Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 29. August 2018 (810 18 214) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Vorsorgliche Anweisungen an die Kindseltern Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk -Vögtli , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beigeladener Betreff Vorsorgliche Anweisungen an die Kindseltern (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 9. Juli 2018) A. D.____, geboren 2008, ist das gemeinsame Kind de r unverheirateten Eltern A.____ und C.____. D.____ steht unter der Obhut der Kindsmutte r. Mit Entscheid der Kindes- und Erwach- senenschutzbehörde E.____ vom 13. April 2015 wurde das Besuchsrecht für D.____ und den Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kindsvater geregelt und eine Erziehungsbeiständin gemäss Art. 308 Abs. 1 ZGB ernannt, wel- che insbesondere die Aufgaben erhielt, die Kindselter n mit Rat und Tat zu unterstützen, das Besuchsrecht zu organisieren und zu überwachen sowie bei K onflikten zu vermitteln. Mit Ent- scheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde E.____ vom 24. August 2015 wurde auf Antrag des Kindsvaters ein neuer Beistand ernannt. Auf grund des Wohnsitzwechsels der ob- hutsberechtigten Kindsmutter übernahm die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) mit Entscheid vom 7. November 2017 die Weiterf ührung der kindsschutzrechtlichen Massnahme. B. Mit ihrem Schreiben vom 16. Februar 2018 beantrag te die Kindsmutter einen Wechsel der Beistandsperson, da sie mit der Zusammenarbeit nicht mehr einverstanden sei. C. Die KESB hörte die Kindsmutter sowie den Beistand am 8. Juni 2018 persönlich an. Am 15. Juni 2018 fand die Anhörung von D.____ statt. Mit dem für D.____ zuständigen Schulsozi- alarbeiter nahm die KESB mit Telefonat vom 20. Juni 2018 Rücksprache. Der Kindsvater wurde durch die KESB am 27. Juni 2018 angehört. D. Mit Entscheid der KESB vom 9. Juli 2018 wurden die K indseltern nach Art. 307 Abs. 3 ZGB vorsorglich angewiesen, umgehend mit der Familien- , Paar- und Erziehungsberatung Ba- sel-Stadt (FABE), zwecks Aufgleisung einer angeordneten Beratung, Kontakt aufzunehmen und eine angeordnete Beratung wahrzunehmen (Ziffer 1). Z iel der Beratung solle insbesondere die Erarbeitung einer adäquaten Gesprächskultur untereina nder und die Erarbeitung eines Kon- fliktmanagements sein (Ziffer 1a). Die FABE werde gebeten, über den Verlauf und das Ergebnis der Beratung Bericht zu erstatten sowie allfällige Emp fehlungen abzugeben (Ziffer 1b). Die Kindseltern wurden nach Art. 273 Abs. 2 und Art. 307 Abs. 3 ZGB vorsorglich angewiesen, vor D.____ nicht über den anderen Elternteil zu sprechen, D.____ nicht über den anderen Elternteil zu befragen und alles zu unterlassen, was das Verhältnis zum anderen Elternteil beeinträchtigt (Ziffer 2). Den Kindseltern wurde bei Widerhandlung gegen die verfügten Massnahmen die Un- gehorsamsstrafe gemäss Art. 292 StGB angedroht (Ziffer 3). Das Verfahren betreffend den Wechsel der Beistandsperson wurde bis zur Beendigung der angeordneten Beratung gemäss Ziffer 1 sistiert (Ziffer 4). Einer allfälligen Beschwe rde wurde die aufschiebende Wirkung entzo- gen (Ziffer 5). Über die Erhebung von Verfahrenskoste n werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden (Ziffer 6). E. Gegen den Entscheid der KESB vom 9. Juli 2018 erho b A.____ mit Eingabe vom 27. Juli 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Land schaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragt in de r Hauptsache sinngemäss, dass die er- teilte Weisung dahingehend abzuändern sei, dass beid e Elternteile in Zusammenarbeit mit der FABE eine abschliessende und bindende Vereinbarung über das Besuchsrecht erarbeiten. Wei- ter sei die Sistierung des Verfahrens betreffend Beist andswechsel aufzuheben und das Verfah- ren weiterzuführen. Sinngemäss beantragt die Beschwerd eführerin zudem die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgeset zbuches (ZGB) vom 10. De- zember 1907 kann gegen Entscheide einer Erwachsenenschut zbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 66 Abs. 1 des kanto nalen Gesetzes über die Einfüh- rung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide der Kindes- und Erwachsenen schutzbehörde das Kan- tonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrec ht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 450e ZGB. Im Übrige n sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Von Bundesrechts wegen anfechtbar sind sämtliche Endentscheide (Art. 450 Abs. 1 ZGB) sowie Zwi- schenentscheide über vorsorgliche Massnahmen (Art. 445 Abs. 3 ZGB). Beim angefochtenen Präsidialentscheid, welcher die Anordnung vorsorglicher Massnahmen zum Gegenstand hat, handelt es sich um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 445 Abs. 3 ZGB. Die Zuständigkeit zur Beurteilung der vorliegenden Streitsa che liegt in Anwendung von § 66 Abs. 2 EG ZGB i.V.m. § 1 Abs. 3 lit. f des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungs- prozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 bei der prä sidierenden Person. Die Be- schwerdeführerin ist als direkt Verfahrensbeteiligte nach Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB zur Be- schwerdeerhebung legitimiert. Die Beschwerdefrist von ze hn Tagen (Art. 445 Abs. 3 ZGB) ist eingehalten. Da sämtliche Prozessvoraussetzungen erfüllt sin d, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 1.2 Die “Allgemeinen Abmachungen“ zwischen den Kindsel tern vom 20. April 2016 sowie die von der Beschwerdeführerin initiierte Beratung be i der FABE, bei welcher D.____s Kompe- tenzen gestärkt werden sollen, sind vom angefochtenen Entscheid der KESB nicht umfasst und daher vorliegend nicht Streitgegenstand (vgl. F ELIX UHLMANN , in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Auflage, 2016, N 5 zu Art. 5 VwVG). Auf die diesbezüglichen Rechtsbegehren und Vorbringen der Beschwerdeführerin kann folglich nicht eingetreten werden. 2. Nach Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachve rhaltes (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3.1 In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin , dass die Anhörung von D.____ durch die KESB am 15. Juni 2018 mangelhaft abgelaufen sei. D.____ sei an der Schultür von der Referentin der KESB abgefangen und während der Schulzeit von dieser angehört worden. Weiter sei D.____ nicht persönlich eingeladen worden und die Beschwerdeführerin habe erst im Rahmen des angefochtenen Entscheids vom Inhalt der Anhörung erfahren. 3.2 Das Kind wird durch die Kindesschutzbehörde oder du rch eine beauftragte Drittperson in geeigneter Weise persönlich angehört, soweit nicht sein Alter oder andere wichtige Gründe dagegen sprechen (Art. 314a Abs. 1 ZGB). Im Protokoll der Anhörung werden nur die für den Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid wesentlichen Ergebnisse festgehalten. Die Elt ern werden über diese Ergebnisse in- formiert (Art. 314a Abs. 2 ZGB). Die Anhörung des Ki ndes ist zum einen Ausfluss seiner Per- sönlichkeit und dient zum anderen der Sachverhaltsfestst ellung. Während bei älteren Kindern der persönlichkeitsrechtliche Aspekt im Vordergrund steht und das Kind ein eigenes Mitwir- kungsrecht hat, ist die Anhörung bei kleineren Kindern im Sinne eines Beweismittels zu verlan- gen (vgl. BGE 131 III 553 E. 1.1). Das Bundesgericht ge ht im Sinne einer Richtlinie davon aus, dass eine Kindesanhörung ab dem vollendeten sechsten Altersjahr möglich ist (vgl. BGE 131 III 553 E. 1.2.3). Auf die Anhörung kann nur verzichtet w erden, wenn sie aufgrund des Alters nicht möglich ist oder wenn andere wichtige Gründe dagegen s prechen (vgl. C HRISTOPH HÄFELI , in: Kren Kostkiewicz/Wolf/Amstutz/Fankhauser [Hrsg.], ZGB Kom mentar, 3. Auflage, 2016, N 3 zu Art. 314a ZGB). Die Kindsanhörung hat grundsätzlich dur ch die KESB selber – bzw. durch ein delegiertes Behördenmitglied – zu erfolgen. Damit soll erreicht werden, dass sich die Entscheid- trägerinnen und Entscheidträger einen unmittelbaren persönlichen Eindruck vom Kind verschaf- fen können (J ONAS SCHWEIGHAUSER , in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], 3. Auflage, 2016, N 16 f. zu Art. 298 ZPO). In besonderen Situationen (bspw. psychische Behin derung oder geistige Störung des Kindes) kann die Anhörung an eine qualifizierte Dritt person delegiert werden (SCHWEIGHAUSER , a.a.O., N. 18 f. zu Art. 298 ZPO). Die Art und Weise der Anhörung hängt vom Alter und der Entwicklung des Kindes ab. Neben den geeigneten Räumen geht es dabei vor allem um eine kindgerechte Sprache und eine respektvolle und wohlwollende Haltung der anhörenden Person (SABINE BRUNNER /DIANA WIDER /HEIDI SIMONI , in: KOKES [Hrsg.], Praxisanleitung Kindesschutz- recht, N 7.17). Das Anhörungsrecht ist gewährleistet, wen n das Kind ausreichend und seiner Entwicklung entsprechend darüber Bescheid weiss und in al tersgerechter Form schriftlich oder mündlich, direkt oder über die Eltern eingeladen wu rde (B RUNNER /WIDER /SIMONI , a.a.O., N 7.19). Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs gebietet es, dass die Parteien im Anschluss an die Kindsanhörung über die wesentlichen Erkenntnisse info rmiert werden, damit sie vor einem Entscheid allenfalls Stellung nehmen können (S CHWEIGHAUSER , a.a.O., N 34 f. zu Art. 298 ZPO). 3.3 Vorliegend war D.____ im Zeitpunkt des angefocht enen Entscheids zehn Jahre alt und hatte damit das für die Anhörung relevante Schwellena lter erreicht. D.____ wurde von einem Behördenmitglied der KESB – der Referentin im vorlie genden Fall – angehört, was den gesetz- lichen Vorgaben von Art. 314a Abs. 1 ZGB entspricht (vgl . E. 3.2 hiervor). Aus den Akten geht hervor, dass die KESB die Beschwerdeführerin mit E-Mail vom 14. Juni 2018 über die bevor- stehende Kindsanhörung informiert und sie gebeten hat, D.____ darüber in Kenntnis zu setzen. Der Beschwerdeführerin ist dabei zuzustimmen, dass die E inladung zur Kindsanhörung von D.____ sehr kurzfristig erfolgt ist. Vor dem Hintergrund einer vorsorglichen Massnahme und der damit einhergehenden Dringlichkeit lässt sich dieses Vorg ehen jedoch rechtfertigen. Die Einla- dung zur Kindsanhörung ist gesamthaft nicht zu beansta nden. Im Rahmen ihrer telefonischen Nachfrage bei der KESB am 14. Juni 2018 konnte die Be schwerdeführerin zudem Unklarheiten und Fragen in Bezug auf die Anhörung klären (vgl. Tel efonnotiz der KESB vom 14. Juni 2018). Die Anhörung von D.____ am 15. Juni 2018 wurde in Abs prache mit seinem Klassenlehrer ver- einbart (vgl. Protokoll der Anhörung vom 15. Juni 2018 und Notiz des Telefonats mit dem Klas- senlehrer vom 14. Juni 2018). Das Gespräch fand vor Beg inn des Unterrichts (Unterrichtsbe- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ginn 8.30 Uhr) unbemerkt von D.____s Mitschülerinnen un d Mitschülern in einem separaten Raum im Schulhaus während 20 Minuten statt (8.00 Uhr bis 8.20 Uhr). Aus dem Protokoll ergibt sich zudem, dass D.____ mit der Referentin offen gesproch en und diese das Gespräch kindge- recht sowie respektvoll geführt hat (vgl. Protokoll der Anhörung vom 15. Juni 2018). Nach dem Gesagten ist die Anhörung von D.____ am 15. Juni 2018 nicht zu beanstanden, und es liegt keine Verletzung von Art. 314a Abs. 1 ZGB vor. Die Be schwerdeführerin bemängelt hingegen zu Recht, dass sie erst im angefochtenen Entscheid über die Ergebnisse der Anhörung infor- miert wurde und vorher nicht die Möglichkeit erhalten habe, dazu Stellung zu nehmen. In Bezug auf dieses Versäumnis der KESB liegt eine Verletzung vo n Art. 314a Abs. 2 ZGB resp. des An- spruchs auf rechtliches Gehör vor. 3.4 Aufgrund der formellen Natur des Anspruchs auf re chtliches Gehör führt eine Gehörs- verletzung grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids, unabhängig von des- sen materieller Rechtmässigkeit (BGE 135 I 187 E. 2.2; 125 I 113 E. 3; 122 II 464 E. 4a). Die Gehörsverletzung kann ausnahmsweise geheilt werden, sofe rn es sich nicht um eine schwer- wiegende Verletzung handelt und die betroffene Part ei die Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei über- prüfen kann (BGE 137 I 195 E. 2.3.2; 133 I 201 E. 2.2; 132 V 387 E. 5.1; 129 I 129 E. 2.2.3 und 126 I 68 E. 2). Vorliegend hatte die Beschwerdeführe rin die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Be- schwerde an das Kantonsgericht, welchem vorliegend volle Kognition (vgl. E. 2 hiervor) zu- kommt, zu den Ergebnissen der Kindsanhörung Stellung zu nehmen. Die Beschwerdeführerin bringt zudem weder vor, dass sich aus der Kindsanhörung we sentliche neue Tatsachen erge- ben hätten, noch, dass ihr weitere Nachteile aus der nachträglichen Bekanntgabe entstanden seien. Die Gehörsverletzung ist somit als geheilt zu betr achten. Der Heilung ist bei den Kosten- und Entschädigungsfolgen Rechnung zu tragen (vgl. Urtei le des Bundesgerichts 1C_556/2013, 1C_558/2013, 1C_562/2013 vom 21. September 2016 E. 16.2). 4.1 Die Beschwerdeführerin bringt in formeller Hinsicht weiter vor, ihr Anspruch auf ein faires Verfahren sei verletzt worden. Zum einen habe der angefochtene Entscheid eine unrichti- ge Rechtsmittelbelehrung enthalten. Zum anderen sei d ie KESB in ihrem Entscheid über das ursprüngliche Gesuch der Beschwerdeführerin um Beistandsw echsel hinausgegangen und ha- be bei D.____ eine Kindswohlgefährdung festgestellt. 4.2 Nach Art. 30 Abs. 1 BV sowie § 9 Abs. 3 der Verfa ssung des Kantons Basel- Landschaft (KV BL) vom 17. Mai 1984 hat jede Person An spruch darauf, dass ihre Sache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefange nen Gericht ohne Einwirken sach- fremder Umstände entschieden wird. Die KESB hat ihren Entscheid über die vorsorglichen Massnahmen vom 9. Juli 2018 mit einer Rechtsmittelbele hrung versehen, welche auf eine fal- sche Rechtsmittelfrist (30 Tage für die Anfechtung von En dentscheiden gemäss Art. 450b Abs. 1 ZGB) hinweist. Mit ihrem Schreiben und dem Rekti fikat vom 18. Juli 2018 hat die KESB die Beschwerdeführerin auf diesen Fehler aufmerksam gemacht und ihr eine andere Rechtsmit- telbelehrung mit der korrekten Rechtsmittelfrist (10 T age für die Anfechtung von vorsorglichen Massnahmen gemäss Art. 445 Abs. 3 ZGB) zugestellt. In ihr em Schreiben vom 18. Juli 2018 stellte die KESB zusätzlich fest, dass die 10-tägige Beschwe rdefrist neu mit der Zustellung des Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rektifikats zu laufen beginne. Von einem unfairen Verf ahren, wie es die Beschwerdeführerin geltend macht, kann offensichtlich nicht gesprochen we rden. Vielmehr ist vorliegend von einem Versehen der KESB auszugehen, welches jedoch umgehend r ichtiggestellt wurde. Abgesehen davon reichte die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde innert Frist beim Kantonsgericht ein und sie führt nicht weiter aus, inwiefern sie durch den Fehl er der KESB im Verfahren benachteiligt sei. Das Vorgehen der KESB bzw. ihr Abweichen vom gestellten Gesuch der Beschwerdeführe- rin verletzt ebenfalls weder Art. 30 Abs. 1 BV noch § 9 Abs. 3 KV BL. Im kindesrechtlichen Ver- fahren herrschen die Untersuchungs- und Offizialmaxime (Art. 446 Abs. 1 und 3 ZGB). Die Offi- zialmaxime verpflichtet die KESB dazu, unabhängig von den Anträgen der Parteien die notwen- digen Massnahmen zu ergreifen (P ATRICK FASSBIND , in: Orell Füssli Kommentar, Schweizeri- sches Zivilgesetzbuch, 3. Auflage, 2016, N 3 zu Art. 446 ZGB). Sofern die KESB es für notwen- dig erachtete, hatte sie folglich die Befugnis, vom Begehren der Beschwerdeführerin, einen Bei- standswechsel vorzunehmen, abzuweichen und eine andere a ls die beantragte Massnahme zu treffen. Es liegen überdies keine Hinweise vor und e s werden auch keine von der Beschwerde- führerin vorgebracht, dass die KESB die vorliegende Ange legenheit aus sachfremden Gründen ausgeweitet hätte. Die Rüge der Beschwerdeführerin, wonach die KESB ihr Recht auf ein faires Verfahren verletzt habe, ist somit offensichtlich unbegründet. 5.1 In materieller Hinsicht bringt die Beschwerdeführe rin vor, dass die KESB in ihrem Ent- scheid zu Unrecht von einer Kindswohlgefährdung bei D.__ __ ausgegangen und die angeord- nete Beratung für die Kindseltern nicht gerechtfertigt sei. 5.2 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, d ass die Kindseltern ihren Konflikt auf den diversen elektronischen Kanälen oder über den B eistand austragen würden, gemein- same Gespräche fänden hingegen keine statt. Es gebe Hin weise darauf, dass D.____ von bei- den Eltern direkt in den Konflikt involviert werde. D._ ___s Verhaltensauffälligkeiten seien Kon- sequenzen des massiven Konflikts zwischen den Kindseltern un d würden eine konkrete Kinds- wohlgefährdung belegen. Ohne Abhilfe und Aufbau ein er minimalen adäquaten Kommunikati- onsbasis, wozu auch gemeinsame persönliche Gespräche zähle n würden, könne D.____ keine unbelastete Beziehung zu seinen Eltern leben und weitere psychische Schwierigkeiten erleiden. 5.3 Gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB trifft die Kindes- und E rwachsenenschutzbehörde die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kindes, wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist und die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder sie dazu ausserstande sind. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde trifft alle für die Dauer des Verfahrens notwendigen Mass- nahmen (Art. 445 Abs. 1 ZGB). Vorsorgliche Massnahmen mü ssen unumgänglich, d.h. so dringlich sein, dass der ordentliche, spätere Entscheid n icht abgewartet werden kann, ohne einen erheblichen Nachteil für die betroffene Person in Kauf zu nehmen (vgl. C HRISTOPH HÄFELI , Grundriss zum Erwachsenenschutzrecht, 2013, S. 285). Für die Anordnung einer vor- sorglichen Massnahme genügt das Beweismass der Glaubhaftma chung. Es muss demnach ausreichen, wenn eine Gefährdung aufgrund summarischer Prüfung zwar als wahrscheinlich scheint, die Möglichkeit einer Fehlannahme aber nicht a usgeschlossen werden kann (vgl. CHRISTOPH AUER /MICHÈLE MARTI , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivil- gesetzbuch I, 5. Auflage, 2014, N 29 zu Art. 445 ZGB). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Die KESB ist befugt, eine Weisung zur Durchführu ng einer Therapie zu erlassen (vgl. PETER BREITSCHMID , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], a.a.O., N 22 zu Ar t. 307 ZGB). Diese Therapie unterscheidet sich von der freiwilligen Mediati on in der konsequenten Orientierung an den Interessen und Rechten der Kinder. Dabei werden hochstrittige Eltern, die sich erfahrungs- gemäss zumeist von ihren Ängsten, Verletzungen und hau ptsächlich von ihren Erwachsenenin- teressen leiten lassen, mit den Interessen und Bedürfn issen ihrer Kinder konfrontiert. Eltern erfahren, wie sich ihr Konflikt auf die Befindlichkeit ihrer Kinder auswirkt und was sie für ihre Kinder tun können (M AX PETER , Hochstrittige Eltern im Besuchsrechtskonflikt, Zeitschrif t für Vormundschaftswesen, 2005, S. 196). Entsprechend sämtlic her Kindesschutzmassnahmen muss auch die erteilte Weisung erforderlich sein (Subsidi arität) und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme anzuordnen (Proportiona lität); diese soll elterliche Bemü- hungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplementarität). 5.5 Aus den vorliegenden Akten und einer summarischen Prüfung des Sachverhalts ergibt sich, dass zwischen den Kindseltern ein massiver Konflikt besteht und kein direkter persönlicher Kontakt zwischen ihnen möglich ist (vgl. Rechenschaftsbericht des Beistands vom 20. Januar 2018). Gemäss den Angaben des Beistands lebe D .____ in diesem Spannungsver- hältnis. Der Schulsozialarbeiter führte gegenüber der K ESB ebenfalls aus, dass die Schwierig- keiten bzw. die aggressiven Ausbrüche von D.____ eindeuti g auf die schwierige Situation zwi- schen den Eltern zurückzuführen seien. D.____ befinde sich in einem Loyalitätskonflikt, da die Kommunikation zwischen seinen Eltern auch über ihn laufe. Weiter führt der Sozialarbeiter aus, dass D.____ ein sehr guter Schüler sei, es hätten sich be i ihm jedoch Angstzustände einge- stellt. Diese Zustände würden in der Schule zu komplette n Blockaden führen, sodass D.____ “weder ein noch aus wisse“. Der Konflikt zwischen den El tern müsse dringend von D.____ fern- gehalten werden. D.____ machte anlässlich seiner Anhör ung am 15. Juni 2018 geltend, dass ihn der Konflikt zwischen seinen Eltern sehr nerve und er manchmal am liebsten weg wolle. Vor kurzer Zeit habe ihn alles so genervt, dass er in der Schule Wutausbrüche gehabt und sein Heft zerrissen habe. Die Beschwerdeführerin selber anerkennt, dass die momentane Situation für D.____ äusserst belastend ist, weshalb sie ihn bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland (KJP) anmelden wolle bzw. für D.____ bereits eine Bera tung bei der FABE organisiert habe (vgl. Protokoll der Anhörung der Beschwerdeführerin vo m 8. Juni 2018). Diese Massnahmen der Beschwerdeführerin sind durchaus zu begrüssen, sie zei gen jedoch, dass auch die Be- schwerdeführerin eine Gefährdung von D.____s Wohl befür chtet. Der Beistand sieht ebenfalls dringenden Handlungsbedarf und äusserte sich gegenüber der KESB dahingehend, dass sich die Dynamik zwischen den Eltern im E-Mailverkehr verstärkt habe und er sich ernsthaft Sorgen um D.____ mache (vgl. Notiz des Telefonats zwischen dem Be istand und der KESB vom 29. Juni 2018). In seinem Bericht vom 20. Januar 2018 z eigt der Beistand seine Befürchtung darüber auf, dass die Eltern von D.____ nicht in der Lage sein werden, letzterem in der Puber- tät eine gemeinsame klare Orientierung zu geben. 5.6 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen und der z ugrundeliegenden Akten ist er- stellt, dass D.____ unter der momentanen konfliktreiche n Situation zwischen seinen Eltern lei- det und diese der Auslöser für sein aggressives Verhalten in der Schule ist. Gegenteiliges lässt sich zumindest aufgrund der summarischen Überprüfung des Sachverhalts nicht feststellen, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht und eine Gefährdung von D.____s Wohl liegt demzufolge vor. Um dieser Gefährdung zu be- gegnen ist es angezeigt, den Eltern ihre Verantwortun g für D.____s Wohlergehen aufzuzeigen und sie darin zu unterstützen, wieder direkt miteinand er zu kommunizieren. Die therapeutische Unterstützung von D.____ ist dabei eine Möglichkeit, die Aufarbeitung oder Behebung der Ur- sache seiner Schwierigkeiten ist eine andere. An dieser Stelle sind die Eltern in die Pflicht zu nehmen, denn die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen ihn en liegt hauptsächlich im Interes- se ihres Sohnes. Das Ziel soll sein, dass sich die Kindseltern persönlich und sachlich austau- schen können, ohne D.____ in einen Loyalitätskonflikt zu b ringen. Dafür ist es notwendig, den Eltern mögliche Kommunikationsregeln und Verhaltensstru kturen aufzuzeigen, was mit der an- geordneten Beratung bei der FABE bezweckt wird. Dass di e Mediation, soweit sie als Kindes- schutzmassnahme angeordnet wird, selten auf beidseitigen Elternwunsch erfolgt, liegt in der Natur der Sache. Der Beigeladene hat jedoch seine Bereitschaft zu diesem Schritt bereits in der Anhörung vom 27. Juni 2018 kundgetan, und im Schreibe n vom 16. August 2018 bestätigt die Beschwerdeführerin ihre Teilnahme am ersten Gespräch i m Rahmen der angeordneten Bera- tung. Die Beschwerdeführerin bringt weiter nichts vor, was geeignet wäre, eine Rechtswidrigkeit oder Unverhältnismässigkeit der angeordneten Massnahme au fzuzeigen. Nach der bundesge- richtlichen Rechtsprechung ist die Mediation im Zusammenh ang mit der Ausübung des Be- suchsrechts bei gestörter Beziehung zwischen den Eltern ein e zulässige Kindesschutzmass- nahme im Sinn von Art. 307 Abs. 3 ZGB (vgl. Urteil 5 A_457/2009 vom 9. Dezember 2009 E. 4). Eine Verletzung von Art. 307 Abs. 3 ZGB durch die KES B ist nicht gegeben. Die angeordnete Massnahme ist recht- sowie verhältnismässig. Sofern die Besch werdeführerin Wünsche zum Inhalt der angeordneten Beratung anbringt, sind diese direkt im Rahmen der dortigen Gesprä- che einzubringen. 5.7 Vor diesem Hintergrund war es gerechtfertigt, de n Antrag der Beschwerdeführerin auf Wechsel des Beistandes zu sistieren. Solange die Eltern v on D.____ die Beratungsgespräche bei der FABE wahrnehmen und so bestenfalls eine minim ale Kommunikationsfähigkeit wieder aufgebaut wird, kann noch nicht abgeschätzt werden, i n welchem Umfang und in welcher Art die Beistandschaft anschliessend weiter zu führen ist. D avon ist auch die Beurteilung über die Beistandsperson abhängig. Die Beschwerdeführerin bringt nicht vor, weshalb sie mit der Sistie- rung als solche nicht einverstanden ist, bzw. weshalb die Beurteilung ihres Antrags besonders dringlich sei. Auf ihre Vorbringen gegen den aktuell en Beistand bzw. gegen ein allfälliges unfai- res Verhalten seinerseits ist somit vorliegend nicht weite r einzugehen und diese sind nach Auf- hebung der Sistierung von der KESB zu beurteilen. 5.8 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschw erde abzuweisen, soweit da- rauf eingetreten werden kann. 6. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 A bs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Bei der Verlegung d er Verfahrens- und Parteikosten ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die Beschwerdeführerin ihren Anspruch auf rechtliches Gehör nur aufgrund der Beschwerdeerhebung wahren konnt e (vgl. BGE 126 II 111 E. 7b). Der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführerin sind demnach keine Verfahrenskosten au fzuerlegen und die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 und 2 VPO). Bei diesem Verfahrensausgang wird das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege gegenstandslos. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin