B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3227/2017 U r t e i l v o m 1 5 . A u g u s t 2 0 1 8 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Mia Fuchs, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Annina Mondgenast. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 2. Mai 2017 / N (…). E-3227/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 30. Oktober 2015 in der Schweiz um Asyl. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 27. November 2015 und der Anhörung vom 30. März 2017 sowie deren Fortsetzung vom 19. April 2017 führte er im Wesentlichen Folgendes aus: Er sei Staatsangehöriger von Sri Lanka, tamilischer Ethnie , und habe zu- sammen mit seiner Mutter und Schwester bis Mitte August 2015 in B._______, Distrikt Jaffna, gelebt. Sein Vater sei im Jahr 1995 getötet wor- den. Die Schule habe er bis ins Jahr 2011 besucht und mit dem A -Level abgeschlossen. Über eine Berufsausbildung verfüge er nicht, er habe je- doch bis zu seiner Ausreise als Maurer beziehungsweise Maler in Jaffna gearbeitet. Von August 2015 bis zum 24. Oktober 2015 habe er sich in Co- lombo versteckt gehalten. Er habe die Partei TNA (Tamil National Alliance) unterstützt, indem er für ein Mitglied dieser Partei namens C._______ anlässlich der Wahlen im September 2013 Zelte aufgebaut und Poster aufgeklebt habe. Dafür sei ihm eine staatliche Stelle versprochen worden, dieses Versprechen sei je- doch nicht eingehalten worden. Wegen dieser Aktivitäten habe er nie Prob- leme gehabt. Von D._______ (ehemaliges TNA-Mitglied) sei im November 2013 ein zweitägiger Hungerstreik für die Entlassung von Kriegsgefange- nen organisiert worden. Er (Beschwerdeführer) habe erneut in der Hoff- nung mitgeholfen, eine staatliche Stelle zu erhalten. Etwa 15 Personen hät- ten am Hungerstreik teilgenommen. Am ersten Abend seien Mitglieder des CID (Criminal Investigation Department) gekommen und hätten versucht, ihn wegzuschicken. Einige Tage später sei er von CID -Leuten auf der Strasse angehalten und aufgefordert worden, für eine Befragung mitzuge- hen. Nachdem er sich geweigert habe, sei er bedroht , gefesselt, in ein Fahrzeug gebracht und mit Füssen getreten worden. Durch seine Teil- nahme am Hungerstreik sei er verdä chtigt worden, mit den LTTE (Libera- tion Tigers of Tamil Eelam) in Verbindung zu stehen und politisch aktiv zu sein. Er sei verhört und gefoltert worden. Am nächsten Morgen sei er ent- lassen und in einem Fahrzeug nach Hause gebracht worden. Seither habe er keine Verbindungen zur TNA mehr gehabt. Im August 2015 seien CID - Leute zu ihm nach Hause gekommen und hätten ihn aus ihm unbekannten Gründen gesucht. Er sei deshalb nicht mehr nach Hause, sondern nach Colombo gegangen. Während der Zeit in Colombo sei er mehrmals bei sich zu Hause gesucht worden. Im Dezember 2015 habe seine Mutter einen E-3227/2017 Seite 3 Brief erhalten, wonach er für eine Befragung vorgeladen worden sei. Zwei Tage später sei er erneut von Mitgliedern des CID bei sich zu Hause auf- gesucht worden. Seine Mutter habe diesen erzählt, dass er nicht mehr in Sri Lanka sei. Vor drei Monate n sei er erneut gesucht wor den, weil seine Familie Besuch von einer Person erhalten habe, von der das CID dachte, es handle sich um ihn. Sri Lanka habe er am (…) 2015 mit seinen eigenen Pass auf dem Luftweg verlassen und sei am (…) 2015 in die Schweiz eingereist. Sein Pass sei ihm vom Schlepper weggenommen worden. Als Beweismittel reichte er folgende Dokumente ein: seine heimatliche Identitätskarte, eine Blutspenderkarte, einen Blutspenderausweis, ein Schreiben der Behörden, zwei Schreiben von Priester n, eine Bestätigung der Behörden (alle im Original), eine Todesurkunde des Vaters (inklusive englischer Übersetzung) und einen Eheschein (beides beglaubigte Ko- pien), eine Kopie eines Zeitungsartikels sowie seine Geburtsurkunde (eng- lische Übersetzung). B. Mit Verfügung vom 2. Mai 2017, eröffnet am 5. Mai 2017, verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und den Weg- weisungsvollzug. C. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 6. Juni 2017 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei fest- zustellen, dass die vorinstanzliche Verfügung den Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung verletze und deshalb nichtig/ungültig sei. Die Vorinstanz sei anzuweisen, sein Asylverfahren weiterzuführen. Die ange- fochtene Verfügung sei wegen Verletzung des Willkürverbots, eventualiter wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, eventualiter zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachver- halts aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei ihm unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Feststellung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung betreffe nd die Dispositivzif- fern 4 bis 5 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. E-3227/2017 Seite 4 In prozessualer Hinsicht beantragte er, ihm sei für das vorliegende Verfah- ren mitzuteilen, aus welchen Gerichtspers onen sich das Spruchgremium zusammensetze, und zu versichern, dass diese zufällig ausgewählt wor- den seien. Für den Fall, dass das Bundesverwaltungsgericht materiell ent- scheiden sollte, stellte er verschiedene Beweisanträge. Als Beweismittel reichte er folgende Unterlagen zu den Akten:  zwei Stellungnahmen des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers zum Lagebild des SEM vom 30. Juli und 18. Oktober 2016;  ein Rechtsgutachten von Prof. Walter Kälin vom 23. Februar 2014;  eine Medienmitteilung des SEM vom 26. Mai 2014;  eine Zusammenstellung von Länderinformationen zu Sri Lanka, in- klusive Anhang (CD mit Quellen) vom 9. Mai 2017;  ein Formular des sri-lankischen Generalkonsulats zur Ersatzreise- papierbeschaffung;  26 verschiedene Zeitungsberichte und Länderinformationen. D. Mit Zwischenverfügung vom 15. Juni 2017 teilte das Bundesverwaltungs- gericht dem Beschwerdeführer die Zusammensetzung des Spruchkörpers mit und gab ihm den Namen de r SEM-Mitarbeiterin bekannt, welche die angefochtene Verfügung verfasst hatte. Gleichzeitig forderte es ihn auf, ei- nen angesichts des überdurchschnittlichen Umfangs der Eingabe erhöhten Kostenvorschuss von Fr. 1‘500.– zu leisten. E. Der Kostenvorschuss ging am 30. Juni 2017 fristgerecht ein. F. Am 30. Juni 2017 reichte der Beschwerdeführer ei ne Beschwerdeergän- zung mit folgenden Beweismitteln ein:  drei Zeitungsartikel bezüglich der Leichen von vermissten Fischern vom 9., 10. und 11. Oktober 1995 mit englischer Übersetzung;  zwei Schreiben von E._______ betreffend die gesundheitliche Situ- ation der Mutter vom 15. November 2016 und 31. Mai 2017;  Kopien von Rationierungskarten seiner Familie und derjenigen sei- ner Schwester vom 11. Juni und 7. August 2012;  eine Übersetzung des Auszugs aus dem Heiratsregist er seine Schwester betreffend; E-3227/2017 Seite 5  zehn Fotos der Wohn- und Lebenssituation seiner Familie;  ein Foto des Beschwerdeführers anlässlich einer Demonstration in F._______ vom (…) 2016. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 A sylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde (Art. 108 Abs. 1 Asy lG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist, mit Aus- nahme der nachfolgenden Ausführungen, einzutreten. 1.2 Dem Antrag um Bekanntgabe und Bestätigung der Zufälligkeit des Spruchgremiums wurde mit Zwisc henverfügung vom 15. Juni 2017 G e- nüge getan. Auf den Antrag um Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3 [zur Publikation vorgesehen]). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die vorab zu beurteilen sind, da sie allen falls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Anspruchs auf gleiche und gerechte Behandlung, des Willkürverbots, des rechtlichen Gehörs sowie der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts. E-3227/2017 Seite 6 5. 5.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Verfügung der Vorinstanz leide an einem schweren formellen Mangel, welcher die Verfügung nichtig ma- che. Die Verfügung verletze den zentralen Anspruch auf Rechtsgleichheit, da aus ihr nicht hervorgehe, welche Personen für den Entscheid zuständig gewesen seien. Mit Zwischenverfügung vom 5. Oktober 2017 wurde dem Beschwerdefüh- rer der Name der für die angefochtene Verfügung zuständigen Fachspezi- alistin des SEM bekannt gegeben, ohne dass er in der Folge Einwände gegen die betreffende Person geltend machte. Das Fehlen der Namen in der angefochtenen Verfügung selbst stellt keinen besonders schwerwie- genden Mangel dar, welcher die Nichtigkeit der Verfügung nach sich ziehen würde (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 8.4 [zur Publikation vorgesehen]). 5.2 Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs begründet der Be- schwerdeführer mit der zeitlichen Distanz zwischen BzP und den Anhörun- gen. Dieser Zeitraum stellt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, zumal es sich bei der vom Beschwerdeführer angerufenen Empfehlung, die Anhörung möglichst zeitnah zur BzP durchzuführen, um keine justizi- able Verfahrenspflicht handelt (vgl. Urteil des BVG er D -6560/2016 vom 29. März 2018 E. 5.2). 5.3 Weiter bemängelt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz sei in ihrer Be- gründung nicht auf die Beweismittel, insbesondere die Todesurkunde des Vaters und den Zeitungsartikel, eingegangen. Die Todesurkunde sei rudi- mentär übersetzt worden, der Zeitungartikel jedoch nicht und es sei von ihm auch keine Übersetzung verlangt worden. Auch zu seinen finanziellen Verhältnissen habe sie keine Abklärungen getroffen. Damit habe sie d ie Begründungspflicht verletzt und den Sachverhalt unvollständig festgestellt. Die Vorinstanz muss sich nicht mit allen Aussagen des Beschwerdeführers einzeln auseinandersetzen. Aus der angefochtenen Verfügung geht hervor, dass sie die wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers gewürdigt hat und eine sachgerechte Anfechtung ohne weiteres möglich war. Sie hat sich mit den Beweismitteln genügend auseinander gesetzt. Anlässlich der Anhörung fasste der Beschwerdeführer den wesentlichen Inhalt des Zei- tungsartikels zusammen (vgl. SEM-Akten A13 F6 und A15 F79); die Todes- urkunde reichte er selbst inklusive englischer Übersetzung ein. Er konnte sich zudem zu seinen Lebensbedingungen in Sri Lanka äussern und gab E-3227/2017 Seite 7 an, bis zu seiner Ausreise als Maurer gearbeitet zu haben (vgl. A13 F21 f.). Die auf Beschwerdeebene aufgeführten Punkte beziehen sich sodann auf die Würdigung des Sachverhalts und nicht auf die Begründungspflicht der Vorinstanz. 5.4 Der Beschwerdeführer rügt schliesslich, die Vorinstanz habe die aktu- elle Situation in Sri Lanka unvollständig und nicht korrekt abgeklärt und das vom SEM erstellte Lagebild vom 16. August 2016 genüge den Anforderun- gen an korrekt erhobene Länderinformationen nicht. Die Vorinstanz habe es unterlassen, die zu erwartende Vorsprache auf dem sri-lankischen Ge- neralkonsulat, die Ereignisse bei den Rückschaffungen vom 16. November 2016 sowie im Jahr 2017 korrekt und vollständig abzuklären. Die Vorinstanz hat die Ausführungen des Beschwerdeführers vor dem Hin- tergrund der aktuellen Lage in Sri Lanka gewürdigt. Seine Vorbringen stufte sie als insgesamt unglaubhaft ein. Dies ist nicht zu beanstanden, zumal sich die Vorinstanz mit den wesentlichen Vorbringen des Beschwerdefüh- rers auseinandersetzte und ihm eine sachgerechte Anfechtung ermög- lichte. Alleine der Umstand, dass das SEM zum einen in seiner Länderpra- xis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer ver- treten, und es zum anderen aus sachlichen Gründen auch zu einer ande- ren Würdigung der Vorbringen gelangt, als vom Beschwerdeführer ver- langt, spricht nicht für eine unge nügende Sachverhaltsfeststellung. Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde von der Vorinstanz richtig und voll- ständig festgestellt. Soweit sich die Kritik des Beschwerdeführers auf die Beweiswürdigung bezieht, ist in den nachfolgenden Erwägungen darauf einzugehen. 5.5 Die geltend gemachte Verletzung des Willkürverbots ist nicht genügend substantiiert. Unter Berücksichtigung der nachfolgenden Ausführungen zum Asylpunkt erscheint das Ergebnis der Vorinstanz durchaus vertretbar. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt, wie erwähnt, nicht vor, wes- halb auch das Willkürverbot nicht verletzt ist. Eine andere Würdigung des Sachverhalts durch die Vorinstanz als vom Beschwerdeführer gewünscht, bedeutet noch keine Willkür. 5.6 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un- begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbe- züglichen Rechtsbegehren sind somit abzuweisen. E-3227/2017 Seite 8 6. Die Beweisanträge des Beschwerdeführers (Fris tansetzung zur Einrei- chung einer vollständigen Übersetzung des von ihm bereits früher einge- reichten Zeitungsartikels des Jahres 1995 über die Ermordung seines Va- ters durch die sri-lankischen Sicherheitskräfte, zur Einreichung von Unter- lagen zur wirtschaftlichen Armut und zu den nicht bestehenden familiären und wirtschaftlichen Ressourcen der Familie sowie zur Einreichung von Unterlagen zu seinem exilpolitischen Engagement in der Schweiz) wurden mit der Nachreichung dieser Unterlagen hinfällig. 7. 7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, d es Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 7.2 Nach Art. 54 AsylG (subjektive Nachfluchtgründe) wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden. Personen mit subjektiven Nachflucht- gründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Massgebend ist dabei e inzig, ob die heimatlichen Behör- den das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforde- rungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG; vgl. zum Ganzen auch BVGE 2009/29 E. 5.1 und 2009/28 E. 7.1). 7.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-3227/2017 Seite 9 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubh aft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 f. und 2012/5 E. 2.2). 8. 8.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids befand die Vor - instanz die Vorbringen des Beschwerdeführers als den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht genügend, weshalb er die Flüchtlingseigen- schaft nicht erfülle. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb er als absolute Nebenfigur im Hungerstreik, ohne führende Rolle und oh ne selbst daran teilgenommen zu haben, in der von ihm geschilderten Weise vom CID ver- folgt worden sein soll. Er sei nicht in der Lage gewesen, plausibel und nachvollziehbar zu erklären, wie er dazu gekommen sei, am Hungerstreik mitzuhelfen. Obwohl er angeblich zwei Tage lang anlässlich dieses Streiks Flyer verteilt habe, habe er die Eindrücke und Erlebnisse nicht substantiiert schildern können. Auch seine Schilderungen zur Festnahme seien detail- arm ausgefallen. Nicht nachvollziehbar sei, weshalb er nach der Freilas- sung zwei Jahre in Ruhe gelassen worden sei, an keinen weiteren Anläs- sen teilgenommen habe und dennoch plötzlich gesucht worden sei. Als nachgeschoben zu betrachten sei seine Erklärung, er habe diese Prob- leme aufgrund seines familiären Hintergrunds gehabt, zumal er anlässlich der ersten Anhörung explizit verneinte, deswegen Schwierigkeiten gehabt zu haben. Widersprüchlich seien seine Aussagen zur Chronologie der Er- eignisse ausgefallen (Hilfe D._______ und C._______). Die Schreiben der Priester und der Behörden seien als Gefälligkeitsschreiben zu taxieren be- ziehungsweise sogar als Fälschung einzustufen. Die Tatsache, dass er sein Heimatland mit seinem eigenen Reisepass legal habe verlassen kön- nen, spreche dafür, dass er nicht von den Behörden gesucht werde. Allfäl- lige, im Zeitpunkt seiner Ausreise best andene Risikofaktoren hätten kein Verfolgungsinteresse seitens der sri -lankischen Behörden auslösen kön- nen. Aufgrund de r Aktenlage sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus der Behörden geraten und in asyl- relevanter Weise verfolgt werden sollte. Es bestehe kein begründeter An- lass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmass- nahmen ausgesetzt sein werde. 8.2 Den vorinstanzlichen Erwägungen entgegnet der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift, entgegen der Ansicht der Vorinstanz habe er E-3227/2017 Seite 10 ausgeführt, weshalb er der TNA im Wahlkampf geholfen und beim Hunger- streik teilgenommen habe; ihm sei eine Arbeitsstelle versprochen worden. Er habe nicht an der Organisation des Hungerstreiks mitgewirkt, sondern habe lediglich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort erscheinen müssen. Seine Motivation sei somit finanzieller Art gewese n, was angesichts seiner Armut naheliege. Seine Verhaftung, die Drohungen und Folterungen durch das CID habe er detailliert, spontan und in vielen Punkten übereinstimmend geschildert. Seine Erinnerung sei zufolge der weit auseinanderliegenden BzP und der Anhörungen verständlicherweise verblasst gewesen. Es sei möglich, dass er bei der Suche nach ihm im August 2015 dem CID hätte erklären können, dass er keinerlei Aktivitäten mehr ausübe und zu Unrecht verfolgt werde. Zufolge seiner Erfahrungen im Jahr 2013 und dem Wissen, dass der Tod seines Vaters unbestraft ge- blieben sei, habe er sich jedoch zur Flucht entschlossen. Seine Flucht habe dazu geführt, dass seine kranke Mutter und auch sein Schwager mitge- nommen worden seien und ihnen erklärt worden sei, er werde verdächtigt, Verbindungen zu den Separatisten zu unterhalten. Er erfülle zahlreiche der vom Bundesverwaltungsgericht definierten Risikofaktoren. Sein Vater sei aus Sicht der sri-lankischen Regierung extralegal getötet worden, da er die LTTE unterstützt ha be. Nach Auffassung der Behörden stamme der Be- schwerdeführer deshalb aus einer LTTE -Familie. Bereits vor seiner Aus- reise sei er ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten, weshalb davon auszugehen sei, dass sein Name auf einer Watch- beziehungsweise Stop- List geführt werde. Sein exilpolitisches Engagement in der Schweiz (Teil- nahme an einer Demonstration in F._______), seine Flucht und sein mehr- jähriger Aufenthalt im Ausland sowie das Fehlen von offiziellen Reisedoku- menten würden bei einer Einreise die V erdachtsmomente der sri -lanki- schen Behörden erhöhen. Bei dieser Konstellation von Risikofaktoren könnte er bei einer allfälligen Rückkehr nach Sri Lanka den Flughafen in Colombo nicht unbemerkt verlassen und es würde zu einer näheren Über- prüfung seiner Person kommen. Dabei würden zahlreiche weitere Risiko- faktoren zutage getragen, was zu einer Verhaftung entweder direkt am Flughafen oder aber zu einem späteren Zeitpunkt führen würde, dies mit den entsprechenden asylrelevanten Folgen. Er sei deshalb als Flüch tling anzuerkennen und ihm sei in der Schweiz Asyl zu gewähren. In seiner Beschwerdeergänzung wiederholt der Beschwerdeführer, sein Vater sei im Jahr 1995 extralegal durch Angehörige der sri-lankischen Ma- rine getötet worden; dies werde durch die Zeitungsberichte belegt. Er selbst stelle zufolge seines Aufenthalts in der Schweiz und seinem Inte-E-3227/2017 Seite 11 resse an der Aufklärung der Tötung seines Vaters für die sri-lankischen Si- cherheitskräfte eine Gefahr dar. Diese Aufklärungsversuche und sein Hin- tergrund (ex tralegal getöteter Vater mit Verdacht auf Unterstützung der LTTE, Hilfeleistungen zu Gunsten der TNA und illegal e Flucht, nachdem das CID nach ihm gesucht hatte) seien für die sri -lankischen Sicherheits- kräfte Zeichen, dass er an einem Wiederaufleben des tamilischen Separa- tismus interessiert sei. Es könne mit fast einhundertprozentiger Sicherheit davon ausgegangen werden, er befinde sich auf einer Stop- oder Watch- List und ihm würde bei einer Rückkehr eine asylrelevante Verfolgung dro- hen. Auf Beschwerdeebene reicht er die in der Sachverhaltsdarstellung unter Buchstaben C. und F. erwähnten Beweismittel ein. 9. 9.1 Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge- langt, die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers würden den An- forderungen an die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht ge- nügen. Seine Ausführungen zum Hungerstreik sowie der anschliessenden Festnahme sind vage und oberflächlich ausgefallen. In der Beschwerde führt er aus, er habe am Hungerstreik teilgenommen in der Hoffnung, eine bezahlte Arbeitsstelle zu erhalten. Anlässlich der Anhörung erzählte er hin- gegen, bis zu seiner Ausreise als Maurer gearbeitet und somit ein Einkom- men generiert zu haben . Der Beschwerdeführer absolvierte sodann nicht nur die obligatorische und vom Staat unterstützte Schulzeit bis zum O-Le- vel, sondern schloss mit dem A -Level ab. Dies spricht gegen die von ihm geltend gemachte prekäre finanzielle Situation, in welcher sich seine Fa- milie befunden haben soll. Nach der angeblichen Ermordung seines Vaters im Jahr 1995 wurden seine Mutter und Schwester mehrere Male befragt, danach aber nicht mehr von den sri-lankischen Behörden belangt. Gemäss seinen eigenen Aussagen hatte er selbst persönlich nie Probleme wegen seines Vaters (vgl. A13 F18). Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass der Tod des Vaters beziehungsweise seine angebliche Nähe zu den LTTE mit der geltend gemachten Suche des Beschwerdeführers im Zusammen- hang steht. Vielmehr erscheint der Tod des Vaters zum heutigen Zeitpunkt als nicht asylrelevant. Die Suche nach dem Beschwerdeführer fiel unglaub- haft aus, und er konnte keine genauen Angaben darüber machen. Zudem reiste er ohne Schwierigkeiten mit seinem eigenen Pass auf dem Luftweg von Colombo aus, ohne dass er aufgehalten wurde. Dies weist darauf hin, dass er von den heimatlichen Behörden nicht als eine Bedrohung für den Staat angesehen worden ist. E-3227/2017 Seite 12 Seine vorgebrachte exilpolitische Tätigkeit ist als niederschwellig einzustu- fen. Er nahm lediglich an einer einzigen Demonstration in F._______ im Jahr 2016 teil. Weder in der Anhörung noch auf Beschwerdeebene legt er dar, inwieweit er sich durch sein exilpolitisches Wirken derart exponiert habe, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Furcht vor einer asylrele- vanten Verfolgung haben müsste. Vielmehr führte er anlässlich der zweiten Anhörung im Jahr 2017 auf Nachfrage aus, in der Schweiz nicht politisch aktiv zu sein (vgl. A15 F70). Es ist nicht davon auszugehen, dass er auf- grund dieser Aktivitäten in den Fokus der sri-lankischen Behörden geraten ist. Es liegen keine subjektiven Nachfluchtgründe vor. Die im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweismittel, sofern sie über- haupt rechtserheblich sind, vermögen an der Unglaubhaftigkeit der Vor- bringen des Beschwerdeführers nichts zu ändern. Dabei handelt es sich grossmehrheitlich um Dokumente, welche die allgemeine Lage in Sri Lanka und die politische Situation beschreiben. Der Beschwerdeführer kann dar- aus keine individuelle Verfolgung ableiten. Er selbst war sodann nie für die LTTE tätig. 9.2 Das Bundesverwaltungsgericht hält im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert) fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die Stop -List, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Ent- scheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Be- jahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respek- tive durch die IOM begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernst- haften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft g emach- ten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwir- kung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer Ein- zelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel zu erwägen, ob mit beacht- licher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung be- jaht werden müsse (Urteil E-1866/2015 E. 8.5.5). Nachdem die Asylvorbringen des Beschwerdeführers unglaubhaft ausge- fallen sind, er keine Verbindung zu den LTTE aufweist, keine Reflexverfol- gung vorliegt und auch sein exilp olitisches Wirken als äusserst nieder- schwellig zu beurteilen ist, erfüllt er keine der oben erwähnten stark risiko- begründenden Faktoren. Alleine aus der tamilischen Ethnie und der bald E-3227/2017 Seite 13 dreijährigen Landesabwesenheit kann er keine Gefährdung ableiten. In die Gesamtwürdigung ist weiter der familiäre Hintergrund des Beschwerdefüh- rers miteinzubeziehen. Weder seine Familie noch er selbst weisen aktuell Verbindungen zu den LTTE auf. Sein Vater, welcher angeblich zufolge der Tätigkeiten für die LTTE getötet worden sei, starb bereits im Jahr 1995. Der Beschwerdeführer selbst führte aus, dass er deswegen jedoch nie persön- lich Probleme gehabt habe (vgl. A13 F18). Es ist nicht anzunehmen, dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Dies ergibt sich auch nicht aus den auf Beschwerdeebene eingereichten Dokumenten, Berichten und Län- derinformationen. 9.3 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge- lehnt. 10. Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine aus- länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er- teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord- net (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 11. 11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an- dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im E-3227/2017 Seite 14 Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger- krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Dri ttstaat ausrei- sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 11.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, es sei mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit davon auszugehen, dass jeder nach Sri Lanka zurückge- schaffte tamilische Asylgesuchsteller jederzeit Opfer einer Verhaftung und von Verhören unter Anwendung von Folter werden könne. Da er mit seiner Vorgeschichte in diese bestimmte Gruppe falle, wäre auch bei ihm von ei- ner solchen überwiegenden Gefahr auszugehen, weshalb die Unzulässig- keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen sei. Die Gefahr von Behelli- gungen, Belästigungen, Misshandlungen durch Behörden oder durch pa- ramilitärische Gruppierungen bestehe auch nach einer Einreise, wesha lb vorliegend ebenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu- stellen sei. Aufgrund der Papierbeschaffung über das sri-lankische Konsu- lat in Genf würden die Behörden bei seiner Rückkehr nach Sri Lanka sofort Kenntnis von seiner politischen Vergangenheit und seine r exilpolitischen Tätigkeit erhalten. Wegen der bereits erlittenen Verfolgung bestehe bei den standardisierten Verhören der sri -lankischen Behörden, welchen er sich nicht entziehen könne, eine akute Gefahr für Leib und Leben. Zudem ver- füge er nicht über ein wirtschaftliches und familiäres Netz, welches ihm bei der Rückkehr nach Sri Lanka behilflich sein könnte. Bereits vor seiner Aus- reise habe er in absolut ärmlichen Verhältnissen gelebt und sich nur des- halb politisch betätigt, weil er sich davon als Gegenleistung eine Anstellung versprochen habe. Er verfüge über keine Wohnmöglichkeit und aufgrund der – durch die Ermordung des Vaters im Jahre 1995 eingetretenen – Ar- mut, der Erkrankung der Mutter und dem Fehlen von Grundeigentum sowie von Geschäftsbetrieben in seinem Umfeld, werde er auch keiner Erwerbs- tätigkeit nachgehen können. Der Gesundheitszustand seiner Mutter sei de- solat, und er müsste sie bei einer Rückkehr finanziell unterstützen. Bei sei-E-3227/2017 Seite 15 nem eher kleinen sozialen Netzwerk hätte er Schwierigkeiten, eine Arbeits- stelle zu finden, die sowohl für seinen und den Lebensunterhalt seiner Mut- ter ausreichen würde. Seine Familie sei von der Hilfe de s Staates abhän- gig, was aufgrund der Rationierungskarten ersichtlich sei. Ihr Haus sei so- dann sehr klein und werde bereits jetzt von fünf Personen bewohnt. Es würden somit keine positiven individuellen Faktoren vorliegen, welche für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen würden. 11.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin- dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal- tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs- vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 12.2 f.). Wei- ter ändert der Ausgang der Kommunalwahlen vom 10. Februar 2018 nichts an der Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts betreffend die Verfol- gungssituation von nach Sri Lanka zurückkehrenden Tamilen. Insofern ist an der Lageeinschätzung im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 festzuhalten. Auch der Europäische Gerichtshof für Men- schenrechte (EGMR) hat wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sr i Lanka eine un- menschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten „Background Check“ (Befragung und Über- prüfung von Tätigkeiten im In - und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 11.4 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsge- richt zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvollzug in die Nord- provinz zumutbar ist, wen n das Vorliegen der individuellen Zumutbar- keitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder so-E-3227/2017 Seite 16 zialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkom- mens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E -1866/2015 E. 13.2). In seinem neusten als Referenzurteil publizierten Entscheid er- achtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins „Vanni-Gebiet“ als zumutbar (Urteil D -3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). Der Beschwerdeführer stammt aus B._______, (Distrikt Jaffna, Nordpro- vinz). Seine Mutter und seine Schwester mit ihrer Familie leben immer noch dort sowie auch weitere Tanten und Onkel. Der Beschwerdeführer ist jung, gesund, verfügt über einen A-Level-Abschluss und arbeitete als Mau- rer und Maler. Zu seiner Familie steht er in regelmässigem Kontakt. Es ist davon auszugehen, dass sie ihn bei der Wieder eingliederung wird unter- stützen. Daran ändern die angeblich ärmlichen Verhältnisse, in welchen seine Familie lebt, nichts. Der Beschwerdeführer wohnte bereits vor seiner Ausreise im Haus seiner Mutter zusammen mit dieser und der Familie sei- ner Schwester (vgl. A13 S. 3). Es erübrigt sich deshalb auf die Fotos, wel- che Personen vor einem Haus und verschiedene Räume zeigen, näher einzugehen. Aufgrund seiner Ausbildung und Berufserfahrung ist ihm zu- zumuten, sich eine eigene Existenz aufzubauen , und es ist davon auszu- gehen, dass er nur temporär bei seiner Familie leben wird. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zumutbar. 11.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 11.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 12. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der Beschwerde und die eingereichten Beweismittel noch näher einzugehen . Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. E-3227/2017 Seite 17 13. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und zufolge seiner sehr umfangrei- chen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen Bezug zu ihm praxisgemäss auf Fr. 1‘500.– zu erhöhen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Berechtigterweise rügte er die Nichtoffenlegung de s Namens der SEM-Fachspezialistin, auch wenn er diesbezüglich mit seinem Begehren um Feststellung der Nichtigkeit der vorinstanzlichen Verfügung nicht durchdrang. Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es sich, die Verfahrenskosten um Fr. 100.– auf Fr. 1‘400.– zu reduzieren (vgl. Art. 63 Abs. 1 Satz 2 VwVG). Der am 30. Juni 2017 be- zahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘500.– ist diesem Betrag an- zurechnen und im Umfang von Fr. 100.– dem Beschwerdeführer zurückzu- erstatten. 14. Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwach- sene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Obsiegt eine Partei nur teilweise, so ist die Parteientschä- digung zu kürzen (Art. 7 Abs. 2 VGKE). Sind die Kosten verhältnismässig gering, kann von einer Parteientsch ädigung abgesehen werden (Art. 7 Abs. 4 VGKE). Als geringe Kosten gelten Aufwendungen von weniger als Fr. 100.– (analog zu Art. 13 Bst. b VGKE: als verhältnismässig hohe Kosten gelten Spesen von mehr als Fr. 100. –; vgl. zum Ganzen: MO- SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bun desverwaltungsge- richt, 2. Aufl. 2013, RZ 4.69). Hinsichtlich der Rüge der Offenlegung de s Namens der SEM-Mitarbeiterin hat der Beschwerdeführer insofern obsiegt, als ihm dieser mit Zwischenverfügung vom 15. Juni 2017 genannt wurde. Mit allen anderen Rechtsbegehren ist er unterlegen. Im Teilurteil des Bun- desverwaltungsgerichts D-1549/2017 vom 16. Mai 2018 wurde eine redu- zierte Parteientschädigung von Fr. 250. – zugesprochen; dies hauptsäch- lich zufolge der fehlerhaften Eröffnung der Ve rfügung und der Verletzung des Akteneinsichtsrecht. In jenem Verfahren erfolgte sodann auch ein Schriftenwechsel, welcher für den Rechtsvertreter Aufwand generierte (vgl. Urteil des BVGer D-1549/2017 vom 16. Mai 2018 Buchstabe I. und E. 10). Im vorliegenden Verfahren ist der Aufwand für die Rüge der Offenlegung der Namen der SEM -Mitarbeiter als gering einzustufen (weniger als Fr. 100.–), weshalb von einer Parteientschädigung abzusehen ist. E-3227/2017 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1‘400.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1‘500.– wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet und der Restbetrag von Fr. 100. – dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Annina Mondgenast