Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. Dezember 2016 (725 16 250 / 336) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Beweiswürdigung: Es bestehen Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der von der Beschwerdegegnerin eingeholten und als massgeblich erachteten versicherungsin- ternen Beurteilungen, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann und stattdessen er- gänzende Abklärungen vorzunehmen sind Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen Basler Versicherung AG , Aeschengraben 21, Postfach , 4002 Basel , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer-Münch, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. Der 1992 geborene A.____ ist seit 14. April 2015 im Rahmen eines 50 %-Pensums als Instruktor bei der B.____ AG angestellt und durch die Arbeitgeberin bei der Basler Versicherung AG obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Mit Bagatell- Unfallmeldung vom 26. Oktober 2015 liess A.____ der Basler Versicherung AG durch seine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitgeberin einen Unfall melden. Gemäss den Angabe n im genannten Formular habe der Versicherte am 9. Mai 2015 anlässlich einer „Pfadiaktivität“ bei einem Spiel einen Bänderriss im rechten Handgelenk als Folge einer starken Verstauchung erlitten. Im Abschnitt “Sachverhalt (Unfallbeschreibung)“ dieses Formulars liess der Versicher te diesbezüglich ausführen, die Ver- stauchung sei schnell wieder abgeklungen, der Bänderriss zwischen zwei Handknochen hinge- gen sei erst entdeckt worden, als er aufgrund eines Gang lions links in der Abteilung Handchi- rurgie des Spitals C.____ untersucht worden sei und d ort beiläufig seine Probleme/Schmerzen im rechten Handgelenk erwähnt habe. Man habe deswegen eine CT-Untersuchung des rechten Handgelenks angeordnet, welche dann die Verletzung gezeigt habe. Nach Vornahme medizinischer Abklärungen erliess die Basler Versicherung AG am 1. März 2016 eine Verfügung, mit welcher sie entschied, dass der „Status quo“ in Bezug auf die erlittene Verstauchung per 5. Juli 2015 eingetreten sei, weshalb ab 6. Juli 2015 kein Leistungsanspruch mehr bestehe. Für die festgestellte Bandruptur im recht en Handgelenk sei man nicht leistungs- pflichtig, da diese mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht unfallkausal sei. Die von A.____ gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Basler Versicherung AG mit Einsprache- entscheid vom 16. Juni 2016 ab, wobei sie zur Begründung im Wesentlichen festhielt, dass eine Unfallkausalität der vom Versicherten im Zeitpunkt der Unfallmeldung vom 26. Oktober 2015 geklagten Handgelenksbeschwerden rechts nicht mit dem erfo rderlichen Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sei. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertr eten durch Rechtsanwalt Da- niel Altermatt, am 15. August 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflich ten, ihm aus dem Unfallereignis vom 9. Mai 2015 die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 21. Oktober 2016 beantra gte die Basler Versiche- rung AG, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer-Münch, die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in D.____ (BL), weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsge- richts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten v om 15. August 2016 ist demnach einzutreten. 2. Wie eingangs ausgeführt, zog sich der Beschwerdeführer anlässlich des Unfallereig- nisses vom 9. Mai 2015 eine Verstauchung des rechten Handg elenks zu. In ihrer Verfügung vom 1. März 2016, die sie mit dem angefochtenen Einsprach eentscheid vom 16. Juni 2016 be- stätigte, entschied die Beschwerdegegnerin in Bezug auf d iese Verletzung, dass der „Status quo“ per 5. Juli 2015 eingetreten sei, weshalb hinsichtlich der erlittenen Verstauchung ab 6. Juli 2015 kein Leistungsanspruch mehr bestehe. Diese Beurteilun g wird vom Versicherten im vor- liegenden Beschwerdeverfahren - zu Recht - nicht in Frag e gestellt. Mitte Juli 2015 wurde beim Beschwerdeführer nun allerdings mittels einer Arthro-C T des rechten Handgelenks zusätzlich eine „Ruptur des dorsalen Teils des LT-Bandes“ diagnost iziert (vgl. den Bericht des Spitals C.____, Institut für Radiologie und Nuklearmedizin, vo m 15. Juli 2015). Zwischen den Parteien ist einzig strittig, ob (auch) diese Verletzung in eine m natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 9. Mai 2015 steht und die Beschwerdeg egnerin deshalb für diese Bandruptur ihre gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld) zu erbringen hat. 3. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 4.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt - unter anderem - vor- aus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetre tenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde - die Verwaltung oder Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr obliege nden Beweiswürdigung (vgl. dazu E. 4.2 hiernach) zu befinden hat. 4.2 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfügend e Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiese n annehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat die rechtsanwendende Behörde ihren Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes v orsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sach- verhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Verwalt ung und Gericht haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen mög lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 138 V 221 f. E. 6 mit H inweisen). Der Untersuchungsgrund- satz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügende n Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sach- verhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel grei ft allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsat zes aufgrund einer Beweiswürdi- gung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest di e Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen). 4.3 Da es sich beim Vorliegen eines natürlichen Kausalzu sammenhangs im Bereich der obligatorischen Unfallversicherung um eine leistungsbegründende Tatfrage handelt, liegt hierfür die Beweislast - im vorstehend umschriebenen Sinne - bei der versicherten Person. 5.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der Feststellung natürlicher Kausalzu- sammenhänge im Bereich der Medizin - ist die rechtsanwen dende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinw eisen). Das Gericht hat diese medizini- schen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsproz ess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bin- dung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeu- tet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver- lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatt en. Insbesondere darf es bei einan- der widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Be weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belan ge umfassend ist, auf allseitigen Un- tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil A. des Bundesgerich ts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 6.1 Der Versicherte hatte am 3. Juli 2015 auf Zuweisun g seines Hausarztes die Sprech- stunde des Spitals C.____, Abteilung Handchirurgie, au fgesucht. In ihrem Bericht vom 15. Juli 2015 wies die untersuchende Ärztin Dr. med. E.____, Or thopädische Chirurgie und Traumato- logie des Bewegungsapparates FMH sowie Handchirurgie FMH, in der Anamnese darauf hin, dass beim Patienten seit längerem Schmerzen in beiden H andgelenken bestehen würden. Ge- stützt auf ihre Abklärungen hielt sie sodann fest, dass i m linken Handgelenk der Verdacht auf ein Mikroganglion über den scapholunären Bändern best ehe, es sei deshalb eine weitere Ab- klärung mittels Sonographie geplant. Auf der rechten Seite bestehe auch bei anamnestisch re- zidivierendem „Aushängen“ des Handgelenks eine deutliche Instabilität des DRUG, wahrschein- lich von einer älteren TFCC-Läsion. Dr. E.____ veranla sste deswegen zur weiteren Abklärung der Probleme am rechten Handgelenk eine Arthro-CT. Di ese wurde am 15. Juli 2015 im Institut für Radiologie und Nuklearmedizin des Spitals C.____ du rchgeführt und ergab gemäss Bericht vom selben Tag folgende Befunde: “Regelrechte Artikula tion der intakten Handwurzelknochen; distale Ulna und Radius intakt; teilerfasste Ossa metacar palia intakt; TFCC intakt; SL-Band in- takt; Ruptur des dorsalen Teils des LT-Bandes; keine patho logische Erweiterung des SL- und LT-Gelenkspaltes; DRUG unauffällig“. In der Folge nah m Dr. E.____ am 14. August operativ eine Exstirpation des Ganglions über den scapholunären B ändern des linken Handgelenks vor und Dr. med. F.____, Chirurgie FMH und Handchirurgie FMH, führte am 9. November 2015 operativ eine Handgelenksarthroskopie rechts mit Transf ixation bzw. Bandrekonstruktion des LT-Bandes durch. 6.2 Wie eingangs festgehalten, hatte der Versicherte der Beschwerdegegnerin am 26. Ok- tober 2015 eine Unfallmeldung zukommen lassen und dar in geltend gemacht, dass die am 15. Juli 2015 festgestellte Bandruptur am rechten Handgelenk auf ein Unfallereignis vom 9. Mai 2015 zurückzuführen sei. In der Folge holte die Beschwer degegnerin zur Frage der Unfallkau- salität der betreffenden Verletzung bei der G.____ e ine Stellungnahme ein. In ihrer Beurteilung Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 30. Dezember 2015 nahm diese jedoch lediglich eine medizinische Beurteilung der Situati- on am linken Handhegelenk vor. Nachdem sie von der Besc hwerdegegnerin darauf aufmerk- sam gemacht worden war, dass vorliegend einzig die gesu ndheitlichen Beeinträchtigungen am rechten Handgelenk zu beurteilen seien, bezeichnete die G.____ in einer zweiten Stellungnah- me vom 28. Januar 2016 die Operation vom 9. November 20 15 als sachgerecht. Sie sei jedoch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht unfallkausal gewesen. So werde im Operationsbe- richt unter der Indikation eine „veraltete LT-Bandrupt ur rechts - ohne erinnerliches Trauma“ festgehalten und im Bericht über die Arthro-CT vom 15 . Juli 2015 werde ein „Verdacht auf TFCC-Läsion rechts“ angeführt. 6.3 Zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalt s holte die Beschwerdegegnerin beim Hausarzt des Versicherten, Dr. med. H.____, Allge meine Medizin FMH, eine Erkundigung ein. Dieser teilte der Beschwerdegegnerin am 3. Febru ar 2016 mit, dass er den Patienten zweimal (am ) wegen seines linken Handgelenks gesehen habe. Ein Unfallereignis „im Zei trah- men Mai 2015“ sei ihm nie gemeldet worden. In der Fo lge unterbreitete die Beschwerdegegne- rin die ihr vorliegenden medizinischen Akten für eine K ausalitätsbeurteilung ihrem beratenden Arzt Dr. I.____. Dabei gab sie im entsprechenden “Vorl ageformular“ vom 22. Februar 2016 als erlittene Verletzung die Diagnose “Distorsion Hand rec hts“ an. In seinen Antworten vom 29. Februar 2016 hielt Dr. I.____ fest, dass die geltend gemachte Gesundheitsschädigung, also die Distorsion der rechten Hand, unfallkausal sei. Die Fr age, ob auch Krankheiten, krankhafte Vorzustände oder andere unfallfremde Zustände oder F olgen früherer Unfälle mitwirken wür- den, bejahte Dr. I.____ mit dem Hinweis, dass eine ve raltete, lunotriquetrale Bandruptur an der rechten Hand vorgelegen habe. Die Frage, ob es durch de n Unfall zu einer vorübergehenden Verschlimmerung gekommen sei, bejahte er, wobei er bezü glich der Dauer der Verschlimme- rung einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen angab. Nach dieser Zeit habe der Gesund- heitszustand des Versicherten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (wieder) auf unfallfremden Ursachen beruht. Die abschliessende Frage der Beschwerdege gnerin, ob der ärztliche Heilein- griff vom 9. November 2015 (Hand rechts) infolge des U nfalls 9. Mai 2015 durchgeführt worden sei, verneinte Dr. I.____. 6.4 Im Rahmen des Einspracheverfahrens reichte der Versich erte der Beschwerdegegne- rin eine Stellungnahme von Dr. F.____ vom 8. März 2 016 ein. Darin führte dieser aus, bei ei- nem jungen Patienten sei eine degenerative Läsion der LT-Bänder sehr selten. Man könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass di e LT-Bandläsion eine traumatische Genese habe. Der Versicherte selber habe ein adäquates Trauma vom 9. Mai 2015 angege- ben, davon habe man allerdings anlässlich der Erstkonsult ation keine Kenntnis gehabt. Der in der damaligen Beurteilung verwendete Begriff “veralt ete LT-Bandruptur“ treffe hier zu, da sich der Patient knapp zwei Monate nach dem Trauma in der Sprechstunde der Handchirurgie vor- gestellt habe. Laut seiner persönlichen Einschätzung, so das Fazit von Dr. F.____, liege hier eine klar überwiegende Unfallfolge vor. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtene n Einspracheentscheid bei der Würdigung des medizinischen Sachverhalts auf die Einschätz ungen der G.____ vom 30. De- zember 2015 bzw. 28. Januar 2016 und auf die Beurteilu ng ihres beratenden Arztes Dr. I.____ Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 29. Februar 2016. Sie gelangte demzufolge zum Erge bnis, dass beim Versicherten ein Kausalzusammenhang zwischen der am 15. Juli 2015 festgestel lten Bandruptur am rechten Handgelenk und dem Unfallereignis vom 9. Mai 2015 nich t mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sei. Wie oben ausgeführt, ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass ein Versicherungsträger seinen Entsche id auf medizinische Unterlagen stützt, die er versicherungsintern eingeholt hat. In solche n Fällen sind jedoch strenge Anforde- rungen an die Beweiswürdigung zu stellen und zwar in dem Sinne, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel- lungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (vgl. E . 5.2 hiervor und die dortigen Hin- weise auf die entsprechende bundesgerichtliche Rechtsprechung). 7.2 Vorliegend ergeben sich in verschiedener Hinsicht Zw eifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der von der Beschwerdegegnerin als massgeben d erachteten versicherungsinter- nen ärztlichen Feststellungen. Geschmälert wird deren Be weiswert schon deshalb, weil die Antwortschreiben der G.____ und des beratenden Arztes nu r ungenügende Angaben über de- ren Verfasser enthalten. So wird in den beiden Berich tsformularen der G.____ in der Rubrik “G.____ - Mitarbeiter“ einzig der Name “K.___ L.____ “ angegeben, weshalb nicht klar wird, ob es sich bei der Person, welche die Stellungnahme verfasst h at, um einen Arzt handelt. Vom beratenden Arzt wiederum sind einzig sein akademischer T itel und sein Nachname bekannt (“Dr. I.____“). Nicht ersichtlich ist hingegen, ob der b etreffende Arzt über einen Facharzttitel verfügt, welche Fachausbildung er - bejahendenfalls - absolviert hat und in welchem Fachgebiet er aktuell tätig ist. Was den Inhalt der versicherungsinte rnen Stellungnahmen betrifft, so ist vor- ab festzuhalten, dass Dr. I.____ gemäss der Fragestellung der Beschwerdegegnerin zu Kausa- litätsaspekten der Diagnose “Distorsion Hand rechts“ (vg l. das “Vorlageformular an den bera- tenden Arzt“ vom 22. Februar 2016, Abschnitt “Diagnose“) und nicht zur hier interessierenden Unfallkausalität der Bandruptur Stellung zu nehmen ha tte. Seine Ausführungen sind deshalb bereits aus diesem Grund für die hier zu beurteilende Fragestellung kaum verwertbar. Im Weite- ren moniert der Beschwerdeführer zu Recht, dass offenba r weder der Mitarbeiter der G.____ noch Dr. I.____ in die im Spital C.____ angefertigt en bildgebenden Dokumente des rechten Handgelenks Einsicht genommen haben. Sie zitieren in i hren Stellungnahmen lediglich aus dem Bericht des Spitals C.____ vom 15. Juli 2015, der zu r gleichentags erfolgten Arthro-CT verfasst worden ist. Soll aber reinen Aktenbeurteilun gen, wie sie hier vorliegen, ein ausschlag- gebender Beweiswert zukommen, so ist zu verlangen, dass de r Versicherungsträger sämtliche relevanten medizinischen Akten - und zu denen gehören zwei fellos die zur strittigen Thematik angefertigten, aktuellen bildgebenden Dokumente - beizieht und dass er diese den Fachärzten, die eine medizinische Beurteilung vornehmen sollen, vo rlegt. Andernfalls wird der Beweiswert der entsprechenden Aktenbeurteilung erheblich geschmäle rt. Wünschenswert wäre sodann gewesen, dass die Beschwerdegegnerin - beispielsweise bei ihrem beratenden Arzt Dr. I.___ - eine Stellungnahme zur nachgereichten Kausalitätsbeurt eilung von Dr. F.____ vom 8. März 2016 eingeholt hätte. Da sie dies unterlassen hat, fehlt es vorliegend an jeglicher medizinischen Auseinandersetzung mit der abweichenden Beurteilung de s behandelnden Handchirurgen. Ins- besondere äussert sich ärztlicherseits niemand zu dessen Ein schätzung, wonach der in den Berichten des Spitals C.____ verwendete Begriff “veralt ete LT-Bandruptur“ durchaus auch bei einer Konstellation wie der vorliegenden, d.h. bei e inem Unfallereignis anfangs Mai 2015 und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Diagnosestellung anfangs Juli 2015, zutreffend sei. Schliesslich weist der Versicherte in seiner Beschwerde auch noch darauf hin, dass im ersten B ericht der G.____ vom 30. Dezember 2015 medizinisch lediglich das linke Handg elenk beurteilt worden sei, obwohl er nie geltend gemacht habe, dass die Verletzung am linke n Handgelenk auf den Unfall vom 9. Mai 2015 zurückzuführen sei. Auch in der zweiten Stell ungnahme vom 28. Januar 2016 wer- de wieder auf das linke Handgelenk eingegangen, obwoh l die Beschwerdegegnerin nunmehr explizit darauf hingewiesen habe, dass die dortige Verletzung nicht im Zusammenhang mit dem zu beurteilenden Unfall stehe. Diese Darstellung des Be schwerdeführers erweist sich als kor- rekt. Zwar äusserte sich der Mitarbeiter der G.____ in d er zweiten Stellungnahme vom 28. Januar 2016 dann doch noch zur Problematik im recht en Handgelenk, der Umstand, dass sie sich in der ersten Stellungnahme hauptsächlich mit der medizinischen Situation im hier nicht interessierenden linken Handgelenk befasste, erweckt insgesamt aber doch gewisse Zweifel an der Sorgfalt und somit auch an der Schlüssigkeit der entsprechenden Beurteilung. 7.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass vorliegend nicht unerhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der von der Beschw erdegegnerin eingeholten und als massgeblich erachteten versicherungsinternen Beurteilunge n der G.____ und von Dr. I.____ bestehen. Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 5.2 hiervor) kann bei diesem Beweisergebnis nicht auf die betreffenden versicherungsinternen Beurteilung en abgestellt werden und es sind statt- dessen weitere fachärztliche Abklärungen vorzunehmen. 7.4 Im Hinblick auf diese Abklärungen gilt es zusätzlich n och Folgendes zu beachten: Laut Unfallmeldung vom 26. Oktober 2015 hat sich der Versicherte „bei einer Pfadiaktivität bei einem Spiel“ am rechten Handgelenk verletzt. Weiteres zum Unfa llhergang lässt sich dieser Meldung nicht entnehmen. Anlässlich eines Telefongesprächs mit eine r Sachbearbeiterin der Beschwer- degegnerin vom 12. Februar 2016 (vgl. die Telefonnoti z vom genannten Tag) gab der Versi- cherte an, es habe sich beim Ereignis um einen Sturz geha ndelt. Den Akten der Beschwerde- gegnerin lässt sich somit nicht entnehmen, wie sich das Ereignis genau zugetragen hat, sie sind deshalb auch in diesem Punkt unvollständig. Dies ist ins ofern relevant, als die Kenntnis des exakten Unfallhergangs durchaus auch für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts be- deutsam sein kann. So lassen etwa ein möglichst genau f estgehaltener Bewegungsablauf und die Beschreibung allfällig vorhandener Krafteinwirkunge n (Unfallmechanismus) nicht nur Rück- schlüsse auf die Art und die Schwere der erlittenen Ver letzung zu, diese Aspekte können durchaus auch wichtig sein für die Beurteilung der Frage , ob eine vorhandene gesundheitliche Beeinträchtigung auf ein konkretes Unfallereignis zurückgeführt werden kann. Die Beschwerde- gegnerin wird deshalb, bevor sie weitere medizinische Ab klärungen vornehmen lässt, den Un- fallhergang möglichst exakt zu erheben und zu dokumentie ren und die entsprechenden Unter- lagen zusammen mit den medizinischen Akten dem Facharzt, den sie mit der Begutachtung betrauen wird, vorzulegen haben. 7.5 Aus dem Gesagten folgt, dass der angefochtene Einspr acheentscheid aufzuheben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei sen ist. Diese wird als erstes den Unfallhergang möglichst exakt zu erheben und die Aktenlage entsprechend zu ergänzen haben. Danach wird sie die Frage, ob beim Versicherten ein Kau salzusammenhang zwischen der am Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 15. Juli 2015 festgestellten Bandruptur am rechten Han dgelenk und dem Unfallereignis vom 9. Mai 2015 gegeben ist, durch einen versicherungs externen Facharzt gutachterlich abklären zu lassen haben. Anschliessend wird die Beschwerdegegnerin ge stützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung über den Leistungsanspruch des Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. 8.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Hebt das Kantonsgericht einen b ei ihm angefochtenen Entscheid auf und weist es die Angelegenheit zu ergänzender Abklärun g und neuer Beurteilung an die Ver- waltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, B GE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegne- rin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführe rs hat in seiner Honorarnote vom 22. November 2016 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 12 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stelle nden Sachverhalts- und Rechts- fragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu d em in Sozialversicherungsprozes- sen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung g elangenden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind s odann die in der Honorarnote aus- gewiesenen Auslagen von Fr. 55.--. Dem Beschwerdeführe r ist deshalb eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 3‘299.40 (12 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 55.-- + 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 9. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 9 3 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid der Basler Versicherung AG vom 16. Juni 2016 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren A bklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfü gung an die Basler Versicherung AG zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Basler Versicherung AG hat dem Beschwerdeführer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3‘299.40 (inkl. Ausla gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht