JAAC68.41 Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 9. Juli 2003 i.S. A.S.-A., Somalia, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 25 Art. 5 al. 3 Cst. Art. 2 CC. Art. 8 al. 3 LAsi. Demande de réouverture d’une procédure radiée. Principe de la bonne foi. Si, après qu’il a été constaté que le domicile du recourant était inconnu, le recours de celui-ci a été déclaré sans objet faute d’intérêt digne de protection, le recourant ne peut pas, selon le principe de la bonne foi, exiger la réouverture de la procédure si son désintérêt pour elle s’est manifesté pendant un laps de temps particulièrement long. La date à laquelle le recourant a pris connaissance de la radiation du recours importe peu (précision de jurisprudence selon JAAC 67.105 en relation avec JAAC 64.99). Art. 5 Abs. 3 BV . Art. 2 ZGB. Art. 8 Abs. 3 AsylG. Wiederaufnahme eines abgeschriebenen Beschwerdeverfahrens. Treu und Glauben. Ist ein Beschwerdeverfahren nach unbekanntem Aufenthalt des Beschwerdeführers wegen dahingefallenen Rechtsschutzinteresses als gegenstandslos abgeschrieben worden, kann der Beschwerdeführer - unabhängig davon, wann er vom Abschreibungsbeschluss Kenntnis erlangt hat - nach Treu und Glauben eine Wiederaufnahme nicht mehr verlangen, wenn er sich über längere Zeit am Verfahren desinteressiert gezeigt hat (Präzisierung der Praxis gemäss VPB 67.105 in Verbindung mit VPB 64.99). 1Art. 5 cpv. 3 Cost. Art. 2 CC. Art. 8 cpv. 3 LAsi. Riapertura di una procedura ricorsuale conclusasi con lo stralcio dai ruoli del gravame. Principio della buona fede. Quando una procedura ricorsuale è stralciata dai ruoli - per mancanza di un interesse degno di protezione poiché è sconosciuto il luogo di soggiorno del ricorrente - quest’ultimo non può, secondo il principio della buona fede, esigere la riapertura della procedura ricorsuale allorquando per lungo tempo si è disinteressato all’esito di detta procedura, e ciò a prescindere dalla data in cui ha preso conoscenza dello stralcio del ricorso (precisazione della giurisprudenza GAAC 67.105 in relazione a GAAC 64.99). ZusammenfassungdesSachverhalts: MitVerfügungvom11.Januar1995wiesdasBundesamtfürFlüchtlinge(BFF) dasAsylgesuchdesGesuchstellersvom16.November1994abundordnete dessenWegweisungausderSchweizan. DenVollzugderWegweisungersetzte esdurchdieAnordnungdervorläufigenAufnahme. DieseVerfügungerwuchs unangefochteninRechtskraft. Am4.April2001hobdasBFFdievorläufigeAufnahmedesGesuchstellers (und-mitAusnahmeeinervolljährigenTochter-diejenigederübrigen Familienmitglieder)gestütztaufArt.14bAbs.2desBundesgesetzesvom 26.März1931überAufenthaltundNiederlassungderAusländer(ANAG,SR 142.20)inVerbindungmitArt.14aAbs.6ANAGaufundverfügtedenVollzug derWegweisung. GegendieseVerfügungerhobenderGesuchstellerund dieübrigenvondiesemEntscheidbetroffenenFamilienmitgliederbeider SchweizerischenAsylrekurskommission(ARK)Beschwerde. DaskantonaleAusländeramtteiltederARKam3.Oktober2002mit,der Gesuchstellerseiseitdem24.September2002unbekanntenAufenthalts. Am16.Oktober2002wurdederdamaligeRechtsvertreterdesGesuchstellers vonderARKaufgefordert,denAufenthaltsortdesGesuchstellersunddessen genaueAdressebekanntzugeben. InseinerEingabevom29.Oktober2002führtederRechtsvertreterdes Gesuchstellersunteranderemaus,derKontaktzwischenihmundseinem MandantenseivormehralseinemJahrabgebrochen. Ererachtedeshalbsein Mandatalserloschen. MitBeschlussderARKvom6.November2002wurdedieBeschwerde desGesuchstellersmangelsRechtschutzinteressesalsgegenstandslos gewordenabgeschrieben. Gleichzeitigwurdefestgehalten,dassdas BeschwerdeverfahrenhinsichtlichderübrigenFamilienmitgliederfortgesetzt werde. DieserBeschlusswurdedemdamaligenRechtsvertreterdes Gesuchstellersam11.November2002zugestellt. MitEingabevom27.Mai2003ersuchtederGesuchstellerum WiederaufnahmedesBeschwerdeverfahrens. ZurBegründungführteer imWesentlichenaus,derAbschreibungsbeschlussseiihmnichtzugegangen. Dieihn(denGesuchsteller)betreffendePost,welchedieRechtsvertretung 2anseineEhefrauzugestellthabe,seivonseinerihmnichtwohlgesinnten Ehefraunichtanihnweitergeleitetworden. FernerkönneerdieBelastung einesrechtlichungeregeltenAufenthaltsinderSchweiznichtmehrertragen, daernunmehrgesundheitlichgeschwächtsei. Ausserdemmeldeersichmit dieserEingabegleichzeitigwiederbeidenkantonalenBehördenan,weshalb derAbschreibungsgrundentfalle. AusdenErwägungen: 3.a. Unbestrittenist,dassderGesuchstellerdieausArt.8Abs.3 desAsylgesetzesvom26.Juni1998(AsylG,SR142.31)fliessende MitwirkungspflichtderMeldungdesAufenthaltsortesmissachtethat,was mangelsRechtsschutzinteressesinderFolgedennauchzurAbschreibungdes Beschwerdeverfahrensgeführthat(Beschluss derARKvom 6.November2002). SogehtausdenAktenhervor,dassgemässeinerMeldungdesEinwohneramts X.vom27.September2002derAufenthaltsortdesGesuchstellers«seit längererZeit»unbekanntwar. EinemErhebungsberichtderKantonspolizei vom24.September2002zufolgesollderGesuchsteller«seitlängererZeit» nichtmehrinf. gelebthaben,undgemässAuskunftdeszuständigen SozialamtswurdeihmseitsechsMonaten-mithinseitMärz/April2002-kein Fürsorgegeldmehrausbezahlt. NichtzuletztistsodannaufdasSchreiben desdamaligenRechtsvertretersdesGesuchstellersvom29.Oktober2002 hinzuweisen,indemdieserausführte,derKontaktzumGesuchstellersei«vor mehralseinemJahr»abgebrochen. b. WasnundasGesuchumWiederaufnahmedesBeschwerdeverfahrens anbelangt,soistvorabfestzuhalten,dassderGesuchstellerdarinkeine entschuldbarenGründevorzubringenvermag,welcheihndarangehindert hätten,denAbschreibungsbeschlussnichtschonfrüher-beispielsweiseüber seinendamaligenRechtsvertreter-inErfahrungzubringen. Auchwenn diesermitseinemSchreibenvom29.Oktober2002kundgetanhat,ererachte dasMandatsverhältnisalserloschen,mussdiesalseineinseitigerWillensakt desdamaligenVertretersangesehenwerden,vondemderGesuchsteller infolgeseinesunbekanntenAufenthaltskeineKenntniserlangthabenkonnte beziehungsweiseKenntnishatte. Darausistwiederumzufolgern,dassder Gesuchsteller,fallsihmetwasanseinemBeschwerdeverfahrengelegen hätte,sich-angesichtsdesoffenbarzerrüttetenVerhältnisseszuseiner Ehefrau-inersterLiniebeimdamaligenRechtsvertreterüberdenStand desVerfahrenserkundigthätte,daerdiesennachwievoralsseinenindieser SacheBevollmächtigtenbetrachtenmusste. c. AufgrundeinerGesamtwürdigungerachtetdieKommissiondasoben skizzierteVerhalten-respektivedasvomGesuchstellerübereinen längerenZeitraumandenTaggelegteDesinteresseamAusgangdes Beschwerdeverfahrens-alsdemGrundsatzvonTreuundGlaubenzuwider laufend. DerGrundsatzvonTreuundGlauben-alsallgemeinerRechtsgrundsatzin Art.5Abs.3derBundesverfassungderSchweizerischenEidgenossenschaft vom18.April1999(BV,SR101)festgelegt-verbietetBehörden wie Privaten rechtsmissbräuchlichesundwidersprüchlichesVerhalten(vgl. A. Kölz/I. Häner , VerwaltungsverfahrenundVerwaltungsrechtspflegedesBundes,2.Aufl., Zürich1998,Rz.126; J. P . Müller,GrundrechteinderSchweiz,3.Aufl.,Bern 1999,S.486). DasVerbotdeswidersprüchlichenVerhaltensimöffentlichen 3RechtistgleichgelagertwiedasinArt.2desSchweizerischenZivilgesetzbuchs vom10.Dezember1907(ZGB,SR210)stipulierteVerbotdes venire contra factum proprium (vgl. B. Weber-Dürler,VertrauensschutzimöffentlichenRecht, Basel/Frankfurta.M.1983,S.43). DerGesuchstellerbegründetseinGesuchzurHauptsachedamit,dasser zufolgeseinesgeschwächtenGesundheitszustandsdenrechtlichungeregelten AufenthaltinderSchweiz nicht mehr ausgehaltenhabe. Daraus-undausdem Umstand,dassderGesuchstellerjeglichenKontaktzudenschweizerischen Behördenabgebrochenhat-istzufolgern,dassdemGesuchstellerbereits längereZeit,bevorderAbschreibungsbeschlussvom6.November2002 erfolgte,bewusstwarrespektiveseinmusste,seinAufenthaltinderSchweiz könnteungeregeltsein. ErhatdiesenRechtszustandmithinfreiwilligund willentlichgewählt. WennernunimNachhinein-namentlichnachdemer offenbargesundheitlicheProblemebekam-vorbringt,ermöchteseinen AufenthaltinderSchweizjetztwiederinEinklangmitdengesetzlichen Bestimmungenbringen,verhältersichzumindestklarwidersprüchlich,wenn nichtgarrechtsmissbräuchlich. d. ObschonderZeitpunktderKenntnisnahmedesAbschreibungsbeschlusses derARKvom6.November2002durchdenGesuchstellernichtexaktfeststeht, spieltdiesvorliegendkeineRolle. IndermassgebendenRechtsprechung derARKistzwarhinsichtlichderzeitlichenBeschränkungfürdasStellen einesGesuchsumWiederaufnahmeeinesBeschwerdeverfahrensvoneiner ZeitspannevonelfMonatendieRede(vgl. VPB67.105 =Entscheidungenund MitteilungenderSchweizerischenAsylrekurskommission[EMARK]2003 Nr.6mitHinweisauf VPB64.99 =EMARK2000Nr.5). Dieinsbesonderein VPB64.99 =EMARK2000Nr.5entwickelte,ausdemGrundsatzvonTreuund GlaubenfliessendePraxisistjedochnachdemGesagten-ungeachteteiner genauenBemessungderzeitlichenDauer-analogaufdasvorliegendeGesuch anzuwenden. e. AusdengenanntenGründenrechtfertigtessichdahernicht,das Beschwerdeverfahrenwiederaufzunehmen. DasentsprechendeGesuch istdemnachabzuweisen. 4Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali JAAC 68.41 - Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 9. Juli 2003 i.S. A.S.-A., Somalia, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 25 In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione Jahr 2004 Année Anno Band 68 Volume Volume Seite --- Page Pagina Ref. No 150 006 527 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.