Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. Juni 2020 (720 19 375 / 141) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts: Es kann weder auf das verwaltungsexterne psychiatrische Teilgutachten noch auf die diesbezügliche versicherungsinterne Beurtei- lung, welche von der gutachterlichen Einschätzung abgewichen ist, abgestellt werden; Rückweisung zur weiteren Abklärung Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin i.V. Esther Zäch Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1967 geborene A.____ meldete sich mit Gesuch v om 31. Juli 2015 unter Hinweis auf einen Treppensturz erstmals bei der Eidgenössischen Inva lidenversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug an. Nachdem ihm jedoch bereits ab Oktober 2015 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht in einer angepassten Tätigkeit attestiert worden war, lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) mit Verfügung vom 12. September 2016 einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung ab. Am 26. Februar 2018 meldete sich A.____ erneut zum Bezug von Leistungen an. Zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts holte die IV-Stelle insbeso ndere bei Dr. med. B.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein bidisziplinäres (rheumatologisches/psychiatrisches) Gutacht en ein. Darin attestierte Dr. B.____ in einer angepassten Tätigkeit aus rheumatologischer Sicht ab April 2019 eine 50%ige und ab Juli 2019 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Dr. C.____ ging aus psychiatrischer Sicht ab dem chirurgischen Eingriff im Juni 2018 von einer Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 60 % aus. Im Bericht vom 12. Juli 2019 kam Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler ärztlicher Dienst beider Basel (RAD), zum Schluss, dass das rheumatologische Teilgutachten von Dr. B.____ den Anforderungen an ein medizinisches Gutachten genüge. Aus psychiatrischer Sicht hingegen sei die von Dr. C.____ attestierte Arbeitsunfähigkeit von 40 % nicht nachvollziehbar. Er attestierte sodann aus psychiat- rischer Sicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 16. Oktober 2019 – im Wesentlichen gestützt auf den Bericht von Dr. D.____ vom 12. Juli 2019 – ei ne vom 1. Juni 2019 bis zum 31. Oktober 2019 befristete halbe Rente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Eingabe vo m 12. November 2019 Be- schwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Darin beantragte er, ihm sei über den 31. Oktober 2019 hinaus eine unbefristete Rente auf Basis eines Invaliditätsgrades von 50 % zuzusprechen; eve ntualiter sei bei einem anderen medizinischen Gutachter ein neues Gutachten einzuholen. Zur Begründung machte er im We- sentlichen geltend, an seinem desolaten Gesundheitszustand habe sich nichts geändert. C. Auf Antrag des Beschwerdeführers bewilligte ihm die instruierende Abteilungspräsiden- tin des Kantonsgerichts mit Verfügung vom 3. Dezember 2019 für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 24. Janua r 2020 auf Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, die Prüfung der Standardindikatoren ergebe, dass aus psychiatrischer Sicht ein invalidisierendes Leiden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sei. Ausserdem reichte sie e ine Aktennotiz von Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, ein. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 2. April 2020 zo g das Kantonsgericht in Betracht, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenhe it zur Durchführung einer erneuten psychiatrischen Begutachtung und anschliessender Neubeurteilu ng an die IV-Stelle zurückzu- weisen. Da dies möglicherweise zu einer Schlechterstellung (reformatio in peius) führen könne, stellte es den Fall aus und räumte dem Versicherten Gelegenheit zur Stellungnahme sowie zum Beschwerderückzug ein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Mit Eingabe vom 5. Mai 2020 teilte der Beschwerdefü hrer mit, dass er an seiner Be- schwerde festhalte. Überdies reichte er zwei Arztberichte von Dr. med. F.____, FMH Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates , vom 21. Januar 2020 sowie vom 10. Februar 2020 zu den Akten. G. An der Sitzung vom 2. April 2020 beriet das Kanto nsgericht einlässlich über die Be- schwerde des Versicherten. Der Fall wurde damals lediglich deshalb ausgestellt, weil dem Versi- cherten vor der Urteilsfällung noch die Möglichkeit ein geräumt werden musste, allenfalls seine Beschwerde zurückzuziehen. In der Zwischenzeit erklärte der Versicherte am 5. Mai 2020, dass er an seinem Rechtsmittel festhalte. Auch wenn er in dieser Eingabe zusätzliche Arztberichte zu den Akten gereicht hat, ist es unter den gegebenen Umst änden vertretbar, von der Ansetzung einer erneuten Urteilsberatung abzusehen und den vorliegenden Entscheid mit derselben perso- nellen Besetzung des Spruchkörpers auf dem Zirkulationsweg zu fällen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 12. November 2019 ist demnach einzutreten. 2. Zunächst ist darüber zu befinden, ob die mit Eingab e vom 5. Mai 2020 eingereichten Arztberichte im vorliegenden Verfahren berücksichtigt wer den können. Gemäss Art. 2 des Bun- desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicher ungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG im Bereich der Inva- lidenversicherung anwendbar. Nach Art. 61 Satz 1 ATSG bestimmt sich das Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht unter Vorbehalt von Art. 1 Abs. 3 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG) vom 20. Dezember 1968 nach kantonalem Recht. So bestimmt § 6 Abs. 2 VPO, dass die Parteien neue tatsächliche Beha uptungen und Beweismittel bis zur gerichtlichen Beurteilung vorbringen können, sofern ihnen dies unverschuldet nicht früher möglich war. Verspätete Vorbringen werden aus dem Recht gewi esen. Vorliegend erhob der Beschwer- deführer am 12. November 2019 Beschwerde. Nachdem das Kantonsgericht anlässlich der Ur- teilsberatung vom 2. April 2020 den Fall ausgestellt und dem Beschwerdeführer die Möglichkeit zur Stellungnahme und zum Beschwerderückzug gegeben hatte, reichte dieser mit Eingabe vom 5. Mai 2020 zwei Arztberichte ein datierend vom 21. Januar 2020 und 10. Februar 2020. Im Zeit- punkt der Beschwerdeerhebung konnte der Beschwerdeführ er diese Arztberichte somit noch nicht einreichen. Allerdings wurde ihm mit Schreiben vom 19. Februar 2020 angezeigt, dass die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Urteilsberatung am 2. April 2020 stattfinden wird. Es ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es ihm möglich gewesen wäre, die fraglichen Arztberichte vor der Ur- teilsberatung dem Kantonsgericht einzureichen. Da der Beschwerdeführer diese Berichte erst mit Eingabe vom 5. Mai 2020 eingereicht hat, gelten diese als verspätet, weshalb sie aus dem Recht zu weisen sind. Anzufügen bleibt, dass selbst wenn diese Ar ztberichte Berücksichtigung finden würden, anzunehmen ist, dass es sich dabei um eine vorübergehende Beeinträchtigung handelt, welche vorliegend zu keiner anderen Beurteilung führen würde. 3. Materiell streitig und zu prüfen ist, ob die Besch werdegegnerin die Rente zu Recht bis zum 31. Oktober 2019 befristet hat. 4.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 4.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie gens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwar- tet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinwei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheitsbe einträchtigung verursachten Er- werbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Ve rwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – sogar für die Gesell- schaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 5.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem G rad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu min- destens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 5.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervarianten des Schä tzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 6. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 6.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 6.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 6.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Bei versicherungsinternen medizinischen Ent- scheidungsgrundlagen sind strenge Anforderungen an die Beweiswürdigung zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, ist eine versicherungsexterne medizinische Begutachtung im Verfahren nach Art. 44 ATSG oder ein Gerichtsgutachten anzuordnen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 7.1 Im Zentrum der medizinischen Aktenlage steht das rh eumatologisch-psychiatrische Gut- achten der Dres. B.____ und C.____ vom 26. Mai 2019 bzw . 24. Juni 2019. Im rheumatologi- schen Teilgutachten vom 26. Mai 2019 erhob Dr. B.____ beim Versicherten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lum bospondylogenes Schmerzsyndrom beidseits (ICD-10: 54.4) und eine mögliche intermitti erende leichte radikuläre Reizsymptomatik L5 und S1 rechts (ICD-10: M51.1). Aufgrund der tomographischen Bildgebung müsse davon aus- gegangen werden, dass die degenerativen Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule bereits länger vorbestehend gewesen seien. Dies stimme auch mit den anamnestischen Aussa- gen des Versicherten überein und bilde die rezidivierenden lumbovertebralen Schmerzen gut ab. Nach der Kündigung seiner Arbeitsstelle per Juni 2017 seien vermehrt medizinische Abklärungen erfolgt. Am 21. Juni 2018 sei eine neurochirurgische De kompression auf Höhe LWK4/5 rechts sowie eine Diskektomie LWK4/5 rechts und eine Foraminotomie L5 rechts erfolgt. Diese Opera- tion habe jedoch keine wesentliche Besserung gezeigt. Die im Oktober 2018 durchgeführte trans- foraminale Wurzelinfiltration L5 rechts sowie die additive medikamentöse Zugabe von Gabapen- tin ab April 2019 hätten eine signifikante Besserung de s Beschwerdebildes gezeigt. In der aktu- ellen Untersuchung habe kein radikulärer Schmerz im Dermatom L5 provoziert werden können. Der Lasègue-Test sei im Liegen positiv angegeben worden, habe jedoch im Langsitz nicht repro- duziert werden können. Hierbei handle es sich somit um e ine Diskrepanz. Insgesamt könne in Folge der Untersuchung das diagnostisch indizierte Beschwerdebild bestätigt werden, wobei die Ausprägung desselben jedoch als gering zu werten sei. Der Versicherte zeige ein leichtes Schon- verhalten. Eine Aggravation oder Simulation bestünden nicht, bzw. lägen lediglich im Rahmen der diskrepanten Untersuchungen vor. Die Kriterien für ein Wide-spread Pain Syndrom seien er- füllt. Jedoch seien sie weniger im somatischen schmerzmedizinischen, sondern eher im Rahmen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Erschöpfungssymptomatik zu interpretieren. Dies sei hin weisend für eine nicht somatische Beschwerdesituation und müsse separat psychiatrisch abgeklärt werden. Die Diagnose der chro- nifizierten lumbospondylogenen Schmerzsymptomatik sei nicht ausreichend, um die subjektive Einschränkung und das Schmerzempfinden zu erklären. Der Ha ushalt und der Alltag könnten ohne Einschränkungen bewältigt werden. Um die körperlichen Beschwerden zu reduzieren, seien eine Wechselbelastung und eine Minderung der Maximalbelastung notwendig. Unter diesen Mas- snahmen könne eine volle Reintegration auch ins Arbeitsleben erfolgen. Die bisherigen Tätigkei- ten als Umzugsfachmann, Möbelträger, Betontechniker und Bau Allrounder könnten nicht mehr ausgeführt werden. Ab April 2019 bestehe in einer le ichten bis intermittierend mittelschweren Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Ab Juli 2019 liege die Arbeitsfähigkeit in einer leichten bis intermittierend mittelschweren Tätigkeit bei 100 %. Dabei sei auf eine Wechselbelastung mit möglichst freier Positionswahl zu achten und gebückte Zwangshaltungen zu vermeiden. Dr. C.____ diagnostizierte in ihrem psychiatrischen Teil gutachten vom 24. Juni 2019 beim Be- schwerdeführer mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, ge- genwärtig leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0) u nd eine anhaltende Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.41). Der Versicherte erfülle zwei der typi- schen Diagnosekriterien gemäss ICD-10 hinsichtlich einer leichten depressiven Episode in dem Sinne als er unter einer gedrückten wechselhaften Stimmung sowie einer Verminderung des An- triebes und erhöhter Ermüdbarkeit leide. Überdies weise er drei der anderen häufigen Symptome auf: vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Gefühle der Wertlosigkeit sowie vermin- derter Appetit. In Anbetracht des Verlaufes und der Aktenlage müsse die leichte depressive Epi- sode als rezidivierend beurteilt werden. In Bezug auf die anhaltende Schmerzstörung erfülle der Beschwerdeführer die ICD-10-Kriterien des andauernden, schweren und quälenden Schmerzes, der durch einen physiologischen Prozess bzw. eine körperl iche Störung nicht vollständig erklärt werden könne. Zwar sei ein Grossteil der Schmerzen aus somatischer Sicht zu erklären. Dennoch müsse von einer anhaltenden chronischen Schmerzstörung mit Ausweitung der Schmerzen aus- gegangen werden. Die depressive Symptomatik könne nicht losgelöst von den anhaltenden kör- perlich bedingten Schmerzen interpretiert werden. Hätte der Versicherte nicht seit Jahren derar- tige Schmerzen, so wäre er mit grosser Wahrscheinlichkei t nie depressiv dekompensiert. Die persönlichen Ressourcen seien durch die jahrelang andauernden Schmerzen und die fehlenden Therapieerfolge belastet und als reduziert einzuschätzen. Eine psychiatrische Behandlung habe bisher nicht stattgefunden. Das Eingliederungspotenzial bewertete Dr. C.____ als gut; es bestün- den weitere Behandlungsoptionen. Aus psychiatrisch-gutachterlicher Sicht empfehle sie dringend eine integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische, inkl. p harmakotherapeutische antidepres- sive Behandlung. Für eine Aggravation würden keine Hinweise vorliegen. Der Versicherte zeige eine stabile Persönlichkeitsstruktur. Nicht medizinisch bedin gte Funktionseinschränkungen be- stünden nicht. Neben der langen Abwesenheit vom ersten Arbeitsmarkt und der finanziell engen Situation, lägen keine weiteren invaliditätsfremden sozialen Belastungen vor. Dr. C.____ stellte fest, dass ungeachtet der somatisch bedingten Beeinträchti gungen aus psychiatrischer Sicht in der angestammten bzw. bisherigen Tätigkeit als Möbelpacke r bzw. Betonbauer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Die Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit legte sie ab dem chirurgischen Eingriff im Juni 2018 auf 60 % fest. Dabei sei zu beachten, dass der Versi- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherte keine stark schwankenden Arbeitsbedingungen, keinen Leistungsdruck, Überzeitanforde- rungen und Stress aushalte. Mit der geeigneten Therap ie sollte innerhalb des nächsten Jahres diese Arbeitsfähigkeit auf 70 % gesteigert werden können. Im Rahmen ihrer bidisziplinären Konsensbesprechung gel angten die Dres. C.____ und B.____ zum Schluss, dass die psychiatrische Beurteilung der Arbeits- und Leistungseinschränkung und deren künftiger Verlauf im Rahmen der Wiedereingliederung unter Berücksichtigung der rheuma- tologischen Einschränkungen massgebend sei. Die Teilarbei tsunfähigkeiten würden sich nicht addieren. 7.2 In seiner Stellungnahme vom 12. Juli 2019 schloss sich der RAD-Arzt Dr. D.____ der gutachterlichen Beurteilung in Bezug auf die somatische Beurteilung an, wonach der Versicherte vom April 2019 bis Juni 2019 zu 50 % und ab Juli 2019 z u 100 % arbeitsfähig gewesen sei. Hinsichtlich der psychischen Beschwerden wich er hingegen vo n der gutachterlich attestierten Arbeitsfähigkeit ab und legte diese seit jeher auf 100 % fest. Dr. D.____ kritisierte, dass die von Dr. C.____ postulierte Arbeitsunfähigkeit von 40 % gemessen an der Diagnose einer leichtgradi- gen depressiven Episode und unter Einbezug der Standardindikatoren nicht nachvollziehbar sei, auch wenn die diagnostische Zuordnung einer leichten depressiven Episode zutreffen möge. Es seien keine massgeblichen kognitiven und auch innerpsychische n Einschränkungen nachvoll- ziehbar, so dass sich mit den psychiatrisch inserierten Diagno sen letztlich keine massgebliche Minderung der Arbeitsfähigkeit begründen lasse. Der Beschwerdeführer gebe zwar an, sich sozial zurückzuziehen. Jedoch sei er in der Lage, für ihn wichti ge soziale Kontakte weiter zu pflegen. Des Weiteren würden psychosoziale und damit IV-fremde Fa ktoren, wie die bereits zweijährige Abhängigkeit vom Sozialamt und die Arbeitslosigkeit, eine Rolle spielen. Die Gutachterin sei fach- fremd und unzutreffend davon ausgegangen, dass ein Grossteil der Schmerzen aus somatischer Sicht erklärbar sei. Bei genauer Analyse der psychischen R essourcen des Versicherten seien auch die psychischen Faktoren nicht als derart limitierend einzustufen, dass eine 40%ige Minde- rung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar wäre. Bislang sei beim Versicherten weder eine psychi- atrische Behandlung erforderlich gewesen noch sei Psychopharmamedikation verordnet worden. Der Versicherte sei motiviert genug den Haushalt zu füh ren und seinen Alltag ohne geregelte Arbeit zu organisieren und passend zum finanziell knappe n Budget mit entsprechenden Unter- nehmungen zu füllen. Massgebliche kognitive Einschränkungen als Korrelat einer psychischen Erkrankung mit massgeblichen Einschränkungen bildeten sich nicht ab. 7.3 Im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens holte die B eschwerdegegnerin eine wei- tere Stellungnahme eines RAD-Arztes ein. Dr. med. E._ ___ stimmte in seiner Beurteilung vom 11. Dezember 2019 den Ausführungen von Dr. D.____ in psychiatrischer Hinsicht zu. Er machte geltend, die psychiatrische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei nicht nachvollziehbar. Die Gut- achterin habe mit ihrer Aussage, dass ungeachtet der s omatisch bedingten Einschränkungen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit bestehe, die somatischen Beschwer- den in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eingeschl ossen, was nicht Aufgabe des psychiatri- schen Gutachters sei. Zudem könne anhand der Diagnose e iner leichten depressiven Episode keine derart hochgradige Arbeitsunfähigkeit begründet w erden, zumal keine massgebliche Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Komorbidität bestehe. Bei der anhaltenden Schmerzstörun g könne nicht von einer schwerwie- genden Komorbidität gesprochen werden, da die Schmer zen überwiegend somatisch erklärbar seien. Der rheumatologische Gutachter habe bereits eine volle Arbeitsunfähigkeit aus somati- schen Gründen attestiert. 8.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeits- fähigkeit des Versicherten im Wesentlichen auf die Ergebn isse, zu denen der RAD-Arzt Dr. D.____ in seiner Stellungnahme vom 12. Juli 2019 gelangte. Sie ging demzufolge davon aus, dass in einer Verweistätigkeit ab April 2019 eine Arbe itsfähigkeit von 50 % und seit Juli 2019 in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. 8.2 Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu bean standen, solange es um die Auswirkungen allfälliger somatischer Gesundheitsbeeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten geht. In dieser Hinsicht stützte sich die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung zu Recht auf das Gutachten von Dr. B.____ vom 26. Mai 201 9 bzw. den Bericht des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 12. Juli 2019. Wie in Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, ist einem im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche auf- grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nic ht konkrete Indizien gegen die Zu- verlässigkeit der Expertise sprechen. Vorliegend liegen keinerlei Indizien, insbesondere auch keine dem Gutachten widersprechenden ärztlichen Berichte, vor, welche gegen die Zuverlässig- keit des rheumatologischen Gutachtens von Dr. B.____ spreche n würden. Somit ist dem rheu- matologischen Teilgutachten von Dr. B.____ vom 26. Mai 2019 voller Beweiswert zuzuerkennen. 8.3 Nicht gefolgt werden kann hingegen der vorinstanzli chen Beurteilung des psychiatri- schen Gesundheitszustands. Zwar ist der Beschwerdegegnerin dahingehend zuzustimmen, dass das psychiatrische Teilgutachten vom 24. Juni 2019 von D r. C.____ insbesondere hinsichtlich der Zumutbarkeitsbeurteilung nicht zu überzeugen vermag. In Anbetracht der noch vorhandenen Ressourcen erscheint eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % in einer angepassten Tätigkeit als unge- wöhnlich hoch. Insbesondere scheint der Versicherte sei nen Alltag gut bewältigen zu können. Aus den medizinischen Akten ist ersichtlich, dass er jeweils versuche, seinen Tag zu strukturieren indem er Fahrradfahren gehe, einen Spaziergang mache, den Haushalt erledige, einkaufe, ko- che, mit Freunden telefoniere oder sich mit ihnen treffe. Zwar ziehe er sich sozial etwas zurück, was auch einen finanziellen Hintergrund habe. Jedoch er gibt sich aus dem Gutachten, dass er trotzdem in der Lage ist, einen guten Kontakt zu seinen Freunden und seiner Tochter zu pflegen. Es ist nicht ersichtlich – und wird von Dr. C.____ nich t ausführlich begründet – weshalb trotz dieser noch vorhandenen Ressourcen eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 60 % vorliegen soll. Allerdings kann auch auf die RAD-Berichte nicht abgestellt werden, wonach der Beschwerdefüh- rer in psychiatrischer Hinsicht zu 100 % arbeitsfähig sei. Wie in Erwägung 6.3 hiervor erwähnt, sind bei versicherungsinternen ärztlichen Beurteilungen bereits bei Vorliegen auch nur geringer Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Be- züglich der Aussagen von Dr. D.____ ist festzuhalten, dass e r der psychiatrischen Gutachterin Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht fachfremdes Vorgehen vorwirft, jedoch gleichzeitig sich selber als orthopädischer Chirurg psychi- atrisches Fachwissen anmasst. Bereits dies mag geringe Zwei fel an seinen Aussagen begrün- den. Überdies greift es zu kurz, bei einer leichten depressiven Episode direkt auf eine Arbeitsfä- higkeit von 100 % zu schliessen. Diesbezüglich hat Dr. D.__ __ die Schmerzen zu wenig mitbe- rücksichtigt. Die Aktennotiz von Dr. E.____ ist zwar nicht fachfremd, allerdings ist sie inhaltlich nicht korrekt. Dr. E.____ geht davon aus, dass der rheumatologische Gutachter aus somatischen Gründen eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert habe . Jedoch ist dem rheumatologischen Gut- achten zu entnehmen, dass lediglich in der angestammte n Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfä- higkeit besteht, hingegen in einer angepassten Tätigke it ab Juli 2019 eine Arbeitsfähigkeit von 100 % vorliegt. Zudem widerspricht seine Aussage jenen von Dr. D.____, wenn er ausführt, die Schmerzen seien überwiegend somatisch erklärbar. Damit bestehen auch an den Ausführungen von Dr. E.____ Zweifel. 8.4 Daran vermögen auch die Ausführungen in der Vern ehmlassung vom 24. Januar 2020 nichts zu ändern. Zwar ist wie bereits erwähnt der Beschwerdegegnerin dahingehend beizupflich- ten, als eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % bei einer leichten depressiven Episode als ungewöhn- lich hoch erscheint. Allerdings wird diese Arbeitsunfä higkeit von Dr. C.____ nicht allein mit der depressiven Störung, sondern auch mit der Schmerzstörung begründet. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich nicht, in psychiatrischer Hinsicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit anzunehmen. Diesbezüglich ist anzumerken, dass selbst wenn die psychia trisch bedingte Arbeitsunfähigkeit unter 40 % liegt, noch immer ein möglicher Leistungsanspruch des Beschwerdeführers im Sinne einer beruflichen Massnahme bestehen könnte, da diese e ine Arbeitsunfähigkeit von 20 % vo- raussetzt. Die Beschwerdegegnerin kritisiert ferner die D iagnose der anhaltenden Schmerzstö- rung. In Anbetracht der Ausführungen von Dr. B.____ könne diese nicht gestellt werden. Von einem andauernden schweren und quälenden Schmerz könne nicht gesprochen werden, vor al- lem dann nicht, wenn zusätzlich die Alltagsbewältigung m itberücksichtigt werde. Dem ist aller- dings entgegenzuhalten, dass Dr. B.____ die Schmerzproblematik nicht in Abrede stellt, sondern vielmehr ausführt, die subjektive Einschränkung und das Schmerzempfinden seien somatisch nicht erklärbar und die Kriterien für ein Wide-spread Pain Syndrom erfüllt. Die Feststellungen von Dr. B.____ schliessen somit die Diagnose einer Schmerzstörung nicht aus. 9. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die vorliegende m edizinische Aktenlage keine ab- schliessende Beurteilung des Rentenanspruchs des Versichert en zulässt. Gemäss bundesge- richtlicher Rechtsprechung können die Sozialversicherungsgerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwer- deinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst ein Gericht sgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungs- bedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht be- weiskräftig ist. Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn ledig- lich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1 ff.). Die IV-Stelle wäre vorliegend verpflichtet gewesen, den medizi- nischen Sachverhalt weiter abzuklären und den Beschwerdef ührer insbesondere psychiatrisch erneut begutachten zu lassen. Davon hat sie jedoch abgese hen und im Ergebnis auf die nicht Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlüssigen Ausführungen ihrer RAD-Ärzte abgestellt. Da es nicht die Aufgabe des kantonalen Gerichts ist, im Verwaltungsverfahren versäumte Abklärunge n nachzuholen, steht einer Rück- weisung an die Beschwerdegegnerin auch unter Berücksichtigung der zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts nichts entgegen. Demzufolge ist die A ngelegenheit zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird den Gesundheitszustand und die Ar- beitsfähigkeit des Versicherten in psychiatrischer Hinsicht nochmals umfassend durch ein versi- cherungsexternes Gutachten abklären zu lassen haben. Der beauftragte Gutachter oder die be- auftragte Gutachterin hat aufgrund der Wechselwirkung zwischen den somatischen und psychi- schen Beschwerden Rücksprache mit Dr. B.____ zu nehmen. A nschliessend wird sie gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung über den Leistungsa nspruch des Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 10. Laut Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli- gung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kos- tenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einhe itlich auf Fr. 800.-- fest. Vorlie- gend ist die Beschwerdegegnerin unterliegende Partei. Die ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- werden somit ihr auferlegt. Eine Parteientschädigung wird dem anwaltlich nicht vertretenen Be- schwerdeführer nicht zugesprochen. 11. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesg ericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewi rken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesg ericht. Die nachstehende Rechtsmittel- belehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng der IV-Stelle Basel- Landschaft vom 16. Oktober 2019 aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vo- rinstanz zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt.