Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 9. November 2016 (810 16 177) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Regelung der elterlichen Sorge Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Bitterli , Rechtsanwalt gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Dr. Bernhard Isenring, Rechtsanwalt Betreff Regelung der elterlichen Sorge (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 18. Mai 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Eingabe vom 8. Januar 2015 beantragte C.____ bei der Kindes- und Erwachse- nenschutzbehörde B.____ (KESB) die gemeinsame elterliche Sorge über seinen Sohn, D.____, geboren 2006. B. In ihrem Schreiben an die Kindsmutter, A.____, vom 22. September 2015 hielt die KESB fest, dass der Antrag des Kindsvaters auf Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge vorerst sistiert worden sei, da sich die KESB zuerst auf d ie Aufgleisung und Organisation des Besuchsrechts zwischen D.____ und seinem Vater konzentriert habe. Das Verfahren betreffend die gemeinsame elterliche Sorge werde nun weiter gefü hrt und der Kindsmutter diesbezüglich das rechtliche Gehör gewährt. C. Die Kindsmutter, vertreten durch Daniel Bitterli, R echtsanwalt, reichte mit Schreiben vom 16. November 2015 ihre Stellungnahme zum Gesuch des Kindsvaters ein. Darin wurde im Wesentlichen festgehalten, dass der Kindsmutter mit Entsch eid des damaligen Kantonalen Vormundschaftsamtes vom 15. März 2011 auf Gesuch hin die alleinige elterliche Sorge zuge- sprochen worden sei, da das Zusammenwirken der Eltern im Interesse des Kindes nicht mehr möglich gewesen sei. Seit diesem Entscheid habe sich die S ituation zwischen den Kindseltern nicht verändert. Vielmehr liege ein chronifizierter Kon flikt sowie fehlende Kooperationsfähigkeit und fehlender Kooperationswille vor. Dem Kindsvater wür de es einzig darum gehen, jeden Schritt der Kindsmutter und jede noch so kleine Entscheidung überwachen und sein Veto einle- gen zu können. D. In seiner Stellungnahme vom 17. November 2015 hiel t C.____ im Wesentlichen fest, dass die Kooperations- und Kommunikationsunfähigkeit von der Kindsmutter selbst herbeige- führt worden sei und von ihr aufrechterhalten werde. E. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2015 setzte die KES B für D.____ eine Beiständin ein, um insbesondere die rechtlichen Interessen von D .____ im Verfahren bei der KESB betref- fend die Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge und der Ausgestaltung des Besuchs- rechts zu seinem Vater wahrzunehmen. Mit Eingabe vom 10. März 2016 nahm die eingesetzte Beiständin Stellung zum Antrag des Kindsvaters auf Erte ilung des gemeinsamen Sorgerechts und führte aus, dass D.____ die bestehende Konfliktsitua tion sowie die vorhandenen Spannun- gen zwischen den Kindseltern mitbekomme und darunter l eide. Es sei jedoch zu beobachten, dass sich die Situation zwischen den Kindseltern seit der T rennung der Kindsmutter von ihrem Ehemann zu entspannen scheine. Daher sei es angezeigt , den Entscheid betreffend die ge- meinsame elterliche Sorge zu sistieren. F. Die Kindsmutter, vertreten durch Daniel Bitterli, R echtsanwalt, hielt in einer weiteren Stellungnahme vom 28. April 2016 fest, dass dem Sistierungsantrag nicht gefolgt werden könne und möglichst zeitnah über das Gesuch des Kindsvaters zu entscheiden sei. G. Mit Entscheid der KESB vom 18. Mai 2015 [recte: 2016 ] wurde A.____ und C.____ das gemeinsame Sorgerecht über ihren Sohn D.____ mit Wir kung per 18. Mai 2016 zugesprochen (Ziffer 1). Zudem wurden die Kindseltern angewiesen, bei der E.____-Stiftung am 30. Mai 2016 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht in den Räumlichkeiten der Stiftung eine Mediationssitzung wahrzunehmen (Ziffer 2) und anläss- lich dieser Sitzung mindestens vier weitere Termine für Mediationssitzungen verbindlich abzu- machen (Ziffer 3). Die E.____-Stiftung wurde gebeten , der KESB mitzuteilen, ob und wann Me- diationstermine abgemacht worden seien (Ziffer 4). Die vorstehenden Anordnungen würden nicht mit einer Strafandrohung verbunden, falls nötig könne diese zu einem späteren Zeitpunkt verfügt werden (Ziffer 5). Es wurde darauf hingewiesen, dass nötigenfalls die KESB Mediations- termine festlegen werde (Ziffer 6). A.____ wurde die gesamte Erziehungsgutschrift für die Be- treuung von D.____ per 1. Januar 2017 angerechnet (Zi ffer 7). Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Ziffer 8). Z ur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die Kindseltern seit Ende 2015 direkt miteinander kommunizieren, einerseits durch die angeordnete Mediation und andererseits, um das Besuchsrecht zwischen D.____ und seinem Vater zu koordinieren. Um die positive Entwicklung in der Kommunikation zwischen den Eltern zu fördern, sei davon auszugehen, dass die Ertei lung der gemeinsamen Sorge diesen Prozess unterstützen werde, da die Eltern einerseits mehr miteinander kommunizieren müssten und andererseits die Frage des gemeinsamen Sorgerechts ge klärt sei und somit keinen Ein- fluss auf die weiteren Verhandlungen betreffend das Be suchsrecht habe. Die Eltern würden durch die angeordnete Mediation bei Bedarf auch in Fragen betreffend das gemeinsame Sorge- recht unterstützt. H. Gegen den Entscheid der KESB vom 18. Mai 2016 erh ob A.____, vertreten durch Da- niel Bitterli, mit Eingabe vom 20. Juni 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Es wurde b eantragt, der Entscheid der KESB betreffend die gemeinsame elterliche Sorge sei vollumf änglich aufzuheben und die alleinige Sorge bei der Beschwerdeführerin zu belassen. In verfah rensrechtlicher Hinsicht wurde bean- tragt, der vorliegenden Beschwerde sei in Bezug auf d en ganzen Entscheid die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen. I. Mit Eingabe vom 6. Juli 2016 reichte C.____, vertre ten durch Dr. Bernhard Isenring, Rechtsanwalt, seine Stellungnahme zum Verfahrensantrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung ein und beantragte die Abweisung des Antrags unter o/e-Kostenfolge. J. Die KESB liess sich mit Eingabe vom 7. Juli 2016 zum Ver fahrensantrag der Be- schwerdeführerin vernehmen und schloss auf Abweisung desselben unter o/e-Kostenfolge. K. Mit Verfügung vom 18. Juli 2016 wurde der Verfahr ensantrag der Beschwerdeführerin auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung gutg eheissen, soweit darauf eingetreten wurde, und der Beschwerde wurde bezüglich der Zusprech ung der gemeinsamen elterlichen Sorge die aufschiebende Wirkung erteilt. L. Der Kindsvater reichte mit Eingabe vom 3. August 201 6 seine Stellungnahme in der Hauptsache ein. Er beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen unter o/e-Kostenfolge. M. Mit Eingabe vom 4. August 2016 liess sich die KESB ver nehmen und schloss auf Ab- weisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht N. Mit Verfügung vom 22. August 2016 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über- wiesen und die Beschwerdeführerin sowie der Beschwerdege gner wurden zum persönlichen Erscheinen an der Parteiverhandlung verpflichtet. O. In ihrem Schreiben vom 20. September 2016 beantrag te die Beschwerdeführerin, es sei die auf den 9. November 2016 angesetzte Parteiverhan dlung abzubieten und auf ein ande- res Datum zu verschieben. Dieser Antrag wurde mit Schrei ben vom 22. September 2016 abge- wiesen und die Beschwerdeführerin darauf aufmerksam gem acht, dass sie wie in der Verfü- gung vom 22. August 2016 angeordnet zum persönlichen Erscheinen verpflichtet sei. P. In der Folge reichte die KESB dem Gericht laufend neue Akten (insbesondere E-Mail- Verkehr zwischen den Parteien betreffend Besuchsrechtsausüb ung, Unterhaltsvereinbarung und Anhörung von D.____) ein. Q. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung hielten d ie Parteien an ihren Anträgen und wesentlichen Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuch es (ZGB) vom 10. De- zember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen En tscheide einer Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 6 6 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB d as Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahre n richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des k antonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), d ie der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufheb ung oder Änderung des angefochte- nen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin i st als direkte Verfahrensbeteiligte zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen P rozessvoraussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. des Ge setzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfü llt sind, ist auf die Beschwerde unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung einzutreten. 1.2 Die Beschwerdeführerin beantragt in der Hauptsache die vollumfängliche Aufhebung des angefochtenen Entscheids vom 18. Mai 2016. Dieser Ant rag betrifft auch den verfügten Termin für eine Mediationssitzung am 30. Mai 2016, an welcher weitere Sitzungen zu vereinba- ren waren. Wie bereits in der Verfügung vom 18. Juli 2016 ausgeführt wurde, war dieser Termin bereits zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung verstrichen. Weiter wendet sich die Beschwer- deführerin (zumindest formell) dagegen, dass ihr die ge samte Erziehungsgutschrift für die Be- treuung ihres Sohnes per 1. Januar 2017 angerechnet wir d. Diesbezüglich ist kein aktuelles Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsschutzinteresse der Beschwerdeführerin ersichtlich und es fehlt zudem an einer rechts- genüglichen Beschwerdebegründung. Soweit das Verfügungs dispositiv des angefochtenen Entscheids lediglich Hinweise an die Eltern enthält, ge ht den entsprechenden Ausführungen von Vornherein die Verfügungsqualität ab. Materielle r Streitgegenstand ist demnach einzig die Zuteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge und es ist nur insoweit auf die Beschwerde einzu- treten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3.1 Die Beschwerdeführerin rügt in formeller Hinsicht d ie Verletzung des rechtlichen Ge- hörs. Sie bringt unter anderem vor, D.____ sei im Vorf eld des angefochtenen Entscheids von der KESB nicht in geeigneter Weise angehört worden. 3.2 Die KESB führt in ihrer Vernehmlassung dagegen a us, D.____ sei innerhalb des Ver- fahrens mehrmals persönlich angehört worden und befinde sich in einem besonders starken Loyalitätskonflikt gegenüber seinen Eltern, welcher es ihm beinahe verunmögliche, seinen wirk- lichen Willen zu äussern. Aus diesem Grund sei eine Pro zessbeistandschaft für D.____ errich- tet worden. 3.3 Gemäss des in Art. 12 Abs. 2 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes (UKRK) vom 20. November 1989 verankerten Grundsatzes sin d Kinder anzuhören, wenn ein Gerichts- oder Verwaltungsverfahren ihre Angelegenheiten betrifft (CHRISTOPH HÄFELI , Die Auf- hebung der elterlichen Obhut nach Art. 310 ZGB, in: Zeitschrift für Vormundschaftswesen [ZVW], 56 1-2/200 S. 111 ff., S. 122). Gemäss bundesg erichtlicher Praxis ist Art. 12 Abs. 2 UKRK direkt anwendbar (BGE 124 III 93 E. 3a). Die Anhörung dient einerseits der Wahrung der Persönlichkeitsrechte des Kindes und andererseits der Sachv erhaltsermittlung (K URT AFFOLTER -FRINGELI /U RS VOGEL , in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar zum schweize- rischen Privatrecht, Bern 2016, N 16 zu Art. 314a ZGB). Die rechtsanwendenden Behörden sind grundsätzlich jedoch nur dann verpflichtet, dem Kin d Gelegenheit zur Meinungsäusserung zu geben – und anschliessend diese Meinung auch angemess en zu berücksichtigen – wenn das Kind fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden (vgl. Art. 12 Abs. 2 und Abs. 1 UKRK). Als Richtlinie ist eine Kindesanhörung grundsätzlich ab dem vollendeten sechsten Altersjahr möglich (BGE 131 III 553 E. 1.2.3). Die Interessen ei nes Kindes können in vielerlei Verwal- tungs- und Gerichtsverfahren in irgendeiner Weise "berüh rt" sein, ohne dass sich deswegen eine Anhörung des Kindes sachlich rechtfertigen würde. D er konventionsrechtliche Anhörungs- anspruch muss sich vernünftigerweise auf Verfahren beschrän ken, in denen persönlichkeitsre- levante essentielle eigene Interessen des Kindes unmitte lbar auf dem Spiele stehen, wie dies insbesondere etwa bei Trennung des Kindes von seiner Fami lie (vgl. Art. 314a Abs. 1 ZGB [Verfahren bei Kindesschutzmassnahmen]) oder in eherecht lichen Verfahren (vgl. Art. 298 Abs. 1 ZPO) der Fall ist (A FFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 33 zu Art. 314a ZGB; Urteil des Bundesgerichts 5A_61/2008 vom 16. Juni 2008 E. 2.3). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Das Bundesgericht hat in seinem Entscheid vom 27. August 2015 festgehalten, dass es sich bei der Alleinzuteilung des Sorgerechts gemäss Art. 298 ff. ZGB nicht um einen Sorge- rechtsentzug in Form einer Kindesschutzmassnahme nach Art. 311 ZGB handelt, weshalb auch nicht der gleiche Massstab bzw. die gleichen Voraussetzunge n gelten (Urteil des Bundesge- richts 5A_923/2014 vom 27. August 2015). Aufgrund dieser bundesgerichtlichen Einordnung von Art. 298 ff. ZGB ist die Alleinzuteilung des Sorge rechts grundsätzlich nicht als Kindes- schutzmassnahme im Sinne von Art. 307 ff. ZGB anzusehen, weshalb vorliegend insbesondere die diesbezügliche Verfahrensbestimmung gemäss Art. 314a Abs. 1 ZGB, wonach das Kind im Rahmen von Kindesschutzmassnahmen durch die Kindesschutzbe hörde oder durch eine be- auftragte Drittperson in geeigneter Weise persönlich anzuhören ist, nicht zwingend anzuwenden ist. Weiter ist anzumerken, dass D.____ bei Erteilung de r gemeinsamen elterlichen Sorge bzw. bei Ausweitung der diesbezüglichen Entscheidkompetenz auf beide Elternteile nicht unmittelbar in seinen persönlichkeitsrelevanten essentiellen eigenen Interessen betroffen ist, sondern allen- falls erst durch die konkreten Entscheide als solche. Davon a bgesehen wurde für D.____ mit Entscheid der KESB vom 14. Dezember 2015 eine Vertre tungsbeistandschaft eingesetzt, wel- che insbesondere die Aufgabe erhalten hat, die rechtlichen Interessen von D.____ im Verfahren betreffend Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorg e wahrzunehmen. In ihrem Bericht vom 10. März 2016 führt die Vertretungsbeiständin sodann a us, dass sie mit D.____ Gespräche ge- führt und sich dieser dahingehend geäussert habe, dass er sich Ruhe und keine weiteren Strei- tereien zwischen seinen Eltern wünsche. Weiter ist dem Be richt zu entnehmen, dass sich D.____ in einem Loyalitätskonflikt befinde und die Spa nnungen zwischen den Eltern mitbe- komme. Durch den Bericht der Vertretungsbeiständin ist ei n grundlegender Standpunkt von D.____ auf diese Weise ins Verfahren eingeflossen und i n seiner Richtigkeit von den Parteien auch nicht angezweifelt worden. Die Rüge der Beschwer deführerin, das Anhörungsrecht von D.____ sei verletzt worden, ist somit unbegründet. Ent gegen der Behauptung der Beschwerde- führerin ist nach dem Gesagten zudem erstellt, dass der Untersuchungsgrundsatz von der Vo- rinstanz nicht verletzt wurde bzw. der Sachverhalt nicht f alsch oder ungenügend festgestellt wurde. 4.1 In formeller Hinsicht bemängelt die Beschwerdeführ erin zudem, dass ihr Recht auf Akteneinsicht verletzt worden sei, indem ihr die Verfahre nsakten betreffend die Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge nicht zugestellt worden seien. 4.2 Die KESB macht diesbezüglich in ihrer Vernehmlassung geltend, dass die Beschwer- deführerin ein Gesuch um Akteneinsicht lediglich in Bez ug auf das Verfahren betreffend Be- suchsrecht gestellt habe, jedoch nicht im Verfahren zur Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge. Andernfalls wären die Akten umgehend zugestellt worden. 4.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich zunäch st aus Art. 29 Abs. 2 der Bun- desverfassung (BV) vom 18. April 1999. Er umfasst die Rechte der Parteien auf Teilnahme am Verfahren und auf Einflussnahme auf den Prozess der En tscheidfindung. In diesem Sinne dient das rechtliche Gehör einerseits der Sachaufklärung, ander erseits stellt es ein persönlichkeits- bezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar , welcher in die Rechtsstellung Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Einzelnen eingreift. Dazu gehört das Recht des Betrof fenen, sich vor Erlass eines Ent- scheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubrin gen, Einsicht in die Akten zu neh- men, mit erheblichen Beweisen entweder mitzuwirken ode r sich zumindest zum Beweisergeb- nis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 370, BGE 127 I 56, BGE 122 II 469, je mit Hinweisen). Das Akten einsichtsrecht ist somit ein Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör und solange ein Ver waltungsverfahren hängig und die Rechtsmittelfrist noch nicht abgelaufen ist, hat eine Par tei grundsätzlich Anspruch darauf, von der Verwaltung Einsicht in alle entscheidwesentlichen A kten zu erhalten. Wird im Beschwerde- fall Akteneinsicht verlangt, obliegt die Entscheidung über das Einsichtsbegehren der Rechtsmit- telinstanz. 4.4 Aus der Beschwerdebegründung geht hervor, dass der Beschwerdeführerin vor Ablauf der Rechtsmittelfrist und vor Einreichen der Beschwerde v on der KESB unaufgefordert Akten zugestellt worden sind (vgl. Beschwerdebegründung S. 10 ). Aus den vorliegenden Akten ist zudem ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin am 3. Juni 2 016 in Bezug auf den Entscheid der KESB vom 27. Mai 2015 betreffend das Besuchsrecht ei ne persönliche Anhörung unter vorgängiger sofortiger Zustellung der Verfahrensakten beantragt hat. Diesem Gesuch ist die KESB am 23. Juni 2016, also unmittelbar nach Ablauf der Beschwerdefrist für die Anfechtung des Entscheids vom 18. Mai 2016 betreffend die gemeinsame elterliche Sorge und nach Einrei- chung der entsprechenden Beschwerde am 20. Juni 2016, n achgekommen und hat der Be- schwerdeführerin die Verfahrensakten zur Einsichtnahme zu gestellt. Die KESB durfte aufgrund des thematischen Zusammenhangs des Gesuchs vom 3. Juni 201 6 zu Recht davon ausgehen, dass sich das Akteneinsichtsgesuch nicht auf die laufende Re chtsmittelfrist betreffend den Ent- scheid über die gemeinsame elterliche Sorge bezog. Offensichtlich war die Beschwerdeführerin durchaus in der Lage, ihre Beschwerde ausreichend zu begründen. Eine Verletzung des Akten- einsichtsrechts liegt demzufolge nicht vor. Selbst wenn im Vorgehen der KESB eine Gehörsver- letzung erkannt würde, kann diese nicht als schwerwiege nd qualifiziert werden. Sie wäre im vorliegenden Beschwerdeverfahren, in dem das Kantonsgeri cht den rechtserheblichen Sach- verhalt umfassend sowie die Rechtslage mit voller Kogniti on zu überprüfen hat, geheilt worden. So wurden der Beschwerdeführerin am 23. Juni 2016 die Verfahrensakten zur Einsichtnahme zugestellt. Im Rahmen eines mehrfachen Schriftenwechsels und anlässlich der heutigen Partei- verhandlung hatte die Beschwerdeführerin ausreichend Ge legenheit, ihre Anträge zu begrün- den bzw. sich in Kenntnis sämtlicher relevanter Akten zum an gefochtenen Entscheid sowie zu den umstrittenen Fragen zu äussern. Von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz al- lein zur Gewährung des rechtlichen Gehörs wäre daher abzusehen gewesen. 5.1 Im Zusammenhang mit ihrer Rüge der Verletzung des Gehörsanspruchs moniert die Beschwerdeführerin zudem, die KESB hätte mehrfach inf ormelle Gespräche mit dem Kindsva- ter geführt und in ihrem Entscheid auf diese Gespräche abgestellt. Zum einen habe die KESB beim Beschwerdegegner eine “Nachfrage“ getätigt und d iese nicht protokolliert. Zum anderen habe die KESB in ihrem Entscheid auf eine unwahre Au ssage des Beschwerdegegners abge- stellt, wonach dieser in seinem Blog im Internet den N amen und die Bilder von D.____ anony- misiert habe. Entgegen der Darstellung im angefochtenen Entscheid habe der Beschwerdegeg- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ner jedoch bis zur Intervention der Beschwerdeführerin im Internet einen nicht anonymisierten Blog über D.____ betrieben. 5.2 Die KESB verneint in ihrer Vernehmlassung das Führe n von inoffiziellen Gesprächen mit dem Beschwerdegegner. Sie habe beim Beschwerdegeg ner einzig nachgefragt, ob dieser eine Strafanzeige eingereicht habe. Diesbezüglich sei die Beschwerdeführerin jedoch bereits durch die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltsch aft vom 26. Oktober 2015 infor- miert gewesen. Zudem existiere der betreffende Blog über D.____ nicht mehr. 5.3 Vorliegend ist nicht ersichtlich und wird von der Be schwerdeführerin auch nicht sub- stantiiert vorgebracht, inwiefern diese fragliche Nachfr age beim Beschwerdegegner den Ent- scheid der KESB wesentlich beeinflusst hat und was die Beschwerdeführerin – abgesehen von ihrem Vorwurf der Befangenheit (vgl. E. 6.1) – zu ih ren Gunsten daraus ableiten möchte. Glei- ches gilt in Bezug auf das Vorbringen der Beschwerdeführerin zum Internet Blog über D.____. 5.4 Zusammenfassend ist aufgrund der vorstehenden Erwägu ngen erstellt, dass die Rüge der Beschwerdeführerin, ihr Anspruch auf rechtliches Ge hör sei verletzt worden, in jeder Hin- sicht unbegründet ist. 6.1 Mit ihren Vorbringen betreffend die Rügen der G ehörsverletzung versucht die Be- schwerdeführerin gleichzeitig aufzuzeigen, dass ihr Anspr uch auf ein faires Verfahren durch eine unabhängige und unparteiische Behörde verletzt wor den sei. Die Beschwerdeführerin be- antragt für den Fall einer Rückweisung der Angelegenhe it an die KESB, dass der Präsident der KESB in den Ausstand zu treten habe. 6.2 In ihrer Vernehmlassung vom 4. August 2016 bestreit et die KESB jede Verletzung des Gehörsanspruchs und führt aus, dass das gesamte Verfahren einer unabhängigen, unpartei- ischen Beurteilung unterlegen sei und die Parteien gleich behandelt worden seien. 6.3 Voreingenommenheit und Befangenheit werden nach der Rechtsprechung angenom- men, wenn im Einzelfall anhand aller tatsächlichen und verfahrensrechtlichen Umstände Gege- benheiten aufscheinen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit des Behördenver- treters zu erwecken. Dabei ist nicht auf das subjektive Em pfinden einer Partei abzustellen. Das Misstrauen in die Unvoreingenommenheit muss vielmehr in objektiver Weise begründet er- scheinen (BGE 140 III 221 E. 4.1; BGE 139 III 433 E. 2.1.1; BGE 134 I 238 E. 2.1). Solche Um- stände können entweder in einem bestimmten Verhalten der Person oder in gewissen äusseren Gegebenheiten funktioneller oder organisatorischer Nat ur begründet sein. Insbesondere kann das Verhalten eines Behördenvertreters gegenüber einer Partei die Unparteilichkeit als gefähr- det erscheinen lassen und den Anschein der Befangenheit erwecken, wenn daraus nach objek- tiver Betrachtung inhaltlich oder durch die Art der Kommunikation auf besondere Sympathien oder Antipathien oder eine Ungleichbehandlung der Pa rteien geschlossen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 4P.254/2006 vom 6. Dezember 2006 E. 2.2). Mit der Tätigkeit der Amts- person, insbesondere der Verfahrensleitung, ist untrennbar verbunden, dass sie über Fragen zu entscheiden hat, die oft kontrovers oder weitgehend in ihr Ermessen gestellt sind. Selbst wenn Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich die im Rahmen der normalen Ausübung ihres Amtes ge troffenen Entscheide oder organi- satorischen Anordnungen als falsch erweisen, lässt das nich t an sich schon auf eine Parteilich- keit schliessen (Urteil des Bundesgerichts 2C_1/2011 vom 7 . April 2011 E. 4.2; BGE 125 I 119 E. 3e). 6.4 Wie vorstehend ausgeführt, wurde der Gehörsanspruc h der Beschwerdeführerin im Verfahren vor der KESB nicht verletzt. Selbst wenn j edoch von einer Gehörsverletzung ausge- gangen würde, so würden die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Vorkommnisse keinen Ausstandsgrund darstellen oder den Anschein der Be fangenheit erwecken. Die behaup- teten Begebenheiten stellen keine besonders krassen Verfah rensfehler dar, welche einer schweren Amtspflichtverletzung im oben beschriebenen Sin n gleichkommen (vgl. E. 6.3). Ent- gegen der Annahme der Beschwerdeführerin indiziert au ch das Ansetzen von Mediationstermi- nen ohne Absprache mit den Parteien keine Befangenheit der KESB. Hinweise für eine Bevor- zugung des Beschwerdegegners bzw. für eine Ungleichbehan dlung der Parteien lassen sich weder aus den Vorbringen der Parteien noch aus den vor liegenden Akten entnehmen. Aus der von der Beschwerdeführerin bemängelten Verfahrensführ ung der KESB bzw. des Präsidenten der KESB lässt sich der Vorwurf der Befangenheit demzufo lge nicht erhärten und ihre dahinge- hende Rüge ist unbegründet. 6.5 Schliesslich macht die Beschwerdeführerin geltend, der Spruchkörper der KESB sei im Rahmen des vorliegend angefochtenen Entscheids nicht richt ig zusammengesetzt gewesen. Der Entscheid hätte durch einen Spruchköper mit fünf ans tatt drei Mitgliedern gefällt werden müssen. Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin war der Spruchkörper der KESB mit drei Mitgliedern jedoch im Rahmen des angefochten en Entscheids rechtsgenüglich zusam- mengesetzt (vgl. § 63 Abs. 2 lit. a EG ZGB i.V.m. § 5 Abs. 1 des Vertrags über die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Kreis B.____). 7. In der Hauptsache ist in materieller Hinsicht weite r zu prüfen, ob die Vorinstanz den Kindseltern zu Recht die gemeinsame elterliche Sorge über D.____ übertragen hat. 7.1 Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpun kt, dass vorliegend die Vorausset- zungen von Art. 298d ZGB und nicht diejenigen von Art. 298b ZGB zur Anwendung kommen. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, dass ihr mi t Entscheid des kantonalen Vor- mundschaftsamtes vom 15. März 2011 das alleinige Sorge recht über D.____ zugesprochen und damit die ursprüngliche Vereinbarung zwischen den K indseltern vom 28. September 2006 aufgehoben worden sei, in welcher sie das gemeinsame S orgerecht vereinbart hätten. Vorlie- gend handle es sich somit nicht um den für Art. 298b ZG B vorgesehenen Fall, welcher denjeni- gen Vätern die Möglichkeit zur gemeinsamen elterlichen S orge gebe, die bisher von Gesetzes wegen in Anwendung von Art. 298 Abs. 1 aZGB davon aus geschlossen gewesen seien. Sinn und Zweck des Art. 298b ZGB sei somit nicht, sämtliche bisherigen Entscheide bezüglich der elterlichen Sorge revidieren zu können. Dementsprechend seien vorliegend für die Erteilung der gemeinsamen Sorge die Voraussetzungen gemäss Art. 298d ZGB zu prüfen und nicht diejeni- gen von Art. 298b ZGB. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Demgegenüber führt der Beschwerdegegner aus, es komm e nicht darauf an, weshalb ein Elternteil die elterliche Sorge nicht habe, um di ese im Sinne von Art. 298b ZGB i.V.m. Art. 12 Abs. 4 SchlT ZGB wieder zu erlangen. Darauf weise auch Art. 12 Abs. 5 SchlT ZGB hin, welcher festhalte, dass auch bei durch Scheidung entzog ener elterlicher Sorge der nicht mehr über diese verfügende Elternteil das gemeinsame Sorgerecht wieder beantragen könne. 7.3 Die Vorinstanz hält hierzu in ihrer Vernehmlassung vom 4. August 2016 fest, dass für die Anwendbarkeit von Art. 12 Abs. 4 SchlT ZGB ledigli ch ausschlaggebend sei, ob zum Zeit- punkt des Inkrafttretens der Gesetzesrevision die elterliche Sorge nur bei einem Elternteil liege. Dabei sei nicht von Belang, ob in einem vorhergegangen en Verfahren die elterliche Sorge ent- zogen oder diese nie erteilt worden sei. Andernfalls w ürde dies zu einer Ungleichbehandlung von unverheirateten Eltern führen, was durch die Revision gerade nicht mehr gewollt sei. 7.4 Die elterliche Sorge dient dem Wohl des Kindes (A rt. 296 Abs. 1 ZGB). Sie umfasst die Gesamtheit der elterlichen Verantwortlichkeiten und Befugnisse in Bezug auf das Kind, d.h. die Bestimmung des Aufenthaltsorts, die Erziehung und d ie gesetzliche Vertretung des Kindes sowie die Verwaltung seines Vermögens (I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilge setzbuch I, Art. 1 - 456, 5. Auflage, Ba- sel 2014, N 2 zu Art. 296). Die Eltern leiten mit Bl ick auf das Wohl des Kindes seine Pflege und Erziehung und treffen unter Vorbehalt seiner eigenen Handlungsfähigkeit die nötigen Entschei- dungen (Art. 301 Abs. 1 ZGB), d.h. die Eltern üben ihre Entscheidungskompetenz grundsätzlich gemeinsam aus. Um allfällige Streitigkeiten um alltä gliche Angelegenheiten zu vermeiden, wur- de dem betreuenden Elternteil mit Art. 301 Abs. 1 bis ZGB eine Alleinentscheidungskompetenz eingeräumt. Danach kann der Elternteil, der das Kind betreut, allein entscheiden, wenn die An- gelegenheit alltäglich oder dringlich ist (Ziffer 1) oder der andere Elternteil nicht mit vernünfti- gem Aufwand zu erreichen ist (Ziffer 2). Als alltäglich gelten Entscheidungen über Ernährung, Bekleidung und Freizeitgestaltung des Kindes. Nicht allt äglichen Charakter haben Angelegen- heiten, die das Leben des Kindes in einschneidender Wei se prägen, beispielsweise der Wech- sel der Schule oder der Konfession des Kindes, medizinische Eingriffe, die Ausübung von Hochleistungssport oder die dauerhafte Übertragung der Tagesbetreuung des Kindes auf Dritte (AFFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 30 zu Art. 301 ZGB ). Sind sich die Eltern uneinig, sind sie gehalten, mit allen Mitteln (Vermittlung, Be ratung) eine Einigung zu erzielen. Kein El- ternteil hat den Stichentscheid und es ist ebenfalls ni cht die Aufgabe der KESB, anstelle der Eltern zu entscheiden (U RS GLOOR /B ARBARA UMBRICHT LUKAS , in: Fountoulakis/Affolter- Fringeli/Biderbost/Steck [Hrsg.], Kindes- und Erwachsenen schutzrecht, Zürich 2016, N. 13.9). Ein hoheitlicher Eingriff ist nur möglich, wenn die Un einigkeit der Eltern das Kindeswohl gefähr- det (GLOOR /U MBRICHT LUKAS , a.a.O., N. 13.27 und 13.31). 7.5 Nach der per 1. Juli 2014 in Kraft getretenen So rgerechtsnovelle steht den Eltern die Sorge über ihre Kinder gemeinsam zu (Art. 296 Abs. 2, Art. 298a Abs. 1, Art. 298b Abs. 2 und Art. 298d Abs. 1 ZGB). Die gemeinsame elterliche Sorg e unabhängig vom Zivilstand der Eltern stellt nach dem Willen des Gesetzgebers den Grundsatz dar und die Zuteilung oder Belassung der Alleinsorge muss die eng begrenzte Ausnahme bleiben (Urteil 5A_923/2014 vom 27. Au- gust 2015 E. 4.7). Stand bei Inkrafttreten der Änderu ng vom 21. Juni 2013 die elterliche Sorge Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht nur einem Elternteil zu, so sieht Art. 12 Abs. 4 SchlT ZGB vor, dass sich der andere Elternteil binnen Jahresfrist nach Inkrafttreten dieser Änderung mit dem Antrag auf Verfügung der ge- meinsamen elterlichen Sorge an die zuständige Behörde wenden kann. Art. 298b ZGB findet sinngemäss Anwendung. Art. 298b Abs. 2 ZGB hält sodann fest, dass die Kindesschutzbehörde die gemeinsame elterliche Sorge verfügt, sofern nicht zu r Wahrung des Kindeswohls an der alleinigen elterlichen Sorge der Mutter festzuhalten oder die alleinige elterliche Sorge dem Vater zu übertragen ist. Die massgebende Leitlinie für die Zuteilung der elterlichen Sorge ist demnach das Kindeswohl und neu ist die Möglichkeit der gemeinsam en elterlichen Sorge bei unverheira- teten Eltern gegen den Willen eines Elternteils vorge sehen (SCHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 1 zu Art. 298b). 7.6 Art. 298d sieht für unverheiratete Eltern die Mö glichkeit der Abänderung der Zuteilung der elterlichen Sorge wegen Veränderung der Verhältn isse vor. Diese Bestimmung kommt ge- nauso zur Anwendung, wenn aufgrund einer Erklärung na ch Art. 298a ZGB die gemeinsame elterliche Sorge besteht und sich die Verhältnisse veränd ert haben, wie zur Abänderung eines behördlichen Entscheids nach Art. 298b ZGB (S CHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 1 zu Art. 298d). Die Neuregelung der elterlichen Sorge ist nur möglich bei wesentlichen Veränderungen der Verhältnisse und zur Wahrung des Kindeswohls. Ob eine w esentliche Veränderung vorliegt, beurteilt sich aufgrund sämtlicher Umstände des konkrete n Einzelfalls (Urteil des Bundesge- richts 5C.34/2006 vom 27. Juni 2006 E.1.1). Die Beurte ilung mit Blick auf das Kindeswohl ent- spricht derjenigen bei der Regelung des Sorgerechts im Rahmen von Art. 298b ZGB. Im Abän- derungsverfahren nach Art. 298d ist ebenfalls der Wechsel von der Alleinsorge eines Elternteils zur gemeinsamen Sorge oder zur Alleinsorge des anderen Elternteils möglich. Diesfalls ist vo- rausgesetzt, dass die bisherige Zuteilung nicht mehr mit dem Kindeswohl vereinbar ist bzw. die Beibehaltung der geltenden Regelung das Wohl des Kind es ernsthaft zu gefährden droht (SCHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 4 zu Art. 298d mit weiteren Hinweisen). 7.7 Vorliegend geht es um die Abänderung eines behör dlichen Entscheids, mit welchem der Beschwerdeführerin das alleinige Sorgerecht über D.____ zugesprochen wurde. In rechtli- cher Hinsicht liegt somit ein Fall von Art. 298d Abs. 1 ZGB vor. Aufgrund der vorstehenden Aus- führungen (E. 7.6) bzw. der analogen Norminhalte ist davon auszugehen, dass Art. 298d Abs. 1 ZGB, welcher erst im Parlament ins Spiel kam und über welchen keine Diskussion stattfand, die gleiche Intensität an Beeinträchtigung des Kindeswohls im Auge hat wie für Art. 298 Abs. 1 und Art. 298b Abs. 2 ZGB (Urteil des Bundesgerichts 5A_92 3/2014 vom 27. August 2015 E. 4.3). Das Bundesgericht hat in seinem Entscheid vom 27. August 2015 sodann festgehalten, dass für die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge gemäss Art. 298 ff. ZGB nicht die gleichen Vorausset- zungen wie für den auf Art. 311 ZGB gestützten Entzug des Sorgerechts gelten (vgl. E. 3.4). Vielmehr kann beispielsweise auch ein schwerwiegender el terlicher Dauerkonflikt oder die an- haltende Kommunikationsunfähigkeit eine Alleinzuteilung des Sorgerechts gebieten, wenn sich der Mangel negativ auf das Kindeswohl auswirkt und von ei ner Alleinzuteilung eine Verbesse- rung erwartet werden kann (Urteil des Bundesgerichts 5A _923/2014 vom 27. August 2015 E. 4.6). Erforderlich ist aber in jedem Fall eine Erh eblichkeit und Chronizität des Konflikts oder der gestörten Kommunikation; punktuelle Auseinanderset zungen oder Meinungsverschieden- heiten, wie sie in allen Familien vorkommen und insbeso ndere mit einer Trennung oder Schei- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dung einhergehen können, können angesichts des mit der Gesetzesnovelle klarerweise ange- strebten Paradigmenwechsels nicht Anlass für eine Allein zuteilung des elterlichen Sorgerechts sein. Die Alleinzuteilung des elterlichen Sorgerechts mu ss eine eng begrenzte Ausnahme blei- ben (Urteile des Bundesgerichts 5A_923/2014 vom 27. Au gust 2015 E. 4.7; 5A_202/2015 vom 26. November 2015 E. 3.3). 7.8 Daraus ergibt sich, dass bei einem Wechsel von der gem einsamen elterlichen Sorge zur Alleinsorge eines Elternteils für die Intensität der Kindeswohlbeeinträchtigung gemäss Art. 298d ZGB die gleichen Voraussetzungen bestehen w ie bei Art. 298b Abs. 2 ZGB (AFFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 10 zu Art. 298d ZGB). Gleiches muss für den vorliegen- den Fall gelten, wo die gemeinsame elterliche Sorge ve reinbart, später zu Gunsten der Allein- sorge entzogen worden und jetzt die Erteilung der gemeinsamen elterliche Sorge erneut zu prü- fen ist. Würden auch in einem solchen Fall die strenge ren Voraussetzungen gemäss Art. 298d gelten, wonach ein Wechsel zur gemeinsamen Sorge vorau ssetzt, dass die Beibehaltung der Alleinsorge das Wohl des Kindes ernsthaft zu gefährden droht bzw. diese dem Kind mehr scha- det als ihre Änderung und der damit verbundene Verl ust an Kontinuität in der Erziehung und den Lebensumständen (SCHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 4 zu Art. 298d mit weiteren Hinweisen), wäre eine Rückkehr zur gemeinsamen Sorge in der vorliegen den Konstellation kaum je wieder möglich. Dies würde dazu führen, dass sich die Verhältni sse beim nichtsorgeberechtigten El- ternteil seit dem Wechsel zur Alleinsorge zwar wesentlich zu seinen Gunsten geändert haben mögen, ohne Vorliegen einer ernsthaften Kindswohlgefä hrdung beim sorgeberechtigen Eltern- teil ein Wechsel zur gemeinsamen elterlichen Sorge jedo ch nicht möglich ist. Diese Umstände können mit Blick auf den Paradigmenwechsel zum Grundsat z der gemeinsamen elterlichen Sorge vom Gesetzgeber nicht beabsichtigt worden sein (vg l. E. 7.5). Vorliegend sind im Rah- men des Art. 298d Abs. 1 ZGB somit neben der Voraussetz ung der wesentlichen Änderung der Verhältnisse seit Erteilung der Alleinsorge an die Be schwerdeführerin die Kriterien zur Übertra- gung der alleinigen Sorge nach Art. 298b Abs. 2 ZGB entsprechend anzuwenden. 8.1 Im Licht der dargestellten Grundsätze ist zu prüfen, ob die KESB den Kindseltern zu Recht die gemeinsame elterliche Sorge über D.____ zugesprochen und damit die mit Entscheid vom 15. März 2011 verfügte Alleinsorge der Beschwerdeführerin aufgehoben hat. 8.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sich die Kommunikations- und Kooperati- onsfähigkeit des Kindsvaters in keiner Weise geändert hä tten und beides entgegen den Erwä- gungen der KESB nach wie vor nicht gegeben sei. Der Kindsvater habe in der Vergangenheit keine Gelegenheit ausgelassen, im Rahmen von Erziehungs fragen (Einschulung und Medikati- on von D.____) sowohl gegen die Beschwerdeführerin als auch gegen weitere Beteiligte unzäh- lige Verfahren einzuleiten, um die Beschwerdeführerin in der Ausübung der elterlichen Sorge in querulatorischer Art und Weise zu behindern. Hinzu komme , dass der Kindsvater anstatt des geschuldeten Kinderunterhalts von monatlich Fr. 1‘374.-- lediglich Fr. 350.-- bezahle. 8.3 Der Beschwerdegegner führt aus, entgegen den Vor bringen der Beschwerdeführerin würde zwischen den Kindseltern weder ein schwerwiegender elterlicher Dauerkonflikt noch eine anhaltende Kommunikationsunfähigkeit bestehen. Vielmehr finde seit einiger Zeit zwischen den Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kindseltern Kommunikation statt, welche es ermögliche, Besuchs- und Ferientermine von D.____ zu vereinbaren. 8.4 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid dahingehen d, dass die Kindseltern seit Ende 2015 direkt miteinander kommunizieren würden, einersei ts durch die angeordnete Mediation und andererseits, um das Besuchsrecht zwischen D.____ und s einem Vater zu koordinieren. Aus den Akten gehe überdies nicht hervor, dass der Kin dsvater aus rechtsmissbräuchlichen Gründen das gemeinsame Sorgerecht beantrage, vielmehr entstehe der Eindruck, dass er an seinem Sohn interessiert sei und an dessen Leben teilhaben wolle. Zudem stehe der Kindsvater zurzeit wieder als Pilot unter Vertrag und es sei anzuneh men, dass er mehr Unterhalt bezahlen werde. 8.5 Vorliegend sind insbesondere Defizite beim Kooperat ionswillen der Kindseltern im Zusammenhang mit dem Besuchsrecht dargelegt worden. Gle ichzeitig befürchtet die Be- schwerdeführerin, der Beschwerdegegner würde bei der E rteilung des gemeinsamen Sorge- rechtes auch diese Themen zum Anlass nehmen, weitere Verfahren gegen sie anzustreben. Im Zentrum der vorliegenden Angelegenheit steht die Tatsache, dass es sich beim elterlichen Sor- gerecht um ein Pflichtrecht handelt (BGE 136 III 353 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 5A_198/2013 vom 14. November 2013 E. 4.1), wie dies auch beim Besuchsrecht der Fall ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 5A_719/2013 vom 17. Okto ber 2014 E. 4.2; 5A_160/2011 vom 29. März 2011 E. 4). Die mit der elterlichen Sorge ver bundenen Rechte und Pflichten sind zum Wohle des Kindes auszuüben. Die Eltern haben mithin im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles zu unternehmen, was zur gedeihlichen Entwicklung des Kindes erforderlich ist. Daraus folgt im vorliegenden Kontext, dass sie sich zu bemühen haben, zwischen der konfliktbehafteten Eltern- ebene und dem Eltern-Kind-Verhältnis zu unterscheiden und das Kind aus dem elterlichen Kon- flikt herauszuhalten. Sodann haben sich beide Elterntei le um ein kooperatives Verhalten zu bemühen und die zumutbaren Anstrengungen bei der ge genseitigen Kommunikation zu unter- nehmen, ohne die ein gemeinsames Sorgerecht nicht in effektiver Weise und zum Vorteil des Kindes ausgeübt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 5A_ 202/2015 vom 26. November 2015 E. 3.4). 8.6 Es ist allgemein anerkannt, dass sich die im Besuchs-, wie auch im Sorgerecht aus- drückende Beziehung des Kindes zu beiden Elternteilen wichtig ist und bei dessen Identitätsfin- dung eine entscheidende Rolle spielen kann (BGE 130 III 585 E. 2.2.2; BGE 131 III 209 E. 4). Beide Elternteile haben aus diesem Grund mit Blick au f das Wohl des Kindes die Pflicht, eine gute Beziehung zum jeweils anderen Elternteil zu förder n. Der hauptbetreuende Elternteil hat das Kind beispielsweise positiv auf Besuche oder Kontakte b eim oder mit dem anderen Eltern- teil vorzubereiten. Diese Pflichten stehen zwar vorab in Z usammenhang mit der Ausübung des persönlichen Verkehrs (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_505 /2013 vom 20. August 2013 E. 6.3); ihre Beachtung ist aber auch für eine tragf ähige und kindeswohlorientierte Ausübung des gemeinsamen Sorgerechts wichtig (Urteile des Bundes gerichts 5A_202/2015 vom 26. November 2015 E. 3.4; 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 5.1). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Mit Entscheid des damaligen Kantonalen Vormundschaft samtes vom 15. März 2011 wurde D.____ gemäss Art. 298a Abs. 2 aZGB unter die a lleinige elterliche Sorge der Be- schwerdeführerin gestellt. Zur Begründung führte das Ka ntonale Vormundschaftsamt aus, dass der Kindsvater weder Unterhaltszahlungen an D.____ leiste noch eine Neuregelung dieser Fra- ge bzw. Anpassung an seine neue Einkommenssituation ang estrebt habe. Die Eltern seien zu- dem nicht in der Lage, das Besuchsrecht konfliktfrei auszu üben. Wegen der unregelmässigen Arbeitseinsätze der Kindseltern und wegen der Wohnsituation des Kindsvaters im Ausland habe eine diesen Umständen angepasste besondere Besuchsrechtsre gelung getroffen werden müs- sen und es sei nicht nachvollziehbar, weshalb diese Regelu ng nicht umsetzbar sei. Seit dem Entscheid des Kantonalen Vormundschaftsamtes sind 5 ½ Ja hre vergangen, in welchen unbe- strittenermassen diverse Verwaltungs-, Zivil- sowie Straf verfahren zwischen den Parteien ge- führt wurden und von einem erheblichen Elternkonflikt auszugehen war. Aufgrund dessen ha- ben die damalige Vormundschaftsbehörde und später die KESB zahlreiche Versuche unter- nommen, den Konflikt zwischen den Eltern zu schmälern bzw . zu beenden, indem diese insbe- sondere bei der Regelung des Besuchs- und Ferienrechts u nterstützt wurden. Zu diesen Be- mühungen gehörten namentlich die freiwillige Begleit ung durch die Vormundschaftsbehörde, die Einsetzung eines Beistandes, die Anordnung begleiteter Besuchstage in F.____, die Anord- nung einer Erziehungs- und Familienhilfe durch die sozi alpädagogische Familienbegleitung so- wie die Anordnung einer Mediation zwischen den Kindse ltern. Diese gesamten behördlichen Bemühungen blieben grösstenteils erfolglos bzw. wurde n von einem oder beiden Elternteilen abgelehnt. Die Eltern vermochten D.____ aus ihrem Konf likt kaum herauszuhalten. Die andau- ernden Spannungen wirkten sich ungünstig auf sein Wohl aus, was D.____ auch gegenüber seiner Vertretungsbeiständin so äusserte und erklärte, dass er sich keine weiteren Streitereien wünsche. 9.2 Aus den Akten ist jedoch erkennbar, dass sich die Sit uation zwischen den Eltern mitt- lerweile etwas entspannt hat. Dem Bericht der Vertret ungsbeiständin vom 10. März 2016 lässt sich entnehmen, dass es den Kindseltern seit Anfang Jahr zw eimal gelungen sei, Kontakte zwi- schen dem Beschwerdegegner und D.____ selber zu organisie ren. Beide Elternteile hätten der Beiständin gegenüber bestätigt, dass es ihnen bei diesen Besuchen gelungen sei, sich ohne Konflikt und gegenseitige Vorwürfe zu begegnen. Im E- Mail-Verkehr zwischen den Kindseltern vom September 2016 wird von Seiten des Kindsvaters ein Treffen vorgeschlagen und die Idee aufgebracht, alle noch hängigen gegenseitigen Klagen und Anzeigen zurückzuziehen, um einen Neubeginn zu ermöglichen. Gleichzeitigt haben die Kind seltern mit direktem E-Mail-Verkehr die Besuchsdaten bis in den April 2017 besprochen und gep lant. Dabei lässt sich erkennen, dass sich die Kindsmutter sowie der Kindsvater bemühen, auf d ie Wünsche und Vorschläge des an- deren einzugehen und Kompromisse zu suchen. Die E-Mails sind von beiden Seiten sachlich formuliert und frei von Vorwürfen oder Anfeindungen (vgl. E-Mail-Verkehr zwischen den Kindse- ltern von Juni - September 2016). Trotz dieser positiven Entwicklung konnte das Besuchswo- chenende vom 28. bis 30. Oktober 2016 nicht wie geplan t durchgeführt werden, da sich die Kindsmutter Sorgen um die Schlafsituation und das Sch lafverhalten von D.____ bei seinem Vater gemacht habe. Anlässlich der heutigen Parteiverhan dlung bestätigt die KESB, dass das Besuchsrecht zurzeit sistiert sei, was jedoch nicht heisse, dass die Kommunikationsfähigkeit zwischen den Eltern nicht mehr gegeben sei. Vielmehr bemühe sich der Beschwerdegegner um Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht seinen Sohn und versuche zielführend mit der Beschwerdef ührerin bezüglich des Besuchs- rechts zu kommunizieren. Auch die Beschwerdeführerin best ätigt anlässlich der Parteibefra- gung vor Kantonsgericht, dass die Kindseltern die Besuchsd aten bis Januar 2017 geplant hät- ten. Es ist somit festzustellen, dass sich die Situation zwisch en den Kindseltern in Bezug auf das Besuchsrecht tatsächlich beruhigt hat und diese in de r Lage sind, sich bilateral zu einigen. Die Beschwerdeführerin räumte an der Parteiverhandlun g sodann ein, dass der Beschwerde- gegner seit zwei Monaten seine monatlichen Unterhaltszahl ungen an D.____ angepasst und jeweils Fr. 1‘000.-- überwiesen habe. Diese aktuellen Entwicklungen deuten darauf hin, dass sich auch der langjährige Streitpunkt bezüglich der Unt erhaltszahlungen zwischen den Eltern mit grosser Wahrscheinlichkeit wird klären können und bese itigen lassen, womit deutlich weni- ger Reibungsfläche gegeben ist und die Kooperationsbereitschaft auf beiden Seiten vergrössert werden kann. 9.3 Nach wie vor sind sich die Eltern nicht in allen Be reichen einig und es ergeben sich immer wieder Unstimmigkeiten zwischen ihnen, wie beispie lsweise die Übergabe von D.____s Geschenk an dessen Geburtstag, worüber sich die Kindseltern nicht haben einigen können und schliesslich die KESB involviert wurde (vgl. E-Mail-Verkehr zwischen den Kindseltern und der KESB vom 19. - 22. Juli 2016 und Schreiben der KESB vom 22. Juli 2016). Nichtsdestotrotz ist eine grundsätzliche Verbesserung der Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit zwischen den Kindseltern auszumachen. Seit dem Entscheid des Kantonalen Vormundschaftsamtes vom 15. März 2011 haben sich demzufolge die damaligen entsc heidwesentlichen Begebenheiten verändert. Zum einen wohnt der Kindsvater nicht mehr i m Ausland, sondern im Kanton Zürich und bezahlt nachweislich regelmässig Unterhalt an D.___ _. Zum anderen können sich die Kindseltern insbesondere in der Frage des Besuchsrechts bzw. in der Ausübung und Planung desselben direkt verständigen und zielführend Vereinbar ungen treffen. Damit haben sich die Verhältnisse zwischen den Kindseltern seit der Zuteilung der Alleinsorge an die Beschwerde- führerin wesentlich verändert und einer Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge steht mit Blick auf diese Voraussetzung nichts entgegen. Gleichzeit ig ist nicht mehr von einem chroni- schen sich verfestigenden Dauerkonflikt zwischen den Eltern auszugehen, zumal sie sich mitt- lerweile in den wichtigen Streitpunkten annähern und verständigen konnten. Dass es wieder zu Uneinigkeiten in Bezug auf den persönlichen Verkehr kom men kann, ist nicht aussergewöhn- lich, wenn das Kind – wie vorliegend – nicht in der näh eren Umgebung des nicht obhutsberech- tigten Vaters wohnt und sich dessen Berufstätigkeit nicht ohne Weiteres mit der Wochenend- planung seines schulpflichtigen Sohnes bzw. der berufstät igen Kindsmutter verträgt. Es ist durchaus möglich, dass sich die Eltern trotz kleinerer Une inigkeiten betreffend das Besuchs- recht über die zu treffenden grundsätzlichen Belange des Kindes einigen können und insofern fähig sind, ein gemeinsames Sorgerecht zum Wohl des Kind es auszuüben (Urteil des Bundes- gerichts 5A_412/2015 vom 26. November 2015 E. 7.2). Aus den vorliegenden Akten und insbe- sondere aus dem Bericht der Vertretungsbeiständin geht hervor, dass D.____ an einem Loyali- tätskonflikt leidet, welchen beide Elternteile zu ver antworten und D.____s Wohl dadurch ge- fährdet haben. Durch die Erteilung der gemeinsamen e lterlichen Sorge wird das Kindeswohl von D.____ jedoch nicht negativ beeinträchtigt, zumal sich die Streitpunkte zwischen den Kind- seltern auch bisher auf alle alltäglichen sowie nicht al ltäglichen Bereiche von D.____s Leben bezogen haben und somit nicht von einer Ausweitung der Streitigkeiten auszugehen ist. Viel- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht mehr ist vorliegend durch die grundsätzlich unbestritten e Beruhigung des Elternkonflikts davon auszugehen, dass diese in der Lage sein werden, ein gemeinsames Sorgerecht zum Wohle von D.____ auszuüben und sich dementsprechend in Erziehungs fragen werden einigen können. Zum Schutz des Kindeswohls ist die Beibehaltung der Allei nsorge somit nicht erforderlich. In Bezug auf das Sorgerecht besteht nämlich die Verpflicht ung der Eltern, ein kooperatives Ver- halten an den Tag zu legen, die zumutbaren Anstrengungen bei der gegenseitigen Kommunika- tion zu unternehmen und D.____ aus dem elterlichen Konflikt herauszuhalten (vgl. E. 8.6). 9.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sowohl die Vora ussetzungen gemäss Art. 298d Abs. 1 ZGB – wie sie im vorliegenden Fall a nzuwenden sind – sowie diejenigen nach Art. 298b Abs. 2 ZGB erfüllt sind, weshalb nicht vom Gr undsatz der gemeinsamen elterlichen Sorge abzuweichen ist und den Eltern zu Recht die gem einsame elterliche Sorge über D.____ übertragen wurde. Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird. 10. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- sind vorlie gend der Beschwerdeführerin aufzuer- legen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800.--zu verrechnen. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann für den Bei zug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gege npartei zugesprochen werden (§ 21 Abs. 1 VPO). Gemäss dem Ausgang des Verfahrens ist dem Beschwerdegegner antragsge- mäss eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdefü hrerin zuzusprechen. Der vom Rechtsvertreter des Beschwerdegegners in seiner Honorarnote geltend gemachte Aufwand von 28.90 Stunden (à Fr. 250.--) sowie die Auslagen in de r Höhe von insgesamt Fr. 19.-- sind nicht zu beanstanden. Demzufolge hat die Beschwerdeführerin d em Beschwerdegegner eine Partei- entschädigung in der Höhe von gesamthaft Fr. 8'768.50 (inkl. 3.5 Stunden Hauptverhandlung, Auslagen und 8% MWST) auszurichten. Die übrigen Parteikosten sind wettzuschlagen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘800.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800.-- verrechnet. 3. Die Beschwerdeführerin hat dem Beschwerdeführer C. ____ eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 8'768.50 (inkl. Ausl agen und 8% MWST) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschla- gen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin Gegen diesen Entscheid wurde am 13. Februar 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 5A_139/2017) erhoben.