Entscheid vom 10. Februar 2016 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Cornelia Cova und Patrick Robert-Nicoud, Gerichtsschreiberin Santina Pizzonia Parteien A. AG IN LIQUIDATION, vertreten durch Rechtsan- walt Nathan Landshut, Beschwerdeführerin gegen STAATSANWALTSCHAFT I DES KANTONS ZÜRICH, Beschwerdegegnerin Vorinstanz OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH, ZWANGSMASSNAHMENGERICHT, Gegenstand Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Deutschland Entsiegelungsentscheid (Art. 80e Abs. 2 IRSG); auf- schiebende Wirkung (Art. 80l IRSG) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: RR.2016.17 + RP.2016. 5 - 2 - Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: - die Staatsanwaltschaft Köln (Deutschland) ein e Strafuntersuchung gegen mehrere Beschuldigte wegen gemeinschaftlicher Steuerhinterziehung, Be- trugs und Erpressung führt (s. act. 1.2); - in diesem Zusammenhang die deutschen Strafverfolgungsbehörden die Schweiz mit Rechtshilfeersuchen vom 15. Juli 2014 um Durchsuchung, Be- schlagnahme und Herausgabe von Geschäftsunterlagen in den Räumlich- keiten der A. AG in Liquidation (nachfolgend "A. AG") ersuchten (s. act. 1.2); - die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (nachfolgend "Staatsanwalt- schaft") am 23. Oktober 2014 die beantragte Durchsuchung anordnete; die Hausdurchsuchung am 24. Oktober 2014 erfolgte und gleichentags die A. AG die Siegelung der sichergestellten Unterlagen verlangte (s. act. 1.2); - die Staatsanwaltschaft dem Zwangsmassnahmengericht am Obergericht des Kantons Zürich (nachfolgend "ZMG") am 10. November 2014 die Ent- siegelung und Durchsuchung der versiegelten Unterlagen beantragte (s. act. 1.2); - mit Verfügung vom 25. Januar 2016 das ZMG das Entsiegelungsgesuch gut- hiess; zur Begründung sich das ZMG auf d en Tagesregistereintrag vom 29. Dezember 2015 des Schwe izerischen Handelsamtsblatts stützte, wo- nach die Liquidation der A. AG beendet sei, weshalb mangels Rechtsper- sönlichkeit und Parteifähigkeit auf die Begehren und Anträge der A. AG nicht einzugehen sei (act. 1.2); - dagegen der Rechtsvertreter der A. AG mit Eingabe vom 5. Februar 2016 Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts erhebt und die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin ; er den pro- zessualen Antrag stellt, der Beschwerde sei die aufschiebe nde Wirkung zu gewähren (act. 1 S. 2); - die Beschwerdeführerin vorbringt, das Handelsregisteramt habe die Lö- schung versehentlich veranlasst; die irrtümlich gelöschte Gesellschaft zum Zwecke der Liquidation wieder in das Handelsregister eingetragen worden sei; aufgrund der vorgenommenen Berichtigung davon auszugehen sei, sie habe nie ihre Rechtspersönlichkeit verloren; sie damit parteifähig gewesen sei und noch sei, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuh eben sei (act. 1 S. 4 f.); - 3 - - mit Verfügung vom 8. Februar 2016 das ZMG seine Verfügung vom 25. Ja- nuar 2016 aufhob und das Entsiegelungsverfahren fortführt (act. 3 und 4); es davon ausging, dass die Löschung irrtümlich erfolgt sei und seine Verfü- gung vom 25. Januar 2016 auf einer unzutreffenden Feststellung des Sach- verhalts in einer behördlichen Publikation beruhe (act. 3 und 4 S. 3); - bei dieser Sachlage die vorliegende Beschwerde gegen die Verfügung vom 25. Januar 2016 gegenstandslos und infolgedessen vom Geschäftsverzeich- nis abzuschreiben ist (s. Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2014.116 - 118 vom 13. Mai 2015); damit auch das Gesuch um Erteilung der aufschie- benden Wirkung der Beschwerde als gegenstandslos geworden abzuschrei- ben ist; - für den Entscheid über die Kosten- und Entschädigungsfolgen bei Gegen- standslosigkeit im Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeange- legenheiten Art. 72 des Bundesgesetzes über den Bundeszivilprozess vom 4. Dezember 1947 (BZP; SR 273) sinngemäss zur Anwendung gelangt (an- stelle vieler Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.200 8.133 vom 3. Sep- tember 2008); - gemäss Art. 72 BZP das Gericht mit summarischer Begründung über die Prozesskosten auf Grund der Sachlage vor Eintritt des Erledigungsgrundes entscheidet; - bei der Beu rteilung der Kosten - und Entschädigungsfolgen somit in erster Linie auf den mutmasslichen Ausgang des Prozesses abzustellen ist; die Regelung bezweckt, denjenigen, der in guten Treuen Beschwerde erhoben hat, nicht im Kostenpunkt dafür zu bestrafen, dass die Beschwerde infolge nachträglicher Änderung der Umstände abzuschreiben ist, ohne dass ihm dies anzulasten wäre (BGE 118 Ia 488 E. 4a S. 494 f.); - nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auf allgemein zivilprozess- rechtliche Kriterien zurückzugreife n ist, wenn sich der mutmassliche Aus- gang eines Verfahrens im konkreten Fall nicht ohne weiteres feststellen lässt; danach in erster Linie jene Partei kosten- und entschädigungspflichtig wird, die das gegenstandslos gewordene Verfahren veranlasst oder bei der die Gründe eingetreten sind, die zur Gegenstandslosigkeit des Verfahrens geführt haben (BGE 125 V 373 E. 2a S. 374 f.; Verfügung des Bundesge- richts 2C_201/2008 vom 14. Juli 2008, E. 2.3); - 4 - - die Verfügung der ausführenden kantonalen Behörde oder der ausführenden Bundesbehörde, mit der das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen wird, zu- sammen mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts unterliegt (Art. 80e Abs. 1 IRSG; Art. 37 Abs. 2 lit. a StBOG; Art. 19 Abs. 1 BStGerOG); - gemäss Art. 80 e Abs. 2 IRSG der Schlussverfügung vorangehende Zwi - schenverfügungen selbständig angefochten werden können, sofern sie ei- nen unmittelbaren und nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken: a. durch die Beschlagnahme von Vermögenswerten und Wertgegenstän- den; oder b. durch die Anwesenheit von Personen, die am ausländischen Prozess beteiligt sind; - nach der bundesgerichtlichen Auslegung die Aufzählung der selbständig an- fechtbaren Zwischenverfügungen in lit. a und b von Art. 80 e Abs. 2 IRSG grundsätzlich abschliessend ist (s. BGE 126 II 495): - der Entscheid über die Entsiegelung von Papieren nach der Rechtsprechung grundsätzlich eine nicht selbständig anfechtbare Zwischenverfügung im Rechtshilfeverfahren darstellt, welche zusammen mit der Schlussverfügung angefochten werden kann (s. Art. 80e Abs. 2 lit. a und b IRSG e contrario; BGE 138 IV 40 E. 2.3.1, 127 II 151 E. 4c/bb S. 156; 126 II 495 E. 3 und E. 5e/bb-dd S. 503 ff.); - die Beschwerdeführerin zwar vorbrachte, sie würde einen unmittelbaren und nicht wieder gutzumachenden Nachteil erleiden, da sie des Rechts verlustig gehen würde, sich gegen die Durchsuchung schützenswerter Unterlagen wehren zu können, wenn die angefochtene Verfügu ng geschützt würde (act. 1 S. 3 f.); sie aber damit nicht darlegte, inwiefern vorliegend eine Aus- nahme von der restriktiven gesetzlichen Regelung in Art. 80e Abs. 2 lit. a und b IRSG zulässig sein soll (s. act. 1); - nach dem Gesagten auf die vorliegende Beschwerde mutmasslich nicht ein- zutreten gewesen wäre; - es sich unter den besonderen Umständen des vorliegenden Falles rechtfer- tigt, auf eine Kostenauflage an die Beschwerdeführerin zu verzichten. - 5 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Die Verfahren RR.2016.17 und RP.2016.5 werden als gegenstandslos gewor- den vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben. 2. Es werden keine Kosten erhoben. Bellinzona, 10. Februar 2016 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: Zustellung an - Rechtsanwalt Nathan Landshut - Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich - Obergericht des Kantons Zürich, Zwangsmassnahmengericht - Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe Rechtsmittelbelehrung Gegen selbständig eröffnete Vor - und Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegehren ist die Beschwerde zulässig (Art. 92 Abs. 1 BGG). Diese Entscheide können später nicht mehr angefochten werden (Art. 92 Abs. 2 BGG). Auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen sind andere selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide nicht anfechtbar. Vorbehalten bleiben Beschwerden gegen Entscheide über die Auslieferungshaft sowie über die Beschlagnahme von Vermögenswerten und Wertgegenständen, sofern sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können, oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Entscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (vgl. Art. 93 Abs. 1 und 2 BGG). Ist die Beschwerde gegen einen Vor - oder Zwischenentscheid gemäss Art. 93 Abs. 1 und 2 BGG nicht zulässig oder wurde von ihr kein Gebrauch gemacht, so sind die betreffenden Vor- und Zwischenentscheide durch Beschwerde gegen den Endentscheid anfechtbar, soweit sie sich auf dessen Inhalt auswirken (Art. 93 Abs. 3 BGG). Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die Beschwerde nur zulässig, wenn es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (vgl. Art. 84 Abs. 1 BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder d as Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG). Die Beschwerde ist innert zehn Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht einzureichen (vgl. Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG).