<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">I 274/99 Hm </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>IV. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Borella, Rüedi und Bundesrichterin Leuzinger; </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Keel </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 1. Mai 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV-Stelle Bern, Chutzenstrasse 10, Bern, Beschwerdeführe- </div> <div class="para">rin, </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">H.________, 1953, Beschwerdegegner, vertreten durch Für- </div> <div class="para">sprecher Dr. W.________, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Bern </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Der 1953 geborene H.________ leidet seit einem </div> <div class="para">1969 erlittenen Badeunfall an Tetraplegie. Die Invaliden- </div> <div class="para">versicherung sprach ihm verschiedene Leistungen zu, unter </div> <div class="para">anderem bis Ende Februar 1987 ambulante Physiotherapie nach </div> <div class="para">ärztlicher Anordnung. Am 26. Mai 1992 ersuchte H.________ </div> <div class="para">die IV-Stelle Bern erneut um Kostengutsprache für Physio- </div> <div class="para">therapie mit der Begründung, seine Frau, welche Kranken- </div> <div class="para">pflegerin sei und mit ihm in der Zwischenzeit sämtliche </div> <div class="para">physiotherapeutischen Massnahmen durchgeführt habe, könne </div> <div class="para">diese wegen Rückenbeschwerden nicht fortführen. Mit Verfü- </div> <div class="para">gung vom 20. Januar 1993 sprach die IV-Stelle H.________ </div> <div class="para">eine wöchentliche ambulante Physiotherapie-Sitzung, vorläu- </div> <div class="para">fig bis Ende 1994, zu, welche Massnahme sie mit Verfügung </div> <div class="para">vom 12. Dezember 1994 bis 31. Dezember 1997 verlängerte. </div> <div class="para">Ein erneutes Gesuch um Kostengutsprache wies die IV-Stelle, </div> <div class="para">nach Einholung verschiedener medizinischer Berichte und </div> <div class="para">Durchführung des Vorbescheidverfahrens, mit Verfügung vom </div> <div class="para">20. August 1998 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Die von H.________ hiegegen erhobene Beschwerde </div> <div class="para">hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit Entscheid </div> <div class="para">vom 30. März 1999 gut, hob die angefochtene Verfügung auf </div> <div class="para">und wies die Sache zum Erlass einer neuen Verfügung im Sin- </div> <div class="para">ne der Erwägungen an die IV-Stelle zurück. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Die IV-Stelle führt Verwaltungsgerichtsbeschwerde </div> <div class="para">mit dem Rechtsbegehren, der kantonale Entscheid sei aufzu- </div> <div class="para">heben. </div> <div class="para"> Während H.________ auf Abweisung der Verwaltungsge- </div> <div class="para">richtsbeschwerde schliesst, beantragt das Bundesamt für </div> <div class="para">Sozialversicherung deren Gutheissung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Im angefochtenen Entscheid werden die nach Gesetz </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 12 IVG</span> in Verbindung mit <span class="artref"><artref id="CH/831.201/2/3" type="start"></artref><artref id="CH/831.201/2/1" type="start"></artref>Art. 2 Abs. 1 und 3 IVV</span><artref id="CH/831.201/2/3" type="end"></artref><artref id="CH/831.201/3" type="end"></artref>) und </div> <div class="para">Rechtsprechung (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=24&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-V-277%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page279">BGE 120 V 279</a> Erw. 3a, 108 V 217 Erw. 1a, </div> <div class="para">je mit weiteren Hinweisen) massgebenden Voraussetzungen für </div> <div class="para">den Anspruch auf medizinische Massnahmen physiotherapeuti- </div> <div class="para">scher Art bei Lähmungen und anderen motorischen Funktions- </div> <div class="para">ausfällen zutreffend dargelegt. Darauf kann verwiesen wer- </div> <div class="para">den. </div> <div class="para"> Zu ergänzen ist, dass nach der Rechtsprechung (AHI </div> <div class="para">1999 S. 125) ein stationärer, nicht aber stabiler Zustand </div> <div class="para">vorliegt, wenn therapeutische Vorkehren dauernd notwendig </div> <div class="para">sind, um Rezidiven vorzubeugen und den Status quo einiger- </div> <div class="para">massen zu bewahren. In diesem Falle kann die Physiotherapie </div> <div class="para">praxisgemäss nicht als medizinische Eingliederungsmassnahme </div> <div class="para">im Sinne von <span class="artref">Art. 12 IVG</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 2 Abs. 3 </span></div> <div class="para">IVV qualifiziert werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Das kantonale Gericht hat im Wesentlichen erwogen, </div> <div class="para">dass die Physiotherapie zwar auch der Behandlung und Vor- </div> <div class="para">beugung der auftretenden Spasmen sowie der Verhinderung von </div> <div class="para">Fehlstellungen diene, jedoch zu einem nicht unwesentlichen </div> <div class="para">Teil zur Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit und der Kräfti- </div> <div class="para">gung des Oberkörpers angewandt werde, letzteres als aktive </div> <div class="para">Massnahme. Die Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit und die </div> <div class="para">Kräftigung der Muskulatur des Oberkörpers dienten unmittel- </div> <div class="para">bar der Beeinflussung der motorischen Funktionen. Damit </div> <div class="para">würden im Rahmen eines Behandlungskomplexes physiotherapeu- </div> <div class="para">tische Massnahmen durchgeführt, welche nicht nur auf die </div> <div class="para">Behandlung des auf die Lähmung zurückgehenden sekundären </div> <div class="para">Krankheitsgeschehens gerichtet seien, sondern zusätzlich </div> <div class="para">die Erhaltung der Funktionstüchtigkeit der Oberkörpermusku- </div> <div class="para">latur bezweckten. Da deren Erhaltung Voraussetzung für die </div> <div class="para">Erwerbstätigkeit des Beschwerdegegners darstelle, bestehe </div> <div class="para">Anspruch auf die Weitergewährung der Physiotherapie durch </div> <div class="para">die Invalidenversicherung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Wie sich indessen aus den in den Akten liegenden </div> <div class="para">medizinischen Stellungnahmen (insbesondere den Berichten </div> <div class="para">der Physiotherapeutin S.________ vom 2. November 1992 und </div> <div class="para">des behandelnden Arztes Dr. med. C.________, Allgemeine </div> <div class="para">Medizin FMH, vom 10. November 1997) ergibt und die Be- </div> <div class="para">schwerde führende IV-Stelle sowie das Bundesamt für Sozial- </div> <div class="para">versicherung zu Recht geltend machen, sind die therapeuti- </div> <div class="para">schen Vorkehren beim Beschwerdegegner voraussichtlich dau- </div> <div class="para">ernd notwendig, um der bestehenden grossen Rezidivgefahr </div> <div class="para">vorzubeugen und den Status quo einigermassen zu bewahren. </div> <div class="para">Dies zeigt sich unter anderem darin, dass sich der Gesund- </div> <div class="para">heitszustand bei Aussetzen der Physiotherapie, wie der Ver- </div> <div class="para">sicherte selber festgestellt hat, verschlechtert, indem </div> <div class="para">verstärkt Spasmen auftreten. Unter diesen Umständen steht </div> <div class="para">fest, dass die in Frage stehende Vorkehr nicht auf stabile </div> <div class="para">Folgen der Lähmung und damit auch nicht auf einen zumindest </div> <div class="para">relativ stabilisierten Zustand gerichtet ist. Vielmehr geht </div> <div class="para">es bei der Therapie primär darum, eine Verschlechterung des </div> <div class="para">Gesundheitszustandes zu verhindern, indem mit kontinuierli- </div> <div class="para">cher Behandlung zur Aufrechterhaltung des stationären Zu- </div> <div class="para">standes beigetragen wird. Bei diesen Gegebenheiten kann die </div> <div class="para">Physiotherapie rechtsprechungsgemäss (vgl. Erw. 1 hievor) </div> <div class="para">nicht als medizinische Eingliederungsmassnahme im Sinne von </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 12 IVG</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 2 Abs. 3 IVV</span> qualifi- </div> <div class="para">ziert werden. Soweit der Beschwerdegegner unter Hinweis auf </div> <div class="para">das nicht veröffentlichte Urteil L. vom 21. August 1995, </div> <div class="para">I 360/94, etwas anderes geltend macht, stützt er sich auf </div> <div class="para">eine überholte Rechtsprechung (vgl. insbesondere AHI 1999 </div> <div class="para">S. 125). Zu keiner anderen Beurteilung gibt schliesslich </div> <div class="para">Anlass, dass die vorgenommenen Behandlungen sich günstig </div> <div class="para">auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken bzw. für </div> <div class="para">die Erhaltung derselben wesentlich sind. Denn ein - in der </div> <div class="para">Regel mit jeder Therapie verbundener - Eingliederungserfolg </div> <div class="para">ist nicht entscheidend dafür, ob eine medizinische Vorkehr </div> <div class="para">als Eingliederungsmassnahme im Sinne des <span class="artref">Art. 12 Abs. 1 IVG</span> </div> <div class="para">anerkannt werden kann (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=24&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-V-277%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page279">BGE 120 V 279</a> Erw. 3a, 115 V 194 </div> <div class="para">Erw. 3, 112 V 349 Erw. 2). Unter diesen Umständen muss es </div> <div class="para">bei der Feststellung sein Bewenden haben, dass die Invali- </div> <div class="para">denversicherung die anbegehrte, an sich zweckmässige und </div> <div class="para">sinnvolle Physiotherapie gleichwohl nicht zu übernehmen </div> <div class="para">hat, indem die Massnahme in den Bereich der Krankenversi- </div> <div class="para">cherung gehört (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=24&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F104-V-79%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page81">BGE 104 V 81</a> Erw. 1; AHI 1999 S. 126 </div> <div class="para">Erw. 2b). </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>I. In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird</i> </div> <div class="para"> der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern </div> <div class="para"> vom 30. März 1999 aufgehoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>II. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>III. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsge-</i> </div> <div class="para"> richt des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche </div> <div class="para"> Abteilung, und dem Bundesamt für Sozialversicherung </div> <div class="para"> zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 1. Mai 2000 </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der IV. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>