B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2042/2024 U r t e i l v o m 2 5 . A p r i l 2 0 2 4 Besetzung Richterin Susanne Bolz-Reimann (Vorsitz), Richter William Waeber, Richterin Daniela Brüschweiler, Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Christopher Bühler, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug; beschleunigtes Verfahren); Verfügung des SEM vom 22. März 2024. D-2042/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger paschtuni- scher Ethnie, suchte am 13. Januar 2024 in Schweiz um Asyl nach. Eige- nen Angaben zufolge verliess er seinen Heimatstaat im August 2021 zu- sammen mit seinem jüngeren Bruder B._______ (N […]) und gelangte über den Iran in die Türkei. Nachdem er dort e ine Weile gearbeitet habe, um Geld für die Weiterreise zu verdienen , seien sie nach Serbien gegangen. Den Bruder habe er weiter in die Schweiz geschickt, während das Geld für ihn selbst nicht mehr gereicht habe. Später habe er sich Geld ausgeliehen, um seine eigene Reise in die Schweiz zu finanzieren. B. B.a Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 13. März 2024 zu seinen Asylgründen an. Dabei machte er geltend, er habe zusammen mit seinen Eltern, drei Brüde rn und zwei Schwestern im Stadtteil C._______ in D._______ gelebt. Er habe zwölf Jahre die Schule besucht und diese im Jahr 2018 abgeschlossen. Danach habe er bei einer grösseren Firma als Fahrer von (…) gearbeitet. Er habe insbesondere (…) beliefert. Aus diesem Grund sei er von den Taliban bedroht und als Feind betrachtet worden, da er die (…) der Regierung unterstützt habe. Am (…) Juli 2021 sei er in der Provinz E._______ von Taliban angehalten worden. Sie hätten sein Fahr- zeug angezündet und ihn festgenom men. Mit verbundenen Augen sei er zu einem Gefängnis gebracht und inhaftiert worden, wobei er befragt und geschlagen worden sei. Es habe dort weitere Gefangene, darunter auch Regierungssoldaten, gegeben. Nach einer Woche habe die Polizei eine Befreiungsaktion durchgeführt , woraufhin er freigekommen und nach D._______ zurückgekehrt sei. Sein Vater habe für eine Firma gearbeitet, welche (…) habe. Ausserdem sei einer seiner Brüder für die Amerikaner tätig gewesen. Als die Taliban etwa einen Monat nach seiner Freilassung die Regierung gestürzt hätten, sei die ganze Familie zum Flughafen ge- gangen, um von dort evakuiert zu werden. Es sei jedoch zu einem Selbst- mordanschlag gekommen und sie seien getrennt worden. Er sei daher mit seinem jüngeren Bruder nach Hause zurückgekehrt und später mit ihm zu- sammen auf dem Landweg in den Iran gereist. Einer seiner Brüder lebe zwischenzeitlich in den USA und die übrigen Familienmitglieder hielten sich in Pakistan auf. D-2042/2024 Seite 3 B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer einen Arbeitsvertrag, eine Karte seines Arbeitgebers sowie mehrere Dokumente betreffend sei- nen Bruder F._______ (alle in Kopie) zu den Akten. C. Das SEM übermittelte der zugewiesenen Rechtsvertretung einen Entwurf des Asylentscheids. Die Rechtsvertretung nahm mit Eingabe vom 21. März 2024 dazu Stellung. D. Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 22. März 2024 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug der Wegweisung erachtete es als unzumutbar, weshalb eine vorläufige Aufnahme verfügt wurde. E. Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 4. April 2024 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen Entscheid. Darin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei in den Dis- positivziffern 1-5 aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, seine Flücht- lingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren . Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Begründung und richtigen Sachverhalts- feststellung ans SEM zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, eine öffentliche Verhandlung samt Befragung durchzufüh- ren. Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. F. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 5. April 2024 den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich D-2042/2024 Seite 4 zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 In der Beschwerde wird gerügt, dass die Vorinstanz das rechtliche Ge- hör des Beschwerdeführers in mehrfacher Hinsicht verletzt habe. In der angefochtenen Verfügung werde Art. 3 AsylG bezüglich der Vorverfolgung überhaupt nicht geprüft, was eine Verletzung der Begründungspflicht dar- stelle. Zudem stütze sich das SEM auf einen unvollständig oder falsch ab- geklärten Sachverhalt. Insbesondere hätte es bei der Einschätzung de s Risikoprofils jede Abweichung von den Erkenntnissen, die im SEM -Doku- ment «Focus Afghanistan 2022» zusammengetragen seien, explizit und nachvollziehbar begründen müssen. Diese formelle Rüge ist vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet sein könnte, eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu bewirken. 4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3). Mit dem Ge- hörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich D-2042/2024 Seite 5 zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die be- troffene Person den E ntscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dabei darf sich die Behörde auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und ist nicht gehalten, sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung auseinanderzusetzen (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver- haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach- verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt wer den (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Ver- waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 4.3 Aus der angefochtenen Verfügung geht hervor, dass das SEM die Vor- bringen des Beschwerdeführers hinsichtlich der von ihm geltend gemach- ten Vorverfolgung als nicht glaubhaft erachtete. Entsprechend war es nicht erforderlich, diese auf ihre Asylrelevanz gemäss Art. 3 AsylG zu prüfen. Die Frage, ob die Glaubhaftigkeit der Asylgründe von der Vorinstanz zu Recht verneint wurde, wird im Rahmen der materiellen Beurteilung zu prüfen sein. Sodann stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, das SEM habe die risikoschärfenden Elemente, die es in seinem eigenen Dokument «Focus Afghanistan 2022» aufführe, nicht ausreichend berücksichtigt . In seinem Fall lägen solche Elemente vor und die Vorinstanz wäre gehalten gewesen, allfällige Abweichungen zu den Erkenntnissen in jenem Doku- ment zu begründen. Er verkennt dabei erneut, dass das SEM seine Vor- fluchtgründe als unglaubhaft einstufte und die von ihm vorgebrachten Risi- kofaktoren (vgl. dazu Beschwerdeschrift S. 9) entsprechend nicht einbezog bei der Beurteilung der Frage, ob ihm in Afghanistan eine Verfolgung droht. Das Risikoprofil einer Person ergibt sich jeweils unter Berücksichtigung der von ihr glaubhaft gemachten Sachverhaltselemente. Insgesamt geht aus der Verfügung des SEM mit hinreichender Klarheit hervor, aus welchen Gründen das Asylgesuch abgelehnt wurde, und es war dem Beschwerde- führer auch möglich, diese sachgerecht anzufechten. Es liegt wede r eine Verletzung der Begründungspflicht noch eine unvollständige oder unrich- tige Feststellung des Sachverhalts vor und es besteht keine Veranlassung, die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. D-2042/2024 Seite 6 5. 5.1 Der Beschwerdeführer beantragt, es sei e ine öffentliche Verhandlung durchzuführen, bei welcher er persönlich zu befragen sei. Dies ergebe sich aus Art. 6 EMRK und dem Unmittelbarkeitsgrundsatz gemäss Art. 40 Abs. 2 VGG, welche ein Recht auf eine öffentliche Verhandlung vorsehen, wenn eine strafrechtliche Anklage oder eine zivilrechtliche Streitigkeit vor- liege. Der Begriff «civil rights» gehe dabei weiter als der im schweizeri- schen Recht verwendete Zivilrechtsbegriff; es gehörten auch Verwaltungs- akte dazu. Vorliegend sei eine persönliche Anhörung nicht nur aufgrund von Art. 6 EMRK zwingend geboten, sondern auch deshalb, weil das Bun- desverwaltungsgericht unter anderem über die vom SEM behauptete feh- lende Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers entscheiden müsse. Dies sei allein gestützt auf die Aktenl age nicht möglich, da das Gericht neben dem gesprochenen Wort auch nonverbale Elemente zu berücksichtigen habe. 5.2 Im Beschwerdeverfahren in Asylsachen besteht kein Anspruch auf eine öffentliche Parteiverhandlung, da weder das AsylG noch das VwVG einen solchen vorsehen. Es handelt sich auch nicht um eine zivil- oder strafrecht- liche Angelegenheit, weshalb das vorliegende Verfahren nicht in den sach- lichen Anwendungsbereich von Art. 6 EMRK fällt (vgl. dazu Urteil des BVGer D-3964/2021 vom 18. Oktober 2021 E. 6.2; siehe auch MEYER-LA- DEWIG / NETTESHEIM / VON RAUMER [Hrsg.], EMRK, Europäische Men- schenrechtskonvention, Handkommentar EMRK, 4. Aufl. 2017, Rz 22 zu Art. 6). Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung lässt sich die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen respektive die persönliche Glaub- würdigkeit des Beschwerdeführers auch aufgrund der Akten und der pro- tokollierten Aussagen beurteilen. Eine erneute Anhörung durch das Gericht erweist sich daher als nicht erforderlich. Der Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung samt Befragung ist abzuweisen. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). D-2042/2024 Seite 7 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6.3 Erstrecken sich Ver folgungsmassnahmen neben der primär betroffe- nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver- folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re- flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung vgl. BVGE 2010/57 E. 4.1.3). 7. 7.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, die Schilderun- gen des Beschwerdeführers zu zentralen Elementen seiner Asylgründe seien insgesamt wenig substanziiert und enthielten keine Realkennzei- chen. Er habe weder seine Zeit im Gefängnis der Taliban noch die Befrei- ungsaktion ausführlich beschreiben können und vielmehr allgemeine Aus- sagen gemacht, die auch eine Person machen könnte, welche diese Er- eignisse nicht selbst erlebt habe. Zudem würden seine Aussagen in Bezug auf seine Arbeit teilweise den In formationen widersprechen, die sich dem als Beweismittel eingereichten Arbeitsvertrag entnehmen liessen. Er habe etwa ausgeführt, dass er keine bestimmten Arbeitszeiten oder Arbeitstage habe, während er gemäss Vertrag in der Regel zwischen Samstag und Donnerstag von 8 bis 17 Uhr hätte arbeiten müssen. Ferner habe er die Frage, wie viele Wochen Ferien er im Jahr gehabt habe, nicht klar beant- worten können, obwohl der Vertrag festhalte, dass er vier Wochen frei ge- habt hätte. Sodann sei nicht nachvollziehbar, w ie der Beschwerdeführer wenige Tage vor der Anhörung den Arbeitsvertrag habe erhältlich machen können, obwohl es die betreffende Firma nach der Machtübernahme der Taliban nicht mehr gegeben habe. Warum der von ihm kontaktierte Firmen- vertreter trotzdem heut e noch Zugriff auf einen Computer habe, auf wel- chem diese Dokumente zu finden seien , habe er nicht schlüssig erklären können. Weiter habe er angegeben, er besitze keine Schulzeugnisse, da diese in Afghanistan erst zwei, drei Jahre nach Schulabschluss aushändigt würden und es hierfür Kontakte brauche. Es erschliesse sich jedoch nicht, D-2042/2024 Seite 8 weshalb in Afghanistan nach Schulabschluss keine Zeugnisse ausgestellt werden sollten, da diese zentral für die weitere berufliche Karriere respek- tive den Bildungsweg seien. Der Beschwerdeführer mache schliesslich gel- tend, er befürchte auch aufgrund der beruflichen Tätigkeiten seines Vaters und Bruders eine Verfolgung. Diese seien jedoch nicht in einer ausserge- wöhnlich exponierten Stellung tätig gewesen und hätten auch keine oppo- sitionelle Position eingenommen, welche eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung nach sich ziehen könnte. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Taliban ein grosses Interesse an Fahrern von ehemaligen ameri- kanischen Unternehmen hätten. Eine objektiv begründete Furcht vor Re- flexverfolgungsmassnahmen sei zu verneinen. 7.2 In der Beschwerde wurde vorgebracht, dass der Beschwerdeführer seine Asylgründe ausreichend detailliert, plausibel und widerspruchsfrei dargelegt habe. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb das SEM die Auffas- sung vertrete, er habe seine Haftzeit nicht genau beschreiben können, da die betreffenden Aussagen teilweise mehrere Zeilen umfassten. Während der Befreiungsaktion habe er sich in einer Zelle befunden und die Gefechte ausserhalb des Gefängnisses lediglich über das Gehör wahrgenommen , weshalb seine Kenntnisse darüber begrenzt seien. Weiter habe er auf Nachfrage erklärt, weshalb seine Aussagen teilweise nicht im Einklang mit dem eingereichten Arbeitsvertrag stünden. Es sei durchaus möglich, dass die vertraglich festgelegten Arbeitszeiten nur gegolten hätten, wenn sich die Person auf dem Firmengelände befunden habe. Auch in der Schweiz stimmten die schriftlich vereinbarten Arbeitszeiten oftmals nicht mit der ge- lebten Realität überein. Der Umstand, dass seine Aussagen nicht im Detail mit dem Arbeitsvertrag übereinstimmten, spreche überdies für seine Glaubwürdigkeit. Wäre der Vertrag eine Fälschung, so hätte der Beschwer- deführer mit Sicherheit dessen Inhalt auswendig gelernt. Hinsichtlic h der Urlaubstage habe er angegeben, dass er diese bei Bedarf genommen und sich darüber keine Gedanken gemacht habe, da ihm dies nicht wichtig ge- wesen sei. Daraus lasse sich jedenfalls nicht auf eine mangelnde Glaub- würdigkeit schliessen. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sei es auch plausibel, dass Unterlagen wie eine Kopie des Arbeitsvertrags noch erhält- lich gemacht werden könnten, obwohl die Firma nicht mehr aktiv sei. Übli- cherweise würden Firmenunterlagen nach der Schliessung eines Unter- nehmens noch für eine gewisse Zeit aufbewahrt, oft aus rechtlichen oder administrativen Gründen. Hinsichtlich der fehlenden Schulzeugnisse über- sehe das SEM, dass in Afghanistan andere kulturelle und gesellschaftliche Normen gelten würden. Zeugnisse würden anders bewertet als in westli- chen Ländern und Aspekte wie praktische Fähigkeiten, familiäre D-2042/2024 Seite 9 Verpflichtungen oder die unmittelbare Existenzsicherung seien meist be- deutender als formale Bildungsnachweise. Überdies hingen die betreffen- den Aussagen nicht mit den geltend g emachten Asylgründen zusammen und sollten somit keine Auswirkungen auf deren Glaubhaftigkeit haben . Insgesamt habe er seine Vorbringen konsistent, überzeugend und wider- spruchsfrei dargelegt, wobei die Abwesenheit von Widersprüchen ein wich- tiges Indiz dafür sei, dass er die Wahrheit erzähle. Er sei von den Taliban ernsthaft bedroht und inhaftiert worden, weil er als Fahrer gearbeitet und (…) habe, was die (…) der Regierung ermöglicht habe. Die Taliban be- trachteten alle Personen, die in irgendeiner Weise die ehemalige Regie- rung unterstützt hätten, als Feinde. Die Gefahr einer Verfolgung bestehe auch deswegen, weil sein Bruder und sein Vater für amerikanische Firmen gearbeitet hätten. Der Bruder habe Afghanistan damals im Rahmen einer Evakuierung mit den Amerik anern verlassen, der Vater sei mit dem Rest der Familie nach Pakistan geflüchtet. Dies zeige die Ernsthaftigkeit der Si- tuation. Ausserdem hätten die Amerikaner nur stark bedrohte Personen ausgeflogen, woran sich die hervorgehobene Stellung des Bruders erken- nen lasse. Der Beschwerdeführer weise somit sowohl aufgrund seiner ei- genen Tätigkeit als auch aufgrund seines Vaters und Bruders ein erhebli- ches Risikoprofil auf. Es bestehe die Gefahr, dass er bei einer Rückkehr nach Afghanistan Übergriffen seitens der Taliban ausgesetzt wäre, weshalb ihm Schutz zu gewähren sei. Das SEM habe die vorhandenen risikoerhö- henden Elemente nicht angemessen berücksichtigt. 8. 8.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduzi ertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen ei- nes Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft ge- macht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend fü r wahr hält. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb- nisse betreffende, substanziierte, weitgehend widerspruchsfreie und kon- krete Schilderung der Vorkommnisse, welche bei objektiver Betr achtung plausibel erscheint. Von unglaubhaften Ausführungen ist dagegen bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen auszugehen. Entscheidend ist, ob bei einer Gesamtbeurteilung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sa chverhaltsdarstellung der Be- schwerdeführenden sprechen, überwiegen oder nicht. Demgegenüber reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt eines Vor- bringens zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Umstände D-2042/2024 Seite 10 wesentliche Elemente gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2013/11 E. 5.1). 8.2 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keinerlei Identitäts- dokumente eingereicht hat. Zwar habe er eine Tazkira besessen, diese aber auf dem Weg nach Bulgarien verloren (vgl. SEM -Akte […]-15/17 [nachfolgend Akte 15], F76 f.). Einen Reisepass oder andere Dokumente, welche seine Identität sowie seine Herkunft aus Afghanistan belegen könn- ten, konnte er ebenfalls nicht vorlegen (vgl. Akte 15, F79). Sodann er- scheint nicht nachvollziehbar, weshalb er – obwohl er zwölf Jahre die Schule besucht habe (vgl. Akte 15, F26) – über keinerlei Schulzeugnisse verfügt haben will. Selbst wenn es zutrifft, dass Zeugnissen in der afghani- schen Kultur nicht dieselbe Bedeutung zukommt wie etwa in Europa, ist nicht ersichtlich, weshalb dem Beschwerdeführer weder während der Schulzeit noch beim Schulabschluss solche ausgestellt worden sein sollen. Seine Erklärungen, diese würden erst zwei, drei Jahre nach dem Abschluss ausgestellt und nur auf Nachfrage respektive wenn man entsprechende Kontakte habe (vgl. Akte 15, F80 ff.), erweisen sich als wenig überzeugend. Es erschliesst sich nicht, weshalb mehrere Jahre nach dem Schulab- schluss überhaupt noch Zeugnisse ausgestellt werden sollten, zumal die Betroffenen zu diesem Zeitpunkt längst einer anderen Tätigkeit – sei es ein Beruf, eine Ausbildung oder Tätigkeiten innerhalb der Familie – nachgehen dürften. Die Antworten des Beschwerdeführers in diesem Zusammenhang wirken vielmehr ausweichend und lassen gewisse Zweifel an seinen Vor- bringen aufkommen. 8.3 Des Weiteren erweisen sich die Aussagen des Beschwerdeführers zum Vorfall vom (…) Juli 2021 – wie das SEM zu Recht ausgeführt hat – als unsubstanziiert und es fehlt ihnen an jeglichen Realkennzeichen. Er schildert lediglich in oberflächlicher Weise einen Handlungsablauf, wobei seine diesbezüglichen Angaben weder persönliche Gedankengänge, Emo- tionen oder besondere Einzelheiten noch detaillierte Beschreibungen von Interaktionen enthalten (vgl. Akte 15, F103 ff.). Seine Darstellung des Ge- fängnisses erschöpft sich im Wesentlichen darin, dass er in einem dunklen Raum mit vielen anderen Gefa ngenen untergebracht gewesen sei (vgl. Akte 15, F105). Auch die Festnahme selbst, welche als einschneidendes Erlebnis angesehen werden müsste, wird vom Beschwerdeführer in weni- gen Sätzen dargelegt. Ohne spezifische Details zum Ablauf und emotions- los schildert er, wie sein (…) mit einem Streichholz angezündet und er da- raufhin mit dem Motorrad in ein Gefängnis gebracht worden sei (vgl. Akte 15, F114 f.). Diese substanzarmen Ausführungen lassen darauf D-2042/2024 Seite 11 schliessen, dass er nicht von eigenen Erlebnissen berichtet. Auch die Dar- legung der Befreiungsaktion beschränkt sich auf sehr knappe Angaben, die jegliche persönliche Betroffenheit vermissen lassen. Er führte lediglich aus, Soldaten hätten mit den Taliban gekämpft und letztere seien geflohen, wo- raufhin die Gefangenen befreit worden seien (vgl. Akte 15, F119). Selbst wenn er sich in der Zelle befunden und die Gefechte ausserhalb nicht direkt wahrgenommen hätte, wäre zu erwarten gewesen, dass er ausführlichere Angaben zu diesem Ereignis machen kann. 8.4 Im Rahmen einer G esamtwürdigung ist in Übereinstimmung mit dem SEM festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, glaubhaft zu machen, dass er von den Taliban festgenommen und für rund eine Wo- che inhaftiert worden war. Die Abwesenheit von Widersprüchen allein reicht nicht aus, um von der Glaubhaftigkeit eines Vorbringens auszuge- hen. Sodann ist anzumerken, dass es zwar nicht grundsätzlich gegen die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers spricht, wenn seine Angaben zu den Arbeitszeiten und Urlaubstagen nicht genau denjenigen entsprechen, welche im Arbeitsvertrag festgehalten sind. Tatsächlich dürfte es vorkom- men, dass die gelebte Realität im Arbeitsumfeld nicht immer mit den schrift- lichen Vereinbarungen übereinstimmt. Es stellt sich indessen die Frage, weshalb in dem relativ ausführlichen und in englischer Sprache verfassten Arbeitsvertrag überhaupt Arbeitszeiten von 8 bis 5 Uhr abends festgehalten werden, wenn diese gemäss Angaben des Beschwerdeführers nur gelten sollen, solange er sich auf dem Gelände der Firma befunden habe (vgl. Akte 15, F132). Da er als Fahrer angestellt war, dürfte er sich während eines erheblichen Teils seiner Arbeitszeit nicht auf dem Firmengelände auf- gehalten haben. Gewisse Angaben im Arbeitsvertrag sind zudem nicht ko- härent. Der Vertrag wurde offenbar per 1. März 2019 ausgestellt, hält auf der ersten Seite indessen fest, die Anstellung beginne am 1. März 2015. In Ziffer 12 des Vertrags steht, dieser gelte für die Periode eines Jahres, wäh- rend auf der letzten Seite von einer Vertragsdauer von drei Jahren und einem Monat gesprochen wird. Ausserdem trägt der Vertrag keine Unter- schrift seitens des Beschwerdeführers. Auch wenn sich einzelne Fehler in schriftlichen Verträgen nie ausschliessen lassen, bestehen vorliegend ver- schiedene Ungereimtheiten, welche insgesamt die Zweifel an der Glaub- haftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers verstärken. 8.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelang, das zentrale Ereignis seiner Asylgründe – die angebliche Festnahme durch die Taliban, bei welcher er auch befragt und misshandelt worden sein soll – glaubhaft zu machen . Es bestehen angesichts der D-2042/2024 Seite 12 Ungereimtheiten hinsichtlich seines Arbeitsvertrags auch Zweifel an der von ihm ausgeübten Tätigkeit als Fahrer von (…). Selbst wenn aber davon ausgegangen wird, dass er dieser Arbeit nachgegangen ist, ist nicht anzu- nehmen, dass er ein massgebliches Profil aufweist, welches ihn einer ob- jektiv begründeten Furcht vor einer Verfolgung seitens der Taliban ausset- zen könnte. Als Zulieferer von (…) unterstützte er die Regierung denn auch nicht direkt, zumal die (…) grundsätzlich der gesamten Bevölkerung – und somit auch den Taliban respektive deren Unterstützern – dienen kann. Aus- gehend von seinen eigenen Angaben war er mehr als zwei Jahre lang als Fahrer tätig, ohne dass es zu konkreten Drohungen gegen seine Person gekommen sei. Vielmehr scheint seine Firma durch di e Taliban bedroht worden zu sein, wobei die Firmenführung dies an ihre Angestellten weiter- geleitet habe (vgl. Akte 15, F111). In derselben Situation befand sich offen- bar auch sein Vater, dessen Firma ebenfalls bedroht worden sei (vgl. Akte 15, F146). Diese geltend gemachten Drohungen richteten sich jedoch nicht direkt gegen die Person des Beschwerdeführers respektive des Vaters, sondern gegen ihre Arbeitgeber. Nachdem sich die vorgebrachte Fest- nahme durch die Taliban als nicht glaubhaft erwies, gibt es keine Anhalts- punkte dafür, dass der Beschwerdeführer selbst – sei es aufgrund seiner eigenen Tätigkeiten oder jener seiner Familienangehörigen – ins Visier der Taliban geraten war. 8.6 An dieser Einschätzung ändert auch der Umstand nichts, dass der Bru- der F._______ offenbar für die Amerikaner respektive die Firma (…) tätig war, zwei Tage vor dem Sturz der Regierung evakuiert worden sei und zwi- schenzeitlich in den USA leb e. Dessen Aufgabe bestand nach Angaben des Beschwerdeführers darin, (…) (vgl. Akte 15, F140). Allein daraus lässt sich indessen noch kein besonderes Profil ableiten, welches ihn in den Fo- kus der Taliban gerückt und einer spezifischen Gefährdung ausgesetzt hätte. Der Beschwerdeführer beschrieb denn auch nur äusserst vage, in- wiefern der Bruder respektive die Familie durch die Taliban bedroht gewe- sen sei. Er beschränkt sich dabei auf die Angabe, die ganze Familie sei bedroht worden und deshalb geflohen, da verschiedene Familie nangehö- rige bei Firmen tätig gewesen seien, welche gegen die Taliban agiert hätten (vgl. Akte 15, F147 f.). Konkrete Drohungen, die sich gegen die Familien- mitglieder selbst – und nicht allein gegen die jeweiligen Unternehmen – gerichtet hätten, wurden von ihm jedoch weder näher beschrieben noch überhaupt geltend gemacht . Es ist daher nicht davon auszugehen, dass der Beschwerde-führer oder seine Angehörigen persönlich im Visier der Taliban gestanden hätten und entsprechend einem erhöhten Risiko ausge- setzt wären, bei einer Rückkehr von diesen verfolgt zu werden. D-2042/2024 Seite 13 8.7 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass im Fall des Beschwerdefüh- rers nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen wer- den kann, dass er aufgrund seiner geltend gemachten beruflichen Aktivitä- ten als Fahrer oder wegen der Tätigkeiten seines Vaters respektive Bru- ders die Aufmerksamkeit der Taliban auf sich gezogen hätte und bereits deswegen eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung vorliegen würde. Es gelang ihm auch nicht, glaubhaft zu machen, dass er erhebliche Nach- teile seitens der Taliban erlitt und dabei direkt und persönlich mit diesen in Kontakt gekommen wäre. Bei dieser Sachlage gibt es keine genügenden Anhaltspunkte dafür, dass eine objektiv begründete Furcht vor einer zu- künftigen Verfolgung durch die Taliban vorliegt. Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 9. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet. 10. Nachdem das SEM den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen hat, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen von anderen Vollzugshindernissen – Unzulässigkeit oder Unmöglichkeit – nicht. Die Wegweisungsvollzugshin- dernisse sind alternativer Natur; ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der Weg- weisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz be- steht keine Veranlassung. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und D-2042/2024 Seite 14 Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). In der Beschwerde wurde jedoch beantragt, es sei ihm die un- entgeltliche Prozessführung zu gewähren. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Das Asylgesuch des Beschwerdeführers wurde im beschleunigten Verfahren behandelt. Er hielt sich währenddessen in einem Bundesasylzentrum auf und war nicht berechtigt, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (Art. 43 Abs. 1 AsylG). Aufgrund der Akten ist von seiner pro- zessualen Bedürftigkeit auszugehen. Die in der Beschwerde gestellten Be- gehren sind nicht als zum Vornherein aussichtslos zu erachten, weshalb die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung erfüllt sind. Der betreffende Antrag ist folglich gutzuh eissen und es sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Sodann wird das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses mit dem vorliegenden Entscheid in der Sache gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) D-2042/2024 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Susanne Bolz-Reimann Regula Aeschimann Versand: