B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-5933/2014 U r t e i l v o m 1 5 . F e b r u a r 2 0 1 6 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richterin Marianne Teuscher, Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. Parteien 1. A._______, 2. B._______, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-5933/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die aus der Dominikanischen Republik stammende, 1974 geborene C._______ (nachfolgend: Gesuchstellerin beziehungsweise Gast) bean- tragte am 25. Juli 2014 bei der Schweizerischen Botschaft in Santo Domi- ngo ein Schengen -Visum für einen dreimonatigen Besuchsaufenth alt bei ihrer Schwester und ihrem Schwager B._______ und A._______ (nachfol- gend: Gastgeber beziehungsweise Beschwerdeführend e) im Kanton Ba- sel-Landschaft (Akten der Vorinstanz [SEM act.] 4/36 ff.). Die Gastgeber hatten bereits am 26. Mai 2014 ein entsprechendes Einladungsschreiben verfasst (SEM act. 4/33). B. Mit Formularentscheid vom 31. Juli 2014 lehnte es die schweizerische Ver- tretung ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihre Hal- tung mit der ihrer Auffassung nach fehlenden Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise der Gesuchstellerin aus dem Schengen-Raum nach einem Besuchsaufenthalt. Zudem bestünden Zweifel am geltend gemachten Auf- enthaltszweck (SEM act. 4/34 f.). C. Gegen diesen Entscheid erho ben die Gastgeber am 8. August 2014 Ein- sprache beim damaligen Bundesamt für Migration ( heute SEM). Zur Be- gründung führten sie sinngemäss aus, die Befürchtungen und Zweifel der Schweizer Botschaft in Santo Domingo seien nicht gerechtfertigt. Die Ge- suchstellerin möchte lediglich zu einem Besuch in die Schweiz reisen. Sie habe in ihrer Heimat eine gesicherte Arbeit und wolle diese nach ihrer Rückkehr weiter führen. Sie, die Gastgeber, garantierten für eine anstands- lose und fristgerechte Wiederausreise ihres Ga stes. Der Gastgeber ver- füge über einen tadellosen finanziellen Leumund und sei mit einem Jah- reslohn von rund CHF 130'000.00 ohne weiteres in der Lage, als Garant für die Gesuchstellerin zu bürgen (SEM act. 2/20). D. Auf Ersuchen der Vorinstanz hin richtete d ie Migrationsbehörde des Kan- tons Basel-Landschaft am 26. August 2014 einen Fragenkatalog an die Gastgeber, den diese am 2. September 2014 beantworteten (SEM act. 6/46 f. bzw.7/50 f.). E. Mit Verfügung vom 8. Oktober 2014 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. C-5933/2014 Seite 3 Dabei teilte sie die Einschätzung der schweizerischen Auslandvertretung, wonach die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise der Gesuch- stellerin nach einem Besuchsaufenthalt nicht als gesichert betrachtet wer- den könne. Die Gesuchstellerin lebe in einer Region, aus der als Folge der insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderungsdruck festzustellen sei. In ihren familiären und beruflichen Verhältnissen seien keine Umstände in Form besonderer Verpflichtungen zu erkennen, die das grundsätzlich anzunehmende Risiko einer nicht anstandslosen Wiederausreise entscheidend relativieren könn- ten. Die Gesuchstellerin sei zwar Mutter zweier Kinder, die im Heimatland verblieben. Eines dieser Kinder sei jedoch bereits erwachsen, und zurück- bleibende Familienangehörige könnten ganz allgemein insbesondere bei angespannten wirtschaftlichen Verhältnissen nicht verlässlich von einer Emigration abhalten . An ihrem Arbeitsplatz erziele die Gesuchstellerin bloss ein geringes Einkommen und ein e dreimonatige ferienbedingte Ab- wesenheit wäre mit einem ordentlichen Anstellungsverhältnis nicht verein- bar (SEM act. 13/60 ff.). F. Mit Beschwerde vom 11. Oktober 2014 beantragen die Gastgeber beim Bundesverwaltungsgericht implizit, die vorinstanzliche Verfügung sei auf- zuheben und das gewünschte Besuchsvisum sei zu erteilen, allenfalls für eine Dauer von bloss einem bis zwei Monaten. Zur Begründung machen sie im Wesentlichen geltend, die Vorinstanz gehe zu Unrecht da von aus, dass die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise ihres Gastes nach einem Besuchsaufenthalt nicht gewährleistet wäre. Die Gesuchstellerin sei bereits einige Male in der Schweiz gewesen und habe das Land jedes Mal anstandslos wieder verlassen. Sie habe auch jetzt keinen Anlass zu emig- rieren. Ihre beiden Töchter seien allein schon Grund genug, nach einem Besuchsaufenthalt wieder in ihre Heimat zurück zukehren. Komme hinzu, dass sie in wirtschaftlicher Hinsicht besser gestellt sei als von der Vor - instanz angenommen. Sie wohne im Haus der Gastgeberin und müsse da- für keine Miete entrichten. Ihr eigenes Haus habe sie für umgerechnet CHF 300.00 vermietet. Durch ihre Erwerbstätigkeit erziele sie zusätzlich umge- rechnet CHF 300.00. Ihre ältere Tochter gehe ebenfalls einer Erwerbstätig- keit nach und verfüge somit über ein eigenes Einkommen. Schliesslich wei- sen die Beschwerdeführenden darauf hin, dass sie bereits verschiedene Angehörige aus der Familie der Gastgeberin bei sich zu Besuch gehabt hätten, und dass diese Gäste jeweils anstandslos wieder aus der Schweiz ausgereist seien. C-5933/2014 Seite 4 G. Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 28. November 2014 auf Abweisung der Beschwerde. In Ergänzung ihrer bisherigen Begrün- dung hält sie fest, dass die früheren Aufenthalte der Gesuchstellerin als Tänzerin in der Schweiz an ihrer Einschätzung nichts zu ändern vermöch- ten, zumal diese schon länger zurücklägen. H. Die Beschwerdeführenden liessen sich replikweise nicht mehr vernehmen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM bzw. SEM betreffend Schengen-Visa sind beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Die Beschwerdeführenden sind als Gastgeber und Einsprecher zur Be- schwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 1.3 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal- tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes- sens, die unrichtige oder unvollständi ge Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdever- fahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be- schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis- sen oder abweisen. Massgebend sind grundsätzlich die tatsächlichen Ver- hältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung lieg t das Gesuch einer dominikanischen C-5933/2014 Seite 5 Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen dreimonatigen Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die be- absichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorlie - gende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbe- reich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtakte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmun- gen enthalten (Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerre cht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei- lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten . Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesge- setz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraus- setzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten ver- pflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Vorausset- zungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5; a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Caroni / Gächter / Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Auslän- der, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen - Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit- raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku- mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, de- ren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz ei-C-5933/2014 Seite 6 nes Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsan- gehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gültigen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristigen Aufenthalt ver- fügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über ei- nen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Perso- nen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105/1 vom 13.04.2006], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfol- gend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informati- onssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats dar- stellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristgerecht wie- der zu verlassen (vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drit tstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederaus- reise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. C-5933/2014 Seite 7 BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einrei- seerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Grün- den, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der drittstaatsangehö- rigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset zungen nicht er- füllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Voraussetzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestat- tet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Aufgrund ihrer Staatszugehörigkeit unterliegt die Gesuchstellerin der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 [ABl. L 81 vom 21.03.2001 ; zum vollständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV]). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK ist die Frage der gesicherten Wiederausreise zentral. Eine solche erachtet die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Situation im Hei- matland und der persönlichen Verhältnisse der Gesuchstellerin als nicht genügend gesichert. Zur Einschätzung entsprechender Risiken sind sämt- liche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreise- gesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit po- litisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen kön- nen ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein klang steht. 5.3 Die dominikanische Wirtschaft zeichnete sich über Jahre hinweg durch ein starkes Wachstum von durchschnittlich 5% jährlich aus; seit 2011 ging dieses jedoch kontinuierlich zurück und betrug 2013 noch 4.1%, was zwar C-5933/2014 Seite 8 regional gesehen weiterhin eine gute Platzierung ist. Allerdings ist die Ein- kommensverteilung sehr ungleich, da sich dieses Wachstum nicht in einer quer durch die Gesamtgesellschaft gehenden Wohlstandsentwicklung aus- wirkt und die Armutsquote nach wie vor bei 40% liegt. Die wichtigsten Ein- nahmequellen sind weiterhin der Tourismus, die Exportgewinne aus den Freihandelszonen, die Landwirtschaft und die Transferzahlungen der rund 1,4 Mio. im Ausland lebenden Dominikaner (in der Dominikanischen Re- publik selbst leben ca. 10 Mio. Menschen). Die Netto -Transferzahlungen der im Ausland lebenden Dominikaner machen rund 10% des Bruttoinland- produkts aus und sind seit einigen Jahren auf einem konstanten Niveau . Der überwiegende Teil der Zahlungen stammt aus den USA (ca. 80%) und aus Europa (Quelle: Webseite des deutschen Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de, Aussen- und Europapolitik > Länderinformatio- nen > Dominikanische Republik > Übersicht und Wirtschaft, Stand: Dezem- ber 2015, besucht im Januar 2016). In der Dominikanischen Republik sind somit zweifellos breite Bevölkerungsschichten von vergleichsweise schwierigen wirtschaftlichen Lebensbedingungen betroffen. Die Tendenz zur Emigration gerade bei ungebundenen Personen im er- werbsfähigen Alter hält an. Dabei kann ein bereits bes tehendes soziales Beziehungsnetz aus Verwandten oder Freunden wesentlich zum Entscheid beitragen, die Heimat auf Dauer zu verlassen. Im Falle der Schweiz werden dabei angesichts der hier herrschenden restriktiven Zulassungsregelung nicht selten ausländerre chtliche Bestimmungen umgangen, indem – ein- mal eingereist – versucht wird, den Aufenthalt auf eine ganz andere recht- liche oder faktische Basis zu stellen und sich so der Pflicht zur Wiederaus- reise zu ent ziehen. Solche Umstände und Erfahrungen sind beim En t- scheid über die Erteilung eines Visums mit zu berücksichtigen. 5.4 Bei der Risikoanalyse sind jedoch nicht nur allgemeine Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstelle nden Person im Heimat- oder Herkunftsland beispielsweise eine besondere berufliche, ge- sellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser Umstand durch- aus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. An- dererseits muss bei Personen, die in ihrer Heimat beziehungsweise in ih- rem Herkunftsland keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer be- willigten Einreise als hoch eingeschätzt werden. C-5933/2014 Seite 9 6. 6.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine fast 42-jährige, unver- heiratete Frau, Mutter zweier Töchter. Eine der Töchter ist bereits volljährig, die andere befindet sich gemäss einer schriftlichen Anmerkung der Schweizer Vertretung im Teenageralter (SEM act. 4/42). Die Gesuchstelle- rin wohnt – vermutungsweise zusammen mit ihren Töchtern – in Santo Do- mingo, in einem Haus, das gemäss Darstellung in der Beschwerde im Ei- gentum der Gastgeberin steht. Darüber hinaus ist über ihre persönlichen und familiären Verhältnisse vor Ort nicht s Näheres bekannt. Als Mutter zweier Töchter trägt die Gesuchstellerin zwar sicherlich eine gewisse fami- liäre Verantwortung. Diese ist aber schon deshalb zu relativieren, weil die Gesuchstellerin ohne zwingenden Grund gleich für volle drei Monate in die Schweiz reisen möchte. Es ist davon auszugehen, dass die Töchter schon aufgrund ihres Alters keine engmaschige Betreuung mehr durch die Mutter benötigen. Etwas anderes wurde von den Beschwerdeführenden auch nicht geltend gemacht . In den familiären und persön lichen Verhältnissen der Gesuchstellerin sind demnach keine Besonderheiten erkennbar, die nachhaltig von einer allfälligen Emigration abzuhalten vermöchten. Ohne- hin kann der Umstand, dass ein Gast nahe Familienangehörige im Heimat- land zurück lässt, für sich allein die Prognose einer fristgerechten und an- standslosen Wiederausreise nicht begünstigen. Wesentliche Bedeutung kommt hier den so zialen und wirtschaftlichen Verhältnissen zu, in denen sich die Betroffenen befinden. Denn der Wille zur Emigration ist häufig auch mit der Hoffnung verbunden, zurückbleibende Familienangehörige aus dem Ausland effizienter unterstützen und allenfalls später nachziehen zu können. 6.2 Zwar ist die Gesuchstellerin seit mehr als zehn Jahren beim gleichen Arbeitgeber erwerbstätig. Gemäss einer bei der Schweizer Vertretung ein- gereichten Bestätigung (SEM act. 4/27) arbeitet sie seit 2004 in einem Schulzentrum in Sant o Domingo als Sekretärin und verdient monatlich RD$ 14'000.00 (umgerechnet knapp CHF 300.00). Nach Darstellung der Beschwerdeführenden in ihrer Einspracheschrift und in ihren schriftlichen Auskünften an die Migrationsbehörde des Kantons Basel -Landschaft würde die Gesuchstellerin nach ihrem Besuchsaufenthalt in der Schweiz diese Arbeit wieder aufnehmen. Allerdings dürfte die sowohl von der Ge- suchstellerin wie auch von den Gastgebern beantragte dreimonatige Lan- desabwesenheit kaum mit den Verpflichtungen aus d em Arbeitsverhältnis zu vereinbaren sein. Ein entsprechender Einwand wurde bereits von der Schweizer Vertretung in ihrer Aktennotiz erhoben (SEM act. 4/42) und von der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung bestätigt . Tatsächlich ist C-5933/2014 Seite 10 davon auszugehen, d ass der landesübliche Ferienanspruch nur ein en Bruchteil der von der Gesuchstellerin und ihren Gastgebern geplanten drei Monate betragen dürfte . Die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichte Bestätigung der Arbeitgeberin vom 9. Juni 2014 (SEM act. 4/27) ä ussert sich nicht zur Frage der Ferienansprüche oder der Gewährung von Urlaub. Die Beschwerdeführenden setzen sich in ihrer Rechtsmitteleingabe mit dieser Ungereimtheit auch nicht auseinander. Vielmehr beschränken sie sich auf die Bereitschaftserklärung, s ich auch mit einer kürzeren Aufent- haltsdauer zufrieden geben zu wollen , sollte dies Voraussetzung für eine Visumserteilung sein. Unter diesen Umständen kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Gesuchsteller in den Verlust ihrer Arbeitsstelle im Falle einer Erteilung des gewünschten Visums in Kauf nehmen würde. Schliesslich kann auch nicht von einer besonders komfortablen wirtschaft- lichen Situation der Gesuchstellerin ausgegangen werden. Die Beschwer- deführenden widersetzen sich jedenfalls nicht der Festste llung der Vor - instanz, wonach das von der Gesuchstellerin erzielte Einkommen aus ihrer Erwerbstätigkeit gering sei. Dass die Gesuchstellerin daneben noch zu- sätzliches Einkommen aus der Vermietung eines Hauses erwirtschaften kann, vermag die Verhältnisse nicht in einem wesentlich anderen Licht er- scheinen zu lassen, geht es doch insgesamt um geringe Beträge. 6.3 Zweifel an den tatsächlichen Absichten der Gesuchstellerin könnten auch insofern berechtigt sein, als letztere offensichtlich intensivere Kon- takte zur Schweiz hat, als aufgrund der Angaben der Beteiligten zunächst angenommen werden k onnte. So lebt (gemäss den Angaben der Be- schwerdeführenden in ihren schriftlichen Auskünften (SEM act . 7/50 f.) nebst der Gastgeberin noch eine weitere Schwester der Gesuchstellerin in der Schweiz. Gemäss der bereits erwähnten Aktennotiz der Schweizer Ver- tretung vom 28. Juli 2014 (SEM act. 4/42) sollen sogar drei Geschwister in die Schweiz emigriert sein. Kommt hinzu, dass die Gesuchstellerin im Zeit- raum zwischen September 1995 und November 1999 wiederholt mit Kurz- aufenthaltsbewilligungen als Nachtclub-Tänzerin in der Schweiz arbeitete und anfangs 1996 Vorkehrungen traf, um zur Heirat mit einem Schweizer Bürger einreisen zu können; eine Absicht, die dann aber offenbar nicht um- gesetzt wurde (SEM act. 1/1 ff.). 6.4 Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund durfte die Vorin - stanz demnach davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der Gesuchstellerin nach C-5933/2014 Seite 11 einem Besuchsaufenthalt besteht. An dieser Beurteilung ändert die Tatsa- che nichts, dass d ie Beschwerdeführenden die rechtzeitige Rückkehr der Gesuchstellerin zugesichert haben. In ihrer Eigenschaft als Gastgeber kön- nen sie zwar für gewisse finanzielle Risiken (Lebensunterhaltskosten wäh- rend des Besuchsaufenthalts, allfällige Kosten für Unfall und Krankheit so- wie Rückreisekosten) Garantie leisten, nicht aber – mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit – für ein bestimmtes Verhalten ihres Gas- tes (vgl. BVGE 2009/27 E. 9). Aus dem gleichen Grund kann nicht ent- scheidend sein, dass die Gastgeber gemäss eigener Darstellung bereits Gäste aus dem familiären Umfeld der Beschwerdeführerin bei sich zu Be- such hatten, die jeweils fristgerecht wieder in ihre Heimat zurückgekehrt seien. Selbst wenn dem so wäre (eine Überprüfung dieser Vorbringen ist mangels präziser Informationen über die Personalien der Gäste und den Zeitpunkt der jeweiligen Besuchsaufenthalte nicht möglich), liesse dieser Umstand keine Rückschlüsse auf ein zukünftiges Verhalten der Gesuch- stellerin selbst zu (vgl. anstelle vieler Urteil des BVGer C-6790/2013 vom 13. Mai 2015 E. 6.4 mit Hinweis). 6.5 Die Beschwerdeführenden können auch aus dem Umstand, dass die Gesuchstellerin während ihrer Tätigkeit als Nachtclub-Tänzerin jeweils mit Ablauf ihrer Bewilligungen anstandslos aus der Schweiz ausgereist sei, nichts Besonderes für sich ableiten. Dies schon deshalb, weil diese Tätig- keit inzwischen mehr als 15 Jahre zurückliegt, und die Lebensumstände der Gesuchstellerin kaum mehr vergleichbar sein dürften. 6.6 Mit der fehlenden Gewähr für eine anstandslose Wiederausreise ist eine zwingende Voraussetzung zur Erteilung eines Schengen-Visums nicht erfüllt. Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit (vgl. dazu E. 4.5) wurden von den Beschwerdeführenden nicht geltend gemacht und solche sind auch nicht ersichtlich. 7. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist da- her abzuweisen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten de n Be- schwerdeführenden aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). C-5933/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden den Beschwerdeführenden auf- erlegt. Sie sind durch den geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführenden (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref-Nr. […]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Denise Kaufmann Versand: