200 18 651 IV SCJ/BOC/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 25. Januar 2019 Verwaltungsrichter Scheidegger, Kammerpräsident Verwaltungsrichterin Fuhrer, Verwaltungsrichter Furrer Gerichtsschreiberin Bossert A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________, c/o C.________AG Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 18. Juli 2018 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1959 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherter bzw. Be- schwerdeführer) meldete sich am 15. Januar 2004 aufgrund eines seit 1989 bestehenden Rückenleidens bei der Invalidenversicherung zum Leis- tungsbezug an (Akten der IV-Stelle Bern [nachfolgend: IVB bzw. Be- schwerdegegnerin; act. II] 1). Die IVB nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (act. II 3 f., 6), insbesondere liess sie den Versicherten durch Dr. med. D.________, Fachärztin für Neurochirurgie, und Dr. med. E.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, interdisziplinär begutachten (Expertisen vom 18. Juni 2004 [act. II 9] und 2. Juli 2004 [act. II 10]). Daraufhin sprach die IVB dem Versicherten mit Verfügung vom 11. August 2004 ab dem 1. Februar 2004 bei einem Invaliditätsgrad von 65 % eine Dreiviertelsrente zu (act. II 13). B. Am 11. August 2005 meldete sich der Versicherte erneut bei der Invaliden- versicherung zum Leistungsbezug an bzw. stellte er ein Revisionsgesuch (act. II 15). Zur Begründung verwies er auf ein Rückenleiden, Herzbe- schwerden, ein Schleudertrauma sowie psychische Beschwerden (act. II 15/6). Nach Einholung einer Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; act. II 19) lehnte die IVB mit Verfügung vom 4. Oktober 2005 die Erhöhung der bisherigen Dreiviertelsrente ab (act. II 20). Die da- gegen erhobene Einsprache wies die IVB nach Einholung einer Stellung- nahme des RAD mit Einspracheentscheid vom 15. Februar 2006 ab (act. II 21, 29 f.). Dieser Entscheid blieb unangefochten. Am 26. Februar 2007 wurde eine Verfügung betreffend Wiederaufleben der Kinderrente infolge Ausbildung erlassen (act. II 36).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 3 C. Im Rahmen einer im Juni 2009 von Amtes eingeleiteten Revision gab der Versicherte am 10. Juni 2009 an, sein Gesundheitszustand habe sich seit einem Autounfall am 29. Juni 2007 verschlechtert (act. II 39). Die IVB nahm erneut erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (act. II 41, 43, 45) und liess den Versicherten wiederum neurochirurgisch-psychiatrisch durch die Dres. med. D.________ und E.________ interdisziplinär begutachten (Expertisen vom 24. und 25. März 2010 [act. II 54 f.]). Nach Einholung einer Stellungnahme des RAD stellte die IVB mit Vorbescheid vom 27. April 2010 die Ablehnung der Rentenerhöhung in Aussicht (act. II 56 f.). Nachdem sich der Versicherte am 16. Mai 2010 einer Diskushernienopera- tion unterzogen hatte (act. II 64, 66/2 f.), liess die IVB den Versicherten durch Dr. med. F.________, Fachärztin für Neurochirurgie, und Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, interdisziplinär begutachten (Expertisen vom 21. Mai und 12. August 2011 [act. II 78 f.] inklusive Beurteilung und Prognose aus interdisziplinärer Sicht [act. II 81]). Daraufhin stellte die IVB mit Vorbescheid vom 8. September 2011 die Her- absetzung der bisherigen Dreiviertelsrente auf eine halbe Rente mit Wir- kung auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats in Aussicht (act. II 82). Im Anschluss an eine weitere Diskushernienoperation am 2. August 2011 (act. II 88/4 f.) wurde eine interdisziplinäre neurochirurgisch-psychiatrische Folgebegutachtung durch die Dres. med. F.________ und G.________ durchgeführt (Gutachten vom 10. Dezember 2012 [act. II 113.1] und 16. April 2013 [act. II 118.1] inklusive Beurteilung und Prognose aus interdiszi- plinärer Sicht [act. II 119]). Am 10. Juli 2013 wurde erneut eine Diskushernienoperation vorgenommen (act. II 120/19 f.), woraufhin die IVB eine polydisziplinäre Begutachtung durch das H.________ (MEDAS H.________) in den Fachgebieten Or- thopädie/Traumatologie, Innere Medizin, Innere Medizin-Kardiologie, Neu- rologie und Psychiatrie veranlasste (Expertise vom 5. Februar 2015 inklusive Teilgutachten [act. II 152.1 - 152.6]). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 4 Der Versicherte wurde sodann am 10. März 2015 und 10. Februar 2017 an der rechten Schulter operiert (Akten der IVB [act. IIa] 175/27 f., 203/9 - 11). Zwischen diesen beiden Operationen reichte der Versicherte am 2. No- vember 2016 erneut eine Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invali- denversicherung ein (act. IIa 186). Mit Verfügungen vom 9. und 23. Juni 2017 wurde die Rentenleistung des Versicherten ab 1. Dezember 2016 neu festgesetzt, da auch seine Ehefrau eine Rentenleistung beanspruchen konnte (act. IIa 206, 209). Zwecks Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Versicherten gab die IVB ein weiteres interdisziplinäres orthopädisch-psychiatrisches Gutachten beim I.________ (MEDAS I.________) in Auftrag. Die Expertise wurde am 12. Dezember 2017 erstattet (act. IIa 229.1); das psychiatrische Teilgutachten datiert vom 6. Oktober 2017 (act. IIa 230.1). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren verfügte die IVB am 18. Juli 2018 bei einem Invaliditätsgrad von 28 % die Aufhebung der bisherigen Dreiviertelsrente mit Wirkung auf das Ende des der Zustellung der Verfü- gung folgenden Monats und entzog einer Beschwerde gegen diese Verfü- gung die aufschiebende Wirkung (act. IIa 240 f., 244). D. Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt und Notar Dr. iur. B.________, am 11. September 2018 Beschwerde. Er beantragt, unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei die bisherige Rente weiterhin auszurichten. Eventualiter sei unter Aufhebung der angefochte- nen Verfügung eine polydisziplinäre Abklärung unter Berücksichtigung sämtlicher Beschwerden in Auftrag zu geben, woraufhin neu zu entschei- den sei. Für das vorliegende Verfahren sei die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung zu gewähren, unter Kosten- und Entschädigungsfol- gen. Mit Beschwerdeantwort vom 15. Oktober 2018 beantragt die Beschwerde- gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 5 Der Beschwerdeführer zog mit Eingabe vom 16. November 2018 das Ge- such um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung zurück. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Angefochten ist die Verfügung vom 18. Juli 2018 (act. IIa 244). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente und dabei insbesondere, ob die seit Februar 2004 laufende Dreiviertelsrente zu Recht mit Wirkung auf das Ende des der Verfügung folgenden Monats aufgeho- ben wurde. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 6 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbs- unfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Für die Beurteilung des Vor- liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun- fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind- bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befund- lage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann an- spruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 141 V 281 E. 2.1 S. 285). Es ist dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivierten Betrach- tungsweise von der grundsätzlichen „Validität“ der versicherten Person auszugehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 S. 295) und die materielle Be- weislast für Invalidität bei ihr liegt (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 7 2.3Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. 2.4Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 2.5Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 2.6Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 8 2.7 2.7.1Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge- hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentli- che Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invali- denrente ist deshalb nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Ge- sundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszu- standes erheblich verändert haben. Dazu gehört die Verbesserung der Ar- beitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwen- dung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 10, 130 V 343 E. 3.5 S. 349). 2.7.2Unerheblich unter revisionsrechtlichem Gesichtswinkel ist nach ständiger Praxis die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11; SVR 2014 UV Nr. 7 S. 22 E. 2.2). 2.7.3Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren- tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag- gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali- ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 200; SVR 2017 IV Nr. 40 S. 122 E. 5.2.2). 2.7.4Als zeitliche Vergleichsbasis ist einerseits der Sachverhalt im Zeit- punkt der ursprünglichen Rentenverfügung und anderseits derjenige zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung zu berücksichtigen (BGE 130 V 343 E. 3.5.2 S. 351, 125 V 368 E. 2 S. 369; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 166 E. 3.1). Wurde die Rente zuvor bereits revidiert oder bestätigt, so ist als zeitliche Vergleichsbasis die letzte rechtskräftige Verfügung heranzuziehen, sofern Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 9 eine materielle Überprüfung des Leistungsanspruches tatsächlich stattge- funden hat, d.h. eine rechtskonforme (medizinische) Sachverhaltsab- klärung, eine Beweiswürdigung und gegebenenfalls – sofern Hinweise für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszu- stands bestanden – ein Einkommensvergleich durchgeführt worden sind (BGE 133 V 108 E. 5.4 S. 114; SVR 2013 IV Nr. 44 S. 135 E. 3.1.2). 2.7.5Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Mona- te angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 [IVV; SR 831.201]). Bei einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist die an- spruchsbeeinflussende Änderung zu berücksichtigen, sobald sie ohne we- sentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat (Art. 88a Abs. 2 IVV). Dabei ist im Unterschied zu dem in Art. 88a Abs. 1 IVV geregelten Tatbe- stand der Verbesserung der Erwerbsfähigkeit nicht verlangt, dass die Än- derung, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat, voraussichtlich weiterhin andauern muss. Das gesetzliche Erfordernis einer auf Dauer gerichteten Änderung ist mit Ablauf der drei- monatigen Wartezeit grundsätzlich erfüllt (SVR 2017 IV Nr. 71 S. 220 E. 2.3.1). 2.7.6Bei Versicherten, welche die Leistung weder unrechtmässig erwirkt noch die Meldepflicht verletzt haben, erfolgt die Herabsetzung oder Aufhe- bung der Renten frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an (Art. 88bis Abs. 2 IVV).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 10 3. 3.1Nach Auffassung der Beschwerdegegnerin ist als zeitliche Ver- gleichsbasis der Sachverhalt im Zeitpunkt der Verfügung vom 4. Oktober 2005 (act. II 20) mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung vom 18. Juli 2018 (act. IIa 244) zu berücksichtigen (vgl. act. IIa 179). In der Zwischenzeit wurde über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers nie rechtskräftig verfügt, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht erkannt hat. Es kann letzten Endes offen bleiben, ob im Zusammenhang mit dem abge- lehnten Gesuch um Rentenerhöhung von August 2005 (act. II 15) eine ma- terielle Überprüfung des Leistungsanspruchs tatsächlich stattgefunden hat (vgl. E. 2.7.4 hiervor), erfolgte doch der damalige Entscheid im Wesentli- chen einzig gestützt auf zwei Aktenbeurteilungen des RAD-Arztes Dr. med. J.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 1. September 2005 (act. II 19) und 9. Februar 2006 (act. II 29) sowie eines Berichtes der Rehaklinik K.________ vom 16. Januar 2006 (act. II 31). Abgesehen davon ist der massgebliche Vergleichszeitpunkt ohnehin derjenige des Einspra- cheentscheids vom 15. Februar 2006 (act. II 30). Auch wenn auf den Zeit- punkt des Erlasses der ursprünglichen Rentenverfügung vom 11. August 2004 (act. II 13) abgestellt würde, ergäbe sich nämlich kein anderes Er- gebnis. 3.2Somit ist zu prüfen, ob seit 15. Februar 2006 eine erhebliche Ände- rung des medizinischen Sachverhalts eingetreten ist mit der Folge, dass der Rentenanspruch frei geprüft werden kann (vgl. E. 2.7.3 hiervor). Dies- bezüglich sind die folgenden medizinischen Akten von Relevanz: 3.3 3.3.1Im neurochirurgischen Teilgutachten vom 18. Juni 2004 (act. II 9) führte Dr. med. D.________ die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (act. II 9/8): Lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit residueller Missempfindung linkes Bein Status nach Microdiscectomie L3/4 links am 3. März 2003Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 11 klinisch: Fehlhaltung BWS/LWS (links konvexe Skoliose) eingeschränkte Beweglichkeit LWS mit Muskelhartspann thorakolum- bal links Sensibilitätsstörung ganzes linkes Bein (nicht radikulär) radiologisch/neuroradiologisch: Fehlhaltung der LWS (links konvexe Skoliose) degenerative Veränderungen: leichtes Retroglissement LWK 3 ohne Makro-Instabilität, Osteochondrose L3 bis S1 und leichte Spondylar- throse, flache Discushernie L4/5 ohne Wurzelkompression. Psychisches Leiden. Wird im Gutachten von Dr. med. E.________ dargelegt. 3.3.2Im psychiatrischen Teilgutachten vom 2. Juli 2004 (act. II 10) führte Dr. med. E.________ die folgenden Diagnosen auf (act. II 10/5): Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21). Be- ginnende Somatisierungsstörung (F45.0). Problematische familiäre, wirtschaftliche und ökonomische Situation (Z56/Z59/Z63). 3.3.3In der interdisziplinären Beurteilung hielten die Gutachter fest, der Psychiater habe bei seiner Begutachtung eine Anpassungs- und Somatisie- rungsstörung festgestellt mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 %. Aus neurochirurgischer Sicht müsse wegen der degenerativen Ver- änderungen bzw. dem Status nach Discushernienoperation L3/4 links eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40 % angenommen werden. Inter- disziplinär liege unter Berücksichtigung beider Fachgebiete eine Restar- beitsfähigkeit für eine angepasste Tätigkeit von 50 % vor, da sich die Auswirkungen der spezialärztlichen Befunde teilweise überlappen würden (act. II 9/13 und act. II 10/8). 3.4In der Stellungnahme vom 9. Februar 2006 (act. II 29) hielt der RAD-Arzt Dr. med. J.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, fest, die vom Beschwerdeführer erklärte Verschlechterung des Gesund- heitszustandes mit Einfluss auf die Restarbeitsfähigkeit seit dem Autounfall vom 22. April 2005 sei aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar. Wie im RAD-Bericht vom 1. September 2005 bereits festgehalten, habe es sich gemäss Unfallmeldung um Prellungen im Nackenbereich und Rücken ge- handelt, in Klammer sei noch „evt. Schleudertrauma“ hinzugefügt worden. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 12 Auf der Diagnosenliste der Rehaklinik K.________ figuriere dieses Leiden als chronisches Zervikalsyndrom mit begleitenden Spannungskopfschmer- zen. Als Befund werde eine schmerzhafte Einschränkung der HWS- Beweglichkeit ohne weitere objektive Befunde erwähnt. Seit dem interdisziplinären Gutachten von Dr. med. D.________ (18. Juni 2004) und Dr. med. E.________ (2. Juli 2004) sei lediglich der Zustand nach Prellun- gen im Nackenbereich und Rücken respektive das chronische Zervikalsyn- drom nach dem Autounfall vom 22. April 2005 neu. Aus medizinischer Sicht sei es nicht nachvollziehbar, dass die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätig- keit dadurch nochmals verschlechtert werde. Im Übrigen könne dem Aus- trittsbericht der Rehaklinik K.________ vom 16. Januar 2006 entnommen werden, dass der Beschwerdeführer die Beweglichkeit der HWS nach phy- sikalischen Therapien gut habe verbessern können. Verbesserungen wür- den im Übrigen auch für die anderen Wirbelsäulenabschnitte geltend gemacht. Bei der depressiven Störung werde aktuell nur noch eine leicht- gradige depressive Episode erwähnt. Abschliessend sei nochmals erwähnt, dass aus dem Bericht der Rehaklinik K.________ vom 16. Januar 2006 keine Verschlechterung hervorgehe, im Spitalverlauf sogar eher eine Ver- besserung. Weitere Abklärungen seien nicht angezeigt. 3.5 3.5.1Dr. med. D.________ gab im neurochirurgischen Teilgutachten vom 24. März 2010 (act. II 54) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (act. II 54/13): Lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit radikulär/pseudoradikulärer Ausstrah- lung Beine m./b. Status nach Microdiscectomie L3/4 links 3. März 2003 neurologisch: eingeschränkte Beweglichkeit der LWS mit Muskelhartspann links kein sensomotorisches Defizit oder Nervendehnungsschmerz radiologisch/neuroradiologisch: degenerative Veränderungen L3 bis S1 mit Osteochondrose, Discus- hernie L5/S1 links ohne Wurzelkompression Zervikozephales Schmerzsyndrom m./b. Status nach Deflexionstrauma HWS 22. April 2005 und 22. Juni 2007 neurologisch: erheblich eingeschränkte Beweglichkeit HWS Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 13 keine radikuläre Störung radiologisch/neuroradiologisch: leichte Fehlhaltung Discushernie C3/4 rechts mit leichter Wurzelkompression C4 rechts. Allfälliges psychisches Leiden. Wird im Gutachten von Dr. med. B. E.________ dargelegt. 3.5.2Im psychiatrischen Teilgutachten vom 25. März 2010 (act. II 55) führte Dr. med. E.________ die folgenden Diagnosen auf (act. II 55/6): Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) Knapp leichtgradige depressive Episode bei rezidivierender depressiver Störung (F33.0) Lange Phase von Arbeitsuntätigkeit (Z56) Familiäre Probleme (Z63) 3.5.3In der interdisziplinären Beurteilung führten die Gutachter an (act. II 54/18 f. und act. II 55/10), anlässlich der psychiatrischen Begutachtung seien eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine leichtgradi- ge depressive Episode festgestellt worden mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10 bis 15 %. Aus neurochirurgischer Sicht liege wegen der degenerativen Veränderungen des zervikalen und lumbalen Wirbelsäu- lenabschnittes mit aktuell noch nicht kompressiv wirkenden Diskushernien eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für eine leichte Tätigkeit von knapp 50 % vor. Interdisziplinär habe sich die Arbeitsfähigkeit aus neurochirurgi- scher Sicht etwas verschlechtert, diejenige das psychische Leiden betref- fend etwas verbessert, sodass interdisziplinär weiterhin von einer Restarbeitsfähigkeit für eine leichte Tätigkeit von 50 % ausgegangen wer- den könne, da sich die Auswirkungen der psychiatrischen und neurochirur- gischen Befunde überlappen würden. 3.6 3.6.1Im neurochirurgischen Teilgutachten vom 21. Mai 2011 (act. II 78) führte Dr. med. F.________ die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (act. II 78/33): Chronisches lumbales Schmerzsyndrom, lumboischialgieformes Schmerzsyndrom rechts, residuelle sensomotorische Ausfallssymptomatik S1 links mit/bei LWS-Fehlform/-haltungUrteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 14 mehretageren degenerativen LWS-Veränderungen (mässiggradige Osteo- chondrose der gesamten LWS, leichtgradige Spondylarthrose) dorsomediane, rechtsseitig nach kaudal rezessal sequestrierte Rezidiv-DH L5/S1 mit Beeinträchtigung der Nervenwurzel S1 rechts, Kontakt zur Nerven- wurzel S1 links. St. n. Mikrodiskektomie L3/4 links 03/2003 St. n. Mikrodiskektomie L5/S1 links 05/2010 Chronisches zervikales, zervikozephales und zervikobrachiales Schmerzsyndrom rechts mit/bei HWS-Fehlhaltung mehretageren degenerativen HWS-Veränderungen (leichtgradige Osteochon- drose, begleitende Spondylose, Unkovertebralarthrose, Spondylarthrose) flacher dorsomedianer rechts präforaminaler DH 03/4 mit möglicher Beein- trächtigung der Nervenwurzel C4 rechts. 3.6.2Im psychiatrischen Teilgutachten vom 12. August 2011 (act. II 79) hielt Dr. med. G.________ zu den Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit fest, es bestehe keine krankheitswertige psychische Störung (act. II 79/27). 3.6.3In der interdisziplinären Beurteilung wurde festgehalten (act. II 81/3 f.), die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sei auf Grund bestehender körperlicher Beeinträchtigungen qualitativ und quantitativ beeinträchtigt. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht bestünden keine geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen, die den Beschwerdeführer in der Arbeits- fähigkeit einschränken würden. Aus den Augen der aktuellen Begutachtung heraus könne in Zusammenschau der Vorgeschichte und der persönlichen Untersuchung keine eigenständige gravierende psychiatrische Erkrankung benannt werden. Eine eigenständige rezidivierende depressive Erkran- kung, eine somatoforme Schmerzstörung seien nicht vorliegend. Eine ei- gentliche bisherige Tätigkeit könne nicht definiert werden. Der Beschwerdeführer sei seit 2003 bis anhin nicht mehr arbeitstätig gewesen. Sämtliche bisher ausgeübten Tätigkeiten seien dem Beschwerdeführer bleibend nicht mehr zumutbar. Ausgeschlossen seien weiter körperlich schwere und mehrheitlich körperlich mittelschwere Tätigkeiten, die HWS und LWS statisch belastende Tätigkeiten, Tätigkeiten mit Haltungs- und Positionsmonotonien der HWS und LWS, Tätigkeiten in Zwangshaltungen der HWS und LWS, insbesondere repetitive Überkopfarbeiten, vornüberge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 15 neigte Tätigkeiten, Tätigkeiten mit repetitiven Rotationsbewegungen der HWS und LWS, Tätigkeiten mit Vibrationen und Schlägen auf das Achsen- organ. Das Heben, Tragen und Bewegen von Lasten sei mit 10kg limitiert. Zumutbar seien Tätigkeiten ohne körperliche Belastung, körperlich leichte bis selten körperlich mittelschwere und konsequent wechselbelastende Tätigkeiten in einem zeitlichen Rahmen von 6 Stunden pro Tag bei dabei bestehender 10 % bis 20 % verminderter Leistungsfähigkeit. Dabei ergä- ben sich aus versicherungspsychiatrischer Sicht keine Anforderungen hin- sichtlich eines besonderen Tätigkeits- und Arbeitsplatzprofils. 3.7 3.7.1Im Rahmen der Folgebegutachtung führte Dr. med. F.________ im neurochirurgischen Teilgutachten vom 10. Dezember 2012 (act. II 113.1) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (act. II 113.1/39): Chronisches lumbales und lumboischialgieformes Schmerzsyndrom beidseits, aktuell rechtsbetont, residuelle sensomotorische Ausfallssymptomatik L5/S1 rechts, residuelle sensomotorische Ausfallssymptomatik L5/S1 links mit/bei LWS-Fehlform/-haltung degenerativen LWS-Veränderungen (z.T. erosive Osteochondrose der drei unteren lumbalen Etagen, leichtgradige Spondylarthrose, dorsomedianes Disc bulging L3/4 und L4/5) kleiner rechts mediolateraler nach kaudal rezessal luxierter Rest-/Rezidiv-DH L5/S1 mit leichtgradiger Kompression der Nervenwurzel S1 rechts St. n. Mikrodiskektomie L3/4 links 03/2003 St. n. Mikrodiskektomie L5/S1 links 05/2010 St. n. Mikrodiskektomie L5/S1 rechts 08/2011 Chronisches zervikales, zervikozephales und gelegentlich zervikobrachiales Schmerzsyndrom rechts mit/bei HWS- Fehlform/-haltung degenerativen HWS-Veränderungen (leichtgradige Osteochondrose, beglei- tende Spondylose, Unkovertebralarthrose, Spondylarthrose, flache dorsomedi- ane DH C5/6 ohne Neurokompression, rechts mediolaterale DH C6/7 ohne Neurokompression) rechts mediolateraler bis präforaminal reichender DH C3/4 mit möglicher Be- einträchtigung der Nervenwurzel C4 rechts bei stenosiertem ForamenUrteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 16 3.7.2Dr. med. G.________ hielt im Rahmen der Folgebegutachtung im psychiatrischen Teilgutachten vom 16. April 2013 (act. II 118.1) zu den Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest, aktuell bestehe keine krankheitswertige psychische Störung (act. II 118.1/13). 3.7.3In der interdisziplinären Beurteilung führten die Gutachter aus (act. II 119/3 f.), die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sei auf Grund be- stehender körperlicher Beeinträchtigungen qualitativ und quantitativ beein- trächtigt. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht bestünden keine geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen, die den Beschwerdeführer in der Arbeitsfähigkeit einschränken würden. An der Einschätzung des psychiatri- schen Gutachtens von vor etwa anderthalb Jahren ergebe sich keine Ver- änderung, da keine nachvollziehbaren Hinweise auf das zwischenzeitige Auftreten einer klaren depressiven Störung oder einer anderweitigen primär psychiatrischen Erkrankung vorlägen und die aktuelle Untersuchung ein- deutig kein derartiges depressives Syndrom nachgewiesen habe. Wieder- um sei festzuhalten, dass eine eigentliche bisherige Tätigkeit nicht definiert werden könne. Sämtliche bisher ausgeübten Tätigkeiten seien dem Be- schwerdeführer bleibend nicht mehr zumutbar. Ausgeschlossen seien wei- ter körperlich schwere und ständig sowie häufig/überwiegend körperlich mittelschwere Tätigkeiten, die LWS und HWS statisch belastende Tätigkei- ten, Tätigkeiten mit Haltungs- und Positionsmonotonien der LWS und HWS, Tätigkeiten in Zwangshaltungen der LWS und HWS, insbesondere vornübergeneigte Tätigkeiten, repetitive Tätigkeiten über Kopf und über Schulterhöhe, Tätigkeiten mit repetitiven Rotationsbewegungen der LWS und HWS, Tätigkeiten mit Vibrationen und Schlägen auf das Achsenorgan. Das Heben, Tragen und Bewegen von Lasten sei mit 10kg, repetitiv mit 5kg limitiert. Der Verschlechterung des Gesundheitszustandes Rechnung tra- gend, seien nunmehr nur noch Tätigkeiten ohne körperliche Belastung und körperlich leichte konsequent wechselbelastende Tätigkeiten in einem zeit- lichen Rahmen von 4.5 Stunden pro Tag bei dabei 10 % bis maximal 20 % verminderter Leistungsfähigkeit zumutbar. Dabei ergäben sich aus versi- cherungspsychiatrischer Sicht keine Anforderungen an ein besonderes Tätigkeits- oder Arbeitsplatzprofil.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 17 3.8Im polydisziplinären Gutachten der MEDAS H.________ vom 5. Februar 2015 mit Untersuchungen in den Fachgebieten Orthopä- die/Traumatologie, Innere Medizin, Innere Medizin-Kardiologie, Neurologie und Psychiatrie (act. II 152.1 - 152.6) führten die Gutachter die folgenden Diagnosen (aus allen untersuchten Fachgebieten) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf: 1. Lumbovertebrales und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit/bei Anamnestisch Status nach vier operativen Diskus-Revisionen: 2003 mikro- chirurgische Revision einer DH C3/4. 2010 mikrochirurgische Revision ei- ner DH L5/S1. 2011 Rezidiv-OP L5/S1. Sodann am 10. Juli 2013 erneute praesakrale Rezidiv-OP und interkorporelle Fusion L5/S1. Geringe Minderung der Ober- und Unterschenkelmuskulatur recht gegenü- ber links als residueller Befund einer früheren radikulär bedingten motori- schen Beinschwäche rechts. 2. PHS der rechten Schulter mit/bei MRT-gesicherter kompletter Ruptur der Supraspinatussehne und subtota- ler Ruptur der Sehne des M. subscapularis Operative Revision der rechten Schulter am 4. März 2015 in ... vorgesehen (Frau Dr. L.________) Die Gutachter gaben in der polydisziplinären Beurteilung an (act. II 152.1/47 - 49), die bisherige Tätigkeit als ... sei dauerhaft seit 2003 nicht mehr ausführbar. Die verbleibenden Funktionen und die körperliche Be- lastbarkeit seien vorwiegend orthopädisch beeinträchtigt. Ein Belastungs- profil stelle sich wie folgt dar: Diesem 56-jährigen Versicherten – zuletzt bis 2003 als ... berufstätig – seien nur noch körperlich leichte, wechselbelas- tende rückenadaptierte Tätigkeiten zumutbar. Die aktuell beschriebene Supraspinatussehnentendinopathie der rechten Schulter bedürfe einer ope- rativen Revision (4. März 2015). Bis dahin seien nicht nur rückenbelasten- de, sondern auch die rechte Schulter belastende Arbeiten nicht zumutbar. Geeignet seien vorerst nur körperlich leichte wechselbelastende Tätigkei- ten ohne Einsatz des dominanten rechten Armes. In derart körperlich scho- nenden Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsfähigkeit bei vollem Pensum (8.5 Stunden arbeitstäglich an fünf Arbeitstagen pro Woche) mit einer Minde- rung der Leistungsfähigkeit von 20 %. Auch in optimal angepassten Tätig- keiten seien Rückenbeschwerden und Beschwerden der rechten Schulter nicht gänzlich vermeidbar. Diese minderten das Arbeitstempo und somit die Produktivität. Nach einer hypothetisch erfolgreichen Schulterrevision rechts Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 18 (OP 4. März 2015) und nach Abschluss der sich postoperativ anschlies- senden Reha-Massnahmen sei ein weitestgehend uneingeschränkter Ein- satz der rechten Schulter zirka acht bis zwölf Wochen postoperativ möglich. Neurologisch sowie internistisch, internistisch-kardiologisch und psychia- trisch seien gutachterlich keine zusätzlichen Beeinträchtigungen der kör- perlich-psychischen Belastbarkeit beschrieben worden. 3.9Im orthopädisch-psychiatrischen Gutachten der MEDAS I.________ vom 12. Dezember 2017 (act. IIa 229.1; inklusive psychiatrischem Teilgut- achten vom 6. Dezember 2017; act. IIa 230.1) wurden im polydisziplinären Konsens die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (act. II 229.1/60): Cervicovertebralsyndrom bei Uncarthrose C3/4 mit möglicher Kompromittie- rung der Nervenwurzel C4 rechts Pseudolumboischialgie rechts bei Discusbulging L3/4 und L4/5 mit Spondylar- throse L4/5 ohne neurale Kompression, Status nach Spondylodese L5/S1 mit Käfigimplantation 07/2013, Mikrodiscektomie L5/S1 rechts 08/2011, erweiterter interlaminärer Fenestration und Sequestrektomie L5/S1 links 05/2010 sowie Mikrodiscektomie L3/4 links 03/2003 Reruptur der Supraspinatussehne, partiell desinserierte Infraspinatus- und Subscapularissehne mit beginnender Muskelatrophie und Status nach arthro- skopischer subacromialer Dekompression, Bicepssehnentenotomie mit tran- sossärer Naht der Supraspinatussehen 03/2015 und arthroskopischer Revision mit erneuter Rekonstruktion der Supraspinatussehne, Entfernung des alten Fadenmaterials mit Teilsynovektomie 02/2017 und Acromioclavicular- gelenksarthrose rechts Chronische depressive Verstimmung (Dysthymie), ICD-Nr.: F34.1 Zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit hielten die Gutachter fest (act. IIa 229.1/60 f.), aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode, mit leichter Beeinträchtigung der emotionalen Belastbarkeit, der geistigen Flexibilität, des Antriebs, der Moti- vation, der Interessen und der Dauerbelastbarkeit betrage die Arbeitsfähig- keit seit 01/2017 bei voller Stundenpräsenz als ... 80 % (Arbeitsunfähigkeit 20 %). Ab 02/2017 bis 06/2017 habe im Rahmen der postoperativen Reha- bilitation eine Arbeitsfähigkeit von 0 % (Arbeitsunfähigkeit 100 %) gesamt- haft bei voller Stundenpräsenz bestanden. Die Arbeitsfähigkeit als ... in einer ...firma, körperlich leicht und in temperierten Räumen, sitzend, ste-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 19 hend und gehend, mit nicht selten inklinierten Körperhaltungen, betrage aufgrund der vorstehend unter Lemma eins bis drei aufgeführten Diagno- sen seit 07/2017 gesamthaft bei voller Stundenpräsenz 50 % (Arbeitsun- fähigkeit 50 %). Der vorangehende Zeitraum könne retrospektiv nicht beurteilt werden, da nicht klar sei, seit wann die Unkarthrose C3/4 mit mög- licher Kompromittierung der Nervenwurzel C4 rechts sowie die ausgedehn- te Reruptur der Supraspinatussehne rechts effektiv bestehe. Zur Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit hielten die Gutachter fest (act. II 229.1/61), Arbeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung könnten seit dem psychiatrischen Gutachten 01/2015 zu 100 % (Arbeitsunfähigkeit 0 %) bei voller Stundenpräsenz zugemutet werden. Ab 02/2017 habe im Rahmen der postoperativen Rehabilitation auch für adaptierte Tätigkeiten eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit (Arbeitsfähigkeit 0 %) gesamthaft bei voller Stundenpräsenz bestanden. Körperlich leichte Tätigkeiten in tempe- rierten Räumen, abwechslungsweise sitzend und stehend, ohne häufige inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen, ohne Arbeiten über der Horizontalen, ohne repetitive Bewegungen der rechten Schulter, könnten seit 07/2017 gesamthaft bei voller Stundenpräsenz zu 90 % (Arbeitsun- fähigkeit 10 %) zugemutet werden. Auf die Frage, ob aus objektiv-medizinischer Sicht eine wesentliche Ver- schlechterung des psychischen und/oder somatischen Gesundheitszustan- des seit dem 4. Oktober 2005 (letzte materielle Verfügung) ausgewiesen sei, hielten die Gutachter fest (act. IIa 229.1/62 f.), es liege kein ausführli- cher somatischer Befund 10/2005 vor. Im Vergleich zum Gutachten 06/2004 bestehe insofern eine Änderung des Gesundheitszustandes, als dass mittlerweile drei weitere Lendenwirbelsäulenoperationen auf Höhe L5/S1 mit Spondylodese L5/S1 vorgenommen worden seien. Zudem liege eine Unkarthrose C3/4 mit möglicher Kompromittierung der Nervenwurzel C4 rechts vor und bei Status nach zweimaliger arthroskopischer Rotato- renmannschettenrekonstruktion bestehe eine Reruptur mit Retraktion der Supraspinatussehne sowie eine partiell desinserierte Infraspinatus- und Subscapularissehne mit beginnender Muskelatrophie rechts. Aus psychia- trischer Sicht sei seit dem 4. Oktober 2005 keine wesentliche Verschlechte-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 20 rung des psychischen Gesundheitszustandes ausgewiesen. Es sei in ei- nem psychiatrischen Gutachten von Dr. med. E.________ vom 2. Juli 2004 eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion sowie begin- nende Somatisierungsstörung diagnostiziert und eine 20 %-ige Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit angenommen worden. Bei Anpassungsstörungen mit längerer depressiver Reaktion handle es sich definitionsgemäss um eine leichte depressive Störung. Im Verlauf lasse sich beim Beschwerde- führer seit 2005 eine rezidivierende depressive Störung mit überwiegend leichten depressiven Episoden erheben, sodass keine wesentliche Ver- schlechterung des psychischen Zustandsbildes eingetreten sei und damit sei weiterhin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine 80 %-ige Arbeits- fähigkeit bei vollem Stundenpensum (Arbeitsunfähigkeit 20 %) anzuneh- men, während bei angepasster Tätigkeit eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit vorliege. 4. 4.1Die Zusprache einer Dreiviertelsrente vom 11. August 2004 (act. II 13) sowie deren Bestätigung mit Einspracheentscheid vom 15. Februar 2006 (act. II 30) beruhte in erster Linie auf dem bidisziplinären Gutachten der Dres. med. D.________ vom 18. Juni 2004 (act. II 9) sowie E.________ vom 2. Juli 2004 (act. II 10). Dr. med. D.________ nahm aus neurochirurgischer Sicht wegen der degenerativen Veränderungen im Rü- cken bzw. dem Status nach Diskushernienoperation L3/4 vom 3. März 2003 eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40 % an. Dr. med. E.________ stellte seinerseits bei der psychiatrischen Begutachtung eine Anpassungs- und Somatisierungsstörung fest mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 %. Interdisziplinär lag unter Berücksichtigung beider Fachgebiete für eine angepasste Tätigkeit eine Restarbeitsfähigkeit von 50 % vor (act. II 9/13 und act. II 10/8). Die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. J.________ vom 9. Februar 2006 (act. II 29) überzeugt, dass im Vergleich zum Gutachten der Dres. med. D.________ und E.________ aus dem Jahr 2004 einzig ein Zustand nach Prellung im Nacken respektive ein chronisches Zervikalsyndrom nach Au-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 21 tounfall vom 22. April 2005 vorliege und nicht ersichtlich sei, inwiefern sich die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit dadurch verschlechtert habe. 4.2Die angefochtene Revisionsverfügung vom 18. Juli 2018 (act. IIa 244) beruht in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf dem orthopä- disch-psychiatrischen Gutachten der MEDAS I.________ vom 12. Dezem- ber 2017 (act. IIa 229.1). Gemäss dem orthopädischen Gutachter konnte das Ausmass der subjektiven Einschränkung der körperlichen Leistungs- fähigkeit des Beschwerdeführers mit den pathologischen Befunden nicht komplett plausibilisiert werden (act. IIa 229.1/13). Eine angepasste Tätig- keit könne ab Juli 2017 bei voller Stundenpräsenz zu 90 % ausgeübt wer- den (act. IIa 229.1/15). Im Vergleich zum Gutachten von Dr. med. D.________ vom 18. Juni 2004 bestehe insofern eine Änderung des Ge- sundheitszustandes, als dass mittlerweile drei Diskushernienoperationen sowie zwei Schulteroperationen durchgeführt worden seien (act. IIa 229.1/15 f.). Die von Dr. med. D.________ attestierte Arbeitsunfähigkeit von 60 % sei nicht nachvollziehbar (act. IIa 229.1/13 f.). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte der psychiatrische Gutachter lediglich eine chronische depressive Verstimmung (Dysthymie) fest (act. IIa 229.1/41). Dagegen konnte er trotz multiplen körperlichen Beschwerden keine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mehr diagnostizieren (act. IIa 229.1/43 und 45 f.). Je nach Intensität der Schmerzsymptomatik hätten in der Vergangenheit auch vorübergehend mittelgradige depressive Episo- den vorgelegen (act. IIa 229.1/44). Aus psychiatrischer Sicht bestehe in einer leidensangepassten Tätigkeit mindestens seit der letzten gutachterli- chen Untersuchung vom Januar 2015 eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (act. IIa 229.1/50). 4.3Es ist fraglich, ob der somatische Gesundheitszustand im massge- benden Zeitraum (vgl. E. 3.1 hiervor) eine Verbesserung erfahren hat oder ob lediglich eine revisionsrechtlich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Sachverhalts vorliegt: Fest steht, dass es im Bereich des Rückens ab 2010 offensichtlich zu einer Verschlechterung gekommen ist und in der Folge drei Diskushernienopera- tionen L5/S1 vom 16. Mai 2010 (act. II 66/2), 2. August 2011 (act. II 88/4) sowie 10. Juli 2013 (act. II 120/19) durchgeführt werden mussten. Hielt die Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 22 Gutachterin Dr. med. F.________ am 21. Mai 2011 (act. II 78) noch fest, eine angepasste Tätigkeit sei während sechs Stunden pro Tag mit um 10 % bis 20 % verminderter Leistungsfähigkeit zumutbar (act. II 78/41), kam die gleiche Gutachterin am 10. Dezember 2012 (act. II 113.1) zum Schluss der Gesundheitszustand habe sich gegenüber der Voruntersu- chung im Mai 2011 verschlechtert und eine angepasste Tätigkeit sei neu nur noch während 4.5 Stunden pro Tag mit einer Einschränkung der Leis- tungsfähigkeit um 10 % bis maximal 20 % zumutbar (act. II 113.1/45 und 49). Erst im Zusammenhang mit der Stabilisationsoperation vom 10. Juli 2013 kam es offenbar zu einer anhaltenden Besserung der lumbalen Be- lastbarkeit, weshalb im Gutachten der MEDAS H.________ vom 5. Februar 2015 (act. II 152.1) in einer angepassten Tätigkeit ein volles Pensum mit einer Minderung der Leistungsfähigkeit von 20 % als zumutbar erachtet wurde (act. II 152.1/49). Allerdings war damals wegen der bevorstehenden operativen Schulterrevision vom 10. März 2015 (act. IIa 175/27 f.) noch keine definitive Beurteilung der Leistungsfähigkeit aus somatischer Sicht möglich. Diese Operation sowie eine weitere Schulteroperation vom Febru- ar 2017 (act. IIa 192, 203/9 - 11) fanden mittlerweile statt und haben gemäss dem orthopädischen Teilgutachter der MEDAS I.________ zwar zu einer zusätzlichen qualitativen, nicht aber zeitlichen Einschränkung des Zumutbarkeitsprofils geführt (act. IIa 229.1/15). Gemäss Gutachten der MEDAS H.________ vom 5. Februar 2015 haben damals internistisch, kar- diologisch und neurologisch keine Beeinträchtigungen vorgelegen (act. II 152.1/49). Es bestehen keine Hinweise dafür, dass sich diesbezüglich bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 18. Juli 2018 (act. IIa 244) Änderungen ergeben haben. Es muss nicht abschliessend geklärt werden, ob insbesondere seitens der Rückenprobleme im Bereich L5/S1 nach den wiederholten Operationen wiederum der Zustand eingetreten ist, wie er zur Zeit des Einspracheent- scheids vom 15. Februar 2006 (act. II 30) bestanden hat, oder ob es auf- grund der letzten Operation vom 10. Juli 2013 möglicherweise zu einer Verbesserung gekommen ist, worauf die nunmehr bestätigte vollständige Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten schliessen lassen könnte. Eine Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustandes kann dagegen klarerweise ausgeschlossen werden. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 23 Ausschlaggebend ist, dass die von Dr. med. E.________ im Juli 2004 (act. II 10) und auch noch am 25. März 2010 (act. II 55) bestätigte chronische Schmerzkrankheit mit damals erfüllten Kriterien für eine anhaltende soma- toforme Schmerzstörung (act. II 55/7) und entsprechenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in der Folge remittierte und bereits gemäss dem Gutachten von Dr. med. G.________ vom 12. August 2011 (act. II 79) kei- ne krankheitswertige psychische Störung mehr vorgelegen hat, was ansch- liessend gutachterlich mehrmals bestätigt worden ist – zuletzt im Gutachten der MEDAS I.________ vom 12. Dezember 2017 (act. IIa 229.1). Somit liegt aus psychiatrischer Sicht eine Veränderung vor, indem die von Dr. med. E.________ nachvollziehbar festgestellte Anpassungsstörung und beginnende Somatisierungsstörung im weiteren Verlauf nicht mehr zu dia- gnostizieren war. Dies wird bestätigt durch die Angaben des Beschwerde- führers gegenüber dem Gutachter der MEDAS I.________ Dr. med. N.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, wonach er sich in relativ guter psychischer Verfassung befinde und nur ab und zu bei Schmerzen unruhig werde und manchmal reizbar sei (act. IIa 229.1/33). Dagegen wies Dr. med. E.________ noch darauf hin, die Diskushernie von März 2003 respektive die Chronifizierung der Schmerzen hätten zu einer Zermürbung der Persönlichkeit geführt. Trotz intensiver Behandlung habe eine Verbesserung der Schmerzsymptomatik nicht erreicht werden können. Die Schmerzen würden das Familienleben belasten (act. II 10/6). 4.4Somit liegt hinsichtlich des psychischen Zustandes nicht bloss eine unterschiedliche Einschätzung eines im Wesentlichen unveränderten Sachverhaltes vor (vgl. E. 2.7.2 hiervor), sondern der Gesundheitsschaden hat sich nachhaltig verbessert, wie sich dies aus den verschiedenen gut- achterlichen Beurteilungen zweifelsfrei ergibt. Die unterschiedliche Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit beruht deshalb auf einem geänderten Zustand und ist revisionsrechtlich relevant. 5. 5.1Nach dem Dargelegten ist der Rentenanspruch im Zeitpunkt der angeordneten Rentenaufhebung frei zu prüfen (vgl. E. 2.7.3 hiervor). Dies-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 24 bezüglich ist auf das bidisziplinäre Gutachten der MEDAS I.________ vom 12. Dezember 2017 (act. IIa 229.1, 230.1) abzustellen. Dieses erfüllt die an den Beweiswert einer medizinischen Expertise gestellten Anforderungen (vgl. E. 2.6 hiervor). Es ist voll beweiskräftig, da es – beruhend auf allseiti- gen Untersuchungen und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwer- den – die streitigen Punkte umfassend abhandelt und in Kenntnis der Vorakten abgegeben wurde. Weiter leuchtet es in der medizinischen Beur- teilung ein und die darin gezogenen Schlussfolgerungen werden eingehend begründet. Die in der Beschwerde, S. 3, unter Hinweis auf den Bericht des Spitals M.________ vom 9. Januar 2018 (Akten des Beschwerdeführers [act. I] 3) geltend gemachten zusätzlichen Diagnosen fallen nicht ins Ge- wicht, weshalb keine polydisziplinäre Begutachtung erforderlich ist. Damit ist davon auszugehen, dass eine körperlich leichte Tätigkeit zumindest seit Juli 2017 gesamthaft bei voller Stundenpräsenz zu 90 % zugemutet werden kann (act. IIa 229.1/61). Eine Indikatorenprüfung (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.1 - 4.4 S. 296) ist trotz der diagnostizierten Dysthymie bereits deshalb entbehrlich, weil die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit einzig somatisch begründet ist (vgl. act. IIa 229.1/50). 5.2Es ist der Invaliditätsgrad mittels Einkommensvergleich zu bestim- men. 5.2.1Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermit- telt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte mitein- ander zu vergleichen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1 S. 30, 104 V 135 E. 2b S. 136). 5.2.2Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 25 passten Verdienst angeknüpft (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30, 134 V 322 E. 4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1). 5.2.3Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297). 5.2.4Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Per- sonen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeit- nehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unter- durchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit einem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persön- lichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidens- bedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthalts- kategorie und Beschäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu begren- zen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2015 IV Nr. 1 S. 1 E. 2.2). 5.3Der Einkommensvergleich ist auf den Zeitpunkt der allfälligen Ren- tenrevision hin vorzunehmen (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versi- cherungsgerichts [EVG, heute Bundesgericht {BGer}] vom 3. Juli 2006, I 86/06, E. 4), hier für das Jahr 2018. Da die statistischen Zahlen für das Jahr 2018 noch nicht vorliegen, ist der Einkommensvergleich für das Jahr 2017 vorzunehmen. 5.3.1Für das Valideneinkommen ist vom zuletzt bei der O.________ AG im Jahr 2004 erzielten Einkommen von jährlich Fr. 65‘260.-- (13 x Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 26 Fr. 5‘020.--) auszugehen (act. II 3/2). Indexiert auf das Jahr 2017 resultiert ein Betrag von Fr. 74‘299.15 (Tabelle T1.1.93 Nominallohnindex, Männer, 2001 - 2005, Abschnitt D, Verarbeitendes Gewerbe; Industrie, Jahr 2004: 112.6 Punkte, Jahr 2015: 114.0 Punkte; Tabelle T1.1.05, Nominallohnin- dex, Männer, 2006 - 2010, Abschnitt D, Verarbeitendes Gewerbe; Industrie, Index Jahr 2005: 100 Punkte, Index Jahr 2010: 107.2 Punkte; Tabelle T1.1.10 Nominallohnindex, Männer, 2011 - 2017, Wirtschaftszweig C, Ziff. 10 - 33, Verarbeitendes Gewerbe / Herstellung von Waren, Jahr 2010: 100 Punkte, Jahr 2017: 104.9 Punkte). 5.3.2Da der Beschwerdeführer trotz des Gesundheitsschadens keine ihm zumutbare Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, ist das Invalideneinkommen anhand statistischer Zahlen zu bestimmen (vgl. E. 5.2.3 hiervor). Wird auf Tabellenlöhne abgestellt, sind grundsätzlich immer die aktuellsten statisti- schen Daten zu verwenden, die im Zeitpunkt des angefochtenen Verwal- tungsakts vorlagen (BGE 143 V 295 E. 2.3 S. 297 und E. 4.1.3 S. 300; Entscheid des BGer vom 6. Juli 2016, 9C_699/2015, E. 5.2). Die am 26. Oktober 2018 veröffentlichte Tabelle TA1_tirage_skill_level (Monatli- cher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor) der LSE 2016 (vgl. www.bfs.admin.ch) war im Verfügungszeitpunkt am 18. Juli 2018 (act. IIa 244) noch nicht zugänglich, weshalb auf die entsprechende Tabelle der LSE 2014, Total, Männer, Kompetenzniveau 1, im Betrag von monatlich Fr. 5‘312.--, jährlich Fr. 63‘744.--, abzustellen ist. Indexiert auf das Jahr 2017 resultiert ein Be- trag von Fr. 64‘576.70 (Tabelle T39, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1939 - 2017, Männer, Jahr 2014: 2‘220 Punkte; Jahr 2017: 2249 Punkte); die Anpassung an die betriebsübli- che wöchentliche Arbeitszeit im Jahr 2017 im Abschnitt Total von 41.7 Stunden ergibt einen Betrag von Fr. 67‘321.20 (Fr. 64‘576.70 : 40 h x 41.7 h). Unter Berücksichtigung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensange- passten Tätigkeit von 90 % (vgl. E. 5.1 hiervor) und eines nicht zu bean- standenden Abzuges vom Tabellenlohn (vgl. E. 5.2.4 hiervor) von 10 % resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 54‘530.15 ([Fr. 67‘321.20 x 0.9] x 0.9). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 27 5.3.3Die Gegenüberstellung der beiden hypothetischen Vergleichsein- kommen ergibt im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 18. Juli 2018 (act. IIa 244) einen nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von gerundet 27 % (100 / Fr. 74‘299.15 x [Fr. 74‘299.15 - Fr. 54‘530.15] = 26.61 %; zu den Rundungsregeln vgl. BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123). 6. 6.1Es stellt sich weiter die Frage, ob die seit Februar 2004 laufende Dreiviertelsrente im Anschluss an das Gesuch um Rentenerhöhung vom 15. Juni 2009 (act. II 39), worüber bis anhin nicht befunden worden ist, zu- mindest für befristete Zeit zu erhöhen ist. Indessen ist aufgrund der Akten davon auszugehen, dass die im Zusammenhang mit den verschiedenen operativen Eingriffen – mit Ausnahme desjenigen vom 10. Februar 2017 (act. IIa 203/9 - 11) – jeweils vorübergehend attestierte vollständige Ar- beitsunfähigkeit auch für angepasste Tätigkeiten nicht genügend lange angedauert hat, um eine revisionsrechtlich relevante Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit zu begründen (Art. 88a Abs. 2 IVV; vgl. E. 2.7.5 hiervor). Gegenteiliges wird vom Beschwerdeführer denn auch nicht geltend ge- macht. 6.2Im Zusammenhang mit der Schulteroperation rechts vom 10. Fe- bruar 2017 (act. IIa 203/9 - 11) attestierten die Gutachter der MEDAS I.________ im Rahmen der postoperativen Rehabilitation für adaptierte Tätigkeiten von Februar bis Juni 2017 eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit (act. IIa 229.1/61). Da diese somit länger als drei Monate gedauert hat (Art. 88a Abs. 2 IVV; vgl. E. 2.7.5 hiervor), hat der Beschwerdeführer ab dem 1. Mai 2017 Anspruch auf eine ganze Rente. Ab Juli 2017 war der Beschwer- deführer gemäss den Gutachtern der MEDAS I.________ in einer leidens- angepasste Tätigkeit bei voller Stundenpräsenz zu 90 % arbeitsfähig, was an sich wie bereits dargelegt (vgl. E. 5.3.1 - 5.3.3 hiervor) keinen Anspruch auf eine Invalidenrente begründet. Da die Rente nur in bestimmten hier nicht gegebenen Konstellationen rückwirkend aufgehoben oder herabge- setzt werden kann (vgl. E. Art. 88 bis Abs. 2 IVV; vgl. E. 2.7.6 hiervor), redu- ziert sich die seit Mai 2017 laufende ganze Rente nach Ablauf der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 28 Dreimonatsfrist gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV (vgl. E. 2.7.5 hiervor) per 1. Oktober 2017 auf das zuvor bestehend Niveau einer Dreiviertelsrente. 7. 7.1Auch wenn der Invaliditätsgrad im Zeitpunkt der angefochtenen Ver- fügung auf unter 40 % gefallen ist, bedeutet dies noch nicht ohne weiteres, dass die Rente aufgehoben werden kann. Abzuklären ist zusätzlich, ob die anspruchswesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes auf dem Wege der Selbsteingliederung verwertbar ist, was angesichts des im ver- fügten Zeitpunkt der Rentenaufhebung per Ende August 2018 (act. IIa 244) zurückgelegten 55. Altersjahres (vgl. BGE 141 V 5 E. 4.2.1 S. 7; vgl. auch E. 7.1.2 hiernach) im Falle des Beschwerdeführers rechtsprechungs- gemäss besonders zu prüfen ist: 7.1.1Die Beurteilung einer Erwerbsunfähigkeit richtet sich gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich nach den gesundheitlichen Beeinträchtigun- gen, was auch im Revisionsfall (Art. 17 Abs. 1 ATSG) gilt. Nicht gesund- heitlich bedingte Eingliederungshindernisse haben daher bei der Invaliditätsbemessung auch im Revisionszusammenhang ausser Acht zu bleiben. Daher geht die ständige Rechtsprechung vom Regelfall aus, der darin besteht, dass eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeits- fähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung verwertbar ist; praktisch bedeutet dies, dass aus einer medizinisch attestierten Verbesse- rung der Arbeitsfähigkeit unmittelbar auf eine Verbesserung der Erwerbs- fähigkeit geschlossen und damit ein entsprechender Einkommensvergleich (mit dem Ergebnis eines tieferen Invaliditätsgrades) vorgenommen werden kann, und zwar auch bei langjährigem Rentenbezug. Diese Rechtspre- chung entspricht dem Grundsatz "Eingliederung statt Rente", wonach grundsätzlich keine Invalidenrente zugesprochen oder weiterhin ausgerich- tet werden darf, solange und sobald eine Eingliederung einen rentenan- spruchserheblichen Erfolg verspricht (SVR 2016 IV Nr. 27 S. 82 E. 5.1, 2011 IV Nr. 30 S. 88 E. 4.2.2). 7.1.2Dennoch hat die Rechtsprechung in ganz besonderen Ausnahme- fällen nach langjährigem Rentenbezug trotz medizinisch (wieder) ausge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 29 wiesener Leistungsfähigkeit vorderhand weiterhin eine Rente zugespro- chen, bis mit Hilfe medizinisch-rehabilitativer und/oder beruflich- erwerblicher Massnahmen das theoretische Leistungspotential ausge- schöpft werden kann, weil in jedem Einzelfall feststehen muss, dass die (wiedergewonnene) Erwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeits- markt (erneut) verwertbar ist (Art. 7 Abs. 1 i.V.m. Art. 16 ATSG). Eine un- mittelbare Anrechenbarkeit des Invalideneinkommens ist dann zu verneinen, wenn Eingliederungsmassnahmen entweder aus medizinischer oder aus beruflich-erwerblicher Sicht unabdingbare Voraussetzung für eine Umsetzung eines (potentiellen) funktionellen Leistungsvermögens sind. Aus medizinischer Sicht fällt der Schluss der (vorläufigen) Nichtanrechen- barkeit eines auf der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit beruhen- den Invalideneinkommens in Betracht, wenn das grundsätzlich attestierte Leistungsvermögen in der ärztlichen Beurteilung unter den ausdrücklichen Vorbehalt der Durchführung befähigender Massnahmen gestellt wird. Aus beruflich-erwerblicher Sicht können im Einzelfall Erfordernisse des Ar- beitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leistungs- fähigkeit und medizinisch möglichen Leistungsentfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotentials ohne vorgängige Durchführung befähigen- der Massnahmen allein vermittels Eigenanstrengung der versicherten Per- son nicht möglich ist (SVR 2016 IV Nr. 27 S. 82 E. 5.1, 2011 IV Nr. 30 S. 88 E. 4.2.2; Entscheid des BGer vom 10. September 2010, 9C_768/2009, E. 4.1). 7.1.3Von der Zumutbarkeit der Selbsteingliederung ist auszugehen, wenn die langjährige Abstinenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist oder über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/ oder der langen Rentenbe- zugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellun- gen wieder in das Erwerbsleben integrieren (SVR 2018 IV Nr. 11 S. 36 E. 4.2).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 30 7.1.4Ist einer versicherten Person die Verwertung einer Restarbeitsfähig- keit seit Jahren zumutbar und die berufliche Selbstintegration seither allein aus invaliditätsfremden Gründen unterblieben, ist die arbeitsmarktliche Desintegration nicht invaliditätsbedingt. In einem solchen Fall besteht vor der Rentenaufhebung kein Anspruch auf Abklärung bzw. Durchführung beruflicher Eingliederungsmassnahmen (SVR 2018 IV Nr. 11 S. 36 E. 4.3). 7.1.5Der Ausnahmetatbestand, wonach die Verwaltung die Notwendig- keit (vorgängiger) befähigender beruflicher Massnahmen trotz wiederge- wonnener Arbeitsfähigkeit abzuklären hat, ist grundsätzlich auf Sachverhalte zu beschränken, in denen die revisions- oder wiedererwä- gungsweise Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versi- cherte Person betrifft, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat (BGE 141 V 5 E. 4.1 S. S. 7; SVR 2011 IV Nr. 73 S. 222 E. 3.3). 7.2Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Prüfung der beruflichen Ein- gliederungsmassnahmen gänzlich verzichtet und die laufende Dreiviertels- rente nach Eingang des Gutachtens der MEDAS I.________ vom 12. Dezember 2017 (act. IIa 229.1) ohne weiteres aufgehoben. Möglicherweise wurde dabei übersehen, dass der Beschwerdeführer im Verlaufe des durch eine Revision von Amtes wegen im Juni 2009 (act. II 39) ausgelösten jahre- langen Verfahrens mittlerweile das 55. Altersjahr zurückgelegt hatte. Die Beschwerdegegnerin hat sich zum Verzicht auf Eingliederungsmass- nahmen offenbar berechtigt gefühlt, weil sie den Eingliederungswillen re- spektive die subjektive Eingliederungsbereitschaft des Beschwerdeführers als nicht gegeben beurteilt hat. Diese Folgerung ist aufgrund der Akten nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt: Im Gutachten der MEDAS I.________ vom 12. Dezember 2017 (act. IIa 229.1) wird erwähnt, es würden keine medizinischen Hinderungsgründe für eine sofortige berufliche Eingliederung bestehen. Allerdings seien berufli- che Eingliederungsmassnamen bei anzunehmender mangelnder Motivation des Beschwerdeführers eher wenig aussichtsreich (act. IIa 229.1/61). Ge- genüber dem psychiatrischen Teilgutachter hat der Beschwerdeführer zu- dem ausgeführt, er glaube, aufgrund der körperlichen Beschwerden nicht Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 31 arbeiten zu können (act. IIa 229.1/36). Auf der anderen Seite findet sich im Gutachten unter der Darstellung der Ressourcen der Hinweis, dass der Beschwerdeführer relativ gut kommunikationsfähig und kontaktfähig wirke und gewisse Motivation und Interessen zeige (act. IIa 229.1/48). Aufgrund dieser zumindest widersprüchlichen Hinweise durfte die Beschwerdegeg- nerin nicht ohne ausdrückliche Nachfrage beim Beschwerdeführer auf feh- lenden Eingliederungswillen schliessen. Dies umso mehr als der Beschwerdeführer bis zum Erlass des Vorbescheids vom 5. Juni 2018 (act. IIa 240) im Unklaren darüber war, dass die Beschwerdegegnerin eine Ren- tenaufhebung beabsichtigte und sich deshalb für ihn die Frage einer allfälli- gen Eingliederung in den Erwerbsprozess stellen würde. Vor diesem Zeitpunkt gemachte Aussagen hinsichtlich einer Motivation zur Arbeitsauf- nahme können deshalb nur bedingt berücksichtigt werden. Zwar hat der Beschwerdeführer seit Jahren eine Restarbeitsfähigkeit auf- gewiesen, deren Verwertung ihm grundsätzlich – auch unter Berücksichti- gung des fortgeschrittenen Alters – zumutbar gewesen wäre. Indessen ist zu berücksichtigen, dass sich die gemäss Gutachten der Dres. med. D.________ und E.________ anfänglich 50 % betragende Arbeitsunfähig- keit (act. II 9/13 und act. II 10/8) insbesondere im Anschluss an die Diskus- hernienoperation vom 2. August 2011 weiter verschlechtert hat, wie dies die Gutachterin Dr. med. F.________ am 10. Dezember 2012 festgestellt hat (act. II 113.1/45). Zudem ist es auch im Zusammenhang mit den insge- samt fünf Operationen jeweils für befristete Zeit zu einer vollständigen Ar- beitsunfähigkeit gekommen. Es kann deshalb nicht ohne weiteres auf eine nichtinvaliditätsbedingte arbeitsmarktliche Desintegration, aus welcher kein Anspruch auf Abklärung bzw. Durchführung beruflicher Eingliederungs- massnahmen abgeleitet werden kann (vgl. E. 7.1.4 hiervor), geschlossen werden. Der Beschwerdeführer kann zudem nicht als besonders gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert betrachtet werden und er verfügt auch über keine breite berufliche Ausbildung (act. IIa 229.1/ 7 f. und 35 f.), was Voraussetzung für die Annahme wäre, dass er sich ohne Hilfestellung wiederum in das Erwerbsleben integrieren könnte (vgl. E. 7.1.3 hiervor). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb die Verwertbarkeit der wiedergewon- nen Arbeitsfähigkeit zu prüfen und die nach den konkreten Umständen ge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 32 botenen Eingliederungsmassnahmen an die Hand zu nehmen, sofern und soweit deren Voraussetzungen erfüllt sind. Anschliessend ist über die revi- sionsweise Aufhebung des Rentenanspruchs neu zu verfügen. 7.3Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde gutzuheissen, die ange- fochtene Verfügung vom 18. Juli 2018 (act. IIa 244) aufzuheben und die Sache zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen an die Be- schwerdegegnerin zurückzuweisen. Der Beschwerdeführer hat zudem für die Zeit vom 1. Mai bis 30. September 2017 Anspruch auf eine ganze Ren- te. 8. 8.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). 8.2Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge- setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit- sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Mit Kostennote vom 27. November 2018 macht Rechtsanwalt B.________ ein Honorar von Fr. 2‘481.60 (11.28 h à Fr. 220.--) zuzüglich 4 % Auslagen in der Höhe von Fr. 99.25 und Mehrwertsteuer von Fr. 198.70 (7.7 % von Fr. 2‘580.85), total Fr. 2‘779.55, geltend, was nicht zu beanstanden ist. Die Parteientschädigung wird folglich auf Fr. 2‘779.55 festgesetzt. Diesen Be- trag hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu ersetzen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 33 8.3Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt ist infolge Rückzugs vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Bern vom 18. Juli 2018 aufgehoben und die Sache an die Be- schwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie – nach Vornahme der Abklärungen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge. 2. Für die Zeit vom 1. Mai bis 30. September 2017 hat der Beschwerde- führer Anspruch auf eine ganze Rente. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung auferlegt. 4. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer die Parteikosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 2‘779.55 (inkl. Auslagen und MWSt.), zu ersetzen. 5. Das Verfahren betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt wird vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben. 6. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 34 Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 25. Jan. 2019, IV/2018/651, Seite 35 Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.