<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 28 S.92</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">92</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft1"><b>28</b></span> <span class="ft1"><b>"Ordnungsbusse" wegen Verletzung von Verfahrenspflichten im Steuer-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>recht (§ 235 StG).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Verfahren. Aufgaben des Kantonalen Steueramtes als Anklagebehör-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>de (Erw. 2-4).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Rückweisung des Verfahrens durch das Steuerrekursgericht an die</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Anklagebehörde (Erw. 5-6).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 2. Mai 2007 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">Kantonales Steueramt gegen Steuerrekursgericht und I.M. (WBE.2006.321).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. Wer trotz Mahnung einer Verfahrenspflicht nach StG vor-</span><br/> <span class="ft6">sätzlich oder fahrlässig nicht nachkommt, namentlich die Steuerer-</span><br/> <span class="ft6">klärung oder die dazu verlangten Beilagen nicht einreicht, wird mit</span><br/> <span class="ft6">Busse bis zu Fr. 1'000.--, in schweren Fällen oder bei Rückfall bis zu</span><br/> <span class="ft6">Fr. 10'000.-- bestraft (§ 235 Abs. 1 StG; übereinstimmend mit Art. 55</span><br/> <span class="ft6">StHG).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">93</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">2. Die Verfahrensregelung erfolgte in enger Anlehnung an die-</span><br/> <span class="ft6">jenige der StPO, insbesondere an das dort in den §§ 194 ff. vorgese-</span><br/> <span class="ft6">hene Strafbefehlsverfahren. Das KStA ist zur Ermittlung und Unter-</span><br/> <span class="ft6">suchung des Sachverhalts zuständig (§§ 242 und 244 Abs. 1 StG).</span><br/> <span class="ft6">Nach Abschluss der Untersuchung erlässt es einen Strafbefehl oder</span><br/> <span class="ft6">stellt das Strafverfahren ein (§ 245 Abs. 1 StG); ein Strafverfahren</span><br/> <span class="ft6">wegen Verletzung von Verfahrenspflichten kann ohne vorgängige</span><br/> <span class="ft6">Untersuchung direkt durch Erlass eines Strafbefehls eingeleitet wer-</span><br/> <span class="ft6">den (§ 243 Abs. 2 StG [neu, aufgrund der Änderung vom 22. August</span><br/> <span class="ft6">2006, Abs. 3]). Erheben die angeschuldigte Person oder der Gemein-</span><br/> <span class="ft6">derat gegen den Strafbefehl innert Frist Einsprache, wird dieser auf-</span><br/> <span class="ft6">gehoben und fällt dahin (§ 247 Abs. 1 StG). Ist Einsprache erhoben</span><br/> <span class="ft6">worden, so kann das KStA weitere Untersuchungen durchführen und</span><br/> <span class="ft6">bei veränderter Sach- oder Rechtslage einen neuen Strafbefehl erlas-</span><br/> <span class="ft6">sen (§ 247 Abs. 2 StG). Hält das KStA nach wie vor eine Bestrafung</span><br/> <span class="ft6">für richtig, erhebt es Anklage beim Steuerrekursgericht, wobei der</span><br/> <span class="ft6">Strafbefehl als Anklageschrift gilt (§ 247 Abs. 3 und 4 StG).</span><br/> <span class="ft6">3./3.1. Das KStA macht geltend, eine Rückweisung der Anklage</span><br/> <span class="ft6">zwecks Ergänzung des Sachverhalts sei gemäss Lehre, Recht-</span><br/> <span class="ft6">sprechung und Praxis der aargauischen Strafgerichte unzulässig. Das</span><br/> <span class="ft6">Steuerrekursgericht hätte, da die Prozessvoraussetzungen gegeben</span><br/> <span class="ft6">seien, einen Sachentscheid fällen müssen. Allfällige weitere Unter-</span><br/> <span class="ft6">suchungshandlungen hätte das Steuerrekursgericht selbst vornehmen</span><br/> <span class="ft6">müssen, da das KStA mangels Zuständigkeit nicht befugt sei, nach</span><br/> <span class="ft6">Erhebung der Anklage weiterhin als Untersuchungsbehörde tätig zu</span><br/> <span class="ft6">sein; diese Kompetenz komme ihm ausschliesslich im Strafbefehls-</span><br/> <span class="ft6">verfahren zu.</span><br/> <span class="ft6">Das Steuerrekursgericht bringt dagegen vor, bei nur ungenü-</span><br/> <span class="ft6">gend abgeklärtem Sachverhalt gehe es nicht an, dass sich das KStA</span><br/> <span class="ft6">damit begnüge, Anklage zu erheben und weitere Sachverhaltsabklä-</span><br/> <span class="ft6">rungen dem Steuerrekursgericht zu überlassen. Die Beurteilung, ob</span><br/> <span class="ft6">das Verfahren einzustellen, ein neuer Strafbefehl zu erlassen oder</span><br/> <span class="ft6">Anklage zu erheben sei, könne nur korrekt erfolgen, wenn das KStA</span><br/> <span class="ft6">von seiner Befugnis Gebrauch mache, weitere Untersuchungen vor-</span><br/> <span class="ft6">zunehmen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">94</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">3.2. In einem ersten Schritt ist somit zu untersuchen, ob und</span><br/> <span class="ft6">inwieweit das KStA verpflichtet ist, vor der Anklageerhebung zu-</span><br/> <span class="ft6">sätzliche Abklärungen zu tätigen (hinten Erw. 4). Wird eine Untersu-</span><br/> <span class="ft6">chungspflicht in diesem Verfahrensstadium bejaht, ist in einem</span><br/> <span class="ft6">zweiten Schritt zu prüfen, ob die Rückweisung der Anklage zur</span><br/> <span class="ft6">weiteren Beweiserhebung zulässig ist, falls das KStA dieser Pflicht</span><br/> <span class="ft6">nicht bzw. nicht ausreichend nachgekommen ist (hinten Erw. 5).</span><br/> <span class="ft6">4./4.1. Nach Eingang der Einsprache stehen dem KStA drei</span><br/> <span class="ft6">Möglichkeiten für das weitere Vorgehen zur Verfügung: der Erlass</span><br/> <span class="ft6">eines neuen Strafbefehls, die Einstellung des Verfahrens oder die</span><br/> <span class="ft6">Anklageerhebung (§ 247 Abs. 3 StG). Die Entscheidung, welcher</span><br/> <span class="ft6">Weg einzuschlagen ist, hängt davon ab, ob sich die Sach- oder</span><br/> <span class="ft6">Rechtslage seit dem Erlass des Strafbefehls verändert hat (§ 247 Abs.</span><br/> <span class="ft6">2 StG). Liegt eine begründete Einsprache vor, die berechtigte Zwei-</span><br/> <span class="ft6">fel aufwirft, ob der Strafbefehl in tatsächlicher oder rechtlicher Hin-</span><br/> <span class="ft6">sicht zutreffend ist, kann schon über das weitere Vorgehen nicht ohne</span><br/> <span class="ft6">zusätzliche Abklärungen entschieden werden. Das KStA <i>muss</i> also</span><br/> <span class="ft6">zunächst weitere Untersuchungen - im Rahmen der ihm zur Verfü-</span><br/> <span class="ft6">gung stehenden Untersuchungsmittel (siehe dazu § 244 Abs. 1 Satz 2</span><br/> <span class="ft6">StG; Markus Kühni, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft6">Band 2, 2. Aufl., Muri/Bern 2004, Vorbem. zu §§ 242-254 N 9) - an</span><br/> <span class="ft6">die Hand nehmen. Dies gilt im Speziellen dann, wenn das KStA das</span><br/> <span class="ft6">Strafverfahren ohne vorgängige eigene Untersuchungshandlungen di-</span><br/> <span class="ft6">rekt mit dem Strafbefehl eingeleitet hat (§ 243 Abs. 2 StG [ur-</span><br/> <span class="ft6">sprüngliche Fassung]). Dass § 247 Abs. 2 StG als "Kann-Vorschrift"</span><br/> <span class="ft6">konzipiert ist, steht dem nicht entgegen, wird hier doch davon ausge-</span><br/> <span class="ft6">gangen, dass bereits ein Untersuchungsverfahren voranging; zudem</span><br/> <span class="ft6">können sich weitere Abklärungen erübrigen, wenn die Einsprache</span><br/> <span class="ft6">ohne Begründung (siehe dazu Kühni, a.a.O., § 247 N 7) erhoben</span><br/> <span class="ft6">wurde.</span><br/> <span class="ft6">Erst wenn sich nach durchgeführter Untersuchung der Sachver-</span><br/> <span class="ft6">halt so bestätigt, wie er von der Veranlagungsbehörde zur Anzeige</span><br/> <span class="ft6">gebracht wurde, und sich die Bemessung der Busse im Hinblick auf</span><br/> <span class="ft6">das konkrete Verschulden als korrekt erweist, steht für das KStA</span><br/> <span class="ft6">rechtsgenüglich fest, dass weder ein neuer, korrigierter Strafbefehl</span><br/> <span class="ft6">erlassen noch das Verfahren eingestellt werden muss, sondern beim</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">95</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Steuerrekursgericht Anklage zu erheben ist (etwas abweichend</span><br/> <span class="ft6">Kühni, a.a.O., § 247 N 10). Da es dabei immer noch um das Verfah-</span><br/> <span class="ft6">ren <i>vor</i> der Anklageerhebung geht, kann sich das KStA seiner Unter-</span><br/> <span class="ft6">suchungspflicht nicht unter Berufung auf das Unmittelbarkeitsprinzip</span><br/> <span class="ft6">entledigen. Allerdings steht es dem Steuerrekursgericht im Rahmen</span><br/> <span class="ft6">der freien Beweiswürdigung (§ 28 Abs. 1 StPO; vgl. dazu auch Hau-</span><br/> <span class="ft6">ser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl.,</span><br/> <span class="ft6">Basel/Genf/München 2005, S. 225 f., S. 232 f.) nachher offen, die</span><br/> <span class="ft6">seiner Ansicht nach wichtigeren Beweise (vgl. § 27 StPO) allenfalls</span><br/> <span class="ft6">nochmals selber abzunehmen.</span><br/> <span class="ft6">4.2. Die Abklärung und Würdigung der mit der Einsprache er-</span><br/> <span class="ft6">hobenen Einwände durch das KStA muss für den Angeklagten und</span><br/> <span class="ft6">das Gericht ersichtlich werden. Der Angeklagte hat Anspruch zu er-</span><br/> <span class="ft6">fahren, gegen welche Vorwürfe er sich verteidigen muss und warum</span><br/> <span class="ft6">das KStA als Anklagebehörde seine erhobenen Einwände für unzu-</span><br/> <span class="ft6">reichend hält. Bei einem Verfahren, das direkt mit dem Strafbefehl</span><br/> <span class="ft6">eröffnet wird, ist es fast unausweichlich, dass dessen notwendiger</span><br/> <span class="ft6">Inhalt (§ 246 Abs. 1 StG) nicht immer mit der erforderlichen Voll-</span><br/> <span class="ft6">ständigkeit und Genauigkeit festgehalten werden kann. Stellt sich bei</span><br/> <span class="ft6">der Abklärung heraus, dass der Strafbefehl ergänzungsbedürftig ist</span><br/> <span class="ft6">(aber hinsichtlich der ausgesprochenen Busse korrekt erscheint, so-</span><br/> <span class="ft6">dass kein neuer Strafbefehl zu erlassen ist), muss diese Ergänzung</span><br/> <span class="ft6">anlässlich der Überweisung an das Gericht vorgenommen werden.</span><br/> <span class="ft6">Ansatzweise enthält die "Würdigung" in der Überweisungsverfügung</span><br/> <span class="ft6">des KStA die angesprochenen Begründungen und Ergänzungen; sie</span><br/> <span class="ft6">ist jedoch von vornherein ungenügend, wenn sie sich (wie es häufig</span><br/> <span class="ft6">zutrifft) auf die floskelhafte Wiedergabe von § 247 Abs. 3 StG, ohne</span><br/> <span class="ft6">erkennbaren Bezug zum konkreten Fall, beschränkt.</span><br/> <span class="ft6">Im Übrigen sieht § 247 Abs. 4 Satz 2 StG ausdrücklich vor, dass</span><br/> <span class="ft6">der Anklageschrift die Beweismittel beizulegen sind. Das betrifft</span><br/> <span class="ft6">zunächst diejenigen Beweismittel, die das KStA im Rahmen der</span><br/> <span class="ft6">Verifizierung der mit der Einsprache erhobenen Einwände abge-</span><br/> <span class="ft6">nommen hat. Beweismittel, die es nicht selber erheben darf, hat es</span><br/> <span class="ft6">zumindest im Sinne einer Beweisofferte in der Anklageschrift aufzu-</span><br/> <span class="ft6">führen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">96</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">5. Die Rückweisung an die Anklagebehörde zur Ergänzung des</span><br/> <span class="ft6">Sachverhalts bzw. - präziser formuliert - zur Beweisergänzung sieht</span><br/> <span class="ft6">weder das StG in § 251 i.V.m. § 197 noch die StPO in § 161 Abs. 1,</span><br/> <span class="ft6">wonach das Gericht nach durchgeführter Hauptverhandlung und vor</span><br/> <span class="ft6">der Urteilsfällung noch die Erhebung weiterer Beweise beschliessen</span><br/> <span class="ft6">kann, ausdrücklich vor (anders etwa der Kanton Zürich in § 183 Abs.</span><br/> <span class="ft6">2 StPO/ZH). Das Gleiche gilt für die Rückweisung zur Verbesserung</span><br/> <span class="ft6">der Anklage, wenn diese den gesetzlichen Anforderungen nicht ent-</span><br/> <span class="ft6">spricht (anders auch hier der Kanton Zürich in § 182 Abs. 3</span><br/> <span class="ft6">StPO/ZH). Sowohl die Rückweisung zur Beweisergänzung als auch</span><br/> <span class="ft6">diejenige zur Anklageverbesserung stehen in einem Spannungsfeld</span><br/> <span class="ft6">zum Anklagegrundsatz, welcher in personeller Hinsicht eine Tren-</span><br/> <span class="ft6">nung von anklagender und richterlicher Funktion verlangt (Hau-</span><br/> <span class="ft6">ser/Schweri/Hartmann, a.a.O., S. 222 f.). Eine Rückweisung darf im</span><br/> <span class="ft6">Ergebnis nicht dazu führen, dass dem Gericht die Rolle einer vorge-</span><br/> <span class="ft6">setzten, Beweisanordnungen treffenden Untersuchungsbehörde zu-</span><br/> <span class="ft6">kommt. Dieser Gefahr wird dadurch Einhalt geboten, dass die An-</span><br/> <span class="ft6">klage den zu beurteilenden Lebensvorgang umreisst und für alle In-</span><br/> <span class="ft6">stanzen fixiert (Immutabilitätsprinzip), sodass die Erhebung zusätzli-</span><br/> <span class="ft6">cher oder ergänzender Beweise nur in dem von der Anklage ge-</span><br/> <span class="ft6">steckten Rahmen zulässig ist (ZR 102/2003, S. 271). Richtig ist, dass</span><br/> <span class="ft6">mit Einreichung der Anklageschrift die Herrschaft über das Verfah-</span><br/> <span class="ft6">ren von der Anklagebehörde auf das Gericht übergeht und das Ge-</span><br/> <span class="ft6">richt ab diesem Zeitpunkt den Angeklagten bei gegebenen Prozess-</span><br/> <span class="ft6">voraussetzungen entweder zu verurteilen oder freizusprechen hat</span><br/> <span class="ft6">(Kühni, a.a.O., § 247 N 13; Mark Schwitter, Der Strafbefehl im aar-</span><br/> <span class="ft6">gauischen Strafprozess, Aarau 1996, S. 166, 367, 369, 377; Hau-</span><br/> <span class="ft6">ser/Schweri/Hartmann, a.a.O., S. 226). Dessen ungeachtet wird in</span><br/> <span class="ft6">der Praxis eine Rückweisung an die Anklagebehörde zwecks Verbes-</span><br/> <span class="ft6">serung der Anklage, wenn diese den gesetzlichen Erfordernissen</span><br/> <span class="ft6">nicht entspricht, auch ohne ausdrückliche Gesetzesvorschrift als zu-</span><br/> <span class="ft6">lässig erachtet (BGE 133 IV 94 ff.; AGVE 1994, S. 136). In gleicher</span><br/> <span class="ft6">Weise erscheint es zulässig, die Anklage zur weiteren Abklärung zu-</span><br/> <span class="ft6">rückzuweisen, wenn es darum geht, die nach der gesetzlichen Ord-</span><br/> <span class="ft6">nung vom KStA zu erhebenden Beweise abzunehmen (vorne Erw. 4;</span><br/> <span class="ft6">vgl. auch StE 2001, B 101.8 Nr. 17; Richner/Frei/Kaufmann, Kom-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">97</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">mentar zum harmonisierten Züricher Steuergesetz, § 254 N 3; obiter</span><br/> <span class="ft6">dictum im VGE II/74 vom 16. November 2005 [WBE.2005.324],</span><br/> <span class="ft6">S. 4 f.). Davon geht letztlich auch das KStA aus, wobei seiner Auf-</span><br/> <span class="ft6">fassung nach eine Rückweisung aber ausschliesslich "im ordentli-</span><br/> <span class="ft6">chen Strafverfahren" - d.h. wenn kein Strafbefehlsverfahren voraus</span><br/> <span class="ft6">geht - möglich ist. Dem kann nicht zugestimmt werden; die Erhe-</span><br/> <span class="ft6">bung der Einsprache beseitigt rückwirkend den Strafbefehl, und der</span><br/> <span class="ft6">nachfolgende Strafprozess verläuft verfahrensmässig genau gleich,</span><br/> <span class="ft6">wie wenn zuvor kein Strafbefehlsverfahren durchgeführt, sondern di-</span><br/> <span class="ft6">rekt Anklage erhoben worden wäre (Schwitter, a.a.O., S. 347, 377).</span><br/> <span class="ft6">Da der Anklage nicht nur die Funktion zukommt, den Prozessgegen-</span><br/> <span class="ft6">stand zu umreissen, sondern darüber hinaus dem Angeklagten eine</span><br/> <span class="ft6">sachgerechte Verteidigung zu ermöglichen und dem Gericht die für</span><br/> <span class="ft6">die Durchführung des Verfahrens notwendigen Informationen zu</span><br/> <span class="ft6">vermitteln, muss die Rückweisung bereits vor der Durchführung der</span><br/> <span class="ft6">Hauptverhandlung zulässig sein. Dies dient der Prozessökonomie</span><br/> <span class="ft6">und verhindert gleichzeitig, dass es zu einem (materiell ungerecht-</span><br/> <span class="ft6">fertigten) Freispruch kommt, nur weil die Anklagebehörde eine un-</span><br/> <span class="ft6">zureichende Anklageschrift eingereicht hat.</span><br/> <span class="ft6">6./6.1. In seiner Einsprache brachte der Beschwerdegegner vor,</span><br/> <span class="ft6">er habe persönlich bei der Gemeinde(-verwaltung) O. (wohl beim</span><br/> <span class="ft6">Gemeindesteueramt) vorgesprochen und um Fristerstreckung er-</span><br/> <span class="ft6">sucht, welche ihm auch formlos bewilligt worden sei. Das Gemein-</span><br/> <span class="ft6">desteueramt O. nahm in seiner ersten Vernehmlassung ans KStA zu</span><br/> <span class="ft6">diesem Einwand nicht Stellung; es beschränkte sich auf den allge-</span><br/> <span class="ft6">meinen Hinweis, dass das Mahnverfahren ordnungsgemäss durchge-</span><br/> <span class="ft6">führt worden sei und nun die angedrohten Säumnisfolgen eintreten</span><br/> <span class="ft6">würden. Erst nachdem sich der Beschwerdegegner mit dem gleichen</span><br/> <span class="ft6">Vorbringen nochmals vernehmen liess und das KStA ausdrücklich</span><br/> <span class="ft6">eine Beantwortung verlangte, führte das Gemeindesteueramt aus,</span><br/> <span class="ft6">dass sich in den Steuerunterlagen weder Notizen über ein Fristver-</span><br/> <span class="ft6">längerungsgesuch noch über persönliche Besuche des Steuerpflichten</span><br/> <span class="ft6">befänden; zudem seien im Steuerprogramm keine Fristverlängerun-</span><br/> <span class="ft6">gen registriert worden.</span><br/> <span class="ft6">6.2. Selbst die zweite Vernehmlassung des Gemeindesteueram-</span><br/> <span class="ft6">tes ist vage gehalten und weicht der Beantwortung der entscheiden-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">98</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">den Frage, ob der Beschwerdegegner persönlich vorgesprochen, um</span><br/> <span class="ft6">Fristerstreckung ersucht und diese mündlich zugesagt erhalten habe,</span><br/> <span class="ft6">aus. Das Gemeindesteueramt scheint einfach auf Grundlage der Ak-</span><br/> <span class="ft6">ten auszuschliessen, dass sich der Beschwerdegegner meldete und</span><br/> <span class="ft6">um Fristerstreckung ersuchte. Mit dem Hinweis auf das Fehlen ent-</span><br/> <span class="ft6">sprechender Notizen wird jedoch nicht widerlegt, dass der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdegegner doch persönlich bei der Gemeindeverwaltung vor-</span><br/> <span class="ft6">gesprochen haben könnte. Es hätte mindestens bei den Mitarbeitern</span><br/> <span class="ft6">und Mitarbeiterinnen, die im fraglichen Zeitraum Schalterdienst hat-</span><br/> <span class="ft6">ten, entsprechend nachgefragt werden müssen; zudem hätte ausge-</span><br/> <span class="ft6">führt werden müssen, ob über mündliche Fristerstreckungsgesuche</span><br/> <span class="ft6">und deren Beantwortung ausnahmslos Aktenvermerke angelegt wur-</span><br/> <span class="ft6">den. Wenn das Gemeindesteueramt ausgeführt hätte, nähere Abklä-</span><br/> <span class="ft6">rungen seien nicht mehr möglich, hätte das KStA auf dieser Grund-</span><br/> <span class="ft6">lage und allenfalls unter persönlicher Anhörung die Glaubwürdigkeit</span><br/> <span class="ft6">der Aussage des Beschwerdegegners prüfen und beurteilen müssen.</span><br/> <span class="ft6">6.3. Ob der Straftatbestand überhaupt erfüllt und ob ein Ver-</span><br/> <span class="ft6">schulden des Beschwerdeführers zu bejahen ist, hängt ganz entschei-</span><br/> <span class="ft6">dend davon ab, ob er bei der Gemeindeverwaltung vorsprach und</span><br/> <span class="ft6">Fristerstreckung erhielt (oder die Auskunft in guten Treuen so ver-</span><br/> <span class="ft6">stehen durfte). Der Strafbefehl muss den massgeblichen Sachverhalt</span><br/> <span class="ft6">ausreichend darlegen und er muss das Verschulden feststellen (§ 246</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 lit. b und d StG). Da weder der Strafbefehl noch die Überwei-</span><br/> <span class="ft6">sungsverfügung entsprechende Ausführungen des KStA enthielten,</span><br/> <span class="ft6">war die Anklage unvollständig und ergänzungsbedürftig. Wie ohne</span><br/> <span class="ft6">weiteres erkennbar, meinte das Steuerrekursgericht dies mit der ver-</span><br/> <span class="ft6">langten "Ergänzung des Sachverhalts". Die Zurückweisung zur Er-</span><br/> <span class="ft6">gänzung der Anklage, verbunden mit dem Hinweis, dass dazu noch</span><br/> <span class="ft6">zusätzliche Abklärungen erforderlich seien, war somit korrekt.</span><br/> <span class="ft6">7. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Vor-</span><br/> <span class="ft6">gehen der Vorinstanz, die Anklage ohne Durchführung einer Ver-</span><br/> <span class="ft6">handlung zur Ergänzung der Anklage zurückzuweisen, korrekt war.</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerde des KStA ist entsprechend abzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>