<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">346</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>55</b></span> <span class="ft2"><b>Verfahrenserledigung nach VRPG durch Vergleich bzw. Vereinbarung;</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Prüfung der Gesetzmässigkeit</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 11. Juni 2013 in Sachen A.</span><br/> <span class="ft3">und B. gegen Gemeinderat C. und Departement Bau, Verkehr und Umwelt</span><br/> <span class="ft3">(WBE.2012.378/379).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer und die Einwohnergemeinde C. haben</span><br/> <span class="ft1">sich über die strittige Kanalisation und die Schadenskosten im Rah-</span><br/> <span class="ft1">men eines Mediationsverfahrens geeinigt und eine schriftliche Ver-</span><br/> <span class="ft1">einbarung abgeschlossen. Diese Vereinbarung lautet wie folgt:</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Diese Vereinbarung soll, unter Aufhebung des vorinstanzlichen</span><br/> <span class="ft1">Entscheids sowie der Verfügung des Gemeinderats C. vom 23. Jan-</span><br/> <span class="ft1">uar 2012, zum Urteil erhoben werden.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">§ 19 VRPG bestimmt unter der Marginalie "Vergleich": Er-</span><br/> <span class="ft1">scheint eine einvernehmliche Lösung als vorteilhaft, sind die Behör-</span><br/> <span class="ft1">den zum Abschluss von Vergleichen berechtigt; die öffentlichen Inte-</span><br/> <span class="ft1">ressen sind zu beachten (Abs. 1). Das Verfahren wird durch Sachent-</span><br/> <span class="ft1">scheid abgeschlossen (Abs. 2). Darüber hinaus enthält § 17 VRPG</span><br/> <span class="ft1">mit dem Titel "Untersuchung von Amtes wegen" folgenden Absatz 3:</span><br/> <span class="ft1">Besteht über einen Sachverhalt Unsicherheit, kann diese mit Einver-</span><br/> <span class="ft1">ständnis aller Parteien durch Vereinbarung über den dem Entscheid</span><br/> <span class="ft1">zugrunde zu legenden Sachverhalt beseitigt werden; die öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Interessen sind zu beachten.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">347</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Zulässigkeit von Vergleichen im öffentlichen Recht sind</span><br/> <span class="ft1">aufgrund des Legalitätsprinzips Grenzen gesetzt, die das Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richt in BGE 138 V 149 f. Erw. 2.4 wie folgt umschreibt: "Ist der</span><br/> <span class="ft1">Vergleich im Gesetzesrecht zugelassen, so wird aber damit den Par-</span><br/> <span class="ft1">teien bei ungewisser Sach- oder Rechtslage die Befugnis eingeräumt,</span><br/> <span class="ft1">ein Rechtsverhältnis vertraglich zu ordnen, um die bestehende</span><br/> <span class="ft1">Rechtsunsicherheit zu beseitigen. Dabei und damit wird in Kauf ge-</span><br/> <span class="ft1">nommen, dass der Vergleichsinhalt von der Regelung abweicht, zu</span><br/> <span class="ft1">der es bei umfassender Klärung des Sachverhalts und der Rechtslage</span><br/> <span class="ft1">gekommen wäre. Ein Vergleich ist somit zulässig, soweit der Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tung ein Ermessensspielraum zukommt sowie zur Beseitigung recht-</span><br/> <span class="ft1">licher und/oder tatsächlicher Unklarheiten."</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht hat es in langjähriger Praxis zum alten</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrechtspflegegesetz stets als zulässig erachtet, überein-</span><br/> <span class="ft1">stimmenden Anträgen der Beteiligten zur Erledigung des Verfahrens</span><br/> <span class="ft1">stattzugeben, sofern sich diese als gesetzmässig erweisen und allfälli-</span><br/> <span class="ft1">ge Zugeständnisse der Parteien sich innerhalb des Spielraumes hal-</span><br/> <span class="ft1">ten, den das Gesetz ohnehin gewährt, und sie nicht unzumutbar er-</span><br/> <span class="ft1">scheinen; nur in diesem beschränkten Rahmen ist im öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Recht Raum für "Vergleiche" (vgl. AGVE 1991, S. 383; 1982,</span><br/> <span class="ft1">S. 286 ff.; 1972, S. 285 f.). Nach dem klaren Wortlaut des VRPG ist</span><br/> <span class="ft1">das Verfahren auch bei einem abgeschlossenen Vergleich durch Sach-</span><br/> <span class="ft1">entscheid abzuschliessen (§ 19 Abs. 2 VRPG).</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">Zu überprüfen ist somit, ob sich die zwischen der Einwohnerge-</span><br/> <span class="ft1">meinde C. und den Beschwerdeführern sowie weiteren Privaten ab-</span><br/> <span class="ft1">geschlossene Vereinbarung im vorgenannten Rahmen hält.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">In Ziffer 1 der Vereinbarung stellt die Gemeinde fest, Eigen-</span><br/> <span class="ft1">tümerin der Leitung (ohne die Hausanschlüsse) zu sein und deren</span><br/> <span class="ft1">Unterhalt zu übernehmen.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 12 Abs. 1 des Abwasserreglements der Gemeinde C.</span><br/> <span class="ft1">(genehmigt von der Einwohnergemeindeversammlung am 17. Juni</span><br/> <span class="ft1">2009) sind die Abwasseranlagen im Gebäude und die Leitungen bis</span><br/> <span class="ft1">und mit Anschluss an die öffentliche Kanalisation (Hausanschluss)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">348</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">vom Grundeigentümer zu erstellen, zu unterhalten und zu erneuern;</span><br/> <span class="ft1">sie verbleiben in seinem Eigentum. Angesichts dieser Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">erscheint folgerichtig, dass die Kanalisation D.weg als öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Kanalisation bezeichnet wird, welche im Eigentum der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">steht und deren Unterhalt sie zu übernehmen hat. Als Hausanschlüsse</span><br/> <span class="ft1">haben die Zuleitungen von den Häusern der Beschwerdeführer in die</span><br/> <span class="ft1">Kanalisation D.weg zu gelten. Mit der Übernahme des Unterhalts</span><br/> <span class="ft1">durch die Gemeinde entfällt auch die Rechtsgrundlage, den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführern die streitigen Schadensanteile bzw. Unterhaltskos-</span><br/> <span class="ft1">ten von Fr. 2'670.55 aufzuerlegen.</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Ziffer 2 der Vereinbarung verzichtet die Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">vollständig auf die Erhebung von Feinerschliessungsgebühren, da die</span><br/> <span class="ft1">Leitung ursprünglich durch Private bereits finanziert wurde. Präzisie-</span><br/> <span class="ft1">rend wird festgehalten, dass die Bestimmungen bezüglich Anpassun-</span><br/> <span class="ft1">gen im Sinne von § 31 des Erschliessungsreglementes bestehen blei-</span><br/> <span class="ft1">ben. Die Gebühren fallen zum Zeitpunkt der Realisierung an.</span><br/> <span class="ft1">Auch dieser Vereinbarungsteil entspricht den reglementarischen</span><br/> <span class="ft1">Vorgaben der Gemeinde C., welche Erschliessungsbeiträge für Ab-</span><br/> <span class="ft1">wasser in § 31 des Erschliessungsfinanzierungsreglements (vom</span><br/> <span class="ft1">17. Juni 2009) regeln. Gemäss Anhang Seite 3 tragen die Grundei-</span><br/> <span class="ft1">gentümer die Kosten der Feinerschliessung zu 100 %. Wenn und so-</span><br/> <span class="ft1">weit im vorliegenden Fall die Leitung ursprünglich durch Private be-</span><br/> <span class="ft1">reits finanziert wurde, entfallen in der Tat Erschliessungsbeiträge für</span><br/> <span class="ft1">die Kosten der Feinerschliessung. Vorbehalten bleiben, worin in Zif-</span><br/> <span class="ft1">fer 2 der Vereinbarung auch hingewiesen wird, spätere Erschlies-</span><br/> <span class="ft1">sungsbeiträge bei Änderung bzw. Anpassung der bestehenden Ab-</span><br/> <span class="ft1">wasserleitung.</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">In Ziffern 3 und 4 der Vereinbarung regeln Gemeinde und Pri-</span><br/> <span class="ft1">vate die Verlegung der Verfahrens- und Anwaltskosten für die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahren vor dem Departement Bau, Verkehr und Umwelt</span><br/> <span class="ft1">und vor Verwaltungsgericht.</span><br/> <span class="ft1">Diese Kostenregelung hält vor den §§ 29, 31 und 32 VRPG</span><br/> <span class="ft1">ohne Weiteres Stand und kann zum Urteil erhoben werden. Dem</span><br/> <span class="ft1">Umstand, dass das Verfahren zufolge Vergleichs mit geringerem Auf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">349</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wand erledigt werden kann, ist mit einer reduzierten Staatsgebühr</span><br/> <span class="ft1">Rechnung zu tragen (vgl. AGVE 2000, S. 346; § 23 VKD).</span><br/></div> </div> </body> </html>