A bteilung III C -1330/2006 {T 0/2} U rteil vom 16. Juli 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichter Vuille und R ichterin Avenati-C arpani; G erichtsschreiberin Kaufm ann. A._______ und N ._______, Beschw erdeführer, vertreten durch R echtsanw alt D r. Peter Steiner, Landstrasse 57, Postfach 214, 5430 W ettingen 1, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung für H ._______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie aus dem Kosovo stam m ende serbische Staatsangehörige H ._______ (im Folgenden: G esuchstellerin) beantragte am 27. O ktober 2006 beim Schw eizerischen Verbindungsbüro in Pristina ein Visum für einen zw eim onatigen Besuchsaufenthalt bei ihrem Sohn und ihrer Schw ieger- tochter N ._______ und A._______ (im Folgenden: G astgeber bzw . Be- schw erdeführer) in W ettingen (AG ). D ie Schw eizer Vertretung lehnte die Erteilung de Visum s form los ab und überw ies das G esuch der Vorinstanz zum Entscheid. B. N achdem das M igrationsam t Kanton Aargau bei den G astgebern w eitere Auskünfte eingeholt, und bezüglich ihrer finanziellen Situation entspre- chende Abklärungen bei der W ohngem einde vorgenom m en hatte, verw ei- gerte die Vorinstanz in einer Verfügung vom 27. N ovem ber 2006 die nach- gesuchte Einreisebew illigung. D ies im W esentlichen m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise könne angesichts der w irtschaftlichen und soziokulturellen Lage im H erkunftsland sow ie der per- sönlichen Verhältnisse der G esuchstellerin nicht als gesichert betrachtet w erden. Zudem hätten sich die finanziellen G arantien als ungenügend er- w iesen. C . M it Beschw erde vom 8. D ezem ber 2006 (D atum des Poststem pels) bean- tragten die G astgeber beim dam als zuständigen Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) im plizit die Aufhebung der vorinstanzli- chen Verfügung und die Erteilung der Einreisebew illigung. Zur Begründung m achten sie im W esentlichen geltend, die Vorinstanz gehe zu U nrecht da- von aus, die W iederausreise der G esuchstellerin nach einem Besuchsauf- enthalt w äre nicht gesichert. Es gehe lediglich um einen Besuch über die Festtage hinw eg, und die G esuchstellerin habe keinerlei Absicht, länger als im Einreisegesuch angegeben in der Schw eiz zu bleiben. Sie lebe zu- sam m en m it einem Sohn in Pristina, der für die U N M IK arbeite und dam it eine vergleichsw eise gute Stelle habe. Sie sei bereits m ehr als 50 Jahre alt und ihr Lebensm ittelpunkt befinde sich entsprechend im Kosovo. W as die kritisierte G arantiefähigkeit betreffe, so verfügten sie über genügend Einkom m en und hätten w eder Steuerausstände noch offene Betreibungen. D . D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 27. April 2007 die Abw eisung der Beschw erde. Zw ar hätten die Beschw erdeführer inzw i- schen offene Steuerschulden beglichen und w ären som it in der Lage, die notw endigen finanziellen G arantien zu leisten. H ingegen sei eine W ieder- ausreise der G esuchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt nach w ie vor als nicht gesichert zu erachten. G egen den G astgeber sei zudem im N o- vem ber 2006 ein Strafbefehl w egen W iderhandlung gegen frem denpolizei- liche Vorschriften erlassen w orden. D er diesem Strafbefehl zugrunde lie- gende Sachverhalt (illegale Einreise, illegaler Aufenthalt, Stellenantritt ohne Bew illigung) berechtige - auch w enn die Vergehen bereits einige Zeit zurücklägen - zu Zw eifeln an der Integrität des G astgebers.3 E. In einer R eplik vom 1. Juni 2007 liessen die Beschw erdeführer – nun ver- treten durch R echtsanw alt Peter Steiner – an ihren R echtsbegehren und an deren Begründung festhalten. D abei w urde aberm als betont, dass die G esuchstellerin kein Interesse habe, in der Schw eiz zu bleiben. Sie (die Beschw erdeführer) garantierten für eine fristgerechte W iederausreise. Auf diese und auf w eitere Vorbringen w ird, sow eit entscheidserheblich, in den Erw ägungen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM betr. Einreiseverw eigerung unterliegen der Be- schw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesge- setzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20], Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelverfahren w erden vom Bundesverw al- tungsgericht übernom m en. D ie Beurteilung erfolgt nach neuem Verfah- rensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Artikel 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz über das Verw altungsverfahren vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021), sofern dieses G esetz nichts an- deres bestim m t. D as U rteil ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 D ie Beschw erdeführer sind zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 20 Abs. 2 AN AG , Art. 48 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist – vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe – von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]; PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M ., 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La pro- tection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24).4 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D ie G esuchstellerin benötigt aufgrund ihrer N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass ein Visum . D ie Vorinstanz verw eigerte die Ertei- lung eines solchen Visum s unter anderem m it der Begründung, die an- standslose und fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinrei- chend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. D ie G esuchstellerin lebt im Kosovo. D ie Sicherheitslage in dieser R egion konnte zw ar im Verlauf der letzten Jahre w eitgehend stabilisiert w erden und der W iederaufbau von Adm inistration und Infrastruktur ist unter Beteili- gung internationaler O rganisationen und Staatengem einschaften in G ang gekom m en. D ie dam it verbundenen H offnungen w urden aber durch eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und einen niedrigen Lebensstandard schon bald m assiv gedäm pft. D er w irtschaftliche Transform ationsprozess entw ickelt sich nur langsam und eine nachhaltige Verbesserung der w irt- schaftlichen und sozialen Situation erw eist sich als schw ierig. D ie w irt- schaftlichen Prognosen sind eher schlecht, w ird doch von Experten für die nächsten Jahre ein m assiver R ückgang bei den H ilfsgeldern erw artet. In breiten Teilen der Bevölkerung ist bereits jetzt eine gew isse D esillusionie- rung eingetreten. Entsprechend hoch ist nach w ie vor der Anteil derer, die sich zur Em igration entschliessen. Laut der "International O rganization for M igration" (IO M ) sollen in einer zu Beginn des Jahres 2003 durchgeführten U m frage über 50% der Befragten angegeben haben, sie w ürden lieber im Ausland leben und arbeiten. U nter den M igrationsw illigen gilt vor allem W esteuropa und dam it auch die Schw eiz als W unschdestination. D er W ille zur Ausw anderung w ird erfahrungsgem äss dort noch begünstigt, w o - w ie vorliegend - sich bereits Verw andte oder Bekannte im Ausland etabliert ha- ben und entsprechend ein soziales N etz besteht. 4. 4.1 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und 5 Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller oder einer G e- suchstellerin im H eim atland beispielsw eise eine besondere berufliche, ge- sellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durch- aus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m - gekehrt m uss bei G esuchstellern, die in ihrer H eim at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R isiko für ein frem denpolizeilich nicht vor- schriftsgem ässes Verhalten (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchs- aufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 4.2 D ie G esuchstellerin hat sich zw ischen April 1999 und Ende M ai 2000 schon einm al als Asylbew erberin in der Schw eiz aufgehalten. Zur Begrün- dung ihres G esuches m achte sie dam als geltend, sie sei vor den Serben geflohen, die ihren M ann getötet und das H aus in H erexhe (G em einde G jakove) niedergebrannt hätten. D er W egzug aus der Schw eiz erfolgte schliesslich unfreiw illig, nachdem das Asylgesuch abgew iesen, die W eg- w eisung verfügt und zur Ausreise Frist angesetzt w orden w ar. Es versteht sich von selbst, dass im Falle ehem aliger Asylbew erber eine Visum sertei- lung zu Besuchszw ecken grundsätzlich von einer geglückten R eintegration in der H eim at und einer dauerhaften Festigung in den persönlichen, fam iliären und w irtschaftlichen Verhältnissen abhängig zu m achen ist. 5. 5.1 Solche gefestigten Verhältnisse w erden von den Beschw erdeführern gel- tend gem acht. D ie m ittlerw eile 57 Jahre alte G esuchstellerin lebe heute zusam m en m it ihrem ältesten Sohn in Pristina. Sie sei dort bestens aufge- hoben. D er Sohn habe eine gute Arbeitsstelle in einem Passbüro der U N - M IK. Ü ber die konkreten Lebensum stände ist w eiter nichts aktenkundig. So ist nicht bekannt, in w elchen räum lichen, finanziellen und sozialen Ver- hältnissen (Verw andtschaft) die G esuchstellerin lebt. Entsprechend fehlt es auch an Belegen für diese angeblich vorteilhaften Verhältnisse. Auf der anderen Seite hat die G esuchstellerin zw eifellos einen starken Bezug zur Schw eiz. H ier lebt nebst dem G astgeber noch ein w eiterer Sohn und hier hat sie sich vor Jahren schon einm al für längere Zeit aufgehalten. 5.2 Vor dem aufgezeigten persönlichen und allgem einen H intergrund durfte die Vorinstanz dem nach davon ausgehen, dass keine hinreichende G e- w ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise der G esuch- stellerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht. D iese Beurteilungen kann durch die Zusicherungen der Beschw erdeführer nicht in Frage gestellt w er- den. D ie entsprechenden Zusicherungen sind rechtlich nicht verbindlich und faktisch auch nicht durchsetzbar. D ie Beschw erdeführer können (und m üssen) zw ar für gew isse finanzielle R isiken im Zusam m enhang m it dem geplanten Besuchsaufenthalt, aus naheliegenden G ründen aber nicht für ein bestim m tes Verhalten ihres G astes garantieren. Letztlich bleibt es die- sem anheim gestellt, ob er sich an die deklarierten Vorgaben halten w ill oder nicht. Bei dieser R echtslage erübrigt es sich, auf die Frage der Inte- grität des Beschw erdeführers und auf die diesbezüglichen Einw ände der Vorinstanz näher einzugehen. 6 6. Aus vorstehenden D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist deshalb abzuw eisen. 7. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w erden die unterliegenden Beschw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfah- renskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden den Beschw erdeführern aufer- legt. Sie sind durch den am 26. Januar 2007 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - den Beschw erdeführern (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten 1 698 778 zurück) D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: A. Trom m er D . Kaufm ann Versand am :