A bteilung IV D -6030/2006 zom /um k {T 0/2} U rteil vom 24. M ai 2007 M itw irkung: R ichter M artin Zoller, R ichter François Badoud, R ichterin N ina Spälti G iannakitsas G erichtsschreiberin Katarina U m egbolu A ._______, geboren (...), alias A._______, geboren (...), Afghanistan, vertreten durch D om inik Löhrer, (...), Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 10. Juli 2006 i.S. Vollzug der W egw eisung B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D er Beschw erdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer Tad- schike m it letztem W ohnsitz in Z._______, verliess seinen H eim atstaat eigenen Angaben zufolge im (...) 2006 und gelangte via Peshaw ar nach Islam abad in Pakistan, w o er zunächst zirka fünf W ochen blieb. Am 19. M ai 2006 sei der Beschw erderführer nach Paris geflogen und zw ei Tage später per Bahn in die Schw eiz eingereist. Am 22. M ai 2006 stellte der Beschw erdeführer im Em pfangs- und Verfahrenszentrum Z._______ ein Asylgesuch. D ort w urde er vom BFM am 31. M ai 2006 sum m arisch und am 26. Juni 2006 zu seinen Asylgründen direkt angehört. Anlässlich der Befragungen m achte der Beschw erdeführer im W esentlichen gel- tend, w ährend der H errschaftszeit von N adjibullah in Afghanistan hätten diverse Personen aus seiner näheren Verw andtschaft w ichtige Äm ter im Staat bekleidet. So seien sein O nkel m ütterlicherseits, O ._______, höchster R ichter und sein Vater hochrangiger O ffizier in der Arm ee gew esen. Im Jahre 1992 hätten verschiedene M ujaheddin-G ruppen in Afghanistan die M acht übernom m en und viele M orde - un- ter anderem auch an seinen Fam ilienangehörigen - begangen. Als er zirka vier oder fünf Jahre alt gew esen sei, sei sein Vater in Z._______ von ihm feindlich gesinnten M ujaheddin um gebracht w orden, w elche verm utungsw eise M itglieder der Sayaf-G ruppe gew esen seien. D ie Anhänger Sayafs w ürden bis heute im Q uartier Z._______ herrschen. Sein O nkel O ._______ sow ie ein w eiterer O nkel seien gleichfalls O pfer der M ujaheddin gew orden. Im (...) 2006 habe ein Frem der vor ihrem H aus nach ihm gefragt. Sein N achbar N ._______ habe ihm darüber erzählt und auch berichtet, dass w eitere Personen in einem unw eit parkierten G eländew agen gew artet hätten. W ahrscheinlich habe es sich bei den unbekannten Personen um Anhänger der Sayaf-M ujaheddin gehandelt. Ü ber den Vorfall habe seine M utter um gehend bei der Polizei Anzeige erstattet, w as allerdings keine grösseren Konsequenzen nach sich gezogen habe. N ach zirka zw ei Tagen sei der Frem de näm lich w ieder an ihrer H austüre erschienen und habe sich erneut nach der Fam ilie erkundigt. D ieses M al habe ihr U nterm ieter U ._______ m it dem U nbekannten gesprochen und später die M utter inform iert. D iese habe sofort beschlossen, dass er, der Beschw erdeführer, aus Afghanistan ausreisen m üsse. Zw ei Tage später habe er daher sein Elternhaus verlassen und sei zirka am (...) 2006 aus seinem H eim atland ausgereist. B. Am 31. M ai 2006 führte das BFM m it dem Beschw erdeführer eine N achbefragung zu dessen Alter, Bildung und fam iliärem H intergrund durch. D ie Vorinstanz hielt im W esentlichen fest, dass der Beschw erdeführer entgegen seinen Vorbringen voll- jährig sei. D er Beschw erdeführer erklärte, m it der Annahm e der Vorinstanz keine Problem e zu haben. C . M it Verfügung vom 10. Juli 2006 lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschw er- deführers ab und ordnete gleichzeitig dessen W egw eisung aus der Schw eiz sow ie den Vollzug an. Zur Begründung führte die Vorinstanz im W esentlichen aus, die Vorbringen des Beschw erdeführers hielten den Anforderungen an die G laubhaftig-3 keit nicht stand; ausserdem sei der Vollzug der W egw eisung zulässig, zum utbar und m öglich. D . M it Beschw erde an die Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) vom 28. Juli 2006 beantragte der Beschw erdeführer durch seinen R echtsvertreter, die ange- fochtene Verfügung sei hinsichtlich des angeordneten W egw eisungsvollzugs (D is- positivziffern 4 und 5 des vorinstanzlichen Entscheids) aufzuheben und es sei fest- zustellen, dass der Vollzug der W egw eisung unzulässig beziehungsw eise unzu- m utbar sei. Infolge dessen sei die vorläufige Aufnahm e anzuordnen. In prozessua- ler H insicht ersuchte der Beschw erdeführer um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sow ie um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege. Auf die Begründung w ird, sow eit entscheidw esentlich, in den nachfolgenden Erw ägun- gen eingegangen. E. M it Zw ischenverfügung vom 7. August 2006 teilte der dam als zuständige Instruk- tionsrichter der AR K dem Beschw erdeführer m it, dass er den Ausgang des Be- schw erdeverfahrens in der Schw eiz abw arten könne. Ferner verzichtete der In- struktionsrichter antragsgem äss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und verw ies das G esuch um unentgeltlichen R echtspflege auf den Endentscheid. F. D as BFM schloss in seiner Vernehm lassung vom 12. Septem ber 2006 auf Abw ei- sung der Beschw erde. G . D er Beschw erdeführer hielt in seiner Stellungnahm e vom 27. Septem ber 2006 an seinen Anträgen fest. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverw altungsgericht vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Be- schw erden gegen Verfügungen des BFM , w elche in Anw endung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) ergangen sind; das Bundesverw altungsge- richt entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D ie bei der AR K am 31. D ezem ber 2006 noch hängigen Beschw erdeverfahren w urden per 1. Januar 2007 durch das Bundesverw altungsgericht übernom m en und w erden durch dieses w eitergeführt; dabei findet das neue Verfahrensrecht Anw en- dung (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhalts und die U nangem essenheit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ).4 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. des Bundesgesetzes vom 20. D e- zem ber 1968 über das Verw altungsverfahren [Vw VG , SR 172.021]). Auf die Be- schw erde ist som it einzutreten. 3. W ie bereits in der Zw ischenverfügung der AR K vom 7. August 2006 festgehalten w urde, richtet sich die Beschw erde gem äss den Anträgen nur gegen den Vollzug der von der Vorinstanz verfügten W egw eisung (D ispositivziffern 4 und 5 der ange- fochtenen Verfügung). Som it ist die vorinstanzliche Verfügung vom 10. Juli 2006, sow eit sie die Frage des Asyls und der Flüchtlingseigenschaft betrifft, in R echts- kraft erw achsen. Auch die W egw eisung als solche (D ispositivziffer 3) ist dam it grundsätzlich nicht m ehr zu überprüfen. Im Folgenden ist daher lediglich zu unter- suchen, ob die Vorinstanz den W egw eisungsvollzug zu R echt als durchführbar er- achtet hat oder ob allenfalls an Stelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahm e an- zuordnen ist. 4. 4.1 Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zum utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Be- stim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Aus- länder vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20]). 4.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat ausreisen oder dorthin gebracht w erden kann. Er ist nicht zulässig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Ausländers in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D ritt- staat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 4.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG und Art. 25 Abs. 2 der Bundes- verfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]). 4.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D ezem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101) darf niem and in einen Staat ausgeschafft w erden, in dem ihm Folter oder eine andere Art unm enschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung droht.5 5. 5.1 D ie Vorinstanz erachtete den Vollzug der W egw eisung des Beschw erdeführers in den H eim atstaat als zulässig, zum utbar und m öglich. 5.1.1 In seinen Erw ägungen hält das BFM zunächst fest, der Beschw erdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, w eshalb der G rundsatz der N ichtrückschiebung gem äss Art. 5 Abs. 1 AsylG keine Anw endung finde. Ferner seien aus den Akten keine Anhaltspunkte ersichtlich, w onach der Beschw erdeführer im Falle seiner R ückkehr in den H eim atstaat dort m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit einer durch Art. 3 EM R K verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt w äre. D er Vollzug der W egw eisung sei dam it zulässig. 5.1.2 Im W eiteren führt das BFM aus, die R ückschaffung des Beschw erdeführers in dessen H eim atland erscheine angesichts der allgem einen Lage in Afghanistan grundsätzlich als zum utbar. D a in Afghanistan keine Situation allgem einer G ew alt herrsche, könne trotz Sicherheitsdefiziten in einzelnen Provinzen nicht von einer allgem einen konkreten G efährdung der Bevölkerung ausgegangen w erden. D er R egierung unter Präsident Karzai sei es gelungen, die Situation im Land insge- sam t zu stabilisieren, dies insbesondere durch die Einbindung eines G rossteils der lokalen M achthaber, den Aufbau eines Sicherheitsapparates und die Entw affnung der M ilizen. D ie Am tseinsetzung des Parlam ents sei ebenfalls ein w ichtiger Schritt in R ichtung Stabilisierung der Situation im Land. In Sicherheitsbelangen w erde die afghanische R egierung w eiterhin von der internationalen Schutztruppe ISAF (Inter- national Security and Assistance Force) unterstützt und auch die W iederaufbau- team s (Provincial R econstruction Team PR Ts) seien nach w ie vor im Einsatz. D ie Teilnehm er der internationalen Afghanistan-Konferenz von Anfang 2006 hätten zu- dem beschlossen, dem Land für w eitere fünf Jahre W iederaufbauhilfe zu gew äh- ren. Ferner sprächen auch keine individuellen G ründe gegen eine R ückkehr des Beschw erdeführers in sein H eim atland. So habe der Beschw erdeführer die be- hauptete M inderjährigkeit nicht glaubhaft darlegen können und ernsthafte Zw eifel, w elche aufgrund von physischen R eifem erkm ale entstanden seien, nicht auszu- räum en verm ocht. Trotz w iederholter Aufforderung habe der Beschw erdeführer keine Identitäts- oder R eisepapiere abgegeben, w as die Absicht der Beschw erde- führers erkennen lasse, seine Identität zu verschleiern. Im W eiteren seien die An- gaben des Beschw erdeführers zu seiner R eise nach Z._______ nicht nachvollziehbar, ist doch davon auszugehen, dass der Schlepper den Beschw erdeführer für den Fall einer G renzkontrolle w eitaus besser instruiert habe, als vom Beschw erdeführer geltend gem acht. Auch die Angaben des Beschw erdeführers zu seinem Vater anlässlich der N achbefragung seien vage ausgefallen und seine diesbezüglichen Erklärungen w enig überzeugend. Schliesslich hätten sich die Vorbringen der Beschw erdeführers als unglaubhaft erw iesen, w as dessen G laubw ürdigkeit zusätzlich erschüttere. D ie vom Beschw erdeführer behauptete M inderjährigkeit m üsse vor diesem H intergrund stark angezw eifelt w erden und der Beschw erdeführer habe dam it praxisgem äss die Folgen der Bew eislosigkeit zu tragen. H insichtlich der illegalen R eise des Beschw erdeführers von Afghanistan nach Europa sei im W eiteren festzuhalten, dass eine solche in der R egel von Schlepperbanden organisiert w erde und viel koste. Vor diesem H intergrund sei davon auszugehen, dass der Beschw erdeführer beziehungsw eise dessen Fam ilie oder Verw andtschaft über entsprechend grosse 6 finanzielle M ittel verfügen. D er Beschw erdeführer sei darüber hinaus jung und gesund, und es sei nichts erkennbar, das seinem W iedereinstieg in die G esellschaft Afghanistans im W ege stehen w ürde. Eine W egw eisung des Beschw erdeführers sei dam it zum utbar. 5.1.3 D er Vollzug der W egw eisung sei schliesslich technisch m öglich und praktisch durchführbar. 5.2 In seiner Beschw erdeschrift hält der Beschw erdeführer den vorinstanzlichen Aus- führungen im W esentlichen entgegen, angesichts der aktuellen Sicherheitslage in Afghanistan sei eine R ückkehr dorthin derzeit nicht zum utbar. Berichte der Schw eizerischen Flüchtlingshilfe über Afghanistan vom 1. M ärz 2004 sow ie vom 3. Februar 2006 w ie auch ein Bericht des U N H C R vom April 2005 gäben diesbezüglich näher Auskunft. Von der dortigen Situation sei er persönlich insow eit betroffen, als dass er seit seiner Ausreise keinen Kontakt zur Fam ilie gehabt habe und folglich auch nicht w isse, w o sich M utter und Schw ester aufhalten w ürden. Vorstellbar sei, dass beide Frauen entführt und der Prostitution zugeführt w orden seien, zum al kein m ännlicher Fam ilienangehöriger zu ihrem Schutz anw esend sei. Sehr w ahrscheinlich hätten M utter und Schw ester den W ohnort verlassen. D arüber hinaus sei er nie zur Schule gegangen und könne nur w enig lesen und schreiben. Seiner M utter habe er beim Schneidern geholfen. Angesichts dieser U m stände sei es für ihn unm öglich, seinen Lebensunterhalt selber zu verdienen. Zudem sei er nicht volljährig, w as von der Vorinstanz jedoch bestritten w erde. 5.3 In ihrer Vernehm lassung hält die Vorinstanz ihrerseits daran fest, die Beschw erde- schrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Bew eistm ittel, w elche eine Änderung ihres Standpunkte rechtfertigen könnten. H ingegen hätten Abklä- rungen bei den zuständigen deutschen Asylbehörden ergeben, dass der Be- schw erdeführer unter der Identität A._______, geboren am (...) in Z._______, Afghanistan, am (...) nach D eutschland eingereist sei und einen Asylantrag gestellt habe. Am (...) sei der Asylantrag von den deutschen Behörden abgelehnt w orden, w orauf der Bescherdeführer am (...) 2006 hätte nach Afghanistan zurückgeführt w erden sollen. Zu diesem Zeitpunkt sei der Beschw erdeführer indes bereits untergetaucht. 5.4 In seiner Stellungnahm e bestätigt der Beschw erdeführer zunächst die vorinstanzli- chen Abklärungsresultate betreffend die Asylantragsstellung in D eutschland. Aller- dings verm öge er w eder die eine noch die andere Identität nachzuw eisen. Sicher sei hingegen, dass er in Afghanistan aufgew achsen sei. Eine R ückkehr dorthin sei aber nach w ie vor nicht m öglich. Er habe seit seiner Ausreise keinerlei Kontakt in seine H eim at und w isse folglich nicht, w ohin er gehen könne. Seine Lage sei schw ierig. D as m it der Beschw erde beantragte Begehren um vorläufige Aufnahm e w egen U nzum utbarkeit des W egw eisungsvollzuges w erde w eiterhin aufrecht erhal- ten und seine persönliche Situation habe sich seither auch nicht gebessert. Im G e- genteil w ürden ihn täglich N achrichten erreichen, gem äss w elchen sich seine Lage stetig verschärfe. Ein U rteil in D eutschland w äre zum heutigen Zeitpunkt vielleicht anders ausgefallen.7 6. 6.1 6.1.1 W ie aus der vorinstanzlichen Verfügung hervorgeht, ist es dem Beschw erdeführer nicht gelungen, eine gem äss Art. 3 AsylG relevante G efährdung nachzuw eisen oder glaubhaft zu m achen. D ie Erw ägungen des BFM zur Frage der Flüchtlings- eigenschaft und Asylgew ährung bleiben in der R echtsm itteleingabe des Beschw er- deführers unangefochten. D ie N orm en des flüchtlingsrelevanten N on-refoulem ent- Prinzips (Art. 5 AsylG , Art. 25 Abs. 2 BV, Art. 33 des Abkom m ens vom 28. Juli 1951 über die R echtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) schützen jedoch nur Personen, w elche die Flüchtlingseigenschaft gem äss Art. 3 AsylG beziehungs- w eise Art. 1 A FK erfüllen. Auf abgew iesene Asylbew erber m it fehlender Flücht- lingseigenschaft findet dieses R ückschiebeverbot keine Anw endung. Eine R ück- kehr des Beschw erdeführers in seinen H eim atstaat ist unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG und Art. 33 FK dam it rechtm ässig. 6.1.2 Sodann ergeben sich w eder aus den als unglaubhaft erkannten Aussagen des Be- schw erdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass ihm für den Fall einer R ückkehr nach Afghanistan dort m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EM R K oder Art. 1 FoK verbotene Strafe oder Behandlung drohen w ür- de. G em äss Praxis des Europäischen G erichtshofes für M enschenrechte sow ie je- ner des U N -Anti-Folterausschusses m üsste der Beschw erdeführer eine konkrete G efahr nachw eisen oder glaubhaft m achen, dass ihm im Falle einer R ückschie- bung Folter oder unm enschliche Behandlung drohen (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission, EM AR K 2001 N r. 16 S. 122, N r. 17 S. 130 f. sow ie 1996 N r. 18 S. 182 ff. m it w eiteren H inw eisen). D ies ist dem Beschw erdeführer jedoch nicht gelungen. 6.1.3 D er Vollzug der W egw eisung des Beschw erdeführers nach Afghanistan ist folglich zulässig. 6.2 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung verzichtet, w enn die R ückkehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung darstellt und aus diesem G rund nicht zum utbar ist. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herrschenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bür- gerkrieg oder durch eine Situation allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder auf- grund anderer G efahrenm om ente, w ie beispielsw eise dem Fehlen einer notw endi- gen m edizinischen Behandlungsm öglichkeit, angenom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 6.2.1 D ie AR K hat sich in EM AR K 2003 N r. 10 und 30 eingehend zur Lage in Kabul ge- äussert und die U nterschiede zw ischen dem G rossraum Kabul und anderen R egio- nen Afghanistans dargestellt. Infolge der vergleichsw eise günstigeren Situation hat sie den W egw eisungsvollzug nach Kabul unter bestim m ten strengen Voraus- setzungen, insbesondere einem tragfähigen Beziehungsnetz und einer gesicherten W ohnsituation, als zum utbar erachtet. In einem w eiteren U rteil vom 25. Januar 2006, publiziert in EM AR K 2006 N r. 9, bestätigte und aktualisierte die AR K ihre 8 R echtsprechung aus dem Jahre 2003. Zusätzlich zu Kabul erachtete sie den W egw eisungsvollzug in w eitere Provinzen im N orden von Kabul (Parw an, Baghlan, Takhar, Badakhshan, Kunduz, Balkh, Sari Pul, H erat und die G egend von Sam angan) unter den in EM AR K 2003 N r. 10 erw ogenen strengen Bedingungen als zum utbar. In die übrigen Provinzen w ürden hingegen w eiterhin m ilitärische Aktivitäten stattfinden und eine perm anente U nsicherheit bestehen, w eshalb ein W egw eisungsvollzug dorthin nach w ie vor als unzum utbar zu betrachten sei. D as Bundesverw altungsgericht sieht vorderhand keine Veranlassung, von dieser R echtsprechung abzuw eisen. 6.2.2 D er Beschw erdeführer ist eigenen Angaben zufolge ethnischer Tadschike und leb- te von seiner G eburt bis zur Ausreise in Z._______. Laut Aussagen des Beschw erdeführers w ohnten im Zeitpunkt seiner Ausreise seine M utter und Schw ester im eigenen Fam ilienhaus im Stadtteil Z._______ In seiner R echts- m itteleingabe m acht der Beschw erdeführer in diesem Zusam m enhang geltend, nach seiner Flucht hätte beide Frauen verm utlich ein schreckliches Schicksal ereilt und es sei sehr w ahrscheinlich, dass auch sie den W ohnort verlassen hätten. D en Vorbringen des Beschw erdeführers kann nicht geglaubt w erden. W ie in der ange- fochtenen Verfügung festgestellt und durch die Abklärungsresultate aus D eutsch- land bestätigt, entbehrten die geltend gem achten Asylbegründungen, insbesonde- re aufgrund der zeitlichen D iskrepanz m it dem Aufenthalt in D eutschland, jeglicher G rundlage. D ie anlässlich des vorinstanzlichen Verfahrens geltend gem achten Ausführungen zur R olle der M utter bei der angeblichen Ausreise aus Afghanistan im (...) 2006 erw eisen sind folglich allesam t als konstruiert und die w eiteren Vor- bringen auf Beschw erdeebene zum m öglichen Schicksal der M utter und Schw ester bleiben spekulativ und w erden w eitgehend substanzlos in den R aum gestellt. D en Aussagen des Beschw erdeführers kann vor diesem H intergrund kein glaubhafter Kerngehalt abgew onnen w erden. D arüber hinaus w iderspricht sich der Beschw er- deführer in seiner Stellungnahm e, w enn er einerseits ausführt, seit vier Jahren kei- nen Kontakt zu seinem H eim atland zu haben, w enig später hingegen vorbringt, täglich N achrichten zu erhalten, gem äss w elchen sich die Lage in Afghanistan ver- schärft habe und seine Situation im m er schlim m er w erde. N icht nachvollziehbar ist dabei, w arum sich der Beschw erdeführer in all dieser Zeit bei denselben unbe- kannten Q uellen nicht auch um Inform ationen über M utter und Schw ester geküm - m ert hat. Vor diesem H intergrund kann daher ohne W eiteres davon ausgegangen w erden, dass die M utter und Schw ester des Beschw erdeführers w eiterhin in Kabul leben, w o der Beschw erdeführer auch über w eitere Verw andtschaft verfügen dürf- te. 6.2.3 Im W eiteren ist der Beschw erdeführer aktenkundig gesund und ledig und selbst unter Annahm e seines unglaubhaften G eburtsdatum s im (...) m ittlerw eile volljährig. Sodann darf auch die W ohnsituation des Beschw erdeführers als gesichert gelten, besitzt seine Fam ilie doch ein eigenes H aus, in w elchem die M utter w ohnt und w o sich deren Schneiderei befindet. Einige Zim m er des H auses sind sogar un- terverm ietet. D arüber hinaus ist der Beschw erdeführer offensichtlich des Schrei- bens und Lesens hervorragend kundig (vgl. in fliessender Schrift durch den Be- schw erdeführer persönlich ausgefülltes Personalienblatt, Akte A2/2, S. 1) und ver- fügt gem äss eigenen Angaben über langjährige Berufserfahrung als Schneider. Schliesslich gehört er der in Z._______ vorherrschenden ethnischen G ruppe der 9 Tadschiken an. Insgesam t ergeben sich aus den Akten dam it keinerlei H inw eise auf ein spezifisches Schutzbedürfnis des Beschw erdeführers. Es ist som it davon auszugehen, dass der Beschw erdeführer nach seiner R ückkehr w ieder in seinem Elternhaus bei seiner Fam ilie leben und sich m it deren U nterstützung auch eine w irtschaftliche Existenz w ird aufbauen können. Es steht dem Beschw erdeführer folglich offen und ist diesem zuzum uten, sich w ieder in Z._______ niederzulassen. 6.2.4 N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung durch R ückschaffung des Beschw erdeführers zum utbar. 6.3 D er R ückkehr des Beschw erdeführers stellen sich schliesslich auch keine unüber- w indlichen H indernisse tatsächlicher N atur entgegen. Insbesonderer obliegt es dem Beschw erdeführer, sich in Zusam m enarbeit m ir der Vorinstanz bei der zu- ständigen Vertretung seines H eim atlandes die für eine R ückreise notw endigen D o- kum ente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG ), w eshalb der Vollzug der W egw ei- sung auch als m öglich zu bezeichnen ist. 6.4 D er vom Bundesam t verfügte W egw eisungsvollzug steht daher in Ü bereinstim - m ung m it den zu beachtenden Bestim m ungen und ist insgesam t zu bestätigen. D ie Vorinstanz hat den Vollzug der W egw eisung zu R echt als zulässig, zum utbar und m öglich erachtet. N ach dem G esagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Auf- nahm e ausser Betracht (Art. 14a Abs. 1 – 4 AN AG ). 7. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig fest- stellt und angem essen ist (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist abzuw eisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens w ären dessen Kosten dem Beschw erdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). N achdem aber w eiterhin von seiner Bedürf- tigkeit auszugehen ist und die Beschw erde nicht von vornherein als aussichtslos bezeichnet w erden konnte, ist in G utheissung des G esuches um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege von einer Kostenauflage abzusehen (Art. 65 Abs. 1 Vw VG ). (D ispositiv nächste Seite)10 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D as G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG w ird gutgeheissen. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter des Beschw erdeführers, 2 Expl. - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N ...) - (...) D er R ichter: D ie G erichtsschreiberin: M artin Zoller Katarina U m egbolu