B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6095/2010 U r t e i l v o m 2 0 . J u n i 2 0 1 2 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter François Badoud, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren (...), Jemen, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 5. August 2010 / N_______. D-6095/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein aus B._______, Provinz C._______ stammender jemenitischer Staatsangehöriger, verliess sein Heimatland gemäss eigenen Angaben erstmals am 1. August 2000 und stellte am fol- genden Tag ein erstes Asylgesuch in der Schweiz, das mit Verfügung des Bundesamtes für Flücht linge (BFF; ab 1.1. 2005 BFM) vom 24. Februar 2003 abgelehnt wurde. Die am 27. März 2003 dagegen an die damals zuständige Schweizerische Asylrekurskommisson (ARK) erhobene B e- schwerde wurde mit Urteil der ARK vom 16. Juli 2004 abgewiesen. Am (...) reiste der Beschwerdeführer kontrolliert in seine Heimat zurück. A.b Am 14. Dezember 2009 stellte der Beschwerdeführer im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in D._______ ein zweites As ylgesuch, nachdem er e igenen Angaben zufolge am (...) seine Heimat auf dem Luftweg verlassen hatte und über E._______ illegal in die Schweiz einge- reist war. Im EVZ D._______ wurde er am 16. Dezember 2009 summa- risch zu seinen Asylgründen an gehört und mit Ve rfügung des BFM vom 21. Dezember 2009 für den weiteren Aufenthalt während des Verfahrens dem Kanton F._______ zugewiesen. A.c Am (...) heiratete der Beschwerdeführer G._______, welcher das BFM am (...) Asyl gewährte und die im Besitz einer kantonalen Aufen t- haltsbewilligung ist. Mit Verfügung der Vorinstanz vom 21. April 2010 wurde der Beschwerdeführer in der Folge dem Aufenthaltsort seiner Eh e- frau (Kanton H._______) zugeteilt. A.d Am 19. Mai 2010 fand die direkte Anhörung durch das BFM statt. Zur Begründung seines zweiten Asylgesuchs führte der Beschwerdeführer dabei im Wesentlichen aus, er sei fünf Tage nach seiner Rückkehr von den Angehörigen der Amen vorgeladen worden. Es habe ein Gespräch in I._______ stattgefunden, wobei die Sache mit dem Gespräch erledigt gewesen sei. Er habe sich im (...) der Union J._______ angeschlossen, die sich für die Rechte von unter Zwang pensionierten Militäroffizieren eingesetzt habe. So hätten sie Streiks und Demonstrationen organisiert und verlangt, dass die Offiziere wieder eine Arbeit erhielten. Die Regi e- rung habe jedoch ihre Forderungen nicht erfüllt. Am K._______ habe in L._______ eine Grossdemonstration stattgefunden. In der Folge sei er mit vielen anderen Personen am M._______ festgenommen, während (...) im Gefängnis in N._______ festgehalten und während der Haft wi e- derholt verhört und geschlagen worden. Man habe ihn freigelassen, D-6095/2010 Seite 3 nachdem er schriftlich bestätigt gehabt habe, sich politisch nicht mehr zu betätigen. Nach der Haftentl assung habe er sich ständig im Dorf au f- gehalten, aber an den politischen Tätigkeiten weiterhin teilgenommen. Im Jahre (...) hätten die jemenitischen Behörden den Sitz der Union angegrif- fen und zahlreiche Leute festgenommen, diese jedoch nach einigen T a- gen wieder freigelassen. Am (...) hätten sie die illegale Bewegung O._______ gegründet, die die Befreiung des Südjemens zum Ziel gehabt habe. Für diese hätten sie Spenden gesammelt und versucht, andere n Leuten das Ziel der Bewegung näher zu bringen und sie anzuwerben re- spektive sie zu überzeugen, an ihren Demonstrationen teilzunehmen. Z u- dem sei er innerhalb der Bewegung für die "Beziehungen" zuständig g e- wesen. Ende des Jahres (...) habe er sich aus Angst vor einer erneuten Festnahme zur Ausreise aus Jemen entsc hlossen. Ferner sei er auch in der Schweiz politisch tätig und engagiere sich hier als Mitglied der Schweizer Sektion der in Jemen verbote nen P ._______. Er habe bislang keine besonderen Funktionen innerhalb der P ._______, müsse aber j e- weils an deren Demons trationen und Sitzungen teilnehmen. Ausserdem habe er zwei Artikel zur allgemeinen Lage in Jemen verfasst, welche im Internet veröffentlicht worden seien. Auf die weiteren Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. B. Mit Verfügung vom 5. August 2010 – eröffnet am 7. August 2010 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht, anerkannte ihn aber gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtling und gewährte ihm Asyl in der Schweiz. Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen an, die Vorbringen, welche sich auf Ereignisse vor der Ausreise des Beschwerdeführers beziehen würden, hielten den Anforde rungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. D er Beschwerdeführer verfüge über kein exponiertes exilpolitisches Profil, welches die jemenitischen Behörden als staatsfeind- liche Aktivität im Ausland auffassen könnten, weshalb seine exilpoliti- schen Aktivitäten zu keiner konkreten Gefährdung im Falle einer Rüc k- kehr nach Jemen führten. Die geltend gemachte Furcht vor künftiger Ve r- folgung sei als unbegründet zu erkennen. Unter diesen Umständen erü b- rige es sich, auf Unglaubhaftigkeitseleme nte in den Aussagen einzug e- hen. In Bezug auf die Glaubhaftigkeit sei jedoch aufgrund von mehreren Widersprüchen ausdrücklich ein Vorbehalt anzubringen. Er erfülle somit die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG nicht. Er sei jedoch in der Schweiz mit einem anerkannten Flüchtling verheiratet und D-6095/2010 Seite 4 werde deshalb gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG ebenfalls als Flüchtling aner- kannt. C. Mit Eingabe vom 26. August 2010 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht gegen diesen Entscheid Beschwerde und b e- antragte, es sei die Verfügung der Vorinstanz aufzuheben und zu neuem Entscheid an diese zurückzuweisen, es sei der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und ihm sei Asyl (recte: die Flüchtlingseigenschaft) gemäss Art. 3 AsylG zu gewähren, eventua liter sei die Unzulässigkeit sowie die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläuf i- ge Aufnahme anzuordnen . In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewä h- rung der aufschiebenden Wirkung, um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Einsicht in die Akten seines ersten Asylverfahrens. D. Mit Eingabe vom 7. Septem ber 2010 reichte der Beschwerdeführer zwei Beweismittel (Auflistung Beweismittel) zu den Akten. E. Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 1 0. September 2010 wurde auf den Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung ma n- gels Rechsschutzinteresses nicht eingetreten und der Beschwerdeführer angehalten, die wesentlichen Akten des ersten Asylverfahrens und des Beschwerdeverfahrens beim vormaligen Rechtsvertreter erhältlich zu ma- chen. Gleichzeitig wurde ihm Gelegenheit eingeräumt, bis am 27. Sep- tember 2010 eine ergänzende Beschwerdebegründung einzureichen, und er wurde darauf hingewiesen, dass bei unbenutztem Fristablauf aufgrund der bestehenden Aktenlage entschieden werde, zumal sich die eing e- reichte Beschwerdeschrift als rechtsgenüglich erweise. Sodann wurde die Behandlung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozes s- führung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie eine s allfälligen Ver- zichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses auf einen Zeitpunkt nach Ablauf der gesetzten Frist verwiesen. F. Mit Schreiben vom 27. September 2010 ersuchte der Beschwerdeführer um eine zehntägige Fristerstreckung, da er die Akten des ersten Asylve r-D-6095/2010 Seite 5 fahrens beim vormaligen Rechtsvertreter noch nicht habe erhältlich m a- chen können. G. Mit Verfügung vom 1. Oktober 2010 wurde das Fristerstreckungsgesuch vom 27. September 2010 gutgeheissen und dem Beschwerdeführer G e- legenheit eingeräumt, bis am 7. Oktober 2010 eine ergänzende B e- schwerdebegründung einzureichen, wobei bei ungenutzter Frist aufgrund der Akten entschieden werde. H. Mit Eingabe vom 5. Oktober 2010 (Poststempel) reichte der Beschwerd e- führer kommentarlos Aktenstücke aus seinem ersten Asylverfahren in Kopie ein. I. Mit nicht unterzeichnetem Schreiben vom 8. Oktober 2010 ersuchte der Beschwerdeführer um eine weiter e Fristerstreckung von zehn Tagen, da er die Akten des ersten Asylverfahrens über seinen vormaligen Recht s- vertreter erst kürzlich erhalten habe und die von ihm avisierte Beratung s- stelle wegen Ferien geschlossen sei. J. Mit nicht unterzeichnete r Eingabe vom 11. Oktober 2010 legte der B e- schwerdeführer seine Beschwerdeergänzung ins Recht. K. Mit Verfügung vom 13. Oktober 2010 trat der Instruktionsrichter auf das Gesuch vom 8. Oktober 2010 um Erstreckung der Frist zur Einreichung einer ergänzenden Beschwerdebegründung nicht ein , weil das Gesuch verspätet gestellt worden war. L. Mit Eingabe vom 21. Oktober 2010 (Poststempel) reichte der Beschwer- deführer nochmals seine – dieses Mal jedoch unterzeichnete – Be- schwerdeergänzung vom 11. Oktober 2010 zu den Akten. M. Mit Eingabe vom 2. November 2010 (Poststempel) reichte der Beschwer- deführer weitere Beweismittel (Auflistung Beweismittel) ein. D-6095/2010 Seite 6 N. Mit Eingabe vom 26. Januar 2011 (Poststempel) legte der Beschwerd e- führer erneut Beweismittel (Auflistung Beweismittel) ins Recht. O. O.a In der Eingabe vom 24. Januar 2012 ersuchte der Beschwerdeführer das BFM um Einbezug seines minderjährigen Sohnes (...) in das Asyl des Vaters sowie um Bewilligung de r Einreise im Rahmen des Familiennac h- zugs. O.b Mit Verfügung des BFM vom 8. Mai 2012 wurde das Gesuch um Ein- reise des Sohnes in die Schweiz nicht bewilligt und das Asylgesuch abge- lehnt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bunde sverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. D-6095/2010 Seite 7 1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 1.5 Der Beschwerdeführer wurde aufgrund s einer Heirat mit einer jeme n- tischen Staatsangehörigen, die in der Schweiz als Flüchtling anerkannt und der hier Asyl gewährt w orden war, gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtling anerkannt und ihm in der Schweiz Asyl gewährt, weshalb auf die (Eventual-)Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung , auf Feststellung der Unzulässigkeit sowie der Unzumutbarkeit des We g- weisungsvollzugs und der Anordnung der vorläufigen Aufnahme mangels Rechsschutzinteresses nicht einzutreten ist. 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wege n ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahm en, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen o der massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-6095/2010 Seite 8 3. 3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentl i- chen aus, es sei kein begründeter Anlass zur Annahme ersichtlich, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr mit asylrelevanten Nachteilen rechnen müsse. Bezüglich der Befragung durch die jemenit i- schen Behörden nach der Rückkehr im (...) habe er geltend gemacht, die Sache sei nach diesem Gespräch erledigt gewesen und es habe auch keine Probleme mehr gegeben respektive es gebe keine konkreten A n- zeichen für die von ihm anlässlich der direkten Anhörung zunächst ge l- tend gemachte Überwachung seiner Person und er habe davon auch nichts bewusst bemerkt. Bezüglich seines Engagements für die Union sowie die Bewegung und seiner Teilnahme an der Grosskundgebung vom K._______ sei festzuhalten, dass er eigenen Angaben zufolge lediglich einfaches Mitglied der Union gewesen sei . Zudem würden sich aus den Umständen der Festnahme sowie der Freilassung keine Hinweise erge- ben, dass er sich in Jemen in regimekritischer Weise exponiert habe, sondern allenfalls zusammen mit zahlreichen anderen Leuten an polit i- schen Aktivitäten beteiligt gewesen sei . Andernfalls wäre er von den B e- hörden seines Heimatlandes mit Sich erheit bereits belangt worden r e- spektive wäre eine Freilassung aus dem Gefängnis ohne weitere Aufl a- gen höchst unwahrscheinlich gewesen. Dass er nach seiner Haftentla s- sung noch (...) Jahre ohne Probleme in seiner Heimat gelebt habe, deute nicht darauf hin, dass er von den jemenitischen Behörden als gefährlicher Regimegegner wahrgenommen worden sei. Die Erklärung, man habe ihn nach der Freilassung aufgrund seines Engagements nicht wieder festg e- nommen, da die jemenitischen Gefängnisse voll seien und die Behörd en nicht alle Leute festnehmen könnten, sei als realitätsfremd zu taxieren. Die vom Beschwerdeführer geäusserten Befürchtungen bezüglich der Vorfälle vor seiner Ausreise aus Jemen seien daher als unbegründet und somit als nicht asylbeachtlich zu betrachten , wobei an dieser Einschä t- zung auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern vermöchten. Hinsichtlich der angeführten exilpolitischen Aktivitäten sei festzuhalten, dass der jemenitische Staat Oppositionelle im Exil, vor allem in Grossbr i- tannien, in geringerem Masse aber wohl auch in der Schweiz, beobachte. Die jemenitischen Behörden dürften jedoch angesichts der umfangre i- chen exilpolitischen Betätigungen von jemenitischen Staatsangehörigen im Ausland nur Interesse an der Identifizierung von Personen haben, de- ren Aktivitäten über massentypische exilpolitische Proteste hinausgingen und die Funktionen oder Aktivitäten entwickelten, welche sie als gefährl i- che Regimegegner erscheinen lassen würden. Erheblich seien exilpolit i-D-6095/2010 Seite 9 sche Tätigkeiten nur dann, wenn die Betreffenden über eine längere Zeit öffentlich exponiert als Regimekritiker in Erscheinung treten oder ihre Handlungen die Fortsetzung bereits im Heimatland manifestierter polit i- scher Aktivitäten darstellen würden. Weder die eingereichten Fotos von seiner Demonstrationsteilnahme (Nennung Ort und Datum der Teilnahme) noch die beiden im Internet veröffentlichten Bilder liessen eine Identifik a- tion seiner Person zu oder zeigten, dass er sich bei diesen Demonstrati o- nen besonders und über das Mass der anderen Personen hinaus exp o- niert oder eine in der Öffentlichkeit bekannte Führungsposition inneg e- habt hätte. Von den übrigen Fotos sei nicht ersichtlich, dass diese der Öf- fentlichkeit zugänglich gemacht worden wären. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, inwiefern der Umstand, dass er auf diesen Fotos zu e r- kennen sei, zu einem Bekanntwerden seiner Identität führe. Zudem habe er selber angeführt, nur einfaches Mitglied der P ._______ in der Schweiz zu sein und keine besonderen Funktionen zu haben. Auch aus den Be s- tätigungsschreiben der P ._______ sei lediglich zu entnehmen, dass er einfaches Mitglied dieser Organisation sei. Es seien keine Hinweise a k- tenkundig, wonach er in der Schweiz in einer hohen und in der Öffentlic h- keit exponierten Kaderstelle einer Exilorganis ation tätig sei. Auch die I n- ternetpublikation der beiden eingereichten Artikel zur allgemeinen Lage in Jemen unter seinem Namen gehe nicht über den Rahmen von masse n- typischen und niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Pr o- teste hinaus. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass der Beschwerd e- führer über kein exponiertes exilpolitisches Profil verfüge, welches die jemenitischen Behörden als staatsfeindliche Aktivität im Ausland auffa s- sen könnten. Deswegen habe er keine konkrete Gefährdung im Falle ei- ner Rückkehr nach Jemen zu befürchten und die geltend gemachte Furcht vor künftiger Verfolgung sei deshalb als unbegründet zu erkennen. 3.2 In seiner Beschwerdeschrift rügte der Beschwerdeführer zunächst in formeller Hinsicht eine unvollständige und unricht ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts, zumal im angefochtenen Entscheid ve r- schiedene – von ihm erwähnte – Sachverhaltselemente nicht aufgeführt gewesen seien. Die so entstandenen Lücken in der Sachverhaltsaufna h- me seien nicht genügend, um seine Vorbringen nachfolgend im Asylpunkt würdigen zu können. Daher sei die Verfügung des BFM aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter seien die über- sehenen Punkte bei der Beurteilung durch das Bundesverwaltungsgericht zu berücksichtigen. D-6095/2010 Seite 10 In materieller Hinsicht brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, das BFM habe sich zur angeführten (...) Haft im Jahre (...) nicht ge- äussert, zumal dies ein massiver Übergriff auf seine Person gewesen sei und sich die Frage stelle , ob nicht schon dieser Übergriff allein seine Flüchtlingseigenschaft begründe. Die Vorinstanz unterlasse es auch, n ä- her auf die erlittenen Misshandlungen einzugehen. Während der Haft sei er geschlagen worden und man habe ihm mit Vergewaltigung respektive mit dem Tod gedroht. Das BFM habe sich zu seiner Tätigkeit bei der B e- wegung O._______ im Jahre (...) nicht geäussert. Er habe diese Organ i- sation mitbegründet, welche sich klar gegen den jemenitischen Staat stel- le. Aufgrund seiner exponierten Tätigkeit bestehe für ihn eine erhöhte Ge- fahr, von den staatlichen Behörden, welche ihn schon festgenommen und misshandelt hätten, belangt zu werden. Weiter habe sich die Vorinstanz nicht die Frage gestellt, wie er nach dem Erscheinen des Zeitungsartikels in der Zeitung (...), worin sein Name im Zusammenhang mit der O._______ genannt worden sei, gelebt habe. Er habe nämlich seit dem Jahre (...) versteckt in den Bergen gelebt und den Behörden auf diese Weise keine Chance gegeben, ihn festzunehmen. Ferner teile er die vori nstanzliche Einschätzung nicht, wonach seine exi l- politischen Tätigkeiten nicht asylrelevant seien. Die jemenitischen Behö r- den würden ihn seit dem Jahre (...) kennen. Er habe sich zudem ab dem Jahre (...) in einer (Nennung Organisation) engagiert. Nach einer (...) Haft mit schlimmer Folter habe er sich in einer noch exponierteren Rolle he r- vorgetan, obwohl er schriftlich versprochen habe, sich nicht mehr politisch zu betätigen. Seine politische Funktion sei sogar in der Zeitung bekannt geworden. Hinzu kämen s eine exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz. Aus all diesen Gründen habe er begründete Furcht vor weiteren Übergri f- fen des Staates. 4. 4.1 Vorweg ist die Rüge der unvollständigen und unrichtigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts, mithin eine Verletzung des Untersu- chungsgrundsatzes zu prüfen, da ein allenfalls ungenügend abgeklärter Sachverhalt eine materielle Behandlung verunmöglichen würde. Ebenso ist vorab zu prüfen, ob das BFM die Begründungspflicht verletzte , weil es sich zum Gesundheitszus tand des Beschwerdeführers in seinen Erw ä- gungen nicht geäussert habe. 4.1.1 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsä t- zen des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach D-6095/2010 Seite 11 hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie muss die für das Verfahren notwendigen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die rechtlich relevanten Umstände abklären sowie ordnungsgemäss darüber Beweis führen (beispielsweise dur ch die Einholung eines Gutachtens). Dieser Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt, er findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG). Trotz des Untersuchungsgrundsatzes kann sich nämlich die en t- scheidende Behörde in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen e i- nes Gesuchstellers zu würdigen und die von ihm angebotenen Beweise abzunehmen, ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen. Eine e r- gänzende Untersuchung kann sich jedoch aufdrängen, wenn au fgrund dieser Vorbringen und Beweismittel berechtigte Zweifel oder Unsicherhei- ten bestehen, die voraussichtlich nur mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommissi on [EMA RK] 1995 Nr. 23 E. 5a S. 222). 4.1.2 Aufgrund der Aktenlage kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das BFM den Sachverhalt vollständig erstellte und zu Recht keine weitergehenden Abklärungen veranlasste. Das BFM ging aufgrund der Parteiauskünfte un d der Aktenlage (vgl. Art. 12 VwVG) d a- von aus, dass der rechtserhebliche Sachverhalt als erstellt gelten könne und keine weiteren Beweismassnahmen zu ergreifen seien. So gilt ein Sachverhalt erst dann als unvollständig festgestellt, wenn in der Begrü n- dung des Entscheides ein rechtswesentlicher Sachumstand übergangen beziehungsweise überhaupt nicht beachtet wird (vgl. FRITZ GYGI, Bu n- desverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 286). 4.1.3 Die Vorinstanz gelangte nach einer gesamtheitlichen Würdigung der aktenkundigen Parteivorbringen und der Beweismittel zu einem anderen Schluss als der Beschwerdeführer, was jedenfalls weder eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes noch eine unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes darstellt. Dabei ist anzumerken, dass die Vorinstanz die Vorbringen de s Beschwerdeführers tatsächlich hörte, sorgfältig und ernsthaft prüfte und in der Entscheidfindung berüc k- sichtigte, was sich entsprechend in den betreffenden Erwägungen nieder- schlug. Insbesondere legte die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid in schlüssiger Weise dar, aufgrund welcher Überlegungen die Asylvorbri n- gen den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigenschaft nicht genügten und de n eingereichten Beweismitteln insgesamt keine D-6095/2010 Seite 12 rechtserhebliche Beweiskraft zuerkannt werden könne, weshalb eine wei- tergehende Abklärung als nicht nötig erachtet wurde. Die Rüge, wonach die Vorinstanz in ihrem Entscheid verschiedene – von ihm erwähnte – Sachverhaltselemente nicht aufgeführt habe, ist insgesamt als unbegrün- det zu erachten. So erweisen sich die Behauptungen, das BFM habe nicht erwähnt, dass er in der Organisation J._______ mitgemacht habe, in der Haft misshandelt worden sei und er sich seit dem Jahre (...) in den Bergen respektive in seinem Dorf versteckt gehalten habe, klarerweise als aktenwidrig. Zwar verzichtete die Vorinstanz – wie der Beschwerde- führer in seiner Rechtsmitteleingabe zu Recht bemerkte – darauf, im Sachverhalt die militärische Ausbildung, die Arbeit als (...), die Todesdro- hung bei der Entlassung aus der Haft sowie den Umstand, dass es sich bei der O._______ um die Nachfolgeorganisation der J._______ handle, explizit aufzuführen. Jedoch war der im Übrigen nicht bestrittene U m- stand, dass der Beschwerdeführer eine militärische Ausbildung absolvier- te und als (...) arbeitete, bereits im ersten Asylverfahren bekannt und wurde entsprechend gewürdigt. Zudem wurde der Beschwerdeführer a n- lässlich der direkten Anhörung darauf hingewiesen, er sei anlässlich des ersten Asylgesuches bereits meh rfach angehört worden und das BFM habe die von ihm eingereichten Dokumente studiert. Im aktuellen (zwe i- ten) Asylverfahren gehe es darum, die asylrelevanten Probleme zu th e- matisieren, die sich in der Zeit nach seiner Rückkehr aus der Schweiz vom (...) bis zur erneuten Ausreise aus Jemen im (...) ergeben hätten (vgl. act. B17/17, S. 5). Eine weitergehende Auseinandersetzung der Vori n- stanz mit der Ausbildung und beruflichen Tätigkeit des Beschwerdefü h- rers war daher mit Blick auf die Ermittlung des rechtserhebl ichen Sach- verhalts nicht vonnöten , zumal der Beschwerdeführer geltend machte, nach seiner Rückkehr nicht mehr gearbeitet zu haben beziehungsweise nur gelegentlich (Nennung Tätigkeiten) tätig gewesen zu sein (vgl. act. B2/11, S. 2 f.; B17/17, S. 5) . Hinsichtlich der angeführten Todesdrohung bei der Entlassung aus der Haft ist festzuhalten, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid – wenn auch nur summarisch – auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Misshandlungen hinwies und in ih- ren Erwägungen d en im Anschluss an die Grosskundgebung vom K._______ geschehenen Vorfall anschliessend einlässlich würdigte. So- dann ist zum vom BFM nicht aufgeführten Vorbringen, wonach es sich bei der O._______ um die Nachfolgeorganisation der J._______ handle, festzustellen, dass der Beschwerdeführer diesen Umstand so in der B e- fragung im EVZ gar nicht erwähnte und in der direkten Anhörung lediglich in der Form anführte, dass alle Mitglieder der Union auch Mitglieder der O._______ seien (vgl. act. B2/11, S. 6; B17/17, S. 8). Angesichts des D-6095/2010 Seite 13 Umstandes, dass der Beschwerdeführer für beide Organisationen total unterschiedliche Ziele formulierte und eine explizite Benennung als Nach- folgeorganisation durch ihn nicht geschah, kann durch die Nichterwä h- nung im angefochtenen Entscheid noch keine unrichtige oder unvollstä n- dige Sachverhaltsermittlung durch die Vorinstanz erkannt werden. Das BFM hat denn auch die geltend gemachten Aktivitäten des Beschwerd e- führers innerhalb beider Organisationen in seinen Erwägungen entspre- chend berücksichtigt. 4.1.4 Die Rüge der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes erweist sich demnach als unbegründet, weshalb de n Anträgen, es sei die Verf ü- gung der Vorinstanz aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen sowie eventualiter seien die übersehenen Punkte bei der Beurteilung durch das Bundesverwaltungsgericht zu b e- rücksichtigen, nicht stattzugeben ist. 4.1.5 Der Beschwerdeführer bringt im Weiteren vor, das BFM habe die Begründungspflicht verletzt, indem es sich zu seinem Gesundheitsz u- stand (Nennung gesundheitliche Probleme) nicht geäussert habe. Der Beschwerdeführer machte nicht geltend, die vorgebrachten gesundheitl i- chen Schwierigkeiten stünden in Zusammenhang mit seinen Asylgrü n- den, weshalb die Vorinstanz keine Veranlassung hatte, sie in die diesb e- züglichen Erwägungen einzubeziehen. Hinsichtlich der Prüfung, ob sie al- lenfalls ein Wegweisungsvollzugshindernis darstellen könnten, erweisen sie sich als nicht relevant, weil dem Beschwerdeführer Asyl gewährt wu r- de. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist deshalb zu verneinen. 4.2 In materieller Hinsicht füh rt eine Gesamtbeurteilung der geltend g e- machten Asylgründe zur Überzeugung, dass die Schilderungen des Be- schwerdeführers bezüglich seines vorgebrachten Engagements innerhalb der O._______ sowie der J._______ und der daraus resultierenden R e- pression der jemenitischen Behörden den Voraussetzungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht zu genügen vermögen . Die vo m Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene gemach ten Ausfü h- rungen und Entgegnungen sowie im Verfahren eingereichten Beweismi t- tel vermögen die von der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid aufg e- zeigten Schlussfolgerungen nicht umzustossen. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die Vorinstanz habe sich zur (...) Haft und der damit verbundenen Folter im Jahre (...) nicht geäussert, ob- wohl dies ein massiver Übergriff auf seine Person gewesen sei und sich D-6095/2010 Seite 14 die Frage stelle, ob nicht schon dieser Übergriff allein seine Flüchtlingse i- genschaft begründe, ist entge genzuhalten, dass sich das BFM in seinen Erwägungen wohl zu diesem Vorfall äusserte, jedoch in dem Sinne, als es – zu Recht und mit zutreffender Begründung – die Umstände seiner Freilassung sowie den Zeitraum bis zur effektiven Ausreise respektive seinen weiteren Verbleib in der Heimat mit Blick auf ein allfällig bestehen- des Gefährdungspotenzial pr üfte und entsprechend würdigte. Der B e- schwerdeführer brachte in diesem Zusammenhang vor, in den (...) Jahren zwischen seiner Freilassung und seiner Ausreise keinen Kontakt mehr mit den Behörden seines Landes gehabt zu haben; zwar habe er sich vor e i- ner erneuten Verhaftung gefürchtet, habe jedoch trotzdem mit seinen poli- tischen Tätigkeiten weitergemacht (vgl. act. B2/11, S. 6 f.; B17/17, S. 5 ff.). Die geltend gemachte Verhaftung vom (...) lag im Zeitpunkt der Au s- reise des Beschwerdeführers ([...]) bereits rund (...) Jahre zurück. De s- halb kann diese Begebenheit nicht mehr als Massnahme angesehen werden, die den Beschwerdeführer unmittelbar zur Ausreise veranlass t hätte, weshalb sie asylrechtlich vorliegend nicht beachtlich er scheint, zu- mal aus den Akten auch keine konkreten Hinweise ersichtlich sind, dass der Beschwerdeführer wegen regimekritische r Tätigkeiten im Visier der jemenitischen Behörden gestanden oder e ine erneute Festnahme bevo r- stehend gewesen wäre. Der erwähnte Vorfall im (...) erfüllt den für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft sowohl in zeitlicher als auch in sachlicher Hinsicht geforderten engen Zusammenhang zwischen der ge l- tend gemachten Verfolgungsmassnahme und der Ausreise aus dem He i- matland nicht (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5, BVGE 2010/57 E. 4.1; Ent- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommiss i- on [EMARK] 1999 Nr. 7, EMARK 2000 Nr. 2 und EMARK 2003 Nr. 8). Zu- dem ist an dieser Stelle festzuhalten, dass die Gewährung von Asyl nicht dazu dienen kann, einen Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern bezweckt vielmehr, Schutz vor künftiger Verfolgung zu gewä h- ren. Im Weiteren irrt der Beschwerdeführer, wenn er behauptet, dass sich die Vorinstanz zu seiner Tätigkeit bei der Bewegung O._______ im Jahre (...) nicht geäussert habe. Das BFM nahm ausdrücklich zu seiner weit e- ren politischen Tätigkeit im Anschluss an die angeführte Freilassung im (...) Stellung (vgl. act. B 23/8, S. 4) und stellte zu Recht fest, dass die diesbezüglichen Befürchtungen des Beschwerdeführers als unbegründet zu erachten seien. So sind gemäss der schweizerischen Praxis Befürc h- tungen, künftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu we r- den, dann asylrelevant, wenn begründeter Anlass zur Annahme besteht, dass sich diese mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen werden. Es genügt nicht, dass bloss auf Vorkom m-D-6095/2010 Seite 15 nisse verwiesen wird, welche sich früher oder später eventuell ereignen könnten. Ob im konkreten Fall eine solche Wahrscheinlichkeit besteht, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Demen t- sprechend müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine individuelle und konkrete Bedrohung vorha nden sein, die bei anderen Menschen in ve r- gleichbaren Situationen Furcht vor Verfolgung hervorrufen könnten (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.3 f. S. 620 f.). In casu ist festzustellen, dass aufgrund der vorliegenden – und bereits im angefochtenen Entscheid in einlä ssli- cher Weise gewürdigten – Sachverhaltselemente keine beachtliche Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, die vom Beschwerdeführer geäu s- serten Befürchtungen würden sich in absehbarer Zeit verwirklichen. Wäre der Beschwerdeführer wegen seine r Aktivitäten tatsächlich im Visier der jemenitischen Behörden gestanden, wären entsprechende Massnahmen gegen ihn eingeleitet worden, zumal jene über seinen ständigen Aufen t- haltsort im Dorf im Bilde gewesen seien (vgl. act. B2/11, S. 7). Da er sich jedoch während über (...) Jahre unbehelligt dort aufhielt, lässt dies den Schluss zu, dass sich seine Befürchtungen als flüchtlingsrechtlich nicht relevant erweisen. An dieser Einschätzung vermögen auch die eing e- reichten Beweismittel nichts zu ändern und es kann – zur Vermeidung von Wiederholungen – diesbezüglich auf die zutreffenden vorinstanzl i- chen Erwägungen verwiesen werden. Soweit der Beschwerdeführer zum Zeitungsartikel (Nennung Beweismittel) anführt, die Vorinstanz habe sich nicht die Frage gestellt, wo er die (...) Monate zwischen Erscheinen des Artikels und seiner Ausreise gelebt habe, zumal er sich in dieser Zeit in den Bergen versteckt und den Behörden keine Chance gegeben habe, ihn festzunehmen, kann auf obige Ausführungen zum Aufenthaltsort des Beschwerdeführers nach seiner Haftentlassung hingewiesen werden (vgl. act. B2/11, S. 7). Zudem kann das Vorbringen, wonach er in den Bergen versteckt gelebt habe, auch nicht mit den Aussagen, er habe nach der Haft politische Tätigkeiten in Nachbardörfern respektive in Dörfern ve r- schiedener Bezirke ausgeführt, sei aber vorsichtig gewesen und meistens im Dorf geblieben , nicht in Übereinstimmung gebracht werden (vgl. act. B2/11, S. 7; B17/17, S. 7). 4.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorbringen des B e- schwerdeführers in Bezug auf eine Verfolgungssituation im Zeitpunkt der Ausreise den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht genügen. 5. Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch seine Aktivitäten die D-6095/2010 Seite 16 Flüchtlingseigenschaft wegen subjektiv er Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG erfüllt. 5.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsland eine Gefährdungssituation erst g e- schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgr ünde geltend (Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingse i- genschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gese tzt wurden. Das vom Gesetzgeber vorg e- sehene Konzept, wonach das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgrü n- den die Gewährung von Asyl ausschliesst, verbietet das Addieren solcher Gründe mit Nachfluchtgründen, welche vor der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat entstanden sind und die für sich allein nicht zur Bej a- hung der Flüchtlingseigenschaft und zur Asylgewährung ausreichen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352; vgl. fer ner EMARK 2000 Nr. 16 E. 5 a S. 141 f., mit weiteren Hinweisen). Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu die nach wie vor gült i- gen und zutreffenden Ausführungen in E MARK 1995 Nr. 7 E. 7 b und 8 S. 67; EMARK 2000 Nr. 16 E. 5 a S. 141 f., mit weiteren Hinweisen). 5.2 Aus den Akten ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer gemäss der Bestätigung der (Nennung Beweismittel) Mitglied und Aktivist der Schwei- zer Sektion dieser in Jemen verbotenen Partei ist. Er nahm seinen Anga- ben und den eingereichten Beweismitteln zufolge in der Schweiz an zwei von der P ._______ organisierten Protestkundgebungen teil, bei denen er auch (mehr oder weniger) erkennbar fotografiert wurde. Einige dieser a n- lässlich der Protestkundgebungen geschossenen Fotos wur den ins Inter- net gestellt. Zudem wurden zwei regimekritische Artikel unter dem Namen des Beschwerdeführers in arabischer Sprache im Internet veröffentlicht. 5.3 Bei der P ._______ handelt es sich (Ausführungen zur Organisation) . Der jemenitische Staat beobachte t Oppositionelle im Exil aktiv, dies vor allem in Grossbritannien, wo sich das Zentrum der jemenitischen Exilb e- wegung befindet, in geringerem Masse aber wohl auch in der Schweiz (vgl. dazu das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -5395/2006 vom 12. Juni 2 009). Nach Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts unte r- liegen Mitglieder von Exilorganisationen der in Jemen verbotenen opposi- tionellen Parteien, Teilnehmer an Veranstaltungen dieser Organisationen, Mitwirkende an regimekritischen Demonstrationen, welche die dabei übli-D-6095/2010 Seite 17 chen Plakate tragen und Parolen rufen, Teilnehmer von sonstigen r e- gimekritischen Veranstaltungen sowie Personen, die Büchertische betreuen und Informations- und Propagandamaterial verteilen, keiner al l- gemeinen Überwachungsgefahr durch jemeni tische Exilbehörden. Dass die jemenitischen Sicherheitsbehörden zwischen tatsächlich politisch e n- gagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit ihren Aktionen in ers- ter Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen, zu unterscheiden vermögen, darf vorausgesetzt werden. 5.4 Im konkreten Fall geht das Gericht nach einer Auswertung des eing e- reichten Beweismaterials unter Mitberücksichtigung der übrigen Akten davon aus, dass insgesamt keine subjektiven Nachfluchtgründe best e- hen, die bei einer Rückkehr des Beschwerdeführers nach Jemen zu einer für die Flüchtlingseigenschaft relevanten Verfolgung führen würden. Se i- ner Einschätzung legt es dabei die Erkenntnis zugrunde, dass nicht pr i- mär das Hervortreten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit u nd Indivi- dualisierbarkeit, sondern eine derartige Exponierung in der Öffentlichkeit massgebend ist, welche aufgrund der Persönlichkeit des Asylsuchenden, der äusseren Form seines Auftritts und nicht zuletzt aufgrund des Inhaltes der in der Öffentlichkeit a bgegebenen persönlichen Erklärungen den Ei n- druck erweckt, dass der Asylsuchende zu einer Gefahr für den Bestand des jemenitischen Regimes wird. Ein dermassen erhöhter Exponierung s- grad kann dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der von ihm in der Schw eiz bis zuletzt ausgeübten exilpolitischen Aktivitäten nicht be i- gemessen werden, weshalb eine konkrete Gefährdung bei einer Rüc k- kehr nach Jemen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auszuschliessen ist. 5.5 Mit Bezug auf die konkrete Funktion des Beschwerdeführ ers inne r- halb der in Frage stehenden Exilgruppierung fällt zunächst der Umstand ins Gewicht, dass die P ._______ selbst ihn lediglich als aktives Mitglied ("active member") respektive als "politische n Aktivisten" bezeichnet (Auf- listung Beweismittel ). Zwar w urde er gemäss dem mit Eingabe vom 2. November 2010 ohne weiteren Kommentar eingereichten (Nennung Beweismittel) zum Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit der Schweizer Sektion der P ._______ gewählt. Inwiefern er dadurch als herausragende Oppositionspersönlichkeit wahrgenommen würde, wird nicht begründet. Seine exilpolitische Tätigkeit in der Schweiz lässt ihn somit nicht als b e- sonders engagierten und exponierten oder gar staatsgefährdenden sowie mit Führungsfunktionen ausgestatteten Aktivisten erscheinen. Vor diesem Hintergrund lässt die im vorliegenden Verfahren durch die weiteren B e-D-6095/2010 Seite 18 weismittel dokumentierte Beteiligung des Beschwerdeführers an exilpol i- tischen Aktivitäten – sei es als Teilnehmer an Kundgebungen und Ve r- sammlungen oder als Verfasser von im I nternet publizierten Beiträgen – von vornherein nicht das Gefährdungspotenzial ersehen, welches er da r- aus zu ziehen versucht, umso mehr als er nicht an vielen Kundgebungen der P ._______ teilnahm und nur relativ wenige regimekritische Beiträge verfasste. Im Sinne einer Klarstellung ist sodann die Anmerkung ang e- bracht, dass friedliche Propagandaaktionen in westeuropäischen Staaten, wie sie vorliegend und in einer Vielzahl anderer Verfahren vor dem Bu n- desverwaltungsgericht dokumentiert sind, von den jemenitisc hen Sicher- heitsbehörden durchaus unter realistischer Einordnung des – ebenso evi- denten wie unpolitischen – Interesses ihrer Landsleute interpretiert we r- den, im Gastland nach Möglichkeit ein Aufenthaltsrecht zu erwirken. Es geht bei dieser Argumentation nic ht darum, die innere (politische) Gesi n- nung eines Asylsuchenden auszuleuchten, vielmehr erschöpft sich der Prüfungsumfang der Asylbehörden darin, die gegen aussen manifestierte, aus Sicht der jemenitischen Behörden als potenziell gefährlich zu werte n- de Oppositionstätigkeit der in Frage stehenden Person zu beurteilen. 5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat befürchten muss, dor t ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu erleiden. Insbesondere fehlen im vorliegenden Fall jegliche aktenkundige Hinweise darauf, dass i n Jemen aufgrund der genannten politischen Aktivitäten im Exil gegen ihn ein Strafverfahren oder andere behö rdliche Massnahmen eingeleitet worden sind, was ein Indiz für eine fehlende Verfolgungsgefahr im Heimatland darstellt. Letztlich kann es nicht Sache der schweizerischen Asylbehörden sein, jede auch nur ansatzweise mögliche Gefährdungssituation im He i- matland einer asylsuchenden Person abzuklären. Hier findet der in Art. 12 VwVG verankerte Untersuchungsgrundsatz vernünftigerweise seine Schranken und der Beschwerdeführer ist auf seine in Art. 8 AsylG vera n- kerte Mitwirkungspflicht zu verweisen. Angesichts desse n sowie der u m- fangreichen regimekritischen Aktivitäten von Jemenitinnen und Jemeniten in ganz Westeuropa erscheint es insgesamt als unwahrscheinlich, dass die jemenitischen Behörden von den Exilaktivitäten des Beschwerdefü h- rers soweit Notiz genommen haben, dass sie diese als konkrete und ernsthafte Bedrohung für das politische System empfinden würden. 5.7 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der B e- schwerdeführer aufgrund seiner Ausreise aus Jemen und der Asylbea n-D-6095/2010 Seite 19 tragung in der Schweiz bei ein er Rückkehr in seine Heimat keine asy l- rechtlich relevanten Nachteile zu befürchten hat. 5.8 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die we i- teren Ausführungen in der Beschwerde und die im Beschwerdeverfahren eingereichten weiteren Beweismittel zu den allgemeinen Aktivitäten der P ._______ in Europa und der Situation i n Jemen im Einzelnen einzug e- hen, weil sie am Ergebnis nichts ändern. Unter Berücksichtigung der g e- samten Umstände folgt, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Das Bundesamt hat daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft de s Beschwerdeführers gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG verneint. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 7. 7.1 Mit Verfügung des Instruktionsrichters vom 10. September 2010 wur- de de r Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie über einen al l- fälligen Verzicht auf die Erhe bung eines Kostenvorschusses auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen. Aufgrund des Entscheids in der Sache e r- weist sich d as Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses als gegen - standslos. 7.2 Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Es ist von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Auch können die Begehren der Beschwerde nicht insgesamt als aus sichtslos bezeichnet werden. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist somit gutzuheissen , weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite) D-6095/2010 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Si n- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand: