<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="last-modified"> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="date"/> <meta content="AGVE 2019 - Band 61" name="description"/> <title>AGVE 2019 - Band 61</title> </meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">380</span> </div> <div class="page" id="S380"> <div role="main"> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>61 </b> <b>Zwischenentscheid über die aufschiebende Wirkung der Beschwerde </b></span><br/> <span class="text"><b>Entzug der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gemäss § 46</b></span><br/> <span class="text">VRPG in Bezug auf ein angeordnetes Nutzungsverbot (Erw. 4.1) </span><br/> <span class="text"><b>Da die Vorinstanz die ersuchte Nutzungsänderung sowie die dafür</b></span><br/> <span class="text">erforderlichen Bauten und Anlagen abgewiesen hat, dürfen die</span><br/> <span class="text">bewilligungspflichtigen Tätigkeiten nicht ausgeführt werden. Dies</span><br/> <span class="text">gilt grundsätzlich auch ohne das Nutzungsverbot schon von Gesetzes</span><br/> <span class="text">wegen. Das verfügte Nutzungsverbot hat lediglich feststellenden</span><br/> <span class="text">Charakter (Erw. 4.1). </span><br/> <span class="text"><b>Der Entzug der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde hat keinen</b></span><br/> <span class="text">präjudiziellen Einfluss auf den Ausgang des Beschwerdeverfahrens,</span><br/> <span class="text">da diese Anordnung das angeordnete Nutzungsverbot, nicht jedoch</span><br/> <span class="text">den Rückbau der von der Vorinstanz abgewiesenen Bauten und</span><br/> <span class="text">Anlagen betrifft (Erw. 4.3). </span><br/> <span class="text">Aus dem Zwischenentscheid des Rechtsdiensts des Regierungsrats vom</span><br/> <span class="text">15. April 2019 i.S. R. und S.S. gegen den Entscheid des Departements Bau,</span><br/> <span class="text">Verkehr und Umwelt/Gemeinderats A. (SKRD. 18.438).</span><br/> <br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <br/> <span class="text">4. Rechtmässigkeit des Entzugs der aufschiebenden Wirkung</span><br/> <span class="text">der Beschwerde</span><br/> <span class="text">4.1</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">381</span> </div> <div class="page" id="S381"> <div role="main"> <span class="text">Wie bereits erwähnt, hat eine Beschwerde von Gesetzes wegen</span><br/> <span class="text">aufschiebende Wirkung, wenn nicht durch besondere Vorschriften</span><br/> <span class="text">oder - wie vorliegend - aus anderen wichtigen Gründen im ange-</span><br/> <span class="text">fochtenen Entscheid selbst etwas anderes bestimmt wird (§ 46 Abs. 1</span><br/> <span class="text">VRPG). Das Gesetz will mit dem Grundsatz der aufschiebenden Wir-</span><br/> <span class="text">kung ermöglichen, dass die Beschwerdeinstanz den vom materiellen</span><br/> <span class="text">Recht gebotenen Entscheid fällt und dass dieser auch durchgesetzt</span><br/> <span class="text">werden kann. Es geht vorab darum, die Entscheidungsfreiheit der</span><br/> <span class="text">Rechtsmittelbehörde zu gewährleisten, die Erreichung der gesetzli-</span><br/> <span class="text">chen Zwecke und die Realisierbarkeit des Verfahrensergebnisses si-</span><br/> <span class="text">cherzustellen sowie den Rechtsschutz der Prozessbeteiligten zu wah-</span><br/> <span class="text">ren (AGVE 1988 S. 414, 1998 S. 524; RRB Nr. 214 vom 17. Februar</span><br/> <span class="text">1999 i.S. K.W.; je mit Verweisungen).</span><br/> <span class="text">Beim Streit um die Erteilung einer begünstigenden Verfügung -</span><br/> <span class="text">z.B. einer Baubewilligung - folgt aus § 46 Abs. 1 VRPG nicht, dass</span><br/> <span class="text">diese - trotz negativen Entscheids der ersten Instanz - von Gesetzes</span><br/> <span class="text">wegen vorläufig in Kraft tritt. Im Regelfall darf demnach eine baube-</span><br/> <span class="text">willigungspflichtige Veränderung nicht vorgenommen werden, bevor</span><br/> <span class="text">die Bewilligung rechtskräftig erteilt ist (AGVE 1988 S. 414). Das</span><br/> <span class="text">gilt nicht nur für die Erstellung oder Änderung von Bauten, sondern</span><br/> <span class="text">auch für die Aufnahme oder Änderung von Nutzungen, die einer</span><br/> <span class="text">Bewilligung bedürfen. Das Interesse an der ordentlichen Abwicklung</span><br/> <span class="text">des Bewilligungs- und Rechtsschutzverfahrens - also vorab an der</span><br/> <span class="text">Entscheidungsfreiheit der Behörden und am Schutz Dritter vor unge-</span><br/> <span class="text">rechtfertigten Belastungen - hat grundsätzlich Vorrang. Aus der</span><br/> <span class="text">Funktion der Baubewilligung, ein Bauvorhaben vor dessen Ausfüh-</span><br/> <span class="text">rung auf die Übereinstimmung mit den einschlägigen öffentlich-</span><br/> <span class="text">rechtlichen Vorschriften zu überprüfen, folgt, dass das Vorhaben</span><br/> <span class="text">grundsätzlich erst nach Rechtskraft der Baubewilligung ausgeführt</span><br/> <span class="text">werden darf (vgl. §§ 59 Abs. 1, 60 Abs. 1 und 65 BauG). Für Nut-</span><br/> <span class="text">zungsänderungen, die wie hier der Bewilligungspflicht unterliegen,</span><br/> <span class="text">gilt dasselbe, so dass die nachgesuchte Nutzung in der Regel erst</span><br/> <span class="text">nach Rechtskraft der Bewilligung aufgenommen werden darf. Nach</span><br/> <span class="text">der Praxis des Verwaltungsgerichts rechtfertigt allein schon das Be-</span><br/> <span class="text">stehen der Bewilligungspflicht, dass die bereits aufgenommene, aber</span><br/> <span class="text">noch nicht bewilligte Nutzung verboten wird, ohne dass die Verhält-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">382</span> </div> <div class="page" id="S382"> <div role="main"> <span class="text">nismässigkeit einer solchen Massnahme noch zu prüfen wäre. Es ist</span><br/> <span class="text">auch nicht darauf abzustellen, ob der Beschwerde gegen ein solches</span><br/> <span class="text">Nutzungsverbot Erfolgschancen einzuräumen sind (vgl. AGVE 1988</span><br/> <span class="text">S. 416, 1986 S. 311 f.; VGE vom 15. Januar 1992 i.S. K.Z.;</span><br/> <span class="text">RRB Nr. 214 vom 17. Februar 1999 i.S. K.W.; vgl. auch ISABELLE</span><br/> <span class="text">HÄNER, Vorsorgliche Massnahmen im Verwaltungsverfahren und</span><br/> <span class="text">Verwaltungsprozess, in: ZSR 1997, S. 253 ff., Rz. 137).</span><br/> <span class="text">Es steht fest, dass die Vorinstanz die ersuchte Nutzungsände-</span><br/> <span class="text">rung sowie die dafür erforderlichen Bauten und Anlagen abgewiesen</span><br/> <span class="text">hat. Dementsprechend dürfen die bewilligungspflichtigen Tätigkeiten</span><br/> <span class="text">nicht ausgeführt werden. Dies gilt grundsätzlich auch ohne das Nut-</span><br/> <span class="text">zungsverbot schon von Gesetzes wegen. Das verfügte Nutzungsver-</span><br/> <span class="text">bot hat lediglich feststellenden Charakter.</span><br/> <span class="text">4.2</span><br/> <span class="text">Im Übrigen ist zu erwähnen, dass entgegen der Meinung der</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführenden ihr Betrieb mit der gewerblichen Nutzung und</span><br/> <span class="text">dem entsprechenden Kundenverkehr aus umweltrechtlicher Sicht</span><br/> <span class="text">nicht unbedenklich ist, insbesondere unter Berücksichtigung, dass es</span><br/> <span class="text">sich vorliegend um ein sensibles Gebiet handelt. Laut dem aktuell</span><br/> <span class="text">gültigen Kulturlandplan der Gemeinde A. befindet sich die betroffe-</span><br/> <span class="text">ne Liegenschaft in der Landwirtschaftszone und grenzt nördlich an</span><br/> <span class="text">eine Landschaftsschutzzone (LSZ) an. Das Gebiet ist zudem mit dem</span><br/> <span class="text">Reusstaldekret überlagert (Bundesinventar der Landschaften von na-</span><br/> <span class="text">tionaler Bedeutung, BLN-Gebiet).</span><br/> <span class="text">Des Weiteren ist als öffentliches Interesse der Grundsatz der</span><br/> <span class="text">Rechtsgleichheit zu nennen. Diejenigen Personen, die ohne Baube-</span><br/> <span class="text">willigung bauen beziehungsweise eine bewilligungspflichtige Nut-</span><br/> <span class="text">zungsänderung vornehmen und so vollendete Tatsachen schaffen,</span><br/> <span class="text">sollen nicht gegenüber jenen bevorteilt werden, die vorgängig ein</span><br/> <span class="text">Baugesuch einreichen und sich danach auch daran halten. Schliess-</span><br/> <span class="text">lich sind die präjudiziellen Wirkungen einer Duldung der unbewillig-</span><br/> <span class="text">ten Nutzung nicht zu unterschätzen. Würde nun auf die Einstellung</span><br/> <span class="text">der Nutzung verzichtet, würden den Behörden die Argumente fehlen,</span><br/> <span class="text">um eine solche in anderen Fällen anzuordnen.</span><br/> <span class="text">Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="text">gewichtige öffentliche Interessen an der Einstellung der unbewillig-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">383</span> </div> <div class="page" id="S383"> <div role="main"> <span class="text">ten gewerblichen Nutzung bestehen, bis über ihre Bewilligungsfä-</span><br/> <span class="text">higkeit rechtskräftig entschieden wird. Das erlassene Nutzungsverbot</span><br/> <span class="text">ist somit gerechtfertigt.</span><br/> <span class="text">4.3</span><br/> <span class="text">Schliesslich machen die Beschwerdeführenden geltend, dass der</span><br/> <span class="text">Entzug der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und die Durch-</span><br/> <span class="text">setzung der im angefochtenen Entscheid angeordneten Rückbau-</span><br/> <span class="text">massnahmen und Nutzungsverbote den Rechtsschutz im vorliegen-</span><br/> <span class="text">den Fall illusorisch mache: Wenn diese Massnahmen jetzt durchge-</span><br/> <span class="text">setzt würden und die Beschwerdeführer im Laufe des Rechtsmittel-</span><br/> <span class="text">verfahrens Recht erhalten, dann würde es Jahre dauern und ausser-</span><br/> <span class="text">ordentlicher Aufwendungen bedürfen, um wieder auf den heutigen</span><br/> <span class="text">Stand zu kommen.</span><br/> <span class="text">Zu diesem Vorbringen der Beschwerdeführenden ist zunächst</span><br/> <span class="text">festzuhalten, dass der verfügte Entzug der aufschiebenden Wirkung</span><br/> <span class="text">das angeordnete Nutzungsverbot, nicht jedoch den Rückbau betrifft.</span><br/> <span class="text">Die von der Vorinstanz abgewiesenen Bauten und Anlagen müssen</span><br/> <span class="text">somit bis zum Vorliegen des rechtskräftigen Entscheids nicht zurück-</span><br/> <span class="text">gebaut werden. Das verfügte Nutzungsverbot bringt daher keine</span><br/> <span class="text">schweren und nicht widergutzumachenden Nachteile für die allfällige</span><br/> <span class="text">zukünftige Nutzung der unter Dispositivziffer III. der angefochtenen</span><br/> <span class="text">Verfügung der Abteilung für Baubewilligungen BVU aufgezählten</span><br/> <span class="text">Bauten beziehungsweise Anlagen mit sich. Der vorliegende Zwi-</span><br/> <span class="text">schenentscheid hat daher auch keinen präjudiziellen Einfluss auf den</span><br/> <span class="text">Ausgang des Beschwerdeverfahrens. Die Beschwerdeführenden wer-</span><br/> <span class="text">den nicht schlechter gestellt, als sie es gewesen wären, wenn sie mit</span><br/> <span class="text">der Nutzungsaufnahme rechtskonform bis zur Rechtskraft einer Bau-</span><br/> <span class="text">bewilligung gewartet hätten.</span><br/> <span class="text">Dazu kommt noch, dass die Beschwerdeführenden die Be-</span><br/> <span class="text">schränkungen, die sich aus der Bewilligungspflicht ergeben, ohne</span><br/> <span class="text">weiteres hinzunehmen haben. Es geht nicht an, für ein rechtswidriges</span><br/> <span class="text">Handeln auch noch finanziell belohnt zu werden, indem eine - jeden-</span><br/> <span class="text">falls formell - rechtswidrige Nutzung vorderhand zugelassen wird.</span><br/> <span class="text">Es bestünde sonst für die übrigen Rechtsunterworfenen überhaupt</span><br/> <span class="text">kein vernünftiger Grund mehr, sich an den ordentlichen Weg eines</span><br/> <span class="text">Bewilligungsverfahrens zu halten; während der Dauer des vorliegen-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">384</span> </div> <div class="page" id="S384"> <div role="main"> <span class="text">den Verfahrens müssen den Beschwerdeführenden sämtliche bewilli-</span><br/> <span class="text">gungspflichtigen Nutzungen, die sie - ohne über eine diesbezügliche</span><br/> <span class="text">Bewilligung zu verfügen - aufgenommen haben, somit bereits aus</span><br/> <span class="text">Gründen der Rechtsgleichheit mit den übrigen Gesuchstellenden ver-</span><br/> <span class="text">sagt bleiben (vgl. Art. 8 Abs. 1 BV).</span><br/> <span class="text">Demgemäss ergibt sich, dass der Entzug der aufschiebenden</span><br/> <span class="text">Wirkung hinsichtlich der in Frage stehenden Nutzung, die die Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführenden ohne Vorliegen einer rechtskräftigen Baubewilli-</span><br/> <span class="text">gung betreiben, zu bestätigen ist.</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text">(Hinweis: Das Verwaltungsgericht wies die gegen diesen Ent-</span><br/> <span class="text">scheid erhobene Beschwerde mit Urteil vom 24. Juni 2019,</span><br/> <span class="text">WBE.2019.163/MW/jb, Art. 65, ab)</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>