<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">232</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>44 Grundbetrag;</b></span> <span class="ft2"><b>Darlehen</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Für die Verwendung des Grundbetrags gilt der Grundsatz der Ei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>genverantwortung.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Darlehen sind grundsätzlich als eigene Mittel anzurechnen, auch</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wenn sie für andere Personen aufgenommen wurden.</b></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 25. Mai 2009 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">A.M. gegen das Bezirksamt Lenzburg (WBE.2008.375).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1.</span><br/> <span class="ft1">Sozialhilfe bezweckt die Existenzsicherung, fördert die wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftliche und persönliche Selbstständigkeit und unterstützt die ge-</span><br/> <span class="ft1">sellschaftliche Integration (§ 4 Abs. 1 SPG). Die Existenzsicherung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">233</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gewährleistet Ernährung, Kleidung, Obdach und medizinische</span><br/> <span class="ft1">Grundversorgung (§ 3 Abs. 1 SPV). Für die Bemessung der mate-</span><br/> <span class="ft1">riellen Hilfe sind gemäss § 10 Abs. 1 SPG i.V.m. § 10 Abs. 1 SPV</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich die Richtlinien für die Ausgestaltung und Bemessung</span><br/> <span class="ft1">der Sozialhilfe (herausgegeben von der Schweizerischen Konferenz</span><br/> <span class="ft1">für Sozialhilfe [SKOS-Richtlinien], 3. Auflage, Dezember 2000)</span><br/> <span class="ft1">verbindlich.</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf Sozialhilfe besteht, sofern die eigenen Mittel</span><br/> <span class="ft1">nicht genügen und andere Hilfeleistungen nicht rechtzeitig erhältlich</span><br/> <span class="ft1">sind oder nicht ausreichen (§ 5 Abs. 1 SPG). Damit wird der Grund-</span><br/> <span class="ft1">satz der Subsidiarität der Sozialhilfe ausgedrückt. Hilfe suchende</span><br/> <span class="ft1">Personen sind verpflichtet, sich nach Möglichkeit selbst zu helfen;</span><br/> <span class="ft1">sie müssen alles Zumutbare unternehmen, um eine Notlage aus ei-</span><br/> <span class="ft1">genen Kräften abzuwenden oder zu beheben (BGE 130 I 71 Erw. 4.1;</span><br/> <span class="ft1">SKOS-Richtlinien, Kapitel A.4). Zu den zumutbaren und subsidiären</span><br/> <span class="ft1">Hilfsquellen zählen neben der Möglichkeit der Selbsthilfe sowie</span><br/> <span class="ft1">Leistungsverpflichtungen Dritter, auch freiwillige Leistungen Dritter,</span><br/> <span class="ft1">die ohne rechtliche Verpflichtung erbracht werden (SKOS-Richtli-</span><br/> <span class="ft1">nien, Kapitel A.4-2).</span><br/> <span class="ft1">1.2. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer macht geltend, die nach Portugal über-</span><br/> <span class="ft1">wiesenen Geldbeträge stammten nicht aus Sozialhilfegeldern, son-</span><br/> <span class="ft1">dern seien Kredite von verschiedenen Kollegen, bei denen er sich</span><br/> <span class="ft1">verschuldet habe. Mit den Überweisungen sei er seiner moralischen</span><br/> <span class="ft1">und gesetzlichen Pflicht gegenüber seiner Ehegattin nachgekommen.</span><br/> <span class="ft1">Zudem habe ihm die Sozialbehörde weder verboten Geld nach Por-</span><br/> <span class="ft1">tugal zu schicken, noch die Aufnahme von Krediten untersagt.</span><br/> <span class="ft1">2.3. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">2.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz begründet den unrechtmässigen Bezug von ma-</span><br/> <span class="ft1">terieller Hilfe vorab mit der Überweisung von Unterstützungsbeiträ-</span><br/> <span class="ft1">gen an die Ehefrau des Beschwerdeführers nach Portugal. Den Nach-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">234</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">weis sieht sie in den monatlichen Geldbeträgen, welche der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer regelmässig überwies und im Gesamtbetrag als Ab-</span><br/> <span class="ft1">zug in seiner Steuererklärung 2007 geltend machte. Diese Begrün-</span><br/> <span class="ft1">dung ist zwar nachvollziehbar, da hilfsbedürftige Personen regel-</span><br/> <span class="ft1">mässig nicht in der Lage sind aus dem sozialen Existenzminimum</span><br/> <span class="ft1">Ersparnisse in relativ erheblichem Umfang zu bilden oder Unterstüt-</span><br/> <span class="ft1">zungsleistungen an Ehegatten aufzubringen. Die verfassungsrechtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Grundsätze zum Schutz der persönlichen Freiheit (Art. 10</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 BV) und der Schutz der Privatsphäre (Art. 13 Abs. 1 BV)</span><br/> <span class="ft1">verlangen jedoch eine differenzierte Beurteilung des Einzelfalls. Der</span><br/> <span class="ft1">verfassungsrechtliche Persönlichkeitsschutz umfasst auch das Recht</span><br/> <span class="ft1">des Einzelnen, die wesentlichen Aspekte seiner Persönlichkeits-</span><br/> <span class="ft1">entfaltung individuell und selber zu gestalten und schützt umfassend</span><br/> <span class="ft1">die Menschenwürde (Art. 7 BV; Jörg Paul Müller / Markus Schefer,</span><br/> <span class="ft1">Grundrechte in der Schweiz, 4. Auflage, Bern 2008, S. 138 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Im Sozialhilferecht ist Ausdruck der verfassungsrechtlich ge-</span><br/> <span class="ft1">schützten Persönlichkeitsentfaltung, die Eigenverantwortung (§ 1</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 SPG), die sich in der Dispositionsfreiheit über die im Grund-</span><br/> <span class="ft1">betrag I und Grundbetrag II ausgerichteten Beiträge konkretisiert.</span><br/> <span class="ft1">Die pauschalen Grundbeträge dienen dem Unterhalt der unterstützten</span><br/> <span class="ft1">Person und können von ihr nach ihren Vorstellungen und Bedürfnis-</span><br/> <span class="ft1">sen eingesetzt werden. Solange ihre Grundbedürfnisse gewährleistet</span><br/> <span class="ft1">sind, besteht für die Sozialbehörden kein Anlass und keine gesetzli-</span><br/> <span class="ft1">che Grundlage gegen die Verwendung der Grundbetragsbetreffnisse</span><br/> <span class="ft1">einzuschreiten (SKOS-Richtlinien, Kapitel B.2.4; AGVE 2003,</span><br/> <span class="ft1">S. 295). Es kann daher nicht bereits im Grundsatz beanstandet</span><br/> <span class="ft1">werden, dass der Beschwerdeführer seiner Ehefrau in Erfüllung einer</span><br/> <span class="ft1">allenfalls rechtlichen oder moralischen Verpflichtung Unterstüt-</span><br/> <span class="ft1">zungsbeiträge nach Portugal überwies. Einzuschreiten haben die</span><br/> <span class="ft1">Sozialbehörden dort, wo Sozialhilfegelder zweckentfremdet werden,</span><br/> <span class="ft1">Mehrkosten durch die nicht zweckmässige Verwendung der ma-</span><br/> <span class="ft1">teriellen Unterstützung entstehen oder eine unterstützte Person sich</span><br/> <span class="ft1">zunehmend verschuldet (Handbuch Sozialhilfe, Anhang 5 / XII, S. 2;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 2003, S. 295). Fehlt es an solchen Tatbeständen, rechtfertigt</span><br/> <span class="ft1">sich eine Rückforderung unter dem Titel unrechtmässige Bezüge</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 3 SPG in der Regel nur, wenn der Betroffene Auflagen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">235</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">oder Weisungen der Sozialbehörde missachtet. Im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft1">hatte der Beschwerdeführer Einkommen aus der Arbeitslosenver-</span><br/> <span class="ft1">sicherung. In der Verwendung dieses Einkommens war der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer solange nicht eingeschränkt, als seine finanzielle</span><br/> <span class="ft1">Situation oder seine Existenzsicherung nicht zu Mehrkosten der</span><br/> <span class="ft1">Sozialhilfe führte. Die Überweisungen des Beschwerdeführers an die</span><br/> <span class="ft1">Ehefrau begründen daher keinen Rückforderungsanspruch.</span><br/> <span class="ft1">2.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Anders präsentiert sich die Rechtslage hinsichtlich der Darle-</span><br/> <span class="ft1">hen, welche der Beschwerdeführer bei Bekannten aufnahm. § 11</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 SPG und § 11 Abs. 1 und 2 SPV bestimmen, dass der Hilfe</span><br/> <span class="ft1">bedürftigen Person alle geldwerten Leitungen und Zuwendungen,</span><br/> <span class="ft1">auch freiwillige Leistungen Dritter mit wirtschaftlichem Wert, als ei-</span><br/> <span class="ft1">gene Mittel bei der Berechnung und Bemessung der materiellen</span><br/> <span class="ft1">Hilfe anzurechnen sind. Dies entspricht dem Grundsatz der Subsi-</span><br/> <span class="ft1">diarität (siehe vorne Erw. 1.1) und die unterstützten und hilfesuchen-</span><br/> <span class="ft1">den Personen haben kein Wahlrecht zwischen den verschiedenen</span><br/> <span class="ft1">Hilfsquellen (SKOS-Richtlinien, Kapitel A.4). Die materielle Unter-</span><br/> <span class="ft1">stützung ist nicht nur gegenüber unentgeltlichen (Unterstützungs-)</span><br/> <span class="ft1">Leistungen Dritter subsidiär (BGE vom 13. Oktober 2000</span><br/> <span class="ft1">[2P.127/2000], Erw. 2), sondern auch gegenüber Darlehen Dritter.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer hat in der massgeblichen Zeit von</span><br/> <span class="ft1">1. Juni 2007 bis 30. April 2008 nach eigenen Darstellungen insge-</span><br/> <span class="ft1">samt Fr. 6'000.-- auf ein Bankkonto bei der "Caixa Geral de Deposi-</span><br/> <span class="ft1">tos SA" in Lissabon überwiesen, das auf seinen Namen lautete. Die</span><br/> <span class="ft1">Überweisungen will er mit Darlehen von Bekannten finanziert ha-</span><br/> <span class="ft1">ben. Aus den Quittungen für die Darlehen lässt sich nur ein Aus-</span><br/> <span class="ft1">zahlungsdatum für Fr. 1'000.-- dem massgeblichen Zeitraum zuord-</span><br/> <span class="ft1">nen. Die weiteren Quittungen sind nicht datiert und weisen auch den</span><br/> <span class="ft1">Auszahlungstermin nicht aus. Eine Zweckgebundenheit der Darlehen</span><br/> <span class="ft1">ist den Akten nicht zu entnehmen. Aus der Quittung vom April 2008</span><br/> <span class="ft1">ergibt sich lediglich die Verpflichtung, das Darlehen "bei Erhalt der</span><br/> <span class="ft1">IV sofort zurückzuzahlen".</span><br/> <span class="ft1">Aus der Sachdarstellung des Beschwerdeführers, dass er nur als</span><br/> <span class="ft1">"Besorger von Krediten" aufgetreten sei, kann geschlossen werden,</span><br/> <span class="ft1">dass er in der fraglichen Zeit persönliche Kredite in der Höhe von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">236</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Fr. 6'000.--- bei verschiedenen nahestehenden Personen aufnahm.</span><br/> <span class="ft1">Diese Darlehen sind - entgegen der Auffassung des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rers - sozialhilferechtlich eigene Mittel (siehe vorne Erw. 1.1).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>