Abteilung I A-4073/2008 {T 0/2} U r t e i l v o m 7 . S e p t e m b e r 2 0 1 0 Richter Daniel de Vries Reilingh (Vorsitz), Richter Daniel Riedo, Richterin Salome Zimmermann, Gerichtsschreiberin Ursula Spörri. X._______ AG, ..., vertreten durch ..., Beschwerdeführerin, gegen Eidgenössische Zollverwaltung EZV, Zollkreisdirektion Schaffhausen, Bahnhofstrasse 62, Postfach 1772, 8201 Schaffhausen, handelnd durch die Oberzolldirektion (OZD), Hauptabteilung Recht und Abgaben, Monbijoustrasse 40, 3003 Bern, Vorinstanz. Verzollung von Apfelmus; Tarifeinreihung. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandA-4073/2008 Sachverhalt: A. Am 14. Januar 2008 meldete die Y._______ AG, ..., bei der Zollstelle St. Margrethen DA Au (hiernach: Zollstelle) eine für die X._______ AG, ... (hiernach: Gesellschaft, Zollpflichtige oder Beschwerdeführerin), bestimmte Sendung im EDV-Verfahren (E-dec) wie folgt zur Einfuhr an: E-dec Nr. Ware Eigen- masse Roh - masse Tarif-Nr. Zollan- satz 17521320.1 Apfelmus ungesüsst 6'739 [kg] 7'219 [kg] 2007.9919 [Fr.] 0.00 Das Selektionsverfahren lautete auf "gesperrt". Im Anschluss an die formelle Überprüfung ordnete die Zollstelle eine materielle Kontrolle (Beschau) an, worüber sie am 25. Januar 2008 einen Zollbefund er- stellte. Die Sendung wurde mit Einfuhrliste Nr. 17521320.2 gemäss Art. 39 Abs. 3 des Zollgesetzes vom 18. März 2005 (ZG, SR 631.0) am 14. Januar 2008 provisorisch zur Einfuhr veranlagt (Sicherstellung der Zollabgaben zum höchsten, nach der Art der Ware möglichen Zollan- satz [Tarifnummer 2008.9919], Zollansatz: Fr. 18.-- je 100 kg brutto). B. Die Zollstelle überwies die anlässlich der vorerwähnten Beschau erho- benen Muster zusammen mit Kopien der Einfuhrlisten und der Begleit- papiere zwecks Überprüfung der Tarifeinreihung an die Oberzolldirek- tion (OZD). Die unterbreiteten Muster wurden durch die Sektion Che- misch-technische Kontrolle (SCTK) der OZD untersucht. Aufgrund der Un tersuchungsergebnisse teilte die OZD der Zollkreisdirektion Schaff- hausen am 5. Februar 2008 den folgenden Revisionsbefund mit: "B._______ - Apfelmark 1.5 mm Apfelpulpe beige homogene, viskose Masse aus passierten Äpfeln, mit einem Brix-Wert von 12.4°, nicht durch Kochen hergestellt, ohne Zusatz von Zucker oder anderen Süssstoffen, mit Zugabe von Zitronensäure asep- tisch abgefüllt, in Fässer à 210 kg Tarifnummer: 2008.9919". Seite 2A-4073/2008 Gestützt auf den vorstehenden Revisionsbefund der OZD nahm die Zollstelle die definitive Veranlagung nach Tarifnummer 2008.9919 vor und erhob mit definitiver Veranlagungsverfügung Nr. 17521320.3 vom 15. Februar 2008 einen Zoll von Fr. 1'299.40. C. Mit Schreiben vom 7. März 2008 erhob die Gesellschaft Beschwerde gegen die provisorische Veranlagung vom 14. Januar 2008 und bean- tragte die Verzollung des Apfelmuses unter der Tarifnummer 2007.9929. Sie machte geltend, dem Apfelmus werde durch eine ther- mische Behandlung unter teilweisem Vakuum Wasser entzogen, wo- durch eine Brixerhöhung von 1-2° gegenüber dem Ausgangsprodukt entstehe. Zudem senke sich der Bostwickwert (Fliesskurve) gegenüber dem Ausgangsprodukt um 10-20 mm. Damit seien alle nötigen Anfor- derungen der Zolltarifnummer 2007.9929 erfüllt. Zudem werde Apfel- mus mit gleicher Qualität in der EU unter der Tarifnummer 2007.9950.20 eingereiht. D. Mit Beschwerdeentscheid vom 19. Mai 2008 wies die Zollkreisdirektion Schaffhausen die Beschwerde der Gesellschaft vom 7. März 2008 ab. Sie führte im Wesentlichen aus, für die Einreihung unter die Tarifnum- mer 2007 sei einerseits eine thermische Behandlung des Produkts er- forderlich, andererseits müsse die Viskosität gegenüber dem Aus- gangserzeugnis eindeutig erhöht worden sein. Beim streitbetroffenen Apfelmus liege keine Erhöhung der Viskosität gemäss Anmerkung 5 zum Kapitel 20 vor, weshalb eine Einreihung unter der Tarifnummer 2007 somit nicht in Frage komme. E. Gegen diesen Entscheid liess die Zollpflichtige mit Eingabe vom 18. Juni 2008 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einreichen und beantragen, sowohl der Beschwerdeentscheid vom 19. Mai 2008 als auch die Veranlagungsverfügung Nr. 17521320.3 vom 15. Februar 2008 seien aufzuheben und die Verzollung der beanstandeten Sen- dung sei unter der Tarifnummer 2007.9919 zuzulassen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie begründete ihre Anträge insbe- sondere damit, dass die Zollbehörde trotz des klaren und eindeutigen Wortlautes der Anmerkung Nr. 5 zum Kapitel 20 für gekochtes Apfel- mus weitergehende Anforderungen verlange, als vom Gesetzgeber festgelegt. Die gesetzlichen Vorschriften verlangten nämlich, entgegen Seite 3A-4073/2008 der Auffassung der Zollbehörden, in keiner Weise einen deutlich höhe- ren Brix-Wert und auch keine eindeutig höhere Viskosität. Die Zollbe- hörden verschärften mithin die Anforderungen ohne ausreichende ge- setzliche Grundlage. F. In ihrer Vernehmlassung vom 22. August 2008 beantragte die OZD die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde. G. Auf die weiteren Begründungen in den Eingaben der Parteien wird – soweit entscheidrelevant – im Rahmen der nachfolgenden Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht vor und die Zollkreisdirektion Schaffhausen ist eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. So weit das VGG nichts anderes bestimmt, richtet sich gemäss dessen Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit – unter Vorbehalt der Ausführungen in E. 1.3 hiernach – grundsätzlich einzutreten. 1.2 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Ent- scheid grundsätzlich in vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerde- führerin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der Unangemessenheit erheben (Art. 49 Bst. c VwVG; vgl. ANDRÉ M O - SER /MICHAEL BEUSCH /LORENZ KNEUBÜHLER , Prozessieren vor dem Bundes- verwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.149). Seite 4A-4073/2008 1.3 Anfechtungsobjekt im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsge- richt bildet einzig der vorinstanzliche Entscheid; dieser ersetzt allfällige Entscheide unterer Instanzen (sog. Devolutiveffekt; M O SER /BEUSCH /KNEU - BÜH LER , a.a.O., Rz. 2.7). Soweit die Beschwerdeführerin die Aufhebung der erstinstanzlichen Veranlagungsverfügung Nr. 17521320 vom 15. Februar 2008 beantragt, ist daher auf ihre Beschwerde nicht ein- zutreten. 2. 2.1 Die Gesetzgebung über Zölle und andere Abgaben auf dem grenz- überschreitenden Warenverkehr ist Sache des Bundes (Art. 133 der Bun desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. Ap ril 1999 [BV, SR 101]). Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem Zollgebiet verbracht werden, sind zollpflichtig und müssen nach dem ZG sowie nach dem Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) veranlagt werden (Art. 7 ZG). Die Ein- und Ausfuhrzölle werden durch den Zolltarif festgesetzt. Dieser ist in einem separaten Erlass, dem ZTG, enthalten. Art. 1 ZTG schreibt vor, dass alle Waren, die über die schweizerische Zollgrenze ein- und ausgeführt werden, nach dem Generaltarif zu verzollen sind, welcher in den Anhängen 1 und 2 des ZTG enthalten ist. Der Generaltarif wird in der Amtlichen Sammlung des Bundesrechts (AS) nicht veröffentlicht. Die Veröffentli- chung erfolgt durch Verweis (Art. 5 Abs. 1 des Publikationsgesetzes vom 18. Juni 2004 [PublG, SR 170.512]). Der Generaltarif kann jedoch mitsamt seinen Änderungen bei der OZD eingesehen oder im Internet (unter www.ezv.admin.ch bzw. www.tares.ch) konsultiert werden. Das- selbe gilt für den Gebrauchstarif (Art. 15 Abs. 2 und Anhänge 1 und 2 ZTG; Fn. 29 zum ZTG). Trotz fehlender Veröffentlichung in der AS kommt dem Generaltarif Gesetzesrang zu (Urteile des Bundesverwal- tungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.1, A-2748/2008 vom 16. Oktober 2009 E. 2.1; THOMAS COTTIER /DAVID HERREN , in: Kocher/Clava- detscher [Hrsg.], Handkommentar, Zollgesetz, Bern 2009, Einleitung Rz. 96 ff.). 2.2 2.2.1Die Schweiz ist dem internationalen Übereinkommen vom 14. Juni 1983 über das Harmonisierte System zur Bezeichnung und Co dierung der Waren (SR 0.632.11, nachfolgend Übereinkommen) beigetreten. Dieses ist für die Schweiz am 1. Januar 1988 in Kraft ge- treten. Das "Harmonisierte System" (HS) bedeutet die Nomenklatur, Seite 5A-4073/2008 welche die Nummern und Unternummern mit den dazugehörenden Co denummern, die Abschnitt-, Kapitel- und Unternummern-Anmerkun- gen sowie die "Allgemeinen Vorschriften für die Auslegung des HS" um fasst (Art. 1 Bst. a des Übereinkommens). Aufgrund von Art. 3 Ziff. 1 Bst. a des Übereinkommens ist die Schweiz verpflichtet, ihre Ta- rifnomenklatur mit dem HS in Übereinstimmung zu bringen und alle Num mern und Unternummern des HS sowie die dazugehörenden Co- denummern zu verwenden, ohne etwas hinzuzufügen oder zu ändern (Nr. 1) und die Allgemeinen Vorschriften für die Auslegung des HS so- wie alle Abschnitt-, Kapitel- und Unternummern-Anmerkungen anzu- wen den und den Geltungsbereich der Abschnitte, Kapitel, Nummern und Unternummern des HS nicht zu verändern (Nr. 2). Das ZTG bein- haltet den Nomenklaturtext des HS (s. den Anhang in Verbindung mit Art. 2 des Übereinkommens), womit der schweizerische Tarif dem HS entspricht (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.2.1, A-1772/2006 vom 11. September 2008 E. 2.1.2). 2.2.2Die Nomenklatur des HS bildet die systematische Grundlage des schweizerischen Generaltarifs, dessen Kodierung durchwegs als achtstellige Tarifnummer pro Warenposition ausgestaltet und damit ge- genüber der sechsstelligen Nomenklatur des HS um zwei Stellen ver- feinert ist (R EMO ARPAGAUS , Zollrecht, in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XII, 2. Aufl., Ba sel 2007, Rz. 576). Daraus folgt, dass die schweizerische Nomen- klatur bis zur sechsten Ziffer völkerrechtlich bestimmt ist. Falls die siebte und achte Ziffer ihre Grundlage im ZTG finden, kommt ihnen Ge setzesrang zu. Die Prüfung der Verfassungsmässigkeit der Bestim- mun gen erübrigt sich somit, weil das Bundesverwaltungsgericht keine Mög lichkeit hätte, die Norm aufzuheben oder ihr die Anwendung zu versagen (Art. 190 BV; vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A- 642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.2.2, A-2748/2008 vom 16. Oktober 2009 E. 2.2.2, A-1734/2006 vom 10. Juli 2009 E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch ARPAGAUS , a.a.O., Rz. 578; YVO HAN GART NER , in: Eh- renzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die schweizerische Bun desverfassung, Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2008, Rz. 5 f. zu Art. 190 BV). 2.2.3Die Vertragsstaaten des oben bezeichneten Übereinkommens (E. 2.2.1) beabsichtigen eine einheitliche Auslegung und Anwendung des HS (vgl. Art. 7 Ziff. 1 Bst. c und Art. 8 Ziff. 2 des Übereinkom - Seite 6A-4073/2008 mens). Hierzu dienen u.a. die "Avis de classement" (nachfolgend Ein- reihungsavisen) und die "Notes explicatives du Système Harmonisé" (nachfolgend Erläuterungen), welche vom Rat für die Zusam menarbeit auf dem Gebiet des Zollwesens (Weltzollrat) auf Vorschlag des Aus- schusses des Harmonisierten Systems genehmigt worden sind (Art. 1 Bst. e und f in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 1 Bst. a - c in Verbindung mit Art. 8 Ziff. 2 und 3 des Übereinkommens). Diese Vorschriften sind als ma teriell internationales (Staatsvertrags-)Recht für das Bundesverwal- tungsgericht verbindlich. Die Vertragsstaaten haben einzig nach Art. 7 Ziff. 1 sowie Art. 8 Ziff. 1 und 2 des Übereinkom mens die Möglichkeit, die Überprüfung oder Änderung der Erläuterungen und Einreihungs- avisen zu veranlassen (vgl. statt vieler: Urteile des Bundesverwal- tungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.2.3, A-2748/2008 vom 16. Oktober 2009 E. 2.2.3, A-1734/2006 vom 10. Juli 2009 E. 2.2.3, teilweise mit weiteren Hinweisen). Dennoch bleibt Raum für nationale Regelungen. So kann die OZD zum Beispiel zusätzlich soge- nannte Schweizerische Erläuterungen erlassen (vgl. Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.2.3). 2.3 2.3.1Für die Tarifeinreihung massgebend ist die Art, Menge und Be- schaffenheit der Ware zum Zeitpunkt, in dem sie der Zollstelle ange- meldet wird (vgl. Art. 19 Abs. 1 Bst. a ZG). Auf den Verwendungszweck ist demgegenüber nur dann abzustellen, wenn dies in den einzelnen Tarifpositionen als Einreihungskriterium ausdrücklich festgehalten ist. Ist dies nicht der Fall, kommt dem Verwendungszweck wie auch dem Preis, der Verpackung, der Bezeichnung durch Hersteller oder Emp- fänger der Ware lediglich hinweisende, nicht aber ausschlaggebende Be deutung zu (zum [alten] Zollgesetz vom 1. Oktober 1925 [aZG, AS 42 287 und BS 6 465], welches diesbezüglich aber nicht anders aus- gestattet war: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.3.1, A-2748/2008 vom 16. Oktober 2009 E. 2.3.1, A- 1734/2006 vom 10. Juli 2009 E. 2.3.1 mit weiteren Hinweisen). 2.3.2Hinsichtlich der Auslegung sehen die von den schweizerischen Zollbehörden angewendeten "Allgemeinen Vorschriften für die Ausle- gung des Harmonisierten Systems" (AV) übereinstimmend mit den "Allgemeinen Vorschriften für die Auslegung des HS" des offiziellen Textes des Übereinkommens in Ziff. 1 vor, dass für die Tarifeinreihung einer Ware der Wortlaut der Nummern und der Abschnitt- oder Kapitel- An merkungen sowie die weiteren Allgemeinen Vorschriften, soweit die- Seite 7A-4073/2008 se dem Wortlaut der Nummern und der Anmerkungen nicht widerspre- chen, massgebend sind. Bei der Bestimmung der zutreffenden Tarif- num mer ist somit stufenweise in der gesetzlich festgelegten Reihenfol- ge (Tariftext – Anmerkungen – Allgemeine Vorschriften) vorzugehen. Die nächstfolgende Vorschrift ist immer erst dann heranzuziehen, wenn die vorangehende Bestimmung nicht zum Ziel geführt, d.h. keine einwandfreie Tarifierung ermöglicht hat (vgl. statt vieler: Urteile des Bun desverwaltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.3.2, A- 2748/2008 vom 16. Oktober 2009 E. 2.2.2, A-1734/2006 vom 10. Juli 2009 E. 2.2.2, A-6623/2008 vom 9. März 2009 E. 2.3.2, je mit weiteren Hinweisen). 2.3.3Kommen für die Einreihung von Waren bei Anwendung der Vor- schrift AV Ziff. 2b oder in irgendeinem anderen Fall zwei oder mehr Num mern in Betracht, so ist gemäss AV Ziff. 3 wie folgt zu verfahren: • a) Die Nummer mit der genaueren Warenbezeichnung geht den Num mern mit allgemeiner Warenbezeichnung vor. Zwei oder mehr Num mern, von denen sich jede nur auf einen Teil der Stof- fe einer gemischten oder zusammengesetzten Ware oder nur auf einen Teil der Artikel im Falle von für den Einzelverkauf auf- gemachten Warenzusam men stellungen bezieht, sind jedoch im Hinblick auf diese Ware oder diesen Artikel als gleich genau zu betrachten, selbst wenn eine von ihnen eine genauere oder voll- ständigere Warenbezeichnung aufweist. • b) Mischungen, Waren, die aus verschiedenen Stoffen oder Be- standteilen bestehen und für den Einzelverkauf aufgemachte Wa renzusam men stellungen, deren Einreihung nicht nach der Vorschrift AV Ziff. 3a erfolgen kann, werden nach dem Stoff oder Be standteil eingereiht, der ihnen ihren wesentlichen Charakter verleiht, sofern dieser Stoff oder Bestandteil ermittelt werden kann. • c) Ist die Einreihung nach den Vorschriften AV Ziff. 3a und 3b nicht möglich, so ist die Ware der in der Nummerierung zuletzt genannten gleichermassen in Betracht kommenden Nummer zuzuweisen. 2.3.4Gemäss AV Ziff. 6 sind massgebend für die Einreihung von Wa- ren in die Unternummern einer Nummer der Wortlaut dieser Unternum - mern und der Unternummer-Anmerkungen sowie, mutatis mutandis, die Vorschriften der AV, wobei nur die Unternummern der gleichen Seite 8A-4073/2008 Gliederungsstufe einander gegenübergestellt werden können. Bei Aus- legung dieser Vorschrift sind, vorbehältlich gegenteiliger Bestimmun- gen, die Abschnitt- und Kapitel-Anmerkungen ebenfalls anwendbar. Wie bereits erwähnt (E. 2.2.3) bleibt dennoch Raum für nationale Re- gelungen. Massgebend für die Einreihung von Waren in die schweize- rischen Unternummern sind der Wortlaut dieser schweizerischen Un- ternummern und der schweizerischen Anmerkungen sowie, mutatis mu tandis, die Vorschriften der AV, wobei nur schweizerische Unter- num mern der gleichen Gliederungsstufe einander gegenübergestellt werden können. Bei Auslegung dieser Vorschrift sind, vorbehältlich ge- genteiliger Bestimmungen betreffend die schweizerischen Unternum - mern, die Abschnitt-, Kapitel- und Unternummer-Anmerkungen eben - falls anwendbar (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.3.4). 3. Im vorliegenden Fall ist die Tarifierung der im Sachverhalt erwähnten Einfuhrsendung von ungesüsstem Apfelmus strittig (vgl. oben Sachver- halt A). Die Beschwerdeführerin verlangt, das eingeführte ungesüsste Ap felmus unter die Tarifnummer 2007.9919 einzuordnen. Die OZD ist hingegen der Meinung, dass das eingeführte Mus unter die Tarifnum - mer 2008.9919 falle. Im Folgenden werden zunächst die vorliegend in Frage kommenden Tarifnummern 2007 (E. 3.1) und 2008 (E. 3.2) um- schrieben, um anschliessend nach einer zunächst grundsätzlichen (E. 3.3), eine fallbezogene (E. 3.4) Einordnung des im Streit liegenden Produkts vornehmen zu können. 3.1 3.1.1Nach dem betreffenden Gebrauchstarif zum Zeitpunkt der ein- zelnen Einfuhren des fraglichen Erzeugnisses (vgl. oben Sachver- halt A) fielen folgende Waren unter die Tarifnummer 2007: "Konfitüren, Fruchtgelees, Marmeladen, Fruchtmus und Fruchtpasten, durch Ko- chen hergestellt, auch mit Zusatz von Zucker oder anderen Süssstof- fen". 3.1.2Laut Ziffer 5 der Anmerkungen zum Kapitel 20 bedeutet der Aus- druck "durch Kochen hergestellt" im Sinn der Nr. 2007 (vgl. den Tarif- text in E. 3.1.1) "eine thermische Behandlung unter Normaldruck oder teilweisem Vakuum, um die Viskosität des Produktes durch Reduzie- rung des Wassergehalts oder andere Mittel zu erhöhen" (vgl. die fran- zösische Originalfassung: "Aux fins du no 2007, l'expression 'obtenues Seite 9A-4073/2008 par cuisson' signifie obtenues par traitement thermique à la pression atmosphérique ou sous vide partiel en vue d'accroître la viscosité du produit par réduction de sa teneur en eau ou par d'autres moyens"). 3.1.3Die Erläuterungen zu Kapitel 20 (Zubereitungen von Gemüse, Früchten oder anderen Pflanzenteilen) enthalten zum einen "Allgemei- nes" und zum anderen auch spezifische Ausführungen zu den einzel- nen Tarifnummern (2001 bis 2009). Gemäss den Erläuterungen zur Num mer 2007 wird zum Herstellen von Fruchtmus passiertes Frucht- fleisch oder Pulver von Schalenfrüchten, auch mit Zuckerzusatz, bis zu einer mehr oder weniger dickbreiigen Konsistenz gekocht. Fruchtmus unterscheide sich von Konfitüre durch die starke Fruchtkonzentration und eine weichere Konsistenz. Fruchtpasten (z.B. aus Äpfeln, Quitten, Birnen, Aprikosen, Mandeln usw.) hingegen seien eingedickte Frucht- muse von fester oder beinahe fester Konsistenz. Dabei könnten die Wa ren dieser Nummer, die in der Regel unter Verwendung von Zucker hergestellt würden, auch mit künstlichen Süssstoffen (z.B. Sorbitol) ge- süsst sein (vgl. Erläuterungen zur Nummer 2007). 3.2 3.2.1Unter die Tarifnummer 2008 fallen demgegenüber folgende Wa- ren: "Früchte und andere geniessbare Pflanzenteile, in anderer Weise zubereitet oder haltbar gemacht, auch mit Zusatz von Zucker oder an- deren Süssstoffen oder von Alkohol, anderweit weder genannt noch in- begriffen" (vgl. Schweizerischer Gebrauchstarif zum Zeitpunkt der ein- zelnen Einfuhren gemäss Sachverhalt A hiervor). 3.2.2Die Tarifnummer 2008 umfasst gemäss den betreffenden Erläu- terungen zum Schweizer Generaltarif "Früchte und andere geniess- bare Pflanzenteile, ganz, in Stücken oder zerquetscht, einschliesslich Mischungen ganzer Früchte, die durch andere als in den vorstehenden Num mern dieses Kapitels oder in andern Kapiteln vorgesehene Ver- fahren zubereitet oder konserviert sind". Hierher gehören namentlich insbesondere: "1)... 2) ... 3)Früchte (einschliesslich Fruchtschalen und Samen) im Naturzustand in Sirup, in Alkohol oder mit chemischen Konservierungsmitteln haltbar gemacht. 4)Fruchtpulpe, sterilisiert, auch gekocht. 5) ... 6)Ge kochte Früchte. Mit Wasser oder Dampf gekochte Früchte, gefroren, gehören jedoch zu Nr. 0811 [bei dieser letztgenannten Tarifnummer geht Seite 10A-4073/2008 es laut dem zugehörigen Tariftext um "Früchte, nicht gekocht oder in Wasser oder Dampf gekocht, gefroren, auch mit Zusatz von Zucker oder anderen Süssstoffen"]. 7) ... 8) ... 9) ... 10) ..." Unter den Schweizerischen Erläuterungen (zur Tarifnummer 2008) wird zudem u.a. ausgeführt: "Pulpe im Sinne dieser Nummer ist ein mehr oder weniger brei- oder musartiges Erzeugnis aus rohen oder vorgekochten Früchten, die durch Sterilisieren oder ohne Wasser mit chemischen Konservierungsmitteln haltbar gemacht sind, ohne Zusatz von Zucker oder anderen Süssstoffen. Je nach dem Ausgangsmaterial und dem Bearbeitungsgrad enthalten Fruchtpulpen meist noch ganze oder halbe Früchte oder Fruchtstücke in unregelmässiger Form. In re- gelmässige Formen (Würfel, Scheiben, Segmente usw.) geschnittene Früchte gelten nicht als Pulpe im Sinne dieser Nummer. Fruchtpulpen werden zur Herstellung von Konfitüre, Patisserieprodukten usw. ver- wen det. Die Art der Verpackung spielt für die Tarifeinreihung keine Rolle." 3.3 In seinem Urteil A-642/2008 vom 3. März 2010 hielt das Bundes- verwaltungsgericht dafür, dass bereits aus dem entsprechenden Tarif- text hervorgehe, dass namentlich "Fruchtmus" grundsätzlich unter die Tarifnummer 2007 einzureihen sei. Demgegenüber lese sich der Text zur Tarifnummer 2008 klarerweise als Auffangposition im Vergleich zu anderen Tarifnummern – dies insbesondere aufgrund seiner Textpas- sagen wie "in anderer Weise zubereitet oder haltbar gemacht" oder "anderweit weder genannt noch inbegriffen". Die betreffenden Erläute- rungen zur Tarifnummer 2007 enthielten sodann eine Definition von "Fruchtmus" und grenzten dieses von "Fruchtpaste" ab. In den entspre- chenden Erläuterungen zur Tarifnummer 2008 fehle es dagegen an ei- ner expliziten Erwähnung von "Fruchtmus". Vielmehr werde dort in all- gemeiner Art und Weise namentlich auf Früchte im Naturzustand, Fruchtpulpe oder gekochte Früchte verwiesen. Immerhin handle es sich bei "Pulpe" um ein "mehr oder weniger brei- oder musartiges Er- zeugnis aus rohen oder vorgekochten Früchten". Jedoch enthielten Fruchtpulpen "meist noch ganze oder halbe Fruchtstücke in unregel- mäs siger Form". Zudem würden sie "zur Herstellung von Konfitüren, Patisserieprodukten usw. verwendet" (Urteil des Bundesverwaltungs- gerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 3.3 1. Absatz). Seite 11A-4073/2008 Im genannten Urteil erwog das Bundesverwaltungsgericht weiter, "Ap- felmus" lasse sich, als wohl bekanntestes Beispiel für "Fruchtmus", ge- stützt auf den entsprechenden Tariftext bzw. die zugehörigen Erläute- rungen in grundsätzlicher Weise unter die Tarifnummer 2007 einreihen. Es verwies auch auf die online zugänglichen elektronischen Zolltarife aus Deutschland (http://auskunft.ezt-online.de) und Polen (http://isztar. mf.gov.pl), in welchen "Apfelmus" ausdrücklich unter die Tarifnummer 2007 eingereiht werde; dasselbe gelte für den integrierten Tarif der EU, "TARIC" (http://ec.europa.eu/taxation_customs/dds/tarhome_de.htm). Es führte aus, dass nur falls das betreffende Fruchtmus ausnahms - weise "in anderer Weise zubereitet [d.h. z.B. überhaupt nicht gekocht] oder haltbar gemacht" worden sein sollte, eine Tarifeinreihung unter der Num mer 2008 in Frage käme (Urteil des Bundesverwaltungsge- richts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 3.3 2. Absatz). Gemäss Rechtsprechung der (früheren) Eidgenössischen Zollrekurs- kommission (ZRK) gehe aus den Erläuterungen zum Gebrauchstarif 1986 zur Tarifnummer 2007 hervor, dass den unter diese Tarifnummer fallenden Produkten ein längerer Kochvorgang gemeinsam sei. Dabei müs se der Kochprozess einer gewissen Veredelung des Erzeugnisses dienen, wodurch dieses – wie beispielsweise die Konfitüre – sein End- stadium erreicht habe oder diesem zumindest einen entscheidenden Schritt näher gekommen sei. Massgebend sei, ob bloss eine Haltbar- ma chung oder aber eine weitergehende Verarbeitung bzw. Veredelung der Masse stattgefunden habe (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 3.3; unveröffentlichte Entscheide der ZRK 861/94 vom 7. Juli 1994 E. 5.b, 858/94 vom 30. Mai 1996 E. 3.aa). 3.4 Dementsprechend stellt sich vorliegend die Frage, ob das streitbe- troffene ungesüsste Apfelmus im Sinn der betreffenden Anmerkung zur Tarifnum mer 2007 (vgl. E. 3.1.2) "durch Kochen hergestellt" wor- den ist. Ein Produkt gilt dann als "durch Kochen hergestellt", wenn es eine thermische Behandlung erfahren hat, um seine Viskosität durch Re duzierung des Wassergehalts oder andere Mittel zu erhöhen ("... en vue d'accroître la viscosité du produit par réduction de sa teneur en eau ou par d'autres moyens") (vgl. E. 3.1.2 sowie Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 3.4). 3.4.1Unbestritten ist, dass Erzeugnisse der Tarifnummer 2007 einer thermischen Behandlung bedürfen und diese Voraussetzung im vorlie- Seite 12A-4073/2008 genden Fall erfüllt ist: Gemäss Verfahrensanweisung des Produzenten B._______ AG/S.p.A., ..., wurden die Äpfel zuerst kalt passiert und danach im Maischeerhitzer gekocht (vgl. Verfahrensanweisung, act. 16 der Vernehmlassungsbeilagen). Gemäss der Rohstoffspezifikation der Beschwerdeführerin (act. 15 der Vernehmlassungsbeilagen) werde das Apfelmus ohne Zusätze (Zucker, Farbstoffe, Konservierungsmittel) mittels Kochen hergestellt und durch Pasteurisieren haltbar gemacht; das Kochen erhöhe den Brix-Wert gegenüber dem Ausgangsmaterial um 1-2° Brix; als Antioxidans werde L-Ascorbinsäure zugesetzt (Roh- stoffspezifikation, S. 1; act. 15 der Vernehmlassungsbeilagen). Auch die unwidersprochen gebliebenen Angaben des oben genannten Produzenten bestätigen dieses Produktionsverfahren: Dieser erklärte, dass "... über einen sogenannten Entgaser" gefahren werde und dass das durch die Erhitzung entstehende Kondensat nicht mehr dem Mark/Mus zugefügt werde (E-mail der Firma B._______ AG an den Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin vom 4. Juni 2008, act. 22 der Vernehmlassungsbeilagen). Die Zollkreisdirektion Schaffhausen er- kannte denn auch in ihrem Beschwerdeentscheid vom 19. Mai 2008, dass das eingeführte Apfelmus zweifelsohne eine thermische Be- handlung erfahren habe (act. 2 S. 4 der Beschwerdebeilagen). Dies stimmt auch insofern mit der zitierten Rechtsprechung der ZRK überein, als die Äpfel einer Veredelung unterzogen worden sind und das Apfelmus sein Endstadium erreicht hat. Es bleibt nun zu klären, ob – und bejahendenfalls in welchem Umfang – die Viskosität des Er- zeugnisses im Rahmen der Herstellung erhöht werden muss und ob dies in casu so der Fall war. 3.4.2In seinem Urteil A-642/2008 vom 3. März 2010 erwog das Bun- desverwaltungsgericht, im Tariftext zur Nummer 2007 sowie in den be- treffenden Anmerkungen und Erläuterungen werde nicht festgelegt, in welchem Ausmass die Viskosität bei den betreffenden Fruchterzeug- nissen ("durch Reduzierung des Wassergehalts oder andere Mittel") erhöht werden müsse. Die gesetzlichen Bestimmungen bzw. Erläute- rungen zum Tarif 2007 enthielten keinerlei Hinweise oder Anhaltspunk- te, wonach die Viskosität "eindeutig" erhöht worden sein müsste. Eine allenfalls geforderte minimale Erhöhung der Viskosität müsste sich klar und deutlich aus der betreffenden gesetzlichen Grundlage ergeben, dies schon aufgrund des strengen Legalitätsprinzips im Abgaberecht sowie im Hinblick auf eine rechtsgleiche und damit willkürfreie Tarifein- reihung wie auch nicht zuletzt der Rechtssicherheit wegen (Urteil des Bun desverwaltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 3.5.1). Seite 13A-4073/2008 Un geachtet der fehlenden tarifarischen Festlegung, in welchem Aus- mass die Viskosität mindestens zu erhöhen sei, war das Bundesver- waltungsgericht der Ansicht, dass diese Voraussetzung erfüllt sei, weil sich die Viskosität im damals zu beurteilenden Fall mittels Zuckerzu- satz "deutlich", d.h. um rund 31%, erhöht habe (Urteil des Bundesver- waltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 3.5.2 und 3.6). 3.4.2.1Wie dargelegt, wird aufgrund des Wortlauts von Anmerkung Nr. 5 zum Kapitel 20 (E. 3.4.1 hiervor) keine bestimmte, messbare Er- höhung der Viskosität gefordert. Aufgrund einer gramma tikalischen Auslegung dieser Anmerkung kann somit nicht verlangt werden, dass das Produkt "eindeutig dickflüssiger bzw. viskoser" sein muss (als die natürliche Frucht). Eine "eindeutige" Erhöhung der Viskosität wird näm lich von der genannten Anmerkung nicht gefordert, weder mit ei- nem zu erreichenden Mindestwert noch im Vergleich zur natürlichen Frucht. Im Zentrum der Anmerkung steht vielmehr die thermische Be- handlung. Die Erhöhung der Viskosität ist wohl Zweck dieser thermi- schen Behandlung ("um ... zu"; vgl. auch die französische Originalfas- sung ["... en vue d[e] ..."], welche auf eine Absicht, ein zu erreichendes Ziel, nicht aber auf eine zusätzliche Bedingung, hinweist; vgl. E. 3.1.2 hiervor), nicht aber eine im Sinne der Vorinstanz verstandene, zusätzli- che Voraussetzung für die Einreihung unter der Tarifnummer 2007. 3.4.2.2Es ist nicht zulässig (E. 3.4.1 hiervor), ohne entsprechende gesetzliche Grundlage, auf eine bestimmte prozentuale oder absolute Erhöhung des Brix-Wertes abzustellen, um eine Einreihung unter Tarif- num mer 2007 zuzulassen. Der Brix-Wert wird in der Nomenklatur des HS als offizielles Kriterium für die tarifarische Abgrenzung von konzen- trierten Fruchtsäften innerhalb der Tarifnummer 2009 angewendet. In der Unternummer-Anmerkung Nr. 3 zu Kapitel 20 wird der Begriff und die entsprechende Messmethode wie folgt definiert: "Im Sinne der Nrn. 2009.12, 2009.21, 2009.31, 2009.41, 2009.61 und 2009.71 gilt als 'Brix-Wert' der Brix-Grad, welcher direkt auf der Skala eines Brix- Hy drometers abgelesen wird oder der Brechungsindex, ausgedrückt in Prozenten des Saccharosegehalts, gemessen mit einem Refraktome- ter bei einer Temperatur von 20 °C oder nach Korrektur für eine Tem- peratur von 20 °C, falls die Messung bei einer abweichenden Tempera- tur durchgeführt wurde." Dabei wird z.B. für die Einreihung von Apfel- saft unter die Tarifnummer 2009 ein Brix-Wert von nicht mehr als 20 verlangt. Die OZD gibt diesbezüglich in ihrer Vernehmlassung vom 22. August 2008 an, dass eine Erhöhung des Brix-Wertes von 70-80% Seite 14A-4073/2008 (je nach Fruchtsorte) zum nicht konzentrierten Saft verlangt werde. Im Un terschied zur Tarifnummer 2009 enthält die Tarifnummer 2007 kei- nen (minimalen) Brix-Wert und auch keine anderen Angaben in Bezug auf die Messbarkeit der (Erhöhung der) Viskosität. Es wird allein – aber immerhin – verlangt, dass das Erzeugnis eine "thermische Be- handlung unter Normaldruck oder teilweisem Vakuum" erfahren muss, "um die Viskosität des Produktes durch Reduzierung des Wasserge- halts oder andere Mittel zu erhöhen" (vgl. E. 3.1.1 hiervor). Im vorlie- genden Fall hat das streitbare Apfelmus eine solche thermische Be- handlung erfahren. Gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin ergab die thermische Behandlung eine Erhöhung der Viskosität (um 1- 2° Brix); weiter wurde das durch die Erhitzung entstehende Kondensat nicht mehr dem Mark/Mus zugefügt (vgl. E. 3.4.1 hiervor). Die Be- schwerdegegnerin vertritt jedoch den Standpunkt, dass bei der Unter- suchung des aus der Einfuhrsendung vom 14. Januar 2008 stammen - den Mus ters ein Brixwert von 12,4° festgestellt worden sei und dieser Wert dem Erfahrungswert von rohen, unverarbeiteten Äpfeln entspre- che. Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Veränderung in Bezug auf die Viskosität bewege sich im Bereich des Erfahrungs- wertes von rohen, unveränderten Äpfeln, womit von einer eindeutigen Erhöhung der Viskosität nicht die Rede sein könne. Die Tatsache, dass das bei der Erhitzung entwichene Wasser dem Mus nicht mehr zuge- fügt worden ist, ist dagegen unbestritten; damit sind die gesetzlich ver- langten Bedingungen erfüllt. Die weitergehenden An forderungen der Be schwerdegegnerin erwe isen sich nach den vorstehenden Ausfüh- rungen als gesetzeswidrig. 3.5 Die OZD räumt in ihrer Vernehmlassung ein, dass in der kombi- nierten Nomenklatura der Europäischen Union (EU) unter der Tarif- nummer 2007 eine spezielle Unternummer für Apfelmus besteht (act. 7 S. 9). Die Schweiz ist – wie bereits erwähnt – dem HS-Übereinkommen bei- getreten (E. 2.2.1). Zu den wichtigsten Zielen des Übereinkommens gehört die Erleichterung des internationalen Handels. Die Einheitlich- keit der Tarifnomenklaturen der Mitgliedstaaten und auch deren ein- heitliche Auslegung und Anwendung ist deshalb unabdingbare Voraus- setzung zur Erreichung dieses Zieles. So verpflichten sich die Ver- tragsstaaten gemäss Art. 3 des Übereinkommens ihre Tarifnomenkla- turen mit dem HS in Einklang zu bringen und alle Nummern und Unter- Seite 15A-4073/2008 nummern des HS sowie die dazugehörenden Codenummern zu ver- wen den, ohne etwas hinzuzufügen oder zu ändern (vgl. E. 2.2.1). Vorliegend stellt sich jedoch die Frage nach der Bedeutung eines durch die EU getroffenen Tarifierungsentscheides für den Nichtmit- gliedstaat Schweiz. Wenn die EU ihren Mitgliedstaaten eine Tarifierung verordnet, d.h. unabhängig vom Übereinkommen über das HS, und die Schweiz an diese Verordnung nicht gebunden ist, so müssen unter dem Gesichtspunkt der erwähnten Einheitlichkeit doch wohl ausser- ordentliche, sachlich überzeugende und zwingende Gründe vorliegen, damit die Schweizer Zollverwaltung ein identisches Produkt anders zu tarifieren hat, als die überwiegende Mehrheit der europäischen, ins- besondere umliegenden Staaten. Zudem ist eine Regelung, nach der die Schweiz eine Ware anders tarifiert als die benachbarten Staaten im internationalen Warenverkehr wenig praktikabel. Dementsprechend ist das Bundesverwaltungsgericht zwar nicht an das Verwaltungshan- deln der Zollämter, weder schweizerischer noch ausländischer, ge- bunden. Der Umstand, dass die EU Apfelmus der Tarif-Nr. 2007 zu- weist, ist jedoch als Indiz für die Richtigkeit der Tarifierung unter diese Num mer zu werten (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A- 1704/2006 vom 25. Ok tober 2007 E. 3.3.4 2. Abschnitt; Entscheide der ZRK 2003-018 vom 18. April 2005 E. 4e, 851/94 vom 16. Januar 1995 E. 2d.bb). Wie eine unterschiedliche tarifarische Einreihung von unge- süsstem Apfelmus in der Schweiz im Vergleich zu anderen europäi- schen Ländern (vgl. E. 3.3) zu begründen wäre, erklärt die OZD denn auch nicht. 3.6 Damit ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist (E. 1.3 hiervor), und der Beschwerdeentscheid der Zollkreisdirek- tion Schaffhausen vom 19. Mai 2008 aufzuheben. Die im Streit liegen- de Einfuhr ist unter der Tarifnummer 2007.9919 des Schweizerischen Ge brauchstarifs 1986 einzureihen und damit als zollfrei zu veranlagen. 4. 4.1 Bei diesem Verfahrensausgang sind der obsiegenden Beschwer- deführerin und der Vorinstanz keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 VwVG). Entsprechend hat die Zollkreisdirektion Schaffhausen den von der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren einbe- zahlten Kostenvorschuss von Fr. 150.-- zurückzuerstatten. Der im vor- liegenden Verfahren geleistete Kostenvorschuss von Fr. 650.-- ist der Be schwerdeführerin ebenfalls zurückzuerstatten. Seite 16A-4073/2008 4.2 Die Vorinstanz hat der obsiegenden Beschwerdeführerin eine Par- teientschädigung auszurichten (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG). Diese um- fasst die Kosten der Vertretung und allfällige weitere Auslagen der Par- tei, inklusive Mehrwertsteuer; das Gericht setzt die Parteientschädi- gung aufgrund der eingereichten Kostennote oder, mangels Einrei- chung einer solchen, aufgrund der Akten fest. Das Anwaltshonorar wird dabei nach dem notwendigen Zeitaufwand bemessen, wobei der Stundenansatz mindestens Fr. 200.-- und höchstens Fr. 400.-- beträgt. Die Auslagen der Vertretung werden aufgrund der tatsächlichen Kos- ten ausbezahlt (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Vorinstanz hat der lediglich im bundesverwaltungsgerichtlichen Verfahren anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin, die vorliegend keine Kostennote ein- gereicht hat, eine Parteientschädigung auszurichten, die aufgrund der Akten auf Fr. 1'000.-- (inkl. MWST und Auslagen) festzusetzen ist. 5. Dieser Entscheid kann nicht mit Beschwerde in öffentlich-rechtli- chen Angelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen werden (Art. 83 Bst. l des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Seite 17A-4073/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird, und der Beschwerdeentscheid der Zollkreisdirektion Schaffhausen vom 19. Mai 2008 aufgehoben. 2. Die im Streit liegende Einfuhr ist unter der Tarifnummer 2007.9919 ein- zureihen und damit als zollfrei zu veranlagen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Die Zollkreisdirektion Schaffhausen wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin den im vorins- tanzlichen Beschwerdeverfahren eingeforderten Kostenvorschuss von Fr. 150.-- zurückzuerstatten. Der im vorliegenden Verfahren geleistete Kostenvorschuss von Fr. 650.-- wird der Beschwerdeführerin ebenfalls zurückerstattet. 4. Die Zollkreisdirektion Schaffhausen wird verpflichtet, der Beschwerde- führerin eine Parteientschädigung von Fr. 1'000.-- auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an: - die Beschwerdeführerin (Einschreiben) - die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Einschreiben) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Daniel de Vries Reilingh Ursula Spörri Versand: Seite 18