Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Mai 2018 (720 17 256 / 120) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 bei Vorliegen der Diagnose einer mittelgradigen Depression (BGE 143 V 418) gestützt auf ein polydiszipli- näres externes Verwaltungsgutachten, das noch vor der Praxisänderung erstellt wurde Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Jan Herrmann , Recht s- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1973, arbeitete seit dem 1. Apri l 2009 als Verkaufsberater im Aus- sendienst bei der B.____ AG in einem 100 % Pensum. Mit Gesuch vom 23. Dezember 2010 meldete er sich bei der Schweizerischen Invalidenve rsicherung unter Hinweis auf eine Schlafapnoe, ein Restless Legs-Syndrom sowie eine D epression zum Leistungsbezug an. In der Folge konnte der Versicherte mit ärztlicher und medikamentöser Unterstützung seine Prä- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht senz und seine Leistungsfähigkeit am angestammten Arbeit splatz kontinuierlich steigern, so- dass er ab März 2012 seine bisherige Tätigkeit wieder zu 100 % ausüben konnte. Mit Mitteilung vom 8. Mai 2012 hielt die IV-Stelle Basel-Landschaft (I V-Stelle) fest, dass es aktuell keiner Frühinterventions- oder Eingliederungsmassnahmen bedürfe, da der Versicherte wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert sei. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2012 sprach die IV-Stelle A.____ ab dem 1. August 2011 eine ganze Rente, ab dem 1. September 2011 eine halbe Rente und ab dem 1. Oktober 2011 eine Viertelsrente zu. In der Verfügung wurde zudem festgehalten, dass der Invaliditätsgrad ab dem 18. Januar 2012 weniger als 40 % betrage, weshalb die Rente bis 31. Januar 2012 befristet werde. Diese Verfügung erwuchs in der Folge in Rechtskraft. Mit Gesuch vom 21. November 2013 meldete sich A.____ u nter Hinweis auf ein Restless Legs- Syndrom und eine Schlafapnoe sowie eine 100 %-ige Arbe itsunfähigkeit seit dem 21. August 2013 erneut zum Bezug von Invalidenleistungen an. Mit Verfügung vom 7. Februar 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie auf das neue Leistungsbegehren nicht eintreten werde. Er habe mit seinem neuen Gesuch nicht glaubha ft machen können, dass sich die tat- sächlichen Verhältnisse nach dem 31. Januar 2012 in einer für den Anspruch erheblichen Wei- se geändert hätten. Vom 1. Februar 2014 bis zum 30. November 2014 arbeite te A.____ als Umzugsberater Aus- sendienst bei der C.____ AG. Am 2. Februar 2015 melde te er sich unter Hinweis auf eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 11. September 2 014 wieder bei der IV-Stelle zum Leis- tungsbezug an. Der Grund dafür seien eine Schlafapnoe , ein Restless Legs-Syndrom sowie Schlafprobleme und Depression. Nach Einholung eines psychi atrischen Gutachtens bei Dr. med. D.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Gutachten vom 7. Dezember 2016), und eines polydisziplinären Gutachtens beim Zentrum für Medizinische Begutachtung MEDAS Basel (ZMB, Gutachten vom 19. April 2017) wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 28. Juni 2017 das Leistungsbegehren ab. In der Begründung wurde festg ehalten, dass der Versicherte seit Oktober 2014 in der Erwerbsfähigkeit eingeschränkt sei. Die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass er an einer rezidivierenden depressiven Stö rung, gegenwärtig mittelgradig, leide und dadurch zu 50 % arbeitsunfähig sei. Die leicht- b is mittelgradigen depressiven Störungen rezidivierender oder episodischer Art würden einzig dann als invalidisierende Krankheit in Be- tracht fallen, wenn sie erwiesenermassen therapieresiste nt seien. Vorliegend sei keine Thera- pieresistenz gegeben, da der Versicherte psychotherapeutisch eher selten und psychopharma- kologisch überhaupt nicht behandelt werde. Eine genere lle Medikamentenunverträglichkeit könne nicht angenommen werden. Es werde daher davon aus gegangen, dass es ihm ohne Umschweife zumutbar sei, die bestmöglichste Behandlungsin tensität und die bestmöglichste antidepressive Medikation anzunehmen, um den Gesundheitszu stand und die Arbeitsfähigkeit zu verbessern oder gar eine Remission zu bewirken. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Jan Herrmann, mit Eingabe vom 28. August 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin liess er beantragen, e s sei die angefochtene Verfügung auf- zuheben und es sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, ih m die gesetzlichen Rentenleistun- gen auszurichten. Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflic hten, ihm spätestens ab Septem- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ber 2014 mindestens eine halbe Rente auf der Basis ein es Invaliditätsgrades von mindestens 50 % auszurichten. Eventualiter seien von Seiten des Kan tonsgerichts ergänzende medizini- sche Abklärungen bei objektiver und neutraler Stelle zu ve ranlassen; alles unter o/e- Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. C. Mit Vernehmlassung vom 9. November 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten d er Beschwerdeführer mit Replik vom 28. November 2017 und die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 8. Dezember 2017 an ihren Anträgen fest. E. Nachdem die Angelegenheit am 13. Dezember 2017 dem Gericht zur Beurteilung überwiesen worden war, führte der Beschwerdeführer mi t Eingabe vom 19. Dezember 2017 unter Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts vom 30. No vember 2017 (8C_841/2016) aus, dass das Bundesgericht von seiner bisherigen Rechtsprechung zu den leichten bis mittelschwe- ren Depressionen und insbesondere vom Kriterium „Therapieresistenz“ abgerückt sei. Das Gut- achten des ZMB sei auf Basis des nunmehr systematisch zu verwen denden Fragekatalogs er- stellt worden. Es genüge daher den Anforderungen gem äss BGE 125 V 351. Damit liege eine Abklärung mittels strukturiertem Beweisverfahren BGE 141 V 281 vor, deren Ergebnis eine In- validität nicht nur im medizinischen, sondern auch im r echtlichen Sinne bestätige. Daher werde erneut beantragt, dass die Beschwerde gutzuheissen und spät estens ab Oktober 2015 eine halbe IV-Rente auszurichten sei. F. Mit Eingabe vom 17. Januar 2018 hielt die Beschwe rdegegnerin unter Hinweis auf die Ausführungen von Dr. med. E.____, Facharzt Psychiatrie u nd Psychotherapie, Regionaler ärzt- licher Dienst beider Basel (RAD), vom 16. Januar 2018 an ihrem Abweisungsantrag fest. G. Mit abschliessender Stellungnahme vom 13. Februar 20 18 hielt der Beschwerdeführer fest, dass das Argument der Beschwerdegegnerin, es sei ihm die volle Mitwirkung und konse- quente Durchführung der Psychotherapie und der antidepr essiven Therapie zuzumuten, nach der Aufgabe des Bundesgerichts des Kriteriums der Ther apieresistenz irrelevant sei. Es handle sich nicht mehr um eine Anspruchsvoraussetzung, sondern allenfalls um einen Faktor, der bei der Schadenminderungspflicht zu prüfen wäre. Die Guta chten seien valid und die medizinisch ausgewiesene Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit des Beschwe rdeführers von 50 % sei aner- kannt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 28. August 2017 ist demnach ei nzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegner in das Leistungsbegehren des Be- schwerdeführers zu Recht ablehnte. Dabei ist insbesonde re zu prüfen, ob die Beschwerdegeg- nerin gestützt auf das ZMB-Gutachten vom 19. April 201 7 bundesrechtskonform einen invalidi- sierenden Gesundheitsschaden ausschloss. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – so- gar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c). 3.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.5 Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass Art. 43 A bs. 1 ATSG die Sachverhaltsab- klärung von Amtes wegen statuiert, wobei es im Ermessen de s Versicherungsträgers liegt, dar- über zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolge n hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmäs- sigkeit von medizinischen Erhebungen zu. Es obliegt aber ihm, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla ge. Gestützt auf den Untersu- chungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zu- mindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 138 V 218 E. 6) entschieden werden kann. 5.1 Zur Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit liegen folgende wesentliche medizini- sche Unterlagen vor: 5.2 Dr. med. F.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH , diagnostizierte im Arztbericht vom 18. Februar 2011 mit Auswirkungen auf die Arbeitsf ähigkeit eine längerdauernde Anpas- sungsstörung/depressive Reaktion auf vorbestehende Schlafstö rungen mit nachfolgender Ta- gesmüdigkeit und ein soziophobisches Verhalten bei überhöhten Selbstansprüchen (gegenüber der Familie, den Eltern, dem Dorf und der Geschäftswe lt nicht zu genügen). Die 100 %-ige Ar- beitsunfähigkeit bestehe seit Therapiebeginn (16. Se ptember 2010) bis heute. Der Gesund- heitszustand sei besserungsfähig. Es fänden ein bis zwei Therapiesitzungen wöchentlich und eine psychopharmakalogische Therapie statt. Dr. F.____ bescheinigte dem Versicherten mit Bericht vom 29. Juli 2012 ab dem 29. Februar 2012 wieder eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit. 5.3 Mit Arztzeugnis vom 15. Januar 2015 hielt Dr. med. G .____, Psychiatrie und Psycho- therapie FMH, fest, dass sich die gesundheitlichen Proble me des Patienten wieder dahin ge- hend verschlechtert hätten, dass seit dem 11. September 2014 wieder eine 100 %-ige Arbeits- unfähigkeit vorliege. Aus psychiatrischer Sicht seien mög lichst bald berufliche Massnahmen im Sinne eines Belastbarkeitstrainings von Seiten der IV a ngezeigt. Gegenüber dem Krankentag- geldversicherer hielt Dr. G.____ am 19. Februar 2015 fest, dass sich der Beschwerdeführer vom 22. September 2014 bis 26. Oktober 2014 stationär in der Rehaklinik H.____ aufgehalten habe. Er leide an Energielosigkeit, Antriebsarmut, M üdigkeit, Erschöpfung, massiven Minder- wertigkeitskomplexen, Hoffnungslosigkeit, bedrückter Stimm ung, herabgesetzter Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit. Es bestünden soziale Rückzugstendenz en, Lebensüberdrussgedanken Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und viele Schmerzen. Diagnostiziert werden könnten eine r ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, sowie eine Schlafap noe mit Restless Legs-Syndrom. Es würden wöchentliche psychotherapeutische Gespräche, eine medikamentös homöopathische Behandlung sowie verschiedene somatische Interventionen du rchgeführt. Seit dem 22. Sep- tember 2014 bis auf weiteres bestehe eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit. 5.4 In der Folge wurde der Versicherte im Auftrag des Krankentaggeldversicherers durch Dr. med. I.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, psychi atrisch begutachtet. Dr. I.____ diagnostizierte mit Gutachten vom 3. September 2015 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mit telgradige Episode, im Sinne einer aty- pischen Depression (ICD-10: F33.8). Es sei einerseits aufg rund der genetischen Vulnerabilität und andererseits bei zunehmender Ausschöpfung der psychische n Ressourcen, teilweise auch aufgrund der körperlichen Beschwerden, vor mindestens fünf Jahren zum Ausbruch einer atypi- schen Depression mit vordergründig depressiven Symptomen im Sinne einer anhaltenden ra- schen Ermüdung, einem Schweregefühl im Körper und musk ulo-skelettalen Schmerzen, einem vermehrten Schlafbedürfnis und einer intermittierenden massiven Gewichtszunahme sowie ei- ner eingeschränkten Konzentrationsdauer und verminderten Schwingungsfähigkeit gekommen. Es würden sich keine Hinweise auf schwerwiegende bewusste/u nbewusste emotionale Konflik- te ergeben oder eine schwerwiegend belastende psychosozial e Situation, weshalb beim Explo- randen bei geklagten körperlichen Beschwerden keine Stör ung aus dem somatoformen For- menkreis inkl. einer anhaltenden somatoformen Schmerzstör ung, sondern eine atypische De- pression diagnostiziert werden könne. Anlässlich des Gesprächs habe der Explorand im Verlauf objektiv eine zunehmende geistige Erschöpfung mit konsequ ent reduzierter Konzentrationsfä- higkeit, eine mittelschwere Einschränkung der geistigen Flexibilität aufgrund formaler Denkstö- rungen, Antriebsstörungen und eine verlangsamte Psychom otorik aufgewiesen. Bei festgestell- ten mittelschweren Beeinträchtigungen seiner psychokognitiven Funktionen könne gegenwärtig von einer mittelgradigen depressiven Episode ausgegangen werden, weshalb ihm sozialmedi- zinisch eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten attestiert werden könne. Der Explorand stehe in regelmässiger ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung, die aus Sicht des Referenten mit einem Antidepressivum er gänzt werden könnte. Unter den vorgeschlagenen therapeutischen Massnahmen sei von einer Erhaltung der 50 %-igen Arbeits- fähigkeit auszugehen, eine weitere Verbesserung sei mitte lfristig aber nicht mehr zu erwarten. In Bezug auf die Plausibilitäts- und Konsistenzprüfung h ielt Dr. I.____ fest, dass die erhobenen Untersuchungsbefunde mit den anamnestischen Angaben bezüg lich des Aktivitätenniveaus übereinstimmen würden. Das Ausmass der geschilderten psych ischen Beschwerden stimme mit der Inanspruchnahme der therapeutischen Massnahmen ü berein. Die Angaben des Explo- randen würden nicht erheblich von der Aktenlage abweichen. Bei der Anamneseerhebung seien keine Widersprüchlichkeiten festgestellt worden. Das Ver halten sei während der Testdurchfüh- rung konsistent gewesen und die Testergebnisse würden mit den objektiven Befunden überein- stimmen. 5.5 In der Folge liess die Beschwerdegegnerin den Versi cherten ebenfalls psychiatrisch begutachten. Dr. D.____ gelangte im Gutachten vom 7. Dezember 2016 zur Auffassung, dass beim Versicherten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) geg eben sei. Es würden keine Diagnosen vorliegen, die sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswir ken würden. Hinweise auf Inkonsisten- zen, die auf eine Aggravation oder Simulation hindeu ten würden, gebe es keine. Auch die Symptomvalidierung zeige keine Hinweise auf eine vermi nderte Anstrengungsbereitschaft be- züglich kognitiver Leistung. Wohl zeige der Explorand ein e Behinderungsüberzeugung und wir- ke ängstlich auf seine Beschwerden eingeengt. Aktuell be stehe aber ein mittelgradiges depres- sives Syndrom. Der Explorand zeige eine niedergeschlagen e Stimmung, er habe eine Vermin- derung der Interessen und der Freudefähigkeit geäusser t. Der Antrieb sei nicht vermindert ge- wesen. Es seien Insuffizienzgefühle angegeben worden, da s Gefühl, weniger wert zu sein. Er habe Gedanken des Lebensüberdrusses geäussert. Schuldgef ühle seien bejaht worden. Der Explorand habe auch subjektiv das Gefühl von Konzentrationsschwierigkeiten. Insgesamt seien daher die Kriterien für ein mittelgradiges depressives S yndrom erfüllt. In einer Tätigkeit, die ho- he Anforderungen an die Konzentration stelle und die konstanten Kundenkontakt verlange, be- stehe in Anbetracht dieser Einschränkungen eine Arbeit sunfähigkeit von 100 %. Es sei davon auszugehen, dass die beschriebene Arbeitsunfähigkeit seit September 2014 bestehe. In Bezug auf eventuell differente Voreinschätzungen är ztlicher Fachkollegen und -kolleginnen hielt Dr. D.____ fest, dass bezüglich der rein diagnosti schen psychiatrischen Einschätzungen keine wesentlichen Unterschiede ausgemacht werden könnten . Die in den Vorberichten er- wähnte somatoforme Schmerzstörung könne er nicht bestä tigen, da emotionale Konflikte oder psychosoziale Belastungen verneint werden müssten. Bezüglich der Einschätzung der Arbeits- fähigkeit würden differente als auch kongruente Einschä tzungen bestehen. Die Einschätzung von Dr. I.____ würde mit seiner übereinstimmen. Aus rei n versicherungsmedizinischer Sicht könne bei dem mittelgradigen depressiven Zustandsbild ke ine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten attestiert werden, da sich die Arbeit sfähigkeit nach den Anforderungen am Ar- beitsplatz richte. Für alternative Tätigkeiten, die weniger hohe Anforderungen an die Konzentra- tionsdauer und weniger Anforderungen an die geistige Flexibilität stellen würden, bestehe eine Einschränkung von 50 %. Zu den Behandlungsmöglichkeiten hielt Dr. D.____ fest, dass der Explorand weiterhin eine psychotherapeutische Behandlun g in Anspruch nehmen sollte. Der Explorand scheine Medikamente nicht so gut zu vertragen, weswegen die Option einer antide- pressiven medikamentösen Behandlung eher schwierig sei. Wie auch im Gutachten von Dr. I.____ beschrieben worden, sei prognostisch eine weit ere Verbesserung mittelfristig nicht mehr zu erwarten. 5.6 Die Beschwerdegegnerin liess den Beschwerdeführer sch liesslich auch noch polydis- ziplinär durch das ZMB begutachten. Die Fachärzte des ZM B gelangten im Gutachten vom 19. April 2017 aus interdisziplinärer Sicht (allgemein-inte rnistischer, rheumatologische und psychi- atrische Fachrichtung) zu folgenden Diagnosen mit Auswir kungen auf die Arbeitsfähigkeit: Ak- zentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstisch-abhängigen Anteilen (Z73.1 ICD-10), eine atypi- sche, rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mitte lgradig (F33.8 ICD-10), ein zervika- les und lumbales Schmerzsyndrom mit/bei diskreten bis mässig en degenerativen Veränderun- gen des gesamten Achsenskeletts, mässiger Keilwirbelbildung BWK11 und 12, wahrscheinlich Status nach thoracolumbalem Morbus Scheuermann, mässigen d egenerativen Veränderungen der Sacroiliacalgelenken, einer muskulären Dysbalance im Nacken- und Schultergürtel, einer Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Femoropatellararthrose und einer diskreten, medialen Gonarthrose links mit/bei anamnestisch Status nach traumatischem Teilabriss der lateralen Patel la. Nicht auf die Arbeitsfähigkeit wür- den sich generalisierte, wandernde Arthralgien und Myal gien unklarer Ätiologie sowie eine Adi- positas auswirken. Anlässlich der psychiatrischen Exploration ha be der Explorand eine deutli- che Somatisierung mit vordergründigem Vertreten eines so matischen Krankheitskonzepts prä- sentiert. Die Beschwerdeschilderung sei konzis gewesen. Er habe sich in mittelgradig depressi- ver Verstimmung befunden. Die Modulations- und Resonanz fähigkeit der Stimmung sei mittel- gradig vermindert gewesen, mittelgradig vermindert se i auch das Interesse, es hätten eine mit- telgradige Freudlosigkeit, eine mittelgradige kognit ive Verlangsamung, ein mittelgradig vermin- dertes Selbstwertgefühl, mittelgradige Gefühle von W ertlosigkeit sowie mittelgradig pessimisti- sches Gedankengrübeln bestanden. Er sei in mittelgradig h ypochondrische Ängste und Gedan- ken verfangen gewesen. Der Antrieb und die Psychomotori k seien mittelgradig gemindert ge- wesen. Psychotisches oder psychosenahes Erleben oder Verhalt en hätten nicht nachgewiesen werden können. Mit Ausnahme einer mittelgradigen Verl angsamung hätten sich kognitive Auf- fälligkeiten nicht nachweisen lassen. Das Bewusstsein und die Orientierung seien erhalten ge- wesen. In Bezug auf die funktionellen Auswirkungen der o bjektivierten Befunde hielten die Gut- achter fest, dass die letzte Tätigkeit aufgrund der schwi erigen Arbeitsplatzsituation nicht mehr zumutbar sei. Der Explorand sei allgemein mit einer a nspruchsvollen Aussendiensttätigkeit überfordert. In adaptierter Tätigkeit bei mittelgrad ig akzentuierten Persönlichkeitszügen und mittelgradiger atypischer Depression bestehe eine mitte lgradige Beeinträchtigung bei der An- wendung fachlicher Kompetenzen, der Anpassung an Regeln und Routinen, bei der Planung und Strukturierung, bei der Flexibilität und der Umste llfähigkeit, der Durchhaltefähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeit, der Kontaktfähigkeit zu Dr itten, der Gruppenfähigkeit sowie der Fähigkeit zu Spontan-Aktivitäten bei ansonsten erhalte nen Items. Die degenerativen Verände- rungen des Achsenskeletts sowie die diskreten Keilwirbelbildungen und Veränderungen, welche vermutlich auf einen durchgemachten thoracolumbalen Mo rbus Scheuermann zurückgeführt werden müssten, seien nicht sehr ausgeprägt, ebenfalls nicht sehr ausgeprägt seien die links- seitige Retropatellararthrose und die beginnende medi ale Gonarthrose links. Dennoch seien das Achsenskelett und das linke Knie als Folge dieser Veränderungen minderbelastbar. In Bezug auf den funktionellen Schweregrad und die Konsistenz hielten die Gutachter fest, dass die depressive Störung mittelgradig und die akzentuiert en Persönlichkeitszüge mittelgradig ausgeprägt seien. Nicht nachweisen lasse sich eine Persö nlichkeitsstörung. Die Persönlich- keitsakzentuierung und die depressive Störung würden sich g egenseitig durchdringen. Eine gewisse soziale Vernetzung könne nachgewiesen werden. I m Vergleich zu früher bestehe ein gewisser sozialer Rückzug. Die erhobenen Untersuchungsbefun de würden mit den anamnesti- schen Angaben bezüglich des Aktivitätenniveaus des Explorand en übereinstimmen. Die Anga- ben seien insgesamt aktenkonform. Das Verhalten sei wäh rend der Exploration konsistent ge- wesen. Es bestehe eine gleichmässige Einschränkung des Aktivi tätenniveaus in allen ver- gleichbaren Lebensbereichen. Es bestünden gut nachwei sbar psychosoziale Faktoren und emotionale Konflikte. Diese würden weitgehend in der mittelgradigen Persönlichkeitsakzentuie- rung aufgehen. Die Somatisierungsanteile seien Teil der atypischen Depression F33.8. Im Rahmen der rheumatologischen Exploration würden sich kei ne Inkonsistenzen feststellen las- sen. Nichtsdestotrotz sollte berücksichtigt werden, dass nu r ein Teilaspekt der Beschwerden Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch die objektiven Befunde erklärt werden könnten. Au fgrund der rezidivierend depressiven Störung mittelgradig auf dem Hintergrund mittelgrad ig akzentuierter Persönlichkeitszüge mit entsprechenden Leistungseinbrüchen sei die Tätigkeit i m Aussendienst Verkauf nicht mehr zu- mutbar. Unzumutbar sei die zuletzt ausgeübte Tätigkei t, da der Explorand mit dem impulsiven Vorgesetzten nicht zurecht gekommen sei. In adaptierter Tätigkeit bei mittelgradigen akzentu- ierten Persönlichkeitszügen und rezidivierend depressiver St örung mittelgradig sei eine 50 %- ige erwerbsbezogene Leistungsverminderung zu attestie ren. Der Versicherte sei auf eine wohlmeinende Arbeitsplatzumgebung angewiesen und dü rfe nicht unter zu starken Leistungs- druck geraten. Diese Angaben würden ab der Krankschreibu ng ab 10. September 2014 gelten. Dem Versicherten könnten aufgrund der Veränderungen de s Achsenskeletts und des linken Kniegelenks körperlich schwere und Schwerstarbeiten aus rhe umatologischer Sicht nicht mehr zugemutet werden. Möglich wären jedoch weiterhin alle leichten bis intermittierend mittelschwe- ren, rückenadaptierten und wechselbelastenden Tätigkeit en, bei denen keine starken Kniebe- lastungen vorkommen würden (kein repetitives Steigen au f Treppen oder Leitern, keine Arbei- ten in der Höhe, keine Arbeiten im Knien). Aus gesamt heitlicher Sicht gelte die psychiatrische Beurteilung unter Berücksichtigung des rheumatologischen Profils. In Bezug auf den Beginn der Arbeitsunfähigkeit und den Verlauf der körperlichen und psychi- schen Einschränkungen hielten die ZMB-Gutachter fest, da ss der Versicherte ab 2. September 2010 arbeitsunfähig geschrieben worden sei. Es sei dann eine IV-unterstützte Wiedereingliede- rung mit Erreichen einer 100 %-igen Arbeitsfähigkeit im März 2012 erfolgt. Die erreichte Ein- gliederung sei knapp geblieben, sie könne nicht als na chhaltig bezeichnet werden. Ab dem 1. August 2013 sei der Explorand erneut arbeitsunfähi g geschrieben worden. Er habe sich ab dem 1. Februar 2014 selbständig als Umzugsberater wi edereingliedern können. Ab dem 10. September 2014 habe er erneut krankgeschrieben wer den müssen. Zwischen dem 4. Mai 2015 bis 13. August 2015 seien Frühinterventionsmassnahme n in Form eines Belastbarkeits- trainings erfolgt. Gemäss Abschlussbericht vom 19. August 2015 habe sich der Versicherte für jegliche Art von Arbeit vollständig arbeitsunfähig ge fühlt. Gemäss Bericht der Eingliederungs- stätte J.____ vom 3. September 2015 sei er an seine Gre nzen gekommen, er sei nicht mehr motiviert gewesen und habe sich völlig energielos gezeigt . Nachgewiesen werden könne ein eingliederungsanamnestischer Leidensdruck. Das Ausmass der von der Eingliederungsstätte J.____ beschriebenen Energielosigkeit könne jedoch psychia trisch nicht vollumfänglich nach- vollzogen werden. Der Versicherte sehe sich weiterhin nicht in der Lage, wieder erwerbstätig zu sein. Weitere berufliche Massnahmen der IV dürften aktu ell kaum zielführend sein. Psychiatri- scherseits könnte möglicherweise längerfristig unter kombi nierter psychopharmakologischer- psychotherapeutischer Behandlung inklusive Blutbildbestimm ung eine gewisse Besserung er- zielt werden. Von rheumatologischer Seite her könne kei ne Verbesserung der Arbeitsfähigkeit durch medizinische Massnahmen erreicht werden. In Bezug au f die Prognose äusserten sich die Gutachter dahingehend, dass von psychiatrischer Seite her mit längeren Verlaufszeiträu- men zu rechnen sei. Im Rahmen der Bemerkungen hielten die Gutachter fest, dass eine deut- lich nachweisbare, psychiatrische Problematik bestehe. Die se beeinflusse in relevantem Aus- mass das erwerbsbezogene Leistungsvermögen. In zwei Jahren sollte die psychiatrische Situa- tion nochmals evaluiert werden. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 4.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungs- verfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinne n und -ärzte, die aufgrund einge- hender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Ei nsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb nissen gelangen, bei der Beweiswür- digung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht kon krete Indizien gegen die Zuverlässig- keit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hie r keine vor. Das ausführliche Gutachten des ZMB vom 19. April 2017 weist weder formale noch in haltliche Mängel auf, ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. Erwägung 4.3 hiervor) – für die streitigen Belange umfas- send, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichti gt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, ist in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation schlüssig und enthält ein- leuchtende Schlussfolgerungen, so dass darauf vollumfänglich abgestellt werden kann. 6.2 Vorliegend ist der Gesundheitszustand des Beschwerde führers denn auch unbestrit- ten. In Bezug auf die psychiatrischen Beschwerden gehen al le involvierten psychiatrischen Fachärzte (Dr. F.____, Dr. G.____, Dr. I.____, Dr. D. ____ und Dr. K.____) von einer rezidivie- renden depressiven Störung mittelgradiger Ausprägung a us, die sich einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. Zudem wird die Arbeitsunfähigkeit von Dr. F.____, von Dr. I.____, von Dr. D.____ sowie vom psychiatrischen Gutachter des ZMB, Dr. med. K.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, übereinstimmend mit 50 % beziffert. Soweit Dr. G.____ ohne nähere Be- gründung eine Arbeitsunfähigkeit von 80-100 % attestie rt, kann aus beweisrechtlicher Hinsicht nicht darauf abgestellt werden. Zudem bestehen aus rhe umatologischen Gründen gewisse Ein- schränkungen bezüglich der Art der Erwerbstätigkeit, beg ründet durch ein cervicales und lum- bales Schmerzsyndrom bei diskreten bis mässigen degenerative n Veränderungen des gesam- ten Achsenskeletts, einer mässigen Keilwirbelbildung BWK 11 und 12, mässigen degenerativen Veränderungen der Sacroiliacalgelenken, einer muskulären Dysbalance im Nacken- und Schul- tergürtel sowie einer Femoropatellararthrose und ei ner diskreten, medialen Gonarthrose links bei anamnestisch Status nach traumatischem Teilabriss der lateralen Patella. 6.3 In seiner Stellungnahme vom 28. April 2017 zum ZMB -Gutachten gelangte auch Dr. E.____ zur Auffassung, dass das Gutachten in formaler wie inhaltlicher Hinsicht den bun- desgerichtlichen Vorgaben an ein beweistaugliches Gutachten genüge. Er stellte sich allerdings auf den Standpunkt, dass der Beschwerdeführer gemäss Akten lediglich alle drei Wochen zu Dr. G.____ gehe und keine antidepressive Medikation erh alte, was für die gegenwärtig mittel- gradige depressive Störung eine eindeutig nicht genüge nde Therapie darstelle. Es wäre ihm zumutbar, die bestmögliche Behandlungsintensität und die bestmögliche antidepressive Medi- kation anzunehmen, um seinen Gesundheitszustand und di e Arbeitsfähigkeit zu verbessern. Hinweise für eine Therapieresistenz würden nicht vorliegen, da der Versicherte eher selten und psychopharmakologisch überhaupt nicht behandelt werde. Im Rahmen des Vorbescheidsver- fahrens führte Dr. E.____ am 14. Juni 2017 aus, dass nich t von einer absoluten Therapieresis- tenz gesprochen werden könne, da nicht alle Optionen a usgeschöpft worden seien. Gestützt auf diese Einschätzung erliess die Beschwerdegegnerin am 28. Juni 2017 die vorliegend ange- fochtene Verfügung. Darin lehnte sie einen Rentenansp ruch mit der Begründung ab, dass die Abklärungen ergeben hätten, dass der Beschwerdeführer a n einer rezidivierenden depressiven Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Störung, gegenwärtig mittelgradig, leide. Aus den Gu tachten gehe hervor, dass er in der Ar- beitsfähigkeit zu 50 % eingeschränkt sei. Bezüglich dieses Leidens liege aber keine Therapie- resistenz vor, da die Behandlungsmöglichkeiten bisher nicht optimal und nachhaltig ausge- schöpft worden seien. Die gestellte Diagnose falle desha lb nicht als invalidisierende Krankheit in Betracht. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei dieser Beur teilung auf die damalige Recht- sprechung des Bundesgerichts, die bei leichten bis mittelsch weren Störungen aus dem depres- siven Formenkreis – aufgrund der regelmässig guten Therap ierbarkeit – eine invalidenversiche- rungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigke it in der Regel verneinte (statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Sozialversicherungsrecht – Rechtsp rechung [SVR] 2016 IV Nr. 52 S. 176 E. 4.2). Eine leichte bis mittelschwere depressive S törung wurde demnach nur als invalidi- sierend gewertet, wenn sie schwer und therapeutisch nich t (mehr) angehbar war, was voraus- setzte, dass keine therapeutische Option mehr und somit e ine Behandlungsresistenz bestand („fehlende Therapieresistenz“, vgl. BGE 141 V 281 E. 4. 3.1.2; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juli 2017, 8C_222/2017, E. 5.2). Der Beschwerdeführer stellte sich in der Beschwerde vom 28. August 2017 gegen diese Rechtsprechung des Bundesgerichts und legte dar, dass das Kriteri- um der Therapieresistenz das Rechtsgleichheits- und Diskrim inierungsverbot verletze, da die Therapierbarkeit per se kein Argument sei, eine Rente zu verweigern. 7.2 Wenige Tage nachdem die vorliegende Angelegenhe it dem Gericht erstmals zur Beur- teilung überwiesen wurde, teilte das Bundesgericht in e iner Presseerklärung mit, dass es mit zwei Entscheiden vom 30. November 2017 (BGE 143 V 409 ff. und 418 ff.) seine Rechtspre- chung zur Beurteilung des Anspruchs auf eine IV-Rente bei psychischen Leiden geändert habe. In BGE 143 V 418 ff. entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 ff. zu unterziehen seien (Erwägung 7 des genannten Entscheids). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt es im gleichen tags ergangenen BGE 143 V 409 ff. fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psyc hische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden The rapieresistenz auszuschliessen sei (Er- wägung 5.1 des genannten Entscheids). Damit bekräftigte das Bundesgericht seine Rechtspre- chung gemäss BGE 127 V 294 E. 4c, wonach die Behandelbar keit eines Leidens dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität nicht absolut en tgegenstehe (BGE 143 V 409 E. 4.2.1). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit au ch bei den leichten bis mittelgradigen de- pressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einersei ts und Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erre ichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigu ng miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; SVR 2018 IV Nr. 36 S. 116 E. 4.2.1). 7.3 Die Parteien äusserten sich in der Folge – der Besch werdeführer in seinen Eingaben vom 19. Dezember 2017 und 13. Februar 2018 und die Be schwerdegegnerin in ihrer Stellung- nahme vom 17. Januar 2018 – zu den Auswirkungen dieser neuen Praxis auf den vorliegenden Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fall. Die Beschwerdegegnerin erwog im Wesentlichen, är ztlicherseits werde dem Beschwerde- führer aufgrund einer psychiatrischen Symptomatik eine E inschränkung in seiner Leistungsfä- higkeit attestiert. Es könne aber weder von einer konseq uenten Depressionstherapie noch da- von gesprochen werden, dass das Leiden therapeutisch ni cht angehbar sei, weshalb dem Lei- den keine invalidisierende Wirkung zuzuerkennen sei. Sie hielt demzufolge an ihrer Auffassung fest und verneinte einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer bean- tragte die Gutheissung der Beschwerde und die Zusprechung einer halben Rente spätestens ab Oktober 2015. 8.1 Gemäss BGE 143 V 418 sind sämtliche psychischen Leiden , laut BGE 143 V 409 na- mentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, ein em strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Diese neue Rechtspre chung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (U rteil des Bundesgerichts vom 7. März 2018, 8C_756/2017 E. 4 mit weiterem Hinweis) und ist somit auch im vorliegenden Fall massgebend. Im Folgenden ist demnach zu prüfen, ob die vorhandene medizinische Aktenlage es erlaubt, die Beschwerde in Anwendung der geschildert en neuen bundesgerichtlichen Recht- sprechung zu beurteilen. In diesem Zusammenhang ist vorab auf den Grundsatz hinzuweisen, dass gemäss altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachte n nicht per se ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften P rüfung des Einzelfalls mit seinen spezi- fischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entsche idend, ob ein abschliessendes Ab- stellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bunde srecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8, 137 V 210 E. 6). Vorliegend nahmen die ZMB-Gu tachter Bezug auf die Indikatoren ge- mäss BGE 141 V 281 ff. und das IV-Rundschreiben Nr. 334, da sie von der Beschwerdegegne- rin im Auftragsschreiben bereits dazu aufgefordert wor den waren. Die Gutachter setzten sich somit bereits mit den Standardindikatoren auseinander. Das ZMB-Gutachten enthält damit alle erforderlichen Angaben für die Prüfung der Frage, ob sich ein invalidisierender Gesundheits- schaden anhand der Standardindikatoren verifizieren lässt (vgl. SVR 2018 IV Nr. 36 S. 116 E. 4.3). Dies wurde auch von Dr. E.____ in seiner Stellungnahme vom 28. April 2017 so festge- stellt, nachdem er das Gutachten einer Prüfung unterzogen hatte. 8.2 Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit be achtlichen Standardindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert: Der erste Indikato ren-Komplex steht unter dem Titel „Gesundheitsschädigung“. Darunter sind die Ausprägung d er diagnoserelevanten Befunde, der Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg ode r -resistenz und die Komorbiditäten zu würdigen. Im zweiten, die „Persönlichkeit“ betreffen den Indikatoren-Komplex wird nach der Persönlichkeitsentwicklung und der Persönlichkeitsstruktur g efragt, und es sind die persönli- chen Ressourcen des Versicherten zu eruieren. Im dritten Indikatoren-Komplex schliesslich ist unter dem Titel „Sozialer Kontext“ eine Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds vorzunehmen. Anhand der ermittelten Indikatoren ist sch liesslich die „Konsistenz“ zu prüfen. Darunter fallen verhaltensbezogene Kategorien wie di e Indikatoren einer gleichmässigen Ein- schränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Leb ensbereichen und eines behand- lungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks (BGE 141 V 281 E. 4). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Stell ungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einsc hränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und damit ve rgleichbare Leiden können somit eine Invalidität nur begründen, wenn die funktionelle n Auswirkungen der medizinisch festge- stellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfal l anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit zumindest überwiegende r Wahrscheinlichkeit in einem an- spruchserheblichen Ausmass nachgewiesen sind. Fehlt es daran , hat die Folgen der Beweislo- sigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6). Nach dem Gesagten sind bei der Indikatorenprüfung der Schweregrad der Krankheit und die Konsistenz des Verhaltens der versicherten Person von zentra ler Bedeutung, wobei namentlich die Ressourcen im Alltag ausschlaggebend sind. Zu diese n Aspekten enthält das ZMB- Gutachten hinreichende und überzeugende Antworten. So ist ihm in Bezug auf die Schwere der Krankheit zu entnehmen, dass sich die Depression in einer mittelgradigen Episode manifestiere und die akzentuierten Persönlichkeitszüge mittelgradig au sgeprägt seien (vgl. S. 49 und S. 60 des ZMB-Gutachtens). Der psychiatrische Gutachter des ZMB Dr. K.____ legte ausserdem dar, dass sich die Persönlichkeitsakzentuierung und die depressive Störung gegenseitig durchdrin- gen würden (vgl. S. 49 und S. 65 des ZMB-Gutachtens). Weiter führte er in Bezug auf den sozi- alen Kontext und die Ressourcen aus, dass für den Fall, dass der Beschwerdeführer nicht zu sehr unter Druck gerate, er sich sozial, beruflich und p artnerschaftlich nachweisbar gut entwi- ckeln könne. Gelinge es ihm dagegen nicht, seine emotion alen und leistungsbezogenen Ziele zu erreichen, würden seine Ressourcen erheblich einbrech en. In Bezug auf den Indikator „Per- sönlichkeit“ führte Dr. K.____ auf S. 37 und 38 aus, d ass diese mässig integriert sei: mässig integriert seien die Selbst-/Fremdwahrnehmung, die Selbststeuerung und die innere Bezie- hung/äussere Beziehung. Zur Konsistenz des Verhaltens des B eschwerdeführers hielt Dr. K.____ ausdrücklich fest, dass die erhobenen Untersuchun gsbefunde mit den anamnestischen Angaben bezüglich des Aktivitätenniveaus des Beschwerdeführers übereinstimmen würden. Es bestehe eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätennive aus in allen vergleichbaren Le- bensbereichen. Die Angaben seien auch aktenkonform. Das V erhalten des Beschwerdeführers während der Exploration sei konsistent gewesen (vgl. S. 50 und S. 65 f. des ZMB-Gutachtens). Anhaltspunkte für eine Aggravation oder eine Verdeut lichungstendenz wurden nicht gefunden. Zu den Aspekten „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ stellte Dr. K.____ klar, dass ein behandlungsanamnestischer Leidensdruck gut nachvollzogen werden könne (S. 53 des ZMB-Gutachtens). Die Indikation zur Fortsetzung der getroffenen psychiatrischen Mass- nahmen sei gegeben. Von einer Polypragmasie (= therape utisches oder diagnostisches Vorge- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht hen, das durch eine große Zahl verschiedener, unkoordinierter und oft sinnloser ärztlicher Maß- nahmen gekennzeichnet ist) wäre eher abzuraten. Ein n euerlicher psychopharmakologischer Versuch unter Verfolgen der Blutspiegel sei aber ange zeigt. Die Therapieresistenz könne auch durch eine erhöhte Abbaurate bedingt sein. In den Ak ten würden keine Blutspiegeluntersu- chungen erwähnt. Möglicherweise könnte sich ein stationär -psychiatrischer Versuch zum Bei- spiel auf der Depressionsforschungsstation der Klinik L._ ___ lohnen. Abzuraten wäre von for- cierten therapeutischen Massnahmen; ein stationäres multim oduläres Programm sollte nur mit Augenmass erfolgen. 8.4 In Berücksichtigung all dieser Faktoren, die für di e Indikatorenprüfung wesentlich sind, bejahte das ZMB – wie bereits auch schon Dr. D.____ und Dr. I.____ – das Vorliegen einer in- validenversicherungsrechtlich relevanten psychischen Gesundhe itsschädigung und attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Diese gutachterliche Beurteilung ist nicht zu beanstanden; insbesondere erweist sich die Annah me einer 50%-igen Arbeitsunfähig- keit in Anbetracht der von den Gutachtern beschriebene n, vorwiegend mittelschweren Beein- trächtigung der Ressourcen als plausibel und überzeugend. Es sind jedenfalls keine nachvoll- ziehbaren Gründe ersichtlich, weshalb von dieser Beurte ilung abgewichen werden sollte. Ent- gegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ist deshalb bei der Beurteilung des Rentenan- spruchs des Beschwerdeführers gestützt auf das überzeugende G utachten des ZMB davon auszugehen, dass beim Beschwerdeführer eine invalidenver sicherungsrechtlich relevante psy- chische Gesundheitsschädigung vorliegt und dass er deshalb zu 50 % in seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. In Bezug auf den Beginn der Arbeitsunfähigkeit und den Verlauf der körperlichen und psychi- schen Einschränkungen hielten die ZMB-Gutachter fest, da ss der Versicherte ab 2. September 2010 arbeitsunfähig geschrieben worden sei, dann aber per März 2012 eine 100 %-ige Arbeits- fähigkeit und eine Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt habe erreicht werden kön- nen. Die erreichte Eingliederung sei knapp geblieben und könne nicht als nachhaltig bezeichnet werden. Ab dem 1. August 2013 sei der Explorand ern eut arbeitsunfähig geschrieben worden. Er habe sich ab dem 1. Februar 2014 selbständig als Umzu gsberater wiedereingliedern kön- nen. Ab dem 10. September 2014 sei der Versicherte ern eut krankgeschrieben worden. Ein erneuter Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess gelang dem Beschwerdeführer seither nicht mehr. Die ZMB-Gutachter legten daher den Beginn der von ihnen definierten 50 %-igen Ar- beitsunfähigkeit auf den 10. September 2014 fest (ZMB-Gutachten S. 54). 9.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Da die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch mit der Begründung, dass der Be- schwerdeführer nicht an einer invalidisierenden Krankhei t leide, ablehnte, nahm sie selbstre- dend keinen Einkommensvergleich vor. Da es nicht Aufgab e des Kantonsgerichts, sondern der Beschwerdegegnerin ist, erstinstanzlich einen Einkommensve rgleich vorzunehmen, ist die An- gelegenheit zu diesem Zwecke an die Beschwerdegegneri n zurückzuweisen. Diese wird das Validen- und das Invalideneinkommen zu ermitteln haben, wobei letzteres nach dem vorste- hend Gesagten auf der Basis einer 50 %-igen Arbeitsunf ähigkeit (vgl. zum genauen Leistungs- profil: ZMB-Gutachten S. 67 f.) zu bemessen sein wird. Gestützt auf die erhobenen Zahlen wird die Beschwerdegegnerin anschliessend anhand eines Einkomm ensvergleichs den Invaliditäts- grad zu ermitteln und die Höhe des Rentenanspruchs fes tzusetzen haben. Bei der Rentenzu- sprache wird die Beschwerdegegnerin überdies den Umstand zu berücksichtigen haben, dass der Beschwerdeführer gemäss Art. 29 bis IVV kein Wartejahr mehr zu erfüllen hat, da nach d er Aufhebung der Viertelsrente per Ende Januar 2012 inn erhalb von drei Jahren wieder eine ren- tenbegründende Arbeitsunfähigkeit aufgrund desselben Leidens eintrat, weshalb die bereits früher eingetretene einjährige Wartezeit zu berücksicht igen ist. Der Beschwerdeführer meldete sich erneut mit Gesuch vom 2. Februar 2015 bei der Besc hwerdegegnerin an. Die sechsmona- tige Karenzfrist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG ab Anmeldung hat er dagegen zu bestehen (vgl. dazu BGE 142 V 547 E. 3.2). Das bedeutet, dass ab de m 1. August 2015 Anspruch auf eine Invalidenrente besteht. 10. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass in G utheissung der Beschwerde die angefochtene Verfügung vom 28. Juni 2017 aufzuheb en und die Angelegenheit an die Be- schwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Diese wird die Höhe des Rentenanspruchs im Sinne der Erwägungen zu bemessen und eine entsprechende Rentenve rfügung mit Anspruchsbeginn am 1. August 2015 zu erlassen haben. 11.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdeve rfahrens zu befinden. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Be- schwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 11.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshal b die Beschwerdegegnerin als unterliegen- de Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Zusammenhang ist aller- dings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den V orinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahren skosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. De r Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers hat in seiner aktualisierten Honorarnote vom 13. Februar 2018 für das vorlie- gende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 16.33 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalt s- und Rechtsfragen als angemes- sen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicheru ngsprozessen praxisgemäss zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- und nicht zu dem vom Rechtsvertreter geltend gemachten Ansatz von Fr. 300.-- zu entschädigen. Die Schwierigkeit und die Bedeu- tung der vorliegenden Angelegenheit rechtfertigen kein Abweichen von der Praxis der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts. Nicht zu beanst anden sind die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 143.20. Dem Beschwerdeführer ist deshal b eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4‘562.40 (16.33 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 143.20 zuzüglich 8 % bzw. 7.7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 12.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde i n öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 12.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 12.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher Praxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g – wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst – einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BG G) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 645 E. 2.2, bestätigt im Urteil des Bun- desgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefoch- tene Verfügung vom 28. Juni 2017 aufgehoben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit di ese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über de n Rentenan- spruch des Beschwerdeführers neu verfüge. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 4‘562.40 (inkl. Auslagen und 8 % bzw. 7.7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht