B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3274/2013 U r t e i l v o m 1 6 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn; Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien 1. A._______, geboren (…), dessen Ehefrau 2. B._______, geboren (…), und deren Kind 3. C._______, geboren (…), Eritrea, c/o schweizerische Vertretung in Khartum, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 19. November 2012 / N (…). D-3274/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer (1) suchte mit undatiertem Schreiben ([…]) an die schweizerische Botschaft in Khartum (Eingangsstempel: 14. Februar 2011) für sich, seine Ehefrau (2) und ihr Kind (3) s inngemäss um Asyl nach. B. Mit Schreiben vom 21. Februar 2011 leitete die Schweizer Botschaft das Asylgesuch an das BFM weiter. C. C.a Mit über die Schweizer Botschaft versandter Zwischenverfügung vom 30. Juli 2012 – zugestellt am 30. August 2012 – teilte das Bundesamt den Beschwerdeführenden unter Hinweis auf das Urteil BVGE 2007/30 mit, die schweizerische Botschaft sei aufgrund der Zunahme der eingereic h- ten Asylgesuche, des begrenzten Personalbestands sowie wegen fehle n- der Voraussetzungen im sicherheitstechnische n und räumlichen Bereich nicht mehr in der Lage, eine persönliche Befragung durchzuführen ; das BFM ersuchte sie in diesem Zusammenhang unter Hinweis auf ihre Mi t- wirkungspflicht zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhalts um Beantwortung konkreter Fragen betreffend persönliche Angaben, Fa- milie und Angehörige in einem Drittstaat, Asylgründe der Beschwerdefüh- renden (1 und 2), Aufenthalt im Sudan sowie um Einreichung von Dok u- menten und Beweismitteln bis zum 30. August 2012, wobei für den Fall schuldhafter Verletzung der Mitwirkungspflicht Nichteintreten auf die Asyl- gesuche angedroht beziehungsweise für den Unterlassungsfall ein En t- scheid aufgrund der Aktenlage beziehungsweise die Abschreibung der Asylgesuche als gegenstandlos in Aussicht gestellt w urde. Schliesslich wurde den Beschwerdeführenden für den Fall, dass den Rechtsbegehren nicht stattgegeben werden könnte, Gelegenheit zu abschliessenden B e- merkungen beziehungsweise Einwänden innert der erwähnten Frist ei n- geräumt. C.b Das nicht datierte Antworts chreiben traf am 19. September 2012 (Eingangsstempel) bei der Schweizer Botschaft ein. D. In ihren schriftlichen Eingaben machten die Beschwerdeführenden zur Begründung ihrer Asylgesuche im Wesentlichen das Folgende geltend, D-3274/2013 Seite 3 wobei sie zur Stützung ihrer Vorb ringen den Flüchtlingsausweis des B e- schwerdeführers (1), […] in Kopie zu den Akten reichten. D.a Der Beschwerdeführer (1) sei in D._______ geboren und aufgewach- sen. Im (…) habe er die elfte Schulklasse beendet und sei anschliessend nach E._______ zur zwölften Schulklasse und zum militärischen Training eingezogen worden. Er habe die Tatsache, von da an militärischem B e- fehl zu unterstehen, obwohl er Schüler gewesen sei, nicht akzeptieren können. Deshalb sei er im (…) in den Sudan geflüchtet. Dort se i er im Flüchtlingslager (…) vom Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Ver- einten Nationen (UNHCR) als Flüchtling anerkannt worden. Aufgrund feh- lender materieller Unterstützung sei er nach Khartum gezogen. Im Sudan habe er seine Lebensumstände kaum verbessern können. D.b Die Beschwerdeführerin (2) sei in F._______ geboren und aufg e- wachsen. Im Jahr (…) sei sie nach E._______ beordert worden und a n- schliessend im Nationaldienst gewesen. Im (…) habe ihr Vorgesetzter versucht, sie zu vergewaltigen, doch habe sie si ch zur Wehr gesetzt, weshalb er sie zum Arbeitsplatz habe zurückkehren lassen, jedoch ver- bunden mit der Warnung, ihn nicht blosszustellen beziehungsweise den Vorfall nicht preiszugeben. Im Jahr (…) sei sie der Kirche "G._______" beigetreten und deswegen, w ie andere Angehörige der H._______, ver- folgt worden. Im (…) sei sie zusammen mit weiteren Gläubigen kurzzeitig inhaftiert worden. Im (…) sei sie erneut während (…) im Gefängnis "H._______" inhaftiert worden. Im (…) sei sie aufgrund drohender weite- rer Verfolgung wegen ihres Glaubens in den Sudan ausgereist. Dort wü r- de sie einer Arbeit nachgehen und die Familie finanziell tragen, befinde sich jedoch in grossen finanziellen Schwierigkeiten. Der Zugang zum A r- beitsmarkt sei eingeschränkt und sie habe kaum Möglichkeiten, gegen unfaire Behandlung am Arbeitsplatz etwas zu unternehmen. Zudem sorge sie sich um die Zukunft ihrer Tochter (3), da sie ihr keine geeignete Unter- stützung bieten könne. Da sie als Flüchtlinge als Illegale betrachtet wü r- den, seien sie Benachteiligungen durch die sudanesischen Behörden und durch zivile Personen ausgesetzt. I._______, (…), sei in J._______ wohnhaft. E. Mit über die Schweizerische Botschaft versandter Verfügung vom 19. November 2012 – zugestellt am 7. Mai 2013 – verweigerte das Bun- desamt den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz und lehnte deren Asylgesuche ab. D-3274/2013 Seite 4 F. Mit undatierter englischsprachiger Eingabe an die Schweizerische Bo t- schaft (Eingangsstempel: 2 7. Mai 2013 ), welches Dokument am 7. Juni 2013 vom BFM an das Bun desverwaltungsgericht (Eingangsstempel: 10. Juni 2013) weitergeleitet wurde, beantragten die Beschwerdeführe n- den sinngemäss, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und i h- nen die Einreise in die Schweiz zu bewilligen beziehungsweise Asyl zu gewähren. Als Beweismittel wurde das bereits im erstinstanzlichen Ve r- fahren eingereichte Antwortschreiben vom 19. September 2012 erneut zu den Akten gereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Aus - nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde; es entscheidet au f dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Partei Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. Septem- ber 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft getr e- ten sind, wurden unter anderem die Bestimmungen betreffend das Stellen von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsbesti m- mung (Ziffer III) hält jedoch fest, dass für die im Ausland vor dem Inkraf t- treten der Änderung vom 28. September 2012 gestellten Gesuche die massgeblichen Artikel (Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fassung anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden Fall die bisherigen Bestimmungen betreffend das Auslandverfahren a n- zuwenden. D-3274/2013 Seite 5 1.3 Ebenfalls in den erwähnten dringlichen Änderungen hat der Gesetz - geber neu Art. 3 Abs. 3 AsylG eingeführt, wonach Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausge - setzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, keine Flüchtlinge sind. Vorbehalten bleibt das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30). Bei den am 29. September 2012 hängigen Verfahren stellt sich deshalb die Frage der intertemporalen Geltung dieser neuen Gesetzes - bestimmung. Demnach ist Art. 3 Abs. 3 AsylG in Beschwerdeverfahren bezüglich Verfügungen, die das BFM vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Norm am 29. September 2012 erliess, nicht anzuwenden. Hingegen findet die neue gesetzliche Bestimmung in jenen Fällen Anwendung, die – wie in casu – seit dem 29. September 2012 vom BFM entschieden wu r- den beziehungsweise werden (vgl. das zur Publikation vorgesehene U r- teil des Bundesverwaltungsgerichts D -5699/2011 vom 1. Mai 2013 E. 3.2). 2. 2.1 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann inde s- sen verzichtet werden, da der in Englisch verfassten Beschwerdeeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne Weiteres darüber befunden werden kann. 2.2 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders b e- rührt, haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezi e- hungsweise Änderung und sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert. Auf die frist - und – vom sprachlichen Mangel abgesehen – formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4. Über offensichtlich unbegründete Beschw erden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten D-3274/2013 Seite 6 Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG), weshalb der Beschwerd e- entscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Ge- stützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schrif- tenwechsels verzichtet. 5. 5.1 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische Justiz - und Polizeidepartement (EJPD) schweizerische Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass ei- ne unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 5.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und obj ektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Einglied e- rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschla g- gebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzb e- dürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prüfung der Fragen, ob e i- ne Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126 und E. 5.1 S. 128, vgl. auch die Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D-2018/2011 vom 14. September 2011 E. 7.1). 5.3 Gemäss neuer Rechtsprechung schliesst indes im Auslandverfahren das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft allein aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen die Bewilligung zur Einreise von vornherein aus. Dem- zufolge kommt der Frage massgebliches Gewicht zu, ob die Person, die aus einem Drittstaat ein Asylgesuch stellt, bereits zum Zeitpunkt der Au s-D-3274/2013 Seite 7 reise eine asylrechtlich relevante Gefährdung zu gewär tigen hatte (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/26 E. 7 S. 519 f.). 6. Ein Asylgesuch kann gemäss Art. 19 AsylG im Ausland bei einer schwe i- zerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich d es Verfahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht Art. 10 der Asyl - verordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt (Art. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung kann sich erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als en t- scheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Person ist aber diesfalls im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu ei - nem abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu äussern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7). 6.1 Die Beschwerdeführenden wurden nicht zu ihren Asylgesuchen b e- fragt. Sie haben ihre Vorbringen jedoch bereits im Asylgesuch vom 14. Februar 2011 schriftlich dargelegt (vgl. Sachverhalt Bst. A). Zudem wurde ihnen in der Folge mit Zwischenverfügung des BFM vom 30. Juli 2012 ein Katalog von für die vollständige Erstellung des rechtserheb - lichen Sachverhalts noch zu beantwortenden offenen Fragen zugestellt, wozu sie am 19. September 2012 schriftlich Stellung genom men haben (vgl. Sachverhalt Bst. C). Der entscheidwesentliche Sachverhalt erscheint angesichts der schriftlichen Darlegung der Asylgründe soweit erstellt, dass die entscheidrelevanten Elemente vorliegen. 6.2 Bei dieser Sachlage bestand keine Veranlassung, die Beschwer- deführenden vorgängig eines Entscheides durch eine schweizerische Vertretung zusätzlich persönlich anhören zu lassen. Das BFM hat den verfahrensrechtlichen Anforderungen damit Genüge getan. 7. 7.1 Das BFM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesent lichen aus, die schriftlichen Vorbringen der Beschwerdeführenden liessen darauf schliessen, dass sie ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den eritre i- schen Behörden hätten. Es sei zu prüfen, ob einer allfälligen Asylgewä h-D-3274/2013 Seite 8 rung durch die Schweiz der Asylaussch lussgrund von Art. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehen würde. Laut Berichten des UNHCR befänden sich zahlreiche eritreische Flüchtlinge und Asylbewerber im Sudan. Vor die- sem Hintergrund verkenne das BFM nicht, dass die Lage vor Ort für diese Menschen wie auch für die Beschwerdeführenden nicht einfach sei. Den- noch würden keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, dass ein weiterer Verbleib im Sudan für die Beschwerdeführenden nicht zumutbar oder möglich wäre. Vom UNHCR im Sudan registrierte Flüch t- linge seien einem Flüchtlingslager zugeteilt worden, wo sie sich aufzuha l- ten hätten und die nötige Versorgung erhielten, wobei sie über kein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land verfügten. Den Beschwerdeführe n- den sei daher zuzumuten, wieder in das ihnen zugewiesene Flüchtlings- lager zurückzukehren oder sich beim UNHCR zu melden, falls ihre Situ a- tion tatsächlich kritisch sein sollte. Das Leben in Khartum sei für eritre i- sche Flüchtlinge gewiss nicht einfach. Angesichts des langjährigen Au f- enthalts und der gelegentlichen Arbeitstätigkeit der Beschwerdeführenden im Sudan könne jedoch davon ausgegangen werden, dass die Hürden für eine zumutbare Existenz in Khartum in casu nicht unüberwindbar seien. Zudem stellten eine schwierige Lebenssituation und insofern hum anitäre Überlegungen keinen Grund für eine Einreisebewilligung dar. Überdies könnten sich die Beschwerdeführenden auf eine grosse im Sudan lebe n- de eritreische Diaspora stützen, die für in Not geratene Landsleute bereit- stehe und weitgehend Unterstützung bie te. Schliesslich lebten gemäss den Angaben der Beschwerdeführenden keine nahen Verwandten oder Bezugspersonen in der Schweiz. Auch sonst seien den Akten keine Hi n- weise auf allfällige Anknüpfungspunkte zur Schweiz ersichtlich. Aufgrund dessen sei keine beso ndere Beziehungsnähe gegeben, welche die v o- rangegangenen Feststellungen umzustossen vermöge. Mithin benötigten sie den subsidiären Schutz der Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht, weshalb ihnen zuzumuten sei, im Sudan zu verbleiben. 7.2 Die Beschwerde bes chränkt sich sinngemäss auf eine Wiederholung der bisherigen Vorbringen , wobei z usätzlich die Situation der Beschwe r- deführenden im Sudan ausführlicher dargestellt wird ([…]). 8. Die Überprüfung der Akten ergibt, dass das BFM – wenn auch mit wenig differenzierter Begründung – den Beschwerdeführenden zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert und die Asylgesuche abgelehnt hat. D-3274/2013 Seite 9 8.1 Vorweg ist – im Lichte der bereits erwähnten, neuen Praxis des Bu n- desverwaltungsgerichts besehen (vgl. vorstehend E. 5.3 bzw. BVGE 2012/26 E. 7 S. 519 f.) – zu prüfen, ob d ie Beschwerdeführenden zum Zeitpunkt der Ausreise aus Eritrea einer Gefährdung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG ausgesetzt waren. 8.1.1 Die Vorinstanz ging in der angefochtenen Verfügung vom Bestehen einer Gefährdungssitu ation im Heimatstaat de r Beschwerdeführenden aus. Sie führte aus, die Ausführungen im Auslandgesuch sowie in der Stellungnahme liessen darauf schliessen, dass die Beschwerdeführenden ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden h ätten. Diese Einschätzung erfolgte offenbar ohne differenzierte Prüfung. Sie kann jedenfalls vom Bundesverwaltungsgericht so nicht tel quel bestätigt werden. 8.1.2 Die Vorbringen des Beschwerdeführers (1) lassen nicht darauf schliessen, dass er bereits zum Zeitpunkt der A usreise aus dem Heima t- staat in asylrelevanter Weise bedroht oder verfolgt worden wäre. Allein aus dem Umstand, dass das zwölfte Schuljahr in E._______ unter militä- rischer Obhut organisiert gewesen und durchgeführt worden sei , was er als Schüler nicht akzep tiert habe, lassen sich noch keine asylbeachtl i- chen Nachteile beziehungsweise eine begründete Furcht vor solchen a b- leiten. Selbst wenn von einer Wehrdienstverweigerung oder Desertion des Beschwerdeführers – wofür indes in casu aufgrund der Aktenlage keine konkreten Anhaltspunkte bestehen – ausgegangen würde, wäre ei- ne asylrelevante Verfolgungs - oder Bedrohungssituation gestützt auf die Bestimmung von Art. 3 Abs. 3 AsylG zu verneinen (vgl. vorstehend E. 1.3). 8.1.3 Was die Beschwerdeführerin (2) betrifft, lag der geltend gemachte Vergewaltigungsversuch im (…) zum Zeitpunkt der Ausreise aus dem Heimatstaat im (…) bereits mehr als fünf Jahre zurück. Unter diesen Um- ständen ist das Vorliegen eines in zeitlicher und sachlicher Hinsicht erfo r- derlichen engen Kausalzusammenhangs zwischen Verfolgung und Flucht zu verneinen. Dasselbe gilt für die aus religiösen Gründen geltend g e- machte Verfolgung. Es trifft zwar zu, dass in Eritrea Repressionen gegen ihren Glauben praktizierende Mitglieder beziehungsweise Führungspe r- sonen nic ht anerkannter Religionsgemeinschaften, darunter H._______, nicht auszuschliessen sind. Indessen erfolgte die erste Inhaftierung der Beschwerdeführerin ihren Angaben zufolge bereits im (…) und war nach (…) Stunden beendet. Die zweite soll im (…) stattgefunden und (…) ge-D-3274/2013 Seite 10 dauert haben. Indes wartete die Beschwerdeführerin in der Folge bis zum Verlassen des Heimatstaats noch während mehr als (…) Jahren zu, wes- halb der erwähnte, erforderliche enge Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht auch in Bezug auf dieses Vorbringen verneint wer- den muss. Was eine allfällige Desertion der Beschwerdeführerin anb e- langt, wäre eine asylrelevante Verfolgungs- oder Bedrohungssituation ge- stützt auf die Bestimmung von Art. 3 Abs. 3 AsylG ebenfalls zu verneinen (vgl. vorstehend E. 1.3). 8.2 Zugunsten der Beschwerdeführenden 1 und 2 – ihre Tochter (3) wur- de im Ausland geboren – ist indes davon auszugehen, dass sie ihr Hei- matland illegal verlassen ha ben. Wie diesbezüglich bereits vorstehend unter E. 5.3 festgehalten, is t unter diesen Umständen die Einreise de r Beschwerdeführenden trotz allfälligen Bestehens der Flüchtlingseige n- schaft und Beziehungsnähe zur Schweiz nicht zu bewilligen, da sie auf- grund subjektiver Nachfluchtgründe vom Asyl auszuschliessen sind (vgl. zu subjektiven Nachfluchtgründen BVGE 2009/29 E. 6.2-6.5 [Präzisierung der Rechtsprechung]; im eritreischen Kontext: Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts D-3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3-5.3.3). 8.2.1 Gemäss Art. 11 der "Proclamation No. 24/1992" – welche die Ein - und Ausreise nach und von Eritrea regelt – ist ein legales Verlassen des Landes lediglich mit einem gültigen Reisepass und einem zusätzlichen Ausreisevisum möglich. Die Ausreise ohne die erforderlichen Dokumente wird gemäss Art. 29 dieses Erlasses mit ein er Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren und/oder einer Busse bis zu 10'000 Birr – der in Eritrea bis zur Einführung der eigenen Landeswährung Nakfa gültigen äthiopischen Währung – sanktioniert. In der Praxis werden Ausreisevisa bereits seit mehreren Jahren nur noch unter sehr restriktiven Bedingungen und g e- gen Bezahlung hoher Geldbeträge (im Gegenwert von rund $ 10'000) an wenige, als loyal beurteilte Personen ausgestellt, wobei Kinder ab elf Jah- ren, Männer bis zum Alter von 54 Jahren und Frauen bis 47 Ja hre grund- sätzlich von der Visumserteilung ausgeschlossen sind. Verschiedentlich gab es auch Zeiten, in welchen überhaupt keine derartigen Dokumente mehr erhältlich waren, selbst bei Vorliegen eines gültigen Reisepasses. Wer versucht, das Land ohne behördli che Erlaubnis zu verlassen, riskiert neben der gesetzlich angedrohten Bestrafung sein Leben, da die Gren z- schutztruppen gemäss übereinstimmenden Quellen den Befehl haben, Fluchtversuche mit gezielten Schüssen zu verhindern. Das eritreische Regime erachtet d as illegale Verlassen des Landes als Zeichen polit i- scher Opposition gegen den Staat und versucht mit den drakonischen D-3274/2013 Seite 11 Massnahmen der sinkenden Wehrbereitschaft und der Massenfluchtb e- wegung in der Bevölkerung – jährlich kehren mehrere Tausend Staatsan- gehörige dem Land wegen der zunehmenden Militarisierung, der unb e- grenzten Dienstdauer und der sich verschlechternden Menschenrechtsl a- ge den Rücken – Herr zu werden (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsg e- richts D-3892/2008 vom 6. April 2010 E.5.3.2). 8.2.2 Aufgrund der Ak ten ist davon auszugehen, dass d ie Beschwerde- führenden ihren Heimatstaat im Alter von (…) (1) beziehungsweise (…) (2) Jahren illegal, das heisst ohne behördliches Ausreisevisum, verlassen haben, weshalb ih nen bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Fre i- heitsstrafe bis zu fünf Jahren drohen würde. Somit lieg en subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG vor. Mithin würde n die B e- schwerdeführenden, befänden sie sich in der Schweiz, hier praxisgemäss – und auch im Kontext des zwischenzeitlich neu in Kraft getretenen Art. 3 Abs. 3 AsylG besehen – als Flüchtlinge anerkannt. Indes würde ih nen – unter Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz – das Asyl verweigert; als gefährdete Person en würden sie wegen Unzulässigkeit des Vollzugs im Sinne einer Ersatzmassnahme vorläufig aufgenommen. 8.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es de n Beschwerdeführen- den nicht gelungen ist, eine zum Zeitpunkt der Ausreise aus Eritrea akt u- elle Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darzulegen. Da die drohende Verfolgung allein auf subjektive Nachfluchtgründe zurückzuführen ist, ist ihnen die Einreisebewilligung zu verweigern und sind die Asylgesuche aus dem Ausland abzulehnen. Bei dieser Sachlage erübrigen sich weitere Erörterungen zum Schutz beziehungsweise zur Zumutbarkeit de s Verbleibs im Drittstaat – in casu der Sudan – und zu einer allfälligen B e- ziehungsnähe zur Schweiz. Es erübrigt sich auch, auf die weiteren Vo r- bringen in der Beschwerde einzugehen, da diese keine neuen Begrü n- dungselemente enthalten, welche geeignet wären, die Einschätzung des BFM entscheidend zu relativieren. Das BFM hat demnach de n B e- schwerdeführenden im Ergebnis zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert und die Asylgesuche abgelehnt. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügu ng Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist ( Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen. D-3274/2013 Seite 12 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus ver- waltungsökonomischen Gründen und in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsge- richt (VGKE, SR 173.320.2) ist indes auf die Erhebung von Verfahren s- kosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3274/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige schweizerische Vertretung. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand: