<h2>SubmittedText<h2><p>Die Entwicklung und der Umfang der Verschuldung privater Haushalte sind immer wieder Thema von Zeitungsartikeln, Radio- und Fernsehsendungen sowie parlamentarischen Vorstössen. Ein weiterer besorgniserregender Aspekt ist die Verschuldung Jugendlicher, aber diese ist leider nur die Spitze des Eisberges eines viel allgemeineren und bedeutenden Problems, das sich weiter verschärfen wird angesichts neuer Produkte auf dem Markt, die den Kauf auf Kredit fördern.</p><p>Es ist allerdings sehr schwierig, sich ein klares Bild über die Sachlage zu verschaffen, denn die Datenlage über die Verschuldung der privaten Haushalte ist sehr lückenhaft. Nach meiner Kenntnis gibt es dazu keine offizielle Statistik.</p><p>Deshalb bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Ist eine öffentliche oder private Institution mit der Sammlung solcher Daten beauftragt?</p><p>2. Kann der Bundesrat allenfalls Informationen liefern über die Entwicklung in den letzten zehn Jahren in Bezug auf:</p><p>- die Zahl der Zahlungsbefehle, die durch die Betreibungsämter zugestellt worden sind</p><p>- die Zahl der Betreibungen</p><p>- die Zahl der Privatkonkurse</p><p>- die durchschnittliche Höhe der Schulden, derentwegen diese Verfahren eingeleitet worden sind?</p><p>3. Beabsichtigt der Bundesrat, für den Fall, dass keine entsprechende Statistik besteht, eine solche erstellen zu lassen, oder sieht er vor, eine Untersuchung über diese Problematik ausarbeiten zu lassen? Diese Problematik wird sich in den nächsten Jahre verschärfen angesichts des Angebots neuer Möglichkeiten auf dem Markt, die den Kauf auf Kredit fördern.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat beantwortet die in der Interpellation aufgeworfenen Fragen wie folgt:</p><p>1. Es gibt bis heute keine private oder öffentliche Stelle, die verbindliche, gesamtschweizerische Angaben zur Verschuldung privater Haushalte machen könnte. Das Bundesamt für Statistik erhebt im Rahmen der Unternehmensdemografie einzig die Zahlungsbefehle, die Pfändungsvollzüge, die Verwertungen, die Konkurseröffnungen, die Konkurserledigungen, die von den Gläubigern erlittenen Verluste sowie die gerichtlich bestätigten Nachlassverfahren. Darüber hinaus veröffentlicht die Zentralstelle für Kreditinformation jährlich Zahlen zu den gewährten und ausstehenden Konsumkrediten, worunter namentlich auch Verpflichtungen aus Leasingverträgen fallen.</p><p>2. Vor zehn Jahren (1996) wurden gemäss der in Ziffer 1 erwähnten Statistik 1 832 888 Zahlungsbefehle ausgestellt. Zu einem Vollzug der Pfändung kam es in 846 955 Fällen. Für das Jahr 2005 betrugen die entsprechenden Zahlen 2 522 040 (Zahlungsbefehle) und 1 321 114 (Vollzug der Pfändung). Angaben zu Privatkonkursen können keine gemacht werden, da in der Statistik des Bundesamtes für Statistik nicht zwischen Privat- und Firmenkonkursen unterschieden wird. 1996 wurden insgesamt 10 541 Konkurse eröffnet, 2005 waren es 10 678. Die Gläubiger verloren dabei 3,87 (1996) bzw. 4,45 (2005) Milliarden Franken.</p><p>3. Der Bundesrat hat sich in Beantwortung des (vom Nationalrat noch nicht behandelten) Postulats Meier-Schatz (04.3639) "Bundesgesetz über den Konsumkredit. Erfahrungsbericht" bereit erklärt, die Möglichkeit zu prüfen, die statistische Situation rund um die Verschuldung privater Haushalte zu verbessern. In diesem Zusammenhang wird 2007 das Bundesamt für Justiz zusammen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz und dem LINK Institut für Markt- und Sozialforschung junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren zu ihrer Verschuldungssituation befragen.</p><p>Das Bundesamt für Statistik führt ferner ab 2007 eine auf europäischem Niveau koordinierte neue statistische Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen der Haushalte in der Schweiz (SILC) durch. Neben dem Hauptmodul wird im Jahre 2008 die Erhebung SILC ein Zusatzmodul über die Verschuldung und die finanzielle Ausgrenzung beinhalten. Ungefähr 6000 Haushalte und 8000 Personen werden befragt. Die Resultate der Erhebung SILC 2008 werden ab Herbst 2009 verfügbar sein.</p>  Antwort des Bundesrates.