Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 13. Januar 2021 (810 20 206) ____________________________________________________________________ Rechtspflege Rechtsverweigerung/Rechtsverzögerung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Nikla us Ruckstuhl, Markus Clausen, Hans Furer, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin i.V. Daniela Hottiger Beteiligte A. ____ , vertreten durch Claudia von Wartburg Spirgi, Advokatin gegen Bildungs -, Kultur - und Sportdirektion des Kantons Basel - Landschaft , Beschwerdegegnerin A. A.____ ist zu 50% als Heilpädagogin in den Kinderg ärten in B.____ tätig und für diese Tätigkeit in Lohnklasse 12 eingestuft. B. Am 9. Februar 2017 reichte die Arbeitsgruppe Heil pädagoginnen und Heilpädagogen Kindergärten Baselland, vertreten durch A.____, ein Schreiben bei der Bildungs-, Kultur und Sportdirektion des Kantons Basel-Landschaft (BKSD) ein, in welchem sie darauf hinwies, dass die Ausbildung von Heilpädagoginnen und Heilpädagogen für die Primarschulstufe und mit der- jenigen für die Kindergartenstufe vergleichbar sei. De nnoch würden "Schulische Heilpädago- ginnen und Heilpädagogen" in Lohnklasse 11 und "Vorschu lheilpädagoginnen und Vorschul- heilpädagogen" in Lohnklasse 12 eingestuft. Diese Ungle ichheit sei noch verstärkt worden Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch die angepasste Lohneinstufung der Kindergartenlehrpersonen an die Primarschullehrper- sonen per August 2016. C. Im Antwortschreiben vom 22. März 2017 bestätigte di e Regierungsrätin C.____, Vor- steherin der BKSD, es liege auf der Hand, dass die Einreihung und die Anstellungsbedingungen für Heilpädagoginnen und Heilpädagogen geändert wer den müssten, und versicherte der Ar- beitsgruppe Heilpädagoginnen und Heilpädagogen Kind ergärten Baselland, dass an einer Lö- sung gearbeitet werde. Erste Resultate der zu diesem Zwe ck beauftragten paritätischen Ar- beitsgruppe seien im Januar 2018 zu erwarten. D. Am 10. Mai 2019 reichte A.____, vertreten durch Cl audia von Wartburg, Advokatin in Binningen, einen Antrag auf Neueinreihung in Lohnkla sse 11, Erfahrungsstufe 12, rückwirkend ab Februar 2017 bei der BKSD ein. Als Begründung fü hrte sie an, dass der Kindergarten seit HarmoS Teil der Primarschule sei, Heilpädagogen in Primarschulen in Lohnklasse 11 eingereiht seien und sich eine Ungleichbehandlung dieser beiden Ber ufe in keiner Art und Weise rechtfer- tigen lasse. Des Weiteren verwies sie auf das Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (KGE VV), vom 9. Januar 2019 (810 18 186), worin die Lohnklasseneinreihung einer Heilpädagogin i m Kindergarten basierend auf den aktu- ell geltenden Modellumschreibungen als willkürlich eing estuft und die Angelegenheit zur (rück- wirkenden) Neueinreihung nach Inkrafttreten der noch zu erlassenden neuen Einreihungsgrund- lagen an die BKSD zurückgewiesen wurde. E. Am 3. Juni 2019 bestätigte die BKSD den Eingang de s Antrags auf Neueinreihung und sicherte A.____ die Gleichbehandlung entsprechend dem Urteil des Kantonsgerichts vom 9. Januar 2019 zu. Zugleich hielt die BKSD fest, dass be i Änderung der Modellumschreibung für die Heilpädagogik auf Kindergartenstufe eine rückw irkende Nachzahlung ab dem 13. Mai 2019 erfolgen werde. Der Antrag werde bis zur Änderu ng der Modellumschreibung pendent gehalten. F. In ihrem Schreiben vom 21. Juni 2019 erklärte A.__ __, dass der Antrag auf Neueinrei- hung in eine höhere Lohnklasse bereits seit Februar 201 7 bestehe. Sie erwarte eine neue Mo- dellumschreibung bis spätestens September 2019, damit ihr Antrag entsprechend behandelt werden könne, ansonsten würde sie eine Rechtsverweigeru ngs- bzw. Rechtsverzögerungsbe- schwerde einreichen. G. Am 25. Juli 2019 informierte das Personalamt A.____ über den Stand des Verfahrens und das weitere Vorgehen. Weiter teilte es ihr mit, dass der Beschluss des Regierungsrates voraussichtlich Anfang 2020 erwartet werde. H. Im Antwortschreiben vom 26. August 2019 erklärte A._ ___, sie gehe davon aus, dass die Modellumschreibungen effektiv im Januar 2020 vorlägen. Andernfalls würde sie ohne weite- re Schreiben eine Rechtsverweigerungsbeschwerde einreichen. I. Mit Eingabe vom 25. August 2020 reichte A.____ Besch werde wegen Rechtsverzöge- rung/Rechtsverweigerung beim Kantonsgericht ein. Die Beschwerdeführerin verlangt, dass die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht BKSD anzuweisen sei, einerseits auf ihren Antrag vom 10. Mai 2019 auf Einstufung in eine hö- here Lohnklasse einzutreten und andererseits unverzüglich eine Modellumschreibung für die Heilpädagogik in der Primarschule auszuarbeiten. Ausserd em sei ihr eine angemessene Par- teientschädigung zuzusprechen. Alles unter o/e-Kostenfolge. J. In der Vernehmlassung vom 22. Oktober 2020 schliesst di e BKSD auf Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 32 Abs. 4 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist eine Beschwer de wegen Verletzung verfassungs- mässiger Rechte, ohne dass der Instanzenzug ausgeschöpft we rden muss, zulässig gegen die Verweigerung oder Verzögerung von Verfügungen, Entsche iden oder Beschlüssen, die in die Kompetenz der Behörden und Gerichte im Sinne der Absä tze 1 und 2 der Bestimmung fallen. Absatz 1 bezeichnet die Beschwerde wegen Verletzung ver fassungsmässiger Rechte als zu- lässig gegen Verfügungen und Entscheide des Regierungsra tes, letztinstanzliche Entscheide der Direktionen sowie Beschlüsse des Landrates, sofern dem Verfassungsgericht die Zustän- digkeit nicht durch dieses Gesetz, durch andere Gesetze o der durch die Verfassung entzogen ist. Absatz 2 erklärt die Beschwerde auch für zulässig gege n Verfügungen und Entscheide an- derer Behörden und Gerichte, welche die kantonale Ges etzgebung und die Verfassung der Verwaltungsgerichtsbarkeit unterstellt. 1.2 Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die BKS D. In Bezug auf die Eintretens- frage sind die beiden Begehren der Beschwerdeführerin auseinanderzuhalten. Einerseits ver- langt sie, dass die BKSD einen Entscheid in Bezug auf i hren Antrag zur Einstufung in eine hö- here Lohnklasse fällen soll, und andererseits sei die B KSD anzuweisen, unverzüglich eine Mo- dellumschreibung für Heilpädagogik in der Primarstufe auszuarbeiten. 1.3.1 Zur Beschwerde wegen Verletzung verfassungsmässiger Rechte ist gemäss § 33 lit. a VPO befugt, wer durch die angefochtene Verfügung – b zw. im Falle der Rechtsverweigerung aufgrund des Ausbleibens einer solchen Verfügung – ber ührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an der Änderung oder Aufhebung resp. bei einer Rechtsverweigerung an der Beurteilung der Zulässigkeit einer allfälligen behördlichen Untät igkeit hat. Im Rahmen des Eintretens muss von der Beschwerdeführerin nur glaubhaft gemacht werd en, dass eine Verweigerung oder Ver- zögerung einer anfechtbaren Verfügung durch die zustän dige Behörde vorliegt und ein An- spruch auf Erlass dieser Verfügung besteht (vgl. M ARKUS MÜLLER /P ETER BIERI , in: Auer/ Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Auflage, Zürich 2019, N 21 zu Art. 46a VwV G; BGE 135 II 60 E. 3.1.2). Ein solcher Anspruch besteht dann, wenn einerseits eine Behörde n ach dem anzuwendenden Recht ver- pflichtet ist, in Verfügungsform zu handeln, und wenn andererseits die gesuchstellende Person, Organisation oder Behörde nach § 4 des Verwaltungsverf ahrensgesetzes Basel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 i.V.m. § 31 VwVG BL Parte istellung beanspruchen kann. Ist Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht noch kein Verwaltungsverfahren hängig und wird die B ehörde nur auf Gesuch hin tätig, so wird zusätzlich vorausgesetzt, dass bei der Behörde zunächst ein G esuch um Erlass der betreffen- den Verfügung gestellt wurde (vgl. A LFRED KÖLZ /ISABELLE HÄNER /MARTIN BERTSCHI , Verwal- tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Auflage, Zürich 2013, Rz. 1306 ff.; BVGE 2008/15 E. 3.2). 1.3.2 Eine Rechtsverweigerung bzw. Rechtsverzögerung im S inne von § 32 Abs. 4 VPO erfolgt stets informal. Bei Rechtsverweigerungs- und Rech tsverzögerungsbeschwerden liegt somit definitionsgemäss keine Verfügung als Anfechtungso bjekt vor bzw. eine solche wird fin- giert (vgl. R ENÉ RHINOW /HEINRICH KOLLER /CHRISTINA KISS /DANIELA THURNHERR /DENISE BRÜHL - MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, Rz. 695). Verweigert eine Behörde hingegen verfügungsmässiges Handeln förmlich, indem sie einen Nichteintretensentscheid fällt, liegt keine Rechtsverweigerung vor. Vielmehr hat die Behörde diesfalls eine negative Verfügung gefällt, die der allgemeinen, fristgebundenen Verwal tungsbeschwerde unterliegt (MÜLLER /BIERI , a.a.O., N 14 zu Art. 46a VwVG). Bei einfachen Schreiben der Verwaltung kommt es nicht darauf an, ob sie als Verfügung gekennzeichnet sind oder ob sie den gesetzlichen Formvorschriften für eine Verfügung entsprechen. Massgebend ist vielmehr, o b die charakteristischen Struktur- merkmale einer Verfügung vorliegen und das Schreiben au f die verbindliche Regelung des Rechtsverhältnisses ausgerichtet ist (K ÖLZ /HÄNER /BERTSCHI , a.a.O., Rz. 888). Eine Verfügung liegt demnach vor, wenn die Verwaltungshandlung einer Behörde ein konkretes verwaltungs- rechtliches Rechtsverhältnis rechtsgestaltend oder feststelle nd in verbindlicher und erzwingba- rer Weise regelt (vgl. § 2 VwVG BL). 1.4.1 Die BKSD ist eine von § 32 Abs. 4 VPO i.V.m. § 32 Abs. 1 VPO erfasste Behörde und gemäss § 12 Abs. 2 des Dekrets zum Personalgesetz (Pers onaldekret, PersD) vom 8. Juni 2000 zuständig für den Antrag der Beschwerdeführerin z ur Einreihung in ein Lohnband (bzw. gemäss früherer Terminologie: in eine Lohnklasse). 1.4.2 Vorliegend hielt die BKSD explizit fest, dass der Antrag der Beschwerdeführerin pen- dent gehalten und erst bei Vorliegen der angepassten Modellumschreibungen behandelt werde. Das Schreiben der BKSD zielte nicht darauf ab, das Recht sverhältnis verbindlich zu regeln, sondern es diente zur Information, dass eine Verfügung später erfolgen werde. Es wurde auch kein Nichteintretensentscheid gefällt. Somit liegt kei n förmliches Anfechtungsobjekt vor und die Beschwerde kann als Rechtsverzögerungs- bzw. Rechtsverweiger ungsbeschwerde nach § 32 Abs. 4 VPO entgegengenommen werden. 1.5.1 Im Hinblick auf das Begehren der Beschwerdeführer in, die BKSD sei anzuweisen, un- verzüglich die neuen Modellumschreibungen auszuarbeiten, ist die Eintretensfrage differenziert zu beurteilen. Das Rechtsverweigerungs- und das Rechtsverzö gerungsverbot sind Teilgehalte von Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerische n Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 und beziehen sich auf das Verfahren der Rechtsanwendung, nicht aber auf das Rechtsetzungsverfahren (BGE 137 I 305 E. 2.4). Im Recht setzungsverfahren kann sich ein all- fälliger Anspruch auf gesetzgeberisches Handeln ausnahmsw eise aus der Norm, die den ent- sprechenden Gesetzgebungsauftrag enthält, ergeben. Diesf alls ist der Anspruch auf gesetzge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht berisches Handeln nicht aus Art. 29 BV, sondern aus der Norm abzuleiten, die den Gesetzge- bungsauftrag enthält (vgl. BGE 137 I 305 E. 2.4). 1.5.2 Die Beschwerdeführerin verlangt die Anweisung de r BKSD zur Ausarbeitung von neu- en Modellumschreibungen. Die aktuell geltenden Model lumschreibungen wurden vom Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) auf Grundlage von § 10 Abs. 1 PersD im Anhang I der Verordnung zum Personalgesetz (Persona lverordnung, PersVo) vom 19. Dezember 2000 erlassen und haben gemäss der Rechtspr echung des Kantonsgerichts Verordnungscharakter (KGE VV vom 9. Januar 2019 [810 18 186] E. 3.2 mit weiteren Hinwei- sen). Eine Anweisung, die Modellumschreibungen auszuarbe iten, würde sich auf das Gesetz- gebungsverfahren beziehen und müsste aus diesem Grund an den Gesetzgeber, im vorliegen- den Fall den Regierungsrat, gerichtet sein. Dieser ist jedoch vorliegend nicht Adressat der Be- schwerde und somit nicht Partei im Verfahren, weshalb i n Bezug auf diesen Antrag der Be- schwerdeführerin nicht auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob der BKSD eine Rechtsverzögerung bzw. Rechtsverweigerung vorzuwerfen ist. 3.1 Die Beschwerdeführerin rügt die Nichtanhandnahme ihres Antrages vom 10. Mai 2019 auf rückwirkende Einreihung in eine höhere Lohnklasse ab Februar 2017. Sie habe einen ers- ten Antrag auf Neueinreihung bereits am 9. Februar 2017 gestellt und daraufhin die Auskunft bekommen, dass erste Resultate im Januar 2018 vorliege n würden. Da jedoch in der Folge nichts geschehen sei, habe sie den zweiten Antrag im Mai 2019 gestellt. Mit Schreiben vom 3. Juni 2019 seien ihr die Gleichbehandlung bestätigt und eine rückwirkende Nachzahlung bei Änderung der Modellumschreibungen ab dem 13. Mai 201 9 in Aussicht gestellt worden. Es sei eine Ankündigung gefolgt, dass die Modellumschreibung en im Januar 2020 vorliegen sollten. Nachdem sie aus einem Protokoll der Amtlichen Kantonalkonferenz der Lehrerinnen und Lehrer vom 20. Mai 2020 erfahren habe, dass die Stellenbeschrei bungen erst in Vernehmlassung sei- en, ohne dass ein konkreter Zeitplan vorläge, habe sie am 25. August 2020 Beschwerde wegen Rechtsverweigerung bzw. Rechtsverzögerung erhoben. Sie w arte seit über 3,5 Jahren auf die Behandlung ihres Antrages. Es geschehe nichts, was die B KSD stets mit dem Hinweis begrün- de, dass sie nicht entscheiden könne, bevor die neuen Mod ellumschreibungen ausgearbeitet worden seien. Die BKSD sei vom Kantonsgericht bereits a m 9. Januar 2019 dazu aufgefordert worden, neue Einreihungsgrundlagen zu schaffen. Diese lägen jedoch bis heute nicht vor, ob- wohl sie vom Regierungsrat am 21. Juni 2016 angekündig t worden seien, was eine Rechtsver- weigerung darstelle. 3.2 Die BKSD führt in der Vernehmlassung vom 22. Oktob er 2020 aus, dass die lange Dauer der Überarbeitung der Modellumschreibungen auf den schwierigen Prozess der Anpas- sung der personalrechtlichen Einreihungsgrundlagen zurückzu führen sei. Die Vorwürfe der Rechtsverweigerung bzw. Rechtsverzögerung seien nicht ger echtfertigt. Den Modellumschrei- bungen komme bei der Einreihung in eine Lohnklasse ein e zentrale Bedeutung zu. Aufgrund des Legalitätsprinzips könne sie die beantragte Neueinr eihung erst dann vornehmen, wenn die neuen Modellumschreibungen in Kraft gesetzt worden se ien. Wenn die Beschwerdeführerin im Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht jetzigen Zeitpunkt auf einer Beurteilung des Gesuchs beh arre, dann müsste dieses gestützt auf die geltenden Rechtsgrundlagen abgewiesen werden, was nicht im Interesse der Beschwerde- führerin liegen dürfte. Aus diesem Grund sei diese au ch im Schreiben vom 3. Juni 2019 darauf hingewiesen worden, dass bei Änderung der Modellumsch reibungen die Neueinstufung rück- wirkend auf Eingang des Antrages gelte und dass der Ant rag bis dahin pendent gehalten wer- de. Eine Rechtsverweigerung liege nicht vor, weil sie die beantragte Neueinreihung rückwirkend vornehmen werde. Ausserdem sei seit dem Antrag der Beschw erdeführerin im Prozess der Überarbeitung der Modellumschreibungen sehr viel geschehen. Am 31. Oktober 2018 sei es zu einer Einigung der zu diesem Zweck beauftragten pari tätischen Arbeitsgruppe auf eine Model- lumschreibung gekommen, welche – nach der Beurteilung d urch die Bewertungskommission am 14. November 2018 – den verschiedenen Interessengrup pen sowie den Gemeinden im Entwurf zur erarbeiteten Teilrevision Personalverordnun g im August 2019 unterbreitet worden sei. Im Rahmen der Anhörung, welche am 22. November 20 19 geendet habe, sei die vorge- schlagene Modellumschreibung für Heilpädagogik von der Ar beitgeberseite jedoch stark kriti- siert und abgelehnt worden, weshalb das Amt für Volksschu len des Kantons Basel-Landschaft (AVS) von der BKSD beauftragt worden sei, bis im März 2 020 eine neue Modellumschreibung auszuarbeiten. Am 29. Juni 2020 habe die Arbeitsgruppe die neuen Entwürfe erhalten. Als nächstes müsse die Bewertungskommission die Modellumschreibu ngen behandeln. Es liege auch keine Rechtsverzögerung vor, da einerseits das Gesetz keine Frist vorsehe, wie lange das Verfahren zur Neueinreihung dauern dürfe, und da and ererseits im gesamten Prozess zur An- passung der Rechtsgrundlagen verschiedene Stellen involvier t seien und die Verantwortung dafür nicht alleine bei ihr liege. Die Länge eines Re chtsetzungsverfahrens variiere und dauere in diesem Fall zugegebenermassen etwas länger. Sie hab e der Beschwerdeführerin im vorlie- genden Fall jedoch stets Auskunft über das Verfahren geg eben. Gemäss Planung hätte die überarbeitete Modellumschreibung von der Bewertungskom mission in der Septembersitzung behandelt werden sollen, welche jedoch nicht stattgef unden habe, da der Kommissionspräsi- dent krankheitsbedingt längerfristig ausgefallen sei. E s werde nach einer Lösung gesucht und sobald die Bewertungskommission die überarbeitete Model lumschreibung behandelt habe, werde diese nach einem erneuten Mitberichtsverfahren u nd einer Anhörung der Gemeinden und Sozialpartner vom Regierungsrat beschlossen und der Anhang 1 der Personalverordnung werde entsprechend angepasst und in Kraft gesetzt. 4.1 Nach Art. 29 Abs. 1 BV hat jede Person Anspruch auf Beurteilung innert angemesse- ner Frist. Das Verbot der Rechtsverweigerung oder Recht sverzögerung ist verletzt, wenn eine Behörde untätig bleibt oder das gebotene Handeln über Gebühr hinauszögert, obschon sie zum Tätigwerden verpflichtet wäre. Von Rechtsverzögerung ka nn nicht schon dann die Rede sein, wenn eine Behörde eine Eingabe nicht sofort behandel t. Eine Rechtsverzögerung und damit eine Verletzung von Art. 29 Abs. 1 BV liegt erst dann vor, wenn eine Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht bi nnen der Frist fasst, welche nach der Na- tur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umst ände als angemessen erscheint. Für die Rechtsuchenden ist es unerheblich, auf welche Gründ e die Rechtsverzögerung zurückzu- führen ist; entscheidend ist ausschliesslich, dass die Behö rde nicht oder nicht fristgerecht han- delt. Bei der Feststellung einer Rechtsverzögerung geht es deshalb um die Würdigung objekti- ver Gegebenheiten und damit um die Frage, ob die Umst ände, welche zur unangemessenen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verlängerung des Verfahrens geführt haben, objektiv ge rechtfertigt sind. Über die Angemes- senheit der Dauer eines Verfahrens lassen sich keine all gemeinen Aussagen machen. Sie be- stimmt sich nicht absolut, sondern ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Um- stände zu beurteilen und in ihrer Gesamtheit zu würd igen. Massgeblich sind namentlich die Art des Verfahrens, die Schwierigkeit der Materie, das Ver halten der Beteiligten sowie die für die Sache spezifischen Entscheidungsabläufe. (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Auflage, Zürich 202 0, Rz. 1046; KGE VV vom 4. März 2015 [810 14 392] E. 3.1 f.; Urteile des Bun desgerichts 8C_634/2012 vom 18. Februar 2013 E. 3.2; 5A.35/2005 vom 18. April 2006 E. 2.1 u nd 1A.169/2004 vom 18. Oktober 2004 E. 2). Soweit die zuständige Behörde das Verfahren züg ig vorantreibt und keine unnütze Zeit verstreichen lässt, kann ihr in der Regel kein Vorwurf au s der Verfahrensdauer entstehen (BGE 127 III 385 E. 3a). 4.2.1 Vorliegend weigert sich die BKSD nicht, einen E ntscheid zu fällen. Im Schreiben vom 3. Juni 2019 kommuniziert sie klar, dass sie einen rückwirken den Entscheid fällen wird, sobald die neuen Modellumschreibungen in Kraft treten. Bis zu diesem Zeitpunkt halte sie den Antrag pendent. Es kann entsprechend nicht von Rechtsverweigerung gesprochen werden, sondern es ist lediglich zu prüfen, ob der BKSD Rechtsverzögerung vorgeworfen werden kann. 4.2.2 Die Beschwerdeführerin rügt, dass ihr Antrag au f Neueinstufung seit 3,5 Jahren bei der BKSD pendent sei. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Im Schreiben vom 9. Februar 2017 formulierte die Arbeitsgruppe Heilpädagoginnen und Heilpädagogen Kindergärten Basel- land Fragen an den Regierungsrat in Bezug auf die Grü nde, weshalb keine Lohnanpassung für Heilpädagoginnen und Heilpädagogen auf Kindergartenstufe erfolgt sei, obschon der Kindergar- ten und die Primarschule aufgrund von HarmoS als eine einzige Schulstufe, nämlich Primarstu- fe zusammengefasst wurden. Dieses Schreiben wurde zwar von der Beschwerdeführerin unter- zeichnet, aber im Namen der Arbeitsgruppe verfasst. Ein en konkreten und individuellen Antrag der Beschwerdeführerin auf Neueinreihung ist in diesem Schreiben nicht erkennbar. Als mass- gebender Zeitpunkt für die Beurteilung der Frage der Rechtsverzögerung ist das Schreiben der Beschwerdeführerin vom 10. Mai 2019 ausschlaggebend. Seit dem Antrag im Mai 2019 sind im Zeitpunkt der Einreichung der Beschwerde im August 20 20 fünfzehn Monate und im Zeitpunkt der Urteilsberatung im Januar 2021 zwanzig Monate vergangen. Es ist zu prüfen, ob diese Zeit- dauer unter Berücksichtigung der gesamten Umstände angemessen ist. 4.2.3 Die BKSD ist an das Gesetz gebunden (§ 4 Abs. 1 Kantonsverfassung des Kantons Basel-Landschaft [KV] vom 17. Mai 1984) und muss nach de n geltenden Rechtsnormen ent- scheiden. Sie hat die Einstufung in ein Lohnband gemäss § 13 Abs. 1 PersD basierend auf dem Einreihungsplan, der Modellumschreibung und dem Stell eninhalt vorzunehmen. Die Modellum- schreibungen umfassen keine zusammenfassende und abstrahi erte Umschreibung einer be- stimmten, konkreten Tätigkeit, sondern sind bewusst abstra kt formuliert, um eine Vielzahl von Strukturen und Arbeitswert ähnlicher Funktionen erfasse n zu können. Bei der Einreihung einer bestimmten Funktion in ein Lohnband, kommt der Modell umschreibung eine zentrale Bedeu- tung zu. Der jeweilige Stelleninhalt muss einer Model lumschreibung zugeordnet werden, wo- raus sich das Lohnband ergibt (§ 22 PersVo und § 10 PersD; NICOLE SCHULER LEBER , Das Per- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sonalrecht es Kantons Basel-Landschaft, in: Biaggini/Acher mann/ Mathis/Ott [Hrsg.], Staats- und Verwaltungsrecht des Kantons Basel-Landschaft, 3. B and, 2007, S. 151; KGE VV vom 9. Januar 2019 [810 18 186] E. 3.3 mit weiteren Hin weisen). Diese Modellumschreibungen müssen bei der Änderung von Berufsbildern und Einführ ung neuer Funktionen vom Regie- rungsrat angepasst werden (§ 10 PersD). Eine solche Ände rung ist bis zum heutigen Tag noch nicht in Kraft getreten. Im Urteil vom 9. Januar 201 9 (810 18 186) stufte das Kantonsgericht eine Lohnklasseneinstufung basierend auf den damals und a uch aktuell geltenden Modellum- schreibungen für Heilpädagoginnen und Heilpädagogen auf Kindergartenstufe als willkürlich ein (vgl. KGE VV vom 9. Januar 2019 [810 18 186] E. 3 f. mit weiteren Hinweisen). Der BKSD ist bewusst, wie aus ihrer Korrespondenz mit der Beschwerdefü hrerin hervorgeht, dass die Abwei- sung des Antrags der Beschwerdeführerin basierend auf d en aktuell geltenden Modellum- schreibungen von diesem Gericht wieder als willkürlich ei ngestuft werden würde, weshalb sie mit der Behandlung des Antrags zuwarten möchte, bis d ie neuen Modellumschreibungen in Kraft treten. Wie die BKSD in der Vernehmlassung beschr eibt, sei der politische Prozess zur Änderung der Modellumschreibungen festgesetzt und mit der Ausarbeitung begonnen worden. Die neuen Modellumschreibungen müssten in absehbarer Zei t vorliegen. In Anbetracht dieser Umstände ist die Dauer der Behandlung des Antrags der B eschwerdeführerin noch als ange- messen zu betrachten. 4.2.4 Der BKSD kann keine Untätigkeit im Zusammenhang mit der Behandlung des Antrags vorgeworfen werden. Sie informierte die Beschwerdefüh rerin innert kurzer Zeit darüber, dass sie die Änderung über die Modellumschreibung abwarte, bevor sie den Antrag behandle, und dass die Einstufung rückwirkend erfolgen würde. Zudem l eitete sie die Anfrage bezüglich des Zeithorizonts zur Anpassung der Modellumschreibung an di e zuständige Stelle bei der Finanz- und Kirchendirektion (FKD) weiter, woraufhin diese der Beschwerdeführerin am 25. Juni 2019 eine ausführliche Auskunft zum Zwischenstand der Ausarbe itung der neuen Einreihungsgrund- lagen zustellte. Konkret wurde ein Beschluss des Regieru ngsrates der neuen Modellumschrei- bungen Anfang 2020 in Aussicht gestellt. 4.2.5 In Anbetracht aller dieser Umstände ist die Dau er des Verfahrens in diesem Fall als angemessen einzustufen und es ist der BKSD keine Rechtsverz ögerung in Bezug auf die Be- handlung des Antrags der Beschwerdeführerin vorzuwerfen. Daraus folgt, dass die Beschwerde abgewiesen werden muss, soweit darauf einzutreten ist. 5. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühr und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem Ausgang des Verfa hrens entsprechend sind die Ver- fahrenskosten in Höhe von Fr. 1'400.-- der unterliegen den Beschwerdeführerin aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Die Parteikosten sind wettzuschla- gen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 1'400.- werd en der Beschwerde- führerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvor schuss in Höhe von Fr. 1'400.- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.