Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. November 2017 (720 17 89 / 298) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Wiedererwägung: Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen Renten- zusprache Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Jürg Tschopp, Advokat, Pelikanweg 2, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1964 geborene, als Chauffeur/Kurier erwerbst ätige A.____ hatte sich im August 2012 unter Hinweis auf eine im März 2011 erfolgte D iskushernie-Operation und auf Rücken- schmerzen mit Ausstrahlungen ins rechte Bein bei de r Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen angemeldet. Nach Vorn ahme medizinischer und erwerblicher Abklärungen ermittelte die IV-Stelle Solothurn beim Versicherten ab 28. Februar 2012 (Ablauf des Wartejahres) einen Invaliditätsgrad von 50 %. G estützt auf dieses Ergebnis sprach sie A.____ mit Verfügung vom 6. Juni 2013 ab 1. Februar 2013 eine halbe Rente zu. In Bezug auf Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Rentenbeginn wies die IV-Stelle den Versicherten d arauf hin, dass der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachu ng des Leistungsanspruchs entstehe. Vorliegend sei seine Anmeldung im August 20 12 eingegangen, weshalb die halbe Rente erst ab 1. Februar 2013 ausgerichtet werden könn e. Diese Verfügung der IV-Stelle Solo- thurn vom 6. Juni 2013 erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Im April 2015 leitete die aufgrund eines Wohnsitzwechse ls des Versicherten nunmehr örtlich zuständige IV-Stelle Basel-Landschaft von Amtes wegen e ine Überprüfung des laufenden Ren- tenanspruchs ein. Aufgrund ihrer Abklärungen gelangte die IV-Stelle Basel-Landschaft zur Auf- fassung, dass dem Versicherten aus medizinischer Sicht berei ts seit Juli 2012 die Ausübung einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit wieder im Umfang von 100 % zumutbar gewesen sei. Aus einer korrekten Invaliditätsbemessung resultiere l ediglich ein Invaliditätsgrad von 1 %. Die ursprüngliche Verfügung vom 6. Juni 2013, mit welcher dem Versicherten eine halbe Rente zugesprochen worden sei, erweise sich deshalb als zweifell os unrichtig im wiedererwägungs- rechtlichen Sinne. Die IV-Stelle Basel-Landschaft zog d eshalb - nach durchgeführtem Vorbe- scheidverfahren - mit Verfügung vom 8. Februar 2017 di e damalige Verfügung der IV-Stelle Solothurn vom 6. Juni 2013 in Wiedererwägung und hob die dem Versicherten bisher ausge- richtete halbe Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf. B. Gegen diese Verfügung erhob Advokat Jürg Tschopp na mens und im Auftrag von A.____ am 15. März 2017 Beschwerde beim Kantonsgerich t, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, die Beschwerdebeklagte habe die gesetzlichen Leistungen zu er bringen und dem Beschwerdefüh- rer sei weiterhin mindestens eine halbe IV-Rente zuzusp rechen. Eventualiter sei der Fall an die Vorinstanz zur Prüfung beruflicher Massnahmen, wie einer Umschulung, zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 25. April 2017 beantra gte die IV-Stelle Basel-Landschaft die Abweisung der Beschwerde. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten d er Beschwerdeführer mit Replik vom 21. Juli 2017 und die IV-Stelle Basel-Landschaft m it Duplik vom 8. September 2017 an ihren Anträgen und den wesentlichen bisherigen Vorbringen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 15. März 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 20 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 313 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.1 Wie eingangs ausgeführt, hatte die damals örtlich zuständige IV-Stelle Solothurn dem Versicherten mit Verfügung vom 6. Juni 2013 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 50 % ab 1. Februar 2013 eine halbe Rente zugesprochen. Die IV -Stelle Solothurn hatte sich in dieser Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung bei der Beurteilung des medizinischen Sachver halts auf die Berichte von Dr. med. B.____, Innere Medizin FMH, vom 17. Januar 2013 und v on Dr. med. C.____, Allgemeine Me- dizin FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) Bern-Fre iburg-Solothurn, vom 13. März 2013 gestützt und war davon ausgegangen, dass der Versicherte s eit Ablauf des Wartejahres noch zu 50 % arbeitsfähig sei. Diese Verfügung vom 6. Juni 20 13 war in der Folge unangefochten in Rechtskraft erwachsen. 3.2 In der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 8. F ebruar 2017 hob die nunmehr zuständige IV-Stelle Basel-Landschaft die dem Versicherten bis anhin ausgerichtete halbe Ren- te gestützt auf einen neu ermittelten Invaliditätsgra d von 1 % per Ende März 2017 auf. Eine solche Aufhebung einer rechtskräftig zugesprochenen Rente ist grundsätzlich unter den Titeln der Revision im Sinne der Anpassung an geänderte Verhältnisse (Ar t. 17 Abs. 1 ATSG), der prozessualen Revision wegen neu entdeckter und vorbestandener Tatsachen und Beweismittel (Art. 53 Abs. 1 ATSG) und der Wiedererwägung wegen zweifelloser Unrichtigkeit und erhebli- cher Bedeutung ihrer Berichtigung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) möglich. 3.3 Wie den Akten entnommen werden kann, ist vorliegen d der medizinische Sachverhalt seit der ursprünglichen Rentenzusprache unverändert ge blieben (vgl. das Gutachten von Dr. med. D.____, Rheumatologie FMH, vom 19. Oktober 2015). Dies wird weder vom Versicher- ten noch von der Beschwerdegegnerin in Frage gestellt. Die Parteien sind sich denn auch zu Recht einig, dass eine Anpassung der laufenden halben Rente unter dem Titel der Revision gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht in Betracht fällt. Ebenso sind die Voraussetzungen einer prozessualen Revision wegen neu entdeckter und vorbestande ner Tatsachen und Beweismittel im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG unbestrittenermassen nicht gegeben. Hingegen ist die IV- Stelle der Auffassung, dass die ursprüngliche Rentenzusp rache zweifellos unrichtig gewesen und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung sei. Somit seien die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der Rentenverfügung vom 6. Juni 2013 erfüllt. Dies wiederum wird vom Versi- cherten in der vorliegenden Beschwerde bestritten. 4.1 Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 2 ATSG und Art. 1 Abs. 1 IVG kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verf ügungen zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. 4.2 Die Wiedererwägung im Sinne dieser Bestimmung di ent der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Fe ststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts. Zweifellose Unrichtigkeit meint dabei, dass kein vernünftiger Zweifel an der (von Beginn weg bestehenden) Unrichtigkeit der Verfügun g möglich, also einzig dieser Schluss denkbar ist. Das Erfordernis ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprechung unvertret- bar war, weil sie auf Grund falscher Rechtsregeln erfol gte oder weil massgebliche Bestimmun- gen nicht oder unrichtig angewandt wurden (BGE 138 V 324 E. 3.3). Ob dies zutrifft, beurteilt sich nach der bei Erlass der Verfügung bestehendem Sach- und Rechtslage, einschliesslich der damaligen Rechtspraxis (BGE 140 V 77 E. 3.1; vgl. BGE 13 8 V 147 E. 2.1). Auch eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) mit der Folge, dass die Leis- tungszusprechung auf einer offenkundig unvollständigen od er widersprüchlichen Aktenlage er- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht folgte, bei Renten etwa die Invaliditätsbemessung auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Ein- schätzung beruhte, kann ein Wiedererwägungsgrund im Sin ne von Art. 53 Abs. 2 ATSG sein. Auf einem rechtlich falschen Invaliditätsbegriff beruht eine Verfügung, wenn der erstmaligen Anspruchsprüfung kein Arztbericht zugrunde lag, welcher die Frage nach der zumutbaren Ar- beitsfähigkeit in Verweistätigkeiten beantwortet hat (vgl. Art. 6 zweiter Satz ATSG). Anders ver- hält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzun- gen liegt, deren Beurteilung notwendigerweise Ermesse nszüge aufweist. Erscheint die Beurtei- lung einzelner Schritte bei der Festlegung solcher An spruchsvoraussetzungen (Invaliditätsbe- messung, Arbeitsunfähigkeit, Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der recht skräftigen Leistungszusprechung dar- bot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (Urteil des Bundesge- richts vom 28. Juli 2017, 8C_280/2017, E. 2.3 mit zahlreichen Hinweisen). Ansonsten würde die Wiedererwägung zum Instrument einer voraussetzungslosen N euprüfung, was sich nicht mit dem Wesen der Rechtsbeständigkeit formell zugesprochene r Dauerleistungen vertrüge (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Oktober 2017, 8C_33672017, E. 3.3 am Ende, mit Hinweisen). 4.3 Um wiedererwägungsweise auf eine verfügte Leistung zurückkommen zu können, ge- nügt es sodann nicht, wenn ein einzelnes Anspruchseleme nt rechtswidrig festgelegt wurde. Vielmehr hat sich die Leistungszusprache auch im Ergebni s als offensichtlich unrichtig zu er- weisen. So muss etwa, damit eine zugesprochene Rente we gen einer unkorrekten Invaliditäts- bemessung wiedererwägungsweise aufgehoben oder herabge setzt werden kann, nach damali- ger Sach- und Rechtslage erstellt sein, dass eine korrekt e Invaliditätsbemessung hinsichtlich des Leistungsanspruchs zu einem anderen Ergebnis gefüh rt hätte (BGE 140 V 77 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 5. Die Wiedererwägungsvoraussetzung der erheblichen Bede utung ist vorliegend ohne Weiteres erfüllt, da eine periodische Dauerleistung Pr ozessgegenstand bildet (vgl. BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen; Sozialversicherungsrecht - Rechtsprechung [SVR] 2001 IV Nr. 1 S. 3 E. 5c). Zu prüfen bleibt dagegen, ob auch das Erfordernis der zweifellosen Unrichtig- keit der ursprünglichen Rentenverfügung vom 6. Juni 2013 gegeben ist. 6.1 Die ursprüngliche Rentenzusprache (Verfügung vom 6. Juni 2013) beruhte in medizini- scher Hinsicht, wie bereits weiter oben erwähnt, auf de n Beurteilungen der Dres. B.____ und C.____. In seinem Bericht vom 17. Januar 2013 hielt Dr . B.____ beim Versicherten folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: Radikuläre sensomotorische Ausfall- symptomatik S1 rechts mit belastungsabhängigen Schmerzen rechts caudal bei notfallmässiger mikrochirurgischer Fenestration L4/5 rechts und Sequesterentfernung und Diskektomie bei aku- ter Cauda equina-Ausfallsymptomatik bei Massenvorfall Di skushernie L4/5 (Spital E.____, 04.03.2011) und postoperativer regredienter Reithose nanästhesie und Schwäche der unteren Extremitäten sowie Blasenentleerungsstörung. Der Versic herte sei deswegen in seiner ange- stammten Tätigkeit vom 28. Februar 2011 bis 30. Juni 20 11 vollständig, vom 1. Juli 2011 bis 15. Januar 2012 zu 50 %, anschliessend bis 13. September 2012 zu 25 % und ab 14. Septem- ber 2012 bis auf Weiteres wieder zu 50 % arbeitsunfähig gewesen. Die gesundheitliche Störung wirke sich in einer Verminderung der Leistungsfähigkeit und der Ausdauer aus. Die Frage, ob Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Versicherten andere Tätigkeiten zumutbar seien, bej ahte Dr. B.____. Voraussetzung sei jedoch, dass es sich um eine wechselbelastende Arbeit ha ndle, bei welcher keine schweren Lasten getragen werden müssten. Eine solche Tätigkeit s ei dem Versicherten in einem zeitli- chen Rahmen von vier bis fünf Stunden pro Tag zumutbar. In diesem zeitlichen Rahmen beste- he insofern eine verminderte Leistungsfähigkeit, als ke ine Gewichte von mehr als fünf bis zehn Kilogramm getragen und zu Fuss keine Distanzen von mehr al s 20 – 50 Metern zurückgelegt werden könnten. Der RAD-Arzt Dr. C.____ wiederum erho b in seinem Bericht vom 13. März 2013 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigk eit ein lumboradikuläres Syndrom S1 rechts bei Status nach operativer Behandlung einer akut en Cauda equina-Symptomatik (am 04.03.2011). Im Rahmen seiner Beurteilung der Arbeit sfähigkeit wies er darauf hin, dass sich funktionelle Einschränkungen aufgrund sensomotorischer A usfälle im rechten Bein ergeben würden. Dr. B.____ habe in einem früheren Schreiben vom 5. Oktober 2012 ausgeführt, dass sich im Zeitraum vom 16. Januar 2012 bis 13. September 2012 ein Arbeitsversuch in der bishe- rigen Tätigkeit mit einem Pensum von 75 % nicht habe u msetzen lassen. Mit Dr. B.____ sei deshalb davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Chauf- feur ab 14. September 2012 dauerhaft 50 % betragen habe, wobei diese Tätigkeit dem Versi- cherten in einem halben Pensum ohne zusätzliche Einschrä nkung der Leistungsfähigkeit zu- mutbar sei. Diese Einschätzung gelte aber auch hinsichtli ch einer Verweistätigkeit. Die Arbeits- fähigkeit in einer Verweistätigkeit wäre medizinisch-the oretisch nicht höher. Abschliessend ver- neinte Dr. C.____ die Frage, ob weitere medizinische Abklärungen notwendig seien. 6.2 Bei den im Zeitpunkt der Rentenzusprache vorhande nen medizinischen Akten lag auch ein Bericht von Dr. med. F.____, Neurologie FMH. Die ser hatte den Bericht am 2. Mai 2012, also im Zeitraum erstellt, als sich der Versicherte im Ra hmen eines Arbeitsversuchs bemüht hatte, sein Arbeitspensum bei der bisherigen Arbeit geberin von 50 % auf 75 % zu steigern. Dr. F.____ erwähnte zwar, dass der Versicherte „zurzeit“ e in Arbeitspensum von 75 % ausübe, ansonsten äusserte er sich aber nicht zum Umfang der Arbei tsfähigkeit. Wie den vorstehend erwähnten, später verfassten Berichten der Dres. B.____ und C.____ entnommen werden kann, scheiterte der damalige Arbeitsversuch jedoch. Lau t Dr. B.____ habe eine 75 %- ige Ar- beitsfähigkeit nie erreicht werden können. Der Versich erte sei nach der Arbeit immer schmerz- geplagt und total erschöpft gewesen, ein solcher Zustan d sei auf die Dauer nicht tolerabel. Wie den Akten ebenfalls entnommen werden kann, meldete sich der Versicherte erst Ende August 2012, also erst nachdem sich das Scheitern dieses Arbeitsversuchs abgezeichnet hatte, bei der IV zum Bezug einer Rente an. In der Folge gingen die Dres. B.____ und C.____ - nicht zuletzt auch aufgrund des Eindrucks, dass dieser länger dauernde Arbeitsversuch mit einem höheren Pensum von 75 % aus gesundheitlichen Gründen gescheitert war - übereinstimmend ab Mitte September 2012 von einer andauernden 50 %-igen Arbeitsfähigkeit des Versicherten aus. 6.3 Die IV-Stelle vertritt die Auffassung, dass die Ren tenzusprache vom 6. Juni 2013 trotz klarer medizinischer Sachlage auf einer eindeutig falsch en medizinischen Beurteilung beruhe und deshalb korrigiert werden müsse. Der RAD-Arzt Dr. C.____ habe in seiner Stellungnahme vom 13. März 2013 lediglich den vom behandelnden Arzt D r. B.____ beschriebenen Krank- heitsverlauf des Versicherten festgehalten. Er habe ohne kritische Würdigung die Einschätzung des Behandlers übernommen und diese in keiner Weise be gründet. Dr. C.____ hätte kritisch Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht hinterfragen müssen, weshalb die Arbeitsfähigkeit von 75 % wieder auf 50 % gesenkt worden sei. Hierfür hätte er mindestens eine nachvollziehbare un d schlüssige Begründung liefern oder allenfalls sogar eine Begutachtung anordnen müssen. D ies habe er unterlassen, was aufgrund der damals vorliegenden Befunde zu einer offensichtlich u nrichtigen Würdigung des medizini- schen Sachverhalts geführt habe. Dieser Auffassung der I V-Stelle hält der Beschwerdeführer entgegen, dass die damaligen medizinischen Beurteilunge n der Dres. B.____ und C.____ nachvollziehbar und plausibel seien. Diese Beurteilung werde durch einen Bericht von Dr. med. G.____, Physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumaerkrankungen FMH, vom 23. Juni 2017 gestützt. Es könne deshalb nicht von ei ner zweifellosen Unrichtigkeit der damali- gen Rentenverfügung gesprochen werden, womit die Vorau ssetzungen für eine Wiedererwä- gung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG nicht gegeben seien. 6.4 Den Ausführungen der IV-Stelle ist dahingehend b eizupflichten, dass eine klare Verlet- zung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) m it der Folge, dass die Leistungs- zusprechung auf einer offenkundig unvollständigen Aktenla ge erfolgte, ein Wiedererwägungs- grund im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG sein kann (vgl . E. 4.2 hiervor). Eine solche Konstellati- on ist hier aber nicht gegeben. Die damaligen medizini schen Grundlagen erscheinen aus heuti- ger Sicht zwar eher knapp, letztlich aber noch als genügend. Der Rentenzusprache vom 6. Juni 2013 liegen mit den Berichten der Dres. B.____ und C.____ vom 17. Januar 2013 und 13. März 2013 insbesondere ärztliche Einschätzungen zu Grunde, die sich sowohl zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der angestammten Tätigkeit als Chau ffeur/Kurier als auch zu derjenigen in einer Verweistätigkeit äussern. Sodann wurde - entgegen der Argumentation der IV-Stelle - von Seiten der damals beurteilenden Ärzte mit dem länger dauernden, letztlich aber aus gesund- heitlichen Gründen gescheiterten Arbeitsversuch durchaus auch ein nachvollziehbarer Grund angegeben, weshalb sie per Mitte September 2012 nich t mehr von einer 75 %-igen, sondern von einer andauernden 50 %-igen Arbeitsfähigkeit des Versicherten ausgingen. Im Weiteren gilt es im vorliegenden Zusammenhang aber auch dem oben erw ähnten (vgl. E. 4.2 hiervor) Um- stand Rechnung zu tragen, dass die ärztliche Einschätzung de r Arbeitsfähigkeit von der Natur der Sache her unausweichlich Ermessenszüge trägt (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.3). Auch wenn die Annahme einer lediglich 50%-igen Arbeitsfähigkei t in einer Verweistätigkeit aus heutiger Sicht diskutabel sein mag, erscheint sie jedenfalls nicht als unvertretbar. Damit scheidet die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 6. Juni 2013 mangels zweifelloser Un- richtigkeit aus. In Gutheissung der Beschwerde ist deshalb die angefochtene Wiedererwä- gungsverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 8. Feb ruar 2017 aufzuheben und es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf eine halbe Rente hat. 7. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. 7.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist der Beschwerdeführer obsiegende und die IV-Stelle unterliegende Partei. 7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verf ahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Ve rfahrenskosten erhoben werden. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 7.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 22. September 2017 für das vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von einer Stunde und 10 Minuten, die er selber, und von 9,25 Stunden, die eine Volon- tärin erbracht hat, geltend gemacht. Dieser Aufwand erweist sich in Anbetracht der sich stellen- den Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Die Be mühungen sind zu den in Sozial- versicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansätzen von 250 Franken für Anwältinnen und Anwälte bzw. von 140 Franken für Vo- lontärinnen und Volontäre zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Hono- rarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 277.20. Dem B eschwerdeführer ist deshalb eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘012.95 (1 Stu nde und 10 Minuten à Fr. 250.-- + 9,25 Stunden à Fr. 140.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 277.20 und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 8. Februar 2017 aufge hoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer weiterhin A nspruch auf eine halbe IV-Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2‘012.95 (inkl. Ausla gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht