<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 125 S.580</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">580</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>125 Massnahmenplan.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Eine vorgängige Anpassung der Zonenplanbestimmungen ist nicht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>erforderlich, wenn es darum geht, gestützt auf einen Massnahmenplan</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Emissionen einzugrenzen, die über dem «Zonendurchschnitt» liegen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Regierungsrats vom 08. November 2000, Gemeinde O.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. c) Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, dass</span><br/> <span class="ft1">bereits auf der Ebene der Nutzungsplanung Massnahmen verfügt</span><br/> <span class="ft1">werden sollen, damit die Grenzwerte der Luftreinhaltung eingehalten</span><br/> <span class="ft1">werden können (...).</span><br/> <span class="ft1">aa) Auch nach Art. 44a Abs. 2 USG können die Massnahmen-</span><br/> <span class="ft1">pläne Massnahmen unterscheiden, die unmittelbar angeordnet wer-</span><br/> <span class="ft1">den dürfen, und solche, für welche die rechtlichen Grundlagen noch</span><br/> <span class="ft1">zu schaffen sind. Allerdings kann in gewissen Fällen eine rechts-</span><br/> <span class="ft1">satzmässige Festlegung geboten sein, z.B. aus Gründen der Rechtssi-</span><br/> <span class="ft1">cherheit und der Rechtsgleichheit (zur vergleichbaren Problematik</span><br/> <span class="ft1">bei vorsorglichen Emissionsbegrenzungen vgl. Alexander Zürcher,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">581</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die vorsorgliche Emissionsbegrenzung nach dem Umweltschutzge-</span><br/> <span class="ft1">setz, Diss. Basel 1995, S. 346 ff.).</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Notwendigkeit einer rechtsatzmässigen Festlegung liegt</span><br/> <span class="ft1">nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung insbesondere dann</span><br/> <span class="ft1">vor, wenn der Massnahmenplan eine Einschränkung der Bautätigkeit</span><br/> <span class="ft1">in luftbelasteten Gebieten vorsieht und damit in Widerspruch zur</span><br/> <span class="ft1">geltenden Zonenordnung tritt. Grundsätzlich ist in solchen Fällen die</span><br/> <span class="ft1">Bau- und Zonenordnung in dem dafür vorgesehenen Verfahren an</span><br/> <span class="ft1">den Massnahmenplan anzupassen; vor der Planänderung können</span><br/> <span class="ft1">zonenkonforme Bauprojekte, von denen für sich allein genommen</span><br/> <span class="ft1">bloss durchschnittliche Emissionen ausgehen, grundsätzlich nicht</span><br/> <span class="ft1">unter Hinweis auf eine übermässige Gesamtbelastung der Luft abge-</span><br/> <span class="ft1">lehnt werden (BGE 118 Ib 26 E. 5e S. 36; 119 Ib E. 5c und d S. 485</span><br/> <span class="ft1">ff.; 120 Ib 436 E. 2c /cc S. 446). Diese Rechtsprechung beruht zum</span><br/> <span class="ft1">einen auf den bereits für den Massnahmenplan grundlegenden Prin-</span><br/> <span class="ft1">zipien der Koordination und der Lastengleichheit (BGE 119 Ib 480</span><br/> <span class="ft1">E. 7a S. 489): Die vom Massnahmenplan vorgesehenen emissions-</span><br/> <span class="ft1">mindernden Massnahmen sollen, soweit sie eine Beschränkung der</span><br/> <span class="ft1">Bautätigkeit erfordern, mit den Anliegen der Raumplanung koordi-</span><br/> <span class="ft1">niert und die Lastengleichheit zwischen allen Bauvorhaben einer</span><br/> <span class="ft1">Zone gewährleistet werden. Zum anderen liefe es der Rechtssicher-</span><br/> <span class="ft1">heit zuwider, ohne Abänderung des Zonenplans Massnahmen anzu-</span><br/> <span class="ft1">ordnen, welche die Errichtung an sich zonenkonformer Bauten ver-</span><br/> <span class="ft1">hindern oder jedenfalls weitgehend beschränken und damit den for-</span><br/> <span class="ft1">mell noch bestehenden Zonenplan aushöhlen oder sogar gegen-</span><br/> <span class="ft1">standslos machen würden.</span><br/> <span class="ft1">(...) Gehen von einer Anlage lediglich die Emissionen aus, die</span><br/> <span class="ft1">typischerweise mit Anlagen dieser Zone verbunden sind, erfordern</span><br/> <span class="ft1">die Grundsätze der Koordination, der Lastengleichheit und der</span><br/> <span class="ft1">Rechtssicherheit i.d.R. die Änderung des Zonenplans (z.B. Änderung</span><br/> <span class="ft1">der zulässigen Nutzung, Herabsetzung der Grundstücksausnützung,</span><br/> <span class="ft1">im Extremfall sogar Auszonung). Handelt es sich dagegen um ein</span><br/> <span class="ft1">Vorhaben, dessen Emissionen über den "Zonendurchschnitt" hinaus-</span><br/> <span class="ft1">gehen, wird weder das Rechtsgleichheitsgebot noch die Planbestän-</span><br/> <span class="ft1">digkeit in Frage gestellt, wenn speziell für dieses Vorhaben emissi-</span><br/> <span class="ft1">onsmindernde Massnahmen im Baubewilligungsverfahren angeord-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">582</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">net werden. Geschieht dies auf der Grundlage des Massnahmenplans,</span><br/> <span class="ft1">ist gleichzeitig die Koordination der Massnahmen und die</span><br/> <span class="ft1">Lastengleichheit unter Emittenten vergleichbarer Grösse gewähr-</span><br/> <span class="ft1">leistet. Eine vorgängige Anpassung des Zonenplans ist nur sinnvoll</span><br/> <span class="ft1">und geboten, wenn die Einschränkung auf eine Abänderung des Zo-</span><br/> <span class="ft1">nenregimes hinausläuft, z.B. weil sie alle Bauten einer Zone betrifft</span><br/> <span class="ft1">oder gewisse Nutzungsarten von vornherein ausschliesst (BGE 124 II</span><br/> <span class="ft1">282 E. 4c).</span><br/> <span class="ft1">cc) Gestützt auf diese Rechtsprechung ist die Anordnung einer</span><br/> <span class="ft1">weitergehenden Parkplatzbeschränkung bei der Beurteilung eines</span><br/> <span class="ft1">konkreten Bauprojekts vor Änderung der kommunalen Bau- und</span><br/> <span class="ft1">Zonenordnung unzulässig, wenn es sich beim umstrittenen Projekt</span><br/> <span class="ft1">um eine zonenkonforme Anlage mit zwar erheblichen, nicht aber</span><br/> <span class="ft1">überdurchschnittlichen Emissionen handelt. Die Grundeigentümer</span><br/> <span class="ft1">und der Gemeinderat O. vertreten hierzu die Auffassung, dass die</span><br/> <span class="ft1">Parkplatzbeschränkung unmittelbar gestützt auf Art. 11 Abs. 3 und</span><br/> <span class="ft1">Art. 12 USG angeordnet werden könne. Eine eigentliche Grundlage</span><br/> <span class="ft1">in der Bauordnung brauche es dafür nicht.</span><br/> <span class="ft1">dd) (...)</span><br/> <span class="ft1">ee) Die streitige Zone ist eine Spezialzone, in der Dienst-</span><br/> <span class="ft1">leistungsbetriebe aller Art, Gewerbe und Wohnungen rechtmässig</span><br/> <span class="ft1">sind. Wohnungen sind dabei nur für betrieblich an den Standort ge-</span><br/> <span class="ft1">bundenes Personal zugelassen (§ 34 BO). Möglich sind also Bauten</span><br/> <span class="ft1">mit sehr unterschiedlicher Emissionswirkung. Die Emissionen eines</span><br/> <span class="ft1">Einkaufszentrums oder eines Fachmarktes in der maximal erlaubten</span><br/> <span class="ft1">Art liegen jedenfalls über dem zonenüblichen Durchschnitt: Derar-</span><br/> <span class="ft1">tige Vorhaben weisen einen bedeutend höheren Besucherverkehr auf</span><br/> <span class="ft1">als andere Bauten und induzieren erheblich mehr Verkehr als z.B.</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungs- oder Bürogebäude. Aus diesem Grund sind Einkaufs-</span><br/> <span class="ft1">zentren ab einer gewissen Grösse auch UVP-pflichtig (vgl. Ziff. 80.5</span><br/> <span class="ft1">der Verordnung über die Umweltverträglichkeitsprüfung vom</span><br/> <span class="ft1">19. Oktober 1988 [SR 814.011; UVPV] - ab einer Verkaufsfläche</span><br/> <span class="ft1">von 5'000 m2) und unterliegen in einigen Kantonen der Quartierplan-</span><br/> <span class="ft1">pflicht (vgl. z.B. Art. 47 lit. m, Loi sur l'aménagement du territoire et</span><br/> <span class="ft1">les constructions des Kantons Waadt vom 4. Dezember 1985 [ab</span><br/> <span class="ft1">einer Verkaufsfläche von 2'000 m2]) oder besonderen Anforderungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">583</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">im Hinblick auf ihre Umweltverträglichkeit (vgl. z.B. Art. 69 i.V.m.</span><br/> <span class="ft1">Art. 68 lit. b, Legge cantonale di applicazione della legge federale</span><br/> <span class="ft1">sulla pianificazione del territorio del Cantone Ticino dal 23. Maggio</span><br/> <span class="ft1">1990 [ab einer Verkaufsfläche von 1'000 m2]).</span><br/> <span class="ft1">d) Handelt es sich somit um ein Bauvorhaben mit überdurch-</span><br/> <span class="ft1">schnittlichen (vgl. oben 3c/bb) Emissionen, können emissionsmin-</span><br/> <span class="ft1">dernde Massnahmen im Baubewilligungsverfahren, gestützt unmit-</span><br/> <span class="ft1">telbar auf den Massnahmenplan und das USG angeordnet werden.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>