Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. August 2018 (715 18 36 / 228) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Prüfung der Einstellung in der Anspruchsberechtigung aufgrund selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit; Umfang des Anspruchs auf rechtliches Gehör bei der Abklärung der Umstände, die zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber geführt haben Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. A.____ arbeitete vom 1. März 2012 bis 31. Juli 2 017 bei der B.____ AG (Arbeitgeberin) als Disponent. Dieses Arbeitsverhältnis wurde von der Arbeitgeberin am 24. Mai 2017 schriftlich per 31. Juli 2017 gekündigt. Am 21. Juli 2017 melde te sich A.____ zur Arbeitsvermittlung an und erhob Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 1. August 2017 (act. 9). Mit Verfü- gung Nr. 1545/2017 vom 7. September 2017 stellte di e Öffentliche Arbeitslosenkasse, KIGA Baselland (Arbeitslosenkasse), den Versicherten ab dem 1. August 2017 wegen selbstver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldeter Arbeitslosigkeit für 31 Tage in der Anspruchsbe rechtigung ein. Mit Einspracheent- scheid vom 14. Dezember 2017 hiess die Arbeitslosenkasse di e vom Versicherten am 6. Okto- ber 2017 erhobene Einsprache teilweise gut und hob die Verfügung vom 7. September 2017 insoweit auf, als der Versicherte ab dem 1. August 2017 neu für 24 Tage in der Anspruchsbe- rechtigung eingestellt wurde. Sie nahm damit eine Red uktion der Einstelltage vor. Zusammen- fassend hielt sie fest, dass der Versicherte durch sein Verha lten zumindest eventualvorsätzlich die Kündigung in Kauf genommen habe und somit ein Ve rschulden an seiner Arbeitslosigkeit trage. Aufgrund der detailreichen Schilderungen des V ersicherten zum Arbeitsalltag bei der Ar- beitgeberin werde die Einstelldauer um sieben Tage re duziert. Weitere verschuldensmindernde Umstände seien aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Hinsicht jedoch nicht ersichtlich. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ beim Kantonsger icht Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), mit Eingabe vom 30. Januar 2018 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 14. Dezember 2017 sowie die Feststellung, dass er keine Einstelltage zu beste hen habe. Zusammenfassend mach- te er geltend, dass sein rechtliches Gehör verletzt worde n sei, da ihm die Beschwerdegegnerin das Akteneinsichtsrecht verweigert habe. Es treffe nicht z u, dass er Geschäftsgeheimnisse und Internas an Kunden weiter gegeben habe. Sein Verhal ten während des fünfeinhalb Jahre dau- ernden Anstellungsverhältnisses sei immer ordnungsgemäss, verantwortungsbewusst und loyal gegenüber der Arbeitgeberin gewesen. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 18. April 2018 auf Ab- weisung der Beschwerde. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die Akt en wird – soweit für die Entscheidung notwendig – in den Erwägungen eingegangen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Die formellen Voraussetzungen (Einhaltung von Form und Frist, örtliche, sachliche und funktionelle Zuständigkeit des angerufenen Gerichts, B eschwerdelegitimation) sind erfüllt, so- dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die pr äsidierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeite n bis zu einem Streitwert von Fr. 10‘000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist eine Einstellung in der An- spruchsberechtigung von 24 Tagen und damit im Umfang von Fr. 5‘223.60 (24 Taggelder à Fr. 217.65) zu beurteilen. Über die Beschwerde ist präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie obligatorische Arbeitslosenver- sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie du rch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Arbeitslosigkeit gilt namentlich dann als selbst versch uldet, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung ar beitsvertraglicher Pflichten, dem Arbeit- geber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegebe n hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a der Ver- ordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherun g und die Insolvenzentschädigung [AVIV] vom 31. August 1983). Die Dauer der Einstellu ng bemisst sich nach dem Grad des Ver- schuldens und beträgt je nach Einstellungsgrund höchstens 6 0 Tage (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Bei leichtem Verschulden dauert die Einstellung 1 bis 15 T age, bei mittelschwerem Verschulden 16 bis 30 Tage und bei schwerem Verschulden 31 bis 60 Tage (Art. 45 Abs. 2 AVIV). 2.2 Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosig- keit setzt keine Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus wichti gen Gründen gemäss Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivil- gesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht OR) vom 30. März 1911 voraus. Es genügt, dass das allgemeine Verhalten der versicherten Person Anlass zur Kündigung gegeben hat; Bean- standungen in beruflicher Hinsicht müssen nicht vorgelegen haben. Mithin gehören dazu auch charakterliche Eigenschaften im weiteren Sinne, die die arbeitnehmende Person für den Betrieb als untragbar erscheinen lassen. 2.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Inte rnationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (Über- einkommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Oktober 1991 in Kraft getreten ist, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Verdienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeit seinstellung ohne Unterbrechung des Beschäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekü rzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IA O ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheids im Einzelfall dienen zu können, und ist daher direkt anwendbar (BGE 122 V 54 ff., Urteil des EVG vom 17. Oktober 200 0, C 53/00). Aufgrund des grundsätzli- chen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b des Üb ereinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nicht jedes schuldhafte Verhalten der versicherten Per- son, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (Urte il des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b). Eventualvorsatz ist im Zusammenhang mit Art. 44 lit. a AVIV anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen mu ss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber führt (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundesver waltungsrecht, Soziale Sicherheit, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 837). Im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG darf somit bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der Anspruchsberechti gung erfolgen (JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 76 f.). 2.4 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht, wonach Versicherungsträger und Ge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht richte von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen haben (BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (Urteil des EVG vom 8. März 200 1, C 102/00 E. 1b; BGE 117 V 282 E. 4a; AHI-Praxis 1994 S. 212 E. 4a). Der Untersuchungsg rundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will (Urteil des EVG vom 7. November 2002, C 365/01, E. 4.1; BGE 117 V 261 E. 3b mit Hinweisen). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinli chkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz wird ergänzt durch den Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 A bs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 199 9 und Art. 42 Satz 1 des Bundes- gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsr echts (ATSG) vom 6. Oktober 2000. Auf ein Beweismittel darf im Verwaltungsverfahr en bei der Entscheidung nicht abgestellt werden, ohne dem Betroffenen Gelegenheit zu geben, an der Beweisabnahme mitzuwirken oder wenigstens nachträglich zum Beweisergebnis Stellung zu nehmen (BGE 117 V 282 E. 4c). 2.5 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1978, S. 135). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach d em Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen (B ARBARA KUPFER BUCHER , Bundesgesetz über die obligatori- sche Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, 4. Auflage, Zürich 2013, S. 161). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b, 125 V 193 E. 2). Eine Ausnahme hierzu bildet die Anwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00, E. 3a). Praxisgemäss muss das der versicherten Person im Rah- men dieser Bestimmung zur Last gelegte Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar feststehen, ansonsten eine Einstellung nicht in Betracht fällt (BGE 112 V 242 E. 1 und Urteil des Bundesge- richts vom 12. Januar 2015, 8C_582/2014, E. 4, je mit weiteren Hinweisen; T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 837). Bei Differenzen zwischen der Arbeit geberin und der versicher- ten Person darf deshalb nicht ohne Weiteres auf ein fe hlerhaftes Verhalten der versicherten Person geschlossen werden, wenn die Arbeitgeberin nur unbestimmte Gründe geltend zu ma- chen vermag, für welche sie keine Beweise anführen kann (BARBARA KUPFER BUCHER , a.a.O., S. 161; T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 837; Urteil des Kantonsgerichts [KGE SV] vom 18. Juni 2002, Nr. 172). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht ei ne Verletzung seines rechtlichen Gehörs, da die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Ei nspracheentscheid vom 14. Dezem- ber 2017 auf ein Schreiben der Arbeitgeberin vom 22. August 2017 verwiesen habe, zu dem er vorweg nicht habe Stellung nehmen können. Daher habe er seine Einsprache begründen müs- sen, ohne genaue Informationen darüber erhalten zu h aben, was die Arbeitgeberin über ihn gesagt habe. Er habe erst dem Einspracheentscheid entn ehmen können, dass die Arbeitgebe- rin am 22. August 2017 ein Schreiben eingereicht hab e. Nach Erhalt des Einspracheentscheids habe er am 8. Januar 2018 schriftlich Akteneinsicht verlan gt. Diese sei ihm erst am 12. Januar 2018 gewährt worden. 3.2 Die Beschwerdegegnerin bestreitet in der Vernehm lassung vom 18. April 2018 die Ver- letzung des rechtlichen Gehörs. Sie habe bei der Arbeit geberin nach den Gründen für die Kün- digung nachgefragt. Diese habe im fraglichen Schreib en vom 22. August 2017 auf die erteilten Verwarnungen und vorhandenen Gesprächsnotizen, die dem Beschwerdeführer hinlänglich bekannt sein dürften, hingewiesen. In der Folge hab e man den Beschwerdeführer im Rahmen der Beantwortung des Fragebogens „rechtliches Gehör“ a uf die Angaben der Arbeitgeberin „Fehlverhalten, vor allem was die mündliche und schriftl iche Kommunikation angelangt gegen- über Kunden, Dienstleister, Arbeitskollegen sowie auch Teamkollegen“ hingewiesen und ihm die Möglichkeit eingeräumt, sich dazu zu äussern. Mit der Einsprache vom 6. Oktober 2017 habe der Beschwerdeführer ausführlich zu diversen Vorhaltungen der ehemaligen Arbeitgeberin Stellung bezogen. Daher habe er ausreichend Gelegenh eit erhalten, seine Sicht darzulegen. Hinzu komme, dass dem Beschwerdeführer durch die behaupte te Nichtgewährung des rechtli- chen Gehörs bezüglich der Begründung für die Einstellt age kein Nachteil erwachsen sei; im Gegenteil, diese seien aufgrund seiner Einwände sogar reduziert worden. Eine allfällige Verlet- zung des Gehörsanspruchs könne zudem mittels vorliegendem Be schwerdeverfahren geheilt werden. 4.1 Wie bereits in Erwägung 2.5 hiervor dargelegt, ha t die versicherte Person gemäss Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 42 Satz 1 ATSG Anspruch auf rec htliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir- kungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person ein- greift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor E rlass des in ihre Rechtsstellung ein- greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Bew eise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung we- sentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2012, 9C_774/2011, E. 2.1 mit Hinweis auf BGE 132 V 368 E. 3.1). 4.2 Das Akteneinsichtsrecht im Besonderen bezieht sich auf sämtliche verfahrensbezoge- ne Akten, die geeignet sind, Grundlage des Entscheids zu b ilden. Die Akteneinsicht ist dem- nach auch zu gewähren, wenn dadurch der Entscheid in d er Sache nicht beeinflusst werden kann. Die Einsicht in die Akten, die für ein bestimmtes Verfahren erstellt oder beigezogen wur- den, kann demnach nicht mit der Begründung verweigert werden, die betreffenden Dokumente seien für den Verfahrensausgang belanglos. Es muss der betroffenen Person selbst überlassen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sein, die Relevanz der Akten zu beurteilen (BGE 132 V 38 7 E. 3.2). Um Akteneinsicht zu erhal- ten, haben die Betroffenen grundsätzlich ein Gesuch ein zureichen. Dies bedingt, dass sie über den Beizug neuer entscheidwesentlicher Akten informiert werden, welche sie nicht kennen und auch nicht kennen können (BGE 132 V 387 E. 6.2). 4.3 Das Recht auf Akteneinsicht ist wie das Recht, angehö rt zu werden, formeller Natur. Die Verletzung des Rechts auf Akteneinsicht führt ungeacht et der Erfolgsaussichten der Be- schwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung oder des angefoch- tenen Einspracheentscheids. Vorbehalten bleiben praxisg emäss Fälle, in denen die Verletzung des Akteneinsichtsrechts nicht besonders schwer wiegt und dadu rch geheilt wird, dass die Par- tei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor eine r Instanz äussern kann, welche sowohl die Tat- als auch die Rechtsfragen uneingeschränkt überp rüft. Von einer Rückweisung der Sa- che zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltu ng ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwer wiegenden Verletzung de s rechtlichen Gehörs dann abzuse- hen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalisti schen Leerlauf und damit zu unnöti- gen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anh örung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilu ng der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen). Die H eilung eines allfälligen Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (BGE 127 V 437 E. 3d/aa). 5.1 Der Sachverhalt stellt sich wie folgt dar: Nachdem sich der Beschwerdeführer zum Be- zug von Arbeitslosenleistungen angemeldet hatte, reicht e er am 26. Juli 2017 eine Kopie des Kündigungsschreibens der Arbeitgeberin vom 24. Mai 2017 sowie eine Kopie der gleichentags erstellten Freistellungsvereinbarung ein (act. 3 und 4) . Im Kündigungsschreiben hielt die Arbeit- geberin einzig fest, dass aufgrund der geführten Gesprä che sowie des erneuten Vorfalls vom 22. Mai 2017 entschieden worden sei, das Arbeitsverhältn is ordentlich zu kündigen. Am 10. August 2017 reichte die Arbeitgeberin das Formular „A rbeitgeberbescheinigung“ vom 7. August 2017 ein. Darin gab sie lediglich an, dass sie schriftlich gekündigt habe (act. 48). Eine Kopie des Kündigungsschreibens legte sie nicht bei. Auch sonst äu sserte sie sich nicht zum Grund der Kündigung. Mit Schreiben vom 17. August 2017 ersuch te die Beschwerdegegnerin die Ar- beitgeberin, detailliert zum Kündigungsgrund Stellu ng zu nehmen (act. 53). Die Arbeitgeberin machte mit Schreiben vom 22. August 2017 erneut keine konkreten Angaben zum Kündigungs- grund, sondern liess der Beschwerdegegnerin unkommentie rt diverse Unterlagen „Gespräch- sinformationen und Verwarnungen“ zukommen (act. 54-61). In der Folge verzichtete die Be- schwerdegegnerin darauf, konkretere Angaben von der Ar beitgeberin einzuholen. Stattdessen stellte sie dem Beschwerdeführer das Formular „Rechtliches Gehör / Fragebogen Kündigung durch den Arbeitgeber“ (act. 64) zu. Darin führte sie als Kündigungsgrund – offensichtlich man- gels Stellungnahme der Arbeitgeberin – einen Satz aus dem Schreiben „letzte Verwarnung“ vom 13. März 2017 der Arbeitgeberin an: „Fehlverhalten , vor allem was die mündliche und schriftliche Kommunikation angelangt gegenüber Kunden, Dienstleister, Arbeitskollegen sowie auch Teamkollegen“. Eine Kopie des Schreibens der Arbe itgeberin vom 22. August 2017 sowie die beigelegten Kopien stellte sie dem Beschwerdeführer nicht zu. In seiner Stellungnahme vom 4. September 2017 äusserte sich der Beschwerdeführer zum Vorwurf des Fehlverhaltens sowie konkret zu einem Vorfall, der sich vor der Kündigung zu getragen haben soll (act. 65-71). Nach Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eingang des Schreibens erliess die Beschwerdegegnerin di e Verfügung vom 7. September 2017 und stellte den Beschwerdeführer für 31 Tage in der Anspruchsberechtigung ein wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit. In der Begründung fü hrte sie aus, dass die Arbeitgeberin als Kündigungsgründe Fehlverhalten in der mündlichen un d schriftlichen Kommunikation ange- geben habe. 5.2 Es steht fest, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwer deführer das Schreiben der Arbeitgeberin vom 22. August 2017 sowie die Beilagen im Rahmen des rechtlichen Gehörs und damit vor Erlass der Einstellungsverfügung nicht zur Kennt nis brachte. Mit dieser Vorgehens- weise verunmöglichte sie es ihm, seine Rechte vollumfängli ch wahrzunehmen. Vorliegend kommt erschwerend hinzu, dass die Arbeitgeberin darauf ve rzichtete, sich zu den Kündigungs- gründen zu äussern. Sie verwies lediglich auf Gesprächspr otokolle und schriftliche Verwarnun- gen. Damit stand zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung wie auch zum Zeitpunkt des Erlas- ses des vorliegend angefochtenen Einspracheentscheids der K ündigungsgrund nicht fest be- ziehungsweise lag gar keine konkrete Stellungnahme der A rbeitgeberin vor. Die Beschwerde- gegnerin versäumte es, bei der Arbeitgeberin den genau en Kündigungsgrund abzuklären. Stattdessen interpretierte sie selbst aus einer Monate vo r der Kündigung ausgesprochenen Verwarnung einen Kündigungsgrund. Unter Berücksichtigun g des Umstands, dass gestützt auf die Angaben der Arbeitgeberin beurteilt wird, ob di e Arbeitslosigkeit selbst verschuldet wurde, stellt eine solche Vorgehensweise eine schwere Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 ATSG dar. 5.3 In Anbetracht des Umstands, dass den Aussagen der Ar beitgeberin bei der Frage, ob eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit vorliegt, grosses Gewicht beigemessen wird, erweist es sich als unerlässlich, den versicherten Personen so früh wie möglich alle Informationen der Ar- beitgeber zukommen zu lassen, damit bereits im Rahmen der Abklärungen zu den Gründen der Kündigung in rechtsgenüglicher Weise Stellung genommen werden kann – schliesslich kann eine Einstellung auch nur dann erfolgen, wenn das schul dhafte Verhalten der betroffenen Per- son beweismässig klar erstellt ist. Dies bedingt eine sorgf ältige Abklärung des Sachverhalts durch den Versicherungsträger. Bei der verwaltungsrecht lichen Sanktion der Einstellung han- delt es sich fraglos um einen erheblichen Eingriff in d ie Rechtsstellung der betroffenen Person, weshalb die Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin eine schwer wiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs darstellt, welche im nachfolgenden Be schwerdeverfahren nicht geheilt wer- den kann. 6. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 14. Dezember 2017 ist daher aus formel- len Gründen aufzuheben. Von einer Prüfung weiterer f ormeller Rügen und der materiellen Fra- ge, ob der Beschwerdeführer seine Arbeitslosigkeit selbst verschuldete, ist abzusehen. Die Be- schwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen und die Angele genheit ist an die Beschwerdegeg- nerin zurückzuweisen, damit sie die genauen Kündigungsgrü nde bei der Arbeitgeberin abklärt, dem Beschwerdeführer anschliessend das rechtliche Gehör zu a llen Angaben und Unterlagen der Arbeitgeberin gewährt und danach erneut darüber entscheidet, ob das dem Beschwerde- führer vorgeworfene Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar erstellt ist und ob der Be- schwerdeführer seine Arbeitslosigkeit selbst verschuldete. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Zu prüfen bleiben die Kosten für das vorliegende V erfahren. Art. 61 lit. a ATSG be- stimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kost en zu erheben. Die ausserordentli- chen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als der angefochtene Einspracheentscheid vom 14. Dezember 2017 aufgehoben und die An- gelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen w ird, damit diese nach weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägung en und nach Gewährung des rechtlichen Gehörs neu über eine allfälli ge Einstellung des Beschwerdeführers in der Anspruchsberechtigung verfüge. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht