300 Schätzungskommission nach Baugesetz 2007 nach § 152 BauG können dagegen auch von einzelnen Miterben gestellt werden (AGVE 2001 S. 446). 3.1.4. Im vorliegenden Fall sind Erschliessungsbeiträge umstritten. Mit der Erschliessung soll die Baureife des Grundstücks her- beigeführt werden. Das Interesse der einzelnen Erben an einer Er- schliessung in naher Zukunft braucht nicht übereinzustimmen, zumal diese mit hohen Kosten verbunden ist. Auch im Beitragsplanverfah- ren muss demnach gelten, dass alle Mitglieder der Erbengemein- schaft einer Beitragsplanbeschwerde zustimmen müssen. 77 Kumulative Erhebung von Anschlussgebühren und Perimeterbeiträgen - Eine Reduktion der Anschlussgebühren bei gleichzeitiger Erhebung von Perimeterbeiträgen ist weder nach kantonalem Recht noch nach Bundesrecht vorgesehen und liegt im Ermessen der Gemeinde (Erw. 6.3.) - Keine Verletzung des Gleichbehandlungsgebots gegenüber Eigen- tümern, welche nur Anschlussgebühren zu leisten haben (Erw. 6.4.) Aus dem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom 23. Oktober 2007 in Sachen H. und G . S. gegen Einwohnergemeinde H. Aus den Erwägungen 6.1.1. Die Beschwerdeführer sehen die Verletzung des Gleich- behandlungsgebots darin, dass die Gemeinde ihnen neben den An- schlussgebühren auch Perimeterbeiträge in Rechnung stellte. Dies sei ungerecht, denn Eigentümer, die an einer erschlossenen Gemein- destrasse eine Baute erstellten, würden nicht zur Bezahlung von Er- schliessungsbeiträgen verpflichtet, sondern müssten lediglich An- schlussgebühren bezahlen. Bei der Erstellung eines Bauwerks seien die Anschlussgebühren bei Bezahlung der Perimeterbeiträge deshalb entsprechend zu reduzieren. Dies sei in anderen Gemeinden auch üblich. 2007 Erschliessungsabgaben 301 6.1.2. Die Beschwerdegegnerin bringt dagegen vor, nach den Reglementen der Gemeinde H. seien die Anschlussgebühren an die Wasserversorgung und an die Kanalisation auch dann geschuldet, wenn Perimeterbeiträge für die Erschliessung geleistet werden. So- weit andere Gemeinden in ihren Reglementen eine Vergünstigung vorsehen würden, könne diese Praxis in der Gemeinde H. nicht an- gewendet werden, da jede Gemeinde individuell ihre eigenen Re- glemente erlasse. Das Gebiet „T.“ sei im Bauzonenplan als erschliessungspflich- tig bezeichnet worden. Es handle sich um bisher unerschlossenes Land, welches demzufolge auch zu einem günstigeren Baulandpreis erworben worden sei. Den Beschwerdeführern sei bekannt gewesen, dass sie mit Erschliessungsbeiträgen zu rechnen hatten, und sie hät- ten diesen auch zugestimmt. Der Preis, zu welchem die Beschwerdeführer das unerschlos- sene Bauland auf der Parzelle 311 erworben hätten, entspreche Fr. 183.30/m². Die Erschliessungskos ten würden umgerechnet eine Belastung von 39.60/m² ausmachen, was einen Preis von Fr. 222.90/m² für erschlossenes Bauland ergebe und für die schöne Lage sehr günstig sei. Ein Vergleich mit dem Bauland der Gemeinde H. im „Gebiet S.“, wo der erschlossene Boden Fr. 250-275/m² koste und beim Bau ebenfalls die ordentlichen Anschlussgebühren ge- schuldet werden, zeige, dass die Beschwerdeführer korrekt und kei- neswegs ungleich behandelt worden seien. 6.2. Der in Art. 8 Abs. 1 BV gewährleistete Grundsatz der Rechts- gleichheit besagt, dass Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich zu behandeln ist. Einerseits verbietet das Gleichheitsprinzip unter- schiedliche Regelungen, denen keine rechtlich erheblichen Unter- scheidungen zu Grunde liegen. Anderseits untersagt es aber auch die rechtliche Gleichbehandlung von Fällen, die sich in tatsächlicher Hinsicht wesentlich unterscheiden (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allge- meines Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zürich 2006, N 495). 302 Schätzungskommission nach Baugesetz 2007 6.3. V orerst ist festzuhalten, dass weder im Abwasserreglement der Gemeinde H. vom 29. November 2001 (AR) noch im Wasser- reglement der Gemeinde H. vom 27. November 2003 (WR) eine Re- duktion der Anschlussgebühren bei gleichzeitiger Bezahlung der Pe- rimeterbeiträge vorgesehen ist und die Nichtgewährung einer Re- duktion in vorliegendem Fall reglementskonform erfolgte. Eine bun- desrechtliche oder kantonale Regelung, wonach eine Reduktion zwingend zu gewähren ist, liegt nicht vor. Soweit nun die Beschwerdeführer vorbringen, der Verstoss der Rechtsgleichheit liege in der ungleichen Behandlung gegenüber Ei- gentümern anderer Gemeinden, welchen eine Reduktion der An- schlussgebühren bei zusätzlicher Bezahlung der Erschliessungsge- bühren gewährt werden, gehen sie mit ihrer Rüge fehl. Eine allfällig unterschiedliche Regelung der zu entrichtenden Abgaben in ver- schiedenen Gemeinden verletzt das Rechtsgleichheitsgebot nicht (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 501, mit Verweisen auf die Bun- desgerichtspraxis). § 34 Abs. 3 BauG hält ausdrücklich fest, dass die Regelung der Beitrags- und Gebührenerhebung den Gemeinden überlassen ist, soweit keine kantonalen V orschriften bestehen. Die unterschiedliche Regelung in den einzelnen Gemeinden ist somit Konsequenz der Gemeindeautonomie, und es liegt folglich im Er- messen der Gemeinden, ob ein "Rabatt" bei gleichzeitiger Bezahlung von Erschliessungsbeiträgen und Anschlussgebühren zu gewähren ist. 6.4. Es ist somit nur zu beurteilen, ob die Beschwerdeführer ge- genüber anderen Grundeigentümern in der Gemeinde H. rechtun- gleich behandelt wurden, welche nur Anschlussgebühren und keine Erschliessungsbeiträge zu leisten haben. 6.4.1. Auf den ersten Blick könnte eine ungleiche Behandlung darin gesehen werden, dass von einem bauwilligen Grundeigentümer an einer bereits erschlossenen Lage nur Anschlussgebühren erhoben werden und eine Beitragserhebung mangels einer neu zu erstellenden Erschliessungsanlage nicht in Betracht fällt. Effektiv unterscheidet 2007 Erschliessungsabgaben 303 sich aber deren Ausgangslage grundsätzlich von der Situation der Beschwerdeführer: dort, wo die Erschliessung bereits vorhanden ist, wurde schon früher der notwendige Aufwand betrieben und die ent- sprechenden Kosten haben sich nach allen ökonomischen Gepflo- genheiten direkt oder indirekt im Landpreis niedergeschlagen. Einen Erschliessungsbeitrag als solchen muss dann der Bauwillige nicht entrichten, die vorhandene Erschliessung wurde jedoch in der Regel indirekt über den höheren Preis für erschlossenes Bauland überwälzt, so dass letztlich die Anschlussgebührenerhebung ökonomisch in bei- den Varianten auf demselben Niveau ansetzt - einmal mit ausdrückli- chem Baubeitrag, einmal mit im Landpreis eingerechnetem Baubei- trag (vgl. auch Preisunterschiede für erschlossenes oder unerschlos- senes Land). Mit anderen Worten sind die Parzellen derjenigen Grundeigen- tümer, welche keine Perimeterbeiträge bezahlen müssen, bereits er- schlossen und die entsprechenden (Grob-) Erschliessungsbeiträge wurden bereits - wenn auch möglicherweise nicht vom bauenden Ei- gentümer - erhoben. Bei der Parzelle 311 handelt es sich dagegen um bisher unerschlossenes Land, was si ch - wie die Gemeinde H. in der Duplik vom 11. September 2006 zu Recht anfügt - in der Regel auch auf den Landpreis auswirkt. Eine Ungleichbehandlung liegt somit nicht vor, da die Be- schwerdeführer bezüglich Anschlussgebühren von unterschiedlichen Sachverhalten ausgehen, welche nicht miteinander verglichen wer- den können. 78 Anschlussgebühren; Gebäudegrundfläche - Bei weit ausladenden, abgestützten Vordächern gilt als Gebäude- grundfläche die überdachte Fläche bis zu den Stützpfosten (Erw. 4.2.1. - 4.2.3.) Aus dem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom 12. Dezember 2006 in Sachen K. gegen Einwohnergemeinde E.