Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. November 2017 (720 16 255 / 289) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Ana Dettwiler , Advok a- tin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1969 geborene A.____ bezieht seit 1. Septemb er 1997 eine halbe Invalidenrente aufgrund eines in der Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) vom 6. Oktober 1999 nach der spezifischen Methode des Betätigungsvergle ichs (als Hausfrau) ermittelten IV-Grades von 50 %. Anlässlich einer im September 2010 eingel eiteten Rentenrevision hat die IV-Stelle die gesundheitlichen, erwerblichen und hauswirtschaftlichen Verhältnisse von A.____ abgeklärt. Am 15. Juli 2016 verfügte die IV-Stelle die Rentenaufhebung aufgrund eines nach der allgemei- nen Methode ermittelten IV-Grades von 28 %. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Ana Dettwiler, am 19. August 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, die angef ochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr mit Wirkung ab 01. Februar 2015 eine ganze Inval idenrente, eventualiter auch über den 30. August 2016 hinaus weiterhin eine halbe Invaliden rente zuzusprechen. Eventualiter sei ein unabhängiges polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu g eben und sodann über ihren Leis- tungsanspruch zu entscheiden. C. Mit Vernehmlassung vom 5. Oktober 2016 bzw. Schreib en vom 7. Oktober 2016 bean- tragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Die Beschwerdeführerin hielt mit Schreiben vom 28. Oktober 2016 an ihren Anträgen fest. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 1. Dezember 2016 stellte das Kantonsgericht das Verfahren aus und ordnete die Einholung eines polydiszip linären Gutachtens bei der Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) des Universitätsspitals Basel an. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die IV-Stelle habe sich in der angefochtenen Verfügung bei der Beur- teilung des medizinischen Sachverhaltes im Wesentlichen auf das ABI-Gutachten vom 17. Ja- nuar 2014 gestützt. Entgegen der Auffassung der IV-Ste lle komme diesem Gutachten jedoch keine ausschlaggebende Beweiskraft zu, da zu viele Unklarhe iten bestehen würden. Da die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte auch keine verlässliche Entscheid- grundlage bilden würden, seien die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren nicht ausreichend beweiskräftig. F. Das vom Kantonsgericht am 17. Januar 2017 bei der asi m in Auftrag gegebene polydis- ziplinäre Gutachten wurde am 3. August 2017 erstattet. G. Die IV-Stelle führte in ihrer Stellungnahme vom 1. September 2017 zum asim-Gutachten unter Verweis auf eine RAD-Stellungnahme vom 21. Augu st 2017 aus, dass insbesondere das psychiatrische Teilgutachten mehrere Mängel aufweise und d eshalb nicht verwertbar sei. Dem- zufolge sei nach wie vor die medizinische Einschätzung des ABI-Gutachtens vom 17. Januar 2014 massgeblich, weshalb die rentenaufhebende Verfügu ng vom 15. Juli 2016 nach wie vor Bestand habe. H. Mit Stellungnahme vom 7. September 2017 hielt di e Beschwerdeführerin fest, aus dem Gutachten ergebe sich, dass sie seit 1. Februar 2012 zu 100 % arbeitsunfähig sei, weshalb die Verfügung vom 15. Juli 2016 aufzuheben und ihr mit Wi rkung ab 1. Februar 2012 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes übe r Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 in der nach dem 1. Juli 2006 gültigen Fassung kann gegen Verfügungen der kan- tonalen IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Das Kantonsgericht des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Ge- setzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 örtlich und sachlich zuständig. Auf die – im Übrigen fo rm- und fristgerecht – eingereichte Be- schwerde ist somit einzutreten. 2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. Invalidität im Sinne dieser B estimmung ist die durch einen körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden als Folg e von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleib ende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer invalidisierenden psychischen Gesund heitsbeeinträchtigung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach e inem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psych ischen Leiden belastenden psycho- sozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidi- sierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, da s die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachz ugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – für die Gesellschaft gar untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird die Invalidität nur für diesen Teil nach Art. 16 ATSG, im Aufgabenbereich hingegen nach Art. 28a Abs. 2 IVG be- messen. Es sind der Anteil einerseits der Erwerbstätigkeit und andererseits der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und es ist der Invalidität sgrad in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). 4.1 Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Rente n für die Zukunft zu erhöhen, her- abzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgra d in einer für den Anspruch erhebli- chen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wese ntliche Änderung in den tatsächli- chen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsg rad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Rechtsprechung anerkennt als Revisionsgrun d namentlich die erhebliche Verbesserung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes; eine Rente kann ferner auch revidiert werden, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen eines an sich gleich gebliebenen Gesundheitsschadens erheblich verändert haben (BGE 109 V 116 E. 3b mit Hinweisen). Nach Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversi cherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit die anspr uchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Änderung der Leistung von dem Zeitp unkt an zu berücksichtigen, in wel- chem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit andauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentl iche Unterbrechung drei Monate ge- dauert hat und voraussichtlich weiter andauern wird. Bei einer Verschlechterung der Erwerbsfä- higkeit ist die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berü cksichtigen, sobald sie ohne wesent- liche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (Art. 88a Abs. 2 Satz 1 IVV). 4.2 Ob eine anspruchserhebliche Tatsachenänderung einge treten ist, beurteilt sich durch den Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt de r letzten Rentenverfügung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der Neubeurteilung. Zei tlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet somit die letzte, der versicherten Person eröffnete und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkom- mensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung i n den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 114 E. 5). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem U mfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsfähig oder arbeitsun fähig ist (vgl. BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumu tbarkeit, also der Frage, welche andere Erwerbstätigkeit als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden kan n (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Pro- zentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von i hrem Bestehen überzeugt sind (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f.). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofe rn das Gesetz nichts Abweichen- des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Be weisanforderungen nicht. Das Ge- richt hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folg en, die es von allen möglichen Gesche- hensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 1 21 V 47 E. 2a; ZAK 1986 S. 189 f. E. 2c). Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat das Ger icht von Amtes wegen die not- wendigen Beweise zu erheben. Eine Beweislast besteht nu r in dem Sinne, dass im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen ge- bliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Be weisregel greift allerdings erst, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweis- würdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindes t die hohe Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (vgl. BGE 117 V 263 E. 3b). Das schweizerische Sozialver- sicherungsrecht kennt demnach keinen Grundsatz, wonach die Versicherungsorgane im Zweifel zu Gunsten der Versicherten zu entscheiden haben. Ein A nspruch auf Leistungen besteht nur, wenn die Voraussetzungen dafür mit überwiegender Wah rscheinlichkeit erfüllt sind (vgl. ZAK 1983 S. 259). 5.3 Zur Feststellung der medizinischen Verhältnisse hat d as Gericht die ihm von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellenden Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. A rt. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv z u prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru- ches gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einande r widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte B eweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab- stellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Bericht es ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E. 1c mit Hinwei- sen). 5.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung au fzustellen. So führte das Bundesgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zw ingende Gründe" von den Ein- schätzungen des medizinischen Experten abweicht, dessen Aufga be es ist, seine Fachkennt- nisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um ei nen bestimmten Sachverhalt medizi- nisch zu erfassen (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Gleichwoh l wie bei Gutachten externer Spezial- ärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt wurden und den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht insbesondere einem von ihm eingeholten Gerichtsgutachten vollen Beweiswert zue rkennen, solange "nicht konkrete In- dizien gegen die Zuverlässigkeit" der Expertise sprechen (B GE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.). Schliesslich lässt es die Natur des Begutachtungsauftrags ei nes amtlich bestellten fachmedizi- nischen Experten nicht zu (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b), ein Administrativ- oder Gerichtsgutachte n stets in Frage zu stellen und zum An- lass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn andere Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vor- behalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil beispiels- weise die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation ent- springende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begut achtung unerkannt oder ungewür- digt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts I 514/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinwei- sen). 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 15. Juli 2015 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlichen auf das polydisziplinäre (Psychi- atrie, Orthopädie und Gastroenterologie) Gutachten de s ABI vom 17. Januar 2014. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beschwerdeführerin aus pol ydisziplinärer Sicht eine Arbeits- respektive Leistungsfähigkeit von 70 % in körperlich lei chten, geeigneten Tätigkeiten zumutbar sei. Für körperlich schwer belastende Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit um 2 5 % eingeschränkt. Die Einschränkung Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus gastroenterologischer Sicht aufgrund des Morbus Crohn wurde mit 20 % beziffert. Circa zwei Tage alle zwei Wochen sei die Explorandin wegen Sc hmerzen nicht arbeitsfähig. Aus Sicht des Bewegungsapparates bestehe für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähig keit. Das wiederholte Heben und Tragen von Lasten über 15 kg solle dabei vermieden werd en. Aufgrund der Veränderungen an der lumbalen Wirbelsäule seien lediglich körperlich an dauernd schwere Tätigkeiten ungeeignet und sollten der Explorandin nicht zugemutet werden. 6.1.1 Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapi e, stellte in seinem psychiatri- schen Teilgutachten des ABI-Gutachtens folgende psychiatrische Diagnosen: a) mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 1. Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht e bis mittelgradige Episode (ICD·1 0 F33.0/F33.1) 2. Undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45. 1) b) ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit Störung durch Sedativa und Hypnotika, regelmässiger G ebrauch (ICD-10 F13.25) In seiner Beurteilung führte Dr. B.____ im Wesentlich en aus, bei der Explorandin würde diag- nostisch eine leichte bis mittelgradige depressive Episode mit depressiven Verstimmungen, erhöhter Ermüdbarkeit, Schlafstörungen und negativen Zukunftsperspektiven bezüglich ihrer gesundheitlichen und beruflichen Situation sowie eine undifferenzierte Somatisierungsstörung mit ausgeweiteten, wechselnden Schmerzen im Bewegungsap parat und im Darmbereich, aber auch sonstigen Darmbeschwerden bestehen. Es würden etwas auffällige dramatisierende und vielleicht auch abhängige Persönlichkeitszüge beste hen. Gegen die Achse-2-Diagnose einer Per- sönlichkeitsstörung spreche hier aber vor allem auc h der Verlauf mit vor der Erkrankung doch auch normaler Sozialisation und vor allem voller Leis tungsfähigkeit. Es bestehe auch eine Störung durch Sedativa und Hypnotika im Sinne eines A bhängigkeitssyndroms·mit dem Wunsch, darauf nicht verzichten zu wollen, Toleranzentwicklung mi t deutlich hohen Dosen; Entzugssymptomen, so dass ein Dosisabbau nicht gelungen se i und möglichen negativen Folgen mit vor allem Verschlechterung des Nachtschlafes. E s bestehe ein chronischer Verlauf. Es bestehe vor allem aber auch eine ausgeprägte Krankheits- und Behin derungsüberzeugung. Die Prognose sei deshalb ungünstig. 6.1.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.1 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Bereits anlässlich der ersten in dieser Angelegenheit erfolgten Urteilsbera- tung vom 1. Dezember 2016 gelangte das Kantonsgericht n un allerdings zur Auffassung, dass diesem Gutachten keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme . An dieser Einschätzung ist festzuhalten. Anlass, an den entsprechenden Schlussfolger ungen im ABI-Gutachten vom Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 17. Januar 2014 zu zweifeln, gibt einerseits die Einschätz ung der Arbeitsunfähigkeit aus gast- roenterologischer Sicht. In der gastroenterologischen Beurteilung wurde festgestellt, die Arbeits- fähigkeit sei um 20 % eingeschränkt; jedoch hat der Gut achter nicht schlüssig dargelegt, ob die gleichzeitig erwähnte Arbeitsunfähigkeit der Versichert en alle zwei Wochen für zwei Tage be- reits berücksichtigt worden ist. Des Weiteren sind die Ursac hen und Auswirkungen der psychi- atrischen Beschwerden der Versicherten teilweise ungenüge nd abgeklärt worden. Auch die Annahme des Gutachters, vor der Erkrankung habe eine normale Sozialisation und vor allem auch eine volle Leistungsfähigkeit bestanden, erscheint auf Grund der Akten fraglich, ergibt sich doch, dass die Beschwerdeführerin bereits seit ihrer Kind heit sowohl leistungsmässig als auch in sozialer Hinsicht Probleme hatte. So sei sie als Kind immer eine Aussenseiterin gewesen. Die erste Lehrstel- le habe sie verlassen müssen bzw. sie sei rausgesch missen worden. Aber auch danach habe sie nur temporär gearbeitet und sie habe immer Probleme geh abt mit Vorgesetzten, Vermietern, auch mit dem Ehemann und dem heutigen Partner, mit dem sie n icht zusammenlebt. Es kann deshalb nicht von einer normalen Sozialisation und von einer vollen Leistungsfähigkeit a usgegangen wer- den. Unter diesen Umständen gelangte das Kantonsgerich t zur Auffassung, dass auf das ABI- Gutachten nicht abgestellt werden kann. Da die damals bei den Akten liegenden Berichte eben- falls keine verlässliche Entscheidgrundlage bildeten, gelangte das Kantonsgericht des Weiteren zum Schluss, die Einholung eines polydiszidplinären Guta chtens sei unerlässlich. Demzufolge wurde mit Beschluss des Kantonsgerichts vom 1. Dezember 2016 die Einholung eines gerichtli- chen Gutachtens beim asim angeordnet, welches am 3. August 2017 erstattet wurde. 6.2 Wie sich aus dem asim-Gutachten mit den Disziplinen Psychiatrie, Orthopädie und Gastroenterologie ergibt, war für die Beurteilung de r Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus interdisziplinärer Sicht das psychiatrische Teilgutachten von Dr. med. C.____, FMH Psychi- atrie und Psychotherapie, entscheidend, weshalb nachfolge nd im Wesentlichen auf dieses ein- zugehen ist. 6.2.1 Im psychiatrischen Teilgutachten von Dr. C.____ w erden folgende Diagnosen mit Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: 1. Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit am ehesten emo tional instabilen, dd/anam- nestisch auch histrionischen, passiv-aggressiven und abhängig en Zügen (ICD-10: F61.0) 2. Schwergradige Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus (ICD -10: F51.2) mit/bei 3. Langjähriger Abhängigkeit von Sedativa/Hypnotika, mi t anhaltendem Substanzgebrauch (ICD-10: F13.24) 4. Derzeit am ehesten leichte bis mittelgradige depre ssive Episode (ICD-10: F32.0/1) - dd i.R. einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.0/1) - dd i.R. gemischte affektive Episode bei bipolarer St örung (m. Logorrhoe; ICD-10: F31.6) - dd i.R im Rahmen von Diagnose I (Persönlichkeitsstörung; ICD-10 F61.0) Psychosoziale Belastungsfaktoren 1. Langjähriger Morbus Crohn Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Anamnestisch Hinweise auf sexuellen Missbrauch und emo tionale Vernachlässigung in Kindheit/Jugend, (gegebenenfalls ICD-10: Z61.4; Z62.4) Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit konn ten aus psychiatrischer Sicht keine festgestellt werden. Dr. C.____ führt aus, sie habe eine psychisch und im Verhalten ausgesprochen auffällige Versi- cherte, mit der eine strukturierte Anamneseerhebung b zw. -exploration nicht möglich gewesen sei, gesehen. Es habe sich eine ausgesprochen unstrukturie rte, auch mit Bemühen schwer strukturierbare, teils assoziativ fast gelockerte, sich in wenig relevanten Details verlierende Dar- stellungsweise, die grenzwertig als logorrhoisch zu bezeichn en sei, gezeigt. Dabei sei die Ex- plorandin initial misstrauisch und abwehrend gewesen, h abe sich aber im Verlauf der 2- stündigen Exploration zunehmend geöffnet und habe auch weiche, sensible und abhängige Züge gezeigt. Hochgradig ambivalent besetzt sei ihr Verhältnis zu ihrer 21-jährigen Tochter, die bei ihr lebe, selber psychisch auffällig sei und bei der auch ein Morbus Crohn diagnostiziert worden sei. Mit der Tochter gebe es offensichtlich häuf ig eskalierende Konflikte, andererseits mache sich die Versicherte auch spürbar Sorgen und sie ha be am Schluss der Exploration auch Schuldgefühle gezeigt, weil sie die Tochter als kle ines Kind nicht habe angemessen ver- sorgen können. Sehr plastisch und authentisch, mit dem entsprechend begleitenden Affekt, habe sie von zahlreichen Konflikten (mit dem Freund, de m Exmann, der Nachbarschaft, dem Vermieter/Verwalter), gegenwärtig wie auch retrospekt iv (mit Vorgesetzten etc.) berichtet. Ebenso plastisch und authentisch sei eine eindrückliche Ta g-Nacht-Umkehr bzw. Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus beschrieben worden mit u.a. extensi vem nächtlichen Gebrauch elektronischer Medien und Geräte. Es müsse deswegen auch eine substanzungebundene (In- ternet-)Abhängigkeit in Erwägung gezogen werden, „dd i.R. der Persönlichkeitspathologie“. Ge- samthaft werde in Übereinstimmung mit den Vorbeurteil enden bzw. Behandler (die einzige Ausnahme würden die beiden ABI-Gutachten von 2011 und 2013 darstellen) eine schwergradig kombinierte Persönlichkeitsstörung, ihres Erachtens auch un d v.a. mit emotional instabilen, dd/anamnestisch auch mit histrionischen und abhängigen Zügen diagnostiziert. Zudem bestehe die schwere Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus, eine langjä hrige Abhängigkeit von Benzodia- zepinen mit fortgesetztem Gebrauch, sowie evtl. eine Inte rnetabhängigkeit. Insgesamt sei die komplexe Störung der Versicherten mit v.a. affektiven und persönlichkeitsassoziierten Sympto- men sowie Substanz- (und evtl. auch stoffungebundenen) Abhängigkeiten als schwergradig zu bezeichnen. Die Versicherte sei durch ihre schwerwiegende Persönlich keitsstörung mit erheblichen Abwei- chungen im inneren Erleben, Verhalten und in der Bezi ehungsgestaltung gegenüber der Norm bezüglich zahlreicher relevanter Partizipationsfähigke iten erheblich beeinträchtigt sei. Es wür- den zahlreiche Belastungen, z.B. durch die ebenfalls meh rfach erkrankte Tochter, sowie die dem Selbstbericht der Versicherten zufolge unbefriedigende Beziehung zu dem älteren Partner, der nicht mit der Versicherten zusammenlebe, bestehen. Auch die belastende Kindheit der Ver- sicherten mit emotionaler Vernachlässigung, vermutlich a uch angstauslösenden Situationen (Streit der Eltern, Schläge) und anamnestisch zudem sexu ellem Missbrauch, wirke als Belas- tung und habe die schwerwiegenden Abweichungen des inn eren Erlebens, der Beziehungsge- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht staltung und des Verhaltens der Versicherten (Persönlichk eitsstörung) mitbedingt. In ihrer Kon- sistenzprüfung hält Dr. C.____ fest, dass sich keinerlei Hi nweise auf eine eingeschränkte Be- schwerdenvalidität ergeben hätten. Das Aktivitätsniveau s ei sehr glaubhaft und authentisch in allen Lebensbereichen gleichmässig gering und schlecht. Die Versicherte befinde sich seit Jah- ren in kontinuierlicher ambulanter Behandlung, die angegebene psychiatrische Medikation habe sich im therapeutischen Bereich befunden, was für eine gute Medikamenten-Compliance spre- che. Angesichts der Schwere der Erkrankung sei es ohnehin erstaunlich, dass die Versicherte eine kontinuierliche und offensichtlich belastbare thera peutische Beziehung zu dem Therapeu- ten habe aufrechterhalten können. In ihrer Stellungnahme zu divergierenden psychiatrischen Vorbeurteilungen weist Dr. C.____ darauf hin, dass in fachpsychiatrischer Hinsicht ausschliesslich zum ABI-Vorgutachten bzw. zur Beurteilung durch Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eine markante Dis- krepanz bestehe. Dieser beschreibe lediglich eine rezidivi erende depressive Störung und Traumatisierungsstörung, nebst der Sedativa-Abhängigkeit, hingegen die hier ganz offensichtli- chen und auch anamnestisch fachärztlich gut vordokumentierten erheblichen Auffälligkeiten des inneren Erlebens, der Beziehungsgestaltung und des Verha ltens (gesamthaft also einer Per- sönlichkeitsstörung) der Explorandin gar nicht. Demzufolg e resultiere in der Einschätzung von Dr. B.____ eine wesentlich geringere Einschätzung des Sc hweregrades und der funktionellen Auswirkungen. Dr. C.____ kommt zum Schluss, dass seit der psychischen Dekompensation nach Ankündigung der Rentenaufhebung ab Entlassungsdat um aus der D.____ (3. Februar 2012) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Aufgru nd der langjährigen Dauer, Komplexität und Persönlichkeitsassoziierung der psychiatrischen Erkrankung sei von einer sehr schlechten Prognose hinsichtlich Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. 6.2.2 Die bei der ursprünglichen Berentung massgeblich e gastroenterologische Situation (Morbus Crohn) wird im asim-Gutachten mindestens seit No vember 2012 als remittierend und das orthopädische Beschwerdebild als vergleichbar zu den Vorbeurteilungen beurteilt. 6.3 Am 21. August 2017 nimmt der RAD-Arzt Dr. med. E .____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, zum asim-Gutachten vom 3. August 2017 Ste llung. Er führt im Wesentlichen aus, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht nach vollziehbar sei. Die Versicherte sei durchaus fähig beispielsweise eine Partnerschaft einzug ehen und aufrecht zu halten, den Haushalt zu führen, mit ihrer Tochter zusammenzuleben, sich zuverlässig um ihre vier Hunde zu kümmern und mit diesen regelmässig hinauszugehen, mi t dem PC umzugehen und damit rege zu kommunizieren. Sie sei auch in der Lage Auto zu fahren und sich den heutigen Erfor- dernissen des dichten Strassenverkehrs entsprechend zu konzen trieren. Ausserdem sei die psychiatrische Anamnese nicht regelkonform durchgeführt w orden. Nach anfänglichen Struktu- rierungsversuchen sei auf eine Anamneseerhebung verzichte t worden. Wenn es der Gutachte- rin im ersten Anlauf nicht gelungen sei, eine Anamne se zu erheben, hätte sie die Versicherte ein zweites und allenfalls ein drittes Mal einbestellen sollen, um die Anamnese zu erheben. Zu- letzt sei auch die Konsistenzprüfung nicht nachvollziehba r. Im Gutachten sei die Auskunftsbe- reitschaft der Versicherten wie folgt umschrieben worden: „Gespräch ist schwierig zu strukturie- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren, die E. gibt häufig sehr ausweichende, vage Antwor ten und redet häufig an der Frage vor- bei“. Diese Inkonsistenzen seien im psychiatrischen Gutachten nicht diskutiert worden. 7.1 Wie oben ausgeführt (E. 5.4 hiervor), weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinisch en Experten ab, dessen Aufga- be es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Ver fügung zu stellen, um einen be- stimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorliegend besteht kein Anlass, von den Ergeb- nissen des asim-Gerichtsgutachtens abzuweichen. Das Gutac hten erfüllt die rechtsprechungs- gemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilu ngsgrundlage: Es weist weder for- male noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom B undesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.3 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, es ist i n Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und beruht auf allseitigen und detaillierten Untersuchungen zum Psychostatus der Ver- sicherten. Ebenfalls berücksichtigt es die geklagten Beschwerden und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung de r medizinischen Situation ein. Das asim-Gutachten bzw. Dr. C.____ setzt sich ausserdem mit den bei den Akten liegenden (abwei- chenden) fachärztlichen Einschätzungen auseinander und sie vermag insbesondere schlüssig zu begründen, dass die erhobenen Symptome der Versicherte n unter die Diagnose einer kom- binierten Persönlichkeitsstörung mit Auswirkung auf die A rbeitsfähigkeit subsumiert werden können. Diese Symptome werden im Gutachten eindrücklich geschildert. 7.2 Die vom RAD gegen das Gutachten vorgebrachten Arg umente vermögen nicht zu überzeugen. In Bezug auf die Anamnese ist festzuhalten, dass die Gutachterin angibt, sie habe zwar auf eine vollständige und strukturierte Anamnese, w elche die üblichen Bereiche vollum- fänglich abdecke, verzichtet. Allerdings hält sie anschliessend fest, sie habe aber bezüglich der absolut notwendigen Aspekte insistiert. Zudem erfolgte die Exploration während 2 Stunden und das Gutachten basiert auf Kenntnis aller medizinischen Vo rakten. Die Ausführungen im psychi- atrischen Fachgutachten sind denn auch detailliert und f undiert. Des Weiteren ist auch die Di- agnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit Auswi rkung auf die Arbeitsfähigkeit ent- gegen der Auffassung des RAD gestützt auf die Anamnes e und Befunderhebung nachvollzieh- bar und plausibel. Es zeigt sich, dass diese Diagnose bereit s im Austrittsbericht der D.____ vom 7. Februar 2012 gestellt wurde, welcher im Anschlu ss an den Aufenthalt der Versicherten vom 4. November 2011 bis zum 3. Februar 2012 in der K linik erstellt wurde. Dort wurde die Versicherte nach wenigen Wochen von der Depressionsstation a uf die für Persönlichkeitsstö- rungen spezialisierte Abteilung verlegt. Ebenso hat de r behandelnde Arzt Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem Bericht vom 23. April 2013 unter anderem so- wohl eine rezidivierende depressive Störung, zurzeit mitt elgradige Episode, als auch eine kom- binierte Persönlichkeitsstörung mit vor allem histrioni schen, passiv-aggressiven und abhängi- gen Anteilen diagnostiziert. Auch die Ausführungen in diesen Arztberichten, insbesondere im ausführlichen Bericht von Dr. F.____, lassen die Diagnose der kombinierten Persönlichkeitsstö- rung als naheliegend erscheinen. Im Zusammenhang mit der Konsistenzprüfung kann ebenfalls auf die Ausführungen von Dr. C.____ verwiesen werden , wonach sich keinerlei Hinweise auf eine eingeschränkte Beschwerdenvalidität ergeben. Das Aktivitätsniveau sei sehr glaubhaft und authentisch in allen Lebensbereichen gleichmässig gering und schlecht. Die Versicherte befinde sich seit Jahren in kontinuierlicher ambulanter psychiatr ischer Behandlung, die angegebene Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht psychiatrische Medikation habe sich im therapeutischen Berei ch befunden, was für eine gute Medikamenten-Compliance spreche. Angesichts der Schwere d er Erkrankung sei es ohnehin erstaunlich, dass die Versicherte eine kontinuierliche und offensichtlich belastbare therapeuti- sche Beziehung zum Therapeuten aufrechterhalten könne. 2011 bis 2012 sei sie ca. drei Mona- te in einer psychiatrischen Klinik hospitalisiert gewesen und behandelt worden. Auch der vom RAD vorgebrachte Einwand, dass das Gespräch schwierig zu st rukturieren gewesen sei und die Explorandin häufig ausweichende und vage Antworten gegeben habe, kann die von Dr. C.____ vorgenommene Konsistenzprüfung nicht in Frage stellen. 8.1 Es liegt in der Natur des Begutachtungsauftrags, di e medizinischen Verhältnisse nicht nur zu erheben, sondern in ihrer Gesamtheit erneut un d damit allenfalls auch abweichend zu den übrigen medizinischen Unterlagen zu bewerten. Der Umstand, dass die asim-Gutachter nicht nur zu einer vom ABI-Gutachten abweichenden Diagnose, sondern auch zu einer anderen Würdigung der erhobenen Befunde und der medizinischen Sachlage gelangt sind, stellt für sich allein genommen keinen Grund für die Nichtverwertbar keit des Gerichtsgutachtens dar. Mass- gebend ist vielmehr, ob das fragliche Gutachten den rech tsprechungsgemässen Kriterien zufol- ge (oben, Erwägung 5.3 f.) überzeugend ausgefallen ist . Dies ist hier der Fall. Die psychiatri- sche Gutachterin der asim hat die Versicherte umfassend unt ersucht und gelangt zum nach- vollziehbaren Ergebnis, dass ihr selbst in einer angepasste n Verweistätigkeit keine verwertbare Restarbeitsfähigkeit mehr verbleibt. Im Ergebnis ist d emnach mit dem Gerichtsgutachten der asim festzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in einer allfälligen Verweistätigkeit auf dem e rsten Arbeitsmarkt keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben ist. 8.2. Da die Rentenrevision von Amtes wegen eingeleitet und per 1. September 2010 vorge- sehen wurde, erfolgt die Rentenerhöhung gemäss Art. 8 8 bis Abs. 1 lit. b IVV frühestens ab die- sem Zeitpunkt. Gemäss Gutachten besteht eine 100%ige Ar beitsunfähigkeit der Beschwerde- führerin seit 1. Februar 2012. Laut Art. 88a Abs. 2 IVV ist die den Anspruch auf eine Invaliden- rente beeinflussende Änderung bei einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit zu berücksich- tigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei M onate angedauert hat. Demzufolge ist der Zeitpunkt der Rentenerhöhung nach Ablauf der 3- Monats-Frist auf den 1. Mai 2012 festzu- setzen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin unterlegene Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. Gemäss § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO werden der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden gemäss Verwaltungsverfah- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht rensgesetz vom 13. Juni 1988 keine Verfahrenskosten aufer legt. Auf die Erhebung von Verfah- renskosten ist deshalb zu verzichten. 9.2 Im Zusammenhang mit den Kosten für die gerichtliche Begutachtung ist Art. 45 Abs. 1 ATSG zu beachten. Dieser Bestimmung zufolge hat der Ve rsicherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeor dnet hat. Hat er keine Massnah- men angeordnet, so hat er deren Kosten dennoch zu übe rnehmen, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder B estandteil nachträglich zugesproche- ner Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gerich t als notwendig erachteten Beweis- massnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine sol che indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfällt, die Kosten d er durch das Gericht in Auftrag gegebe- nen MEDAS-Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich seiner Urteilsberatung vom 1. Dezember 2016 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damal s vorhandene Aktenlage nicht möglich war. In Anbetracht dieser Umstände war die gerichtliche Begutachtung durch die asim deshalb nicht nur angezeigt, sondern unerlässlich. Im Lichte der geschilderten Rechtsprechung sind die resultierenden Kosten, welche sich gemäss Honorarrechnung der asim auf Fr. 14‘555.50 (Rechnung vom 19. Oktober 2017) belaufen, demnach der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 9.3 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO steht der obsiegenden Beschwe rdeführerin eine Parteient- schädigung zu. Der Honorarnote vom 13. Oktober 2017 zu folge beläuft sich der geltend ge- machte Aufwand für das vorliegende Beschwerdeverfahren a uf insgesamt 25,16 Stunden. Die- ser Aufwand erweist sich angesichts der sich stellenden Sac hverhalts- und Rechtsfragen als gerade noch angemessen. Dieser Aufwand ist zu einem St undenansatz von Fr. 250.-- zu ent- gelten. Ebenfalls nicht zu beanstanden sind die gelten d gemachten Auslagen im Umfang von insgesamt Fr. 176.10. Es ergibt sich demnach eine Partei entschädigung zu Lasten der Be- schwerdegegnerin in der Höhe von insgesamt Fr. 6‘985.20 (25,16 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen in der Höhe von Fr. 176.10 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefoch tene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 15. Juli 2016 aufgehoben und festge- stellt, dass die Beschwerdeführerin ab 1. Mai 2012 Ansp ruch auf eine ganze IV-Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung durch d ie asim vom 3. August 2017 im Umfang von insgesamt CHF 14‘555.50 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung im Umfang von CHF 6‘985.20 (inkl. Au slagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht