<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">C 234/99 Vr </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>II. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Präsident Lustenberger, Bundesrichter Meyer und Ferrari; </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Glanzmann </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 12. April 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Arbeitslosenkasse der Gewerkschaft Bau &amp; Industrie GBI, </div> <div class="para">Zentralverwaltung, Werdstrasse 62, Zürich, Beschwerde- </div> <div class="para">führerin, </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">J.________, 1954, Beschwerdegegner, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Kantonale Schiedskommission für Arbeitslosenversicherung </div> <div class="para">Basel-Stadt, Basel </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Der 1954 geborene J.________ bezog seit dem </div> <div class="para">22. April 1997 Leistungen der Arbeitslosenversicherung. </div> <div class="para">Infolge unberücksichtigt gebliebenen Zwischenverdienstes </div> <div class="para">sowie entsprechend berechneter Kinder- und Ausbildungs- </div> <div class="para">zulage forderte die Arbeitslosenkasse der Gewerkschaft Bau </div> <div class="para">&amp; Industrie GBI mit Verfügung vom 18. September 1998 in den </div> <div class="para">Monaten August und Oktober 1997 sowie Februar, April und </div> <div class="para">Mai 1998 zu viel ausgerichtete Taggelder im Betrage von </div> <div class="para">Fr. 1284.40 zurück. </div> <div class="para"> B.- Auf Beschwerde des Versicherten hin hob die Kan- </div> <div class="para">tonale Schiedskommission für Arbeitslosenversicherung </div> <div class="para">Basel-Stadt die Verfügung der Arbeitslosenkasse vom </div> <div class="para">18. September 1998 auf und wies die Sache zur Neubemessung </div> <div class="para">der Arbeitslosenentschädigung und der Rückforderung im </div> <div class="para">Sinne der Erwägungen an die Verwaltung zurück (Entscheid </div> <div class="para">vom 5. Mai 1999). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Die Arbeitslosenkasse führt Verwaltungsgerichts- </div> <div class="para">beschwerde und beantragt, der kantonale Entscheid sei auf- </div> <div class="para">zuheben und es seien die Akten an die kantonale Schieds- </div> <div class="para">kommission zurückzuweisen, damit sie sich mit der Sache </div> <div class="para">materiell befasse. </div> <div class="para"> Weder J.________ noch das Staatssekretariat für </div> <div class="para">Wirtschaft lassen sich vernehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- a) Die Vorinstanz hat die gesetzliche Bestimmung </div> <div class="para">über die Rückforderung zu Unrecht ausgerichteter Leistungen </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 95 Abs. 1 AVIG</span>) zutreffend dargelegt. Darauf kann </div> <div class="para">verwiesen werden. </div> <div class="para"> Zu ergänzen ist, dass die mit einer formell rechts- </div> <div class="para">kräftigen Verfügung oder formlos ausgerichteten Leistungen </div> <div class="para">nur zurückzuerstatten sind, wenn die für die Wiedererwägung </div> <div class="para">oder die prozessuale Revision erforderlichen Voraussetzun- </div> <div class="para">gen gegeben sind (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=18&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F111-V-329%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page332">BGE 111 V 332</a> Erw. 1, 110 V 178 Erw. 2a; </div> <div class="para">siehe auch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=18&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-V-367%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page368">BGE 122 V 368</a> Erw. 3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass im ver- </div> <div class="para">waltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich nur </div> <div class="para">Rechtsverhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen sind, </div> <div class="para">zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig ver- </div> <div class="para">bindlich - in Form einer Verfügung - Stellung genommen hat. </div> <div class="para">Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise weiter- </div> <div class="para">ziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an </div> <div class="para">einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteils- </div> <div class="para">voraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen </div> <div class="para">ist (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=18&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-IB-33%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page36">BGE 119 Ib 36</a> Erw. 1b, 118 V 313 Erw. 3b, je mit Hin- </div> <div class="para">weisen). </div> <div class="para"> Nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versiche- </div> <div class="para">rungsgerichts kann das verwaltungsgerichtliche Verfahren </div> <div class="para">aus prozessökonomischen Gründen auf eine ausserhalb des </div> <div class="para">Anfechtungsgegenstandes, d.h. ausserhalb des durch die Ver- </div> <div class="para">fügung bestimmten Rechtsverhältnisses liegende spruchreife </div> <div class="para">Frage ausgedehnt werden, wenn diese mit dem bisherigen </div> <div class="para">Streitgegenstand derart eng zusammenhängt, dass von einer </div> <div class="para">Tatbestandsgesamtheit gesprochen werden kann, und wenn sich </div> <div class="para">die Verwaltung zu dieser Streitfrage mindestens in Form </div> <div class="para">einer Prozesserklärung geäussert hat (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=18&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-V-34%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page36">BGE 122 V 36</a> Erw. 2a </div> <div class="para">mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Schliesslich ist festzuhalten, dass im Beschwerde- </div> <div class="para">verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver- </div> <div class="para">sicherungsleistungen die Überprüfungsbefugnis des Eidge- </div> <div class="para">nössischen Versicherungsgerichts nicht auf die Verletzung </div> <div class="para">von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Miss- </div> <div class="para">brauch des Ermessens beschränkt ist, sondern sie erstreckt </div> <div class="para">sich auch auf die Angemessenheit der angefochtenen Ver- </div> <div class="para">fügung; das Gericht ist dabei nicht an die vorinstanzliche </div> <div class="para">Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden </div> <div class="para">und kann über die Begehren der Parteien zu deren Gunsten </div> <div class="para">oder Ungunsten hinausgehen (<span class="artref">Art. 132 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Die kantonale Schiedskommission erwog einleitend, </div> <div class="para">dass sie wegen fehlender Berechnungsgrundlagen nur in der </div> <div class="para">Lage sei, stichprobeweise die erfolgten Berechnungen der </div> <div class="para">Arbeitslosenkasse zu überprüfen; hiefür dienten die Ab- </div> <div class="para">rechnungen für die Monate Februar und Juli 1998. In der </div> <div class="para">Folge untersuchte sie diese beiden Abrechnungen und kam zum </div> <div class="para">Schluss, dass sie mangelhaft seien. </div> <div class="para"> a) Die Vorinstanz übersieht, dass die Taggeldabrech- </div> <div class="para">nung betreffend den Monat Juli 1998 nicht zum Anfechtungs- </div> <div class="para">gegenstand der Rückforderungsverfügung vom 18. September </div> <div class="para">1998 gehört, da dieser allein die korrigierten Taggeldab- </div> <div class="para">rechnungen für die Monate August und Oktober 1997 sowie </div> <div class="para">Februar, April und Mai 1998 zu Grunde liegen. Es fehlt </div> <div class="para">hinsichtlich der streitigen Rückforderung aber auch an </div> <div class="para">einem engen Sachzusammenhang, zumal die Fragen nach der </div> <div class="para">Rückerstattungspflicht und dem (nicht in Wiedererwägung </div> <div class="para">gezogenen) Taggeldanspruch für den Monat Juli 1998 völlig </div> <div class="para">verschieden sind (vgl. Erw. 1b). Diesbezüglich ist der </div> <div class="para">kantonale Entscheid schon aus diesem Grund von Amtes wegen </div> <div class="para">aufzuheben. Folglich ist auf die entsprechenden Vorbringen </div> <div class="para">in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht einzugehen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Überdies hat die kantonale Schiedskommission ledig- </div> <div class="para">lich zum Monat Februar 1998 und allgemein zur Ermittlung </div> <div class="para">des Tagesverdienstes Stellung genommen. Zu den übrigen </div> <div class="para">Rückforderungspositionen (August und Oktober 1997 sowie </div> <div class="para">April und Mai 1998) hat sie sich - mangels Berechnungs- </div> <div class="para">grundlagen - nicht weiter geäussert. Indem sie ohne weitere </div> <div class="para">Abklärungen, mithin in Verletzung des Untersuchungsgrund- </div> <div class="para">satzes, allein auf eine "stichprobeweise" Überprüfung der </div> <div class="para">angefochtenen Verfügung vom 18. September 1998 abstellte, </div> <div class="para">hat sie einen wesentlichen Verfahrensgrundsatz missachtet. </div> <div class="para">Wenn sich die strittige Rückforderung trotz den bei der </div> <div class="para">Arbeitslosenkasse eingeholten Erläuterungen nicht in allen </div> <div class="para">Teilen beurteilen liess, entbindet dies nicht von der voll- </div> <div class="para">ständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes </div> <div class="para">(Art. 132 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 104 lit. c OG</span>). Dies gilt </div> <div class="para">umso mehr, als sich die überprüfende Instanz bei einer </div> <div class="para">Rückweisung an die Verwaltung - im Hinblick auf die neue </div> <div class="para">Rechtslage des Versicherten (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=18&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-V-166%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page166">BGE 122 V 166</a>) - über die </div> <div class="para">Tragweite des Entscheides ein Bild machen können muss, was </div> <div class="para">hier - wegen der fehlenden Berechnungsgrundlagen - nicht </div> <div class="para">der Fall ist. </div> <div class="para"> Die Sache geht daher zur ergänzenden Abklärung und </div> <div class="para">zum Neuentscheid an die Vorinstanz zurück. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird </div> <div class="para"> der Entscheid der Kantonalen Schiedskommission für </div> <div class="para"> Arbeitslosenversicherung Basel-Stadt vom 5. Mai 1999 </div> <div class="para"> aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückge- </div> <div class="para"> wiesen, damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Dieses Urteil wird den Parteien, der Kantonalen </div> <div class="para"> Schiedskommission für Arbeitslosenversicherung Basel- </div> <div class="para"> Stadt, dem Kantonalen Arbeitsamt Basel-Stadt und dem </div> <div class="para"> Staatssekretariat für Wirtschaft zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 12. April 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der II. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">i.V. </div> </div></body></html>