Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 24. Juni 2015 (810 15 31) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Anordnung begleitetes Besuchsrecht Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber Sandro Jaisli Parteien A. ____ , gesetzlich vertreten durch B.____ , Beschwerdeführerin , vertr e- ten durch Barbara Zimmerli, Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde C.____ , Beschwerdege g- nerin Beigeladener D.____ Betreff Anordnung begleitetes Besuchsrecht (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 7. Januar 2015) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die am 11. Mai 2004 geborene A.____ ist die gemei nsame Tochter von B.____ und D.____. Nachdem sich die Kindseltern im Juli 2008 getre nnt und seither keinen Kontakt mehr hatten, errichtete die Vormundschaftsbehörde (VB) E.__ __ mit Beschluss vom 1. September 2009 für A.____ eine Beistandschaft gemäss Art. 308 Ab s. 1 und 2 des Schweizerischen Zivil- gesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907. Gleichzeitig w urde die Massnahme an die VB F.____ übertragen, welche mit Entscheid vom 17. Sept ember 2009 G.____ als Beistand er- nannte und diesen insbesondere damit beauftragte, d as angeordnete begleitete Besuchsrecht zu organisieren und zu überwachen. Mit Entscheid der VB F.____ vom 3. Mai 2012 wurde D._ ___ das Besuchsrecht für seine Toch- ter A.____ – gestützt auf das Gutachten des kindes- und jungendpsychiatrischen Dienstes Ba- selland (KJPD: heute: Psychiatrie Baselland, Kinder- und Jugendpsychiatrie) vom 27. Dezem- ber 2011 – entzogen. Dieser Entscheid wurde im Wesentl ichen damit begründet, dass das Be- suchsrecht für A.____ deshalb sehr belastend gewesen sei, w eil D.____ die Besuche öfters kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen habe absagen müss en und teilweise auch unange- meldet nicht erschienen sei. B. Mit Berichterstattung vom 10. Juni 2013 an die zuständ ige Kindes- und Erwachsenen- schutzbehörde C.____ (KESB) beantragte G.____ die Aufhebung der Beistandschaft, da für die Weiterführung dieser Massnahme – mangels Bemühen von D._ ___ um seine Tochter A.____ – keine Notwendigkeit mehr bestehe. Dagegen teilte D.___ _ der KESB mit Schreiben vom 15. Juli 2013 mit, dass er nach wie vor ein grosses Int eresse an der Wiederanordnung eines Besuchsrechts und damit ein grosses Bedürfnis nach der Tei lnahme am Leben seiner Tochter habe. Dies habe er bereits mit Schreiben vom 8. August 2012 an die VB F.____ mitgeteilt. Da er daraufhin nie etwas gehört habe, sei er mit Schrei ben vom 15. April 2013 an die KESB ge- langt und habe dieser sein grosses Interesse und Bedürfn is an der Anordnung eines Besuchs- rechts mitgeteilt. Ferner habe er die KESB darauf hin gewiesen, dass sich sein Gesundheitszu- stand verbessert habe und er nun in der Lage sei, Term ine pünktlich und zuverlässig wahrzu- nehmen. Dieses Schreiben sei aber aufgrund einer falsc hen Adresse nicht an die zuständige KESB gelangt. Mit Schreiben vom 29. Oktober 2014 empfa hl G.____ der KESB, D.____ zurzeit kein Besuchsrecht einzuräumen. A.____ solle selber entschei den können, ob und wann sie Kontakt zu ihrem Vater möchte. Nachdem sowohl A.____ u nd B.____ als auch der Kindsvater am 10. Dezember 2014 beziehungsweise am 22. Dezember 2014 angehört worden waren, ent- schied die KESB mit Entscheid vom 7. Januar 2015 unter anderem, dass die Beistandschaft für A.____ gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB beibehalten we rde und D.____ und seiner Tochter A.____ ein begleitetes Besuchsrecht von je 3 Stunden von jeweils 14 Uhr bis 17 Uhr in der In- stitution der Begleiteten Besuchstage Baselland (BBT) in Binningen eingeräumt werde. Das begleitete Besuchsrecht werde vorerst ab dem ersten mögl ichen Besuchskontakt befristet auf 10 Monate und für die ersten 6 Monate auf 1 Mal pro Monat jeweils sonntags und die weiteren 4 Monate auf 2 Mal pro Monat festgelegt. Als Begründung führt die KESB in ihrem Entscheid vom 7. Januar 2015 im Wesentlichen aus, dass A.____ gemäss eigenen Aussagen zwar ein ungutes Gefüh l aber keine Angst vor der Wiederaufnahme der Kontakte zu ihrem Vater habe und dass unter diesen Umständen eine Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht behördliche Regelung des persönlichen Verkehrs zwischen d em Kindsvater und seiner Tochter angezeigt sei, um A.____ die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Bild von ihrem Vater ma- chen zu können. Im Gutachten des KJPD vom 27. Dezember 20 11 sei festgehalten worden, dass A.____ durch die Besuchskontakte zum Kindsvater nicht b eeinträchtigt erscheine und deshalb eine allfällige Sistierung des Besuchsrechts aufzuheben sei, sobald der Kindsvater klar sein Interesse an einem Wiederaufbau der Vater- Tochter beziehung äussere. Genau dies habe D.____ in den vergangenen Monaten wiederholt klar zum Ausdruck gebracht. Zudem scheine es ihm heute klar zu sein, dass er die Besuche regelmässig und verbindlich wahrzunehmen habe. C. Gegen diesen Entscheid der KESB hat A.____, gesetzli ch vertreten durch B.____, die- se wiederum vertreten durch lic. iur. Barbara Zimmerli , Rechtsanwältin, mit Eingabe vom 6. Februar 2015 beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Ab teilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde erhoben. Sie bea ntragt unter o/e-Kostenfolge es sei der Entscheid der KESB vom 7. Januar 2015 aufzuheben un d es sei festzustellen, dass das Besuchsrecht von D.____ zu seiner Tochter nach wie vor g emäss Art. 274 Abs. 2 ZGB entzo- gen bleibe. Zudem sei der Beschwerdeführerin die unen tgeltliche Rechtspflege für das vorlie- gende Verfahren zu bewilligen und es sei von der Erhebu ng eines Kostenvorschusses abzuse- hen. Die Anträge wurden im Wesentlichen damit begründ et, dass die VB F.____ mit Entscheid vom 3. Mai 2012 den Entzug des Besuchsrechts wegen einer G efährdung des Kindeswohls angeordnet und darauf hingewiesen habe, dass bei ein er allfälligen Neubeurteilung des Be- suchsrechts eine erneute Prüfung durch den KJPD erfolgen solle. Vorliegend habe die KESB trotz rechtskräftig entzogenem Besuchsrecht, entgegen der Empfehlung des Beistandes und schliesslich auch entgegen der Meinung von A.____ und dere n Mutter ohne erneute Prüfung durch den KJPD ein begleitetes Besuchsrecht angeordnet. Die Tatsache, dass das Besuchs- recht entzogen worden sei, zeige im Umkehrschluss, dass der Gefährdung des Kindeswohls nicht auf eine andere, weniger einschneidende Weise b egegnet werden könne. Es läge keine dauernde und erhebliche Veränderung der Gegebenheite n vor, welche Voraussetzung für die Abänderung des damaligen Entscheides bilde. Schliesslich seien die inzwischen erreichten Entwicklungsfortschritte sowie die Stabilisation der gesu ndheitlichen Situation der Beschwerde- führerin gefährdet, wenn nun, ohne zu prüfen welche A uswirkungen dies für die Beschwerde- führerin hat, wieder ein Besuchsrecht angeordnet werde. D. Mit Eingabe vom 11. Februar 2015 reichte die Beschw erdeführerin dem Gericht die Beilagen zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ein. E. Die Beschwerdegegnerin liess sich mit Schreiben vom 2 0. Februar 2015 vernehmen und schloss auf vollumfängliche Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin. Zudem führte sie aus, dass entsprec hend dem Schutzzweck des Kindes- und Erwachsenenschutzrechts getroffene Massnahmen jederzei t aufgehoben oder abgeändert werden können oder müssen, ohne dass sich dafür der Sachv erhalt geändert haben muss. Un- ter Verweis auf das Gutachten des KJPD vom 27. Dezember 20 11 hält die Beschwerdegegne- rin weiter fest, dass die gedeihliche Entwicklung der Besch werdeführerin durch die Ausübung des persönlichen Verkehrs nicht gefährdet sei, solange der Kindsvater sein Besuchsrecht ver- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bindlich wahrnehme. Zudem stelle die Anordnung des be gleitenden Besuchsrechts keine Ver- bindlichkeit in die Zukunft dar. Würde nämlich das Bes uchsrecht vom Kindsvater nicht regel- mässig und verbindlich wahrgenommen werden, könne die g etroffene Massnahme jederzeit wieder aufgehoben oder abgeändert werden. Es sei wei ter zu berücksichtigen, dass die VB F.____ mit Entscheid vom 3. Mai 2012 entgegen den Emp fehlungen des KJPD nicht eine Sis- tierung, sondern eine Aufhebung des Besuchsrechts verfüg t habe. Im Übrigen habe das Gut- achten des KJPD vom 27. Dezember 2011 offen gelassen, o b eine spätere Neubeurteilung des Besuchsrechts durch den KJPD oder durch die Vormundschaftsb ehörde erfolgen solle. Wäh- rend eine Abklärung durch den KJPD lange dauern würde, sei es der KESB vorliegend ohne grösseren Aufwand möglich gewesen, das klar geäusserte Int eresse des Kindsvaters an einem begleiteten Besuchsrecht festzustellen und damit eine Kindeswohlgefährdung (aufgrund fehlen- der Verbindlichkeit) auszuschliessen. F. Als Beigeladener liess sich D.____ mit Schreiben vom 2 4. März 2015 vernehmen und beantragte, die Beschwerde sei unter o/e-Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin vollum- fänglich abzuweisen. Zur Begründung verwies er im Wese ntlichen auf die Stellungnahe der Beschwerdegegnerin vom 20. Februar 2015 und fügte erg änzend hinzu, dass er immer ein grosses Interesse an der Aufrechterhaltung des Kontaktes zur Beschwerdeführerin gehabt ha- be. Seine damalige Unverbindlichkeit im Zusammenhang mit dem Besuchsrecht habe nichts mit mangelndem Interesse am Kontakt mit der Beschwerdeführ erin zu tun, sondern sei einzig und allein durch seine Gesundheit begründet gewesen. Heute habe sich sein Gesundheitszustand aber stark verbessert und stabilisiert, womit er in der La ge und auch willens sei, vereinbarte Termine pünktlich und zuverlässig einzuhalten. G. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 1. April 201 5 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Zudem wurde sowohl das Gesuch d er Beschwerdeführerin um unent- geltliche Prozessführung und Verbeiständung als auch da s sinngemäss gestellte Gesuch des Beigeladenen um unentgeltliche Prozessführung bewilligt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 Z GB kann gegen Entscheide einer Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzb uches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). N ach dem Gesagten ist die Fün- ferkammer der Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrech t des Kantonsgerichts zur Beurtei- lung der vorliegenden Beschwerde zuständig (§ 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 199 3). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffe- nen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtl ich geschütztes Interesse an der Aufhebung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff . 3). Anfechtungsobjekt bildet der Entscheid der KESB vom 7. Januar 2015, durch welchen die – gesetzlich durch ihre Mutter ver- tretene – Beschwerdeführerin als direkt Verfahrensbeteil igte ohne weiteres zur Beschwerdeer- hebung legitimiert ist. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzu- treten. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwer de Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststell ung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2. Vorliegend ist die Rechtmässigkeit und Angemessenheit des Entscheids der KESB vom 7. Januar 2015 hinsichtlich der darin erfolgten Neuregelung des persönlichen Verkehrs der Beschwerdeführerin mit ihrem Vater strittig. 3.1 Gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB haben der nicht obhut sberechtigte Elternteil und das un- mündige Kind gegenseitig Anspruch auf angemessenen per sönlichen Verkehr. Praktische Be- deutung gewinnt das Recht auf persönlichen Verkehr vor a llem in der Trennungs- und Schei- dungssituation bei verheirateten Eltern, aber auch be i Auflösung eines Konkubinats. Das Recht auf persönlichen Verkehr steht Eltern und Kindern um ihrer Persönlichkeit willen zu (BGE 123 III 445 E. 3b). Das Recht auf persönlichen Verkehr dient in erster Linie dem Interesse des Kindes, ist aber zugleich auch ein Recht und eine Pflicht des be troffenen Elternteils (Urteil des Bundes- gerichts 5A_341/2008 vom 23. Dezember 2008 E. 4.1). Dabei ist der sorge- bzw. obhutsberech- tigte Elternteil verpflichtet, den persönlichen Verkehr zwischen Eltern und Kind zu dulden, ja vielmehr sogar zu ermöglichen. Das Bundesgericht hat a usdrücklich festgehalten, dass es un- haltbar sei, wenn der obhutsberechtigte Elternteil e s in der Hand hätte, gewissermassen durch Zwistigkeiten mit dem anderen Teil den Umfang des Besu chsrechts zu steuern (BGE 130 III 585 E. 2.2.1). Bei der Festsetzung des persönlichen V erkehrs geht es nicht darum, einen ge- rechten Interessenausgleich zwischen den Eltern zu finden, sondern den elterlichen Kontakt mit dem Kind in dessen Interesse zu regeln; allfällige Int eressen der Eltern haben zurückzustehen (Urteil des Bundesgerichts 5C.176/2001 vom 15. November 2001 E. 2a; BGE 122 III 404 E. 3a mit weiteren Hinweisen). Der persönliche Verkehr dient dazu, die positive Entwicklung des Kin- des zu gewährleisten und zu fördern, da für die Identi tätsfindung des Kindes – gemäss kinder- psychologischen Erkenntnissen – seine Beziehungen zu beiden E lternteilen wichtig sind. Wann persönlicher Verkehr angemessen ist, bestimmt sich anhan d der Umstände des konkreten Ein- zelfalls (Urteil des Bundesgerichts 5C_11/2006 vom 9. Feb ruar 2007 E. 5.1; BGE 123 III 445, E. 3/b). Oberste Richtschnur für die konkrete Ausgestaltung des Besuchsrechts gilt dabei immer das Kindeswohl (BGE 127 III 295 E. 4a, 123 III 445 E. 3b). 3.2 Von grosser Bedeutung für die Regelung des Besuchsre chts ist der Wille des Kindes (vgl. BGE 124 III 90 E. 3a, I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , in: Heinrich Honsell/Nedim Peter Vogt/Thomas Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, 5. Aufl., Zürich/St. Gallen 2014, Art. 274, N 13). Zur Ermittlung des Kindeswil- lens ist das Kind anzuhören. Der Kindeswille ist nicht nu r bei der Ausgestaltung des Besuchs- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechts im Einzelnen zu berücksichtigen, sondern vor allem bei der Frage, ob überhaupt Besu- che stattfinden sollen (BGE 127 III 295 E. 2a). Lehnt ein bereits älteres, das heisst bald mündi- ges und urteilsfähiges Kind den Umgang kategorisch ab, so ist dieser aus Gründen des Kin- deswohls auszuschliessen, weil ein gegen den starken Widerst and erzwungener Besuchskon- takt mit dem Zweck des Umgangsrechts im Allgemeinen ebenso unvereinbar ist wie mit dem Persönlichkeitsrecht des Kindes (Urteil des Bundesgerichts 5 A_716/2010 vom 23. Februar 2011 E. 4, 5C.298/2006 vom 21. Februar 2007, 5C.250/ 2005 vom 3. Januar 2006 E. 3.2.1). Auch bei jüngeren Kindern muss den Ursachen für eine A blehnung von Besuchskontakten nachgegangen werden. 3.3 Was das Kind anbelangt, so steht es indessen nicht in dessen freien Belieben, ob es persönliche Kontakte wünscht oder nicht (Urteil des Bundesgerichts 5A_716/2010 vom 23. Feb- ruar 2011 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Es entspricht nämlich gerade nicht dem Wohl des Kin- des, wenn jeglicher Kontakt zwischen ihm und dem nicht obh utsberechtigten Elternteil unter dem Vorwand verhindert wird, das Kind selber suche den Kontakt nicht: Es ist nichts Ausser- gewöhnliches, dass ein Kind – je nach den Modalitäte n des Auseinanderlebens seiner Eltern und der Art und Weise, wie der obhutsberechtigte El ternteil es begleitet – mehr oder weniger Mühe haben kann, in der neuen Situation mit dem ande ren Elternteil den Kontakt zu behalten oder gegebenenfalls wiederherzustellen (Urteil des Bundesgerichts 5A_341/2008 vom 23. De- zember 2008 E. 4.3). In den Worten des Bundesgerichts bedeutet dies, dass das Wo hl des Kindes nicht nur aus seiner subjektiven Sicht mit Blick au f sein momentanes Befinden zu beur- teilen ist, sondern auch objektiv und mit Blick auf seine künftige Entwicklung ( Urteil des Bun- desgerichts 5A_716/2010 vom 23. Februar 2011 E. 4). Anderes kann in engen Grenzen bei urteilsfähigen und älteren, das heisst bald mündigen Kindern gelten ( Urteil des Bundesgerichts 5A_341/2008 vom 23. Dezember 2008 E. 4.3). 3.4 Wird das Wohl des Kindes dagegen durch den persönlic hen Verkehr gefährdet, indem seine ungestörte körperliche, seelische oder sittliche En tfaltung durch ein auch nur begrenztes Zusammensein mit dem nicht obhutsberechtigten Elternt eil bedroht ist, kann das Besuchsrecht nach Art. 274 Abs. 2 ZGB beschränkt oder aufgehoben we rden, wobei der gänzliche Aus- schluss stets die ultimo ratio bleiben muss (BGE 122 III 404 E. 3b). Zudem muss der Aus- schluss des Besuchsrechts grundsätzlich fortlaufend auf seine z eitliche Gültigkeit hin überprüft werden (INGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., Art. 274, N 16). Damit eine Kindes- wohlgefährdung vorliegt, müssen triftige, das Kindeswo hl nachhaltig berührende Gründe vorlie- gen. Erforderlich ist deshalb, dass sich die befürchteten Gef ahren für das Kindeswohl nicht an- ders – beispielsweise durch die persönliche Anwesenheit einer Drittperson (begleitetes Be- suchsrecht) – vermeiden lassen; ansonsten verbieten das Pers önlichkeitsrecht des nicht sorge- bzw. obhutsberechtigten Elternteils und der Grundsatz de r Verhältnismässigkeit, aber auch der Sinn und Zweck des persönlichen Verkehrs dessen gänzliche Unt erbindung ( Urteil des Bun- desgerichts 5A_716/2010 vom 23. Februar 2011 E. 4, I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., Art. 274, N 5 und 16). Ein begleitetes Besuchsrecht kann – selbst bei momen- taner Überforderung des Kindes – ein taugliches Ersatzmi ttel sein (BGE 130 III 585 E. 2.2.2). Wird das Besuchsrecht über längere Zeit grundlos nicht a usgeübt, kann dies eine Aufhebung des Besuchsrechts rechtfertigen. Blosse Unregelmässigkeiten oder das Ausbleiben der Leis- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tung des Unterhaltsbeitrags reichen dagegen nicht aus ( INGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., Art. 274, N 7). 3.5 Unter einem begleiteten Besuchsrecht wird die Ausü bung von Besuchskontakten in Anwesenheit einer oder mehrerer Drittpersonen verstanden. Soweit sich die Eltern nicht einver- nehmlich auf die Ausübung des Besuchsrechts an einem bestimmten Ort in Anwesenheit Dritter einigen, ist mit der Anordnung eines begleiteten Besu chsrechts die Ernennung eines Beistan- des gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB verbunden. Das begleitete Besuchsrecht stellt somit eine Kin- desschutzmassnahme im Sinne der Art. 307 ff. ZGB dar. K indesschutzmassnahmen bezwe- cken im Allgemeinen die Abwendung einer Gefährdung de s Kindeswohls (C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl., Bern 1999, Rz. 27.0 9). Ist das Wohl des Kindes gefährdet und sorgen die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe oder sind sie dazu ausserstande, so trifft die Kindesschutzbehörde gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB die geeig neten Massnahmen zum Schutz des Kindes. Art. 307 Abs. 1 ZGB enthält die Aufforderu ng, die im Einzelfall geeigneten, vom Gesetz vorgesehenen Massnahmen (Art. 307 Abs. 3 ZGB bis Ar t. 312 ZGB) zu treffen. Alle Kindesschutzmassnahmen müssen zur Erreichung des Ziels erford erlich sein (Subsidiarität), und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende Massnah me anzuordnen (Proportionalität); diese soll elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sonder n ergänzen (Komplementarität, vgl. Art. 389 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB, s. zum Ganzen HEGNAUER , a.a.O., Rz. 27.10 ff.; Urteil des Bundesgerichts 5A_701/2011 vom 12. März 2012 E. 4.2. 1, in: FamPra.ch 2012, S. 821 mit weiteren Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung). 3.6 Die Institution Begleitete Besuchstage Baselland (B BT) bietet geschiedenen oder ge- trennt lebenden Familien, die mit besonderen Konflikt en konfrontiert sind, eine Unterstützung bei der Ausübung des persönlichen Kontakts des Kindes zum abwesenden Elternteil. Solche Konflikte können unter anderem ungelöste Paarkonflikte in Trennungssituationen, Suchtprob- lematik, mangelhaftes Vertrauen in den anderen Eltern teil, Angst vor Entführung, Gewalt oder sexueller Ausbeutung, Hilflosigkeit in der Gestaltung de s Besuchstages oder fehlende oder un- günstige Räumlichkeiten sein. Die BBT bieten ein Begl eitteam, welches gemeinsam mit den Teilnehmenden den Nachmittag gestaltet. Ausgebildete Fachpersonen begleiten die Eltern und ihre Kinder in einem neutralen und geschützten Rahmen. Die Besuche finden zwei Mal im Mo- nat an einem Samstag oder Sonntag in einem Tagesheim in Binningen statt. Der besuchsbe- rechtigte Elternteil trifft dort das Kind und verbringt die Besuchszeit mit ihm. 4. Mit Gutachten des KJPD vom 27. Dezember 2011 untersuc hten die Oberärztin Dr.H.____, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, sowie I.____, lic. phil. Psychologin, die Beschwerdeführerin. Gemäss diesem Gutachten, welches sich auf die Zeitspanne von 2009 bis 2011 bezieht, wird eine Gefähr dung der gedeihlichen Entwicklung der Beschwerdeführerin durch das Besuchsrecht des Kindsvaters klar verneint, weshalb kein An- lass zu einer Aufhebung des Besuchsrechts bestehe. Bei der Beschwerdeführerin handle es sich um ein sehr vifes, offenes und aufgestelltes Mädchen. Zu dieser positiven Entwicklung zwi- schen 2009 und 2011 hätten auch die begleiteten Besuch stage beigetragen, indem bei der Be- schwerdeführerin das sehr negative Vaterbild, das in der Familie der Kindsmutter vorherrsche und welches sie durch ihre eigenen frühkindlichen Erfahru ngen gemacht habe, etwas habe dif- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ferenziert werden können. Davor sei sie jeweils zusammen gezuckt, wenn sie einem Menschen mit dunkler Hautfarbe begegnet sei. Aufgrund des Famil iengefüges und der Vergangenheit werde es der Beschwerdeführerin wohl nie möglich sein, mit gegen aussen geäusserten positi- ven Gefühlen zu den Besuchstagen zu gehen. Im Gutachten w urde ein reduziertes begleitetes Besuchsrecht einmal monatlich empfohlen, wobei unbeding t auf die Verbindlichkeit seitens des Kindsvaters geachtet werden müsse. Da dieser aber mit der Absage der Begutachtungstermine beim KJPD nicht wirklich sein Interesse am weiteren Kont akt zur Beschwerdeführerin bekundet habe, sei das Besuchsrecht vorläufig bis zu demjenigen Zeit punkt zu sistieren, in welchem der Kindsvater sein Interesse an der Weiterführung der beg leiteten Besuche klar äussere. Die Prü- fung dieser Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des persönlichen Verkehrs könne zum gegebenen Zeitpunkt entweder durch den KJPD oder durch die Vormundschaftsbehörde erfol- gen. 5.1 Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, dass vo rliegend die Anordnung des begleiteten Besuchsrechts nicht möglich sei, da dem Kind svater das Besuchsrecht mit Ent- scheid der VB F.____ vom 3. Mai 2012 entzogen worden s ei und er deshalb nach wie vor über kein solches verfüge, kann sie nicht gehört werden. Das R echt auf persönlichen Verkehr er- lischt nach Art. 274 Abs. 3 ZGB einzig im Falle der Ad option des Kindes. Zudem entsteht das Recht auf angemessenen persönlichen Verkehr von Gesetze s wegen (Art. 273 Abs. 1 ZGB) und steht Eltern und Kindern um ihrer Persönlichkeit wi llen zu, womit es – sofern die entspre- chenden Voraussetzungen gegeben sind – jederzeit wieder aufgenommen respektive neu an- geordnet werden kann. Im Übrigen besteht im Bereich des Kindes- und Erwachsene nschutzrechts entsprechend des- sen Schutzzweck jederzeit die Möglichkeit, die getroffene Massnahme aufzuheben oder abzu- ändern, und zwar ohne dass sich der Sachverhalt geändert haben muss (D ANIEL STECK , in: Heinrich Honsell/Nedim Peter Vogt/Thomas Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Schweizeri- schen Zivilgesetzbuch, 5. Aufl., Zürich/St. Gallen 2014, Art. 450, N 10). Dem entspricht auch das Erfordernis, dass im Falle des gänzlichen Ausschlusses des Besuchsrechts nach Art. 274 Abs. 2 ZGB diese Massnahme fortlaufend auf ihre zeitlich e Gültigkeit hin überprüft werden muss (INGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., Art. 274, N 16). 5.2 Die Beschwerdeführerin rügt weiter, dass entgegen dem Entscheid der VB F.____ vom 3. Mai 2012 vorliegend keine neue Begutachtung durch d en KJPD stattgefunden habe. Vorweg ist festzustellen, dass das Gutachten des KJPD vom 27. Deze mber 2011 klar festhält, dass die gedeihliche Entwicklung der Beschwerdeführerin durch di e Ausübung des Besuchsrechts nicht gefährdet werde, solange der Kindsvater die Besuche ver bindlich wahrnehme. Im Hinblick auf das Kindeswohl ist daher vorliegend insbesondere die Ve rbindlichkeit seitens des Kindsvaters abzuklären, was keine spezifisch kindes- oder jugendpsychologische Sachfrage darstellt. Mit Entscheid vom 3. Mai 2012 hob die VB F.____ das Be suchsrecht auf, da eine Sistierung des Besuchsrechts zeitlich definiert werden müsste und ei ne Wiederaufnahme des Verfahrens ein erhebliches Interesse des Kindsvaters voraussetze. In d er Begründung wird aber ausdrück- lich darauf hingewiesen, dass eine erneute Überprüfung durch den KJPD erfolgen solle, sobald Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Kindsvater sein entsprechendes Interesse äussere und ge sundheitlich in der Lage sei, an einer Neubeurteilung konstruktiv teilzunehmen und die B esuche regelmässig wahrzunehmen. Diesem Entscheid lag das Gutachten des KJPD vom 27. Dezember 2011 zugrunde, in welchem aber nicht die Aufhebung, sondern eine vorläufige Sis tierung des Besuchsrechts empfohlen wurde. Was die Zuständigkeit für eine Neubeurteilung des Besuchsrechts betrifft, halten die Gutachter fest, dass eine solche entweder durch den KJPD oder durch die Vormundschaftsbe- hörde selbst erfolgen könne, sofern der Kindsvater klar sein Interesse an der Weiterführung der begleiteten Besuche äussere. Es ist festzuhalten, dass die Regelung der Zuständigkeit des KJPD für eine Begutachtung im Falle einer Neubeurteil ung des Besuchsrechts nicht in das Dis- positiv des Entscheides der VB F.____ vom 3. Mai 2012 aufg enommen wurde. Die entspre- chenden Ausführungen finden sich lediglich in den Erwägungen und auch dort nicht in eindeuti- ger und unmissverständlicher Weise. So hält die VB F._ ___ nicht fest, dass eine Neubeurtei- lung zwingend durch den KJPD erfolgen müsse respektive nur durch ihn erfolgen könne, son- dern lediglich, dass eine solche durch den KJPD erfolgen solle. Unter Berücksichtigung sämtli- cher Umstände und der klaren Empfehlung des KJPD selbst in seinem Gutachten vom 27. De- zember 2011 ist die Zuständigkeit der VB F.____ (heute KESB) für eine Neubeurteilung des Besuchsrechts durch die entsprechende Formulierung in de r Verfügung der VB F.____ vom 3. Mai 2012 keineswegs ausgeschlossen. Auch vom sachlichen Standpunkt her sind vorliegend keine G ründe ersichtlich, welche eine ausschliessliche und zwingende Zuständigkeit des KJPD rechtf ertigen würden. Im Übrigen ist die KESB, welche nach Art. 275 Abs. 1 ZGB für die Fe stsetzung und Ausgestaltung des per- sönlichen Verkehrs zwingend und unverzichtbar zuständig ist, unter Berücksichtigung der Aus- führungen unter E. 5. 1 hiervor, so oder anders nicht an den ursprünglichen Entscheid gebun- den. Die KESB war somit befugt, die erneute Anordnu ng des begleiteten Besuchsrechts ohne die zusätzliche Einholung eines Gutachtens durch den KJPD an die Hand zu nehmen und auch zu verfügen. 5.3 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, dass sie m it der Anordnung des (begleiteten) Besuchsrechts nicht einverstanden sei. So habe sie anlässli ch ihrer Anhörung vom 10. Dezember 2014 erklärt, sie könne sich nicht vorstel len, ihren Vater wieder zu sehen. Wenn die KESB dies aber so entscheide, dann sei es so. Sofern ein älteres Kind den Kontakt zu ei- nem Elternteil kategorisch ablehnt, ist eine mit dem Kindeswohl zu vereinbarende Durchführung des Besuchsrechts nicht möglich, weil ein gegen den starken Widerstand erzwungener Be- suchskontakt mit dem Zweck des Umgangsrechts im Allgemeine n ebenso unvereinbar ist wie mit dem Persönlichkeitsrecht des Kindes . Eine kategorische Ablehnung setzt allerdings eine ernsthafte Verweigerung seitens des Kindes voraus (Urtei l des Bundesgerichts 5C.250/2005 E. 3.2.1 vom 3. Januar 2006, INGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., Art. 274, N 13). Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um ein heute 11-jähriges Mädchen, dessen persön- liche Weigerung zur Wahrnehmung der Kontakte zu ihrem Vater zwar beachtlich, vorliegend aber nicht ausschlaggebend ist. Eine allfällige Entfremdung zwischen Tochter und Vater ist auf- grund der vorliegenden Umstände Tatsache und im Inter esse des Kindes unter Einbezug Aller anzugehen. So führt die Beschwerdeführerin anlässlich i hrer Anhörung vor der KESB vom 10. Dezember 2014 aus, dass sie nicht so gute Erinnerung en an ihren Vater habe, aber noch Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht wisse, wie dieser aussehe. Sie sei aber neugierig auf ih ren Vater sowie dessen Familie, Land, Sprache und Kultur. Auf Anfrage bestätigt die Beschwer deführerin, dass sie keine Angst vor ihrem Vater habe. Sie könne sich zwar vorstellen, ihn wie der zu treffen, doch eigentlich wolle sie nicht, weil dies komisch wäre. Der vorliegende Fall kan n im Übrigen weder hinsichtlich der Intensität der persönlichen Weigerung der Beschwerdeführ erin, Kontakt zu ihrem Vater zu ha- ben, noch bezüglich deren Alter mit dem von der Beschw erdeführerin zitierten Bundesgerichts- entscheid (Urteil des Bundesgerichts 5C.250/2005 vom 3. Januar 2006) verglichen werden. Angesprochen auf ihren Vater zeigt die Beschwerdeführe rin weder aussergewöhnliche Verhal- tensauffälligkeiten, noch führt dies zu einer eigentl ichen Retraumatisierung, die nicht mit einer gedeihlichen Entwicklung vereinbar wäre. Bei der Beschw erdeführerin liegt somit keine katego- rische Ablehnung im Sinne einer ernsthaften Verweigerung respektive totalen Opposition gegen die Anordnung des begleiteten Besuchsrechts vor. Im Übrig en zeigt die Erfahrung des Lebens, dass gelegentlich auch Kontakte mit nicht auf Anhieb beg eisternden Personen Anregung und Gewinn verschaffen können oder auch schlicht unvermeidl ich sind (P ETER BREITSCHMID , in: Peter Breitschmid/Alexandra Rumo-Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, 2. Aufl., Zürich 2012, Art. 274, N 6). 5.4 Darüber hinaus hält das Bundesgericht in seiner kons tanten und auf gefestigten kin- derpsychologischen Erkenntnissen beruhenden Rechtsprechun g fest, dass es nicht im freien Belieben des Kindes stehe, ob es persönliche Kontakte wünsche oder nicht. Das Wohl des Kin- des sei nicht nur aus seiner subjektiven Sicht mit Blick auf sein momentanes Befinden zu beur- teilen, sondern auch objektiv und mit Blick auf seine künf tige Entwicklung, wobei es gerade nicht dem Wohl des Kindes entspreche, wenn jeglicher K ontakt zwischen ihm und dem nicht obhutsberechtigten Elternteil unter dem Vorwand verhi ndert werde, das Kind selber suche den Kontakt nicht. Gerade bei fortbestehenden Spannungen zwischen den Eltern ist die Anordnung eines Besuchsrechts indiziert, da sich diese besonders belaste nd und schädigend auf das Kind auswirken. Die Beschwerdeführerin ist heute 11 Jahre alt . Würde der persönliche Verkehr mit dem Kindsvater heute nicht gewährt, würde wahrscheinlich die letzte Chance zur Verhinderung einer weiteren Entfremdung der Beschwerdeführerin zu ihrem Vater verunmöglicht. Gerade für die Beschwerdeführerin, die sich im Stadium des Erwachsen werdens vermehrt mit ihrer Her- kunft und der damit zusammenhängenden dunklen Hautfarbe auseinandersetzt, ist die Kenntnis über die eigene Identität für eine gedeihliche Entw icklung wichtig. Zudem scheint offensichtlich, dass die Familie der Kindsmutter aus nachvollziehbaren Gründen eine ablehnende Haltung gegenüber dem Kindsvater hat und auch künftig haben wird. Deshalb ist es aus objektiver Sicht wichtig, dass die Beschwerdeführerin die Chance erhält, sich selbst ein eigenes Bild ihres Va- ters zu machen. Dies ist auch im Hinblick auf ihre spätere grundsätzliche Haltung gegenüber Männern und Vätern von grosser Bedeutung. 5.5 Schliesslich muss die angeordnete Massnahme verhältnism ässig sein. Es steht fest, dass das begleitete Besuchsrecht für die Beschwerdeführer in nur dann zumutbar ist, wenn die- ses vom Kindsvater verbindlich wahrgenommen wird. Diesbezüg lich ist festzuhalten, dass das vorläufig angeordnete begleitete Besuchsrecht – wenn n ötig – jederzeit wieder abgeändert oder aufgehoben werden kann. Zudem findet das begleitete Besuchsrecht im Rahmend der BBT Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht statt, welche ein für die ersten Kontakte wichtiges profe ssionelles Umfeld gewährleisten, das nötigenfalls unterstützend helfen kann. Schliesslich best eht nach wie vor ein Beistand, der die Entwicklung des Besuchsrechts überwachen und gegebenenfal ls intervenieren kann respektive die nötigen Vorkehrungen treffen muss. Im Übrigen sind im Rahmen der Verhältnismässigkeit auch die Interessen des Kindsvaters zu berücksichtigen, dem das Recht auf persönlichen Ver- kehr ebenfalls kraft seiner Persönlichkeit willen zusteht . Ihm war das Besuchsrecht vorliegend über eine längere Zeit entzogen. Er macht nun glaub haft geltend, dass ihm die Beziehung zu seiner Tochter sehr wichtig sei und dass er die vereinba rten Besuchstage auch verbindlich ein- halten werde. Die weitere vollständige Verweigerung des Besuchsrechts ist unter diesen Um- ständen nicht mehr verhältnismässig. Vielmehr hat der K indsvater nun durch das nach wie vor stark eingeschränkte Besuchsrecht im Rahmen der BBT nochmals die Möglichkeit, die Besuche verbindlich wahrzunehmen, seine Tochter kennenzulernen u nd dabei auf das bei ihr vorherr- schende negative Vaterbild gegenteilig einzuwirken. Da mit haben es der Kindsvater und die Beschwerdeführerin selber in der Hand, wie sich ihre kü nftige Beziehung entwickeln wird. Wür- de ihnen aber die Möglichkeit dazu behördlich verhinde rt, wäre dies weder verhältnismässig noch würde dies dem Schutzzweck des Kindes- und Erwachsenenschutzrechts entsprechen. 5.6 Unter der Berücksichtigung, dass die Beschwerdeführer in durch frühere persönliche Kontakte ihr Vaterbild bereits erfolgreich korrigiere n konnte, es heute aufgrund des Alters der Beschwerdeführerin die letzte Chance darstellt, eine Annäherung zwischen Tochter und Vater behördlich zu ermöglichen sowie der Möglichkeit einer jederzeitigen Abänderung oder Aufhe- bung der Massnahme im Falle eines unverbindlichen Verhal tens des Kindsvaters, ist zusam- menfassend festzuhalten, dass das durch die KESB mit Entsche id vom 7. Januar 2015 ange- ordnete begleitete Besuchsrecht im Rahmen der BBT zu bestätigen und die dagegen gerichtete Beschwerde vom 6. Februar 2015 vollumfänglich abzuweisen ist. 6.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu befinden. 6.2 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsge richt kostenpflichtig. Vorlie- gend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1'400.-- der unterlegenen Be- schwerdeführerin aufzuerlegen beziehungsweise zufolge Be willigung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse zu überbinden. 6.3 Die Parteikosten sind wettzuschlagen. Zufolge Bewil ligung der unentgeltlichen Rechts- pflege ist der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar zulasten der Gerichtskasse auszurichten. In ihrer Honorarnote vom 6. Februar 2015 macht sie einen Aufwand von 5.5 Stunden geltend. Bei unentgeltlicher Verbeiständung b eträgt das Honorar gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (T O) vom 17. November 2003 Fr. 200.-- pro Stunde. Somit beläuft sich das Honorar vorliegend auf F r. 1'100.-- plus Auslagen in der Höhe von Fr. 59.--, mithin Fr. 1'159.-- (exkl. MWSt), insges amt Fr. 1'251.70 (inkl. Auslagen und 8% MWSt). 6.4 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hing ewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird der Rechts- vertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'251.70 (inkl. Auslagen und 8% MWST) zulasten der Ger ichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiber