Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. Februar 2016 (720 15 269) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf medizinische Massnahmen im Zusammenhang des Geburtsgebrechens Ziff. 404 Anhang GgV: Sämtliche Kriterien für die Anerkennung des Geburtsgebrechens sind vor dem vollendeten 9. Altersjahr rechtzeitig festgestellt worden. Daran ändern die erst danach erfolgten Abklärungen von Teilleistungsstörungen (visuelle und auditive Wahrnehmungs- sowie Merkfähigkeitsstörung) aufgrund ihres ergänzenden Charakters nichts. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Yves Thommen, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, X.____strasse 4, 4142 Y.____, Besc hwerdeführerin, vertre- ten durch Monica Armesto, Advokatin, indemnis, Spalenberg 20, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Medizinische Massnahmen A. Mit Gesuch vom 12. Dezember 2012 wurde die am 9. September 2004 geborene A.____ unter Hinweis auf ein frühkindliches psychoo rganisches Syndrom (POS) bei der Eidge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nössischen Invalidenversicherung (IV) zwecks Gewährung medizin ischer Massnahmen ange- meldet. Mit Vorbescheid vom 7. Oktober 2014 teilte di e IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) der Mutter von A.____, B.____, mit, dass die zur Anerke nnung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 des Anhangs zur Verordnung über Geburtsgebrechen ( GgV Anhang) erforderlichen Krite- rien nicht erfüllt seien und deshalb das Leistungsbeg ehren abgelehnt werde. Dagegen erhoben B.____, vertreten durch Advokatin Monica Armesto, am 6. November 2014 und die C.____ am 3. Dezember 2014 Einwände. Im Wesentlichen wurde gelt end gemacht, dass entgegen der Ansicht der IV-Stelle ein Geburtsgebrechen Ziff. 404 G gV Anhang vorliege. Zudem wurde ge- rügt, dass die IV-Stelle die Voraussetzungen für eine Ko stenübernahme nach Art. 12 des Bun- desgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 nicht geprüft habe. In der Folge beurteilte die IV-Stelle die Angelegenheit er neut und kam am 24. Juni 2015 gestützt auf den konsiliarärztlichen Bericht von Dr. med. D.____, FMH Kinder- und Jugendpsychiatrie, vom 10. Dezember 2014 zum Schluss, dass die Kostengutsprach e für eine Ergotherapie nach Art. 12 IVG zu erteilen sei. Mit Verfügung vom 23. Juni 2 015 lehnte sie es jedoch weiterhin ab, die Kosten für medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 IVG aufg rund des Geburtsgebrechens Ziff. 404 GgV Anhang zu übernehmen. B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte durch Ad vokatin Monica Armesto am 25. August 2015 Beschwerde ans Kantonsgericht Basel-Land schaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte die Aufhebu ng der angefochtenen Verfügung und die Verpflichtung der IV-Stelle, die Kosten für medi zinische Massnahmen nach Art. 13 IVG für das Geburtsgebrechen Ziff. 404 GgV Anhang zu übernehmen. Ausserdem sei ihr die unentgelt- liche Rechtspflege zu gewähren; alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte sie im We- sentlichen an, dass aufgrund der Diagnosestellung und der bei A.____ vor dem vollendeten 9. Altersjahr durchgeführten Abklärungen und der klare n Ergebnisse anlässlich der Untersu- chung im E.____ vom 30. Mai 2014 und 7. Juli 2014 sämt liche Kriterien für eine Anerkennung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 GgV Anhang erfüllt seien. Daran ändere auch nichts, dass die Abklärungen im E.____ erst nach dem 9. Geburtstag erfol gt seien. Denn gemäss bundesge- richtlicher Rechtsprechung müssten nicht alle Symptome ein es POS vor dem 9. Lebensjahr nachgewiesen sein. C. Mit Verfügung vom 27. August 2015 wurde der Versich erten die unentgeltliche Prozess- führung und Verbeiständung bewilligt. D. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vo m 12. November 2015 unter Ver- weis auf den Bericht von Dr. D.____ vom 11. September 2 015 die Abweisung der Beschwerde. In formeller Hinsicht bezweifelte sie, dass die Versicherte ein Rechtschutzinteresse besitze, da ihr gemäss Mitteilung vom 24. Juni 2015 für die von ih r beantragte Ergotherapie eine Kosten- gutsprache erteilt worden sei. E. Mit Eingabe vom 14. Dezember 2015 führte die Rechtsv ertreterin der Versicherten aus, dass sie ein Rechtsschutzinteresse besitze, weil nicht nur eine therapeutische, sondern auch die medikamentöse Behandlung im Raum stehe. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 i.V.m. Art. 6 9 IVG kann gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versicherungsgericht am Ort der IV- Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben wer den. Das Kantonsgericht ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 örtlich und sachlich zustän dig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 23. Juni 2015 ist daher einzutreten. 2.1 Die IV-Stelle äussert in ihrer Vernehmlassung vom 12. November 2015 Zweifel, ob die Versicherte ein schutzwürdiges Interesse an der von ihr bea ntragten Aufhebung der angefoch- tenen Verfügung vom 23. Juni 2015 hat. Die Versicherte habe vor Erlass der angefochtenen Verfügung bestätigt, dass sie mit der Kostenübernahme de r beantragten Ergotherapie gemäss Art. 12 IVG einverstanden sei. Gemäss ihrer damaligen Da rlegung sei es ihr wichtig gewesen, dass die Ergotherapie gewährt werde. Vor diesem Hinter grund erstaune es, dass sie Be- schwerde gegen die Ablehnung des Anspruchs auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 IVG erhoben habe. 2.2 Gemäss Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde berechtigt, w er durch die angefochtene Ver- fügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und ei n schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Als schutzwürdiges Interesse gilt nach der Rechtsprechung je- des praktische oder rechtliche Interesse, welches eine von der Verfügung betroffene Person an deren Änderung oder Aufhebung geltend machen kann. Da s schutzwürdige Interesse besteht im praktischen Nutzen einer Gutheissung der Beschwerde od er - anders ausgedrückt - im Um- stand, einen Nachteil wirtschaftlicher, ideeller, mater ieller oder anderweitiger Natur zu vermei- den, welchen der angefochtene Entscheid mit sich bring en würde (BGE 131 V 365 f. E. 2.1 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung wird das Rechtsschut zinteresse verneint, wenn sich die Beschwerde nur gegen die Begründung der angefochtene n Verfügung richtet, ohne dass eine Änderung des Dispositivs verlangt wird. Bei einer Verfügu ng über Versicherungsleistungen bil- det grundsätzlich einzig die Leistung Gegenstand des Dispositivs. 2.3 Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist die Verfügung vom 23. Juni 2015, mit welcher die IV-Stelle die Kostengutsprache für medizinische Massnahmen gestützt auf Art. 13 IVG ablehnt. Damit verneint die IV-Stel le einen Anspruch der Versicherten auf eine Kostenübernahme mit der Behandlung des POS in Zusamme nhang stehenden medizinischen Massnahmen wie z. B. medikamentöse und psychomotorische Therapien sowie allfällige Spital- leistungen. Diese werden - im Unterschied zu Art. 12 IV G - unabhängig von der Möglichkeit einer späteren Eingliederung in das Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gewährt (vgl. SILVIA BUCHER , Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 20 11, Rz. 199; U LRICH MEYER , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2010, S. 127). Unter diesen Umständen ist das rechtlich geschützte Interesse der Versicherten an der Aufhebung der angefochtenen Verfügung zu beja hen. Daran ändert auch die Mitteilung der IV-Stelle vom 24. Juni 2015 über die Kostengutsp rache für die Ergotherapie nichts, sind Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht darin doch weitere auf die Behandlung des Leidens der Versicherten ausgerichtete medizini- sche Massnahmen nicht eingeschlossen. 3.1 Zu prüfen ist, ob die IV-Stelle den Anspruch von A .____ auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 IVG zu Recht abgelehnt hat. 3.2 Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjah r Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 ATSG) notwendige n medizinischen Massnahmen (Art. 13 Abs. 1 IVG). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, fü r welche diese Massnahmen gewährt werden (Art. 13 Abs. 2 IVG). Als Geburtsgebrechen gelte n diejenigen Krankheiten, die bei voll- endeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG in Verbin dung mit Art. 1 Abs. 1 Satz 1 der Ver- ordnung über Geburtsgebrechen [GgV] vom 9. Dezember 198 5). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Die Geb urtsgebrechen sind in der Liste im An- hang zur GgV aufgeführt. 3.3 Ziff. 404 Anhang GgV (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom [ADS] bzw. Aufmerksamkeitsde- fizithyperaktivitätssyndrom [ADHS], vormals POS, vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 24. Juni 2014, 9C_851/2013) umfasst Störungen des Verhaltens bei Kindern mit normaler Intel- ligenz, im Sinne krankhafter Beeinträchtigungen der A ffektivität oder Kontaktfähigkeit, bei Stö- rungen des Antriebes, des Erfassens, der perzeptiven Funktionen, der Wahrnehmung, der Kon- zentrationsfähigkeit sowie der Merkfähigkeit, sofern si e mit bereits gestellter Diagnose als sol- che vor der Vollendung des 9. Altersjahres auch behandelt worden sind. 3.4 Die bei der Frage eines Anspruchs auf medizinische M assnahmen in Zusammenhang mit einem Geburtsgebrechen Ziff. 404 Anhang GgV massgeb lichen Kriterien wurden in BGE 122 V 113 und im Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 2008, 8C_300/2007, umfassend dargelegt. Im Einklang mit dieser Rechtsprechung hat das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) im Kreisschreiben über die medizinischen Eingliede rungsmassnahmen der Invalidenver- sicherung (KSME) die Voraussetzungen der Leistungspflich t für solche Geburtsgebrechen nä- her umschrieben. Rz. 404.5 KSME hält fest, dass die Vo raussetzungen von Ziff. 404 Anhang GgV als erfüllt gelten können, wenn die in Erwägung 3 .2 hiervor erwähnten Symptome kumula- tiv bis zum 9. Geburtstag nachgewiesen worden sind. Sie müssen jedoch nicht unbedingt gleichzeitig vorhanden sein, sondern können unter Umstä nden sukzessive auftreten. Wenn bis zum 9. Geburtstag nur einzelne der erwähnten Symptome ärztlich festgestellt werden, sind die Voraussetzungen für ein Geburtsgebrechen Ziff. 404 Anhang GgV nicht erfüllt. 3.5 Die hier massgebliche Fassung des KSME vom 1. Januar 2 015 enthält in Anhang 7 ei- nen medizinischen Leitfaden zu Ziff. 404 Anhang GgV. E inleitend wird darin festgehalten, dass es bei der Beurteilung eines Antrages um Kostengutspra che für medizinische Massnahmen um die Zuordnung des Leistungsträgers und nicht um die B eurteilung der Therapiebedürftigkeit eines Kindes geht. Die Ablehnung eines Antrags durch die IV ist nicht ein Entscheid gegen das Kind oder eine Verneinung seiner Behandlungsbedürftig keit, sondern ein versicherungsrechtli- cher Entscheid bezüglich der Zuordnung des Leistungsträgers. In Ziffer 2.1 des medizinischen Leitfadens wird vertieft auf die Anerkennungskriterien e ingegangen. Die Regionalen Ärztlichen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dienste (RAD) haben kritisch und streng zu überprüfen, ob die geforderten Kriterien effektiv erfüllt und nachvollziehbar belegt sind. Allenfalls sind externe Experten beizuziehen. 3.6 Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass das sozia lversicherungsrechtliche Verwal- tungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren vom U ntersuchungsgrundsatz beherrscht ist. Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungsgeri cht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des Sachverhaltes zu sorgen. Der Unt ersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriff snotwendig aus, da es Sache des So- zialversicherungsgerichts oder der verfügenden Verwaltungsstelle ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3 d/bb). Im Sozialversicherungspro- zess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Bewe islast nur insofern, als im Falle der Be- weislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen geblie- benen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 13 3 E. 8a). Diese Beweisregel greift al- lerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrund- satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entspr echen (BGE 117 V 261 E. 3b). Hin- sichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entsc heidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen i n der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.1 Es ist unbestritten, dass bei der Versicherten vor ihre m 9. Geburtstag (= 9. September 2013) ein POS diagnostiziert wurde und sie seit Dezember 2012 deswegen medikamentös mit Ritalin behandelt wird. Weiter sind sich die Parteien grundsätzlich einig, dass die geforderten 5 Kriterien zur Anerkennung des Geburtsgebrechens Ziff . 404 Anhang GgV (Störungen des Verhaltens, des Antriebs, des Erfassens, der Konzentrati on und der Merkfähigkeit) bei der Ver- sicherten grundsätzlich vorliegen. Streitig ist jedoch, ob sämtliche Kriterien vor Vollendung des 9. Altersjahres erfüllt waren. Die IV-Stelle stützt si ch auf die Beurteilungen von Dr. D.____ und macht geltend, dass die Defizite in den Bereichen des Erf assens (visuelle und auditive Wahr- nehmungsstörung) und der Merkfähigkeit mangels validierte r Wahrnehmungs- und Merkfähig- keitstests vor dem vollendeten 9. Altersjahr nicht nachgewi esen worden seien. Die von der be- handelnden Kinderärztin Dr. med. F.____ diesbezüglich en Feststellungen ständen mit den Er- gebnissen des vom schulpsychologischen Dienst am 17. Septemb er 2012 durchgeführte HAWIK IV (Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder) in Widerspruch. Die Subtests hätten in diesen Bereichen durchschnittliche Leistungen gezeigt. Er st mit den im E.____ veranlassten Abklärungen seien Defizite im Erfassen und in der Merkf ähigkeit nachgewiesen worden. Da diese Untersuchungen nach dem vollendeten 9. Lebensjahr erfolgt seien, könne nicht davon ausgegangen werden, dass diese beiden Kriterien vor vol lendetem 9. Lebensjahr erfüllt gewe- sen seien. Die Versicherte wendet dagegen ein, dass es rec htsprechungsgemäss nicht erfor- derlich sei, dass alle Symptome vor Vollendung des 9. Lebe nsjahres mit validierten Testverfah- ren nachgewiesen sein müssen. Es genüge, wenn eine medizinische Fachperson bis zu diesem Zeitpunkt feststelle, dass die versicherte Person in den f ür die Anerkennung des Geburtsgebre- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht chens Ziff. 404 Anhang GgV erforderlichen Bereichen bee inträchtigt sei. Eine solche ärztliche Feststellung liege mit den Beurteilungen der behandelnden Kinderärztin vor. 4.2 Es ist somit zu prüfen, ob vor Vollendung des 9. Lebe nsjahres der Versicherten die Kri- terien der visuellen und auditiven Wahrnehmung- sowie der Merkfähigkeitsstörung erfüllt waren. Das Bundesgericht verlangt in dieser Hinsicht, dass die de r Diagnose zugrunde liegenden Stö- rungen vor dem massgebenden Zeitpunkt des vollendeten 9 . Altersjahres ärztlicherseits zwei- felsfrei festgestellt wurden (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juni 2012, 8C_23/2012, E. 5.1.1). Den diagnostischen Schwierigkeiten kommt die Rechtsprec hung insofern entgegen, als die be- weisrechtliche Frage, ob die rechtzeitig gestellte Diag nose eines POS zutrifft, auch mit erst nach dem 9. Altersjahr vorgenommenen ergänzenden Abkl ärungen beantwortet werden darf (BGE 122 V 113 E. 2f S. 117; Urteil des Bundesgericht s vom 5. Juni 2012, 8C_23/2012, E. 5.2.2). 4.3 Den Berichten von Dr. F.____ ist zu entnehmen, da ss die Versicherte aufgrund gewisser Entwicklungsverzögerungen bereits mit 2 Jahren heilpädago gisch betreut werden musste. Schon als Kleinkind sei die Versicherte hyperaktiv und sprun ghaft gewesen. Zu Hause sei sie unruhig, impulsiv, könne sich schlecht selber beschäftigen, "flippe" sehr schnell aus und ertrage keine Kritik. Weiter geht hervor, dass die Versicherte er st mit 4 Jahren zu sprechen begann (Berichte der Heilpädagogin vom 28. August 2008 und vom 14. Juli 2009; Bericht zur Abklärung der Hilflosigkeit vom 21. November 2008). Sie besucht e deshalb drei Jahre den Kindergarten und anschliessend die 1. Klasse der Sprachheilschule. Im Sommer 2012 trat sie in die 2. Re- gelklasse ein, wo schon bald grosse Konzentrationsschwieri gkeiten, leichte Ablenkbarkeit und grosse Lücken im Schulstoff festgestellt wurden. Nach den Herbstferien 2012 erhielt sie für die Fächer Mathematik und Deutsch ISF (Integrative Schulform; vgl. auch Förderplanung ISF vom 16. Oktober 2012). Seit Februar 2009 geht sie einmal wöchentlich zu einer Logopädin (vgl. Be- richte von Dr. F.____ vom 15. November 2012 und 13. Dezember 2012 sowie logopädische Berichte vom 20. Oktober 2009, 17. Juni 2011 und 18. Juni 2012). 4.4.1 Kurz nach dem 8. Geburtstag der Versicherten füh rte Dr. F.____ am 26. Oktober 2012 eine neuromotorische und neuropsychologische Untersuchun g nach L. Ruf-Bächtiger durch. Dabei stellte sie fest, dass die Versicherte nicht nur an Aufmerksamkeits- und Konzentrations- störungen, Hyperaktivität und Impulsivität, Auffälligkeiten in der motorischen Steuerung, Koordi- nation und Gleichgewicht sowie reaktiven Störungen, son dern auch an auditiven verbalen und taktilkinästhetischen Wahrnehmungsstörungen, einer Störu ng der Raumerfassung und einer verminderten visuellen Erfassungsspanne leide. Zu den ei nzelnen Testergebnissen gab sie an, dass das Erkennen von Grössenunterschieden bei der Versicher ten grenzwertig und das Er- kennen von Stoffstrukturunterschieden nicht altersentsprechend seien. Die Graphästhesieimita- tion bewege sich auf der Altersstufe 7; sie könne Formen erfassen, aber nur ungenau wieder- geben. Bei der visuellen Wahrnehmung sei der Stereotes t nach Lang und die Punktzeichnung Mann/Katze zwar korrekt gelöst worden. Beim Test "simultan e Punkte" habe die Versicherte 4 Punkte immer und 5 Punkte aber nur teilweise richtig er kennen können. Bei den Punktfolgen habe sie nur 4 Punkte richtig angeben können, was der Le istung einer 7-Jährigen entspreche. Ebenso habe sie bei der "Figurhintergrunddifferenzier ung Vexierbild" keine alterskonformen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Resultate erzielt. In Bezug auf die Raumerfassung sei ihr das Bauen des Affolterturms korrekt, das Bauen nach Fotos dagegen nur teilweise und des Würf elmosaiks nach Vorlage gar nicht gelungen. Im Bereich der auditiven Wahrnehmung und S prache hätten die Resultate beim Nachsprechen von Silbenfolgen und komplexeren Sätzen ni cht der Altersnorm entsprochen. Desgleichen sei die visuomotorische Koordination nicht altersentsprechend. Der Intelligenzquo- tient (IQ) nach Raven ergab einen Wert im unteren d urchschnittlichen Bereich (vgl. Bericht vom 15. November 2012). Dieser Wert stimmt mit demjenigen anlässlich des am 17. September 2009 vom schulpsychologischen Dienst durchgeführten HAWIK IV überein (vgl. HAWIK IV- Auswertung vom 17. September 2012). 4.4.2 Im Arztbericht vom 13. Dezember 2012 nahm Dr. F._ ___ die Ergebnisse eine Beurtei- lung des Tests nach L. Ruf-Bächtiger vor. Im Bereich de s Erfassens bestände eine schwere auditive verbale Wahrnehmungsstörung. Die im Test erziel ten Resultate zeigten, dass die Ver- sicherte über das Gehör weniger Informationen aufnehme n könne als Gleichaltrige. Die Merkfähigkeit sei insofern eingeschränkt, als es der Versicherten nicht gelungen sei, fünf Silben korrekt nachzusprechen, was aber dem Alter von 8 Jahren entsprechen würde. 4.5 Die Ergebnisse des HAWIK IV veranlassten den Vertrau ensarzt der IV-Stelle Dr. D.____ die von Dr. F.____ festgestellten Einschränkungen in de n Bereichen visuelle und auditive Wahrnehmung sowie der Merkfähigkeit in Zweifel zu ziehen. Zur Begründung führte er an, dass die Resultate der Subtests im HAWIK IV (Mosaik-Test, Zah len nachsprechen, Bildkonzepte, Zahlen-Symbol-Test, Buchstaben-Zahlen-Folgen, etc.) durc hschnittliche Werte ergeben hätten und somit zu der von Dr. F.____ festgestellten schweren verbalen Wahrnehmungsstörung und der verminderten visuellen Erfassungsspanne in Widerspruch ständen. Auf Empfehlung von Dr. D.____ forderte die IV-Stelle Dr. F.____ auf, mit va lidierten Wahrnehmungs- und Merkfähig- keitstests die visuelle und auditive Wahrnehmung sowie die Merkfähigkeit der Versicherten ab- zuklären (vgl. Schreiben der IV-Stelle vom 11. Juni 2013). 4.6 Kurz vor dem 9. Geburtstag der Versicherten führte D r. F.____ am 9. August 2013 einen IDS(Intelligence and Development Scales)-Test durch. Dieser ergab in den Bereichen der audi- tiv-verbalen Wahrnehmungsstörung und der Merkfähigkeit er hebliche Beeinträchtigungen. Dr. F.____ wies aber auch darauf hin, dass eine visuelle Wah rnehmungsstörung bei der Testung weniger deutlich zum Ausdruck gekommen sei (vgl. Bericht vom 28. August 2013). Dr. D.____ kam in seinem Bericht vom 4. November 2013, also nach d em vollendeten 9. Altersjahr der Versicherten, zum Schluss, dass der IDS-Test zwar auf das Vor liegen von auditiven Merkfähig- keitsproblemen hinweise. Nicht nachgewiesen seien aber auditiv-perzeptive Teilleistungsstö- rungen. Zur Abklärung der akustischen Wahrnehmung müsste n gemäss medizinischem Leitfa- den zu Ziff. 404 Anhang GgV der Mottiertest sowie di e Untersuchung nach Monroe (Wortunter- scheidungstest WUT) oder die Wortpaarliste nach Nickisch durc hgeführt werden. In seinem Bericht vom 10. Dezember 2014 bestätigte er, dass der IDS -Test Hinweise auf Defizite des au- ditiven und phonologischen Gedächtnisses der Versicherten, nicht aber auf solche der visuellen oder auditiven Wahrnehmung ergeben habe. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.7 Dr. F.____ nahm mit Dr. D.____ Kontakt auf und si e vereinbarten, dass weitere Unter- suchungen veranlasst würden (vgl. handschriftliches Schreibe n von Dr. F.____ vom 10. Januar 2014). Am 17. Januar 2014 fragte Dr. F.____ bei Dr. D.____ nach, welchen Stellenwert der IDS-Test zum Nachweis einer Wahrnehmungsstörung habe. Si e wies zudem darauf hin, dass sie keine Abklärungsstelle gefunden habe, welche die Wor tpaarliste nach Nickisch kenne. Der Wortunterscheidungstests nach Monroe sei nach ihren Erkund igungen nicht sinnvoll, da dieser auf Erstklässler ausgerichtet sei (E-Mail vom 17. Januar 201 4). Am 14. März 2014 teilte die Kinderärztin der IV-Stelle bzw. Dr. D.____ mit, dass da s E.____ sich bereit erklärt habe, die geforderten Testungen durchzuführen (Schreiben vom 14. März 2014). Auf Anfrage des E.____ hin verlängerte die IV-Stelle die Frist zur Einreichung der Untersuchungsergebnisse bis 15. Juni 2014 (vgl. Dokument 30 1/8). Am 27. Mai und 25. Juni 2 014 wurde die Versicherte sodann ab- geklärt. Gemäss Bericht des E.____ vom 30. Mai 2014 und 7. Juli 2014 habe die Versicherte erhebliche Defizite in der auditiven und visuellen Wahrnehmung sowie in der Merkfähigkeit. 4.8 Dr. D.____ bestreitet in seiner Stellungnahme vom 25. September 2014 nicht, dass im E.____ die geforderte differenzierte neuropsychologische Abklärung der visuellen und auditiven Wahrnehmung und Merkfähigkeit mit validierten Testverfahren durchgeführt worden sei und bei der Versicherten Beeinträchtigungen in den Bereichen de s Erfassens und in der Merkfähigkeit nachweisbar vorliegen würden. Zum ersten Mal weist er jedoch darauf hin, dass diese Abklä- rungen erst im Alter von 9.8 Jahren erfolgt seien. Da mit seien bis zur Vollendung des 9. Alters- jahres nicht sämtliche Kriterien zur Anerkennung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 Anhang GgV erfüllt gewesen (vgl. auch Bericht vom 10. Dezember 2014). 5.1 Aufgrund dieser Sachverhaltsdarstellung ist festzu stellen, dass Dr. F.____ hinsichtlich zweier noch nicht genügend nachgewiesenen Störungen für die Anerkennung des Geburtsge- brechens Ziff. 404 Anhang GgV weitere Untersuchungen n ach dem vollendeten 9. Altersjahr der Versicherten veranlasste. Weder die IV-Stelle noch d er Vertrauensarzt machten darauf aufmerksam, dass diese Abklärungen gemäss ihrer Ansicht zu spä t seien und ein Leistungsan- spruch nach Art. 13 IVG zu verneinen sei. Auch wenn die Kinderärztin die Anforderungen für die Anerkennung eines solchen Geburtsgebrechens mit der Veröffentlichung des Medizinischen Leitfadens zu Ziff. 404 Anhang GgV (vgl. IV-Rundschreibe n Nr. 298) kennen sollte, stellt sich die Frage, ob nicht eine Verletzung des Verbots des widersprüchlichen Verhaltens durch die IV- Stelle vorliegt. Aus den Akten geht hervor, dass Dr. D.____ Ende 2013/Anfang 2014, also nach dem 9. Geburtstag der Versicherten, mit der Kinderärztin vereinbarte, dass weitere Abklärungen hinsichtlich der Anerkennung des Geburtsgebrechens vorgenommen werden sollten und die IV- Stelle dem E.____ am 1. April 2014 schliesslich eine Fr istverlängerung zur Einreichung der Un- tersuchungsergebnisse gewährte. In dieser Hinsicht ist a uch fraglich, ob die IV-Stelle ihrer Auf- klärungs- und Informationspflicht gemäss Art. 27 ATSG n achgekommen ist, hätte die IV-Stelle doch die Versicherte- zumindest nach Vorliegen der Stel lungnahme von Dr. D.____ vom 4. No- vember 2013 - darauf hinweisen müssen, dass weitere Abklä rungen im Hinblick auf die hier in Frage stehende Anspruchsberechtigung nicht massgebend se ien. Auf diese Fragen ist jedoch nicht näher einzugehen, weil das Gericht zur Auffassung g elangt, dass es sich bei der Untersu- chung im E.____ im Mai und Juni 2014 um ergänzende Abkl ärungen im Sinne der Rechtspre- chung handelt (vgl. Erwägung 4.2). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Gemäss den Beurteilungen vom 15. November 2012 un d 13. Dezember 2012 war Dr. F.____ aufgrund ihrer Untersuchungsbefunde und d em Test nach L. Ruf-Bächtiger bereits damals überzeugt, dass die 5 Kriterien für die Anerkenn ung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 Anhang GgV erfüllt waren, ansonsten sie nicht ein POS diagnostiziert und die IV-Anmeldung empfohlen hätte. Die Ergebnisse des kurz vor dem 9. Geburtstag der Versicherten durchgeführ- ten IDS-Test bestätigte dann auch ihre Einschätzung. A nders sah dies jedoch Dr. D.____, der mit dem Hinweis auf die Subtests des HAWIK IV die Zuverl ässigkeit der Beurteilung der Kin- derärztin in Bezug auf die beiden Kriterien "Störunge n des Erfassens und der Merkfähigkeit" bezweifelte. Dabei übersieht er jedoch, dass bei der Ver sicherten bereits im Alter von 2 Jahren Auffälligkeiten in diesen Bereichen beobachtet wurde n und sie deswegen heilpädagogisch be- treut wurde. So wies die Heilpädagogin im August 2008 darauf hin, dass die Versicherte sich kaum an Abläufe orientieren, diese speichern und wieder erkennen könne (vgl. Bericht der Heil- pädagogin Katrin Bader vom 28. August 2008). Mit 4 ½ Jahren besuchte die Versicherte die logopädische Therapie. Die Logopädin konnte schliesslich aufgrund von Testungen feststellen, dass die Versicherte nebst anderen Bereichen auch in den jenigen des Erfassens und der Merkfähigkeit eingeschränkt sei. So berichtete sie nach Vorliegen der Ergebnisse des SETK 3-5 (Sprachentwicklungstest für 3- bis 5-jährige Kinder) in ihrer Beurteilung vom 20. Oktober 2009 über Defizite in der auditiven und visuellen Wahrnehmun g. Ein Jahr später waren zwar Verbes- serungen festzustellen, nicht alle Leistungen waren jedo ch dem Alter entsprechend (vgl. logo- pädischer Bericht vom 17. Juni 2011). Nach einem weiter en Jahr erreichte die Versicherte bei der auditiven Wahrnehmung nur altersadäquate Leistunge n, wenn sie ruhig war und sich kon- zentrieren konnte. Bei der visuellen Wahrnehmung waren durchwegs Defizite feststellbar, die je nach Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspanne weniger o der mehr erheblich waren (vgl. logopädischer Bericht vom 18. Juni 2012). Die Testergebn isse der Logopädin in den Bereichen des Erfassens und der Merkfähigkeit stimmen im Wesentlich en mit denjenigen überein, zu wel- chen Dr. F.____ beim Test nach L. Ruf-Bächtiger und bei m IDS-Test kam. Auch wenn die heil- und logopädischen Beurteilungen nicht von medizinischen Fachpersonen verfasst wurden, pas- sen sie ins Bild, welches Dr. F.____ von den Defiziten der Versicherten vermittelt. Da der HAWIK IV der einzige Test ist, der keine von der Norm ab weichenden Ergebnisse in den Teil- bereichen des Erfassens und in der Merkfähigkeit aufzeigte , ist dieser nicht geeignet, die ärztli- che Beurteilung von Dr. F.____, welche im Einklang mit sämtlichen therapeutischen Berichten steht, in Zweifel zu ziehen. Dazu kommt, dass die medizi nische Behandlung ab dem 8. Alters- jahr der Versicherten ausschliesslich auf das Geburtsgebre chen Ziff. 404 Anhang GgV ausge- richtet war. So empfahl Dr. F.____ die Einnahme von R italin, welche ab Dezember 2012 dann auch erfolgte, und eine IV-Anmeldung für das Geburtsg ebrechen Ziff. 404 Anhang GgV (vgl. Bericht vom 15. November 2012). Die therapeutischen un d medizinischen Massnahmen stellen sich somit insgesamt als kontinuierlicher, zusammenhängender Vorgang zur Behandlung des im Alter von 8 Jahren diagnostizierten POS dar. Aufgrun d dieser Ausführungen ist davon aus- zugehen, dass aufgrund der ärztlichen Feststellungen von Dr. F.____ und der eingeleiteten Be- handlung auf POS vor dem Zeitpunkt des 9. Geburtstages d ie komplette Symptomatik des Ge- burtsgebrechens Ziff. 404 GgV Anhang bestand, zumal es keine Anhaltspunkte gibt, dass spä- tere Einflussfaktoren, die mit dem Geburtsgebrechen nichts zu tun haben, aber dennoch zu den Symptomen eines POS führen können, vorhanden waren. Unter diesen Umständen kommt den Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach dem 9. Geburtstag erfolgten Untersuchungen im E. ____ lediglich ergänzender Charakter zu. Damit ist davon auszugehen, dass die Anforderungen zu Anerkennung des Geburtsgebre- chens ZIff. 404 Anhang GgV erfüllt sind, weshalb die Ve rsicherte Anspruch auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 IVG hat. Demgemäss ist die Beschwerde gutzuheissen. 6.1 Das Beschwerdeverfahren vor kantonalem Versicherungsge richt bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en ist kostenpflichtig (vgl. Art. 69 Abs. 1 und 1 bis IVG). Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammen- hang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Sa tz 3 VPO der Vorinstanz keine Verfah- renskosten auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle trotz Unterliegens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen, weshalb für den vorliegenden Prozess keine Ver- fahrenskosten erhoben werden. 6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens en tsprechend ist der Versicherten deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Ste lle zuzusprechen. Ihre Rechtsvertreterin machte in ihrer Honorarnote vom 14. Dezember 2015 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 11 Stunden und 20 Minuten gelt end, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 78 .10, weshalb der Versicherten zum in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnitt liche Fälle zur Anwendung ge- langenden Stundenansatz von Fr. 250.-- eine Parteien tschädigung für das vorliegende Be- schwerdeverfahren in der Höhe von Fr. 3'144.35 (inkl. Au slagen und 8 % MwSt.) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen ist. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 23. Juni 2015 aufgehoben und die IV-Stelle Basel-Land schaft wird verpflichtet, die zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 404 des Anhangs zur GgV notwendigen medizinischen Massnahmen von A.____ zu übernehmen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3'144.35 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.