Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. März 2019 (725 19 16 / 68) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Sistierung von Rentenleistungen während des verwaltungsinternen Einspracheverfah- rens; Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung infolge eindeutiger Prozessaus- sichten zu Gunsten der Versicherten. Gutheissung der Beschwerde. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Raffaella Biaggi , Adv o- katin, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen Helsana Unfall AG , Recht & Compliance , Postfach , 8081 Zürich , Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen / Aufschiebende Wirkung A. Die 1966 geborene A.____ war ursprünglich bei de r Patria Allgemeine Versicherungs- Gesellschaft (Patria) obligatorisch gegen die Folge n von Berufs- und Nichtberufsunfällen versi- chert gewesen, als sie am 1. April 1989 ein Schleud ertrauma der Halswirbelsäule (HWS) erlitt. Mit Verfügung vom 26. Juni 1995 sprach ihr die Patr ia mit Wirkung ab 1. Januar 1994 unter an- derem eine Rente der Unfallversicherung basierend a uf einem Invaliditätsgrad von 50% zu. Daran hielt sie mit Entscheid vom 28. Dezember 1995 fest. Eine hiergegen erhobene Be- schwerde wies das damalige Versicherungsgericht des Kantons Basel-Landschaft (heu- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht te: Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht) mit Urteil vom 9. April 1997 ab. Dieses Urteil erwuchs in Rechtskraft. B. Bereits im Februar 1990 hatte sich die Versicherte be i der Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Leistungsbezug angemeldet. Die IV- Stelle Basel-Landschaft sprach ihr am 19. Dezember 1993 zunächst mit Wirkung ab Dezember 1993 eine Viertelrente und mit Ver- fügung vom 7. Februar 1996 bei einem IV-Grad von 50% eine halbe IV-Rente zu, welche in der Folge wiederholt überprüft wurde. Mit Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 2. Novem- ber 1999 wurde der Versicherten schliesslich aufgrund eine s IV-Grads von 61% eine Dreivier- telrente ausgerichtet. Nachdem sie im Jahre 2007 ins Ausland emigriert war, beauftragte die IV- Stelle für Versicherte im Ausland (IV-Stelle) zwecks erne uter Überprüfung des IV- Rentenanspruchs das Ärztliche Begutachtungsinstitut Base l (ABI) mit einer interdisziplinären Begutachtung der Versicherten. Dieses Gutachten erging am 21. April 2015 und wurde auch dem heutigen Unfallversicherer der Versicherten, der Helsana Unfall AG (Helsana), zugestellt. C. Mit Verfügung vom 13. Februar 2017 teilte die He lsana der Versicherten mit, dass die bisher ausgerichteten Rentenleistungen gestützt auf das A BI-Gutachten vom 21. April 2015 revisionsweise per 31. Mai 2017 eingestellt würden. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Helsana mit Einspracheentscheid vom 21. August 201 7 ab. Eine hiergegen erhobene Be- schwerde der Versicherten wies das Kantonsgericht mit Urtei l vom 11. Januar 2018 gut und hielt fest, dass eine anspruchserhebliche Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse der Versicherten nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sei. Eine Einstellung der Rentenleistungen unter dem Titel der Revision erweise sich daher als unzuläs- sig. Auch dieses Urteil erwuchs in der Folge in Rechtskraft. D. Im Verfahren gegen die IV bejahte das Bundesverwal tungsgericht indessen das Vor- liegen eines Revisionsgrundes gestützt auf das ABI-Gutachte n vom 21. April 2015. Mit Urteil vom 5. April 2018 wies es die Beschwerde der Versicherten gegen die rentenaufhebende Ver- fügung der IV-Stelle für Versicherte im Ausland vom 16 . Dezember 2016 mit der Begründung ab, dass ein Revisionsgrund vorliege. Eine hiergegen er hobene Beschwerde wurde vom Bun- desgericht mit Urteil vom 14. August 2018 abgewiesen. E. Mit Verfügung vom 11. Dezember 2018 zog die Helsan a die ursprüngliche Leistungs- verfügung der Patria vom 26. Juni 1995 in Wiedererwäg ung. Sie hielt fest, dass anlässlich der ursprünglichen Leistungszusprache fälschlicherweise keine Ad äquanzprüfung vorgenommen worden sei. Damit liege eine zweifellos rechtsfehlerha ft zustande gekommene Verfügung vor, deren Berichtigung von erheblicher Bedeutung sei. Die adäquate Kausalität zwischen den ge- klagten Beschwerden und dem ursprünglich erlittenen Unf all sei zu verneinen. Damit seien die Voraussetzungen für die fortlaufende Ausrichtung einer R ente der Unfallversicherung nicht mehr erfüllt. Die bisherigen Leistungen würden deshalb mit Wirkung per Ende Januar 2019 ein- gestellt. Gleichzeitig entzog die Helsana einer allfälligen Einsprache gegen diese Verfügung die aufschiebende Wirkung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Am 19. Dezember 2018 erhob die Versicherte, vertret en durch Advokatin Raffaella Biaggi, Einsprache gegen die Verfügung der Helsana vo m 11. Dezember 2018. Sie beantragte, die bisher ausgerichteten Rentenleistungen seien in Auf hebung der angefochtenen Verfügung weiter auszurichten. Ihrer Einsprache sei ausserdem die aufschiebende Wirkung zu gewähren. G. Mit Zwischenverfügung 8. Januar 2019 wies die Helsana das Gesuch um Wiederher- stellung der aufschiebenden Wirkung ab. H. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Advokatin Raffaella Biaggi, am 14. Januar 2019 Beschwerde am Kantonsgericht. Sie beantrag te, es sei die angefochtene Zwi- schenverfügung aufzuheben, und es sei die Helsana zufolge aufschiebender Wirkung der hän- gigen Einsprache zu verpflichten, ihr weiterhin die bisherige IV-Rente der Unfallversicherung auszurichten, unter o/e-Kostenfolge. Ausserdem sei ihr die unentgeltliche Verbeiständung zu gewähren. I. Die Helsana schloss mit Vernehmlassung vom 15. Februa r 2019 auf Abweisung der Beschwerde. J. Am 1. März 2019 zog das instruierende Präsidium des K antonsgerichts die Akten des im Jahre 1996 vor dem damaligen Versicherungsgericht anh ängig gemachten Beschwerdever- fahrens im Zusammenhang mit der ursprünglichen Leistungszusprache bei. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 52 Abs. 1 und Art. 56 Abs. 1 in Verbind ung mit Art. 60 Abs. 1 des Bun- desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist gegen prozess- und verfahrensleitende Verfügun gen innert Frist von 30 Tagen direkt Beschwerde bei der kantonalen Gerichtsinstanz einzureichen. Beim angefochtenen Zwischen- entscheid handelt es sich zweifellos um eine das Verfahre n nicht abschliessende Entscheidung im Sinne einer Zwischenverfügung, wurde darin doch ein zig der verfahrensrechtliche Aspekt der Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung erörtert. Ein besonderer Vorbehalt hinsicht- lich der Anfechtbarkeit von Zwischenverfügungen wurde ind es weder in Art. 52 ATSG noch in Art. 56 ATSG angebracht. Daraus könnte geschlossen wer den, die Möglichkeit einer Be- schwerdeerhebung stünde gegen alle Arten von Zwischenverf ügungen offen, ohne dass be- sondere Eintretensvoraussetzungen beachtlich wären. Diese S ichtweise widerspräche jedoch der bisherigen Rechtsprechung, wonach bei Beschwerden g egen Zwischenverfügungen die besondere Eintretensvoraussetzung des nicht wieder gut zumachenden Nachteils zu beachten ist. Nach der überwiegend in der Lehre vertretenen Me inung wollte der Gesetzgeber für das sozialversicherungsrechtliche Beschwerdeverfahren bei Zwischen verfügungen die besondere Eintretensvoraussetzung nicht aufheben (UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 56 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rz. 16). Damit steht die Beschwerde bei prozess- und ver fahrensleitenden Verfügungen an eine kantonale Gerichtsinstanz in Sozialversicherungssache n nur offen, wenn ein nicht wieder gut zu machender Nachteil droht. Dieses Erfordernis lieg t allerdings nicht erst dann vor, wenn sich die nachteiligen Folgen des Zwischenentscheides selbst durch ein für die Beschwerdefüh- rerin günstig ausfallendes Endurteil nicht mehr abwe nden liessen. Vielmehr genügt bereits ein als schutzwürdig erachtetes Interesse, wobei für die Begrün dung eines irreparablen Nachteils im Sinne von Art. 45 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Ve rwaltungsverfahren (VwVG) vom 20. Dezember 1968 bereits ein tatsächliches, insbesondere wirtschaftliches Interesse genügt (BGE 126 V 246 E. 2a, 125 II 620 E. 2a). Praxisgemäs s liegt ein derartiger Nachteil insbeson- dere auch dann vor, wenn die plötzliche Einstellung fi nanzieller Unterstützung eine Person aus dem wirtschaftlichen Gleichgewicht bringen und zu kosts pieligen oder sonst wie unzumutbaren Massnahmen zwingen würde (BGE 110 V 44 E. 4a, 109 V 233 E. 2b). 1.2 Vorliegend geht es um den Wegfall bisher ausgericht eter Leistungen der Unfallversi- cherung. Das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; heu te: Bundesgericht, Sozialrechtli- che Abteilungen) hat mehrmals festgehalten, dass in Fäl len, in denen die Vorinstanz einer Ein- sprache oder Beschwerde gegen die verfügte Leistungskürzu ng bzw. gegen den verfügten Leistungsentzug die aufschiebende Wirkung entzieht oder deren Wiederherstellung verweigert, der von der versicherten Person erlittene Nachteil genüg end schwer ist, damit auf die Be- schwerde gegen eine Zwischenverfügung eingetreten werden kann (Urteil des EVG vom 11. Dezember 2002, U 21/02, E. 6 ff.). Der wirtschaf tliche Nachteil im Sinne eines nicht wieder gut zu machenden Nachteils zu Lasten der Beschwerdeführ erin ist damit in casu zu bejahen. Auf die im Übrigen beim sachlich und örtlich zuständige n Gericht form- und fristgerecht einge- reichte Beschwerde ist damit einzutreten. 2. Gemäss § 1 Abs. 3 lit. g VPO entscheidet die präsidie rende Person bei Beschwerden gegen selbständig anfechtbare prozess- und verfahrensleiten de Verfügungen im Sinne von Art. 52 Abs. 1 ATSG durch Präsidialentscheid. Die vorste hende Angelegenheit fällt demnach in den Kompetenzbereich der Präsidentin des Kantonsgerichts. 3.1 Das ATSG enthält keine eigenen Vorschriften zum Insti tut der aufschiebenden Wir- kung. Nach Art. 55 Abs. 1 ATSG bestimmen sich die in den Art. 27 bis 54 oder in den Einzelge- setzen nicht abschliessend geregelten Verfahrensbereiche na ch dem VwVG. Art. 56 ATSG, welcher das Beschwerderecht betrifft, enthält ebenfall s keine Regelung zu einer allfälligen auf- schiebenden Wirkung der Beschwerde (vgl. BGE 129 V 378 E . 4.3). Auch Art. 61 ATSG, wel- cher den Prozess vor den kantonalen Versicherungsgerichten regelt, enthält keine Bestimmung über die aufschiebende Wirkung und verweist diesbezügli ch bloss auf Art. 1 Abs. 3 VwVG. Nach dieser Bestimmung sind auf das Verfahren letzter ka ntonaler Instanzen, die gestützt auf öffentliches Recht des Bundes nicht endgültig verfü gen, unter anderem Art. 55 Abs. 2 und 4 VwVG über den Entzug der aufschiebenden Wirkung – vor behalten spezialgesetzlicher Best- immungen – anwendbar (zum Ganzen: Urteil des EVG vom 24. Februar 2004, I 46/04, E. 1.2). Lediglich Art. 11 der Verordnung über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV) vom 11. September 2000 sieht vor, dass der Ei nsprache aufschiebende Wirkung zu- kommt, ausser wenn eine Beschwerde gegen den Einsprachee ntscheid von Gesetzes wegen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine aufschiebende Wirkung hat oder der Versicherer d ie aufschiebende Wirkung in seiner Verfügung entzogen hat. Nach welchen Kriterien der E ntzug der aufschiebenden Wirkung zu bestimmen ist, regelt Art. 11 ATSV allerdings gerade nicht. 3.2 Nach herrschender Lehre kommt bei Beschwerden gegen negative Verfügungen, mit denen eine Leistung verweigert wird, die aufschiebende Wirkung nicht zum Tragen. Um die Beschwerde führende Partei in die gewünschte Rechtsposition zu versetzen, bedarf es vielmehr der Anordnung positiver vorsorglicher Massnahmen, indem e twa die Ausübung einer Tätigkeit vorläufig erlaubt (BGE 116 Ib 350 E. 3) oder die Vor nahme einer bestimmten Massnahme vor- läufig ausgesetzt wird (BGE 117 V 187 f. E. 1b; G EROLD STEINMANN , Vorläufiger Rechtsschutz im Verwaltungsgerichtsverfahren, ZBL 1993, S. 144; H ANS RUDOLF KUHN , Der vorläufige Rechtsschutz im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren , in: Recht und Politik im Kan- ton Basel-Landschaft, Band 1, Liestal 1981, S. 29 f.; FRITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspfle- ge, 2. Auflage, Bern 1983, S. 243; RENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS , Öffentliches Prozessrecht und Justizverfahrensrecht des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, Rz. 657). 3.3 Grundsätzlich wäre deshalb zunächst zu klären, ob es si ch bei der vorliegend strittigen Einstellung der Leistungen um eine negative oder eine positive Verfügung handelt. Letztlich kann diese Frage jedoch offen bleiben, da in ständige r Rechtsprechung Verfahrensanträge auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung diejenigen auf A nordnung von vorsorglichen (positiven) Massnahmen mit umfassen. Aufgrund des engen Zusammenhang s zwischen aufschiebender Wirkung und anderen vorsorglichen Massnahmen lassen sich die Grundsätze, wie sie von der Rechtsprechung zur Beurteilung des Entzugs der aufschie benden Wirkung entwickelt worden sind, denn auch auf die Anordnung positiver Massnahmen übertragen (Entscheid des EVG vom 11. Dezember 2002, U 21/02, BGE 117 V 191 E. 2). Mit vorsorglichen Massnahmen wird insbe- sondere gewährleistet, dass der bestehende tatsächliche od er rechtliche Zustand einstweilen unverändert erhalten bleibt. Die Anordnung solcher M assnahmen setzt – vergleichbar mit dem Entzug der aufschiebenden Wirkung – voraus, dass ein wich tiger oder besonderer Grund vor- handen ist; sodann muss die Massnahme verhältnismässig und in sbesondere durch ein überwiegendes privates Interesse gerechtfertigt sein . Ein Verzicht auf solche Massnahmen muss mit anderen Worten für die betroffene Person eine n unzumutbaren Nachteil zur Folge haben, welcher sich nicht durch ein überwiegendes öffent liches Interesse rechtfertigen lässt. Der durch den Beschwerdeentscheid zu regelnde Zustand darf dadurch jedoch weder präjudi- ziert noch verunmöglicht werden. Insofern gilt grundsät zlich ein Verbot der Vorwegnahme des Endentscheides (BGE 125 II 623 E. 7a, 119 V 506 E. 3, 117 V 191 E. 2b; STEINMANN , a.a.O., S. 149 f.; RHINOW /K OLLER /K ISS , a.a.O., Rz. 1332). 3.4 Die Anordnung positiver (vorsorglicher) Massnahmen kan n sowohl im öffentlichen als auch im privaten Interesse geboten sein. Nach der Rechtsprechung hat die zuständige Behörde zu prüfen, ob die Gründe, welche für die sofortige V ollstreckbarkeit sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung angeführt w erden. Auf die Erfolgsaussichten einer Ein- sprache oder einer Beschwerde ist allerdings nur dann ab zustellen, wenn diese klar und ein- deutig sind. Im Zweifelsfall sollen die Aussichten auf d en Verfahrensausgang ausser Acht ge- lassen werden, da die Hauptsache selbst noch nicht abgekl ärt zu werden braucht Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 127 II 138 E. 3, 124 V 88 E. 6a). Für die Anor dnung vorsorglicher Massnahmen müssen somit überzeugende Gründe gegeben sein, wobei der ent scheidenden Behörde ein gewisser Beurteilungsspielraum zusteht. Das Gericht stützt sich – im Rahmen eines summarischen Ver- fahrens – dabei auf jenen Sachverhalt ab, der sich aus d en vorhandenen Akten ergibt, ohne zeitraubende eigene Erhebungen anzustellen (U LRICH ZIMMERLI /W ALTER KÄLIN /R EGINA KIENER , Grundlagen des öffentlichen Prozessrechts, Bern 2004, S. 122 f.). 3.5 Bei der Abwägung der Gründe für und gegen die so fortige Vollstreckung einer leis- tungseinstellenden Verfügung steht dem Interesse des Ver sicherungsträgers, eine Rückforde- rung wegen der damit verbundenen administrativen Erschw ernisse und der Gefahr der Unein- bringlichkeit nach Möglichkeit zu vermeiden, das Interess e der versicherten Person an der Si- cherstellung ihres Lebensunterhaltes während der Dauer des Hauptverfahrens gegenüber. Die Rechtsprechung hat das Interesse der Verwaltung bzw. de s Versicherers an der Vermeidung möglicherweise nicht mehr einbringlicher Rückforderungen gegenüber demjenigen von Versi- cherten, nicht in eine vorübergehende Notlage zu ger aten, meist als vorrangig gewichtet. Dies gilt insbesondere, wenn auf Grund der Akten nicht mit grosser Wahrscheinlichkeit feststeht, dass die versicherte Person im Hauptprozess obsiegen wird ( Urteil des EVG vom 24. Februar 2004, I 46/2004, E. 4.1, BGE 105 V 269 E. 3). 4.1 Vorliegend hat die Helsana in ihrer Verfügung vom 11. Dezember 2018 einer allfälligen Einsprache die aufschiebende Wirkung entzogen. Die von de r Beschwerdeführerin beantragte Gewährung des Suspensiveffektes hätte zur Folge, dass ihr die strittigen Versicherungsleistun- gen während der Dauer des Einspracheverfahrens weiterh in ausgerichtet würden. Im Falle ei- ner Abweisung ihrer Einsprache hätte sie jedoch die b is zum Abschluss des Einspracheverfah- rens materiell zu Unrecht bezogenen Versicherungsleistung en wieder zurückzuerstatten (vgl. Art. 25 ATSG). Es ist offensichtlich, dass die Helsa na ein erhebliches Interesse hat, eine solche Rückerstattungsforderung zu vermeiden. Zumal die Versicherte ihren Wohnsitz im Aus- land hat, wäre die Geltendmachung allfälliger Rückfor derungsansprüche infolge administrativer Gründe erschwert. Wie die Helsana im Zusammenhang mit den sich gegenüber stehenden Interessen der Versicherten deshalb im Grundsatz zu Recht geltend gemacht hat, wäre ihr Inte- resse an einem sofortigen Vollzug der angefochtenen Ve rfügung demnach prinzipiell zu beja- hen. 4.2 Wie oben ausgeführt (vgl. oben, Erwägung 3.4 hie rvor), können bei der Abwägung der Gründe für und gegen die sofortige Vollstreckbarkeit ei nes Entscheides aber auch die Aussich- ten auf den Ausgang des Verfahrens in der Hauptsache ins Gewicht fallen, sofern diese eindeu- tig sind. Ist auf Grund der Akten mit grosser Wahrscheinl ichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person im Hauptprozess obsiegen wird (Urteil des EVG vom 24. Februar 2004, I 46/2004, E. 4.1, BGE 105 V 269 E. 3), so vermag das finanzielle Risiko einer Uneinbringlichkeit weiterhin ausgerichteter Versicherungsleistungen mit ande ren Worten keine Aufhebung der aufschiebenden Wirkung zu rechtfertigen (oben, Erwägung 3.5 hiervor). 4.3 Soweit im Rahmen eines Zwischenentscheids über die Wiederherstellung der auf- schiebenden Wirkung eines Rechtsmittels die Erfolgsaussicht en in der Hauptsache zu beurtei- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht len sind, ist praxisgemäss eine gewisse Zurückhaltung angeb racht. Eine eingehende Stellung- nahme zum voraussichtlichen Ausgang des Hauptprozesses sollte i nsbesondere dann vermie- den werden, wenn, wie hier, der Entscheid betreffend eine Zwischenverfügung durch die Einzel- richterin erlassen wird, während der Endentscheid in di e Zuständigkeit eines Kollegiums fällt (ISABELLE HÄNER , Vorsorgliche Massnahmen im Verwaltungsverfahren und Ve rwaltungspro- zess, ZSR 1997 II, S. 374 Rz. 161). Die Erwägungen in e inem Zwischenentscheid über die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung eines Rec htsmittels bezüglich der Hauptsa- chenprognose sind deshalb auf eine summarische Prüfung zu beschränken. In diesem Sinne gelten gegenüber einem Endentscheid deutlich herabges etzte Begründungsanforderungen (Ur- teil des EVG vom 3. Januar 2006, 2A.397/2005, E. 3.1 ). Im vorliegend zur Diskussion stehen- den Zusammenhang der Wiederherstellung der aufschieben den Wirkung eines Rechtsmittels gegen die Einstellung von Versicherungsleistungen der o bligatorischen Unfallversicherung ist eine Begründung daher ausreichend, wenn aus ihr hervorgeht, dass das kantonale Gericht eine Interessenabwägung vorgenommen hat und warum diese in einem bestimmten Sinn ausgefal- len ist. 4.4 Die Helsana hat die Leistungseinstellung in ihrer Verfügung vom 11. Dezember 2018 damit begründet, dass die ursprüngliche Leistungszusprach e offensichtlich zu Unrecht erfolgt sei. Dabei hat sie sich auf Art. 53 Abs. 2 ATSG abgestützt, wonach der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheent scheide zurückkommen kann, wenn die- se zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Dabei scheint sie allerdings übersehen zu haben, dass von Art. 5 3 Abs. 2 ATSG (und ebenso von Abs. 1 derselben Bestimmung) ausschliesslich Verfügungen und Einspracheentscheide als Ob- jekte einer Wiedererwägung erfasst werden. Entscheide e ines Gerichts können hingegen nicht in Wiedererwägung gezogen werden (K IESER , a.a.O., Art. 53, Rz. 45). Von der Wiedererwä- gungsmöglichkeit erfasst sind demnach ausschliesslich alle rich terlich nicht beurteilten Verwal- tungsentscheide (KIESER , a.a.O., Art. 53, Rz. 49). Im vorliegenden Fall lieg t indes keine solche Konstellation vor: Die ursprüngliche Rentenverfügung vom 26. Juni 1995 ist nicht formell recht- kräftig geworden. Gegen den in der Folge ablehnenden Einspracheentscheid der Patria als Rechtsvorgängerin der Beschwerdegegnerin vom 28. Dezembe r 1995 hat die Versicherte am 2. April 1996 Beschwerde am damaligen Versicherungsger icht (heute: Kantonsgericht) erho- ben, welches die Beschwerde mit Urteil vom 9. April 1 997 rechtskräftig abgewiesen hat (Urteil 96/116 in Verfahrensakten UVG 116/96). Nachdem das dam alige Versicherungsgericht die An- gelegenheit in einem gerichtlichen Verfahren überprü ft hatte, verbleibt für eine nachträgliche, wiedererwägungsweise Korrektur der ursprünglichen Leistungszusprache somit kein Raum. 4.5 Ist die ursprüngliche Rentenzusprache vom 26. Juni 1 995 einer Wiedererwägung grundsätzlich nicht (mehr) zugänglich, ist damit zugleich gesagt, dass bei der Abwägung der Gründe für und gegen die sofortige Vollstreckbarkeit de r hier zur Diskussion stehenden Zwi- schenverfügung von eindeutigen Prozessaussichten zu Gunsten der Beschwerdeführerin aus- gegangen werden muss. Daran vermag – jedenfalls bei su mmarischer Betrachtung – nichts zu ändern, dass sich das Versicherungsgericht in seinem Urte il vom 9. April 1997 nicht zu der von der Helsana nunmehr aufgeworfenen Frage betreffend die adäquate Kausalität geäussert hatte. Nichts anderes geht schliesslich aus dem von der Beschwerdeg egnerin zitierten Urteil des Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bundesgerichts 8C_525/2017 vom 30. August 2017 hervor: Au ch dort ist ersichtlich, dass für eine Wiedererwägung stets das Fehlen eines strittigen Ve rwaltungsgerichtsverfahrens voraus- gesetzt wird (a.a.O., E. 7.4). Diese (negative) Vorauss etzung liegt hier gerade nicht vor. Unbe- sehen allfälliger überwiegender Interessen der Helsana pekuniärer Natur (oben, Erwägung 4.1) muss aufgrund der dargelegten Aktenlage demnach von ei ndeutigen Prozessaussichten zu Gunsten der Beschwerdeführerin gesprochen werden. Ob d ie Einstellung der bisher ausgerich- teten Leistungen rechtmässig war, wird im Rahmen des Ein spracheverfahrens durch die Helsa- na und anschliessend allenfalls im Rahmen eines nachfol genden Beschwerdeverfahrens durch das Dreiergericht des Kantonsgerichts näher zu überprüfen sein. Bei summarischer Betrach- tung der dargelegten Sach- und Rechtslage ist das von d er Beschwerdeführerin angerufene Interesse an einer (vorläufigen) Weitergewährung der bisherigen Leistungen per dato allerdings deutlich höher zu gewichten als das Interesse der Helsana an einem sofortigen Vollzug ihrer Einstellungsverfügung. 4.6 Bei diesem Ergebnis ist die Beschwerde gutzuheissen, und die Helsana ist in Aufhe- bung der angefochtenen Zwischenverfügung zu verpflichten, der Beschwerdeführerin die bisher ausgerichtete Rente der Unfallversicherung für die Daue r des Einspracheverfahrens vorerst weiter auszurichten. 5.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Für das vorliegende Verf ahren sind deshalb keine Kosten zu erheben. 5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person An- spruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Dem Ausgang des Ve rfahrens entsprechend ist der Be- schwerdeführerin deshalb eine angemessene Parteientschäd igung zuzusprechen. Die Bemü- hungen ihrer Rechtsvertreterin sind zu dem in Sozialversich erungsprozessen für durchschnittli- che Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.— zu entschädigen. Der mit Honorarnote vom 2. März 2019 geltend gemachte Aufwan d von fünf Stunden zuzüglich Ausla- gen in der Höhe von CHF 31.80 ist als angemessen zu qua lifizieren. Der Beschwerdeführerin ist demnach für das vorliegende Beschwerdeverfahren ei ne Parteientschädigung in der Höhe von CHF 1‘380.50 (fünf Stunden à CHF 250.— zuzüglich A uslagen von CHF 31.80 sowie 7,7% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 6.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde i n öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (vgl. Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung d er Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (vgl. Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Beim vorliegenden Beschwerdeentscheid handelt es sich um einen solchen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Der Einsprache der Beschwerdeführerin gegen die von ihr angefochte- ne Verfügung der Helsana Unfall AG vom 11. Dezember 20 18 wird die aufschiebende Wirkung zuerkannt. Die Helsana Unfall AG wird ver- pflichtet, der Beschwerdeführerin die bisher ausgerichte te Rente der Unfallversicherung für die Dauer des Einspracheverfahr ens vorerst weiter auszurichten. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Helsana Unfall AG hat der Beschwerdeführerin eine Parteient- schädigung in der Höhe von CHF 1‘380.50 (inkl. Auslage n von CHF 31.80 sowie 7,7% Mehrwertsteuer) auszurichten.