Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Juni 2012 (720 11 350/169) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beweiswürdigung von medizinischen Gutachten Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Diet er Freiburghaus, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 28, 4143 Dornach 1 gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1971 geborene A.____ arbeitete seit Januar 20 04 als Mitarbeiterin Textilreinigung bei der B.____ AG in einem 100 % Pensum. Per 29. Fe bruar 2008 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis. Am 5. Mai 2008 meldete sich die Ve rsicherte zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an, wobei sie eine Umschulung und eine Inva- lidenrente beantragte. Im Rahmen von beruflichen Massn ahmen wurde im Februar 2009 eine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abklärung im Spital C.____ eingeleitet, welche aufgru nd der gesundheitlichen Beschwerden von A.____ nach wenigen Tagen abgebrochen werden musst e (Mitteilung vom 13. Mai 2009, IV-Akte 34). Im Rahmen der nachfolgenden Rentenprüfu ng wies die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 31. August 2011 das Lei stungsbegehren aufgrund eines IV- Grades von 6 % ab Dezember 2008 und von 16 % ab Oktober 2009 ab. B. Mit Eingabe vom 5. Oktober 2011 erhob A.____, vert reten durch Eduard Schoch, Rechtsanwalt, substitutionsweise vertreten durch Daniel Altermatt, Rechtsanwalt, beim Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht), Beschwer- de gegen diese Verfügung. Darin liess sie die Aufhebung der Verfügung vom 31. August 2011 sowie die Verpflichtung der Beschwerdegegnerin, neue m edizinische Abklärungen vorzuneh- men, beantragen; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der B eschwerdegegnerin, wobei der Be- schwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege mit ih rem Rechtsvertreter zu gewähren sei. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht auf medizinische Gutachten stütze, d eren Verwertbarkeit bestritten werde. Aus diesem Grund sei bezüglich der psychischen und physischen Beschwerden ein neues interdisziplinäres Gutachten anzuordnen. C. Mit Verfügung des Instruktionsrichters vom 19. Januar 2012 wurde das Gesuch der Be- schwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung abgew iesen. In Anrechnung eines Selbst- behalts von Fr. 1'000.-- wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Verbeiständung mit Rechtsanwalt Daniel Altermatt bewilligt. D. Mit Vernehmlassung vom 7. Mai 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abwei- sung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 5. Oktober 2011 ist demnach ei nzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (BGE 129 V 53 E. 1.1). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; heute: Bundes- gericht, sozialrechtliche Abteilungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a). Zur Annahme einer durch eine psychisch e Gesundheitsbeeinträchtigung ver- ursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass di e versicherte Person nicht hinrei- chend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob an zunehmen ist, die Verwertung der Ar- beitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutb ar oder – als alternative Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem G rad der Invalidität wie folgt abge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungna hmen eine wichtige Grundlage für die Be- urteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche an deren Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversi- cherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Dennoch erachtet es die bundesge- richtliche Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Bew eiswürdigung als vereinbar, in Be- zug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutach ten Richtlinien für die Beweis- würdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammens tellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb). 5.1 Folgende medizinische Unterlagen zur Beurteilung d er Arbeitsfähigkeit der Beschwerde- führerin liegen vor: 5.2 Im Arztbericht für Erwachsene vom 1. Dezember 2008 diagnostiziert Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie, FMH Physikalische Medizin und Rehabili tation und FMH Innere Medizin, mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Spondyl arthritis und eine Diskushernie C4/5 mit radikulärem Reizsyndrom C5 rechts. Als Mitarbeiterin in einer Wäscherei sei die Patientin seit August 2007 zu 100 % arbeitsunfähig. 5.3 Dr. med. E.____, Spital F.____, Psychosomatik, häl t in seinem Bericht vom 1. Dezember 2008 fest, dass die Patientin einen Termin bei ihm geh abt habe. Aus psychosomatischer Sicht hätten sich keine Diagnosen ergeben. Die Patientin se i aus psychosomatischer Sicht weitest- gehend unauffällig gewesen. Es hätten Beschwerden bestan den, die höchstwahrscheinlich so- matischen Ursprungs gewesen seien. Sie habe sich mit den Schmerzen insofern abgefunden, als sie versuche, bestmöglich mit diesen umzugehen. In seinem Bericht vom 9. Dezember 2008 zuhanden von Dr. D.____ diagnostiziert Dr. E.____ eine n Morbus Bechterew, ein Zervikobra- chialsyndrom sowie ein Karpaltunnelsyndrom beidseits (gem äss Aktenlage) sowie den Status nach depressiver Entwicklung im Sinne einer depressiven Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21), aktuell normale Krankheitsbewältigung. Die Patientin habe auf die Schmerzen und die Ein- schränkungen als berufstätige Mutter gemäss eigenen Angabe n mit depressivem Erleben und Angst reagiert. In der Zwischenzeit sei das depressive Zust andsbild weitestgehend remittiert. Die sehr detailliert aufgeführten Lokalisationen sowi e die detailliert beschriebene Qualität und Quantität der Schmerzen, das Fehlen eines emotionalen K onflikts oder psychosozialen Prob- lems als Verursacher sowie das Fehlen eines eindeutigen K rankheitsgewinns verknüpft mit den objektivierbaren somatischen Befunden würden gegen ei ne somatoforme Schmerzstörung sprechen. Die Patientin zeige zur Zeit eine gute Kran kheitsbewältigung, indem sie sich weiter- hin zu körperlichen Tätigkeiten überwinde und soziale Kontakte, soweit es gehe, aufrecht erhal- te. Im Falle einer erneuten depressiven Entwicklung mit Schlafstörungen könnte die Patientin von einer antidepressiven und schlafmodulierenden Therapie profitieren. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Im Auftrag der SWICA Gesundheitsorganisation, Kr ankentaggeldversicherer der ehema- ligen Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin, klärte Dr . med. G.____, FMH Facharzt für Rheu- matologie und Physikalische Medizin und Rehabilitation, die Beschwerdeführerin ab. In seinem Gutachten vom 4. Dezember 2008 diagnostiziert er ein te ndomyotisches reaktives Zervikover- tebralsyndrom mit/bei degenerativen Veränderungen im S inne von Osteochondrosen und Unk- arthrosen von C5 bis C7 sowie Diskusprotrusion C4/C5, ohn e zervikale Myelopathie. Weiter stellt er fest, dass die Diskushernie C4/C5 am 7. März 20 08 nicht mehr nachgewiesen worden sei und keine sensomotorischen Defizite bestünden. Ohne Au swirkungen auf die Arbeitsfähig- keit diagnostiziert Dr. G.____ unter anderem ein unspezifisches Lumbovertebralsyndrom mit/bei Chondrose L1/L2 und L4/L5, ohne Sakroiliitis und sensom otorischen Defiziten, unauffällige Neurologie. Die attestierte Arbeitsunfähigkeit ab Ende August 2007, welche aufgrund von Kreuzschmerzen erfolgt sei, könne gestützt auf die anlä sslich der Untersuchung erhobenen Befunde und dem Verlauf der radiologischen Untersuchung nicht begründet werden. Es hätten sich keine Anhaltspunkte für entzündliche Veränderungen oder Hinweise für einen aktiven Pro- zess gefunden und gemäss MRI seien keine Myelopathien nach gewiesen worden. Die festge- stellten Befunde im Bereich der Halswirbelsäule würden repetitive Arbeiten über Kopfhöhe und Arbeiten, welche mit häufigen Kopfdrehungen einherge hen würden, einschränken. Dies könne zu einer Leistungsminderung führen. Andererseits besitze die Versicherte ein sehr gutes Ar- beitspotential und sei in der Lage, ihre angestammte Tätigkeit mit einem Einsatz von mindes- tens 90 % wieder aufzunehmen. Eine Leistungsminderung von 10 % sei für vermehrte Pausen berechnet worden. Diese Einschätzung gelte ab sofort. Für eine angepasste Tätigkeit und unter Berücksichtigung des Leistungsprofils sei die Versicherte aktuell voll arbeitsfähig. 5.5 PD Dr. med. H.____, Röntgeninstitut Z.____, führ te am 20. April 2009 eine Magnetreso- nanztomogtaphie (MRT oder MRI) der Iliosakralgelenke ( ISG) durch. In seiner Beurteilung vom 20. April 2009 hält er fest, dass – verglichen mit der Voruntersuchung vom September 2007 – unverändert vermehrte subchondrale Knochensklerose auf Seiten der Darmbeine ohne Nach- weis erosiver Gelenkflächenveränderungen zu sehen sei, w obei aktuell im Rahmen dieser mutmasslichen degenerativen Veränderungen eine kleine su bchondrale Knochenmarködemzo- ne in den caudalen Partien des Os sacrums auf der linken Seite aufgetreten sei. Die diskreten Befunde seien bei jetzt nachweisbaren Ödemzonen subcho ndral an beiden ISG vereinbar mit dem Vorliegen einer bilateralen Sacroiliitis. 5.6 In ihrem Schreiben vom 1. Mai 2009 berichtet Dr. D.____, dass nach Wiederaufnahme der Therapie mittels Humira, begleitet durch Methotr exat 20 mg täglich und NSAR (nichtsteroi- dale Antirheumatika), eine leichte Besserung der Besch werden habe beobachtet werden kön- nen. Unter der Therapie mittels Humira sei es zu eine m massiven Haarverlust gekommen, was zusätzlich zu einem unzureichenden Ansprechen und zu eine r leichten reaktiven Depression geführt habe. Der TNF-Alpha-Blocker (Humira) sei aufg rund der massiven Nebenwirkungen gestoppt worden. Danach sei es zu einer Zunahme der Mo rgensteifigkeit und Steifigkeit nach Ruhephasen gekommen und die Iliosakral-Schmerzen seien erneut aufgetreten. Ein am 20. April 2009 durchgeführtes MRT der ISG habe eine bilat erale Sacroiliitis gezeigt, welche noch- mals die Diagnose und die Koheränz der Beschwerden der Patientin bestätige. Am 28. April Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2009 sei neu eine Therapie mittels Enbrel gestartet w orden. Der Versuch, die Beschwerden mittels eines neuen TNF-Alpha-Blockers zu beeinflussen, we rde in ca. zwei Monaten bezüglich seiner Effektivität zu beurteilen sein. Insgesamt könne d ie Diagnose der Spondyloarthritis bes- tätigt werden. Die Aktivität der Erkrankung habe ebenf alls im MRT dokumentiert werden kön- nen. Es sei deshalb unverständlich, weshalb die Taggel dversicherung die Unterstützung ge- stoppt habe. Die Patientin sei mit Sicherheit seit Beginn der Behandlung – mit leider bisher nicht ausreichendem Ansprechen auf die zur Verfügung stehende n Therapien – zu 100 % arbeitsun- fähig in ihrer früheren Tätigkeit, welche als mittelsch wer eingestuft werden könne. Auch der Versuch der Ausübung einer leichteren Tätigkeit in eine m 50 % Pensum, welche durch die IV organisiert worden sei, sei bisher erfolglos geblieben. 5.7 Mit Bericht vom 28. Mai 2009 nimmt Dr. G.____ Ste llung zum Bericht von Dr. D.____ vom 1. Mai 2009. 5.8 Dr. D.____ diagnostiziert im Bericht vom 27. Januar 2010 einen Morbus Bechterew mit ungenügendem Ansprechen auf NSAR (Celebrex/Irfen), Nac htschmerzen und Morgensteifig- keit. Die Patientin sei zur Zeit 100 % arbeitsunfähig für schwere, mittelschwere und leichte Tä- tigkeiten. 5.9 In der Folge gab die Beschwerdegegnerin bei Dr. G.____ und Dr. med. I.____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein bidisziplinär es rheumatologisches/psychiatrisches Gutachten in Auftrag. Dr. G.____ hält in seinem Guta chten vom 9. März 2010 als Diagnosen den Verdacht auf seronegative Spondylarthropathie mit /bei MRI vom 24. Februar 2010, chro- nisch wenig aktiver Sakroileitis, diskreten entzündlichen Ve ränderungen der Seitengelenke, der inter- und supraspinalen Ligamente, bei TNF-Alpha-B locker und Methotrexat Therapie; Multi- segmentale leichte Osteochondrosen von L2-S1 ohne Höhen minderungen; Tendomyotisches Zervikalsyndrom bei kleiner Bandscheibenhernie C4/C5 rechtsb etont (MRI 28.1.2010) mit/bei kongenital engem Spinalkanal, keiner Kompromittierun g des Myelons, geringer dorsaler Band- scheibenprotrusion C5/C6 und C6/C7, ohne neurologische Ausfälle und Sensibilitätsstörungen fest. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit im angestammte n Beruf sei von einer Arbeitsfähigkeit im Umfang von 80 % ab Oktober 2009 auszugehen. Die früher e Einschätzung einer Arbeitsfähig- keit von 90 % bleibe somit bis Ende September 2009 gü ltig. In einer adaptierten Tätigkeit unter Vermeiden von repetitiven Arbeiten in gebückter Haltun g, Zwangshaltung der Wirbelsäule, so- wie unter Vermeiden von Arbeiten, welche die Rotatio n der Hals- und Lendenwirbelsäule erfor- dern, sei die Explorandin ebenfalls zu 80 % arbeitsfähig. Dr. I.____ diagnostiziert anlässlich seines psychiatrischen Gutachtens vom 10. Mai 2010 eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54), die ohne Auswi rkungen auf die Arbeitsfähigkeit bleibe. In der bisherigen Tätigkeit als Hilfsarbeiterin/Hausfrau bestehe aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit . Auch in jeder anderen Tätigkeit be- stehe aus psychiatrischer Sicht eine volle Arbeits- und L eistungsfähigkeit. Anlässlich der telefo- nischen Konsensbesprechung sei er mit Dr. G.____ überein gekommen, dass es der Exploran- din aus somatischer und psychischer Sicht zumutbar sei, zu 80 % einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.10 Mit Schreiben vom 3. November 2010 zuhanden des Re chtsvertreters der Beschwerde- führerin äussert sich Dr. D.____ zur Beurteilung von Dr . G.____. Zusammenfassend hält sie fest, dass Dr. G.____ das Krankheitsbild trotz klinischer A nzeichen vorerst nicht erkannt habe, dann in einem zweiten Schritt aber das Krankheitsbild für möglich vermutet habe. Wenn es so- dann um die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit gehe, berücksichtige Dr. G.____ die Aussage der Patientin bezüglich ihrer Schmerzen und Einschränkungen nicht. Gehe es aber um die Kritik an der von ihr gewählten Therapie, so schätze er die Au ssagen der Patientin als glaubwürdig ein. Konstruktive Therapieoptionen würde er jedoch nicht vorbringen. 5.11 Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, behandelnder Psychiater der Beschwerdeführerin, hält in seiner Stellungnahme vom 11. November 2010 fest, dass seine Patientin an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit ausgeprägten somatischen Symptomen (F33.1) bei Vorliegen erheblich beeinträch- tigender, von den Somatikern kontrovers beurteilten soma tischen Erkrankungen, leide. Bei der Untersuchung würden sich im Gegensatz zur Beurteilung vo n Dr. I.____ alle Symptome einer mittelgradigen depressiven Episode – wie eine erheblich depressive Stimmungslage, Interesse- verlust, Verminderung des Antriebs und der Energie, Freudlosigkeit, Libido-Verlust, stark einge- schränkte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit un d erhöhte Ermüdbarkeit, die zu er- heblicher Aktivitätseinschränkungen führen würden – nachw eisen lassen. Aus diesem Grund müsse der Haushalt von der Mutter der Patientin geführ t werden, was zu einer zusätzlichen, ausgeprägten Verminderung ihres Selbstwertgefühls und Selbstvertrauens, zu erheblichen Schuldgefühlen und Gefühlen der Wertlosigkeit geführt habe und sich ausschliesslich in negati- ven Gedanken hinsichtlich der Zukunftsperspektiven äussere. Die Patientin habe sich von jegli- chen sozialen Kontakten zurückgezogen und halte sich vorwiege nd noch zu Hause auf. Sie habe ihm erklärt, dass sich der Gesundheitszustand seit der Begutachtung durch Dr. I.____ verschlechtert habe. Sie habe sich damals vorwiegend über ihre stets vorhandenen, sie stark demoralisierenden Schmerzen und ihre zahlreichen körper lichen Beschwerden beklagt. Sie habe noch nie jemandem ihr wahres Gesicht und ihre seit langem bestehende innere Nöte ge- zeigt. Sie sei stets darum bemüht, sich nichts anmerken zu lassen. Er könne zum gesundheitli- chen Zustand, wie er vor August 2010 bestanden habe, ke ine Stellung nehmen, weil er die Pa- tientin erst seit diesem Datum behandle. Zum jetzigen Zeitpunkt bestünde eine 100 %-ige Ar- beitsunfähigkeit. Um dem effektiven psychischen Zustand de r Patientin gerecht zu werden, empfehle er die Durchführung einer neuen psychiatrischen Untersuchung. 5.12 Dr. G.____ äussert sich in seinem Schreiben vom 10. Ja nuar 2011 insbesondere zu den Therapiemassnahmen von Dr. D.____ (Bericht vom 3. Novemb er 2010) sowie zu aus seiner Sicht immer noch bestehenden Unklarheiten bezüglich der Diagnosestellung. An seiner Ein- schätzung der Arbeitsfähigkeit hält er fest. 5.13 Nachdem sich Dr. I.____ in seiner Stellungnahme vom 15. Dezember 2010 aufgrund des Berichtes von Dr. J.____ auf den Standpunkt gestell t hatte, dass eine neue psychiatrische Untersuchung durchgeführt werden sollte, erteilte ihm die Beschwerdeführerin den Auftrag zur Durchführung eines Verlaufsgutachtens. In seinem Gutachten vom 27. April 2011 diagnostiziert Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht er mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine leich te depressive Episode (ICD-10 F32.0) und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). In seiner Beurteilung geht er davon aus, dass sich das psychiatrische Zustandsbild seit der letzten Exploration vom 7. Mai 2010 verschlechtert habe. Die Explorandin leide unter le ichten Schlafstörungen. Diese seien aber auch dadurch bedingt, dass sie den Tag sehr passive verbringe. Sie sei freudlos, die Libi- do sei vermindert bis aufgehoben, und sie habe nur noch wenig Hoffnung auf Besserung ihrer Beschwerden. Die Beziehung zu den Familienangehörigen sei schwierig geworden, insbeson- dere zum Ehemann und dem Sohn. Die von der Explorandi n geklagten Konzentrations- und Gedächtnisstörungen hätten nicht objektiviert werden könn en. Sie beklage einen Lebensverlei- der, habe sich aber klar von Suizidgedanken und Suizidfa ntasien distanziert. Eine Suizidalität habe nicht bestanden. Es bestehe auch kein ausgeprägt er sozialer Rückzug. Die Explorandin habe nach wie vor einen guten Kontakt zur Mutter, beschäftige sich mit den Kindern, wenn auch weniger ausgeprägt als früher. Mit ihrem Ehemann un ternehme sie Spaziergänge, gehe einen Kaffee trinken und sie würden gemeinsam die Einkäufe e rledigen. Sie pflege auch einen regel- mässigen Kontakt mit ihren Schwägerinnen. Die Explorand in stehe unter einem Druck ihrer Familie. In ihren Schmerzen habe sie vor sich und ihrer Umgebung die Rechtfertigung dafür, keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen zu müssen. Es bestehe auch ein ausgeprägtes regressives Zustandsbild. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit aufgrund der leich- ten depressiven Episode und der anhaltenden somatoform en Schmerzstörung eingeschränkt. Eine mittelgradige oder schwere depressive Störung könne nicht diagnostiziert werden. Ein ausgeprägter sozialer Rückzug liege nicht vor. Aus psychiat rischer Sicht bestehe seit August 2010 eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Es könne der Exp lorandin zugemutet werden, trotz der geklagten Beschwerden die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um zu 80 % einer berufli- chen Tätigkeit nachzugehen. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefocht enen Verfügung bei der Beurtei- lung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vollumfänglich auf das rheumatologische Gutachten von Dr. G.____ vom 9. März 2010 und die psychiatrischen Expertisen von Dr. I.____ vom 10. Mai 2010 und vom 27. A pril 2011. Sie ging demzufolge da- von aus, dass der Beschwerdeführerin ab Dezember 2008 ei ne adaptierte Tätigkeit im Umfang von 90 % und infolge der Verschlechterung des Gesundhe itszustands ab Oktober 2009 eine den somatischen Beschwerden angepasste Tätigkeit im Umfang von 80 % zumutbar sei. Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 4.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. 6.2.1 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kann die Beweiskraft der Beurteilun- gen von Dr. I.____ zwar nicht dadurch in Frage gestellt werden, dass er anlässlich seiner zwei- ten Exploration eine andere Diagnose gestellt hat. Dr . I.____ legt in nachvollziehbarer Weise dar, weshalb er davon ausgeht, dass sich der Gesundheitszu stand seit der letzten psychiatri- schen Begutachtung verschlechtert hat (Gutachten vom 27. April 2011, IV-Akte 67/7). Dr. I.____ Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat somit seine Diagnose nicht an diejenige von Dr. J.__ __ angepasst, sondern den veränder- ten Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin neu bewer tet. Auch der Umstand, dass Dr. I.____ die Beschwerdeführerin jeweils während rund einer Stunde untersucht hat, führt nicht zu Zweifeln an der Beweiskraft der Expertise. Praxisgemäss kommt es für den Aussagegehalt ei- nes medizinischen Gutachtens grundsätzlich nicht auf die Dauer der Untersuchung an; mass- gebend ist in erster Linie, ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Januar 2012, 8C_639/2011, E. 4.3.1). 6.2.2 Gegen den vollen Beweiswert der Beurteilung vo n Dr. I.____ spricht jedoch, dass der behandelnde Psychiater und der Gutachter ab August 2010 zwei unterschiedliche Diagnosen stellen, ohne dass der Gutachter diese Divergenzen überze ugend erklären kann. Während Dr. J.____ davon ausgeht, dass eine rezidivierende depre ssive Störung, gegenwärtig mittelgra- dige depressive Episode mit ausgeprägten somatischen Symp tomen bei Vorliegen erheblich beeinträchtigender, von den Somatikern kontrovers be urteilten somatischen Erkrankungen vor- liegt, diagnostiziert Dr. I.____ eine leichte depressive Episode und eine anhaltende somatofor- me Schmerzstörung. Dabei hält Dr. I.____ zwar fest, dass keine schwere Episode vorliegt und die von Dr. J.____ beschriebenen Konzentrations- und Au fmerksamkeitsstörungen nicht hätten beobachtet werden können. Er setzt sich aber mit der Dia gnose des behandelnden Psychiaters insofern nicht auseinander, als er nicht nachvollziehbar darlegt, weshalb seiner Auffassung nach keine mittelgradige depressive Episode diagnostizier t werden kann. In diesem Zusam- menhang ist ergänzend darauf hinzuweisen, dass auf die von Dr. J.____ abgegebene Beurtei- lung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit auch nicht ab gestellt werden kann, weil er nicht nach- vollziehbar und schlüssig begründet, weshalb er bei dem V orliegen einer mittelgradigen de- pressiven Episode die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefü hrer als vollständig aufgehoben beur- teilt. 6.3.1 Zu klären bleibt, ob auf das Gutachten von Dr. G. ____ vom 9. März 2010 abgestellt wer- den kann. Die Auffassungen der Fachärzte Dr. D.____ und Dr. G.____ divergieren bezüglich der rheumatologischen Diagnose. Während Dr. G.____ l ediglich den Verdacht auf eine serone- gative Spondylarthropathie bei chronisch wenig aktiver S acroiliitis (MRI vom 24. Februar 2010) und diskreten entzündlichen Veränderungen der Seitenge lenke, der inter- und supraspinalen Ligamente diagnostiziert, geht Dr. D.____ in ihrem Bericht vom 27. Januar 2010 von einer gesi- cherten Spondyloarthritis bzw. einem Morbus Bechterew au s. Daneben bestehen stark vonein- ander abweichende Angaben zur zumutbaren Restarbeitsf ähigkeit der Beschwerdeführerin. Gemäss Dr. G.____ ist es der Beschwerdeführerin zumutba r, zu 80 % in einer adaptierten Tä- tigkeit unter Vermeiden von repetitiven Arbeiten in g ebückter Haltung, Zwangshaltung der Wir- belsäule, Arbeiten, die die Rotation der Hals- und Le ndenwirbelsäule erfordern, tätig zu sein. Dr. D.____ stuft ihre Patientin als voll arbeitsunfäh ig ein. Anlässlich seiner Stellungnahme zur abweichenden Einschätzung von Dr. D.____ verweist Dr. G.____ in seinem Gutachten auf die internationale Statistik in Bezug auf Bechterew-Patien ten (IV-Akte 45 S. 25f.). Diese sage klar aus, dass solche Patienten nicht gleich als arbeitsunfähig einzustufen seien. Die Schmerzkom- ponente und auch das subjektive Schmerzempfinden sowie d ie entzündlichen Komponente seien behandelbar. Bei manifestem und gesichertem entzü ndlichen Prozess an den Iliosakral- gelenken oder auch der Wirbelsäule, welcher zu Schmerzepisoden führen würde, sei ein kurzer Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsausfall verständlich. In seiner Stellungnahme vo m 10. Januar 2011 führt er aus, dass jeder Rheumatologe wisse, dass eine gesicherte Sakroiliit is oder auch ein klar diagnostizierter Morbus Bechterew per se keine Begründung für eine lan g andauernde Arbeitsunfähigkeit sei. Bei einem Morbus Bechterew oder auch bei einer Spondylarthritis seien die Patienten leistungs- fähig, sofern sie an einem adäquaten Arbeitsplatz ein gesetzt würden. Im vorliegenden Fall sei- en jedoch weder eine sicherer Diagnose noch eine ausgewie sene Leistungsminderung anzuer- kennen (IV-Akte 64 S. 3/4). Diese Ausführungen von Dr. G.____ vermögen aus beweisrechtli- cher Sicht nicht zu überzeugen. Er verweist zwar auf int ernationale Statistiken und rheumatolo- gisches Fachwissen, belegt diese Angaben aber nicht mit m edizinischer Fachliteratur, weshalb seine Beurteilung letztlich nicht nachvollzogen werden kann. Ausserdem äussert sich Dr. G.____ nicht dazu, inwiefern sich die Therapiemassnahm en (unter anderem mit verschiedenen TNF Alpha Blocker) und die massiven Nebenwirkungen der B ehandlungsmassnahmen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgewirkt hab en. Aus diesen Gründen kommt der Beurteilung von Dr. G.____ kein voller Beweiswert zu, w eshalb nicht darauf abgestellt werden kann. Hinzu kommt, dass zwischen Dr. I.____ und Dr. G.____ keine abschliessende interdiszi- plinäre Konsensbesprechung mehr statt fand, nachdem Dr. I.____ im psychiatrischen Teil der Abklärung eine Verschlechterung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit festgestellt hatte. Zu den konkreten Wechselwirkungen zwischen der psyc hiatrischen und der rheumatolo- gischen Erkrankung hat keiner der beiden Fachärzte mehr St ellung genommen, was die Ver- wertbarkeit ihrer Gutachten ebenfalls einschränkt. 6.3.2 Mit Blick auf den somatischen Gesundheitszustand ist ausserdem festzuhalten, dass zwischen der behandelnden Rheumatologin Dr. D.____ und dem Gutachter Dr. G.____ ein fachlicher Konflikt entstanden ist. Dabei herrscht – wi e bereits dargelegt – Uneinigkeit sowohl bezüglich der Diagnosestellung als auch der Einschätzun g der Arbeitsfähigkeit. Dies allein ver- mag zwar noch nicht Zweifel an der Objektivität der Be urteilungen zu erwecken, denn es zeigt sich immer wieder, dass der begutachtende Facharzt und de r behandelnde Spezialist unter- schiedliche Auffassungen vertreten, was insbesondere darau f zurückzuführen ist, dass die Fachärzte unterschiedliche Blickwinkel – versicherungsrechtliche Beurteilung auf der einen, Behandlung und Therapie auf der anderen Seite – hab en. Der vorliegende Fall unterscheidet sich aber insofern von ähnlichen Fällen, dass die Wortwah l und die Intensität der in den Stel- lungnahmen geführten Debatten über das übliche Mass hin aus gehen und sich die Experten sogar gegenseitig persönlich angreifen. Der Ton und die Art und Weise der Auseinanderset- zung hat sich zunehmend verschärft. Dr. G.____ selbst verwe ndet in seiner letzten Stellung- nahme vom 10. Januar 2011 die Worte "Schlammschlacht" (" […]. Ohne auf diese Schlamm- schlacht eintreten zu wollen, erachte ich derartige Be merkungen als akademisch unwürdig und geschmacklos. […]", IV-Akte 64/2). Diese Entwicklung ist woh l insbesondere darauf zurückzu- führen, dass Dr. G.____ seit seiner ersten Stellungna hme vom 4. Dezember 2008 wiederholt erhebliche Kritik an der von Dr. D.____ gewählten The rapiemassnahmen geäussert hat. Es ist daher fraglich, ob die beiden Fachärzte unter dieser V oraussetzung überhaupt noch die Bereit- schaft aufbringen können, von ihrem einmal eingenommene n Standpunkt abzuweichen. Spä- testens nach der Stellungnahme von Dr. G.____ vom 10. Januar 2011 wäre es daher angezeigt gewesen, eine neue rheumatologische Begutachtung in Au ftrag zu geben. Das Festhalten an einem Gutachten oder die Einholung ergänzender Stellungnahmen beim Gutachter, der sich mit Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der behandelnden Fachärztin überworfen hat, kann unter solchen Umständen eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes im Sinne von Art. 69 Abs. 2 IVV in Verbindung mit Art. 43 Abs. 1 ATSG darstellen. 7.1 Die Würdigung der medizinischen Aktenlage zeigt, dass unter Berücksichtigung der ge- nannten Grundsätze zum Beweiswert von Gutachten und zu r Beweiswürdigung (vgl. Erwägung 4.3 hiervor) konkrete Indizien vorliegen, die gegen die Zuverlässigkeit der medizinischen Unter- lagen sprechen. Bei der Beurteilung des vorliegend massgebenden medizinischen Sachverhalts kann weder auf die Begutachtungen von Dr. G.____ und Dr. I.____ noch auf die Berichte der behandelnden Ärzte Dr. J.____ und Dr. D.____ abgestellt werden. 7.2 Da die vorhandenen medizinischen Unterlagen keine abschliesse nde Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschw erdeführerin zulassen, ist die ange- fochtene Verfügung vom 31. August 2011 aufzuheben und die Angelegenheit an die Beschwer- degegnerin zurückzuweisen. Diese wird den Gesundheitszu stand und die Frage der Arbeitsfä- higkeit der Beschwerdeführerin durch ein neues bidiszipl inäres Gutachten abklären zu lassen haben. Im Rahmen dieser Abklärung ist die Entwicklung d es psychischen und physischen Ge- sundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdef ührerin seit dem Zeitpunkt ihrer Anmeldung sowohl aus somatischer als auch aus psychiatrischer S icht nochmals zu untersu- chen und aufgrund einer interdisziplinären Konsensbesp rechung der beteiligten Fachärzte zu beurteilen. Dabei haben die Spezialisten den Wechselwi rkungen zwischen psychischen und somatischen Beschwerden im Rahmen einer gemeinsam erarbe iteten Arbeitsfähigkeitsein- schätzung Rechnung zu tragen. Weiter haben die Gutachte r darzulegen, inwiefern sich die bei der Beschwerdeführerin seit August 2007 durchgeführten Therapiemassnahmen und die star- ken Nebenwirkungen der dabei eingesetzten Medikamente a uf die Arbeitsfähigkeit der Be- schwerdeführerin ausgewirkt haben. Gestützt auf die Ergeb nisse der Aktenergänzung wird die Beschwerdegegnerin anschliessend über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinde n. Beim Entscheid über die Verle- gung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsät zlich auf den Prozessausgang abzustel- len. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Ange- legenheit zu ergänzender Abklärung und neuer Beurteil ung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV- Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die Beschwerdegeg- nerin als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfah renskosten zu tragen. In diesem Zusam- menhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vor- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht behältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VP O – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die Beschwerde gegnerin als Vorinstanz trotz Unter- liegens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen. Di es hat zur Folge, dass für den vorlie- genden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. De r von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird ihr zurückerstattet. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprech en. Der Rechtsvertreter der Be- schwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 12. Jun i 2012 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 9.50 Stunden geltend gemacht, w as sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- Fran ken zu entschädigen. Nicht zu bean- standen sind sodann die in der Honorarnote ausgewiese nen Auslagen von Fr. 68.35. Der Be- schwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'638.75 (9.50 Std. à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 68.35) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öf fentlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vor- aussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 31. August 2011 aufgehoben, und es wird die Sache an d ie Beschwer- degegnerin zurückgewiesen, damit diese, nach erfolgter A bklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2'638.75 (inkl. Auslagen und Mehr- wertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht