öffentliche Beschaffungswesen B-2560/2021 Seite 8 (Government Procurement Agreement [GPA 1994, SR 0.632.231.422]) un- terstellt sind (BVGE 2008/48 E. 2.1 m.H. "Areal - und Gebäudeüberwa- chung PSI"). Es ist anwendbar, wenn die Auftraggeberin dem Gesetz un- tersteht (Art. 2 aBöB), wenn der Beschaffungsgegenstand sachlich erfasst wird (Art. 5 aBöB), der geschätzte Wert des zu vergebenden öffentlichen Auftrages den entsprechenden Schwellenwert von A rt. 6 Abs. 1 aBöB er- reicht und keiner der Ausnahmetatbestände von Art. 3 aBöB gegeben ist. 1.4.1 Die Vergabestelle ist als Bundesamt Teil der allgemeinen Bundesver- waltung und untersteht damit dem BöB (Art. 2 Abs. 1 Bst. a aBöB). 1.4.2 Die Vergabestelle geht in den Ziffern 1.8 und 2.1 ihrer Ausschreibung vom 24. Juni 2020 von einem Bauauftrag aus. Nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c aBöB bedeutet der Begriff "Bauauftrag" einen Vertrag über die Durchfüh- rung von Hoch -und Tiefbauarbeiten im Sinne von Ziffer 51 der zentralen Produkteklassifikation (CPC-Liste) nach Anhang 1 Annex 5 des GPA. Ge- mäss Art. 6 Abs. 1 Bst. c aBöB beziehungsweise Art. 6 Abs. 2 aBöB in Ver- bindung mit Art. 1 Bst. c der Verordnung des WBF vom 19. November 2019 über die Anpassung der Schwellenwerte im öffentlichen Beschaffungswe- sen für die Jahre 2020 und 2021 (AS 2019 4101) beträgt der Schwellenwert für Bauwerke 8.7 Mio. Franken. Vergibt die Auftraggeberin für die Realisie- rung eines Bauwerkes mehrere Bauaufträge, so ist deren Gesamtwert massgebend. Der Bundesrat legt den Wert der einzelnen Bauaufträge fest, die auf jeden Fall den Bestimmungen des aBöB unterstehen. Er bestimmt, welchen prozentualen Anteil sie am Gesamtbauwerk ausmachen müssen (Art. 7 Abs. 2 aBöB). Entscheidend ist, ob im Gegenstand eines Bauauf- trags ein isoliertes eigenes Bauwerk oder ein Teil eines grösseren Bauvor- habens (Neubau oder Sanierung) zu sehen ist (PETER GALLI/ANDRÉ MO- SER/ELISABETH LANG/MARC STEINER, Praxis des öffentlichen Beschaf- fungsrechts, 3. Aufl. 2013, Rz. 309). 1.4.3 Gemäss der auf der Homepage der Vergabestelle publizierten Pro- jektübersicht des Projekts " Gesamterneuerung Kerenzerbergtunnel" ist zwischen 2020 und 2026 eine umfassende Gesamterneuerung der gesam- ten Tunnelanlage vorgesehen. Zuerst wird ein Sicherheitsstollen realisiert, der nördlich respektive seeseitig vom bestehenden Tunnel zu liegen kommt und über Querstollen mit dem Fahrraum verbunden ist. Anschlies- send werden umfangreiche Instandsetzungsarbeiten am Autobahntunnel vollzogen, in deren Rahmen die Bausubstanz saniert und die Betriebs- und Sicherheitstechnik erneuert wird. Die Gesamtkosten für dies e Massnah- men belaufen sich auf rund 436 Mio. Franken ( Bundesamt für Strassen B-2560/2021 Seite 9 ASTRA, Projektübersicht Gesamterneuerung Kerenzerbergtunnel <https://www.kerenzerbergtunnel.ch/media/pages/medien-und-informa- tion/d9227c86ce-1621956898/20210310-ker_projektueber- sicht_web.pdf>, letztmals besucht 21. Juli 2021). Das vorliegend ausge- schriebene Projekt "070191 N03-70 KER, TP1 BSA 5 – Mittelstreifen-Über- leitsystem (MÜLS) West" bildet Los 5 der insgesamt 24 Lose umfassenden "Losaufteilung Betriebs - und Sicherheitsausrüstungen" (vgl. Ausschrei- bungsunterlagen, Dok. 4.1 "Besondere Bestimmungen BSA ", Pos. -Nr. 133.100). Es ist unbestritten, dass die Beschaffung des MÜLS Teil dieses grösseren Bauvorhabens ist. Der Schwellenwert für Bauwerke ist damit überschritten. 1.5 Da auch kein Ausnahmetatbestand im Sinne von Art. 3 aBöB vorliegt, fällt die vorliegend angefochtene Beschaffung in den Anwendungsbereich des aBöB. 1.6 Das Bundesverwaltungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorlie- genden Streitsache zuständig. 2. Über das Begehren um Erteilung der aufschiebenden Wirkung im Rahmen der Anfechtung eines Zuschlags entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt gemäss ständiger Praxis in Dreierbesetzung (Zwischenentscheid des BVGer B-3402/2009 vom 2. Juli 2009, auszugsweise publiziert in BVGE 2009/19 E. 1.2 m.H. "Microsoft"; dazu GALLI/MOSER/LANG/STEINER, a.a.O., Rz. 1340 m.H.). 3. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht bestimmt sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), soweit das aBöB und das Verwaltungsgerichtsgesetz vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) nichts anderes bestimmen (Art. 26 Abs. 1 aBöB und Art. 37 VGG). 4. Im Unterschied zu Art. 55 Abs. 1 VwVG sieht Art. 28 Abs. 1 aBöB vor, dass der Beschwerde von Gesetzes wegen keine aufschiebende Wirkung zu- kommt. Demnach kann diese vom Bundesverwaltungsgericht nur auf Ge- such hin erteilt werden (Art. 28 Abs. 2 aBöB). B-2560/2021 Seite 10 Das aBöB nennt keine Kriterien, welche für die Frage der Gewährung oder Verweigerung der aufschiebenden Wirkung zu berücksichtigen sind. Es können indes die Grundsätze üb ernommen werden, die Rechtsprechung und Lehre zur Anwendung von Art. 55 VwVG entwickelt haben. Danach ist anhand einer Interessenabwägung zu prüfen, ob die Gründe, die für eine sofortige Vollstreckbarkeit sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung angeführt werden können (BGE 129 II 286 E. 3; Zwi- schenentscheid des BVGer B-6837/2010 vom 16. November 2010 E. 2.1 m.H. "Lüftung Belchentunnel"). Dass der Gesetzgeber im aBöB den Sus- pensiveffekt in Abweichung zum VwVG nicht von Gesetzes wegen ge- währte, zeigt, dass er sich der Bedeutung dieser Anordnung im Submis - sionsrecht bewusst war und eine individuelle Prüfung dieser Frage als not- wendig erachtete, nicht aber, dass er diesen nur ausnahmsweise gewährt haben wollte (vgl. zum Ganzen den Zwischenentscheid B-3402/2009, aus- zugsweise publiziert in BVGE 2009/19 E. 2.1 m.H. "Microsoft"). Liegt ein Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung vor, so ist im Sinne einer prima -facie-Würdigung der materiellen Rechtslage in einem ersten Schritt zu prüfen, ob aufgrund der vorliegenden Akten davon auszu- gehen ist, dass die Beschwerde offensichtlich unbegründet ist. Ist dies der Fall, ist die aufschiebende Wirkung von vornherein nicht zu gewähren. Werden der Beschwerde hingegen Erfolgschancen zuerkannt oder beste- hen darüber Zweifel, so ist über das Begehren um aufschiebende Wirkung aufgrund der erwähnten Interessenabwägung zu befinden. In die Abwä- gung einzubeziehen sind nach der ständigen Praxis der Eidgenössischen Rekurskommission für das öffentliche Beschaffungswesen (BRK), die sich das Bundesverwaltungsgericht mit dem Entscheid BVGE 2007/13 "Vermessung Durchmesserlinie" (E. 2.2) im Grundsatz zu eigen gemacht hat, einerseits die Interessen der Beschwerdeführerin an der Aufrechter- haltung der Möglichkeit, den Zuschlag zu erhalten, wobei zugleich ein ge- wichtiges öffentliches Interesse an der Gewährung effektiven Rechtsschut- zes besteht (Zwischenentscheid des BVGer B-6177/2008 vom 20. Oktober 2008 E. 2 "Hörgeräte"). Diesen gegenüber stehen die öffentlichen Interes- sen, die die Auftraggeberin wahrzunehmen hat. So wird in der GATT-Bot- schaft 2 vom 19. September 1994 namentlich festgehalten, gegen den au- tomatischen Suspensiveffekt spreche die Gefahr von Verzögerungen und erheblichen Mehrkosten (BBl 1994 IV 950 ff. , insbes. S. 1197; vgl. auch S. 1199; vgl. zum Ganzen den Zwischenentscheid B-3402/2009, auszugs- weise publiziert in BVGE 2009/19 E. 2.1 "Microsoft"). Entsprechend hält das Bundesgericht im Rahmen der Auslegung von Art. 17 Abs. 2 der Inter- kantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen vom B-2560/2021 Seite 11 15. März 2001 (IVöB) fest, dass dem öffentlichen Interesse an einer mög- lichst raschen Umsetzung des Vergabeentscheides von vornherein ein er- hebliches Gewicht zukommt (Urteil des BGer 2P .103/2006 vom 29. Mai 2006 E. 4.2.1 m.H.; in diesem Sinne auch BVGE 2008/7 E. 3.3 "Prestations de planification à Grolley/FR"). Auch allfällige Interessen Dritter, namentlich der übrigen an einem Beschaffungsgeschäft Beteiligten, sind nach der ständigen Praxis zu berücksichtigen. Ausgangspunkt muss dabei – insbe- sondere auch in Anbetracht der Zielsetzung von Art. XX Ziff. 2 und 7 Bst. a GPA 1994 – die Gewährung eines effektiven Rechtsschutzes und die Ver- hinderung von Zuständen sein, welche das Rechtsmittel illusorisch werden lassen (BVGE 2007/13 E. 2.2 m.H. "Vermessung Durchmesserlinie"; GALLI/MOSER/LANG/STEINER, a.a.O., Rz. 1341). Ein Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist nicht nur dann abzuweisen, wenn die Beschwerde materiell als offensichtlich unbegründet erscheint, sondern auch, wenn die Beschwerde prima facie deshalb keine Erfolgsaussichten hat, weil aller Voraussicht nach darauf nicht eingetreten werden kann (Zwischenentscheid des BVGer B -562/2015 vom 21. April 2015 E. 4.1 "Support Software ORMA"). 5. Zur Beschwerde ist berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilge- nommen hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG). 5.1 Die Beschwerdeführerin ist formell beschwert, denn sie hat am Verfah- ren vor der Vergabestelle teilgenommen, und sie ist durch die angefoch- tene Verfügung auch offensichtlich besonders berührt, weil sie vom Verga- beverfahren ausgeschlossen wurde. 5.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung genügt der Umstand, dass jemand am Offertverfahren teilgenommen hat und nicht berücksich- tigt worden ist, nicht, um die Legitimation zu bejahen. Der unterlegene An- bieter ist zur Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht nur legitimiert, wenn er eine reelle Chance besitzt, den Zuschlag selber zu erhalten (BGE 141 II 14 E. 4 ff. "Monte Ceneri"). Die Frage, ob der unterlegene, Beschwerde führende Anbieter eine reelle Chance besitzt, den Zuschlag selber zu erhalten, ist aufgrund der von ihm B-2560/2021 Seite 12 gestellten Anträge und vorgebrachten Rügen zu beantworten. Ob die ent- sprechenden Rügen begründet sind, ist insofern sowohl Gegenstand der materiellen Beurteilung als auch bereits vorfrageweise von Bedeutung für das Vorliegen der Prozessvoraussetzungen (BGE 141 II 14 E. 5.1 "Monte Ceneri"; 137 II 313 E. 3.3.3 "Microsoft"). Für derartige doppelrelevante Sachverhalte gilt, dass es im Stadium der Prüfung der Eintretensvoraus- setzungen genügt, wenn der Beschwerdeführer glaubhaft macht ("mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit geltend macht", "rende vraisemblable"), dass seine Aussichten, nach einer Aufhebung der angefochtenen Verfügung den Zuschlag zu erhalten, intakt sind und nicht einer der vor ihm platzierten Mitbewerber den Zuschl ag erhalten würde (BGE 141 II 14 E. 5.1 m.H. "Monte Ceneri"). Vorliegend bemängelt die Beschwerdeführerin, ihr Angebot sei zu Unrecht ausgeschlossen worden. Anlässlich der Evaluation vor dem ersten Zuschlag , bevor die Vergabe- stelle aufgrund der Beschwerd e einer anderen Anbieterin zum Schluss kam, dass das Angebot der Beschwerdeführerin die technischen Anforde- rungen nicht erfülle und daher auszuschliessen sei, rangierte sie dieses Angebot auf dem zweiten Platz , vor demjenigen der Y ._______ AG der Empfängerin des vorliegend angefochtenen zweiten Zuschlags. Das im ersten Rang platzierte Angebot der Z._______ AG wurde im Rahmen der zweiten Evaluation mit einer anderen Begründung ausgeschlossen als dasjenige der Beschwerdeführerin. Würde das Bundesverwaltungsgericht der Argumentation der Beschwerdeführerin folgen, dass die Vergabestelle das Angebot der Beschwerdeführerin im Rahmen der zweiten Evaluation zu Unrecht vom Verfahren ausgeschlossen habe, so würde dies den Aus- schluss des Angebots der Z._______ AG nicht tangieren, so dass lediglich die Angebote der Beschwerdeführerin und der Y ._______ AG zu verglei- chen wären. Von diesen beiden Angeboten ist dasjenige der Beschwerde- führerin gemäss Evaluation das wirtschaftlich günstigere . In diesem Fall hätte die Beschwerdeführerin daher eine reelle Chance darauf, selbst den Zuschlag zu erhalten. 5.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 30 aBöB und Art. 52 Abs. 1 VwVG) und der Kostenvorschuss wurde rechtzeitig be- zahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG). 5.4 Prima facie ist daher davon auszugehen, dass die Eintretensvoraus- setzungen gegeben sind. B-2560/2021 Seite 13 6. Die Beschwerdeführerin rügt, es treffe nicht zu, dass ihr MÜLS die Anfor- derungen gemäss Kapitel 2.1.3 des Lastenhefts nicht erfülle. Die beiden Normen SN 640 560 un d SN 640 561 stellten die massgebli- chen Richtlinien der Vergabestelle für Fahrzeug -Rückhaltesysteme dar. Damit die Anforderungen der Norm SN 640 561 erfüllt seien, müssten die- jenigen der Norm EN 1317 erfüllt sein (vgl. ASTRA -Richtlinie Fahrzeug- rückhaltesysteme, Teil A, S. 11). Die Beschwerdeführerin sei sich dieser Anforderungen bewusst gewesen und habe ihrem Angebot eine EG -Kon- formitätsbescheinigung beigefügt, welche bestätige, dass ihr MÜLS die An- forderungen der Norm EN 1317 - 5: 2007 + A1: 2008 erfülle. Ihr Zertifikat bestätige, dass ihr MÜLS die Aufhaltestufe H1, die Anprallheftigkeitsstufe B1 und den Wirkungsbereich Klasse W8 aufweise. Im Lastenheft verlange die Vergabestelle die Erfüllung genau dieser Werte. Die Beschwerdeführe- rin habe bereits in ihrer Offerte dargelegt, dass sie die verlangten Anforde- rungen erfülle und dass ihre MÜLS einen Anprallschutz aufweise. Die Vergabestelle habe insofern den Sachverhalt unrichtig festgestellt. Die Beschwerdeführerin kritisiert überdies, die Vergabestelle gehe zu Un- recht davon aus, dass das Vorhandensein eines Anpralldämpfers oder ei- ner Kurzabsenkung zertifiziert sein müsse. Diese Anforderung ergebe sich weder aus der Ausschreibung noch aus dem Lastenheft. In Kapitel 2.1.3 des Lastenhefts werde zwar verlangt, dass das MÜLS eine kurze Absen- kung oder einen Anpralldämpfer besitze n müsse, nicht aber, dass diese zertifiziert sein müssten. Die Begründung der Vergabestelle, wonach das MÜLS der Beschwerdeführerin k einen zertifizierten Anpralldämpfer auf- weise, stelle somit eine unzulässige Änderung der Ausschreibung und Aus- schreibungsunterlagen dar. Die Vergabestelle legt ihrerseits dar, gemäss Lastenheft, Kapitel 2.1.3, müsse das MÜLS verschiedene Anforderungen, insbesondere im Bereich Sicherheit, erfüllen. Es seien diverse Anforderungen gemäss den Normen SN 640 561 (Passive Sicherheit im Strassenraum) und 640 567 -2 (Fahr- zeugrückhaltesysteme) zu erfüllen. Die Normengruppe SN 640 567 über- nehme die europäische Normengruppe EN 1317 mit einem nationalen Vor- wort, was ihr den Status einer Schweizer Norm gebe. Die SN -Norm sei somit inhaltlich identisch mit der EN -Norm. Zu Recht halte die Beschwer- deführerin fest, dass alle Rückhaltesyst eme zertifiziert sein müssten. Aus dem Lastenheft ergäben sich w eitere Anforderungen, insbesondere aus B-2560/2021 Seite 14 Kapitel 2.1.3. Unter anderem sei das MÜLS zur Sicherheit der Verkehrs- teilnehmer mit einem fixen Anprallschutz (Anpralldämpfer) oder einer kur- zen Absenkung zu versehen. Die kurze Absenkung die ne dazu, dass ein Fahrzeug nicht frontal auf das MÜLS pralle, sondern angehoben und ab- gelenkt werde. Der fixe Anprallschutz (Anpralldämpfer) sei vor dem Hinder- nis angeordnet und solle die Wucht des Aufpralls mindern. Das von der Beschwerdeführerin angebotene System verfüge weder über eine kurze Absenkung noch über einen fixen Anprallschutz (Anpralldämp- fer). Die Evaluation sei auf der Basis des offerierten und zertifizierten Sys- tems ohne Anpralldämpfer erfolgt. Die Besc hwerdeführerin halte selber fest, dass sie lediglich über ein zertifiziertes MÜLS ohne fixen Anprallschutz oder kurze Absenkung verfüge. Dieses erfülle die Anforderungen gemäss Lastenheft daher nicht. Sie verfüge auch nicht über ein zertifiziertes Sys- tem mit Anpralldämpfer oder kurzer Absenkung. Das integrierte Element (Anpralldämpfer) sei nicht zertifiziert und dürfe damit nicht in Verkehr ge- bracht werden. Eine wichtige technische Anforderung an die Leistung sei damit nicht erfüllt, was zum Ausschluss der Beschwerdeführerin aus dem vorliegenden Vergabeverfahren führe. 6.1 Die Vergabestelle hat die Anforderungen an die geforderte Leistung, insbesondere deren technischen Spezifikationen, in hinreichender Klarheit und Ausführlichkeit zu umschreiben und in jedem Fall mitzuteilen, welche Anforderungen zwingend zu erfüllen sind (Art. 16a Abs. 1 und 3 aVöB; BVGE 2017 IV/3 E. 4.3.2 "Mobile Warnanlagen"). Von erheblicher Bedeu- tung ist die eindeutige, vollständig und ausreichend detaillierte Le istungs- beschreibung (Produktanforderung). Der Leistungsbeschrieb (Beschrei- bung des Beschaffungsgegenstandes) enthält alle notwendigen Anforde- rungen an den Leistungsgegenstand und bildet zusammen mit den techni- schen Spezifikationen (Formulierung der Detaila nforderungen) das Kern- stück der Ausschreibung ( HANS RUDOLF TRÜEB, in: Oesch/Weber/Zäch [Hrsg.], Wettbewerbsrecht II, Kommentar, 2011, Art. 12 BöB N. 1 f., Art. 18 BöB N. 13 f.; DERS. [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizerischen Be- schaffungsrecht, 2020 [im Folgenden: TRÜEB 2020], Art. 30 BöB N. 7 f.). Produktanforderungen sind – soweit sich aus der Ausschreibung nichts an- deres ergibt – absolute Kriterien. Ihre Nichterfüllung führt grundsätzlich zur Nichtberücksichtigung des Angebots (Zwischenentscheid des BVG er B-6295/2017 vom 18. Juni 2018 E. 4.7 m.w.H. "Produkte zur Aussenreini- gung"; TRÜEB 2020, a.a.O., Art. 30 N. 7 f.). B-2560/2021 Seite 15 6.2 Gegenstand des vorliegend umstrittenen Vergabeverfahrens ist ein Mittelstreifen-Überleitsystem (MÜLS). Dieses ist definiert als eine Schutz- einrichtung für den Verkehr, welche geschlossen (Richtungsverkehr) oder geöffnet (Gegenverkehr) werden kann. Die technischen Spezifikationen wurden durch die Vergabestelle im Las- tenheft BSA, das Bestandteil der Ausschreibungsunterlagen bildet, vorge- geben (Dok. 4.2 "Lastenheft BSA" [im Folgenden: Lastenheft]). Das Las- tenheft sieht in Kapitel 2.1 unter anderem Folgendes vor: "Die MÜLS ist mit einem fixen Anprallschutz oder einer kurzen Absenkung zu versehen. […] Es gelten folgende Sicherheitsanforderungen für die geschlossene MÜLS: • Aufhaltestufe H1 (oder höher), zertifiziert gemäss SN 640 561 • Wirkungsbereich: Klasse W6 – W8 • Anprallheftigkeit muss der Stufe B gemäss SN 640 567-2 entsprechen • […]." (Lastenheft Kap. 2.1.3). 6.3 Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass es sich bei den in Kapitel 2.1.3 des Lastenhefts festgelegten Anforderungen an die Konstruktion des MÜLS um zwingende Anforderungen handelt. 6.4 In sachverhaltlicher Hinsicht ist unbestritten, dass das von der Be- schwerdeführerin angebotene MÜLS die Anforderungen für den geschlos- senen Zustand erfüllt und entsprechend zertifiziert ist. 6.5 Bestritten ist indessen, ob sie auch die – kumulativ zu erfüllende – An- forderung an einen fixen Anprallschutz oder eine kurze Absenkung erfüllt. Die Beschwerdeführerin rügt diesbezüglich, sie habe in ihrer Offerte ange- geben, dass sie die in Kapitel 2.1.3 des Lastenhefts aufgestellten Anforde- rungen erfülle und ihre Schranke über einen Anpralldämpfer verfüge. Auch habe sie die Fragen der Vergabestelle vom 1. September 2020 beantwortet und bestätigt, dass ihr MÜLS den Anforderungen gemäss Kapitel 2.1.3 des Lastenhefts entspreche und vollautomatisch funktioniere. Aus Kapitel 2.1.3 B-2560/2021 Seite 16 des Lastenhefts gehe hervor, dass nur gewisse Eigenschaften zertifiziert sein müssten. B eispielsweise müsse die Aufhaltestufe H1 gemäss der Norm SN 640 561 geprüft sein. Entsprechend habe die Beschwerdeführe- rin ein EG-Konformitätszertifikat vom 5. November 2010 eingereicht, wel- ches belege, dass ihr MÜLS die in Kapitel 2.1.3 des Lastenhefts genannten Anforderungen erfülle. Im Lastenheft werde demgegenüber nicht verlangt, dass auch die Elemente des Anprallschutzes oder der kurzen Absenkung zertifiziert sein müssten. Indem die Vergabestelle eine Zertifizierung für den Anpralldämpfer der Beschwerdeführerin verlange, ändere sie das Lasten- heft, was gegen die Grundsätze des Vergaberechts ( Transparenzgrund- satz) verstosse. Die Vergabestelle ist dagegen der Meinung, die Beschwerdeführerin habe den Nachweis für ei n MÜLS ohne fixen Anprallschutz oder kurze Absen- kung erbracht. Das integrierte Element (Anpralldämpfer) sei gemäss Über- legungen der Beschwerdeführerin nicht zertifiziert und dürfe damit nicht in Verkehr gebracht werden. Die Integration eines Anpralldämpfers entspre- che einer tiefgreifenden technischen Änderung. Die Zugfestigkeit der Ver- riegelung werde damit massgeblich verändert, weshalb eine Neuzertifizie- rung nötig wäre. Die Beschwerdeführerin habe das selber korrekt festge- halten. Ihr MÜLS dürfe ohne Neuzertifizierung gar nicht in Verkehr gebracht werden. Auch wenn eine Zertifizierung des Systems der Beschwerdefüh- rerin in Zukunft denkbar wäre, seien die Anforderungen gemäss der vorlie- genden Ausschreibung nicht erfüllt. 6.5.1 Gemäss den Ausschreibungsunterlagen müssen die Anbieter einen technischen Bericht einreichen, in welchem sie eine fachtechnische Be- schreibung des MÜLS erarbeiten. Es sind darin alle Anlageteile zu be- schreiben, die zum Einsatz gelangen, darunter die Anlageb eschreibung MÜLS und in dieser Rubrik die Leitschrankenelemente und den Aufbau. Gemäss der Vergabestelle dienen diese Angaben dem Nachweis der Er- füllung der Anforderungen aus dem Lastenheft und Fachhandbuch. Abwei- chungen sind mit Begründung zu beschreiben (Dok. 5 "Unternehmeranga- ben", Kap. 3.2.1.1 "Technischer Bericht des Anbieters"). 6.5.2 Die Beschwerdeführerin hat mit ihrem technischen Bericht auch ihr EG-Konformitätszertifikat Nr. 1826-CPD-10-02-09 vom 5. November 2010 eingereicht, welches bescheinigt, dass das von der Beschwerdeführerin angebotene MÜLS den Standard EN 1317-5: 2007 + A1: 2008 erfülle. Das Zertifikat enthält im Anhang eine Abbildung des zertifizierten MÜLS sowie die Daten zur Leistungsfähigkeit des MÜLS bei einem Aufprall. B-2560/2021 Seite 17 Auf dieser Abbildung des verriegelten MÜLS ist weder eine Kurzabsenkung noch ein Anpralldämpfer erkennbar. Die Beschwerdeführerin behauptet dies auch gar nicht. 6.5.3 Anlässlich der technischen Bereinigung forderte die Vergabestelle die Beschwerdeführerin am 1. September 2020 auf, zu verschiedenen Fra- gen Stellung zu nehmen. Darunter befand sich auch folgende Frage: "Gemäss Lastenheft Kap. 2.1.3 Konstruktion ist eine MÜLS mit einem fixen Anprallschutz oder einer kurzen Absenkung zu versehen. Sie muss so kon- struiert sein, dass der Betrieb im Normalfall vollständig automatisiert stattfin- den kann. Teile oder Prozesse, welche im Rahmen des normalen automati- sierten Betriebsprozesses manuell / händisch zu montieren resp. vorzuneh- men sind, sind nicht zulässig. Bestätigen Sie, dass das offerierte System diese Anforderung erfüllt " (Frage- katalog, Frage 5) Die Beschwerdeführerin kreuzte auf dies e Frage die Antwort "ja" an. Gleichzeitig legte sie aber noch eine Notiz bei, betitelt mit "Mobiles Mittel- streifen-Überleitsystem (MÜLS), GMA09800 EG Homologation 1826-CPD- 10-02-09, Überlegungen über den Anbau eines Anpralldämpfers", welche vom 8. Oktober 2012 datiert. Darin erörterte sie die Frage der Zweckmäs- sigkeit des Anbaus eines Anpralldämpfers am Ri egel einer offenen Leit- schranke. Die Beschwerdeführerin erklärt e, sie habe einer im normalen Betriebszustand offenen Halbschranke ein leicht abnehmbares System am Riegel hinzugefügt. Es handle sich um eine abgerundete Verschalung, die Schutz für Personen biete, die während eines Unfalls auf die Fahrbahn ge- schleudert worden seien. Auch habe sie auf einem System GM07 auf An- trag eines Kunden einen Frontkasten mit integrierter Stauchzone entwi- ckelt und installiert. Dieser Kasten sei Besta ndteil der mobilen Leit- schranke. Die Beschwerdeführerin habe die Möglichkeit, einen Kasten mit Stauchzone auf ihren früheren GM07 zu installieren. Diese könnten aber nicht mehr homologiert werden. Für ihr e neue MÜLS (GMA09800) habe sie die Möglichkeit, einen Frontkasten mit integrierter Stauchzone zu instal- lieren, doch würde die MÜLS damit ihre heute gültige Homologation verlie- ren. Die Beschwerdeführerin komme zum Schluss, dass es keine Norm für den Zusatz am offenen Ende der mobilen Systeme gebe. Sie könne die Notwendigkeit nicht rechtfertigen, ei nen Anpralldämpfer auf ihren GMA09800 in offener Position hinzuzufügen. B-2560/2021 Seite 18 6.5.4 Aus diesen Ausführungen, insbesondere dem Satz "Für unsere neue MÜLS (GMA09800), haben wir die Möglichkeit, dieselbe Vorrichtung zu in- stallieren, sie würde aber ihre heute gültige Hom ologation verlieren" geht nicht nur hervor, dass das zertifizierte MÜLS der Beschwerdeführerin kei- nen Anprallschutz aufweist, sondern auch, dass die Beschwerdeführerin selber davon ausgeht, dass, wenn sie ihr MÜLS mit einem Anpralldämpfer ausstatten würde, dieses nicht mehr mit dem zertifizierten MÜLS überein- stimmen würde, sondern neu zertifiziert (homologiert) werden müsste. Mit diesen ergänzenden Ausführungen widersprach die Beschwerdeführe- rin somit selbst ihrer vorher angekreuzten Bestätigung, dass das von ihr angebotene MÜLS die Anforderung eines fixen Anprallschutzes oder einer kurzen Absenkung erfülle. 6.5.5 In ihrer Beschwerde widerlegt die Beschwerdeführerin diese Interpre- tation nicht. Auch die von ihr eingereichten "Réflexions sur l’installation d’un amortisseur de choc à l ’extrémité d’une glissière mobile de déviation de trafic" zeigen nicht auf, dass das von ihr angebotene MÜLS über einen fixen Anprallschutz oder eine kurze Absenkung verfügt, sondern legen le- diglich dar, warum diese Anforderung nach Auffassung des Verfassers die- ses Berichts gar nicht nötig sei. 6.5.6 Erfüllt das von der Beschwerdeführerin angebotene MÜLS somit diese zwingende technische Anforderung nicht, so ist prima facie davon auszugehen, dass die Vergabestelle es zu Recht aus diesem Grund vom Vergabeverfahren ausgeschlossen hat. 7. Die Beschwerdeführerin rügt weiter, indem die Vergabestelle den Zuschlag nicht derjenigen Anbieterin erteilt habe, welche das wirtschaftlich güns- tigste Angebot eingereicht habe, habe sie Art. 21 aBöB verletzt. Die Offerte der Beschwerdeführerin sei evaluiert worden, bevor die Vergabestelle am 4. November 2020 den ersten Zuschlag erteilt habe. In der Bewertung habe ihr Angebot – vor der Zuschlagsempfängerin Y ._______ AG – Rang zwei erreicht. Es sei widersinnig, dass das Angebot der Beschwerdeführerin zu- nächst bewertet worden sei, bevor es dann durch eine spätere Verfügung der Vergabestelle ausgeschlossen worden sei. Auch sei es angesichts des- sen, dass die Y ._______ AG im ersten Durchgang auf Rang drei platziert worden sei, unverständlich, dass die Y ._______ AG nun den Zuschlag er- halten habe. B-2560/2021 Seite 19 Für die Beurteilung, welches Angebot das wirtschaftlich günstigste ist, kön- nen nur Angebote zum Vergleich herangezogen werden, welche die tech- nischen Spezifikationen erfüllen und nicht aus einem anderen Grund aus- zuschliessen sind. Dass zwei Angebote, welche die technischen Spezifika- tionen nicht erfüllen, wirtschaftlich günstiger sind als ein drittes Angebot, das diese Spezifikationen erfüllt, ist daher kein Anlass, an der Rechtmäs- sigkeit des Zuschlags an diesen dritten Anbieter zu zweifeln. 8. Prima facie erscheint die Beschwerde als offensichtlich aussichtslos . Der Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist daher abzuwei- sen, ohne dass eine Interessenabwägung vorgenommen werden müsste. 9. Die Beschwerdeführerin hat bisher keine Akteneinsicht beantragt, so dass keine entsprechenden Anträge im Rahmen des vorliegenden Zwischenent- scheids näher behandelt werden müssten. 10. Über die Kostenfolgen dieses Zwischenentscheids wird mit dem Entscheid über die Hauptsache zu befinden sein. Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Der Antrag der Beschwerdeführerin auf Erteilung der aufschiebenden Wir- kung wird abgewiesen. 2. Über die Kostenfolgen des vorliegenden Zwischenentscheids wird mit dem Entscheid über die Hauptsache befunden werden. B-2560/2021 Seite 20 3. Diese Verfügung geht an: – die Beschwerdeführerin (Rechtsvertreter; Gerichtsurkunde) – die Vergabestelle (Ref-Nr. SIMAP-Projekt-ID 206221; Gerichtsur- kunde) – die Y ._______ AG (Auszug; A-Post) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Eva Schneeberger Beatrice Grubenmann Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichts- gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110] ), soweit er einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (Art. 93 Abs. 1 Bst. a BGG) und sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt (Art. 83 Bst. f Ziff. 2 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzuf as- sen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Be- weismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG). Versand: 28. Juli 2021