<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="cell small-12 contentContainer printArea"> <b><font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4">IV.2011.00009</font></b><br/> <b><font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4"> </font></b><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="6">Sozialversicherungsgericht</font><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="6">des Kantons Zürich</font><br/> <font size="4">IV. Kammer</font><br/> <font size="4">Sozialversicherungsrichter Engler, Vorsitzender</font> <p><font size="4">Sozialversicherungsrichter Hurst</font> </p><p><font size="4">Sozialversicherungsrichterin Weibel-Fuchs</font> </p><p><font size="4">Gerichtsschreiber Möckli</font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Urteil vom 20. Januar 2011</font></b><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">in Sachen</font><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4">Jugend- und Familienberatung Kanton Zürich</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">A.___</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Beschwerdeführerin</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">vertreten durch Rechtsanwältin Regula Spichiger</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Amt für Jugend und Berufsberatung Kanton Zürich, Rechtsdienst Region Ost</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Guyer-Zeller-Strasse 6, Postfach 1299, 8620 Wetzikon ZH</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">gegen</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4">Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Beschwerdegegnerin</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Sachverhalt:</font></b><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1. Mit Verfügung vom 25. November 2010 forderte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 1. Juli 2008 bis 31. März 2010 an B.___, C.___ und D.___ zur Invalidenrente ihrer Mutter, E.___, ausgerichtete Kinderrenten im Betrag von Fr. 21'096.-- zurück. Die Verfügung wurde zugestellt an "Jugend- und Familienberatung Kt. Zürich, A.___" (Urk. 2). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2. Hiergegen liess A.___ durch Rechtsanwältin Regula Spichiger, Amt für Jugend und Berufsberatung Kanton Zürich, Rechtsdienst Region Ost, Wetzikon, mit Eingabe vom 6. Januar 2011 Beschwerde erheben und die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie ersatzlosen Verzicht auf die Rückforderung beantragen (Urk. 1).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Das Gericht zieht in Erwägung:</font></b><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.1 Gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Neben den eigentlichen Leistungsbezügern oder deren Erben (Art. 2 Abs. 1 lit. a der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSV) können auch Dritte oder Behörden, mit Ausnahme des Vormundes oder der Vormundin, denen Geldleistungen zur Gewährleistung zweckgemässer Verwendung nach Artikel 20 ATSG oder den Bestimmungen der Einzelgesetze ausbezahlt wurden (lit. b), sowie Dritte oder Behörden, mit Ausnahme des Vormundes oder der Vormundin, an welche die unrechtmässig gewährte Leistung nachbezahlt wurde (lit. c), rückerstattungspflichtig werden.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.2 Keine Rückerstattungspflicht besteht für Behörden, welche Leistungen nur als Inkasso- oder Zahlstelle entgegengenommen haben (BGE 110 V 14 f. Erw. 2b, 118 V 221 Erw. 4a), den Amtsvormund oder die Vormundschaftsbehörde (BGE 112 V 101 f. Erw. 2b) oder den Beistand (Kieser, ATSG-Kommentar, Art. 25 Rz 24).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.1 Im vorliegenden Fall geht es um die Rückerstattung von nach Auffassung der Beschwerdegegnerin zu Unrecht ausgerichteten Kinderrenten. Aus den bisherigen Akten geht hervor, dass E.___ die Schweiz per 31. März 2008 verlassen hat und unbekannten Aufenthalts (vermutlich in Kenia) ist. Ihren drei unmündigen Kindern wurde von der Vormundschaftsbehörde Y.___ A.___ von der Jugend- und Familienberatung X.___ als Vormundin bestellt (Urk. 3/2). Aus welchem Grund auch immer wurden die Kinderrenten weiter ausbezahlt, und zwar gemäss Angaben der Beschwerdegegnerin an die Kinder- und Jugendberatung des Kantons Zürich. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.2 Die angefochtene Verfügung richtet sich einerseits an die Jugend- und Familienberatung des Kantons Zürich, also an eine Behörde. Andererseits ist aber auch die ehemalige Vormundin der heute erwachsenen B.___ und C.___ bzw. die heutige Vormundin von D.___ als Verfügungsadressatin aufgeführt. Der Verfügungstext richtet sich an A.___ persönlich mit der Aufforderung, den Rückforderungsbetrag der Ausgleichskasse des Kantons Solothurn zu überweisen (vgl. Urk. 2).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.3 Der Verfügungstext selber enthält keine näheren Angaben darüber, ob die Jugend- und Familienberatung des Kantons Zürich als Behörde und A.___ als deren Vertreterin oder ob A.___ als Vormundin von B.___, C.___ und D.___ angesprochen ist. Ebenso unklar ist, aus welchen Gründen die Behörde oder allenfalls die Vormundin rückerstattungspflichtig sein soll.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3. Die angefochtene Verfügung leidet somit an einem unheilbaren Begründungs- und Eröffnungsmangel, weshalb sie aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese über die Rückforderung neu verfüge. Sie hat dabei zu beachten, dass die rückforderungsverpflichtete Stelle oder Person eindeutig zu bezeichnen, deren Verpflichtung zu begründen und ihr vorgängig der Neuverfügung in angemessener Weise rechtliches Gehör zu gewähren ist (BGE 134 V 106 Erw. 2.8).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">4. Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 400.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1</font><sup><font face="RotisSerif" size="4">bis</font></sup><font face="RotisSerif" size="4"> des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Das Gericht erkennt:</font></b><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 25. November 2010 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese im Sinne der Erwägungen verfahre und über die Rückforderung neu verfüge.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">2. Die Gerichtskosten von Fr. 400.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">3. Zustellung gegen Empfangsschein an:</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- Rechtsanwältin Regula Spichiger</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Beilage des Doppels von Urk. 1 und von Kopien der Urk. 2, 3/2 und 3/4-5</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- Bundesamt für Sozialversicherungen</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">sowie an:</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">4. Gegen diesen Entscheid kann innert </font><b><font face="RotisSansSerif" size="4">30 Tagen</font></b><font face="RotisSansSerif" size="4"> seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font> </p></div></body></html>