Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Januar 2019 (720 18 139 / 13 und 720 18 140 / 14) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rückwirkende Einstellung einer Invalidenrente und einer Hilflosenentschädigung infolge Meldepflichtverletzung; Verwertbarkeit von Observationsmaterial. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Michael Blattner , Adv o- kat, Advokatur Sissach, Postgasse 9, Postfach 182, 4450 Sissach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1975 geborene A.____ verunfallte am 6. April 2001 bei der Arbeit und erlitt dabei am rechten Ellenbogen eine Abrissfraktur. Nach Abkl ärung der gesundheitlichen und erwerbli- chen Verhältnisse sprach ihm die IV-Stelle Basel-La ndschaft (IV-Stelle) in der Folge mit Wir- kung ab 1. April 2002 eine ganze Invalidenrente zu. Im Rahmen einer Revision im Jahre 2007 wurde der Versicherte psychiatrisch exploriert. Dabei kam der Gutachter zum Schluss, dass der Versicherte in jeglicher Tätigkeit vollumfänglich a rbeitsunfähig sei. Mit Mitteilung vom 2. No- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht vember 2007 teilte die IV-Stelle dem Versicherten desha lb mit, dass weiterhin Anspruch auf eine ganze IV-Rente bestehe. Da der Versicherte im Revi sionsfragebogen vom 10. Januar 2007 ausserdem angegeben hatte, bei der Verrichtung ve rschiedener Tätigkeiten auf die Hilfe von Drittpersonen angewiesen zu sein, wurde ihm nach Abklä rung der entsprechenden Ver- hältnisse mit Verfügung der IV-Stelle vom 28. Mai 2008 mit Wirkung ab Januar 2008 eine Hilflo- senentschädigung leichten Grades zugesprochen. B. Im Jahre 2013 wurde der Versicherte im Rahmen einer erneuten Revision bidisziplinär begutachtet. Aufgrund der entsprechenden Exploration sergebnisse teilte die IV-Stelle im März 2014 mit, dass mangels Änderung anspruchserheblicher Tatsachen sowohl die ganze IV-Rente als auch die Hilflosenentschädigung leichten Grades weiter ausgerichtet würden. C. Aufgrund einer im April 2014 eingegangenen anonym en Denunziation leitete die IV- Stelle eine Observation des Versicherten ein. Diese fand vom 15. April 2014 bis 21. Mai 2015 statt. Zwecks einer aktuellen medizinischen Beurteilung ordnete die IV-Stelle sodann eine bidis- ziplinäre Begutachtung des Versicherten an. Nach Eingang der entsprechenden Verlaufsgut- achten unterbreitete sie das zuvor erhobene Observation smaterial den Verlaufsgutachtern zur ergänzenden Stellungnahme. Gestützt insbesondere auf di e Stellungnahme des psychiatri- schen Gutachters vom 18. April 2017 kam die IV-Stelle in der Folge zum Schluss, dass der Versicherte bereits seit November 2013 wieder voll arbeitsfähig gewesen sei. D. Am 9. Juni 2017 erliess die IV-Stelle zwei Verfügung en, mit welchen sie einerseits die dem Versicherten bisher ausgerichtete IV-Rente und ander erseits die ihm bisher ausgerichtete Hilflosenentschädigung mit Wirkung ab Ende Juni 2017 sist ierte. Diese Verfügungen wurden in Gutheissung zweier dagegen erhobener Beschwerden mit U rteil des Kantonsgerichts des Kan- tons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) vom 1. Februar 2018 mit der Begründung aufgehoben, dass die IV-Stell e bei deren Erlass in gravierender Wei- se das rechtliche Gehör verletzt habe. E. Bereits mit Vorbescheid vom 15. Juni 2017 hatte die IV-Stelle die Aufhebung der IV- Rente rückwirkend per 1. Dezember 2013 in Aussicht gestellt. Mit Vorbescheid vom 6. Juli 2017 hatte sie ausserdem auch die rückwirkende Aufhebung der dem Versicherten seit Januar 2008 ausgerichteten Hilflosenentschädigung per 1. Dezember 2 013 angekündigt. Mit Verfügungen vom 28. März 2018 hat sie nach Durchführung des Vorbeschei dverfahrens an diesen Vorbe- scheiden festgehalten und sowohl die Rente als auch die Hilflosenentschädigung rückwirkend per 1. Dezember 2013 aufgehoben. F. Gegen diese beiden Verfügungen erhob der Versicher te, vertreten durch Advokat Mi- chael Blattner, am 30. April 2018 je separat Beschwerd e beim Kantonsgericht und beantragte, die beiden Verfügungen vom 28. März 2018 seien aufzuh eben, und die IV-Stelle sei zu ver- pflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, name ntlich weiterhin eine ganze IV-Rente und eine Hilflosenentschädigung auf der Basis einer Hil flosigkeit leichten Grades auszurichten. Ausserdem sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 2. Mai 2018 l egte das Kantonsgericht die bei- den Beschwerdeverfahren zusammen und bewilligte dem Be schwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 25. Mai 2018 wies es die in beiden Ver- fahren gestellten Anträge um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Rechtsmittel ab. H. Mit Vernehmlassung vom 16. Juli 2018 schloss die IV-Ste lle auf Abweisung der Be- schwerde. I. Beide Parteien hielten im Rahmen eines zweiten Schr iftenwechsels an ihren Rechts- standpunkten fest. Auf ihre Vorbringen ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Kantonsgericht frist- und formgerecht eingere ichten Beschwerden ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Janua r 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Be einträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Dabei ist zu betonen, dass im Kontext der rentenmässig ab zugeltenden psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch ein e psychische Gesundheitsbeeinträchti- gung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also n icht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumut bar oder – als alternative Vorausset- zung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 1 65; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den i m Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle die dem Versicherten bisher ausgerichtete ganze IV-Rente und die bisher ausgerichtete Hilflosenen tschädigung zu Recht rückwirkend per 1. Dezember 2013 aufgehoben hat. 5.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten für die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinwei sen). Eine abweichende medizinische oder rechtliche Einschätzung von im Wesentlichen unverände rten tatsächlichen Verhältnissen führt indessen nicht zu einer materiellen Revision. Aussch liesslich auf einer anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhebliche Differenzen sind deshalb stets von revisionsbegrün- denden tatsächlichen Veränderungen abzugrenzen. Eine ärztliche Schlussfolgerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesun dheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medi zinischen Ermessens (BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (Urteil des Bundesgerichts 9 C_418/2010 vom 29. August 2011, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Nach Art. 88a Abs. 1 d er Verordnung über die Invalidenversi- cherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist bei einer Verbesse rung der Erwerbsfähigkeit die an- spruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Änderung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in welchem angenommen werden kann, dass sie voraussicht- lich längere Zeit andauern wird. Sie ist in jedem Fal l zu berücksichtigen, nachdem sie ohne we- sentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiter andauern wird. Allerdings hat der Berechtigte gemäss Art. 77 IVV jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche seines Gesundheitszustan des, der Arbeits- oder Erwerbsfä- higkeit, der persönlichen und gegebenenfalls auch der w irtschaftlichen Verhältnisse, unverzüg- lich der IV-Stelle anzuzeigen (Art. 31 ATSG). Wird ei ne Leistung der Invalidenversicherung zu Unrecht ausgerichtet, weil der Bezüger sie unrechtmässig er wirkt hat oder der ihm gemäss Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist, so erfolgt die Herabsetzung oder Aufhebung der ihm zugesprochenen Leistungen unabhängig davon, ob die Verletzung der Mel- depflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund f ür die Weiterausrichtung der Leistun- gen war, bereits rückwirkend ab Eintritt der für den A nspruch erheblichen Änderung (Art. 88 bis Abs. 2 lit. b IVV in der ab 1. Januar 2015 geltenden Fassung). 5.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet grundsätzlich die letzte (der versi cherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs be- ruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; BGE 130 V 75 E. 3.2.3). Wird eine bereits zugesprochene Leistung weiterhin ausgerichtet, bildet demgegenüber die entsprechende Mitteilung der IV-Stelle die zeit- liche Vergleichsbasis für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung (Art. 74 ter lit. f IVV in Verbindung mit Art. 74 quater Abs. 1 IVV). Eine einlässliche materielle Prüfung der Leistungsan- sprüche des Beschwerdeführers mit einer vertieften Abklärung des medizinischen Sachverhalts erfolgte letztmals im Rahmen der am 7. Februar 2013 in die Wege geleiteten Revision (IV-Dok 93) gestützt auf die Ergebnisse einer bidisziplinären Be gutachtung durch die Dres. B.____ und C.____ vom 28. Oktober 2013 bzw. vom 1. November 2013 ( IV-Dok 112 und 113). In der Folge teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Schreiben vom 17. März 2014 und 25. März 2014 mit, dass weiterhin Anspruch auf die bisher ausgerichtete ganze Invalidenrente und die bisher aus- gerichtete Hilflosenentschädigung besteht (IV-Dok 119 u nd 122). Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Erlass der vorlie gend angefochtenen Verfügungen vom 28. März 2018 eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisi- onsweise Herabsetzung der bis anhin ausgerichteten Invalide nleistungen rechtfertigt, bildet Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht demnach die Situation, wie sie im März 2014 bestanden h at (Urteil des Bundesgerichts 8C_1005/2009 vom 29. Januar 2010, E. 3.2 mit Hinweis). 5.3.1 Im seinem Gutachten vom 1. November 2013 diagn ostizierte Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eine rezidivierende depressi ve Störung, gegenwärtig mittel- gradige Episode mit schwerster Regressionstendenz und einem Aufgeben der Sozialkompetenz mit möglicher psychotischer Fehlentwicklung, sonstige gemisch te Angststörungen sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit sehr wahrschei nlich schwerster Verhaltensstö- rung. Die Komorbidität überwiege bei Weitem. Die an haltende somatoforme Schmerzstörung sei nur marginal an der psychischen Fehlentwicklung bete iligt. An objektiven Befunden habe der Explorand deutliche Symptome aus dem Formenkreis der depressiv-ängstlichen Rückzugs- tendenz mit totaler sozialer Isolation, Regression und Ab schottung vom normalen Lebensvoll- zug, selbst innerhalb der Familie, gezeigt. Der Gutachte r sehe sich ausser Stand zu klären, weshalb sich der Versicherte mehrheitlich wie ein kleines K ind regressiv zu Hause zurück zie- he, an nichts mehr teilnehmen könne, sich weder um Kinde r noch um familiäre Belange küm- mern könne, mit sich selbst nichts anzufangen wisse und sei t 2008 eine Hilflosenentschädi- gung beziehe, gleichzeitig aber noch Auto fahren könne . Dies seien Widersprüche, die beste- hen blieben. Gesichert zeige er nach wie vor eine schwer ste Verhaltensstörung bei mittelgradi- ger Depressivität mit Rückzugs- und Regressionstendenz und h abe auch seine Sozialkompe- tenz beinahe vollends aufgegeben. Es blieben jedoch gewisse Frage offen, wie die Frage, wes- halb die Familie zwei Fahrzeuge besitze, obschon der Explo rand angeblich sieben Tage pro Woche nur in der Wohnung bleibe und manchmal wegen s einer Ängste nicht am Essen teil- nehme. Diagnostisch müsse eine Angststörung angenommen w erden, die weder geklärt noch verstanden werden könne. Gegenüber der Beurteilung im Jahre 2009 habe sich zumindest psychodiagnostisch keine wesentliche Änderung ergeben. Der Explorand zeige eine regressive Verhaltensstörung schwerster Form. Trotzdem sei er Ende 2 012 noch einmal Vater geworden, wobei er angebe, dass dies der Wunsch seiner Frau gewesen sei, und er mit dem Säugling nichts unternehmen könne. Diese Äusserung sei jedoch gla ubhaft gewesen. Diagnostisch blei- be der Fall unklar. Der Explorand sei dermassen einfach strukturiert, dass eine Introspektions- und Kommunikationsfähigkeit vollständig fehle. Seit Jah ren würden gewisse Zweifel und viele Fragen offen bleiben. So sei es nicht nachvollziehbar, weshalb sich seine Gattin unbedingt ein drittes Kind wünsche, welches sie ohnehin alleine grosszieh en müsse, wenn der Explorand doch dermassen regressiv und praktisch auf vollständige Hil fe angewiesen sei. So wie sich der Explorand aber präsentiere, könne er keinem Arbeitgebe r zugemutet werden. Nach Rückspra- che mit dem begutachtenden Rheumatologen sei er seit 2001 in jeglicher Tätigkeit in der freien Wirtschaft vollständig arbeitsunfähig (IV-Dok 113). 5.3.2 Dr. med. B.____ B.____, FMH Rheumatologie un d Innere Medizin, hat in seinem rheumatologischen Fachgutachten vom 28. Oktober 2013 e ine schmerzhafte Funktionsstörung des gesamten rechten Arms mit Schmerzmaximum im rechten Ellbogenbereich bei Status nach möglicher Abrissfraktur des Epicondylus rechts am 6. April 2001 diagnostiziert. Der Versicherte führe seit Jahren keine Therapiemassnahmen bezüglich des re chten Arms mehr durch, weil sämtliche Massnahmen in der Vergangenheit keine Verbesser ung gebracht hätten. Nach Auf- fassung des Gutachters könne der rechte Arm in einer Erw erbstätigkeit nur als Hilfsarm einge- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht setzt werden. Festzustellen seien bezüglich der oberen, rechten Extremität deutliche Scho- nungszeichen. An den unteren Extremitäten seien Kraft, Sensibilität und Reflexbild unauffällig. Zusammenfassend finde sich eine erhebliche Funktionsstörung des rechten Arms. Dieser kön- ne lediglich als Hilfsarm eingesetzt werden. Der Explo rand könne mit dem rechten Arm nicht über zwei Kilogramm heben, stossen oder ziehen, ebenso we nig könne er den rechten Arm dauernd auf oder über die Schulterhöhe heben. Er sei praktisch und funktionell als einarmig anzusehen. Eine allenfalls leichteste Sortiertätigkeit könne er mit dem rechten Arm auf Tisch- höhe tätigen, wobei auch hier von erheblichen Einschrän kungen in dem Sinne auszugehen sei, dass eine derartig körperlich leichte Verweistätigkeit lediglich im Umfang von 50% möglich sei. Eine Diskrepanz zwischen den subjektiven Angaben und den o bjektiv erhobenen Befunden bestehe keine. Ein organischer Grundkern der Beschwerden sei in Anbetracht der neurologisch nachgewiesenen Läsion sicherlich vorhanden. Möglicherweise liege eine gewisse Fehlverarbei- tung vor. In Anbetracht der erheblichen Schonungszeichen sei jedoch davon auszugehen, dass der Explorand seinen rechten Arm tatsächlich in einem re levanten Umfang schone. Die funktio- nelle Einschränkung sei damit klar nachvollziehbar und somatisch erklärbar. Für die Gesamtbe- urteilung sei die konsensuale Einschätzung im psychiatrisch en Gutachten von Dr. C.____ mas- sgebend (IV-Dok 112). 5.3.3 Auf Rückfrage des regional-ärztlichen Dienstes (RAD ) räumte Dr. B.____ in seiner Stel- lungnahme vom 6. Januar 2014 ein, dass das zumutbare Arbe itspensum in einer adaptierten Tätigkeit, wie von ihm in seinem Gutachten vom 28. O ktober 2013 beschrieben, 100% und nicht, wie zunächst angegeben, nur 50% betrage. Es gebe keine Gründe, das Verweisprofil auf ein nur hälftiges Pensum zu reduzieren. Bei nochmalige r Analyse der Akten sei klar, dass bei einer Verweistätigkeit, bei welchem mit dem rechten A rm nicht über zwei Kilogramm gehoben, gestossen oder gezogen werden müsse, mit welchem nicht dau ernd auf oder über Schulterhö- he gearbeitet werden und bei welchem der Ellenbogen nicht über das Bewegungsausmass ei- ner Flexion/Extension von 90° -20° -0° bewegt werden müsse, eine vollständige Arbeitsfähigkeit bestehe (IV-Dok 117). 5.4 Die von der IV-Stelle angeordnete Observation fan d im Zeitraum vom 15. April 2014 bis 21. Mai 2015 in drei Blöcken statt. Der Abschlussbericht der Observation vom 8. Juni 2015 (IV- Dok 201) hält fest, dass sich der Versicherte im öffentlich en Raum bewege. Dabei verlasse er seinen Wohnort immer als Lenker in einem der beiden Fa hrzeuge, welche auf die Ehefrau zu- gelassen seien. Er gehe mit der Familie an ein Juniorenfussballturnier und an ein Heimspiel des lokalen Sportvereins auf der dortigen Sportanlage. Er chauffiere seine Söhne unter der Woche in das Fussballtraining, welches in der Wohnsitzgemeinde stattfinde. Er halte sich dabei alleine und ohne Hilfe von Drittpersonen im öffentlichen Raum auf. Er sei selbständig und auf keinerlei Hilfe angewiesen. Weiter sei er beim aktiven Fussballspi elen mit einem seiner Söhne zu erken- nen. Subjektiv gesehen bewege er sich dabei völlig norm al; es könnten keine offensichtlichen körperlichen Behinderungen oder Einschränkungen festgeste llt werden. Zu Hause reinige er den Balkon oder entsorge Altpapier bei der Entsorgun gsstation, welche sich auf dem Parkplatz der Sportanlage befinde. Er lenke die jeweiligen Pe rsonenwagen im öffentlichen Strassenver- kehr ohne ersichtliche Probleme ruhig, übersichtlich und zügig. Wer die Kinder betreue und be- aufsichtige, während die Ehefrau einer Arbeit nachgeh e, könne nicht eruiert werden. Klar sei Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht jedoch, dass sich der Versicherte auch bei der Abwesenhei t seiner Ehefrau in der eigenen Wohnung aufhalte. Er zeige im Beisein der Söhne Emoti onen und Gefühle und unterhalte sich aktiv sowie freiwillig mit der Ehefrau und seinen Kindern (IV-Dok 201, S. 50). Dem Observationsbericht lässt sich weiter entnehmen, d ass am 26. Oktober 2014 festgestellt worden sei, dass die Söhne des Versicherten im örtlichen S portverein Fussball spielen würden. Der Versicherte sei dabei mit seiner Ehefrau als Zuschauer eines Fussballturniers beobachtet worden. In den nachfolgenden Observationseinsätzen habe e r danach bei einem Matchbesuch und als Chauffeur der Söhne beobachtet werden können. Er fahre die Kinder regelmässig vom Wohnort ins Training und hole sie danach wieder ab. Er tätige auch den Einkauf mit seiner Ehe- frau. Dabei sei er stets als Lenker eines der beiden Fah rzeuge feststellbar gewesen. Es hätten beim Versicherten insgesamt keine offensichtlichen körperli chen Behinderungen oder Ein- schränkungen feststellt werden können. Er bewege sich subjekt iv gesehen stets normal und zeige nie eine Schonhaltung oder eine schmerzäussernde Mimik. Er zeige aktiv Emotionen, kümmere sich um seine Söhne und unterhalte sich mit seiner Ehefrau. Er sei offensichtlich nicht auf die Hilfe von Drittpersonen angewiesen und beweg e sich im öffentlichen Raum alleine und selbständig. Er zeige sich mit seiner Familie im öffentl ichen Raum, suche dabei die Nähe zu seinen Kindern und gebe sich freiwillig mit diesen ab. Auch zeige er sich gegenüber den Söh- nen zärtlich und liebevoll (IV-Dok 201, S. 9 f.). 5.5 Das in der Folge von der IV-Stelle in Auftrag ge gebene bidisziplinäre Verlaufsgutachten wurde von Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie, und vo n Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, am 27. Juni bzw. am 7. Juli 2016 erstattet. 5.5.1 In seinem psychiatrischen Gutachten vom 27. Juni 20 16 hat Dr. E.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten lediglich noc h eine rezidivierende depressive Störung mit chronischem Verlauf und gegenwärtig leichtgradiger Episode ohne somatisches Syndrom diagnostiziert. Den anamnestischen Angaben betreffend den Tagesablauf zufolge helfe der Ex- plorand bei den Hausarbeiten nicht mit, sondern mache ab und zu nur eine Kleinigkeit. Die Ein- käufe erledige er hingegen zusammen mit seiner Ehefrau. Ab und zu koche er ein- bis zweimal das Mittagessen. Am Mittag nehme er das Mittagessen ger ne zusammen mit seinen Kindern ein; auch am Abend sei er gerne mit seinen Kindern zusammen. Am Nachmittag unternehme er nichts. Ab und zu gehe er zusammen mit seiner Frau und der Tochter spazieren, manchmal würden sie auch auf den Spielplatz gehen. Er sei praktisch immer zu Hause. Gemäss den psychiatrischen Untersuchungsbefunden sei die St immung bedrückt, der Versi- cherte könne bei Themen, die nicht seine Beschwerden be treffen würden, aber auch lächeln. Einige wenige Male lache er herzhaft, jedoch etwas verh alten. Seine affektive Modulationsfä- higkeit und die Vitalität seien leichtgradig eingeschr änkt. Der formale Gedankengang sei weder gehemmt, verlangsamt noch verarmt, jedoch auf die gekl agten Beschwerden eingeengt. Inhalt- lich sei er unauffällig. Die Beschwerdeschilderung sei oft vage und wenig fassbar, es lasse sich zeitweise auch eine unübersehbare Dramatisierungstenden z erkennen. Die Angaben seien nicht immer konsistent. Klinisch liessen sich keine Konzentr ations-, Aufmerksamkeitsstörungen oder Ermüdungszeichen feststellen. Psychomotorisch hinterl asse der Explorand zeitweise ei- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen völlig entspannten, dann aber auch wieder einen leicht angespannten Eindruck. Hinweise für einen psychotischen Prozess lägen keine vor. Den anamn estischen Fremdangaben seiner Ehefrau zufolge habe der Explorand keine Lust und sei wie abgestellt. Er verweile den ganzen Tag auf dem Sofa, mit den Kindern spiele er nie. Ab und zu begleite er sie beim Einkaufen. Un- ter der Woche koche er jeweils das Mittagessen, nicht jedo ch am Wochenende. Er benutze meist den Smart, beispielsweise wenn er Zigaretten kaufe n gehen müsse oder wenn er sich in seine Therapie begebe. Der psychiatrischen Beurteilung zufolge liessen sich keine Belastungen nachweisen, welche schwerwiegend genug wären, um in ei nem ursächlichen Zusammenhang mit den Schmerzen zu stehen. Der Explorand hinterlas se nicht den Eindruck, unter andauern- den schweren und quälenden Schmerzen zu leiden. Die Dia gnose einer anhaltenden somato- formen Schmerzstörung könne deshalb nicht gestellt werden. Damit stimme die Tatsache über- ein, dass er nur noch wenig und unregelmässig Schmerzmitt el einnehme. Die anamnestisch feststellbaren Symptome würden die zur Diagnosestellun g einer depressiven Episode notwen- digen Kriterien erfüllen. Beim Gespräch über Themen, die nicht die Beschwerden beträfen, hel- le die Stimmung jedoch auf. Die affektive Modulationsfähigkeit und die Vitalität seien insgesamt leichtgradig eingeschränkt. Es liessen sich keine relevanten kognitiven Beeinträchtigungen fest- stellen. Unter Berücksichtigung aller Faktoren sei der S chweregrad der Depression aktuell als leichtgradig zu beurteilen. Dazu passe die Tatsache, dass sich anamnestisch keine Freud- oder Interessenlosigkeit nachweisen lasse. Er sei seinen eigenen Angaben zufolge gerne mit seinen Kindern zusammen und begebe sich mit seiner Frau manc hmal zu einem Fussballspiel einer seiner beiden Söhne. Auch fahre er diese manchmal alleine mit dem Auto zum Training. Zudem koche er mittags oft eine Mahlzeit, die er zusammen mit seiner Familie einnehme. Die entspre- chenden Angaben seien allerdings inkonsistent. Dem Tage sablauf sei zu entnehmen, dass er manchmal mit seiner Frau zum Einkaufen und gerne spazi eren gehe. Zudem pflege er offenbar eine gute Beziehung mit seinem Schwager. Mit Ausnahme einer zweitweisen geringen Angst wegen seiner Schmerzen liessen sich keine Ängste nachwei sen. Er hinterlasse ausserdem auch keinen ängstlichen Eindruck. Die Diagnose einer An gststörung könne deshalb nicht ge- stellt werden. Es könne nicht mit Sicherheit davon ausge gangen werden, dass der Versicherte das ihm verordnete Antidepressivum wirklich einnehme. We iter sei festzuhalten, dass sich we- der Hinweise für das Vorliegen einer Krankheit aus dem schizophrenen Formenkreis noch Hin- weise für eine Persönlichkeitsstörung oder eine Störung aus dem Bereich Zwang oder Dissozia- tion nachweisen liessen. Im Vergleich zur Vorbegutach tung durch Dr. C.____ im November 2013 sei es aktuell insofern zu einer deutlichen Verbess erung gekommen, als dass sich anam- nestisch keine totale Abschottung vom normalen Lebensvoll zug sowie keine totale Isolation mehr nachweisen liessen. Darüber hinaus bestünden kein e deutliche Antriebsverminderung, kein ungepflegter Zustand und keine immer wiederkehren de Affektlabilität mehr. Zudem hinter- lasse der Explorand keinen stumpfen oder apathischen Ein druck. Ausserdem lasse sich aktuell auch kein Schmerzverhalten mehr feststellen, und es lie ssen sich keine schwerwiegenden Komorbiditäten mehr nachweisen. Aus rein psychiatrischer Sicht lasse sich eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit sowohl in der zuletzt ausgeübte n wie auch in einer alternativen Tätigkeit im Umfang von höchstens 20% begründen. Dabei sei eine vo rhandene Verminderung der Leis- tungsfähigkeit bereits mitberücksichtigt. Verlässliche Aussa gen über den Zeitpunkt der Verbes- serung liessen sich aufgrund der unpräzisen Angaben des E xploranden nicht machen. Die Ein- schätzung einer 20%-igen Einschränkung der Arbeitsfähigk eit sei somit seit dem Untersu- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht chungszeitpunkt gültig. Zuvor sei von einer vollständigen A rbeitsunfähigkeit auszugehen gewe- sen. Aufgrund der aktuellen Untersuchung könne im Vergl eich zur Vorbegutachtung von Dr. C.____ nicht mehr von einer schwersten regressiven V erhaltensstörung ausgegangen wer- den. Es könne insbesondere auch nicht davon ausgegangen werden, dass sich der Versicherte sieben Tage pro Woche nur in seiner Wohnung aufhalte, wie es zuvor von Dr. C.____ be- schrieben worden sei. Diesbezüglich sei es zu einer deutli chen Verbesserung gekommen (IV- Dok 150). 5.5.2 In seinem rheumatologischen Gutachten vom 7. Juli 2016 diagnostizierte Dr. E.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schmerzhafte Fun ktionsstörung des rechten Arms mit leichtgradiger Seitendifferenz der Muskeltrophik seit ei ner Kontusion des rechten Ellbogens am 6. April 2001. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigke it seien in rheumatologischer Hinsicht chronische unspezifische Kreuzschmerzen und eine muskuläre D ysbalance am Schultergürtel zu erheben. Aufgrund des Verlaufs ohne Zunahme der Muskelatrophie am rechten Arm und des durchaus weiterhin bestehenden normalen muskulären Hab itus des Versicherten sei eine ge- wisse Schonung des rechten Armes weiterhin objektivierbar . Zusammenfassend liessen sich weder anamnestisch noch klinisch relevante Unterschiede zur Situation anlässlich der rheuma- tologischen Beurteilung im Jahre 2013 finden. Die aktuelle rheumatologische Beurteilung bestä- tige jedoch die Schonung des rechten Armes und in der Konsequenz die funktionelle Einarmig- keit, wie sie Dr. B.____ bereits 2013 beschrieben habe. Es würden sich in der aktuellen klini- schen Untersuchung keine somatischen Gründe finden lassen, die das Ausmass der Schonung des rechten Armes erklären könnten. In Korrelation mit der bisherigen Aktenlage betrage die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf weiterhin 100 %. Auch in einer adaptierten Tätigkeit gelte mit Verweis auf das rheumatologische Gutachten vo n Dr. B.____ vom 28. Oktober 2013 weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 100%. Aktuell we rde die Arbeitsfähigkeit aus gutachterlicher Sicht gleich beurteilt. Für die bidisziplinäre Gesamtbeurteilung gelte die im psychiatrischen Gut- achten von Dr. D.____ festgehaltene Arbeitsfähigkeit (IV-Dok 151). 5.6 In der Folge liess die IV-Stelle den Gutachtern D res. D.____ und E.____ das zuvor er- gangene Observationsmaterial zukommen und bat diese um ihre Stellungnahme. 5.6.1 Dr. D.____ äusserte sich am 18. April 2017. Aus de m Observationsmaterial sei deutlich und unmissverständlich erkennbar, dass der Beschwerdeführer seinen rechten Arm ohne äusserliche Behinderung frei bewegen könne, dies im Geg ensatz zur psychiatrischen Untersu- chung vom 1. Juni 2016, wo er seinen rechten Arm zeitwei se unbeweglich und angewinkelt am Oberkörper gehalten und berichtet habe, mit seinem re chten Arm nichts mehr machen zu kön- nen. Weiter habe er während der gutachterlichen Unter suchung im Juni 2016 berichtet, wegen seiner Schmerzen stets traurig zu sein, und dass er deshal b auch oft weinen müsse. Wegen der Schmerzen sei er nervös, ziehe sich zurück, sobald er Lärm höre. Er habe keine Energie und sei meistens müde, da er nachts nicht gut schlafen kö nne. Auf den Observationsaufnah- men hinterlasse der Versicherte in keiner Art und Weise einen müden, energielosen, bedrück- ten oder traurigen Eindruck, er wirke auch in keiner Art und Weise lärmintolerant. Das Observa- tionsmaterial passe gut zu den im Gutachten festgestel lten häufigen Inkonsistenzen und Wi- dersprüchlichkeiten in den Angaben des Versicherten. Unte r Berücksichtigung des Observati- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht onsmaterials müsse zusammenfassend gesagt werden, dass sich die im Gutachten erhobene Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mit ch ronischem Verlauf und gegenwärtig leichtgradiger Episode ohne somatisches Syndrom nicht stellen lasse. Aus psychiatrischer Sicht könne deshalb keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden. In diesem Kontext sei festzuhalten, dass bereits schon im Vorgutachten von Dr . C.____ vom November 2013 er- hebliche Inkonsistenzen und Widersprüchlichkeiten festgest ellt worden seien, die nicht hätten aufgelöst werden können. In diesem Sinne dürfte aus rein psychiatrischer Sicht wohl spätestens seit dem Jahre 2013 keine Einschränkung der Arbeitsfähig keit mehr vorgelegen haben (IV-Dok 156). 5.6.2 Am 11. April 2017 nahm Dr. E.____ aus rheumato logischer Sicht Stellung zu den ihm vorgelegten Observationsergebnissen. Er hielt fest, dass k eine Widersprüche im Vergleich zur Beurteilung in seinem Gutachten vom 7. Juli 2016 be stehen würden. Er bestätigte, dass das in den Jahren 2014 und 2015 dokumentierte Verhalten des V ersicherten im Einklang mit den Schlussfolgerungen in seinem rheumatologischen Gutacht en vom 7. Juli 2016 stehe. An einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tät igkeit werde ebenso festgehalten wie an einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Verweistätigkeit, wie dies be- reits schon Dr. B.____ in seinem Gutachten vom 28. Oktober 2013 bzw. in dessen Stellung- nahme vom 6. Januar 2014 eingeschätzt habe (IV-Dok 157). 6.1 Die zitierten Gutachten erfüllen alle die rechtsp rechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen. Wie oben ausgeführt (oben, E. 4.2 f.), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit ihrer Expertisen sprech en. Solche Indizien liegen hier keine vor. Die beiden bidisziplinären Gutachten der Dres. C.____ und B.____ sowie der Dres. D.____ und E.____ beruhen beide auf fachärztlich umfassenden Un tersuchungen und wurden in Kenntnis aller relevanten Vorakten abgegeben. Die Guta chter würdigen sorgfältig alle relevan- ten vorhandenen Arztberichte, berücksichtigen detaillier t die vom Beschwerdeführer anlässlich seiner Explorationen in den Jahren 2013 bzw. 2016 gekl agten Beschwerden und setzen sich mit diesen schliesslich auch hinreichend auseinander. Di e Schlussfolgerungen und Darlegun- gen der medizinischen Zusammenhänge in ihren Gutachten sind daher schlüssig. Sie genies- sen volle Beweiskraft. Klar ist zunächst, dass in rheumatolo gischer Hinsicht bereits seit März 2013 eine volle Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit besteht. Unabhängig von den zwischen den Parteien umstrittenen Observationsergebnissen zeigt e in Vergleich der beiden Gutachten zwischen den Jahren 2013 und 2016 jedoch in psychiatrischer Hinsicht eine deutliche Verbes- serung der gesundheitlichen Verhältnisse auf. Während D r. B.____ und Dr. E.____ in rheuma- tologischer Hinsicht von unveränderten Verhältnissen ausg ehen, war die von Dr. C.____ im Jahr 2013 festgestellte, schwerste Regressionstendenz des Ve rsicherten mit einer vollständi- gen Aufgabe seiner Sozialkompetenz im Zeitpunkt der Ver laufsbegutachtung durch Dr. D.____ nicht mehr vorhanden. Diese Tatsache resultiert allei ne schon gestützt auf die anamnestischen Angaben des Versicherten anlässlich seiner psychiatrischen E xploration im Juni 2016. So ging Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Versicherte im Zeitpunkt der Exploration durch D r. D.____ mit seiner Frau und der Tochter mittlerweile wieder spazieren und manchmal mit seinen K indern auch auf den Spielplatz. Auch hat der Beschwerdeführer gegenüber Dr. D.____ anfang s Juni 2016 angegeben, dass er seine Kinder zum Training begleite, ab und zu selbst koche und gerne zusammen mit seinen Kindern zu Mittag esse. 6.2 Dieses von ihm selbst beschriebene Alltagsverhalten kont rastiert deutlich mit der Anam- nese anlässlich der psychiatrischen Untersuchung durch Dr. C.____ im Jahre 2013. Dort hatte der Beschwerdeführer noch angegeben, unter Ängsten zu leiden, alleine kaum aus dem Haus zu gehen, keine Spaziergänge zu machen und niemanden zu treffen, am Familientisch beim Essen nicht dabei zu sein und das jüngste Kind nicht zu e rtragen. Eine derart deutliche Symp- tomatik einer depressiv-ängstlichen Rückzugstendenz mit tot aler sozialer Isolation, Regression und Abschottung selbst innerhalb der Familie, wie sie von Dr. C.____ erhoben worden war, liegt gestützt auf die im Juni 2016 von Dr. D.____ erhobene n psychiatrischen Befunde klarerweise nicht mehr vor. Damit erweist sich auch die Einschätzung einer verbleibenden Restarbeitsfähig- keit als schlüssig, wonach der Versicherte in einer seinen Armleiden angepassten Verweistätig- keit insgesamt noch maximal zu 20% eingeschränkt ist. Auch der Beschwerdeführer bringt hier- gegen keine konkreten Zweifel vor, welche rechtsprechung sgemäss vorausgesetzt wären, um an der gutachterlichen Einschätzung dieser ihm verbleibe nden Restarbeitsfähigkeit zu zweifeln. Nachdem ihm letztmals im März 2014 (oben, E. 5.2) sowoh l die IV-Rente als auch die Hilflo- senentschädigung offensichtlich aus psychiatrischen Gründen weiterhin unverändert ausgerich- tet worden waren, resultiert mithin als Zwischenfazit, dass unabhängig vom Einbezug des zwi- schen den Parteien umstrittenen Observationsmaterials kein Rentenanspruch mehr bestehen kann. Hintergrund bildet die Tatsache, dass es keine Rol le spielt, ob von einer 20%-igen Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit oder gestützt auf die in der Folge in Kenntnis des Observati- onsmaterials ergangene Einschätzung von Dr. D.____ von e iner vollständigen Arbeitsfähigkeit in psychiatrischer Hinsicht ausgegangen wird. Bereits eine Invaliditätsbemessung gestützt auf eine 80%-ige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkei t ergibt keinen Anspruch auf eine Invali- denrente, auch nicht auf eine Viertelsrente. Die Erw erbseinbusse zwischen dem an die Nomi- nallohnentwicklung angepassten, ohne Gesundheitsschaden er zielbaren Einkommen und dem gestützt auf die statistischen Lohndaten bei einem Pensu m von 80% noch zumutbaren Invali- deneinkommen fällt selbst bei einem leidensbedingten Abzug in maximal zulässiger Höhe von 25% zu gering aus, als dass ein IV-Grad von 40% oder meh r resultieren würde. Die Rente ist demnach so oder anders aufzuheben. 6.3 Nichts anderes gilt hinsichtlich der Hilflosenentschä digung. Diese wurde dem Versicher- ten ursprünglich ebenfalls infolge seiner psychiatrisch bedingten Einschränkungen wegen benö- tigter Hilfe beim An- und Ausziehen, beim Duschen und bei der Pflege gesellschaftlicher Kon- takte zugesprochen und in der Folge deshalb auch weiter ausgerichtet (IV-Dok 61, 74 und 136, ad Ziffer 1.1 und 1.3). Unbesehen der strittigen Observation und ihrer nachträglichen Bewertung durch die Gutachter waren auch diese Voraussetzungen spä testens ab Juni 2016 indes nicht mehr erfüllt. Der Versicherte setzt seine rechte Hand seither zwar immer noch als Hilfshand ein, was aber seine Selbständigkeit im Alltag nicht per se be einträchtigt. So war er anlässlich der rheumatologischen Verlaufsbegutachtung durch Dr. E.__ __ namentlich in der Lage, sich selbst Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht an- und auszuziehen (IV-Dok 151, S. 8 a.E.). Ausserdem reicht es für die Bejahung einer Hilflo- sigkeit nicht aus, dass die versicherte Person lediglich a b und zu zur Körperpflege bzw. zum Wechseln ihrer Kleider bzw. hin und wieder zur Pflege gesellschaftlicher Kontakte aufgefordert werden muss (Urteil des Bundesgerichts 9C_562/2016 vom 13. Januar 2017). Angesichts sei- nes anlässlich der Verlaufsbegutachtung bei Dr. D.____ im Juni 2016 von ihm selbst geschil- derten Alltagsverhaltens kann insbesondere aber auch kein e fehlende Tagesstruktur mehr er- kannt werden, wie sie ursprünglich noch im November 2007 anlässlich der Abklärung vor Ort erhoben (IV-Dok 74, ad Ziffer 2.1) und letztmals im Mä rz 2014 (IV-Dok 119) bestätigt worden war. Damit ist auch die bisher ausgerichtete Hilflosenentschädigung aufzuheben. 7. Zu klären ist, seit wann von einer Verbesserung in den gesundheitlichen Verhältnissen auszugehen ist. Gestützt auf die Observationsergebnisse (oben, E. 5.4) und die darauf beru- hende Stellungnahme von Dr. D.____ vom 18. April 2017 (oben, E. 5.6.1) vertritt die IV-Stelle in diesem Zusammenhang die Ansicht, dass die Voraussetzungen f ür den Anspruch des Be- schwerdeführers auf eine Rente und eine Hilflosenentsch ädigung bereits im Zeitpunkt der Be- gutachtung durch Dr. C.____ per Ende November 2013 d ahingefallen seien. Der Beschwerde- führer vertritt demgegenüber die Auffassung, dass das Obse rvationsmaterial nicht verwertbar sei. Die Stellungnahmen der Dres. D.____ und E.____ i m April 2017 würden sich daher auf widerrechtlich erlangte Observationsaufnahmen stützen. S ie seien daher ebenfalls nicht ver- wertbar. 7.1 Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat in seinem Urteil vom 18. Oktober 2016 in Sachen Vukota-Bojic gegen die Schwe iz (61838/10) betreffend die EMRK- Konformität einer Observation erkannt, dass keine ausreichende gesetzliche Grundlage für eine Observation bestehe, weshalb eine Verletzung von Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des Privat- lebens) vorliege. Hingegen verneinte der EGMR eine Verletzung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (Gebot eines fairen Verfahrens) durch eine Verwendung der en tsprechenden Observationsergebnisse. Das Bundesgericht hat unter Berücksichtigung dieser Erwägu ngen entschieden, dass es im Bereich der Invalidenversicherung an einer ausreichende n gesetzlichen Grundlage fehle, die die Observation umfassend klar und detailliert regeln würde. Entsprechende Handlungen, seien sie durch den Unfallversicherer oder durch eine IV-Stelle veranlasst, würden deshalb Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV verletzen (BGE 143 I 377 E. 4). Nicht anders verhält es sich hier: Die strittigen Observationen des Beschwerdeführers sind unrechtmässig erfolgt. Damit aber ist noch nichts über die Verwendung dieser widerrechtlich erlan gten Observationserkenntnisse gesagt. Diese richtet sich allein nach schweizerischem Recht. Das Bund esgericht hat im erwähnten Urteil denn auch erkannt, dass die Verwertbarkeit der Observationsergebnisse und der gestützt darauf ergangenen weiteren Beweise grundsätzlich zulässig ist, es sei denn, bei einer Abwä- gung der tangierten öffentlichen und privaten Intere ssen würden Letztere überwiegen (a.a.O., E. 5.1.1). Mit Blick auf die gebotene Verfahrensfairn ess hat es sodann präzisiert, dass eine ge- gen Art. 8 EMRK verstossende Videoaufnahme solange verwer tbar ist, als Handlungen einer versicherten Person aufgezeichnet werden, welche diese aus eigenem Antrieb und ohne äusse- re Beeinflussung gemacht hat, und als ihr keine Falle gestellt worden sei. Ausserdem hat es erwogen, dass von einem absoluten Verwertungsverbot dann auszugehen ist, wenn Beweisma- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht terial in Frage stehe, das in einem nicht öffentlich frei einsehbaren Raum zusammengetragen worden sei (a.a.O., E. 5.1.3; vgl. ausserdem zum öffentlich einsehbaren Raum BGE 137 I 327). 7.2 Mit Blick auf die zitierte Rechtsprechung zur Verwe rtung von Observationsergebnissen während der Zeit, in der noch keine genügende gesetzliche Grundlage für die Durchführung von Observationen vorgelegen hat, sind die Erkenntnisse aus der strittigen Observation vorliegend verwertbar. Alle Voraussetzungen, die das Bundesgericht dazu aufgestellt hat, liegen vor. Was zunächst die Rüge des Beschwerdeführers betrifft, die Obse rvation sei gerade nicht aufgrund ausgewiesener Zweifel eingeleitet worden, kann mit B lick auf die Rechtsprechung des Bundes- gerichts festgestellt werden, dass namentlich ein klarer Anfangsverdacht sehr wohl bestanden hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_294/2018 vom 28. November 2018). In diesem Entscheid hat das Bundesgericht bereits die ausgewiesenen Zweifel der Ärzte an der Leistungsfähigkeit der versicherten Person als genügenden Anfangsverdacht qualifiziert und festgehalten, dass es als Anlass für eine Observation genüge, wenn die medizinisc hen Sachverständigen eine teilweise Aggravation feststellen würden, indem sie das Ausmass der geklagten Leistungseinschränkung durch medizinische Untersuchungen nicht restlos hätten klären können. Nicht anders verhält es sich hier: Vorliegend hat Dr. C.____ bereits anlässlich se iner Exploration des Versicherten im November 2013 (oben, E. 5.3.1) erhebliche Inkonsistenzen festgestellt. Namentlich sah er sich infolge von Widersprüchlichkeiten ausser Stand zu klären, weshalb der Versicherte sich mehr- heitlich wie ein kleines Kind regressiv zu Hause zurückziehe un d sich weder um die Kinder noch um sonstige familiäre Belange kümmere. Zumal d ie erhobene Angststörung von ihm be- reits auf diagnostischer Ebene nicht erklärt werden konnt e, war die IV-Stelle gestützt auf die zitierte Rechtsprechung des Bundesgerichts mithin berechtig t, von einem genügenden An- fangsverdacht auszugehen und damit in der Folge auch e ine Observation des Versicherten in die Wege zu leiten (vgl. hierzu auch Urteil des Bundes gerichts vom 9. November 2017, 9C_328/2017, E. 5.2 mit weiteren Hinweisen). Damit ist zugleich gesagt, dass das replicando als nicht einschlägig, weil höchstrichterlich noch nicht e ntschiedene Präjudiz mittlerweile ent- schieden worden ist (Replik vom 17. September 2018, ad Ziffer 10). Ausserdem erübrigt es sich bei dieser Sachlage, an dieser Stelle weiter auf di e Umstände der anonymen Denunziation ein- zugehen, für welche sich in den Akten weiterhin (vgl. Urteil des Kantonsgerichts vom 1. Februar 2018, KG SV 720 17 217 und 218, E. 4.2) keinerlei Anhaltspunkte befinden. 7.3 Auch die übrigen Einwände des Beschwerdeführers ver mögen nichts daran zu ändern, dass die Verwertbarkeit der Observationsergebnisse und damit der gestützt darauf ergangenen Beweise, wie namentlich die nachträgliche Stellungnah me von Dr. D.____ vom 18. April 2017, grundsätzlich zu bejahen ist. In casu handelt es sich um u nbeeinflusste Handlungen des Be- schwerdeführers, die im öffentlichen Raum aufgenommen worden sind. Daran ändert nichts, dass diverse Aufnahmen den Versicherten auf seinem öffent lich einsehbaren Balkon zeigen (Urteil des Bundesgerichts 8C_570/2016 vom 8. November 2017). Die Observation, zu Recht eingeleitet aufgrund ausgewiesener Zweifel über ein e vollständige Leistungsunfähigkeit des Versicherten, erfolgte erstmals am 15. April 2014 und l etztmals am 21. Mai 2015. Der gesamte Observationszeitraum war dabei in drei Phasen aufgete ilt, welche rund drei, zweieinhalb sowie knapp fünf Wochen dauerten und jeweils rund drei bzw. vi ereinhalb Monate auseinander lagen. Über den gesamten Zeitraum wurde der Beschwerdeführer während 16 Tagen mehrheitlich Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht stundenweise oder maximal während eines halben Tages ob serviert. Entgegen der von ihm vertretenen Auffassung war er somit weder einer systematischen noch ständigen Überwachung ausgesetzt. Es kann in dieser Hinsicht an die von ihm se lbst zitierte Rechtsprechung des Bun- desgerichts verwiesen werden (Replik vom 17. September 2 018, Ziffer 8). Der Beschwerdefüh- rer erlitt mithin einen relativ bescheidenen Eingriff in seine grundrechtliche Position. Stellt man diesem Aspekt das erhebliche und gewichtige öffentlich e Interesse an der Verhinderung eines Versicherungsmissbrauchs entgegen (Urteil des Bundesgerich ts 8C_239/2008 vom 17. De- zember 2009, E. 6.4.1 und dortige Hinweise), ergibt sich, dass der vorliegende Observationsbe- richt inklusive Fotodokumentation und Videoaufnahmen en tgegen den in der Beschwerdebe- gründung und der Replik vorgebrachten Ausführungen d es Beschwerdeführers in die Beweis- würdigung miteinzubeziehen ist. Damit ist zugleich gesagt , dass auch die Stellungnahmen der Dres. D.____ und E.____ vom 11. bzw. 18. April 2017 (o ben, E. 5.6.1 f.) nicht alleine deshalb an Beweiswert verlieren, weil sie die Observationsergebn isse berücksichtigt haben. Ihre Aus- führungen sind vielmehr ebenfalls verwertbar. 7.4 Ob der Beschwerdeführer gestützt auf die Stellungn ahme von Dr. D.____ vom 17. April 2017 aus psychiatrischen Gründen in einer ihm zumutbaren Verweistätigkeit mittlerweile wieder im Umfang von 80% oder zu 100% arbeitsfähig ist, kann wie erwähnt offen bleiben (oben, E. 6.2). Zu prüfen bleibt indessen, wann diese Verbess erung genau eingetreten ist. Soweit die IV-Stelle von einer rückwirkenden Einstellung der bisher ausgerichteten Rentenleistung und Hilflosenentschädigung bereits per Dezember 2013 ausge ht, ist daran zu erinnern, dass zeitli- che Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob b is zum Erlass der vorliegend angefoch- tenen Verfügungen vom 28. März 2018 eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen ein- getreten ist, jene Situation bildet, wie sie im März 2 014 bestanden hat (oben, E. 5.2). Eine rückwirkende Leistungsaufhebung vor März 2014 erweist sich d eshalb ohnehin als unzulässig. Unbesehen dessen vermag aber auch nicht zu überzeugen, wen n Dr. D.____ in seiner Stel- lungnahme vom 18. April 2017 davon ausgeht, dass späteste ns seit 2013 keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr vorgelegen hätte. Es triff t zwar zu, dass Dr. C.____ anlässlich seiner Exploration bereits im September 2013 deutliche Inkonsistenzen im Verhalten des Versicherten erhoben hat (oben, E. 7.2). Nichts desto trotz ist er im Wissen um die erhobenen Inkonsisten- zen dazumal davon ausgegangen, dass der Versicherte in psychiatrischer Hinsicht vollständig arbeitsunfähig ist. Die nur kurz „im Kontext“ gehalten e Einschätzung von Dr. D.____ vermag dessen Einschätzung deshalb nicht umzustossen. Die Einschätz ung von Dr. D.____ stellt viel- mehr eine Hypothese dar, welche dem im Sozialversicherun gsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht genügen kann. Se ine letztlich nur vage Einschätzung lässt daher auch nicht auf eine bereits im November 20 13 eingetretene, namhafte Besserung des psychiatrischen Gesundheitszustands des Versicherten schlies sen. Aufgrund der beweis- rechtlich verwertbaren Observationsergebnisse kann erst En de Oktober 2014 von einer nach- weisbaren und namhaften Verbesserung der psychiatrischen Verhältnisse ausgegangen wer- den. Die zuvor ab Mitte April durchgeführten Observatio nen ergeben keinen Hinweis auf eine Verbesserung des zuvor krass regressiv beschriebenen Aktivitätsni veaus des Versicherten. Dem Beschwerdeführer ist daher insofern beizupflichten, als dass die im Überwachungszeit- raum zwischen Mitte April und Ende Oktober 2014 erhobe nen Ereignisse nicht ausreichen, um mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer nachhalt igen und erheblichen Verbesserung Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht insbesondere der psychiatrischen Verhältnisse auszugehen. Eine solche ist erst ab dem 26. Oktober 2014 anzunehmen. Seither konnte der Versiche rte wiederholt bei Aktivitäten beo- bachtet werden, welche seinem zuvor gegenüber Dr. C.__ __ beschriebenen Verhalten diamet- ral widersprochen und seither ein offensichtlich deutlich selbständigeres Verhalten dokumentiert haben. So war der Versicherte erstmals am 26. Oktober 2 014 auf dem Sportplatz seiner Wohn- sitzgemeinde im Beisein seiner Familie angetroffen wo rden, wie er sich diverse Fussballspiele angesehen, sich aktiv mit seiner Ehefrau unterhalten un d Tore beklatscht, am Ende des Tur- niers die Fussballschuhe seines Sohnes gereinigt und ihm dessen Haare in der Garderobe ge- föhnt hat (IV-Dok 201, S. 19). In der Folge konnte d er Versicherte ausserdem wiederholt dabei beobachtet werden, wie er seine Söhne in das Fussballtra ining chauffiert und sich dabei alleine und ohne Hilfe von Drittpersonen im öffentlichen Raum aufgehalten hat. Ausserdem war er seither beim Fussballspielen mit einem seiner Söhne zu erkennen. Dabei bewegte er sich nor- mal und ohne offensichtliche Einschränkungen (oben, E. 5.4). Diese Aktivitäten kontrastieren klar mit den zuvor erhobenen anamnestischen Angaben im Gutachten von Dr. C.____ vom 1. November 2013 (oben, E. 5.3.1). Dort hatte der Be schwerdeführer noch angegeben, unter Ängsten zu leiden, alleine kaum aus dem Haus zu gehen, keine Spaziergänge zu machen und niemanden zu treffen. Eine derart deutliche Symptomati k einer depressiv-ängstlichen Rückzug- stendenz mit totaler sozialer Isolation, Regression und Ab schottung liegt aufgrund der ab Ende Oktober 2014 erhobenen Observationsergebnisse nicht me hr vor. Daran ändern die in der Be- schwerdebegründung vorgebrachten Ausführungen nichts. Wenn der Beschwerdeführer insbe- sondere vorbringen lässt, dass ein grösserer sozialer Rückzug im Vergleich zu den erhobenen Observationsergebnissen nur dann anzunehmen wäre, wenn er sich ausschliesslich zu Hause aufgehalten hätte, ist ihm entgegen zu halten, dass noc h er im September 2013 im Wesentli- chen genau ein derart regressives Verhalten gegenüber Dr. C.____ beschrieben hatte. 7.5 Die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente oder Hilflosenentschädigung erfolgt nur dann rückwirkend ab Eintritt der Änderung, wenn die unrichtige Ausrichtung der Leistung darauf zurückzuführen ist, dass der Bezüger sie unrechtmässig erwirkt hat oder der ihm zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist (Art. 88 bis Abs. 2 lit. b IVV). Gemäss Art. 77 IVV hat der Berechtigte jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche sei- nes Gesundheitszustandes, unverzüglich der IV-Stelle anzuze igen (oben, E. 5.1 a. E.). Zur An- nahme einer Meldepflichtverletzung genügt bereits ein nur leicht schuldhaftes Verhalten (MEYER / REICHMUTH , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl., Zürich / Basel / Genf 2014, Rz. 147 zu Art. 30-31 IVG). Ein solches Verhalten lieg t auch dann vor, wenn das Verschweigen einer Verbesserung in den gesundheitlichen Verhältniss en auf einer blossen Fahrlässigkeit be- ruht (BGE 118 V 214 E. 2a). Im vorliegenden Fall musst e dem Beschwerdeführer klar sein, dass die Fähigkeit, ab Ende Oktober 2014 regelmässig se ine Wohnung zu verlassen, Auto zu fahren und sich das Fussballtraining seiner Söhne zu besuchen, eine Verbesserung seines Ge- sundheitszustandes darstellt. Angesichts seines seither doku mentierten Aktivitätsniveaus hat insbesondere die psychisch bedingte Passivität für den Beschw erdeführer zweifellos erkennbar nicht mehr in einem Ausmass bestanden, wie er sie rund e in Jahr zuvor noch gegenüber Dr. C.____ angegeben hatte. Schwer wiegt ausserdem der Umstand, dass er gar noch in einem deutlich späteren Zeitpunkt im Revisionsfragebogen am 7 . September 2015 insgesamt weiter- hin unveränderte gesundheitliche Verhältnisse deklarier t hat (IV-Dok 136 und 93). Der Vorwurf Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Meldepflichtverletzung erweist sich damit sowoh l hinsichtlich der ihm ausgerichteten IV- Rente als auch der Hilflosenentschädigung jedenfalls spätestens ab Anfang November 2014 als gerechtfertigt. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass seit Ende Oktober 2014 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine erhebliche Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse eingetreten ist und spätestens ab November 2014 eine in diesem Zusa mmenhang zu berücksichtigende Verletzung der Meldepflicht vorliegt. Die dem Versiche rten ausgerichtete IV-Rente und Hilflo- senentschädigung sind somit rückwirkend per 1. November 20 14 aufzuheben (Urteil des Bun- desgerichts 9C_1022/2012 vom 16. Mai 2013, E. 3.3.). Die beiden Beschwerden sind bei die- sem Ergebnis insofern teilweise gutzuheissen, als festzust ellen ist, dass die Aufhebung der er- wähnten Leistungsansprüche erst ab 1. November 2014 zu erfolgen hat. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.— bis Fr. 1000.— festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten unter Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kosten rahmens einheitlich auf Fr. 800.— fest. Mit Blick auf die Zusammenlegung der bei den Beschwerdeverfahren sind die ordentlichen Kosten von Fr. 800.— für beide Verfahren gemeinsam festzusetzen. Die gesetzli- che Regelung des Rechtsgrundsatzes, wonach die Gericht skosten nach dem Erfolgsprinzip zu verteilen sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_911/2007 vom 23. Juni 2008, E. 2.4.1 mit Hinwei- sen), erfolgt für die erstinstanzlichen sozialversicherungsr echtlichen Beschwerdeverfahren aus- schliesslich nach kantonalem Recht. Eine entsprechende Besti mmung, welche eine anteils- mässige Verteilung der ordentlichen Kosten nach dem Er folgsprinzip zulässt, findet sich in § 20 Abs. 3 VPO. Demnach werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer grossmehrheitlich unterlegen. Seinen Rechtsbegehren ist allerdings insof ern teilweise entsprochen worden, als dass eine rückwirkende Einstellung der ihm ausgerichteten Invalidenleistungen nicht per De- zember 2013, sondern per November 2014 zu erfolgen hat . Entsprechend rechtfertigt es sich, ihm die Verfahrenskosten lediglich im Umfang von Fr. 6 00.— aufzuerlegen. Allerdings ist ihm mit verfahrensleitender Verfügung vom 2. Mai 2018 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Die ihm auferlegten Verfahrenskosten von Fr. 600.— sind deshalb vorläufig auf die Gerichtskasse zu nehmen. Gemäss der ab 1. Januar 2019 neu in Kraft stehenden Bestimmung von § 20 Abs. 3 VPO sind die verbleiben ordentlichen K osten im Umfang von Fr. 200.— schliesslich der im gleichen Umfang teilweise unterliegenden IV-Stelle aufzuerlegen. 9.2 Infolge teilweiser Gutheissung der Beschwerden hat die IV-Stelle dem Beschwerdefüh- rer gemäss Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 21 Abs. 1 VPO eine reduzierte Parteient- schädigung auszurichten. Mit Blick auf den für die beiden Beschwerdeverfahren gemäss Hono- rarnote vom 15. November 2018 geltend gemachten und als angemessen zu bezeichnenden Zeitaufwand im Umfang von insgesamt 16,8 Stunden à pra xisgemäss Fr. 250.— ist diese auf Fr. 1‘000.— zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer festzusetzen. I m Übrigen sind die ausserordentli- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Kosten wettzuschlagen. Dem Beschwerdeführer ist mit Verfügung vom 2. Mai 2018 nun allerdings auch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden. Dessen verbleibenden Bemühungen im Umfang von 12,8 Stu nden sind daher zu einem praxis- gemässen Stundenansatz von Fr. 200.— aus der Gerichtskasse zu e ntgelten. Ebenfalls nicht zu beanstanden sind die für die beiden Beschwerdeverfahren geltend gemachten Auslagen von insgesamt Fr. 276.50. Dem Rechtsvertreter des Beschwerde führers ist demnach eine Partei- entschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 3‘054.90 ( 12,8 Stunden à Fr. 200.— zuzüglich Auslagen von Fr. 276.50 und 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerden werden teilweise gutgeheissen u nd es wird festge- stellt, dass die Ansprüche auf eine ganze IV-Rente und eine Hilflo- senentschädigung leichten Grades rückwirkend ab 1. Novembe r 2014 zu verneinen sind. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.– fü r beide Beschwer- deverfahren werden im Umfang von Fr. 600.– dem Besch werdeführer und im Umfang von Fr. 200.– der Beschwerdegegnerin auf erlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die dem Beschwerdeführer auferlegten Verfahrenskosten im Um fang von Fr. 600.– vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdef ührer für die beiden Beschwerdeverfahren eine reduzierte Parteientsch ädigung in der Höhe von Fr. 1‘077.– (inkl. 7,7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar von Fr. 3‘054.90 (inkl. Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Gericht skasse aus- gerichtet. Gegen diesen Entscheid hat der Beschwerdeführer am 8. April 2019 Beschwerde beim Bun- desgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_254/2019 ) erhoben.