Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 1. April 2021 (810 20 167) ____________________________________________________________________ Umweltschutz, Wasser und Energie Lärmschutz / Einschränkung der Betriebszeiten einer Aussenwirtschaft / Schlüssigkeit des Gutachtens Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Markus Clausen, Hans Furer, Daniel Häring, Markus Mattle, Gerichtsschreiber Marius Wehren Beteiligte A.____ , c/o Restaurant B.____, vertreten durch Hannes Baader, Rechtsanwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Einwohnergemeinde C.____ , Beigeladene D.____ und E.____ , Beigeladene F.____ und G.____ , Beigeladene H.____ und I.____ , Beigeladene Betreff Lärmschutz; Einschränkung der Betriebszeiten (RRB Nr. 796 vom 2. Juni 2020) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Verfügung der Sicherheitsdirektion des Kantons B asel-Landschaft, Pass- und Pa- tentbüro (heute: Sicherheitsdirektion des Kantons Basel-Landschaft, Fachbereich Bewilligungen [SID]) vom 24. Oktober 2013 wurde A.____ die Bewillig ung zur Führung des Restaurants B.____ in C.____ (Parzelle Nr. 374) mit 72 Innen- un d 60 Aussenplätzen erteilt. Nachdem es wiederholt zu Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwoh nern wegen Lärmimmissionen im Zusammenhang mit dem Betrieb des Restaurants bzw. desse n Aussenterrasse kam, gab die Abteilung Lärmschutz der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel-Landschaft (BUD) auf Betreiben der SID bei der Firma J.____ AG ein Lärmgutachten in Auftrag. Zum Gut- achten der J.____ AG, welches am 20. November 2018 vo rlag, und zu allfälligen Betriebszei- teneinschränkungen wurde A.____ in der Folge das rechtliche Gehör gewährt. B. Am 28. Februar 2019 reichte A.____, vertreten dur ch Hannes Baader, Rechtsanwalt, ihre Stellungnahme ein mit dem Antrag, von einer Ei nschränkung der Betriebszeiten des Res- taurants B.____ sei abzusehen. Mit ihrer Stellungnah me reichte sie ausserdem ein vom 28. Januar 2019 datiertes Gutachten der Firma K.____ AG ein. C. Mit Verfügung der SID vom 19. Juni 2019 wurde der Betrieb des Restaurants B.____ dahingehend eingeschränkt, dass die Aussenterrasse wochent ags sowie am Sonntag um 22 Uhr und Freitagnacht sowie Samstagnacht um 23 Uhr zu schliessen sei (Ziff. 1). Nach die- sen Zeiten hätten sämtliche Gäste die Aussenterrasse zu ver lassen und es dürften weder Auf- räum-, Reinigungs- noch andere lärmige Arbeiten verrichtet werden (Ziff. 2). Im Weiteren wurde auf die Strafbestimmung von Art. 292 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs (StGB) vom 21. Dezember 1937 hingewiesen (Ziff. 3). D. Gegen die Verfügung der SID vom 19. Juni 2019 erho b A.____, vertreten durch Han- nes Baader, Rechtsanwalt, mit Eingabe vom 1. Juli 2019 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft, welcher diese mit Entscheid vom 2. Juni 2020 abwies. E. Mit Eingabe vom 15. Juni 2020 erhob A.____, vert reten durch Hannes Baader, Rechtsanwalt, gegen den Entscheid des Regierungsrats vom 2 . Juni 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrec ht. Die Beschwerdeführerin stellt das Begehren, der angefochtene Entscheid sowie die Verf ügung der SID vom 19. Juni 2019 seien ersatzlos aufzuheben (Ziff. 1). Eventualiter sei di e Sache zwecks korrekter Sachverhalts- feststellung und insbesondere zur Einholung einer unabh ängigen Oberexpertise über die vom Restaurant B.____ ausgehenden Lärmemissionen an die Vor instanz zurückzuweisen (Ziff. 2). Subeventualiter sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und Ziff. 1 des Dispositivs der Ver- fügung der SID vom 19. Juni 2019 dahingehend neu zu formulieren, dass ab 3 Monaten nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung das Restaurant B .____ die Aussenterrasse montags und dienstags sowie donnerstags und sonntags um 23 Uhr und m ittwochs, freitags und samstags um 24 Uhr zu schliessen habe. Ziffer 3 der Verfügung d er SID vom 19. Juni 2019 sei ersatzlos zu streichen (Ziff. 3). Alles unter o/e-Kostenfolge (Zi ff. 4). Am 5. August 2020 reichte die Be- schwerdeführerin die Beschwerdebegründung ein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Die zum Verfahren beigeladenen Anwohner D.____ un d E.____, F.____ und G.____ sowie H.____ und I.____ (Beigeladene) liessen sich am 15 . September 2020 vernehmen mit dem Begehren, die Beschwerde sei abzuweisen. G. Mit Vernehmlassung vom 17. September 2020 beantragt der Regierungsrat, die Be- schwerde sei abzuweisen. H. Am 12. Oktober 2020 reichte die Einwohnergemeinde B.____ eine Vernehmlassung ein, ohne in der Sache einen Antrag zu stellen. I. Mit Verfügung vom 16. November 2020 wurde der Fa ll der Kammer zur Beurteilung überwiesen. J. Anlässlich der am 31. März 2021 durchgeführten Partei verhandlung mit vorgängigem Augenschein vor Ort hielten die Parteien an den gestellten Begehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialge setzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts, A bteilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht, zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gegeben. 1.2 Nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde befugt , wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt is t und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat. Die Beschwerdeführe rin ist durch den angefochtenen Ent- scheid in schutzwürdigen Interessen betroffen und somit zu r Beschwerde legitimiert. Die weite- ren formellen Voraussetzungen sind ebenfalls erfüllt, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Strittig sind die von der SID angeordneten Beschrä nkungen der Betriebszeiten des Restaurants B.____, wonach die Aussenterrasse wochentags sowie am Sonntag um 22 Uhr und am Freitag sowie Samstag um 23 Uhr zu schliessen ist. Die streitbetroffene Liegenschaft befindet sich in der Wohn- und Geschäftszone WG2 und ist der Empfindlichkeitsstufe III zuge- ordnet. Die nördlich angrenzenden Parzellen der Beigeladenen liegen in der Wohnzone W2 und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind der Empfindlichkeitsstufe II zugeordnet. Im bestehenden Gebäude auf der Parzelle Nr. 374 ist ein Restaurationsbetrieb mit Aussenwirtschaft untergebracht, welcher 72 Innenplätze und 60 Aussenplätze umfasst. Im Jahr 2017 bzw. 2018 erteilte da s Bauinspektorat des Kantons Basel- Landschaft der Beschwerdeführerin die Bewilligung, im überdachten Bereich der Gartenterras- se jeweils von Oktober bis Ende Mai eine "saisonale Windschutzverkleidung" aufzustellen. 3.1 Die SID erwog zusammengefasst, der Lärmschutz bei gast gewerblichen Betrieben sei jeweils im Einzelfall unter Berücksichtigung der konkreten Umstände zu beurteilen, wobei in diesem Zusammenhang praxisgemäss auf die Vollzugshilfe des Cercle Bruit abgestellt werde. Vorliegend seien die Lärmimmissionen im Gutachten der Firma J.____ AG vom 20. November 2018 mittels Lärmmessungen und anhand des in Anhang 3 der Vollzugshilfe des Cercle Bruit für die Bewertung der Lärmart S 6 (Gästeverhalten u nd Bedienung auf der Terrasse) vorgese- henen Excel-Formulars beurteilt worden. Die Beschwerdeführerin habe ihrerseits ein Gutachten der K.____ AG mit einer Beurteilung anhand der Vollzugshilfe des Cercle Bruit eingereicht, wel- ches in Bezug auf einzelne Kriterien (Grösse der Aussente rrasse, Geometrie des Empfangs- punktes, Auslastung in den Nachtstunden, Gästeverhalten in den Nachtstunden, Hintergrundge- räusche in den Abendstunden sowie Ortsüblichkeit des Be triebs) zu einer abweichenden Beur- teilung komme. Mit Ausnahme des Kriteriums der Ortsüblichkeit erweise sich die Beurteilung im Gutachten der J.____ AG als schlüssig. Mit der Korrektur hinsichtlich der Ortsüblichkeit sei fest- zustellen, dass das Restaurant B.____ in den Abend- und Nachtstunden für störende Immissio- nen sorge und die Planungswerte, nicht jedoch die Im missionsgrenzwerte überschreite. Da die von den Beigeladenen beantragte Einschränkung der Terr assenöffnungszeiten ab 19 Uhr deut- liche Auswirkungen auf den Betrieb und den wirtschaftlich en Erfolg des Restaurants B.____ hätte, sei die Anordnung von Massnahmen bereits ab dies em Zeitpunkt abzulehnen. Dagegen steige das Ruhebedürfnis der Bevölkerung in den Nachtstu nden ab 22 Uhr stark an und eine Einschränkung der Terrassenöffnungszeiten ab diesem Zeit punkt sei für den Betrieb unter der Woche zumutbar. Aufgrund der Verschiebung der gewöhnl ichen Schlafenszeit in den Nächten des Wochenendes sei es dagegen legitim, am Freitag- und Samstagabend eine Terrassenöff- nungszeit bis 23 Uhr zuzulassen. Der Regierungsrat schloss sich der Beurteilung der SID im angefochtenen Entscheid vollumfänglich und mit im Wesentlichen analoger Begründung an. 3.2 Die Beschwerdeführerin macht zusammengefasst gelten d, sie sei in Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör von der Teilnahme an der Erhebung der wesentlichen Bewei- se, namentlich der Erstellung des Gutachtens durch die J._ ___ AG und der in diesem Zusam- menhang vorgenommenen verdeckten Messungen und Aufnahme n, ausgeschlossen worden. Die SID habe zudem die beantragte Einholung einer un abhängigen Oberexpertise verweigert und es sei offenbar nicht einmal die mit dem Gutachten beauftragte J.____ AG um eine Stel- lungnahme zu den abweichenden Ergebnissen im Gutachten der K.____ AG gebeten worden. In materieller Hinsicht macht die Beschwerdeführerin zusammengefasst geltend, die im Gutach- ten der J.____ AG vorgenommene Beurteilung anhand de r Vollzugshilfe des Cercle Bruit er- weise sich bezüglich diverser Kriterien als fehlerhaft. N amentlich seien die Auslastung bzw. Belegung der Terrasse nach 22 Uhr, die Dimension der T errasse, die Geometrie des Emp- fangspunktes, das Gästeverhalten sowie die Hintergrundge räusche nicht korrekt ermittelt und nicht begründet worden. Gemäss zutreffender Beurteilung im Gutachten der K.____ AG verur- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sache der Betrieb des Restaurants B.____ lediglich gering fügig störenden Lärm und halte die Planungswerte ein. Die Einschränkung der Öffnungszeiten würde im Übrigen zu einer Ein- schränkung der Wirtschaftsfreiheit führen, für welche weder eine genügende gesetzliche Grund- lage noch ein öffentliches Interesse bestehe und welche unverhältnismässig sei. 4.1 Beim Restaurant B.____ handelt es sich um eine (ort sfeste) Anlage im Sinne von Art. 7 Abs. 7 des Umweltschutzgesetzes (USG) vom 7. Oktober 1983 un d Art. 2 Abs. 1 der Lärm- schutz-Verordnung (LSV) vom 15. Dezember 1986, die den bundesrechtlichen Bestimmungen über den Lärmschutz unterliegt, soweit die mit dem Betrieb verbundenen Emissionen nach aus- sen dringen (Aussenlärmemissionen; vgl. Art. 1 Abs. 2 lit. a LSV). Der Anlage zuzurechnen sind alle Geräusche, die durch ihre bestimmungsgemässe Benutzun g verursacht werden, und zwar unabhängig davon, ob sie innerhalb oder ausserhalb de s Gebäudes erzeugt werden (vgl. BGE 133 II 292 E. 3.1; BGE 123 II 325 E. 4a/bb). 4.2 Nach Art. 11 Abs. 2 USG sind Emissionen zunächst im R ahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (vorsorg- liche Emissionsbegrenzung). Wenn feststeht oder zu erwart en ist, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung schädli ch oder lästig werden, sind die Emissionsbegrenzungen zu verschärfen (Abs. 3). Solche Beg renzungen werden gemäss Art. 12 Abs. 2 USG durch Verordnungen oder, soweit diese nichts vorsehen, durch unmittelbar auf das Umweltschutzgesetz abgestützte Verfügungen vorgeschrieb en. Schutzmassnahmen nach Art. 12 Abs. 2 USG sind nicht erst zu ergreifen, wenn die Umweltbelastung schädlich oder lästig wird, sondern es müssen gestützt auf das Vorsorgeprinzip sämtliche unnötigen Emissionen vermieden werden (vgl. BGE 133 II 169 E. 3.1; BGE 12 6 II 366 E. 2b). Dies ist allerdings nicht so zu verstehen, dass jeder im strengen Sinne nicht nötige Lärm völlig untersagt werden müss- te. Es gibt keinen absoluten Anspruch auf Ruhe; vielmeh r sind geringfügige, nicht erhebliche Störungen hinzunehmen (Art. 15 USG; BGE 133 II 169 E . 3.2; BGE 126 II 366 E. 2b). Sofern sich geringfügige Emissionen mit kleinem Aufwand erheblich verringern lassen, dürfte es jedoch grundsätzlich verhältnismässig sein, entsprechende Massnahme n zu verlangen. Wenn sich eine Reduktion bei derartigen Emissionen hingegen als unverhältnismässig oder sogar als un- möglich erweist, so ist dahingehend zu entscheiden, dass solche Immissionen von den Be- troffenen hinzunehmen sind (vgl. BGE 126 II 366 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts 1C_311/2007 vom 21. Juli 2008 E. 3.2). 4.3 Der Bundesrat hat gestützt auf Art. 13, 19 und 23 USG für einige häufige, oft als be- sonders störend empfundene Schall- bzw. Lärmquellen (St rassenverkehr, Regionalflughäfen und Flugfelder, Industrie- und Gewerbebetriebe, Schie ssanlagen) in den Anhängen 3 bis 8 der LSV mit den Belastungsgrenzwerten (Planungs-, Immission sgrenz- und Alarmwerte; Art. 2 Abs. 5 LSV) objektive Beurteilungskriterien aufgestellt, die auf die durchschnittliche Reaktion normal lärmempfindlicher Personen abgestützt sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_161/2013 vom 27. Februar 2014 E. 3.3; 1C_550/2010 vom 25. März 2011 E. 2.2). Für All- tags- und Gaststättenlärm hat der Bundesrat keine Belast ungsgrenzwerte festgesetzt. Die durch sie verursachten Immissionen sind daher von der Voll zugsbehörde unmittelbar gestützt auf das Gesetz, in Anwendung von Art. 15 in Verbindun g mit Art. 19 und Art. 23 USG, zu beur- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilen (Art. 40 Abs. 3 LSV). Immissionsgrenzwerte für L ärm sind nach Art. 15 USG so festzule- gen, dass nach dem Stand der Wissenschaft oder der Erfahru ng Immissionen unterhalb dieser Werte die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erh eblich stören (Art. 15 USG). Aufgrund des Verweises auf Art. 23 USG ist eine strengere Beurte ilung angezeigt, wenn nicht eine be- reits bestehende, sondern eine neue Anlage zur Diskussion steht. In diesem Fall sind die Pla- nungswerte zu berücksichtigen, welche unter den Immissionsgr enzwerten liegen (Art. 23 und 25 Abs. 1 USG, Art. 7 Abs. 1 lit. b LSV). Im Rahmen d er vorzunehmenden Einzelfallbeurteilung sind der Charakter des Lärms, der Zeitpunkt und die Häuf igkeit seines Auftretens sowie die Lärmempfindlichkeit bzw. Lärmvorbelastung zu berücksichtigen. Dabei ist nicht auf das subjek- tive Lärmempfinden einzelner Personen abzustellen, son dern eine objektivierte Betrachtung unter Berücksichtigung von Personen mit erhöhter Empfin dlichkeit (Art. 13 Abs. 2 USG) vorzu- nehmen (vgl. BGE 133 II 292 E. 3.3; Urteil des Bunde sgerichts 1C_161/2013 vom 27. Februar 2014 E. 3.3). 4.4 Fachlich abgestützte private Richtlinien, wie nament lich die von der Vereinigung kanto- naler Lärmschutzfachleute (Cercle Bruit) herausgegebene Vollzugshilfe zur Ermittlung und Be- urteilung der Lärmbelastung im Zusammenhang mit dem Betrieb öffentlicher Lokale, können als Entscheidungshilfe für eine derartige objektivierte Be trachtung berücksichtigt werden (Vereini- gung kantonaler Lärmschutzfachleute, Ermittlung und Beurteilung der Lärmbelastung durch den Betrieb öffentlicher Lokale: Vollzugshilfe vom 10. März 1999 [vollständig überarbeitete Version vom 1. Februar 2019]; Urteil des Bundesgerichts 1C_293/2017 vom 9. März 2018 E. 3.1.2; BGE 133 II 292 E. 3.3). Die Beurteilung der vorliegend in Frage stehenden externen Schallquelle S6 (Gästeverhalten und Bedienung auf der Terrasse) erfolg t nach Ziff. 5.2 der Vollzugshilfe ge- mäss deren Anhang 3 (Excel-Formular). Danach werden fol gende Kriterien berücksichtigt: Be- triebszeiten, Anzahl Aussenplätze und Grösse der Terrasse, Position des Empfangspunktes in Bezug zur Terrasse, Gästeverhalten, Ausbreitung des Lär ms in Funktion der örtlichen Gege- benheiten, eventuelle Hinderniswirkung zwischen Terrasse u nd Empfangsort, Empfindlichkeits- stufe am Empfangsort, Hintergrundgeräusch, Ortsüblichke it, Saisonalität und Betriebszeiten. Das Resultat soll es ermöglichen, die Zulässigkeit der vo rgesehenen Terrassennutzung zu be- urteilen; dazu werden Störkategorien definiert (weni g störend, störend, stark störend und sehr stark störend; vgl. zum Ganzen Anhang 3 der Vollzugshilf e; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 18. Dezember 2019 [VB.2019.00268] E. 7.2). 4.5 Nach der Praxis zum altrechtlichen § 2a Abs. 1 des Ges etzes über das Gastgewerbe und den Klein- und Mittelhandel mit alkoholhaltigen Getränken (Wirtschaftsgesetz, WiG) vom 26. Februar 1959 werden die immissionsmässigen Auswirkunge n eines Gastgewerbebetriebs einschliesslich der Einhaltung der Lärmschutzvorschriften de s Bundes im gastgewerberechtli- chen Bewilligungsverfahren geprüft (vgl. Urteil des Ver waltungsgerichts des Kantons Basel- Landschaft [VGE] vom 8. September 1999 [98/380] E. 5b ; VGE vom 30. November 1994 [94/69] E. 3; VGE vom 23. September 1992 [92/23] E. 4a; Basellandschaftliche Verwaltungsge- richtsentscheide [BLVGE] 1995 S. 120 E. 3). Die Beurtei lungskriterien der Standortbewilligung gemäss § 2a Abs. 1 WiG wurden mit der Einführung des G astgewerbegesetzes (GGG) vom 5. Juni 2003 übernommen und sind neu in § 9 Abs. 1 GGG ("Bauliche und betriebliche Voraus- setzungen") geregelt (vgl. Vorlage an den Landrat 2003 /37 über die Revision des Gesetzes Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht über das Gastgewerbe und den Klein- und Mittelhandel [Wirtschaftsgesetz] vom 4. Februar 2003 [Landratsvorlage], S. 27). Danach wird die Bewil ligung erteilt, wenn aufgrund der konkre- ten Verhältnisse bezüglich Standort, Betriebscharakter u nd baulicher Gegebenheiten keine übermässige Beeinträchtigung der Wohnqualität und kein e unzumutbare Störung der öffentli- chen Ruhe, Ordnung oder Sicherheit zu erwarten sind (§ 9 Abs. 1 GGG). Die für die Bewilligung zuständige Behörde nimmt die erforderlichen Erhebungen vor und kann die Erteilung der Bewil- ligung an Bedingungen knüpfen und/oder mit Auflagen versehen (§ 9 Abs. 3 GGG). 5.1 Vorab ist auf die Rüge der Beschwerdeführerin ein zugehen, die strittige Massnahme bzw. die damit verbundene Einschränkung der Wirtschaftsfr eiheit (Art. 27 der Bundesverfas- sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. Apr il 1999) könne sich nicht auf eine genügende gesetzliche Grundlage stützen. Die Beschw erdeführerin macht geltend, die Massnahme sei gestützt auf § 28 GGG in Verbindung mit § 12 GGG sowie das in Art. 11 Abs. 2 USG verankerte Vorsorgeprinzip angeordnet worden. § 28 Abs. 1 GGG sehe im Sinne einer Generalklausel vor, dass Verwaltungsmassnahmen getroffen werden könnten, wenn keine Ge- währ für eine einwandfreie Betriebsführung gegeben sei. Diese Bestimmung in Kombination mit dem völlig offenen Vorsorgeprinzip lasse der rechtsanwen denden Behörde einen zu grossen Ermessensspielraum, um als gesetzliche Grundlage zu dienen. 5.2 Die fehlende Gewähr für eine einwandfreie Betri ebsführung gemäss § 28 Abs. 1 GGG, welche die Vorinstanzen als Grund für die angeordneten Betriebszeiteneinschränkungen anfüh- ren, knüpft in erster Linie an die persönlichen Vorausse tzungen der Bewilligungserteilung (§ 6 Abs. 1 GGG) und nicht an die baulichen und betriebliche n Voraussetzungen (Standortbewilli- gung) im Sinne von § 9 GGG an. Die strittige Einschrän kung der Betriebszeiten erfolgte jedoch aufgrund von Lärmimmissionen, welche mit dem bestimmungs gemässen Betrieb der Aussen- terrasse der Gastwirtschaft unvermeidlich verbunden sind. Vor diesem Hintergrund erscheint es naheliegend, die Einschränkung der Betriebszeiten als n achträgliche Anordnung einer Auflage gemäss § 9 Abs. 3 GGG und nicht als zeitliche Einschränkun g gemäss § 28 Abs. 1 lit. b GGG zu qualifizieren (vgl. auch Landratsvorlage, S. 18). Das Vorliegen einer gesetzlichen Grundlage ist jedoch so oder anders zu bejahen. Im Weiteren stell en auch die bundesrechtlichen Lärm- schutzvorschriften (Art. 11 ff. USG) eine genügende gese tzliche Grundlage für die Anordnung von Betriebsvorschriften bzw. Betriebszeiteneinschränkunge n dar (vgl. Urteil des Bundesge- richts 1C_440/2008 vom 14. Mai 2009 E. 4.1; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zü- rich [VB.2017.00803] vom 28. Juni 2018 E. 4.2). Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, der Behörde komme bei der Anordnung von Massnahmen ge stützt auf das Vorsorgeprinzip (Art. 11 Abs. 2 USG) ein weiter Ermessensspielraum zu, mag dies zutreffen, ändert jedoch nichts am Vorliegen einer genügenden gesetzlichen Grundlage. 6.1 Die Beschwerdeführerin rügt im Weiteren eine unri chtige Feststellung des Sachver- halts sowie eine willkürliche Beweiswürdigung. 6.2 Zur Abklärung der von der Gartenterrasse des Restau rants B.____ ausgehenden Lärmimmissionen gab die SID bzw. die Abteilung Lärmschut z der BUD bei der J.____ AG ein Gutachten in Auftrag, welches am 20. November 2018 vorl ag ("Bericht Lärmimmissionen aus- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gehend von der Gartenterrasse - Beurteilung nach der Vollzugshilfe des Cercle Bruit"). Das Gutachten stützt sich auf die Resultate verdeckter Lärmme ssungen sowie eine Beurteilung an- hand des Anhangs 3 der Vollzugshilfe des Cercle Bruit b zw. des entsprechenden Excel- Formulars. Die SID stellte bei der Anordnung der strittigen Betriebszeiteneinschränkungen nicht auf die vorgenommenen Lärmmessungen, sondern einzig au f die Beurteilung der J.____ AG anhand des Excel-Formulars ab. Dabei folgte sie mit Ausn ahme des Kriteriums der Ortsüblich- keit vollumfänglich der Beurteilung im Gutachten der J.____ AG. Die SID kam zum Schluss, dass von der Gartenterrasse sowohl in den Abendstunden ( 19 bis 22 Uhr) als auch in den Nachtstunden (22 bis 24 Uhr) störende Immissionen im Sinne der Vollzugshilfe des Cercle Bruit ausgehen. Die Beschwerdeführerin reichte ihrerseits be reits im erstinstanzlichen Verfahren ein Gutachten der K.____ AG ("Gutachten Gastrolärm nach Cercle Bruit") vom 28. Januar 2019 ein. Darin wird eine eigene Beurteilung der Lärmimmissione n der Gartenterrasse des Restaurants B.____ anhand der Vollzugshilfe des Cercle Bruit vorgeno mmen, welche bezüglich einzelner Kriterien vom Gutachten der J.____ AG abweicht. Aufg rund der Anpassung der entsprechen- den Eingabewerte im Excel-Formular der Vollzugshilfe ko mmt die K.____ AG zum Schluss, dass der Betrieb der Gartenterrasse des Restaurants B.____ als höchstens geringfügig störend zu beurteilen sei und die Planungswerte im Sinne des U mweltschutzgesetzes eingehalten sei- en. 6.3.1 Die Beschwerdeführerin macht zunächst geltend, die im Gutachten der J.____ AG vor- genommene Beurteilung der Immissionen der Aussenterrasse beziehe sich nur auf die Som- mermonate. Da die J.____ AG ebenso wie die Vorinstanz en nie eine Abklärung der tatsächli- chen Verhältnisse vor Ort durchgeführt habe, sei insbesond ere auch die im Winter bestehende Aussenverkleidung der Terrasse ("Chalet") nie beachtet worden. Hinsichtlich der Beurteilung der einzelnen Kriterien der Vollzugshilfe durch die J.____ AG sei sodann festzustellen, dass die Auslastung bzw. Belegung der Terrasse nach 22 Uhr durchsc hnittlich maximal 15 % und nicht 25 % betrage. Auch sei die Dimension der Terrasse zu Unrecht mit 17.6 m auf 12.5 m beziffert worden. Korrekt sei die im Gutachten der K.____ AG an genommene Länge von 12 m und Brei- te von 9 m. Im Weiteren seien im Rahmen des Kriteriu ms "Geometrie des Empfangspunktes" die Positionen in X-Richtung und Y-Richtung nicht korre kt ermittelt und auch nicht begründet worden. Auch diesbezüglich sei auf die Annahmen im Gut achten der K.____ AG abzustellen. Entgegen dem Gutachten der J.____ AG sei das Gästeverhal ten ab 22 Uhr sodann nicht als "mittel", sondern als "leise" zu bewerten, was bei eine m Gartenrestaurant zudem grundsätzlich jederzeit der Fall sei. Zu korrigieren sei schliesslich au ch die Bewertung der Hintergrundgeräu- sche am Abend (19 bis 22 Uhr) von "leise" auf "mittel". 6.3.2 Der Regierungsrat entgegnet zusammengefasst, dass die im Winter bestehende Aus- senverkleidung der Terrasse in der Baubewilligung als ei nfache "Windschutzverkleidung" be- zeichnet werde, wobei eine schallisolierende Wirkung des Materials einer Windschutzverklei- dung kaum gegeben sein dürfte. Dennoch sei die fragl iche Verkleidung im Gutachten der J.____ AG berücksichtigt worden, zumal die Terrasse beim Kriterium der "Saisonalität" als "Halbjahresbetrieb" bezeichnet worden sei. Dies, obwohl gemäss Gutachten der J.____ AG die Einhausung mit Blachendach keine hohe Luftschalldämm ung erwarten lasse und obwohl im eingekleideten Teil der Terrasse Ganzjahresbetrieb her rsche. Vor diesem Hintergrund sei das Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Chalet genügend in die Betrachtungen einbezogen worden. Fraglich sei eher, ob die Dämmwir- kung der Verkleidung wirklich genügend sei, um von einem Halbjahresbetrieb auszugehen. Was die Annahme einer Belegung der Aussenterrasse von 2 5 % im Gutachten der J.____ AG anbelange, so sei diese vertretbar. Diesbezüglich sei n amentlich auf die Aussagen der Be- schwerdeführerin zu verweisen, wonach Gäste und Vereine des Öfteren erst nach 21 bzw. 22 Uhr eintreffen würden und eine Schliessung der Terrasse um 22 Uhr deshalb einen Einbruch bei den Abendanlässen zur Folge hätte. Ausserdem werde e ine Verlängerung der Öffnungszei- ten am Mittwoch bis 24 Uhr beantragt, da an diesem Ab end offenbar Vereine aus dem Dorf im Betrieb einkehrten. Hinsichtlich der Terrassengrösse sei festzustellen, dass gemäss der Voll- zugshilfe des Cercle Bruit die maximale Flächenausdehnun g der Terrasse – unter Einschluss unbenutzter Teile – anzugeben sei. Andernfalls würde bei einer künstlichen Verkleinerung der Terrassenfläche die nähest mögliche Schallquelle unberücksi chtigt bleiben. Vorliegend handle es sich dabei um eine "Lounge" direkt an der Grundstücksgrenze im nordwestlichen Bereich der Terrasse. Hinsichtlich der Geometrie des Empfangspunktes s ei festzustellen, dass für die im Gutachten der K.____ AG diesbezüglich vorgenommene Verä nderung keine Begründung vor- gebracht werde. Es werde lediglich festgehalten, dass die horizontale Lage des Empfangspunk- tes anhand eines Fotos bestimmt worden sei. Was das Gästever halten nachts anbelange, so würden die festgestellten Nachtruhestörungen und die A usführungen der Beschwerdeführerin, wonach das Restaurant abends oft von Vereinen aufgesucht werde, nicht für ein leises Gäste- verhalten sprechen, weshalb eine Abweichung vom Gutach ten der J.____ AG nicht gerechtfer- tigt sei. Dasselbe gelte hinsichtlich der Hintergrundgeräusche in den Abendstunden, welche mit Blick auf die zu dieser Zeit nur leicht frequentierte Kantonsstrasse und die isolierte Lage der Gastwirtschaft abseits der Kernzone zu Recht als "leise" qualifiziert worden seien. 6.3.3 Die Beigeladenen führen ergänzend aus, dass es si ch beim Restaurant B.____ – im Hinblick auf das Aufstellen der saisonalen Windschutzverkle idung bzw. des "Chalet" – auch im Aussenbereich um einen Ganzjahresbetrieb handle. Im We iteren sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin den Aussenbereich seit der Übern ahme des Restaurants immer weiter ausgebaut und im Frühjahr 2019 flächenmässig um rund d as Doppelte vergrössert habe. Was die Auslastung der Gartenwirtschaft ab 22 Uhr anbelang e, so führe die Beschwerdeführerin aus, dass es in den Jahren 2017 bis 2019 durchschnittlich 20 Abendanlässe pro Jahr gegeben habe. Weiter führe sie aus, dass regelmässig am Mittwoch und somit an mindestens 40 Aben- den pro Jahr Vereine ab 22 Uhr die Gartenwirtschaft frequentieren würden. Da die Gartenwirt- schaft während der warmen Jahreszeit zusätzlich noch von einer ähnlich hohen Zahl spontaner Besuchergruppen an anderen Tagen besucht werde, könne ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass an über 100 Abenden bis weit nach 22 Uhr Normalbetrieb herrsche. Davon, dass an den allermeisten Tagen bereits kurz nach 22 Uhr Ruhe einkehre, könne keine Rede sein. Im Weiteren sei festzustellen, dass die von der Beschwerdefüh rerin behauptete Auslastung der Gartenwirtschaft nach 22 Uhr von 15 % durch keinerlei ka lkulatorische Berechnungen zu den verschiedenen Bereichen ihres Betriebs belegt werde. Sie stehe zudem im Widerspruch zur Aussage der Beschwerdeführerin, wonach die Wirtschaftlich keit des Restaurants ohne Bewir- tungsmöglichkeit in der Gartenwirtschaft zwischen 22 und 24 Uhr nicht mehr gegeben sei. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4.1 Gemäss § 9 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes Ba sel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 untersucht die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen. Sie kann zu die- sem Zweck unter anderem Gutachten anordnen (§ 9 Abs. 3 lit. e VwVG BL). Die Behörde ist bei der Würdigung des Gutachtens grundsätzlich frei. Sie da rf in Fachfragen jedoch nicht ohne trif- tige Gründe vom Gutachten abrücken und muss Abweichun gen begründen. Auf eine nicht schlüssige Expertise abzustellen bzw. auf die gebotenen zu sätzlichen Beweiserhebungen zu verzichten, kann gegen das Verbot willkürlicher Beweiswürd igung verstossen. Erscheint die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zwei felhaft, hat die Behörde nötigen- falls ergänzende Beweise zur Klärung zu erheben. Sofern die Behörde die Zweifel dank ihres Fachwissens nicht selbst beseitigen kann, kann ein Ergänzu ngsgutachten oder ein zweites Gutachten bei einem anderen Experten eingeholt werden . Ob ein Ergänzungs- oder Zweitgut- achten angeordnet wird, liegt im Ermessen der zuständig en Behörde (vgl. M ICHEL DAUM , in: Ruth Herzog/Michel Daum [Hrsg.], Kommentar zum Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege des Kantons Bern, 2. Aufl., Bern 20 20, N 92 zu Art. 19; K ASPAR PLÜSS , in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtsp flegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. Aufl., Zürich 2014, N 69 zu § 7; BGE 141 I V 369 E. 6.1; BGE 136 II 539 E. 3.2; BGE 130 I 337 E. 5.4.2; jeweils mit Hinweisen). 6.4.2 Gutachten, die von einer Partei eingeholt und i n das Verfahren eingebracht werden, sind Partei- oder Privatgutachten. Sie haben nach der Praxis des Bundesgerichts nicht den gleichen Stellenwert wie ein Gutachten, das von der zuständigen Behörde eingeholt wurde. Den Ergebnissen eines im Auftrag einer Partei erstellten Privatgutachtens kommt lediglich die Be- deutung einer der freien Beweiswürdigung unterliegen den Parteibehauptung bzw. eines Be- standteils der Parteivorbringen zu, nicht die Qualität eines Beweismittels (vgl. BGE 132 III 83 E. 3.4; BGE 127 I 73 E. 3f/bb; Urteil des Bundesgerich ts 6B_215/2013 vom 27. Januar 2014 E. 1.2). Ein Privatgutachten kann jedoch unter Umstände n geeignet sein, Zweifel an der Schlüssigkeit eines amtlichen Gutachtens zu begründen. Erg ibt sich daraus, dass entscheidre- levante Aspekte im amtlich bestellten Gutachten nicht recht sgenügend geprüft worden sind oder dass erhebliche Zweifel an den Schlussfolgerunge n dieses Gutachtens bestehen, müssen diese abgeklärt bzw. ausgeräumt werden (vgl. BGE 145 II 70 E. 5.5; BGE 141 IV 369 E. 6.2; BGE 136 II 539 E. 3.2; jeweils mit Hinweisen; DAUM , a.a.O., N 102 zu Art. 19). 6.5.1 Strittig ist zunächst, ob die Einhausung des ü berdachten Bereichs der Gartenterrasse ("Chalet") während der Zeit von Oktober bis Ende Mai i m Rahmen der Beurteilung der Lärmim- missionen angemessen berücksichtigt wurde. 6.5.2 Im Gutachten der J.____ AG wird diesbezüglich a usgeführt, dass die Hälfte des Gar- tens des Restaurants B.____ mit einem fixen Storen übe rdeckt sei. Dieser Bereich werde im Winter zu einer Art Wintergarten verkleidet (Gutachten der J.____ AG, S. 4). Im Weiteren wird ausgeführt, dass von einem Halbjahresbetrieb ausgegang en worden sei, obwohl je nach Jahr die Saison stark in den Herbst verlängert werden könn e. Der eingehauste Zustand sei nicht betrachtet worden, da die Einhausung mit Blachendach keine hohe Luftschalldämmung erwar- ten lasse (Gutachten der J.____ AG, S. 6 f.). Demgeg enüber hält die K.____ AG in ihrem Gut- achten fest, die zur Gartenterrasse gehörenden Sitzplätze im Chalet-Bereich seien in der kalten Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Jahreszeit mittels massiver Wände in Holzkonstruktion komplett eingehaust. Nur in der warmen Jahreszeit würden die Chaletwände entfernt und zusätzli ch die offenen Aussenplätze genutzt. Im Bereich der Gartenterrasse sei deshalb von einem Ha lbjahresbetrieb auszugehen und der entsprechende Eingabewert der J.____ AG bleibe unverä ndert (Gutachten der K.____AG, S. 8). 6.5.3 Wie aus dem Situationsplan im Gutachten der K .____ AG hervorgeht und anlässlich des Augenscheins ersichtlich war, ist der an die Liegens chaft angrenzende Aussenbereich des Restaurants B.____ auf einer Fläche von ca. 50 m 2 überdacht (Gutachten der K.____ AG, S. 10). Entgegen dem Gutachten der J.____ AG handelt es sich dabei nicht um einen "Storen" oder ein "Blachendach", sondern um ein mit dem Gebäud e verbundenes Dach in massiver Holzkonstruktion. Der solchermassen überdachte Bereich der Aussenterrasse wird während der kalten Jahreszeit mit massiven Holzwänden eingekleidet, wa s es erlaubt, die Terrasse auch im Winter für den Betrieb als Speiserestaurant zu nutzen b zw. in diesem Bereich Gäste zu bewir- ten. Die von der Aussenterrasse im eingehausten Zustand ausgehenden Lärmimmissionen sind angesichts dieser baulichen Gegebenheiten kaum mit denjenigen einer offenen Aussenterrasse vergleichbar. Vielmehr erscheint naheliegend, dass der Betrieb des "Chalets" gegenüber dem Betrieb der offenen Aussenterrasse mit deutlich gering eren Lärmimmissionen verbunden ist. Die J.____ AG und die Vorinstanzen durften sich vor diesem Hintergrund jedoch nicht mit dem Hinweis begnügen, von der Einhausung der Aussenterrasse sei keine oder kaum eine schalliso- lierende Wirkung zu erwarten. Diesbezüglich wären vie lmehr zusätzliche Abklärungen vorzu- nehmen gewesen und es hätte eine Auseinandersetzung mi t den Feststellungen im Gutachten der K.____ AG erfolgen müssen. Zumindest hätten die Vorinstanzen die Beurteilung der vom "Chalet" ausgehenden Lärmimmissionen durch die K.____ AG der amtlichen Gutachterin zur ergänzenden Begutachtung unterbreiten müssen, zumal in d iesem Punkt konkrete Zweifel an der Schlüssigkeit des Gutachtens der J.____ AG bestanden. 6.5.4 Soweit der Regierungsrat in der Vernehmlassung geltend macht, die Winterverkleidung der Terrasse sei im Gutachten der J.____ AG angemessen berücksichtigt worden, weil die Ter- rasse beim Kriterium der "Saisonalität" als "Halbjahresbetrieb" bezeichnet worden sei, kann ihm nicht gefolgt werden. Die Argumentation des Regierun gsrats wäre allenfalls unter der Voraus- setzung zulässig, dass die strittigen Betriebszeiteneinschrä nkungen lediglich während des Be- triebs der "offenen" Aussenterrasse in der warmen Jahreszeit gelten. Wie der Vertreter des Re- gierungsrats anlässlich des Augenscheins ausführte, gelten die Einschränkungen der Betriebs- zeiten jedoch ganzjährig und beziehen sich auch auf den "C halet-Bereich" der Terrasse. Dies ergibt sich auch aus dem Dispositiv der Verfügung der SID vom 19. Juni 2019, welches für die kalte Jahreszeit bzw. den Betrieb des "Chalets" keine besondere Regelung enthält. 6.5.5 Die Beurteilung der vom "Chalet" ausgehenden L ärmimmissionen durch die J.____ AG und die Vorinstanzen beruht nach dem Gesagten auf ein er unvollständigen bzw. unrichtigen Sachverhaltsfeststellung. Hinsichtlich des Betriebs des "C halets" sind daher zusätzliche Abklä- rungen vorzunehmen; zu prüfen ist insbesondere, ob und inwiefern der Einhausung der Aus- senterrasse im Rahmen der Beurteilung anhand der Voll zugshilfe des Cercle Bruit – beispiels- weise beim Kriterium "Hinderniswirkung" – angemessen Re chnung getragen werden kann. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ebenfalls ist zu prüfen, ob und inwiefern nebst allfä lligen Betriebszeiteneinschränkungen mit zusätzlichen Auflagen in der kalten Jahreszeit (bauliche Ma ssnahmen am "Chalet", Auflagen bezüglich des Aufenthalts der Gäste im Freien etc.) ei ne Reduktion der Lärmimmissionen er- reicht werden kann. 6.6.1 Strittig ist ausserdem die Beurteilung einzelner Kriterien des Excel-Formulars der Voll- zugshilfe des Cercle Bruit. 6.6.2 Was die Auslastung der Terrasse nach 22 Uhr anbela ngt, so wird im Gutachten der J.____ AG festgehalten, für noch nicht existierende, in d er Planung befindliche Betriebe werde eine pauschale Auslastung von 75 % in allen Tagesperiod en empfohlen. Für bestehende Be- triebe dürfe aber gemäss der effektiv vor Ort vorgefunden en Situation davon abgewichen wer- den. Daher sei die Auslastung tageszeitabhängig, vor al lem abends und nachts, recht massiv reduziert worden (Gutachten J.____ AG, S. 6). Weitere Ausführungen zur Belegung der Terras- se lassen sich dem Gutachten der J.____ AG nicht entnehme n. Der Beschwerdeführerin ist beizupflichten, dass aus dem Gutachten der J.____ AG nic ht hervorgeht, auf welcher Grundla- ge von einer Belegung der Aussenterrasse von 25 % nach 2 2 Uhr ausgegangen wird. Das Gut- achten der J.____ AG erweist sich diesbezüglich nicht a ls schlüssig. Dass die Vorinstanzen entsprechend der Vollzugshilfe des Cercle Bruit eine ei gene Beurteilung aufgrund der effektiv vor Ort vorgefundenen Situation vorgenommen hätten, i st nicht ersichtlich. Diesbezüglich sind daher ergänzende Abklärungen unter Berücksichtigung der Beurteilung im Gutachten der K.____ AG vorzunehmen. Zumindest ist der Beschwerdeführerin Gelegenheit einzuräumen, die im Gutachten der K.____ AG geltend gemachte Auslastung der Terrasse von 15 % nach 22 Uhr zu belegen. 6.6.3 Hinsichtlich der Dimension der Terrasse lassen sich de m Gutachten der J.____ AG keine näheren Angaben zur Berechnungsweise bzw. zur Frage, wie die entsprechenden Einga- bewerte zustande gekommen sind, entnehmen. Soweit die Vorinstanzen geltend machen, ge- mäss der Vollzugshilfe des Cercle Bruit sei jeweils die m aximale Flächenausdehnung unter Einschluss unbenutzter Teile der Terrasse anzugeben, find en sich dazu in der Vollzugshilfe keine entsprechenden Angaben. Die von der Beschwerdefüh rerin vorgebrachten Einwände ge- gen die Berechnungsweise im Gutachten der J.____ AG la ssen sich deshalb mit den Ausfüh- rungen der Vorinstanzen nicht entkräften. In Bezug auf das Kriterium "Geometrie des Emp- fangspunktes" wird im Gutachten der J.____ AG ebenfalls nicht dargelegt, wie die entsprechen- den Eingabewerte bzw. Positionen festgelegt wurden. So weit die SID ausführt, es sei nicht da- von auszugehen, dass die Angaben im Gutachten der J.____ AG fehlerhaft seien, vermag dies den Anforderungen an eine vollständige Sachverhaltsfest stellung nicht zu genügen. Bezüglich der genannten Kriterien sind demnach ebenfalls zusätzlich e Abklärungen vorzunehmen, wobei einer allfälligen zwischenzeitlich erfolgten Veränderun g der massgeblichen Terrassenfläche Rechnung zu tragen ist. 6.6.4 Was die Beurteilung des Kriteriums "Hintergrundg eräusch" in den Abendstunden (19 bis 22 Uhr) anbelangt, so ist nicht ersichtlich, inwiefern sich die bestehende Divergenz zwischen der Beurteilung der J.____ AG und derjenigen der K._ ___ AG auf die strittigen Massnahmen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht auswirken könnte. Namentlich hat die SID davon abgese hen, während den Abendstunden eine Einschränkung der Betriebszeiten anzuordnen. Ob die J._ ___ AG die Hintergrundgeräusche in der Zeit von 19 bis 22 Uhr zu Recht als "leise" qualifizierte, kann daher offengelassen werden. 6.6.5 In Bezug auf das Kriterium "Gästeverhalten" wir d in der Vollzugshilfe festgehalten, dass das Gästeverhalten aus den Angaben zum Betriebskonzept resultiere, wobei eine Abstu- fung zwischen "leise", "mittel" und "laut" vorgenommen wird. Das jeweilige Gästeverhalten wird in der Vollzugshilfe anhand von Beispielen konkretisiert. Dabei setzt die Qualifikation als "leise" ein ruhiges Gästeverhalten voraus, während "mittel" a ls Normalfall gilt und "laut" auf eine "Bier- gartenatmosphäre" hinweist. Im Gutachten der J.____ AG wird kein Bezug genommen auf die Umschreibung des Gästeverhaltens in der Vollzugshilfe, s ondern einzig auf nicht näher be- zeichnete Aussagen der Anwohner bzw. Tonaufnahmen abges tellt. Im Rahmen der gebotenen Einholung eines Ergänzungs- oder Zweitgutachtens (E. 6.7.1 hiernach) wird daher auch hin- sichtlich dieses Kriteriums eine erneute Beurteilung vorzunehmen sein. 6.7.1 Nach dem Gesagten haben die Vorinstanzen den massg eblichen Sachverhalt unrichtig bzw. unvollständig festgestellt (§ 45 Abs. 1 lit. b VPO). Die notwendigen zusätzlichen Abklärun- gen sind – im Hinblick auf die eingeschränkte Kognition des Kantonsgerichts und den bei der Anordnung von Lärmschutzmassnahmen bzw. Betriebszeiteneinschrä nkungen bestehenden Ermessensspielraum – nicht durch das Kantonsgericht, sonde rn die erstinstanzlich zuständige Behörde vorzunehmen. Die Angelegenheit ist daher an di e SID zurückzuweisen, damit diese die erforderlichen zusätzlichen Abklärungen mittels Einho lung eines Ergänzungs- oder Zweit- gutachtens vornimmt und im Anschluss daran neu über die An ordnung von Massnahmen zur Lärmbegrenzung befindet. 6.7.2 Im Rahmen der Neubeurteilung wird die aktuell bestehende Situation im Aussenbe- reich des Restaurants B.____ zu berücksichtigen sein und di e Beurteilung wird anhand der im Jahr 2019 angepassten Version der Vollzugshilfe des Cercle Bruit (Excel-Formular) vorzuneh- men sein. Die Anforderungen an Lärmschutzmassnahmen können auch in Bezug auf Anord- nungen, welche einzig gestützt auf das Vorsorgeprinzip er folgen, bei altrechtlichen und neuen Betrieben zu unterschiedlichen Ergebnissen führen (vgl. A NDRÉ SCHRADE /H EIDI WIESTNER , Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl., Zürich 2004 , N 2 zu Art. 16). Die SID wird des- halb die bisher offengelassene Frage zu beantworten ha ben, ob das Restaurant B.____ bzw. dessen Aussenterrasse als altrechtlicher, d.h. vor dem 1. Ja nuar 1985 bewilligter Betrieb, oder als neuer Betrieb zu qualifizieren ist. 6.8 Die Beschwerde ist gutzuheissen und die Angelegenhe it ist zur Neubeurteilung im Sin- ne der Erwägungen an die SID zurückzuweisen. Bei diese m Verfahrensausgang erübrigt es sich, auf die weiteren Rügen der Beschwerdeführerin einzugehen. 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- sind dem u nterliegenden Regierungsrat aufzuer- legen. 7.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Im vorliegenden Fall ist der obsiegenden Beschwerdefüh- rerin eine Parteientschädigung zulasten des Regierungsr ats zuzusprechen. Unter Berücksichti- gung des in der Honorarnote vom 16. Dezember 2020 ge ltend gemachten Aufwands von 16.33 Stunden zuzüglich des für die Verhandlung und deren V orbereitung zu berücksichtigenden Aufwands von 7.5 Stunden ist die Parteientschädigung un ter Zugrundelegung eines Stunden- ansatzes von Fr. 250.-- auf Fr. 6'942.90 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) festzusetzen. 7.3 Bezüglich der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens ist die Sache zu neuem Ent- scheid an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Regierungsrats vom 2. Juni 2020 aufgehoben und die Angelegenheit wir d zur Neubeur- teilung im Sinne der Erwägungen an die Sicherheitsdi rektion des Kan- tons Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verf ahrens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat zurückgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- w erden dem Regie- rungsrat auferlegt. Der Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'200.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 4. Der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschädig ung in der Höhe von Fr. 6'942.90 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) zulasten d es Regierungs- rats zugesprochen. Präsidentin Gerichtsschreiber