Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Juni 2020 (725 19 316 / 129) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Diskushernie bei degenerativem Vorzustand durch den Unfall nur aktiviert Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Jürg Tschopp, Advokat, Simonius & Partner, Aeschenvorstadt 67, Postfach, 4010 Basel gegen Zürich Versicherungs -Gesellschaft AG , Mythenquai 2, 8085 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1980 geborene A.____ war vom 11. Februar 2014 bis 30. Juni 2015 bei der B.____AG als Finanzberater im Aussendienst angestellt un d in dieser Eigenschaft bei der Zü- rich Versicherungs-Gesellschaft (Zürich) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Be- rufskrankheiten versichert. Am 11. August 2014 rutschte A.__ __ auf einer Treppe aus und stürzte über drei bis vier Stufen hinunter. Am 12. Aug ust 2014 suchte er seine Hausärztin, Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, auf, welche eine Arbeitsunfähigkeit attestier- te und eine Magnetresonanztomographie (MRI) veranlasste. Das MRI der Lendenwirbelsäule Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht (LWS) vom 18. August 2014 ergab eine grosse, nach kaud al sequestrierte Diskushernie L4/5 rechts (Massenvorfall). Am 27. August 2014 wurde eine mikrotechnische Fenestration, eine Sequesterentfernung und eine partielle Mikrodiskektomie durchgeführt. Die Zürich anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte Versicherungsleistung en in Form von Heilbehandlung und Taggeld. Nachdem A.____ im November 2014 seine Arbeit wieder aufgenommen hatte, kam es ab dem 15. Januar 2015 beschwerdebedingt zu einem ern euten Ausfall. Nach weiteren Abklä- rungen teilte die Zürich A.____ mit Verfügung vom 28. Oktober 2015 mit, dass die Leistungen mangels Kausalzusammenhangs zwischen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und dem Unfall vom 11. August 2014 per 30. September 2015 e ingestellt würden. Daran hielt sie auch auf Einsprache hin mit Entscheid vom 22. Juli 2019 fest. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Jür g Tschopp, am 16. September 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, A bteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, der angefochtene Ent scheid sei aufzuheben und die Be- schwerdegegnerin sei zu verpflichten, über den 30. Septe mber 2015 hinaus die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen. Eventualiter sei d ie Angelegenheit für weitere Abklärun- gen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Ko stenfolge. Weiter stellte er den Verfahrensantrag, es sei ein Gerichtsgutachten in Auftr ag zu geben. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass der angefochtene Entscheid auf un zureichenden medizinischen Un- terlagen beruhe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 4. November 2019 schloss d ie Zürich auf Abweisung der Beschwerde. D. Am 5. November 2019 zog das Kantonsgericht bei der IV-Stelle X.____ die Akten des Versicherten bei. Hierzu nahmen die Beschwerdegegnerin am 4. Dezember 2019 und der Be- schwerdeführer am 13. Januar 2020 Stellung. Gleichzeitig informierte er, dass ihn der Hausarzt an einen Rückenspezialisten überwiesen habe und beantra gte eine Frist zur Nachreichung der ärztlichen Überweisung, ablehnendenfalls die Durchführung einer mündlichen Verhandlung. E. Mit Verfügung vom 23. Januar 2020 wies die instrui erende Präsidentin des Kantonsge- richts den Antrag auf Durchführung einer Parteiverhand lung vorerst ab. Sollte das urteilende Dreiergericht anlässlich der Urteilsberatung eine Befra gung des Beschwerdeführers für ange- zeigt und erforderlich erachten, werde es den Fall ausst ellen und die Parteien zu einer Partei- verhandlung laden. F. Mit Verfügung vom 28. Januar 2020 wurde der Fall dem Dreiergericht zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber dem Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrecht (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Be- findet sich dieser im Ausland, so ist das Versicherungsgerich t desjenigen Kantons zuständig, in welchem sich ihr letzter schweizerischer Wohnsitz befand oder in welchem ihr letzter schweize- rischer Arbeitgeber Wohnsitz hat. Vorliegend hat der Be schwerdeführer Wohnsitz im Ausland. Sein letzter Wohnsitz in der Schweiz befand sich jedoch i n Y.____, sodass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen i st. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicheru ngsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorlie genden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vo m 25. September 2015 revidierten Bestimmungen des UVG sowie der Verordnung über die U nfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 in Kraft getreten. Versicherungsleist ungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestimmungen ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, werden nach bisher igem Recht gewährt (vgl. Über- gangsbestimmung in Art. 118 Abs. 1 UVG). So verhält es sich auch im vorliegenden Fall, wes- halb nachfolgend auf das bisherige Recht und die daz u ergangene Rechtsprechung Bezug ge- nommen wird. 2.1 In formeller Hinsicht ist zunächst der Verfahrensa ntrag, es sei eine Parteiverhandlung durchzuführen, zu beurteilen. 2.2 Ein solcher Antrag kann zum einen auf die Durchfüh rung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schut ze der Menschenrechte und Grundfreihei- ten (EMRK) vom 4. November 1950 abzielen. Nach höchstric hterlicher Rechtsprechung bedarf es hierfür im Sozialversicherungsprozess grundsätzlich eines klaren und unmissverständlichen Parteiantrags (BGE 120 V 8 E. 3d, BGE 119 V 381 E. 3b/dd, je mit Hinweisen; vgl. auch BGE 121 I 38 E. 5f). Fehlt es an einem solchen, lässt si ch in der Regel gegen ein ausschliess- lich schriftliches Verfahren nichts einwenden. Insbesond ere in Verfahren, die nach der Praxis des betroffenen Kantons üblicherweise ausschliesslich in Schr iftform durchgeführt werden, muss sich die Partei, die eine öffentliche Verhandlung i m Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK wünscht, der Notwendigkeit eines entsprechenden Antrags bewusst sein, weshalb dessen Feh- len als Verzicht zu werten ist (BGE 121 I 40 f. E. 6 a, BGE 119 Ib 329 ff.). Ein Antrag auf Durch- führung einer Parteiverhandlung kann sodann aber auc h zum Zwecke einer Parteibefragung oder -anhörung gestellt werden oder im Zusammenhang mit weiteren Beweisanträgen wie der Einvernahme eines Zeugen, der Anhörung eines Sachverstä ndigen oder der Vornahme eines Augenscheins erfolgen. In all diesen Fällen handelt es sich beim Antrag auf Durchführung einer Parteiverhandlung lediglich um einen Beweisantrag. Au s ihm allein ist denn auch (noch) nicht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf den Wunsch auf eine konventionskonforme Verhandlung mit Publikums- und Presseanwe- senheit zu schliessen (BGE 122 V 55 E. 3a mit Hinweisen). 2.3 Vorliegend verlangte der Rechtsvertreter des Beschw erdeführers nicht die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne von Art. 6 Z iff. 1 EMRK. Der nicht weiter begründete Antrag auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung soll wohl dazu dienen, den Beschwer- deführer zu seinen persönlichen Umständen zu befragen. Dabei legt er indes nicht dar, weshalb eine persönliche Befragung erforderlich sei. Namentlich ist nicht ersichtlich, welche entscheidre- levanten Umstände nur im Rahmen einer Befragung durch das Gericht vorgebracht werden könnten. In Anbetracht dessen, dass der Rechtsvertreter in seinen schriftlichen Eingaben die persönlichen Situation des Beschwerdeführers beschrieb und entsprechende Beweismittel ein- reichte, ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seine persönliche Situation, die er im Rahmen einer Befragung durch das Gericht vorbringe n wollte, in den schriftlichen Eingaben hinreichend dargelegt hat, weshalb der Entscheid der Instruktionsrichterin vom 23. Januar 2020 zu bestätigen und der Beweisantrag des Beschwerdeführers abzuweisen ist. 3. Materiell streitig ist der Leistungsanspruch des Besc hwerdeführers. Er ist der Auffas- sung, dass die andauernden Beschwerden unfallkausal seie n und die Zürich deshalb auch für die Zeit nach dem 30. September 2015 die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen habe. 4.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behan dlung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Dabei hat der Unfallversicherer die Pflegel eistungen so lange zu erbringen, als da- von eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erw artet werden kann (Art. 19 Abs.1 Satz 1 UVG). Ist die versicherte Person infolge des Unfa lles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Ta ggeld. Dieses beträgt bei voller Ar- beitsunfähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeits- fähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 4.2 Der Unfallversicherer haftet für einen Gesundheitssch aden nur insoweit, als dieser in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (BGE 129 V 177 E. 3). Dabei spielt die Adäquanz als r echtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich or- ganisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2). 4.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversiche rers erst, wenn der Unfall nicht mehr die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens dar stellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich n ach dem schicksalsmässigen Verlauf ei- nes krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hin- weisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingt en Ursachen eines Gesundheitsscha- dens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein übliche n Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinwei sen) nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswi rkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrag e handelt, liegt die Beweislast – an- ders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender na türlicher Kausalzusammenhang gege- ben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (SVR 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Beweis des Wegfalls des Kausalzusammenhangs mu ss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitssch aden mehr vorliege oder die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei. Entsche idend ist allein, ob unfallbedingte Ur- sachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verlore n haben, also dahingefallen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_8 47/2008, E. 2 mit Hinweisen). Aller- dings tragen die Parteien in der Regel eine Beweisla st nur insofern, als im Falle der Beweislo- sigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt , die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel g reift erst Platz, wenn es sich als un- möglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wah rscheinlichkeit für sich hat, der Wirklich- keit zu entsprechen (BGE 138 V 216 E. 6). 4.4 Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache i m Bereich des Unfallversiche- rungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliege n degenerativer Bandscheibenver- änderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnah msweise, unter besonderen Voraus- setzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis vo n besonderer Schwere und geeig- net war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und m it sofortiger Arbeitsunfähigkeit auf- treten. In solchen Fällen hat die Unfallversicherung a uch für Rezidive und allfällige Operationen aufzukommen. Als Beispiele für die Bejahung einer Unf allkausalität sind etwa ein freier Sturz aus erheblicher Höhe, ein Sprung aus 10 m Höhe, ein St urz beim Tragen von schweren Lasten oder ein Zusammenstoss bei grosser Geschwindigkeit zu ne nnen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Bundesgericht, sozialversi cherungsrechtliche Abteilungen] vom 9. Mai 2005, U 480/04, E. 3.1 und Urteil des Bund esgerichts vom 4. März 2013, 8C_811/2012, E. 6.2). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspr echung sind zudem fast alle (sel- tenen) traumatischen Diskushernien mit ossären Läsionen ve rbunden (Urteil des EVG vom 26. Juli 2000, U 24/00, E. 3c). Ist die Diskushernie b ei degenerativem Vorzustand durch den Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, so hat die Unfallversicherung nur Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Nach derzeitigem medizinischem Wissensstand kann das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und Lumboischialgien nach drei bis vier Monaten erwartet wer- den, wogegen eine allfällige richtunggebende Verschlim merung röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der altersüblichen Progression abheben muss; eine traumatische Verschlim- merung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule ist in der Re- gel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach ein em Jahr als abgeschlossen zu be- trachten (Urteile des Bundesgerichts vom 14. Oktober 2 015, 8C_571/2015, E. 2.2.3 und vom 27. Juni 2012, 8C_681/2011, E. 3.3 mit Hinweisen; SV R 2009 UV Nr. 1 S. 1 E. 2.3 [8C_677/2007]). 5.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Feststellung natürlicher Kausalzu- sammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsanwen dende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinw eisen). Das Gericht hat diese medizini- schen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsproz ess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bin- dung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeu- tet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver- lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatt en. Insbesondere darf es bei einan- der widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des B eweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belan ge umfassend ist, auf allseitigen Un- tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen v orzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2). Liegen Zweifel vor, wird das Gericht entwed er ein Gerichtsgutachten anzuordnen oder Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen haben, damit dieser im Verfahren nach Art. 44 ATSG eine Begutachtung veranlasst. 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7. Zur Frage der Unfallkausalität liegen die folgen den medizinischen Berichte vor: 7.1 Das MRI der LWS vom 18. August 2014 zeigte eine g rosse, nach kaudal sequestrierte Diskushernie L4/5 rechts (Massenvorfall). 7.2 Gemäss Operationsbericht vom 28. August 2014 wurde beim Versicherten tags zuvor im Spital D.____ eine mikrotechnische Fenestration, eine Se questerentfernung und eine partielle Mikrodiskektomie durchgeführt. Diagnostiziert wurde ein Massenvorfall bei traumatischer Dis- kushernie L4/5 rechts. Als Operationsindikation wurde an gegeben, nach einem Treppensturz am 11. August 2014 habe der Versicherte massive Lumbalgien mit ischialgiformer Ausstrahlung rechts verspürt. Klinisch liege ein radikuläres Reizsyndrom u nd eine Fuss- und eine Zehenhe- ber-Parese M4-3 sowie ein abgeschwächter Achillessehnenreflex rechts vor. Das MRI der LWS zeige eine massivste Diskushernie L4/5, nach kaudal umgeschl agen, mit Kompression des ge- samten Duralsacks. 7.3 Am 11. September 2014 diagnostizierte Prof. Dr. med. E.____, FMH Neurochirurgie, Spital D.____, ein Schmerz- und sensomotorisches Ausfall syndrom L5 rechts bei grosser nach kaudal sequestrieter Diskushernie L4/5 rechts im Sinne ein es Massenvorfalls, gegebenenfalls einer S1-Beteiligung mit Hyposensibilität am lateral en Fussrand rechts. Es zeige sich ein un- komplizierter postoperativer Verlauf. Radikuläre Schmerzen würden nicht mehr bestehen. 7.4 Am 24. Oktober 2014 nahm der beratende Arzt Dr. med. F.____, FMH Pneumologie und Allgemeine Innere Medizin, eine versicherungsmedizinische Beurteilung vor. Er hielt fest, das lumboradikuläre Syndrom L5 rechts sei unmittelbar nach d em Ereignis vom 11. August 2014 aufgetreten. Die Klinik (aktuelles gemischtes Ausfallsyndrom) und der Befund im MRI (Massen- vorfall) hätten ein operatives Vorgehen notwendig gem acht. Die Beschwerden und die Befunde würden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem ka usalen Zusammenhang mit dem Er- eignis vom 11. August 2014 stehen. 7.5 Im Bericht vom 10. Februar 2015 diagnostizierte Pro f. Dr. E.____ ein chronifiziertes lumbales Schmerzsyndrom bei posttraumatischem Massenvorfall L4/5 rechts nach Treppen- sturz am 11. August 2014, eine mikrotechnische Fenestrati on, eine Sequesterentfernung und eine partielle Mikrodiskektomie am 27. August 2014 sowie eine ausgeprägte Bandscheiben- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Höhenminderung L4/5 ohne signifikante Hernation und ohne radikuläre Zeichen. Nach dem operativen Eingriff am 27. August 2014 sei der Verla uf initial gut gewesen. Nachdem der Versi- cherte im November 2014 seine Arbeit wieder aufgenom men habe, sei es Anfang 2015 zu ei- nem erneuten Arbeitsausfall gekommen. Der Versicherte beschreibe Schmerzen zentral lum- bosakral. Das MRI der LWS vom 22. Januar 2015 zeige e ine ausgeprägte Bandscheiben- Höhenminderung monosegmental L4/5 und eine leichte We ichteilbeteiligung recessal rechts. Das aktuelle Schmerzsyndrom sei nicht durch ein Bandscheibenvorfall-Rezidiv bedingt. Radiku- läre Beschwerden würden definitiv nicht im Vordergrun d stehen. Die chronischen Lumbalgien seien vielmehr durch die Diskopathie, eventuell durch di e Überlastung der kleinen Facettenge- lenke oder durch andere Faktoren bedingt. 7.6 Am 14. April 2015 bejahte der beratende Arzt Dr. med. G.____ eine Unfallkausalität der Beschwerden und Befunde mit dem Ereignis vom 11. Augu st 2014 und eine vorübergehende vollständige Arbeitsunfähigkeit während sechs Wochen. Ei ne chronische Lumbalgie sei wahr- scheinlich und eine stationäre Rehabilitation sinnvoll. 7.7 Am 16. Juni 2017 nahm der beratende Arzt PD Dr. H.____, FMH Orthopädische Chirur- gie und Traumatologie des Bewegungsapparates, eine ver sicherungsmedizinische Beurteilung vor. Der Bandscheibenvorfall L4/5 präsentiere sich im M RI vom 18. August 2014 als monoseg- mentärer Befund. Dies sowie das unmittelbar nach dem Treppensturz einsetzende, mit Trauma- folgen korrelierende neurologische Ausfallsyndrom liesse auf eine überwiegend unfallkausale Bandscheibenproblematik schliessen. Die operative Interve ntion habe den erhoffen Erfolg ge- bracht und der postoperative Verlauf sei gut. Aufgrund der Tatsache, dass das Segment L4/5 im Zeitpunkt des MRI vom August 2014 bereits ausgeprä gte degenerative Veränderungen auf- gewiesen habe, sei die Beurteilung von Prof. Dr. E._ ___ vom 10. Februar 2015 gut nachvoll- ziehbar. Mit dem Befund im MRI vom 22. Januar 2015 sei klar, dass die fortlaufenden LWS- Beschwerden nicht im Zusammenhang mit dem operierten B andscheibenvorfall stünden. Die degenerativen Veränderungen tieflumbal mit fortschreit ender Diskopathie L4/5 (Vorzustand) würden den fortlaufenden Schmerzzustand zwanglos erkläre n. Der Status quo sine sei bereits Ende Februar 2015 erreicht worden. 7.8 Am 11. November 2015 führte Prof. Dr. E.____ aus, der aktuelle Zustand, d.h. der Zu- stand, wie er anlässlich der letzten Konsultation am 9. F ebruar 2015 festgestellt worden sei, sei durch die stattgehabte Diskushernie und die Operation b edingt. Ohne Bandscheibenvorfall und ohne Bandscheibenoperation wäre der Zustand sicher be sser gewesen. Inwiefern das Trauma den Bandscheibenvorfall ausgelöst habe, könne aus heuti ger Sicht nicht rekonstruiert werden. Er sei von einer posttraumatischen lumbalen Diskushernie a usgegangen, weil der Versicherte einen Treppensturz erlitten und anschliessend lumbale Schmerzen mit radikulärer Ausstrahlung entwickelt habe. 8.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 22. Juli 2019 bei der Beurteilung des medizinischen Sach verhalts vollumfänglich auf die Beur- teilung von PD Dr. H.____ vom 16. Juni 2017 und ging demgemäss davon aus, dass das Schmerz-Rezidiv zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 30. September 2015 überwiegend Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht wahrscheinlich keine Folge des Unfallereignisses vom 11. August 2014 war. Wie bereits ausge- führt (vgl. E. 5.2 hiervor), sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen, wenn sich der angefochtene Entscheid ausschliesslich auf versicherun gsinterne medizinische Unter- lagen stützt. Bereits bei geringen Zweifeln an der Zuve rlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztli- chen Feststellungen sind ergänzende Abklärungen vorzunehm en. Auch wenn der Bericht von PD Dr. H.____ vom 16. Juni 2017 eher knapp ausgefalle n ist, bestehen dennoch keine Zweifel an dessen Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit. So wurde er in Kenntnis der Vorakten verfasst und die geklagten Beschwerden wurden berücksichtigt. Es w ird deutlich, dass das unmittelbar nach dem Treppensturz einsetzende, mit Traumafolgen kor relierende neurologische Ausfall- syndrom überwiegend auf eine unfallkausale Bandscheibenpr oblematik zurückzuführen war, sich dann aber nach der operativen Intervention am 27. August 2014 eine Besserung einstellte und aufgrund des MRI vom 22. Januar 2015 davon auszugeh en ist, dass die aktuellen LWS- Beschwerden nicht im Zusammenhang mit dem operierten Bandscheibenvorfall stehen. Die Beurteilung des beratenden Arztes PD Dr. H.____ erweist sich sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen als überzeugend. Sie steht denn auch im Einklang mit der Beurteilung im Bericht von Prof. Dr. E.____ vom 10. Februar 2015, wonach das aktue lle Schmerzsyndrom nicht durch ein Bandscheibenvorfall-Rezidiv bedingt sei, sondern vielmehr durch die Diskopathie, eventuell durch die Überlastung der kleinen Facettengelenke oder andere Faktoren verursacht werde. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegeg nerin auf die Beurteilung von PD Dr. H.____ abgestellt hat. 8.2 Daran vermögen die Ausführungen in der Beschwerde nichts zu ändern. Wenn der Be- schwerdeführer geltend macht, es bestünden Diskrepanzen zwisch en der Beurteilung von Prof. Dr. E.____ vom 10. Februar 2015 und 11. Novemb er 2015 sowie der Einschätzung des beratenden Arztes PD Dr. H.____ vom 16. Juni 2017 eine rseits und der Beurteilung des bera- tenden Arztes Dr. G.____ vom 14. April 2015 anderers eits, trifft dies zwar teilweise zu. Es ist ihm aber entgegenzuhalten, dass PD Dr. H.____ sämtliche medizinischen Akten und dabei na- mentlich auch die genannten Berichte der Dres E.____ un d G.____ vorlagen und auch Prof. Dr. E.____ im Bericht vom 10. Februar 2015 ein Bandscheibenvorfall-Rezidiv klar vernein- te. Auch aus dessen Stellungnahme vom 11. November 2015 und den mit der Beschwerde ein- gereichten Berichten der behandelnden Ärzte in Strasbourg, Dres. med. I.____ und J.____ vom 12. September 2018 und 18. Juni 2019, ergibt sich nich ts, was auf eine unzutreffende Feststel- lung von PD Dr. H.____ schliessen lassen würde. Die gän zlich unbegründete Stellungnahme von Dr. G.____ vom 14. April 2015 vermag die Beurteil ung von PD Dr. H.____, wonach spätes- tens Ende Februar 2015 die anerkannten Unfallfolgen im Beschwerdebild des Versicherten kei- ne Rolle mehr spielten, ebenfalls nicht in Zweifel zu ziehen. Soweit der Beschwerdeführer gel- tend macht, vor dem Unfall beschwerdefrei gewesen zu sein , seit dem Vorfall vom 11. August 2014 indes Schmerzen persistieren würden, läuft dies auf eine beweisrechtlich unzulässige "Post-hoc-ergo-propter-hoc-Argumentation“ hinaus. Gesich erte Anhaltspunkte dafür, dass die aktuellen sensomotorischen Beschwerden und die im MRI vom 22. Januar 2015 festgestellte Bandscheiben-Höhenminderung L4/5 in einem Zusammenhan g mit dem Unfallereignis vom 11. August 2014 stehen, sind aufgrund der vorliegenden medizinischen Unterlagen nicht hinrei- chend erstellt. Insgesamt liegt nichts vor, was auf eine aktenwidrige oder unzutreffende Beurtei- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung von PD Dr. H.____ schliessen lassen würde oder Zweifel an seiner Beurteilung zu begrün- den vermöchte, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlrei- chen Hinweisen) auf zusätzliche Abklärungen verzichtet werden kann. 8.3 Ein Verzicht auf weitere medizinische Abklärungen re chtfertigt sich umso mehr, als das Ereignis vom 14. August 2014 keinen genügend schweren Un fall darstellt, der geeignet wäre, eine Diskushernie zu verursachen oder eine vorbestehende Diskushernie richtunggebend zu verschlimmern. Wie bereits erwähnt, muss der Unfall eine gewisse Schwere aufweisen, um eine Diskushernie auszulösen. So braucht es einen Sturz aus ei ner gewissen Höhe oder das gleich- zeitige Tragen eines schweren Gewichts, damit ein solcher Gesundheitsschaden überhaupt ausgelöst werden kann (vgl. E. 4.4 hiervor). Gemäss bun desgerichtlicher Rechtsprechung gel- ten auch für eine Verschlimmerung einer vorbestehenden Diskushernie dieselben Vorausset- zungen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. Februar 2012, 8C_902/2011, E. 2.1 mit weite- ren Hinweisen sowie Urteil des Sozialversicherungsgerichts Zürich vom 24. Februar 2017, E. 1.4). Beim vorliegend zu beurteilenden Sturz über d rei bis vier Stufen einer Treppe auf den Rücken wurde radiologisch keine ossäre Läsion festgestellt. Selbst wenn dabei eine axiale Be- lastung hervorgerufen worden wäre, so genügt ein solch er Sturz noch nicht für die Provokation eines Bandscheibenschadens oder für die richtunggebende Verschlimmerung einer vorbeste- henden Diskushernie. Es ist daher davon auszugehen, dass e s lediglich zur Aktivierung eines degenerativen Vorzustands kam. Das damit im Zusammenhang stehende Schmerzsyndrom gilt erfahrungsgemäss spätestens nach einem Jahr (vgl. E. 4. 4 hiervor) als ausgeheilt und nicht mehr als unfallkausal. Die Zürich erbrachte ab 14. Au gust 2014 bis zum 30. September 2015 und damit während 13,5 Monaten Leistungen. Die Leistu ngseinstellung per 30. September 2015 erfolgte demnach zu Recht und steht zudem mit der Tatsache im Einklang, dass die me- dizinischen Unterlagen für die Zeit danach keine ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsatteste enthalten. 8.4 Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Versi- cherungsleistungen per 30. September 2015 eingestellt h at. Die gegen den betreffenden Ein- spracheentscheid vom 22. Juli 2019 erhobene Beschwerde e rweist sich als unbegründet, wes- halb sie abgewiesen werden muss. 9. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist der Prozess vor dem ka ntonalen Gericht für die Parteien kostenlos. Es sind deshalb für den vorliegenden Prozess kei ne Verfahrenskosten zu erheben. Eine Parteientschädigung wird dem Prozessausgang entsprechend nicht ausgerichtet. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht