%FILENAMEK% 1. Abteilung A1 2017 6 Kantonsrichterin lic.iur. D. Panico Peyer , Abteilungspräsidentin Kantonsrichter lic.iur. St. Szabó Kantonsrichter lic.iur. Ph. Sialm Gerichtsschreiberin MLaw T. Lötscher Entscheid vom 25. August 2021 in Sachen A.________, vertreten durch RA MLaw B.________, Kläger, gegen C.________, vertreten durch RA lic.iur. D.________, Beklagte, betreffend Ehescheidung Seite 2/46 Rechtsbegehren Kläger 1. Es sei die am tt.mm.2006 vor dem Zivilstandsamt E.________ geschlossene Ehe der Par- teien zu scheiden. 2. Die beiden gemeinsamen Kinder F.________, geb. tt.mm.2006, und G.________, geb. tt.mm.2009, seien unter die gemeinsame elterliche Sorge zu stellen. 3.1 Die beiden gemeinsamen Kinder F.________, geb. tt.mm.2006, und G.________, geb. tt.mm.2009, seien unter die alternierende Obhut zu stellen. Der Kläger sei für berechtigt zu erklären , die Kinder wie folgt zu betreuen: - Jedes Wochenende von Freitag 18.00 U hr bis Montag 08.00 Uhr in den Monaten Dezem- ber bis und mit März. - Jedes zweite Wochenende von Freitag 18.00 Uhr bis Montag 08.00 Uhr in den Monaten April bis und mit November. - Jeden Donnerstag ab 08.00 Uhr bis 20.00 Uhr in der schulfreien Zeit. Der Kläge r sei hier- bei für berechtigt zu erklären, die Kinder tagsüber durch seine Eltern (Grosseltern der Kinder) betreuen zu lassen. - In der 1. Woche der Sportferien, der 1. bis und mit 3. Woche der Sommerferien sowie der 1. Woche Herbstferien. Ferien sollen jewei ls am Freitagabend um 18.00 Uhr beginnen und am Sonntag 18.00 Uhr (der letzten Woche) enden. - Vom 25. Dezember 12.00 Uhr bis und mit 1. Januar um 18.00 Uhr. - In den ungeraden Jahren an Ostern von Gründonnerstag 18.00 Uhr bis Ostermontag 20.00 Uhr. - An den übrigen Feiertagen am Wohnsitz der Kinder, sofern diese auf eine ungerade Wo- che fallen. 3.2 Eventualiter seien die beiden gemeinsamen Kinder F.________, geb. tt.mm.2006, und G.________, geb. tt.mm.2009, unter die alleinige Obhut der Beklagten zu stellen. D er Kläger sei für berechtigt zu erklären , die Kinder wie folgt zu betreuen: - Jedes Wochenende von Freitag 18.00 Uhr bis Montag 08.00 Uhr in den Monaten Dezem- ber bis und mit März. - Jedes zweite Wochenende von Freitag 18.00 Uhr bis Montag 08.00 Uhr in den M onaten April bis und mit November. - Jeden Donnerstag ab 08.00 Uhr bis 20.00 Uhr in der schulfreien Zeit. Der Kläger sei hier- bei für berechtigt zu erklären, die Kinder tagsüber durch seine Eltern (Grosseltern der Kinder) betreuen zu lassen. - In der 1. Woche der Sportferien, der 1. bis und mit 3. Woche der Sommerferien sowie der 1. Woche Herbstferien. Ferien sollen jeweils am Freitagabend um 18.00 Uhr beginnen und am Sonntag 18.00 Uhr (der letzten Woche) enden. - Vom 25. Dezember 12.00 Uhr bis und mit 1. Januar um 18.00 Uhr. - In den ungeraden Jahren an Ostern von Gründonnerstag 18.00 Uhr bis Ostermontag 20.00 Uhr. - An den übrigen Feiertagen am Wohnsitz der Kinder, sofern diese auf eine ungerade Wo- che fallen. 4. Die Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB für die gemeinsamen Kinder F.________ und G.________ sei zu belassen. Seite 3/46 5.1 Es sei der Kläger zu verpflichten, an die Kosten des Barbedarfs des gemeinsamen Kindes F.________ einen monatlichen indexierten Unterhaltsbeitrag in der Höhe von maximal CHF 705.45 (zahlbar jeweils im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats) bis zum Abschluss einer ersten ordentlichen Ausbildung zu bezahlen. Es sei der Kläger zu verpflichten, an die Kosten des Barbedarfs des gemeinsamen Kindes G.________ einen monatlichen indexierten Unterhaltsbeitrag in der Höhe von maximal CHF 705.45 (zahlbar jeweils im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats) bis zum Ab - schluss einer ersten ordentlichen Ausbildung zu bezahlen. 5.2 Es sei festzustellen, dass kein B etreuungsunterhalt geschuldet ist. 5.3 Weiter sei festzustellen, dass die Parteien ausserordentliche Kinderkosten (bspw. Arztrech - nungen, Zahnarzt, Brille etc.) von mehr als CHF 200.00 pro Rechnung jeweils hälftig tragen. Voraussetzung für die hälftige Kostentragung sei, dass sich die Parteien vorgängig über die ausserordentliche Ausgabe geeinigt haben. Kommt keine Einigung zustande, so soll der ver - anlassende Elternteil die entsprechende Ausgabe einstweilen allein tragen; die gerichtliche Geltendmach ung der Kostenbeteiligung bleibt vorbehalten. 6. Es sei festzustellen, dass kein nachehelicher Unterhalt an die Beklagte geschuldet ist. 7. Das Pensionskassenguthaben sei gestützt auf Art. 122 ZGB festzustellen und hälftig zu teilen. 8. Die Erziehungs gutschriften der AHV seien den Parteien je hälftig anzurechnen. 9. Die Beklagte habe dem Kläger CHF 9'000.00 nebst 5 % Zins seit dem 1. Juli 2009 zurück zu- erstatten. Im Übrigen sei festzustellen, dass die Parteien güterrechtlich auseinandergesetzt sind . 10. Es seien die Akten des vorsorglichen Massnahmenverfahrens ES 2019 410 beizuziehen. 11. Unter Kosten - und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten (zzgl. MWST). Beklagte 1. Die am tt.mm.2006 vor dem Zivilstandsamt in E.________ geschlossene Ehe de r Parteien sei gestützt auf Art. 114 ZGB zu scheiden. 2. Die gemeinsamen Söhne F.________ (geb. tt.mm.2006) und G.________ (geb. tt.mm.2009) seien unter die elterliche Sorge der Beklagten zu stellen , eventualiter unter die gemeinsame elterliche Sorge der Par teien. 3. Die Obhut über die beiden Kinder sei der Beklagten zuzuteilen. Die beiden Söhne sollen wei- terhin bei der Beklagten wohnen. 4. Der Kläger sei zu berechtigen und zu verpflichten, F.________ und G.________ auf eigene Kosten und ohne Abzug an den von ihm zu leistenden Unterhaltsbeiträgen jeweils wie folgt zu sich auf Besuch zu nehmen: - an jedem zweiten Wochenende (ungerade Wochen) von Freitag 18.00 Uhr bis Sonntag 18.00 Uhr; - Erste Fasnachtsferienwoche jeweils von Freitag (Woche vor dem schmutzigen Donner s- tag) 18.00 Uhr, bis Samstag (nach dem schmutzigen Donnerstag), 18.00 Uhr; - Die ersten zwei Sommerferienwochen jeweils von Sonntag, 18.00 Uhr (Sonntag der letz- ten Schulwoche), bis Sonntag, 18.00 Uhr (Sonntag der zweiten Schulferienwoche); - Die erste Herbstf erienwoche jeweils von Freitag (letzte Schulwoche), 18.00 Uhr, bis Samstag (erste Ferienwoche), 18.00 Uhr; - Über Weihnachten jeweils vom 25. Dezember, 14.00 Uhr, bis 1. Januar, 18.00 Uhr ; Seite 4/46 - In den Jahren mit einer ungeraden Jahreszahl jeweils von Karfreitag, 10.00 Uhr bis Os- termontag, 18.00 Uhr. In den Jahren mit gerader Jahreszahl betreut die Beklagte die Kin- der über Ostern; - An den übrigen Feiertagen am Wohnsitz der Kinder, sofern diese auf eine gerade Woche fallen. Anders lautende und im gegenseitigen Einverständnis getroffene Vereinbarungen der Par- teien, die auch im Einverständnis mit F.________ und G.________ und unter Berücksichti- gung des Kindeswohls getroffen werden, bleiben vorbehalte n. 5. Die bestehende Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB für die Kinder F.________ und G.________ sei unverändert zu belassen. 6. Der Kläger habe der Beklagten ab Rechtskraft des Scheidungsurteils an den Unterhalt des gemeinsamen Sohnes F.________ monatlich vorauszahlbare und ab Verfall zu 5 % verzinsli- che Beiträge an den Barunterhalt in der Höhe von mindestens CHF 1'331.00 bis 30. Novem- ber 2021, anschliessend mindestens CHF 1'463.00 bis zum Abschluss einer angemessenen Erstausbildung zu bezahlen. An den Betreuungsunterhalt von Sohn F.________ habe der Kläger der Beklagten ab Rechtskraft des Scheidungsurteils monatlich vorauszahlbare und ab Verfall zu 5 % verzinsli- che Beiträge in mindestens folgender Höhe zu bezahlen: Bis und mit 30. November 2021: CHF 765.00, ab 1. Dezember 2021 bis und mit 30. April 2022: CHF 600.00. Der Kläger sei zu verpflichten, sich an den ausserordentlichen Kosten von F.________ inklu- sive Musikinstrument, Sportkurse, Sportausrüstung, Brillen, Privatschulen, Kosten von Ope- rationen, Zahnkorrekturen usw. zur Hälfte zu beteiligen, soweit nicht Dritte für die Kosten auf- kommen. Der Kläger habe der Beklagten ab Rechtskraft des Scheidungsurteils an den Unterhalt des gemeinsamen Sohn es G.________ vorauszahlbare und ab Verfall zu 5 % verzinsliche Bei- träge an den Barunterhalt in der Höhe von CHF 1'331.00, ab 1. Dezember 2021 in der Höhe von CHF 1'463.00, ab 1. Dezember 2025 bis zum Abschluss einer angemessenen Erstaus- bildung in der Höhe von mindestens CHF 1'663.00 zu bezahlen. An den Betre uungsunterhalt von Sohn G.________ habe der Kläger ab Rechtskraft des Scheidungsurteils monatlich vorauszahlbare und ab Verfall zu 5 % verzinsliche Beiträge in mindestens folgender Höhe zu bezahlen: Bis und mit 30. November 2021: CHF 1'275.00, ab 1. Dezember 2021 bis und mit 30. April 2022: CHF 600.00, ab 1. Mai 2022 bis und mit 30. November 2025: CHF 1'200.00. Der Kläger sei zu verpflichten, sich an den ausserordentlichen Kosten von G.________ inklu- sive Musikinstrument, Sportkurse, Sportausrüstung, Brillen, Privatschulen, Kosten von Ope- rationen, Zahnkorrekturen usw. zur Hälfte zu beteiligen, soweit nicht Dritte für die Kosten auf- kommen. 7. Der Kläger habe der Beklagten persönlich einen monatlichen , vorauszahlbaren und ab Ver- fall zu 5 % verzinslichen nachehelichen Unterhaltsbeitrag wie folgt zu bezahlen: - Ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis und mit 30. November 2021 CHF 756.00 pro Monat, eventualiter CHF 1'500.00; - Ab 1. Dezember 2021 bis 30. November 2025 monatlich CHF 1'120.00, eventualiter CHF 1'500.00; - Ab 1. Dezember 2025 bis zum Abschluss der Erstausbildung von Sohn G.________ CHF 920.00, eventualiter CHF 1'500.00; - Und nach Abschluss der Erstausbildung von G.________ bis zur ordentlichen Pen sionie- rung des Klägers den Betrag von monatlich CHF 1'500.00, eventualiter CHF 1'800.00. Seite 5/46 8. Die Unterhaltsbeiträge gemäss Antrag Ziffer 6 und 7 seien mit einer gerichtsüblichen Index- klausel zu versehen. 9. Allfällige während der Ehe geäufnete Austrittsleistunge n der beruflichen Vorsorge der Par- teien seien nach Art. 122 ZGB hälftig zu teilen. 10. Die Erziehungsgutschriften nach Art. 52fbis Abs. 2 AHVV seien zu 100 % der Beklagten anzu- rechnen. 11. Die Parteien seien als güterrechtlich auseinandergesetzt zu betrachten. 12. Abweichende Anträge des Klägers seien abzuweisen. 13. Unter Kosten - und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Klägers. Sachverhalt 1. C.________ (nachfolgend: Beklagte) und A.________ (nachfolgend: Kläger) heirateten am tt.mm.2006 in E.________. Sie haben zwei gemeinsame Söhne, F.________, geb. tt.mm.2006, und G.________, geb. tt.mm.2009. Der Kläger hat ausserdem einen aus- serehelichen Sohn, H.________, geb. tt.mm.2018 . 2. Am 10. Januar 2013 beantragte die Beklagte beim Bezirksgericht Luzern die A nordnung von Eheschutzmassnahmen. Mit Eheschutzentscheid vom 11. Juni 2013 (Verfahren 2C1 13 2 und 2E1 13 3) wurde festgestellt, dass die Parteien berechtigt sind, den gemeinsamen Haus- halt aufzuheben und seit dem tt.mm.2012 getrennt leben, wobei die ehelic he Wohnung dem Kläger für die Dauer des Getrenntlebens zugewiesen wurde. F.________ und G.________ wurden unter die Obhut der Beklagten gestellt und der Kläger verpflichtet, der Beklagten an den Unterhalt von F.________ und G.________ monatliche Unterhalts beiträge von je CHF 920.00 und an den persönlichen Unterhalt der Beklagten einen monatlichen Unterhalts- beitrag von CHF 1'420.00 zu bezahlen. Der Kläger legte am 24. Juni 2013 gegen den Entscheid des Bezirksgerichts Luzern vom 11. Juni 2013 Berufung beim K antonsgericht Luzern ein. Mit Urteil vom 27. August 2013 (Verfahren 3B 13 46) hiess das Kantonsgericht Luzern die Berufung des Klägers teilweise gut und änderte den Rechtsspruch Ziff. 6 des Entscheids des Bezirksgerichts Luzern vom 11. Juni 2013 dahingehen d ab, als dass der Kläger verpflichtet wurde, der Beklagten einen persönlichen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 1'000.00 zu bezahlen. Im Übrigen wurde der Entscheid des Bezirksgerichts Luzern vom 11. Juni 2013 bestätigt. 3. Mit Gesuch vom 14. August 2015 beantragte der Kläger, die Obhut für F.________ und G.________ sei neu ihm zuzuteilen und die Beklagte sei zu verpflichten, ihm an den Unter- halt der Kinder monatlich je CHF 500.00 zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen. Mit Ents cheid vom 15. Dezember 2015 wies das Bezirksgericht Luzern die Anträge des Klägers ab (Verfah- ren 2C1 15 60). Gegen diesen Entscheid erhob der Kläger am 4. Januar 2016 Berufung beim Kantonsgericht Luzern und erneuerte die vor Bezirksgericht gestellten Recht sbegehren. Mit Entscheid vom 23. September 2016 (Verfahren 3B 16 1) wurde die Berufung abgewiesen. 4. Am 24. Januar 2017 macht e der Kläger das Scheidungsverfahren vor dem Kantonsgericht Zug anhängig (act. 1). Seite 6/46 5. Mit Schreiben vom 27. Januar 2017 wurden die P arteien aufgefordert, im Hinblick auf die Ei- nigungsverhandlung verschiedene Belege einzureichen (act. 4; act. 5). 6. Mit Eingabe vom 2. Mai 2017 reichte die Beklagte eine schriftliche Stellungnahme zur Klage ein (act. 15; act. 17/1). 7. Am 18. Mai 2017 fand die Einigungsverhandlung statt , wobei eine Einigung über die Neben- folgen der Ehescheidung nicht herbeigeführt werden konnte. Dem Kläger wurde Frist zur Be- gründung der Scheidungsklage angesetzt (act. 24; act. 25). 8. Die Kinder F.________ und G.________ wurden vom Referenten des Kantonsgerichts Zug am 31. Mai 2017 persönlich angehört (act. 27). 9. Mit Eingabe vom 14. Juli 2017 reichte der Kläger die schriftliche Begründung der Schei- dungsklage ein (act. 30). Die Klageantwort wurde von der Beklagten am 6. Oktober 2017 ein- gereicht (act. 34). 10. Am 30. November 2017 wurde vom Kläger die Replik (act. 38) und am 25. Januar 2018 von der Beklagten die Duplik (act. 42) eingereicht. 11. Die Parteien wurden vom Referenten des Kantonsgerichts Zug am 19. April 2018 persönlich befragt (act. 47). 12. Im Nachgang zur Parteibefragung unterbreitete der Referent den Parteien mit Schreiben vom 5. Oktober 2018 einen schriftlichen Vergleichsvorschlag (act. 50). Der Vergleich kam nicht zustande (act. 51; act. 54). 13. Auf die vom Kläger am 19. November 2018 eingereichte Noveneingabe (act. 54) nahm die Beklagte mit Eingabe vom 3. Dezember 2018 Stellung (act. 57). 14. Mit Eingabe vom 11. April 2019 machte die Beklagte im Rahmen vorsorglicher Massnahmen für die Dauer des Scheidungsprozesses einen Proz esskostenvorschuss in der Höhe von CHF 15'200.00 geltend. Eventualiter beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und RA lic.iur. D.________ als unentgeltliche Rechtsbeiständin (act. 1 im Ver- fahren ES 2019 238). Zudem ersuchte sie mit separater Eingabe vom 11. April 2019 um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege. Mit Entscheid des Einzelrichters des Kantonsge- richts Zug vom 15. April 2019 wurde das entsprechende Verfahren bis zum Vorliegen eines rechtskräfti gen Entscheids über den gestellten Antrag betreffend Prozesskostenvorschuss sistiert (UP 2019 72). Das Gesuch um Leistung eines Prozesskostenvorschusses wurde in der Folge mit Entscheid des Einzelrichters vom 12. Juli 2019 und dasjenige um unentgeltli- che Rechtspflege mit Entscheid vom 16. August 2019 abgewiesen. 15. Am 11. Juli 2019 machte die Beklagte ein weiteres Begehren um Erlass vorsorglicher Mass- nahmen für die Dauer des Scheidungsprozesses anhängig und stellte folgende Anträge: 1. Dem Gesuchsgegner sei d ie elterliche Sorge über F.________, geb. tt.mm.2006, und G.________, geb. tt.mm.2009, nach Art. 311 Abs. 1 ZGB zu entziehen. Seite 7/46 2. Die beiden Söhne, F.________ und G.________, seien unter die alleinige elterliche Sorge der Gesuchstellerin zu stellen. 3. Eventualiter sei dem Gesuchsgegner in Bezug auf alle schulischen Belange von F.________ und G.________ die elterliche Sorge zu entziehen. 4. Ziffer 1 bis 3 seien superprovisorisch anzuordnen. 5. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin einen Prozesskostenvor - schuss zur Deckung der Parteikosten für das Massnahmeverfahren in der Höhe von CHF 3'000.00 zu leisten. 6. Eventualiter sei der Gesuchstellerin die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihr die Unterzeichnende als unentgeltl iche Rechtsbeiständin beizugeben. 7. Unter Kosten - und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Gesuchsgegners. Die Anträge der Beklagten auf Erlass einer superprovisorischen Verfügung wurden mit Ent- scheid des Kantonsgerichts Zug vom 12. Juli 2019 und das Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen für die Dauer des Scheidungsprozesses mit Entscheid vom 28. August 2020 abgewiesen (vgl. act. 4 und act. 27 im Verfahren ES 2019 410). Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. 16. Gestützt auf die Eingabe der Beklagten vom 9. Oktober 2020 wurde der Kläger mit Entscheid vom 12. Oktober 2020 aufgefordert, Urkunden im Zusammenhang mit seiner neuen Anstel- lung als Projektleiter Bauherr/Bauherrenvertreter bei der I.________ einzureichen (act. 71; act. 72). Die Beklagte wurde mit Entscheid vom 23. Oktober 2020 ebenfalls aufgefordert, ak- tuelle Belege betreffend ihr Einkommen einzureichen (act. 74). 17. An der Hauptverhandlung vom 24. Februar 2021 präzisierten die Parteien ihre Rechtsbegeh- ren im eingangs genannten Sinn (act. 77; act. 77A; act. 77B). 18. Mit Entscheid vom 25. Februar 2021 wurden die Parteien sodann aufgefordert, die Jahres- lohnausweise für das Jahr 2020 sowie die Belege der Vorsorgeeinrichtung (Pensionskasse) über die während der Ehe bis zum Zeitpunkt der Einleitung des Sch eidungsverfahrens erwor- benen Ansprüche aus der beruflichen Vorsorge, inkl. Durchführbarkeitserklärung , einzu- reichen (act. 78). Erwägungen 1.1 Der Kläger hat seinen Wohnsitz im Kanton Zug. Gemäss Art. 23 Abs. 1 ZPO ist für eherecht- liche Klagen das Geric ht am Wohnsitz einer Partei zwingend zuständig. Das Kantonsgericht ist daher in örtlicher und gestützt auf § 27 Abs. 1 GOG und Art. 198 lit. c ZPO auch in sachli- cher und funktioneller Hinsicht zur Beurteilung der vorliegenden Scheidungsklage zuständig. 1.2 Die Parteien haben ihre Rechtsbegehren zuletzt an der Hauptverhandlung geändert (act. 77; act. 77A; act. 77B). In formeller Hinsicht ist daher vorab zu prüfen, ob die Klageänderungen der Parteien an der Hauptverhandlung zulässig waren. 1.2.1 Vorliegend konnten sich die Parteien in einem doppelten Schriftenwechsel äussern. Damit ist grundsätzlich der Aktenschluss eingetreten (vgl. dazu auch BGE 140 III 312 E. 6.3.2 ff.). Streitigkeiten im Bereich des nachehelichen Unterhalts und der güterrechtl ichen Auseinan- dersetzung werden sodann von der Verhandlungsmaxime beherrscht (Art. 277 Abs. 1 ZPO; Seite 8/46 Urteil des Bundesgerichts 5A_621/2012 vom 20. März 2013 E. 4.3.1). Gilt die Verhandlungs- maxime, ist eine Klageänderung nach Art. 230 ZPO nur noch zulässig, w enn die Vorausset- zungen nach Art. 227 Abs. 1 ZPO gegeben sind (lit. a) und sie auf neuen Tatsachen oder Be- weismitteln beruht (lit. b). 1.2.2 In der Duplik beantragte die Beklagte, der Kläger sei zu verpflichten, ihr einen persönlichen monatlichen, vorauszahlbaren und ab Verfall zu 5 % verzinslichen nachehelichen Unterhalts- beitrag wie folgt zu bezahlen: Bis Ende November 2019 CHF 880.00, ab Deze mber 2019 bis und mit 30. November 2021 CHF 756.00, ab 1. Dezember 2021 bis 30. November 2025 CHF 1'120.00, ab 1. Dezember 2025 bis zum Abschluss der Erstausbildung von Sohn G.________ CHF 920.00 und nach Abschluss der Erstausbildung von G.________ bis zur ordentlichen Pensionierung des Klägers den Betrag von monatlich CHF 1'500.00 (act. 42). An der Hauptverhandlung beantragte sie davon abweichend, der Kläger habe ihr einen per- sönlichen monatlichen, vorauszahlbaren und ab Verfall zu 5 % verzinslichen nacheh elichen Unterhaltsbeitrag wie folgt zu bezahlen: Ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis und mit 30. November 2021 CHF 756.00 pro Monat, eventualiter CHF 1'500.00, ab 1. Dezember 2021 bis 30. November 2025 monatlich CHF 1'120.00, eventualiter CHF 1'500.00 , ab 1. Dezember 2025 bis zum Abschluss der Erstausbildung von Sohn G.________ CHF 920.00 pro Monat, eventualiter CHF 1'500.00 und nach Abschluss der Erstausbildung von G.________ bis zur ordentlichen Pensionierung des Klägers den Betrag von monatlich CHF 1'500.00, eventuali- ter CHF 1'800.00 (act. 77B). Durch dieses im ersten Parteivortrag an der Hauptverhandlung gestellte neue Rechtsbegeh- ren hat die Beklagte ihre ursprüngliche Klage geändert, wobei es sich bei der Änderung der nachehelichen Unterhaltsford erung um eine Klageänderung in Form einer Klageerweiterung handelt, welche erst nach der Duplik und somit nach Aktenschluss erfolgt ist. Da sich jedoch aus den nach der Parteibefragung und Instruktionsverhandlung verlangten Editionen, mithin aus dem vom Kläger eingereichten neuen Arbeitsvertrag und den Lohnabrechnungen, neue Tatsachen zur Unterhaltsberechnung ergaben, ist die Änderung der nachehelichen Unter- haltsforderung im ersten Parteivortrag der Hauptverhandlung zulässig. 1.2.3 Die von den Parteien vo rgenommenen Änderungen im Bereich der Kindesunterhaltsbeiträge sind ebenfalls nicht zu beanstanden, denn nach Art. 296 ZPO gelten bezüglich der Kinderbe- lange in familienrechtlichen Angelegenheiten der Untersuchungs - und Offizialgrundsatz. Das Gericht hat d en Sachverhalt mithin von Amtes wegen abzuklären und berücksichtigt neue Tatsachen und Beweismittel gemäss Art. 229 Abs. 3 ZPO bis zur Urteilsberatung, weshalb die Erschwernis der Novenschranke nach Art. 230 Abs. 1 lit. b ZPO bei der Frage der Zuläs- sigkeit der Klageänderung keine Bedeutung hat (Willisegger, Basler Kommentar, 3. A. 2017, Art. 230 ZPO N 19). 2. Beide Parteien beantragen die Scheidung ihrer am tt.mm.2006 vor dem Zivilstandsamt E.________ geschlossenen Ehe. Die Ehe ist demnach antragsgemäss z u scheiden. 3. Nachfolgend ist über die Nebenfolgen der Scheidung, vorab über die elterliche Sorge, die Obhut sowie das Besuchs - und Ferienrecht betreffend die beiden Kinder F.________ und G.________ zu befinden. Seite 9/46 Während die Beklagte die alleinige elterli che Sorge für F.________ und G.________ bean- tragt (act. 77B), verlangt der Kläger, dass die elterliche Sorge für F.________ und G.________ bei beiden Elternteilen zu belassen sei (act. 77A). 3.1 Bei der elterlichen Sorge handelt es sich um ein sog. Pflichtrecht (BGE 142 III 1 E. 3.4 und E. 3.5). Es beinhaltet das Recht und die Pflicht der Eltern, die Pflege und Erziehung des Kin- des zu leiten und die nötigen Entscheidungen zu treffen (Art. 301 Abs. 1 ZGB). Leben die ge- meinsam sorgeberechtigten Eltern nicht in einem gemeinsamen Haushalt, kann derjenige El- ternteil, der das Kind betreut, allein entscheiden, wenn die Angelegenheit alltäglich oder dringlich oder der andere Elternteil nicht mit vernünftigem Aufwand zu erreichen ist (Art. 301 Abs. 1bis ZGB). Hierunter fällt namentlich die Befugnis zur täglichen Betreuung des Kindes und die Ausübung der Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit seiner Pflege und laufen- den Erziehung (vgl. auch BGE 142 III 612 E. 4.1). Der nicht betreuende Elternteil hat im Um- kehrschluss ein Mitbestimmungsrecht in allen Entscheiden, welche nicht die Alltagsgestal- tung betreffen. Dabei ist beispielsweise zu denken an die Namensgebung (vgl. Art. 301 Abs. 4 ZGB), die allgemeine und berufliche Bildung (vgl. Art. 302 ZGB), die Wahl der r eligiö- sen Erziehung (vgl. Art. 303 ZGB), an medizinische Eingriffe und andere entscheidende bzw. das Leben des Kindes prägende Weichenstellungen wie beispielsweise die Ausübung von Hochleistungssport oder der Wechsel der Schule (Urteil des Bundesgerichts 5 A_465/2017 vom 26. Oktober 2017 E. 5.1.2). Ebenfalls Ausfluss der elterlichen Sorge ist die gesetzliche Vertretungsmacht des Kindes gemäss Art. 304 ZGB (Schwenzer/Cottier, Basler Kommentar, 6. A. 2018, Art. 304/305 ZGB N 1). Gemäss Art. 296 Abs. 2 ZGB ste hen die Kinder, solange sie minderjährig sind, unter der ge- meinsamen elterlichen Sorge von Vater und Mutter. In einem Scheidungs - oder Eheschutz- verfahren überträgt das Gericht einem Elternteil die alleinige Sorge, wenn dies zur Wahrung des Kindeswohls nöti g ist (Art. 298 Abs. 1 ZGB). Nach der gesetzlichen Konzeption ist die gemeinsame elterliche Sorge aber der Regelfall, von dem nur in eng begrenzten Ausnahme- fällen zur Wahrung des Kindeswohls abgewichen werden darf. Nach der Rechtsprechung kann ein Ausnahme grund insbesondere ein schwerwiegender elterlicher Dauerkonflikt oder eine anhaltende Kommunikationsunfähigkeit sein. Auch in solchen Fällen kommt eine Allein- zuteilung des elterlichen Sorgerechts jedoch nur in Frage, wenn sich die zwischen den Eltern bestehenden Probleme auf die Kinderbelange als Ganzes beziehen und das Kindeswohl konkret beeinträchtigen. Erforderlich ist die konkrete Feststellung, in welcher Hinsicht das Kindeswohl beeinträchtigt ist. Schliesslich ist eine Abweichung vom Grundsatz der geme in- samen elterlichen Sorge nur dort am Platz, wo Aussicht darauf besteht, mit der Zuteilung der Sorge an einen Elternteil allein eine Entlastung der Situation herbeizuführen (BGE 142 III 1 E. 3.3; 141 III 472 E. 4.6 f.; vgl. auch das Urteil 5A_81/2016 vom 2 . Mai 2016 E. 5 mit vielen Hinweisen auf die bisherige Rechtsprechung). Damit ist zwangsläufig eine Prognose darüber verbunden, wie sich das Verhältnis zwischen den Eltern entwickeln wird. Dieser Wahrschein- lichkeitsaussage über die künftige Entwicklung müs sen konkrete Anhaltspunkte zugrunde lie- gen, die aktenmässig erstellt sind. Mit anderen Worten muss aufgrund einer tatsachenbasier- ten Sachverhaltsprognose geprüft werden, ob das gemeinsame Sorgerecht eine erhebliche Beeinträchtigung des Kindeswohls befürcht en lässt. Damit trägt die Rechtsprechung dem Willen des Gesetzgebers Rechnung, wonach die Alleinsorge nicht schon dort ausgesprochen werden darf, wo sie dem Kindeswohl am besten gerecht würde (Urteil 5A_903/2016 vom 17. Mai 2017 E. 4.1 mit Hinweisen). Seite 10/46 Auch ohne Vorliegen eines Elternkonfliktes ist die gemeinsame elterliche Sorge nach der Rechtsprechung dort zu verweigern, wo ein Elternteil weder Zugang zu aktuellen Informatio- nen über das Kind noch persönlichen Kontakt zum Kind hat. Denn seine Verantwortung für das Kind kann nur sinnvoll wahrnehmen, wer dessen Bedürfnisse kennt. Ein Elternteil, der dauerhaft über keinen irgendwie gearteten Zugang zum Kind verfügt, kann keine Entschei- dungen zum Wohl des Kindes treffen, auch nicht in gemeinsamer Sorge (BGE 142 III 197 E. 3.5; Urteil 5A_214/2017 vom 14. Dezember 2017 E. 4.3). Allein die geographische Distanz zwischen den Eltern ist aber freilich noch kein Grund zur Annahme, dass eine gemeinsame Ausübung des Sorgerechts nicht in Frage kommt und im Sinne einer Aus nahme vom Grund- satz einem Elternteil die Alleinsorge zuzuweisen wäre (BGE 142 III 56 E. 3). Bei alledem gilt es zu beachten, dass das Gericht im Streit um Kinderbelange in familien- rechtlichen Angelegenheiten den Sachverhalt von Amtes wegen erforscht und o hne Bindung an die Parteianträge entscheidet (Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO). Entsprechend hat das Gericht im Streit um die elterliche Sorge von Amtes wegen zu prüfen, ob die gemeinsame Ausübung des Sorgerechts beibehalten werden kann, und zwar auch dann, wenn die Eltern je für sich die alleinige elterliche Sorge beantragen. Dass die Streitparteien in einem Scheidungspro- zess bezüglich der elterlichen Sorge gegenteilige Rechtsbegehren stellen bzw. in erster Linie die alleinige elterliche Sorge für sich beantrage n, kann in einem kontradiktorischen Gerichts- verfahren kaum überraschen und ist daher für sich allein genommen auch noch kein Grund, von einer Beibehaltung der gemeinsamen elterlichen Sorge abzusehen (Urteil 5A_412/2015 vom 26. November 2015 E. 7.2; zum Gan zen: Urteil des Bundesgerichts 5A_106/2019 vom 16. März 2020 E. 5.4). 3.2 Die Beklagte stellt sich auf den Standpunkt, die Zuteilung der alleinigen elterlichen Sorge würde zu einer Beruhigung des Dauerkonflikts zwischen den Parteien führen und somit auch eine positive Auswirkung auf das Kind eswohl haben. Basis für die gemeinsame elterliche Sorge sei ein Mindestmass an sozialer Beziehung zwischen den Eltern und eine minimale Kooperationsfähigkeit, damit in zentralen Fragen der Kinderbelange eine Übereinstimmung gefunden werden könne. Der Kläger stelle sich aber bei jeder kleineren oder grösseren Ent- scheidung betreffend die beiden gemeinsamen Kinder quer. Wenn sie eine Option vor- schlage, sei für den Kläger selbstverständlich, dass er die gegenteilige Meinung vert rete. Eine Kooperationsbereitschaft betreffend Kinderbelange sei auf Seiten des Klägers nicht vor- handen. Sie sei deshalb seit Jahren darauf angewiesen, bei Entscheidungen die Beiständin oder die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) zu involvieren. Der Einbezug der Behörden habe jedoch in der Vergangenheit ebenfalls zu Konflikten geführt. Es sei diesbe- züglich an den Vorfall zu erinnern, bei welchem der Kläger anlässlich eines Besuchs in der Projektklasse seines Sohnes die Beiständin körperlich und ver bal attackiert habe. Der Vorfall habe zu einer Strafanzeige gegen den Kläger sowie zu einem Beistandswechsel innerhalb der KESB geführt. Auch die neu eingesetzte Beiständin stosse bei ihrer Arbeit mit dem Klä- ger an ihre Grenzen. Der Kläger weigere sich reg elmässig, mit ihr zu sprechen , und wenn er sich dann doch überwinde, vergreife er sich ihr gegenüber im Ton und werfe mit herablas- senden Äusserungen um sich. Anstatt mitzuarbeiten und seine Vorschläge betreffend Be- suchsregelung an die Beiständin zu schicke n, bezeichne er die Beiständin als politisch frau- enfreundliche Lügnerin (act. 77B S. 1 f.). Seite 11/46 Der Kläger schaffe es auch nicht , die Elternebene und die Paarebene auseinanderzuhalten. Er beziehe regelmässig die Kinder in den Konflikt der Parteien mit ein und instrumentalisiere die Kinder für seine Zwecke. Die Wünsche der Kinder würden beim Kläger nicht an erster Stelle kommen. Würden die Kinder einmal nicht zu ihrem Vater gehen wollen, würden sie vom Kläger per Telefon terrorisiert und mit Nachrichten wie "ich bin so enttäuscht von dir", "ich erwarte heute noch einen Anruf von Dir, sonst kannst du an Ostern dort bleiben wo du bist!" konfrontiert werden. Die manipulative, narzisstische Art des Klägers verursache bei den Kindern Schuldgefühle und führe zu einem Loyalitätskonflikt. Der Kläger schaffe es bis heute nicht, das Kindeswohl als oberste Maxime zu sehen und den Kindern zuliebe normal mit der Beklagten über notwendige Entscheidungen zu spreche n. Leiden die Kinder unter dem Dau- erkonflikt der Eltern und sei damit das Kindswohl gefährdet, was in casu eindeutig der Fall sei, könne die elterliche Sorge ausnahmsweise nur einem Elternteil zugewiesen werde n. Darüber hinaus habe der Kläger in den letzten Jahren regelmässig Arztzeugnisse einreichen lassen, die seine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit belegten. In der Therapiebestätigung vom 14. Oktober 2020 spreche der Arzt des Klägers von massiven psychosozialen Leiden , weswegen sich der Kläger seit 21. November 2019 in psychotherapeutischer Behandlung be- finde. Angesi chts dessen sei zu untersuchen, ob der Kindsvater aufgrund seiner medizini- schen und psychischen Beeinträchtigungen überhaupt dazu in der Lage sei, weiterhin die grosse Verantwortung zu tragen, sich um die beiden Kinder G.________ und F.________ zu sorgen und die gemeinsame elterliche Sorge auszuüben (act. 77B S. 2 f.). 3.3 Der Kläger entgegnet, die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge solle als ultima Ratio gelten und nicht, weil es für eine Partei einfacher wäre. Es liege sicherlich kein Fall vor, welcher als ultima Ratio eingestuft werden müsste. Die beiden Kinder G.________ und F.________ seien am 23. August 2019 im Massnahmenverfahren angehört worden. Die Befragung habe keinen Anlass gegeben, um von einer Kindswohlgefährdung durch den Kläger auszugehen. Die Kinder würden gerne zum Vater gehen. Konflikte auf Elternebene würden nicht genügen, um eine Alleinzuteilung der elterlichen Sorge gutzuheissen. Zur elterlichen Sorge w ürden Fragen betreffend Erziehung/Ausbildung, gesetzliche Vertretung, Verwaltung des Vermögens und Bestimmung des Aufenthaltsortes gehören. Es bestünden in diesen Belangen keine Dif- ferenzen der Ehegatten, welche eine Alleinzuteilung rechtfertigen würden. D ie Probleme wür- den mehrheitlich den Umgang der Parteien miteinander beschlagen ( act. 77 S. 3; act. 77A S. 6). Zu den ärztlichen Zeugnissen sei ferner festzuhalten, dass diese nichts mit der Erzie- hungsfähigkeit des Klägers zu tun hätten. Die Belastung durch die Verfahren sei einfach sehr gross und er habe sich Hilfe gesucht und sei nun wieder arbeitsfähig (act. 77 S. 3). 3.4 Es ist durch die Akten de s am Kantonsgericht Zug geführten Massnahme nverfahrens (Ver- fahren ES 2019 410), wie aber auch der im Kanton Luzer n vor verschiedenen Gerichtsinstan- zen geführten familienrechtlichen Verfahren erstellt, dass zwischen den Eltern schon seit Jahren ein Dauerkonflikt mit Blick auf die Kinderbelange, vor allem in erzieherischer und schulischer Hinsicht, besteht. Daran hat s ich in all den Jahren zwischen den Parteien denn auch nichts geändert. Daher wurde auch eine Beistandschaft über die beiden Söhne errich- tet, über deren Fortbestand nachfolgend in E. 7 Ausführungen gemacht werden . Wenn sich in diesem Zusammenhang die Zusamm enarbeit mit der Beiständin – wie von der Beklagten geltend gemacht – durch die Art des Klägers erschwert, bedeutet dies aber nicht, dass ihm deswegen die ihm von Gesetzes wegen ebenfalls zustehende elterliche Sorge (vgl. Art. 296 Abs. 2 ZGB) zu entziehen ist. Wie bereits im Entscheid des Massnahmenverfahren s ES 2019 Seite 12/46 410 ausgeführt wurde, ist Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der bestehenden Beistand- schaft nicht durch den Entzug der elterlichen Sorge zu begegnen, sondern es sind – sofern überhaupt notwend ig – Massnahmen in der Führung der Beistandschaft zu treffen. Es ist vorliegend zwar von einem Dauerkonflikt der Parteien auszugehen, welcher schon län- gere Zeit andauert , und es mag auch zutreffen, dass die Kommunikation zwischen den Par- teien schwierig ist; sie ist aber sicherlich nicht in der gebotenen Schärfe unmöglich. An der Parteibefragung im April 2018 führte die Beklagte denn auch noch aus, sie hätten seit fünf Jahren die geraden und die ungeraden Wochenenden , die fix seien. An den geraden Wo- chenenden seien die Kinder bei ihr und an den ungeraden beim Kläger. Zum Teil gebe es auch Änderungen . Dieses Jahr laufe es aber sehr gut. Sie seien auch schon sehr eingespielt bzgl. der Ferien. Für Fälle, in denen es ein Hin und Her gebe, hätten sie aber noch di e Be- suchsbeiständin, die noch begleiten würde, wenn es Fragen oder Unklarheiten gebe (act. 47 Ziff. 32). Rechtlich gelte immer noch der Eheschutzentscheid des Bezirksgerichts Luzern vom 11. Juni 2013. Diesen hätten sie aber ein bisschen ausgeweitet (act. 47 Ziff. 33). Der Kläger mache bezüglich der Kontakte zwischen den Kindern und den Elternteilen meistens einen Vorschlag und stelle diesen der Beklagten zu. Dann komme ein anderer Vorschlag zu- rück und es brauche dann ein paar Wochen, bis der Plan bereinigt sei und sie sich geeinigt hätten (act. 47 Ziff. 35 ff.). Der Kläger führte dazu auch aus, er glaube, die Parteien könnten das geteilte Sorgerecht und die geteilte Obhut gut miteinander managen (act. 47 Ziff. 2). Auf die Frage, ob Elterngespräche gemeinsam besucht würden, antwortete er, dass er ein biss- chen ausgegrenzt und auch nicht informiert worden sei. Es habe sich so ergeben. Es sei nun aber so, dass sie besser miteinander auskommen und die Beklagte den Kläger auch infor- mieren würde (act. 47 Ziff. 11). Die Beklagte bestätigte, dass sie ihm Informationen der Schule bezüglich Elterngespräche nicht weitergeleitet habe, als dieser nicht dabei gewesen sei. Der Kläger sei hinterher informiert worden, da es sehr schwierig gewesen sei, mit dem Kläger über Schult hemen zu sprechen. Sie hätten nun aber einen besseren Kontakt. Das fände sie sehr schön, auch für die Kinder (act. 47 Ziff. 15). Soweit aktenkundig , betrifft der Streit zwischen den Parteien mithin hauptsächlich den Anteil der Betreuung der gemeinsamen Sö hne F.________ und G.________ sowie schulische Be- lange. Weder aus den Akten noch den Ausführungen der Beklagten geht aber hervor, dass die Parteien relevante Konflikte hinsichtlich der im Rahmen der elterlichen Sorge zu treffen- den Entscheide bezüglich der Erziehung, der Vertretung, des Vermögens oder des Aufent- haltsortes von F.________ und G.________ gehabt hätten. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der Kläger auch bei einer Alleinzutei- lung der elterlichen Sorge und – konsequenterweise – der Obhut an die Beklagte gestützt auf Art. 273 ZGB ein Besuchs - bzw. Betreuungsr echt hätte, was die Beklagte auch anerkennt. So oder anders haben die Parteien als Eltern von F.________ und G.________ eine Lösung der Konflikte betreffend die Betreuung zu f inden, weshalb die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge an die Beklagte in dieser Hinsicht zu keiner Entschärfung des Elternkonflikts führen würde. Zu berücksichtigen ist zudem, dass sich die Kommunikation der Parteien betreffend F.________ und G.________ gemäss eigenen Ausführungen der Parteien an der Parteibe- fragung über die Jahre auch verbessert hat. Die Parteien bestätigten, dass die angeordnete Seite 13/46 Betreuungsregelung gelebt werde, ja sogar ausgeweitet worden sei. Im Rahmen ihres Plädo- yers an der Hauptve rhandlung nannte die Beklagte auch keine wesentlichen aktuellen Ereig- nisse oder Konflikte aus den Jahren 2020 und 2021 , welche die Parteien bezüglich der Be- lange von F.________ und G.________ erlebt hätten. Aus den von der Beklagten zitierten Arztzeugnis sen geht schliesslich auch nicht hervor, dass der Kläger ausserstande wäre, die elterliche Sorge pflichtgemäss auszuüben. Die Beklagte behauptete an der Hauptverhandlung im Februar 2021, dass sich der Kläger seit Ende 2019 in psychotherapeutischer Behandlu ng befinde, führte aber selbst aus, dass die Kinder jedes zweite Wochenende beim Kläger seien (act. 77B S. 3). Es ist mithin nicht davon auszugehen, dass der Kläger aufgrund seiner psychischen Angeschlagenheit seinen Erziehungspflichten als Vater nicht gewissenhaft nachkommen kann. Es wurden von der Beklagten sodann weder konkrete Behauptungen gemacht, noch sind aktenmässig konkrete Anhaltspunkte ersichtlich, wonach und weshalb der Kläger aufgrund seiner psychotherapeutische n Behandlung nicht in der Lage wäre, wesentliche Entscheidung en im Rahmen der elterlichen Sorge zu treffen. Es ist folglich nicht belegt, dass der Kläger aufgrund seiner psychischen Erkrankung nicht für die beiden Söhne sorgen könnte und seine Erkrankung die von ihm im Rahmen der elter lichen Sorge zu treffenden Entscheide betreffend die Erziehung, die Vertretung, das Vermögen oder den Aufenthaltsort von F.________ und G.________ beeinträchtigen würde. 3.5 Von einer schwerwiegenden dauerhaften und anhaltenden Kommunikationsunfähigkeit der Parteien kann nach dem Gesagten deshalb nicht gesprochen werden. Aufgrund der sodann über die Jahre hinweg gelebten Besuchs - und Betreuungsregelung lässt das gemeinsame Sorgerecht keine erhebliche Beeinträchtigung des Wohls von F.________ und G.________ befürchten. Die aus der Ehe der Parteien hervorgegangenen Söhne F.________ und G.________ sind somit mit Verweis auf die vorstehenden Ausführungen unter der gemeinsa- men elterlichen Sorge zu belassen. 4. Bei gemeinsamer elterlicher Sorge muss das mit dieser Frage befasste Gericht auf Begehren eines Elternteils oder des Kindes hin prüfen, ob eine alternierende Obhut möglich und mit dem Wohl des Kindes vereinbar ist (Art. 298b Abs. 3ter ZGB). Dabei hat es gestützt auf fest- gestellte Tatsachen der Gegenwart und der Vergangenheit eine sachverhaltsbasierte Prog- nose darüber zu stellen, ob die alternierende Obhut als Betreuungslösung aller Voraussicht nach dem Wohl des Kindes entspricht (BGE 142 III 612 E. 4.2 mit Hinweis; Urteil des Bun- desgerichts 5A_629/2019 vom 13. November 2020 E. 4.1). Die alternierende Obhut kommt grundsätzlich nur in Frage, wenn beide Eltern erziehungsfä- hig sind. Weiter ist dieses Betreuungsmodell nur praktisch u msetzbar, wenn die Eltern fähig und bereit sind, in Kinderbelangen laufend miteinander zu kommunizieren und im Hinblick auf die notwendigen organisatorischen Vorkehrungen zu kooperieren (BGE 142 III 617 E. 3.2.3 und E. 4.3). Die Kommunikation zwischen den Eltern kann auch bloss schriftlich er- folgen. Es steht einer alternierenden Obhut sodann nicht entgegen, wenn die Eltern zur ge- meinsamen Entscheidfindung über die Kinderbelange auf die Vermittlung einer Drittperson angewiesen sind (vgl. zur elterlichen Sorg e Urteile 5A_685/2019 vom 9. September 2019 E. 5; 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 2 und 5.5, nicht publ. in: BGE 141 III 472, aber in: FamPra.ch 2015 S. 961 ff. und 970). Ferner kann allein aus dem Umstand, dass ein El- ternteil sich einer Regelung mit ge teilter Betreuung widersetzt, nicht ohne weiteres Seite 14/46 geschlossen werden, die nötige Kooperation sei nicht gewährleistet. Unter diesem Aspekt ist von einer alternierenden Obhut nur abzusehen, wenn das Verhältnis unter den Eltern hin- sichtlich anderer Kinderbela nge von einer Feindseligkeit gezeichnet ist, die annehmen lässt, eine alternierende Obhut würde das Kind dem gravierenden Elternkonflikt in einer Weise aussetzen, die seinen Interessen offensichtlich zuwiderläuft. Weiter kommt es auf die geo- grafische Situa tion an, namentlich die Distanz zwischen den Wohnungen der beiden Eltern. Bedeutsam ist auch die Kindeswohlwirksamkeit der Stabilität, wie sie mit einer Weiterführung der bisherigen Regelung einhergeht. In diesem Sinne ist eine alternierende Obhut umso ehe r angezeigt, wenn die Eltern das Kind schon vor ihrer Trennung abwechselnd betreut haben. Andere Kriterien sind das Alter des Kindes, seine Beziehungen zu (tatsächlichen oder fakti- schen) Geschwistern und seine Einbettung in das weitere soziale Umfeld (BGE 142 III 617 E. 3.2.3 und E. 4.3; je mit Hinweisen). Die Möglichkeit der Eltern, das Kind persönlich zu be- treuen, spielt hauptsächlich dann eine Rolle, wenn spezifische Bedürfnisse des Kindes eine persönliche Betreuung notwendig erscheinen lassen oder wenn ein Elternteil selbst in den Randzeiten (morgens, abends und an den Wochenenden) nicht bzw. kaum zur Verfügung stünde; ansonsten ist von der Gleichwertigkeit von Eigen - und Fremdbetreuung auszugehen (vgl. BGE 144 III 481 E. 4.6.3 und E. 4.7). Beachtung ve rdient auch der Wunsch des Kindes, selbst wenn es bezüglich der Betreuungsregelung (noch) nicht urteilsfähig ist. Die Erzie- hungsfähigkeit beider Eltern ist in jedem Fall notwendige Voraussetzung einer alternierenden Obhut. Die weiteren Beurteilungskriterie n hängen oft voneinander ab; ihre jeweilige Bedeut- samkeit richtet sich nach den konkreten Umständen. So spielt das Kriterium der Stabilität bei Säuglingen und Kleinkindern eine wichtige Rolle. Geht es hingegen um Jugendliche, kommt der Zugehörigkeit zu ein em sozialen Umfeld grosse Bedeutung zu. Die Kooperationsfähigkeit der Eltern wiederum verdient besondere Beachtung, wenn das Kind schulpflichtig ist oder die Entfernung zwischen den Wohnorten der Eltern ein Mehr an Organisation erfordert (BGE 142 III 617 E. 3.2.3 und E. 4.3; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 5A_629/2019 vom 13. November 2020 E. 4.2). 4.1 Der Kläger beantragt die alternierende Obhut in Form eines ausgedehnten Besuchs- und Fe- rienrechts (act. 77A). Die Beklagte beantragt dagegen die alleinige Obhut über F.________ und G.________ (act. 77B). Zusammengefasst führt der Kläger aus, er wünsche sich die alternierende Obhut. Die Kinder seien mittlerweile im Teenageralter und es sei fraglich, wie sinnvoll starre Betreuungsrege- lungen in diesem Alter noch seien. Es sei auch festzuhalten, dass es sich vorliegend nicht um eine der gängigen Betreuungssituationen handle. Die Parteien hätten sich gemeinsam und im Interesse der Kinder darauf geeinigt, dass auf die Wünsche und Hobbies der Kinder bei deren Bet reuung Rücksicht zu nehmen sei. Die Kinder seien grosse Skifahrer und wür- den im Winter jeweils am Wochenende mit dem Vater Skifahren gehen. Gleichzeitig fahre insbesondere F.________ im Sommer sehr gerne und intensiv BMX. Dieses Hobby übe er mit seiner Mut ter aus. Dies führe dazu, dass die Kinder jeweils die Monate Dezember bis und mit März an den Wochenenden beim Vater verbracht hätten. Im Sommer seien die Kinder am Wochenende abwechselnd durch den Vater oder die Mutter betreut worden. Dazu kämen die jeweiligen Ferienbetreuung en und die verlängerten Betreuungswochenenden an den Feierta- gen. Weiter seien die Kinder auch massgeblich von den Grosseltern (Eltern des Klägers) be- treut worden. Die Grosseltern würden die Kinder jeweils am Donnerstag betreuen. In den letzten Jahren habe si ch gezeigt, dass über ein ganzes Jahr betrachtet die Betreuung der Seite 15/46 Parteien jeweils ungefähr gleich gross gewesen sei. Die Mehrbetreuung des Vaters im Win- ter werde im Sommer wieder korrigiert. Beim Betreuungsplan 2020 zeige sich deutlich, dass beide Parteien immer wieder Rücksicht auf die Wünsche der Kinder genommen hätten. Inso- fern beantrage der Kläger weiterhin die alternierende Obhut und ein auf den Wunsch der Kin- der und des bisher Gelebten abgestimmtes Betreuungsrecht (act. 77A S. 6 f.). Demgegenüber s tellt sich die Beklagte auf den Standpunkt, die Kinder würden bei ihr woh- nen und leben und jedes zweite Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend zum Klä- ger auf Besuch gehen. Dies gelte auch für die Wochenenden zwischen Dezember und März. Die Kinder wür den schon seit längerer Zeit nicht mehr jedes Wochenende in der Winter -Sai- son zum Kläger gehen. Dies auf eigenen Wunsch der Kinder, da sie auch gerne Wo chenen- den zu Hause verbringen würden. Die gelebte Konstellation sehe also so aus, dass die Kin- der jedes zweite Wochenende bei ihrem Vater seien. Die Parteien würden demnach keine alternierende Obhut praktizieren. Vielmehr habe die Beklagte die elterliche Obhut über G.________ und F.________ alleine inne, während der Kläger ein klassisches Besuchsrecht ausübe. Die Betreuung der Grosseltern stelle sodann eine Fremdbetreuung während der Be- treuungszeit de s Klägers dar. Er könne sich diese Zeit nicht als eigene Betreuungszeit an- rechnen lassen. Weiter komme es auch auf die geografische Situation an, namentlich die Distanz zwischen den Wohnungen der beiden Eltern. Die Beklagte wohne in J.________ und der Kläger in K.________. Das bedeute eine 30 -minütige Autofahrt oder aber eine Stunde Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Kläger habe bereits im Eheschutzve rfahren vergeblich versucht vorzubringen, dass er sich zu 50 % an der Kinderbetreuung beteilige. Er arbeite seit September 2020 in einem 100 % Pensum als technischer Fachspezialist bei der I.________. Bis heute habe der Kläger keinen Nachweis erbracht, das s er nebst seinem 100 % Pensum in der Lage sei, die beiden gemeinsamen Kinder zu betreuen oder dass seine Arbeits situation eine Pensums-Reduktion zulassen würde, falls das Gericht wider Er- warten die alternierende Obhut anordnen würde. Darüber hinaus wäre d er Schulweg von K.________ nach J.________ und am Abend wieder zurück eine unnötige und unzumutbare Belastung für die Kinder. Alsdann würden sie aus ihrem sozialen Umfeld gerissen und der Kläger könne nach wie vor nicht aufzeigen, wie er die Kinder über de n Mittag sowie am Nachmittag nach der Schule betreuen wolle. Zur Wahrung des Kindeswohls sei daher von der Anordnung einer alternierenden Obhut abzusehen, die Kinder unter die Obhut der Be- klagten zu stellen und dem Kläger ein Besuchsrecht im bisherigen Umf ang einzuräumen (act. 77 S. 2; act. 77B S. 3 ff.). 4.2 Gestützt auf die Akten, und insbesondere die abgenommenen Beweise, ist anhand der bun- desgerichtlichen Kriterien betreffend die Obhutszuteilung (Erziehungsfähigkeit, Kommunikati- onsfähigkeit, Kontinuität, Stabilität, geographische Situation etc.) zu prüfen, welche Betreu- ungsregelung dem vorliegenden Einzelfall angemessen ist. Im Zentrum steht dabei das Wohl von F.________ und G.________ und nicht die Interessen der Eltern bzw. gesellschaftspoliti- sche Überlegungen. 4.2.1 Unter den Kriterien, auf die es bei dieser Beurteilung ankommt, ist zunächst die Erziehungs- fähigkeit der Eltern hervorzuheben, und zwar in dem Sinne, dass die alternierende Obhut grundsätzlich nur dann in Frage kommt, wenn beide Eltern erziehungs fähig sind. Erziehungs- fähigkeit wird als die grundlegende Kompetenz eines Elternteils verstanden, die emotionalen und körperlichen Bedürfnisse seines Kindes zu erkennen, das Kind zu versorgen und zu Seite 16/46 betreuen sowie erzieherisch angemessen auf die kindlichen Bedürfnisse einzugehen. Dabei ist die Erziehungsfähigkeit gegeben, wenn der Elternteil in der Lage ist, die Grundbedürf- nisse des Kindes adäquat bzw. ausreichend zu erfüllen (Ludewig/Baumer/Salzgeber/Häfeli/ Albermann, Richterliche und behördliche Entschei dungsfindung zwischen Kindeswohl und Elternwohl: Erziehungsfähigkeit bei Familien mit einem psychisch kranken Elternteil, in: FamPra.ch 2015 S. 562, 574) . An der Erziehungsfähigkeit fehlt es nur bei fundamentalen De- fiziten. Es müssen konkrete Anhaltspunkt e vorliegen, die eine ernsthafte Einschränkung der Erziehungsfähigkeit erkennen lassen (Urteil des Bundesgerichts 5A_157/2012 vom 23. Juli 2012 E. 3.3; Fountoulakis/Breitschmid, Basler Kommentar, a.a.O., Art. 133 ZGB N 11). Das Vorliegen einer psychiatrisc hen Diagnose bedeutet nicht zwangsläufig die Beeinträchtigung oder Aufhebung der Erziehungsfähigkeit (FamPra.ch 2015 S. 562, 564). Die Erziehungsfä- higkeit eines psychisch kranken Elternteils ist gegeben, wenn seine elterlichen Kompetenzen unter Berücksicht igung möglicher einschränkender Einflüsse aufgrund seiner Erkrankung ausreichen, um die Grundbedürfnisse des Kindes zu erfüllen. Bei der Beurteilung der Erzie- hungsfähigkeit spielt nicht das Vorhandensein der psychiatrisch -psychologischen Diagnose eine Rolle, sondern die Intensität, Dauer und die Auswirkungen der Störung, also insbeson- dere ihr damit verbundener Einfluss auf die Möglichkeit des Elternteils, die Grundbedürfnisse des Kindes adäquat zu erfüllen. Um diese Beurteilung vornehmen zu können, muss ana ly- siert werden, ob allein angesichts der Schwere der psychischen Störung eine wesentliche Gefährdung des Kindes zu erwarten ist (FamPra.ch 2015 S. 562, 577 f.). Den im Recht liegenden Akten, insbesondere aber auch den Parteiaussagen und den Aus- führungen der Kinder, lassen sich keine Anhaltspunkte darüber entnehmen, dass bei einer Partei – insbesondere beim Kläger – die Erziehungsfähigkeit fehlen würde. Zwar verwei st die Beklagte auf die Arztzeugnisse , wonach der Kläger in psychotherapeutischer Behandlung ist, führte an der Hauptverhandlung im Februar 2021 aber selbst aus, dass die Kinder nach wie vor jedes zweite Wochenende beim Kläger seien (act. 77B S. 3). Der Kläger liess diesbezüg- lich ausführen, die Belastung durch die Verfahren sei einfach sehr gross gewesen , weshalb er sich Hilfe gesucht habe; er sei nun aber wieder arbeitsfähig (act. 77 S. 3). Es ist mithin nicht davon auszugehen, dass der Kläger aufgrund seiner psychischen Angeschlagenheit seinen Erziehungspflichten als Vater nicht gewissenhaft nachkommen kann. Es wurden von der Beklagten sodann weder konkrete Behauptungen gemacht, noch sind aktenmässig kon- krete Anhaltspunkte ersichtlich, wonach und weshal b der Kläger aufgrund seiner psychothe- rapeutischen Behandlung nicht in der Lage wäre, die Bedürfnisse von F.________ und G.________ zu erkennen und darauf einzugehen. Es liegen mithin keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sich die – von der Beklagten ins Fel d geführte – psychische Angeschlagenheit des Klägers negativ auf das Kindeswohl auswirken würde oder seine Möglichkeit, die Grundbe- dürfnisse von F.________ und G.________ adäquat zu erfüllen, beeinflussen oder gar beein- trächtigen würde. Es lässt sich demna ch keine ernsthafte Einschränkung der Erziehungsfä- higkeit des Klägers erkennen und die Erziehungsfähigkeit beider Eltern ist somit zu bejahen. 4.2.2 Weiter sind die Kriterien der Kontinuität und Stabilität zu beurteilen . Die Parteien betreuen die Kinder nicht z u mehr oder weniger gleichen Teilen. Gestützt auf die aktuell gelebten Be- treuungszeiten betreut die Beklagte die Kinder von Montag bis Mittwoch und am Freitag, während der Kläger bzw. seine Eltern die Betreuung am Donnerstag übernehmen. Am Wo- chenende werde n die Kinder abwechslungsweise von beiden Elternteilen betreut, wobei un- bestritten ist, dass die Kinder in den Wintermonaten teilweise auch mehrere Wochenenden Seite 17/46 hintereinander mit dem Vater Skifahren gehen. Dabei gilt zu beachten, dass der Kläger auf- grund seiner Vollzeitanstellung die Kinder nur jeweils am Abend und am Wochenende selber betreuen kann. In denjenigen Wochen, in welchen die Kinder das Wochenende nicht beim Kläger verbringen, sieht er diese daher nur am Donnerstagabend, falls er ebenfalls zu sei nen Eltern auf Besuch geht. Es ist daher fraglich, ob der Kläger tatsächlich genügend regelmässi- gen und intensiven Kontakt mit den Kindern pflegen kann, so dass seine Mitsprache bei all- täglichen Angelegenheiten der Kinder mit Blick auf die alternierende Ob hut sinnvoll er- scheint. Doch selbst wenn man dem Kläger die Betreuungszeit durch dessen Eltern ebenfalls zurechnet, erfolgt die Betreuung während den Werktagen nur in einem untergeordneten Um- fang von rund 20 % der gesamten Betreuungszeit. Rechnet man die B etreuung an jedem zweiten Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend hinzu, erhöht sich der Betreu- ungsanteil des Klägers auf rund 30 %. Selbst wenn man noch davon ausgeht, dass der Klä- ger die Kinder in den Wintermonaten von Dezember bis März tatsächlich jedes Wochenende betreut, so erhöht sich der Betreuungsanteil des Klägers angesichts der acht verbleibenden Monate mit wechselnder Wochenendbetreuung nicht in einem solchen Umfang, als das s von mehr oder weniger gleichen Betreuungsteilen gesprochen werden könnte. Von alternierender Obhut kann deshalb vorliegend aufgrund der klar unterschiedlich grossen Betreuungsantei- len nicht die Rede sein. Der Kläger ist sodann in einem 100 %-Pensum arbeitstätig, weshalb dessen Eltern oder seine neue Partnerin die Kinder während seiner Abwesenheit betreuen. Somit kann der Kläger die Kinder an den Werktagen lediglich am Donnerstagabend sowie – wenn das Betreuungswochenende des Vaters folgt – auch am Freitagabend betreuen. Seine Möglichkeiten, zur Pflege und Erziehung der Ki nder persönlich beizutragen, sind deshalb klar nur in vermindertem Umfang gegeben. Was sodann die vom Kläger behaupteten unregelmässigen arbeitsbedingten Abwesenheiten der Beklagten betrifft (act. 38 S. 10), so sind sich die Parteien einig, dass die Gros seltern vä- terlicherseits bereits in der Vergangenheit die Parteien in der Betreuung der Kinder unter- stützten und dies auch in Zukunft gerne machen. Sollte die Beklagte einmal an einem Tag die Betreuung nach der Schule nicht selbst übernehmen können, so woh nen die Eltern des Klägers in unmittelbarer Nähe oder wäre eine Betreuung durch die Nachbarin , wie diese je- weils am Montag erfolgt (act. 47 Ziff. 47), sichergestellt . Eine solche Betreuung von F.________ und G.________ ist altersgerecht. Soziale Kontakte i nsbesondere mit Freunden, wie beispielsweise den Nachbarskindern auf dem Hof, sind wichtig für F.________ und G.________. Wesentliche zusätzliche und aktuelle Abwesenheiten der Beklagten werden vom Kläger denn auch nicht substantiiert geltend gemacht oder belegt (act. 77A). 4.2.3 Ausserdem liegen die Wohnorte J.________ und K.________ nicht in einer solchen Distanz zueinander, dass ein Wechsel der Kinder zwischen den Wohnorten unterwöchig problemlos möglich wäre. Durch einen solchen Wechsel würde auch die Einbettung in das soziale Um- feld der Kinder problematisch werden. Bei Jugendlichen kommt nach der bundesgerichtli- chen Rechtsprechung der Zugehörigkeit zu einem sozialen Umfeld grosse Bedeutung zu. Aus den Kinderanhörung en ging sodann hervor, dass die Kin der in J.________ zur Schule gehen und F.________ in J.________ auch die meisten Freunde hat (act. 27; act. 13 im Ver- fahren ES 2019 410). Die Kinder sind nun in einem Alter, in dem sie nicht mehr nur perso- nenorientiert sind, sondern eine gefestigte Umgebun gsverbundenheit und einen Freundes- kreis bzw. ein soziales Umfeld haben. Das familiäre und soziale Umfeld von F.________ und Seite 18/46 G.________ ist in J.________ grösser und spricht daher auch weiterhin für eine Hauptbe- treuung durch die Mutter. 4.2.4 Gegen eine alterni erende Obhut spricht vorliegend aber insbesondere die mangelnde Kom- munikations- und Kooperationsfähigkeit zwischen den Parteien selber. Angesichts des unbe- strittenermassen gelebten Besuchs - und Betreuungsrechts ist zwar erstellt, dass die Parteien in der Lage sind, zu funktionieren und die Betreuung ihrer beiden Söhne F.________ und G.________ sicherzustellen. Das Verhältnis zwischen den Parteien ist jedoch belastet und geprägt von gegenseitigen Vorwürfen. Dem Verhalten und den gegenseitigen Aussagen der Parteien kann entnommen werden, dass die Parteien nicht bereit sind, kooperativ und offen über die Kind erbelange miteinander zu sprechen. So führten denn auch beide Parteien aus , hinsichtlich der Regelung der Betreuung von F.________ und G.________ auf die Vermitt- lung durch die eingesetzte Besuchsbeiständin angewiesen zu sein. Auch wenn bisher nach Darstellung der Parteien am Ende immer eine Lösung gefunden werden konnte, hat die Lö- sungsfindung in Kinderbelangen in der Vergangenheit immer wieder dazu geführt, dass in Konfliktsituationen der Parteien häufig auch Drittpersonen bzw. sogar das Gericht selber in- volviert wurden. Es ist dem Wohl der Kinder abträglich, wenn selbst bei alltäglichen Themen und kleineren Absprachen immer zuerst eine Drittperson beigezoge n werden muss, bevor ein endgültiger Entscheid gefällt werden kann. Die eingereichten Akten und das Verhalten der Parteien im gesamten Prozess der ehelichen Auseinandersetzung zeigen eben gerade auf, dass die Kommunikations - und Kooperationsfähigkeit zwisc hen ihnen in Bezug auf die Kinderbelange gestört war und nach wie vor gestört ist. Die Anordnung einer alternierenden Obhut würde zu einer signifikanten Häufung der zwischen den Eltern zu besprechenden Kin- derbelange führen. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass sich die Parteien über Alltagsfragen absprechen und sich auch einigen könnten. Die Anordnung einer alternierenden Obhut würde mithin zu vermeidbaren Konflikten führen, welche dem Kindeswohl nicht förderlich sind. 4.2.5 Auf die von F.________ und G.________ an der Kinderanhörung im Verfahrens ES 2019 410 gemachte Aussage, sie würden sich wünschen, dass beide Eltern dieselbe Berechtigung hätten, sie zu gleichen Teilen zu betreuen, kann überdies nicht alleine abgestellt werden. Zwar zeigt die Aussage deutlich, dass die beiden Söhne gerne Zeit mit dem Vater verbrin- gen. Gleichzeitig ist ihnen aber bewusst und führen sie auch aus, dass das Verhältnis zwi- schen den Eltern nicht gut sei und sie hoffen, dass das Verhältnis nach der Scheidung bes- ser werde. Den Kindern ist der Konflikt zwischen den Eltern offensichtlich bewusst. Bei der Anordnung einer alternierenden Obhut und den dadurch vermehrt zu besprechenden Kinder- belangen ist zu erwarten, dass die Kinder dem unbestrittenermassen bestehenden Eltern- konflikt häufiger ausgesetzt wären, als sie bis anhin schon waren. 4.3 Vorliegend fehlt es somit für die alternierende Obhut einerseits am Betreuungsanteil des Klä- gers; andererseits konnten und können die Eltern in Kinderbelangen regelmässig nicht zu- sammenarbeiten m it der Folge, dass die Kinder im Szenario einer künftigen alternierenden Obhut dem gravierenden Elternkonflikt in einer Weise ausgesetzt würden, die ihr en Interes- sen offenkundig zuwiderläuft. Sowohl dem Anliegen der Aufrechterhaltung der bisherigen Be- treuungszeiten als auch dem Wunsch der Kinder, den Vater weiterhin regelmässig zu sehen, kann vorliegend vielmehr mit einem erweiterten Besuchsrecht angemessen Rechnung getra- gen werden (vgl. dazu nachstehend E. 6). Ebenso wird mit dem erweiterten Besuchsrecht d ie Seite 19/46 soziale Einbettung und Weiterführung der bisherigen Betreuung gewahrt, ohne dass die Kin- der dem grösseren Konfliktpotential ausgesetzt sind. Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung entspricht die Zuteilung der alleinigen Obhut an die Beklagte dem Kindeswohl d aher am bes- ten. Die Obhut über die Kinder F.________ und G.________ ist deshalb bei der Beklagten zu belassen. 5. Entsprechend sind auch die Erziehungsgutschriften für die Berechnung künftiger AHV -/IV- Renten der Beklagten als überwiegend betreuendem Elternte il anzurechnen (vgl. Art. 52fbis Abs. 2 AHVV). 6. In einem nächsten Schritt ist der persönliche Verkehr zwischen dem Kläger und den Kindern zu regeln. Gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen die Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen Verke hr, wo- bei den Anträgen der Parteien angemessen Rechnung zu tragen ist. Beim Besuchsrecht han- delt es sich um ein gegenseitiges Pflichtrecht, wobei es in erster Linie dem Interesse des Kindes dient. Was als "angemessener" persönlicher Verkehr zu verstehen is t, lässt sich nur anhand der Umstände des Einzelfalls unter Berücksichtigung des Zwecks des Besuchsrechts bestimmen, wobei für die Beurteilung des angemessenen persönlichen Verkehrs grundsätz- lich auf die momentanen Verhältnisse abgestellt wird und darauf, wie die Betreuung bisher – nach der Trennung – geregelt worden ist (Schwenzer/Cottier, a.a.O., Art. 273 ZGB N 10; BGE 123 III 445; Urteil des Bundesgerichts 5A_409/2008 vom 26. November 2008 E. 3.2). Massgebend für die Gewährung, den Umfang und die Ausgest altung des Rechts auf persön- lichen Verkehr ist stets das Kindeswohl (Urteil des Bundesgerichts 5C.178/2006 vom 16. No- vember 2006 E. 4.1.1). Unter den Parteien ist nicht strittig, dass der Kläger die Kinder jedes zweite Wochenende von Freitag, 18.00 Uhr, b is Sonntag, 18.00 Uhr, betreut und die Kinder jeweils am Donnerstag von den Eltern des Klägers betreut werden. Der Kläger beantragt nun, das Besuchswochen- ende bis Montagmorgen, 08.00 Uhr, zu verlängern und die Kinder in den Monaten Dezember bis März jedes Wochenende betreuen zu können. Die nahezu dogmatische Handhabung der Rückgabezeit am Sonntag um 18.00 Uhr würde dazu führen, dass die Kinder den Sonntag nur stundenweise geniessen könnten und auf das gemeinsame Abendessen mit der gesam- ten Familie des Kläge rs verzichten müssten. Dabei werde ihm die qualitativ hochwertige ge- meinsame Zeit mit den Kindern unnötigerweise beraubt (act. 30 S. 6; act. 77A). Die Beklagte beantragt hingegen ein Besuchsrecht an jedem zweiten Wochenende von Freitag, 18.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr (act. 77B). 6.1 Im vorliegenden Fall bestätig ten beide Parteien, dass die Kinder gerne Zeit mit beiden Eltern- teilen sowie auch mit den Grosseltern väterlicherseits verbringen. Dies erklärten auch F.________ und G.________ an der Anhörung. F.________ führte an der Kinderanhörung im Verfahren ES 2019 410 aus, dass G.________ im Sommer jedes zweite Wochenende beim Vater sei. Wegen seiner BM X-Rennen sei er selber im Sommer öfters bei der Mutter. Dafür gehe er im Winter fast jedes Wochenende zum Vater, wobei sie dann oft Skifahren gehen würden (act. 13 im Verfahren ES 2019 410). Die im Eheschutzverfahren festgelegte Betreu- ungsregelung wurde de mentsprechend bisher auch gelebt, ja sogar um einige Wochenenden erweitert, und hat im Grundsatz auch funktioniert. Demgemäss ist diese Regelung auch im Scheidungsfall im Grundsatz beizubehalten. Seite 20/46 Eine Verpflichtung dahingehen d, dass die beiden Kinder in den Wintermonaten jedes Wo- chenende beim Kläger verbringen, erscheint angesichts des zunehmenden Alters von F.________ (15-jährig) und G.________ (bald 12-jährig) und dem gerade bei älterwerdenden Kindern wichtigen Freizeitverhalten (Freundeskreis, Hobbies, etc.) aber nicht angebracht. Dagegen erscheint eine Ausdehnung des Besuchsrechts bis Montagmorgen, 08.00 Uhr, als sinnvoll. So kann der Kläger die Kinder am Freitagabend abholen und sie am Montagmorgen wieder direkt in die Schule bringen. Eine solche Ausdehnung des Besuchsrechts sollte eine mögliche Konfrontation bei der Übergabe am Sonntagabend verhindern und ist sowohl mit dem Stabilitätskriterium wie auch der geografische n Entfernung zwischen den Wohnorten der Parteien (J.________ und K.________) vereinbar. Überdies kann so dem Wunsch der Kinder sowie des Klägers, möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen, und dem gleichzeitigen Be- dürfnis der Kinder nach einer möglichst einfachen und klaren Gestaltung des Besuchsrechts Rechnung getragen werden. Es ist zudem unbestritten, dass die Kinder bis anhin jeweils am Donnerstag von den Grosseltern väterlicherseits betreut wurden und die Kinder die Grossel- tern gerne sehen und ein gutes Verhältnis zu ihnen haben. Diese gelebte Betreuungsrege- lung ist auch weiterhi n beizubehalten. Der Kläger bzw. seine Eltern wird daher berechtigt und verpflichtet, F.________ und G.________ jeden Donnerstagmittag sowie nach Schulschluss bis 20.00 Uhr (während der schulfreien Zeit den ganzen Donnerstag ab 08.00 Uhr bis 20.00 Uhr) und jedes zweite Wochenende (ungerade Wochen) von Freitag, 18.00 Uhr, bis Montag, 08.00 Uhr bzw. Schulbeginn , zu oder mit sich auf Besuch zu nehmen. 6.2 Da die Kommunikation zwischen den Parteien schwierig ist und insbesondere die Betreu- ungsaufteilung ein grosses Problem darstellt, sind im Folgenden auch die Betreuung an den Feiertagen sowie die Ferien zu regeln. Hinsichtlich dieser sind sich die Parteien grundsätz- lich nur bezüglich der Dauer der Sommerferien uneinig. Der Kläger beantragt , die Kinder während den ersten drei Wochen der Sommerferien zu betreuen, wohingegen die Beklagte beantragt, dem Kläger sei ein Ferienrecht nur während der ersten zwei Somm erferienwochen zuzusprechen (act. 77A; act. 77B). Ferien mit dem nicht obhutsberechtigten Elternteil sind sowohl für den obhutsberechtigten Elternteil, wie auch das Kind wichtig. Der obhutsberechtigte Elternteil kann auf diese Weise selbst Ferien ohne Bet reuungsaufgaben planen und das Kind hat die Möglichkeit , mehrere Tage in Folge mit dem sonst abwesenden Elternteil zu verbringen. Beim Besuchsrecht ist in erster Linie eine im Wohl des Kindes liegende Lösung zu treffen und es geht weniger um die Durchsetzung elterlicher Rechte, zumal die Regelung des Besuchsrechts nicht einen Aus- gleich zwischen den Eltern bezweckt. Es stellt sich dennoch die Frage, ob bei strittigen Ver- hältnissen ein Richtmass von zwei bis drei Schulferienwochen noch zeitgemäss ist. Denn ei n auf zwei Wochen festgelegtes Ferienrecht entspricht nicht einmal einem Sechstel der gesam- ten Schulferien des Kindes (Urteil des Bundesgerichts 5A_570/216 vom 1. März 2017 E. 3.3.1). Vorliegend wurde von der Beklagten weder die Fähigkeit noch der Wille de s Klä- gers, sich während de n Ferien um F.________ und G.________ zu kümmern, in Frage ge- stellt. Ein fünfwöchiges Ferienrecht erscheint daher als zeitgemäss und angemessen. So wird sowohl dem Interesse des Klägers, möglichst viel gemeinsame Ferien mit seinen Söh- nen zu verbringen, als auch dem gerade bei älterwerdenden Kindern wichtigen Freizeitver- halten (Ferienlager, Freundeskreis, Hobbies, etc.) Rechnung getragen (Büchler/Clausen, a.a.O., S. 554). Seite 21/46 Mithin wird, um beiden Elternteilen die Möglichkeit zu geben , die Kinder während den Feier- tagen (Weihnachten/Neujahr; Ostern/Pfingsten; Auffahrt und Fronleichnam) und den Ferien zu betreuen, folgende Aufteilung festgelegt: - Der Kläger betreut die Kinder in der ersten Woche der Sport -/Fasnachtsferien , den ers- ten drei Wochen der Sommerferien, sowie der ersten Woche der Herbstferien, jeweils von Freitag, 18.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr; - Der Kläger betreut die Kinder ferner über Weihnachten und Neujahr , jeweils vom 25. De- zember, 12.00 Uhr, bis 1. Januar, 18.00 Uhr; - In den Jahren mit ungerader Jahreszahl betreut der Kläger und in Jahren mit gerader Jahreszahl die Beklagte die Kinder von Gründonnerstag, 18.00 Uhr, bis Ostermontag, 18.00 Uhr. An den übrigen Feiertagen erfolgt die Betreuung gemäss der normalen wöchentli chen bzw. zweiwöchentlichen Betreuungsregelung. 7. Sodann ist über die von der Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Luzern mit Entscheid vom 28. Oktober 2014 errichtete und mit Entscheid vom 15. November 2016 er- weiterte Beistandschaft zu entscheiden (vgl. act. 15 im Verfahren ES 2019 410). 7.1 Haben die Ehegatten unmündige Kinder, so trifft der Richter nach den Bestimmungen über die Wirkung des Kindesverhältnisses die nötigen Massnahmen. Erfordern es die Verhält- nisse, so kann dem Kind ein Beistand ernannt werden, der die Eltern in ihrer Sorge um das Kind mit Rat und Tat unterstützt (Art. 308 Abs. 1 ZGB). Eine Beistandschaft zur Überwa- chung des persönlichen Verkehrs ist immer dann – auch ohne ausdrücklichen Antrag – anzu- ordnen, wenn eine erhebliche G efahr besteht, dass sich bei der Ausübung dieses Rechts durch den nicht obhutsberechtigten Elternteil Schwierigkeiten ergeben. Anlass zur Anord- nung dieser Massnahme besteht vor allem dann, wenn sich derartige Schwierigkeiten bereits im Laufe des Trennungsv erfahrens der Eltern gezeigt haben (vgl. BGE 108 II 373). Jede Kin- desschutzmassnahme setzt voraus, dass das Wohl des Kindes gefährdet ist. Weiter ist nach dem Prinzip der Subsidiarität notwendig, dass diese Gefahr nicht von den Eltern selbst abge- wendet werden kann (Art. 307 Abs. 1 ZGB). Sodann verlangt der Grundsatz der Verhältnis- mässigkeit, der das gesamte Kindesschutzrecht beherrscht, dass die verfügte Massnahme zur Abwendung der Kindeswohlgefährdung geeignet und erforderlich ist. Damit ist stets die mildeste Massnahme zu wählen. Eine Besuchsrechtsbeistandschaft ist dann anzuordnen, wenn die Eltern mit keiner anderen Möglichkeit zu einer Gestaltung des persönlichen Ver- kehrs, welche dem Kindeswohl Rechnung trägt, angehalten werden können. Es muss mit ei- ner gewissen Wahrscheinlichkeit erwartet werden können, dass ein Beistand durch Aufklä- rung, organisatorische Unterstützung, Vermittlung, Beziehungsarbeit und Motivation die El- tern zur einvernehmlichen Beziehungsgestaltung mit dem Kind gewinnen kann. 7.2 Beide Parteien beantragen, dass die mit Entscheid vom 28. Oktober 2014 errichtete und mit Entscheid vom 15. November 2016 erweiterte Beistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB aufrechterhalten wird (act. 77A; act. 77B). Es ist denn auch unbestritten, dass es zwischen den Parteien in der Vergangenheit im Zusammenhang mit der Betreuungsregelung Seite 22/46 immer wieder zu Konflikten gekommen ist und die Parteien häufig auch Drittpersonen bzw. das Gericht angerufen haben. 7.3 Mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutz behörde (KESB) Luzern vom 28. Oktober 2014 wurde für die Kinder F.________ und G.________ eine Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZGB errichtet. Diese Kindesschutzmassnahme wurde mit Entscheid der KESB Luzern vom 15. November 2016 ausgeweitet und es wurde zusätzlich eine Erzie- hungsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 ZGB errichtet und dem Beistand insbesondere die Sicherstellung der Ausübung des Besuchs - und Ferienrechts , die Organisation und Über- wachung des Besuchs - und Ferienrechts sowie die Unt erstützung der Eltern bezüglich der schulischen und persönlichen Interessen von G.________ und F.________ und in diesem Zusammenhang die Überwachung der erzieherischen Verhältnisse in der Familie sowie die Organisation und Koordination allenfalls neu hinzu kommender ambulanter und stationärer Betreuungsangebote übertragen (act. 15 im Verfahren ES 2019 410). 7.4 Die errichtete Beistandschaft besteht folglich seit bald sieben Jahren. Die Parteien haben so- dann weder behauptet, noch bestehen Anhaltspunkte dafür, d ass sich die Verhältnisse in diesen Jahren dahingehend verändert hätten, dass ein Fortbestand der Beistandschaft nicht mehr notwendig wäre. Die nun mehrjährige Aufrechterhaltung der Beistandschaft sowie das bisherige Verhalten der Parteien, insbesondere di e zwischen ihnen bestehenden Spannun- gen und die anhaltenden Kommunikationsprobleme, zeigen klar, dass die Beistandschaft nach wie vor angezeigt ist. Es ist überdies zu befürchten, dass es auch in Zukunft zu Konflik- ten zwischen den Parteien kommen wird und die Beistandschaft zum Wohle von F.________ und G.________ weiterhin erforderlich sein wird. Aufgrund der Ausführungen sowie des Ver- haltens der Parteien in der Vergangenheit ist die für die Kinder mit Entscheid vom 28. Okto- ber 2014 errichtete und mit Entsc heid vom 15. November 2016 erweiterte Besuchsrechtsbei- standschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB damit weiterzuführen. 8. In einem nächsten Schritt ist über die finanziellen Nebenfolgen der Scheidung zu entschei- den. Zuerst ist über die an die gemeinsamen Kinder F.________ und G.________ zu leisten- den Kindesunterhaltsbeiträge und danach über den nachehelichen Unterhalt zu befinden. Dabei ist der Bedarf des ausserehelichen Sohnes des Klägers, H.________, in den nachfol- genden Berechnungen auch mit zu berücksichtigen. 8.1 Die Beklagte beantrag t für F.________ bis zum 30. November 2021 einen monatlichen Bar- unterhalt in der Höhe von mindestens CHF 1'331.00 und anschliessend bis zum Abschluss einer angemessenen Erstausbildung einen solchen von mindestens CHF 1'463.00. Bis zum 30. November 2021 bea ntragt sie zusätzlich einen Betreuungsunterhalt von CHF 765.00 und ab 1. Dezember 2021 bis und mit 30. April 2022 einen in der Höhe von CHF 600.00. Für G.________ beantragt sie bis zum 30. November 2021 ebenfalls einen monatlichen Barun- terhalt in der Höhe von CHF 1'331.00, ab 1. Dezember 2021 einen im Betrag von CHF 1'463.00 und ab 1. Dezember 2025 bis zum Abschluss einer angemessenen Erstausbil- dung einen solchen von mindestens CHF 1'663.00. An den Betreuungsunterhalt von G.________ habe der Kläger ab Recht skraft des Scheidungsurteils bis und mit 30. Novem- ber 2021 CHF 1'275.00, ab 1. Dezember 2021 bis und mit 30. April 2022 CHF 600.00 und ab 1. Mai 2022 bis und mit 30. November 2025 CHF 1'200.00 zu bezahlen (act. 77B). Seite 23/46 Betreffend den nachehelichen Unterhalt beantragt die Beklagte, der Kläger sei zu verpflich- ten, ihr bis und mit 30. November 2021 CHF 756.00 pro Monat, eventualiter CHF 1'500.00, ab 1. Dezember 2021 bis 30. November 2025 monatlich CHF 1'120.00, eventualiter CHF 1'500.00, ab 1. Dezember 2025 bis zum Abschluss der Erstausbildung von Sohn G.________ CHF 920.00, eventualiter CHF 1'500.00, und nach Abschluss der Erstausbil- dung von G.________ bis zur ordentlichen Pensionierung des Klägers den Betrag von mo- natlich CHF 1'500.00, eventualiter CHF 1'800.00, zu bezahlen (act. 77B). 8.2 Demgegenüber beantragt der Kläger, er sei zu verpflichten, für die beiden Kinder bis zum Abschluss einer ersten ordentlichen Ausbildung einen monatlichen Unterhaltsbeitrag in der Höhe von je CHF 705.45 zu bezahlen. Ein Betreuung sunterhalt und nachehelicher Unterhalt an die Beklagte sei en nicht geschuldet (act. 77A). 8.3 Der Kinderunterhalt wird g emäss Art. 276 ZGB durch Pflege, Erziehung und Geldzahlung ge- leistet (Abs. 1). Die Eltern sorgen gemeinsam, ein jeder Elternteil nach seine n Kräften, für den gebührenden Unterhalt des Kindes und tragen insbesondere die Kosten von Betreuung, Erziehung, Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen (Abs. 2). Die Eltern sind von der Un- terhaltspflicht in dem Mass befreit, als dem Kinde zugemutet werden k ann, den Unterhalt aus seinem Arbeitserwerb oder andern Mitteln zu bestreiten (Abs. 3). Die Unterhaltspflicht der El- tern dauert bis zur Mündigkeit des Kindes (Art. 277 Abs. 1 ZGB). Hat das Kind nach Eintritt der Mündigkeit noch keine angemessene Ausbildung , so haben die Eltern, soweit es ihnen nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf, für seinen Unterhalt aufzukommen, bis eine entsprechende Ausbildung ordentlicherweise abgeschlossen werden kann (Art. 277 Abs. 2 ZGB). Gemäss Art. 285 ZGB soll der Un terhaltsbeitrag den Bedürfnissen des Kindes sowie der Lebensstellung und Leistungsfähigkeit der Eltern entsprechen; dabei sind das Ver- mögen und die Einkünfte des Kindes zu berücksichtigen (Abs. 1). Der Unterhaltsbeitrag dient auch der Gewährleistung der Be treuung des Kindes durch die Eltern oder Dritte (Abs. 2). Ge- mäss den revidierten Art. 276 Abs. 2 und Art. 285 Abs. 2 ZGB sind also auch die Kosten der Betreuung des Kindes durch die Eltern Teil des von diesen zu tragenden Kindesunterhalts (dies nebst dem b ereits bekannten Barunterhalt des Kindes). Der zur Deckung dieser Kosten dienende Teil des Unterhaltsbeitrags wird als Betreuungsunterhalt bezeichnet (vgl. Botschaft zu einer Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Kindesunterhalt] vom 29. No- vember 2013, BBl 2014 S. 529 ff., S. 551 f.). Ein Betreuungsunterhalt ist aber nur insoweit geschuldet, als der betreuende Elternteil seine Lebenshaltungskosten aufgrund der Kinder- betreuung nicht decken kann (sog. Lebenshaltungskostenansatz; vgl. Urteil des Bund esge- richts 5A_454/2017 vom 17. Mai 2018). Das Gericht trifft dabei im Rahmen der Untersu- chungsmaxime die Pflicht, immer wenn der Unterhalt eines Kindes zu berechnen ist, die Le- benshaltungskosten der persönlich betreuenden Person zu erforschen, sei diese nu n Pro- zesspartei oder eine am Prozess unbeteiligte Drittperson (Maier/Niederberger/Hampel, Die Berechnung von Unterhaltsbeiträgen bei Patchworkfamilien, in: AJP 2019 S. 879 ff, 898). Im Hinblick auf den Kindesunterhalt gilt sodann das Gleichbehandlungsgebot . Danach haben Kinder eines Elternteils – aus derselben oder aus verschiedenen Beziehungen – Anspruch auf Gleichachtung ihrer individuellen, an den jeweiligen wirtschaftlichen Rahmenbedingun- gen zu bemessenden Verhältnissen, woraus die Notwendigkeit folgt, bei Kindesunterhaltsbe- rechnungen und Kindern in verschiedenen Familien die finanziellen Verhältnisse sämtlicher Kinder, sämtlicher Elternteile sowie sämtlicher persönlich betreuender Personen festzustellen (Maier/Niederberger/Hampel, a.a.O., S. 899). Seite 24/46 Nach der jüngsten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist für die Berechnung des Unter- haltsbeitrages von Kindern einheitlich die zweistufige Methode anzuwenden. Hierbei werden die finanziellen Ressourcen den Bedürfnissen der Beteiligten gegenübergestellt und so dann entsprechend einer bestimmten Reihenfolge verteilt. Besondere Situationen sind im Rahmen einer allfälligen Überschussverteilung zu berücksichtigen. Dies schliesst gemäss dem Bun- desgericht jedoch nicht aus, dass in besonderen Situationen, namentlich be i aussergewöhn- lich guten Verhältnissen, anders vorgegangen oder auch ganz von einer konkreten Rech- nung abgesehen wird (Urteil des Bundesgerichts 5A_311/2019 vom 11. November 2020 E. 6.5). 8.4 Ist einem Ehegatten nicht zuzumuten, für den ihm gebührenden Unterh alt, inklusive eines an- gemessenen Vorsorgeunterhalts, selbst aufzukommen, so hat ihm der andere Ehegatte ge- mäss Art. 125 Abs. 1 ZGB einen angemessenen nachehelichen Unterhalt zu leisten, soweit er hierzu in der Lage ist. Diese Bestimmung verdeutlicht zwei Grundsätze. Einerseits denjeni- gen der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Ehegatten, wonach jeder Ehegatte im Rahmen des Möglichen nach der Scheidung für seine eigenen Lebenshaltungskosten aufzukommen hat (sog. "clean break"). Andererseits denjenigen der nachehelichen Solidarität , wonach die Ehegatten gemeinsam nicht nur die Konsequenzen der während der Ehe gelebten Aufgaben- teilung zu tragen haben (Art. 163 Abs. 2 ZGB), sondern auch die Nachteile, welche bei einem der Ehegatten ehebedingt angefallen sind un d ihn daran hindern, für den ihm gebührenden Unterhalt selbst aufzukommen. 8.4.1 Zur Bestimmung des nachehelichen Unterhalts nach Art. 125 ZGB ist in einem ersten Schritt der gebührende Unterhalt zu bestimmen, wofür die massgebenden Lebensverhältnisse der Parteien festzustellen sind. Auf welche Lebensverhältnisse abzustellen ist, bestimmt sich da- nach, ob die Ehe lebensprägend war oder nicht. Von einer Lebensprägung ist insbesondere dann auszugehen, wenn die Ehe lange, d.h. in der Regel mehr als zehn Jahre (der Z eitraum berechnet s ich bis zum Trennungszeitpunkt, vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_478/2010 vom 20. Dezember 2010 E. 4.1.2) gedauert hat oder wenn aus ihr Kinder hervorgegangen sind. Bei fehlender Prägung wird an den vorehelichen Verhältnissen angeknüpft, während sich der gebührende Unterhalt bei lebensprägender Ehe grundsätzlich an dem in der Ehe zu- letzt gelebten Standard bemisst (zuzüglich scheidungsbedingter Mehrkosten), auf dessen Fortführung bei genügenden Mitteln beide Parteien Anspruch haben, der aber gleichzeitig auch die Obergrenze des gebührenden Unterhalts bildet (BGE 135 III 59 E. 4 und 4.1; 132 III 593 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 5A_43/2015 vom 13. Oktober 2015 E. 3.1). 8.4.2 Nach der jüngsten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist auch im Bereich des nacheheli- chen Unterhaltes zukünftig schweizweit verbindlich nach der zweistufig konkreten Methode vorzugehen, soweit nicht ausnahmsweise eine Situation vorliegt, bei welcher dies schlicht keinen Sinn macht, wie dies insbesondere bei aussergewöhnlich günstigen finanziellen Ver- hältnissen der Fall sein kann (Urteil des Bundesgerichts 5A_891/2018 vom 2. Februar 2021 E. 4.5). 8.4.3 Streitigkeiten im Bereich des nachehelichen Unterhalts werd en sodann von der Verhand- lungsmaxime beherrscht. Das Gericht darf sein Urteil mithin nur auf die von den Parteien im Prozess vorgebrachten Tatsachen stützen. Der Unterhaltsberechtigte trägt die Beweislast Seite 25/46 dafür, dass er den eingeklagten Betrag zur Weiterfü hrung des während der Ehe gelebten Standards benötigt. Dazu muss er jeden einzelnen Posten des Bedarfs substantiieren, bele- gen und beziffern. Gewisse Pauschalierungen, beispielsweise beim Grundbetrag, sind je- doch unausweichlich (Schwenzer/Büchler, in: Schw enzer/Fankhauser [Hrsg.], FamKomm Scheidung, a.a.O., Art. 125 ZGB N 107 f. mit Hinweisen). Der Richter ist in Bezug auf den nachehelichen Unterhaltsbeitrag nur an die formellen Parteianträge, d.h. an den insgesamt eingeklagten oder anerkannten Betrag (mith in an den im Rechtsbegehren eingeklagten Be- trag), nicht aber an die einzelnen Einnahme - und Aufwandpositionen gebunden. Es kann so- mit für eine Position mehr oder für eine andere weniger zugesprochen werden, als in der Be- gründung verlangt oder anerkannt wir d (Urteile des Bundesgerichts 5A_310/2010 vom 19. November 2010 E. 6.4.2; 5P.481/2006 vom 19. Februar 2007 E. 4). 8.5 Der Kläger behauptet, es liege keine lebensprägende Ehe vor. Die Parteien hätten am tt.mm.2006 geheiratet und würden seit dem tt.mm.2012 getrennt leben. Mittlerweile würden die Parteien schon so lange getrennt leben, wie sie zusammengelebt hätten. Dieser Umstand verbiete es, von einer lebensprägenden Ehe auszugehen. Die Lebensprägung ergebe sich aufgrund des Zusammenlebens und nicht aufgrund de s formell-rechtlichen Bestandes der Ehe (act. 54 S. 10). 8.5.1 Die am tt.mm.2006 geschlossene Ehe der Parteien hat bis zur Trennung am tt.mm.2012 mehr als sechs Jahre gedauert . Zudem sind aus der Ehe zwei Söhne hervorgegangen . Es ist daher von einer lebenspräg enden Ehe auszugehen (vgl. E. 8.4.1). Daran ändert auch die vom Kläger angeführte Tatsache, dass die Parteien seit Mitte mm.2012 getrennt leben wür- den, nichts. 8.5.2 Der gebührende Unterhalt entspricht der Lebenshaltung, welche die Eheleute während ihres Zusammenlebens erreicht und entsprechend ihrer Übereinkunft gepflegt und auf deren Wei- terführung sie im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten auch nach der Scheidung ihrer Ehe jedenfalls dann Anspruch haben, wenn ihre Ehe lebensprägend war (BGE 137 III 102 E. 4.2.1.1; 134 III 145 E. 4). Eine Korrektur hinsichtlich des für den nachehelichen Unterhalt grundsätzlich geltenden Massstabes des in der Ehe zuletzt gelebten Lebensstandards ist ge- mäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung im umgekehrten Sinn nur dort v orzunehmen, wo die Ehegatten sich schon lange vor der Scheidung getrennt haben. Im Sinne einer Aus- nahme ist folglich lediglich bei sehr langem vorgängigem Getrenntleben, in der Regel min- destens acht bis zehn Jahre, der Lebensstandard der anspruchsberechtig ten Partei während der Trennungszeit massgebend (Gloor/Spycher, Basler Kommentar, a.a.O., Art. 125 ZGB N 3; Hausheer/Spycher, Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. A. 2010, Rz 5.57; BGE 130 III 537 E. 2.2; BGE 137 III 102). Vorliegend waren die Parteien im Zei tpunkt der Einreichung der Scheidungsklage am 24. Januar 2017 jedoch erst seit etwas mehr als vier Jahren ge- trennt, womit nicht von einem sehr langen vorgängigen Getrenntleben die Rede sein kann. Entscheidend ist mithin der zuletzt in der Ehe gelebte Leb ensstandard, wobei auf den Zeit- punkt vor Aufhebung des gemeinsamen Haushaltes abgestellt wird. Diesen Lebensstandard haben die Parteien übereinstimmend nach der zweistufigen Methode berechnet (act. 77A S. 16; act. 77B S. 6). Da keine aussergewöhnlich günst igen finanziellen Verhältnisse vorlie- gen, sind die Unterhaltsbeiträge gestützt auf die jüngst ergangene bundesgerichtliche Seite 26/46 Rechtsprechung nach der zweistufigen Methode der Existenzminimumsberechnung mit Überschussverteilung zu berechnen. 8.5.3 Nach der zweistufigen Methode der Existenzminimumsberechnung mit Überschussverteilung ist in einem ersten Schritt der Bedarf der Parteien zu ermitteln . Ausgangspunkt der Bedarfs- ermittlung bilden die Richtlinien der Konferenz der Betreibungs - und Konkursbeamten der Schweiz für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums, wobei in Abwei- chung davon für jedes Kind ein Wohnkostenanteil einzusetzen ist und im Übrigen auch die Fremdbetreuungskosten zu berücksichtigen sind. Diese beiden Positionen sowie die i n den Richtlinien genannten Zuschläge (Krankenkassenprämien, Schulkosten, besondere Gesund- heitskosten) sind zum Grundbetrag hinzuzurechnen. Bei knappen Verhältnissen muss es für den Barunterhalt dabei sein Bewenden haben und auch ein allfälliger Betreuungs unterhalt ist auf der Basis des betreibungsrechtlichen Existenzminimums des betreuenden Elternteils zu bestimmen. Soweit es die finanziellen Mittel zulassen, ist jedoch der gebührende Unterhalt zwingend auf das sogenannte familienrechtliche Existenzminimum zu erweitern, auf welches diesfalls Anspruch besteht. Bei den Elternteilen gehören hierzu typischerweise die Steuern, ferner eine Kommunikations - und Versicherungspauschale, unumgängliche Weiterbildungs- kosten, den finanziellen Verhältnissen entsprechende statt am betreibungsrechtlichen Exis- tenzminimum orientierte Wohnkosten, Kosten zur Ausübung des Besuchsrechts und allen- falls angemessene Schuldentilgung; bei gehobenen Verhältnissen können namentlich auch über die obligatorische Grundversicherung hinausgeh ende Krankenkassenprämien und al- lenfalls private Vorsorgeaufwendungen von Selbständigerwerbenden im Bedarf berücksich- tigt werden. Beim Barbedarf des Kindes gehören zum familienrechtlichen Existenzminimum namentlich die Ausscheidung eines Steueranteils, ein den konkreten finanziellen Verhältnis- sen entsprechender Wohnkostenanteil und gegebenenfalls über die obligatorische Grundver- sicherung hinausgehende Krankenkassenprämien (Urteil des Bundesgerichts 5A_311/2019 vom 11. November 2020 E. 7.2). Würden darüber h inaus Positionen im tatsächlichen Umfang beim familienrechtlichen Existenzminimum eingerechnet, fände eine Vorabzuweisung von finanziellen Mitteln an eine Partei statt bzw. würden Ausgabenpositionen dem zu teilenden Überschuss entzogen. Dies würde im Ergeb nis dazu führen, dass eine Partei mehr erhalten würde, als ihr zustünde. Um eine Gleichbehandlung der Ehegatten zu erreichen, sind daher alle übrigen Auslagen aus dem Überschuss zu finanzieren (BGE 140 III 337 E. 4.2.3; Urteil des Bundesgerichts 5A_267/201 4 vom 15. September 2014 E. 5.2; Arndt, Die Sparquote, in: Fankhauser/Reusser/Schwander [Hrsg.], Brennpunkt Familienrecht, Festschrift für Thomas Geiser, 2017, S. 43 ff. , S. 45 und S. 47; Tuor/Schnyder/Schmid/Jungo, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 14. A. 2015, § 24 N 61). 8.5.4 Der monatliche Bedarf der Parteien und der gemeinsamen Kinder sowie des ausserehelichen Sohnes H.________ beziffert sich wie folgt (in CHF): Beklagte F.________ G.________ Kläger H.________ Grundbetrag CHF 1'350.00 CHF 600.00 CHF 600.00 CHF 850.00 CHF 400.00 Wohnkosten CHF 934.00 CHF 300.00 CHF 300.00 CHF 859.50 CHF 859.00 Krankenkassenprämien (KVG) CHF 337.25 CHF 85.25 CHF 85.25 CHF 266.05 CHF 69.65 Drittbetreuungskosten CHF 1'560.00 Auswärtige Verpflegung CHF 220.00 Mobilitätskosten CHF 400.00 CHF 321.00 Seite 27/46 Existenzminimum CHF 3'021.25 CHF 985.25 CHF 985.25 CHF 2'516.55 CHF 2'888.65 Krankenkassenprämien (VVG) CHF 39.20 CHF 17.40 CHF 17.40 CHF 246.20 CHF 54.20 Kommunikationspauschale CHF 100.00 CHF 100.00 Versicherungspauschale CHF 50.00 CHF 50.00 Steuern CHF 530.00 CHF 125.00 CHF 125.00 CHF 125.00 CHF 35.00 Erw. Existenzminimum CHF 3'740.45 CHF 1'127.65 CHF 1'127.65 CHF 3'037.75 CHF 2'977.85 8.5.5 Zu den einzelnen Positionen ist Folgendes anzumerken: - Grundbetrag: Nach den Richtlinien des Obergerichts für die Berechnung des betrei- bungsrechtlichen Existenzminimums vom 10. Dezember 2009 (nachfolgend "Richtlinien") beträgt der Grundbetrag für eine alleinstehende Person ohne Betreuungspflichten CHF 1'200.00 pro Monat. In diesem Betrag sind die Auslagen für Nahrung, Kleidung und Wäsche (einschliesslich deren Instandhaltung), Körper - und Gesundheitspflege, Unter- halt der Wohnungseinrichtung, Privatversicherungen, Kulturelles sowie Auslagen für Be- leuchtung, Koch strom und/oder Gas etc. enthalten. Für eine Person mit Betreuungs- pflichten wird hingegen mit einem Grundbetrag von monatlich CHF 1'350.00 gerechnet. Bei den Kindern sind für über 10 -jährige Grundbeträge von CHF 600.00 pro Monat und für H.________ ein solcher von CHF 400.00 pro Monat zu berücksichtigen. Der Kläger stellt sich auf den Standpunkt, bei der Beklagten sei von einer kostensenken- den Wohngemeinschaft auszugehen und ein Grundbetrag von CHF 850.00 zu berück- sichtigen, da bei ihr ihr volljährige r und arbeitstätige r Sohn lebe. Dieser habe sich an den Lebenshaltungskosten zu beteiligen (act. 77A S. 11). Die Richtlinien des Obergerichts des Kantons Zug sehen jedoch keinen besonderen Grundbetrag für einen alleinstehen- den Schuldner in Haushaltsgemeinschaft mit erwachsenen Personen vor. Eine Wohnge- meinschaft mit einem volljährigen Kind ist nicht mit einem Konkubinat oder gar einer Ehe gleichzusetzen. Auch angesichts der finanziellen Verhältnisse der Parteien ist es vorlie- gend nicht gerechtfertigt, den Grundbetrag der Beklagten zu re duzieren. Es ist für sie der Grundbetrag für eine Person mit Betreuungspflichten in der Höhe von CHF 1'350.00 ein- zusetzen (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Zug Z2 2020 40 vom 11. Februar 2021 E. 6.3.3). Der Kläger wohnt hingegen unbestrittenermass en mit seiner Lebenspartnerin zusammen, weshalb ihm die Hälfte des Grundbetrages für ein Ehepaar, mithin CHF 850.00 anzu- rechnen ist (act. 77A S. 12). - Wohnkosten: Die monatlichen Mietkosten der Beklagten belaufen sich unbestrittener- massen auf CHF 2'300.00 pro Monat und sind belegt ( act. 11/9; act. 42 S. 32; act. 77A S. 11). Der Kläger verlangt, dass für den volljährigen und bei der Beklagten lebende n Sohn ein Wohnkostenanteil von 2/6, mithin CHF 766.00 in Abzug zu bringen sei (act. 77A S. 11). Lebt ein Ehe gatte mit einem volljährigen Kind zusammen, demgegen- über er nicht mehr unterstützungspflichtig ist, sind die Wohnkosten im Bedarf des Ehe- gatten auf die Hälfte zu reduzieren. Ist das bereits volljährige Kind noch in Ausbildung, sind die Wohnkosten nur in Re lation zum erzielten oder zumutbaren Einkommen ange- messen zu reduzieren ( vgl. Six, Eheschutz, 2. A. 2014, N 2.101 f.; Urteil des Oberge- richts des Kantons Zug Z2 2020 40 vom 11. Februar 2021 E. 6.4.3). Mangels anderer Seite 28/46 Behauptungen der Beklagten ist davon au szugehen, dass gegenüber ihrem volljährigen Sohn keine Unterstützungspflicht en mehr bestehen . Es ist ihm mithin zumutbar, sich – wie vom Kläger beantragt – mit rund 2/6, also CHF 766.00, im Monat an den Wohnkos- ten der Beklagten zu beteiligen. Von den restl ichen Wohnkosten im Betrag von CHF 1'534.00 ist der Wohnkostenanteil der beiden Söhne in Abzug zu bringen, der vor- liegend mit CHF 300.00 pro Kind veranschlagt wird ( ca. ein Drittel der Wohnkosten, vgl. Fountoulakis, a.a.O., Art. 285 ZGB N 9; Aebi-Müller/Schweighauser, Der Betreu- ungsunterhalt, FamPra.ch 1/2017 S. 164, 172 f.). Folglich beträgt der im Bedarf der Be- klagten zu berücksichtigende Wohnkostenanteil noch CHF 934.00. Der Kläger wohnt mit seiner Partnerin in K.________. Die Wohnkosten belaufen sich a uf CHF 2'578.00 (act. 77A/4). Praxisgemäss ist ein Drittel der anfallenden Wohnkosten im Betrag von rund CHF 859.00 im Bedarf von H.________, dem ausserehelichen Sohn des Klägers, anzurechnen (Fountoulakis, a.a.O., Art. 285 ZGB N 9; Aebi-Müller/Schweighau- ser, a.a.O., S. 164, 172 f.). Die Hälfte der restlichen Wohnkosten von CHF 1'719.00 (= CHF 2’578.00 ./. CHF 859.00), mithin CHF 859.50, sind im Bedarf des Klägers zu be- rücksichtigen. - KK-Prämien (KVG + VVG): Die Krankenversicherungsp rämien sind ausgewiesen und be- tragen für die Beklagte CHF 376.45 (CHF 337.25 KVG + CHF 39.20 VVG; act. 77B/74) und für F.________ und G.________ je CHF 102.65 (CHF 85.25 KVG + CHF 17.40; act. 77B/74). Diejenigen des Klägers belaufen sich auf CHF 512.25 pro Monat (CHF 266.05 KVG + CHF 246.20 VVG; act. 77A/5). Bei H.________ belaufen sich die Krankenkassenprämien auf CHF 123.85 pro Monat (CHF 69.65 KVG + CHF 54.20 VVG; act. 77A/6). Im Rahmen des familienrechtlichen Existenzminimums sind die Prämien nach VVG ebenfalls im Bedarf der Parteien zu berücksichtigen. Der Kläger behauptet sodann, es sei davon auszugehen, dass die Beklagte auch weiter- hin eine Prämienverbilligung erhalten werde (act. 77 S. 3). An der Parteibefragung im Ap- ril 2018 führte die Beklagte di esbezüglich aus, sie würde aufgrund ihres Einkommens nur für die beiden Söhne eine Prämienverbilligung erhalten (act. 47 Ziff. 84). Gemäss Richtli- nien ist der Prämienaufwand für die Krankenversicherung unter Einschluss einer allfälli- gen Prämienverbilligung zum Grundbetrag hinzuzuzählen (vgl. Beschluss und Urteil des Obergerichts Zürich vom 22. April 2015, LC140029 E. 3.2.3). Aufgrund des aktuellen massgeblichen steuerbaren Einkommens der Beklagten ist die zukünftige Gewährung einer Prämienverbilligung jedoch nicht oder – wenn überhaupt – nur in sehr geringem Umfang zu erwarten. Eine hypothetische Prämienverbilligung anzurechnen, geht deshalb an der Sache vorbei. - Auswärtige Verpflegung : Der Kläger arbeitet in einem 100 %-Pensum in L.________. Ge- mäss den Richtlinien sind ihm dafür unbestrittenermassen monatliche Kosten von CHF 220.00 anzurechnen ( vgl. Richtlinien, Ziff. 4.2). Die Beklagte mach t in ihrem Bedarf keine Kosten für die auswärtige Verpflegung geltend. Sie führte an der Parteibefragu ng denn auch aus, während der Schulzeit bloss an Halbtagen als Spielgruppenleiterin zu arbeiten (act. 47 Ziff. 47). Der Beklagten sind daher keine Kosten für die auswärtige Ver- pflegung im Bedarf anzurechnen. Seite 29/46 - ÖV/Mobilität: Der Kläger macht Kosten für ein Generalabonnement von CHF 345.00 pro Monat geltend (act. 77A S. 14). Die Beklagte geht beim Kläger allerdings von Mobilitäts- kosten in der Höhe von CHF 280.00 pro Monat aus (act. 42 S. 48). Die Kosten der Fahrt zum Arbeitsplatz als Teil der unumgänglichen B erufskosten sind als Zuschlag zum mo- natlichen Grundbetrag zu berücksichtigen. Abzustellen ist grundsätzlich auf die effektiven Auslagen für die Benützung des öffentlichen Verkehrs. Die Kosten für ein Generalabon- nement in der 2. Klasse belaufen sich auf CHF 3'860.00 pro Jahr und mithin CHF 321.00 pro Monat. Dem Kläger ist daher der Ersatz für ein Abonnement des öffentlichen Ver- kehrs in der Höhe von lediglich CHF 321.00 pro Monat in seinem Bedarf anzurechnen (https://www.sbb.ch/de/geschaeftskunden/angebot/abo nnemente/das -generalabonne- ment.html). Die Beklagte macht Mobilitätskosten von CHF 400.00 pro Monat geltend (act. 42 S. 39). Sie behauptet, auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen zu sein. Sie brauche es, um an die verschiedenen Kursorte zu gelangen. Sie unterrichte in M.________, N.________, K.________, J.________ und O.________. Dank dem Auto könne sie die Betreuung der Kinder abdecken. Vor allem benötige sie aber ein Auto, damit F.________ sein Hobby (BMX) ausüben und sie G.________ für den Klavierunterricht in die Stadt bringen könne (act. 34 S. 23; act. 47 Ziff. 79 ff.). Der Kompetenzcharakter des Fahrzeugs der Beklagten wird vom Kläger bestritten. Die Beklagte benötige kein Auto, da die Unterrichtsorte in M.________, N.________, K.________ und J.________ sowie O.________ leicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen seien. Das Fahrzeug sei auch nicht not- wendig, damit F.________ sein BMX-Hobby ausüben könne (act. 38 S. 35). An der Par- teibefragung führte die Beklagte diesbezüglich jedoch aus, die Rennen würden in P.________, der Zentralschweiz und in Q.________ stattfinden. Im Moment fahre F.________ die Deutschschweizermeisterschaften, welche bis nach R.________ (Öster- reich) reichen würden. Nächstes Jahr wolle er noch Swiss Cup fahren, das gehe dann bis nach S.________ (act. 47 Ziff. 81). Es gebe nur teilweise Fahrgemeinschaften beim Klub. Aber die Velos und die Ausrüstung müss ten ebenfalls transportiert werden (act. 47 Ziff. 83). Die von der Beklagten angegeben Kursorte M.________, N.________, K.________, J.________ und O.________ sind jedenfalls mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut er- reichbar. Genauso wie G.________ Klavierstunden in der Stadt J.________. Auch legt die Beklagte nicht dar, inwieweit die verschiedenen Termine nicht koordiniert oder die Betreuung der Kinder nicht mehr bewerkstelligt werden könnte n, wenn sie die öffentli- chen Verkehrsmittel benutzen müsste. Es ist allerdings glaubhaft und wurde vom Kläger an der Hauptverhandlung auch nicht bestritten, dass die Beklagte für die 8 –14 Rennwo- chenenden in der Deutsch - und Westschweiz und zum Transport des BMX -Velos von F.________ auf ein Fahrzeug angewiesen ist. Die mit dem Fahrzeug zusammenhängen- den und von der Beklagten geltend gemachten Kosten im Betrag von CHF 400.00 sind deshalb im Bedarf der Bekla gten zu berücksichtigen. Angesichts der Praxis des Kantons- gerichts Zug, wonach rund CHF 500.00 pro Monat für Autokosten veranschlagt werden, sind diese denn auch angemessen (so auch Entscheid des Obergerichts Zug Z2 2017 7). - Drittbetreuungskosten: Die Kosten, welche aufgrund einer Fremdbetreuung während der Zeit anfallen, in welcher der obhutsberechtigte Elternteil einer Erwerbstätigkeit nachgeht, Seite 30/46 werden bei der Bedarfsberechnung der Kinder berücksichtigt und sind auch bei knappen Verhältnissen zum Grundbe trag hinzuzurechnen (Urteil des Bundesge- richts 5A_311/2020 vom 11. November 2020 E. 7.2). Da die Betreuungskosten beim Kin- desunterhalt zu berücksichtigen sind, gilt für deren Festlegung ausserdem die Untersu- chungs- und Offizialmaxime (Art. 296 ZPO). Der Kläger macht e an der Hauptverhandlung geltend, dass sich die Krippenkosten für H.________ auf CHF 1'560.00 pro Monat belaufen. Diese Kosten sind ausgewiesen und im Bedarf von H.________ zu berücksichtigen (act. 77A/7). - Kommunikationspauschale: Gemäss der jüngsten bundesgerichtlichen Rechtsprechung gehören bei den Elternteilen je eine Kommunikationspauschale zum familienrechtlichen Existenzminimum (Urteil des Bundesgerichts 5A_311/2020 vom 11. November 2020 E. 7.2). Diese beläuft sich nach der P raxis des Kantonsgerichts Zug auf CHF 100.00 pro Monat. - Versicherungspauschale: Ebenfalls bei den Elternteilen zu berücksichtigen ist eine Versi- cherungspauschale, welche sich praxisgemäss auf CHF 50.00 pro Monat beläuft (Urteil des Bundesgerichts 5A_311/2020 vom 11. November 2020 E. 7.2). - Steuern: Die Beklagte macht ferne r Steuern in der Höhe von CHF 146.00 pro Monat gel- tend (act. 34 S. 23; act. 42 S. 39). Der Kläger bestreitet nicht, dass die Beklagte Steuern zu bezahlen hat. Er lässt diesbezüglich aber ausführen, die Steuerbelastung sei massge- blich von der Höhe der Unterhaltszahlungen abhängig und schätzt diese auf rund CHF 100.00 pro Monat. Er selbst geht bei sich von einer Steuerbelastung von rund CHF 200.00 pro Monat aus (act. 77A S. 11 und 14). Zum familienrechtlichen Existenzminimum gehören auch die Steuern. Als Grundlage für die Berechnung der Steuerbelastung dienen das Vermögen und das Einkommen der Par- teien, wobei anerkannt ist, dass grundsätzlich die effektiven Steuerlasten auf beiden Sei- ten zu berücksichtigen sind (vgl. BGE 128 III 257; Arndt/Bader, Steuer - und Familien- recht – wenn verflossene Liebe Steuern kostet, FamPra.ch 2020, S. 644 ff.). Anzurech- nen sind somit sowohl die Einkommens - wie auch die Vermögenssteuern. Ausgehend von einem jäh rlichen Nettoeinkommen der Beklagten von rund CHF 97'510.20 (= [CHF 3'851.85 Einkommen + CHF 1'166.00 nachehelicher Unterhalt + CHF 1'229.00 Unterhalt F.________ + CHF 1'229.00 Unterhalt G.________ + CHF 650.00 Kinderzulagen ] x 12) und unter Berücksichtigung der Steuerabzüge ergibt sich eine monatliche Steuerbelastung für Staats - und Gemeindesteuern in J.________ von rund CHF 780.00 pro Monat (https://swisstaxcalculator.estv.admin.ch/#/calculator/ income-wealth-tax). Die Steuern ents prechen mithin rund 10 % des Nettoeinkommens der Beklagten (Arndt/Bader, Steuern im Familienrecht: praktische Hinweise zur Schei- dung, Anwaltsrevue 2020, S. 314 ff., 315). Von dieser Steuerbelastung ist der im Barbe- darf der Kinder zu berücksichtigende Steue ranteil im Betrag von je rund CHF 125.00 (vgl. nachfolgend) in Abzug zu bringen, insgesamt also CHF 250.00. Der im Bedarf der Beklagten zu berücksichtigende Steueranteil beläuft sich somit noch auf CHF 530.00 pro Monat. Seite 31/46 Der Kläger kann gemäss § 30 Abs. 1 lit. c Steuergesetz des Kantons Zug die Unterhalts- beiträge an den geschiedenen Ehegatten sowie Kinderunterhaltsbeiträge für die Zwecke der direkten Bundessteuer und der zugerischen Kantons - und Gemeindesteuern als Ab- zug vom Einkommen deklarieren. Basierend auf dem nach Abzug dieser Unterhaltsbei- träge noch zu versteuernden jährlichen Nettoeinkommen von rund CHF 72'958.20 (= [CHF 9'703.85 Einkommen ./. CHF 1'166.00 nachehelicher Unterhalt ./. CHF 1'229.00 Unterhalt F.________ ./. CHF 1'229.00 Unterhalt G.________] x 12) und unter Berück- sichtigung der Steuerabzüge ist bei ihm von einer Steuerlast in K.________ von rund CHF 125.00 pro Monat auszugehen (https://swisstaxcalculator.estv.admin.ch/#/ calculator/income -wealth-tax). Die Steuern entsprechen mithin rund 2 % des Nettoein- kommens des Klägers. Das Bundesgericht hat nun in seiner jüngsten Rechtsprechung die Ausscheidung eines Steueranteils beim Barbedarf des Kindes im familienrechtlichen Existenzminimum bejaht (Urteil des Bundesgerichts 5A_311/2020 vom 11. November 2020 E. 7.2). Der vom Klä- ger an den Barunterhalt von F.________ und G.________ zu bezahlende Betrag beläuft sich auf CHF 1'229.00 pro Kind und Monat. Ausgehend von einem Steuerbetrag von rund 10 % beläuft sich der im Barbedarf von F.________ und G.________ zu berücksichti- gende Steueranteil auf rund CHF 125.00 pro Monat (Arndt/Bader, a.a.O., S. 315). Der in H.________ Barbedarf zu berücksichtigende Steueranteil ist ausgehend von einem Steu- erbetrag von rund 2 % und den vom Kläger zu übernehmenden hälftigen Bedarfskosten zzgl. Überschussanteil mit rund CHF 35.00 pro Monat zu veranschlagen. 8.5.6 Folgende von den Parteien geltend gemachten Kosten können im Bedarf nicht berücksichtigt werden: - Freizeitaktivitäten und Hobbies der Kinder: Die von der Beklagten für die beiden Söhne geltend gemachten monatlichen Kosten für Freizeitaktivitäten (act. 34 S. 20 f.; act. 42 S. 32 ff.) sind im familienrechtlichen Existenzminimum nicht zu berücksichtigen, sondern aus dem zu teilenden Überschuss zu finanzieren. - Hausrat- und Haftpflichtversicherung: Die von den Parteien bezifferten Kosten für die Hausrat- und oder Haftpflichtversicherung (act. 42 S. 39; act. 77A S. 13) sind aus der Versicherungspauschale oder dem zu teilenden Überschuss zu finanzieren und werden darüber hinaus nicht separat im familienrechtlichen Existenzminimum berücksichtigt. 9. In einem zweiten Schritt ist das Einkommen der Parteien und der Kinder zu ermitteln. 10. Die Beklagte erzielte für die Hauswartung im T.________ im Jahr 2020 ein en Nettojahres- lohn von CHF 2'160.00 (vgl. Lohnausweis act. 80/76). Bei der U.________ arbeitet die Be- klagte während der Schulzeit an fünf Halbtagen als Spielgruppenleiterin und erzielt dort ge- mäss Lohnabrechnungen einen Nettolohn von CHF 3'162.85 pro Monat ( act. 47 Ziff. 47; act. 75/67; act. 80/77). Ausserdem erwirtschaftete sie gemäss Lohnausweis 2020 bei der V.________ als Tagesmutter am Mittwochnachmittag einen Nettojahreslohn von CHF 3'689.00 und als Kursleiterin beim W.________Verband einen solchen von CHF 6'108.00 (act. 47 Ziff. 47; act. 80/78; act. 80/80). Das Arbeitsverhältnis mit der Seite 32/46 V.________ endete jedoch am 31. Dezember 2020 (vgl. act. 75/69). Es ist bei der Beklagten aufgrund dieser Kündigung mithin noch von einem Arbeitspensum von rund 5 5–60 % auszu- gehen (fünf Halbtage während der Schulzeit , jährlich ca. 10 Tage als Kursleiterin und Haus- wartung im T.________). Bei diesem 60%-Pensum erzielt sie ein monatliches Nettoeinkom- men in der Höhe von CHF 3'851.85 (= [CHF 2'160.00 / 12] + [CHF 6'108.00 / 12] + CHF 3'162.85). Überdies bezieht die Beklagte Kinderzulagen in der Höhe von je CHF 325.00 (act. 47 Ziff. 55; at. 77A S. 10), welche gestützt auf Art. 285 Abs. 2 ZGB bei der Bemessung der Leistungsfähigkeit ausser Acht gelassen werden und bei den Kindern anzurechnen s ind. Angesichts der bundesgerichtlichen Rechtsprechung geht der Kläger bei der Beklagten ab dem 12. Lebensjahr von G.________ von einem 80 % Pensum und sobald dieser das 16. Le- bensjahres erreicht hat von einem 100 % Pensum aus (act. 77A S. 10). Das Bundesgericht hielt in seiner Rechtsprechung fest, dass die bisher geltende 10/16 -Regel primär am Vertrauen in den Bestand der Ehe und nicht an den Betreuungsbedürfnissen des Kindes angeknüpft habe. Sachgerechter sei es heute, in einer ersten Phase das von de n El- tern vor der Aufhebung des gemeinsamen Haushaltes vereinbarte beziehungsweise prakti- zierte Betreuungsmodell fortzuführen und sodann das sogenannte Schulstufenmodell anzu- wenden. Nach dem Schulstufenmodell soll der hauptbetreuende Elternteil ab der oblig atori- schen Einschulung des jüngsten Kindes grundsätzlich zu 50 % einer Erwerbsarbeit nachge- hen, ab seinem Eintritt in die Sekundarstufe zu 80 % und ab vollendetem 16. Lebensjahr zu 100 %. Für die Anwendung des Schulstufenmodells spricht, dass der obhutsberechtigte El- ternteil mit der Einschulung des Kindes während der betreffenden Zeit von der Betreuung entlastet wird. Die schulische Betreuung dehnt sich sodann im Verlauf der Jahre aus. Dies, sowie die allgemeine Entwicklung des Kindes, lassen eine Erweiterung der zumutbaren Er- werbsquote nach Schulstufen des Kindes als angezeigt erscheinen. Dem Charakter einer Richtlinie entsprechend, kann im Einzelfall aber aus zureichenden Gründen vom Schulstu- fenmodell abgewichen werden (Urteil des Bundesgerichts 5 A_384/2018 vom 21. September 2018). Aufgrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist dem hauptbetreuenden Elternteil mit- hin ab Eintritt des jüngsten Kindes in die Oberstufe grundsätzlich eine Erwerbstätigkeit in ei- nem 80 %-Pensum zumutbar. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich und wird von der Be- klagten auch nicht substantiiert vorgebracht oder belegt (act. 42 S. 41; act. 77B), weshalb sie ab dem Übertritt von G.________ in die Oberstufe nicht das vom Bundesgericht als Normal- fall vorgesehene Arbeits pensum erbringen und ihre Erwerbstätigkeit entsprechend ausdeh- nen könnte. Die Klägerin ist daher zu verpflichten, ab dem Übertritt von G.________ in die Oberstufe einem 80 %-Pensum und ab vollendetem 16. Lebensjahr von G.________ einem Vollzeitpensum nachz ugehen. Der Kläger rechnet der Beklagten ab dem Übertritt von G.________ in die Oberstufe ein Nettoeinkommen in einem 80 %-Pensum von CHF 5'472.60 und ab November 2025 (erreichen des 16. Lebensjahres) ein Nettoeinkommen in einem 100 %-Pensum von CHF 6'840.80 pro Monat an , basierend auf einem jetzigen Einkommen von CHF 4'104.50 pro Monat (act. 77A S. 10). Angesichts des aktuellen Einkommens der Be- klagten in der Höhe von CHF 3'851.85 pro Monat ist ihr ab dem Übertritt von G.________ in die Oberstufe jedoch ei n solches in einem 80 %-Pensum im Betrag von CHF 5'135.80 netto (= CHF 3'851.85 / 60 x 80) und sobald G.________ das 16. Lebensjahr vollendet hat, ein Seite 33/46 Nettoerwerbseinkommen in einem Vollzeitpensum von CHF 6'419.75 pro Monat (= CHF 3'851.85 / 60 x 100) anzu rechnen. 11. Der Kläger arbeitet seit dem 1. September 2020 im 100 %-Pensum bei der I.________. Er erzielt unbestrittenermassen ein monatliches Nettoeinkommen in der Höhe von CHF 9'703.85 (inkl. Anteil am 13. Monatslohn; act. 77A S. 8; act. 77 S. 2). 12. Nach dem Gesagten sind im Folgenden der Kindesunterhalt und der nacheheliche Unterhalt in den verschiedenen zeitlichen Phasen festzulegen. 12.1 Die erste Phase dauert vom Zeitpunkt der Rechtskraft des Scheidungsentscheids bis zum 31. Juli 2022 (voraussichtlicher E intritt von G.________ in die Oberstufe). In dieser Phase verbleibt ein zu teilender Überschuss, weshalb angesichts der finanziellen Verhältnisse auf das familienrechtliche Existenzminimum abzustellen ist. Nach dem Gesagten ergibt sich für die erste Phase ab dem Zeitpunkt des S cheidungsentscheids bis zum 31. Juli 2022 folgende Bedarfsaufstellung mit Überschuss: Beklagte F.________ G.________ H.________ Kläger Einkommen CHF 3'851.85 CHF 325.00 CHF 325.00 CHF 300.00 CHF 9'703.85 Erw. Existenzminimum -CHF 3'740.45 -CHF 1'127.65 -CHF 1'127.65 -CHF 2'977.85 -CHF 3'037.75 Differenz CHF 111.40 -CHF 802.65 -CHF 802.65 -CHF 2'677.85 CHF 6'666.10 ½ Barbedarf H.________ -CHF 1'338.95 Überschuss gerundet CHF 3'833.00 In dieser Phase ist der Beklagten gemessen am Schulstufenmodell noch kein höheres Ein- kommen anzurechnen. Da die Beklagte mit ihrem Einkommen von CHF 3'851.85 ihr erweiter- tes Existenzminimum von CHF 3'740.45 aber selbst zu decken vermag, haben die Kinder keinen Anspruch auf Betreuungsunterhalt. Der Barbedarf von H.________ wird gemäss Aus- führungen des Klägers von ihm und seiner neuen Lebenspartnerin je hälftig getragen. Es ist davon auszugehen, dass entweder der Kläger oder seine neue Lebenspartnerin für H.________ Familienzulagen bezieht, wobei im Kanton Zug von solchen in der Höhe von CHF 300.00 pro Monat auszugehen ist. Aus der Differenz zwischen dem Einkommen und dem Bedarf der Personen ergibt sich ein Überschuss in der Höhe von rund CHF 3'833.00. Dieser Überschuss ist auf die Parteien und die Kinder zu verteilen, wobei grundsätzlich die Eltern zu zwei Teilen und die Kinder zu einem Teil am Überschuss partizipieren (vorliegend je rund 1/3 für die Eltern; je rund 1/9 für die Kinder). Dies ergibt folgende Un terhaltsverpflich- tung bzw. -berechtigung. Beklagte F.________ G.________ H.________ Kläger Einkommen CHF 3'851.85 CHF 325.00 CHF 325.00 CHF 300.00 CHF 9'703.85 Erw. Existenzminimum -CHF 3'740.45 -CHF 1'127.65 -CHF 1'127.65 -CHF 2'977.85 -CHF 3'037.75 Differenz CHF 111.40 -CHF 802.65 -CHF 802.65 -CHF 2'677.85 CHF 6'666.10 ½ Barbedarf H.________ -CHF 1'338.95 Überschuss (gerundet) CHF 1'277.65 CHF 425.90 CHF 425.90 CHF 425.90 CHF 1'277.65 Total (gerundet) CHF 1'166.00 CHF 1'229.00 CHF 1'229.00 CHF 1'765.00 CHF 4'315.00 Seite 34/46 Der Kläger hat somit CHF 5'389.00 Unterhaltsbeiträge zu bezahlen, wobei CHF 1'166.00 auf die Beklagte und je CHF 1'229.00 auf F.________ und G.________ sowie CHF 1'765.00 auf H.________ entfallen. Diese Unterhaltsbeiträge sind zahlbar ab Rechtskraft des Scheidungs- entscheids bis zum 31. Juli 2022. 12.2 Ab der zweiten Phase vom 1. August 2022 (voraussichtlicher Eintritt von G.________ in die Oberstufe) bis zum 30. November 2025 (16. Geburtstag von G.________) wird der Beklagten ein monatliches Einkommen in einem 80% -Pensum im Betrag von CHF 5'135.80 netto ange- rechnet (vgl. E. 10). Da die Beklagte ab diesem Zeitpunkt zu einem höheren Arbeitspensum verpflichtet ist, ist ihr ebenfalls ein Betrag zur auswärtigen Verpflegung anzurechnen, der sich angesichts ihres 80% -Pensums auf CHF 176.00 pro Monat beläuft. Ebenso wird ihre so- wie die Steuerlast des Klägers steigen. Ausgehend von einem jährlichen Nettoeinkomme n der Beklagten von rund CHF 107'805.60 (= [CHF 5'135.80 Einkommen + CHF 490.00 nach- ehelicher Unterhalt + CHF 1'354.00 Unterhalt G.________ + CHF 1'354.00 Unterhalt F.________ + CHF 650.00 Kinderzulagen] x 12) und unter Berücksichtigung der Steuerab- züge ergibt sich eine monatliche Steuerbelastung für Staats - und Gemeindesteuern in J.________ von rund CHF 960.00 pro Monat (https://swisstaxcalculator.estv.admin.ch/#/ calculator/income -wealth-tax). Die Steuern entsprechen rund 11 % des Nettoeinkommens der Beklagten (Arndt/Bader, a.a.O., S. 315). Von dieser Steuerbelastung ist der im Barbedarf der Kinder zu berücksichtigende Steueranteil im Betrag von je CHF 150.00 (vgl. nachfolgend) in Abzug zu bringen, insgesamt also CHF 300.00. Der im Bedarf der Beklagten zu berück- sichtigende Steueranteil beträgt somit noch rund CHF 660.00 pro Monat. Der vom Kläger an den Barunterhalt der Kinder zu bezahlende Betrag beläuft sich in dieser Phase auf gerundet CHF 1'354.00 pro Kind und Monat. Ausg ehend von einem Steuerbetrag von rund 11 % ent- spricht der im Barbedarf der Kinder zu berücksichtigende Steueranteil rund CHF 150.00 pro Monat (Arndt/Bader, a.a.O., S. 315). Beim Kläger belaufen sich die Steuern bei einem zu ver- steuernden jährlichen Nettoei nkommen von CHF 78'070.00 auf rund CHF 150.00 pro Monat. Die übrigen Einkommens - und Bedarfspositionen bleiben unverändert. Daraus resultiert für die dritte Phase folgende Bedarfsaufstellung mit einem Überschuss: Beklagte F.________ G.________ H.________ Kläger Einkommen CHF 5'135.80 CHF 325.00 CHF 325.00 CHF 300.00 CHF 9'703.85 Erw. Existenzminimum -CHF 4'046.45 -CHF 1'152.65 -CHF 1'152.65 -CHF 2'977.85 -CHF 3'062.75 Differenz CHF 1'089.35 -CHF 827.65 -CHF 827.65 -CHF 2'677.85 CHF 6'641.10 ½ Barbedarf H.________ -CHF 1'338.95 Überschuss gerundet CHF 4'736.00 12.2.1 Nach Art. 276 Abs. 2 ZGB sorgen die Eltern gemeinsam, ein jeder nach seinen Kräften, für den gebührenden Unterhalt des Kindes, wobei der Unterhalt eines Kindes durch Pflege, Er- ziehung und Geldzahlung geleistet wird. Diese beiden Arten von Beiträgen an den Kindesun- terhalt sind nach der Konzeption des Gesetzes gleichwertig. Aus diesen Gründen gilt, dass der Elternteil, der das Kind nicht oder nicht wesentlich betreut, grundsätzlich für dessen Bar- unterhalt aufzukommen hat, während der andere Elternteil, der da s Kind betreut, gleichwertig seinen Unterhaltsbeitrag in natura, also durch Pflege und Erziehung bzw. Betreuung erbringt. Erzielt nun aber der betreuende Elternteil ein eigenes Einkommen und verfügt darüber Seite 35/46 hinaus über einen Überschuss, so ist zu prüfen, o b der hauptbetreuende Elternteil zusätzlich zu verpflichten ist, neben dem Naturalunterhalt einen Teil des Barbedarfs der Kinder zu de- cken. Massgebend für die Festlegung eines Barunterhalts des obhutsberechtigten Elternteils ist einerseits die Höhe des Übe rschusses dieses Elternteils sowie der Naturalunterhalt, wel- cher dieser auch ausserhalb der Zeiten, welchen gewöhnlich einer Erwerbstätigkeit nachge- gangen wird, erbringt . Insbesondere eine altersbedingte Reduktion des Betreuungsaufwan- des und eine damit ver bundene Pflicht zur Aufnahme oder Erweiterung einer Erwerbstätigkeit kann mithin dazu führen, dass sich der hauptbetreuende Elternteil allfällig nach Massgabe der sich daraus ergebenden Leistungsfähigkeit und unter Berücksichtigung des (nach wie vor) durch ihn erbrachten Naturalunterhalts auch am Barunterhalt des Kindes zu beteiligen hat. Dabei führt das Vorhandensein eines Überschusses beim hauptbetreuenden Elternteil nicht ohne Weiteres zu einer Beteiligung am Barunterhalt des Kindes, ansonsten dem Prinzi p der Gleichwertigkeit von Natural - und Geldunterhalt keine Nachachtung verschafft würde. Vielmehr kann das Gericht einzelfallbezogen und ermessensweise den hauptbetreuenden Elternteil dazu verpflichten, neben dem Naturalunterhalt einen Teil des Barbedarfs des Kin- des zu decken. Dabei stehen der Umfang des Naturalunterhalts, die Grössenordnung des Überschusses als solcher und das Verhältnis der Leistungsfähigkeit zwischen den Eltern in einer Wechselbeziehung, welche ermessensweise bei der Festlegung des Baru nterhalts zu berücksichtigen sind . Je besser die finanziellen Verhältnisse sind und entsprechend höher der Überschuss des hauptbetreuenden Elternteils ausfällt, desto eher ist eine Beteiligung desselben am Barunterhalt des Kindes in Betracht zu ziehen (Urt eile des Bundesgerichts 5A_727/2018 vom 22. August 2019 E. 4.3.2. ff.; 5A_1032/2019 vom 9. Juni 2020E. 5.4.1. und 5A_926/2019 vom 30. Juni 2020 E. 6.2). 12.2.2 Vorliegend werden die beiden Kinder, ausser während der Dauer des üblichen Besuchs- rechts und dem Donn erstag, zur Hauptsache von der Beklagten allein betreut. Im Gegensatz zur Beurteilung, ob der unterhaltsberechtigte Ehegatte einer erweiterten Erwerbstätigkeit nachgehen kann, ist für die Beurteilung des Umfangs des Naturalunterhalts nicht nur die Be- treuung während den Werktagen, sondern auch nachts und am Wochenende massgebend. Der Kläger (bzw. dessen Eltern) betreut die Kinder jedes zweite Wochenende von Freitag- abend, 18.00 Uhr, bis Montagmorgen , 8.00 Uhr, sowie jeden Donnerstag mittag bis 20.00 Uhr. Durchschnittlich betreut der Kläger bzw. seine Eltern die Kinder somit während rund 39 Stunden pro Woche, die Beklagte im Durchschnitt während 1 29 Stunden. Der Kläger leistet somit insgesamt rund 2 3 % des Naturalunterhalts, während die Beklagte rund 77 % des Un- terhalts in natura übernimmt. Dabei reduziert sich der Umfang des Betreuungsaufwands für beide Elternteile mit zunehmendem Alter der Kinder, weshalb die Beklagte ihre Erwerbstätig- keit zu erweitern hat und so ihre Leistungsfähigkeit steigt. Die Leistungsfäh igkeit der Parteien beurteilt sich nach dem persönlichen Überschuss, welchen die Parteien im Verhältnis ihres Einkommens zum eigenen Bedarf aufweisen. Der Kläger als nach wie vor die wirtschaftlich stärkere Partei hat einen persönlichen Überschuss von CHF 6'641.10 (= CHF 9'703.85 Ein- kommen ./. CHF 3'062.75 Bedarf), während die Beklagte einen persönlichen Überschuss von CHF 1'089.35 (= CHF 5'135.80 hypothetisches Einkommen ./. CHF 4'046.45 Bedarf) erwirt- schaftet. Die Leistungsfähigkeit der Parteien steht som it im Verhältnis 14 % der Beklagten zu 86 % des Klägers. Angesichts dieser Verhältnisse, insbesondere des von der Beklagten nach wie vor zu leistenden Naturalunterhalts und der den Parteien zur Verfügung stehenden finan- ziellen Ressourcen , wird in dieser Ph ase jedoch weiterhin der Kläger zur Tragung des Seite 36/46 Barunterhalts verpflichtet und es ist nicht angezeigt, der Beklagten eine Beteiligung am Bar- unterhalt aufzuerlegen. 12.2.3 Der verbleibende Überschuss ist weiterhin auf die Parteien und die Kinder zu verteilen, wob ei grundsätzlich die Eltern zu zwei Teilen und die Kinder zu einem Teil am Überschuss partizi- pieren (vorliegend je rund 1/3 für die Eltern; je rund 1/9 für die Kinder). Dies ergibt folgende Unterhaltsverpflichtung bzw. -berechtigung. Beklagte F.________ G.________ H.________ Kläger Einkommen CHF 5'135.80 CHF 325.00 CHF 325.00 CHF 300.00 CHF 9'703.85 Erw. Existenzminimum -CHF 4'046.45 -CHF 1'152.65 -CHF 1'152.65 -CHF 2'977.85 -CHF 3'062.75 Differenz CHF 1'089.35 -CHF 827.65 -CHF 827.65 -CHF 2'677.85 CHF 6'641.10 ½ Barbedarf H.________ -CHF 1'338.95 Überschuss (gerundet) CHF 1'578.65 CHF 526.20 CHF 526.20 CHF 526.20 CHF 1'578.65 Total (gerundet) CHF 490.00 CHF 1'354.00 CHF 1'354.00 CHF 1'865.00 CHF 4'641.00 Der Kläger hat somit CHF 5'063.00 Unterhaltsbeiträge zu bezahlen, wobei CHF 490.00 auf die Beklagte und je CHF 1'354.00 auf F.________ und G.________ sowie CHF 1'865.00 auf H.________ entfallen. Diese Unterhaltsbeiträge sind zahlbar ab 1. August 2022 (voraussicht- licher Eintritt von G.________ in die Oberstufe) bis zum 30. November 2025 (16. Geburtstag von G.________). 12.3 Ab der dritten und letzten Phase vom 1. Dezember 2025 bis zum Abschluss einer angemes- senen Erstausbildung von G.________, ist F.________ in der Unterhaltsberechnung nicht mehr zu berücksichtigen, da davon auszugehen ist, dass er bis dahin eine drei - oder vierjäh- rige Lehrausbildung abgeschlossen haben wird und die Unterhaltspflicht des Klägers mit dem Abschluss einer angemessenen Erstausbildung des Kindes endet (Art. 277 Abs. 2 ZGB). Die Beklagte ist ab dieser Phase ausserdem verpflichtet , wieder einer vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Ihr wird ab diesem Zeitpunkt ein Nettoeinkommen von rund CHF 6'419.75 pro Monat angerechnet (vgl. E. 10). Aufgrund dieser veränderten Verhält nisse erhöhen sich wie- derum die bei der Beklagten zu berücksichtigenden Kosten für die auswärtige Verpflegung auf CHF 220.00 sowie die Steuern der Parteien. Ausgehend von einem jährlichen Nettoein- kommen der Beklagten von rund CHF 97'533.00 (= [CHF 6'419.75 Einkommen + CHF 1'383.00 Unterhalt G.________ + CHF 325.00 Kinderzulagen] x 12) und unter Berück- sichtigung der Steuerabzüge ergibt sich eine monatliche Steuerbelastung für Staats - und Ge- meindesteuern in J.________ von rund CHF 950.00 pro Monat. Di e Steuern entsprechen rund 11 % des Nettoeinkommens der Beklagten (Arndt/Bader, a.a.O., S. 315). Von dieser Steuerbelastung ist der im Barbedarf von G.________ zu berücksichtigende Steueranteil im Betrag von CHF 150.00 (vgl. nachfolgend) in Abzug zu bringe n. Der im Bedarf der Beklagten zu berücksichtigende Steueranteil beläuft sich somit noch auf rund CHF 800.00 pro Monat. Der vom Kläger an den Barunterhalt von G.________ zu bezahlende Betrag beläuft sich in dieser Phase auf gerundet CHF 1'383.00 pro Monat. Ausgehend von einem Steuerbetrag von rund 11 % beläuft sich der im Barbedarf von G.________ zu berücksichtigende Steuer- anteil auf rund CHF 150.00 pro Monat (Arndt/Bader, a.a.O., S. 315). Beim Kläger belaufen sich die Steuern nach Abzug des Unterhaltsbeitr ags an G.________ bei einem noch zu ver- steuernden jährlichen Nettoeinkommen von CHF 99'850.00 auf rund CHF 350.00 pro Monat. Seite 37/46 Die übrigen Einkommens - und Bedarfspositionen bleiben unverändert , womit ein Überschuss von CHF 6'441.10 resultiert. Bei der nachfo lgenden Überschussverteilung sind jedoch die konkreten Verhältnisse zu berücksichtigen. Danach rechtfertigt sich eine Überschussvertei- lung nach Köpfen nicht, wenn wie vorliegend aufgrund günstiger Einkommensverhältnisse der unterhaltsberechtigte Ehegatte u nd das Kind mehr erhalten , als für die Weiterführung der bisherigen Lebenshaltung erforderlich ist. A us dem Umstand, dass d er Unterhaltspflichtige über ein hohes Einkommen verfügt, kann nicht ein Anspruch auf eine hohe Lebensstellung und damit auf einen hohen Unterhaltsbeitrag abgeleitet werden. Auszugehen ist nicht von der maximal möglichen, sondern grundsätzlich nur von der tatsächlich gelebten Lebensstellung. Ansonsten würde der Unterh altsbeitrag eine Vermögensbildung erlauben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_311/2019 vom 11. November 2020 E. 7.3 und 5A_409/2015 vom 13. Au- gust 2015 E. 3.3). Bei der in den vorherigen Phasen getätigten Überschussverteilung nach grossen und kleinen Köpfe n (vgl. E. 12.1 und 12.2) kann davon ausgegangen werden, dass diese Überschussbeteiligung die den ehelichen Lebensstandard ausmachenden und nicht bereits in den Bedarf einbezogenen Ausgaben sicherlich nicht übersteigt. Gleichzeitig ist dadurch bereits eine angemessene Teilhabe der Kinder an den finanziellen Verhältnissen des Unterhaltspflichtigen gewährleistet. Eine in den folgenden Phasen weiterhin vollständige Beteiligung am Freibetrag würde allerdings zu einer Überschreitung des gebührenden Unter- halts der Beklagten und G.________ und damit zu einer Vermögensbildung führen. Folglich ist die Überschussbeteiligung für die se Phase zu limitieren und auf den gerundeten Gesamt- betrag von CHF 4'800.00 (vgl. Maier, a.a.O., S. 314, 372f.) zu beschränken. Daraus resu ltiert für diese Phase folgende Bedarfsaufstellung mit Überschussverteilung: Beklagte G.________ H.________ Kläger Einkommen CHF 6'419.75 CHF 325.00 CHF 300.00 CHF 9'703.85 Erw. Existenzminimum -CHF 4'230.45 -CHF 1'152.65 -CHF 2'977.85 -CHF 3'262.75 Differenz CHF 2'189.30 -CHF 827.65 -CHF 2'677.85 CHF 6'441.10 ½ Barbedarf H.________ -CHF 1'338.95 Überschuss limitiert CHF 4'800.00 Überschussanteil CHF 1'600.00 CHF 800.00 CHF 800.00 CHF 1'600.00 Gebührender Bedarf CHF 5'830.45 CHF 1'627.70 CHF 2'139.95 CHF 4'862.75 Am Unterhaltsanspruch von G.________ haben sich die Beklagte und der Kläger wiederum gemessen an ihrer Leistungsfähigkeit und dem von ihnen geleisteten Naturalunterhalt zu be- teiligen. Aufgrund des höheren Erwerbspensums beträgt der persönliche Überschuss der Be- klagten neu CHF 2'189.30, während sich derjenige des Klägers auf CHF 6'441.10 beläuft. Angesichts eines Betreuungsverhältnisses von 77 % (Beklagte) zu 2 3 % (Kläger) und dem Verhältnis der Leistungsfähigkeit von rund 25 % (Beklagte) zu 75 % (Kläger) rechtfertigt es sich, der Beklagten in dieser Phase eine Beteiligung am Barunterhalt von G.________ im Umfang von 15 % und dem Kläger im Umfang von 85 % aufzuerlegen. Bei dieser Lösung verfügt die hauptbetreuende Mutter immer noch über einen Überschuss von CHF 1'944.30 (= CHF 6'419.75 Einkommen ./. CHF 4'230.45 Bedarf ./. CHF 245.00 Unterhalt G.________) und ist damit in der Lage , ihren um den Überschussanteil erhöhten gebührenden Bedarf von CHF 5'830.70 (= CHF 4'230.70 Bedarf + CH F 1'600.00 Überschussanteil) selbst zu decken. Ein Anspruch auf nacheheliche n Unterhalt besteht in dieser Phase mithin nicht mehr, da eine Seite 38/46 weitergehende Beteiligung am Überschuss zu einer Überschreitung des gebührenden Unter- halts der Beklagten und damit zu einer Vermögensbildung führen würde. Kläger Beklagte G.________ H.________ Einkommen CHF 9'703.85 CHF 6'419.75 CHF 325.00 CHF 300.00 Bedarf -CHF 3'262.75 -CHF 4'230.45 -CHF 1'152.65 -CHF 2'977.85 Differenz CHF 6'441.10 CHF 2'189.30 -CHF 827.65 -CHF 1'338.95 Gesamtüberschuss (limitiert) CHF 4'800.00 Überschuss CHF 800.00 Total (gerundet) CHF 1'628.00 Beteiligung Beklagte 15 % CHF 245.00 Beteiligung Kläger 85 % CHF 1'383.00 CHF 2'139.00 Verbleibender Überschuss CHF 2'919.10 CHF 1'944.30 Der Kläger hat somit CHF 3'522.00 Unterhaltsbeiträge zu bezahlen, wobei CHF 1'383.00 auf G.________ und CHF 2'139.00 auf H.________ entfallen. Diese Unterhaltsbeiträge sind zahlbar vom 1. Dezember 2025 bis zu G.________ Abschluss einer angemessenen Erstaus- bildung. 12.4 Zusammenfassend hat der Kläger der Beklagten aufgrund der vorstehenden Berechnungen für die drei Phasen die nachfolgend aufgeführten monatlichen Unterhaltsbeiträge zu bezah- len: - ab Rechtskraft des Scheidungse ntscheids bis 31. Juli 2022: für die Beklagte CHF 1'166.00 für F.________ CHF 1'229.00 Barunterhalt für G.________ CHF 1'229.00 Barunterhalt - ab 1. August 2022 bis 30. November 2025 : für die Beklagte CHF 490.00 für F.________ CHF 1'354.00 Barunterhalt für G.________ CHF 1'354.00 Barunterhalt - ab 1. Dezember 2025 bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung von G.________: für G.________ CHF 1'383.00 Barunterhalt Hinzu kommen allfällige vom Kläger bezogene Ausbildungs - und Kinderzulagen. 12.5 Ferner beantragt die Beklagte, die Unterhaltsbeiträge seien ab Verfall als zu 5 % verzinslich festzulegen (act. 77B). Der Kläger äussert sich nicht zu diesem Antrag, sondern beantragt seinerseits die Bezahlung von Unterhaltsbeiträgen ohne e xpliziten Antrag auf Regelung der Verzinslichkeit ab Verfall (act. 77A). Bei der hierzu vorgesehenen gesetzlichen Regelung von Art. 105 Abs. 1 OR, wonach Verzugszinsen im Falle von Rentenzahlungen wie den familien- rechtlichen Unterhaltsrenten eine Betreibun g voraussetzen, handelt es sich zwar grundsätz- lich um dispositives Recht (Widmer Lüchinger/Wiegand, Basler Kommentar, 7. A. 2020, Art. 105 OR N 6). Das Bundesgericht hielt jedoch fest, dass Verzugszinsen Ausgleich dafür seien, dass der Geldgläubiger aus de r geschuldeten Summe keinen Nutzen ziehen könne. Diese Schadensfiktion sei für Renten und namentlich familienrechtliche Unterhaltsbeiträge Seite 39/46 nicht gerechtfertigt, weshalb der Gläubiger, wenn er trotzdem Verzugszinsen beanspruchen wolle, den erhöhten Anforder ungen von Art. 105 Abs. 1 OR genügen müsse (BGE 145 III 345 E. 4.4.4). Verzugszinsen für Unterhaltsbeiträge setzen mithin eine Betreibung oder Klage vo- raus (Fountoulakis, a.a.O., Art. 285 ZGB N 59). Der Antrag der Beklagten ist daher abzuwei- sen. 12.6 Die Beklagte beantragt schliesslich die Beteiligung des Klägers an ausserordentlichen Kin- derkosten (act. 77B). Gemäss Art. 286 Abs. 3 ZGB kann das Gericht die Eltern bei nicht vor- hergesehenen ausserordentlichen Bedürfnissen des Kindes zur Leistung eines besonderen Beitrags verpflichten. Mit dieser Bestimmung ist dem Umstand Rechnung getragen worden, dass eine Ver änderung der Verhältnisse auch durch das Auftreten nicht vorhergesehener Bedürfnisse des Kindes eintreten kann, welche nicht auf Dauer eine Erhöhung des Bedarfes bewirken. Danach kann das Gericht die Eltern zur Leistung eines besonderen Beitrags ver- pflichten, wenn sich der Bedarf des Kindes aufgrund eines einmaligen oder zeitlich begrenz- ten Ereignisses erhöht (Aeschlimann, in: Schwenzer/Fankhauser [Hrsg.], a.a.O., Art. 286 ZGB N 20). Ein ausserordentlicher Beitrag nach Art. 286 Abs. 3 ZGB kann jedoch nur da nn zugesprochen werden, wenn dies die Leistungsfähigkeit des belangten Elternteils unter Be- rücksichtigung sämtlicher bestehender Beitragspflichten ohne Eingriff in sein Existenzmini- mum erlaubt (Aeschlimann, a.a.O., Art. 286 ZGB N 24). Mithin ist im Einzelf all zu prüfen, ob die Kosten von den Eltern zu übernehmen sind und in welchem Ausmass. Eine allgemeine Verpflichtung eines Elternteils, sich inskünftig an ausserordentlichen Kosten zu beteiligen, ist daher in der Regel nicht möglich. Prozessual folgt die G eltendmachung ausserordentlicher Unterhaltsbeiträge der Abänderung im Sinne von Art. 286 Abs. 3 ZGB, d.h. die Kosten sind, sobald sie konkret anfallen, in einem gesonderten Verfahren geltend zu machen, sollten sich die Parteien über ihre Beteiligung nicht einigen können ( Fountoulakis/Breitschmid , a.a.O., Art. 286 ZGB N 7 ff.). Der Antrag der Beklagten ist daher abzuweisen. 12.7 Die Unterhaltsbeiträge sind abschliessend antragsgemäss und gerichtsüblich zu indexieren (act. 42; act. 77B) und jeweils zum Voraus auf den Ersten eines Monats zu bezahlen. 13. In einem nächsten Schritt ist die güterrechtliche Auseinandersetzung durchzuführen. 14. Der Kläger beantragt, die Beklagte habe ihm CHF 9'000.00 nebst 5 % Zins seit dem 1. Juli 2009 zurückzuerstatten. Zur Begründung führ t er aus, sie schulde ihm CHF 9'000.00 auf- grund der widerrechtlich von ihr benutzten Kreditkarte . Er mache diesen Betrag als Ersatz aus Art. 41 OR geltend . Eine Gütertrennung mache eine solche Entschädigung aus Art. 41 OR nicht obsolet . Die Beklagte habe a bsichtlich und ohne, dass er es gebilligt hätte, Geld von seinem Konto bezogen (act. 30 S. 11 f.; act. 38 S. 48; act. 77A S. 18). Die Beklagte be- antragt hingegen, die Parteien seien als güterrechtlich auseinandergesetzt zu betrachten . Sie schulde dem Kläge r nichts aus unerlaubter Handlung. Der Kläger habe es bisher auch unter- lassen, die Tatbestandsvoraussetzungen von Art. 41 OR zu behaupten, zu substantiieren und zu beweisen. Ferner habe er auch keine Belege ins Recht gelegt . Sie habe für ihn dazu- mal bei sämtlichen Kontoauszügen alle Beträge herausgestrichen, die über sie gelaufen seien. Sie habe dann beschrieben, wofür sie die Beträge ausgegeben habe und bis auf ca. CHF 300.00 sei das alles für Essen oder Kleider der Kinder gewesen. Sie habe nie eine Kreditkarte des Klägers gebraucht (act. 42 S. 54; act. 47 Ziff. 88; act. 77B). Seite 40/46 14.1 Die Parteien unterstehen gemäss Ehe - und Erbvertrag vom 2. Juli 2007 (act. 1/2; act. 30/1) unbestrittenermassen dem Güterstand der Gütertrennung. 14.2 Gemäss Art. 41 Abs. 1 OR wird derjenige, der einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus Fahrlässigkeit, ihm zum Ersatz des Schadens verpflichtet. Eine Haftung nach Art. 41 OR setzt kumulativ einen Schaden, einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen schädigendem Verhalten und Schaden, Widerrechtlichkeit der Schädigung und ein Verschulden des Schädigers voraus (Kessler, Basler Kommentar, 7. A. 2020, Art. 41 OR N 2c m.w.H.). Die Beweislast für diese positiven Haftungsvorausset- zungen trägt der Kläger (Art. 8 ZGB). Mit der Beweislast verknüpft sind sodann die Behaup- tungs-, Substantiierungs - und Bestreitungslast, denn im Bereich der Verhandlungsmaxime tragen die Parteien die Verantwortung für die Beibringung des Tatsachenfundaments (vgl. Art. 55 Abs. 1 ZPO). Sie haben ihre Sachdarstellungen zu substantiieren, was bedeutet, dass eine Partei die Tatsachen nicht nur in den Grundzügen, sondern so umfassend und klar darzulegen hat, dass darüber Beweis abgenommen oder der Gegenbeweis angetreten we r- den kann (vgl. BGE 127 III 365 E. 2b m.H.). Die nicht behauptungsbelastete Partei trägt die Bestreitungslast. Bestreitungen sind so konkret zu halten, dass sich bestimmen lässt, welche einzelnen Behauptungen des Klägers damit bestritten werden (BGE 141 II I 433 E. 2.6). Der Grad der Substantiierung einer Behauptung beeinflusst insofern den erforderlichen Grad an Substantiierung einer Bestreitung. Je detaillierter einzelne Tatsachen eines gesamten Sach- verhalts behauptet werden, desto konkreter muss die Gegen partei erklären, welche dieser einzelnen Tatsachen sie bestreitet. Die Anforderungen an die Bestreitung sind zwar tiefer als die Anforderungen an die Substantiierung einer Behauptung, pauschale Bestreitungen rei- chen indessen aber nicht aus. Erforderlich is t eine klare Äusserung, dass der Wahrheitsge- halt einer bestimmten und konkreten gegnerischen Behauptung infrage gestellt wird (BGE 141 III 433 E. 2.6). 14.3 Obschon die Beklagte die behauptete Forderung bereits in der Klageantwort bestritt (act. 34 S. 27), verzichtete der Kläger in der Replik gänzlich auf nähere Ausführungen zum Bestand seiner Forderung (act. 38 S. 48). Die behauptete Forderung des Klägers blieb bis zuletzt völ- lig unsubstantiiert und unbelegt. Der Kläger hat keinen Beleg ins Recht gelegt , der darauf schliessen lassen würde, dass und wenn ja, in welchem genauen Betrag die Beklagte die klägerische Kreditkarte unbefugt belastete. Der vom Kläger eingereichte Auszug der im Ehe- schutzverfahren eingereichten Stellungnahme vom 11. April 2013 stellt eine blosse unbelegte Parteibehauptung dar (act. 30/4). Der Kläger offeriert bezüglich seiner Behauptungen zwar die Zeugenbefragung von X.________, Y.________, Z.________ und AA.________ (act. 38 S. 48), verkennt jedoch, dass ein Beweisverfahren nicht dazu dien t, fehlende Behauptungen zu ersetzen oder zu ergänzen. Für eine Beweisabnahme besteht keine Grundlage, wenn hin- reichend substantiierte Behauptungen fehlen (Urteil des Bundesgerichts 4A__504/2015 vom 21. August 2015 E. 2.4). Auf die Befragung der Zeugen wäre aber auch angesichts der Nähe der Zeugen (verwandt oder verschwägert) zum Kläger zu verzichten gewesen, da der Zeu- genaussage höchstens geringer Beweiswert zukommen dürfte und zu erwarten gewesen wäre, dass sie die Aussagen des Klägers ohnehin bestätigt h ätten. Überdies geht aus den Behauptungen des Klägers nicht hervor, inwiefern die offerierten Zeugen aus eigener Wahr- nehmung die angebliche unbefugte Benutzung der Kreditkarte bestätigen könnten. Es wäre somit auch gar nicht erstellt, wie die Zeugen im vor liegend festzustellenden Sachverhalt Seite 41/46 überhaupt involviert waren. Der vom Kläger geltend gemachte Schadenersatzanspruch ist mithin mangels hinreichender Substantiierung der Forderung abzuweisen. 14.4 Da die Parteien unbestrittenermassen der Gütertrennung unters tehen, wird jeder Partei im Übrigen zu Eigentum zugewiesen, was sich in ihrem Besitz befindet oder auf ihren Namen lautet. Damit sind die Parteien güterrechtlich auseinandergesetzt. 15. Schliesslich ist über die Teilung der Guthaben der beruflichen Vorsorge zu befinden, wobei beide Parteien die hälftige Teilung der während der Ehe geäufneten Austrittsguthaben ver- langen (act. 77A; act. 77B). 15.1 Hinsichtlich der Teilung des Guthabens aus beruflicher Vorsorge gilt die Offizialmaxime. Die Parteien können Anträge z ur Teilung stellen. Das Gericht ist an diese allerdings nicht gebun- den, da der Vorsorgeausgleich der Disposition der Parteien weitgehend entzogen ist und das Gericht die Bestimmungen über den Vorsorgeausgleich von Amtes wegen anwendet. Zudem gilt im Rahmen des Vorsorgeausgleichs der Untersuchungsgrundsatz. Dies bedeutet, dass das Scheidungsgericht die erforderlichen Angaben betreffend Höhe der Altersguthaben grundsätzlich von Amtes wegen einzuholen hat, wobei sich auch aus den Art. 122 ff. ZGB keine uneinge schränkte Untersuchungsmaxime ergibt. Den Parteien obliegt es daher im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht, dem Gericht die notwendigen Tatsachen und Beweismittel zu unterbreiten. Mit anderen Worten trifft die Parteien eine aktive Mitwirkungspflicht, weshalb die Parteien angehalten werden dürfen, dem Gericht die Höhe der Austrittsleistungen mitzu- teilen (Urteil des Bundesgerichts 5A_111/2014 vom 16. Juli 2014 E. 4.2; Jungo/Grütter, in: Schwenzer/Fankhauser [Hrsg.], a.a.O., Anh. ZPO Art. 281 N 12; Hausheer/Geiser /Aebi-Mül- ler, a.a.O., N 10.168 f.; Meyer Honegger, in: Schwenzer/Fankhauser [Hrsg.], a.a.O., Anh. ZPO Art. 277 N 15 f.). 15.2 Gehört ein Ehegatte oder gehören beide Ehegatten einer Einrichtung der beruflichen Vor- sorge an und ist bei keinem Ehegatten ein Vorsor gefall eingetreten, so hat jeder Ehegatte nach Art. 122 ZGB Anspruch auf die Hälfte der nach dem Freizügigkeitsgesetz vom 17. De- zember 1993 für die Ehedauer zu ermittelnden Austrittsleistung des anderen Ehegatten. 15.3 Gemäss Schreiben der AB.________ vom 23. März 2021 verfügte der Kläger per Stichtag (Einleitung der Scheidung; 24. Januar 2017) über eine Freizügigkeitsleistung von CHF 250'441.55 (act. 85/1). Per Heiratsdatum am tt.mm.2006 beliefen sich die Freizügig- keitsleistungen, aufgezinst auf den Zeitpunkt der Einleitung des Scheidungsverfahrens, auf CHF 19'205.70 (act. 85/1). Somit hat der Kläger während der Dauer der Ehe ein Vorsorge- guthaben von CHF 231'235.85 angespart (= CHF 250'441.55 ./. CHF 19'205.70). Die Beklagte verfügte per Stichtag am 24. Januar 2017 über eine Freizügigkeitsleistung von CHF 65'346.25 bei der Pensionskasse AC.________ (act. 83/82). Die Freizügigkeitsleistung bei Heirat ist der Pensionskasse AC.________ nicht bekannt (act. (83/82). Die Beklagte ist der gerichtlichen Aufforderung, Belege über ihre während der Ehe erworbenen Ansprüche der beruflichen Vorsorge einzureichen, mithin nicht vollständig nachgekommen. Nachdem sodann keine Anhaltspunkte dafür bestehen oder geltend gemacht wurden , dass die Be- klagte bereits vor ihrer Heirat in der Schweiz Vorsorgeguthaben der 2. Säule geäufnet hätte, ist davon auszugehen, dass sämtliches per Stichtag vorhandenes Vermögen ehelich ist. Seite 42/46 Somit hat die Beklagte während der Dauer der Ehe ein Vorsorgeguth aben von CHF 65'346.25 angespart. 15.4 Nach dem Grundsatz der hälftigen Teilung resultiert ein Anspruch der Beklagten von CHF 82'944.80 (= [CHF 231'235.85 + CHF 65'346.25] / 2 ./. CHF 65'346.25) und die AB.________ ist gerichtlich anzuweisen, CHF 82'944.80 zu züglich Zins ab 24. Januar 2017 auf das Freizügigkeitskonto der Beklagten bei der Pensionskasse AC.________ zu überwei- sen. 16. Abschliessend sind die Prozesskosten zu verteilen. Die Prozesskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Hat k eine Partei vollständig obsiegt, so werden die Pro- zesskosten nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 1 und 2 ZPO). In fami- lienrechtlichen Verfahren kann das Gericht von den Verteilungsgrundsätzen abweichen und die Prozesskosten nach Ermesse n verteilen (Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO). 16.1 Die Beklagte führt bezüglich der Auferlegung der Prozesskosten aus, das Verfahren sei vor über vier Jahren vom Kläger eingeleitet worden und es habe aufgrund der Uneinsichtigkeit des Klägers kein Vergleich erzielt werden können. Der Kläger habe den gut begründeten und nachvollziehbaren Vorschlag des Gerichts ohne Begründung abgelehnt, weshalb das Verfah- ren gut vier Jahre nach Einleitung immer noch hängig sei. Es werde deshalb beantragt, dass der Kläger für die Geri chtskosten aufkomme und der Beklagten eine angemessene Parteient- schädigung bezahlen müsse (act. 77B S. 7). Der Kläger entgegnet, die Beklagte habe in die- sem Verfahren auch nicht gerade mit Einsicht und Kompromissbereitschaft geglänzt. Die Kosten seien desh alb ausgangsgemäss aufzuerlegen (act. 77 S. 4). 16.2 Wer Prozesskosten unnötig verursacht, hat diese selber zu bezahlen. Die Kosten müssen durch schuldhaftes oder ordnungswidriges Verhalten, also unter Missachtung der zumutba- ren Sorgfalt, entstanden sein. Unve rschuldete Mehrkosten, die trotz ordnungsgemässem Prozessieren entstehen (z.B. Verschiebung einer Verhandlung wegen Krankheit), sind weder unnötig noch vorwerfbar und deshalb nicht dem Verursacher zu überbinden. Die durch Un- sorgfalt begründeten Kosten komm en zu den üblicherweise entstehenden Prozesskosten hinzu. Solche Kosten können innerhalb des Prozesses – beispielsweise bei unentschuldig- tem Ausbleiben einer Partei oder bei verspäteten Vorbringen – und ausserhalb des Prozes- ses verursacht werden (Rüegg/Rüe gg, Basler Kommentar, 3. A. 2017, Art. 108 ZPO N 1 mit Hinweisen). Wer aber im Entscheid nicht wesentlich mehr erhält, als ihm zuvor als Vergleich angeboten wurde, verursacht nicht per se unnötige Prozesskoste n (Rüegg/Rüegg, a.a.O., Art. 107 ZPO N 9a). Vorliegend sind dem Kläger folglich keine Prozesskosten aufzuerlegen, nur weil er den Vergleichsvorschlag des Gerichts nicht angenommen hat. Die Prozesskosten sind mithin nach dem Ausgang des Verfahrens zu verteilen. 16.3 Keine der Parteien obsiegt bzw. unterlieg t im vorliegenden Prozess vollumfänglich. Die Be- klagte beantragte die alleinige elterliche Sorge und Obhut über die beiden Söhne, der Kläger hingegen die gemeinsame elterliche Sorge und eine alternierende Obhut. Keine der Parteien drang jedoch mit ihren An trägen vollständig durch. Die Beklagte unterlag in Bezug auf die el- terliche Sorge und der Kläger mit seinem Antrag auf alternierende Obhu t. Hinsichtlich des persönlichen Verkehrs und des nachehelichen Unterhalts obsiegt der Kläger zu grösseren Teilen. Betreffend die Kindesunterhaltsbeiträge dringt die Beklagte dagegen aufgrund der im Seite 43/46 Urteilsspruch zugesprochenen Unterhaltsleistungen zu rund 56 % durch. Während der Klä- ger im Bereich des Güterrechts eine güterrechtliche Ausgleichszahlung von CHF 9'000.00 verlangt, macht die Beklagte geltend, die Parteien seien in güterrechtlicher Hinsicht bereits auseinandergesetzt und obsiegt mit diesem Antrag. Entsprechend diesem Prozessausgang in den wesentlichen Streitpunkten ist es gerechtfertigt, die Gerichtskosten den P arteien je hälftig aufzuerlegen und die Parteikosten wettzuschlagen. 16.4 Im Scheidungsverfahren nach den Art. 274 – 294 ZPO beträgt die Entscheidgebühr CHF 1'600.00 bis 10'000.00, soweit nicht güterrechtliche Ansprüche über CHF 100'000.00 geltend gemacht wer den (§ 13 Abs. 1 und 3 KoV OG). Vorliegend standen nur güterrechtli- che Ansprüche von CHF 9'000.00 zzgl. Zins im Streit. Aufgrund des dennoch umfangreichen Verfahrens (doppelter Schriftenwechsel, mehrere Verhandlungen, umfangreiche Rechts- schriften) erschein t vorliegend eine Entscheidgebühr von CHF 8'000.00 angemessen , wovon den Parteien je die Hälfte auferlegt wird. Entscheid 1. Die von den Parteien am tt.mm.2006 vor dem Zivilstandsamt E.________ geschlossene Ehe wird geschieden. 2.1 Die aus der Ehe hervorgegangenen Kinder F.________, geb. tt.mm.2006, und G.________, geb. tt.mm.2009, werden unter der gemeinsamen elterlichen Sorge belassen. Die Obhut für die Kinder wird der Mutter zugeteilt. 2.2 Der Vater wird berechtigt und verpflic htet, die Kinder F.________ und G.________ wie folgt zu betreuen: Jede Woche am Donnerstagmittag sowie nach Schulschluss bis 20.00 Uhr (während der schulfreien Zeit den ganzen Donnerstag von 08.00 Uhr bis 20.00 Uhr ) sowie jedes zweite Wochenende von Frei tag, 18.00 Uhr, bis Montag, 08.00 Uhr bzw. Schulbeginn . Während den Feiertagen erfolgt die Betreuung der Kinder durch den Vater wie folgt: - über Weihnachten und Neujahr jeweils vom 25. Dezember, 12.00 Uhr, bis 1. Januar, 18.00 Uhr; - und in den Jahren mit ungerader Jahreszahl von Gründonnerstag, 18.00 Uhr, bis Oster- montag, 18.00 Uhr . Weiter betreut er die Kinder während insgesamt fünf Wochen Ferien in den Schulferien, je- weils von Freitag, 18.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr , wie folgt: - die erste Woche der Sportferien, - die ersten drei Wochen der Sommerferien , - die erste Woche der Herbstferien. Andere Vereinbarungen der Eltern bleiben vorbehalten. Seite 44/46 2.3 Die mit Entscheid der Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Luzern vom 28. Ok- tober 2014 errichtete und mit Entscheid vom 15. November 2016 erweiterte Besuchsrechts- beistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB wird weitergeführt. 2.4 Die Erziehungsgutschriften für die Berechnung künftiger AHV -/IV-Renten werden der Beklag- ten angerechnet. 2.5 Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagte n mit Wirkung ab Rechtskraft des Scheidungsent- scheids an den Unterhalt der gemeinsamen Kinder F.________ und G.________ monatliche Barunterhaltsbeiträge zuzüglich allfälliger Familienzulagen wie folgt zu bezahlen, zahlbar je zum Voraus auf den Ersten des Monats: - ab Rechtskraft des Scheidungsentscheids bis 31. Juli 2022: für F.________ CHF 1'229.00 Barunterhalt für G.________ CHF 1'229.00 Barunterhalt - ab 1. August 2022 bis 30. November 2025: für F.________ CHF 1'354.00 Barunterhalt für G.________ CHF 1'354.00 Barunterhalt - ab 1. Dezember 2025 bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung von G.________: für G.________ CHF 1'383.00 Barunterhalt Diese Unterhaltsbeiträge basieren auf dem Landesindex der Konsumentenpreise des Bun- desamtes für Statistik, Stand Juli 2021 = 101,0 Punkte (Basis Dezember 2020 = 100 Punkte). Sie sind jährlich auf den 1. Januar, erstmals auf den 1. Januar 2023, dem Indexstand No- vember des Vorjahres proportional anzupassen und auf ganze Franken aufzurunden. Die Anpassung erfolgt nach folgender Formel: Neuer Unterhaltsbeitrag = ursprünglicher Unterhaltsbeitrag x n euer Index 101,0 Der Unterhaltspflichtige kann diese Anpassung insoweit verweigern, als sein Einkommen nicht durch Reallohnerhöhung, Teuerungszulagen oder sonst wie der Teuerung entspre- chend erhöht wird. Er verwirkt für das fragliche Jahr den Verweigerungsanspruch, sofern er diesen der Unterhaltsberechtigten nicht bis zum 31. Januar urkundlich nachweist. 3. Der Kläger wird gestützt auf Art. 125 ZGB verpflichtet, der Beklagten folgenden monatlichen Unterhaltsbeitrag zu bezahlen, zahlbar je zum Voraus auf den Ersten des Monats: - ab Rechtskraft des Scheidungsentscheids bis 31. Juli 2022: CHF 1'166.00 - ab 1. August 2022 bis 30. November 2025: CHF 490.00 Dieser Unterhaltsbeitrag ist wie die Kinderunterhaltsbeiträge indexiert (Ziff. 2.5). 4. Es wird jeder Partei zu Eigentum zugewiesen, was sich in ihrem Besitz befindet oder auf ih- ren Namen lautet. Damit sind die Parteien güterrechtlich auseinandergesetzt. Seite 45/46 5. Die AB.________ wird gestützt auf Art. 122 ZGB/Art. 280 Abs. 2 ZPO angewiesen, vo m Vor- sorgekonto, lautend auf A.________ (SV-Nr. ), den Betrag von CHF 82'944.80 zuzüglich Zins ab dem 24. Januar 2017 auf das Freizügigkeitskonto der Beklagten, lautend auf C.________ (Versicherten -Nr. ), bei der Pensionskasse AC.________ zu überweisen . 6. Im Übrigen werden die Anträge der Parteien abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 7. Die Gerichtskosten werden wie folgt festgesetzt: CHF 8'000.00 Entscheidgebühr Die Gerichtskosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt und mit dem vom Kläger ge- leisteten Kostenvorschuss von CHF 3'500.00 verrechnet. Der Fehlbetrag von CHF 4'500.00 wird vom Kläger im Umfang von CHF 500.00 und von der Beklagten im Umfang von CHF 4'000.00 nachgefordert. 8. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. 9. Gegen diesen Entscheid kann binnen 30 Tagen seit der Zustellung schriftlich, begründet und mit bestimmten Anträgen unter Beilage des angefochtenen Entscheides Berufung beim Obergericht des Kantons Zug eingereicht werden. Gerügt werden kann die unrichtige Rechts- anwendung und/oder die unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (Art. 310 ZPO). Die Beru- fungsschrift kann in Papierform (je ein Exemplar für das Gericht und jede Gegenpartei) oder elektronisch, versehen mit einer qualifizierten elektronischen Signatur, eingereicht werden (Art. 130 Abs. 1 und 2 ZPO). 10. Mitteilung an : - Parteien - Gerichtskasse (im Dispositiv) und auszugsweise an: - F.________ - AB.________ vorab zur Kenntnisnahme und nach Eintritt der Rechtskraft zum Vollzug von Ziffer 5 des Dispositivs sowie nach Eintritt der Rechtskraft auszugsweise an: - Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB Stadt Luzern, Pilatusstrasse 22, 6003 Luzern Seite 46/46 Kantonsgericht des Kantons Zug 1. Abteilung lic.iur. D. Panico Peyer MLaw T. Lötscher Kantonsrichterin Gerichtsschreiberin versandt am: let