Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Juli 2020 (720 19 390 / 162) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Medizinischer Sachverhalt nicht hinreichend abgeklärt, Rückweisung an die Vorinstanz Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Markus Schmid, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1972 geborene A.____ war vom 14. September 2 000 bis 30. September 2003 bei der B.____AG als Verkäufer tätig. Am 13. November 2003 meldete er sich unter Hinweis auf Rückenbeschwerden erstmals bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhäl tnisse lehnte die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) einen Anspruch von A.____ auf e ine Invalidenrente mit Verfügung vom 4. Januar 2006 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 0 % ab. Auf die dagegen erhobene Ein- sprache trat sie nicht ein (Einspracheentscheid vom 7. August 2006). Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.2 Am 13. März 2008 meldete sich A.____ erneut bei d er IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 1. Juli 2008 trat diese auf das neue Leistungsbegehren nicht ein. Begrün- dend hielt sie fest, der Versicherte habe nicht glaubhaf t gemacht, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit dem Einspracheentscheid vom 7. August 2006 wesentlich verändert hätten. A.3 Seit dem 1. September 2009 (IK-Auszug; act. 57) war A.____ als selbständigerwerben- der Automechaniker tätig. Am 19. Mai 2016 erlitt er einen Verkehrsunfall. Am 27. April 2017 meldete er sich unter Hinweis auf unfallbedingte Besch werden wiederum bei der IV zum Leis- tungsbezug an. Die IV-Stelle führte in der Folge erw erbliche Abklärungen durch, zog die Akten der zuständigen Unfallversicherung (C.____AG) bei, daru nter namentlich ein Gutachten der SMAB (Swiss Medical Assessement and Business-Center) AG vom 20. September 2017, und holte selbst medizinische Berichte ein. Mit Verfügung vom 30. Oktober 2019 verneinte sie einen Anspruch von A.____ auf eine Invalidenrente. Zur Begründung hielt sie fest, dass das Wartejahr nicht erfüllt sei und keine Erwerbsunfähigkeit von 40 % vorliege. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Mar kus Schmid, am 5. Dezember 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die V erfügung vom 30. Oktober 2019 aufzu- heben und es sei ihm ab 1. Oktober 2017 basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Verfügung vom 30. Oktober 2019 aufzuheben und zur Beurteilung seines Leistungsanspruc hs ein gerichtliches Gutachten, min- destens in den Fachrichtungen Orthopädie und Psychiatrie, einzuholen und danach über den Anspruch auf IV-Leistungen erneut zu entscheiden. Subev entualiter sei die Streitsache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese zu verpflich ten, ein medizinisches Gutachten, mindestens in den Fachrichtungen Orthopädie und Psychiatrie, einzuholen und es sei nach Vor- liegen des Gutachtens neu über den Leistungsanspruch zu entscheiden; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass der angefochtene Entscheid auf unzu- reichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 20. Februar 2020 schloss die IV-Stelle unter Hinweis auf die Berichte von Dr. med. D.____, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, vom 18. Dezember 2019, und Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17. De- zember 2019, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), auf Abweisung der Beschwerde. D. Am 9. März 2020 zog das Kantonsgericht bei der C.__ __AG die Akten des Versicherten bei. E. Am 26. März 2020 rügte der Beschwerdeführer, dass da s Vorgehen der IV-Stelle, wel- che im Rahmen der Vernehmlassung Berichte des RAD einger eicht habe, gegen die Waffen- gleichheit verstosse, da er nicht in der Lage sei, ärztliche Beurteilungen zu den Ausführungen des RAD ins Recht zu legen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 5. Dezember 2019 ist demnach einzutreten. 2. In verfahrensrechtlicher Hinsicht rügt der Beschwerdefüh rer vorab eine Verletzung des Prinzips der Waffengleichheit. Es trifft zu, dass es der Verwaltung grundsätzlich verwehrt ist, nach Einreichung des Rechtsmittels weitere oder zusätzliche Abklärungen vorzunehmen, so- weit sie den Streitgegenstand betreffen und auf eine allfällige Änderung der Verfügung durch Erlass einer neuen abzielen (vgl. BGE 136 V 5, E. 2.5 m it Hinweis auf BGE 127 V 231, E. 2b/aa; Urteil des Bundesgerichts vom 1. Januar 2014, 8C_410/2013, E. 5.2). Erlaubt sind der Verwaltung demgegenüber in aller Regel punktuelle A bklärungen (wie das Einholen von Bestä- tigungen, Bescheinigungen oder auch Rückfragen bei medizinischen Fachpersonen oder ande- ren Auskunftspersonen). Vorliegend beschränkte sich die Besc hwerdegegnerin darauf, im Rahmen der Vernehmlassung beim RAD zwei (bestätigende) Stellungnahmen einzuholen. Sie änderte ihren Entscheid nach dieser Beweiserhebung jed och nicht und die Abklärungsmass- nahme hatte keine Verlängerung des vorliegenden Verfah rens zur Folge, da sie innerhalb der vom Gericht angesetzten Frist zur Vernehmlassung durchgeführ t wurde. Eine Missachtung des Devolutiveffekts liegt nicht vor. Ebenso wenig wurden die Mitwirkungsrechte des Beschwerde- führers tangiert. Die Rüge der Verletzung der Waffengleichheit ist daher nicht stichhaltig. 3. Streitig ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführer s. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfü gung vom 30. Oktober 2019 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). Später ei ngereichte ärztliche Berichte sind aber ausnahmsweise zu berücksichtigen, wenn daraus Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand im Zeitpunkt des Verfügungserlasses gezogen werden kö nnen (vgl. BGE 121 V 362 E. 1b in fine). 4.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Be stimmung des Invaliditätsgrads das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls au ch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 5.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Demgegenüber kommt Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachpersone n nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Beweiswürdig ung sind deshalb strenge Anforderun- gen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholu ng eines externen Gutachtens ent- schieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig- keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, s o sind ergänzende Abklärungen vor- zunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten und Ärz- tinnen darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese im Hin- blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Z weifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati- entinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b /cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des bzw. der therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes bzw. Ärztin einerseits und von Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedi zinischen Experten und Expertinnen anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vo m 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stet s in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen zu anderslau- tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben F älle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte b zw. Ärztinnen wichtige – und nicht rein Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – As pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auch der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, wel che sich für den vorliegenden Ent- scheid als zentral erweisen. 7.2 Gemäss Bericht des Spitals F.____ vom 20. Mai 2016 zo g sich der Versicherte beim Verkehrsunfall vom 19. Mai 2016 ein stumpfes Thorax- un d Abdominaltrauma aufgrund einer Kontusion der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule (HWS , BWS, LWS) sowie der linken Schul- ter zu. 7.3 Laut Bericht des Spitals F.____ vom 21. November 20 16 wurden im MRI der HWS eine mässige Degeneration der HWK4-7 mit Bandscheibenprotr usionen, ein enges Neuroforamen C6 linksseitig mit möglicher Kompression unter Belastung , eine medio-linkslaterale Diskusext- rusion HWK6/7 ohne Wurzelaffektion und vermehrte Halslymphknoten festgestellt. 7.4 Am 30. November 2016 hielten die behandelnden Är zte des Spitals F.____ fest, dass sich beim Versicherten eine Instabilität der HWK4/5 sowie auf der Höhe der HWK5/6 eine Bandscheibenprotrusion mit Einengung der Nervenwurzel C6 zeige. Der Versicherte sei seit dem Unfall zu 100 % arbeitsunfähig. 7.5 Im Bericht des Spitals F.____ vom 15. Dezember 2016 wurde festgehalten, dass der elektrophysiologische Befund unauffällig sei. Auch klinisch -neurologisch würden sich keine ein- deutig objektivierbaren fokal-neurologischen Defizite fi nden, die eine eindeutige strukturelle Nervenkompression belegen würden. Aufgrund der intermi ttierend einschiessenden neuralgie- formen Schmerzen sei jedoch eine Irritation der Wurzel C6 links bei radikulärer Enge in dieser Höhe nicht vollständig auszuschliessen. Bei fehlender Besserung wäre ein operatives Vorgehen zu überlegen. 7.6 Am 4. April 2017 diagnostizierte Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatolo gie, ein chronisches Schmerzsyn- drom im Hinterkopf, Nacken und Armbereich links mehr al s rechts (ICD-10 M54.00) und einen Status nach Unfallereignis am 19. Mai 2016 (ICD-10 S13.4). Der Versicherte leide seit dem Un- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht fall unter einem fortgesetzten Schmerzsyndrom. Die Schme rzen seien nur wenig beeinflussbar, zudem diffus und unspezifisch. In der rheumatologischen Un tersuchung würden sich nicht kon- sistente, mehrfach widersprüchliche Befunde zeigen. Die durchgeführte Sonographie beider Schultergelenke sei unauffällig. Die Bildgebung der H WS zeige leichte bis höchstens mässige degenerative Veränderungen. Eine relevante Instabili tät sei auszuschliessen. Das Beschwer- debild sei aus rheumatologischer Sicht nicht zu erkläre n. Aufgrund der somatischen Untersu- chungsbefunde könne auch für Verweistätigkeiten seit Jan uar 2017 keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert werden. Für eine langfristige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit müsse allenfalls ein interdisziplinäres Gutachten in Betracht gezogen werden. 7.7 Die Unfallversicherung veranlasste eine polydisziplinär e (orthopädisch/traumatologisch- psychiatrisch-neurologische) Begutachtung bei der SMAB AG. Am 20. September 2017 diag- nostizierte die untersuchende Ärzteschaft ein stumpfes Thor ax- und Abdominaltrauma vom 19. Mai 2016 mit/bei Kontusion der HWS, BWS und LWS sowie der linken Schulter ohne Nachweis struktureller Verletzungen, eine chronische Z ervikobrachialgie linksbetont bei mässi- gen Degenerationen der mittleren und unteren HWS mi t medio-linkslateraler Diskushernie HWK6/7 und Neuroforamenenge C6 links, einen Gelenkschme rz in der linken Schulter mit de- monstrierter Funktionseinschränkung ohne Nachweis einer p osttraumatischen Verletzung oder Strukturveränderung und einen chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp. Im Vordergrund der Beschwerdesymptomatik stehe eine linksbetonte Zervikobra chialgie. Bei der klinischen Un- tersuchung würden die Funktionen der HWS und des Schu ltergelenks frühzeitig schmerzhaft und funktionseinschränkt demonstriert. Beim Versuch der passiven Weiterführung reagiere der Versicherte mit einer muskulären Gegenspannung. Eine mu skuläre Dysbalance, eine Atrophie oder Muskelumfangverminderungen hätten sich nicht nachwe isen lassen und würden somit eine Belastungsminderung der linken oberen Extremität a usschliessen. Im Bereich der linken Schulter seien keine strukturellen Verletzungen belegt. Konventionell-radiologisch würden sich keine Hinweise für eine zervikale ossäre Foraminalstenose und keine Instabilität/Listhesis erge- ben. Die radiologische Diagnostik des linken Schulterge lenks zeige zudem keine Hinweise auf eine Omarthose oder eine wesentliche AC-Arthrose. Eine Einengung des Subakrominalraums sowie Hinweise auf eine Tendinopathie oder eine postt raumatische ossäre Läsion seien eben- falls nicht festzustellen. Die dargestellten Funktionsein schränkungen liessen sich strukturell nicht erklären. Sie würden vielmehr auf einer bewusstsein snahen Einschränkung der Beweg- lichkeit basieren. Es sei davon auszugehen, dass eine Prell ung/Distorsion spätestens nach drei Wochen abgeheilt sei. Eine weitergehende Arbeitsunfähigkeit sei nicht unfallbedingt. Die neuro- logische Untersuchung zeige keine Ausfälle. Es würden we der eine zervikale Radikulopathie noch Zeichen einer Myelopathie vorliegen. Die chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp hätten keine fassbare organische Grundlage. Die Schilderung des Unfallhergangs ergäbe keine konkreten Hinweise auf eine milde traumatische Hirnverle tzung. Die in der Untersuchung fest- gestellte Verspannung der Nackenmuskulatur sei auf eine ausgeprägte Willküraktivität zurück- zuführen. Aus neurologischer Sicht sei die Arbeitsfähi gkeit nicht eingeschränkt. In psychiatri- scher Hinsicht würden sich ebenfalls keine relevanten Diag nosen ergeben. Die vom Versicher- ten angegebenen Konzentrations- und Gedächtnisstörungen hätten nicht verifiziert werden können. Seine Angaben seien in sich nicht konsistent. D ie durchgeführten Beschwerdevalidie- rungsverfahren hätten signifikant schlechtere Ergebniss e geliefert, was für ein zielgerichtetes Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vortäuschen einer nicht vorhandenen Symptomatik spreche. Eine psychiatrische Erklärung für die Auffälligkeiten gebe es nicht. Aufgrund der chron ischen Zervikobrachialgie linksbetont bei mässiggradigen Degenerationen der mittleren und unter en HWS sei der Versicherte in der zu- letzt ausgeübten Tätigkeit krankheitsbedingt im Umfang von 20 % eingeschränkt. Angepasste Verweistätigkeiten seien ihm aber uneingeschränkt zumutbar. 7.8 Der Versicherte war vom 11. bis 30. September 2017 in der Klinik für Schmerztherapie des Spitals F.____ hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 25. September 2017 wurden ein chro- nisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) und eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2) diagnostiziert. Der Versicher- te klage über andauernde Schmerzen und Schwindel bei der kleinsten Kopfbewegung. Eine klare depressive Symptomatik sei nicht festzustellen. Es sei nur einschränkt gelungen, ihn aus der eher passiven und abwertenden Haltung herauszubring en. Insbesondere im direkten Pati- entenkontakt und bei manuellen Untersuchungen habe si ch ein massiv erhöhter Muskeltonus mit fast vollständig eingeschränkter HWS-Beweglichkeit ge zeigt, was auch als Ausdruck einer massiven inneren Anspannung zu werten sei. Eine angepasste berufliche Tätigkeit sei zumut- bar. 7.9 Am 30. November 2017 diagnostizierte Dr. med. H.__ __, FMH Kinder- und Jugendme- dizin, ein chronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psych ischen Faktoren (ICD-10 F45.1) und eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2). Der Versicherte sei nicht arbeitsfähig. 7.10 Vom 8. bis 13. Januar 2018 war der Versicherte ern eut in der Klinik für Schmerztherapie des Spitals F.____ hospitalisiert. Am 10. Januar 2018 w urden ein chronisches Schmerzsyn- drom mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45. 41), eine Osteochondrose HWK4/5 und 5/6 mit möglicher Wurzelkompression C6 links u nter Belastung (ICD-10 M42.12), eine mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F32.1) und Kontaktanlässe mit Bezug auf an- dere psychosoziale Umstände bei psychosozialer Belastungssituati on (ICD-10 Z65) diagnosti- ziert. Der Versicherte sei weiterhin in seiner physisch und psychisch starren Haltung fixiert. Die finanzielle Notsituation unterhalte die Schmerzproblematik. 7.11 Im Bericht der Klinik I.____ vom 7. März 2018 wurd en eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.5) und eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) di- agnostiziert. Die angegebenen Schmerzen könnten nicht a usreichend durch eine somatische Ursache erklärt werden. Es sei zur Entwicklung einer mitt elgradigen depressiven Symptomatik gekommen mit deutlich bedrückter Stimmung, sozialem Rückzug, Freud- und Interesselosigkeit, Grübelneigung, ausgeprägter Schlafstörung und chronischen Suizidgedanken. 7.12 Im Bericht der Klinik I.____ vom 4. April 2018 wurde festgehalten, dass seit 19. Januar 2018 zwei Therapiesitzungen pro Monat durchgeführt würd en. Der Versicherte sei wach, be- wusstseinsklar und allseits orientiert. Die Auffassung und die Merkfähigkeit seien unauffällig. Er klage über Konzentrationsstörungen, Schwindel, Grübeln eigung und Zukunftsängste. Hinweise auf Zwang, Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen bestünden nicht. Die Stimmung sei Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dysphor gereizt, deprimiert, innerlich unruhig und klagsa m. Affektiv sei der Versicherte wenig schwingungsfähig und psychomotorisch deutlich angespannt. Er berichte über Suizidgedanken und Gedanken von fremdaggressivem Verhalten. Zurzeit b estünde eine vollständige Arbeitsun- fähigkeit. Eine Verbesserung der Beeinträchtigungen s ei möglich. Sie sei aber von der aktiven Kooperation des Versicherten abhängig. 7.13 Am 29. August 2018 nahm die RAD-Ärztin Dr. D.__ __ Stellung. Sie hielt fest, dass sämt- liche seit dem SMAB-Gutachten somatisch orientierten th erapeutischen Bemühungen erfolglos geblieben seien, was nicht überrasche, da für die geklagten Beschwerden kein klinisches Korre- lat vorhanden sei. Aufgrund der Degenerationen der m ittleren und unteren HWS sei aber eine Minderbelastbarkeit der HWS für schwere Arbeiten nachv ollziehbar. In einer adaptierten Tätig- keit sei die Arbeitsfähigkeit jedoch nicht eingeschränk t. Im Rahmen der bisherigen Begutach- tungen seien keine relevanten psychiatrischen Erkrankungen festgestellt worden. In Anbetracht der Invaliditätsüberzeugung des Versicherten, gepaart mit dem zielgerichteten Vortäuschen einer nicht vorhandenen Symptomatik, sei eine Verbesser ung der geklagten Beschwerden bei fortbestehendem Leistungsbegehren nicht zu erwarten. Dies sei im Gutachten der SMAB AG vom 20. September 2017 vorausgesagt und in den Berich ten des Spitals F.____ und der Klinik I.____ auch so bestätigt worden. Die Klinik I.____ best ätige die fixierte und starre Haltung des Versicherten bezüglich seiner Überzeugung, körperlich kra nk zu sein. Unter diesem Aspekt sei die von den behandelnden Ärzten postulierte mittelgra dige depressive Episode nicht nachvoll- ziehbar und fusse einzig auf den subjektiven Angaben des Versicherten. Eine Beschwerdevali- dierung sei weder vom Spital F.____ noch von der Klin ik I.____ durchgeführt worden. Es sei zu vermuten, dass weder das Spitals F.____ noch die Klinik I .____ den Inhalt des SMAB- Gutachtens vom 20. September 2017 kennen würden. Auf da s Gutachten des SMAB AG vom 20. September 2017 könne abgestellt werden. Es bestün den klare Hinweise für Aggravation und Simulation, weshalb sich eine Prüfung der Standartindikatoren erübrige. 7.14 Gemäss Bericht der Klinik I.____ vom 15. Oktober 2 018 befand sich der Versicherte vom 19. Januar 2018 bis 11. Oktober 2018 in ambulanter Behandlung. Diagnostiziert wurden eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) so wie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.5). Der Versicherte habe jeg liche aktivierenden therapeutischen Interventionen abgelehnt. Einem psychosomatischen Erklär ungsmodell sei er nicht zugänglich gewesen. Insgesamt habe der Eindruck bestanden, dass die r egelmässige Teilnahme an den Sitzungen vor allem durch den Wunsch des Versicherten motivi ert gewesen sei, einen entspre- chenden ärztlichen Bericht für die IV-Stelle und seine K rankenkasse zu erhalten. Auch einer medikamentösen antidepressiven Behandlung gegenüber ha be er sich skeptisch und ableh- nend gezeigt. Gesamthaft sei die Behandlung durch ma ngelnde Motivation und Kooperation des Versicherten gekennzeichnet. Im Verlauf der Therap ie habe sich eine deutliche Externali- sierungstendenz und eine hohe Kritikempfindlichkeit gezei gt, die für das Vorliegen einer nar- zisstischen Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 F61.1) sprech en würden. Eine psychothera- peutische Behandlung sei weiterhin indiziert. 7.15 Am 1. März 2019 nahm die RAD-Ärztin Dr. E.____ S tellung. Sie führte aus, im SMAB- Gutachten vom 20. September 2017 gebe es diverse Hinw eise auf maladaptives Verhalten oh- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ne Krankheitswert im Sinne von Aggravation und Simula tion. Es bestehe eine hohe Wahr- scheinlichkeit dafür, dass die behandelnden Ärzte der vom V ersicherten geschilderten Symp- tomatik eine höhere pathologische Bedeutung beigemessen hätten als die Gutachter. Weder die Ärzte des Spitals F.____ noch diejenigen der Klinik I.____ hätten Symptomvalidierungstests durchgeführt. Im Grunde beschreibe auch die Klinik I.__ __ zumindest eine Tendenz zur Symp- tomverdeutlichung. Es sei davon auszugehen, dass das Auftr eten des Versicherten im Spital F.____ Anfang 2018 vom Stand des Versicherungsverfahrens beeinflusst gewesen sei. Ferner spreche die Tatsache, dass der Versicherte – wie im Austritt sbericht vom 10. Januar 2018 aus- geführt – schnell und motiviert an den Gruppentherapi en teilnahm, gegen eine mittelgradige Depressivität. Auf das Gutachten der SMAB vom 20. Septem ber 2017 könne abgestellt und demgemäss davon ausgegangen werden, dass keine psychiatr ische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Es seien klare Hin weise auf Aggravation und Simulation vor- handen. 7.16 Am 5. März 2019 führte Dr. D.____ aus, aufgrund der Akten habe sich zu keinem Zeit- punkt eine Wurzelreizung C6 links objektivieren lassen. Vielmehr liessen sich bildgebend einzig mässige degenerative Veränderungen der HWS nachweisen. Diese würden das vom Versicher- ten geltend gemachte Ausmass der Beschwerden nicht erklär en und einzig bei schweren kör- perlichen Arbeiten qualitative Belastungseinschränkunge n begründen. Auf die Berichte der be- handelnden Ärzte könne nicht abgestellt werden. Für di e Beurteilung der Funktionsfähigkeit sei nicht der radiologische oder kernspintomographische Be fund entscheidend, sondern der objek- tive klinische Status. Dieser sei im SMAB-Gutachten klar dargelegt worden. Eine Nervenwurzel- kompression könne neurologisch, rheumatologisch und ortho pädisch ausgeschlossen werden. Ein Schwindel sei klinisch-objektiv nicht festgestellt word en. Weitere Abklärungen seien nicht angezeigt. 7.17 Der behandelnde Arzt Dr. med. J.____, FMH Psychiat rie und Psychotherapie, hielt am 25. Juni 2019 fest, dass er den Versicherten seit dem 18. Dezember 2018 psychiatrisch- psychotherapeutisch und medikamentös behandle. Er diagno stizierte eine seit Dezember 2018 bestehende rezidivierende depressive Störung, aktuell mitt elgradige Ausprägung, ohne somati- sches Syndrom (ICD-10 F33.10) und eine seit Januar 2018 bestehende anhaltende somatofor- me Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Der Versicherte sei vollständig arbeitsunfähig. 7.18 Am 1. Juli 2019 hielt Dr. E.____ fest, dass nie eine teilstationäre oder stationäre psychi- atrische Behandlung stattgefunden habe. Es könne aber sein, dass im Zeitraum vom 7. Februar 2018 bis 28. März 2018 passager eine mittelgradige Dep ressivität vorgelegen habe, wie dies in den Berichten vom 4. April 2018 und 7. März 2018 diag nostiziert worden sei. Im Zeitraum vom April 2018 bis November 2018 hätten höchstens sechs kürze re Therapiesitzungen stattgefun- den, weshalb davon auszugehen sei, dass keine gravierende psychische Morbidität vorgelegen habe. Nach Erhalt des Vorbescheids vom 3. Dezember 2018 h abe sich der Versicherte am 18. Dezember 2018 bei Dr. J.____ in Behandlung begeb en. Es sei von einer reaktiven Ver- schlechterung des Gesundheitszustands nach Erhalt des Vorb escheids auszugehen. Nach der Leistungsübersicht der Krankenkasse sei für den Zeitraum vom 18. Dezember 2018 bis 25. Februar 2019 von zwei Therapiestunden pro Monat au szugehen. In den Monaten März Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2019 und April 2019 sei jeweils nur noch eine Therapi esitzung durchgeführt worden, was für eine Besserung des Gesundheitszustands spreche. Im Berich t von Dr. J.____ vom 25. Juni 2019 würden IV-fremde Faktoren (finanzielle Engpässe) b eschrieben. Er habe wahrscheinlich nicht berücksichtigt, dass das maladaptive Verhalten des V ersicherten eine wesentliche Rolle spiele. 7.19 Am 4. Dezember 2019 führte Dr. J.____ aus, dass der Versicherte seine Behandlungs- termine regelmässig wahrnehme und die Medikamente zuve rlässig einnehme. Es sei zu einer leichten minimalen Stabilisierung der depressiven Grund erkrankung gekommen. Dazugekom- men sei ein Diabetes mellitus Typ II, begleitet von ei ner chronischen Müdigkeit. Im psychiatri- schen Gutachten sei die Behandlung des Versicherten in d er Klinik K.____ im Jahr 2009 nicht erwähnt worden. Ausserdem sei das Gutachten von der Unfa llversicherung erstellt worden. Der psychiatrische Gutachter habe keine Diagnose gestellt, obwohl beim Versicherten seit dem Jahr 2009 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung bekannt sei. Zu einer deutlichen Ver- schlechterung der depressiven Symptomatik sei es bereits i m Jahr 2018 gekommen, weshalb der Versicherte von Januar bis April 2018 in der Klinik I .____ in Behandlung gewesen sei. Die Beurteilung im psychiatrischen Gutachten der SMAB AG vom 20. September 2017 entspreche nicht der aktuellen Psychopathologie des Versicherten. Aus psychiatrischer Sicht bestünde wei- terhin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. 7.20 Am 17. Dezember 2019 führte Dr. E.____ aus, Dr. J.____ habe keine Symptomvalidie- rungstests durchgeführt. Zu beachten sei, dass sich der V ersicherte erst nach Erhalt des Vor- bescheids bei Dr. J.____ in Behandlung begeben habe. D as SMAB-Gutachten vom 20. September 2017 habe weiterhin Gültigkeit. Insbesondere sei davon auszugehen, dass Aus- schlussgründe in Form von Aggravation vorliegen würden. 7.21 Am 18. Dezember 2019 hielt Dr. D.____ fest, dass d ie vom Versicherten geltend ge- machten Beschwerden und Einschränkungen nicht objektivier t werden könnten. Mit dem SMAB-Gutachten vom 20. September 2017 sei unmissverständlich belegt, dass der Versicherte nicht vorhandene Symptome vorgetäuscht habe. 8.1 Die IV-Stelle ging in ihrer Verfügung vom 30. O ktober 2019 gestützt auf das von der Un- fallversicherung in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gu tachten der SMAB AG vom 20. September 2017 und die Beurteilungen der RAD-Är ztinnen Dres. D.____ und E.____ vom 29. August 2018, 1. März 2019 und 5. März 2019 davon a us, dass der Versicherte vom 19. Mai 2016 bis 19. August 2016 vollständig arbeitsunfähig war. Hernach bejahte sie aber eine Arbeits- fähigkeit von 100 % in einer angepassten Verweistätigkei t. Diese vorinstanzliche Beweiswürdi- gung, wonach dem SMAB AG vom 20. September 2017 vol ler Beweiswert zukomme, ist trotz der Kritik des Beschwerdeführers am Gutachten (vgl. dazu di e nachstehenden Erwägungen) im Ergebnis nicht zu beanstanden. Wie in Erwägung 5.3 hi ervor ausgeführt, prüft das Gericht frei, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurtei lung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht leuchtet und die Schlussfolgerungen begründet sind. Vor liegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Gutachten der SMAB AG vom 20. September 2017 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an ein e medizinische Beurtei- lungsgrundlage erfüllt. So weist es weder formale n och inhaltliche Mängel auf, ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.3 hiervor) – umfassend und beruht auf allseitigen Untersuchungen. Zwar erscheint das psychiatrische Teilgut achten teilweise etwas oberflächlich und knapp. Diese Unzulänglichkeiten vermögen aber letztl ich am Beweiswert des Gutachtens nichts zu ändern, weshalb darauf abgestellt werden kann. 8.2.1 Die Kritik des Beschwerdeführers am Gutachten der S MAB AG ist nicht geeignet, des- sen Beweiswert in Frage zu stellen. In formeller Hinsich t macht er zunächst geltend, auf das Gutachten könne schon deshalb nicht abgestellt werden, weil dieses von der Unfallversicherung veranlasst und nicht auf einer zufallsbasierten Auftragsve rgabe gemäss Art. 72 bis der Verord- nung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 bzw. dem dafür wegweisenden Entscheid des Bundesgerichts vom 28. Juni 2011 (BGE 137 V 210) erfolgt sei. Dieser Einwand ist nicht überzeugend. Zwar trifft es zu, dass das Guta chten von der Unfallversicherung in Auf- trag gegeben wurde und die Vergabe deshalb nicht zuf allsbasiert erfolgte. Dies bedeutet aber nicht, dass es im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahr en von vornherein unbeachtlich wä- re (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Februar 2012, 8C_ 360/2011 E. 4.1). Dies gilt vorliegend umso mehr, als die untersuchende Ärzteschaft der SMAB AG zwischen unfallbedingten und unfallfremden Beschwerden unterschieden und insgesamt e in umfassendes Bild über den Ge- sundheitszustand des Versicherten vermitteln. Dieses überz eugt – wie vorstehend in Erwägun- gen 8.1 dargelegt – sowohl in der Darlegung der med izinischen Zusammenhänge als auch be- züglich der daraus gezogenen Schlussfolgerung, wonach die Arbeitsfähigkeit in einer ange- passten Tätigkeit nicht eingeschränkt sei. Unter diesen Um ständen durfte die IV-Stelle, ohne den Untersuchungsgrundsatz zu verletzen, auf eine weite re Begutachtung verzichten und auf das von der Unfallversicherung veranlasste Gutachten abste llen. Soweit der Beschwerdeführer vermutet, dass ihm die Unfallversicherung am 19. April 2 017 nur solche Gutachterstellen zur Auswahl angeboten habe, mit denen sie ein gutes Einver nehmen habe und die erfahrungsge- mäss versicherungsfreundliche Beurteilungen abgeben würden, ist ihm entgegenzuhalten, dass er sich – damals vertreten durch seine Rechtsschutzversicheru ng – am 3. Mai 2017 mit der Be- gutachtung durch die SMAB AG ausdrücklich einverstanden erklärte. Anhaltspunkte dafür, dass sich die beteiligten Experten nicht von objektiven Kriter ien haben leiten lassen, sind aus den Akten nicht ersichtlich und werden auch nicht substantiiert dargetan. 8.2.2 Auch die materielle Kritik am Gutachten verfän gt nicht. Soweit der Beschwerdeführer in somatischer Hinsicht rügt, die Gutachter hätten die Arbe itsfähigkeit in der angestammten Tätig- keit nicht zuverlässig beurteilt, ist ihm entgegenzuhalte n, dass diese den Versicherten persön- lich untersuchten und ihre Beurteilung ein schlüssiges B ild über seinen physischen Gesund- heitszustand und die daraus resultierende Arbeitsfähig keit ergibt. Ihre Einschätzung stimmt mit der Beurteilung im Bericht von Dr. G.____ vom 4. Apri l 2017 insofern überein, als diese das Beschwerdebild aus rheumatologischer Sicht nicht zu erklä ren vermochte und aufgrund der somatischen Untersuchungsbefunde seit Januar 2017 keine Arbeitsunfähigkeit attestierte. Vor Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht diesem Hintergrund erscheint die Beurteilung im Gutacht en plausibel, wonach der Versicherte als selbständigerwerbender Automechaniker nur geringfügig eingeschränkt sei. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass bei der Beurteilung des L eistungsanspruchs ohnehin die me- dizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit massgebend ist. Weiter haben die Gutachter die vorhan- denen medizinischen Berichte betreffend die Degenerationen an der HWS gewürdigt und in die Beurteilung der Leistungsfähigkeit miteinbezogen. Soweit der Beschwerdeführer weitere Abklä- rungen in Bezug auf den geklagten Schwindel fordert, i st ihm entgegenzuhalten, dass diesbe- züglich weder die behandelnden Ärzte noch die Gutachte r eine vertiefte Untersuchung für nötig befunden haben. Schliesslich vermag auch die unterschiedli che Beurteilung des behandelnden Arztes Dr. H.____ vom 30. November 2017 die Beurteilu ng des somatischen Gesundheitszu- stands im Gutachten der SMAB AG nicht in Zweifel zu zie hen, benennt er doch keine bedeu- tenden Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkan nt oder ungewürdigt geblieben wä- ren. Insgesamt liegt nichts vor, was die Beurteilung des somatischen Gesundheitszustands im Gutachten der SMAB AG in Zweifel ziehen könnte. Ausserd em ergeben sich aus den vorlie- genden Unterlagen auch keine Hinweise dafür, dass sich d er somatische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Begutachtung durch die SM AB AG bis zum Erlass der ange- fochtenen Verfügung verändert hätte, weshalb in antizi pierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf weitere somatische Abklärungen verzich- tet und davon ausgegangen werden kann, dass dem Versiche rten aus somatischer Sicht ange- passte Verweistätigkeiten zu 100 % zumutbar sind. 8.2.3 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist auch die Beurteilung des psychi- schen Gesundheitszustands plausibel. Seine Behauptung, vo n den Experten nicht ernst ge- nommen worden zu sein und bereits im Zeitpunkt der Be gutachtung eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen aufgewiesen zu haben, entbehrt einer nachvollzieh- baren Grundlage. Aus der Feststellung des psychiatrischen Gutachters, wonach die durchge- führten Beschwerdevalidierungstests für ein zielgerichtete s Vortäuschen einer nicht vorhande- nen Symptomatik sprechen würden, kann entgegen der Au ffassung des Beschwerdeführers weder auf eine mangelnde Objektivität noch eine unzu verlässige Beurteilung geschlossen wer- den. Der psychiatrische Gutachter hat den Befund anhand der Klinik zu überprüfen und dessen Auswirkungen bei der Untersuchung substantiiert darzule gen. Dazu gehören insbesondere auch Angaben zum beobachteten Verhalten und Feststellu ngen über die Konsistenz der ge- machten Angaben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. M ai 2012, 8C_282/2012, E. 5). Ob, wie von der Beschwerdegegnerin angenommen, tatsächlich v on einer Aggravation bzw. von einer eigentlichen Simulation auszugehen ist, braucht vorliegend nicht abschliessend geklärt zu werden. Denn die Beurteilung im Gutachten, wonach de r Versicherte kein die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigendes psychisches Leiden aufweise, stimmt mi t derjenigen im Austrittsbericht Spi- tals F.____ vom 25. September 2017 insofern überein, als die behandelnden Ärzte (noch) keine klare depressive Symptomatik feststellen konnten und eine angepasste berufliche Tätigkeit als zumutbar erachteten. Bei dieser Sachlage ist ein strukt uriertes Beweisverfahren entbehrlich. Soweit der Beschwerdeführer weiter geltend macht, die Gutachter der SMAB AG hätten seine Behandlung in der Klinik K.____ im Jahr 2009 nicht b erücksichtigt, ist darauf hinzuweisen, dass kein entsprechender Bericht der Klinik K.____ aktenkund ig ist und auch im vorliegenden Be- schwerdeverfahren nicht beigebracht wurde. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Aufgrund der medizinischen Aktenlage kann indes nich t ausgeschlossen werden, dass sich der psychische Gesundheitszustand des Versicherten nach de r Begutachtung durch die SAMB AG bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 30. Oktober 2019 verändert ha- ben könnte. So wurde im Bericht des Spitals F.____ vom 1 0. Januar 2018 eine behandlungs- bedürftige mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F32. 1) diagnostiziert und im Bericht der Klinik I.____ vom 7. März 2018 darauf hingewiesen, da ss es im Frühjahr 2018 zur Entwicklung einer mittelgradigen depressiven Symptomatik (ICD-10 F3 2.1) mit deutlich gedrückter Stim- mung, sozialem Rückzug, Freud- und Interesselosigkeit, Grü belneigung, ausgeprägter Schlaf- störung und chronischen Suizidgedanken gekommen sei. Weiter wiesen die behandelnden Ärz- te der Klink I.____ am 4. April 2018 darauf hin, dass der Versicherte seit dem 19. Januar 2018 in Behandlung sei und attestierten eine vollständige Ar beitsunfähigkeit. Eine (vorübergehende) mittelgradige Depressivität im Frühjahr 2018 erachtete Dr. E.____ in ihrer Stellungnahme vom 1. Juli 2019 zwar als möglich, sie verneinte dann aber ab April 2018 eine gravierende psychi- sche Morbidität. Demgegenüber gingen die behandelnden Psychiater im Bericht vom 15. Okto- ber 2018 – trotz Hinweis auf mangelnde Motivation und Kooperation des Versicherten – weiter- hin von einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-1 0 F32.1) sowie einer anhaltenden so- matoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.5) aus. Auch Dr . J.____ bejahte eine behandlungs- bedürftige affektive Störung und attestierte eine voll ständige Arbeitsunfähigkeit. Ob nun ab Ja- nuar 2018 – wie vom RAD angenommen – (weiterhin) ei n maladaptives Verhalten des Versi- cherten ohne Krankheitswert im Sinne von Aggravation u nd Simulation zu bejahen ist, oder ob sich gemäss der Beurteilung der behandelnden Ärzte eine relevante Verschlechterung des Ge- sundheitszustands und der daraus resultieren Arbeitsfähigke it einstellte, kann aufgrund der wi- dersprüchlichen medizinischen Aktenlage nicht abschliessend b eurteilt werden. Es mag sein, dass die behandelnden Fachärzte bei der Einschätzung der Leistungsfähigkeit – wie der RAD zu bedenken gibt – auch den subjektiven Beschwerdeangaben des Versicherten Gewicht bei- gemessen haben. Zudem ist zu beachten, dass behandelnd e Ärzte im Hinblick auf ihre auf- tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mi tunter eher zugunsten ihres Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc), weshalb auch aus diesem Grund bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit nicht unbesehen auf ihre Einschä tzungen abgestellt werden kann. Ande- rerseits ist nicht zu übersehen, dass eine mittelgradige affektive Störung durchaus geeignet wäre, die Leistungsfähigkeit einzuschränken. Vor diesem Hintergrund bestehen zumindest ge- ringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit de r massgebenden Einschätzung des RAD, wonach sich der Gesundheitszustand seit der Begutach tung durch die SMAB AG nicht massgeblich verändert habe. Dies gilt vorliegend umso mehr, als der RAD den Beschwerdefüh- rer nie persönlich untersuchte. Da Zweifel an der Zuverl ässigkeit und Schlüssigkeit der von der Beschwerdegegnerin eingeholten und als massgeblich erac hteten versicherungsinternen Beur- teilung des RAD bestehen, kann nach dem oben Gesagten (vgl. E. 5.4 hiervor) bei diesem Be- weisergebnis nicht auf seine Beurteilung abgestellt wer den. So wie sich die Aktenlage präsen- tiert, ist der massgebende medizinische Sachverhalt im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG nicht ausreichend abgeklärt. Namentlich kann keine verlässliche Aussage bezüglich einer allfälligen relevanten Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustan ds des Versicherten seit der Begutachtung durch die SMAB AG im Sommer 2017 bis zu d er rund zwei Jahre danach erlas- senen Verfügung vom 30. Oktober 2019 gemacht werden. F olglich ist der rechtserhebliche Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt durch geeignete weitere medizinische Abklär ungen zu vervollständigen. Die ange- fochtene Verfügung vom 30. Oktober 2019 ist deshalb aufzu heben und es sind weitere medizi- nische Abklärungen vorzunehmen. 8.4 Rechtsprechungsgemäss können die Sozialversicherungsge richte nicht mehr frei ent- scheiden, ob sie eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst ei n Gerichtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gut- achtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Admin istrativexpertise in einem rechtserhebli- chen Punkt nicht beweiskräftig ist. Eine Rückweisung an di e IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bi sher vollständig ungeklärten Frage be- gründet ist oder wenn lediglich eine Klarstellung, Prä zisierung oder Ergänzung von gutachtli- chen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 ff. E. 4.4.1 ff.). Vorliegend erweist sich die der angefochtenen Verfügung vom 30. Oktober 2019 zug runde gelegte Beurteilung des RAD in Bezug auf den Gesundheitszustand und die Leistungsfähi gkeit des Versicherten für die Zeit nach der Begutachtung durch die SAMB AG als nicht bewei stauglich. Da es die IV-Stelle unter- liess, die diesbezüglich nötigen Abklärungen zu veranlassen, und es nicht Aufgabe des Kan- tonsgerichts ist, im Verwaltungsverfahren versäumte medi zinische Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz nichts entgege n. Nachdem die behandelnden Ärzte der Klinik I.____ im Bericht vom 7. März 2018 ausführte n, dass es im Frühjahr 2018 zur Ent- wicklung einer mittelgradigen depressiven Symptomatik (ICD-10 F32.1) gekommen sei, wird die IV-Stelle angehalten, den Verlauf der gesundheitlich en Entwicklung und die Leistungsfähigkeit des Versicherten ab Januar 2018 durch unabhängige versich erungsexterne medizinische Fachpersonen psychiatrisch abklären zu lassen. Ob für die Ze it nach dem 30. Oktober 2019 auch in somatischer Hinsicht weiterer Abklärungsbedarf best eht, wird sie im Rahmen der ihr obliegenden Untersuchungspflicht zu entscheiden haben. Gestützt auf die Ergebnisse der Ak- tenergänzung wird sie über den Leistungsanspruch des Ver sicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 9.1 Nach Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitw ert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfah- rensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer- legt. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Ange- legenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägu ngen und zum Erlass einer neuen Ver- fügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unte rliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). D ie ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- wer- den somit ihr auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird de r geleistete Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Ger icht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsach e und nach der Schwierigkeit des Prozes- ses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts genüg t für den bundesrechtlichen Anspruch auf eine Parteientschädigung auch ein formell es Obsiegen in dem Sinne, dass der Beschwerde führenden Person durch die Aufhebung der a ngefochtenen Verfügung und der Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abkl ärung und neuen Beurteilung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewahr t bleiben (BGE 132 V 215 E. 6.2). Nachdem die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur ern euten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, hat die se dem Beschwerdeführer eine Par- teientschädigung auszurichten. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Hono- rarnote vom 26. März 2020 einen Zeitaufwand von 17 St unden und 30 Minuten geltend ge- macht. Dieser Aufwand erweist sich in Anbetracht des Akte numfangs und der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen im Quervergleich mit ä hnlich gelagerten Fällen als zu hoch, weshalb mangels detaillierter Honorarnote eine pauschal e Kürzung vorzunehmen ist. Unter Berücksichtigung aller Umstände erscheint für das vorlieg ende Verfahren ein Aufwand von 14 Stunden als angemessen. Hinzu kommen die in der Hon orarnote ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 224.60. Somit ist dem Beschwerdeführ er für das vorliegende Beschwerde- verfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'011.40 (14 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen von Fr. 224.60 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 30. Oktober 2019 aufgeho- ben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Be schwerde- gegnerin zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdegegnerin auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss i n Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 4'011.40 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht