Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. Juli 2014 (720 13 2 / 155) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Beurteilung des Gesundheitszustandes anhand des eingeholten psychiatri- schen Gerichtsgutachtens, Würdigung der retrospektiven Arbeitsunfähigkeit aufgrund somatischer, psychiatrischer und somatoformer Gesundheitsbeeinträchtigungen, Beja- hung einer relevanten psychischen Komorbidität bei der Prüfung der Überwindbarkeit, Beurteilung der Einschränkungen im Haushalt Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Doris Vollenweider, Advokatin, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.3698.5417.34) A. Die 1970 geborene A.____ war zuletzt vom 7. Deze mber 1998 bis 31. Juli 2006 als Grenzwächterin mit Spezialisierung auf Dokumentenfä lschung tätig. Am 25. Juni 2005 meldete sie sich unter Hinweis auf Beschwerden im Zusammenh ang mit einem am 21. April 2004 erlit- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tenen Unfall bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die gesundheitlichen, erwerblichen und haushälterischen Verhältnisse ab. Nach Durchführung d es Vorbescheidverfahrens sprach sie der Versicherten mit Verfügungen vom 13. November 2 012 gestützt auf einen – nach der allgemeinen Bemessungsmethode ermittelten –Invaliditäts grad von 51% eine vom 21. April 2005 bis 31. Juli 2009 befristete halbe Rente (inklusive Kinderrente für die Zeit vom 1. April 2009 bis 31. Juli 2009) zu. Für die Zeit ab dem 17. A pril 2009 lehnte die IV-Stelle einen Ren- tenanspruch ab. Zur Begründung führte sie aus, dass ab diesem Zeitpunkt die gemischte Me- thode der Invaliditätsbemessung zur Anwendung gelange und der so ermittelte Invaliditätsgrad unter 40% liege. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Doris Vollenweider, am 3. Januar 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht), und beantragte, es seien die Verfügunge n vom 13. November 2012 betreffend Invalidenrente und Kinderrente insofern aufzuheben, als dass eine befristete halbe Rente zuge- sprochen werde, und es sei ihr eine ganze Invalidenrente zuzüglich Kinderrenten ab 1. April 2005 bis auf Weiteres auszurichten; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 18. März 2013 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. D. Anlässlich der Urteilsberatung vom 27. Juni 2013 gel angte das Kantonsgericht zur Auf- fassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Die vorhandenen fachärztlichen Gutachten und Berichte würden in relevanten Punkten wie der Diagnosestellung und der B eurteilung der Arbeitsfähigkeit zu stark voneinander abweichen. Überdies fehle es an einer fachä rztlichen psychiatrischen Beurteilung der anlässlich der Haushaltsabklärung durch die Beschwerdegegnerin festgestellten Einschrän- kungen. Das Kantonsgericht beschloss deshalb, den Fall a uszustellen und ein Gerichtsgutach- ten zum psychischen Gesundheitszustand und dessen Auswirkungen auf die Arbeits- und Leis- tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin anzuordnen. E. Auf gemeinsamen Vorschlag der Parteien hin bestimm te das Kantonsgericht mit Verfü- gung vom 9. September 2013 Dr. med. B.____, FMH Psychi atrie und Psychotherapie, als Gut- achterin. Der entsprechende Auftrag wurde gleichentags erteilt. F. Am 31. Dezember 2013 erstattete Dr. B.____ das in Auftrag gegebene psychiatrische Gerichtsgutachten. Die Parteien erhielten in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutach- tens und zur Frage zu äussern, wie sich die Ergebnisse der aktuellen psychiatrischen Begut- achtung auf einen allfälligen Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin auswirken würden. G. Mit Eingabe vom 3. Februar 2014 brachte die Beschwe rdegegnerin vor, dass gestützt auf die Ergebnisse des Gerichtsgutachtens bloss teilweise an der angefochtenen Verfügung festgehalten werden könne und beantragte, es sei der B eschwerdeführerin vom 1. April 2005 bis 30. April 2009 sowie ab September 2010 eine halbe Rente auszurichten. Die Beschwerde- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht führerin führte mit Eingabe vom 12. Februar 2014 aus, dass auf das eingeholte Gerichtsgutach- ten abzustellen sei. Die Gerichtsgutachterin bestätige , dass auf die Haushaltsabklärung vom 30. Dezember 2010 nicht abgestellt werden könne. Die Beschwerdeführerin beantragte deshalb die Anerkennung einer 50%igen Einschränkung im Haushal t, eventualiter die Durchführung einer erneuten Abklärung vor Ort unter Beizug einer p sychiatrischen Fachärztin, und hielt damit an den gestellten Anträgen fest. H. In einem zweiten Schriftenwechsel (Replik der Beschw erdegegnerin vom 24. Februar 2014; Duplik der Beschwerdeführerin vom 19. März 2014) h ielten die Parteien an ihren Ausfüh- rungen und Anträgen fest. Mit Eingabe vom 16. April 2 014 nahm die Beschwerdegegnerin ab- schliessend Stellung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 3. Januar 2013 ist demnach e inzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im Bereich der Invali- denversicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit od er Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigu ng der körperlichen, geistigen oder psy- chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behan dlung und Eingliederung verblei- bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichke iten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG ). Für die Beurteilung des Vorlie- gens der Erwerbsunfähigkeit sind nach dem mit der 5. I V-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Zu den psych ischen Gesundheitsschäden gehören somit neben den eigentlichen Geisteskrankheiten auch seelisch e Abwegigkeiten mit Krank- heitswert. Nicht als Auswirkungen einer krankhaften seelisc hen Verfassung und damit invali- denversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Beein trächtigungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen gute n Willens, Arbeit in ausreichendem Masse zu verrichten, zu vermeiden vermöchte, wobei das Mass d es Forderbaren weitgehend objektiv bestimmt werden muss (BGE 131 V 50 f. E. 1.2, 130 V 353 E. 2.2.1; je mit Hinweisen). Das Bundesgericht hat in Bezug auf somatoforme Schmerzstö rungen, posttraumatische Belas- tungsstörungen (PTBS) und sämtliche pathogenetisch-ätiol ogisch unklaren syndromalen Be- schwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage (p athogenetisch-ätiologisch unklare Beschwerden) erkannt, dass diese Leiden als solche keine In validität begründen (vgl. BGE 136 V 283 E. 3.3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 4. De zember 2012, 8C_483/2012, E. 4.2; je mit weiteren Hinweisen). Vielmehr besteht eine Vermut ung, dass sie bzw. ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind (BGE 131 V 50 E. 1.2). Ob ein Abweichen von diesem Grundsatz angezeigt ist, entscheidet sich im Ei nzelfall anhand verschiedener Krite- rien. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigun g intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutba r machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können a uch weitere Faktoren, so: (1) chronische körperliche Begleiterkrankungen; (2) ein meh rjähriger, chronifizierter Krankheitsver- lauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; (3) ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; (4) e in verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlas- tenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn ; "Flucht in die Krankheit"); (5) das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägte r sich die entsprechenden Befunde dar- stellen, desto eher sind – ausnahmsweise – die Voraussetzun gen für eine zumutbare Willens- anstrengung zu verneinen (BGE 131 V 50 f. E. 1.2, 130 V 353 ff. E. 2.2.3; je mit zahlreichen Hinweisen). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 200 8 anwendbaren Fassung) bzw. nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung) hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vier- telsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwendbaren Fassung] bzw. Art. 28 Abs. 2 IVG [in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewese nen Fassung]). Danach ist der Invalidi- tätsgrad aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimm en. Dazu wird das Erwerbseinkom- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht men, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalid ität und nach Durchführung der medizi- nischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätig- keit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei- nander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdi fferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 3.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in ein em Aufgabenbereich (z.B. Haus- halt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerb stätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgab enbereich zu betätigen (Betäti- gungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG [in der seit 1. Ja nuar 2008 anwendbaren Fassung] bzw. Art. 28 Abs. 2bis IVG [in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung]). 3.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG (in der seit 1 . Januar 2008 anwendbaren Fassung; Art. 28 Abs. 2ter IVG [in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen F assung]) festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbstätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderun g in beiden Bereichen zu bemessen (ge- mischte Methode der Invaliditätsbemessung). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundh eitsschaden ganztägig erwerbs- tätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Er- werbstätige zu bemessen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] v om 17. Januar 1961). 3.5 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist – was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbe- messung führt –, ergibt sich nach konstanter Rechtsprech ung des Bundesgerichts aus der Prü- fung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umst änden täte, wenn keine gesundheitli- che Beeinträchtigung bestünde (BGE 133 V 508 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). Die Statusfra- ge beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfü- gung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Ann ahme einer im Gesundheitsfall ausge- übten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherung srecht übliche Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 15 0 E. 2c, 117 V 194 E. 3b; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2011, 9C_741/2011, E. 2.1; je mit Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Invaliditätsgr ades bildet damit die Frage, in wel- chem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundhe itlichen Beeinträchtigungen ar- beitsunfähig bzw. im Aufgabenbereich eingeschränkt ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüf en und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung de s medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbar keit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorlie- gen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss folgerungen gelangt. Eine abwei- chende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug ersche inen, die Schlüssigkeit des Gerichts- gutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise v om Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f . E. 3b/aa mit Hinweisen). Gleicher- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht massen ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Ve rwaltungsverfahrens eingeholten Gut- achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Anlässlich der ersten in dieser Angelegenheit erfol gten Urteilsberatung vom 27. Juni 2013 lagen dem Kantonsgericht verschiedene fachärztliche B erichte und Gutachten vor, die sich mit unterschiedlicher Ausführlichkeit zum Gesundheitszust and und zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin äusserten. Für die Würdigung des vor liegenden medizinischen Sachver- halts sind dabei die folgenden zu nennen: 5.1.1 Mit Austrittsbericht vom 29. April 2004 diagnosti zierten die behandelnden Ärzte der Klinik C.____ eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) mit sensomotorischem Reiz- und Aus- fallsyndrom C8 bis Th2 rechts nach einem Sturz beim Sport am 21. April 2004. Die Patientin sei vom 21. April 2004 bis zum 26. April 2004 hospitalisier t gewesen. Bei Eintritt sei die Patientin zeitlich, örtlich und zur Person orientiert gewesen; be i einem Glasgow-Coma-Scale-Wert von 15. Es habe keine retro- oder anteograde Amnesie best anden. Bildgebend hätten sich weder Anhaltspunkte für eine frische posttraumatische ossäre L äsion oder für eine posttraumatische Subluxation oder Luxation eines Intervertebralgelenks no ch für eine Fraktur oder ein epi- oder paravertebrales Hämatom gezeigt. 5.1.2 Vom 23. Februar 2005 bis zum 18. März 2005 hiel t sich die Versicherte zur stationären Rehabilitation in der Klinik D.____ auf. In ihrem Au strittsbericht vom 21. März 2005 diagnosti- zierte die Ärzteschaft der Klinik bei Status nach einem Unfall am 21. April 2004 mit HWS- Distorsion und Schädelprellung ein zervikozephales Schmer zsyndrom rechts, Schwindelatta- cken unklarer Genese und eine herabgesetzte kognitive Dau erleistungsfähigkeit sowie einen Verdacht auf eine aktuell atypische Depression (ICD-10 F 32.8, vorwiegend somatisiert), bei vorbestehender unfallfremder psychischer Traumatisierung. Aktuell stünde die unfallfremde psychiatrische Problematik im Vordergrund. Aus psychiatrischen Gründen sei für sechs Wo- chen nach Austritt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen. 5.1.3 Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie , führte in ihrem Bericht an den zuständigen Unfallversicherer vom 15. August 2005 aus, dass si ch die Versicherte nach einer Hospitalisation in der Klinik F.____ im April 2002 in ihre Behandlung begeben habe. Diagnos- tisch habe sich eine depressive Episode mit psychotischen Symp tomen aufgrund einer PTBS gezeigt. Nach schrittweiser Wiedererlangung der vollen A rbeitsfähigkeit habe im November 2003 die antidepressive Medikation abgesetzt werden könne n. Nach dem Unfall am 21. April 2004 habe sich das Bild dramatisch verändert. Nach anfäng licher rechtsseitiger Armlähmung und Bewegungseinschränkungen hätten sich permanente Kop f- und Rückenschmerzen einge- stellt. Die Patientin klage seither über schnelle Ermüdb arkeit, Konzentrationsstörungen sowie Schwindelgefühle. Sie sei seit dem Unfall zu 100% arbe itsunfähig. Die ständigen Schmerzen und die Einschränkungen im Alltag hätten die Patientin destabilisiert. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1.4 In ihrem Schreiben an den Unfallversicherer vom 8. September 2006 hielt Dr. E.____ fest, dass sich seit dem letzten Bericht vom August 2005 nichts an der – auf die persistierenden Rückenschmerzen zurückzuführenden – 100%igen Arbeitsunfähigkei t geändert habe. Die Pati- entin sei auf tägliche Medikation mit Schmerzmitteln an gewiesen. Sie leide unter einer starken Ermüdbarkeit und könne ihren Haushalt nur teilweise er ledigen. Kopf- und Rückenschmerzen würden als minim besser als vor einem Jahr beschrieben, au ch die Schwindelgefühle hätten sich reduziert. Im Anschluss an einen Sturz beim Stolpern über einen Ast am 22. Mai 2006 ha- be die Patientin an vermehrten Rücken-, Nacken- und K opfschmerzen gelitten. Die Symptoma- tik habe dem Zustand nach der HWS-Distorsion am 21. Apr il 2004 entsprochen und die Patien- tin habe vermehrt Schmerzmittel einnehmen müssen. Nach zwei Monaten seien die Beschwer- den regredient. Betreffend den psychischen Gesundheitszus tand hält Dr. E.____ fest, dass die Patientin immer wieder depressive Verstimmungen und Ph asen mit panischer Zukunftsangst erlebe. Diese Ängste wirkten sich auch körperlich aus und f ührten zu gefühlter Atemnot. Die Patientin sei jedoch sehr engagiert und bestrebt, ihren Zustand zu verbessern. 5.1.5 Dem Bericht von Dr. med. G.____, FMH Chirurgie , vom 20. Februar 2007 zufolge sei- en die von der Versicherten geklagten Schmerzen und die F unktionseinschränkung der HWS organisch nicht erklärbar. Es liege eine erhebliche psychisch e Überlagerung vor, von einer wei- teren somatischen Behandlung sei keine erhebliche Besserung mehr zu erwarten. 5.1.6 In ihrem Bericht an die IV-Stelle vom 23. Aug ust 2007 diagnostizierte Dr. E.____ mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine nicht-organi sche psychotische Störung, eine PTSB mit Status nach schwerer depressiver Episode mit psychotische n Symptomen und Status nach Suizidversuch sowie eine HWS-Distorsion mit konsekutiver Schmerzsymptomatik mit schneller Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen und Schwindelgefü hlen. Ohne Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit bestünde eine Migräne. Nach Absetzen der antidepressiven Medikation im Herbst 2003 sei eine Vulnerabilität zurückgeblieben. Die Pati entin klage über Stimmen, die sie entwer- teten und bedrohten und ihr Verhalten kommentierten. Diese nähmen zu, wenn sie unter Druck oder Stress gerate. Wenn der äussere Druck steige, meine sie, ständig verfolgt zu werden und dass jemand sie zerstören wolle. Sie leide auch unter i mmer wiederkehrenden Albträumen, Schlafstörungen, Angstzuständen und Verfolgungsängsten. Darüber hinaus leide sie an perma- nenten Kopf- und Rückenschmerzen, schneller Ermüdbarkeit s owie Schwindelgefühlen. Seit dem Unfall bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Au fgrund der Gesamtsituation (inklusive Schmerzsymptomatik, schneller Ermüdbarkeit, Konzentrationsst örungen) bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Alleine aufgrund der psychot ischen Störung sei eine Arbeitsfähig- keit von 50% anzunehmen. 5.1.7 Der zuständige Unfallversicherer holte unter Mita rbeit der IV-Stelle ein polydisziplinäres (orthopädisches, psychiatrisches, otoneurologisches) Gutachten bei dem Begutachtungsinstitut H.____ AG ein. Die beauftragten Gutachter diagnostizi erten am 10. Februar 2009 als Unfallfol- gen aus otoneurologischer Sicht eine zentral vollständig kompensierte, chronische peripher- vestibuläre Funktionsstörung links und aus psychiatrischer Sich t eine somatoforme Störung (ICD-10 F 45.4) sowie ein Zustand nach passagerem Schm erzmittelmissbrauch (ICD-10 Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht F 55.2). Als unfallfremde Krankheiten sei aus orthopä discher Sicht ein leichtes chronisches Zervikalsyndrom (zervikovertebrales bzw. zervikospondylogenes Schme rzsyndrom) festzustel- len, wobei die Unfallkausalität diesbezüglich erloschen sei. Ausserdem bestehe eine Migräne seit 1990, ein allergisches Bronchialasthma, ein Zustand n ach Operation der rechten Schulter circa im Jahr 2001, ein Zustand nach schwerer depressiver E pisode mit Suizidalität und psy- chotischen Symptomen (ICD-10 F 32.2) im Jahr 2002 sowie eine PTBS (ICD-10 F 43.1) nach schwerwiegender Gewalterfahrung im Jahr 1989. Die Arb eitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Grenzwächterin betrage in Berücksichtigung aller, insbesondere der psychiatri- schen Aspekte, 60%. In einer angepassten Tätigkeit könne di e Arbeitsfähigkeit auf 100% ge- steigert werden. 5.1.8 Am 23. Dezember 2009 bzw. 11. Januar 2010 hielt Dr. E.____ in ihrem Bericht an die Beschwerdegegnerin als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine nicht- organische psychotische Störung, bestehend seit 1993; eine PTSB, bestehend seit 2002; ein Status nach schwerer depressiver Episode mit psychotischen Symptomen, bestehend seit 2002 sowie ein Status nach Suizidversuchen in den Jahren 1993 und 1996 fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei die seit 2004 bestehende HWS-Distorsion. Die Patientin sei aus psychiatrischer Sicht zu 100% arbeitsunfähig. Diese Arbeitsu nfähigkeit sei durch die Exazerba- tion der seit Jahren bestehenden Psychose bedingt und n icht als Unfallfolge der HWS- Distorsion anzusehen. 5.1.9 Im Auftrag der Beschwerdegegnerin führte Dr. m ed. I.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, eine weitere psychiatrische Begutachtung durch . In seinem Gutachten vom 30. Juni 2010 diagnostiziert er mit Auswirkung auf die A rbeitsfähigkeit eine nicht-organische psychotische Störung (ICD-10 F 28, bestehend seit 1993) so wie eine PTSB (ICD-10 F 43.1). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei ein Status nach schwerer depressiver Episode mit Suizidalität im Jahr 2002 (ICD-10 F 32.2) festzustelle n. Sowohl in der angestammten wie auch in einer Verweistätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeit sunfähigkeit. Für den Zeitraum vom 21. April 2004 bis Ende Juli 2006 könnten die genaue n Arbeitsunfähigkeiten nicht mehr rekon- struiert werden. Ab diesem Zeitpunkt bestehe aber mö glicherweise schon eine vollständige Ar- beitsunfähigkeit. Mit Sicherheit habe die attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab Untersu- chungsdatum (8. Juni 2010) Gültigkeit. 5.1.10 Dr. E.____ führte in ihrem Arztbericht an die Beschwerdegegnerin vom 30. Juli 2011 respektive 4. August 2011 aus, dass die Patientin seit de m letzten Bericht als Hausfrau und Mutter tätig sei. Diese Arbeit könne sie mit Hilfe des Ehemannes, zeitweise der Eltern und einer Betreuung durch die psychiatrische Spitex bewältigen. Ein e Tätigkeit ausser Haus sei aufgrund der bekannten psychiatrischen Beeinträchtigungen nicht möglich. Die Geburt der zweiten Toch- ter im Mai 2011 habe eine schwere depressive Krise ausgelöst und die Patientin bedürfe aktuell intensiver Betreuung. Sie fühle sich zurzeit nicht im Sta nde, den Haushalt zu führen und sei schon in der Betreuung der Kinder an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Sie sei seit 2004 zu 100% arbeitsunfähig. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1.11 Die Beschwerdegegnerin holte anschliessend ein po lydisziplinäres (psychiatrisches, orthopädisches und neurologisches) Folgegutachten bei de r H.____ AG ein, welches am 6. Februar 2012 erstattet wurde. Darin wird mit Auswi rkung auf die Arbeitsfähigkeit eine nicht- organische psychotische Störung (ICD-10 F 28) diagnostizier t. Ohne Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit seien ein Zustand nach schwerer depressiver Episode mit Suizidalität und psy- chotischen Symptomen (ICD-10 F 32.3), ein Zustand nach P TSB (ICD-10 F 43.1), eine Zwangsstörung mit vorwiegend Zwangshandlungen (ICD-10 F 42.1), ein Zustand nach passa- gerem Analgetikamissbrauch nach HWS-Distorsion, eine habi tuelle Schulterluxation beidseits, ein Status nach fibularer Banddistorsion links im Jahr 20 11, ein belastungsabhängiges zer- vikovertebrales Schmerzsyndrom ohne aktuell klinisch erkennbar es Funktionsdefizit sowie eine Migräne ohne Aura. Die Exazerbation der psychischen Sympt ome nach der Geburt der Kinder sei lediglich vorübergehend, mittlerweile sei eine Stab ilisierung erkennbar. Daraus resultiere aus polydisziplinärer Sicht eine Arbeitsfähigkeit in de r angestammten wie auch in einer ange- passten Tätigkeit von 60%. Es seien keine massgeblichen Änderungen seit dem letzten Gut- achten vom 10. Februar 2009 eingetreten. 5.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im Rahmen der a ngefochtenen Verfügung im Wesentlichen auf das Gutachten der H.____ AG vom 6. Fe bruar 2012. Sie ging folglich davon aus, dass der Beschwerdeführerin ab Oktober 2004 die Au sübung der angestammten Tätigkeit als Grenzwächterin in einer rein administrativen Funktion im Umfang von 60% zumutbar sei. Zu berücksichtigen sei, dass sie ohne gesundheitliche Beeinträ chtigung ab der Geburt der ersten Tochter am 17. April 2009 lediglich noch zu 50% einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde, wes- halb ab diesem Zeitpunkt die gemischte Methode der I nvaliditätsbemessung anzuwenden sei. Im Rahmen der Beweiswürdigung anlässlich der Urteilsbera tung vom 27. Juni 2013 stellte das Kantonsgericht fest, dass die Ergebnisse des Gutachtens der H .____ AG vom 6. Februar 2012 in Bezug auf die Diagnosestellung und in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit teilweise erheblich von den Einschätzungen anderer psychiatrischen Fachpersonen abwichen, ohne dass diese Diskrepanzen überzeugend begründet worden sind. Differen zen bestanden namentlich bei der Bewertung der innerpsychischen Fragilität und deren Ausw irkungen auf die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit. Das Gutachten vom 6. Februar 2012 äusserte sich ferner nicht zu den im Haushaltsabklärungsbericht vom 30. Dezember 2010 festgestellten Einschränkungen. Das Kan- tonsgericht erachtete es ausserdem als fraglich, ob die Gutachter die vorhandenen früheren medizinischen Unterlagen genügend berücksichtigt hatten. Da die übrigen bei den Akten lie- genden medizinischen Berichte und Gutachten ebenfalls keine verlässliche Entscheidgrundlage bildeten, beschloss das Kantonsgericht, den Fall auszu stellen und die erforderliche zusätzliche Abklärung des medizinischen Sachverhalts im Rahmen eines psyc hiatrischen Gerichtsgutach- tens vornehmen zu lassen. Auf gemeinsamen Vorschlag der Parteien hin ordnete es in der Fol- ge eine psychiatrische Begutachtung der Beschwerdeführerin durch die Psychiaterin Dr. B.____ an. 5.3 Gestützt auf ihre dreieinhalbstündige Exploration am 17. Dezember 2013, das einge- hende Studium der medizinischen Akten sowie die eingeho lten fremdanamnestischen Angaben hielt Dr. B.____ in ihrem Gutachten vom 31. Dezember 2013 folgende psychiatrischen Diagno- sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: eine schizoaffektive Störung, gegenwärtig Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schizodepressive Episode (ICD-10 F 25.1) und ein Status na ch möglicher PTSB (ICD-10 F 43.1). Es seien keine psychiatrischen Diagnosen ohne Ausw irkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen. Im Rahmen der Untersuchung habe der psychopatho logische Befund, abgesehen von der bereits zu Beginn ersichtlichen Fragilität, zunächst a ls wenig auffällig imponiert. Die Explo- randin habe sich – wie für Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis typisch – bezüglich ihrer persistierenden psychotischen Symptomatik zunächst bedeckt gehalten. Die Beschwerden hätten erst nach Aufbau eines gewissen Vertrauens gegen Ende der Untersuchung eruiert wer- den können. Neben einer leicht- bis mittelgradigen de pressiven Symptomatik mit Niederge- schlagenheit, Appetitminderung, Ein- und Durchschlafstörungen, subjektiven Konzentrationsstö- rungen und leichtgradig vermindertem Antrieb bestünden schizophren-psychotische Symptome mit wahnhaften Überzeugungen und Befürchtungen, psychot ischen Ängsten, Wahneinfällen und paranoiden Verfolgungsideen von leichter bis mittl erer Dynamik (affektive Beteiligung). Die in den Unterlagen und von der Versicherten beschriebene komplexe psychotische Symptomatik mit imperativen, kommentierenden und entwertenden S timmen, gustatorischen und olfaktori- schen Wahrnehmungsstörungen, Depersonalisationserleben, paranoiden Verfolgungsideen und Fremdbeeinflussungserleben gehe über eine psychotische Symp tomatik im Rahmen einer schweren depressiven Episode hinaus und sei als schizophren zu bezeichnen. Aufgrund der vorliegenden Akten könne nicht beurteilt werden, ob di e Versicherte bezüglich der psychoti- schen und affektiven Symptome jemals vollständig remittier t gewesen sei. Fest stehe, dass aufgrund der schizoaffektiven Störung eine (auch im mög lichen oder vermeintlichen Intervall) anhaltende übersensible Wahrnehmung der Stimmung and erer bestehe, verbunden mit durch- lässigen Ich-Grenzen und fehlendem Abgrenzungsvermögen. Dadurch käme es häufig zu einer Reizüberflutung. Die tiefe Unsicherheit bezüglich der ei genen Identität sei von der Explorandin anschaulich geschildert worden. Diese Fragilität äussere sich durch eine stark verminderte psy- chische Belastbarkeit mit Überforderung durch alltägliche Belastungen und psychotischer De- kompensation im Rahmen belastender Ereignisse. Die inn erpsychischen Ressourcen der Ver- sicherten für den Umgang mit dem Unfall im Jahre 2004 und seinen Folgen sei durch die psy- chotische Störung erheblich reduziert. Der Unfall habe ferner zu einer Reaktualisierung der Traumatisierung durch die im Jahr 1989 erlittene Ver gewaltigung geführt. Es sei möglich, dass die Explorandin im Anschluss an diese Vergewaltigung – wie von den Vorgutachtern beschrie- ben – eine PTSB entwickelte, mangels echtzeitlicher Bef unde bestehe darüber jedoch keine Sicherheit. In den letzten Jahren sei die PTSB-Proble matik jedoch in den Hintergrund getreten bzw. von der psychotischen Symptomatik überlagert worden u nd sei von dieser nicht mehr ab- zugrenzen. Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit se i indessen die schizoaffektive Störung massgeblich. Der Umgang mit den beschriebenen psychotischen Denk- und Wahrnehmungsstörungen erfor- dere einen ständigen, stark erhöhten innerseelischen Energieaufwand, der eine rasche psycho- physische Erschöpfung zur Folge habe. Konzentration und Durchhaltefähigkeit der Versicherten seien deutlich beeinträchtigt. Zusätzlich bestehe auch i m vermeintlichen Intervall eine ausge- prägte Fragilität und Vulnerabilität mit Neigung zu psychotischer Dekompensation bereits bei geringen Belastungen. Die Ich-Durchlässigkeit und ungefilterte sensible Wahrnehmung der fein- fühligen Explorandin führten zu einer raschen Reizüberfl utung. Durch die Schlafstörungen sei die Erholungsfähigkeit gemindert. Die sozialen Aktivit äten der Versicherten seien infolge der Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht geringen Belastbarkeit eingeschränkt und sie halte eine n stark strukturierten, gleichförmigen Alltagsablauf ein. Die mit häufigem Weinen verbundene Affektlabilität wäre in einem Arbeitskon- text für Kollegen und Klienten nicht tolerierbar. Auf grund des Schweregrades der Symptomatik bestehe für sämtliche ausserhäusliche Tätigkeiten im ersten Arbeitsmarkt eine vollständige Ar- beitsunfähigkeit. Die schizoaffektive Symptomatik sei wil lentlich nicht überwindbar. Es bestehe keine ökonomisch verwertbare Restarbeitsfähigkeit. Die V ersicherte sei seit dem Unfall durch die behandelnden Ärzte anhaltend krankgeschrieben. Retro spektiv könne nicht abgeschätzt werden, zu welchem Anteil die Arbeitsunfähigkeit nach dem Unfall somatisch oder psychiatrisch bedingt gewesen sei. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe eine höherprozentige Arbeitsunfä- higkeit in der angestammten Tätigkeit seit mindestens Sommer 2007. Eine anhaltende vollstän- dige Arbeitsunfähigkeit bestehe mindestens seit der Beg utachtung durch Dr. I.____ im Juni 2010, wahrscheinlich deutlich länger. Bezüglich der Beeinträchtigungen im Haushaltsbereich hie lt Dr. B.____ fest, dass seit Frühjahr 2013 aus psychiatrischer Sicht nur noch eine leichte Einsch ränkung bestehe. Zu den Ein- schränkungen vor diesem Zeitpunkt und namentlich zur in der Haushaltsabklärung vom 30. Dezember 2010 festgehaltenen Leistungsminderung von 12.2% könne nicht genau Stellung genommen werden. Das Zustandsbild und die Arbeitsfähigkeit seien besserun gsfähig. Die Etablierung einer ausrei- chend dosierten neuroleptischen Dauermedikation, gegeb enenfalls auch eines Mood- Stabilizers, sei dringend indiziert und der Explorandin zumutbar. Das genaue Ausmass einer Besserung könne nicht abgeschätzt werden. Eine Redukti on der produktiv psychotischen Symptomatik sei sehr wahrscheinlich, eine Besserung der Vulnerabilität sei jedoch nicht gesi- chert. Das Erreichen einer Teilarbeitsfähigkeit sei mög lich, eine vollständige Arbeitsfähigkeit werde jedoch auch langfristig nicht erreicht werden. 5.4 Wie unter Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, weic ht das Gericht bei der Würdigung des medizinischen Sachverhalts praxisgemäss nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhal t medizinisch zu erfassen. Vorlie- gend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könn ten, die Ergebnisse des Gerichtsgut- achtens von Dr. B.____ vom 31. Dezember 2013 in Frage zu stellen oder davon abzuweichen. Das Gutachten weist weder formale noch inhaltliche Mäng el auf, es ist – wie dies vom Bundes- gericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) – für die st reitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Darlegun g der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, setzt sich ausführlich mit den bei den Ak- ten liegenden (abweichenden) fachärztlichen Einschätzung en auseinander und ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Das Gerichtsgutachten vom 31. Dezember 2013 erfüllt damit die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine med izinische Beurteilungsgrundlage, weshalb darauf abgestellt werden kann. Die Einschätzung en der Gerichtsgutachterin werden denn auch – zu Recht – von den Parteien nicht beanstand et. Demzufolge ist anzunehmen, dass Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beschwerdeführerin in sämtlichen ausserhäuslichen Tät igkeiten zu 100% arbeitsunfähig ist bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht verwertbar ist. 5.5 Zu prüfen bleibt jedoch, ab welchem Zeitpunkt von einer vollständigen Arbeitsunfähig- keit ausgegangen werden kann. 5.5.1 Unumstritten ist aufgrund der gutachterlichen Au sführungen von Dr. B.____, dass spä- testens ab der Begutachtung durch Dr. I.____, somit ab dem 8. Juni 2010, von einer vollständi- gen Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen auszugehen ist. Für die Zeit davor verweist die Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme vom 3. F ebruar 2014 auf den Arztbericht von Dr. E.____ vom 23. August 2007, worin aus psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsunfähig- keit attestiert werde. Die Beschwerdeführerin wendet d agegen in ihrer Stellungnahme vom 19. März 2014 ein, dass Dr. E.____ im angeführten Arztb ericht unter Berücksichtigung der Ge- samtsituation eine Arbeitsunfähigkeit von 100% angebe. Auch Dr. I.____ führe in seinem Gut- achten aus, dass eine vollständige Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht möglicherweise schon ab Ende Juli 2006 bestanden habe. Ferner sei zu ber ücksichtigen, dass der Unfallversi- cherer bis zum 30. Juni 2007 alleine aufgrund der Unfallfolgen eine vollständige Arbeitsunfähig- keit anerkannt habe. Die Beschwerdegegnerin führte hi erzu in ihrer abschliessenden Stellung- nahme vom 16. April 2014 aus, dass nach bundesgerichtlich er Rechtsprechung somatoforme Schmerzstörungen und ähnliche unklare Beschwerden keine l ang andauernde, zu einer Invali- dität führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewi rken würden. Deshalb sei in Bezug auf den Bericht von Dr. E.____ lediglich die aufgrund der psychotischen Störung resultierende Ar- beitsunfähigkeit zu berücksichtigen. Dr. I.____ erachtete die frühere vollständige Arbeitsunfä- higkeit ausserdem lediglich als möglich und es bestehe k eine Bindungswirkung bezüglich der von der Unfallversicherung anerkannten Arbeitsunfähigkeit. 5.5.2 Der Beschwerdeführerin ist von den behandelnden Ärzten – abgesehen von zwei ge- scheiterten Arbeitsversuchen – seit dem Unfall vom 21. A pril 2004 durchgehend eine Arbeitsun- fähigkeit von 100% attestiert worden. Die Beschwerdege gnerin scheint von einer Arbeitsunfä- higkeit auszugehen, die im umstrittenen Zeitraum haupt sächlich aus der pathogenetisch- ätiologisch unklaren Schmerzsymptomatik resultierte und daher invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant sei. Festzuhalten ist jedoch, dass die Ar beitsunfähigkeit zumindest zu Beginn auf den somatischen Unfallfolgen gründete. Später traten p sychiatrische Beschwerden hinzu. Zwar wurde im Rahmen des Aufenthalts in der Klinik D.____ im Frühjahr 2005 erstmals die Diagnose eines (pathogenetisch-ätiologisch unklaren) zervikozephalen Schmerzsyndroms gestellt, bereits hier stand indessen eine psychiatrische Problematik im Vord ergrund. Die von der Klinik D.____ mit Austrittbericht vom 21. März 2005 attestierte 100%i ge Arbeitsunfähigkeit für sechs Wochen nach dem Austritt erfolgte denn auch aus psychiatrische n Gründen. Aus den nachfolgenden Berichten und Gutachten wird nicht vollends deutlich, i n welchem Ausmass sich die psychiatri- sche, namentlich die psychotische Problematik jeweils auf di e Arbeitsfähigkeit auswirkte. Es ist – mit der Gerichtsgutachterin – davon auszugehen, da ss retrospektiv keine Unterscheidung zwischen den psychischen und somatischen (bzw. somatoformen) Be schwerdebildern mehr vorgenommen werden kann. Vielmehr wird aus den vorlie genden Akten eine gewisse Verflech- tung der jeweiligen Beschwerden deutlich. So führt D r. E.____ in den Arztberichten vom Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 15. August 2005 und 8. September 2006 aus, dass einers eits die ständigen Schmerzen die Be- schwerdeführerin (psychisch) destabilisiert hätten, sich ande rerseits die Ängste auch körperlich auswirkten. Ende 2009 (Arztbericht von Dr. E.____ vom 23. Dezember 2009 / 11. Januar 2010) bzw. Mitte 2010 (Begutachtung durch Dr. I.____ am 8. Juni 2010) trat dann die Schmerzsymp- tomatik betreffend ihre Auswirkung auf die Arbeitsfähi gkeit gegenüber der psychotischen Prob- lematik augenscheinlich endgültig in den Hintergrund. Fraglich ist nun, wie die invalidenversi- cherungsrechtlich relevante Arbeitsfähigkeit für die Zei t vor dem 8. Juni 2010 zu bewerten ist. Die Beschwerdegegnerin führt zu Recht aus, dass pathogene tisch-ätiologisch unklare Be- schwerdebilder wie somatoforme Schmerzstörungen in der Regel keine Invalidität begründen können, da vermutet wird, dass sie mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind (vgl. E. 2.2 hiervor). Die vorhandenen Akten und insbeso ndere die beweiskräftigen Ausführun- gen im Gerichtsgutachten vom 31. Dezember 2013 sprechen i ndessen dafür, dass – selbst wenn bei der attestierten 100%igen Arbeitsunfähigke it ab dem Zeitpunkt des Unfalls vom 21. April 2004 von einem relevanten Anteil eines pat hogenetisch-ätiologisch unklaren Be- schwerdebildes auszugehen wäre – gerade diese Überwindba rkeit nicht gegeben ist. Einerseits ist bei der seit 1993 an einer schizoaffektiven Störung mit Suizidalität und längeren Hospitalisa- tionen leidenden Beschwerdeführerin eine psychiatrische Komorbidität von erheblicher Schwe- re, Ausprägung und Dauer zu bejahen. Andererseits führt insbesondere Dr. B.____ in ihrem Gutachten vom 31. Dezember 2013 ausdrücklich aus, dass der Beschwerdeführerin beim Um- gang mit dem Unfall vom 21. April 2004 und seinen F olgen bloss erheblich verminderte in- nerpsychische Ressourcen zur Verfügung standen. Sofern also zwischen der Zeit der vollstän- digen Arbeitsunfähigkeit aufgrund der somatischen Unfal lfolgen und der vollständigen Arbeits- unfähigkeit aus psychiatrischen Gründen noch von einem Zeitraum, in dem die Beschwerdefüh- rerin an unklaren Beschwerden litt, auszugehen ist, wir kten sich auch diese Beschwerden inva- lidisierend aus. Nach dem Ausgeführten ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin seit dem Unfall vom 21. April 2004 – entsprechend den echtz eitlichen Arztberichten – invalidenver- sicherungsrechtlich als zu 100% arbeitsunfähig anzusehen ist. 6.1 Strittig und zu überprüfen ist ferner die Einschrä nkung im Aufgabenbereich. Zur Ermitt- lung der Einschränkung im Haushaltsbereich hat die Bes chwerdegegnerin am 11. November 2010 eine Haushaltsabklärung durchgeführt. Im Rahmen d ieser Abklärung gab die Beschwer- deführerin am 26. November 2010 an, dass sie ohne gesu ndheitliche Einschränkung seit der Geburt der älteren Tochter am 17. April 2009 in eine m Pensum von circa 50% erwerbstätig wä- re. Entsprechend dieser Angaben ging die Beschwerdeg egnerin in den angefochtenen Verfü- gungen davon aus, dass die Beschwerdeführerin ohne gesund heitliche Einschränkung bis 16. April 2009 ganztägig erwerbstätig gewesen wäre. A b dem 17. April 2009 ist die Beschwer- degegnerin von einer Aufteilung von 50% Erwerb und 50% Haushalt ausgegangen. Diese Auf- teilung ist von der Beschwerdeführerin nicht beanstande t worden. Umstritten ist hingegen die von der Beschwerdegegnerin festgestellte Einschränkung i m Haushaltsbereich von insgesamt 12.2%. 6.2 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsberei ch bedarf es im Regelfall einer Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Hinsichtli ch des Beweiswertes des Abklärungsbe- richts sind – analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft von A rztberichten (BGE 134 V 232) – Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein Haushaltsabkl ärungsbericht ist beweiskräftig, wenn er von einer qualifizierten Person verfasst wird, we lche Kenntnis der örtlichen und räumli- chen Verhältnisse sowie der Beeinträchtigungen und Beh inderungen hat, die sich aus den me- dizinischen Diagnosen ergeben. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berück- sichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteilig ten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Be- richtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angem essen detailliert bezüglich der ein- zelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. AHI-Praxis 2003 S. 218 E. 2.3.2; U rteil des Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sof ern der Bericht eine zuverlässige Ent- scheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstel lt, in das Ermessen der Abklä- rungsperson nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinsch ätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate (z.B. infolge von Widersprüchlichkeiten) vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompe tente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zustän dige Gericht (Urteil des Bundes- gerichts vom 18. August 2008, 8C_107/2008, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen; BGE 128 V 93 f. E. 4). 6.3 Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Aus- masses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten. S eine grundsätzliche Massge- blichkeit ist darum praxisgemäss eingeschränkt, wenn die versich erte Person an psychischen Beschwerden leidet (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1 3. Juni 2008, 8C_671/2007, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss bedarf es hier des Beizugs einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haus haltsführung unter dem Gesichts- winkel der Zumutbarkeit zu äussern hat (Urteil des Bundesg erichts vom 13. Juni 2008, 8C_671/2007, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen). Zwar bildet die Abklärung vor Ort auch hier grundsätzlich ein geeignetes Mittel zur Invaliditätsbemessun g im Aufgabenbereich. Den ärztli- chen Stellungnahmen ist in der Regel jedoch mehr Gewich t einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung. Diese prinzipielle Gewichtung hat ihren Grund darin, dass es für die Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Lei- dens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkenn en. Für die Rechtsanwendung im konkreten Fall bedeutet dies, dass – wenn Widersprüche zwi schen den Ergebnissen der Haus- haltsabklärung und den ärztlichen Feststellungen zur Fä higkeit der versicherten Person, ihre Haushaltstätigkeiten trotz des psychischen Leidens noch verri chten zu können bestehen – der medizinischen Einschätzung prinzipiell höheres Gewicht beizumessen ist (Urteil des Bundesge- richts vom 5. September 2011, 9C_201/2011, E. 2 mit we iteren Hinweisen; Urteil des EVG vom 23. Dezember 2003, I 311/03, E. 5.3). 6.4 Die Beschwerdeführerin wendet ein, dass die von d en medizinischen Fachpersonen beschriebenen massiven Einschränkungen und Überforderung en bei alltäglichen Belastungen im Haushaltsbericht kaum zum Ausdruck kämen. So werde vor allem in qualitativer und quanti- tativer Hinsicht die erhebliche Unterstützung durch den Ehemann, die Eltern, die Schwiegerel- tern, Drittpersonen und die psychiatrische Spitex zu weni g gewichtet. Insbesondere die im Rahmen der Schadensminderungspflicht angenommene erheb liche Mithilfe des Ehemannes könne diesem in einem derart grossen Umfang nicht zugemu tet werden, da er zu 100% er- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht werbstätig sei und im Schichtbetrieb arbeite. Der Ant eil der Kinderbetreuung an der gesamten Haushaltsarbeit sei überdies mit 25% unrealistisch tief angesetzt. Vielmehr sei davon auszuge- hen, dass die Kinderbetreuung knapp die Hälfte der Fa milien- und Haushaltsarbeit ausmache. Dabei seien auch die Einschränkungen der Beschwerdeführ erin viel höher zu gewichten. Die hohe Gefahr einer Dekompensation in Belastungssituatio nen werde ausserdem mit keinem Wort erwähnt. Eine erneute Abklärung unter Beizug ei ner psychiatrischen Fachperson sei auch aufgrund der Ausführungen im eingeholten Gerichtsgutachten, insbesondere der beschriebenen Neigung der Beschwerdeführerin, ihre Einschränkungen zu bagatellisieren, unumgänglich. 6.5 Im Bericht vom 30. Dezember 2010 betreffend die Ha ushaltsabklärung vom 11. November 2010 wird einleitend ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin ausdrücklich ge- beten worden sei, die Situation so zu schildern, wie sie wirklich ist, und nichts zu beschönigen. Insgesamt sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in der Tätigkeit im Haushalt leicht eingeschränkt sei. Sie könne noch vieles selbst erled igen, benötige allerdings eine Struk- tur, Kontrolle und Aufforderungen durch den Ehemann. Entsprechend werde bei der Position „Haushaltsführung“ eine Einschränkung von 70% angenomme n. Aufgrund der Schilderungen der Beschwerdeführerin betreffend die Erledigung der Haushaltsarbeiten werde deutlich, dass der Ehemann stark mithelfe. So erledige er die grössere n wöchentlichen Reinigungsarbeiten, begleite sie am Wochenende zum Grosseinkauf und überne hme an den freien Tagen und je nach psychischer Verfassung der Beschwerdeführerin auch w eitere Arbeiten. Insgesamt wäre dem Ehemann der Beschwerdeführerin jedoch auch eine gr össere Mithilfe zumutbar. Die Kin- derbetreuung übernehme die Beschwerdeführerin an gute n Tagen selbst, an schlechten habe sie die Möglichkeit, das am 17. April 2009 geborene Ki nd einer Freundin abzugeben. Zusam- menfassend hält der Haushaltsbericht fest, dass es in den ei genen Wänden und ohne Unvor- hergesehenes recht gut laufe. Ausser Haus sei die Beschwerd eführerin jedoch gemäss eigener Schilderung schnell überfordert und auch unsicher. 6.6 Wie bereits in Erwägung 5.3 hiervor erwähnt, führ t Dr. B.____ bezüglich der Ein- schränkungen im Haushaltsbereich in ihrem Gutachten vom 3 1. Dezember 2013 aus, dass für die Versorgung eines Vierpersonenhaushaltes mit mögliche r freier Zeiteinteilung und Mithilfe durch Angehörige aus psychiatrischer Sicht seit Frühjahr 2 013 lediglich noch eine leichtgradige Einschränkung bestehe. Zur früheren Situation im Haush altsbereich und zur vom Abklärungs- dienst festgestellten Einschränkung von 12.2% im Dezembe r 2010 könne retrospektiv keine genaue Stellung genommen werden. Fest stehe, dass im H aushaltsbereich dieselben Ein- schränkungen wie im Erwerbsbereich bestünden, das Anfor derungsprofil jedoch weniger an- spruchsvoll sei. Aufgrund der Natur des Krankheitsbildes könnten die Einschränkungen im Haushalt selbst durch Fachkollegen nur bei sorgfältiger Exploration vor Ort eruiert werden. 6.7 Der Bericht des Abklärungsdienstes beschreibt grundsät zlich plausibel, begründet und angemessen detailliert die Aufgabenteilung und die E inschränkungen der Beschwerdeführerin im Haushalt und entspricht ihren Schilderungen. Entgeg en der Auffassung der Beschwerdefüh- rerin folgt auch aus den Ausführungen der Gerichtsguta chterin nicht, dass die Abklärung durch die Beschwerdegegnerin am 11. November 2010 ungenügen d ist. Vielmehr ist festzuhalten, dass die Gerichtsgutachterin von einer geringeren Einschränkung im Haushalt ausgeht. Dies ist Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufgrund der Möglichkeit zur freien Einteilung der Ar beiten und dem generell weniger an- spruchsvollen Anforderungsprofil nachvollziehbar. In den Ausführungen der Gerichtsgutachterin finden sich keine Anhaltspunkte, die den Beweiswert des H aushaltsberichts ernsthaft in Zweifel zu ziehen vermögen. Zwar erachtet die Gerichtsgutachterin eine Abklärung vor Ort unter Anwe- senheit einer psychiatrischen Fachperson als wünschenswert, k onkrete Kritik an der Einschät- zung der Abklärungsperson der IV-Stelle oder abweichen de Einschätzungen der Zumutbarkeit werden indessen nicht vorgebracht. Festzuhalten ist in di esem Zusammenhang, dass die Ab- klärungsperson einer Bagatellisierung der Einschränkunge n ausdrücklich entgegenzuwirken versuchte und eine solche aus den festgehaltenen Schilderungen der Beschwerdeführerin auch nicht ersichtlich sind. Nach dem Ausgeführten ist festzuhalten, dass kein grundsätzlicher Wider- spruch zwischen den Feststellungen des Abklärungsdienstes und der Einschätzung der psychi- atrischen Fachperson besteht. 6.8 Da der vorliegende Haushaltsbericht vom 30. Dezembe r 2010 den rechtsprechungs- gemässen Anforderungen an die Beweiskraft genügt und ke ine widersprechenden psychiatri- schen Einschätzungen vorliegen, hat das Gericht – unter B erücksichtigung des Ermessenspiel- raums der Abklärungsperson – darauf abzustellen (vgl. E. 6.2 hiervor). Daran ändern auch die Einwendungen der Beschwerdeführerin betreffend die Mithilfe der Angehörigen, namentlich des Ehemannes, nichts. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre chung ist – bezüglich der zumutba- ren Mithilfe von Angehörigen bei der Erledigung des Haushalts – ein invaliditätsbedingter Aus- fall bloss dann anzunehmen, wenn die Aufgaben, die nich t mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen Entlöhnung oder durch Angehörige verrichtet werden, denen dadurch nachgewiesenermassen eine Erwerbseinbusse oder doch eine unverhältnismässige Belastung entsteht. Die im Rahmen der Invaliditätsbemessung bei einer Hausfrau zu berücksichtigende Mithilfe von Familienangehörigen geht daher weiter a ls die ohne Gesundheitsschädigung übli- cherweise zu erwartende Unterstützung. Massgebend ist, wi e sich eine vernünftige Familien- gemeinschaft einrichten würde, wenn keine Versicherungslei stungen zu erwarten wären. Dabei darf jedoch unter dem Titel der Schadenminderungspfl icht nicht etwa die Bewältigung der Haushalttätigkeit in einzelnen Funktionen oder insgesam t auf die übrigen Familienmitglieder überwälzt werden mit der Folge, dass gleichsam bei jede r festgestellten Einschränkung danach gefragt werden müsste, ob sich ein Familienmitglied fi nden lässt, das allenfalls für eine ersatz- weise Ausführung der entsprechenden Teilfunktion in Fra ge kommt (BGE 133 V 509 f. E. 4.2 mit zahlreichen Hinweisen). Dafür bestehen vorliegend jedoch keine Anhaltspunkte. Obwohl der Abklärungsbericht eine starke Mithilfe des Ehemannes der Beschwerdeführerin festhält, werden ihm weder Haushaltspositionen vollumfänglich überwälzt noch wird geltend gemacht, dass eine Erwerbseinbusse entsteht. Eine übermässige Belastung wird aus der beschriebenen Mithilfe des Ehemannes ebenfalls nicht deutlich, beschränkt sie sich doch hauptsächlich auf die Freizeit oder gar bloss auf Zeiten, in denen die Beschwerdeführ erin in schlechter psychischer Verfas- sung ist. Ferner erweist sich – entgegen der Auffassung d er Beschwerdeführerin – auch der prozentuale Anteil der Kinderbetreuung an der gesamte n Haushaltstätigkeit unter Berücksichti- gung der Ermessensfreiheit der Abklärungsperson als rechtmässig. Wie die Beschwerdegegne- rin zu Recht ausführt, liegt bei der vorliegenden Betr euung von zwei Kleinkindern kein Grund vor, von einer erheblichen Abweichung der üblichen Aufg abenanteile auszugehen. Der Be- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdegegnerin kann auch gefolgt werden, wenn sie darauf hinweist, dass die Mehrarbeit der Kinderbetreuung automatisch auch andere Bereiche wie Kochen, Kleider und Putzen beschlägt. 6.9 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auf den Haushaltsb ericht vom 30. Dezember 2010 abgestellt werden kann. Dementsprechend ist davon a uszugehen, dass die Beschwerde- führerin im Haushaltsbereich unter Berücksichtigung der anfallenden Arbeiten und der Mithilfe von Angehörigen im Umfang von 12.2% in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. 7. Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerdegegnerin sei t Ablauf des Wartejahrs im April 2005 vollständig erwerbsunfähig. Daraus resulti ert in Anwendung der allgemeinen Metho- de des Einkommensvergleichs ein Invaliditätsgrad von 100%. Ab der Geburt der älteren Tochter am 17. April 2009 ist die gemischte Methode anzuwenden und eine Einschränkung im Haus- haltsbereich von 12.2% zu berücksichtigen. Der daraus folgende Invaliditätsgrad beträgt 56.1%. Zusammenfassend ist damit festzustellen, dass die Beschwerd eführerin vom 21. April 2005 bis zum 30. April 2009 Anspruch auf eine ganze Rente und a b dem 1. Mai 2009 Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung hat. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die Beschwerdegeg- nerin als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfah renskosten zu tragen. In diesem Zusam- menhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auf- erlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorlieg enden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 8.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträg er die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, we nn die Massnahmen für die Beurtei- lung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil na chträglich zugesprochener Leistun- gen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Ver- fahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Ger icht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesger icht weiter, mit der zitierten Bestim- mung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. B GE 137 V 265 f. E. 4.4.2). In BGE 139 V 496 hat das Bundesgericht präzisierend Kriterien a ufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwal tung auferlegt werden können, zu berücksichtigen sind. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Unter- suchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigke it, eine Gerichtsexpertise anzu- ordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellatio nen der Fall: Wenn ein manifester Wider- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht spruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztl ichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründet e Argumente entkräftet habe; wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder wenn sie auf eine Expertise abgestellt ha be, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a). Wenn die Verwal- tung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre Auffassung auf objektive kon- vergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rech tsgenüglichen Expertise gestützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzlichen Geri chtsgutachtens an sie nicht gerecht- fertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens; zum Ganzen : BGE 139 V 502 E. 4.4 mit Hin- weisen). Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich der U rteilsberatung vom 27. Juni 2013 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf d ie damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Hintergrund bildeten die Einschätzu ngen betreffend Diagnosen und Arbeits- fähigkeit im Gutachten der H.____ AG vom 6. Februar 20 12, auf das sich die Beschwerdegeg- nerin im Rahmen der Verfügung stützte, und die von den jenigen anderer Fachärzte zum Teil stark abwichen. Mit der unterschiedlichen Einschätzung der Ärzteschaft der H.____ AG lag ein manifester Widerspruch zu den anderen ärztlichen Auffassu ngen, namentlich zur gutachterli- chen Einschätzung von Dr. I.____ vom 30. Juni 2010, vor, der weder von den Gutachtern der H.____ AG noch von der Beschwerdegegnerin genügend e ntkräftet wurde. Hinzu kam, dass Zweifel an der Beweiskraft des Gutachtens der H.____ AG bestanden, insbesondere betreffend die Auseinandersetzung mit früheren und abweichenden A rztberichten. Ferner hatten sich zu diesem Zeitpunkt der ersten Urteilsberatung vom 27. Juni 2013 keine der beauftragten Gutach- ter mit den Einschränkungen im Haushaltsbereich befasst . Damit wies das Verwaltungsverfah- ren Untersuchungsmängel auf, die eine Gerichtsexpertise notwendig machten. Die Kosten des Gerichtsgutachtens, welche sich gemäss eingereichter Honor arnote vom 2. Januar 2014 auf Fr. 9‘327.– belaufen, sind unter diesen Umständen der Vorinstanz aufzuerlegen. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Angesichts der Tatsache, dass zur Du rchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage gekommen wäre, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verf ahrensfairness entfallen und ein ge- richtliches Gutachten angeordnet worden ist (vgl. BGE 137 V 210 ff.), gilt die Beschwerdeführe- rin als (vollständig) obsiegende Partei und es ist ihr e ine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen (vgl. BGE 137 V 61 f. E . 2.1 und 132 V 235 E. 6.2, je mit weiteren Hinweisen). Die Rechtsvertreterin der Beschwer deführerin hat in ihrer Honorarnote vom 22. April 2014 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 15.1 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stelle nden Sachverhalts- und Rechts- fragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote aus- gewiesenen Auslagen von Fr. 744.20. Der Beschwerdeführ erin ist deshalb eine Parteientschä- digung in der geltend gemachten Höhe von Fr. 4'880.75 (15.1 Stunden à Fr. 250.– + Auslagen von Fr. 744.20 + 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als die angefochte- nen Verfügungen der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 13. November 2012 aufgehoben werden und festgestellt wird, dass die Beschwerde- führerin vom 1. April 2005 bis 30. April 2009 Anspr uch auf eine ganze IV-Rente und ab dem 1. Mai 2009 Anspruch auf eine h albe IV-Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Besch werdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– zurück- erstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 9‘327.– werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auf erlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 4‘880.75 (inkl. Auslagen und 8% MwSt.) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht