<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">308</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>64</b></span> <span class="ft2"><b>Gewinnungskosten des selbständig Erwerbenden; Büro zu Hause (§ 36</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abs. 1 StG)</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Berechnung des Geschäftsanteils an den Mietkosten bei geschäftlich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>genutzten Räumen in der privaten Wohnung</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Feststellung der geschäftlich genutzten Räume</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">22. Januar 2009 in Sachen M.B., 3-RV.2008.14.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Unter die abzugsfähigen Kosten gemäss § 36 StG können u.a.</span><br/> <span class="ft1">die für die Einkommenserzielung notwendigen Raumkosten fallen.</span><br/> <span class="ft1">Während bei einem unselbständig Erwerbenden ein Arbeitszim-</span><br/> <span class="ft1">merabzug nur gewährt wird, wenn am Arbeitsort keine zumutbare</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit besteht, die Berufsarbeit zu erledigen, in der privaten</span><br/> <span class="ft1">Wohnung für die Berufsarbeiten ein Arbeitszimmer ausgeschieden ist</span><br/> <span class="ft1">und dieses Zimmer hauptsächlich und regelmässig für einen we-</span><br/> <span class="ft1">sentlichen Teil der Berufsarbeit benützt wird, genügt es bei den</span><br/> <span class="ft1">selbständig Erwerbenden, dass die Aufwendungen geschäftsmässig</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">309</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">begründet und tatsächlich aufgewendet worden sind. Selbständig</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätige können sich frei organisieren und selber entscheiden,</span><br/> <span class="ft1">wo und in wie vielen Räumen sie ihre Arbeit erledigen wollen. Ihre</span><br/> <span class="ft1">Aufwendungen für Geschäfts- und Büroräumlichkeiten sind unab-</span><br/> <span class="ft1">hängig von ihrer Grösse oder Notwendigkeit voll abzugsberechtigt,</span><br/> <span class="ft1">sofern sie geschäftsmässig begründet sind. Von diesen allgemeinen</span><br/> <span class="ft1">Regeln ist auch bezüglich der Abzugsberechtigung eines in der Pri-</span><br/> <span class="ft1">vatwohnung eingerichteten, geschäftlich genutzten Arbeitszimmers</span><br/> <span class="ft1">nicht abzuweichen. Ein Abzug bei selbständig Erwerbstätigen ist</span><br/> <span class="ft1">demzufolge immer dann zuzulassen, wenn erwiesen ist, dass ein</span><br/> <span class="ft1">Zimmer der Privatwohnung oder zumindest ein Teil davon effektiv</span><br/> <span class="ft1">geschäftlich genutzt wird. Wenn die Räumlichkeiten zu einem we-</span><br/> <span class="ft1">sentlichen Teil auch privat benützt werden können, kommt nur ein</span><br/> <span class="ft1">teilweiser Abzug der auf die benützten Räumlichkeiten entfallenden</span><br/> <span class="ft1">Kosten in Betracht (zum Ganzen: RGE vom 19. Juni 2003 in Sachen</span><br/> <span class="ft1">H. + S.R., mit Hinweisen). Kein Abzug wird dagegen gewährt für</span><br/> <span class="ft1">Räume wie die Küche, Toilette und die Diele, da die private Nutzung</span><br/> <span class="ft1">hier bei weitem überwiegt (RGE vom 23. Februar 2006 in Sachen</span><br/> <span class="ft1">J.T.).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Für die Berechnung des Mietanteils eines Zimmers wird nach</span><br/> <span class="ft1">der Praxis des Steuerrekursgerichts auf das Schätzungsprotokoll</span><br/> <span class="ft1">gemäss der VBG abgestellt. Dabei wird der prozentuale Anteil der</span><br/> <span class="ft1">Raumeinheiten (RE) des geschäftlich genutzten Raumes an den ge-</span><br/> <span class="ft1">samten Raumeinheiten des Hauses oder der Wohnung ermittelt. Im</span><br/> <span class="ft1">selben Verhältnis wird die Eigenmiete oder der Mietzins aufgeteilt</span><br/> <span class="ft1">(vgl. RGE vom 14. August 2003 in Sachen A. + B.P.). Fehlt ein</span><br/> <span class="ft1">Schätzungsprotokoll, wird der Mietzins durch die offizielle Zim-</span><br/> <span class="ft1">merzahl plus zwei (für Nebenräume wie die Küche und das Bad)</span><br/> <span class="ft1">geteilt und mit der Anzahl der geschäftlich genutzten Räume multi-</span><br/> <span class="ft1">pliziert (RGE vom 27. Mai 2004 in Sachen P. + S.O.).</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Steuerkommission L. hat im Veranlagungsverfahren den</span><br/> <span class="ft1">Privatanteil an den Mietkosten des Hauses ohne weitere Abklärungen</span><br/> <span class="ft1">auf 75 % festgesetzt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">310</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Im Einspracheverfahren wurde die Rekurrentin aufgefordert,</span><br/> <span class="ft1">eine "(f)ür Nichtkünstler nachvollziehbare Begründung für den sehr</span><br/> <span class="ft1">hoch erscheinenden geltend gemachten Geschäftsanteil an der Miete"</span><br/> <span class="ft1">einzureichen. Die Rekurrentin reichte Pläne des Hauses ein, worin</span><br/> <span class="ft1">sie jeweils die Nutzung der einzelnen Räume einzeichnete. Danach</span><br/> <span class="ft1">werden alle Räume ausschliesslich geschäftlich genutzt, nur das</span><br/> <span class="ft1">Wohn-, Ess- und Schlafzimmer teilweise auch privat. Sie führte dazu</span><br/> <span class="ft1">aus, dass für ihre Tätigkeit sehr viel Platz erforderlich und das</span><br/> <span class="ft1">Wohnen von untergeordneter Bedeutung sei. Von diesen Angaben</span><br/> <span class="ft1">abweichend hat die Steuerkommission L., ohne weitere Abklärungen,</span><br/> <span class="ft1">drei Räume als vollumfänglich geschäftlich genutzt (je ein Atelier</span><br/> <span class="ft1">und ein Lager), einen Raum als zu zwei Drittel geschäftlich genutzt</span><br/> <span class="ft1">("Atelier, Studio, Bibliothek") und einen Raum als zur Hälfte ge-</span><br/> <span class="ft1">schäftlich genutzt (Galerie, Ausstellung) anerkannt.</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Entgegen der Ausführungen des Steueramtes L. sind, wie aus</span><br/> <span class="ft1">der vorstehenden Erwägung 3.1. ersichtlich, bei selbständig Erwer-</span><br/> <span class="ft1">benden nicht nur die Kosten für die absolut notwendigen Raum-</span><br/> <span class="ft1">kosten abzugsfähig. Auch wenn die Steuerkommission L. der Ansicht</span><br/> <span class="ft1">ist, ein Atelier sollte für die Tätigkeit der Rekurrentin genügen, sind</span><br/> <span class="ft1">ihr doch die Kosten für die tatsächlich geschäftlich genutzten Räume</span><br/> <span class="ft1">zu gewähren.</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">Wenn die behauptete geschäftliche Nutzung eines Raumes nicht</span><br/> <span class="ft1">offensichtlich nur sehr gering ist (z.B. bei einer geschäftlichen Nut-</span><br/> <span class="ft1">zung des Wohnzimmers zu lediglich 2 % oder die Mitbenutzung des</span><br/> <span class="ft1">Arbeitstisches im Zimmer des Sohnes [vgl. RGE vom 26. April 2007</span><br/> <span class="ft1">in Sachen M. + E.S.]), so ist zur Bestimmung der geschäftlich ge-</span><br/> <span class="ft1">nutzten Räume entweder auf die Angaben der steuerpflichtigen Per-</span><br/> <span class="ft1">son abzustellen, oder es sind, wenn diese Angaben unglaubwürdig</span><br/> <span class="ft1">erscheinen, weitere Abklärungen vorzunehmen. Hierfür sind das</span><br/> <span class="ft1">Einverlangen von Fotografien oder ein Augenschein denkbar (vgl.</span><br/> <span class="ft1">auch RGE vom 26. Juni 2008 in Sachen R.W. betreffend Unternut-</span><br/> <span class="ft1">zungsabzug). Dem Hinweis des Steueramtes L. in der Vernehmlas-</span><br/> <span class="ft1">sung, es gehe nicht um die Feststellung der geschäftlichen Nutzung</span><br/> <span class="ft1">des Hauses zu einem zufälligen Zeitpunkt zwei Jahre nach der Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">311</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">messungsperiode, ist entgegen zu halten, dass ein anderer Nachweis</span><br/> <span class="ft1">der geschäftlich genutzten Räume gar nicht möglich ist. Es ist nicht</span><br/> <span class="ft1">davon auszugehen, dass die geschäftliche Nutzung der Räume stän-</span><br/> <span class="ft1">dig ändert.</span><br/></div> </div> </body> </html>