<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 87 S.427</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">427</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Auflösung Anstellungsverhältnis</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>87</b></span> <span class="ft3"><b>Kommunales Dienstverhältnis. Begehren um Entschädigung wegen un-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rechtmässiger Kündigung</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Durch Auslegung ergibt sich, dass in concreto von einer vertragli-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>chen Anstellung auszugehen ist (Erw. 2). Entsprechend stellt die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Kündigung keine Verfügung, sondern eine vertragliche Erklärung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dar. Das Begehren um Zusprechung einer Entschädigung aufgrund</b></span><br/> <span class="ft3"><b>einer unrechtmässigen Kündigung ist folglich im Klageverfahren zu</b></span><br/> <span class="ft3"><b>beurteilen (Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Es besteht im vorliegenden Fall keine gesetzliche Bestimmung, wel-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>che abweichend von § 78a VRPG die Geltendmachung der Ent-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schädigungsforderung innert bestimmter Frist vorschreiben würde;</b></span><br/> <span class="ft3"><b>eine analoge Anwendung von § 37 PersG ist ausgeschlossen (Erw.4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 2. März 2006 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">E. gegen Einwohnergemeinde M. (2-BE.2005.50012).</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">2.</span><br/> <span class="ft8">2.1. Dem Schreiben des Gemeinderates M. vom 27. August</span><br/> <span class="ft8">2003, welches die Grundlage des Dienstverhältnisses bildete, lässt</span><br/> <span class="ft8">sich nicht entnehmen, ob es sich um eine Verfügung oder um einen</span><br/> <span class="ft8">Vertrag handelt. Die gewählten Formulierungen sind widersprüch-</span><br/> <span class="ft8">lich. Für das Vorliegen einer Verfügung sprechen insbesondere der</span><br/> <span class="ft8">Begriff "gewählt" sowie die Aufforderung, die "Annahme der An-</span><br/> <span class="ft8">stellung" zu erklären (und nicht etwa den Vertrag zu unterschreiben).</span><br/> <span class="ft8">Auf einen Vertrag weist demgegenüber der Betriff "Vereinbarung"</span><br/> <span class="ft8">hin, ebenso der - allerdings bloss im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft8">Aufzählung der Beilagen erwähnte - Ausdruck "Anstellungsvertrag".</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">428</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">2.2. Im Schreiben an den Kläger vom 14. September 2005 (Be-</span><br/> <span class="ft8">gründung der Kündigung) führte der Gemeinderat M. sinngemäss</span><br/> <span class="ft8">aus, auf eine Rechtsmittelbelehrung sei in der Kündigung vom</span><br/> <span class="ft8">16. August 2005 verzichtet worden, da sie bei Streitigkeiten aus Ver-</span><br/> <span class="ft8">trag nicht zwingend sei. Auch in der Vernehmlassung vom 23. Januar</span><br/> <span class="ft8">2006 stellte sich die Beklagte auf den Standpunkt, es sei zwischen</span><br/> <span class="ft8">den Parteien ein vertragliches Verhältnis abgeschlossen worden.</span><br/> <span class="ft8">Soweit erkennbar hat sich der Kläger bis dato nie explizit zur</span><br/> <span class="ft8">Rechtsnatur der Anstellung geäussert.</span><br/> <span class="ft8">2.3. Gemäss § 4 Satz 1 des Personalreglements der Einwohner-</span><br/> <span class="ft8">gemeinde M. vom 29.</span> <span class="ft8">Mai 2000 (Personalreglement) ist das</span><br/> <span class="ft8">Dienstverhältnis des ständigen Personals öffentlichrechtlicher Natur.</span><br/> <span class="ft8">"Es wird durch die Wahl und deren Annahme oder durch den Anstel-</span><br/> <span class="ft8">lungsvertrag begründet" (Satz 2).</span><br/> <span class="ft8">Weder aus §</span> <span class="ft8">4 noch aus einer anderen Bestimmung des</span><br/> <span class="ft8">Personalreglements lassen sich schlüssige Anhaltspunkte dafür</span><br/> <span class="ft8">entnehmen, ob in der Regel eine Anstellung mittels (Wahl-)Verfü-</span><br/> <span class="ft8">gung oder mittels Vertrag erfolgt. §§ 5 und 7 Personalreglement le-</span><br/> <span class="ft8">gen primär die Zuständigkeit für die Anstellung bzw. die Dauer des</span><br/> <span class="ft8">Dienstverhältnisses fest. In Bezug auf die Grundlage der Anstellung</span><br/> <span class="ft8">sind die beiden Bestimmungen wenig aussagekräftig: § 5 Personal-</span><br/> <span class="ft8">reglement deutet eher darauf hin, dass in der Regel eine Anstellung</span><br/> <span class="ft8">mittels Verfügung erfolgt ("gewählt"), § 7 Personalreglement lässt</span><br/> <span class="ft8">eher darauf schliessen, dass nur in Bezug auf Beamte Wahlen vorge-</span><br/> <span class="ft8">nommen werden.</span><br/> <span class="ft8">2.4. Gemäss § 50 GG sind bei allfälligen Lücken des kommuna-</span><br/> <span class="ft8">len Dienst- und Besoldungsreglements die entsprechenden Bestim-</span><br/> <span class="ft8">mungen des kantonalen Personalrechts anwendbar. § 3 Abs. 1 PersG</span><br/> <span class="ft8">hält den Grundsatz fest, dass die Arbeitsverhältnisse zwischen dem</span><br/> <span class="ft8">Kanton und seinem Personal auf Vertrag beruhen.</span><br/> <span class="ft8">Da das Personalreglement die Anstellung mittels Verfügung so-</span><br/> <span class="ft8">wie diejenige mittels Vertrag gleichwertig behandelt (vgl. Erw. 2.3</span><br/> <span class="ft8">hievor), ist gestützt auf § 50 GG in Verbindung mit § 3 Abs. 1 PersG</span><br/> <span class="ft8">im Regelfall von einem Vertrag auszugehen. Dies gilt mithin auch im</span><br/> <span class="ft8">konkreten Fall, da sich aus dem Schreiben des Gemeinderates vom</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">429</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">27. August 2003 keine schlüssigen Indizien für eine Anstellung mit-</span><br/> <span class="ft8">tels Verfügung ergeben (vgl. Erw. 2.1 hievor).</span><br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">3.1. Das Personalreglement enthält keine Angaben darüber, ob</span><br/> <span class="ft8">die Kündigung eines Anstellungsverhältnisses durch die Gemeinde</span><br/> <span class="ft8">eine Verfügung oder eine vertragliche Erklärung darstellt. Entspre-</span><br/> <span class="ft8">chend den obigen Darlegungen (vgl. Erw. 2.4 hievor) ist aufgrund</span><br/> <span class="ft8">dieser Lücke auf das kantonale Recht abzustellen.</span><br/> <span class="ft8">Gemäss § 48 PLV bildet die Kündigung seitens des Kantons</span><br/> <span class="ft8">keine Verfügung, sondern eine vertragliche Erklärung. Diese Rege-</span><br/> <span class="ft8">lung ist jedenfalls für Fälle wie den vorliegenden, in welchem die</span><br/> <span class="ft8">Anstellung mittels Vertrag erfolgte, analog auch im kommunalen</span><br/> <span class="ft8">Recht der Beklagten anwendbar. Die Lösung entspricht dem Grund-</span><br/> <span class="ft8">satz, dass das Gemeinwesen durch Verfügung begründete Anstel-</span><br/> <span class="ft8">lungsverhältnisse mittels Verfügung, durch Vertrag begründete An-</span><br/> <span class="ft8">stellungsverhältnisse mittels vertraglicher Erklärung beendet (vgl.</span><br/> <span class="ft8">Peter Hänni, Beendigung öffentlicher Dienstverhältnisse, in: Thomas</span><br/> <span class="ft8">Geiser/Peter Münch [Hrsg.], Stellenwechsel und Entlassung, Basel/</span><br/> <span class="ft8">Frankfurt a.M. 1997, Rz. 6.20 ff.).</span><br/> <span class="ft8">3.2. Gemäss § 48 Abs. 1 Satz 1 PersG gelten bei Streitigkeiten</span><br/> <span class="ft8">aus einem öffentlichrechtlichen Arbeitsverhältnis zwischen Gemein-</span><br/> <span class="ft8">den, Gemeindeverbänden oder anderen öffentlichrechtlichen Körper-</span><br/> <span class="ft8">schaften und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Bestim-</span><br/> <span class="ft8">mungen über das gerichtliche Klage- und Beschwerdeverfahren ge-</span><br/> <span class="ft8">mäss §§ 39 und 40 PersG. Gemäss § 39 lit. a PersG beurteilt das Per-</span><br/> <span class="ft8">sonalrekursgericht vertragliche Streitigkeiten aus dem Arbeitsver-</span><br/> <span class="ft8">hältnis im Klageverfahren.</span><br/> <span class="ft8">Somit ergibt sich, dass das klägerische Begehren betreffend</span><br/> <span class="ft8">Entschädigung aufgrund unrechtmässiger Kündigung nicht im Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerde-, sondern im Klageverfahren zu beurteilen ist. Dasselbe</span><br/> <span class="ft8">gilt analog auch in Bezug auf das Begehren um Ausrichtung eines</span><br/> <span class="ft8">Arbeitszeugnisses.</span><br/> <span class="ft8">4.</span><br/> <span class="ft8">4.1. Gemäss § 78a Abs. 2 Satz 1 VRPG erlöschen öffentlich-</span><br/> <span class="ft8">rechtliche Forderungen, für deren Geltendmachung das Gesetz nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">430</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">bestimmte Fristen festlegt, innert zehn Jahren nach Eintritt der</span><br/> <span class="ft8">Fälligkeit, periodisch zu erbringende Leistungen innert fünf Jahren.</span><br/> <span class="ft8">4.2. § 37 PersG regelt das verwaltungsinterne Schlichtungsver-</span><br/> <span class="ft8">fahren. Gemäss § 37 Abs. 1 PersG sind vor Einreichung einer ge-</span><br/> <span class="ft8">richtlichen Klage oder einer Beschwerde alle Streitigkeiten der</span><br/> <span class="ft8">verwaltungsinternen Schlichtungskommission vorzulegen; "bei Ver-</span><br/> <span class="ft8">fügungen und Vertragsauflösungen ist eine Frist von 20 Tagen nach</span><br/> <span class="ft8">Zustellung einzuhalten." § 37 Abs. 2 PersG regelt u.a. die Frist für</span><br/> <span class="ft8">die Klageeinreichung nach Vorliegen der Empfehlung der Schlich-</span><br/> <span class="ft8">tungskommission.</span><br/> <span class="ft8">Die genannten Bestimmungen gelten indessen nur für Strei-</span><br/> <span class="ft8">tigkeiten zwischen dem Kanton und dessen Mitarbeitenden. Gemäss</span><br/> <span class="ft8">ausdrücklicher Bestimmung in § 48 Abs. 1 Satz 2 PersG entfällt bei</span><br/> <span class="ft8">Streitigkeiten zwischen Gemeinden sowie anderen öffentlichrecht-</span><br/> <span class="ft8">lichen Körperschaften und ihrem Personal das Schlichtungsverfahren</span><br/> <span class="ft8">nach § 37 PersG. Folglich entfallen auch die in § 37 PersG vorge-</span><br/> <span class="ft8">sehenen Fristen betreffend Einreichung eines Schlichtungsbegehrens</span><br/> <span class="ft8">sowie bezüglich Einreichung einer Beschwerde oder Klage nach er-</span><br/> <span class="ft8">folgter Empfehlung.</span><br/> <span class="ft8">4.3. Andere gesetzliche Bestimmungen, welche abweichend von</span><br/> <span class="ft8">§ 78a VRPG betreffend der Klagen auf Entschädigung infolge un-</span><br/> <span class="ft8">rechtmässiger Kündigung eine Geltendmachung innert bestimmter</span><br/> <span class="ft8">Frist festlegen würden, sind nicht ersichtlich. Die Behauptung der</span><br/> <span class="ft8">Beklagten, die klägerischen Begehren hätten innert 20 Tagen nach</span><br/> <span class="ft8">Zustellung der Kündigung erfolgen müssen, entbehrt folglich jegli-</span><br/> <span class="ft8">cher Grundlage; die Klage erfolgte rechtzeitig.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>