200 19 586 UV LOU/GET/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 11. Juni 2020 Verwaltungsrichter Loosli Gerichtsschreiber Germann A.________ vertreten durch B.________, Rechtsanwalt C.________ Beschwerdeführerin gegen Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG Richtiplatz 1, 8304 Wallisellen, Zustelladresse: Postfach, 8010 Zürich Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 31. Juli 2019 (Ref.: 1999 3701899) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 2 Sachverhalt: A. Die … geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwerde- führerin) war bei der damaligen D.________ als ... angestellt und dadurch bei der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend Allianz bzw. Beschwerdegegnerin) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (Akten der Allianz [act. II] 2; [act. IIB] 496; [act. IIE] 1130 S. 2 E. lit. a). Nach zwei Unfällen vom 14. Februar 1999 (act. II 2) und vom 16. April 2003 (act. II 264 f.) traten jeweils Komplikationen während des Heilungsprozesses auf, in deren Folge der linke und rechte Unterschenkel amputiert werden mussten und eine Versorgung beider Unterschenkel mittels Prothesen not- wendig wurde (vgl. act. IIB 486 S. 6). Mit (unangefochten gebliebener) Ver- fügung vom 27. April 2006 (act. IIB 515) sprach die Allianz der Versicherten ab 1. Januar 2006 eine auf einem Invaliditätsgrad von 100% basierende In- validenrente (in Form einer Komplementärrente), eine Hilflosenentschädi- gung für eine Hilflosigkeit leichten Grades sowie eine auf einem Integritätsschaden von 70% basierende Integritätsentschädigung zu. Ferner übernahm die Allianz auch die Kosten für die Versorgung bzw. An- passung der Prothesen, welche bis 2011 durch die E.________ AG bewerk- stelligt wurde. Am 1. Juni 2011 (act. IIB 610) erteilte die Allianz Kostengutsprache für Neuanfertigungen der Prothesen daselbst, welche je- doch nicht den Vorstellungen der Versicherten entsprachen (Akten der Alli- anz [act. IIC] 628). In der weiteren Folge gestaltete sich die Prothesenversorgung als schwierig und konnte nicht zur Zufriedenheit der Versicherten durchgeführt werden. Dabei wechselte die Versicherte den Pro- thesenversorger mehrmals (vgl. act. IIC 630; 633; 641; 657; 665; 689; 767; 778 f.; 829; Akten der Allianz [act. IID] 841; 876), wobei die Allianz jeweils Kostengutsprache für eine Neuversorgung mit bzw. Anpassung der beste- henden Prothesen erteilte (act. IIB 627; act. IIC 643; 672; 813; act. IID 845; 858).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 3 B. Nachdem diverse Prothesenanfertigungen bei verschiedenen Herstellern gescheitert waren, erklärte sich die Allianz mit Schreiben vom 18. Oktober 2017 (act. IID 949) „letztmals bereit, einer weiteren Prothesenneuanfertigung im Raum ... zuzustimmen“, wobei sie die Wahl des Orthopädisten, welcher „einen entsprechenden Kostenvoranschlag zustellen“ könne, der Versicher- ten überliess (S. 5). In der Folge erteilte die Allianz auf Wunsch der Versi- cherten (act. IID 961) Kostengutsprache für die Versorgung mittels Unterschenkelprothesen beidseits durch die F.________ ag (act. IID 964). Jedoch erfolgten auch diese Arbeiten nicht zur Zufriedenheit der Versicher- ten (Akten der Allianz [act. IIE] 972) und sie ersuchte die Allianz darum, ihr zu gestatten „eine neue Firma zu suchen“ (act. IIE 997). Am 9. Juli 2018 (act. IIE 1035) erteilte die Allianz zu Handen der F.________ ag zusätzlich Kos- tengutsprache für Anpassungsarbeiten (vgl. act. IIE 989) und verneinte mit Verfügung vom 13. August 2018 (act. IIE 1043) einen Anspruch auf Kosten- übernahme für neue Unterschenkelprothesen beidseits. In Bezug auf den von der Versicherten vorgeschlagenen „Abbruch der Arbeiten“ bei der F.________ ag (act. IIE 1038 S. 7) erwog die Allianz, die geltend gemachten Anpassungen würden dies nicht rechtfertigten (act. IIE 1043 S. 5). Dagegen liess die Versicherte Einsprache erheben (act. IIE 1056), wobei sie im weite- ren Verlauf abermals den Abbruch der begonnenen Arbeiten (act. IIE 1119) respektive neue Prothesen (act. IIE 1122 S. 4) verlangte. Mit Entscheid vom 31. Juli 2019 (act. IIE 1130) wies die Allianz die Einsprache ab. C. Dagegen liess die Versicherte, vertreten durch B.________, Rechtsanwalt C.________, mit Eingabe vom 16. September 2019 Beschwerde erheben. Sie stellt die folgenden Rechtsbegehren: 1. Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 31. Juli 2019 sei aufzuheben. 2. Es sei der Beschwerdeführerin Kostengutsprache für die beantragten Hilfs- mittel (Unterschenkelprothesen links und rechts) zu gewähren. 3. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Be- schwerdegegnerin zurückzuweisen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 4 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der gesetzlichen Mehr- wertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin. Mit Beschwerdeantwort vom 16. Oktober 2019 beantragt die Beschwerde- gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 25. Februar 2020 liess die Beschwerdeführerin weitere Un- terlagen einreichen (Akten der Beschwerdeführerin [act. IA] 7 f.). Mit Schrei- ben vom 5. März 2020 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme zur Eingabe vom 25. Februar 2020. Mit Replik vom 15. Mai 2020 hält die Beschwerdeführerin an den beschwer- deweise gestellten Rechtsbegehren fest. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver- waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Be- schwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Ge- setzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 5 1.2Angefochten ist der die Verfügung vom 13. August 2018 (act. IIE 1043) bestätigende Einspracheentscheid vom 31. Juli 2019 (act. IIE 1130). Streitig ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der obliga- torischen Unfallversicherung in Form von Hilfsmitteln (neue Versorgung mit Unterschenkelprothesen beidseits [vgl. Beschwerde, S. 5, Ziff. 2; Replik, S. 2, Ziff. 2]). 1.3Mit Blick auf die Kosten für die beiden von der F.________ ag er- stellten Unterschenkelprothesen von Fr. 10‘662.40 (gemäss revidierter Rechnung Nr. 145792 [act. IIE 1033]) sowie die Kosten von Fr. 4‘070.-- (act. IIE 989) für die vorgesehenen Anpassungsarbeiten liegt der Streitwert für die Streitgegenstand bildende Versorgung mittels Unterschenkelprothesen beidseits unter Fr. 20‘000.--, womit die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Am 1. Januar 2017 sind die Änderung vom 25. September 2015 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und die Änderung vom 9. November 2016 der Verordnung vom 20. Dezember 1982 über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft ge- treten. Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich – wie vorliegend – vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 25. September 2015 des UVG ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, werden nach bisherigem Recht gewährt (Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG). 2.2 2.2.1Gemäss Art. 11 UVG hat der Versicherte Anspruch auf die Hilfsmit- tel, die körperliche Schädigungen oder Funktionsausfälle ausgleichen. Der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 6 Bundesrat erstellt die Liste dieser Hilfsmittel (Abs. 1). Die Befugnis zur Auf- stellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vorschriften über deren Abgabe hat der Bundesrat in Art. 19 UVV an das Eidg. Departement des Innern (EDI) übertragen, welches die Verordnung vom 18. Oktober 1984 über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Unfallversicherung (HVUV; SR 832.205.12) mit anhangsweise aufgeführter Hilfsmittelliste erlassen hat. 2.2.2Nach Art. 1 Abs. 1 HVUV hat der Versicherte Anspruch auf die in der Liste im Anhang aufgeführten Hilfsmittel, soweit diese durch Unfall oder Berufskrankheit bedingte körperliche Schädigungen oder Funktionsausfälle ausgleichen. Der Anspruch erstreckt sich auf die notwendigen und dem Ge- sundheitsschaden angepassten Hilfsmittel in einfacher und zweckmässiger Ausführung, das erforderliche Zubehör und die Anpassungen, die wegen des Gesundheitsschadens nötig sind. Ausstattung und Anzahl der Hilfsmittel müssen den Anforderungen des privaten sowie des beruflichen Lebens ent- sprechen (Abs. 2). Gemäss Ziff. 1.01 der im Anhang zur HVUV stehenden Hilfsmittelliste zählen funktionelle Fuss- und Beinprothesen zu den von der Unfallversicherung zu gewährenden Hilfsmitteln. 2.2.3Die Hilfsmittel müssen einfach und zweckmässig sein (Art. 11 Abs. 2 Satz 1 UVG). Hilfsmittel sind zweckmässig, wenn sie aufgrund der konkre- ten Umstände des Einzelfalls geeignet und notwendig sind, um das gesetz- liche Ziel in einem vernünftigen Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen zu erreichen (Art. 67 Abs. 2 UVV). Ebenso meint die Einfachheit das Kosten- Nutzen-Verhältnis im Einzelfall (MARTINA FILIPPO, in: Frésard-Fellay/Leuzin- ger/Pärli [Hrsg.], Basler Kommentar zum Unfallversicherungsgesetz, 2019, N 21 zu Art. 11 UVG) und beschlägt sowohl qualitative, d.h. die Anforderun- gen an die Hilfsmittelausstattung betreffende (Beschaffenheit, Funktion, Aussehen, Leistung, Preis etc.), als auch quantitative, d.h. die Anzahl der abgegebenen Hilfsmittel betreffende, Aspekte. Wie die Zweckmässigkeit ist auch die Einfachheit ein Ausfluss des öffentlichen Interesses am sparsamen Umgang mit den begrenzten finanziellen Mitteln. Mit dieser Anspruchsvor- aussetzung soll den uferlosen persönlichen Wünschen und Bedürfnissen der Versicherten entgegengetreten werden (MATHIAS LANZ, Leistungen und Grundsätze im Hilfsmittelrecht der schweizerischen Sozialversicherung, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 7 2016, S. 267 f., N 427 f.). Die Abgabe von Hilfsmitteln in einfacher Aus- führung verlangt daher nach der Ausstattung mit Hilfsmitteln, die einem ge- wöhnlichen und durchschnittlichen Standard entsprechen (LANZ, a.a.O., S. 292, N 466). 3. 3.1Die Beschwerdegegnerin kam bereits vor dem Fallabschluss im Jahr 2006 (act. IIB 515) für die Kosten von Hilfsmitteln in Form von Unter- schenkelprothesen auf (vgl. act. IIB 478) und es ist unbestritten und steht in der Folge fest, dass diese Leistungspflicht grundsätzlich auch nach der Ren- tenfestsetzung bestand respektive (bei gegebenem Bedarf) weiterhin be- steht (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 5. September 2017, 8C_126/2017, E. 4.5). 3.2Die Beschwerdegegnerin verneinte mit Verfügung vom 13. August 2018 (act. IIE 1043) einen Anspruch auf neue Unterschenkelprothesen beid- seits, was sie im angefochtenen Einspracheentscheid vom 31. Juli 2019 (act. IIE 1130) bestätigte. In der Begründung hielt sie fest, vor dem Hintergrund der jahrelangen erfolglosen Versuche, die Beschwerdeführerin mit einem Paar Unterschenkelprothesen zu versorgen, sei davon auszugehen, dass eine solche stets an deren Ansprüchen scheitere. Auch ein weiterer Versuch verspreche keinen Erfolg und erfülle deshalb die Kriterien der Zweckmässig- keit und Wirtschaftlichkeit nicht. 3.2.1Hintergrund und Ausgangspunkt des im angefochtenen Entscheid verneinten Anspruchs auf neue Unterschenkelprothesen beidseits bildet das Schreiben vom 18. Oktober 2017 (act. IID 949). Darin listete die Beschwer- degegnerin die von der Beschwerdeführerin für die Prothesenneuanfertigung seit Juni 2011 konsultierten Orthopädisten bzw. Institutionen systematisch auf (S. 1 – 3) und stellte fest, dass in den vergangenen Jahren mehrere Pro- thesenneuanfertigungen gescheitert bzw. nach Übernahme/Abgabe der Pro- thesen jeweils diverse Anpassungen/Änderungen geltend gemacht worden seien, welche nicht zur Zufriedenheit der Beschwerdeführerin hätten ausge- führt werden können (S. 3). Diese Feststellung wird im vorliegenden Be- schwerdeverfahren – nach der Aktenlage zu Recht – nicht grundsätzlich Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 8 bestritten (vgl. Replik, S. 2 f., Ziff. 3 f.). Unter Hinweis auf ein Schreiben der Beschwerdeführerin vom 16. September 2017 (act. IID 947), wonach sie die "Prothesensache erneut angehen" müsse und sie "im Netz diverse Adressen im Kanton Bern und Solothurn gefunden" habe, erklärte sich die Beschwer- degegnerin schliesslich "Aufgrund des bisher erfolglosen Verlaufs der Pro- thesenanfertigungen […] letztmals bereit, einer weiteren Prothesenneuanfertigung im Raum ... zuzustimmen". Der Orthopädist nach Wahl der Beschwerdeführerin könne zu gegebener Zeit einen entsprechen- den Kostenvoranschlag zustellen. Gleichzeitig wies die Beschwerdegegne- rin die Beschwerdeführerin darauf hin, bei einem erneuten Scheitern sei davon auszugehen, dass eine Prothesenversorgung der Unterschenkel "nach den WZW-Kriterien nicht möglich" sei und deshalb keine weiteren Kos- tengutsprachen mehr erfolgen könnten (act. IID 949 S. 4). 3.2.2In der Folge wählte die Beschwerdeführerin als Prothesenversorger die F.________ ag aus (act. IID 962). Basierend auf deren Kostenvoran- schlag über Fr. 14'689.75, welcher mit dem Hinweis verbunden war, es handle sich um eine sehr schwierige und komplexe Anpassung (act. IID 960), erteilte die Beschwerdegegnerin der F.________ ag am 13. Dezember 2017 (act. IID 964) Kostengutsprache für Unterschenkelprothesen beidseits. Am 22. Dezember 2017 (act. IID 967) stellte die F.________ ag der Beschwer- degegnerin den Betrag von Fr. 14'689.75 (Nr. 143’934) in Rechnung. Mit Schreiben vom 28. Januar 2018 machte die Beschwerdeführerin geltend, das Knie müsse bei den kurzen Stümpfen vollständig eingeschlossen sein, damit sie genügend Halt habe und in der Lage sei, selbständig zu gehen (act. IIE 972), woraufhin die Beschwerdegegnerin die F.________ ag mit den Beanstandungen der Beschwerdeführerin konfrontierte und die Rechnung mit dem Hinweis, die orthopädietechnischen Arbeiten seien noch nicht ab- geschlossen, retournierte (act. IIE 976). Mittels E-Mail vom 7. Februar 2018 (act. IIE 978) warf die Beschwerdeführerin erstmals die Frage auf, "ob über- haupt dort weiter gemacht werden soll". Mit Schreiben vom 15. Februar 2018 (act. IIE 982) teilte sie zudem mit, nach einem Termin "von heute" tendiere sie "sehr zum Abbruch der Arbeiten." Am 11. März 2018 nahm die F.________ ag Stellung und hielt fest, die Beschwerdeführerin habe – nach- dem ihr nahegelegt worden sei, sich die Zusammenarbeit nochmals zu über- legen, da eine Versorgung nur so gut sein könne wie die Zusammenarbeit Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 9 und die Kommunikation zwischen den Parteien – einen neuen Termin zwecks Besprechung der geltend gemachten Anpassungen vereinbart. Gleichzeitig reichte die F.________ ag einen Kostenvoranschlag (Nr. 28'443) über Fr. 4'070.-- ein, beinhaltend insbesondere neue Probe- schäfte beidseits mit Einschluss der Kniescheiben (act. IIE 989). In einer wei- teren Stellungnahme vom 27. März 2018 (act. IIE 996) hielt die F.________ ag fest, die Prothesenversorgung habe nicht abgeschlossen werden können, da bis jetzt keine Kostengutsprache zur Offerte Nr. 28’443 eingegangen und die Rechnung Nr. 143’934 für die bereits erstellten beidseitigen Prothesen bis heute nicht bezahlt worden sei. Die definitive Prothese habe nicht abge- geben werden können, da die Beschwerdeführerin andere Füsse gewollt habe und eine eingefasste Kniescheibe. Letzteres könne auf ausdrücklichen Wunsch umgesetzt werden; auch seien sie gerne bereit, nach Erteilung einer Kostengutsprache die Füsse aus der bestehenden Versorgung umzubauen und zu testen. In weiteren Verlauf gelangte die Beschwerdegegnerin zwecks Klärung diver- ser Fragen an die Medizinaltarif-Kommission UVG (MTK; act. IIE 1000), wel- che am 19. Juni 2018 eine Stellungnahme des Schweizer Verbandes der Orthopädie-Techniker (SVOT; heute Ortho Reha Suisse [ORS]) an sie wei- terleitete (act. IIE 1031). Am 9. Juli 2018 beglich die Beschwerdegegnerin die revidierte Rechnung der F.________ ag über Fr. 10'662.40 (Nr. 145'792; act. IIE 1033) und erteilte mit Schreiben desselben Datums Kostengutspra- che über Fr. 4'070.-- für diverse Prothesenanpassungen (act. IIE 1035); gleichzeitig ersuchte sie die Beschwerdeführerin, zwecks Fortführung der Prothesenarbeiten mit der F.________ ag Kontakt aufzunehmen (act. IIE 1036). Nachdem diese auf einer Vorauszahlung bestanden hatte (act. IIE 1037), stellte ihr die Beschwerdegegnerin die Überweisung von Fr. 2'000.-- in Aussicht, sobald seitens der F.________ ag und der Beschwerdeführerin bestätigt werde, dass die Prothesenarbeiten fortgeführt würden. Für den Fall, dass der Kostenvoranschlag über Fr. 4'070.-- aufgrund veränderter Stumpf- verhältnisse nicht mehr aktuell sei, könne ein neuer Kostenvoranschlag ein- gereicht werden. Weiter hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass nur die Kosten für die gewünschten Anpassungen an den bestehenden Prothesen übernommen würden, nicht jedoch der Aufwand für die Anfertigung einer neuen Prothese (act. IIE 1042). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 10 3.2.3Mit Verfügung vom 13. August 2018 (act. IIE 1043) verneinte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Kostenübernahme von neuen Un- terschenkelprothesen. Ferner erwog sie, die geltend gemachte Kritik an der F.________ ag sowie die geltend gemachten notwendigen Anpassungen rechtfertigten keinen Abbruch der begonnenen Prothesenarbeiten und im Rahmen von Anpassungen sollten die geltend gemachten Mängel behoben werden können. Ferner wies die Beschwerdegegnerin darauf hin, sofern auf- grund der Gewichtsveränderung weitere Anpassungen erforderlich seien, könne die F.________ ag einen neuen angepassten Kostenvoranschlag zur Prüfung vorlegen (S. 5). In der Folge wurden bis zum Erlass des Einspra- cheentscheides am 31. Juli 2019 (act. IIE 1130) die Anpassungsarbeiten nicht aufgenommen, wobei die Beschwerdeführerin wiederholt vorbrachte, die Arbeiten seien abzubrechen, weil die F.________ ag keine für sie pas- senden Prothesen anfertigen könne (vgl. IIE 1069; 1110; 1121 f.). 3.3 3.3.1Wie sich aus dem in E. 3.2.1 ff. Dargelegten ergibt, ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf die Versorgung mittels neuer Un- terschenkelprothesen hat. Entsprechend erteilte die Beschwerdegegnerin – basierend auf dem Schreiben vom 18. Oktober 2017 (act. IID 949) sowie dem ausdrücklichen Wunsch der Beschwerdeführerin – der F.________ ag am 13. Dezember 2017 Kostengutsprache für die Erstellung von Unter- schenkelprothesen beidseits (act. IID 964). Diese Prothesen wurden in der Folge auch angefertigt und die F.________ ag stellte hierfür Rechnung, wel- che die Beschwerdegegnerin beglich (act. IIE 1033). Weil die Beschwerde- führerin Beanstandungen hatte, stehen jedoch zusätzliche Anpassungen an, welche bis dato zwar nicht durchgeführt wurden, jedoch – sofern die Be- schwerdeführerin sich zur Mitwirkung bereit erklärt – grundsätzlich durchge- führt werden können, wie dies die F.________ ag festhielt (act. IIE 996). Auch hat Letztere offenbar wiederholt versucht, die Beschwerdeführerin (im Hinblick auf die Fortsetzung der Arbeiten) zu erreichen, wie sie dies selber festhielt (vgl. act. IIE 1070 S. 3). Mithin ist der Prozess hinsichtlich der anbe- gehrten (und im Grundsatz unbestrittenen) Versorgung mittels neuer Unter- schenkelprothesen seit geraumer Zeit am Laufen respektive wird (im Rahmen der zur Diskussion stehenden Anpassungen) fortgesetzt, sofern Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 11 und sobald die Beschwerdeführerin dies will, womit das Rechtsbegehren gemäss Ziffer 2 der Beschwerde zum vornherein ins Leere zielt. 3.3.2Ferner kann dem – wenngleich auf die Kostengutsprache vom 18. Oktober 2017 gestützten – Begehren der Beschwerdeführerin, die Anfer- tigung der Prothesen durch einen anderen Anbieter durchführen zu lassen (Beschwerde, S. 5, Ziff. 4 i.V.m. act. IIE 1056 S. 2, Ziff. 3), nicht stattgegeben werden, zumal keine sachlichen Gründe vorliegen, welche den von der Be- schwerdeführerin wiederholt verlangten Abbruch der Arbeiten rechtfertigen könnten. Zwar machte die Beschwerdeführerin – nachdem sie dem zustän- digen "Orthopädietechniker-Meister" nach einem gemäss eigenen Angaben ausführlichen Gespräch noch "Erfahrung im Prothesenbau" bescheinigt hatte (act. IID 962) – wiederholt geltend, die F.________ ag sei nicht in der Lage, die für sie passenden Prothesen herzustellen (vgl. etwa act. IIE 1110 S. 2, Ziff. 9; E. 3.2.3 vorne). Hierfür bestehen jedoch in den Akten keine ob- jektiven Hinweise und es werden auch im vorliegenden Beschwerdeverfah- ren keine solchen Gesichtspunkte vorgebracht, welche einen solchen Schluss zulassen würden: So hat sich die F.________ ag, welche auch auf der "Vertragslieferantenliste SVOT Tarifvertrag" figuriert (abrufbar unter www.mtk-ctm.ch/de/tarife) und anerkennt, dass die Anfertigung der Prothe- sen sehr schwierig und komplex sei (vgl. act. IID 960 [Kostenvoranschlag]), dem bereits Dargelegten zufolge bereit erklärt, diverse Anpassungen, insbe- sondere auch die von der Beschwerdeführerin wiederholt gewünschte Ein- fassung der Kniescheiben (vgl. act. IIE 996 – hinsichtlich der Erforderlichkeit einer solchen Massnahme bestehen offensichtlich unterschiedliche Auffas- sungen [vgl. act. IIE 1031]), vorzunehmen. Auch hat die Beschwerdegegne- rin ausdrücklich festgehalten, dass die F.________ ag einen angepassten Kostenvoranschlag zur Prüfung vorlegen könne, sofern sich durch die Ge- wichtsveränderung der Beschwerdeführerin Änderungen ergeben (vgl. act. IIE 1043 S. 5; Beschwerde, S. 7). Es liegen ferner keine Stellungnahmen von Ärzten oder Orthopädisten im Recht, welche die bereits erfolgte Prothesen- anfertigung respektive die vorgesehene Anpassung durch die F.________ ag als nicht lege artis beurteilen würden. Dies ergibt sich namentlich auch nicht aus dem Bericht vom 27. August 2019 von Prof. Dr. med. G.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 12 apparates, welcher einzig festhielt, dass das aktuelle Hauptproblem die pro- thetische Versorgung der Unterschenkel sei und alle Anstrengungen unter- nommen werden müssten, richtig sitzende Prothesen anzufertigen (act. IA 6), was jedoch unbestritten und Gegenstand eines laufenden Prozesses ist. Weiter hielt Prof. Dr. med. G.________ aber auch ausdrücklich fest, dass die Beschwerdeführerin "sehr anspruchsvoll und etwas kompliziert" sei, worauf zurückzukommen sein wird (vgl. E. 3.3.3 sogleich). Es bestehen schliesslich in den Akten keine Anhaltspunkte dafür noch werden solche geltend ge- macht, wonach die F.________ ag die Zusammenarbeit mit der Beschwer- deführerin bis zum Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheides verweigert hätte. Auch macht die Beschwerdeführerin im vorliegenden Be- schwerdeverfahren (zu Recht) nicht geltend, dass ihr eine weitere Zusam- menarbeit mit der F.________ ag aus rechtlich beachtenswerten Gründen nicht mehr zumutbar wäre. 3.3.3Ferner trifft es zwar zu, dass die Beschwerdeführerin bereits im Fe- bruar 2018 einen Abbruch der Arbeiten bei der F.________ ag zur Debatte stellte (vgl. act. IIE 978). Dass die Beschwerdegegnerin in diesem Zeitpunkt, da die Prothesen bereits – wenngleich auch noch nicht in der von der Be- schwerdeführerin gewünschten Weise – angefertigt waren (vgl. act. IID 967) und sie im Lichte des bei Sachleistungen (Art. 14 ATSG) geltenden Natural- leistungsprinzips grundsätzlich Schuldnerin geworden ist, nicht abgebrochen und die Herstellung der Prothesen einem anderen Anbieter zugewiesen hat, ist nicht zu beanstanden: Denn zum einen bestanden auch im damaligen Zeitpunkt keine sachlichen Gründe für einen sofortigen Abbruch der Arbeiten (vgl. E. 3.3.2 vorne). Zum andern hatte die Beschwerdegegnerin – entgegen der replicando vertretenen Auffassung (vgl. S. 2 f., Ziff. 4) – den verlangten Abbruch im Lichte eines bei der Hilfsmittelabgabe zu berücksichtigenden vernünftigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses (vgl. E. 2.2.2 f. vorne) auch vor dem Hintergrund des von der Beschwerdeführerin gegenüber zuvor konsul- tierten Anbietern gezeigten Verhaltens zu würdigen: So geht aus diversen Stellungnahmen verschiedener Prothesenhersteller klar hervor, dass die Be- schwerdeführerin als sehr anspruchsvoll (act. IIB 603; act. IIC 652) respek- tive "extrem fordernd" gilt, Änderungen gegen den Rat der Techniker verlangte (act. IIC 689 S. 2) und eine erhebliche Incompliance präsentierte Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 13 sowie technisch nicht realisierbare Wünsche äusserte (act. IID 841 [Ge- sprächsprotokoll der H.________ AG]; 888). Auch seitens der von der Be- schwerdegegnerin im Hinblick auf die Prothesenanfertigung zur Unterstüt- zung hinzugezogenen (act. IIC 658) Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft Hilfsmittelberatung für Behinderte und Betagte (SAHB) wurde darauf hinge- wiesen, dass auch die Beschwerdeführerin eine gewisse Verantwortung und einen konstruktiven Beitrag zu einer annehmbaren, adäquaten Versorgung beizutragen habe, was bei den sich wiederholenden, identisch-problemati- schen Versorgungsabläufen, ohne abschliessende Neuversorgungen, eher Besorgnis erregend als zuversichtlich stimme (vgl. act. IIC 704 S. 3). Letztlich trug das Verhalten der Beschwerdeführerin in erheblicher Weise zu dem im angefochtenen Einspracheentscheid aufgeführten wiederholten Scheitern von Prothesenanfertigungen bei (vgl. act. IIE 1130 S. 5 – 10). Vor diesem Hintergrund war und ist in Erinnerung zu rufen, dass die Beschwerdeführerin nur Anspruch auf die dem Gesundheitsschaden angepassten, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren hat (vgl. E. 2.2.2 f. vorne; MARTINA FILIPPO, a.a.O., N 19 zu Art. 11 UVG). Dazu gehört auch, dass die Beschwerdeführerin nicht nach Belieben den Prothesenver- sorger wechseln kann, sofern dieser grundsätzlich eine den rechtlichen Vor- gaben entsprechende Versorgung mit einem Hilfsmittel durchführen kann. Vorliegend bestehen dem Dargelegten zufolge keine objektiven Hinweise, wonach die F.________ ag ausserstande wäre, Prothesen im Sinne des ge- setzmässigen Anspruchs respektive mit welchen das anvisierte Mobilitätsziel zumindest teilweise erreicht wird (MARTINA FILIPPO, a.a.O., N 20 zu Art. 11 UVG), anzufertigen. 3.4Indem die laufende Prothesenversorgung durch die F.________ ag noch nicht abgeschlossen ist respektive noch Anpassungen zu erfolgen ha- ben und insofern eine zweckmässige und die körperlichen Funktionsausfälle hinreichend ausgleichende Hilfsmittelversorgung weiterhin möglich ist, vers- tiesse eine erneute Neuanfertigung von Prothesen – sei es durch einen Wechsel des Anbieters oder durch die F.________ ag – unter den gegebe- nen Umständen gegen das Gebot der Zweckmässigkeit sowie Einfachheit (vgl. E. 2.2.3 vorne). In diesem Lichte trifft der replicando erhobene Einwand, Thema sei eigentlich nicht der Anspruch auf eine prothetische Versorgung Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 14 unter Berücksichtigung der WZW-Kriterien, sondern der Vorwurf der Be- schwerdegegnerin, die Beschwerdeführerin verweigere infolge streitiger Kri- tik an der Arbeit der Orthopädisten die Mitwirkung mit der Folge, dass jene ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren hätte durchführen müssen, was unter- blieben sei (S. 3 f., Ziff. 6 f. und S. 4, Ziff. 9), nicht den entscheidenden Punkt: Zwar steht tatsächlich fest, dass die Mitwirkung der Beschwerdeführerin nicht optimal ist. Die Leistungsablehnung erfolgte und erfolgt jedoch nicht zufolge fehlender Mitwirkung, sondern weil bei gegebener Konstellation – wie dargelegt – kein Anspruch auf eine neue Prothesenversorgung besteht. 3.5Zusammenfassend ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 31. Juli 2019 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 4. 4.1Verfahrenskosten sind keine zu erheben (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG). 4.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht weder für die unter- liegende Beschwerdeführerin noch für die obsiegende Beschwerdegegnerin ein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG; BGE 126 V 143 E. 4a S. 150). Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Partei-ent- schädigung zugesprochen. 3. Zu eröffnen (R): - B.________ z.H. der BeschwerdeführerinUrteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Juni 2020, UV/19/586, Seite 15 - Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG (samt Replik vom 15. Mai 2020) - Bundesamt für Gesundheit Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.