Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. November 2017 (760 17 189 / 294) ____________________________________________________________________ Familienzulagen Rückweisung. Die Vorinstanz hat zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Anerken- nung der Prüfungsvorbereitung als Ausbildung gegeben sind. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin i.V. Anna Studinger Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Familienausgleichskasse Arbeitgeber Basel , Viaduktstrasse 42, Postfach, 4002 Basel, Beschwerdegegnerin Betreff Ausbildungszulagen für B.____ A. Die Familienausgleichskasse Arbeitgeber Basel (F amilienausgleichskasse) richtete A.____ gestützt auf seine Anstellung bei C.____ für seine Tochter B.____, geboren 1996, Aus- bildungszulagen aus. Im Dezember 2015 schloss B.___ _ die Matura ab. Vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Juli 2016 (1. Periode) bereitete sie si ch unter anderem im medizinischen Trainings- zentrum D.____ auf die Aufnahmeprüfung für das Spo rtstudium vor. Nachdem das Prüfungs- ergebnis nicht für die Aufnahme in den Studiengang Sportwissenschaften reichte, nahm B.____ am 1. August 2016 ihr Studium in Biologie an der Ph ilosophischen-Naturwissenschaftlichen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fakultät an der Universität F.____ auf. Für das darauff olgende Frühjahrsemester vom 1. Februar 2017 bis 31. Juli 2017 (2. Periode) liess sie sich beurlauben. B. Mit Zulagenentscheid vom 21. April 2017 verneinte d ie Familienausgleichskasse einen Anspruch von A.____ auf Ausbildungszulagen für seine Toch ter B.____ für die 2. Periode. Die- ser Entscheid wurde von A.____ mit Schreiben vom 15. Mai 2017 beanstandet. Eine anfechtba- re Verfügung sowie ein darüber gefällter Einspracheent scheid stehen noch aus. Mit Verfügung vom 5. Mai 2017 verneinte die Familienausgleichskasse auch für die 1. Periode einen Anspruch auf Ausbildungszulagen. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, dass der Unter- bruch zwischen Matura und Studium nicht als Ausbildung g elte, wenn er länger als vier Monate dauere. Die „praktische“ Prüfungsvorbereitung im Traini ngszentrum D.____ werde als Prakti- kum qualifiziert. Da ein Praktikum für die Zulassung zum Sportstudium nicht Voraussetzung sei, könne es nicht als Ausbildung im gesetzlichen Sinne quali fiziert werden. Auf Einsprache hin hielt die Familienausgleichskasse an ihrer Begründung mit Entscheid vom 19. Mai 2017 fest. C. Gegen diesen Entscheid vom 19. Mai 2017 erhob A._ ___ mit Schreiben vom 30. Mai 2017 Einsprache (recte: Beschwerde), welche die Familie nausgleichskasse zuständigkeitshal- ber am 13. Juni 2017 dem Kantonsgericht des Kantons Bas el-Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (Kantonsgericht), übermittelte. Er beantr agte die Aufhebung des Entscheids vom 19. Mai 2017 sowie die Anweisung der Familienaus gleichkasse, ihm für die 2. Periode Ausbildungszulagen zu entrichten. D. Mit Vernehmlassung vom 3. Juli 2017 beantragte die Familienausgleichskasse die Ab- weisung der Beschwerde vom 30. Mai 2017, sofern darauf einzutreten sei. Zur Begründung ihres Nichteintretensantrags führte sie auf, dass der Besch werdeführer gar keinen Bezug auf den Einspracheentscheid vom 19. Mai 2017 nehme, in we lchem es darum gehe, ob die 1. Peri- ode als Ausbildungszeit zu gelten habe, sondern er sich vi elmehr zur 2. Periode – für welche sich B.____ beurlauben liess – äussere. Insofern fehle e s der Beschwerde an einer sachbezo- genen Begründung und sie entspräche daher nicht den gesetzlich statuierten Eintretensvoraus- setzungen. Bezüglich der 2. Periode läge erst ein – noch zu verfügender – Zulagenentscheid und damit kein Anfechtungsobjekt vor. Hinsichtlich der Ab weisung der Beschwerde hielt die Familienausgleichskasse im Wesentlichen an der Begründung des angefochtenen Einsprache- entscheids fest. E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt A.____ mit Schreiben vom 25. Juli 2017 an seiner Einsprache gegen den Entscheid über die 2. Periode fest. Zusätzlich nahm er zur 1. Periode Stellung und bekundete deutlich das Fes thalten am Anspruch auf Ausbildungs- zulagen auch für diese Periode. F. Die Familienausgleichskasse nahm mit Eingabe vom 18 . August 2017 Stellung zu den Eingaben des Beschwerdeführers. An ihren Anträgen hiel t sie fest. Die 2. Periode sei hier nicht zu beurteilen. Für die 1. Periode sei die Beschwerde abzuweisen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Nach Art. 22 des Bundesgesetzes über die Familienzul agen (Familienzulagengesetz, FamZG) vom 24. März 2006 entscheidet in Abweichung von A rt. 58 Abs. 1 und 2 des Bundes- gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsr echts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 das Versicherungsgericht jenes Kantons über Beschwerde n gegen Entscheide der Fami- lienausgleichskassen, dessen Familienzulagenordnung anwend bar ist. Im vorliegenden Fall ist gestützt auf Art. 12 Abs. 2 FamZG die Familienzulagen ordnung des Kantons Basel-Landschaft anwendbar, da der Arbeitgeber des Beschwerdeführers sei nen Sitz im Kanton Basel- Landschaft hat. Entsprechend kann gemäss § 40 Abs. 1 EG FamZG in Verbindung mit § 54 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 gegen Einspracheentscheide oder Verfü gungen der Familienausgleichs- kassen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, inne rt 30 Tagen beim Kantonsge- richt, Abteilung Sozialversicherungsrecht, Beschwerde erh oben werden. Das Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht, ist somit sachlich und ört- lich für die Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Neben der örtlichen und der sachlichen Zuständigkeit zählen zu den Prozessvoraus- setzungen, die allesamt erfüllt sein müssen, damit das Gericht zur Begründetheit oder Unbe- gründetheit der Rechtsbegehren Stellung nehmen kann, eine frist- und formgerechte Rechtsmit- telvorkehr (vgl. zum Ganzen: F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 71 ff.). Die 30-tägige Frist wurde gewahrt. Vorliegend stellt sich in formeller Hinsicht die Frage, ob die Beschwerde den gesetzlichen Formerfordernissen genügt. 1.2.1 An die erforderliche Form und den Inhalt einer Beschwerde an die kantonale Rechts- mittelinstanz sind nach Art. 56 ATSG keine hohen Anfo rderungen zu stellen (BGE 116 V 353 E. 2b; T HOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Auflage, Bern 2014, S. 596 f.). Die Einhaltung vo n Formvorschriften wird insbesondere dann nicht nach strengen Massstäben beurteilt, wenn es sich um eine Laieneingabe handelt (THOMAS MERKLI /A RTHUR AESCHLIMANN /R UTH HERZOG , Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungs- rechtspflege im Kanton Bern, Bern 1997, Art. 32, Rz 1 1). Dennoch muss praxisgemäss vom Rechtsuchenden ein Mindestmass an Sorgfalt in der Beschwe rdeführung verlangt werden. Da- mit überhaupt von einer Beschwerde gesprochen werden kann, muss eine individualisierte Per- son gegenüber einer bestimmten Verfügung den klaren An fechtungswillen schriftlich bekunden; das heisst, sie hat erkenntlich ihren Willen um Änderung der sie betreffenden Rechtslage zum Ausdruck zu bringen (BGE 102 Ib 365 E. 6; Urteil des K antonsgerichts Basel-Landschaft vom 13. Oktober 2000, Abteilung Sozialversicherungsrecht, 720 99 195, E. 2.1). Fehlt es hieran, so ist gar kein Beschwerdeverfahren anhängig gemacht worden. 1.2.2 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwal tungsbehörde vorgängig verbindlich Stellung genommen hat. Insoweit bestimmen Verfügung oder Einspracheentscheid den be- schwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Str eitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist mithin stet s das Rechtsverhältnis, das Gegenstand Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der angefochtenen Verfügung bzw. des angefochtenen Ein spracheentscheids bildet, und zwar in dem Ausmass, als die Regelung des Rechtsverhältnisses n ach den Parteianträgen des Be- schwerdeverfahrens noch streitig ist (F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 46). Bezieht sich die Beschwerde auf ein nicht durch die Verfügung oder den Einspracheentscheid bestimmtes Rechtsverhältnis, gehören die beanstandeten Aspekte weder zum Anfechtungs-, noch zum Streitgegenstand (BGE 125 V 413 E. 1b). Diesfalls steht den Be- troffenen keine Befugnis zu, verfügungs- oder einsprach eweise (noch) nicht geregelte Rechts- verhältnisse durch eine Beschwerde richterlich überprüfen zu lassen (BGE 118 V 311 E. 3b mit Hinweisen; U LRICH MEYER , Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, in: Basler Juristische Mitteilungen [BJM] 1989 S. 25) und das Gericht kann auf die entsprechende Beschwerde nicht eintreten. 1.2.3 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Beschwerdeschr ift vom 30. Mai 2017 die Vernei- nung des Anspruchs auf Familienzulagen für seine Tochter für die Zeit vom 1. Februar 2017 bis 31. Juli 2017 (2. Periode). Diesbezüglich hat die Besch werdegegnerin mit Datum vom 21. April 2017 einen Zulagenentscheid erlassen und mit E-Mail vom 24. August 2017 dem Kan- tonsgericht bestätigt, dass darüber noch nicht verfügt worden sei. Folglich liegt dem Kantonsge- richt weder eine anfechtbare Verfügung noch ein Einspra cheentscheid, welcher die Anspruchs- berechtigung der 2. Periode zum Gegenstand hat, vor. Dieses weder verfügungs- noch ein- spracheweise geregelte Rechtsverhältnis ist einer richter lichen Überprüfung im Rahmen dieses Beschwerdeverfahrens nicht zugänglich. Daher tritt das Ka ntonsgericht auf dieses Begehren nicht ein. 1.3.1 Angefochten wird vorliegend der Einspracheentsch eid vom 19. Mai 2017. Darin bestä- tigte die Beschwerdegegnerin, dass der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf Ausbildungszu- lagen für die Zeit vom 1. Januar 2016 bis 31. Juli 20 16 (1. Periode) habe. Es ist zu prüfen, ob gegenüber diesem Einspracheentscheid ein Anfechtungswille vorhanden ist und die Beschwer- de dem gesetzlichen Formerfordernis genügt. 1.3.2 Der nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführer schreibt in seiner Stellungnahme vom 25. Juli 2017, dass es sich im Rechtsstreit mit der Besch werdegegnerin um zwei bestritte- ne Perioden handle. Zum einen um die 1. Periode vor der Aufnahme des Studiums und zum anderen um die 2. Periode, welche zum damaligen Zeit punkt noch andauerte. Er lässt sich in diesem Schreiben klar verlauten, dass er auf den Anspr uch auf Ausbildungszulagen für die 1. Periode bestehe. Er begründet diesen Antrag auch. Folglich kann diesem Schreiben ein An- fechtungswille bezüglich des Einspracheentscheids vom 19. Ma i 2017 sowie eine Begründung entnommen werden. Mit Blick darauf, dass es sich vorliegend um eine Laienbeschwerde han- delt und für das Gericht der Streitgegenstand und desse n Begründung erkennbar ist, vermag die Eingabe den formellen Voraussetzungen an eine Beschwerde zu genü gen. Auf die Be- schwerde des Versicherten vom 30. Mai 2017 ist demnach diesbezüglich einzutreten. 1.4 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Verfahren ist d er Anspruch auf monatliche Ausbil- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dungszulagen von Fr. 250.-- für den Zeitraum vom 1. Ja nuar 2016 bis 31. Juli 2016 strittig. Die Beurteilung der Beschwerde vom 16. November 2016 fäll t deshalb in die Kompetenz der präsi- dierenden Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts. 2. Nach Art. 3 Abs. 1 lit. b FamZG werden Ausbildungszul agen ab Ende des Monats, in welchem das Kind das 16. Altersjahr vollendet, bis zum Abschluss der Ausbildung ausgerichtet, längstens jedoch bis zum Ende des Monats, in welchem da s Kind das 25. Altersjahr vollendet. Art. 1 Abs. 1 der Verordnung vom 31. Oktober 2007 ü ber die Familienzulagen (Familienzula- genverordnung, FamZV) statuiert, dass ein Anspruch auf ei ne Ausbildungszulage für jene Kin- der besteht, die eine Ausbildung im Sinne des Art. 25 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Al- ters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 absolvieren. 2.1 Art. 25 Abs. 5 Satz 2 AHVG beauftragt den Bundesra t, den Begriff der Ausbildung zu regeln, was dieser mit den auf den 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Art. 49 bis und 49 ter der Verordnung zur Alters- und Hinterlassenenversicherung (AH VV) vom 31. Oktober 1947 getan hat. Unter den Begriff der Ausbildung fallen demnach ordentliche Lehrverhältnisse sowie Tätig- keiten zum Erwerb von Vorkenntnissen für ein Lehrverhält nis, aber auch Kurs- und Schulbesu- che, wenn sie der berufsbezogenen Vorbereitung auf ei ne Ausbildung oder späteren Berufs- ausübung dienen. Bei Kurs- und Schulbesuchen sind Ar t der Lehranstalt und Ausbildungsziel unerheblich, soweit diese im Rahmen eines ordnungsgemässe n, (faktisch oder rechtlich) aner- kannten Lehrganges eine systematische Vorbereitung auf das jeweilige Ziel bieten. Die Weglei- tung des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) über die Renten in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (RWL; Stand 1. Januar 2017) hält zudem fest, dass die systematische Vorbereitung erfordert, dass da s Kind die Ausbildung mit dem ob- jektiv zumutbaren Einsatz betreibt, um sie innert nützlich er Frist abschliessen zu können. Wäh- rend der Ausbildung muss sich das Kind zeitlich überwiege nd dem Ausbildungsziel widmen. Dies gilt nur dann als erfüllt, wenn der gesamte Aus bildungsaufwand (Lehre im Betrieb, Schul- unterricht, Vorlesungen, Kurse, Vor- und Nachbereitung, Prüfungsvorbereitung, Selbststudium, Verfassen einer Diplomarbeit, Fernstudium etc.) mindest ens 20 Stunden pro Woche ausmacht. Der effektive Ausbildungsaufwand kann teilweise nur mit tels Indizien, mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, eruiert werden. Dabe i ist insbesondere auch auf Auskünfte des Ausbildungsanbieters über die durchschnittlich aufzuwe ndende Zeit für die jeweilige Aus- bildung abzustellen (Rz 3359 f.). 2.2 Die Ausbildung gilt unter anderem dann als beend et, wenn sie abgebrochen oder unter- brochen wird oder wenn ein Anspruch auf eine Invaliden rente entsteht (Art. 49 ter Abs. 2 AHVV). Nicht als Unterbrechung gelten gemäss Art. 49 ter Abs. 3 lit. a AHVV übliche unterrichtsfreie Zei- ten und Ferien von längstens vier Monaten, sofern die A usbildung unmittelbar danach fortge- setzt wird. Wird die Ausbildung unterbrochen, gilt sie g rundsätzlich als beendet. Das ist auch dann der Fall, wenn erst ein Zwischenziel erreicht ist, wie zum Beispiel die Matura. Die unter- richtsfreie Zeit nach der Matura gilt demnach nur da nn als Ausbildungszeit, wenn die Ausbil- dung spätestens vier Monate nach der Matura fortgesetz t wird. Ist dies nicht der Fall, bedeutet die Matura das (vorläufige) Ende der Ausbildung (RWL Rz 3369 f.). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Was die Qualifikation eines Praktikums als Ausbild ung betrifft, hat das BSV die RWL per 1. Januar 2012 bzw. per 1. Januar 2014 dahingehend ergänzt und präzisiert, dass ein Prak- tikum als Ausbildung anerkannt wird, wenn es gesetzlich ode r reglementarisch eine Vorausset- zung bildet für die Zulassung zu einem Bildungsgang oder zu einer Prüfung oder wenn es zum Erwerb eines Diploms oder eines Berufsabschlusses verlangt wird (RWL Rz 3361). Wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, wird ein Praktikum dennoch als Ausbildung anerkannt, wenn es für eine bestimmte Ausbildung faktisch geboten ist un d mit dem Antritt des Praktikums tat- sächlich die Absicht besteht, die angestrebte Ausbildung z u realisieren (BGE 139 V 209), und das Praktikum im betreffenden Betrieb höchstens ein Jahr dauert (RWL Rz 3361.1). 2.4 Zu beachten ist, dass Verwaltungsweisungen, zu welche n auch die RWL zählt, sich an die Durchführungsstellen richten und für das Sozialversi cherungsgericht nicht verbindlich sind. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtige n, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendba ren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen G rund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtl ichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Wei sungen eine rechtsgleiche Gesetzesan- wendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (vgl. BGE 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren und der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsat z gilt indessen nicht uneinge- schränkt; er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, 122 V 157 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist jedoch , dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnot wendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherungs gerichts ist, für die Zusammentra- gung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversi cherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b mit Hinweisen). 3.2 Dem Kantonsgericht kommt in Sozialversicherungssachen ei ne vollständige Überprü- fungsbefugnis zu. Es ist in der Beweiswürdigung frei (vg l. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung al s verfügende Instanz und – im Beschwer- defall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicherungsrecht hat d as Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Bewei sgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jen er Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wah rscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen). 4.1 Aufgrund der vorliegenden Akten stellt sich der recht serhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Im Dezember 2015 hat die Tochter des Beschwerdef ührers ihre Matura am Gymnasium in G.____ abgeschlossen. Ihr Ausbildungsziel war ein interdisziplinärer Studienabschluss mit Mas- terdiplom in Sportwissenschaften - Medizin - Gesundheit swissenschaften. Im Januar 2016 ist die Anmeldung zur Aufnahmeprüfung „Sportwissenschaft“ an der Universität F.____ zum Prü- fungstermin im Juli 2016 erfolgt. Gemäss Angaben des Be schwerdeführers habe seine Tochter die Zeit dazwischen (Januar 2016 - Juli 2016) als intensi ve Sportausbildung genutzt. Sie habe sich im Trainingszentrum D.____ sowie im Trainingszentrum E.____ auf ihre Prüfung vorberei- tet. Gemäss Bestätigung des Trainingszentrums D.____ vom 8. März 2017 habe sie sich unter professioneller Anleitung auf die Aufnahmeprüfung vorb ereitet. Auf telefonische Nachfrage der Beschwerdegegnerin vom 21. März 2017 hin, habe das Trai ningszentrum D.____ bestätigt, dass die Tochter des Beschwerdeführers bei ihnen „praktisch ausgebildet“ worden sei. 4.2 Wie oben in Erwägung 2.2 dargelegt, gilt die un terrichtsfreie Zeit nach der Matura nur dann als Ausbildungszeit, wenn die Ausbildung spätestens vier Monate nach der Matura fortge- setzt wird. Vorliegend beträgt der Zeitraum zwischen de r Matura und dem Studienbeginn mehr als vier Monate. Die Beschwerdegegnerin qualifizierte d ie von der Tochter des Beschwerdefüh- rers getätigte Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung als Praktikum, da es sich gemäss telefoni- scher Bestätigung des Trainingszentrums D.____ vom 21. Mä rz 2017 um eine rein praktische Ausbildung gehandelt habe. Die Beschwerdegegnerin vern einte dessen Qualifizierung als Aus- bildung im Sinne des Gesetzes, da das Studium der Sportw issenschaft kein Praktikum voraus- setze, insbesondere eine solche Tätigkeit für die Zulassu ng zur sportpraktischen Aufnahmeprü- fung nicht verlangt werde. An dieser Begründung hie lt die Beschwerdegegnerin auch im Ein- spracheentscheid fest. 4.3 Richtigerweise hat die Beschwerdegegnerin erkannt, dass ein Praktikum grundsätzlich nur als Ausbildung betrachtet werden kann, wenn dieses f ür die Aufnahmeprüfung bzw. das Sportstudium auch vorausgesetzt wird. Unter diesem Aspekt b etrachtet hat sie folgerichtig die getätigte Sportbereitung nicht als Ausbildung anerkann t. Ihre diesbezügliche Begründung ist nicht zu beanstanden. Jedoch hat sie verkennt, dass sich aus der Wegleitung des BSV (vgl. E. 2.1 hiervor) ein weiter Begriff der Ausbildung ergib t und bei gewissen Voraussetzungen auch eine systematische Prüfungsvorbereitung darunter fallen kann. 5. Zu prüfen ist daher, ob es sich bei der Sportvorbere itung um eine Prüfungsvorberei- tung im Sinne der vorstehend umschriebenen Verordnungsb estimmungen bzw. der vom BSV hierzu erlassenen Wegleitung handelt (vgl. E. 2.1 hiervor). Aus der Wegleitung ergibt sich, dass eine Prüfungsvorbereitung als Ausbildung qualifiziert werden kann, wenn sie mindestens 20 Stunden pro Woche ausmacht. Mit Schreiben vom 8. März 20 17 bestätigte das Trainingszent- rum D.____, dass sich die Tochter des Beschwerdeführers vom 2. Januar 2016 bis 31. Juli 2016 bei ihnen unter professioneller Anleitu ng auf die Aufnahmeprüfung für das Sport- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht studium an der Universität F.____ vorbereitet habe. Dar aus ergeben sich Anhaltspunkte für eine intensive Prüfungsvorbereitung. Allerdings ist weder klar, wie diese Prüfungsvorbereitung inhaltlich ausgestaltet war, noch wieviel Zeit diese beanspruchte. Aus der Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin vom 21. Mä rz 2017 lässt sich entnehmen, dass die Tochter des Beschwerdeführers im Trainingszentrum D._ ___ keine Schule besucht hat, sondern nur praktisch ausgebildet worden ist. Es lässt sich dieser Telefonnotiz nicht entneh- men, ob weitergehende, detailliertere Fragen gestel lt worden sind. In der Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin vom 3. Juli 2017 wird zum ersten Mal erwähnt, dass bei diesem Telefonat mit dem Trainingszentrum D.____ vom 21. März 2017 nicht habe eruiert werden können, worin die „praktische Ausbildung“ bestanden habe, ob und was gelernt worden sei und wie viele Stunden pro Woche diese Tätigkeit erfordert habe. Den Akten, insbesondere der Telefonnotiz vom 21. März 2017 können dementsprechende Bemühungen nich t entnommen werden, es ist unklar, ob weitere Abklärungen bezüglich Inhalt und zei tlichen Aufwands getätigt wurden. Fer- ner ist unklar, ob und in welchem zeitlichen Umfang sich die Tochter des Beschwerdeführers auch beim Trainingszentrum E.____ auf die Aufnahmeprüfung vorbereitete. Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG obliegt es dem Versicherungsträger, den rechtserhe blichen Sachverhalt richtig und voll- ständig abzuklären, so dass gestützt darauf die Verfügun g über die jeweils in Frage stehende Leistung ergehen kann. Vorliegend ist der rechtserhebl iche Sachverhalt, namentlich die Ent- scheid relevante Frage, ob der Aufwand – die Vorbereit ung auf die Aufnahmeprüfung – über- wiegend wahrscheinlich mit mindestens 20 Stunden pro W oche zu veranschlagen war, nicht abgeklärt worden. Zumindest wurde eine diesbezüglich ge tätigte Abklärung in den Akten nicht dokumentiert. Der rechtserhebliche Sachverhalt ist nach de m Ausgeführten nicht genügend abgeklärt worden. 6. Nach dem Gesagten steht fest, dass aufgrund der vorli egenden Akten der Anspruch des Beschwerdeführers auf Ausbildungszulagen für seine To chter nicht abschliessend beurteilt werden kann. Die Angelegenheit ist deshalb in Aufhebu ng des angefochtenen Einspracheent- scheids vom 19. Mai 2017 zur weiteren Abklärung an die V orinstanz zurückzuweisen. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung wird diese übe r den Anspruch des Beschwerdeführers neu zu befinden haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegend e Beschwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Als Obsiegen im Sinne der genannten Bestimmung gilt grundsätzlich auch die Rückweisung der Angelegenheit an den Versicherungsträger zur weite- ren Abklärung (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Auflage 2015, Art. 61 Rz 205). Eine Partei- entschädigung kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei gemäss § 21 VPO nur für den Beizug eines Anwalts beziehungsweise einer Anwältin zugesp rochen werden. Da der Be- schwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren nich t anwaltlich vertreten war, werden die ausserordentlichen Kosten entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wettgeschlagen. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der B eschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als der angefochtene Einsprachentscheid vom 19. Mai 2017 aufgehoben wird und die Angele- genheit zur weiteren Abklärung bezüglich Anspruch auf A usbildungszu- lage in der Zeit vom 1. Januar 2016 bis 31. Juli 2016 z urückgewiesen wird. Im Übrigen wird auf die Beschwerde nicht eingetreten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht