Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 19. Dezember 2016 (470 16 218) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verfahrenseinstellung Besetzung Vizepräsident Stephan Gass, Richter Markus Mattle (Ref.), Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien A.____ , vertreten durch Advokat Dr. Daniel Riner, Steinentorstrasse 13, Postfach 204, 4010 Basel, Beschwerdeführerin gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin B.____ , vertreten durch Advokat Alexander Sami, Oberwilerstrasse 3, Postfach 82, 4123 Allschwil 2, Beschuldigter Gegenstand Verfahrenseinstellung (Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwalt- schaft Basel-Landschaft vom 14. September 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Nachdem die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Al lgemeine Hauptabteilung, zunächst gegen B.____ im Rahmen eines Verkehrsunfalls – veru rsacht am 21. Oktober 2014 beim X.____platz in Y.____ – ein Strafverfahren wegen de s Verdachts der fahrlässigen schweren Körperverletzung nach Art. 125 Abs. 2 StGB sowie de r einfachen Verletzung von Verkehrsre- geln gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Ar t. 41b Abs. 1 VRV eröffnet hatte, stellte sie dieses mit Verfügung vom 14. September 2016 in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO wieder ein (Ziff. 1). Mit nämlicher Verfügung wurde die nichtbezifferte Zivilklage der Pri- vatklägerin A.____ auf den Zivilweg verwiesen (Ziff. 2). Ausserdem wurde verfügt, dass die Ver- fahrenskosten zu Lasten des Staates gehen (Ziff. 3) und dass über die Ansprüche der beschul- digten Person auf Entschädigung und Genugtuung gemä ss Art. 429 StPO in einer separaten Verfügung entschieden werde (Ziff. 4). Auf die Begr ündung dieser Verfügung sowie der nach- folgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erford erlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Beschlusses eingegangen. B. Gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltsc haft vom 14. September 2016 erhob A.____ mit Eingabe vom 20. September 2016 Beschwerd e beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, und stellte dabei folgende Rechtsbegehren: Es sei die ange- fochtene Verfügung aufzuheben (Ziff. 1), und es sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, Ankla- ge gegen den Beschuldigten wegen fahrlässiger schwe rer Körperverletzung sowie Verletzung der Verkehrsregeln zu erheben (Ziff. 2); dies alles unter o/e Kostenfolge (Ziff. 3). C. Demgegenüber begehrte die Staatsanwaltschaft mit S tellungnahme vom 27. September 2016, die Beschwerde sei abzuweisen, und die Kosten des Verfahrens seien der beschwerde- führenden Partei aufzuerlegen. D. Der Beschuldigte legte in seiner Stellungnahme vom 5. Oktober 2016 dar, es werde da- rauf verzichtet, Anträge zu stellen, auf jeden Fall seien aber die Kosten des Verfahrens vollum- fänglich der Beschwerdeführerin oder dem Staat aufzuerlegen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgeric hts, Abteilung Strafrecht, als Be- schwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Be schwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StP O. Nach Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist die Beschwerde zulä ssig gegen die Verfügungen und die Verfah- renshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertretungsstrafbehörden. Gemäss Abs. 2 von Art. 393 StPO können mit der Beschwerde gerügt werden: Rechtsverletzungen, ein- schliesslich Überschreitung und Missbrauch des Erme ssens, Rechtsverweigerung und Rechts- verzögerung (lit. a); die unvollständige oder unric htige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unangemessenheit (lit. c). Nach Art. 322 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde gegen schriftlich oder münd lich eröffnete Entscheide innert zehn Ta- gen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeins tanz einzureichen. Die Legitimation der Privatklägerin zur Ergreifung des Rechtsmittels sch liesslich wird in Art. 382 Abs. 1 StPO sowie Art. 322 Abs. 2 StPO normiert. Nachdem die angefoch tene Verfügung ein taugliches Anfech- tungsobjekt darstellt, die Privatklägerin beschwerd elegitimiert ist, eine zulässige Rüge erhebt und die Rechtsmittelfrist gewahrt hat sowie der Beg ründungspflicht nachgekommen ist, ist im Folgenden ohne Weiteres auf die Beschwerde einzutreten. 2.1 Die Staatsanwaltschaft begründet die angefochtene Einstellungsverfügung im Wesentli- chen damit, dass aufgrund der Aktenlage und insbeso ndere des abschliessenden Fachberich- tes der Polizei nicht eine zweifelhafte, sondern üb erhaupt keine Beweis- oder Indizienlage be- stehe, welche eine anklagbare Sachverhaltsschilderu ng an das Strafgericht zuliesse. Ob der Beschuldigte entweder den Kreisel befahren und die vortrittsberechtigte Fahrradfahrerin behin- dert bzw. diese aufgrund dieser Pflichtwidrigkeit zum Sturz gebracht habe, oder ob er den Krei- sel rechtmässig befahren und die Fahrradfahrerin in sein Fahrzeug hineingefahren sei, könne angesichts der fehlenden Beweislage schlichtweg nic ht eruiert werden. Dem abschliessenden Bericht der Unfallgruppe der Polizei Basel-Landschaft vom 5. August 2016 könne diesbezüglich zusammengefasst entnommen werden, dass für die Best immung der Einfahrreihenfolge die Einfahrgeschwindigkeit beider Objekte eine wichtige Rolle spiele, wobei die Reihenfolge der Einfahrt mittels Weg/Zeiterhebung berechnet werde. Da diese Daten jedoch nicht bekannt sei- en, könne eine solche Berechnung nicht durchgeführt werden. Sodann sei die Qualität der poli- zeilich erhobenen Fotoaufnahmen teilweise ungenügen d und es bestünden keine Aufnahmen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Referenzmasse vor Ort. Zudem könne auch am Fahrzeug des Beschuldigten keine Spuren- sicherung mehr durchgeführt werden. Diese Erkenntni sse ergäben zusammengefasst, dass aufgrund der vorhandenen Spurenbilder nicht eindeutig gesagt werden könne, welches der bei- den Fahrzeuge sich als erstes im Kreisverkehr befun den habe. Nachdem die Staatsanwalt- schaft in pflichtgemässer Ausübung ihres Ermessens zum Ergebnis gelangt sei, dass keine zweifelhafte Beweislage vorliege, spiele im Übrigen auch der Grundsatz "in dubio pro duriore" keine Rolle. 2.2 Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin zur Begr ündung ihrer Beschwerde im We- sentlichen geltend, zunächst sei auf die Vortrittss ituation am Unfallort hinzuweisen. Als der Be- schuldigte aus der V.____strasse in den Kreisverkeh rsplatz hineingefahren sei, habe sich die Beschwerdeführerin, welche aus der W.____strasse in den Kreisel eingefahren sei, von links auf ihrem Fahrrad genähert. Im Kreisel sei somit de r Beschuldigte gegenüber der Beschwerde- führerin vortrittsbelastet gewesen. Des Weiteren stehe unzweifelhaft fest, dass es im Kreisel zu einer Kollision zwischen der Beschwerdeführerin und dem Beschuldigten gekommen sei. Diese Kollision müsse sich kurz nach der Einfahrt des Bes chuldigten in den Kreisel ereignet haben, was sich bereits aus den Aussagen der beiden Beteil igten ergebe. Zudem sei mit Blick auf die Unfallfotos davon auszugehen, dass die Kollision de s Fahrrades der Beschwerdeführerin mit der vorderen linken Seites des Personenwagens des B eschuldigten, beginnend beim Kotflügel bis zum Türgriff der Fahrertüre, auf der Verzweigun gsfläche V.____strasse / Kreisverkehrsflä- che stattgefunden haben müsse. Sodann habe der Besc huldigte zugestanden, vor der Einfahrt in den Kreisverkehr einen Scheinwerfer, bei welchem es sich zufolge des Fehlens weiterer Fahrzeuge um den am Fahrrad der Beschwerdeführerin montierten Halogenscheinwerfer ge- handelt haben müsse, wahrgenommen zu haben. Es sei daher davon auszugehen, dass der Beschuldigte Schwierigkeiten gehabt habe, die Dista nz und Geschwindigkeit der sich auf dem Fahrrad nähernden Beschwerdeführerin richtig einzuschätzen. Gestützt auf die Praxis des Bun- desgerichts spiele im Übrigen für die Frage, wem da s Vortrittsrecht zugestanden habe, die Rei- henfolge der Einfahrt gar keine Rolle, entscheidend sei vielmehr, dass der Beschuldigte die Verzweigungsfläche nicht vor der Beschwerdeführerin habe befahren können, ohne diese zu behindern. Ungeachtet dessen werde aber auch im Ber icht der Unfallgruppe vom 5. August 2016 festgehalten, es sei am Wahrscheinlichsten, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Fahr- rad vor dem Beschuldigten mit seinem Personenwagen im Kreisverkehrsplatz gewesen sei. Gestützt auf diese Erwägungen sei die Schlussfolger ung der Vorinstanz, wonach keine Bewei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht se oder Indizien existierten, welche auf ein Fehlverhalten des Beschuldigten schliessen liessen, offensichtlich nicht haltbar, weshalb das Strafverf ahren gegen diesen zu Unrecht eingestellt worden sei. 3.1 Nach Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO verfügt die Staat sanwaltschaft die vollständige oder teil- weise Einstellung des Verfahrens, wenn kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfer- tigt. Nach lit. a von Art. 319 Abs. 1 StPO ist einzustellen, wenn im Vorverfahren der ursprünglich vorhandene Anfangsverdacht nicht in einem Mass hat erhärtet werden können, dass sich eine Anklage rechtfertigt. Allerdings hat sich die Staatsanwaltschaft in Zurückhaltung zu üben bei der Frage, ob ein solcher Tatverdacht besteht. Widerspr echen sich Beweise, so ist es gemäss Bot- schaft des Bundesrates vom 21. Dezember 2005, S. 12 73, nicht Sache der Staatsanwaltschaft, eine Beweiswürdigung vorzunehmen. Im Zweifelsfalle ist in Beachtung des Grundsatzes "in dubio pro duriore" zu überweisen. Bei der Frage der Überweisung des Beschuldigten an das urteilende Gericht spielt der Grundsatz "in dubio p ro reo" nicht. Es ist Sache des Gerichts, dar- über zu befinden, ob sich jemand im strafrechtlichen Sinne schuldig gemacht hat oder nicht. Die Staatsanwaltschaft hat nur dann einzustellen, wenn eine Hauptverhandlung als eigentliche Ressourcenverschwendung bzw. aufgrund des absehbare n Freispruchs als Zumutung für den Beschuldigten erscheinen müsste. Von einer Überweis ung ist mithin dann abzusehen, wenn nach der gesamten Aktenlage ein Freispruch zu erwar ten ist (R OLF GRÄDEL / MATTHIAS HEINIGER , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 8 zu Art. 319 StPO, mit Hinweisen). Nach S CHMID ist erforderlich, dass bei erfolgter Anklage nicht mit einem verurteilenden Erkenntnis des Geric hts gerechnet werden könnte, also mit Si- cherheit oder grosser Wahrscheinlichkeit mit einem Freispruch zu rechnen wäre. Da die Staats- anwaltschaft als Untersuchungs- und Anklagebehörde nicht dazu berufen ist, über Recht oder Unrecht zu richten, darf sie jedoch nicht allzu ras ch und gestützt auf eigene Bedenken (die irr- tümlich sein können) zu einer Einstellung schreiten . In Zweifelsfällen sachverhalts- sowie be- weismässiger und vor allem rechtlicher Art ist Anklage zu erheben (NIKLAUS SCHMID , Schweize- rische Strafprozessordnung, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, N 5 zu Art. 319 StPO; DERSELBE , in: Handbuch des schweizerischen Strafprozessrech ts, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, Rz. 1251, mit Hinweisen). Die Beurteilung der Wahrscheinlichkeit eines Schuldspruchs bzw. der Prozessaussichten ist dem pflichtgemässen Ermessen der Staatsanwaltschaft an- heimgestellt. In Zweifelsfällen tatsächlicher oder rechtlicher Natur darf das Verfahren nicht ein- gestellt werden, da in diesen Fällen das Urteil dem Gericht überlassen bleiben soll. Stehen sich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht unterschiedliche Zeugenaussagen gegenüber und kann die Untersuchung die Zuverlässigkeit der einzelnen Zeugen nicht erschüttern, darf keine Einstellung ergehen. Der Ermessensent- scheid, wem unter solchen Verhältnissen zu glauben ist, liegt beim Gericht. Keine Einstellung, sondern Erhebung einer Anklage ist grundsätzlich im mer dann angezeigt, wenn der Ausgang des Verfahrens ausschliesslich von der Beweiswürdig ung abhängt (N ATHAN LANDSHUT / THOMAS BOSSHARD , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafpr ozessordnung, 2. Auf- lage, Zürich 2014, N 16 ff. zu Art. 319 StPO, mit H inweisen). Gemäss der neuesten Rechtspre- chung des Bundesgerichts kann in denjenigen Fällen, in denen ausser den sich widersprechen- den Aussagen des Geschädigten und des Beschuldigten keine wesentlichen objektiven Be- weismittel vorhanden sind, ausnahmsweise auf eine A nklage verzichtet werden, wenn es nicht möglich ist, die einzelnen Aussagen als glaubhafter oder weniger glaubhaft zu bewerten und keine weiteren Beweisergebnisse zu erwarten sind (B Ger 6B_856/2013 vom 3. April 2014 E. 2.2). 3.2 Bei der konkreten Würdigung der vorliegenden Strei tsache steht aufgrund der Aktenlage fest, dass es zwischen der Beschwerdeführerin als F ahrradfahrerin und dem Beschuldigten als Personenwagenfahrer am 21. Oktober 2014 um ca. 07:1 0 Uhr in Y.____, im Kreisverkehrsplatz beim X.____platz, zu einer Kollision gekommen ist, in deren Folge die Beschwerdeführerin er- hebliche Verletzungen davon getragen hat. Die Staat sanwaltschaft hat das Verfahren gegen den Beschuldigten eingestellt mit der massgeblichen Begründung, es liege keine Beweis- oder Indizienlage vor, welche eine anklagbare Sachverhal tsschilderung an das Strafgericht zuliesse. Dieser Ansicht vermag sich das Kantonsgericht nicht anzuschliessen, was sich wie folgt be- gründet: Zunächst ist unbestritten, dass die Beschw erdeführerin von der W.____strasse her kommend den Kreisverkehrsplatz durchfahren und dies en bei der Ausfahrt Richtung U.____strasse hat verlassen wollen (vgl. act. 121 f .). Ebenso unzweifelhaft ist, dass der Be- schuldigte den Kreisverkehrsplatz von der V.____str asse her, welche rechts von der W.____strasse in den fraglichen Kreisel mündet, bef ahren hat, wobei es anschliessend zwi- schen der Einfahrt V.____strasse und der Ausfahrt U .____strasse zur vorderen seitlichen Kolli- sion zwischen den beiden Involvierten gekommen ist. Die gesetzliche Bestimmung zur Rege- lung des Vortritts beim Befahren eines Kreisverkehr splatzes ist hinreichend klar. So normiert Art. 41b Abs. 1 VRV, dass der Fahrzeugführer vor de r Einfahrt in einen Kreisverkehrsplatz die Geschwindigkeit mässigen und den im Kreis von links herannahenden Fahrzeugen den Vortritt lassen muss. Diese Bestimmung wird durch die Rechts prechung des Bundesgerichts (vgl. zum Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ganzen BGer 6B_1080/2010 vom 14. Juni 2011 E. 1.8) präzisiert. Danach kann es für die Vor- trittsberechtigung bzw. die Wartepflicht des Belast eten nicht darauf ankommen, wie lange sich welcher Verkehrsteilnehmer im Kreisel befunden oder wer zuerst die Verzweigungsfläche er- reicht hat. Entscheidend ist einzig, ob der Belastete die Verzweigungsfläche vor dem Berechtig- ten befahren kann, ohne diesen zu behindern. Demzuf olge hat der in einen Kreisel einmünden- de Verkehrsteilnehmer jedem von links herannahenden Fahrzeuglenker den Vortritt zu gewäh- ren, den er auf der Verzweigungsfläche behindern wü rde, wenn er nicht warten würde. Dies gilt unabhängig davon, ob der andere Verkehrsteilnehmer die Fahrbahn des Kreisels befährt oder von einer Zufahrtsstrasse links von ihm in den Krei sel einmündet, und sei dies vor ihm, gleich- zeitig oder nach ihm (BGE 115 IV 139 E. 2b; bestätigt in BGE 127 IV 220 E. 3). Demnach ist es vorliegend unerheblich, ob nun die Beschwerdeführer in oder der Beschuldigte die Verzwei- gungsfläche zuerst befahren hat, entscheidend ist v ielmehr, dass der Beschuldigte gegenüber der von links herannahenden Beschwerdeführerin zwei fellos vortrittsbelastet gewesen ist und den Platz nur dann hätte befahren dürfen, wenn dies ohne Behinderung möglich gewesen wäre. Dass dies ganz offensichtlich aber nicht möglich ge wesen ist, wird durch die Tatsache erhellt, dass es im Bereich zwischen der Einfahrt des Beschu ldigten in den Kreisverkehr und der Aus- fahrt der Beschwerdeführerin aus selbigem zur Kolli sion gekommen ist. Darüber hinaus sind sowohl der ungefähre Kollisionsort (soweit dieser ü berhaupt durch die Polizei bestimmt worden ist) als auch die Tatsache, wonach sich die beim Pe rsonenwagen des Beschuldigten eruierten Kollisionsspuren auf der linken vorderen Seite (ink lusive eingeklapptem Seitenspiegel) befin- den, als gewichtige Indizien zu werten, dass der Be schuldigte beim Befahren des Kreisver- kehrsplatzes den Vortritt der sich bereits im Kreis el befindenden Beschwerdeführerin missach- tet und dieser den Weg abgeschnitten hat. Wäre näml ich die Beschwerdeführerin mit ihrem Fahrrad in den Wagen des Beschuldigten geprallt, hätte dies zufolge der Energieeinwirkung von hinten vermutungsweise zum Herausreissen des Seiten spiegels geführt und nicht zu dessen Einklappen. In diesem Zusammenhang hat der Beschuld igte zudem anlässlich seiner Befra- gung durch die Staatsanwaltschaft vom 5. Oktober 20 15 ausdrücklich eingestanden, vor der Einfahrt in den Kreisel lediglich ein Licht gesehen zu haben (act. 209), welches ohne Weiteres dasjenige des Fahrrads der Beschwerdeführerin gewes en sein könnte. Zwar darf sich der Vor- trittsbelastete darauf verlassen, dass sich der von links kommende Vortrittsberechtigte regel- konform verhält; in casu bestehen aber prima vista keine Anhaltspunkte, wonach die Be- schwerdeführerin sich nicht regelkonform verhalten hätte und beispielsweise mit übersetzter Geschwindigkeit oder ohne Licht gefahren wäre, wobe i die abschliessende Klärung dieser Fra- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen ohnehin in die Kompetenz des erstinstanzlichen Sachgerichts fällt. Selbst wenn nämlich die Beschwerdeführerin die Kollision allenfalls mit entsprechender Aufmerksamkeit hätte verhindern können, würde dies den Beschuldigten trotzdem nicht davon entbinden, ihr bei der Einfahrt in den Kreisel den Vortritt zu gewähren. Trotz der unz ureichenden Beweisaufnahme durch die Polizei – welche in ihrem durch Gfr C.____ verfasst en Bericht der Unfallgruppe vom 5. August 2016 (act. 107 ff.) festgehalten hat, dass die Qual ität einiger Fotoaufnahmen ungenügend sei (vgl. act. 109), dass eine nachträgliche Spurensich erung am Personenwagen zufolge Halter- wechsels nicht mehr möglich sei (vgl. act. 115) und dass die Unfallskizze nicht im Journalsys- tem abgelegt und deshalb nicht mehr vorhanden sei (vgl. act. 115) – und trotz der bedenklichen Voreingenommenheit des den Verkehrsunfall aufnehmenden Polizisten Kpl D.____ vom Haupt- posten E.____ – welcher in seinem Bericht vom 4. No vember 2014 (act. 117 ff.) zum Unfallher- gang festgehalten hat, das Objekt 1 (Fahrrad) sei i n Folge mangelnder Aufmerksamkeit in die Fahrertüre des korrekt fahrenden Objekts 2 (Personenwagen) gefahren, welcher sich bereits im Kreisverkehr befunden habe (vgl. act. 123) – liegt somit entgegen der Ansicht der Beschwerde- gegnerin durchaus eine Beweislage vor, welche eine anklagbare Sachverhaltsschilderung an das Strafgericht zulässt. Bei dieser Sachlage ist nur am Rande zu bemerken, dass im Übrigen – obwohl diese Frage wie vorgängig ausgeführt gar nic ht von massgeblicher Bedeutung ist – auch im Bericht der Unfallgruppe der Polizei Basel- Landschaft, Verkehrsaufsicht 2, vom 5. August 2016 dargelegt wird, aufgrund der vorhand enen Spurenbilder könne zwar nicht ein- deutig gesagt werden, welches der beiden Fahrzeuge sich als erstes im Kreisverkehrsplatz be- funden habe, jedoch scheine es aus ihrer Sicht als am Wahrscheinlichsten, dass sich das Fahr- rad vor dem Personenwagen im Kreisverkehrsplatz bef unden habe. Unter diesen Umständen bestehen somit nach Auffassung des Kantonsgerichts eindeutige Hinweise auf ein fehl- und damit möglicherweise strafbares Verhalten des Besch uldigten, womit sich eine Einstellung des Verfahrens gegen ihn verbietet. Demzufolge ist in Gutheissung der Beschwerde die an gefochtene Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 14. September 2016 aufzuhebe n und die Angelegenheit zu weiteren Beweiserhebungen, soweit sich diese als notwendig u nd sachdienlich erweisen, mit anschlies- sender Anklageerhebung beim erstinstanzlichen Straf gericht bzw. zum Erlass eines entspre- chenden Strafbefehls an die Vorinstanz zurückzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Bei diesem Verfahrensausgang gehen in Anwendung vo n Art. 428 Abs. 4 StPO die or- dentlichen Kosten des vorliegenden Beschwerdeverfah rens in der Höhe von CHF 1'100.-- (be- inhaltend eine Gebühr von CHF 1'000.-- sowie Auslag en von CHF 100.--) zu Lasten des Staa- tes. Ausserdem wird der Beschwerdeführerin ebenfall s zu Lasten des Staates eine Parteient- schädigung ausgerichtet, wobei diese gestützt auf § 18 Abs. 1 TO Anwälte ermessensweise auf pauschal CHF 1'620.-- (CHF 1'500.-- Aufwand inklusi ve Auslagen plus CHF 120.-- Mehrwert- steuer) festzusetzen ist. Der von der Beschwerdefüh rerin geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von CHF 500.-- wird dieser vollumfänglich zurückerstattet. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die Einst ellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hau ptabteilung, vom 14. September 2016 wird aufgehoben und die Ange legenheit im Sinne der Erwägungen an diese zurückgewiesen. 2. Die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahren s in der Höhe von CHF 1'100.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1'000 .-- sowie Aus- lagen von CHF 100.--) gehen zu Lasten des Staates. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvor schuss in der Höhe von CHF 500.-- wird dieser vollumfänglich zurückerstattet. 3. Der Beschwerdeführerin wird eine pauschale Part eientschädigung in der Höhe von CHF 1'620.-- (inklusive Auslagen und C HF 120.-- Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Vizepräsident Stephan Gass Gerichtsschreiber Pascal Neumann