A bteilung III C -53/2006 {T 0/2} U rteil vom 30. A ugust 2007 Besetzung: R ichter Antonio Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Bernard Vaudan; R ichter Blaise Vuille; G erichtsschreiber R udolf G run. H ._______, Beschw erdeführerin, vertreten durch lic. iur. Thom as Plüss, Fürsprecher und N otar, Ziegelrain 29, 5001 Aarau, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Einreisesperre. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie Beschw erdeführerin (geboren ... 1962, thailändische Staatsangehöri- ge) kam am 15. D ezem ber 1998 m it einem 90-tägigen Touristenvisum in die Schw eiz. Am 23. April 1999 heiratete sie in St. G allen den Schw eizer Bürger M ._______. N ach der H eirat verliess sie die Schw eiz und kehrte in ihr H eim atland zurück. Am 22. O ktober 1999 reiste sie im R ahm en des Fa- m iliennachzuges in die Schw eiz ein und erhielt am 24. N ovem ber 1999 eine Jahresaufenthaltsbew illigung. In den folgenden Jahren hielt sich sich jew eils nur für w enige Tage bei ihrem gem eldeten W ohnsitz in St. G allen auf. Sie arbeitete als M asseuse/Prostituierte in Zürich, R othrist und Lu- zern. Im Jahre 2001 beabsichtigte die Beschw erdeführerin, sich von ihrem Ehem ann scheiden zu lassen und einen Bekannten in Schönenw erd (SO ) zu heiraten. Anfang M ärz 2002 zog sie ihr Kantonsw echselgesuch im Kan- ton Solothurn zurück und beantragte w iederum im Kanton St. G allen die Verlängerung der Aufenthaltsbew illigung. Vom D ezem ber 2003 an hielt sie sich für einige Zeit in Basel bei einer Bekannten auf, für die sie den H aus- halt besorgt haben soll. Ende Januar 2004 m eldete der Ehem ann sie von St. G allen nach Luzern ab. D ie Beschw erdeführerin gelangte aber nicht in Luzern, sondern in O ftringen (AG ) zur Anm eldung. Anlässlich einer polizei- lichen Kontrolle in einem M assagesalon im April 2004 in Luzern gab sie gegenüber der Polizei an, sie sei seit zw ei Jahren m it einem vietnam esi- schen Staatsangehörigen nam ens N ._______ liiert und w ürde bei diesem in O ftringen w ohnen. M it Verfügung vom 2. Juni 2004 lehnte das M igra- tionsam t Kanton Aargau ihr G esuch um Erteilung einer Aufenthaltsbew illi- gung ab und forderte sie auf, das Kantonsgebiet bis zum 31. August 2004 zu verlassen. D as M igrationsam t ging davon aus, dass sie nur aus rechts- m issbräuchlichen G ründen an der Ehe festhalte. B. Am 5. Juli 2004 m eldete sich die Beschw erdeführerin w iederum in St. G al- len an. D er Anm eldung lag ein von ihr und ihrem Ehem ann unterzeichne- tes Bestätigungsschreiben bei, w onach sie w ieder zusam m enleben w ür- den. Bei den anschliessend von der Kantonspolizei St. G allen am W ohnort des Ehem annes durchgeführten Kontrollen konnte die Beschw erdeführerin nicht angetroffen w erden. N ach Befragungen des Ehepaares durch die Kantonspolizei (26. O ktober / 3. N ovem ber 2004) und die kantonale Aus- länderbehörde (7. Januar 2005) sow ie der G ew ährung des rechtlichen G e- hörs (19. Januar 2005) verw eigerte das Ausländeram t des Kantons St. G allen der Beschw erdeführerin m it Verfügung vom 7. M ärz 2005 die Verlängerung der Aufenthaltsbew illigung und die Erteilung der N iederlas- sungsbew illigung. N achdem das Justiz- und Polizeidepartem ent des Kan- tons St. G allen auf den dagegen erhobenen R ekurs m it Entscheid vom 25. April 2005 nicht eingetreten w ar, erw uchs die Verfügung vom 7. M ärz 2005 in R echtskraft. Am 23. M ai 2005 setzte das Ausländeram t der Be- schw erdeführerin eine Frist bis zum 20. Juli 2005 an, um das Kantonsge- biet zu verlassen.3 C . Am 31. M ai 2005 verfügte das BFM die Ausdehnung der kantonalen W eg- w eisung auf das ganze G ebiet der Schw eiz, verbunden m it der Aufforde- rung, das Land bis zum 20. Juli 2005 zu verlassen. D en dagegen einge- reichten R ekurs lehnte das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) m it Entscheid vom 28. Septem ber 2005 letztinstanzlich ab, nach- dem die Beschw erdeführerin bereits am 23. Septem ber 2005 nach Thai- land ausgeschafft w orden w ar. D . M it Verfügung vom 11. O ktober 2005 verhängte die Vorinstanz über die Beschw erdeführerin eine Einreisesperre für die D auer von fünf Jahren. Zur Begründung w urde ausgeführt, das Verhalten habe w egen Festhaltens an einer Ehe zu ehefrem den Zw ecken zu Klagen Anlass gegeben. Ihre Anw e- senheit sei deshalb unerw ünscht. Einer allfälligen Beschw erde w urde gleichzeitig die aufschiebende W irkung entzogen. E. M it Verw altungsbeschw erde an das EJPD vom 14. N ovem ber 2005 bean- tragt die Beschw erdeführerin die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü- gung und die W iederherstellung der aufschiebenden W irkung der Be- schw erde. Zur Begründung w ird sinngem äss geltend gem acht, die ange- fochtene Verfügung beruhe auf einem falschen Sachverhalt und sei auch sonst unverhältnism ässig. D ie Ehe sei nicht zum Schein eingegangen w or- den. D er Begriff der angeblichen Scheinehe stam m e lediglich vom Auslän- deram t des Kantons St. G allen. D ie Tatsache, dass die kantonale Verfü- gung inzw ischen in R echtskraft erw achsen sei, verm öge daran nichts zu ändern. D a sich das Ausländeram t nicht von der vorgefassten M einung habe abbringen lassen, sei auf die Ergreifung eines R echtsm ittels verzich- tet w orden. D ie Beschw erdeführerin sei lediglich einm al w egen M issach- tung der M eldepflicht und Stellenantritts ohne Bew illigung zu einer Busse von Fr. 400.-- verurteilt w orden, w eshalb sie nicht als unerw ünschte Aus- länderin bezeichnet w erden könne. Zudem beabsichtige sie, einen in der Schw eiz niedergelassenen, vietnam esischen Staatsangehörigen zu heira- ten. F. M it Zw ischenverfügung vom 17. N ovem ber 2005 w ies der dam als zustän- dige Beschw erdedienst des EJPD das G esuch um W iederherstellung der aufschiebenden W irkung der Beschw erde ab. G . D ie Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehm lassung vom 10. Januar 2006 auf Abw eisung der Beschw erde und führt insbesondere aus, dass das Einge- hen bzw . Festhalten an einer Ehe zu ehefrem den Zw ecken nicht nur als grobe Zuw iderhandlung gegen frem denpolizeiliche Vorschriften sondern als eigentlicher Verstoss gegen den "ordre public" gelte, w eshalb die in Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer (AN AG , SR 142.20) im zw eiten Satz festgelegte zeitliche Begrenzung (drei Jahre) keine Anw endung finde. H . In der R eplik vom 10. Februar 2006 hält die Beschw erdeführerin vollum - fänglich an ihrer Beschw erde fest und bestreitet, dass sie m it einer (an- geblichen) Scheinehe gegen grundlegende Vorschriften der Schw eizeri- schen R echtsordnung verstossen habe.4 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. Verfügungen des BFM betreffend Einreisesperre unterliegen der Be- schw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 AN AG i.V.m . Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgeset- zes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelverfahren w erden vom Bun- desverw altungsgericht übernom m en. D ie Beurteilung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). D as U rteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [SR 173.110]). G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren nach dem Bun- desgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021). 2. D ie Beschw erdeführerin ist als Adressatin der angefochtenen Einreise- sperre zur Beschw erdeführung legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 3. M it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Ü berschreitung oder M issbrauch des Er- m essens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes sow ie die U nangem essenheit gerügt w erden (Art. 49 Vw VG ). D as Bundesverw altungsgericht w endet im Beschw erdeverfahren das Bundesrecht von Am tes w egen an. Es ist gem äss Art. 62 Abs. 4 Vw VG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Be- schw erde auch aus anderen als den geltend gem achten G ründen gut- heissen oder abw eisen. M assgebend ist grundsätzlich die Sach- und R echtslage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. E. 1.2 des in BG E 129 II 215 teilw eise publizierten U rteils 2A.451/2002 vom 28. M ärz 2003). 4. 4.1 G em äss Artikel 13 Absatz 1 kann die eidgenössische Behörde über uner- w ünschte Ausländer die Einreisesperre verhängen. Sie kann ferner, jedoch für höchstens drei Jahre, eine Einreisesperre über solche Ausländer ver- hängen, die sich grobe oder m ehrfache Zuw iderhandlungen gegen frem - denpolizeiliche oder andere gesetzliche Bestim m ungen und gestützt da- rauf erlassene behördliche Verfügungen haben zuschulden kom m en las- sen. W ährend der Einreisesperre ist dem Ausländer jeder G renzübertritt ohne ausdrückliche Erm ächtigung der verfügenden Behörde untersagt. 4.2 D ie Einreisesperre ist ihrer N atur nach eine präventivpolizeiliche Adm inis- trativm assnahm e. Sie w ill der G efahr künftiger Störungen der öffentlichen O rdnung und Sicherheit sow ie anderer unter den Schutz der Frem denpoli- zei fallender Polizeigüter begegnen, die von einem Ausländer ausgeht (zum Kreis der Polizeigüter im Frem denpolizeirecht vgl. BG E 98 Ib 85 ff. E. 2C S. 89, 98 Ib 465 ff. E. 3A S. 467 f.). O b eine Polizeigefahr im oben dargelegten Sinne besteht, lässt sich naturgem äss nur in Form einer Prog- nose beurteilen, die sich auf das bisherige Verhalten des Ausländers ab- stützt. In diesem Sinne gelten nach ständiger Praxis Ausländer als „uner-5 w ünscht“, deren Vorleben darauf schliessen lässt, dass sie nicht w illens oder nicht fähig sind, sich in die geltende O rdnung einzufügen und deren Fernhaltung daher im öffentlichen Interesse liegt (BG E 129 IV 246 E. 3.2 S. 251; Entscheide des EJPD , publ. in Verw altungspraxis des Bundes [VPB] 63.1, 60.4, 58.53, sow ie PETER SU LG ER BÜ EL, Vollzug von Fernhalte- und Entfernungsm assnahm en gegenüber Frem den nach dem R echt des Bundes und des Kantons Zürich, D iss. Zürich 1984 = Europäische H och- schulschriften, R eihe II, R echtsw issenschaft, Bd. 352, Bern usw . 1984, S. 79 f., m it w eiteren N achw eisen). 4.3 D er Tatbestand der U nerw ünschtheit w ird deshalb typischerw eise durch die Straffälligkeit einer ausländischen Person gesetzt. D ie U nerw ünscht- heit kann freilich auch andere U rsachen haben. N am entlich ist nach der vom EJPD übernom m enen R echtsprechung des Bundesverw altungsge- richts (vgl. U rteile C -164/2006 vom 4. August 2007 E. 3.2.1 und C - 593/2006 vom 19. M ärz 2007 E. 9.1) dann von einem klaren und schw er- w iegenden Verstoss gegen die öffentliche O rdnung auszugehen, w enn eine ausländische Person die Ehe allein deshalb eingeht, um ausländer- rechtliche Bestim m ungen zu um gehen und dam it die zuständigen Behör- den zu täuschen. Eine solche „Ausländerrechtsehe“ oder „Scheinehe“ gilt nicht als Zuw iderhandlung gegen frem denpolizeiliche Vorschriften im Sin- ne von Art. 13 Abs. 1 Satz 2 AN AG , sondern stellt – w ie die Vorinstanz in ihrer Vernehm lassung zutreffend festhielt – einen Verstoss gegen die öf- fentliche O rdnung ("ordre public") im Sinne von Art. 13 Abs. 1 Satz 1 AN AG dar, w eshalb eine ausländische Person auch dann als unerw ünscht zu betrachten ist, w enn sie eine Ehe aus sachfrem den G ründen eingeht bzw . daran festhält. 5. 5.1 Von einer klassischen Scheinehe bzw . einem "Eingehen einer Ehe zu ehe- frem den Zw ecken" w ird dann gesprochen, w enn die Ehegatten (von An- fang an) keine eheliche G em einschaft führen w ollen, sondern die Ehe dazu benützen, um ein zw eckfrem des Ziel, beispielsw eise die U m gehung ausländerrechtlicher Vorschriften, zu erreichen. D as eben G esagte ist in- sofern von Bedeutung, als auch eine Scheinehe eine gültige Ehe m it allen gesetzlich vorgesehenen R echtsw irkungen ist. D as Eingehen einer Ehe zu ehefrem den Zw ecken ist daher auch kein G rund, w elcher zur U ngültigkeit der Ehe führt (vgl. Art 104 ff. des Schw eizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. D ezem ber 1907 [ZG B, SR 210]). 5.2 G rundsätzlich hat jeder ausländische Ehegatte eines Schw eizer Bürgers Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbew illigung (Art. 7 Abs. 1 AN AG ). D ieser Anspruch besteht dann nicht, w enn die Ehe eingegangen w orden ist, um die Vorschriften über Aufenthalt und N ieder- lassung von Ausländern und nam entlich jene über die Begrenzung der Zahl der Ausländer zu um gehen (Art. 7 Abs. 2 AN AG ). D er M iss- brauchstatbestand der Scheinehe verm ag jedoch die erstm alige Erteilung einer Aufenthaltsbew illigung an den ausländischen Ehegatten in der R egel nicht zu verhindern. D ass näm lich Ehegatten m it der H eirat nicht eine ehe-6 liche Lebensgem einschaft begründen, sondern vornehm lich die Vorschrif- ten über Aufenthalt und N iederlassung von Ausländern um gehen w ollen, entzieht sich in den allerm eisten Fällen dem direkten Bew eis und kann dem nach nur durch Indizien nachgew iesen w erden. Ein solches Indiz lässt sich beispielsw eise darin erblicken, dass dem Ausländer oder der Auslän- derin die W egw eisung drohte, etw a w eil er oder sie ohne H eirat keine Auf- enthaltsbew illigung erhalten hätte oder sie ihm oder ihr nicht verlängert w orden w äre. W eiter können die U m stände und die kurze D auer der Be- kanntschaft sow ie die Tatsache, dass die Ehegatten die W ohngem ein- schaft gar nie richtig aufgenom m en haben, für eine Scheinehe sprechen, ebenso w enn für die H eirat eine Bezahlung vereinbart w urde. D ass die Be- gründung einer w irklichen Lebensgem einschaft gew ollt w ar, kann nicht da- raus abgeleitet w erden, dass die Ehegatten w ährend einer gew issen Zeit zusam m enlebten und intim e Beziehungen unterhielten, w eil ein derartiges Verhalten auch nur vorgespielt sein kann, um die Behörden zu täuschen (vgl. zum G anzen BG E 128 II 145 E. 3 S. 152 ff.; 127 II 49 E. 5a S. 57; 122 II 289 E. 2b S. 292, 121 II 1 E. 2b S. 3, 119 Ib 417 E. 4b S. 240; PETER KO TTU SC H , Scheinehe aus frem denpolizeilicher Sicht, in: ZBl 84/1983 S. 432 f.). Kein Anspruch auf Erteilung oder Verlängerung der Aufenthaltsbew illi- gung besteht ferner, w enn sich die Berufung auf die Ehe anderw eitig als rechtsm issbräuchlich erw eist (vgl. U rteil des Bundesgerichts 2A. 139/2006 vom 22. M ärz 2006, E. 2.1; BG E 128 II 145 E. 2.1 S. 151; 127 II 49 E. 5a S. 57). D ies ist dann der Fall, w enn sich ein Ausländer auf eine Ehe beruft, w elche nur (noch) form ell aufrecht erhalten w ird m it dem alleinigen Ziel, die Aufenthaltsbew illigung nicht zu verlieren. 6. 6.1 D ie Beschw erdeführerin bestreitet den vom Ausländeram t des Kantons St. G allen festgestellten Sachverhalt nicht, jedoch die daraus abgeleitete rechtliche Schlussfolgerung des Vorliegens einer Scheinehe bzw . des Festhaltens an einer Ehe zu ehefrem den Zw ecken. D ie Eheschliessung erfolgte nach kurzer Bekanntschaftszeit, w obei sich die Beschw erdeführerin und ihr Ex-Ehem ann w eder an den Ablauf des ers- ten Treffens noch an ihr H ochzeitsfest erinnern können, w as für Paare, die eine Lebensgem einschaft eingehen, ungew öhnlich ist. N ach der Einreise in die Schw eiz hielt sich denn die Beschw erdeführerin – bis auf die ersten W ochen und w enige Tage im Jahr – nie in der W ohnung ihres Ex-Ehem an- nes in St. G allen auf sondern in den Kantonen Aargau, Zürich und Luzern, w o sie ihrer Tätigkeit als M asseuse/Prostituierte nachging. D ie Ehegatten haben auch ihre Freizeit und Ferien nie gem einsam verbracht, w eshalb es nicht erstaunt, dass sie keine gem einsam en Interessen nennen konnten und voneinander praktisch nichts w ussten. D er Ex-Ehem ann hat sich seit der Eheschliessung m ehrm als ohne die Beschw erdeführerin ausgerechnet in deren H eim at aufgehalten. Andererseits w ar die Beschw erdeführerin im Jahre 2003 in Thailand, ohne dass der Ex-Ehem ann davon w usste. H inzu kom m t, dass die Ehefrau m it Stam m kunden längere Beziehungen pflegte, w as den Ex-Ehem ann nicht zu stören schien. Es ist offensichtlich, dass sie sich gar nicht für das Führen einer ehelichen G em einschaft interessiert ha-7 ben. Selbst w enn – w ie in der Beschw erde vorgebracht – ursprünglich die Absicht vorhanden w ar, eine ordentliche Ehe einzugehen, und die Ehe nicht w egen Scheinehe geschieden w urde, ist erstellt, dass schon kurze Zeit nach der H eirat keine eheliche G em einschaft geführt und auch nicht die Absicht vorhanden w ar, eine solche aufzunehm en. Insbesondere die erneute Anm eldung der Beschw erdeführerin vom 5. Juli 2004 in St. G allen und das von ihr und ihrem Ex-Ehem ann in diesem Zusam m enhang unter- zeichnete Bestätigungsschreiben, w onach sie w ieder zusam m enleben w ür- den, sind eindeutige Indizien dafür, dass es einzig um die Sicherung der Anw esenheit in der Schw eiz ging. D ie Bescherdeführerin konnte näm lich nach der Anm eldung anlässlich einer von der Kantonspolizei St. G allen durchgeführten Kontrolle am W ohnort des Ex-Ehem annes nicht angetrof- fen w erden. Es liegt daher auf der H and, dass die Beschw erdeführerin m it dieser Anm eldung den Anschein einer gelebten Ehe erw ecken w ollte, die längst nicht m ehr bestand oder überhaupt nie gelebt w orden w ar. 6.2 Ein derartiges Verhalten (Berufung auf eine nicht gelebte Ehe m it dem al- leinigen Ziel, die Aufenthaltsbew illigung nicht zu verlieren) führt in der R e- gel zur U nerw ünschtheit des betreffenden Ausländers, vor allem dann, w enn – w ie im vorliegenden Fall – m it falschen Angaben versucht w ird, den Behörden vorzutäuschen, dass die ehelichen Beziehungen w ieder auf- genom m en w orden seien, obw ohl die Ehe – sofern sie je gelebt w urde – längst als definitiv gescheitert bezeichnet w erden m usste. D ie Beschw er- deführerin hat dam it klar gezeigt, dass sie nicht w illens ist, sich in die gel- tende R echtsordnung einzufügen. Trotz verschiedener anderer Lebensfor- m en kom m t dem Institut der Ehe näm lich nach gem eineuropäischer R echtsüberzeugung w eiterhin eine grosse Bedeutung zu, w as sich in der Ausgestaltung verschiedener R echtsbereiche – insbesondere im Aufent- haltsanspruch nach Art. 7 Abs. 1 AN AG – niederschlägt. Verhaltensw ei- sen, die den W ertentscheidungen zu G unsten von Ehe und Fam ilie sow ie des Ausländerrechts entgegenstehen, gilt es daher zu verhindern. D as Er- schleichen einer Aufenthaltsbew illigung bzw . deren Verlängerung m ittels Vortäuschen einer gelebten und intakten ehelichen Beziehung m uss daher frem denpolizeiliche Konsequenzen nach sich ziehen. Vor diesem H intergrund ist nicht zu beanstanden, w enn die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung davon ausging, die Beschw erdeführerin habe durch das Festhalten an einer Ehe zu ehefrem den Zw ecken zu Kla- gen Anlass gegeben und sie sei deshalb als unerw ünschte Ausländerin im Sinne von Art. 13 Abs. 1 Satz 1 AN AG zu betrachten. 7. 7.1 Zu prüfen bleibt som it, ob die Anordnung der Einreisesperre und deren D auer von fünf Jahren in Berücksichtigung der konkreten U m stände des Einzelfalles als verhältnism ässig und angem essen erscheint (vgl. Art. 49 Bst. a und c Vw VG ). In die rechtskonform e Erm essensausübung haben der G rundsatz des G esetzesvorranges (darunter fällt nam entlich die ver- fassungskonform e Erm essensausübung, vgl. JÖ R G PAU L M Ü LLE R , Elem ente einer schw eizerischen G rundrechtstheorie, Bern 1982, S. 77 ff.) und die allgem einen G rundsätze des Verw altungshandelns einzufliessen, w ie das 8 W illkürverbot, das G ebot der rechtsgleichen Behandlung, das G ebot von Treu und G lauben und der G rundsatz der Verhältnism ässigkeit von Ver- w altungsakten. 7.2 U nter dem G esichtspunkt der Verhältnism ässigkeit ist eine w ertende Ab- w ägung vorzunehm en zw ischen dem öffentlichen Interesse an der M ass- nahm e einerseits und den von der M assnahm e beeinträchtigten privaten Interessen des Betroffenen andererseits. D ie Stellung der verletzten oder gefährdeten R echtsgüter, die Besonderheiten des ordnungsw idrigen Ver- haltens und die persönlichen Verhältnisse des Verfügungsbelasteten bil- den dafür die G rundlage (vgl. statt vieler vgl. R EN É A. R H IN O W / BEAT KR ÄH EN M AN N , Schw eizerische Verw altungsrechtsprechung, Ergänzungsband zur 5. und 6. Auflage von IM BO D EN / R H IN O W , Basel und Frankfurt a.M . 1990, N r. 67, S. 211. f., m it H inw eisen; U LR IC H H ÄFELIN / G EO R G M Ü LLER / FELIX U H LM AN N , Allgem eines Verw altungsrecht, 5. Aufl., Zürich und St. G allen 2006, S. 127 f.). 7.3 W ie bereits erw ähnt, hat die Beschw erdeführerin durch ihr Verhalten zu Klagen Anlass gegeben. Sie hat durch das Eingehen einer Scheinehe bzw . das Festhalten an einer Ehe zu ehefrem den Zw ecken die Behörden ge- täuscht und auf diese W eise ein Aufenthaltsrecht erw irkt bzw . verlängert. Ein gew ichtiges öffentliches Interesse an der Fernhaltung der Beschw er- deführerin ergibt sich deshalb ohne w eiteres aus deren Q ualifizierung als unerw ünschte Person. D ieses Verhalten, w elches vorab auf die Erlangung persönlicher Vorteile ausgerichtet w ar, verm ittelt das Bild einer G ering- schätzung hiesiger Konventionen und G esetzesnorm en. Sow ohl aus G rün- den der Spezial- als auch der G eneralprävention bestehen som it gew ichti- ge öffentliche Interessen an einer Fernhaltung der Beschw erdeführerin. 7.4 Persönliche Interessen daran, nicht m it einer Fernhaltem assnahm e belegt zu w erden, m acht die Beschw erdeführerin in Form einer beabsichtigten H eirat m it einem in der Schw eiz niedergelassenen Ausländer geltend. D ie bereits im Verfahren betreffend Ausdehnung der kantonalen W egw eisung vorgebrachte H eiratsabsicht (vgl. Entscheid des EJPD A7-0520642 vom 28. Septem ber 2005) ist im Zusam m enhang m it der Interessenabw ägung nicht von ausschlaggebender Bedeutung, kann doch eine solche H eirat auch vom Ausland her eingeleitet w erden. Sollte in einem späteren Zeit- punkt tatsächlich eine H eirat m it dem hier niedergelassenen vietnam esi- schen Staatsangehörigen erfolgen (er ist seinerseits erst seit dem 14. Juni 2007 geschieden), steht es der Beschw erdeführerin oder ihrem G atten frei, bei der zuständigen kantonalen Ausländerbehörde – unter Beilage des Ehescheins – ein Fam iliennachzugsgesuch einzureichen. Im Zusam m en- hang m it der Prüfung desselben hat dann das BFM w iedererw ägungseise über die Aufhebung der Fernhaltem assnahm e zu befinden. 7.5 Eine w ertende G ew ichtung der sich entgegenstehenden Interessen führt das Bundesverw altungsgericht abschliessend zum Ergebnis, dass die auf fünf Jahre befristete Einreisesperre eine verhältnism ässige und angem es- sene M assnahm e zum Schutz der öffentlichen O rdnung darstellt, zum al es 9 in Bezug auf die D auer eines Einreiseverbots für unerw ünschte Ausländer keine gesetzliche H öchstgrenze gibt (Art. 13 Abs. 1 Satz 1 AN AG ). 8. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist da- her abzuw eisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschw erdeführerin die Kos- ten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG in Verbindung m it Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 1010 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 700.-- w erden der Beschw erdeführerin auf- erlegt. Sie sind durch den am 28. N ovem ber 2005 geleisteten Kostenvor- schuss gleicher H öhe gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. . ... ... zurück) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf R udolf G run Versand am :