<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">417</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>85</b></span> <span class="ft3"><b>Immissionen einer privaten Küchenabluftanlage (Dampfabzug)</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Lärmrechtliche Beurteilung (Erw. 3)</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Geruchsimmissionen aus privater Küchenabluft gelten nicht als</b></span><br/> <span class="ft3"><b>übermässig (Erw. 4.2).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Vorsorgliche Massnahmen zur Reduktion der Küchengerüche von</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Ein- und Doppeleinfamilienhäusern in üblichen Überbauungssituati-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>onen sind unverhältnismässig. Es kann weder ein Ausstoss der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Emissionen über Dach (Art. 6 Abs. 2 LRV) verlangt noch eine andere</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Vorgabe zur Austrittsstelle der Küchenabluft gemacht werden</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 4.2-4.4).</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom</span><br/> <span class="ft6">10. Juni 2014 (BVURA.13.781).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft10">2. Ausgangslage</span><br/> <span class="ft10">Im Jahre 1996 wurden ... das ... Doppeleinfamilienhaus Nr. 11</span><br/> <span class="ft10">der Beschwerdegegner wie auch das ... Doppeleinfamilienhaus Nr. 9</span><br/> <span class="ft10">der Beschwerdeführenden bewilligt. Der Austritt der Küchenventila-</span><br/> <span class="ft10">tion des Hauses Nr. 11 wurde dabei ... gegen Südosten gerichtet</span><br/> <span class="ft10">ausgeführt. Im Mai/Juni 2012 bauten die Beschwerdegegner die Kü-</span><br/> <span class="ft10">che um ...; dabei führten sie u.a. den Austritt der neu eingebauten</span><br/> <span class="ft10">Küchenventilation Modell Electrolux EFC 9360 neu zur Nordost-</span><br/> <span class="ft10">fassade. Streitgegenstand bildet diese Küchenventilation am neuen</span><br/> <span class="ft10">Standort. ... Die Beschwerdeführenden wenden sich gegen die ...</span><br/> <span class="ft10">Versetzung der Lüftung mit der Begründung, dass durch den neuen</span><br/> <span class="ft10">Austritt der Küchenventilation die übermässig lästigen und störenden</span><br/> <span class="ft10">Lärm- und Geruchsemissionen unmittelbar und frontal auf Wohn-</span><br/> <span class="ft10">räume und den Garten der Beschwerdeführenden geleitet würden ...</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">418</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">3. Lärmrechtliche Beurteilung</span><br/> <span class="ft10">3.1</span><br/> <span class="ft10">Das Umweltschutzgesetz will, entsprechend dem Verfassungs-</span><br/> <span class="ft10">auftrag (Art. 74 Abs. 1 BV), den Menschen und seine natürliche Um-</span><br/> <span class="ft10">welt gegen schädliche und lästige Einwirkungen schützen (Art. 1</span><br/> <span class="ft10">Abs. 1 USG). Das USG will dabei kein Verhinderungs-, sondern ein</span><br/> <span class="ft10">Massnahmengesetz sein, das seinem Konzept nach die Quellen der</span><br/> <span class="ft10">Umweltbelastung nicht als solche in Frage stellt; die Nachfrage soll</span><br/> <span class="ft10">nicht untersagt, sondern befriedigt werden, wobei aber gleichzeitig</span><br/> <span class="ft10">die den Umweltschutzanforderungen entsprechenden Vorkehren ge-</span><br/> <span class="ft10">troffen werden sollen (BGE 124 II 233). In diesem Sinne sind</span><br/> <span class="ft10">Einwirkungen, die schädlich oder lästig werden könnten, unabhängig</span><br/> <span class="ft10">von der bestehenden Umweltbelastung frühzeitig so weit zu begren-</span><br/> <span class="ft10">zen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich</span><br/> <span class="ft10">tragbar ist (sog. Vorsorgeprinzip gemäss Art. 1 Abs. 2 und Art. 11</span><br/> <span class="ft10">Abs. 2 USG; Art. 7 Abs. 1 lit. a und Art. 8 Abs. 1 LSV; siehe</span><br/> <span class="ft10">BGE 126 II 305 ff. und 118 Ib 238 sowie AGVE 2010, S. 146;</span><br/> <span class="ft10">AGVE 1999, S. 272 f., je mit Hinweisen). Mit der Postulierung des</span><br/> <span class="ft10">Vorsorgeprinzips soll die Umweltbelastung präventiv möglichst weit</span><br/> <span class="ft10">unterhalb der Schädlichkeits- und Lästigkeitsgrenze gehalten wer-</span><br/> <span class="ft10">den; im Rahmen des Verhältnismässigkeitsprinzips ist mit Massnah-</span><br/> <span class="ft10">men bei der Quelle alles technisch-betrieblich Mögliche und wirt-</span><br/> <span class="ft10">schaftlich Zumutbare zu unternehmen, ohne dass in jedem Einzelfall</span><br/> <span class="ft10">eine konkrete Umweltgefährdung nachgewiesen sein muss</span><br/> <span class="ft10">(AGVE 1999, S. 273). Das Kriterium der wirtschaftlichen Tragbar-</span><br/> <span class="ft10">keit ist auf Unternehmungen zugeschnitten, die nach marktwirt-</span><br/> <span class="ft10">schaftlichen Prinzipien, d.h. gewinnorientiert, betrieben werden. Ge-</span><br/> <span class="ft10">hen die beanstandeten Emissionen von anderen Quellen aus, so fällt</span><br/> <span class="ft10">das erwähnte Beurteilungskriterium dahin und sind allfällige wirt-</span><br/> <span class="ft10">schaftliche Gesichtspunkte im Rahmen der allgemeinen Verhältnis-</span><br/> <span class="ft10">mässigkeitsprüfung zu beachten (BGE 127 II 318 mit Hinweisen;</span><br/> <span class="ft10">vgl. zum Ganzen VGE III/26 vom 10. Juni 2008). Laut Art. 12 Abs. 1</span><br/> <span class="ft10">USG werden Emissionen eingeschränkt durch den Erlass von</span><br/> <span class="ft10">Emissionsgrenzwerten (lit. a), Bau- und Ausrüstungsvorschriften</span><br/> <span class="ft10">(lit. b), Verkehrs- oder Betriebsvorschriften (lit. c), Vorschriften über</span><br/> <span class="ft10">die Wärmeisolation von Gebäuden (lit. d) und Vorschriften über</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">419</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">Brenn- und Treibstoffe (lit. e). Solche Begrenzungen werden gemäss</span><br/> <span class="ft10">Art. 12 Abs. 2 USG durch Verordnungen oder, soweit diese nichts</span><br/> <span class="ft10">vorsehen, durch unmittelbar auf das Umweltschutzgesetz abgestützte</span><br/> <span class="ft10">Verfügungen vorgeschrieben.</span><br/> <span class="ft10">Auf einer zweiten Stufe setzt das USG bei den Immissionen an:</span><br/> <span class="ft10">Die Emissionsbegrenzungen werden verschärft, wenn feststeht oder</span><br/> <span class="ft10">zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der</span><br/> <span class="ft10">bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden (Art. 11</span><br/> <span class="ft10">Abs. 3 USG). Als Massstab für die Beurteilung der schädlichen oder</span><br/> <span class="ft10">lästigen Einwirkungen dienen Immissionsgrenzwerte (Art. 13-15</span><br/> <span class="ft10">USG). Diese sind so festzulegen, dass nach dem Stand der Wissen-</span><br/> <span class="ft10">schaft oder der Erfahrung Immissionen unterhalb dieser Werte die</span><br/> <span class="ft10">Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören (Art. 15</span><br/> <span class="ft10">USG). Der Bundesrat hat solche Werte für verschiedene Lärmarten</span><br/> <span class="ft10">wie Strassenverkehrslärm, Industrie- und Gewerbelärm etc. und nach</span><br/> <span class="ft10">Empfindlichkeitsstufen graduell festgelegt (Anhänge 3-8 LSV). Feh-</span><br/> <span class="ft10">len Belastungsgrenzwerte, so sind im Einzelfall die Lärmimmissio-</span><br/> <span class="ft10">nen nach den Kriterien von Art. 15, 19 und 23 USG zu beurteilen</span><br/> <span class="ft10">(Art. 40 Abs. 3 LSV). Bei dieser Einzelfallbeurteilung sind der Cha-</span><br/> <span class="ft10">rakter des Lärms, Zeitpunkt und Häufigkeit seines Auftretens sowie</span><br/> <span class="ft10">die Lärmempfindlichkeit und Lärmvorbelastung der Zone, in der die</span><br/> <span class="ft10">Immissionen auftreten, zu berücksichtigen (BGE 123 II 335). Dabei</span><br/> <span class="ft10">ist nicht auf das subjektive Lärmempfinden einzelner Personen abzu-</span><br/> <span class="ft10">stellen, sondern eine objektivierte Betrachtung unter Berücksichti-</span><br/> <span class="ft10">gung von Personen mit erhöhter Empfindlichkeit wie Kinder,</span><br/> <span class="ft10">Kranke, Betagte und Schwangere (Art. 13 Abs. 2 USG) vorzuneh-</span><br/> <span class="ft10">men (AGVE 2010, S. 148 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft10">Die vorstehend angeführten Bestimmungen und Grundsätze</span><br/> <span class="ft10">gelten generell für alle Anlagen im Sinne von Art. 7 Abs. 7 USG.</span><br/> <span class="ft10">Neue ortsfeste Anlagen, d.h. Anlagen, die nach dem Inkrafttreten des</span><br/> <span class="ft10">USG am 1. Januar 1985 erstellt worden sind (BGE 123 II 330 f.), un-</span><br/> <span class="ft10">terstehen zudem Art. 25 Abs. 1 USG, wonach solche Anlagen nur er-</span><br/> <span class="ft10">richtet werden dürfen, wenn die durch sie allein erzeugten Lärm-</span><br/> <span class="ft10">immissionen die - unter den Immissionsgrenzwerten liegenden -</span><br/> <span class="ft10">Planungswerte in der Umgebung nicht überschreiten (Art. 23 USG</span><br/> <span class="ft10">und Art. 25 Abs. 1 USG, Art. 7 Abs. 1 lit. b LSV). Das heisst, die An-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">420</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">lage ... darf die Bevölkerung ... höchstens geringfügig stören (vgl.</span><br/> <span class="ft10">BGE 123 II 335; AGVE 2010, S. 148).</span><br/> <span class="ft10">Die in Frage stehende Küchenventilation Modell Electrolux</span><br/> <span class="ft10">WH EFC 9360 CN stellt zweifellos eine ortsfeste Anlage im Sinne</span><br/> <span class="ft10">von Art. 7 Abs. 7 USG dar, bei deren Betrieb Lärm- und Geruchs-</span><br/> <span class="ft10">emissionen verursacht werden. Nachdem sowohl die bisherige Lüf-</span><br/> <span class="ft10">tungsanlage als auch die neue Anlage nach Inkrafttreten des USG er-</span><br/> <span class="ft10">stellt wurden, gilt die Anlage als neue ortsfeste Anlage im Sinne von</span><br/> <span class="ft10">Art. 25 Abs. 1 USG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 LSV, die die Planungswerte</span><br/> <span class="ft10">einzuhalten hat. Für Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen sind im</span><br/> <span class="ft10">Anhang 6 LSV (Ziff. 1 Abs. 1 lit. e LSV) entsprechende Belastungs-</span><br/> <span class="ft10">grenzwerte festgelegt, die die Abluftanlage von Gesetzes wegen</span><br/> <span class="ft10">einzuhalten hat. Für die vorliegend massgebliche Wohnzone W, wel-</span><br/> <span class="ft10">che der Empfindlichkeitsstufe II zugewiesen ist, beträgt der</span><br/> <span class="ft10">Planungswert bei Tag, d. h. von 07.00 bis 19.00 Uhr, 55 dB(A) und</span><br/> <span class="ft10">bei Nacht, d. h. von 19.00 bis 07.00 Uhr, 45 dB(A) (Ziff. 2 und 31</span><br/> <span class="ft10">Abs. 1 Anhang 6 LSV).</span><br/> <span class="ft10">3.2.2</span><br/> <span class="ft10">Besteht Grund zur Annahme, dass die Belastungsgrenzwerte</span><br/> <span class="ft10">überschritten werden könnten (Art. 36 Abs. 1 LSV), so ist die Be-</span><br/> <span class="ft10">hörde zur Durchführung eines Beweis- und Ermittlungsverfahrens</span><br/> <span class="ft10">nach den Art. 36 ff. LSV und den Anhängen 2-7 LSV verpflichtet</span><br/> <span class="ft10">(BGE 115 Ib 451; Urteil des Bundesgerichts 1C_278/2010 vom 31.</span><br/> <span class="ft10">Januar 2011, Erw. 4.4.1 = URP 2011, S. 142; vgl. Urteil des</span><br/> <span class="ft10">Bundesgerichts 1C_161/2013 / 1C_162/2013 / 1C_163/2013 /</span><br/> <span class="ft10">1C_164/2013 vom 27. Februar 2014, Erw. 5.3). An die Wahrschein-</span><br/> <span class="ft10">lichkeit einer solchen Überschreitung sind keine hohen Anforderun-</span><br/> <span class="ft10">gen zu stellen, d. h. es genügt, wenn eine solche beim aktuellen</span><br/> <span class="ft10">Kenntnisstand nicht ausgeschlossen werden kann (Urteil des Bundes-</span><br/> <span class="ft10">gerichts 1C_278/2010 vom 31. Januar 2011, Erw. 4.4.1 = URP 2011,</span><br/> <span class="ft10">S. 142). ...</span><br/> <span class="ft10">In ihrem Fachbericht vertreten die Fachexperten der Abteilung</span><br/> <span class="ft10">für Umwelt BVU die Ansicht, dass ein neues Lärmgutachten, wie es</span><br/> <span class="ft10">die Beschwerdeführenden beantragen, nicht notwendig sei. Die</span><br/> <span class="ft10">Durchführung der Schallpegelmessung sei aus ihrer Sicht korrekt er-</span><br/> <span class="ft10">folgt. Das akustische Gutachten der P. GmbH sowie Berechnungsver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">421</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">fahren und Messgerät entsprächen den Anforderungen gemäss Kapi-</span><br/> <span class="ft10">tel 7 LSV. ... Konkretisierend führen die Fachexperten aus, dass es</span><br/> <span class="ft10">korrekt sei, die Messungen nahe an der Schallquelle vorzunehmen,</span><br/> <span class="ft10">um den Einfluss der Hintergrundgeräusche zu minimieren, und an-</span><br/> <span class="ft10">schliessend mittels Berechnungen den Schalldruckpegel am offenen</span><br/> <span class="ft10">Fenster des lärmempfindlichsten Raums beim Empfänger zu bestim-</span><br/> <span class="ft10">men. ... Da der Küchenventilator ein breitbandiges Rauschen ohne</span><br/> <span class="ft10">hörbare tonale Komponente erzeuge, sei es richtig, wenn für die</span><br/> <span class="ft10">Pegelkorrektur K2 bei der Berechnung mit 0 dB(A) eingesetzt werde.</span><br/> <span class="ft10">... Die kantonalen Fachexperten beurteilen die ermittelten Werte von</span><br/> <span class="ft10">49 dB(A) am Tag, 54 dB(A) bei Dauerbetrieb (mehr als 85 Minuten</span><br/> <span class="ft10">und während 365 Tagen im Jahr) auf der höchsten Stufe und 43</span><br/> <span class="ft10">dB(A) bei Dauerbetrieb auf der Stufe III als korrekt. Sie führen aus,</span><br/> <span class="ft10">dass mit dem akustischen Gutachten aufgezeigt werde, dass die Kü-</span><br/> <span class="ft10">chenventilation den Planungswert am Tag bei maximaler Geschwin-</span><br/> <span class="ft10">digkeit des Ventilators einhalten könne. Ebenso werde der Planungs-</span><br/> <span class="ft10">wert in der Nacht bei Geschwindigkeit III des Ventilators eingehal-</span><br/> <span class="ft10">ten. Der Planungswert werde überschritten, wenn der Ventilator in</span><br/> <span class="ft10">der Nacht (19.00 Uhr bis 07.00 Uhr) täglich, d.h. an 365 Tagen im</span><br/> <span class="ft10">Jahr während mehr als 85 Minuten auf höchster Stufe in Betrieb sei</span><br/> <span class="ft10">(eine solche intensive Benutzung kann bei einem Privathaushalt je-</span><br/> <span class="ft10">doch ausgeschlossen werden). Sie ziehen daraus den Schluss, dass</span><br/> <span class="ft10">die Planungswerte eingehalten sind. ... Dieser Auffassung ist beizu-</span><br/> <span class="ft10">pflichten. ...</span><br/> <span class="ft10">3.3</span><br/> <span class="ft10">3.3.1</span><br/> <span class="ft10">Selbst wenn die Planungswerte durch die Küchenlüftung einge-</span><br/> <span class="ft10">halten werden, müssen die Lärmemissionen nach Art. 11 Abs. 2 USG</span><br/> <span class="ft10">bzw. Art. 7 Abs. 1 Iit. a LSV im Rahmen der Vorsorge so weit be-</span><br/> <span class="ft10">grenzt werden, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirt-</span><br/> <span class="ft10">schaftlich tragbar ist. Im Bereich des Lärmschutzes gelten mithin die</span><br/> <span class="ft10">Voraussetzungen der Einhaltung der Planungswerte und der vorsorg-</span><br/> <span class="ft10">lichen Emissionsbegrenzung kumulativ. Auch wenn ein Projekt die</span><br/> <span class="ft10">Planungswerte einhält, ist deshalb anhand der in Art. 11 Abs. 2 USG</span><br/> <span class="ft10">und Art. 7 Abs. 1 Iit. a LSV genannten Kriterien zu prüfen, ob das</span><br/> <span class="ft10">Vorsorgeprinzip weitergehende Beschränkungen erfordert. Daraus</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">422</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">folgt, dass sich die Bewilligungsbehörde nicht darauf beschränken</span><br/> <span class="ft10">darf, dem Baugesuchsteller die Auswahl zwischen verschiedenen, die</span><br/> <span class="ft10">Planungswerte einhaltenden Projektvarianten zu gewähren. Vielmehr</span><br/> <span class="ft10">hat sie sich für jene Massnahme zu entscheiden, welche im Rahmen</span><br/> <span class="ft10">des Vorsorgeprinzips und des Verhältnismässigkeitsprinzips (Art. 5</span><br/> <span class="ft10">Abs. 2 BV) den besten Lärmschutz gewährleistet. Dies kann auch</span><br/> <span class="ft10">dazu führen, dass verschiedene Lärmschutzmassnahmen kumulativ</span><br/> <span class="ft10">anzuordnen sind (Urteil des Bundesgerichts 1C_506/2008 vom</span><br/> <span class="ft10">12. Mai 2009, E. 3.3). Zu berücksichtigen ist aber auch, dass nach</span><br/> <span class="ft10">der Rechtsprechung und Lehre - wenn die massgebenden Pla-</span><br/> <span class="ft10">nungswerte eingehalten sind - solche zusätzlichen Massnahmen zur</span><br/> <span class="ft10">Emissionsbegrenzung in der Regel nur dann als wirtschaftlich trag-</span><br/> <span class="ft10">bar gelten, wenn sich mit relativ geringem Aufwand eine wesentliche</span><br/> <span class="ft10">zusätzliche Reduktion der Emissionen erreichen lässt (BGE 124 II</span><br/> <span class="ft10">517 E. 5a; 2). So können im Rahmen des Vorsorgeprinzips auch pro-</span><br/> <span class="ft10">jektbezogene Verbesserungen bzw. Projektvarianten in Betracht</span><br/> <span class="ft10">gezogen werden. Die behördliche Einforderung und Durchsetzung</span><br/> <span class="ft10">von Projektvarianten bzw. von projektbezogenen Verbesserungen ist</span><br/> <span class="ft10">insbesondere dann möglich, wenn zum geplanten Bauvorhaben eine</span><br/> <span class="ft10">funktionell gleichwertige Alternative besteht, die dem Vorsorgeprin-</span><br/> <span class="ft10">zip besser Rechnung trägt und im Rahmen des Verhältnismässig-</span><br/> <span class="ft10">keitsgrundsatzes bleibt bzw. wenn neben den privaten Interessen der</span><br/> <span class="ft10">Bauherrschaft nicht auch noch solche von Dritten betroffen sind</span><br/> <span class="ft10">(A</span><span class="ft4">LAIN</span> <span class="ft10">G</span><span class="ft4">RIFFEL</span><span class="ft10">/H</span><span class="ft4">ERIBERT</span> <span class="ft10">R</span><span class="ft4">AUSCH</span><span class="ft10">, Kommentar zum Umweltschutz-</span><br/> <span class="ft10">gesetz, Ergänzungsband zur 2. A., Zürich 2011, Art. 1 N 21, drittes</span><br/> <span class="ft10">Lemma, mit Hinweisen; Art. 11 N 16).</span><br/> <span class="ft10">3.3.2</span><br/> <span class="ft10">Als Hauptantrag verlangen die Beschwerdeführenden, ... die</span><br/> <span class="ft10">Beschwerdegegner seien zu verpflichten, den neuen Lüftungsaustritt</span><br/> <span class="ft10">an der Nordost-Fassade ... zurückzubauen.</span><br/> <span class="ft10">... Der Rückbau des Lüftungsaustritts wäre zwangsläufig mit</span><br/> <span class="ft10">dem Ausstoss über die Südostfassade verbunden; dadurch wären aber</span><br/> <span class="ft10">die Nachbarn im Südosten in ihren Interessen betroffen, was ent-</span><br/> <span class="ft10">sprechend den vorstehenden Ausführungen der beantragten Mass-</span><br/> <span class="ft10">nahme entgegensteht (vgl. Erw. 4.4.1). Zudem ist zu berücksichtigen,</span><br/> <span class="ft10">dass wenn man im vorliegenden Fall aus lärmtechnischen Gründen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">423</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">die entsprechenden Massnahmen gestützt auf das Vorsorgeprinzip</span><br/> <span class="ft10">anordnen würde, es konsequenterweise jedem Privathaushalt unter-</span><br/> <span class="ft10">sagt werden müsste, seine Küchenabluft mittels Ventilator über die</span><br/> <span class="ft10">Fassade abzuleiten (vgl. Erw. 4.4.1). Der verlangten Schliessung</span><br/> <span class="ft10">bzw. dem Rückbau des Lüftungsaustritts ist die Verhältnismässigkeit</span><br/> <span class="ft10">zweifellos und unabhängig von mutmasslichen Kosten für den Rück-</span><br/> <span class="ft10">bau abzusprechen.</span><br/> <span class="ft10">3.3.3</span><br/> <span class="ft10">Eventualiter verlangen die Beschwerdeführenden ... den Einbau</span><br/> <span class="ft10">einer Schalldämpfung und einschränkende Betriebszeiten (Betrieb</span><br/> <span class="ft10">nur zwischen 7.30-8.30 Uhr, 11.00-12.00 Uhr und 17.00-18.00</span><br/> <span class="ft10">Uhr). ...</span><br/> <span class="ft10">Laut den kantonalen Fachexperten mag der Einsatz eines</span><br/> <span class="ft10">Schalldämpfers in einer Gross- oder Industrieküche angebracht sein,</span><br/> <span class="ft10">im vorliegenden Fall seien der nachträgliche Einbau eines Schall-</span><br/> <span class="ft10">dämpfers sowie weitere bauliche oder betriebliche Massnahmen un-</span><br/> <span class="ft10">verhältnismässig. Die beantragte Betriebszeitbeschränkung des Ab-</span><br/> <span class="ft10">luftventilators sehen die Fachexperten als realitätsfremd an. Die Be-</span><br/> <span class="ft10">schwerdeinstanz kann sich den fachkundigen Ausführungen ihrer</span><br/> <span class="ft10">Fachexperten vollumfänglich anschliessen. ....</span><br/> <span class="ft6">4.</span> <span class="ft10">Luftreinhaltung</span><br/> <span class="ft10">4.1</span><br/> <span class="ft10">Die Geruchsemissionen, die vom Küchenabzug der Beschwer-</span><br/> <span class="ft10">degegner ausgehen, beurteilen sich ebenso wie die Lärmemissionen</span><br/> <span class="ft10">nach der Umweltschutzgesetzgebung des Bundes. Das USG und die</span><br/> <span class="ft10">gestützt darauf erlassene Luftreinhalteverordnung haben zum Ziel,</span><br/> <span class="ft10">die Menschen vor schädlichen oder lästigen Luftverunreinigungen</span><br/> <span class="ft10">und damit auch vor erheblich störenden, übermässigen Geruchsbeläs-</span><br/> <span class="ft10">tigungen zu schützen (Art. 1 Abs. 1, Art. 7 Abs. 3 USG, Art. 1 Abs. 1</span><br/> <span class="ft10">LRV). Zu diesem Zweck sind Luftverunreinigungen, d.h. Verän-</span><br/> <span class="ft10">derungen des natürlichen Zustands der Luft, namentlich durch</span><br/> <span class="ft10">Rauch, Staub, Gase, Aerosole, Dämpfe, Geruch oder Abwärme</span><br/> <span class="ft10">(Art. 7 Abs. 3 USG), in erster Linie durch Massnahmen an der</span><br/> <span class="ft10">Quelle zu begrenzen (Art. 11 Abs. 1 USG). In der ersten Stufe sind</span><br/> <span class="ft10">Emissionen im Rahmen der Vorsorge unabhängig von der beste-</span><br/> <span class="ft10">henden Umweltbelastung so weit zu begrenzen, als dies technisch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">424</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (Vorsorge-</span><br/> <span class="ft10">prinzip gemäss Art. 11 Abs. 2 USG sowie Art. 4 Abs. 1 LRV). Dabei</span><br/> <span class="ft10">müssen neue und bestehende Anlagen so ausgerüstet und betrieben</span><br/> <span class="ft10">werden, dass sie die in den Anhängen 1-4 LRV festgelegten</span><br/> <span class="ft10">Emissionsbegrenzungen einhalten (Art. 3 und 7 LRV). Da die</span><br/> <span class="ft10">Verordnung für Gerüche keine Emissionsgrenzwerte festlegt (Art. 3</span><br/> <span class="ft10">Abs. 1 und Anhang 1 LRV), sind die Emissionen von der Behörde</span><br/> <span class="ft10">vorsorglich so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich</span><br/> <span class="ft10">möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 4 Abs. 1 LRV). Massnah-</span><br/> <span class="ft10">men der Emissionsbegrenzung gelten nach Art. 4 Abs. 2 LRV als</span><br/> <span class="ft10">technisch und betrieblich möglich, wenn sie bei vergleichbaren Anla-</span><br/> <span class="ft10">gen im In- oder Ausland erfolgreich erprobt sind (lit. a) oder bei Ver-</span><br/> <span class="ft10">suchen erfolgreich eingesetzt wurden und nach den Regeln der Tech-</span><br/> <span class="ft10">nik auf andere Anlagen übertragen werden können (lit. b). Das</span><br/> <span class="ft10">Vorsorgeprinzip bezweckt u.a., unüberschaubare Risiken mit nachtei-</span><br/> <span class="ft10">ligen Folgen für die Umwelt zu vermeiden. Daraus lässt sich aber</span><br/> <span class="ft10">nicht ableiten, dass von einer Anlage Betroffene überhaupt keine Be-</span><br/> <span class="ft10">lastungen hinzunehmen hätten. Vielmehr hat das Vorsorgeprinzip</span><br/> <span class="ft10">nach der Konzeption des Umweltschutzgesetzes emissionsbegren-</span><br/> <span class="ft10">zenden und nicht emissionseliminierenden Charakter: Es besteht kein</span><br/> <span class="ft10">Anspruch darauf, dass eine Anlage absolut geruchsfrei funktionieren</span><br/> <span class="ft10">müsste, insofern ist eine geringfügige Belästigung der Umgebung</span><br/> <span class="ft10">zumutbar (Urteil des Bundesgerichts 1C_97/2007 vom 10. Septem-</span><br/> <span class="ft10">ber 2007, E. 2.6).</span><br/> <span class="ft10">Auf einer zweiten Stufe sind die getroffenen Emissionsbegren-</span><br/> <span class="ft10">zungen zu verschärfen oder zu ergänzen, wenn feststeht oder zu er-</span><br/> <span class="ft10">warten ist, dass die Einwirkungen trotzdem übermässig werden</span><br/> <span class="ft10">(Art. 11 Abs. 3 USG, Art. 5 und 9 LRV). Für die Beurteilung der</span><br/> <span class="ft10">schädlichen und lästigen Einwirkungen legt der Bundesrat durch Ver-</span><br/> <span class="ft10">ordnung Immissionsgrenzwerte fest (Art. 13 Abs. 1 USG). Die</span><br/> <span class="ft10">Immissionsgrenzwerte sind so festzulegen, dass nach dem Stand der</span><br/> <span class="ft10">Wissenschaft oder der Erfahrung Immissionen unterhalb dieser Werte</span><br/> <span class="ft10">die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören</span><br/> <span class="ft10">(Art. 14 lit. b USG). In Bezug auf Luftverunreinigungen gelten jene</span><br/> <span class="ft10">Immissionen als übermässig, die einen oder mehrere Immissions-</span><br/> <span class="ft10">grenzwerte nach Anhang 7 LRV überschreiten. Bestehen für einen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">425</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">Schadstoff keine Immissionsgrenzwerte, hat die Behörde im Einzel-</span><br/> <span class="ft10">fall festzulegen, was als schädlich oder lästig zu bezeichnen ist</span><br/> <span class="ft10">(Art. 12 Abs. 2 USG). Dabei sind die Immissionen dann als übermäs-</span><br/> <span class="ft10">sig einzustufen, wenn aufgrund einer Erhebung feststeht, dass sie ei-</span><br/> <span class="ft10">nen wesentlichen Teil der Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden er-</span><br/> <span class="ft10">heblich stören (Art. 2 Abs. 5 lit. b LRV). Dementsprechend sind Ge-</span><br/> <span class="ft10">ruchsimmissionen, für welche keine zahlenmässig festgelegten Im-</span><br/> <span class="ft10">missionsgrenzwerte bestehen, durch die Behörde nach den allge-</span><br/> <span class="ft10">meinen Kriterien zu beurteilen.</span><br/> <span class="ft10">4.2</span><br/> <span class="ft10">Hinsichtlich der geruchsrechtlichen Aspekte der Beschwerde</span><br/> <span class="ft10">führten die Fachexperten der Abteilung für Umwelt BVU in ihrem</span><br/> <span class="ft10">Fachbericht vom 18. März 2014 Folgendes aus:</span><br/> <span class="ft6">"1. Luftreinhaltung</span><br/> <span class="ft6">1.1 Vorsorgliche Emissionsbegrenzungen</span><br/> <span class="ft6">Die LRV gibt keinen Grenzwert für Geruchsemissionen vor. Gemäss</span><br/> <span class="ft6">Art. 11 Abs. 2 USG sind Emissionen im Rahmen der Vorsorge unabhängig</span><br/> <span class="ft6">von der bestehenden Umweltbelastung so weit zu begrenzen, als dies tech-</span><br/> <span class="ft6">nisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Gemäss LRV</span><br/> <span class="ft6">fällt unter die Emissionsbegrenzung auch die Abluftführung und gemäss</span><br/> <span class="ft6">Auslegung der Umweltschutzgesetzgebung auch der Standort der</span><br/> <span class="ft6">Emissionsquelle.</span><br/> <span class="ft6">1.1.1 Grundsätzliches / Verhältnismässigkeit</span><br/> <span class="ft6">Gemäss Art. 5 Abs. 2 BV muss staatliches Handeln im öffentlichen</span><br/> <span class="ft6">Interesse liegen und verhältnismässig sein. Gemäss § 3 VRPG müssen alle</span><br/> <span class="ft6">Entscheide das öffentliche Interesse wahren, den Verhältnissen angemessen</span><br/> <span class="ft6">sein und die Rechtsgleichheit beachten. Der Grundsatz der Verhältnis-</span><br/> <span class="ft6">mässigkeit verlangt, dass Verwaltungsmassnahmen zur Verwirklichung des</span><br/> <span class="ft6">im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und notwendig sein</span><br/> <span class="ft6">müssen (H</span><span class="ft12">ÄFELIN</span> <span class="ft6">U</span><span class="ft12">LRICH</span> <span class="ft6">/ M</span><span class="ft12">ÜLLER</span> <span class="ft6">G</span><span class="ft12">EORG</span> <span class="ft6">/ U</span><span class="ft12">HLMANN</span> <span class="ft6">F</span><span class="ft12">ELIX</span><span class="ft6">, Allgemeines</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsrecht, 6. Auflage, 2010, Rz. 581).</span><br/> <span class="ft6">Die meisten Emissionen aus stationären Anlagen können für Men-</span><br/> <span class="ft6">schen, Tiere, Pflanzen, ihre Lebensgemeinschaften und Lebensräume</span><br/> <span class="ft6">und/oder den Boden, natürlich in Abhängigkeit von Konzentration und Mas-</span><br/> <span class="ft6">senstrom der Schadstoffe, schädlich sein. Bei Geruchsemissionen aus priva-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">426</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">ter Küchenabluft kann es sich allenfalls um lästige, keinesfalls aber um</span><br/> <span class="ft6">schädliche Luftverunreinigungen handeln.</span><br/> <span class="ft6">Fast jeder Haushalt ist Verursacher von Kochgerüchen. Werden ge-</span><br/> <span class="ft6">ruchsintensive Tätigkeiten in den Küchen ausgeführt und der Dampfabzug</span><br/> <span class="ft6">ist in Betrieb oder das Küchenfenster steht offen, werden Kochgerüche im</span><br/> <span class="ft6">Nahbereich wahrgenommen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei üblichen</span><br/> <span class="ft6">Überbauungssituationen mit Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen</span><br/> <span class="ft6">Gebäudeabstände bei Ein- oder Doppeleinfamilienhäusern keine Belästi-</span><br/> <span class="ft6">gungen betreffend Kochgerüchen zu erwarten sind, auch wenn keine</span><br/> <span class="ft6">Massnahmen zur vorsorglichen Emissionsbegrenzung angewendet werden.</span><br/> <span class="ft6">Das im öffentlichen Interesse liegende Ziel des Schutzes vor lästigen</span><br/> <span class="ft6">Luftverunreinigungen kann im Falle von Küchengerüchen aus privaten</span><br/> <span class="ft6">Haushaltungen bei Ein- und Doppeleinfamilienhäusern mit üblicher Über-</span><br/> <span class="ft6">bauungssituation somit auch ohne die Anwendung von Massnahmen zur</span><br/> <span class="ft6">vorsorglichen Emissionsbegrenzung erreicht werden. Es wäre daher un-</span><br/> <span class="ft6">verhältnismässig, bei allen bestehenden und neuen Ein- und Doppeleinfa-</span><br/> <span class="ft6">milienhäusern mit üblicher Überbauungssituation im Rahmen der Vorsorge</span><br/> <span class="ft6">Massnahmen wie beispielsweise die Abluftführung der Küchenabluft über</span><br/> <span class="ft6">Dach und/oder der Einbau eines Aktivkohlefilters zu verlangen.</span><br/> <span class="ft6">Im vorliegenden Fall handelt es sich aus Sicht der Abteilung für Um-</span><br/> <span class="ft6">welt um eine übliche Überbauungssituation, auf welche die oben gemachten</span><br/> <span class="ft6">Erläuterungen ohne weiteres angewendet werden können.</span><br/> <span class="ft6">1.1.2 Standort Küchenabluftaustrittsstelle</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführenden beantragen, dass der Austritt der Küchen-</span><br/> <span class="ft6">abluft an der Nordost-Fassade wieder zu verschliessen ist resp. wieder an</span><br/> <span class="ft6">die Südost-Fassade verlegt wird. Sie legen der Beschwerde ein 'Strö-</span><br/> <span class="ft6">mungsbild Küchenabluft' bei. Wir gehen davon aus, dass bei dieser Dar-</span><br/> <span class="ft6">stellung viele Faktoren wie z.B. die Durchmischung mit der Aussenluft nach</span><br/> <span class="ft6">Austritt oder Windeinflüsse unberücksichtigt blieben. Eine solche Dar-</span><br/> <span class="ft6">stellung erachten wir als realitätsfern.</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführenden halten zudem fest, dass beim Bau der Sied-</span><br/> <span class="ft6">lung 'Breite' genau abgewogen worden sei, wo an den Liegenschaften Lüf-</span><br/> <span class="ft6">tungsaustritte von Küchenventilationen gebaut werden sollen, um störende</span><br/> <span class="ft6">Immissionen auf angrenzende Liegenschaften möglichst zu vermeiden, und</span><br/> <span class="ft6">dass aus diesem Grund der Lüftungsaustritt der Küchenventilation an der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">427</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Liegenschaft der Beschwerdegegner an der Südost-Fassade geplant und ge-</span><br/> <span class="ft6">baut worden sei.</span><br/> <span class="ft6">In den Baugesuchsplänen sind die Küchenabluftaustrittsstellen der je-</span><br/> <span class="ft6">weiligen Wohneinheiten jedoch nicht eingezeichnet. Dies ist bei Bauge-</span><br/> <span class="ft6">suchsplänen auch nicht üblich. Die Baugesuchsunterlagen liefern keine</span><br/> <span class="ft6">Hinweise, dass beim Bau der Siedlung die Platzierung der Küchenab-</span><br/> <span class="ft6">luftaustrittsstellen sorgfältig abgewogen wurde. Es ist unklar, ob zum Zeit-</span><br/> <span class="ft6">punkt der Baubewilligungserteilung überhaupt schon feststand, wo sich die</span><br/> <span class="ft6">jeweiligen Küchenabluftaustrittsstellen befinden werden. Die Abluftöffnung</span><br/> <span class="ft6">der Küchenabluft der Beschwerdegegner hätte sich somit auch von Anfang</span><br/> <span class="ft6">an an der Nordostseite des Hauses befinden können.</span><br/> <span class="ft6">Zu beachten ist, dass eine Liegenschaft meist verschiedene Nachbar-</span><br/> <span class="ft6">liegenschaften hat und die Optimierung einer Küchenabluftaustrittsstelle</span><br/> <span class="ft6">zugunsten eines Nachbars womöglich höhere Geruchsimmissionen bei</span><br/> <span class="ft6">einem andern Nachbarn zur Folge hat. Auch im vorliegenden Fall kann die</span><br/> <span class="ft6">Küchenabluftaustrittsstelle nicht für alle Nachbarn gleichzeitig optimiert</span><br/> <span class="ft6">werden.</span><br/> <span class="ft6">Wie bereits in Ziffer 1.1.1 erläutert, sind Vorgaben zur Austrittsstelle</span><br/> <span class="ft6">der Küchenabluft bei Ein- und Doppeleinfamilienhäusern mit üblicher</span><br/> <span class="ft6">Überbauungssituation im Rahmen der Vorsorge zudem als unverhältnis-</span><br/> <span class="ft6">mässig zu betrachten.</span><br/> <span class="ft6">1.1.3 Abluftführung über Dach</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführenden beantragen, dass eventualiter die Küchen-</span><br/> <span class="ft6">abluft über Dach zu führen ist.</span><br/> <span class="ft6">Emissionen sind nach Art. 6 Abs. 1 LRV so abzuleiten, dass keine</span><br/> <span class="ft6">übermässigen Immissionen entstehen. Gemäss Art. 6 Abs. 2 LRV müssen</span><br/> <span class="ft6">Emissionen in der Regel durch Kamine oder Abluftkanäle über Dach ausge-</span><br/> <span class="ft6">stossen werden.</span><br/> <span class="ft6">Bei einer privaten Küchenabluft sind keine übermässigen Immissio-</span><br/> <span class="ft6">nen zu erwarten (vgl. Ziffer 1.2.2), auch wenn die Abluft nicht über Dach</span><br/> <span class="ft6">geführt wird. Daher und aufgrund der Überlegungen gemäss Ziffer 1.1.1</span><br/> <span class="ft6">müssen Emissionen der Küchenabluft von Ein- und Doppeleinfamilienhäu-</span><br/> <span class="ft6">sern bei einer üblichen Überbauungssituation im Sinne einer Ausnahme von</span><br/> <span class="ft6">der Regel von Art. 6 Abs. 2 LRV nicht über Dach geführt werden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">428</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">1.1.4 Betriebszeiten</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführenden beantragen, dass subeventualiter in Verbin-</span><br/> <span class="ft6">dung mit andern Auflagen die Küchenventilation nur zu folgenden Zeiten</span><br/> <span class="ft6">betrieben werden darf: 7.30-8.30; 11.00-12.00; 17.00-18.00.</span><br/> <span class="ft6">Eine solche Regelung würde die Gestaltung des Tagesablaufs des Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdegegners massiv einschränken und ist als unverhältnismässig zu be-</span><br/> <span class="ft6">trachten (vgl. Ziffer 1.1.1).</span><br/> <span class="ft6">1.1.5 Aktivkohlefilter</span><br/> <span class="ft6">Gemäss Beschluss des Gemeinderats vom 7. Oktober 2013 ist von den</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdegegnern ein Aktivkohlefilter in den Küchenventilator einzuset-</span><br/> <span class="ft6">zen, welcher gemäss Herstellervorgaben ersetzt werden muss. Die Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführenden beantragen, dass subeventualiter in Verbindung mit an-</span><br/> <span class="ft6">dern Auflagen die Küchenventilation mit einem Aktivkohlefilter versehen</span><br/> <span class="ft6">werden muss, der vom Beschwerdegegner regelmässig im Abstand von vier</span><br/> <span class="ft6">Monaten ersetzt werden muss.</span><br/> <span class="ft6">Die Wirkung eines Aktivkohlefilters bei Küchenabluft ist beschränkt</span><br/> <span class="ft6">(insbesondere aufgrund der Feuchtigkeit der Abluft). Wie bereits unter Zif-</span><br/> <span class="ft6">fer 1.1.1 erläutert, sind bei üblichen Überbauungssituationen bei Ein- oder</span><br/> <span class="ft6">Doppeleinfamilienhäusern vorsorgliche Emissionsbegrenzungen betreffend</span><br/> <span class="ft6">Küchenabluft nicht verhältnismässig. Daher ist auch ein alle vier Monate</span><br/> <span class="ft6">vorgeschriebener Wechsel des Aktivkohlefilters, welcher zudem ohnehin</span><br/> <span class="ft6">nur eine beschränkte Wirkung hat, als unverhältnismässig zu betrachten.</span><br/> <span class="ft6">1.2 Verschärfte Emissionsbegrenzungen</span><br/> <span class="ft6">Ergänzende oder verschärfte Emissionsbegrenzungen werden verfügt,</span><br/> <span class="ft6">wenn feststeht resp. zu erwarten ist, dass eine einzelne Anlage übermässige</span><br/> <span class="ft6">Immissionen verursacht, obwohl sie die vorsorglichen Emissionsbegrenzun-</span><br/> <span class="ft6">gen einhält (Art. 5 Abs. 1 resp. Art. 9 Abs. 1 LRV). Geruchsimmissionen</span><br/> <span class="ft6">gelten als übermässig, wenn aufgrund einer Erhebung feststeht, dass sie ei-</span><br/> <span class="ft6">nen wesentlichen Teil der Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden erheblich</span><br/> <span class="ft6">stören (Art.2 Abs. 5 lit.b LRV).</span><br/> <span class="ft6">1.2.1 Hedonische Geruchswirkung</span><br/> <span class="ft6">In der Beschwerde vom 13. November 2013 wird Küchenabluft als</span><br/> <span class="ft6">generell sehr unangenehmer Geruch bezeichnet. Dieser Einschätzung kön-</span><br/> <span class="ft6">nen wir nicht zustimmen. Untersuchungen zur hedonischen Geruchswir-</span><br/> <span class="ft6">kung von Küchenabluft sind uns nicht bekannt. Aus unserer Erfahrung kön-</span><br/> <span class="ft6">nen wir jedoch festhalten, dass als sehr unangenehm zum Beispiel gewisse</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">429</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Gerüche aus Tierkörperverwertungsanlagen oder der Abfallverwertung,</span><br/> <span class="ft6">Gerüche aus der privaten Küchenabluft hingegen als neutral bis angenehm</span><br/> <span class="ft6">einzustufen sind.</span><br/> <span class="ft6">1.2.2 Abschätzung zur Übermässigkeit</span><br/> <span class="ft6">In der Beschwerde vom 13. November 2013 werden die Geruchs-</span><br/> <span class="ft6">immissionen, welche aus der Küchenabluft der Beschwerdegegner stam-</span><br/> <span class="ft6">men, verschiedentlich als übermässig bezeichnet. Die Methode der Bege-</span><br/> <span class="ft6">hung durch ortsfremde Probanden, mit welcher die effektiven Immissionen</span><br/> <span class="ft6">objektiv ermittelt werden können, kommt meist nur bei komplexen</span><br/> <span class="ft6">Geruchsfällen zur Anwendung, da sie sehr zeit- und kostenintensiv ist.</span><br/> <span class="ft6">Mittels des Geruchszeitanteils kann jedoch in einfacheren Fällen, wie dem</span><br/> <span class="ft6">vorliegenden Fall, abgeschätzt werden, ob die Geruchsimmissionen über-</span><br/> <span class="ft6">mässig sein können.</span><br/> <span class="ft6">In der deutschen Geruchsimmissions-Richtlinie (kann unter folgen-</span><br/> <span class="ft6">dem Link bezogen werden: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/luft/</span><br/> <span class="ft6">15666.htm) ... wird die Übermässigkeit von Gerüchen über die Häufigkeit,</span><br/> <span class="ft6">mit welcher ein Geruch wahrnehmbar ist, definiert. In Wohnzonen dürfen</span><br/> <span class="ft6">im Jahresmittel nicht mehr als 10 % positive Geruchsstunden auftreten. Die-</span><br/> <span class="ft6">ser Wert wird bei normal genutzten privaten Küchen nicht erreicht. Ge-</span><br/> <span class="ft6">ruchsimmissionen aus einer privaten Küchenabluft gelten somit nicht als</span><br/> <span class="ft6">übermässig.</span><br/> <span class="ft6">Da im vorliegenden Fall wie oben erläutert keine übermässigen Ge-</span><br/> <span class="ft6">ruchsimmissionen vorliegen, müssen auch keine ergänzenden oder ver-</span><br/> <span class="ft6">schärften Emissionsbegrenzungen getroffen werden."</span><br/> <span class="ft10">4.3</span><br/> <span class="ft10">4.3.1</span><br/> <span class="ft10">... Die ungestörte Ausübung der Wohnnutzung bedingt eine</span><br/> <span class="ft10">Umgebung, die möglichst frei ist von Lärm, Gerüchen und anderen</span><br/> <span class="ft10">Immissionen (AGVE 1994, S. 370 mit Hinweisen; AGVE 1990,</span><br/> <span class="ft10">S. 298 mit Hinweisen). Dennoch ist die Bevölkerung auch in einem</span><br/> <span class="ft10">noch so immissionsarmen Wohnquartier automatisch gewissen Ein-</span><br/> <span class="ft10">wirkungen ausgesetzt, die hingenommen werden müssen, da sie mit</span><br/> <span class="ft10">der Wohnnutzung direkt zusammenhängen. Dies sind beispielsweise</span><br/> <span class="ft10">Lärm bzw. Geruch, den spielende Kinder bzw. Haustiere verur-</span><br/> <span class="ft10">sachen, sowie Lärm oder andere Immissionen, wie sie mit dem Be-</span><br/> <span class="ft10">trieb eines Rasenmähers verbunden sind oder vom Strassenverkehr</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">430</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">herrühren (AGVE 1990, S. 298; VGE III/35 vom 25. April 2006,</span><br/> <span class="ft10">S. 6). Auch können Nachbarn nicht beanspruchen, dass sie von Ge-</span><br/> <span class="ft10">ruchsimmissionen gänzlich verschont bleiben. Derartige Immissio-</span><br/> <span class="ft10">nen sind in einer Wohnzone, solange sie nicht ununterbrochen auf-</span><br/> <span class="ft10">treten, grundsätzlich zu tolerieren (URP 2/2004, S. 164). Bewohner</span><br/> <span class="ft10">eines, wie hier, eher stark besiedelten Gebiets müssen zudem bereit</span><br/> <span class="ft10">sein, der Nachbarschaft dieselben Freiheiten zuzugestehen, wie sie</span><br/> <span class="ft10">sie auch für sich selbst in Anspruch nehmen.</span><br/> <span class="ft10">Die Ausführungen der Fachexperten der Abteilung für Umwelt</span><br/> <span class="ft10">BVU in ihrer Stellungnahme vom 18. März 2014 sind nachvollzieh-</span><br/> <span class="ft10">bar. ... (Es) erweist sich als ausgeschlossen, dass die Beschwer-</span><br/> <span class="ft10">deführenden übermässigen Geruchsimmissionen aus der strittigen</span><br/> <span class="ft10">Küchenabluft der Parzelle Nr. 960 ausgesetzt sind. Massnahmen zur</span><br/> <span class="ft10">Verminderung der Immissionen sind demzufolge nicht anzuordnen.</span><br/> <span class="ft10">In einem nächsten Schritt wird nachfolgend zu prüfen sein, ob</span><br/> <span class="ft10">sich gestützt auf das Vorsorgeprinzip die Anordnung von Massnah-</span><br/> <span class="ft10">men aufdrängt.</span><br/> <span class="ft10">4.4</span><br/> <span class="ft10">4.4.1</span><br/> <span class="ft10">Die Beschwerdeführenden verlangen die Schliessung des er-</span><br/> <span class="ft10">stellten neuen Lüftungsaustritts der Küchenventilation an der Nord-</span><br/> <span class="ft10">ostfassade bzw. dessen Rückbau. Wie vorstehend dargelegt können</span><br/> <span class="ft10">Standortoptimierungen als Projektvarianten im Rahmen des Vor-</span><br/> <span class="ft10">sorgeprinzips grundsätzlich in Betracht gezogen werden, wenn zum</span><br/> <span class="ft10">geplanten Bauvorhaben eine funktionell gleichwertige Alternative</span><br/> <span class="ft10">besteht, die dem Vorsorgeprinzip besser Rechnung trägt und im Rah-</span><br/> <span class="ft10">men des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes bleibt. Dabei ist die in</span><br/> <span class="ft10">lärmschutzrechtlichen Fällen entwickelte Praxis zu beachten, wonach</span><br/> <span class="ft10">bei Einhaltung der Planungswerte (d.h. des Immissionsniveaus der</span><br/> <span class="ft10">Geringfügigkeit) zusätzliche Massnahmen zur Emissionsbegrenzung</span><br/> <span class="ft10">in der Regel nur dann als wirtschaftlich tragbar gelten, wenn sich mit</span><br/> <span class="ft10">relativ geringem Aufwand eine wesentliche zusätzliche Reduktion</span><br/> <span class="ft10">der Emissionen erreichen lässt. Nichts anderes kann im Bereich der</span><br/> <span class="ft10">Luftreinhaltung gelten.</span><br/> <span class="ft10">... In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass ... alterna-</span><br/> <span class="ft10">tive Neuplanungen mit neuen Auswirkungen auf Dritte grundsätzlich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">431</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">unverhältnismässig sind (G</span><span class="ft4">RIFFEL</span><span class="ft10">/R</span><span class="ft4">AUSCH</span><span class="ft10">, a.a.O., Art. 11 N 16). Da-</span><br/> <span class="ft10">mit lässt sich eine Massnahme wie die vorliegend beantragte, die</span><br/> <span class="ft10">zwar Einwirkungen auf einen Nachbarn reduzieren mag, aber gleich-</span><br/> <span class="ft10">zeitig die Einwirkungen auf einen anderen Nachbarn erhöht, gestützt</span><br/> <span class="ft10">auf das Vorsorgeprinzip nicht rechtfertigen.</span><br/></div> </div> </body> </html>