<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Bau-,Raumplanungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">447</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>100 Beschaffenheit einer Privatstrasse</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Das öffentliche Recht regelt die Dimensionierung wie auch die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Festigkeit und die technische Ausgestaltung (Ausbaustandard) von</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Privatstrassen nicht.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 8. Mai 2009,</span><br/> <span class="ft5">i.S. F. gegen D., I. und Gemeinderat Suhr.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">4. b) (...) Die kantonalen gesetzlichen Grundlagen regeln le-</span><br/> <span class="ft7">diglich die Beschaffenheit von öffentlichen Strassen (§ 44a ABauV),</span><br/> <span class="ft7">wohingegen über die Beschaffenheit von privaten Strassen keine Be-</span><br/> <span class="ft7">stimmung existiert. Private Strassen, an denen kein Gemeingebrauch</span><br/> <span class="ft7">besteht, werden durch die VSS-Normen nur insofern geregelt, als es</span><br/> <span class="ft7">sich um Grundstückszufahrten handelt. Als Grundstückszufahrt im</span><br/> <span class="ft7">Sinne der VSS-Norm SN 640 050 wird eine für die Benützung mit</span><br/> <span class="ft7">Strassenfahrzeugen bestimmte Verbindung (private Ein- und Aus-</span><br/> <span class="ft7">fahrt) zwischen einer öffentlichen, vortrittberechtigten Strasse und</span><br/> <span class="ft7">einem anliegenden Grundstück mit kleinem Verkehrsaufkommen</span><br/> <span class="ft7">verstanden (siehe auch AGVE 2006, S. 483). Für Privatstrassen gilt</span><br/> <span class="ft7">ausschliesslich, dass sie das Erfordernis einer hinreichenden Zufahrt</span><br/> <span class="ft7">erfüllen müssen (vgl. AGVE 1976, S. 269). (...)</span><br/> <span class="ft7">d) (...) § 92 Abs. 1 BauG hält fest, dass Strassen, Wege und</span><br/> <span class="ft7">Plätze ihrer Zweckbestimmung entsprechend und möglichst flächen-</span><br/> <span class="ft7">sparend zu erstellen, zu ändern und zu erneuern sind. Das Kriterium</span><br/> <span class="ft7">der Öffentlichkeit einer Sache knüpft nicht an ihre Zugehörigkeit</span><br/> <span class="ft7">zum Gemeinwesen an, sondern an ihre Zweckgebundenheit. Öf-</span><br/> <span class="ft7">fentlich bedeutet in diesem Zusammenhang öffentlich-rechtlich,</span><br/> <span class="ft7">unmittelbar öffentlichen Zwecken dienend, für alle bestimmt sein,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">448</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">allen offenstehend (vgl. E</span><span class="ft5">RICH</span> <span class="ft7">Z</span><span class="ft5">IMMERLIN</span><span class="ft7">, Kommentar zum Bauge-</span><br/> <span class="ft7">setz des Kantons Aargau, 2. Auflage, Aarau 1985, § 12 N 4). Private</span><br/> <span class="ft7">Strassen müssen entsprechend ihrer Zweckbestimmung nur private</span><br/> <span class="ft7">Verkehrsbedürfnisse erfüllen. Sie stehen nicht allen offen. Es handelt</span><br/> <span class="ft7">sich um von Privaten erstellte Strassen, die nicht dem Gemeinge-</span><br/> <span class="ft7">brauch gewidmet sind (vgl. § 8 des Strassenreglements). Ebenso hielt</span><br/> <span class="ft7">der Vertreter der Abteilung Verkehr anlässlich der Augenscheinsver-</span><br/> <span class="ft7">handlung fest, dass nur die Ausgestaltung öffentlicher Strassen ge-</span><br/> <span class="ft7">setzlich geregelt sei, wohingegen für die Frage, welche Anforderun-</span><br/> <span class="ft7">gen Privatstrassen zu erfüllen haben, keine Regelung existiere. (...)</span><br/> <span class="ft7">Dass das kantonale Recht über die Ausgestaltung von privaten</span><br/> <span class="ft7">Strassen keine gesetzliche Regelung kennt, hat nicht zur Folge, dass</span><br/> <span class="ft7">der B.-weg bezüglich seiner Beschaffenheit gar keine Vorgaben er-</span><br/> <span class="ft7">füllen muss. Vielmehr muss entsprechend den bundesrechtlichen Mi-</span><br/> <span class="ft7">nimalanforderungen eine hinreichende und gemäss den kantonalen</span><br/> <span class="ft7">Vorgaben eine ihrer Zweckbestimmung entsprechende Zufahrt zu</span><br/> <span class="ft7">den geplanten Bauten bestehen. Dabei bestimmt das Verhältnis-</span><br/> <span class="ft7">mässigkeitsprinzip die im Einzelfall geforderte Erschliessung. Die</span><br/> <span class="ft7">Anforderungen an eine genügende Erschliessung hängen einerseits</span><br/> <span class="ft7">von der beanspruchten Nutzung und andererseits von den massgebli-</span><br/> <span class="ft7">chen Umständen des Einzelfalls ab (vgl. zum Ganzen:</span><br/> <span class="ft7">W</span><span class="ft5">ALDMANN</span><span class="ft7">/H</span><span class="ft5">ÄNNI</span><span class="ft7">, Handkommentar RPG, Bern 2006, zu Art. 19</span><br/> <span class="ft7">N 14). Die Frage der hinreichenden Zufahrt hat sich nach den</span><br/> <span class="ft7">zonengerechten Baumöglichkeiten der Fläche zu richten, die sie</span><br/> <span class="ft7">erschliessen will (vgl. W</span><span class="ft5">ALDMANN</span><span class="ft7">/H</span><span class="ft5">ÄNNI</span><span class="ft7">, zu Art. 19 N 21;</span><br/> <span class="ft7">AGVE 1999, S. 202).</span><br/> <span class="ft7">(...) Es liegt im Ermessen aller Grundeigentümer, die Pri-</span><br/> <span class="ft7">vatstrasse bequemer und komfortabler auszugestalten. Es ist nicht</span><br/> <span class="ft7">Sache der Öffentlichkeit, eine breitere Zufahrt zu realisieren. Sicher-</span><br/> <span class="ft7">zustellen ist nur, dass eine hinreichende Zufahrt besteht, welche die</span><br/> <span class="ft7">wichtigsten Erschliessungsanforderungen wie verkehrs-, gesund-</span><br/> <span class="ft7">heits- und feuerpolizeiliche Anliegen umsetzt (vgl. Erläuterungen</span><br/> <span class="ft7">zum Bundesgesetz über die Raumplanung, Hrsg. Eidgenössisches</span><br/> <span class="ft7">Justiz- und Polizeidepartement, Bundesamt für Raumplanung, Bern</span><br/> <span class="ft7">1981, zu Art. 19 N 12). Vor diesem Hintergrund hat der B.-weg auch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Bau-,Raumplanungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">449</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">öffentlichen Rettungsdiensten wie Sanität und Feuerwehr einen un-</span><br/> <span class="ft7">gehinderten Zugang zum Grundstück zu ermöglichen. (...)</span><br/> <span class="ft7">5. b) Wie bereits dargelegt, findet § 44a ABauV nur soweit</span><br/> <span class="ft7">Anwendung, als es um die Beschaffenheit öffentlicher Strassen geht.</span><br/> <span class="ft7">Gleiches gilt, soweit es sich um die technische Ausgestaltung öffent-</span><br/> <span class="ft7">licher Strassen handelt. Demgegenüber existiert keine gesetzliche</span><br/> <span class="ft7">Bestimmung, welche die Festigkeit und die technischen Anforderun-</span><br/> <span class="ft7">gen an den Ausbau einer Privatstrasse regelt. Somit kann nicht ge-</span><br/> <span class="ft7">fordert werden, dass der B.-weg in irgendeiner Form ausgebaut, un-</span><br/> <span class="ft7">terhalten oder sonst wie angepasst wird. (...)</span><br/> <span class="ft7">Dass sich der B.-weg als gekiester Feldweg präsentiert, be-</span><br/> <span class="ft7">wirkt nichts Gegenteiliges. Ebenso unerheblich ist, dass der B.-weg</span><br/> <span class="ft7">nicht auf der gesamten ausgemarchten Breite von 3 m gekiest ist.</span><br/> <span class="ft7">Soweit die Miteigentümer eine komfortablere Lösung wünschen, ha-</span><br/> <span class="ft7">ben sie sich privatrechtlich zu verständigen.</span><br/></div> </div> </body> </html>