Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 19. April 2023 (810 23 32) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Konkretisierung der Regelung des persönlichen Verkehrs / Übernachtungen Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Daniel Noll, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Susanne Ackermann, Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner Betreff Konkretisierung der Regelung des persönlichen V erkehrs (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 10. Januar 2023) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. D.____, geboren 2018, ist das Kind der unverheirat eten und getrenntlebenden Eltern A.____, geboren 1999, und C.____, geboren 1997. D._ ___ steht unter der gemeinsamen elter- lichen Sorge beider Eltern und hat seinen Wohnsitz bei der Kindsmutter. Aufgrund bestehender Konflikte zwischen den Kindseltern betreffend das Besuch srecht wurde mit Entscheid der Kin- des- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) vom 19. Mai 2021 für D.____ eine Erzie- hungsbeistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB errichtet und ein Beistand ernannt. B. Mit Urteil der Gerichtspräsidentin des Zivilkreisgerich ts Basel-Landschaft Ost vom 4. Mai 2022 wurde die Vereinbarung der Kindseltern b etreffend die Regelung des persönlichen Verkehrs zwischen dem Kindsvater und D.____ gerichtlich genehmigt. C. Sowohl die Kindseltern als auch der Beistand teilt en der KESB mit, dass bei der Um- setzung der vereinbarten Besuchsrechtsregelung Differenze n zwischen den Kindseltern beste- hen würden. Daraufhin informierte die KESB die Kind seltern mit Schreiben vom 9. Dezember 2022 über die Eröffnung des Verfahrens betreffend di e Regelung des persönlichen Verkehrs. Die Kindsmutter, in Begleitung ihrer Rechtsvertreteri n, sowie der Kindsvater wurden in diesem Zusammenhang am 3. Januar 2023 durch die KESB persönlich angehört. D. Mit Entscheid vom 10. Januar 2023 verfügte die KESB, dass der persönliche Verkehr zwischen D.____ und dem Kindsvater gestützt auf Art. 273 A bs. 2 ZGB und gestützt auf die gerichtlich genehmigte Vereinbarung vom 4. Mai 2022 p er sofort wie folgt konkretisiert werde: "Der Vater und D.____ haben das Recht, sich am Samstag 2 8.01.2022 [recte: 28.01.2023], 08.00 Uhr inkl. Übernachtung (vorerst in E.____ im Stud io der Liegenschaft der Eltern des Va- ters) bis Sonntag 29.01.2022 [recte 29.01.2023], 19.0 0 Uhr (inkl. Nachtessen) und danach je- des zweite Wochenende von Samstag, 08.00 Uhr, inkl. Über nachtung (vorerst in E.____ im Studio der Liegenschaft der Eltern des Vaters) bis Sonn tag, 19.00 Uhr (inkl. Nachtessen) zu besuchen. Der Kindsvater hat weiter das Recht und die P flicht, mit D.____ ab Sommer 2023 pro Kalenderjahr 2 Wochen Ferien zu verbringen. Die Feiertage wie Ostern, Pfingsten, Auffahrt und Silvester/Neujahr und Heiligabend verbringt D.___ _ abwechselnd bei der Kindsmutter oder beim Kindsvater, jedes Jahr alternierend. Den 25. Dezember jeden Jahres verbringt D.____ bei der Kindsmutter, den 26. Dezember jeden Jahres verbring t D.____ beim Kindsvater. Über die Modalitäten betreffend die Ausübung des Besuchs- und F erienrechts des Vaters und des Kin- des einigen sich die Parteien unter angemessener Berücksi chtigung der Interessen und Wün- sche des Kindes und unter Mithilfe der Beistandsperson la ufend direkt. Einvernehmlich können die Kindseltern unter Berücksichtigung des Kindswohles jederzeit von der durch die KESB fest- gelegten Regelung abweichen. Im Weiteren haben der Vater und das Kind das Recht, jeden Dienstagabend und jeden Donnerstagabend sowie am Samsta gabend, an welchem kein Be- suchswochenende stattfindet, je um 18.45 Uhr, miteinande r zu telefonieren (Anruf durch den Vater). Kann das Telefonat nicht stattfinden, erfolg t die entsprechende Information unter den Eltern umgehend und es wird ein Ersatztermin gesucht" (Dispo-Ziffer 1). Weiter wurden die Aufgaben und Kompetenzen des Beistands angepasst (Dispo-Z iffer 2). Einer allfälligen Be- schwerde gegen diesen Entscheid wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Dispo-Ziffer 3) und es wurden keine Verfahrenskosten erhoben (Dispo-Ziffer 4). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Gegen den Entscheid der KESB vom 10. Januar 2023 er hob A.____, nachfolgend ver- treten durch Susanne Ackermann, Advokatin, Beschwerde bei m Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei der Entscheid der KESB in Ziffer 1 aufzuheben und e s sei dem Beschwerdegegner ein ta- geweises Besuchsrecht ohne Übernachtungen und kein Ferie nrecht einzuräumen. Es sei eine amtliche Erkundigung bei Dr. F.____, Kinder- und Jugen dpsychiatrie Baselland (KJP), über die empfohlene Ausgestaltung des Besuchsrechts zwischen dem Beschwerdegegner und D.____ vorzunehmen. Unter o/e-Kostenfolge, wobei der Beschwerde führerin die unentgeltliche Pro- zessführung und Verbeiständung zu gewähren sei. In verfa hrensrechtlicher Hinsicht wurde be- antragt, es sei Ziffer 3 des Entscheids der KESB vom 10. Januar 2023 aufzuheben, und der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu bewilligen. F. Die KESB liess sich mit Eingabe vom 7. Februar 2023 vernehmen und schloss auf kos- tenfällige Abweisung der Beschwerde. Zusätzlich zu den A usführungen im angefochtenen Ent- scheid führt die Vorinstanz aus, dass beide Kindseltern i m Rahmen der Anhörung vom 3. Janu- ar 2023 bestätigt hätten, dass die Besuchskontakte seit Herbst 2022 regelmässig stattgefunden hätten. Der Beschwerdegegner habe sich zudem dazu bereit erklärt, an den Abklärungen bei der KJP mitzumachen. G. Mit Eingabe vom 13. Februar 2023 liess sich der Beschwe rdegegner vernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde. H. Mit Verfügung vom 15. Februar 2023 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen und festgehalten, dass das Urteil schriftlich e röffnet und über das Gesuch um un- entgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zusamme n mit der Hauptsache entschieden werde. Weiter wurde der Antrag der Beschwerdeführerin auf Wiederherstellung der aufschie- benden Wirkung gutgeheissen und der Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung erteilt. I. Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 7. März 2023 weitere Unterlagen zu ihrem Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz- buches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 kann gegen Entsche ide einer Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 6 6 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB d as Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des k antonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Die Beschwerdeführeri n ist als Verfahrensbeteiligte zur Be- schwerde legitimiert (Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwer de Rechtsverletzungen (lit. a), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sach verhalts (lit. b) sowie die Unangemes- senheit (lit. c) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kom mt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2. Vorliegend ist strittig, ob die Vorinstanz zu Rech t die Regelung des persönlichen Ver- kehrs konkretisiert und an den Besuchswochenenden beim Besch werdegegner Übernachtun- gen, ein Ferienrecht im Umfang von zwei Wochen pro Ka lenderjahr sowie jährlich alternierende Feiertage angeordnet hat. 3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass das Besuc hsrecht mit gerichtlich geneh- migter Vereinbarung geregelt worden sei. Dabei seien Besuchstage beim Beschwerdegegner jeweils ohne Übernachtungen vorgesehen gewesen, wobei e ine Ausdehnung des Besuchs- rechts inkl. Übernachtungen ab August 2022 anzustreben gewesen sei. Zweck der gerichtlichen Vereinbarung sei gewesen, dass die Kontakte konstant un d regelmässig stattfinden sollten, bevor Übernachtungen in Frage kämen. Dies sei jedoch ni cht möglich gewesen, da die Kontak- te nur sehr sporadisch und teilweise über Wochen hinweg gar nicht stattgefunden hätten, weil der Beschwerdegegner aufgrund seiner labilen psychischen Si tuation viele Kontakte abgesagt habe. Diese fehlende Konstanz sei für D.____ unverständ lich und frustrierend gewesen. Aus diesem Grund gehe es nicht an, in einer völlig instabi len Situation Übernachtungen zuzulassen. Erschwerend kämen die psychische Labilität des Beschwerdege gners und dessen übermässi- ger Cannabiskonsum dazu. Zudem sei in der gerichtlichen Vereinbarung abschliessend gere- gelt worden, dass D.____ jährlich den 26. Dezember un d den Ostermontag beim Beschwerde- gegner verbringe. Die Vorinstanz habe mit der Änderung dieser Vereinbarung ihre Kompeten- zen überschritten, weshalb ihr Entscheid vom 10. Januar 2023 aufzuheben sei. Ebenso könne die von der Vorinstanz verfügte Ferienregelung nicht st attfinden, bevor nicht die Wochenenden mit Übernachtungen zuverlässig funktionieren würden. A uch hier müsse berücksichtigt werden, dass D.____ noch klein sei. 3.2 Die Vorinstanz stellt sich im angefochtenen Entschei d auf den Standpunkt, dass die Abklärungen ergeben hätten, dass die Kindseltern auch i n Zusammenarbeit mit dem Beistand keine einvernehmliche Regelung betreffend die Übernach tungen hätten treffen können. Auf- grund des Elternkonflikts drohten eine Entfremdung vo n D.____ zum Kindsvater sowie ein Lo- yalitätskonflikt. Beides könne die Entwicklung von D.___ _ gefährden und begründe einen be- hördlichen Unterstützungsbedarf im Bereich des persö nlichen Verkehrs. Die Konkretisierung der Vereinbarung vom 4. Mai 2022 habe zum Ziel, Konfliktsituationen zwischen den Kindseltern zu vermeiden und dem Loyalitätskonflikt und der Entfrem dung entgegenzuwirken. Die Bezie- hung von D.____ zum Kindsvater könne dadurch gefestigt w erden. Die Konkretisierung schaffe eine Minimalregelung im Konfliktfall und die Eltern könnten einvernehmlich unter Berücksichti- gung des Kindswohls jederzeit von dieser Regelung abwei chen. Die Regelung der Modalitäten würde in die Kompetenz des Beistands gelegt. 3.3 Der Beschwerdegegner macht zusammengefasst geltend, dass die von der Beschwer- deführerin geforderte Konstanz im persönlichen Verkeh r mit D.____ jederzeit gegeben sei. Die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführerin habe hingegen sehr oft versucht, den Kontakt zu verwehren. Es habe noch nie eine Zeit gegeben, in welcher er D.____ nicht habe sehen wollen. 4.1 Eltern, denen die elterliche Sorge oder Obhut ni cht zusteht, und das minderjährige Kind haben gegenseitig Anspruch auf angemessenen per sönlichen Verkehr (Art. 273 Abs. 1 ZGB). Persönlicher Verkehr ist ein Recht der Eltern und des Kindes (sog. Pflichtrecht). Zweck des Besuchsrechts ist vor allem die Aufrechterhaltung regelmässiger Kontakte des Kindes zu seinen Eltern (vgl. P ETER BREITSCHMID , in: Breitschmid/Rumo-Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Personen- und Familienrecht, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2016, N 3 zu Art. 273 ZGB). Verpflichtet, den persönlichen Verkehr zwischen Eltern und Kind zu dul- den bzw. zu ermöglichen, ist die die elterliche Sorge od er Obhut innehabende Person, d.h. in der Regel der andere Elternteil. So haben auch der V ater und die Mutter alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum anderen Elternteil beei nträchtigt oder die Aufgabe der er- ziehenden Person erschwert (Art. 274 Abs. 1 ZGB; vgl. INGEBORG SCHWENZER /MICHELLE COTTIER , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zivilgesetzbuch, 7. Auflage, Basel 2022, N 5 zu Art. 273 ZGB). Als oberste Richtschn ur für die Ausgestaltung des Besuchs- rechts gilt immer das Kindeswohl, das anhand der gege benen Umstände zu beurteilen ist. All- fällige Interessen der Eltern haben zurückzustehen. Welche Ordnung des persönlichen Ver- kehrs zwischen Eltern und Kindern angemessen ist, entschei det sich im konkreten Einzelfall nach gerichtlichem Ermessen. Es ist allgemein anerkannt, dass die Beziehungspflege zu bei- den Elternteilen für die gedeihliche Entwicklung des Ki ndes sehr wichtig ist und bei dessen Identitätsfindung eine entscheidende Rolle spielen kan n (vgl. BGE 130 III 585 E. 2.2.2; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwal tungsrecht [KGE VV] vom 10. Mai 2017 [810 17 12] E. 7.4). 4.2 Der aus Art. 273 Abs. 1 ZGB fliessende Anspruch kan n gestützt auf Art. 274 Abs. 2 ZGB verweigert oder entzogen werden, wenn das Wohl d es Kindes durch den persönlichen Verkehr gefährdet wird, wenn ihn der betreffende Elternteil pflichtwidrig ausgeübt hat, wenn sich dieser nicht ernsthaft um das Kind gekümmert hat oder wenn andere wichtige Gründe vorlie- gen. Bei der Beschränkung des persönlichen Verkehrs ist ste ts das Gebot der Verhältnismäs- sigkeit zu beachten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_404/2015 vom 27. Juni 2016 E. 5.2.4). 5.1 Im vorliegenden Fall vereinbarten die Kindseltern im Mai 2022 ein Besuchsrecht des Beschwerdegegners für jedes zweite Wochenende (Samstag u nd Sonntag, je von 8.00 Uhr bis 19.00 Uhr inkl. Nachtessen). Zudem kamen die Eltern üb erein, dass ein weitergehendes Be- suchsrecht inkl. Übernachtung in Zusammenarbeit mit dem Be istand ab August 2022 ange- strebt werden solle (vgl. Vereinbarung der Kindselte rn betreffend die Regelung des persönli- chen Verkehrs vom 4. Mai 2022). Entgegen den Ausführun gen in der Beschwerde vom 27. Januar 2023 gaben die Eltern anlässlich der Anhörung durch die KESB sodann an, dass die Besuche zwischen dem Beschwerdegegner und D.____ seit Oktober 2022 regelmässig stattfin- den würden, was vom Beistand bestätigt worden sei (vgl. A nhörungsprotokoll vom 3. Januar 2023) und eine positive Veränderung der Verhältnisse d arstellt. Die Beschwerdeführerin spricht sich auch grundsätzlich für ein Besuchsrecht aus und hält f est, dass für D.____ ein regelmässi- ger und verlässlicher Kontakt zu seinem Vater wichtig sei. Gleichzeitig mache sie sich jedoch Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sorgen, wenn D.____ beim Beschwerdegegner übernachten würde, und äusserte Bedenken im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Situation des Be schwerdegegners sowie dessen Cannabiskonsum. Der Beschwerdegegner hält hierzu fest, da ss es eine Zeit gegeben habe, in der er angeschlagen gewesen sei. Die Kindseltern hätten darum vereinbart, dass er sich bei der Beschwerdeführerin melden könne, wenn es ihm nicht gut gehe und er D.____ früher abgeben müsse. Dies habe der Beschwerdegegner anfangs (2020) in A nspruch genommen. Dem Be- richt des behandelnden Therapeuten, med. pract. G.___ _, vom 25. Januar 2021 ist zu entneh- men, dass der Beschwerdegegner eine Anpassungsstörung in Form einer längerdauernden leichten depressiven Reaktion (ICD-10 F43.21) aufweise und sich sein Gesundheitszustand seit der ersten Konsultation im Dezember 2020 deutlich stabilisiert habe. Weiter würden keine Zwei- fel an der Erziehungskompetenz des Beschwerdegegners bestehen und er scheine vollumfäng- lich in der Lage zu sein, seinen Sohn zu betreuen. Au s Sicht des Therapeuten bestehen somit keine gesundheitlichen Einschränkungen beim Beschwerdegeg ner, welche gegen eine Über- nachtung bei diesem sprechen würden. Hinzu kommt, dass der eingesetzte Beistand die Über- nachtungen beim Beschwerdegegner befürwortet (vgl. A nhörungsprotokoll der KESB vom 3. Januar 2023). Dessen ungeachtet zeigte der Beschwerde gegner in der Vergangenheit, dass er seine gesundheitliche Situation einschätzen und zum Schutz von D.____ entsprechend rea- gieren kann. Die Beschwerdeführerin macht auch nicht g eltend, dass es beim Beschwerdegeg- ner, insbesondere vor dem Hintergrund, dass dieser D.___ _ an den Besuchswochenenden be- reits von 8.00 bis 19.00 Uhr an zwei aufeinanderfolgend en Tagen betreut, zu einer Überforde- rungssituation gekommen sei, in welcher das Wohl von D._ ___ gefährdet gewesen sei. Seinen Cannabiskonsum bestreitet der Beschwerdegegner grundsät zlich nicht und es muss davon ausgegangen werden, dass er seine Fürsorgepflicht gegenü ber D.____ dadurch nicht vernach- lässigt oder verletzt. Gegenteiliges wird von der Beschwe rdeführerin nicht substantiiert vorge- bracht und geht auch nicht aus den vorliegenden Akten hervor. Im Übrigen liegt es im Interesse des Beschwerdegegners, seine Verantwortung gegenüber se inem Sohn adäquat wahrzuneh- men und das Vertrauen der Beschwerdeführerin in ihn n icht zu verletzen. Darüber hinaus ist vorgesehen, dass die Übernachtungen vorerst in E.____ i m Studio der Liegenschaft der Eltern des Beschwerdegegners stattfinden würden, sodass der Besch werdegegner auf unmittelbare Unterstützung zurückgreifen könnte. Mit den Übernacht ungen wird es dem Vater ermöglicht, seine Fürsorge für D.____ rundum zu gewährleisten, was w iederum die Beziehung zwischen dem Beschwerdegegner und D.____ stärkt und zum Wohl vo n D.____ geboten ist. Sofern die Beschwerdeführerin geltend macht, der Beschwerdegegner müsse mit den Gewohnheiten und Bedürfnissen seines Sohnes vertraut werden, ergibt sich z um einen aus den Akten, dass der persönliche Verkehr zwischen dem Beschwerdegegner zumindest seit Oktober 2022 regelmäs- sig funktioniert, und zum anderen liegt es an den Eltern, die Gewohnheiten und Bedürfnisse von D.____ einerseits zu kommunizieren und andererseits ernst zu nehmen und darauf zu achten. Die angeblich fehlende Kenntnis von D.____s Gewohnhe iten stellt zumindest keine Kindswohl- gefährdung und somit kein Grund dar, von Übernachtung en beim Vater abzusehen. Dass die gesundheitlichen Belastungen, unter welchen D.____ le ide, oder D.____s Therapie in der KJP einen direkten Zusammenhang zu den Besuchen beim Beschw erdegegner aufweisen würden, wird von der Beschwerdeführerin nicht behauptet. Viel mehr geht aus den Akten hervor, dass D.____s Beschwerden verschiedene Ursachen (u.a. der Tod de r Grossmutter mütterlicherseits oder die konflikthafte Elternbeziehung) haben könnten. Demzufolge sind keine Gründe ersicht- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich, welche im vorliegenden Fall gegen Übernachtungen beim Beschwerdegegner sprechen würden. 5.2 Entgegen der Annahme der Beschwerdeführerin war d ie Vorinstanz mit Blick auf die vorstehenden Ausführungen zudem befugt, die Vereinbaru ng vom 4. Mai 2022 betreffend den persönlichen Verkehr auch hinsichtlich des Ferienrechts sowie der Feiertage anzupassen (vgl. Art. 298d Abs. 2 und 134 Abs. 4 ZGB). Die Beden ken der Beschwerdeführerin gründen auch diesbezüglich auf dem bisher angeblich unregelmässig en Kontakt und der gesundheitli- chen Situation des Beschwerdegegners sowie auf dessen Cannabiskonsum. Vorstehend wurde eine Kindswohlgefährdung von D.____ im Rahmen von Über nachtungen beim Beschwerde- gegner verneint. Gleiches muss auch für das Ferienrecht u nd die Feiertage gelten. Die Be- schwerdeführerin vermag diesbezüglich weder einen fehlen den Willen noch fehlende Fähigkei- ten des Beschwerdegegners aufzuzeigen und es bestehen kein e Hinweise dafür, dass D.____ bei einem Ferienkontakt mit seinem Vater gefährdet w äre. Der Beschwerdegegner hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er in Krisensituationen zum Schutz von D.____ angemessen rea- giert, und ihm wird von seinem Therapeuten eine unein geschränkte Erziehungskompetenz be- scheinigt. Gegenteiliges wird von der Beschwerdeführerin nicht substantiiert geltend gemacht und es liegt im wohlverstandenem Interesse von D.____ und ist zu seinem Wohl geboten, auch eine längere Zeit am Stück bei seinem Vater sein zu kön nen und spezielle Momente sowie Fei- erlichkeiten mit diesem zu erleben. Der Beschwerdeführerin ist jedoch insofern Recht zu geben, dass das Ferienrecht behutsam aufzubauen ist. Sofern es das Wohl sowie die Bedürfnisse von D.____ erfordern, ist das Ferienrecht – wie im angefoc htenen Entscheid festgehalten wurde – in Absprache mit dem Beistand vorerst in kürzeren Einheite n auszuüben. Nach dem Gesagten ist erstellt, dass das Wohl von D.____ durch die angeordneten Besuchswochenenden inkl. Über- nachtungen, das Ferienrecht sowie die jährlich alternierenden Feiertage, insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich das verfügte Besuchsrecht im gericht süblichen Rahmen bewegt, nicht gefährdet ist (vgl. A NDREA BÜCHLER / SANDRO CLAUSEN , Das "gerichtsübliche" Besuchsrecht, in: FamPra.ch 2020 S. 535 ff., S. 548). 5.3 Ferner macht die Beschwerdeführerin geltend, sie h abe bei der KESB beantragt, dass Dr. F.____ nicht nur den Beschwerdegegner in diese Th erapie einbeziehen solle, sondern vor allem auch, dass sie Empfehlungen über die Ausgestaltun g der Kontakte zwischen Vater und Sohn aussprechen solle. Diesen Antrag habe die KESB jedoch nicht behandelt, weshalb er vor- liegend wiederholt werde. In welcher Form die Beschwerdeführerin diesen Antrag gestellt habe, zeigt diese hingegen nicht auf und ein solcher lässt sich den Akten, insbesondere dem Protokoll der Anhörung vom 3. Januar 2023, nicht entnehmen, wes halb sich die KESB dazu auch nicht hätte äussern müssen. Die Beschwerdeführerin macht zudem nicht geltend und es ergibt sich auch nicht aus den Akten, dass D.____ insbesondere aufg rund des Kontaktrechts zu seinem Vater bei Dr. F.____ in Therapie ist. Es ist somit nich t ersichtlich und die Beschwerdeführerin vermag nicht substantiiert darzulegen, was eine Stellu ngnahme von Dr. F.____ weiter zum vor- liegenden Sachverhalt hätte beitragen können. Es wäre der Beschwerdeführerin zudem freige- standen, einen Bericht oder eine Stellungnahme von Dr. F.____ einzureichen. Der Antrag der Beschwerdeführerin ist demzufolge im vorliegenden Verfahren abzuweisen. Im Übrigen hat sich der Beschwerdegegner anlässlich der Anhörung am 3. Janua r 2023 damit einverstanden er- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht klärt, an D.____s Terminen in der KJP teilzunehmen. Er wird somit in die Behandlung einbezo- gen. 5.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist der Ent scheid der Vorinstanz insgesamt nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen. 6.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungs- gerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenp flichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden n ach § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer legt. Vorliegend sind die Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 1‘200.-- der unterliege nden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Diese ersucht für den Fall des Unterliegens um Gewähru ng der unentgeltlichen Prozessfüh- rung. Gemäss § 22 Abs. 1 VPO wird eine Partei auf ihr Begehren von der Bezahlung der Ver- fahrenskosten und der Kosten von Beweismassnahmen befreit , wenn ihr die nötigen Mittel feh- len und ihr Begehren nicht offensichtlich aussichtslos ersche int. Da der Beschwerdeführerin für das vorliegende Verfahren die nötigen Mittel fehlen und ihr Begehren nicht offensichtlich aus- sichtslos erscheint, ist das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen (§ 22 VPO). Demzufolge gehen die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'200.-- zulasten der Gerichtskas- se. 6.2 Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 V PO). Die Beschwerdeführerin be- antragt für den Fall des Unterliegens ebenfalls die Gewährung der unentgeltlichen Verbeistän- dung mit der Advokatin Susanne Ackermann. Unter den gl eichen Voraussetzungen wie in § 22 Abs. 1 VPO wird einer Partei der kostenlose Beizug ein es Anwaltes bzw. einer Anwältin ge- währt, sofern dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig erscheint (§ 22 Abs. 2 VPO). In Berück- sichtigung der erforderlichen Unterlagen ist die Bedürf tigkeit hinsichtlich der den Selbstbehalt von Fr. 300.-- (Überschuss für rund ein Jahr) übersteigen den Kosten nachgewiesen. Die Be- schwerde ist zudem nicht als offensichtlich aussichtslos anzuseh en und die Notwendigkeit der Verbeiständung ist gestützt auf die sich im vorliegenden Verfahren stellenden Rechtsfragen zu bejahen. Somit sind die Voraussetzungen gemäss § 22 Abs. 1 VPO für die Bewilligung der un- entgeltlichen Rechtspflege grundsätzlich gegeben, wesh alb dem entsprechenden Gesuch der Beschwerdeführerin entsprochen werden kann, soweit die Anwaltskosten den Betrag von Fr. 300.-- übersteigen. Zufolge Bewilligung der unen tgeltlichen Verbeiständung ist der Rechts- vertreterin der Beschwerdeführerin somit ein Honorar zu lasten der Gerichtskasse auszurichten. In ihrer Honorarnote vom 7. März 2023 macht die Recht svertreterin gesamthaft einen Aufwand von 6,5 Stunden à Fr. 200.-- geltend, was nicht zu bean standen ist. Abzüglich des Selbstbe- halts der Beschwerdeführerin in der Höhe von Fr. 300 .-- resultiert daraus ein aus der Gerichts- kasse auszurichtendes Honorar von Fr. 1‘186.20 (inkl. Auslagen in der Höhe von Fr. 79.90 und 7.7% MWST). Im Übrigen sind die Parteikosten wettzuschlagen. 6.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hin gewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beistand wird angewiesen, in Absprache mit de n Eltern, das Datum für den Beginn der Übernachtungen von D.____ bei seinem Vater festzu- legen. 3. Der Beschwerdeführerin wird für das vorliegende V erfahren die unent- geltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeist ändung mit einem Selbstbehalt von Fr. 300.-- bewilligt. 4. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'200.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der u nentgeltlichen Pro- zessführung gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 5. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Be willigung der unent- geltlichen Verbeiständung wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdefüh- rerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'186.20 (inkl . Auslagen und 7.7% MWST) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiberin