Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 28. November 2016 (470 16 213) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verfahrenseinstellung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Peter Tobler (Ref.), Richterin Susan- ne Afheldt; Gerichtsschreiberin i.V. Lorena Steiner Parteien A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, Neuarleshei- merstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach, Beschwerdeführer gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Strafbefeh- le (SB), Rheinstrasse 12, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin B.____, vertreten durch Advokat Christoph Rudin, Falknerstrasse 36, Post- fach 186, 4001 Basel, Beschuldigter Gegenstand Verfahrenseinstellung Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwalt- schaft Basel-Landschaft vom 30. August 2016 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Verfügung vom 30. August 2016 stellte die Staat sanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Strafbefehle, das Verfahren gegen B. ____ wegen fahrlässiger schwerer Kör- perverletzung in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO ein (Ziffer 1). Die Zivilklage wurde auf den Zivilweg verwiesen (Ziffer 2). Die Verfahre nskosten wurden auf die Staatskasse ge- nommen (Ziffer 3) und dem Beschuldigten wurde gemäs s Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine Ent- schädigung von CHF 9'885.60 zugesprochen. B. Gegen diese Einstellungsverfügung reichte A.____, v ertreten durch Rechtsanwalt Da- niel Altermatt, am 12. September 2016 Beschwerde be im Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, ein. Er beantragte, es sei di e Einstellungsverfügung der Staatsanwalt- schaft vom 30. August 2016 aufzuheben und es sei di e Staatsanwaltschaft anzuweisen, das Verfahren fortzusetzen. Weiter sei dem Beschwerdefü hrer für das vorliegende Beschwerdever- fahren die unentgeltliche Rechtspflege mit Rechtsan walt Daniel Altermatt als unentgeltlichem Rechtsbeistand zu gewähren, alles unter o/e-Kostenf olge zu Lasten des Kantons Basel- Landschaft, eventualiter zu Lasten des Beschuldigten. C. Mit Stellungnahme vom 23. September 2016 beantragte die Staatsanwaltschaft, es sei die Beschwerde abzuweisen und die Kosten des Verfah rens der beschwerdeführenden Partei aufzuerlegen. D. B.____, vertreten durch Advokat Christoph Rudin, be antragte mit Eingabe vom 26. September 2015 (recte: 2016) die Abweisung der Beschwerde. Auf die Begründung der jeweiligen Eingaben wird, so weit erforderlich, im Rahmen der Erwä- gungen eingegangen. Erwägungen 1. Gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist die Beschwerde zulässig gegen die Verfügungen und Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwalts chaft und Übertretungsstrafbehörden. Art. 322 Abs. 2 StPO sieht zudem die Anfechtungsmög lichkeit gegen Einstellungsverfügungen innert 10 Tagen bei der Beschwerdeinstanz ausdrückl ich vor. Mit der Beschwerde können laut Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsverletzungen, falsche Fe ststellungen des Sachverhalts sowie Un- angemessenheit gerügt werden. Da mit der Beschwerde alle Mängel des angefochtenen Ent- scheids geltend gemacht werden können, verfügt die Rechtsmittel-instanz über volle Kognition (P ATRICK GUIDON , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 393 N 15). Die Beschwerde ge- gen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert 10 Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Ab s. 1 StPO). Den Umfang der Begründung regelt Art. 385 Abs. 1 StPO. Zur Ergreifung der Bes chwerde legitimiert ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung od er Änderung des Entscheids hat (vgl. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 382 Abs. 1 StPO). Als Parteien bezeichnet Art. 104 Abs. 1 StPO die beschuldigte Person, die Privatklägerschaft und die Staatsanwaltschaft. Die Beschwerdeinstanz beurteilt unter ande- rem Beschwerden gegen Verfahrenshandlungen und gege n nicht der Berufung unterliegende Entscheide der Staatsanwaltschaft (vgl. Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO). Die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vo m 30. August 2016 stellt ein taugliches Anfechtungsobjekt dar. Da aus den vorliegenden Unte rlagen nicht ersichtlich ist, zu welchem Zeitpunkt die Einstellungsverfügung vom 30. August 2016 dem Beschwerdeführer zugestellt wurde, gilt die Beschwerde mit Postaufgabe vom 12. September 2016 als rechtzeitig erfolgt (Art. 396 Abs. 1 StPO). Indem der Beschwerdeführer am 19. April 2013 bei der Polizei Basel- Landschaft, Stützpunkt Liestal, einen Strafantrag stellte, hat er sich als Privatkläger konstituiert. Er hat somit ein rechtlich geschütztes Interesse be züglich der Frage, ob die angefochtene Ein- stellungsverfügung zu Recht erfolgte und ist folgli ch zur Beschwerde legitimiert. Die Zuständig- keit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilun g Strafrecht, als Beschwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO sowie § 15 Abs. 2 EG StPO. Die formellen Voraussetzungen sind damit erfüllt, sodass auf die Be- schwerde eingetreten werden kann. 2.1 Im vorliegenden Fall stützt die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft ihre Einstellungs- verfügung vom 30. August 2016 auf Art. 319 Abs. 1 l it. a StPO. Dazu führt sie aus, A.____, ein Angestellter der C.____ AG in Liestal, habe am 17. April 2013 im dritten Stockwerk den Aufzug angefordert, daraufhin die Flügeltüre geöffnet und sei bei eingeschaltetem Servicelicht ins Lee- re getreten und sogleich vier Meter auf das Dach de s Aufzugskorbs, welcher sich im ersten Stockwerk befunden habe, in die Tiefe gestürzt. Dab ei habe sich A.____ eine Kieferfraktur (links), ein leichtes Schädelhirntrauma, eine Rissquetschwunde oberhalb der linken Augenhöhle und am Kinn, Prellungen an beiden Händen sowie eine Handgelenksverrenkung zugezogen. Gemäss dem ambulanten Bericht des Universitätsspitals Basel vom 2. Mai 2016 habe er immer noch starke Schmerzen im linken Handgelenk und sei im Alltag stark eingeschränkt. Den Tatbestand der fahrlässigen schweren Körperverl etzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB durch Unterlassen erfülle, wer den Erfolg durch eine Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht habe. Zu prüfen sei, ob der Sturz von A.____ bei pflichtgemässem Verhalten des Beschuldigten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bzw . mit einem hohen Grad der Wahrschein- lichkeit ausgeblieben wäre. Aufgrund der Aussagen d es Geschädigten, dass es am 17. April 2013 keine sichtbaren Probleme mit dem Aufzug gegeb en habe und zudem nichts Diesbezügli- ches kommuniziert worden sei, habe es für den Besch uldigten keinen Anlass gegeben, speziel- le und in seiner Verantwortung liegende Sicherheits vorkehrungen zu treffen. Gemäss SUVA- Unfallrapport vom 23. Mai 2013 sowie der Stellungna hme der SUVA vom 26. Januar 2016 sei die erwähnte Überbrückung, welche von D.____ vorgen ommen worden sei, ursächlich für die Dysfunktion des Aufzuges gewesen, was für den Besch uldigten nicht vorhersehbar gewesen sei, zumal er kein Aufzugsfachmann sei. Dazu komme, dass sich der Beschuldigte auch auf die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht korrekte Behebung von Störungen durch die E.____ AG als Spezialistin habe verlassen dürfen, weshalb er auch nicht damit habe rechnen müssen, dass die erwähnte Überbrückung eine Dys- funktion habe herbeiführen können, zumal ihm seiten s der E.____ AG versichert worden sei, dass eine Überbrückung für das Funktionieren des Aufzugs notwendig sei. 2.2 Mit Beschwerde vom 12. September 2016 bringt der Be schwerdeführer vor, es sei die Einstellungsverfügung vom 30. August 2016 aufzuhebe n. Dazu führt er im Wesentlichen aus, der Beschuldigte habe davon Kenntnis gehabt, dass d er Aufzug seit langem immer wieder Probleme verursacht und nicht funktioniert habe. In sbesondere habe er gewusst, dass der Lift- monteur am 27. März 2013 eine Überbrückung vorgenom men habe. Die SUVA habe festge- stellt, dass die Überwachung der Schliessstellung d er Türverriegelungsbolzen überbrückt ge- wesen sei. Diese Überbrückung sei am 27. März 2013 erfolgt und vom Betriebsleiter sogar schriftlich im Störungsprotokoll vermerkt worden. S odann sei festzustellen, dass es sich ge- mäss Schreiben der SUVA vom 24. April 2013 um einen Lastenaufzug gehandelt habe, womit die Mitarbeiter diesen Aufzug nicht hätten benutzen dürfen. Dem Beschuldigten sei diesbezüg- lich vorzuwerfen, den Angestellten keine entspreche nde Weisung erteilt zu haben. Die Staats- anwaltschaft sei der Meinung, dass eine solche Weis ung den Unfall nicht verhindert hätte, da der Lift auch zum Beladen hätte betreten werden müs sen. Dem sei jedoch entgegenzuhalten, dass sich der Unfall nicht zu einem Zeitpunkt ereig net habe, als der Privatkläger den Lift habe beladen wollen. Er habe die Türen einzig zu dem Zwe ck geöffnet, um mit dem Lift hinunter fah- ren zu können. Gemäss Art. 3 Abs. 1 der Verordnung vom 19. Dezember 1983 über die Verhü- tung von Unfällen und Berufskrankheiten (Verordnung über die Unfallverhütung, VUV, SR 832.30) müsse der Arbeitgeber zur Wahrung und Ve rbesserung der Arbeitssicherheit alle Anordnungen erteilen und alle Schutzmassnahmen tref fen, die den Vorschriften dieser Verord- nung und den für seinen Betrieb zusätzlich geltende n Vorschriften über die Arbeitssicherheit sowie im Übrigen den anerkennten sicherheitstechnis chen und arbeitsmedizinischen Regeln entsprechen würden. Da der Beschuldigte Kenntnis da von gehabt habe, dass am 27. März 2013 eine Überbrückung am Aufzug vorgenommen worden sei, habe er in eklatanter Weise gegen die Bestimmungen der VUV verstossen und damit seine Sorgfaltspflichten verletzt. Als Betriebsleiter würde ihm die Erfüllung der Pflichten, welche die VUV für den Arbeitgeber statuie- re, obliegen. So wäre es bei deren Beachtung durch den Beschuldigten nicht zum Unfallereignis gekommen. Daher habe der Beschuldigte die Verletzun gen des Privatklägers adäquat kausal verursacht, womit das Strafverfahren gegen ihn nich t einzustellen bzw. die Staatsanwaltschaft anzuweisen sei, das Verfahren gegen den Beschuldigt en fortzuführen. Zudem beantragt der Beschwerdeführer die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und führt aus, der Privat- kläger sei infolge des Unfalls bis heute 100% arbei tsunfähig und somit nicht in der Lage, für die Kosten des vorliegenden Verfahrens aufzukommen. 2.3 Mit Stellungnahme vom 23. September 2016 beantragt die Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft die vollumfängliche Abweisung der Beschw erde sowie die Auferlegung der Verfah- renskosten an die beschwerdeführende Partei. Zur Be gründung wird im Wesentlichen auf die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Begründung in der Einstellungsverfügung vom 30. Aug ust 2016 verwiesen. Jedenfalls sei die für den Sturz des Geschädigten ursächliche Überbrüc kung nicht am 27. März 2013, sondern am 3. April 2013 von D.____ von der E.____ AG ausge führt worden und gemäss Unfallrapport und der Stellungnahme der SUVA ursächlich für die b eschriebene Dysfunktion. Zudem sei der tatbestandsmässige Erfolg, also der Sturz, nicht da durch vermeidbar gewesen, wenn der Be- triebsleiter Warnhinweise vor dem Aufzug aufgestell t oder sonstige Sicherheitsvorkehrungen getroffen hätte, da der Aufzug auch für den Transpo rt der schweren Eisengussprodukte hätte betreten werden müssen, weshalb dem Betriebsleiter der tatbestandsmässige Erfolg nicht zu- gerechnet werden könne. Was den Vorwurf, der Betriebsleiter habe gegen die Verordnung über die Unfallverhütung verstossen, anbelangt, sei anzumerken, dass der Aufzug gemäss den Aus- sagen des Beschwerdeführers am Unfalltag, d.h. vor dem Sturz und in den Wochen davor, funktioniert habe und er nichts über etwaige Probleme gewusst habe. Am Tag des Unfalls habe es keine Hinweise gegeben, dass der Aufzug nicht hä tte benutzt werden dürfen. Auch sei sei- tens des Betriebsleiters nichts hinsichtlich einer allfälligen Störung kommuniziert worden. Des- wegen könne dem Betriebsleiter nicht vorgeworfen werden, er habe gegen die VUV verstossen, zumal es keine Veranlassung gegeben habe, spezielle Sicherheitsvorkehrungen hinsichtlich der Benützung des Aufzuges zu treffen. 2.4 Mit Stellungnahme vom 26. September 2015 (recte: 20 16) beantragt B.____, vertreten durch Advokat Christoph Rudin, die Abweisung der Beschwerde. Dazu führt er im Wesentlichen aus, der Beschuldigte habe im Zeitpunkt vor dem Unf all keine Kenntnis von der Überbrückung der Überwachung der Türschliessung gehabt. Zudem se i nachgewiesen, dass sich der Be- schuldigte nach Beendigung der Reparaturarbeiten ex plizit beim Monteur nach der Betriebssi- cherheit erkundigt habe, wobei ihm der Monteur best ätigt habe, dass keinerlei Gefahren oder Sicherheitslücken bestehen würden. Auf diese Aussag en habe sich der Beschuldigte verlassen dürfen, womit es für ihn keinen Anlass gegeben habe, die Benutzung des Liftes zu verbieten. 3. Gemäss Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO verfügt die Sta atsanwaltschaft die vollständige oder teilweise Einstellung des Verfahrens, wenn kei n Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfertigt. Da die Staatsanwaltschaft als Untersu chungsbehörde nicht dazu berufen ist, über Recht oder Unrecht zu richten, darf sie nicht allzu rasch und gestützt auf eigene Bedenken zu einer Einstellung schreiten (N IKLAUS S CHMID , Handbuch des Schweizerischen Strafprozess- rechts, 2. Auflage 2013, N 1251; BGer 1B_46/2011 vo m 1. Juni 2011 E. 4). Der Entscheid über die Einstellung eines Verfahrens hat sich nach dem Grundsatz "in dubio pro duriore" zu richten, was bedeutet, dass eine Einstellung durch die Staat sanwaltschaft grundsätzlich nur bei klarer Straflosigkeit bzw. offensichtlich fehlenden Prozes svoraussetzungen angeordnet werden darf. Hingegen ist, sofern die Erledigung mit einem Straf befehl nicht in Frage kommt, Anklage zu erheben, wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher er scheint als ein Freispruch. Ist ein Frei- spruch gleich wahrscheinlich wie eine Verurteilung, drängt sich in der Regel, insbesondere bei schweren Delikten, eine Anklageerhebung auf (BGE 13 8 IV 186 E. 4.1, 138 IV 86 E. 4.1; je mit Hinweisen). Bei zweifelhafter Beweis- bzw. Rechtsla ge hat nicht die Staatsanwaltschaft über Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Stichhaltigkeit des strafrechtlichen Vorwurfs z u entscheiden, sondern das zur materiellen Beurteilung zuständige Gericht. Der Grundsatz, dass im Zweifel nicht eingestellt werden darf, ist auch bei der Überprüfung von Einstellungsverfügungen zu beachten (BGE 138 IV 86 E. 4.1.1 S. 91, mit Hinweis). In der Lehre werden teilweise noc h höhere Anforderungen an die Einstellung eines Verfahrens gestellt: So soll eine Einstellung nur dann erfolgen, wenn aufgrund objektiver Kriterien von vornherein feststehe, dass jedes andere Ergebnis als ein Freispruch ausgeschlos- sen erscheine, d.h. wenn kein vernünftiger Zweifel daran bestehe, dass das Sachgericht von der Unschuld des Beschuldigten überzeugt sei oder z umindest derartige Zweifel an dessen Schuld haben werde, dass eine Verurteilung ausgeschlossen erscheine (NIKLAUS OBERHOLZER , Grundsätze des Strafprozessrechts, 3. Auflage 2012, N 1396). Andere Autoren postulieren, die Staatsanwaltschaft habe einzig einzustellen, wenn nach der gesamten Aktenlage ein Freispruch zu erwarten sei und eine gerichtliche Hauptverhandl ung als eigentliche Ressourcenverschwen- dung resp. aufgrund des absehbaren Freispruchs als Zumutung für den Beschuldigten erschei- nen müsste (R OLF G RÄDEL /M ATTHIAS HEINIGER , Basler Kommentar StPO, 2. Auflage 2014, Art. 319 N 8). Die skizzierten strengen Grundsätze bei der Einstellung gelten umso mehr, wenn es um schwere Straftaten geht (BGer 1B_646/2012 vom 3. Juli 2013 E. 4.1). 4. Zu prüfen ist somit, ob die Einstellung des Verfah rens zu Recht erfolgt ist, respektive ob ein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage r echtfertigen würde. Bei den fahrlässigen Er- folgsdelikten besteht das verbotene Verhalten in de r fahrlässigen Verursachung des strafrecht- lich relevanten Erfolges. Die Kausalität ist dort g egeben, wo der Täter die Gefahr geschaffen oder gesteigert hat, die in den Erfolg umgeschlagen ist. Dies wird nicht nur unter dem Gesichts- punkt der natürlichen, sondern auch der adäquaten K ausalität geprüft. Dabei bemisst sich die dem Einzelnen obliegende Vorsicht nach seinen persö nlichen Verhältnissen (G ÜNTER STRATENWERTH , Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 4. Auflage, Bern 2011, § 16 N 7 ff.). Der Täter muss überdies in der Lage sein, die Gefährdung und die Eingriffsmöglichkeit vor- herzusehen bzw. zu erkennen und natürlich auch, die gebotene Handlung vorzunehmen (vgl. BGE 122 IV 148 f.). Infolge technischer Probleme mit dem Aufzug in der C.____ AG wurde am 3. April 2013 der Pikettdienst gerufen. Daraufhin kamen der Servicemonteur D.____ und der Hilfsmonteur F.____ der Firma E.____ AG, um den Aufzug wieder in Betrieb zu setzen. Da der obere Notendschalter nicht vorhanden war, hat sich D.____ gemäss eigenen Aussagen dafür entschieden, eine Überbrückung vorzunehmen. Anstatt lediglich eine Üb erbrückung zwischen den Klemmen 26 und 27 zu erstellen, muss gemäss Musterschaltbild d avon ausgegangen werden, dass D.____ eine Überbrückung zwischen den Klemmen 26 und 29 vo rgenommen hat. Dies hat dazu ge- führt, dass die Schachttüre, die Fahrkorbtürschalte r und die Sperrmittelkontakte überbrückt wa- ren und der Sicherheitskreis folglich offen war. Ge mäss Unfallrapport der SUVA vom 23. Mai 2013 sowie der Stellungnahme der SUVA vom 26. Janua r 2016 war der Grund, weshalb sich die Flügeltüren des Aufzuges im dritten Stockwerk öffnen liessen, obwohl sich der Lift im ersten Stockwerk befand, die Überbrückung der Überwachung der Schliessstellung der Türverriege- lungsbolzen gemäss Musterschaltbild. Aus dem Schrei ben der SUVA vom 18. Dezember 2013 Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie der E-Mail vom 24. April 2013 von G.____ geht hervor, dass die elektronische Überwa- chung des Schliessmechanismus am 23. April 2013 wie der aktiviert wurde, weswegen erstellt ist, dass die entsprechende Überbrückung zum Unfall zeitpunkt vorhanden war. Es ist richtig, dass der Beschuldigte davon Kenntnis hatte, dass de r Aufzug seit Langem immer wieder Prob- leme verursacht hat. Deswegen hat er am 3. April 20 13 auch den Pikettdienst der dafür spezia- lisierten Firma E.____ AG aufgeboten. Dass der Besc huldigte gewusst hat, dass der Liftmon- teur eine Überbrückung vorgenommen hatte, ist ebenfalls zutreffend. Jedoch war dem Beschul- digten nicht bekannt, dass die Überbrückung zwische n den Klemmen 26 und 29 vorgenommen wurde, womit die Schachttüre, die Fahrkorbtürschalt er und die Sperrmittelkontakte überbrückt waren. Er hat ausdrücklich nachgefragt, ob die Sich erheitsanforderungen durch die Überbrü- ckung gewährleistet seien, was der Liftmonteur expl izit bejaht hat. Diesen Aussagen des Auf- zugfachmannes durfte und musste der Beschuldigte ve rtrauen. Im Übrigen war D.____ selbst der Meinung, die Überbrückung zwischen den Klemmen 26 und 27 vorgenommen zu haben, womit der Beschuldigte auch deswegen keine Veranlas sung hatte, davon auszugehen, dass etwas nicht funktionieren könnte (vgl. die Einvernahme mit D.____ vom 7. April 2014, S. 7). Von der hohen Gefährdung bei der Benutzung des Lastenau fzuges wusste der Beschuldigte somit nichts, womit es ihm auch nicht möglich war, seine Mitarbeiter darüber zu informieren. Ein Hin- weis an die Mitarbeiter, der Aufzug dürfe nur für W arentransporte benutzt werden, hätte den Sturz – wie die Staatsanwaltschaft zutreffend vorbr ingt – überdies ohnehin nicht vermeiden können, zumal der Aufzug auch beim Beladen der Waren von den Mitarbeitern zwingend betre- ten worden wäre. Was den Vorwurf des Beschwerdeführ ers, der Beschuldigte habe gegen die Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) verstosse n, anbelangt, so ist darauf hinzuweisen, dass selbst gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers vom 9. September 2014 der Aufzug am Unfalltag, also am 17. April 2013, einwandfrei funktioniert hat. Er führt diesbezüglich aus, es sei zwar in der Vergangenheit auch schon ein Defekt schild vor dem Aufzug gestanden, am Tag des Unfalls sei jedoch kein Hinweis vorhanden gewes en, der die Benutzung des Aufzuges un- tersagt hätte. Der Beschuldigte hatte den Mitarbeit ern auch nichts über eine Störung des Liftes mitgeteilt. Da der Beschuldigte als Betriebsleiter – wie bereits erläutert – von einer Gefährdung bei der Benutzung des Aufzuges nichts wusste und au ch nichts wissen konnte und da er davon ausgehen durfte, dass die Störung des Aufzuges von den Aufzugfachpersonen der E.____ AG am 3. April 2013 lege artis behoben wurde, kann ihm nicht vorgeworfen werden, er habe gegen die VUV verstossen. Es gab deswegen keinen Grund fü r den Beschuldigten, spezifische An- ordnungen zu erteilen und Schutzmassnahmen zu treff en, geschweige denn dafür zu sorgen, dass solche Schutzmassnahmen in ihrer Wirksamkeit n icht beeinträchtigt werden. Auch gab es keine Veranlassung, die Mitarbeiter über eine Gefährdung bzw. eine Störung zu informieren, da dem Beschuldigten nach der Reparatur schlichtweg keine solchen bekannt war. Schliesslich hat der Beschuldigte auch Art. 24 VUV nicht verletzt, z umal die Benutzung des Aufzuges bei be- stimmungsgemässer Verwendung und Beachtung der gebotenen Sorgfalt die Sicherheit und die Gesundheit der Arbeitnehmer nicht gefährdet hat. So hat der Beschuldigte bei Störungen in der Vergangenheit immer die nötigen Vorkehrungen getrof fen. Er hat denn auch ausdrücklich beim Aufzugfachmann, D.____, nachgefragt, ob die Sicherheit nach erfolgter Überbrückung nach wie Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vor gegeben sei, worauf ihm dies ausdrücklich bestä tigt wurde, weshalb keine Verletzung nach Art. 28 Abs. 4 VUV vorliegt. Da für den Beschuldigt en die Gefährdung der Rechtsgüter seiner Mitarbeiter nicht voraussehbar war und er auf den Spezialisten der E.____ AG vertrauen durfte, kann ihm keine unfallkausale Sorgfaltsverletzung vorgeworfen werden. 5. Demzufolge hat die Staatsanwaltschaft Basel-Landsch aft das Strafverfahren wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB zu Recht gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO eingestellt. Die Beschwerde ist in Bestätigung der angefochtenen Einstel- lungsverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landsch aft vom 30. August 2016 vollumfänglich abzuweisen. 6.1 Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien di e Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegen s. Entsprechend dem Ausgang des vor- liegenden Verfahrens werden die Verfahrenskosten de s Kantonsgerichts in der Höhe von CHF 1‘100.00, bestehend aus einer Gerichtsgebühr vo n CHF 1‘000.00 (§ 13 Abs. 1 GebT) so- wie Auslagen von CHF 100.00, dem Beschwerdeführer a uferlegt. Zufolge Bewilligung des in diesem Zusammenhang gestellten Gesuchs des Beschwerdeführers um Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege gehen die Verfahrenskosten zu Lasten des Staates. Dem Rechtsbei- stand des Beschwerdeführers ist überdies eine Parte ientschädigung in der Höhe von CHF 800.00 (inklusive Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer im Betrag von CHF 64.00, somit total CHF 864.00, aus der Gerichtskasse zu entrichten. 6.2 Da der Rechtsvertreter des Beschuldigten B.____ in seiner Stellungnahme vom 26. September 2015 (recte: 2016) auf einen Kostenan trag verzichtete, erübrigt sich die Zuspre- chung einer Parteientschädigung. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltli che Rechtspflege wird präsidialiter bewilligt. 3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von CHF 1‘100.00, beinhaltend eine Gebühr von CHF 1‘000 .00 sowie Auslagen von CHF 100.00, gehen zu Lasten des Staates. 4. Der Rechtsbeistand des Beschwerdeführers, Recht sanwalt Daniel Altermatt, wird für seine Bemühungen im Beschwerdev erfahren mit Fr. 800.00 (inklusive Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwe rtsteuer im Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Betrag von CHF 64.00, somit total CHF 864.00, aus d er Gerichtskas- se entschädigt. 5. Dieser Beschluss wird den Parteien schriftlich eröffnet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin i.V. Lorena Steiner