Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. Januar 2019 (725 18 252 / 03) ___________________________________________________________________ Unfallversicherungsrecht Entlastungsbeweis nach Art. 6 Abs. 2 UVG und Rückfall. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Christina Mar- kiewicz Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch André M. Brunner , Adv o- kat, Hauptstrasse 55, Postfach 136, 4450 Sissach gegen Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG , Dufourstrasse 40, 9001 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG, Rechtsdienst Personenversicherung, Wuhrmattstrasse 19 - 23, 4103 Bottmingen Beigeladene Zürich Versicherungs -Gesellschaft AG , Mythenquai 2 , 8002 Zürich Betreff Leistungen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1966 geborene A.____ ist bei der B.____ AG tä tig und als Arbeitnehmer obligato- risch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheit en bei der Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG (Helvetia) versichert. Am 31. Juli 2002 erlitt er beim Fussballspie- len einen Meniskusriss im rechten Knie. Die damals zuständi ge Zürich Versicherungs- Gesellschaft AG (Zürich) erbrachte die entsprechenden U nfallversicherungsleistungen. Anläss- lich eines Badmintonspiels am 26. März 2017 zog sich A.__ __ erneut einen Meniskusriss im rechten Knie zu. Die nun zuständige Helvetia lehnte mi t Verfügung vom 12. September 2017 und Einspracheentscheid vom 19. Juni 2018 ihre Leistungspflicht für das Ereignis vom 26. März 2017 ab. Die Ablehnung ihrer Leistungspflicht begründ ete sie in der Verfügung vom 12. Sep- tember 2017 damit, dass die Körperschädigung gemäss Beu rteilung ihres beratenden Arztes vorwiegend auf Abnützung zurückzuführen sei. Im Einsprachee ntscheid vom 19. Juni 2018 stellte sie sich dagegen auf den Standpunkt, dass es sich beim neuen Meniskusriss um einen Rückfall zum Unfall von 2002 handle, weshalb sie aus diesem Grund nicht leistungspflichtig sei. B. Gegen den Einspracheentscheid vom 19. Juni 2018 erho b A.____, vertreten durch Ad- vokat André M. Brunner, mit Eingabe vom 16. August 2018 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Er beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Helvetia zu verpflichten, die gesetzlichen Leist ungen für das Ereignis vom 26. März 2017 zu erbringen. Im Wesentlichen machte er geltend, dass es sich dabei um eine neue Ver- letzung handle, die nicht auf das Ereignis vom 2002 zurü ckzuführen sei. Somit sei nicht die Zü- rich, sondern die Helvetia verpflichtet, Leistungen zu e rbringen. Gemäss Art. 6 Abs. 2 des Bun- desgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 sei die Helvetia für die Fol- gen des Meniskusrisses leistungspflichtig, sofern dieser n icht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sei. Die Beweislast dafür liege b ei der Unfallversicherung. Der Hel- vetia sei der Entlastungsbeweis vorliegend nicht gelungen. C. Mit Vernehmlassung vom 12. September 2018 beantrag te die Helvetia die Abweisung der Beschwerde. Es werde nicht bestritten, dass die Bewe islast für die leistungsbefreiende Tat- sache – also dafür, dass die Listenverletzung überwiegend w ahrscheinlich auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sei – bei ihr liege. Vorliegen denfalls gehe es indessen um die Fra- ge, ob ein unfallkausaler Meniskusriss, welcher auf einen Vorunfall zurückzuführen sei, unter Art. 6 Abs. 2 UVG falle oder ob die Regelung von Art. 11 der Verordnung über die Unfallversi- cherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 (Rückfall und Spät folgen) zur Anwendung gelange. Dass ein Rückfall bzw. Spätfolgen des Unfalls von 2002 vo rlägen, sei rein aufgrund der medizi- nischen Aktenlage offensichtlich. Die anlässlich der am 18. Juli 2017 durchgeführten MRT- Untersuchung festgestellten Befunde befänden sich an de rselben Stelle wie jene aus dem Jahr 2002 und würden sogar vom Radiologen als "Status nach Te ilmeniskektomie" bezeichnet. Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, führ e als beratender Arzt zudem überzeu- gend und nachvollziehbar aus, dass das Ereignis vom 26. M ärz 2017 nicht geeignet gewesen sei, einen Meniskusriss zu verursachen, da keine Begleitver letzungen diagnostiziert worden seien. Es sei deshalb davon auszugehen, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein Rück- fall oder eine Spätfolge zum Ereignis aus dem Jahr 20 02 vorliege, womit keine Leistungspflicht der Helvetia bestehe. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Mit Replik vom 8. Oktober 2018 hielt der Beschwerdef ührer an seinem Rechtsbegehren fest. Gemäss der Auffassung der Helvetia seien auch (neue ) Meniskusrisse, die als Spätfolge einer unfallbedingten Teilmeniskektomie aufträten, dem Grundfall zuzurechnen. In diesem Punkt liege offenbar der Streit bzw. die Meinungsverschiedenheit zwischen den Parteien. Er sei der Ansicht, dass zwar ein Vorzustand im Sinne einer kon stitutionellen Prädisposition zu be- rücksichtigen sei, aber eine neue Körperschädigung nach Art . 6 Abs. 2 UVG eingetreten sei. Aufgrund der in der Beschwerde dargelegten Begleitum stände sei das Ereignis vom 26. März 2017 entgegen den Ausführungen von Dr. C.____ und d er Helvetia durchaus geeignet gewe- sen, den Meniskusriss zu verursachen. Es sei nachvollziehbar, dass die aktuellen Befunde am gleichen, bereits vorgeschädigten Ort, an der schwächsten S telle, entstanden seien. Es sei al- les andere als offensichtlich, dass ein Rückfall bzw. Spätfolgen des Unfalles von 2002 vorlägen. E. Die Helvetia hielt mit Duplik vom 23. Oktober 2018 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. F. Mit Verfügung vom 30. Oktober 2018 wurde die Züri ch zum Verfahren beigeladen. Mit Eingabe vom 6. November 2018 erklärte sie, dass sie auf eine Stellungnahme verzichte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 UVG auf die Unf allversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Unfallversicherer beim zus tändigen kantonalen Versiche- rungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versiche- rungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhe- bung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dies er in X.____, weshalb die örtliche Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versi cherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorlie genden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Be schwerde des Versicherten vom 16. August 2018 ist demnach einzutreten. 2. Vorliegend ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht ihre Leistungspflicht abge- lehnt hat. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu g ewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behan dlung der Unfallfolgen (Heilbe- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht handlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfall es voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. 2.2 Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Ein- wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den me nschlichen Körper, die eine Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Der äusse- re Faktor ist das zentrale Begriffscharakteristikum eine s jeden Unfallereignisses; er ist Gegen- stück zur – den Krankheitsbegriff konstituierenden – inne ren Ursache. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Le bensbereich Alltäglichen oder Übli- chen überschreitet (BGE 134 V 729). 2.3 Die Versicherungsleistungen werden gemäss Art. 11 UV V auch für Rückfälle und Spät- folgen gewährt. Ein Rückfall wird angenommen, wenn e ine vermeintlich verheilte Gesundheits- schädigung wieder aufflackert, und Heilbehandlungen not wendig werden, oder es zu einer Ar- beitsunfähigkeit kommt. Eine Spätfolge liegt vor, wen n ein scheinbar geheiltes Leiden im Ver- lauf für längere Zeit organische oder auch psychische Verä nderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen. Bei Rückfällen und Spätfolgen muss ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang zum ursprünglichen Unfallereignis bestehen (vgl. BGE 118 V 293 E. 2c). Je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unf all und dem Auftreten der ge- sundheitlichen Beeinträchtigung ist, desto strengere Anfo rderungen sind an den Wahrschein- lichkeitsbeweis zu stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 21 . August 2015, 8C_331/2015, E. 2.2.2). Rückfälle und Spätfolgen sind von neuerlich en Unfällen abzugrenzen. Dies gilt auch dann, wenn es anlässlich eines neuen Unfalls zu einer Versch limmerung des bei einem frühe- ren Unfall erlittenen Gesundheitsschadens kommt. Ferner kann ein neuerlicher Unfall nicht gleichzeitig ein Rückfall oder eine Spätfolge eines f rüheren Unfalls sein, selbst wenn ein gewis- ser natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den beiden Er eignissen besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Januar 2016, 8C_934/2014, E. 3.3; KIESER /G EHRING /B OLLINGER , a.a.O., Art. 6 N 30). 3. Der Beschwerdeführer hat gemäss Bagatell-Unfallmeld ung vom 18. Juli 2017 sowie Konsultationsbericht der D.____ vom 23. Juli 2017 beim Badmintonspielen am 26. März 2017 bei feststehendem Fuss ein Rotationstrauma des rechten K nies erlitten. Bei diesem Gesche- hensablauf ist unbestritten, dass der Unfallbegriff gem äss Art. 4 ATSG nicht erfüllt ist, da es an der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors mangelt. So ist vergleichsweise die Ungewöhnlich- keit des Faktors bei einer brüsken Körperdrehung bei fixi ertem Fuss beim Fussballspiel oder beim Korbballspiel zu verneinen (A LEXANDRA RUMO -JUNGO und ANDRÉ PIERRE HOLZER , Recht- sprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Hrsg. von Erwin Murer und Hans-Ulrich Stauffer, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2012, Art. 6, S. 43). 4.1 Seit dem 1. Januar 2017 ist das revidierte UVG in K raft. Gemäss dem überarbeiteten Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Lei stungen auch bei den folgenden Körper- schädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: a. Knochenbrüche; b. Verrenkungen von Gelenken; c. Meniskusrisse; d. Muskelrisse; e. Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen; h. T rommelfellverletzungen. Bei den auf- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gelisteten Körperschädigungen wird davon ausgegangen, dass eine unfallähnliche Körperschä- digung vorliegt, die vom Unfallversicherer übernommen w erden muss. Diese neue Regelung stellt auf Gesetzesstufe eine Vermutung auf, wonach der Unfallversicherer den Schadenfall bei erfüllter Listendiagnose übernehmen muss, sofern er keine n Befreiungsbeweis vorlegen kann (MARKUS HÜSLER , Erste UVG-Revision: wichtigste Änderungen und mögliche Probleme bei der Umsetzung, in: SZS 2017, S. 26, 33). Die Widerlegung gelingt ihm, indem er den Nachweis erbringt, dass die Körperschädigung vorwiegend auf Abnü tzung oder Erkrankung zurückzufüh- ren ist. Auf das Kriterium des äusseren Faktors wird ex plizit verzichtet (Zusatzbotschaft vom 19. September 2014 zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallver- sicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebent ätigkeiten der Suva], BBl 2014 7922). Zur Definition des Begriffs "vorwiegend" ist auf die R echtsprechung zu den Berufskrankheiten nach Art. 9 Abs. 1 UVG zurückzugreifen (vgl. auch K ILIAN RITLER , Die unfallähnliche Körper- schädigung [UKS], in: Kieser/Landolt, Unfall? November tagung 2015 zum Sozialversicherungs- recht, 2016, S. 115 ff.). Nach dieser Bestimmung ist ei ne vorwiegende Verursachung von Krankheiten durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten nur gegeben, wenn diese mehr als alle anderen mitbeteiligten Ursachen wiegen, folgl ich mehr als 50 % ausmachen (vgl. BGE 119 V 200 E. 2a mit Hinweisen). Diesen Nachweis muss der Unfallversicherer mit dem Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erbringen (HÜSLER , a.a.O., S 34). 4.2 Die entscheidende Rolle für die Beurteilung der F rage, ob eine diagnostizierte Listen- verletzung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zur ückzuführen ist, spielt demnach die medizinische Beurteilung. An den Gegenbeweis sind stre nge Anforderungen zu stellen. Der vom Gesetzgeber mit der Revision verfolgte Zweck kann nur dann erfüllt werden, wenn bezo- gen auf den Einzelfall eindeutige Beweise von neutrale n Stellen vorliegen. Schematische, auf allgemeinen Erfahrungstatsachen beruhende Prüfungsschem ata genügen für den Gegenbe- weis nicht. Verlangt werden vielmehr Beurteilungen, d ie in materieller Hinsicht nachvollziehbar und schlüssig sind, also den von der Praxis entwickelten Anforderungen an Gutachten genügen (BGE 125 V 351). Solche Beurteilungen sind nur bei vo n den Unfallversicherern unabhängigen externen Gutachtern zu erhalten, deren Auswahl unter st renger Wahrung der Parteirechte der Versicherten getroffen wurde (U ELI KIESER /K ASPAR GEHRING /S USANNE BOLLINGER , KVG/UVG Kommentar, Zürich 2018, Art. 6 N 12). Da ein unfallä hnliches Ereignis nicht Voraussetzung für die Leistungspflicht ist, kann die Anknüpfung der Verle tzung an ein Ereignis allenfalls als Be- weisfaktor bei der Deckungsprüfung dienen. Auch Vorzust ände wie frühere Unfälle, welche durch einen anderen UVG-Versicherer gedeckt waren, sind einzig bei der aktuellen Deckungs- prüfung der vorwiegenden Verursachung durch Abnützung oder Erkrankung (Kausalitätsanteil Vorzustand grösser 50 %) zu berücksichtigen. Eine Leistungspflicht kann somit auch dann nach Art. 6 Abs. 2 UVG bestehen, wenn ein Meniskusriss am vorg eschädigten Knie zur Diskussion steht. 4.3 Gemäss MRT-Bericht vom 14. Juli 2017 und Operation sbericht vom 24. Juli 2017 steht als Befund ein Unterflächenriss des medialen Meniskus mit aufgelöster Struktur am Übergang vom Corpus zum Hinterhorn fest. Demnach liegt zweifello s eine Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG vor und die gesetzliche Vermutung der Leistun gspflicht der Helvetia kommt zum Tragen. Dies wird von der Beschwerdegegnerin auch nicht bestritten. Die Ablehnung ihrer Leis- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungspflicht begründete sie in der Verfügung vom 12. September 2017 vorerst damit, dass der Meniskusriss gemäss Beurteilung ihres beratenden Arztes, Dr. C.____, vorwiegend auf Abnüt- zung zurückzuführen sei. Im Einspracheentscheid vom 19. Juni 2 018 stellte sie sich dagegen auf den Standpunkt, dass es sich beim neuen Meniskusriss um e inen Rückfall zum Unfall von 2002 handle, weshalb sie aus diesem Grund nicht leistun gspflichtig sei. In ihrer Vernehmlas- sung vom 12. September 2018 hielt sie sogar explizit fes t, dass die diagnostizierte Listenverlet- zung unbestrittenermassen nicht vorwiegend auf Abnützung und Erkrankung zurückzuführen sei. 4.4 Nach dieser Argumentation wäre die Helvetia leistun gspflichtig, wenn kein Rückfall vorliegt. Art. 6 Abs. 2 UVG käme ohne weiteres zum Zug, denn auf den Entlastungsbeweis hat sie im Einspracheverfahren nicht nur verzichtet, sondern a usdrücklich anerkannt, dass kein Leistungsausschlusstatbestand vorliegt. Wie es sich damit verhält, ist im Ergebnis letztlich nicht massgebend, denn weder liegt ein Rückfall vor noch ist de r Entlastungsbeweis gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG gelungen. So oder anders ist die Helvetia leistungspflichtig, wie nachfolgend darge- legt wird. 5.1 Auf den MRT-Bildern vom 21. August 2002, welche a nlässlich der Knieverletzung vom 31. Juli 2002 angefertigt wurden, wurde ein sehr aus gedehnter komplexer Riss im Corpus und im Hinterhorn des medialen Meniskus festgestellt. Zusätzlich war ein kleiner Lappen umge- schlagen (vgl. Bericht vom 21. August 2002). Gestützt auf d iesen Befund erfolgte am 26. Au- gust 2002 in der D.____ eine arthroskopische Teilmeniskektomie, die gemäss späterem Bericht des Operateurs, Dr. med. E.____, FMH Orthopädie, vom 8 . Oktober 2002 komplikationslos ver- lief. 5.2 Fünfzehn Jahre später, am 26. März 2017, verletzte si ch der Beschwerdeführer erneut am rechten Knie, diesmal beim Badmintonspiel. Am 14. Juli 2017 veranlasste der behandelnde Arzt, Dr. med. F.____, FMH Rheumatologie, eine MRT zu r Abklärung möglicher degenerativer Veränderungen bei Status nach Teilmeniskektomie im Jahr 2002. Dr. med. G.____, FMH Ra- diologie, stellte ein verkürztes mediales Meniskushinterho rn nach Teilmeniskektomie fest mit Ausfransung der Meniskusunterfläche des medialen Meniskush interhornrestes. Ausserdem wurden oberflächliche Knorpelirregularitäten im media len Gelenkskompartiment und femoropa- tellär bei ansonsten unauffälliger, intakter Kniebinnenstruktur beschrieben. 5.3 Aus dem Verlaufseintrag der D.____ vom 18. Juli 2017 geht hervor, dass der Versi- cherte anlässlich des Rotationstraumas am rechten Knie so fort einschiessende, mediale Schmerzen verspürt habe, die persistierten, sodass er keine grösseren Belastungen mehr habe wahrnehmen können. Initial sei das Gelenk angeschwollen, unterdessen sei die Schwellung zurückgegangen. Diagnostiziert wurde anhand des MRT-Befu ndes ein medialer Meniskusriss im rechten Knie mit entsprechender passender Symptomatik. Bei persistierender Beschwerde- symptomatik wurde die Indikation zur Arthroskopie gestell t. Der Eingriff wurde für den 24. Juli 2017 geplant und ein entsprechendes Gesuch um Kostengu tsprache bei der Helvetia einge- reicht. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Am 20. Juli 2017 folgte seitens des beratenden Ar ztes der Helvetia, Dr. C.____, eine Kurzbeurteilung. Darin hielt er fest, dass zwar ein Meniskusriss und damit eine Listenverletzung nach Ar. 6 Abs. 2 UVG vorliege, diese jedoch vorwiegend auf Abnützung beruhe und damit de- generativer Natur sei. Gleichzeitig empfahl Dr. C.____ eine Abklärung des Vorzustandes. Dies- bezüglich sei unklar, ob es sich beim Status nach Teilmen iskektomie (TME) um einen trauma- tisch oder degenerativ bedingten Vorzustand handle. 5.5 Mit versicherungsmedizinischer Stellungnahme vom 7. A ugust 2017 ging Dr. C.____ sodann von einem isolierten Meniskusschaden aus. Das Fehlen relevanter kapsuloligamentärer Verletzungen, knöcherner Ausrisse des vorderen Kreuzbande s und des Innenbandes sowie einer Tibiaimpressionsfraktur sprächen gegen eine trau matische Genese des Meniskusrisses. So hätten auch in der Bildgebung keine relevanten str ukturellen traumatischen Läsionen nach- gewiesen werden können, was ebenfalls für einen überla stungsbedingten, degenerativen Me- niskusriss bei Status nach Teilmeniskektomie spreche. Er stelle zwar fest, dass der Versicherte beim Badmintonspiel ein Rotationstrauma bei feststehe ndem Fuss erlitten habe, dieser Bewe- gungsablauf sei jedoch nicht geeignet, um einen Riss zu verursachen und damit von einem traumatisch bedingten Meniskusriss zu sprechen. Gefordert sei vielmehr ein Rotationstrauma mit eingeklemmtem Fuss. Es liege somit kein geeigneter U nfallmechanismus vor, um den Me- niskus isoliert zu verletzen. Ebenfalls gegen die Unfallka usalität spreche das Alter des Versi- cherten. Zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr seien primä re Meniskusrisse am häufigsten degenerativer Natur. Die Manifestation vorzeitiger Ver schleisserscheinungen könne zudem schleichend infolge allmählicher Ausbildung eines Reizzusta ndes verlaufen, also ohne äusse- ren Anlass. Sie könne sogar mit einem sehr eindrucksvolle n plötzlichen Funktionsverlust im Bereich des Gelenks verbunden sein, wenn Meniskusgewebe i m Gelenkspalt eingeklemmt werde. Gemäss Literatur fehle der zeitliche Zusammenhan g, wenn – wie hier - das betroffene Bein weiterhin habe belastet werden können. Weiter se i keine Arbeitsunfähigkeit eingetreten und schliesslich sei auch kein bone bruise nachgewiesen wo rden, womit sich eine erhebliche Krafteinwirkung nicht mit der notwendigen Wahrscheinli chkeit beweisen lasse. In der Konklu- sion kam Dr. C.____ abschliessend zum Schluss, dass zwar ein S chaden im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG vorliege, dieser aber vorwiegend auf Abnützung zurückzuführen sei. Eine traumati- sche Ursache der Beschwerden bzw. des Meniskusrisses lasse sich nic ht beweisen. Entweder sei der Meniskusriss rein überlastungsbedingt als degenera tiv zu klassifizieren oder aufgrund der Akten als Folge eines Status nach TME. Sofern die T ME vor Jahren im Rahmen degenera- tiver Problematik notwendig gewesen sei, entspreche der heutige Gesundheitsschaden nun dem schicksalsmässigen Verlauf eines Status nach TMS. Sollte die TMS im Rahmen eines traumatischen Meniskusrisses erfolgt sein, dann müsse dieses neu e Ereignis als Rückfall be- wertet werden. 5.6 Nach Eingang der Akten der Zürich zum Ereignis vom 31. Juli 2002 sowie des Opera- tionsberichtes vom 24. Juli 2017 bezüglich der neuen V erletzung bat die Helvetia Dr. C.____ um eine ergänzende Stellungnahme. Dr. C.____ hielt am 15. März 2018 an seinen Erkenntnis- sen fest. Es sei von einem abnützungsbedingtem Meniskusriss a uszugehen. Somit liege ein "Rückfall zum Schaden 2002 vor". Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die Stellungnahmen von Dr. C.____ genügend den A nforderungen an den Entlas- tungsbeweis in verschiedener Hinsicht nicht. Zur Beurteilu ng sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche bedarf es verlässlicher medizinischer Entsch eidgrundlagen (BGE 134 V 231 E. 5.1). Der Beweiswert einer spezialärztlichen Expe rtise hängt unter anderem davon ab, ob die begutachtende Person über die entsprechende Fachausbildung verfügt, denn ihre fachli- che Qualifikation spielt für die richterliche Würdigung einer Expertise eine erhebliche Rolle. Be- züglich der Stichhaltigkeit eines medizinischen Berichtes mü ssen sich Verwaltung und Gerichte auf die Fachkenntnisse der Expertin oder des Experten v erlassen können. Deshalb ist ein spe- zialärztlicher Titel der Arztperson für eine professionel le Beurteilung der medizinischen Sachla- ge Voraussetzung (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 26. J anuar 2011, 9C_547/2010, E. 2.2, vom 26. Januar 2010, 9C_736/2009, E. 2.1 und vom 20. November 2007, I 142/07, E.3.2.3). Vorliegend fehlt es Dr. C.____ als Facharzt für Allgeme ine Innere Medizin an der spezialärztli- chen, orthopädischen Qualifikation, um eine zuverlässige Be urteilung der medizinischen Sach- lage abgeben zu können. Seinen Stellungnahmen fehlt es bereits aus diesem Grund an der notwendigen Aussagekraft. Soweit Dr. C.____ zudem wie derholt auf die Ungeeignetheit des Ereignisses vom 26. März 2017 für den Meniskusriss und somit auf die fehlende Kausalität zwi- schen Geschehensablauf und Verletzung hingewiesen hat, i st daran zu erinnern, dass ein der- artiges Ereignis gerade keine Voraussetzung für die Le istungspflicht nach Art. 6 Abs. 2 UVG mehr darstellt. Schliesslich fehlt es den Berichten von Dr. C.____ an einer überzeugenden fachmedizinischen Begründung, dass es sich beim zweiten Meni skusriss um eine Folge von Abnützung handelt. So fehlen Anhaltspunkte, dass die V erletzung aufgrund wiederkehrender Belastungen entstanden ist, insbesondere gibt es keine me dizinischen Verlaufsberichte oder Röntgenbilder, die auf eine Knieproblematik nach dem Eingriff im Jahr 2002 schliessen lassen würden. Die Begründung der vorwiegenden Abnützung stü tzt Dr. C.____ denn auch fast aus- schliesslich auf ältere Publikationen und medizinische Erfahrungswerte sowie der Schlussfolge- rung, dass isolierte traumatisch bedingte Meniskusrisse ohne relevante Begleitverletzungen sehr selten seien. Diesbezüglich bleibt allerdings nach neuerer Literatur zu präzisieren, dass ein unfallbedingter Meniskusriss eines nicht vorgeschädigten Meniskus ohne wesentliche Begleit- verletzungen selten ist. Aber selbst für eine grundsätzl iche Negierung von solchen isolierten traumatischen Meniskusrissen im gesunden Meniskus gibt es keinen gesicherten Evidenz- nachweis. Da in der medizinischen Forschung strittig ist, ob es Meniskusrisse am kniegesunden Patienten gibt, ergibt sich e contrario, dass Einigkei t darüber besteht, dass es traumatisch be- dingte Meniskusrisse am vorgeschädigten Knie gibt (vgl. S AMUELSSON , a.a.O, S. 345 und S. 363 mit Hinweisen). Folglich überzeugt die Beurteilun g von Dr. C.____ auch bezogen auf die Literatur nicht. Der Entlastungsbeweis ist somit nicht gelungen. 6.2 Auch liegt kein Rückfall zum Ereignis aus dem Jahr 2 002 gemäss Art. 11 UVV vor. Einerseits wird der Rückfall seitens Dr. C.____ in keine r seiner Stellungnahmen näher begrün- det und andererseits ist der Meniskusriss nach dem Eingriff im Jahr 2002 offenbar komplikati- onslos abgeheilt und der Versicherte war danach während rund 15 Jahren beschwerdefrei und ohne Einschränkungen sportlich aktiv. Ein Kausalzusammenhan g zwischen der Meniskusver- letzung aus dem Jahr 2002 und dem im Sommer 2017 diagnostizierten neuen Riss ist aufgrund dieser langen Latenzzeit und der vorliegenden medizinisc hen Berichte nicht mit dem im Sozial- versicherungsrecht notwendigen Beweisgrad der überwiege nden Wahrscheinlichkeit begründ- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht bar. Insbesondere ist mit der Bezeichnung "Status nach TME 2002" nicht automatisch ein Zu- sammenhang mit der späteren Verletzung dargetan, sonder n lediglich ein Vorzustand festge- halten. Ferner sprechen das Rotationstrauma vom 26. März 2017 und die Tatsache, dass es sich um einen neuen Meniskusriss handelt gegen einen Rückf all. Im Ergebnis kann sich die Helvetia folglich auch nicht mit dem Argument, es liege ein Rückfall vor, von der Leistungspflicht befreien. Die Beschwerde ist demgemäss gutzuheissen und die Helveti a wird verpflichtet, die gesetzli- chen Leistungen für den erneuten Meniskusriss zu erbringen. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Nach Art. 6 1 lit. a ATSG ist der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos. Es sind de shalb keine Verfahrenskosten zu er- heben. Gemäss dem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwe rdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung. Der Rechtsvertreter hat gemäss Hono rarnote einen Aufwand von 9,4 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen von Fr. 85.50 ausgewiesen, was nicht zu beanstanden ist. Die Helvetia hat dem Beschwerdeführer somit eine Parte ientschädigung von Fr. 2'623.05 (inkl. Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der angefoc htene Einspracheent- scheid vom 19. Juni 2018 wird aufgehoben und es wird fe stgestellt, dass die Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG für die Folgen des Ereignisses vom 26. März 2017 leistungspflichtig ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft A G hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'623.05 (inkl. Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) auszurichten Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdegegnerin am 09.05.2019 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr . 8C_296/2019 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht