Abteilung V E-5871/2007 E-8068/2007 {T 0/2} U r t e i l v o m 2 7. N o v e m b e r 2 0 0 7 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Jean-Daniel Dubey, Gerichtsschreiberin Muriel Beck Kadima. A._______, geboren (...), Afghanistan, vertreten durch Rechtsanwalt Peter Frei, substituiert durch lic.iur. Brigitt Thambiah, (Adresse) Gesuchsteller, beziehungsweise Beschwerdeführer gegen Bundesamt für Migration (BFM) , Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 9. Juli 2007 / E-6535/2006 (Revision) und Verfügung des BFM vom 13. Februar 2003 i. S. Asyl und Wegweisung / N _______ B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Gegenstand ParteienE-5871/2007 E-8068/2007 Sachverhalt: A. Das Bundesamt für Migration (BFM) wies das Asylgesuch des Ge- suchstellers  ein ethnischer Hazara mit Geburtsort und letztem Wohnsitz in Kabul  mit Verfügung vom 13. Februar 2003 ab, verbun- den mit der Anordnung der Weg weisung und des Wegweisungsvoll- zugs. Eine am 17. März 2003 bei der damals dafür zuständigen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 9. Juli 2007 ab. B. Am 4. September 2007 (Poststempel) reichte der Gesuchsteller über seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht gestützt auf Art. 123 Abs. 2 Bst. a des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) ein Revisionsgesuch gegen das Urteil vom 9. Juli 2007 ein, in welchem er zur Hauptsache beantragte, es sei die Unzu- mutbarkeit des Vollzugs seiner Wegweisung festzustellen und er sei vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei die Sache zu weiteren Abklä- rungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme der Vollzug der Wegweisung zu sistieren. Zusammen mit der Gesuchsschrift legte er Telefaxkopien fremdsprachiger, angeblich tadschikischer Asylbewerberausweise seiner (Verwandten) ins Recht. C. Mit Telefax vom 5. September 2007 ersuchte das Bundesverwaltungs- gericht die zuständigen kantonalen Behörden darum, einstweilen von Vollzugshandlungen abzusehen. D. Mit Zwischenverfügung vom 11. September 2007 hiess das Gericht das Gesuch um Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung gut, ver- zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und forderte den Gesuchsteller auf, die von ihm eingereichten Telefaxkopien in eine Amtssprache übersetzen zu lassen. Der Gesuchssteller reichte mit Eingabe vom 27. September 2007 frist- gerecht Übersetzungen der in Telefaxkopie eingereichten Ausweis- schriften seiner Familienangehörigen (Angaben über die Verwandten) Seite 2E-5871/2007 E-8068/2007 sowie zwei Fotografien, auf welchen diese gemäss seinen Angaben abgebildet sind, samt Zustellcouvert aus B._______/Tadschikistan zu den Akten. E. Am 18. Oktober 2007 reichte der Rechtsvertreter des Gesuchstellers gemäss Aufforderung des Bundesverwaltungsgerichts seine Kostenno- te für das Revisionsverfahren ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 105 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) entscheidet das Bundesverwaltungsgericht abschliessend über Beschwerden gegen Verfügungen des Bundesamtes. Ge mäss Art. 37 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) richtet sich das dabei anzuwendende Verfahren nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah- ren (VwVG, SR 172.021), soweit das VGG nichts anderes bestimmt. Im Revisionsverfahren gelangen die entsprechenden Bestimmungen des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) sinngemäss zur Anwendung (Art. 45 VGG). Ein Revisionsbegehren bezweckt, die für einen Entscheid verantwortliche Instanz dazu zu bewegen, diesen trotz bereits einge- tretener formeller Rechtskraft erneut zu überprüfen (vgl. U RSINA BEERLI - BONORAND , Die ausserordentlichen Rechtsmittel in der Verwaltungs- rechtspflege des Bundes und der Kantone, Zürich 1985, S. 35). Damit ist das Bundesverwaltungsgericht auch für die Beurteilung des vorlie- genden Revisionsgesuchs zuständig (vgl. dazu auch das zur Publikati- on vorgesehene Urteil BVGE D-7621/2006 vom 27. Juli 2007 E. 2.1. und E. 5.1.). 2. 2.1 Auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches findet Art. 67 Abs. 3 VwVG Anwendung (Art. 47 VGG). Über Revisionsgesuche, die nicht in die Zuständigkeit des Einzelrichters gemäss Art. 23 Abs. 1 VGG fallen, wird in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen entschieden (Art. 21 Abs. 1 VGG). Seite 3E-5871/2007 E-8068/2007 2.2 An die Begründung ausserordentlicher Rechtsmittel werden er- höhte Anforderungen gestellt (Art. 67 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 47 VGG). In der Rechtsschrift ist die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens darzutun; zudem ist anzugeben, welcher gesetzliche Revisionstatbe- stand angerufen wird und inwiefern Anlass besteht, gerade diesen Grund geltend zu machen. Sind dem Gesuch nicht genügend substan- tiierte, wirkliche Rechtsmittelgründe zu entnehmen, so ist darauf über- haupt nicht einzutreten (vgl. FRITZ G YGI, Bundesverwaltungsrechtspfle- ge, 2. Aufl., Bern 1983, S. 198 f.). Demgegenüber ist nicht erforderlich, dass die angerufenen Revisionsgründe wirklich bestehen, sondern es genügt, wenn der Gesuchsteller deren Vorliegen behauptet (BGE 96 I 279; BEERLI -BONORAND , a.a.O., S. 148 f.). 2.3 Der Gesuchsteller ruft explizit den Revisionsgrund der neuen er- heblichen Tatsachen oder Beweismittel gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG an. Die Rechtsschrift enthält ausserdem  wie bei einem Revisi- onsgesuch erforderlich (vgl. Art. 47 VGG i.V.m. Art. 67 Abs. 3 in fine VwVG)  bereits die Begehren für den Fall eines neuen Beschwerde- entscheides, so dass sie den formellen Anforderungen an ein Revisi- onsgesuch genügt. 2.4 Gemäss Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG ist das Revisionsgesuch in- nert 90 Tagen nach der Entdeckung neuer Tatsachen beziehungsweise neuer Beweismittel einzureichen. Der Beschwerdeführer macht glaub- haft, dass er von den neuen Tatsachen (Wegzug seiner Familienange- hörigen nach Tadschikistan) beziehungsweise Beweismitteln (tadschi- kische Ausweisschriften der Familienmitglieder) erst nach dem 9. Juli 2007 (Datum des angefochtenen Urteils; vgl. Revisionsgesuch S. 5 und 6) Kenntnis erhielt. Damit erfolgte die Revisionseingabe vom 4. September 2007 rechtzeitig. 2.5 Der Gesuchsteller ist durch das angefochtene Urteil berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung beziehungs- weise Änderung, weshalb er legitimiert ist. Folglich ist auf das frist- und formgerecht eingereichte Gesuch einzutreten (Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 f. VwVG i.V.m. Art. 67 Abs. 3 VwVG und Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG). 3. 3.1 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision wird die Un- abänderlichkeit und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwer- Seite 4E-5871/2007 E-8068/2007 deentscheides angefochten, damit in der Sache neu entschieden wer- den kann (vgl. PIERRE TSCHANNEN /ULRICH ZIMMERLI , Allgemeines Verwal- tungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, S. 269). Die Revision eines Entscheids des Bundesverwaltungsgerichts kann gemäss Art. 45 VGG sinnge- mäss aus den in Art. 121-128 BGG genannten Gründen verlangt wer- den. 3.2 Die Revision kann in der Regel nicht aus einem Grund verlangt werden, der schon im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte geltend gemacht werden können (Art. 46 VGG). 3.3 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann die Revision verlangt werden, wenn die ersuchende Partei nachträglich erhebliche Tatsa- chen erfährt oder entscheidende Beweismittel auffindet, die sie im frü- heren Verfahren nicht beibringen konnte, unter Ausschluss der Tatsa- chen und Beweismittel, die erst nach dem Entscheid (im ordentlichen Verfahren) entstanden sind. Es handelt sich also um unechte Noven (vgl. N ICOLAS VON W ERDT , in: HANSJÖRG SEILER /NICOLAS VON W ERDT /ANDREAS G ÜNGERICH , Bundesgerichtsgesetz [BGG], Bern 2007, S. 526, RN 7). Erheblich im Sinne von 123 Abs. 2 Bst. a BGG sind neue Tatsachen und Beweismittel dann, wenn sie geeignet sind, die tatbeständliche Grundlage des angefochtenen Urteils zu verändern und bei zutreffen- der rechtlicher Würdigung zu einer anderen Entscheidung führen (vgl. VON W ERDT , a.a.O, S. 526 f., RN 10 ff.; KARL S PÜHLER /ANNETTE D OLGE /DOMINIK VOCK , Kurzkommentar zum Bundesgerichtsgesetz [BGG], Zürich/St. Gallen 2006, S. 229, RN 5) Nachträglich erfahrene oder aufgefundene erhebliche Tatsachen und Beweismittel bilden im Übrigen nur dann einen Revisionsgrund, wenn sie der gesuchstellenden Person damals trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt sein konnten oder ihr die Geltendmachung oder Beibrin- gung aus entschuldbaren Gründen nicht möglich war (vgl. EMARK 1994 Nr. 27 E. 5a und b S. 198 f.; SPÜHLER /DOLGE /VOCK , a.a.O., S. 229, RN 4, m.w.H). 4. 4.1 Hinsichtlich des angerufenen Revisionsgrundes bringt der Ge- suchsteller im Wesentlichen Folgendes vor: Das Bundesverwaltungs- gericht habe in seinem Urteil vom 9. Juli 2007 bezüglich der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs des Gesuchstellers nach Af- Seite 5E-5871/2007 E-8068/2007 ghanistan auf die Rechtsprechung der ARK verwiesen. Dieser Recht- sprechung zufolge gelte der Vollzug der Wegweisung nach Kabul nur unter bestimmten strengen Voraussetzungen, insbesondere des Bestehens eines tragfähigen Beziehungsnetzes sowie konkreter Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und einer gesicherten Wohnsituation, als zumutbar. Das Gericht sei in seinem Entscheid davon ausgegangen, dass der Gesuchsteller in Kabul über ein familiäres Netz verfüge, mit dessen Unterstützung er ebenfalls eine wirtschaftliche Existenz werde aufbauen können, weshalb der Wegweisungsvollzug als zumutbar erachtet worden sei. Etwa im Oktober 2006 seien die (Verwandten) des Gesuchstellers jedoch nach Tadschikistan geflüchtet. Die (...) Schwester des Gesuchstellers sei verheiratet und lebe schon seit längerer Zeit nicht mehr in Kabul. Weitere Verwandte in Ka bul habe der Beschwerdeführer nicht. Seine Eltern stammten nicht aus Kabul, sondern aus der Provinz C._______. Er gehe sogar davon aus, dass er überhaupt keine weiteren Verwandten habe, da seine Eltern seines Wissens keine Geschwister hätten. Das Haus seiner Eltern in Kabul werde gemäss einem Bekannten von einer anderen Familie bewohnt. Das Lebensmittelgeschäft, welches der Gesuchsteller in Kabul geführt habe, habe die Familie bereits früher aufgeben müssen, da keine Miete mehr habe bezahlt werden können. Damit verfüge der Ge- suchsteller in Kabul weder über ein tragfähiges Beziehungsnetz noch über eine gesicherte Wohnsituation. Auch von der Sicherung seines Existenzminimums könne nicht ausgegangen werden. Damit seien die Voraussetzungen, unter welchen der Vollzug der Wegweisung nach Kabul als zumutbar erachtet werden könne, nicht erfüllt. Mit dem Revi- sionsgesuch reichte der Gesuchsteller Telefaxkopien von angeblich tadschikischen Asylbewerber-Ausweisen seiner Familienangehörigen zu den Akten, welche seine Vorbringen belegen sollen. Ferner schildert der Gesuchsteller in seiner Revisionseingabe, wes- halb er die Ausreise der Familienangehörigen aus Kabul nicht bereits im Beschwerdeverfahren habe geltend machen können. Er sei zwar seit seiner Einreise in die Schweiz regelmässig mit seiner Familie über einen Bekannten telefonisch in Kontakt gestanden und habe durch die- sen im November oder Dezember 2006 auch erfahren, dass die Famili- enangehörigen nicht mehr in ihrem Haus lebten. Hingegen habe er erst anlässlich eines Anrufs nach Erhalt des Urteils des Bundesverwal- tungsgerichts erfahren, dass seine Angehörigen nach B._______/Tad- Seite 6E-5871/2007 E-8068/2007 schikistan ausgereist seien. Sie seien aus Kabul geflüchtet, weil sie von der Person, welche der Gesuchsteller im erstinstanzlichen Verfah- ren als Verfolger erwähnt habe  ein den Taliban nahestehender Paschtune  , bedroht worden seien. Somit bringe der Gesuchsteller erhebliche Tatsachen und Beweismittel (die tadschikischen Ausweis- schriften seiner Angehörigen) vor, welche im Zeitpunkt des Bundesver- waltungsgerichtsurteils vom 9. Juli 2007 bereits bestanden hätten, von denen er jedoch keine Kenntnis gehabt habe. 4.2 Das Bundesverwaltungsgericht gelangte in seinem Urteil vom 9. Juli 2007 zur Einschätzung, der Vollzug der Wegweisung des Ge- suchstellers in den Heimatstaat sei als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. Es stützte sich dabei auf die weiterhin zutreffende Praxis der ARK in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission/EMARK 2003 Nr. 10 und 30, welche sich einge- hend zur Lage in Kabul geäussert und die Unterschiede zwischen dem Grossraum Kabul und anderen Regionen Afghanistans dargestellt hat. Infolge der vergleichsweise günstigeren Situation hat sie den Wegwei- sungsvollzug nach Kabul unter bestimmten strengen Voraussetzungen, insbesondere eines tragfähigen Beziehungsnetzes und einer gesicher- ten Wohnsituation, als zumutbar erachtet. Im Jahr 2006 bestätigte die ARK ihre Rechtsprechung (vgl. EMARK 2006 Nr. 9). In seinem Urteil vom 9. Juli 2007 sah das Bundesverwaltungsgericht keine Veranlas- sung, von dieser Rechtsprechung abzuweichen. Das Gericht ging auf- grund der damaligen Aktenlage davon aus, dass der Gesuchsteller ei- ner wohlhabenden Familie entstamme, die in Kabul wohnhaft sei, bei welcher er nach seiner Rückkehr wieder werde leben und dank wel- cher er eine wirtschaftliche Existenz werde aufbauen können. 5. 5.1 Die Anwendung der oben genannten Massstäbe führt im vorlie- genden Fall zum Schluss, dass die ins Recht gelegten Beweismittel (vgl. oben Bst. D. und E. 2.4) rechtzeitig geltend gemacht und als er- heblich zu bewerten sind. 5.2 Die als Faxkopien eingereichten tadschikischen Ausweisschriften der Familienangehörigen des Gesuchstellers wurden am 4. April 2007 ausgestellt. Sie weisen aus, dass die Einreise nach Tadschikistan am 31. März 2007 erfolgte. Der Gesuchsteller gibt in seiner Revisionsein- gabe an, dass es ihm zwischen November/Dezember 2006 bis nach dem Erhalt des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts nicht gelungen Seite 7E-5871/2007 E-8068/2007 sei, mit seinen Familienangehörigen telefonisch in Kontakt zu treten. Erst danach habe er erfahren, dass sie im Oktober 2006 nach Tadschi- kistan ausgereist seien. In seiner Eingabe vom 27. September 2007 ergänzt er sodann, dass die Familienangehörigen damals erst proviso- rische Aufenthaltsbewilligungen mit einer Gültigkeitsdauer von sechs Monaten erlangt hätten. Bei den Anfang April 2007 ausgestellten, vor- liegenden Ausweisschriften mit einjähriger Gültigkeit sei dann der 31. März 2007 als Einreisedatum eingeschrieben worden. 5.3 Unabhängig vom genauen Datum der Einreise der Familienange- hörigen des Gesuchstellers in Tadschikistan - im Oktober 2006 oder im März 2007 - steht fest, dass diese vor dem Ergehen des Urteils vom 9. Juli 2007 stattgefunden hat. Im Weiteren erscheint glaubhaft, dass der Gesuchsteller erst nach dem Ergehen dieses Urteils vom neuen Aufenthaltsort seiner Familien- angehörigen Kenntnis erhielt, weshalb er diese Tatsache dem Gericht nicht bereits vorher zur Kenntnis hat bringen können. Seine Darlegun- gen (vgl. Revisionsgesuch S. 5 f.) sind plausibel und überzeugend. Schliesslich ist die vorgebrachte Tatsache als erheblich zu bezeichnen, da im Lichte der veränderten tatbeständlichen Grundlage die rechtli- che Würdigung der Vollzugshindernisse der Wegweisung des Gesuch- stellers wie nachfolgend (E. 7) erläutert anders ausfallen wird. 6. Bei dieser Sachlage ist der Revisionsgrund des Vorliegens neuer er- heblicher Tatsachen und Beweismittel gegeben, weshalb der Be- schwerdeentscheid des Bundesverwaltungsgerichts vom 9. Juli 2007 aufzuheben und das  auf die Frage der Durchführbarkeit des Wegwei- sungsvollzuges beschränkte  Beschwerdeverfahren wieder aufzuneh- men ist. Der Erlass eines neuen Urteils bildet nicht mehr Bestandteil des Revisionsverfahrens, womit auf das neue Verfahren (E-8068/2007) die für das Beschwerdeverfahren massgeblichen Vorschriften und Grundsätze anzuwenden sind (vgl. BEERLI -BONORAND , a.a.O., S. 165). Es ist somit im Folgenden zu prüfen, ob der vom BFM mit Verfügung vom 13. Februar 2003 angeordnete Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist, oder ob ein Wegweisungsvollzugshindernis vorliegt, welches zur Anordnung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz führt. Seite 8E-5871/2007 E-8068/2007 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar, so regelt das Bundesamt für Migration das Anwesen- heitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufi- ge Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Nieder- lassung der Ausländer [ANAG, SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht möglich, wenn der Ausländer weder in den Her- kunfts- oder in den Heimatstaat noch in einen Drittstaat verbracht wer- den kann. Er ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise des Ausländers in seinen Heimat-, Her- kunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen. Der Vollzug kann insbe- sondere nicht zumutbar sein, wenn er für den Ausländer eine konkrete Gefährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 ANAG). Niemand darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die Gefahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezwungen wird (Art. 5 Abs. 1 AsylG). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Fol- ter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konven- tion zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. No- vember 1950 (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder un- menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die asylrechtlichen Vollzugshindernisse (Unzulässigkeit, Unzumutbar- keit, Unmöglichkeit) sind alternativer Natur. Sobald eines von ihnen ge- geben ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu be- trachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz nach den Be- stimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln. Da sich der Voll- zug der Wegweisung im vorliegenden Fall - wie nachstehend aufge- zeigt - als unzumutbar erweist, erübrigt sich demnach eine weiter ge- hende Prüfung der Zulässigkeit und Möglichkeit. 7.2 Gemäss Art. 14a Abs. 4 ANAG wird auf den Vollzug der Wegwei- sung verzichtet, wenn die Rückkehr in den Heimatstaat für die betrof- Seite 9E-5871/2007 E-8068/2007 fene Person eine konkrete Gefährdung darstellt. Eine solche Gefähr- dung kann angesichts der im Heimatland herrschenden allgemeinen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Si- tuation allgemeiner Gewalt kennzeichnet, oder aufgrund anderer Ge- fahrenmomente, wie beispielsweise des Fehlens einer notwendigen medizinischen Behandlung, angenommen werden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 7.2.1Die schweizerischen Asylbehörden prüfen die allgemeine Lage in Afghanistan kontinuierlich. Die ARK hat in EMARK 2006 Nr. 9 letzt- mals eine Situationsanalyse publiziert, in welcher sie zum Schluss kam, dass einer Rückkehr nach Kabul unter den in EMARK 2003 Nr. 10 erwogenen strengen  individuellen  Bedingungen grundsätzlich keine Hindernisse im Sinne von Art. 14a Abs. 4 ANAG entgegen stün- den. Das Bundesverwaltungsgericht hat keine Veranlassung, im heuti- gen Zeitpunkt von dieser Praxis abzuweichen, weshalb auf die Ausfüh- rungen im genannten Entscheid der ARK zu verweisen ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 9 E. 7.8 S. 102). 7.2.2Es stellt sich daher die Frage, ob im Falle des Beschwerdefüh- rers individuelle Gefährdungskriterien vorliegen, welche einer Rück- kehr in sein Heimatland entgegen stehen. Diesbezüglich ist festzuhal- ten, dass der Beschwerdeführer  wie aufgrund der nunmehr vorlie- genden Beweismittel erstellt ist  über kein tragfähiges Beziehungs- netz in Kabul mehr verfügt. Gemäss den widerspruchsfreien und nach- vollziehbaren Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der beiden Befragungen, welche auch mit den im Beschwerde- beziehungsweise im vorliegenden Revisionsverfahren gemachten Aussagen überein- stimmen, ergibt sich hinsichtlich seiner familiären und wirtschaftlichen Situation in Afghanistan folgender Sachverhalt: Der Beschwerdeführer ist in Kabul geboren und hat bis zu seiner Ausreise dort gelebt, wo er seinen Lebensunterhalt mit dem Betrieb eines (Geschäfts)  bis im Jahr 1998  beziehungsweise eines (Geschäfts) bestritt (vgl. A2, S. 2; A6, S. 3 und 4). Der (Geschäft)  (Name des Geschäfts) - wurde im Jahr 1998 von den Taliban geschlossen und mit dem Vorwurf, (...), amtlich versiegelt (vgl. A2, S. 5; A6, S. 3 und 6; A8: Beweismittelcouvert mit Fotografien des verriegelten [Name des Geschäfts]). Der Beschwerdeführer war gezwungen, den (Geschäft) aus wirtschaftlichen Gründen (vgl. A6, S. 4; Revisionseingabe S. 8) ebenfalls zu schliessen. Ferner gab der Beschwerdeführer im Jahr Seite 10E-5871/2007 E-8068/2007 2001 zu Protokoll, dass (präzise Angaben zu den Familienverhältnissen) (vgl. die im Beschwerdeverfahren hierzu eingereichten Beweisunterlagen). Bis auf die verheiratete Schwester reisten seine (...) Verwandten (...) im Jahr 2006 nach Tadschikistan aus. Die auf den Telefax-Kopien der tadschikischen Ausweise der  in C._______ gebürtigen (vgl. Revisionsgesuch, S. 8)  (...) angegebenen Namen und das darauf eingeschriebene Geburtsdatum des (...) entsprechen übrigens den Angaben, die der Beschwerdeführer anlässlich seiner Befragungen machte (vgl. A2, S. 1; A6, S. 3 und Beilagen zu Bundesverwaltungsgerichtsakte 7). Aus diesen Gründen ist davon auszugehen, dass der sich seit sechs Jah- ren in der Schweiz befindende Beschwerdeführer in Kabul heute we- der ein familiäres Beziehungsnetz noch eine gesicherte Wohnsituation vorfinden oder sich eine wirtschaftliche Existenz aufbauen könnte. 7.2.3Im Rahmen einer Gesamtwürdigung der genannten Aspekte ist der Vollzug der Wegweisung als unzumutbar im Sinne von Art. 14a Abs. 4 ANAG zu bezeichnen. Aus den Akten ergeben sich ferner keine Hinweise auf ein Verhalten des Beschwerdeführers, welches eine nä- here Prüfung unter dem Gesichtspunkt von Art. 14a Abs. 6 ANAG be- dingen würde. 7.3 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfü- gung Bundesrecht verletzt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist dem- nach gutzuheissen, die Verfügung des BFM vom 13. Februar 2003 teil- weise  soweit die Dispositiv-Ziffern 4 und 5 betreffend  aufzuheben und das BFM anzuweisen, den Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln. Seite 11E-5871/2007 E-8068/2007 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind für das Revisionsverfah- ren keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 i.V.m. Art. 68 Abs. 2 VwVG). 8.2 Mit Urteil vom 9. Juli 2007 wurden dem Beschwerdeführer für das Beschwerdeverfahren Fr. 600.- auferlegt, welche vom Beschwerderfüh- rer am 20. August 2007 entrichtet worden sind. Für das  lediglich im Wegweisungsvollzugspunkt  wieder aufgenommene Beschwerdever- fahren sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen sind die Kosten für den Rest  Asylpunkt des Beschwerdeverfahrens  in der Höhe von Fr. 300.- zu belassen und mit dem bereits einbezahl- ten Betrag von 600.-- zu verrechnen. Dem Beschwerdeführer sind so- mit vom Bundesverwaltungsgericht Fr. 300.-- zurückzuerstatten. 8.3 Dem Beschwerdeführer ist sodann gestützt auf Art. 64 Abs. 1 VwVG (i.V.m. Art. 68 Abs. 2 VwVG) sowie Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V. m. Art. 7 Abs.1 des Reglements vom 11. Dezember 2006 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm erwachsenen notwendi- gen Kosten sowohl im Revisions- als auch im Beschwerdeverfahren zuzusprechen. Gestützt auf die als angemessen zu erachtende Kos- tennote seiner Rechtsvertreterin in der Revisionssache vom 18. Okto- ber 2007 ist die vom Bundesverwaltungsgericht im Revisionsverfahren auszurichtende Parteientschädigung auf Fr. 1'164.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Dem im Beschwerdeverfahren von ei- nem anderen Rechtsvertreter vertretenen Beschwerdeführer ist ange- sichts seines  im Vollzugspunkt  teilweisen Obsiegens auch dafür eine um die Hälfte reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen. Für das Beschwerdeverfahren liegt zwar seitens des damaligen Rechtsver- treters des Beschwerdeführers keine Kostennote vor; nachdem sich je- doch der Aufwand aufgrund der Akten zuverlässig abschätzen lässt, ist die vom BFM für das wiederaufgenommene Beschwerdeverfahren an- teilmässig zu entrichtende Parteientschädigung von Amtes wegen auf Fr. 400.-- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) Seite 12E-5871/2007 E-8068/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Revisionsgesuch wird gutgeheissen. Das Urteil des Bundesver- waltungsgericht vom 9. Juli 2007 wird aufgehoben und das Beschwer- deverfahren wird  soweit die Frage der Durchführbarkeit des Wegwei- sungsvollzuges betreffend  wieder aufgenommen. 2. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung des BFM vom 13. Februar 2003 wird teilweise  soweit die Dispositiv-Ziffern 4 und 5 betreffend  aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, den Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln. 3. Im Revisionsverfahren werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Die im Beschwerdeverfahren erhobenen Kosten von Fr. 600.- (vgl. Endurteil vom 9. Juli 2007) werden zur Hälfte, d.h. in der Höhe von Fr. 300.--, vom Bundesverwaltungsgericht zurückerstattet. 5. Dem Beschwerdeführer wird für das Revisionsverfahren vom Bundes- verwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1'164.-- entrich- tet. 6. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das wieder auf- genommene Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine anteilmässige Parteientschädigung von Fr. 400.-- zu entrichten. 7. Dieses Urteil geht an: - die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beila- ge: Formular Zahladresse zum Ausfüllen und Retournieren; 2 Foto- grafien) - die Vorinstanz (per Kurier) mit den Akten N _______ (unter Hinweis auf Ziffer 2 und 6 des Dispositivs), in Kopie Seite 13E-5871/2007 E-8068/2007 - (Kanton) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Muriel Beck Kadima Versand: Seite 14