Kantonsgericht Schwyz Verfügung vom 28. April 2025 BEK 2025 21 Mitwirkend Kantonsgerichtspräsident Reto Heizmann, Gerichtsschreiber Mathis Bösch. In Sachen A.________, Privatklägerin und Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, gegen 1. Staatsanwaltschaft, 3. Abteilung, Postfach 128, 8832 Wollerau, Strafverfolgungsbehörde und Beschwerdegegnerin, vertreten durch Staatsanwältin C.________, 2. D.________, Beschuldigte und Beschwerdegegnerin, erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt E.________, betreffend Einstellung Strafverfahren (Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 21. Januar 2025, SU 2022 11162);- hat der Kantonsgerichtspräsident,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. Die Staatsanwaltschaft führt gegen die Beschuldigte eine Strafuntersu- chung wegen Verdachts des Diebstahls mehrerer Kanister Treibstoffadditive mit einem Verkaufswert von Fr. 226‘870.00 aus dem Lager der Privatklägerin. Die Staatsanwaltschaft befand, mangels Schriftlichkeit liessen sich die Eigen- tumsverhältnisse, die Anzahl und der Inhalt der Kanister nicht verlässlich be- stimmen, jedoch gestützt auf den exklusiven Vertriebsvertrag vom 9. Novem- ber 2021 das Eigentum des Dritten, der die Beschuldigte beauftragt haben soll, die Kanister zu holen, nicht widerlegen. Zufolge fehlenden Wissens, dass es sich bei den Kanistern um fremde bewegliche Sachen handelte, stellte die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung gegen die Beschuldigte wegen feh- lender Aneignungs- und Bereicherungsabsicht ein. Die Privatklägerin be- schwert sich beim Kantonsgericht gegen die Einstellung. Sie beantragt deren Aufhebung und die Weiterführung der Strafuntersuchung. Die Staatsanwalt- schaft verlangt die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde unter Verzicht auf eine Beschwerdevernehmlassung (KG-act. 4). Die Beschuldigte beantragt die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (KG-act. 7). Dazu nahm die Beschwerdeführerin unaufgefordert Stellung (KG-act. 9). 2. Die Beschwerdeführerin stützt ihre Beschwerdelegitimation auf Art. 322 Abs. 2 StPO ab. Massgeblich ist jedoch, ob sie sich als unmittelbar Geschä- digte als Privatklägerin konstituieren (Art. 104 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 115 Abs. 1 und 118 Abs. 1 StPO) und somit als Partei mit einem rechtlich ge- schützten Interesse an der Aufhebung des Einstellungsentscheids Beschwer- de erheben kann (Art. 382 Abs. 1 StPO). Insoweit hat sie zufolge des Begrün- dungserfordernisses nach Art. 385 Abs. 1 StPO ihre Beschwerdeberechtigung ausführlich darzulegen, sofern diese angesichts des wie hier erhobenen Dieb- stahlvorwurfs nicht offensichtlich ist (Bähler, BSK, 3. A. 2023, Art. 382 StPO N 4 m.H.). Soweit die Beschwerdegegnerin einen Konkurs geltend macht, Kantonsgericht Schwyz 3 wurde dieser mangels Aktiven eingestellt (SHAB Nr. xx vom ________), womit die Vertretungsbefugnisse wieder an die Organe der Beschwerdeführerin zurückgingen. Jedoch ist aus nachfolgenden anderen Gründen auf die Be- schwerde nicht einzutreten. 3. Wegen Diebstahls bestraft wird, wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen andern damit unrecht- mässig zu bereichern (Art. 139 Ziff. 1 StGB). Steht die Sache im Alleineigen- tum des Täters, gilt sie nach dem hier massgeblichen zivilrechtlichen Begriff nicht als fremd (Trechsel/Crameri, PK, 4. A. 2021, vor Art. 137 StGB N 4; Nig- gli/Riedo, BSK, 4. A. 2019, vor Art. 137 StGB N 42). So übersieht die Be- schwerdeführerin, dass die Staatsanwaltschaft nicht die faktische Wegnahme, nämlich den Bruch und die Begründung neuen Gewahrsams, infrage stellt, sondern das kumulative Tatbestandselement der Fremdheit der weggenom- menen Kanister. Die Annahme der Staatsanwaltschaft, es lasse sich nicht widerlegen, dass der Dritte, der die Beschuldigte mit der Abholung der Kanis- ter beauftragte, Alleineigentümer der Kanister sei, bestreitet die Beschwerde- führerin konkret nicht. Insbesondere ihr Argument „der guten Ordnung halber“, dass sie die Ware bezahlt habe, setzt sich mit der Schlussfolgerung der Staatsanwaltschaft, dass die Beschuldigte nicht gewusst bzw. nicht ange- nommen habe, die Kanister seien fremde bewegliche Sachen, offensichtlich ungenügend auseinander. 4. Zusammenfassend ist auf die offensichtlich nicht hinreichend begründe- te Beschwerde verfahrensleitend (Art. 388 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 385 Abs. 1 lit. b StPO) präsidial (§ 40 Abs. 2 JG) nicht einzutreten. a) Ausgangsgemäss sind die zufolge des Nichteintretens reduzierten Kos- ten des Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO; BGer 6B_1359/2020 vom 15. Februar 2022 E. 3.2). Für Kantonsgericht Schwyz 4 den Fall des Nichteintretens wird keine die Entschädigungsfrage (vgl. unten lit. b) präjudizierende Kostenauflage (BGE 147 IV 47 E. 4.1 und E. 4.2.2 in fine) zulasten des Beschuldigten nach Art. 426 Abs. 2 StPO beantragt. b) Nach der die Entschädigungsfrage präjudizierenden Kostenauflage (vgl. oben lit. a) hat die Beschwerdeführerin den obsiegenden Beschuldigten zu entschädigen, wie dies auch unwidersprochen (KG-act. 9) die Beschuldigte beantragt (KG-act. 7; im Übrigen vgl. BEK 2025 18 vom 28. April 2025 E. 5.b m.H. u.a. auf BEK 2020 67 vom 9. Dezember 2020 = EGV-SZ 2020 A 5.2 = CAN 2-21 Nr. 41). c) Unbestritten ist aufgrund der „Kann“-Formulierung in Art. 432 Abs. 2 StPO, dass auch im Rechtsmittelverfahren bei besonders empfindlich betrof- fener Privatklägerschaft, namentlich bei Opfern ermessensweise von der Auf- erlegung der Entschädigungspflicht abgesehen werden kann. Beim vorliegen- den Vermögensdelikt besteht jedoch kein Anlass von der Entschädigungsver- pflichtung abzusehen. In solchen Fällen soll die Beschwerde führende Privat- klägerschaft die gleichen Kostenrisiken wie Beschuldigte tragen, umso mehr, als vorliegend die Beschwerdebegründung zwar nicht mutwillig, aber förmlich unzureichend ist. Daher hat die Privatklägerin die obsiegende Beschuldigte antragsgemäss zu entschädigen (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 430 Abs. 1 lit. b und Art. 432 StPO; §§ 2, 6 und 13 GebTRA);-Kantonsgericht Schwyz 5 verfügt: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 300.00 werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und aus der Sicherheitsleistung von Fr. 1‘500.00 bezogen. Der Beschwerdeführerin werden Fr. 1‘200.00 aus der Kantonsgerichtskasse zurückbezahlt. 3. Die Beschwerdeführerin wird verpflichtet, die Beschuldigte für das Be- schwerdeverfahren mit pauschal Fr. 1’000.00 (inkl. Auslagen und MWST) zu entschädigen. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsa- chen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Be- schwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. 5. Zufertigung an die Parteivertreter (je 2/R), die Staatsanwaltschaft (je 1/A an die 3. Abteilung und die Amtsleitung/zentraler Dienst) sowie nach de- finitiver Erledigung an die 3. Abteilung der Staatsanwaltschaft (1/R mit den Akten) und die Kantonsgerichtskasse (1/ü im Dispositiv). Der Kantonsgerichtspräsident Der Gerichtsschreiber Versand 28. April 2025 amu