B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1100/2012 U r t e i l v o m 1 2 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, c/o Schweizerische Vertretung in Colombo, Sri Lanka, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 24. Januar 2012 / N (…). D-1100/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer , ein sri -lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, stellte am 8. Mai 2000 bei der s chweizerischen Vertretung in Co- lombo (nachfolgend: Botschaft) ein erstes Asylgesuch, das mit Verfügung vom 20. Juni 2001 des vormals zuständigen Bundesamtes für Flüchtlinge (BFF; heute BFM) abgelehnt wurde, wobei ihm auch die Einreisebewill i- gung verweigert wurde. Mit Urteil vom 14. Januar 2002 wurde die dag e- gen erho bene Beschwerde des Beschwerdeführers von der damals z u- ständigen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) abgewiesen. Betreffend Einzelheiten des ersten Asylverfahrens wird auf die Akten ve r- wiesen. B. B.a Der Beschwerdeführer ersuchte mit englischsprachiger Ei ngabe vom 4. Juni 2007 (Eingang Botschaft: 12. Juni 2007) erneut um Gewährung von Asyl respektive Migration in die Schweiz. B.b Mit Schreiben vom 18. Juli 2007 ersuchte die Botschaft den B e- schwerdeführer zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sachve r- halts unter Einreichung allfälliger Beweismittel und Identitätspapiere um Beantwortung konkreter Fragen in Bezug auf Ereignisse, die ihn zur Au s- reise nötigen würden, auf individuelle Betroffenheit, allfällig getroffene Schutzmassnahmen sowie einen allfälligen alternativen Aufenthaltsort in Sri Lanka. Dieses Schreiben befindet sich aus unbekannten Gründen nicht bei den Akten . Aus der Eingabe des Beschwerdeführers vom 16. August 2007 geht jedoch hervor, dass er ein solches Schreiben von der Vorinstanz erhalten hat. B.c Das vom Beschwerdeführer der Botschaft eingereichte Antwort- schreiben datiert vom 16. August 2007. B.d In den Eingaben vom 4. Juni 2007 sowie 16. August 2007 machte der Beschwerdeführer zur Begründung seines Gesuchs im Wesentlichen ge l- tend, er sei am 25. August 1990 in einer Militärop eration verhaftet und nach fünfzehn Tagen wieder freigelassen worden. Ende Oktober 1991 sei er nach B._______ umgesiedelt worden, bevor er mit seiner Familie im Januar 1992 nach C._______ gezogen sei. Dort sei er im Jahr 1998 von der Polizei verhaftet und inhaftiert worden. Man habe ihn misshandelt und ihm vorgeworfen, der Polizei keine Auskunft bezüglich der mutmasslichen Urheber eines Attentats gegeben zu haben. Um eine vorzeitige Entla s-D-1100/2012 Seite 3 sung zu erwirken habe sein Anwalt ihm geraten, die Schuld für die Erei g- nisse anzuerkennen, obwohl er nichts damit zu tun gehabt habe. Am 24. April 2000 sei er wieder aus der Haft entlassen worden. Wegen der erlit- tenen Misshandlungen könne er seinen rechten Daumen, den Ellbogen und das Knie nicht mehr bewegen, weshalb er medizinischer Behandlung bedürfe. Aufgrund bestimmter Umstände habe er mit seiner Familie an seinen früheren Wohnort D._______ zurückkehren müssen. A m 13. Mai 2006 sei sein (…) von Unbekannten umgebracht worden. Widrige U m- stände hätten ihn (Beschwerdeführer) später dazu gezwungen, in einer Kirche um Schutz zu ersuchen. In se iner Region wüteten so genannte "death squads", wodurch die Zukunft seiner Kinder bedroht sei. Am 18. Juli 2007 seien Leute des CID (Criminal Investiga tion Department) zu seiner Familie nach Hause ge kommen und hätten sie ausgiebig befragt. Am 1. August 2007 seien er und seine Fr au auf dem Polizeiposten lange verhört worden. Unter diesen Umständen sei es nicht möglich, ein ruh i- ges Leben zu führen. B.e Mit den Eingaben reichte der Beschwerdeführer unter anderem eine "Detention Attestation" des ICRC vom 11. Juli 2000 (in Kopie), die Kopie eines Bestätigungsschreibens der "Commission for Justice, Peace and human Developement (SETIK) " sowie Akten des Gerichtsverfahrens vor dem "High Court Criminal" vom 26. April 1999 und vom 25. Oktober 1999 (in Kopie; inklusive englischsprachige Übersetzungen) ein. C. Mit einem Kurzbericht vom 5. November 2007 übermittelte Botschaft die ihr zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Akten dem BFM. D. Mit Zwischenverfügung vom 3. August 2010 hielt das BFM fest, der Sachverhalt sei auf Grund der schriftlichen Eingaben des Beschwerd e- führers als erstellt zu betrachten, weshalb auf seine Befragung verzichtet werden könne. In der Verfügung führte die Vorinstanz im Weiteren aus, sie gedenke nach Prüfung der Verfahrensakten das Asylgesuch abzuwei- sen. Diesbezüglich gewährte sie ihm Frist zur Stellungnahme. E. Mit Schreiben vom 16. Dezember 2010 teilte die Bots chaft dem BFM mit, dass die Zwischenverfügung vom 3. August 2010 dem Beschwerdeführer zugstellt worden sei und dieser keine Stellungnahme eingereicht habe. D-1100/2012 Seite 4 F. Mit Verfügung vom 24. Januar 2012 – in Colombo an den Beschwerd e- führer ver sandt am 3. Februar 2012 – verweigerte das BFM dem B e- schwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte dessen Asylg e- such ab. Zur Begründung führte es aus, bezüglich des Verfahrens bei Asylges u- chen aus dem Ausland sehe die Praxis vor, dass Gesuchsteller von der jeweiligen schweizerischen Vertretung in der Regel zu ihren Asylgründen angehört würden. Von dieser allgemeinen Regel könne abgewichen we r- den, wenn dies aus organisatorischen und kapazitätsmässigen Gründen faktisch nicht möglich sei. Eine Anhörung könne sich ebenfalls erü brigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund der schriftlichen Eingaben en t- scheidreif erstellt sei. Bei einem Anhörungsverzicht sei jedoch das rechtli- che Gehör zu gewähren (vgl. BVGE 2007/30), was vorliegend erfolgt sei. Gemäss Mitteilung der Botschaft vom 16. Dezember 2010 habe der B e- schwerdeführer das Schreiben des BFM unbeantwortet gelassen. Das Bundesamt erachte die Aktenlage als rechtsgenüglich erstellt. Gemäss schweizerischer Asylpraxis sei für die Gewährung der Einreise die Gefährdung einer asylsuchenden Person im Zeitpunkt der Einreis e- bewilligung massgebend. Verg angene Verfolgung und die damit verbu n- denen psychischen Beeinträchtigungen seien somit nur dann b eachtlich, als sie noch andauerten oder konkrete Hinweise auf eine zukünftige Ve r- folgung bestünden. Die Bewilligung der Einreise in die Schweiz diene nämlich nicht dem Ausgleich vergangenen Unrechts, sondern soll e dem- jenigen gewährt werden, der aktuell des Schutzes des Zufluchtslandes bedürfe. Zunächst seien alle Vorbringen des Beschwerdef ührers im Rahmen seines zweiten Asylverfahrens, die sich vor 2001 ereignet hä t- ten, als nicht asylrelevant zu qualifizieren, zumal er noch weitere sechs Jahre in Sri Lanka geblieben sei, ohne ein Asylgesuch zu stellen. Diese Vorbringen seien bekanntlich ber eits in seinem ersten Asylverfahren als nicht einreisebeachtlich eingestuft worden. Sie vermöchten demnach auch zum heutigen Zeitpunkt eine Asylgewährung beziehungsweise eine Einreisebewilligung in die Schweiz nicht zu begründen. Der Beschwerdeführer mache im zweiten Asylverfahren geltend, in den Jahren 2006 bis 2007 von der Polizei mehrmals befragt worden zu sein. Zudem seien die Lebensbedingungen nicht einfach, zumal er nicht an seinen Wohnort zurückkehren könne. Diesen Vorbringen seien indes ke i- ne unmittelbaren Nachteile zu entnehmen, die für den Beschwerdeführer D-1100/2012 Seite 5 persönlich betrachtet eine Zwangssituation z u begründen vermöchten, weshalb sie nicht einreiserelevant seien. Bei den vom Beschwerdeführer geschilderten Todesschwadronen "death squads" handl e es sich um G e- walt Dritter. Soweit er d azu ausführe, dass sein (…) von Unbekannten umgebracht worden sei, könne daraus nicht abgeleitet werden, dass sich der Staat dafür verantwortlich zeichne. Es handle sich vielmehr um eine Verfolgung durch Dritte. Hier zu sei festzuhalten, dass der sri -lankische Staat als schutzfähig gelte und er folglich die Möglichkeit habe, sich an die Behörden zu wenden, um Schutz vor Verfolgung seitens Dritter zu e r- halten. Aus der vorliegenden Aktenlage könnten zudem keine Hinweise entnommen werden, welche auf eine grundsätzliche Schutzunwilligkeit des Staates hindeuteten. Dies werde unter anderem auch dadurch b e- legt, dass er letztlich persönlich keine gravierenden Probleme mit den Behörden geltend gemacht habe. Auch seine Furcht vor einer zukünftigen Verfolgung müsse bei einer objektiven Betrachtungsweise im Sinne des Asylgesetzes als nicht begründet eingestuft werden, da er nicht akut g e- fährdet sei. Das gelte umso mehr, als sich seit der Einreichung seines Asylgesuchs die allgemeine Situation in Sri Lanka massgeblich verändert habe. Der Krieg sei im Mai 2009 mit der Niederlage der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) zu Ende gegangen. Damit befinde sich das ganze Land wieder unter Regierungskontrolle. Die Sicherheits - und Menschen- rechtslage sei zwar noch nicht in allen Teilen des Landes zufriedenste l- lend, doch sei die Anzahl von Gewaltereignissen wie Entführungen, Ve r- schleppungen und Tötungen erheblich zurückgegangen. Der Einfluss der bewaffneten Gruppen habe stark abgenommen. Vor diesem Hintergrund sei davon auszu gehen, dass er zum heutigen Zeitpunkt grundsätzlich keine Verfolgungen mehr befürchten müsse. Schliesslich komme hinzu, dass er auf das Schreiben des BFM vom 3. August 2010 nicht g eantwor- tet habe. Dies sei ein Indiz dafür, dass er zum heutigen Zeitpunkt nicht gefährdet sei. An dieser Einschätzung vermöchten auch die eingereichten Dokumente nichts zu ändern, stützten diese doch bloss die Vorbringen des Beschwerdeführers. In Anbetracht dieser Ausführungen sowie au f- grund des U mstandes, dass er kein Gefährdungsprofil aufweise, das im heutigen Zeitpunkt mit erheblicher Wahrscheinlichkeit auf eine Verfolgung seitens des sri -lankischen Staates schliessen lasse, seien die geltend gemachten Vorbringen nicht einreiserelevant. Für die weitere Begründung wird auf die Verfügung der Vorinstanz ve r- wiesen. D-1100/2012 Seite 6 G. Mit auf den 21. Februar 2012 datierter, am 28. Februar 2012 beim Bu n- desverwaltungsgericht eingelangten , auf Italienisch verfassten Eingabe erhob der Beschwerdeführer Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 24. Januar 2012 und die Gewäh- rung von Asyl sowie die Bewilligung zur Einreise. Zur Begründung seiner Rechtsmittelschrift machte er hauptsächlich gel- tend, er habe die Zwischenverfügung vom 3. August 2010 erst am 14. Februar 2012 gesehen, da er die Adresse gewechselt habe. Sein Sohn sei an die alte Adresse zurückgekehrt, wo er das Schreiben gefu n- den habe. Die Situation in Sri Lanka habe sich für ihn (Beschwerdeführer) verschlechtert. Drei Mal sei er bei seiner Arbeitsstelle entlassen worden, da die Polizei und der CID gegenüber seinen Chefs fälschlicherweise g e- sagt hätten, er sei Mitglied der LTTE. Am 14. Februar 2012 sei die Polizei zu ihm nach Hause gekommen und habe seine Frau gefragt, wo er jetzt arbeite. Er befürchte jetzt, dass die Polizei erneut bei seiner Arbeitsstelle erscheine und er wieder entlassen werde. Einmal habe ihn die Person, die ihn 1998 festgenommen habe , auf der Strasse bis zu seiner Arbeit s- stelle verfolgt. Er könne mit dieser Angst und der psychischen Folter durch die Polizei und des CID nicht länger leben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsge richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs- gericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundes- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgül- tig entscheidet. D-1100/2012 Seite 7 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der B e- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interess e an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrech t, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der R e- gel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs . 1 VGG). Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG kann das Bundesverwaltungsgericht auch in solchen Fällen auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten. 4. 4.1 Ein Asylgesuch kann gemäss Art. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). 4.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist die asylsuchende Person im Auslandverfahren in der Regel zu befragen. Davon kann nur abgewichen werden, wenn eine Befragung faktisch oder aus organisat o- rischen oder kapazitätsmässigen Gründen nicht möglich ist. Falls die B e- fragung nicht durchgeführt werden kann, muss die ein Gesu ch stellende Person – soweit möglich und notwendig – mittels eines individualisierten und konkretisierten Schreibens aufgefordert werden, ihre Gründe für das Asylgesuch schriftlich einzureichen. Dabei ist sie auf die allfällige Kons e- quenz eines negativen E ntscheids infolge Verletzung der Mitwirkung s- pflicht aufmerksam zu machen. Ist der Sachverhalt schon aufgrund des D-1100/2012 Seite 8 eingereichten Asylgesuchs entscheidreif erstellt, kann sich eine persönl i- che Befragung ebenfalls erübrigen; zeichnet sich ein negativer Entsche id ab, ist der asylsuchenden Person diesbezüglich das rechtliche Gehör zu gewähren. Das Bundesamt ist gehalten, den Verzicht auf eine Befragung im Ausland in der Verfügung zu begründen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5 S. 362 ff.). 4.3 Vorliegend ging das BFM davon aus, der Sachverhalt sei aufgrund der schriftlichen Eingaben entscheidreif erstellt. Diese Sichtweise ist ve r- tretbar, sind doch die Eingaben vom 4. Juni 2007 (schriftliches Asylge- such) und vom 16. August 2007 (Ergänzung zum schriftlichen Asylg e- such) insgesamt detailliert und klar formuliert. Unter diesen Umständen erübrigte sich für die Vorinstanz die Aufbietung des Beschwerdeführers zu einer Befragung. Da den vom Bundesverwaltungsgericht ferner aufg e- führten Erfordernissen (Gewährung des rechtlichen Gehörs, Begründung des Verzichts auf die Befragung) ebenfalls Rechnung getragen wurde, ist die Vorgehensweise des BFM nicht zu beanstanden. Die Behauptung des Beschwerdeführers in der Rechtsmittelschrift, er habe die Zwischenverfü- gung der Vorinstanz vom 3. August 2010 erst am 14. Februar 2012 gese- hen, ist unglaubhaft, zumal sich dem bei den Akten befindlichen sri- lankischen Rückschein entnehmen lässt, dass die Zwischenverfügung dem Beschwerdeführer schon im Jahre 2010 eröffnet wurde. Es erübrigt sich daher, weiter darauf einzugehen. 5. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden ka nn (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Ei n- reise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet we r- den kann, im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein an- deres Land auszureisen. Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu u m- schreiben, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum z u- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowi e die voraussichtlichen Einglied e-D-1100/2012 Seite 9 rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. die wei- terhin massgebende Praxis der vormaligen Schweizerischen Asylrekur s- kommission (ARK) in Entscheidungen und Mitteilungen [EMARK] 1997 Nr. 15, insbesonde re S. 131 ff., welcher angesichts bloss redaktioneller Änderungen bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit hat). Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Perso nen (vgl. EMARK a.a.O. E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet we r- den kann. 6. 6.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob das BFM zu Recht eine unmittelbare Gefahr im Sinne von Art. 20 AsylG verneinte und die Einreise des B e- schwerdeführers in die Schweiz verweigerte. 6.2 Vorab ist auf die aktualisierte, auch heute noch zutreffende Lageana- lyse des Bundesverwaltungsgerichts in BVGE 2011/24 zur Situation in Sri Lanka hinzuweisen. Darin stellte das Gericht im Wesentlichen fest, dass sich die Lage in Sri Lanka seit Beendigung des militärischen Konflikts zwischen der sri-lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 erheblich verbessert hat. Militärisch würden die LTTE als vernichtet gelten und auch die Sicherheitslage habe sich in bedeutsamer Weise stabilisiert. Gleic h- zeitig habe sich die Menschenrechtslage vor allem hinsichtlich der Me i- nungsäusserungs- und Pressefreiheit weiter verschlechtert. Politisch O p- positionelle würden seitens der Regierung als Staatsfeinde betrachtet und müssten mit entsprechenden Verfolgungsmassnahmen rechnen. Ang e- sichts der allgemein verbesserten Lage definierte das Gericht Personen- kreise, welche einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegen. Darunter würden Personen fallen, welche auch nach Beendigung des Krieges ve r- dächtigt würden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen beziehungsweise gestanden zu haben. Auch unabhängige Jou rnalisten beziehungsweise regierungskritische Medienschaffende verfügten über ein erhöhtes Ris i- koprofil. Im Weiteren sei bei Opfern und Zeugen von Menschenrechtsver- letzungen und Personen, die entsprechende Übergriffe behördlich ang e- zeigt hätten, mit erhöht er Verfolgungsgefahr zu rechnen. Wegen drohe n- der Erpressung, Kidnapping und anderen Verfolgungshandlungen bild e- ten überdies Personen, welche über beträchtliche finanzielle Mittel ve r- fügten, eine weitere Risikogruppe (vgl. BVGE a.a.O. E. 8). D-1100/2012 Seite 10 6.3 6.3.1 Der Beschwerde führer machte in seinem Asylgesuch vom 4. Juni 2007 sowie in seiner weiteren Eingabe vom 16. August 2007 hauptsäch- lich geltend, er sei von den sri -lankischen Sicherheitsbehörden im Jahre 1990 für fünfzehn Tage verhaftet worden. Im Jahre 1998 hätten ihn die Behörden zu Unrecht beschuldigt, ihnen keine Informationen über einen Attentäter gegeben zu haben, weshalb sie ihn für zwei Jah re inhaftiert hätten. Aufgrund der während der Inhaftierung erlittenen Misshandlungen habe er körperliche Beschwerden, wes halb er medizinischer Behandlung bedürfe. Am 13. Mai 2006 sei sein (…) von Unbekannten umgebracht worden. In seiner (des Beschwerdeführers) Regi on wüteten zudem "death squad s", wodurch die Zukunft seiner Kinder bedroht sei. Am 18. Juli 2007 seien Leute des CID zu seiner Familie nach Hause geko m- men und hätten sie lange befragt. Am 1. August 2007 sei en er und seine Frau auf dem Polizeiposten lange verhört worden. 6.3.2 Einleitend ist darauf hinzuweisen, dass das schweizerische Asy l- recht nicht dem Ausgleich erlittenen Unrechts dient. Insofern vermö gen die Inhaftierungen sowie die in diesem Zusammenhang erlittenen psych i- schen und physischen Beeinträchtigungen, von denen der Beschwerd e- führer betroffen war, heute eine Asylgewährung beziehungsweise eine Einreisebewilligung in die Schweiz nicht zu begründen. Im aktuellen Zei t- raum können diese Ereignisse mithin nicht mehr als kausal für die bea n- tragte Einreise in die Schweiz und die Asylgewährung angesehen we r- den, da die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht wesentlich ist. Im We i- teren ist vorliegend mit der Vorinstanz festzustellen, dass der Beschwe r- deführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft keine ernsthaften Nachteile durc h Verfolgungsmassnahmen der sri - lankischen Sicherheitskräfte zu befürchten hat. Insgesamt weist der B e- schwerdeführer trotz der zwei geltend gemachten Inhaftierungen sowie der Behelligungen durch die sri-lankischen Sicherheitskräfte in den nach- folgenden Jah ren kein besonderes Risikoprofil auf, das ihn aktuell aus objektiver Sicht als gefährdet erscheinen liesse. Die Inhaftierungen und die Behelligungen durch die sri-lankischen Sicherheitskräfte sind – vor al- lem mit Blick auf die damalige Bürgerkriegssituatio n – vor dem Hinte r- grund der Bekämpfung der LTTE zu sehen. Seit dem Ende des Bürge r- kriegs hat sich die Lage in Sri Lanka allerdings erheblich verbessert. Zwar gehören Personen, die einer Verbindung zu den LTTE verdächtigt we r- den, gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts auch heute potentiell noch zu einer Risikogruppe (vgl. BVGE 2011/24 E. 8.1). Indes ist den Ak-D-1100/2012 Seite 11 ten kein nennenswerter Bezug des Beschwerdeführers zu den LTTE zu entnehmen. Dass er zudem am 24. April 2000 bedingungslos aus der Haft entlassen wurde und die sri-lankischen Sicherheitskräfte seither o f- fenbar nie versucht haben, ihn zu ergreifen und zu inhaftieren, was ihnen zweifellos ohne weiteres möglich gewesen wäre, weist auf ein mangel n- des Verfolgungsinteresse der sri -lankischen Sicherheitskräfte hin. Es ist daher davon auszugehen, dass seitens der sri -lankischen Sicherheit s- kräfte nichts gegen den Beschwerdeführer vorliegt. Er verfügt folglich über kein besonderes Profil, welches eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG als wahrs cheinlich erscheinen lässt. Soweit er in der Rechtsmit- telschrift vorbringt, er befürchte, dass die Polizei erneut bei seiner A r- beitsstelle erscheine, sie ihn gegenüber seinem Chef als LTTE -Mitglied verdächtige und er deswegen entlassen werde, so wie das schon mehr- mals der Fall gewesen sei, ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer diese Vorbringen – trotz Zumutbarkeit – in keiner Weise belegt. Abges e- hen davon wären diese Schwierigkeiten als flüchtlingsrechtlich nicht b e- achtlich zu bezeichnen. Bezüglich des Vorbringens des Beschwerdefü h- rers im vorinstanzlichen Verfahren, in seiner Region wüteten so genannte "death squads", ist festzuhalten, dass sich die Lage in Sri Lanka seit Be- endigung des militärischen Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 erheblich verbessert hat. Der Einfluss von mi- litanten Gruppierungen hat seit dem Ende des Bürgerkriegs stark abg e- nommen. Zudem macht der Beschwerdeführer in der Beschwerde nicht mehr geltend, von "death squads" oder anderen Dritten bedroht zu sein. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass auch die vom Beschwerdeführer vorgebrachten gesundheitlichen Beschwerden und die geltend gemac h- ten schwierigen Lebensbedingungen in Sri Lanka gemäss ständiger Pra- xis keinen Grund für eine Einreisebewilligung darstellen. 7. Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nicht schutzbedürftig im Sinne von Art. 3 AsylG ist. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen in den Ei n- gaben und die eingereichten Beweismittel einzugehen, da sie am Erge b- nis nichts zu ändern vermögen. Das BFM hat demnach zu Recht die Ei n- reise in die Schweiz nicht bewilligt und das (zweite) Asylgesuch abg e- lehnt. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung D-1100/2012 Seite 12 Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600. -- grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Aus verwaltungsökonomischen Gründen und in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Regleme nts vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-1100/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge schweizerische Vertretung. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: