Handelsgericht des Kantons Zürich Einzelgericht Geschäfts-Nr.: HE150135-O U/ee Mitwirkend: der Oberrichter Dr. Johann Zürcher sowie der Gerichtsschreiber Dr. David Egger Verfügung und Urteil vom 21. Dezember 2015 in Sachen A._____ AG, Klägerin vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ gegen B._____ AG, Beklagte vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ betreffend vorsorgliche Massnahmen - 2 - Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2 ff.) [S. 2]: - 3 - [S. 3]: - 4 - [S. 4]: - 5 - [S. 5]: - 6 - [S. 6]: - 7 - [S. 7]: - 8 - [S. 8]: - 9 - [S. 9]: - 10 - Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 1. Parteien und Prozessgegenstand 1.1. Die Klägerin (= Gesuchstellerin) ist im Gipsergewerbe tätig , die Beklagte (= Gesuchsgegnerin) ist ein Medienunternehmen, welches unter anderem die T a- geszeitung E._____ herausgibt. 1.2. Die Klägerin wehrt sich mit dem vorliegenden Begehren gegen die ihrer Ansicht nach "wahrheitswidrige Rufmordkampagne" der Beklagten betreffend Lohndu m- ping etc. gegen sie (act. 1 Rz. 3). Es handelt sich dabei um das zweite Begehren in dieser Sache; ein erstes Begehren datiert e vom 2. März 2015 (act. 1 Rz. 1; Verfahren HE150071). Als Begründung, weshalb sie ein zweites Begehren ein- reichte, führte die Klägerin aus, dass nach der Stellung des ersten Begehrens die Kampagne der Beklagten unvermindert weiter gegangen sei, indem bis heute fast täglich über diesen Fall berichtet worden sei . Das vorliegende Massnahmebegeh- ren diene dazu, diejenigen unlauteren Aussagen zu erfassen, die in den Artikeln nach Stellung des ersten Begehrens zusätzlich erfolgt seien. Dabei werde das vorliegende Begehren als eigenständiges Begehren und nicht als blosse Ergän- zung zum ersten Begehren gestellt, weil sich sonst ein Entscheid über diese S a- che noch weiter hinauszögern würde, indem angesichts der weiterlaufenden Be- richterstattung der Beklagten praktisch jeden zweiten Tag eine weitere Ergänzung eingereicht werden müsste (act. 1 S. 2). 1.3. Bereits im Verf ahren HE150071 wurde ausgeführt, dass sich die Klägerin auf den Standpunkt stellt, dass sie sich in den zehn Jahren ihrer Existenz sehr e r- folgreich entwickelt habe und heute in viele Grossprojekte involviert sei. Es liege auf der Hand, dass eine solche Ent wicklung nicht nur die Gewerkschaften auf den Plan rufe, sondern vor allem auch die Konkurrenz, die ihre Pfründe durch den er- folgreichen Emporkömmling bedroht sähen . Beide Interessengruppen hätten nun in der Beklagten ein dankbares Sprachrohr gefunden. Unter dem Deckmantel des sozialen Einsatzes für die "geschundenen" Arbeitnehmer der Klägerin werde - 11 - durch Konkurrenten knallharte Geschäftspolitik betrieben und von der Beklagten umgesetzt. Die Beklagte hält ihre Berichterstattung für rechtlich nicht zu bea n- standen und beantragt die Abweisung sämtlicher Massnahmebegehren, soweit darauf einzutreten sei (vgl. bereits act. 44 S. 7 f. im Verfahren HE150071). 1.4. Im Unterschied zu den im ersten Begehren vom 2. März 2015 kritisier ten E._____-Artikeln hat sich der Fokus der vorliegend zu beurteilenden beklagt i- schen Berichterstattung etwas verändert. Nachdem die Beklagte in den im ersten Verfahren zu beurteilenden E._____-Artikeln vom tt., tt. und tt.mm.2015 die Kritik an den klägerischen Arbeitsbedingungen noch teils als das Resultat eigener I n- vestigationen dargestellt hatte, veränderte sich ihre Berichterstattung im A n- schluss an die gemeinsame Pressekonferenz der H._____ Winterthur und Zürich sowie der F._____ vom tt.mm.2015. Anlässlich dieser Pressekonferenz trugen die H._____ Winterthur und Zürich sowie die F._____ vergleichbare Vorwürfe wie die Beklagte an die Öffentlichkeit und informierten ferner u.a. über ein laufendes Ver- fahren vor der Paritätischen B erufskommission für das Gipsergewerbe. Die Be- klagte rückte im Anschluss an diese Pressekonferenz in einem Teil der vorliegend kritisierten E._____-Artikel die Wiedergabe von Äusserungen der H._____ Win- terthur und Zürich sowie der F._____ stärker ins Zentrum ihrer Berichterstattung und informierte über das laufende Verfahren vor der Paritätischen Berufskommis- sion (vgl. act. 1 Rz. 20: "… fungiert der E._____ sodann als Sprachrohr für die F._____ und deren temporäre Weggefährten, die Zürcher H._____ …") . 1.5. Aufgrund der " inhaltlichen Nähe " (vgl. act. 9 Rz. 2) der beiden Verfahren werden dem vorliegenden Entscheid teilweise theoretische Textblöcke aus dem Verfahren HE150071 zugrunde gelegt. Um sie kenntlich zu machen, wurden sie gesondert formatiert (links und rechts eingerückt, engeres Schriftbild). 2. Prozessverlauf Mit Eingabe vom 1. April 2015 ( Datum Poststempel; hierorts eingegangen am 7. April 2015) reichte die Klägerin ihr Gesuch betreffend Erlass vorsorglicher Massnahmen mit den oben genannten Rechtsbegehren ein (act. 1). Im Nachgang wurde noch beantragt, die act. 3/63 und 3/64 seien der Beklagten nicht offen zu - 12 - legen (act. 4). Mit Verfügung vom 7. April 2015 wurde der Beklagten Frist zur B e- antwortung des Massnahmebegehrens und der Klägerin Frist zur Leistu ng eines Gerichtskostenvorschusses in der Höhe von CHF 6'600.– angesetzt. Die act. 3/63 und 3/64 wurden der Beklagten einstweilen nicht zugänglich gemacht (act. 5). Der Vorschuss wurde innert Frist geleistet (act. 7). In ihrer Massnahmeantwort vom 11. Mai 2015 (act. 9) beantragte die Beklagte, das Massnahmebegehren unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin abzuweisen, sofern darauf einzutreten sei. Mit ihrem Antrag verband die Beklagte die "Anregung" (ohne jedoch einen förmlichen Antrag zu stellen), die beiden Massnahmeverfahren HE150135 und HE150071 zu vereinigen (act. 9 S. 2). Mit Schreiben vom 13. Juli 2015 (Datum Poststempel; act. 15) teilte die Klägerin mit, sie habe eine ordentliche Klage (Hauptsacheverfahren) gegen die Beklagte angehoben. Damit falle die Zuständigkeit des Einzelgerichts im vorliegenden, pendenten Massnahmeverfahren dahin. Einen konkreten Antrag stellte die Kläge- rin nicht. Ihrer Eingabe legte sie eine Kopie der Klageschrift bei (act. 16). Mit Ver- fügung vom 15. Juli 2015 wurde die Klägerin darauf hingewiesen, dass das Ei n- zelgericht seine Zuständigkeit nach wie vor bejahe (act. 17). Mit Eingabe vom 24. Juli 2015 liess die Klägerin dem Einzelgericht ihre Stellungnahme / ihr Wi e- dererwägungsgesuch an das Kollegialgericht des Handelsgerichts in der Sache HG150148, die auch die Verfahren HE150071 und HE150135 betreff e, zukom- men (act. 19 und 20). Die Massnahmereplik datiert vom 27. Juli 2015 (act. 21). Eine beklagtische Ei n- gabe betreffend die Verfahren HE150071, HE150135 und HG150148 datiert vom 28. Juli 2015 (act. 23). Ferner teilte das Kollegialgericht dem Einzelgeri cht seinen Nichteintretensbeschluss vom 31. Juli 2015 betreffend das klägerische Wiederer- wägungsgesuch mit (act. 26). Die Massnahmeduplik datiert vom 21. August 2015 (act. 27). Die Klägerin reichte sodann mit Eingabe vom 7. September 2015 eine "Noveneingabe" zur Massnahmeduplik der Beklagten ein (act. 30). Mit unaufg e- forderter Eingabe vom 15. September 2015 liess sich die Beklagte erneut ver- nehmen (act. 33). Diese wurde der Klägerin zugestellt (act. 35). Eine weitere be-- 13 - klagtische Wortmeldung datiert vom 1. Dezember 2015 (act. 37). Sie wurde der Klägerin mit Verfügung vom 2. Dezember 2015 zugestellt (act. 38). 3. Formelles 3.1. Vollmacht Die gehörige Bevollmächtigung des klägerischen Rechtsvertreters wurde von der Beklagten in ihrer Massnahmeantwort vom 11. Mai 2015 noch angezweifelt (act. 9 S. 3). Nachdem die Klägerin mit ihrer Massnahmereplik vom 27. Juli 2015 eine "2. Version" ihrer Vollmac ht eingereicht hatte (act. 22/67), bildete die Frage der gehörigen Bevollmächtigung des klägerischen Vertreters keinen Streitpu nkt mehr zwischen den Parteien, weshalb nicht weiter darauf einzugehen ist. Selbst wenn die erste Vollmacht (act. 2) den Anforderungen an eine gehörige Bevollmächt i- gung nicht genügt hätte, wären die Rechtshandlungen des klägerischen Vertr e- ters mit Einreichung der 2. Version der Vollmacht nachträglich genehmigt worden. 3.2. Zuständigkeit 3.2.1. Die örtliche und die sachliche Zuständigkeit des Einzelgerichts am Han- delsgericht des Kantons Zürich für die Beurteilung des Massnahmebegehrens ist grundsätzlich gegeben (Art. 13 lit. a ZPO i.V.m. Art. 36 ZPO; Art. 5 Abs. 1 lit. d ZPO i.V.m. § 44 lit. a GOG; Art. 5 Abs. 2 ZPO i.V.m. § 45 lit. b GOG) und blieb – abgesehen von der Zuständigkeit zur Beurteilung des Gegendarstellungsbegeh- rens (Rechtsbegehren Ziff. 4.) – auch unbestritten (act. 1 Rz. 1 ff.; act. 9 S. 7). 3.2.2. Mit Rechtsbegehren Ziff . 4. soll die Beklagte verpflichtet werden, eine Gegendarstellung zu publizieren. Auf dieses Begehren ist mangels sachlicher Zu- ständigkeit nicht einzutreten (vgl. den Katalog in § 45 GOG ; bereits ZR 111/ 2012 Nr. 113, E. 5d). 3.3. Bestimmtheit der Rechtsbegehren Mit Rechtsbegehren Ziff. 1. beantragt die Klägerin, der Beklagten sei zu verbieten, "folgende Äusserungen direkt oder sinngemäss zu äussern oder weiter zu verbreiten " (act. 1 S. 2; Hervorhebung durch das Gericht). Es fragt sich, ob mit der Wendung "oder - 14 - sinngemäss" dem Bestimmtheitsgebot von Rechtsbegehren Genüge getan wu r- de. Das Bundesgericht hat in einem aktuellen Fall betreffend Persönlichkeitsver- letzung entgegen der Ansi cht der Vorinstanz entschieden, dass die Wendung, wonach "ähnliche Formulierungen mit gleichem Sinngehalt " vom Verbot der Weiterverbrei- tung erfasst sein sollten, den Anforderungen an die Bestimmtheit eines Unterlas- sungsbegehrens genügen (Urteil des Bundesgerichts 5A_658/2014 vom 6. Mai 2015, E. 3). Im Lichte dieser Rechtsprechung ist auch die vorliegende Wendung "oder sin n- gemäss" als genügend bestimmt zu betrachten. 3.4. Bedingte Rechtsbegehren bzw. Eventualbegehren? Auf den Seiten 6 und 7 ihrer Massnahmeantwort bemängelt die Beklagte, es sei nicht klar, ob es sich bei den Rechtsbegehren Ziff. 2.4., 2.4.1., 2.5., 2.5.1. und 4.2.1. um Eventualbegehren oder um bedingte Begehren handle (act. 9 S. 6 f.). Auf Rechtsbegehren Ziff. 4.2.1. (recte: 4.1.2.) ist nicht weiter einzugehen, ist d a- rauf doch nicht einzutreten (vgl. vorstehend Ziff. 3.2.). Die Rechtsbegehren Ziff. 2.4. und 2.4.1. lauten wie folgt: " 2.4. Die Beklagte sei zu verpflichten, folgende Aussagen im unter http://www.E._____.ch… .html abrufbaren Artikel ' … -Gipser muss 1,3 Mio. blechen' vom tt.mm.15 zu löschen: 2.4.1. Die Klägerin habe 'auf Bau Arbeiter ausgenommen' …" Die Rechtsbegehren Ziff. 2.5. und 2.5.1. lauten wie folgt: " 2.5. Die Beklagte sei zu verpflichten, den unter http://www.E._____.ch… .html ab- rufbaren Artikel 'Der darf sich im Bündnerland nie mehr blicken lassen' vom tt.mm.15 zu löschen: 2.5.1. Eventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, folgende Aussagen im unter http://www.E._____.ch…. html abrufbaren Artikel 'Der darf sich im Bündner- land nie mehr blicken lassen' vom tt.mm.15 zu löschen: …" Inwiefern diese klägerischen Rechtsbegehren unklar sein sollten, ist nicht ersich t- lich. Es wäre allenfalls zu prüfen gewesen, wie Rechtsbegehren Ziff. 4.2.1. (recte: 4.1.2.) zu verstehen wäre. Da aber auf Rechtsbegehren Ziff. 4. nicht einzutreten ist, kann dies offen gelassen werden. - 15 - 3.5. Streitwert Das Einzelgericht des Handelsgericht s ging in seiner Erstverfügung vom 7. April 2015 einstweilen von einer Streitwertschätzung von CHF 100'000.– aus. Diese Schätzung blieb seitens der Parteien unbestritten, weshalb vorliegend davon aus- zugehen ist. 3.6. Beweisschutzantrag 3.6.1. Im Nachgang zu ihrem Gesuch betreffend Erlass vorsorglicher Massnah- men hatte die Klägerin beantragt, die act. 3/63 und 3/64 seien der Beklagten nicht offen zu legen (act. 4), worauf die act. 3/63 und 3/64 der Beklagten einstweilen nicht zugänglich gemacht wurden (act. 5). Die Klägerin hat die erwähnten Urkunden zum Beweis ihrer Tatsachenbehau p- tungen in Rz. 77 des Massnahmegesuchs offeriert. In Rz. 77 des Massnahmege- suchs behauptet die Klägerin, die " rufmörderische Kampagne" der Beklagten habe nicht nur zu Kündigungen von Aufträgen geführt (a ct. 1 Rz. 73 ff.), sondern auch zu aufwendigen Verhandlungen mit bestehenden Vertragspartnern, um diese von allfälligen Kündigungen abzuhalten. Selbst diese loyalen Vertragspartner hätten aber nur durch die Leistung von Sicherstellungen davon überzeugt werden kön- nen, von Vertragskündigungen abzusehen (act. 1 Rz. 77). Die Beklagte erklärt mit ihrer M assnahmeantwort, dass es nicht weiter schlimm sei, dass der Beklagten die act. 3/63 und 3/64 vorenthalten worden seien, da die Klägerin ja den eigentlichen Inhalt dieser Vereinbarungen selbst offen lege (act. 9 Rz. 76). 3.6.2. Gemäss Art. 53 Abs. 2 ZPO haben die Parteien grundsätzlich – d.h. so- weit keine überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen – ein Akteneinsichtsrecht. Das Akteneinsichtsrecht ergibt sich allein aus der Verfah- rensbeteiligung, gilt voraussetzungslos, ohne Nachweis eines besonderen Int e- resses und für sämtliche Akten. Jede schriftliche Aufzeichnung, welche als Grund- lage des Entscheids dienen könnte, stellt ein einsehbares Aktenstück dar (GÖKSU, in: Schweizerische Zivilprozessordnung, Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], - 16 - N. 28 zu Art. 53 ZPO). Werden aber durch die Beweisabnahme schutzwürdige I n- teressen einer Partei oder Dritter gefährdet, trifft das Gericht gemäss Art. 156 ZPO die erforderlichen Massnahmen, wobei eine konkrete Gefährdung verlangt wird; eine bloss abstrakte genügt nicht. Die gerichtlich angeordneten Schutzmassnahmen müssen jedenfalls verhältni s- mässig sein. Bei der Prüfung des Gesuchs hat das Gericht das Interesse einer Partei auf Akteneinsicht und Wahrung ihres rechtlichen Gehörs gegenüber dem Schutzinteresse der Gegenpartei oder des betroffenen Dritten abzuwägen (BK ZPO-B RÖNNIMANN, Art. 156 N 13 und N 18 ff.). 3.6.3. Die Beklagte erklärt selber, dass es für sie nic ht weiter schlimm sei, dass ihr die act. 3/63 und 3/64 vorenthalten worden seien, da die Klägerin ja den ei- gentlichen Inhalt dieser Vereinbarungen selbst offen lege (act. 9 Rz. 76). Der I n- halt der beiden Vereinbarungen gemäss den act. 3/63 und 3/64 scheint beiden Parteien somit bekannt zu sein. Es fragt sich daher, ob diesbezüglich überhaupt von einem Geheimnis i.S.v. Art. 156 ZPO ausgegangen werden könnte. Diese Frage kann jedoch für das vorliegende Massnahmeverfahren offen gelassen wer- den. Zumindest die Klägerin hat ein Interesse daran, dass die Vereinbarungen gemäss act. 3/63 und 3/64 nicht offen gelegt werden. Da selbst die Beklagte, wel- che ein Interesse an der Offenlegung haben könnte, kein eigenes Interesse dartut und sich nicht gegen den Beweisschutzantrag der Klägerin stellt, sind die act. 3/63 und 3/64 für die Dauer des Massnahmeverfahr ens der Beklagten nicht offen zu legen. Überdies reichte die Klägerin die act. 3/63 und 3/64 zum Beleg des besonders schweren Nachteils i.S.v. Art. 266 lit. a ZPO ein. Vor dem Hintergrund der En t- sende-Gesetzgebung ist es für die Klägerin von besonderer Bedeutung, das Ver- trauen ihrer (potentiellen) Auftraggeber nicht zu verspielen. Eine unlautere Äuss e- rung in den Medien könnte der Klägerin einen besonders schweren Nachteil be- wirken. Rufschädigungen können kaum je durch finanzielle Leistungen ausgegl i- chen werden. Die Klägerin konnte in diesem Zusammenhang auch ohne Rückgriff auf die act. 3/63 und 3/64 glaubhaft machen, dass die Berichterstattung in den E._____-Artikeln zu teils heftigen Reaktionen ihrer Auftraggeber geführt hat - 17 - (act. 1 Rz. 73 ff.; vgl. eingehend dazu weiter unten). Je wichtiger die geheimzuhal- tende Tatsache für den Verfahrensausgang selbst ist, desto höher müssen die Geheimhaltungsinteressen sein (GÖKSÜ, in: Schweizerische Zivilprozessordnung, Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], 2011, Art. 53 ZPO N 34). Da die Klägerin den besonders schweren N achteil auch durch andere Urkund en glaubhaft machen konnte, rechtfertigt sich die Nicht -Offenlegung der act. 3/63 und 3/64 auch vor diesem Hintergrund. 3.7. Beizug Akten Die Parteien äussern sich übereinstimmenden dahingehend (act. 1 Rz. 54; act. 9 Rz. 6, 53) , dass die Akten des Verfahrens HE150071 beizuziehen seien. Nach- dem die Rechtsmittelfrist gegen die Verfügung und das Urteil vom 22. September 2015 in der Sache HE 150071 abgelaufen ist und die Parteien das zweite Begeh- ren als zusätzliches Begehren in der gleichen Sache sehen , rechtfertigt es sich, die Akten antragsgemäss beizuziehen. 4. Fragliche Publikationen Die E._____-Artikel vom tt., tt. und tt.mm.2015 bildeten bereits Gegenstand des Verfahrens HE150071. In der Folge publizierte die Beklagte in den E._____- Printausgaben sowie auf der Website www.E._____.ch weitere Artikel, gegen die sich die Klägerin mit dem vorliegenden Begehren wehrt. 4.1. E._____-Artikel vom tt.mm.2015 (act. 3/16 und 3/17) In der E._____-Printausgabe vom tt.mm.2015 (act. 3/16) findet man auf der Titel- seite die Ankündigung eines E._____-Artikels betreffend die Klägerin mit den Worten "Lohn-Skandal bei der A._____-Gipserei ", "Einer lügt! ". Daneben findet sich e i- nerseits ein Po rtraitfoto von I._____, dem einzigen Verwaltungsrat und Inhaber der Klägerin, und andererseits die folgenden Schlagzeilen: "I._____ beutete seine Gi p- ser aus, nahm ihnen Lohn weg, liess sie überteuert wohnen. Er sagt: 'Alles rechtens.' Aber E._____ hat die Beweise. ". Der eigentliche Artikel wird auf den Seiten 2 und 3 mit dem Titel "A._____-Gipser klagen an " und " 'Wir wurden ausgebeutet, belogen und entlassen ' " eingelei-- 18 - tet (act. 1 Rz. 8 ff.; act. 9 Rz. 10 ff.). Der gleiche Artikel (ohne Titelseite) wurde am tt.mm.2015 auch auf www .E._____.ch publiziert (act. 3/17). In den identischen Internet- und Print-Artikeln sind gemäss der Ansicht der Kläge- rin insbesondere die folgenden unwahren Tatsachenbehauptungen und persön- lichkeitsverletzenden Äusserungen gemacht worden (act. 1 S. 2 f.): 1. Der Verwaltungsrat der Klägerin lüge (RB 1.2.) 2. Die Klägerin habe drei Arbeitern fristlos gekündigt, weil sie sich geweigert hätten, ein Schriftstück zu unterzeichnen, mit dessen Hilfe sich die Lohndumping-Vorwürfe in L uft auflösen sollen (RB 1.3.) 3. Die Behauptung, die Klägerin habe den Arbeitnehmer C._____ "nach Strich und Faden ausgenommen" und schulde diesem noch CHF 40'000, weil C._____ so viel von seinem Konto habe abhe- ben und der Klägerin zurückgeben müssen und der Arbeitnehmer C._____ müsse pro Monat CHF 1'300 an die Klägerin zurückzah- len (RB 1.4.) Die Beklagte bestreitet erneut nicht, diese Äusserungen gemacht zu haben, wehrt sich jedoch vehement dagegen, dass die aufgelisteten Tatsachenbehauptungen unwahr und/oder persönlichkeitsverletzend seien (act. 9 Rz. 11). 4.2. E._____-Artikel vom tt.mm.2015 (act. 3/25, 3/26 und 3/27) Am tt.mm.2015 wurden in der E._____- Printausgabe und auf www.E._____.ch drei weitere Artikel über die Klägerin publiziert. Erstens wurde auf Seite 3 der E._____-Printausgabe ein Artikel mit dem Titel " Neues von A._____" eingeleitet (act. 1 Rz. 18; act. 3/25). Zweitens wurden in der gleichen E._____-Printausgabe auf Seite 12 unter dem Titel "A._____-Gipser klagen an " und "In der Hotellerie ist das ganz normal" die Kommentare der E._____-Leser abgedruckt (act. 1 Rz. 19; act. 3/26). Drittens fand sich auf www.E._____.ch ein Artikel über die Arbeitsbedingungen bei der Klägerin, der mit "F._____ kämpft in Zürich mit Gipsermeistern gegen Lohndumping" überschrieben war (act. 1 Rz. 20; act. 3/27). Die Beklagte wies in ihrer Massnahmeantwort zutreffend darauf hin, dass der E._____-Artikel vom tt.mm.2015 auf Seite 3 (act. 3/25) keinen Bezug zu einem bestimmten Rechtsbegehren der Klägerin hat (act. 9 Rz. 20). Die Klägerin äusser-- 19 - te sich nicht weiter dazu in ihrer Massnahmereplik (act. 21 Rz. 51). Gleiches gilt es auch zum E._____- Artikel vom tt.mm.2015 auf Seite 12 (act. 3/26) zu bemer- ken. Dagegen findet sich der O nline-Artikel vom tt.mm.2015 in den Rechtsbegehren der Klägerin prominent wieder (act. 3/27). In diesem Artikel sind gemäss der A n- sicht der Klägerin insbesondere die folgenden unwahren Tatsachenbehauptungen und persönlichkeitsverletzenden Äusserungen gemacht worden (act. 1 S. 2 f., Rz. 20 ff.): 1. Die Behauptung, die Klägerin würde ihren Arbeitnehmern "mehre- re Millionen Franken vorenthalten" bzw. die Klägerin habe ihren Arbeitnehmern "1,2 Mio. Franken vorenthalten" und müsse nun diesen "1,3 Mio. blechen" (RB 1.1.) 2. Die Klägerin "unterlaufe systematisch die geltenden [GAV-] Min- destbestimmungen" (RB 1.6.) 3. Die Klägerin "operiere auch mit gefälschten Unterlagen" (RB 1.7.) 4. Die Arbeitnehmer der Klägerin würden einen effektiven Stunden- lohn von 11 Euro erhalten (RB 1.8.) 5. Die Behauptung, der vorliegende Fall [der Klägerin] sei "der grösste Lohndumping-Fall im Kanton Zürich" (RB 1.5.) Die Beklagte bestreitet erneut nicht, diese Äusserungen gemacht zu haben, wehrt sich jedoch vehement dagegen, dass die aufgelisteten Tatsachenbehauptungen unwahr und/oder persönlichkeitsverletzend seien (act. 9 Rz. 20 ff.). 4.3. E._____-Artikel vom tt.mm.2015 (act. 3/28 und 3/30) Ein weiterer Online -Artikel auf www.E._____.ch trägt den Titel " 'Systematischer Bschiss' " und "F._____ will … -Lohndumper das Handwerk legen! " (act. 1 Rz. 20; act. 3/28). In der E._____-Printausgabe fand sich gleichentags ein Artikel mit den Titel "A._____-Löhne F._____ macht Druck ", welcher die E._____-Berichterstattung vom tt.mm.2015 aufgriff (act. 1 Rz. 20; act. 3/30). Allerdings findet sich nur der Online- Artikel in den Rechtsbegehren der Klägerin wieder. In diesen Artikeln sind gemäss der Ansicht der Klägerin insbesondere die folgen- den unwahren Tatsachenbehauptungen und persönlichkeitsverletzenden Äuss e- rungen gemacht worden (act. 1 S. 2 f., Rz. 20 ff.): - 20 - 1. Die Klägerin betreibe "systematischen Bschiss" (RB 1.9.) 2. Ein Grossteil der Arbeiter der Klägerin würde zu Unrecht als Hilfsarbeiter eingestuft (RB 1.10.) 3. Die Klägerin hintergehe die Bauherren (RB 1.11.) Die Beklagte bestreitet erneut nicht, diese Äusserungen gemacht zu haben, wehrt sich jedoch vehement dagegen, dass die aufgelisteten Tatsachenbehauptungen unwahr und/oder persönlichkeitsverletzend seien (act. 9 Rz. 22). 4.4. E._____-Artikel vom tt.mm.2015 (act. 3/29 und 3/31) Der Online-Artikel vom tt.mm.2015 war mit " Weil er auf Bau Arbeiter ausnahm " und "...- Gipser muss 1,3 Mio blechen " betitelt (act. 1 Rz. 20; act. 3/29). In der E._____- Printausgabe fand sich ein Artikel mit der Überschrift " Lohndumping", "Jetzt muss A._____ blechen " und "Paritätische Kommission verdonnert ...-Gipser zu 1,2- Mio-Nachzahlung" (act. 1 Rz. 20; act. 3/31). Allerdings findet sich auch hier nur der Online -Artikel in den Rechtsbegehren der Klägerin wieder. In diesen Artikeln ist gemäss der Ansicht der Klägerin insbesondere die folgende unwahre Tatsachenbehauptung und persönlichkeitsverletzende Äusserung ge- macht worden (act. 1 S. 2 f.): - Die Behauptung, die Klägerin würde ihren Arbeitnehmern "mehre- re Millionen Franken vorenthalten" bzw. die Klägerin habe ihren Arbeitnehmern "1,2 Mio. Franken voren[t]halten" und müsse nun diesen "1,3 Mio. blechen" (RB 1.1.) Die Beklagte bestreitet erneut nicht, diese Äusserungen gemacht zu haben, wehrt sich jedoch vehement dagegen, dass die aufgelisteten Tatsachenbehauptungen unwahr und/oder persönlichkeitsverletzend seien (act. 9 Rz. 22). 4.5. E._____-Artikel vom tt.mm.2015 (act. 3/35) Der E._____-Artikel vom tt.mm.2015 fand in keinem Rechtsbegehren Nieder- schlag (act. 1 Rz. 28 und S. 2 ff.; act. 3/35). - 21 - 4.6. E._____-Artikel vom tt. bzw. tt.mm.2015 (act. 3/50 und 3/51) Schliesslich publizierte die Beklagte am tt. bzw. tt.mm.2015 online sowie in der E._____-Printausgabe einen weiteren Artikel mit der Überschrif t " Gipser D._____ klagt an", " A._____ schuldet ihm 75'000 Franken" und " 'Der darf sich im Bündnerland nie mehr blicken lassen' " (act. 1 Rz. 46; act. 3/50 und act. 3/51). In diesen Artikeln sind gemäss der Ansicht der Klägerin insbesondere die folgen- den unwahren Tatsachenbehauptungen und persönlichkeitsverletzenden Äuss e- rungen gemacht worden (act. 1 S. 2 f., Rz. 46 ff.): 1. Der Verwaltungsrat der Klägerin dürfe sich "im Bündnerland nie mehr blicken lassen" (RB 1.12.) 2. Der Verwaltungsrat der Klägerin habe "mit seiner Gipserfirma A._____ auch in Graubünden gewütet" (RB 1.13.) 3. Die Klägerin sei "mit ihren Lohndumping-Methoden auf Zürcher Baustellen aufgeflogen" (RB 1.14.) 4. Die Klägerin habe "mehrmals versucht" einen anonymen Gipser- meister "über den Tisch zu ziehen" (RB 1.15.) 5. Die Klägerin habe den Gipser D._____ "beschissen und Arbeiten verrechnet, die er gar nicht ausgeführt hatte." (RB 1.16.) 6. Der Verwaltungsrat der Klägerin verspreche viel und halte nichts (RB 1.17.) 7. Die Arbeiter der Klägerin würden den Lohn immer einen Monat verspätet erhalten und wer nicht spure, der fliege und könne sich den letzten Lohn ans Bein streichen (RB 1.18.) Die Beklagte bestreitet erneut nicht, diese Äusserungen gemacht zu haben, wehrt sich jedoch vehement dagegen, dass die aufgelisteten Tatsachenbehauptungen unwahr und/oder persönlichkeitsverletzend seien (act. 9 Rz. 45 ff.). 5. Materielles 5.1. Voraussetzungen für den Erlass vorsorglicher Massnahmen gegen periodisch erscheinende Medien Es ist vorliegend unbestritten, dass die beanstandeten Artikel zum Inhalt eines pe- riodisch erscheinenden Mediums im Sinne von Art. 266 ZPO gehören (act. 1 - 22 - Rz. 73 ff.; act. 9 Rz. 72 ff.), weshalb die diesbezüglichen strengeren Vorausse t- zungen ("Medienprivileg") zu beachten sind. Im Einzelnen: Das Gericht trifft die notwendigen vorsorglichen Massnahmen, wenn die gesuchste l- lende Partei glaubhaft macht, dass ein ihr zustehender Anspruch verletzt ist oder ei- ne Verletzung zu befürchten ist und dass ihr aus der Ver letzung ein nicht leicht wi e- der gutzumachender Nachteil droht (Art. 261 Abs. 1 ZPO). Gegen periodisch er- scheinende Medien darf das Gericht eine vorsorgliche Massnahme jedoch nur a n- ordnen, wenn die drohende Rechtsverletzung der gesuchstellenden Partei einen besonders schweren Nachteil verursachen kann, offensichtlich kein Rechtfert i- gungsgrund vorliegt und die Massnahme nicht unverhältnismässig erscheint (Art. 266 ZPO). Glaubhaft gemacht ist eine Tatsache nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts schon dann, wenn für deren Vorhandensein gewisse Elemente sprechen, selbst wenn das Gericht noch mit der Möglichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht haben könnte (BGE 130 III 321 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 4A_312/2009 vom 23. September 2009, E. 3.6.1). Das Massnahmeverfahren (Art. 261 ff. ZPO) gehört zum summarischen Verfahren (Art. 248 lit. d ZPO). Dieses ist geregelt in Art. 252 ff. ZPO. Zusätzlich gelten analog die Bestimmungen des ordentlichen Verfahrens (Art. 219 ZPO i.V.m. Art. 220 ff. ZPO) sowi e die Allgemeinen Bestimmungen (Art. 1 ff. ZPO). Gemäss Art. 254 Abs. 1 ZPO ist im summarischen Verfahren der Beweis grundsätzlich durch Urkun- den zu erbringen. Weiter sieht das Gesetz im summarischen Verfahren grundsät z- lich keinen doppelten Schriftenwechsel vor (Art. 253 ZPO; vgl. J ENT-SØRENSEN, in: OBERHAMMER [HRSG.], Kurzkommentar zur ZPO, 2010, N 7 zu Art. 252 ZPO). Eine Massnahmeklägerin hat mithin ihr gesamtes Klagefundament (substantiierter Parte i- vortrag, Beweismittelnennung und – soweit möglich – Beweismittelvorlegung) mit dem Massnahmebegehren zu liefern. Davon ausgenommen sind Tatsachenbehaup- tungen und Beweismittel, bei welchen es sich um Noven im Sinne von Art. 229 ZPO handelt. Zudem kann die Klägerin im Rahmen des Anspruchs auf rechtliches Gehör zu den von der Beklagten vorgebrachten Noven Stellung nehmen. Die blosse B e-- 23 - streitung des gegnerischen Parteivortrages stellt kein Novum dar und muss von ei- ner Klägerin grundsätzlich vorausgesetzt werden . 5.2. Materiellrechtliche Grundlagen 5.2.1. Verhältnis Lauterkeitsrecht und Persönlichkeitsrecht Die Ansprüche aus unlauterem Wettbewerb werden – entgegen einem bedeutenden Teil der Lehre (vgl. B AUDENBACHER/GLÖCKNER, in: Baudenbacher, Lauterkeitsrecht, Kommentar zum Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb [UWG], St. Gallen/Berlin 2001, Art. 1 Rz. 76 ff. mit weiteren Hinweisen) – nach ständiger Rechtsprechung als besondere Ausprägungen des allgemeinen Persönlichkeit s- schutzes gemäss Art. 28 ZGB verstanden, dessen Klagen insoweit grundsätzlich subsidiär – neben den spezialgesetzlichen – bestehen (BGE 121 III 168, 173; BGE 110 II 411, 417). Es sind daher vorliegend für die Klägerin insbesondere die Ansprüche nach Lauterkeitsrecht zu prüfen. Im Übrigen ist für das vorliegende Massnahmeverfahren aufgrund der weitgehend übereinstimmenden Grundsätze im Persönlichkeits - und Lauterkeitsrecht – nach ständiger Rechtsprechung wird das Lauterkeitsrecht wie erwähnt als besondere Ausprägungen des allgem einen Persönlichkeitsschutzes gemäss Art. 28 ZGB ver- standen – davon auszugehen, dass eine unlautere Äusserung auch eine Persö n- lichkeitsverletzung darstellen würde und umgekehrt. 5.2.2. Lauterkeitsrechtliche Grundlagen Unlauter und widerrechtlich ist jedes täuschende oder in anderer Weise gegen den Grundsatz von Treu und Glauben verstossende Verhalten oder Geschäftsgebaren, welches das Verhältnis zwischen Mitbewerbern oder zwischen Anbietern und A b- nehmern beeinflusst (Art. 2 UWG). Diese Generalklausel bildet den Massstab, an dem sich jedes potentiell unlautere Verhalten zu messen hat. Jede Prüfung und B e- urteilung der Unlauterkeit hat als Ausgangspunkt die Generalklausel zu passieren, und an der Richtschnur von Treu und Glauben hat sich jede weitere Bewertung der Sondertatbestände von Art. 3 ff. UWG, bei denen es sich um beispielhafte Konkret i- sierungen handelt, zu orientieren ( P EDRAZZINI /PEDRAZZINI , a.a.O., Rz. 4.01 ff.). - 24 - Unlauter handelt insbesondere, wer andere, ihre Waren, Werke, Leistungen, deren Preise oder ihr e Geschäftsverhältnisse durch unrichtige, irreführende oder unnötig verletzende Äusserungen herabsetzt (Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG). Eine Herabsetzung als solche ist nicht unlauter. Nur wenn die Herabsetzung durch eine unrichtige, irr e- führende oder unnötig v erletzende Äusserung erfolgt, liegt unlauterer Wettbewerb vor (vgl. BGE 122 IV 33 E. 2c). Dabei können journalistische Ungenauigkeiten und Vereinfachungen in Presseberichten dann eine Wettbewerbswidrigkeit begründen, wenn sie die Leserschaft in Bezug auf T atsachen, die einen wesentlichen Einfluss auf die wirtschaftliche Ehre eines Wettbewerbsteilnehmers haben, zu unzutreffen- den Vorstellungen verleiten (BGE 123 III 354 E. 2a). Unnötig verletzend ist eine Äusserung, wenn sie angesichts des Sachverhalts, der d amit beschrieben oder be- wertet werden soll, weit über das Ziel hinaus schiesst, völlig sachfremd oder u n- sachlich, mithin unhaltbar ist (Urteil der Bundesgerichts 4C.205/2000 vom 13. September 2000, E. 2a m.w.H.). Welcher Sinn einer Äusserung im Gesamtzusam menhang zukommt, bestimmt sich nach dem Eindruck des unbefangenen Durchschnittslesers und ist eine Rechtsfrage (Urteil der Bundesgerichts 4A_481/2007 vom 12. Februar 2008, E. 3.3 m.w.H.). Da- her ist nicht auf die Bedeutung abzustützen, die der Äusserung von der dadurch di- rekt betroffenen Person gegeben wird, sondern vielmehr auf eine objektive Ausl e- gung gemäss dem Sinn, den ihr der unbeteiligte Durchschnittsleser unter Berüc k- sichtigung der konkreten Umstände geben muss (BGE 131 IV 160 E. 3.3.3.= Pra 95 Nr. 59; BGE 128 IV 53 E. 1a). Die Bestimmungen des UWG sind verfassungsgemäss zu interpretieren. Art. 17 BV regelt die Medienfreiheit. Danach ist die Freiheit von Presse, Radio und Fernsehen sowie anderer Formen der öffentlichen fernmeldetechnischen Verbreitung von Dar- bietungen und Informationen gewährleistet (Abs. 1). Zensur ist verboten (Abs. 2) und das Redaktionsgeheimnis gewährleistet (Abs. 3). Die Freiheit der Medien gehör t zu den zentralen Ausprägungen des allgemeinen Grundrechts freier Meinung s- äusserung. Normativer Kern der Medienfreiheit ist die Sicherung des ungehinderten Nachrichtenflusses und des freien Meinungsaustauschs. Geschützt ist die Reche r- chetätigkeit der Journalisten zur Herstellung von Medienerzeugnissen und zu deren - 25 - Verbreitung in der Öffentlichkeit. Die damit vermittelte Freiheit des Medienschaffens ist nicht Selbstzweck. Vielmehr hat der ungehinderte Fluss von Informationen und Meinungen in einem demokratischen Rechtsstaat eine wichtige gesellschaftliche und politische Bedeutung. Den Medien kommt als Informationsträger die Funktion eines Bindeglieds zwischen Staat und Öffentlichkeit zu. Bei der Meinungsfreiheit gemäss Art. 16 BV handelt es sich nach der Rechtsprechung um ein gegenüber den speziellen Formen der Kommunikation subsidiäres Auffa nggrundrecht (BGE 137 I 209 E. 4.2 und 127 I 145 E. 4b). 5.3. Verfügungsanspruch 5.3.1. Einleitende Bemerkungen Der Erlass vorsorglicher Massnahmen gegen periodisch erscheinende Medien setzt zunächst das Vorliegen eines Verfügungsanspruchs voraus. Das entscheidende Ge- richt hat deshalb eine Hauptsacheprognose zu stellen, d.h. es hat zu beurteilen, wie es die behauptete Verletzung im Rahmen eines Hauptsacheverfahrens beurteilen würde. Für lauterkeitsrechtliche Streitigkeiten hat somit die Klägerin dazulegen, da ss eine unlautere Handlung stattgefunden hat oder unmittelbar bevorsteht und ihr de s- halb ein Anspruch nach Art. 9 oder 10 UWG zusteht ( BSK-B ERGER, N 59 zu Vor Art. 9-13a UWG). 5.3.2. Klägerischer Vorwurf Die Klägerin bündelt die ihrer Ansicht nach unrichtigen bzw. unnö tig verletzenden Äusserungen in den E._____- Artikeln zu je einzelnen (sinngemässen) Aussagen zusammen, wobei sich die Klägerin thematisch an vergleichbaren Äusserungen der Beklagten wie im Verfahren HE150071 stört (act. 1 Rz. 55 ff.): - "Erste Tatsachenbehauptung: Systematische Verletzungen des GAV " (act. 1 Rz. 55 f.) - "Zweite Tatsachenbehauptung: Arbeitnehmer müssten Teile des Lohnes zurückzahlen" (act. 1 Rz. 57 ff.) - "Dritte Tatsachenbehauptung: Vorwurf strafrechtlich relevanten Verhaltens " (act. 1 Rz. 60 ff.) - 26 - - "Vierte Tatsachenbehauptung: Kündigung wegen Weigerung, Erklärung betr. Lohnrückzah- lung zu unterzeichnen" (act. 1 Rz. 64 ff.) - "Fünfte Tatsachenbehauptung: Diffamierende Werturteile" (act. 1 Rz. 68 ff.) 5.3.3. Herabsetzung i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG 5.3.3.1. Eine Herabsetzung i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG liegt vor, wenn ein negat i- ves Einwirken auf das Bild eines Marktteilnehmers, das im Wettbewerb als relevant anzusehen ist, erfolgt. Tatbestandsmässig sind jedoch nur Herabsetzungen von ei- ner gewissen Schwere. Eine Herabsetzung liegt erst dann vor, wenn der Durc h- schnittsabnehmer in der fraglichen Äusserung und unter Würdigung aller Umstände ein eigentliches "Verächtlichmachen", "Heruntermachen", "Schlechtmachen" oder "Anschwärzen" er blickt (SHK UWG-S PITZ, N 29 zu Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG; BSK - BERGER, N 27 zu Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG, m.w.H. auf die Rechtsprechung). Journalisten, welche über wirtschaftliche Zusammenhänge berichten, üben Kritik, u.a. an Produkten, Managern und Unternehmen. Unter g rundrechtlichen Aspekten ist es gerade diese Kritikfunktion, welche die besondere Rolle der Medien begrü n- det. Kritik stellt deshalb grundsätzlich keine Herabsetzung dar, sofern sie nicht in ein eigentliches Anschwärzen, Verächtlich- oder Heruntermachen ausartet (S IEBER, Die lauterkeitsrechtlichen Grenzen des Wirtschaftsjournalismus, Bern 2006, Rz. 427 f.). Wirft jedoch ein (wirtschafts -)journalistischer Bericht einem Unternehmen vor, es verhalte sich rechtswidrig oder unmoralisch, wir damit das Abweichen von einem ge- forderten Verhalten beklagt. Der Vorwurf unrechtmässigen Verhaltens ist dabei in der Regel herabsetzender Natur, denn mit ihm ist ein Unwertsurteil von der im Z u- sammenhang mit Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG geforderten Schwere verbunden. Hera b- setzend i st beispielsweise der Vorwurf des Vertragsbruchs, der unlauteren G e- schäftsmethoden sowie der Unterstellung kriminellen Verhaltens ( S IEBER, a.a.O., Rz. 439 ff., u.a. mit Hinweis auf einen Entscheid des Obergerichts Zürich vom 18. Juni 1999, in: sic! 2000, S. 33). 5.3.3.2. Vor dem Hintergrund der vorstehend wiedergegebenen Lehre und Rech t- sprechung konnte die Klägerin glaubhaft darlegen, dass sie die vorliegend er-- 27 - wähnten Tatsachenbehauptungen sowie die diversen in dem Begehren aufgelis- teten Werturteile in einem Masse anschwärzen, welches über die grundsätzlich erlaubte Kritik an der Klägerin hinaus geht. Die Beklagte erhebt in den vorliegend interessierenden E._____-Artikeln den zentralen Vorwurf, die Klägerin verletze in unterschiedlicher Weise den GAV und die Einzelarbeitsverträge mit ihren Arbei t- nehmern. Folgt man der Lehrmeinung von SIEBER und der erwähnten kantonalen Rechtsprechung, wären die beklagtischen Vorwürfe, die Klägerin habe sich rechtswidrig verhalten, ohne weiteres herabsetzend i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG. Ferner treffen die Äusserungen in den E._____-Artikeln die Klägerin in einem für sie besonders sensiblen Bereich. Gemäss der geltenden Entsende- Gesetzgebung (EntsG und EntsV) haften Total - oder Generalunternehmer als Auftraggeber solidarisch für die Nichteinhaltung der Netto- Mindestlöhne und der Arbeitsbedingungen gemäss Art. 2 Abs. 1 EntsG durch die Subunternehmer ( vgl. bereits act. 1 Rz. 75 und act. 44 S. 20 ff., 59 im Verfahren HE150071; auch act. 1 Rz. 56). Das in den E._____-Artikeln verbreitete Bild, die Klägerin halte Mindes t- löhne nicht ein und verletze die Arbeitsbedingungen, wirft nicht nur ein negatives Bild auf die Klägerin, sondern kann sich auch – unter Umständen erheblich – wettbewerbsrelevant auswirken. Die teilweise besonders s ensitiven und exponier- ten Auftraggeber der Klägerin wie die J._____ oder K._____ könnten aufgrund der beklagtischen Berichterstattung von einer weiteren Zusammenarbeit mit der Klägerin zurückschrecken ( vgl. bereits act. 1 Rz. 75 und act. 44 S. 20 ff., 59 i m Verfahren HE150071; auch act. 1 Rz. 56). Die Stellung der Klägerin im Wettbe- werb wird somit durch die in den E._____- Artikel geäusserten Vorwürfe in qualifi- zierter Weise im Sinne eines Anschwärzens beeinträchtigt. 5.3.3.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Klägerin glaubhaft darlegen konnte, dass sie die vorliegend erwähnten Tatsachenbehauptungen sowie die di- versen in der Klage aufgelisteten Werturteile in den vorliegend interessierenden E._____-Artikeln herabsetzen. Eine herabsetzende Äusserung alleine genügt j e- doch noch nicht, um den Tatbestand von Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG zu erfüllen. Eine herabsetzende Äusserung ist nur dann unlauter gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG, wenn es sich um eine qualifizierte Herabsetzung handelt, welche sich dadurch - 28 - qualifiziert, dass die herabsetzende Äusserung zudem unrichtig, irreführend oder unnötig verletzend ist (BSK-BERGER, N 30 zu Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG, m.w.H. auf die Rechtsprechung). Ob die Äusserungen in den E._____-Artikeln diese qualifizierenden Merkmale er- füllen, ist nachfolgend für die einzelnen Äusserungen gesondert zu prüfen. 5.3.4. Qualifizierte Herabsetzung i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG 5.3.4.1. Einleitende Bemerkungen und unbestrittener Sachverhalt a. Die Klägerin stört sich – neben den verunglimpfenden Werturteilen (act. 1 Rz. 68 ff.) – insbesondere an den ihrer Ansicht nach unrichtigen Tatsachenbe- hauptungen in den vorliegend zu beurteilenden E._____-Artikeln (act. 1 Rz. 55 ff.). Dabei geht es im Kern um drei Tatsachenbehauptungen, welche ge- mäss der klägerischen Ansicht unlauter sein sollen: - Erstens stört sich die Klägerin – wie bereits im Verfahren HE150071 – an der Äusserung, sie verletze systematisch den Gesamtarbeitsvertrag (GAV; act. 1 Rz. 55 ff.); - Zw eitens – und auch dieser Vorwurf war bereits Thema v on HE150071 – geht es um die Äusserung in den E._____-Artikeln, die Klägerin zahle ihren Arbeitnehmern (direkt oder indirekt) nicht den Mindestlohn aus bzw. die A r- beitnehmer müssten nachträglich ein Teil ihres Lohnes zurückzahlen (act. 1 Rz. 57 ff.); - Drittens wird im vorliegenden Verfahren stärker als in HE150071 betont, dass sich die Klägerin am Vorwurf störe, sie habe Kündigungen wegen der Weigerung, Erklärungen betr. Lohnrückzahlungen zu unterzeichnen, ausg e- sprochen (act. 1 Rz. 64 ff.). b. Die Parteien haben zur Glaubhaftmachung ihrer Tatsachenbehauptungen diverse Beweismittel, u.a. auch Zeugen, angerufen. Das summarische Verfahren wird jedoch grundsätzlich als Urkundenprozess geführt, worauf die Parteien be- reits mit Verfügung vom 19. Mai 2015 hingewiesen wurden. Mit derselben Verf ü-- 29 - gung wurden die Parteien auch darauf aufmerksam gemacht, dass das summar i- sche Verfahren grundsätzlich nur je eine Rechtsschrift kenne und weitere Einga- ben alleine der Gehörswahrung dienten (Prot. S. 4 f.). Die Partei en setzen sich vorliegend erneut wortreich mit inhaltlich vergleichbaren Vorwürfen wie im Verfahren HE150071 auseinander. Es ist jedoch erneut in Eri n- nerung zu rufen, dass die Grundlagen eines Massnahmebegehrens glaubhaft zu machen sind, was im Bestreitungsfall eine gewisse Materialisierung durch Urku n- den voraussetzt. Vorliegend sind daher in erster Linie – soweit zur Entscheidfin- dung notwendig – die von den Parteien angerufenen Urkunden zu würdigen. c. Es ist zwischen den Parteien unbestritten, dass die Be klagte die vorli e- gend von der Klägerin angegriffenen Äusserungen in den E._____-Artikeln g e- macht hat (act. 1 Rz. 54 ff.; act. 9 Rz. 53 ff.). Umstritten ist zwischen den Parteien jedoch, ob diese Äusserungen unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG sind. 5.3.4.2. Unrichtigkeit, Irreführung, unnötige Verletzung a. Unter den Begriff der unrichtigen Äusserungen können nur Tatsachenbehaup- tungen fallen (BGE 93 II 135 E. 2.). Die Verbreitung unrichtiger (herabsetzender) Tatsachen ist ohne Einschränkung unzulässig (BAUDENBACHER/GLÖCKNER, a.a.O., Art. 3 lit. a N 14; PEDRAZZINI /PEDRAZZINI , Unlauterer Wettbewerb UWG, 2. Aufl., Bern 2002, Rz. 5.14). Meinungsäusserungen, Kommentare und Werturteile sind d a- gegen zulässig, sofern sie auf Grund des Sachverhalts, auf den sie sich bezi ehen, als vertretbar erscheinen. Sie sind einer Wahrheitsprüfung nicht zugänglich. Soweit sie allerdings zugleich auch Tatsachenbehauptungen darstellen, wie es z.B. in e i- nem sogenannten gemischten Werturteil der Fall ist, gelten für den Sachbehau p- tungskern der Aussage die gleichen Grundsätze wie für Tatsachenbehauptungen (BGE 126 III 305 E. 4b.bb). Das Bundesgericht hat sich wiederholt mit Berichterstattungen durch die Presse be- fasst und zum Persönlichkeitsrecht die folgenden auch vorliegend relevanten Grundsätze entwickelt: Die Verbreitung wahrer Tatsachen ist grundsätzlich durch den Informationsauftrag der Presse gedeckt, es sei denn, die betroffene Person - 30 - werde in unzulässiger Weise herabgesetzt, weil die Form der Darstellung unnötig verletzt. Die Veröffentlichung unwahrer Tatsachen ist demgegenüber an sich wide r- rechtlich; an der Verbreitung von Unwahrheiten kann nur in seltenen, speziell gel a- gerten Ausnahmefällen ein hinreichendes Interesse bestehen (BGE 126 III 305 E. 4b.). Dieser Wahrheitsbegriff ist aber insofern ein relativer (vgl. SIEBER, a.a.O., Rz. 448 m.w.H.), als dass noch nicht jede journalistische Unkorrektheit, Ungenaui g- keit, Verallgemeinerung oder Verkürzung eine Berichterstattung insgesamt als u n- wahr erscheinen lässt. Nach der bundesgerichtli chen Rechtsprechung erscheint e i- ne in diesem Sinne unzutreffende Presseäusserung nur dann als insgesamt unwahr und persönlichkeitsverletzend, wenn sie in wesentlichen Punkten nicht zutrifft und die betroffene Person dergestalt in einem falschen Licht zeigt bzw. ein spürbar ver- fälschtes Bild von ihr zeichnet, das sie im Ansehen der Mitmenschen – verglichen mit dem tatsächlich gegebenen Sachverhalt – empfindlich herabsetzt (BGE 126 III 305 E. 4b.; zum Lauterkeitsrecht BGE 123 III 354 E. 2a). In der Lehre wird überdies darauf hingewiesen, dass was im Einzelfall als wesentl i- ches Element einer Aussage und was als unwichtiger Nebenpunkt anzusehen sei, je nach Situation unterschiedlich sein könne. Die Präzision eines Artikels einer Fac h- zeitschrift könne bspw. von d er Tagespresse nicht verlangt werden. Dies bedeute, dass der Gesamteindruck einer Aussage nur in Berücksichtigung des Kontextes, in dem sie gemacht werde, bestimmt werden könne. Im Kontext des (Wirtschafts -) Journalismus gehörten auch der aktuelle Bezug zu diesem Kontext, der es nicht er- laube, jede Aussage mit wissenschaftlicher Gründlichkeit darzustellen, sowie das Bemühen um Allgemeinverständlichkeit, welches gewisse Vereinfachungen, Ver- gröberungen und Auslassungen unumgänglich mache ( S IEBER, a.a.O., Rz. 450 m.w.H.). Verschafft man sich einen Überblick über die von den Parteien angerufenen Urku n- den, fällt auf, dass sich beide Parteien zur Begründung der Richtigkeit bzw. Unric h- tigkeit der vorliegend strittigen Tatsachen auf kein besonders ausgiebiges Urku n- denfundament stützen können. Dies erstaunt nicht weiter, handelt es sich bei den von der Beklagten in den E._____-Artikeln gemachten Vorwürfe teilweise um Vor- gänge im Inneren der klägerischen Unternehmung. Wie für die Schilderung derart i-- 31 - ger Vorgänge in Pres se-Artikeln nicht unüblich (vgl. etwa SIEBER, a.a.O., Rz. 459 ff.), wurden vergleichsweise wenige "objektive" Urkunden ins Recht gereicht, welche die monierten Vorgänge glaubhaft machen würden (vgl. sogleich). Bereits vor diesem Hintergrund wird ersichtlich, dass es sich bei den vorliegend inte- ressierenden Vorgängen innerhalb der klägerischen Unternehmung – zumindest für das vorliegende Massnahmeverfahren – nicht um objektiv nachweisbare Wahrheiten bzw. Unwahrheiten handeln kann. Sinnbildlich dafür steht de r beklagtische Vorwurf, die klägerischen Arbeitnehmer hätten teils in Ungarn einen Teil ihres Lohnes in bar zurückerstatten müssen. Zu diesem Dilemma zwischen Verlautbarungs - und Vermutungsjournalismus, in welchem sich wirtschaftsrelevante Medienberichters tattung bei enthüllender B e- richterstattung regelmässig bewegt (vgl. auch SAXER, Wirtschaftsfreiheit vs. Medien- freiheit, in: AJP 1994, S. 1141 und 1150), hat etwa SIEBER betreffend die Wahrheits- pflicht in Medienberichterstattungen kritisch ausgeführt, eine unterstellte Verletzung der wirtschaftlichen Individualinteressen des betroffenen Wettbewerbers sei abz u- wägen gegen die potenzielle Einschränkung der Medienfreiheit, die ein absolutes Wahrheitsgebot mit sich bringen würde. Da Medienschaffende nicht über di e Mittel straf- oder zivilprozessualen Zwangs zur Wahrheitsfindung verfügten, sondern im Rahmen ihrer Recherchen auf Drittinformationen angewiesen seien, deren Wahr- heitsgehalt nicht immer geklärt werden könne, bestehe mit Bezug auf das Richti g- keitsgebot hä ufig ein Restrisiko bei kritischen Medienveröffentlichungen über Wir t- schaftssubjekte. Eine absolute Wahrheitsverpflichtung würde daher die Bereitschaft zur kritischen Berichterstattung hemmen und einen Verlautbarungsjournalismus, der sich auf die Wiedergabe (allenfalls kommentierter) offizieller Äusserungen von Wir t- schaftssubjekten beschränkt, begünstigen. Ein solches journalistisches Ethos würde zur Markterhellung jedoch noch viel weniger beitragen als mitunter fehlerhafte krit i- sche Berichte ( S IEBER, a.a.O., Rz. 453). Das Bundesgericht hat in einem aktuellen Entscheid zum Persönlichkeitsrecht die Erwägung des hiesigen Handelsgerichts, wonach "auch Raum für einen gewissen investigativen Journalismus bleiben" müsse, zumal "den Medien die Aufgabe des In- formierens" zukomme, kritisiert. Dies jedoch wohl insbesondere deshalb, weil der - 32 - fragliche Artikel der bundesgerichtlichen Ansicht nach kaum als journalistische B e- mühung gelten konnte, das Licht der Wahrheit auf einen skandalträchtigen Vorgang von politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Tragweite zu richten, sondern vielmehr einseitig erfolgte und daher eine "derart verkürzte Berichterstattung (…) der Verbreitung einer Unwahrheit gleich" komme (vgl. das kürzlich zum Persönlichkeit s- recht ergangenen Ur teil des Bundesgerichts 5A_658/2014 vom 6. Mai 2015, E. 7.2.3.4.). S IEBER nennt im Zusammenhang mit der Schilderung von Tatsachen in Presseart i- keln ferner verschieden kritische Verhaltensweisen der Medien: Erstens nennt er als häufigsten (und gleichzeitig banalsten) Grund für unrichtige Behauptungen eine un- sorgfältige Recherche. Eine solche liege insbesondere dann vor, wenn eine unz u- treffende Information veröffentlicht werde, weil die Quelle, aus der die Information stamme, nicht überprüft oder nicht genügend kritisch hinterfragt worden sei (SIEBER, a.a.O., Rz. 459). Je komplexer ein Phänomen sei, desto grösser sei zweitens die Gefahr, dass unrichtige Tatsachenbehauptungen verbreitet würden. Zu denken sei beispielsweise an Veröffentlichungen über kompliziert e Geschäftskonstrukte, vie l- schichtige Kundenbeziehungen oder wirtschaftspolitische Zusammenhänge (SIEBER, a.a.O., Rz. 460 ff.). Im Zusammenhang mit der Schilderung von Tatsachen, welche auf Gerüchten oder Vermutungen basierten, führt SIEBER aus, dass je we niger fun- diert eine Tatsachenbehauptung sei, desto grösser sei die Gefahr, dass sie sich als unrichtig herausstelle. Bei Gerüchten und Vermutungen akzentuiere sich dieses R i- siko, weil diese Quellen naturgemäss mit einer grossen Unsicherheit behaftet seien. Gerade im (Wirtschafts -)Journalismus spielten Gerüchte und Vermutungen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Gerade über Vorgänge, die im Inneren einer Unter- nehmung abliefen und vor der Öffentlichkeit verborgen würden, werde gerne spek u- liert. Grundsätzlich sollten Gerüchte und Vermutungen nach S IEBER nur zurückhal- tend verbreitet werden ( SIEBER, a.a.O., Rz. 465 ff.). b. Bei der Frage, ob eine Äusserung unnötig verletzend ist, bildet das massg e- bende Beurteilungskriterium, ob die Kritik (in Form und/oder Inhal t) unsachlich oder sachfremd ist. Ob eine unnötig verletzende Äusserung vorliegt, hängt von den ge- samten Umständen des konkreten Falles ab. Äusserungen in der Presse sind n a-- 33 - mentlich dann unnötig verletzend, wenn sie angesichts des Sachverhaltes, der d a- mit beschrieben bzw. bewertet werden soll, von einem unbefangenen Durchschnitts- leser als weit über das Ziel hinausschiessend, völlig sachfremd bzw. unsachlich o- der als schlicht unhaltbar empfunden werden ( Urteil des Bundesgerichts 6S.648/1994 vom 13. Dezember 1994 – diktatorische Sortimentskürzung, publiziert in: medialex, 1/1995 Heft 1, S. 45; STREULI-YOUSSEF, in: VON BÜREN/DAVID (HRSG.), SIWR V/1, a.a.O., S. 124 f.). Zu den hierbei beachtlichen Gesamtumständen geh ö- ren auch die auf dem Spiel stehenden Interess en, bei Äusserungen von Medien- schaffenden mithin auch die Pressefreiheit. Für die Beurteilung, ob eine Äusserung unnötig verletzend ist, ist daher der Bedeutung und Funktion der Medienfreiheit Rechnung zu tragen. Wie bereits ausgeführt, ist dabei das Bemüh en des Journali s- ten um eine mit prägnanten Ausdrücken angereicherte Sprache legitim ( BAUDENBA- CHER/GLÖCKNER, a.a.O., Art. 3 lit. a N. 44). Deshalb können auch Begriffe verwendet werden, die in ihrer ursprünglichen Bedeutung allenfalls unzulässig wären, wenn sie infolge ihrer häufigen Verwendung als Schlagworte eine vom Durchschnittsleser er- kennbare, über ihren ursprünglichen Sinn hinausgehende Bedeutung erlangt haben (BAUDENBACHER/GLÖCKNER, a.a.O., Art. 3 lit. a N. 44 unter Hinweis auf das Urteil des Bundesg erichts 6S.648/1994 vom 13. Dezember 1994 – diktatorische Sortiments- kürzung, publiziert in: medialex, 1/1995 Heft 1, S. 45). c. Irreführend ist eine Äusserung, wenn sie geeignet ist, beim Durchschnittsa d- ressaten eine falsche Vorstellung vom fraglichen Sachverhalt hervorzurufen (Täu- schung) oder eine vom fraglichen Sachverhalt abweichende Vorstellung, ohne dass diese genauer umschrieben werden kann ( BERGER, in: Basler Kommentar UWG, 2013, N 38 zu Art.3 Abs. 1 lit. a UWG) 5.3.4.3. Wiedergabe der Behauptung eines Dritten und Berichterstattung über ein laufendes Verfahren a. Wie bereits einleitend ausgeführt wurde, hat sich der Fokus der Berichter- stattung der Beklagten im Vergleich zum Verfahren HE150071 aufgrund der I n- formationen, welche anlässlich der gemeinsamen Pressekonferenz der H._____ Winterthur und Zürich sowie der F._____ am tt.mm.2015 publik wurden, etwas verändert. Stärker ins Zentrum rückte dabei die Berichterstattung über ein laufen-- 34 - des Verfahren vor der Paritätischen Berufskommission für das Gipsergewerbe; auch die Positionen der H._____ Winterthur und Zürich sowie der F._____ wur- den vermehrt wiedergegeben. b. Es wurde bereits im Verfahren HE150071 ausgeführt, dass sich ein Pres- seunternehmen der Verantwortung für seine Berichterstattung nicht dadurch en t- ziehen kann, dass es sich darauf beruft, es habe lediglich die Behauptung eines Dritten wiedergegeben (BGE 126 III 308). Es haftet aber für die Wiedergabe von Behauptungen Dritter nur insoweit, als dadurch in der Tat insgesamt ein in w e- sentlichen Zügen falsches Bild vom Betroffenen entsteht. Dabei spielt keine Rolle, ob der unzutreffende Eindruck, der bei der Leserschaft geweckt wird, auf eine u n- genaue oder verkürzte Wiedergabe der Behauptungen Dritter oder darauf zurüc k- zuführen ist, dass die wiedergegebenen Behauptungen selbst unrichtig oder irr e- führend sind. Ausschlaggebend ist letztlich, ob die Äusserungen, so wie sie der Pressebericht wiedergibt, bei der Leserschaft Vorstellungen hervorrufen, die in für das Ansehen des Betroffenen wesentlichen Punkten von der wirklichen Sachlage abweichen (BGE 123 III 363 f.). c. Bei der Paritätischen Berufs kommission für das Gipsergewerbe handelt es sich zwar nicht um ein staatliches Gericht im eigentlich Sinne . Die zur G e- richtsberichterstattung entworfenen Grundsätze können aber auch vorliegend nicht unberücksichtigt bleiben. So schreibt etwa S PITZ, dass Gegenstand von Herabsetzungsklagen häufig Ge- richtsberichterstattungen, sonstige Berichterstattung en über behördliche Ver fah- ren sowie Äusserungen über Vorstrafen seien. Auch hier müsse dem Wahrheit s- gebot sowie dem lrrefüh rungsverbot entsprochen werden. Besonderes Augen- merk gelte auch hier dem Verhältnismässigkeitsgebot, gemäss welchem auch unnötige Verletzungen unlauter seien. Äusserungen über einen Rechtsstreit zw i- schen zwei Parteien seien jedoch nicht herabsetzend und noch weniger unlauter, wenn beide Versionen dargelegt würden und keine Partei ergriffen werde. Der Vorwurf eines Verbrechens gegenüber einem Mitbewerber dürfte dabei regelmäs- sig wettbewerbsrelevant sein, was jedoch seine Unlauterkeit noch nicht impliziere. Diesbezüglich komme auf die Medientätigkeit infolge der Meinungsäusserungs-- 35 - freiheit und der daraus folgenden verfassungskonformen Auslegung und Anwen- dung von Art. 3 lit. a UWG auf die Medien (Wirtschaftsberichterstattung) aber ein weniger restriktiver Ansatz zum Tragen als bei Äusserungen von Marktteilneh- mern, insbesondere über Mitbewerber (SHK UWG -SPITZ, N 56 zu Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG m.w.H. auf Lehre und Rechtsprechung). d. Zumindest hilfsweise sind die vom Bundesgericht entworfenen Grundsät- ze zur Berichterstattung über laufende Strafverfahren an dieser Stelle zu wieder- holen: Berichte die Presse davon, dass eine Person verdächtigt werde, eine straf- bare Handlung begangen zu haben, oder davon, dass gewisse Personen verm u- teten, sie könnte eine solche Straftat begangen haben, so sei nur eine Formuli e- rung zulässig, die mit hinreichender Klarheit deutlich mache, dass es sich eins t- weilen um einen blossen Verdacht oder um eine reine Vermutung handle und dass – bei einer Straftat – eine abweichende Entscheidung des zuständigen Strafgerichts noch ausstehe. Ein Presseunternehmen könne sich nicht einfach der Verantwortung für seine Berichterstattung mit dem Hinweis entziehen, bloss die Behauptungen eines Dritten originalgetreu wiedergegeben zu haben. Es komme nicht darauf an, ob der unzutreffende Eindruck, der bei der Leserschaft erweckt werde, auf eine ungenaue oder verkürzte Wiedergabe der Behauptungen Dritter oder darau f zurückzuführen sei, dass die wiedergegebenen Behauptungen selbst unrichtig oder irreführend seien. Ausschlaggebend sei letztlich, ob die Äusseru n- gen, so wie sie der Medienbericht wiedergebe, einer Vorverurteilung der verdäc h- tigten Person gleichkomme, die sich mit der Unschuldsvermutung nicht vertrage. Dabei sei massgeblich, wie der Pressebericht bei einem durchschnittlichen Leser ankomme (so das Bundesgericht in einem kürzlich ergangenen Urteil 5A_658/2014 vom 6. Mai 2015, E. 7.2.2.). 5.3.4.4. Erste Tatsachenbehauptung: Systematische Verletzungen des GAV a. Vorw urf im Allgemeinen Der Vorwurf der systematischen Verletzungen des GAV des Gipsergewerbes ist nicht neu und bildete bereits einen der zentralen Streitpunkte im Verfahren HE150071 (act. 1 Rz. 74 ff. im Verfahren HE150071). - 36 - Vorliegend greift die Klägerin u nter diesem Titel vier Tatsachenbehauptungen auf, welche ihrer Ansicht nach allesamt unwahr und damit unlauter bzw. persönlic h- keitsverletzend sein sollen (act. 1 Rz. 55 f.). b. Vorwurf, die Klägerin w ürde ihren Arbeitnehmern "mehrere Millionen Franken vorenthalten" bzw . die Klägerin habe ihren Arbeitnehmern "1,2 Mio. Franken voren[t]halten" und müsse nun diesen "1,3 Mio. ble- chen" (RB 1.1.) aa. Die Klägerin stört sich – wie bereits im Verfahren HE150071 – erneut an den beklagtischen Behauptungen, sie würde ihren Arbeitnehmern "mehrere Millionen Franken vorenthalten" bzw. die Klägerin habe ihren Arbeitnehmern "1,2 Mio. Franken v o- ren[t]halten" und müsse diesen nun "1,3 Mio. blechen " (act. 1 Rz. 55). Die Klägerin bemängelt damit eine Äusserung der Beklagten im Online- Artikel vom tt.mm.2015 ("mehrere Millionen Franken vorenthalten"; act. 3/27) und zwei Äusse- rungen der Beklagten im Online- Artikel vom tt.mm.2015 (" 1,2 Mio. Franken vor - en[t]halten" und "1,3 Mio. blechen "; act. 3/29). Die Beklagte stellt sich auf den Standpunkt, sie habe in ihrer Berichterstattung zu- treffend aus der Pressekonferenz der F._____ und der H._____ Winterthur und Zürich (u.a. act. 3/20) sowie aus dem Bericht der Paritätischen Beru fskommission für das Gipsergewerbe Zürich -Land (act. 3/39) zitiert. Es stelle ihre ureigene Au f- gabe dar, als Medienunternehmen die Öf fentlichkeit zu informieren; die vorliegen- de Berichterstattung sei von einem überwiegenden öffentlichen Informationsint e- resse gedeckt gewesen und habe auf verlässlichen Quellen beruht ( H._____ und Gewerkschaften sowie eigene Mitarbeiter der Klägerin; act. 9 Rz. 20 ff.). bb. Es wurde bereits ausgeführt, dass sich ein Presseunternehmen der Ve r- antwortung für seine Berichterstattung nicht dadurch entziehen kann, dass es sich darauf beruft, es habe lediglich die Behauptung eines Dritten wiedergegeben (BGE 126 III 308). Es haftet aber für die Wiedergabe von Behauptungen Dritter nur insoweit, als dadurch in der Tat insgesamt ein in wesentlichen Zügen falsches Bild vom Betroffenen entsteht (BGE 123 III 363 f.). - 37 - Betreffend Berichterstattung über ein laufendes Verfahren wurde weiter oben ebenfalls bereits dargelegt, dass dabei das Verhältnismässigkeitsgebot zu wahren ist und die Berichterstattung nicht unlauter ist, wenn beide Versionen dargelegt werden und für keine Partei ergriffen wird (SHK UWG -SPITZ, N 56 zu Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG m.w.H.). Die Beklagte kann sich daher der Verantwortung für ihre Berichterstattung nicht dadurch entziehen, dass sie sich darauf beruft, sie habe lediglich die Behauptung eines Dritten wiedergegeben. Vielmehr hat sie in ihrer Berichterstattung den soeben dargelegten Grundsätzen Beachtung zu schenken. cc. Der Beklagten ist vorliegend beizupflichten, dass ein Informationsinteres- se der Öffentlichkeit über eine (wahre) Berichterstattung über Loh ndumping im Baugewerbe besteht. Die Klägerin konnte jedoch glaubhaft machen, dass die Äusserung der Beklagten, die Klägerin würde i hren Arbeitnehmern "mehrere Millionen Franken vorenthalten" (Rechtsbegehren Ziff. 1.1., 1. Teil), eine unwahre Tatsachenbehauptung i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG dar stellt. Die Behauptung, es handle sich um die Voren t- haltung von mehreren Millionen Franken, ist rein spekulativ und findet in den von den Parteien angerufenen "objektiven" Beweis mitteln keine Stütze. Die Beklagte lässt sich in Rz. 23 ihrer Massnahmeantwort denn auch lediglich lapidar verneh- men, es handle sich um völlig zutreff ende Tatsachenbehauptungen und um z u- lässige Werturteile. Im Übrigen verweist sie auf ihre Ausführungen im Verfahren HE150071 (act. 9 Rz. 23, auch Rz. 20 ff., 54 ff.), welche diesbezüglich bereits als unwahr i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG qualifiziert wurden (vgl. act. 44 S. 40 im Ver- fahren HE150071). Von " mehreren Millione n" ist jedoch in keiner der eingereichten Urkunden die Rede. dd. Dagegen ist der Beklagten beizupflichten, wenn sie der Klägerin entgegen hält, die monierten Äusserungen im Online-Artikel vom tt.mm.2015 seien aus dem Gesamtzusammenhang herausgerissen worden und es sei unzulässig, aus dem Gesamtzusammenhang verschiedener Publikationen Stichworte oder Halbsätze herauszureissen und deren Rechtswidrigkeit ausserhalb des Artikelkontextes zu - 38 - behaupten (act. 9 Rz. 54). Die Beklagte erstattete im betreffenden Artikel Bericht über das Verfahren vor der Paritätischen Berufskommission. Das Informationsin- teresse der Öffentlichkeit über eine (wahre) Berichterstattung über Lohndumping im Baugewerbe ist – wie vorstehend erwähnt wurde – zu bejahen. Die Beklagte betonte in ihrer Berichterstattung vom tt.mm.2015 (act. 3/29) mehrfach und au s- drücklich, dass sie ihre Informationen betreffend Lohnzahlungen von der Regiona- len Paritätischen Berufskommission Zürich- Land habe, welche in einem Kontrol l- bericht zum Schluss gekommen sei, dass die Klägerin ihren Arbeitnehmern 1.2 Mio. bzw. 1.3 Mio. Franken vorenthalten habe. Diese Zahlen finden sich auch in dem von der Klägerin ins Recht gereichten Kontrollbericht der Par itätischen Be- rufskommission, worauf die Beklagte zutreffend hinweist (act. 9 Rz. 54; act. 3/39). Die Beklagte hat somit keine Unwahrheit wiedergegeben. Im selben E._____- Artikel wurde ferner auch betont, dass die Klägerin in der Person von I._____ die Vorwürfe bestreite und "A._____ noch Re kurs" einlegen könne. Damit konnte die Klä- gerin auch nicht glaubhaft machen, die Berichterstattung sei einseitig ausgefallen und es seien nur die Versionen der einen Partei wiedergegeben worden. Ferner wurde bereits im Verfahren HE150071 ausgeführt, dass die klägerische These, ihre Konkurrenten hätten unter dem Deckmantel des sozialen Einsatzes für die "geschundenen" Angestellten die F._____ einspannen können, um knal l- harte Geschäftspolitik zu betreiben und die Beklagte hätte gewissermassen als Sprachrohr fungiert, nicht glaubhaft ist. Es erscheint nicht glaubhaft, dass etwa die F._____ ihre Reputation aufs Spiel setzt, um "knallharte Geschäftspolitik" zu betreiben (vgl. act. 44 S. 33 f. im Verfahren HE150071). Die Klägerin konnte daher insgesamt nicht glaubhaft machen, dass die beklagt i- sche Berichterstattung in diesem Punkt einseitig, verkürzt oder undifferenziert ausgefallen wäre. Schliesslich bleibt es auch betreffend die konkreten Vorwürfe – sollten diese denn rechtsgenügend vorgetragen worden sein – bei den Schlussfolgerungen, welche bereits im Verfahren HE150071 gezogen wurde (act. 44 S. 28 ff. im Verfahren HE150071). Im Einzelnen: - 39 - - Betreffend Vorwurf der Lohnrückz ahlung in bar (act. 44 S. 30 ff., insb. S. 34 f., im Verfahren HE150071): Gesamthaft betrachtet konnte die Beklagte jedoch glaubhaft machen, dass sie be- gründeten Anlass hatte, über Lohnrückzahlungen in bar zu berichten. Dies insb e- sondere deshalb, weil sie sich auf Erklärungen von Arbeitnehmern der Klägerin stüt- zen konnte, die das Risiko auf sich genommen haben, sich unter Nennung ihrer Namen gegen die Klägerin zu stellen. Die von der Beklagten angeführten Quellen sind jedoch – wie gezeigt – mit grosser Unsi cherheit behaftet, weshalb der Bekla g- ten – ohne dass es ihre Tatsachenbehauptungen unrichtig machen würde – bei der Verbreitung dieser Tatsache eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen ist ( … ). An dieser Einschätzung vermögen auch die im vorliegenden Verfah ren eing e- reichten Urkunden nichts zu ändern: Die handschriftlich geschriebene und kaum lesbare "Vorschussliste" von L._____ (act. 3/19) kann den klägerischen Standpunkt nicht weiter stützen. Im Übrigen er- scheint die folgende klägerische Sachverhaltsvariante in diesem Zusammenhang wenig glaubhaft und lässt sich auch durch keine weiteren Beweismittel weiter ob- jektivieren (act. 1 Rz. 12): Der Schlüssel für die Rückzahlungen der Arbeitnehmer der Klägerin liege – so die Klägerin in der Begründung ihres Begehrens – in der Person des Personalchefs der Klägerin, L._____. L._____ sei bis Mitte 2013 Chef und Eigentümer eines eigenen ungarischen Gipserbetriebs mit 45 Angestellten gewesen, der 2013 von der Klägerin übernommen worden sei. Auch nach der Übernahme durch die Klägerin sei L._____ als Personalverantwortlicher der Klä- gerin die zentrale Bezugsperson und das "Mädchen für alles" für die ungarischen Mitarbeiter der Klägerin geblieben. Da er, im Gegensatz zu den meisten ungar i- schen Arbeitern, sehr gut deutsch spreche, habe er z.B. für diese einen grossen Teil des in der Schweiz anfallenden Schriftverkehrs für Ausweise, Versicherungen etc. erledigt. Dazu komme, dass er "seinen" ungarischen Arbeitern seit jeher aus seinem eigenen Vermögen Vorschüsse für verschiedenste Zwecke ausgerichtet habe, namentlich zu Beginn ihrer Anstellung zur Finanzierung der Reise in die Schweiz, zur Überbrückung von kurzfristigen Liquiditätsengpässen, zum Kauf ei- nes Autos, zur Rückzahlung von in der Schweiz durch den Personalchef direkt - 40 - bezahlter Krankenkassenbeiträge der Arbeiter etc. L._____ habe über alle diese Vorschüsse Buch geführt, nicht entsprechend den Vorstellungen eines diplomier- ten Buchhalters, aber so, wie es halt auf dem Bau üblich sei, nämlich durch das Führen eines Journals, wo er die ausgeliehenen Betr äge mit dem Namen des entsprechenden Borgers eingetragen habe und den Eintrag bei Rückzahlung ei n- fach wieder durchgestrichen habe. Ob L._____ als Personalverantwortlicher der Klägerin nun die zentrale Bezugs- person und das gute "Mädchen für alles" für die ungarischen Mitarbeiter der Kl ä- gerin geblieben ist, wie dies die Klägerin glaubhaft zu machen versucht (act. 1 Rz. 12), oder ob es sich tatsächlich um die Schlüsselperson im klägerischen Lohndumping-Geschäft handelt, wie dies die Beklagte glaubhaft zu machen ver- sucht, kann vor diesem Hintergrund offen bleiben (act. 9 Rz. 14 ff.). Auch die beglaubigte Erklärung von M._____ vom 24. März 2015 (act. 3/21) reiht sich in die zahlreichen Deklarationen ein, welche in den beiden Verfahren HE150071 und HE150135 bei den Akten liegen. Auch M._____ hat gemäss der eigenen Sachdarstellung der Klägerin zuerst eine Erklärung unterschrieben, in dem er das Gegenteil bestätigte von dem, was er anschliessend in einer weiteren Erklärung zu Papier gab. Die Erklärung gemäss act. 3/21 kann daher an der Ei n- schätzung im Verfahren HE150071 nichts ändern. - Betreffend Vorwurf der ungerechtfertigten Abzüge für Geschäftsautos (act. 44 S. 35 ff., insb. S. 37, im Verfahren HE150071): Gesamthaft betrachtet konnte die Beklagte glaubhaft machen, dass sie begründeten Anlass hatte, über Unstimmigkeiten bei den Abzügen für Geschäftsautos zu beric h- ten. Obwohl es der Klägerin ein Leichtes gewesen wäre, urkundlich nachzuweisen, dass sie mit ihren Arbeitnehmern die Nutzung eines Geschäftsautos vertraglich ve r- einbart hatte, oder dass sie einzelfallweise ihren Arbeitnehmern die Nutzung eines Geschäftsautos ermöglichte, hat sie es unterlassen, zur Klärung der Sachlage be i- zutragen. Auch hier drängt sich jedoch die Relativierung auf, dass die von der B e- klagten angeführten Quellen mit einer gewissen Unsicherheit behaftet sind, weshalb der Beklagten – ohne dass es ihre Tatsachenbehauptungen unrichtig machen würde - 41 - – bei der Verbreitung dieser Tatsache eine gewisse Z urückhaltung aufzuerlegen ist (… ). Der Vorwurf der ungerechtfertigten Abzüge für Geschäftsautos ist im Massnah- mebegehren nicht mehr ausführlich Thema. - Betreffend Vorwurf der ungerechtfertigten Abzüge für Logis (act. 44 S. 37 ff., insb. S. 39, im Verfahren HE150071): Gesamthaft betrachtet konnte die Beklagte glaubhaft machen, dass sie begründeten Anlass hatte, über Unstimmigkeiten bei den Abzügen für Logis zu berichten. Auch hier drängt sich jedoch die Relativierung auf, dass die von der Beklagten angefüh r- ten Quellen mit einer gewissen Unsicherheit behaftet sind, weshalb der Beklagten – ohne dass es ihre Tatsachenbehauptungen unrichtig machen würde – bei der Ver- breitung dieser Tatsache eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen ist ( … ). Ferner kann die Klägeri n auch aus den Urkunden act. 3/22 (Aufstellung Bew ohner Haus …) , 3/23 (Aufstellung über den pauschalen Zimmerabzug 2013/14) und 3/24 (Schreiben N._____ an O._____ GmbH vom 09.09.2014) nichts zu ihren Gunsten ableiten. Bei act. 3/22 handelt es sich um eine undatierte und nicht un- terschriebene Liste mit angeblichen Mietern der Liegenschaft in …, deren Her- kunft sich der Urkunde nicht entnehmen lässt . Dieser Urkunde kommt – wenn überhaupt – nur ein geringer Beweiswert zu. Gleiches gilt auch für act. 3/23. Auch das Schreiben der N._____ AG zuhanden der O._____ GmbH (act. 3/24) kann die Rechtmässigkeit der Abzüge nicht belegen. Darin bestätigte ein P._____ von der N._____ AG zuhanden einer O._____ GmbH lediglich die bereits bekannten Abzüge von CHF 600.– für Logis und CHF 150.– für die Geschäftsautos. Im Übri- gen ist auch nicht genügend klar dargelegt worden, in welchem Zusammenhang diese Behauptungen zu den Rechtsbegehren der Klägerin stehen sollen. Weder in den Rechtsbegehren Ziff. 1. noch in den Ausführungen zum Verfügungsa n- spruch / zur Hauptsacheprognose unter Rz. 55 ff. des Massnahmebegehrens fi n- den sie explizit Erwähnung (act. 1 Rz. 55 ff.). - 42 - Im Übrigen kann es grundsätzlich nicht Aufgabe des v orliegenden Massnahme- verfahrens sein – und dies sieht die Klägerin selbst ein (vgl. act. 1 Rz. 32) –, über die Begründetheit der einzelnen im Bericht der Regionalen Paritätischen Beruf s- kommission für das Gipsergew erbe Zürich- Land vom 9. März 2015 (act. 3/12) vorgebrachten Vorwürfe zu entscheiden. Vielmehr ist die beklagtische Berichter- stattung an der vorstehend zitierten Lehre und Rechtsprechung zu messen, ob und in welcher Form sie über die von Seiten der H._____ Zürich und Winterthur und der F._____ erhobenen Vorwürfe berichten durfte und inwiefern sie dies auch bezüglich des Verfahrens vor der Paritätischen Berufskommission tun durfte. Es bleibt jedoch auch nach der Würdigung der klägerischen Behauptungen in Rz. 33 ff. des Massnahmebegehrens und der dort angerufenen Urkunden (act. 1 Rz. 33 ff. und die dort angerufenen Urkunden) beim einstweiligen Schluss, dass die Beklagte glaubhaft machen konnte, dass sie begründeten Anlass hatte, g e- stützt auf die Informationen, welche ihr von Seiten der H._____ Zürich und Win- terthur und der F._____ sowie der Paritätischen Berufskommission vorlagen, über Unstimmigkeiten bei den Lohnzahlungen etc. zu berichten. Es drängt sich jedoch – und dies haben die klägerischen Vorbringen im vorliegenden Massnahmever- fahren verdeutlicht (act. 1 Rz. 33 ff.) – die Relativierung auf, dass die von der B e- klagten angeführten Quellen mit Unsicherheiten behaftet sind, weshalb der B e- klagten – ohne dass es ihre Tatsachenbehauptungen unrichtig machen würde – bei der Verbreitung dieser Tat sache eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen ist. Insbesondere betreffend Abzüge für Logis konnte die Klägerin glaubhaft machen, dass die Paritätische Berufskommission bei den Fehlbeträgen für Logis von etwas gar allgemeinen Zahlen ausgegangen ist. Es kann jedoch nicht die Aufgabe des vorliegenden Massnahmeverfahrens sein, den weiteren Fortgang des Verfahrens bzw. den Entscheid der Paritätischen Berufskommission über die erhobenen Vorwürfe vorweg zu nehmen. Zusammenfassend konnte die Klägerin daher nicht glaubhaft machen, dass die beklagtische Berichterstattung betreffend Rechtsbegehren Ziff. 1.1., 2. Teil, als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG ausgefallen ist. Rechtsbegehren Ziff. 1.1., 2. Teil, ist daher abzuweisen. - 43 - c. Vorw urf, die Klägerin "unterlaufe systematisch die geltenden (GAV-)Mindestbestimmungen" (RB 1.6.) aa. Die kritisierte Textpassage betreffend Verletzung des GAV stammt aus dem bereits vorstehend erwähnten Online-Artikel der Beklagten vom tt.mm.2015 (act. 3/27). Berücksichtigt man den Kon text, in welchem diese Aussage gemacht wurde, wird ersichtlich, dass die Beklagte lediglich in indirekter Rede aus der M e- dienkonferenz der Gewerkschaft F._____ und der kantonalen H._____ zitiert: Die Gewerkschaft und die Verbände würden davon ausgehen, dass es sich um den wohl grössten Lohndumping-Fall im Kanton Zürich handle . Die Klägerin sei zwar aufgrund von Lohnbuchkontrollen zu hohen Nachzahlungen und Konventional- strafen verpflichtet worden, sie unterlaufe die geltenden Mindestbestimmungen aber weiterhin (act. 3/27). Auch die Klägerin kam im betreffenden Artikel ausgi e- big zu Wort. So wurde eine Stellungnahme der Klägerin wiedergegeben, in der I._____ für die Klägerin ausführte, dass nicht ein einziger der Vorwürfe zutreffe. Die Klägerin sei seit der Gründung vor zehn Jahren noch nie vor Arbeitsgericht eingeklagt worden. Seine Arbeiter verdienten nach Abzug von Quellensteuern und Wohnkosten CHF 4'000.– oder mehr. Die Konkurrenten aus der Gipserbran- che würden vielmehr ihre Positionen in der Paritätischen Kommission missbra u- chen und seien "eine unheilige Allianz mit der sonst verhassten F._____" eingegangen, um die Klägerin loszuwerden (act. 3/27). bb. Diese Berichterstattung über ein laufendes Verfahren vor der P aritäti- schen Berufskommission bzw. die Medienkonferenz der H._____ Zürich und Win- terthur und der F._____ fiel vergleichsweise ausgewogen aus, indem beide Par- teien zu Wort kamen. Wie bereits vorstehend ausgeführt wurde, hatte die Beklag- te begründeten Anlass, darüber zu berichten (vgl. vorstehend Ziff. 5.3.4.4. b.). Die Klägerin konnte daher insgesamt auch diesbezüglich nicht glaubhaft machen, dass die beklagtische Berichterstattung in diesem Punkt einseitig, verkürzt oder undifferenziert ausgefallen wäre. cc. Schliesslich bleibt es auch betreffend die (nicht bereits vorstehend ge- würdigten) konkreten Vorwürfe bei der Schlussfolgerung (vgl. vorstehend - 44 - Ziff. 5.3.4.4. b.), welche bereits im Verfahren HE150071 gezogen wurde (act. 44 S. 44 ff. im Verfahren HE150071): - Betreffend Vorwurf der Überschreitung der wöchentlichen Arbeitszeiten (act. 44 S. 44 ff., insb. S. 46, im Verfahren HE150071): Gesamthaft betrachtet ist auch hier der gleich Schluss wie bereits bei den angebl i- chen Lohnrückzahlungen in bar zu ziehen: Die Beklagte konnte glaubhaft machen, dass sie Anlass hatte, über nicht dokumentierte Überschreitungen der Arbeitszeiten zu berichten. Die von der Beklagten angeführten Quellen sind jedoch – wie gezeigt – teilweise derart zweifelhaft und mit grosser Unsicherh eit behaftet, dass der B e- klagten – ohne dass es ihre Tatsachenbehauptungen unrichtig machen würde – bei der Verbreitung dieser Tatsache eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen ist ( … ). - Betreffend Vorwurf, die Arbeitnehmer würden den GAV -Mindestlohn sowie weiter Lohnbestandteile nicht ausbezahlt erhalten und Vorwurf der Nichtbe- zahlung von Überstunden (act. 44 S. 46 ff. im Verfahren HE150071): Die Beklagte konnte glaubhaft machen, dass sie Anlass hatte, über nicht dokume n- tierte Überschreitungen der Arbeitszeiten, Lohnrückzahlungen etc. zu berichten. Die von der Beklagten angeführten Quellen sind jedoch – wie gezeigt – teilweise derart zweifelhaft und mit grosser Unsicherheit behaftet, dass der Beklagten – ohne dass es ihre Tatsachenbehauptungen unrichtig machen würde – bei der Verbreitung di e- ser Tatsache eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen ist ( … ). An diesen Einschätzungen vermögen auch die eingereichten Urkunden act. 3/32 (Arbeitszeitkontrolle C._____), 3/33 (Arbeitszeitkontrolle Q._____) und 3/34 (Schreiben SVA) nichts zu ändern. Es wurde bereits eingehend im Verfahren HE150071 dargelegt (act. 44 S. 44 ff. im Verfahren HE150071), dass die von bei- den Parteien angerufenen Urkunden (die Beklagte ruft die act. 11/3-16 an; act. 9 Rz. 24 ff.) nur mit Zurückhaltung zu würdigen sind, widersprechen sich die in den Urkunden der Parteien enthaltenen Aussagen doch. Aufgrund der Tatsache, dass ein Teil der betroffenen Arbeitnehmer der Klägerin diese Vorwürfe nicht einfach anonym gegenüber der F._____ oder dem E._____ geäussert hätten, sondern sie - 45 - es wagten, unter Nennung ihrer Namen mit diesen Vorwürfen an die Öffentlichkeit zu treten, konnte die Beklagte glaubhaft machen, dass sie begründeten Anlass hatte, über eine Verletzung des GAV zu berichten. Die Arbeitnehmer der Klägerin haben damit in Kauf genommen, sich zu exponieren und ihr Verhältnis zur Kläge- rin allenfalls zu zerrütten. Schliesslich betrifft das Schreiben der SAV Zürich die Jahre 2010 bis 2013 und damit nicht dem vorliegend interessierenden Zeitraum. dd. Zusammenfassend konnte die Klägerin auch diesbezüglich nicht glau b- haft machen, dass die beklagtische Berichterstattung in diesem Punkt als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG einzustufen ist. Rechtsbegehren Ziff. 1.6. ist daher abzuweisen. d. Vorw urf, dass ein Grossteil der Arbeiter der Klägerin zu Unrecht als Hilfs- arbeiter eingestuft w ürden (RB 1.10.) Der Vorwurf der unrechtmässigen Einstufung von Arbeitnehmern als Hilfsarbeiter ist insofern neu, als dass sich dieser Vorwurf in den Rechtsbegehren im Verfah- ren HE150071 noch nicht fand. Auch diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Beklagte im betreffenden Artikel vom tt.mm.2015 (act. 3/28) lediglich die Meinung der F._____ wiedergibt, welche vor den Medien bestätigt haben soll, dass ein Grossteil der Arbeitnehmer der Kl ä- gerin zu Unrecht als Hilfsarbeiter eingestuft würden. Dieser unkommentierten Wiedergabe der F._____- Meinung könnte zwar entgegen gehalten werden, dass die diesbezügliche Berichterstattung etwas einseitig ausgefallen sei . D er Grund- ton des E._____-Artikels ist jedoch klar; es sollte lediglich die Meinung der F._____ wiedergegeben werden. Ferner – und dies unterscheidet den Vorwurf der unrechtmässigen Einstufung von anderen vorliegend zu beurteilenden Vorwürfen – stützt sich der vorliegende Vor- wurf nicht auf irgendwelche zweifelhaften Urkunden, welche sich teils widerspr e- chen. Vielmehr geht es darum, zu beurteilen, ob die Arbeitnehmer der Klägerin zu Unrecht als Hilfsarbeiter (act. 3/20 S. 3) eingestuft wurden. Nachdem die F.__ ___ - 46 - mit dem betreffenden Vorwurf an die Öffentlichkeit getreten war und sich klar da- hingehend äusserte, dass ein Grossteil der Arbeitnehmer der Klägerin zu Unrecht als Hilfsarbeiter eingestuft würden, durfte die Beklagte darauf vertrauen, dass die F._____ die Einstufung der Arbeitnehmer der Klägerin hier zutreffend kommen- tierte. Die Klägerin konnte daher nicht glaubhaft machen, dass die inkriminierten Äuss e- rung der Beklagten als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG einzustufen ist. Rechtsbegehren Ziff. 1.10. ist daher abzuweisen. e. Vorw urf, dass die Arbeitnehmer der Klägerin den Lohn immer einen Mo- nat verspätet erhalten w ürden und w er nicht spure, der fliege und könne sich den letzten Lohn ans Bein streichen (RB 1.18.) aa. Die Beklagte gibt im E._____-Artikel vom tt.mm.2015 (act. 3/50) die Mei- nung von D._____ wieder, welcher die Behauptung aufstellt, einigen Arbeitneh- mern der Klägerin sei aufgefallen, dass diese den Lohn immer einen Monat ver- spätet erhalten würden. So würde die Klägerin ihre Arbeitnehmer kontrollieren und wer nicht spure, der fliege und könne sich den letzten Lohn ans Bein strei- chen. bb. Die Beklagte vertritt diesbezüglich den Standpunkt, dass es sich um die Meinungsäusserung einer Drittperson handle (act. 9 Rz. 54). Ein Presseunte r- nehmen kann sich – und dies wurde bereits vorstehend dargelegt – der Verant- wortung für seine Berichterstattung jedoch nicht dadurch entziehen, dass es sich darauf beruft, es habe lediglich die Behauptung eines Dritten wiedergegeben (BGE 126 III 308). Auf der anderen Seite haftet das Presseunternehmen aber für die Wiedergabe von Behauptungen Dritter nur insoweit, als dadurch in der Tat insgesamt ein in wesentlichen Zügen falsches Bild vom Betroffenen entsteht (BGE 123 III 363 f.). cc. Im Verfahren HE150071 wurde zur Frage der Beweislastverteilung bereits ausgeführt, dass gemäss Bundesgericht betreffend die Streitfrage, ob gewisse Tatsachenbehauptungen der Wahrheit entsprächen, praxisgemäss in zwei Schri t-- 47 - ten vorzugehen sei: Es sei erstens zu prüfen, ob eine Persönlic hkeitsverletzung vorliege und zweitens, ob ein Rechtfertigungsgrund vorliege. Die Beweislast für die Sachumstände, aus denen sich die Verletzung ergebe, liege bei der klagen- den Partei als Opfer. Die beklagte Partei als Urheberin der Verletzung müsse die Tatsachen dartun, aus denen sich das Vorliegen eines Rechtfertigungsgrundes erschliesse (…). Nach dem Gesagten beschlage der Streit darüber, ob bestimmte Tatsachenaussagen in einem Medienbericht der Wahrheit entsprächen, die Frage nach der Rechtfertigung ein er Persönlichkeitsverletzung, wobei der Nachweis ei- nes Rechtfertigungsgrundes dem beklagten Verletzer obliege (Urteil des Bundes- gerichts 5A_658/2014 vom 6. Mai 2015, E. 8.2. f.). Es obliegt somit grundsätzlich der Beklagten, den Nachweis zu erbringen, dass bestimmte Tatsachenaussagen in einem Medienbericht der Wahrheit entspr e- chen. Die Klägerin kann sich jedoch nicht damit begnügen, wie sie dies vorliegend betreffend die Aussagen von D._____ tut, lediglich eine Textpassage in einem E._____-Artikel zu bemängeln. Bevor sich die Beklagte zu rechtfertigen hat, trägt die Klägerin die Beweislast für die "Sachumstände, aus denen sich die Verletzung ergibt " (so das Bundesgericht im zitierten Entscheid) . Vorliegend hat die Klägerin jedoch nicht einmal ansatzweise die Sachumstände dargetan, aus welcher sich die Ve r- letzung ergeben soll, findet sich in ihrem Massnahmebegehren doch keine Ausei- nandersetzung mit den diesbezüglichen Vorwürfen von D._____. dd. Die Klägerin konnte daher nicht glaubhaft machen, dass die inkriminierten Äusserungen der Beklagten als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG einzustufen sind. Rechtsbegehren Ziff. 1.18. ist daher abzuweisen. f. Zw ischenfazit Somit konnte die Klägerin glaubhaft machen, dass die folgende inkriminierte Äusserung der Beklagten als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG einzu stufen ist: - Die Behauptung, die Klägerin würde ihren Arbeitnehmern " mehrere Millionen Franken vorenthalten" (Rechtsbegehren Ziff. 1.1., 1. Teil). - 48 - 5.3.4.5. Zw eite Tatsachenbehauptung: Arbeitnehmer müssten Teile des Lohnes zurückzahlen a. Vorw urf und allgemeine Bemerkungen Wie die Klägerin selbst ausführt, greift sie in diesem Punkt den zentralen Vorwurf aus dem Verfahren HE150071 auf, nämlich den Vorwurf, dass d ie Arbeitnehmer der Klägerin Teile ihres Lohnes zurückzahlen müssten (act. 1 Rz. 57 ff.). Im Verfahren HE150071 wurde in diesem Zusammenhang bereits das Folgende ausgeführt (act. 44 S. 28 f. im Verfahren HE150071): Die Grundlagen eines Massnahmebegehrens sind glaubhaft zu machen, was im Bestreitungsfall eine gewisse Materialisierung durch Urkunden voraussetzt. Was die Problematik der Materialisierung durch Urkunden anbelangt, schildert die Beklagte das Dilemma beider Parteien gleich selbst: Der Vorwurf, die Klägerin betreibe Lohn- dumping etc., entziehe sich in einigen Bereichen dem dokumentarischen Nachweis; er sei im wichtigsten Punkt nur dadurch beweisbar, dass einzelne Arbeitnehmer nunmehr erklärten, dass sie in bar regelmässig unquittierte Lohnrückzahlungen hät- ten vornehmen müssen; da sie zuvor aber schriftlich diese tatsächlich erfolgten Rückzahlungen bestritten hätten, bleibe die Beweislage – stelle man auf den Wor t- laut von Dokumenten ab – vorerst widersprüchlich. Beweisbildend im Zivilprozess seien unter diesen Umständen nur direk te Zeugenaussagen. Aus journalistischer Sicht und für die Glaubhaftmachung des beklagtischen Standpunktes genüge es i n- dessen vollkommen, auf die Erklärungen gemäss act. 13/6/1-6/6 zu verweisen, wel- che zuvor gemachte mündliche Aussagen bestätigten (act. 10 Rz. 20). Die von den Parteien im Verfahren HE150071 angerufenen Urkunden wurden eingehend gewürdigt. Auf diese Urkunden und ihre Ausführungen in den Recht s- schriften verweisen beide Parteien teilweise pauschal. Es fragt sich, ob die Par- teien neue Urkunden a nrufen konnten, welche an der Einschätzung des Gerichts im Verfahren HE150071 etwas ändert (vgl. act. 44 S. 28 ff. im Verfahren HE150071). - 49 - b. Vorwurf, die Klägerin habe den Arbeitnehmer C._____ "nach Strich und Fa- den ausgenommen" und schulde diesem noch CHF 40'000, w eil C._____ so viel von seinem Konto habe abheben und der Klägerin zurückgeben müs- sen und der Arbeitnehmer C._____ müsse pro Monat CHF 1'300 an die Klägerin zurückzahlen (RB 1.4.) aa. Die Vorwürfe, die Klägerin habe den Arbeitnehmer C._____ "nach Strich und Faden ausgenommen " und schulde diesem noch CHF 40'000.–, weil C._____ so viel von seinem Konto habe abheben und der Klägerin zurückgeben müssen , und der Arbeitnehmer C._____ müsse pro Monat CHF 1'300.– an die Kläger in zurückzah- len, fanden sich bereits im Verfahren HE150071. Diese Vorwürfe wurden von der Beklagten in einem E._____-Artikel vom tt.mm.2015 (act. 3/16) wieder aufgegri f- fen. bb. Einleitend ist festzuhalten, dass die E._____-Berichterstattung vom tt.mm.2015 (act. 3/16) zumindest in den eigentlichen Artikeln – abgesehen von pointierten Formulierungen – vergleichsweise ausgewogen ausgefallen ist. Es ist daher – anders als etwa in einem Bundesgerichtsentscheid 5A_658/2014 vom 6. Mai 2015 – nicht von einer " derart verkürzte Berichterstattung" auszugehen, welche "der Verbreitung einer Unwahrheit gleich " kommen würde (vgl. das kürzlich zum Persön- lichkeitsrecht ergangenen Urteil des Bundesgerichts 5A_658/2014 vom 6. Mai 2015, E. 7.2.3.4.). Im Einzelnen: Der E._____-Artikel nimmt auf die abgedruckte Gegendarstellung der Klägerin vom Vortag Bezug. Ferner wird C._____ zitiert, welcher den beklagtischen Stand- punkt weiter stützen soll. Daraufhin wird jedoch auch die klägerische Ansicht wi e- dergegeben, dass C._____ und seine Mitstreiter versucht hätten, die Klägerin zu erpressen. Schliesslich wird erneut die Problematik der Mieten für die Arbeitneh- mer der Klägerin angesprochen. Die Klägerin kommt auch in diese Zusammen- hang zu Wort (act. 3/16). cc. Es fragt sich, ob die Parteien weitere Beweismittel anrufen konnten, wel- che an der gerichtlichen Einschätzung im Verfahren HE150071 etwas ändern könnte. Neu ist in diesem Zusammenhang, dass die Klägerin die Kündigung von - 50 - C._____ eingehend damit erklärt, dass er und seine Mi tstreiter versucht hätten, die Drucksituation der Klägerin angesichts der laufenden E._____- Kampagne auszunutzen, indem sie versucht hätten, je CHF 40'000. – von der Klägerin zu er- halten. Die rechtliche Beurteilung dieser Aktion werde den Strafuntersuchungsbe- hörden vorbehalten sein. Eine entsprechende Strafanzeige sei bereits eingereicht worden. Die von der Klägerin als act. 3/18 ins Recht gereichte Strafanzeige kann den klägerischen Standpunkt jedoch nicht weiter stützen, beweist diese doch l e- diglich, dass die Klägerin gegen die betreffenden Personen Strafanzeige erhoben hat. Auch die erneut ins Recht gereichte, bereits vorstehend gewürdigte und kaum le- serliche Vorschussliste von L._____ kann den klägerischen Standpunkt nicht wei- ter stützen. Auch die beglaubigte Erklärung von M._____ vom 24. März 2015 ist eine weitere schriftliche Erklärung, welche in frappantem Widerspruch zu einem Teil der ande- ren aktenkundigen Erklärungen im Verfahren HE150071 steht. Mit dieser Erkl ä- rung, welche teilweise etwas abenteuerli ch anmutende Aussagen, etwa betref- fend Erwerb eines Maschinengewehrs, enthält, kann für sich alleine den kläger i- schen Standpunkt nicht weiter stützen (vgl. auch vorstehend). Gleiches gilt auch für die weitern unter Ziff. 5.3.4.4. bereits gewürdigten Urku n- den. dd. Gesamthaft betrachtet bleibt es daher auch im vorliegenden Verfahren beim Schluss aus dem Verfahren HE150071 (act. 44 S. 28 ff. im Verfahren HE150071): Die Beklagte konnte glaubhaft machen, dass sie begründeten Anlass hatte, über Lohnrückzahlungen zu berichten. Dies insbesondere deshalb, weil sie sich auf Erklärungen von Arbeitnehmern der Klägerin stützen konnte, die das Risiko auf sich genommen haben, sich unter Nennung ihrer Namen gegen die Klägerin zu stellen. Die von der Beklagten angeführten Qu ellen sind jedoch – wie im Verfa h- ren HE150071 gezeigt – mit grosser Unsicherheit behaftet, weshalb der Beklag-- 51 - ten – ohne dass es ihre Tatsachenbehauptungen unrichtig machen würde – bei der Verbreitung dieser Tatsache eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen ist. ee. Wie bereits vorstehend dargelegt wurde, sind journalistische Ungenauigkeiten und Vereinfachungen in Presseberichten grundsätzlich zulässig. Sie begründen nur dann eine Wettbewerbswidrigkeit, wenn sie die Leserschaft in Bezug auf Tatsachen, die einen wesentlichen Einfluss auf die wirtschaftliche Ehre eines Wettbewerbstei l- nehmers haben, zu unzutreffenden Vorstellungen verleiten (BGE 123 III 354 E. 2a S. 363). Unnötig verletzend ist dabei eine Äusserung, wenn sie angesichts des Sachverhalts, der damit beschrieben oder bewertet werden soll, weit über das Ziel hinaus schiesst, völlig sachfremd oder unsachlich, mithin unhaltbar ist (Urteil der Bundesgerichts 4C.205/2000 vom 13. September 2000 E. 2a m.w.H.). Auch das Bemühen eines Journalisten um eine m it prägnanten Ausdrücken angereicherte Sprache ist grundsätzlich legitim, weshalb auch Begriffe verwendet werden können, die in ihrer ursprünglichen Bedeutung allenfalls unzulässig wären, wenn sie infolge ihrer häufigen Verwendung als Schlagworte eine vom Durchschnittsleser erkennba- re, über ihren ursprünglichen Sinn hinausgehende Bedeutung erlangt haben ( B AU- DENBACHER/GLÖCKNER, a.a.O., Art. 3 lit. a N 44 unter Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 6S.648/1994 vom 13. Dezember 1994 – diktatorische Sortiments- kürzung, publiziert in: medialex, 1/1995 Heft 1, S. 45). Reisserische Titel können dabei in Berücksichtigung des gesamten Berichtskontexts in ein anderes Licht ge- rückt und dadurch mitunter irreführend werden (SIEBER, a.a.O., Rz. 499 ff.). Obwohl die E._ ____-Berichterstattung vom tt.mm.2015 vergleichsweise ausge- wogen ausgefallen ist, lässt die Wiedergabe der Ansicht von C._____, er sei "nach Strich und Faden ausgenommen worden ", die nötige Zurückhaltung vermissen (Rechts- begehren Ziff. 1.4., 1. Teil). Das Quellenmaterial der Beklagten betreffend Rüc k- zahlungen von Lohn ist mit grossen Unsicherheiten behaftet. Die Wiedergabe der pointierten Meinungsäusserung von C._____ lässt daher vor dem Hintergrund des teilweise unsicheren Quellenmaterials die nötige Zurüc khaltung vermissen. Ferner schiesst sie auch weit über das Ziel hinaus. Sie ist daher als unlauter im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG zu qualifizieren. Die übrigen in Rechtsbegehren - 52 - Ziff. 1.4. monierten Aussagen sind dagegen lauterkeitsrechtlich im Rahm en des vorliegenden Massnahmeverfahrens nicht zu beanstanden. c. Vorw urf, die Arbeitnehmer der Klägerin w ürden einen effektiven Stunden- lohn von 11 Euro erhalten (RB 1.8.) Der Vorwurf, die Arbeitnehmer der Klägerin würden einen effektiven Stundenlohn von 11 Eu ro erhalten, findet sich in einem Online -Artikel vom tt.mm.2015 (act. 3/27). Wie bereits vorstehend ausgeführt wurde, hat die Beklagte in ihrem E._____-Artikel vom tt.mm.2015 lediglich in indirekter Rede aus der Medienkonfe- renz der Gewerkschaft F._____ und der H._____ Zürich und Winterthur zitiert. Auch diese Berichterstattung über ein laufendes Verfahren vor der paritätischen Berufskommission fiel vergleichsweise ausgewogen aus, indem beide Parteien zu Wort kamen. Die Klägerin konnte nicht glaubhaft machen, dass die Wiedergabe der Aussage von R._____ von der F._____, der effektive Stundenlohn betrage 11 Euro, lauterkeitsrechtliche zu beanstanden wäre. Rechtsbegehren Ziff. 1.8. ist daher abzuweisen. d. Vorw urf, die Klägerin betreibe "systematischen Bschiss" (RB 1.9.) aa. Der Vorwurf, die Klägerin betreibe " systematischen Bschiss", stammt aus e i- nem E._____-Artikel vom tt.mm.2015. Auch in diesem Zusammenhang gibt die Beklagte die Meinung der F._____ wieder, welche "inzwischen von 'systemat i- schem Bschiss' " spr eche; der " systematische Bschiss" findet sich auch in der Über- schrift des Artikels vom tt.mm.2015 wieder (act. 3/28). bb. Welcher Sinn einer Äusserung im Gesamtzusammenhang zukommt, be- stimmt sich – wie bereits vorstehend dargelegt wurde – nach dem Eindruck des unbefangenen Durchschnittslesers. Daher ist nicht auf die Bedeutung abzustü t- zen, die der Äusserung von der dadurch direkt betroffenen Person gegeben wird, sondern vielmehr auf eine objektive Auslegung gemäss dem Sinn, den ihr der u n- beteiligte Durchschnittsleser unter Berücksichtigung der konkreten Umstände ge- ben muss (BGE 131 IV 160 E. 3.3.3.= Pra 95 Nr. 59; BGE 128 IV 53 E. 1a). - 53 - Zur Problematik von pointierten Überschriften in Zeitungsartikeln wurde im Ver- fahren HE150071 bereits das Folgende ausgeführt (act. 44 S. 42 f. im Verfahren HE150071): Es fragt sich daher, ob die E._____-Artikel mit derart pointierten Überschriften über- schrieben werden durften. Die Überschriften auf der Titelseite bzw. oberhalb der A r- tikel sind das Erste, was der Leser bei Ansicht der Tageszeitung bzw. des Artikels zur Kenntnis nimmt, und er wird in der Folge – sofern sein Interesse geweckt wor- den ist – den Text, und zwar unter dem durch den Titel gewonnen Eindruck, lesen. Da die Überschriften selber keinen konkreten Fak tenbezug enthalten, dienen sie – für sich genommen – nicht als eigentlicher Informationsträger, sondern vielmehr als Anreisser. Dementsprechend kann die Beurteilung der Überschriften auch nicht is o- liert erfolgen, sondern diese sind unter Berücksichtigung des Haupttextes zu be- trachten (vgl. auch Baudenbacher/Glöckner, a.a.O., Art. 3 lit. a N 43), genauso wie auch bei der Beurteilung des Textteils dem Titel Rechnung zu tragen ist. Es ist aller- dings zu berücksichtigen, dass Titel notwendig verkürzend sind und regelmässig aus schlagwortartigen Hinweisen bestehen, die die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich lenken und dessen Interesse wecken sollen. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass es sich vorliegend um die Meinungs- äusserung einer Drittperson handelt. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu dieser Frage wurde bereits vorstehend wiedergegeben. cc. Man könnte der Beklagten nun zugute halten, der durchschnittliche E._____-Leser erwarte bereits, dass sensationelle und reisserische Überschriften im Textteil we itgehend zurückgenommen werden (vgl. B AUDENBACHER/GLÖCKNER, a.a.O., Art. 3 lit. a N. 43). Vorliegend gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass das Quellenmaterial der Beklagten, insbesondere was ihren wohl schwerwiegendsten Vorwurf der Barrückzahlungen von ausbezahltem Lohn betrifft, mit grossen Unsi- cherheiten behaftetet ist. Überschriften wie die im Verfahren HE150071 beurteil- ten Überschriften "Lohnklau" , "Lohn -Klauer", "üble Machenschaften" und "Böse, neue Lohn-Dumping-Masche" liessen vor dem Hintergrund des teilweise unsich e- ren Quellenmaterials die nötige Zurückhaltung vermissen und führen den Durc h- schnittsleser in die Irre. Ferner schiessen sie auch weit über das Ziel hinaus. Dies - 54 - etwa im Unterschied zu der von der Klägerin im Verfahren HE150071 nicht mo- nierten Überschrift "Die neue Lohndumping- Masche" (act. 44 S. 42 f. im Verfa h- ren HE150071) . Nichts anderes kann auch für die vorliegend zu beurteilende Überschrift "Systematischer Bschiss" gelten. Die aufgeführte Überschrift ist daher irre- führend, sicherlich aber unnötig verletzend, unterstellen sie der Klägerin mit dem Vorwurf des " Bschisses", der "systematisch" erfolgen soll, doch eindeutig Absic h- ten, welche weit über Unregelmässigkeiten bei der Lohnzahlung hinaus gehen. Ferner wurde dieser Vorwurf im E._____- Artikel vom tt.mm.2015 auch in keiner Weise relativiert, wurde doch lediglich die Meinung der F._____ unkommentiert wiedergegeben. Schliesslich kann sich die Beklagte auch nicht der Verantwortung dadurch entziehen, dass sie lediglich die Behauptung eines Dritten , vorliegend der F._____, wiedergegeben habe (vgl. BGE 126 III 308). Denn mit dieser einsei- tigen Äusserung entstand insgesamt ein in wesentlichen Zügen falsches Bild von der betroffenen Klägerin (vgl. BGE 123 III 363 f.). Die Klägerin konnte glaubhaft machen, dass diese inkriminierte Äusserung der Beklagten als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG einzustufen ist. e. Zw ischenfazit Somit konnte die Klägerin glaubhaft machen, dass die folgenden inkriminierten Äusserungen der Beklagten als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG einzustufen sind: - Die Behauptung, die Klägerin habe den Arbeitnehmer C._____ "nach Strich und Faden ausgenommen" (Rechtsbegehren Ziff. 1.4., 1. Teil); - Die Behauptung, die Klägerin betreibe " systematischen Bschiss" (Rechtsbegeh- ren Ziff. 1.9.). 5.3.4.6. Dritte Tatsachenbehauptung: Vorw urf strafrechtlich relevanten Verhaltens a. Wie sie selbst ausführt, greift die Klägerin auch im vorliegenden Verfah- ren diverse Äusserungen der Beklagten auf, die ihrer An sicht nach "wiederum meh- rere direkte oder verklausulierte Vorwürfe strafrechtlichen Verhaltens " enthalten würden (act. 1 - 55 - Rz. 60 ff.). Die Beklagte wehrt sich dagegen und erklärt, die unter act. 1 Rz. 60 erhobenen Vorwürfe seien durchgehend Werturteile und als solche aufgrund der bekannten und publizierten Tatsachen vollkommen zulässig (act. 9 Rz. 59). b. Der erste Vorwurf, die Klägerin " operiere mit gefälschten Unterlagen" (RB 1.7.), steht in einem O nline-Artikel der Beklagten vom tt.mm.2015 (act. 3/27) geschrie- ben, welcher vorliegend bereits an unterschiedlichen Stellen gewürdigt wurde. Die Klägerin macht geltend, dieser Vorwurf enthalt den Vorwurf der Urkundenfä l- schung i.S.v. Art. 251 StGB (act. 1 Rz. 61). Die Beklagte macht es sich etwas gar einfach, wenn sie diesbezüglich entgegnet, die klägerische Behauptung sei nicht nur als blosse Wiederholung unbegründeter Vorbringen bestritten, sondern der Vorhalt sei überhaupt erfunden. Im Übrigen sei auch di ese Ziffer 61 der Klage- schrift ohne jeden Bezug zu Art. 266 ZPO. Abgesehen davon habe die Beklagte nirgendwo die in Ziffer 61 der Klageschrift rapportierte Behauptung erhoben, es fehle jede Beweisofferte und jede Substantiierung, und es sei nicht Sache des Gerichts und der Gegenseite, irgendwo in den Akten nach einer Äusserung zu suchen, die die Klägerin vielleicht gemeint haben könnte (act. 9 Rz. 60). Die Online -Berichterstattung vom tt.mm.2015 wurde bereits vorstehend gewü r- digt. Sie fiel vergleichsweise ausgewogen aus, indem der Standpunkt beider Par- teien geschildert wurde. Es fragt sich, ob der vorliegend massgebliche Durchschnittsleser die von der Kl ä- gerin herausgegriffene Äusserung derart verstand, dass damit der Klägerin ein strafbares Verhalten vorgeworfen wurde. Die Klägerin konnte jedoch nicht glau b- haft machen, dass die betreffende Äusserung der Beklagten den Vorwurf der B e- gehung einer Urkundenfälschung i.S.v. Art. 251 StGB beinhaltet . Mit der gewäh l- ten Verbform gibt die Beklagte zu erkennen, dass sie einen Vorwurf wiedergibt, welcher an der gemeinsamen Pressekonferenz der H._____ Winterthur und Zü- rich sowie der F._____ erhoben wurde. Weder an dies er Pressekonferenz noch im kritisierten E._____-Artikel war ein gegen die Klägerin laufendes Strafverfahren Thema. Es findet auch weder Art. 251 StGB noch der explizite Vorwurf eines strafrechtlichen Verhaltens Erwähnung. Obwohl im E._____-Artikel von einer Fä l- schung die Rede ist ("gefälschten Unterlagen"), konnte – berücksichtigt man den - 56 - gesamten Kontext des Artikels – die Klägerin nicht glaubhaft machen, dass beim Durchschnittsleser des E._____ durch die monierte Äusserung der Eindruck en t- standen wäre, dass die Beklagte gegenüber der Klägerin implizit den Vorwurf der Nötigung i.S.v. Art. 251 StGB erhoben hätte . D ies hätte juristisches Fachwissen erfordert. Die Klägerin konnte jedoch nicht glaubhaft machen, dass der Durc h- schnittsleser des E._____ ein derartiges Fachwissen besitzt. Rechtsbegehren Ziff. 1.7. ist daher abzuweisen. c. Der zweite Vorwurf, die Klägerin betreibe systematischen Bschiss (RB 1.9.), wurde bereits vorstehend aus anderen Gründen als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG qualifiziert. d. Betreffend den weiteren unter Rz. 60 der Klageschrift aufgeführten Vorwürfe (act. 1 Rz. 60: "Die Klägerin hintergehe die Bauherren" [RB 1.11.], "Die Klägerin habe 'mehr- mals versucht', einen anonymen Gipsermeister 'über den Tisch zu ziehen' " [RB 1.15.], "Die Klä- gerin habe den Gipser D._____ 'beschissen und Arbeiten verrechnet, die er gar nicht ausgeführt hatte.' " [RB 1.16.],) fehlt es an rechtsgenügenden substantiierten Vorbringen der Klägerin. So führt die Klägerin lediglich aus, dass die umgangssprach lich formu- lierten Vorwürfe, sie "bescheisse" bzw. hintergehe Bauherren und versuche, Gi p- serkollegen über den Tisch zu ziehen, zwar nicht direkt mit dem Vorwurf des B e- trugs im Sinn vom Art. 146 StGB gleichgesetzt werden könnten, doch sei es für den Leser of fenkundig, dass sich ein Unternehmen, das sich wiederholt derart massiven Vorwürfen von verschiedener Seite ausgesetzt sehe, kriminell verhalte, und auf jeden Fall ein gänzlich unseriöses Unternehmen sei, mit dem niemand etwas zu tun haben wolle (act. 1 Rz. 62). Selbst wenn aber substantiierte Vorbringen der Klägerin vorliegen würden, wäre nicht ersichtlich, inwiefern die Vorwürfe gemäss Rechtsbegehren Ziff. 1.11., 1.15. und 1.16. den für den Durchschnitts -E._____-Leser erkennbaren Vorwurf des Be- truges i.S.v. Art. 146 StGB enthalten würden. - 57 - e. Die Klägerin konnte somit nicht glaubhaft machen, dass die unter der dri t- ten Tatsachenbehauptung vorgebrachten Äusserungen der Beklagten als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG einzustufen wären. 5.3.4.7. Vierte Tatsachenbehauptung: Kündigung w egen Weigerung, Erklärung betreffend Lohnrückzahlung zu unterzeichnen (RB 1.3.) a. Dieser Vorwurf ist insofern neu, als dass er im Verfahren HE150071 noch nicht Gegenstand der Rechtsbegehren war. Die Klägerin führt aus, dass die Behauptung, sie habe drei ihrer Arbeitnehmer fristlos gekündigt, weil sich diese geweigert hätten, "ein Papier zu unterschreiben, mit dessen Hilfe sich die Lohndumping- Vorwürfe in Luft auflösen sollen", eine besondere Stellung einnehme. Mit diesem Vorwurf werde der Klägerin unterstellt, sie habe den betref- fenden Arbeit nehmern ungerechtfertigt gekündigt und zwar aus dem verpönten Grund, dass sie Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis geltend gemacht hätten. Auch damit werde die Klägerin als unseriös es Unternehmen dargestellt, das sich keinen Deut um die Vorgaben des Arbeitsrechts kümmere, sondern rigoros jeden Arbeitnehmer hinauswerfe, der nicht nach ihrer Pfeife tanze. Wie gezeigt sei das Gegenteil wahr. Die Aussage sei schon deshalb falsch, weil di e gekündigten Ar- beitnehmer das fragliche Dokument tatsächlich unterschrieben hätten. Der tat- sächliche Kündigungsgrund habe jedoch wie ausgeführt darin gelegen, dass die betreffenden Arbeitnehmer versucht hätten, die Klägerin zu erpressen, was in ei- ner eingereichten Strafanzeige detailliert beschrieben und dokumentiert sei (act. 1 Rz. 64 ff.). Die Beklagte bestreitet die Vorbringen der Klägerin. Sie führt aus, es werde klar bestritten, dass der "Entlassungsgeschichte" und ihrer Vorgeschichte irgendwel- che prägende Bedeutung beim Durchschnittsleser zukomme. Der behalte nur in Erinnerung – wenn überhaupt –, dass die Klägerin drei Mitarbeiter fristlos entlas- sen habe, was ja unbestritten der Fall sei. Bezüglich des Entlassungsmotivs wer- de dem Leser allerhöchstens noch in Erinnerung bleiben (und selbst das sei frag- lich), dass die Klägerin diesen drei Mitarbeitern "Erpressung" vorgeworfen habe; die Sache mit dem Dokument dürfte kein Durchschnittsleser in Erinnerung behal-- 58 - ten haben. Selbst wenn: Es sei objektiv zutreff end und schlicht unbestreitbar, dass die Klägerin am 3. März 2015 die Unterzeichnung eines Dokuments verlangt habe und sich die drei Entlassenen (gleich wie noch neun andere Mitarbeiter) ge- weigert hätten, es zu unterschreiben ("Priora- Erklärung"). Hingegen sei es wiede- rum abwegig, was die Klägerin als angebliche Motivüberlegung des Lesers der Beklagten behaupte: Der denke nicht ansatzweise an eine – widerrechtliche – Kündigung wegen Geltendmachung von Ansprüchen aus dem Arbeitsverhältnis. Die Klägerin fanta siere am Text der beklagtischen Publikationen vorbei, mehr müsse man dazu nicht sagen (act. 9 Rz. 63). b. Es ist der Beklagten beizupflichten, dass nicht ganz nachvollziehbar ist, was die Klägerin im Einzelnen nun als falsch und damit als lauterkeits - bzw. per- sönlichkeitsrechtlich problematisch ansieht (act. 9 Rz. 66). Vorliegend stehen ins- besondere zwei Sachverhaltsvarianten im Raum. So vertritt die Klägerin die A n- sicht, sie haben den drei Arbeitnehmern gekündigt, weil diese versucht hätten, die Klägerin z u erpressen (act. 1 Rz. 5 ff., 64 ff.). Die Beklagte gibt im betreffenden Artikel die Ansicht der drei Arbeitnehmer der Klägerin wieder, und zwar mit fol- gendem Wortlaut (act. 3/16): "Doch A._____ drehte den Spiess um. Er verlangte von rund 60 Gipsern, dass sie ein Papier unte r- schreiben, mit dessen Hilfe sich die Lohndumping- Vorwürfe in Luft auflösen sollten. Acht Gipser weigerten sich – drei von ihnen erhielten die fristlose Kündigung. Darunter C._____ (35). 'Ich habe die Ungerechtigkeit zwei Jahre lang dokumentiert', sagt er. In dieser Zeit habe ihn A._____ nach Strich und Faden ausgenommen. Er hat ausgerechnet, dass ihm A._____ mindestens CHF 40'000 Franken schuldet. Auch hier hat A._____ den Spiess sogleich umgedreht. Er wirft jetzt C._____ und zwei weit eren Ungarn vor, ihn zu erpressen. 'In der Annahme, wir seien nun durch die E._____- Kampagne extrem unter Druck, haben sie versucht, je 40'000 Franken von uns zu erpressen', schreibt er auf Anfrage. C._____ entgegnet: 'Das ist keine Erpressung. So hoch ist der Betrag, den ich jeden Monat vom Konto abheben und zurückgeben musste.' " Hätte die Beklagte "ihre" Sachverhaltsvariante im E._____-Artikel gewissermas- sen als alleinige Wahrheit dargestellt, wäre effektiv fraglich gewesen, ob dies vor dem Hintergrund der teilweise zweifelhaften Aktenlage zulässig gewesen wäre. Dem ist jedoch nicht so. Die beklagtische Berichterstattung ist in diesem Punkt - 59 - vergleichsweise ausgewogen und objektiv ausgefallen . So wurde im zitierten E._____-Artikel sowohl die Meinung von C._____ als auch diejenige der Klägerin wiedergegeben. Welche der beiden Sachverhaltsvarianten nun die Unwahrheit sein soll, ergibt sich aus der beklagtischen Schilderung im E._____ nicht klar. Die Klägerin selbst führt in Rz. 6 aus, dass die drei Wortführ er C._____, S._____ und T._____ zunächst gedroht hätten, sie würden die Einzeldeklaration nur unter- schreiben, wenn sie einen festen Arbeitsvertrag über zweieinhalb Jahre erhalten würden und sie hätten schliesslich gefordert, dass jeder der zwölf Meuterer einen Betrag von CHF 40'000.– ausbezahlt erhalten solle (act. 1 Rz. 6). Dass die klägerische Sachverhaltsschilderung mit dem Erpressungsversuch nun die alleinige Wahrheit sei soll, vermag zumindest die von der Klägerin ins Recht gereichte Strafanzeige nicht glaubhaft zu machen (act. 3/18). Bei den von der Klägerin eingereichten Urkunden act. 3/10 und act. 3/12 handelt es sich, wie bei zahlreichen Beweismitteln in den beiden Verfahren HE150071 und HE150135, um schriftlich niedergeschriebene Aussagen von invol vierten Personen, welche mit der entsprechenden Vorsicht und Zurückhaltung zu würdigen sind. Im Übrigen belegen diese Urkunden, wenn überhaupt, zusammen mit den act. 3/11, 3/13/1-3 und 3/14/1-5 lediglich, dass die drei erwähnten Arbeitnehmer effektiv eine Ford e- rung von je CHF 40'000.– gestellt haben, was zwischen den Parteien unbestritten ist und so auch Eingang in die beklagtische Berichterstattung fand. Lediglich be- züglich der Begründetheit dieser Forderung gehen die Meinungen auseinander. Vor dem Hintergrund der heiklen Frage der Lohnrückzahlungen , welche bereits zentral im vorliegenden Verfahren und im Verfahren HE150071 zur Sprache kam, hatte die Beklagte jedoch Anlass, die unterschiedlichen Ansich ten der Parteien wiederzugeben. c. Die Klägerin konnte s omit nicht glaubhaft machen, dass die unter der vier- ten Tatsachenbehauptung vorgebrachten Äusserung der Beklagten als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG einzustufen wäre. Rechtsbegehren Ziff. 1.3. ist d a- her abzuweisen. - 60 - 5.3.4.8. Fünfte Tatsachenbehauptung: Diffamierende Werturteile a. Vorw urf und allgemeine Bemerkungen Abschliessend greift die Klägerin in ihrem Begehren erneut Äusserungen auf, die ihrer Ansicht nach Verunglimpfungen darstellen und dazu dienen sollen, das A n- sehen der Klägerin in den Dreck zu ziehen und ihre Stellung im Wettbewerb zu ruinieren (act. 1 Rz. 68 ff.). Die Beklagte wehrt sich dagegen (act. 9 Rz. 67 ff.). Auch vorliegend kann die allgemeine Vorbemerkung aus dem Verfahren HE150071 herbeigezogen werden. Aufgrund der Ausführungen der Parteien und den neu ins Recht gereichten Urkunden hat sich an dieser Einschätzung nichts geändert (act. 44 S. 54 im Verfahren HE150071): Obwohl der Beklagten zugute zu halten ist, dass sie zwar glaubhaft machen konnte, dass sie begründeten Anlass hatte, über die von ihr kritisierten Vorfälle zu berichten, ist ihr bei ihrer Wortwahl aufgrund der teils doch sehr zweifelhaften Faktenlage, auf die sie sich stützen kann, eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen. b. Vorw urf, der Verw altungsrat der Klägerin lüge (RB 1.2.); Vorw urf, der Verw altungsrat der Klägerin dürfe sich im Bündnerland nicht mehr blicken lassen (RB 1.12.); Vorw urf, der Verw altungsrat der Klägerin habe "mit seiner Gipserfirma A._____ auch in Graubünden gew ütet" (RB 1.13.); Vorw urf, der Verw altungsrat der Klägerin verspreche viel und halte nichts (RB 1.17.) aa. Die Beklagte hält den Rechtsbegehren Ziff. 1.2., 1.12., 1.13. und 1.17. entgegen, dass die Aktivlegitimation der Klägerin nicht gegeben sei (act. 9 S. 3 f.). Sie begründet ihren Standpunkt jedoch nicht eingehender. Im Unterschied zu den übrigen Begehren unter Ziffer 1. der klägerischen Rechtsbegehren findet in den Rechtsbegehren Ziff. 1.2., 1.12., 1.13. und 1.17. der Verwaltungsrat der Klägerin Erwähnung (act. 1 S. 2 f.). Die Klägerin führt aus, dass mit Aussagen wie jener, der Verwaltungsrat der Klägerin "lüge" bzw. er "verspreche viel und halte nichts " I._____ persönlich und damit die von ihm geleitete Unternehmung verächtlich gemacht werde. Die Aussagen, die Klägeri n habe auch im Bündnerland "gewü tet" und ihr - 61 - Verwaltungsrat dürfe sich im Bündnerland nie mehr blicken lassen, zielten direkt darauf ab, die Kl ägerin in einem Teilmarkt schlecht zu machen bzw. ihr dort weite- re Auftrage zu verunmöglichen (act. 1 Rz. 70 f.). Im Rahmen der Aktivlegitimation ist entscheidend, ob die gegenüber I._____ und/oder der Klägerin erhobenen Vorwürfe überhaupt dazu geeignet sind, die Klägerin i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG herabzusetzen. Dabei besteht das Herab- setzen im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG – allgemein gesagt – in einem nega- tiven Einwirken auf das Bild eines anderen, das im Wettbewerb als relevant anz u- sehen ist (BAUDENBACHER/GLÖCKNER, a.a.O., Art. 3 lit. a N. 7). Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Herabset zungen gegenüber einer bestimmten Person mit massgeblicher Stellung innerhalb eines Unternehmens sich durchaus auf das Bild des Unternehmens selbst auswirken können. Freilich ist dies kein Automatismus, ist doch der Ruf einer natürlichen Person nicht ohne Weiteres gleichzusetzen mit demjenigen einer juristischen Person. Die Beurteilung hat vielmehr nach den U m- ständen des Einzelfalles zu erfolgen. Die vorliegend zu beurteilenden Vorwürfe wurden – sollten sie dann effektiv wie von der Klägerin geschildert er hoben worden sein – allesamt im Zusammenhang mit der Berichterstattung zum Lohndumping etc. die Klägerin betreffend erhoben. Diese Berichterstattung bildet den grossen Rahmen. Die Klägerin konnte glau b- haft machen, dass wenn in diesem Zusammenhang auch vereinzelt I._____, des- sen Unternehmung seinen Namen trägt (" A._____ AG"), als (einziger) Verwa l- tungsrat der Klägerin herabgesetzt wird, sich dies durchaus auf das Bild der Kl ä- gerin selbst auswirken kann. bb. Der Beklagten ist beizupflichten, dass der Vorwurf, dass der Verw altungs- rat der Klägerin lüge (RB 1.2.), so im E._____-Artikel vom tt.mm.2015 nicht ge- schrieben steht (act. 9 Rz. 67). Die Klägerin konnte jedoch glaubhaft machen, dass wenn auf der Titelseite der E._____-Ausgabe vom tt.mm.2015 in grossen Lettern geschrieben steht "Lohn-Skandal bei der A._____- Gipserie ", "Einer lügt!" und sich daneben ein Portrait -Foto von I._____ findet, der Durchschnittsleser dies nur der- art verstehen kann, dass mit dem Vorwurf der Lüge der Verwaltungsrat der Kläge- rin gemeint ist (act. 1 Rz. 68; act. 3/16). Die Beklagte lässt sich auch lediglich da-- 62 - hingehend vernehmen, dass alles bestritten und unsubstantiiert sei und im Übri- gen im Massnahmeverfahren bzw. unter dem Gesichtspunkt des "Prüfungskat a- logs" des Art. 266 ZPO vollkommen irrelevant sei (act. 9 Rz. 69). Den Verwaltungsrat der Klägerin vor dem Hintergrund der vorliegend zweifelhaf- ten Aktenlage als "Lügner" zu bezeichnen, lässt zwar die nötige Zurückhaltung vermissen, kann der Beklagten in dieser verallgemeinerten Form jedoch nicht verboten werden. Rechtsbegehren Ziff. 1.2. ist daher, weil zu allgemein formuliert, abzuweisen. cc. Die weiteren Vorwürfe gemäss Rechtsbegehren Ziff. 1.12., 1.13. und 1.17. sind einem E._____-Artikel vom tt.mm.2015 entnommen (act. 3/50). Im E._____-Artikel vom tt.mm.2015 (act. 3/50) wird insbesondere die ziemlich ex- plizite Meinung vom Bündner Gipser D._____ wiedergegeben. Diese ist mitunter mit Anführungs- und Schlusszeichen kenntlich gemacht. Wie bereits vorstehend dargelegt wurde, kann sich ein Presseunternehmen nicht hinter den Äusserungen Dritter verstecken. Im E._____-Artikel vom tt.mm.2015 finden sich sowohl die Meinungen von D._____ und weiteren in Bündner Projekte involvierten Personen als auch diej e- nige der Klägerin. Die Berichterstattung erfolgte somit zumindest in dieser Hi n- sicht ausgewogen. Den Vorbringen der Parteien lässt sich auch entnehmen, dass es bei Bauprojekten im Graubünden zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den involvier ten Personen gekommen ist , was unbestritten ist (act. 1 Rz. 47; act. 9 Rz. 46). Nichts anderes belegen auch die von der Klägerin ins Recht ge- reichten Urkunden act. 3/52, 3/53 und 3/54 (auch die act. 3/55 und 3/56). Vor dem Hintergrund der Vorbringen der P arteien und der in diesem Zusammen- hang wenigen angerufenen Urkunden (act. 3/52, 3/53, 3/54, 3/55 und 3/56; die Beklagte hat in diesem Zusammenhang keine eigenen Beweismittel angerufen) geht der Abdruck der vorstehend wiedergegebenen Vorwürfe, der Verwaltungsrat der Klägerin dürfe sich im Bündnerland "nicht mehr blicken lassen" (RB 1.12.), der Verwaltungsrat der Klägerin habe mit sei ner Gipserfirma A._____ auch in Gra u-- 63 - bünden "gewütet" (RB 1.13.) sowie der Verwaltungsrat der Klägerin "verspreche viel und halt e nichts " (RB 1.17.) entschieden zu weit. Damit wurden bei der Leserschaft Vorstellungen hervorgerufen, die sich aufgrund der vorstehend präsentierten Fak- tenlage schlicht nicht rechtfertigen (BGE 123 III 363 f.). Diese Äusserungen sind daher als unlauter zu qualifizieren. c. Vorw urf, der vorliegende Fall [der Klägerin] sei "der grösste Lohndum- ping-Fall im Kanton Zürich" (RB 1.5.) Die kritisierte Textpassage stammt aus dem Online- Artikel der Beklagten vom tt.mm.2015, welcher bereits vorstehend gewürdigt wurde (act. 3/27). Berücksic h- tigt man den Kontext, in welchem diese Aussage gemacht wird, wird ersichtlich, dass die Beklagte lediglich in indirekter Rede aus der Medienkonferenz der G e- werkschaft F._____ und der kantonalen H._____ zitiert. Die Gewerkschaft und die Verbände würden davon ausgehen, dass es sich um den wohl grössten Loh n- dumping-Fall im Kanton Zürich handle. Die Klägerin sei zwar aufgrund von Loh n- buchkontrollen zu hohen Nachzahlungen und Konventionalstrafen verpflichtet worden, sie unterlaufe die gelt enden Mindestbestimmungen aber weiterhin (act. 3/27). Auch die Klägerin kam im betreffenden Artikel ausgiebig zu Wort. So wurde eine Stellungnahme der Klägerin wiedergegeben, in der I._____ für die Klägerin ausführte, dass nicht ein einziger der Vorwürfe z utreffe. Die Klägerin sei seit der Gründung vor 10 Jahren noch nie vor Arbeitsgericht eingeklagt worden. Seine Arbeiter verdienten nach Abzug von Quellensteuern und Wohnkosten CHF 4'000.– oder mehr. Die Konkurrenten aus der Gipserbranche würden viel- mehr ih re Positionen in der Paritätischen Kommission missbrauchen und seien "eine unheilige Allianz mit der sonst verhassten F._____" eingegangen, um die Klägerin loszuwerden (act. 3/27). Auch diese Berichterstattung über ein laufendes Verfahren vor der paritätis chen Berufskommission fiel vergleichsweise ausgewogen aus, indem beide Parteien zu Wort kamen. Die Klägerin gibt den Vorwurf insofern unzutreffend wieder, als dass im betreffend E._____- Artikel nicht vom grössten Lohndumping- Fall im Kanton Zürich die Rede war, sondern relativierend ausgeführt wird, es handle sich "wohl" um den grössten Lohndumping-Fall im Kanton Zürich. Die Klägerin konnte daher - 64 - nicht glaubhaft machen, dass die inkriminierten Äusserungen der Beklagten als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG einzustufen sind. Ein diffamierendes Wer t- urteil kann darin nicht gesehen werden. d. Vorw urf, die Klägerin sei "mit ihren Lohndumping-Methoden auf Zürcher Baustellen aufgeflogen" (RB 1.14.) Dieser Vorwurf stammt aus dem bereits weiter oben thematisierten E._____- Artikel vom tt.mm.2015 (act. 3/50). Die Lohndumping-Problematik bildet den zent- ralen Vorwurf in den beiden Verfahren HE150071 und HE150135. Diese Probl e- matik auf Zürcher Baustellen wurde sowohl von der F._____, als auch von den H._____ Winterthur und Zürich als auch von der Beklagten aufgeg riffen und an die Öffentlichkeit getragen. Wenn nun die Beklagte schreibt, es habe bereits Probleme im Graubünden gegeben, bevor die Klägerin auf "Zürcher Baustellen mit [ihrer] Lohndumping-Methode" aufgeflogen sei, bewegt sie sich im Rahmen des lauterkeitsrechtlich Zulässigen. Die Klägerin konnte nicht glaubhaft machen, dass "Lohndumping- Methoden" oder das "Auffliegen" als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG einzustufen sind. e. Zw ischenfazit Somit konnte die Klägerin glaubhaft machen, dass die folgenden inkriminierten Äusserungen der Beklagten als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG einzustufen sind: - Die Behauptung, der Verwaltungsrat der Klägerin dürfe sich im Bündnerland nicht mehr blicken lassen (RB 1.12.); - Die Behauptung, der Verwaltungsrat der Klägerin habe "mit seiner Gipser- firma A._____ auch in Graubünden gewütet" (RB 1.13.); - Die Behauptung, der Verwaltungsrat der Klägerin verspreche viel und halte nichts (RB 1.17.). - 65 - 5.3.5. Fazit Die Klägerin konnte glaubhaft machen, dass die folgenden inkriminierten Äuss e- rungen als unlauter i.S.v. Art. 3 Abs. 1 lit. a UWG einzustufen sind: - Die Behauptung, die Klägerin würde ihren Arbeitnehmern " mehrere Millionen Franken vorenthalten" (Rechtsbegehren Ziff. 1.1., 1. Teil); - Die Behauptung, die Klägerin habe den Arbeitnehmer C._____ "nach Strich und Faden ausgenommen" (Rechtsbegehren Ziff. 1.4., 1. Teil); - Die Behauptung, die Klägerin betreibe " systematischen Bschiss" (Rechtsbegeh- ren Ziff. 1.9.); - Die Behauptung, der Verwaltungsrat der Klägerin dürfe sich im Bündnerland nicht mehr blicken lassen (RB 1.12.); - Die Behauptung, der Verwaltungsrat der Klägerin habe "mit seiner Gipser- firma A._____ auch in Graubünden gewütet" (RB 1.13.); - Die Behauptung, der Verwaltungsrat der Klägerin verspreche viel und halte nichts (RB 1.17.). Diesbezüglich ist somit eine positive Hauptsacheprognose zu stellen. 5.4. Rechtsbehelfe gemäss Art. 9 UWG und Voraussetzungen gemäss Medienprivileg (Art. 266 ZPO) 5.4.1. Unterlassungsanspruch (Art. 9 Abs. 1 lit. a UWG) 5.4.1.1. Die Klägerin beantragt mit Rechtsbegehren Ziff. 1, dass der Beklagten zu verbieten sei, die von ihr beanstandeten Äusserungen direkt oder sinngemäss zu äussern oder weiter zu verbreiten (act. 1 S. 2). Wer durch unlauteren Wettbewerb in seinen wirtschaftlichen Interessen verletzt wird, kann dem Richter beantragen, eine drohende Verletzung zu verbieten (Art. 9 Abs. 1 lit. a UWG). - 66 - Die Klägerin gibt Lehre und Rechtsprechung zutreffend wieder, wenn sie ausführt, ein Anspruch auf ein Verbot weiterer Äusserungen bestehe insbesondere dann, wenn es bereits zu einer gleichartigen Rechtsverletzung gekommen sei und die G e- fahr einer nochmaligen unlauteren Verletzungshandlung bestehe (Wiederholungsge- fahr). Der An spruchsteller müsse daher darlegen, dass es zu einem früheren Zei t- punkt bereits zu einem Wettbewerbsverstoss gekommen sei und dass die erneute Vornahme des in der Vergangenheit vom Störer an den Tag gelegten wettbewerbs- widrigen Verhaltens zu befürchten sei . Gemäss der Rechtsprechung des Bundesge- richts werde eine Wiederholungsgefahr vermutet, wenn eine Verletzung bereits stattgefunden habe und die Beklagte die Rechtswidrigkeit ihres Verhaltens nach wie vor bestreite bzw. sich weigere, das inkriminierende Auf treten zu ändern (act. 1 Rz. 87 m.w.H. auf die Lehrmeinungen). Dies trifft insbesondere auch zu, wenn der Störer zwar im Hin blick auf den Prozess die Verletzungen eingestellt hat, in seinen Rechtsvorträgen aber nach wie vor sein Verhalten als rechtmässig v erteidigt (BGE 90 II 51 E. 9; 92 II 257 E. III.6.; so auch im markenrechtlichen Zusammenhang Urteil des Bundesgerichts 4C.341/2005 vom 6. März 2007, E. 5.4. mit weiteren Hin- weisen). Schliesslich kann auch vorprozessuales Verhalten ein Indiz für die Annah- me von Wiederholungsgefahr sein. So ist die erneute Begehung einer Verletzungs- handlung anzunehmen, wenn der Störer sein Verhalten trotz Abmahnung fortgesetzt hat (B AUDENBACHER/GLÖCKNER, a.a.O., Art. 9 N. 31 mit weiteren Hinweisen). 5.4.1.2. Die Klägerin konn te glaubhaft machen, dass ihr ein Unterlassungsan- spruch nach Art. 9 Abs. 1 lit. a UWG zusteht. Mit der Publikation der als unlauter eingestuften Äusserungen nahm die Beklagte verschiedene Verletzungshandlungen des UWG vor. Die Beklagte hat die inkrim i- nierten Äusserungen weder nach entsprechender Korrespondenz mit der Klägerin (vgl. bereits die Ausführungen im Verfahren HE150071, act. 44 S. 57 ff.) noch nach Einleitung de r Verfahren HE150071 zurückgenommen und bestreitet deren Rechtswidrigkeit auch im vorliegenden Verfahren (act. 9 Rz. 72). Vor diesem Hi n- tergrund ist für das vorliegende Massnahmeverfahren – entsprechend den Vor- bringen der Klägerin – Wiederholungsgefahr anzunehmen. Daran können auch - 67 - die beklagtischen Einwände in Rz. 72 der Massnahmeantwort ni chts ändern, in welcher sie die Wiederholungsgefahr kategorisch in Abrede stellt (act. 9 Rz. 72). 5.4.1.3. Ferner konnte die Klägerin auch glaubhaft machen, dass ihr die drohende Rechtsverletzung einen besonders schweren Nachteil i.S.v. Art. 266 lit. a ZPO verursachen kann. Vor dem Hintergrund der bereits vorstehend und auch im Ver- fahren HE150071 dargelegten Entsende-Gesetzgebung ist es für die Klägerin von besonderer Bedeutung, das Vertrauen ihrer (potentiellen) Auftraggeber nicht zu verspielen. Eine unlau tere Äusserung in den Medien könnte der Klägerin einen besonders schweren Nachteil bewirken. Rufschädigungen können kaum je durch finanzielle Leistungen ausgeglichen werden. Die Klägerin konnte in diesem Z u- sammenhang auch glaubhaft machen, dass die Bericht erstattung in den drei E._____-Artikeln zu teils heftigen Reaktionen ihrer Auftraggeber geführt hat . Sie reichte im vorliegenden Verfahren diesbezüglich weitere Urkunden ein (act. 1 Rz. 75 ff. und die dort aufgeführten Urkunden). 5.4.1.4. Als Rechtfertigungsgrund i.S.v. Art. 266 lit. b. ZPO bringt die Beklagte das öffentliche Interesse an der Information über Lohndumping etc. vor (act. 9 Rz. 78). Einem Medienunternehmen ist zwar zugute zu halten, dass ein öffentliches Int e- resse bestehen kann, "das Licht der Wahrheit auf einen skandalträchtigen Vorgang von polit i- scher, wirtschaftlicher der gesellschaftlicher Tragweite zu richten " (so Urteil des Bundesge- richts 5A_658/2014 vom 6. Mai 2015, E. 7.2.3.4.). Das öffentliche Interesse an der Verbreitung unwahrer Tats achen, irreführender, nicht vertretbarer oder unn ö- tig verletzenden Äusserungen ist dagegen nicht gegeben ( Z ÜRCHER, in: Dike - Komm. ZPO, N 16 zu Art. 266 ZPO). 5.4.1.5. Auch die Verhältnismässigkeit i.S.v. Art. 266 lit. c ZPO i st vorliegend zu bejahen, wird der Beklagten doch lediglich die Verbreitung von teils sehr pointier- ten Äusserungen untersagt und steht einer differenzierten Berichterstattung durch die Beklagte nicht entgegen. 5.4.1.6. Das Unterlassungsbegehren kann daher gestützt auf Lauterkeitsrecht i n- soweit gutgeheissen werden, als die beklagtischen Äusserungen als unlauter ei n- zustufen sind (siehe vorstehend). Es ist der Beklagten daher unter entsprechen-- 68 - der Strafandrohung zu verbieten, die in Dispositivziffer 1 zu nennenden Äuss e- rungen direkt oder sinngemäss zu äussern oder weiter zu verbreiten. 5.4.2. Beseitigungsanspruch (Art. 9 Abs. 1 lit. b UWG) 5.4.2.1. Mit Rechtsbegehren Ziff. 2 beantragt die Klägerin die die Beseitigung ei- ner bestehenden Verletzung (act. 1 S. 3 ff.). Wer durch unlauteren Wettbewerb in seinen wirtschaftlichen Interessen verletzt wird, kann dem Richter beantragen, eine bestehende Verletzung zu beseitigen (Art. 9 Abs. 1 lit. b UWG). Der Beseitigungsanspruch dient der Aufhebung eines durch unlauteres Wettbewerbsverhalten hervorgerufenen und fortdauernden St ö- rungszustands. Der Anspruchsinhalt ist aufgrund der Umstände des jeweiligen Ei n- zelfalls zu bestimmen. Dabei kommt es auf den Umfang und die Art des Störungs- zustands an. Zudem muss die begehrte Beseitigungsmassnahme zur Aufhebung des St örungszustands geeignet, erforderlich und verhältnismässig sein, was eine sorgfältige Interessenabwägung erfordert (Baudenbacher/Glöckner, a.a.O., Art. 9 N 57 ff. mit weiteren Hinweisen). 5.4.2.2. Die Klägerin konnte glaubhaft machen, dass ihr ein Beseitigungsanspruch nach Art. 9 Abs. 1 lit. b UWG zusteht. Die anhaltende Abrufbarkeit von Medien -Artikeln durch eine Leserschaft bildet den Störungszustand, der zweifelsohne andauert. Besteht also die Störung fort, so ist die Beklagte im Rahmen der Verhältnismäs sigkeit zu deren Beseitigung zu verpflichten. Es würde sich jedoch als unverhältnismässig erweisen, wenn die Beklagte zu verpflichten wäre, die gesamten Artikel zu löschen. Das klägerische Rechtsbe- gehren geht diesbezüglich zu weit. Vielmehr sind lediglich die für unlauter befun- denen Textpassagen der streitgegenständlichen Publikationen zu beseitigen. Es steht der Beklagten offen, über die " Sinnhaftigkeit" der Rest-Texte nach dem rich- terlichen Eingriff und einer allfälligen Beseitigung der gesamten Artikel zu ent- scheiden. - 69 - Ferner ist dem klägerischen Rechtsbegehren Ziff. 2 auch nur insofern stattzug e- ben, als dass der Öffentlichkeit der Zugang zu den inkriminierten Äusserungen verunmöglicht bzw. verhindert wird. Eine unwiderrufliche Löschung der Textpas- sagen w ürde den Endentscheid in einem allfälligen Hauptsacheprozess vorweg nehmen. 5.4.2.3. Betreffend drohender Nachteil und Rechtfertigungsgrund kann auf die vorstehenden Ausführungen zum Unterlassungsanspruch verwiesen werden. 5.4.2.4. Nach dem Ausgeführten rechtfertigt es sich, die Beklagte unter en t- sprechender Strafandrohung dazu zu verpflichten, die Abrufbarkeit der als unlau- ter qualifizierten Äusserungen in den inkriminierten E._____-Artikel zu verhindern. Im Mehrumfang ist Rechtsbegehren Ziff. 2. jedoch abzuweisen. Insbesondere hat die Klägerin nicht rechtsgenügend dargetan, inwiefern gewisse von Rechtsbegeh- ren Ziff. 1. abweichende Vorwürfe nur einen Beseitigungs -, nicht aber einen U n- terlassungsanspruch rechtfertigen würden. Substantiierte Behauptungen un d ein Bezug zum Verfahren HE150071 fehlen. 5.4.3. Berichtigung (Art. 9 Abs. 2 UWG) Rechtsbegehren Ziff. 3. ist dagegen abzuweisen. Auf der einen Seite wurde der Leserschaft in den E._____-Artikeln teilweise vergleichsweise detailliert auch die Position der Klägerin bereits mitgeteilt; ferner hat die Beklagte auch gemäss vor- gängiger Vereinbarung am tt.mm.2015 in Bezug auf drei E._____-Artikel eine Ge- gendarstellung publiziert (act. 1 Rz. 4). Weitere Gegendarstellungen datieren vom tt.mm.2015 (act. 1 Rz. 51 und die dort genannten Urkunden). Mit all diesen Mas s- nahmen wurde das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit bereits befriedigt; eine Berichtigung erwiese sich vor diesem Hintergrund als unverhältnismässig. Ferner soll mit einer Guthe issung von Rechtsbegehren Ziff. 3. auch nicht das Urteil im Hauptsacheprozess vorweg genommen werden. 5.5. Prosequierung Die Klägerin hat den Hauptsacheprozess bereits anhängig gemacht (act. 15, 16). Die vorliegenden Anordnungen gelten daher bis zum rechtskräft igen Enden t-- 70 - scheid im entsprechenden Verfahren der Parteien bzw. bis zu einer anderen ric h- terlichen Anordnung. 6. Kosten- und Entschädigungsfolgen Bei den Prozesskosten ist gestützt auf Art. 104 Abs. 3 ZPO die definitive Rege- lung bezüglich der Verteilung dem E ntscheid des Hauptsachegerichts vorzubehal- ten. Ausgehend von einem Streitwert von CHF 100'000.– ist die Gerichtsgebühr auf CHF 10'000.– festzulegen. Der Einzelrichter verfügt: 1. Die Akten des Verfahrens HE150071 werden beigezogen. 2. Der klägerische Antrag auf Beweisschutz betreffend die Urkunden act. 3/63 und 3/64 wird gutgeheissen. Die Urkunden act. 3/63 und 3/64 werden wei- terhin in den Verfahrensakten gesondert aufbewahrt und der Beklagten nicht zugänglich gemacht. 3. Auf Rechtsbegehren Ziff. 4 wird nicht eingetreten. 4. Schriftliche Mitteilung, Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen so- wie Rechtsmittelbelehrung mit nachstehendem Erkenntnis. Der Einzelrichter erkennt: 1. In teilweiser Gutheissung von Rechtsbegehren Ziff. 1 des Massnahmebe- gehrens wird der Beklagten – unter Androhung der Bestrafung ihrer Organe mit Busse wegen Verstosses gegen Art. 292 StGB im Falle der Zuwider- handlung – im Sinne einer vorsorglichen Massnahme verboten, die fol- genden Äusserungen direkt oder sinngemäss zu äussern oder weiter zu verbreiten: - 71 - - Die Behauptung, die Klägerin würde ihren Arbeitnehmern "mehrere Mil- lionen Franken vorenthalten" (Rechtsbegehren Ziff. 1.1., 1. Teil); - Die Behauptung, die Klägerin habe den Arbeitnehmer C._____ "nach Strich und Faden ausgenommen" (Rechtsbegehren Ziff. 1.4., 1. Teil); - Die Behauptung, die Klägerin betreibe "systematischen Bschiss" (Rechtsbegehren Ziff. 1.9.); - Die Behauptung, der Verwaltungsrat der Klägerin dürfe sich im Bünd- nerland nicht mehr blicken lassen (RB 1.12.); - Die Behauptung, der Verwaltungsrat der Klägerin habe "mit seiner Gip- serfirma A._____ auch in Graubünden gewütet" (RB 1.13.); - Die Behauptung, der Verwaltungsrat der Klägerin verspreche viel und halte nichts (RB 1.17.). 2. In teilweiser Gutheissung von Rechtsbegehren Ziff. 2 des Massnahmebe- gehrens wird die Beklagte – unter Androhung der Bestrafung ihrer Organe mit Busse wegen Verstosses gegen Art. 292 StGB im Falle der Zuwider- handlung – im Sinne einer vorsorglichen Massnahme verpflichtet, die Abrufbarkeit der Äusserungen gemäss Dispositiv-Ziffer 1 in den folgenden Artikeln, einschliesslich Cache-Version und sämtlichen Kommentaren, zu verhindern: - im unter http://www.E._____.ch… .html abrufbaren Artikel "Wir wurden aus- gebeutet, belogen und entlassen" vom tt.mm.2015; - im unter http://www.E._____.ch… .html abrufbaren Artikel "F._____ kämpft in Zürich mit Gipsermeistern gegen Lohndumping!" vom tt.mm.2015; - im unter http://www.E._____.ch… .html abrufbaren Artikel "F._____ will ...- Lohndumper das Handwerk legen!" vom tt.mm.2015; - 72 - - im unter http://www.E._____.ch… .html abrufbaren Artikel "Der darf sich im Bündnerland nie mehr blicken lassen" vom tt.mm.2015. 3. Im Mehrumfang wird das Massnahmebegehren abgewiesen. 4. Die vorstehenden Anordnungen gelten bis zum rechtskräftigen Endent- scheid im Verfahren HG150148 der Parteien bzw. bis zu einer anderen rich- terlichen Anordnung. 5. Die Gerichtsgebühr wird auf CHF 10'000.– festgesetzt. 6. Die Verteilung und Liquidation der Prozesskosten wird dem Hauptsachever- fahren (HG150148) vorbehalten. 7. Schriftliche Mitteilung an die Parteien und das Handelsgericht Zürich, unter Hinweis auf Disp.-Ziff. 6. 8. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be- schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streitwert beträgt CHF 100'000.–. Zürich, 21. Dezember 2015 Handelsgericht des Kantons Zürich Einzelgericht Gerichtsschreiber: Dr. David Egger