<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2003.00247</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=204072&amp;W10_KEY=13013569&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2003.00247</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 10.03.2004</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">1. Abteilung/1. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Baubewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Gestaltungsvorschriften in Kernzone Legitimation der Beschwerdeführerin (E. 1). Bei Anwendung und Auslegung kommunaler Kernzonenvorschriften kommt der örtlichen Baubehörde ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Die Rekursinstanz hat sich bei der Überprüfung von Ermessensentscheiden Zurückhaltung aufzuerlegen und darf erst dann korrigierend eingreifen, wenn der Entscheid der kommunalen Behörde offensichtlich unvertretbar ist (E. 2). Beschreibung des streitbetroffenen Objekts und dessen Umgebung (E. 3). Fenster, Türen sowie Materialien und Farben sind Gestaltungselemente von denen die Gesamtwirkung einer Hausfassade auf das Ortsbild wesentlich beeinflusst wird. Die Massnahmen zur Erhaltung des Ortsbilds müssen jedoch verhältnismässig sein (E. 4.1). Es ist nicht zu beanstanden, wenn die kommunale Behörde eine nachträgliche Baubewilligung für Kunststofffenster wegen ihrer störenden Wirkung auf das Ortsbild nicht bewilligt. Die Kosten für deren Ersatz sind nicht unverhältnismässig. Gutgläubikeit seitens des Beschwerdegegners liegt nicht vor (E. 4.2). Die Bewilligungsfähigkeit von Aluminiumläden und der nicht kernzonentypischen Eingangstüren hat die Vorinstanz mit der kommunalen Baubehörde zurecht verneint (E. 4.3). Gutheissung.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Planungs- und Baurecht ST: BAUBEWILLIGUNG UND BAUBEWILLIGUNGSVERFAHREN">BAUBEWILLIGUNG UND BAUBEWILLIGUNGSVERFAHREN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ERMESSENSSPIELRAUM">ERMESSENSSPIELRAUM</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GESTALTUNGSVORSCHRIFT">GESTALTUNGSVORSCHRIFT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KERNZONENVORSCHRIFTEN">KERNZONENVORSCHRIFTEN</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 22 Abs. 2 BZO Winterthur</span><br/><span class="gerade">Art. 22 Abs. II BZO Winterthur</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Sachverhalt1"><b><span>I. </span></b><span> </span></p> <p class="Sachverhalt2"><span>Mit Beschluss vom 2. Oktober 2002 verweigerte der Bauausschuss der Stadt Winterthur B die nachtrÃ¤gliche baurechtliche Bewilligung fÃ¼r einen Teil der eigenmÃ¤chtig vorgenommenen Umbau- und Renovationsarbeiten am GebÃ¤ude an der Unteren Hohlgasse, Assek.-Nr. 01 auf dem GrundstÃ¼ck Kat.-Nr. 02 in der Kernzone Oberwinterthur. Demzufolge wurde er zu folgenden baulichen Vorkehren verpflichtet:</span></p> <p class="Urteilstext"><span>"- sÃ¤mtliche unbewilligt eingebauten Kunststofffenster (auch frÃ¼here) sind zu entfernen und im Einvernehmen mit der Abteilung Denkmalpflege durch kernzonentypische Holzfenster (mit flÃ¼gelrahmenbÃ¼ndigen Sprossen und Zwischenglassprossen) zu ersetzen;</span></p> <p class="Urteilstext"><span>- sÃ¤mtliche unbewilligt montierten MetalllÃ¤den sind zu entfernen und im Einvernehmen mit der Abteilung Denkmalpflege durch kernzonentypische HolzlÃ¤den (mit beweglichen Jalousien) zu ersetzen;</span></p> <p class="Urteilstext"><span>- die beiden HaustÃ¼ren sind zu entfernen und im Einvernehmen mit der Abteilung Denkmalpflege durch kernzonentypische TÃ¼ren zu ersetzen;</span></p> <p class="Urteilstext"><span>- die gewÃ¤hlte Fassadenfarbe ist bei der nÃ¤chsten Fassadensanierung im Einvernehmen mit der Abteilung Denkmalpflege durch eine kernzonentypische Farbe zu ersetzen."</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b><span>II. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Der von B am 7. November 2002 hiergegen erhobene Rekurs wurde von der Baurekurskommission IV nach DurchfÃ¼hrung eines Kommissionsaugenscheins (gemÃ¤ss Protokoll der Baurekurskommission waren alle Mitglieder der Kommission anwesend) am 5. Juni 2003 teilweise gutgeheissen. DemgemÃ¤ss wurde Dispositivziffer II des angefochtenen Beschlusses des Bauausschusses Winterthur bezÃ¼glich der Kunststofffenster aufgehoben und wurde dieser eingeladen, die entsprechende Bewilligung zu erteilen. Sodann wurde Dispositivziffer III des angefochtenen Beschlusses bezÃ¼glich der Kunststofffenster und der HaustÃ¼ren aufgehoben. Im Weitern wurde Dispositivziffer III des angefochtenen Beschlusses wie folgt geÃ¤ndert und ergÃ¤nzt:</span></p> <p class="Urteilstext"><span>"- Im Rahmen der nÃ¤chsten Auswechslung der FensterlÃ¤den sind im Einvernehmen mit der Abteilung der Denkmalpflege die bestehenden MetalllÃ¤den durch kernzonentypische FensterlÃ¤den zu ersetzen.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>- Innert 30 Tagen vom Eintritt der Rechtskraft dieses Urteiles an gerechnet sind die Fenster mit Sprossen zu versehen."</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Im Ãbrigen wurde der Rekurs abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde.</span></p> <p class="Urteilstext"><b><span>III.</span></b></p> <p class="Urteilstext"><span>Mit Beschwerde vom 8. Juli 2003 beantragte die Stadt Winterthur, vertreten durch den Bauausschuss der Stadt, dem Verwaltungsgericht, den Entscheid der Baurekurskommission IV vom 5. Juni 2003 insofern aufzuheben, als damit in Ziffer I des Dispositivs der Rekurs teilweise gutgeheissen wurde (Bauverweigerung fÃ¼r die Kunststofffenster, Ersetzen der Kunststofffenster und der HaustÃ¼ren, Frist zum Auswechseln der AluminiumfensterlÃ¤den).</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die Baurekurskommission beantragte am 22. Juli 2003 Abweisung. Mit Beschwerdeantwort vom 10. November 2003 liess B beantragen, die Beschwerde sei abzuweisen, und es sei ihm eine angemessene UmtriebsentschÃ¤digung zuzusprechen. Die BegrÃ¼ndung der Parteistandpunkte wird, soweit nÃ¶tig, in den nachstehenden ErwÃ¤gungen wiedergegeben.</span></p> <p class="MsoHeader"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel"><span>Die Kammer</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>1. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Streitig sind die gestalterischen Anordnungen, welche ein GebÃ¤ude in der Kernzone Oberwinterthur KIII betreffen und sich auf Art. 3 der Bau- und Zonenordnung der Stadt Winterthur vom 3. Oktober 2000 (BZO) stÃ¼tzen. Die Kernzone Oberwinterthur ist ein schutzwÃ¼rdiges Ortsbild von Ã¼berkommunaler Bedeutung. GemÃ¤ss VerfÃ¼gung der Baudirektion des Kantons ZÃ¼rich wurde die Kompetenz zur alleinigen Erteilung von Baubewilligungen im betreffenden Geltungsbereich an die Stadt Winterthur delegiert. Diese hat gestÃ¼tzt auf § 50 Abs. 3 des Planungs- und Baugesetzes vom 7. September 1975 (PBG) in ihrer kommunalen Bauordnung detaillierte Kernzonenvorschriften erlassen. Bei der Anwendung und Auslegung dieser Kernzonenvorschriften hat daher die Stadt Winterthur einen Beurteilungs- und Ermessensspielraum, an dessen Wahrung sie ein schÃ¼tzenswertes Interesse hat (§ 21 lit. b des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]). Sie ist daher zur vor­liegenden Beschwerde legitimiert.</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>2. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Art. 3 der allgemeinen Bestimmungen fÃ¼r die Kernzonen der BZO lautet wie folgt:</span></p> <p class="Urteilstext"><span>"<sup>1</sup>Bauten, Anlagen und Umschwung sind im Ganzen wie in ihren einzelnen Teilen so zu gestalten, dass der typische Gebietscharakter gewahrt bleibt und eine gute Gesamtwirkung erzielt wird. </span></p> <p class="Urteilstext"><sup><span>2</span></sup><span>Dies gilt insbesondere fÃ¼r </span></p> <p class="Urteilstext"><span>a) Kubaturen (GrÃ¶sse, Form, Stellung)</span></p> <p class="Urteilstext"><span>b Fassaden (Gliederung, Breite, Gestaltung, Riegel, Balkone und Lauben)</span></p> <p class="Urteilstext"><span>c) Fenster und TÃ¼ren (GrÃ¶sse, Teilung, Einfassung, LÃ¤den)</span></p> <p class="Urteilstext"><span>d) DÃ¤cher (Art und Neigung, Richtung, VorsprÃ¼nge, Dachaufbauten und DachflÃ¤chenfenster)</span></p> <p class="Urteilstext"><span>e) Materialien und Farben</span></p> <p class="Urteilstext"><span>f) Umgebung und Hofraum (Einfriedigungen, Gestaltung)"</span></p> <p class="Urteilstext"><span>In dem die Kernzone KIII betreffenden Art. 22 Abs. 2 BZO wird das Ortsbild von Oberwinterthur wie folgt beschrieben:</span></p> <p class="Urteilstext"><span>"Oberwinterthur ist ein Ortsbild von regionaler Bedeutung. Es ist durch die geschlossene Bauweise mit platzartigen Ausweitungen beidseits der RÃ¶merstrasse charakterisiert. Die Bauern-, Gewerbe- und WohnhÃ¤user, oft von Fachwerken getragen, prÃ¤gen das kleinstÃ¤dtische Gassenbild. Ebenso bedeutsam sind die GÃ¤rten und FreirÃ¤ume auf der strassenabgewandten Seite der HauptgebÃ¤ude."</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Bei der Anwendung solcher kommunaler Kernzonenvorschriften wie auch der kantonalrechtlichen Einordnungsvorschrift von § 238 PBG kommt der Ã¶rtlichen BaubehÃ¶rde ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Trotz grundsÃ¤tzlich umfassender Kognition (§ 20 VRG) hat sich die Baurekurskommission bei der ÃberprÃ¼fung solcher Ermessensentscheide ZurÃ¼ckhaltung aufzuerlegen. Ist der Entscheid einer kommunalen BaubehÃ¶rde nachvollziehbar, d.h. auf einer vertretbaren WÃ¼rdigung der massgebenden SachumstÃ¤nde beruhend, so hat sie diesen zu respektieren und darf nicht ihr eigenes Ermessen an die Stelle desjenigen der kommunalen BehÃ¶rde setzen. Die Rekursinstanz darf erst dann eingreifen, wenn sich die vorinstanzliche ErmessensausÃ¼bung als offensichtlich unvertretbar erweist (RB 1981 Nr. 20; Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 20 N.19).</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>3. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Wie im angefochtenen Entscheid zutreffend festgehalten, weist die Kernzone von Oberwinterthur eine gut erhaltene zusammenhÃ¤ngende Altbausubstanz auf. Zur malerischen HÃ¤u­serzeile aufgereihte GebÃ¤ude in kleinmassstÃ¤blicher Gliederung und platzartige Ausweitungen prÃ¤gen den Siedlungskern, wobei die mittelalterliche Struktur der Siedlung immer noch deutlich erkennbar ist. Mit der Bauentwicklung in jÃ¼ngerer Zeit haben Ladeneinbauten in den Erdgeschossen der GebÃ¤ude Eingang gefunden.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Das streitbetroffene Wohnhaus an der Unteren Hohlgasse, das nach Angaben der Denkmalpflege im 15. bis 17. Jahrhundert erbaut worden sein kÃ¶nnte, befindet sich nahe der Strassenkreuzung Untere Hohlgasse/Obere Hohlgasse und ist auf der SÃ¼dseite seitlich mit dem benachbarten GebÃ¤ude zusammengebaut. Das ausschliesslich Wohnzwecken dienende GebÃ¤ude verfÃ¼gt Ã¼ber drei HauseingÃ¤nge, die mit dunkelgrÃ¼nen TÃ¼ren versehen sind. Zwei HauseingÃ¤nge befinden sich an der Ostfassade neben den Garagentoren, der dritte an der Westfassade im zurÃ¼ckversetzten Fassadenabschnitt. Die Fassade ist mit einem abgedunkelten lachsroten Putz versehen. Das erste Obergeschoss verfÃ¼gt an der Westfassade Ã¼ber ein Holzfenster, im Ãbrigen sind Kunststofffenster angebracht. Alle Fensterrahmen sind aussen weiss, und bei sÃ¤mtlichen neuen Fenstern sind im oberen Drittel Sprossen angebracht. Die FensterlÃ¤den sind aus Aluminium und haben die gleiche dunkelgrÃ¼ne Farbe wie die TÃ¼ren.</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>4. </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>4.1 </span></b><span>Das GebÃ¤ude ist nicht unter Schutz gestellt. Bei den ersetzten Fenstern, FensterlÃ¤den und TÃ¼ren handelte es sich nicht um Originalteile aus der Erbauerzeit. Es geht somit nicht um die in Art. 4 BZO vorgesehene Erhaltung von historisch wertvoller Bausubstanz. Mit den hier allein anzuwendenden Kernzonenvorschriften kann und soll einzig das Ã¤ussere Erscheinungsbild der GebÃ¤ude geschÃ¼tzt werden (VGr, 28. August 1997, BEZ 1997 Nr. 21). Dass das GebÃ¤ude â auch wenn selbst nicht Schutzobjekt â durch seine Lage an der Unteren Hohlgasse den schutzwÃ¼rdigen Ortskern von Oberwinterthur wesentlich mitprÃ¤gt, ist augenfÃ¤llig (vgl. RB 1998 Nr. 109).</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Wie in Art. 3 der BZO ausdrÃ¼cklich festgehalten, sind insbesondere Fenster und TÃ¼ren, Materialien und Farben Gestaltungselemente, welche das Erscheinungsbild des GebÃ¤udes fÃ¼r sich und im Kontext mit dessen baulicher Umgebung prÃ¤gen, das Ortsbild mithin wesentlich beeinflussen. Wie das Bundesgericht im Urteil betreffend die staatsrechtliche Beschwerde gegen den in BEZ Nr. 1997 Nr. 21 publizierten Entscheid des Verwaltungsgerichts ausfÃ¼hrt, hÃ¤ngt die Wirkung einer Hausfassade auf das Ortsbild unabdingbar von deren Ausgestaltung ab (BGr 1P.637/1997).</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die zur Erhaltung des Ortsbildes anzuordnenden Massnahmen haben sich mit RÃ¼cksicht auf die Eigentumsgarantie am Grundsatz der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit zu orientieren (Art. 26 und Art. 36 Abs. 3 der Bundesverfassung vom 18. April 1999). Die Massnahmen dÃ¼rfen also die Baufreiheit nicht weiter einschrÃ¤nken, als dies fÃ¼r die Wahrung des typischen Gebietscharakters und die Erzielung einer guten Gesamtwirkung nÃ¶tig und anderseits auch wirtschaftlich tragbar ist.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>4.2 </span></b><span>Die Vorinstanz hat die nachtrÃ¤gliche Bauverweigerung fÃ¼r die <i>Kunststofffenster</i> fÃ¼r nicht mehr vertretbar gehalten. Auf den Austausch der streitbetroffenen Fenster sei zu verzichten, dagegen seien die fehlenden Fenstersprossen anzubringen. Der Augenschein habe ergeben, dass die Kunststofffenster der vorliegenden Konstruktionsart, die hinsichtlich Wind- und WettereinflÃ¼ssen sowie WÃ¤rme- und SchalldÃ¤mmung den herkÃ¶mmlichen<br/> Fens­tern Ã¼berlegen seien und geringere Unterhaltsarbeiten erforderten, weder das optische Erscheinungsbild der Fassade beeintrÃ¤chtigen noch im geschÃ¼tzten Ortsbild einen stÃ¶renden Akzent setzten. In Form und Farbe entsprÃ¤chen sie dem in Holz gefertigten Fenster im ersten Obergeschoss und seien von diesem kaum zu unterscheiden. Erst bei gezielter Betrachtung aus kurzer Distanz kÃ¶nnten Unterschiede ausgemacht werden, wobei selbst dann entsprechende Fachkenntnisse erforderlich seien, um ein Kunststofffenster als solches erkennen zu kÃ¶nnen. Daran Ã¤ndere auch nichts, dass die Kunststofffenster Ã¼ber schwarze Dichtungsfugen verfÃ¼gten.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin bringt dagegen vor, dass Kunststofffenster fÃ¼r die Kernzone Oberwinterthur, wo Materialien wie Mauerwerk und Holz vorherrschend seien, nicht typisch seien. Kunststofffenster seien optisch als solche erkennbar durch ihre perfekte und flache OberflÃ¤che und die meist breiteren Rahmen, ferner auch aufgrund des durch die Konstruktion bedingten unterschiedlichen Fugenbildes sowie insbesondere auch durch die schwarzen Gummidichtungen. Die heute noch eher kleinen Unterschiede im Erscheinungsbild zu Holzfenstern wÃ¼rden grÃ¶sser, sobald sich die glÃ¤nzende OberflÃ¤che des Kunststoffes verliere. Dann kÃ¶nnten die Fenster aus Kunststoff selbst von einem Laien ohne weiteres von denjenigen aus Holz unterschieden werden. Das optische Erscheinungsbild werde dadurch getrÃ¼bt.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Auch wenn es nicht um Substanzerhaltung am GebÃ¤ude geht, so ist die von der BeschwerdefÃ¼hrerin verlangte Durchsetzung von Holzfenstern vertretbar. In dem durch KleinmassstÃ¤blichkeit bestimmten Ortsbild von Oberwinterthur genÃ¼gt die Erkennbarkeit von untypischen Gestaltungselementen auch auf geringe Distanz, um stÃ¶rend zu wirken. Den Kunststofffenstern mit ihren zu breiten und flÃ¤chigen Rahmen fehlt die Leichtigkeit von Holzfenstern, deren RahmengrÃ¶sse den Ã¼brigen Gestaltungselementen der Fassade angepasst werden kann. Auf einem GebÃ¤ude mit altem Mauerwerk wirken sie zudem tot. Es kommt hinzu, dass Kunststofffenster erfahrungsgemÃ¤ss infolge der fÃ¼r diese typischen Abnutzungserscheinungen â sie werden porÃ¶s und verschmutzt â mit der Zeit noch mehr als FremdkÃ¶rper auffallen werden. Dass diese stÃ¶rende optische Auswirkung nicht nur auf das GebÃ¤ude beschrÃ¤nkt bleibt, sondern das Gesamtbild im fraglichen Bereich des alten Dorfkerns betrifft, lÃ¤sst sich nachvollziehen. Angesichts des gewichtigen Ã¶ffentlichen Interesses an der Erhaltung des Ortsbildes ist es daher nicht unverhÃ¤ltnismÃ¤ssig, das Anbringen von Holzfenstern zu verlangen. Wer ein altes GebÃ¤ude in einer schÃ¼tzenswerten Kernzone besitzt, der hat auch besondere bauliche EinschrÃ¤nkungen auf sich zu nehmen. Hinsichtlich Lebensdauer und Witterungsresistenz sind Holzfenster nicht derart schlechter und kostspieliger, als dass ein Ã¼berwiegendes privates Interesse zu Gunsten von Kunststofffenstern sprechen wÃ¼rde. Das Auswechseln der Fenster zur Herstellung des Art. 3 BZO entsprechenden Zustands ist mit keinen unzumutbaren bzw. unverhÃ¤ltnismÃ¤ssigen Arbeiten und Umtrieben verbunden. Was die Kosten der nutzlos angebrachten Kunststofffenster im Betrag von rund Fr. 12'000.- betrifft, so sind diese objektiv gesehen nicht unverhÃ¤ltnismÃ¤ssig, und zudem hat der Beschwerdegegner diese sich selbst zuzuschreiben, da er die Renovationsarbeiten ohne Baubewilligung vorgenommen hat.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Eine GutglÃ¤ubigkeit aufseiten des Beschwerdegegners vermag denn auch nicht ins Gewicht zu fallen. Seinem Vorbringen, dass im Toggenburg derartige Baurenovationen nicht bewilligungspflichtig seien, ist entgegenzuhalten, dass im Kanton St. Gallen nicht anders als im Kanton ZÃ¼rich in Kernzonen fÃ¼r erhaltungswÃ¼rdige Altstadtgebiete und Dorfkerne Neu-, An- und Aufbauten jeder Art bewilligungspflichtig sind (Art. 78 Abs. 2 lit. a des Gesetzes Ã¼ber die Raumplanung und das Ã¶ffentliche Baurecht; sGS 731.1). Vom DurchschnittsbÃ¼rger kann verlangt werden, dass er wissen sollte, dass eine derartige, das Erscheinungsbild des GebÃ¤udes tangierende Hausrenovation im Bereich eines schÃ¼tzenswerten Ortsbildes bewilligungspflichtig ist. Auch aus dem Umstand, dass an andern GebÃ¤uden im Bereich des Ortskerns Oberwinterthur Kunststofffenster vorzufinden sind, schafft keinen Vertrauenstatbestand. Entscheidend ist das erforderliche aktuelle Bewilligungsverfahren und nicht, was an andern Bauten allenfalls frÃ¼her einmal bewilligt wurde. DafÃ¼r, dass der Bauausschuss nicht gewillt sein sollte, bei kÃ¼nftigen Renovationen im Orts­kern Oberwinterthur das Anbringen von Holzfenstern durchzusetzen, bestehen keinerlei Anhaltspunkte. Gerade im Hinblick auf die kÃ¼nftige konsequente Durchsetzung von Holzfenstern besteht ein gewichtiges Ã¶ffentliches Interesse daran, das im vorliegenden Fall die eigenmÃ¤chtig angebrachten Kunststofffenster entfernt werden.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die Bauverweigerung lag daher im Rahmen des der BeschwerdefÃ¼hrerin zustehenden Ermessens. Die Rekursinstanz hat mit ihrem gegenteiligen Entscheid in rechtsverletzender Weise in den Ermessensspielraum der kommunalen BehÃ¶rde eingegriffen. Die Beschwerde ist deshalb gutzuheissen.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>4.3 </span></b><span>Die BewilligungsfÃ¤higkeit der <i>AluminiumlÃ¤den</i> und der <i>EingangstÃ¼ren</i> hat die Vorinstanz dagegen mit der kommunalen BaubehÃ¶rde zurecht verneint.</span></p> <p class="Erwgung3"><b><span>4.3.1 </span></b><span>Die FensterlÃ¤den sind ein weithin sichtbares Gestaltungselement einer Fassade. Die Vorinstanz ist jedoch der Auffassung, dass die stÃ¶rende Wirkung dieser LÃ¤den nicht derart gravierend sei, sodass aus GrÃ¼nden der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit auf deren unmittelbaren Ersatz zu verzichten sei. Dem kann nicht gefolgt werden. Angesichts der langen Lebensdauer der AluminiumlÃ¤den, innert welcher infolge Verwitterung die stÃ¶rende Wirkung dieses nicht in die Kernzone passenden Materials noch verstÃ¤rkt hervortreten wird, kÃ¤me dies einer Duldung gleich. Abgesehen davon ist die Anordnung, die eigenmÃ¤chtig angebrachten MetalllÃ¤den bei der nÃ¤chsten Auswechslung durch kernzonentypische FensterlÃ¤den zu ersetzen, grundsÃ¤tzlich eine nutzlose Massnahme. Ist doch das Anbringen anderer bzw. neuer LÃ¤den ohnehin eine nach Art. 3 BZO bewilligungspflichtige bauliche Massnahme, sodass dannzumal auch ohne die von der Vorinstanz gemachte Anordnung HolzlÃ¤den vorgeschrieben werden kÃ¶nnten.</span></p> <p class="Erwgung2"><span>Die Anordnung der kommunalen BaubehÃ¶rde, die <i>MetalllÃ¤den</i> innert 90 Tagen durch kernzonentypische HolzlÃ¤den zu ersetzen, liegt ohne weiteres im Rahmen ihres Ermessens. Der angefochtene Aufschub der Herstellung des rechtmÃ¤ssigen Zustands ist daher aufzuheben.</span></p> <p class="Erwgung3"><b><span>4.3.2 </span></b><span>Was die <i>EingangstÃ¼ren</i> betrifft, so hat sich die Vorinstanz im Unterschied zu den FensterlÃ¤den jedoch nicht zur Frage eines allfÃ¤lligen Aufschubs geÃ¤ussert. FÃ¼r eine andere Behandlung der EingangstÃ¼ren besteht jedoch kein Anlass, sodass es auch mit Bezug auf diese bei der Anordnung auf Ersatz durch kernzonentypische Anfertigungen innert 90 Tagen bleibt.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>4.4 </span></b><span>Im Ergebnis ist die Beschwerde vollumfÃ¤nglich gutzuheissen und der Entscheid der Baurekurskommission IV vom 5. Juni 2003 ist aufzuheben.</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>5. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>AusgangsgemÃ¤ss sind die Kosten fÃ¼r dieses Verfahren dem unterliegenden Beschwerdegegner aufzuerlegen. (§ 13 Abs. 2 Satz 1 in Verbindung mit § 70 VRG). Eine ParteientschÃ¤digung steht ihm von vornherein nicht zu. Sodann sind ihm die Kosten des Rekursverfahrens in der HÃ¶he von Fr. 3'552.- vollumfÃ¤nglich aufzuerlegen.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin hat fÃ¼r das Verfahren vor Verwaltungsgericht keine ParteientschÃ¤digung beantragt. Die vom Bauausschuss der Stadt Winterthur im erstinstanzlichen Ver­fahren beantragte ParteientschÃ¤digung ist zu verweigern: Die Beantwortung von Rechts­mitteln gehÃ¶rt grundsÃ¤tzlich zu seinen angestammten Aufgaben, und der vorliegende Fall stellte insofern keine besondern Anforderungen an die rechtsgenÃ¼gende Darstellung komplizierter Sachverhalte oder schwieriger Rechtsfragen (§ 17 Abs. 2 lit. a VRG).</span></p> <p class="Zwischentitel"><span>DemgemÃ¤ss </span><span><a id="Text25"></a>entscheidet</span><span> </span><span>die Kammer</span><span>:</span></p> <p class="Urteilstext"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid der Baurekurskommission IV vom 5. Juni 2003 wird aufgehoben, und der Beschluss des Bauausschusses Winterthur vom 2. Oktober 2002 wird vollumfÃ¤nglich wieder hergestellt.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf<br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 2'060.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Kosten des Rekursverfahrens im Gesamtbetrag von Fr. 3'552.- werden dem Beschwer­degegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>5. ParteientschÃ¤digungen werden nicht zugesprochen.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>6. â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>