B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2652/2020 U r t e i l v o m 1 6 . N o v e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Mareile Lettau. Parteien A._______, geboren am (…), Somalia, vertreten durch MLaw Janine Hess, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 17. April 2020 / N (…). D-2652/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Der somalische Beschwerdeführer reiste eigenen Angaben gemäss im Jahr 2016 aus dem Heimatland aus und gelangte über Äthiopien, den Su- dan, Libyen und Italien am 17. November 2019 in die Schweiz, wo er glei- chentags ein Asylgesuch stellte. Am 28. November 2019 wurde er summa- risch im (…) zu seiner Person befragt. Da das SEM Zweifel an der Alters- angabe (…) hatte, wurde am 11. Dezember 2019 im Kantonsspital B._______ eine forensische Altersdiagnostik durchgeführt. Als Ergebnis der Untersuchung wurde festgehalten, dass das angegebene Geburtsda- tum zutreffen und eine Vollendung des 18. Lebensjahres nicht mit der er- forderlichen Sicherheit belegt werden könne. Basierend auf den Ergebnis- sen dieser Untersuchung wurde der Beschwerdeführer vom SEM im Fol- genden als minderjä hrige Person betrachtet, weswegen ihm für das wei- tere Verfahren eine Vertrauensperson zur Seite gestellt wurde. Die vertiefte Anhörung gemäss Art. 29 AsylG (SR 142.31) erfolgte am 30. Januar 2020. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei somalischer Staatsangehöriger und gehöre der Clanfamilie C._______, Clan D._______, Subclan E._______, an. Er sei in F._______ geboren und habe dort die Primarschule bis zur achten Klasse besucht. Er habe bis zuletzt mit seinen Eltern und Geschwistern im Distrikt G._______ in F._______ gelebt. Sein Vater habe für die Regierung als Soldat gearbeitet. Einige Monate vor der Ausreise seien bewaffnete Mitglieder der Al - Shabaab abends nach Hause gekommen und hätten seinen Vate r mitge- nommen. Am nächsten Tag, als er mit zwei Freunden aus seinem Quartier unterwegs gewesen sei, seien erneut ungefähr zehn bewaffnete AI - Shabaab-Mitglieder aufgetaucht und hätten ihn und die beiden anderen Jugendlichen in einem Pick-up mitgenommen und in ein Ausbildungslager ausserhalb der Stadt gebracht. Er sei ungefähr fünf Monate in diesem La- ger festgehalten und von den AI -Shabaab-Männern aufgefordert worden, für sie zu kä mpfen, was er verweigert habe. Da raufhin sei er geschlagen worden. Dann sei das Lager von Soldaten angegriffen worden, und er habe von dort fliehen können. Es sei ihm gelungen, nach Hause zurückzukeh- ren. Er habe aber seine Familie nicht mehr vorgefunden und wisse nicht, wo sie sich momentan aufhalte. Er habe ein paar Freunde getroffe n, die ausreisen wollten und ihn mitgenommen hätten. Mit Hilfe eines Schleppers hätten sie Somalia in Richtung Äthiopien und Sudan verlassen. In Libyen D-2652/2020 Seite 3 sei er drei Jahre lang von einer Schlepperbande in Haft festgehalten und misshandelt worden. B. Am 3. Febr uar 2020 führte eine sachverständige Person im Auftrag der Fachstelle LINGUA ein Telefoninterview mit dem Beschwerdeführer durch. Gestützt darauf wurde ein Gutachten erstellt. C. Am 4. Februar 2020 wurde der Beschwerdeführer dem erweiterten Verfah- ren zugewiesen. D. Mit Schreiben vom 17. Februar 2020 gewährte die Vorinstanz dem Be- schwerdeführer das rechtliche Gehör zu den wesentlichen Ergebnissen der LINGUA-Analyse und gab ihm den Werdegang sowie die Qualifikation der sachverständigen Person bekannt. Gleichzeitig informierte sie ihn über die Möglichkeit, die Gesprächsaufzeichnung anzuhören, und gewährte ihm eine Frist zur Einreichung einer Stellungnahme. Der Sachverständige sei nach einer Auswertung der Kenntnisse in den Be- reichen Stammbaum, Geografie, Schulsyste m und Speisen zum Schluss gekommen, dass der Beschwerdeführer zwar seine Clanzugehörigkeit habe nennen können, aber nicht gewusst habe, welchem Stamm seine Mutter angehöre. Diese Wissenslücke sei für einen somalischen Jugendli- chen seines Alters unerwartet. Auch habe er keinen der vier Nachbarquar- tiere seines Heimat-Distrikts G._______ aufzählen können. Zudem sei es ungewöhnlich, dass er angeblich nie an den Strand gegangen sei und den Namen des Strandes nicht kenne, da Kinder und Jugendliche in F._______ ihre Freizeit typischerweise am Strand verbringen würden. Die Information, dass er in der Schul e keinen Unterricht in Somali besucht habe, stimme nicht mit dem Bildungssystem überein, da überall in Somalia Somali als Schulfach unterrichtet werde. Auch habe e r bei einigen Wörtern aus dem Alltag (Freizeit, Essensgerichte) Begriffe benutzt, die in F._______ nicht geläufig seien, sondern in den nördlichen Regionen benutzt würden. Mit den aufgezeigten Wissens- und Erfahrungslücken sei bei einer einheimi- schen Person seines Alters und dem angegebenen sozialen, ethnischen Hintergrund nicht zu rechnen. D-2652/2020 Seite 4 Auch habe die linguistische Analyse der Sprech - und Sprachkompetenz ergeben, dass er zwar fliessend Somali spreche, sein Dialekt in den Berei- chen Phonologie und Syntax a ber keine Gemeinsamkeiten mit dem in F._______ zu erwartenden H._______-Dialekt aufweise, sondern sich viel- mehr Übereinstimmungen mit den nördlichen Dialekten finden würden. Aufgrund der linguistischen Analyse sei er sehr wahrscheinlich nicht wie angegeben in F._______ sozialisiert worden. Insgesamt würden die mangelnden landeskundlich-kulturellen Kenntnisse und die linguistische Analyse nicht die angegebene Herkunft aus F._______ glaubhaft machen. Die Hauptsozialisation in F._______ sei als zweifelhaft zu erachten. E. Am 6. März 2020 reichte die Rechtsvertretung eine Stellungnahme ein. In dieser wurde entgegnet, es sei nicht ungewöhnlich, dass er nicht habe an- geben können, welchem Clan seine Mutter angehöre, da die Clanzugehö- rigkeit ausschliesslich über die Vaterlinie der Abstammungsgruppe vererbt werde und Frauen im Clansystem praktisch keine Rolle spielten. Zudem habe er angegeben, seine Mutter habe ihn früh verlassen, als er etwa (…) Jahre alt gewesen sei. Da es ihm nicht erlaubt gewesen sei, an den Strand zu gehen, habe er dort nicht seine Freizeit verbringen können, und es fehle ihm daher auch das Wissen über den Namen des Strandes. Da er seine Freizeit zu Hause habe verbringen müssen, kenne er auch keine Nachbar- quartiere. Auch sei es durchaus glaubhaft, dass er angesichts des Zusam- menbruchs des Bildungssystems in Somalia und des Fehlens eines ein- heitlichen Lehrplans in den privaten und religiösen Schulen in seiner Schule keinen eigentlichen Somali-Unterricht habe erfahren dürfen. Dass er Wörter verwendet habe, die lediglich in nördlichen Gebieten des Landes benutzt würden, und seine Sprache Übereinstimmungen mit dem nördli- chen Dialekt aufweise, bedeute nicht, er sei im Norden anstatt wie ange- geben in F._______ sozialisiert worden. Schliesslich habe sich das auf den nördlichen Dialekt gestützte Standardsomali landesweit verbreitet. Es sei im Übrigen durchaus denkbar, dass ein Teil der Familie, vielleicht die Mut- ter, aus einem nördlichen Teil Somalias stamme und gewisse sprachliche Eigenheiten an die Kinder weitergegeben habe. Möglicherweise sei es auch üblich gewesen, bestimmte, im Norden typische Speisen in der Fa- milie zuzubereiten. Insgesamt könne durch das durchgeführte Telefoninter- view die Herkunft aus F._______ nicht zweifelsfrei ausgeschlossen wer- den. D-2652/2020 Seite 5 Der Stellungnahme lagen Berichte zum Schul- und Bildungssystem in So- malia bei. F. Mit Verfügung vom 17. April 2020 verneinte die Vorinstanz die Flüchtlings- eigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, v erfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Der Beschwerdeführer habe angesichts der Ergebnisse der LINGUA-Ana- lyse zu landeskundlich -kulturellen Kenntnissen und zur Sprech - und Sprachkompetenz, auch unter Berücksichtigung der Argume nte seiner Stellungnahme, nicht glaubhaft machen können, von der Geburt bis zur Ausreise in F._______ sozialisiert worden zu sein. Es stehe angesichts der unglaubhaften Herkunft aus F._______ fest, dass seine Identität unglaub- haft sei. Mit diesem Verhalten habe er nicht überzeugen können, des Schutzes vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs.1 und 2 AsylG zu bedür- fen. Zudem fehle dadurch die Basis für die geltend gemachten Asylgründe, die Entführung durch die AI -Shabaab und fünfmonatige Haft. Ausserdem seien die Schilderungen der Entführung, des Alltags im Lager und der Flucht aus dem Lager substanzlos und es fehle an persönlichen Aspekten des Erlebten. Er habe diese einschneidenden Ereignisse distanziert vorge- bracht, wodurch der Eindruck entstehe, er habe die Verfolgung nicht selbst erlebt. Die Asylgründe erwiesen sich daher als unglaubhaft. Den Wegweisungsvollzug erachtete das SEM als zulässig, zumutbar und möglich, da der Beschwerdeführer durch seine grobe Verletzung der Mit- wirkungspflicht eine sinnvolle Prüfung der wahren Herkunft verunmöglicht habe. Angesichts dessen, dass er unglaubhafte Angaben gemacht und keine Identitätspapiere eingereicht habe, stehe seine Identität und Herkunft nicht zweifelsfrei fest. Es sei demnach nicht möglich, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und familiären Verhältnisse zum Vollzug der Wegweisung, auch in Bezug auf die im Rahmen des Kindeswohles spezi- fisch zu berücksichtigenden Aspekte, zu äussern. Es sei nicht Sache der Asylbehörden, nach allfälligen Wegweis ungshindernissen in hypotheti- schen Herkunftsländern zu forschen. Die Pflicht, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken, habe auch der Beschwerdeführer als unbeglei- teter Minderjähriger. Bei pflichtwidriger Unterlassung habe er die Folgen der Beweislosigkeit in Bezug auf die unter dem Aspekt des Kindeswohls gegebenenfalls zu berücksichtigenden Tatsachen zu tragen. Somit sei im vorliegenden Fall insbesondere auch zu berücksichtigen, dass er gemäss D-2652/2020 Seite 6 seinen Angaben (…) Jahre alt sein dürfte und eine nicht geringe Selbstän- digkeit aufw eise. Es sei somit vermutungsweise davon auszugehen, es stünden einer Wegweisung in den bisherigen Aufenthaltsort keine Voll- zugshindernisse entgegen. G. Mit Beschwerde seiner Rechtsvertreterin vom 22. Mai 2020 beantragte der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventu- aliter sei die Sache zur Neubeurteilung sowie zur Durchführung einer er- neuten LINGUA-Analyse an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventua- liter sei nach Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Prozessual sei ihm die unent- geltliche Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses, und die amtliche Verbeiständung mit der Unterzeichnen- den zu gewähren. In der Beschwerde wurde vorgebracht, die Vorinstanz habe das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt, indem sie s eine Vorbringen nicht gehört und nicht sorgfältig und ernsthaft geprüft habe, sondern sich bei der Behauptung, die angegebenen Personalien sowie die Sozialisierung in F._______ seien als unglaubhaft zu erachten, ausschliesslich auf die am 3. Februar 2020 d urchgeführte LINGUA-Analyse verlassen habe. Es sei auch festzuhalten, dass das Gutachten zum Schluss komme, der Be- schwerdeführer stamme tatsächlich aus Somalia. Das SEM habe sich auch nicht richtig mit den Argumenten in der Stellungnahme auseinandergesetzt und nicht berücksichtigt, dass er bei seiner Ausreise aus dem Heimatland erst (…) Jahre alt gewesen sei. Auch die schwere Traumatisierung durch die Erlebnisse im Heimatland und in Libyen sei von der Vorinstanz nicht berücksichtigt worden. Überdies könne nicht nachvollzogen werden, wes- halb der Sachverständige zu der Annahme komme, der Dialekt des Be- schwerdeführers weise Gemeinsamkeiten mit dem nördlichen Dialekt auf. Dieser Punkt könne daher nicht sachgerecht angefochten werden, weshalb das rechtliche Gehör verletzt sei. Auch werde die ausreichende Qualifika- tion des Sachverständigen bestritten, zumal Somali anscheinend nicht seine Muttersprache sei und er einen grossen Altersunterscheid zum Be- schwerdeführer aufweise, weshalb sich seine Sprache von der Jugend- sprache des Beschwerdeführers unterscheiden könne. Der Beschwerde- führer habe zudem detaillierte, präzise und konkrete Aussagen zu seiner D-2652/2020 Seite 7 Sozialisierung in F._______ machen können, insbesondere im Hinblick da- rauf, dass e r lediglich bis zum Alter von 13 Jahren in F._______ gelebt habe. Der Vorwurf der Vorinstanz, er habe die Asylgründe substanzlos und distanziert geschildert, sei nicht nachvollziehbar angesichts seines jungen Alters und der Traumatisierung, die er durch die Entführung im Heimatland und Freiheitsberaubung in Libyen erfahren habe. Die Vorinstanz habe es unterlassen, das Asylgesuch unter diesen Aspekten zu prüfen. Auch wenn sie sodann der Ansicht sei, er stamme aus dem Norden Somalias und nicht aus F._______, hätte sie die Vorbringen prüfen müssen. Der Beschwerde- führer habe die Mitwirkungspflicht nicht verletzt und eine Prüfung seiner wahren Herkunft sei im Rahmen der Prüfung der Zulässigkeit und Zumut- barkeit des Wegweisungsvollzuges nicht verunmöglicht. Im Übrigen sei festzuhalten, dass einem sehr jungen Minderjährigen aufgrund nicht klarer und unvollständiger Darlegung der Asylgründe oder seiner Identität keine Verletzung der Mitwirkung zulasten gelegt werden könne. Es sei unverhält- nismässig, so hohe Anforderungen an ein Kind zu stellen, das eine jahre- lange traumatische Flucht hinter sich habe und vorab von seiner Familie getrennt worden sei. Auch stehe das Kindeswohl der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges entgegen, habe der Beschwerdefü hrer doch sein gesamtes familiäres Beziehungsnetz verloren. H. Am 25. Mai 2020 bestätigte das Gericht den Eingang der Beschwerde. I. Mit Zwischenverfügung vom 11. Juni 2020 wurde das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses verzichtet. Zudem wurde das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gutgeheissen und MLaw Janine Hess, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Aargau, als amtliche Rechtsbei- ständin des Beschwerdeführers eingesetzt. Gleichzeitig wurde das SEM zur Vernehmlassung eingeladen. J. Die Vernehmlassung vom 12. August 2020, in welcher das SEM vollum- fänglich an seinen Erwägungen festhielt, wurde dem Beschwerdeführer am 18. August 2020 zur Kenntnis gebracht. D-2652/2020 Seite 8 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist, ausgehend vom angegebenen Geburtsda- tum, nach seinen Angaben heute 17-jährig (zum Zeitpunkt der Beschwer- deerhebung 16-jährig) und damit noch nicht volljährig. Den Akten sind in- des keine Anhaltspunkte zu entnehmen, die zu Zweifeln an seiner Urteils- fähigkeit in Bezug auf das Einreichen des Asylgesuches, das Vortragen seiner Asylvorbringen oder auf die Erhebung der Besch werde Anlass ge- ben würden. Infolgedessen ist von der Urteilsfähigkeit und damit von de r Prozessfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen (vgl. auch Urteil des BVGer D-770/2014 vom 17. Juni 2014 E. 2.1). 1.4 Die Beschwerde ist im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht wor- den. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). D-2652/2020 Seite 9 3. 3.1 Vorab ist die formelle Rüge der Verletzung des Anspruches auf rechtli- ches Gehör beziehungsweise der Verletzung des Untersuchungsgrundsat- zes zu beurteilen, da diese a llenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 3.2 Die Rechtsvertreterin rügt, das SEM habe die Asylvorbingen des Be- schwerdeführers in der Verfügung u nzureichend geprüft und den ent- scheidrelevanten Sachverhalt unrichtig und unvollständig festgestellt, weil es sich bei der Glaubhaftigkeitsprüfung ausschliesslich au f die LINGUA - Abklärung, wonach eine Sozialisierung in F._______ unglaubhaft sei, ge- stützt und den Schluss gezogen habe, es fehle somit an der Basis der gel- tend gemachten Asylgründe. Es hätte die Vorbringen sorgfältig und ernst- haft prüfen müssen, auch unter Berücksichtigung der Minderjährigkeit und erlebten Traumatisierung. Auch liege eine Verletzung des rechtlichen Ge- hörs durch die unzureichende Offenlegung der linguistischen Analyse des LINGUA-Gutachtens vor. 3.3 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befug nisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei- nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi derlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri- ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor- den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe- sentlichen Sachumstände berücksichtigt wer den (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT- SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwalt ungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043). D-2652/2020 Seite 10 3.4 Es ist zunächst festzustellen, dass es sich bei der Rüge in der Be- schwerde um eine Frage der Sachverhaltswürdigung und nicht der Verlet- zung formeller Verfahrensgarantien handelt. So hat sich das SEM entge- gen der Auffassung in der Beschwerde bei der Beurteilung der Glaubhaf- tigkeit der Asylvorbringen zwar auf die LINGUA-Abklärungen gestützt und festgehalten, dass die behauptete Verfolgung in F._______ angesichts der unglaubhaften Hauptsozialisation dort als unglaubhaft zu erachten sei. Gleichzeitig würdigte es aber auch die Aussagen in den Befragungen zu den Asylvorbringen, wenn auch lediglich in einem kurzen Abschnitt (vgl. Verfügung S. 6). Auch mit den Argumenten der Stellungnahme zur LIN- GUA-Abklärung hat es sich in der Verfügung – entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde S. 7) – sehr wohl auseinander- gesetzt (vgl. Verfügung S. 5). Eine diesbezügliche Aufhebung und Rück- weisung an die Vorinstanz rechtfertigt sich somit nicht. Auch in Bezug auf die Bekanntgabe der Ergebnisse der linguistischen Analyse des LINGUA- Gutachtens liegt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor, da dem Be- schwerdeführer gemäss der geltenden Praxis zu den diesbezüglichen we- sentlichen Unstimmigkeiten das rechtliche Gehör gewährt wurde. Analyse- berichte wie die vorliegende LINGUA -Evaluation werden nicht vollständig offengelegt, da dem gewichtige öffentliche Interessen entgegenstehen (vgl. u.a. Urteil des BVGer D-8113/2015 vom 26. März 2018 E. 4.1). Überdies stand es dem Beschwerdeführer offen, sich die Gesprächsaufzeichnungen anzuhören (vgl. Schreiben des SEM vom 17. Februar 2020). 3.5 Es liegt damit betreffend die Asylvorbringen weder eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes noch des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der F reiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die D-2652/2020 Seite 11 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das SEM hat sich bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Asylvor- bringen auf die Ergebnisse der LINGUA -Abklärung gestützt, wonach die Hauptsozialisierung des Beschwerdeführers nicht in F._______, im Distrikt G._______, stattgefunden habe. Dies habe eine fehlende Glaubhaftigkeit der Identitätsangaben zur Folge und führe zum einen zum Schluss, er be- nötige keinen Schutz vor asylrelevanter Verfolgung, zum anderen, dass den sich auf F._______ beziehenden Asylvorbringen die Grundlage entzo- gen sei. Zudem würdigte es auch die Aussagen des Beschwerdeführers in den Befragungen und erachtete diese als unsubstantiiert, wobei die Aus- sagequalität den Eindruck vermittle, er habe die Verfolgung nicht selbst er- lebt. 5.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, die Aussagen hinsicht- lich der Sozialisierung in F._______ seien detailliert und präzise, ebenso weise die Schilderung der Entführung durch die Al-Shabaab eine Vielzahl von Realkennzeichen auf. Bei der Beurteilung der Aussagequalität habe das SEM die Minderjährigkeit und Traumatisierung des Beschwerdeführers ausser Acht gelassen. 6. 6.1 In Bezug auf die Identität und Herkunft des Beschwerdeführers ist Fol- gendes auszuführen: 6.1.1 Die Fachstelle LINGUA führte eine Herkunftsanalyse durch. Dieser sind keine Hinweise zu entnehmen, dass die von der Rechtsprechung de- finierten Mindeststandards (vgl. BVGE 2014/12) nicht eingehalten worden wären. Entgegen der vom Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe vertretenen Ansicht wurde seitens des LINGUA-Experten für die Einschät- zung des sprachlichen Ausdrucks der geltend gemachten Minderjährigkeit Rechnung getragen. Die Analyse ist ferner fundiert und mit einer überzeu- genden sowie ausgewogenen Begründung versehen, die zu keinen Bean- standungen Anlass gibt. Der Bericht erfüllt die inhaltlichen Qualitätsanfor- derungen und aufgrund des Werdeganges, welcher dem Beschwerdefüh-D-2652/2020 Seite 12 rer bekannt gegeben wurde, ist die Qualifikation der sachverständigen Per- son nicht anzuzweifeln. Die vom Beschwerdeführer bemängelte Herkunft und das Alter der sachverständigen Person sind für deren Qualifikation vor dem Hintergrund der vorhandenen analyserelevanten Sprachkenntnisse und Ausbildung unerheblich. Dem Fazit des Berichts, der Beschwerdefüh- rer sei definitiv nicht im Distrikt G._______ in F._______, Südsomalia, so- zialisiert worden, kommt daher erhebliches Gewicht zu. Die in der Stellung- nahme zur LINGUA -Abklärung aufgeführten Argumente konnten sodann nicht überzeugen, da sie weder die fehlenden Landeskenntnisse des Be- schwerdeführers noch dessen sprachliche Besonderheiten zufriedenstel- lend erklären konnten. Sie erscheinen vielmehr als Schutzbehauptungen. Entgegen der Auffassung in der Beschwerdeschrift ging es in der LINGUA- Analyse nicht um das Ergebnis, der Beschwerdeführer komme aus Soma- lia. Gegenstand der LINGUA-Analyse war vielmehr die Frage der Soziali- sation in F._______. Darüber hinaus wurden keine weiteren Schlüsse ge- zogen (vgl. Schreiben des SEM vom 17. Februar 2020 betreffend das rechtliche Gehör zur LINGUA-Abklärung S. 1 f.). 6.1.2 Die Einschätzung, dass der Beschwerdeführer seine Herkunft ver- schleiert, wird auch durch seine diesbezüglichen Aussagen in der Anhö- rung verstärkt. So kennt er nicht nur den Stamm der Mutter nicht, sondern kann auch die väterliche Linie der Abstammung nicht nennen (vgl. act. A23, S. 7, F58 -60). Auch vermag er in der Anhörung, wie im Telefoninterview, sein Quartier und die Umgebung der nahegelegenen Sc hule nicht zu be- schreiben. Die Argumentation in der Stellungnahme, das fehlende Wissen zur Umgebung beruhe darauf, dass er seine Freizeit zu Hause habe ver- bringen müssen, überzeugt schon deshalb nicht, weil s ie seinen Verfol- gungsvorbringen widerspricht. Er hatte geltend gemacht, er sei mit ande- ren Jugendlichen auf der Strasse in der Nähe eines Hotels unterwegs auf dem Weg nach Hause gewesen, als er entführt worden sei (vgl. act. A11, S. 10). Er konnte mithin im Quartier, und nicht nur zu Hause, seine Freizeit verbringen. Auffällig ist auch, dass er trotz der behaupteten Sozialisation in F._______ weder die Währung noch die Merkmale der Autokennzeichen korrekt beschreiben kann (vgl. act. A23, S. 5-11, F33-107). 6.1.3 Die Angaben zu seiner Identität waren überdies in Bezug auf sein e Altersangaben widersprüchlich. So machte er in den Befragungen abwei- chende Aussagen zu seinem Alter beziehungsweise dem Alter bei Schul- besuch und Ausreise. Er will die Schule bereits mit drei Jahren begonnen und dann acht Jahre lang besucht haben; mit elf Jahren habe er mit der D-2652/2020 Seite 13 Schule aufgehört (vgl. act. A11, S. 4 f.). Ausgehend von seinem Geburts- datum (…) müsste er demnach bis (…) zur Schule gegangen sein. Im Jahr 2016 sei er ausgereist (vgl. act. A11, S. 8), mithin wäre er noch (…) Jahr im Heimatland geblieben bis zur Ausreise. Zuerst kann er aber nicht sagen, wieviel Zeit zwischen seinem letzten Schultag und der Ausreise vergangen sei. Auf weitere Nachfrage sagt er dann aus, er sei nach Schu labschluss noch (…) Jahre dort geblieben, bis er im Jahr 2016 ausgereist sei (vgl. act. A11, S. 5). Wenn er die Schule mit elf Jahren abgeschlossen hätte (…) und noch (..) Jahre lang geblieben sei, müsste er mit (…) Jahren im Jahr 2020 ausgereist sein. Wenn er aber 2016 ausgereist ist, müsste er nach seinem angegebenen Geburtsdatum und Schuleintrittsalter mit (…) Jahren ausge- reist sein. Später sagt er in der BzP aus, er sei mit (…) Jahren ausgereist, es habe wohl noch (…) Jahr nach Schulende bis zur Ausreise gelegen (vgl. act. A11, S. 8). Er wisse nicht, warum er vorher von (…) Jahren nach Schu- lende bis zur Ausreise geredet habe (vgl. act. A11, S. 8). Erstaunlicher- weise behauptet er dann in der Anhörung, er sei (…) Jahre alt gewesen bei der Ausreise (vgl. act. A23, S. 4, F26), was mit dem angegebenen Geburts- datum und Ausreisejahr sowie dem geltend gemachten dreijährigen Auf- enthalt in Libyen nicht übereinstimmen kann. Später sagt er in der Anhö- rung wiederum, er s ei (…) Jahre alt gewesen, als er ausgereist sei (vgl. act. A23, S. 10, F106). 6.1.4 In Würdigung der Akten gelangt das Gericht im Sinne einer gesamt- haften Betrachtungsweise zum Schluss, dass die Vorbringen des Be- schwerdeführers, auch unter Berücksichtigung seines jungen Alters sowie der möglicherweise trauma tischen Erlebnisse auf der Flucht, hinsichtlich seiner Herkunft als überwiegend unglaubhaft zu qualifizieren sind. 6.2 Wie die Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, ist den Asylvorbringen be- reits dadurch die Grundlage entzogen, dass die Entführung durch die Al - Shabaab Miliz in F._______ angesichts der unglaubhaften Herkunft eben- falls nicht geglaubt werden kann. 6.2.1 Davon abgesehen fielen die auf der Sozialisation in F._______ beru- henden Asylvorbringen nicht nur substanzlos aus, wie die Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, sondern auch teilweise widersprüchlich und reali- tätsfern. So schilderte der Beschwerdeführer seine Festnahme nur pau- schal, sie seien einfach festgehalten worden und man habe gewollt, dass sie irgendwann für sie kämpften (vgl. act. A11, S. 10). Auc h kann er nicht zum Ausdruck bringen, was er bei der Mitnahme und Festhaltung gedacht habe (vgl. act. A23, S. 12, F123). Schwer vorstellbar bleibt auch, wie sich D-2652/2020 Seite 14 zehn Al-Shabaab-Männer den Jugendlichen von hinten genähert und diese auf offener Strasse in e in Auto gezwungen haben sollen, ohne dass dies weiter aufgefallen sei (vgl. act. A23, S. 13, F132). Wenig anschaulich kann er auch die Fahrt im Auto mit den zwei anderen Jugendlichen und die An- kunft am Zielort sowie den Zielort selber beschreiben (vgl. act. A23, S. 14, F140-146). Er vermag es nicht, den Tagesablauf während der Haft zu be- schreiben (vgl. act. A23, S. F150, S. 15 f., F156), auch das Zimmer nicht, obwohl er dort fünf Monate festgehalten worden sei (vgl. act. A23, S. 15, F151). Undetailliert schildert er überdies den Angriff auf das Haus und wie er habe fliehen können (vgl. act. A23, S. 15, F154). Im Gegensatz dazu kann er über seine Haft in Libyen detaillierter und anschaulicher berichten (vgl. act. A23, S. 18, F173). Auch widerspricht er sich i n Bezug auf die Frage, ob er noch Kontakt zu seiner Familie nach der Flucht aus dem Lager gehabt habe. In der BzP sagte er aus, er habe sie nicht mehr erreichen können, er sei aus Angst nach der Flucht aus der Haft nicht mehr zu ihnen zurückgegangen (vgl. act. A11, S. 11). In der Anhörung gab er demgegenüber zu Protokoll, er sei nochmal nach Hause zurückgekehrt, seine Familie sei aber nicht mehr dort gewesen, auch die Nachbarn seien alle weg gewesen (vgl. act. A23, S. 3, F15, 20 f.). Es ist überdies schwer vorstellbar, dass er nichts unternommen haben will, um seine Familie zu finden, als er sie nicht vorgefunden habe. Es fragt sich, wieso er nicht beispielsweise seine Verwandten aus dem glei- chen Quartier kontaktiert hat (vgl. act. A23, S. 4, F23, 25). Auch erscheint es nicht realistisch, dass er seine Familie weder telefonisch noch über die sozialen Medien habe erreichen können, auch seine Geschwister nicht (vgl. act. A23, S. 2, F10 f. ), und die Telefonnummern von Nachbarn nicht kenne (vgl. act. A23, S3, F13). Schliesslich will er seine Freunde nicht auf Facebook gefunden haben (vgl. act. A23, S. 3, F16). 6.2.2 Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass ein solches Aussageverhal- ten nicht darauf schliessen lässt, der Beschwerdeführer berichte über tat- sächlich Erlebtes. Die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe sind nicht geeignet, zu einem anderen Schluss zu führen, zumal der Beschwerdefüh- rer darin lediglich an der Glaubhaftigkeit seiner Herkunft aus F._______ und seinen Asylgründen festhält. 6.3 Schliesslich ist festzuhalten, dass es gemäss Art. 8 AsylG den Asylsu- chenden im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht unter anderem obliegt, ihre Identität offenzulegen und Reisepapiere und Identitätsausweise abzuge- ben. Der Beschwerdeführer hat bis zum heutigen Zeitpunkt keine Reise - D-2652/2020 Seite 15 oder Identitätspapiere zu den Akten gereicht, die es erlauben würden, Rückschlüsse auf seine Identität zu geben (vgl. dazu Art. 1a Bst. a AsylV 1 [SR 142.311]). 6.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine asylrechtlich relevanten Ver- folgungsgründe ersichtlich sind, weshalb das SEM die Flüchtlingseigen- schaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch ab- gelehnt hat. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Be- schwerde näher einzugehen, da sie a n der vorliegenden Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordne t (Art. 44 AsylG, Art. 32 AsylV 1; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegens tehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 D-2652/2020 Seite 16 AsylG; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an- dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Refoulementverbots nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, findet der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung. Eine Rückkehr des Beschwerde führers in seinen Hei- matstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Des Weiteren ergeben sich weder aus seinen Aussagen noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Hei- matstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegwei- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheine n. Diesbezüglich kann darauf verwiesen werden, dass das Bundesverwal- tungsgericht selbst für F._______ nicht von einer Situation allgemeiner Ge- walt ausgeht (vgl. BVGE 2013/27). Ferner vermag der Beschwerdeführer auch aus dem Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) nichts abzuleiten, was gegen die Zulässigkeit seines Wegweisungsvollzugs sprechen würde. 8.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Bei der Beurteilung der Zumut- barkeit ist auch der Situation unbegleiteter minderjähriger Asylgesuchstel- ler besondere Beachtung zu schenken (vgl. Art. 3 und Art. 12 KRK) . Die Vorinstanz ist verpflichtet, die spezifisch mit der Minderjährigkeit verbunde- nen Aspekte vertieft abzuklären und den individuellen Verhältnissen der D-2652/2020 Seite 17 betroffenen Person gebührend Rechnung zu tragen. Ausserdem hat sie gemäss Art. 69 Abs. 4 AIG vor einer Ausschaffung einer unbegleiteten min- derjährigen Person sicherzustellen, dass diese im Rückkehrstaat einem Familienmitglied, einem Vormund oder einer Aufnahmeeinrichtung überge- ben werden kann, welche den Schutz des Kindes gewährleistet. Diese kon- kreten Abklärungen inklusive der allfälligen Übernahmezusicherungen ei- ner geeigneten Institution sind vor Erlass einer wegweisenden Verfügung vom SEM vorzunehmen beziehungsweise einzuholen, damit sie einer ge- richtlichen Prüfung offenstehen k önnen (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2 f. m.w.H.). Das SEM ist jedoch nur in dem Ausmass zur Untersuchung des Sachver- haltes verpflichtet, wie man dies vernünftigerweise von ihm erwarten kann. Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkungspflichten einge- schränkt, die das Gesetz vorsieht. Art. 13 VwVG verpflichtet die Parteien, an der Feststellung des Sachverhalte s in Verfahren mitzuwirken, die sie durch ihr Begehren eingeleitet haben. Art. 8 AsylG konkretisiert diese Mit- wirkungspflicht für das Asylverfahren. Insbesondere verpflichtet Art. 8 Abs. 1 Bst. a AsylG Asylsuchende dazu, ihre Identität offenzulegen. Die Identität einer Person ist eine Tatsache, die von den Behörden ohne die Mitwirkung der Gesuchstellenden gar nicht oder nicht mit vernünftigem Auf- wand festgestellt werden kann. Die Mitwirkungspflicht trifft grundsätzlich auch unbegleitete minderjährige Asylsu chende, soweit diese dazu auf- grund ihres Alters, ihrer Reife und ihrer Ausbildung in der Lage sind. Bei der Beurteilung von Verletzungen der Mitwirkungspflicht sind die Umstände des Einzelfalles zu beachten. Damit bei unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden vom Vorliegen ei- ner Betreuung ausgegangen werden kann, muss die Vorinstanz sich auf festgestellte Tatsachen stützen, welche aus den Akten ersichtlich sind, an- dernfalls müssen geeignete Abklärungen getroffen werden. Bei diesen Ab- klärungen handelt es sich um notwendige Informationen zur Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. Die Abklärungspflicht des SEM wird einzig durch die Minderjährigkeit der betreffenden Person be- gründet. Steht diese fest, kann auch eine Verletzung der Mitwirkungspflicht das SEM grundsätzlich nicht von der Verpflichtung entbinden abzuklären, ob die unbegleitete minderjährige Person bei einer Rückkehr eine geeig- nete Unterkunft erhält – sei dies bei Familienangehörigen oder, wenn dies- bezüglich keine Informationen vorliegen oder dies nicht möglich ist, in einer geeigneten Institution. Nur in Ausnahmefällen, in welchen das Ausmass D-2652/2020 Seite 18 der Mitwirkungspflichtverletzung eine Abklärung durch die Vorinstanz voll- kommen verunmöglicht, d a dieser jegliche Anhaltspunkte fehlen, kann diese Abklärungspflicht erlöschen. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn sich die Person in Bezug auf ihre Nationalität und Herkunft so widerspricht, dass weder Abklärungen betreffend die familiäre Situation m öglich sind noch eine geeignete Institution gesucht werden kann. Eine allfällige Verlet- zung der Mitwirkungspflicht wird regelmässig – nach erfolgten Abklärungen – bei der Beurteilung der Zumutbarkeit zum Tragen kommen (vgl. zum Ganzen ausführlich Urteile des BVGer D-5411/2019 und D-5414/2019 vom 20. September 2021 je E. 11.5.2 m.w.H. [zur Publikation vorgesehen]). 8.3.2 Der Wegweisungsvollzug nach Somalia ist nur eingeschränkt zumut- bar. Im grössten Teil Somalias (Landesteile Süd- und Zentralsomalia) herr- schen seit längerer Zeit Verhältnisse, aufgrund welcher der Wegweisungs- vollzug praxisgemäss generell – das heisst ungeachtet aller individueller Umstände – als unzumutbar zu qualifizieren ist (vgl. BVGE 2013/27 E. 8.3 m.w.H.). Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts kann sich der Vollzug von Wegweisungen jedoch in die im Norden Somalias gelegenen Regionen Somaliland oder Puntland bei Vorliegen begünstigender Umstände als zu- mutbar erweisen (vgl. Referenzurteile BVGer E -591/2018 vom 29. Juli 2020 E. 9, insb . E. 9. 3.5 [Somaliland] und E -6310/2017 vom 15. Januar 2020 E. 10 f., insb. E. 11.2.4 [Puntland]). Bei beiden Leitentscheiden wurde die prekäre Gesundheitsversorgung sowie die generelle Verletzlichkeit von Frauen und Kindern in diesen Regionen betont (vgl. BVGer E-591/2018 E. 9.3.4 [Somaliland] und E -6310/2017 E. 11.2.3 [Puntland]). Ein Vollzug wird aber nicht als generell unzumutbar erachtet. 8.3.3 Vorliegend ist unumstritten, dass es sich beim Beschwerdeführer um eine minderjährige Person somalischer Staatsangehörigkeit handelt. Die durchgeführte LINGUA-Analyse ergab, dass die Muttersprache des Be- schwerdeführers Somali ist; seine Sprache weist Übereinstimmungen mit den nördlichen Dialekten Somalias auf. Eine sich daraus ergebende mög- liche Herkunft aus dem Norden Somalias wurde aber vom SEM nicht weiter abgeklärt. Die LINGUA-Analyse diente nur dazu, die Frage der Hauptsozi- alisation in F._______ zu klä ren, aber nicht den Herkunftsort des Be- schwerdeführers ausfindig zu ma chen. Es bestehen somit Unstimmigkei- ten hinsichtlich des genauen Herkunftsor tes des Beschwerdeführers. Die Vorinstanz erachtet es als unglaubhaft, dass er in F._______ aufgewach-D-2652/2020 Seite 19 sen ist, während dieser auf seiner Herkunft aus F._______ besteht. Zwei- felhaft ist auch, ob seine gesamte Familie tatsächlich, wie von ihm behaup- tet, verschwunden ist und er keinen Kontakt mehr zu ihr hat. 8.3.4 Wie in den dargelegten aktuellen Urteilen des Bundesverwaltungs- gerichts (vgl. soeben E. 8.3.1) festgehalten wurde, wird die Abklärungs- pflicht des SEM einzig durch die Minderjährigkeit der betreffenden Person begründet. Steht diese – wie vorliegend – fest, kann auch eine Verletzung der Mitwirkungspflicht das SEM grundsätzlich nicht von der Verpflichtung entbinden, die Unterbringungsmöglichkeit der um Asyl ersuchenden min- derjährigen Person im Heimatstaat abzuklären. Mangels Einreichung von Identitätsdokumenten und sonstigen Beweismitteln sowie angesichts der unglaubhaften Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Biografie dürfte es sich zwar als schwierig erweisen abzuklären, ob un d wo er in Somalia – entgegen seinen Ausführungen – in ein familiäres Umfeld zurückgeführt werden könnte. Jedoch sollten zumindest Abklärungen hinsichtlich einer anderweitigen Unterbringung in seinem Heimatland beziehungsweise das Einholen einer Übernahmezusicherung einer geeigneten somalischen In- stitution möglich sein. 8.3.5 Nach dem Gesagten hat das SEM nicht geklärt, in wessen Obhut der Beschwerdeführer beim angeordneten Wegweisungsvollzug in Somalia übergeben werden kann und wie die Empfangnahme konkret vonst atten- gehen soll. Es ist somit seinen durch die Rechtsprechung entwickelten Ver- pflichtungen nicht nachgekommen und mithin den Anforderungen zur um- fassenden Würdigung sämtlicher für das Kindeswohl relevanter Kriterien nicht gerecht geworden. 9. 9.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge- stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh- ren ist (vgl. WEISSENBERGER/HIRZEL, Praxiskommentar Verwaltungsverfah- rensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S.1264). Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be- schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber nicht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Asylrekurs- kommission [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 7.1). D-2652/2020 Seite 20 9.2 Im vorliegenden Fall ist die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, da die Erstellung des Sachverhalts bezüglich des Wegweisungsvollzuges weiterer Abklärungen bedarf und die weiteren Untersuchungsmassnah- men den Rahmen des Beschwerdeverfahrens sprengen würden. 10. Die Beschwerde ist demnach betreffend Flüchtlingseigenschaft, Asyl und Wegweisung abzuweisen, im Wegweisungsvollzugspunkt aber gutzuheis- sen. Die Dispositivziffer 4 der angefoch tenen Verfügung ist aufzuheben und das Verfahren ist diesbezüglich zur vollständigen und richtigen Sach- verhaltsermittlung und Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wäre dem Beschwerdeführer aufgrund seines teilweisen Obsiegens ein reduzierter Anteil der Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indes mit Zwischenverfügung vom 11. Juni 2020 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde, ist von der Kostenerhebung abzusehen. 11.2 Der Beschwerdeführer ist im Umfang seines Obsiegens – praxisge- mäss hälftig – für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten zu entschädi- gen (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 ff. des Regle ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin reichte am 9. Okto- ber 2020 eine Honorarnote ein, in welcher ein Stundenansatz von Fr. 250.– veranschlagt wird und e in Zeitaufwand von 755 Minuten (versehentlich wurden 710 Minuten errechnet), was nicht zu beanstanden ist. Zudem wur- den Auslagen von Fr. 28.80 geltend gemacht. Demnach ist dem Beschwer- deführer durch die Vorinstanz eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 1'587.30 (inkl. Auslagen) auszurichten. 11.3 Nachdem die rubrizierte Rechtsvertreterin dem Beschwerdeführer als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet wurde, ist sie im Weiteren für ihren Aufwand unbesehen des Ausgangs des Verfahren zu entschädigen, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Pra- xisgemäss geht das Gericht bei amtlicher Vertretung von einem Stunden- ansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreterinnen aus. Folglich ist der Rechtsvertreterin für den weiteren Aufwand zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar in Höhe von Fr. 958.20 (inklusive Auslagen) auszurichten. D-2652/2020 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird, soweit den Wegweisungsvollzug betreffend, gutge- heissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 2. Die Dispositivziffer 4 der vorinstanzlichen Verfügung vom 17. April 2020 wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurtei- lung an das SEM zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'587.30 auszurichten. 5. Der amtlichen Rechtsvertreterin, MLaw Janine Hess, wird durch das Bun- desverwaltungsgericht ein amtliches Honorar von Fr. 958.20 ausgerichtet. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Mia Fuchs Mareile Lettau Versand: