Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. August 2012 (725 12 141) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Natürliche Kausalität bei Diskushernien Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Yves T hommen, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch C.P.T.F.E. Comité de Protection des Travailleurs Frontaliers Européens, Rue de la Gare 37, 68190 Ensisheim gegen SUVA , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1954 geborene A.____ arbeitete im Zeitpunkt se ines Unfalls als Carrosse- riespengler bei der Z.____ AG in Y.____ und war in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von B etriebs- und Nichtbetriebsunfällen versichert. Am 27. Mai 2011 rutschte er während der Arb eit auf einem Luftschlauch aus und fiel auf den Rücken. In der Folge litt er an Beschwerden in der Lendenwirbelsäule (LWS), der lin- ken Hüfte und am linken Handgelenk. Bild gebende Unte rsuchungen ergaben degenerative Diskusveränderungen mit einer die linke Wurzel L5 kompromittierenden Diskushernie. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Nachdem die SUVA für die Unfallfolgen zunächst Leist ungen in Form von Heilbehand- lungen und Taggeldern ausgerichtet hatte, teilte sie d em Versicherten nach Abklärung der ge- sundheitlichen Verhältnisse mit Verfügung vom 9. Januar 2012 mit, dass die noch bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, sondern ausschlie sslich krankhafter Natur seien. Zwi- schen Unfall und den geltend gemachten Beschwerden beste he kein natürlicher Kausalzu- sammenhang mehr, weshalb die Versicherungsleistungen per sofort eingestellt würden. Eine gegen diese Verfügung gerichtete Einsprache wies die S UVA mit Entscheid vom 11. April 2012 ab. C. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch das Comité de Protection des Tra- vailleurs Frontaliers Européens (CPTFE), am 27. April 2 012 fristgerecht Beschwerde beim Ver- waltungsgericht des Kantons Luzern, welches die Beschwerde mangels örtlicher Zuständigkeit mit Schreiben vom 7. Mai 2012 an das Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), übermittelte. In seiner Beschwerdebegründung liess der Versicherte sinngemäss die Aufhebung der Verfügu ng der SUVA vom 9. Januar 2012 mit der Begründung beantragen, die noch geklagten Beschwerden seien weiterhin unfallbeding- ter Natur. D. Die SUVA schloss in ihrer Vernehmlassung vom 14. Jun i 2012 auf Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung im Wesentlichen auf die Erwägungen im angefochte- nen Einspracheentscheid. Auf die übrigen Ausführungen der Parteien ist - soweit notwendig - in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzu treten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer über den 9. Januar 2012 hinaus Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung besitzt. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu g ewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behan dlung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfall es voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Tagge ld. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindes- tens 10% invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn v on der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustand es der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederu ngsmassnahmen der Invalidenversiche- rung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fal len die Heilbehandlung und die Tag- geldleistungen dahin (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Für Leistungen nach UVG hat der Unfallversicherer n ur unter der Voraussetzung auf- zukommen, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem ein getretenen Schaden (Krank- heit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher und adäquater Kausal- zusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen K ausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene E rfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit ei ngetreten gedacht werden kann. Ent- sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des nat ürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Stö- rungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Pe rson beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitli- che Störung entfiele (vgl. BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversiche rers erst, wenn der Unfall nicht die na- türliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darst ellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich n ach dem schicksalsmässigen Verlauf ei- nes krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (vgl. RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326, U 180/93 E. 3b mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenh ang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines G esundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- keit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich fehl ender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Weil es sich dabei um eine ans pruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kau- salzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversi- cherer (vgl. SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9 8C_354/2007, E. 2.2). Der Beweis des Wegfalls des natür- lichen Kausalzusammenhangs muss nicht durch den Nachweis unf allfremder Ursachen er- bracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfall versicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliegt oder die versicherte Person nunmehr bei voller Gesundheit ist. Entscheidend ist allein, ob u nfallbedingte Ursachen des Gesundheits- schadens ihre kausale Bedeutung verloren haben und weggef allen sind (vgl. Urteil des Bun- desgerichts 8C_847/2008 vom 29. Januar 2009 E. 2). 2.4 Es entspricht im Bereich des Unfallversicherungsrechts e iner medizinischen Erfahrungs- tatsache, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen de generativer Bandscheibenverände- rungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmswei se und unter besonderen Vorausset- zungen als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als unf allbedingt kann eine Diskushernie nur dann betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von be sonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und di e Symptome der Diskushernie (ver- tebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit so fortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetre- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten sind. In solchen Fällen hat die Unfallversicherung pr axisgemäss auch für Rezidive und all- fällige Operationen aufzukommen (vgl. RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192 E. 2a, U 138/99, mit Hin- weis auf das nicht veröffentlichte Urteil U 159/95 vom 26. August 1996, E. 1b, und medizinische Literatur; zuletzt: Urteil 8C_213/2008 vom 9. Juni 2008 ). Ist die Diskushernie hingegen bei ei- nem degenerativem Vorzustand durch den Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, so hat die Unfallversicherung nur Leistungen für das unmit telbar im Zusammenhang mit dem Un- fall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Dies ist dann de r Fall, wenn die Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgelöst, nicht aber (weitgehend) verursacht worden ist. Solange der Status quo sine vel ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer diesfalls ge- stützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben de n Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Hei lbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (vgl. Urteile U 351/04 vom 14. Februar 200 6, publ. in: ASS 2006 2 S. 14; U 266/99 vom 14. März 2000). 2.5 Nach derzeitigem medizinischen Wissensstand kann das E rreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und Lumboischialgien n ach drei bis vier Monaten erwartet werden, wogegen eine allfällige richtunggebende Versc hlimmerung röntgenologisch ausgewie- sen sein und sich von der altersüblichen Progression abhe ben muss; eine traumatische Ver- schlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustan des an der Wirbelsäule ist in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber na ch einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsg erichts [EVG; seit 1. Januar 2008: Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilungen] U 354 /04 vom 11. April 2005, E. 2.2, mit Hinweisen auch auf die medizinische Literatur). Ein Un fall ist gemäss dieser Rechtsprechung somit nur in Ausnahmefällen geeignet, eine Bandscheibenverletzung hervorzurufen, zumal eine Bandscheibe derart widerstandsfähig ist, dass unter Gew alteinwirkung eher die Wirbelknochen brechen, als dass die Bandscheibe verletzt würde. So hat i m medizinischen Versuch die isolier- te Verletzung einer Bandscheibe durch einen Unfall led iglich bei rein axialer Belastung der Wir- belsäule herbeigeführt werden können, nicht aber bei Rotations-, Hyperextensions- oder Hyper- flexionsbewegungen (vgl. Urteil R. des EVG vom 3. Oktob er 2005, U 163/05, E. 3.1. mit Hin- weisen; ebenso Urteil Z. des EVG vom 6. September 2006, U3/06, E. 1.2). 3.1 Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer ges undheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrag e, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Geri cht – im Rahmen der ihr obliegenden Be- weiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkei t eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (vgl. BGE 129 V 181 E. 3.1). 3.2 Zur Feststellung des Sachverhaltes und des natürlichen Kausalzusammenhangs im Bereich der Medizin ist die rechtsanwendende Behörde r egelmässig auf Unterlagen angewie- sen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügu ng zu stellen sind (vgl. BGE 122 V 158 E. 1b). Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln sowie umfassend und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 3.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Eidgenössisc hen Versicherungsgerichts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung en) mit dem Grundsatz der freien Be- weiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Fo rmen medizinischer Berichte und Gut- achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustelle n (vgl. die ausführlichen Zusammenstel- lungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist es dem Sozialversicherungsgericht demnach nicht verwehrt, gestützt ausschliesslich auf versicher ungsinterne medizinische Unter- lagen zu entscheiden. Wie das Bundesgericht unlängst präz isiert hat, sind in solchen Fällen jedoch strenge Anforderungen an die Beweiswürdigung i n dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssi gkeit jener ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts, I. sozialrechtliche Abteilung, vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit Verweisen). 4. Der Beschwerdeführer vertritt die Auffassung, die h eute noch vorhandenen Beschwer- den seien auf eine durch den Sturz vom 27. Mai 2011 ver ursachte traumatische Diskushernie zurückzuführen. Die SUVA stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass die geklagten Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, sondern ausschliesslich krankhafter Natur seien. 4.1 Die eingangs erwähnten Voraussetzungen für eine u nfallbedingte Verursachung, wel- che die Rechtsprechung im Zusammenhang mit der Diskusher nie entwickelt hat, liegen beim Versicherten auf Grund des aktenmässigen Verlaufs nicht vor . Der Berichterstattung der unter- suchenden Ärzte ist lediglich zu entnehmen, dass das Stur zereignis den Bandscheibenvorfall des Versicherten in Form einer stummen lumbalen Diskusher nie aktiviert, diesen aber nicht im ursächlichen Sinne verursacht hat (vgl. kreisärztliche Untersuchungsbericht von Dr. B.____ vom 31. Oktober 2011). Diese Schlussfolgerung deckt sich mit den übrigen medizinischen Unterla- gen. So ergab eine erste Röntgenuntersuchung kurz nach d em Unfall eine diskrete Deckplat- tenimpression sowie eine Diskopathie auf der Höhe LWK 5 / SWK 1 (vgl. Röntgenuntersuchung von Dr. C.____ vom 31. Mai 2011). Es ist darauf hinzuwe isen, dass unter einer Diskopathie Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Bezeichnung zu verstehen ist, die alle degenerati ven und nur selten traumatischen Verän- derungen im Bandscheibenbereich sowie deren Folgezustän de umfasst (vgl. Pschyrembel, Kli- nisches Wörterbuch, 261. Aufl., 2007 Berlin). Eine in d er Folge durchgeführte Computertomo- graphie bestätigte denn auch die degenerative Ursache d er Bandscheibenveränderung in Form von Diskusveränderungen im Bereich LWK 4 / SWK 1 sowie ei ne Diskushernie auf Höhe LWK 4/5 mit Kompromittierung der linken Wurzel L5 (vgl. Radiologischer Bericht von Dr. C.____, Cli- nique D.____, vom 14. Juni 2011). Die rund zwei Monat e später durchgeführte Untersuchung ergab in radiologischer Hinsicht einen normalen Befund des Beckens. Insbesondere konnte weder eine Ermüdungsfraktur noch eine knöcherne oder a rtikuläre Anomalie festgestellt wer- den. Ebenso konnte eine Anomalie der Weichteile ausgesc hlossen werden (vgl. radiographischer Bericht von Dr. E.____ vom 16. Aug ust 2011). An der degenerativen Ur- sache der fraglichen Diskushernie vermag daher weder die anlässlich der bildgebenden Erstun- tersuchung als traumatisch bezeichnete Indikationsstellung (vgl. Röntgenuntersuchung von Dr. C.____ vom 31. Mai 2011) noch die Kausalitätsbeurt eilung des Hausarztes etwas zu än- dern, wonach die Beschwerden des Versicherten ausschliesslich auf das erlittene Sturzereignis zurückzuführen seien (vgl. ärztlicher Bericht UVG von Dr. F .____ vom 6. September 2011). Es verhält sich vielmehr dergestalt, dass die auf allen lumba len Etagen vorhandenen degenerati- ven Bandscheibenveränderungen einen stummen Vorzustand da rstellen, der durch das versi- cherte Unfallereignis zwar aktiviert worden, in unfallkau saler Hinsicht jedoch nicht auf den erlit- tenen Sturz zurückzuführen ist (vgl. kreisärztlicher Untersu chungsbericht von Dr. B.____ vom 31. Oktober 2011). Angesichts des dokumentierten Vorzust andes kann gerade nicht von einer traumatisch bedingten und erst durch das Unfallereignis v om 27. Mai 2011 verursachten Diskushernie ausgegangen werden. 4.2 Mangels einer strukturellen Schädigung ist schliessl ich auch nicht davon auszuge- hen, es habe im Zeitpunkt der Leistungseinstellung durch die SUVA im Januar 2012 noch wei- terhin eine richtunggebende Verschlimmerung des degener ativen Vorzustandes bestanden (vgl. radiographischer Bericht von Dr. E.____ vom 16. August 2011; ebenso kreisärztliche Beur- teilung von Dr. B.____ vom 14. Dezember 2011). In diese m Zusammenhang ist der Tatsache Rechnung zu tragen, dass das Unfallereignis nicht von beso nderer Schwere war. Dem unbe- strittenen Sachverhalt zufolge rutschte der Versicherte bei seiner Arbeit auf einem Luftschlauch aus und fiel dabei auf den Rücken. Auch wenn die dabei erlittene Rückenkontusion zunächst eine Leistungspflicht der SUVA für Heilbehandlungen u nd Taggelder ausgelöst hat, ist ein sol- cher Unfall nicht als derart schwer zu bezeichnen, dass er nach dem Abheilen der Rückenkon- tusion spätestens im Dezember 2011 (vgl. kreisärztlicher Ber icht von Dr. B.____ vom 14. Dezember 2011) den rechtsprechungsgemäss erforder lichen Kriterien zufolge geeignet ge- wesen wäre, eine traumatische Schädigung der Bandscheib e herbeizuführen. Der Befund dau- ernder und rezidivierender Schmerzen vermag nichts daran zu ändern. Dadurch ist nicht er- stellt, dass die noch heute vorhandenen Beschwerden auf e inen traumatisch bedingten Band- scheibenschaden zurückzuführen sind. Allein den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Bandscheibenschaden mit der Argumentation z u bejahen, dass der Versicherte zu- vor nicht an entsprechenden Beschwerden gelitten habe, liefe auf eine unzulässige Beweisfor- mel "post ergo propter hoc" hinaus. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die SUVA hin sichtlich der strittigen Leistungs- einstellung auf die kreisärztliche Abschlussuntersuchung vom 14. Dezember 2011 abgestellt hat. Dieser im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Bericht setzt sich mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinander un d vermittelt ein umfassendes Bild über den gesamten Gesundheitszustand des Versicherten. Die erhobenen Befunde decken sich insbesondere mit der oben erwähnten medizinischen Dokume ntation des Vorzustandes des Versicherten. Es muss sein Bewenden damit haben, dass durch den Unfall vom 27. Mai 2011 lediglich eine vorübergehende Verschlimmerung in Form einer Symptomatisierung eines zuvor klinisch stummen Zustands erfolgt ist und die Kriterien f ür eine traumatische Diskushernie dem Gesagten zufolge mangels rasch progredienter strukturelle r Veränderung nicht erfüllt sind. Un- abhängig davon, dass der Beschwerde keine konkreten Vorb ringen in Bezug auf die medizini- schen Verhältnisse zu entnehmen sind, ist den aufgezeigten medizinischen Unterlagen über- zeugend zu entnehmen, dass der Status quo ante bzw. sine rund sieben Monaten nach dem fraglichen Sturz wieder erreicht war. Dies entspricht le tztlich just den Erfahrungswerten, wie sie von der Rechtsprechung mehrfach bestätigt worden sind (vgl. oben, Erwägung 2.5). Stehen die somatischen Beschwerden des Versicherten somit spätestens a b Verfügungszeitpunkt vom 9. Januar 2012 in keinem natürlichen Kausalzusammenhang mehr mit dem erlittenen Unfall, hat die SUVA ihre Leistungspflicht ab diesem Zeitpunkt zu R echt abgelehnt. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 5. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht Gegen diesen Entscheid hat der Beschwerdeführer am 3. Oktober 2012 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe Urteil: Verfahren-Nr. 8C_809/2012 ) erhoben.