Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 24. November 2021 (810 21 199) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Antrag auf Aufhebung der Erwachsenenschutzmassnahmen / Voraussetzungen der Ver- tretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung und der Mitwirkungsbeistandschaft Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Claude Jeanneret, Hans Furer, Daniel Ivanov, Niklaus Ruckstuhl, Gerichts- schreiber Marius Wehren Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Marco Albrecht, Advokat gegen Kindes - und Erwac hsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz Betreff Antrag auf Aufhebung der Erwachsenenschutzmassnah men (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 2. Juli 2021) A. Für A.____ (geb. 1985) wurde mit Entscheid der Ki ndes- und Erwachsenenschutzbe- hörde B.____ (KESB) vom 28. Oktober 2013 aufgrund ein er diagnostizierten Depression ge- stützt auf Art. 394 in Verbindung mit Art. 395 ZGB ei ne Vertretungsbeistandschaft mit Vermö- gensverwaltung errichtet. Als Beiständin wurde C.____ ernannt. Mit Entscheiden der KESB von Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2014 bzw. 2016 wurde A.____ der Zugriff auf ihre Pri vat- und Sparkonten entzogen bzw. eine Mitwirkungsbeistandschaft angeordnet mit der Wirkung, d ass Verträge, welche Fr. 100.-- über- steigen, nur mit Zustimmung der Beiständin rechtsgültig abgeschlossen werden können. Mit Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, vom 29. März 2017 (810 16 315) wurde dieser Betrag auf Fr. 200.-- erhöht. B. Mit Eingabe vom 31. August 2020 stellte A.____, vert reten durch Marco Albrecht, Ad- vokat, bei der KESB das Gesuch um Aufhebung der Vertretungsbeistandschaft mit Vermögens- verwaltung sowie der Mitwirkungsbeistandschaft. Zur Beg ründung verwies sie im Wesentlichen auf den Zwischenbericht der Beiständin vom 16. Januar 202 0, wonach sie sich positiv entwi- ckelt habe, indem sie krankheitseinsichtig sei, ihre Kosten unter Kontrolle habe und viel Eigen- verantwortung zeige. C. Am 20. Dezember 2020 reichte der behandelnde Psych iater von A.____, Dr. med. D.____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, auf schriftliche Anfrage der KESB einen fachärztlichen Bericht ein. D. Am 15. Januar 2021 gab die KESB eine unabhängige psychiatrische Abklärung bei Dr. med. E.____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychoth erapie, in Auftrag. Das entspre- chende Gutachten von Dr. med. E.____ lag am 12. April 2021 vor. E. Mit Stellungnahme vom 3. Mai 2021 teilte A.____ mit, dass am gestellten Antrag auf Aufhebung der Erwachsenenschutzmassnahmen festgehalten w erde. Ihre positive Entwicklung werde durch das Gutachten von Dr. med. E.____ bestätigt. F. Mit Entscheid der KESB vom 2. Juli 2021 wurde das Ge such von A.____ um Aufhe- bung der Erwachsenenschutzmassnahmen abgewiesen. G. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten dur ch Marco Albrecht, Advokat, mit Eingabe vom 27. Juli 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht. Sie stellt das Begehren, es seien der a ngefochtene Entscheid sowie die Vertre- tungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung und die Mitwi rkungsbeistandschaft aufzuheben (Ziff. 1-3). Dies unter o/e-Kostenfolge (Ziff. 4). H. In ihrer Vernehmlassung vom 10. August 2021 beantra gt die Vorinstanz die vollum- fängliche Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. I. Mit Eingaben vom 4. August 2021 und 16. August 2021 reichten die Beschwerdeführe- rin bzw. ihre Beiständin Unterlagen betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ein. J. Mit Verfügung vom 1. September 2021 wurde der Fal l der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Es wurde eine Parteiverhandlung angeordne t und festgehalten, dass die Be- schwerdeführerin persönlich zu erscheinen habe. Als Auskun ftsperson wurde zusätzlich die Beiständin C.____ zur Parteiverhandlung geladen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht K. Am 17. November 2021 reichte die Beschwerdeführerin ein Arztzeugnis der behan- delnden Psychiaterin, Dr. med. F.____, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein. L. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung im Beisein der Beschwerdeführerin und der Beiständin hielten die Beteiligten an den gestellten Begehren fest. Die Beschwerdeführerin stellt neu das Eventualbegehren, es seien die Vertretungsbeista ndschaft mit Vermögensverwaltung und die Mitwirkungsbeistandschaft aufzuheben und durch e ine Begleitbeistandschaft zu erset- zen. Subeventualiter seien die Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung und die Mitwirkungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung schrit tweise zu lockern und der Be- schwerdeführerin schrittweise die Verfügungsgewalt über ihre Konten zurückzugeben sowie die Grenze der Mitwirkung für Verträge auf Fr. 800.-- zu erhöhen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide de r Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Zus tändiges Gericht im Sinne dieser Bestimmung ist nach § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Einf ührung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 das Kantonsgericht, Abteil ung Verfassungs- und Verwaltungs- recht. Das Verfahren richtet sich vorab nach Art. 450 ff. ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmun- gen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Gemäss Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahestehen (Zif f. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Inte- resse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Be- schwerdeführerin ist als Verfahrensbeteiligte ohne weiteres zur Beschwerde legitimiert. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Nach Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachve rhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Strittig ist, ob die Vorinstanz das Gesuch der Beschwer deführerin um Aufhebung der bestehenden Erwachsenenschutzmassnahmen zu Recht abgewiesen hat. 4.1 Die Erwachsenenschutzbehörde hebt eine Beistandschaft auf Antrag der betroffenen oder einer nahestehenden Person oder von Amtes wegen a uf, sobald für die Fortdauer kein Grund mehr besteht (Art. 399 Abs. 2 ZGB). Dies ist unter anderem der Fall, wenn die betroffene Person in der Lage ist, künftig ihre Angelegenheiten s elbst hinreichend zu besorgen oder eine Vertretung zu bestellen, etwa, weil sich ihr Schwächezu stand zum Positiven verändert hat oder weil die vorübergehende Urteilsunfähigkeit überwunden wurde. Eine Beistandschaft ist eben- falls aufzuheben, wenn sich im Nachhinein zeigt, dass dere n Anordnung ohne hinreichenden Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grund erfolgt ist (vgl. Y VO BIDERBOST /H ELMUT HENKEL , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zivilgesetzbuch, 6. Aufl., Basel 2018, N 5 f. zu Art. 399 ZGB). 4.2.1 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid i m Wesentlichen, gemäss dem Gutachten von Dr. med. E.____ vom 12. April 2021 habe bei der Beschwerdeführerin kein stabiler psychischer Zustand erreicht werden können, welche r aktuell eine Aufhebung der Bei- standschaft zulasse. Der weiterhin grosse Unterstützungsbedarf der Beschwerdeführerin werde zudem durch den ersten Quartalsbericht der Beiständin vom 31. März 2021 deutlich. Trotz an- geblicher Differenzen mit der Beiständin suche die Beschw erdeführerin bereits bei alltäglichen Angelegenheiten regelmässig den Kontakt zu dieser und b itte sie um Rat und Unterstützung. Auch die durch die Beschwerdeführerin ausgesprochene Kü ndigung ihrer Wohnung im Juli 2020 ohne Vorliegen eines neuen Mietvertrages zeige de utlich auf, dass sie die Folgen ihrer Handlungen nicht abschliessend abschätzen könne und weiterhin auf Unterstützung und Schutz im Rahmen der bestehenden Massnahmen angewiesen sei. 4.2.2 Die Beschwerdeführerin macht zusammengefasst gel tend, dass ihr im Gutachten von Dr. med. E.____ zwar kein stabiler psychischer Zustand atte stiert werde. Aus dem Gutachten gehe aber ebenso hervor, dass sie trotz ihrer Diagnose g ut selbständig leben könne. So be- schreibe der Gutachter, dass sie wieder für fahrtauglich erklärt worden sei und Autofahren dür- fe. Das Gutachten von Dr. med. E.____ attestiere ihr zud em, dass sie in der Lage sei, mit dem ihr von der Beiständin zur Verfügung gestellten Budget zu haushalten. Sie sei sich der Endlich- keit ihres Vermögens bewusst und wisse, dass das Einhalten eines Budgets für die selbständi- ge Bestreitung ihres Alltags zentral sei. Im Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend, der ursprüngliche Grund für die Verbeiständung sei bereits seit langem weggefallen. Aufgrund ihrer Erkrankung sei die Verbeiständung jedoch bis heute unve rändert beibehalten worden. Dabei verkenne die Vorinstanz, dass sie inzwischen gelernt habe, mi t ihrer Erkrankung umzugehen. Sie sei krankheitseinsichtig und habe sich Strukturen geschaff en, welche ihr erlaubten, auch in Krisensituationen zu reagieren und sich professionelle H ilfe zu holen. Die Ansicht der Vor- instanz, dass der freiwillige Eintritt in die psychiatrische Klinik zur stationären Behandlung sowie der Wechsel des ambulant betreuenden Psychiaters und der Medikamente als Zeichen einer Verschlechterung ihres psychischen Zustandes zu sehen seien, v erkenne, dass gerade diese Selbsteinschätzung ein Zeichen ihrer Krankheitseinsicht d arstelle. Sie zeige mit diesen Hand- lungen auf, dass sie inzwischen in der Lage sei, sich bess er abzugrenzen und aus Situationen zu lösen, in welchen eine Verschlechterung ihres Zustandes drohe. 4.2.3 Die Vorinstanz entgegnet, dass die Beschwerdeführ erin nach Angaben der Beiständin bereits bei der Verwaltung ihres Haushaltsgelds immer wieder Probleme habe. Zudem verursa- che sie auch immer wieder Rechnungen, indem sie Verträ ge abschliesse und Abklärungen in Auftrag gebe, ohne an die Kostenfolgen zu denken. Da ss die Beschwerdeführerin mittlerweile gelernt habe, mit ihrer Erkrankung umzugehen und krankhe itseinsichtig sei, könne nur bedingt anerkannt werden. So habe sie in den letzten Jahren zwa r durchaus Phasen gehabt, in denen dies zutreffen möge, namentlich als sie die Medikamente zuverlässig und regelmässig einge- nommen habe und eine deutliche Verbesserung des gesund heitlichen Zustandsbilds erkennbar gewesen sei. Nach dem zwischenzeitlichen Absetzen der Med ikamente habe sich ihr psychi- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht scher Zustand jedoch wieder deutlich verschlechtert. In s olchen Phasen könne die Beschwer- deführerin nicht unterscheiden, was der Realität entspreche und was nicht und zeige dann auch keine Krankheitseinsicht mehr. Auch aus dem Gutachten von Dr. med. E.____ gehe hervor, dass bei der Beschwerdeführerin kein stabiler psychischer Zu stand habe erreicht werden kön- nen. Wenn es die Beschwerdeführerin schaffe, die Medikame nte wieder regelmässig und zu- verlässig einzunehmen, sich ihr Gesundheitszustand dadurch w ieder spürbar verbessere und sie dadurch wieder in der Lage sei, ihren Alltag nach und nach realistisch und zuverlässig zu meistern, könne durchaus über eine Anpassung oder allenf alls auch über eine Aufhebung der Erwachsenenschutzmassnahmen gesprochen werden. Von diesem Zustand sei man aktuell jedoch noch zu weit entfernt. 4.3.1 Die KESB errichtet eine Beistandschaft, wenn eine volljährige Person wegen einer geistigen Behinderung, einer psychischen Störung oder ei nes ähnlichen in der Person liegen- den Schwächezustands ihre Angelegenheiten nur teilwei se oder nicht besorgen kann (Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Eine Vertretungsbeistandschaft wir d errichtet, wenn die hilfsbedürftige Per- son bestimmte Angelegenheiten nicht erledigen kann und deshalb vertreten werden muss (Art. 394 Abs. 1 ZGB). Ist die hilfsbedürftige Person im Bereich der Vermögensverwaltung zu vertreten, so ist die Vertretungsbeistandschaft gestützt auf Art. 395 ZGB entsprechend zu er- gänzen, denn die Vermögensverwaltung ist nicht einer eig enständigen Beistandschaftsart zu- geordnet (vgl. H ELMUT HENKEL , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], a.a.O., N 1 zu Art. 395 ZGB). Die Vermögensverwaltung durch einen Beistand erfolgt d emzufolge im Rahmen der Vertre- tungsbeistandschaft und ist nur dann möglich, wenn die Vo raussetzungen für eine Vertretungs- beistandschaft erfüllt sind, und zwar in der Weise, dass d ie hilfsbedürftige Person die Verwal- tung ihres Vermögens im weiteren Sinn teilweise oder ganz nicht oder nicht zweckmässig be- sorgen kann, ihr Wohl dadurch in relevanter Weise gef ährdet ist und sie deshalb vertreten wer- den muss (vgl. H ENKEL, a.a.O., N 5 zu Art. 395 ZGB). Entscheidend für die Anordnung dieser Massnahme ist in erster Linie das entsprechende Unvermöge n der hilfsbedürftigen Person, nicht die Grösse und Zusammensetzung des Vermögens im weiteren Sinn (vgl. HENKEL , a.a.O., N 6 zu Art. 395 ZGB). Bei Erhaltung der Handlungsfäh igkeit wird die betroffene Person durch die Handlungen des Beistands verpflichtet, behält abe r eine konkurrierende Handlungsbefugnis in der Verwaltung ihrer Vermögenswerte (vgl. P HILIPPE MEIER , in: Büchler/Häfeli/Leuba/Stettler [Hrsg.], FamKomm, Erwachsenenschutzrecht, Bern 2013, N 2 4 zu Art. 394 ZGB). Folge davon ist, dass grundsätzlich sowohl der gesetzliche Vertreter als auch die betroffene Person bei- spielsweise Geld von der Bank abheben kann (vgl. C HRISTIANA FOUNTOULAKIS , in: Breitschmid/ Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, 3. Aufl., Zürich/Basel/ Genf 2016, N 5 zu Art. 395 ZGB; Botschaft zur Änderung des Schwei zerischen Zivilgesetzbuches [Erwach- senenschutz, Personenrecht, Kindesrecht] vom 28. Juni 20 06, Bundesblatt [BBl] 2006, S. 7001 ff., S. 7047). 4.3.2 Soll verhindert werden, dass die urteilsfähige verbeiständete Person im Rahmen ihrer Parallelzuständigkeit auch auf vom Beistand verwaltete V ermögenswerte zugreifen kann, ist entweder gestützt auf Art. 394 Abs. 2 ZGB deren Hand lungsfähigkeit entsprechend einzu- schränken oder ihr gestützt auf Art. 395 Abs. 3 und 4 ZG B der Zugriff auf einzelne Vermögens- werte zu entziehen, ohne ihre Handlungsfähigkeit einzu schränken, beispielsweise wenn Gefahr Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht für das Vermögen besteht, weil die betroffene Person l eicht beeinflussbar ist. Nach Art. 395 Abs. 3 ZGB besteht die Möglichkeit, der betroffenen Per son zu ihrem Schutz die faktische Ver- fügungsmöglichkeit über Vermögenswerte zu entziehen, al lerdings nur unter einschränkenden Voraussetzungen (vgl. F OUNTOULAKIS , a.a.O., N 5 zu Art. 395 ZGB; BBl 2006 S. 7047 Ziff. 2.2.3). Der Entzug des Zugriffs auf die Konti m uss von der KESB angeordnet werden, liegt also nicht in der Kompetenz des Beistands. Indessen ist es Aufgabe des Beistands, der verbei- ständeten Person angemessene Beträge zur freien Verfü gung zu stellen (Art. 409 ZGB; HENKEL , a.a.O., N 21 zu Art. 395 ZGB). Selbst wenn der Zugr iff auf sämtliche Bankkonti entzo- gen wird, ist nicht ausgeschlossen, dass der Beistand de r betroffenen Person ein zusätzliches Konto für Beträge zur freien Verfügung einrichten kann (Art. 409 ZGB; H ENKEL , a.a.O., N 17 zu Art. 395 ZGB). 4.3.3 Eine Mitwirkungsbeistandschaft wird errichtet, wenn bestimmte Handlungen der hilfs- bedürftigen Person zu deren Schutz der Zustimmung des B eistands oder der Beiständin bedür- fen (Art. 396 Abs. 1 ZGB). Die Mitwirkungsbeistandschaft bezweckt den Schutz der verbeistän- deten Person vor sich selbst oder vor Dritten, indem best immte Handlungen nur mit Zustim- mung des Beistands oder der Beiständin gültig sind (Abs . 1) und die Handlungsfähigkeit von Gesetzes wegen entsprechend eingeschränkt ist (Abs. 2). S ie ist somit für Personen bestimmt, bei welchen die Gefahr besteht, dass sie Rechtshandlunge n zu ihrem eigenen Schaden vor- nehmen oder sich von Dritten zu solchen verleiten lassen (vgl. BIDERBOST /HENKEL , a.a.O., N 1 zu Art. 396 ZGB). Die Mitwirkungsbeistandschaft kann nur a ngeordnet werden, wenn die mate- riellen Voraussetzungen für die Errichtung einer Beist andschaft gemäss Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB erfüllt sind. Entsprechend dem Verhältnismässigkeit s- und Subsidiaritätsprinzip (Art. 389 ZGB) darf anderweitige Abhilfe nicht möglich und ausre ichend sein; eine Mitwirkungsbeistand- schaft muss aber konkret geeignet und erforderlich sein. Im Rahmen der Mitwirkungsbeistand- schaft handelt die verbeiständete Person selbst. Sie muss so mit hinsichtlich der fraglichen An- gelegenheiten urteilsfähig sein. Die Mitwirkungsbeista ndschaft räumt dem Beistand oder der Beiständin keinerlei Vertretungsbefugnisse ein, sondern lediglich die Kompetenz, den Handlun- gen der verbeiständeten Person zuzustimmen oder die Zust immung zu verweigern (vgl. BIDER - BOST /HENKEL , a.a.O., N 2 und N 5 zu Art. 396 ZGB). 4.3.4 Zweck der behördlichen Massnahmen des Erwachsenensch utzes ist nach Art. 388 Abs. 1 ZGB, das Wohl und den Schutz hilfsbedürftiger P ersonen sicherzustellen. Basis ist stets das Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Person. Es soll soweit wie möglich erhalten und gefördert werden (Art. 388 Abs. 2 ZGB). Das Gesetz verzichtet daher weitgehend auf gesetzlich umschriebene, starre Massnahmen zum Schutz hilfsbedürftig er Menschen. In Art. 389 ZGB unterstellt der Gesetzgeber alle behördlichen Massnahmen des Erwachsenenschutzes den bei- den Maximen der Subsidiarität (Art. 389 Abs. 1 ZGB) un d der Verhältnismässigkeit (Art. 389 Abs. 2 ZGB). Subsidiarität bedeutet, dass behördliche Massnahmen nur dann anzuordnen sind, wenn die Betreuung der hilfsbedürftigen Person auf an dere Weise nicht angemessen sicherge- stellt ist (vgl. BBl 2006 S. 7042, Ziff. 2.2.1). Kommt die KESB zum Schluss, die vorhandene Un- terstützung der hilfsbedürftigen Person sei nicht ausreich end oder von vornherein ungenügend, so muss die Massnahme verhältnismässig, das heisst erforderlich und geeignet sein (Art. 389 Abs. 2 ZGB). Es gilt der Grundsatz "so viel staatliche Für sorge wie nötig, so wenig staatlicher Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eingriff wie möglich" (vgl. BGE 140 III 49 E. 4.3.1; BBl 2006 S. 7017, Ziff. 1.3.4 in fine). Die KESB hat dabei nicht gesetzlich fest umschriebene, starre Massnahmen, sondern "Massnah- men nach Mass" zu treffen, also solche, die den Bedürfni ssen der betroffenen Person entspre- chen (Art. 391 Abs. 1 ZGB). Unter den verschiedenen gee igneten Varianten ist die zurückhal- tendste zu wählen; diese muss zudem in einem vernünftige n Verhältnis zur Einschränkung des Selbstbestimmungsrechts stehen (vgl. Urteil des Bundesge richts 5A_795/2014 vom 14. April 2015 E. 4.2.1). Dies gilt auch für eine Erweiterung e iner bereits errichteten Vertretungsbei- standschaft mit Vermögensverwaltung nach Art. 395 Abs. 3 ZGB. 4.4.1 Die Vorinstanz gab in der vorliegenden Angelegen heit eine psychiatrische Abklärung bei Dr. med. E.____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psyc hotherapie, in Auftrag. In seinem Gutachten vom 12. April 2021 stellt Dr. med. E.____ im Fall der Beschwerdeführerin die Diag- nose einer hebephrenen Schizophrenie (ICD-1 0: F20.1 ; Gutachten, S. 22). Es sei von einem weitgehend kontinuierlichen und unveränderten Behand lungsverlauf der Beschwerdeführerin in den letzten Jahren auszugehen. Die vorletzte Hospitalisat ion in der Psychiatrischen Klinik I.____ sei vom 1. Juli 2020 bis 24. Juli 2020 erfolgt, d ie aktuellste im Februar 2021. Des Weite- ren habe die Beschwerdeführerin den ambulanten Thera peuten im September 2020 und im März 2021 gewechselt. Insgesamt sei von keinem stabilen psychischen Zustand bzw. Gesund- heitszustand auszugehen. Als Ressource der Beschwerdeführer in könne gesehen werden, dass sie selbständig leben, die Haushaltung für sich selb er führen, mit dem Auto Termine wahrnehmen und eine gute Tagesstruktur aufrechterhalte n könne. Soziale Belastungen be- stünden keine, wobei zu berücksichtigen sei, dass von der Be schwerdeführerin keine privaten sozialen Kontakte geschildert würden (Gutachten, S. 24) . Die Beschwerdeführerin gebe an, dass sie Flohmarktgeschäfte online via […] tätige und dami t einen Gewinn von mindestens Fr. 200.-- pro Monat erwirtschafte. Des Weiteren scheine sie in der Lage zu sein, ihren Haushalt so zu planen, dass das Haushaltsgeld von Fr. 800.--, welch es sie monatlich von ihrer Beistän- din bekomme, ausreiche. Insofern scheine sie in diesem be schränkten Umfang in der Lage zu sein, ein Budget zu erstellen und einzuhalten. Ob sie in der Lage sein werde, sämtliche Zahlun- gen (Krankenkasse, Miete, Steuern etc.) selbständig zu erledigen, könne nicht abschliessend beurteilt werden. Aktuell gebe es jedoch keine konkreten Belege dafür, dass dies nicht möglich sein könnte. Die Gefahr von unüberlegten Geldausgaben oder Vertragsschlüssen sei aufgrund der hebephrenen Schizophrenie der Beschwerdeführerin n icht auszuschliessen (Gutachten, S. 26). Hinsichtlich der Notwendigkeit der Beibehaltun g der bestehenden Erwachsenenschutz- massnahmen führt der Gutachter aus, dass im Fall der Beschw erdeführerin kein stabiler psy- chischer Zustand erreicht worden sei, da diese im Jahr 2020 und 2021 bereits jeweils einmalig stationär in der Psychiatrischen Klinik I.____ hospitalisi ert worden sei und zwei Wechsel der ambulanten Psychiater und der antipsychotischen Medikation erfolgt seien. Trotzdem scheine die Beschwerdeführerin den Alltag und die Tagesstruktu rierung gut selbständig meistern zu können. Aus diesem Grund wäre es aus Sicht des Gutachters a m zielführendsten, wenn der Beschwerdeführerin schrittweise mehr Verantwortung bezüglich ihrer Finanzen übertragen wür- de und dabei die Möglichkeit bestünde, die Kompetenzen der Beschwerdeführerin in Bezug auf ihre Finanzen zu überprüfen. Sofern diese Schritte von der Beschwerdeführerin erfolgreich be- stritten würden, könnte die Beistandschaft aufgehoben werden. Vorgängig sollte jedoch eine Bestätigung beim behandelnden Psychiater resp. Hausarzt über die regelmässige Weiterfüh- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung der ambulanten psychiatrischen Therapie und Einnah me der Medikation (inkl. Serumspie- gel im Labor) während ca. sechs Monaten erfolgen (Gutachten, S. 27). 4.4.2 Die Vorinstanz führt in der Vernehmlassung aus, Dr. med. E.____ habe für sein Gut- achten im Wesentlichen mit der Beschwerdeführerin gesp rochen und stütze sich somit auf de- ren Aussagen. Ob diese Aussagen korrekt seien oder led iglich der Wahrnehmung der Betroffe- nen entsprächen, habe der Gutachter nicht weiter abgekl ärt. Die Notizen der Beiständin im Rahmen der quartalsweisen Rechnungsstellung zeigten, da ss die Beschwerdeführerin sich fast täglich und zu jeder Tages- und Nachtzeit telefonisch bei dieser melde. Dabei habe sie jeweils aus ihrer Sicht dringliche Fragen und Anliegen, welche den Alltag, das Wohnen und die Ge- sundheit beträfen. Diese regelmässigen Kontaktaufnahmen mit der Beiständin hätten auch nicht abgenommen, nachdem die Beschwerdeführerin den Antra g auf Aufhebung der Erwachsenen- schutzmassnahmen gestellt habe oder nachdem sie mehrfach ge genüber diversen Personen geäussert habe, dass sie C.____ nicht mehr als Beiständin wolle. Zudem wechsle die Be- schwerdeführerin fast wöchentlich ihre Meinung betreffe nd ihren Psychiater. Das Verhalten der Beschwerdeführerin zeige deutlich, dass deren gesundheitlicher Zustand alles andere als stabil sei. Davon, dass sie ihren Alltag im Griff habe und sel bständig meistern könne, könne nicht die Rede sein. 4.4.3 Den Ausführungen der Vorinstanz ist beizupflicht en: Wie aus den Arbeitsrapporten der Beiständin betreffend die Jahre 2020 und 2021 hervorgeht, wendet sich die Beschwerdeführerin regelmässig, teilweise mehrmals täglich, an diese. Die Einträge der Beiständin zeugen von ei- nem grossen Unterstützungsbedarf der Beschwerdeführerin in verschiedenen Bereichen. Die Beschwerdeführerin kontaktierte die Beiständin unter anderem im Zusammenhang mit einer Lärmbelästigung durch Nachbarn, einem vermuteten Einbr uch von Kindern in ihre Wohnung, der Ursache von zerkratzten Möbeln, den Eigenschaften v on Lebensmitteln und der Frage, ob sie in ihrer Wohnung kochen dürfe. Häufig spricht sie die Beiständin auf ihre Wohnsituation an und erkundigt sich nach der Möglichkeit eines allfällig en Wohnungswechsels. Auch wendet sie sich mit Fragen betreffend ihre psychiatrische Behandlung bzw. die Wahl des Psychiaters an die Beiständin. In Bezug auf ihre Finanzen sucht die B eschwerdeführerin den Kontakt zur Bei- ständin in erster Linie aufgrund von Ausgaben, welche d as zur Verfügung stehende Haushalts- geld übersteigen. Den Rapporten kann weiter entnommen werden, dass die Beiständin insbe- sondere in Krisensituationen von der Beschwerdeführerin oder von Drittpersonen (Polizei, Psy- chiatrische Klinik) in Anspruch genommen wird; in diesem Zusammenhang ist unter anderem auf die Umstände des stationären Aufenthalts der Besch werdeführerin in der psychiatrischen Klinik in I.____ im Januar 2021 zu verweisen. Der fra gliche Aufenthalt, welcher im Gutachten von Dr. med. E.____ nicht erwähnt wird, erfolgte im G egensatz zum Klinikaufenthalt im Februar 2021 auf Initiative der Beiständin, nachdem sich die Be schwerdeführerin in einer psychischen Krisensituation an die Polizei gewandt hatte (Arbeitsrapport-Einträge vom 5. Januar 2021). Den Rapporten der Beiständin kann schliesslich entnommen werd en, dass die Beschwerdeführerin regelmässig mit wiederkehrenden wirren "Geschichten" an d ie Beiständin gelangt; unter ande- rem stellte sie sich auf den Standpunkt, dass sie Mutter von Zwillingen sei, welche zur Adoption freigegeben worden seien, wobei sie in diesem Zusammenh ang Erkundigungen bei der Zivil- rechtsverwaltung des Kantons Basel-Landschaft einholte (Aktennotiz der KESB vom 16. März Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2021). Auch war sie der Ansicht, dass sie als Kind in ih rer jetzigen Wohnung in G.____ in den Ferien gewesen sei und holte diesbezüglich beim Kreisgeometer Auskünfte über zwei Parzellen ein, was zu Kosten in der Höhe von rund Fr. 500.-- führte (Rechnung H.____ AG vom 7. Januar 2021). 4.4.4 Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung führte die Beschwerdeführerin aus, dass es ihr momentan gut gehe. Sie sei aktuell bei Dr. med. F.____ in psychiatrischer Behandlung. Als Alternative zu den bestehenden Massnahmen wünsche sie sich e ine Person, welche sie unter- stütze und an welche sie sich bei Fragen wenden könne. Im Weiteren führte sie aus, dass das ihr zur Verfügung stehende Haushaltsgeld von Fr. 800.- - monatlich nicht ausreiche. Auf den häufigen Kontakt zur Beiständin angesprochen, gab die B eschwerdeführerin an, dass sie sich an die Beiständin wenden müsse, weil diese für die fin anziellen Belange zuständig sei. Sie ha- be den Kontakt zur Beiständin jedoch eingeschränkt, seit sie durch ihre Rechtsvertreterin darauf hingewiesen worden sei, dass es genüge, der Beiständin einmal pro Woche ein E-Mail zu schreiben. Die Beiständin führte ihrerseits aus, dass der Kontakt zur Beschwerdeführerin im dritten und vierten Quartal 2021 tatsächlich etwas zurü ckgegangen sei und sich auf ein- bis zweimalige Kontakte pro Woche beschränkt habe. Die Beschw erdeführerin sei jedoch aus ihrer Sicht nach wie vor auf Unterstützung angewiesen und nicht in der Lage, ihre finanziellen und administrativen Angelegenheiten selbständig zu besorgen. Alleine die Regelung der administra- tiven Belange im Zusammenhang mit der Unterbringung ihrer Tochter in einer Pflegefamilie erweise sich als kompliziert und könne von der Beschwerdefü hrerin nicht bewältigt werden. Die Beschwerdeführerin lasse sich zudem nach wie vor zu unübe rlegten Handlungen mit finanziel- len Konsequenzen verleiten; so habe sie Autokäufe bei zw ielichtigen Händlern getätigt, bevor schliesslich in diesem Jahr ein geeignetes Auto habe erw orben werden können. Zuletzt seien ausserdem Kosten in der Höhe von rund Fr. 3'000.-- im Zusammenhang mit einer ästhetischen Zahnbehandlung […] entstanden, welche man nun ratenwe ise am Abzahlen sei. Auch habe die Beschwerdeführerin ein Geometerbüro mit Abklärungen beauftragt, ohne die daraus entstehen- den Kosten in der Höhe von rund Fr. 500.-- zu bedenken. Administrativer Aufwand, welchen man am Abarbeiten sei, bestehe ausserdem im Zusammenha ng mit diversen Forderungen von Inkassobüros betreffend Schulden der Beschwerdeführerin aus den Jahren 2017-2019. Eine Aufhebung der bestehenden Massnahmen sei aus ihrer Sicht im heutigen Zeitpunkt nicht ange- zeigt. Allerdings könne sie sich vorstellen, dass der Beschwerdeführerin in einer Ablösungspha- se mehr Verantwortung übertragen werde könnte. 4.5.1 Der Beschwerdeführerin ist dahingehend beizupfl ichten, dass sie bis zu einem gewis- sen Grad über Krankheitseinsicht verfügt und in gesundhei tlichen Belangen ihre Hilfsbedürftig- keit anerkennt. Dies zeigt sich nicht zuletzt im Umstand, dass sie sich in den vergangenen Jah- ren bei einer Verschlechterung ihres psychischen Zustands jeweils freiwillig in stationäre Be- handlung begab. Relativierend ist diesbezüglich allerdin gs festzustellen, dass namentlich der Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik im Januar 2021 zwar auf freiwilliger Basis erfolgte, je- doch durch die Beiständin veranlasst wurde und nicht ohne deren Unterstützung zustande kam. Die Beschwerdeführerin weist sodann grundsätzlich zutreff end darauf hin, dass es ihr freisteht, bei wem sie sich in psychiatrische Behandlung begibt. Die von ihr veranlassten häufigen Wech- sel der behandelnden Person – alleine im Jahr 2021 wa r die Beschwerdeführerin bei drei ver- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schiedenen Psychiaterinnen und Psychiatern in Behandlung – lassen gleichwohl gewisse Zwei- fel an der Nachhaltigkeit ihrer Krankheitseinsicht aufk ommen. Die fraglichen Wechsel sind je- denfalls nicht geeignet, zu einer Stabilisierung ihr es psychischen Zustands beizutragen. Im Zu- ge der Behandlung durch Dr. med. D.____ sah sich die B eschwerdeführerin zudem veranlasst, ihre Medikation abzusetzen, was unbestrittenermassen zu e iner deutlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands führte. Soweit die Vorinstanz ge ltend macht, dass die Beschwerde- führerin in solchen Phasen nicht unterscheiden könne, w as der Realität entspricht und was nicht und auch keine Krankheitseinsicht mehr zeigt, erw eist sich dies als nachvollziehbar und steht im Einklang mit der Beurteilung im Gutachten vo n Dr. med. E.____, wonach im Fall der Beschwerdeführerin nicht von einem stabilen psychischen Zustand auszugehen sei. 4.5.2 Was den aus dem Schwächezustand resultierenden Unte rstützungsbedarf anbelangt, so verweist die Beschwerdeführerin grundsätzlich zutreffend auf die Einschätzung des Gutach- ters, wonach sie im Umfang ihres Haushaltsgelds in der Lage sei, ein Budget zu erstellen. Dass sie darüber hinaus in der Lage wäre, ihre administrat iven und finanziellen Angelegenheiten selbständig zweckmässig zu erledigen, ist angesichts ihres a ktuell instabilen psychischen Zu- stands indes nicht ersichtlich und kann dem Gutachten von Dr. med. E.____ nicht entnommen werden. Der Gutachter spricht sich namentlich nicht für ei ne Aufhebung der Erwachsenen- schutzmassahmen im heutigen Zeitpunkt aus, sondern beschränkt sich auf die Empfehlung, der Beschwerdeführerin schrittweise mehr Verantwortung zu übertragen, um die Kompetenzen in Bezug auf ihre Finanzen zu überprüfen. Die Vorinstanz hat im Sinne dieser gutachterlichen Be- urteilung sowohl in ihrer Vernehmlassung als auch anlä sslich der heutigen Verhandlung eine Anpassung oder Aufhebung der Erwachsenenschutzmassnahmen in Aussicht gestellt, sollte es der Beschwerdeführerin gelingen, ihren Alltag realist isch und zuverlässig zu meistern. Soweit sie zum Schluss gekommen ist, dass man von diesem Zustand aktuell noch zu weit entfernt sei, ist dies im Lichte der vorstehenden Ausführungen (E. 4.4.1-4.4.4 hiervor) nicht zu beanstanden. Wie aus den Arbeitsrapporten der Beiständin und deren Schilderungen anlässlich der heutigen Parteiverhandlung hervorgeht, ist die Beschwerdeführerin nach wie vor in verschiedenen Berei- chen auf Unterstützung angewiesen. Der Unterstützungsbeda rf der Beschwerdeführerin er- streckt sich nebst den finanziellen und administrativen Ange legenheiten auf die Bereiche Woh- nen und Gesundheit; diesbezüglich ist namentlich auf d ie von der Beschwerdeführerin vorge- nommene Kündigung ihrer Wohnung im Juli 2020 zu verwe isen, ohne dass ein neuer Mietver- trag vorgelegen hatte und ohne dass sich die Beschwerdefü hrerin im Klaren war, wie ihre zu- künftige Wohnsituation aussehen würde. In Bezug auf di e gesundheitlichen Belange der Be- schwerdeführerin ist insbesondere auf die stationäre Behandlung im Januar 2021 zu verweisen, welche zwar freiwillig, jedoch nicht aus eigenem Antrie b erfolgte und nicht ohne die Unterstüt- zung der Beiständin zustande kam. 4.5.3 Die von der Beschwerdeführerin im Eventualstand punkt beantragte Begleitbeistand- schaft (Art. 393 Abs. 1 ZGB) bedarf als mildeste Massnahme der Zustimmung der hilfsbedürfti- gen Person und führt zu keiner Einschränkung der Handlu ngsfähigkeit. Dem Begleitbeistand fehlt zudem die Vertretungsmacht. Entsprechend muss der Betroffene nach wie vor sämtliche Rechtshandlungen selber und in eigener Verantwortung wahrnehmen (vgl. BIDERBOST /HENKEL , a.a.O., N 27 zu Art. 393 ZGB). Im vorliegenden Fall w äre der Unterstützungsbedarf bei einer Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Begleitbeistandschaft in Phasen der Passivität der Beschwer deführerin, seien diese überforde- rungs- oder gesundheitsbedingt, nicht hinreichend gew ährleistet. Der aktuell instabile psychi- sche Zustand der Beschwerdeführerin bedingt vielmehr ein e Vertretungsbefugnis der Beistän- din, ansonsten ihre Belange in Phasen, in denen sich e ine akute Schutzbedürftigkeit manifes- tiert, nicht geregelt werden könnten. Namentlich könnte der Begleitbeistand die erforderliche Unterstützung mangels Vertretungsmacht in solchen Phasen nicht namens der Beschwerdefüh- rerin organisieren. Die Beistandsperson wäre zudem auf d ie Mitwirkung der Beschwerdeführe- rin angewiesen, welche angesichts des instabilen psychischen Zustands der Beschwerdeführe- rin momentan ebenfalls nicht gewährleistet wäre. Die Begleitbeistandschaft stellt nach dem Ge- sagten kein geeignetes Mittel dar, um dem Schwächezustan d der Beschwerdeführerin wirksam zu begegnen. Vielmehr erweist sich im heutigen Zeitpunkt die bestehende Vertretungsbeistand- schaft mit Vermögensverwaltung als erforderlich. 4.5.4 Was die beantragte Aufhebung der Mitwirkungsbeist andschaft anbelangt, so stellte das Kantonsgericht im Beschwerdeverfahren betreffend deren Errichtung fest, dass die Beschwer- deführerin nur bedingt in der Lage sei, die Folgen ihres Handelns zu erfassen. Die Beschwerde- führerin schliesse regelmässig Käufe ab, welche nicht zweckmä ssig bzw. nicht mit dem ihr mo- natlich zur Verfügung stehenden Budget vereinbar seien (vgl. KGE VV vom 29. März 2017 [810 16 315] E. 3.6). Die Gefahr des impulsiven, unüberlegt en Ausgebens namhafter Geldbeträge begründe eine Hilfsbedürftigkeit, die es mit darauf a bgestimmten erwachsenenschutzrechtli- chen Massnahmen aufzufangen gelte. Die Verknüpfung der gewählten Beistandschaften er- scheine im Fall der Beschwerdeführerin als geeignet und zielführend, weil die angeordnete Er- weiterung der Massnahme die Gefahr von unbedachten Au sgaben voraussichtlich eindämme, ohne aber die Handlungsfähigkeit der Beschwerdeführe rin grundsätzlich einzuschränken (vgl. KGE VV vom 29. März 2017 [810 16 315] E. 3.8). D ass sich bezüglich der dieser Beurtei- lung zugrundeliegenden Umstände eine wesentliche Änderung ergeben hätte, welche eine Auf- hebung der Mitwirkungsbeistandschaft rechtfertigen könnte, ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht substantiiert aufgezeigt. Ihre Argumentation, wonach sie mit dem von der Beiständin zur Verfügung gestellten Budget haushalten könne und sich der End- lichkeit ihres Vermögens bewusst sei, genügt in diesem Zus ammenhang nicht. Die Beschwer- deführerin tätigt gemäss den schlüssigen Ausführungen de r Beiständin nach wie vor regelmäs- sig unüberlegte Ausgaben und geht Verpflichtungsgeschäft e ein bzw. generiert mit ihren Hand- lungen Kosten, welche ausserhalb des ihr zur Verfügung stehenden Budgets liegen. Angesichts dessen bestehen konkrete Anhaltspunkte, dass es wie in der Vergangenheit zu einer Verschul- dung kommen könnte, würde die Limite für Vertragsschlü sse ohne Mitwirkung der Beiständin auf Fr. 800.-- erhöht. Dasselbe gilt in Bezug auf di e Zugriffsbeschränkung über die Konten der Beschwerdeführerin, welche sich ebenso wie die bestehende Mitwirkungsbeistandschaft aktuell als erforderlich erweist. 4.5.5 Hinsichtlich der Verhältnismässigkeit der bestehend en Erwachsenenschutzmassnah- men ist schliesslich festzustellen, dass diese die Handlung sfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht in besonders schwerer Weise einschränken. Der Beschwer deführerin bleibt es möglich, Zahlungen im Rahmen des ihr zur freien Verfügung stehenden Betrags von monatlich Fr. 800.-- zu tätigen (Art. 409 ZGB) und Verpflichtungen bis zu e inem Betrag von Fr. 200.-- einzugehen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Beschwerdeführerin vermochte anlässlich der heutigen Verhandlung auch nicht schlüssig darzulegen, inwiefern sie durch die strittigen Massnahmen in ihrer Lebensführung in unzumut- barer Weise eingeschränkt wäre. Die bestehenden Erwachs enenschutzmassnahmen erweisen sich damit in der momentanen Situation als verhältnismässig und eine Lockerung entsprechend dem Subeventualantrag ist aktuell nicht angezeigt. Sol lte sich eine nachhaltige Stabilisierung des psychischen Zustands der Beschwerdeführerin abzeichnen, wäre durch die Vorinstanz al- lerdings eine schrittweise Übertragung zusätzlicher Komp etenzen im Sinne des von Dr. med. E.____ aufgezeigten und von der Vorinstanz in Aussicht gestellten Vorgehens zu prüfen. 4.5.6 Nach dem Gesagten ist die Abweisung des Gesuchs der Beschwerdeführerin um Auf- hebung der Erwachsenenschutzmassnahmen nicht zu beanstand en. Die Beschwerde ist dem- nach abzuweisen. 5.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'000.-- sind ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin a ufzuerlegen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). 5.2.1 Die Beschwerdeführerin stellt das Gesuch um Bewil ligung der unentgeltlichen Prozess- führung und Verbeiständung. Die Voraussetzungen von § 22 Abs. 1 und 2 VPO sind erfüllt, weshalb dem Gesuch entsprochen werden kann. 5.2.2 Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessf ührung gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. Dem Rechtsvertreter der Beschwer deführerin ist eine Entschädi- gung aus unentgeltlicher Verbeiständung auszurichten. De r in den Honorarnoten vom 1. Okto- ber 2021 und 23. November 2021 ausgewiesene Aufwand von 9.5 bzw. 5 Stunden (Substitutin) erweist sich für das vorliegende Verfahren als angemessen . Der Stundenansatz beträgt ge- mäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde , wobei für Substituten ein Ansatz von Fr. 100.-- zur Anwendung kommt. Das Honorar ist demna ch auf Fr. 2'610.10 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) festzusetzen. 5.2.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hi ngewiesen, dass sie zur Nachzah- lung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführerin wird für das vorliegende V erfahren die unent- geltliche Prozessführung und Verbeiständung bewilligt. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'000.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und gehen zufolge Bewilligu ng der unentgelt- lichen Prozessführung zulasten der Gerichtskasse. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Be willigung der unent- geltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertreter der B eschwerdefüh- rerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'610.10 (inkl . Auslagen und 7.7 % MWST) zu Lasten der Gerichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiber