Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 27. April 2022 (810 21 303) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Staats- und Gemeindesteuer 2019 / Bonusbesteuerung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Hans Furer, Markus Clau- sen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Hubertus Ludwig gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Beschwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Beschwerdegeg- nerin Einwohnergemeinde B.____ , Beigeladene Betreff Staats- und Gemeindesteuer 2019 (Urteil des Steuer- und Enteignungsgerichts des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Steuergericht, vom 2. Juli 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ hat sich per 25. Februar 2019 in der Gemein de B.____ abgemeldet und ist in die USA gezogen. Am 25. März 2019 wurde A.____ von sein er früheren Arbeitgeberin C.____ eine Bonuszahlung ("diskretionärer variabler Incentive Aw ard") in der Höhe von Fr. 18'199.03 ausbezahlt und im Kanton Zürich mit einer Quellensteuer in der Höhe von Fr. 5'746.40 belastet. Mit Veranlagungsverfügung zur Staatssteuer 2019 vom 5. März 2020 wurde das im Kanton Ba- sel-Landschaft steuerbare Einkommen für die Zeit vom 1. Januar 2019 bis 25. Februar 2019 auf Fr. 7'543.-- und das satzbestimmende Einkommen auf Fr. 97'879.-- festgesetzt. Die Bonuszah- lung in der Höhe von Fr. 18'199.03 wurde dabei nicht berücksichtigt mit der Begründung, dass diese aufgrund des ausländischen Wohnsitzes im Zeitpunkt d er Auszahlung der Quellensteuer unterworfen sei. B. Mit Eingabe vom 3. April 2020 erhob A.____, nachf olgend vertreten durch Dr. Hubertus Ludwig, Einsprache bei der Steuerverwaltung des Kanton s Basel-Landschaft (Steuerverwal- tung). Er beantragte, es sei das steuerbare Einkommen um die Bonuszahlung von Fr. 18'199.-- unter Anrechnung der Quellensteuer von Fr. 5'746.40 (erhoben vom Kanton Zürich) anzuheben; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, dass die Einsprachen betreffend Staatssteuer und direkter Bundessteuer 2019 zu vereinen seien. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass der Beschwerdeführer bis am 25. F ebruar 2019 in der Schweiz unbe- schränkt steuerpflichtig gewesen sei. Er habe bei der C.____ in Zürich gearbeitet und in B.____ gewohnt. Danach sei er in die USA umgesiedelt. Der Bo nus sei unbestrittenermassen für eine vergangene Tätigkeit in der Schweiz und dementsprechend in der Schweiz am Wohnort zu be- steuern. Wenn eine ordentliche Besteuerung vorliege, gebe es keine Grundlage für eine Zah- lung einer definitiven Quellensteuer in der Schweiz. D ementsprechend liege eine virtuelle inter- kantonale Doppelbesteuerung vor. Die Erfassung der Bon uszahlung mit einer Quellensteuer führe zu einer erheblichen Mehrbelastung, weil die Bonuszahlung mit 26.12% auf den Bruttobe- trag besteuert werde. Die Erfassung der Bonuszahlung i m ordentlichen Verfahren hingegen führe zu einer Besteuerung mit rund 23% auf den Netto betrag. Es liege eine krasse Verletzung des Leistungsfähigkeitsprinzips vor. C. Mit Entscheid vom 24. Februar 2021 wies die Steuer verwaltung die Einsprache ab. Zur Begründung wurde im Wesentlichen auf die Wegleitung zur Quellensteuer Basel-Landschaft Bezug genommen, wonach bei Zahlungen, die erst nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses fällig werden (bspw. nachträglich festgesetzte Bonusza hlungen), die Quellensteuer wie bei ei- nem (zusätzlichen) Monatslohn zu berechnen ist. D. Gegen den Einspracheentscheid der Steuerverwaltung e rhob A.____ mit Eingabe vom 19. März 2021 Rekurs an das Steuer- und Enteignungsger icht Basel-Landschaft, Abteilung Steuergericht. Er beantragte, es seien die Einspracheen tscheide der Steuerverwaltung bezüg- lich Staatssteuer wie auch direkte Bundessteuer aufzuhe ben und das steuerbare Einkommen sei um die Bonuszahlung von Fr. 18'199.-- unter Anrech nung der Quellensteuer von Fr. 5'746.40 (erhoben vom Kanton Zürich) anzuheben. Es seien das Guthaben des Steuer- pflichtigen im Kanton Basel-Landschaft sowie der zu viel einbezahlte Betrag aus der Quellen- steuer ab 5. März 2019 nach den einschlägigen Bestimmun gen zu verzinsen. Unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde bean tragt, dass die Beschwerde bzw. der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rekurs betreffend direkte Bundessteuer 2019 und Staat ssteuer 2019 zu vereinen seien. Zur Begründung wurde unter anderem vorgebracht, dass der Beschwerdeführer weder Grenzgän- ger noch Wochen- oder Kurzaufenthalter sei und auch keine Arbeitstätigkeit nach dem 25. Feb- ruar 2019 ausgeübt habe. Der Bonus sei für seine Arbe itstätigkeit im Vorjahr geschuldet. Der Zahlungszeitpunkt der Leistung sei für die Besteuerung vollkommen unerheblich. Ferner wurde beantragt, den zu viel bezahlten Steuerbetrag ab Einsprachezeitpunkt zu verzinsen. E. Das Steuergericht wies den Rekurs mit Entscheid vom 2. Juli 2021 ab. F. Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 23. Nove mber 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- un d Verwaltungsrecht (Kantonsge- richt). Er beantragte, es sei der Entscheid des Steuerg erichts vom 2. Juli 2021 aufzuheben. Es sei das steuerbare Einkommen um die Bonuszahlung von net to Fr. 18'199.-- unter Anrechnung der Quellensteuer von Fr. 5'746.40 (erhoben vom Kanton Zürich) anzuheben. Es seien die Gut- haben des Beschwerdeführers im Kanton Basel-Landschaft so wie der zu viel einbezahlte Be- trag aus der Quellensteuer ab 5. März 2019 nach den ein schlägigen Bestimmungen zu verzin- sen. Unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hin sicht wurde beantragt, dass die Be- schwerden betreffend direkte Bundessteuer 2019 und Staatssteuer 2019 zu vereinen seien. G. Mit Eingabe vom 20. Dezember 2021 liess sich das Steuer gericht vernehmen und schloss auf kostenfällige Abweisung. Zur Begründung wur de auf den angefochtenen Entscheid verwiesen. Die Steuerverwaltung liess sich mit Eingabe vo m 21. Dezember 2021 vernehmen und schloss ebenfalls auf kostenfällige Abweisung der Be schwerde. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass das vom Beschwerdeführer ins Recht gelegte Schreiben der C.____ vom 12. Februar 2019 die Entscheide der Vorinst anzen bestätige, zumal in diesem Schreiben darauf hingewiesen werde, dass der diskretionär e variable Incentive Award eine er- messensabhängige, freiwillige und variable Leistung seite ns des Arbeitgebers sei, auf die kein gesetzlicher oder vertraglicher Anspruch bestehe. Die Gew ährung des diskretionären variablen Incentive Awards erfolge ohne Anerkennung einer Recht spflicht. Es sei deshalb sachgerecht, auf den Zeitpunkt des effektiven Zuflusses am 25. März 20 19 abzustellen. Die Einwohnerge- meinde B.____ reichte innert Frist keine Vernehmlassung ein. H. Mit Verfügung vom 7. Januar 2022 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung über- wiesen und eine Urteilsberatung vorgesehen. Es wurde fest gehalten, dass die Beschwerdever- fahren Nr. 810 21 303 und Nr. 810 21 304 zusammen behandelt werden. I. Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe vom 11. März 2022 Stellung zu den einge- reichten Vernehmlassungen der Vorinstanzen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- un d Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1974 können Entscheide des Steuergerichts mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht beim Kantonsgericht angefochten werden. Die Befugnis zur Beschwerdeerhebung in Steuersa- chen setzt einem allgemeinen prozessualen Grundsatz entsp rechend ein schutzwürdiges Inte- resse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids voraus (sog. Beschwer; vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- un d Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 28. September 2011 [810 11 125] S. 3; T HOMAS ZIEGLER , in: Nefzger/Simonek/Wenk [Hrsg.], Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, Basel 2004, N 15 zu § 131 StG). Der Beschwerdeführer ist durch den Entscheid des Steuerge richts, welches den Einsprache- entscheid der Steuerverwaltung bestätigte, berührt und zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch die weiteren formellen Voraussetzungen gemäss § 13 1 StG und den §§ 43 ff. des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 erfüllt sind, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetreten werden. 1.2 Mit der Beschwerde in Steuersachen können alle Män gel des angefochtenen Ent- scheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden (§ 45 Abs. 2 VPO). 1.3 Der Beschwerdeführer verlangt in verfahrensrechtlich er Hinsicht, dass die beiden Ver- fahren betreffend Staatssteuer 2019 und direkte Bunde ssteuer 2019 zu vereinigen seien. Die genannten Steuern beruhen auf unterschiedlichen Recht sgrundlagen, weshalb von einer Ver- fahrensvereinigung praxisgemäss abzusehen und der entsp rechende Verfahrensantrag abzu- weisen ist. 2.1 In der Hauptsache erwog die Vorinstanz, dass vorlieg end entscheidend sei, ob es sich bei der Bonuszahlung um einen Forderungs- oder Eigentu mserwerb handle. Aus den ins Recht gelegten Unterlagen könne nicht geschlossen werden, da ss der Beschwerdeführer noch wäh- rend des Arbeitsverhältnisses einen Forderungsanspruch erworben habe, da Informationen zur Bonusregelung fehlen würden. Einzig der Konnex zur Erw erbstätigkeit in der Schweiz liege klarerweise vor. Demzufolge sei davon auszugehen, dass der Bonus bis zum 25. Februar 2019 weder in Bestand noch Umfang festgestanden sei, weshalb es sich um einen Eigentumserwerb mit effektivem Zufluss am 25. März 2019 handle. Zu dies em Zeitpunkt sei der Beschwerdefüh- rer im Kanton Basel-Landschaft nicht mehr steuerpflichtig gewesen. 2.2 Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, dass es ih m in der Zwischenzeit gelungen sei, die schriftliche Bestätigung für die Bonuszahlung de r C.____ vom 12. Februar 2019 zu or- ganisieren. Mit diesem Schreiben sei der Beweis erbracht , dass der Beschwerdeführer eine rechtlich und tatsächlich durchsetzbare Forderung auf die Bonuszahlung erworben habe. 3.1 Von natürlichen Personen erhebt der Kanton aufgr und persönlicher Zugehörigkeit Steuern, wenn sie hier ihren steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt haben (vgl. § 4 Abs. 1 StG, Art. 3 des Bundesgesetzes über die direkte Bunde ssteuer [DBG] vom 14. Dezember 1990); mit dem Wegzug aus der Schweiz endet die unbeschr änkte Steuerpflicht (vgl. § 11 Abs. 2 StG, Art. 8 Abs. 2 i.V.m. Art. 6 Abs. 1 DBG). Ist ke in steuerrechtlicher Wohnsitz oder Aufent- halt (mehr) gegeben, so kann hingegen eine beschränk te Steuerpflicht (vgl. § 6 Abs. 1 und 2 StG, Art. 6 Abs. 2 DBG) aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit bestehen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Vorliegend unbestritten ist, dass die unbeschränkte Steuerpflicht des Beschwerdefüh- rers mit seinem Wegzug in die USA am 25. Februar 2019 geendet hat. Strittig und zu beurteilen ist hingegen, ob die Bonuszahlung ("diskretionärer variab ler Incentive Award") vor dem Ende der unbeschränkten Steuerpflicht des Beschwerdeführers st euerbar wurde und in die unterjäh- rige Steuerveranlagung des Steuerjahres 2019 (1. Jan uar 2019 bis 25. Februar 2019) einbezo- gen werden muss. Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfa hrens ist der Entscheid über die Erhebung einer Quellensteuer im Kanton Zürich. Insofer n ist der Beweisantrag des Beschwer- deführers, wonach sämtliche Unterlagen bei der Quelle nsteuerabteilung des Kantons Zürich beizuziehen seien, abzuweisen. Der Beschwerdeführer le gt auch nicht dar, inwiefern diese Un- terlagen für die vorliegend zu beurteilende Angelegenheit relevant sind. 4.1 Gemäss Art. 16 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ha rmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) vom 14. Dez ember 1990 bemisst sich das steu- erbare Einkommen nach den Einkünften in der Steuerperi ode. Massgebend ist dabei, welches Einkommen in der Bemessungsperiode als realisiert zu gel ten hat (ERNST BLUMENSTEIN /P ETER LOCHER , System des schweizerischen Steuerrechts, 7. Auflage, 2016, S. 323). Aus dem Wesen der Einkommenssteuer ergibt sich, dass Einkünfte erst beste uert werden können, wenn sie der steuerpflichtigen Person zugeflossen sind. Das Gesetz regel t jedoch nicht, wann der steuer- pflichtigen Person Einkommen zugeflossen ist (vgl. F ELIX RICHNER /W ALTER FREI /S TEFAN KAUF - MANN /H ANS ULRICH MEUTER , Handkommentar zum DBG, 3. Auflage, 2016, N 19 zu Art. 41). Der Eigentumszufluss ist ein faktischer Vorgang, der damit abg eschlossen ist, dass der Steuer- pflichtige die wirtschaftliche Verfügungsmacht über die zugeflossenen Vermögenswerte inne- hat, weshalb die Einkunft jener Steuerperiode zuzuor dnen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_214/2014 vom 7. August 2014 E. 3.3.2, in: Der Ste uerentscheid [StE] 2014 B 101.2 Nr. 27; Urteil des Bundesgerichts 2P.233/2002 vom 27. Januar 2003 E. 3.1, in: StE 2003 B 21.1 Nr. 11; MARKUS REICH /M ARKUS WEIDMANN , in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar StHG, 3. Aufl age, 2017, N 24a zu Art. 7). Die Frage des Einkommenszuflusses ist für jede Einkunftsart gesondert zu untersuchen (vgl. zum mit Art. 7 StHG übereinstimmend en Art. 16 DBG: P ETER LOCHER , Kommentar DBG, I. Teil, 2. Auflage, 2019, N 18 ff. zu Art. 16 DBG; M ARKUS WEIDMANN , Reali- sation und Zurechnung des Einkommens, in: Forum für S teuerrecht [FStR] 2003 S. 95 ff.). In der Regel ist ein Einkommen dann als zugeflossen und dam it als erzielt zu betrachten, wenn die steuerpflichtige Person Leistungen vereinnahmt od er einen festen Rechtsanspruch darauf erwirbt, über den sie tatsächlich verfügen kann. Vorausset zung ist somit ein abgeschlossener Rechtserwerb, der Forderungs- oder Eigentumserwerb sein kann, wobei der Forderungserwerb in der Regel die Vorstufe des Eigentumserwerbs (Geldleistung) darstellt (BGE 113 Ib 23 E. 2e). Im Privatvermögensbereich umfasst die Realisation eine p ositive und zwei negative Bedingun- gen: Realisation ist der Erwerb einer unentziehbaren r echtlichen oder tatsächlichen Position, ohne dass diese Position mit einer Rückgabepflicht bela stet wäre und ohne dass eine allenfalls noch durch einen Schuldner zu erbringende Erfüllungsh andlung besonders unsicher wäre (WEIDMANN , a.a.O., S. 96). Nach der ständigen Rechtsprechung gilt Einkommen oder Ertrag als realisiert, sobald die steuerpflichtige Person Leistungen vereinnahmt oder zumindest einen fes- ten Rechtsanspruch darauf erwirbt, über den sie tatsäc hlich verfügen kann (sog. "Soll-Metho- de"; Urteil des Bundesgerichts 2C_214/2014 vom 7. August 2014 E. 3.3.2, in: StE 2014 B 101.2 Nr. 27). Auf den Zeitpunkt der tatsächlichen Erfüllung des Anspruchs kommt es nach der "Soll-Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Methode" grundsätzlich nicht an (vgl. zum Ganzen KGE VV vom 15. September 2021 [810 21 47] E. 4.1; BGE 144 II 427 E. 7.2 ff., mit Hinweisen). 4.2 Von der "Soll-Methode" wird in der Steuerpraxis nur abgewichen, soweit die Erfüllung der Forderung als "besonders unsicher" erscheint. Dann wird mit der Besteuerung bis zur Erfül- lung zugewartet ("Ist-Methode"; vgl. BGE 144 II 427 E . 7.2.2, mit Hinweisen; grundlegend BGE 105 Ib 238 E. 4b und BGE 113 Ib 23 E. 2e; Urteil de s Bundesgerichts 2C_941/2012 vom 9. November 2013 E. 2.5, in: Archiv für Schweizerisches Ab gaberecht [ASA] 82 S. 375, mit Hinweisen; KGE VV vom 17. Oktober 2007 [810 07 148/149] E. 3.2, in: StE 2008 B 21.1 Nr. 17; WEIDMANN , a.a.O., S. 95). Bei Geldleistungen wird regelmässig auf den Zeitpunkt der Auszah- lung abgestellt, so insbesondere für unselbständiges Erwerbseinkommen (Urteil des Bun- desgerichts 2C_144/2008 vom 12. November 2008 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 2A.388/1998 vom 3. Mai 2000 E. 3c, in: SteuerRevue [S tR] 55/2000, S. 509, mit Hinweis). Ist der Leistungsschuldner nicht zahlungsfähig oder nicht zah lungswillig, so fehlt es an der Verfü- gungsmöglichkeit und es kann nicht vom Erwerb eines festen Anspruchs der Zahlung ausge- gangen werden (Urteil des Bundesgerichts 2C_152/2015 vom 31. Juli 2015 E. 4.4; E RNST KÄNZIG , Die Eidgenössische Wehrsteuer (Bundessteuer), 2. Auflage, 1982, N 2 zu Art. 41). Ab- zustellen ist demnach auf den Zeitpunkt, in dem der St euerpflichtige eine rechtlich und tat- sächlich durchsetzbare Forderung auf die einkommensbilden de Leistung erworben hat. Dabei muss nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hinsichtl ich des Bestands und des Um- fangs der Forderung Gewissheit bestehen, wobei es genüg t, wenn die Höhe der Forderung nach objektiven Kriterien bestimmbar ist (vgl. zum Gan zen KGE VV vom 15. September 2021 [810 21 47] E. 4.2; Urteile des Bundesgerichts 2C_357/2 014 vom 23. Mai 2016 E. 8.1, in: StE 2016 B 22.2 Nr. 33; 2C_319/2012 vom 17. Oktober 2012 E. 2.3.1, in: StR 68/2013 S. 62). 4.3 Nach der allgemeinen Beweislastregel im Steuerrecht trägt die Veranlagungsbehörde die Beweislast für steuererhöhende und steuerbegründend e Tatsachen, während die steuer- pflichtige Person jene Tatsachen nachzuweisen und zu bel egen hat, welche die Steuerschuld mindern oder aufheben (KGE VV vom 2. September 2020 [810 19 292] E. 6.2; BGE 140 II 248 E. 3.5). Zwar stellt die Festlegung des Zuflusszeitpun ktes von Boni effektiv eine Rechtsfrage dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_319/2012 vom 1 7. Oktober 2012 E. 2.2, in: StR 68/2013 S. 62). Die Beurteilung dieser Rechtsfrage setzt jed och ein Tatsachenfundament voraus, in casu konkret, wann der Bonus des Beschwerdeführers gutg esprochen wurde bzw. ein durch- setzbarer Anspruch auf den fraglichen Bonus entstanden wa r. Der Beschwerdeführer leitete seine Beschwerdelegitimation daraus ab, dass die Erheb ung einer Quellensteuer zu einer er- heblichen Mehrbelastung führe, weil der Bruttobetrag der Bonuszahlung mit einer Quellensteuer von 26,12% besteuert worden sei, wohingegen die Besteu erung im ordentlichen Verfahren nur mit 23% auf dem Nettobetrag besteuert worden wäre. D er Beschwerdeführer beantragt folglich eine Besteuerung seiner Bonuszahlung im Kanton Basel- Landschaft, weil er darin eine Minde- rung seiner gesamten Steuerbelastung sieht. Andernfalls würde es ihm an einem hinreichenden schutzwürdigen Interesse fehlen, zumal sich die Steuerverwaltung gegen eine Besteuerung des Bonus im Kanton Basel-Landschaft und damit gegen eine steuerbegründende Tatsache aus- spricht. Die Tatsachen für die Beurteilung der Frage, ob der Beschwerdeführer eine rechtlich Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und tatsächlich durchsetzbare Forderung auf den diskreti onären variablen Incentive Award be- reits vor seiner Abreise in die USA erworben hat, sind somit vom Beschwerdeführer zu belegen. 4.4 Die Auszahlung des diskretionären variablen Incentive Awards an den Beschwerdefüh- rer erfolgte am 25. März 2019 (Valutadatum) und somit nach dem Wegzug des Beschwerdefüh- rers in die USA und nach Beendigung der unbeschränkten Steuerpflicht in der Schweiz bzw. im Kanton Basel-Landschaft, womit grundsätzlich nur eine B esteuerung aufgrund wirtschaftlicher Zuständigkeit in Frage kommt. Der Beschwerdeführer macht jedoch geltend, dass er bereits vor seiner Abreise in die USA am 25. Februar 2019 eine r echtlich und tatsächlich durchsetzbare Forderung auf den diskretionären variablen Incentive Aw ard erworben habe. Dabei stützt er sich auf ein an ihn adressiertes, nicht unterzeichnetes Sc hreiben ("compensation statement") der C.____ vom 12. Februar 2019, in welchem der diskret ionäre variable Incentive Award für 2018 in der Höhe von Fr. 22'000.-- ausgewiesen wird. In diesem Schreiben wird festgehalten, dass sich das vertraglich vereinbarte Jahresgehalt per 31. Dezember 2018 auf 108'000.-- belau- fe und das annualisierte, aktuelle Jahresgehalt unveränd ert bleibe, wobei das tatsächlich zur Auszahlung kommende Jahresgehalt auf dem vertraglich ver einbarten effektiven Beschäfti- gungsgrad basiere. Weiter wird insbesondere darauf hin gewiesen, dass es sich bei den in die- sem Dokument ausgewiesenen Beträgen um Bruttobeträge handle und Steuern sowie andere Abzüge nach Massgabe der Gesetze erfolgen würden. Im letzten Abschnitt des Schreibens wird ausgeführt: " Der diskretionäre variable Incentive Award ist eine erm essensabhängige freiwillige variable Leistung seitens Ihres Arbeitgebers, auf die Si e keinen gesetzlichen oder vertraglichen Anspruch (weder vollständig noch teilweise noch im Hinbl ick auf die Form und/oder die Art der Ausrichtung) haben, selbst wenn Sie in der Vergangenhe it gleiche oder ähnliche Leistungen erhalten haben. Die Gewährung des diskretionären vari ablen Incentive Awards erfolgt ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und begründet in kein er Weise einen Anspruch auf Erhalt des diskretionären variablen Incentive Award, allfällige zukünftige Vergütungen oder weitere diskre- tionäre variable Incentive Awards für einen beliebig en Zeitraum in der Zukunft (weder vollstän- dig noch teilweise).". 4.5 Im Schreiben vom 12. Februar 2019 schloss die C.____ einen gesetzlichen oder ver- traglichen Anspruch auf den diskretionären variablen In centive Award explizit aus, selbst wenn in der Vergangenheit gleiche oder ähnliche Leistungen ausgerichtet wurden. Der Steuererklä- rung für das Steuerjahr 2018 ist zwar die Auszahlung ein es diskretionären variablen Incentive Award an den Beschwerdeführer zu entnehmen, jedoch nich t in gleicher Höhe (vgl. Lohnaus- weis vom 31. Dezember 2018), und der Beschwerdeführer m acht auch nicht geltend, dass er über mehrere Jahre hinweg stets einen Bonus erhalten habe, welcher sich immer nach densel- ben Grundsätzen gerichtet habe. Den vorliegenden Akte n sind weder ein Arbeitsvertrag noch andere Dokumente zum Bonussystem zu entnehmen, welche nähere Angaben zum Arbeitsver- hältnis liefern und aufzeigen könnten, wie sich der diskr etionäre variable Incentive Award zu- sammensetzt und auf welche Parameter dabei abgestellt wird. Der Beschwerdeführer bringt auch nicht vor, dass sein Bonus schon vor dem Schreiben des 12. Februars 2019 durch andere Zusicherungen oder Feststellungen des Arbeitgebers berei ts feststand. Dass er den diskretio- nären variablen Incentive Award vor seiner Abreise in die USA in bar erhalten hätte, wie im Schreiben vom 12. Februar 2019 angedeutet wird, bring t der Beschwerdeführer ebenfalls nicht Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vor und dies ist aus dem provisorischen Lohnausweis vom 22. M ärz 2019 (für die Zeit vom 1. Januar 2019 bis 28. Februar 2019), in welchem kein e unregelmässigen Leistungen an den Beschwerdeführer vermerkt sind, auch nicht ersichtlich. D er diskretionäre variable Incentive Award wurde somit auch nicht mit der Lohnzahlung im Fe bruar 2019 ausbezahlt, sondern erst am 25. März 2019 (Valutadatum) an den Beschwerdeführe r überwiesen und in der Gehaltsab- rechnung vom März 2019 aufgeführt. 4.6 Den Angaben im Schreiben vom 12. Februar 2019 l ässt sich der Bruttobetrag des dis- kretionären variablen Incentive Awards entnehmen sowi e der Hinweis auf allfällige Steuer- und Sozialversicherungsabzüge oder sonstige Einbehalte nach Ma ssgabe der geltenden Gesetze und Vorschriften, wodurch der Beschwerdeführer Anhaltspu nkte zur Höhe seines möglichen diskretionären variablen Incentive Awards erhielt. Im Schreiben vom 12. Februar 2019 stellte die C.____ jedoch explizit fest, dass die Gewährung des d iskretionären variablen Incentive Awards ohne Anerkennung einer Rechtspflicht erfolge und in keiner Weise einen Anspruch auf Erhalt des diskretionären variablen Incentive Award beg ründe. Durch diesen expliziten Aus- schluss eines generellen Anspruchs auf einen diskretionär en variablen Incentive Award sowie eines Anspruchs auf Erhalt eines solchen war die Leistung des diskretionären variablen Incenti- ve Award auch mit dem Schreiben vom 12. Februar 2019 bi s zur effektiven Auszahlung an den Beschwerdeführer in Bestand und Umfang besonders unsiche r. Der Beschwerdeführer bringt auch nicht vor, dass ihm der Bonus nach dem 12. Februar 2019 auf andere Weise zugesichert worden sei, weshalb er bis zur Auszahlung keinen durchsetzb aren Rechtsanspruch darauf er- worben hatte (vgl. BGE 105 Ib 238 E. 4a; BGE 94 I 3 75 E. 3). Bis zu seiner Abreise in die USA und damit bis zum Ende seiner unbeschränkten Steuerpfli cht im Kanton Basel-Landschaft bzw. in der Schweiz hatte der Beschwerdeführer demzufolge k eine tatsächliche wirtschaftliche Ver- fügungsmacht über den im Schreiben vom 12. Februar 201 9 aufgeführten diskretionären vari- ablen Incentive Award. Dieser wurde erst nach dem Weg zug des Beschwerdeführers im Zeit- punkt der Erfüllung am 25. März 2019 steuerbar. Die St euerverwaltung hat demzufolge den in der Steuererklärung 2019 ausgewiesenen diskretionären variablen Incentive Award in der Höhe von Fr. 18'199.-- zu Recht nicht in die unterjährige St euerveranlagung des Steuerjahres 2019 (1. Januar 2019 bis 25. Februar 2019) einbezogen und besteuert. Entgegen der Annahme des Beschwerdeführers liegt folglich auch keine virtuelle i nterkantonale Doppelbesteuerung durch den Kanton Basel-Landschaft vor. 5. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist die Besc hwerde abzuweisen. Ein vom Beschwerdeführer zu viel bezahlter Steuerbetrag im Kan ton Basel-Landschaft ist diesem nach den Vorgaben in den einschlägigen Gesetzesbestimmungen zurückzubezahlen. 6. Es ist über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umf assen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegend en Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- sind dem Aus- gang des Verfahrens entsprechend dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem geleiste- ten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.-- zu verrechnen. Die Parteikosten werden wett- geschlagen (§ 21 Abs. 3 VPO). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin Gegen diesen Entscheid wurde am 10. August 2022 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 9C_663/2022) erhoben.