A bteilung III C -106/2006 {T 0/2} U rteil vom 7. A ugust 2007 M itw irkung: R ichter Antonio Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Bernard Vaudan; R ichterin R uth Beutler; G erichtsschreiber R udolf G run N ._______, Beschw erdeführerin, vertreten durch F._______, ..............., 8808 Pfäffikon SZ, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Einreisesperre. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D ie aus Brasilien stam m ende Beschw erdeführerin (geb. 1984) reiste am 2. August 2005 über den Flughafen Zürich-Kloten in die Schw eiz ein und begab sich zu ihrem O nkel F._______ (Vertreter im vorliegenden Verfah- ren) nach Pfäffikon SZ. Sie arbeitete dort im H aushalt m it, ohne über die für eine Ausländerin für den Stellenantritt erforderliche Bew illigung zu ver- fügen. Sie erhielt für diese Arbeit Kost und Logis sow ie m onatlich Fr. 500.-- in bar. D abei unterliess es die Beschw erdeführerin, ihre Anw e- senheit der zuständigen kantonalen M igrationsbehörde zu m elden und blieb ununterbrochen in der Schw eiz bis am 10. M ärz 2006, als sie bei der Ausreise nach Brasilien im Flughafen Kloten verhaftet w urde. Am 11./12. M ärz 2006 erliess die Staatsanw altschaft W interthur/U nterland gegen die Beschw erdeführerin einen Strafbefehl. D anach w urde sie w egen des in Zusam m enhang m it ihrem rechtsw idrigen Aufenthalt stehenden Ver- gehens m it einer bedingten Freiheitsstrafe von zw ei M onaten G efängnis und einer Busse von Fr. 500.-- bestraft. Einen Tag später w urde sie nach Brasilien ausgeschafft. D er Strafbefehl blieb unangefochten und erw uchs in R echtskraft. B. M it Verfügung vom 13. M ärz 2006 verhängte die Vorinstanz über die Be- schw erdeführerin eine Einreisesperre für die D auer von zw ei Jahren. Zur Begründung w urde ausgeführt, es lägen grobe Zuw iderhandlungen gegen frem denpolizeiliche Vorschriften (vorsätzliches rechtsw idriges Verw eilen im Lande, Erw erbstätigkeit ohne Bew illigung) vor. Einer allfälligen Beschw erde w urde gleichzeitig die aufschiebende W irkung entzogen. C . M it Verw altungsbeschw erde an das Eidgenössische Justiz- und Polizeide- partem ent (EJPD ) vom 11. April 2006 beantragt die Beschw erdeführerin eine R eduzierung der D auer der Einreisesperre. D abei m acht sie geltend, sie sei nach dem Tod ihrer M utter zur Tante in Brasilen gezogen. D ort habe sie zum jetzt in der Schw eiz lebenden Sohn ihres O nkels eine starke Beziehung (w ie zu einem Bruder) aufgebaut. Für sie und ihren C ousin sei- en diese zw ei Jahre Trennung sehr hart. Sie w äre glücklich, ihn früher zu sehen. Sie habe aus ihrem Fehler gelernt und könne versichern, dass es nicht w ieder vorkom m en w erde. D . D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 23. M ai 2006 die Abw eisung der Beschw erde. D abei verw eist sie insbesondere darauf, dass die Fernhaltem assnahm e durch die zeitliche Begrenzung auf die D auer von lediglich zw ei Jahren auch verhältnism ässig sei. E. D ie Beschw erdeführerin hält in der R eplik vom 20. Juni 2006 an ihrer Beschw erde fest und beantragt die R eduzierung der Einreisesperre auf ein Jahr, da ihr und ihrem O nkel die Tragw eite ihres Vergehens nicht bew usst gew esen sei.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. Verfügungen des BFM betr. Einreisesperre unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelver- fahren w erden vom Bundesverw altungsgericht übernom m en. D ie Beurtei- lung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). D as U rteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110] i.V.m . Art. 1 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021). 2. D ie Beschw erdeführerin ist als Adressatin der angefochtenen Einreise- sperre zur Beschw erdeführung legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 3. M it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Ü berschreitung oder M issbrauch des Er- m essens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes sow ie die U nangem essenheit gerügt w erden (Art. 49 Vw VG ). D as Bundesverw altungsgericht w endet im Beschw erdeverfahren das Bundesrecht von Am tes w egen an. Es ist gem äss Art. 62 Abs. 4 Vw VG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Be- schw erde auch aus anderen als den geltend gem achten G ründen gut- heissen oder abw eisen. M assgebend ist grundsätzlich die Sach- und R echtslage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. E. 1.2 des in BG E 129 II 215 teilw eise publizierten U rteils 2A.451/2002 vom 28. M ärz 2003). 4. G em äss Artikel 13 Absatz 1 kann die eidgenössische Behörde über uner- w ünschte Ausländer die Einreisesperre verhängen. Sie kann ferner, jedoch für höchstens drei Jahre, eine Einreisesperre über solche Ausländer ver- hängen, die sich grobe oder m ehrfache Zuw iderhandlungen gegen frem - denpolizeiliche oder andere gesetzliche Bestim m ungen und gestützt da- rauf erlassene behördliche Verfügungen haben zuschulden kom m en las- sen. W ährend der Einreisesperre ist dem Ausländer jeder G renzübertritt ohne ausdrückliche Erm ächtigung der verfügenden Behörde untersagt. 4.1 G estützt auf den Tatbestand von Satz 2 der vorgenannten N orm (grobe oder m ehrfache Zuw iderhandlungen gegen frem denpolizeiliche oder ande- re gesetzliche Bestim m ungen) kann eine Fernhaltem assnahm e verhängt w erden, w enn der Ausländer objektiv gegen frem denpolizeiliche Vorschrif- ten verstossen hat und ihm sein G esetzesverstoss zum Vorw urf gereicht. Als grob im Sinne von Art. 13 Abs. 1 Satz 2 AN AG ist eine Zuw iderhand- lung gegen frem denpolizeiliche Bestim m ungen – unabhängig vom Ver- schulden des Ausländers – im m er dann zu qualifizieren, w enn sie zentrale, für das Funktionieren der frem denpolizeilichen O rdnung w ichtige Bereiche 4 berührt (Entscheide des EJPD vom 18. N ovem ber 1998 und 24. August 1998, publiziert in Verw altungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 63.38 und 63.2). 4.2 Ausländische Staatsangehörige sind zur Anw esenheit in der Schw eiz be- rechtigt, w enn sie über eine Aufenthalts- oder N iederlassungsbew illigung verfügen oder w enn sie keiner solchen bedürfen (vgl. Art. 1a AN AG ). D em - zufolge hält sich ein Ausländer rechtsw idrig in der Schw eiz auf, w enn sei- ne Anw esenheit nicht durch das G esetz oder durch eine individuelle Bew il- ligung erlaubt ist. Brasilianische Staatsangehörige (w ie die Beschw erdeführerin) benötigen für die Einreise in die Schw eiz einen gültigen R eisepass. Vor Ablauf des dritten M onats ihrer Anw esenheit haben sie sich bei der Frem denpolizeibe- hörde des Aufenthaltsortes zur R egelung der Bedingungen ihrer Anw esen- heit anzum elden. W enn sie zur Ü bersiedlung oder zur Ausübung einer Er- w erbstätigkeit eingereist sind, haben sie diese Anm eldung binnen acht Ta- gen, auf jeden Fall jedoch vor Antritt der Stelle, vorzunehm en (vgl. Art. 2 Abs. 1 AN AG ). N icht niedergelassene Ausländer dürfen eine Stelle erst antreten und von einem Arbeitgeber zum Antritt der Stelle nur zugelassen w erden, w enn ih- nen der Aufenthalt zum Stellenantritt bew illigt ist (vgl. Art. 3 Abs. 3 AN AG ). Als Erw erbstätigkeit gilt dabei jede norm alerw eise auf Erw erb gerichtete unselbständige oder selbständige Tätigkeit, selbst w enn sie unentgeltlich ausgeübt w ird (vgl. Art. 6 der Verordnung vom 6. O ktober 1986 über die Begrenzung der Zahl der Ausländer [BVO , SR 823.21]). 5. D er der Beschw erdeführerin vorgew orfene Sachverhalt (illegaler Aufent- halt und Erw erbstätigkeit ohne Bew illigung) ist unbestritten. Sie räum t denn auch ein, einen Fehler begangen zu haben. Als Touristin hätte die Beschw erdeführerin die Schw eiz nach einem ununterbrochenen Aufenthalt von drei M onaten verlassen m üssen. W eil sie aber zusätzlich ohne ent- sprechende Bew illigung einer Erw erbstätigkeit nachging (M itarbeit im H aushalt gegen Entgelt) w ar ihr Aufenthalt von Anfang an rechtsw idrig. Som it hielt sie sich rund sieben M onate illegal in der Schw eiz auf. D am it steht fest, dass die Voraussetzungen für die Verhängung einer Einreise- sperre gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Satz 2 AN AG (grobe oder m ehrfache Zu- w iderhandlungen gegen frem denpolizeiliche Bestim m ungen) erfüllt sind. 6. Es bleibt zu prüfen, ob die Einreisesperre dem G rundsatz nach sow ie von ihrer D auer her in richtiger Ausfüllung des Erm essens ergangen und ange- m essen ist. M assgebliche G esichtspunkte für die Erm essensausübung sind die Besonderheiten des rechtsw idrigen Verhaltens, die persönlichen Verhältnisse der Verfügungsbelasteten sow ie eine w ertende G ew ichtung öffentlicher und privater Interessen (vgl. R EN É A. R H IN O W / BEAT KR ÄH EN M AN N , Schw eizerische Verw altungsrechtsprechung, Ergänzungsband zur 5. und 6. Auflage von M AX IM BO D EN / R EN É A. R H IN O W , Basel und Frankfurt a.M . 1990, N r. 67, S. 221 f., m it H inw eisen). 6.1 D as generalpräventiv m otivierte öffentliche Interesse daran, die frem den- polizeiliche O rdnung gegenüber der fehlbaren Beschw erdeführerin zu 5 schützen, ist gew ichtig, w as sich ohne w eiteres aus den vorstehenden Er- w ägungen ergibt. Insbesondere der langdauernde (m ehrere M onate) rechtsw idrige Aufenthalt ist nicht zu bagatellisieren, zum al die Beschw er- deführerin genau w usste, dass sie sich nicht rechtskonform verhielt. D ass ihr die Tragw eite bzw . die Konsequenzen ihres Verhaltens offensichtlich nicht bew usst w aren, ändert an diesen Feststellungen nichts. D em gegen- über steht einzig das private Interesse der Beschw erdeführerin an Besu- chen ihres C ousins in der Schw eiz. Abgesehen davon, dass solche fam iliä- ren Kontakte auch anders gepflegt w erden können (z.B. durch R eisen des C ousins ins H eim atland der Beschw erdeführerin), ist die Einreisesperre nicht als absolutes Einreiseverbot ausgestaltet. Sie stellt vielm ehr ein Ein- reiseverbot m it Bew illigungsvorbehalt dar. D ie zuständige Behörde kann die W irkungen der Einreisesperre, auf begründetes G esuch hin für be- grenzte Zeit und zu bestim m ten Zw ecken, aussetzen (die sog. Suspension der Einreisesperre; vgl. Art. 13 Abs. 1 letzter Satz AN AG ). D er m assnah- m ebelastete Ausländer w ird durch die Einreisesperre m it anderen W orten von den allgem ein geltenden Einreisebestim m ungen ausgenom m en und einem besonderen, w enn auch strengen Kontrollregim e in Bezug auf die Einreise, die D auer und den Zw eck des Aufenthaltes unterstellt. 6.2 Eine Abw ägung der gegenläufigen Interessen des G em einw esens einer- seits sow ie der Beschw erdeführerin anderseits führt som it zum Ergebnis, dass sich die Einreisesperre als solche w ie auch von der verfügten D auer her (zw ei Jahre) als verhältnism ässige und angem essene M assnahm e zum Schutz der öffentlichen O rdnung und Sicherheit erw eist, w eshalb auch eine R eduktion der D auer der M assnahm e nicht gerechtfertigt ist. 7. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist da- her abzuw eisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschw erdeführerin die Kos- ten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG in Verbindung m it Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv Seite 66 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden der Beschw erdeführerin aufer- legt. Sie sind durch den am 15. M ai 2006 geleisteten Kostenvorschuss gleicher H öhe gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (eingeschrieben, Beilagen: am tlich beglaubigte Vollm acht sow ie Passkopie sam t Ü bersetzung vom 8. bzw. 9. M ai 2006) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. . ... ... zurück) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf R udolf G run Versand am :