<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp299792"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>114 IV 31<br/><br/><br/><div class="paraatf">10. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 24. Mai 1988 i.S. F. gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau (Nichtigkeitsbeschwerde)</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp301072"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref"><artref id="CH/311.0/251" type="start"></artref><artref id="CH/311.0/110/254" type="start"></artref><artref id="CH/311.0/110/251" type="start"></artref><artref id="CH/311.0/110/5" type="start"></artref>Art. 110 Ziff. 5, 251 und 254 StGB</span><artref id="CH/311.0/110/251" type="end"></artref><artref id="CH/311.0/110/254" type="end"></artref><artref id="CH/311.0/251" type="end"></artref><artref id="CH/311.0/254" type="end"></artref>; Urkundencharakter eines Kassabuches. <div class="paratf">Jeder einzelnen Aufzeichnung, die im Rahmen der kaufmännischen Buchführung der Erstellung des Kassabuches dient, kommt Urkundenqualität zu. Dasselbe gilt für ursprüngliche Entwürfe, die später durch eine Neuschrift mit oder ohne Abänderungen ersetzt werden. </div> </div> </div> <a name="idp310240"></a> <a name="idp319328"></a> <br/><div> <a name="idp328400"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> <span class="small">ab Seite 31</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page31"></a><div class="center pagebreak">BGE 114 IV 31 S. 31</div> </div> <div class="paraatf">Aus den Erwägungen:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp330512"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span>Nach Feststellung des Obergerichts zeichnete die Beschwerdeführerin "im laufenden Kassabuch Bankeinzahlungen auf", die nicht vorgenommen worden waren, und "die sie bei der Abschrift des Kassabuches wegliess". Die Vorinstanz betrachtet sowohl den Entwurf als auch die Reinschrift des Kassabuches als Urkunden im Sinne von <span class="artref">Art. 110 Ziff. 5 StGB</span>. Die Beschwerdeführerin rügt erfolglos, dadurch sei gegen Bundesrecht verstossen worden.</div> <div class="paraatf">Nach herrschender Lehre und Rechtsprechung stellt die kaufmännische Buchhaltung mit ihren Bestandteilen eine Urkunde gemäss Art. 110 Ziff. 5 und damit <span class="artref"><artref id="CH/311.0/251" type="start"></artref>Art. 251 sowie 254 StGB</span><artref id="CH/311.0/254" type="end"></artref> dar (<a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=24&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1988&amp;to_year=1988&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F108-IV-25%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page26">BGE 108 IV 26</a> E. 1c mit Hinweisen). Zur Buchhaltung gehört auch das Kassabuch, wie es hier geführt worden ist (KÄFER, Berner Kommentar, N. 178 f., insbesondere N. 181 zu <span class="artref">Art. 957 OR</span>). Die Buchführungspflicht verlangt fortlaufend systematische, vollständige und klare rechnerische Aufzeichnungen über die Geschäftsvorgänge (<span class="bgeref_err">BGE 77 IV 166</span>; KÄFER, N. 161, 181, 535 f. und 587 f. zu <span class="artref">Art. 957 OR</span>). Die Notwendigkeit laufender und chronologischer Nachführung gilt hinsichtlich Kassabüchern ohne Einschränkung (KÄFER, N. 181, 535 f. und 587 f. zu <span class="artref">Art. 957 OR</span>). Jede einzelne Aufzeichnung in diesen stellt deshalb eine Beurkundung dar. Für ihre Urkundenqualität kommt mithin nichts darauf an, <a name="page32"></a><div class="center pagebreak">BGE 114 IV 31 S. 32</div>ob die ursprüngliche Eintragung später durch eine Neuschrift mit oder ohne Abänderungen ersetzt und diese der Arbeitgeberin zur Weiterverarbeitung in der Buchhaltung abgeliefert werde; die ursprüngliche Fassung behält so oder so ihre Urkundenqualität, und sie bildete vorliegend selbst nach dem Willen der Beschwerdeführerin jedenfalls für so lange Bestandteil der von der Arbeitgeberin zentral geführten Buchhaltung, als sie weitere Eintragungen vornahm und diese nicht durch eine veränderte Neuschrift ersetzte. Was die Beschwerdeführerin im einzelnen gegen den vom Obergericht bejahten Urkundencharakter des Kassabuches einwendet, ist damit als unzutreffend widerlegt.</div> </div></body></html></html>