Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. September 2019 (725 19 164 / 240) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Zeitpunkt des Fallabschlusses durch den Unfallversicherer; Würdigung des medizini- schen Sachverhalts; Beurteilung des Rentenanspruchs; Integritätsentschädigung Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin i.V. Ebru Eren Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch M onica Armesto, Advoka- tin, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Advokatur am Bahnhof GmbH, Güterstrasse 106, Postfach 109, 4018 Basel Betreff Leistungen A. Der 1970 geborene A.____ arbeitete bei der B.___ _ GmbH als Gerüstbauer. In dieser Eigenschaft war er bei der Schweizerischen Unfallversicherun g (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 15. Oktober 2016 erli tt A.____ bei einer tätlichen Auseinan- dersetzung Verletzungen am Kopf und am Bein. Nachdem di e Suva nach Eingang der Unfall- meldung die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung un d Taggelder) für die Folgen des Un- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht falls erbracht hatte, teilte sie dem Versicherten mit S chreiben vom 20. August 2018 mit, dass die vorübergehenden Leistungen per Ende Oktober 2018 eingestellt würden. Zur Begründung machte sie geltend, dass ein medizinischer Endzustand vorli ege, da nicht mehr mit einer nam- haften Verbesserung durch eine weitere Behandlung gerechnet werden könne. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei davon auszugehen, dass A.____ die Ausübung der angestammten Tätigkeit als Gerüstbauer nicht mehr zumutbar sei, er könne aber noch leichte und mittelschwere Tätig- keiten verrichten, bei denen spätestens nach zwei Stunde n auch die Möglichkeit bestehe, die Arbeit für einen gewissen Zeitraum im Sitzen auszuführen . Mit Verfügung vom 13. September 2018 lehnte die Suva, gestützt auf die kreisärztliche Unt ersuchung vom 9. August 2018, den Anspruch auf eine Invalidenrente und Integritätsentsc hädigung ab. Es sei ein Invaliditätsgrad von 7 % ermittelt worden und es liege keine erhebliche Schädigung der körperlichen Integrität vor. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Suva mit Entscheid vom 5. April 2019 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokati n Monica Armesto, am 21. Mai 2019 Beschwerde am Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er bean- tragte, es sei ihm in Aufhebung des angefochtenen Entsch eids eine Taggeldleistung nach Mas- sgabe einer Arbeitsunfähigkeit von 75 %, über das Datum des 31. Oktober 2018 hinaus, auszu- richten. Eventualiter sei der Einspracheentscheid aufzuh eben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme weiterer Abklärungen u nd anschliessendem Neuentscheid zurückzuweisen. Subeventualiter sei der Einspracheentscheid aufzuheben und ihm eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 10 % und ei ne Integritätsentschädigung bei einer Einbusse von mindestens 5 % zu gewähren. Im Weiteren sei die Beschwerdegegnerin zur Tra- gung der Vertretungskosten des Beschwerdeführers zu verp flichten. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass sich die Suva auf die kreisä rztliche Untersuchung von Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Trau matologie des Bewegungsapparates abstütze, welche von den übrigen ärztlichen Einschätzunge n des Universitätsspitals D.____ abweiche und daher ohne Beweiswert sei. Der Kreisarzt habe in seiner Untersuchung den er- wähnten Substanzdefekt der Sehne an der Unterschenkelfr aktur und die posttraumatischen Kopfschmerzen, welche in den diversen Berichten des Universi tätsspitals D.____ festgehalten würden, nicht oder kaum beachtet. Der medizinische Sachve rhalt sei seitens des Kreisarztes nicht vollständig abgeklärt worden. Es bestünden deshalb zumindest geringe Zweifel an der Einschätzung des Kreisarztes, weshalb auf den Kreisarztbericht nicht abgestellt werden könne. C. Die Beschwerdegegnerin, vertreten durch Advokat Andr ea Tarnutzer-Münch, schloss in ihrer Vernehmlassung vom 29. Juli 2019 auf Abweisung der Beschwerde. Sämtliche Einzelheiten der Parteistandpunkte ergeben si ch – soweit sie für den Entscheid von Bedeutung sind – aus den nachfolgenden Erwägungen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in E.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 21. Mai 2019 ist demnach einzutreten. 2. Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidier- ten Bestimmungen des UVG in Kraft getreten. Laut Abs . 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des UVG vom 25. September 2015 werden jedoc h Versicherungsleistungen für Un- fälle, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestimmungen zugetragen haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebroche n sind, nach bisherigem Recht ge- währt. So verhält es sich auch im vorliegenden Fall, wesh alb nachfolgend auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug genommen wird. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod de r versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Inva lidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid ist. Der Ren tenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem R entenbeginn fallen die Heilbe- handlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung d er körperlichen, geistigen oder psychi- schen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Ans pruch auf eine angemessene Integri- tätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente f estgesetzt oder, falls kein Rentenan- spruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt vor aus, dass zwischen dem versi- cherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krank heit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Integritätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 177 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sin d alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht wer den kann. Entsprechend dieser Umschrei- bung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenh angs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesund heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingung en die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetrete ne gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen eine m schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusamme nhang besteht, ist eine Tatfrage, wo- rüber die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rah- men der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu b efinden hat. Die blosse Möglichkeit ei- nes Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leist ungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.3 Um die Leistungspflicht des Unfallversicherers bejah en zu können, muss zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nich t nur ein natürlicher, sondern auch ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Nach der Rechtspr echung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es n ach dem gewöhnlichen Lauf der Din- ge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich g eeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 mit Hinw eis). Der Voraussetzung des adäqua- ten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (BGE 129 V 177 E. 3.3 mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen e ines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und der eingetretenen gesundheitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Ka usalzusammenhang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwicke lten Regeln vom Gericht zu beurtei- len ist (Urteil des Bundesgerichts vom 24. August 2007, U 56/06, E. 6.2.2 am Ende; BGE 112 V 30 E. 1b). Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenha ng ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier d ie adäquate weitgehend mit der natürli- chen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1, 127 V 102 E. 5b/bb). Stehen hingegen psychi- sche Unfallfolgeschäden zur Beurteilung, so hat eine bes ondere Adäquanzprüfung zu erfolgen. Danach ist für die Bejahung des adäquaten Kausalzusamme nhangs im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entst ehung der Arbeits- bzw. Erwerbs- unfähigkeit zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit ande- ren Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (BGE 115 V 133 E. 7). 3.4 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismi ttel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbare n Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es a uf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Hin sichtlich des Beweiswertes eines Arzt- berichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die st reitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der D arlegung der medizinischen Zusam- menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Sit uation einleuchtet und ob die Schluss- folgerungen der Expertin oder des Experten begründe t sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 3.5 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispiel sweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärunge n vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 4.1 Mit Schreiben vom 20. August 2018 hatte die Suva d em Versicherten mitgeteilt, dass die vorübergehenden Leistungen (Taggelder und Heilbe handlung) per Ende Oktober 2018 ein- gestellt würden. In der Folge prüfte die Suva den Anspruch des Versicherten auf eine Invaliden- rente und eine Integritätsentschädigung. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer gesundheitlichen und erwerblichen Abklärungen lehnte sie mit Verfügung vom 1 3. September 2018, die sie in der Folge mit Einspracheentscheid vom 5. April 2019 bestäti gte, einen Rentenanspruch und einen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung ab. In sein er Beschwerde macht der Versicherte vorab geltend, der medizinische Endzustand sei Ende Oktob er 2018 noch nicht erreicht gewe- sen, so dass die Voraussetzungen für eine Einstellung der vorübergehenden Leistungen im genannten Zeitpunkt nicht erfüllt gewesen seien. 4.2 Im Entscheid 134 V 109 ff. hat sich das Bundesgericht einlässlich mit der Thematik befasst, in welchem Zeitpunkt der Unfallversicherer eine n Fall abzuschliessen und - gegebe- nenfalls - den Anspruch auf eine Invalidenrente und ein e Integritätsentschädigung zu prüfen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe (BGE 134 V 113 E. 3.2). Dies habe, so das Bundesge richt, gestützt auf Art. 19 Abs. 1 UVG in dem Zeitpunkt zu geschehen, in welchem von der F ortsetzung der ärztlichen Behand- lung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwar- tet werden könne und allfällige Eingliederungsmassnahme n der Invalidenversicherung abge- schlossen seien (BGE 134 V 113 ff. E. 4). Was unter ein er namhaften Besserung des Gesund- heitszustands zu verstehen sei, umschreibe das Gesetz nicht nä her. Mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstätigen Personen ausgerichtet sei (vgl. etwa Art. 1a und Art. 4 UVG), werde sich die s namentlich nach Massgabe der zu er- wartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbe itsfähigkeit, soweit unfallbedingt beein- trächtigt, bestimmen. Die Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber verdeut- liche dabei, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen müsse. Unbedeutende Verbesserungen genügten nicht (BGE 134 V 115 E. 4.3 mit Hinweisen). 5.1 Wie den Akten entnommen werden kann, absolvierte der Beschwerdeführer vom 15. Oktober 2016 bis 24. Oktober 2016 einen stationären Aufenthalt im Universitätsspital D.____. Im Austrittsbericht vom 21. Oktober 2016 hiel t das involvierte Ärzteteam beim Patien- ten folgende Diagnosen fest: (1) eine traumatische Subarachnoidal-Blutung links temporal ohne Raumforderung nach Hieb (15. Oktober 2016); (2) eine Unterschenkelfraktur rechts mit Spi- ralfraktur Tibia distales Drittel und proximale Fibulaf raktur (15. Oktober 2016); (3) eine Schnitt- wunde Oberschenkel rechts ventral/Dig II dorsal links/temporoparietal links; (4) eine kleine Riss- Quetsch-Wunde (RQW) parietotemporal links und (5) eine leichte Bindehaut-Verätzung durch Pfefferspray OU. Am 17. Oktober 2016 wurde die Unterschenkelfraktur rechts operativ reponiert und eine Marknagelung Tibia rechts vorgenommen. 5.2 Entsprechend dem Bericht des Universitätsspitals D.__ __ vom 6. April 2017 bestand ein halbes Jahr nach der tätlichen Auseinandersetzung w eiterhin ein Belastungsdefizt nach Tibiafraktur mit Problemen an der Insertionsstelle des Nagels im Sinne eines Patellaspitzen- syndroms. Der Patient sei weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig als Gerüstbauer. 5.3 Am 12. Dezember 2017 wurde der Beschwerdeführer durch den Suva-Kreisarzt Dr. C.____ untersucht. Dieser sah einen absolut zeitgere chten und angemessenen Heilverlauf, die Funktion am rechten Bein sei ohne Einschränkung. Di e angegebenen Beschwerden und belastungsinduzierten Einschränkungen seien aus medizinische r Sicht und in Kenntnis der strukturellen unfallkausalen Läsionen erklärbar und nachvollziehbar. In Bezug auf die Arbeitsfä- higkeit sei die angestammte Tätigkeit als Gerüstbauer i m Moment nicht ohne erhebliche Ein- schränkungen möglich. Hingegen könne er aus medizinische r Sicht alle administrativen und aufsichtsführenden Tätigkeiten sowie Büroarbeiten ausführen. Dem Versicherten sei eine leich- te und mittelschwere Tätigkeit mit der Möglichkeit de s gelegentlichen Hinsetzens zumutbar, wobei die folgenden Einschränkungen zu beachten seien: Arbeiten in unebenem Gelände nur kurzzeitig und ausnahmsweise, Klettern auf Leitern und Gerüsten ebenfalls nur im Einzelfall und ohne Lasten. 5.4 Im Bericht des Universitätsspitals D.____ vom 4. Juli 20 18 wurde ein Status nach Na- gelosteosynthese bei Unterschenkelfraktur (10/2017) diagn ostiziert. Im Januar 2018 sei das Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Osteosynthesematerial vollständig entfernt worden und aktu ell seien persistierende Beschwer- den im Eintrittsbereich des Nagels vorhanden. Im Eint rittsbereich des Nagels sowie im Bereich der Eintrittsstelle der Verrieglungsschraube würden sich lokal gut geheilte Narbenverhältnisse zeigen, wobei eine lokale Schwellung über dem Ligamen tum patellae im Eintrittsbereich des Nagels zu tasten sei. In dem Bereich sei auch eine Schm erzprovokation bei Palpation vorhan- den. Die Beweglichkeit des Kniegelenks und Sprunggelen ks sei im Vergleich zur Gegenseite uneingeschränkt. Da der Versicherte während der Arbeit viel knien und sich körperlich belasten müsse, sei für ihn eine Arbeitsfähigkeit von 50 % nicht realistisch. Es sei von einer 75 %-igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. 5.5 In einem weiteren Bericht des Universitätsspitals D._ ___ vom 23. Juli 2018 wurde mit- tels der durchgeführten Magnetresonanztomographie (MRI) am 4. Juli 2018 folgende Diagnose gestellt: Persistierende Schmerzen im Bereich des Ligamentum patellae bei ca. 30%-igem Sub- stanzdefekt des Ligamentum patellae am Knie rechts mit begleitender Tendinitis mit/bei einem Status nach Nagelosteosynthese bei Unterschenkelfraktur (1 0/2016) und einer vollständigen Metallentfernung (01/2018). Die vom Patienten geäusse rten Beschwerden seien durch die im MRI nachgewiesene Entzündungsreaktion erklärbar. Dem Beschwerdeführer wurde eine Physi- otherapieverordnung ausgestellt sowie eine GenuTrain- P3-Bandage zur lokalen Ruhigstellung und eine antiinflammatorische medikamentöse Therapie m it Celebrex und Voltaren-Gel verord- net. Die Arbeitsunfähigkeit wurde bei 75 % belassen. 5.6 Am 9. August 2018 fand die abschliessende kreisärztliche Untersuchung durch Dr. C.____ statt. Er erhob folgende Diagnosen: (1) e inen Status nach tätlichem Angriff mit Un- terschenkelfraktur rechts sowie Subarachnoidalblutung links temporal ohne Raumforderung am 15. Oktober 2016; (2) eine geschlossene Reposition und ei n Marknagel Tibia rechts am 16. Oktober 2016; (3) eine Entfernung des Tibianagel s rechts am 30. Januar 2018 und (4) aktuell: Belastungsinduzierte Beschwerden rechter Unt erschenkel und Beschwerden beim Knien. Dr. C.____ kam zum Schluss, dass rein funktione ll das Ergebnis “ganz ordentlich“ sei. Die vom Versicherten beklagten Probleme, vor allem im Bereich der Nagelein- und austrittsstel- le am rechten Kniegelenk seien aber nachvollziehbar un d würden hin und wieder vorkommen. Knapp zwei Jahre nach Ereignis und Operation und sieb en Monate nach der Metallentfernung sei ein Zeitpunkt erreicht worden, an dem nicht mehr m it einer namhaften Verbesserung durch eine weitere Behandlung gerechnet werden könne. In Be zug auf die Arbeitsfähigkeit stellte Dr. C.____ demnach fest, dass die angestammte Tätigkeit als Gerüstbauer nicht mehr ohne namhafte Einschränkungen möglich sei, da sie zu schwer sei . Er ging davon aus, dass der Be- schwerdeführer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in gan ztägigen, leichten und mittelschweren Tätigkeiten, bei welchen spätestens nach zwei Stunden die Möglichkeit bestehe, die Arbeit im Sitzen auszuüben, vollständig arbeitsfähig sei, wobei a llerdings folgende Einschränkungen zu beachten seien: Es sollten keine Tätigkeiten im Knien ausgeübt werden und Arbeiten in der Hocke sowie das Klettern auf Leitern und Gerüsten seien nur kurzzeitig und nicht dauerhaft und repetitiv möglich. 6.1 In Würdigung der oben geschilderten medizinischen Unterlagen ging die Suva im an- gefochtenen Entscheid bzw. in der ihm zu Grunde liegend en Verfügung davon aus, dass beim Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherten der medizinische Endzustand hinsichtlich der Unfallfolgen, insbesondere auch im Bereich der Nagelein- und austrittsstelle am rechten Kniegelenk, Ende Oktober 2018 erreicht gewesen sei. Es sei nicht ersichtlich, dass im genannten Zei tpunkt von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des G esundheitszustands zu erwarten gewesen sei oder dass von ärztlicher Seite eine entsprechende Prognose gestellt worden wäre. 6.2 Demgegenüber ist der Beschwerdeführer der Auffassun g, dass der Fall noch nicht hät- te abgeschlossen werden dürfen. Es sei weiterhin eine we sentliche Verbesserung des Gesund- heitszustands möglich. Zur Begründung dieses Standpunk ts beruft sich der Beschwerdeführer zum einen auf den Abschlussbericht des Kreisarztes Dr. C.__ __ vom 9. August 2018 und zum andern auf den Bericht des Universitätsspitals D.____ vom 23. Juli 2018. Im erstgenannten Be- richt habe der Kreisarzt festgehalten, dass bezüglich der Beschwerden im Bereich der Nage- lein- und austrittsstelle am rechten Kniegelenk nach knapp zwei Jahren nach Ereignis und Ope- ration und sieben Monate nach der Metallentfernung d er Zeitpunkt erreicht sei, an welchem nicht mehr mit einer namhaften Verbesserung durch eine weitere Behandlung gerechnet wer- den könne. Für die Vornahme des Fallabschlusses reiche di ese allgemeine Begründung aber nicht aus, da der Kreisarzt nebst der Entzündung im Ber eich des Ligamentum patellae einen Substanzdefekt, welcher die Entzündung unterhalte und d amit die Beschwerden verursache, nicht beachten würde. Im genannten Bericht des Universitätsspitals D.____ werde festgehalten, dass dieser Zustand des Substanzdefekts behandlungsbedürfti g sei und der Beschwerdeführer das Knie schonen müsse. Die Belastung des Kniegelenks fü hre zu einer entzündlichen Reakti- on und somit zu Beschwerden. Weiter macht der Beschwe rdeführer geltend, dass die Suva die Untersuchungsmaxime verletzt habe, weil sie im Rahmen des Einspracheverfahrens keine wei- teren Unterlagen zum Heilverlauf eingeholt habe. Zud em weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass er täglich unter starken Kopfschmerzen leide, di e ihn wesentlich einschränken und seine Lebensqualität vermindern würden. Jedoch habe de r Kreisarzt hinsichtlich der Kopf- schmerzen keinerlei Abklärungen vorgenommen, obwohl im Be richt des Universitätsspitals D.____ vom 6. April 2017 explizit ein Schädel-Hirn-Trauma festgestellt worden sei. 6.3 Wie oben ausgeführt, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall wie hier ohne Einholung ei nes externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind er gänzende Abklärungen vorzuneh- men (vgl. E. 3.5 hiervor und die dortigen Rechtsprechun gshinweise). Vorliegend sind keine sol- chen - auch nur geringe – Zweifel ersichtlich. Der versic herungsinterne Bericht des Kreisarztes Dr. C.____ erfolgte in vollständiger Aktenkenntnis und er berücksichtigt die beklagten Be- schwerden. Zudem erhob der Kreisarzt eine eigene Anamne se und er untersuchte den Be- schwerdeführer zweimal persönlich. Dabei kam er zum Schluss, dass das Kniegelenk rein funk- tionell "ganz ordentlich" sei. Die vom Versicherten bekla gten Probleme, vor allem im Bereich der Nagelein- und austrittsstelle am rechten Kniegele nk, seien aber nachvollziehbar und wür- den hin und wieder vorkommen. Jedoch könne hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit durch eine wei- tere Behandlung nicht mehr mit einer namhaften Verbesserung der Situation gerechnet werden. Diese Schlussfolgerung des Kreisarztes erweist sich als nachvollziehbar und schlüssig. Festzu- halten ist sodann ist, dass Dr. C.____ - entgegen der D arstellung des Beschwerdeführers - Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch den von den behandelnden Ärzten festgestellten S ubstanzdefekt in seine Beurteilung mit- einbezogen hat. In seinen Ausführungen vom 9. August 2 018 erwähnt er sowohl den MRI- Bericht vom 4. Juli 2018, in welchem auf den Substanzd efekt hingewiesen wird, als auch den Verlaufsbericht des Universitätsspitals D.____ vom 12. Ju li 2018, gemäss welchem die geäus- serten Beschwerden durch die im MRI nachgewiesene Entzün dungsreaktion erklärbar seien. Soweit der Beschwerdeführer die fehlende Abklärung de r Kopfschmerzen, die ihn in der Ar- beitsfähigkeit einschränken würden, beanstandet, kann ih m ebenfalls nicht gefolgt werden. So machte der Beschwerdeführer anlässlich der letzten kreis ärztlichen Untersuchung keinerlei An- gaben zu allfälligen Kopfschmerzen. Zudem finden sich auch in den Akten keinerlei Anhalts- punkte für unfallbedingte Kopfschmerzen. Es wird einzig festgehalten, dass die Subarachnoi- dalblutung reponiert ist. Unter diesen Umständen hatte Dr. C.____ keine Veranlassung, weitere Abklärungen bezüglich der Kopfschmerzen vorzunehmen. Die Beurteilung des Kreisarztes er- weist sich deshalb als vollständig. 6.4 Was die Auswirkungen der unfallkausalen Beschwerde n im Bereich des rechten Knie- gelenks auf die Arbeitsfähigkeit betrifft, ging der Kreisarzt davon aus, dass der Beschwerdefüh- rer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in ganztägigen, l eichten und mittelschweren Tätigkeiten, bei welchen spätestens nach zwei Stunden die Möglichkeit bestehe, die Arbeit im Sitzen aus- zuüben, vollständig arbeitsfähig sei, wobei allerding s folgende Einschränkungen zu beachten seien: Es sollten keine Tätigkeiten im Knien ausgeübt wer den und Arbeiten in der Hocke sowie das Klettern auf Leitern und Gerüsten seien nur kurzzeit ig und nicht dauerhaft und repetitiv möglich. Die Ausübung der angestammten Tätigkeit sei da gegen nicht mehr ohne namhafte Einschränkungen zumutbar. Vorliegend besteht kein Anlass, an der Richtigkeit dieser kreisärzt- lichen Feststellungen zu zweifeln. Dr. C.____ erstellte dieses Zumutbarkeitsprofil gestützt auf zwei persönliche Untersuchungen des Versicherten und in Ke nntnis sämtlicher medizinischer Akten und der bildgebenden Befunde. Da der Beschwerde führer somit im Zeitpunkt des Fallab- schlusses in einer leidensadaptierten Verweistätigkeit ber eits wieder zu 100 % arbeitsfähig ge- wesen ist, kann hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit eine n amhafte Verbesserung per se nicht mehr eintreten. 6.5 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die Be schwerdegegnerin vorliegend berechtigt war, den Fall unter Einstellung der vorü bergehenden Leistungen (Heilbehandlung, Taggelder) per Ende Oktober 2018 abzuschliessen. 7. Nimmt der Unfallversicherer den Fallabschluss unter E instellung der vorübergehenden Leistungen vor, so hat er gleichzeitig einen Anspruch der versicherten Person auf eine Invali- denrente und - gegebenenfalls - auf eine Integritätsentschädigung zu prüfen. 7.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet jeweils die Frage, in wel- chem Ausmass die versicherte Person unfallbedingt arbeitsunfähig ist. Gemäss der Legaldefini- tion von Art. 6 ATSG ist Arbeitsunfähigkeit die durch e ine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teil weise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutba- re Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 6.3 hiervor), gelangt e Dr. C.____ gestützt auf seine Un- tersuchung vom 9. August 2018 zur Auffassung, dass dem Ve rsicherten unfallbedingt die Aus- übung der bisherigen Tätigkeit als Gerüstbauer nicht m ehr ohne namhafte Einschränkung zu- mutbar sei, da es sich dabei um eine schwere Tätigkeit h andle. Hingegen könne er ganztags eine leichte und mittelschwere Tätigkeiten ausüben, bei welchen spätestens nach zwei Stunden die Möglichkeit bestehe, die Arbeit im Sitzen auszuführen. Allerdings seien folgende Einschrän- kungen zu beachten: Es sollten keine Tätigkeiten im Kn ien ausgeübt werden und Arbeiten in der Hocke sowie das Klettern auf Leitern und Gerüsten se ien nur kurzzeitig und nicht dauerhaft und repetitiv möglich. Wie ebenfalls oben festgehalten wurde (vgl. E. 6.3 hiervor), besteht kein Anlass, an der Richtigkeit dieses kreisärztlichen Zumutbarkeitsprofils zu zweifeln. 7.3 Nach Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Inva liditätsgrades das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der In validität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie- hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat i n der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffe rnmässig möglichst genau ermit- telt und einander gegenübergestellt werden. Aus der E inkommensdifferenz lässt sich der Invali- ditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 7.4 Die Suva hat im angefochtenen Einspracheentscheid den erforderlichen Einkommens- vergleich vorgenommen. Dabei hat sie das Valideneinkomm en des Beschwerdeführers als Ge- schäftsführer seiner Gerüstbaufirma gestützt auf eigenen Angaben auf Fr. 67’000.-- pro Jahr festgesetzt. Dieser Betrag ist nicht zu beanstanden, er wird auch vom Beschwerdeführer zu Recht nicht in Frage gestellt. 7.5.1 Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesun dheitsschadens keine oder jeden- falls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit a ufgenommen, so können für die Fest- setzung des (hypothetischen) Invalideneinkommens nach der Rechtsprechung entweder die LSE-Tabellenlöhne oder die Lohnangaben aus der Dokum entation von Arbeitsplätzen (DAP) der Suva herangezogen werden (BGE 126 V 76 E. 3b mit Hinweisen, 129 V 475 E. 4.2.1). 7.5.2 Im Entscheid BGE 129 V 472 ff. befasste sich das B undesgericht ausführlich mit der Invaliditätsbemessung aufgrund von Arbeitsplatzbeschre ibungen aus der von der Suva ge- schaffenen DAP und stellte fest, dass die für die Inval iditätsbemessung herangezogenen DAP- Profile im konkreten Einzelfall repräsentativ sein müssen. Es genügt daher nicht, wenn lediglich ein einziger oder einige wenige zumutbare Arbeitsplät ze angegeben werden, weil es sich dabei sowohl hinsichtlich der Tätigkeit als auch des bezahlten Lohnes um Sonder- oder Ausnahmefäl- le handeln kann. Vielmehr muss der Unfallversicherer m indestens fünf DAP-Blätter auflegen, damit die Repräsentativität der DAP-Profile als gegebe n betrachtet werden kann. Zusätzlich sind Angaben zu machen über die Gesamtzahl der aufgrun d der gegebenen Behinderung der versicherten Person in Frage kommenden dokumentierten Ar beitsplätze, über den Höchst- und Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Tiefstlohn sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Behinderungs- profil entsprechenden Gruppe. Dadurch wird eine hin reichende Überprüfung des dem Unfall- versicherer bei der Auswahl der DAP-Blätter zustehenden E rmessens ermöglicht. Sind die er- wähnten verfahrensmässigen Anforderungen nicht erfüllt, kann nicht auf den DAP- Lohnvergleich abgestellt werden (vgl. zitiertes Urteil , E. 4.2.2; vgl. auch BGE 139 V 595 f. E. 6.3). 7.5.3 Vorliegend stützte sich die Suva bei der Berechnu ng des Invalideneinkommens auf Lohnangaben aus ihrer DAP, wobei sie insgesamt fünf DA P-Blätter für das Jahr 2018 auflegte. Darüber hinaus machte sie Angaben über die Gesamtzahl der aufgrund der gegebenen Beein- trächtigung des Versicherten in Frage kommenden dokumen tierten Arbeitsplätze (insgesamt 171 DAP), über den dabei erzielbaren Maximallohn (Fr. 84‘500 .--), über den Minimallohn (Fr. 48‘945.--) sowie über den Durchschnittslohn der de m verwendeten Behinderungsprofil ent- sprechenden Gruppe (Fr. 64‘926.--). Die von der Rechtsp rechung geforderten, für die Invalidi- tätsbemessung herangezogenen konkreten fünf DAP-Blätter ergeben einen Durchschnittslohn von Fr. 62‘667.20. Diesen Betrag hat die Suva in der Folge ihrem Einkommensvergleich als hypothetisches Invalideneinkommen zu Grunde gelegt. Anh and der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 67‘600.-- und dieses Invalid eneinkommens von Fr. 62‘667.20 er- mittelte sie sodann einen Invaliditätsgrad des Versiche rten von 7,29 % bzw. gerundet (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 ff.) von 7 %. 7.5.4 Der Beschwerdeführer bestreitet im Zusammenhang mit dieser vorinstanzlichen Invali- ditätsbemessung die Rechtmässigkeit der beigezogenen DA P-Profile. So verwende die Suva bei den konkreten fünf DAP-Profilen, auf die sie abste lle, zwei DAP-Arbeitsplätze – erwähnt wurde allerdings lediglich die DAP-Nr. 387103 – welche dem ärztlicherseits attestierten Zumut- barkeitsprofil nicht entsprechen würden. Das genannte DA P-Profil ermögliche das freie Ein- schalten von Pausen im Hinblick auf den Arbeitsablauf nic ht, obwohl das Zumutbarkeitsprofil eine Tätigkeit vorsehe, bei der die Möglichkeit bestehe n müsse, die Arbeit nach zwei Stunden auch im Sitzen auszuführen. Dies würde der Schonung des Kniegelenks entgegenstehen. Demzufolge sei der Versicherte auch im Wechseln der Positi on eingeschränkt. Ausserdem müsse der Beschwerdeführer oft kurze Strecken gehen (bis 50 m) und dies widerspreche eben- falls dem Zumutbarkeitsprofil, da er die Arbeit nicht nach spätestens zwei Stunden im Sitzen verrichten könne. In Anbetracht dessen müsse das Invalidene inkommen anhand der LSE- Tabelle, TA 1 Kompetenzniveau 1 ermittelt werden und zudem müsse ein leidensbedingter Ab- zug von mindestens 15 % zugebilligt werden. 7.6 Im vorliegenden DAP-Profil 387103 ist es dem Arbei tnehmer möglich, die Tätigkeit grösstenteils im Sitzen zu verrichten. Selten muss er die Arbeit im Stehen und insbesondere nie kniend verrichten. Bei der kreisärztlichen Untersuchung vom 12. Dezember 2017 gab der Be- schwerdeführer an, dass er beim Laufen auf ebenem Unte rgrund kaum Probleme habe und zudem gut und gerne zwei Stunden und mehr laufen könne . Anlässlich der kreisärztlichen Un- tersuchung vom 9. August 2018 führte er aus, dass erst nach zwei Stunden laufen Probleme am Knie auftreten würden. Folglich kann der Beschwerde führer kurze Strecken gehen, was dem Zumutbarkeitsprofil voll und ganz entspricht. Die vo n der Suva ausgewählten DAP-Profile Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht beinhalten tatsächlich überwiegend sitzende Tätigkeiten , respektive es besteht bei ihnen die Möglichkeit, die Arbeit nach zwei Stunden weiter im Sit zen auszuführen. Somit entsprechen die ausgewählten DAP-Profile vollumfänglich dem formulierten Zumutbarkeitsprofil von Dr. C.____. Es liegen deshalb keine Gründe vor, weshalb auf die LS E-Tabelle abgestellt werden sollte. Da der ermittelte Invaliditätsgrad von 7 % unter der ges etzlichen Erheblichkeitsgrenze von 10 % liegt, hat die Suva im angefochtenen Einspracheentschei d vom 5. April 2019 den Rentenan- spruch des Versicherten zu Recht verneint. Die Beschwerde ist daher auch in diesem Punkt abzuweisen. 8. Streitig und zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdefü hrer Anspruch auf eine Integritäts- entschädigung hat. 8.1 Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemes- sene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfal l eine dauernde erhebliche Schädi- gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrit ät erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 gilt ein Integritätsscha- den als dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganze n Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körp erliche, geistige oder psychische Integ- rität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2). 8.2 Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsentsch ädigung in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie wird entsprechend der Schwere des Integ ritätsschadens abgestuft, wobei sie den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jah resverdienstes nicht übersteigen darf. Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gel- ten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der Bundesrat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 113 V 218 E. 2a; Kranken- und Unfallversicherung – Rec htsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1988 Nr. U 48 S. 236 E. 2a mit Hinweisen) häu fig vorkommende und typische Schäden prozentual gewichtet. 8.3 Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integrität sschäden entspricht die Entschädi- gung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höc hstbetrages des versicherten Ver- dienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für speziel le oder nicht aufgeführte Integritätsschä- den wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert ab geleitet (Ziff. 1 Abs. 2 Satz 1). In die- sem Zusammenhang hat die Suva in Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet. Diese in den Mitteilungen der Medizi- nischen Abteilung der Suva Nr. 57 bis 59 herausgegebene n Tabellen (teilweise geändert und ergänzt in den Mitteilungen Nr. 60, 62 und 66) sind, soweit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewä hrleistet werden soll, mit dem An- hang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a mit Hinweis). 8.4 Bei der Bestimmung des Schweregrades einer gesund heitlichen Beeinträchtigung handelt es sich um eine Tatfrage, für deren Beantwortu ng Verwaltung und Gerichte auf fach- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ärztliche Mithilfe angewiesen sind. Dem Gericht ist es n icht möglich, die Beurteilung aufgrund der aktenkundigen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfung des in den Tabellen offen gelassenen Bemessungsspielraums entsprechende Fachkenn tnisse voraussetzt und von einem medizinischen Laien eine zuverlässige Zuordnung nicht erwartet werden kann. Die Beur- teilung der einzelnen Integritätseinbussen obliegt som it den ärztlichen Sachverständigen (Ur- teil A. des Bundesgerichts vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 8.5 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, dass der medizinische Sachver- halt in Bezug auf die posttraumatischen Kopfschmerzen n icht vollständig abgeklärt sei und deswegen sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegner in zurückzuweisen, um darüber er- neut zu entscheiden. Diese Darstellung des Versicherten g ibt jedoch den medizinisch relevan- ten Sachverhalt nicht korrekt wieder. Die Schilderung d es Beschwerdeführers trifft nicht zu, da er sich gemäss den aktuellen medizinischen Berichten nicht über Kopfschmerzen beschwert hat. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf das weite r oben Gesagte (vgl. E. 6.3) verwiesen werden. Somit sind keine Gründe ersichtlich, weshalb vo m schlüssigen und überzeugenden Ergebnis der kreisärztlichen “Beurteilung des Integritä tsschadens“ vom 9. August 2018 abgewi- chen werden sollte. Die Beschwerde ist demnach auch hin sichtlich der beanstandeten Integri- tätsentschädigung abzuweisen. 9. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass der angefochtene Einsprache- entscheid vom 5. April 2019 nicht zu beanstanden ist. Di e vom Versicherten hiergegen erhobe- ne Beschwerde muss abgewiesen werden. 10. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist der Prozess vor dem kant onalen Gericht für die Parteien kostenlos. Es sind deshalb für den vorliegenden Prozess kei ne Verfahrenskosten zu erheben. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wird dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer keine Parteientschädigung zugesprochen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht