<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 49 S.240</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">240</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>49 Fristen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Einhaltung der Eingabefrist (Erw. 1 und 2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 17. Juni 2005 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen E. AG gegen Baudepartement, Abteilung für Umwelt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">241</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Streitig ist im vorliegenden Fall ausschliesslich die Frage, ob</span><br/> <span class="ft1">das Angebot der Beschwerdeführerin zu Recht als verspätet bei der</span><br/> <span class="ft1">Vergabebehörde eingetroffen vom weiteren Verfahren ausgeschlos-</span><br/> <span class="ft1">sen wurde.</span><br/> <span class="ft1">1.1. Gemäss Ziff. 9 des Anhangs 3 zum SubmD enthält die</span><br/> <span class="ft1">öffentliche Ausschreibung Angaben betreffend die Anschrift und</span><br/> <span class="ft1">Frist für das Einreichen der Angebote und Anträge auf Teilnahme</span><br/> <span class="ft1">(siehe auch Ziff. 2 des Anhangs 4 zum SubmD), und Ziff. 8 des An-</span><br/> <span class="ft1">hangs 5 zum SubmD bestimmt, dass die Ausschreibungsunterlagen</span><br/> <span class="ft1">Ort und Zeitpunkt für die Eingabe des Angebots nennen müssen.</span><br/> <span class="ft1">1.2. Ziff. 5 der öffentlichen Ausschreibung lautet wörtlich wie</span><br/> <span class="ft1">folgt:</span><br/> <span class="ft5">"a) Adresse für die Einreichung des Angebotes:</span><br/> <span class="ft5">Baudepartement des Kantons Aargau, Abteilung für Umwelt,</span><br/> <span class="ft5">Entfelderstrasse 22 (Buchenhof), 5001 Aarau</span><br/> <span class="ft5">Stichwort:</span> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">b) Frist für die Einreichung des Angebotes:</span><br/> <span class="ft5">Montag, 25. April 2005 (A-Post, Schweizer Post, Datum des</span><br/> <span class="ft5">Poststempels)</span><br/> <span class="ft5">c) (...)"</span><br/> <span class="ft1">In den Ausschreibungsunterlagen wurde in Teil A (Übersicht)</span><br/> <span class="ft1">der Publikationstext wiederholt (S. 3). In Teil B wurde schliesslich</span><br/> <span class="ft1">unter "Allgemeine Angaben" / "Informationen für die Einreichung</span><br/> <span class="ft1">des Angebotes" in Ziff. 1.5.2 ("Frist für die Einreichung des Ange-</span><br/> <span class="ft1">botes") Folgendes bestimmt:</span><br/> <span class="ft5">"25. April 2005 (A-Post, Datum des Poststempels (Schweizerische</span><br/> <span class="ft5">Post); automatische Frankaturen sind nicht zugelassen; Angebote aus</span><br/> <span class="ft5">dem Ausland müssen bis spätestens 26. April 2005 beim Besteller</span><br/> <span class="ft5">eintreffen)."</span><br/> <span class="ft1">1.3. Es ist allseits unbestritten, dass das Angebot der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin erst am 26. April 2005, um 10.00 Uhr, beim Baudeparte-</span><br/> <span class="ft1">ment eingetroffen ist bzw. dort abgegeben wurde. Die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin rügt aber, dass die Art der Fristansetzung nicht gesetzes- und</span><br/> <span class="ft1">verfassungskonform erfolgt sei, indem bei der Fristansetzung in un-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">242</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zulässiger Weise zwischen ausländischen und inländischen Bewer-</span><br/> <span class="ft1">bern unterschieden und ersteren ein Tag mehr für die Einreichung</span><br/> <span class="ft1">des Angebots eingeräumt worden sei. Richtigerweise hätte hier die</span><br/> <span class="ft1">Regelung in § 82 ZPO berücksichtigt werden müssen. Zudem seien</span><br/> <span class="ft1">die Ausschreibungsunterlagen betreffend der Einreichungsfrist miss-</span><br/> <span class="ft1">verständlich, weshalb die Berufung auf die verspätete Einreichung</span><br/> <span class="ft1">überspitzt formalistisch sei. Der Beschwerdeführerin sei durch die</span><br/> <span class="ft1">Abgabe am Morgen des 26. April 2005 gegenüber den Konkurren-</span><br/> <span class="ft1">tinnen kein Vorteil erwachsen.</span><br/> <span class="ft1">2. 2.1. Gemäss § 14 Abs. 1 SubmD müssen die Anbietenden</span><br/> <span class="ft1">ihre Anträge auf Teilnahme und ihr Angebot schriftlich, vollständig</span><br/> <span class="ft1">und fristgerecht einreichen. Massgebend ist das Datum des Post-</span><br/> <span class="ft1">stempels. Anträge auf Teilnahme können per Telegramm, Telex oder</span><br/> <span class="ft1">Telefax eingereicht werden. Alle Eingaben sind bis nach Ablauf der</span><br/> <span class="ft1">Eingabefrist verschlossen aufzubewahren (§ 15 Abs. 1 SubmD). Ver-</span><br/> <span class="ft1">spätet eingelangte Eingaben müssen ausgeschieden und den An-</span><br/> <span class="ft1">bietenden umgehend zurückgegeben werden (§ 15 Abs. 3 SubmD).</span><br/> <span class="ft1">Das vorliegende Beschaffungsgeschäft fällt, wie aus der öffent-</span><br/> <span class="ft1">lichen Ausschreibung hervorgeht (Vernehmlassungsbeilage 1), in den</span><br/> <span class="ft1">Geltungsbereich des GPA. Art. XIII Ziff. 1 lit. a Satz 1 GPA be-</span><br/> <span class="ft1">stimmt, dass Angebote normalerweise schriftlich, und zwar direkt</span><br/> <span class="ft1">oder per Post, eingereicht werden (die in Art. XIII Ziff. 1 lit. a Satz 2</span><br/> <span class="ft1">GPA vorgesehene Möglichkeit, Angebote auch per Telex, Telegramm</span><br/> <span class="ft1">oder Telefax einzureichen, ist im vorliegenden Fall nicht von</span><br/> <span class="ft1">Bedeutung). Gemäss Art. XIII Ziff. 2 GPA darf einem Anbieter kein</span><br/> <span class="ft1">Nachteil entstehen, wenn ein Angebot bei der in den Vergabeunterla-</span><br/> <span class="ft1">gen angegebenen Stelle nach Ablauf der Frist eintrifft, sofern die</span><br/> <span class="ft1">Verzögerung ausschliesslich der Beschaffungsstelle zuzuschreiben</span><br/> <span class="ft1">ist. Angebote können auch in anderen aussergewöhnlichen Fällen in</span><br/> <span class="ft1">Betracht gezogen werden, wenn dies in den Verfahren der Beschaf-</span><br/> <span class="ft1">fungsstellen vorgesehen ist.</span><br/> <span class="ft1">2.2. Während § 14 Abs. 1 Satz 2 SubmD für die Fristwahrung</span><br/> <span class="ft1">das Datum des Poststempels und nicht den Zeitpunkt des Eintreffens</span><br/> <span class="ft1">bei der Vergabebehörde für massgebend erklärt, muss nach § 21</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 Satz 1 der Vergaberichtlinien (VRöB) zur IVöB in der hier</span><br/> <span class="ft1">noch geltenden Fassung vom 1. Dezember 1995 bzw. § 23 Abs. 1 der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">243</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">revidierten VRöB vom 15. März 2001 das Angebot schriftlich, direkt</span><br/> <span class="ft1">oder per Post erfolgen und vollständig, innerhalb der Frist, bei der in</span><br/> <span class="ft1">der Ausschreibung genannten Stelle eintreffen. Mit dieser Regelung,</span><br/> <span class="ft1">die z.B. auch die Submissionsverordnung des Kantons Zürich vom</span><br/> <span class="ft1">23. Juli 2003 übernommen hat (siehe § 24 Abs. 1 SubmV), soll</span><br/> <span class="ft1">vermieden werden, dass sich Anbietende aus dem Ausland auch bei</span><br/> <span class="ft1">grosser Verspätung noch auf einen ausländischen Poststempel beru-</span><br/> <span class="ft1">fen können oder dass sie Diskriminierung geltend machen, wenn</span><br/> <span class="ft1">man von ihnen eine Postaufgabe in der Schweiz verlangen würde</span><br/> <span class="ft1">(siehe Herbert Lang, Offertenbehandlung und Zuschlag im öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Beschaffungswesen, in: ZBl 101/2000, S. 226 f.; Peter Galli /</span><br/> <span class="ft1">André Moser / Elisabeth Lang, Praxis des öffentlichen Beschaffungs-</span><br/> <span class="ft1">rechts, Zürich 2003, Rz. 265; Urteil des Verwaltungsgerichts des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Zürich vom 20. März 2002 [VB.2001.00418], E. 3 a und b).</span><br/> <span class="ft1">2.3. Die Vergabestelle hat in der öffentlichen Ausschreibung in</span><br/> <span class="ft1">Bezug auf die Fristwahrung den Zeitpunkt der Postaufgabe bei der</span><br/> <span class="ft1">schweizerischen Post (Datum des Poststempels) für massgebend</span><br/> <span class="ft1">erklärt, wobei die Postaufgabe per A-Post (spätestens) am 25. April</span><br/> <span class="ft1">2005 zu erfolgen hatte. In den Ausschreibungsunterlagen wurde zu-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich festgehalten, dass Angebote aus dem Ausland bis spätestens</span><br/> <span class="ft1">26. April 2005 beim Besteller eintreffen müssten. Diese Regelung ist</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich nachvollziehbar. Durch das Abstellen auf das Eintref-</span><br/> <span class="ft1">fen beim Besteller sollte ausgeschlossen werden, dass per Post aus</span><br/> <span class="ft1">dem Ausland zugestellte, rechtzeitig innert Eingabefrist abgestempel-</span><br/> <span class="ft1">te Angebote mit erheblicher Verzögerung bei der Vergabestelle ein-</span><br/> <span class="ft1">treffen würden, erfolgte die Offertöffnung doch bereits am 27. April</span><br/> <span class="ft1">2005, 10.00 Uhr. Bei den am 25. April 2005 per A-Post einer schwei-</span><br/> <span class="ft1">zerischen Poststelle übergebenen Offerten war zu erwarten, dass die-</span><br/> <span class="ft1">se der Vergabestelle im Normalfall am 26. April 2005 zugehen wür-</span><br/> <span class="ft1">den.</span><br/> <span class="ft1">Das Abstellen auf das Eintreffen bei der Vergabebehörde spätes-</span><br/> <span class="ft1">tens am 26. April 2005 ermöglichte es indessen den Anbietern aus</span><br/> <span class="ft1">dem Ausland, ihr Angebot der Vergabestelle auch noch am 26. April</span><br/> <span class="ft1">2005 persönlich oder per Kurier einzureichen, während die inlän-</span><br/> <span class="ft1">dischen Anbieter ihr Angebot bereits am 25. April 2005 überbringen</span><br/> <span class="ft1">oder aber bis Mitternacht einer schweizerischen Poststelle übergeben</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">244</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mussten. Mithin galten, wie die Beschwerdeführerin an sich zu Recht</span><br/> <span class="ft1">vorbringt, für Anbietenden aus dem In- und Ausland (geringfügig)</span><br/> <span class="ft1">unterschiedliche Eingabefristen. Ob darin ein Verstoss gegen das</span><br/> <span class="ft1">Gleichbehandlungsgebot zu sehen ist, wie die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">geltend macht, oder ob sich die diesbezügliche Unterscheidung zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen in- und ausländischen Angeboten sachlich begründen lässt,</span><br/> <span class="ft1">kann im vorliegenden Fall offen bleiben, da keine Angebote aus dem</span><br/> <span class="ft1">Ausland eingegangen sind. Die strittige Bestimmung für ausländi-</span><br/> <span class="ft1">sche Offerten hat somit keine Anwendung gefunden. Insofern kann</span><br/> <span class="ft1">von vornherein nicht von einer Ungleichbehandlung der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin gegenüber ausländischen Anbietern gesprochen werden.</span><br/> <span class="ft1">Darauf, dass eine unterschiedliche Fristbemessung für Angebote</span><br/> <span class="ft1">aus dem In- und Ausland nicht grundsätzlich unstatthaft sein könnte,</span><br/> <span class="ft1">deutet Art. XI Ziff. 1 lit. a GPA hin. Danach muss jede festgesetzte</span><br/> <span class="ft1">Frist so bemessen sein, dass es sowohl ausländischen als auch</span><br/> <span class="ft1">inländischen Anbietern möglich ist, Angebote einzureichen, bevor</span><br/> <span class="ft1">das Verfahren abgeschlossen wird. Bei der Festsetzung dieser Fristen</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigen die Beschaffungsstellen, soweit es mit ihren ange-</span><br/> <span class="ft1">messenen Bedürfnissen zu vereinbaren ist, Umstände wie die Kom-</span><br/> <span class="ft1">plexität der geplanten Beschaffung, das voraussichtliche Ausmass</span><br/> <span class="ft1">der Vergabe von Unteraufträgen und <i>die übliche Zeit für die Über-</i></span><br/> <span class="ft4"><i>mittlung von Angeboten durch die Post vom In- und Ausland aus</i></span><br/> <span class="ft1">(Hervorhebung beigefügt).</span><br/> <span class="ft1">2.4. Nicht gefolgt werden kann der Auffassung der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin, für die Berechnung der Fristen im Submissionsrecht sei</span><br/> <span class="ft1">§ 82 ZPO massgebend, wonach schriftliche Eingaben und Einzah-</span><br/> <span class="ft1">lungen als rechtzeitig gelten, wenn sie spätestens am letzten Tag der</span><br/> <span class="ft1">Frist bei der Stelle, für die sie bestimmt sind, einlangen oder für</span><br/> <span class="ft1">diese bei der schweizerischen Post aufgegeben worden sind (Abs. 1).</span><br/> <span class="ft1">Sind sie im Ausland aufgegeben worden, gelten sie, wenn sie nicht</span><br/> <span class="ft1">innerhalb der Frist eingelangt sind, nur dann als rechtzeitig, wenn sie</span><br/> <span class="ft1">durch ein gleichzeitig aufgegebenes Telegramm angemeldet worden</span><br/> <span class="ft1">sind. Das SubmD verweist lediglich für den Rechtsschutz auf die</span><br/> <span class="ft1">allgemeinen kantonalen Verfahrensvorschriften des VRPG, nicht aber</span><br/> <span class="ft1">für das (erstinstanzliche) Verfügungsverfahren (§ 23 SubmD). Das</span><br/> <span class="ft1">erstinstanzliche Vergabeverfahren untersteht in erster Linie den spe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">245</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zialgesetzlichen Vorschriften des SubmD. So gilt § 82 ZPO aufgrund</span><br/> <span class="ft1">der Verweisung in § 31 VRPG zwar für das (verwaltungsgerichtli-</span><br/> <span class="ft1">che) Rechtsmittelverfahren, darf aber nicht auf das Verfahren vor der</span><br/> <span class="ft1">Vergabebehörde übertragen werden (AGVE 2001, S. 356). Die Frage</span><br/> <span class="ft1">der Rechtzeitigkeit einer Offerteingabe richtet sich wie ausgeführt</span><br/> <span class="ft1">nach der Regelung von § 14 Abs. 1 Satz 2 SubmD sowie gegebenen-</span><br/> <span class="ft1">falls nach den einschlägigen Bestimmungen des GPA.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>