<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 134 S.570</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">570</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>134 Besitzstandsgarantie (§ 69 Abs. 1 BauG).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Führt der Umbau einer Liegenschaft, die unter Besitzstandschutz</b></span><br/> <span class="ft1"><b>steht, zu einer neuen Rechtswidrigkeit, ist eine Bewilligung möglich,</b></span><br/> <span class="ft1"><b>wenn aufs Ganze gesehen die Rechtswidrigkeit deutlich abnimmt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Baudepartements vom 30. März 2000 in Sachen N.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">In der Wohn- und Gewerbezone WG 4 der Gemeinde M. beträgt</span><br/> <span class="ft4">die maximal zulässige Ausnützungsziffer für Wohnungen 0.7, für</span><br/> <span class="ft4">Gewerbe und andere Nutzungen 0.8, insgesamt aber höchstens 1.0.</span><br/> <span class="ft4">Die rein gewerblich genutzte Baute von N. weist eine effektive Aus-</span><br/> <span class="ft4">nutzung von 1.36 auf und überschreitet die zulässige gewerbliche</span><br/> <span class="ft4">Nutzung um 70 %, die gesamthaft zulässige Nutzung um 36 %. Sie</span><br/> <span class="ft4">geniesst in diesem Umfang Besitzstandschutz.</span><br/> <span class="ft4">N. plant, drei Wohnungen im Gebäude einzubauen. Die ge-</span><br/> <span class="ft4">samte effektive Ausnutzung würde sich dadurch von 1.36 auf 1.2</span><br/> <span class="ft4">reduzieren und das zulässige Mass noch um 20 % überschreiten.</span><br/> <span class="ft4">Gleichzeitig allerdings würde der Anteil ,,Wohnnutzung" (rund 0.78)</span><br/> <span class="ft4">das zulässige Mass (0.7) um mehr als 10 % überschreiten und so zu</span><br/> <span class="ft4">einer neuen Rechtswidrigkeit führen; der Anteil ,,gewerbliche Nut-</span><br/> <span class="ft4">zung" hingegen würde fortan eingehalten. Das Baudepartement be-</span><br/> <span class="ft4">willigte auf Beschwerde hin das Umnutzungsgesuch mit folgender</span><br/> <span class="ft4">Begründung:</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">3. e) (...) § 69 Abs. 1 BauG bestimmt, dass bestehende, recht-</span><br/> <span class="ft4">mässig erstellte Bauten innerhalb der Bauzonen, die den geltenden</span><br/> <span class="ft4">Vorschriften widersprechen, angemessen erweitert, umgebaut oder in</span><br/> <span class="ft4">ihrem Zweck geändert werden dürfen, wenn dadurch ihre Rechtswid-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">571</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">rigkeit nicht wesentlich verstärkt wird und keine besonderen Nut-</span><br/> <span class="ft4">zungsvorschriften entgegenstehen. In jedem Fall hat wie bereits unter</span><br/> <span class="ft4">altem so auch unter neuem Recht zur Feststellung der Angemessen-</span><br/> <span class="ft4">heit eine Würdigung aller in Betracht fallender Kriterien stattzufin-</span><br/> <span class="ft4">den (Aargauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE]</span><br/> <span class="ft4">1993, S. 400 f.). (...) Ziel der Anwendung des Baurechts muss es (...)</span><br/> <span class="ft4">sein, auch besitzstandsgeschützte Bauten bei Umbauten etc. nach</span><br/> <span class="ft4">Möglichkeit (wieder) in einen baurechtskonformen Zustand zu brin-</span><br/> <span class="ft4">gen. Wenn ein besitzstandsgeschützter Eigentümer freiwillig eine</span><br/> <span class="ft4">Annäherung an die Regelbauweise plant, so entspricht dies dem Sinn</span><br/> <span class="ft4">und Zweck des Baugesetzes. Derartige Pläne sind daher zu unterstüt-</span><br/> <span class="ft4">zen, auch wenn damit eine neue, dafür aber weniger schwerwiegende</span><br/> <span class="ft4">Baurechtswidrigkeit geschaffen wird. (...) Die Schaffung einer neuen</span><br/> <span class="ft4">Baurechtswidrigkeit ist (...) zumindest dann in Kauf zu nehmen,</span><br/> <span class="ft4">wenn die Würdigung aller in Betracht fallender Kriterien ergibt, dass</span><br/> <span class="ft4">insgesamt eine deutliche Annäherung an die Regelbauweise geplant</span><br/> <span class="ft4">ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>