Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 1. März 2016 (410 16 19) ____________________________________________________________________ Zivilprozessrecht Nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil durch Ausstellung eines Entscheides wegen mangelhaften Gutachtens (Art. 319 lit. b ZPO / Art. 188 Abs. 2 ZPO) Besetzung Präsidentin Christine Baltzer Gerichtsschreiber Andreas Linder Parteien A. ____, vertreten durch Advokatin Susanne Ackermann, Spittelerhof, Kaser- nenstrasse 22a, Postfach 569, 4410 Liestal, Beschwerdeführer gegen B. ____, vertreten durch Rechtsanwalt Christian Affentranger, Ober-Emmenweid 46, Postfach 1846, 6021 Emmenbrücke, Beschwerdegegnerin Gegenstand Eheschutz / Verfahrensleitende Verfügung A. Im Rahmen des Eheschutzverfahrens der Ehegatten A._ ___ und B.____ vor dem Zivil- kreisgericht Basel-Landschaft Ost wurde den Parteie n mit Entscheid vom 18. August 2015 die Aufhebung des gemeinsamen Haushaltes bewilligt und wurden die Modalitäten des Getrenntle- bens geregelt. Das gemeinsame Kind der Parteien, C. ____, geboren am 1. März 2013, wurde Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorläufig unter die sog. faktische Obhut der Mutter gest ellt, wobei der Wohnsitz und der Haupt- aufenthaltsort des Kindes bei der Mutter sei. Die Eheg atten seien sich einig, dass der Sohn C.____ jeweils den Montag, den Mittwoch und den Freit ag in der Kindertagesstätte „D.____“ in X.____ verbringe. Dem Vater wurde vorläufig das Recht e ingeräumt, das Kind im Rahmen ei- nes begleiteten Besuchsrechts im Tagesheim Y.____ jeden 1. Sonntag und jeden 3. Samstag im Monat von 14.00 - 18.00 Uhr zu besuchen. Der Vater und das Kind erhielten vorläufig kein Ferienrecht. Zur Vorbereitung der Besuchstage sowie zur Beaufsichtigung deren Verlaufs wur- de im Weiteren eine Erziehungsbeistandschaft angeordne t. Ferner wurde ein Gutachten beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst zur Frage der Zu teilung der Obhut sowie zur Rege- lung des persönlichen Verkehrs zwischen dem nicht obhutsberechtigten Elternteil und dem Kind sowie betreffend allfälliger Kindesschutzmassnahmen, inkl . der Frage einer allfälligen Fremdplatzierung, eingeholt. Es wurde in Aussicht gestel lt, dass über die definitive Regelung der Obhut, des persönlichen Verkehrs des nicht obhutsber echtigten Elternteils und des Kindes sowie bezüglich Kindesschutzmassnahmen nach Eingang des be sagten Gutachtens entschie- den werde. B. Der Ehemann liess gegen die Zuweisung der ehelichen L iegenschaft an die Ehefrau so- wie gegen die vorsorgliche Regelung der Obhut und de s persönlichen Verkehrs Berufung beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, einreichen. Anlässlich der Berufungsver- handlung vom 20. Oktober 2015 vor dem oberen Gericht verständigten sich die Parteien für den Zeitraum bis zum Eingang des Gutachtens des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Diensts und dem anschliessenden Entscheid des Zivilkreisgerichts Basel-La ndschaft Ost im Wesentlichen dahingehend, dass die eheliche Liegenschaft der Ehefrau zur weiteren Benutzung zugewiesen werde. Die Parteien würden die elterliche Sorge über C.____ gemeinsam ausüben. Die Obhut über C.____ solle zwischen den Eltern aufgeteilt werde n. So soll der Sohn wie bisher am Mon- tag, Mittwoch und Freitag die Kindertagesstätte „D.___ _“ besuchen. Bis Ende Oktober 2015 werde C.____ den ganzen Dienstag beim Vater verbringe n und ab November 2015 zusätzlich vom Dienstag auf den Mittwoch beim Vater übernachten. Ab Januar 2016 werde er jede Woche die Zeit von Montagabend, ca. 18.00 Uhr, bis Mittwochmo rgen, ca. 07.00 Uhr, beim Vater ver- bringen. Im Weiteren werde C.____ ab Dezember 2015 d as erste Wochenende pro Monat, je- weils ab Freitagabend, ca. 18.00 Uhr, bis Montagmorgen, ca. 07.00 Uhr beim Vater verbringen. Wenn der Sohn das Wochenende beim Vater sei, würden die Besuche vom darauffolgenden Montag bis Mittwoch enfallen. Der Vater hole den Sohn jeweils in der Kindertagesstätte „D.____“ ab und bringe in dorthin zurück. Die restlich e Zeit werde C.____ unter der Obhut der Mutter zubringen. Jeweils Donnerstag- und Sonntagabend zwischen 19.15 und 19.30 Uhr kön- ne der Vater mit C.____ sodann telefonieren, wenn di eser sich dann nicht in der Obhut des Va- ters befinde. Über eine weitergehende oder abweichende Regelung der Obhut und des persön- lichen Verkehrs der Eltern mit dem Sohn würden sich die se unter Berücksichtigung der Wün- sche und Bedürfnisse des Kindes und - soweit notwendig - u nter Konsultation des Erziehungs- beistands im gegenseitigen Einvernehmen direkt untereina nder verständigen. Die Parteien würden sich bemühen, zum Wohle des Sohnes die gegenseitige Kommunikation zu verbessern. Mit Entscheid vom 20. Oktober 2015 genehmigte das Kanton sgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Zivilrecht, diese Vereinbarung und schrieb das Rechtsmittelverfahren als erledigt ab. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Am 2. Dezember 2015 legte der Kinder- und Jugendpsych iatrische Dienst dem Zivilkreis- gericht Basel-Landschaft Ost das verlangte Gutachten vor und empfahl eine gleichmässige Auf- teilung der Obhut, zu je 50 % auf beide Elternteile bei einem gemeinsamen Sorgerecht. Die Regelung der dazu notwendigen Details solle dazu über den Beistand erfolgen. Mit Verfügung vom 2. Dezember 2015 unterbreitete das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost den Parteien das besagte Gutachten zur Kenntnisnahme und lud diese a uf 22. Dezember 2015 zu einer neuerlichen Eheschutzverhandlung. Zugleich wurden die Pa rteien angehalten, Anträge zur de- finitiven Regelung der Obhut und der konkreten Betreuu ngsanteile resp. des persönlichen Ver- kehrs des nicht obhutsberechtigten Elternteils und des Sohn es bzw. von Kindesschutzmass- nahmen einzureichen. Die Parteivertreter haben sich al sdann mit Eingaben vom 17. und 18. Dezember 2015 vernehmen lassen. Im Nachgang zur Parteive rhandlung vom 22. Dezember 2015 verfügte der Präsident des Zivilkreisgerichts Basel-La ndschaft Ost, dass der Fall ausge- stellt werde und ein Gutachten im Sinne des Urteils be i einer anderen sachverständigen Per- son, i.e. bei Dr. Volker Schmidt, Kinder- und Jugendp sychiatrischer Dienst, in Solothurn in Auf- trag gegeben werde (Ziff. 2). Den Parteien wurde Ge legenheit gegeben, um gegen den vorge- schlagenen Gutachter Ablehnungsgründe vorzutragen (Ziff. 3). In der nachgereichten Begrün- dung erwog das Gericht zusammengefasst, das eingereichte Gutachten erweise sich als nicht nachvollziehbar und schlüssig. ln Bezug auf die Betreuung santeile äussere sich das Gutachten nur in allgemeinster Form, indem es eine „gleichmässige “ Aufteilung der Obhut empfehle. In diesem Sinne erweise es sich als nicht vollständig. Vor dem Hintergrund der bundesgerichtli- chen Rechtsprechung zur elterlichen Sorge, der unbestrit tenen und notorischen Kommunikati- onsunfähigkeit der Ehegatten und ihrer diesbezüglichen (bisherigen) kompletten Entwicklungs- unfähigkeit sowie der Unvollständigkeit, Nichtnachvollzie hbarkeit und der fehlenden Schlüssig- keit des Gutachtens sehe sich das Gericht unverändert nicht i n der Lage, eine definitive Ob- hutsregelung, welche in zeitlicher Hinsicht nicht unerh eblich in die Zukunft wirken werde, zu treffen, weshalb der Fall auszustellen sei. Da die Ehe frau auch hinsichtlich der Richtigkeit der im Gutachten gemachten Erhebungen Vorbehalte vorgebr acht habe, rechtfertigte es sich, zu den mit Urteil vom 18. August 2015 gestellten Fragen - unter Verzicht auf an den KJPD Basel- land gerichtete Erläuterungs-/Ergänzungsfragen - ein Ersatzgutachten bei einer anderen Fach- stelle einzuholen. D. Mit Eingabe vom 18. Januar 2016 liess der Ehemann, vertreten durch Advokatin Susanne Ackermann, gegen die Verfügung des Zivilkreisgerichts Basel -Landschaft Ost vom 22. Dezember 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Zivilrecht, einreichen. Er beantragte, Ziffer 2 der besagten Ve rfügung sei aufzuheben und es sei zu verfü- gen, dass der Sohn der Parteien, C.____, unter die a lternierende Obhut der Eltern zu je 50 % Betreuung durch die Mutter und den Vater gestellt wer de. Die Betreuungsregelung sei wie folgt festzulegen: Jeweils Montag 18.00 Uhr bis Mittwoch 8.00 Uhr beim Vater; jeweils Mittwoch 18.00 Uhr bis Freitag 8.00 Uhr bei der Mutter; die Wochenenden jeweils alternierend beim Vater und bei der Mutter (Freitag 18.00 Uhr bis Montag 8.0 0 Uhr). Am Montag, Mittwoch und Freitag solle C.____ wie bis anhin ganztags in einem Tagesheim sein. Die Schulferien und die offiziel- len Feiertage sollen hälftig zwischen den Eltern aufge teilt und jeweils drei Monate im Voraus zusammen mit dem Beistand festgelegt werden. Eventualite r sei die Obhut dem Vater zu über- tragen, und der Mutter sei ein Besuchsrecht nach Ermesse n des Gerichts einzuräumen. Even- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tualiter sei die Sache zur Fällung eines Obhuts-/Betre uungsentscheids an die Vorinstanz zu- rückzuweisen; unter o/e Kostenfolge. In der Begründung wurde vorab die Prozessgeschichte geschildert und zusammenfassend gerügt, die vor Kantons gericht getroffene Obhutsregelung sei nicht statisch gewesen, sondern der Betreuungsanteil des Vaters sei kontinuierlich erhöht worden. Eine weitergehende Regelung sei nicht getro ffen worden, weil festgestanden habe, dass das Gutachten vor dem Jahresende eingehen und dann neu entschieden würde. Der von der Vorinstanz angesprochene Widerspruch lasse sich somit nicht erkennen: Die Gutachter würden die kontinuierliche Ausweitung der Betreuung du rch den Vater, wie sie in der Vereinba- rung vorgenommen worden sei, als richtig erachten, und sie würden eine je hälftige Betreuung des Kindes empfehlen. Was die Kommunikation zwischen den E ltern anbelange, so sei es zu- treffend, dass diese nach wie vor schwierig sei, wobei U neinigkeiten über irgendwelche The- men keine Rückschlüsse auf eine mögliche Kooperation in B ezug auf C.____ zulasse. Entge- gen der Auffassung der Vorinstanz seien aber Fortschritte zu erkennen. C.____ gehe es nach den Feststellungen im Gutachten gut. Er zeige keinerlei Anzeichen eines Loyalitätskonflikts, die Spannungen zwischen den Eltern wirkten sich nicht negativ a uf sein Wohlergehen aus. Eine Alleinzuteilung der Obhut an die Ehefrau - was die V orinstanz offensichtlich sinngemäss meine - oder eine überwiegende Betreuung des Kindes durch die Mutter, wie es heute der Fall sei, schaffe demgegenüber die begründete Gefahr einer Beei nflussung des Kindes. Es sei richtig, dass die Ehefrau das Gutachten kritisiert habe, weil sie damit nicht einverstanden gewesen sei, aber inwieweit eine Kritik einer Partei an einem unliebsamen Gutachten dazu führen solle, dass ein Gutachten von vorneherein als unbrauchbar erachtet und sogar auf Erläuterungs- und Er- gänzungsfragen verzichtet werde, bleibe unerfindlich. E s sei notorisch, dass sehr häufig nicht beide Parteien mit einem Gutachten einverstanden seie n. Die Argumentation der Vorinstanz hätte zur Folge, dass jedes Gutachten durch Kritik daran zu Fall gebracht werden könnte. Wei- ter habe die Vorinstanz das Recht nicht richtig angewendet. Nach Vorliegen des Gutachtens sei den Ehegatten nicht Frist angesetzt worden, um Erläut erungs- oder Ergänzungsfragen zu stel- len, wie dies Art. 187 Abs. 4 ZPO vorschreibe. Die Vori nstanz hätte auch die Möglichkeit ge- habt, von sich aus Erläuterungs- und Ergänzungsfragen zu stellen. Damit hätten sich allfällige Unklarheiten ohne grosse zeitliche Verzögerungen und ohne enorme Mehrkosten ausräumen lassen. Auf die einlässliche Begründung der Beschwerde i st in den Erwägungen zurückzukom- men, soweit dies notwendig ist. E. In der Beschwerdeantwort vom 12. Februar 2016 liess di e Ehefrau, vertreten durch Rechtsanwalt Christian Affentranger, beantragen, dass die Beschwerde des Beschwerdeführers vom 18. Januar 2016 vollumfänglich abzuweisen sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers. Der Sohn werde dem Besch werdeführer keineswegs vor- enthalten. Vielmehr hätten die Parteien anlässlich de s Rechtsmittelverfahrens eine sehr ausge- dehnte Betreuung von C.____ durch den Beschwerdeführer vereinbart, weshalb ihm durch die Ausstellung des Verfahrens kein nicht leicht wiedergutzu machender Nachteil drohe. Die Aus- stellung des Verfahrens stelle keine Rechtsverzögerung da r. Vielmehr sei die Sistierung des Verfahrens angezeigt, da auf das fragliche Gutachten nicht abgestellt werden könne. Das Gut- achten beinhalte nämlich erhebliche formelle und inhal tliche Fehler. Auch ohne alternierende Obhut beider Beschwerdeführer sei mit Sicherheit keine Entfremdung zwischen ihm und C.____ zu befürchten, betreut er doch C.____, zu einem vergle ichsweise überdurchschnittlich grossen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Teil. Eine alternierende/geteilte Obhut sei zudem spä testens mit dem Kindergarteneintritt von C.____ nicht mehr machbar und praktikabel, insbesonde re aufgrund der grossen Distanz der Wohnorte der Parteien und auch aufgrund des Umstandes , dass der Beschwerdeführer wohl in absehbarer Zeit auch wieder einer Erwerbstätigkeit na chgehen werde. Inwiefern die Vorinstanz den Sachverhalt nicht richtig festgestellt habe, sei ni cht ersichtlich und der Beschwerdeführer komme seiner diesbezüglichen Begründungspflicht denn auch nicht ansatzweise nach. Eben- falls lasse sich keine willkürliche Würdigung des Sachverhal ts durch die Vorinstanz erkennen. Es wirke befremdend, wenn der Beschwerdeführer zum eine n das Zivilkreisgericht Basel- Landschaft Ost ersuche, die Parteien unverzüglich nach Eingang des Gutachtens zu einer Ver- handlung vorzuladen und nun in seiner Beschwerde der Vorinstanz vorwerfe, dass den Parteien keine Frist gesetzt worden sei, um zum Gutachten Erläute rungs- oder Ergänzungsfragen zu stellen. Die weitergehende Begründung in der Beschwer deantwort wird in den Erwägungen wiederzugeben sein, sofern dies angezeigt ist. Erwägungen 1.1 Die Beschwerde richtet sich gegen Ziffer 2 der Verfügu ng vom 22. Dezember 2015. Mit besagter Verfügung wurde der Entscheid über die defin itive Regelung der Obhut über das ge- meinsame Kind der Parteien und der konkreten Betreuun gsanteile resp. des persönlichen Ver- kehrs des nicht obhutsberechtigten Elternteils und des So hnes aufgeschoben und hierzu ein (weiteres) Gutachten in Auftrag gegeben. Diese vorinsta nzliche Verfügung ist grundsätzlich prozessleitender Natur (Art. 124 ZPO). Folglich ist sie dann mittels Beschwerde innert zehn Tagen anfechtbar (Art. 319 lit. b und Art. 321 Abs. 2 ZPO), wenn bei Nichtanfechtung ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil drohte. Beim Be griff des nicht leicht wiedergutzuma- chenden Nachteils im Sinne von Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO handelt es sich um einen unbestimm- ten Rechtsbegriff, der vom Gericht unter Berücksichtigun g der konkreten Umstände und in pflichtgemässer Ausübung des Ermessens konkretisiert werden muss (FREIBURGHAUS /A FHELDT , in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, N 13 zu Art. 319 ZPO). Die Beweislast für das Bestehen der Gefahr eines solchen Nachteils trägt dabei die beschwer- deführende Partei, soweit die Gefahr nicht von vornhere in offenkundig ist. Nicht wiedergutzu- machen ist der Nachteil, wenn er rechtlicher Natur ist, was der Fall ist, wenn er sich auch mit einem späteren günstigen Endentscheid nicht oder nicht mehr gänzlich beseitigen lässt. Für die Begründung eines nicht leicht wieder gut zu machenden N achteils im Sinne von Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO können allerdings auch Nachteile tatsächli cher Natur genügen (vgl. FREIBURGHAUS /A FHELDT , a.a.O., N 15 zu Art. 319 ZPO; S TAEHELIN /S TAEHELIN /G ROLIMUND , Zi- vilprozessrecht, 2. Aufl. 2013, § 26 N 31a; H OFFMANN -NOWOTNY , in: ZPO Rechtsmittel, N 27 zu Art. 319 ZPO). Da es jedoch Sinn und Zweck von Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO entspricht, die An- fechtungsmöglichkeiten für prozessleitende Verfügungen z u erschweren und dadurch unnötige Verzögerungen des Verfahrens zu verhindern (vgl. Botschaft ZPO, S. 7377), kann ein tatsächli- cher Nachteil nur dann einen nicht leicht wieder gut zu machenden Nachteil im Sinne von Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO darstellen, wenn er eine gewisse Intensität aufweist. Dies ist dann der Fall, wenn die Lage der betroffenen Person durch de n angefochtenen Entscheid erheblich er- schwert wird (vgl. FREIBURGHAUS /A FHELDT , a.a.O., N 14 zu Art. 319 ZPO). Der Begriff des nicht leicht wiedergutzumachenden Nachteils ist daher restriktiv a uszulegen, umso mehr, als die be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführende Partei grundsätzlich immer die Möglichkei t hat, die streitige Verfügung zu- sammen mit der Hauptsache anzufechten (KUKO ZPO-B RUNNER , 2. Aufl. 2014, N 13 zu Art. 319 ZPO). 1.2 Vorliegend begründet der Beschwerdeführer den ihm en tstehenden nicht leicht wieder- gutzumachenden Nachteil im Wesentlichen damit, dass sich der Entscheid über die Obhutsre- gelung erneut um mindestens ein gutes Jahr verzögern we rde, eine lange Zeit, in der er seinen Sohn nicht in dem Masse bei sich habe, das er sich wünsche und in der C.____ mindestens partiell unweigerlich von ihm entfremdet werde. Das Ki nd brauche dringend seinen Vater zu mindestens gleichen Teilen wie seine Mutter. Die Beschwerdegegnerin lässt vehement in Abre- de stellen, dass dem Beschwerdeführer durch die Ausstellu ng des Falles ein nicht leicht wie- dergutzumachender Nachteil drohe. Der Sohn C.____ w erde ihm keineswegs vorenthalten. Vielmehr hätten die Parteien anlässlich des Rechtsmittel verfahrens eine sehr ausgedehnte Be- treuung von C.____ durch den Beschwerdeführer vereinb art. Anlässlich der Verhandlung vor dem Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost vom 22. Dezember 2 015 habe die Beschwerdegeg- nerin gar beantragt und ihr Einverständnis dazu gegebe n, dass der Beschwerdeführer noch mehr Zeit mit C.____ verbringen könne, als dies die vo r Kantonsgericht Basel-Landschaft ab- geschlossene Vereinbarung vorsehe. Es stehe somit fest, dass der Beschwerdeführer bereits in einem sehr grossen Umfang C.____ betreuen könne, weshalb schlichtweg nicht nachvollzieh- bar sei, wie er in seiner Beschwerde ernsthaft ausführen könne, es drohe ihm durch die Aus- stellung des Verfahrens ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil. 1.3 Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht , hält dafür, dass dem Be- schwerdeführer durch die sog. Ausstellung des Falles ein a usreichender Nachteil im Sinne von Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO droht. Der Ehemann hat ein tatsächliches Interesse, dass der Ent- scheid über die definitive Regelung der Obhut über da s gemeinsame Kind der Parteien und der konkreten Betreuungsanteile resp. des persönlichen Verkeh rs des nicht obhutsberechtigten Elternteils und des Sohnes nicht weiter aufgeschoben wird. Anlässlich der Berufungsverhand- lung vom 20. Oktober 2015 vor dem Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, ha- ben sich die Parteien zwar über eine vorläufige Ordnung verständig, dies allerdings unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass nach Eingang des ausstehenden Gutachtens ein Entscheid des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost ergeht. Mit der A usstellung des entsprechenden Ent- scheids und der Anordnung eines weiteren kostspieligen un d zeitaufwändigen Gutachtens wird das Eheschutzverfahren, welches seiner Natur nach summari scher Natur sein sollte, übermäs- sig verlängert und zudem verteuert, was in der einschlägi gen Rechtslehre denn auch als genü- gender Nachteil anerkannt wird (vgl. etwa H OFFMANN -NOWOTNY , a.a.O., N 28 zu Art. 319 ZPO mit weiteren Nachweisen). Das Kantonsgericht Basel-Land schaft, Abteilung Zivilrecht, geht zu- dem mit dem Beschwerdeführer einig, dass die Sache gru ndsätzlich genügend spruchreif ist und das Ausstellen des Verfahrens auch eine Rechtsverzögeru ng darstellt. Die schriftliche Be- gründung der angefochtenen Verfügung wurde dem Ehemann am 7. Januar 2016 nachgeliefert. Die Rechtsmittelfrist ist durch die Postaufgabe der Besch werde am Montag, 18. Januar 2016, allemal gewahrt. Gemäss § 5 Abs. 1 lit. b EG ZPO ist das Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts für die Beurteilung von Beschwerden gege n Entscheide der Präsidien der Zi- vilkreisgerichte Basel-Landschaft sachlich zuständig. Der Kost envorschuss für das zweitin- stanzliche Verfahren ist mit Valuta 29. Januar 2016 re chtzeitig geleistet worden. Auf die Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerde ist daher einzutreten. Der Entscheid des Kantonsge richts Basel-Landschaft, Abtei- lung Zivilrecht, ergeht in Anwendung von Art. 327 Abs. 2 ZPO aufgrund der Akten. 2. Gemäss Art. 326 ZPO sind im Beschwerdeverfahren - von hier nicht interessierenden Ausnahmen abgesehen - neue Anträge, neue Tatsachenbeha uptungen und neue Beweismittel ausgeschlossen. Das Beschwerdeverfahren ist, anders als da s Berufungsverfahren keine Fort- setzung des erstinstanzlichen Verfahrens vor einer zweiten Instanz. Vielmehr geht es um eine rechtsstaatliche Kontrolle des erstinstanzlichen Verfahrens bezüglich Einhaltung gewisser mi- nimaler Standards. Die Rechtsmittelinstanz hat hierbei lediglich zu überprüfen, ob die Vo- rinstanz den ihr unterbreiteten oder ausnahmsweise von A mtes wegen erhobene Sachverhalt nicht offensichtlich falsch gewürdigt und aufgrund diese s Sachverhalts das Recht korrekt ange- wendet hat. Sie ist dabei an die vorgebrachten Beschwerdegründe gebunden (STERCHI , in: Ber- ner Kommentar zur ZPO, N 1 zu Art. 326 ZPO). Überprüf t wird die angefochtene Verfügung mithin einzig aufgrund der Tatsachen und Akten, welche der Vorinstanz im Zeitpunkt des ange- fochtenen Entscheids bekannt waren. 3. Gemäss Art. 320 ZPO kann mit der Beschwerde einerseits di e unrichtige Rechtsanwen- dung (lit. a) und andererseits die offensichtlich unrich tige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) gerügt werden. Der Begriff der unrichtigen Rechtsanwe ndung umfasst jeden Verstoss gegen geschriebenes und ungeschriebenes Recht. Dabei spielt es k eine Rolle, ob Bundesrecht oder kantonales Recht falsch angewendet wurde; auch nicht, ob es sich dabei um einen verfahrens- oder materiellrechtlichen Fehler der Vorinstanz handel t. Zu erwähnen sind insbesondere die fehlerhafte Anwendung der Zivilprozessordnung und ihre r Ausführungsbestimmungen. Die Be- schwerdeinstanz überprüft die Rüge der unrichtigen Recht sanwendung mit sog. freier Kogniti- on. Für die Beschwerde hinsichtlich der Sachverhaltsfeststellung gilt indessen eine beschränkte Kognition. Diesfalls ist eine qualifiziert fehlerhafte Feststellung des Sachverhalts erforderlich, wobei „offensichtlich unrichtig“ gleichbedeutend mit wil lkürlich im Sinne von Art. 9 BV ist (vgl. FREIBURGHAUS /A FHELDT , a.a.O., N 3 zu Art. 320 ZPO; SPÜHLER , in: Basler Kommentar zur Schweizerische Zivilprozessordnung, N 1 f. zu Art. 320 ZPO). 4.1 Anlässlich der (zweiten) Parteiverhandlung vom 22. Deze mber 2015 verfügte der Präsi- dent des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost, dass der Fall ausgestellt werde und ein weite- res Gutachten in Auftrag gegeben werde. Er erwog im Wesentlichen, dem Gutachten lasse sich trotz seiner Ausführlichkeit nicht entnehmen, welche de r gemachten Befunde/Erhebungen im Einzelnen oder zusammen zur Empfehlung einer Aufteilu ng der Obhut zu je 50 % führen wür- den. Die in der Zusammenfassung abgegebene Empfehlun g stehe im Widerspruch mit der un- ter den Titel „Gutachterliche Stellungnahme und Empfe hlung“ abgegebenen. Eine Erklärung für diesen Widerspruch lasse sich dem Gutachten nicht entnehmen. Das Verhältnis unter den Ehe- gatten sei unbestrittenermassen und gerichtsnotorischerwe ise hoch konfliktbelastet. Das Gut- achten spreche die extremen Spannungen unter den Ehe gatten an und halte fest, dass ein konstruktiver Austausch und Einigungen über die organisat orischen Abläufe nur sehr begrenzt möglich seien, und dass die Verhandlungen über die Au fteilung der Obhut bis zuletzt span- nungsgeladen geblieben seien. Warum sich vor diesem Hin tergrund aus kinderpsychologischer Sicht eine alternierende Obhut empfehle, lasse sich dem Gutachten nicht entnehmen. In Bezug auf die Betreuungsanteile äussere sich das Gutachten nur in allgemeinster Form, indem es eine Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht „gleichmässige“ Aufteilung der Obhut empfehle. In die sem Sinne erweise es sich als nicht voll- ständig. Die bisherigen Entwicklungen liessen nach Einschätzung des Gerichts nicht auf Besse- rung hoffen. In Bezug auf die Kinderbelange würden j e länger je mehr relevante Entscheidun- gen zu treffen sein. Es sei nach Ansicht des Gerichts dahe r zu erwarten, dass das Kind C.____ zwangsläufig immer mehr in den Paarkonflikt einbezogen werde. Vor dem Hintergrund der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung zur elterlichen Sorge, d er unbestrittenen und notorischen Kommunikationsunfähigkeit der Ehegatten und ihrer di esbezüglichen (bisherigen) kompletten Entwicklungsunfähigkeit sowie der Unvollständigkeit, Nich tnachvollziehbarkeit und der fehlen- den Schlüssigkeit des Gutachtens sehe sich das Gericht unve rändert nicht in der Lage, eine definitive Obhutsregelung zu treffen, welche in zeitlich er Hinsicht nicht unerheblich in die Zu- kunft wirken werde, weshalb der Fall auszustellen sei. Da die Ehefrau auch hinsichtlich der Richtigkeit der im Gutachten gemachten Erhebungen Vo rbehalte vorgebracht habe, rechtfertig- te es sich, zu den mit Urteil vom 18. August 2015 geste llten Fragen - unter Verzicht auf an den KJPD Baselland gerichtete Erläuterungs-/Ergänzungsfrage n - ein Ersatzgutachten bei einer anderen Fachstelle einzuholen. 4.2 Der Beschwerdeführer rügt, die Gründe, welche die V orinstanz im Entscheid anführe, seien allesamt nicht sachgerecht. Das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost habe offensichtlich den Sachverhalt unrichtig festgestellt respektive ihn in unhaltbarer und willkürlicher Weise ge- würdigt. Die Vorinstanz hätte auch die Möglichkeit ge habt, ein Zweitgutachten anzuordnen - was vom Ehemann zwar nicht als notwendig erachtet werd e - und dennoch eine vorläufige Ob- hutsregelung gemäss der Empfehlung des Gutachtens zu tre ffen, welche während der zweiten Begutachtung Geltung habe. Die Verweigerung eines ne uen Entscheids sei willkürlich. Weiter habe die Vorinstanz das Recht nicht richtig angewendet. Nach Vorliegen des Gutachtens sei den Ehegatten nicht Frist angesetzt worden, um Erläut erungs- oder Ergänzungsfragen zu stel- len, wie dies Art. 187 Abs. 4 ZPO vorschreibe. Die Vori nstanz hätte auch die Möglichkeit ge- habt, von sich aus Erläuterungs- und Ergänzungsfragen zu stellen. Damit hätten sich allfällige Unklarheiten ohne grosse zeitliche Verzögerungen und ohne enorme Mehrkosten ausräumen lassen. Die Kindsmutter und heutige Beschwerdegegnerin h ält im Wesentlichen dagegen, es sei nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz den Sachver halt nicht richtig festgestellt habe. Ebenfalls lasse sich entgegen der Auffassung des Beschwerdef ührers keine willkürliche Würdi- gung des Sachverhalts durch die Vorinstanz erkennen. Viel mehr habe der Zivilkreisgerichtsprä- sident nicht nur anlässlich der Verhandlung vom 22. Deze mber 2015, sondern auch in der Ver- fügung ausführlich dargelegt und begründet, weshalb d as Verfahren auszusetzen sei, bis ein Obergutachten vorliege. Die Vertagung des Entscheides ü ber die Obhutszuteilung sei mit Si- cherheit nicht willkürlich, sondern aufgrund des widerspr üchlichen Gutachtens geradezu ange- zeigt und notwendig. Es wirke sodann befremdend, wenn der Beschwerdeführer zum einen das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost ersuche, die Parteie n unverzüglich nach Eingang des Gutachtens zu einer Verhandlung vorzuladen und nun in se iner Beschwerde der Vorinstanz vorwerfe, dass den Parteien keine Frist gesetzt worden sei, um zum Gutachten Erläuterungs- oder Ergänzungsfragen zu stellen. 4.3 Das Gericht hat im Rahmen der Beweiswürdigung gemäss Art. 157 ZPO zu beurteilen, ob das ihm von der sachverständigen Person vorgelegte Gutacht en beweistauglich ist oder nicht. Dies geschieht von Amtes wegen. Das Gericht muss zum Schluss kom men können, dass das Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachten eine verlässliche und taugliche Grundlage für se ine Meinungsbildung bietet. Dabei darf es durchaus auch ein gewisses Mass an Zweifeln und Unsi cherheiten hinsichtlich der Schlussfolgerungen durch sein Vertrauen in die Unabhän gigkeit und die Sach kunde des von ihm bestellten Sachverständigen überbrücken, denn die P rüfung kann ja nur aus der Sicht des interessierten Laien erfolgen. Parteianträge leisten dem Gericht dabei lediglich Hilfestellung für seine Prüfung. Die Kriterien für die vom Gericht vor zunehmende Prüfung ergeben sich im We- sentlichen aus Art. 188 Abs. 2 ZPO: Demnach ist zu prüfen , ob das Gutachten „vollständig“, „klar“ und „gehörig begründet“ ist (M ÜLLER , in: DIKE-Komm-ZPO, N 9 zu Art. 188 ZPO). Ein Gutachten ist erst unvollständig, wenn es an nachvollziehbar en Begründungen fehlt, die eine Überprüfung der Ergebnisse erlauben. Es muss als Ganzes ve rständlich sein und keine Wider- sprüche aufweisen (W EIBEL , in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3 . Aufl. 2016, N 6 zu Art. Art. 188 ZPO; KUKO ZPO-S CHMID , 2. Aufl. 2014, N 21 zu Art. 183 ZPO m.w.H.; BSK ZPO-D OLGE , 2. Aufl. 2013, N 12 zu Art. 183 ZPO). Ist das mange lhafte Gesuch nach Ansicht des Gerichts verbesserbar, soll nach Möglich keit dessen Erläuterung bzw. Ergän- zung angeordnet werden. Zu prüfen ist eine Ergänzung n amentlich, wenn das Gutachten unzu- länglich begründet oder widersprüchlich ist oder auf u nrichtigen tatbestandlichen Grundlagen beruht, mithin die Schlussfolgerungen der sachverständig en Person auf unzutreffende Prämis- sen gestützt werden. Das Gericht hat allerdings von Amtes wegen eine neue sachverständige Person zu bestellen, wenn es das Gutachten für ungenügen d hält. Als in diesem Sinne unge- nügend erweist sich das Gutachten einmal wenn sich Zweifel an der fachlichen Kompetenz der sachverständigen Person oder an deren Unbefangenheit au fdrängen. Auch alle anderen denk- baren Sorgfaltspflichtverletzungen im Rahmen der Vorbereitung und Ausführung der Begutach- tung lassen das Gutachten als ungenügend erscheinen (R ÜETSCHI , in: Berner Kommentar zur ZPO, N 10 und 12 zu Art. 188 ZPO mit weiteren Nachweisen). 4.4 Das Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, erachtet die vorliegende Beschwerde als be- gründet und die Rüge des Beschwerdeführers als klar stichh altig. Das von der Vorinstanz be- anstandete Gutachten erweist sich im Sinne der vorgängig erwähnten Voraussetzungen als vollständig, klar und gehörig begründet. Vorab ist zu b emerken, dass die Kinder- und Jugend- psychiatrie Baselland für die hiesigen Gerichte seit Jahr en Gutachten in vergleichbar streitigen familienrechtlichen Verfahren erstellt. Die fachliche Befähigung der Chefärztin der besagten Institution als Gutachterin steht für das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, daher grundsätzlich ausser Frage und auch die Vorinstan z trägt gegen deren fachliche Kompe- tenz keine direkten Vorbehalte vor. Das Gutachten vom 1. Dezember 2015 entspricht sowohl formal als auch inhaltlich dem gebräuchlichen Standard und fällt gegenüber komparablen Ex- pertisen nicht irgendwie ab. Es werden vorab die Quell en und der aktenmässige Sachverhalt dargestellt, bevor anschliessend Erhebungen zur Vorgeschi chte, basierend auf den Angaben des Kindsvaters und der Kindsmutter sowie des Stiefbru ders von C.____ gemacht werden. Im Weiteren beschreibt das Gutachten separat beobachtete Spielsituationen des Kindes mit dem jeweiligen Elternteil und Hausbesuche bei Vater und M utter sowie Angaben der Grosseltern mütterlicherseits. In der Folge werden die Beobachtung en und Beurteilungen der beteiligten Personen dargestellt. So wird C.____ als ein freundli ches, aufgewecktes Kind, welches schnell Kontakt aufnehme und mit Interesse und Hingabe die ih n umgebende Welt wahrnehme und erkunde, beschrieben. Er habe im Entwicklungstest und in d en Beobachtungen in allen Berei- chen die seiner Altersgruppe entsprechenden Fähigkeiten gezeigt. In der Interaktion mit beiden Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Elternteilen habe er seine Bedürfnisse stets in einer sel bstverständlichen und geläufig wirken- den Leichtigkeit formulieren können und die Eltern seien angemessen und einfühlsam auf diese eingegangen. Trotz der andauernden Konflikte zwischen den Kindseltern habe C.____ sich in den Beobachtungssituationen unbelastet und unvoreingenom men gezeigt. Er habe auch im Spiel unbeschwert den jeweiligen anderen Elternteil e rwähnt und stets Interesse gezeigt, mit beiden zu spielen. Es habe sich gesamthaft der Eindruck ergeben, dass C.____ eine vertraute, sichere Bindung zu beiden Elternteilen habe ausbilden können und es hätten sich keine Hin- weise auf eine Beeinträchtigung seines psychischen und kör perlichen Wohlbefindens ergeben. In der anschliessenden Zusammenfassung wird deutlich gem acht, dass beide Kindeseltern ein aufrichtiges Interesse am Wohlergehen des Kindes hätten und bei beiden Eltern zurzeit ein für C.____ grundsätzlich positives, unterstützendes Umfeld un d Familienleben vorhanden und möglich sei. Die vor dem Kantonsgericht vom 20. Oktober 2015 getroffene Vereinbarung sei sodann ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und sollte bis auf die Mediation unbedingt eingehalten werden und aus kinderpsychiatrischer Sicht auch baldmöglichst umgesetzt werden. Abschliessend wird gestützt auf die vorgängigen Überlegu ngen eine gleichmässige Aufteilung der Obhut, zu je 50 % auf beide Elternteile bei eine m gemeinsamen Sorgerecht empfohlen, wobei die Regelung der dazu notwendigen Details dazu über den Beistand erfolgen sollten. Der Beistand solle insbesondere die Besuchsübergabe detail liert regeln und die Übergaben regel- mässig überwachen. Zur weiteren Beurteilung wird darü ber hinaus eine Verlaufsbegutachtung in einem Jahr empfohlen. In Abweichung von der Meinung der Vorinstanz kann das Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, keinen Wid erspruch zwischen der Zusammenfas- sung und der Stellungnahme bzw. Empfehlung der Gutach terin ausmachen. Der angebliche Widerspruch wird durch die Vorinstanz denn auch nicht w eiter begründet. Vielmehr wird das konfliktbelastete Verhältnis zwischen den Ehegatten angeführt, welches im Bericht ausdrücklich erwähnt werde, um das Gutachten als nicht nachvollziehbar und (nicht) schlüssig zu beurteilen. Nach Ansicht des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost sei we gen der anhaltend schlechten Kommunikation zwischen den Eltern zu erwarten, dass das K ind zwangsläufig immer mehr in den Paarkonflikt einbezogen werden würde. Allein die se Ansicht findet im Gutachten keine hin- reichende Abstützung. Die Vorinstanz übersieht, dass das Gu tachten eben gerade mit aller Deutlichkeit festhält, dass entgegen der gegenseitigen Anfeindungen und Beschuldigungen sich beide Elternteile im Umgang mit C.____ liebevoll, fü rsorglich und altersadäquat zeigen würden. Ebenfalls untauglich für eine Begründung der Ausstellun g des Entscheids ist der Hinweis auf BGE 141 III 472. Im angeführten Entscheid wird im Wese ntlichen festgehalten, dass für die Al- leinzuteilung der elterlichen Sorge gemäss Art. 298 ff. ZGB nicht die gleichen Voraussetzungen wie für den auf Art. 311 ZGB gestützten Entzug des Sor gerechts gelten würden. Vielmehr kön- ne beispielsweise auch ein schwerwiegender elterlicher Da uerkonflikt oder die anhaltende Kommunikationsunfähigkeit eine Alleinzuteilung des Sorgerechts gebieten, wenn sich der Man- gel negativ auf das Kindeswohl auswirke und von einer All einzuteilung eine Verbesserung er- wartet werden könne. Die fragliche Rechtsprechung kann weder unbesehen auf die Zuteilung der elterlichen Obhut und die Regelung des persönliche n Verkehrs angewendet werden noch ist vorliegend bislang eine Beeinträchtigung des Kindesw ohls überhaupt manifest oder künftig konkret absehbar. Als untauglich für die Anordnung eines Verzichts auf das Einholen von Erläu- terungen und Ergänzung zum bestehenden Gutachten und de n Beizug einer anderen sachver- ständigen Person erweist sich schliesslich die Bemerkung, die Ehefrau habe hinsichtlich der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Richtigkeit der im Gutachten gemachten Erhebungen Vor behalte vorgebracht. Die entspre- chenden Vorbehalte erschöpfen sich im Wesentlichen im Ver such, das für sie nicht genehme Gutachten als zweifelhaft erscheinen zu lassen. Wie der B eschwerdeführer zutreffend moniert, bleibt es letztlich unerfindlich, inwieweit die Kritik einer Partei an einem unliebsamen Gutachten dazu führen kann, dass ein Gutachten als unbrauchbar e rachtet wird und sogar auf Erläute- rungs- und Ergänzungsfragen verzichtet wird. Die Folger ung der Vorinstanz führte dazu, dass jedes Gutachten durch Kritik daran zu Fall gebracht wer den könnte, was nicht im Sinne von Art. 188 ZPO ist. Zumal das Gutachten, wie hievor darg estellt, in formeller und materieller Hin- sicht keine (groben) Mängel aufweist, welche offenbaren , dass die Gutachterin nicht befähigt ist, ein ordnungsgemässes Gutachten zu erstellen, besteh t klarerweise kein Anlass ein neues Gutachten einzuholen. Im Ergebnis hat die Vorinstanz mi thin nicht bloss die fragliche Bestim- mung unrichtig angewendet, sondern eben auch den Sachverhalt willkürlich festgestellt. 5. Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, dass die Besch werde gutzuheissen ist. Heisst die Rechtsmittelinstanz die Beschwerde gut, fällt sie den neuen Entscheid selber, wenn die Sa- che spruchreif ist; andernfalls weist sie die Sache an die Vorinstanz zurück (Art. 327 Abs. 3 lit. a und b ZPO). Aus verfahrensrechtlichen Gründen kann die S ache vorliegend nicht als spruchreif gelten. Die Sache ist vielmehr zur allfälligen Vervollständigung des Sachverhalts und zu r Ein- räumung des rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zurückzu weisen. Den Parteien wird Gele- genheit zu geben sein, eine Erläuterung des Gutachten s und/oder Ergänzungsfragen zu bean- tragen. Soweit sich das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost nach einer Anhörung der Partei- en ausser Stande sehen sollte, auf Grundlage der ergän zten Akten einen Entscheid zu treffen, kann es überdies anordnen, dass die sachverständige Person i hr schriftliches Gutachten in ei- ner weiteren Parteiverhandlung erläutert (Art. 187 A bs. 1 Satz 2 ZPO). Selbst wenn der anste- hende Entscheid über die Regelung der Obhut und des p ersönlichen Verkehrs mit dem Kind in zeitlicher Hinsicht tatsächlich nicht unerheblich in die Zukunft wirken wird, bleibt er doch unter den Voraussetzungen von Art. 179 ZGB ohne weiteres abänd erbar. Das Einholen eines weite- ren Gutachtens verspricht jedenfalls im Hinblick auf dies en Entscheid und die unabsehbare künftige Entwicklung keinen massgeblichen Erkenntnisgewinn. Ein reformatorischer Entscheid im Rahmen des vorliegenden Rechtsmittelverfahrens ist vor diesem Hintergrund und der einge- schränkten Kognition im Beschwerdeverfahren nicht möglich. Im Übrigen würde der Instanzen- zug zu Lasten der Parteien in unzulässiger Weise verkürzt, wenn das Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, in dieser Sache entscheiden würde. Der Fall w ird daher zum beförderlichen Ent- scheid an das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost zurückgewiesen. 6. Abschliessend ist noch über die Verlegung der Prozesskoste n zu befinden. Massgebend für die Regelung der Kostenfolgen sind die Bestimmung en der Art. 104 ff. ZPO, die auch im Rechtsmittelverfahren gelten. Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der un- terliegenden Partei auferlegt. Entsprechend dem vorli egenden Verfahrensausgang hat die Be- schwerdegegnerin somit für die Prozesskosten aufzukommen. E ine Anwendung von Art. 107 ZPO, der ein Abweichen von den Verteilungsgrundsätzen und die Verteilung der Prozesskosten nach Ermessen erlaubt, ist nicht angebracht. Die Entsch eidgebühr wird in Anwendung von § 9 Abs. 2 lit. a der Verordnung vom 15. November 2010 üb er die Gebühren der Gerichte (SGS 170.31; Gebührentarif) auf pauschal CHF 1‘400.00 fest gesetzt. Die Beschwerdegegnerin hat Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Beschwerdeführer somit den geleisteten Kostenvorschuss zu ersetzen (Art. 111 Abs. 2 ZPO). Darüber hinaus hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine Parteientschä- digung auszurichten, zumal ein diesbezüglicher Antrag g estellt wurde. Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht, so dass die entsprechende Parteientsch ädigung von Amtes wegen nach Er- messen festzusetzen ist (vgl. § 18 Abs. 1 Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte; SGS 178.112). Unter Berücksichtigung der Schwierigkeit und Bedeutung der Sache sowie der damit verbundenen Verantwortung erscheint ein Zeitaufwand vo n sieben Stunden zu einem Ansatz von CHF 250.00 pro Stunde zuzüglich geschätzten Auslage n von CHF 50.00 und Mehrwert- steuer als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat dem B eschwerdeführer somit eine Par- teientschädigung in der Höhe von CHF 1'750.00 zuzüglich Auslagen von CHF 50.00 und 8 % MWST von CHF 144.00 zu bezahlen. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und Ziffer 2 der Verfügung des Zivil- kreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 22. Dezember 2015 wir d aufge- hoben. Die Sache wird zur Neubeurteilung an die Vorin stanz zurückge- wiesen. 2. Die Entscheidgebühr in der Höhe von CHF 1‘400.00 wird der Beschwer- degegnerin auferlegt. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung von CHF 1‘944.00 inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer zu bezahlen. Präsidentin Christine Baltzer Gerichtsschreiber Andreas Linder