B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3630/2014 U r t e i l v o m 14 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Gérald Bovier, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. Parteien A._______, geboren (…), Staat unbekannt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Juni 2014 / N _______. D-3630/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland am 16. Mai 2012 und reiste über Nepal und ihm unbekannte Länder am 29. Oktober 2012 illegal in die Schweiz ein, wo er am selben Tag ein Asylgesuch einreichte. Anlässlich seiner Kurzbefragung vom 21. Novem- ber 2012 sowie der ein lässlichen Anhörung vom 2. Juni 2014 zu seinen Ausreise- und Asylgründen trug der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes vor: B. Er sei ethnischer Tibeter, Staatsangehöriger der Volksrepublik China, und im Dorf B._______ (phonet.) in der Gemeinde C._______ (phonet.) in D._______ (phonet.) geboren. Er habe keine Schule besuchen können und spreche kein Chinesisch. In E._______, einer Ortschaft, die 40 Minu- ten von seinem Dorf entfernt liege, habe er als Tellerwäscher in einem Restaurant gearbeitet. Seine Eltern und seine Schwester würden noch immer in der Heimat leben. Er unterhalte jedoch keinen Kontakt mehr zu ihnen. Seine Heimat habe er verlassen, weil er in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 2012 mit zwei Freunden in E._______ Flugblätter verteilt und tibetische Flaggen aufgeklebt habe. Die Plakate und die Flaggen habe er zuvor von drei Pilgern aus Indien heimlich erhalten. Am nächsten Tag ha- be man darüber gesprochen und die Polizei habe die Täter ge sucht. Er sei nach Hause gegangen und habe seinen Eltern von der Plakataktion erzählt. Sein Vater habe ihm daraufhin geraten, das Land zu verlassen und seine Ausreise mit Hilfe eines Freundes organisiert. C. Im Auftrag des BFM wurde am 11. Februar 2013 mittels eines Telefonin- terviews eine Sprach - und Herkunftsanalyse mit dem Beschwerdeführer durchgeführt (Lingua-Analyse). Die sachverständige Person kam in ihrem landeskundlich-kulturellen sowie linguistischen Herkunftsgutachten vom 12. Juni 2013 zum Schluss, dass seine Hauptsozialisation ausserhalb der Autonomen Region Tibet beziehungsweise der Volksrepublik China, sehr wahrscheinlich in der tibetischen Exilgemeinschaft in Nepal oder Indien, erfolgt sein müsse. D. Anlässlich der ergänzenden Anhörun g vom 2. Juni 2014 gewährte das BFM dem Beschwerdeführer zum Abklärungsergebnis der Lingua -Ana- lyse das rechtliche Gehör. Der Beschwerdeführer beharrte darauf, in D-3630/2014 Seite 3 B._______ aufgewachsen und alle Kenntnisse seiner Heimat dargelegt zu haben. Seine Eltern u nd er seien Tibeter und sein Tibetisch entspr e- che jenem, welches heutzutage dort gesprochen werde. E. Mit Verfügung vom 6. Juni 2014 – eröffnet am 9. Juni 2014 – wies das BFM das Asylgesuch vom 29. Oktober 2012 ab und ordnete die Wegwei- sung des Beschwerdef ührers aus der Schweiz sowie den Voll zug der Wegweisung an. E.a Gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b AsylG seien Asylsuchende ve r- pflichtet, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken, ihre Identität offenzulegen und Reise- und Identitätspapiere beizubringen. Trotz mehr- facher Aufforderung im Verlauf des Asylverfahrens habe der Be - schwerdeführer bis anhin keine entsprechenden Beweismittel eingereicht und auf entsprechende Nachfrage bei der Anhörung erklärt, er habe seine chinesische Identitätskarte auf der Flucht weggeworfen (vgl. BFM -Akten A17/12 S. 2 F. 5). Infolgedessen kämen erste Zweifel an der geltend g e- machten Herkunft sowie des Aufenthalts in Tibet auf. E.b Im Gutachten vom 12. Juni 2013 sei die sachverständige Person zum Schluss gekommen, dass der Besch werdeführer eindeutig nicht im Dorf F._______, Gemeinde G._______, Kreis E._______ in Tibet sozialisiert worden sei. Seine landeskundlichen Kenntnisse seien nicht genügend de- tailliert, um die Herkunft aus Tibet und aus der behaupteten Region zu belegen, u nd würden nicht denjenigen entsprechen, die man von einer einheimischen Person in dem vom Beschwerdeführer vorgegeben Alter, sozialen, ethnischen und Tätigkeitshintergrund erwarten dürfe. Zudem spreche er keinen E._______-Dialekt, sondern eine Spielart der exiltibeti- schen Koine, was eine Sozialisierung in einer exiltibetischen Gemeinde voraussetze. Auch verfüge er, ausser einem Grusswort, über keinerlei Kenntnisse der chinesischen Sprache. Somit sei es ihm nicht gelungen, die behauptete chinesische Staatsa ngehörigkeit glaubhaft zu machen. Auch im Rahmen des ihm gewährten rechtlichen Gehörs sei er nicht in der Lage gewesen, irgendwelche neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel darzule gen, welche eine Änderung des dargelegten Stan d- punktes hätten rechtfertigen können (vgl. A17/12 S. 10 F. 94 ff.). E.c Der Beschwerdeführer habe des Weiteren geltend gemacht, von drei Pilgern tibetische Fahnen, Heilpillen und Fotos des Dalai Lama erhalten zu haben. Da er sich schon seit Langem habe politisch betätigen wollen, D-3630/2014 Seite 4 habe er mit dem Erhalt dieser Sachen die sich ihm bietende Gelegenheit nutzen wollen. Es sei indes nicht nachvollziehbar, dass er sich aus freien Stücken für eine dermassen gefährliche Tat habe entschliessen sollen, zumal ihm, seinen Angaben zufolge, keine Schulbildung zuteil geworden sein soll e und seine Eltern als Landwirt e und er als Tellerwäscher ein Auskommen gefunden hätten . Es sei folglich kaum vorstellbar, dass er eine Plakataktion durchgeführt habe. Ferner sei seine Angabe, wonach er am folgenden Tag das Land verlassen habe, weil die Plakataktion in E._______ das Gesprächsthema gewesen sei und die Täter angeblich gesucht worden seien, unlogisch. Da gegen den Beschwerdeführer ke i- nerlei Verdachtsmomente beständen hätten, sei es nicht plausibel, dass er allein wegen dem Gerede unmittelbar das Land verlassen habe. Auch die Schilderung seiner Aus reise sei nicht plausibel. So soll e ein Freund seines Vaters seine Ausreise organisiert und finanziert haben, und sein Vater wolle diesem das Geld zurückerstatten. In diesem Zusammenhang sei nicht vorstellbar, wie sein Vater als einfacher Bauer so viel Geld au f- treiben könne. E.d Aufgrund der vorstehenden Ausführungen gehe das BFM nicht davon aus, dass sich der Beschwerdeführer vor sein er Einreise in die Schweiz in China beziehungsweise in Tibet aufgehalten habe, weshalb weder von einer illegalen noch von einer legalen Ausreise aus China ausgegangen werden könne. Somit seien die in BVGE 2009/29 gemachten Ausführun - gen und Schlussfolgerun gen im vorliegenden Fall nicht anwendbar und es sei nicht vom Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe auszugehen. Al- lein die Tatsache, dass er Tibetisch spreche und vermutlich tibetischer Ethnie sei, würde naturgemäss keinen hinreichenden Beleg dafür bilden, dass er chinesischer Staatsbürger sei. F. F.a Gegen diese vorinstanzliche Verfügung richtet sich die am 29. Juni 2014 (Poststempel vom 30. Juni 2014) beim Bundesverwaltungsgericht erhobene Beschwerde mit den Anträgen auf Aufhebung der Verfügung des BFM , auf Neubeurteilung der Sache und Feststellung der Flüch t- lingseigenschaft sowie Gewährung von Asyl . Eventualiter sei festzustel- len, dass subjektive Nachfluchtgründe erfüllt seien und dem Be - schwerdeführer sei die vorläufige Aufnahme als Flüchtling infolge des un- zulässigen Wegweisungsvollzugs zu gewähren . Eventualiter sei die U n- zumutbarkeit und die Unmöglichkeit des Vollzug der Wegweisung festzu- stellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Prozessf ührung beantragt. Es D-3630/2014 Seite 5 sei die zuständige Behörde vorsorglich anzuweisen, die Kontakt - aufnahme mit den Behörden des Heimat - oder Herkunftsstaates sowie jegliche Datenweitergabe an dieselben zu unterlassen. Eventualiter sei bei bereits erfolgter Datenweiterg abe die Beschwerde führenden Person darüber in einer separaten Verfügung zu informieren. Es sei der Be - schwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren. F.b Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Auskunft der SFH-Länderanalyse (ADRIAN SCHUSTER, China/Nepal: Tibe- tische Flüchtlinge in Nepal, 15. August 2013) zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorli egenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei - nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine sol che Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3 Auf einen Schriftenwechsel wird gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG verzichtet. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich D-3630/2014 Seite 6 Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststell ung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Personendaten von Asylsuchenden, anerkannten Flüchtlingen und Schutzbedürftigen dürfen dem Heimat- oder Herkunftsstaat nicht bekannt gegeben werden, wenn dadurch die betroffene Person oder ihre Angehö- rigen gefährdet würden; über ein Asylgesuch dürfen keine Anga ben ge- macht werden (Art. 97 Abs. 1 AsylG). Die für die Organisation der Ausre i- se zuständige Behörde kann jedoch zwecks Beschaffung der für den Vollzug der Wegweisungsverfü gung notwendigen Reisepapiere mit dem Heimat- oder Herkunftsstaat Kontakt aufnehmen, wenn in erster In stanz das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft verneint wurde (Art. 97 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 4 Abs. 1 der Verordnung vom 11. August 1999 über den Vo llzug der Weg - und Ausweisung von ausländischen Personen (VVWA, SR 142.281) gilt das Vorliegen der Flüchtlingseigen schaft als verneint, wenn das Asylgesuch abgelehnt oder ein Nichteintre - tensentscheid verfügt wurde. In casu hat das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 6. Juni 2014 abgelehnt, weshalb formal die Voraussetzungen gemäss Art. 97 Abs. 2 AsylG erfüllt sind. Im Übrigen deutet aufgrund der dem Bundesverwaltungsgericht derzeit vo r- liegenden Akten nichts auf eine konkrete Gefährd ung des Beschwerd e- führers durch eine allfällige Bekanntgabe der in Art. 97 Abs. 3 Bstn. a -c AsylG erwähnten Personendaten gegenüber der zuständigen ausländ i- schen Behörde hin. Folglich ist der Antrag, die zuständige Vollzugsbehör- de sei vorsorglich anzuweise n, jegliche Datenweitergabe an den Heima t- staat bis zum Entscheid über die Beschwerde zu sistieren, abzuweisen. Aus den dem Gericht vorliegenden Akten geht nicht hervor, dass die Vo r- instanz den Beschwerdeführer betreffende Daten an den Hei matstaat weitergegeben hat , weshalb auf das Eventualbegehren, eine allenfalls bereits erfolgte Datenweitergabe an den Heimatstaat sei dem Beschwe r- deführer offenzulegen und ihm dazu das rechtliche Gehör zu gewähren, mangels Rechtsschutzinteresses im Rahmen dieses Verfah rens nicht einzutreten ist. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer D-3630/2014 Seite 7 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile ge lten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung zu Recht und mit ausführlicher Begründung – so dass zur Vermeidung von Wiederholungen darauf ve r- wiesen werden kann – festgestellt, dass die Vorbringen des Beschwer - deführers weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit noch denjeni - gen an die Flüchtlingseigenschaft standhalten und auch keine subjektiven Nachfluchtgründe vorliegen. Gewichtige Zweifel an der Glaubhaft igkeit entstehen insbesondere aufgrund des Lingua -Gutachtens, wonach dem Beschwerdeführer unter anderem die osttibetischen Einflüsse seiner Sprechweise durch eine exiltibetische Gemeinschaft vermittelt worden sein müssen und er zudem, ausser einem Grusswor t, keine Kenntnisse der chinesischen Sprache besitze. Insbesondere die Tatsache, wonach vor allem jüngere Tibeter aus dem Tibet über Kenntnisse der chinesi - schen Sprache verfügten oder in ihrer Alltagssprache chinesische Begriffe oder Wendungen benutzen wü rden, und dies beim Beschwerdeführer so gar nicht der Fall sei, mute sonderbar an. Das Beharren in seiner B e- schwerdeschrift auf der Glaubhaftigkeit seiner geltend gemachten illeg a- len Ausreise aus der Volksrepublik China sowie die Hinweise auf zwei Ur- teile der ehemaligen Schweizerischen Asylrekurskommission (Entschei- dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 16 sowie EMARK 2005 Nr. 1) auf eine von der ARK in Auftrag gegebene Expertise von Th. Dodin, Tibet -InfoNet, und auf einen Artikel des chinesischen Strafgesetzbuches können zu keiner anderen Betrachtungsweise führen. Im zur Publikation bestimmten Länderurteil E- 2981/2012 vom 20. Mai 2014 präzisierte nämlich das Bundesverwa l- tungsgericht seine bisherige Praxis dahingehend, dass bei Personen tibe- tischer Ethnie, die ihre wahre Her kunft verschleiern oder verheimlichen, D-3630/2014 Seite 8 vermutungsweise davon auszuge hen sei, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisher i- gen Aufenthaltsort bestünden. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehö r- den findet ihre Grenze an der Mitwir kungspflicht der asylsuchenden Per- son. Verunmöglicht ein Asylsuchender tibetischer Ethnie durch die Verlet- zung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in Nepal respektive in Indien innehat, kann nament lich keine Drittstaaten- abklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies wird durch die Verheimli chung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Fl üchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. E -2981/2012 E. 5.9 f.). 5.2 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an das Glaubhaftma - chen im Sinne von Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigen - schaft im Sinne von Art. 3 AsylG genügen. An dieser Einschätzung kön - nen auch die weiteren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe nichts ändern. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwe rdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 7.2 Grundsätzlich ist die Zulässigkeit, die Zumutbarkeit und die Möglich - keit des Wegweisungsvollzugs von Amtes wegen zu prüfen. Diese Unte r- suchungspflicht findet jedoch ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der D-3630/2014 Seite 9 asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG), welche auch die Substanziie - rungslast trägt (Art. 7 AsylG). Es ist jedoch nicht Sache der Asylbehörden, nach allfälligen Wegweisungshindernissen in hypothetischen Heimat - oder Herkunftsländern zu forschen, wenn eine asylsuchende Person ihre Herkunft verschleiert und keine eindeutigen Hinweise auf die tatsächliche Staatangehörigkeit vorliegen (vgl. EMARK 2005 N r. 1 E. 3.2.2, mit weite - ren Hinweisen). Ein Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China ist im vorinstanzlichen Entscheid ausdrücklich ausgeschlossen worden (vgl. BFM-Verfügung vom 6. Juni 2014, Dispositivziffer 5). 7.3 Im vorliegenden Fall hat der Bes chwerdeführer, der tibetischer Ethnie ist, keine Identitätspapiere eingereicht und auch seine behauptete chin e- sische Staatsangehörigkeit nicht glaubhaft gemacht. Aufgrund des ausführlichen Lingua -Gutachtens und der wenig überze u- genden Erklärungsversuche des Beschwerdeführers anlässlich des recht- lichen Gehörs sowie seiner unsubstanziierten Ausführungen, ist seine angebliche Herkunft aus der Volksrepublik China nicht glaubhaft. Viel - mehr ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er vor seiner Ankunft in der Schweiz in der exiltibetischen Diaspora gelebt hat, wodurch sich allerdings noch keine schlüssigen Erkenntnisse hin - sichtlich seiner Staatsangehörigkeit ergeben. Eine Zuordnung der Staats- angehörigkeit ist indes nicht möglich, da der Ort der Sozialisation mit demjenigen der Staatsangehörigkeit nicht gleichzusetzen ist (vgl. EMARK, a.a.O. E. 3.2.1). 7.4 7.4.1 Im zur Publikation bestimmten Länderurteil E -2981/2012 hat das Bundesverwaltungsgericht in E. 5 ausgeführt, dass seine Rechtspre - chung in Bezug auf die Frage der Staatsangehörigkeit von im Exil leben - den Personen tibetischer Ethnie (EMARK, a.a.O., E. 4.3) insoweit zu pr ä- zisieren sei, als dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre He r- kunft verschleiern oder verheimlichen, vermutung sweise davon auszuge- hen ist, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestünden. 7.4.2 Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer, der tibetischer Ethnie ist, keine Identitätspapiere eingereicht. Zudem erscheint seine be - hauptete chinesische Staatsangehörigkeit aufgrund des Alltagswissens - tests – wie vorne dargelegt – nicht glaubhaft. Sodann sind seine Ausfü h- rungen bezüglich seiner Reise in die Schweiz unsubstanziiert ausgefallen D-3630/2014 Seite 10 und somit ebenfalls unglaubhaft. Es ist davon auszugehen, der B e- schwerdeführer habe nur unter Verwendung authentischer Identitäts- und Reisepapiere in die Schweiz gelangen können. Es kann seitens der Asy l- behörden nicht eruiert werden, welche Staatsangehörigke it er besitzt, wodurch er die ihm obliegende Mitwirkungspflicht verletzt, deren Folgen er insofern zu tragen hat, als seitens der Asylbehörden der Schluss gezo- gen werden muss, es spreche nichts gegen eine Rückkehr an den bish e- rigen Aufenthaltsort, da er ke ine konkreten glaubhaften Hin weise geltend gemacht hat, die gegen eine Rückkehr dorthin sprechen würden. 7.5 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich die für eine Rückkehr allen - falls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da sich die Rechtsbegehren wegen der verweigerten Mitwirkungspflicht als aussichtslos erwiesen haben. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge - richt [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-3630/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Ulrike Raemy Versand: