Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. August 2015 (720 15 108) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente; Rückweisung an IV-Stelle zur Neubeurteilung, da die Zumutbarkeitsbeurteilungen des behandelnden Orthopäden und des begutachtenden Rheumatologen nicht übereinstimmen Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Gisela War- tenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1967 geborene A.____ meldete sich am 29. Ok tober 2008 mit Hinweis auf Kniebe- schwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversiche rung (IV) zum Bezug von Leistungen an. In der Folge klärte die IV-Stelle die medizinischen , erwerblichen und hauswirtschaftlichen Ver- hältnisse der Versicherten ab. Gestützt auf die Abklärungsergebnisse ermittelte die IV-Stelle bei der Versicherten in Anwendung der gemischten Method e der Invaliditätsbemessung ab 1. Sep- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tember 2009 einen Invaliditätsgrad von 83 % und ab 1. Januar 2010 einen solchen von 8 %. Mit Verfügung vom 30. März 2011 sprach sie A.____ eine für die Zeit vom 1. September 2009 bis 31. März 2010 befristete ganze Invalidenrente zu. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft. B. Am 11. Oktober 2011 (Eingang) und 14. August 2012 (Eingang) reichte A.____ bei der IV-Stelle jeweils ein Gesuch zum Leistungsbezug ein. A uf diese Gesuche trat die IV-Stelle mit Verfügungen vom 30. November 2011 bzw. vom 21. Dezember 2012 mangels Glaubhaftma- chens einer wesentlichen Veränderung der tatsächlichen Ver hältnisse nicht ein. Die gegen die Verfügung vom 21. Dezember 2012 erhobene Beschwerde hie ss das Kantonsgericht mit Urteil vom 18. April 2013 gut und wies die IV-Stelle an, auf das Leistungsbegehren einzutreten. Die Versicherte habe glaubhaft machen können, dass eine Än derung des für die Wahl der Invalidi- tätsbemessungsmethode massgeblichen Sachverhalts vorliege. C. Nach weiteren medizinischen und erwerblichen Abklärun gen lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 19. Februar 2015 nach durchgeführtem Vo rbescheidsverfahren den Anspruch von A.____ auf eine Invalidenrente ab. D. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 16. März 2015 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons gericht), und beantragte sinnge- mäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Im We sentlichen machte sie geltend, dass es ihr aufgrund ihres sich ständig verschlechternden Gesundheitszustandes nicht mehr möglich sei, mehr als drei Stunden täglich als Hauswartin und R einigungshilfe zu arbeiten. Zudem rügte sie, dass die IV-Stelle sie seit 5 Jahren nicht mehr habe medizinisch begutachten lassen. E. In ihrer Vernehmlassung vom 16. April 2015 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. F. Mit Eingabe vom 16. März 2014 (Eingang: 29. April 2015) machte die Versicherte gel- tend, dass sie vor einigen Tagen gestürzt sei, weil sich ihre Knieprothese "wieder einmal selbst- ständig" gemacht habe. Sie möchte arbeiten, aber sie k önne nicht mehr als 40 % einer Er- werbstätigkeit nachgehen. Die IV-Stelle teilte am 6. Mai 2015 mit, dass sie auf eine Stellung- nahme verzichte. G. Am 27. Juni 2015 informierte die Versicherte das Ge richt darüber, dass sie per 31. Juli 2015 den Wohnsitz nach X.____ verlegt habe. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Versicherte An- spruch auf eine Invalidenrente hat. 1.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 1. Juni 1959 Versicherte, d ie ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit. 1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 2. Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 2.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.2 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person – ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab vo n Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stell ung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Dar über hinaus bilden die ärztlichen Stellung- nahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung d er Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren p ersönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet we rden können (U LRICH MEYER - BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 2.4 Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialver sicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vo m 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 3.1 Die Versicherte wurde aufgrund ihrer IV-Anmeldun g vom 29. Oktober 2008 medizinisch abgeklärt. Gestützt auf das rheumatologische Gutachten von Dr. med. B.____, FMH für Rheu- matologie und Innere Medizin, vom 17. September 2010 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine vom 1. September 2009 bis 31. März 2010 befristete Invalidenrente zu und verneinte einen Rentenanspruch ab 1. April 2010. Dr. B.____ diagnost izierte in seinem Gutachten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit persistierende Knieschmerzen mi t deutlichem Funktionsdefizit bei Sta- tus nach Knie-Totalprothese links infolge Gonarthrose am 29. September 2009, nach Knietrau- ma am 13. August 1985 mit komplexer Knieverletzung und Rekonstruktion, nach Metallentfer- nung ca. 1986, nach Keilosteotomie der linken Patella ca. 1989 und nach arthroskopischem Débridement retropatellär am 27. November 2006. Betr effend die Arbeitsfähigkeit gelangte Dr. B.____ zum Schluss, dass die Versicherte ihren erlernte n Beruf als Coiffeuse nicht ausfüh- ren könne. In der angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % und in einer dem Leiden angepassten, rein sitzenden Verweistätigkeit mit der Möglichkeit, die Position zu wechseln, ab 1. Januar 2010 eine solch e von 70 %. Die Einschränkung sei dadurch begründet, dass die Versicherte bei persistierend en Schmerzen immer wieder in der Lage sein müsse, die Position zu wechseln. 3.2 Nachdem das Kantonsgericht mit Urteil vom 18. April 2013 die gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 21. Dezember 2012 erhobene Beschwer de guthiess und die Vorinstanz an- wies, auf das Leistungsbegehren der Versicherten einzutre ten, holte diese unter anderem die Beurteilungen des behandelnden Orthopäden, Prof. Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, D.__ __, ein. Dieser diagnostizierte in sei- nem Bericht vom 6. Januar 2014 persistierende Knieschmer zen links. In seinem Bericht vom 24. Juni 2014 führte er aus, dass die Versicherte unter persistierenden Schmerzen nach Im- plantation einer Knietotalprothese leide. Es komme imm er wieder zu Exazerbationen der Schmerzproblematik. Sie sei deswegen in einer kniebelastenden Tätigkeit nicht arbeitsfähig. Als Coiffeuse oder Reinigungsangestellte sei sie nicht mehr arbeitsfähig, da jede dieser Tätigkeiten eine sehr starke Belastung für das Kniegelenk darstelle. Von Seiten des Kniegelenks sei die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausführung einer leichten Arbeitstätigkeit sinnvoll; e ine stundenweise Beschränkung sei dabei nicht nötig. Auf Nachfrage der IV-Stelle legte Prof. C.____ am 13. August 2014 zu den funktio- nellen Einschränkungen dar, dass die Versicherte über e ine Bewegungseinschränkung mit ei- ner Flexion von maximal 90° berichte. Nach einer Belastu ng mit normalem Gehen von einer halben Stunde komme es zu einer massiven Schmerzzunahme. Di es wirke sich auf längeres Stehen sowie Heben und Tragen von schweren Lasten au s. Die Versicherte könne deshalb einen Beruf, welcher Gehstrecken von mehr als 30 Minuten beinhalte, nicht mehr ausüben. Ei- ne leichte Verweistätigkeit könne sie dagegen zu 100 % ausführen; diese Einschätzung gelte seit seinem letzten Arztbericht vom 20. Juni 2014. 3.3 Pract. med. E.____, Regionaler ärztlicher Dienst ( RAD), schloss sich am 16. Septem- ber 2014 der Beurteilung von Prof. C.____ an und best ätigte, dass die Versicherte eine körper- lich leichte Tätigkeit ohne langes Gehen und Stehen sowi e ohne kniende Arbeiten zu 100 % ausführen könne. Darin hielt die RAD-Ärztin mit Stellungnahme vom 3. Februar 2015 fest. 4. Die IV-Stelle stützte sich bei ihrem ablehnenden Ren tenentscheid auf die Stellung- nahme von pract. med. E.____ vom 16. September 2014 und 3. Februar 2015 sowie die Berich- te von Prof. C.____ vom 20. Juni 2014 und 13. August 2 014. Sie ging demzufolge davon aus, dass es der Versicherten gesundheitlich nicht mehr möglich sei, als Coiffeuse oder Reinigungs- angestellte zu arbeiten. Dagegen sei es ihr zuzumuten, eine leichte leidensangepasste Tätigkeit zu 100 % auszuführen. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Vor dem Hintergrund des Gutachtens von Dr. B.____ vom 17. September 2010 steht nicht mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit fest, dass die Versicherte zum massgebenden Zei tpunkt des Verfügungserlasses (= 19. Februar 2015) in einer leichten Verweistätigkei t tatsächlich zu 100 % arbeitsfähig war. Dr. B.____ ging anlässlich seiner Untersuchung vom 13. S eptember 2010 davon aus, dass es der Versicherten lediglich möglich sei, zu 70 % eine lei densangepasste leichte Tätigkeit auszu- üben. Seine Diagnose und seine Befunde weichen dabei nicht wesentlich von denjenigen von Prof. C.____ ab. So diagnostizierten beide Fachärzte p ersistierende Knieschmerzen. Weiter stellte Dr. B.____ bei seiner Begutachtung der Versich erten fest, dass die Schmerzen seit der am 24. September 2009 eingesetzten Totalprothese am l inken Knie nicht geringer geworden seien. Heute leide die Versicherte an belastungsabhängi gen Schmerzen. Sie könne ca. 30 Mi- nuten gehen; danach müsse sie eine Pause einlegen. Das Treppensteigen bereite ihr auch Mü- he. Da sie keine vollständige Extension am linken Kniegelenk ausführen könne, wirke ihr Gang- bild steif. Es zeige sich eine eingeschränkte Funktion mit maximaler Flexion von 90° und ein Extensionsdefizit von 10° . Knapp 3 ½ Jahre später schilderte Prof. C.____ in seinen Berichten vom 6. Januar 2014 und 13. August 2014, dass die Versicher te über anhaltende Knieschmer- zen und einer Schmerzzunahme bei Gehstrecken über 30 Minu ten klage; danach sei ihr das Gehen wegen der massiven Schmerzzunahme nicht mehr mögli ch. Weiter hielt auch er ein deutliches Extensionsdefizit von 10° fest. Gemäss seinen Messungen betrage die Beweglichkeit bei Flexion/Extension aktiv 50° und passiv 80° . In funktioneller Hinsicht bestehen somit unge- fähr die gleichen Bewegungseinschränkungen in Flexion u nd Extension. Die Ausführungen von Prof. C.____ zeigen, dass sich der gesundheitliche Zustand des Knies der Versicherten seit der Begutachtung durch Dr. B.____ nicht erheblich veränderte. Trotz gleicher Diagnose und im We- sentlichen übereinstimmenden Befunden gelangte Prof. C.____ jedoch zu einer von Dr. B.____ Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht abweichenden Zumutbarkeitsbeurteilung. Zwar sind sich beide Ärzte einig, dass die Versicherte den Beruf als Coiffeuse nicht ausüben könne. Während Dr . B.____ der Versicherten zumutete, als Reinigungsangestellte zu 50 % zu arbeiten, attestierte ihr Prof. C.____ in diesem Beruf eine 100 % Arbeitsunfähigkeit. Dagegen ging er in einer l eichten Verweistätigkeit von einer vollstän- digen und Dr. B.____ von einer lediglich 70%igen Arbe itsfähigkeit aus. Folglich müsste sich der Gesundheitszustand der Versicherten in Bezug auf eine l eichte Verweistätigkeit seit der Unter- suchung bei Dr. B.____ am 13. September 2010 gebessert haben, was sich aber aus den Beur- teilungen von Prof. C.____ nicht ergibt. Seine abwei chende Einschätzung lässt sich nicht erklä- ren, fehlt es doch auch an einer Auseinandersetzung mit dem Gutachten von Dr. B.____. Aus diesem Grund ist denn auch nicht nachvollziehbar, weshal b die von Dr. B.____ geschätzte Ein- schränkung von 30 % bei leichten Verweistätigkeiten keine Geltung mehr haben sollte. Für eine solche Annahme bestehen aufgrund der Akten zumindest kei ne Hinweise. Aufgrund der unver- ändert anhaltenden Knieschmerzen ist vielmehr davon ausz ugehen, dass weiterhin eine Not- wendigkeit von Positionswechseln besteht, weshalb kein Anl ass besteht, von der von Dr. B.____ geschätzten 30%igen Einschränkung abzuweichen . Unter diesen Umständen erfül- len die Berichte von Prof. C.____ die von der Rechtspr echung geforderten Kriterien an ein be- weiskräftige ärztliche Beurteilung nicht, weshalb nicht d arauf abgestellt werden kann (vgl. E. 3.1). Auch die übrigen medizinischen Berichte überze ugen nicht und können deshalb nicht als Entscheidungsgrundlage für die Frage dienen, welche Auswirkungen die Kniebeschwerden der Versicherten auf ihre Arbeitsfähigkeit haben. Dam it erweist sich der Sachverhalt als unge- nügend abgeklärt. Folglich ist der rechtserhebliche Sach verhalt durch geeignete weitere medi- zinische Abklärungen zu vervollständigen. 5.1 Gemäss neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung kö nnen die Sozialversiche- rungsgerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat viel mehr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräfti g ist. Eine Rückweisung an die IV- Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in d er notwendigen Erhebung einer bisher voll- ständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn led iglich eine Klarstellung, Präzisie- rung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erf orderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1 ff.). 5.2 Aufgrund der unterschiedlichen Zumutbarkeitsbeurtei lungen wäre die IV-Stelle im Rahmen des Abklärungsverfahrens zumindest verpflichtet ge wesen, Prof. C.____ darauf auf- merksam zu machen und von ihm eine entsprechende Stellun gnahme anzufordern. Es ist aber auch zu beachten, dass einerseits mit Dr. B.____ eine rh eumatologische und andererseits mit Prof. C.____ eine orthopädische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten erfolgte. Es besteht daher die Möglichkeit, dass die unterschiedlichen Zumutbarkeitsbeurteilungen darauf zurückzuführen sind, dass aus rheumatologischer Sicht eine höhere Einschränkung der Arbeits- fähigkeit besteht als aus orthopädischer. Diesem Umstand hätte die IV-Stelle bzw. der RAD mit einer erneuten rheumatologischen Untersuchung Rechnung tragen müssen. Da die IV-Stelle nicht alle notwendigen Abklärungen zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vornahm, und es nicht Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwaltu ngsverfahren versäumte medizinische Ab- klärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz nichts entgegen. Diese wird angehalten, die Frage der Arbeitsfähigkeit in einer zumutbaren leidensangepassten Tätigkeit durch eine unabhängige, rheumatologische Fachperson umf assend abklären zu lassen. Ob eine weitere medizinische Disziplin notwendig ist, liegt im Ermessen der IV-Stelle (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juli 2011, 8C_148/2011, E. 3.2). Demzufolge ist die Angelegenheit in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 19. Febru ar 2015 zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung wird diese über den Rentenanspruch der Versicherten neu zu verfügen haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 6.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit z um weiteren Vorgehen im Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessua- ler Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständ ig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 6.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 19 93 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine V erfahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Ver fahrenskosten erhoben werden. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Besch werde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 7.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil des Bun- desgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 19. Febr uar 2015 auf- gehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.