Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 28. Oktober 2020 (810 20 140) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Antrag auf Beistandswechsel Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Hans Furer, Markus Clau- sen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dieter Roth, Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Moritz Gall, Advokat Betreff Antrag auf Beistandswechsel (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 19. März 2020) A. D.____, geboren 2007, ist das gemeinsame Kind von A.____ und C.____. B. Nach einer Gefährdungsmeldung der Schule vom 23. Se ptember 2013 wurde eine Abklärung von D.____s familiärer Situation durchgeführt . Gestützt auf die Abklärungsergebnis- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht se, wonach D.____ in seinem familiären Umfeld physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt und dadurch gefährdet sei, entzog die KESB mit Entsch eid vom 13. Februar 2014 A.____ und C.____ per sofort das Aufenthaltsbestimmungsrecht und platzierte D.____ im Kinderhaus E.____. Mit Entscheid vom 2. April 2014 errichtete di e KESB für D.____ eine Erziehungsbei- standschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB und se tzte F.____ als Beistand ein. Im selben Entscheid wurde die elterliche Sorge in Bezug a uf die medizinische Versorgung von D.____ gestützt auf Art. 308 Abs. 3 ZGB beschränkt. C. Mit Entscheid der KESB vom 17. September 2014 wurde n die Platzierung von D.____ im Kinderhaus E.____ sowie der Entzug des Aufenthaltsb estimmungsrechts aufgehoben. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht über D.____ wurde dem Kindsvater zugeteilt. D. Mit Scheidungsurteil des Zivilkreisgerichts G.____ vom 2 5. April 2016 wurde die Ehe von A.____ und C.____ geschieden und die elterliche Sorge über D.____ und seine Schwester, H.____, geboren 2012, beiden Eltern gemeinsam belasse n. D.____ wurde unter die Obhut des Vaters und H.____ unter die Obhut der Mutter gestellt , wobei beiden Elternteilen und Kindern ein gegenseitiges Besuchsrecht eingeräumt wurde. E. Für H.____ wurde mit Entscheid der KESB vom 15. Feb ruar 2017 ebenfalls eine Erzie- hungsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB errichtet und I.____ als Beiständin einge- setzt. Die Beiständin erhielt insbesondere den Auftrag , den persönlichen Verkehr in eigener Kompetenz zu regeln und die Übergaben bei den Besuchen zu organisieren. Aufgrund der star- ken Konflikte zwischen den Eltern wurden diese mit Entscheid der KESB vom 25. Oktober 2017 angewiesen, die Besuche der Kinder bei den Begleitet en Besuchstagen Baselland (BBT) durchzuführen. Die beiden Beistände erhielten die Aufgabe, diese Besuche zu überwachen und zu koordinieren. Gestützt auf Art. 314 Abs. 2 ZGB wurd en die Eltern zudem aufgefordert, eine Mediation in Anspruch zu nehmen. F. A.____, nachfolgend vertreten durch Dieter Roth, A dvokat, beantragte bei der KESB mit E-Mail vom 11. Dezember 2019, F.____ sei per sof ort aus seinem Amt als Erziehungsbei- stand für D.____ zu entlassen und eine neue Person aus d er Wohnsitzgemeinde von A.____ sei als Beistand zu bestimmen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass der Beistand die Kindsmutter nicht genügend über den Schul wechsel und zwei Standortgespräche in der Schule J.____ informiert habe. Am Standortgesp räch vom 8. Mai 2019 sei vereinbart worden, dass die Schule dem Beistand die Informationen über D.____ gebe und er diese an die Kindsmutter weiterleite. Die Kindsmutter habe jedoch vo m Beistand keine Informationen erhal- ten. A.____ habe D.____ seit 1½ Jahren nicht mehr be suchen können und erhalte keine Infor- mationen über ihn. In Belangen betreffend ihren Soh n werde die Kindsmutter vom Beistand ausgegrenzt und der Kindsvater werde bevorzugt. G. Mit Schreiben vom 13. Februar 2020 wiederholte A._ ___ ihren Antrag auf Wechsel der Beistandsperson und reichte gleichzeitig eine Gefährdung smeldung bei der KESB ein, wonach die Gefährdungslage von D.____ dringlich abzuklären sei. Weiter wurde auf das Strafverfahren Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegen den Kindsvater hingewiesen, welches die Kindsmutt er wegen einfacher Körperverlet- zung, Tätlichkeiten sowie Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht eingeleitet habe. H. Mit Schreiben vom 19. Februar 2020 nahm der Beistan d Stellung zum Antrag auf Bei- standswechsel und zur Gefährdungsmeldung. Mit Schreiben vom 25. Februar 2020 teilte die KESB den Beteiligten mit, dass die Gefährdungsmeldun g von A.____ zuständigkeitshalber an das Zivilkreisgericht G.____ weitergeleitet worden sei. M it Schreiben vom 12. März 2020 nahm C.____ Stellung zum Antrag auf Beistandswechsel und beantragte dessen Abweisung. I. Die KESB wies mit Entscheid vom 19. März 2020 den An trag von A.____ auf Wechsel des Beistands ab. J. Gegen den Entscheid der KESB erhob A.____, nach wie vor vertreten durch Dieter Roth, mit Eingabe vom 11. Mai 2020 Beschwerde beim Ka ntonsgericht Basel-Landschaft, Ab- teilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgerich t). Sie beantragt, es sei der Ent- scheid der KESB vom 19. März 2020 vollumfänglich aufzuheb en und es sei der Antrag auf Wechsel des Beistands gutzuheissen. Demzufolge sei die Vo rinstanz anzuweisen, den bisheri- gen Beistand zu entlassen und einen geeigneten neuen Be istand einzusetzen. Alles unter o/e- Kostenfolge. K. Mit Eingabe vom 27. Mai 2020 stellte die KESB den Antrag, die Beschwerde sei abzu- weisen, soweit darauf eingetreten werde; unter o/e-Ko stenfolge. Im Weiteren wurde auf den angefochtenen Entscheid verwiesen und auf eine ausführliche Stellungnahme verzichtet. L. Der Beschwerdegegner, nachfolgend vertreten durch Mor itz Gall, Advokat, liess sich mit Eingabe vom 24. Juni 2020 vernehmen und beantrag t die kostenfällige Abweisung der Be- schwerde. M. Mit Verfügung vom 13. Juli 2020 wurde der Fall d er Kammer zu Beurteilung überwie- sen und festgehalten, dass das Urteil schriftlich eröffnet werde. Weiter wurden die Anträge des Beschwerdegegners auf Befragung von Zeugen abgewiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 Z GB kann gegen Entscheide einer Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgese tzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach A rt. 450 Abs. 1 ZGB die Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht des Kantonsgerichts für zustä ndig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB; §§ 43 ff. des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am V erfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der betroffenen Person nahestehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids h aben (Ziff. 3). Als direkte Verfah- rensbeteiligte und Kindsmutter von D.____ ist die Beschw erdeführerin zur Beschwerdeerhe- bung legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetz ungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob die KESB den Antrag der Beschwer- deführerin auf Wechsel des Beistands zu Recht abgewiesen hat. 4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass der Bei stand selber nicht mehr daran glaube, mit der Beschwerdeführerin zusammenarbeiten zu können. Der Beistand strebe seit rund zwei Jahren die Zusammenarbeit mit der Beschwerdef ührerin nicht mehr an und informie- re sie über D.____s Angelegenheiten gar nicht mehr ode r nur halbherzig und beziehe sie nicht in Entscheidungen D.____ betreffend ein. Mit dem Besch werdegegner halte der Beistand hin- gegen einen wohlwollenden Kontakt. Zudem habe die Be schwerdeführerin ihren Sohn seit Mai 2018 nicht mehr gesehen, obschon es die Aufgabe des Beist ands sei, Besuche (mit oder ohne geschützten Rahmen) zu organisieren und zu ermöglichen. E in Kontaktverbot zwischen der Beschwerdeführerin und D.____ bestehe nicht. Es müsse ein Neuanfang mit einer neuen, un- voreingenommenen und neutralen Beistandsperson gemacht werden. 4.2 Die KESB führt in ihrem Entscheid dagegen aus, dass der Beistand zur Wahrung des Kindeswohls verpflichtet sei, selbst wenn er dabei gegen den Willen der Kindseltern handle. Grundsätzlich habe die Kindsmutter bzw. deren Rechtsvertre ter die Möglichkeit, sich selber bei der Schule über D.____s Situation zu informieren. Wei ter sei den Eltern die elterliche Sorge über medizinische Entscheide entzogen worden, weshalb die Beschwerdeführerin nicht geltend machen könne, sie sei zur Medikation von D.____ nicht a ngehört worden. Die Beschwerdefüh- rerin sei seit jeher mit der Arbeit des Beistands unzufrieden und es sei zu befürchten, dass auch eine neue Beistandsperson bei der Kindsmutter in Ungn ade fallen und von dieser abgelehnt werde. Die Konflikte der Kindseltern hätten sich derma ssen zugespitzt, dass es keiner Person mehr gelingen könne, eine Lösung zu finden, mit der b eide Elternteile einverstanden seien. Es stelle sich sogar die Frage, ob das Verhalten der Kind seltern dem Kindesschutz so widerspre- che, dass der Entzug der elterlichen Sorge des jeweils ni cht obhutsberechtigten Elternteils ge- prüft werden müsse. 4.3 Der Beschwerdegegner hält in seiner Vernehmlassung fest, dass entgegen den Aus- führungen der Beschwerdeführerin sich die persönliche Situation von D.____ seit der Einset- zung des Beistands massiv verbessert habe. Ein deutlicher Bel eg dafür seien die Schulzeug- nisse von D.____. Ab Juli 2017 habe sich seine Situatio n wieder verschlechtert, nachdem die Beschwerdeführerin versucht habe, ihr Besuchsrecht durch zusetzen. Dabei habe sie verkannt, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass die Beschränkung des Besuchsrechts einzig und alleine i hrem für das Kindswohl schädli- chen Verhalten zuzuschreiben sei. Der Beschwerdeführerin gehe es nicht um das Wohl ihres Sohnes, sondern um die Demütigung des Beschwerdegegners. 5.1 Gemäss Art. 400 Abs. 1 ZGB kann das Amt eines Beistan des oder einer Beiständin von einer natürlichen Person ausgeübt werden, die für die vorgesehenen Aufgaben persönlich und fachlich geeignet ist. Die Eignung ist ein relati ver Begriff und bezieht sich auf die Aufgaben der Mandatsperson. Die Frage der Eignung bedarf einer Bilanzierung der vorhandenen und fehlenden Fähigkeiten der Mandatsperson in Bezug auf Sozial-, Selbst-, Methoden- und Fach- kompetenz für das konkrete Mandat (vgl. D ANIEL ROSCH , in: Büchler/Häfeli/Leuba/Stettler [Hrsg.], FamKomm Erwachsenenschutz, Bern 2013, N 7 zu Art. 423 ZGB). 5.2 Die KESB entlässt einen Beistand oder eine Beistän din gemäss Art. 423 Abs. 1 ZGB unabhängig von seinem beziehungsweise ihrem Willen von A mtes wegen, wenn die Eignung für die Aufgaben nicht mehr besteht (Ziff. 1) oder ein anderer wichtiger Grund für die Entlassung vorliegt (Ziff. 2). Die Entlassung eines Beistandes ist auch auf Antrag der betroffenen oder einer ihr nahestehenden Person möglich (Art. 423 Abs. 2 ZGB). Der KESB kommt bei der Beurteilung der Entlassung grosses Ermessen zu. Sie hat sich dabei nach den Interessen und dem Wohl der betroffenen Person zu richten. Für die Entlassung ist eine erhebliche (ernstliche) Gefähr- dung der Interessen beziehungsweise des Wohls der betroffe nen Person zu verlangen (PATRICK FASSBIND , in: Kren Kostkiewicz/Nobel/Schwander/Wolf [Hrsg.], ZGB Kommentar, 3. Auflage, Bern 2016, N 1 zu Art. 423 ZGB). Es gilt ei ne Interessenabwägung zwischen den Inte- ressen an der Weiterführung des Mandats und denjenigen an dessen Beendigung vorzuneh- men. Dabei ist insbesondere das Vertrauensverhältnis zwisc hen Mandatsträger und schutzbe- dürftiger Person zu beachten. Neben der nicht mehr be stehenden Eignung des Mandatsträgers kann dieser auch entlassen werden, wenn ein anderer wi chtiger Grund für eine Entlassung vor- liegt. Auch hier liegt der Fokus primär auf den Inter essen der schutzbedürftigen Person (vgl. ROSCH , a.a.O., N 7 f. zu Art. 423 ZGB). Ein wichtiger Gru nd für die Entlassung einer Man- datsperson kann beispielsweise dann gegeben sein, wen n die verbeiständete Person generell das Vertrauen zur Mandatsperson verliert, Streitigkeiten vorliegen oder eine unüberwindbare, gestörte Beziehung besteht. Das Vorliegen eines wichtige n Grundes darf jedoch nicht leichthin angenommen werden. Oftmals sind gerade die gestörten persönlichen Beziehungen zur Man- datsperson Teil des Problems, welche in der grundlegenden Problematik des Schwächezustan- des der von der Massnahme betroffenen Person begründet si nd und zu einer angeordneten Betreuung und damit nicht selbstbestimmten Beziehung führen. Ein Wechsel der Mandatsper- son ist in einer solchen Situation meist nicht zielfüh rend, zumal die Störung resp. der Vertrau- ensverlust nicht von der individuellen Persönlichkeit der das Amt ausführenden Person abhän- gig ist und bei jeder neu eingesetzten Person über kurz oder lang eintreten würde (URS VOGEL , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zi vilgesetzbuch I, 6. Auflage, Basel 2018, N 26 zu Art. 421-424 ZGB). 6.1 Vorliegend sind keine Indizien ersichtlich, die dar auf hindeuten würden, dass der Bei- stand persönlich nicht geeignet wäre, das Mandat zu füh ren. Dasselbe gilt für seine fachliche Eignung. Der Beistand ist als […] tätig, womit seine fac hliche Qualifikation für die Führung eines solchen Mandats gegeben ist und von der Beschwerdeführerin auch nicht in Frage gestellt wird. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.1 Die KESB entlässt eine Mandatsperson auch aus de m Amt, wenn andere wichtige Gründe vorliegen, die eine Entlassung rechtfertigen (vgl. E. 5.2 hiervor, Art. 423 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB). Den Akten lässt sich entnehmen, dass zwischen der Besc hwerdeführerin und dem Bei- stand erhebliche Diskrepanzen entstanden sind, welche Auswi rkungen auf die Situation von D.____ haben. Ebenfalls lässt sich aus den Akten erahnen, dass eine Zusammenarbeit mit der Beschwerdeführerin nicht immer einfach und ihr Verhal ten gegenüber dem Beistand mitunter grenzwertig ist. So beschuldigte die Beschwerdeführeri n den Beistand ohne Belege vorzubrin- gen, sie zu bedrohen, alle Institutionen gegen sie auf zubringen, den Beschwerdegegner gegen sie aufgehetzt und ihn zu einer Strafanzeige gegen sie überredet zu haben (vgl. E-Mail der Be- schwerdeführerin an die KESB und die Sozialen Dienste K .____ vom 30. Januar 2020, E-Mail der Beschwerdeführerin an die KESB und den Beistand vo m 31. Oktober 2019 und vom 7. Februar 2020). Weiter hat die Beschwerdeführerin ebenfalls ohne Belege der Schule von D.____ gemeldet, dass der Beistand mit dem Beschwerdegeg ner zusammenarbeite und dadurch dessen Gewalttätigkeiten gegen D.____ fördere. Zudem hetze der Beistand die Schul- leitung gegen sie auf und verbreite Lügen über sie, we shalb gegen den Beistand eine Strafan- zeige wegen Amtsmissbrauchs eingereicht werde (vgl. E-Mail der Beschwerdeführerin vom 11. Dezember 2019 und vom 31. Januar 2020 an die Schule von D.____). In einem weiteren E- Mail an die Sozialen Dienste L.____ beschuldigte die B eschwerdeführerin den Beistand, er verweigere die Annahme von Beweisen für Gewaltanwendungen durch den Beschwerdegegner an D.____ und gefährde das Leben von D.____ (vgl. E- Mail der Beschwerdeführerin vom 30. Januar 2020). In ihrem E-Mail an den Beistand dro hte die Beschwerdeführerin diesem mit einer Strafanzeige wegen Amtsmissbrauchs (vgl. E-Mail der Beschwerdeführerin vom 13. Dezember 2017). Bereits daraus ergibt sich, dass di e Zusammenarbeit zwischen dem Bei- stand und der Beschwerdeführerin offensichtlich problembehaftet ist. 6.2.2 Zu den von der Beschwerdeführerin konkret vorgebr achten Gründen für ein zerstörtes Vertrauensverhältnis zum Beistand, wonach sie nicht in wi chtige schulische Entscheidungen einbezogen und ihr seit Mai 2018 der Kontakt zu D.____ nicht ermöglicht werde, ist Folgendes auszuführen: Mit Vereinbarung vom 25. April 2016 wur de zwischen der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdegegner ein übliches Besuchsrecht für D. ____ und seine Schwester fest- gesetzt. Aufgrund der starken Konflikte zwischen den Elter n wurden diese mit Entscheid der KESB vom 25. Oktober 2017 angewiesen, die Besuche der Ki nder bei den BBT durchzuführen. Die beiden Beistände erhielten die Aufgabe, diese Be suche zu überwachen und zu koordinie- ren. Im Bericht des Beistands vom 4. Juli 2018 wird fest gehalten, dass die begleiteten Kontakte im gegenseitigen Einvernehmen Ende März 2018 eingestellt worden seien, da die Eltern hätten versuchen wollen, die Besuche unter sich zu planen. Im M ai 2018 sei es zu einer Eskalation gekommen, auf welche D.____ stark reagiert habe, sodass d er Notfallpsychiater habe konsul- tiert werden müssen (vgl. Bericht des Beistands vom 4. Jul i 2018). Seit diesem Zwischenfall im Mai 2018 hat die Beschwerdeführerin ihren unbestritten en Angaben zufolge D.____ weder ge- sprochen noch gesehen. Obschon die Beschwerdeführerin die sen Zustand mehrmals bei der KESB deponiert hat (vgl. E-Mail des Rechtsvertreters vom 12. Juni 2018, vom 8. Februar 2019 und vom 11. Dezember 2019 an die KESB) und sich beim Be istand und der KESB wiederholt nach dem Stand des Besuchsrechts erkundigt hat, wurde k ein Kontakt zwischen ihr und ihrem Sohn hergestellt bzw. kein Besuchsrecht (begleitet oder unbegleitet) aufgebaut. Der Beistand habe die Beschwerdeführerin anfangs 2019 darüber inf ormiert, dass ein Besuchsrecht mit psy- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht chologischer Begleitung aufgebaut werden könne (vgl. Akt ennotiz vom Gespräch zwischen der KESB und dem Beistand vom 13. Februar 2019). Aus den Akten oder den Eingaben der Betei- ligten lässt sich jedoch kein Hinweis darauf entnehmen, dass ein solches Besuchsrecht errichtet worden wäre oder Anstrengungen diesbezüglich unternomme n wurden. Ebenfalls äussern sich weder der Beistand noch die KESB oder der Beschwerdeg egner zu den Gründen, welche dazu geführt haben, dass das Besuchsrecht nicht wie angeordne t durchgesetzt werden konnte. Ent- gegen den Ausführungen des Beschwerdegegners kann die f achärztliche Meinung von Dr. M.____, Facharzt FMH für Kinder-und Jugendmedizin, wonach D.____ vor seiner psychisch kranken Mutter zu schützen sei, allein keine Sistierung d es Kontaktrechts bewirken. Wäre die KESB zum Schluss gelangt, das Besuchsrecht der Beschwerdefü hrerin sei zum Schutz von D.____ einzuschränken, hätte es dazu eines formellen En tscheids bedurft. Ein solcher Ent- scheid lässt sich den Akten jedoch nicht entnehmen und es g ilt nach wie vor das Besuchsrecht, wie es in der gerichtlich genehmigten Vereinbarung v om 25. April 2016 formuliert wurde. Eben- falls lässt sich aus den Verfahrensakten nicht eruieren, ob D.____ den Kontakt zu seiner Mutter wünscht oder nicht. Grundsätzlich muss davon ausgegangen werden, dass es im Interesse des Kindes liegt, regelmässigen Kontakt zu beiden Eltern zu haben. Der Beistand wurde sodann insbesondere für die Wahrung des Kindeswohls von D.____ s owie für die Regelung des per- sönlichen Verkehrs eingesetzt (vgl. Verfügung der KESB vom 2. April 2014 und Ernennungsur- kunde des Beistands vom 23. April 2014). Obschon ein Be suchsrechtsbeistand eingesetzt und ein Besuchsrecht vereinbart wurde, welches der Beschwerd eführerin wie auch D.____ ohne Einschränkungen zusteht, wurden beide bei der Ausübung d esselben seit 1½ Jahren nicht ziel- führend unterstützt. 6.2.3 Die Beschwerdeführerin moniert ferner, sie sei weder über das Aufnahmegespräch am 12. April 2019 und über die Standortgespräche mit d er Schule von D.____ am 8. Mai 2019 so- wie am 2. Dezember 2019 noch nach den Gesprächen über deren Inhalt informiert worden. Den Eltern von D.____ wurde mit Scheidungsurteil vom 25. April 2016 das gemeinsame Sorgerecht belassen. Die Beschwerdeführerin und der Beschwerdegeg ner sind somit beide in die Ent- scheide, welche D.____ betreffen, einzubeziehen, sofern si e nicht alltäglich oder dringlich sind und vom Obhutsberechtigten alleine gefällt werden dür fen (vgl. Art. 301 Abs. 1 und 1 bis ZGB). Beide Eltern haben ebenfalls das Recht und die Pflicht mit den Schulen zum Wohl von D.____ zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig über D.____ zu i nformieren (Art. 302 ZGB). Auch Eltern ohne elterliche Sorge werden über besondere E reignisse im Leben des Kindes benach- richtigt und vor Entscheidungen, die für die Entwicklun g des Kindes wichtig sind, angehört und können insbesondere bei Lehrkräften in gleicher Weise wie der Inhaber der elterlichen Sorge Auskünfte über den Zustand und die Entwicklung des Kinde s einholen (Art. 275a Abs. 1 und 2 ZGB). Der sorgeberechtigten Beschwerdeführerin steht d emzufolge ein Informations- und Aus- kunftsrecht bezüglich D.____s schulischer Angelegenheiten z u, was zu Recht nicht bestritten wird. Einzig in D.____s medizinischen Angelegenheiten w urde das Sorgerecht beider Eltern beschränkt (vgl. Verfügung der KESB vom 2. April 2014 ). Vor diesem Hintergrund ist nicht er- sichtlich, weshalb jeweils nur der Beschwerdegegner und d er Beistand in die Besprechungen mit der Schule einbezogen wurden (vgl. Protokoll des St andortgesprächs vom 8. Mai 2019). Weder den vorliegenden Akten noch den Eingaben der B eteiligten lassen sich Erklärungen für den Ausschluss der Beschwerdeführerin von diesen Gesprächen entnehmen. Der Beistand räumt in seiner Stellungnahme vom 19. Februar 2020 l ediglich ein, dass es nicht optimal und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sicher nicht förderlich gewesen sei, die Beschwerdeführeri n beim erneuten Schulwechsel von D.____ nicht einzubeziehen. 6.2.4 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen ist es na chvollziehbar und begründet, dass das Vertrauensverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und dem Beistand nachhaltig zer- stört wurde und eine Zusammenarbeit zum Wohl und im I nteresse von D.____ nicht mehr mög- lich ist. Der Beistand selber ist offenbar derselben Ansich t und hält in seiner Stellungnahme vom 19. Februar 2020 fest, dass er keine realistische Mögl ichkeit sehe, eine Zusammenarbeit mit der Beschwerdeführerin zu erwirken. Es zeigt sich somi t, dass wichtige Gründe im Sinne von Art. 423 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB vorliegen, die eine E ntlassung des Beistandes erfordern. Dass der Beschwerdegegner die Zusammenarbeit mit dem bishe rigen Beistand gerne fortgesetzt hätte, ist nachvollziehbar, spielt aber keine Rolle. E ntscheidend ist vielmehr für D.____, dass die Beistandsperson nicht nur mit dem Kindsvater, sondern auch mit der Mutter eine von Ver- trauen geprägte Beziehung oder wenigstens ein sachliche s Arbeitsverhältnis pflegt, um im Rahmen eines Neubeginns im Interesse von D.____ das dr ingend gebotene Zusammenwirken aller Akteure, wozu auch seine Mutter gehört, zu errei chen. Eine neue Beistandsperson hat insbesondere den Kontakt zwischen D.____ und der Beschwerde führerin im gebotenen Rah- men wiederaufzubauen. Obwohl die Beschwerdeführerin bis zum vorliegenden Gesuch nie ei- nen Wechsel der Beistandsperson beantragt hat, ist mit B lick auf das bisherige Verhalten der Beschwerdeführerin (vgl. E. 6.2.1 hiervor) nicht auszusc hliessen, dass das Verhältnis zwischen ihr und einer neuen Beistandsperson zu Konflikten führ en kann. Die Verantwortung für eine zweckdienliche Zusammenarbeit mit einer neuen Beistandsperson liegt somit zu grossen Teilen auch bei der Beschwerdeführerin bzw. ihrer Kooperation sbereitschaft. In diesem Sinne ist der Beschwerdeführerin eine (letzte) Chance zu geben, mi t einer neuen Beistandsperson zum Wohle von D.____ zusammenzuarbeiten. 6.2.5 Die Beschwerde erweist sich demzufolge als begründe t. Der bisherige Beistand ist aus seinem Amt zu entlassen und eine unvoreingenommene, mit den Beteiligten noch nicht befass- te und unbelastete Beistandsperson einzusetzen. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten u mfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). A ngesichts des Ausgangs des Verfahrens erscheint es angemessen, die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- zu einem Drittel, d.h. zu Fr. 600.--, dem Beschwerdegegner und zu zwei Dri ttel, d.h. zu Fr. 1'200.--, der Vo- rinstanz aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- ist der Be- schwerdeführerin zurückzuerstatten. 7.2 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zu- gesprochen werden. Der Rechtsvertreter der Beschwerdefüh rerin macht in seiner Honorarnote vom 29. Juli 2020 einen Stundenaufwand von total 6 Stu nden à Fr. 250.-- sowie Auslagen im Betrag von Fr. 112.10.-- (insgesamt Fr. 1'736.25 inkl. 7.7% MWST) geltend. Dieser Aufwand ist für das vorliegende Verfahren angemessen. Da die Besch werdeführerin durch ihr Verhalten die Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entlassung des Beistands bis zu einem gewissen Grad mitveru rsacht hat, rechtfertigt es sich vorliegend, ihr lediglich eine reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen. Zudem erscheint es angemessen, die reduzierte Parteientschädigung vollständ ig der Vorinstanz aufzuerlegen. Demzufolge hat die Vorinstanz der Beschwerdeführerin e ine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 850.-- (inkl. Auslagen und 7.7% MWSt ) zu bezahlen. Im Übrigen sind die Par- teikosten wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Kindes- u nd Erwachsenen- schutzbehörde B.____ wird angewiesen, umgehend eine ne ue Bei- standsperson für D.____ einzusetzen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- werden zu einem Drittel, d.h. zu Fr. 600.--, dem Beschwerdegegner und zu zwei Drittel, d.h. Fr. 1'200.--, der Kindes- und Erwachsenenschutzbehö rde B.____ auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ hat der Be- schwerdeführerin eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 850.-- (inkl. Auslagen und 7.7% MWSt) zu bezahlen . Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin