Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Januar 2016 (715 15 219 / 26) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Führt die Aufgabe einer zwar unsicheren „Try&Hire“- Zwischenverdiensttätigkeit zu Gunsten eines Probeeinsatzes ohne Zusicherung einer Festanstellung zu Arbeitslosig- keit, ist dies als selbstverschuldete Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu werten. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschre iber Daniel Gfeller Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1971 geborene A.____ meldete sich am 28. Aug ust 2014 zur Arbeitsvermittlung an und erhob am gleichen Tag Anspruch auf Arbeitslosen entschädigung ab 1. September 2014. Vom 22. September bis 26. September 2014 stand A.__ __ als Schleifer mit der B.____ AG beim Einsatzbetrieb Dero Feinmechanik AG in einem Z wischenverdienstarbeitsverhältnis. Die- ses Arbeitsverhältnis wurde von A.____ am 24. Septe mber per 26. September 2014 mündlich aufgelöst mit der Begründung, er habe eine andere S telle gefunden. Vom 29. September bis 30. September 2014 absolvierte A.____ einen zweitäg igen Probeeinsatz bei der Maler Spritz- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht werk GmbH in Aesch. Mit Verfügung Nr. 2109/2014 vom 5. November 2014 stellte die Öffentli- che Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) A.____ we gen selbstverschuldeter Ar- beitslosigkeit ab 27. September 2014 für 24 Tage in d er Anspruchsberechtigung ein. Eine von A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Peter Dähler, C._ ___ AG, gegen diese Verfügung erho- bene Einsprache wies die Einsprache-instanz des KIGA Basella nd mit Entscheid vom 19. Mai 2015 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, wiederum vertr eten durch Peter Dähler, am 19. Juni 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung S ozialversicherungsrecht (Kantonsge- richt). Er beantragte, der Einspracheentscheid sei aufz uheben und es seien die gesetzlichen Taggelder ohne Einstelltage auszurichten; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Schreiben vom 22. Juni 2015 forderte das Kant onsgericht den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers auf, den Nachweis zu erbringen, dass e r entweder im Anwaltsregister ein- getragen sei, oder dass die Vertretung nicht gegen En tgelt erfolge. In der Folge reichte A.____ eine von ihm unterzeichnete, undatierte Beschwerde bei m Kantonsgericht ein (Eingang am 22. Juli 2015). D. Nachdem innert Frist keine Stellungnahme des Rechtsver treters des Beschwerdeführers eingegangen war, verfügte der instruierende Präsident des Kantonsgerichts, dass die Be- schwerde der C.____ AG vom 19. Juni 2015 aus dem Recht gewiesen werde. Die vom Be- schwerdeführer in eigenem Namen eingereichte Beschwerde wurde der Arbeitslosenkasse zu- gestellt. E. In ihrer Vernehmlassung vom 27. August 2015 schloss die Arbeitslosenkasse auf Ab- weisung der Beschwerde. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arb eitslosenversicherung und die Insolven- zentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherun gsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist vor liegend, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu Recht für die Dauer von 24 Tagen in der Anspruchsberechtigung einge stellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 219.40 beläuft sich der Streitwert somit auf Fr. 5‘265.60, weshalb die Angelegenheit präsidial zu entscheiden ist. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. K ommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funkt ion einer Haftungsbegrenzung der Versi- cherung für Schäden, die die versicherte Person hätte v ermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältn ismässigkeits- und Verschul- densprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Kol ler/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundesverwalt ungsrecht, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, Rz. 822 ff.). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versichert e Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Eine selbst- verschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und so weit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in ei nem nach den persönlichen Umstän- den und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren V erhalten der versicherten Person liegt (vgl. Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] 1982 Nr. 4 S. 39). Die Arbeitslosigkeit gilt unter anderem dann als selbstverschuldet, wenn die versiche rte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Ste lle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Von einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit ist auch auszugehen, wenn eine ver- sicherte Person eine zumutbare Zwischenverdiensttätigkei t verschuldetermassen verliert (ARV 1998, Nr. 9 S. 41, C 104/02; Urteil des Bundesg erichts vom 4. April 2008, 8C_341/2007, E. 2). Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe na ch Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Scha- denminderungspflicht (vgl. Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Grenze grundsätzlich im Zumutbarkeitsge- danken. Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte vo n Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation übe r Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 auszulegen. Sta atsvertraglich wird nur das freiwillige Aufgeben einer Stelle ohne triftige Gründe sanktion iert. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe der Beschäftigung im Sinne des Übereinkommens gesprochen we rden (vgl. BGE 124 V 234 E. 4b/aa; Urteile des Bundesgerichts vom 4. Mai 2010, 8 C_12/2010, E. 2.2 und vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2). Das Bundesgericht entschie d in konstanter Praxis, dass bei der Frage der Zumutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verblei bens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzulegen ist (vgl. BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen). Wenn nicht besondere Umstände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neu e Stelle gefunden hat (vgl. ARV 1976 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, Bern und Stuttgart 1988 , N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 116). 2.3 Ein gespanntes Verhältnis zu Vorgesetzten oder ande ren mitarbeitenden Personen ge- nügt allein nicht für die Annahme von Unzumutbarkeit. Bei Schwierigkeiten wie Auseinander- setzungen, Stresssituationen und dergleichen ist es der ver sicherten Person grundsätzlich zu- zumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusicherung einer neue n Anschlussstelle aufzugeben. So hielt das Bundesgericht fest, dass belastende Verhältnisse am Arbeitsplatz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht rechtfertigten. Sie könnten aber allenfalls beim Verschulden be- rücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstellungen der versicherten Person nicht entsprechendes Be- triebsklima genügt hierzu nicht (vgl. ARV 1986 Nr. 24 S . 95). Zur freiwilligen Stellenaufgabe können deshalb nur zwingende Gründe führen, so etwa me dizinische oder gesundheitsgefähr- dende Gründe. Diese müssen durch ein eindeutiges Arztze ugnis oder ein Gutachten belegt sein. 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwa ltungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl . BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundes- gerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Die Mi twirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahre n zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung d es Sachverhalts (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 200 3, S. 446 f., 489 f.; F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 284 f.). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1978, S. 135). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach d em Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. Hans-Ulrich Stauffer /B ARBARA KUPFER BUCHER , Recht- sprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligato- rische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, 3. Auflage, Zürich 2008, S. 146). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässig auf die Parteivorbringen und insbesondere auf die Aussagen der Arbeitgeberin angewie sen. Diese sollte eine Sachverhalts- darstellung abgeben, ohne am Ausgang des Verfahrens in teressiert zu sein und ohne ein Inte- resse daran zu haben, die versicherte Person in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Solange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeit geberin zu zweifeln, ist auf diese ab- zustellen. Es darf hingegen insbesondere dann nicht einzig auf deren Aussagen zu den Um- ständen der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältni sses abgestellt werden, wenn diese be- stritten und durch keine weiteren Indizien gestützt we rden (vgl. BGE 112 V 245 E. 1; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; Urteil des EVG vom 8. März 2001, C 102/00, E. 1a). Denn eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung kann, wie eben dargestellt, nur verfügt werden, wenn das der versi- cherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht und von dieser vorsätzlich ausgeübt wurde. Bei Differenzen zwischen der Arbeitgeberin und dem Arbeitnehmer darf somit nicht ohne weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbeitneh mers geschlossen werden, wenn die Ar- beitgeberin nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für welche sie keine Beweise anführen kann (vgl. Urteil des EVG vom 26. April 20 01, C 380/00, E. 2b; BGE 112 V 245 mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). 4.1 Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer aus eigene m Verschulden arbeitslos geworden ist bzw. die Zwischenverdiensttätigkeit aus eigenem Verschu lden aufgegeben hat und deshalb die Folgen der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im S inne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV mithin die Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu tragen hat. 4.2 Der Beschwerdeführer hat unbestrittenermassen am 22 . September 2014 eine Zwi- schenverdiensttätigkeit bei der B.____AG bzw. beim Einsa tzbetrieb Dero Feinmechanik AG aufgenommen und am 24. September 2014 per 26. Septe mber 2014 mündlich gekündigt. Am 29. und 30. September 2014 absolvierte er bei der D.____ GmbH einen Probeeinsatz. 4.3 In seiner Stellungnahme im Formular „Rechtliches G ehör“ vom 29. Oktober 2014 hat der Beschwerdeführer seine Kündigung damit begründet , dass er Aussicht auf eine Festanstel- lung bei der D.____ GmbH gehabt habe. In seiner Besc hwerde führt er aus, er habe aufgrund eines Fehlers (Wasser laufen lassen) einen Schaden verursach t, für welchen B.____AG Scha- denersatz verlangt habe. Zudem sei er bei diesem Arbeit seinsatz sehr unsicher gewesen, denn er habe auf Maschinen arbeiten müssen, auf welchen er son st nie gearbeitet habe. Er habe zuvor nur auf neueren Maschinen gearbeitet und habe mit den alten Maschinen nicht umgehen können. Die Möglichkeit, die sich mit einem Alternativb etrieb (D.____ GmbH) eröffnet habe, sei für ihn mit grossen Hoffnungen verbunden gewesen. 4.4 In der Arbeitgeberbescheinigung der B.____AG vom 7. Oktober 2014 wird angegeben, der Beschwerdeführer habe das Arbeitsverhältnis aufgelöst. Als Grund wurde festgehalten: „Hat eine andere Stelle gefunden“. In einer Aktennotiz de r Arbeitslosenkasse vom 10. Oktober 2014 wird ausgeführt, auf telefonische Anfrage hin habe E .____ von der B.____AG mitgeteilt, dass es sich bei der Stelle um eine Try&Hire-Stelle gehandel t habe. Nach einem dreimonatigen Temporäreinsatz wäre der Beschwerdeführer fest angestellt worden. Er habe nie erwähnt, dass Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht er noch ein weiteres „Anstellungsgespräch“ gehabt habe. Sowohl der Einsatzbetrieb als auch er selbst seien von der Kündigung sehr überrascht gewesen. D er Einsatzbetrieb sei dermassen verärgert gewesen, weil er nun wieder Kosten in die Pe rsonalsuche habe investieren müssen. Deshalb habe dieser die Zusammenarbeit mit B.____AG be endet. Der Beschwerdeführer habe am letzten Arbeitstag nach der Reinigung der Schleifma schine vergessen, den Wasserhahn abzustellen, was eine Überschwemmung und somit grossen S chaden beim Einsatzbetrieb hin- terlassen habe. Bis heute habe er sich nicht dafür entschu ldigt. In Zukunft werde der Be- schwerdeführer von der B.____AG bei der Stellensuche nicht mehr unterstützt. 4.5 Vorweg ist festzustellen, dass keine gesetzlichen Unzum utbarkeitsgründe nach Art. 16 Abs. 2 AVIG für die Aufgabe der Zwischenverdiensttätigkeit vorliegen. In seiner Stellungnahme im Formular „Rechtliches Gehör“ vom 29. Oktober 2014 hat der Be- schwerdeführer seine Kündigung damit begründet, dass er Aussicht auf eine Festanstellung bei der D.____ GmbH gehabt habe. Darüber hinaus bringt er keine Gründe vor, welche vor seiner am 24. September 2014 ausgesprochenen Kündigung auf getreten wären. Erst in der Einspra- che und der Beschwerdeschrift hat er weitere Gründe vor gebracht. Soweit der Beschwerdefüh- rer durch die von ihm verursachte Überschwemmung eine V erschlechterung des Arbeitsklimas und damit eine Unzumutbarkeit des Verbleibs an der Arbe itsstelle herleiten will, ist ihm entge- gen zu halten, dass sich dieser Vorfall erst nach Kündig ung der Zwischenverdiensttätigkeit er- eignet hat. Damit ist dieser Vorfall nicht kausal für d ie Stellenaufgabe. Abgesehen davon ist entgegen der Aussage des Beschwerdeführers auch nicht dav on auszugehen, dass die B.____AG Schadenersatz für die vom Beschwerdeführer ver ursachte Überschwemmung gel- tend gemacht hat. Sie hat dem Beschwerdeführer ledigl ich vorgeworfen, sich nicht entschuldigt zu haben. Eine Schadenersatzforderung wird nicht erwähnt und der Beschwerdeführer hat auch keine diesbezüglichen Beweismittel eingereicht. Der B eschwerdeführer bringt ausserdem vor, er habe sich hinsichtlich der neuen Tätigkeit bzw. der Tät igkeit auf älteren Maschinen inkompe- tent gefühlt. Auch dies hätte die Zwischenverdiensttäti gkeit nicht unzumutbar gemacht, insbe- sondere da er diese Tätigkeit im Zeitpunkt der Kündig ung erst seit zwei Tagen ausgeübt hatte. Es konnte durchaus damit gerechnet werden, dass er sich im Verlaufe der Zeit besser auf seine neue Tätigkeit hätte einstellen und sich die notwendig en Fähigkeiten aneignen können (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. April 2008, 8C_341/200 7, E. 3.3). Im Übrigen ist es der versi- cherten Person bei Schwierigkeiten wie Auseinandersetzun gen, Stresssituationen und derglei- chen grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusi cherung einer neuen Anschlussstelle aufzugeben (vgl. ARV 1986 Nr. 23 S. 92 E. 2b; Urteil des Bundesgerich ts vom 15. Februar 2002, C 374/00, E. 2) . Mit Blick auf die dem Versicherten obliegende Schaden minderungspflicht war das Arbeitsverhältnis demzufolge als Zwischenverdienst durchaus zumutbar. 5.1 Des Weiteren hat der Beschwerdeführer in seiner B eschwerde vom 19. Juni 2015 an- gegeben, er habe mit seinem RAV-Berater am 24. Sept ember 2014, also noch vor der Kündi- gung des damals aktuellen Einsatzes, eingehend darüber diskutiert, ob er seine Stelle zu Guns- ten eines Probeeinsatzes kündigen dürfe. Der RAV-Mitar beiter habe den Probeeinsatz befür- wortet, weil er dem Beschwerdeführer die Chance auf ei ne Festanstellung ermöglicht habe. Leider sei der Probeeinsatz bei der D.____ GmbH insofe rn nicht erfolgreich gewesen, als der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dortige Chef danach doch jemanden gesucht habe, der sow ohl die Vorbereitungsarbeiten als auch das Lackieren vornehmen könne. Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, er habe ja nicht eine feste Anstellung gekündigt, um einer unsicheren Ar beitsstelle nachzugehen. Vielmehr sei er in einem sehr problematischen temporären Zwischenverdienst gewesen und habe eine Fest- anstellung gesucht. Er habe sich mit der Kündigung des t emporären Einsatzes nicht schlechter gestellt, denn die Probezeit habe de facto ja dieselbe Wirkung wie ein Probeeinsatz. Man könne nämlich jederzeit mit einer sehr kurzen Frist kündigen. De r Eintritt der Arbeitslosigkeit sei aus- schliesslich objektiven Faktoren zuzuschreiben, nämlich dem kur zfristigen Entscheid des alter- nativen Arbeitgebers, die Stelle nun mit einem anderen Profil zu besetzen. 5.2 Der von der Arbeitslosenkasse telefonisch befragte z uständige RAV-Mitarbeiter (vgl. Aktennotiz vom 13. April 2015) führte aus, der Ver sicherte habe angerufen und grundsätz- lich gefragt, ob er den Zwischenverdienst zu Gunsten eine r Festanstellung aufgeben dürfe. Er habe ihm das Vorgehen erklärt und die Frage grundsätzli ch bejaht. Der Versicherte habe kein konkretes Beispiel vorgebracht oder den Probeeinsatz bei d er D.____ GmbH erwähnt. Er habe keine Zusicherung gemacht, sondern lediglich grundsätzlich Auskunft gegeben. Hätte er eine verbindliche Zusage gemacht oder eine Vereinbarung mit dem Versicherten getroffen, so hätte er dies auch protokolliert. Ein entsprechendes Protokoll liege jedoch nicht vor. 5.3 Die D.____ GmbH hat mit Schreiben vom 12. November 2014 den Probeeinsatz des Beschwerdeführers bestätigt. Weiter wurde ausgeführt, sie hätten vorgesehen, dem Beschwer- deführer eine Festanstellung anzubieten. Sie hätten sich dann für jemand anderen entschieden, der auf ihrem Gebiet spezialisiert sei und mehrjährige Erfahrung mit sich bringe. 5.4.1 Vorliegend hat der Beschwerdeführer den Nachwe is, dass der RAV-Mitarbeiter ihm gegenüber angegeben habe, er dürfe seine Zwischenverdi ensttätigkeit zu Gunsten des Probe- einsatzes kündigen, nicht erbracht. Der RAV-Mitarbeite r hat glaubhaft und nachvollziehbar an- gegeben, dass er eine solche Aussage nicht gemacht habe b zw. dass der Beschwerdeführer nicht von einem Probeeinsatz gesprochen habe, sondern vie lmehr von einer Festanstellung. Deshalb habe er lediglich und allgemein bestätigt, dass er eine Zwischenverdiensttätigkeit zu Gunsten einer Festanstellung kündigen dürfe. Der Beschw erdeführer kann sich demnach nicht darauf berufen, der RAV-Mitarbeiter habe ihm empfohlen, seine Anstellung zu kündigen, und er habe auf diese Auskunft vertrauen dürfen. 5.4.2 Der Vorinstanz ist des Weiteren darin zuzustimmen, dass ein Probeeinsatz nicht mit der Probezeit zu vergleichen ist, da der Probeeinsatz e in Instrument für die Wiedereingliede- rung darstellt und dazu dient abzuklären, ob eine versiche rte Person zur Ausübung einer kon- kreten Beschäftigung an einem konkreten Arbeitsplatz geeignet ist. Die versicherte Person steht bei einem Probeeinsatz noch nicht in einem Arbeitsverh ältnis. Ein Probeeinsatz ist daher nicht einem zugesicherten Arbeitsverhältnis gleichzustellen, a uch wenn grundsätzlich die Absicht besteht, einen Arbeitsvertrag abzuschliessen. Die Probez eit hingegen setzt einen gültigen Ar- beitsvertrag voraus. Die betreffende Person steht in einem Arbeitsverhältnis. Wenn sie sich be- währt, ist von einer Fortsetzung des Arbeitsverhältni sses auszugehen. Bei einem Probeeinsatz hängt die Fortsetzung bzw. eben Begründung eines Arbeitsverhältnisses auch – wie der vorste- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht hende Fall zeigt – von Gründen ab, die ausserhalb des Einflussbereichs der betreffenden Per- son liegen. Insgesamt ergibt sich deshalb bei einem Wechsel von einem Arbeitsverhältnis in der Probezeit zu einem Probeeinsatz eine prekäre Situation. Anders sieht es nur dann aus, wenn bei einem Probeeinsatz eine Stelle zugesichert ist. Gemäss Auskunft der D.____ GmbH kann nicht davon ausgeg angen werden, dass dem Be- schwerdeführer eine Festanstellung zugesichert worden wär e. Die D.____ GmbH hat lediglich angegeben, es sei vorgesehen gewesen, dem Beschwerdeführer eine Festanstellung anzubie- ten. Die Aussage der D.____ GmbH sowie die Tatsache, dass vorliegend ein Probeeinsatz ver- einbart wurde, sprechen gegen das Vorbringen, eine F estanstellung sei zugesichert gewesen. Es kann demnach nicht von einer zugesicherten Festanstellung ausgegangen werden. 6. Da somit keine Gründe vorliegen, die die Kündigun g der Zwischenverdiensttätigkeit als berechtigt erscheinen liessen, ist von einer selbstverschulde ten Auflösung des Arbeitsverhält- nisses auszugehen. Der Beschwerdeführer hat ein zwar unsic heres Zwischenverdienstarbeits- verhältnis – welches aber Bestand hatte und möglicherwei se zu einer Festanstellung hätte füh- ren können – für ein noch unsichereres Arbeitsverhältn is – welches denn auch nicht zustande kam – aufgegeben. Damit hat der Beschwerdeführer seine in Art. 17 Abs. 1 AVIG statuierte Schadenminderungspflicht verletzt, was grundsätzlich eine Einstellung in der Anspruchsberech- tigung gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 lit. b AVIV zur Folge hat. 7.1 Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberecht igung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens und beträgt je Einstellungsgrund höchsten s 60 Tage (vgl. Art. 30 Abs. 3 AVIG). Nach Art. 45 Abs. 3 AVIV wird die Einstellung in der Anspruchsberechtigung abgestuft; sie dauert 1-15 Tage bei leichtem (lit. a), 16-30 Tage bei mittelschwerem (lit. b) und 31-60 Tage bei schwerem (lit. c) Verschulden. Innerhalb dieses Rah mens fällt die Arbeitslosenkasse ihren Entscheid nach pflichtgemässem Ermessen. Bei der Bemessung der Einstellungsdauer im Falle der Ablehnung oder Aufgabe einer zumutbaren Zwischenver dienstarbeit ist der gleiche Ver- schuldensmassstab (Art. 30 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 45 AVIV) anzulegen, wie im Falle der Ablehnung einer nach Art. 16 Abs. 1 AVIG zu mutbaren Arbeit (ARV 1998 Nr. 9 S. 47; Urteil des Bundesgerichts vom 15. April 2005, C 256/04, E. 1.2.2). Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts die angefochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprüfen. Sie greift j edoch bei der Beurteilung der von der Kasse angeordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in deren Ermes- sensspielraum ein. 7.2 Für die Festlegung der Einstelldauer ging die Arb eitslosenkasse vorliegend von einem mittelschweren Verschulden aus und stellte den Beschwerde führer für 24 Tage ein. Insgesamt ist die auf 24 Tage festgelegte Einstellung in der A nspruchsberechtigung angemessen und sachlich gerechtfertigt. Das Kantonsgericht sieht keinen Anl ass, in die vorgenommene Bemes- sung korrigierend einzugreifen. Vielmehr ist festzuhalt en, dass die Arbeitslosenkasse den Um- ständen des vorliegenden Einzelfalls insofern Rechnung g etragen hat, als sie lediglich von ei- nem mittelschweren und nicht von einem schweren Verschul den ausgegangen ist. Der ange- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht fochtene Einspracheentscheid vom 19. Mai 2015 ist unter diesen Umständen zu bestätigen und die dagegen gerichtete Beschwerde abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Beschwerd everfahrens zu befinden. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist das Verfahren vor dem ka ntonalen Gericht für die Parteien kos- tenlos, weshalb keine Verfahrenskosten erhoben werden. D ie ausserordentlichen Kosten des Verfahrens sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht