Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. Oktober 2020 (720 20 2 / 250, 720 20 3 / 251) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beschwerdelegitimation der Vorsorgeeinrichtung gegen einen IV-Entscheid, Überprüfung des Rentenentscheids der IV-Stelle, Schadenminderungsauflage bei einem Abhängig- keitsleiden Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien Personalversicherungskasse der evangelisch -reformierten Kir- che Basel-Stadt , Rittergasse 1 - 3, Postfach, 4001 Basel, Beschwer- deführerin, vertreten durch Franziska Bur Bürgin, Advokatin, BaselLe- gal GmbH, Rittergasse 12, 4051 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Beigeladene A.____ Betreff IV-Rente betr. A.____ Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____, geboren 1981, meldete sich unter Hinweis au f eine Depression im September 2009 erstmals bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle des Kantons B.____ wies das Leistungsbegehr en mit Verfügung vom 23. Juli 2010 in Berücksichtigung eines IV-Grades von 30 % ab. Mit Gesuch vom 15. Februar 2013 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV an und gab an, seit sechs Jahren unter Depressionen zu leiden. Nach Abklärungen lehnte die IV-Stelle des Kantons B.____ den Anspruch auf eine Invalidenrente erneut ab und wies darauf hin, dass die Arbeitsunfähigkeit vor allem durch ein Abhängigkeitsver- halten begründet sei, weshalb keine Invalidität vorliege. Schliesslich meldete sich A.____ am 16. März 2017 zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) an und verwies auf ein Mammakarzinom und eine Chemotherapie. Nach Abklärun g der gesundheitlichen, erwerbli- chen und haushälterischen Verhältnisse teilte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 10. September 2019 die Absicht mit, ihr ab dem 1. November 2017 eine ganze Rente zuzuspre- chen. Mit separatem Schreiben vom 17. Oktober 2019 ergi ng eine Aufforderung zur Schaden- minderung, mit welcher die Versicherte angehalten wurde, eine konsequente Dosisreduktion der Benzodiazepine vorzunehmen und, falls dies im ambulante n Bereich nicht gelinge, sich einer stationären Entzugsbehandlung zu unterziehen. Gegen den Vorbescheid wurde kein Einwand erhoben. A.____ teilte der IV-Stelle mit, wo sie die Massnahme zur Reduktion der Benzodiaze- pine durchführen werde. Mit Verfügungen vom 18. November 2019 und vom 10. Dezember 2019 bestätigte die IV-Stelle den Vorbescheid und sprach der Versicherten eine ganze Rente ab dem 1. November 2017 zu. B. Gegen diese Verfügungen erhob die Personalversicheru ngskasse der evangelisch-re- formierten Kirche Basel-Stadt, vertreten durch Advokatin Franziska Bur Bürgin, mit Eingaben vom 30. Dezember 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht, und stellte folgende Rechtsbegehren: 1. Die beiden Verfahren seien zu vereinigen. 2. Die angefochtenen Verfügungen seien aufzuheben und die Streitsache sei zu weiteren Abklärun- gen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 3. Der Beschwerdegegnerin sei im Hinblick auf den Erl ass der neuen Verfügung zu auferlegen, dass sie: a. die Leistungen an die Versicherte zwingend mit ein er Schadenminderungsauflage gemäss Empfehlung des Regionalen ärztlichen Dienstes beider Basel (RAD) vom 18. November 2019 verbinde (Auflage, dass die Versicherte die Dos is der Benzodiazepine konsequent reduziere, gegebenenfalls im Rahmen einer stationären Entzugsbehandlung); b. die spezifische gesundheitliche Beeinträchtigung, di e zum Zuspruch der Invalidenrente führe, in der Verfügung bezeichne; und c. den Beginn der Wartefrist in Einklang mit der zu b ezeichnenden gesundheitlichen Beein- trächtigung gemäss lit. b bestimme oder festhalte, dass der Beginn der Wartefrist für den IV-Entscheid nicht relevant sei. 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (inkl. Mehr wertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegne- rin. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Mit Verfügung vom 7. Januar 2020 legte die instrui erende Präsidentin der Abteilung So- zialversicherungsrecht des Kantonsgerichts die beiden Verfa hren antragsgemäss zusammen. Gleichzeitig wurde A.____ zum Verfahren beigeladen und zur Stellungnahme eingeladen. D. Mit Vernehmlassung vom 16. März 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. E. Die Beigeladene informierte mit Schreiben vom 7. März 2020 aus ihrer Sicht über die Einnahme der Benzodiazepine und reichte einen Brief d er behandelnden Psychiaterin Dr. med. C.____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 26. März 2020 ein. F. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten sow ohl die Beschwerdeführerin mit Replik vom 12. Mai 2020 als auch die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 29. Mai 2020 an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bilden Verfügungen der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der frist- und formgerecht eingereichten Beschwerden vom 30. Dezember 2019 zuständig. 2.1.1 Gemäss § 16 Abs. 2 VPO hat das Kantonsgericht von Amtes wegen zu prüfen, ob auf ein Rechtsmittel eingetreten werden kann. Zu den Pro zessvoraussetzungen, die allesamt erfüllt sein müssen, damit das Gericht zur Begründetheit oder U nbegründetheit der Rechtsbegehren Stellung nehmen kann, gehört unter anderem das Erford ernis, dass die Beschwerde führende Partei durch die angefochtene Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 59 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Die Rechtsprechung betrachtet als schutzwürdiges Interesse jedes praktische oder rechtliche I nteresse, das eine von einem Ent- scheid betroffene Person an dessen Änderung oder Aufhebung geltend machen kann. Es besteht somit im praktischen Nutzen, den die Gutheissung der Beschwerde der betroffenen Person ver- schaffen würde, oder – anders ausgedrückt – im Umstand, einen Nachteil wirtschaftlicher, ideel- ler, materieller oder anderweitiger Natur zu vermeiden, welchen der angefochtene Entscheid mit sich bringen würde. Das rechtliche oder auch bloss tatsächliche Interesse braucht somit mit dem Interesse, das durch die als verletzt bezeichnete Norm ge schützt wird, nicht übereinzustimmen. Es wird aber verlangt, dass die betroffene Person durch den angefochtenen Entscheid stärker als alle anderen betroffen ist und in einer besonderen , beachtenswerten, nahen Beziehung zur Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Streitsache steht (BGE 136 V 7 E. 2.1). Das allgemeine Interesse an der richtigen Auslegung und Durchsetzung des Bundesrechts genügt nicht (BGE 133 V 188 E. 4.3.3). 2.1.2 Die Vorsorgeeinrichtungen sind im Bereich der g esetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen - und Invalidenvorsorge [BVG] vom 25. Juni 1982) an die Feststellungen der Organe der Invalidenversicherung gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtungsweise aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offen- sichtlich unhaltbar erscheint. Die Bindungswirkung entfäll t, wenn die Vorsorgeeinrichtung nicht (spätestens) ins Vorbescheidverfahren (Art. 73 ter der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961) einbezogen und ihr die Rent enverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2010, 9C_81/2010, E. 3.1 mit Hinweisen). Die Bindungs- wirkung findet ihre positivrechtliche Grundlage in den Art. 23, 24 Abs. 1 und 26 Abs. 1 BVG, die an die Regelung des IVG anknüpfen oder diese übernehmen (BGE 143 V 434 E. 2.2). Der Leis- tungsanspruch auf eine Invalidenrente der obligatorische n beruflichen Vorsorge orientiert sich dabei an den sachbezüglichen Voraussetzungen des IVG. Au ch die Höhe der berufsvorsorge- rechtlichen Rente bestimmt sich analog zu derjenigen nach IVG. Für den Beginn des Anspruchs auf eine BVG-Invalidenrente gelten schliesslich gestützt auf Art. 26 Abs. 1 BVG sinngemäss die entsprechenden invalidenversicherungsrechtlichen Bestim mungen. Diese gesetzliche Konzep- tion basiert auf der Überlegung, die Organe der beru flichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen. Daher steht den Vorsorgeeinr ichtungen nach BVG ein selbständiges Beschwerderecht zu. Die Verbindlichkeitswirkung kann sich gemäss der mittlerweile gefestigten Rechtsprechung des Bundesgerichts allerdings nur in Bezug auf Feststellungen und Beurteilun- gen der IV-Organe entfalten, die im IV-rechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruches auf eine Invalidenrente entscheidend waren (Urteil de s Bundesgerichts vom 30. März 2009, 9C_8/2009, E. 3.2 mit Hinweisen; SVR 2007 IV Nr. 3 S. 8 E. 4; MARC HÜRZELER , Invaliditätsprob- lematiken in der beruflichen Vorsorge, Basel/Genf/München 2006, Rz. 546). Andernfalls können die Vorsorgeeinrichtungen die Anspruchsvoraussetzungen ihrerseits stets frei prüfen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2008, 9C_414/2007, E. 2.3). In diesem Zusammenhang gilt es zu berücksichtigen, dass die Festsetzung des Beginns des Rentenanspruches durch die IV-Organe nicht ausschliesst, dass die den Anspruch auf Invalidenleistu ngen nach BVG begründende Ar- beitsunfähigkeit – allenfalls in einem vorerst noch geringeren Ausmass – schon längere Zeit zuvor eingetreten ist (SVR 2005 BVG Nr. 5 S. 16, E. 2.3.2). 2.2.1 Zu prüfen ist, ob die angefochtenen Verfügunge n eine Bindungswirkung für die Be- schwerdeführerin entfalten, dieser damit ein schützenswer tes Interesse an der Aufhebung oder Änderung derselben zukommt, weshalb sie beschwerdelegit imiert ist. Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügungen und die Rückweisung der Angelegen- heit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin mit der Verpflichtung, im Hinblick auf den Erlass der neuen Verfügung die spezifische gesundheit liche Beeinträchtigung, die zum Zu- spruch der Invalidenrente führe, in der Verfügung zu bezeichnen, und den Beginn der Wartefrist in Einklang mit der zu bezeichnenden gesundheitlichen Beeinträchtigung zu bestimmen oder dann aber festzuhalten, dass der Beginn der Wartefrist f ür den IV-Entscheid nicht relevant sei. Soweit die Beschwerdeführerin beantragt, es sei die Be schwerdegegnerin zu verpflichten, die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Leistungen an die Beigeladene zwingend mit einer Schadenminderungsauflage gemäss Empfeh- lung des RAD vom 18. November 2019 zu verbinden, wird dazu in Erwägung 5 Stellung genom- men. 2.2.2 Die Beschwerdeführerin legt dar, dass sie ein schu tzwürdiges Interesse an der Aufhe- bung der angefochtenen Verfügungen habe, da diese un zureichend bzw. gar nicht begründet seien resp. mit Blick auf die Wartefrist in Widerspruch zu den IV-Akten stünden. Die Beigeladene leide an einer Mehrzahl parallel bestehender gesundheitlicher Beeinträchtigungen, die bereits zu langandauernden Arbeitsausfällen geführt hätten, die jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten erstmalig in vorsorgerechtlich relevantem Umfang in Erscheinung getreten seien. Damit nach Art. 23 BVG die leistungspflichtige Vorsorgeeinrichtung bestimmt werden könne, sei es unverzichtbar, dass die IV-Verfügungen klar bezeichnen, welche spezifische gesundheitliche Beeinträchtigung zur Invalidität geführt habe. Die Bezeichnung sei vorlie gend auch nötig, weil der IV-Antrag der Beigeladenen im Jahr 2013 unter Hinweis auf ein Abhän gigkeitssyndrom abgewiesen worden sei. Sofern dieses Abhängigkeitssyndrom nun zur Invalidität führe, sei zu prüfen, ob die Voraus- setzungen für eine Neuanmeldung gemäss IV-Rundschreiben des Bundesamtes für Sozialversi- cherungen (BSV) Nr. 395 vom 28. November 2019 erfüllt seien. Auch hierzu würden sich die angefochtenen Verfügungen nicht äussern. In Bezug auf den Vorwurf der widersprüchlichen An- gaben führt die Beschwerdeführerin aus, in den IV-Akte n bestünden Hinweise dafür, dass nicht das zuletzt diagnostizierte Krebsleiden zur Invalidität führe, da die onkologische Behandlung ab- geschlossen sei und der Krebs nicht rezidiviere, sondern die seit längerem bestehenden psychi- schen Beeinträchtigungen. Indessen sei das Wartejahr aber auf den Zeitpunkt der Krebsdiagnose festgelegt worden. Die angefochtenen Verfügungen würden daher in einem Punkt widersprüch- lich erscheinen, der im Sinne von Art. 23 BVG für die Bestimmung der leistungspflichtigen Vor- sorgeeinrichtung essentiell sei. 2.3.1 Die Beschwerdeführerin wurde in das Vorbescheidve rfahren einbezogen und der Ren- tenentscheid wurde ihr eröffnet. Somit erstreckt sich di e Verbindlichkeitswirkung auf diejenigen Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente nach IVG entscheidend waren und ü ber die demnach effektiv zu befinden war. Vorab ist daher auf die relevanten Bestimmungen des IVG sowie die von den IV-Organen anzuwendenden Verfahrensbestimmungen und -grundsätze hinzuweisen. 2.3.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG versicherte Personen, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Au fgabenbereich zu betätigen, nicht durch zu- mutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchsc hnittlich mindestens 40% arbeits- unfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwend- bar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu be rücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychi- sche Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der A rbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurtei- lende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.3.3 Mit BGE 145 V 215 hat das Bundesgericht die bishe rige Rechtsprechung, wonach pri- märe Abhängigkeitssyndrome bzw. Substanzkonsumstörungen zum Vornherein keine invaliden- versicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschäden darstellen können und ihre funktionellen Auswirkungen deshalb keiner näheren Abklärung bedürfen, fallen gelassen. Das Bundesgericht hat entschieden, dass fortan – gleich wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen (vgl. BGE 143 V 409 und 418) – auf der Grundlage eines strukturi erten Beweisverfahrens (Standardindika- torenprüfung) nach BGE 141 V 281 zu ermitteln ist, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der ver- sicherten Person auswirkt. Dabei kann und muss im Rahmen d es strukturierten Beweisverfah- rens insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getra- gen werden (BGE 145 V 215 E. 6.3 und E. 7). Diese neue Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2019, 8C_245/2019, E. 5 mit Hinweis). Hingegen bildet die neue Rechtsprechung per se keinen Grund für ein Zurückkommen auf rechtskräfti g entschiedene Fälle, weder unter dem Titel der Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG noch unter dem Titel der Anpassung an eine geänderte Gerichtspraxis (BGE 135 V 201). Auf eine allfällige Neuanmeldung kann daher nur eingetreten werden, wenn die versicherte Person ei ne anspruchsrelevante Änderung des Gesundheitszustandes oder des Sachverhalts glaubhaft machen kann (Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV, Art. 17 ATSG; vgl. IV-Rundschreiben Nr. 395 des BSV vom 28. November 2019). 2.3.4 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invalid itätsgrads verweigert und ist die Ver- waltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so hat sie zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist. Rechtsprechungsgemäss sind die bei ein em Revisionsfall geltenden Regeln bei einer Neuanmeldung analog anzuwenden (vgl. die in BGE 130 V 343 nicht publizierte E. 4 des Urteils des EVG vom 30. April 2004, I 626/03, mit Hin weisen). Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers bzw. einer Rentenbezügerin erheblich, so wird die Rente von Amtes we- gen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wes entliche Änderung in den tatsächlichen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflus- sen. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung eine r anspruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte rechtskräftige Verfügu ng, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invali- ditätsbemessung beruht (130 V 71 E. 3.2.3). 2.3.5 Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle ist vom Untersuchungsgrundsatz be- herrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Danach hat IV-Stelle von Amtes wegen für die richtige und voll- ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsa- chen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bundesge richts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). 2.4.1 Die Beigeladene war ab dem 1. September 2016 bei der D.____ AG als Pflegefachfrau mit einem 90 % Pensum angestellt und ab diesem Datum bei der Beschwerdeführerin vorsorge- versichert. Per 31. Januar 2017 wurde das Arbeitsverhältni s beendet. Einschliesslich der Nach- deckungsfrist gemäss Art. 10 Abs. 3 BVG bestand somit lä ngstens bis Ende Februar 2017 bei der Beschwerdeführerin eine Versicherungsdeckung im Rahmen der obligatorischen beruflichen Vorsorge. 2.4.2 Die IV-Anmeldung der Beigeladenen erfolgte am 16. März 2017. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG kann der Rentenanspruch somit frühestens per 1. Sept ember 2017 entstehen. In Berück- sichtigung des Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG musste die Beschwerdegegnerin folglich Feststellungen und Beurteilungen bezüglich des Gesundheitszustands, der Arbeits- und Erwerbs- fähigkeit der Beigeladenen ab September 2016 treffen. Damit enthalten die angefochtenen Ver- fügungen in Bezug auf den vorsorgerechtlich relevanten E intritt der Arbeitsunfähigkeit nach Art. 23 lit. a BVG verbindliche Aussagen ab September 2016. Die Beschwerdeführerin hat daher ein schutzwürdiges Interesse an der Überprüfung des Sachverhal ts ab September 2016 unter Be- rücksichtigung der Voraussetzungen der Rentenzusprache nach rechtskräftiger Rentenableh- nung. Die Beschwerdeführerin ist damit zur Beschwerde berechtigt, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist. 2.4.3 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin musste die Beschwerdegegnerin jedoch nicht beurteilen, ob und falls ja, in welchem Umfang d ie Beigeladene vor September 2016 ar- beitsunfähig war und an welchen gesundheitlichen Stö rungen sie litt. Die Arbeits- und/oder Er- werbsfähigkeit der Beigeladenen vor diesem Zeitpunkt sind für die Festlegung des IV- Leistungsanspruchs nicht von Belang, weshalb sich für diesen Zeitraum keine Verbindlichkeits- wirkung entfaltet und die Beschwerdeführerin im berufsvo rsorgerechtlichen Verfahren hierüber frei entscheiden kann. In diesem Sinne weist die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hin, dass im vorliegenden Beschwerdeverfahren lediglich zu prüfe n sei, ob die Beschwerdegegnerin der Beigeladenen zu Recht eine ganze Invalidenrente ab N ovember 2017 zugesprochen habe. Der Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens wird durch das Anfechtungsobjekt begrenzt und kann nicht durch die Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin ausgeweitet werden. In all diesen Punkten wird die Beschwerdeführerin die Anspruchsvorausset zungen selbst von Amtes wegen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit der gebotenen Sorgfalt zu ermitteln haben. Dabei kann sie sich auf die im IV-Verfahren von der Beschwerdegegnerin durchgeführten medizinischen und erwerblichen Abklärungen stützen. 2.5 Die Beschwerdeführerin beanstandet, dass die Beschwer degegnerin mit keinem Wort darauf eingehe, welche der mehreren dokumentierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beigeladenen rentenbegründend seien. Sie lasse die potenziell betroffenen Pensionskassen da- mit im Ungewissen darüber, wer leistungspflichtig werd e. Die Verfügungen seien somit unvoll- ständig und mangelhaft. Sie enthielten nicht diejenigen Angaben, die die Pensionskassen benö- tigten, um sich ein Bild über die Folgen und Rechtmä ssigkeit der IV-Verfügungen zu machen. Ausserdem seien Streitigkeiten über die nach Art. 23 BVG leistungspflichtigen Pensionskassen vorprogrammiert. Mit Blick auf die Bindungswirkung nach Art. 23 BVG sei hinsichtlich der psychi- schen Beeinträchtigung zwischen der Depression und der gemäss Gutachten als Folge der psy- chischen Erkrankung aufgetretenen Tablettenabhängigkeit d er Beigeladenen zu unterscheiden und wiederum auszuführen, welche spezifische Erkrankung zur Invalidität führe. Dies sei auch im Hinblick auf die Änderung der Rechtsprechung zu Abhäng igkeitssyndromen nötig, da die Be- schwerdegegnerin mit Verfügung vom 8. Oktober 2013 eine Berentung der Beigeladenen auf- grund ihrer Tablettensucht geprüft und unter damalig er Rechtsprechung abgelehnt habe. Zum anderen seien die Verfügungen widersprüchlich, da sie de n Beginn des Wartejahres auf die Brustkrebsdiagnose festlegen würden, im Rahmen der Vorbereitung des IV-Entscheids aber fest- gehalten worden sei, dass die psychische Erkrankung der hauptsächliche Grund für die Invalidi- sierung sei, wobei nicht zwischen den einzelnen Ausprägu ngen respektive Folgen der psychi- schen Erkrankung unterschieden werde. Die psychische Erkrank ung dauere schon viel länger und habe schon zu langandauernden Arbeitsausfällen geführt. 3.1 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, die Verf ügungen seien ungenügend begrün- det, sind vorab folgende Ausführungen angezeigt. 3.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweize rischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. In Konkretisierung dieses verfassungsrechtlichen Gehörsanspruchs statuiert Art. 49 Abs. 3 ATSG die grundsätzliche Pflicht der Versicherungsträger, ihre Verfügungen zu be gründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen. Zur Frage, welche Begründungsdichte die Verfügung aufweisen muss, äussert sich die genannte Bestimmung nicht. Diesbezüglich ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu verweisen, wonach die Begründung so abgefasst sein muss, dass die be- troffene Person die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl die betroffene Person wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Zu diesem Zweck müssen wenigstens kurz die Überlegun- gen genannt werden, von denen sich die Behörde hat lei ten lassen und auf die sich ihre Verfü- gung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich au sdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinander setzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 3.3 Der Vorbescheid vom 10. September 2019 wurde der B eschwerdeführerin eröffnet. Sie liess sich in der Folge nicht vernehmen. Ebenso erhob die Beigeladene keinen Einwand gegen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Vorbescheid. Die angefochtenen Verfügungen stimmen mit dem Wortlaut des Vorbescheids überein. Es wird ausgeführt, dass die Versicherte ab dem 1. November 2017 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Gestützt auf das Abklärungser gebnis stehe fest, dass die gesund- heitlichen Einschränkungen seit dem 16. November 2016 bestünden. Mit diesem Datum beginne auch die gesetzliche Wartefrist von einem Jahr. Die Ve rsicherte könne ohne Gesundheitsscha- den in einer Tätigkeit als Pflegefachfrau ein Jahresei nkommen von Fr. 64'476.-- erzielen. Das Invalideneinkommen betrage Fr. 0.--, weshalb eine Er werbseinbusse von Fr. 64'476.-- und ein Invaliditätsgrad von 100 % resultierten. Es wird sodan n darauf hingewiesen, dass die Renten nicht als Dauerleistungen zu verstehen seien, sondern das Ziel bestehe, die versicherten Perso- nen wieder beruflich einzugliedern. 3.4 Die Verfügungen entsprechen dem Gesuch der Beigel adenen auf Ausrichtung einer In- validenrente vollumfänglich, weshalb die Anforderungen an die Begründungsdichte geringer sind. Die Verfügungen gehen auf alle wesentlichen Punkte ein, die für die Zusprechung der Invaliden- rente wichtig sind. Sie sind zwar knapp ausgefallen, le gen aber Beginn des Anspruchs fest und enthalten eine Berechnung des Invaliditätsgrads, was letztlich im IV-rechtlichen Verfahren die wesentlichen Punkte sind. Die betroffenen Parteien können sich damit ein Bild über die Tragweite des Entscheids machen. Weitere Ausführungen sind nicht notwendig. So muss bzw. müssen weder die Diagnose(n) noch die Krankengeschichte oder d ie älteren Gesuche erwähnt werden. Eine Verletzung der Begründungspflicht nach Art. 29 Abs. 2 BV ist nicht ersichtlich. 4.1 Zu prüfen ist in materieller Hinsicht, ob die Beschw erdegegnerin zu Recht auf die Neu- anmeldung vom 16. März 2017 eingetreten ist, ob sich der Sachverhalt seit der rechtskräftigen Rentenablehnung vom 8. Oktober 2013 – dem vorliegend relevanten Vergleichszeitpunkt – in gesundheitlicher und in erwerblicher Hinsicht wesentlich verändert hat und ob die Voraussetzun- gen der Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab 1. November 2017 erfüllt sind. 4.2 Mit Verfügung vom 8. Oktober 2013 lehnte die Be schwerdegegnerin den Rentenan- spruch mit der Begründung ab, die Arbeitsunfähigkeit d er Beigeladenen werde vor allem durch das Abhängigkeitsverhalten begründet, weshalb keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege. Die Verfügung stützte sich auf das Gutachten von Dr. med. E.____, Fachärztin FMH für Psychi- atrie und Psychotherapie, vom 25. April 2013, und die Beurteilung von Dr. med. F.____, Facharzt für Psychiatrie, RAD, vom 25. Juni 2013. Dr. E.____ diagnostizierte psychische und Verhaltens- störungen durch Schmerzmittel und Hypnotika, Abhängigkei tssyndrom F13.2, psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom F17.2 sowie eine psychosoziale Über- forderung durch finanzielle Probleme. Dr. F.____ gel angte zum Schluss, dass sich der Sucht- druck seit 2010 relevant verstärkt habe. Die Suchtproblematik stehe im Vordergrund, eine andere psychiatrische Erkrankung könne nicht mit Sicherheit bestäti gt werden. Die Versicherte sei als Krankenpflegerin voll arbeitsunfähig, in einer Verw eistätigkeit bestehe eine 50 %-ige Arbeitsfä- higkeit. Ein iv-relevanter Gesundheitsschaden liege nicht vor, da die Arbeitsfähigkeitseinschrän- kungen auf die unbehandelte Suchterkrankung und die soziofinanziellen Belastungen zurückzu- führen seien. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Im Rahmen des Gesuchs vom 16. März 2017 wies die Bei geladene auf eine neu aufge- tretene Krebserkrankung hin und machte damit glaubhaft eine Veränderung ihres Gesundheits- zustands geltend, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das neue Gesuch eintrat und die medizinischen und erwerblichen Abklärungen tätigte (Art. 87 Abs. 3 IVV). 4.4.1 Im bidisziplinären asim-Gutachten vom 22. Mai 20 19 diagnostizieren Dr. med. G.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und PD D r. med. Dr. phil. H.____, Facharzt für Innere Medizin und Medizinische Onkologie FMH, mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: 1. eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderli ne-Typ (ICD-10 F60.31), 2. eine rezidi- vierende depressive Störung, derzeit schwere Episode (ICD- 10 F33.2), 3. eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.41), 4. ein multifokales, wenig differenziertes, invasiv-duktales Mammakarzinom rech ts, ED 11/2016, 5. eine residuelle Polyneuropathie der Finger und Zehen, klinisch am ehesten Grad 1-2, auf dem Boden einer sys- temischen Behandlung mit Taxol, 6. eine sekundäre psychisc he und Verhaltensstörung durch Sedativa, derzeit in ärztlich überwachtem Programm (ICD-10 F13.22) bei Diagnose 1 und Tumo- rerkrankung, 7. eine sekundäre psychische Verhaltensstörung durch Opioide, derzeit in ärztlich überwachtem Substitutionsprogramm bei Dr. K.____ (ICD-10 F11.22) bei Diagnose 1 und Tumor, 8. eine psychosoziale Überforderung als alleinerziehende Mutter mit Konflikten in der Herkunfts- familie, Überforderung bei beruflichen Tätigkeiten, Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z73.2, Z63.8), Z64, Z56) sowie 9. eine Müdigkeit bei Benzodiazepin- und Opiat Abusus. Keinen Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit messen sie der Magenbypassoperation 2014 u nd den erhöhten Infektparameter unklarer Ätiologie zu. 4.4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person sind die Verwaltung und das Gericht auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Die Rechtsprechung erachtet es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me- dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die aus- führlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsver- fahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehen- der Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.4.3 Das asim-Gutachten basiert auf vollständigen Akten, wurde nach einer persönlichen Un- tersuchung der Beigeladenen erstellt, beinhaltet eine Indikatoren- bzw. Konsistenzprüfung und Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist nachvollziehbar und schlüssig begründet (vgl. dazu auch die Beurteilung von pract. med. I.____, RAD, vom 23. Juli 2019). Damit erfüllt es alle von der Rechtsprechung geforderten Krite- rien. Es liegen keine Indizien vor, die Zweifel an der Verlässlichkeit des Gutachtens wecken wür- den; die Verlässlichkeit wird auch von keiner der Parteien in Frage gestellt. Gestützt darauf lässt sich rechtsgenüglich beurteilen, ob seit der letztmaligen Rentenablehnung im Jahr 2013 eine we- sentliche Veränderung eingetreten ist und ab wann und in welchem Umfang ein Rentenanspruch besteht. 4.5.1 Auf S. 4 des Konsensteils halten Dr. G.____ und PD Dr. H.____ fest, dass aufgrund der anamnestischen Angaben und der Akten klar davon auszugehen sei, dass die Explorandin unter einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung leide. Zudem seien rezidivierende depressive Phasen beschrieben worden, aktuell weise sie eine schwer e Episode auf. Vor dem Hintergrund der Borderline-Störung sei es zu einer sekundären Abhängigkeitserkrankung gekommen. Im No- vember 2016 sei ein multifokales, wenig differenziertes, invasiv-duktales Mammakarzinom rechts diagnostiziert worden, welches mittels neoadjuvanter Chemotherapie und operativ behandelt worden sei. Nach der Chemotherapie habe eine residuel le Polyneuropathie der Finger und Ze- hen, am ehesten Grad I - III auf dem Boden einer systemischen Behandlung mit Taxol, persistiert. Bis zur Diagnosestellung des Mammakarzinoms habe die Explor andin ihre brüchige Biographie mit vielen Stellenwechseln, Brüchen in der Herkunftsfa milie, immer wieder Unterbrüchen der Partnerschaft und vielen traumatischen Ereignissen mit B enzodiazepin kompensieren können. Durch die Diagnosestellung des genetisch bedingten Mammakarzinoms mit durchgeführten Che- motherapien und Operation sei es zur Zerstörung des sowieso brüchigen Selbstbilds gekommen. Die von der Explorandin beklagten Ganzkörperschmerzen sei en nicht auf eine eindeutig orga- nisch fassbare Pathologie zurückzuführen und daher als chronische Schmerzstörung mit soma- tischen und psychischen Anteilen zu interpretieren. 4.5.2 Gestützt auf diese Einschätzung der Gutachter ist f estzustellen, dass neben den bereits von Dr. E.____ diagnostizierten Abhängigkeitsleiden und der psychosozialen Überforderung wei- tere schwerwiegende Diagnosen (Diagnosen 1-5 des asim-Gutachtens) hinzutraten, die sich auf die Erwerbsfähigkeit der Beigeladenen auswirken. Der S achverhalt änderte sich somit im Ver- gleich zur letztmaligen Rentenprüfung in anspruchsrelevanter Weise, weshalb die Voraussetzun- gen von Art. 17 ATSG, die bei einer Neuanmeldung nach Rentenablehnung analog anzuwenden sind (vgl. dazu Erwägung 2.3.4 hiervor), erfüllt sind. Der Anspruch durfte damit von der Beschwer- degegnerin ohne Bindung an die frühere Invaliditätssch ätzung neu überprüft werden (BGE 141 V 9). 4.6.1 Dr. G.____ und PD Dr. H.____ legen auf S. 6 f . dar, dass die Explorandin spätestens seit der Diagnosestellung des Mammakarzinoms im November 2016 in der angestammten Tätig- keit wie auch in sämtlichen anderen Tätigkeiten voll arbeitsunfähig sei. Als Hausfrau und Mutter bestehe seit mindestens November 2016 eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von etwa 70 %, die hauptsächlich psychiatrisch bedingt sei. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für den Zeit- raum von 2013 bis November 2016 könne aufgrund der vor handenen Akten aus bidisziplinärer Sicht nicht attestiert werden. Die aktuell attestierte volle Arbeitsunfähigkeit für sämtliche ausser- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht häuslichen beruflichen Tätigkeiten sei vor allem psychiatrisch begründet. Zusätzlich habe ab Zeit- punkt der Diagnosestellung im November 2016 für etwa ein Jahr lang eine volle Arbeitsunfähig- keit aus onkologischer Sicht bestanden. Weiter halten sie fest, dass die Explorandin seit 2007 in psychiatrischer Behandlung sei. Teilerfolge sowohl in Bez ug auf Alltagsfähigkeiten als auch in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit und Kinderversorgung s eien erzielt worden. Die schockierende Krebsdiagnose im Dezember 2016 habe aber eine erneut e tiefe Krise ausgelöst. Aufgrund der ausgeprägten vorbestehenden strukturellen Defizite im Sinne der Persönlichkeitsstörung sei sie nicht in der Lage gewesen, die damit verbundene Damoklesschwert-artige Bedrohung einer mög- lichen erneuten Krebserkrankung, den Verlust von unversehrter weiblicher Körperlichkeit und Se- xualität zusätzlich zu den vorbestehenden Problemen zu b ewältigen. Daher sei der sekundäre Substanzmissbrauch angestiegen. 4.6.2 Gestützt auf diese Beurteilung ist mit überwiege nder Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen) erstellt, dass erst im No vember 2016 eine langandauernde 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit eintrat. Eine anhaltend e Arbeitsunfähigkeit bereits vor November 2016 konnte von den Gutachtern nicht bestätigt werden. Wie vorstehend ausgeführt, führte erst die Krebsdiagnose dazu, dass die Beigeladene die durch d ie Persönlichkeitsstörung bedingten Defizite nicht mehr bewältigen bzw. kompensieren konnte. Diese Beurteilung der Gutachter wird auch durch die Tatsache bestätigt, dass die Beigeladene im September 2016 noch gearbeitet hatte. Die Beschwerdegegnerin legte den Beginn des W artejahres ausgehend von der Beurtei- lung durch Dr. G.____ und PD Dr. H.____ somit korrekt auf den 16. November 2016 fest, womit der Rentenanspruch frühestens im November 2017 entstehe n kann. Ein Widerspruch zwischen dem Beginn der Wartefrist und den medizinischen Akten li egt nicht vor. Ob bereits vor diesem Zeitpunkt höhergradige langandauernde Einschränkunge n der Arbeitsfähigkeit bestanden, musste von der Beschwerdegegnerin nicht vertieft abklärt werden. Ebenfalls aus IV-rechtlicher Sicht nicht relevant ist, welche Diagnose(n) zur Arbeitsu nfähigkeit führten bzw. führen; beson- ders, wenn wie vorliegend, verschiedene gesundheitliche Störungen die Einschränkung bewir- ken. Weiter ist der Beschwerdegegnerin darin zuzustimmen , dass es für die Dauer des Warte- jahres keine Rolle spielt, welche der gesundheitlichen Störungen eine Arbeitsunfähigkeit bewirkt, solange die Arbeitsunfähigkeit durchschnittlich während eines Jahres mindestens 40 % beträgt, was vorliegend der Fall ist. Aus IV-rechtlicher Sicht eb enfalls nicht erforderlich ist, dass die Ge- sundheitsstörung, die während des Wartejahres für die Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend war, schliesslich auch diejenige ist, die zum Rentenanspruch führt. 4.6.3 Damit ist die Beschwerdegegnerin zu Recht davon ausgegangen, dass seit November 2016 eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Hinweise, die die konkrete Berechnung der Ren- tenhöhe in Frage stellen würden, sind nicht gegeben. In Anbetracht des Umstands, dass bei der Beigeladenen eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit sowo hl in der angestammten als auch in jeder anderen beruflichen Tätigkeit besteht, besteht fraglos ein Invaliditätsgrad von 100 %. Verletzun- gen von Art. 28 IVG, Art. 29 IVG sowie von Art. 17 ATSG liegen somit nicht vor. 5.1 Zu prüfen bleibt das Rechtsbegehren der Beschwerdef ührerin, die angefochtenen Ver- fügungen seien aufzuheben und die Angelegenheit sei zu weiteren Abklärungen an die Be- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdegegnerin zurückzuweisen und dieser sei im Hinblick a uf den Erlass der neuen Verfü- gung die Pflicht zu auferlegen, die Leistungen an die Beigeladene zwingend mit einer Schaden- minderungsauflage gemäss Empfehlung des RAD vom 18. Novem ber 2019 zu verbinden. Die angefochtenen Verfügungen würden sich als fehlerhaft er weisen, weil sie ohne erkennbaren Grund die vom RAD empfohlene Schadenminderungsauflage nicht enthielten. Es sei zu befürch- ten, dass sich die Beigeladene keinem Entzug unterziehen werde, falls ihr die Invalidenrente vo- raussetzungslos ausgerichtet werde. In Bezug auf ihre Besc hwer an der Überprüfung dieses Rechtsbegehren führt die Beschwerdeführerin aus, sie habe ein wirtschaftliches Interesse an der zu erteilenden Auflage, weil die empfohlene Schadenminderungsauflage gemäss medizinischem Gutachten eine mindestens teilweise Wiedereingliederung der Beigeladenen in den Arbeitspro- zess innerhalb weniger Jahre wahrscheinlich mache. Dies min dere ihre Kosten, soweit sie im Sinne von Art. 23 BVG leistungspflichtig werde. 5.2 Das IVG verpflichtet die versicherte Person, alles i hr Zumutbare zu unternehmen, um die Dauer und das Ausmass einer Arbeitsunfähigkeit zu verringern, um den Eintritt einer Invalidi- tät zu verhindern oder die Erwerbsunfähigkeit deutlich zu verbessern (Art. 21 Abs. 4 ATSG; Art 7 Abs. 1 IVG). Dieser Grundsatz der Schadenminderungspfl icht konkretisiert sich unter anderem darin, dass die IV-Stellen der versicherten Person im Z usammenhang mit einer Leistung, z.B. einer Rente, Auflagen machen können. Damit fordern si e die versicherte Person zu einer be- stimmten Verhaltensweise auf, welche nach Beurteilung der IV-Stellen geeignet ist, den versi- cherungsrechtlichen Schaden zu mindern (z.B. eine medizini sche Behandlung). Das auferlegte Verhalten muss verhältnismässig und zumutbar sein. Die Auflagen zur Schadenminderung erfol- gen in Form einer schriftlichen Aufforderung, in welch er der Inhalt der Auflage beschrieben ist, eine angemessene Frist gesetzt und auf die Rechtsfolgen bei Nichteinhaltung hingewiesen wird. Beim Hinweis auf die Schadenminderungspflicht mit konkre ten Vorkehren ohne Androhung von Rechtsnachteilen im Zusammenhang mit der Zusprechung einer ganzen Invalidenrente handelt es sich nicht um eine Anordnung i.S.v. Art. 49 Abs. 1 AT SG (Urteil des Bundesgerichts vom 12. März 2009, 9C_816/2008, E. 3.3). Hält sich eine versicherte Person nicht an die Auflage, können die IV-Stellen als Sanktion die Leistung kürzen oder einstellen. Die entsprechende Verfügung der Leistungseinstellung ist anfechtbar, die schriftliche Auff orderung und die Androhung selbst sind es nicht. Es gibt keine gesetzliche Bestimmung, die die IV-Stellen verpflichten würde, die Auflage einer Schadenminderungspflicht zwingend mit der Rentenverfügung zu erlassen. 5.3 Die Beschwerdegegnerin wies die Beigeladene mit Schreiben "Aufforderung (Art. 21 ATSG)" vom 17. Oktober 2019 darauf hin, dass im Rahmen der nächsten Rentenrevision die Rente nur weiter gewährt werden könne, wenn trotz de r durchgeführten Behandlung aus ärztli- cher Sicht weiterhin eine reduzierte Arbeitsfähigkeit im bisherigen oder rentenbegründenden Aus- mass vorliege. Daher werde man sich spätestens im Juli 202 1 über den Erfolg der Heilbehand- lung und über die Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit erkundigen, gestützt auf Art. 87 Abs. 2 IVV eine Revision von Amtes einleiten und neu über den Rentenanspruch entscheiden. 5.4 Es ist fraglich, ob der Beschwerdeführerin überhaup t ein rechtlich geschütztes Interesse an der Überprüfung dieser Rüge zukommt. Wie bereits d argelegt, hat das Bundesgericht ent- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht schieden, dass im Rahmen der Abklärung des Rentenanspruch s bei Vorliegen eines Suchtlei- dens keine Auflagen zum Entzug als Voraussetzung mehr a usgesprochen werden dürfen und Suchtleiden nicht mehr länger als invalidenversicherungsrechtlich unbeachtliche psychische Ge- sundheitsschäden gelten (BGE 145 V 215). Der Auflage vom 17. Oktober 2019 kommt somit nicht etwa die Bedeutung einer aufschiebenden Bedingung zu. Bis zur nächsten Revision von Amtes wegen ist der Anspruch der Beigeladenen damit nicht in Frage gestellt. Folglich ist die Beschwer- deführerin – selbstverständlich unter der Bedingung, d ass alle BVG-rechtlichen Anspruchsvo- raussetzungen gegeben sind und sie die zuständige Pensionskasse ist – verpflichtet, eine Inva- lidenrente auszurichten; unabhängig davon, ob die Auflage Teil der angefochtenen Verfügungen ist oder separat erlassen wird. Daher ist ein rechtlich geschütztes Interesse an der Überprüfung dieses Rechtsbegehrens durch das Kantonsgericht eher zu verneinen. Selbst wenn ein solches bejaht wird, ist die Beschwerde auch in diesem Punkt abzuweisen. Es handelt sich – wie bereits dargelegt – um eine Anordnung, die weder Teil der R entenverfügung zu sein hat noch in Verfü- gungsform zu erlassen ist. Eine Rechtsverletzung – auch im Sinne einer Rechtsverweigerung – die Anlass zur Aufhebung der angefochtenen Verfügungen geben würde, liegt damit nicht vor. 6. Nach dem Gesagten verletzen die angefochtenen Verfüg ungen nicht die Begründungs- pflicht im Sinne von Art. 29 BV und Art. 49 ATSG. Die Beschwerdegegnerin hat bei der Prüfung des Rentenanspruchs der Beigeladenen sodann den Unter suchungsgrundsatz nach Art. 43 ATSG befolgt und die Bestimmungen von Art. 7 ff. IVG, von Art. 28 ff. IVG und von Art. 42 ATSG korrekt angewendet. Die angefochtenen Verfügungen vom 1 0. Oktober 2019 und vom 18. No- vember 2019 sind somit nicht zu beanstanden und die da gegen erhobenen Beschwerden sind, soweit darauf einzutreten ist, abzuweisen. 7. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Bei Entscheiden wie dem vorliegenden, in denen ein durch- schnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt d as Gericht die Verfahrenskosten in Be- rücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitli ch auf Fr. 800.-- fest. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr aufzuerlegen sind. Dem Prozessausgang entsprechend hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerden werden abgewiesen, soweit dar auf einzutreten ist. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht