BRKE IV Nr. 102/1997 vom 12. Juni 1997 in BEZ 1998 Nr. 15 4. Das umstrittene Bauvorhaben sieht die Erstellung und den Betrieb eines I m- bissstandes vor. Die entspreche nde Publikation erfolgte ordnungsgemäss. Es ist unbestritten, dass die Rekurrentin die Zustellung des baurechtlichen Entscheides im Sinne von § 315 PBG nicht verlangt hat. Die Baubewilligung wurde ihr jedoch «als Mitbeteiligte (gemäss § 10 VRG)» von der Vorinstanz trotzdem zugestellt. 5. Die Rekurrentin stellt sich auf den Standpunkt, sie sei von der Vorinstanz zu Recht als Mitbeteiligte im Sinne von § 10 Abs. 1 lit. b VRG betrachtet worden, weil sie durch die im angefochtenen Beschluss eingeräumte Ausnahme bewilligung für die U nterschreitung des Grenz - und Gebäudeabstandes nicht nur möglicherweise, sondern sogar «ane rkanntermassen» in ihren Rechten verletzt sei. Die Vorschrift von § 10 Abs. 1 lit. b VRG würde jeglichen Sinnes beraubt, wenn die unter diesem Recht stitel erg ehende Zustellung lediglich orientierungshalber erfolge und wenn damit kein Rekur srecht verbunden sei. Die restriktive Bestimmung von § 316 Abs. 1 PBG, deren Verfassungsmä ssigkeit ohnehin fraglich sei, bleibt daher nur so lange anwendbar, als einem Nachbarn der baurechtliche Entscheid nicht schon gestützt auf § 10 Abs. 1 lit. b VRG von Amtes wegen zugestellt werden müsse. Daraus folge, dass auf den Rekurs einzutreten sei. 6. W er Ansprüche aus dem Planungs - und Baugesetz und den zugehörigen Verordnungen und kommunalen Erlassen wahrnehmen will, hat innert 20 Tagen seit der öffentlichen Bekanntmachung bei der örtlichen Baubehörde schriftlich die Zuste l- lung des baurechtlichen Entscheids zu verlangen (§ 315 Abs. 1 PBG). W er den bau- rechtlichen Entscheid nicht rechtzeitig verlangt, hat das Rekursrecht verwirkt (§ 316 Abs. 1 PBG). Der Zweck dieser Regelung liegt in der Beschleunigung des baurech t- lichen Verfahrens; der Bauherr soll möglichst frühzeitig erfahren, ob er mit R ekursen zu rechnen hat und was die Nachbarn gegen das Bauvorhaben einzuwenden haben. Die Rechtsprechung hat mit eingehenden Erwägungen dargelegt, dass die Verwi r- kung des Rekursrechts als Folge eines nicht rechtzeitigen Zustellungsbegehrens weder überspitzt formalistisch noch sonstwie ve rfassungswidrig ist (VB 92/0165 = RB 1993 Nr. 52 = BEZ 1993 Nr. 14). 7. Entgegen der rekurrentischen Ansicht gehen die verfahrensrechtlichen Vo r- schriften des Planungs - und Baugesetzes als lex specialis dem Verwaltungsrecht s- pflegegesetz vor. Nachbarn gelten im baurechtlichen Verfahren erst dann als Ve r- fahrensbeteiligte im Sinne von § 10 Abs. 1 lit. b und c VRG, wenn sie die Zuste llung des baurech tlichen Entscheids gemäss § 315 Abs. 1 PBG rechtzeitig verlangt h a- ben. Daran ändert nichts, dass ein Nachbar durch das Bauvorhaben klarerweise in - 2 - seinen Rechten berührt ist. Vielmehr handelt es sich gerade dabei um einen typ i- schen Anwendungsfall von § 315 PBG. Diese Norm statuiert eine allgemein gelten- de Prozessvoraussetzung, die als solche rein formeller Natur ist un d mithin unbese- hen dessen gilt, ob und in welchem Umfang ein Nachbar betroffen ist. Eine von der Baubehörde irrtümlich, d.h. ohne Vorli egen eines Zustellungsbegehrens unter dem Rechtstitel von § 10 Abs. 1 lit. b VRG vo rgenommene Zustellung des Entscheids kann das verwirkte Rekursrecht nicht wieder herstellen. Insbesondere liegt hier auch kein Anwendungsfall des Grundsatzes von Treu und Glauben vor, da die Zustellung erst e rfolgte, nachdem die Frist zur Stellung des Z ustellungsbegehrens bereits a b- gelaufen war. Auf den Rekurs kann daher nicht eingetreten werden.