A bteilung III C -63/2006 {T 0/2} U rteil vom 19. Februar 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichterin Avenati-C arpani; R ichter Vuille; G erichtsschreiber Longauer. X._______, Beschw erdeführer, vertreten durch R echtsanw ältin D r. U rsula Kohlbacher, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Einreisesperre. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer, Staatsangehöriger von Serbien (Kosovo), heiratete am 23. Juni 1995 eine um 18 Jahre ältere Schw eizerbürgerin, w orauf ihm der Kanton Zürich im R ahm en des Fam iliennachzugs eine Aufenthaltsbe- w illigung erteilte. Am 6. Juni 2000 erhielt der Beschw erdeführer die N ieder- lassungsbew illigung. D ie Ehe des Beschw erdeführers w urde am 13. N o- vem ber 2001 geschieden. Am 12. August 2002 heiratete der Beschw erde- führer eine Landsfrau, die M utter seiner beiden 1990 und 1996 geborenen Söhne, deren Existenz er gegenüber den Behörden verschw iegen hatte, und am 6. Februar 2003 stellte er ein G esuch um R egelung seiner Fam ilie im Fam iliennachzug. B. G estützt auf den vorerw ähnten Sachverhalt w iderrief das M igrationsam t des Kantons Zürich am 8. D ezem ber 2003 die N iederlassungsbew illigung des Beschw erdeführers und w ies das G esuch um N achzug seiner Ehefrau und seiner beiden Söhne ab. Zugleich forderte es den Beschw erdeführer auf, das Kantonsgebiet bis zum 29. Februar 2004 zu verlassen. D er R egie- rungsrat des Kantons Zürich und das kantonale Verw altungsgericht bestä- tigten die vorgenannte Anordnung auf Beschw erde hin (Entscheid des R e- gierungsrates vom 14. April 2004 und U rteil des Verw altungsgerichts vom 22. Septem ber 2004). Eine dagegen eingereichte Verw altungsgerichtsbe- schw erde w ies das Bundesgericht am 19. N ovem ber 2004 ab. C . Am 8. D ezem ber 2004 setzte das M igrationsam t des Kantons Zürich die Ausreisefrist neu auf den 31. Januar 2005 an. M it Verfügung vom 10. D e- zem ber 2004 dehnte die Vorinstanz die kantonale W egw eisung auf das G ebiet der gesam ten Schw eiz aus und forderte den Beschw erdeführer auf, bis zum 31. Januar 2005 das Land zu verlassen. Am 19. Januar 2005 trat der R egierungsrat des Kantons Zürich auf ein R evisionsgesuch des Be- schw erdeführers nicht ein und bestätigte gleichzeitig, dass er die Schw eiz auf den angesetzten Term in zu verlassen habe. N achdem ein G esuch um Erstreckung der Ausreisefrist verw eigert w orden und der dagegen gerich- teten Aufsichtsbeschw erde kein Erfolg beschieden w ar, ordnete das M igra- tionsam t am 10. M ärz 2005 gegen den Beschw erdeführer die Ausschaf- fungshaft an. Am 12. M ärz 2005 erfolgte die zw angsw eise Ausschaffung des Beschw erdeführers nach Pristina. D . M it Verfügung vom 10. M ärz 2005 verhängte die Vorinstanz gegen den Be- schw erdeführer eine Einreisesperre für die D auer von zw ei Jahren. Zur Begründung führte sie an, der Beschw erdeführer habe eine behördlich an- gesetzte Frist nicht befolgt und dam it eine grobe Zuw iderhandlung gegen frem denpolizeiliche Bestim m ungen begangen. E. M it Beschw erde vom 7. April 2005 gelangte der Beschw erdeführer an das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) und beantragte die Aufhebung der Einreisesperre, subsidiär deren "Sistierung" für zw ei W o- chen zw ecks Eheschliessung. Zur Begründung w ird prim är geltend ge- m acht, die Ansetzung der Ausreisefrist sei unverhältnism ässig und schika-3 nös gew esen. Er habe unter anderem w egen arbeits- und m ietvertrag- lichen Verpflichtungen rechtzeitig um Verlängerung der Ausreisefrist er- sucht und darauf vertrauen dürfen, dass seinem begründeten Anliegen entsprochen w erde. Zudem sei er nicht untergetaucht und habe sich im m er zur Verfügung der Behörden gehalten. Subsidiär bringt der Beschw erde- führer vor, er sei m ittlerw eile von der M utter seiner beiden Kinder w ieder geschieden und beabsichtige, sich m it seiner schw eizerischen Ex-G attin erneut zu verehelichen. Zum Zw ecke des Eheschlusses sei die Einreise- sperre ausser Kraft zu setzen. F. Am 21. April 2005 w ies das M igrationsam t des Kantons Zürich ein G esuch des Beschw erdeführers um Bew illigung der Einreise zur Vorbereitung der H eirat m it seiner schw eizerischen Ex-G attin und zum anschliessenden Verbleib bei derselben ab. Zur Begründung führte das M igrationsam t im W esentlichen an, die Berufung auf Art. 7 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer (AN AG , SR 142.20) sei rechtm issbräuchlich, w eshalb vorliegend kein Aufenthalts- anspruch bestehe. G . Im gleichen Sinn verw eigerte das EJPD m it Verfügung vom 31. M ai 2005 eine Suspension der Einreisesperre zw ecks Vornahm e des Eheschlusses in der Schw eiz. H . D ie Vorinstanz schloss in ihrer Vernehm lassung vom 15. Juni 2005 auf Ab- w eisung der Beschw erde. I. D er Beschw erdeführer m achte von dem ihm eingeräum ten R echt auf R e- plik keinen G ebrauch. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. Verfügungen des BFM betr. Einreisesperre unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 AN AG i.V.m . Art. 31 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw altungsgericht; Verw altungsgerichtsgesetz, VG G , SR 173.32). Zum Zeitpunkt des Inkraft- tretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelverfahren w erden vom Bundesverw altungsgericht übernom - m en. D ie Beurteilung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 2. D er Beschw erdeführer ist als Adressat der angefochtenen Einreisesperre zur Beschw erdeführung legitim iert; auf die frist- und form gerecht einge- reichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 48 ff. des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren; Vw VG , SR 172.021). 3. M it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Ü berschreitung oder M issbrauch des Er- m essens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes sow ie die U nangem essenheit gerügt w erden (Art. 49 Vw VG ). D as Bundesverw altungsgericht w endet im Beschw erdeverfahren das Bundesrecht von Am tes w egen an. Es ist gem äss Art. 62 Abs. 4 4 Vw VG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschw erde auch aus anderen als den geltend gem achten G ründen gut- heissen oder abw eisen. M assgebend ist grundsätzlich die Sach- und R echtslage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. E. 1.2 des in BG E 129 II 215 teilw eise publizierten U rteils 2A.451/2002 vom 28. M ärz 2003). 4. D ie eidgenössische Behörde kann, für höchstens drei Jahre, die Einreise- sperre verhängen über Ausländer oder Ausländerinnen, die sich grobe oder m ehrfache Zuw iderhandlungen gegen frem denpolizeiliche oder ande- re gesetzliche Bestim m ungen und gestützt darauf erlassene behördliche Verfügungen haben zuschulden kom m en lassen. W ährend der Einreise- sperre ist dem Ausländer jeder G renzübertritt ohne ausdrückliche Erm äch- tigung der verfügenden Behörde untersagt (Art. 13 Abs. 1 Satz 2 und 3 AN AG ). 5. G estützt auf diesen Tatbestand kann eine Fernhaltem assnahm e verhängt w erden, w enn der Ausländer objektiv gegen frem denpolizeiliche Vor- schriften verstossen hat und ihm sein G esetzesverstoss zum Vorw urf ge- reicht. Als grob im Sinne von Art. 13 Abs. 1 Satz 2 AN AG ist eine Zuw ider- handlung gegen frem denpolizeiliche Bestim m ungen - unabhängig vom Verschulden des Ausländers - im m er dann zu qualifizieren, w enn sie zen- trale, für das Funktionieren der frem denpolizeilichen O rdnung w ichtige Be- reiche berührt. 6. M it dem U rteil des Bundesgerichts vom 19. N ovem ber 2004 erw uchs der Entscheid der Zürcher Behörden betr. W iderruf der N iederlassungsbew illi- gung und W egw eisung vom Kantonsgebiet in R echtskraft. In der Folge w urde der Beschw erdeführer vom M igrationsam t des Kantons Zürich auf- gefordert, den Kanton bis zum 31. Januar 2005 zu verlassen. D as BFM dehnte m it Verfügung vom 10. D ezem ber 2004 die kantonale W egw eisung auf das ganze G ebiet der Schw eiz aus und setzte dem Beschw erdeführer dieselbe Frist zum Verlassen der Schw eiz. D er Beschw erdeführer ist die- sen Aufforderungen unbestrittenerm assen nicht nachgekom m en, sodass er am 10. M ärz 2005 in Ausschaffungshaft genom m en und am 12. M ärz 2005 ausgeschafft w erden m usste. M it diesem Verhalten hat der Be- schw erdeführer nicht nur eine behördliche Anordnung im Sinne von Art. 13 Abs. 1 AN AG m issachtet. Für den Zeitraum vom 31. Januar 2005 bis zur zw angsw eisen D urchsetzung der Ausreisepflicht durch Ausschaffung am 12. M ärz 2005 m uss ihm darüber hinaus w iderrechtlicher Aufenthalt vorge- w orfen w erden, denn seine Berechtigung, sich in der Schw eiz aufzuhalten, endete spätestens m it dem unbenutzten Ablauf der Ausreisefrist (Art. 1a und 12 Abs. 2 AN AG ). D er Beschw erdeführer hat m ithin den Fernhalte- grund der groben Zuw iderhandlung gegen frem denpolizeiliche Bestim - m ungen und gestützt darauf erlassene behördliche Verfügungen gesetzt. 7. N achfolgend bleibt zu prüfen, ob die Einreisesperre dem G rundsatz nach sow ie von ihrer D auer her in pflichtgem ässer Ausübung des Erm essens er- gangen und angem essen ist. M assgebliche G esichtspunkte für die Erm es- sensausübung sind die Besonderheiten des rechtsw idrigen Verhaltens, die persönlichen Verhältnisse des Verfügungsbelasteten sow ie eine w ertende 5 G ew ichtung öffentlicher und privater Interessen (vgl. R EN É A. R H IN O W / BEAT KR ÄH EN M AN N , Schw eizerische Verw altungsrechtsprechung, Ergänzungsband zur 5. und 6. Auflage von M AX IM B O D EN / R EN É A. R H IN O W , Basel und Frankfurt a.M . 1990, N r. 67, S. 211 f., m it H inw eisen). 8. D as generalpräventiv m otivierte öffentliche Interesse daran, die frem den- polizeiliche O rdnung durch eine konsequente M assnahm enpraxis gegenü- ber fehlbaren Ausländern zu schützen, ist gew ichtig. Im vorliegenden Fall treten spezialpräventive G ründe hinzu. D enn das gesam te Verhalten des Beschw erdeführers erw eckt den bestim m ten Eindruck, dass er keine M ittel scheut, um zu einem Aufenthaltsrecht zu gelangen. In diesem Zusam m en- hang kann auf die diversen Entscheide und U rteile verw iesen w erden, die im Zusam m enhang m it dem W iderruf der N iederlassungsbew illigung er- gangen sind und die sich bei der W ertung seines Verhaltens einer klaren Sprache bedienen. D er Beschw erdeführer versucht zw ar, sein Verhalten zu relativieren, indem er aus seiner Sicht erneut die G ründe zur Sprache bringt, die zu der recht eigenw illigen G estaltung seiner fam iliären Verhält- nisse geführt haben, und geltend m acht, die ihm gesetzte Ausreisefrist sei schikanös kurz gew esen und habe von ihm nicht respektiert w erden kön- nen. Ferner beruft sich der Beschw erdeführer auf einen Polizeibeam ten, der ihn am 18. Februar 2005 in seiner W ohnung aufgesucht, Verständnis für seine Situation zum Ausdruck gebracht und ihn aufgefordert habe, sich zur Verfügung der Behörden zu halten, sollte er die Schw eiz doch verlas- sen m üssen. D ie Vorbringen des Beschw erdeführers überzeugen nicht. Zum einen kann der Verlust der N iederlassungsbew illigung im R ahm en des vorliegenden Verfahrens nicht m ehr them atisiert w erden. Zum anderen geht aus den Akten hervor, dass es dem Beschw erdeführer im Anschluss an das W iderrufsverfahren m itnichten nur darum ging, eine längere Ausrei- sefrist zu erw irken. Vielm ehr versuchte er m it allen M itteln, eine frem den- polizeiliche R egelung dennoch zu erzw ingen, unter anderem indem er sich am 28. Februar 2005 H als über Kopf von seiner zw eiten Ehefrau und M ut- ter seiner beiden Kinder scheiden liess und Anstalten traf, seine geschie- dene schw eizerischen Ex-Ehefrau w ieder zu heiraten. N achdem ihm je- doch die Einreise zu diesem Zw eck verw eigert w orden w ar, liess er nichts m ehr von seinen Eheabsichten vernehm en. U nter den gegebenen U m stän- den m uss davon ausgegangen w erden, dass die angestrebte Ehe – w eil sie erkennbar ihren frem denpolizeilichen Zw eck verfehlt hätte – nie ge- schlossen w urde. Schliesslich ist die D arstellung der Vorgänge anlässlich der polizeilichen Kontrolle vom 18. Februar 2005 schlicht aktenw idrig. Tat- sächlich w urde dem Beschw erdeführer aufgefordert, die Schw eiz späte- stens bis zum 23. Februar 2005 freiw illig zu verlassen, ansonsten die poli- zeiliche Ausschaffung erfolgen w erde. 9. Auf der anderen Seite soll nicht in Abrede gestellt w erden, dass der Be- schw erdeführer bis zu seiner erzw ungenen R ückkehr in den Kosovo nahe- zu zehn Jahre in der Schw eiz gelebt hat und schon aus diesem G rund ein nicht geringes Interesse an ungehinderten Einreisen in die Schw eiz haben dürfte. Eine w ertende G ew ichtung der sich gegenüberstehenden Interes- sen führt das Bundesverw altungsgericht jedoch zum Ergebnis, dass die-6 sen legitim en Interessen durch Bem essung der Einreisesperre auf zw ei Jahre hinreichend R echnung getragen w urde. D ie angefochtene Einreise- sperre erw eist sich deshalb als verhältnism ässige und angem essene M assnahm e zum Schutz der öffentlichen O rdnung und Sicherheit. 10. Aus den obenstehenden Erw ägungen folgt, dass die angefochtene Verfü- gung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw er- de ist deshalb abzuw eisen. 11. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w ird der unterliegende Be- schw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrens- kosten - bestehend aus einer G erichtsgebühr und den Auslagen - sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, 2 und 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D e- zem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver- w altungsgericht, SR 173.320.2). 12. D ieses U rteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht, SR 173.110). D ispositiv S. 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Kosten des Verfahrens von Fr. 600.-- (G erichtsgebühr und Auslagen) w erden dem Beschw erdeführer auferlegt. Sie sind durch den am 17. M ai 2005 geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (Einschreiben) - der Vorinstanz m it den Akten - dem M igrationsam t des Kantons Zürich m it den Akten Bern, 19. Februar 2007 D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: A. Trom m er J. Longauer Versand am :