B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1845/2012/sps U r t e i l v o m 3 1 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiberin Sara Steiner. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, vertreten durch B._______, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 15. März 2012 / N (…). D-1845/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Schreiben vom 8. Oktober 2011 an das BFM ersuchte n die Rechts- vertreterin und die Tochter der Beschwerdeführerin ( C._______, N […]) für die Beschwerdeführerin und deren Sohn D._______ (N […]; Verfahren D-1848/2012) um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um G e- währung von Asyl. Zur Begründung des Gesuches wurde im Wesentlichen geltend gemacht, sie sei in Eritrea verfolgt worden, weil sie zu einer bekennenden christl i- chen Familie ge höre. Drei ihrer Söhne seien umgekommen. Ihrem Sohn D._______ sei 2010 nach zwölf Jahren Militärdienst die Flucht nach Uganda gelungen. Sie sei vom 11. Februar bis zum 31. Mai 2011 ohne Kontaktmöglichkeit zur Familie im Gefängnis gewesen. Nachdem sie die Nachricht erhalten habe, dass auch ihr jüngster Sohn vor Wochen im Ge- fängnis gestorben sei, habe sie am 31. August 2011 das Land verlassen und sei zu ihrem Sohn D._______ nach Uganda gegangen. Sie habe kei- ne Bewilligung für ein Leben in Uganda und lebe in ständiger Angst, auch da verfolgt zu werden. B. Mit Schreiben vom 3. November 2011 forderte das BFM die Recht s- vertreterin auf, eine Vollmacht einzureichen. C. Mit Eingabe vom 3. November 2011 äusserte sich die Rechtsvertreterin in einem Arztzeugnis zum schlechten Gesundheitszustand der Beschwerde- führerin. D. Mit Schreiben vom 13. November 2011 teilte die Rechtsvertreterin dem BFM mit, sie habe die notwendigen Vollmachten der Beschwerdeführerin per E-Mail gesendet, diese habe sie unterschrieben und am 7. November 2011 zum Schweizer Konsulat in Kampala gebracht. E. Am 16. November 2011 ging die Vollmacht beim BFM ein. F. Am 11. Dezember 2011 bat die Rechtsvertreterin aufgrund des besor g-D-1845/2012 Seite 3 niserregenden Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin um eine rasche Gesuchsbehandlung. G. Mit Schreiben vom 22. Dezember 2011 teilte das BFM der Rechtsvertr e- terin mit, im vorliegenden Verfahren könne keine Befragung stattfinden, da es in Uganda keine schweizerische Vertretung gebe, durch welche Be- fragungen durchgeführt werden könnten. Das BFM unterbreitete ihr des- halb eine Reihe von konkreten Fragen zur Abklärung des Sachverhaltes. H. Am 27. Dezember 2011 nahm die Rechtsvertreterin zu den Fragen des BFM Stellung. Dabei wurde ausgeführt, 1998 sei die Beschwerdeführerin bei einem Ge- betstreffen ein erstes Mal verhaftet worden. A nfangs 2011 sei ihr Sohn E._______ nach fünf Dienstjahren ohne Erlaubnis aus dem Militär nach Hause gekommen, weil er krank gewesen sei und als Christ weder B e- handlung noch Urlaub bekommen habe. Am 8. Februar 2011 sei er ve r- haftet worden. Als sie am 9. Februar 2011 bei der Polizei nach seinem Aufenthaltsort gefragt habe, sei auch sie verhaftet und ohne Anklage und Prozess ins Gefängnis gekommen, wo es keine Möglichkeit gegeben h a- be, mit Angehörigen und Freunden Kontakt aufzunehmen. Am 13. Mai 2011 habe sie Urlaub bekommen, mit der Auflage, innert zwei Wochen eine bestimmte Summe Geld zu bezahlen, damit sie und E._______ frei- gelassen würden. Nachdem sie 4000 Dollar ins Gefängnis gebracht habe, sei sie definitiv en tlassen worden. E._______ sollte zurück ins Militär g e- bracht werden. Am 3. Juli 2011 habe sie die Nachricht erhalten, dass E._______ gestorben sei. Deshalb und w eil sie weiterhin ihren Glauben praktizieren wolle, ausser einer Enkelin und einem regierungstr euen und antireligiösen Bruder keine Verwandten mehr in Eritrea habe und die G e- fahr weiterer Verhaftungen gross sei, da sich niemand für sie einsetzen würde und sie bereits einmal Geld beschafft habe, habe sie sich zur Au s- reise entschlossen. Zuerst habe si e aber no ch eine Bestätigung für E._______s Tod haben oder zumindest dessen Grab sehen wollen. Dies sei ihr aber verwehrt worden. Ein B ekannter habe ihr einen Ort gezeigt, wo ein frisches Massengrab sei. Dieser Bekannte sei einige Tage später verhaftet wor den. Am 31. August 2011 sei sie mit einem Pass legal in Uganda eingereist. D-1845/2012 Seite 4 I. Mit Verfügung vom 15. März 2012 – eröffnet am 16. März 2012 – verwei- gerte das BFM der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz und lehnte ihr Asylgesuch ab. J. Mit Eingabe vom 5. April 2012 erhob die Rechtsvertreterin gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. In materieller Hinsicht wurde beantragt, die angefochtene Verfügung des BFM sei au f- zuheben, die Flüchtlingseigenschaft sowie die Beziehungsnähe zur Schweiz beziehungsweise zur Tochter anzuerkennen und Asyl zu gewäh- ren. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrens- gesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) sowie um Ve r- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Weiter seien die Kontaktaufnahme mit den Behörden von Eritrea oder Uganda und die Weitergabe von Daten an diese zu unterlassen. K. Mit Verfügung vom 13. April 2012 hiess der damals zuständige Instrukti- onsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. L. In seiner Vernehmlassung vom 17. April 2012, welche der Beschwerd e- führerin am 24. April 2012 zur Kenntnis gebracht wurde, hielt das BFM an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. M. Mit Eingabe vom 12. Juli 2012 wurden ergänzende Ausführungen zur Be- schwerde gemacht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-D-1845/2012 Seite 5 gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nicht s anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Zur Beschwerde legitimiert ist, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schut z- würdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Vorliegend stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführ e- rin am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen hat, gilt doch das Stellen eines Asylgesuchs als relativ höchstpersönlich es Recht, das vertretung s- feindlich ist (vgl. das zur Publikation vorgesehene Urteil BVGE E-3162/2011 vom 6. Dezember 2011 E. 4.3.2). Das Schreiben vom 8. Oktober 2011, durch welches das erstinstanzliche Asylverfahren einge- leitet wurde, trägt zwar lediglich die Unterschrift der Rechtsvertreterin und der Tochter der Beschwerdeführerin. Auf Aufforderung des BFM ging j e- doch am 16. November 2011 bei diesem eine Originalvollmacht ein, we l- che die Beschwerdeführerin persönlich unterschrieben und am 7. November 2011 beim Schweizer Konsulat in Kampala abgegeben ha t- te. Somit ist von einem persönlichen Auftreten vor einer schweizerischen Behörde auszugehen und die Legitimation zu bejahen. Auf die ansonsten frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG) ist nach dem Gesagten einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht, unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und Unangemessenhe it hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-1845/2012 Seite 6 3. 3.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist die asylsuchende Person im Auslandverfahren in der Regel zu befragen. Davon kann nur abgewichen werden, wenn eine Befragung faktisch oder aus organisatori- schen beziehungsw eise kapazitätsmässigen Gründen nicht möglich ist. Falls die Befragung nicht durchge führt werden kann, muss die ein Ge - such stellende Person – soweit möglich und notwendig – mittels eines in- dividualisierten und konkretisierten Schreibens aufgefordert wer den, ihre Gründe für das Asylgesuch schriftlich einzureichen. Dabei ist sie auf die allfällige Konsequenz eines negativen Entscheids infolge Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht aufmerksam zu machen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5). 3.2 Das BFM hat keine Befragung durchgeführt, den damit einhergehen - den Ver fahrensumständen jedoch im Rahmen der Zwischenverfü gung vom 22. Dezember 2011 Rechnung getragen. Dabei verwies es auf die Unmöglichkeit der Befragung und stellte einen individuellen Fragenkat a- log auf. Die Besch werdeführerin konnte mit Eingabe vom 27. Dezember 2011 entsprechend Stellung nehmen. Den verfahrensrechtlichen Vorau s- setzungen wurde damit genügend Rechnung getragen, das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin wurde praxisgemäss gewahrt. 4. 4.1 Das Bundesamt be willigt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsort zu bleiben oder in einen anderen Staat auszureisen (Art. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib na- mentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist. Schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Ra s- se, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei ner bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachtei - len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Das BFM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hin - weise auf eine a ktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemü - hen (Art. 52 Abs. 2 AsylG). D-1845/2012 Seite 7 4.3 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Voraus - setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu - kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die prak tische und objektive Zumutbarkeit zur ander - weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungsmö g- lichkeiten in der Schweiz in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der b e- troffenen Personen, mithin die Prüfung der Frage, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wurde und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärungen zugemutet werden kann (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/10). 5. 5.1 Zur Begründung ihres Entscheides führte die Vorinstanz aus , die An- wesenheit der Beschwerdeführerin in der Schweiz sei vorliegend nicht er- forderlich, da der Sachverhalt vollständig festgestellt und eine unmittelb a- re Gefährdung auszuschliessen sei. Die Schil derungen der Beschwerde- führerin liessen zwar darauf schliessen, dass sie ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden gehabt habe. Indessen liege ein Ausschlussgrund gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG vor. Denn die Be- schwerdeführerin befinde sich seit August 2011 in Uganda, ohne dass sie sich bisher beim UNHCR gemeldet hätte. Auf Nachfrage des BFM, we s- halb ein weiterer Verbleib in Uganda nicht möglich beziehungsweise nicht zumutbar sei, habe die Beschwerdeführerin angegeben, sie habe gehört, dass das UNHCR keine Papiere mehr ausstelle, habe Angst, zurückg e- schickt zu werden, und sei in schlechter psychischer Verfassung. Hierzu sei mitzuteilen, dass Uganda die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 sowie die Zusatzprotokolle am 27. September 1976 unte rzeichnet habe. 2006 sei ein Asylgesetz verabschiedet worden, welches unter anderem die Bewegungsfreiheit für Flüchtlinge festlege. Nach einigen gewalts a- men Zwischenfällen zwischen dem Regierungslager und der Opposition nach der Wiederwahl von Präsident Mu seveni in Kampala im Februar 2011 habe sich die Situation in den letzten Monaten weitgehend wieder stabilisiert. Zurzeit seien rund 6200 eritreische Flüchtlinge und Asyls u- chende beim UNHCR Uganda registriert. Davon lebten rund 5000 Pers o- nen in Kampala, wo sich zudem zahlreiche weitere eritreische Staatsa n- gehörige aufhielten, die nicht beim UNH CR registriert seien. Die übrigen hielten sich in einer Flüchtlingssiedlung im Südwesten des Landes auf. Das UNHCR biete den Flüchtlingen dort Schutz und Betreuung. I m Ge-D-1845/2012 Seite 8 gensatz zu Flüchtlingslagern in anderen Ländern, könnten sich die Flüchtlinge im Land frei bewegen. Zahlreiche Nichtregierungsorganisatio- nen und Hilfswerke würden sich nebst dem UNHCR um die insgesamt 150'000 Flüchtlinge in Uganda kümmern. Die Situatio n für eritreische Flüchtlinge in Uganda sei zwar nicht einfach, dennoch sei ein weiterer Verbleib für die Beschwerdeführerin nicht unzumutbar oder unmöglich. Den Akten seien keine glaubhaft dargelegten Anhaltspunkte dafür zu en t- nehmen, dass sie ernsthaft e rkrankt sei respektive sich vergeblich um e i- ne adäquate medizinische Behandlung bemüht habe oder dass eine so l- che nicht gewährleistet wäre. Weiter könne sie sich beim UNHCR me l- den, wisse sie doch die angebliche Nicht-Ausstellung von Papieren durch dieses nur vom Hören-Sagen. Darüber hinaus habe sie einen erwachs e- nen Sohn, der sie betreuen könne , und erhalte finanzielle Zuwendungen aus dem Ausland. Zwar verfüge sie darüber hinaus über einen Anknüp- fungspunkt zur Schweiz, da einer Tochter hier Asyl gewährt worden sei und ein Sohn um Asyl ersucht habe. Dieser Anknüpfungspunkt sei alle r- dings nicht derart gewichtig, als dass eine Abwägung der Gesamtu m- stände im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG dazu führen müsse, dass es ge- rade die Schweiz sei, die den erforderlich en Schutz gewähren solle. So lebe beispielsweise ein weiterer Sohn seit Jahren in den USA. Für den Weiterverbleib der Beschwerdeführerin in Uganda spreche zweifelsohne, dass sie sich seit mehreren Monaten ohne ernsthafte Probleme dort au f- halte und zusammen mit einem weiteren Sohn lebe. Vorliegend seien auch die Voraussetzungen für einen Familiennachzug gemäss Art. 51 AsylG nicht erfüllt. Nach Art. 51 Abs. 2 AsylG könnten an- dere nahe Angehörige (als die in Abs. 1 erwähnten Mitglieder der Ker n- familie) Familienasyl erhalten, wenn besondere Umstände für die Famil i- envereinigung sprächen. Zu denken sei dabei beispielsweise an eine b e- sondere Abhängigkeit einer Person aufgrund einer schweren Krankheit, welche die Fürsorge der anderen Person erfordere beziehungsweis e wünschbar mache, oder an nachgewiesene regelmässige und intensive Kontakte. Gemäss diesen Ausführungen gehöre die Beschwerdeführerin nicht zur Kernfamilie der Tochter. Aus den Akten seien auch keine beson- deren Umstände ersichtlich, die dazu führen würden, dass ausnahmswei- se von einer engen Beziehung zwischen ihr und der Tochter auszugehen sei. 5.2 Die Beschwerdeführerin hielt dem entgegen, sie habe Ende Dezem- ber 2011 beim UNHCR vorgesprochen, sei aber nicht registriert worden. Gemäss Auskunft einer Menschen rechtsorganisation in Kampala stelle D-1845/2012 Seite 9 das UNHCR in Uganda seit zehn Jahren keine Flüchtlingsausweise mehr aus. So sei auch die dreimonatige Aufenthaltsbewilligung ihres Sohnes nicht vom UNHCR ausgestellt worden, sondern von der Regierung. Nach Ablauf sei sie nur einmal erneuert worden. Seither sei sie nicht mehr gü l- tig. Weiter sei es nach Auskunft der US -Botschaft in Bern aussichtslos, einen Antrag auf Familiennachzug oder ein Asylgesuch in den USA zu stellen. Schliesslich sei den Ausführungen zu ihrer Gesun dheit zu wenig Rechnung getragen worden. Diesbezüglich würden ein neues Arztzeu g- nis und Kopien aus der Fachliteratur eingereicht. Daraus werde ersich t- lich, dass sich ihr Gesundheitszustand weiter verschlechtere, wenn sie noch länger in der gegenwärtigen re traumatisierenden Belastungssituati- on bleiben müsse. Eine Behandlung in Uganda sei nicht möglich, weil die Belastungssituation bestehen bleibe, eine medikamentöse Therapie für diese Störung nicht in Frage komme, eine Psychotherapie Vertrauen vo r- aussetze, d as lebensgeschichtlich und krankheitsbedingt nicht gegeben sei, und bei 150 '000 Flüchtlingen nicht damit gerechnet werden könne, dass eine Person ohne Aufenthaltsrecht wöchentlich eine Therapiesitzung bekomme. Nachdem die akuten Ängste mit den psychotische n Inhalten zeitweise eher seltener geworden seien, sei es Anfang Juli zu einem Rückfall gekommen, nachdem sie mit ihrem Sohn vor der Polizei, die in ihrem Haus eine Personenkontrolle gemacht habe, habe flüchten mü s- sen. Zum Vorwurf des BFM , sie habe keine e rnsthaften Probleme in Uganda, könne festgehalten werden , dass ihre gesundheitlichen Probl e- me durch den Aufenthalt in Uganda verstärkt und prolongiert, teilweise auch verursacht worden seien. Zudem sei ihr Sohn dreimal inhaftiert wo r- den, weil er keinen gültigen Personalausweis habe. Dass er in den letzten Monaten unbehelligt geblieben sei, liege am ehesten daran, dass er nur noch für die nötigsten Besorgungen aus dem Haus gehe. Betreffend die Beziehungsnähe zu ihrer Tochter in der Schweiz sei fes t- zuhalten, dass sie aufgrund einer schweren Krankheit von dieser abhä n- gig sei. Auf den Tod ihres Ehemannes habe sie mit einer mehrere W o- chen oder Monate dauernden schweren Depression reagiert. Ihre Tochter habe zu dieser Zeit weitgehend i hre Rolle als Mutter übernom men und diese auch nach ihrer Genesung beibehalten. Die jahrelangen Abwese n- heiten durch den Militärdienst und die drei Todesfälle hätten die Restfami- lie noch näher zusammenrücken lassen. Dabei sei die Sorge um die Mut- ter allen Kindern das zentrale Anliegen. Im Militärdienst habe ihre Tochter keinen Kontakt mit ihr haben dürfen. Sobald sie in der Schweiz gewesen sei, habe sie den Kontakt wieder aufgenommen. Seit sie erkrankt sei, t e- lefoniere sie mehrmals wöchentliche mit ihr. Die Vertrautheit und die enge D-1845/2012 Seite 10 Bindung zeige sich auch darin, dass es niemandem anderen als der Tochter gelinge, ihre akuten angstbetonten Ausnahmezustände zu durc h- brechen. An besonders schweren Tagen rufe sie morgens und abends an. Zur Stützung ihrer Beschwerde reic hte sie unter anderem den E-Mail- Verkehr mit einer Menschenrechtsorganisation in Kampala und mit der amerikanischen Botschaft in der Schweiz, ei n Arztzeugnis vom 4. April 2012, einen allgemeinen Bericht zu posttraumatischen Belastungsstöru n- gen und den Flüchtlingsausweis ihres Sohnes ein. 6. 6.1 In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist zunächst festzustellen, dass eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung der Beschwerdefüh - rerin im Falle ihrer Rückkehr nach Eritrea durchaus gegeben sein könnte. Sie befindet sich jedoch aktuell in Uganda, wo ihr, wie nachfolgend darge- legt, der weitere Verbleib zugemutet werden kann (Art. 52 Abs. 2 AsylG). 6.2 Zur Lage für Flüchtlinge in Uganda kann Bezug genommen werden auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-5089/2011 vom 17. J a- nuar 2012 E. 5.3.8 ff. und die darin er wähnten Quellen. Es ist demnach hervorzuheben, dass das Land über ein seit dem Jahre 2009 in Kraft g e- tretenes fortschrittliches Flüchtlingsge setz "Refugee Act 2006" verfügt, gemäss welchem Flüchtlingen das R echt auf Arbeit und freie Mobilität gewährt wird, was in dieser Region einzigartig ist. Es steht Flüchtlingen in Uganda somit frei, sich in einem Flüchtlingscamp registrieren zu lassen oder sich anderswo niederzulassen. Lassen sie sich in einem Flüchtlings- lager registrieren, werden sie so gut wie möglich versorgt. Gemäss einem Bericht des UNHCR aus dem Jahr 2011 komme es in Flüchtlingslagern indessen zu Versorgungsschwierigkeiten, insbesondere sauberes Wasser sei nicht in ausreichendem Mass vorhanden. Di ese prekäre Lage gefähr- de auch die Sicherheit, und der Zugang zu einer minimalen Gesundheit s- versorgung könne nicht für alle gewährleistet werden. Frauen würden oft Opfer von sexuellen Übergriffen. Was das Asylverfahren Ugandas betrifft ist festzuhalten, dass Uganda ei- ne grundsätzlich flüchtlingsfreundliche Praxis und hohe Anerkennungs - quote aufweist, die vom UNHCR begrüsst wird. Hingegen kritisiert es, dass eine Polizeieinheit (Crime Intelligence Office) bei der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft vo n Asylsuchenden mitwirke und Beschwer - den von Flüchtlingen oft nicht behandelt würden, weil es an unabhängi - gen Rechtsmittelinstanzen fehle. D-1845/2012 Seite 11 In der Kritik des UNHCR steht auch die ugandische Asylpolitik gegenüber ruandischen Asylsuchenden und Flüchtlingen. Im Juli 2010 seien aus den Flüchtlingslagern Nakivale und Kyaka II 1700 nur vermeintlich abgewi e- sene Asylsuchende gezwungen worden, nach Ruanda zurückzukehren, obwohl Uganda Signatarstaat der FK ist. 6.3 Gemäss ihren Aussagen wurden weder die Beschwerdeführe rin noch ihr Sohn vom UNHCR als Flüchtling registriert, da dieses seit zehn Ja h- ren keine Flüchtlingsausweise mehr ausstelle. Vielmehr sei für das Asy l- verfahren eine staatliche Behörde zuständig, von der auch ihr Sohn o f- fenbar seinen Flüchtlingsausweis erhalten hat. Es bleibt der Beschwerde- führerin also unbenommen, sich bei ebendieser zuständigen Behörde zu melden und um Asyl nachzusuchen. Angesichts der im Übrigen im afrik a- nischen Quervergleich als grosszügig zu beurteilenden Aufnahmepolitik Ugandas von Flüchtlingen, ist der Beschwerdeführerin dies trotz der b e- stehenden Mängel im Asylverfahren grundsätzlich zuzumuten. Zwar be- hauptet die Beschwerdeführerin, der Ausweis ihres Sohnes sei nur einmal erneuert worden und jetzt nicht mehr gültig. Auf der eingereich ten Kopie dieses Ausweises ist jedoch vermerkt, dieser laufe nach drei Monaten ab, sei aber erneuerbar, wenn das Asylverfahren bis dahin nicht abgeschlos- sen sei. Demnach und nach dem unter E. 6.2 A usgeführten kann davon ausgegangen werden, dass solche Ausweise verlängert werden können , solange das Asylverfahren noch läuft. Gemäss der vorgezeichneten Situ- ation scheint für die Beschwerdeführerin auch keine Gefahr zu bestehen, nach Eritrea abgeschoben zu werden. Weiter macht sie geltend, in Kam- pala unter sehr schwierigen Bedingungen zu leben und unter psych i- schen Beschwerden zu leiden. Dass ihre Situation in Kampala sicher nicht einfach ist, kann nachvollzogen werden. Immerhin verfügt sie aber über eine Wohngelegenheit, wird von ihrem Sohn betreut und kann auch mit der finanziellen Unterstützung von Verwandten rechnen. Bezüglich ih- rer gesundheitlichen Probleme kann sie zwar in Uganda nicht eine gleichwertige Behandlung wie in der Schweiz erwar ten. Ihre Beschwe r- den sind aber dort dennoch behandelbar. Das Land verfügt über ve r- schiedene psychiatrische Einrichtungen, insbesondere in den urbanen Zentren, und Psychopharmka sind jederzeit erhältlich (WHO-AIMS Report on the mental health System in Uganda, A report of the assessment of the mental health system in Ugan da using the World Health Organization - Assessment Instrument for Mental Health Systems [WHO -AIMS], WHO and Ministry of Health Uganda, 2006 ). Für den Weiterverbleib der B e- schwerdeführerin in Uganda spricht schliesslich zudem – wie vom BFM zu Recht ausgefü hrt – zweifelsohne auch, dass sie sich seit mehreren D-1845/2012 Seite 12 Monaten ohne ernsthafte Probleme dort aufhält. Nach dem Gesagten ist es der Beschwerdeführerin objek tiv zumutbar, den in Uganda gegenüber der Verfolgungsgefahr im Heimatstaat beste henden Schutz weiter hin in Anspruch zu nehmen. 6.4 Weiter kam das BFM zum Schluss, die Abwägung der Gesamtum - stände und die Anknüpfung der Beschwerdeführerin zur Schweiz, wel che durch die Person der Tochter und eines Sohnes geschaffen werde, führe nicht dazu, dass es gerade die Schweiz sein müsse, die ihr den Schutz zu gewähren habe. Dieser Einschät zung der Sachlage und der Festste l- lung, dass die durch die ver wandschaftliche Beziehung zu ihren volljähri- gen Kindern bestehende Verbindung nicht eine genügend enge Bezi e- hungsnähe zu Schweiz darstelle, ist zuzu stimmen. Auch in der B e- schwerde fehlen Argumente, welche eine andere Sichtweise rechtfertigen würden. Zwar besteht zu ihrer Tochter offenbar ein vertrautes Verhältnis, dieses genügt jedoch nicht, um die Beziehung zur Sch weiz als derma s- sen gewichtig zu qualifizieren . Die Anknüpfung der Beschwerdeführerin zur Schweiz führt nach dem Gesagten nicht dazu, dass es gerade die Schweiz sein muss, die ihr den Schutz zu gewähren hat. 6.5 Eine Schutzgewährung durch die Schweiz erscheint somit gestützt auf Art. 52 Abs. 2 AsylG unter Berücksichtigung aller Umstände nicht als erforderlich. Auch die eingereichten Beweismittel führen zu keiner and e- ren Sichtweise. Das BFM hat zu Recht die Einreise der Beschwerdefüh- rerin in die Schweiz gestützt auf Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG verweigert und ihr Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder werden als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, sofern keine besonderen Umstände dagegen sprechen (Art. 51 Abs. 1 Asyl G). Andere nahe Ange- hörige von in der Schweiz lebenden Flüchtlingen können in das Famili en- asyl eingeschlossen werden, wenn besondere Gründe für die Fami - lienvereinigung sprechen (Ar. 51 Abs. 2 AsylG). 7.2 Vorliegend sind die entsprechenden Voraussetzungen nicht erfüllt. Ei- ne enge Beziehung der Beschwerdeführerin zu ihrer Tochter im Sinne be- sonderer Umstände besteht nicht. Die Beschwerdeführerin ist zwar offen- bar in einem schlechten psychischen Zustand und wird von ihren Kindern, zu welchen sie in einem vertrauten Verhältnis steht, unterstützt. Von e i- nem Abhängigkeitsverhältnis kann hier jedoch nicht gesprochen werden. D-1845/2012 Seite 13 Zudem besteht dieses vertraute Verhältnis – wie ausgeführt – offenbar zu allen ihren Kindern und nicht nur, wenn auch vor allem, zur Tochter in der Schweiz. Dies wird auch durch die Aussage in der Beschwerde bestätigt, wonach die Sorge um die Mutter allen Geschwistern das zentrale Anli e- gen sei. Die Beschwerdeführerin bedarf denn auch insbesondere einer medizinischen Betreuung. Somit ist sie nicht darauf angewiesen, in der Nähe ihrer Tochter in der Schweiz zu sein. Eine Schutzgewährung durch die Schweiz kommt daher auch ge stützt auf Art. 51 AsylG nicht in B e- tracht. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist daher abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grund sätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 13. April 2012 jedoch gutgeheissen wurde, sind keine Kosten aufzuerle- gen. 10. Der Antrag auf Unterlassung der Kontaktaufnahme mit und der Datenwei- tergabe an die Behörden von Eritrea oder Uganda ist angesichts des vo r- liegenden Entscheides in der Hauptsache gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) D-1845/2012 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und di e Schwei- zerische Vertretung in Kampala. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner Versand: