B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5291/2010 U r t e i l v o m 2 3 . N o v e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiberin Martina Stark. Parteien A._______, Somalia, vertreten durch lic. iur. Pascale Bächler, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung, Verfügung des BFM vom 16. Juni 2010 / N (…). E-5291/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer wurde gemäss eigenen Angaben in Mogadischu, Somalia, geboren. Nachdem er als dreijähriger Junge sowohl seine Eltern als auch zwei seiner Geschwister verloren habe, habe er mit seinem älte- ren Bruder bei seinem Onkel väterlicherseits gelebt. B. Sein Bruder habe als Koranlehrer die Kinder im Quartier unterrichtet, weshalb er von den Äthiopiern sowie von der Übergangsregierung der Zusammenarbeit mit dem Islamischen Gericht verdächtigt und mehrmals bedroht worden sei. Eines Nachts sei sein Bruder von unbekannten Män- nern erschossen und er selbst nach B._______ gebracht worden. Dort habe man ihn täglich zu seiner Verbindung zum Islamischen Gericht b e- fragt. Nach drei Monaten in Gefangenschaft habe er schliess lich fliehen und sich während dreier weiterer Monate im Haus der Schwiegermutter seines Onkels versteckt halten können. Am (…) 2008 habe er Mogadischu auf dem Luftweg ver lassen und sei über Dschibuti und Dubai nach Paris geflogen. Nach einem kurzen Au f- enthalt in Frankreich sei er am 31. August 2008 mit einem Auto in die Schweiz gelangt. C. Am 1. September 2008 stellte der Beschwerdeführer beim Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) Vallorbe ein As ylgesuch und am 9. Se p- tember 2010 fand ebenda die Be fragung zur Person (BzP) statt . Am 25. Mai 2010 wurde er in Bern-Wabern zu seinen Asylgründen angehört. D. Das BFM lehnte m it Verfügung vom 16. Juni 2010 das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz an. Zur Begründung gab es an , die Schilderungen des Beschwerdefüh- rers würden – sowohl hinsichtlich seiner Herkunft aus dem Süden von Somalia als auch in Bezug auf die geltend gemachte Verfolgung – als un- glaubhaft erachtet, wes halb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Den Wegweisungsvollzug beurteilte die Vorinstanz als zulässig, zumutbar sowie auch technisch möglich und praktisch durchführbar. E-5291/2010 Seite 3 E. Mit Eingabe vom 28. Juni 2010 ersuchte der Beschwerdeführer um A k- teneinsicht, welche ihm mit Zwischenverfügung vom 30. Jun i 2010 tei l- weise gewährt wurde. F. Gegen den vorinstanzlichen Entscheid vom 16. Juni 2010 liess der Be- schwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin am 22. Juli 2010 Be- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben und verlangte die Auf- hebung der angefochtenen Verfügung sowie die Asylgewährung. Eventu- aliter beantragte er die vorläufige Aufnahme in der Schweiz wegen U n- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Subeventualiter ersuchte er um Rückweisung an die Vorinstanz zur Ergänzung des rechtserheblichen Sachverhalts. In prozessualer Hinsicht verlangte er eine Nachfrist zur Be- schaffung weiterer länderspezifischer Beweismittel, die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und den Verzicht auf Erhebung eines Ko s- tenvorschusses. Als Beweismittel reichte der Beschwer deführer eine Vollmacht, zwei länderspezifische Berichte, ein Birth Certificate sowie ei- ne Fürsorgebestätigung ein. Am 29. Juli 2010 gab der Beschwerdeführer die in der Beschwerde ange- kündigte "Auskunft der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) – Länder- analyse" zu den Akten. G. In der Verfügung vom 13. August 2010 stellte der Instruktionsrichter ei- nerseits fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne , über das Gesuch um Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege zu einem späteren Zeitpunkt befunden und kein Kostenvorschuss erhoben werde. Andererseits wurde das BFM ein- geladen, eine Vernehmlassung einzureichen. H. Die Stellungnahme der Vorinstanz vom 26. August 2010 lautete dahing e- hend, dass sie an ihrem Standpunkt vo llumfänglich festhalte und auf ihre Erwägungen im Entscheid vom 16. Juni 2010 verweise. I. Am 2. September 2010 setzte der Instruktionsrichter dem Beschwerd e- führer eine Frist zur Einreichung einer Stellungnahme zur Vernehmla s- sung des BFM. E-5291/2010 Seite 4 J. In seiner Replik vom 14. September 2010 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest. Mit Eingabe vom 20. Oktober 2010 informierte die Rechtsvertreterin über gesundheitliche Probleme des Beschwerdeführers und reichte am 30. Juni 2011 einen Arztbericht des Kantonsspit als C._______ vom 24. Juni 2011 zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungse r- suchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Ju- ni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bu ndesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderun g. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-5291/2010 Seite 5 3. 3.1 Die Vorinstanz führte in ihrer Verf ügung vom 16. Juni 2010 im W e- sentlichen aus, dem Beschwerdeführer fehle relevantes Detailwissen in Bezug auf sei nen angeblichen Herkunftsort Mogadischu und seine Clan- zugehörigkeit. Zudem seien seine Angaben widersprüchlich und fehle r- haft, weshalb seine Aussagen insgesamt als unglaubhaft einzustufen sei- en. Es sei somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nich t aus dem Süden von Somalia stamme . D ie geltend gemachte Verfo l- gungssituation könne unter diesen Umständen ebenfalls nicht geglaubt werden. Deshalb erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein Asy l- gesuch sei abzulehnen. Dem Wegweisungsvollzug stehe gemäss Akten nichts entgegen. Dem BFM sei es nicht möglich, sich ohne volle Kenntnis über die tatsächliche persönliche Situation des Beschwerdeführers zur Zumutbarkeit des Voll- zugs der Wegweisung zu äussern, da er seiner Mitwirkungs- und Wahr- heitspflicht im Rahmen der Sachverhaltsermittlung nicht nachgekommen sei und die Asylbehörden zu täuschen versucht habe . Deshalb könne nicht ausgeschlossen werden , dass er aus dem Norden Somalias oder gar aus einem ander en Land stamme, wohin eine Rückkehr allenfalls zumutbar sei. 3.2 In der Beschwerdeschrift führte die Rechtsvertreterin unter anderem anhand diverser Quellenangaben detailliert aus, dass das BFM verschie- dene vom Beschwerdeführer vorgebrachte Einzelheiten übersehen habe und die Schilderungen des Beschwerdefü hrers durchaus der Wahrheit entsprechen würden. S einen Aussagen könne nicht nur deshalb keinen Glauben geschenkt werden, weil er nicht sämtliche Strassennamen oder die genaue Abgrenzung der einzelnen Distrikte innerhalb von Mogadischu kenne, zumal die örtl ichen Verhältnisse in Somalia nicht mit denjenigen der Schweiz vergleichbar seien. Dass er nur geringe Kenntnisse von se i- ner präzisen Clanzugehörigkeit und seinem Geburtsort habe, sei durch den frühen Tod seiner Eltern erklärbar; zudem könnten gewisse Wider- sprüche in der Bezeichnung der Clans und ihrer Unterkategorien offenbar auch auf Missverständnisse zwischen ihm und der Übersetzerin zurück- geführt werden. Zusammenfassend gebe es keinen Grund an der Glaubhaftigkeit der Dar- stellungen des Beschwerdeführer s zu zweifeln, insbesondere würden keinerlei Anhaltspunkte bestehen, die den Schluss auf ein anderes He r- kunftsland zulassen würden. Er stamme somit zweifelsohne aus dem Sü-E-5291/2010 Seite 6 den von Somalia – was auch mittels eingereichter Geburtsurkunde belegt werden könne – und sei dort einer asylrelevanten Verfolgung durch die Übergangsregierung ausgesetzt. Infolgedessen erfülle er die Flüchtling s- eigenschaft und es sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Jedenfalls sei der Vollzug der Wegweisung in den Süden Somalias ( Mogadischu) gemäss der relevanten Lageeinschätzung ( Entscheidungen und Mitte i- lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 2) generell unzumutbar. Er habe keine Verwandten in Somalia und sei dort nie einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Im Übrigen habe die Vorinstanz seinen Anspruch auf rechtsgenügliche Abklärung des Sachverhalts und auf Wahrung des rechtlichen Gehörs verletzt, indem sie eine umfassende Glaubhaftigkeitsprüfung sowie weitere Abklärungen , namentlich einen sprachwissenschaftlichen Test der BFM-Fachstelle LINGUA (nachfolgend Lingua-Analyse), unterlassen habe. 3.3 In der Vernehmlassung verwies das BFM vorab auf die Erwägungen seiner Verfügung. Hinsichtlich der eingereichten Geburtsurkunde war es der Ansicht, dass dieser keine Beweiskra ft zu komme, da die Angaben des Beschwerdeführers aufgrund fehlender Behördenstruktur in Somalia durch die somalische Vertretung in der Schweiz nicht überprüfbar seien. 3.4 Der Beschwerdeführer räumte in seiner Replik ein, es sei für ihn zwar nicht nachvollziehbar, inwieweit seine Angaben durch die somalische Ver- tretung in Genf überprüft worden seien. Es sei ihm aber nicht möglich weitere Dokumente zum Nachweis seiner Herkunft und Identität beiz u- bringen. Ausserdem machte er auf seine gesundhei tlichen Probleme aufmerksam, wobei es sich – wie ärztliche Abklärungen ergeben hätten – um eine Polyzystische Nierenerkrankung des adulten Typs (APKD) hand- le, welcher eher prärenal bedingt sei (Schädigungsursache vor der Ni e- re). 4. 4.1 Zunächst stellt sich die F rage, ob der zu beurteilende Sachverhalt durch die Vorinstanz in rechtsgenüglicher Weise erhoben wurde. 4.2 Im Verwaltungsverfahren gelten der Untersuchungsgrundsatz und die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 12 VwVG; vgl. auch Art. 49 Bst. b VwVG; für das Asy l- verfahren ausserdem Art. 6 AsylG). Mithin ist die zuständige Behörde verpflichtet, den für die Beurteilung eines Asylgesuchs relevanten Sac h- verhalt von Amtes wegen festzustellen (vgl. zur Bedeutung d es Untersu-E-5291/2010 Seite 7 chungsgrundsatzes allgemein etwa ULRICH HÄFELIN / GEORG MÜLLER / FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich / St. Gal- len 2010, S. 375 f.; PATRICK KRAUSKOPF / KATRIN EMMENEGGER, in Ber n- hard Waldmann / Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 12, N 15 ff.). Dieser Grundsatz wird allerdings durch die allgemeine Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 13 VwVG) sowie im Asylverfahren durch die besondere Mitwirkungspflicht einer asylsuchende n Person (Art. 8 AsylG) begleitet (s. zum Verhältnis zwischen Untersuchungsgrundsatz und Mitwirkungspflicht im Asylverfa h- ren EMARK 1993 Nr. 7 E. 3d, EMARK 1995 Nr. 23 E . 5a, EMARK 2003 Nr. 13 E. 4c). Einerseits bringt dies für die asylsuchende Person insbesondere mit sich, dass sie der Behörde alle Gründe mitzuteilen hat, die für die Asylgewä h- rung oder für den Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung relevant sein könnten. Die entscheidende Behörde andererseits darf sich in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen der Asylbewerber zu würdigen und die von ihnen angebotenen Beweise abzunehmen, ohne weitere Abkl ä- rungen vornehmen zu müssen. Im Beschwerdeverfahren vor dem Bu n- desverwaltungsgericht dürfen im Rahmen des Streitgegenstandes bisher noch nicht gewürd igte, bekannte wie auch bis anhin unbekannte neue Sachverhaltsumstände, die sich zeitlich vor (sog. unechte Noven) oder erst im Laufe des Rechtsmittelverfahr ens (sog. echte Noven) zugetragen haben, vorgebracht werden. Gleiches gilt für neue Beweismittel. D ie Be- hörde muss mithin jederzeit Vorbringen zum Sachverhalt entgegenne h- men und berücksichtigen, falls sie diese für rechtserheblich hält (vgl. Art. 32 Abs. 2 VwVG; vgl. CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, Rz. 14 zu Art. 12). Dass der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts derjenige Sachverhalt zugrunde zu legen ist, wie er sich im Zeitpunkt der Entscheidung verwirklich t hat und bewiesen ist, hängt entscheidend m it dem Untersuchungsgrundsatz und der mit Bezug auf die Überprüfung des Sachverhalts freien Kognition des G e- richts zusammen (vgl. Art. 49 Bst. b VwVG). Für den Beschwerde - entscheid ist die im Zeitpunkt seiner Ausfällung bestehende Aktenlage massgeblich (vgl. zum Ganzen ANDRÉ MOSER / MICHAEL BEUSCH / LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 92 f. Rz. 2.204 ff.). Die angefochtene Verfügung des BFM hat sich mithin auch gegenüber den im Verlauf des Beschwerdeverfahrens vorgebrachten respektive vorgelegten Tatsachen und Beweismitteln zu bewähren. E-5291/2010 Seite 8 4.3 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers hat sich die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 16. Juni 2010 vertieft mit seinen Aussagen ausei- nandergesetzt und diese auf das Vorliegen von Realitätskriterien hin ge- prüft. Insbesondere hat sie auch konkret dargelegt, aus welchen Gründen sie unüberwindbare Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen hegt. Auch wenn die Vorinstanz keine (sprachkundliche) Lingua-Analyse durchgeführt hat , hat sie damit den Untersuchungsgrundsatz nicht ver- letzt. Vielmehr ergaben die Abklärungen des Beschwerdeführers, dass die Sprache Somali nicht nur in Somalia selbst, sondern auch im Nordo s- ten Kenias, im Osten Äthiopiens und in Teilen von Dschibuti gesprochen wird (vgl. Auskunft der SFH -Länderanalyse, zu Frage 1). Auch eine Lin- gua-Analyse hätte diesbezüglich wohl keine definitive Klarheit schaffen können, wobei d iese Frage insbesondere im Hinblick a uf die Ausführun- gen in Erwägun g 6 dieses E ntscheids letztlich offen gelassen werden kann. Im Übrigen stellte für das BFM die Tatsache, dass der Beschwerde- führer Somali spricht, offensichtlich nicht den für den Abweisungsen t- scheid ausschlaggebenden Aspekt dar. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die angefochtene Verfügung auf einer unvollständigen Sachverhaltsfest- stellung beruhen und damit den Anspruch auf rechtsgenügliche Abklärung des Sachverhalts sowie auf Wahrung des r echtlichen Gehörs v erletzen sollte. 4.4 Für die beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur pflichtgemässen Ermittlung und Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts besteht nach dem Gesagten keine Veranlassung. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgeset zt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den fra uenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-E-5291/2010 Seite 9 geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Mit Bezug auf die Frage der Herkunft des Beschwerdeführers, kommt das Bundesverwaltungsgericht nach Prüfung der Akten zu folgenden Feststellungen: 6.2 Die protokollierten diesbezüglichen Aussagen sind stimmig und relativ detailreich, beispielsweise bezüglich seiner Schulumgebung, der Glied e- rung seines Heimatquartiers, des Lebensalltags und der geografischen Begebenheiten in Mogadischu oder auch der Arbeitstätigkeit des Onkels (vgl. Protokoll der Anhörung vom 25. Mai 2010 S . 4 ff.). Die Angaben hin- terlassen – gerade auch im Vergleich zur Schilderung der angeblichen zentralen Asylgründe (vgl. dazu weiter unten) – einen lebensechten Ei n- druck und weisen auch sonst verschiedene Realitätskennzeichen auf. 6.3 6.3.1 Das BFM hat in seiner V erfügung zwar mehrere Punkte aufgelistet, bei denen der Beschwerdeführer angeblich unzutreffende Angaben zum Stadtteil von Mogadischu gemacht habe, in dem er aufgewachsen sein wolle (vgl. Verfügung S. 2 f.). 6.3.2 In der Beschwerde sowie der vom Beschwerdeführer beigebrachten Auskunft der SFH -Länderanalyse vom 19. August 2010 werden diese vom BFM ins Feld geführten Argumente allerdings weitgehend entkräftet. Dass die Vorinstanz sich in ihrer Vernehmlassung mit keinem Wort zu diesem individuellen Kurzgutachten de r SFH äussert – dies obwohl der Instruktionsrichter sie in seiner Verfügung vom 13. August 2010 ausdrück- lich auf dieses Beweismittel aufmerksam gemacht hatte –, lässt unter den gegebenen Umständen nur den Schluss zu, dass das BFM die Gegena r- gumente nicht bestreitet. Wie bereits unter Erwägung 6.2 erläutert, konn- te der Beschwerdeführer anlässlich der BzP sowie der Anhörung zu den Asylgründen präzise und lebensechte Ausführungen zu den geograf i- schen und sozialen Begebenheiten in Mogadishu machen. Da diese denn auch weitgehend mit der Auskunft der SFH -Länderanalyse übereinstim- men, ist davon auszugehen, dass die Angaben des Beschwerdeführers der Realität entsprechen. E-5291/2010 Seite 10 6.4 Die teilweise unzutreffenden Angaben zur Clanzugehörigkeit wurden vom Beschwerdeführer anerkannt. Anders als die Vorinstanz vertritt das Bundesverwaltungsgericht jedoch die Ansicht, dass der frühe Tod der E l- tern eine grundsätzlich plausible Begründung für die eher vagen Kennt- nisse der Clanzugehörigkeit darstellen könnte. Allein daraus zu schlie s- sen, der Beschwerdeführer stamme nicht aus dem Süden Somalias, so n- dern wolle seine wahre Heimat verheimlichen, geht jedenfalls nicht an. 6.5 Mit Bezug auf die eingereichte Geburtsurkunde der somalischen Ve r- tretung in Genf, ist zunächst festzuhalten, dass der Urkunde für sich allein gesehen zwar keine ausreichende Beweiskraft zukommt, um den G e- burtsort des Beschwerdeführers mit Sicherheit bestimmen zu können. A l- lerdings kann trotz fehlender Überprüfbarkeit dieser Anhaben im Heima t- land wohl davon ausgegangen werden , dass für den somalischen Bo t- schafter – insbesondere auch in Bezug auf die Sprache – erkennbar war, woher der Beschwerdeführer stammt. Aufgrund der fehlenden Behörde n- struktur in Somalia ist dem Beschwerdeführer ein anderweitiger Nachweis seiner Herkunft i n der Tat kaum möglich, weshalb es praxisgemäss au s- reicht, wenn diese zumindest glaubhaft gemacht wird. In diesem Sinn kann der originalen Geburtsurkunde zweifellos nicht pauschal jegliche Beweiskraft abgesprochen werden. 6.6 Insgesamt stellt das Bundesverwalt ungsgericht nach dem Gesagten fest, dass der Beschwerdeführer seine somalische Nationalität und die Herkunft aus Mogadischu glaubhaft gemacht hat. 7. 7.1 Hinsichtlich der geltend gemachten Verfolgungssituation vermögen die Schilderungen des Beschwerdeführers dag egen klar nicht zu übe r- zeugen. Einerseits konnte er weder die angebliche Tötung seines Br u- ders noch die eigene Gefangenschaft als selbst erlebte Ereignisse schil- dern, obschon es sich dabei um höchst prägende Erlebnisse gehandelt hätte. Andererseits enthalten seine diesbezüglichen Angaben diverse Un- gereimtheiten. So gab er an der BzP zu Protokoll, man habe ihn in einem dunklen Zimmer gefangen gehalten und ihn nach drei Monaten gehen lassen (vgl. Protokoll BzP S. 5). Bei der einlässlichen Anhörung hingegen war er sich ganz sicher, dass es sich beim Ort, an dem er gefangen gehalten wurde, um ein provisorisches Gefängnis ohne Mauern gehan- delt habe und er über einen Zaun habe fliehen können (vgl. Protokoll An- hörung zu den Asylgründen ad F205 ff.). Zudem fällt bei der einlässlichen Befragung zur Sache auf, dass der Beschwerdeführer , auf widersprüchli-E-5291/2010 Seite 11 che Angaben angesprochen, offenkundige Schutzbehauptungen vo r- bringt. Beispielsweise gab er bei der einlässlichen Anhörung an, er habe bei der Erstbefragung die D olmetscherin nicht verstanden oder seine Aussagen seien damals unterschiedlich übersetzt worden ( vgl. Protokoll Anhörung zu den Asylgründen ad F165 f. und F214) – dies obschon er bei der Erstbefragung zu Protokoll gegeben hatte, die Übersetzerin sehr gut zu verstehen (vgl. Protokoll BzP ad Frage 23). 7.2 Der Aussagewiderspruch in Bezug auf die Tageszeit der Ermordung seines Bruders mutet, wie auch die Erklärung dafür – Morgen früh und Abend, das sei dasselbe – merkwürdig an (vgl. Protokoll Anhörung zu den Asylgründen ad F181 ff.). 7.3 Insgesamt vermögen die Darstellungen des Beschwerdeführers zur Verfolgungssituation den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen. Eine Prüfung der Asylrelevanz erübri gt sich deshalb. 7.4 Das BFM hat das Asylgesuch nach dem Gesagten zu Recht abg e- lehnt. 8. 8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordn et (vgl. BVGE 2009/50 E.9. S. 733, m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufna hme von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 9.2 Bezüglich des Geltendmachens von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vor-E-5291/2010 Seite 12 gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 9.3 Die Wegweisungsvollzugshindernisse (Unzulässigkeit, Unzumutba r- keit, Unmöglichkeit) sind alternativer Natur: Sobald eines von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/52 E. 5.4). Ob der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Somalia unzulässig oder unmöglich ist, kann vorliegend offengelassen werden, denn wie im Folgen aufzuzeigen sein wird, ist der Vollzug der Wegwe i- sung unzumutbar. 10. 10.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, is t – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 10.2 Für die allgemeine Lage in Somalia kann zunächst auf die detaillie r- te, noch von der Asylrekurskommission in EMARK 2006 Nr. 2 publizierte Lageanalyse verwiesen werden, welche das Bundesverwaltungsgericht als im Wesentlichen weiterhin z utreffend erachtet (vgl. statt vieler etwa das Urteil D -7767/2009 vom 26. April 2012 E. 4.2, mit weiteren Hinwe i- sen). Aufgrund der chaotischen Lage und der andauernden Gewaltsituation in Zentral und Süd -Somalia erweist sich ein Wegweisungsvollzug in diese Gebiete weiterhin als generell unzumutbar. Demgegenüber kann gemäss Erwägung 7 des erwähnten Entscheides unter gewissen Bedingungen ein Vollzug der Wegweisung nach Somaliland und Puntland erfolgen. Dazu ist erforderlich, dass die betroffene Person enge Ver bindungen zur Regi- on hat, sich dort eine Existenzgrundlage aufbauen kann oder mit wi r- kungsvoller Unterstützung eines Familienclans rechnen darf. Allein die Zugehörigkeit zu einem in der Region ansässigen Hauptclan lässt den E-5291/2010 Seite 13 Wegweisungsvollzug jedoch noch nicht als zumutbar erscheinen. Das Ur- teil betont das Erfordernis einer Einzelfallbeurteilung, welche nach Mas s- gabe individueller Kriterien wie Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand, Clanzugehörigkeit und entsprechende Protektionsaussichten, Herkunft s- ort, familiäre und verwandtschaftliche Situation sowie sozioökonomische Perspektiven vorzunehmen ist. 10.3 Nach dem unter Erwägung 6 Ausgeführten konnte der Beschwerde- führer glaubhaft darlegen, dass er aus Mogadischu und somit aus dem Süden Somalias stammt. Eine Wegweisung dorthin ist nach dem bereits Gesagten von vornherein unzumutbar. Auch bestehen keinerlei Hinweise, dass er enge Verbindungen zu den Regionen Somaliland und Puntland hat oder dort mit Unterstützung eines Familienclans rechnen darf. Vie l- mehr verfügt der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben in Somalia über keine nahen Verwandten mehr. Gegen die Zumutbarkeit des We g- weisungsvollzugs spricht zusätzlich die gemäss ärztlichem Bericht vom 24. Juni 2011 diagnostizierte beginnende Beeinträchtigung der Niere n- funktion. 11. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich somit als unzumutbar, weshalb die Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen ist. Die Ziffern 4 und 5 der v orinstanzlichen Verfügung vom 16. Juni 2010 sind aufzuheben und der Beschwerdeführer vorläufig in der Schweiz au f- zunehmen, nachdem den Akten keine Hinweise auf Ausschlussgründe gemäss Art. 83 Abs. 7 AuG zu entnehmen sind. 12. 12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die reduzierten Kosten dem Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nac h- dem die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegeben sind, ist in Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung von einer Kostenauflage abzusehen. 12.2 Der Beschwerdeführer ist im Beschwerdeverfahren vertre ten, we s- halb ihm eine – ebenfalls reduzierte – Parteientschädigung für notwendi- ge und verhältnismässig hohe Kosten zusteht (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltung sgericht [VGKE, SR 173.320.0]). Die Rechtsvertreterin hat keine Kostennote zu den Akten ge- reicht, weshalb der notwendige Vertretungsaufwand von Amtes wegen E-5291/2010 Seite 14 festzusetzen ist (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE). In Anwendung der genannten Bestimmungen und unter Berüc ksichtigung der massgeblichen Beme s- sungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist die von der Vorinstanz auszuric h- tende Parteientschädigung demnach auf insgesamt Fr. 500. – (inklusive sämtlicher Auslagen und Nebenkosten) festzusetzen (Dispositiv nächste Seite) E-5291/2010 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit sie die Feststellung der U n- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die Anordnung der vorläuf i- gen Aufnahme betrifft. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Dispositivziffern 4 und 5 der Verfügung vom 16. Juni 2010 werden aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz anzuordnen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine reduzierte Pa r- teientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 500.– zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Martina Stark