Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. März 2020 (720 19 287 / 44) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Abschreibung des Verfahrens infolge einer lite pendente erlassenen Verfügung ist nicht zulässig, wenn diese nur teilweise den Rechtsbegehren der Beschwerde führenden Partei entspricht. Das Verfahren ist in Bezug auf die streitigen Punkte weiterzuführen. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Gisela Warten- weiler Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Ana Dettwiler, Advokatin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1968 geborene A.____ meldete sich erstmals am 29 . Juni 2012 (Eingang) unter Hin- weis auf psychische Beschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Be- zug von Leistungen an. Nach Abklärung der gesundheitlich en und erwerblichen Verhältnisse sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft dem Versicherten mit Verfügung vom 15. Juli 2014 gestützt Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf das psychiatrische Gutachten von Dr. med. B.____, FM H Psychiatrie und Psychotherapie, vom 20. August 2013 und auf das rheumatologische des Sp itals C.____ vom 2. Dezember 2013/16. Januar 2014 eine vom 1. Dezember 2012 bis 30. April 2013 befristete ganze Invaliden- rente zu. Gleichzeitig lehnte sie einen weiteren Rentenanspruch ab 1. Mai 2013 ab. B. Am 29. Juni 2016 meldete sich A.____ erneut zum Lei stungsbezug an. Mit Verfügung vom 22. September 2015 trat die IV-Stelle auf die Neuanmeldung nicht ein, weil der Versicherte trotz Aufforderung keine medizinischen Unterlagen eingereicht hatte, aus welchen eine massgebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes hervorgehe. C. Mit Hinweis auf eine schwere Depression reichte der Versicherte am 28. Februar 2017 ein weiteres Leistungsgesuch ein. Die IV-Stelle beauftrage in der Folge Dr. B.____ mit einem Ver- laufsgutachten, welches am 31. Oktober 2018 erstattet w urde. Gestützt auf dieses Gutachten lehnte sie mit Verfügung vom 9. Juli 2019 einen Rentenanspruch ab. D. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertr eten durch Advokatin Ana Dettwiler, am 5. September 2019 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm mit Wirkung ab 1. September 2017 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei ein unabhängiges medizinisches Gutachten in Auftrag zu g eben und sodann über seinen Leis- tungsanspruch zu entscheiden; unter o/e-Kostenfolge, wobei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen sei. In der Begründung wurde im Wesentlichen die Beweistauglichkeit des Gutach- tens von Dr. B.____ vom 31. Dezember 2018 beanstandet. Zudem lägen nebst den psychiatri- schen auch somatische Diagnosen vor, welche die Arbeitsfähigkeit beeinflussten. Da die IV-Stelle den Versicherten lediglich in psychiatrischer Hinsicht habe abklären lassen, habe sie den medi- zinischen Sachverhalt ungenügend abgeklärt. E. Mit Verfügung vom 10. September 2019 bewilligte das Kantonsgericht dem Versicherten für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltli- che Verbeiständung. F. In der Vernehmlassung vom 10. Oktober 2019 beantra gte die IV-Stelle, das Beschwerde- verfahren sei zufolge Wiedererwägung lite pendente von der Kontrolle abzuschreiben. Gleichzei- tig hob sie die angefochtene Verfügung vom 9. Juli 2 019 zwecks weiterer Abklärungen auf. Zur Begründung führte sie unter Verweis auf die Beurteilu ng von med. pract. D.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Die nst (RAD), vom 30. September 2019 an, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten, insbe sondere in psychiatrischer Hin- sicht, nicht abschliessend beurteilen lasse, weshalb weitere medizinische Abklärungen vorzuneh- men seien. G. Der Versicherte liess durch seine Rechtsvertreterin am 13. November 2019 beantragen, es sei die Anordnung eines Gerichtsgutachtens mit den Disziplinen Psychiatrie und Rheumatolo- gie anzuordnen. Eine Rückweisung an die Verwaltung sei nicht gerechtfertigt, da vorliegend nicht nur eine bisher vollständig ungeklärte Frage oder eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht der gutachterlichen Ausführungen im Raum stehe. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei unter diesen Umständen die Anordnung eines Gerichtsgutachtens erforderlich. H. Am 22. November 2019 wies das Kantonsgericht die IV- Stelle darauf hin, dass eine lite pendente Verfügung den Streit nur insoweit beende, a ls damit dem Begehren der Beschwerde führenden Person entsprochen werde. Vorliegend sei nicht klar, ob die Verfügung lite pendente zumindest mit dem Eventualbegehren des Versicherten, wonach ein unabhängiges rheumatolo- gisches und psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben sei, korrespondiere. Das Kantonsge- richt forderte deshalb die IV-Stelle auf mitzuteilen, ob sie zur Vervollständigung des medizini- schen Sachverhalts beabsichtige, ein neutrales Gutachten mi t den Disziplinen Rheumatologie und Psychiatrie in Auftrag zu geben. I. Mit Eingabe vom 5. Dezember 2019 führte die IV-St elle aus, dass gemäss den medizini- schen Akten eine rheumatologische Begutachtung nicht erforderlich sei, würden sich doch keine Hinweise auf eine zwischenzeitlich eingetretene somatische Verschlechterung ergeben. Sie bat deshalb das Kantonsgericht, beim Beschwerdeführer nachzu fragen, ob er am Antrag auf eine bidisziplinäre Begutachtung festhalte. F. Am 8. Januar 2020 hielt die Rechtsvertreterin im Namen und Auftrag des Versicherten fest, dass eine gesamtmedizinische Beurteilung der Arbei tsfähigkeit angezeigt sei, weshalb sie am Antrag auf Einholung eines Gerichtsgutachtens mit den Disziplinen Rheumatologie und Psy- chiatrie festhalte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die Beschwerde de s Versicherten vom 5. September 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhält- nisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu de nen die zuständige Verwaltungsbe- hörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung – Stellung genommen hat. Insoweit be- stimmt die Verfügung den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umge- kehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 1 31 V 164 E. 2.1, 125 V 413 E. 1a und 1b). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 53 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allge meinen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, der laut Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 IVG im Bereich der Invalidenversicherung anwendbar ist, kann der Versicherungsträger eine Ver- fügung, gegen die Beschwerde erhoben wurde, so lange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt. Damit wird die vor Inkrafttreten des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts im erstinstanzlichen Beschwerdeverfahren der Bundessozialversiche- rung gültig gewesene Regelung nach Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungs- verfahren (VwVG) vom 20. Dezember 1968 fortgeschrieben (Urteile des Bundesgerichts vom 21. Mai 2013, 8C_1036/2012, E. 3.3 und vom 15. Juni 200 7, I 115/06, E. 2.1; U ELI KIESER , ATSG- Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2015, N 76 f. zu Art. 5 3; TOBIAS BOLT , Zulässigkeit eines reinen Widerrufs pendente lite, in: Jahrbuch zum Sozialversicheru ngsrecht 2019, Kieser/Lendfers [Hrsg.], Zürich/St. Gallen 2019, S. 234; AUGUST MÄCHLER , VwVG – Bundesgesetz über das Ver- waltungsverfahren Kommentar, Auer/Müller/Schindler [H rsg.], Zürich 2018, zu Art. 58 Rz. 3). Handelt es sich bei der angefochtenen Verfügung um ein en leistungsablehnenden oder einen leistungseinstellenden Entscheid, so führt die Wiedererwägung lite pendente zwecks Vornahme weiterer Abklärungen des medizinischen Sachverhaltes zur (nachträglichen) Gegenstandslosig- keit des Beschwerdeverfahrens, denn mit der Aufhebung des der Verfügung zwecks Wiederauf- nahme des Verwaltungsverfahrens ist das Anfechtungsobjekt des gerichtlichen Beschwerdever- fahrens ersatzlos weggefallen. Das Beschwerdeverfahren ist in einem solchen Fall ohne Weiteres als gegenstandslos geworden abzuschreiben. 2.3 Zu beachten ist allerdings, dass die lite pendente erlassene Verfügung den Streit nur in- soweit beendet, als damit dem Begehren der Beschwerde f ührenden Partei entsprochen wird (BGE 127 V 228 E. 2b/bb mit Hinweis auf BGE 113 V 237). In Bezug auf die weiterhin streitigen Punkte wird das Verfahren fortgeführt (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Juni 2007, I 115/06, E. 2 mit Hinweis auf BGE 127 V 228 E. 2b/bb), ohne dass die Beschwerde führende Partei den neuen Entscheid anzufechten braucht (vgl. B ARBARA KOBEL , Gesetz über das Sozialversiche- rungsgericht des Kantons Zürich, Zürich 2009, zu § 19 Rz. 9). Die lite pendente erlassene Verfü- gung gilt durch die bereits erhobene Beschwerde gege n die ursprüngliche Verfügung stets als mitangefochten (vgl. ANDREA PFLEIDERER , VwVG – Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensge- setz, Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Zürich 2009, Art. 58 Rz. 46 mit Hinweisen auf die bun- desgerichtliche Rechtsprechung; THOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversi- cherungsrechts, Bern 2014, S. 592 Rz. 34; FRANZ SCHLAURI , Die Neuverfügung lite pendente in der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts, in: Aktuelle Rechtsfragen der Sozialversicherungspraxis, Schauffhauser/Schlauri [Hrsg.], St. Gallen 2001, S. 178). 2.4 Vorliegend hob die IV-Stelle die angefochtene V erfügung vom 9. Juli 2019 am 10. Oktober 2019 "zwecks weiterer Abklärungen" auf. Sie beantrage deshalb, "das Beschwerdeverfahren sei zufolge Wiedererwägung lite pendente von der Kontroll e abzuschreiben". Auf Anfrage des Ge- richts führte die IV-Stelle am 5. Dezember 2019 präzisierend aus, dass sie im Rahmen der wei- teren Abklärungen beabsichtige, eine psychiatrische Begu tachtung durchzuführen. Damit ent- spricht sie nur teilweise dem Eventualantrag, es sei ein unabhängiges medizinisches Gutachten anzuordnen. Denn aus den Ausführungen in der Beschwerde vom 5. September 2019 geht klar hervor, dass der Versicherte nicht nur eine psychiatrische, sondern auch eine rheumatologische Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Begutachtung verlangt (vgl. auch Eingaben des Versichert en vom 13. November 2019 und 8. Januar 2020). Da der Versicherte an einer rheumatologi schen Begutachtung festhält, bildet die Verfügung vom 9. Juli 2019, soweit sie sich auf die Ergänzung des medizinischen Sachverhaltes durch ein rheumatologisches Gutachten bezieht, weiterhin Anfechtungs- bzw. Streitgegenstand. Die Behandlung der Beschwerde ist deshalb mindestens in diesem Umfang fortzusetzen. Da die gerichtliche Prüfung eines Rentenanspruchs gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht auf einzelne Punkte beschränkt werden kann, erscheint in Bezug auf die von den Parteien zwi- schenzeitlich unbestrittene notwendige und deshalb von ihnen beantragte psychiatrische Begut- achtung eine teilweise Abschreibung des Verfahrens info lge Gegenstandslosigkeit nicht als zu- lässig (vgl. BOLT , a.a.O., S. 237; vgl. zur Unteilbarkeit des Streitgegenstandes "Rentenanspruch": BGE 131 V 164 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 125 V 413 E. 2d). Dies bedeutet, dass die angefoch- tene Verfügung vom 9. Juli 2019 einer integralen Beurteilung zu unterziehen ist. Die in der Lehre anderes vertretene Meinung kann vorliegend keine Anwe ndung finden, berücksichtigt sie doch die bundesgerichtliche Rechtsprechung zum Streitgegenstand "Rentenanspruch" im Sozialversi- cherungsrecht nicht (vgl. zur anderslautenden Lehre: M ÄCHLER , a.a.O., zu Art. 58 Rz. 22, PFLEIDERER , a.a.O., Art. 58 Rz. 52, ROGER HISCHIER , Die Wiedererwägung pendente lite im So- zialversicherungsrecht oder die Möglichkeit der späten Ei nsicht, in: SZS 1997, S. 455). Im Fol- genden wird geprüft, ob die IV-Stelle im Beschwerdeverfahren zu Recht zum Schluss gekommen ist, dass lediglich in psychiatrischer, aber nicht in rheuma tologischer Hinsicht Abklärungsbedarf besteht, um den Rentenanspruch des Versicherten rechtsgenüglich beurteilen zu können. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes der v ersicherten Person ist das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfü- gung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärzti n ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, un- abhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die ver- fügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die g eklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). Den im Rahmen des Ve rwaltungsverfahrens eingeholten Gut- achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht e rstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der B eweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung vom 9. Juli 2019 bei der Beur- teilung des psychischen Gesundheitszustandes des Versichert en auf das Gutachten von Dr. B.____ vom 31. Oktober 2018. Dieser kam zum Schluss, dass keine Diagnose mit Auswir- kungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne. Die emotional instabilen Persönlichkeits- züge und die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, beeinflussten die Arbeitsfähigkeit nicht. Der Versicherte sei deshalb weder in seinem bisher ausgeübten Beruf als Taxifahrer noch in einer anderen Tätigkeit arbeitsunfähig. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens kam der RAD-Arzt pract. med. D.____ aufgrund der Einwä nde des Versicherten in seiner Stel- lungnahme vom 30. September 2019 zum Schluss, dass das Gu tachten von Dr. B.____ nicht zuverlässig genug sei, um darauf abstellen zu können. So sei die Herleitung der Diagnosen und die Unterscheidung zwischen pathologischen und IV-fremden Faktoren nicht nachvollziehbar und es bestehe ein unauflösbarer, erheblicher Widerspruch zw ischen der Einschätzung von Dr. B.____ und derjenigen der behandelnden Ärzte. Ausserd em nehme der Gutachter wenig diffe- renziert Stellung zu den funktionellen Auswirkungen sein er Diagnosen. Dieser Ansicht ist – in Übereinstimmung mit den Parteien - vollumfänglich zu folgen. Damit erweist sich das Gutachten von Dr. B.____ vom 31. Oktober 2018 als nicht beweistaug lich, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann. Da auch den übrigen psychiatrischen Berichten keine ausschlaggebende Beweis- kraft beigemessen werden kann, erweist sich der medizinisch e Sachverhalt aus psychiatrischer Sicht als ungenügend abgeklärt, weshalb weitere Abklärungen notwendig sind. 4.2 Bei der Beurteilung des somatischen Gesundheitszustand es erachtete die IV-Stelle das rheumatologisches Gutachten des Spitals C.____ vom 2. Dez ember 2013/16. Januar 2014 als weiterhin massgebend, weil sich aufgrund der Akten keine Hinweise auf eine relevante Verände- rung der somatischen Situation ergäben. Die beiden Gutachter, Dr. med. E.____, FMH Rheuma- tologie und Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. F.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, führten als Diagnose mit Auswir- kungen auf die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht auf ei n residuelles sensibles, evtl. sensomotori- sches Ausfallsyndrom L4 linksseitig (Differentialdiagnose: lumbo-spondylogenes Schmerzsyn- drom) auf. Beim Versicherten bestehe ein degenerativ mechanisches Rückenleiden mit möglicher partieller radikulärer Komponente. Die Sensibilitäts- und Schmerzausstrahlung entspreche am ehesten dem Dermatom L4. Passend dazu zeige sich in der Untersuchung ein erschwert auslös- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht barer Patellarsehnenreflex auf der linken Seite. Es bestehe nun eine mehrsegmentale Beschwer- desymptomatik, vorwiegend im lumbalen Bereich, welche zwischenzeitlich chronifiziert sei. Dass es zu einer Nervenwurzelkompression passager gekommen sei, könne aufgrund der klinisch nachvollziehbaren Atrophie vermutet werden. Auf den radiologischen Bildern seien jedoch keine Kompressionen der Nervenwurzel L4 mehr ersichtlich. Es sei davon auszugehen, dass nur ein Teil der geklagten Beschwerden ihren Ursprung in der Nervenwurzelreizung L4 habe. Das Aus- mass der Beschwerden sei nur teilweise objektivierbar. Au fgrund der lumbalen Rückenschmer- zen sei jedoch eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit fü r rückenbelastende Tätigkeiten gege- ben. Dem Versicherten sei es nicht mehr zumutbar, körperliche schwere Arbeiten mit Tätigkeiten in der Hocke, in Reklination und Inklination sowie solch e, die Vibrationen an der Körperachse verursachten, auszuführen. Für die Ausübung von leidensan gepassten Arbeiten müsse es dem Versicherten möglich sein, mehrere Positionswechsel durch zuführen und häufige kleinere Pau- sen einlegen zu können. Bei der Arbeit als Taxichauffeur beständen nur Einschränkungen beim Einladen von Reisegepäck in den Kofferraum. Für die eigentliche Tätigkeit als Chauffeur bestehe keine Beeinträchtigung, sofern das Fahrzeug über Automa tikgetriebe - wie es im Taxigewerbe üblich sei - verfüge. Denkbar sei auch jede Büro- und Verwaltungstätigkeit mit vorwiegend sitzen- der Position mit der Möglichkeit zu kurzzeitigen Pausen und Positionswechseln. 4.3 Die Einschätzung der Dres. E.____ und F.____ ist na chvollziehbar und einleuchtend. Sie beruht auf Erkenntnisse, welche sie aus der persönlichen Untersuchung und den bildgebenden Untersuchungsbefunden gewonnen haben. Zudem haben sich die Gutachter mit den übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen befasst und sind auf sämtliche vom Versicherten geklagten Beschwerden eingegangen. Es sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, die Anlass geben könnten, an der Richtigkeit ihrer Feststellungen zu zweif eln. Dies wird von den Parteien auch nicht bestritten. 5.1 Nach der Begutachtung durch die Dres. E.____ und F .____ erfolgten gemäss den Akten keine somatischen Untersuchungen mehr. Der Versicherte mac hte auch in seinen Neuanmel- dungen vom 25. Juni 2015 und 27. Februar 2017 keine V erschlechterung des somatischen Ge- sundheitszustandes geltend. Erst in seiner Beschwerde vom 5. September 2019 weist er darauf hin, dass rechtsseitig lumbale Rückenbeschwerden aufgetreten seien. Er sei deswegen von sei- nem Hausarzt zur Abklärung ans Spital G.____ überwiesen worden, welche gemäss seiner Ein- gabe vom 8. Januar 2020 offensichtlich im Januar 2020 st attgefunden habe. Damit ist davon auszugehen, dass eine allfällige Verschlechterung der gesundheitlichen Situation an der Lenden- wirbelsäule erst nach Erlass der angefochtenen Verfügun g vom 9. Juli 2019 eingetreten ist. Da die richterliche Überprüfungsbefugnis auf die Entwicklun g des Sachverhaltes bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses beschränkt ist, kann die geltend gemachte Verschlechterung nicht Ge- genstand dieses Verfahrens bilden; sie kann gegebenenfal ls im Rahmen einer Neuanmeldung überprüft werden (zur zeitlichen Grenze der richterliche n Überprüfungsbefugnis: 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis). Demzufolge ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle auf die Durchführung einer rheumatologischen Begutachtung verzichten möchte. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass in der V ergangenheit rheumatologische Di- agnosen mit qualitativen Einschränkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wurden. Bei der Sach- verhaltsabklärung liegt es an der IV-Stelle, darüber z u befinden, mit welchen Mitteln sie den rechtserheblichen Sachverhalt abklärt. Im Rahmen der Ve rfahrensleitung hat sie einen grossen Ermessensspielraum hinsichtlich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizini- schen Erhebungen (Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG; BGE 126 V 353 E. 5b). Da medizinische Abklä- rungen in rheumatologischer Hinsicht infolge des bis zum Verfügungserlass vorgelegenen unver- änderten somatischen Gesundheitszustandes nicht erforderlich sind, besteht kein Anlass für das Gericht, in das Ermessen der mit der Abklärung betrauten IV-Stelle einzugreifen. 6.1 Aufgrund dieser Ausführungen ergibt sich, dass es für eine vollständige Abklärung des medizinischen Sachverhalts einer psychiatrischen Begutachtung bedarf. Demgegenüber erweist sich – entgegen der Ansicht des Versicherten – eine rheum atologische Begutachtung nicht als notwendig. Die IV-Stelle hat demzufolge richtig erkannt, dass sie den medizinischen Sachverhalt lediglich in psychiatrischer Hinsicht im Rahmen der ihr ob liegenden Untersuchungspflicht unge- nügend abgeklärt hat. Die angefochtene Verfügung ist s omit aufzuheben und es sind weitere psychiatrische Abklärungen vorzunehmen. 6.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat das angerufene kantonale Versiche- rungsgericht im Regelfall – wie vom Versicherten auch im Beschwerdeverfahren beantragt - selbst ein Gerichtsgutachten einzuholen, wenn es einen i m Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Ad- ministrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Eine Rückweisung an die IV-Stelle ist zulässig, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet liegt oder wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Er- gänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (vgl. BGE 139 V 100 E. 1.1, 137 V 263 ff. E. 4.4.1). Da die IV-Stelle den medizinischen Sachverhalt aber unvollständig abgeklärt hat und es nicht die Aufgabe des kantonalen Gerichts ist, i m Verwaltungsverfahren versäumte Ab- klärungen nachzuholen, steht – entgegen der Ansicht des Versicherten - einer Rückweisung an die IV-Stelle unter Berücksichtigung der zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts nichts ent- gegen. Die angefochtene Verfügung vom 9. Juli 2017 ist somit aufzuheben und die Angelegenheit zur Anordnung eines psychiatrischen Gutachtens und anschliessender Neuentscheidung an die IV-Stelle zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutgeheissen. 7.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahren s- und der Parteikosten ist grundsätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kantonsger icht eine bei ihm angefochtene Ver- fügung auf und weist es die Angelegenheit zum weitere n Vorgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2 und 132 V 215 E. 6.2, je mit Hinweisen). 7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, weshalb die Verfah- renskosten ihr aufzuerlegen sind. 7.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Versicherte obsiegende P artei ist, ist ihm eine Parteientschädi- gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seine Rechtsvertreterin hat in ihrer Honorarnote vom 15. Januar 2020 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 13,4167 Stunden geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sach verhalts- und Rechtsfragen als ange- messen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversich erungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz Fr. 250.-- zu entschädi- gen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 176.50. Dem Versicherten ist deshalb eine Parteientschä digung in der Höhe von Fr. 3‘802.55 (13,4167 Stunden à Fr. 250.-- inkl. Auslagen von Fr. 176.50 und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständig keit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischenent- scheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen An- gelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in A rt. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 9. Juli 2019 aufgehoben und die Sache zur Anordnung eines psychiatrischen Gutachtens an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in Höhe von Fr. 3'802.55 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehr- wertsteuer) zu bezahlen.