B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-506/2014/plo U r t e i l v o m 2 4 . F e b r u a r 2 0 1 6 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richterin Claudia Cotting-Schalch, Gerichtsschreiberin Anne Kneer. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (ohne Vollzug); Verfügung des BFM vom 23. Dezember 2013 / N (…). D-506/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein syrischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie – verliess laut seinen Aussagen seinen Heimatstaat am 4. Juni 2010 und reiste über die Türkei mit einem Lastwagen am 15. Juni 2010 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl ersuchte. Am 18. Juni 2010 wurde er summarisch befragt und am 12. Juli 2010 eingehend zu seinen Asyl- gründen angehört. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er habe am 20. März 2010 mit vielen anderen Menschen in einem (…) das Newroz-Fest gefeiert. Er habe Fotos von den tanzenden Menschen machen wollen. In diesem Moment hätten mehrere Fahrzeuge mit Leuten des "Amen-Siassi" (Mitarbeiter des Amn Al-Dawla, Direktorat für Staatssicherheit) in seiner Nähe angehalten und der Patrouillenchef habe auf ihn gezeigt. Es sei offensichtlich gewe- sen, dass sie die Absicht gehabt hätten, ihn zu verhaften. Er sei sofort über den Bazar geflohen, habe dabei die Kamera weggeworfen und sei an- schliessend gleich zu einem Freund nach B._______ gegangen, wo er bis zum 4. Juni 2010 geblieben sei. Seine Eltern hätten ihn informiert, dass noch am selben Abend, aber danach wiederholt, Amen-Siassi-Leute zu Hause nach ihm gefragt hätten. Er vermute, dass die Fotos der Grund für seine versuchte Festnahme gewesen seien. Aus Angst vor einer Fest- nahme habe er schliesslich das Land verlassen. Ausserdem sei er Sympa- thisant der PYD (Partiya Yekitîya Demokrat, Partei der Demokratischen Union). Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Kopie seiner Identitätskarte zu den Akten. B. Am 26. August 2010 bat das BFM die schweizerische Botschaft in Damas- kus (nachfolgend: Botschaft) um die Abklärung, ob der Beschwerdeführer einen syrischen Pass besitze, er legal aus Syrien ausgereist sei und ob er von den syrischen Behörden gesucht werde. C. Mit Schreiben vom 26. Januar 2011 teilte die Botschaft dem BFM mit, die Abklärungen des Vertrauensanwaltes hätten ergeben, dass der Beschwer- deführer ein syrischer Staatsangehöriger sei, einen syrischen Pass be- sitze, er am 4. Juni 2010 in die Türkei ausgereist sei und er nicht von den syrischen Behörden gesucht werde. D-506/2014 Seite 3 D. Mit Schreiben vom 16. August 2012 zeigte der Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers sein Mandat an. Zudem machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er habe in der Schweiz an zwei Kundgebungen teil- genommen und sei auf den nun eingereichten Fotos an vorderster Stelle des Umzuges zu sehen. Angesichts des grossen Interesses der Geheim- dienste des Regimes an der Beobachtung solcher Aktivitäten und vor dem Hintergrund des nunmehr offenen Bürgerkriegs erfülle er daher die Flücht- lingseigenschaft. Der Beschwerdeführer reichte dabei Fotos und Flugblätter von Kundge- bungen am (…) und vom (…) in C._______ sowie seine Identitätskarte im Original zu den Akten. E. Das BFM gewährte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 21. Novem- ber 2013 Einsicht in die Verfahrensakten und gab ihm Gelegenheit, sich innert Frist zu den Ergebnissen der Botschaftsabklärung zu äussern. F. Mit Eingabe vom 3. Dezember 2013 nahm der Beschwerdeführer zum Er- gebnis der Botschaftsabklärung Stellung. Dabei machte er im Wesentli- chen geltend, das Ergebnis stimme mit seinen Aussagen bezüglich der Staatsangehörigkeit, des Passes und der Ausreise überein. Der Vermerk, wonach er nicht gesucht werde, sei nicht richtig. Es handle sich auch nicht um eine Suche im Rahmen eines Verfahrens betreffend ein gemeinrechtli- ches Delikt, sondern eben um eine Suche aus politischen Gründen. Es sei ferner festzuhalten, dass sich die Lage in Syrien seither verschlimmert habe und auch Personen mit relativ niederschwelliger Aktivität gesucht würden. Es seien somit objektive Nachfluchtgründe vorhanden, welche zur Asylgewährung führen müssten. Dies ungeachtet der subjektiven Nach- fluchtgründe, die die Flüchtlingseigenschaft im v orliegenden Fall festzu- stellen erfordern würden. G. Das BFM stellte mit Verfügung vom 23. Dezember 2013 – eröffnet am 30. Dezember 2013 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingsei- genschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch vom 15. Juni 2010 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, schob deren Vollzug jedoch wegen Un- zumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. D-506/2014 Seite 4 H. Der Beschwerdeführer erhob gegen diese Verfügung mit Eingabe vom 29. Januar 2014 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean- tragte die Aufhebung der Ziffern 1 – 3 des Dispositivs sowie die Anerken- nung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 110a AsylG (SR 142.31) sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvor- schusses. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer vier Fotos des benutzten Kamera-Typs, einen Ausdruck einer Videosequenz bezüg- lich der Kundgebung vom (…) 2011, eine Mitgliedschaftsbestätigung der Yekiti Partei Kurdistani – Schweiz (nachfolgend PYK-S), Auszüge seines Facebookprofils (inkl. Übersetzung ins Deutsche) sowie eine Fürsorgebe- stätigung zu den Akten. I. Mit Zwischenverfügung vom 10. Februar 2014 stellte die Instruktionsrich- terin fest, der Beschwerdeführer könne das Verfahren in der Schweiz ab- warten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut, verzichtete auf Erhebung eines Kostenvorschusses und wies das Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Rechtsverbeiständung ab. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz ein- geladen, eine Vernehmlassung einzureichen. J. Mit Eingabe vom 24. Februar 2014 reichte das BFM eine Vernehmlassung zu den Akten, wobei es an seinen bisherigen Ausführungen festhielt und die Abweisung der Beschwerde beantragte. K. In seiner Replik vom 12. März 2014 nahm der Beschwerdeführer zur Ver- nehmlassung des BFM Stellung und reichte zwei Artikel aus Online-Zeitun- gen zur Situation in Syrien, ein en von ihm verfassten Artikel, welcher auf (…) am (…) 2014 veröffentlicht wurde (inkl. deutscher Übersetzung), ein Flugblatt, Auszüge von Facebook-Einträgen zu Kundgebungen sowie eine Honorarnote des Rechtsvertreters ein. D-506/2014 Seite 5 L. Mit Eingabe vom 15. Januar 2016 machte der Beschwerdeführer darauf aufmerksam, dass zwei seiner Brüder in Österreich Asyl erhalten hätten und die Flüchtlingseigenschaft erfüllen würden. Dazu reichte er Kopien der Pässe und der ersten Seiten der positiven Asylentscheide der Brüder zu den Akten. M. Mit Eingabe vom 12. Februar 2016 (Poststempel) reichte der Beschwerde- führer Kopien der Protokolle der Asylbefragungen seiner Brüder zu den Ak- ten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Mit Beschwerde kann im Geltungsbereich des AsylG die Verletzung von D-506/2014 Seite 6 Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermes- sens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtser- heblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nati onali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft interessiert zwar in erster Linie die im Zeitpunkt der Ausreise der asylsuchenden Per son(en) beste- hende Verfolgungssituation. Nach Lehre und Praxis wird jedoch dann auf die Gefährdungslage im Moment des Asylentscheides abgestellt, wenn sich die Lage im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid mass- geblich zu Gunsten oder zu Lasten der asylsuchenden Person(en) verän- dert hat (vgl. etwa WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Peter Uebersax/Beat Ru- din/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auf., Ba- sel 2009, Rz. 11.17; zur Relevanz des Zeitpunkts des Entscheides für die Bestimmung der Flüchtlingseigenschaft ferner Entscheidungen und Mittei- lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 6 E. 5, 1995 Nr. 2 E. 3a S. 17). Dieser Gesichtspunkt ist im vorliegenden Fall insofern von Bedeutung, als sich im Heimatstaat des Bes chwerdeführers, Syrien, die politische und menschenrechtliche Lage seit seiner Ausreise in erheblicher Weise verändert hat (vgl. nachfolgend E. 5). D-506/2014 Seite 7 4. 4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das BFM im We- sentlichen aus, die Vorbringen bezüglich der Vorfälle am Newroz-Fest wür- den der nötigen Logik und Substantiierung entbehren. Es sei zunächst fraglich, wie er aus der angegebenen Distanz von rund 50 Metern die Handzeichen eines Beamten nicht nur erkennen, sondern auch habe deu- ten können. Dies entspreche nicht der allgemeinen Lebenserfahrung, vor allem da er angegeben habe, sich inmitten einer tanzenden und feiernden Gesellschaft befunden zu haben. Seine Aussagen würden nicht erklären, wie die Beamten ihn hätten identifizieren können. Auffallend sei dabei, dass es durch die von ihm beschriebenen Umstände auch den Amen-Siassi- Leuten mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht möglich gewesen sei, ihn aus dieser Distanz und inmitten einer tanzenden Gruppe zu erkennen, ge- schweige denn zu identifizieren. Er sei in der Anhörung nach mehrfacher Nachfrage nicht in der Lage gewesen zu erklären, wie er durch blosses Gesehenwerden habe identifiziert werden können. Seine Erklärungen hät- ten sich darauf beschränkt, dass es für die syrischen Behörden ein leichtes sei, alle Personen ausfindig zu machen. Umso mehr erscheine es unlo- gisch, weshalb die Behörden sodann seine Eltern hätten ausfindig machen können, jedoch daran gescheitert sein sollen, ihn bei seinem Freund aus- findig zu machen. Dies habe er nicht plausibel erklären können. Insbeson- dere seien seine Antworten bezüglich dieser Fragen ausweichend und in- haltlich vage gewesen. Ferner würden die Schilderungen der angeblichen Identifizierung seiner Person durch die Behörden auch deshalb unlogisch erscheinen, da er angegeben habe, vorher keine Probleme mit den Behör- den gehabt zu haben. Es sei somit mit höchster Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er den Behörden nicht bekannt gewesen sei. Ferner habe er nicht erklären können, weshalb diese Fo tografien von tanzenden Menschen an einem kulturellen Fest für die syrischen Behörden von solch grossem Interesse gewesen seien. Die intensive Suche nach ihm stehe indes in einem krassen Missverhältnis zu der von ihm angeblich ausgeführ- ten Tätigkeit, dem F otografieren. Die Verfolgung durch die syrischen Be- hörden nur aufgrund dessen erscheine als unlogisch, nicht nachvollziehbar und sei deshalb als unglaubhaft zu qualifizieren. Schliesslich falle auf, dass er während der Anhörung nicht in der Lage gewesen sei, die Erkennungs- merkmale seiner Kamera zu nennen. Er habe lediglich die ungefähre Grösse des Apparats mit den Händen angezeigt und angegeben, es sei eine normale Kamera gewesen, wie man sie in Syrien kenne. Die fehlende Substanz seiner Aussagen untermauer e den Eindruck, dass er das Er- zählte nicht selbst erlebt habe , zusätzlich. Angesichts dieser nicht ab-D-506/2014 Seite 8 schliessend aufgeführten Ungereimtheiten gelinge es ihm nicht, eine Ver- folgung der syrischen Behörden glaubhaft zu machen. Darüber hinaus habe er Syrien le gal verlassen, was für eine gesuchte Person zu riskant wäre. Dieses Verhalten entspreche nicht dem Verhalten einer verfolgten Person. Zudem sei er gemäss der Botschaftsantwort zum Zeitpunkt der Ausreise nicht gesucht worden, was die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen unterstreiche. Aufgrund dieser Unglaubhaftigkeit der Vorflucht- gründe seien seinen Vorbringen auch keine Hinweise auf das Vorliegen objektiver Nachfluchtgründe zu entnehmen. Die übrigen Vorbringen seien auf ihre Asylrelevanz gemäss Art. 3 AsylG zu prüfen. Bekanntlich würden die syrischen Behörden energisch gegen regimekritische Aktivitäten vorge- hen. Da er jedoch nicht geltend mache, ein politisches Profil gehabt zu ha- ben und regimekritisch aktiv gewesen zu sein, sei nicht davon auszugehen, dass er die Aufmerksamkeit des Regimes aufgrund von reiner Sympathie mit der PYD auf sich gezogen habe. Die Befürchtung, er könne in diesem Zusammenhang bei einer allfälligen Rückkehr nach Syrien einer Verfol- gung ausgesetzt sein, sei demnach unbegründet und somit nicht asylrele- vant. Bezüglich der exilpolitischen Tätigkeiten sei festzustellen, dass angesichts der umfangreichen exilpolitischen Betätigung von syrischen Staatsangehö- rigen im Ausland davon auszugehen sei, dass sich die syrischen Geheim- dienste auf die Erfassung von Personen konzentrierten, die qualifizierte Aktivitäten ausüben. Er habe die Teilnahme an zwei Demonstrationen be- weisen können. Er hebe sich jedoch auf den Fotos nicht von der Masse der Demonstrierenden ab und die eingereichten Flugbl ätter würden nicht auf ihn als Autor hinweisen. Dies genüge somit nicht, um eine qualifizierte Tätigkeit glaubhaft zu machen. Zudem sei die letzte dokumentierte De- monstrationsteilnahme auf März 2012 datiert und den Akten seien keine Hinweise für ein aktuelles politisches Engagement zu entnehmen. Die gel- tend gemachte exilpolitische Tätigkeit sei somit nicht geeignet, eine Verfol- gung gemäss Art. 3 AsylG zu begründen. 4.2 In seiner Beschwerde brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, es sei unverständlich, weshalb Handzeichen aus einer Distanz von 50 Metern nicht sollen gedeutet werden können. Da Personen in einem Jeep zudem erhöht seien, dürfte es auch aus einer Menschenansammlung mög- lich sein, solche Gesten wahrzunehmen und zu deuten. Bei solchen Ereig- nissen seien in der fraglichen Zeit in Syrien Personen bei verbotenen Kund- gebungen verhaftet und befragt worden, wer Fotos gemacht habe. Es sei daher sehr wahrscheinlich, dass ein Fotograf so identifiziert werden könne. D-506/2014 Seite 9 Da sich die geschilderten Ereignisse s omit sehr wohl mit der allgemeinen Lebenserfahrung deckten, könne offen bleiben, ob er den Behörden bereits vorher bekannt gewesen sei beziehungsweise weshalb sich die Beamten ausgerechnet für ihn entschieden hätten. Denkbar wäre, dass die Beamten ihn nicht im Voraus identifiziert und gesucht, sondern sich vor Ort für ihn entschieden und ihn nach seiner Flucht umso mehr verdächtigt hätten. Fer- ner hätten seine Eltern durch einen Blick in die Registrierungspapiere aus- findig gemacht werden können. Der Aufenthaltsort von Bekannten sei dem Geheimdienst jedoch nicht ohne weiteres bekannt. Da er nur wenige Wo- chen bei seinem Freund geblieben sei, sei es nicht unwahrscheinlich, dass die Behörden ihn bis zu diesem Zeitpunkt nicht hätten finden können. Er habe stets klar gemacht, dass er über keine Kenntnisse bezüglich der Iden- tifikationsmethoden des Geheimdienstes verfüge. Seine Aussagen seien weder vage noch ausweichend gewesen, sondern vielmehr offen und ehr- lich, ohne falsches Wissen angelernt und dann auswendig wiedergegeben. Es sei als Überdehnung der Mitwirkungspflicht anzusehen, wenn die Vor - instanz verlange, dass er Motive und Methoden der Fahndung der syri- schen Behörden darzulegen habe. Die geschilderten Abläufe entsprächen der allgemeinen Erfahrung und der Logik des Handelns, seien konkret, de- tailliert sowie differenziert dargelegt und würden somit den Eindr uck von selber Erlebtem vermitteln. Bezüglich des Beschriebs der Kamera sei da- rauf hinzuweisen, dass verfolgte und traumatisierte Personen vom Erleb- ten sehr bruchstückhaft über Details berichten könnten. Er habe aber die Kamera dennoch beschreiben können. Auf den eingereichten Fotos des- selben Typs Kamera sei zu erkennen, dass es sich nicht um eine Kamera einer bekannten Marke handle und eine klar ersichtliche Modellbezeich- nung fehle. Die vorgebrachten Zweifel der Vorinstanz seien vor diesem Hintergrund in ihrer Bedeutung zumindest herabzustufen. Er habe Syrien ferner mit Hilfe eines Schleppers verlassen, welcher dank finanzieller Mittel einen reibungslosen Grenzübertritt habe garantieren können. Angesichts der Korruption erscheine es durchaus wahrscheinlich, dass sich die Ge- fahr, verhaftet zu werden, minimieren lasse. Der Botschaftsantwort komme gemäss Rechtsprechung nur geringer Beweiswert zu, da jene in der Regel nur knapp ausfalle. Syrische Behörden hätten kein Interesse daran, zum Fall wahrheitsgetreue Angaben zu machen, und zudem sei es nicht ersicht- lich, wie angesichts der zahlreichen, unkoordinierten und teilweise konkur- rierenden Sicherheitsbehörden überhaupt eine Aussage erbracht werden könne, ob eine Person gesucht werde. Gemäss Rechtsprechung sei be- kannt, dass sich die syrischen Behörden für die exilpolitischen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen interessieren. Seit dem Ausbruch des Bürger- kriegs sei eine Intensivierung der Überwachung zu beobachten. Er selber D-506/2014 Seite 10 habe bereits in Syrien mit der PYD sympathisiert und sei nur aus zeitlichen Gründen kein aktives Mitglied gewesen. Er habe in Syrien an einer verbo- tenen Manifestation teilgenommen und dabei Fotos gemacht. In der Schweiz habe er mehrfach an Kundgebungen teilgenommen, wobei bisher zwei Aktionen aktenkundig seien. Er habe ferner auch im (…) 2011 an einer Kundgebung gegen das syrische Regime teilgenommen, wobei Aufnah- men, auf denen er deutlich zu erkennen sei, auf YouTube abzurufen seien. Er sei sodann Mitglied der PYK-S. Die Mitgliedschaft sei Ausdruck seiner langjährigen Sympathie für die kurdischen Interessen. Er habe seiner re- gimekritischen Haltung schliesslich in entsprechenden Facebook -Posts Ausdruck verliehen und sich somit mit insgesamt sechs Beiträgen öffentlich gegen das Assad-Regime geäussert. Es könne offen bleiben, ob er über ein herausragendes exilpolitisches Profil verfüge, da dies entgegen der Rechtsprechung nicht vorausgesetzt werde. Vielmehr sei en aufgrund der aussergewöhnlichen Lage in Syrien und der vermuteten ausgeprägten Überwachung von im Ausland verweilenden syrischen Oppositionellen be- reits das Stellen eines Asylgesuchs im Ausland, normale exilpolitische Ak- tivitäten sowie vermeintliche Kontakte zu Oppositionellen oder Kenntnisse der Exilszene in der Schweiz geeignet, eine reale und unmittelbare persön- liche Gefährdung im Falle der Rückkehr zu begründen. Zusammenfassend könne somit festgehalten werden, dass ein begründeter Anlass zur Furcht bestehe, dass die syrischen Behörden von seinen exilpolitischen Tätigkei- ten Kenntnis hätten und er bei einer Rückkehr verfolgt würde. Bezüglich der objektiven Nachfluchtgründe sei darauf hinzuweisen, dass aufgrund der stark veränderten Situation in Syrien davon auszugehen sei, dass heute bereits Personen, die einst wegen relativ niederschwelliger Aktivitä- ten gesucht worden seien, im Falle einer Rückkehr der Opposition verdäch- tigt, verfolgt und inhaftiert werden würden. 4.3 Das BFM führte in seiner Vernehmlassung insbesondere aus, es finde keine umfassende Kontrolle und Überwachung der exilpolitischen Tätigkei- ten von Syrern im Ausland statt. Die exilpolitischen Tätigkeiten des Einzel- nen müssten über die niedrigprofilierten Erscheinungsformen hinausgehen und sich von der Masse abheben. Erst dann könne davon ausgegangen werden, dass sich der Einzelne so ex poniert habe, dass er von den syri- schen Behörden als Gefahr wahrgenommen werde. Die eingereichten Be- weismittel würden nicht auf eine über die niedrigprofilierte Erscheinungs- form hinausgehende exilpolitische Tätigkeit hindeuten. Die Mitgliedschaft bei der PYD vermöge die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen. In dem Video auf YouTube sei der Beschwerdeführer nur kurz zu sehen, hebe D-506/2014 Seite 11 sich nicht von der Masse ab und exponiere sich nicht speziell. Die ge- schwächten syrischen Behörden müssten sich seit dem Ausbruch des Bür- gerkriegs auf das Überleben konzentrieren und würden ihre Kräfte nicht für die flächendeckende Überwachung ihrer Bürger im Ausland einsetzen. 4.4 In seiner Replik führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, die Vorinstanz gehe vollkommen fehl bei der Lagebeurteilung in Syrien, indem sie behaupte, das s das Assad -Regime für gezielte politische Verfolgung nicht mehr genügend handlungsfähig sei und ums Überleben kämpfe. Im eingereichten Zeitungsartikel sei von markanten Geländegewinnen, der grossen Handlungsfähigkeit und der gesicherten Position Assads die Rede. Ausserdem gehe auch sein Engagement wesentlich übe r das der anonymen Masse hinaus, indem er persönlich in Erscheinung trete. Face- book-Einträge im eigenen Namen würden Mut erfordern, da die Beobach- tung solcher Aktivitäten mit explizit kritischem Inhalt nicht nur technisch ein- fach, sondern auch hoch effizient sei. Der Inhalt seines publizierten Artikels gehe weit über den jenigen, der unzufriedenen Masse hinaus. Flugblätter, welche an Kundgebungen verteilt würden, und die damit korrespondieren- den Beiträge und Fotos auf Facebook würden ihn ebenfalls als ausseror- dentlich engagierte politische Persönlichkeit identifizieren. 5. 5.1 Im Gefolge der politischen Umwälzungen des sogenannten Arabischen Frühlings in verschiedenen arabischen und nordafrikanischen Staaten – so namentlich in Ägypten, Libyen und Tunesien – wurden in Syrien seit Beginn des Jahres 2011 ebenfalls Forderungen nach demokratischen Reformen laut. Die politische Unrast wurde dabei nicht zuletzt durch Ereignisse in der Stadt Dar'a im März 2011 entfacht, als staatliche Sicherheitskräfte Kinder verhafteten und bei anschliessenden Protesten mehrere Demonstrierende töteten. Durch das zunehmend gewaltsame Vorgehen des syrischen Re- gimes gegen eine landesweite Protestwelle mit Hunderten vo n Todesop- fern, der Inhaftierung und Folterung Zehntausender von Personen, darun- ter selbst Kindern, folgte eine Eskalation des Konflikts, die schliesslich in einen offenen Bürgerkrieg mündete. Dieser Bürgerkrieg ist zum einen durch die Beteiligung an den Kampfhandlungen einer Vielzahl von Parteien und rivalisierenden Gruppierungen mit unterschiedlicher politischer, ethni- scher und religiöser Prägung gekennzeichnet, die zudem in wechselnden Koalitionen zueinander stehen. Zum anderen ist insbesondere zu be- obachten, dass im Konflikt auch gegen die Zivilbevölkerung in willkürlicher Weise, mit massivster Gewalt und unter Einsatz von Kriegswaffen vorge- gangen wird, so mittels Artillerie- und Bombenangriffen sowie sogar der D-506/2014 Seite 12 Verwendung von Giftgas. Gemäss Einschätzung des Hochkommissariats der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) gehört zu den Methoden und Taktiken der Kriegsführung in Syrien insbesondere seitens des staatli- chen Regimes die kollektive Bestrafung jener, denen die tatsächliche oder vermeintliche Unterstützung einer gegnerischen Konfliktpartei zugeschrie- ben wird, durch systematische Belagerung, Bombardierung, Plünderung und Zerstörung von Wohnungen und sonstiger ziviler Infrastruktur. Infolge der das ganze Land erfassenden Kriegshandlungen kamen nach Schät- zungen der Vereinten Nationen bis Dezember 2014 mindestens 191'000 Menschen ums Leben, mehr als 3,2 Millionen Menschen sind aus Syrien geflohen, und 7,6 Millionen Menschen gelten als intern vertrieben (Sicher- heitsrat der Vereinten Nationen, Resolution 2191 vom 17. Dezember 2014), wobei die Zahl der Flüchtlinge monatlich im Durchschnitt um 100'000 Personen ansteigt. Sämtliche Bemühungen, eine friedliche Beile- gung des Konflikts zu erreichen, sind bislang gescheitert (vgl. dazu einge- hend die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-5779/2013 25. Februar 2015 E. 5.3.1 [als Referenzurteil publiziert] und BVGE 2015/3 E. 6.2.1 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Über diese kurze Zusammenfassung der wesentlichen Entwicklungen seit März 2011 hinaus lässt sich die Feststellung treffen, dass die Situation in Syrien anhaltend instabil und in stetiger Veränderung begriffen ist. An- gesichts des Scheiterns aller bisherigen Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts sind zum heutigen Zeitpunkt keinerlei Anzeichen für eine bal- dige substantielle Verbesserung der Lage erkennbar. Im Gegenteil ist da- von die Rede, dass sich die Situation zunehmend und in dramatischer Weise weiter verschlechtert. Ebenso ist in keiner Weise abzuschätzen, ob eine Beibehaltung oder eine (wie auch immer beschaffene) Änderung des bisherigen staatlichen Regimes zu erwarten ist. Dabei ist ebenfalls als voll- kommen offen zu bezeichnen, in welcher Weise ethnische, religiöse und/oder politische Zugehörigkeiten im Rahmen einer künftigen Herr- schaftsordnung eine Rolle sp ielen werden (vgl. Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts D -5779/2013 E. 5.3.2 [als Referenzurteil publiziert] und BVGE 2015/3 E. 6.2.2). 6. 6.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweis mass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder D-506/2014 Seite 13 nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent- liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick- sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesent- lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegt en Vor- kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte- nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinrei- chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch- lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei- lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele- mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub- stantiiertheit und Pla usibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inh alt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprechen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5779/2013 E. 5.6.1 [ als Referenzurteil p ubliziert] mit weiteren Hinwei- sen). 6.2 Zunächst fällt auf, dass der vom Beschwerdeführer beschriebene Sachverhalt als äusserst kurz bezeichnet werden muss. Es handelt sich dabei um einen kurzen Moment am Abend des 20. März 2010, ohne ir- gendwelche Vorgeschichte respektive Erklärungen, aufgrund welcher das Ereignis besser eingeordnet und somit verstanden werden könnte. So be- schränkt sich die Schilderung des Moments, als die Sicherheitsbehörden angekommen seien und er geflohen sei – was somit eindeutig als der wich- tigste Moment seiner Vorbringen bezeichnet werden kann –, sowohl in der Anhörung als auch in der Befragung auf wenige Sätze, welche zudem in äusserst allgemeiner Weise geschildert werden. Zwar weisen die Erzäh- lungen einige Realkennzeichen wie Gesten ( vgl. Akten SEM: A6/11 F15, F27) oder auch Namen (A6/11 F12, F50) auf. Dennoch gelingt es dem Be- schwerdeführer nicht, seine Vorbringen in einer Art und Weise zu schildern, dass sie als persönlich erlebt erscheinen würden. Persönliche Einschät- zungen, Schilderun gen seiner Gefühle und Vermutungen bezüglich des Grundes des Auftauchens der Sicherheitsbehörden fehlen in seinen Aus- führungen gänzlich. Der nachträgliche Beschrieb des Fotoapparates auf Beschwerdeebene alleine vermag denn auch die Geschehnisse nicht glaubhafter darzustellen. Auch wenn der Beschwerdeführer in der Be- schwerde grundsätzlich korrekt vorbringt, dass es nicht seine Aufgabe sei, D-506/2014 Seite 14 die Motive und Vorgehensweise von Verfolgern zu schildern, ist im vorlie- genden Fall, insbesondere aufgrund der Kürz e des Sachverhalts – eine gewisse Schilderung der inneren Auseinandersetzung mit den möglichen Gründen und Konsequenzen der Verfolgung zur Glaubhaftmachung der Flüchtlingseigenschaft zu zählen. Nach dem möglichen Grund für die ver- suchte Verhaftung gefragt, verwies der Beschwerdeführer mehrmals in ge- nereller Weise auf das Fotografieren von tanzenden Menschen an diesem Fest, ohne dies in irgendeinen grösseren Kontext zu setzen. So fehlen in den Schilderungen Überlegungen, weshalb er davon ausging, dass gerade er wegen des Fotografierens verhaftet werden sollte, zumal noch andere Leute an diesem Fest Fotos gemacht hätten (A6/11 F23). Auch die Erklä- rung, wie die Behörden ihn sofort hätten identifizieren können, vermag vor- liegend nicht zu befriedigen. So ist davo n auszugehen, dass die Sicher- heitsbeamten den Beschwerdeführer nur wenige Augenblicke und aus re- lativ grosser Entfernung gesehen haben. Wird davon ausgegangen, dass sich der Beschwerdeführer abgesehen von den Fotos nichts zu Schulden kommen liess und noch nie Schwierigkeiten mit den Behörden hatte (A6/11 F48), ist auch unter Berücksichtigung eines Spitzelsystems und moderns- ter Software nicht ersichtlich, wie die Sicherheitskräfte ihn hätten identifi- zieren können. Darüber hinaus erstaunt, dass der Beschwerdeführer nicht über mehr Informationen bezüglich der Besuche der Sicherheitskräfte bei seiner Familie verfügt, ist doch davon auszugehen, dass es ihn stark inte- ressieren müsste, weshalb, von wem und in welcher Intensität er gesucht wird. Der Beschwerdeführer gab jedoch auf diesbezügliche Nachfrage n nur äusserst kurze und unsubstanziierte Antworten (A6/11 F35 ff.) und ver- mochte auch im weiteren Verlauf des Verfahrens diesbezüglich keine Neu- igkeiten und weitere n Geschehnisse zu schildern, obschon er mit seiner Familie in Kontakt steht (A6/11, F4). Es ist an dieser Stelle überdies darauf hinzuweisen, dass den Ergebnissen der Botschaftsabklärung vorliegen d tatsächlich kaum Entscheidrelevanz zukomm t. Allerdings konnte auch ohne deren Berücksichtigung keine asylrech tlich relevante Gefährdung glaubhaft gemacht werden. 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die vorgebrachten Geschehnisse in einer glaubhaften Art und Weise darzustellen. So verblieben seine Schilderungen allgemein und vermochten kaum über die Erzählweise einer unbeteiligten Drittperson hinauszugehen. In einer Gesamtabwägung aller Indizien, welche für und gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen sprechen, kommt das Bundes- verwaltungsgericht daher zum Schluss, dass die Vorbringen den Anforde-D-506/2014 Seite 15 rungen der Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht zu genügen ver- mögen und somit der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise die Flüchtlingseigenschaft nicht glaubhaft machen konnte. 6.4 Ferner sind keine konkreten Hinweise auf eine Reflexverfolgung de s Beschwerdeführers, welche er mit Schreiben vom 15. Januar 2016 und vom 12. Februar 2016 durch die Asylgewährung seiner Brüder in Öster- reich zu belegen versuchte, ersichtlich. Aus den eingereichten Beweismit- teln, darunter die ersten Seiten (von vier) der positiven Asylentscheide so- wie die Protokolle der Kurzbefragungen, können keine Rückschlüsse auf eine Reflexverfolgung oder eine individuelle Gefährdung des Beschwerde- führers gezogen werden. Aus dieser Tatsache lässt sich somit nichts zu- gunsten des Beschwerdeführers ableiten. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer machte ferner mit Hinweis auf seine Teilnahmen an Kundgebungen für die Belange der kurdischen Minderheit in der Schweiz, die Mitgliedschaft bei der PYK-S und seine Aktivitäten auf Face- book und anderen Internetseit en das Vorliegen subjektiver Nachflucht- gründe geltend. In der Beschwerde wurde überdies geltend gemacht, dass sich die Situation in Syrien seit der Ausreise des Beschwerdeführers im Jahr 2010 gravierend verändert habe und nun bereits Personen, die einst wegen relativ niederschwelliger Aktivitäten gesucht worden seien, heute im Falle einer Rückkehr der Opposition verdächtigt, verfolgt und inhaftiert wer- den würden, weshalb das Vorliegen von objektiven Nachfluchtgründen zu bejahen sei. 7.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exil- aktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel- tend. Begründeter Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung besteht dann, wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde. Da- bei muss hinreichend Anlass zur Annahme bestehen, die Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ver- wirklichen – eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht. Es müssen mithin konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgen- den – Benachteiligung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht D-506/2014 Seite 16 davor als realistisch und nachvollzieh bar erscheinen lassen. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nach- fluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. Urteil des BVGer D -3839/2013 vom 28. Ok- tober 2015 E. 6.3 mit weiteren Hinweisen [zur Publikation vor gesehen], BVGE 2009/28 E. 7.1). 7.3 Objektive Nachfluchtgründe sind dann gegeben, wenn nach der Aus- reise entstandene äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Per- son keinen Einfluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen. Die solcherart von Verfolg ung bedrohte Person erfüllt die Flüchtlingseigen- schaft und es ist ihr Asyl zu gewähren (vgl. Urteil des BVGer E-7145/2014 vom 7. August 2015 E. 6.4.1). 7.4 7.4.1 Die Geheimdienste des syrischen Regimes von Bashar al-Assad sind in verschiedenen europäischen Staaten nachrichtendienstlich tätig. Sie ha- ben ein Agentennetz aufgebaut, mit dem Ziel, regimekritische Personen zu identifizieren und oppositionelle Gruppierungen zu unterwandern und zu bespitzeln. Syrische Staatsangehörige und staatenlose Kurden syrischer Herkunft werden zudem nach einem längeren Auslandaufenthalt bei der Wiedereinreise regelmässig einem eingehenden Verhör durch syrische Si- cherheitskräfte unterzogen. Wenn sich im Verlauf der Befragungen bei der Einreise Verdachtsmomente hinsichtlich oppositioneller Exilaktivitäten er- härteten, wurden die betroffenen Personen in der Regel an einen der Ge- heimdienste überstellt. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs hat es zwar kaum mehr Fälle von zwangsweisen Rückführungen syrischer Staatsangehöri- ger oder staatenloser Kurden syrischer Herkunft gegeben. Angesichts des rigorosen Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen Gegner des Regimes im Inland ist jedoch naheliegend, dass auch aus dem Ausland zurückkeh- rende Personen verstärkt unter dem Gesichtspunkt möglicher exilpoliti- scher Tätigkeiten oder Kenntnisse von Aktivitäten der Exilopposition ver- hört würden und von Verhaftungen, Folter und willkürlicher Tötung betrof- fen wären (Urteil des BVGer D -3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3 [zur Publikation vorgesehen] mit weiteren Hinweisen). D-506/2014 Seite 17 7.4.2 Jedoch ist zu beachten, dass die Aktivitäten der syrischen Geheim- dienste in Europa in den letzten Jahren in den Fokus der Nachrichten- dienste der betroffenen Länder gerückt sind und diese ihre Tätigkeiten auf- grund der ergriffenen Massnahmen nicht mehr ungehindert ausüben kön- nen. Es ist angesichts der Dimension der geflüchteten Menschen aus Sy- rien zudem wenig wahrscheinlich, dass die syrischen Geheimdienste über die logistischen Ressourcen und Möglichkeiten verfügen, um sämtliche re- gimekritischen exilpolitischen Tätigkeiten syrischer Staatsangehöriger oder staatenloser Kurden syrischer Herkunft im Ausland systematisch zu über- wachen. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass durch den Über- lebenskampf des Regimes die syrischen Geheimdienste ohnehin primär auf die Situation im Heimatland konzentriert sind (Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3 [zur Publikation vorgesehen]). 7.4.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht deshalb weiterhin davon aus, dass der Schwerpunkt der Aktivitäten der syrischen Geheimdienste im Aus- land nicht bei einer grossflächigen, sondern bei einer selektiven und ge- zielten Überwachung der im Ausland lebenden Opposition liegt. Die An- nahme, die betroffene Person habe die Aufmerksamkeit der syrischen Ge- heimdienste in einer Weise auf sich gezogen, welche auf eine begründete Furcht vor Verfolgung wegen exilpolitischer Tätigkeiten schliessen lässt, rechtfertigt sich deshalb nur, wenn diese sich in besonderem Mass expo- niert. Für die Annahme begründeter Furcht ist insofern nicht primär d as Hervortreten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit und Individualisier- barkeit massgebend; ausschlaggebend ist vielmehr eine öffentliche Expo- nierung, die aufgrund der Persönlichkeit des Asylsuchenden, der Form des Auftritts und aufgrund des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklärungen den Eindruck erweckt, dass der Asylsuchende aus Sicht des syrischen Regimes als potenzielle Bedrohung wahrgenommen wird (vgl. Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3, mit weiteren Hinweisen [zur Publikation vorgesehen]). 7.5 Wie vorstehend ausgeführt, konnte der Beschwerdeführer keine Vor- verfolgung glaubhaft machen (vgl. E. 6), weshalb ausgeschlossen werden kann, dass dieser vor dem Verlassen Syriens als regimefeindliche Person ins Blickfeld der Behörden geraten ist. Aufgrund der Akten drängt sich als- dann der Schluss auf, der Beschwerdeführer sei nicht der Kategorie von Personen zuzurechnen, die wegen ihrer Tätigkeit oder Funktionen im Exil als ernsthafte und potenziell gefährliche Regimegegner di e Aufmerksam- keit der syrischen Geheimdienste auf sich gezogen haben könnten. Auf-D-506/2014 Seite 18 grund der eingereichten Beweismittel und der Angaben des Beschwerde- führers ist nicht davon auszugehen, dass er innerhalb einer der exilpolitisch tätigen Organisationen und Part eien eine exponierte Kaderstelle innehat. Zwar wird im Schreiben vom 8. Januar 2014 ausgeführt, der Beschwerde- führer habe eine "grosse Rolle" inne, jedoch wird dies nicht weiter substan- ziiert. Das Bestätigungsschreiben der PYK-S vermag die "grosse Rolle" al- leine nicht zu bestätigen. Aus den eingereichten Beweismitteln geht ferner hervor, dass er lediglich an drei Demonstrationen innerhalb von zwei Jah- ren teilnahm, wobei die letzte aktenkundige Demonstration vom (…) 2012 datiert. Im Verlaufe des Verfahrens machte er denn auf keine weiteren Ak- tivitäten aufmerksam. Somit ist vielmehr davon auszugehen, dass er wie Tausende syrischer Staatsangehöriger oder staatenloser Kurden syrischer Herkunft in der Schweiz und anderen europäischen Staaten an Kundge- bungen teilnahm, wobei er auch fotografiert respektive gefilmt wurde. Es ist deshalb nicht wahrscheinlich, dass seitens des syrischen Regimes ein besonderes Interesse an seiner Person bestehen könnte, da es sich bei ihm nicht um eine für die exilpolitische Szene bedeu tsame Persönlichkeit handelt, die mit Blick auf Art und Umfang ihrer exilpolitischen Tätigkeiten als ausserordentlich engagierter und exponierter Regimegegner aufgefal- len sein könnte. Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer im Inter- net einige regimekritische Beiträge veröffentlichte, zumal solche Aktivitäten bei einer Vielzahl von Asylsuchenden festzustellen sind. Bei (…), wo der Beschwerdeführer im Februar 2014 einen Artikel veröffentlichte, handelt es sich entgegen den Ausführungen in der Replik um einen Internet-Blog (und nicht um eine Zeitschrift). Die Seite jedoch ist aktuell "vorübergehend ge- schlossen". Auf der entsprechenden Facebookseite von (…), welche (…) Mitglieder aufweist, wurde der Artikel des Beschwerdeführers nicht für die Öffentlichkeit verlinkt. Zwar ist (…)auch auf YouTube vertreten, jedoch ist auch dort die Resonanz und die Aktualität dieses Kanals mit 9 Videos, wel- che lediglich zwischen 5 und 166 Aufrufe aufweisen und vor drei Jahren hinzugefügt wurden, als bescheiden zu bezeichnen . Es ist daher davon auszugehen, dass es sich bei (…) um einen kleineren Blog handelt und ein veröffentlichter Artikel darauf kein ausserordentliches exilpolitisches Profil zu begründen vermag. Aufgrund des Gesagten übersteigt das exilpoliti- sche Engagement des Beschwerdeführers die Schwelle der massentypi- schen Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste syrischer Staatsange- höriger nicht. Der Vollständigkeit halber kann zudem festgehalten werden, dass die Asylgesuchstellung in der Schweiz respektive die lange Landes- abwesenheit alleine in diesem Zusammenhang für eine asylrelevante Ge- fährdung ebenfalls nicht ausreicht (vgl. neben vielen Urteil des BVGer D -D-506/2014 Seite 19 5079/2013 vom 21. August 2015). Bei diesem Ergebnis kann ferner auf eine Prüfung nach Art. 3 Abs. 4 AsylG verzichtet werden. 7.6 Das Vorliegen objektiver Nachfluchtgründe ist zu verneinen, da der Be- schwerdeführer nicht substanziiert darlegt, inwiefern er durch allfällige Än- derungen der Situation in Syrien seit seiner Ausreise derart betroffen wäre, dass daraus auf eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsyG zu schliessen wäre. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass keine asylrechtlich relevanten Verfol- gungsgründe ersichtlich sind, weshalb das BFM zu Recht die Flüchtlings- eigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. 9. 9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9.3 Im Sinne einer Klarstellung wird abschliessend festgehalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, der Be- schwerdeführer sei zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklung in Syrien in seinem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Ge- fährdungslage unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AuG (SR 142.20) ein- zuordnen, wonach der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumut- bar sein kann, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Si- tuationen wie Krieg, Bü rgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Syrien im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG wurde durch das BFM mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen. 10. Aus diesen Erwägungen er gibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt ric htig D-506/2014 Seite 20 und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem je doch das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege mit Verfügung vom 10. Februar 2014 gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-506/2014 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Anne Kneer Versand: