Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 21. Juli 2015 (470 15 112) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Nichtanhandnahme des Verfahrens Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Susanne Afheldt (Ref.), Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiberin i.V. Stéphanie Baumgartner Parteien A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Oliver Lücke, Brunngasse 48, 3011 Bern, Beschwerdeführerin B.____, vertreten durch Rechtsanwalt Oliver Lücke, Brunngasse 48, 3011 Bern, Beschwerdeführer gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Strafbefeh- le (SB), Rheinstrasse 12, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin C.____, Beschuldigter D.____, Beschuldigte Gegenstand Nichtanhandnahme des Verfahrens Beschwerde gegen die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsan- waltschaft Basel-Landschaft vom 12. Mai 2015 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ und B.____, vertreten durch Rechtsanwalt Oliver Lücke, reichten am 23. März 2015 bei der Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) Strafa n- trag gegen D.____ und C.____ wegen Verleumdung, evtl. übler Nachrede sowie versuchter Erpressung ein. B. Mit Verfügung vom 12. Mai 2015 nahm die Staatsanwaltschaft das Verfahren in Anwe n- dung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO unter Kostenfolge zu Lasten des Staates nicht an die Hand. Auf die Begründung dieser Nichtanhandnahmeverfügung sowie der nachfolgenden Eingabe n der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. C. Gegen die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft vom 12. Mai 2015 reic h- ten A.____ und B.____ mit Eingabe vom 13. Mai 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, ein. Sie beantragten, es sei die Nichtanhandnahmeverfügung vom 12. Mai 2015 aufzuheben und die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft sei anzuweisen, gegen die beschuldigten Personen, D.____ und C.____ , eine Strafuntersuchung wegen übl er Nachrede, evtl. Verleumdung sowie versuchter Erpressung zu eröffnen, unter Kosten - und Ent- schädigungsfolge. D. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel -Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 19. Mai 2015 wurde das schriftliche Verfahren angeordnet und die Beschwerde mit Frist bis zum 1. Juni 2015 der Staatsanwaltschaft sowie den Beschuldigten zur Stellungnahme unterbreitet. Im We i- teren wurden die Beschwerdeführer verpflichtet, für das Beschwerdeverfahren eine Sicherheits- leistung gemäss Art. 383 Abs. 1 St PO im Betrag von CHF 600.00 bis zum 1. Juni 2015 zu b e- zahlen. Zudem wurde festgehalten, dass die Beschwerdeinstanz gemäss Art. 383 Abs. 2 StPO auf die Beschwerde nicht eintritt, sollte die Sicherheitsleistung nicht fristgerecht bezahlt werden. E. Mit weiterer Eingabe vom 22. Mai 2015 beantragten A.____ und B.____ die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 136 StPO sowie die Beiordnung eines unentgel t- lichen Rechtsvertreters. F. Die Staatsanwaltschaft nahm mit Eingabe vom 26. Mai 2015 Stel lung zur Beschwerde vom 13. Mai 2015 und beantragte die Abweisung derselben. G. Unter Hinweis auf das Gesuch der Beschwerdeführer um unentgeltliche Rechtspflege vom 22. Mai 2015 hob das Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Strafrecht, mit Verf ü- gung vom 26. Mai 2015 Ziffer 3 der erwähnten Verfügung vom 19. Mai 2015 vorerst auf und setzte den Beschwerdeführern bis zum 12. Juni 2015 Frist, um das Formular "Gesuch um u n- entgeltliche Rechtspflege für die Privatklägerschaft" vollständig ausgefüllt und mit allen erforder- lichen Beilagen versehen einzureichen. H. Die Beschwerdeführer reichten mit Eingabe vom 8. Juni 2015 fristgerecht das ausgefüllte Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für die Privatklägerschaft" samt Beilagen ein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Verfügung vom 9. Juni 2015 lehnte das Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Strafrecht, das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege vom 22. Mai 2015 respektive vom 8. Juni 2015 ab und verpflichtete die Beschwerdeführer gemäss Art. 383 Abs. 1 StPO, bis zu m 22. Juni 2015 eine Sicherheitsleistung im Betrag von CHF 600.00 zu bezahlen. Überdies wurde mit Verfügung vom 9. Juni 2015 festgestellt, dass die Beschuldigten innert nicht erstreckbarer Frist keine Stellungnahme eingereicht haben. K. Eine nachträgliche Eingabe vom 11. Juni 2015 des Beschuldigten C.____ wurde mit Ver- fügung vom 12. Juni 2015 den anderen Parteien zur Kenntnisnahme zugestellt. Erwägungen 1. Formelles 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel -Landschaft, Abteilung Strafrecht, zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StPO. 1.2 Die Beschwerde ist gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO zulässig gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertretungsstrafbehörden. G e- mäss Art. 393 Abs. 2 StPO können Rechtsverletzungen, die falsche Feststellung des Sachve r- halts sowie Unangemessenheit gerügt werden. Da mit der Beschwerde alle Mängel des ang e- fochtenen Entscheids geltend gemacht werden k önnen, verfügt die Rechtsmittel instanz über volle Kognition ( PATRICK GUIDON, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 393 N 15). Die Beschwerdefrist gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide beträgt 10 Tage, wobei die Beschwerde schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen ist (Art. 396 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 310 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 sowie Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes I nteresse an der Aufhebung oder A b- änderung der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung hat, zur Beschwerde berechtigt (NATHAN LANDSHUT/THOMAS BOSSHARD, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 310 N 13). Die gesetzlichen Bestimmungen enthalten keine absc hliessende Liste der zur B e- schwerde legitimierten Parteien. Der Parteibegriff ist im Sinn e der Art. 104 und 105 StPO zu verstehen. Demnach wird nebst der beschuldigten Person und der Privatklägerschaft auch den anderen am Verfahren beteiligten Personen, insbesondere der geschädigten Person (vgl. Art. 105 Abs. 1 lit. a StPO) , die Beschwerdelegitimation zuerkannt, sofern sie sich am ersti n- stanzlichen Verfahren beteiligt haben und ein rechtlich geschütztes Interesse geltend machen können (Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006, 1308; VIKTOR LIEBER, Zü rcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 382 N 4; NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar StPO, 2. Aufl. 2013, Art. 382 N 1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.3 Mit der vorliegenden Beschwerde wird die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsa n- waltschaft vom 12. Mai 2015 angefochten. Diese Verfügung stellt ein taugliches Beschwerdeob- jekt dar. Die Nichtanhandnahmeverfügung wurde den Beschwerdeführern am 13. Mai 2015 zugestellt. Die Beschwerde wurde gleichentags der Schweizerischen Post übergeben und ist somit rechtzeitig innert 10 -tägiger Frist erfolgt. Die Beschwerdeführer sind als Privatkläger b e- schwerdelegitimiert, erheben eine zulässige Rüge und sind der Begründungspflicht nachg e- kommen. Da sie auch die Sicherheitsleistung in der Höhe von CHF 600.00 innert Frist erbracht haben, ist im Folgenden auf die Beschwerde einzutreten. 2. Materielles 2.1 Das vorliegende Verfahren gründet auf einem mietrechtlichen Konflikt. Der Rechtsvertr e- ter der Vermieter D.____ und C.____ teilte den Wohnungsmietern und späteren Beschwerd e- führern mit Schreiben vom 10. März 2015 mit, es stehe die Miete für den Monat März aus. Sol l- te diese sowie die bisher noch nicht entrichtete Mietzinskaution nicht innert 30 -tägiger Frist be- zahlt werden, werde das Mietverhältnis vorzeitig aufgelöst. Daraufhin beantragten die B e- schwerdeführer mit Strafantrag vom 23. März 2015 die Eröffnung der Strafverfolgung gegen die Vermieter ihrer Wohnung wegen Verleumdung, evtl. übler Nachrede sowie versuchter Erpre s- sung. Die Beschwerdeführer führten sinngemäss aus, de r Mietzins sei bereits am 25. Fe bruar 2015 beglichen worden. Die getätigten Äusserungen der Beschuldigten gegenüber ihrem A n- walt seien als üble Nachrede respektive als Verleumdung zu qualifizieren, da den Beschwerd e- führern unterstellt werde, die Wohnungsmiete nicht zu bezahlen, was ein s ittlich vorwerfbares Verhalten darstelle und somit ehrverletzend sei. Weil die bisherigen Wohnungsmieten rege l- mässig bezahlt worden seien, müsse davon ausgegangen werden, die Behauptung sei wider besseren Wissens aufgestellt worden, weshalb von Verleumdung und nur eventualiter von übler Nachrede auszugehen sei (vgl. Strafantrag vom 23. März 2015, S. 4 f.). Mit Schreiben vom 10. März 2015 hätten die Beschuldigten von den Beschwerdeführern unter Androhung der Kün- digung des Mietverhältnisses die Bezahlung des Mietzinses des Monats März ein zweites Mal verlangt. Es bestehe diesbezüglich jedoch kein Anspruch, da die Miete bereits bezahlt worden sei, was bei den Beschuldigten auch verzeichnet worden sein müsse. Es liege deshalb der Ver- dacht der versuchten Erpressung vor (vgl. Strafantrag vom 23. März 2015, S. 5). 2.2 Die Staatsanwaltschaft erliess am 12. Mai 2015 eine Nichtanhandnahmeverfügung. Sie begründete diese im Wesentlichen damit, dass zur Erfüllung des Straftatbestands der üblen Nachrede wie auch der Verl eumdung eine ehrverletzende Äusserung gegenüber einem and e- ren geäussert worden sein müsse. Der Rechtsvertreter der Beschuldigten sei im vorliegenden Fall nicht als Drittperson zu qualifizieren, da es sich um eine vertrauliche Mitteilung zwischen Klient und Anwalt gehandelt habe und letzterer ohnehin dem Anwaltsgeheimnis unterstehe. In ihrer Stellungnahme vom 26. Mai 2015 hielt die Staatsanwaltschaft ergänzend fest, dass die Beschuldigten die Beschwerdeführer nicht eines unehrenhaften Verhaltens bezichtigt h ätten, soweit sie ihrem Anwalt mitgeteilt hätten, die Mietzinskaution sowie der Mietzins des Monats März stünden aus. Die Delegation zur Zahlungsaufforderung an einen Anwalt müsse rechtlich zulässig sein und sei im vorliegenden Fall korrekt und entsprechen d den gesetzlichen Besti m- mungen gemäss Art. 257d OR erfolgt. Bezüglich der Erpressung handle es sich bei einer so l- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Zahlungsaufforderung weder um ein unerlaubtes Mittel noch werde damit ein unerlaubter Zweck verfolgt. Ausserdem könne aus dem Schreiben v om 10. März 2015 nicht geschlossen werden, die Gläubiger wollten eine ihnen nicht zustehende Doppelbezahlung einfordern. 2.3 Gemäss den Ausführungen der Beschwerdeführer in ihrer Beschwerde vom 13. Mai 2015 setze der Tatbestand der üblen Nachrede bzw. der Verleumdung voraus, dass die ehrverle t- zende Äusserung gegenüber "einem anderen", also einem Dritten erfolge. Entgegen der A n- sicht der Staatsanwalt schaft könne aufgrund der uneinheitlichen Lehre und Rechtsprechung nicht leichthin geschlossen werden, das s es sich beim instruierenden Anwalt nicht um einen Dritten handle. Diese Frage sei strittig und müsse vielmehr durch das Gericht beurteilt werden, weshalb die Strafverfolgung zu eröffnen sei. Im Weiteren hätten die Beschuldigten keinen b e- rechtigten Anspruch in Bezug auf den Mietzins des Monats März, da der entsprechende Betrag bereits am 25. Februar 2015 überwiesen worden sei. Unter Androhung der Kündigung des Mietverhältnisses hätten die Beschuldigten versucht, die Beschwerdeführer dazu zu bewegen, die Miete nochmals zu bezahlen, was den Verdacht der versuchten Erpressung begründe. Der pauschale Verweis der Strafbehörden , für die Beurteilung des Bestehens oder Nichtbestehens des Zivilanspruchs nicht zuständig zu sein, rechtfertige eine Nichtanhandnahme nic ht (vgl. S. 5 ff. der Beschwerde). 2.4 Gemäss Art. 310 Abs. 1 StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die Nichtanhandnahme e i- nes Strafverfahrens, sobald auf Grund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, dass die fraglichen Straftatbestände oder Prozessvoraussetzungen eindeutig nicht erfüllt sind (lit. a), Verfahrenshindernisse bestehen (lit. b) oder aus den in Art. 8 StPO genannten Gründen auf eine Strafverfolgung zu verzichten ist (lit. c). Da dieser Bestimmung zwingender Charakter z u- kommt, muss die Staatsanwaltschaft bei Vorliegen der in Art. 310 Abs. 1 StPO genannten Gründe eine Nichtanhandnahmeverfügung erlassen ( ESTHER OMLIN, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 310 N 8 ). Mit dem sofortigen Entscheid, kein Untersuchungsverfahren durc h- zuführen, soll verhindert werden, dass Personen durch grundlose Anzeigen oder Ermittlungen Nachteile erleiden und nutzlose Umtriebe anfallen. Da eine Nichtanhandnahmeverfügung nur dann erlassen wird, wenn keine Untersuchungshandlungen vorgenommen werden (Art . 309 Abs. 4 StPO), muss es sich folglich um sachverhaltsmässig und rechtlich klare Fälle handeln, wobei sich dies allein aus den Akten zu ergeben hat. Die Nichtanhandnahme wegen fehlendem Straftatbestand oder fehlender Prozessvoraussetzungen darf nur dann verfügt werden, wenn mit Sicherheit feststeht, dass der zu beurteilende Sachverhalt unter keinen Straftatbestand fällt oder gar nicht verfolgbar ist. Zweifel müssen nach dem Grundsatz „in dubio pro duriore“ dazu führen, dass ein Strafverfahren eröffnet wi rd (ESTHER OMLIN, a.a.O., Art. 310 N 8 ff.; vgl. auch NATHAN LANDSHUT/THOMAS BOSSHARD, a.a.O., Art. 310 N 4 ff.). 2.5 Der üblen Nachrede macht sich gemäss Art. 173 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig, wer jeman- den bei einem andern eines unehrenhaften Verhaltens oder anderer Tatsachen, die geeignet sind, seinen Ruf zu schädigen, beschuldigt oder verdächtigt. Ebenso macht sich strafbar, wer eine solche Beschuldigung oder Verdächtigung weiterverbreitet (Art. 173 Ziff. 1 Abs. 2 StGB). Geschützt wird das Rechtsgut der Ehre, mithin der Ruf, ein ehrbarer Mensch zu sein, das Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht heisst, sich so zu benehmen, wie nach allgemeiner Anschauung ein charakterlich anständiger Mensch sich zu verhalten pflegt. Vom Tatbestand erfasst wird nach der Auffassung des Bu n- desgerichts allein die Geltung als anständiger Mensch. Äusserungen, die sich lediglich eignen, jemanden in anderer Hinsicht – beispielsweise als Geschäfts- oder Berufsmann, Künstler, Poli- tiker oder Sportler – in der gesellschaftlichen Geltung herabzusetzen, gelten nicht als eh rverlet- zend. Vielmehr soll eine strafrechtlich relevante Ehrbeeinträchtigung nur dann vorliegen, wenn jemand allgemein eines Mangels an Pflichtgefühl, Verantwortungsbewusstsein und Zuverlä s- sigkeit oder sonst einer Eigenschaft bezichtigt wird, die geeignet wäre, ihn als Mensch verächt- lich zu machen oder seinen Charakter in ein ungünstiges Licht zu rücken (BGE 71 IV 225, E. 2; BGE 105 IV 111, E. 1; STEFAN TRECHSEL/VIKTOR LIEBER, Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 173 N 1 ff.; FRANZ RIKLIN, Basler Kommentar StGB , 3. Aufl. 2013, Vor Art. 173 N 16 f.). Inwiefern die Beschwerdeführer eines unehrenhaften Verhaltens bezichtigt worden sein sollen, ist im Hinblick darauf, dass sich die Beschuldigten an ihren Rechtsvertreter wandten und diesen beauftragten, die Beschwerdeführer bezüglich ihrer Zahlungspflicht schriftlich zu ermahnen, nicht ersichtlich. Befindet sich ein Mieter im Zahlungsrückstand, handelt es sich dabei um das übliche Vorgehen, wie es auch das Gesetz in Art. 257d Abs. 1 OR ausdrücklich vorsieht. D a- nach kann der Vermieter dem Mieter, der nach Übernahme der Sache mit der Zahlung fälliger Mietzinse oder Nebenkosten im Rückstand ist, schriftlich eine Zahlungsfrist setzen und ihm a n- drohen, dass bei unbenütztem Ablauf der Fri st das Mietverhältnis gekündigt werde. Die Frist beträgt bei Wohnräumen mindestens 30 Tage. Das Schreiben vom 10. März 2015 entspricht exakt den erwähnten gesetzlichen Anforderungen und enthält im Weiteren keine Äusserungen, die auf ein unehrenhaftes oder rufschädigendes Verhalten seitens der Beschwerdeführer hi n- deuten würden. Ohnehin ist das Verhalten eines Schuldners, der eine fällige Forderung noch nicht bezahlt hat, nicht unehrenhaft. Somit ist mit der sachlichen Ermahnung zur Zahlung eines ausstehenden Mietzinses keinesfalls die Beschuldigung eines unehrenhaften Verhaltens ve r- bunden. Es fehlt daher offensichtlich am Vorliegen einer Ehrverletzung, weshalb der Tatbestand der üblen Nachrede eindeutig nicht erfüllt ist. Ob der Anwalt im Verhältnis zu seinem Klienten als Drittperson zu qualifizieren ist oder nicht, kann somit im vorliegenden Fall offen bleiben. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet und ist folglich abzuweisen. 2.6 Gemäss Art. 174 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich der Verleumdung schuldig, wer jemanden wider besseren Wissens bei einem andern eines unehrenhaften Verhaltens oder anderer Ta t- sachen, die geeignet sind, seinen Ruf zu schädigen, beschuldigt oder verdächtigt. Der Tatbe- stand der Verleumdung gemäss Art. 174 Ziff. 1 StGB schützt dasselbe Rechtsgut, mithin de n- selben Ehrbegriff, wie bereits der Straftatbestand der üblen Nachrede ( FRANZ RIKLIN, a.a.O., Art. 174 N 2). Es kann daher unter Verweis auf die Erwägungen in Ziff. 2.5 dieses Entscheids festgestellt werden, dass im vorliegenden Fall der objektive Tatbestand der Verleumdung ma n- gels Ehrverletzung offensichtlich nicht gegeben ist, weshalb die Beschwerde auch diesbezüg- lich abzuweisen ist. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.7 Schliesslich macht sich d er Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 1 StGB strafbar, wer in der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selber oder einen anderen am Vermögen schädigt. Zur Erfüllung des Tatbesta ndes ist unter anderem no t- wendig, dass jemand durch die Androhung von ernstlichen Nachteilen zu einer Vermögensve r- fügung veranlasst wird. Massgebend für die Beurteilung der Ernstlichkeit der Androhung sind gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung objektiv e Kriterien: Nur Drohungen, welche g e- eignet sind, auch eine besonnene Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen, sind ausreichend ( GÜNTER STRATENWERTH/GUIDO JENNY/FELIX BOMMER, Schweizerisches Stra f- recht, Besonderer Teil I, 7. Aufl. 2010, § 5 N 9). Das Tatbestandsmerkmal der Androhung ernst- licher Nachteile ist nicht erfüllt, wenn mit rechtmässigen Mitteln gedroht wird, um einen liquiden oder allenfalls auch nur berechtigten Anspruch durchzusetzen ( PHILIPPE WEISSENBERGER, Bas- ler Kommentar Strafrec ht II, 3. Aufl. 2013, Art. 156 N 22). Der Tatbestand erfordert Vorsatz , wobei überdies eine Bereicherungsabsicht gegeben sein muss. Die vorliegend erfolgte Androhung der Kündigung des Mietverhältnisses stellt gemäss Art. 257d Abs. 1 OR ein rechtmässiges M ittel dar, sollte der Mieter nach Übernahme der Sache mit der Zahlung fälliger Mietzinse oder Nebenkosten im Rückstand sein. Da die Beschuldigten die Za h- lung der Mietzinskaution sowie den fälligen Mietzins für den Monat März 2015 nicht verzeichnen konnten, setzte ihr Rechtsvertreter den Beschwerdeführern mit Schreiben vom 10. März 2015 unter Androhung der vorzeitigen Kündigung eine 30 -tägige Frist zur Bezahlung. Dies entspricht den gesetzlichen Vorgaben und gehört zum alltäglichen, zivilrechtlich fraglos zu lässigen Vorge- hen zur Geltendmachung einer fälligen Mietzinsforderung. Bekanntlich kann der gesamte Za h- lungsprozess – von der Anweisung des Schuldners an die Bank bis zum erkennbaren Eingang der Zahlung beim Gläubiger – mehrere Tage dauern. Dass bei Erhalt einer Mahnung die betref- fende Forderung zwischenzeitlich bereits bezahlt worden ist, kommt deshalb zuhauf vor. Zwar mag das Kreuzen der Zahlung und die Aufforderung eines Gläubigers dazu für den Schuldner unerfreulich sein; eine solche Zahlungsaufforderun g ist sodann gemeinhin als gegenstandslos zu betrachten. Dies gilt insbesondere für das Schreiben vom 10. März 2015. Es sind darin en t- gegen der Ansicht der Beschwerdeführer überhaupt keine Anhaltspunkte erkennbar, welche den Schluss zuliessen, es werde unr echtmässig eine Doppelzahlung von den Beschwerdefü h- rern verlangt. Es ist daher in keiner Weise ein strafrechtlich relevantes Verhalten ersichtlich; vielmehr stellt das Schreiben vom 10. März 2015 ein zivilrechtlich zulässiges Mittel dar, womit der Tatbestand der Erpressung offensichtlich nicht erfüllt ist. Die Beschwerde erweist sich auch in diesem letzten Punkt als unbegründet und ist deshalb abzuweisen. 3. Kostenfolge Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Entsprechend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens gehen die Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 1‘050.00, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 1‘000.00 (§ 13 Abs. 1 GebT) sowie Auslagen von CHF 50. 00, in soli- darischer Verbindlichkeit zu Lasten der Beschwerdeführer. Es wird den Beschwerdeführern keine Parteientschädigung zugesprochen. Das Gesuch der Beschwerdeführer um unentgeltl i- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht che Rechtspflege wurde bereits mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel -Landschaft, Abte i- lung Strafrecht, vom 9. Juni 2015 abgewiesen, so dass darauf nicht mehr zurückzukommen ist. Die Abweisung des Antrags betreffend unentgeltliche Rechtspflege erweist sich nicht zuletzt deshalb als richtig, als die vorliegende Beschwerde als offensichtlich aussichtslos zu qualifizie- ren ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 1‘050.00, beinhaltend eine Gerichtsgebühr von CHF 1‘000.00 sowie Auslagen von CHF 50.00, wer- den den Beschwerdeführern in solidarischer Verbindlichkeit auferlegt. Die von den Beschwerdeführern erbrachte Sicherheitsleistung von CHF 600.00 wird entsprechend angerechnet. 3. Den Beschwerdeführern wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Dieser Beschluss wird den Parteien schriftlich eröffnet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin i.V. Stéphanie Baumgartner Die gegen diesen Beschluss erhobene Beschwerde in Strafsachen wurde mit Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts vom 16. Oktober 2015 abgewiesen (Verfahrensnu mmer: 6B_918/2015)