<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">218</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>40</b></span> <span class="ft4"><b>Schulstandorte</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Nach § 54 Abs. 2 lit. d VRPG sind Entscheide zu Schulstandorten auf-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>grund ihres vorwiegend politischen Charakters von der Verwaltungsge-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>richtsbeschwerde ausgeschlossen, unabhängig davon, ob es sich um posi-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>tive oder negative Standortentscheide handelt.</b></span><br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 8. April 2014 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">Einwohnergemeinde A. gegen Regierungsrat (WBE.2014.27).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">219</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss dem Wortlaut von § 54 Abs. 2 lit. d VRPG ist im</span><br/> <span class="ft1">Sachbereich "Schulstandorte" eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde</span><br/> <span class="ft1">ausgeschlossen. Aus der Formulierung ergibt sich nicht der geringste</span><br/> <span class="ft1">Hinweis auf allfällige Ausnahmen.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">2.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Nach Massgabe der Gesetzessystematik erscheint vorab wesent-</span><br/> <span class="ft1">lich, dass die Kantone als unmittelbare Vorinstanzen des Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richts (obere) Gerichte einsetzen müssen (Art. 86 Abs. 2 BGG). Für</span><br/> <span class="ft1">Entscheide mit vorwiegend politischem Charakter können jedoch</span><br/> <span class="ft1">auch andere Behörden als Vorinstanzen fungieren (Art. 86 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">BGG).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 57 SchulG arbeiten die Gemeinden einer Region zu-</span><br/> <span class="ft1">sammen, wenn die organisatorischen Rahmenbedingungen dieses</span><br/> <span class="ft1">Gesetzes einer Gemeinde die eigenständige Errichtung und Führung</span><br/> <span class="ft1">eines Oberstufenzentrums nicht zulassen (Abs. 1). Kommt es dabei</span><br/> <span class="ft1">zu keiner Einigung, legt der Regierungsrat die Schulkreise und</span><br/> <span class="ft1">Standorte fest (Abs. 3). Kriterien für die Festlegung der Schulstand-</span><br/> <span class="ft1">orte werden keine definiert. Der entsprechende Entscheid richtet sich</span><br/> <span class="ft1">folglich primär nach politischen Gesichtspunkten. Die Rechtswegga-</span><br/> <span class="ft1">rantie nach Art. 29a BV steht daher dem Ausschluss der verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">gerichtlichen Überprüfung von Entscheiden betreffend Schulstandor-</span><br/> <span class="ft1">ten nicht entgegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juli 2012</span><br/> <span class="ft1">[2C_885/2011], Erw. 2.2; BVR 2012, S. 377, Erw. 2.2 mit Hinwei-</span><br/> <span class="ft1">sen).</span><br/> <span class="ft1">Immerhin ist denkbar, dass ein Gemeindeverband in seinen Sat-</span><br/> <span class="ft1">zungen justiziable Kriterien vorgibt, nach denen Standortentscheide</span><br/> <span class="ft1">zu fällen sind. Bei dieser Konstellation wäre ein "vorwiegend politi-</span><br/> <span class="ft1">scher Charakter" des Standortentscheides allenfalls zu verneinen,</span><br/> <span class="ft1">womit zwingend eine Überprüfbarkeit durch das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">gewährleistet sein müsste. Vorliegend ist indessen nicht näher auf</span><br/> <span class="ft1">diesen möglichen Fall einzugehen, sehen doch die massgebenden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">220</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Satzungen keine Kriterien betreffend Bestimmung der Schulstand-</span><br/> <span class="ft1">orte vor.</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 54 Abs. 2 lit. a VRPG sind Verwaltungsgerichtsbe-</span><br/> <span class="ft1">schwerden ausgeschlossen gegen "Richtpläne und regionale Sach-</span><br/> <span class="ft1">pläne, wenn die Beschwerde nicht durch eine Gemeinde erhoben</span><br/> <span class="ft1">wird". Der Umstand, dass die Beschwerdemöglichkeit der betroffe-</span><br/> <span class="ft1">nen Gemeinde hier explizit vorgesehen ist, bezüglich der</span><br/> <span class="ft1">"Schulstandorte" (§ 54 Abs. 2 lit. d VRPG) jedoch ein entsprechen-</span><br/> <span class="ft1">der Zusatz fehlt, lässt auf eine bewusste Differenzierung schliessen.</span><br/> <span class="ft1">Die Argumentation der Vorinstanz, wonach bei der Auslegung von</span><br/> <span class="ft1">§ 54 Abs. 2 lit. d VRPG allenfalls lit. a derselben Bestimmung ana-</span><br/> <span class="ft1">log herangezogen werden müsse, ist nach Massgabe der Gesetzessys-</span><br/> <span class="ft1">tematik unbegründet.</span><br/> <span class="ft1">2.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Aus anderen Gesetzen, namentlich aus dem SchulG, ergibt sich</span><br/> <span class="ft1">kein Anhaltspunkt, wonach der Entscheid betreffend Schulstandort</span><br/> <span class="ft1">vor Verwaltungsgericht (generell oder in bestimmten Fällen) anfecht-</span><br/> <span class="ft1">bar wäre (vgl. § 54 Abs. 3 VRPG).</span><br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">2.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Für die historische Auslegung ist vorab auf die Botschaft des</span><br/> <span class="ft1">Regierungsrats des Kantons Aargau an den Grossen Rat vom</span><br/> <span class="ft1">14. Februar 2007, 07.27 (Botschaft VRPG) hinzuweisen. Danach</span><br/> <span class="ft1">sollte mit der Ausnahmeregelung in § 54 Abs. 2 VRPG die Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichtsbeschwerde gegen "politisch gefärbte Infrastrukturent-</span><br/> <span class="ft1">scheide" ausgeschlossen werden. "Generell werden als Infrastruktur-</span><br/> <span class="ft1">entscheide auch die Bestimmung von Schul- und Spitalstandorten der</span><br/> <span class="ft1">verwaltungsgerichtlichen Zuständigkeit entzogen" (Botschaft VRPG,</span><br/> <span class="ft1">S. 65).</span><br/> <span class="ft1">Die (öffentliche) Schule ist eine öffentliche Einrichtung und da-</span><br/> <span class="ft1">mit Teil der öffentlichen Infrastruktur. Standortentscheide betreffend</span><br/> <span class="ft1">(öffentliche) Schulen sind somit stets Infrastrukturentscheide. Diese</span><br/> <span class="ft1">Erkenntnis liegt auch dem zitierten Auszug aus der Botschaft VRPG,</span><br/> <span class="ft1">wonach die Bestimmung von Schulstandorten als Infrastrukturent-</span><br/> <span class="ft1">scheid bezeichnet wird, zugrunde. Die Beurteilung gilt unabhängig</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">221</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">davon, ob es sich um einen Entscheid über die Errichtung oder die</span><br/> <span class="ft1">Schliessung eines Schulstandortes handelt. Gestützt auf die Botschaft</span><br/> <span class="ft1">VRPG ergibt sich jedenfalls kein Hinweis darauf, dass der histori-</span><br/> <span class="ft1">sche Gesetzgeber nur "positive" (betreffend Errichtung) und nicht</span><br/> <span class="ft1">auch "negative" (betreffend Schliessung) Standortentscheide von der</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgerichtsbeschwerde hätte ausschliessen wollen. Für die</span><br/> <span class="ft1">gegenteilige Argumentation ("Den Materialien zum VRPG ist zu ent-</span><br/> <span class="ft1">nehmen, dass der Gesetzgeber [...] Entscheide über <i>neue</i> Infrastruk-</span><br/> <span class="ft1">turanlagen im Auge hatte" [Hervorhebung hinzugefügt]) fehlt jegli-</span><br/> <span class="ft1">cher Beleg. Eine entsprechende Unterscheidung wäre letztlich auch</span><br/> <span class="ft1">nicht nachvollziehbar, da ein Standortentscheid regelmässig sowohl</span><br/> <span class="ft1">"positive" (nämlich die Berücksichtigung eines oder mehrerer Stand-</span><br/> <span class="ft1">orte) als auch "negative" (nämlich die Nichtberücksichtigung aller</span><br/> <span class="ft1">anderen möglichen Standorte) Komponenten enthält.</span><br/> <span class="ft1">2.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Grundsätzlich liesse sich argumentieren, der historische Gesetz-</span><br/> <span class="ft1">geber habe nur "politisch gefärbte" Entscheide über Schulstandorte</span><br/> <span class="ft1">von der Überprüfung durch das Verwaltungsgericht ausnehmen wol-</span><br/> <span class="ft1">len. Demzufolge gelange die Bestimmung nicht zur Anwendung,</span><br/> <span class="ft1">wenn für den Standortentscheid klare Vorgaben bestünden. Auf diese</span><br/> <span class="ft1">Konstellation ist indessen vorliegend nicht näher einzugehen, da in</span><br/> <span class="ft1">den Satzungen keine entsprechenden Kriterien aufgenommen wurden</span><br/> <span class="ft1">(siehe vorne Erw. 2.3.1).</span><br/> <span class="ft1">2.5.</span><br/> <span class="ft1">Der Zweck von § 54 Abs. 2 lit. d VRPG liegt offensichtlich da-</span><br/> <span class="ft1">rin, die Entscheide betreffend Schulstandorte aufgrund ihres vorwie-</span><br/> <span class="ft1">gend politischen Charakters von der Überprüfung durch das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht auszunehmen. Diesem Zweck wird mit dem gänzlichen</span><br/> <span class="ft1">Ausschluss der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vollumfänglich</span><br/> <span class="ft1">Rechnung getragen. Aus teleologischer Sicht drängt sich insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere keinerlei Differenzierung zwischen "positiven" und "negativen"</span><br/> <span class="ft1">Standortentscheiden auf; der vorwiegend politische Charakter ist in</span><br/> <span class="ft1">beiden Fällen gleichermassen gegeben. Dieser vorwiegend politische</span><br/> <span class="ft1">Charakter besteht im Übrigen unabhängig davon, wer sich gegen den</span><br/> <span class="ft1">betreffenden Entscheid zur Wehr setzen will; insofern besteht nach</span><br/> <span class="ft1">Massgabe des Gesetzeszweckes auch kein Anlass, der betroffenen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">222</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gemeinde ein Beschwerderecht einzuräumen. Schliesslich wirkt der</span><br/> <span class="ft1">"Querbezug zur Raumplanung" reichlich konstruiert und lässt die</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit einer verwaltungsgerichtlichen Überprüfung keineswegs</span><br/> <span class="ft1">als zwingend erscheinen.</span><br/> <span class="ft1">Aus teleologischer Sicht drängt sich die Einräumung einer Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdemöglichkeit höchstens dort auf, wo klare Kriterien für den</span><br/> <span class="ft1">Standortentscheid definiert sind. Auf diese Konstellation ist indessen</span><br/> <span class="ft1">- wie gesehen (siehe vorne Erw. 2.3.1 und 2.4.2) - vorliegend nicht</span><br/> <span class="ft1">näher einzugehen.</span><br/> <span class="ft1">2.6.</span><br/> <span class="ft1">Insgesamt ergibt die Auslegung, dass der Wortlaut von § 54</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 lit. d VRPG eindeutig ist. Auch nach Massgabe der übrigen</span><br/> <span class="ft1">Auslegungsmethoden besteht kein Anlass, verwaltungsgerichtliche</span><br/> <span class="ft1">Beschwerden gegen Schulstandortentscheide (generell oder in be-</span><br/> <span class="ft1">stimmten Fällen) zuzulassen. Dies gilt zumindest für den Regelfall,</span><br/> <span class="ft1">dass keine detaillierten Kriterien für den Standortentscheid bestehen.</span><br/></div> </div> </body> </html>