Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 29. November 2017 (810 17 50) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung / Straffälligkeit Besetzung Vorsitzender Niklaus Ruckstuhl, Kantonsri chter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret , Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Nicolas Roulet , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung (RRB Nr. 255 vom 21. Februar 2017) A. Der kosovarische Staatsangehörige A.____, am XX. XX.1991 in der Schweiz geboren, wuchs in B.____ (im Kanton Basel-Landschaft) auf un d ist in Besitz der Niederlassungsbewilli- gung. Er besuchte in B.____ die Primar- und Realsch ule. Die Lehre als Büroassistent brach er nach einem Jahr ab. Anschliessend war er temporär a ls Hilfsarbeiter tätig, führte zeitweilig ein eigenes Kleidergeschäft und versuchte sich als Rapm usiker. Von September 2014 bis Dezem- ber 2016 arbeitete er in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis zu einem 100 % Pensum als Fah- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rer bei der C.____ AG, welche gemäss Zwischenzeugnis vom 1 1. Dezember 2015 eine Subun- ternehmerin der D.____ AG ist. Gemäss den anlässlich der heutigen Parteiverhandlung ge- machten Aussagen von A.____ arbeitete er von Januar 201 7 bis September 2017 im Trans- portunternehmen E.____. Anschliessend übernahmen sein en Aussagen zufolge er und F.____ als Gesellschafter das Transportunternehmen E.____ und gründeten das Transportunterneh- men G.____ GmbH, wo A.____ seitdem arbeitet. B. A.____ wurde im Zeitraum von 2001 bis 2007 mehrmal s verurteilt (zwei Mal wegen Diebstahls, einmal wegen Verletzung der Verkehrsregeln, einmal wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung und Sachbeschädigung und einmal wegen einfacher Körperverletzung). Mit Urteil vom 18. Juni 2010 erklärte ihn das Strafgericht B asel-Stadt der Freiheitsberaubung und Entführung, der mehrfachen einfachen Körperverletzung , des Raufhandels, der mehrfachen Drohung, der versuchten Nötigung, der Beschimpfung, de s Hausfriedensbruchs und der Wider- handlung gegen das Waffengesetz schuldig und verurteilte ihn zu 18 Monaten bedingter Frei- heitsstrafe unter Auferlegung einer Probezeit von 5 J ahren sowie zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 300.--. Der g egen A.____ am 16. Oktober 2007 von der Jugendanwaltschaft wegen einfacher Körperverletzu ng bedingt ausgesprochene Frei- heitsentzug von 3 Monaten wurde vollziehbar erklärt. C. Aufgrund der strafrechtlichen Verurteilungen verwarn te das Amt für Migration des Kan- tons Basel-Landschaft (AfM) A.____ mit Schreiben vom 1 0. März 2011 und machte ihn darauf aufmerksam, dass eine Verurteilung zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe zum Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung führen könne und von ihm e rwartet werde, dass er sich künftig an die hiesigen Gesetze halte. Mit Urteil vom 4. Juni 2014 sprach das Strafgericht Basel- Stadt A.____ wegen verschiedener Betäubungsmitteldelikte, insbesondere wegen gewerbs- und bandenmässigen Handels mit Ma- rihuana, und verschiedener Verkehrsdelikte, unter ander em wegen mehrfacher grober Verlet- zung der Verkehrsregeln, schuldig und verurteilte ihn z u einer unbedingten Freiheitsstrafe von 2 ¼ Jahren sowie zu einer Busse von Fr. 400.--. Die am 1 8. Juni 2010 ausgesprochene Frei- heitsstrafe und Geldstrafe wurden vollziehbar erklärt. Mit Urteil vom 15./17. Dezember 2015 bestätigte das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt die mit Urteil des Strafgerichts vom 4. Juni 2014 ausgesprochene Verurteilung zu einer Fre iheitsstrafe von 2 ¼ Jahre und zu einer Busse von Fr. 400.--. In Abänderung des Urteils des S trafgerichts entschied es jedoch, dass aufgrund der unterdessen eingetretenen besonders günst igen Umstände davon 15 Monate mit bedingtem Strafvollzug zu verbüssen seien unter Auferlegu ng einer Probezeit von 3 Jahren. Des Weiteren erklärte das Appellationsgericht die am 1 8. Juni 2010 vom Strafgericht Basel- Stadt gegen A.____ bedingt ausgesprochene Freiheitsstra fe von 18 Monaten sowie die Geld- strafe nicht vollziehbar. D. Nachdem das AfM A.____ mit Schreiben vom 15. April 2 016 das rechtliche Gehör ge- währt hatte, machte dieser in seiner Stellungnahme v om 24. April 2016 geltend, dass die Schweiz seine Heimat sei, er seit November 2014 bei de r D.____ AG als Zusteller von Paketen arbeite, der Grossteil seiner Familie, worunter seine Eltern und seine beiden Schwestern, in der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schweiz wohnen würden sowie in Kosovo lediglich ein Onkel mit seiner Familie lebe, zu diesem aber kein Kontakt mehr bestehe. Eine Ausreise in den Kosovo wäre für ihn ein Albtraum. Mit Strafbefehl vom 26. Juli 2016 wurde A.____ aufgrund eines sich am 12. März 2014 ereigne- ten Vorfalls wegen versuchter Nötigung zu einer beding ten Geldstrafe von 30 Tagessätzen von Fr. 90.-- sowie zu einer Busse von Fr. 500.-- verurteilt. Auf den Widerruf der mit Urteil des Straf- gerichts Basel-Stadt vom 18. Juni 2010 bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 18. Mona- ten wurde noch einmal verzichtet. Der Beschuldigte wurde letztmalig verwarnt. E. Das AfM widerrief aufgrund der strafrechtlichen Veru rteilungen mit Verfügung vom 13. September 2016 die Niederlassungsbewilligung von A .____ und wies ihn spätestens per 13. Oktober 2016 resp. bis zur (bedingten) Entlassung au s dem Strafvollzug aus der Schweiz weg. F. Gegen diese Verfügung erhob A.____, nachfolgend i mmer vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, Advokat, mit Eingabe vom 22. September 2016 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung, dass er weiterhin über ei ne Niederlassungsbewilligung für den Kanton Basel-Landschaft verfüge, und das Absehen von ein er Wegweisung. Eventualiter sei die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; alles unter o/e- Kostenfolge. G. Der Regierungsrat wies die Beschwerde mit Beschluss Nr . 255 vom 21. Februar 2016 (recte 2017) ab und verfügte, dass A.____ die Schweiz bi s spätestens 30 Tage nach Rechts- kraft des Beschlusses bzw. unmittelbar nach der Entlassung aus der Halbgefangenschaft zu verlassen habe. Im Wesentlichen anerkannte der Regierung srat, dass A.____ gestützt auf den kombinierten Schutzbereich des Privat- und Familienleben s nach Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK ) vom 4. November 1950 grund- sätzlich einen Anspruch auf einen Aufenthalt in der Sch weiz habe. Durch die längerfristige Frei- heitsstrafe liege ein Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Ab s. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 i.V.m. Art. 62 Abs. b erster Satz- teil AuG und Art. 63 Abs. 2 AuG vor. Vor allem aufgr und der Tatsache, dass sich A.____ weder durch strafrechtliche noch durch ausländerrechtliche Warnu ngen von seinem rechtswidrigen Verhalten habe abhalten lassen, sei der Regierungsrat jedoch nicht gewillt, dem Beschwerde- führer die Niederlassungsbewilligung ermessensweise zu belassen. Die ausländerrechtliche Massnahme sei überdies angemessen und verhältnismässig und es liege kein Härtefall vor. Im Übrigen seien – entgegen der vom Beschwerdeführer vertr etenen Meinung – vorliegendenfalls die neuen Bestimmungen des Schweizerischen Strafgesetz buchs (StGB) vom 21. Dezember 1937 (Art. 66a ff. StGB) sowie Art. 63 Abs. 3 AuG, mi t welchen Art. 121 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (“Ausschaffungsinitiative“) umgesetzt worden sei, nicht anwendbar. H. Gegen diesen Beschluss erhob A.____ mit Eingabe vom 2 1. Februar 2016 beim Kan- tonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht wiederholte die vor dem Regierungsrat gestellten Rechts begehren. In der Beschwerdebegrün- dung vom 26. April 2017 machte er im Wesentlichen ge ltend, dass seine Familienangehörigen in der Schweiz leben würden, er den Kosovo lediglich v on kurzen Aufenthalten kenne und er über ein ausgezeichnetes Arbeitszeugnis verfüge. Des Weiteren rufe der Verkauf und Transport von Marihuana im Vergleich zu beispielsweise Heroin und Kokain eine weit weniger bedeuten- de Gefährdung der Gesundheit der Einzelnen hervor, we lche eine Gefährdung, wie sie beim Konsum von Tabakerzeugnissen und Alkohol bestehe, nicht ü berschreite. Vom Verhalten des Beschwerdeführers gehe keine besondere Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung aus. Ein allfälliges Gewaltpotential werde nicht belegt. Die privaten Interessen des Beschwerde- führers am Verbleib in der Schweiz seien höher zu gewi chten als die öffentlichen Interessen an der Fernhaltung des Beschwerdeführers aus der Schweiz. D er Widerruf der Niederlassungsbe- willigung sei unverhältnismässig und damit aufzuheben. I. Der Regierungsrat beantragte in seiner Vernehmlassun g vom 31. Mai 2017 die kosten- fällige Abweisung der Beschwerde. Er führte unter an derem aus, dass der Beschwerdeführer sehr wohl über ein soziales Netzwerk im Kosovo verfüge. E r sei in der Vergangenheit regel- mässig in den Kosovo gereist, um Rap-Videos zu drehen. Er sei ausserdem mit einer Kosovarin verheiratet gewesen. Nun habe er gemäss Aktennotiz des Af M vom 20. April 2017 erneut im Kosovo geheiratet und sei dort offenbar sogar Vater geworden. J. Mit Verfügung vom 7. Juni 2017 überwies das Gerichtsprä sidium den Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung. Am 29. Juni 2017 reichte der Regierungsrat beim Kanton sgericht die Mutationsmeldung der Gemeinde B.____ vom 7. Juni 2017 ein, gemäss welcher d er Beschwerdeführer am 27. März 2017 die albanische Staatsangehörige H.____ mit Wohnsi tz in Albanien geehelicht hat, sowie den “Vollzugsauftrag Strafen und Massnahmen für: I.____ Stationärer Vollzug“ vom 27. Juni 2017, laut welchem der Beschwerdeführer am 10. Juli 2 017 seinen Strafvollzug in Halbgefan- genschaft im I.____ antreten werden könne und dieser am 8. Juli 2018 beendet sein werde. Mit Verfügung des Amtes für Justizvollzugs des Kantons Basel-Stadt vom 2. Februar 2017 war dem Beschwerdeführer die Strafverbüssung in der Form der Halbgefangenschaft ab 10. Juli 2017 im Vollzugszentrum I.____ bewilligt worden. K. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen der Beschw erdeführer und sein Rechtsver- treter sowie J.____ als Vertreter des Regierungsrates t eil. Der Beschwerdeführer reicht einen Handelsregisterauszug des Kantons Basel-Landschaft über die Gründung der G.____ GmbH ein, dessen Gesellschafter F.____ und der Beschwerdefüh rer sind, sowie einen Bericht des Vollzugszentrums I.____ vom 27. November 2017 und der Be schwerdegegner einen Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister vom 28. November 2017 sowie einen Betreibungsregis- terauszug vom 28. November 2017. In der Beschwerdebegrü ndung und der Vernehmlassung des Beschwerdegegners wird ein Telefonat zwischen der Ba sler Staatsanwaltschaft und dem AfM erwähnt, dessen Inhalt eine wahrscheinliche Einstel lung eines Strafverfahrens gegen den Beschwerdeführer wegen Handels mit Marihuana war (Akte Nr. 865 des AfM). Der Vertreter des Regierungsrats erklärt, der zuständige Staatsanwalt des Kantons Basel-Stadt habe ihm kurz vor Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der heutigen Verhandlung mitgeteilt, dass das Verfahre n allenfalls wegen ungenügender objek- tiver Anhaltspunkte eingestellt werde. Die Parteien halten an ihren Anträgen fest. Auf die Ausführungen der Parteien wird – soweit erforderlich – in den Urteilserwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Demnach ist das Kantonsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Besch werde örtlich und sachlich zustän- dig. Der Beschwerdeführer ist vom angefochtenen Entsche id berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren f ormellen Voraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen re chtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Wei- teren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist de m Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1. Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 AuG; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustä ndige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss den Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der g esetzlichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Ertei lung einer Aufenthaltsbewilligung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 189; M ARC SPESCHA , in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/ Hruschka [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 4. Auflage, Zürich 2015, Rz 1 ff. zu Art. 3 AuG und Rz 1 ff. zu Art. 96 AuG). Gemäss Art. 3 Abs. 2 Au G wird Ausländerinnen und Ausländern der Aufenthalt in der Schweiz bewilligt, wenn völkerrec htliche Verpflichtungen, humanitäre Gründe oder die Vereinigung der Familie es erfordern. 3.2. Zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Kosovo besteht kein Staatsvertrag, der dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz ge- währen würde. Es sind entsprechend die Bestimmungen des AuG, vorbehältlich anderer völker- rechtlicher Verträge, anwendbar. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3. Gemäss Art. 34 Abs. 1 AuG verleiht die Niederlassun gsbewilligung ihrem Inhaber grundsätzlich einen zeitlich unbefristeten und unbedingt en Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz. Es ist somit von einem grundsätzlichen gesetzlichen Anspruch des Beschwerdefüh- rers auf Aufenthalt in der Schweiz auszugehen. 3.4. Des Weiteren können ausländische Staatsangehörige i n besonderen Fällen einen An- spruch auf Aufenthalt oder Verbleib in einem andern Staat aus dem in Art. 8 Ziff. 1 EMRK sowie dem inhaltlich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 BV geschü tzten Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens ableiten, wenn eine staatliche Entfernungsmassnahme zur Trennung von Fami- lienmitgliedern führt (vgl. A NDREAS ZÜND /THOMAS HUGI YAR , Aufenthaltsbeendende Massnah- men im schweizerischen Ausländerrecht, insbesondere unter dem Aspekt des Privat- und Fami- lienlebens, Europäische Grundrechte-Zeitschrift [EuGRZ] 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1). Diese Garantien können somit dann verletzt sein, wenn e iner ausländischen Person, deren Familienangehörige in der Schweiz weilen, die Anwesen heit untersagt und damit das gemein- same Familienleben vereitelt wird. Gemäss ständiger bun desgerichtlicher Rechtsprechung müssen die sich hierzulande aufhaltenden Angehörigen über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sie das Schweizer Bürgerrecht oder eine Nieder- lassungsbewilligung besitzen oder über eine Aufenthaltsb ewilligung verfügen, die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht. Zudem müssen dies e Personen zur Kernfamilie (Ehegatte oder im gleichen Haushalt lebende, minderjährige Kinder) gehören und es muss eine enge, tatsächliche und intakte Beziehung zu ihnen bestehen (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1; BGE 130 II 281 E. 3.1; BGE 127 II 60 E. 1d/aa). Indessen gehen der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) und das Bundesgericht in ihrer Re chtsprechung in Fällen von aufent- haltsbeendenden Massnahmen erwachsener Ausländer der zwe iten Generation von einem kombinierten Schutzbereich von Privat- und Familienleben aus (BGE 130 II 281 E. 3.2.2; BGE 129 II 193 E. 5.4; Urteil des Bundesgerichts 2C_480/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 4.4.1; Urteil des EGMR M.P.E.V. et al. gegen die Schweiz [3910/2013 ] vom 8. Juli 2014 § 32; Urteil des EGMR Maslov gegen Österreich [1638/03] vom 23. Juni 2008 § 63). Dabei wird nicht verlangt, dass notwendigerweise die Bedingungen für einen allei n aus dem Schutz des Privatlebens ab- geleiteten Bewilligungsanspruch (überdurchschnittliche, besondere Integration) vorliegen müss- ten (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.2.2; Urteil des Bundesge richts 2C_451/2009 vom 7. Dezember 2009 E. 2.2). Nach der Rechtsprechung fallen die sozialen Bindungen eines Ausländers im Aufenthaltsstaat und zur Gemeinschaft, in der er lebt – insbesondere wenn er im Aufenthalts- staat geboren wurde –, in den Schutzbereich des Privat lebens. Unabhängig vom Bestehen ei- nes Familienlebens wird deshalb bei im Aufenthaltsstaat geborenen und aufgewachsenen (er- wachsenen) Ausländerinnen und Ausländern der zweiten Ge neration insbesondere dann ein Anspruch aus der kombinierten Garantie des Privat- und F amilienlebens angenommen, wenn eine aufenthaltsbeendende Massnahme die Trennung von de n hier lebenden Eltern und Ge- schwistern bedeutet (vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts 2 C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3; 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.2; 2C_551 /2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4; Urteil des EGMR Emre gegen die Schweiz [42034/04] vom 23. Juni 2008 § 60; Urteil des EGMR Üner gegen die Niederlande [46410/99] vom 18. O ktober 2006 § 59; M ARTIN BERTSCHI /T HOMAS GÄCHTER , Der Anwesenheitsanspruch aufgrund der Garantie des Privat- und Familienlebens, Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 2003, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht S. 231; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassun gs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 4. März 2015 [810 14 305] E. 3.4 ff.) 3.5. Der Beschwerdeführer ist ein Ausländer der zweiten Generation. Er ist in der Schweiz geboren und hat hier sein ganzes Leben verbracht. Sein e Eltern und seine beiden Schwestern sowie weitere Verwandte leben in der Schweiz. Der Besch werdeführer hat damit – was vom Regierungsrat auch anerkannt wird – auch einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz aus der kombinierten Garantie des Privat- und Familienleb ens (siehe Regierungsratsbeschluss E. 3.c.). 4.1. Indes gelten weder der gesetzliche Anspruch auf Aufenthalt nach Art. 34 Abs. 1 AuG noch der grundrechtliche Anspruch auf Privat- und Fam ilienleben absolut. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung ist selbst dann möglich, wenn die ausländische Person in der Schweiz geboren wurde und ihr ganzes bisheriges Leben hie r zugebracht hat (BGE 139 I 31 E. 2.3.1; BGE 139 I 16 E. 2.2.1). 4.2. Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mi t Art. 62 lit. b AuG kann die Nieder- lassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die Ausländerin oder der Ausländer zu einer län- gerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist. Als l ängerfristig gilt eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr, wobei mehrere unterjährige Straf en bei der Berechnung nicht kumuliert werden dürfen (BGE 137 II 297 E. 2; BGE 135 II 377 E. 4.2). Keine Rolle spielt, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wur de (Urteil des Bundesgerichts 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Ein Widerru f ist ebenfalls möglich, wenn die aus- ländische Person in schwerwiegender Weise gegen die öff entliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährdet hat (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Die Praxis geht hiervon aus, wenn sie durch ihr Handeln besonders hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr gebracht hat, sich von strafrechtl ichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und sich im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zeigt, d ass sie auch künftig weder gewillt noch fähig erscheint, sich an die Rechtsordnung zu hal ten (BGE 137 II 297 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3. 2). Aus beiden Gründen kann die Niederlassungsbewilligung auch bei Ausländern widerrufen werden, die sich seit mehr als fünf- zehn Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Sch weiz aufhalten (Art. 63 Abs. 2 AuG). Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK darf in das durch Zif f. 1 geschützte Rechtsgut eingegriffen wer- den, soweit der Eingriff gesetzlich vorgesehen ist und eine Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung d er Ordnung und zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutz der Gesellschaft und Moral sowie der Rechte und Freihei- ten anderer notwendig ist. 4.3. Das Strafgericht Basel-Stadt verurteilte den Besc hwerdeführer mit Urteil vom 18. Juni 2010 zu 18 Monaten bedingter Freiheitsstrafe und mit U rteil vom 4. Juni 2014 zu einer Frei- heitsstrafe von 2 ¼ Jahren. Das Appellationsgericht Basel -Stadt bestätigte die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 2 ¼ Jahren mit Urteil vom 15 ./17. Dezember 2015. Damit hat der Be- schwerdeführer den Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 62 Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht lit. b AuG, was vom Beschwerdeführer auch nicht bestritt en wird, erfüllt (siehe Ziff. 12 der Be- schwerdebegründung). 4.4. Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG führt nicht zwingend zum Entzug der Niederlassungsbewilligung. Vielmehr rechtfe rtigt sich der Widerruf und die damit verbundene Wegweisung (vgl. Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) n ach Art. 96 Abs. 1 AuG nur dann, wenn diese Massnahme im Einzelfall gestützt auf eine u mfassende Güterabwägung verhält- nismässig erscheint. Dabei sind alle Umstände des Einzelfa lls zu berücksichtigen und die öf- fentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegenein ander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 51 Rz. 3; A NDREAS ZÜND /LADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Eine umfassende Darstellung der Rechtsstellung von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz, Basel 2009, Rz. 8.48). Verlangt ist in sofern eine Abwägung der sich gegen- überstehenden privaten Interessen am Belassen der Bewill igung und der öffentlichen Interes- sen an deren Widerruf, wobei Letztere in dem Sinne üb erwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit H inweisen). Zur Beurteilung der Frage, ob dies der Fall ist, sind namentlich die Schwere des Delikt s und des Verschuldens des Betroffe- nen, der seit der Tat vergangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherige n Anwesenheit sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3; Urteil des Bundesge- richts 2C_1033/2013 vom 4. Juli 2014 E. 4.3). Die Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll zwar nur mit besonderer Zurückhaltung widerru- fen werden, doch ist dies bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit selbst dann nicht ausge- schlossen, wenn er hier geboren ist und sein ganzes bisher iges Leben im Land verbracht hat (vgl. z.B. das Urteil des Bundesgerichts 2C_562/2011 vom 21 . November 2011 E. 3.3 [Widerruf der Niederlassungsbewilligung eines hier geborenen, wie derholt straffällig gewordenen 43- jährigen Türken]). Bei schweren Straftaten, Rückfall und wiederholter Delinquenz, insbesondere bei Gewalt- und Betäubungsmitteldelikten, besteht ein wesentliches öffentliches Interesse, zur Aufrechterhaltung der Ordnung bzw. Verhütung von (wei teren) Straftaten die Anwesenheit des Ausländers zu beenden (BGE 139 I 31 E. 2.3.1; BGE 137 II 233 nicht publizierte E. 3.1). Was das Fernhalteinteresse anbetrifft, so muss gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei schweren Straftaten – wozu auch gravierende Delikte geg en Leib und Leben gehören – selbst ein geringes Restrisiko weiterer Delinquenz nicht in Kau f genommen werden (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; BGE 130 II 176 E. 4.2 - 4.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 2C_870/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 6.1.4). In diesem Zusammenhan g ist auch auf die Bestimmungen von Art. 121 Abs. 3 - 6 BV hinzuweisen. Gemäss diesen Bestimmungen verlieren Ausländerin- nen und Ausländer unabhängig von ihrem ausländerrecht lichen Status ihr Aufenthaltsrecht so- wie alle Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz, w enn sie unter anderem wegen Dro- genhandels rechtskräftig verurteilt worden sind (Art. 12 1 Abs. 3 lit. a BV). Zwar sind diese Ver- fassungsbestimmungen gemäss der bundesgerichtlichen Rechts prechung nicht direkt anwend- bar, das Bundesgericht hat aber festgehalten, der vo m Verfassungsgeber zum Ausdruck ge- brachten Wertung sei insoweit Rechnung zu tragen, als dies zu keinem Widerspruch zu über- geordnetem Recht bzw. zu keinen Konflikten mit dem Beur teilungsspielraum führe, den der EGMR den einzelnen Konventionsstaaten bei der Umsetzung ihrer Migrations- und Ausländer- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht politik zugestehe (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; BGE 139 I 1 6 E. 5.3). Gleich wie Art. 96 Abs. 1 AuG verlangt auch die EMRK in diesem Zusammenhang eine Abwägung der sich gegenüberstehen- den privaten Interessen an der Belassung der Niederlassung sbewilligung und den öffentlichen Interessen an deren Widerruf. Der EGMR stützt sich bei d er Beurteilung der Zulässigkeit auf- enthaltsbeendender Massnahmen im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK auf die gleichen Aspekte wie die bundesgerichtliche Praxis (Z ÜND /H UGI YAR , a.a.O., S. 13; BGE 139 I 31 E. 2.3.3; BGE 139 I 336 E. 2.2). Daraus folgt, dass eine Massnahme, di e sich im Sinne von Art. 96 Abs. 1 AuG als verhältnismässig erweist, grundsätzlich auch vor Ar t. 8 EMRK standhält (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 4). 4.5. Somit bleibt nachfolgend anhand der dargelegten Rechtslage zu prüfen, ob unter Be- rücksichtigung der konkreten Umstände des vorliegenden Fal les die öffentlichen Interessen am Widerruf der Niederlassungsbewilligung die privaten In teressen des Beschwerdeführers an ei- nem Verbleib in der Schweiz überwiegen. 5.1. Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil vom 16. Okt ober 2007 von der Jugendanwalt- schaft Basel-Landschaft wegen einfacher Körperverletzung zu einer bedingt vollziehbaren Frei- heitsstrafe von 3 Monaten verurteilt. 5.2. Mit Urteil vom 18. Juni 2010 erklärte ihn das Str afgericht Basel-Stadt der Freiheitsbe- raubung und Entführung, der mehrfachen einfachen Kö rperverletzung, des Raufhandels, der mehrfachen Drohung, der versuchten Nötigung, der Beschim pfung, des Hausfriedensbruchs und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig u nd verurteilte ihn zu 18 Monaten bedingter Freiheitsstrafe unter Auferlegung einer Pro bezeit von 5 Jahren. Zugleich wurde der gegen den Beschwerdeführer am 16. Oktober 2007 von de r Jugendanwaltschaft wegen einfa- cher Körperverletzung bedingt ausgesprochene Freiheits entzug von 3 Monaten vollziehbar er- klärt. Die diesem Schuldspruch zugrunde liegenden Delikt e wurden am 3. Mai 2009 und am 21. Oktober 2009 begangen. 5.3.1. Mit Urteil vom 4. Juni 2014 sprach das Strafgeri cht Basel-Stadt A.____ wegen ver- schiedener Betäubungsmitteldelikte, insbesondere wegen gewerbs- und bandenmässigen Han- dels mit Marihuana, und verschiedener Verkehrsdelikte, unter anderem wegen mehrfacher gro- ber Verletzung der Verkehrsregeln, schuldig und verurt eilte ihn zu einer unbedingten Freiheits- strafe von 2 ¼ Jahren. Die am 18. Juni 2010 ausgesprochene Freiheitsstrafe und Geldstrafe wurden vollziehbar erklärt. Mit Urteil vom 15./17. Dezember 2015 bestätigte das Appellationsge- richt des Kantons Basel-Stadt die mit Urteil des Strafg erichts ausgesprochene Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 2 ¼ Jahre. In Abänderung des Urteils des Strafgerichts entschied es jedoch, dass aufgrund der unterdessen eingetretenen be sonders günstigen Umstände davon 15 Monate mit bedingtem Strafvollzug zu verbüssen seien u nter Auferlegung einer Probezeit von 3 Jahren. Des Weiteren erklärte das Appellationsgericht die am 18. Juni 2010 vom Strafge- richt Basel-Stadt gegen A.____ bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie die Geldstrafe nicht vollziehbar. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.2. Das Appellationsgericht führte in seinem Urteil aus, der Beschwerdeführer habe die dem Schuldspruch zugrunde liegenden Delikte im Zeitrau m von Mai 2011 bis Ende März 2012 begangen. Er sei in der Zeitspanne von November 2011 bis Ende März 2012 während drei Mo- naten dem Betäubungsmittelhandel nachgegangen und ha be in dieser Zeit rund 2.5 kg Mari- huana abgesetzt und dabei einen Gewinn von rund Fr. 15‘000.-- erzielt. Das Appellationsgericht stufte das Verschulden des Beschwerdeführers in Bezug auf die Betäubungsmitteldelikte als mittelschwer ein. Weiter führte das Appellationsgerich t aus, dass der Handel mit Marihuana im Bereich von 2.5 kg innerhalb der qualifizierten Fäll e des Betäubungsmittelhandels objektiv eher am unteren Rande anzusiedeln sei, gelte doch Marihuana im Vergleich zu anderen Drogen, namentlich zu Kokain und Heroin, als weniger gefährlich . Dies werde entlastend berücksichtigt. Leicht zu seinen Gunsten sei ebenfalls zu berücksichtigen, da ss er im Tatzeitpunkt mit rund 20 Jahren noch relativ jung und entsprechend unreif gewese n sei. Das bandenmässige Vorgehen werde hingegen leicht straferhöhend berücksichtig. Zu U ngunsten des Beschwerdeführers falle erheblich ins Gewicht, dass er aus rein finanziellen Motive n – und ohne finanzielle Notlage – delinquiert und den Gewinn nach eigenen Angaben für “unnötige Sachen“ einfach “dumm“ aus- gegeben habe. Selber habe er laut eigenen Angaben l ediglich gelegentlich am Wochenende Marihuana konsumiert. Dabei habe er sich wohl auch im Schein, den ihm sein Image als “Gangster-Rapper“ verschafft habe, gesonnt und das beque me Leben genossen. Das Appella- tionsgericht erklärte, straferhöhend zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer während der fünfjährigen Probezeit aus dem Urteil des Strafge richts Basel-Stadt vom 18. Juni 2010 und während hängigen Verfahren und am 27. Mai 2011 sogar während der Verbüssung einer Strafe der Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft vom 16. Oktober 2007 in Form des Electronic Moni- toring delinquiert habe. Das Verhalten des Beschwerdef ührers zeuge von beträchtlicher Hart- näckigkeit, Unbelehrbarkeit und Dreistigkeit. Auch in B ezug auf die Vergehen gegen das SVG stufte das Appellationsgericht das Verschulden des Beschwerd eführers als mittelschwer ein. Sein Fahren am 27. Mai 2011 zeuge von beträchtlicher Rücksichtlosigkeit. 5.3.3. Das Appellationsgericht erklärte weiter, die Vor instanz habe im Sommer 2014 die Chancen auf Bewährung angesichts des Eindrucks, den der Beschwerdeführer vor Gericht hin- terlassen habe, als gering eingestuft. Unterdessen h abe der Beschwerdeführer aber eine be- achtliche Kehrtwende vollzogen. Seit September 2014 se i er als Fahrer bei einem Subunter- nehmen der D.____ AG beschäftigt. Die Arbeitgeberfirm a stelle ihm ein positives Arbeitszeug- nis aus. An der zweitinstanzlichen Verhandlung habe er sich gereift und einsichtig gezeigt und nachvollziehbar erklärt, dass ihm der Einstieg in die Arb eitswelt die Augen geöffnet habe. So habe er gelernt, Verantwortung bei der Arbeit zu übe rnehmen, habe einen ganz neuen Lebens- rhythmus und Zufriedenheit in der Arbeitswelt gefunden und sich von der Rapmusik gelöst. Die- se positive Entwicklung des Beschwerdeführers wurde bei de r Prüfung der Legalprognose be- rücksichtigt. Des Weiteren führte das Appellationsgericht aus, dass der Beschwerdeführer die dem Schuld- spruch zugrunde liegenden Delikte 3 ½ bis 4 ½ Jahre vor der Urteilsfällung durch das Appellati- onsgericht und damit mit rund 20 Jahren begangen habe und somit in einem Alter, in dem viele junge Erwachsene sich noch in einer Phase der Entwicklun g befinden und ihre Identität, ihre Rolle als Erwachsene und im Erwerbsleben suchen würden. Diese Altersgruppe habe zwar die Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht höchste Kriminalitätsbelastung, die meisten dieser “Fr ühdelinquenten“ würden später indes nicht mehr als Straftäter in Erscheinung treten. Eine solche Suche nach Identität und nach der Rolle als Erwachsener sei beim Beschwerdeführer im Tat zeitpunkt augenfällig. Er habe sich damals als “(Gangster)rapper“ versucht und ein entspreche ndes Leben geführt, welches er durch Betäubungsmittelhandel finanziert habe. Er habe sich über Regeln und Vorschriften hin- weggesetzt. Seinen Traum, als Rapper gross zu werden, h abe er mittlerweile aufgegeben und sich stattdessen seit über einem Jahr in der Arbeitswelt be währt und dabei auch Zufriedenheit gefunden. Damit sei er der im Urteil des Strafgerichts vom 18. Juni 2010 geäusserten Hoffnung nachgekommen, dass “er auf übersteigerte Ich-Phantasien verzichtet und bereit ist, sich im Le- ben so banale Ziele zu setzen, wie dass er fleissig arbeit et und sein Leben anständig verdient“. Auch die überlegten Äusserungen des Beschwerdeführers a n der Berufungsverhandlung wür- den auf eine Reifung und innere Umkehr schliessen. Da ss es sich hier nicht um ein blosses Lippenbekenntnis handle, erhelle immerhin aus dem ausg ezeichneten Arbeitszeugnis des Be- schwerdeführers, welcher seit über einem Jahr zur vollen Zufriedenheit seines Arbeitgebers tätig sei. Bedeutsam sei zudem, dass er sich bei seiner Tät igkeit als Fahrer nun auch im Stras- senverkehr bewährt habe. 5.3.4. In Bezug auf die vom Appellationsgericht gestel lte positive Legalprognose, ist festzu- halten, dass die Beurteilung der Rückfallgefahr bei de r ausländerrechtlichen Interessenabwä- gung zwar ein gewisses Gewicht hat. Ausserhalb des Geltu ngsbereichs des Freizügigkeitsab- kommens kommt diesem Aspekt jedoch nicht vorrangige Bedeut ung zu und es muss im Zu- sammenhang mit Gewaltdelikten selbst ein relativ gering es Restrisiko nicht hingenommen wer- den (siehe vorne E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 2C_271 /2007 vom 12. November 2007 E. 3.1). Hinzu kommt, dass für Legalprognosen in auslä nderrechtlicher Hinsicht wegen des im Vordergrund stehenden Interesses der öffentlichen Ordnun g und Sicherheit ein strengerer Be- urteilungsmassstab gilt als im strafrechtlichen Sanktionen recht (vgl. BGE 137 II 237 E. 5.2.2; Urteil des Bundesgerichts 2C_870/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 6.1.4). Zudem ist zu be- rücksichtigen, dass bei der vom Appellationsgericht gestell ten positiven Legalprognose der Strafbefehl vom 26. Juli 2016 nicht berücksichtigt wurde. 5.4. Mit Strafbefehl vom 26. Juli 2016 wurde der Besc hwerdeführer aufgrund eines sich am 12. März 2014 ereigneten Vorfalls wegen versuchter Nöt igung zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen von Fr. 90.-- sowie zu einer Busse von Fr . 500.-- verurteilt. Auf den Wider- ruf der mit Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 1 8. Juni 2010 bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 18 Monaten wurde noch einmal verzicht et. Der Beschuldigte wurde letztma- lig verwarnt. 5.5. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer verschiedene Rechtsgüter verletzt und dabei auch Delikte gegen Leib und Leben sowie Betäubungsmittelde- likte verübt hat. Damit besteht ein gewichtiges öffent liches Interesse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers aus der Schweiz. Die Wegweisung ist hierfür ein geeignetes Mittel. 6.1. Der Beschwerdeführer ist in der Schweiz geboren un d aufgewachsen. Er spricht flies- send Deutsch und hat hier einen Bekanntenkreis. Seine E ltern und seine beiden Schwestern Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie weitere Verwandte wohnen in der Schweiz. Er woh nt bei seinen Eltern. Im Kosovo lebt ein Onkel des Beschwerdeführers, zu dem er angeblich keinen Kontakt hat. Von seiner ersten kosovarischen Ehefrau ist der Beschwerdeführer geschieden. Am 27. März 2017 hat er seine zweite Ehefrau, welche albanischer Herkunft ist, geheira tet. Vor ca. 7 Monaten ist der gemein- same Sohn K.____ auf die Welt gekommen. Die Ehefrau d es Beschwerdeführers hat der Par- teiverhandlung beigewohnt. Nach heutigen Angaben des B eschwerdeführers wohnen seine Ehefrau und sein Sohn bei seinen Eltern und halten sich als Touristen in der Schweiz auf. Der Beschwerdeführer führt anlässlich der heutigen Verhandlung aus, zu wünschen, gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinem Sohn in der Schweiz leben zu können. Sowohl die erste Ehefrau als auch die jetzige Ehefrau des Beschwerdeführers stammen aus Kosovo bzw. Albanien, zudem ist der Beschwerdeführer auch für seine Musik und um sei ne erste Ehefrau zu treffen, immer wieder nach Kosovo gereist. Obwohl der Beschwerdeführe r somit sicherlich eine stärkere Bin- dung zu seinem Heimatland hat, als er behauptet, würd e ihn die Rückkehr in seine Heimat in persönlicher Hinsicht hart treffen. Die privaten Interessen des Beschwerdeführers am Verblei b in der Schweiz sind aufgrund der Tatsache, dass er hier geboren und aufgewachsen ist sowie seine Eltern, seine beiden Schwestern, weitere Verwandte und ein grosser Teil sein es Bekanntenkreises in der Schweiz leben, sehr hoch. 6.2. Der Beschwerdeführer verfügt über keinen Berufsa bschluss und stellt damit auch keine gesuchte Fachkraft auf dem Arbeitsmarkt dar. Nach einem Jahr brach er die Berufslehre ab und hielt sich mit Gelegenheitsjobs und mit Geld aus ille galen Tätigkeiten über Wasser, führte zeit- weilig ein eigenes Kleidergeschäft und versuchte sich al s Rapmusiker. Vom 1. November 2014 bis Ende 2016 arbeitete er in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis zu einem 100 % Pensum als Fahrer bei der C.____ AG, welche gemäss Zwischenzeugni s vom 11. Dezember 2015 eine Subunternehmerin der D.____ AG ist. Die D.____ AG ste llte ihm am 11. Dezember 2015 ein sehr gutes Arbeitszeugnis aus. Gemäss heutigen Aussagen des Be schwerdeführers hat er bis Dezember 2016 dort gearbeitet. Von Januar 2017 bis Sep tember 2017 habe er bei der Firma E.____ gearbeitet. Gemäss Handelsregisterauszug des Kantons Basel-Landschaft vom 27. Juni 2017 haben der Beschwerdeführer und F.____ die G.___ _ AG gegründet. Diese Gesellschaft “bezweckt den Betrieb eines Transportgeschäftes sowie die Erbringung von Dienstleistungen in Transport und Verteilung von Paketen“. Der Beschwerdef ührer erklärt, dass er als Chauffeur und als Stellvertreter von F.____ arbeite. Sie hätten 10 Angestellte. Nur die D.____ AG sei ihre Auftraggeberin. Sie würden Lieferungen und Abholung en z.B. an bzw. von McDonald‘s und Coop machen. Im Moment verdiene er monatlich Fr. 4‘50 0.--. Er nehme jedoch kein Geld aus dem Unternehmen heraus, da zur Zeit viele Rechnungen z. B. von der Suva anfallen würden. Ein Chauffeur erziele bei ihnen einen Lohn von Fr. 3‘ 800.-- brutto zuzüglich Fr. 400.-- Spesen. Die Fahrzeuge hätten sie bei Mercedes geleast. Die mona tlichen Leasingkosten beliefen sich auf monatlich Fr. 13‘000.--. Gemäss Aussagen des Beschwe rdeführers arbeitet er dank seiner Halbgefangenschaft tagsüber, geht dann nach Feieraben d seine Frau und sein Kind besuchen und kehrt anschliessend in das Vollzugszentrum I.____ zurück. Er führt aus, sich von 06.00 bis 20.30 Uhr ausserhalb des Vollzugszentrums I.____ aufhal ten zu dürfen. Der Beschwerdeführer war nie sozialhilfeabhängig. Gegen ihn wurden gemäss d em vom Beschwerdegegner an der Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht heutigen Verhandlung eingereichten Betreibungsregist erauszug im Zeitraum vom 28. Novem- ber 2007 bis 28. November 2017 15 Betreibungen in de r Gesamthöhe von Fr. 11‘455.55 regis- triert. Die diesen Betreibungen zugrunde liegenden F orderungen wurden jedoch in der Zwi- schenzeit entweder beglichen (in 12 Fällen) oder es wurde das Betreibungsbegehren zurückge- zogen (in zwei Fällen). Lediglich in einem Fall wurde die Pfändung (Forderung in der Höhe von Fr. 2‘369.65) angekündigt. Verlustscheine sind keine re gistriert. Aus diesen Ausführungen geht hervor, dass der Beschwerdeführer seit Ende November 2014 am Wirtschaftsleben teilnimmt und gemäss Betreibungsregisterauszug keine nennenswerten Schulden hat. 6.3. Die öffentlichen Interessen an der Wegweisung li egen in den vom Beschwerdeführer begangenen Delikten. Anlässlich der heutigen Verhandlun g hat der Beschwerdeführer ausge- sagt, seit drei Jahren “nichts mehr in der Musikszene zu mach en“. Er führt aus, dass er nun die Konsequenzen seiner Delikte verstanden habe. Als er die D elikte begangen habe, sei er jung gewesen, habe das Leben nicht “wahrgenommen“. Heute wü rde er anders denken. Ausserdem habe er heute viel zu verlieren. Er arbeite seit 4 bi s 5 Jahren ernsthaft und habe Verantwortung übernommen und er wünsche, seiner Ehefrau und seinem Ki nd eine Zukunft bieten zu können. Der Beschwerdeführer hat anlässlich der heutigen Verhan dlung glaubhaft dargetan, dass er gewillt ist, seinen Lebensunterhalt auf legale Weise zu erwirtschaften und dies auch in die Tat umsetzt. Zudem fällt sein Engagement beim Aufbau der Firma G.____ GmbH, dessen Gesell- schafter der Beschwerdeführer und F.____ sind, trotz Hal bgefangenschaft positiv ins Gewicht. Diese positive Entwicklung deckt sich mit den im Appellatio nsgerichtsurteil gemachten Ausfüh- rungen, dass der Beschwerdeführer auf seine übersteigerte Ich-Phantasien verzichtet habe und bereit sei, sich im Leben so banale Ziele zu setzen, wi e zu arbeiten und den Lebensunterhalt anständig zu verdienen. Bezüglich der vom Beschwerdeführer begangenen Straftat en ist festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer die Delikte, welche zu den zwei schwerwiegen den Verurteilungen von 18 Mo- naten und 2 ¼ Jahren geführt haben, mit rund 18 und rund 20 Jahren begangen hat, in einem Alter also, in dem viele junge Erwachsene sich noch in einer Phase der Entwicklung befinden, ihre Identität, ihre Rolle als Erwachsene und im Erwerbsleben suchen. Gemäss Appellationsge- richtsurteil war eine solche Suche nach Identität und na ch der Rolle als Erwachsener beim Be- schwerdeführer im Tatzeitpunkt augenfällig. Dass der Besch werdeführer gereift ist, seine über- steigerten Ich-Phantasien abgelegt und für sein Leben Verantwortung übernommen hat, hat der Beschwerdeführer auch heute anlässlich der Parteiverhan dlung zum Ausdruck gebracht. Der Beschwerdeführer hat dann nochmals am 12. März 2014 un d damit mit 22 Jahren delinquiert. Auch im Zeitpunkt der Begehung dieser Tat war der B eschwerdeführer noch jung und die Tat führte, ohne diese zu bagatellisieren, „lediglich“ zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessät- zen und einer Busse von Fr. 500.--. Zudem wurde diese ü ber 1 ¾ Jahre vor dem Urteil des Ap- pellationsgerichts und sogar vor dem Urteil des Strafg erichts vom 4. Juni 2014 verübt. Diese Tat widerspricht somit nicht der Einschätzung des Appell ationsgerichts, dass der Beschwerde- führer seit dem Strafgerichtsurteil gereift sei und al s Ziel habe, seinen Lebensunterhalt redlich zu verdienen. Auch das Vollzugszentrum I.____, in welchem sich der Beschwerdeführer seit dem 10. Juli 2017 in Halbgefangenschaft befindet, füh rt in seinem Bericht vom 27. November 2017 aus, dass es scheine, dass der Beschwerdeführer geler nt habe, Verantwortung zu über- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht nehmen und motiviert sei, ein regelkonformes Leben zu führen. Der Beschwerdeführer gebe an, sich von der Rapperszene vollkommen gelöst zu haben und kein Interesse mehr am Rappen zu haben. Der Beschwerdeführer sei im Vollzugszentrum gut angekommen und habe sich in der Wohngruppe integriert. Ausgeführt wird auch, dass zwisch en dem Beschwerdeführer sowie seinen Eltern und seinen beiden Schwestern ein sehr guter Kontakt sowie ein guter Familienzu- sammenhalt und regelmässiger Austausch bestehe. Des Weite ren ist im Bericht zu lesen, dass der Beschwerdeführer monatlich eine Rate in der Höhe von Fr. 200.-- Gerichtskosten begleiche, welche aus einer Ursprungssumme von knapp Fr. 20‘000.-- r esultieren würden. Seinen Anga- ben zufolge habe er bereits ca. Fr. 4‘000.-- begleiche n können. Der Beschwerdeführer bezahle auch den vollen Vollzugskostenbeitrag. Er scheine gereift und selbstständig geworden zu sein. Von dem deliktischen Umfeld distanziert, stehe nun seine Selbstständigkeit und seine Familie im Vordergrund. Positiv fällt auch ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer, obwohl er in den letzten Jahren auf- grund seiner Tätigkeit als Chauffeur viel am Strassenverk ehr teilgenommen hat und er auch wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln verurteilt wurde, sich im Strassenverkehr nichts mehr zu Schulden hat kommen lassen. Obwohl dem Wohlver halten während strafrechtlichen Probezeiten bzw. unter Druck eines hängigen ausländerrecht lichen Verfahrens praxisgemäss nur untergeordnete Bedeutung zukommt, da in dieser Zei t ein vorbildliches Verhalten erwartet wird und keine besondere Leistung darstellt (Urteil des Bundesgerichts 2C_208/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 5.2), fällt dem Wohlverhalten u nd dem Engagement des Beschwerde- führers in der Arbeitswelt, wenn auch nur eine unterg eordnete, aber dennoch eine Bedeutung zu. 6.4. Bei einer Gesamtwürdigung sind die privaten Inter essen des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz höher zu gewichten, als die ö ffentlichen Interessen am Widerruf der Niederlassungsbewilligung und an der Wegweisung. Dabei hat vor allem die Tatsache, dass der Beschwerdeführer sein ganzes Leben hier verbracht hat, seine Eltern, seine Schwestern, weite- re Verwandten und sein Bekanntenkreis hier wohnen, er die Straftaten als junger Erwachsener begangen hat, nicht verschuldet und arbeitstätig ist sowie eine positive Entwicklung an den Tag gelegt hat, den Ausschlag gegeben. In Anbetracht der g esamten Umstände erweist sich der Widerruf der Niederlassungsbewilligung somit nicht als verhältnismässig. 7. Gemäss Art. 96 Abs. 2 AuG können Ausländerinnen und Ausländer unter Androhung einer Massnahme verwarnt werden, wenn diese begründet, aber nach den Umständen nicht angemessen ist (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 2C_446/2014 vom 5. März 2015 E. 4). Die vom Beschwerdeführer begangenen Straftaten richten sich auch gegen die Rechtsgüter “Leib und Leben“, sind von einer gewissen Schwere und keinesfa lls zu verharmlosen. Die Tatsache, dass der Widerruf der Niederlassungsbewilligung als unve rhältnismässig qualifiziert wird, liegt im vorliegenden Fall darin, dass die privaten Interessen des Beschwerdeführers aufgrund sei- ner Eigenschaft als Ausländer der zweiten Generation und der Anwesenheit seiner Familie als besonders hoch und die öffentlichen Interessen an einer Fernhaltung durch seine nunmehr wirtschaftliche Integration und seine positive Entwicklun g als geringer gewichtet wurden. In An- betracht der gesamten Umstände rechtfertigt es sich, anste lle des Widerrufs den Beschwerde- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht führer gestützt auf Art. 96 Abs. 2 AuG förmlich zu ver warnen, was hiermit erfolgt. Sollte der Be- schwerdeführer danach erneut in relevanter Weise straffäl lig werden oder in relevanter Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der S chweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährden oder die innere oder die äussere Sicher heit gefährden und damit das durch das Gericht in ihn gesetzte Vertrauen missbrauchen, muss e r trotz seiner langen Anwesenheit mit dem Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung rechnen. 8.1. Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Gest ützt auf § 20 Abs. 1 VPO in Ver- bindung mit § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskoste n in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Wobei den Vorinstanzen gemäss § 20 Abs. 3 und 4 VPO nur Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn sie das Kantonsgericht in Anspruch nehmen. Demzufolge werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer ist folglich der bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800.-- zurückzuerstatten. 8.2. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann f ür den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung z u Lasten der Gegenpartei zugespro- chen werden (§ 21 Abs. 1 VPO). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht in seiner Honorarnote vom 6. Juli 2017 für die Zeit vom 20. A pril 2016 bis zum 3. Juli 2017 und damit für die vorinstanzlichen (Zeit vom 20. April 2016 bis 22. F ebruar 2017) und das kantonsgerichtliche Verfahren (Zeit vom 23. Februar 2017 bis zum 3. Juli 2017) einen Aufwand von 11.75 Stunden geltend. Auf das kantonsgerichtliche Verfahren entfällt davon ein Zeitaufwand von 5 Stunden und 35 Minuten, was nicht zu beanstanden ist. An der he utigen Verhandlung erklärt der Be- schwerdeführer zwischen dem 3. Juli 2017 und dem heutigen Tag weitere 2 Stunden Aufwand gehabt zu haben, was ebenfalls nicht zu beanstanden ist. Für die heutige Verhandlung werden dem Rechtsvertreter 2 Stunden dazugerechnet, was zu einem Gesamtaufwand von rund 9.6 Stunden führt. Der Rechtsvertreter macht für die vorinst anzlichen Verfahren und das kantons- gerichtliche Verfahren Spesen von gesamthaft Fr. 411.- - geltend, wobei nicht ersichtlich ist, welche Spesen zu welchem Zeitpunkt angefallen sind. Das Kantonsgericht nimmt ex aequo et bono die folgende Aufteilung bzw. Reduktion der Koste n vor: Die Versandkosten werden von Fr. 51.-- auf Fr. 40.-- reduziert, die 214 Kopien à Fr. 1.50 werden hinsichtlich der Anzahl belas- sen, jedoch auf einen Stückpreis von Fr. 0.50 reduziert, die Kosten für Akteneinsicht in der Hö- he von Fr. 30.-- werden ganz gestrichen, da davon auszugehen ist, dass diese im Verfahren vor dem AfM angefallen sind, die für Telefon/Telefax ange führte Fr. 9.-- werden belassen, so dass sich Spesen in der Höhe von Fr. 156.-- (Fr. 40.-- + [2 14 x Fr. 0.50] + Fr. 9.--) ergeben. Die Vor- instanz hat dem Beschwerdeführer damit für das kantonsge richtliche Verfahren eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘242.10 (9.6 Stunden à Fr. 200.-- inkl. Auslagen in der Höhe von Fr. 156.--, alles zuzüglich 8.0 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 8.3. Auf eine Rückweisung der Angelegenheit zur Neuverl egung der Kosten des vorinstanz- lichen Verfahrens an den Regierungsrat wird verzichtet, d a nicht zu beanstanden ist, dass der Regierungsrat im Zeitpunkt der Entscheidfällung die Besc hwerde abgewiesen hat, da für das Kantonsgericht für die Gutheissung der Beschwerde die vo m Beschwerdeführer nach dem Ent- scheid des Regierungsrates weiterhin an den Tag gelegte positive Entwicklung entscheidend Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht war (vgl. die §§ 20a Abs. 2 und 22 Abs. 2 lit. a des Ve rwaltungsverfahrensgesetzes Basel- Landschaft vom 13. Juni 1988). Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Regieru ngsratsbeschluss Nr. 0255 vom 21. Februar 2016 (recte 2017) aufgehoben. 2. Der Beschwerdeführer wird im Sinne der Erwägunge n ausländerrecht- lich verwarnt. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800 .-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwer- deführer für das kantonsgerichtliche Verfahren eine Pa rteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 2‘242.10 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwert- steuer) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschla- gen. Kantonsrichter Gerichtsschreiberin