Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Oktober 2020 (720 19 17 / 234) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhalts / Einholung eines Ergänzungsbe- richts der Administrativgutachterin Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advo- katin, Advokatur Biaggi, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1964 geborene A.____, gelernte Coiffeuse, me ldete sich am 12. Juli 2011 unter Hinweis auf eine Allergie an den Händen bei der Eidg enössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Land schaft klärte die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse ab, wobei sie bei der Ver sicherten ab 1. Juli 2012 (Ablauf des Wartejahres) einen Invaliditätsgrad von 8 % und ab 28 . Januar 2013 einen solchen von 54 % ermittelte. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle A.____ nach durchgeführtem Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorbescheidverfahren rückwirkend ab 1. Januar 2013 eine halbe Rente zu. Die Rentenzuspra- che erfolgte dabei in Form von zwei Verfügungen, die beide vom 21. Dezember 2018 datieren: In der einen Verfügung setzte die IV-Stelle die laufende Rente ab 1. Januar 2019 fest und in der anderen Verfügung entschied sie über den Anspruch für d en Zeitraum vom 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2018. B. Gegen diese beiden Verfügungen vom 21. Dezember 2 018 erhob A.____, vertreten durch Advokatin Raffaella Biaggi, am 14. Januar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin bea ntragte sie, es seien die angefochte- nen Verfügungen aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verurteilen, ihr eine ganze Invaliden- rente spätestens ab Februar 2015 auszurichten. Eventual iter sei ein Obergutachten durch das Gericht einzuholen; unter o/e-Kostenfolge. Am 16. Janua r 2019 liess die Beschwerdeführerin dem Kantonsgericht im Nachgang zur Beschwerde einen Ber icht des behandelnden Psychia- ters Dr. med. B.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 7. Januar 2019 zukommen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 4. März 2019 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Zudem legte sie ihren Ausführungen eine B eurteilung von pract. med. C.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ä rztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 6. Februar 2019 bei. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten di e Beschwerdeführerin mit Replik vom 10. März 2019 und die IV-Stelle mit Duplik vom 12. April 2019 an ihren bisherigen Anträ- gen und wesentlichen Vorbringen fest. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 6. Juni 2019 gela ngte das Kantonsgericht zur Auf- fassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Angeleg enheit gestützt auf die vorhandene Aktenlage nicht möglich sei. Es erwog, dass sich die IV-St elle bei der Beurteilung des Gesund- heitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh rerin wesentlich auf das psychiatri- sche Gutachten von Prof. Dr. med. D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 29. September 2017 stütze. Dieses Gutachten werfe jedoc h inhaltlich in einem massgebenden Punkt Fragen auf. So verweise die Expertin ausdrücklich auf "erhebliche Inkonsistenzen“, die sich bei der Versicherten im Rahmen der Begutachtung geze igt hätten. Die Expertin unterlasse es jedoch, diese Feststellung näher zu begründen. Dies em Mangel komme insofern besondere Bedeutung zu, als die IV-Stelle in ihrer Beweiswürdigu ng diesen von der Gutachterin festgehal- tenen “erheblichen Inkonsistenzen“ ein grosses Gewicht be igemessen habe. Bei dieser Sachla- ge sei es, so das Fazit des Kantonsgerichts, angezeigt, den Fall auszustellen und die Gutachte- rin Prof. Dr. D.____ zu bitten, ihre Feststellung, w onach sich bei der Explorandin anlässlich der Begutachtung “erhebliche Inkonsistenzen“ gezeigt hätten, einlässlicher zu begründen. Mit sepa- ratem Schreiben vom 11. Juli 2019 erging die entsprechende Anfrage an Prof. Dr. D.____. F. Nachdem sie seitens des Kantonsgerichts mehrfach auf di e ausstehende Stellung- nahme hingewiesen worden war, liess Prof. Dr. D.____ dem Kantonsgericht am 29. April 2020 ihr Antwortschreiben zukommen. Die Parteien äusserten sich mit Eingaben vom 5. Mai 2020 (Beschwerdeführerin) bzw. vom 8. Mai 2020 (IV-Stelle) z u diesen ergänzenden Ausführungen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Prof. Dr. D.____. Anschliessend wurde die Angelegenheit mit Verfügung vom 12. Mai 2020 erneut dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf di e Beschwerde der Versicherten vom 14. Januar 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2019, 9C_609/2018, E. 3.2.2). 4. Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 5.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszusta nds und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten bei den Dres. med. E.____, Innere M edizin und Rheumatologie FMH, und F.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, das bidisziplin äre (rheumatologi- sche/psychiatrische) Gutachten vom 12. Dezember 2013 ein. Darin erhoben die beiden Fach- ärzte als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfäh igkeit ein chronisches lumbospondylo- genes Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5), ein chronisches Schmerzsy ndrom Schulter rechts bei Status nach Schulterkontusion am 16. Juli 2012 und eine reaktive depressive Störung mittel- gradigen Ausmasses (ICD-10 F32.1). Zur Frage der Arbeit sfähigkeit führten die Dres. E.____ und F.____ im Rahmen ihrer Konsensbeurteilung aus, aus rheumatologischer Sicht bestehe für sämtliche leichte leidensadaptierte Tätigkeiten, die in Wechselbelastung sowie ohne Benutzen des rechten Arms über der Horizontalen durchgeführt würden, eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit ohne Leistungseinbusse. In der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin, welche die Exploran- din in den letzten Jahren in verschiedenen Anstellungen ausgeübt habe, lasse sich eine Ein- schränkung von 20 % ausweisen, dies bedingt durch das län gere Stehen an Ort sowie im Rah- men der dabei teils notwendigen Überkopfarbeiten. Aus psychiatrischer Sicht benötige die Ex- plorandin einen erhöhten Pausenbedarf, ebenso seien T ätigkeiten unter Zeitdruck nicht mög- lich. Eine adaptierte, eher gleichförmige Tätigkeit so llte der Explorandin jedoch halbtags mög- lich sein. Zusammenfassend bestehe somit aus rheumatologi scher und psychiatrischer Sicht leidensadaptiert eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit. 5.2 Im rheumatologischen Verlaufsgutachten vom 5. Fe bruar 2015 erhob Dr. E.____ die gleichen und insgesamt unveränderten Diagnosen mit Ausw irkungen auf die Arbeitsfähigkeit wie in seinem vorerwähnten Gutachten vom Dezember 2013 und auch in Bezug auf die Arbeits- fähigkeit der Explorandin hielt er fest, dass im Rahmen der aktuellen Verlaufsbegutachtung im Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vergleich zur letztmaligen Exploration aus rheumatologischer Sicht keine Änderung der Arbeits- fähigkeit ausgewiesen werden könne. 5.3 Dr. F.____ erhob in seinem psychiatrischen Verlaufsg utachten vom 20. Juli 2016 neu als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit einen hochgradigen Verdacht auf eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis (ICD-10 F2 0). Zudem diagnostizierte er eine rezidivierende depressive Störung mit möglicher wahnhaft er Symptomatik, aktuell vorwiegend eine labile Affektivität (ICD-10 F33.3) und differenzi aldiagnostisch eine Persönlichkeitsände- rung, isolierte wahnhafte Störung. Er empfehle, noch mals eine eingehende diagnostische Ab- klärung im stationären oder halbstationären Rahmen dur chzuführen und eine medikamentöse Behandlung einzuleiten. Im jetzigen Zustand sei die E xplorandin nicht in der Lage, eine Tätig- keit in der freien Wirtschaft zu verrichten, da sie unte r sehr starken Stimmungsschwankungen leide, kognitiv beeinträchtigt sei und im Verhalten i nadäquat und unangepasst wirke. Es sei mit Exazerbationen zu rechnen, sodass sie einem potentiellen Arbeitgeber nicht zugemutet werden könne. 5.4 In seiner Beurteilung des Verlaufsgutachtens von Dr . F.____ wies der RAD-Arzt pract. med. C.____ am 15. Februar 2017 darauf hin, dass eine schizophrene Erkrankung bisher noch von keinem involvierten Psychiater diagnostiziert worden s ei. Eine solche sei auch untypisch, weil bei der Versicherten bis ins Jahr 2014 eine unau ffällige Entwicklung vorliege. Er erachte deshalb eine nochmalige psychiatrische Begutachtung als notwendig. 5.5 Gestützt auf diese Empfehlung des RAD-Arztes pract. m ed. C.____ beauftragte die IV- Stelle Prof. Dr. D.____ mit einer psychiatrischen Begutachtung der Versicherten. 5.5.1 In ihrem Gutachten vom 29. September 2017 hiel t die Expertin bei der Versicherten als psychiatrische Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depres- sive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1) , und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) f est. Als Leiden ohne Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte sie eine akzentuierte Persönlichkeit mit selbstunsi- cheren und histrionischen Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z7 3) und eine Tabakabhängigkeit (ICD-10 F17.25). 5.5.2 In ihrer Beurteilung führte die Gutachterin a us, die Explorandin wirke affektiv bedrückt, beklage Ängste und eine psychomotorische Unruhe, weise deutliche Störungen von Konzentra- tion und Aufmerksamkeit auf und zeige Ein- und Durchschla fstörungen. Die Beschwerden wür- den sich auch in der neuropsychologischen Diagnostik zeig en, wo ein Schwerpunkt auf Störun- gen der Aufmerksamkeit und der exekutiven Funktionen l iege. Auch in der Selbstauskunft gebe sie eine schlechte Lebensqualität an und erreiche erhöht e Werte im Screening-Test für Angst und Depression und auffällige Werte im Schlafinventar. Sie erfülle damit die Kriterien einer ak- tuell mittelschweren depressiven Episode. Diese sei einzuo rdnen im Rahmen einer rezidivie- renden depressiven Störung, wozu auch der Erkrankungsbegi nn im mittleren Lebensalter pas- se. Diese Diagnose hänge eng zusammen mit der subjekti ven Hauptsymptomatik, einer Schmerzsymptomatik. Es sei zu berücksichtigen, dass sich die Explorandin nicht als psychisch, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sondern ausschliesslich als körperlich krank erlebe. Auch wen n sich verschiedentlich somati- sche Faktoren und auch Unfallereignisse als Auslöser einer jeweiligen Verschlechterung finden liessen, sei die Schmerzverarbeitung jedoch im Sine einer somatoformen Störung beeinträch- tigt. Dies sei auch durch die rheumatologischen Gutachte n von Dr. E.____ belegt. Ähnlich wie beim Vorgutachter Dr. F.____ gehe die Beschwerdeschil derung jetzt mit einem sehr auffälligen Verhalten einher. Es lasse sich ein kindlich-naives bis -trotziges, zum Teil manieriertes und the- atralisches Verhalten beobachten. Bei der strukturierte n Persönlichkeitsdiagnostik im "Big Five Inventory" (BFI) und im "Persönlichkeits-Stil-und Störun gsinventar" (PSSI) habe sich kein ein- deutiges Muster gefunden. Dennoch hätten sich in beiden Instrumenten Hinweise gezeigt auf eine eher zurückhaltende, unsichere, depressive Struktur, d ie sich um Verträglichkeit bemühe. Einen Anhaltspunkt für eine Persönlichkeitsstörung finde sich gleichwohl nicht. Die Entwicklung in Kindheit, Schulzeit und Jugend sei unauffällig. Die Explorandin sei in der Lage gewesen, eine Familie zu gründen, sei 16 Jahre verheiratet gewesen un d habe auch zwei Kinder grossgezo- gen. Es würden jedoch sicher akzentuierte Persönlichkeitszüge vorliegen, die am ehesten einen selbstunsicheren und histrionischen Charakter hätten. Zud em könne angenommen werden, dass die Explorandin über eine eher niedrige Intelli genz verfüge. Bei der jetzigen neuropsycho- logischen Untersuchung habe sie sogar Ergebnisse gezeigt, die auf eine leichte Intelligenzmin- derung hindeuten würden. Bei der neuropsychologischen U ntersuchung hätten sich allerdings mehrere Hinweise auf Inkonsistenzen gezeigt, die darauf schliessen liessen, dass das gezeigte Leistungsniveau nicht dem tatsächlichen entspreche. Auf die Diagnose einer Intelligenzminde- rung sei deshalb verzichtet worden. Was die vom Vorgutach ter Dr. F.____ für möglich gehalte- ne Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis angehe, s ei festzuhalten, dass sich keine wesentlichen schizophrenen Kernsymptome finden würden. Z udem wäre das Erkrankungsalter mit weit über 40 Jahren untypisch. Sicherlich könne das b izarr-manieriert anmutende Verhalten zusammen mit den von ihr geschilderten Halluzinationen d en Verdacht auf eine psychotische Störung lenken, dennoch seien die von ihr angegebenen Halluzinationen am ehesten synthym im Rahmen ihrer affektiven Störung. 5.5.3 In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit gelangte di e Gutachterin zum Schluss, dass diese in Anbetracht der trotz aller Inkonsistenzen sicher bestehen den mittelschweren depressiven Symptomatik in Bezug auf sämtliche Tätigkeiten mit 50 % einzuschätzen sei. Dabei würden insbesondere Störungen der Konzentration, der Aufmerksam keit und der Durchhaltefähigkeit auftreten. Sicher beeinträchtigt seien auch das Planen und Strukturieren von Aufgaben oder die Flexibilität und Umstellfähigkeit. Die Explorandin wei se jedoch keine Störungen der Selbstfür- sorge, der Kontaktfähigkeit oder der Gruppenfähigkeit auf. 6.1 In ihrer Beschwerde vom 14. Januar 2019 beanstande te die Versicherte, dass es sich beim Gutachten von Prof. Dr. D.____ um eine unzulässige second opinion handle. Die IV-Stelle hätte diese nicht einholen dürfen, da der medizinische Sachverhalt aufgrund des psychiatri- schen Gutachtens von Dr. F.____ vom 20. Juli 2016 berei ts umfassend abgeklärt gewesen sei. Bereits anlässlich der Urteilsberatung vom 6. Juni 2019 gelangte das Kantonsgericht zur Auf- fassung, dass dieser Betrachtungsweise der Beschwerdeführeri n nicht beigepflichtet werden könne. Es hielt der Versicherten in seinem Beschluss vom g enannten Tag vorab entgegen, dass sie Einwendungen gegen eine neuerliche Begutachtun g (gemäss der “Ankündigung psy- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht chiatrische Begutachtung“ vom 15. Februar 2017) mittel s Beschwerde hätte geltend machen können, wovon sie indessen abgesehen hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Januar 2019, 9C_382/2018, E. 4.1). Sodann erachtete das Kan tonsgericht die Anordnung eines zwei- ten Gutachtens aber auch deshalb als gerechtfertigt, we il Dr. F.____ in seinem Verlaufsgutach- ten vom 20. Juli 2016 im Vergleich zu seiner im Jahr 20 13 erfolgten Erstbegutachtung zwar eine neue (Verdachts-) Diagnose - einen hochgradigen Verdacht auf Erkrankung aus dem schi- zophrenen Formenkreis, ICD-10 F20) - gestellt, hierzu aber selber eingehendere weitere Abklä- rungen empfohlen hatte (vgl. E. 2.2 des Beschlusses vom 6. Juni 2019). 6.2.1 Das Kantonsgericht gelangte anlässlich der Urteilsb eratung vom 6. Juni 2019 aller- dings auch zum Ergebnis, dass das psychiatrische Gutachten vo n Prof. Dr. D.____ vom 29. September 2017 inhaltlich in einem massgebenden Punkt Fragen aufwerfe. So verweise die Expertin ausdrücklich auf "erhebliche Inkonsistenzen“, die sich bei der Versicherten im Rahmen der Begutachtung gezeigt hätten. Die Expertin unterla sse es jedoch, diese Feststellung näher zu begründen. Dem Mangel, dass das Gutachten in diesem Punkt unzureichend begründet sei, komme nun aber insofern besondere Bedeutung zu, als die IV-Stelle in ihrer Beweiswürdigung diesen von der Gutachterin festgehaltenen “erheblichen Inkonsistenzen“ ein grosses Gewicht beigemessen habe. Das Kantonsgericht beschloss deshalb, d en Fall auszustellen und die Gut- achterin Prof. Dr. D.____ zu bitten, ihre Feststellun g, wonach sich bei der Explorandin anläss- lich der Begutachtung “erhebliche Inkonsistenzen“ gezeigt hätten, einlässlicher zu begründen (vgl. E. 3 des Beschlusses vom 6. Juni 2019). 6.2.2 Diesem Ersuchen kam Prof. Dr. D.____ mit Antwort schreiben vom 29. April 2020 nach. Darin wies sie vorab darauf hin, dass die Versicherte in den medizinischen Unterlagen - so etwa in den beiden Gutachten von Dr. F.____ - immer wiede r als auffällig beschrieben werde. Einer- seits sei die Explorandin verwirrt, anderseits aber in der Lage, ein- bis dreimal in der Woche mit einer Kollegin abzumachen sowie den Haushalt zu führen. Sie habe allgemeine Interessen, lese jeden Tag die Zeitung, weil sie wissen müsse, was in der Welt passiere. Auch sei sie in der La- ge gewesen, eine Berufsbildung zu machen und sogar selb ständig zu arbeiten. Dies sei im All- gemeinen nicht mit einer unterdurchschnittlichen Intel ligenz zu leisten. In der neuropsychologi- schen Untersuchung habe sie in vielen Tests ausgeprägt schle chte Ergebnisse gezeigt, was sich in der Übersicht mit einer Abweichung von -3 Standa rtabweichungen dargestellt habe. Solch schwere Defizite sehe man sonst bei mittelschweren bis schweren Demenzen, wobei das Muster dann ein wenig anders sei: Bei der Explorandin sei das Gedächtnis weniger, bei De- menzkranken wäre es stärker betroffen. Insofern liege bei der Explorandin ein "pseudodemen- tes" Verhalten vor. In mehreren der durchgeführten T ests liessen sich orientierende Rück- schlüsse auf die Intelligenz ziehen. So habe sich im eine n Test ein IQ von etwa 70, in einem andern ein solcher von 40 ergeben. Ihr Mitarbeiter, der die Tests durchgeführt habe, habe des- halb zu Recht formuliert, dass das präsentierte Bild sch lechter ausfalle, als die tatsächliche Leistungsfähigkeit wohl sei. Dies zeige sich auch, wen man die Ergebnisse der Testung mitei- nander vergleiche. Eine hirnorganische Ursache habe wi ederholt durch MRT-Untersuchungen ausgeschlossen werden können. Zur Konsistenz habe sie, so Prof. Dr. D.____ weiter, im Gut- achten ausgeführt, dass die Versicherte einerseits über ein e fast nicht vorhandene Belastbar- keit geklagt habe, anderseits aber mit relativ einfachen Aufforderungen, weiter zu machen, zu Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer insgesamt fünfstündigen Untersuchung habe bewegt werden können. Sie habe sogar vermittelt, dass sie sich bei der Untersuchung wohl gefühl t habe. Zusammen mit den Ergebnis- sen der neuropsychologischen Untersuchungen, die ein inkonsistentes Bild ergeben hätten, den klinischen Befunden und den Angaben im Dossier habe sie d ann von "erheblichen Inkonsisten- zen" gesprochen. Sie habe auch auf die Ausgestaltung de r Beschwerden hingewiesen, die ei- nen theatralischen Charakter gehabt habe. Letztendlich liege eine Beschwerdeverdeutlichung und Aggravation vor. Trotz all dieser Inkonsistenzen habe si e im Gutachten psychiatrische Di- agnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gest ellt, auch weil die Versicherte immerhin in zwei Kliniken stationär beobachtet worden sei und m an dort jedes Mal eine psychische Krankheit diagnostiziert und behandelt habe. 6.3 In ihrer Stellungnahme vom 5. Mai 2020 zum Ergän zungsbericht der Gutachterin vom 29. April 2020 monierte die Rechtsvertreterin der Besc hwerdeführerin, dass Prof. Dr. D.____ die behaupteten Inkonsistenzen nach wie vor nicht beschr eibe. Vielmehr sei das Verhalten der Versicherten - wie von den behandelnden Ärzten beschrieb en - bizarr und sie könne deshalb keinem Arbeitgeber zugemutet werden. Zudem sei Prof. Dr. D.____ auf Demenzerkrankungen spezialisiert, weshalb sie in der vorliegenden Angelegen heit nicht qualifiziert sei. Demgegen- über vertrat die IV-Stelle in ihrer Eingabe vom 8. M ai 2020 zum gutachterlichen Ergänzungsbe- richt die Auffassung, Prof. Dr. D.____ habe ihre Einsch ätzung, wonach erhebliche Inkonsisten- zen bestehen würden, mit ihren zusätzlichen Ausführungen schlüssig begründet. Dementspre- chend erweise sich ihr Gutachten im Ergebnis als überzeug end, weshalb darauf abgestellt wer- den könne. 6.4 Der letztgenannten Auffassung der IV-Stelle, wona ch in Berücksichtigung der ergän- zenden Ausführungen von Prof. Dr. D.____ vom 29. Apri l 2020 letztendlich ein schlüssiges Gutachten vorliegt, ist beizupflichten. Die Expertin er klärt nunmehr in nachvollziehbarer Weise die von ihr festgestellten "erheblichen Inkonsistenzen". So verweist sie darauf, dass sich in der neuropsychologischen Untersuchung - bei fehlenden hirno rganischen Beeinträchtigungen - in etlichen Tests ausgeprägt schlechte Ergebnisse mit Defizite n zeigten, die sonst nur bei mittel- schweren und schweren Demenzen angetroffen werden. Einzelne Tests liessen zudem auf eine deutlich verminderte Intelligenz schliessen, was aber kau m mit dem Umstand zu vereinbaren ist, dass die Versicherte erfolgreich eine Berufsbildung abschliessen und eine gewisse Zeit eine selbständige Erwerbstätigkeit ausüben konnte. In diesem Lichte ist denn auch durchaus ver- ständlich und nachvollziehbar, dass der Fachpsychologe, der die Testungen durchgeführt hatte, zum Schluss gelangt war, dass das von der Explorandin prä sentierte Bild schlechter ausfalle, als deren tatsächliche Leistungsfähigkeit wohl sei. Zude m weist Prof. Dr. D.____ in diesem Zu- sammenhang auf den Umstand hin, dass die Versicherte trot z der geltend gemachten deutli- chen Einschränkungen und der behaupteten, fast nicht vor handenen Belastbarkeit durchaus in der Lage gewesen sei, mit relativ einfachen Aufforder ungen die insgesamt fünfstündige Unter- suchung zu absolvieren. Als auffällig zu bezeichnen ist schliesslich auch das von Prof. Dr. D.____ geschilderte, von der Versicherten während der Exploration verschiedentlich gezeig- te theatralische Verhalten (bei der Beschwerdeausgestalt ung, in Form von nicht handlungsbe- zogenen Gesten etc.). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Somit kann, wie auch die IV-Stelle zu Recht gelten d macht, bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts auf das Gutachten von Prof. Dr . D.____ vom 29. September 2017 und deren Ergänzungsbericht vom 29. April 2020 abgestel lt werden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfa hrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und b ei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indi- zien liegen hier keine mehr vor. Der anlässlich der erste n Urteilsberatung vom 6. Juni 2019 noch beanstandete Mangel des Gutachtens vom 29. Septemb er 2017 - die unzureichende Be- gründung der festgestellten "erheblichen Inkonsistenzen" - ist mit dem Ergänzungsbericht vom 29. April 2020 beseitigt worden. Das mit dem genann ten Bericht ergänzte und insoweit vervoll- ständigte Gutachten von Prof. Dr. D.____ ist nunmehr - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die streitigen Belang e umfassend, es beruht auf allseitigen Unter- suchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten ab- gegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medi zinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation ein, es setzt sich ausreichend mit den vor- handenen abweichenden ärztlichen Einschätzungen auseinan der und es enthält nachvollzieh- bare Schlussfolgerungen. 6.6 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht ge eignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens von Prof. Dr. D.____ vom 29. September 2017 - samt Ergänzungsbe- richt vom 29. April 2020 - in Frage zu stellen. Soweit sie in ihrer Stellungnahme vom 5. Mai 2020 zum Ergänzungsbericht der Gutachterin in pauschaler Weise, d.h. ohne eine einlässliche- re Auseinandersetzung mit den Ausführungen der Gutachterin, vorbringt, dass Prof. Dr. D.____ die behaupteten Inkonsistenzen nach wie vor nicht besc hreibe, kann ihr nicht gefolgt werden. Bezüglich dieses Einwands kann vollumfänglich auf das vorst ehend Gesagte (vgl. E. 6.4 hier- vor) verwiesen werden. Ins Leere geht sodann auch der we itere Einwand, dass Prof. Dr. D.____ auf Demenzerkrankungen spezialisiert und desh alb in der vorliegenden Angelegen- heit nicht qualifiziert sei. Aus dieser Spezialisierung kann im Hinblick auf die vorliegende Begut- achtung zweifellos nicht auf eine fehlende Kompetenz der Gutachterin geschlossen werden. Prof. Dr. D.____ verfügt über den Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie FMH und sie ist zertifizierte medizinische Gutachterin SIM. Sie ist da durch zweifellos befähigt, im Rahmen eines psychiatrischen Gutachtens aus fachärztlicher Sicht a llfällige psychische Gesundheitsbe- einträchtigungen und daraus resultierende Einschränk ungen der Arbeitsfähigkeit einer versi- cherten Person zu beurteilen. 7. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu besti mmen. In den angefochtenen Ver- fügungen vom 21. Dezember 2018 nahm die IV-Stelle de n erforderlichen Einkommensvergleich vor. Da die Beschwerdeführerin seit Eintritt der gesun dheitlichen Beeinträchtigungen keiner Erwerbstätigkeit mehr nachging, setzte die IV-Stelle d as Invalideneinkommen zu Recht unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstruktur erhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik fest (vgl. dazu BGE 126 V 75 E. 3b/bb m it Hinweisen und 124 V 321 E. 3b/aa). Auf Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht diese Weise errechnete sie ab 28. Januar 2013 - auf der Basis der gutachterlich attestierten 50 %-igen Arbeitsfähigkeit - ein zumutbares Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 27'031.--. Diesen Betrag stellte sie dem ebenfalls anhand der Tabe llenlöhne der LSE ermittelten Validen- einkommen von Fr. 58‘692.-- gegenüber und gelangte so zu einem Invaliditätsgrad von 54 %. Diese Berechnung der IV-Stelle ist nicht zu beanstanden, sie wurde denn auch von der Versi- cherten in ihrer Beschwerde nicht in Frage gestellt. Unter diesen Umständen kann hier von wei- teren Erörterungen zum vorinstanzlichen Einkommensvergleich abgesehen und stattdessen auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in de n angefochtenen Verfügungen vom 21. Dezember 2018 verwiesen werden. 8. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV- Stelle der Versicherten in den angefochtenen Verfügungen vom 21. Dezember 2018 zu Re cht mit Wirkung ab 1. Januar 2013 eine halbe Rente zugesprochen hat. Die gegen die bei den Verfügungen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 9. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 9.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträg er die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die M assnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Vorliegend war das Gericht anlässlich seiner ersten Urte ilsberatung vom 6. Juni 2019 zum Er- gebnis gelangt, dass ein Entscheid in der Angelegenhei t gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Es entschied deshalb, den F all auszustellen und die Administra- tivgutachterin Prof. Dr. D.____ zu bitten, ihre Festste llung, wonach sich bei der Explorandin anlässlich der Begutachtung “erhebliche Inkonsistenzen“ ge zeigt hätten, einlässlicher zu be- gründen. Die Expertin ergänzte in der Folge mit Berich t vom 29. April 2020 ihr Administrativgut- achten vom 29.September 2017. Wie sich anlässlich der h eutigen Urteilsberatung gezeigt hat, waren diese zusätzliche Ausführungen für eine abschlies sende Beurteilung des medizinischen Sachverhalts unerlässlich. Es rechtfertigt sich deshalb, die Kosten dieses Ergänzungsberichts vom 29. April 2020, die sich gemäss Honorarrechnung von Prof. Dr. D.____ vom selben Tag auf Fr. 761.75 belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.3 Dem Prozessausgang entsprechend hat die Beschwerdef ührerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die Kosten des Berichts von Prof. Dr. med. D.____ vom 29. April 2020 in der Höhe von Fr. 761.75 werden der IV-Stelle Basel -Landschaft auferlegt. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht