B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2547/2020 U r t e i l v o m 2 4 . A u g u s t 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, mit Zustimmung von Richterin Barbara Balmelli; Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren am (...), B._______, geboren am (...), C._______, geboren am (...), D._______, geboren am (...), E._______, geboren am (...), Somalia, alle vertreten durch Aileen Kreyden, Rechtsanwältin, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Wiedererwägung); Verfügung des SEM vom 24. April 2020 / N_______. D-2547/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer (A._______) suchte am (...) um Asyl in der Schweiz nach. Zur Begründung seines Asylgesuches machte er in der Befragung zur Per- son (BzP) im Wesentlichen geltend, er sei ein somalischer Staatsangehö- riger aus F._______, gehöre dem Minderheitenclan der G._______ an und habe aufgrund des Bürgerkriegs seine Heimat im Alter von (...) Jahren (zirka im Jahr [...]) zusammen mit seiner Mutter in Rich tung H._______ verlassen, wo er fortan gelebt habe. Dort habe er seine ebenfalls aus F._______ stammende Ehefrau kennengelernt. Da er wegen seiner Clan- zugehörigkeit in H._______ diskriminiert worden sei, habe er sich zusam- men mit seiner Frau im (...) zur Ausreise entschieden. Auf dem Weg in die Schweiz habe er in I._______ während (Nennung Dauer) respek tive bis (...) als registrierter Flüchtling gelebt. In seiner Anhörung brachte der Beschwerdeführer demgegenüber vor, aus J._______ in Somalia zu stammen. Au fgrund finanzieller Probleme und mangelnder Arbeitsperspektiven sei seine Mutter nach I._______ umgezo- gen. Im Alter von (...) Jahren (zirka im Jahr [...]) sei er seiner Mutter nach I._______ gefolgt, wo er seine Frau kennengelernt und am (...) geheiratet habe. Aufgrund finanzieller Probleme sei er im Jahr (...) aus I._______ aus- gereist. A.b Die Beschwerdeführerin (B._______) reichte am (...) ein Asylgesuch in der Schweiz ein. Im Rahmen ihrer BzP führte sie zur Begründung an, sie stamme aus J._______ in Somalia und sei Angehörige des K._______-Clans. Ihre El- tern hätten sie verlassen, als sie (...) Jahre alt gewesen sei. In der Folge habe sie bei ihrer (Nennung Verwandte) gelebt und als (Nennung Tätigkeit) gearbeitet. Als sie (...) oder (...) Jahre alt gewesen sei, habe ein Mann sie mit einem Messer attackiert und dabei sei (Nennung Verletzung). Infolge finanzieller Schwierigkeiten sei sie im Alter von (...) Jahren mit der Hoff- nung, im Ausland bessere Erwerbsmöglichkeiten zu finden, nach I._______ gereist. Dort habe sie sich als Flüchtling registrieren lassen , während (...) Jahren die Schule besucht und mehrere Jahre als (Nennung Tätigkeit) gearbeitet. Von ihren Arbeitgebern sei sie schlecht behandelt und D-2547/2020 Seite 3 geschlagen worden. In I._______ habe sie ihren späteren Mann kennen- gelernt. Da sich nach dessen Ausreise ihre finanzielle Situation verschlech- tert habe, sei sie ihm schliesslich in die Schweiz nachgereist. In der Anhörung schilderte die Beschwerdeführerin ihre Ausreisegründe dahingehend, dass sie in L._______ in Somalia geboren und aufgewach- sen sei. Sie sei während ihrer Arbeit als (Nennung Tätigkeit) von einem psychisch kranken Mann mit einem Messer am (Nennung Körperteil) ver- letzt worden. Später habe sie aufgrund eines Arbeitsunfalls ihren (Nennung Körperteil) mehrmals gebrochen und deswegen längere Zeit nicht mehr ar- beiten können. Aufgrund finanzieller Probleme und weil sie nach dem Tod ihrer (Nennung Verwandte) im Jahr (...) alleine gewesen sei, habe sie im Jahr (...) L._______ in Richtung I._______ verlassen. A.c Am (...) gebar die Beschwerdeführerin den Sohn D._______. A.d Mit Verfügung vom 3. August 2017 stellte das SEM fest, die Beschwer- deführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylge- suche vom 3. September 2015 und vom 8. April 2016 ab, verfügte die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. A.e Dagegen erhoben die Beschwerdeführerin (für sich und die Kinder) und der Beschwerdeführer mit separaten Rechtsmitteleingaben vom 4. September 2017 Beschwerde. Die Beschwerdeführerin führte in ihrer Beschwerdeschrift unter anderem an, sie sei Opfer (Nennung Übergriffe). Aufgrund ihrer schweren Traumatisierung sei sie im Asylverfahren nicht in der Lage gewesen, vollständige und widerspruchsfreie Angaben zu ihrer Herkunft, Identität und dem Erlebten zu machen. A.f Mit Entscheiden D-4978/2017 und D-4984/2017 vom 15. Oktober 2018 schrieb das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerdeverfahren als ge- genstandslos geworden ab . Dies nachdem die Beschwerdeführenden in M._______ Asylgesuche eingereicht hatten, dort als flüchtig galten und of- fen sei, ob und wann deren Überstellung in die Schweiz im Rahmen des Dublin-Verfahrens erfolge. A.g Am (...) brachte die Beschwerdeführerin den Sohn E._______ zur Welt. B. Mit Eingabe vom 11. November 2019 ersuchten die Beschwerdeführenden D-2547/2020 Seite 4 das SEM um Wiedererwägung der Verfügung vom 3. August 2017. Zur Be- gründung reichten sie neue Beweismittel (Aufzählung Beweismittel) ein und machten geltend, diese seien erst am (...) und damit nach den Ab- schreibungsentscheiden des Bundesverwaltungsgerichts entstanden. Diese Dokumente würden ihre somalische Nationalität – unabhängig von widersprüchlichen Angaben zum genauen Geburtsort und den verschiede- nen Aufenthalten in Somalia – beweisen. Infolge der erlebten (...) Gewalt und des dadurch ausgelösten Traumas bei der Beschwerdeführerin sowie des zu berücksichtigenden Kindeswohls sei ein Wegweisungsvollzug nach Somalia, einem Land, das von Krieg und gewaltsamen Zusammenstössen geprägt sei, als unzulässig und unzumutbar. Ein Wegweisungsvollzug ver- letze sowohl Art. 3 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) als auch Art. 2 des Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW ; SR 0.108). C. Mit Verfügung vom 24. April 2020 – eröffnet am 27. April 2020 – lehnte das SEM das Wiedererwägungsgesuch ab, erklärte die Verfügung vom 3. Au- gust 2 017 für rechtskräftig und vollstreckbar, erhob eine Gebühr von Fr. 600.– und stellte fest , einer allfälligen Beschwerde komme keine auf- schiebende Wirkung zu. D. Mit Eingabe vom 18. Mai 2020 erhoben die Beschwerdeführenden gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und bean- tragten, es sei die angefochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben und die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurtei- lung zurückzuweisen, wobei die Vorinstanz anzuweisen sei, vor der Neu- entscheidung ein LINGUA-Gutachten respektive eine Botschaftsabklärung betreffend ihre Herkunft innerhalb Somalias einzuholen . Eventualiter sei ein LINGUA-Gutachten betreffend ihre Herkunft innerhalb Somalias durch das Gericht anzuordnen. Subeventualiter sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und es sei ihnen Asyl zu gewähren. Sodann sei die aufschie- bende Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen und es sei ihnen zu gestatten, den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abzuwarten. Es sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihnen in der Person ihrer Rechtsver- treterin eine unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen. Der Beschwerde lagen (Nennung Beweismittel) bei. D-2547/2020 Seite 5 E. Mit Zwischenverfügung vom 19. Mai 2020 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 VwVG den Vollzug der Wegweisung per sofort einst- weilen aus. F. Mit Eingabe vom 20. Mai 2020 reichten die Beschwerdeführenden (Nen- nung Beweismittel) zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügung en des SEM. Da Wiederer- wägungsentscheide gemäss Lehre und Praxis grundsätzlich wie die ur- sprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezo- gen werden können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Be- schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form- gerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge- regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). In seiner praktisch relevantesten Form be- zweckt das Wiedererwägungsgesuch die Änderung einer ursprünglich feh- lerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene erhebliche Verände- rung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuän- dernde Verfügung unangefochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwer- deverfahren mit einem blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – D-2547/2020 Seite 6 können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung be- gründen (zum sogenannten "qualifizierten Wiedererwägungsgesuch" vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). Darüber hinaus sind Revisionsgründe, wel- che sich auf Tatsachen und Beweismittel abstützen, die erst nach Ab- schluss eines Beschwerdeverfahrens entstanden sind, stets unter dem Ti- tel der Wiedererwägung bei der Vorinstanz einzubringen, da solche neu entstandenen Beweismittel keine Grundlage für ein Revisionsverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht darstellen können (vgl. Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 Abs. 2 Bst. a [letzter Satz] BGG; BVGE 2013/22 E. 12.3). Gemäss Art. 111b Abs. 1 AsylG in Verbindung mit Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG hat die Partei diesfalls neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel beizubrin- gen. Analog zur Revision wird dabei vorausgesetzt, dass die entsprechen- den Beweismittel auch bei zumutbarer Sorgfalt ni cht im Rahmen des or- dentlichen Verfahren hätten eingereicht werden können. Die Erheblichkeit ist zu bejahen, wenn die neu angerufenen Tatsachen und Beweismittel ge- eignet sind, die beurteilten Asylvorbringen in einem anderen Licht erschei- nen zu lassen. 3.2 Das SEM hat den grundsätzlichen Anspruch der Beschwerdeführen- den auf Behandlung ihres Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede ge- stellt. Es ist demnach hier zu prüfen, ob das SEM zu Recht davon ausge- gangen ist, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden im Wied erer- wägungsverfahren die Sachlage nicht derart verändern, als dass sie die Rechtskraft der Verfügung vom 3. August 2017 zu beseitigen vermögen. 4. 4.1 Die Beschwerdeführenden rügen eine Verletzung der Untersuchungs- maxime respektive eine unvollständige Feststellu ng des Sachverhalts . Diese verfahrensrechtliche Rüge ist vorab zu prüfen. 4.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Be- hörde von Amtes wegen für die richtige und volls tändige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zu- sätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie auf- grund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das D-2547/2020 Seite 7 Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12). Der Unter- suchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asyl- suchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). 4.2.1 Zur Begründung der formellen Rüge wird vorgebracht, das SEM werfe ihnen zu Unrecht eine Verletzung der Mitwirkungspflicht vor. Sie hät- ten alle Dokumente, die sie hätten erhältlich machen können, eingereicht, um nicht nur ihre Staatsangehörigkeit, sondern auch ihre Herkunft inner- halb Somalias nachzuweisen. Die Vorinstanz spreche ihren Beweismitteln aber jeglichen Beweiswert ab und stütze sich ausschliesslich auf ihre Aus- sagen in der Anhörung. Obwohl allfällige Widersprüche hätten geklärt wer- den können, halte das SEM daran fest, dass sie ihre Herkunft nicht nach- gewiesen beziehungsweise diesbezüglich ihre Mitwirkungspflicht verletzt hätten. Da andere Möglichkeiten zur – behördlich akzeptierten – Herkunfts- abklärung nicht gegeben seien, sei es an der Vorinstanz, im Rahmen der Untersuchungsmaxime weitere Abklärungen durchzuführen. Daher sei das Verfahren an die Vorinstanz zurückzuweisen und es sei die Durchführung eines LINGUA -Gutachtens und/oder einer Botschaftsabkl ärung zwecks Abklärung ihrer Herkunft zu veranlassen. 4.2.2 Nachdem Asylsuchende trotz Untersuchungsgrundsatz verpflichtet sind, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken, und dabei insbe- sondere ihre Identität offen zu legen und entsprechende Reisepapiere und Identitätsausweise abzugeben haben (Art. 8 Abs. 1 AsylG; Art. 13 VwVG), ist es grundsätzlich nicht die Aufgabe der Schweizer Behörden, generell in den Herkunfts- respektive Heimatstaaten der Asylsuchenden vor Ort Ab- klärungen durchführen zu lassen oder deren Herkunft durch ein LINGUA- Gutachten abzuklären. Vielmehr ist es Sache der Beschwerdeführenden, ihre Vorbringen substantiiert darzulegen und mit entsprechenden Beweis- mitteln zu belegen. Vorliegend ist nicht ersichtlich (vgl. auch E. 6.2 nach- folgend) und wird in der Beschwerdeschrift auch nicht plausibel dargelegt, weshalb weitere Abklärungen mittels einer Botschaftsanfrage oder eines LINGUA-Gutachtens hätten notwendig sein sollen. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, mithin des Anspruchs auf rechtliches Gehör liegt nicht vor. Im Übrigen hat das SEM sich mit den im Wiedererwägungs- verfahren geltend gemachten neuen Vorbringen und Beweismittel der Be- schwerdeführenden hinreichend auseinandergesetzt. Allein der Umstand, dass das SEM in seiner Beurteilung der mit dem Wiedererwägungsgesuch geltend gemachten Vorbringen und der eingereichten Beweismittel einer anderen Linie folgt als vo n den Beschwerdeführenden vertreten, und es D-2547/2020 Seite 8 aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der Vorbringen ge- langt als verlangt, spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststel- lung. 4.3 Die verfahrensrechtliche Rüge erweist sich demzufolge als unbegrün- det. Gestützt auf die Ausführungen in der vorstehenden Erwägung 4.2.2 – sowie der nachfolgend in E. 6.2 enthaltenen Feststellungen – besteht keine Veranlassung, das Verfahren zwecks Durchführung eines LINGUA -Gut- achtens und/oder einer Botschaftsabklärung an die Vorinstanz zurückzu- weisen, weshalb dem entsprechenden Rechtsbegehren (Ziff. 4 der Be- schwerdeanträge) nicht stattzugeben ist. 5. 5.1 Zur Begründung seiner Verfügung hielt das SEM fest, weder die neu eingereichten Beweismittel noch die neu geltend gemachten Tatsachen seien erheblich im Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG. Die (Nennung Beweismittel) würden auf Antrag hin von der (Nennung Behörde) ausge- stellt. In Somalia bestünden keine Personalregister, weshalb sich die er- wähnte (Nennung Behörde) meistens nur auf die mündlichen Angaben der antragstellenden Person stütze. Sol che Dokumente hätten in Bezug auf eine somalische Staatsangehörigkeit daher keinen Beweiswert. Infolge wi- dersprüchlicher Angaben zu Identität und Biografie vermöchten die beige- brachten Beweismittel die Erwägungen in der Verfügung vom 3. August 2017 bezüglich der genauen Herkunft in Somalia nicht umzustossen. Was die im ordentlichen Beschwerdeverfahren von der Beschwerdeführerin erstmals vorgebrachte (Nennung Übergriffe) betreffe, sei – wie in der Ver- nehmlassung vom 14. Dezember 2017 festgehalten – festzustellen, dass die Prüfung dieser (...) Vorbringen aufgrund der Täuschung über die Bio- graphie verunmöglicht werde, auch wenn dem SEM wohl bewusst sei, dass auch ein glaubhaftes (...) Vorbringen erst nachträglich vorgebracht werden könne. Jedoch seien vorliegend die geltend gemachten Vorfälle in Somalia als unglaubhaft einzuschätzen. Die Beschwerdeführerin habe während des Asylverfahrens keinerlei Bereitschaft gezeigt, der Wahrheits - und Mitwir- kungspflicht nachzukommen . Weiter habe sie die in Frage stehen den Übergriffe in der Beschwerde in eine Biographie eingebettet, die hinsicht- lich Aufenthalt und Ausreise aus Somalia den Angaben in der BzP und der Anhörung widersprechen würden, so zum Ort der erlebten (...) Gewalt und dem Reiseweg nach I._______. Im Wie dererwägungsgesuch werde ein tiefsitzendes Trauma als Grund dafür genannt, weshalb die Beschwerde- führerin ihr Leben in J._______ vollständig ausgeblendet habe. Dies sei D-2547/2020 Seite 9 als reine Schutzbehauptung zu werten. Das im ordentlichen Verfahren ein- gereichte (Nennung Beweismittel) lege dar, dass keine (...) Untersuchung zur Sicherung von medizinischen Hinweisen auf Zeichen von (Nennung Übergriffe) durchgeführt worden sei. Die Beschwerdeführerin habe es un- terlassen, im Beschwerde- oder spätestens im Wiedererwägungsverfahren ihrer diesbezüglichen Mitwirkungspflicht nachzukommen und zur Stützung ihres Vorbringens einen solchen Untersuchungsbericht einzureichen. Im (Nennung Beweismittel) werde sodann zwar ausgeführt, dass sie während des eineinhalbstündigen Gesprächs von einem Übergriff durch (Nennung Person) erzählt habe, jedoch halte der Bericht ebenso fest, dass Anam- nese und Befund nicht ausreichen würden, um eine gesicherte (...) Diag- nose zu stellen; es könne keine ausreichende Einschätzung der Plausibili- tät und Glaubwürdigkeit der Patientin (Beschwerdeführerin) getroffen wer- den. Weiter spreche auch der Umstand, dass sie während des laufenden Beschwerdeverfahrens, in welchem dieses Vorbringen geprüft worden sei, aus der Schweiz ausgereist sei und sich in M._______ niedergelassen habe, gegen die Glaubhaftigkeit des Vorbringens. Schliesslich beruhe nicht jedes fachlich festgestellte Erscheinungsbild einer seelischen Traumatisie- rung oder körperlichen Verletzung zwingend auf einer menschenrechtswid- rigen Behandlung in einem Verfolgungskontext. Die vorgebrachte (...) Ge- walt sei daher nicht glaubhaft. Der Vollständigkeit halber sei darauf hinzu- weisen, dass auch bei Wahrunterstellung infolge einer in der Vergangen- heit erlittenen (Nennung Verletzung) diesbezüglich im heutigen Zeitpunkt keine begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung bestünde. Weiter würden es die Beschwerdeführenden aufgrund ihrer unglaubhaften Angaben zu ihren Lebensumständen, zu ihrer genauen Herkunft innerhalb Somalias sowie zu ihrem dortigen Beziehungsnetz dem SEM verunmögli- chen, eine sinnvolle Prüfung der Durchführbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs vorzunehmen. Da es nach ständiger Rechtsprechung des Bundes- verwaltungsgerichts nicht Sache der Asylbehörden sei, bei fehlenden Hin- weisen der Beschwerdeführer nach allfälligen Wegweisungshindernissen zu forschen, sei vermutungsweise davon auszugehen, es stünden einer Wegweisung der Beschwerdeführenden an ihren bisherigen Aufenthaltsort keine Vollzugshindernisse entgegen. Es ergäben sich keine Hinweise auf das Bestehen allfälliger, die Unzulässigkeit oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beschlagende Hindernisse. Zudem sei der Vollzug von Wegweisungen unter Umständen in die nördlichen Landesteile (Soma- liland und Puntland) möglich und vorliegend als zumutbar zu qualifizieren, wo die allfällig benötigte Behandlung (...) und der Zugang zu dieser medi- zinischen Versorgung gewährleistet sei. Hinsichtlich des Kindeswohls sei D-2547/2020 Seite 10 anzuführen, dass die Beschwerdeführenden die Folgen ihrer fehlenden Mitwirkung insofer n zu tragen hätten, als der Schluss gezogen werden müsse, es spreche nichts gegen eine Rückkehr ins Heimatland. Angesichts der sich noch im Kleinkindalter befindenden drei Kinder sei nicht von einer Verwurzelung derselben in der Schweiz auszugehen. Auch das (Nennung Leiden) von Sohn D._______ spreche nicht gegen die Zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs, da jenes lediglich bei der Geburt akut gewesen sei und durch die umgehende Behandlung keine Folgen für D._______ nach sich gezogen habe. Damit lägen keine Gründe vor, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 3. August 2017 beseitigen könnten. 5.2 In der Rechtsmitteleingabe entgegneten die Beschwerdeführenden , die eingereichten Dokumente seien durchaus rechtserheblich. Sie könnten damit – nebst den bereits im ersten Asylverfahren eingereichten Unterla- gen (...) – ihre Identität und Herkunft beweisen. Es sei nicht ersichtlich, was sie noch unternehmen könnten, um ihre Herkunft zu belegen, zumal die somalische Verwaltung seit dem Jahr 1991 weitgehend eingebrochen sei. Den eingereichten Dokumenten müsse demnach ein Beweiswert zukom- men, da nur so den Beweisschwierigkeiten Rechnung getragen werden könne. Mit dem Vorhalt, ihre somalische Herkunft innerhalb Somalias sei nicht glaubhaft gemacht wor den, bezweifle d as SEM ihre somalische Staatsangehörigkeit einerseits nicht in grundsätzlicher Weise . Dass sich die Beschwerdeführerin nicht an J._______ habe erinnern wollen und dort andererseits nur bis zum (...) Lebensjahr gewohnt habe, erkläre, dass sie keine allzu spezifischen Details zu den dortigen Quartieren sowie keine Angaben zu einem sich dort befindenden Arbeitsort habe geben können. Hingegen seien die Ausführungen zu ihrem Leben in L._______ bei der (Nennung Verwandte) detailreich ausgefallen u nd deshalb als glaubhaft einzustufen. Diese Angaben würden sich mit der ausgestellten (Nennung Beweismittel) decken, weshalb sich die Beschwerdeführerin bereits im ers- ten Asylverfahren widerspruchsfrei zu ihrem Geburtsort geäussert habe. Die mit dem Wiedererwägungsgesuch eingereichte Geburtsurkunde halte denn auch als Geburtsort J._______ fest. Folglich vermöge dieses Doku- ment sehr wohl ihren Herkunftsort zu beweisen. Auch aus der (Nennung Beweismittel) des Beschwerdeführers gehe sein Geburtsort F._______ hervor. Die widersprüchlichen Äusserungen zu seinem Herkunftsort seien darin begründet, dass beides stimme, zumal er sowohl in F._______ als auch in J._______ gelebt und vor seiner Ausreise zwischen beiden Orten hin- und hergependelt sei. Auch aus der (Nennung Beweismittel) gehe der Geburtsort der Beschwerdeführenden nochmals hervor. Somit hätten sie D-2547/2020 Seite 11 mit diesen neu eingereichten Dokumenten sowohl ihre somalische Staats- angehörigkeit als auch ihren Geburts - respektive Herkunftsort belegen können. Der Vorwurf einer Verletzung der Mitwirkungspflicht sei daher un- zutreffend. Den Erwägungen zur (...) Verfolgung sei zu entgegnen, dass es der Ge- sundheitszustand der B eschwerdeführerin nicht erlaubt habe, sämtliche Asylvorbringen tiefgründig und detailreich zu schildern. Es sei denn auch wissenschaftlich belegt, dass eine (Nennung Leiden) zu Vermeidungsver- halten führe. Auch in der Praxis der Schweizer Asylbehörden werde aner- kannt, dass schwer traumatisierte Personen nicht fähig seien, vollständige und widerspruchsfreie Angaben zu den erlittenen Misshandlungen zu ma- chen. Es könne der Beschwerdeführerin daher die mangelnde Substanzi- ierung und das verspätete Vorbringen dieser (...) Verfolgung nicht vorge- worfen werden. Ihre frauenspezifischen Fluchtgründe (...) würden ernst- hafte Nachteile im Sinne von Art. 2 AsylG darstellen , zumal sie bei einer Rückkehr erneut der Gefahr einer (...) Verfolgung ausgesetzt wäre. Zum Vorhalt widersprüchlicher Angaben zum Reiseweg sei anzuführen, dass allfälligen Widersprüchen diesbezüglich keine Entscheidrelevanz zu- komme. So stehe der Reiseweg nicht im Zusammenhang mit den darge- legten Fluchtgründen und den Wegweisungsvollzugshindernissen. Sodann habe die Beschwerdeführerin nie gesagt, dass sie von O._______ geflo- gen sei. Vielmehr sei sie von Somalia auf dem Fussweg letztlich nach I._______ gereist, wobei es dazwischen – von einem ihr nicht bekannten Ort – zu einem Transitflug nach P ._______ gekommen sei. Da sie während der Reise krank und traumatisiert gewesen sei, erinnere sie sich an vieles nicht mehr, weshalb sie sich nicht widersprüchlich geäussert habe. Aus dem (Nennung Beweismittel) gehe sodann hervor, dass sie traumatisiert sei. Es widerspreche medizinischen Erkenntnissen, dass traumatisierende Erlebnisse gut erinnert werden könnten. Entsprechend sei die Tatsache, dass sie ihre traumatischen Lebensjahre in J._______ ausgeblendet habe, keine Schutzbehauptung. Im Übrigen habe sie zahlreiche medizinische Unterlagen eingereicht, so auch zur Geburt des Sohnes. Daher gehe der Vorwurf, sie habe es unterlassen, einen (Nennung Beweismittel) einzu- reichen, fehl. Nachdem die Beschwerdeführenden erwiesenermassen ihrer Mitwirkungs- pflicht nachgekommen seien, sei der Wegweisungsvollzug zu überprüfen. Die Vorinstanz erachte ihre Herkunft aus Somalia als glaubhaft, nicht je- doch die genaue Herkunft innerhalb des Landes. Diese sei jedoch aus den D-2547/2020 Seite 12 eingereichten (Nennung Beweismittel) und ihren zusätzlichen Ausführun- gen, mit welchen sie die Vorhalte widersprüchlicher Aussagen hätten ent- kräften können, ebenfalls ersichtlich. Ein Wegweisungsvollzug sei sowohl unzulässig als auch unzumutbar. Ein solcher verletze das Kindeswohl, zu- mal ihren drei Kindern das von Krieg und Unruhen geprägte Land Somalia völlig fremd und das mittlere Kind mit einem Geburtsgebrechen zur Welt gekommen sei. Ebenso verstosse der Vollzug gegen Art. 2 CEDAW, da frauenspezifische Gewalt eine Form der Diskriminierung sei. Ferner stammten sie nicht aus dem Norden (Somali- oder Puntland), was eine un- zulässige Vermutung des SEM darstelle. Hinzu komme, dass ein Vollzug der Wegweisung in den Norden auch nur dann in Frage komme, wenn die betroffenen Personen über enge Verbindungen zur Region verfügten, die den Aufbau einer Existenzgrundlage ermöglichten. Dies sei hier nicht der Fall. Zudem sei der Wegweisungsvollzug auch aus individueller Hinsicht nicht zumutbar, da sie keinen Kontakt zu Familienangehörigen in Somalia beziehungsweise – im Fall des Beschwerdeführers – keine dort lebenden Verwandten mehr hätten. Auch sei Sohn D._______ mit einem (Nennung Leiden) zur Welt gekommen und die Beschwerdeführerin benötige eine (Nennung benötigte Behandlung), was in Som alia aber nicht möglich sei. Zudem bestehe die Gefahr einer Retraumatisierung 6. 6.1 Das SEM ist vorliegend zu Recht davon ausgegangen, dass es den Beschwerdeführenden mit ihren Vorbringen und Beweismitteln zum Nach- weis ihrer genauen Herkunft, zur (Nennung Übergriffe) und zum Kindes- wohl nicht gelingt, Wiedererwägungsgründe darzutun. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die im Resultat zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Ausführungen in der Be- schwerde sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu führen. 6.2 Zum Nachweis ihrer Nationalität und Herkunft reichten die Beschwer- deführenden mit ihrem Wiedererwägungsgesuch (Nennung Beweismittel) zu den Akten. Diesen Dokumenten kommt jedoch kein Beweiswert zu. Somalia verfügt weder über ein zentrales Geburtenregister noch über andere Personenre- gister, mit deren Hilfe die somalischen Behörden die Identität vorsprechen- der Personen überprüfen können. Grundlage für die Ausstellung von Do- kumenten sind mündliche Angaben und nich t Informationen aus Unterla- gen oder Registern (vgl. u.a. Urteile des BVGer E-2871/2016 vom 24. Mai 2016 E. 4.32.2 und E -1410/2018 vom 23. März 2018 E. 6.2, D-2547/2020 Seite 13 m.w.H.). Ausserdem existiert in der Schweiz keine (Nennung Behörde), sondern lediglich eine (Nennung Behörde) , was zusätzlich dafür spricht, dass den eingereichten Dokumenten keinerlei Beweiskraft zum Nachweis ihrer Herkunft beigemessen werden kann. Diese Beweismittel sind daher weder geeignet, die behauptete Herkunft aus Somalia zu belegen noch die im ordentlichen Asylverfahren erkannte Unglaubhaftigkeit in den Aussagen zur Identität oder zur Biographie der Beschwerdeführenden umzustossen. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführen- den vor dem Hintergrund ihrer widersprüchlichen Angaben aus ihrem Ein- wand, sie hätten alles in ihrer Macht Stehende unternommen, um ihre Her- kunft (mittels Dokumenten) zu belegen, und es können ihnen daher keine Verletzung der Mitwirkungspflicht mehr vorgeworfen werden, von vornhe- rein nichts abzuleiten vermögen. Den Beschwerdeführenden gelingt es aus diesen Gründen nicht, die im Wiedererwägungsverfahren geltend ge- machte Herkunft aus Somalia glaubhaft zu machen. 6.3 Soweit die Beschwerdeführerin auf eine – erstmals auf Beschwerde- ebene im ordentlichen Asylverfahren vorgebrachte – (...) Verfolgung in ihrer Heimat hinweist, hat das SEM die in diesem Zusammenhang stehenden Vorfälle zu Recht als unglaubhaft qualifiziert. Aufgrund der erheblichen Wi- dersprüche in den Aussagen bezüglich der persönlichen Biographie der Beschwerdeführerin, welche sich in wesentlichen Punkten gerade auf As- pekte beziehen, die in keinen Zusammenhang mit der angeführten (...) Ge- walt gebracht werden können und deren wiederholte übereinstimmende Nennung daher auch bei traumatisierten Personen er wartet werden darf, sind die entsprechenden Einwände in der Rechtsmitteleingabe als un- behelflich zu werten. Sodann können entgegen der Auffassung der Be- schwerdeführenden Angaben zu den Umständen der Flucht beziehungs- weise zur Ausreise in dem Sinne als wese ntlich für die Beurteilung der Fluchtgründe angesehen werden, als sie der Beurteilung der generellen Glaubhaftigkeit der Vorbringen und insbesondere der persönlichen Glaub- würdigkeit der um Asyl ersuchenden Person dienen. Sind diese Ausführun- gen – wie vorliegend – als mit erheblichen Zweifeln belastet und somit als überwiegend unglaubhaft zu werten, so lässt dies auch Rückschlüsse auf die generelle Glaubhaftigkeit der eigentlichen Fluchtgründe zu (vgl. bspw. Urteil des BVGer D-2559/2017 vom 22. Oktober 2018 E. 5.1.2 mit Verweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskom- mission [EMARK] 1998 Nr. 17 E. 4b S. 150). Weiter obliegt es gerade in ausserordentlichen Verfahren der Prozesspartei, rechtzeitig und prozess- konform zur Klärung des Sachverhaltes entsprechend ihrer Mitwirkungs - D-2547/2020 Seite 14 und Beweispflicht beizutragen. Wiedererwägungsgründe müssen wie Re- visionsgründe liquide dargetan werden. Selbst wenn die (...) Vorbringen als glaubhaft zu erachten wären, woran jedoch – wie die Vorinstanz zu Recht festhielt (vgl. angefochtener Entscheid (S. 6) – beträchtliche Zweifel beste- hen, wären sowohl die (Nennung Übergriffe) ohnehin nicht asylrelevant. Die (Nennung Übergriff) stellte sich als abgeschlossenes Ereignis dar und stünde in keinem kausalen Zusammenhang mit der Ausreise der Be- schwerdeführerin. Den dargelegten (Nennung Übergriffe) des (Nennung Person) – welche angeblich vom (...) bis (...) stattgefunden haben – wäre die Beschwerdeführerin bereits durch Umzug zur (Nennung Verwandte) entgangen. Heute ist sie zudem verheiratet und kehrt mit Ehemann in ihr Herkunftsland zurück. 6.4 Sodann kommt das Bundesverwaltungsgericht angesichts der voran- gehenden Erwägungen zum Schluss, dass die Beschwerdeführenden auf- grund der unglaubhaften An gaben zu ihren persönlichen und familiären Verhältnissen sowie in Ermangelung von beweiskräftigen Dokumenten zu ihrer Herkunft und Identität ihre wahre Herkunft zu verschleiern versuchen. Wohl sind Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungs- vollzugs grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen; die Untersuchungs- pflicht findet jedoch ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Beschwer- deführenden (vgl. Art. 8 AsylG). Vorliegend ist es dem Gericht nach wie vor nicht möglich, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und familiären Verhältnisse der Beschwerdeführenden zur Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu äussern, was aber für die Überprüfung von Vollzugshindernissen grundsätzliche Voraussetzung wäre. Die Beschwer- deführenden müssen daher – wie von der Vorinstanz zu Recht ausgeführt – die sich aus der Missachtung ihrer Mitwirkungspflicht erwachsenen Nach- teile tragen. Demnach ist vermutungsweise davon auszugehen, dass dem Vollzug der Wegweisung in ihr tatsächliches Herkunftsland keine Vollzugs- hindernisse im Sinne von Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG entgegenstehen (vgl. dazu auch Urteile des BVGer D-6153/2019 vom 16. Januar 2020 E. 8.3, E- 1046/2019 und E-1047/2019 vom 9. April 2019 E. 5.3). Dabei bleibt anzu- fügen, dass s elbst bei Annahme der geltend gemachten somalischen Staatsangehörigkeit ein Wegweisungsvollzug – wie auch allenfalls benö- tigte medizinische Behandlungsmöglichkeiten – nicht in ganz Somalia aus- geschlossen wäre (vgl. Urteil des BVGer D -4721/2016 vom 26. Mai 2017 E. 6.5.1 unter Hinweis auf BVGE 2014/27 E. 6.5). Soweit in Bezug auf das mittlere Kind vorgebracht wird, dieses leide an einem (Nennung Leiden) (Beschwerde S. 15), ist aufgrund der Akten offensichtlich davon auszuge- hen, dass das seinerzeit aufgetretene (Nennung Leiden) für das Kind keine D-2547/2020 Seite 15 Behandlung erfordert hat und dieses auch keine weitere Behandlung bräuchte oder auf ärztliche Untersuchungen angewiesen wäre (vgl. SEM act. 1056247-10/1: [...]). Etwas anderes wird denn von den Beschwerde- führenden auch nicht vorgebracht. Auch aus der gerügten Verletzung des Kindeswohls (zu den Kriterien: vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2 m.w.H.) vermö- gen die Beschwerdeführenden nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. So ist angesichts des Alters der etwas über (Nennung Alter) Kinder davon auszu- gehen, dass die Hauptbezugspersonen ihre Eltern sind. Sie haben daher auch noch keine derartige Integration in der Schweiz erfahren, dass bei einer Rückkehr von einer Entwurzelung im Heimatstaat ausgegangen wer- den müsste. 6.5 Hinsichtlich der gerügten Verletzung von Art. 2 Bst. d CEDAW ist fest- zuhalten, dass gemäss dem Wortlaut dieser Bestimmung sich die Vertrags- staaten kraft der Konvention verpflichten "eine Politik zur Beseitigung der Diskriminierungen der Frau zu verfolgen und […] zu diesem Zweck Hand- lungen oder Praktiken zu unterlassen, welche die Frau diskriminieren, und dafür zu sorgen, dass alle staatlichen Behörden und öffentlichen Einrich- tungen im Einklang mit dieser Verpflichtung handeln ". Die Bestimmung richtet sich in erster Linie an jene Institutionen, die auf politischer und ge- sellschaftlicher Ebene operieren. Demnach hat sich mit diesem Vorbringen nicht das Gericht, sondern die Politik und die Gesellschaft auseinanderzu- setzen (vgl. bspw. Urteil des BVGer D-2070/2018 vom 19. August 2020 E. 7.2.4 m.H. auf Urteil des BVGer B -2184/2017 vom 7. Februar 2018 E. 7). Nichtsdestotrotz sind die Bestimmungen der CEDAW bei der Ausle- gung anderer Anspruchsnormen zu berücksichtigen. In casu lassen sich indessen im Z usammenhang mit der vorgebrachten, jedoch als unglaub- haft zu bezeichnenden (...) Verfolgung daraus keine über Art. 3 EMRK hin- ausgehenden Rechte ableiten. 6.6 Den Beschwerdeführenden ist es nach dem Gesagten nicht gelungen Gründe darzulegen, die zu einer Wiedererwägung de s vorinstanzlichen Entscheids vom 3. August 2017 führen könnten. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. D-2547/2020 Seite 16 8. Mit dem materiellen Entscheid in der Hauptsache wird der prozessuale An- trag, es sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wiederherzustel- len und es sei ihnen zu ge statten, den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abzuwarten, hinfällig. Der am 19. Mai 2020 verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem vor- liegenden Urteil dahin. 9. 9.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 9.2 Die Beschwerdeführenden ersuchen um die Gewährung der unentgelt- lichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Danach kann eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit werden, sofern ihr Begeh- ren nicht aussichtslos erscheint. Vorliegend müssen die Gewinnaussichten der Beschwerdeführenden als von allem Anfang an beträchtlich geringer eingestuft werden als die Verlustgefahren und können kaum als ern sthaft bezeichnet werden. Dies bedeutet nach bundesgerichtlicher Rechtspre- chung, dass der Streitfall – auch bei ausgewiesener Bedürftigkeit – als aus- sichtslos zu bezeichnen ist (vgl. BGE 128 I 225 E. 2.5.3 S. 235 f., BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen und praxisgemäss auf Fr. 1500.– festzusetzen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Feb- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 9.3 Angesichts dieser Beurteilung ist auch das Gesuch um Beigabe einer unentgeltlichen Rechtsbeiständin (Art. 65 Abs. 2 VwVG) abzuweisen. (Dispositiv nächste Seite) D-2547/2020 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beigabe einer unentgeltlichen Rechtsbeiständin werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 1500.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Stefan Weber Versand: