Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Dezember 2015 (715 14 187) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Vorliegend ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer empfangene Beträge (Einnahmen aus Aufträgen) und Naturalleistungen als Lohn bezogen hat, weshalb diese als versicherter Verdienst zu berücksichtigen sind Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.___ , Beschwerdeführer , vertreten durch Doris Vollenweider , Adv o- katin, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Taggeld A. Der 1966 geborene A.____ arbeitete ab 1. Juni 20 11 bei der Firma B.____ bzw. bei C.____ als Inhaber der Firma B.____. Das Arbeitsver hältnis wurde von C.____ am 28. September 2012 per 31. Oktober 2012 infolge Ums trukturierungen mündlich aufgelöst. In der Folge ergab sich, dass das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungs- frist erst per 30. November 2012 endete. A.____ mel dete sich am 2. November 2012 zur Ar- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsvermittlung und erhob am 12. November 2012 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 2. November 2012 (recte 1. Dezember 2012). Mit Verfügu ng Nr. 761/2013 vom 19. April 2013 betreffend Taggeldabrechnungen für die Monate Dezemb er 2012 bis März 2013 bestätigte die Arbeitslosenkasse Basel-Landschaft (Arbeitslosenkasse) den zu r Berechnung der Taggelder festgelegten versicherten Verdienst in der Höhe von Fr. 4‘070.-- pro Monat. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies d ie Arbeitslosenkasse mit Entscheid vom 27. Mai 2014 ab. B. Mit Schreiben vom 19. Juni 2014 erhob A.____ Beschwer de beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgeri cht), und beantragte sinngemäss, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben. C. Die Arbeitslosenkasse beantragte mit Vernehmlassung vom 3. September 2014 die Ab- weisung der Beschwerde. D. Auf Aufforderung des Gerichts hin reichte A.____ mi t Schreiben vom 22. Dezember 2014 eine verbesserte Beschwerde ein. E. Mit Schreiben vom 20. Februar 2015 gab der Beschwer deführer bekannt, dass er nun durch Advokatin Doris Vollenweider vertreten werde. F. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung wurden C .____ als Auskunftsperson sowie der Beschwerdeführer zur Sache befragt. Der Beschwerdef ührer beantragt, der Einspracheent- scheid sei aufzuheben und es sei von einem versicherten Verd ienst von Fr. 6‘900.-- zur Be- rechnung der Arbeitslosentaggelder auszugehen. Die Beschw erdegegnerin hielt an ihrem An- trag auf Abweisung der Beschwerde fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver- sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Jun i 1982 kann der Bundesrat die örtliche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts i n Abweichung von Art. 58 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche rungsrechts (ATSG) vom 6. Ok- tober 2000 regeln. Gemäss Art. 128 der Verordnung übe r die obligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. Au gust 1983 richtet sich die Beurtei- lung der Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerich ts nach Art. 119 AVIV. Örtlich zu- ständig ist gemäss Art. 128 in Verbindung mit Art. 119 Abs. 1 lit. a AVIV das Gericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person ihre Kontrollpfli cht erfüllt. Während des Leistungsbe- zugs hat der Beschwerdeführer seine Kontrollpflicht im Kanton Basel-Landschaft erfüllt. Nach § 54 Abs. 1 lit. k des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Kantonsgericht, Abteilung S ozialversicherungsrecht, als einzi- ge gerichtliche Instanz des Kantons Basel-Landschaft zur Behandlung von Beschwerden gegen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügungen gemäss Art. 100 AVIG zuständig. Nachdem der Beschwerdeführer auf Aufforde- rung des Kantonsgerichts hin eine verbesserte Beschwerde eingereicht hat, kann auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht frist- und for mgerecht eingereichte Beschwerde einge- treten werden. 2. Der den Sozialversicherungsprozess beherrschende Untersu chungsgrundsatz (Art. 61 lit. c ATSG i.V.m. Art. 1 AVIG) schliesst die Beweislast i m Sinne einer Beweisführungslast be- griffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 107 V 163 E. 3a mit Hinweisen). Zudem ist im vorliege nden Verfahren der im Sozialversiche- rungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit massgebend. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Bew eisanforderungen nicht. Das Ge- richt hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu fol gen, die sie von allen möglichen Gesche- hensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 125 V 195 E. 2 mit Hinweisen). 3. Die Arbeitslosenentschädigung wird als Taggeld ausge richtet (Art. 21 Satz 1 AVIG). Dessen Höhe richtet sich grundsätzlich nach dem versicherten Verdienst der arbeitslosen Per- son (Art. 22 AVIG). Als versicherter Verdienst gilt nach Art. 23 Abs. 1 Satz 1 AVIG der im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebende Lohn, der während ei nes Bemessungszeitraumes aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise e rzielt wurde; eingeschlossen sind die vertraglich vereinbarten regelmässigen Zulagen, sowe it sie nicht Entschädigung für arbeits- bedingte Inkonvenienzen darstellen. Der Bundesrat hat i n Art. 37 AVIV den Bemessungszeit- raum für den versicherten Verdienst festgelegt. Danach bemisst sich der versicherte Verdienst nach dem Durchschnittslohn der letzten sechs Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug (Art. 37 Abs. 1 AVIV), bzw. nach de m Durchschnittslohn der letzten zwölf Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leist ungsbezug, wenn dieser Durch- schnittslohn höher ist als derjenige nach Absatz 1 (Art. 37 Abs. 2 AVIV). Praxisgemäss ist bei der Ermittlung des versicherten Verdien stes der im Bemessungszeitraum tatsächlich erzielte Lohn massgebend; eine davon abweiche nde Lohnabrede zwischen Arbeit- geber und Arbeitnehmer hat grundsätzlich unbeachtlich zu bleiben (BGE 131 V 444 E. 3.2.1 S. 450 f.; 128 V 189 E. 3a/aa S. 190, je mit Hinwei sen). Der versicherte Verdienst nach Art. 23 AVIG bildet ein Korrektiv bei allfälligen missbräuchli chen Lohnvereinbarungen zwischen Arbeit- nehmer und Arbeitgeber, indem grundsätzlich die tatsäc hlichen Lohnbezüge im Bemessungs- zeitraum massgebend sind (BGE 131 V 444 E. 3.2.3 S. 45 1 mit Hinweis). Von dieser Regelung im Einzelfall abzuweichen, rechtfertigt sich nur dort , wo ein Missbrauch im Sinne der Vereinba- rung fiktiver Löhne, welche in Wirklichkeit nicht zur Auszahlung gelangt sind, praktisch ausge- schlossen werden kann (BGE 128 V 189 E. 3a/aa S. 190 mit Hinweis). 4.1 Vorliegend ist die Vorinstanz davon ausgegangen, da ss der Beschwerdeführer einer beitragspflichtigen Beschäftigung nachgegangen ist und ha t ein Einkommen von durchschnitt- lich Fr. 4‘070.-- pro Monat von Dezember 2011 - Novem ber 2012 als versicherten Verdienst angenommen. Zur Begründung wird ausgeführt, dieser Lohn ergebe sich aus den Auszügen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom Postcheck-Konto des Beschwerdeführers. Andere Lohnzah lungen seien nicht nachgewie- sen. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe seinen Lohn nicht nur mittels Überweisungen auf sein Postcheck-Konto, sondern auch als Barbezug und in Na turalien erhalten. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung macht er einen versicherte n Verdienst in der Höhe von Fr. 6‘900.-- geltend. 4.2.1 Im Folgenden ist die Höhe des versicherten Verdien stes zu prüfen. Unbestritten ist, dass in der für die Berechnung des versicherten Verdie nstes massgebenden Zeit von Dezem- ber 2011 - November 2012 Lohnzahlungen in der Höhe v on Fr. 45‘000.-- auf das Postcheck- Konto des Beschwerdeführers eingegangen sind. Umstritten ist, ob der Beschwerdeführer wei- tere Leistungen, insbesondere Barzahlungen und Naturalien, als Lohn erhalten hat. C.____ gab mit Schreiben vom 4. Februar 2012 (recte 20 13) an, dass er dem Beschwerdefüh- rer im Jahr 2011 Fr. 41‘500.-- und im Jahr 2012 Fr. 68‘172.90 als Lohn ausbezahlt habe. Dem beigelegten Lohnblatt für das Jahr 2011 ist eine Lohns umme von Fr. 42‘999.-- und dem Lohn- blatt 2012 eine Lohnsumme von Fr. 68‘130.20 zu entne hmen. Gemäss dem Auszug aus dem individuellen Konto der Ausgleichskasse Basel-Landschaft vom 25. April 2014 hat C.____ – anders als im Schreiben vom 4. Februar 2012 (recte 2013) – eine Lohnsumme von Fr. 60‘545.-- für die Monate März - November 2012 angegeben. Die Mo nate Juni 2011 bis Februar 2012 wurden vom Arbeitgeber gegenüber der Ausgleichskasse nicht abgerechnet. Die Lohnausweise 2011 und 2012 weisen ein Einkommen von Fr. 41‘600.-- für das Jahr 2011 und von Fr. 67‘630.-- für das Jahr 2012 aus. In der Steuererklärung 2011 gab der Beschwerdeführer ein Einkommen von Fr. 48‘491.-- aus unselbständiger Erwerbstätigkeit an. In der definitiven Steuerveranlagung wurde ein Einkommen von Fr. 43‘000.-- aus unselbständi ger Erwerbstätigkeit sowie ein Ein- kommen in der Höhe von Fr. 23‘234.-- aus selbständige r Tätigkeit aufgeführt. In der Steuerer- klärung 2012 hat der Beschwerdeführer ein Einkommen von Fr. 76‘200.-- deklariert. Der defini- tiven Veranlagungsverfügung ist ein Einkommen in der H öhe von Fr. 67‘300.-- aus unselbstän- diger Erwerbstätigkeit zu entnehmen. 4.2.2 Zu Recht weist die Beschwerdegegnerin darauf hi n, dass sowohl die vom Arbeitgeber angegebenen Lohnsummen als auch die Angaben des Beschwe rdeführers zu Handen der Steuerbehörde wie auch die aus den Veranlagungsverfügu ngen ersichtlichen Lohnsummen voneinander abweichen. Immerhin zeigt sich aber aus all diesen Belegen, dass das Einkommen des Beschwerdeführers im Jahr 2011 zwischen Fr. 41‘500.-- bis Fr. 48‘491.-- betragen haben dürfte. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der Beschwerdefü hrer lediglich 7 Monate in diesem Jahr als unselbständig Erwerbender gearbeitet hat. Dam it ergibt sich umgerechnet ein Ein- kommen zwischen Fr. 5‘928.-- und Fr. 6‘927.--. Für das Ja hr 2012 (Januar - November) befin- den sich in den Akten Beträge zwischen Fr. 67‘300.-- und 68‘130.--. Dies entspricht einem durchschnittlichen monatlichen Einkommen zwischen Fr. 6‘1 18.-- und 6‘194.--. Ausserdem ist aus dem IK-Auszug ein Betrag von Fr. 60‘545.-- für die Monate März - November 2012 ersicht- lich, was einem monatlichen Durchschnittslohn von Fr. 6‘722.-- entspricht. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3.1 Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung führt C.____ aus, Mitte 2012 habe seine Ehefrau die Obhut über die gemeinsamen Kinder gerich tlich zugesprochen erhalten. Es sei ihm sehr schlecht gegangen und er habe die Firma vernachl ässigt. Deshalb sei es geschäftlich im- mer schlechter gegangen. Per Ende Oktober 2012 habe e r dem Beschwerdeführer gekündigt. Sie hätten dann festgestellt, dass die Kündigungsfrist zwei Monate betrage, weshalb er ihm den Lohn für November 2012 noch nachbezahlt habe. Das Arbei tsverhältnis sei dann per Ende No- vember 2012 aufgelöst worden. Er habe drei Angestellte gehabt. Die Lohnzahlungen seien teil- weise über das Postcheck-Konto erfolgt. Der Lohn sei unr egelmässig ausgerichtet worden, ge- rade so wie Geld eingenommen worden sei. Oft habe die Ausführung der Aufträge rund zwei Monate gedauert, weshalb er erst nach Beendigung des Auftrags Geld zur Verfügung gehabt habe. Es sei ein Lohn von Fr. 6‘000.-- bzw. brutto Fr. 6‘700.-- vereinbart gewesen. Der Be- schwerdeführer habe keine Ferien bezogen. Dies habe sic h so ergeben, weil sie so viel Arbeit gehabt hätten. Er habe dem Beschwerdeführer wenn mögl ich Fr. 5‘000.-- pro Monat überwie- sen und zusätzlich habe dieser noch Bargeld bezogen. Mit der Buchhaltung sei er immer im Verzug gewesen. Diese sei dann nachträglich angepasst wo rden. Teilweise habe der Be- schwerdeführer Bargeld von Kunden entgegen genommen u nd als Lohn behalten. Dies sei so abgemacht gewesen und nachträglich so verbucht worden. Wenn sie Geld in Bar erhalten hät- ten, sei dies immer auf Wunsch der Kunden geschehen. Gelegentlich habe der Beschwerdefüh- rer das Bargeld auch als Vorschuss bezogen. Er (der Arbeitg eber) sei mit den Lohnzahlungen oft im Verzug gewesen, deshalb sei es nichts als gerecht gewesen, wenn der Beschwerdefüh- rer seinen Lohn auch ab und zu als Vorauszahlung erhalte n habe. Der Beschwerdeführer habe auch kleinere Beträge direkt bezogen. So habe er beis pielsweise bei Einkäufen in Deutschland die Rückerstattung der Mehrwertsteuer behalten. Wer Bargeld bezogen habe, habe dies aufge- schrieben. Diese Bezüge seien dann verrechnet worden. Es habe eine Excel-Liste mit Bezügen und Ausgaben gegeben. Diese Liste sollte noch existieren . Sie hätten die Liste immer wieder zusammen angesehen und überprüft. Alles sei immer abgesp rochen gewesen. Tatsächlich ha- be der Beschwerdeführer auch Schrauben selbst behalten und dies sei als Lohn angerechnet worden. Auch hätten sie einmal Fr. 12‘300.-- aus eine m Auftrag in Bar erhalten. Solch grosse Beträge seien verschiedentlich eingegangen. Vermutlich sei er zum damaligen Zeitpunkt mit den Lohnzahlungen in Rückstand gewesen, möglicherweise s ei ein Teil auch als Vorschuss bezogen worden. Es sei richtig, dass der Beschwerdeführ er einmal Material im Wert von Fr. 6.60 als Lohn bezogen habe. Der Beschwerdeführer habe d ies auf der Liste aufgeführt; er sei halt ehrlich gewesen. Häufig habe der Beschwerdeführe r auch am Bankomat Geld bezogen und damit Materialeinkäufe getätigt. 4.3.2 Der Beschwerdeführer führt aus, er habe alle Ausg aben und Bezüge immer für sich aufgeführt und eine Excel-Liste geführt, um den Überb lick zu wahren. Er habe alles erfasst, auch Einzahlungen auf das Postcheck-Konto und Barbezüge. Im März und April 2012 hätten nur noch die beiden anderen Mitarbeiter auf Montage gearbeitet, er habe im Büro aufgeräumt. Es habe ein Chaos in der Buchhaltung geherrscht. Der Arb eitgeber habe sie bei der SUVA und bei der AHV nicht angemeldet. Sie hätten keine Tagg eldversicherung gehabt. Die SUVA habe einem Mitarbeiter nach einem Unfall mitgeteilt, dass er nicht versichert gewesen sei. Damals sei ihnen schon gekündigt gewesen. Im Mai und Juni 2012 hab e er keinen Lohn auf das Post- check-Konto erhalten. Er habe gelernt damit umzugehen, er habe 2 ½ Jahre wegen finanziellen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht und privaten Problemen auf dem Campingplatz gelebt. Gelegentlich seien Barzahlungen für die Firma direkt an ihn als Lohn gegangen. Die Lohnüberwe isungen auf das Postcheck-Konto hät- ten meistens Fr. 5‘000.-- betragen. Dies sei halt ein runder Betrag gewesen. Der Arbeitgeber habe dies auch bei anderen Mitarbeitern so gehandhabt. Den Barbetrag von Fr. 12‘300.– für die Firma habe er von einer Auftraggeberin entgegen geno mmen und sein Arbeitgeber habe ge- sagt, er solle es behalten. Mit diesem Betrag habe er e in Darlehen seines Onkels über Fr. 20‘000.-- zurückbezahlt. Er habe den Betrag nicht auf das Konto seines Onkels überweisen dürfen, da seine Tante nichts davon habe erfahren dürfen. 4.4 Aus den vorliegenden Akten sowie der heutigen Befra gung des Beschwerdeführers und des ehemaligen Arbeitgebers ergibt sich zweifellos, dass die administrative Organisation der Firma B.____ eher chaotisch war. Die Lohnzahlunge n erfolgten unregelmässig, aber wenn möglich wurde ein Betrag von Fr. 5‘000.-- monatlich überwiesen. Glaubhaft und nachvollziehbar wurde anlässlich der heutigen Parteiverhandlung dargelegt, dass der Lohn auch in Bar und mit- tels Naturalleistungen bezogen wurde. Die Auflistung di eser Bezüge erfolgte ausgesprochen detailliert. So wurde beispielsweise ein Betrag von Fr. 6.60 als Lohn für den privaten Bezug von Schrauben festgehalten. Auch der als Lohn bezogene Meh rwertsteuerbetrag von Fr. 166.75 (bzw. 132.34 Euro), welcher der Firma gemäss der D.__ __ GmbH vom 16. Februar 2012 zu- stand, wurde in dieser Auflistung ausgewiesen. Auch die Aussage, der Beschwerdeführer habe am 31. Januar 2012 einen Betrag in der Höhe von Fr. 12‘300.-- in Bar als Lohn bezogen, wirkt glaubhaft. Überhaupt erscheinen die vom Beschwerdeführ er aufgelisteten Lohnbezüge nach- vollziehbar und wurden auch vom Arbeitgeber, soweit erin nerlich, bestätigt. Anlässlich der heu- tigen Parteiverhandlung hat sich aber auch gezeigt, dass der Umgang zwischen Beschwerde- führer und Arbeitgeber von gegenseitigem Vertrauen g ekennzeichnet war. Der Beschwerdefüh- rer hat neben grossen auch kleine Beträge sorgfältig als Lohn festgehalten und der Arbeitgeber hat dies so akzeptiert. 5.1 Gemäss den in den Akten befindlichen Unterlagen er gibt sich ein wesentlich höherer versicherter Verdienst des Beschwerdeführers als der von der Arbeitslosenkasse angenomme- ne Betrag von Fr. 4‘070.-- pro Monat. Wie bereits ausg eführt (vgl. oben Ziff. 4.2.1 und 4.2.2), resultiert aus den verschiedenen vorliegenden Dokumenten ein Einkommen von monatlich min- destens Fr. 5‘928.-- für das Jahr 2011 und Fr. 6‘118.- - für das Jahr 2012. Gestützt auf andere Angaben gelangt man auf ein noch höheres Einkommen. Allerdings sind diese Angaben unein- heitlich. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind d enn auch Arbeitgeberbescheini- gungen sowie Steuererklärungen und Eintragungen im in dividuellen Konto lediglich Indizien für tatsächliche Lohnzahlungen, geben aber keine schlüssige Au skunft darüber, ob und gegebe- nenfalls welcher Lohn dem Beschwerdeführer während welc her Zeitspanne effektiv ausbezahlt worden ist. Das Gericht gelangt im vorliegenden Fall zur Auffassung, dass auf die in der Beschwerdebe- gründung vom 22. Dezember 2014 zusätzlich zu den unbestri ttenen Lohnüberweisungen auf das Postcheck-Konto aufgelisteten Lohnbezüge, welche auch in einer separaten Liste erfasst wurden, abgestellt werden kann. Die in der Liste aufg eführten Bezüge entsprechen weitgehend den in den Akten vorliegenden Rechnungen und Quittung en. Diese lauten zwar auf die Firma, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht aber angesichts der glaubwürdigen und übereinstimmend en Aussagen des Beschwerdeführers und dessen früheren Arbeitgebers, kann mit überwiegende r Wahrscheinlichkeit davon ausge- gangen werden, dass der Beschwerdeführer die empfangene n Beträge (Einnahmen aus Auf- trägen) bzw. Naturalleistungen (Anrechnung des Wertes) als Lohn bezogen hat. Dies umso mehr als diese Beträge auch weitgehend den vorliegende n Angaben gegenüber den Behörden entsprechen (Steuerbehörden, AHV). Unter Berücksichtigu ng dieser Beträge ergibt sich, dass der Beschwerdeführer für den Zeitraum von Dezember 20 11 bis November 2012 zusätzlich Lohn in der Höhe von Fr. 20‘272.90 bezogen hat. Unter Anrechnung des unbestrittenen Lohnes von Fr. 45‘000.--, welcher auf das Postcheck-Konto überwi esen wurde, und den Lohnbezügen im Umfang von Fr. 20‘272.90 resultiert ein Nettolohn von Fr. 65‘272.90 für den Zeitraum von Dezember 2011 - November 2012. Damit ergibt sich unter Berücksichtigung der Lohnnebenkos- ten ein zur Berechnung des versicherten Verdienstes zu ber ücksichtigender Bruttolohn von Fr. 70‘844.-- bzw. monatlich Fr. 5 903.--. 5.2 Nach dem Gesagten wird die vorliegende Beschwerde t eilweise gutgeheissen und der versicherte Verdienst auf Fr. 5‘903.-- pro Monat festgese tzt. Zur Neuerstellung der Taggeldbe- rechnung ist die Angelegenheit an die Öffentliche Arbe itslosenkasse Baselland zurückzuwei- sen. 6.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Versicherungsge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. 6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfa hrens entsprechend ist dem obsie- genden Beschwerdeführer eine Parteientschädigung zu Last en der Arbeitslosenkasse zuzu- sprechen. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat in ihrer Honorarnote vom 4. Dezember 2015 einen Zeitaufwand von insgesamt 8,5 Stunden ohne Hau ptverhandlung geltend gemacht. Unter Berücksichtigung der Dauer der Hauptverhandlung ergibt sich ein Zeitaufwand von 11 Stunden. Dieser erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachv erhalts- und Rechtsfragen als an- gemessen. Die Bemühungen von 11 Stunden sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stund enansatz von Fr. 250.-- zu entschä- digen. Hingegen ist der Ansatz von Fr. 2.-- pro Kopie u m Fr. 0.50 zu kürzen, womit sich ein Be- trag von Fr. 473.50 als Auslagen ergibt. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 3‘481.40 (inkl. Auslagen u nd 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Arbeitslosenkasse zuzusprechen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise g utgeheissen als festge- stellt wird, dass der versicherte Verdienst Fr. 5‘903.-- p ro Monat be- trägt und die Angelegenheit zur Neuerstellung der Ta ggeldberechnung an die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland hat de m Beschwerdefüh- rer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘4 81.40 auszurich- ten.