<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2022-12-14-5A_544-2022.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5A_544/2022</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Verfügung vom 14. Dezember 2022</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>II. zivilrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter von Werdt, als Einzelrichter </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Conrad. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">als Erbin im Nachlass von B.________ sel., </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">KESB Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bezirk Hinwil, Joweid Zentrum 1, 8630 Rüti. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II. Zivilkammer, vom 8. Juni 2022 (PQ220019-O/U). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">Mit Entscheid vom 10. Juni 2021 errichtete die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bezirk Hinwil (KESB) für B.________ (geb. 1948) eine Vertretungsbeistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung gemäss Art. 394 Abs. 1 in Verbindung mit <span class="artref"><artref id="CH/210/395/3" type="start"></artref><artref id="CH/210/395/1" type="start"></artref>Art. 395 Abs. 1-3 ZGB</span><artref id="CH/210/395/3" type="end"></artref><artref id="CH/210/3" type="end"></artref>. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">B.________ focht diesen Entscheid erfolglos beim Bezirksrat Hinwil an. Dessen Entscheid zog er vor Obergericht des Kantons Zürich, das seine Beschwerde mit Entscheid vom 8. Juni 2022 abwies. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.a.</b> Dagegen hat B.________, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Cornel Borbély, am 12. Juli 2022 Beschwerde in Zivilsachen an das Bundesgericht erhoben. Er beantragt, das Urteil des Obergerichts vom 8. Juni 2022 sei aufzuheben und von der Errichtung einer Beistandschaft sei vollumfänglich abzusehen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.b.</b> Mit Eingabe vom 15. August 2022 hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers dem Bundesgericht mitgeteilt, dass der Beschwerdeführer am 8. August 2022 verstorben sei und er entsprechend die Beschwerde zurückziehe. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.c.</b> Auf Anfrage hin hat die KESB dem Bundesgericht den Erbschein vom 27. Oktober 2022 zugestellt. Das Bundesgericht hat der darin aufgeführten Alleinerbin, A.________ (geb. 1963), am 17. November 2022 Gelegenheit gegeben, zu einer allfälligen Abschreibung infolge Gegenstandslosigkeit und den Kostenfolgen Stellung zu nehmen. Die Erbin hat sich nicht vernehmen lassen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.d.</b> Das Bundesgericht hat die Akten beigezogen, in der Sache aber keine Vernehmlassungen eingeholt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.</b> Nach dem Ableben des früheren Beschwerdeführers, B.________, ist das Verfahren mit seiner einzigen Erbin, A.________, weiterzuführen (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=27&amp;from_date=12.12.2022&amp;to_date=31.12.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-V-113%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page113">BGE 129 V 113</a> E. 4.2; Urteil 5A_265/2017 vom 20. September 2017 E. 2) und das Rubrum entsprechend anzupassen. Mit dem Tod von B.________ ist die Beschwerde unter Vorbehalt der Kostenfolgen gegenstandslos geworden, da der Beschwerdegegenstand mit der Person des früheren Beschwerdeführers verknüpft war und keine Wirkung für den Nachlass entfaltet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.</b> Was die Prozesskosten des kantonalen Verfahrens betrifft, ist auf das Folgende zu verweisen: Kann das Bundesgericht den angefochtenen Entscheid zufolge Gegenstandslosigkeit des Verfahrens nicht in der Sache modifizieren, kann es auch den vorinstanzlichen Kostenentscheid nicht abändern (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/68/5" type="start"></artref>Art. 67 und 68 Abs. 5 BGG</span><artref id="CH/173.110/67" type="end"></artref>). Eine Rückweisung der Sache an das Kantonsgericht zum neuen Entscheid über die Kosten kommt ebenfalls nicht in Betracht: Dies würde voraussetzen, dass der angefochtene Entscheid im Kostenpunkt infolge der eingetretenen Gegenstandslosigkeit ebenfalls dahingefallen ist, wovon vorliegend mit Blick darauf nicht auszugehen ist, dass die Erhebung der Beschwerde in Zivilsachen den Eintritt seiner Rechtskraft nicht hindert (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=27&amp;from_date=12.12.2022&amp;to_date=31.12.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-III-284%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page284">BGE 146 III 284</a> E. 2, E. 5.5.4; zum Ganzen Urteil 5A_767/2020 vom 25. Juni 2021 E. 2.3 mit Hinweisen). Demnach bleibt es bei der vorinstanzlichen Kostenregelung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.3.</b> Nach dem Ausgeführten ist das bundesgerichtliche Verfahren durch den Instruktionsrichter als Einzelrichter als gegenstandslos abzuschreiben (<span class="artref">Art. 32 Abs. 2 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Über die bundesgerichtlichen Prozesskosten eines als gegenstandslos erklärten Rechtsstreits entscheidet das Bundesgericht mit summarischer Begründung aufgrund der Sachlage vor Eintritt des Abschreibungsgrundes (<span class="artref">Art. 71 BGG</span> i.V.m. <span class="artref">Art. 72 BZP</span>). In erster Linie ist somit auf den mutmasslichen Ausgang des Prozesses abzustellen. Dabei geht es nicht darum, die Prozessaussichten im Einzelnen zu prüfen und dadurch weitere Umtriebe zu verursachen. Vielmehr soll es bei einer knappen, summarischen Beurteilung der Aktenlage sein Bewenden haben. Auf dem Weg über den Kostenentscheid soll nicht ein materielles Urteil gefällt werden (zum Ganzen Urteil 5A_146/2021 vom 13. Oktober 2021 E. 2.1 mit Hinweisen). Diesbezüglich ergibt sich was folgt: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> Die Vorinstanz ist in Würdigung dreier psychiatrischer Gutachten der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich vom 4. Juni 2021, 3. September 2021 und 27. Oktober 2021 und zweier Führungsberichte des Gefängnisses U.________ vom 21. Juni 2021 und vom 21. September 2021, wo B.________ sel. inhaftiert war, zur Überzeugung gelangt, bei diesem habe eine psychische Störung bzw. ein in seiner Person liegender Schwächezustand im Sinn von <span class="artref">Art. 390 Abs. 1 ZGB</span> vorgelegen, was zu einer deutlichen Einschränkung seiner kognitiven und psychosozialen Leistungsfähigkeit geführt habe. Aus den in diversen Berichten der Kantonspolizei Zürich dokumentierten Verhaltensauffälligkeiten B.________s schloss die Vorinstanz zudem auf ein Unvermögen desselben, die eigenen Angelegenheiten zu besorgen. Gestützt auf die Abklärungen der KESB in Bezug auf den Umgang B.________s mit seinem Geld bestätigte die Vorinstanz schliesslich dessen Hilfsbedürftigkeit im Sinn von <span class="artref">Art. 394 Abs. 1 ZGB</span>. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.3.</b> In seiner Beschwerde rügte B.________, die Vorinstanz habe <span class="artref">Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB</span> und <span class="artref">Art. 394 Abs. 1 ZGB</span> verletzt, indem sie auf die Gutachten der Psychiatrischen Universitätsklinik vom 4. Juni 2021 und vom 27. Oktober 2021 abgestellt habe. Die Gutachten seien für die Feststellung seines gesundheitlichen Zustands und für die Beantwortung der Frage nach der Hilfsbedürftigkeit ungeeignet, weil sie sich nur auf die gemäss polizeilichen Behauptungen vorgefallenen Verdachtslagen stützten würden. Die Tatbestandsvoraussetzungen von <span class="artref">Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB</span> und <span class="artref">Art. 394 Abs. 1 ZGB</span> (Schwächezustand; psychische Störung; Hilfsbedürftigkeit) seien nicht erfüllt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.4.</b> Das Bundesgericht legt seinem Urteil die vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen zugrunde (<span class="artref">Art. 105 Abs. 1 BGG</span>). Wo das Sachgericht in Würdigung von Beweisen zur Überzeugung gelangt, eine Tatsachenbehauptung sei bewiesen oder widerlegt, d.h. zu einem Beweisergebnis kommt, hat die beschwerdeführende Partei in einem ersten Schritt willkürliche Beweiswürdigung zu rügen und muss damit durchdringen, bevor sich das Bundesgericht mit der behaupteten Rechtsverletzung im Sinn von <span class="artref">Art. 95 BGG</span> befasst. Im Rahmen der Willkürrüge gilt das strenge Rügeprinzip (<span class="artref">Art. 106 Abs. 2 BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=27&amp;from_date=12.12.2022&amp;to_date=31.12.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-III-264%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page264">BGE 144 III 264</a> E. 6.2.3; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=27&amp;from_date=12.12.2022&amp;to_date=31.12.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-III-564%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page564">141 III 564</a> E. 4.1; Urteil 5A_438/2018 vom 30. Oktober 2018 E. 1.3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.5.</b> B.________ rügte nicht, die Beweiswürdigung der Vorinstanz sei offensichtlich unrichtig, d.h. willkürlich. Er brachte insbesondere nicht vor, die Gutachten seien unvollständig, nicht nachvollziehbar oder nicht schlüssig. Dass die Vorinstanz auf Gutachten abgestellt hat, denen Polizeiberichte zugrunde liegen, begründet noch keine Willkür. Demnach bliebe es mutmasslich beim vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt. B.________ legte sodann nicht dar, inwiefern die darauf gestützte Anordnung der Vertretungsbeistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung gemäss Art. 394 Abs. 1 in Verbindung mit <span class="artref"><artref id="CH/210/395/3" type="start"></artref><artref id="CH/210/395/1" type="start"></artref>Art. 395 Abs. 1-3 ZGB</span><artref id="CH/210/395/3" type="end"></artref><artref id="CH/210/3" type="end"></artref> rechtsfehlerhaft sein soll. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.6.</b> Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen wäre auf die Beschwerde mutmasslich nicht einzutreten gewesen. Dieses (mutmassliche) Ergebnis gilt als vollumfängliches Unterliegen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Bei diesem Ergebnis wird B.________ sel. kostenpflichtig (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). Angesichts der Umstände rechtfertigt es sich jedoch, auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten (Art. 66 Abs. 1 zweiter Satz BGG). Der Kostenvorschuss von Fr. 2'500.-- wird zurückerstattet. Eine Entschädigung ist zufolge des mutmasslichen Unterliegens nicht zuzusprechen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Demnach erkennt der Einzelrichter:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Das Verfahren wird infolge Gegenstandslosigkeit der Beschwerde abgeschrieben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Diese Verfügung wird den Verfahrensbeteiligten, dem Obergericht des Kantons Zürich, II. Zivilkammer, und Rechtsanwalt Dr. Cornel Borbély, mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 14. Dezember 2022 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Einzelrichter: Von Werdt </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: Conrad </div> </div></body></html>