<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 32 S.146</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">146</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>32</b></span> <span class="ft2"><b>Planungszone und Baubewilligungsverfahren.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Rechtswirkungen einer Planungszone (Erw. 2.4).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Auswirkungen einer Planungszone auf ein Baubewilligungs- und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Baubeschwerdeverfahren; anwendbares Recht (Erw. 2.5 und 3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 13. Januar 2006 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">St. gegen den Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">§ 59 Abs. 1 BauG verpflichtet die Baubehörden, ein Bauvorha-</span><br/> <span class="ft1">ben auf Übereinstimmung mit den öffentlichen Rahmenbedingungen</span><br/> <span class="ft1">für die Bautätigkeit, einschliesslich allfälliger Planungszonen, zu</span><br/> <span class="ft1">überprüfen (AGVE 2000, S. 247; Erich Zimmerlin, Baugesetz des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Aargau, Kommentar, 2. Auflage, Aarau 1985, § 150 N 1).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 29 Abs. 2 Satz 2 BauG dürfen Baubewilligungen in einer</span><br/> <span class="ft1">Planungszone erteilt werden unter der Voraussetzung, dass sie die</span><br/> <span class="ft1">Verwirklichung der neuen Pläne und Vorschriften nicht erschweren</span><br/> <span class="ft1">(siehe auch Art. 27 Abs. 1 Satz 2 RPG). Die Planungszone bewirkt</span><br/> <span class="ft1">daher, dass in den von ihr betroffenen Gebieten die Anwendung des</span><br/> <span class="ft1">geltenden Rechts im Hinblick auf anstehende Planungsvorhaben</span><br/> <span class="ft1">ausgesetzt wird. Baubewilligungen in einem Gebiet mit Planungs-</span><br/> <span class="ft1">zone können deshalb nur erteilt werden, wenn sie die planerische</span><br/> <span class="ft1">Neuordnung nicht beeinträchtigen (sogenannte negative Vorwirkung;</span><br/> <span class="ft1">siehe dazu Alexander Ruch, in: Heinz Aemisegger / Alfred Kuttler /</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">147</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Pierre Moor / Alexander Ruch [Hrsg.], Kommentar zum Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">setz über die Raumplanung [RPG-Kommentar], Zürich 1999, Art. 27</span><br/> <span class="ft1">N 45 ff. mit Hinweisen). Eine Planungszone hat somit nicht die Wir-</span><br/> <span class="ft1">kung eines allgemeinen oder absoluten Bauverbots. Sie wirkt sich</span><br/> <span class="ft1">auch nicht hemmend auf das Baubewilligungsverfahren aus. Die</span><br/> <span class="ft1">Sperrwirkung der Planungszone beschränkt sich auf negative, präju-</span><br/> <span class="ft1">dizierende Auswirkungen von Bauvorhaben auf die sich im Gang be-</span><br/> <span class="ft1">findliche Planung (siehe AGVE 1992, S. 340 für die allgemeine</span><br/> <span class="ft1">Bausperre nach § 148 aBauG, welche im Rahmen der Revision von</span><br/> <span class="ft1">§ 29 BauG abgelöst wurde [Botschaft des Regierungsrats an den</span><br/> <span class="ft1">Grossen Rat vom 21. Mai 1990 zum Baugesetz, S. 21]).</span><br/> <span class="ft1">Nach diesen Vorschriften ist in einem Baubewilligungs- und</span><br/> <span class="ft1">- aufgrund des Devolutiveffekts einer Baubeschwerde (vgl. § 3</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 VRPG i.V.m. §§ 45 ff. VRPG) - auch im Rechtsmittelverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren deshalb jeweils zu prüfen, ob und inwieweit ein Bauvorhaben die</span><br/> <span class="ft1">Planungsabsichten oder -ziele einer Nutzungsplanrevision tatsächlich</span><br/> <span class="ft1">behindert oder erschwert. Fehlt einem Bauvorhaben jegliche negative</span><br/> <span class="ft1">Präjudizwirkung für die vorgesehene Nutzungsplanänderung und</span><br/> <span class="ft1">entspricht es der geltenden Bau- und Nutzungsordnung, ist die Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung auch in einer Planungszone zu erteilen (siehe AGVE</span><br/> <span class="ft1">1992, S. 340). Unzulässig ist die Erteilung einer Baubewilligung,</span><br/> <span class="ft1">welche sich nur auf zukünftiges, noch nicht in Kraft getretenes Recht</span><br/> <span class="ft1">stützt. Eine positive Vorwirkung der zukünftigen Bau- und Nutzungs-</span><br/> <span class="ft1">ordnung (siehe dazu Ruch, a.a.O., Art. 27 N 47 ff.; AGVE 1992,</span><br/> <span class="ft1">S. 356 f. mit Hinweisen) ist mit dem Legalitätsprinzip unvereinbar.</span><br/> <span class="ft1">Steht nur <i>ein</i> (einziges) konkretes Bauvorhaben mit der vorge-</span><br/> <span class="ft1">sehenen Nutzungsplanung in Widerspruch, sieht § 30 BauG die</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit eines "Zurückstellens" des Baugesuches vor. Nach der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung kann das "Zurückstellen" eine vorläufige Abweisung</span><br/> <span class="ft1">oder eine Sistierung des Verfahrens durch die Baubewilligungs- oder</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelbehörden bedeuten (AGVE 1993, S. 372; siehe auch den</span><br/> <span class="ft1">Entscheid des Regierungsrats in AGVE 1995, S. 554).</span><br/> <span class="ft1">Durch den Erlass einer Planungszone wird das Vertrauen der</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümer in das geltende Recht beseitigt. Sie haben zur</span><br/> <span class="ft1">Kenntnis zu nehmen, dass sich die Rechtslage ihrer Grundstücke</span><br/> <span class="ft1">verändern soll und Baubewilligungen nur erteilt werden können,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">148</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wenn feststeht, dass das Bauvorhaben den künftigen planungsrechtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Festlegungen nicht widerspricht. Die Planungsabsichten kom-</span><br/> <span class="ft1">men in Vorstellungen oder Entwürfen über die neue Nutzungsord-</span><br/> <span class="ft1">nung zum Ausdruck, welche die Planungsbehörden nicht verpflich-</span><br/> <span class="ft1">tend binden und die sich im Verlaufe einer Nutzungsplanrevision än-</span><br/> <span class="ft1">dern können (BGE vom 3. November 1982, in: ZBl 1983, S. 545;</span><br/> <span class="ft1">Ruch, a.a.O., Art. 27 N 29). Entsprechend dem Zweck der Planungs-</span><br/> <span class="ft1">zone (Sicherungsmittel) und dem Planungsvorgang sind daher nicht</span><br/> <span class="ft1">allein die bei Erlass oder Anordnung einer Planungszone herrschen-</span><br/> <span class="ft1">den Planvorstellungen massgebend, sondern die im Verlaufe des Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungsprozesses gewonnen Ansichten oder neuen Planungsideen und</span><br/> <span class="ft1">-absichten ebenfalls zu berücksichtigen. Bei der Prüfung eines Bau-</span><br/> <span class="ft1">vorhabens und der Überprüfung einer Baubewilligung hinsichtlich</span><br/> <span class="ft1">der negativen Vorwirkung sind daher immer die im Zeitpunkt der</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung aktuellen, insbesondere auch seit Erlass der Planungs-</span><br/> <span class="ft1">zone veränderten Planvorstellungen massgebend.</span><br/> <span class="ft1">2.5.</span><br/> <span class="ft1">Von den allgemeinen Rechtswirkungen einer Planungszone auf</span><br/> <span class="ft1">Bauvorhaben (siehe vorne Erw. 2.4) zu unterscheiden sind die Fra-</span><br/> <span class="ft1">gen der Folgen einer Anwendung der Planungszone auf ein konkretes</span><br/> <span class="ft1">Baugesuch, ein laufendes Baubewilligungsverfahren (siehe hinten</span><br/> <span class="ft1">Erw. 2.5.1) und auf ein hängiges Rechtsmittelverfahren über eine</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung (siehe hinten Erw. 2.5.2).</span><br/> <span class="ft1">2.5.1.</span><br/> <span class="ft1">Je nach Bauvorhaben, dem Gegenstand eines Baugesuchs, dem</span><br/> <span class="ft1">Inhalt oder Zeitpunkt des Erlasses einer Planungszone, können in der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsanwendung verschiedene Rechtsfolgen mit Bezug auf das</span><br/> <span class="ft1">Baugesuch oder ein Baubewilligungsverfahren eintreten. So kann</span><br/> <span class="ft1">z.B. ein Bauvorhaben trotz bestehender Planungszone bei Überein-</span><br/> <span class="ft1">stimmung mit dem Revisionsvorhaben oder geringfügigen Abwei-</span><br/> <span class="ft1">chungen mit den Planungsabsichten bewilligt werden (Ruch, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Art. 27 N 48). Bei einer negativen Präjudizierung der vorgesehenen</span><br/> <span class="ft1">Planung kann ein Baugesuch einstweilen ("bis auf weiteres") zu-</span><br/> <span class="ft1">rückgestellt werden (siehe VGE III/39 vom 3.</span> <span class="ft1">Mai 2005</span><br/> <span class="ft1">[BE.2004.00041], S. 7) oder ein Baubewilligungsverfahren einst-</span><br/> <span class="ft1">weilen sistiert werden (Hänni, a.a.O., S. 312). Sodann kann eine Pla-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">149</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nungszone aus sachlichen oder verfassungsrechtlichen Gründen auf</span><br/> <span class="ft1">ein konkretes Bauvorhaben oder eine einzelne Parzelle oder ein Bau-</span><br/> <span class="ft1">gesuch keine Anwendung finden (siehe BGE 118 Ia 510 Erw. 4;</span><br/> <span class="ft1">BGE vom 22. April 2004 [1P.539/2003], Erw. 2.7; Ruch, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Art. 27 N 27). Schliesslich ist es im Einverständnis mit dem Bauge-</span><br/> <span class="ft1">suchsteller auch zulässig, ein Baubewilligungsverfahren im Hinblick</span><br/> <span class="ft1">auf zukünftiges Recht zu sistieren (AGVE 1993, S. 373; 1995, S. 554</span><br/> <span class="ft1">f.)</span><br/> <span class="ft1">2.5.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Anwendung und die Wirkungen einer Planungszone, die</span><br/> <span class="ft1">erst nach Erteilung einer Baubewilligung und während eines</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelverfahrens erlassen wird, sind im Baugesetz und in den</span><br/> <span class="ft1">Verordnungen nicht ausdrücklich geregelt. Das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">hat in einem Fall, da sich die Voraussetzungen einer Bausperre erst</span><br/> <span class="ft1">vor Verwaltungsgericht aktualisiert haben, die Weiterbehandlung des</span><br/> <span class="ft1">Baugesuchs "einstweilen zurückgestellt" und das Verfahren vor dem</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht in einem Zwischenentscheid sistiert. Begründet</span><br/> <span class="ft1">wurde dieses Vorgehen damit, dass die Vorinstanzen die Rechtmäs-</span><br/> <span class="ft1">sigkeit des Bauvorhabens nach dem geltenden Recht geprüft hätten,</span><br/> <span class="ft1">weshalb das Verwaltungsgericht ohne Rückweisung entscheiden</span><br/> <span class="ft1">könnte, sofern die Neuordnung aus irgendwelchen Gründen keine</span><br/> <span class="ft1">Rechtskraft erlangte (AGVE 1993, S. 372 f.; siehe auch VGE III/57</span><br/> <span class="ft1">vom 15. Juli 2004 [BE.2003.00187], S. 20).</span><br/> <span class="ft1">Ausgangspunkt für die Rechtsanwendung bildet die Rechtsnatur</span><br/> <span class="ft1">der Planungszone, die als Instrument der Nutzungsplanung allge-</span><br/> <span class="ft1">meine Rechtswirkung entfaltet (siehe Ruch, a.a.O., Art. 27 N 20).</span><br/> <span class="ft1">Die Zuständigkeits- und Rechtsschutzüberlegungen, welche Anlass</span><br/> <span class="ft1">für den Verfügungscharakter der allgemeinen Bausperre nach § 148</span><br/> <span class="ft1">aBauG (siehe AGVE 1984, S. 321 und 326) waren, sind mit dem In-</span><br/> <span class="ft1">krafttreten des Baugesetzes 1993 überholt. Das seit 1. April 1994</span><br/> <span class="ft1">geltende Recht regelt die Zuständigkeit und den Rechtsschutz bei der</span><br/> <span class="ft1">Planungszone und der Bausperre vollständig und abschliessend</span><br/> <span class="ft1">(§§ 29 f. BauG).</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht wendet bei einer Rechtsänderung zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen Gesuchseinreichung und der endgültigen, rechtskräftigen Ge-</span><br/> <span class="ft1">suchserledigung in Baubewilligungssachen grundsätzlich und in</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">150</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Anwendung von § 20 Abs. 1 Satz 2 VRPG das neue, in Kraft ste-</span><br/> <span class="ft1">hende Recht an (AGVE 2004, S.191 und 1997, S. 334 mit Hinwei-</span><br/> <span class="ft1">sen; 1984, S. 314 mit Hinweisen; VGE III/2 vom 26. Januar 2004</span><br/> <span class="ft1">[BE.2002.00145], S. 6 mit Hinweisen). In neueren Entscheiden</span><br/> <span class="ft1">wurde hierzu erwogen, dass § 169 Abs. 1 BauG im Sinne einer all-</span><br/> <span class="ft1">gemeinen Übergangsbestimmung die Anwendung des neuen Rechts</span><br/> <span class="ft1">auch in hängigen Verfahren vorsieht. Immerhin verlangt auch § 170</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 BauG für kantonale Nutzungsplanungen die Anwendung des</span><br/> <span class="ft1">neuen Rechts, und schliesslich enthält § 48 Abs. 2 ABauV nur für das</span><br/> <span class="ft1">Verfahrensrecht übergangsrechtlich einen Vorbehalt zu Gunsten des</span><br/> <span class="ft1">geltenden Rechts (siehe dazu auch § 87 VRPG und Jean-Jacques</span><br/> <span class="ft1">Forestier, Neues Baugesetz: Übergangsrechtliche Ordnung bei der</span><br/> <span class="ft1">kommunalen Nutzungsplanung, in: Mitteilungen des Baudeparte-</span><br/> <span class="ft1">ments 1992 Nr. 63, S. 406 ff.). Festzuhalten ist, dass die Rechtsan-</span><br/> <span class="ft1">wendung im konkreten Einzelfall auch bei der Berücksichtigung von</span><br/> <span class="ft1">übergangsrechtlichen Wirkungen und Folgen einer Rechtsänderung</span><br/> <span class="ft1">während eines hängigen Rechtsmittelverfahren immer auch dem</span><br/> <span class="ft1">übergeordneten Gesetzes- und Verfassungsrecht zu genügen hat</span><br/> <span class="ft1">(Pierre Tschannen / Ulrich Zimmerli, Allgemeines Verwaltungsrecht,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage, Bern 2005, § 24 N 19 ff.; Ulrich Meyer / Peter Arnold,</span><br/> <span class="ft1">Intertemporales Recht, in: ZSR 2005 I 127 f.).</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">Die Anwendung dieser Grundsätze auf das vorliegende</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelverfahren über die Baubewilligung ergibt Folgendes:</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen ist in erster Linie, wie sich die Planungszone auf die</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung auswirkt. Zutreffend ist, dass eine Baubewilligung</span><br/> <span class="ft1">nur erteilt werden kann, wenn feststeht, dass sie die Verwirklichung</span><br/> <span class="ft1">der vorgesehenen Planung oder neuer Nutzungsvorschriften nicht er-</span><br/> <span class="ft1">schwert. Damit ist - entgegen der Auffassung des Regierungsrats -</span><br/> <span class="ft1">indessen nichts gewonnen für die Frage, wie sich die Planungszone</span><br/> <span class="ft1">im Rechtsmittelverfahren auf die Baubewilligung vom 22. Dezember</span><br/> <span class="ft1">2003 auswirkt.</span><br/> <span class="ft1">In einem weiteren Schritt sind die Folgen der Anwendung der</span><br/> <span class="ft1">Planungszone für das Rechtsmittelverfahren nach den Verfahrensre-</span><br/> <span class="ft1">geln und Verfassungsgrundsätzen zu prüfen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">151</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Entsprechend den Grundsätzen der negativen Vorwirkung der</span><br/> <span class="ft1">mit der Planungszone zu sichernden Planungsabsichten (siehe vorne</span><br/> <span class="ft1">Erw. 2.4) ist eine Baubewilligung in einem Rechtsmittelverfahren</span><br/> <span class="ft1">nur dann aufzuheben, wenn <i>feststeht</i>, dass das bewilligte Projekt</span><br/> <span class="ft1">nach den bisher geltenden Vorschriften nicht bewilligungsfähig ist.</span><br/> <span class="ft1">Der Umkehrschluss, dass eine Planungszone in einem Rechtsmittel-</span><br/> <span class="ft1">verfahren zur Aufhebung jeder noch nicht rechtskräftigen Baubewil-</span><br/> <span class="ft1">ligung führt, ergibt sich demgegenüber nicht zwingend. Schon die im</span><br/> <span class="ft1">Gesetz vorgesehene Möglichkeit bewilligungsfähiger Bauvorhaben</span><br/> <span class="ft1">in einer Planungszone (siehe § 29 Abs. 2 Satz 2 BauG) verbietet ei-</span><br/> <span class="ft1">nen solchen Umkehrschluss. Die negative Präjudizierung einer zu-</span><br/> <span class="ft1">künftigen Planung kann im Einzelfall auch durch andere Massnah-</span><br/> <span class="ft1">men verhindert werden (siehe vorne Erw. 2.5.1). Soweit der Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat davon ausgeht, dass seine Anordnung der Planungszone für</span><br/> <span class="ft1">alle "Gartenanlagen im öffentlichen Besitz" zwingend zur Aufhebung</span><br/> <span class="ft1">der Baubewilligung vom 22.</span> <span class="ft1">Dezember 2003 im Rechtsmittel-</span><br/> <span class="ft1">verfahren führen muss, entspricht dies somit nicht der gesetzlichen</span><br/> <span class="ft1">Ordnung. Vielmehr ist auch im Fall einer aufsichtsrechtlichen Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungszone das Bauvorhaben auf seine negative Präjudizwirkung (Er-</span><br/> <span class="ft1">schwerung und Verhinderung) der Planungsabsichten zu überprüfen.</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Eine Planungszone wird erst mit ihrer Veröffentlichung rechts-</span><br/> <span class="ft1">wirksam (§ 29 Abs. 2 Satz 1 BauG) und kann deshalb vor der öffent-</span><br/> <span class="ft1">lichen Auflage keinerlei Rechtswirkungen entfalten. Vorliegend</span><br/> <span class="ft1">wurde die Planungszone vom 31. Januar bis zum 1. März 2005 öf-</span><br/> <span class="ft1">fentlich aufgelegt (Amtsblatt des Kantons Aargau vom 31. Januar</span><br/> <span class="ft1">2005). Eine Anwendung und damit Vorwirkung der Planungszone</span><br/> <span class="ft1">vor dem Zeitpunkt der öffentlichen Auflage ist ausgeschlossen. Die</span><br/> <span class="ft1">Planungszone ist neues Recht und untersteht daher dem Rückwir-</span><br/> <span class="ft1">kungsverbot (vgl. § 24 KV; Ulrich Häfelin / Georg Müller, Allge-</span><br/> <span class="ft1">meines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2002,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 329 ff.). § 29 BauG ordnet die sofortige Wirksamkeit einer Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungszone mit der öffentlichen Auflage ausdrücklich an und lässt in</span><br/> <span class="ft1">der Regel keinen Raum für die Anordnung einer rückwirkenden An-</span><br/> <span class="ft1">wendung der Planungszone.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">152</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Der Umstand, dass der Stadtrat Baden in der Folge (31. Januar</span><br/> <span class="ft1">bis 1. März 2005) die Planungszone öffentlich aufgelegt hat, lässt</span><br/> <span class="ft1">zwar eine Heilung dieses Mangels im verwaltungsgerichtlichen Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahren zu. Diese Heilungsmöglichkeit ändert aber nichts</span><br/> <span class="ft1">an der fehlenden Rechtswirksamkeit der Planungszone im Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft1">des vorinstanzlichen Entscheids (24. November 2004).</span><br/> <span class="ft1">3.4.</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat ist aufsichtsrechtlich tätig geworden und hat</span><br/> <span class="ft1">in dieser Funktion ein Planbedürfnis der Gemeinde als Folge der An-</span><br/> <span class="ft1">nahme der "Kurpark-Initiative" festgestellt. Das Stimmvolk habe mit</span><br/> <span class="ft1">der Annahme der Initiative "sein Interesse an einer Nutzungsplanän-</span><br/> <span class="ft1">derung" deutlich zum Ausdruck gebracht, und die Initiative sehe</span><br/> <span class="ft1">"praktisch ein totales Bauverbot" vor. Aufgrund der Auslegungsdiffe-</span><br/> <span class="ft1">renzen über den Inhalt und die Tragweite der Initiative hat der Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat in bewusstem Gegensatz zum Stadtrat Baden und entgegen</span><br/> <span class="ft1">dessen ausdrücklichem Antrag die Planungszone angeordnet. Im</span><br/> <span class="ft1">Wesentlichen hat er die Planungszone erlassen, weil mit der An-</span><br/> <span class="ft1">nahme der "Kurpark-Initiative" durch die Stimmbürger der Stadt Ba-</span><br/> <span class="ft1">den eine Änderung der Nutzungsplanung, insbesondere der Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsordnung, und damit ein Planungsbedürfnis absehbar war. Im</span><br/> <span class="ft1">Vordergrund stand die Wahrung der demokratischen Rechte der</span><br/> <span class="ft1">Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Mit der Planungszone wollte</span><br/> <span class="ft1">der Regierungsrat den Planungsbehörden den nötigen Handlungs-</span><br/> <span class="ft1">raum für die Ausgestaltung und Auslegung der Initiative schaffen.</span><br/> <span class="ft1">3.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Kurpark-Initiative wurde in der Form der allgemeinen An-</span><br/> <span class="ft1">regung gemäss § 60 ff. GG i.V.m. § 9 Abs. 1 der Gemeindeordnung</span><br/> <span class="ft1">der Einwohnergemeinde Baden vom 25. Mai 1982 (GO) eingereicht.</span><br/> <span class="ft1">Die Annahme der Initiative hat zur Folge, dass der Stadtrat eine Teil-</span><br/> <span class="ft1">revision der Nutzungsplanung und -ordnung auszuarbeiten und der</span><br/> <span class="ft1">Einwohnerrat über diese Planungsvorlage zu entscheiden haben wird</span><br/> <span class="ft1">(§ 11 Abs. 2 Satz 2 GO). Die Behörden sind im Hinblick auf Plan-</span><br/> <span class="ft1">vorhaben in ihrer Entscheidung, ob eine Planungszone oder eine an-</span><br/> <span class="ft1">dere Sicherungsmassnahme zu ergreifen ist, nicht frei (Ruch, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Art. 27 N 19; siehe auch AGVE 2004, S. 191 mit Hinweisen). Je</span><br/> <span class="ft1">nach dem Stand der Planungsabsichten und ihrer möglichen Gefähr-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">153</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dung durch Bauvorhaben nach dem geltenden Recht besteht eine</span><br/> <span class="ft1">Pflicht zum Erlass von Planungsmassnahmen, insbesondere einer</span><br/> <span class="ft1">Planungszone oder Bausperre (siehe Erläuterungen zum Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">setz über die Raumplanung, hrsg. vom Eidgenössischen Justiz- und</span><br/> <span class="ft1">Polizeidepartement [EJPD], Bundesamt für Raumplanung, Bern</span><br/> <span class="ft1">1981, Art. 27 N 11; BGE 113 Ib 376 Erw. 7b; AGVE 2004, S. 191;</span><br/> <span class="ft1">1980, S. 256 für die Bausperre). Es ist daher nicht zu beanstanden,</span><br/> <span class="ft1">dass der Regierungsrat das Beschwerdeverfahren über die Baubewil-</span><br/> <span class="ft1">ligung und die Annahme der Initiative an der Urnenabstimmung zum</span><br/> <span class="ft1">Anlass nahm, aufsichtsrechtlich eine Planungszone zu prüfen. Die</span><br/> <span class="ft1">Annahme einer Volksinitiative kann ein Indiz für gewandelte Vor-</span><br/> <span class="ft1">stellungen der Bevölkerung gegenüber der bestehenden Nutzungs-</span><br/> <span class="ft1">ordnung sein; dass sie bereits als "Vorbereitung" einer geplanten</span><br/> <span class="ft1">Neuordnung zu gelten habe und eine Planungszone begründen kann,</span><br/> <span class="ft1">erscheint eher fraglich (AGVE 2004, S. 190; siehe auch AGVE 1990,</span><br/> <span class="ft1">S. 260).</span><br/> <span class="ft1">3.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Fraglich ist auch, ob der Regierungsrat den genauen Inhalt und</span><br/> <span class="ft1">die Tragweite der Planungszone nicht vor deren Anordnung mit dem</span><br/> <span class="ft1">Stadtrat Baden hätte bereinigen und absprechen müssen. Die Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungszuständigkeit und die Grundsätze der Gemeindeautonomie</span><br/> <span class="ft1">(§§ 5 Abs. 2, 104 und 106 KV) sind bei der aufsichtsrechtlichen An-</span><br/> <span class="ft1">ordnung einer Planungszone zu berücksichtigen. Nachdem der Stadt-</span><br/> <span class="ft1">rat Baden die Planungszone öffentlich aufgelegt hat, können diese</span><br/> <span class="ft1">Fragen indessen offen bleiben. Festzuhalten ist, dass mit der An-</span><br/> <span class="ft1">nahme der Initiative ein öffentliches Interesse an der Änderung der</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsordnung ausgewiesen ist (siehe Ruch, a.a.O., Art. 27 N 25)</span><br/> <span class="ft1">und der Erlass einer Planungszone jederzeit - auch während eines</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelverfahrens über eine Baubewilligung - zulässig ist. Inso-</span><br/> <span class="ft1">fern ist die Beschwerde unbegründet.</span><br/> <span class="ft1">3.4.3.</span><br/> <span class="ft1">Nur mit dem Interesse an einer Nutzungsänderung sind weder</span><br/> <span class="ft1">das öffentliche Interesse an der Anordnung einer Planungszone (Si-</span><br/> <span class="ft1">cherungsbedürfnis) noch die Planungsabsicht, d.h. die inhaltliche</span><br/> <span class="ft1">Umsetzung der Initiative in eine Änderung der Nutzungsordnung,</span><br/> <span class="ft1">hinreichend erstellt und ausgewiesen, weil das Änderungsinteresse</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">154</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mit den Planungsabsichten nicht identisch ist. Nur in Kenntnis der</span><br/> <span class="ft1">Planungsabsichten kann - nebst deren Sicherungsbedürfnis - auch die</span><br/> <span class="ft1">negative Präjudizierung eines Bauvorhabens geprüft werden.</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat ging davon aus, dass der Stadtrat Baden die</span><br/> <span class="ft1">Unterlagen für die Planungszone noch auszuarbeiten hatte und die</span><br/> <span class="ft1">Umsetzung der mit der Initiative verfolgten Anliegen zur Auslegung</span><br/> <span class="ft1">von § 23 BNO und der Wirkung der Änderung auf die vom Bauvor-</span><br/> <span class="ft1">haben der Beschwerdeführerin betroffene Baurechtsparzelle zu klä-</span><br/> <span class="ft1">ren hat. Die Umsetzung und der genaue Inhalt der Planungszone</span><br/> <span class="ft1">"Gartenanlagen im öffentlichen Besitz" waren somit der öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Auflage und insbesondere dem Entscheid des Stadtrates vorbehalten.</span><br/> <span class="ft1">Im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheides waren daher der In-</span><br/> <span class="ft1">halt und die Tragweite der Planungszone und damit die Planungsab-</span><br/> <span class="ft1">sicht der zuständigen Planungsträger nicht bekannt und konnten auch</span><br/> <span class="ft1">bei der Anwendung und Wirkung der Planungszone auf das Bauvor-</span><br/> <span class="ft1">haben der Beschwerdeführerin und die Baubewilligung vom</span><br/> <span class="ft1">22. Dezember 2003 nicht beurteilt werden. Die Kenntnis über den</span><br/> <span class="ft1">Gegenstand und den Inhalt der zukünftigen Planung sind aber unab-</span><br/> <span class="ft1">dingbare Voraussetzungen für eine Prüfung der negativen Präjudizie-</span><br/> <span class="ft1">rung eines Bauvorhabens auf die Planungsabsicht.</span><br/> <span class="ft1">3.5.</span><br/> <span class="ft1">Aus der Verfahrensordnung des Baugesetzes und den vorste-</span><br/> <span class="ft1">henden Erwägungen folgt zwangsläufig, dass die Verbindung der</span><br/> <span class="ft1">Anordnung der Planungszone mit der Aufhebung der Baubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung im Rechtsmittelverfahren auch materiell unzulässig war. Aus-</span><br/> <span class="ft1">gehend davon, dass die Planungszone erst am 31. Januar 2005 wirk-</span><br/> <span class="ft1">sam wurde, durfte am 24. November 2004 die Baubewilligung im</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeverfahren nicht gestützt auf die blosse Anweisung an den</span><br/> <span class="ft1">Stadtrat Baden, eine Planungszone auszuarbeiten und öffentlich auf-</span><br/> <span class="ft1">zulegen, aufgehoben werden. Die konkreten Planungsabsichten der</span><br/> <span class="ft1">zuständigen Planungsbehörden waren und konnten dem Regierungs-</span><br/> <span class="ft1">rat zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt bzw. sein, und er konnte auch</span><br/> <span class="ft1">nicht beurteilen, ob für die massgebenden Planungsabsichten die Si-</span><br/> <span class="ft1">cherung mit der Planungszone notwendig war. Unklar waren für den</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelentscheid über die Baubewilligung auch, ob überhaupt</span><br/> <span class="ft1">und wie die nach dem Beschwerdeentscheid öffentlich aufgelegte</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">155</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Planungszone das Bauvorhaben der Beschwerdeführerin erfasst und</span><br/> <span class="ft1">wie die zuständigen Planungsbehörden den verbindlichen Auftrag</span><br/> <span class="ft1">der Initiative in der Nutzungsplanung konkret umsetzen werden. Die</span><br/> <span class="ft1">Vorwegnahme der materiellen Wirkungen einer zeitlich und sachlich</span><br/> <span class="ft1">erst bevorstehenden, noch nicht wirksamen Planungszone im Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahren über eine Baubewilligung - erst noch ohne</span><br/> <span class="ft1">Kenntnis des konkreten Inhalts und Umfangs der Planungszone - war</span><br/> <span class="ft1">daher unzulässig. Ziff. 1b-1e und Ziff. 3a und 3b des vorinstanzli-</span><br/> <span class="ft1">chen Entscheids sind daher aufzuheben.</span><br/> <span class="ft1">3.6.</span><br/> <span class="ft1">Als "Erschwernis" (§ 29 Abs. 1 Satz 1 BauG) gilt ein Bauvor-</span><br/> <span class="ft1">haben, wenn damit ein derart starkes Präjudiz geschaffen würde, dass</span><br/> <span class="ft1">die Planungsabsichten (vorgesehene Zonierung oder Änderung der</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsvorschriften) generell fragwürdig würde. Es geht darum,</span><br/> <span class="ft1">tatsächliche Abweichungen zu verhindern, die für die Zonierung und</span><br/> <span class="ft1">die Nutzung im fraglichen Gebiet wesentlich sind (AGVE 1997,</span><br/> <span class="ft1">S. 274 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Im angefochtenen Entscheid hat der Regierungsrat die konkrete</span><br/> <span class="ft1">und verfestigte Planungsabsicht nicht geprüft. Die Beurteilung und</span><br/> <span class="ft1">Begründung der negativen Präjudizierung des Bauvorhabens be-</span><br/> <span class="ft1">schränkt sich auf die Feststellung, dass mit dem bewilligten Annex-</span><br/> <span class="ft1">bau markante und irreversible Eingriffe in den Kurpark notwendig</span><br/> <span class="ft1">werden, welche dem Sinn und Zweck der Kurparkinitiative wider-</span><br/> <span class="ft1">sprechen <i>können</i>. Die Auswirkungen der Planungszone wurden nur</span><br/> <span class="ft1">in der Interessenabwägung zwischen der Änderungsabsicht des Sou-</span><br/> <span class="ft1">veräns und dem privaten Interesse der Beschwerdeführerin an der</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung beurteilt. Für die Feststellung der objektiven Er-</span><br/> <span class="ft1">schwernis sind diese Interessen jedoch nicht massgebend. Der ange-</span><br/> <span class="ft1">fochtene Entscheid beruht insoweit auch auf einer unrichtigen Sach-</span><br/> <span class="ft1">verhaltsermittlung (§ 20 Abs. 1 VRPG), was den konkreten Inhalt der</span><br/> <span class="ft1">Planungszone und die verfestigte Planungsabsicht der zuständigen</span><br/> <span class="ft1">Planungsträger anbelangt.</span><br/> <span class="ft1">3.7.</span><br/> <span class="ft1">3.7.1.</span><br/> <span class="ft1">Kanton und Gemeinden sind verpflichtet, Massnahmen der</span><br/> <span class="ft1">Raumplanung auf das zu beschränken, was zur Erfüllung ihrer Auf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">156</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gaben nötig ist, und können nur insoweit tätig werden, als es über-</span><br/> <span class="ft1">wiegende Interessen des Kantons oder der Gemeinde erfordern (§ 2</span><br/> <span class="ft1">BauG). Der Verhältnismässigkeitsgrundsatz hat Verfassungsrang</span><br/> <span class="ft1">(Art. 36 Abs. 3 BV; § 3 KV) und gilt mit Bezug auf die Anordnungen</span><br/> <span class="ft1">von Planungsmassnahmen verstärkt durch das Gebot, den nach-</span><br/> <span class="ft1">geordneten Planungsträgern ihre Entscheidfreiheit zu belassen (Art. 2</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 RPG). Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit hat auch für</span><br/> <span class="ft1">die Rechtsanwendung Geltung und findet auch im Prozessrecht An-</span><br/> <span class="ft1">wendung, insbesondere dort, wo über prozessuale Massnahmen zu</span><br/> <span class="ft1">befinden ist, die sich auf die prozess- und materiellrechtlichen Inter-</span><br/> <span class="ft1">essen der Prozessparteien auswirken (Häfelin / Müller, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 585; Max Imboden / René A. Rhinow, Schweizerische Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsrechtsprechung, Band 1, 5. Auflage, Basel 1976, Nr. 58 B V</span><br/> <span class="ft1">lit. e; Ulrich Zimmerli, Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit im</span><br/> <span class="ft1">öff. Recht, in: ZSR 1978 II 116 f.).</span><br/> <span class="ft1">Die Erledigung einer Baubeschwerde als Folge einer Planungs-</span><br/> <span class="ft1">zone hat daher das Ziel der Planungszone (Sicherstellung einer ne-</span><br/> <span class="ft1">gativer Vorwirkung) soweit zu verwirklichen, als dies zur Wahrung</span><br/> <span class="ft1">der Entscheidungsfreiheit der Planungsträger geeignet, notwendig</span><br/> <span class="ft1">und auch in einem vernünftigen Verhältnis zu den Einschränkungen</span><br/> <span class="ft1">steht, welche dem Privaten auferlegt werden (BGE 124 I 40 Erw. 3e).</span><br/> <span class="ft1">Die Aufhebung der Baubewilligung und das Zurückstellen des Bau-</span><br/> <span class="ft1">gesuches verletzen den Verhältnismässigkeitsgrundsatz daher auch</span><br/> <span class="ft1">dann, wenn mit einer geringeren Massnahme die Entscheidungsfrei-</span><br/> <span class="ft1">heit der Planungsträger gewahrt werden kann.</span><br/> <span class="ft1">3.7.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin beantragt für den Fall, dass die Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungszone nicht aufgehoben oder ihre Anwendung auf das Baube-</span><br/> <span class="ft1">willigungsverfahren nicht vom Verwaltungsgericht für unzulässig er-</span><br/> <span class="ft1">klärt wird, eine Sistierung des Verfahrens. Eine Bestätigung der Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung kann nicht in Frage kommen, da die Vorinstanz die</span><br/> <span class="ft1">Übereinstimmung des Bauvorhabens mit der geltenden Zonen- und</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsordnung und den massgebenden Planungsabsichten nicht</span><br/> <span class="ft1">geprüft hat.</span><br/> <span class="ft1">Die Sistierung von Rechtsmittelverfahren ist zwar im VRPG</span><br/> <span class="ft1">nicht ausdrücklich geregelt, ihre Zulässigkeit aber in Lehre und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">157</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung anerkannt (vgl. AGVE 1985, S. 364; 1999, S. 520 f.,</span><br/> <span class="ft1">je mit Hinweisen). Hängt die Verfahrenserledigung von einem be-</span><br/> <span class="ft1">stimmten zukünftigen Ereignis ab, kann sich eine vorläufige Ein-</span><br/> <span class="ft1">stellung aufdrängen (Alfred Kölz / Jürg Bosshart / Martin Röhl,</span><br/> <span class="ft1">VRG, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons</span><br/> <span class="ft1">Zürich, 2. Auflage, Zürich 1999, Vorbem. zu §§ 4-31 N 27 f.). Diese</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzung liegt für das Beschwerdeverfahren über die Baube-</span><br/> <span class="ft1">willigung der Beschwerdeführerin in mehrfacher (zeitlicher [siehe</span><br/> <span class="ft1">vorne Erw. 3.4.3] und sachlicher [siehe vorne Erw. 3.5]) Hinsicht</span><br/> <span class="ft1">vor. Bis zur Klärung des Initiativtextes und Konkretisierung der Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungsabsichten der zuständigen Stadt Baden sind ausser der Ände-</span><br/> <span class="ft1">rungsabsicht ohnehin keine öffentlichen Interessen ersichtlich, wel-</span><br/> <span class="ft1">che den Interessen der Beschwerdeführerin an einer Sistierung des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeverfahrens entgegenstehen. Das Interesse an der Sicher-</span><br/> <span class="ft1">stellung der Vorwirkung einer möglichen oder wahrscheinlichen zu-</span><br/> <span class="ft1">künftigen Planrevision überwiegt für sich allein die Interessen der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin an der erstinstanzlich erteilten Baubewilligung</span><br/> <span class="ft1">nicht; die - auch öffentlichen - Interessen an der Planbeständigkeit</span><br/> <span class="ft1">(Rechtssicherheit) können mit einer vorläufigen Einstellung des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahrens gewahrt bleiben. Offenkundig ist das Interesse</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin, auch nach Ablauf oder Aufhebung der Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungszone bzw. bei Inkrafttreten einer Teilrevision kein neues Bau-</span><br/> <span class="ft1">gesuchs- und Baubewilligungsverfahren einleiten zu müssen. Je nach</span><br/> <span class="ft1">der Neuordnung der Nutzungsordnung kann sie auf das Bauvorhaben</span><br/> <span class="ft1">verzichten oder einen Entscheid in Anwendung der neuen Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mungen verlangen. Somit sprechen auch verfahrensökonomische</span><br/> <span class="ft1">Gründe für eine Sistierung des Verfahrens vor der Rechtsmittelin-</span><br/> <span class="ft1">stanz (siehe AGVE 1985, S. 364; 1993, S. 373 hinsichtlich der Bau-</span><br/> <span class="ft1">sperre). Aus der Verpflichtung der Behörden, ein Baugesuch zu be-</span><br/> <span class="ft1">urteilen, folgt der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Behandlung</span><br/> <span class="ft1">ihres Baugesuches und auch der Baubeschwerden nach dem gelten-</span><br/> <span class="ft1">den Recht (siehe vorne Erw. 2.4), wobei eine negative Vorwirkung</span><br/> <span class="ft1">der Neuordnung durch die Planungszone einen Aufschub dieser Be-</span><br/> <span class="ft1">urteilung zulässt. Die Einwände der Beschwerdegegnerin 2, wonach</span><br/> <span class="ft1">es ihr nicht zuzumuten sei, bis zum Ablauf der maximalen Frist der</span><br/> <span class="ft1">Planungszone an einem Rechtsmittelverfahren beteiligt zu sein, ste-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">158</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">hen einer vorläufigen Einstellung des Beschwerdeverfahrens nicht</span><br/> <span class="ft1">entgegen. Die Planungszone kann - unter Vorbehalt einer Aufhebung</span><br/> <span class="ft1">im Rechtsmittelverfahren - längstens bis zu ihrem Ablauf Bestand</span><br/> <span class="ft1">haben. Abgesehen davon, dass im konkreten Fall die Planung der</span><br/> <span class="ft1">Stadt Baden weit fortgeschritten ist und auch inzwischen eine verfes-</span><br/> <span class="ft1">tigte Planungsabsicht vorliegt, ist nicht ersichtlich, welche unzumut-</span><br/> <span class="ft1">bare Belastung ein bis spätestens Februar 2009 vorläufig eingestell-</span><br/> <span class="ft1">tes Verfahren für die Beschwerdegegnerin 2 bringt. Sie selbst hat mit</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde vom 24. Januar 2004 und mit Beschwerdeergänzung</span><br/> <span class="ft1">vom 4. März 2004 den Erlass einer Planungszone beantragt. Damit</span><br/> <span class="ft1">hat sie auch sämtliche Folgen einer solchen Anordnung, inklusive ei-</span><br/> <span class="ft1">ner möglichen Verzögerung durch eine Sistierung des Verfahrens, in</span><br/> <span class="ft1">Kauf zu nehmen.</span><br/> <span class="ft1">3.7.2.</span><br/> <span class="ft1">Ist daher eine Sistierung zulässig und erweist sie sich im Hin-</span><br/> <span class="ft1">blick auf die aktuellen Planungsabsichten der Stadt Baden als geeig-</span><br/> <span class="ft1">net und ausreichend, um die Entscheidungsfreiheit der Planungsträ-</span><br/> <span class="ft1">ger zu wahren, ist das Beschwerdeverfahren über die Baubewilligung</span><br/> <span class="ft1">nach dem Verhältnismässigkeitsgrundsatz zu sistieren.</span><br/> <span class="ft1">3.8.</span><br/> <span class="ft1">Die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids, soweit damit</span><br/> <span class="ft1">die Baubewilligung vom 22. Dezember 2003 aufgehoben wurde, hat</span><br/> <span class="ft1">zur Folge, dass sich ein "Zurückstellen" des Bauvorhabens der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin mit der vom Regierungsrat anvisierten Konse-</span><br/> <span class="ft1">quenz, dass der Stadtrat Baden erneut über die Baugesuche zu ent-</span><br/> <span class="ft1">scheiden hat, als unzulässig erweist. In diesem Zusammenhang ist</span><br/> <span class="ft1">die Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass das "Zurückstellen" eines</span><br/> <span class="ft1">Baugesuchs i.S. einer formellen Sistierung des Baugesuchsverfah-</span><br/> <span class="ft1">rens eine erstinstanzliche Massnahme sein kann, im Rechtsmittelver-</span><br/> <span class="ft1">fahren aber eine solche Rückweisung an die erste Instanz nur zuläs-</span><br/> <span class="ft1">sig und vor allem verhältnismässig erscheint, wenn zum vorneherein</span><br/> <span class="ft1">eindeutig und endgültig feststeht, dass das Bauvorhaben mit den zu-</span><br/> <span class="ft1">lässigen zukünftigen Nutzungsbestimmungen ohne eine wesentliche</span><br/> <span class="ft1">Abänderung des Bauprojekts, welche eine erneute öffentliche Auf-</span><br/> <span class="ft1">lage erfordert (§ 32 ABauV), nicht bewilligt werden kann. In der Re-</span><br/> <span class="ft1">gel wird daher ein Baubeschwerdeverfahren bis zur definitiven Klä-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">159</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rung der Neuordnung vorläufig einzustellen sein, sofern eine Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungszone besteht und eine Baubewilligung mit der Planungsabsicht</span><br/> <span class="ft1">nicht in Einklang zu bringen ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>