B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5294/2011 U r t e i l v o m 2 8 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Markus König, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), alias C._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. August 2011 / N (…). D-5294/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge gelangte der Beschwerdeführer am 23. Februar 2009 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ um Asyl nachsuchte. Dazu wurde er am 25. Februar 2009 vom BFM im EVZ D._______ befragt (Kurzbefragung) und am 19. Mai 2009 am selben Ort zu seinen Asylgrün- den angehört (Anhörung). A.b Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer zur Begründung se i- nes Asylgesuchs geltend, er stamme aus E._______ (Distrikt Jaffna), wo er bis im Jahre 1995 gelebt habe. Anschliessend sei er in den Distrikt Ki- linochchi gezogen; dort habe er unter den Folgen des Bürgerkrieges gelit- ten. Als er sich einmal wegen eines Visumsantrags in Colombo aufgeha l- ten habe, sei er von den sri -lankischen Behörden wegen des Verdachts, ein LTTE[Liberation Tigers of Tamil Eelam]-Kämpfer zu sein, verhaftet und in einem Gefängnis inhaftiert worden, wo sie ihn verhört und misshandelt hätten. Nach zwei Wochen sei er wieder freigelassen worden. Nachdem zwei seiner Ko llegen, die zu den LTTE gehört hätten , von den Siche r- heitsbehörden im Januar 2009 festgenommen worden seien, habe er sich aus Angst in Colombo versteckt, da seine Kollegen Angaben in Bezug auf seine Person auf sich getragen hätten, weshalb er befürchtet habe, von den sri-lankischen Behörden der Unterstützung der LTTE verdäc htigt zu werden. Am 21. Februar 2009 sei er über den Flughafen von Colombo ausgereist. A.c Im Verfahren vor der Vorinstanz reichte der Beschwerdeführer seine Identitätskarte sowie seinen Führerausweis zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 29. August 2011 – eröffnet am 3. September 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug. Als Begründung führte die Vorinstanz hauptsächlich aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand beziehung s- weise seien nicht asylrelevant. Ausserdem sei der Wegweisungsvollzu g nach Sri Lanka zulässig, zumutbar und möglich. Für den weiteren Inhalt wird auf die Verfügung der Vorinstanz verwiesen. D-5294/2011 Seite 3 C. Mit Beschwerde vom 23. September 2011 ans Bundesverwaltungsgericht liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter beantragen, der angefochtene Entscheid vom 29. August 2011 sei in den Dispositivpun k- ten 4 und 5 aufzuheben und zur Neubeurteilung der Sache an das BFM zurückzuweisen. Zudem sei das BFM anzuweisen, sämtliche Herkunft s- länderinformationen, auf welche es seinen Entscheid stütze, mittels Quel- lenangaben offenzulegen. Eventualiter sei die Unzumutbarkeit des Vol l- zugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anz u- ordnen. Überdies sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ve r- zichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Auf die B e- gründung der Beschwerde wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfo l- genden Erwägungen eingegangen. Mit d er Beschwerde wurden ein englischsprachiger Polizeibericht vom 13. März 2009 (in Kopie), ein Urteil betreffend Ehescheidung (in Kopie, inklusive englische Übersetzung), auszugsweise Kopien von Ausweisd o- kumenten sowie eine Fürsorgebestätigung vom 9. September 2011 ein- gereicht. D. Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters des Bundesverwaltung s- gerichts vom 27. Sep tember 2011 wurde dem Beschwerdeführer mitg e- teilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten kö n- ne. Gleichzeitig verfügte der Instruktionsrichter, dass auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet und über das Gesuch um Gewä h- rung de r unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfa h- ren (VwVG, SR 172.021) im Endentscheid befunden werde. E. Mit Verfügung vom 10. Mai 2012 wurde dem Beschwerdeführer bekannt gegeben, dass der BFM-Bericht vom 22. Dezember 2011 betreffend eine Dienstreise nach Sri Lanka zu den Akten genommen worden sei. Diesb e- züglich sowie zur Praxisänderung des Bundesverwaltungsgerichts hi n- sichtlich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sri Lan ka (BVGE 2011/24) wurde dem Beschwerdeführer Gelegenheit gegeben, bis zum 25. Mai 2012 eine Stellungnahme einzureichen. F. Mit Eingabe vom 23. Mai 2012 liess der Beschwerdeführer eine Stellun g-D-5294/2011 Seite 4 nahme einreichen. Auf deren Inhalt wird – soweit wesentlich – in den Er- wägungen eingegangen. G. Mit Schreiben vom 24. August 2012 liess der Beschwerdeführer aus- zugsweise Kopien der Reisepässe seiner Eltern und seiner Geschwister sowie zwei Beerdigungsanzeigen bezüglich seines Bruders (in Kopie) zu den Akten reichen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ents cheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahmekonstellation liegt nicht vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der B e- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige D-5294/2011 Seite 5 oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Die Beschwerde richtet sich gemäss den Rechtsbegehren und der B e- gründung ausschliesslich gegen den Vollzug der von der Vorinstanz ve r- fügten Wegweisung. Die Verfügung des BFM vom 29. August 2011 ist, soweit sie die Frage der Flüchtlingseigenschaft und der Asylg ewährung betrifft (Ziffn. 1 und 2 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung), in Rechtskraft erwachsen, und auch die Anordnung der Wegweisung (Ziff. 3 des Dispositivs) ist nicht mehr zu überprüfen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK; EMARK] 2001 Nr. 21 ). Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit – abgesehen von den formellen Rügen – lediglich die Frage, ob das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärt hat. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer macht in formeller Hinsicht geltend, dass die Vorinstanz die Begründungspflicht verletzt habe, indem sie es unterla s- sen habe, die relevanten Herkunftsländerinformationen, auf welche sie ih- ren Entscheid stütze, offenzulegen. Der gebotenen Begründungspflicht sei die Vorinstanz auch deshalb nicht in genügendem Masse nachg e- kommen, da sie in der angefochtenen Verfügung ohne Begründung von der langjährigen Praxis des Bun desverwaltungsgerichts abgewichen sei. Daher sei die angefochtene Verfügung in den Dispositionspunkten 4 und 5 infolge Verletzung des Grundsatzes des rechtlichen Gehörs aufzuheben und an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen. 5.2 Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allen- falls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. EMARK 2004 Nr. 38 und 1994 Nr. 1; FRITZ GYGI, Bundes- verwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 233, mit weiteren Hi n- weisen, S. 287 und 297; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsver- fahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, mit weiteren Hinweisen). D-5294/2011 Seite 6 5.3 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bunde s- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 und Art. 29 AsylG) ergibt sich, dass Asylsuchenden die relevanten Akten offenzulegen sind und ihnen das Recht zur Äusserung (vgl. Art. 30 Abs. 2 VwVG) sowie die Möglic h- keit, Einfluss auf die Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts zu nehmen, zu gewähren ist. Ausserdem haben die verfügenden Behörden ihrer Pflicht zur Begründung in genügender Weise nachzukommen. 5.4 Soweit in der Beschwerde gerügt wird, die Vorinstanz habe die B e- gründungspflicht verletzt, indem sie es unterlassen habe, die relevanten Herkunftsländerinformationen, auf welche sie ihren Entscheid stütze, o f- fenzulegen, ist Folgendes festzuhalten: Mit A usnahme der UNHCR - Richtlinien zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs sri - lankischer Asylsuchender vom 5. Juli 2010 finden sich weder in der ange- fochtenen Verfügung noch in den übrigen vorinstanzlichen Akten explizit bezeichnete Länderberichte oder -informationen, in welche das BFM dem Beschwerdeführer hätte Einsicht gewähren können. Allgemeine Länderin- formationen, welche der internen Erkenntnisbildung dienen, sind gemäss ständiger Rechtspraxis nicht Bestandteil des Akteneinsichtsrechts und folglich auch nicht offenzulegen. In Bezug auf die UNHCR-Richtlinien vom 5. Juli 2010 ist im Übrigen festzustellen, dass diese öffentlich zugänglich sind – so auch im Internet –, weswegen diesbezüglich keine Verletzung des Akteneinsichtsrechts beziehungsweise d er Begründungspflicht vo r- liegt. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass in der angefochtenen Verfügung darauf verzichtet wurde, bezüglich dieses Dokuments die rel e- vanten Passagen anzugeben. Aus den Akten geht nicht hervor, dass die Vorinstanz den angefochtenen Entscheid auf Erkenntnisse gestützt hätte, die sie von ihrer Dienstreise im Herbst 2010 gewonnen hat, weswegen sie auch nicht verpflichtet gewesen wäre, diesbezügliche Unterlagen in der Verfügung zu erwähnen beziehungsweise dem Beschwerdeführer hierzu Akteneinsicht zu gewähren. An dieser Einschätzung ändert auch der Umstand nichts, dass das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwe r- deführer mit Verfügung vom 10 . Mai 2012 den BFM-Bericht vom 22. D e- zember 2011 betreffend eine Dienstreise nach Sri Lanka zur Stellung- nahme zustellte. Schliesslich ist davon auszugehen, dass das BFM dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 7. September 2011 alle entscheid- wesentlichen Verfahrensakten im gesetzlich zulässigen Umfang ediert hat, nachdem im Beschwerdeverfahren keine a nders lautende Rüge e r- hoben wurde. Insbesondere wurde keine Verletzung des Akteneinsicht s- rechts bezüglich einzelner von der durch das BFM gewährten Einsicht D-5294/2011 Seite 7 ausgenommener Dokumente geltend gemacht. Insgesamt liegt somit ke i- ne Verletzung des Akteneinsichtsr echts beziehungsweise der Begrü n- dungspflicht vor, da das BFM nicht gehalten war, die verwendeten allg e- mein zugänglichen Länderinformationen im beantragten Ausmass detai l- liert offenzulegen. Der gestellte Antrag, das BFM sei anzuweisen, sämtl i- che Herkunftsländerinformationen, auf welche es seinen Entscheid stüt z- te, mittels Quellenangaben offenzulegen, ist daher abzuweisen. 5.5 Bezüglich der Rüge des Beschwerdeführers in der Rechtsmittelschrift, wonach eine Verletzung der Begründungspflicht und des Anspruchs des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör vorliege, da das BFM in der angefochtenen Verfügung ohne Begründung von der langjährigen Praxis des Bundesverwaltungsgerichts abgewichen sei, ist Folgendes festzuha l- ten: Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung nach vollziehbar und im Einzelnen hinreichend differenziert aufgezeigt, weshalb es zum Schluss gelangt, dass sich die allgemeine Sicherheitslage in Sri Lanka nach Ende des bewaffneten Konfliktes zwischen der sri-lankischen Regie- rung und den LTTE im Mai 2009 deutlich entspannt habe und sich die Le- bensbedingungen insoweit verbessert hätten, dass eine Rückkehr auch in den Norden und Osten Sri Lankas grundsätzlich wieder zumutbar sei, während im ehemals von den LTTE kontrollierten Vanni -Gebiet die L e- bensbedingungen nach wie vor als sehr schwierig einzustufen seien. Das BFM muss sich als Vorinstanz zwar auch hinsichtlich der Frage der gene- rellen Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung in Herkunftsländer a b- gewiesener Asylsuchender an die Praxis des Bundesverwaltungsge richts halten, es ist aber sehr wohl befugt, mit einlässlicher Begründung von e i- ner bestehenden Praxis abzuweichen, wenn es diese als anpassungsb e- dürftig erachtet (vgl. BVGE 2010/54 E. 9.2.1 S. 801 f.). Dass das BFM den Vollzug der Wegweisung in die Nord- und Ostprovinz Sri Lankas auf- grund der jüngsten Entwicklungen in Sri Lanka aus den in der Verfügung dargelegten Gründen als zumutbar einschätzt, ist daher nicht zu besta n- den. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Übrigen kurz nach Erlass der angefochten en Verfügung in seinem Urteil E -6220/2011 vom 27. Oktober 2011 (vgl. BVGE 2011/24) zur aktuellen Situation in Sri Lanka geäussert und eine Anpassung seiner in BVGE 2008/2 publizierten Praxis vorgenommen, welche mit derjenigen des BFM im Ergebnis weitgehend übereinstimmt (vgl. E. 6.3.2 nachstehend). Inwiefern das BFM mit seinem Vorgehen die Begründungspflicht verletzt haben soll, ist in Anbetracht der insgesamt ausgewogenen und differenzierten Erwägungen in der ang e- fochtenen Verfügung ohnehin nicht ersichtlich. D-5294/2011 Seite 8 5.6 Bei dieser Sachlage besteht somit keine Veranlassung, die angefoc h- tene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben, weshalb das Bege h- ren des Beschwe rdeführers, der Entscheid vom 29 . August 2011 sei in den Dispositivpunkten 4 und 5 aufzuheben und zur Neu beurteilung der Sache an das BFM zurückzuweisen, abzuweisen ist. 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bunde sverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittst aat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. D ezem- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder e r- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Mensc h- rechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niema nd der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unte r- worfen werden. D-5294/2011 Seite 9 6.2.2 Da rechtskräftig feststeht, dass es dem Beschwerdeführer nicht g e- lungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, k ann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri La n- ka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in sein Heimatland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe ode r Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihm nicht g e- lungen. Der Beschwerdefü hrer gehört keiner in Bezug auf die Flüch t- lingseigenschaft relevanten Risikogruppe an, weshalb nicht davon au s- zugehen ist, ihm drohe im Rahmen der routinemässigen Überprüfung bei der Rückkehr diesbezüglich eine unmenschliche Behandlung. An dieser Einschätzung ändert auch der eingereichte Polizeibericht vom 13. März 2009 nichts, zumal sich daraus keine heute noch bestehende Gefährdung des Beschwerdeführers ergibt. Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt eben- falls nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). An dieser Beurteilung vermögen auch die diesbezüglichen Vorbringen des Beschwerdeführers in der Rechtsmittelschrift beziehungsweise in der Stellungnahme vom 23. Mai 2012 sowi e die dort zitierten Berichte nichts zu ändern, weshalb es sich erübrigt, weiter darauf einzugehen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimatland aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini - scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige D-5294/2011 Seite 10 Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Au s- länderinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.3.2 Das Bundesverwaltun gsgericht nahm im Urteil BVGE 2008/2 zur Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sri Lanka eine Lageanalyse vor. Gemäss der damals festgelegten Praxis war bei abg e- wiesenen Asylsuchenden tamilischer Ethnie, die aus der Region Colombo oder deren Umgebung stammen, grundsätzlich von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in diese Gebiete auszugehen (vgl. BVGE 2008/2 E. 7.6.1 S. 20). In die Nord - und Ostprovinz wurde der Wegweisungsvoll- zug hingegen als unzumutbar qualifiziert (vgl. BVGE 2008/2 E. 7.6.2 S. 21). Das Bundesverwaltungsgericht hat in BVGE 2011/24 angesichts der ve r- änderten Lage nach dem Ende des sri -lankischen Bürgerkriegs im Mai 2009 und der militärisch vernichtenden Niederlage der LTTE eine aktual i- sierte, auch heute noch zutreffende Neubeurteilung vorgenommen. De m- zufolge ist seit dem Ende des bewaffneten Konflikts von einer erheblich verbesserten Menschenrechts - und Sicherheitslage auszugehen, wobei sich die Situation nicht in allen Landesteilen gleich präsentiert. In das s o- genannte Vanni-Gebiet – die Distrikte von Kilinochchi und Mullaitivu und die nördlichen Teile der Distrikte von Mannar u nd Vavuniya sowie einen schmalen Landstreifen an der Ostküste des Jaffna -Distrikts südlich von Nagarkovil umfassend – ist eine Rückkehr aufgrund der weitgehend ze r- störten Infrastruktur und der Verminung weiterhin unzumutbar. In das ü b- rige Staatsgebiet – insbesondere auch die Ostprovinz und die nicht zum Vanni-Gebiet gehörenden Gebiete der Nordprovinz – ist der Wegwe i- sungsvollzug grundsätzlich zumutbar, zumal dort insbesondere keine S i- tuation allgemeiner Gewalt festzustellen ist. Bei aus der Nordprovinz stammenden Personen ist dabei zu differenzieren. Für Personen, die di e- ses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verla s- sen haben, ist die Rückkehr als grundsätzlich zumutbar zu bewerten, wenn davon ausgegangen werden kann, dass diese Persone n auf die gleiche oder gleichwertige Lebens- und Wohnsituation zurückgreifen kön- nen und dem Wegweisungsvollzug auch anderweitig nichts entgege n- steht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der Nordpr o- vinz indessen längere Zeit zurück oder g ehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Aus- reise massgeblich verändert haben könnten, sind die aktuell vorliegenden Lebens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären. Liegen keine b e- günstigenden Faktore n wie die Existenz eines tragfähigen Beziehung s-D-5294/2011 Seite 11 netzes und die konkrete Möglichkeit der Sicherung des Existenzminiums und der Wohnsituation in der Nordprovinz vor, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, n ament- lich im Grossraum Colombo, zu prüfen, wohin der Vollzug als grundsät z- lich zumutbar erachtet wird (vgl. BVGE a.a.O. E. 13.2.1.1 - 13.3). 6.3.3 Der Beschwerdeführer stammt aus dem Norden Sri Lankas, aus E._______ im Distrikt Jaffna. Der Ort befindet sich ausserhalb des Vanni- Gebietes in der Nordprovinz, weshalb der Wegweisungsvollzug des B e- schwerdeführers dorthin grundsätzlich zumutbar ist. Da sein dortiger Auf- enthalt jedoch schon lange Zeit zurückliegt, müssen be sondere begünsti- gende Faktoren vorliegen, um die Zumutbarkeit seines Wegweisungsvoll- zuges zu bejahen. Vorliegend erübrigt sich diese Prüfung indessen, da – wie nachfolgend dargelegt wird – die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative in Colombo bejaht werden kann. 6.3.4 Für die Beurteilung einer Aufenthaltsalternative im Grossraum C o- lombo gelten weiterhin die in BVGE 2008/2 festgele gten Kriterien (vgl. BVGE a.a.O. E. 7.6.1 f.). Anlässlich der Anhörung machte der Beschwer- deführer geltend, er habe von November 2008 bis zu seiner Ausreise aus Sri Lanka Ende Februar 2009 in Colombo bei einem Freund seines V a- ters gewohnt (BFM-Akten A 18/13 S. 4, 11). In seinem eigenhändig unter- schriebenen Visumantrag vom 14. Mai 2007 hatte der Beschwerdeführer vorgebracht, er arbeite gegenwärtig als Manager bei F._______ in C o- lombo. Aus dem dem Visum antrag beigelegten Bestätigungsschreiben der in Colombo domizilierten Firma F._______ vom 8. Mai 2007 geht zu- dem hervor, dass der Beschwerdeführer die letzten drei Jahre a ls Mana- ger bei der Firma gearbei tet habe (vgl. dazu A 18/13 F27 ). Aufgrund die- ser widersprüchlichen Angaben ist zweifelhaft, ob sich der Beschwerd e- führer tatsächlich – wie behauptet – vor seiner Ausreise aus Sri Lanka le- diglich drei Monate in Colombo aufge halten hat. Es ist aufgrund der U n- terlagen eher wahrscheinlich, dass er vor seiner Ausreise aus Sri Lanka viel länger dort gelebt hat. Angesichts dieser Ungereimtheiten bezüglich seines Aufenthalts sowie seiner unglaubhaften Verfolgungsvorbringen ist zudem seine Behauptung, er habe sich in Colombo versteckt gehalten und er sei dort vor seiner Ausreise nicht registriert gewesen, nicht glaub- haft. Dies insbesondere auch deshalb, da er bei der An hörung bezüglich der Registrierung in Colombo unplausible Aussagen machte. So führte er aus, er sei am Anfang in Colombo registriert gewesen, als er den Visu m- antrag für die Schweiz gestellt habe (A 18/13 F99 f.); zu diesem Zeitpunkt (Mai 2007) will er jedoch gar nicht in Colombo gewohnt haben (A 18/13 D-5294/2011 Seite 12 F20), weshalb es für ihn keinen Grund gegeben hätte, sich dort registrie- ren zu lassen. Abgeseh en davon erscheint es aufgrund der dazumal be- stehenden strengen Kontrollen durch die sri -lankischen Behörden u n- wahrscheinlich, dass es dem Beschwerdeführer tamilischer Ethnie vor seiner Ausreise gelungen sein soll, sich während dreier Monate ohne Re- gistrierung in Colombo aufzuhalten. Nach dem Gesagten ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise aus Sri Lanka in Colombo offiziell registriert war und sich demnach dort legal auf- hielt, weshalb er auch dorthin zurückkehren kann. Der Beschwerdeführer hat gemäss eigenen Angaben vor seiner Ausreise bei einem Freund se i- nes Vaters gewohnt. Es liegen keine aktuelleren Erkenntnisse vor, die zur Annahme führen könnten , dass sich dieser Freund heute n icht mehr in Colombo aufhalten würde. Er wird den jungen und – gemäss den Akten – gesunden Beschwerdeführer zumindest vorübergehend aufnehmen und allenfalls bei der Arbeitssuche unterstützen können. Der Beschwerdefü h- rer verfügt zudem über eine gute Schulbildung sowie jahrelange Berufser- fahrung als (…), weshalb er in der Lage sein wird, sich in der Heimat wirt- schaftlich zu reintegrieren. Bei der Integration wird er im Bedarfsfall auf die (finanzielle) Unterstützung seiner nahen Verwandten zählen können, die in Grossbritannien, Kanada und in der Schweiz leben. Insbesondere ist davon auszu gehen, dass er bei Bedarf von seinen in Grossbritannien wohnhaften Eltern sowie seiner dort lebenden Schwester unterstützt wird. Die Rückkehrhilfe der Schweiz wird dem Beschwerdeführer den Wiede r- einstieg in Sri Lanka ebenfalls erleichtern (vgl. Art. 62 ff. der Asylveror d- nung 2 über Finanzierungsfragen vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass bloss s oziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht genügen, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Entgegen den (sinngemässen) Vorbringen des Beschwerdefü h- rers in der Rechtsmittelschrift sowie der Stellungnahme vom 23. Mai 2012 ist somit nicht anzunehmen, dass er bei einer Rückkehr in seinen He i- matstaat in eine existenzielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der We g- weisung erweist sich damit sowohl in genereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi - gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art . 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung nicht als unmöglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). D-5294/2011 Seite 13 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine A nordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist demnach abzuweisen. 8. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären die Kosten dem mit seinen Begehren unterlegenen Beschwerdeführer zu überbinden (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dieser hat aber im Rahmen der Beschwerdebegeh ren ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gestellt. G e- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz nach Einre i- chung der Beschwerde eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Dem Beschwerdeführer kann nicht vorgehalten werden, seiner Beschwerde habe es im Zeitpunkt der Bea n- tragung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Blick auf die Erfolgsaussich- ten an der nötig en Ernsthaftigkeit gefehlt (vgl. BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Zudem wird seine prozessuale Bedürftigkeit durch die eing e- reichte Fürsorgebestätigung vom 9. September 2011 hinreichend belegt. Damit sind beide kumulativ erforderlichen Voraussetzungen v on Art. 65 Abs. 1 VwVG erfüllt. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist deshalb gutzuheissen, und der Beschwerdeführer ist von der Pflicht zur Kostentragung zu befreien. Infolgedessen sind ihm trotz seines Unterliegens keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-5294/2011 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gu t- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: