<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 108 S.393</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Aus-/Weiterbildung</span> <span class="page_no">393</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Aus-/Weiterbildung</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>108 Kommunales Dienstverhältnis, Rückerstattung von Aus- und Weiterbil-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dungskosten.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Selbst wenn im massgebenden Dienst- und Besoldungsreglement eine</b></span><br/> <span class="ft3"><b>entsprechende Regelung fehlt, entfällt eine allfällige Rückzahlungs-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>pflicht, wenn die Anstellungsbehörde grundlos gekündigt oder wenn</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sie selber den Grund für die Kündigung gesetzt hat (Erw. II/1 und 2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 25. Mai 2007 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">M. gegen Gemeinderat W. (2-BE.2006.24).</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">1.</span><br/> <span class="ft8">1.1. Die Beurteilung, ob die angefochtene Verfügung betreffend</span><br/> <span class="ft8">Rückerstattung von Ausbildungskosten gerechtfertigt war oder nicht,</span><br/> <span class="ft8">richtet sich nach dem Personalreglement. Subsidiär gelten a) das</span><br/> <span class="ft8">kantonale Personalrecht und b) die Bestimmungen des OR über den</span><br/> <span class="ft8">Einzelarbeitsvertrag (§ 2 Abs. 2 kommunales Personalreglement</span><br/> <span class="ft8">[PR]; vgl. Erw. I/2.2 hiervor).</span><br/> <span class="ft8">1.2. § 25 PR lautet wie folgt:</span><br/> <span class="ft9">"Der Gemeinderat fördert und unterstützt die Weiterbildung. Er kann</span><br/> <span class="ft9">dafür zusätzlich bezahlten Urlaub gewähren und/oder Kostenbeiträge leis-</span><br/> <span class="ft9">ten. Einzelheiten werden in der Verordnung geregelt."</span><br/> <span class="ft8">Die Ausführungsbestimmungen finden sich in den "Richtlinien</span><br/> <span class="ft8">für die Aus- und Weiterbildung des Personals" vom 19. Juni</span><br/> <span class="ft8">2000/24. Februar 2003 (im Folgenden: Richtlinien). Ziffer 2 lit. b</span><br/> <span class="ft8">dieser Richtlinien lautet wie folgt:</span><br/> <span class="ft9">"Besucht ein Mitarbeiter eine Aus- und Weiterbildung, die im Zu-</span><br/> <span class="ft9">sammenhang mit seiner Funktion steht, übernimmt die Gemeinde die ent-</span><br/> <span class="ft9">sprechenden Schul- bzw. Kurskosten und stellt die erforderliche Arbeitszeit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">394</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft9">zur Verfügung. Bei einer Auflösung des Arbeitsverhältnisses sind die von</span><br/> <span class="ft9">der Gemeinde übernommenen Schul- bzw. Kurskosten zurückzuerstatten.</span><br/> <span class="ft9">(...)</span><br/> <table> <tr> <td width="250"><span class="ft9">Kurskosten über Fr. 10'000.--</span></td> <td><span class="ft9">rückvergüten</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft9">Während der Schule</span></td> <td><span class="ft9">100 %</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft9">1. Jahr nach Abschluss</span></td> <td><span class="ft9">80 %</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft9">2. Jahr nach Abschluss</span></td> <td><span class="ft9">60 %</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft9">3. Jahr nach Abschluss</span></td> <td><span class="ft9">40 %"</span></td> </tr> </table> <span class="ft8">2.</span><br/> <span class="ft8">2.1. Nach dem Wortlaut der Richtlinien besteht die Rückerstat-</span><br/> <span class="ft8">tungspflicht für Schul- und Kurskosten unabhängig davon, aus wel-</span><br/> <span class="ft8">chen Gründen das Arbeitsverhältnis aufgelöst wird. Im Unterschied</span><br/> <span class="ft8">hierzu legt § 18 der kantonalen Weiterbildungsverordnung fest, dass</span><br/> <span class="ft8">eine Rückerstattungspflicht nur besteht, wenn die betroffene Person</span><br/> <span class="ft8">selber kündigt oder wenn</span><br/> <span class="ft8">- die Vertragsparteien das Anstellungsverhältnis im gegensei-</span><br/> <span class="ft8">tigen Einvernehmen beendigen (§ 9 Abs. 1 PersG),</span><br/> <span class="ft8">- die Kündigung wegen Mängel in der Leistung oder im Ver-</span><br/> <span class="ft8">halten erfolgt, die sich trotz schriftlicher Mahnung während</span><br/> <span class="ft8">der Bewährungszeit fortsetzen (§ 10 Abs. 1 lit. c PersG),</span><br/> <span class="ft8">- der Arbeitgeber kündigt infolge mangelnder Bereitschaft</span><br/> <span class="ft8">während oder nach der Bewährungszeit, die im Anstellungs-</span><br/> <span class="ft8">vertrag vereinbarte Arbeit oder eine zumutbare andere Arbeit</span><br/> <span class="ft8">zu verrichten (§ 10 Abs. 1 lit. d PersG),</span><br/> <span class="ft8">- ein Beamtenverhältnis durch die Aufsichtsbehörde fristlos</span><br/> <span class="ft8">aufgelöst wird (§ 35 lit. b PersG),</span><br/> <span class="ft8">- eine Beamtin oder ein Beamter nicht wiedergewählt wird.</span><br/> <span class="ft8">Die Regelung entspricht letztlich der von Lehre und Rechtspre-</span><br/> <span class="ft8">chung entwickelten privatrechtlichen Lösung, wonach die Rückzah-</span><br/> <span class="ft8">lungspflicht entfällt, wenn der Arbeitgeber kündigt, ohne dass ihm</span><br/> <span class="ft8">der Arbeitnehmer dazu berechtigten Grund gegeben hat, oder wenn</span><br/> <span class="ft8">der Arbeitnehmer aus einem begründeten, vom Arbeitgeber zu ver-</span><br/> <span class="ft8">antwortenden Anlass kündigt (PRGE vom 31. März 2005 in Sachen</span><br/> <span class="ft8">A.S., Erw. II/4 mit Hinweisen; Frank Vischer, Der Arbeitsvertrag,</span><br/> <span class="ft8">3. Auflage, Basel/Genf/München 2005, S. 107; Ullin Streiff/Adrian</span><br/> <span class="ft8">von Känel, Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319-362 OR,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Aus-/Weiterbildung</span> <span class="page_no">395</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">6. Auflage, Zürich 2006, Art. 335a N 2 f.). Die Lösung stützt sich auf</span><br/> <span class="ft8">das Gebot von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 BV; Art. 2 ZGB)</span><br/> <span class="ft8">bzw. dessen Konkretisierung in Art. 156 OR, wonach eine Be-</span><br/> <span class="ft8">dingung als erfüllt gilt, wenn ihr Eintritt von dem einen Teile wider</span><br/> <span class="ft8">Treu und Glauben verhindert worden ist. Tatsächlich soll die Rücker-</span><br/> <span class="ft8">stattungspflicht sicherstellen, dass nicht der Arbeitnehmer einseitig</span><br/> <span class="ft8">von der Aus- bzw. Weiterbildung profitiert, sondern dass auch der</span><br/> <span class="ft8">Arbeitgeber eine gewisse Zeit lang daran teilhat. Falls der Arbeitge-</span><br/> <span class="ft8">ber den Grund der Kündigung setzt oder grundlos kündigt, verzichtet</span><br/> <span class="ft8">er selber darauf, sich die Aus- bzw. Weiterbildung des Arbeitnehmers</span><br/> <span class="ft8">zunutze zu machen. Demzufolge erweist es sich als treuwidrig, wenn</span><br/> <span class="ft8">er trotzdem die bezahlten Weiterbildungskosten zurückfordert.</span><br/> <span class="ft8">2.2. Es kann vorliegend offen bleiben, ob die Formulierung der</span><br/> <span class="ft8">Richtlinien abschliessend zu verstehen ist (und somit bei jeder Art</span><br/> <span class="ft8">der Auflösung das Anstellungsverhältnis eine Rückerstattungspflicht</span><br/> <span class="ft8">bestehen soll) oder ob sie Raum lässt für eine subsidiäre Anwendung</span><br/> <span class="ft8">der dargestellten kantonalen bzw. obligationenrechtlichen Regelung.</span><br/> <span class="ft8">Selbst im ersten Fall dürfte keine Rückerstattung verlangt werden,</span><br/> <span class="ft8">wenn seitens der Gemeinde grundlos gekündigt wurde oder wenn sie</span><br/> <span class="ft8">selber den Grund für die Kündigung gesetzt hat. Dies ergibt sich</span><br/> <span class="ft8">daraus, dass die Richtlinien aufgrund des Widerspruchs gegenüber</span><br/> <span class="ft8">dem verfassungsrechtlichen Gebot von Treu und Glauben nicht ange-</span><br/> <span class="ft8">wendet werden dürften (inzidente Normenkontrolle; vgl. Ulrich Hä-</span><br/> <span class="ft8">felin/Walter Haller, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 6. Auflage,</span><br/> <span class="ft8">Zürich/Basel/Genf 2005, Rz. 2070 ff.; Kurt Eichenberger, Kommen-</span><br/> <span class="ft8">tar zur Verfassung des Kantons Aargau, Aarau/Frankfurt a.M./</span><br/> <span class="ft8">Salzburg 1986, § 95 N 21 ff).</span><br/></div> </div> </body> </html>