<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">BeschwerdengegenEinspracheentscheidedesM...</span> <span class="page_no">389</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft1"><b>90</b></span> <span class="ft1"><b>Rechtsverweigerung; Ausstellen des Ausländerausweises</b></span><br/> <span class="ft1"><b>I.c. wurde der beantragte Familiennachzug durch das Migrationsamt mit</b></span><br/> <span class="ft1"><b>entsprechendem Beschluss bewilligt (E. II./3.1.). Selbst wenn man davon</b></span><br/> <span class="ft1"><b>ausginge, dieser Beschluss sei lediglich als Zusicherung zur Erteilung der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Aufenthaltsbewilligungen zu qualifizieren, haben die betroffenen Perso-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>nen grundsätzlich Anspruch auf Erteilung der zugesicherten Bewilligun-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gen (E. II./3.4.).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Der Ausländerausweis stellt keine Bewilligung dar, sondern setzt eine sol-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>che voraus. Wurde der Aufenthalt bewilligt, sind Ausländerausweise den</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Betroffenen spätestens nach der Einreise auszuhändigen und so lange zu</b></span><br/> <span class="ft1"><b>belassen, als sie sich rechtmässig in der Schweiz aufhalten (E. II./4.)</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Die Nichtaushändigung der Ausweise während über eines Jahres stellt</b></span><br/> <span class="ft1"><b>eine Rechtverweigerung dar (E. II./5.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft2">15.</span> <span class="ft2">Dezember 2009 in Sachen A.H.Z., N.A.H.Z., G.A.H.Z., M.A.H.Z.,</span><br/> <span class="ft2">S.A.H.Z., A.H.Z. und M.A.H.Z. betreffend Rechtsverweigerung und Rechts-</span><br/> <span class="ft2">verzögerung (1-BE.2009.25).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">II. 3.1. Vorab ist festzuhalten, dass das Migrationsamt das Ge-</span><br/> <span class="ft4">such um Nachzug der Beschwerdeführer 2 bis 7 mit Entscheid vom</span><br/> <span class="ft4">24. Juli 2008 bewilligt hatte. Dies geht einerseits aus dem Beschluss</span><br/> <span class="ft4">hervor, der durch den zuständigen Sektionschef und den mit dem Fall</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">390</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">offenbar betrauten Mitarbeiter unterzeichnet wurde ("Nach Aktenstu-</span><br/> <span class="ft4">dium und Beratung des Falls beschliessen die Unterzeichner: - der</span><br/> <span class="ft4">Familiennachzug wird bewilligt.") und andererseits aus der telefoni-</span><br/> <span class="ft4">schen Mitteilung an die damalige Vertreterin der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft4">("Mitteilung an Rechtsvertreterin, dass FN bewilligt wurde und dass</span><br/> <span class="ft4">das Migrationsamt des Kantons Aargau die Schweizerische Vertre-</span><br/> <span class="ft4">tung in Tansania ermächtigen wird, für die Kinder Einreisevisa aus-</span><br/> <span class="ft4">zufertigen.").</span><br/> <span class="ft4">Von einer bereits erteilten Bewilligung ist auch deshalb auszu-</span><br/> <span class="ft4">gehen, weil nicht ersichtlich ist und dem Gesetz auch nicht entnom-</span><br/> <span class="ft4">men werden kann, inwiefern die Migrationsbehörden mit Blick auf</span><br/> <span class="ft4">die Bewilligungserteilung noch Handlungen vornehmen oder Ent-</span><br/> <span class="ft4">scheide fällen müssten, um die Bewilligungserteilung abzuschlies-</span><br/> <span class="ft4">sen.</span><br/> <span class="ft4">Bezüglich der heute über 18-jährigen Beschwerdeführerin 2</span><br/> <span class="ft4">liegt mit der durch das BFM erteilten Visumsermächtigung zudem</span><br/> <span class="ft4">implizit die erforderliche Zustimmung des BFM vor.</span><br/> <span class="ft4">Anders wäre allenfalls dann zu entscheiden, wenn nicht eine</span><br/> <span class="ft4">klare Bewilligungserteilung sondern lediglich eine Zusicherung zur</span><br/> <span class="ft4">Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung verfügt worden wäre. Davon</span><br/> <span class="ft4">kann jedoch vorliegend aufgrund der unmissverständlichen Akten-</span><br/> <span class="ft4">lage keine Rede sein.</span><br/> <span class="ft4">An der bereits erteilten Bewilligung ändert überdies auch</span><br/> <span class="ft4">nichts, dass die Vorinstanz mit Einspracheentscheid vom 8. April</span><br/> <span class="ft4">2008 die Sache zur Vornahme weiterer Sachverhaltsabklärungen und</span><br/> <span class="ft4">zur Fällung eines neuen Entscheids im Sinne der Erwägungen an die</span><br/> <span class="ft4">zuständige Sektion des Migrationsamtes zurückgewiesen hatte. Es</span><br/> <span class="ft4">steht dem Rechtsdienst als Rechtsmittelbehörde zwar zu, eine Verfü-</span><br/> <span class="ft4">gung des Migrationsamts aufzuheben und das Verfahren zur Ergän-</span><br/> <span class="ft4">zung des Sachverhaltes und zur Fällung eines neuen Entscheids zu-</span><br/> <span class="ft4">rückzuweisen. Dies bedeutet aber nicht, dass das Migrationsamt im</span><br/> <span class="ft4">Anschluss daran nicht aufgrund weiterer Überlegungen (insbeson-</span><br/> <span class="ft4">dere einer antizipierten Beweiswürdigung) zum Schluss kommen</span><br/> <span class="ft4">kann, ein beantragter Familiennachzug sei nun ohne weitere Sach-</span><br/> <span class="ft4">verhaltsabklärungen zu bewilligen.</span><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">BeschwerdengegenEinspracheentscheidedesM...</span> <span class="page_no">391</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">3.4. Selbst wenn man überdies davon ausginge, der Familien-</span><br/> <span class="ft4">nachzug sei noch nicht bewilligt worden, würde dies nicht bedeuten,</span><br/> <span class="ft4">dass das Migrationsamt vollkommen frei wäre, nach Einreise der</span><br/> <span class="ft4">Betroffenen während Monaten weitere Abklärungen vorzunehmen.</span><br/> <span class="ft4">3.4.1. Sowohl unter altem als auch unter neuem Verfahrensrecht</span><br/> <span class="ft4">wird der bewilligungspflichtige Aufenthalt (ohne Erwerbstätigkeit) in</span><br/> <span class="ft4">der Schweiz nach der Anmeldung der ausländischen Person geregelt</span><br/> <span class="ft4">(Art. 2 Abs. 1 ANAG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 ANAV, Art. 10 Abs. 2 AuG</span><br/> <span class="ft4">i.V.m. Art. 10 Abs. 1 VZAE).</span><br/> <span class="ft4">Geht man davon aus, die "Regelung des Aufenthalts" nach er-</span><br/> <span class="ft4">folgter Einreise beinhalte auch die definitive Bewilligungserteilung</span><br/> <span class="ft4">und diese könne zwingend nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft4">erfolgen, so wären der Beschluss vom 24. Juli 2008 und die an-</span><br/> <span class="ft4">schliessenden Visumsermächtigungen für die Beschwerdeführer 2 bis</span><br/> <span class="ft4">7 nicht als Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen, sondern lediglich</span><br/> <span class="ft4">als Zusicherungen zur Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen zu</span><br/> <span class="ft4">qualifizieren (vgl. BGE 2A.2/2000 vom 16. Mai 2000, E. 3a).</span><br/> <span class="ft4">Dies bedeutete jedoch nicht, dass das Migrationsamt die Ertei-</span><br/> <span class="ft4">lung der zugesicherten Aufenthaltsbewilligungen nach erfolgter Ein-</span><br/> <span class="ft4">reise nach Belieben hinauszögern könnte. Nach bundesgerichtlicher</span><br/> <span class="ft4">Rechtsprechung haben ausländische Personen, denen eine Aufent-</span><br/> <span class="ft4">haltsbewilligung zugesichert worden ist, grundsätzlich einen Rechts-</span><br/> <span class="ft4">anspruch, dass ihnen die zugesicherte Bewilligung erteilt wird (vgl.</span><br/> <span class="ft4">BGE 102 Ib 97, E. 1; BGE 2A.2/2000 vom 16. Mai 2000, E. 3b,</span><br/> <span class="ft4">BGE 2A.100/2003 vom 3. November 2003, E. 4.3). Eine Verweige-</span><br/> <span class="ft4">rung der Bewilligungserteilung ist nur bei Vorliegen besonderer</span><br/> <span class="ft4">Gründe zulässig. In analoger Anwendung der Widerrufsvorausset-</span><br/> <span class="ft4">zungen ist nach Treu und Glauben zwischen den Interessen der ge-</span><br/> <span class="ft4">suchstellenden Person, dass sich die Behörde an die Zusicherung</span><br/> <span class="ft4">hält, und dem öffentlichen Interesse an der rechtsgleichen Erteilung</span><br/> <span class="ft4">migrationsrechtlicher Bewilligungen abzuwägen. Bei dieser Interes-</span><br/> <span class="ft4">senabwägung ist gegebenenfalls auch ein unbeabsichtigter Irrtum der</span><br/> <span class="ft4">Behörde in Betracht zu ziehen, wenn es sich im Lichte des wahren</span><br/> <span class="ft4">Sachverhaltes rechtfertigt, eine zugesicherte Bewilligung nicht zu</span><br/> <span class="ft4">erteilen (BGE 102 Ib 97, E. 4a).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">392</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">3.4.2. Im vorliegenden Fall hätte dies zur Folge, dass die Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführer 2 bis 7 nach der Mitteilung des Beschlusses vom</span><br/> <span class="ft4">24. Juli 2008 und dem Erhalt der entsprechenden Visumsermächti-</span><br/> <span class="ft4">gungen darauf vertrauen durften, dass ihnen nach der Einreise in die</span><br/> <span class="ft4">Schweiz Aufenthaltsbewilligungen zum Verbleib beim Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führer 1 erteilt würden.</span><br/> <span class="ft4">Das berechtigte Vertrauen der Beschwerdeführer 2 bis 7 in die</span><br/> <span class="ft4">Bewilligungserteilung wäre nicht bereits dadurch zerstört worden,</span><br/> <span class="ft4">dass eine juristische Mitarbeiterin des Migrationsamtes der damali-</span><br/> <span class="ft4">gen Rechtsvertreterin am 10. September 2008 telefonisch mitteilte,</span><br/> <span class="ft4">dass aus Sicht der Amtsleitung ein Fehlentscheid ergangen sei. Unge-</span><br/> <span class="ft4">achtet der Frage, ob diese bloss mündliche Auskunft überhaupt ge-</span><br/> <span class="ft4">eignet gewesen wäre, die vorhandene Vertrauensgrundlage in Form</span><br/> <span class="ft4">der schriftlichen Zusicherung der Einreiseerlaubnis zu erschüttern,</span><br/> <span class="ft4">könnte aufgrund der Akten nicht leichthin davon ausgegangen wer-</span><br/> <span class="ft4">den, dass es der damaligen Rechtsvertreterin bzw. dem Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führer 1 noch möglich gewesen wäre, die Beschwerdeführer 2 bis 7</span><br/> <span class="ft4">rechtzeitig über das fragliche Telefonat zu informieren und von der</span><br/> <span class="ft4">Abreise aus Tansania abzuhalten.</span><br/> <span class="ft4">Gemäss den Akten sind die Beschwerdeführer 2 bis 7 am</span><br/> <span class="ft4">11. September 2008 aus ihrem Heimatland abgereist. Es erscheint</span><br/> <span class="ft4">zumindest nicht unwahrscheinlich, dass es der damaligen Rechts-</span><br/> <span class="ft4">vertreterin bzw. dem Beschwerdeführer 1 am Tag vor der Abreise</span><br/> <span class="ft4">nicht gelungen ist, seine Kinder telefonisch zu erreichen. Erst recht</span><br/> <span class="ft4">kann nicht davon ausgegangen werden, dass das Abreisedatum von</span><br/> <span class="ft4">den Beschwerdeführern bewusst gewählt wurde, um einer allfälligen</span><br/> <span class="ft4">Annullation der Einreisevisa zuvorzukommen. Vielmehr ist davon</span><br/> <span class="ft4">auszugehen, dass die Planung der Reise für sechs Kinder von Tansa-</span><br/> <span class="ft4">nia in die Schweiz zumindest mehrere Tage bzw. Wochen in An-</span><br/> <span class="ft4">spruch nimmt. Nach dem Gesagten würden sich aus den Akten keine</span><br/> <span class="ft4">genügenden Anhaltspunkte ergeben, dass die Beschwerdeführer 2 bis</span><br/> <span class="ft4">7 im Zeitpunkt der Abreise aus Tansania nicht mehr auf die Erteilung</span><br/> <span class="ft4">von Aufenthaltsbewilligungen hätten vertrauen dürfen. Bei dieser</span><br/> <span class="ft4">Sachlage würde es keine Rolle spielen, dass die damaligen Rechts-</span><br/> <span class="ft4">vertreterin und unter Umständen auch der Beschwerdeführer 1 be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">BeschwerdengegenEinspracheentscheidedesM...</span> <span class="page_no">393</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">reits vom Meinungsumschwung innerhalb des Migrationsamtes er-</span><br/> <span class="ft4">fahren hatten.</span><br/> <span class="ft4">Gegen ein überwiegendes öffentliches Interesse an der Bewilli-</span><br/> <span class="ft4">gungsverweigerung würde sodann sprechen, dass in casu kein unbe-</span><br/> <span class="ft4">absichtigter Irrtum vorliegt, sondern die zuständigen Personen einen</span><br/> <span class="ft4">Entscheid gefällt haben, der grundsätzlich in ihrem Kompetenzbe-</span><br/> <span class="ft4">reich liegt. Trotz der vorgängigen Rückweisung durch die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft4">mit der Anweisung zu ergänzender Sachverhaltsabklärung ist es nicht</span><br/> <span class="ft4">von vornherein ausgeschlossen, dass die erstinstanzlich zuständige</span><br/> <span class="ft4">Behörde nach einer erneuten Überprüfung der Akten im Lichte der</span><br/> <span class="ft4">Erwägungen der Einspracheinstanz zum Schluss gelangt, dass zu-</span><br/> <span class="ft4">gunsten der betroffenen Personen auf (weitere) Abklärungen vor Ort</span><br/> <span class="ft4">verzichtet werden kann. Für die Beschwerdeführer war im Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft4">der Mitteilung des Beschlusses vom 24. Juli 2008 im Übrigen nicht</span><br/> <span class="ft4">zweifelsfrei erkennbar, ob das Migrationsamt gänzlich auf Abklärun-</span><br/> <span class="ft4">gen verzichtet hatte, oder ob nach der letzten Mitteilung vom 7. Juli</span><br/> <span class="ft4">2008 - trotz Ferienabwesenheit des mit dem Fall betrauten Mitarbei-</span><br/> <span class="ft4">ters - allenfalls gewisse Sachverhaltsabklärungen getätigt worden</span><br/> <span class="ft4">waren. Dies hat umso mehr zu gelten, als Sachverhaltsnachforschun-</span><br/> <span class="ft4">gen betreffend die Beziehungsverhältnisse vor Ort, wie sie von der</span><br/> <span class="ft4">Vorinstanz im Einspracheentscheid vom 8. April 2008 verlangt wur-</span><br/> <span class="ft4">den, nicht zwingend unter Beteiligung der direkt betroffenen Perso-</span><br/> <span class="ft4">nen durchgeführt werden müssen, sondern unter Umständen auch</span><br/> <span class="ft4">von einem Vertrauensanwalt im weiteren Umfeld dieser Personen</span><br/> <span class="ft4">erhoben werden können.</span><br/> <span class="ft4">Schliesslich ergeben sich aus den Akten auch keine Hinweise,</span><br/> <span class="ft4">dass der Bewilligungserteilung im Zeitpunkt der Anmeldung offen-</span><br/> <span class="ft4">sichtliche andere Gründe - insbesondere ein Widerrufsgrund - entge-</span><br/> <span class="ft4">gengestanden hätten.</span><br/> <span class="ft4">3.4.3. Vor diesem Hintergrund würde das Interesse der Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführer an der Bewilligungserteilung überwiegen. Nachdem</span><br/> <span class="ft4">das Migrationsamt die Erteilung der Bewilligung mit dem Hinweis,</span><br/> <span class="ft4">es seien zusätzliche Sachverhaltsabklärungen erforderlich, während</span><br/> <span class="ft4">Monaten hinausgezögert hat und sich nicht bei der ursprünglich ab-</span><br/> <span class="ft4">gegebenen Zusicherung behaften lassen will, würde bereits in dieser</span><br/> <span class="ft4">Hinsicht eine Rechtsverweigerung vorliegen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">394</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/> <span class="ft4">4. Ausländerinnen und Ausländer erhalten gemäss Art.</span> <span class="ft4">41</span><br/> <span class="ft4">Abs. 1 AuG mit der Bewilligung in der Regel einen entsprechenden</span><br/> <span class="ft4">Ausweis. Art. 71 VZAE konkretisiert, dass Ausländerinnen und Aus-</span><br/> <span class="ft4">länder, die einer Bewilligungspflicht unterstehen, einen Ausländer-</span><br/> <span class="ft4">ausweis erhalten. Abs. 2 statuiert sodann eine Ausnahme von diesem</span><br/> <span class="ft4">Grundsatz, der im vorliegenden Fall jedoch nicht von Belang ist.</span><br/> <span class="ft4">Gemäss Art. 72 VZAE sind Ausländerinnen und Ausländer verpflich-</span><br/> <span class="ft4">tet, den Ausländerausweis den Behörden auf Verlangen vorzuweisen</span><br/> <span class="ft4">oder innerhalb einer angemessenen Frist vorzulegen. Den Weisungen</span><br/> <span class="ft4">ist zudem Folgendes zu entnehmen (Weisungen BFM zum AuG vom</span><br/> <span class="ft4">1. Juli 2009; Ziffer 3.1.7): "Kann er [der Ausweis] nicht vorgewiesen</span><br/> <span class="ft4">werden, ist bis zum Nachweis des Gegenteils davon auszugehen,</span><br/> <span class="ft4">dass die Ausländerin oder der Ausländer keine Bewilligung besitzt."</span><br/> <span class="ft4">Nach dem Gesagten erhellt klar, dass der Ausländerausweis ein</span><br/> <span class="ft4">Dokument darstellt, welches den Betroffenen bescheinigt, dass und</span><br/> <span class="ft4">unter welchem Titel sie sich rechtmässig in der Schweiz aufhalten.</span><br/> <span class="ft4">Der Ausweis stellt nicht eine Bewilligung dar, sondern setzt eine sol-</span><br/> <span class="ft4">che voraus. Wurde der Aufenthalt bewilligt, sind die Ausländeraus-</span><br/> <span class="ft4">weise spätestens nach der Einreise der Betroffenen unverzüglich aus-</span><br/> <span class="ft4">zuhändigen und so lange zu belassen, als sie sich rechtmässig in der</span><br/> <span class="ft4">Schweiz aufhalten. Nur so können die Betroffenen gegenüber Be-</span><br/> <span class="ft4">hörden und Dritten belegen, dass sie sich mit Bewilligung in der</span><br/> <span class="ft4">Schweiz aufhalten. Die Nichtaushändigung der Ausweise ist genauso</span><br/> <span class="ft4">wenig statthaft wie der Einzug der Ausweise während eines laufen-</span><br/> <span class="ft4">den Verfahrens (so auch Peter Bolzli, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli,</span><br/> <span class="ft4">Migrationsrecht, Zürich 2008, N 1 zu Art. 41).</span><br/> <span class="ft4">Es ist auch nicht ersichtlich, gestützt auf welche Bestimmung</span><br/> <span class="ft4">die Migrationsbehörden berechtigt wären, die Aushändigung des</span><br/> <span class="ft4">Ausweises nach erteilter Aufenthaltsbewilligung von weiteren Abklä-</span><br/> <span class="ft4">rungen abhängig zu machen.</span><br/> <span class="ft4">Zwar ist es den Behörden selbstverständlich unbenommen, bei</span><br/> <span class="ft4">Vorliegen entsprechender Anzeichen, gestützt auf Art. 62 f. AuG ein</span><br/> <span class="ft4">Verfahren betreffend Widerruf der erteilten Bewilligung einzuleiten.</span><br/> <span class="ft4">Dies bedeutet jedoch nicht, dass während der Dauer des Verfahrens</span><br/> <span class="ft4">der Ausländerausweis zurückbehalten oder eingezogen werden dürf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">BeschwerdengegenEinspracheentscheidedesM...</span> <span class="page_no">395</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">te. Vielmehr ist den Betroffenen der Ausweis auszuhändigen oder zu</span><br/> <span class="ft4">belassen, da sie sich bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfah-</span><br/> <span class="ft4">rens rechtmässig in der Schweiz aufhalten und dies gemäss Art. 72</span><br/> <span class="ft4">VZAE durch Vorweisung des Ausweises belegen können müssen.</span><br/> <span class="ft4">5. Im vorliegenden Fall wurde der Familiennachzug der Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführer 2 bis 7 am 24. Juli 2008 bewilligt. Nach ihrer Ein-</span><br/> <span class="ft4">reise in die Schweiz am 12. September 2008 haben sie sich in ihrer</span><br/> <span class="ft4">Wohngemeinde angemeldet und mehrfach um Aushändigung der</span><br/> <span class="ft4">Ausländerausweise ersucht. Trotz ihrer Bemühungen hat das Migra-</span><br/> <span class="ft4">tionsamt bis zum heutigen Zeitpunkt die Aushändigung der Ausweise</span><br/> <span class="ft4">verweigert, ohne dass dafür eine Rechtsgrundlage bestanden hätte.</span><br/> <span class="ft4">Die Nichtaushändigung der Ausweise während über eines Jahres</span><br/> <span class="ft4">stellt damit nicht mehr nur eine Rechtsverzögerung, sondern eine</span><br/> <span class="ft4">Rechtverweigerung dar.</span><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>