Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 5. Juli 2016 (470 16 83) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Honorar des amtlichen Verteidigers / Bemessung (Angemessenheit des Stundenauf- wands / Anwaltliche Kürzestaufwendungen sind im Stundenansatz inbegriffen) Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref.), Richter Daniel Noll; Gerichtsschreiber Stefan Steinemann Parteien A._____, Beschwerdeführer gegen Strafgericht Basel-Landschaft, Grenzacherstrasse 8, Postfach 810, 4132 Muttenz 1, Beschwerdegegner Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Verfahrensbeteiligte Gegenstand Entschädigung der amtlichen Verteidigung Beschwerde gegen das ergänzende Urteil des Strafgerichts vom 8. April 2016 zum Urteil vom 5. Februar 2016 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil vom 5. Februar 2016 verurteilte d as Strafgericht B._____ wegen sexueller Nöti- gung (begangen am 15./16. Juli 2008), gewerbsmässigen Betrugs und ungetreue r Geschäfts- besorgung zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 20 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jah ren. Ausserdem sprach es dem amtlichen Verteidiger von B._____, Advokat A._____, ein Honorar in noch festzulegender Höhe zu. B. Mit ergänzendem Urteil vom 8. April 2016 setzte das Strafgericht das Advokat A._____ als amtlicher Verteidiger von B._____ auszurichtende Honorar auf Fr. 24‘877.65 (inkl. Auslagen und MWST) fest (Dispositiv-Ziffer 1). Ausserdem sah es davon ab, Kosten zu erheben (Disposi- tiv-Ziffer 2). C. Mit Beschwerde vom 21. April 2016 begehrte Advokat A._____ (nachfolgend: Beschwer- deführer) beim Kantonsgericht, Abt. Strafrecht, es sei die Dispositiv -Ziffer 1 des ergänzenden Urteils des Strafgerichts vom 8. April 2016 aufzuheben und es sei sein Honorar auf insgesamt Fr. 34‘562.50 festzusetzen; dementsprechend sei das Strafgericht anzuweisen, ihm eine solche Entschädigung aus der Staatskasse auszurichten; alles unter o/e-Kostenfolge. D. Mit Eingabe vom 26. April 2016 verzichtete das Strafgericht und mit solcher vom 3. Mai 2016 die Staatsanwaltschaft auf eine Stellungnahme. Erwägungen 1. Der Entschädigungsentscheid des Strafgerichts kann beim Kantonsgericht, Abt. Stra f- recht, mittels Beschwerde angefochte n werden (Art. 135 Abs. 3 lit. a StPO i.V.m. § 15 Abs. 2 EG StPO). Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert zehn Tagen schriftlich u nd begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Da die Beschwerde form- und fristgerecht eingereicht worden ist, ist auf diese einzutr e- ten. 2. Strittig und nachfolgend zu prüfen ist, ob das Strafgericht die vom Beschwerdeführ er mit seiner Honorarnote vom 25. Januar 2016 geltend gemachte Entschädigung zu Recht g e- kürzt hat. 2.1 Die Vorinstanz erwog zusammenfassend, diverse vom Beschwerdeführer in Rechnung gestellte Aufwendungen von fünf Minuten (beispielsweise am 23. August 201 3: Eingang Akten; am 24. April 2014: Eingang Fristerstreckungsbewilligung per Fax; am 12. Mai 2014: Eingang Fax der Staatsanwaltschaft) stellten nicht entschädigungspflichtige Sekretariatsarbeiten dar. Allgemein erscheine der geltend gemachte Arbeitsaufwan d von 137 Stunden und 20 Minuten Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht angesichts des Aktenumfangs von neun Bundesordnern und vier Ordnern Aktenbeilagen als hoch. Zwar sei zu beachten, dass in der Anklageschrift gegen den Beschuldigten schwere straf- rechtliche Vorwürfe erhoben worden seien. Die vom Beschwerdeführer angeführte besondere Stigmatisierung des Beschuldigten vermöge jedoch über die notwendige Verteidigungsarbeit bezüglich der Anklagevorwürfe keinen besonderen Aufwand zu rechtfertigen. Zentraler Punkt im streitbetroffenen Verfahren sei die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen von C._____ sowie der Zeugen und Auskunftspersonen gewesen. In die Glaubhaftigkeitsbeurteilung spielten neben dem vorhandenen Glaubhaftigkeitsgutachten über C._____ (vor der Scheidung: D. C._____) unter anderem auch die familiären Verstrickungen zwischen den Parteien sowie weitere Komponenten hinein. Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit und der Verwertbarkeit des Glaubhaftigkeitsgutachtens stellten sich allerdings keine aussergewöhnlichen Rechtsfr a- gen, weshalb der Aufwand für in diesem Zusammenhang allenfalls getätigte Rechtsabklärungen nicht gesondert zu entschädigen sei. Im Besonderen erscheine der Aufwand für das Aktenst u- dium als hoch. So würden dafür im Zeitraum vom 3. bis zum 12. September 2013 rund 2 1.16 Stunden und im weiteren Verlauf des Verfahrens zusätzlich annähernd 72.25 Stunden für das Aktenstudium (inkl. Stellen von Beweisanträgen, Verfassen von Stellungnahmen, Ausarbeiten des Plädoyers) belastet. Als Einzelpositio nen fielen der fakturierte Au fwand von 18.75 Stunden für die zehnseitige Stellungnahme vom 13. Juni 2014 zum Glaubhaftigkeitsgutachten, die in Rechnung gestellten 17 Stunden und 50 Minuten für die auf zweieinhalb Seiten gestellten B e- weisanträge vom 13. März 2015 und die belasteten 35 Stunden und 10 Minuten für die Ausa r- beitung des Plädoyers (inkl. Aktenstudium) auf. Die vom amtlichen Verteidiger fakturierten Posi- tionen würden mit Ausnahme der Kanzleiarbeiten nicht hinsichtlich ihrer Notwendigkeit, sondern einzig bezüglich der Angemessenheit ihres Umfangs beanstandet. Der geltend gemachte Rechnungsbetrag von Fr. 29‘054.50 erscheine auch mit Blick auf vergleichbare Fälle als una n- gemessen hoch. Vorliegend erscheine es als angezeigt, das fakturierte Honorar von Fr. 29‘054.50 um einen Drittel auf Fr. 19‘369.65 zu kürzen. Für die Teilnahme an der Hauptver- handlung und der Urteilseröffnung sei ein Arbeitsaufwand von 25.5 Stunden (inkl. vier Stunden für den Weg und Nachbesprechung) , d.h. konkret ein Betrag von Fr. 5‘508.-- (inkl. 8% MWST), zu entschädigen. Demzufolge sei das aus der Staatskasse dem Beschwerdeführer auszuric h- tende Honorar auf total Fr. 24‘877.65 festzulegen. 2.2 Der Beschwerdeführer wendet dagegen insbesondere ein, pauschale Kürzungen des Honorars seien grundsätzlich unzulässig. Diese seien erst dann statthaft, wenn der geltend g e- machte Aufwand gesamthaft als übermässig erscheine und es schwierig sei, die ungerechtfe r- tigten Aufwandposten im Einzelnen festzulegen. In der Honorarnote habe er seine Aufwendu n- gen in 85 Einzelpositionen dargelegt. Angesichts dessen sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz nicht konkret und im Detail aufzeige, welchen verrechneten Aufwand sie als nicht angebracht erachte. Auch habe sie mit ihrer pauschalen Reduktion des Honorars den ausg e- wiesenen Aufwand für die Teilnahme an Einvernahmen und Besprechungen mit dem Beschu l- digten pauschal mitgekürzt. Eine solche pauschale Herabsetzung sei indes vorliegend nicht statthaft. Ausserdem sei der in Rechnung gestellte Aufwand sachlich geboten gewesen und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht verhältnismässig. Im streitgegenständlichen Verfahren sei ein grosser Aufwand angefallen. Da der Beschuldigte sowohl im Vorverfahren als auch im Hauptverfahren die objektiven und su b- jektiven Tatbestände sämtlicher Vorwürfe bestritten habe, hätten etliche Zeugen r esp. Au s- kunftspersonen im Vorverfahren bzw. Hauptverfahren einvernommen werden müssen. Ausse r- dem seien ein graphologisches Gutachten, ein Glaubhaftigkeitsgutachten sowie Arzt - und Spi- talberichte eingeholt worden. Überdies habe sich die Subsumption bei den Tatbeständen des gewerbsmässigen Betrugs, der Erpressung sowie der ungetreuen Geschäftsbesorgung als komplex herausgestellt. Weiter sei zu beachten, dass zwischen den Schlusseinvernahmen im September 2013 und der Einreichung der Stellungnahme zum Glaubhaft igkeitsgutachten im Juni 2014 rund neun Monate lägen, zwischen der Eingabe dieser Stellungnahme und der Ei n- reichung von Beweisanträgen im März 2015 neun Monate verstrichen seien sowie zwischen der Eingabe dieser Beweisanträge und der Fertigstellung des Plä doyers rund zehn Monate lägen. Aufgrund dieser relativ langen Verfahrensunterbrüche habe er sich teilweise neu in die Akten einarbeiten müssen. Ferner sei der in Rechnung gestellte Aufwand von 18.75 Stunden für die zehnseitige Stellungnahme vom 13. Juni 20 14 zum Glaubhaftigkeitsgutachten angemessen. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz treffe es nicht zu, dass sich bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit und der Verwertbarkeit des Glaubhaftigkeitsgutachtens keine aussergewöhnl i- chen Rechtsfragen gestellt h ätten. So habe er Fachliteratur zur Aussagepsychologie konsulti e- ren müssen, um das Gutachten kritisch würdigen zu können. Zudem habe er das umfangreiche Wortprotokoll zur Videoeinvernahme von C._____ vom 4. November 2008 und andere Einve r- nahmeprotokolle im Einzelnen auf Realkennzeichen geprüft. Ferner sei der Aufwand von 17 Stunden und 50 Minuten für die Eingabe von Beweisanträgen an die Staatsanwaltschaft e r- forderlich gewesen. Dass diese nur zweieinhalb Seiten umfasse, sage nichts über den Aufwand für deren Ausarbeitung aus. Dafür sei ein umfangreiches Studium der wesentlichen Akten no t- wendig gewesen. Schliesslich sei auch der fakturierte Aufwand von 35 Stunden und 10 Minuten für das Ausschaffen des Plädoyers gerechtfertigt. Bezüglich der verjährten Tatbestände habe er sich kurz gefasst und sich vorwiegend zu den noch nicht verjährten Tatbeständen geäussert. Die Vorinstanz unterlasse es aufzuzeigen, weshalb dieser Aufwand unangemessen sein soll. Gesamthaft sei festzustellen, dass das Strafgericht das gelt end gemachte Honorar zu Unrecht pauschal gekürzt habe. 2.3 Der Beschwerdeführer wies das von ihm in Rechnung gestellte Honorar von Fr. 29‘054.50 in der Honorarnote vom 25. Januar 2016 mit Einzelpositionen detailliert aus. Will das Gericht von einer mitte ls Honorarnote beantragten Entschädigung des amtlichen Recht s- beistandes abweichen, hat es sich mit den darin aufgeführten Positionen auseinanderzusetzen und darzulegen, weshalb diese seiner Ansicht nach ungerechtfertigt hoch seien und deshalb herabgesetzt werden sollen (BGer. 8C_327/2015 vom 8. September 2015 E. 5.1). Im vorliegen- den Fall hat das Strafgericht konkret dargelegt, weshalb es den in Rechnung gestellten Au f- wand für die Vorbereitung und das Ausarbeiten der Stellungnahme vom 13. Juni 201 4 zum Glaubhaftigkeitsgutachten und der Beweisanträge vom 13. März 2015, die Vorbereitung der Hauptverhandlung und das Abfassen des Plädoyers sowie das Aktenstudium als übersetzt so- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wie die verrechneten Kürzestaufwä nde als ungerechtfertigt erachtet . Demnach hat die e rste Instanz klar aufgezeigt, welche einzelnen Positionen sie in der Honorarnote beanstandet. Sie hat das Honorar letztlich nicht pauschal gekürzt, sondern lediglich auf den von ihr als überhöht eingestuften Positionen eine Kürzung im Umfang von Fr. 9‘684.85 vorgenommen. Damit hat sie auch die vom Beschwerdeführer für die Teilnahme an Einvernahmen und Besprechungen mit dem Mandanten in Rechnung gestellte Zeit nicht gekürzt. Eine unzulässig pauschale Reduktion des Honorars ist damit nicht gegeben. 2.4 Nach Art. 135 Abs. 1 StPO wird die amtliche Verteidigung nach dem Anwaltstarif des Bundes oder desjenigen Kantons entschädigt, in dem das Strafverfahren geführt wurde. Im Kanton Basel-Landschaft ist dem a mtlichen Verteidiger aufgrund von § 15 Abs. 2 i.V.m. § 17 Abs. 1 des Anwaltsgesetzes Basel-Landschaft vom 25. Oktober 2001 eine angemessene En t- schädigung nach Massgabe der basellandschaftlichen Tarifordnung v om 17. November 2003 für die Anwältinnen und Anwälte (TO) auszurichten. Gemäss § 2 Abs. 1 TO wird die angemes- sene Entschädigung der amtlichen Verteidigung aufgrund des Zeitaufwands festgelegt . Der Stundenansatz der amtlichen Verteidigung beträgt für ab dem 1. Januar 2014 erbrachte Lei s- tungen Fr. 200. -- bzw. für die vorliegend teilweise im Jahr 2013 getätigte n Arbeiten Fr. 180. -- (§ 3 Abs. 2 TO in der aktuellen Fassung bzw. jener vom 17. November 2003). Zu vergüten sind zudem gemäss § 15 f. TO die Auslagen und nach § 17 TO die Mehrwertsteuer. Der amtlichen Verteidigung steht ein Anspruch auf Entschädigung und Rückerstattung ihrer Auslagen nur zu, soweit es zur Wahrung der Rechte des Mandanten notwendig ist. Entschädigungspflichtig sind danach nur jene Bemühungen, die in einem kausalen Zusammenhang mit der Wahrung der Rechte im Str afverfahren stehen, und die notwendig und verhältnismässig sind . Lediglich in diesem Umfang lässt es sich rechtfertigen, die Kosten aus der Staatskasse zu bezahlen. Alle r- dings muss das Honorar so festgesetzt werden, dass der unentgeltlichen Rechtsvertretun g ein Handlungsspielraum verbleibt und das Mandat wirksam ausgeübt werden kann (BGE 141 I 124 E. 3.1 S. 126). Es besteht indes kein Anspruch auf eine unverhältnismässig teure und aufwä n- dige amtliche Verteidigung (LIEBER, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 135 N 6; BGE 117 Ia 22 E. 4b S. 24 f.). Bei der Beurteilung der Angemessenheit der Entschädigung der amtl i- chen Verteidigung steht der Vorinstanz ein weites Ermessen zu, in welches die Rechtsmitt el- instanz praxisgemäss nur mit einer gewissen Zurückhaltung eingreift. 2.5.1 Der Beschwerdeführer belastet für den Zeitraum vom 3. bis zum 12. September 2013 für das Aktenstudium insgesamt 22 Stunden 30 Minuten (3. September 2013: Aktenstudium 3 Stunden 20 Minuten; 5. September 2013: Aktenstudium 4 Stunden 40 Minuten; 6. September 2013: Aktenstudium 3 Stunden 40 Minuten; 9. September 2013: Aktenstudium 4 Stunden 50 Minuten; 11. September 2013: Aktenstudium 2 Stunden 30 Minuten; 12. September 2013: A k- tenstudium 3 Stunden 30 Minuten). Zu beachten ist, dass sic h der vom Beschwerdeführer b e- triebene Aufwand für das Studium der damals vorhandenen Akten nicht auf den vorgenannten Arbeitsaufwand beschränkt. So macht der Beschwerdeführer insbesondere geltend, im Rahmen der Vorbereitung und Ausarbeitung der Stellungnah me vom 13. Juni 2014 zum Glaubhaftig- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht keitsgutachten von Dr. med. E._____ das 88-seitige Wortprotokoll der Videoeinvernahme von C._____ vom 4. November 2008 gelesen zu haben. Angesichts des Umfangs der damals vo r- handenen Akten sowie in Anbetracht dessen, das s ein Teil dieser Akten zu einem späteren Zeitpunkt nochmals studiert worden sind, erscheint der fakturierte Zeitaufwand für das Akte n- studium in der Zeit vom 3. bis zum 12. September 2013 von 22 Stunden 30 Minuten als übe r- höht. 2.5.2 Der Beschwerdeführer verrechnet für das Ausarbeiten der Stellungnahme vom 13. Juni 2014 zum Glaubhaftigkeitsgutachten von Dr. med. E._____ sowie die damit verbundenen Vor- bereitungsarbeiten, wie das Studium des Glaubhaftigkeitsgutachtens und die Besprechung die- ses Gutachtens mit dem Mandanten, einen Arbeitsaufwand von 19 Stunden (2. April 2014: Ein- gang und Durchsicht des Glaubhaftigkeitsgutachtens 15 Minuten; 23. April 2014: Studium des Glaubhaftigkeitsgutachtens und Ausarbeiten der Stellungnahme 2 Stunden 40 Minuten; 16. Mai 2014: Fortsetzung des Studiums des Glaubhaftigkeitsgutachtens und Ausarbeiten der Stellung- nahme 4 Stunden 40 Minuten; 21. Mai 2014: Fortsetzung des Studiums des Glaubhaftigkeits- gutachtens und Ausarbeiten der Stellungnahme 5 Stunden 35 M inuten; 10. Juni 2014: Fortset- zung des Studiums des Glaubhaftigkeitsgutachtens und Ausarbeiten der Stellungnahme 2 Stunden 10 Minuten; 13. Mai 2014: Fertigstellung der Stellungnahme zum Glaubhaftigkeits- gutachten und Eingabe an die Staatsanwaltschaft 3 Stun den 40 Minuten). Der belastete Au f- wand für die Vorbereitung und Ausarbeitung der streitbetroffenen Stellungnahme, deren B e- gründung sich auf neun Seiten beschränkt, erscheint übersetzt. Der Beschwerdeführer bea n- standet, die Vorinstanz habe zu Unrecht angeno mmen, es stellten sich im Zusammenhang mit der Beurteilung der Glaubhaftigkeit und der Verwertbarkeit des Glaubhaftigkeitsgutachtens ke i- ne aussergewöhnlichen Rechtsfragen. So habe er für die Ausarbeitung der Stellungnahme ein- schlägige Fachliteratur zur Aus sagepsychologie studieren müssen. Da sich jedoch Fragen b e- züglich der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen und der Verwertung von Glaubhafti g- keitsgutachten in Strafprozessen regelmässig stellen, darf diesbezüglich von einem Strafv ertei- diger das nötige Grundwissen vorausgesetzt werden. Ein vom Strafverteidiger in dieser Hinsicht getätigter Aufwand ist deshalb nicht zu entschädigen . In der Stellungnahme vom 13. Juni 2014 kritisierte der Beschwerdeführer, dass eine Analyse der Realkennzeichen in den Au ssagen für sich allein für eine Glaubhaftigkeitsanalyse nicht genüge. Vielmehr müsse auch die Aussag e- tüchtigkeit und -validität beurteilt werden. Er legte gestützt auf die Literatur die Bedeutung der Prüfung der Aussagetüchtigkeit dar und führte verschiedene Gründe an, weshalb der Gutachter die Aussagetüchtigkeit von C._____ nicht richtig geprüft haben soll. Weiter rügte der Beschwer- deführer, dass der Gutachter zu Unrecht angenommen habe, die Aussagen von C._____ seien aufgrund von Realkennzeichen als glaub haft einzustufen. Seine Kritik begründete er unter a n- derem mit theoretischen Zitaten aus der Literatur zur Realkennzeichenanalyse sowie mit ein- zelnen Aussagen von C._____ anlässlich deren Videoeinvernahme vom 4. November 2008. Es ist zwar einerseits zu beachten, dass der Beschwerdeführer zur Ausarbeitung der Stellungna h- me insbesondere das 73-seitige Glaubhaftigkeitsgutachten von Dr. med. E._____ vom 24. März 2014, das 88-seitige Wortprotokoll der Videoeinvernahme von C._____ vom 4. November 2008 Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie weitere Protokolle von Befragungen von C._____ durchlesen musste. Andererseits ist indessen zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer an der Einvernahme von C._____ vom 4. September 2013 zugegen war, bereits im Zeitraum vom 3. September 2013 bis zum 12. September 2013 für Aktenstudium insgesamt 22 Stunden 30 Minuten aufwendete und damit die von C._____ bislang gemachten Aussagen im Wesentlichen gekannt haben müsste. In A n- betracht dessen sowie in Erwägung, dass das Anbringen der Kritik am Glaubhaftigkeitsgutach- ten keine besonderen Schwierigkeiten mit sich brachte und die Begründung der Stellungnahme bloss neun Seiten umfasst, ist der im Zusammenhang mit der Einreichung der Stellungnahme vom 13. Juni 2014 fakturierte Aufwand von 19 Stunden als übermässig einzustufen. 2.5.3 Der Beschwerdeführer macht für die Vorbereitung und das Abfassen des Schreibens an die Staatsanwaltschaft vom 13. März 2015 mit den Beweisanträgen, dessen Text sich in zwei Seiten erschöpft, einen Arbeitsaufwand von 17 Stunden 50 Minuten geltend (10. März 2015: Studium der eingegangenen Akten zwecks Einreichung der Beweisanträge 3 Stunden 50 Minuten; 11. März 2015: Fortsetzung des Studiums der eingegangenen Akten zwecks Einre i- chung der Beweisanträge 4 Stunden 10 Minuten; 12. März 2015: Fortsetzung des Studiums der eingegangenen Akten zwecks Einreichung der Beweisanträge 5 Stunden 40 Minuten; 13. März 2015: Fertigstellung und Eingabe an die Staatsanwaltschaft 4 Stunden 10 Minuten). Mit Schre i- ben vom 13. März 2015 verlangte der Beschwerdeführer, es seien bei der Sozialversicherungs- anstalt Basel-Landschaft, IV-Stelle, die gesamten C._____ betreffenden IV-Akten einzuholen. Weil er bereits in der Stellungnahme vom 13. Juni 2014 zum Glaubhaftigkeitsgutachten von Dr. med. E._____ vom 24. März 2014 vorgebracht hatte, der Gutachter hätte die aktuellen IV - Akten von C._____ beiziehen müssen, steht fest, dass ihm schon früher die Berücksichtigung der IV-Akten ein zentrales Anliegen war. Deshalb ist davon auszugehen, dass ihm im Rahmen der Stellung der Beweisanträge kein nennenswerter Zeitaufwand entstand. Weiter verlangte er eine Konfrontationseinvernahme von B._____ mit diversen Personen, die Anordnung eines e r- gänzenden Gutachtens zum Handschriftengutachten vom 5. Januar 2011 u nd stellte zwei Z u- satzfragen an den Gutachter. Da der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Ausarbeitung des Beweisantrags bereits ein ausführliches Aktenstudium betrieben und an den einschlägigen Ei n- vernahmen teilgenommen hatte, war er mit den Fakten des Fal ls grundsätzlich vertraut. Ang e- sichts dessen und unter Berücksichtigung, dass das Schreiben mit den Beweisanträgen mit zwei Seiten ausserordentlich kurz ausgefallen ist, erscheint für die Vorbereitung und das Abfa s- sen dieser Eingabe der in Rechnung gestellte Aufwand von 17 Stunden 50 Minuten als deutlich überhöht. 2.5.4 Der Beschwerdeführer fakturiert für die Vorbereitung der strafgerichtlichen Hauptve r- handlung und die Ausarbeitung des Plädoyers einen Arbeitsaufwand von 35 Stunden 10 Min u- ten (7. Januar 20 16: Verhandlungsvorbereitung und Erstellen des Plädoyers 3 Stunden 40 Mi- nuten; 8. Januar 2016: Fortsetzung der Verhandlungsvorbereitung und des Erstellens des Pl ä- doyers 3 Stunden 10 Minuten; 12. Januar 2016: Fortsetzung der Verhandlungsvorbereitung und des Erstellens des Plädoyers 4 Stunden 20 Minuten; 13. Januar 2016: Fortsetzung der Ve r- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht handlungsvorbereitung und des Erstellens des Plädoyers 3 Stunden 30 Minuten; 14. Januar 2016: Fortsetzung der Verhandlungsvorbereitung und des Erstellens des Plädoyers 3 Stunden 20 Minuten; 15. Januar 2016: Fortsetzung der Verhandlungsvorbereitung und des Erstellens des Plädoyers 3 Stunden 50 Minuten; 19. Januar 2016: Fortsetzung der Verhandlungsvorberei- tung und des Erstellens des Plädoyers 3 Stunden 30 Minuten; 21. Januar 2016: Fortsetzung der Verhandlungsvorbereitung und des Erstellens des Plädoyers 3 Stunden 40 Minuten; 22. Januar 2016: Fortsetzung der Verhandlungsvorbereitung und des Erstellens des Plädoyers 3 Stunden 30 Minuten; 24. Januar 2016: Fertigstellung des Pläd oyers 2 Stunden 40 Minuten). Das Pläd o- yer besteht aus einer Seite mit den Anträgen und rund 34 Seiten mit der Begründung. Es en t- hält in der Begründung unter den Titeln „Vorbemerkungen“ und „Einleitung“ zu Beginn eine rela- tiv lange Einleitung. Weiter stellt e der Beschwerdeführer im Plädoyer fest, dass B._____ die Vorwürfe von C._____ wegen der ihm vorgehaltenen häuslichen Gewalt, Sexualdelikten und Vermögensdelikten bestreite. Weil es weitgehend an objektiven Beweisen fehle, stehe grun d- sätzlich Aussage gegen Aussage. Es komme daher der Glaubwürdigkeit der Aussagen von C._____ eine tragende Bedeutung zu. In der Folge trug der Beschwerdeführer im Plädoyer über mehrere Seiten vor, dass aufgrund der dargelegten Umstände, des Aussageverhaltens, der Aussagequalität sowie der Feststellungen von Dritten die Glaubhaftigkeit der Aussagen von C._____ nicht gegeben sei. Daran anschliessend brachte er die im Wesentlichen bereits in der Stellungnahme vom 13. Juni 2014 zum Glaubhaftigkeitsgutachten von Dr. med. E._____ vom 24. März 2014 vorgebrachte Kritik teilweise nochmals vor. Schliesslich äusserte er sich noch auf neun Seiten zu den einzelnen in der Anklageschrift B._____ vorgeworfenen Straftaten. Zu guter Letzt nahm er im Plädoyer kurz zur geltend gemachten Zivil - und Genugtuungsforderung Stellung. Angesichts der B._____ im streitbetroffenen Strafverfahren vorgeworfenen Delikte erscheint der vom Beschwerdeführer für die Vorbereitung der Hauptverhandlung und die Erstel- lung des Plädoyers betriebene Aufwand von 35 Stunden 10 Minuten als deutlich übersetzt. Dies ist umso mehr anzunehmen, als der Beschwerdeführer insbesondere für seine Kritik an der Glaubhaftigkeit der Aussagen von C._____ auf seine Ausführungen in der Stellungnahme vom 13. Juni 2014 zum Glaubhaftigkeitsgutacht en von Dr. med. E._____ sowie auf diverse bereits zuvor getätigte Arbeiten zurückgreifen konnte. 2.5.5 Im Stundenansatz für die Arbeit des amtlichen Verteidigers sind anwaltliche Kür - zestaufwände (Kenntnisnahme des Eingangs von Vorladungen, Bewilligungen von Fristerstre- ckungsgesuchen und dergleichen, Telefonversuche etc.) abgedeckt ( LIEBER, a.a.O., Art. 135 N 4). Nicht zu vergüten ist demnach der vom Beschwerdeführer fakturierte Aufwand von 50 Minuten für anwaltliche Kürzestaufwände (23. August 2013: Eingang der Akten 5 Minuten; 24. April 2014: Eingang der Fristerstreckungsbewilligung per Fax 5 Minuten; 12. Mai 2014: Ein- gang des Faxes der Staatsanwaltschaft 5 Minuten; 23. Juli 2014: Eingang der Frist- erstreckungsbewilligung per Fax 5 Minuten; 19. Februar 2015: Eingang der Verfügung der Staatsanwaltschaft 5 Minuten; 20. Juli 2015: Eingang der Verfügung des Gerichts 5 Minuten; 27. Juli 2015: Eingang der Vorladung 5 Minuten; 8. Januar 2016: Eingang der Kopie des Schreibens des Gericht s an die Sozialversicheru ngsanstalt 5 Minuten; 11. Januar 2016: Ein- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gang des Zeitplans des Gerichts 5 Minuten; 22. Januar 2016: Eingang der Verfügung des Ge- richts per Fax 5 Minuten). 2.6 Dem Gesagten zufolge kann festgehalten werden, dass der vom Beschwerdeführer fakturierte Zeitaufwand für das Aktenstudium, die Vorbereitung und Ausarbeitung der Stellun g- nahme vom 13. Juni 2014 zum Glaubhaftigkeitsgutachten und der Beweisanträge vom 13. März 2015, die Vorbereitung der Hauptverhandlung und die Ausfertigung des Plädoyers als zu hoch erscheint sowie die anwaltlichen Kürzestaufwände zu Unrecht in Rechnung gestellt worden sind. Angesichts dessen sowie des aufgrund des Umfangs und der durchschnittlichen Schwi e- rigkeit des Falls erforderlichen Aufwands ist die vom Strafgericht vorgenommene K ürzung auf diesen Aufwandpositionen im Betrag von Fr. 9‘684.85 im Ergebnis nicht zu beanstanden. Dem- zufolge erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist deshalb abzuweisen. 3. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens von total Fr. 1‘100. -- (bestehend aus einer Spruchgebühr von Fr. 1‘000.-- und Auslagen von pauschal Fr. 100. --) dem unterliegen den Beschwerdeführer auf- zuerlegen (vgl. § 13 Abs. 1 GebT). Ausserdem ist dem Beschwerdeführer keine Parteientsch ä- digung zuzusprechen. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von total Fr. 1‘100.-- (beste- hend aus einer Spruchgebühr von Fr. 1‘000. -- und Auslagen von pauschal Fr. 100.--) werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird keine Parteientschädigung zugespr o- chen. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Stefan Steinemann