Seite 1 Entscheid vom 8. April 2016 (510 16 2) __________________________________________________ ___________________ Abgangsentschädigung Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Steuer richter J. Felix, P. Salathe, Dr. P. Leumann, Steuerrichterin M. Elbert, Gerichtsschreiber D. Brügger Parteien A. ____ , vertreten durch Duttweiler Treuhand AG , Arisdörferstrasse 2, Postfach 445, 4410 Liestal Rekurrenten gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Staatssteuer 2013 Seite 2 Sachverhalt: 1. Mit Verfügung der Staatsteuer 2013 vom 10. Dezemb er 2014 wurden die Pflichtigen zu einem steuerbaren Einkommen von Fr. 289‘751.-- und e inem satzbestimmenden Einkommen von Fr. 219‘089.-- veranlagt. 2. Mit Eingabe vom 9. Januar 2015 erhob die Vertreter in mit dem Begehren, das steuerba- re Einkommen sei auf Fr. 289‘744.--, das satzbestimmend e Einkommen auf Fr. 82‘069.-- und das satzbestimmende Einkommen mit Vollsplitting auf Fr. 41‘035.-- festzusetzen, Einsprache. Zur Begründung machte sie geltend, das Erwerbseinkommen des Ehemannes für das Jahr 2013 setze sich aus drei verschiedenen Komponenten zusamme n, die steuerlich unterschied- lich zu behandeln seien. Das Gehalt gemäss Lohnausweis bei nhalte ordentliches Einkommen, eine Kapitalabfindung aus Arbeitsverhältnis für wiederke hrende Leistungen und eine Kapitalab- findung mit Vorsorgecharakter. Der Steuerpflichtige sei von einem Outplacement-Programm seiner Arbeitgeberin, der B.____ AG betroffen gewese n. Der Sozialplan und die dem Steuer- pflichtigen von der Arbeitgeberin zur Verfügung gestellten Unterlagen dokumentierten eindeutig, dass es sich bei der Abgangsentschädigung überwiegend um eine Kapitalleistung mit Vorsor- gecharakter gehandelt habe. Diese habe sich, bis auf d ie Überbrückungsleistung bis zum Alter 58, an der Gewährleistung einer angemessenen Altersleistung orientiert. 3. Mit Einsprache-Entscheid vom 7. Dezember 2015 wies di e Steuerverwaltung die Ein- sprache ab. Zur Begründung führte sie aus, der Pflichtig e habe von seiner Arbeitgeberin als Abgangsentschädigung einen Betrag von insgesamt Fr. 2 76‘455.-- erhalten, bei welchem es sich nicht um eine Leistung aus der gebundenen Vorsorge gehandelt habe, so dass sie zu- sammen mit den übrigen Einkünften zu besteuern sei. De r Pflichtige habe nachweislich Fr. 135‘131.-- in die gebundene Vorsorge der 2. Säul e eingebracht. Über die restliche Ab- gangsentschädigung habe er frei verfügen können. Der U mstand, dass sich der Anspruch auf den Sozialplan und nicht auf das Vorsorgereglement stüt ze, lege nahe, dass er nicht vorsorge- rechtlicher, sondern arbeitsrechtlicher Natur gewesen se i. Die Höhe der Zahlung sei von der Anzahl der geleisteten Dienstjahre, dem Monatssalär u nd dem Beschäftigungsgrad abhängig gewesen. Dazu komme, dass der Pflichtige seit dem 1. Feb ruar 2013 bei der C.____ arbeite. Sein Arbeitsumfang betrage 70% und sein jährliches Nett oeinkommen Fr. 62‘319.--, so dass nicht von einer Aufgabe der (Haupt-)Erwerbstätigkeit g esprochen werden könne. Entgegen- Seite 3 kommenderweise habe man dennoch eine Korrektur vorgeno mmen, indem man die Abgangs- entschädigung für die Satzbestimmung durch zwei geteilt habe. 4. Mit Eingabe vom 6. Januar 2016 erhob die Vertreter in mit dem Begehren, das steuerba- re Einkommen sei auf Fr. 289‘744.--, das satzbestimmend e Einkommen auf Fr. 82‘069.-- und das satzbestimmende Einkommen mit Vollsplitting auf Fr. 41‘035.-- festzusetzen, Rekurs. Zur Begründung machte sie geltend, die neue Stelle werde lediglich im Umfang eines 70%- Pensums ausgeübt und das Gehalt von netto Fr. 62‘319.-- mache bei einer Aufrechnung auf ein volles Pensum Fr. 89‘027.-- aus. Dagegen habe der Pflichtige bei der B.____ AG für ein 100%- Pensum im Jahr 2012 ein Nettogehalt von Fr. 133'839.- - erzielt. Das Glück, kurzfristig wieder eine Anstellung gefunden zu haben, und die Bereitschaft , eine solche anzunehmen, auch wenn sie weder von der Stellung noch von der Entschädigung d er bisherigen adäquat gewesen sei, sei weder bei der Errichtung des Sozialplanes noch bei de r Entscheidungsbildung des Steuer- pflichtigen, welche Variante des Sozialplans er wählen solle, erkennbar gewesen. 5. Mit Vernehmlassung vom 3. Februar 2016 beantragte die Steuerverwaltung die Abwei- sung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, bei vo rzeitigen Entlassungen infolge Fusi- on, Um- und Restrukturierung von Unternehmen würden durch die jeweiligen Arbeitgeberfirmen häufig im Rahmen von Sozialplänen Abgangsentschädigungen ausgerichtet. Bei deren Berech- nung würden oftmals die Anzahl der jeweils geleisteten Dienstjahre und der jeweilige Monats- lohn mitberücksichtigt. Derartige Kapitalabfindungen so llten bei Angestellten in fortgeschritte- nem Alter ab 55 bis 65 Jahren (Frühpensionierungen) in der Regel dazu dienen, die durch die vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses bewirkte Einko mmenslücke bis zum ordentli- chen Pensionierungsalter zu schliessen. Da und dort würden Abgangsentschädigungen auch auf besonderen Wunsch des betroffenen Angestellten ni cht direkt ausbezahlt, sondern gleich- zeitig in die noch aktuelle Pensionskasse eingebracht, sofern dort eine entsprechend genügend grosse Deckungslücke vorhanden sei, und damit steuerlich in der Regel neutralisiert. Wenn nun eine vom Arbeitgeber direkt ausbezahlte Entschädigung keine Treueprämie oder kein Dienstal- tersgeschenk darstelle, sondern allein der zeitlich begre nzten finanziellen Überbrückung der betroffenen Personen diene, komme unter bestimmten Voraussetzungen folgende Besteuerung zur Anwendung: Die Abgangsentschädigung werde zusammen m it dem übrigen Einkommen besteuert; für die Berechnung des für den Steuersatz ma ssgebenden Betrages könne die Ab- gangsentschädigung jedoch durch die Anzahl der noch feh lenden Jahre bis zur effektiven Pen- Seite 4 sionierung geteilt werden. Aufgrund des klaren Gesetzeswo rtlautes könnten solche Abgangs- entschädigungen nicht wie Leistungen aus der Säule 2 un d 3a gesondert erfasst werden, son- dern müssten zusammen mit dem übrigen Einkommen besteuert werden. Eine Milderung könne sich deshalb nur beim anwendbaren Steuersatz ergeben. Di e Anwendung des Rentensatzes nach der durchschnittlichen Lebenserwartung komme in so lchen Fällen aber nicht in Frage, da die Abgangsentschädigung nicht als Ersatz für eine lebenslängliche Rente gedacht sei, sondern nur einen zeitlich eng begrenzten Raum finanziell überbrücken soll. Die Aufgabe der Erwerbstä- tigkeit müsse massgeblich sein, also betreffend Arbeitspe nsum eine massive Reduktion bein- halten und zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht einer vorzeitigen Pensionierung gleichkom- men. Bei einem Arbeitspensum von 70% sei dies jedoch klar erweise noch nicht der Fall. Eine Aufgabe der Erwerbstätigkeit zur Hauptsache liege bei spielsweise dann vor, wenn das Arbeits- pensum derart reduziert werde, dass damit kein vernünfti ges, d.h. existenzsicherndes Einkom- men mehr erwirtschaftet werden könne, es sich sozusagen nu r noch um einen Nebenerwerb handle. Der Grund für die Gehaltsreduktion sei im vorli egenden Fall, nebst dem geringeren Ar- beitspensum, zudem bei der früheren Arbeitgeberin zu su chen, weil bekanntlich die Pharmain- dustrie vergleichsweise deutlich höhere Löhne bezahle als übrige Unternehmen. Deshalb werde eine satzbestimmende Korrektur für zwei Jahre vorgenommen . Dies entspreche der halben Abgangsentschädigung von Fr. 276‘455.-- oder anders au sgedrückt: die Abgangsentschädi- gung entspreche zwei Jahresgehältern, nämlich für die zw ei fehlenden Jahre bis zur frühest- möglichen Pensionierung im Alter 58. Per 1. Februar 2 013 habe der Rekurrent indes wieder eine neue Anstellung gefunden, anlässlich derer er auc h eine berufliche Weiterbildung mit ei- nem eidgenössisch anerkannten Abschluss gemacht habe. Somit könne sowohl rechtlich als auch faktisch nicht von einer Aufgabe der Erwerbstätigkeit gesprochen werden. 6. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Pa rteien an ihren Begehren fest. Auf Frage hin, erklärte die Vertreterin der Rekurrenten, dass der Pflichtige die Variante Ziff. 8.2 des Sozialplans gewählt habe und per 31. Dezember 2012 aus der B.____ AG ausgetreten sei. Seite 5 Das Steuergericht zieht in Erwägung: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu- ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurt eilung des vorliegenden Rekurses zu- ständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren u mstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr überste igt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in fo rmeller Hinsicht an einen Rekurs zu stel- lenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten. 2. Vorliegend unterliegt der Beurteilung, wie die a usgerichtete Kapitalabfindung in Höhe von Fr. 276‘455.-- zu besteuern ist. 3. Kapitalabfindungen im Zusammenhang mit der vorzeiti gen Beendigung von Arbeitsver- hältnissen können verschiedene Gründe haben. Unter Umstän den sind sie "Schmerzensgeld" für die Entlassung, Treueprämie für langjährige Dienst verhältnisse, "Risikoprämie" für die per- sönliche Sicherheit und berufliche Zukunft, Entgelt fü r erbrachte Arbeitsleistungen oder Vorru- hestandsregelungen, d.h. Ausgleich allfällig entstehend er Lücken oder langfristiger Einbussen in der beruflichen Vorsorge. Oft handelt es sich um pa uschale Abfindungssummen, deren Zweckbestimmung unklar ist. Es gilt daher den wahren Char akter der Abgangsentschädigung genauer zu erörtern und festzustellen, wann eine Abga ngsentschädigung Vorsorgecharakter hat und wann sie Ersatzeinkommen darstellt (vgl. Kreisschre iben der Eidgenössischen Steuer- verwaltung Nr. 1 [KS ESTV Nr. 1] vom 3. Oktober 2002, Ziff. 1). Es kommt bei Kapitalabfindun- gen im Zusammenhang mit der Beendigung von Arbeitsverhä ltnissen somit entscheidend da- rauf an, welche Funktion der Einmalzahlung in den Aug en der am Arbeitsverhältnis beteiligten Personen zukommen sollte. Diese Frage ist unter Einbezu g der gesamten Umstände des Ein- zelfalls zu beurteilen (vgl. Der Steuerentscheid [StE] 1 998 B 29.2 Nr. 5). Vorliegend sah der Sozialplan „Swiss Project“ der B.____ AG, Ziff. 8, Kon ditionen für Mitarbeitende im Alter von 55 bis 58 Jahren, zwei Varianten vor, nämlich Ziff. 8.1 A ustritt mit Abfindungsleistung und Ziff. 8.2, Externe Mitgliedschaft in der Pensionskasse, Abfindungsle istung und Frühpensionierung nach Vollendung des 58. Altersjahres. Der Pflichtige hat wi e von der Vertreterin anlässlich der heuti- gen Verhandlung bestätigt, die Variante Ziff. 8.2 ge wählt, wonach Mitarbeitende, die sich für eine befristete externe Pensionskassenmitgliedschaft un d Frühpensionierung nach Vollendung des 58. Altersjahres entscheiden, zum vertraglichen Austrit tsdatum eine brutto Überbrückungs- Seite 6 zahlung von 40% ihres letzten Basisgehaltes für maximal 3 Jahre bis zum Zeitpunkte ihrer Frühpensionierung mit 58 Jahren erhalten. Bei der ext ernen Mitgliedschaft werden Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge in die Pensionskasse zu gleic hen Anteilen wie während des Arbeits- verhältnisses weitergeführt. Alle Beiträge werden in Form einer Einmalzahlung am Tag des ver- traglichen Austritts geschuldet. Ausserdem erhalten dies e Mitarbeitenden eine brutto Abfin- dungsleistung, welche wie folgt berechnet wird: Diens tjahre x Fr. 4‘000.--, mindestens Fr. 100‘000.--, auf den durchschnittlichen Beschäftigung sgrad angepasst. Gestützt auf diesen Sozialplan hat die B.____ AG mit Datum vom 21. Mai 2 012 die Abgangsentschädigung im Sin- ne eines Entwurfes berechnet. Sie setzte sich aus den P ositionen Dienstjahre in Höhe von Fr. 158‘871.-- und Überbrückung in Höhe von Fr. 119‘ 771.--, total somit Fr. 278‘642.-- zusam- men, was in etwa der später effektiv ausbezahlten Kapit alabfindung von Fr. 276‘455.-- ent- sprach. 4. Es ist nachfolgend zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Besteuerung nach § 36 StG gegeben sind. a) Gemäss § 36 StG werden Kapitalleistungen aus beruf licher Vorsorge sowie aus anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsorge im S inne von § 27 bis Abs. 1 StG geson- dert besteuert. Ebenso unterliegen Kapitalleistungen bei Tod und für bleibende körperliche oder gesundheitliche Nachteile einer separaten Jahressteuer. b) Gemäss Art. 48 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die beru fliche Alters-, Hinter- lassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) vom 25. Juni 1982 müssen die Einrichtungen der beruf- lichen Vorsorge die Rechtsform einer Stiftung, einer Genossenschaft oder einer Einrichtung des öffentlichen Rechts haben. Die gebundene Selbstvorsorge muss gemäss Art. 1 Abs. 2 der Ver- ordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung für Bei träge an anerkannte Vorsorgeformen (BVV 3) vom 13. November 1985 mit einer der Versicheru ngsaufsicht unterstellten oder mit ei- ner öffentlich-rechtlichen Versicherungseinrichtung abgeschlossen werden. Gemäss Art. 1 Abs. 2 BVG hat die berufliche Vorsorge die Versicherung des Lohnes zum Inhalt. Obligatorisch zu versichern ist der koordinierte Lohn nach Art. 8 Abs. 1 B VG (vgl. Entscheid des Steuergerichts [StGE] vom 12. Januar 2007, 510 06 67, E. 5a). c) Die Leistungen, welche einer separaten Jahressteuer unterliegen, werden in § 36 StG abschliessend aufzählt (vgl. Kurzmitteilung der Steue rverwaltung des Kantons Basel- Seite 7 Landschaft Nr. 362 vom 22. November 2002). Kapitalabf indungen des Arbeitgebers an die An- gestellten sind darin nicht enthalten. Es bleibt zu prüf en, ob es gerechtfertigt ist, Kapitalleistun- gen des Arbeitgebers mit Vorsorgecharakter weiterhin nich t nach § 36 StG zu besteuern oder ob dies, im Sinne einer Praxisänderung, zuzulassen ist. Seit dem Inkrafttreten des Bundesge- setzes über die Steuerharmonisierung per 1. Januar 1993 (mit Übergangsfristen bis 1. Januar 2001) besteht der konkret umgesetzte verfassungsrechtliche Auftrag gemäss Art. 129 der Bun- desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) an Bund, Kan- tone und Gemeinden, im Bereich der direkten Steuern e ine formelle Harmonisierung in Gesetz- gebung und Vollzug sicherzustellen. Die Steuerordnungen der Kantone und Gemeinden (hori- zontale Harmonisierung) sowie die Steuerordnung des Bundes sind mit denjenigen der Kantone und Gemeinden (vertikale Harmonisierung) abzustimmen. Gemäss Art. 11 Abs. 3 des Bundes- gesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern d er Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (StHG) werden Kapitalleistungen au s Vorsorgeeinrichtungen sowie Zah- lungen bei Tod und für bleibende körperliche oder ge sundheitliche Nachteile für sich allein be- steuert. Gemäss Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) werden Kapitalabfindungen aus einer mit dem Arbeitsverhältnis ver- bundenen Vorsorgeeinrichtung oder gleichartige Kapitalabfindungen des Arbeitgebers nach Art. 38 DBG gesondert besteuert. Die Voraussetzungen dafür werden im KS ESTV Nr. 1 genauer definiert. Die gesetzlichen Grundlagen auf Bundes- und kantonaler Ebene sind weitestgehend deckungsgleich, unterscheiden sich aber darin, dass Kapitalleistungen des Arbeitgebers in § 36 StG nicht explizit erwähnt werden (Findeisen, in: Nef zger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2004, § 36 N 6). Dass sich diesbezüglich die kantonale Gesetzesnorm im Sinne einer Harmonisierun g an die Regelung des DBG anglei- chen soll, hat auch der Gesetzgeber erkannt. Innerhalb d er Vorlage Nr. 2012-222 des Regie- rungsrats vom 21. August 2012 hat der Landrat des Kanto ns Basel-Landschaft am 25. April 2013 beschlossen, dass der Gesetzeswortlaut des § 36 StG mit Wirkung ab 1. Januar 2014 in dieser Hinsicht an denjenigen von Art. 17 Abs. 2 i.V.m. Art. 38 DBG angeglichen wird. So wer- den Kapitalabfindungen des Arbeitgebers mit Vorsorgecharakter inskünftig, wie bei der direkten Bundessteuer, auch separat besteuert. Nach Auffassung des Steuergerichts verbietet es der Grundsatz der Gewaltenteilung indes, sich im vorliegenden Fall über den Wortlaut von § 36 StG hinwegzusetzen und mit einer weiten Auslegung trotz f ehlender Erwähnung im Gesetz auch Kapitalleistungen des Arbeitgebers darunter zu subsumi eren. Es liegt primär am dafür zustän- den Gesetzgeber, den Anwendungsbereich von § 36 StG die sbezüglich zu erweitern. Diesen Handlungsbedarf hat der Gesetzgeber des Kantons Basel-La ndschaft wie hiervor erwähnt er- kannt und den Gesetzeswortlaut mit Wirkung ab 1. Januar 2014 angepasst. Da vorliegend das Seite 8 Steuerjahr 2013 strittig ist, erscheint es geboten, dem Gesetzgeber nicht vorzugreifen. Insoweit hat die Einzelfallgerechtigkeit vor dem fundamentalen Prinzip der Gewaltentrennung zurückzu- stehen (vgl. StGE vom 6. Dezember 2002, 101/2002, E. 7) (vgl. zum Ganzen: StGE vom 20. September 2013, 510 13 41, E. 2). d) Vorliegend ist die Kapitalleistung an den Rekurre nten von der damaligen Arbeit- geberin erbracht worden und stammt damit weder aus de r beruflichen Vorsorge noch aus der gebundenen Selbstvorsorge. Da Kapitalleistungen des Arb eitgebers wie gesehen nicht unter § 36 StG subsumiert werden können, sind die Voraussetzungen für eine Besteuerung nach die- ser Norm nicht erfüllt. 5. Es ist weiter zu prüfen, ob die Voraussetzungen für ei ne Besteuerung nach § 35 StG gegeben sind. a) Gemäss § 35 StG wird, wenn zu den Einkünften Kapi talabfindungen für wieder- kehrende Leistungen gehören, die Einkommenssteuer unte r Berücksichtigung der übrigen Ein- künfte und der zulässigen Abzüge zu dem Steuersatz berechn et, der sich ergäbe, wenn anstel- le der einmaligen Leistungen eine entsprechende jährliche Leistung ausgerichtet würde. b) Bei den wiederkehrenden Leistungen, die in Kapit alform ausgerichtet werden, kann es sich sowohl um künftige als auch um vergangene han deln. Beispiele für wiederkehren- de Leistungen sind Einmalentschädigungen für ein Baure cht, Renten-, Alimenten- und Lohnnachzahlungen (Findeisen, a.a.O., § 35 N 1). Gem äss Praxis im Kanton Basel-Landschaft fallen aufgrund der fehlenden expliziten Erwähnung i n § 36 StG auch Kapitalleistungen des Ar- beitgebers mit Vorsorgecharakter unter die Regelung de s § 35 StG (Findeisen, a.a.O., § 36 N 6). Zur Erfüllung des Vorsorgecharakters müssen gemäss KS E STV Nr. 1, Ziff. 3.2 drei Bedin- gungen kumulativ erfüllt sein: Die steuerpflichtige P erson verlässt das Unternehmen ab dem vollendeten 55. Altersjahr, die (Haupt-)Erwerbstätigke it wird definitiv aufgegeben oder muss aufgegeben werden und durch den Austritt aus dem Unternehmen und dessen Vorsorgeeinrich- tung entsteht eine Vorsorgelücke. c) Vorliegend hatte der Rekurrent, geb. 15. Juli 1957 , beim Ausscheiden aus der B.____ AG am 31. Dezember 2012 das 55. Altersjahr voll endet. Gemäss Beratungsunterlagen der Pensionskasse der B.____ AG vom 21. Mai 2012 liegt zu dem eine Vorsorgelücke vor. Da- Seite 9 mit bleibt zu prüfen, ob die (Haupt-)Erwerbstätigkeit definitiv aufgegeben wurde. Der Pflichtige hat sich nicht als Nichterwerbstätiger bei der AHV ange meldet. Vielmehr trat er per 1. Februar 2013, und damit praktisch nahtlos, bei der C.____ eine Teilzeitstelle mit einem Pensum von 70% an, anlässlich derer er eine berufliche Weiterbildung mit einem eidgenössisch anerkannten Abschluss absolvierte. Von Februar bis Dezember 2013 erzi elte er ein Nettoeinkommen von Fr. 57‘126.--, was einem Jahreseinkommen von Fr. 62‘3 19.-- (= Fr. 57‘126.-- / 11 Monate x 12 Monate) entspricht, nachdem er im Jahr 2012 bei der B. ____ AG ein Nettoeinkommen von Fr. 133‘839.-- erzielt hatte. Obwohl sich das Einkommen damit reduziert hat, erzielte der Pflich- tige mit einem monatlichen Nettoeinkommen von Fr. 5‘193.-- (= Fr. 62‘319.-- / 12 Monate) einen existenzsichernden Verdienst. Hinsichtlich der Frage, ob di e (Haupt-)Erwerbstätigkeit definitiv aufgegeben wurde, spielt indes der erzielte Lohn ledi glich eine untergeordnete Rolle. Entschei- dend ist vielmehr das Pensum. Würde ein solches im Sinne einer unbedeutenden Nebenbe- schäftigung ausgeübt, könnte wohl von der definitiven Aufgabe der Erwerbstätigkeit gesprochen werden. Bei einer Teilzeitstelle im Umfang eines 70%-Pensums und gleichzeitiger Absolvierung einer eidgenössisch anerkannten Ausbildung kann davon abe r keine Rede sein. Dem Einwand der Vertreterin, bei der Wahl von Variante Ziff. 8.2 hätte der Pflichtige nicht gewusst, dass er wieder eine Stelle finden würde, kann nicht gefolgt werden, da es sich grundsätzlich stets erst im Laufe der Zeit, d.h. im Sinne einer ex-post Betrach tung, zeigt, ob das Kriterium der definiti- ven Aufgabe der Erwerbstätigkeit erfüllt wird. Damit fehlt es an einer der erwähnten Kumulativ- bedingungen, so dass der dem Pflichtigen ausbezahlten Kapitalleistung kein Vorsorgecharakter zukommt. Vielmehr ist dieselbe arbeitsrechtlicher Natur , was sich auch darin zeigt, dass die Abgangsentschädigung aufgrund der Dienstjahre und im Sinne einer Überbrückung berechnet wurde. Damit sind die Voraussetzungen für eine Besteuerung nach § 35 StG nicht gegeben. 6. Trotzdem hat die Steuerverwaltung die Kapitalleist ung im Sinne einer Überbrückungs- leistung bis zur Erreichung des vollendeten 58. Altersjahres, d.h. dem Zeitpunkt der frühestmög- lichen Pensionierung gemäss Sozialplan der B.____ AG, en tgegenkommenderweise gemäss § 35 StG besteuert. Davon soll dem Grundsatz nach nicht abgewichen werden. Zu prüfen bleibt indes, ob die Berechnung in quantitativer Hinsicht korr ekt vorgenommen wurde. Die Steuerver- waltung hat satzbestimmend eine Reduktion für 2 Jahre v orgenommen und nicht etwa auf die effektiven Monate bis zum Erreichen des 58. Altersjahres a bgestellt. Dies ist nicht zu bemän- geln, ist doch gemäss Lehre und Praxis die Zahlung durch die Anzahl abgegoltener Jahre zu teilen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkomme ntar zum DBG, 2. A. Zürich 2009, Art. 37 N 25, m.w.H.). Mit Veranlagungsverfügung der Staat steuer 2013 vom 10. Dezember 2014 Seite 10 wurde das Nettoeinkommen gemäss Lohnausweis der B.____ AG in Höhe von Fr. 251‘410.-- um die Pensionskassenbeiträge in Höhe von Fr. 35‘131.-- erhöht, was Fr. 286‘541.-- ergab. Im Gegenzug wurden die Pensionskassenbeiträge unter dem T itel Einkauf 2. Säule, Ziff. 600 (zu- sammen mit dem vom Pflichtigen getätigten Einkauf in H öhe von Fr. 100‘000.-- und damit total Fr. 135‘131.--) wieder zum Abzug zugelassen. Das Einkommen in Höhe von Fr. 286‘541.-- wur- de unter dem Titel übrige Einkünfte, Ziff. 380, zu einem satzbestimmenden Einkommen von Fr. 215‘879.-- veranlagt. Das Brutto-Einkommen in Höhe von Fr. 302‘602.-- setzte sich wie folgt zusammen: Lohn: Fr. 2‘912.-- + Bonus/Jubiläumsgeschenk: Fr . 23‘235.-- + Kapitalleistung: Fr. 276‘455.--. Auf die vorgenannten Beträge sind di e Sozialversicherungsbeiträge (AHV/IV/EO/ALV/NBUV) gemäss Lohnausweis von insgesamt F r. 16‘061.-- bzw. 5.3% umzule- gen, was zu folgenden Nettobeträgen führt: Lohn: Fr. 2‘757.-- + Bonus/Jubiläumsgeschenk: Fr. 22‘002.-- + Kapitalleistung: Fr. 261‘782.--, wa s total wieder das vorgenannten Nettoeinkom- men von Fr. 286‘541.-- ergibt. Der Lohn und der Bon us bzw. das Jubiläumsgeschenk sind zum vollen Satz zu besteuern. Für die Kapitalleistung hingeg en ist wie hiervor gesehen satzbestim- mend eine Reduktion für 2 Jahre vorzunehmen, was Fr. 13 0‘891.-- (= Fr. 261‘782.-- / 2) ergibt. Das Einkommen in Höhe von Fr. 286‘541.-- ist damit zu ei nem satzbestimmenden Einkommen von Fr. 155‘650.-- (= Fr. 2‘757.-- + Fr. 22‘002.-- + Fr. 130‘891.--) zu besteuern, was gegenüber der Veranlagungsverfügung der Staatsteuer 2013 vom 10. Dezember 2014 einer Reduktion um Fr. 60‘229.-- (= Fr. 215‘879.-- ./. Fr. 155‘650.--) entspricht. Mit Verfügung der Staatsteuer 2013 vom 10. Dezember 2014 wurden die Pflichtigen zu einem steuerbaren Einkommen von Fr. 289‘751.-- und einem satzbestimmenden Einkommen von Fr. 219‘089.-- veranlagt. Das steuerbare Einkommen bleibt unverändert, das satzbestimmende Einkommen reduziert sich um die vorgenannten Fr. 60‘229.--, was Fr. 158‘860.-- b zw., unter Berücksichtigung des Vollsplit- tings, Fr. 79‘430.-- (= Fr. 158‘860.-- / 2) ergibt. Der Rekurs ist damit teilweise gutzuheissen. 7. Es bleibt über die Kosten des Rekursverfahrens zu bef inden. a) Entsprechend dem teilweisen Obsiegen im Umfang v on rund der Hälfte sind den Rekurrenten anteilsmässige Verfahrenskosten in Höhe von F r. 500.-- aufzuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 19 93 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO]). Seite 11 b) Nach § 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO kann bei Be schwerden in Steuersachen der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Bei zug eines Vertreters eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesproc hen werden. Die Rekurrenten haben keine Parteientschädigung geltend gemacht. Anlässlich de r heutigen Verhandlung haben sie überdies auf Frage hin ausdrücklich auf die Zusprechung einer Parteientschädigung verzichtet. Seite 12 Demgemäss wird erkannt: ://: 1. Der Rekurs wird im Sinne der Erwägungen teil weise gutgeheissen. 2. Die Steuerverwaltung wird angewiesen, das steuerba re Einkommen auf Fr. 289‘751.-- festzusetzen und das satzbestimmende Einkommen gemäss Veranl agungsverfügung der Staatsteuer 2013 vom 10. Dezember 2014 und Einspr ache-Entscheid vom 7. De- zember 2015 von Fr. 219‘089.-- um Fr. 60‘228.-- auf Fr. 158‘861.-- bzw., unter Berück- sichtigung des Vollsplittings, auf Fr. 79‘430.-- zu reduzieren. 3. Die Rekurrenten haben reduzierte Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 500.-- (inkl. Aus- lagen von pauschal Fr. 50.--) zu bezahlen, welche mit d em bereits geleisteten Kosten- vorschuss verrechnet werden. Der zu viel bezahlte Kostenvorschu ss von Fr. 500.-- wird ihnen zurückerstattet. 4. Es wird festgestellt, dass die Rekurrenten auf eine Parteientschädigung verzichten. 5. Mitteilung an die Vertreterin, für sich und zhd. der Rekurrenten (2), die Gemeinde D.____ (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3).