Situation économique. Interpellations urgentes 584 N 19 mars 1992 #ST# 92.3014 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion Verschlechterung der Wirtschaftslage und zunehmende Arbeitslosigkeit Interpellation urgente du groupe socialiste Détérioration de la situation économique et aggravation du chômage Wortlaut der Interpellation vom 29. Januar 1992 Angesichts der sich immer noch verschlechternden wirtschaft- lichen Situation in der Schweiz und der wachsenden Arbeitslo- sigkeit bitten wir den Bundesrat, folgende Fragen zu beant- worten: 1. Wie beurteilt der Bundesrat die heutige wirtschaftliche Si- tuation in der Schweiz, insbesondere in der Westschweiz und im Tessin, und welche Tendenzen erwartet er im laufenden Jahr? 2. Teilt er die Ansicht, dass heute Verbesserungen zum Schutz der Arbeitslosen dringend angebracht sind? Ist er be- reit, dafür zu sorgen, dass die Mittel der Arbeitslosenversiche- rung vermehrt auch zur Weiterbildung und Umschulung von Beschäftigten in gefährdeten Betrieben und Berufen einge- setzt und die in der Motion Matthey vom 18. September 1991 vorgeschlagenen Verbesserungen realisiert werden können? Welche weiteren Möglichkeiten sieht er, im Sinne einer Quali- fizierungsstrategie die Beschäftigungschancen der bedroh- ten Arbeitnehmerkreise nachhaltig zu verbessern? 3. Der Wohnungsbau dürfte 1992 fast auf die Hälfte eines Normaljahres schrumpfen. Die im Rahmen des WEG geför- derten Wohnungen machen bereits mehr als einen Drittel der noch gebauten Wohneinheiten aus. Ist der Bundesrat bereit, kurzfristig die Kapazität des WEG-Programms deutlich auf- zustocken und damit dem Wohnungsbau einen wichtigen Impuls zu geben? Wie beurteilt er die Möglichkeit, vor allem im Tessin und in der Romandie und in Gebieten mit hoher Wohnungsnot beispielsweise über eine zeitlich begrenzte Bundesgarantie für zweite Hypotheken und Zinsstufenmo- delle auch dem allgemeinen Wohnungsbau, sofern er ver- dichtet und bodensparend erfolgt, kurzfristig Anreize zu ver- leihen? 4. Ist der Bundesrat bereit, ein dreijähriges Förderprogramm für die Renovation von Altbauten (Gebäudehülle und Haus- technik) im Rahmen von «Energie 2000» zu lancieren? Das Programm müsste mit Schwergewicht auf jene Regionen (Tessin und Romandie) konzentriert werden, die über unaus- gelastete Kapazitäten verfügen. Ein derartiges Programm könnte innerhalb eines Monats konzipiert und umsetzungs- reif gemacht werden und käme insbesondere auch der Ma- schinenindustrie zugute. 5. Sieht der Bundesrat eine Möglichkeit, rasch ein fünfjähriges Förderprogrammfür Alterswohnungen von kommunalen und gemeinnützigen Bauträgern in der ganzen Schweiz zu ent- wickeln? Angesichts des rasch wachsenden Anteils alter Men- schen und des quantitativ bedeutenden Einflusses auf das all- gemeine Wohnungsangebot (freiwerdende grosse und gün- stige Wohnungen) ist dieses Programm auch zusätzlich zur Konjunkturbelebung wichtig und richtig. 6. Welche Möglichkeiten sieht der Bundesrat, vom Bund be- einflussbare Investitionen so zu steuern, dass im kommenden Jahr zusätzliche Impulse auf die Wirtschaft der von der Rezes- sion besonders bedrohten Regionen in der Romandie und im Tessin ausgehen? 7. Ist der Bundesrat bereit, bei der Nationalbank seinen Ein- fluss geltend zu machen, damit das Zinssenkungspotential voll ausgenutzt wird und die Nationalbank nicht ein weiteres Mal durch ihre geldpolitische Uebersteuerung der schweizeri- schen Volkswirtschaft grossen Schaden zufügt? 8. Ist der Bundesrat bereit, einen Bericht zu erarbeiten und dem Parlament vorzulegen, in dem er die Standort- und Struk- turprobleme der Schweizer Wirtschaft für die kommenden Jahre analysiert und konkrete Verbesserungsvorschläge vor- schlägt? Texte de l'interpellation du 29 Janvier 1992 Comme la situation économique de la Suisse continue de se détériorer et que le chômage s'aggrave, nous demandons au Conseil fédéral de répondre aux questions suivantes: 1. Quel jugement porte-t-il sur l'état actuel de l'économie suisse, notamment en Suisse romande et au Tessin, et quelles seront, à son avis, les tendances de l'année en cours? 2. Reconnaît-il aussi la nécessité d'améliorer sans plus tarder la protection des chômeurs? Est-il prêt àfa'ire en sorte que l'as- surance-chômage consacre plus de fonds au perfectionne- ment et à la reconversion de personnes travaillant dans des entreprises ou des professions menacées et que l'on puisse réaliser les améliorations exigées par la motion Matthey du 18 septembre 1991? Quelles autres mesures envisage-t-il pour améliorer le degré de qualification des travailleurs mena- cés et, à long terme, leur donner ainsi de meilleures chances de trouver ou de conserver un emploi? 3. On s'attend à ce que la construction de logements n'attei- gne pas en 1992 la moitié de son niveau habituel. Déjà plus de tiers des logements devant être construits bénéficient du sou- tien prévu par la LCAP. Le Conseil fédéral est-il prêt à augmen- ter sensiblement, dans un bref délai, la capacité du pro- gramme de la LCAP afin de relancer la construction? Que pense-t-il de la possibilité d'encourager également, par des mesures d'incitation à court terme, en particulier au Tessin, en Suisse romande et dans les régions les plus touchées par la crise du logement, la construction de logements à loyers abor- dables, pour autant qu'ils soient concentrés et n'utilisent pas beaucoup de terrain. On pourrait par exemple accorder une garantie de la Confédération limitée dans le temps pour les hy- pothèques de deuxième rang et échelonner les intérêts? 4. Le Conseil fédéral est-il prêt à mettre sur pied un pro- gramme de trois ans visant à encourager la rénovation des bâ- timents anciens (aspect extérieur et installations) dans le ca- dre d'«Energie 2000»? Il faudrait mettre l'accent sur les ré- gions dont les capacités ne sont pas pleinement utilisées (Tes- sin et Suisse romande). Un mois devrait suffire à concevoir et à mettre au point ce programme, qui profiterait particulièrement à l'industrie mécanique. 5. Le Conseil fédéral pense-t-il qu'il est possible de dévelop- per rapidement sur l'ensemble du territoire un programme de cinq ans visant à encourager la construction de logements pour les personnes âgées par des maîtres d'ouvrage commu- naux ou s'occupant de la construction de logements d'utilité publique? Comme la proportion de personnes âgées croît ra- pidement et que ce programme aurait une grande influence sur l'offre générale de logements (libération de logements spacieux à bon marché), il est important et justifié de complé- ter ainsi une politique de relance conjoncturelle. 6. Quelles possibilités le Conseil fédéral envisage-t-il pour contrôler les investissements sur lesquels il a une influence de façon à donner l'année prochaine un coup de pouce à l'éco- nomie des régions particulièrement menacées, en Suisse ro- mande et au Tessin? 7. Le Conseil fédéral est-il prêt à jouer de son influence auprès de la Banque nationale afin de réduire les taux d'intérêt autant qu'ils peuvent l'être et d'empêcher la Banque nationale de nuire à l'économie suisse une nouvelle fois par des mesures monétaires trop sévères? 8. Le Conseil fédéral est-il prêt à élaborer à l'intention du Parle- ment un rapport qui analyse les problèmes d'implantation et les handicaps structurels de l'économie suisse pour les an- nées à venir et qui propose des améliorations concrètes? Sprecher - Porte-parole: Ledergerber Schriftliche Begründung Die konjunkturelle Situation hat sich in den letzten paar Mona- ten so weit verschlechtert, dass es nicht mehr genügt, den19. März 1992 N 585 Wirtschaftslage. Dringliche Interpellationen zweckoptimistischen Prognosen der Nationalbank Glauben zu schenken. Die Möglichkeiten, eine konjunkturbelebende Politik zu betreiben, sind allerdings beschränkt. Dies betrifft sowohl das Zinssenkungspotential der Nationalbank wie die Handlungsmöglichkeiten der öffentlichen Hand. Dazu kommt, dass viele denkbare und sinnvolle Ankurbelungsmassnah- men, insbesondere für die Maschinenindustrie und die Bau- wirtschaft, eine so grosse Vorlaufzeit benötigen, dass ihre Ef- fekte erst in einigen Jahren sichtbar werden, möglicherweise dann sogar zu einer konjunkturellen Uebersteuerung führen könnten. Es trifft zwar zu, dass die heutige Defizitsituation im Haushalt des Bundes und vieler Kantone bereits eine antizyklische Wir- kung aufweist. Damit ist aber das Potential bei weitem nicht ausgeschöpft. Die Verschuldungssituation von Bund und Kan- tonen ist nicht nur im internationalen Vergleich vergleichsmäs- sig komfortabel und erlaubt durchaus ein weiteres kurzfristi- ges Deficit spending. Allerdings soll damit keine strukturerhal- tende Politik betrieben, sondern es sollen mit erster Priorität sinnvolle Projekte, die aus Finanzgründen aufgeschoben wur- den, realisiert werden. Im Vordergrund stehen unseres Erachtens Programme, die ins sogenannte «human capital» investieren, d. h. die Weiter- bildung, Umschulung und Qualifizierung von Arbeitskräften. Daneben sind die unbestrittenen Mängel der Arbeitslosenver- sicherung (Degression, Warte-Tage, Weiterbildung usw.) zu beseitigen. In zweiter Priorität sind Massnahmen zur Förde- rung des Wohnungsbaus vorzusehen, vor allem in jenen Be- reichen, in denen wir einen Investitionsstau und ausgereifte Bauprojekte besitzen, und in jenen Regionen, die von der Re- zession am meisten betroffen sind. Neben den momentanen konjunkturellen Problemen dürfen wir jedoch das schwerwiegende Problem der strukturellen Nachteile der Schweizer Wirtschaft nicht aus den Augen verlie- ren. Wohlstand und Vollbeschäftigung unseres Landes wer- den in den kommenden Jahren wesentlich von der Lösung dieser Fragen abhängen. Wir schlagen aus diesem Grund vor, einen entsprechenden Bericht mit umsetzungsfähigen Anträ- gen auszuarbeiten. Développement par écrit La Situation conjoncturelle s'est à ce point dégradée durant ces derniers mois qu'il ne suffit plus de se fier aux pronostics optimistes de la Banque nationale. Cependant, les possibilités de mener une politique de relance de la conjoncture sont limi- tées. Cela concerne aussi bien le potentiel de diminution des taux d'intérêt de la Banque nationale que la marge de ma- noeuvre des pouvoirs publics. Vient s'y ajouter le fait que de nombreuses mesures de redressement, quoique envisagea- bles et raisonnables, requièrent de très longs délais (c'est- à-dire quelques années) avant de produire leurs effets, surtout dans l'industrie mécanique et la construction; elles peuvent même mener aune politique conjoncturelle trop sévère. Il est vrai que le déficit budgétaire actuel de la Confédération et de nombreux cantons a déjà un effet anticyclique. Mais le po- tentiel n'est de loin pas pleinement utilisé. Certes, l'endette- ment de la Confédération et des cantons n'est pas trop grave en comparaison internationale et il permet de poursuivre à court terme une politique de déficit budgétaire. Toutefois, il ne faut pas mener une politique visant au maintien des structures mais, en priorité, réaliser des projets rationnels qui ont été re- portés jusqu'à présent pour des raisons financières. A notre avis, il convient de réaliser avant tout des programmes qui investissent dans le capital humain, c'est-à-dire le perfec- tionnement, la reconversion et la qualification de la main- d'oeuvre. En outre, il faut combler les lacunes incontestées de l'assurance-chômage (dégressivité, délais d'attente, perfec- tionnement, etc.). En second lieu, il convient de prévoir des mesures d'encouragement de la construction de logements, surtout dans les domaines où les investissements sont insuffi- sants alors que l'on dispose de projets de construction ache- vés, et dans les régions particulièrement touchées par la ré- cession. A côté des difficultés conjoncturelles actuelles, nous ne de- vons pas ignorer le grave problème que représentent les han- dicaps structurels de notre économie. La prospérité et le plein-emploi dépendront essentiellement, dans les années à venir, de la manière dont on remédiera à ce problème. Nous proposons donc d'élaborer à ce sujet un rapport assorti de propositions concrètes. #ST# 92.3057 Dringliche Interpellation der christlichdemokratischen Fraktion Konjunkturpolitische Massnahmen Interpellation urgente du groupe démocrate-chrétien Mesures conjoncturelles Wortlaut der Interpellation vom 3. März 1992 Die konjunkturelle Lage in der Schweiz hat sich in den letzten Monaten nachhaltig verschlechtert. Insbesondere die Zahl der Arbeitslosen hat rasch zugenommen. Einige Regionen, so die Westschweiz und das Tessin, sind stärker betroffen als an- dere. Wir unterbreiten dem Bundesrat folgende Fragen: 1. Ist der Bundesrat grundsätzlich bereit, gezielt konjunktur- stützende Massnahmen zu treffen? Wenn ja, von welchen wirt- schaftlichen Indikatoren macht der Bundesrat konjunkturpoli- tische Massnahmen abhängig? 2. Ist der Bundesrat bereit, zur Stützung des Wohnungsbaus zusätzliche Mittel über das WEG bereitzustellen? 3. Ist der Bundesrat bereit, zusätzliche Mittel für die zügigere Ausführung baureifer Projekte im Tiefbau («Bahn 2000» und Nationalstrassen) bereitzustellen? 4. Ist der Bundesrat bereit, die Instrumente der Arbeitslosen- versicherung, insbesondere im Bereich der Präventivmass- nahmen, grosszügig einzusetzen? 5. Ist der Bundesrat bereit, im Falle einer länger dauernden wirtschaftlichen Abschwächung auch steuerpolitische Mass- nahmen zur Stützung der Konjunktur einzusetzen? Texte de l'interpellation du 3 mars 1992 La conjoncture s'est détériorée en Suisse au cours de ces der- niers mois et la situation ne semble pas vouloir s'améliorer. En particulier le nombre des demandeurs d'emploi s'est accru ra- pidement. Quelques régions comme la Suisse romande et le Tessin, sont plus touchées que d'autres. Nous soumettons les questions suivantes au Conseil fédéral: 1. Le Conseil fédéral accepte-t-il, dans son principe, l'idée de prendre des mesures propres à soutenir la conjoncture? Dans l'affirmative, sur quels indicateurs économiques s'appuie-t-il pour décider d'intervenir? 2. Est-il prêt à engager davantage de moyens, par l'intermé- diaire de la LCAP, pour soutenir le secteur de la construction de logements? 3. Est-il disposé à engager davantage de moyens pour avan- cer l'exécution de travaux d'infrastructure dont les projets sont prêts (RAIL 2000 et routes nationales)? 4. Est-il prêt à mettre en oeuvre de façon plus libérale les ins- truments de l'assurance-chômage, notamment dans la pers- pective de mesures préventives? 5. Est-il disposé, au cas où un fléchissement économique de longue durée se ferait sentir, à prendre également des mesu- res de politique fiscale pour soutenir la conjoncture? Sprecher-Porte-parole: Fasel Schriftliche Begründung Die Urheber verzichten auf eine Begründung und wünschen eine schriftliche AntwortSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion Verschlechterung der Wirtschaftslage und zunehmende Arbeitslosigkeit Interpellation urgente du groupe socialiste Détérioration de la situation économique et aggravation du chômage In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1992 Année Anno Band II Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 11 Séance Seduta Geschäftsnummer 92.3014 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 19.03.1992 - 08:00 Date Data Seite 584-585 Page Pagina Ref. No 20 021 038 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.