B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2429/2018 law/rep U r t e i l v o m 30 . J ul i 2 0 2 1 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), und B._______, geboren am (…), Sri Lanka, beide vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Advokaturbüro, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 16. März 2018 / N (…). D-2429/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Am 8. Mai 2008 suchten die Eltern der Beschwerdeführer mittels ihres Rechtsvertreters für sich und ihre beiden Kinder bei der Schweizer Bot- schaft in Colombo um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um Ge- währung von Asyl nach. A.b Mit Verfügung vom 19. März 2009 wies das damalige BFM (Bundes- amt für Migration [BFM]; heute: SEM) die Asylgesuche der Mutter sowie ihrer beiden Kinder ab und verweigerte ihnen die Einreise in die Schweiz. Mit Urteil D-2720/2009 vom 14. Mai 2009 wies das Bundesverwaltungsge- richt die am 27. April 2009 hiergegen erhobene Beschwerde ab. A.c Demgegenüber schrieb das damalige BFM das Asylgesuch des Vaters der Beschwerdeführer, C._______, mit Verfügung vom 19. März 2009 als gegenstandslos geworden ab, da sich dieser aktuell im Gefängnis befinde, weshalb sein Asylgesuch nicht behandelt werden kö nne. Mit Urteil D - 2515/2009 vom 28. April 2009 trat das Bundesverwaltungsgericht auf die am 20. April 2009 hiergegen erhobene Beschwerde mangels funktioneller Zuständigkeit nicht ein. A.d Am 11. Januar 2010 stellte der Vater der Beschwerdeführer nach sei- ner Haftentlassung (am […] 2009) schriftlich ein neues Asylgesuch, wozu er am 20. Mai 2010 durch die Schweizer Botschaft in Colombo befragt wurde. A.e Mit Verfügung vom 15. Oktober 2010 lehnte das damalige BFM dessen Asylgesuch ab und verweigerte ihm die Einreise in die Schweiz. Diese Ver- fügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. B. Die beiden Beschwerdeführer – Brüder und sri-lankische Staatsangehöri- ger tamilischer Ethnie – suchten mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 13. September 2016 in der Schweiz um Asyl nach . Am 18. Oktober 2016 erhob das SEM im damaligen Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ ihre Personalien und befragte sie im Beisein ihres Rechtsver- treters summarisch zu ihrem Reiseweg sowie zu ihren Asylgründen (soge- nannte Befragung zur Person; BzP). Am 10. März 2017 hörte das SEM sie gleichfalls in Anwesenheit ihres Rechtsvertreters einlässlich zu ihren Asyl- gründen an. D-2429/2018 Seite 3 B.a In der schriftlichen Eingabe vom 13. September 2016 führte ihr Rechts- vertreter aus, die Beschwerdeführer seien unbegleitete Minderjährige und in ihrer Heimat an Leib und Leben bedroht, weshalb sie um Schutz vor Verfolgung ersuchten. Sie seien in der Schweiz bei E._______, ihrem On- kel mütterlicherseits, und dessen Ehefrau wohnhaft. Zusätzlich werde auf das Asylgesuch, welches Ihr Vater auf der Schweizerischen Botschaft in Colombo eingereicht ha be und das unter der Nummer N (…) beim SEM geführt werde, verwiesen. Diese Akten seien im vorliegenden Verfahren beizuziehen. Ein Grossteil ihrer·Asylgründe ergebe sich aus diesem Ver- fahren. Ihr Vater, der für die öffentliche (…) ([…]) als (…) tätig gewesen sei, sei am (…) 2007 unter dem Vorwurf, im (…) Waffen für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) (…) zu haben, festgenommen worden. Seine dama- lige Inhaftierung sei aktenkundig und umfa ssend belegt. Da er jedoch in Haft gewesen sei, habe das SEM dessen Aus - landsasylgesuch als gegenstandlos geworden abgeschrieben. Sowohl das SEM als auch das Bundesverwaltungsgericht hätten – aufgrund fehlender oder falscher Länderinformationen – später d essen asylrelevantes Risi- koprofil verkannt und sein Asylgesuch respektive seine Verwaltungsbe- schwerde abgelehnt. Zudem werde auch auf das Asylverfahren ihres Onkels E._______ (N […]) verwiesen. Auch in diesem Verfahren seien zahlreiche Beweismittel einge- reicht worden, welche die Asylgründe der Beschwerdeführer belegen wür- den, weshalb auch diese Akten in ihrem Verfahren beizuziehen seien. Der Onkel habe ebenfalls beim (…) gearbeitet, jedoch als (…). Anlässlich eines am (…) 2006 erfolgten Anschlags der LTTE auf einen mit Singhalesen be- setzten Bus seien mehr als sechzig Personen ums Leben gekommen. (…), der (…) Onkel (…), sei dieser in Verdacht geraten, etwas mit dem Anschlag zu tun zu haben und in der Folge festgenommen worden. Andere (…)-An- gestellte sowie Insassen des Busses seien systematisch extralegal hinge- richtet worden. Ausserdem sei ihr Grossvater mütterlicherseits im Jahr 1996 aufgrund einer Militäraktion eines gewaltsamen Todes gestorben. Aufgrund der erwähnten Akten sei belegt, dass die Beschwerdeführer zahl- reiche familiäre Verbindungen zu den LTTE hätten – respektive entspre- chende Verdachtsmomente seitens der heimatlichen Behörden bestünden – sowie weitere asylrelevante Risikofaktoren (Zeugen von Menschen- rechtsverletzungen) aufweisen würden. Wegen telefonischer Behelligungen durch Unbekannte sei die Mutter der Beschwerdeführer nach Colombo gezogen. Nachdem ihr Vater aus der D-2429/2018 Seite 4 Haft entlassen worden sei, sei ihre Familie wieder nach F._______ zurück- gekehrt. Ihr Vater sei dort zwar einer Meldepflicht unterstellt worden, habe sich jedoch selbstständig gemacht. Nachdem sein (…)unternehmen immer erfolgreicher geworden sei, hätten die Behörden begonnen, ihre Eltern zu behelligen. Es sei zu Drohanrufen und Vorsprachen von Unbekannten ge- kommen. Dabei seien immer wieder die Beschwerdeführer betreffende Drohungen ausgesprochen worden. Aufgrund ihres Alters hätten ihre El- tern eine akute Gefahr gesehen, dass sie entweder aufgrund der LTTE - Verbindungen ihres Vaters Opfer einer politis ch motivierten Reflexverfol- gung oder zwecks Lösegelderpressung entführt werden könnten. Ihre El- tern hätten deshalb beschlossen, sie zu ihren Verwandten in die Schweiz zu schicken und einen Schlepper beauftragt, der ihre Flucht in die Schweiz organisiert habe. In der Folge seien sie als Kinder des Schleppers getarnt, unter falschem Namen, via G._______ in die Schweiz gereist. Aufgrund der LTTE-Verbindungen ihres Vaters seien die Beschwerdeführer der ständigen Gefahr von Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen. Ausser- dem sei die Gefahr, dass sie zwecks Erpressung respektive wirtschaftlicher Schwächung ihres Vaters durch paramilitärische Kräfte entführt würden, extrem hoch. B.b Anlässlich ihrer BzP gaben die Beschwerdeführe r zu P rotokoll, s ie seien sri -lankische Staatsangehörige tamilischer Ethnie an und in F._______ (F._______-Distrikt, Nordprovinz) geboren. Sie seien in H._______ (F._______-Distrikt) wohnhaft gewesen. Dabei hätten sie die Schule bis zur siebten (B._______) respektive bis zur neunten Klasse (A._______) in F._______ besucht. Sie hätten das Schuljahr, das jeweils Ende Jahr ende, nicht abgeschlossen, da sie ungefähr im Juni 2016 letzt- mals zur Schule gegangen seien. Von ihrem Wohnort seien sie direkt nach Colombo gere ist. Von dort aus hätten sie ihre Heimat zusammen mit ihren Eltern und ihren beiden jünge- ren Geschwistern (I._______ und J._______) verlassen und seien in ein ihnen nicht bekanntes Land geflogen. In einem Taxi seien sie von dort aus nach G._______ gefahren. In G._______ hätten sie ihre Eltern aus den Augen verloren. Sie wüssten nicht, wie das passiert sei. Sie beide seien dann in Begleitung einer Frau, deren Name ihnen nicht bekannt sei, via K._______ und andere ihnen nicht bekannte Länder in die S chweiz ge- langt. Seit Ihrer Ankunft in der Schweiz hätten sie keinen Kontakt mit ihren Eltern gehabt. D-2429/2018 Seite 5 Hinsichtlich ihrer Ausreisegründe gaben die Beschwerdeführer an, ihr Va- ter sei in der Heimat in Haft gewesen, er habe Probleme gehabt. Er habe befürchtet, dass jemand sie entführen und Lösegeld verlangen könnte. Den Zeitungen könne man entnehmen, dass es zu Entführungen komme. Sie persönlich betreffende Vorfälle oder Hinweise dafür habe es keine ge- geben, ihr Vater habe jedoch diese Befürchtungen gehegt. Es sei ursprüng- lich geplant gewesen, dass die ganze Familie in die Schweiz reise. B.c Bei der einlässlichen Anhörung machten sie im Wesentlichen geltend, sie hätten seit ihrer Geburt bis zur Ausreise mit ihren Eltern in H._______ gewohnt, wobei ihr Vater während einer Weile in Haft gewesen sei. Ihr Va- ter sei früher, als sie klein gewesen seien, (…) gewesen. Später habe er nicht mehr als (…) gearbeitet, sondern die Reisfelder der Familie bewirt- schaftet. Den Reis hätten sie hauptsächlich für den eigenen Bedarf ge- braucht. Manchmal habe ein Händler Reis von ihrem Vater gekauft. Die Familie habe vom Erlös der Feldarbeit ihres Vaters leben können, ab und zu hätten auch ihre Onkel Geld geschickt. Mit ihren Eltern stünden sie seit ungefähr zwei Monaten nach ihrer Einreise in die Schweiz in telefonischem Kontakt, wenn auch nicht allzu häufig. Ihre Eltern hätten ihnen gesagt, sie würden ebenfalls in die Schweiz reisen. Sie wüssten jedoch nicht, wo sich diese derzeit aufhielten. Sie hätten ihre Heimat verlassen, weil sie befürchtet hätten, verschleppt zu werden. Sie hätten sich nie in einer bedrohlichen Situation befunden. Dabei äusserte sich A._______ dahingehend, er habe Angst vor den "weissen Van-Leuten" gehabt. Weil sein Vater Probleme gehabt habe, habe er be- fürchtet, dass diese Leute ihn festnehmen und verschleppen könnten. Viele Leute seien in weissen Vans verschleppt worden. B._______ erklärte, in den Nachrichten sei darüber berichtet worden, dass Kinder aus seinem Wohndistrikt verschleppt worden seien. Er habe auch erfahren, dass es "weisse Van-Leute" gebe, die schnell auf der Strasse fahren würden, wobei er persönlich nie einen solchen Van gesehen habe. Er glaube, die Täter seien Organhändler. B.d Der Rechtsvertreter der Beschwe rdeführer reichte im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens zwei beglaubigte Kopien der Geburtsregister- auszüge seiner Mandanten inklusive deren englische Übersetzungen, zwei Originalschulurkunden der (…) ([…]) aus den Jahren 2012 und 2014 sowie die Originale ihrer abgelaufenen sri -lankischen Reisepässe zu den A kten (siehe Beweismittelkuvert act. B25). D-2429/2018 Seite 6 C. C.a Aufgrund der Angaben der Beschwerdeführer zu ihren Asylgründen er- suchte das SEM die Schweizerische Vertretung in Colombo am 7. Juli 2017 um nähere Abklärungen. Der entsprechende Bericht der Schweizerischen Vertretung in Colombo datiert vom 25. September 2017. C.b Mit Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2017 stellte das SEM d em Rechtsvertreter der Beschwerdeführe r seine Anfrage an die Schweizeri- sche Vertretung in Colombo vom 7. Juli 2017 unter Abdeckung der geheim- zuhaltenden Stellen zu. Gleichzeitig brachte e s diesem den wesentlichen Inhalt des Botschaftsberichts, welcher auf einem Gespräch zwischen einer Mitarbeiterin der Schweizerischen Vertretung in Colombo und der Mutter sowie der Grossmutter mütterlicherseits der Beschwerdeführer vor Ort be- ruhe, zusammenfassend zur Kenntnis und räumte den Beschwerdeführern die Gelegenheit ein, sich hierzu bis zum 26. Oktober 2017 schriftlich zu äussern. C.c Am 26. Oktober 2017 reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rer eine Stellungnahme ein. D. Mit Verfügung vom 1 6. März 2018 – eröffnet am 27. März 2018 – stellte das SEM fest, d ie Beschwerdeführer würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte die Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. E. Gegen diesen Entscheid erhob en die Beschwerdeführer durch ihren Rechtsvertreter am 26. April 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungs- gericht. In dieser wird beantragt, den Beschwerdeführern sei vollständige Einsicht in die gesamten Akten des SEM zu gewähren. Insbesondere sei ihnen vollständige Einsicht in die Akten bezüglich der sie und ihre beiden Eltern (N […]) betreffenden früheren Asylgesuche aus dem Ausland sowie in die Botschaftsantwort vom 25. September 2017 (Akte B27) zu gewäh- ren. Nach Gewährung der vollständigen Akteneinsicht sei ihnen eine ange- messene Frist zur Einreichung einer Bes chwerdeergänzung anzusetzen (Ziff. 2). Das SEM sei anzuweisen, dem unterzeichnenden Anwalt sämtli- che nicht öffentlich zugängliche n Quellen seines Lagebildes vom 16. Au- gust 2026 zu Sri Lanka offenzulegen und ihm nach Offenlegung der Quel- len eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen (Ziff. 3). D ie angefochtene Verfügung sei wegen Verletzung D-2429/2018 Seite 7 des Willkürverbotes (Ziff. 4), eventualiter wegen Verletzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör (Ziff. 5), eventualiter wegen Verletz ung der Be- gründungspflicht (Ziff. 6), eventualiter zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts (Ziff. 7) aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei de n Beschwerdeführern unter Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung und Feststellung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren (Ziff. 7). Eventualiter sei die angefochtene Verfügung betreffend die Dispo- sitivziffern 4 und 5 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen (Ziff. 9). In prozessualer Hinsicht wird ausserdem beantragt, das Bundesverwal- tungsgericht habe nach dem Eingang der Beschwerde unverzüglich darzu- legen, welche Gerichtspersonen mit deren Behandlung betraut würden und zu bestätigen, dass diese tatsächlich zufällig ausgewählt worden seien (Ziff. 1). Für den Fall, dass das Bundesverwaltungsgericht materiell ent- scheiden sollte, stellte er verschiedene Beweisanträge (vgl. Beschwerde S. 50 Ziff. 7). Mit der Beschwerde wurden 56 Beilagen, teils gespeichert auf einer CD - Rom, eingereicht. F. Mit Schreiben vom 9. Mai 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der vorliegenden Beschwerde. G. Mit Instruktionsverfügung vom 13. Juni 2018 stellte der Instruktionsrichter fest, die Beschwerdeführer dürften den Ausgang ihres Verfahrens in der Schweiz abwarten. Angesichts ihrer Minderjährigkeit verzichtete er auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und teilte ihnen die Zusammenset- zung des Spruchgremiums mit. Im Weiteren wies er die Vorinstanz an, den Beschwerdeführern vollumfängliche Einsicht in die Akten ihres Vaters be- treffend dessen Asylgesuch aus dem Ausland sowie in die Botschaftsant- wort vom 25. September 2017 (vgl. SEM-Akte B27) zu gewähren (vgl. Be- schwerde S. 2, Rechtsbegehren 2 i.V.m. S. 6 f., Ziff. 2), letzteres unter Ab- deckung der allenfalls geheimzuhaltenden Stellen. Ferner räumte er den Beschwerdeführern die Gelegenheit ein, innert 15 Tagen ab Zustellung der Akten durch die Vorinstanz eine Beschwerdeergänzung einzureichen. Das Gesuch um Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einreichung weiterer Beweismittel betreffend den momentanen Aufenthaltsort ihres Vaters (vgl. D-2429/2018 Seite 8 Beschwerde S. 50) wies er ab, unter gleichzeitigem Hinweis auf die Mög- lichkeit, solche von sich aus innert nützlicher Frist nachzureichen (Art. 32 Abs. 2 VwVG). Über weitere Anträge und Instruktionsmassnahmen werde bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt befunden. H. Am 18. Juni 2018 gewährte das SEM den Beschwerdeführe rn Aktenein- sicht. Dabei stellte es ihnen eine Kopie des Aktenverzeichnisses sowie die vollständigen Kopien der Aktenstücke betreffend das Asylgesuch ihres Va- ters aus dem Ausland zu. In die Aktenstücke A35, A30, A14, A11, A8 und A6 könne keine Einsicht gewährt werden, weil es sich teils um interne Ak- ten handle, die dem Akteneinsichtsrecht nicht unterstünden , teils öffentli- che oder private Interessen an der Geheimhaltung gegenüber dem Recht auf Einsichtnahme überwögen. I. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführe r hielt in seiner Beschwerdeer- gänzung vom 4. Juli 2018 fest, das SEM habe die Akten des Vaters der Beschwerdeführer in unzulänglicher Art und Weise übermittelt. So seien die Aktenstücke A9/4, A10/13, A13/5, A17/1, A18/2, A19/2, A20/1, A22/5, A24/8 und A32/2 nicht übermittelt worden. Dazu sei festzuhalten, dass in der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 26. April 2018 klar und deutlich gefordert worden sei, Einsicht in die vollständigen Akten des Vaters der Beschwerdeführe r zu gewähren. Dass mit "v ollständig" auch jene Akten gemeint seien, welche nicht editionspflichtig seien und ohne ausdrücklichen Antrag nicht ediert würden, liege auf der Hand. Es werde somit ausdrücklich erneut um eine vollständige Akteneinsicht ersucht. Da- bei sei auch Akteneinsicht in diejenigen Aktenstücke zu gewähren, die von seinen Mandanten direkt beim SEM eingereicht (Beweismittel) oder welche ihm direkt zugestellt worden seien. Überdies ersuche er auch um Einsicht in Aktenstücke, welche das SEM in der Regel als unwesentlich bezeichnen und auf deren Edition es aus ökologischen Gründen verzichte. Anschlies- send sei ihm erneut eine Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Weiter sei festzuhalten, dass das SEM die Akten A10/13, A17/1 und A32/2 ohne Angabe von Gründen nicht zugestellt habe. Bei verweigerter Akten- einsicht habe das SEM zumindest anzugeben, auf welchen Gründen diese beruhe. Damit habe es seine Begründungspflicht im Rahmen des rechtli- chen Gehörs verletzt, was unweigerlich zur Kassation der angefochte nen Verfügung führen müsse. D-2429/2018 Seite 9 Weiter sei festzuhalten, dass im Aktenverzeichnis unter der Aktennummer A6/34 "Akten Verweisdossier N (…)" aufgeführt werde. Dabei handle es sich um die Asylakten des Onkels E._______ der Beschwerdeführer. Des- sen Akten seien für den vorliegenden Fall von Bedeutung, weshalb sie gleichfalls durch das SEM zu edieren seien. Sollte "dies aufgrund der pri- vaten Interessen nicht zulässig" sein, sei dem unterzeichneten Anwalt eine Frist anzusetzen, innert welcher e r eine Einwilligungserklärung jenes On- kels für die Offenlegung seiner Akten einholen könne. Da der besagte On- kel zusammen mit seiner Ehefrau die Beschwerdeführer als Betreuungsfa- milie umsorge, könne es sein, dass die se bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auch durch das (mehr als zwei Jahre) lange Zusammenleben mit diesem Onkel, welcher ebenfalls einer asylrelevanten Verfolgung ausge- setzt (gewesen) sei, eine Reflexverfolgung erleiden könnten, was mit den Asylunterlagen ihres Onkels klar nachgewiesen werden könnte. Ferner sei anzumerken, dass das SEM beim Zustellen der Akten einen Fehler gemacht habe, indem es in seiner Verfügung vom 18. Juni 2018 in das Aktenstück A8 keine Einsicht gewährt habe, dieses dem Rechtsvertre- ter aber trotzdem zugesandt habe, was grundsätzlich unproblematisch sei, da es sich ja um eine Eingabe de sselben gehandelt habe. Gleichzeitig stelle sich die Frage, ob hier Akten vertauscht, unsorgfältig gearbeitet wor- den sei oder seitens der Vorinstanz gar die Absicht bestanden habe, Ver- wirrung zu stiften und so die Verteidigung der Rechte seiner Mandanten zu erschweren. Schliesslich brachte er diverse Vorbehalte gegenüber den Abklärungser- gebnissen der Botschaftsantwort vom 25. September 2017 (vgl. SEM-Akte B27/1) an (vgl. a.a.O., S. 3 bis 6). J. Der Rechtsvertreter hielt in seiner Eingabe vom 8. April 2019 fest, der Vater der Beschwerdeführe r, welcher infolge seiner LTTE -Vergangenheit ver- steckt in Sri Lanka habe leben müssen, sei mittlerweile nach Indien ge- flüchtet und halte sich nunmehr im (…) Bundesstaat L._______ auf. Als Beleg hierfür reichte er vier angeblich aus dem Jahr 2018 stammende Fo- tos ein, die den Vater der Beschwerdeführer am Bahnhof beziehungsweise vor dem (…), einer (…), in der Hauptstadt M._______ von L._______ zei- gen. Weiter reichte er Wikipedia-Beiträge zur (…) und zum (…) zu den Ak- ten. Durch die Flucht des Vaters der Beschwerdeführer von Sri Lanka nach Indien werde letztlich auch deren Bedrohungslage, bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Opfer einer Reflexverfolgung zu werden, vor Augen geführt. D-2429/2018 Seite 10 Im Weiteren äusserte sich der Rechtsvertreter ausführlich über die Ent- wicklung der politischen und menschenrechtlichen Lage in Sri Lanka seit Beschwerdeerhebung am 26. April 2018. Dazu reichte er weitere Beilagen, teilweise auf einer CD -Rom gespeicherte Beilagen (57-130) ein, darunter auch einen von ihm selbst verfassten Länderbericht zur aktuellen Lage in Sri Lanka, Stand 22. Oktober 2018. K. Mit Instruktionsverfügung vom 25. November 2020 lud das Bundesverwal- tungsgericht d ie Vorinstanz ein, bis zum 10. Dezember 2020 eine Ver- nehmlassung einzureichen. L. Am 9. Dezember 2020 liess sich das SEM zur Beschwerde vernehmen. M. Mit Instruktionsverfügung vom 16. Dezember 2020 räumte das Bundesver- waltungsgericht de n Beschwerdeführern die Gelegenheit ein, bis zum 31. Dezember 2020 eine Replik einzureichen. N. Mit Eingabe vom 30. Dezember 2020 liessen die Beschwerdeführer durch ihren Rechtsvertreter eine Replik einreichen. In dieser wiesen sie einerseits auf ihre fortgeschrittene Integration in der Schweiz, andererseits auf eine ihnen nach wie vor drohende Reflexverfolgung wegen ihres aus politischen Gründen in Indien lebenden Vaters sowie ihres in der Schweiz als Flücht- ling anerkannten Onkels hin. Mit der Eingabe wurden ein Lehrvertrag als (…) vom 13. August 2020 und mehrere Zwischenberichte und Jahreszeug- nisse der Realschule von 2016 bis 2020 bezüglich N._______, Zwischen- berichte beziehungsweise Jahreszeugnisse der Real- und Sekundarschule zwischen 2016 und 2020, eines (…)-Passes im Bereich (…) und eine schriftliche Zusage der (…) in O._______ vom 27. November 2020 für eine Lehre als (…) hinsichtlich A._______ und weitere auf e iner CD-Rom ge- speicherte, vom Rechtsvertreter verfasste Berichte zu Sri Lanka (Länder- bericht Sri Lanka mit Stand vom 23. Januar 2020, Länderupdate Sri Lanka vom 26. Februar 2020, Zusatzbericht Lagesituation Sri Lanka, Stand vom 10. April 2020 sowie einen Rapport Ländersituation Sri Lanka 11. April bis 26. Juni 2020) eingereicht (Beilagen 131-140). D-2429/2018 Seite 11 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül- tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). D ie Beschwerdeführer haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – un- ter Vorbehalt der Erwägung 2.2 – einzutreten. 1.5 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5). 2. 2.1 Dem in der Beschwerde vorweg gestellten Antrag auf Bekanntgabe des Spruchkörpers hat das Gericht – unter Vorbehalt allfälliger Wechsel bei Ab- wesenheiten – bereits mit Instruktionsverfügung vom 13. Juni 2018 ent- sprochen, auf welche an dieser Stelle zu verweisen ist (vgl. Sachverhalt Bst. G). Die Spruchkörperzusammensetzung wurde dabei von einer Mitar- beiterin der Abteilung IV am 27. April 2018 mit Hilfe eines EDV -basierten D-2429/2018 Seite 12 Zuteilungssystems generiert; E ingriffe in das Spruchkörpergenerierungs- system wurden nicht vorgenommen. 2.2 Auf den Antrag auf Bestätigung der zufälligen Zusammensetzung des Spruchkörpers ist nicht einzutreten (vgl. BVGE 2019 VI/6 E. 4). 3. 3.1 In der Beschwerde vom 26. April 2018 und in der Besc hwerdeergän- zung vom 4. Juli 2018 werden verschiedene formelle Rügen erhoben (Ver- letzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör inklusive unvollständige Ak- teneinsicht, Verletzung des Willkürverbotes, Verletzung der Begründungs- pflicht, unvollständige und unrich tige Abklärung des r echtserheblichen Sachverhalts). 3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunk t wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk- ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück- lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un- richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtswesentlichen Sachums tände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 3.3 3.3.1 Gerügt wird zunächst, es sei nicht vollständig Aktensicht gewährt worden, indem das SEM den Beschwerdeführern weder die vollständigen Akten betreffend des früheren Asylgesuchs ihres Vaters aus dem Ausland noch die Botschaftsantwort vom 25. September 2017 zugestellt habe (vgl. D-2429/2018 Seite 13 Beschwerde S. 2, Rechtsbegehren 2 i.V.m. S. 6 f., Ziff. 2 und S. 19, Ziff. 5.2.2). Das SEM wurde mit Verfügung vom 13. Juni 2018 angewiesen, den Be- schwerdeführern vollumfängliche Einsicht in die entsprechenden Akten zu gewähren und es wurde ihnen eine Frist zur Einreichung einer Beschwer- deergänzung eingeräumt. Das SEM hat den Beschwerdeführe rn am 18. Juni 2018 Einsicht in die erwähnten Beweismittel gewährt und ist damit dem Anspruch der Beschwerdeführer auf rechtliches Gehör respektive Ak- teneinsicht nachgekommen. Darüber hinaus hat das Bundesverwaltungs- gericht den Beschwerdeführe rn nach Offenlegung der Botschaftsantwort Gelegenheit eingeräumt, eine Beschwerdeergänzung einzureichen, wes- halb diese auch die Möglichkeit hatten, nachträglich umfassend Stellung zur Botschaftsantwort zu nehmen. 3.3.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführe r macht in seiner Be- schwerdeergänzung vom 4. Juli 2018 nach gewährter Akteneinsicht durch die Vorinstanz zunächst geltend, diese habe ihm die Aktenstücke A9/4, A10/13, A13/5, A17/1, A18/2, A19/2, A20/1, A22/5, A24/8 und A32/2 nicht übermittelt, wiewohl er vollständige Einsi cht in die Akten des Vaters der Beschwerdeführer beantragt habe (vgl. a.a.O. S. 2, Ziff. 1, Abs. 1). Die vom Rechtsvertreter erwähnten Aktenstücke betreffen indes aus- schliesslich Verfahrensakten der Mutter der Beschwerdeführe r in deren Asylgesuch aus dem Ausland (vgl. Sachverhalt Bst. A.a und A.b), weshalb sich die entsprechende Rüge des Rechtsvertreters als unbegründet er- weist. Anzumerken ist im Übrigen, dass der rubrizierte Rechtsvertreter in diesem Verfahren ebenfalls als Rechtsvertreter auftrat und ihm damals voll- umfänglich Akteneinsicht gewährt worden war. 3.3.3 Soweit der Rechtsvertreter in seiner Beschwerdeergänzung weiter rügt, das SEM habe ihm die Akten A10/13, A17/1 und A32/2 ohne Angabe von Gründen nicht zugestellt (vgl. a.a.O. S. 2, Ziff. 1, Abs. 2), ist festzuhal- ten, dass es sich hierbei – wie in E. 3.3.2 erwähnt – durchwegs um Akten handelt, bezüglich derer kein Einsichtsgesuch gestellt wurde, weshalb sich weitere Ausführungen dazu erübrigen. 3.3.4 Ferner beantragt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeergänzung vom 4. Juli 2018 die Zustellung der im Aktenver- zeichnis unter der Aktennummer A6/34 erwähnten "Akten Verweisdossier N (...)" des Onkels (E._______) der Beschwerdeführer (vgl. a.a.O. S. 2 f., D-2429/2018 Seite 14 Ziff. 2). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Rechtsvertreter den be- sagten Onkel in dessen Asylbeschwerdeverfahren (D-2697/2008) eben- falls selbst vertreten hat, weshalb ohne Weiteres davon auszugehen ist, dass er sich im Besitz der entsprechenden Verfahrensakten befindet. Nur am Rande sei deshalb angemerkt, dass der Rechtsvertreter bis heute auch keine entsprechende Einwilligungserklärung seines früheren Mandanten E._______ für die Edition seiner Akten eingereicht hat, wiewohl er das Ge- richt bereits am 4. Juli 2018 darum ersucht hat, ihm im Bedarfsfall eine Frist zur Einreichung einer solchen anzusetzen. 3.3.5 Der Rechtsvertreter suggeriert weiter, das SEM habe durch die tat- sächliche Edition des Aktenstückes A8, in welches es ihm gemäss seiner Verfügung vom 18. Juni 2018 keine Einsicht hätte gewähren dürfen, letzt- lich einen Fehler gemacht oder gar absichtlich Verwirrung stiften wollen, um die Verteidigung der Rechte der Beschwerdeführer zu erschweren (vgl. a.a.O. S. 3, Ziff. 3). Tatsächlich handelt es sich beim edierten Aktenstück A8 um eine Eingabe des Rechtsvertreters selbst, weshalb diese dem Ak- teneinsichtsrecht grundsätzlich untersteht. Der Vorinstanz aufgrund dieses Versehens indessen Verwirrungstaktik vorzuwerfen, entbehrt allerdings jeglicher Grundlage. 3.4 3.4.1 In der Beschwerdeergänzung wird weiter gerügt, die Botschaftsant- wort vom 25. September 2017 sei in Form der Zusammenfassung eines Gesprächs niedergeschrieben worden, was bedeute, dass die Aussagen der Gesprächspartner bereits durch den Verfasser der Botschaftsantwort interpretiert und in eigenen Worten wiedergegeben worden seien, woraus sich bereits eine Veränderung der ursprünglichen Aussagen der befragten Person beziehungsweise den Verlust an Information ergebe. Weiter sei un- klar, wer die Befragung geleitet habe, ob ein Übersetzer beigezogen wor- den sei, welchen Hintergrund diese Person gehabt habe und ob ein Ge- sprächsprotokoll erstellt worden sei. Darüber hinaus wird in der Beschwer- deergänzung beanstandet, dass der Rechtsvertreter vorgängig dieser Be- fragung nicht informiert worden und deshalb auch nicht in der Lage gewe- sen sei, via seines breiten Netzes in Sri Lanka "jemanden vorbeizuschi- cken, dem die Befragten vertraut hätten und so frei von Befürchtungen und Ängsten in zulässiger Weise hätten befragt werden können." Die Tatsache, dass es eminente Diskrepanzen zwischen den vom SEM geltend gemach- ten Aussagen der Befragten und deren Angaben gegenüber dem Rechts- vertreter gebe, spreche dafür, dass es zu Unregelmässigkeiten gekommen sei, die den gesamten Inhalt der Botschaftsantwort massiv in Frage stelle. D-2429/2018 Seite 15 Das Bundesverwaltungsgericht werde deshalb einerseits ersucht, das SEM anzuweisen, sämtlich e im Rahmen der Botschaftsabklärung durch das SEM und die Schweizer Botschaft in Sri Lanka erstellten Akten offen- zulegen und andererseits eine genauere Erklärung zu den Umständen der Befragung und den beteiligten Personen zu machen, und ihm anschlies- send eine angemessene Frist zur Beschwerdeergänzung einzuräumen (vgl. a.a.O. S. 3 ff.). 3.4.2 Gemäss Rechtsprechung unterliegen im Rahmen von Botschaftsan- fragen der Fragekatalog und die Abklärungsergebnisse dem Aktenein- sichtsrecht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 1 E. 3c). Entsprechend wies der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts das SEM in seiner Ver- fügung vom 13. Juni 2018 an, den Beschwerdeführern die Botschaftsant- wort offenzulegen und räumte ihnen diesbezüglich eine Frist zur Beschwer- deergänzung an, von der diese beziehungsweise ihre Rechtsvertretung denn auch Gebrauch machten. Im Asyldossier sind keine weiteren Akten der Botschaft enthalten. Dieses Vorgehen ist praxiskonform (vgl. BVGE 2013/23 E. 6.4.1). Im Übrigen wurden sowohl die Botschaftsanfrage als auch der Botschaftsbericht sorgfältig und detailliert abgefasst. Vor diesem Hintergrund erweisen sich die in der Beschwerde ergänzung im Zusam- menhang mit den Abklärungen der Botschaft erhobenen Einwände als kon- struiert. Insbesondere ist davon auszugehen, dass die Botschaftsmitarbei- ter die Familie der Beschwerdeführer mit der nötigen Diskretion und unter Ausschluss aussenstehender Drittpersonen befragt haben, um auf diese Weise eine vertrauliche Atmosphäre zu schaffen und sicherzustellen, dass keine wesentlichen Informationen verschwiegen werden. Vor diesem Hin- tergrund stellt die Aussage des Rechtsvertreters , die Qualität der Bot- schaftsantwort sei bereits zufolge inhaltlicher Diskrepanzen zu Aussagen derselben Personen ihm persönlich gegenüber anzuzweifeln, eine speku- lative persönliche Einschätzung dar. Insgesamt ergeben sich aus den Ak- ten keine Anhaltspunkte, die den Schluss nahelegen würden, das Bot- schaftspersonal habe sich bei seinen Abklärungen nicht an die Vorgaben gehalten und der Sachverhalt sei nicht korrekt abgeklärt worden. Die in E. 3.4.1 hiervor erwähnten Verfahrensanträge sind demnach abzuweisen. 3.5 3.5.1 Weiter wird geltend gemacht, zwischen der Anhörung der Beschwer- deführer am 10. März 2017 und dem vorinstanzlichen Entscheid vom 16. März 2018 liege ein grosser zeitlicher Abstand, was dazu geführt habe, D-2429/2018 Seite 16 dass das SEM seinen Entscheid nicht in Kenntnis ihrer aktuellen Gefähr- dungslage getroffen habe, was als Verletzung des rechtlichen Gehörs zu werten sei. So sei ihr Vater, der sich zunächst in Sri Lanka versteckt habe, bereits vor einiger Zeit nach Indien geflüchtet, womit sich die Sachlage we- sentlich verändert habe (vgl. Beschwerde S. 18 f., Ziff. 5.2.1). 3.5.2 Unabhängig von der Frage, ob ein zeitlicher Abstand von einem Jahr zwischen Anhörung und erstinstanzlichem Entscheid bereits als grosser zeitlicher Abstand zu bezeichnen ist, wäre es im Rahmen ihrer Mitwir- kungspflicht (Art. 8 AsylG) Sache der Beschwerdeführe r gewesen, das SEM über allfällige neue Entwicklungen bezüglich ihrer Asylvorbringen zu informieren. Dem sind die Beschwerdeführe r nicht nachgekommen, wes- halb sich die Rüge einer Verletzung des rechtlichen Gehörs als unbegrün- det erweist. 3.6 In der Beschwerde wird unter dem Titel Verletzung der Begründungs- pflicht vorgebracht, das SEM habe die zahlreichen familiären LTTE-Verbin- dungen der Beschwerdeführer und den Reichtum der Familie und eine hie- raus resultierende Gefährdungssituation bei der Würdigung des Sachver- halts mit keinem Wort erwähnt. Ausserdem habe die Vorinstanz es ver- säumt, im Rah men der Zumutbarkeitsprüfung dem Aspekt des Kindes- wohls, namentlich dem Grad der erfolgten Integration in die Schweiz, wel- che gegebenenfalls eine Entwurzelung im Heimatland zur Folge haben könne, Rechnung zu tragen (vgl. a.a.O. S. 20 ff., Ziff. 5.3). Dies trifft nicht zu. Zunächst hielt das SEM in seiner Verfügung fest, die Auslandasylgesu- che der Mutter beziehungsweise des Vaters der Beschwerdeführer seien vom damaligen BFM mit Verfügung vom 19. März 2009 respektive vom 15. Oktober 2010 mangels begründeter Furcht vor asylrelevanter Verfol- gung abgelehnt worden. Ausserdem hielt es bezüglich ihres Onkels E._______ fest, dessen Asylgesuch sei am 25. März 2008 erstinstanzlich abgelehnt worden, weil er keine asylrelevante Verfolgun g habe glaubhaft machen können. Das Bundesverwaltungsgericht habe eine hiergegen er- hobene Beschwerde mit Urteil vom 27. April 2009 abgewiesen. Angesichts der Tatsache, dass die Schweizerischen Asylbehörden bereits vor vielen Jahren zum Schluss gelangt seien, weder ihre Eltern noch ihr Onkel hätten eine begründete Furcht vor Verfolgung, sei nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführer im jetzigen Zeitpunkt viele Jahre später wegen der Ver- gangenheit ihrer Verwandten verfolgt sein sollten. Hinsichtlich einer Ent- führungsgefahr der Beschwerdeführer wegen der finanziellen Verhältnisse der Familie erwog das SEM, spezifische Vorfälle beziehungsweise Hin-D-2429/2018 Seite 17 weise für eine drohende Entführungsgefahr habe es keine gegeben, ob- wohl ihr Vater diesbezügliche Befürchtungen gehegt habe und auch in Zei- tungen von entsprechenden Entführungen zu lesen gewesen sei. Zwar sei nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführer aufgrund der Erzählungen an- derer oder Zeitungsberichten subjektiv befürchten würden, entführt zu wer- den. Es genüge jedoch nicht, eine Furcht lediglich mit Vorkommnissen oder Umständen, die sich früher oder später möglicherweise ereignen könnten, zu begründen. Vielmehr müssten hinreichende Anhaltspunkte für eine kon- krete Bedrohung vorhanden sein, die auf einer objektivierten Betrachtungs- weise und nicht auf dem subjektiven Empfinden des Betroffenen fusse, was nicht der Fall sei. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt nicht schon deshalb vor, weil der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer die Be- urteilung des SEM nicht teilt. Ob die Beurteilung des SEM zutrifft, beschlägt allein die materielle Würdigung des Sachverhalts. Schliesslich bestand für das SEM im Zeitpunkt seines anderthalb Jahre nach Asylantragstellung er- gangenen Entscheides aus zeitlicher Sicht noch keinerlei Veranlassung, unter dem Aspekt des Kindeswohls Überlegungen hinsichtlich einer allfäl- ligen Integration der Beschwerdeführer anzustellen, weshalb sich die dies- bezügliche Argumentation des Rechtsvertreters als nicht tragfähig erweist. Sodann zeigt die umfang reiche Beschwerde deutlich, dass es den Be- schwerdeführer ohne weiteres möglich war, die angefochtene Verfügung sachgerecht anzufechten, weshalb sich die Rüge der Verletzung der Be- gründungspflicht als haltlos erweist. 3.7 3.7.1 In der Beschwerde wird behauptet, das SEM habe den rechtserheb- lichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig abgeklärt. So habe es un- terlassen, abzuklären, was mit dem Vater der Beschwerdeführer nach des- sen Haftentlassung (im Jahr 2009) passiert sei, ob er beispielsweise einer Meldepflicht unt erstanden habe oder ein Rehabilitationsprogramm habe durchlaufen müssen. Ausserdem hätte die Vorinstanz Abklärungen hin- sichtlich allfälliger exilpolitischer Aktivitäten des Onkels E._______ treffen müssen, da sich hieraus allfällige weitere Gefährdungselemente für die Be- schwerdeführer ergeben könnten. Darüber hinaus habe das SEM es in der angefochtenen Verfügung versäumt, bei der Beurteilung ihrer Flüchtlings- eigenschaft die im aktuellen Referenzurteil des Bundesverwaltungsge- richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 definierten Risikofaktoren zu prüfen. Schliesslich habe die Vorinstanz die aktuelle Situation in Sri Lanka unvoll- ständig und unkorrekt abgeklärt und sich in verschiedenen für die Beurtei- lung ihrer Flüchtlingseigenschaft rechtserheblichen Bereichen auf falsche Länderinformationen gestützt. Die Menschenrechtssituation in Sri Lanka D-2429/2018 Seite 18 habe sich nicht verbessert und das vom SEM verwendete Lagebild sei feh- lerhaft. Eine Rückschaffung nach Sri Lanka stelle an und für sich eine asyl- relevante Verfolgungssituation dar (vgl. a.a.O. S. 24 ff., Ziff. 5.4). 3.7.2 Mit diesen Ausführungen werden die sich aus dem Untersuchungs- grundsatz ergebende Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts mit de r Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, welche die materielle Entscheidung über die vorgebrachten Asylgründe betrifft, ver- mengt. Allein aus dem Umstand, dass das SEM seine Einschätzung der Lage in Sri Lanka auf andere Quellen stützt als vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführer gefordert, lässt sich nicht ableiten, dieses habe den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig erhoben. Dasselbe gilt, wenn das SEM gestützt auf seine Quellen und die vorliegende Aktenlage die Asylvorbringen anders würdigt und die Gefährdung anders einschätzt als der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer. Ebenfalls trifft dies auf das Vor- bringen zu, das SEM habe die Gefahr verkannt, welche von einer noch zu erfolgenden Vorsprache beim sri -lankischen Generalkonsulat zwecks Er- satzreisepapierbeschaffung ausgehe. Die Vorinstanz zeigt sodann nach- vollziehbar und hinreichend differenziert auf, von welchen Überlegungen sie sich leiten liess. Diesbezüglich kann zur Vermeidung von Wiederholun- gen auf die Ausführungen in E. 3.6 hiervor verwiesen werden. Ferner ist es nicht Aufgabe des SEM, Abklärungen zu m weiteren Schicksal von Ver- wandten der Beschwerdeführer vorzunehmen, welche zuvor ein Asylver- fahren durchlaufen haben. Vielmehr obliegt es den Beschwerdeführern im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht, Entsprechendes von sich aus vorzubrin- gen, was sie denn auch mittels Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 8. April 2019 getan haben. Hinsichtlich des Vorwurfs in der Beschwerde, das SEM habe in seiner Verfügung vom 16. März 2018 die vom Bundesverwaltungs- gericht im Referenzurteil E-1866/2015 statuierten Risikofaktoren nicht be- rücksichtigt (vgl. a.a.O. S. 14 i.V.m. S. 23), ergibt sich das Gegenteil aus den Erwägungen des SEM auf Seite 5 seiner Verfügung. 3.8 In der Beschwerde wird ferner der Antrag gestellt, d ie angefochtene Verfügung sei wegen Verletzung des Willkürverbotes aufzuheben. So sei es willkürlich, dass die Vorinstanz d ie Risikoprofile des Vaters sowie des Onkels der Beschwerdeführer, welche Grundlage für die jetzige Beurtei- lung einer Gefahr vor Refl exverfolgung seien, nicht nach dem Stand der heutigen Rechtsprechung, sondern bezogen auf dem Zeitpunkt der sie be- treffenden Asylentscheide beurteile (vgl. a.a.O. S. 15 ff., Ziff. 5.1). Es ist in- dessen geradezu abwegig, die Flüchtlingseigenschaft von Personen mit längst abgeschlossenen Asylverfahren hypothetisch neu zu überprüfen, D-2429/2018 Seite 19 um hieraus entgegen der Einschätzung der Vorinstanz eine Reflexverfol- gungsgefahr zugunsten ihrer Familienangehörigen in hängigen Asylverfah- ren ableiten beziehungsweise konstruieren zu können. Es handelt sich da- bei vielmehr um res iudicata, die einer Neubeurteilung nur unter dem Vor- behalt des erfolgreichen Einbringens ausserordentlicher Rechtsmittel zu- gänglich sind. Willkür in der Rechtsa nwendung liegt nur dann vor, wenn der angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächli- chen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unum- strittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (vgl. BGE 144 III 368 E. 3.1 m.w.H.). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Eine andere Würdigung des Sachverhalts durch die Vorinstanz als vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführer erwar- tet, bedeutet keine Willkür. 3.9 Der Antrag, das SEM sei anzuweisen, die nicht öffentlich zugänglichen Quellen seines fehlerhaften Lageberichts zu Sri Lanka vom 16. August 2016 offenzulegen (vgl. Beschwerde S. 8 ff., Ziff. 2.3), ist abzuweisen. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass bereits in m ehreren vom nämlichen Rechtsvertreter vor Bundesverwaltungsgericht geführten Ver- fahren (vgl. etwa Urteil des BVGer D-6394/2017 vom 27. November 2017 E. 4.1) festgestellt wurde, dass diese länderspezifische Lageanalyse des SEM öffentlich zugänglich ist. Dar in werden neben nicht namentlich ge- nannten Gesprächspartnern und anderen nicht offengelegten Referenzen überwiegend sonstige öffentlich zugängliche Quellen zitiert. Damit ist trotz der teilweise nicht im Einzelnen offengelegten Referenzen dem Anspruch der Beschwerdeführer auf rechtliches Gehör ausreichend Genüge getan. Die Frage, inwiefern sich ein Bericht auf verlässliche und überzeugende Quellen abstützt, ist wiederum keine formelle Frage, sondern gegebenen- falls im Rahmen der materiellen Würdigung der Arg umente der Parteien durch das Gericht zu berücksichtigen. Die formellen Rügen erweisen sich somit – mit Ausnahme der Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs durch unvollständige Akteneinsicht – als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die an gefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen. Der Sachverhalt ist vollständig und richtig erstellt. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren sind abzuweisen. Der entsprechende mit diesen Rügen einhergehende Beweisantrag für das Beschwerdeverfahren (Fristansetzung zur Einreichung weiterer Beweismittel betreffend den mo- mentanen Aufenthaltsort des Vaters) wurde bereits mit Instruktionsverfü- gung vom 13. Juni 2018 abgewiesen (vgl. Sachverhalt Bst. G). Derjenige D-2429/2018 Seite 20 um nochmalige Anhörung der Beschwerdeführer im Rahmen des vorlie- genden Beschwerdeverfahrens ist abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Fl üchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub - haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent- scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D -5779/2013 vom 23. Februar 2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). 5. 5.1 5.1.1 Die Beschwerdeführer begründen ihre Asylgesuche im Wesentlichen damit, sie seien im Falle einer Rückkehr in ihr Heimatland wegen der zwei- jährigen Inhaftierung ihres Vaters wegen Unterstützung der LTTE sowie der LTTE-Verbindungen ihres in der Schweiz lebenden und als Flüchtling an- erkannten Onkels E._______, bei welche m sie seit ihrer Einreise in die Schweiz leben würden, der Gefahr einer Reflexverfolgung ausgesetzt. Dar- über hinaus bestehe auch die Gefahr ihrer Entführung wegen des Reich- tums ihrer Familie in Sri Lanka (vgl. Beschwerde S. 51 f., Ziff. 10.1 i.V.m. Beschwerdeergänzung S. 6 f., Eingabe vom 8. April 2019 S. 1 ff. und Rep- lik S. 3, Ziff. 6). D-2429/2018 Seite 21 5.1.2 Die Beschwerdeführer machen somit im Beschwerdeverfahren nicht geltend, dass sie im Zusammenhang mit ihren Asylvorbringen vor ihrer Ausreise eine asylrelevante Verfolgung (sogenannte Vorverfolgung) erlit- ten hätten, sondern argumentieren im Ergebnis einzig damit, sie müssten im Falle einer Rüc kkehr in ihr Heimatland eine künftige Reflexverfolgung beziehungsweise künftige asylrelevante Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG gewärtigen. 5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hält im Referenzurteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die „Stop-List“, Ver- bindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risiko- begründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün- deten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das Fehlen ordentli- cher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respektive durch die IOM be- gleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegrün- dende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Be- rücksichtigung der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu be- rücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. vorgenanntes Referenzurteil E. 8.5.5). Dass sich darüber hinaus auf- grund der vom Rechtsvertreter mit der Beschwerde , der Eingabe vom 8. April 2019 und der Replik vom 30. Dezember 2020 eingereichten sowie aus dem Bundesverwaltungsgericht anderweitig zugestellten Berichten be- ziehungsweise der darin erwähnten und dokumentierten Ereignisse, wel- che seit der Ausreise der Beschwerdeführer eingetreten sind, in Sri Lanka das Risiko für tamilische Rückkehrer, im Falle der Rückkehr Menschen- rechtsverletzungen zu erleiden, generell verschärft hätte, lässt sich entge- gen den in den Eingaben prognostizierten Gefährdungsszenarien nicht feststellen. Die darin dokumentierte Entwicklung verdeutlicht vielmehr, dass die im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 erwähnten Risi- kofaktoren, die zu einer asylrechtlich relevanten Gefährdung von nach Sri Lanka zurückkehrenden tamilischen Personen führen können, nach wie vor aktuell und dementsprechend weiterhin zu prüfen sind. D-2429/2018 Seite 22 5.3 5.3.1 Aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen , dass der Vater der Beschwerdeführer von den sri-lankischen Sicherheitsbehörden am 17. Ok- tober 2007 unter dem Verdacht, Bomben für die LTTE von F._______ nach P ._______ zu transportieren, festgenommen und in der Folge bis zum 10. Dezember 2009 inhaftiert w urde. Am 10. Dezember 2009 ist er vom (…) freigesprochen und anschliessend bedingungslos freigelassen worden (vgl. Botschaftsbefragung vom 20. Mai 2010 und Verfügung des damaligen BFM betreffend Auslandasylgesuch vom 15. Oktober 2010). Die etwas mehr als zweijährige Inhaftierung des Vaters der Beschwerdeführe r wird im Ergebnis auch d urch zwei der Beschwerde beigefügte Schreiben des sri-lankischen Verteidigungsministeriums vom 18. Oktober 2007 und vom 16. Januar 2008 (Beilagen 11 und 12; vgl. auch Beschwerde S. 25) ge- stützt, welche darauf hinweisen, dass der Vater der Beschwerdeführer sechs Monate lang auf der Grundlage d es PTA (Prevention of Terrorism Act) inhaftiert worden ist, was auch mit seinen Aussagen bei der Schweizer Vertretung in Sri Lanka vom 10. Mai 2010 in Einklang steht, wonach er zwi- schen dem 17. Oktober 2007 und dem 25. März 2008 unter der DO (De- tention Order) festgehalten worden und anschliessend bis zu seiner Frei- lassung in Untersuchungshaft gewesen sei (vgl. a.a.O. S. 8). 5.3.2 Der Botschaftsantwort vom 25. September 2017 ist zwar zu entneh- men, dass im Jahr 2016 zweimal Beamte des CID vorgesprochen hätten, um sich nach dem Vater der Beschwerdeführer zu erkundigen. Demgegen- über bestehen keine Hinweise dafür, dass sich die sri-lankischen Behörden in diesem Zusammenhang auch nach dem Verbleib der Beschwerdeführer erkundigt hätten. So besehen deutet nichts darauf hin, dass die heimatli- chen Behörden die Beschwerdeführer aufgrund der früheren Verdachtsmo- mente gegen ihren Vater, mit den LTTE paktiert zu haben, in irgendwelcher Weise hätten belangen wollen. Vielmehr stellen die be iden Vorsprachen des CID bei der Familie der Beschwerdeführer im Jahr 2016 offenbar Rou- tinekontrollen dar, um sicherzustellen, dass sich der Vater der Beschwer- deführer weiterhin nicht für die Belange der LTTE engagiert. Mittelbar ge- gen eine drohende Reflexverfolgungsgefahr der Beschwerdeführer spricht ferner der Umstand, dass ihr Vater seit seiner Haftentlassung am 10. De- zember 2009 nie mehr festgenommen worden war. Die Gründe, weshalb er im Verlauf des Jahres 2018 nach Indien gegangen sein soll, liegen im Dunkeln, da die diesbezüglichen Angaben im Rahmen des Beschwerde- verfahrens, dieser sei aufgrund seiner LTTE -Vergangenheit beziehungs- weise aus Angst vor einer erneuten Festnahme durch die sri -lankischen Behörden nach Indien geflüchtet (vgl. Eingabe vom 8. April 2019 S. 1 f., D-2429/2018 Seite 23 Ziff. 1), letztlich reine Parteibehauptungen darstellen. Darüber hinaus las- sen die Fotos, die angeblich den Vater der Beschwerdeführer vor dem (…) sowie vor dem Bahnhof von M._______, der (…), zeigen sollen (vgl. a.a.O. S. 2, Ziff. 1), noch keineswegs den Schluss zu, dass sich dieser dauerhaft in Indien aufhält. 5.3.3 Hinsichtlich des in der Schweiz lebenden Onkels E._______ der Be- schwerdeführer ist vorab festzuhalten, dass dieser entgegen der Behaup- tung ihres Rechtsvertreters in der Replik (vgl. a.a.O. S. 3, Ziff. 6) nicht an- erkannter Flüchtling ist, sondern vom damaligen BFM mit Verfügung vom 1. Juli 2008 (im Rahmen eines Schriftenwechsels wiedererwägungsweise) wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen wurde. Das Bundesverwaltungsgericht ist in seinem Urteil D-2697/2008 vom 27. April 2008 zum Schluss gelangt, dass sich dessen Vorbringen, in der Folge eines Attentats der LTTE auf einen (...) der (...) am 15. Juni 2006 mit mehr als 60 überwiegend singhalesischen Todesopfern als Tatverdächtiger festgenommen worden zu sein, als unglaubhaft bezie- hungsweise asylirrelevant erwiesen habe: Selbst wenn trotz diverser gra- vierender Ungereimtheiten von der Glaubhaftigkeit einer Fes tnahme des Onkels E._______ auszugehen wäre, sei er nämlich nach seiner angeblich einwöchigen Festnahme durch Angehörige der sri-lankischen Armee ohne jegliche Auflagen freigelassen worden, weil man ihn für unschuldig gehal- ten habe ( vgl. a.a.O. S. 13 f., E . 6.3.2). Vor diesem Hintergrund ist auch eine künftige Reflexverfolgungsgefahr der Beschwerdeführe r im Zusam- menhang mit der Asylgesuchstellung ihres Onkels in der Schweiz zu ver- neinen. 5.3.4 Hinzu tritt die Tatsache, dass die Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Inhaftierung ihres Vaters im Jahr 2007 noch sehr jung und damit kaum in der Lage gewesen wären, die ihm vorgeworfenen Taten zu erfassen bezie- hungsweise zu reflektieren. Es ist somit auszuschliessen, dass die heimat- lichen Behörden heute irgendein Interesse d aran haben könnten, die Be- schwerdeführer im Zusammenhang mit den ihrem Vater (zu Unrecht) vor- geworfenen Straftaten als Informanten zu befragen. Ebensolches gilt in Be- zug auf ihren Onkel E._______, zumal dessen Involvierung in das (...)at- tentat vom 15. Juni 2006 – wenn nicht als unglaubhaft, so zumindest als nachträglich klar widerlegt – gelten muss (vgl. E. 5.3.3 hiervor). 5.3.5 In Bezug auf die geltend gemachte Gefahr einer Entführung der Be- schwerdeführer wegen des (angeblichen) Reichtums ihrer Familie in ihrer Heimat bleibt anzumerken, dass vor ihrer Ausreise aus Sri Lanka keine D-2429/2018 Seite 24 entsprechenden objektiven Anhaltspunkte für ein solches Szenario bestan- den haben, weshalb auch eine diesbezüglich begründete künftige Verfol- gungsfurcht zu verneinen ist (vgl. auch E. 3.6 hiervor). Letzteres auch des- halb, weil im Zeitpunkt der Botschaftsantwort vom 25. September 2017 ihre zwei jüngeren Geschwister bei den Eltern gelebt haben (vgl. Sachverhalt Bst. B.b i.V.m. Botschaftsantwort Ziff. 1), ohne dass in diesem Zusammen- hang im v orliegenden Beschwerdeverfahren auch nur ansatzweise ent- sprechende Befürchtungen beziehungsweise ein Entführungsversuch gel- tend gemacht worden wären. 5.3.6 Weiter wurden die Beschwerdeführer keiner Straftat angeklagt oder wegen einer solchen verurteilt und verfügen somit auch nicht über einen Strafregistereintrag. Allein aufgrund ihrer tamilischen Ethnie, der mehrjäh- rigen Landesabwesenheit und temporären Reisepapieren können sie keine Gefährdung ableiten. Unter Würdigung aller Umstände ist somit an- zunehmen, dass die Beschwerdeführer von der sri-lankischen Regierung nicht zu jener Gruppe gezählt werden, die bestrebt ist, den tamilischen Se- paratismus wiederaufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-lanki- schen Einheitsstaat darstellen. Es ist nicht davon auszugehen, dass ihnen persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Solches ergibt sich auch nicht aus den im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichten Dokumenten, Berichten und Länderinformationen. 5.4 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführe r nichts vorgebracht, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumin- dest glaubhaft zu machen. D as SEM hat ihre Asylgesuche demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer s ol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). D-2429/2018 Seite 25 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis na ch den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 7.2.1 Das SEM führt zur Begründung des Wegweisungsvollzugs aus, es würden sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführer noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür ergeben, dass diesen im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Die Rückkehr nach Sri Lanka erweise sich somit als zulässig. Sodann sei der Wegweisungsvoll- zug in die Nordprovinz, wo die Beschwerdeführer bis zu ihrer Ausreise aus Sri Lanka im Juli 2016 gelebt hätten, gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zumutbar, wenn das Vorliegen der individuel- len Zumutbarkeitskriterien bejaht werden könne (vgl. das Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.3.3 und 13.4). Wie den Abklärungs- ergebnissen der Schweizerischen Vertretung in Colombo entnommen wer- den könne, lebten ihre Eltern zusammen mit der Grossmutter und den bei- den jüngeren Geschwistern der Beschwerdeführe r in H._______ (F._______-Distrikt, Nordprovinz) im familieneigenen Haus. Ihre drei Onkel väterlicherseits seien ebenfalls in der Umgebung von F._______ wohnhaft. Sowohl diese als auch ihr Vater würden Kulturland besitzen. Einer ihrer Onkel mütterlicherseits wohne ebenfalls in der Nähe von F._______. Ihre Eltern hätten verschiedene Einkommen und stünden finanziell – im Ver- gleich zu anderen Dorfbewohnern – gut da. Die Beschwerdeführer würden somit in ihrer Heimat wieder mit ihren Eltern und Geschwistern in ihrem vertrauten Umfeld leben können und verfügten mit ihrer Familie über eine gesicherte Wohnsituation und über ein tragfähiges Beziehungsnetz. Aus- serdem sei den Akten nicht zu entnehmen, dass gesundheitliche Gründe einer Rückkehr nach Sri Lanka entgegenstehen würden. Der Wegwei- sungsvollzug erweise sich folglich auch in individueller Hinsicht als zumut- bar. Er sei zudem technisch möglich und praktisch durchführbar. D-2429/2018 Seite 26 7.2.2 Dem wird in der Beschwerde entgegengehalten, gemäss der Recht- sprechung des EGMR habe eine Risikoanalyse äusserst gründlich zu er- folgen. Aufgrund der gut dokumentierten Ereignisse bei der Rückschaffung von tamilischen Asylgesuchstellern sei mit überwiegender Wahrscheinlich- keit davon auszugehen, dass jeder nach Sri Lanka zurückgeschaffte tami- lische Asylgesuchsteller jederzeit Opfer einer Verhaftung und von Verhören unter Anwendung von Folter werden könne. Der Wegweisungsvollzug sei somit unzulässig. Im Weiteren liege auch eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG vor, da die Beschwerdeführer das Risiko ein- gehen würden, jederzeit Opfer einer Festnahme, Verschleppung oder Tö- tung durch die Sicherheitskräfte oder paramilitärischen Kräften werden zu können. Nach Sri Lanka zurückkehrenden Tamilen würden bereits am Flughafen Verhöre und Verhaftung verbunden mit einer Misshandlungsge- fahr drohen. Die Gefahr von Behelligungen, Belästigungen und Misshand- lungen durch Behörd en oder durch paramilitärische Gruppierungen be- stehe auch nach der Einreise. Die sri -lankischen Behörden würden, aus- gehend von den Abklärungen zwecks Papierbeschaffung, bei ihrer Rück- kehr nach Sri Lanka sofort in Kenntnis darüber sein, welche politische Ver- gangenheit ihre Familie in Sri Lanka aufweise. Es könne nicht verneint wer- den, dass sie sich den standardisierten Verhören der sri-lankischen Behör- den nicht entziehen könnten. Aufgrund der LTTE-Verbindungen innerhalb der Familie und der bereits erfolgten Verfolgung ihres Vaters und Onkels bestehe in solchen Verhören eine akute Gefahr für ihren Leib und ihr Le- ben. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführe r nun seit über eineinhalb Jahren in der Schweiz lebten und bei einer Rückkehr nach Sri Lanka schu- lisch kaum wieder Tritt fassen könnten. Auch sei ihr Vater inzwischen aus Sri Lanka geflüchtet und ihre Mutter komme knapp über die Runden. Es sei somit klarerweise davon auszugehen, dass für die Beschwerdeführer in Sri Lanka kein sozial tragfähiges Netz bestehe und sie sich in Sri Lanka erneut integrieren müssten. 7.3 7.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 7.3.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 D-2429/2018 Seite 27 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. 7.3.3 Die Vorinstanz hat i n der angefochtenen Verfügung zutreffend fest- gehalten, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrück- schiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse er- kennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lasse die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegwei- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erschei- nen. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) habe wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurück- kehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus ihren Aussagen noch aus den Akten erge- ben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass ihnen bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK ver- botene Strafe oder Behandlung drohe. Der Vollzug der Wegweisung ist so- mit zulässig. 7.4 7.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehen- den Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundes- verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvoll- zug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen D-2429/2018 Seite 28 Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä- ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2). In seinem als Refe- renzurteil publizierten Urteil D -3619/2016 vom 16. Oktober 2017 erachtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins „Vanni- Gebiet“ als zumutbar (vgl. a.a.O. E. 9.5). Diese Einschätzung gilt auch un- ter Berücksichtigung der aktuellen politischen Situation. 7.4.3 In Bezug auf die individuellen Zumutbarkeitskriterien ist festzuhalten, dass der ältere der be iden Beschwerdeführe r, A._______ (geboren am […]) heute volljährig ist, weshalb er aufgrund seines Alters dem Geltungs- bereich des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (nachfolgend: KRK, SR 0.107) nicht mehr untersteht. Sein jün- gerer Bruder B._______ (geboren am […]) ist demgegenüber mit 17½ Jah- ren noch minderjährig, weshalb die KRK auf ihn grundsätzlich noch an- wendbar ist. Aufgrund der Aktenlage ist indessen trotz der mittlerweile bei- nahe fünfjährigen Anwesenheit der Beschwerdeführer in der Schweiz nicht davon auszugehen, dass ihre Integration und Verwurzelung in der Schweiz derart fortgeschritten ist, dass zu schliessen wäre, eine Rückkehr nach Sri Lanka sei mit einer eigentliche n Entwurzelung verbunden, die unter dem Aspekt des K indeswohls unzumutbar wäre. Die Beschwerdeführer leben seit ihrer Ankunft in der Schweiz im Juli 2016 bei ihrem Onkel E._______, einem Bruder ihres Vaters, und dessen Ehefrau, wobei anzunehmen ist, dass sie sich dort in tamilischer Sprache unterhalten und so weiterhin der Kultur ihres Heimatlandes verbunden sind. Mit der Replik wurden Schul- zeugnisse, ein Lehrvertrag als (…) betreffend B._______ sowie eine Zu- sage der (…) vom 27. November 2020 für eine künftige Ausbildung als (…) und einen (…) betreffend A._______ eingereicht (vgl. Sachverhalt Bst. N), woraus sich schliessen lässt, dass die Beschwerdeführer bemüht sind, sich in die hiesigen Verhältnisse zu integrieren und sie auch über soziale Bin- dungen ausserhalb de r tamilischen Diaspora verfügen dürften. Eine dar- über hinaus gehende gesellschaftliche Assimilierung in der Schweiz wird indessen nicht dokumentiert. Die Beschwerdeführer verfügen in ihrer Hei- mat zudem – wie schon das SEM feststellte – weiterhin über ein intaktes familiäres Beziehungsnetz, leben dort doch nach wie vor ihre Mutter, ihre beiden jüngeren Geschwister sowie mehrere Onkel (vgl. E. 7.2.1). Ausser- dem werden beide Beschwerdeführer ihre in der Schweiz erlangten schu- lischen und beruflichen Fähigkeiten dazu nutzen können, sich – mit beglei-D-2429/2018 Seite 29 tender finanzieller Unterstützung ihrer Familienangehörigen – in ihrer Hei- mat eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Der Vollzug der Wegwei- sung erweist sich somit nicht als unzumutbar. 7.5 7.5.1 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführern, sich bei der zustän- digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5.2 Hinsichtlich der allfälligen, aufgrund der Corona -Pandemie möglich- erweise gegebenen Unmöglichkeit des Vollzugs ist Folgendes festzuhal- ten: Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist die Unmöglichkeit des Vollzugs dann festzustellen, wenn sich sowohl eine freiwillige Ausreise als auch ein zwangsweiser Vollzug klarerweise und aller Wahrscheinlich- keit nach für die Dauer von mindestens einem Jahr als undurchführbar er- weisen (vgl. Urteil des BVGer E-7575/2016 vom 28. Juli 2017 E. 6.2). Dies ist in Anbetracht der derzeitigen Entwicklung der Pandemie nicht anzuneh- men. Der aktuellen Situation kann indessen im Rahmen der Ansetzung der Ausreisefrist Rechnung getragen werden. 7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt s ich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde- führern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und zufolge ihrer sehr umfang- reichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen Bezug zu ihnen auf insgesamt F r. 1‘500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da die formelle Rüge der Verletzung des Akteneinsichtsrechts (partiell) zu Recht erfolgte, sin d die D-2429/2018 Seite 30 Verfahrenskosten aber um Fr. 200.– auf Fr. 1'300.– zu reduzieren (vgl. Art. 63 Abs. 1 Satz 2 VwVG). 9.2 Soweit sich die formelle Rüge der Verletzung des Akteneinsichtsrechts als berechtigt erwiesen hat, ist den Beschwerdeführern eine angemessene (reduzierte) Parteientschädigung für die ihnen aus der Beschwerdeführung im Rahmen der festgestellten Verfahrensmängel erwachsenen notwendi- gen Kosten zuzusprechen. Eine Kostennote wurde nicht eingereicht. Die Parteientschädigung ist deshalb aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In Anwendung der genannten Bestimmung und unter Be- rücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8–13 VGKE) ist das SEM anzuweisen, den Beschwerdeführern eine Entschädi- gung für die berechtigte Geltendmachung der formellen Rüge von Fr. 200.– auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-2429/2018 Seite 31 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'300.– werden den Beschwerdeführern auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführern für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 200.– auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand: