Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 14. Juni 2022 (470 22 60) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verfahrenseinstellung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Helena Hess (Ref.), Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien A.____ , vertreten durch Rechtsanwalt Burim Imeri, Schaffhauserstrasse 57, Postfach, 4332 Stein AG, Beschwerdeführer gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Allgemeine Delikte, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin B.____ , Beschuldigter Gegenstand Verfahrenseinstellung (Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 21. April 2022) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Im Rahmen eines gegen B.____ geführten Strafverfahr ens betreffend die Straftatbestän- de der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs erliess die Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft, Allgemeine Hauptabteilung (neu: Hauptabt eilung Allgemeine Delikte), mit Datum vom 21. April 2022 eine Einstellungsverfügung mit folgendem Inhalt: "1. Das Strafverfahren gegen die beschuldigte Person w ird in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO eingestellt. Das Strafverfahren gegen unbekannte Täterschaft bleibt jedoch bis zur Verjährung (voraussichtlich am 2. Oktober 2 031) pendent und wird gemäss Art. 314 Abs. 1 lit. a StPO sistiert. Bei Eintri tt der Verjährung wird keine wei- tere Einstellungsverfügung erlassen (ausser auf ausdrückliche n Wunsch der Privat- klägerschaft). 2. Die Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Staates. 3. Der beschuldigten Person werden gemäss Art. 430 Ab s. 1 lit. c StPO keine Entschä- digung und keine Genugtuung zugesprochen." Auf die Begründung dieser Verfügung sowie der nachfol genden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. B. Gegen diese Einstellungsverfügung erhob A.____ mit Ei ngabe vom 4. Mai 2022 Be- schwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, und stellte dabei die folgenden Rechtsbegehren: Es sei die angefochtene Einst ellungsverfügung aufzuheben (Ziff. 1), und es sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, das Strafverfahren gegen B.____ wie- der aufzunehmen bzw. Anklage zu erheben (Ziff. 2); dies alles unter Kosten- und Entschädi- gungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer (Ziff. 3). C. In ihrer Stellungnahme vom 10. Mai 2022 beantragte die Staatsanwaltschaft, es sei die Beschwerde abzuweisen, und es seien die Kosten des Ver fahrens der beschwerdeführenden Partei aufzuerlegen. D. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 5. Mai 2022 wur de der Beschwerdeführer zur Erbringung einer Sicherheitsleistung in der Höhe von C HF 500.-- verpflichtet. Mit weiterer Ver- fügung vom 23. Mai 2022 wurde festgestellt, dass der Beschuldigte innert Frist keine fakultative Stellungnahme eingereicht hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Rechtsmittelinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StPO. Nach Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist gegen die Einstellungsverfügu ng der Staatsanwaltschaft die Be- schwerde zulässig. Gemäss Abs. 2 von Art. 393 StPO können mit der Beschwerde gerügt wer- den: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung un d Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a); die unvollständige oder unrichtige Feststel- lung des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unangemessenheit (l it. c). In Anwendung von Art. 322 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 396 Abs. 1 StPO i st die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide innert zehn Tagen schrif tlich und begründet bei der Beschwer- deinstanz einzureichen. Die Legitimation des Beschwerdeführers zur Ergreifung des Rechtsmit- tels schliesslich wird in Art. 382 Abs. 1 StPO sowie Art. 322 Abs. 2 StPO normiert. Danach kann jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Ent- scheides hat, ein Rechtsmittel ergreifen. Im vorliegenden Fall hat sich der Beschwerdeführer als Privatkläger und damit im Sinne von Art. 104 Abs. 1 lit . b StPO in Verbindung mit Art. 118 Abs. 1 und Abs. 2 StPO als Partei konstituiert und ist ausserdem durch den angefochtenen Ent- scheid unmittelbar in seinen Rechten betroffen, womit seine Beschwerdelegitimation in Bezug auf die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft v om 21. April 2022 zu bejahen ist. Nach- dem im Übrigen die angefochtene Verfügung ein taugl iches Anfechtungsobjekt darstellt, der Beschwerdeführer zudem eine zulässige Rüge erhebt, die Rechtsmittelfrist gewahrt hat sowie der Begründungspflicht wie auch der Pflicht zur fristge mässen Erbringung der Sicherheitsleis- tung nachgekommen ist, ist im Folgenden ohne Weiteres a uf das vorliegende Rechtsmittel ein- zutreten. 2.1 a) Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung ihrer an gefochtenen Einstellungsverfügung vom 21. April 2022 zusammengefasst aus, dem Beschuldigten werde vorgeworfen, zu einem unbekannten Zeitpunkt im Zeitraum vom 2. Oktober 2021 bis zum 28. November 2021 auf der Liegenschaft von A.____ unerlaubterweise mehrere Pfl anzen zurückgeschnitten und den Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stamm einer Birke eingeschnitten zu haben, wodurch ein erheblicher Schaden entstanden sei. Zudem werde dem Beschuldigten vorgeworfen, das Nachbargrundstück von A.____ widerrecht- lich betreten zu haben. Deshalb sei gegen den Beschuldig ten ein Strafverfahren wegen Sach- beschädigung und Hausfriedensbruch eröffnet worden. A nlässlich der Einvernahme vom 7. Ja- nuar 2022 habe der Beschuldigte jedoch sämtliche Vorw ürfe bestritten. Weiter sei dem Nach- tragsrapport der Polizei Basel-Landschaft vom 24. Febr uar 2022 zu entnehmen, dass trotz um- fangreicher polizeilicher Ermittlungen die Täterschaft nicht habe ermittelt werden können. Auch der Nachbar C.____ habe keine tatrelevanten Angaben machen können. Da Aussage gegen Aussage stehe und keine genügend objektiven Zeugen vorha nden seien, könnten dem Be- schuldigten die Vorwürfe nicht mit hinreichender Siche rheit nachgewiesen werden. Angesichts der konkreten Sach- und Beweislage sei somit ein Freispr uch vor dem Strafgericht Basel- Landschaft mit Sicherheit zu erwarten. b) In ihrer Beschwerdeantwort vom 10. Mai 2022 führt di e Staatsanwaltschaft ergänzend aus, aus den Akten ergebe sich zwar, dass das Verhältnis zwi schen den Parteien schon länger getrübt sei. Ungeachtet dessen seien die Aussagen des Besch uldigten vom 7. Januar 2022 sachlich, offen sowie nachvollziehbar und würden diverse Re alkriterien beinhalten, weshalb sie einen zu beachtenden Grad an Glaubhaftigkeit aufwies en. Der Schlussfolgerung, wonach aus- ser dem Beschuldigten keine andere Täterschaft in Frage komme, könne sich die Staatsanwalt- schaft aufgrund der konkreten Sach- und Beweislage nicht anschliessen. 2.2 Demgegenüber legt der Beschwerdeführer in seiner Be schwerde vom 4. Mai 2022 im Wesentlichen dar, die Staatsanwaltschaft habe die Einst ellungsverfügung in Verletzung der einschlägigen Grundsätze erlassen. In Kenntnis der dokum entierten Vorgeschichte zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Nachbarn komme im vorli egenden Fall keine andere Per- son für die strafbaren Handlungen in Frage, weshalb e ine Verurteilung des Beschuldigten als sehr wahrscheinlich gelte. Das nachbarschaftliche Verhält nis sei bereits seit dem Jahre 2006 getrübt und nur der Beschuldigte habe ein Interesse am Zurückschneiden der Sträucher und der Bäume gehabt, was er denn auch in diversen Schreiben mehrfach bekundet habe. Niemand sonst hätte ein Interesse gehabt, auf ein fremdes Grundstück zu gehen und eine Birke so anzu- sägen, dass der Schaden zwar auf den ersten Blick gar nicht ersichtlich sei, diese aber bei star- kem Wind umstürze oder absterbe. Ausserdem werde nochmals b eantragt, den Nachbarn C.____ formell als Zeugen zu befragen. Im Polizeirapp ort vom 1. Februar 2022 werde zwar er- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wähnt, der Genannte habe nicht bestätigen können, dass der Beschuldigte Äste und Pflanzen des Beschwerdeführers geschnitten habe. Gegenüber dem B eschwerdeführer habe dieser al- lerdings angegeben, er habe gesehen, wie der Beschuld igte eine Leiter an einen Baum des Beschwerdeführers angelehnt habe. Ebenso hätte D.___ _ formell als Zeuge befragt werden müssen. Infolgedessen sei die angefochtene Einstellungsverfü gung in Gutheissung der Be- schwerde aufzuheben, und die Staatsanwaltschaft sei anzuw eisen, die Strafuntersuchung wei- terzuführen, die genannten Zeugen formell unter Wahr ung der Teilnahmerechte zu befragen und alsdann Anklage zu erheben. 3.1 a) Gemäss Art. 319 Abs. 1 StPO verfügt die Staatsanwaltsc haft die vollständige oder teilwei- se Einstellung des Verfahrens, wenn kein Tatverdacht erhär tet ist, der eine Anklage rechtfertigt (lit. a), wenn kein Straftatbestand erfüllt ist (lit. b), wenn Rechtfertigungsgründe einen Straftat- bestand unanwendbar machen (lit. c), wenn Prozessvorausset zungen definitiv nicht erfüllt wer- den können oder Prozesshindernisse aufgetreten sind (lit. d) oder wenn nach gesetzlicher Vor- schrift auf Strafverfolgung oder Bestrafung verzichtet werden kann (lit. e). Nach lit. a von Art. 319 Abs. 1 StPO ist einzustellen , wenn im Vorverfahren der ursprünglich vorhandene Anfangsverdacht nicht in einem Mass hat erhär tet werden können, dass sich eine Anklage rechtfertigt. Allerdings hat sich die Staatsanwaltschaft in Zurückhaltung zu üben bei der Frage, ob ein solcher Tatverdacht besteht. Widersprechen sich Beweise, so ist es gemäss Bot- schaft des Bundesrates vom 21. Dezember 2005 zur Vereinhe itlichung des Strafprozessrechts, S. 1273, nicht Sache der Staatsanwaltschaft, eine Beweiswürdigung vorzunehmen. Im Zweifels- falle ist in Beachtung des Grundsatzes "in dubio pro du riore" zu überweisen. Bei der Frage der Überweisung des Beschuldigten an das urteilende Gericht spielt der Grundsatz "in dubio pro reo" nicht. Es ist Sache des Gerichts, darüber zu befi nden, ob sich jemand im strafrechtlichen Sinne schuldig gemacht hat oder nicht. Die Staatsanwal tschaft hat nur dann einzustellen, wenn eine Hauptverhandlung als eigentliche Ressourcenverschwendung bzw. aufgrund des absehba- ren Freispruchs als Zumutung für den Beschuldigten erschei nen müsste. Von einer Überwei- sung ist mithin dann abzusehen, wenn nach der gesamten Aktenlage ein Freispruch zu erwar- ten ist (R OLF GRÄDEL / MATTHIAS HEINIGER , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro- zessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 8 zu Art. 319 St PO, mit Hinweisen). Nach S CHMID und JOSITSCH ist erforderlich, dass bei erfolgter Anklage nicht mit einem verurteilenden Erkenntnis Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Gerichts gerechnet werden könnte, also mit Sicherhei t oder grosser Wahrscheinlichkeit mit einem Freispruch zu rechnen wäre (N IKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , Schweizerische Straf- prozessordnung, Praxiskommentar, 3. Auflage, Zürich / St. Gallen 2018, N 5 zu Art. 319 StPO; DIESELBEN , in: Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. A uflage, Zürich / St. Gal- len 2017, Rz. 1251; jeweils mit Hinweisen). Die Beurte ilung der Wahrscheinlichkeit eines Schuldspruchs bzw. der Prozessaussichten ist dem pflichtgemäs sen Ermessen der Staatsan- waltschaft anheimgestellt. Steht dem bestreitenden Beschuldigten nur die Aussage eines an der Verurteilung unmittelbar interessierten Geschädigten ge genüber und finden dessen Anschuldi- gungen nicht eine objektive Bestätigung im Untersuchung sergebnis, so kann von einem für die Anklageerhebung hinreichenden Verdacht nicht gesprochen werden (N ATHAN LANDSHUT / THOMAS BOSSHARD , in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Auflage, Zü- rich / Basel / Genf 2020, N 16 f. zu Art. 319 StPO, mit Hinweisen). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. zum Gan zen BGer 6B_1358/2016 vom 1. Juni 2017 E. 2.2.1 f.) darf eine Einstellung durch die Staatsanwaltschaft grundsätzlich nur bei klarer Straflosigkeit oder offensichtlich fehlenden Prozess voraussetzungen angeordnet werden. Hingegen ist, sofern die Erledigung mit einem Strafb efehl nicht in Frage kommt, Anklage zu erheben, wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher erschei nt als ein Freispruch. Ist ein Frei- spruch genauso wahrscheinlich wie eine Verurteilung, dr ängt sich in der Regel, insbesondere bei schweren Delikten, eine Anklageerhebung auf. Bei zwe ifelhafter Beweis- oder Rechtslage hat nicht die Staatsanwaltschaft über die Stichhaltigk eit des strafrechtlichen Vorwurfs zu ent- scheiden, sondern das zur materiellen Beurteilung zustän dige Gericht. Der Grundsatz, dass im Zweifel nicht eingestellt werden darf, ist auch bei d er Überprüfung von Einstellungsverfügungen zu beachten (BGE 138 IV 186 E. 4.1, mit Hinweisen; BGe r 6B_698/2016 vom 10. April 2017 E. 2.3; 6B_816/2016 vom 20. Februar 2017 E. 2.2). B ei der Beurteilung dieser Frage verfügen die Staatsanwaltschaft und die Beschwerdeinstanz über e inen gewissen Spielraum, den das Bundesgericht nur mit Zurückhaltung überprüft (BGer 6B _856/2013 vom 3. April 2014 E. 2.2; BGE 138 IV 186 E. 4.1). Auf eine Anklageerhebung kann verzichtet werden, wenn der Strafklä- ger ein widersprüchliches Aussageverhalten offenbart hat und seine Aussagen daher wenig glaubhaft sind (BGer 6B_698/2016 vom 10. April 2017 E. 2.4.3) oder wenn eine Verurteilung unter Einbezug der gesamten Umstände aus anderen Grün den als von vornherein unwahr- scheinlich erscheint (BGer 6B_822/2016 vom 12. September 2016 E. 2.3; 1B_535/2012 vom 28. November 2012 E. 5.2). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) Gemäss Art. 144 StGB macht sich der Sachbeschädigung schuldig und wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer eine Sache, an der ein frem- des Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutzniessungsrecht besteht , beschädigt, zerstört oder un- brauchbar macht. Tatobjekt sind fremde bewegliche und u nbewegliche Sachen. Die Tathand- lung besteht im Beschädigen, Zerstören und Unbrauchbarma chen, wobei das Unbrauchbarma- chen neben dem Beschädigen keine selbstständige Rolle spielt. Subjektiv erfordert die Sachbe- schädigung Vorsatz. Dazu gehören insbesondere das Wissen, dass die Sache fremd ist, sowie das Wissen und Wollen, dass die Einwirkung auf die Sache diese beschädigt oder zerstört. Nach den allgemeinen Regeln genügt Eventualvorsatz (P HILIPPE WEISSENBERGER , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, Basel 2019, N 3 ff. zu Art. 144 StGB, mit Hinweisen). c) Nach Art. 186 StGB begeht einen Hausfriedensbruch un d wird, auf Antrag, mit Freiheits- strafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus, in eine Wohnung, in einen abgeschlossenen Raum e ines Hauses oder in einen unmittel- bar zu einem Hause gehörenden umfriedeten Platz, Hof oder Garten oder in einen Werkplatz unrechtmässig eindringt oder, trotz der Aufforderung eines Berechtigten, sich zu entfernen, da- rin verweilt. Durch Art. 186 StGB geschütztes Rechtsgut ist das Hausrecht, d.h. die Befugnis, über die bestimmten Räume ungestört zu herrschen und d arin den eigenen Willen frei zu betä- tigen. Geschützt wird auch der unmittelbar zu einem Haus gehörende Garten. Umfriedet bedeu- tet, dass solche Flächen umschlossen sein müssen, etwa durch Zäune oder Hecken. Massge- bend ist die Erkennbarkeit der Abgrenzung, nicht deren Lückenlosigkeit. Eindringen ist das Be- treten der geschützten Bereiche gegen den Willen des Be rechtigten. Die Art des Eindringens ‒ heimlich, offen oder gewaltsam ‒ spielt keine Rolle. Der Wille des Berechtigten kann ausdrück- lich oder konkludent zum Ausdruck gebracht werden oder au s den Umständen hervorgehen. Auf der subjektiven Seite erforderlich ist Vorsatz bzw. Eventualvorsatz (V ERA DELNON / BERHARD RÜDY , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, B asel 2019, N 5 ff. zu Art. 186 StGB, mit Hinweisen). 3.2 In casu ergibt sich aufgrund der Aktenlage, dass im Zeitr aum zwischen Ende Juli 2021 und An- fang Oktober 2021 eine unbekannte Täterschaft auf dem Grundstück des Beschwerdeführers diverse Gehölze entlang der Parzellengrenze stark zurückgesc hnitten und des Weiteren den Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stamm einer Birke mit einer Säge zwei bis vier Zentime ter tief über den gesamten Umfang ein- geschnitten und dadurch einen Sachschaden von über CHF 33'000.-- verursacht hat (vgl. den Rapport der Polizei Basel-Landschaft, Mobile Polizei W est, vom 1. Februar 2022 sowie den Bericht von E.____, Baumpflegespezialist mit eidgenössische m Fachausweis, vom 9. März 2022). Bei der konkreten Würdigung der vorliegenden Streitsache ist sodann zu konstatieren, dass die Behauptung des Beschwerdeführers, wonach der Beschuldigte ein Interesse am Zurückschnei- den der Sträucher und an der Beschädigung der Birke des Privatklägers gehabt habe, bei ob- jektiver Betrachtung nicht von der Hand zu weisen ist. S o sind zwei Schreiben vom 17. Mai 2009 ("Schuldanerkennung") und vom 19. Mai 2009 ("Er mahnung") ins Recht gelegt worden, aus welchen sich zweifellos die Ansicht des Beschuldigten, wo nach die Bäume und Sträucher des Beschwerdeführers an der Grenze zur Nachbarparzelle n icht auf das gesetzliche Mass zu- rückgeschnitten worden sein sollen und überdies der Mind estabstand zur Grenze nicht einge- halten worden sein soll, ergibt. Allerdings datiere n diese Schreiben wie dargelegt aus dem fer- nen Jahr 2009, weshalb davon auszugehen ist, dass der B eschuldigte, soweit dieser ein unmit- telbares Interesse an den entsprechenden Kappungen ge habt hätte, wohl schon zu einem früheren Zeitpunkt tätig geworden wäre. Die weiteren sich in den Akten befindlichen Schreiben des Beschuldigten vom 11. Oktober 2021 und 30. Novembe r 2021 sind ferner lediglich als Re- aktion auf dasjenige des Beschwerdeführers vom 10. Okto ber 2021 und den darin vorgebrach- ten Vorwurf der Sachbeschädigung sowie des Hausfried ensbruchs zu verstehen, ohne jedoch einen objektiven Beweiswert aufzuweisen. Dass der Beschuldi gte allenfalls vordergründig ein Motiv für die Sachbeschädigungen (und damit verbunden den Hausfriedensbruch) gehabt ha- ben mag, ist im Übrigen nach Überzeugung des Kantonsger ichts nicht entscheidend. Massge- blich ist vielmehr, dass der Beschuldigte die Vorwürfe anl ässlich seiner Einvernahme durch die Polizei, Mobile Polizei West, vom 7. Januar 2022 bestrit ten hat und ihm ‒ nachdem die An- schuldigungen des Beschwerdeführers keine objektive Bestäti gung im Untersuchungsergebnis finden ‒ bloss die Aussage eines an der Verurteilung unmittelb ar interessierten Geschädigten gegenübersteht. Namentlich haben die von der Polizei be fragten Nachbarn C.____ und D.____ ausgesagt, dass er den Beschuldigten gesehen habe, wie dieser seine eigene Gartenarbeit verrichtet habe, wobei er nicht bestätigen könne, dass dieser auch die Pflanzen des Beschwer- deführers geschnitten habe (C.____), bzw. dass er zu kei nem Zeitpunkt jemanden gesehen habe, welcher auf dem Areal des Beschwerdeführers die Äste zurückgeschnitten habe (D.____) Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. den Rapport der Polizei, Mobile Polizei West, vom 1. Februar 2022 sowie deren Nach- tragsrapport vom 24. Februar 2022). Es ist nicht zu erw arten, dass eine formelle Befragung der genannten Personen als Zeugen, wie vom Beschwerdeführ er beantragt, an diesen Depositio- nen irgendetwas ändern würde. Weitere objektive Bewei se oder Indizien sind hingegen, wie festgestellt, nicht vorhanden. Im Ergebnis liegt damit auch unter Beachtung des vom Be- schwerdeführer zu Recht zitierten Grundsatzes "in dubio pr o duriore" kein für die Anklageerhe- bung hinreichender Tatverdacht vor, womit keine verurte ilende Erkenntnis des Sachgerichts zu erwarten ist, also mit Sicherheit oder zumindest mit g rosser Wahrscheinlichkeit mit einem Frei- spruch von den vorgängig definierten Tatbeständen der S achbeschädigung gemäss Art. 144 StGB sowie des Hausfriedensbruchs nach Art. 186 StGB zu rechnen ist. Infolgedessen ist zu erwägen, dass die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO zu Recht eingestellt hat, weshalb die Beschwerde vom 4. Mai 2022 gegen die Einstellungsver- fügung vom 21. April 2022 als unbegründet abzuweisen ist. 4. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Bei vorl iegendem Verfahrensausgang ge- hen somit die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von CHF 1'050.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1'000.-- sowie Ausla gen von CHF 50.-- [§ 13 Abs. 1 GebT sowie § 3 Abs. 6 GebT]) zu Lasten des Beschwerdeführers, wobei die von ihm erbrachte Si- cherheitsleistung in der Höhe von CHF 500.-- an die V erfahrenskosten angerechnet wird. In Bezug auf die ausserordentlichen Kosten ist zu erkennen, dass der Beschwerdeführer seine Parteikosten gestützt auf den Verfahrensausgang selbst zu tragen hat und dem Beschuldigten von vornherein keine entschädigungsfähigen Aufwendungen entstanden sind. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von CHF 1'050.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1'000 .-- sowie Aus- lagen von CHF 50.--) gehen zu Lasten des Beschwerdeführers. Die vom Beschwerdeführer erbrachte Sicherheitsleistung in der Höhe von CHF 500.-- wird an die von ihm zu bezahlenden Verf ahrenskos- ten angerechnet. 3. Es werden keine Parteientschädigungen ausgerichtet . Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Pascal Neumann Dieser Entscheid ist rechtskräftig