Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 2. Juni 2014 (460 14 4) ____________________________________________________________________ Strafrecht Gewerbsmässiger Diebstahl etc. Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richterin Helena Hess (Ref.) , Richter Peter Tobler; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Hauptabteilung Laufen, Rennimattstrasse 77, Postfach, 4242 Laufen, Anklagebehörde und Berufungsklägerin A.____ , Privatklägerin B.____ , Privatklägerin C.____ , Privatklägerin D.____ , Privatkläger gegen E.____ , vertreten durch Rechtsanwalt Heinz Ottiger, Denkmalstrasse 2, 6000 Luzern 6, Beschuldigte Gegenstand gewerbsmässiger Diebstahl etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-L andschaft vom 8. Januar 2014 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil vom 8. Januar 2014 erklärte die Dreierk ammer des Strafgerichts Basel- Landschaft E.____ des gewerbsmässigen Diebstahls, d er geringfügigen Sachbeschädigung, der Verwendung von gefälschten Ausweisen, der mehrf achen Entwendung von Kontrollschil- dern, des Führens eines Motorfahrzeuges ohne Führer ausweis, der mehrfachen missbräuchlichen Verwendung von Kontrollschildern sowie des Führens eines Motorfahrzeuges in nicht vorschriftsgemässem Zustand schuldig und verurteilte sie zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 2 Jahren, unter Anrechnung der seit dem 23. Juni 2013 bis zum 22. Oktober 2013 ausgestandenen Untersuchungshaft von 121 Tagen , bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 150. ‒ (Ziff. 1 des Urteilsdispositivs). Von den Vorwürfe n des bandenmässigen Diebstahls, der Sachbeschädigung, de s Hausfriedensbruchs und des Dieb- stahls zum Nachteil von A.____ (Anklage Ziff. 3), d es Hausfriedensbruchs zum Nachteil des C.____ (Anklage Ziff. 6) sowie des mehrfachen Gebra uchs gefälschter Ausweise wurde sie freigesprochen (Ziff. 2). Überdies wurde in Ziff. 3 des Urteilsdispositivs festgestellt, dass sich E.____ seit dem 22. Oktober 2013 im vorzeitigen Strafvollzug befindet. Hinsichtlich der Entscheide bezüglich des Beschlagn ahmeguts, der Zivilforderungen sowie der Kosten kann an dieser Stelle auf die Ziff. 4–7 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs verwiesen werden. B. Gegen dieses Urteil hat die Staatsanwaltschaft Bas el-Landschaft, Hauptabteilung Laufen, am 8. Januar 2014 die Berufung angemeldet. Mit Beru fungserklärung vom 3. Mai 2012 bean- tragte sie: "1. Es sei die Beschuldigte zusätzlich zu den gefällten Schuldsprüchen schuldig zu erklären: - in Ziff. 3 der Anklage des Diebstahls, der Sachbesc hädigung und des Haus- friedensbruchs - sowie des Vorwurfs des bandenmässigen Diebstahls in den Anklageziffern 1– 6. 2. Es sei die Beschuldigte zu einer unbedingten Freihe itsstrafe zu verurteilen, wobei das Strafmass angemessen zu erhöhen sei.“ Zudem stellte die Staatsanwaltschaft folgende Beweisanträge: "1. Betreffend Anklage Ziff. 3: Es sei beim Institut für Rechtsmedizin ein Gutachte n mit Beweiswertberechnung (unter Berücksichtigung naher Verwandter als Spuren geber und der Fremdüber- tragung von DNA-Spuren) in Auftrag zu geben (evtl. es sei die Staatsanwaltschaft mit Einholung eines entsprechenden Gutachtens zu beauftragen). 2. Betreffend Anklage Ziff. 3: Evtl. sei ein Sachverst ändiger des lRM zur Erläuterung des Gutachtens vorzuladen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Es seien die Einvernahmeprotokolle von F.____ vom 2 3. Juni 2013 und vom 28. Juni 2013, 14.07 Uhr ergänzend zu den Akten zu nehmen (beigelegt).“ C. Demgegenüber stellte die Beschuldigte in ihrer Ber ufungsantwort vom 21. April 2014 folgende Rechtsbegehren: "1. Die Berufung sei abzuweisen. 2. Das Urteil des Strafgerichtes vom 8. Januar 2014 i. S. der Parteien sei vollumfäng- lich zu bestätigen. 3. Die Beweisanträge der Staatsanwaltschaft vom 3. Mär z 2014, Ziffern 1 und 2 be- treffend Einholung eines weiteren Gutachtens bzw. E inladung zur Erläuterung des Gutachtens seien abzuweisen. 4. Der Beweisantrag der Staatsanwaltschaft vom 3. März 2014, Ziff. 3, auf Beizug der Einvernahmeprotokolle von F.____ sei gutzuheiss en, soweit er nicht gegen- standslos ist im Sinne der nachfolgenden Begründung. 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen mit der Hauptsache zu Lasten des Staa- tes.“ D. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügun gen der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts betrifft, wurde mit Verfügung vom 1 . April 2014 festgestellt, dass die Privatklä- gerschaft und die Beschuldigte weder Antrag auf Nic hteintreten gestellt noch Anschlussberufung erklärt haben. Mit Verfügung vom 24. April 2014 wurde der Beweisantrag der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabtei lung Laufen, betreffend die Erstellung ei- nes Gutachtens zur DNA-Spur unter der Bedingung, da ss dieses Gutachten bis spätestens 28. Mai 2014 dem Gericht vorliegt, gutgeheissen. Di e Staatsanwaltschaft wurde ersucht, ein entsprechendes Gutachten unter Mitwirkung der Verteidigung beim Institut für Rechtsmedizin in Basel (IRM) in Auftrag zu geben. Der Beweisantrag d er Staatsanwaltschaft bezüglich der Vor- ladung eines Sachverständigen des lRM an die kanton sgerichtliche Hauptverhandlung wurde demgegenüber gestützt auf Art. 139 Abs. 2 StPO abge wiesen. Mit Eingabe vom 26. Mai 2014 reichte die Staatsanwaltschaft das Gutachten des IRM zu den Akten. E. Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Kanton sgericht, Abteilung Strafrecht, er- scheinen die Beschuldigte mit ihrem Verteidiger Rec htsanwalt Heinz Ottiger, G.____ als Vertreter der Staatsanwaltschaft sowie H.____ als D olmetscherin für Spanisch. Sowohl die Be- schuldigte als auch die Staatsanwaltschaft halten a n den bereits schriftlich gestellten Anträgen fest. Auf die Aussagen der zur Sache und zur Person befragten Beschuldigten sowie auf die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Parteivorträge der Staatsanwaltschaft sowie des Ver teidigers wird, soweit erforderlich, nachfol- gend in den Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. Formelles 1. Zuständigkeit und Eintreten 1.1 Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinsta nzlicher Gerichte, mit denen das Verfah- ren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (A rt. 398 Abs. 1 StPO). Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 8. Januar 2014 ist demgemäss mit Berufung anfechtbar. Die Zuständigkeit der Dreierkammer der Abteilung St rafrecht des Kantonsgerichts zur Beurtei- lung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einführungsgesetzes vo m 12. März 2009 zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO; SGS 250). Die Legitim ation der Staatsanwaltschaft zur Ergrei- fung des Rechtsmittels wird in Art. 381 Abs. 1 StPO normiert. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungs gericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Es kann zugunsten der be schuldigten Person auch nicht ange- fochtene Punkte überprüfen, um gesetzwidrige oder u nbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 StPO). Die Kognition des Berufungs gerichts ist gemäss Art. 398 Abs. 2 StPO weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht eingeschränkt (vgl. L UZIUS EUGSTER , Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 398 N 1). Gemäss Art. 39 8 Abs. 3 lit. a StPO können Rechtsver- letzungen, einschliesslich Überschreitung und Missb rauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, gerügt we rden. Lit. b sieht die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts und l it. c schliesslich die Unangemessenheit als Berufungsgrund vor. Zunächst ist die Berufung dem e rstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlic h anzumelden und danach dem Berufungsge- richt innert 20 Tagen seit der Zustellung des begrü ndeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen (Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO). 1.2 Vorliegend hat die Staatsanwaltschaft am Urteilst ag und somit fristgerecht gegen das Urteil des Strafgerichts vom 8. Januar 2014 die Ber ufung angemeldet. Das vorinstanzliche Ur- teil wurde ihr in der Folge am 18. Februar 2014 sch riftlich begründet mitgeteilt, woraufhin sie mittels Eingabe vom 3. März 2014 die Berufungserklä rung beim Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, einreichte. Die Berufung ist somit rech tzeitig und formgerecht erhoben worden (vgl. Art. 399 Abs. 3 StPO). Das angefochtene Urteil stel lt ein taugliches Anfechtungsobjekt dar, die von der Staatsanwaltschaft erhobene Rüge ist zuläss ig und sie ist ihrer Erklärungspflicht nach- gekommen, weshalb auf die Berufung einzutreten ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Gegenstand der Berufung Die Berufung der Staatsanwaltschaft richtet sich gegen die Freisprüche hinsichtlich der Vorwür- fe des Diebstahls, der Sachbeschädigung und des Hau sfriedensbruchs gemäss Ziff. 3 der Anklageschrift sowie gegen den Freispruch vom Vorwu rf des bandenmässigen Diebstahls in den Anklageziffern 1–6. Zudem wendet sich die Staat sanwaltschaft gegen die Strafzumessung, wobei die Strafart der Freiheitsstrafe unbestritten ist. Nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens bilden dem nach die vorinstanzlichen Schuldsprü- che hinsichtlich des gewerbsmässigen Diebstahls (so weit nicht die Frage des Qualifikationsmerkmals der Bandenmässigkeit themati siert wird), der geringfügigen Sachbe- schädigung sowie betreffend die SVG–Delikte (Verwen dung von gefälschten Ausweisen, mehrfache Entwendung von Kontrollschildern, Führen eines Motorfahrzeuges ohne Füh- rerausweis, mehrfache missbräuchliche Verwendung vo n Kontrollschildern sowie Führen eines Motorfahrzeuges in nicht vorschriftsgemässem Zustan d). Zudem nicht im Berufungsverfahren zu behandeln sind die ergangenen Freisprüche hinsichtlich des Hausfriedensbruchs zum Nach- teil des C.____ (Anklage Ziff. 6) und der mehrfache n Begehung betreffend Verwendung von gefälschten Ausweisen. Dasselbe gilt für die vorins tanzlichen Entscheide betreffend das Be- schlagnahmegut (Ziff. 4), die Zivilforderungen (Zif f. 5), die Höhe der Verfahrenskosten (Ziff. 6) sowie betreffend das Honorar des amtlichen Verteidigers (vgl. Ziff. 7). II. Materielles 1. Allgemeines Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 8 2 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des i n Frage stehenden Sachverhalts auf die Be- gründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dies er beipflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente ei nzugehen, die erst im Rechtsmittelverfah- ren vorgetragen werden (D ANIELA BRÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2010, Art. 82 N 9). Im Sinne einer einleitenden Bemerkung ist auf den Grundsatz der freien Beweiswürdigung hinzuweisen, der in Art. 10 Abs. 2 StPO gesetzlich verankert ist. Danach würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfa hren gewonnenen Überzeugung. Weder die Anzahl noch die Art der Beweismittel ist massge bend, sondern allein deren Stichhaltigkeit. Es besteht keine Rangfolge der Beweise (C HRISTOF RIEDO /G ERHARD FIOLKA /M ARCEL ALEXANDER NIGGLI , Strafprozessrecht sowie Rechtshilfe in Strafsachen, 2011, S. 37 N 234). 2. Ziff. 3 der Anklageschrift: Diebstahl, Sachbes chädigung und Hausfriedensbruch, begangen am 27./28. April 2013 in M.____ 2.1 Tatsächliches 2.1.1 Die Vorinstanz erwog bezüglich Ziff. 3 der Anklages chrift im Wesentlichen, die Beschul- digte habe konstant bestritten, etwas mit dem ihr v orgeworfenen Einbruchsdiebstahl zum Nachteil von A.____ zu tun gehabt zu haben. Als Bew eis für die Täterschaft der Beschuldigten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht führe die Anklage einzig eine DNA-Spur an, welche s ie ihr zuordne. Die an der Einbruchsstelle an der Aussenseite des Esszimmerfensters gesicherte DNA-Spur habe zwar eine „Person- Spur-Übereinstimmung“ mit der Beschuldigten, jedoch halte der kriminaltechnische Bericht der Polizei Basel-Landschaft vom 15. Juli 2013 einschrä nkend fest, dass die Beschuldigte als Spu- rengeberin in Frage komme, wenn kein eineiiger Zwil ling oder ein genetisch naher Verwandter (Geschwister) als Spurengeber berücksichtigt werden müsse. Der Beweiswert sei reduziert und könne gemäss kriminaltechnischem Bericht im Bedarfsfall durch das zuständige IRM berechnet werden. Es bestehe vorliegend zwar hinsichtlich der Beschuldigten ein gewisser Verdacht, auf- grund des reduzierten Beweiswerts der Person-Spur-Ü bereinstimmung, da weitere Personen als Spurengeber in Frage kämen sowie aufgrund der ü brigen Umstände (mögliche Drittantra- gung, Aussageverhalten, Tatvorgehen, örtliche und z eitliche Distanz zu den übrigen Delikten) lasse sich dieser indessen nicht rechtsgenüglich er härten. Somit bestünden erhebliche Zweifel an der Täterschaft der Beschuldigten, weswegen sie in diesem Anklagepunkt vom Vorwurf der Sachbeschädigung, des Hausfriedensbruchs und des Diebstahls freizusprechen sei. 2.1.2 Die Staatsanwaltschaft ihrerseits stellt sich zusam mengefasst auf den Standpunkt, die Erkenntnisse des im Berufungsverfahren eingeholten IRM-Gutachtens vom 21. Mai 2014 lies- sen nunmehr keine vernünftigen Zweifel zu, dass die am Tatort abgenommene DNA-Spur von der Beschuldigten selbst stamme. Es stelle sich höchstens die Frage einer Drittantragung, doch wäre bei einer solchen Konstellation gemäss Gutacht en ein Mischpersonen-Profil – und nicht wie vorliegend ein 1-Personen-Profil – zu erwarten gewesen (vgl. Protokoll der kantonsgerichtli- chen Hauptverhandlung [fortan Prot.] S. 8). 2.1.3 Dem hält die Verteidigung anlässlich der kantonsger ichtlichen Hauptverhandlung im Wesentlichen entgegen, das Thema der Drittantragung bleibe durch das Gutachten offen. Des Weiteren werde die Frage, ob I.____ Handschuhe der Beschuldigten getragen habe, im Gut- achten nicht beantwortet. Das Gutachten komme zum S chluss, dass eine Übertragung bei einem guten DNA-Spurenleger möglich sei. Zudem halte das Gutachten fest, dass eine Drittan- bringung generell nicht mit Sicherheit nachweisbar sei. Daher seien insgesamt gewichtige Zweifel bezüglich der Täterschaft der Beschuldigten vorhanden. Überdies leuchte nicht ein, weshalb die Beschuldigte diesen Tatvorwurf, der ang esichts der gesamten Schadenssumme nicht stark ins Gewicht falle, derart vehement best reiten sollte, nachdem sie bezüglich der übri- gen Vorhalte vollkommen geständig sei (vgl. Prot. S. 10). 2.1.4 Wie bereits im Vorverfahren und vor Strafgericht be streitet die Beschuldigte anlässlich der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, etwas mit dem ihr vorgeworfe- nen Einbruchsdiebstahl zum Nachteil von A.____ zu tun gehabt zu haben (Prot. S. 7). Das im Berufungsverfahren eingeholte IRM-Gutachten vom 21. Mai 2014 kommt zusammenge- fasst zum Schluss, das Resultat der DNA-Analyse sei über 10 Milliarden Mal wahrscheinlicher, wenn die Beschuldigte als Spurengeberin angenommen werde, als wenn die Spurengeberin ei- ne unbekannte, unverwandte Person wäre. Demnach kön ne eine mit der Beschuldigten nicht verwandte Person als Spurengeberin ausgeschlossen w erden. Zusätzlich wurden weitere Ver- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht wandte in die biostatistischen Berechnungen bezügli ch der Spurengeberschaft der zu untersu- chenden Spur miteinbezogen. Diesbezüglich hält das Gutachten fest, dass das Resultat der DNA-Analyse mindestens mehrere Millionen Mal wahrsc heinlicher sei, wenn die Beschuldigte die Spurengeberin sei, als wenn die Spurengeberin e ine mit der Beschuldigten verwandte Per- son wäre. Im Einzelnen wird vom IRM eine sog. Likel ihood Ratio bei einem Elternteil oder Kind von 7455 Billionen, bei einem Vollgeschwister von 6 1.9 Millionen, bei einem Halbgeschwister von 2.817 Trillionen, bei Cousinen 1. Grades von 2. 899 Trilliarden sowie bei Cousinen 2. Gra- des von 4.124 Quadrillionen errechnet. Aufgrund die ses Ergebnisses hegt die strafrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts keine Zweifel, dass d ie am Tatort gefundene DNA-Spur von der Beschuldigten stammt. Hinsichtlich der Frage, ob die DNA-Spur allenfalls übertragen worden sein könnte, führt das Gutachten aus, das Vorliegen eines 1-Personen-Profils könne als ein Hinweis des direkten Kon- taktes der Beschuldigten mit dem Spurenträger bewer tet werden. Eine Übertragung von DNA im direkten oder indirekten Kontakt sei zwar theore tisch immer möglich, die diskutierten Spu- renbefunde machten jedoch die von der Verteidigung geschilderten Übertragungsmöglichkeiten eher unplausibel. I.____ wird von der Beschuldigten als 1.80 m gross, ca. 100 kg schwer und ziemlich muskulös beschrieben (vgl. Prot. S. 5). Au fgrund dieser Physionomie ist nicht anzu- nehmen, dass er dieselben Handschuhe wie die Beschu ldigte verwendet hätte. Auch die anderen theoretisch denkbaren Szenarien einer Dritt anbringung erscheinen dem Gericht als äusserst unwahrscheinlich. Gesamthaft sind die Erge bnisse des IRM-Gutachtens als starkes Indiz für die Täterschaft der Beschuldigten zu werten. 2.1.5 Hinzu kommen weitere Umstände, die für die Tätersch aft der Beschuldigten sprechen. So wurden im Kofferraum des von der Beschuldigten a m 23. Juni 2013 geführten Personenwa- gens unter anderem Schlossöffnungsutensilien gefund en (act. 221). Diese sind als klares Indiz dafür zu werten, dass die Beschuldigte nebst den vo n ihr zugestandenen Fahrzeugdiebstählen auch andere Deliktsvarianten, namentlich Einbruchdi ebstähle, begangen hat. Zudem finden sich in den Akten Meldungen von Interpol Zagreb (ac t. 25.25 f.) sowie Interpol Madrid (act. 25.29 f.) aus denen hervorgeht, dass gegen die Besc huldigte wegen Fahrzeugdiebstahls und wegen Urkundenfälschung bzw. Urkundenfälschung und Raubes ermittelt wurde. Des Weiteren gilt es zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte t otalgefälschte Ausweise auf sich trug und in den Interpol-Datenbanken unter insgesamt vier weiteren Personalien bekannt war (J.____, geb. 16.02.1981, K.____, geb. 04.04.1980; K.____, geb. 0 4.07.1981; L.____, geb. 05.05.1981; act. 465.9), wobei sie zumindest drei dieser Falschperso nalien bereits vor dem mutmasslichen Zeit- punkt des Kennenlernens von I.____ verwendete. Bezüglich des Aussageverhaltens ist festzustellen, dass die Beschuldigte ihre Beteiligung an den Delikten gemäss Ziff. 3 der Anklageschrift stet s vehement zurückwies, obwohl sie sich be- züglich der anderen vorgeworfenen Straftaten gestän dig zeigte. Der ihr vorgeworfene Einbruchdiebstahl (Ziff. 3 der Anklageschrift) fäll t von der Deliktsumme her im Vergleich zu den eingestandenen Vorwürfen nur geringfügig ins Gewicht. Allerdings ist gerichtsnotorisch nicht als atypisches Aussageverhalten zu qualifizieren, wenn beschuldigte Personen einzig sämtliche Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Delikte einer bestimmten Deliktsart – wie hier Fahr zeugdiebstähle – zugestehen, demgegen- über aber eine Beteiligung an Delikten mit anderer Vorgehensweise – wie vorliegend Einbruchdiebstähle – aus taktischen Gründen konsequ ent von sich weisen. In diesem Zusam- menhang gilt es zu berücksichtigen, dass die Beschu ldigte inflagranti bei einem Fahrzeugdiebstahl angetroffen werden konnte und das Bestreiten der Beschuldigten überdies dazu dienen könnte – wie auch die Vorinstanz erwoge n hat –, die eigene Position im Verfahren zu verbessern und um die Aussage, I.____ habe sie z u den Wohnwagendiebstählen gezwun- gen, nicht zu untergraben. Abstützend auf die Feststellungen des IRM-Gutachten s, welche durch verschiedene die Be- schuldigte belastende Indizien ergänzt werden, erac htet die strafrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts den in Ziff. 3 der Anklageschrift umschriebenen Sachverhalt als erstellt. Diesen gilt es nachfolgend in rechtlicher Hinsicht zu würdigen. 2.2 Rechtliches 2.2.1 Mittäter ist, wer bei der Entschliessung, Planung o der Ausführung eines Deliktes vor- sätzlich und in massgebender Weise mit anderen Täte rn zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter dasteht. Dabei kommt es darauf an, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des konkreten Falles und dem Tatplan für die Ausfüh rung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt. Das blosse Wollen der Tat genügt zur Begründung von Mittäter- schaft jedoch nicht. Der Mittäter muss vielmehr bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung der Tat auch tatsächlich mitwirken. Dem einen Täter sind die vom anderen im Rahmen des gemeinsamen Plans verübten Taten auch da nn zuzurechnen, wenn er selber im betreffenden Ausführungsstadium nicht mehr Mitinhaber der Tatherrschaft ist, sofern eine enge, zeitliche, räumliche und sachliche Beziehung zwisch en den gemeinsam vorgenommenen Tat- handlungen und dem eingetroffenen Erfolg zu bejahen ist (BGE 108 IV 92 ff.; M ARC FORSTER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 24 N 8). Bei Mittäterschaft gibt es demnach keine Beschränkung der Haftung auf die "eigenen" kausalen Tatbeiträge. In subjektiver Hinsicht setzt Mittäterschaft Vorsatz und einen gemeinsamen Tatentschluss voraus. Der gemeinsame Tatent- schluss braucht nicht ausdrücklich zu sein, er kann auch bloss konkludent begründet werden, wobei Eventualvorsatz genügt (BGE 130 IV 58 ff.; 12 5 IV 134 ff., BGE 126 IV 84, 88; M ARC FORSTER , a.a.O., Art. 24 N 12). 2.2.2 Des Diebstahls nach Art. 139 Ziff. 1 StGB macht sich strafbar, wer jemandem eine frem- de bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern. Gemäss Art. 186 StGB m acht sich auf Antrag unter anderem strafbar, wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus, in eine Wohnung, in einen abge- schlossenen Raum eines Hauses oder in einen unmitte lbar zu einem Hause gehörenden umfriedeten Platz, Hof oder Garten oder in einen We rkplatz unrechtmässig eindringt. Umfriedet im Sinne von Art. 186 StGB bedeutet, dass solche Fl ächen umschlossen sein müssen, etwa durch Zäune oder Hecken. Massgebend ist dabei die E rkennbarkeit der Abgrenzung, nicht de- ren Lückenlosigkeit. Nach dem Gesetzeswortlaut ist ein enger Konnex zu einem Haus Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorausgesetzt, so dass z.B. eine vom Haus entfernte , eingezäunte Wiese nicht geschützt ist (vgl. VERA D ELNON /B ERNHARD RÜDY , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 186 N 16 m.w.H.). Der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB macht sich auf Antrag schuldig, wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-, Gebr auchs- oder Nutzniessungsrecht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht. Beim Einbruchdiebstahl steht die Sachbeschädigung ( Art. 144 StGB) sowie der Hausfriedens- bruch (Art. 186 StGB) in echter Konkurrenz zum Dieb stahl (Art. 139 StGB). Dies gilt jedenfalls für die Begehung des Grundtatbestandes nach Art. 13 9 Ziff. 1 StGB sowie für die Qualifikatio- nen ausser derjenigen nach Art. 139 Ziff. 3 Abs. 4 StGB, welche in casu nicht vorliegt (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI / CHRISTOF RIEDO , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 139 N 229 mit Hinweisen). 2.2.3 Die Beschuldigte reiste als Kriminaltouristin aus F rankreich zum Tatort. Gemäss dem Polizeirapport versuchte die Täterschaft zunächst e rfolglos, die Sitzplatztüre zum Wohnzimmer hin aufzubrechen. Danach begab sie sich zum Fenster des Esszimmers, welches sie mit Flachwerkzeug aufbrach und sich so Zutritt zur Lieg enschaft verschaffen konnte (act. 569 ff.). Der Fundort der DNA-Spur der Beschuldigten befand s ich an der Aussenseite des Esszimmer- fensters, direkt bei der Einbruchsstelle. Daher ist erstellt, dass die Beschuldigte bei der Ausführung des Diebstahls eine massgebliche Rolle ü bernommen hat. Sie hat in der Folge entweder das Deliktsgut selbst aus der Liegenschaft entwendet oder zumindest einen entschei- denden Tatbeitrag hierzu geleistet (vgl. hierzu die obigen Ausführungen zur Mittäterschaft, Ziff. II., 2.2.1). In jedem Fall ist ihr die Entwendung d es Diebesguts gemäss Anklageschrift in vollem Umfang zurechenbar. Indem die Beschuldigte in der Z eit zwischen dem 27. April 2013, 19.20 Uhr, und dem 28. April 2013, 1.10 Uhr, sich zur Lie genschaft N.____strasse 100 in M.____ be- gab, welche von A.____ bewohnt wird, und sie (oder ein allfälliger Mittäter) Bargeld in der Höhe von CHF 300. ‒, € 40. ‒, ein iPhone 4S sowie eine Halskette an sich nahm u nd das Haus damit verliess, hat sie den Tatbestand des einfachen Dieb stahls in objektiver Hinsicht erfüllt. Sie han- delte zudem vorsätzlich und mit Bereicherungsabsich t und ist folglich bezüglich Ziff. 3 der Anklage wegen Diebstahls schuldig zu sprechen. Bezüglich der Antragsdelikte des Hausfriedensbruchs bzw. der Sachbeschädigung liegt ein rechtsgültiger Strafantrag vor (act. 577 ff.). Die Beschuldigte drang entweder selbst oder allen- falls ihr Mittäter bzw. ihre Mittäterin in die Lieg enschaft N.____strasse 100 in M.____ ein. In jedem Falle ist der Beschuldigten das Eindringen in die betreffende Liegenschaft und somit die Verletzung des Hausrechts von A.____ über die Regel n der Mittäterschaft zurechenbar (vgl. Ziff. II., 2.2.1). Der Tatbestand des Hausfriedensbruchs ist in objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt. Des Weiteren erfüllt die Beschuldigte durc h das ihr nachgewiesene Verhalten den Tat- bestand der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB. Am Fenster bzw. an der Fenstertüre der Liegenschaft N.____strasse 100 in M .____ entstand durch das Aufwuchten ein Sachschaden in der Höhe von CHF 1'100. ‒ (act. 569 ff.). Aufgrund ihrer DNA-Spur bei der Ei n- trittsstelle steht fest, dass der Beschuldigten diese Sachbeschädigung zuzurechnen ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Durch ihr Verhalten hat sich die Beschuldigte demna ch des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 S tGB und des Hausfriedensbruchs ge- mäss Art. 186 StGB schuldig gemacht. 3. Bandenmässigkeit 3.1 Die Vorinstanz sprach die Beschuldigte von der Ankl age der bandenmässigen Tatbege- hung im Hinblick auf sämtliche Diebstähle frei. Zus ammengefasst führte sie aus, zwar spreche einiges für ein arbeitsteiliges, organisiertes Vorg ehen, angeklagt sei jedoch einzig die banden- mässige Tatbegehung mit I.____, dessen Rolle in verschiedener Hinsicht undurchsichtig bleibe. Bei allem Mitgefühl, das für Opfer von Gewalttaten entgegenzubringen sei, könne vorliegend nicht übersehen werden, dass die Beschuldigte total gefälschte Ausweise auf sich getragen ha- be und unter insgesamt vier weiteren Personalien be kannt gewesen sei. Zudem habe sie zumindest drei dieser Falschpersonalien vor dem mut masslichen Zeitpunkt des Kennenlernens von I.____, welcher ihr den Ausweis lautend auf K._ ___ besorgt haben soll, verwendet. Auf- grund der ungewissen Tatbeteiligung bzw. des ungewi ssen Tatbeitrags von I.____ könne keine Verurteilung wegen Bandenmässigkeit erfolgen (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 26 ff.) 3.2 Dem hält die Staatsanwaltschaft entgegen, die Vorin stanz widerspreche sich, wenn sie einerseits feststelle, die Rolle von I.____ bleibe völlig im Ungewissen und er könnte lediglich vorgeschoben und an den Taten unbeteiligt sein, wäh rend sie andererseits der Beschuldigten eine notstandsähnliche Situation aufgrund seiner Ge walttätigkeit zugestehe und Art. 48 lit. a Ziff. 2 StGB (schwere Bedrängnis) anwende. Aus Sich t der Staatsanwaltschaft stehe fest, dass I.____ als Anstifter nicht in Frage komme, wenn den Aussagen der Beschuldigten gefolgt wer- de. Seine einzige denkbare Rolle sei diejenige eine s Mittäters, weshalb die Voraussetzungen für einen Schuldspruch wegen Bandenmässigkeit grundsätzlich erfüllt seien. 3.3 Die Beschuldigte erachtet die Argumentation der Vor instanz als zutreffend und führt er- gänzend aus, die Staatsanwaltschaft verkenne den st rafprozessualen Grundsatz "in dubio pro reo". Der Zusammenschluss müsse überdies die Banden mitglieder stärken, was hier nicht vor- liege, da die Beschuldigte genötigt worden sei. 3.4.1 Art. 139 Ziff. 3 StGB erfasst als Qualifikation des Diebstahls die Taten, die vom Mitglied einer Bande begangen werden, die sich zur fortgeset zten Verübung von Raub oder Diebstahl zusammengefunden hat. Gemäss konstanter Rechtsprech ung des Bundesgerichts ist Banden- mässigkeit anzunehmen, wenn sich mindestens zwei Tä ter mit dem ausdrücklich oder konkludent geäusserten Willen zusammenfinden, inskü nftig zur Verübung mehrerer selbständi- ger, im Einzelnen möglicherweise noch unbestimmter Delikte zusammenzuwirken (BGE 132 IV 132, 137 m.w.H.). Stehlen als Mitglied einer Bande ist als besonders gefährlich zu qualifizieren, "weil der Zusammenschluss zur fortgesetzten Verübun g von Raub oder Diebstahl die Täter psychisch und physisch stärkt" (BGE 78 IV 233, 72 I V 113). Durch den Zusammenschluss bin- den sich die Mitglieder auch an die verbrecherischen Ziele und erschweren sich gegenseitig die Umkehr. Dabei muss der Wille der Täter auf die gemeinsame Verübung einer Mehrzahl von De- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht likten gerichtet sein. Auch das Qualifikationsmerkm al der Bande setzt gewisse Mindestansätze einer Organisation (etwa Rollen- oder Arbeitsteilung) und eine Intensität des Zusammenwirkens in einem Masse voraus, dass von einem stabilen Team gesprochen werden kann, auch wenn dieses allenfalls nur kurzlebig ist (BGE 124 IV 86, E. 2b und 286, E. 2a; 122 IV 265, E. 2b). Der erforderliche, zumindest konkludent manifestierte W ille, zusammen eine unbestimmte Zahl De- likte zu begehen, kann nicht alleine retrospektiv g estützt auf die Tatsache angenommen werden, dass Mittäter mehrere Delikte in enger örtlicher und zeitlicher Nähe auf ähnliche Weise verübten (BGer 6P.104/2004 vom 24. März 2005, E. 4). 3.4.2 I.____ ist zur Verhaftung ausgeschrieben worden und konnte in diesem Strafverfahren nicht befragt werden. Zutreffend hat die Vorinstanz erwogen, dass es zwar naheliegend aber keineswegs erwiesen sei, dass die zahlreichen Hämatome der Beschuldigten, entsprechend ih- ren Aussagen bzw. derjenigen ihrer Mittäterinnen, von I.____ verursacht worden seien. Es kann nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass jema nd anderes als I.____ der Beschuldigten diese Verletzungen zugefügt hat. Selbst wenn hinsic htlich der Schläge ein Nachweis bezüglich einer Täterschaft von I.____ vorläge, bliebe immer noch völlig offen, ob die Verletzungen im Rahmen häuslicher Gewalt oder im Rahmen der Druckau sübung zur Begehung von Diebstäh- len erfolgten. I.____ könnte aber auch durchaus led iglich vorgeschoben und überhaupt unbeteiligt sein und seine Belastung durch die Besc huldigte könnte in erster Linie das Ziel der eigenen Entlastung haben. Aus den Verfahrensakten lassen sich keine konkreten Informationen bezüglich der Person von I.____ entnehmen. Strafrechtlich relevante Vorgänge von diesem im Ausland sind nicht akten- kundig. Über die ganze mögliche Organisationsstrukt ur um I.____ ist demnach nichts nachgewiesen. Für die jeweiligen einzelnen Schuldsp rüche, für welche die Beschuldigte heute zu verurteilen ist, bestehen somit keine substanzie llen Anhaltspunkte für eine irgendwie gearte- te konkrete Tatbeteiligung von I.____. Bei dieser A ktenlage fehlt es an einem nachgewiesenen effektiven Beitrag von I.____ bezüglich der einzeln en Diebstähle. Der Nachweis derartiger Handlungen bei der Vorbereitung bzw. Ausführung der Tat wäre indes zur Bejahung der Ban- denmässigkeit unerlässlich, weswegen in casu nicht von einem Begehen von Diebstählen durch die Beschuldigte in Erfüllung einer ihr von einer B ande übertragenen Aufgabe ausgegangen werden kann. Ein Zusammenschluss zur fortgesetzten Verübung von Diebstählen zwischen I.____ und der Beschuldigten ist demzufolge nicht a ls bewiesen, weswegen das Vorliegen des Qualifikationsmerkmals der Bandenmässigkeit zu vern einen und das Urteil der Vorinstanz in diesem Punkt nicht zu beanstanden ist. 4. Fazit Zusammenfassend ist die Beschuldigte in teilweiser Gutheissung der Berufung der Staatsan- waltschaft zusätzlich zu den Schuldsprüchen der Vor instanz wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs bezüglich Ziff. 3 der Anklageschrift zu verurteilen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht III. Strafzumessung 1. Die Berufung der Staatsanwaltschaft bezieht sich zu guter Letzt auf die Bemessung der Strafe. Die Berufungsklägerin bringt diesbezüglich vor, insbesondere angesichts der zusätzli- chen beantragten Schuldsprüche sei die Freiheitsstrafe angemessenen zu erhöhen. Zu Unrecht habe das Strafgericht festgehalten, dass Interpol-M eldungen im Rahmen der Prognose nicht berücksichtigt werden dürften. Eine von der Beschul digten selbst zugestandene Vorstrafe sei nur soweit hinterfragt worden, dass ihr diese nicht mehr zur Last gelegt worden sei. Das Um- feld, in welches die Beschuldigte nach ihrer Entlas sung zurückkehren und welches ihre Prognose offensichtlich nicht verbessern werde, sei von der Vorinstanz ausgeblendet worden. Selbst das professionelle Vorgehen bei der Deliktsbegehung sei nicht als Indiz für eine ungüns- tige Prognose hinzugezogen worden. Aus Sicht der St aatsanwaltschaft seien sämtliche ungünstigen Faktoren ausgeblendet worden. Hätte die Vorinstanz diese Faktoren korrekt be- rücksichtigt, wäre sie zu einer ungünstigen Prognose gelangt. 2. Demgegenüber stellt sich die Verteidigung auf den S tandpunkt, die Strafzumessung der Vorinstanz sei korrekt vorgenommen worden und demna ch zu bestätigen. Eine Haft könne durchaus eine Gelegenheit zur Läuterung darstellen. Die Beschuldigte wolle definitiv nicht mehr zu I.____ zurückkehren und habe ein Anrecht auf ein e neue Chance. Die Staatsanwaltschaft nehme mit ihren Ausführungen zum Umfeld, in welches die Beschuldigte nach ihrer Entlassung zurückkehren werde, eine unzulässige Stigmatisierung von Fahrenden vor. 3. Die Berufungsinstanz fällt ein neues Urteil (vgl. A rt. 408 StPO) und hat die Strafe nach ihrem eigenen Ermessen festzusetzen. Unter dem Vorbehalt des Verbots der "reformatio in pei- us" muss sie sich nicht daran orientieren, wie die erste Instanz die einzelnen Strafzumessungsfaktoren gewichtet (vgl. BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014, E. 6.2). 4. Vorab ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die S trafe prinzipiell richtig und korrekt be- messen hat. So wurde auf sämtliche relevanten Krite rien (vgl. Art. 47 StGB) massgeblich und ausreichend eingegangen. Namentlich wurden Verschulden, Vorleben, persönliche Verhältnisse und die Wirkung der Strafe auf das Leben der Beschuldigten berücksichtigt. Die von der Vo- rinstanz im Einzelnen korrekt dargelegten Zumessungskriterien (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 32 ff.) werden im Folgenden gleichermassen von der str afrechtlichen Abteilung des Kantonsge- richts bei der Festlegung der angemessenen Strafe berücksichtigt. 5.1 Wie sich aus den obigen Erwägungen ergibt, hat si ch die Beschuldigte des gewerbs- mässigen Diebstahls, der mehrfachen, teilweise geri ngfügigen Sachbeschädigung, des Hausfriedensbruchs, der Verwendung von gefälschten Ausweisen, der mehrfachen Entwen- dung von Kontrollschildern, des Führens eines Motor fahrzeuges ohne Führerausweis, der mehrfachen missbräuchlichen Verwendung von Kontrollschildern und des Führens eines Motor- fahrzeuges in nicht vorschriftsgemässem Zustand sch uldig gemacht. Im Vergleich mit dem Urteil der Vorinstanz kommen die Schuldspr üche wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs bezüglich der Ziff. 3 der Anklageschrift hinzu. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Die Vorinstanz ging zutreffend vom gewerbsmässige n Diebstahl als schwerste Straftat aus (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 35). Bei den St rafschärfungsgründen ist derjenige der De- liktsmehrheit gemäss Art. 49 StGB zu berücksichtige n. Gemäss aktueller Bundesgerichtspraxis führen Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe indessen nicht zu einer automatischen Er- weiterung des Strafrahmens. Der ordentliche Strafra hmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für di e betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55, E. 5.8). Das ist vorliegend nicht der Fall. Für die auszufällende Strafe ist deshalb vom Strafrahmen des gewerbsmässigen Dieb- stahls auszugehen, welcher eine Freiheitsstrafe von höchstens 10 Jahren vorsieht. Die Gewerbsmässigkeit fasst die einzelnen Delikte des D iebstahls zu einer rechtlichen Einheit zu- sammen (BGE 123 IV 113, 117). Das Asperationsprinzi p nach Art. 49 StGB ist insoweit bezüglich der einzelnen Diebstähle unanwendbar (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 139 N 13). 5.3 Hinsichtlich der objektiven Tatschwere gilt es bei der Einsatzstrafe des gewerbsmässi- gen Diebstahls das Doppelverwertungsverbot zu beachten. Umstände, die schon Merkmale des gesetzlichen Tatbestandes sind, dürfen nicht für di e konkrete Strafzumessungsentscheidung innerhalb des anzuwendenden gesetzlichen Strafrahme ns berücksichtigt werden – weder zu Lasten noch zu Gunsten des Täters. Denn die Tatbest andserfüllung als solche hat sich bereits im Eröffnen des gesetzlichen Strafrahmens niederges chlagen und ist in ihrer Bedeutung für die Strafmassfindung insoweit verbraucht, sonst würde d em Täter der gleiche Umstand zwei Mal zur Last gelegt oder zu Gute gehalten. Der Richter ist aber nicht gehindert zu berücksichtigen, in welchem Ausmass ein qualifizierender oder privil egierender Tatumstand gegeben ist (vgl. HANS WIPRÄCHTIGER /S TEFAN KELLER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 47 N 1 02 samt Verweisen). Dies berücksichtigend ist festzuha lten, dass der qualifizierende Tatumstand der Gewerbsmässigkeit aufgrund des Vorgehens (Ausku ndschaften, gezielte Bestimmung der einzelnen Wohnwagen sowie koordiniertes Zusammenwir ken von mehreren Täterinnen) sowie der Deliktssumme von über CHF 221'900. ‒ im Vergleich zu andern gewerbsmässigen Dieb- stählen in eher ausgeprägtem Ausmass vorliegt. Hierbei wertet die strafrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts den Deliktsbetrag stärker zu Lasten der Beschuldigten als das Strafgericht. Im Unterschied zur Vorinstanz wird zudem straferhöhend berücksichtigt, dass die Beschuldigte als sogenannte "Kriminaltouristin" ausschliesslich zum Zwecke der Begehung von Einbruchdieb- stählen in die Schweiz eingereist ist, um nach der Tatbegehung möglichst schnell und unbemerkt wieder nach Frankreich zurückzukehren (vg l. BGer 6B_510/2013 vom 3. März 2014). Im Vergleich zur Strafzumessung der Vorinstanz gilt es im Rahmen der Bestimmung der objek- tiven Tatschwere des gewerbsmässigen Diebstahls den hinzutretenden Diebstahl gemäss Ziff. 3 der Anklageschrift miteinzubeziehen. Im Sinne einer grundsätzlichen Festlegung hält das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, dafür, dass b ei der Strafzumessung im Kontext mit Ein- bruchdiebstählen jeweils zwingend straferhöhend ver anschlagt werden muss, wenn die Täterschaft in Wohnliegenschaften eindringt (vgl. BGer 6B_510/2013 vom 3. März 2014, E. 4.4; KGer 460 12 108 vom 25. September 2012, E. III. 3.1 ). Vorliegend gilt es demnach im Rahmen Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht des gewerbsmässigen Diebstahls sowohl den zusätzlic hen Diebstahl gemäss Ziff. 3 der Ankla- geschrift als auch den Umstand, dass hierbei in ein e Privatliegenschaft eingebrochen wurde, straferhöhend zu berücksichtigen. 5.4 In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des su bjektiven Tatverschuldens für den gewerbsmässigen Diebstahl vorzunehmen. Es stellt sich somit die Frage, wie der Beschuldigten die objektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen is t. Dabei spielen grundsätzlich das Motiv und weitere subjektive Verschuldenskomponenten eine Rolle. Egoistische bzw. verwerfliche Beweggründe, ein Handeln aus eigenem Antrieb etc. w irken verschuldenserhöhend, während beispielsweise ein Handeln mit Eventualvorsatz (sta tt direktem Vorsatz), eine verminderte Schuldfähigkeit, ein unvollendeter Versuch oder die in Art. 48 StGB genannten Strafmilde- rungsgründe verschuldensmindernd zu gewichten sind (vgl. H ANS MATHYS in SJZ 100/2004 S. 173 ff., S. 181). Die Vorinstanz hat erwogen, die Beschuldigte habe i n einer grossen seelischen Belastung im Sinne von Art. 48 lit. a Ziff. 2 StGB gehandelt. Al s Strafmilderung wird in der Regel die Herab- setzung der Strafe auf ein Mass unterhalb des unter en Rahmens der Strafdrohung bezeichnet, Strafminderung bezeichnet dagegen die Herabsetzung des Strafmasses innerhalb des ordentli- chen Strafrahmens. Der Richter kann Milderungsgründ en auch im Rahmen von Art. 47 StGB Rechnung tragen (BGE 106 IV 391, S TEFAN TRECHSEL /H EIDI AFFOLTER -EIJSTEN , Schweizeri- sches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 20 13, Art. 48 N 3). Die bundesgerichtliche Rechtsprechung stellt hohe Anforderungen an den Str afmilderungsgrund des Handelns in schwerer Bedrängnis. In der Literatur wird dies beg rüsst, da sich viele Täter bei Begehung der strafbaren Handlung in irgendeiner Bedrängnis befin den und zudem die Strafzumessung inner- halb des ordentlichen Strafrahmens die Regel und ei ne Strafmilderung nach Art. 48 StGB die Ausnahme darstellen soll. Nur wenn Abhilfe – im Sinne einer Alternative zur Delinquenz – nicht möglich war, ist die Strafmilderung wegen schwerer Bedrängnis zulässig, was aber selten der Fall sein dürfte (H ANS WIPRÄCHTIGER /S TEFAN KELLER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 48 N 15 mit Hinweisen; S TEFAN TRECHSEL /H EIDI AFFOLTER -EIJSTEN , Schweizerisches Straf- gesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 48 N 11). Zudem ist der Strafmilderungsgrund der schweren Bedrängnis nicht schon dann anzunehmen , wenn eine der Voraussetzungen ge- mäss Art. 48 lit. a Ziff. 2 StGB vorliegt, sondern erst, wenn sich darüber hinaus die mildere Strafe gemäss Art. 48a StGB rechtfertigt (H ANS WIPRÄCHTIGER /S TEFAN KELLER , a.a.O., Art. 48 N 14 mit Hinweisen). Vorliegend ist davon auszugehe n, dass die Beschuldigte durchaus hätte anders handeln können, als die ihr vorgeworfenen De likte zu begehen, zumal die effektive Tat- ausführung jeweils alleine in ihren und den Händen ihrer Mittäterinnen lag. Aufgrund der Aussagen der Beschuldigten ist unklar geblieben, we swegen sie sich nicht zu einem früheren Zeitpunkt von I.____ getrennt hat. Statt der fortge setzten Delinquenz hätte die Beschuldigte wohl bereits damals die Möglichkeit gehabt, die anl ässlich der kantonsgerichtlichen Hauptver- handlung geschilderten Zukunftspläne in Italien bei ihrer Schwester mit ihren Kindern (vgl. hierzu Prot. S. 3 f.) zu verwirklichen. Abweichend von der Vorinstanz liegt somit kein Strafmilde- rungsgrund gemäss Art. 48 lit. a Ziff. 2 StGB vor. Die persönliche Situation, in welcher sich die Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschuldigte befunden hat, gilt es jedoch nachfolge nd im Rahmen der Täterkomponente zu würdigen. 5.5 Hinsichtlich der Täterkomponente hat das Strafgeric ht das Vorleben und die persönli- chen Verhältnisse der Beschuldigten im Strafurteil (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 33 f.) bis zum Urteilszeitpunkt zutreffend dargelegt und gewürdigt , worauf an dieser Stelle grundsätzlich zu verweisen ist. Im Rahmen der Täterkomponenten gilt es mit der Vorinstanz festzustellen, dass die Beschuldigte als nicht vorbestraft gilt. Zwar l iegen verschiedene Interpol-Einträge vor (act. 25.25 f., act. 25.29 f.), welche die Beschuldigte b etreffen, doch werden in diesen nicht rechts- kräftige Urteile beschrieben, so dass aus ihnen kei ne Vorstrafen abgeleitet werden können. Die Vorstrafenlosigkeit der Beschuldigten ist neutral zu werten. Was ergänzend die persönlichen Verhältnisse betriff t, so gibt die Beschuldigte anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht zu den aktuellen persönlichen Verhältnissen befragt im Wesentlichen zu Protokoll, sie sei noch nie (im zivilrechtlichen Sinne) verheiratet gewesen, jedoch habe sie in einem arrangierten Konkubinat ge lebt. Derzeit sei sie ledig. Nach ihrer Ent- lassung wolle sie ein neues Leben in Italien bei ih rer Schwester beginnen, wobei sie plane, ihre Kinder zu sich zu holen und eine Arbeit zu finden (vgl. Prot. S. 2 ff.). Zwar wurde im Rahmen der subjektiven Tatschwere bez üglich des gewerbsmässigen Dieb- stahls festgestellt, dass kein Strafmilderungsgrund gemäss Art. 48 lit. a Ziff. 2 StGB vorliegt, im Rahmen der Täterkomponente gilt es indessen zu Guns ten der Beschuldigten leicht strafmin- dernd zu berücksichtigen, dass sie zahlreiche, Hämatome im Gesicht, am Oberkörper sowie an den Armen und Beinen aufwies (vgl. act. 377 ff.). I nsofern befand sie sich zweifellos in einer persönlich schwierigen Situation. 5.6 Vorliegend ist die Strafe aufgrund der zum gewerbsm ässigen Diebstahl hinzutretenden Taten, welche nicht im Vordergrund stehen, in eher geringem Masse zu erhöhen. Hierbei ist aber zu konstatieren, dass sich die Beschuldigte innert einer sehr kurzen Zeitspanne einer gan- zen Reihe von Widerhandlungen gegen das Strassenver kehrsgesetz schuldig gemacht hat (Verwendung von gefälschten Ausweisen, mehrfache En twendung von Kontrollschildern, Füh- ren eines Motorfahrzeuges ohne Führerausweis, mehrf ache missbräuchliche Verwendung von Kontrollschildern). Zudem hat sie sowohl das Hausrecht als auch mehrfach das Eigentum ande- rer nicht respektiert. Bezüglich der Täterkomponent en ergeben sich bezüglich der hinzutretenden Delikte keine Abweichungen zur Haupt tat des gewerbsmässigen Diebstahls (vgl. obenstehend III.5.5). 5.7 Das Gesamtverschulden ist zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im Urteil aus- drücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkba rer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist. Das Bundesgericht drängt in seiner aktuellen Praxis vermehrt darauf, dass Formulierung des Verschuldens und Festsetzung des S trafmasses auch begrifflich im Einklang stehen (Urteile des Bundesgerichtes 6B_524/2010 & 6 B_626/2011 vom 8. Dezember 2011, E. 4.4.; 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011, E. 4.2.; 6B_10 48/2010 vom 6. Juni 2011, E. 3.2.). Die Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorinstanz hat das Gesamtverschulden der Beschuldig ten nicht ausdrücklich benannt. Unter Berücksichtigung aller relevanten Aspekte gemäss de n obenstehenden Ausführungen ist das Gesamtverschulden der Beschuldigten vorliegend als zumindest mittelschwer zu beurteilen. 5.8 Im Rahmen des Nachtatverhaltens sowie des Verhalten s im Strafverfahren ist die Ge- ständigkeit der Beschuldigten mit der Vorinstanz – abgesehen bezüglich der Vorhalte gemäss Ziff. 3 der Anklageschrift – grundsätzlich zu ihren Gunsten zu werten. Aufgrund ihres Geständ- nisses konnten ihr nicht nur der Wohnwagendiebstahl , bei welchem sie auf frischer Tat ertappt wurde, zur Last gelegt werden, sondern auch weitere Delikte mit derselben Vorgehensweise. 6. Zusammenfassend fallen im Vergleich zum Urteil der Vorinstanz folgende Aspekte straf- erhöhend ins Gewicht: Die Delikte gemäss Ziff. 3 de r Anklageschrift, beim Einbruchdiebstahl das Eindringen in eine Wohnliegenschaft sowie die N ichtanwendung des Strafmilderungs- grunds gemäss Art. 48 lit. a Ziff. 2 StGB. In Würdi gung sämtlicher massgebender Faktoren ist eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten dem Verschulden der Beschuldigten und ihren persönlichen Verhältnissen angemessen. Für die nich t angefochtenen Übertretungen (Führen eines Motorfahrzeuges in nicht vorschriftsgemässem Zustand und geringfügige Sachbeschädi- gung) gilt die vorinstanzlich ausgesprochene Busse von CHF 150. ‒. Im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen. 7. Nachdem vorliegend eine Strafe von über 2 Jahren au szufällen ist, kommt ein vollstän- dig bedingter Vollzug im Sinne von Art. 42 Abs. 1 S tGB nicht mehr in Frage. Es ist aber zu prüfen, ob der Beschuldigten in Anwendung von Art. 43 Abs. 1 StGB der teilbedingte Strafvoll- zug gewährt werden kann. Gemäss Art. 43 Abs. 1 StGB kann das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr und höchs tens drei Jahren nur teilweise aufschie- ben, wenn dies notwendig ist, um dem Verschulden de s Täters genügend Rechnung zu tragen. Der unbedingt vollziehbare Teil darf dabei die Hälfte der Strafe nicht übersteigen (Art. 43 Abs. 2 StGB). Grundvoraussetzung für eine teilbedingte Str afe im Sinne von Art. 43 StGB ist, dass ei- ne begründete Aussicht auf Bewährung besteht. Zwar fehlt ein entsprechender Verweis auf Art. 42 StGB, doch ergibt sich dies aus Sinn und Zweck von Art. 43 StGB. Wenn und soweit die Legalprognose des Täters nicht schlecht ausfällt, v erlangt die Bestimmung, dass zumindest ein Teil der Strafe auf Bewährung ausgesetzt wird. Umge kehrt gilt, dass bei einer Schlechtprogno- se auch ein bloss teilweiser Aufschub der Strafe ni cht gerechtfertigt ist. Denn wo keinerlei Aussicht besteht, der Täter werde sich in irgendein er Weise durch den – ganz oder teilweise – gewährten Strafaufschub beeinflussen lassen, muss d ie Strafe in voller Länge vollzogen wer- den. Die Auffassung, dass die subjektiven Vorausset zungen von Art. 42 StGB auch für die Anwendung von Art. 43 StGB gelten müssen, entsprich t ganz überwiegender Lehrmeinung (BGE 134 IV 1, E. 5.3.1 mit div. Verweisen). Vorliegend ist die Prognose zwar dadurch getrübt, d ass bezüglich der Beschuldigten verschie- dene sie erheblich belastende Interpolauszüge beste hen (act. 25.25 f; 25.30). Wie die Staatsanwaltschaft berechtigterweise einwendet, sin d diese im Rahmen der Prognose mitein- zubeziehen. Allerdings liegen die betreffenden Vorf älle bereits einige Jahre zurück. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anzumerken gilt es hierzu, dass die Beschuldigte an der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht ihr Geburtsdatum berichtigt hat (Prot. S. 2). Anfra gen bei Interpol unter dem neuen Namen der Beschuldigten und dem neuen Geburtsdatum (X.Y.1981) fehlen. Deshalb ist die Interpolaus- kunft nicht vollständig. Für eine ungünstige Progno se spricht zudem das professionelle Vorgehen bei der Deliktsbegehung, wobei gezielt wer tvolles Diebesgut zunächst ausgekund- schaftet und in der Folge jeweils durch mehrere Per sonen entwendet wurde. Zudem verwendete die Beschuldigte zur Erschwerung der Str afverfolgung verschiedene gefälschte Identitäten. Demgegenüber gilt es im Rahmen der Prognosestellung zu Gunsten der Beschuldigten zu be- rücksichtigen, dass ihr – trotz der erwähnten Inter polauszüge – keine Vorstrafen vorgehalten werden können. Ebenfalls eher für eine günstige Pro gnose spricht ihre teilweise Geständigkeit, auch wenn sich diese nicht auf die Vorwürfe gemäss Ziff. 3 der Anklageschrift erstreckte. Des Weiteren hat die Beschuldigte anlässlich der kanton sgerichtlichen Hauptverhandlung glaubhaft dargelegt, sie habe sich von I.____ getrennt und wo lle nicht mehr zu ihm zurückkehren. Viel- mehr plane sie nach ihrer Entlassung, sich nach Ita lien zu begeben, um ihre Papiere in Ordnung zu bringen, wobei ihre Tante in Italien ein e Aufenthaltsbewilligung erwirken könne. Nachfolgend wolle sie ihre Kinder, welche sich in S üditalien bei einer anderen Tante befänden, zu sich holen. Überdies habe sie vor, eine Arbeit z u finden und so in Italien ein neues Leben zu beginnen. Sie könne in einem Hotel oder auch im Rei nigungsdienst arbeiten (vgl. Prot. S. 3 f.). In Gesamtbetrachtung erscheint es nicht als unglaub haft, dass die Beschuldigte sich nach ihrer längeren Inhaftierung tatsächlich vom heutigen Umfe ld lösen und zu anderen Familienmitglie- dern nach Italien ziehen wird. Insgesamt ist der Be schuldigten aufgrund dieser dargelegten Umstände – trotz der relevierten Bedenken – vorlieg end keine negative Prognose zu stellen. In Anbetracht der Schwere der Delinquenz ist der un bedingte Teil der Freiheitsstrafe auf 12 Monate festzusetzen (vgl. Art. 43 Abs. 2 StGB). Die Probezeit beträgt in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 StGB zwei Jahre. IV. Kosten Vorliegend ist die Berufung der Staatsanwaltschaft teilweise gutzuheissen. Gemäss dem Aus- gang des vorliegenden Verfahrens sind die ordentlic hen Kosten des kantonsgerichtlichen Verfahrens in der Höhe von CHF 8‘000. ‒, beinhaltend eine Urteilsgebühr von CHF 7'500. ‒ so- wie Auslagen von CHF 500. ‒, in Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO je hälftig von der Beschuldigten sowie vom Staat zu tragen. Nachdem der Beschuldigten die amtliche Verteidigung bewilligt worden ist, wird dem eingesetz- ten Rechtsanwalt Heinz Ottiger für das Berufungsver fahren ein Honorar entsprechend seiner als angemessen erscheinenden Honorarnote in der Höh e von CHF 4‘780.15 (inkl. Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer (CHF 382.40), somit ins gesamt CHF 5‘162.55, aus der Gerichts- kasse ausgerichtet. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft vom 8. Januar 2014, auszugs- weise lautend: "1. E.____ wird des gewerbsmässigen Diebstahls, der g eringfügigen Sachbeschädigung, der Verwendung von gefälschten Au sweisen, der mehrfachen Entwendung von Kontrollschildern, de s Führens eines Motorfahrzeuges ohne Führerausweis, der mehrf achen missbräuchlichen Verwendung von Kontrollschildern und des Füh- rens eines Motorfahrzeuges in nicht vorschriftsgemä ssem Zustand schuldig erklärt und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitstrafe von 2 Jahren, unter Anrechnung der seit dem 23. Juni 2013 bis zum 22. Oktober 2013 ausgestandenen Untersuchungshaft von 121 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 150.00, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stel- le eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 und 2 StGB, Art. 144 StGB (i.V.m. Art. 172 ter StGB), Art. 252 StGB, Art. 93 Ziff. 2 SVG (i.V.m. Art. 29 SVG und Art. 58 Abs. 4 VTS), Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG, Art. 97 Abs. 1 lit. a und g SVG, Art. 42 Abs. 1 StGB, Ar t. 44 Abs. 1 StGB, Art. 48 lit. a Ziff. 2 StGB, Art. 49 Abs. 1 S tGB, Art. 51 StGB und Art. 106 StGB. 2. E.____ wird von der Anklage - der bandenmässigen Begehung des Diebstahls, - der Sachbeschädigung, des Hausfriedensbruchs und de s Diebstahls zum Nachteil von A.____ (Anklage Ziff. 3), - des Hausfriedensbruchs zum Nachteil des C.____ (Ank lage Ziff. 6) und - der mehrfachen Begehung betreffend Verwendung von g e- fälschten Ausweisen freigesprochen. 3. Es wird festgestellt, dass sich E.____ seit de m 22. Oktober 2013 im vorzeitigen Strafvollzug befindet (Art. 236 StPO i.V.m. Art. 220 (Abs. 1 oder Abs. 2 StPO).“ Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. ‒6. [Beschlagnahmen, Schadenersatzforderungen, Ver fahrenskosten sowie Honorar des amtlichen Verteidigers] wird in teilweiser Gutheissung der Berufung der Staatsan waltschaft in Ziffer 1 und 2 wie folgt geändert: 1. E.____ wird des gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfachen, teilweise geringfügigen Sachbeschädigung, des Hausf riedens- bruchs, der Verwendung von gefälschten Ausweisen, d er mehrfachen Entwendung von Kontrollschildern, des Fü hrens ei- nes Motorfahrzeuges ohne Führerausweis, der mehrfac hen missbräuchlichen Verwendung von Kontrollschildern und des Füh- rens eines Motorfahrzeuges in nicht vorschriftsgemä ssem Zustand schuldig erklärt und verurteilt zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten , davon 12 Monate unbedingt , unter Anrechnung der seit dem 23. Juni 2013 bis zum 22. Oktober 2013 ausgestandenen Untersuchungshaft von 121 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 150.00, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stel- le eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 und 2 StGB, Art. 144 StGB (teilweise i.V.m. Art. 172 ter StGB), Art. 252 StGB, Art. 93 Ziff. 2 SVG (i.V.m. Art. 29 SVG und Art. 58 Abs. 4 VTS), Ar t. 95 Abs. 1 lit. a SVG, Art. 97 Abs. 1 lit. a und g SVG, Art. 4 0 StGB, Art. 43 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art . 51 StGB und Art. 106 StGB. 2. E.____ wird von der Anklage - des bandenmässigen Diebstahls - des Hausfriedensbruchs zum Nachteil des C.____ (A nklage Ziff. 6) und - der mehrfachen Begehung betreffend Verwendung von ge- fälschten Ausweisen freigesprochen. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts bestätigt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahren s in der Höhe von CHF 8‘000. ‒, beinhaltend eine Urteilsgebühr von CHF 7'500. ‒ sowie Auslagen von CHF 500. ‒, gehen je zur Hälfte zu Lasten der Beschuldigten u nd des Staates. Dem amtlichen Verteidiger wird für das Berufungsverfahren ein Honorar in der Höhe von CHF 4‘780.15 (inkl. Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer (CHF 382.40), somit insgesamt CHF 5‘162.55, aus der Gerichtskasse ausge- richtet. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger