Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. November 2016 (720 16 253 / 304) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die angefochtene Verfügung, mit welcher die bisher ausgerichtete ganze Rente auf eine halbe Rente reduziert wurde, ist nicht zu beanstanden. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber i.V. Mark Grieder Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Claudia Pascali- Armanaschi, Inclusion Handicap, Rechtsdienst, Mühlemattstrasse 14a, 3007 Bern gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1968 geborene A.____ war zuletzt als Heizöl- Tankrevisor bei der Firma B.____ AG angestellt. Wegen Rückenbeschwerden meldete er sich am 1. Dezember 1999 bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. In der Folge sprach ihm die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. September 2001 berufliche Massnah men (Abklärungs- und Eingliede- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsmassnahmen) zu. Bei der Umschulung zum Metallbearbei ter erlitt A.____ am 4. Februar 2002 einen Turnunfall, bei dem er sich ein Knietrauma (Kreuzbandriss) zuzog. Die Umschulung wurde im Oktober 2002 vorzeitig abgebrochen, da A.____ nach je einer erfolgten Operation am Knie und am Rücken gesundheitlich nicht mehr zur Fortf ührung der Massnahmen in der Lage war. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2003 sprach ihm di e IV-Stelle rückwirkend ab 1. April 2000 eine ganze IV-Rente zu. Die am 11. November 200 4, 10. April 2008 sowie 1. Juni 2011 von Amtes wegen durchgeführten Revisionen bestätigten di e ganze IV-Rente jeweils. Im Rah- men des am 21. Juli 2015 eingeleiteten Revisionsverfahre ns holte die IV-Stelle ein neurologi- sches und ein rheumatologisches Gutachten ein. Nach durchge führtem Vorbescheidsverfahren wurde basierend auf diesen medizinischen Gutachten mit V erfügung vom 15. Juni 2016 die ganze Rente aufgrund der Annahme eines verbesserten Gesu ndheitszustandes auf eine halbe reduziert. B. Gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 15. Juni 20 16 reichte A.____, vertreten durch den Rechtsdienst Inclusion Handicap, am 18. August 2016 B eschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), ein. Darin beantragte er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die weitere Ausrichtun g einer ganzen IV-Rente, da sich die gesundheitlichen Verhältnisse nicht geändert hätten. C. In der Vernehmlassung vom 22. September 2016 bean tragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde, da sich der Gesundheitszustand seit de m Erlass der Rentenverfügung im Jahre 2003 trotz gleichbleibenden Diagnosen deutlich verbessert habe. Aber selbst bei Nichterfüllung der Revisionsvoraussetzungen wäre in casu e ine Wiedererwägung möglich, da die Arbeitsfähigkeit in einer Vergleichstätigkeit nie geprüft worden sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde vom 18. August 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der g esundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad bei erwerbstätigen Versicherten auf- grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird da s Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Eink ommensdifferenz der IV-Grad bestim- men lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136). 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente unter anderem revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich geblie benen Gesundheitszustandes er- heblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen; vgl. auch: BGE 117 V 199 E. 3b Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit weiteren Hinweisen; R UDOLF RÜEDI , Die Verfügungsanpassung als verfahrensrechtliche Grundfigur namentlich von Invalidenrentenrevisionen, i n: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 16 f.). 3.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). 4 Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Ver- fügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn dies e zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die erstgenannte Voraussetzung bedeu- tet, dass kein vernünftiger Zweifel an der (von Beginn weg bestehenden) Unrichtigkeit der Ver- fügung möglich, also einzig dieser Schluss denkbar ist. Da s Erfordernis ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprache unvertretbar ist, weil sie aufgrund falscher oder unzutreffend verstandener Rechtsregeln erfolgt ist oder weil massgeblich e Bestimmungen nicht oder unrich- tig angewandt wurden (BGE 138 V 324 E. 3.3 S. 328). Zweifellos unrichtig ist die Verfügung auch, wenn ihr ein unhaltbarer Sachverhalt zugrunde g elegt wurde, insbesondere wenn eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes zu einem un vollständigen Sachverhalt führte (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG; Urteil 9C_19/2014 vom 18. J uni 2014 E. 2). Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, de- ren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvorausset zungen (Invaliditätsbemessung, Ar- beitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung, Zumutbarkeit sfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der recht skräftigen Leistungszusprechung dar- boten, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (Urteil vom 24. Februar 2014, 8C_469/2013, E. 3.2, nicht publ. in: BGE 140 V 70; Urteil vom 17. November 2010, 9C_760/2010, E. 2, publ. in: Plädoyer 2011/1 S . 65). Im Übrigen führt die - selbst mehr- malige - revisionsweise Bestätigung einer Rente nicht dazu, dass erhöhte Anforderungen an die zweifellose Unrichtigkeit zu stellen wären (Urteil des Bu ndesgerichts vom 2. Juli 2007, 9C_215/2007, E. 3.2 in fine mit Hinweis). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbe sondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 1 32 V 99 E. 4 mit weiteren Hinwei- sen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die I V-Stelle in der vorliegend angefochte- nen Verfügung vom 15. Juni 2016 die ganze Rente des V ersicherten zu Recht auf eine halbe reduziert hat. Ein solches Zurückkommen der IV-Stelle au f eine rechtskräftig zugesprochene Rente ist grundsätzlich unter den Titeln der Revision oder der Wiedererwägung möglich. Die IV- Stelle hält in ihrer Vernehmlassung beide Rechtsmittel für anwendbar, wodurch zunächst auf die Revision einzugehen wäre. Da jedoch aufgrund des vo rliegenden Sachverhaltes nachfol- gend festgestellt werden kann, dass die Voraussetzungen fü r eine Wiedererwägung ohnehin gegeben sind (vgl. hiernach, E. 7.1 ff.), kann offenge lassen werden, ob eine Rentenanpassung auch mittels Revision möglich wäre. Auf eine ausführli chere Auseinandersetzung mit der Revi- sion und der in diesem Zusammenhang hervorgebrachten Ar gumenten kann in der Folge ver- zichtet werden. 7.1 Die Wiedererwägungsvoraussetzung der erheblichen Bed eutung ist vorliegend ohne Weiteres erfüllt, da eine periodische Dauerleistung Pro zessgegenstand bildet (BGE 119 V 440 E. 1c mit Hinweisen; Sozialversicherungsrecht – Rechtsprechu ng [SVR] 2001 IV Nr. 1 S. 3 E. 5c). Zu prüfen bleibt, ob auch das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprüngli- chen Rentenverfügung vom 12. Dezember 2003 gegeben ist. Dies kann sich nur durch eine Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auseinandersetzung mit der medizinischen Beurteilung im Zeitpunkt der Verfügung ergeben, worauf zunächst einzugehen ist. 7.2 Die ursprüngliche Rentenzusprache (Verfügung vom 12 . Dezember 2003) beruhte in medizinischer Hinsicht auf den Gutachten von Dr. med. C.____, FMH Chirurgie, und Dr. med. D.____, FMH Reumatologie. Dr. C.____ diagnostizierte am 4. Januar 2000 eine grosse para- mediane, nach kaudal luxierte Diskushernie L4/L5 links mi t langer therapieresistenter lumbo- ischialgieformer Residualsymptomatik, bestehend seit April 1999. In der Folge attestierte er dem Beschwerdeführer eine 100%-ige Arbeitsunfähigkei t für den bisherigen Beruf und gab an, dass eine Umschulung dringend erforderlich sei. Dr. D.__ __ berichtete am 18. Januar 2000 über eine mässig bis stark reduzierte körperliche Belast barkeit der Lendenwirbelsäule bei grös- serer mediolateraler Diskushernie L4/5 links. Daher sei da s Tragen von Lasten über 10kg und eine ergonomisch ungünstige Haltung des Rückens, wie als Tankrevisor üblich, nicht mehr zu- mutbar. Weiter hielt er fest, dass am ehesten eine Umschu lung in eine administrative Tätigkeit anzustreben sei, da körperlich betonte Arbeiten zumindest im Laufe der nächsten Jahre nicht zumutbar seien. Zusätzlich zu diesem Bericht reichte Dr. D .____ den Bericht des neurologi- schen Konsiliums von Dr. med. E.____, FMH Neurologie, v om 1. September 1999, und den Bericht von Dr. PD. Dr. F.____, Facharzt für Neurochir urgie, ein. Diese Gutachten decken sich allesamt mit den Aussagen von Dr. D.____. Am 4. Dezem ber 2000 reichte Dr. C.____ einen weiteren Bericht über das Kniedistorsionstrauma und di e Ruptur des vorderen Kreuzbandes rechts vom 30. August 2000 ein. Danach sei die Umschulung, welche aufgrund des Knieleidens unterbrochen worden sei, nach Abschluss der Physiotherapi e im November 2000 wieder mög- lich. Auf erneute Anfrage der IV-Stelle hielt Dr. C. ____ am 25. Juni 2003 fest, dass der Be- schwerdeführer am 1. Dezember 2002 erstmals eine linkssei tige Ischialgie festgestellt habe. Am 5. Dezember 2002 sei eine epidurale Injektion durch Dr. D.____ vorgenommen worden. Danach habe eine Besserung der Beschwerden stattgefunden . Am 10. Januar 2003 sei eine weitere epidurale Infiltration erfolgt. Am 17. Janua r 2003 sei nach vorgängigem CT und Über- weisung an Dr. E.____ eine notfallmässige Operation a ufgrund des Rückenleidens erfolgt. Da- her sei der Beschwerdeführer ab dem 15. Januar 2003 bis auf weiteres zu 100% arbeitsunfähig. Die bisherige Erwerbstätigkeit sei aufgrund der erwäh nten Diagnosen nicht mehr zumutbar. Ergänzend dazu reichte Dr. C.____ den Bericht des neuro logieschen Konsiliums vom 18. August 2003 von Dr. E.____ ein. Darin wurde festge halten, dass bei multisegmentalen de- generativen LWS-Veränderungen mit Status nach operati vem Eingriff in Höhe L3/L4 links infol- ge einer grossen mediolateralen Diskushernie der Patie nt an einem persistierenden postopera- tiven Lumbovertebralsyndrom sowie an einer teilinvalidi sierenden Quadrizepsschwäche, eben- so an innervationsbedingten Crampiphänomenen im Berei ch des Vastus lateralis links mit ob- jektivierbarer Symptomatik leide. Nach Dr. E.____ verhi nderten die relevanten Residualbe- schwerden derzeit noch eine berufliche Reintegration. D r. C.____ und Dr. D.____ attestierten dem Versicherten somit eine 100%ige Arbeitsunfähigkei t im angestammten Beruf als Tankrevi- sor. 7.3 Wie die IV-Stelle zutreffend geltend macht, wur de die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in einer Verweistätigkeit bei der Bemessung der Invalid ität nicht berücksichtigt. Keiner der me- dizinischen Berichte, die für die ursprüngliche Rentenzus prache beigezogen wurden, beurteilte Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigk eit. Vielmehr gingen sie allesamt davon aus, dass aufgrund der gestellten Diagnosen eine körper lich schwere Arbeit – wie die ange- stammte als Tankrevisor – dauerhaft nicht mehr möglich sei n werde. Die Rente wurde in der Folge gestützt auf die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in seiner ursprünglichen Tätig- keit gewährt. Für die Bemessung der Invalidität im erw erblichen Bereich ist jedoch die Arbeits- fähigkeit in leidensangepassten, zumutbaren Tätigkeiten (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG in der bis 31. Dezember 2002 geltenden Fassung, heute Art. 16 ATSG) a usschlaggebend. Die damalige Zu- sprache einer ganzen Rente beruhte daher auf einer feh lerhaften Anwendung der massgeben- den Gesetzesbestimmung von aArt. 28 Abs. 2 IVG bzw. Art. 16 ATSG. Unter diesen Umstän- den erweist sich die entsprechende Verfügung vom 12. De zember 2003 als zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne (vgl. Urteile des Bu ndegerichts vom 23. August 2010, 9C_466/2010, E. 3.2.3 mit Hinweis und vom 3. November 2008, 9C_562/2008, E. 6.2). Daran ändern auch die zwischenzeitlich erfolgten Revisionsverfa hren in den Jahren 2004, 2008 und 2011, wonach ein unveränderter Rentenanspruch bestand, nichts (vgl. hiervor, E. 4). 7.4 Steht die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglic hen Rentenverfügung fest und ist die Berichtigung von erheblicher Bedeutung, sind in einem nächsten Schritt die Anspruchsberechti- gung und allenfalls der Umfang des Anspruchs pro futuro zu prüfen. Der IV-Grad ist wie bei einer materiellen Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG auf der Grundlage eines richtig und voll- ständig festgestellten Sachverhalts zu ermitteln (Urtei l des Bundesgerichts vom 14. April 2009, 9C_1014/2008, E. 3.3, und vom 3. November 2008, 9C_ 562/2008, E. 2.3, je mit Hinweisen). Ausgangspunkt der Beurteilung des (heutigen) Rentenanspruchs des Beschwerdeführers bildet die Frage, in welchem Ausmass dieser aufgrund seiner gesu ndheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsfähig ist. 7.5 Nach Einleitung des Revisionsverfahrens am 21. Juli 201 5 holte die IV-Stelle bei Dr. med. G.____, FMH Neurologie/Verhaltensneurologie SGVN, am 6. Februar 2016 ein neurologi- sches und bei Dr. med. H.____, FMH Rheumatologie und I nnere Medizin, am 8. Februar 2016 ein rheumatologisches Gutachten ein. Dr. G.____ hielt fest, dass beim Patienten nicht am Vor- liegen einer radikulären Ausfalls- und Reizsymptomatik betreffend der Wurzel L3 und L4 links zu zweifeln sei. Eine Oberschenkelatrophie links sowie ein e Parese L3 und L4 wären objekti- vierbar. Zusätzlich sei ein Lumbovertebralsyndrom diagnostizierbar. Die vollständige Berentung des Versicherten nach der Diskushernienoperation 2003 er staune jedoch. Gestützt darauf fol- gerte Dr. G.____, dass die Arbeitsfähigkeit des Patien ten in seinem angestammten Beruf als Tankrevisor nach neurologischer Sicht nicht mehr gegeben sei. Dies weil er in jeglicher Tätig- keit mit mehr als einer leichten Belastung der Körperac hse und mit erhöhten Anforderungen an die Gehfähigkeit beeinträchtigt sei. So wäre der Versicherte jedoch bei einer ideal an diese Um- stände angepassten Verweistätigkeit nach ausschliesslich neur ologischer Berücksichtigung zu 70% arbeitsfähig. Dr. H.____ hielt fest, dass ein lumb overtebrales Syndrom seit Jahren beste- hen würde, heute jedoch keine akute Reizsituation mehr vorläge. Zudem zeige sich eine Quadrizepsatrophie links mit konsekutiver Quadrizepsschwäche links als Ausdruck der stattge- habten Wurzelkompression auf der linken Seite. Schmerzau sstrahlungen in den linken Ober- schenkel bestünden nicht mehr und der Patient habe sich m it diesem Zustand einigermassen arrangiert. Zusätzlich bestehe eine Gonarthrose rechts be i Status nach VKB-Rekonstruktion, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht wobei diese Beschwerden nachvollziehbar seien. Auch zeigten aktuelle Röntgenbilder der LWS eine deutliche Osteochondrose L3/L4 auf Operationsnive au. Es fänden sich dort auch Traction Spurs und eine Chondrose L4/5. Ein Röntgenbild des rech ten Kniegelenks zeige eine Pangon- arthrose. Bezüglich der lumbalen Beschwerden sei heute von einer Instabilität auf Operations- niveau L3/4 auszugehen. Im Anschluss beurteilte er die Ar beitsfähigkeit des Versicherten im angestammten Beruf als Tankrevisor als 0%. Aufgrund der W echselwirkung der Beschwerden im Rücken und Kniegelenk attestierte er eine Arbeitsfäh igkeit von 50% bezogen auf ein Ganz- tagespensum in einer leichten Tätigkeit mit vermehrten Pausen. Nach erfolgter Rücksprache gingen die beiden Gutachter sodann konsensual von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit aus. 7.6 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 15. Juni 2016 bei der Beurteilung des aktuellen medizinischen Sachverhalts vollum fänglich auf die Ergebnisse, zu denen Dr. G.____ und Dr. H.____ in ihren Gutachten v om 6. Februar 2016 sowie 8. Februar 2016 gelangt sind. Sie ging demzufolge davon aus, dass d em Beschwerdeführer die Ausübung einer leidensangepassten Tätigkeit im Umfang von 50% zum utbar sei. Diese Beurteilung der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (E. 5.3), ist den im Rahmen des Ver- waltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spe zialärztinnen und –ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie n ach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien li egen hier nicht vor und auch in der Beschwerde wird die Zuverlässigkeit der Gutachten mit keinem Wort bemängelt. Die Gutachter haben den Versicherten eingehend untersucht, sie gehen in ihren ausführlichen Berichten ein- lässlich auf die Beschwerden ein, sie setzen sich mit den b ei den Akten liegenden medizini- schen Unterlagen auseinander und sie vermitteln so ein umfassendes Bild über den Gesund- heitszustand des Beschwerdeführers. Schliesslich nehmen di e Gutachter durch die Konsens- besprechung auch eine schlüssige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten vor. 7.7 Zusammengefasst ist folglich festzuhalten, dass die G utachten von Dr. G.____ und Dr. H.____ den Beweisanforderungen an externe medizini sche Gutachten genügen und die Schlussfolgerungen überzeugen. Demnach beträgt die Ar beitsfähigkeit des Versicherten 50% bezogen auf ein Ganztagespensum in einer leichten wech selbelastenden Verweistätigkeit mit einer maximalen Gewichtslimite von 7.5kg, ohne Zwangspositionen, mit leichten Anforderungen an die Gehfähigkeit, ohne repetitives Bücken oder Überko pfarbeiten, ohne Gehen auf unebe- nem Boden sowie ohne Steigen auf Leitern und Gerüste und ohne Knien oder Hocken. 8. Wie oben ausgeführt (vgl. hiervor, E. 2.5), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimme n. Die IV-Stelle hat in ihrer Verfügung vom 15. Juni 2016 zur Ermittlung des Invalidi tätsgrades den erforderlichen Einkom- mensvergleich vorgenommen, wobei sie - wie vorstehend d argelegt – zu Recht davon ausging, dass der Beschwerdeführer in einer leidensangepassten Tät igkeit zu 50 % arbeitsfähig ist. Da- bei hat sie anhand der Gegenüberstellung von Validen- und zumutbarem Invalideneinkommen einen Invaliditätsgrad von 54 % ermittelt, woraus ein Anspruch auf eine halbe Rente resultiert. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die konkrete Berechnung, die vom Beschwerdeführer in de r vorliegenden Beschwerde nicht beanstandet worden ist, erweist sich als rechtens, weshalb diesbezüglich auf die entsprechen- den Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 15. Juni 2016 verwiesen werden kann. 9. Zusammenfassend ist nach dem Gesagten als Ergebnis festz uhalten, dass die IV- Stelle die dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 12. Dezember 2003 zugesprochene gan- ze Rente zu Recht auf eine halbe Rente reduziert hat. Die angefochtene Verfügung der IV- Stelle vom 15. Juni 2016 erweist sich demnach als rechte ns, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abgewiesen werden muss. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 24. April 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_280/2017 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht