A bteilung V E -5084/2006 {T 0/2} U rteil vom 29. Juni 2007 M itw irkung: R ichterin Kojic, R ichter G alliker, R ichter Brodard G erichtsschreiberin Püntener G ._______, dessen Ehefrau H ._______, und deren Kind I._______, Türkei, Aufenthalt unbekannt, vertreten durch Fürsprecher W erner Spirig, (...), G esuchsteller gegen U rteil der Schw eizerischen A sylrekurskom m ission (A R K ) vom 26. A pril 2005 in Sachen A syl und W egw eisung (R evision) / N (...) B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie G esuchsteller stellten am 3. Septem ber 2002 in der Schw eiz Asylgesuche. B. M it Verfügung vom 29. D ezem ber 2003 w ies das Bundesam t für Flüchtlinge (BFF; heute: Bundesam t für M igration [BFM ]) die Asylgesuche ab und ordnete die W eg- w eisung der G esuchsteller aus der Schw eiz an. Eine gegen diese Verfügung ge- richtete Beschw erde w urde von der AR K m it U rteil vom 26. April 2005 ebenfalls abgew iesen. C . M it U rteil vom 19. Juli 2005 trat die AR K auf eine als W iedererw ägungsgesuch be- zeichnete Eingabe vom 10. Juni 2005, w elche das BFM zur Behandlung als R evi- sionsgesuch an die AR K w eitergeleitet hatte, nicht ein, nachdem die G esuchsteller den einverlangten Kostenvorschuss nicht geleistet hatten. D . Am 14. Juli 2005 m eldeten die zuständigen kantonalen Behörden, dass die G esuchsteller seit dem 6. Juli 2005 unbekannten Aufenthaltes seien. E. M it Eingabe vom 7. Februar 2006 (Poststem pel) beantragten die G esuchsteller die R evision des U rteils der AR K vom 19. Juli 2005, da neue Bew eism ittel vorliegen w ürden. D iese w urde infolge R ückzugs vom 14. Februar 2006 am 16. Februar 2006 als gegenstandslos abgeschrieben. F. Am 14. Februar 2006 ersuchten die G esuchsteller erneut um R evision des U rteils der AR K vom 26. April 2005 sow ie um G ew ährung von Asyl und um vorläufige Auf- nahm e. D ieses G esuch w urde m it U rteil der AR K vom 28. M ärz 2006 abgew iesen. G leichzeitig w urden die Akten dem BFM zur gutscheinenden Prüfung unter dem G esichtspunkt der W iedererw ägung überw iesen. G . M it Verfügung vom 3. M ai 2006 w ies das BFM das W iedererw ägungsgesuch ab. H . M it an die AR K gerichteter Eingabe ihres R echtsvertreters vom 11. D ezem ber 2006 (Poststem pel) ersuchten die G esuchsteller erneut um revisionsw eise Aufhe- bung des Beschw erdeentscheides vom 26. April 2005 und um G ew ährung von Asyl. In verfahrensleitender H insicht w urde die Aussetzung des W egw eisungsvoll- zugs für die D auer des Verfahrens sow ie die unentgeltliche R echtspflege bean- tragt. Auf die Begründung w ird, sow eit entscheidw esentlich, in den nachfolgenden Erw ägungen eingegangen. G leichzeitig w urde ein Bew eism ittel (Aussageprotokoll vom 18. April 2001 sam t Ü bersetzung und O riginalcouvert) eingereicht. I. G em äss telefonischer M itteilung des M igrationsam tes des Kantons Aargau vom 12. D ezem ber 2006 galten die G esuchsteller w eiterhin als verschw unden. J. M it Zw ischenverfügung vom 15. D ezem ber 2006 w ies die dam als zuständige Inst- ruktionsrichterin der AR K das G esuch um vorläufige Aussetzung des Vollzuges der W egw eisung ab. D ie w eiteren Anträge w urden in einen späteren Zeitpunkt verw ie- sen. K. Am 8. Januar 2007 reichten die G esuchsteller eine Ergänzung zu den Akten. 3 L. M it verfahrensleitender Verfügung vom 22. Januar 2007 w urde das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 und 2 Vw VG abgew iesen und die G esuchsteller zur Leistung eines Kostenvorschusses in der H öhe von Fr. 1'200.-- aufgefordert. D ie G esuchsteller zahlten den Kostenvor- schuss in der Folge fristgerecht ein. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgeset- zes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). Als letztinstanzliche Behörde im Asyl- bereich ist das Bundesverw altungsgericht sodann auch zuständig für die Beurtei- lung von R evisionsgesuchen. 1.2 D as Bundesverw altungsgericht hat per 1. Januar 2007 die bei der per 31. D ezem - ber 2006 aufgelösten AR K hängigen R echtsm ittel übernom m en. D abei ist grund- sätzlich das neue Verfahrensrecht anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 45 VG G gelten im R evisionsverfahren vor dem Bundesverw altungsgericht die Art. 121 – 128 BG G sinngem äss. Angesichts des W ortlautes von Art. 45 VG G – gem äss w elchem diese R egelung bei Entscheiden des Bundesverw altungsgerich- tes gilt – stellt sich allerdings die Frage, ob diese N orm en auch bei übernom m enen R evisionsgesuchen gegen U rteile der AR K Anw endung finden, oder ob diesbezüg- lich nach w ie vor ausschliesslich die Art. 66 ff. Vw V G zu beachten sind; diese Fra- ge kann im vorliegenden Verfahren indessen letztlich offen bleiben, da das R evisionsgesuch – w ie nachstehend aufgezeigt – unter Berücksichtigung sow ohl der einen w ie auch der anderen R egelung abzuw eisen ist. 1.3 Auf Inhalt, Form , Verbesserung und Ergänzung des R evisionsgesuchs findet (w ei- terhin) Art. 67 Abs. 3 Vw VG Anw endung (vgl. Art. 47 VG G ). 1.4 D ie G esuchsteller sind durch den angefochtenen Entscheid berührt und haben ein schutzw ürdiges Interesse an dessen Aufhebung beziehungsw eise Änderung. D ie Legitim ation ist dam it gegeben (Art. 48 Abs. 1 Vw VG ). 1.5 Aus den nachstehend dargelegten G ründen liegt ein offensichtlich unbegründetes R evisionsgesuch vor, w eshalb der Entscheid nur sum m arisch zu begründen ist (Art. 111 Abs. 3 AsylG in analogiam ).4 2. 2.1 Vorw eg ist festzuhalten, dass an die Begründung ausserordentlicher R echtsm ittel erhöhte Anforderungen gestellt w erden (Art. 125 BG G ; Art. 66 Abs. 3 und Art. 67 Abs. 3 Vw VG ). In der R echtsschrift ist die R echtzeitigkeit des R evisionsbegehrens darzutun; zudem ist anzugeben, w elcher gesetzliche R evisionstatbestand angeru- fen w ird und in w iew eit Anlass besteht, gerade diesen G rund geltend zu m achen. Sind dem G esuch nicht genügend substanziierte, w irkliche R echtsm ittelgründe zu entnehm en, ist darauf überhaupt nicht einzutreten (vgl. FR ITZ G YG I, Bundesverw al- tungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 229 f.). D em gegenüber ist nicht erforder- lich, dass die angerufenen R evisionsgründe w irklich bestehen, sondern es genügt, w enn der G esuchsteller deren Vorliegen behauptet (vgl. BG E 96 I 279; U R SIN A BEER LI-BO N O R AN D , D ie ausserordentlichen R echtsm ittel in der Verw altungsrechtspfle- ge des Bundes und der Kantone, Zürich 1985, S. 148 f.). 2.2 Im vorliegenden Fall w ird der R evisionsgrund der neuen erheblichen Tatsachen oder Bew eism ittel (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BG G ; Art. 66 Abs. 2 Bst. a Vw VG ) und ausserdem die R echtzeitigkeit des R evisionsbegehrens geltend gem acht. D ie Ein- gabe erw eist sich dam it als hinreichend begründet. Auf das im Ü brigen frist- und form gerecht eingereichte (vgl. Art. 124 VG G ; Art. 47 VG G i.Vm . Art. 67 Abs. 3 Vw VG i.V.m . Art. 52 Vw VG ) R evisionsgesuch ist deshalb einzutreten. 3. 3.1 N ach Lehre und R echtsprechung gelten Tatsachen dann als neu, w enn sie zur Zeit der Erstbeurteilung der Sache bereits verw irklicht w aren, im ordentlichen Verfah- ren jedoch trotz aller pflichtgem ässen Sorgfalt nicht bekannt w aren und daher nicht geltend gem acht w erden konnten beziehungsw eise deren rechtzeitige G eltendm a- chung nicht zum utbar w ar. Erheblich sind die Tatsachen sodann, w enn sie ge- eignet sind, die tatbeständliche G rundlage des angefochtenen Entscheides zu ver- ändern und bei zutreffender rechtlicher W ürdigung zu einem anderen, für den G e- suchsteller günstigeren Ergebnis zu führen (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 1995 N r. 21 E. 3a S. 207 und 1995 N r. 9 E. 5 S. 80 ff., jew eils m it w eiteren H inw eisen). Ähnliches gilt für re- visionsw eise eingereichte Bew eism ittel: Sie sind nur dann als neu zu qualifizieren und beachtlich, w enn sie entw eder neue erhebliche Tatsachen erhärten oder ge- eignet sind, dem Bew eis von Tatsachen zu dienen, die zw ar im früheren Verfahren bekannt gew esen, aber zum N achteil der gesuchstellenden Partei unbew iesen ge- blieben sind, respektive w enn sie bei Vorliegen im ordentlichen Verfahren verm ut- lich zu einem anderen Entscheid geführt hätten. G em äss ständiger Praxis zu Art. 66 Abs. 2 Bst. a Vw VG ist es im G egensatz zu geltend gem achten neuen Tatsa- chen indessen nicht notw endig, dass die Bew eism ittel selber aus der Zeit vor dem in R echtskraft erw achsenen Entscheid stam m en (vgl. EM AR K 1994 N r. 27 E. 5c S. 199); die Frage, inw iew eit diese Praxis für das R evisionsverfahren vor dem Bun- desverw altungsgericht bei allfälliger Anw endbarkeit der R egelung von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BG G – nach dessen W ortlaut erst nach dem Beschw erdeentscheid entstandene Bew eism ittel revisionsrechtlich ohne Belang sind – noch G eltung hat, kann im vorliegenden Verfahren aufgrund der nachfolgenden Ausführungen offen bleiben.5 3.2 3.2.1 D ie G esuchsteller haben näm lich im R evisionsverfahren ein Bew eism ittel einge- reicht, w elches im Jahre 2001 und som it vor Abschluss des ordentlichen Asylver- fahrens entstanden ist. 3.2.2 Es ist dem nach zu prüfen, ob den G esuchstellern eine Einreichung dieses Be- w eism ittels bereits im ordentlichen Verfahren m öglich und zum utbar gew esen w äre, da das R evisionsverfahren nicht dazu dienen soll, im früheren Verfahren be- gangene, verm eidbare U nterlassungen der Partei nachzuholen, w eil diese sonst die M öglichkeit hätte, durch unvollständiges Vorbringen gegebenenfalls eine m ehr- m alige Beurteilung ihres Falles zu erw irken (vgl. BEER LI-BO N O R AN D , a.a.O ., S. 109). 3.3 D azu ist Folgendes festzuhalten: W ie bereits in der Zw ischenverfügung vom 15. D ezem ber 2006 ausführlich dargelegt, bringen die G esuchsteller keine überzeu- genden objektiven oder subjektiven G ründe vor, w elche es ihnen verunm öglicht oder nicht zum utbar gem acht hätten, das Bew eism ittel, das vom 18. April 2001 da- tiert, bereits im Laufe des ordentlichen Asylverfahrens beizubringen, zum al sie bereits vor m ehr als dreieinhalb Jahren verschiedene R echtsvertreter m it ihren Interessen betraut haben. 3.4 Angesichts des G ebots der völkerrechtskonform en Auslegung von G esetzesbe- stim m ungen sind zw ar gem äss der R echtsprechung der AR K auch verspätet ein- gereichte Bew eism ittel und geltend gem achte Vorbringen beachtlich, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass dam it ein offensichtliches völkerrechtliches W eg- w eisungshindernis belegt w ird (vgl. dazu EM AR K 1995 N r. 9 E. 7g S. 89). D iese R echtsprechung hat auch für das Bundesverw altungsgericht G eltung. D iese Voraussetzung ist im vorliegenden Fall jedoch nicht erfüllt, erscheint doch die Echtheit des nunm ehr eingereichten Bew eism ittels zum indest zw eifelhaft. Es soll sich dabei um das Protokoll der Anhörung eines PKK-M ilitanten vor der O ber- staatsanw altschaft G aziantep handeln, w orin dieser den G esuchsteller der U nter- stützung der PKK beschuldigt haben soll. Es ist auch nicht ersichtlich, w ie der G e- suchsteller respektive sein Vater in den Besitz dieses D okum entes gelangt ist. Ausserdem fällt ins G ew icht, dass die G esuchsteller bereits zw eim al versucht ha- ben, m it H ilfe eines gefälschten D okum entes ihre Fluchtgeschichte zu unterm au- ern. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass derartige U nterlagen leicht hergestellt und som it m anipuliert w erden können, w eshalb ihnen ohnehin nur beschränkter Bew eisw ert zukom m t. Vorliegend ist w eiter zu berücksichtigen, dass die Be- schw erdeinstanz in ihrem Entscheid vom 26. April 2005 die Vorbringen der G e- suchsteller w egen w idersprüchlicher Angaben in zentralen Punkten ihrer Asylge- suchsbegründung sow ie gestützt auf die Abklärungsergebnisse einer Botschafts- anfrage insgesam t als unglaubhaft bezeichnet hat. Insgesam t kann som it nicht gesagt w erden, das verspätet eingereichte Bew eism ittel verm öge ein offensichtli- ches völkerrechtliches W egw eisungshindernis zu belegen. 4. Zusam m enfassend ist festzuhalten, dass kein revisionsrechtlich relevanter Sach- verhalt dargetan ist. D as G esuch um R evision des U rteils der AR K vom 26. April 2005 ist dem zufolge abzuw eisen.6 5. 5.1 N achdem das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 Vw VG m it Zw ischenverfügung vom 22. Januar 2007 ab- gew iesen w orden ist, sind als Folge der Abw eisung des R evisionsgesuchs die Ver- fahrenskosten den G esuchstellern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 i.V.m . Art. 68 Abs. 2 Vw VG ). 5.2 D ie Kosten des Verfahrens sind auf insgesam t Fr. 1'200.-- festzusetzen (vgl. Art. 2 und 3 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver- w altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2] i.V.m . Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G ) und m it dem am 31. Januar 2007 bezahlten Kostenvorschuss in gleicher H öhe zu verrechnen. (D ispositiv nächste Seite)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D as R evisionsgesuch w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten, bestim m t auf Fr. 1'200.--, w erden den G esuchstellern aufer- legt und m it dem in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter der G esuchsteller, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N [...]) - X.______, zur Kenntnisnahm e D ie R ichterin: D ie G erichtsschreiberin: Therese Kojic Alexandra Püntener Versand am :