Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. August 2021 (720 20 326 / 224) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Gemischte Methode / Rückweisung zur Einholung eines neuen Haushaltabklä- rungsberichts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Matthias Aeberli, Advokat, Freie Strasse 82, Postfach 340, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1962 geborene A.____ arbeitete seit August 199 9 im Rahmen eines Teilzeitpen- sums als Reinigungsmitarbeiterin bei B.____. Am 22. Se ptember 2011 meldete sie sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Lei stungen an. Nach Abklärung der gesundheitlichen, der erwerblichen und der hauswi rtschaftlichen Verhältnisse ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft bei der Versicherten in Anw endung der gemischten Bemessungs- methode - mit Anteilen von 38 % an Erwerbs- und von 62 % an Haushaltstätigkeit - ab 28. März Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2012 einen Invaliditätsgrad von 50 % und ab 8. März 20 13 einen solchen von 16 %. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle A.____ nach Durchführung des Vorbescheidverfah- rens mit Verfügung vom 27. November 2014 für den Zei traum vom 1. März 2012 bis 30. Juni 2013 eine befristete halbe Rente zu. Gleichzeitig leh nte sie einen weiteren Rentenanspruch ab 1. Juli 2013 ab. Die von der Versicherten hiergegen er hobene Beschwerde hiess das Kantons- gericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 20. August 2015 in dem Sinne gut, als es die angefochtene Verfügung auf hob und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückwies (Verfahren-Nr. 720 15 17 / 203). In der Folge nahm die IV-Stelle weitere Abklärungen des medizinischen Sachverhalts und der Einschränkungen im Haushaltbereich vor. Gestützt auf de ren Ergebnisse ermittelte sie bei der Versicherten - wiederum in Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung mit Anteilen von 38 % an Erwerbs- und von 62 % an Haushal tstätigkeit - ab 1. März 2012 (Ablauf des Wartejahres) einen Invaliditätsgrad von 48 %. Die I V-Stelle sprach deshalb A.____ nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 6. August 2020 ab 1. März 2012 eine Viertelsrente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Dr. Matthias Aeberli, am 8. September 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht. Da rin beantragte sie, es sei die an- gefochtene Verfügung insoweit aufzuheben, als dass ihr per 1. März 2012 eine ganze Invaliden- rente, basierend auf einem Invaliditätsgrad von minde stens 70 %, auszurichten sei; unter o/e- Kostenfolge, wobei ihr die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter zu bewilligen seien. C. Mit Verfügung vom 24. September 2020 bewilligte das Kantonsgericht der Beschwer- deführerin gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltlic he Verbeiständung mit Advokat Dr. Matthias Aeberli als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Oktober 2020 bean tragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, wobei sie ihren Ausführungen einen Bericht von Dr. med. C.____, Facharzt für Orthopädie sowie für Physikalische und Rehabilitative Me dizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 14. September 2020 beilegte. E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten di e Beschwerdeführerin mit Replik vom 22. Dezember 2020 und die IV-Stelle mit Duplik vom 11. Januar 2021 an ihren bisherigen Anträgen und wesentlichen Vorbringen fest. F. Anlässlich der Urteilsberatung vom 10. Juni 2020 zog das Kantonsgericht in Betracht, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zur nochmaligen Abklärung der Einschränkung der Versicherten im Haushaltbereich und ansch liessender Neuentscheidung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Unter Hinweis auf die bund esgerichtliche Rechtsprechung, wo- nach der Beschwerde führenden Partei auch dann Gelege nheit zum Rückzug der Beschwerde Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu geben ist, wenn eine rentenzusprechende Verfügung aufgehoben und die Sache zu weiterer Abklärung und neuer Entscheidung an die IV-Stelle zurü ckgewiesen werden soll (BGE 137 V 314), beschloss es, den Fall auszustellen und der V ersicherten vorab Gelegenheit zu geben, ihre Beschwerde zurückzuziehen. G. Mit Eingabe vom 3. August 2021 teilte die Versichert e mit, dass sie die Beschwerde nicht zurückziehe. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekte der vorliegenden Verfahren bilden zwei Verfügungen der IV-Stelle Base l-Landschaft, sodass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen i st. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht a ls einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. Au f die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobenen - Beschwerden der Versicherten vom 8. Se ptember 2020 ist demnach einzu- treten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzug eltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstä nden kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der ve rsicherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.2 Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufg abenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werde n kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abge stellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Ab s. 2 IVG). Dies ist die spezifische Me- thode der Invaliditätsbemessung (Betätigungsvergleich; BGE 141 V 15 E. 3.2). 3.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sin d oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Absatz 2 festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatte n oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Inval iditätsgrad in beiden Bereichen zu be- messen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Dies ist die gemischte Met hode der Invaliditätsbemessung (BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen). 4.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchti gung bestünde. Diese Frage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 6. August 2020) entwickelt haben, wobei für die hypoth etische Annahme einer im Gesundheits- fall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 141 V 15 E. 3.1 mit Hinweisen). 4.2 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d der Versicherten nach der gemischten Methode bemessen. Dabei hat sie bei der Festlegung de r Anteile der Erwerbstätigkeit und der Haushalttätigkeit auf die im “Fragebogen zur Ermittlu ng der Erwerbstätigkeit“ vom 21. Mai 2019 wiedergegebenen Angaben der Versicherten abgestellt, wonach diese ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen weiterhin in einem Pensum von 16 ,25 Stunden pro Woche (bei einer bran- chenüblichen Wochenarbeitszeit von 42 Stunden) einer auss erhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Gestützt auf diese Aussage der Versicherten hat die IV-Stelle den Anteil der Erwerbstätigkeit auf 38 % und jenen der Haushalttätig keit entsprechend auf 62 % festgesetzt, was nicht zu beanstanden ist und von der Beschwerdeführerin auch nicht in Frage gestellt wird. 5.1 Im Rahmen der Abklärung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit erhob der RAD-Arzt Dr. C.____ in seinem Bericht vom 2. August 2019 bei der Versicherten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: (1) Im Bereich des rechten Knies einen Sta- tus nach Teilprothese medial am 5. Januar 2018 bei subc orticaler Stressfraktur des medialen Tibiaplateaus bei deutlichen Knorpelschäden und Statu s nach intraartikulärer Infiltration am 22. September 2017 sowie (2) im Bereich der Lendenwir belsäule eine anhaltende linksseitige Lumboischialgie mit unspezifischer Schmerzausstrahlung bei langstreckigen, degenerativen, mässiggradigen Facettengelenksarthrosen, Osteochondrosen auf Höhe LWK3-SWK1 und extraforaminaler Diskusprotrusion LWK4/5 links mit Konta kt zur Wurzel L4 links sowie einem Status nach mehrfachen Infiltrationsbehandlungen. Laut Dr. C.____ ist die Versicherte aufgrund dieser Leiden in der angestammten Tätigkeit als Reini gungsmitarbeiterin vollständig und in ei- ner leidensadaptierten Verweistätigkeit seit Mai 2018 zu 60 % arbeitsunfähig. 5.2 In der angefochtenen Verfügung ging die IV-Stel le nicht (mehr) weiter auf diesen durch Dr. C.____ erhobenen aktuellen medizinischen Sachverhal t ein. Stattdessen hielt sie fest, "die versicherungsmedizinischen Abklärungen und Beurteilungen ha ben ergeben, dass zwar eine Restarbeitsfähigkeit gegeben sein mag, diese jedoch auf grund des fortgeschrittenen Alters und der gesundheitlichen Einschränkung als nicht mehr verwert bar anzusehen ist." Hält man sich die konkreten Umstände des vorliegenden Falles vor Aug en, ist diese vorinstanzliche Einschät- zung, die auch von der Beschwerdeführerin geteilt wird , nicht zu beanstanden (vgl. zur ganzen Thematik: MARCO WEISS , Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit aufgrund vo rgerückten Alters Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht – Rechtsprechungstendenzen, in: Schweizerische Zeitsch rift für Sozialversicherung und berufli- che Vorsorge [SZS] 2018, S. 630 ff.). So ist zu berücksi chtigen, dass die Versicherte an ver- schiedenartigen gesundheitlichen Einschränkungen leidet und dass sie deswegen auch in einer leidensadaptierten Verweistätigkeit in erheblichem Masse , nämlich zu 60 %, arbeitsunfähig ist. Von wesentlicher Bedeutung ist sodann, dass sie im August 2 019, also im Zeitpunkt, in wel- chem die medizinische Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit aufgrund der vorstehend geschilder- ten Beurteilung von Dr. C.____ feststand, bereits 62 J ahre alt war Somit kann an dieser Stelle von weiteren Ausführungen zum medizinischen Sachverhalt abgesehen werden. 5.3 Ist eine (medizinisch-theoretische) Restarbeitsfähigke it wirtschaftlich nicht mehr ver- wertbar, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vo r. Die IV-Stelle hat deshalb in der ange- fochtenen Verfügung den Invaliditätsgrad der Versichert en im Erwerbsbereich zu Recht mit 100 % beziffert. 6. Zu prüfen bleibt, in welchem Masse die Versicherte zuf olge ihrer gesundheitlichen Be- schwerden im Haushalt eingeschränkt ist. 6.1 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsberei ch bedarf es im Regelfall einer Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Hinsichtlich des Beweiswertes des Abklärungsbe- richts sind - analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft von A rztberichten (BGE 134 V 232 E. 5.1) - verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein Ha ushaltsabklärungsbericht ist beweis- kräftig, wenn er von einer qualifizierten Person verfasst wird, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der Beeinträchtigungen u nd Behinderungen hat, die sich aus den medizinischen Diagnosen ergeben. Weiter sind die A ngaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Bet eiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und a ngemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erho- benen Angaben stehen (vgl. AHI-Praxis 2003 S. 218 E. 2 .3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne da rstellt, in das Ermessen der Abklä- rungsperson nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinsch ätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate vorliegen. Das gebi etet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkret en Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (Urteil des Bundesgeri chts vom 18. August 2008, 8C_107/2008, E. 3.2.1 mit Hinweis; BGE 128 V 93 f. E. 4). 6.2 In der angefochtenen Verfügung bezifferte die IV- Stelle die Einschränkung der Versi- cherten im Haushaltbereich auf 16,8 %. Dabei stützte si e sich auf den "Abklärungsbericht Haushalt" vom 21. Mai 2019 sowie auf den ausführlichen, ergänzenden Bericht des Abklä- rungsdienstes vom 15. Juni 2020. Entgegen der Auffassun g der IV-Stelle kann diesen beiden Berichten jedoch kein ausschlaggebender Beweiswert beigemessen werden. 6.3.1 Der Hauptmangel der Berichte liegt darin, dass dem Ehemann der Versicherten ein zu hohes Mass an Mithilfe im Haushalt zugemutet bzw. aufer legt wird. Praxisgemäss darf zwar Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom im selben Haushalt lebenden Ehegatten im Rahmen der Schadenminderungspflicht eine erhöhte, über das Mass des Üblichen hinausgehende Unterstü tzung erwartet werden, vorlie- gend wird vom Ehemann aber deutlich zu viel an zusätzlich er Mithilfe verlangt. In diesem Zu- sammenhang gilt es zu berücksichtigen, dass der Ehemann gesu ndheitlich ebenfalls stark be- einträchtigt ist und er aufgrund psychischer Gesundheitsb eeinträchtigungen seit Dezember 2001 eine ganze Rente bezieht. Der Abklärungsdienst wei st in seinem ergänzenden Bericht vom 15. Juni 2020 den auch bei mehreren Aufgabengebieten - wohl zu Recht - darauf hin, dass der Ehemann aufgrund seiner psychischen Erkrankung nur reduziert belastbar sei, weshalb ihm nicht die gesamte Übernahme der Arbeiten im Rahmen de r familienüblichen Mithilfe zugemutet werden könne. Nichtsdestotrotz wird der Versicherten ab er gleichzeitig in anderen Bereichen ("Einkauf und weitere Besorgungen", "Wäsche und Kleid erpflege") mit der Begründung, dass dem Ehemann die Übernahme dieser Tätigkeiten vollumf änglich zumutbar sei, keine Ein- schränkung attestiert. 6.3.2 Darüber hinaus erweisen sich die beiden Haushaltsbe richte teilweise auch als wider- sprüchlich. Dies gilt etwa in Bezug auf die Frage der Berücksichtigung bzw. eben der Nichtbe- rücksichtigung der Mithilfe der nicht im gleichen Haushalt lebenden Tochter und der Schwieger- tochter der Versicherten. Im neuesten Bericht vom 15. Jun i 2020 weist die Abklärungsperson darauf hin, dass die Tochter und die Schwiegertochter d er Versicherten gewisse Aufgaben im Haushalt erledigen würden. Deren Arbeiten könnten ab er nicht im Sinne der Schadenminde- rung angerechnet werden, da die beiden nicht im glei chen Haushalt leben würden. Entgegen dieser zutreffenden Feststellung der Abklärungsperson w ird die Mithilfe der Tochter und der Schwiegertochter dann aber vereinzelt doch wieder - zu mindest indirekt - mitberücksichtigt. So wird etwa im Abschnitt "Wohnungs- und Hauspflege" festgehalten, dass auch in diesem Bereich beim Ehemann eine gewisse Einschränkung aufgrund seiner psychischen Situation angerech- net werden müsste, da allerdings die Tochter und die Sch wiegermutter (gemeint ist wohl die Schwiegertochter) einen gewissen Teil dieser Arbeiten ü bernehmen würden, sei der Anteil des Ehemannes geringer. 6.3.3 Weitere Widersprüche oder offene Fragen ergeben sich schliesslich auch aus einem Vergleich der aktuellen Berichte mit den Einschätzungen d es früheren Haushaltabklärungsbe- richts vom 6. Dezember 2013. Während in den aktuellen B erichten beispielsweise im Aufga- bengebiet "Wäsche und Kleiderpflege" keine Einschränkun g attestiert wird, wurde im Bericht vom Dezember 2013 in diesem Bereich eine solche von 25 % angenommen. Es wird nicht er- klärt und es ist deshalb auch nicht nachvollziehbar, war um diese Einschränkung in der Zwi- schenzeit weggefallen sein soll, obwohl die Versicherte u nd ihr Ehemann nach wie vor in der- selben Wohnung leben, die gesundheitliche Situation si ch jedenfalls nicht verbessert hat und in beiden Berichten eine im Wesentlichen gleiche Aufgaben verteilung unter den Ehegatten be- schrieben wird. Dasselbe gilt sodann für das Aufgabenge biet "Ernährung", in welchem die Ein- schränkung im Jahr 2013 mit 20 % und aktuell noch mit 15 % beziffert wird. Auch hier wird nicht begründet, weshalb die Einschränkung - bei ansonsten we itgehend unveränderten Verhältnis- sen - nunmehr geringer sein soll. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4 Kann auf die vorhandenen Abklärungsberichte Haush alt nicht abgestellt werden, so lässt sich die strittige Frage, in welchem Ausmass die Besch werdeführerin im Haushaltbereich beeinträchtigt ist, gestützt auf die vorhandene Aktenl age nicht beurteilen. Der Sachverhalt be- darf diesbezüglich weiterer Abklärung, wobei diese dur ch die Einholung eines neuen Haus- haltabklärungsberichts zu erfolgen haben wird. Da sich die bisherige Abklärungsperson durch die Abklärung vor Ort im Mai 2019 und durch die Abgab e der ergänzenden Stellungnahme vom 15. Juni 2020 schon zu eingehend mit dem Fall befasst h at, um noch als unvoreingenommen zu gelten, ist es angezeigt, die Abklärung durch eine neue, bis anhin noch nicht mit der Angele- genheit betraute Abklärungsperson durchführen zu lassen. 7. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die ang efochtene Verfügung der IV- Stelle vom 6. August 2020 aufzuheben und die Angeleg enheit an die IV-Stelle zurückzuweisen ist. Diese hat zur Ermittlung der Einschränkung der Ver sicherten im Haushalt einen neuen Ab- klärungsbericht Haushalt durch eine mit der Angelegenhe it noch nicht befasste Abklärungsper- son erstellen zu lassen. Anschliessend hat sie gestützt auf di e Ergebnisse der Aktenergänzung den Rentenanspruch der Versicherten in Anwendung der ge mischten Methode - mit einem Er- werbsanteil von 38 % und einem Haushaltanteil von 62 % sowie in Berücksichtigung eines Inva- liditätsgrads von 100 % im Erwerbsbereich - zu bemessen und darüber neu zu verfügen. 8. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 215 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin hat in seiner Kostennote vom 26. Januar 2021 f ür das vorliegende Beschwerdeverfahren ein Honorar von insgesamt Fr. 2‘518.05 geltend gemach t, das sich aus der Entschädigung für den erbrachten Aufwand in der Höhe von Fr. 2‘150.--, aus Auslagen von Fr. 188.-- und aus der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mehrwertsteuer von 7,7 % im Betrag von Fr. 180.05 zusam mensetzt. Diese Kostennote ist in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfra gen nicht zu beanstanden. Der Be- schwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘518.05 zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid a n den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 6. August 2020 aufge- hoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. Fr. 2‘518.05 (in kl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht