Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. September 2016 (725 16 150 / 230) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht auf die Kausalitätsbeurteilung ihrer beratenden Ärzte abgestellt. Die im Jahr 2013 und die aktuell beklagten Kniebeschwerden stehen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im kausalen Zusammenhang mit dem Un- fallereignis. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin i.V. Isabella Schibli Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Nicolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen Mutuel Versicherungen AG , Rue des Cèdres 5, Postfach , 1919 Martigny, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1962 geborene A.____ arbeitet bei der B.____ AG und ist aufgrund dieses Arbeits- verhältnisses bei der Mutuel Versicherungen AG (Mut uel) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Gemäss Unfallmeldung vom 15. März 2013 rutschte Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Versicherte am 6. März 2013 bei einem Spaziergang a uf vereistem Matsch aus und ver- drehte sich das linke Knie. Die Behandlung wurde im Juni 2013 abgeschlossen. Am 15. Juni 2015 meldete die B.____ AG der Mutuel, d ass sich die Versicherte im Herbst 2015 aufgrund des Unfallereignisses vom 6. März 2013 werde operieren lassen müssen. Nach Abklä- rung der gesundheitlichen Verhältnisse verfügte die Mu tuel am 21. Oktober 2015 die Einstel- lung der Versicherungsleistungen per 30. Juni 2013. Nach Einsichtnahme in die Unterlagen zog die Krankenkasse der Versicherten die am 22. Oktober 2 015 vorsorglich erhobene Einsprache wieder zurück. Die von der Versicherten erhobene Einspr ache wies die Mutuel mit Entscheid vom 5. April 2016 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durch Advokat Nicolai Fullin, mit Ein- gabe vom 9. Mai 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Ba sel-Landschaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht). Dabei beantragte sie, der Einspracheentscheid sei aufzu- heben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weit ere Versicherungsleistungen – insbe- sondere für die Heilbehandlungen – für den Unfall vom 6. März 2013 zu erbringen. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und zur Kausalität zum Schadenereignis vom 6. März 2013 zu tät igen und anschliessend erneut über die Ansprüche der Beschwerdeführerin gegenüber der Beschwerdegegnerin zu entschei- den; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher H insicht ersuchte die Beschwerdeführerin um eine angemessene Nachfrist zur ergänzenden Begründun g der Beschwerde, da aufgrund kurzfristiger Mandatierung keine Möglichkeit bestanden h abe, bei der Beschwerdegegnerin Ak- teneinsicht zu erhalten. In ihrer vorläufigen Kurzbeg ründung brachte sie im Wesentlichen vor, es würden zwei sich widersprechende ärztliche Einschätzungen zur Unfallkausalität vorliegen und somit begründete Zweifel an den versicherungsinter nen ärztlichen Feststellungen beste- hen. Am 27. Mai 2016 reichte die Beschwerdeführerin eine ergänzende Beschwerdebegründung ein, wobei sie an ihren Anträgen und wesentlichen Begründungen festhielt. C. In ihrer Vernehmlassung vom 27. Juli 2016 schloss die M utuel auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bunde sgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 AT SG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in C.____, weshal b die örtliche Zuständigkeit des Kantons- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs . 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustän dig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 9. Mai 2016 ist einzutreten. 2. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Be schwerdegegnerin ihre Versiche- rungsleistungen für die Folgen des Unfallereignisses vom 6. März 2013 zu Recht per 30. Juni 2013 eingestellt hat. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80% des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entspre- chend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am drit- ten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wie dererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem ein getretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund- heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im St reitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammen- hangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruch s nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (Kranken- und Unfallversicherung - Re chtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenh ang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines G esundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- keit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewi esen sein. Die blosse Möglichkeit nun- mehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfa lles genügt nicht. Da es sich hier- bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, lie gt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu sammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (S ozialversicherungsrecht - Recht- sprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Bewe is des Wegfalls des Kausalzusammen- hangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Bewei s zu verlangen, dass kein Gesund- heitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nu n bei voller Gesundheit sei. Ent- scheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeu- tung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil d es Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). 4.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherung sprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wi e alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5. Für die Beurteilung der umstrittenen Fragen sind i m Wesentlichen folgende ärztliche Berichte zu berücksichtigen: 5.1 Im Notfall- sowie im Arztbericht vom 7. bzw. 25. Mär z 2013 des Spitals D.____ wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin bei einem Spazi ergang auf vereistem Match ausge- rutscht sei und sich dabei das linke Knie verdreht habe. A m 7. März 2013 sei sie auf dem Not- fall vorstellig geworden. Es wurde eine Kontusion des linken Knies mit Verdacht auf eine Innen- bandläsion festgehalten. Die Behandlung wurde am selben Tag abgeschlossen. 5.2 Der MRI-Befundbericht vom 2. April 2013 zeigte sod ann, dass wenig Kniegelenker- guss, ein diskretes präpatelläres Weichteilödem, eine Chon dromalazie patellothrochleär, sowie eine komplexe Rissbildung im Hinterhorn des medialen Meniskus bis in die Pars intermedia und in die Meniskuswurzel reichend mit Subluxation der Pars i ntermedia und fortgeschrittener Chondromalazie femoral und tibial vorliege. Das vorder e und hintere Kreuzband, das laterale Kollateralband, die Quadrizeps-, Patellar- und Popli teussehne sowie der Knorpelbelag seien unauffällig. 5.3 Mit Bericht vom 21. Oktober 2013 bestätigte Dr. med . E.____, FMH Innere Medizin, die Diagnose einer Meniskusläsion im medialen Hinterhorn des linken Knies. Die Nachkontrolle vom 12. Juni 2013 habe ein gutes Resultat ohne Notwend igkeit für einen operativen Eingriff gezeigt. Die Behandlung habe im Juni 2013 abgeschlossen werden können. 5.4 Die Beschwerdeführerin meldete sich am 21. März 20 14 telefonisch bei der Mutuel und bestätigte den Abschluss der Behandlung. Am 15. Ju ni 2015 informierte die B.____ AG die Beschwerdegegnerin per E-Mail, dass sich die Versicherte i m Herbst 2015 operieren lassen müsse. Gemäss Bericht vom 25. Juli 2015 überwies Dr. E._ ___ die Beschwerdeführerin auf- grund zunehmender Schmerzen und mit Blick auf eine mögliche Operation an die Klinik F.____. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5 Im Bericht der Klinik F.____ vom 3. August 2015 st ellte Dr. med. G.____, FMH Ortho- pädische Chirurgie, mit Hinweis auf den MRI-Befund vom 3. August 2015 fest, dass sich bei der Beschwerdeführerin ein Schrägriss im medialen Meniskus, e ine schwere Retropatellararthrose medialseits, eine Bakerzyste und eine schwere medial bet onte Gonarthrose mit teilweise Kno- chenmarksödem am medialen Tibiaplateau zeige. Die Anlau f- und Nachtschmerzen seien auf die schwere medial betonte Gonarthrose zurückzuführen. D ie stechenden Schmerzen seien sicherlich auf den Schrägriss im Hinterhorn des medialen Meniskus, welche im Moment nicht im Vordergrund stehe, zurückzuführen. Hinsichtlich einer all fälligen Kniearthroskopie sei er zu- rückhaltend, da ein hohes Risiko bestehe, dass sich die med ial betonte Gonarthrose rapide verschlechtern würde. 5.6 Zur Prüfung der Leistungspflicht unterbreitete d ie Beschwerdegegnerin die Unterlagen ihrem beratenden Arzt Dr. med. H.____, FMH Orthopäd ische Chirurgie. In seiner Beurteilung vom 25. September 2015 stellte er folgende Diagnosen: (1) eine Kontusion des linken Knies infolge des Ereignisses vom 6. März 2013, (2) eine Retro patellararthrose links und (3) eine Go- narthrose links mit einer degenerativen Meniskusläsion. D ie Beschwerdeführerin habe diesbe- züglich bereits vor dem Unfall vom 6. März 2013 an einer Retropatellar- und der Gonarthrose gelitten. Die aktuellen Kniebeschwerden seien dabei der vorbestehenden Retropatellar- und der Gonarthrose zuzuschreiben und würden somit nicht im natürlichem Kausalzusammenhang zum Unfall vom 6. März 2013 stehen. Auch zwischen den im März 2013 beklagten Kniebeschwerden und dem Unfall vom 6. März 2013 bestehe keine natürlich e Kausalität. Unfallkausal sei mit mehr als 50%-iger Wahrscheinlichkeit lediglich die Kontu sion des linken Knies gewesen. Der Unfall vom 6. März 2013 habe zu einer bloss vorübergehe nden Verschlimmerung des Vorzu- standes geführt, wobei der Status quo sine per Ende Ju ni 2013 erreicht gewesen sei. Gemäss Dr. H.____ sei somit die Leistungspflicht der Mutuel ab Juli 2013 zu verneinen. 5.7 Mit Schreiben vom 21. Oktober 2015 informierte die Beschwerdegegnerin Dr. G.____ über die Einstellung der Versicherungsleistungen per 30 . Juni 2013. Mit Bericht vom 3. November 2015 nahm dieser dazu Stellung. Nach seinem Dafürhalten handle es sich bei den aktuell beklagten Beschwerden um einen Rückfall, da bere its im Jahr 2013 ein Meniskusriss festgestellt worden sei und die Beschwerdeführerin seit dem Unfallereignis nie beschwerdefrei gewesen sei. 5.8 Im Rahmen des Einspracheverfahrens legte die Besch werdegegnerin die Akten ihrem beratenden Arzt, Dr. med. I.____, Facharzt für Chirur gie, zur erneuten Beurteilung des Sach- verhaltes vor. Dieser stützte die Beurteilung von Dr. H._ ___ mit Bericht vom 10. Februar 2016 und ergänzender Stellungnahme vom 14. März 2016. Die Beurteilung durch Dr. H.____ sei aus- führlich und trage sowohl den Klagen als auch den objek tiv dokumentierten Befunden Rech- nung. Die Folgerungen seien konsistent, nachvollziehbar u nd die im Einspracheverfahren ein- gereichten Dokumente würden keine neuen Gesichtspunkte ergeben. Dr. I.____ bestätigte, dass die Gesundheit der Beschwerdeführerin schon vor dem Unfallereignis durch eine retropa- tellare und femorotibiale Gonarthrose beeinträchtigt gewesen sei. Die im MRI nachgewiesene komplexe Meniskusläsion entspreche einer degenerativen, m it überwiegender Wahrscheinlich- keit vorbestehenden Veränderung im Rahmen einer mehrko mpartimentalen Gonarthrose. Die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht geltend gemachte Gesundheitsschädigung sei in aller Re gel nicht traumatisch, sondern Aus- druck der vorbestehenden degenerativen Veränderungen. Bei der Traumatisierung einer vorbe- stehenden Arthrose ohne zusätzliche strukturelle Läsion s ei der Status quo sine in aller Regel nach zwei bis maximal vier Monaten erreicht. Der weiter e Verlauf entspreche dem schicksals- haften Verlauf der unfallfremden Gonarthrose, die du rch Achsenfehlstellung und insbesondere die Adipositas permagna begünstigt sei. 6.1 Wie oben erwähnt (vgl. E. 4.2 hiervor), darf ein medizinischer Sachverhalt gestützt auf versicherungsinterne ärztliche Feststellungen und somit oh ne Einholung eines externen Gut- achtens entschieden werden, solange keine – auch nur ger inge – Zweifel an deren Richtigkeit bestehen. Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefocht enen Einspracheentscheid vom 5. April 2016 bei der Beurteilung der Unfallkausali tät der Kniebeschwerden vollumfänglich auf die Beurteilung ihrer beratenden Ärzte Dres. H.____ u nd I.____. Sie ging demzufolge davon aus, dass die im März 2013 sowie die aktuell beklagten Kni ebeschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf den Unfall vom 6. März 2013 zurückzuführen seien und der Status quo sine spätestens Ende Juni 2013 erreicht gewesen sei. A us diesem Grund stellte sie ihre Leistungen per 30. Juni 2013 ein. 6.2 Es ist festzustellen, dass die von der Beschwerdegegn erin übernommenen Ergebnis- se, zu denen die Dres. H.____ und I.____ gelangt sind, eine zuverlässige Beurteilung der vor- liegenden Kausalitätsfrage gestatten. Die medizinischen Beurteilungen der Dres. H.____ und I.____ beruhen auf einem sorgfältigen Studium der vor handenen medizinischen Aktenlage. De- ren Stellungnahmen erweisen sich sowohl in der Darlegun g der medizinischen Zusammenhän- ge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgeru ngen als überzeugend. Für die Richtigkeit dieser Einschätzung spricht insbesondere auch, dass es sich bei der Beschwerde- führerin um eine 54-jährige Frau mit fortgeschrittene r Gonarthrose bei Adipositas permagna handelt, was für eine degenerative Ursache der Kniebesc hwerden spricht. Nach dem Unfaller- eignis vom 6. März 2013 ist, wie Dr. I.____ in seinem B ericht vom 2. Februar 2016 zu Recht festgestellt hat, weder eine Hämarthrose noch eine Sc hwellung dokumentiert worden. Es hat auch keine Bandverletzung gegeben (vgl. E. 5.2 hiervor ). Die Kausalität einer komplexen Me- niskusläsion zu einem solch banalen Ereignis ist weder siche r noch überwiegend wahrschein- lich. Es liegt auch kein neues medizinisches Dokument vor, welches geeignet wäre, die Kausali- tätseinschätzung der Dres. H.____ und I.____ in Frage zu stellen. Im Lichte der schlüssigen und nachvollziehbaren Beurteilungen der Dres. H.____ und I.____ ist die vorinstanzliche Be- weiswürdigung hinsichtlich der Kausalitätsfrage somit nicht zu beanstanden. 6.3 Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standp unkt, die Beschwerdegegnerin habe ihren Entscheid nur auf die Einschätzung ihrer beratend en Ärzte gestützt und trotz sich wider- sprechender Arztberichte keine weiteren medizinischen Abklär ungen getroffen. Sie bringt vor, dass die Beurteilung von Dr. G.____ geeignet sei, Zwei fel an den rein versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen von Dres. H.____ und I.____ au fkommen zu lassen. Dr. G.____ habe in seinem orthopädischen Konsilium vom 3. August 2015 d ie Auffassung vertreten, dass die stechenden Schmerzen „sicherlich auf den Schrägriss im Hint erhorn des medialen Meniskus zurückzuführen“ seien. Im Schreiben vom 3. November 2015 erklärte er zudem, dass es sich Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei den aktuell geklagten Beschwerden nach seinem Dafü rhalten um einen Rückfall handle, da der im Jahr 2013 festgestellte Meniskusriss nie operiert w orden sei. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass Dr. G.____ somit nochmals ausdrücklich daran festgehalten habe, dass es sich beim Meniskusriss um eine Unfallfolge handle und die aktuellen Beschwerden einen Rück- fall darstellen würden. Hinsichtlich dieser behaupteten widersprüchlichen Kausalitätsbeurteilung und des Ursprunges der stechenden Schmerzen hielt Dr. I. ____ in seiner Einschätzung vom 21. Juli 2016 zu Recht fest, dass die Bezeichnung „sicherli ch“ weder zum chirurgischen noch zum versicherungsmedizinischen Vokabular gehöre. Er führte aus, dass es nicht nur der allge- meinen Lebenserfahrung entspreche, dass bei fortgeschritt ener Gonarthrose die Schmerzen kaum einer einzelnen spezifischen Struktur zugeordnet wer den können. Es fällt zudem auf, dass Dr. G.____ nicht ausdrücklich erklärt, dass es sich bei dem ursprünglich festgestellten Meniskusschaden um eine Unfallfolge handelt. Diese kurze u nd nicht weiter begründete Erklä- rung reicht im Übrigen auch nicht aus, um auch nur ge ringe Zweifel an der Kausalitätsbeurtei- lung der Dres. H.____ und I.____ zu erwecken. Da vorlieg end davon auszugehen ist, dass der ursprüngliche Meniskusschaden degenerativer Natur war, kann auch der Rückfall nicht unfall- bedingt sein (vgl. unten E. 6.5). Dr. I.____ legt übe rdies nachvollziehbar dar, dass aus fachli- cher Sicht als gesichert gelte, dass bei fortgeschrittener G onarthrose eine arthroskopische Ge- lenktoilette keinerlei nachhaltige Besserung ergebe. Es ist festzustellen, dass diese Einschät- zung im Einklang mit Dr. G.____ Beurteilung vom 3. Aug ust 2015, wo auch dieser bei einer all- fälligen Kniearthroskopie das Risiko einer Verschlechterung der Gonarthrose festhält (vgl. E. 5.5 hiervor), steht und somit kein Widerspruch ersichtlich ist. Folglich erwecken Dr. G.____ Beurteilungen insgesamt keine Zweifel an der Kausalitätsbeurteilungen der Dres. H.____ und I.____. 6.4 Die Beschwerdeführerin beanstandet im Weiteren, d ass die rein versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen von Dres. H.____ und I.____ oh ne persönliche Untersuchung der Be- schwerdeführerin abgegeben worden seien. Zudem müsse off en gelassen werden, ob es sich bei Dr. I.____ um den richtigen Facharzt handle, da ge nauere Angaben über seine Person feh- len würden und er beispielsweise nicht auf der Liste der Swiss Insurance Medicine (SIM) Gut- achter aufgeführt sei. Auch hinsichtlich des Einwandes der fehlenden persönlichen Untersu- chung der beratenden Ärzte kann die Beschwerdeführerin vo rliegend nichts zu ihren Gunsten ableiten. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine reine Aktenbeurteilung bzw. ein reines Aktengutachten nicht an sich als unzuverlässig z u beurteilen. Dem reinen Aktengut- achten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lücken loser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht. Aktengutachten sind insbesondere dann von Belang, wenn die relevanten Befunde mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bere its erhoben worden sind, aber die Zuordnung zu einer Diagnose oder der Kausalzusammenhan g und das Ausmass der Behinde- rung verschieden bewertet werden. In diesen Fällen ka nn sehr wohl in einem Aktengutachten das Für und Wider der verschiedenen Meinungen erwogen und die überwiegende Wahrschein- lichkeit für eine bestimmte Beurteilung deutlich gemacht werden (Urteil des Bundesgerichts vom 27. März 2008, 8C_540/2007, E. 3.2 mit Hinweisen). Eine solche Konstellation liegt hier vor. Die Dres. H.____ und I.____ hatten gestützt auf die vorhan denen medizinischen Akten hauptsäch- lich eine Kausalitätsbeurteilung vorzunehmen, d.h. da rüber zu befinden, ob die beklagten Be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerden auf den von der Beschwerdeführerin erlittenen Unfall zurückgeführt werden können. Bei dieser Fragestellung konnte eine ausschliesslich gestützt auf die Akten erstellte Beurteilung durchaus Klärung bringen. Hinsichtlich der Qualifikatio n von Dr. I.____ ist zu bemerken, dass dieser, entgegen der Annahme der Beschwerdeführerin, sehr wohl auf der Liste der zertifizier- ten medizinischen SIM-Gutachter aufgeführt ist (vgl. htt p://www.swiss-insurance-medicine.ch). Was die Beschwerdeführerin bezüglich der fehlenden pe rsönlichen Untersuchung der Be- schwerdeführerin und der Qualifikation von Dr. I.____ vorbringt, ist somit auch nicht geeignet, Zweifel an der Richtigkeit der ärztlichen Beurteilunge n von den Dres. H.____ und I.____ zu be- gründen. 6.5 Es ist somit in Übereinstimmung mit den Beurteilung en der Dres. H.____ und I.____ festzustellen, dass weder die im März 2013 festgestellte M eniskusläsion noch die aktuell be- klagten Kniebeschwerden der Beschwerdeführerin mit überw iegender Wahrscheinlichkeit im kausalen Zusammenhang mit dem Unfall vom 6. März 2013 st ehen. Wie die Beschwerdeführe- rin zu Recht geltend macht, stellt sich die Frage, ob di e aktuell geltend gemachten Beschwer- den als Rückfall zu behandeln sind, nur dann, wenn eine Kausalität zwischen den im März 2013 beklagten Kniebeschwerden (bzw. der Meniskusläsion) und de m Unfall vom 6. März 2013 be- stehen würde. Aufgrund der schlüssigen und nachvollziehbaren Beurteilungen der Dres. H.____ und I.____, welche die Kausalität der Kniebeschwerden ab Juli 2013 insgesamt verneinen, stellt sich somit im vorliegenden Fall die Frage eines Rückfalls nicht. 7. Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten ei ne zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhaltes zu, so ist dem E ventualantrag der Beschwer- deführerin, wonach weitere medizinische Abklärungen zum Gesundheitszustand der Beschwer- deführerin einzuholen seien, nicht stattzugeben. Der A nspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen und – als Korr elat – die Pflicht der Behörde zur Be- weisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmä ssigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Ge- langt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung z ur Überzeugung, dass die vorhande- nen Unterlagen – wie im vorliegenden Fall – ein zuverl ässiges Bild des relevanten Sachverhal- tes ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismit- tel verzichtet werden. Die damit verbundene antizipiert e Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 8. Zusammenfassend ist somit nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin der Kausalitätsbeurteilung von Dres. H.____ und I.____ gef olgt ist und somit ihre Versicherungs- leistungen für die Folgen des Unfallereignisses vom 6. M ärz 2013 per 30. Juni 2013 eingestellt hat. Die gegen den betreffenden Einspracheentscheid vom 5. April 2016 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozess ausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht