Kantonsgericht von Graubünden Dretgira chantunala dal Grischun Tribunale cantonale dei Grigioni Ref.: Chur, 19. Mai 2014 Schriftlich mitgeteilt am: ZK1 14 58 27. Mai 2014 Entscheid I. Zivilkammer Vorsitz Brunner RichterInnen Michael Dürst und Schlenker Aktuar ad hoc Decurtins In der zivilrechtlichen Beschwerde der X._____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Andri Hotz, Goldgasse 11, 7002 Chur, gegen den Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Nordbünden vom 16. April 2014, mitgeteilt am 24. April 2014, betreffend fürsorgerische Unterbringung, hat sich ergeben:Seite 2 — 19 I. Sachverhalt A. X._____, welche derzeit durch A._____ von der Berufsbeistandschaft Ples- sur verbeiständet ist, leidet seit vielen Jahren an paranoider Schizophrenie. In der Vergangenheit musste sie immer wieder mittels fürsorgerischer Freiheitsentzie- hung (heute fürsorgerische Unterbringung, FU) in die Klinik B._____ eingeliefert werden. Am 26. Mai 2012 trat sie zum bereits fünften Mal in die Klinik B._____ ein resp. wurde durch Rückhaltebeschluss der Psychiatrischen Dienste Graubünden vom 30. Mai 2012 gegen ihren Willen dort zurückbehalten. Im Rahmen eines Be- schwerdeverfahrens, in welchem X._____ die Entlassung aus dieser fürsorgeri- schen Unterbringung in der Klinik B._____ beantragt hatte, wies das Kantonsge- richt von Graubünden die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Nordbünden (KESB) mit Entscheid vom 28. Januar 2013 an, hinsichtlich Krankheitsdiagnose und gegenwärtigem Zustand von X._____ ein aktuelles Gutachten bei einem un- abhängigen Sachverständigen einzuholen und anschliessend einen neuen Ent- scheid über die FU zu fällen (vgl. Urteil der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden ZK1 12 90). B. In ihrem umfassenden Gutachten vom 19. April 2013 (vgl. KESB act. 189) bestätigte Dr. med. C._____ die Diagnose der paranoiden Schizophrenie. Die Grundanerkennung bestehe schon seit über zehn Jahren und beeinträchtige alle wichtigen Lebensbereiche der Explorandin wie die privaten Beziehungen, das be- rufliche Leben, das Aktivitätsniveau in der Freizeit, die kognitive Leistungsfähigkeit oder die kognitive Flexibilität nachhaltig. Diese psychische Störung führe zwar nicht zu einer automatischen Einschränkung der Urteilsfähigkeit oder gar Hand- lungsfähigkeit. Nur in akuten Krankheitsphasen sei sie zeitlich begrenzt urteilsun- fähig, während ihre Urteilsfähigkeit im Residualzustand nur teilweise einge- schränkt sei. Ihre Objektivität und die Fähigkeit, so für sich zu entscheiden, dass sie sich nicht schade, seien jedoch deutlich eingeschränkt. Insbesondere stellte die Gutachterin fest, dass die Explorandin betreffend die Wohnsituation nicht aus- reichend urteilsfähig sei. In diesem Zusammenhang wies sie auf die ungünstige Krankheitsprognose hin, da der damals problematische Zustand der Explorandin und deren Entwicklung in den letzten Jahren leider nicht auf eine bessere Progno- se in Zukunft schliessen liessen. Die Krankheit sei zwingend lebenslang und um- fassend behandlungsbedürftig, wozu insbesondere eine engmaschige psychoso- ziale Begleitung zähle. Die Fähigkeit, ihren Lebensalltag − beispielsweise hinsicht- lich Körperpflege, Nahrungsaufnahme und sinnvoller Tagesstruktur − unter Berücksichtigung ihrer behindernden Krankheitssymptome zu gestalten, sollte ge-Seite 3 — 19 fördert und, etwa durch eine ambulante Wohnbegleitung, überwacht werden. So- bald die Explorandin mehr persönliche Freiheiten habe, sei es nämlich wahr- scheinlich, dass sie sich einer adäquaten Behandlung und Betreuung entziehen könnte, was mit höchster Wahrscheinlichkeit eine erneute akute Phase der Grun- derkrankung zur Folge hätte. Aus diesem Grunde empfahl die Gutachterin konkret einen Aufenthalt in einer Aussenwohngruppe (D._____ oder E._____) in O.1_____, wobei die fachpsychiatrische Behandlung in der gleichen Intensität wei- tergeführt und seitens der KESB gegebenenfalls eine vollumfängliche Betreuung betreffend die finanziellen Angelegenheiten, die Behandlung und den Aufenthalts- ort geprüft werden sollte. Gestützt auf die Annahme, dass die Explorandin sich gegen eine solche Wohnform wehren wird, schlug die Gutachterin vor, einen Zeit- raum von beispielsweise zwei Jahren zu definieren, in welchem sie sich unter engmaschiger Betreuung weiter stabilisieren und positiv entwickeln könne. Bei gutem Verlauf könnten anschliessend dann weniger betreute Wohnformen geprüft werden. C. Gestützt auf dieses Gutachten hob die KESB Nordbünden mit Entscheid vom 1. Mai 2013 die FU in der Klinik B._____ auf und ordnete stattdessen eine FU im Wohnheim F._____ der Klinik B._____ an, in welchem X._____ bereits seit 1. Februar 2013 wohnte (vgl. KESB act. 204). Begründet wurde dieser Schritt damit, dass die Voraussetzungen für den nächsten Schritt − der Übertritt in eine geeigne- te betreute Wohngruppe ausserhalb der Klinik B._____ und die Sicherstellung der Nachbetreuung − noch nicht erfüllt waren und für X._____ nur unter den Rahmen- bedingungen im Wohnheim F._____ die nötige Betreuung und Behandlung si- chergestellt werden konnte. Die von der Gutachterin empfohlene Unterbringung in einer betreuten Wohngruppe sei jedoch von allen Beteiligten als nächstes Etap- penziel anzustreben. Eine gegen diese Unterbringung eingereichte Beschwerde wurde vom Kantonsgericht mit Entscheid vom 18. Juni 2013 abgewiesen (vgl. Entscheid der I. Zivilkammer des Kantonsgericht ZK1 13 56; KESB act. B-3). D. Am 9. Oktober 2013 hob die KESB Nordbünden die FU im Wohnheim F._____ auf und brachte X._____ auf Antrag der Beiständin (vgl. KESB act. 222) zur Behandlung und persönlichen Betreuung − ebenfalls per FU − in der Sozial- therapeutischen Wohngemeinschaft G._____ in O.1_____ unter (vgl. KESB act. 228). Dieser Entscheid blieb unangefochten. E. Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen periodischen Überprüfung der FU gemäss Art. 431 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 201) hat Seite 4 — 19 die KESB Nordbünden bei der WG G._____ einen Bericht über X._____ eingeholt (vgl. Standortprotokoll vom 10. März 2014; KESB act. 249). Im gleichen Zusam- menhang erstattete die Beiständin am 13. März 2014 einen Zwischenbericht, in welchem sie sinngemäss die Verlängerung der FU in der WG G._____ für mindes- tens drei Monate beantragte (KESB act. 250). Sodann fand am 16. April 2014 vor der KESB − im Beisein ihres neuen Rechtsvertreters, Rechtsanwalt Andri Hotz − die Anhörung von X._____ statt (KESB act. 257). F. Am 16. April 2014 entschied die KESB Nordbünden, die FU von X._____ in der WG G._____ zur persönlichen Betreuung weiterzuführen. Spätestens per En- de Juli 2014 sei ein weiterer Zwischenbericht über die Zielerreichung der Förder- planung zu erstatten. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wurde angesichts der angespannten finanziellen Lage von X._____ verzichtet. In der Rechtsmittel- belehrung wurde auf die Möglichkeit der Einreichung einer Beschwerde an das Kantonsgericht hingewiesen, welche nicht begründet werden müsse. G. Namens und im Auftrag von X._____ (nachfolgend Beschwerdeführerin) reichte Rechtsanwalt Andri Hotz dem Kantonsgericht am 5. Mai 2014 eine Be- schwerde mit dem Begehren um Aufhebung der FU ein. Gleichzeitig stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren (vgl. ERZ 14 151). Die Beschwerde wurde mit keinem Wort begründet. Stattdessen wurde diesbezüglich auf die beantragte mündliche Verhandlung verwiesen. In ihrer Be- schwerdeantwort vom 12. Mai 2014 ersuchte die KESB um Einladung zur Haupt- verhandlung. H. Am 19. Mai 2014 fand die mündliche Hauptverhandlung vor der I. Zivil- kammer des Kantonsgerichts von Graubünden statt. Anwesend waren die Be- schwerdeführerin, Rechtsanwalt Andri Hotz sowie lic. iur. Peter Dörflinger, Leiter der KESB Nordbünden. Dabei stellte sich heraus, dass sowohl die Beschwerde- führerin wie auch die KESB das gleiche Ziel verfolgen, nämlich dass die fürsorge- rische Unterbringung per 1. Oktober 2014 aufgehoben und die Beschwerdeführe- rin in eine eigenständige Wohnform entlassen werden kann. Die Beschwerdefüh- rerin verlangte die Aufhebung der FU, obwohl sie bis dahin in der WG G._____ wohnen möchte − sie möchte nämlich auf freiwilliger Basis in der WG bleiben. Demgegenüber vertrat lic. iur. Peter Dörflinger die Ansicht der KESB, wonach die Beschwerdeführerin zu diesem angestrebten Schritt derzeit noch nicht bereit sei. Ende Juli 2014 sei die Situation erneut und anhand der im angefochtenen Ent- scheid aufgeführten Voraussetzungen zu evaluieren und − bei gleichzeitigem Vor-Seite 5 — 19 liegen eines positiven Berichts seitens der Psychotherapie − gegebenenfalls die Überführung in eine eigenständige Wohnform einzuleiten. Im Anschluss an die Verhandlung reichte Rechtsanwalt Andri Hotz dem Gericht seine Honorarnote ein. I. Auf die Ausführungen anlässlich der Hauptverhandlung sowie die Erwä- gungen im angefochtenen Entscheid und in den beigezogenen Akten wird, soweit erforderlich, nachfolgend eingegangen. II. Erwägungen 1.a) Vorliegend handelt es sich um einen Entscheid der KESB Nordbünden, der gestützt auf eine periodische Überprüfung der FU gemäss Art. 431 Abs. 1 ZGB erfolgt ist. Vorab ist zu klären, ob gegen solche Entscheide der KESB überhaupt ein Rechtsmittel gegeben ist. Dass nicht nur die in Art. 439 ZGB aufgezählten Ent- scheide gerichtlich angefochten werden können, ist offensichtlich. Diese Bestim- mung betrifft nämlich nur Entscheide, die nicht durch die KESB, sondern durch Ärzte oder Mitarbeitende einer Einrichtung erlassen wurden. Entscheide der KESB wie beispielsweise der vorliegende Überprüfungsentscheid sind indessen gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB anfechtbar (vgl. Thomas Geiser/Mario Etzensberger, in: Gei- ser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 4 zu Art. 439 ZGB und N 21 zu Art. 431 ZGB). In N 22 zu Art. 431 ZGB vertreten die genannten Autoren sodann die Auffassung, für eine Beschwerde gemäss Art. 450 ff. ZGB gegen einen Überprüfungsentscheid fehle es mangels eines An- trages an die KESB an einer für das Rechtsmittel notwendigen Beschwer. Ge- meint ist im Rahmen einer von Amtes wegen vorzunehmenden periodischen Überprüfung der FU gemäss Art. 431 ZGB ein Antrag der betroffenen Person auf Entlassung (oder allenfalls Abänderung) des FU-Entscheids. In der Tat ist für das Eintreten auf ein Rechtsmittel sowohl eine formelle als auch eine materielle Be- schwer vorausgesetzt: Die formelle Beschwer besteht darin, dass einem Antrag der betreffenden Partei nicht stattgegeben wurde, während eine materielle Be- schwer vorliegt, wenn die betreffende Partei in ihrer Rechtsstellung betroffen ist (vgl. Christof Bernhart, Handbuch der fürsorgerischen Unterbringung, Basel 2011, N 806 und 807). Soweit überblickbar äussern sich weder andere Autoren noch das Bundesgericht spezifisch im Zusammenhang mit Anfechtungen von Entscheiden gemäss Art. 431 ZGB. Richtig ist wohl, dass X._____ im Vorfeld des angefochte- nen Entscheids keinen formellen Antrag auf Entlassung aus der FU gestellt hat. Anlässlich ihrer Anhörung vor der KESB am 16. April 2014 brachte sie aber mit Seite 6 — 19 hinreichender Deutlichkeit zum Ausdruck, dass sie die Weiterführung der FU in der WG G._____ ablehnt. Da der Entscheid mit ihren geäusserten Erwartungen nicht übereinstimmt, ist die zur Anfechtung erforderliche Beschwer ohne weiteres anzunehmen, zumal im ganzen FU-Verfahren die formellen Anforderungen an die Vorbringen der Betroffenen vom Gesetzgeber bewusst gering gehalten wurden (vgl. Daniel Steck, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachse- nenschutz, Basel 2012, N 42 zu Art. 450 ZGB). Gegen den am 16. April 2014 er- gangenen und am 24. April 2014 mitgeteilten Entscheid der KESB Nordbünden konnte folglich gemäss Art. 450 in Verbindung mit Art. 450b Abs. 2 ZGB sowie Art. 60 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Zivilgesetzbuch (EGzZGB; BR 210.100) innert zehn Tagen Beschwerde ans Kantonsgericht von Graubünden erhoben werden. Die vorliegende Beschwerde vom 5. Mai 2014 erging damit innert Frist. b) Da es sich vorliegend um eine Beschwerde auf dem Gebiet der fürsorgeri- schen Unterbringung handelt, muss diese gemäss Art. 450e Abs. 1 ZGB nicht be- gründet werden. Dies gilt gemäss BGE 133 III 353 auch dann, wenn eine Partei anwaltlich vertreten ist (vgl. Thomas Geiser, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 10 zu Art. 450e ZGB). Ob- wohl aufgrund der Anhörungspflicht im Kollegium gemäss Art. 450e Abs. 4 ZGB praktisch zwingend eine mündliche Verhandlung anzusetzen ist, wäre es für eine anwaltlich vertretene Partei angemessen gewesen, zumindest eine Kurzbegrün- dung abzugeben, damit das Gericht zwecks Vorbereitung der Gerichtsverhand- lung weiss, welche Stossrichtung die Rügen haben werden. Schliesslich liegt − im Gegensatz etwa zu einer ärztlichen FU-Verfügung − ein recht ausführlicher Ent- scheid einer Vorinstanz vor. Ohne Begründung tappt auch die KESB, welche ent- weder schriftlich oder anlässlich der Verhandlung zur Stellungnahme aufgefordert ist, im Dunkeln. Da eine Begründung aber wie erwähnt nicht gesetzlich vorge- schrieben ist, entspricht die vorliegende Beschwerde den an sie gestellten Frist- und Formerfordernissen, weshalb darauf einzutreten ist. 2.a) Das Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz richtet sich nach Art. 450a ff. ZGB. Von besonderer Bedeutung ist dabei Art. 450e ZGB, der für Entscheide auf dem Gebiet der fürsorgerischen Unterbringung spezielle Vorschrif- ten statuiert. Zu beachten sind sodann die allgemeinen Verfahrensgrundsätze des erstinstanzlichen Verfahrens (Art. 443 ff. ZGB), die auch im Verfahren vor der ge- richtlichen Beschwerdeinstanz anwendbar sind, soweit das Gesetz in den Art. 450 ff. ZGB keine abweichenden Vorschriften enthält (Steck, a.a.O., N 13 zu Art. 450 ZGB). Dies gilt namentlich für die in Art. 446 ZGB verankerte uneinge-Seite 7 — 19 schränkte Untersuchungs- und Offizialmaxime und das an gleicher Stelle festge- schriebene Prinzip der Rechtsanwendung von Amtes wegen. Der Anwendungsbe- reich dieser zentralen Verfahrensgrundsätze bezieht sich auf sämtliche Verfahren vor der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde und erstreckt sich – wenn auch teilweise in abgeschwächter Form – nach dem Grundsatz der Einheit des Prozes- ses auch auf die Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz (Christoph Auer/Michèle Marti, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwach- senenschutz, Basel 2012, N 1 zu Art. 446 ZGB mit weiteren Hinweisen). Zu er- wähnen ist ferner der ebenfalls für alle Instanzen geltende Art. 450f ZGB, welcher die Bestimmungen der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) als subsidiär anwendbar erklärt, soweit die Kantone nichts anderes bestimmen. Von letzterer Möglichkeit wurde im Kanton Graubünden kein Gebrauch gemacht. Viel- mehr verweist Art. 60 Abs. 2 EGzZGB ebenfalls auf die Zivilprozessordnung als subsidiär anwendbares Recht sowie auf die entsprechende kantonale Ein- führungsgesetzgebung (Einführungsgesetz zur Schweizerischen Zivilprozessord- nung [EGzZPO; BR 320.100]). In Art. 60 Abs. 3 EGzZGB wird des Weiteren klar- gestellt, dass die Bestimmungen der ZPO über den Fristenstillstand sowie über neue Tatsachen und Beweismittel keine Anwendung finden. Dass im Verfahren der gerichtlichen Beurteilung von fürsorgerischen Unterbringungen Noven unbe- schränkt zuzulassen sind und das Gericht seinem Entscheid den Sachverhalt zu- grunde zu legen hat, wie er sich im Zeitpunkt der Urteilsfällung präsentiert, ergibt sich im Übrigen auch aus dem Grundsatz der Prozessökonomie (Gei- ser/Etzensberger, a.a.O., N 40 zu Art. 439 ZGB). b) Gemäss Art. 450e Abs. 3 ZGB muss bei psychischen Störungen für den Entscheid über eine fürsorgerische Unterbringung zwingend ein Gutachten einge- holt werden. Dieses muss von einer unabhängigen, im laufenden Verfahren noch nicht involvierten sachverständigen Person erstellt werden und in dem Sinne aktu- ell sein, dass es sich zu den sich im gerichtlichen Verfahren stellenden Fragen äussert (vgl. Geiser/Etzensberger, a.a.O., N 48 ff. zu Art. 439 ZGB und Ruth E. Geiser, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 19 zu Art. 450e ZGB sowie BGE 137 III 289 E. 4.4 f. und Urteil des Bundesgerichts 5A_63/2013 vom 7. Februar 2013 E. 5, jeweils noch zum bisheri- gen Recht und nunmehr zum neuen Recht Urteil des Bundesgerichts 5A_189/2013 vom 11. April 2013 E. 2.2). Dass das umfassende Gutachten von Dr. med. C._____ vom 19. April 2013 diesen Anforderungen nicht genügt, wurde nicht geltend gemacht und ist auch nicht ersichtlich, zumal das Gutachten im vor- liegenden Verfahren vor allem in Bezug auf die diagnostizierte Grunderkrankung Seite 8 — 19 und die damit zusammenhängende lebenslängliche Therapie- und Behandlungs- bedürftigkeit herangezogen wird. c) Gemäss Art. 450e Abs. 4 Satz 1 ZGB muss die gerichtliche Beschwerdein- stanz die betroffene Person in der Regel als Kollegium anhören, was faktisch zwingend zur Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung führt (vgl. Bern- hart, a.a.O., N 848 f.). Mit der Durchführung der mündlichen Hauptverhandlung am 19. Mai 2014 wurde diese Vorgabe umgesetzt. 3. Die periodische Überprüfung einer FU hat gemäss Art. 431 Abs. 1 ZGB spätestens sechs Monate nach Beginn der Unterbringung zu erfolgen. Wenn man von der tatsächlichen Unterbringung eine Woche vor dem Entscheid vom 9. Okto- ber 2013 (vgl. KESB act. 227) ausgeht, so wurden die sechs Monate bis zum Ent- scheid vom 16. April 2014 um rund zwei Wochen überschritten. Dies hat unter den gegebenen Umständen indes keine weiteren Folgen (vgl. Geiser/Etzensberger, a.a.O., N 23 f. zu Art. 431 ZGB) und wurde seitens der Beschwerdeführerin auch nicht beanstandet. 4.a) Zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ist zu prüfen, ob die Voraus- setzungen der FU noch gegeben sind und die Vorinstanz damit zu Recht auf eine Weiterführung der Unterbringung in der Sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft G._____ entschieden hat. Dabei ist vorauszuschicken, dass sich anlässlich der Hauptverhandlung herausgestellt hat, dass die Beschwerdeführerin und die KESB das gleiche Ziel verfolgen: Per 1. Oktober 2014 soll die Beschwerdeführerin eine eigene Wohnung beziehen können und die fürsorgerische Unterbringung aufge- hoben werden. An der Hauptverhandlung äusserte die Beschwerdeführerin ihre Bereitschaft, bis zum Umzug in eine eigene Wohnung freiwillig in der WG G._____ zu bleiben. Vor diesem Hintergrund ist die vorliegende Beschwerde dahingehend zu verstehen, dass die Aufhebung der fürsorgerischen Unterbringung deshalb be- antragt wurde, weil die Beschwerdeführerin sich − was gemäss ihrem Rechtsver- treter aus Motivationsgründen enorm wichtig sei − aus freien Stücken in der WG G._____ aufhalten wolle und diese, falls sich schon vor dem erwähnten Stichtag eine geeignete Wohngelegenheit ergeben sollte, nach eigenem Gutdünken ver- lassen könne. Zudem sollte die vorliegende Beschwerde ein Stück weit wohl auch bezwecken, dass die Planung dieses Schrittes, insbesondere die Wohnungssu- che, demnächst an die Hand genommen wird. b) Gemäss Art. 426 Abs. 1 ZGB darf eine Person, welche an einer psychi- schen Störung oder an geistiger Behinderung leidet oder verwahrlost ist, in einer Seite 9 — 19 geeigneten Einrichtung untergebracht werden, wenn die nötige Behandlung oder Betreuung nicht anders erfolgen kann. Gemäss Absatz 3 ist die betroffene Person zu entlassen, sobald die Voraussetzungen der Unterbringung nicht mehr erfüllt sind. Der Schwächezustand der psychischen Störung als erste gesetzliche Vor- aussetzung für die Anordnung der Massnahme (vgl. Bernhart, a.a.O., N 262; Gei- ser/Etzensberger, a.a.O., N 12 zu Art. 426 ZGB; Olivier Guillod, in: Büch- ler/Häfeli/Leuba/Stettler [Hrsg.], FamKomm, Erwachsenenschutz, Bern 2013, N 34 zu Art. 426 ZGB) liegt in der nachgewiesenermassen seit über zehn Jahren be- stehenden und in hohem Ausmass vorhandenen paranoiden Schizophrenie mit Residualzustand (ICD-10 F20.05), welche in den akuten Phasen zu einer zeitlich begrenzten Urteilsunfähigkeit führt (KESB act. 189 S. 24). Dieses Krankheitsbild stellt eine psychische Störung im Sinne der gesetzlichen Bestimmung von Art. 426 Abs. 1 ZGB dar (vgl. Bernhart, a.a.O., S. 116 ff.). Gemäss der Gutachterin führt diese Grunderkrankung dazu, dass die Beschwerdeführerin in den Bereichen des selbständigen Wohnens, der Erledigung der administrativen und finanziellen An- gelegenheiten sowie bei der selbständigen Sicherstellung einer adäquaten Medi- kation derart beeinträchtigt sei, dass eine engmaschige fachärztliche Betreuung und eine psychosoziale Kontrolle notwendig sei, um weitere Defizite zu verhin- dern. Die Krankheit sei zwingend lebenslang und umfassend behandlungsbedürf- tig. In stabilen Phasen − wie dies aktuell unter anderem dank der Depotmedikation der Fall zu sein scheint − sei eine ambulante Behandlung sinnvoll und angezeigt. In akuten Phasen sei aber mit der Notwendigkeit einer erneuten stationären Be- handlung zu rechnen. Aus diesen Ausführungen der Gutachterin ergibt sich, dass auch die zweite Voraussetzung für eine fürsorgerische Unterbringung, nämlich die sich aus dem Schwächezustand ergebende Notwendigkeit einer Behandlung bzw. Betreuung, ohne weiteres gegeben ist. c) Im Rahmen der vorliegenden Beschwerde bleibt deshalb zu prüfen, ob die medizinisch indizierte Behandlung und Betreuung auch auf eine andere Weise als durch die Einweisung resp. Rückbehaltung in der WG G._____ erfolgen kann. Weil eine Unterbringung stets eine schwerwiegende Einschränkung der persönli- chen Freiheit darstellt, muss sie verhältnismässig sein. Mit anderen Worten muss die Unterbringung in einer Einrichtung geeignet sein, den Zweck der beabsichtig- ten Behandlung zu erfüllen, ohne dass eine weniger einschneidende Massnahme genügen würde (vgl. dazu Geiser/Etzensberger, a.a.O., N 22 ff. zu Art. 426 ZGB und Guillod, in: Büchler/Häfeli/Leuba/Stettler [Hrsg.], FamKomm, Erwachsenen- schutz, Bern 2013, N 64 f. zu Art. 426 ZGB). Eine Unterbringung kommt in den Worten der Botschaft zum neuen Erwachsenenschutzrecht deshalb nur als ultima Seite 10 — 19 ratio in Betracht (Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht] vom 28. Juni 2006, BBI 2006 7001, S. 7062). Anlässlich der Hauptverhandlung macht Rechtsanwalt Andri Hotz denn auch geltend, dass seiner Ansicht nach ein selbständiges, aber extern betreutes Wohnen mit Medikamenteneinnahme beim Arzt und einer ambulanten Psychotherapie als mildere Massnahme ebenfalls genügenden Schutz bieten würde. aa) In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die KESB − im Wissen darum, dass die Krankheit der Beschwerdeführerin zwar einer lebenslänglichen Behandlung bedarf, diese aber bei entsprechendem Zustand auch ambulant erfol- gen kann (vgl. dazu vorstehend Erwägung 4.b) − die Behandlung der Beschwer- deführerin im Sinne eines Stufenbaus schrittweise an die mildeste Form, nämlich das eigenständige Wohnen mit ambulanter Nachbetreuung, heranzuführen ver- sucht. Diese phasenweise Entwicklung, welche in den letzten zwei Jahren von einer fürsorgerischen Unterbringung in der Klinik B._____ über das Wohnheim F._____ bis hin zur WG G._____ geführt hat und stets eine engmaschige psycho- soziale Begleitung beinhaltete, hat sich bis anhin bewährt. Erklärtes Ziel sämtli- cher Beteiligter war es stets, den Übertritt in eine selbständige Wohnform mit ent- sprechender Begleitung aktiv und in sinnvollen Schritten anzustreben (vgl. etwa angefochtener Entscheid, S. 4 oder KESB act. 250 S. 1). bb) Mittlerweile wurde dieses Ziel seitens der KESB insofern konkretisiert, als die Beschwerdeführerin per 1. Oktober 2014 eine eigene Wohnung erhalten soll. Gleichzeitig hat die KESB aber auch die Anforderungen, welche ihrer Meinung nach für einen Austritt aus der WG G._____ resp. den Übertritt in eine selbständi- ge Wohnform erfüllt sein müssen, konkretisiert: Es muss eine grundlegende Ein- sicht in die Krankheit und die Behandlungsbedürftigkeit mit entsprechender Com- pliance betreffend die medikamentöse und psychotherapeutische Therapie beste- hen, die Selbstsorge in den Bereichen Hygiene, Bekleidung und Ernährung muss eigenverantwortlich und ohne Planung oder Aufsicht wahrgenommen werden, es muss eine Tagesstruktur resp. ein Arbeitsplatz mit genügender Auslastung sicher- gestellt sein, die Beschwerdeführerin muss mit ihrem Unterhaltsgeld verantwor- tungsvoll umgehen können und es muss eine geeignete Wohnmöglichkeit gefun- den werden (vgl. dazu angefochtener Entscheid, S. 3 f.). Diese von der KESB sta- tuierten Voraussetzungen stützen sich unter anderem auf das Gutachten von Dr. med. C._____ vom 19. April 2013. Die Frage, ob die fürsorgerische Unterbringung noch nötig ist oder ob die Beschwerdeführerin schon zum jetzigen Zeitpunkt in Seite 11 — 19 eine eigenständige Wohnform entlassen werden kann, ist folglich anhand der vor- stehend erwähnten, von der KESB aufgestellten Kriterien zu klären. cc) Die Vorinstanz hat das Standortprotokoll der WG G._____ vom 10. März 2014 (KESB act. 249) und den Bericht der Beiständin vom 13. März 2014 (KESB act. 250) hinsichtlich des derzeitigen Zustandes der Beschwerdeführerin richtig interpretiert. Gemäss diesen Berichten bestünden nämlich trotz einzelner Forts- chritte weiterhin Defizite, wobei als grösste Hindernisse für ein selbständiges Wohnen insbesondere die fehlende Krankheitseinsicht sowie die Haltung gegenü- ber der Medikation angesehen werden. Hinsichtlich der Selbstvorsorge habe die Eigenverantwortung noch nicht ausgetestet werden können, denn die Körperhygi- ene sei zu keinem Zeitpunkt über das hinausgegangen, was in der Förderplanung und unter Aufsicht verlangt worden sei. Zudem habe der verantwortungsvolle Um- gang mit dem Unterhaltsgeld nicht erprobt werden können und infolge ihrer Wei- gerung, das Arbeitspensum zu erhöhen, hätten keine umfassenden Tagesstruktu- ren festgesetzt werden können. Gemäss dem Gutachten von Dr. med. C._____ droht im Falle eines vorzeitigen einseitigen Abbruchs des Aufenthalts in der WG G._____ ein Rückfall in eine erneute akute Phase der Grunderkrankung, einher- gehend mit der bekannten Selbst- und Fremdgefährdung, da sie sich einer adäquaten Behandlung wahrscheinlich entziehen würde (vgl. angefochtener Ent- scheid, S. 5 und KESB act. 189 S. 26). Damit ist die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zu Recht zum Schluss gekommen, dass die Voraussetzungen für eine Entlassung in ein selbständiges Wohnen (noch) nicht erfüllt sind und die fürsorge- rische Unterbringung in der WG G._____ − wie von der Beiständin beantragt − vorerst weitergeführt werden soll. dd) Wie soeben ausgeführt, ist der vorinstanzliche Entscheid nicht zu bean- standen. Da das Gericht seinem Entscheid den Sachverhalt zugrunde zu legen hat, wie er sich im Zeitpunkt der Urteilsfällung präsentiert (vgl. vorstehend Erwä- gung 2.a), sind für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde allfällige seitheri- ge Veränderungen des Zustandes der Beschwerdeführerin und mithin auch die an der Hauptverhandlung vom 19. Mai 2014 gewonnenen Erkenntnisse zu berück- sichtigen. Anlässlich der Hauptverhandlung vermochten jedoch weder die Be- schwerdeführerin selbst noch ihr Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Andri Hotz, grund- legende Abweichungen vom dokumentierten Gesundheitszustand darzutun resp. die im angefochtenen Entscheid geäusserten Zweifel an ihrer Fähigkeit zum selbständigen Wohnen zu zerstreuen. Die Beschwerdeführerin äusserte zwar ihre Bereitschaft, selbständig für die Medikamenteneinnahme besorgt zu sein, auch Seite 12 — 19 wenn sie deren Dosierung zusammen mit ihrem Psychiater, Dr. H._____, reduzie- ren wolle. Positive Signale äusserte sie auch insofern, als sie auch im Falle einer selbständigen Wohnform mit der Weiterführung der bestehenden Beistandschaft sowie der allfälligen Anordnung einer ambulanten Wohnbetreuung einverstanden sei. Ihre Aussagen − insbesondere bezüglich der Medikamenteneinnahme, welche sie noch im Februar 2014 komplett habe abbrechen wollen − kontrastieren gemäss lic. iur. Peter Dörflinger noch zu stark mit den Ausführungen in den ver- schiedenen Berichten. Angesichts der latenten Rückfallgefahr sei das "Eis noch zu dünn", um den nächsten Schritt in eine selbständige Wohnform zu wagen. Entge- gen der Auffassung von Rechtsanwalt Andri Hotz ist insbesondere die fehlende Krankheits- und Behandlungseinsicht nicht damit entschuldbar, dass diese krank- heitsimmanent sei. Gemäss lic. iur. Peter Dörflinger stelle gerade diese schwan- kende Krankheitseinsicht die grösste Herausforderung dar, weshalb es sehr wich- tig sei, dass die nötige Behandlung und Betreuung auch ohne entsprechende Ein- sicht der Beschwerdeführerin sichergestellt werden könne. Anlässlich der Haupt- verhandlung bestätigte sich der bereits aus den Akten gewonnene Eindruck, dass sich die Beschwerdeführerin der ganzen Problematik und insbesondere der Trag- weite des selbständigen Wohnens nicht bewusst sei. So versteifte sie sich im Rahmen der richterlichen Befragung abermals auf Ausführungen zur Wohnungs- suche, welche möglichst bald beginnen solle, und zu ihren haushaltstechnischen Fähigkeiten, statt die im Rahmen des Förderplans beabsichtigte phasenweise Heranführung an ihre Selbständigkeit zu begreifen und dazu Stellung zu nehmen (vgl. dazu nachfolgend Erwägung 5.b). ee) Aus den vorerwähnten Gründen und insbesondere angesichts der latenten Rückfallgefahr ist der Auffassung von Rechtsanwalt Andri Hotz, wonach ein selbständiges, aber extern betreutes Wohnen derzeit ebenfalls genügenden Schutz bieten würde, zu widersprechen. Unter dem Aspekt der Verhältnismässig- keit sei zudem erwähnt, dass der Aufenthalt in der WG G._____ zwar behördlich angeordnet, in seiner Ausgestaltung aber sehr offen ist: Die Beschwerdeführerin lebt dort nicht wie in einer geschlossenen Anstalt, sondern kann einer auswärtigen Arbeit nachgehen und sowohl die Nachmittage wie auch die Wochenenden mit ihrem Freund verbringen. In der WG wird nach einem Förderplan gearbeitet, mit welchem Ziele in den Bereichen Selbstsorge, Gemeinschaftsarbeit, Verwaltung von Besitz und Unterstützung bei der Wahrnehmung externer Therapien verfolgt werden. Die Vorinstanz führt zu Recht aus, dass dieses Betreuungskonzept als angemessen und angesichts der anstehenden Herausforderungen nicht als zu einschneidend zu bewerten ist (vgl. angefochtener Entscheid, S. 4). Zudem ent-Seite 13 — 19 spricht es dem erklärten Willen der Beschwerdeführerin, bis zum Bezug einer ei- genen Wohnung in der WG G._____ zu verbleiben. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass eine sofortige Entlassung aus der WG G._____ schon deshalb nicht in Frage kommen würde, weil zum jetzigen Zeitpunkt noch gar keine alterna- tive Wohnmöglichkeit besteht. d) Als letzte kumulative Voraussetzung für eine rechtmässige fürsorgerische Unterbringung fordert Art. 426 Abs. 1 ZGB das Vorhandensein einer für die nötige Behandlung und Betreuung geeignete Einrichtung. Dass die Sozialtherapeutische Wohngemeinschaft G._____ in O.1_____ eine geeignete Einrichtung in diesem Sinne darstellt, steht ausser Frage. Die WG fordert von den Bewohnern ein gewis- ses Mass an Selbstversorgung und Bereitschaft zur Mitarbeit im gemeinsamen Haushalt, bietet eine geregelte Tagesstruktur und stellt die Inanspruchnahme der vereinbarten psychiatrischen Nachbehandlung wie auch die Medikamentenein- nahme sicher (vgl. KESB act. 228 S. 6). Dies sind alles wichtige Fixpunkte bei der Stabilisierung und Weiterentwicklung der Beschwerdeführerin bezüglich ihrer Krankheits- und Behandlungseinsicht. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 19. Mai 2014 äusserte sich die Beschwerdeführerin dahingehend, dass sie in der WG G._____ in Bezug auf die Haushaltsführung nichts Neues lerne, da sie aufgrund ihrer langjährigen Haushaltserfahrung schon alles könne. Ihre Einschätzung ist für die Beurteilung der WG G._____ als geeignete Einrichtung indes unbeachtlich, denn die Beschwerdeführerin verkennt den eigentlichen Sinn und Zweck ihrer Un- terbringung (vgl. dazu nachstehend Erwägung 5.b). e) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen für eine für- sorgerische Unterbringung in der WG G._____ weiterhin gegeben sind und die Vorinstanz zu Recht auf deren Weiterführung entschieden hat. Dies insbesondere deshalb, weil im Falle einer verfrühten Entlassung mit einem Rückfall und damit einer Gefährdung der bisher erzielten Fortschritte zu rechnen ist. Ein Verbleib in der WG bis zum Bezug einer eigenen Wohnung entspricht zudem grundsätzlich dem Willen der Beschwerdeführerin und macht im Hinblick auf die kommenden Herausforderungen des selbständigen Wohnens auch insofern Sinn, als die Be- schwerdeführerin bis dahin − unter adäquater Betreuung und anhand eines För- derplanes − weiterhin an ihrer Selbständigkeit arbeiten kann. Damit ist die vorlie- gende Beschwerde abzuweisen. 5.a) An dieser Stelle ist nochmals zu betonen, dass die Unterbringung in der WG G._____ eine Etappe in einer längeren Perspektive darstellt, welche die Seite 14 — 19 schrittweise Reintegration der Beschwerdeführerin in ein selbständiges Wohnen bezweckt. Trotz des abweisenden Entscheids behält die KESB die Situation im Auge und arbeitet mit der Beiständin und der Leitung der WG G._____ auf eine baldmöglichste Entlassung hin. In Dispositv-Ziffer 2 des angefochtenen Ent- scheids verlangt sie von der WG G._____ denn auch spätestens per Ende Juli 2014 einen weiteren Zwischenbericht über die Zielerreichung in der Förderpla- nung. Wie lic. iur. Peter Dörflinger anlässlich der Hauptverhandlung ausführte, werde man die Situation zu diesem Zeitpunkt nochmals beurteilen und gegebe- nenfalls − wenn die Voraussetzungen erfüllt sind und auch seitens der Psychothe- rapie ein positiver Bericht vorliegt − grünes Licht geben für ein selbständiges Wohnen. Der Beschwerdeführerin muss deshalb bewusst gemacht werden, dass ihre Fähigkeit zum selbständigen Wohnen nicht nur im Rahmen des vorliegenden Verfahrens, sondern auch bei der erneuten Evaluation Ende Juli 2014 anhand der von der KESB statuierten Voraussetzungen (vgl. vorstehend Erwägung 4.c/bb) beurteilt werden wird. b) Diese hinsichtlich Krankheitseinsicht, Eigenverantwortung, Tagesstruktur und Wohnsituation festgelegten Voraussetzungen machen nicht nur als Vorberei- tung auf den bevorstehenden Übertritt in ein selbständiges Wohnen Sinn, sondern sollen zudem sämtlichen Beteiligten − und insbesondere der Beschwerdeführerin selbst − bewusst machen, auf welche Punkte es ankommt. Die Beschwerdeführe- rin scheint derzeit der Auffassung zu sein, dass der lang ersehnte nächste Schritt zu einer eigenen Wohnung vor allem von ihren haushaltstechnischen Fähigkeiten abhängt. So versicherte sie dem Gericht anlässlich der Hauptverhandlung aber- mals, dass sie über die nötigen Erfahrungen im Haushalten verfüge und in der Lage sei, für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. Dass sie den Sinn und Zweck ihres Aufenthalts in der WG G._____ nicht versteht, ergibt sich zudem aus ihrer geäusserten Auffassung, in der WG G._____ haushaltstechnisch nichts Neues lernen zu können. Auch wenn die Beschwerdeführerin die Problematik infolge ih- rer Krankheit vielleicht gar nicht in vollem Umfang erfassen kann, ist es wichtig, dass es ihr bewusst ist, dass nicht ihre haushälterischen Fähigkeiten zur Debatte stehen, sondern vielmehr ihre Selbständigkeit in Bezug auf ihre Finanzen und auf die Wahrnehmung der angezeigten medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung. Sie wird auch im Herbst nur entlassen werden können, wenn ihre Einstellung gegenüber der Medikation darauf schliessen lässt, dass die Medika- menteneinnahme beim Hausarzt und die psychotherapeutische Behandlung auch im Falle einer selbständigen Wohnform − im Sinne einer Nachbetreuung − ge- währleistet ist. Sie muss in der verbleibenden Zeit bis Ende Juli 2014 unter Beweis Seite 15 — 19 stellen, dass sie ihre Selbständigkeit aus eigenem Willen anstrebt und den För- derplan nicht nur der Betreuer wegen verfolgt. c) Seitens der Beschwerdeführerin wird vorgebracht, dass eine Verlängerung der Massnahme ihre zunehmende Motivationslosigkeit noch steigern würde und dass sie gar nie die Gelegenheit erhalten habe, ihre eigenverantwortliche Selbst- vorsorge unter Beweis zu stellen. Auch wenn diese Vorbringen nachvollziehbar sind, rechtfertigt es sich angesichts der hohen Rückfallgefahr nicht, mit einer Ent- lassung "auf Probe" die bereits erzielten Fortschritte aufs Spiel zu setzen. Gemäss lic. iur. Peter Dörflinger ist es durchaus möglich, dass die Beschwerdeführerin ihre Selbständigkeit und ihre Compliance mit der Medikation auch in der WG G._____ unter Beweis stellt. Dazu müsse sie ihre Aufgaben aus eigenem Antrieb erledigen und ihre Termine zuverlässig einhalten. Hinsichtlich der Hygiene kann sie Eigen- verantwortung beweisen, indem sie sich selbständig pflegt, ohne dass jemand es ihr sagt resp. als Wochenziel vor Augen hält. In Bezug auf den verantwortungsvol- len Umgang mit ihren Finanzen kann sie zeigen, dass sie mit der kürzlich erfolgten Umstellung von Tages- auf Wochengeld keine Probleme bekunde. Eine Erhöhung ihres Arbeitspensums würde nicht nur ihr Engagement beweisen, sondern wäre auch hinsichtlich der im Rahmen der Voraussetzungen geforderten Tagesstruktur sehr zu begrüssen. Auch wenn die KESB ihr eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt derzeit nicht zutraut, steht es ihr selbstverständlich offen, sich selbst um eine ent- sprechende Tätigkeit zu bemühen. Mit anderen Worten muss sie in der verblei- benden Zeit bis Ende Juli 2014 unter Beweis stellen, dass ihre Einsichten und gu- ten Vorsätze nicht lediglich Lippenbekenntnisse sind − entscheidend ist gemäss der Vorinstanz nicht ihre Willensbildung, sondern ihre Fähigkeit, diesen Willen in die Tat umzusetzen − und dass sie bereit ist, die angezeigte medikamentöse und psychotherapeutische Nachbehandlung ambulant wahrzunehmen. In der Vergangenheit wurden der Beschwerdeführerin oft Perspektiven, aber auch Erwartungen und Bedingungen aufgezeigt. Mit der per 1. Oktober 2014 in Aussicht gestellten eigenen Wohnung und den in diesem Zusammenhang defi- nierten Voraussetzungen sind im jetzigen Stadium sowohl die Perspektive als auch die Erwartungen derart konkret, dass dies als Motivation mehr als ausrei- chen sollte. Dies setzt aber wiederum voraus, dass die Beschwerdeführerin sich der Tragweite dieses nächsten Schrittes bewusst ist und nötigenfalls wiederholt entsprechend aufgeklärt wird. Gemäss Auffassung des Gerichts kann und darf die Motivation der Beschwerdeführerin zur Erlangung ihrer Selbständigkeit nicht da- von abhängen, ob sie sich freiwillig oder zufolge behördlicher Anordnung in der Seite 16 — 19 WG G._____ aufhält. Oder anders ausgedrückt: Wenn es ihr nicht gelingt, die Problematik zu erfassen und aus den konkreten Anforderungen und Zielen Motiva- tion zu schöpfen, ist sie wohl auch noch nicht bereit, den nächsten Schritt in An- griff zu nehmen. Es muss ihr klar werden, dass sie gerade mit einem motivierten und selbständigen Verhalten in der WG beweisen kann, dass sie sich der Proble- matik bewusst ist und an ihren Defiziten arbeiten will resp. dass sie keine Defizite habe. Ein unkooperatives Verhalten würde hingegen als mangelnde Krankheits- einsicht und fehlender Wille zur Erlernung der Selbständigkeit gedeutet werden. d) Die vorliegende Beschwerde scheint ein Stück weit auch den Zweck zu ver- folgen, den letzten Schritt zum selbständigen Wohnen baldmöglichst in Gang zu setzen. In ihren Ausführungen versteifte sich die Beschwerdeführerin richtigge- hend darauf, dass es nun an der Zeit sei, eine passende Wohnung für sie zu fin- den, da Wohnungen per 1. Oktober 2014 demnächst auf den Markt kommen wür- den. Offensichtlich stellt die Verfügbarkeit eines geeigneten Objekts für sie das einzige Hindernis zum Bezug einer eigenen Wohnung per 1. Oktober 2014 dar. In dieser Hinsicht ist ihr insofern beizupflichten, als der Schritt zu einem eigenständi- gen Wohnen sorgfältig geplant sein will. In Bezug auf die Wohnungssuche darf sie aber auf die tatkräftige Unterstützung der Beiständin und der KESB vertrauen; sämtliche Beteiligte unterstützen sie in der Erreichung dieses nächsten Schrittes und werden ihre Erfahrung und Kontakte nutzen, um auf den genannten Zeitpunkt hin eine Wohnung zu finden, welche den Vorstellungen der Beschwerdeführerin möglichst entspricht. Auch wenn es ihr selbstverständlich offen steht, bei der Wohnungssuche aktiv mitzuwirken und ihre Bedürfnisse einzubringen, sollte sie sich vielmehr darauf konzentrieren, an den übrigen, in ihrer Person liegenden Punkten zu arbeiten und die entsprechenden Anforderungen zu erfüllen. e) Das ganze Umfeld der Beschwerdeführerin ist über die erwarteten Entwick- lungen informiert und darauf bedacht, sie bei der Erreichung ihres Ziels, per 1. Ok- tober 2014 eine eigene Wohnung beziehen zu können, zu unterstützen. Man will ihr nicht im Wege stehen, sondern sie − in ihrem eigenen Interesse − behutsam auf die neuen Herausforderungen vorbereiten. Entsprechend sollen der vertrös- tende Entscheid der KESB und der vorliegende abweisende Entscheid nicht als Massnahme gegen sie verstanden werden, sondern vielmehr als Chance für sie, in fachmännischer Betreuung den letzten Abschnitt des Weges hin zum selbstän- digen Wohnen zu gehen und sich bestmöglichst auf die anstehenden Herausfor- derungen vorzubereiten. In der Zwischenzeit können alle erforderlichen Abklärun- gen getroffen und zu gegebener Zeit eine geeignete Wohnung gesucht werden. Seite 17 — 19 Wenn sie sich bis Ende Juli 2014 motiviert und entsprechend dem Förderplan ver- hält, wird sie nicht nur die vorgegebenen Voraussetzung erfüllen, sondern es wird auch der erforderliche positive Bericht seitens des Psychologen vorliegen. Dies- falls sollte der Aufhebung der fürsorgerischen Unterbringung und der Überführung in eine selbständige Wohnform nichts mehr im Wege stehen. Es muss ihr aller- dings weiterhin bewusst sein, dass auch diesfalls begleitende Massnahmen wie eine ambulante Medikamenteneinnahme beim Hausarzt, eine weiterführende Psy- chotherapie und eine begleitende Wohnbetreuung nötig sein werden. 6.a) Nach Art. 10 der Verordnung über die Gerichtsgebühren in Zivilverfahren (VGZ; BR 320.210) beträgt die Entscheidgebühr in Verfahren der zivilrechtlichen Beschwerde zwischen CHF 500.-- und CHF 8'000.--. Die Kosten des Beschwer- deverfahrens werden vorliegend auf CHF 1'500.-- festgesetzt. In Bezug auf die Grundsätze der Kostenauflage im erwachsenenschutzrechtlichen Beschwerdever- fahren verweisen die Art. 63 Abs. 5 und Art. 60 Abs. 2 EGzZGB subsidiär auf die Bestimmungen der ZPO. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Beschwerdeverfahrens gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO grundsätzlich der Be- schwerdeführerin aufzuerlegen. Die Vorinstanz hat nach entsprechenden Ab- klärungen festgestellt, dass die Vermögenssituation der Beschwerdeführerin grundsätzlich zum Bezug von Sozialhilfe berechtigen würde, so dass sie gestützt auf Art. 63 Abs. 3 EGzZGB von einer Gebührenerhebung abgesehen hat. Da die- se Bestimmung praxisgemäss auch im Beschwerdeverfahren anwendbar ist (vgl. Verfügung der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden ZK1 13 65 vom 6. August 2013 E. 6 sowie auch die Marginalie zu Art. 61 ff. EGzZGB), wird angesichts der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin auch für das Be- schwerdeverfahren auf eine Gerichtsgebühr verzichtet. b) Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin mit Entscheid vom 24. April 2014 die unentgeltliche Rechtspflege (URP) gewährt und Rechtsanwalt Andri Hotz als Rechtsbeistand eingesetzt (vgl. KESB act. 265). Mit Eingabe vom 5. Mai 2014 hat Rechtsanwalt Andri Hotz im Auftrag der Beschwerdeführerin auch für das Be- schwerdeverfahren um unentgeltliche Rechtspflege ersucht (vgl. act. A.1). Dieses Gesuch wurde mit separatem Entscheid vom 19. Mai 2014 gutgeheissen, so dass im vorliegenden Verfahren die angemessene Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsvertreters festzulegen ist (Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO). Vorbehalten bleibt die Rückforderung durch den Kostenträger im Sinne von Art. 123 ZPO. Mit seiner an- lässlich der Hauptverhandlung eingereichten Honorarnote macht Rechtsanwalt Andri Hotz einen Aufwand von 6.75 Stunden geltend, was bei einem Stundenan-Seite 18 — 19 satz von CHF 200.-- ein Honorar nach Zeitaufwand von CHF 1'404.-- (inkl. Spe- sen) ergibt und unter Berücksichtigung des notwendigen Aufwands als angemes- sen erscheint.Seite 19 — 19 III. Demnach wird erkannt: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens in Höhe von CHF 1'500.-- gehen zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsvertreters wird auf CHF 1'404.-- zuzüglich 8% Mehrwertsteuer, insgesamt somit CHF 1'516.30, festgesetzt. Unter Vorbehalt der Nachzahlung gemäss Art. 123 ZPO wer- den diese Kosten aus der Gerichtskasse bezahlt. 4. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 72 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) Beschwerde in Zivilsachen an das Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, geführt werden. Die Beschwerde ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzu- reichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Vor- aussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 72 ff. und Art. 90 ff. BGG. 5. Mitteilung an: