<h2>SubmittedText<h2><p>Schon in diesem Jahr soll in England die weltweit erste Xenotransplantation mit genmanipulierten Schweineorganen stattfinden. Für das Jahr 2010 ist die Zahl von einer halben Million prognostiziert. Die Pharmaindustrie, allen voran Sandoz/Novartis, sieht in der Xenontransplantation einen Riesenmarkt. In einer detaillierten Studie beschreibt der Börsenanalytiker P. Laign die Konsequenzen für die Transplantationsmedizin und die pharmazeutische Industrie ("NZZ" vom 7. Februar 1996). Xenotransplantationen gelten als "medizinischer Quantensprung".</p><p>Ich frage den Bundesrat an:</p><p>1. Welche Forschungsprojekte und welche Experimente mit xenogener Transplantation am Menschen werden in der Schweiz durchgeführt?</p><p>2. Welche tierischen Organe, welche Bestandteile von tierischen Organen oder welches tierische Gewebe werden in der Schweiz schon heute in der Medizin eingesetzt?</p><p>3. Wo werden die dafür verwendeten Tiere gezüchtet?</p><p>4. Wie schätzt der Bundesrat die damit verbundenen Risiken ein?</p><p>5. Wie gedenkt der Bundesrat die entsprechende Risikoforschung durchzuführen?</p><p>6. Wie gedenkt der Bundesrat die ethischen Fragen anzugehen?</p><p>7. Welche Massnahmen hat der Bundesrat im Hinblick auf die rasante Entwicklung schon ergriffen?</p><p>8. Wo sieht der Bundesrat künftigen Handlungsbedarf?</p><p>9. Ist der Bundesrat bereit, wegen der vielen ungeklärten ökologischen, medizinischen und ethischen Fragen, Massnahmen im Sinne eines Moratoriums im Bereich der Xenotransplantationen zu ergreifen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. In der Schweiz, wie auch weltweit, wurden bis heute noch keine Organe von transgenen Tieren auf den Menschen transplantiert. Es wird wohl über die Jahrtausendwende hinaus dauern, bis die Forschung so weit ist, dass transgene Organe in klinischen Versuchen am Menschen eingesetzt werden können.</p><p>Tierische Zellen werden aber zu anderen Zwecken dem Menschen transplantiert, vor allem als sogenannte Vektorzellen bei der Gentherapie. Die tierische Zelle hat dabei die Funktion, einen Vektor (meist ein Virus), der selber replikationsunfähig ist, zu vermehren, und dieser Vektor wiederum bringt das entsprechende Gen in die menschlichen Zellen ein. Dem Bundesrat sind die folgenden Versuche am Menschen bekannt, bei denen tierische Zellen zum Einsatz kommen:</p><p>- Universitäts-Kinderspital Zürich:</p><p>Gentherapie für Kinder mit genetischer Immunschwäche. Phase-I-Studie mit Mäusefibroblasten (werden nicht in den Körper eingeführt).</p><p>- Centre hospitalier universitaire vaudois:</p><p>a. Behandlung von amyotrophischer Lateralsklerose; Phase-I-Studie mit BHK-Zellen (baby-hamster-kidney-Zellen);</p><p>b. Behandlung von Hirntumoren; Verwendung von chromaffinen Kälberzellen (nicht transgen).</p><p>- Universitätsspitäler Bern und Zürich:</p><p>Gentherapie zur Behandlung des Glioblastoms (Hirntumor). Phase-II- und Phase-III-Studie mit Mäusefibroblasten.</p><p>- Universitätsspital Genf:</p><p>Therapie von Diabetes Typ I mit Langerhansschen Inselzellen vom Schwein (nicht transgen).</p><p>2. In der Schweiz gibt es eine Vielzahl von Medikamenten, die tierisches Gewebe oder Extrakte von tierischem Gewebe enthalten. Neben diesen Medikamenten und den in der Antwort zu Frage 1 erwähnten klinischen Versuchen sind dem Bundesrat keine weiteren Anwendungen am Menschen in der Schweiz bekannt.</p><p>3. In den Universitätsspitälern von Genf und Lausanne werden Tiere für Forschungszwecke im Bereich der Xenotransplantation gehalten und gezüchtet. Auch Sandoz/Novartis forscht im Bereich der Xenotransplantation und hält bzw. züchtet zu diesem Zweck Tiere. Die Forschung beschränkt sich allerdings zurzeit auf Versuche von Tier zu Tier.</p><p>4. Die Einschätzung der Risiken ist sehr schwierig, da die Forschung mit Xenotransplantationen noch in den Anfängen steckt. Es werden sicher die gleichen Risiken wie bei der Allotransplantation, z. B. Organabstossung und Infektion, vorhanden sein. Xenozoonosen sind sicher ein weiterer Risikofaktor, der beachtet werden muss, vor allem für den Gewebeempfänger, aber theoretisch auch für die Population seiner Umgebung. Das Problem der Xenozoonosen ist bei allen Primaten, die als Spendertiere verwendet werden, speziell zu beachten.</p><p>5. Diese Frage wird bei der Frage 8 beantwortet.</p><p>6. Der Bundesrat ist mit zwei Motionen beauftragt worden, den Umgang mit Transplantaten umfassend zu regeln. Die Motion Onken verlangt, den kommerziellen Handel mit menschlichen Organen in der Schweiz zu verbieten; die Motion Huber fordert die Schaffung der verfassungs- und gesetzesmässigen Grundlagen zur Bewältigung der vielfältigen rechtlichen und organisatorischen Probleme der Transplantationsmedizin.</p><p>Der Bund verfügt bereits heute in Teilbereichen über verfassungsmässige Kompetenzen, um den Bereich der Transplantationsmedizin zu regeln. Für eine umfassende Regelung des Umgangs mit Transplantaten in der Schweiz ist indessen die Schaffung einer speziellen Verfassungsgrundlage nötig. Es ist vorgesehen, den Entwurf für eine solche Verfassungsbestimmung im Herbst dieses Jahres in eine Vernehmlassung zu geben. Die Botschaft sollte auf Frühjahr 1997 verabschiedet werden können. Die Arbeiten am Transplantationsgesetz werden mit denjenigen an der Verfassungsbestimmung zu koordinieren sein. Die Botschaft zum Gesetz ist auf Mitte 1999 zu erwarten.</p><p>Es ist unbestritten, dass sich im Bereich der Transplantationsmedizin zahlreiche Fragen und Probleme stellen, die einer ethischen Reflexion bedürfen. Der Bereich der Xenotransplantation gehört sicher dazu. Im Rahmen der Erarbeitung des künftigen Transplantationsgesetzes werden deshalb auch die ethischen Fragen im Zusammenhang mit der Xenotransplantation diskutiert werden müssen. Der Bundesrat ist zudem der Ansicht, dass im Gesetz eine nationale Ethikkommission vorgesehen werden soll, welche die Entwicklung in der Transplantationsmedizin verfolgt und zu den damit verbundenen naturwissenschaftlichen, gesellschaftlichen und rechtlichen Fragen aus ethischer Sicht Stellung nimmt. Diese Ethikkommission wird sich auch mit der Frage der Xenotransplantation zu beschäftigen haben.</p><p>7. Mit dem Bundesbeschluss vom 22. März 1996 über die Kontrolle von Blut, Blutprodukten und Transplantaten ist am 1. August 1996 im Bereich des Infektionsschutzes eine Regelung in Kraft getreten, die auch für den Bereich der Xenotransplantation von Bedeutung ist. Artikel 19 dieses Bundesbeschlusses schreibt eine Testpflicht in bezug auf Krankheitserreger vor, die namentlich auch für die Verwendung von tierischen Transplantaten gilt. In der Verordnung vom 26. Juni 1996 über die Kontrolle von Blut, Blutprodukten und Transplantaten wird diese Testpflicht konkretisiert. Artikel 25 Absatz 6 dieser Verordnung legt fest, dass bei Transplantationen die dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechenden Massnahmen zu treffen sind, um Zoonosen und Prionenerkrankungen auszuschliessen, die beim Menschen zu Infektionen führen können. Der Infektionsschutz bei Xenotransplantationen ist damit bereits geregelt.</p><p>Als weitere Massnahme kann der Beginn der Arbeiten an einer umfassenden Bundesregelung angeführt werden.</p><p>8. Der Bundesrat ist der Meinung, dass die Frage, unter welchen Voraussetzungen Xenotransplantationen allenfalls zulässig sein sollen, im Rahmen der Erarbeitung des künftigen Transplantationsgesetzes zu prüfen sein wird. Dabei wird sich auch zeigen, ob in diesem Bereich allenfalls ein besonderer Handlungsbedarf besteht und wie die entsprechende Risikoforschung durchzuführen sein wird.</p><p>9. Der Bundesrat sieht keinen Anlass, Massnahmen im Sinne eines Moratoriums im Bereich der Xenotransplantationen zu ergreifen.</p>  Antwort des Bundesrates.