<h2>SubmittedText<h2><p>Um die gesamtgesellschaftlich geleistete Arbeit von Frauen und Männern auszuweisen, wird der Bundesrat beauftragt,</p><p>1. regelmässige Zeitbudgeterhebungen durchzuführen, die sowohl die bezahlte wie auch die unbezahlte Arbeit von Frauen und Männern erfassen; mit Hilfe der SAKE sollen die wichtigsten Zeitverwendungsindikatoren fortgeschrieben werden; die Resultate sollen als Basis für eine Statistik über die geamtgesellschaftlich geleisteten bezahlten und unbezahlten Arbeitsstunden und deren Verteilung auf Frauen und Männer dienen;</p><p>2. gleichzeitig soll das Verhältnis zwischen der Wertschöpfung bezahlter und unbezahlter Arbeit als Ergänzung zur Nationalen Buchhaltung geschätzt werden.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Beurteilung der Motionärin, dass unbezahlte Arbeit von grosser gesellschaftlicher Bedeutung ist. Die Ergebnisse der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) zeigen darüber hinaus, dass unbezahlte Arbeit vor allem von Frauen geleistet wird.</p><p>Das Bundesamt für Statistik (BFS) wird beauftragt, im Rahmen des Mikrozensusprogrammes die mögliche Einführung einer regelmässigen Zeitbudgeterhebung in mindestens 10jährigem Rhythmus abzuklären. Gute Zeitbudgeterhebungen sind mit hohen Kosten verbunden und können somit nicht häufiger durchgeführt werden. Die regelmässige Erhebung der wichtigsten Zeitverwendungsindikatoren im Rahmen der SAKE wird zurzeit ebenfalls im BFS geprüft. Dadurch würde es möglich, den Umfang der unbezahlten Arbeit in regelmässigen Abständen zu berechnen.</p><p>Die Frage, wie die unbezahlte Arbeit zu bewerten und in Verbindung zu den Ergebnissen der Nationalen Buchhaltung (NB) zu bringen ist, wurde in den vergangenen Jahrzehnten von der internationalen Fachwelt immer wieder aufgegriffen und letztmals Anfang der neunziger Jahre im Rahmen der vollständigen Revision des Uno-Systems der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung behandelt. Dabei blieb die soziale und wirtschaftspolitische Bedeutung dieser Bewertungen unbestritten.</p><p>Die theoretischen Diskussionen sowie verschiedene Schätzungsversuche haben aber gezeigt, dass die statistische Erfassung der unbezahlten Arbeit noch auf etliche methodologische und praktische Schwierigkeiten stösst. Beim heutigen Stand der Kenntnisse ist festzustellen:</p><p>a. Selbst bei einem gut ausgebauten statistischen System bleibt der Spielraum für Ermessensentscheide relativ gross: Wie wird beispielsweise die Grenze zwischen unbezahlter Arbeit und übrigen Tätigkeiten gezogen? Nach welchen Kriterien soll der für die monetäre Bewertung nötige "Ersatzlohn" festgelegt werden?</p><p>b. Die Endergebnisse reagieren sehr empfindlich auf die Qualität der Zeitbudgeterhebungen einerseits und auf den gewählten monetären Bewertungsansatz andererseits. Die Statistiken über die unbezahlte Arbeit sind deshalb noch mit einer relativ grossen Unsicherheitsmarge behaftet und werden vorderhand von den Experten nur als grobe Richtwerte angesehen.</p><p>c. Die Verbindung zwischen den Daten der NB und den Berechnungen über die unbezahlte Arbeit ist naheliegend. Trotzdem empfehlen die internationalen Experten, die Schätzungen über die unbezahlte Arbeit nicht in das bestehende Kontensystem der NB aufzunehmen. Dagegen sprechen theoretische Erwägungen, die noch schwach fundierten Bewertungsmethoden sowie weiterhin ungelöste Probleme bei den Schätzungen der NB: So ist z. B. im bestehenden Kontensystem die bezahlte Arbeit der Arbeitnehmer ersichtlich, während jene der Selbständigerwerbenden nicht von den anderen Wertschöpfungselementen (z. B. Kapitalverzinsung) getrennt werden kann. Wie die Motionärin festhält, sollte die Problematik der unbezahlten Arbeit am besten in einem separaten speziellen Berechnungssystem (sogenanntes Satellitenkonto) behandelt werden. Damit können zwar die Inkompatibilitäten zwischen den beiden Statistiken vermieden, aber die statistische Relation zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit nur zum Teil hergestellt werden.</p><p>Der Bundesrat ist sich der gesellschaftlichen Bedeutung bewusst, die der unbezahlten Arbeit zukommt. Er ist bereit, Anstrengungen zu unternehmen, um die Datenlage für deren statistische Erfassung zu verbessern. Angesichts der bestehenden methodologischen und praktischen Schwierigkeiten ist er aber der Ansicht, dass die Voraussetzungen für eine regelmässige monetäre Bewertung nicht gegeben sind und dass Vergleiche zur bezahlten Arbeit zunächst Verbesserungen der bestehenden NB notwendig machen.</p>