<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 42" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 42</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">362</span> </div> <div class="page" id="S362"> <span class="text"><b>42 </b> <b>Art. 425 ZGB</b></span><br/> <span class="text">Die rechtsverbindliche Feststellung eines durch den Beistand während</span><br/> <span class="text">der Mandatsführung verursachten Schadens liegt beim für die Verant-</span><br/> <span class="text">wortlichkeitsklage zuständigen Richter. Weder die Kindes- und Erwach-</span><br/> <span class="text">senenschutzbehörde noch deren Beschwerdeinstanz ist im Kanton</span><br/> <span class="text">Aargau für die Geltendmachung solcher Verantwortlichkeitsansprüche</span><br/> <span class="text">sachlich zuständig. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes- und</span><br/> <span class="text">Erwachsenenschutz, vom 11. Juli 2018, in Sachen C.S. (XBE.2018.33).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">3.2.</span><br/> <span class="text">Endet das Amt der Beiständin, so hat diese der Erwachsenen-</span><br/> <span class="text">schutzbehörde den Schlussbericht zu erstatten und gegebenenfalls</span><br/> <span class="text">die Schlussrechnung einzureichen (Art. 425 Abs. 1 Satz 1 ZGB). Die</span><br/> <span class="text">Erwachsenenschutzbehörde prüft und genehmigt den Schlussbericht</span><br/> <span class="text">und die Schlussrechnung auf die gleiche Weise wie die periodischen</span><br/> <span class="text">Berichte und Rechnungen (Art. 425 Abs. 2 ZGB). Der Schlussbericht</span><br/> <span class="text">dient dabei der Information und nicht der Überprüfung der Führung</span><br/> <span class="text">der Beistandschaft. Die Genehmigung ist auszusprechen, soweit der</span><br/> <span class="text">Schlussbericht der Informationspflicht genügt. Nicht anders verhält</span><br/> <span class="text">es sich mit der Schlussrechnung. Dadurch unterscheiden sich</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">363</span> </div> <div class="page" id="S363"> <div role="main"> <span class="text">Schlussbericht und -rechnung von den periodischen Berichten und</span><br/> <span class="text">Rechnungen (Art. 415 ZGB), die der Behörde dazu dienen, die</span><br/> <span class="text">Amtsführung des Beistands zu steuern und ihm gegebenenfalls Wei-</span><br/> <span class="text">sungen zu erteilen. Die mit der Genehmigung des Schlussberichts</span><br/> <span class="text">und der Schlussrechnung befasste Behörde hat sich nicht über all-</span><br/> <span class="text">fällige Verfehlungen des Beistands zu äussern. Entsprechend kommt</span><br/> <span class="text">der Genehmigung der Schlussrechnung auch keine unmittelbare ma-</span><br/> <span class="text">terielle Bedeutung zu, noch wird dem Mandatsträger damit eine voll-</span><br/> <span class="text">ständige Décharge erteilt. Allfällige Rechtsansprüche des Schutzbe-</span><br/> <span class="text">fohlenen (namentlich Verantwortlichkeitsansprüche gemäss Art. 454</span><br/> <span class="text">ZGB) bleiben von der Genehmigung unberührt (vgl. Urteil Bundes-</span><br/> <span class="text">gericht 5A_151/2014 vom 4. April 2014 E. 6.1. m.w.H.).</span><br/> <span class="text">3.3.</span><br/> <span class="text">Die Beschwerdeführerin geht daher fehl mit ihrer Auffassung</span><br/> <span class="text">und verkennt die geschilderte Rechtsnatur des Genehmigungsent-</span><br/> <span class="text">scheids, wenn sie sinngemäss gegen ihre Vorgängerin Verantwort-</span><br/> <span class="text">lichkeitsansprüche geltend macht. Diese sind nach dem Gesagten</span><br/> <span class="text">vom Genehmigungsentscheid nicht betroffen. Es ist grundsätzlich</span><br/> <span class="text">dem mit der Verantwortlichkeitsklage befassten Richter vorbehalten,</span><br/> <span class="text">sich über allfällige während der Mandatsführung verursachte Schä-</span><br/> <span class="text">den des Beistands rechtsverbindlich zu äussern. Demensprechend hat</span><br/> <span class="text">sich die mit der Genehmigung des Schlussberichts und der Schluss-</span><br/> <span class="text">rechnung befasste Behörde darüber im Dispositiv nicht zu äussern.</span><br/> <span class="text">Allfällige Verfehlungen des Beistands können allenfalls zur Begrün-</span><br/> <span class="text">dung einer Nichtgenehmigung in den Erwägungen erwähnt werden,</span><br/> <span class="text">sind aber nicht im Dispositiv auszuführen (Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="text">vom 4. April 2014, 5A_151/2014 E. 6.1 m.w.H.; Entscheid des Ober-</span><br/> <span class="text">gerichts Aargau vom 31. August 2017, in: AGVE 2017 S. 274 f.). Ob</span><br/> <span class="text">dem Betroffenen durch den geltend gemachten Vorgang ein Schaden</span><br/> <span class="text">entstanden ist, ist damit im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht</span><br/> <span class="text">überprüfbar, da dafür weder die Vorinstanz noch Beschwerdeinstanz</span><br/> <span class="text">der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden im Aargau sachlich</span><br/> <span class="text">zuständig sind. Auf die Beschwerde kann somit nicht eingetreten</span><br/> <span class="text">werden.</span><br/> </div> </div> </body> </html>