Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht 12. Juni 2014 (730 14 38 / 141) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Leistungen, Pflichtleistung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber i.V. Sandro Jaisli Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Easy Sana Krankenversicherung AG , Rechtsdienst , Rue du Nord 5, 1920 Martigny, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1986 geborene A.____ ist bei der Easy Sana K rankenversicherung AG (Easy Sana) im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversiche rung versichert. Er leidet seit seiner Ge- burt unter einem Polland-Syndrom, wobei der rechte Musculus pectoralis major nur rudimentär entwickelt ist. Mit Schreiben vom 25. September 201 2 ersuchte Prof. Dr. med. B.____, FMH Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgi e sowie Handchirurgie, die Easy Sana um Kostengutsprache für den Gewebeaufbau mit Eigenfett gewebetransfer (Lipotransfer). Am 23. Oktober 2012 lehnte die Easy Sana die Kostenübe rnahme ab, weil die Eigenfettgewebe- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht transplantation keine Pflichtleistung der obligatorischen Krankenversicherung sei. Mit Schreiben vom 10. Dezember 2012 stellte Dr. med. C.____, FMH Al lgemeine Innere Medizin, ein Wieder- erwägungsgesuch betreffend die Kostenübernahme an den V ertrauensarzt der Easy Sana. Dieses Gesuch lehnte die Easy Sana mit Schreiben vom 18 . Januar 2013 ab. Gemäss ihrem Vertrauensarzt sei der Lipotransfer keine anerkannte Me thode, sondern vielmehr eine umstrit- tene Technik mit ungenügender wissenschaftlicher Abstützu ng, weshalb dieser nicht zu den Pflichtleistungen der obligatorischen Krankenpflegeversiche rung gehöre. Am 12. November 2013 verfügte die Easy Sana die Ablehnung der Kostengut sprache für den Lipotransfer. Gegen diese Verfügung erhob die Patientenstelle Basel als Ve rtretung des Versicherten am 3. Dezem- ber 2013 Einsprache. Mit Einspracheentscheid vom 8. Janua r 2014 verneinte die Easy Sana ihre Leistungspflicht erneut und hielt an ihrer Verfügung vom 12. November 2013 fest. B. Mit Schreiben vom 3. Februar 2014 erhob A.____ Besch werde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte sinngemäss, der Ein- spracheentscheid vom 8. Januar 2014 sei aufzuheben und d ie Easy Sana zur Kostenübernah- me des Lipotransfers zu verpflichten. C. Die Easy Sana schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 18 . März 2014 auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 60 Ab s. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Ver- fügungen und Einspracheentscheide eines Sozialversicherungsträgers beim zuständigen Versi- cherungsgericht innerhalb von 30 Tagen Verwaltungsgeri chtsbeschwerde erhoben werden. Zuständig ist gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versicherungsg ericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zum Zeitpunkt der Beschwerdeerh ebung ihren Wohnsitz hat. Der Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz in D.____. Die ört liche und gemäss § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgeri chts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, ist vorliegend somit gegeben. Als Adressat ist der Beschwerdeführer vom Einspracheentscheid berührt und hat ein schutzwürdig es Interesse an dessen Aufhebung. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht e Beschwerde kann deshalb eingetreten werden. 2.1 Im vorliegenden Fall ist die Übernahme der Kosten für die Eigenfettgewebetransplanta- tion (Lipotransfer) durch die Krankenversicherung strittig. 2.2 Gemäss Art. 1a Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 1994 gewährt die soziale Krankenversicherung Leistungen bei Krankheit. Nach Art. 3 Abs. 1 ATSG ist Krankheit jede Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi- schen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist un d die eine medizinische Untersuchung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigke it zur Folge hat. Der Rechtsbegriff "Krankheit" deckt sich nicht notwendigerweise mit dem med izinischen Krankheitsbegriff. Nicht jede Beeinträchtigung der Gesundheit stellt eine Krankheit dar; vielmehr muss diese sogenann- ten Krankheitswert erreichen. Die gesundheitliche Stör ung muss mithin eine gewisse Schwere aufweisen, um als Krankheit zu gelten (vgl. Urteil des E idgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, seit dem 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrec htliche Abteilungen] vom 16. August 2005, K 1/05, E. 1.2). 2.3 Nach Art. 32 Abs. 1 KVG müssen die Leistungen nach den Art. 25 – 31 KVG wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein. Diese Voraussetzungen m üssen kumulativ erfüllt sein (vgl. BBl 1992, Band I, S. 159; GEBHARD EUGSTER , Krankenversicherung, in: Soziale Sicherheit, SBVR Bd. XIV, 2. Aufl. 2007, S. 493; vgl. auch BGE 125 V 95 E. 2a). Zweckmässigkeit und Wirksamkeit setzen voraus, dass die Massnahme geeignet ist, da s angestrebte Ziel zu errei- chen. Die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit müssen nach dem Wissen im Zeitpunkt der Therapie beurteilt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. September 2008, 9C_567/2007, E. 1.2). Den Ärzten steht dabei e in gewisser Ermessensspielraum zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. September 2009, 9 C_224/2009, E. 1.1). Welche von mehreren in Betracht fallenden Massnahmen als geeignet erscheint, ist im Rahmen dieser Vor- aussetzungen nicht entscheidend. Nach der gesetzlichen Re gelung genügt es, dass die vom Arzt oder der Ärztin angeordnete Massnahme zweckmässig ist. S ind gleichzeitig mehrere Leis- tungen als zweckmässig zu qualifizieren, beurteilt sich die L eistungspflicht des Krankenversi- cherers unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit (vg l. Art. 56 KVG). Nach dieser Vor- schrift haben die Krankenversicherer die Leistungen auf jenes Mass zu beschränken, das im Interesse der Versicherten liegt und für den Behandlun gszweck erforderlich ist (Abs. 1). Für Leistungen, die über dieses Mass hinausgehen, kann die Vergütung verweigert werden (Abs. 2). Indem das Gesetz auf das Interesse der Versicherte n Bezug nimmt, wird zum Aus- druck gebracht, dass der Begriff der Wirtschaftlichkeit de r Behandlung nicht eng auszulegen ist (vgl. RKUV 1999 Nr. KV 64 S. 67 f. E. 3a mit Hinweis) . Zweck von Art. 32 KVG ist die Sicher- stellung einer effizienten, qualitativ hochstehenden und zweckmässigen Gesundheitsversor- gung zu möglichst günstigen Kosten (vgl. G EBHARD EUGSTER , Bundesgesetz über die Kranken- versicherung [KVG], 2010, N. 1 zu Art. 32 KVG; BGE 127 V 80 E. 3c). 3.1 Wirksamkeit umschreibt in Art. 32 Abs. 1 KVG die ei nfache Tatsache der allgemeinen Eignung zur Zielerreichung (vgl. GEBHARD EUGSTER , a.a.O., N. 2 zu Art. 32 KVG). Eine Leistung gilt als wirksam, wenn sie objektiv geeignet ist, auf den angestrebten medizinischen Nutzen hinzuwirken (vgl. BGE 133 V 115 E. 3.1; Urteil des Bu ndesgerichts vom 6. Juni 2012, 9C_824/2007, E. 3.3.2), beziehungsweise wenn sie den V erlauf einer Krankheit günstig beein- flusst. Wirksamkeit bezeichnet die kausale Verknüpfung von Ursache (medizinische Massnah- me) und Wirkung (medizinischer Erfolg). Sie stellt eine n Teilgehalt der Zweckmässigkeit dar (vgl. A LFRED MAURER , Das neue Krankenversicherungsrecht, Basel und Frankfur t am Main 1996, S. 51 f.). Die Wirksamkeit muss gemäss Art. 32 Abs. 1 Satz 2 KVG nach wissenschaftli- chen Methoden nachgewiesen sein, was für den Fall gilt, dass die in Frage stehende Behand- lung von Forschern und Praktikern der medizinischen Wisse nschaft auf breiter Basis als geeig- net erachtet wird, wobei das Ergebnis und die Erfahru ngen sowie der Erfolg einer bestimmten Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Therapie entscheidend sind; diesbezüglich sind in der R egel nach international anerkannten Richtlinien verfasste wissenschaftliche (Langzeit-)Studien er forderlich (vgl. BGE 133 V 115 E. 3.1). 3.2 Im seit 1. Januar 1996 geltenden KVG ist das Kriter ium der wissenschaftlichen Aner- kennung durch dasjenige der Wirksamkeit ersetzt worden. Die Botschaft des Bundesrates zur Revision der Krankenversicherung vom 6. November 1991 fü hrte hierzu aus, dass der Begriff der wissenschaftlichen Anerkennung in den letzten Jahren stark in Zweifel gezogen worden sei und heute als ungeeignet und zu ungenau angesehen wer de, weshalb er durch denjenigen der Wirksamkeit ersetzt werde (vgl. BBl 1992, Band I, S. 158). Dieser Vorschlag löste in den Eidge- nössischen Räten ausführliche Diskussionen aus und führte zur Aufnahme des Zusatzes, dass "die Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Methoden nachgew iesen sein muss". Damit sollte den Errungenschaften der Komplementärmedizin Rechnung getragen werden (vgl. BGE 123 V 62 f. E. 2c/bb mit Hinweisen). Für den Bereich der klassi schen Medizin muss die Wirksamkeit einer therapeutischen Vorkehr hingegen weiterhin nach den Kriterien und Methoden der wis- senschaftlichen Schulmedizin nachgewiesen sein, weshalb hier der Begriff der wissenschaftlich nachgewiesenen Wirksamkeit nach wie vor demjenigen der wissenschaftlichen Anerkennung entspricht (vgl. BGE 133 V 115 E. 3.2.1; BGE 125 V 28 E. 5a in fine). Massgebend ist somit, ob eine therapeutische oder diagnostische Massnahme von Forsch ern und Praktikern der medizi- nischen Wissenschaft auf breiter Basis als geeignet erachte t wird, das angestrebte therapeuti- sche oder diagnostische Ziel zu erreichen (vgl. BGE 133 V 115 E. 3.2.1; G EBHARD EUGSTER , a.a.O, N. 5 zu Art. 32 KVG). Namentlich darf aus der Ablösung des Begriffs der wissenschaftli- chen Anerkennung nicht der Schluss gezogen werden, die B eurteilung der Wirksamkeit habe einzelfallbezogen und retrospektiv auf Grund der konkreten Behandlungsergebnisse zu erfol- gen. Vielmehr geht es dabei ebenfalls um eine vom ein zelnen Anwendungsfall losgelöste und retrospektive allgemeine Bewertung der mit einer diag nostischen oder therapeutischen Mass- nahme erzielten Ergebnisse (vgl. BGE 133 V 115 E. 3.2. 1; BGE 123 V 66 E. 4a). Neben streng naturwissenschaftlichen sind auch andere wissenschaftliche Methoden (beispielsweise die Sta- tistik) möglich und zulässig (vgl. BGE 123 V 63 E. 2c/bb mi t Hinweisen; G EBHARD EUGSTER , a.a.O., N. 4 zu Art. 32 KVG). Der Beweis der Wirksamke it lässt sich am zuverlässigsten mit dem klinischen Versuch führen, wobei die Wirkung einer Therapie nach naturwissenschaftlichen Kriterien objektiv feststellbar, der Erfolg reproduzier bar und der Kausalzusammenhang zwi- schen dem therapeutischen Agens und seiner Wirkung ausgewi esen sein muss (vgl. BGE 133 V 115 E. 3.2.1). Für eine wissenschaftlich begründete Heilmethode ist ferner wichtig, dass sie auf soliden experimentellen Unterlagen (insbesonder e Langzeitstudien) beruht, die den Wir- kungsmechanismus bezeugen (vgl. BGE 133 V 115 E. 3.2.1; GEBHARD EUGSTER , a.a.O., N. 5 zu Art. 32 KVG). 3.3 Der Beschwerdeführer bestreitet in seiner Beschwerd e, dass der Lipotransfer keine anerkannte Methode respektive eine umstrittene Technik m it ungenügender wissenschaftlicher Abstützung sei. Der Lipotransfer werde bereits seit 3 0 Jahren in der rekonstruktiven und ästhe- tischen Chirurgie, insbesondere in der Brustchirurgie der Frau, angewandt und in der Literatur und an Kongressen thematisiert. Der Beschwerdeführer zit iert sowohl einen Artikel aus der Aesthetic Plastic Surgery zum Thema Lipotransfer sowie ein en Ausdruck bezüglich einer Arbeit Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zum Thema „Konturausgleich bei angeborener Fehlbildun g der Brustwand: Custom-made Sili- konimplantate vs. Lipofilling“. Daraus könne entnommen werden, dass der Lipotransfer eine anerkannte und sichere Methode sei, welche bei korrekter A nwendung gute Resultate und we- nig Komplikationen zur Folge habe. Zudem werde durch diese Berichte deutlich, dass Lip- otransfer in Fällen angeborener Deformität der Brust eine gute Alternative zu Silikonimplantaten darstelle. In seinem Fall könne sein unterentwickelter M . pectoralis auch mit einer Latissimus dorsi-Lappenplastik ersetzt werden, welche aber im Verg leich zum Lipotransfer ein erhöhtes Operationsrisiko habe. Er weist zudem darauf hin, dass gem äss Herr Dr. B.____ die Eigenfett- transplantation am Universitätsspital E.____ bereits se it etwa fünf Jahren mit guten Resultaten durchgeführt werde (vgl. Schreiben Dr. B.____ vom 20. November 2013). Deshalb sei bei ihm der Lipotransfer die Methode erster Wahl. 3.4 Gemäss den vorliegenden Arztberichten schlugen die be handelnden Ärzte die Durchfüh- rung eines Lipotransfers vor. Diese Operation könne am bulant erfolgen, benötige aber mehrere Sitzungen, da erfahrungsgemäss mit einer 50-igen Resor ption des transferierten Fettgewebes gerechnet werden müsse. Die Komplikationsraten seien im Vergleich zu anderen Operationen aber nicht erhöht (vgl. Bericht Dr. B.____ vom 25. Sep tember 2012 und 3. Januar 2013). Mit Arztbericht vom 4. April 2013 führte Dr. B.____ aus, da ss der Beschwerdeführer aufgrund sei- nes konsequenten Muskelaufbautrainings durch das Polland-S yndrom keine funktionellen Ein- bussen erlitten habe. Aufgrund dieser Ausgangslage se i der Lipotransfer für den Beschwerde- führer die beste Methode, da durch andere grössere Ope rationen deutliche Narbenareale am Rücken entstehen würden. Jedoch fügte Dr. B.____ an, da ss die Situation rasch dekompensie- ren könne, was eine Operation mit grossem Aufwand un d längerer Hospitalisation nach sich ziehen würde, falls der Beschwerdeführer das exzessive Traini ng sistieren würde. Mit Schrei- ben vom 20. November 2013 bestätigte Dr. B.____, dass es leider keine Langzeitstudien gäbe, die belegen würden, dass der Lipotransfer zu guten Res ultaten führe. Diese Methode sei erst seit etwa fünf Jahren bekannt und werde untersucht. Der Vertrauensarzt der Easy Sana, Dr. med. F.____, FMH Chirurgie, hielt in seiner Stellung nahme zuhanden des Versicherers vom 18. Dezember 2013 an seiner Einschätzung fest, dass der L ipotransfer in der Schweiz keine allgemein anerkannte Methode sei und deshalb keine P flichtleistung der obligatorischen Kran- kenversicherung darstelle. 3.5 Es mag sein, dass für den Beschwerdeführer aufgrund seines intensiven Muskelaufbau- trainings der Lipotransfer subjektiv die beste Methode darstellt. Allerdings gilt es zu beachten, dass dies bedingt, dass der Beschwerdeführer das Trainin g im bisherigen Ausmass aufrecht erhalten muss, ansonsten im Falle des umstrittenen Lipotransfers neue und aufwendige Opera- tionen nötig würden. Neben diesem ungewissen Heilungsve rlauf ist darauf hinzuweisen, dass die Wirksamkeit nach Art. 32 Abs. 1 KVG voraussetzt, dass die strittige Leistung objektiv geeig- net sein muss. Subjektive Präferenzen dürfen nicht berücksichtigt werden. Vor allem aber erfüllt der Lipotransfer das Erfordernis der Wirksamkeit nach Art. 32 Abs. 1 KVG nicht, denn allein aus den vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen (vgl. E. 3.3 hiervor) kann nicht auf eine für den Wirksamkeitsnachweis nach Art. 32 Abs. 1 KVG erf orderliche, von Forschern und Prak- tikern der medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis al s geeignet erachtete Behandlungs- weise geschlossen werden. Dazu fehlen insbesondere wissen schaftliche (Langzeit-)Studien Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zum Lipotransfer betreffend das Ergebnis und die Erfahrungen sowie den Erfolg dieser Behand- lungsmethode. Zudem liegen auch keine anerkannten wissen schaftlichen Erkenntnisse betref- fend etwaiger negativen Spätfolgen eines Lipotransfe rs vor. Es ist folglich nicht dargetan, dass der hier zu beurteilende Lipotransfer als nach interna tionalen wissenschaftlichen Richtlinien anerkannt und damit als im krankenversicherungsrechtlichen Si nne wirksam zu gelten hat. Auch aufgrund der übrigen Akten finden sich keine Anha ltspunkte, die auf das Vorliegen der Wirksamkeit hinweisen würden. Der vorliegende Fall gibt ferner auch keinen Anlass, vom Erfor- dernis, dass ein Behandlungskonzept von Forschern und Praktikern der medizinischen Wissen- schaft auf breiter Basis als geeignet definiert wird, ab zusehen. Eine Vergütung der Kosten er- weist sich erst dann als sachgerecht, wenn zusätzlich gefesti gte Erkenntnisse über die - objek- tive - Eignung einer Behandlung für den medizinischen E rfolg vorliegen. Bei dieser Ausgangs- lage erübrigt sich eine Prüfung der weiteren Voraussetzungen von Art. 32 Abs. 1 KVG, da diese kumulativ erfüllt sein müssen. Somit ist die vorliegende Beschwerde bereits aufgrund des Feh- lens des Wirksamkeitserfordernisses abzuweisen. 4.1 Im Übrigen ist festzuhalten, dass das vom Beschwerdef ührer geltend gemachte Pol- land-Syndrom - entgegen seiner Auffassung - keinen Kran kheitswert im Sinne von Art. 3 Abs. 1 ATSG aufweist. 4.2 Schönheitsfehler, die im Rahmen der natürlichen kö rperlichen Entwicklung entstehen, wie etwa abstehende Ohren, Muttermale gutartiger Na tur oder nicht dem angeblichen Schön- heitsideal entsprechende Brüste, haben keinen Krankheit scharakter im Sinne von Art. 3 Abs. 1 ATSG, soweit damit keine erheblichen Funktionsstörungen verbunden oder konkret zu erwarten sind (vgl. G EBHARD EUGSTER , Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltung s- recht [SBVR], 2. Aufl., Basel 2006, Rz. 260). Massnahme n zu deren Korrektur sind daher nur dann als Pflichtleistungen von der Krankenkasse zu überneh men, wenn das kosmetische Defi- zit körperliche oder psychische Beschwerden mit Krankheitswe rt verursacht und Ziel des Ein- griffs die Behebung dieser krankhaften Begleitumstände ist (vgl. BGE 121 V 213 Erw. 4 mit Hinweisen). Diese Grundsätze, die das EVG in erster Lin ie zum Anwendungsfall der Korrektur von Mammahyperplasien oder -dysplasien entwickelt hat, ste llen in einem weiteren Sinn die generelle Grundlage für die Beurteilung dar, ob die Behebung eines natürlichen Schönheits- mangels eine Pflichtleistung der Krankenkasse ist (vgl. GEBHARD EUGSTER , a.a.O., Rz. 261). Ob ein ästhetischer Mangel als entstellend zu bezeichnen ist , beurteilt sich grundsätzlich nach ob- jektiven Kriterien (vgl. Urteile des EVG vom 17. Janua r 2006, K 135/04, E. 2.3, vom 26. August 2004, K 15/04, E. 3.2.2 sowie Urteil des Bundesgericht s vom 30. Oktober 2008, 9C_126/2008, E. 4.3.2). Dazu gehört auch die gesellschaftliche Anschau ung. Ebenfalls von Bedeutung ist, inwiefern sich der von der Norm abweichende Zustand aus ä sthetischen Gründen negativ auf das Erwerbsleben auswirkt. Mit Blick auf das Gebot der Gle ichbehandlung der Versicherten ist gemäss bundesgerichtlicher Praxis von einem engen Begriffsve rständnis von "entstellend" aus- zugehen. Subjektive Faktoren, insbesondere die persönli che Anschauung, dürfen nicht berück- sichtigt werden. Ihnen wird bei der Frage Rechnung ge tragen, ob der Mangel körperliche oder psychische Beschwerden mit Krankheitswert verursacht, welche mit der Behebung des Man- gels beseitigt werden können (vgl. Urteil des EVG vom 17. Januar 2006, K 135/04, E. 2.3). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Auch wenn natürliche Schönheitsmängel für sich alle ine keinen Krankheitswert aufwei- sen, können diese jedoch Pflichtleistungen auslösen, wen n mit dem kosmetischen Defizit eine körperliche oder psychosomatische Beeinträchtigung mit ausge prägtem Krankheitswert ver- bunden ist. Voraussetzung ist, dass die Beschwerden erheblich sind und andere, vor allem äs- thetische Motive, genügend zurückdrängen (vgl. BGE 121 V 211 E. 4). Solche Funktionsein- schränkungen sind beispielsweise bei schief stehenden Nasen eine erhebliche Behinderung der Nasenatmung oder bei übergrossen Brüsten Wirbelsäulen- o der Nackenbeschwerden. Bei psy- chischen oder psychosomatischen Störungen ist zur Annahme ei nes Krankheitswerts ein schweres psychisches Versagen voraussichtlich dauernder Natur notwendig. Die Forderung nach einem ausgeprägten Krankheitswert erklärt sich darau s, dass erfahrungsgemäss jede gröbere Abweichung von der ästhetischen Norm zu Beeint rächtigungen des psychischen Wohl- befindens führen kann, ohne dass aber deswegen schon von einer Krankheit gesprochen wer- den kann (vgl. GEBHARD EUGSTER , a.a.O., Rz. 261 mit zahlreichen Hinweisen; vgl. au ch Urteile des EVG vom 16. August 2005, K 1/05 und vom 3. November 2005 K 92/05). 4.4 Dem Polland-Syndrom für sich alleine kommt kein Kr ankheitswert zu, was der Be- schwerdeführer zu Recht auch nicht geltend macht. Insb esondere ist dieses nicht als „entstel- lend“ im Sinne der Rechtsprechung (vgl. E. 4.2 hiervor ) zu qualifizieren. Hingegen macht der Beschwerdeführer geltend, dass er seit seiner Jugend psyc hisch sehr stark unter den Folgen des Polland-Syndroms leide. Er leide seit Jahren an ei ner depressiven Erkrankung und Angst- störung, weshalb er auf Medikamente angewiesen sei. Dies e psychische Erkrankung sei durch das Polland-Syndrom mitverursacht und verstärkt worden. Zudem würde sich die Missbildung seiner rechten Brust auch therapeutisch erschwerend auswirke n. Insgesamt liege ein erhebli- cher psychischer Krankheitswert vor. Dieser Auffassung kann n icht beigepflichtet werden. Den ärztlichen Ausführungen können keine Hinweise auf eine erhebliche psychische Erkrankung entnommen werden. Ebenso wenig ist ein allfälliger K ausalzusammenhang zwischen dem Pol- land-Syndrom und der Depression oder den Angstzuständen f achärztlich belegt. Gemäss den vorliegenden Unterlagen war der Beschwerdeführer einzi g am 29. Juni 2012 bei Dr. C.____ in einer psychotherapeutischen Beratung. Darüber hinaus hat er keine weitere psychotherapeuti- sche oder psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen. Es ist somit nicht mit dem Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass zwischen dem Polland-Syndrom und allfälligen psychischen Leiden, welche nur kurz und n icht vertieft behandelt wurden, ein Kausalzusammenhang besteht. Daran ändert auch die Tatsach e nichts, dass sich der Be- schwerdeführer im Februar 2014 für eine Verhaltensthe rapie angemeldet hat (vgl. Schreiben betreffend Orientierungsgespräch vom 3. Februar 2014). Eine Anmeldungsbestätigung zu einer Verhaltenstherapie vermag weder ein erhebliches psychische s Leiden noch die Ursächlichkeit des Polland-Syndroms für die geltend gemachten psychischen Beschwerden nachzuweisen. Die Beschwerde ist demnach auch bezüglich der Rüge, das Polland-Syndrom weise Krank- heitswert auf, abzuweisen. 5. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist das Verfahren kostenlo s, sodass keine Gerichtsgebüh- ren erhoben werden. Entsprechend dem Ausgang des Verfa hrens steht dem nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer gemäss Art. 61 lit. g ATSG auch keine Parteientschädigung zu. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.