A bteilung IV D -6376/2006 teb/scm {T 0/2} U rteil vom 26. Septem ber 2007 M itw irkung: R ichter Bendicht Tellenbach, R ichterin Therese Kojic, R ichter G érard Scherrer G erichtsschreiber M artin Scheyli In der Beschw erdesache Y._______ C ._______, Türkei, vertreten durch D ieter G ysin, R echtsanw alt, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 11. Juli 2003 i.S. A syl und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D er Beschw erdeführer ist türkischer Staatsbürger kurdischer Ethnie und lebte zuletzt in X._______ in der Provinz Y._______. Am 6. Septem ber 1999 hatte er in der Schw eiz ein erstes Asylgesuch gestellt, das er indessen am 21. M ärz 2000 zurückzog, um anschliessend w ieder in die Türkei zurückzukehren. Am 9. April 2003 verliess er die Türkei erneut, reiste am 22. April 2003 illegal in die Schw eiz ein und stellte gleichentags bei der Em pfangsstelle Basel w iederum ein Asylgesuch. Am 24. April 2003 w urde der Beschw erdeführer bei der Em pfangsstelle Basel sum m arisch zu seinen Asylgründen befragt. Am 29. April 2003 führte das dam alige Bundesam t für Flüchtlinge (BFF; nunm ehr Bundesam t für M igration [BFM ]) eine direkte Anhörung im Sinne von Art. 29 Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) durch. Anschliessend w urde der Beschw erdeführer dem Kanton Aargau zugew iesen. B. Im R ahm en der durchgeführten Anhörungen m achte der Beschw erdeführer im W e- sentlichen geltend, er habe sich nach seiner R ückkehr in die Türkei im Jahr 2000 – w ie bereits zuvor – in X._______ zugunsten der kurdischen Partei H AD EP (H alkin D em okrasi Partisi, D em okratiepartei des Volkes) w ie auch deren N achfolgeorganisation D EH AP (D em okrat H alk Partisi, D em okratische Volkspartei) engagiert. Als Parteim itglied habe er in seiner H eim atregion eine w ichtige R olle eingenom m en; so sei er als Kandidat für das Am t des G em eindepräsidenten von X._______ vorgesehen gew esen, w as indessen durch den Bezirksrat nicht genehm igt w orden sei. Seine H auptaufgabe sei es zudem gew esen, in der Bevölkerung zugunsten der Partei zu w erben, w obei er auch R eden über die U nterdrückung der Kurden durch den türkischen Staat und die politischen Anliegen seiner Partei gehalten sow ie Sem inare veranstaltet habe. Im Januar oder Februar 2001 sei der Beschw erdeführer durch den Kom m andanten der G endarm erie von X._______ unter dem Vorw urf festgenom m en w orden, durch separatistische Bestrebungen gegen den türkischen Staat zu arbeiten. D urch den zuständigen U ntersuchungsrichter von Z._______ sei dann zw ar aus M angel an Bew eisen seine Freilassung angeordnet w orden. D ieser W eisung sei der G endarm eriekom m andant von X._______ indessen nicht gefolgt, sondern er habe sich an die Spezialeinheit für Terrorism usbekäm pfung in Y._______ gew andt. D urch jene Truppe sei der Beschw erdeführer zunächst zusam m engeschlagen und anschliessend an das "G ericht für schw ere Straftaten" in Y._______ überstellt w orden. D urch dieses G ericht sei er in der Folge ohne jede reale G rundlage angeklagt w orden, politische Flüchtlinge und Straftäter ins Ausland geschleust zu haben. Aufgrund dieser Anschuldigung sei er zunächst w ährend 67 Tagen im G efängnis von Z._______ und anschliessend w ährend dreier M onate in Y._______ inhaftiert gew esen. N achdem das G erichtsverfahren begonnen habe, sei er unter Auflagen freigelassen, indessen am 15. Januar 2002 durch das G ericht von Y._______ gleichw ohl zu einer G efängnisstrafe von zw eieinhalb Jahren und einer Busse von rund siebzehn M illiarden Lira verurteilt w orden. G egen dieses U rteil habe er in der Folge durch seinen Anw alt appelliert, indessen sei es durch das Kassationsgericht in Ankara bestätigt w orden. Im April 2003 schliesslich sei ihm m itgeteilt w orden, seine Inhaftierung zum Zw eck der Verbüssung der H aftstrafe stehe unm ittelbar bevor, w eshalb er sich zunächst nach Istanbul abgesetzt habe, um eine W oche später ausser Landes zu flüchten. Im R ahm en des 3 vorinstanzlichen Verfahrens überm ittelte der Beschw erdeführer dem Bundesam t als Bew eism ittel eine Kopie des erw ähnten Strafurteils vom 15. Januar 2002 sow ie einen Zeitungsausschnitt. Auf den Inhalt dieser Bew eism ittel w ird, sow eit für den Entscheid w esentlich, in den Erw ägungen eingegangen. C . M it Verfügung vom 11. Juli 2003 lehnte das BFF das Asylgesuch des Beschw erde- führers ab. Zur Begründung führte das Bundesam t im W esentlichen aus, die Verurtei- lung durch das Strafgericht von Y._______ w erde nicht bestritten. Indessen sei der Beschw erdeführer aufgrund eines gem einrechtlichen D elikts, näm lich seiner Tätigkeit als Schlepper, verurteilt w orden. W eder den vorliegenden G erichtsakten noch den Aus- sagen des Beschw erdeführers, die zu den aktuellen politischen Problem en der Kurden auffallend undifferenziert und allgem ein ausgefallen seien, könnten H inw eise entnom - m en w erden, das Strafverfahren sei aus politischen M otiven durchgeführt w orden. D a die strafrechtlichen M assnahm en des türkischen Staates som it legitim en Zw ecken ge- dient hätten, sei die Verurteilung des Beschw erdeführers nicht asylrelevant. G leichzeitig m it der Ablehnung des Asylgesuchs ordnete das Bundesam t die W egw eisung des Be- schw erdeführers aus der Schw eiz an und erachtete den Vollzug als zulässig, zum utbar und m öglich. D . M it Eingabe vom 25. Juli 2003 ersuchte der Beschw erdeführer das BFF durch seinen R echtsvertreter um Einsicht in die Verfahrensakten. D as Bundesam t kam diesem Be- gehren m it Schreiben vom 28. Juli 2003 nach. E. M it Eingabe seines R echtsvertreters vom 15. August 2003 beantragte der Beschw er- deführer bei der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) die Aufhebung der Ver- fügung des BFF vom 11. Juli 2003 und die G ew ährung des Asyls. Eventualiter sei die Sache zur N eubeurteilung an das Bundesam t zurückzuw eisen; subeventualiter sei der Beschw erdeführer w egen U nzulässigkeit und U nzum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs vorläufig in der Schw eiz aufzunehm en. In prozessualer H insicht ersuchte der Beschw er- deführer um die G ew ährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen R echtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021). Als Bew eism ittel reichte der Beschw erdeführer unter anderem eine M itgliederkarte der D EH AP, eine vom 15. Januar 2002 datierende gerichtliche Vorladung, Q uittungen für die Ausgabe von G e- fängnism ahlzeiten, einen G efängnis-M enüplan sow ie einen Passierschein für eine R eise von Zypern in die Türkei ein. Auf die Begründung der Beschw erde und den Inhalt der genannten Bew eism ittel w ird, sow eit für den Entscheid w esentlich, in den Erw ägungen eingegangen. F. M it Zw ischenverfügung vom 22. August 2003 hiess der Instruktionsrichter der AR K die G esuche um unentgeltliche Prozessführung und R echtsverbeiständung gut und ord- nete dem Beschw erdeführer dessen bisherigen R echtsvertreter als am tlichen R echtsbei- stand bei. G . M it Vernehm lassung vom 23. Septem ber 2003 hielt das Bundesam t vollum fänglich an seinen Erw ägungen fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. Auf die da- bei vorgebrachten Argum ente w ird, sow eit für den Entscheid w esentlich, in den Erw ä- gungen eingegangen. H . M it Zw ischenverfügung vom 26. Septem ber 2003 erhielt der Beschw erdeführer G ele- genheit, zur Vernehm lassung des BFF Stellung zu beziehen. 4 I. M it R eplik seines R echtsvertreters vom 13. O ktober 2003 äusserte sich der Beschw er- deführer zur Vernehm lassung des Bundesam ts und reichte eine H onorarnote ein. Auf den Inhalt der R eplik w ird, sow eit für den Entscheid w esentlich, in den Erw ägungen eingegangen. J. M it Eingaben seines R echtsvertreters vom 7. M ärz 2005 und vom 27. N ovem ber 2006 ersuchte der Beschw erdeführer um baldigen Abschluss seines Beschw erdeverfahrens. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1. G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 Vw VG . Ü ber Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das BFM erlassen w orden sind, entscheidet das Bundesverw altungsgericht endgültig (Art. 105 AsylG ). 1.2. M it dem 1. Januar 2007 hat das Bundesverw altungsgericht zudem die vorm als bei der AR K hängigen R echtsm ittelverfahren übernom m en, w obei die Beurteilung nach dem neuen Verfahrensrecht erfolgt (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3. M it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht können die Verletzung von Bun- desrecht, einschliesslich M issbrauch und Ü berschreitung des Erm essens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nange- m essenheit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D er Beschw erdeführer ist legitim iert; auf seine frist- und form gerecht eingereichte Be- schw erde ist einzutreten (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und Art. 50 ff. Vw VG ). 3. 3.1. G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling w ird eine Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim atstaat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationalität, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gelten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M assnahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken (Art. 3 AsylG ). 3.2. W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zum in- dest glaubhaft m achen. G laubhaft gem acht ist die Flüchtlingseigenschaft, w enn die Be- hörde ihr Vorhandensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. U n- glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begrün- det oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeb- lich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (Art. 7 AsylG ).5 4. 4.1. D ie Vorinstanz stützte ihre Ablehnung des Asylgesuchs zunächst auf die Einschät- zung, die Aussagen des Beschw erdeführers zu den aktuellen politischen Problem en der Kurden seien undifferenziert ausgefallen, w eshalb nicht glaubhaft sei, dessen Strafver- folgung durch die türkischen Behörden basiere auf politischen M otiven. D em dam it im pli- zit gezogenen Schluss, die geltend gem achten politischen Aktivitäten seien nicht glaub- haft, kann nicht gefolgt w erden. 4.2. G laubhaftm achung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet - im G egensatz zum strikten Bew eis - ein reduziertes Bew eism ass und lässt durchaus R aum für gew isse Ein- w ände und Zw eifel an den Vorbringen des G esuchstellers. Entscheidend ist, ob die G ründe, die für die R ichtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung spre- chen, überw iegen oder nicht (so die ständige Praxis der AR K, die auch für das Bundes- verw altungsgericht einen nach w ie vor gültigen M assstab bildet; vgl. etw a Entscheide und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 1996 N r. 27 E. 3c/aa). D abei ist auf eine objektivierte Sichtw eise abzustellen. Eine w esentliche Vor- aussetzung für die G laubhaftm achung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im W esentlichen w iderspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkom m nisse. D ie w ahrheitsgem ässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, O riginalität, hin- reichende Präzision und innere Ü bereinstim m ung. U nglaubhaft w ird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei w echselnden, w idersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der G laubhaftm achung geht es um eine G esam tbeurteilung aller Elem ente (Ü bereinstim m ung bezüglich des w esentlichen Sachverhaltes, Substantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche G laubw ür- digkeit usw .), die für oder gegen den G esuchsteller sprechen. G laubhaft ist eine Sach- verhaltsdarstellung, w enn die positiven Elem ente überw iegen. Für die G laubhaftm a- chung reicht es dem nach nicht aus, w enn der Inhalt der Vorbringen zw ar m öglich ist, aber in W ürdigung der gesam ten Aspekte w esentliche und überw iegende U m stände ge- gen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (EM AR K 1996 N r. 28 E. 3a). 4.3. U nter Berücksichtigung der soeben um rissenen Praxis ist zunächst festzustellen, dass die Schilderungen des Beschw erdeführers anlässlich der durchgeführten Befragun- gen bezüglich seiner politischen Tätigkeit zugunsten der H AD EP bzw . D EH AP sow ie der erlebten Festnahm en und Inhaftierungen durch die türkischen Behörden einen erhebli- chen D etaillierungsgrad aufw eisen und dabei kohärent und insgesam t plausibel erschei- nen. D ie Aussagen sind durchaus lebensnah ausgefallen und verm ögen keine grundle- genden Zw eifel daran zu w ecken, der Beschw erdeführer habe das G eschilderte auch tatsächlich erlebt. Auch die Angaben des Beschw erdeführers in Bezug auf die politische Situation der Kurden in der Türkei lassen – anders als durch die Vorinstanz angenom - m en – den Schluss nicht zu, dieser habe zu geringe Kenntnisse in Bezug auf die (da- m als) herrschenden Verhältnisse. Zudem erscheint die Ausführlichkeit der Aussagen im Kontext der durchgeführten Befragungen als durchaus angem essen. D er durch das BFF in diesem Zusam m enhang explizit geäusserte Vorw urf, der Beschw erdeführer hätte an- lässlich der durchgeführten Befragungen von sich aus auf das Verbot der H AD EP oder die Problem e der Kurden im Irak eingehen m üssen, geht offensichtlich fehl. Zum einen w ies der Beschw erdeführer durchaus darauf hin, dass die H AD EP durch die D EH AP ab-6 gelöst w orden sei, und zum anderen ist nicht nachvollziehbar, w eshalb dieser im Zu- sam m enhang m it der Schilderung seiner Problem e in seiner engeren H eim atregion auf die Lage im Irak hätte eingehen sollen. 5. 5.1. N ach dem bisher G esagten sind som it die Vorbringen des Beschw erdeführers in Bezug auf seine politische Tätigkeit zugunsten der führenden kurdischen Partei der Tür- kei w ie auch seine Behandlung durch die türkischen Sicherheitskräfte als glaubhaft zu erachten. Ferner w ird die Verurteilung des Beschw erdeführers vom 15. Januar 2002 durch das G ericht von Y._______ auch durch die Vorinstanz nicht bestritten. In einem w eiteren Schritt ist danach zu fragen, ob von einer politischen M otivation dieser Verurteilung und som it einer entsprechenden asylrechtlichen R elevanz ausgegangen w erden kann. 5.2. In diesem Zusam m enhang ist zunächst festzuhalten, dass sich die M enschen- rechtslage in der Türkei in den letzten Jahren – insbesondere aufgrund der R echtsrefor- m en im H inblick auf eine m ögliche Aufnahm e der Türkei in die Europäische U nion – zw ar verbessert hat, indessen auch heute noch nicht von einem w illkürfreien Justiz- system gesprochen w erden kann (vgl. etw a European C om m ission against R acism and Intolerance, Third R eport on Turkey, Ziff. 107; R EG U LA KIEN H O LZ/SC H W EIZER ISC H E FLÜ C H TLIN G SH ILFE, Türkei. Zur aktuellen Situation - M ai 2005, Bern 2005, S. 5 ff.; D IES., Tür- kei. Zur aktuellen Situation - M ai 2006, Bern 2006, S. 4; U .S. D epartm ent of State, C ountry R eports on H um an R ights Practices 2006: Turkey, M arch 2007, Section 1 [a, c- e]). So seien Folter und andere M issbräuche durch die Sicherheitskräfte w ie w illkürli- che Festnahm en und Inhaftierungen noch im m er verbreitet. In Fällen m it politisch sen- siblem H intergrund w ürden durch die G erichtsbarkeit nach w ie vor die Interessen des Staates über die Individualrechte gestellt. Auch w ürden durch die R egierung w eiterhin politisch unliebsam e Personen für öffentliche M einungsäusserungen verfolgt und inhaf- tiert. D iese für die aktuelle Situation geltenden Beobachtungen treffen in noch w eiter ge- hendem Ausm ass für den im vorliegenden Fall relevanten Zeitraum der Jahre 2001 bis 2003 zu. Ferner ist auch notorisch, dass durch die türkischen Behörden jedenfalls bis in die jüngere Vergangenheit auch das M ittel angew andt w urde, gegen Angehörige von als staatsfeindlich oder politisch m issliebig betrachteten G ruppierungen durch fingierte Vor- w ürfe gem einrechtlicher Straftaten vorzugehen. 5.3. N achdem w ie ausgeführt die anlässlich der durchgeführten Befragungen gem achten Aussagen des Beschw erdeführers insgesam t als glaubhaft einzustufen sind, erscheint es durchaus auch als hinreichend w ahrscheinlich, dass das gegen den Beschw erdefüh- rer ergangene Strafurteil auf fiktiven Vorw ürfen und m ithin politischen M otiven beruht. G ew isse entsprechende Indizien ergeben sich dabei auch aus dem im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten U rteil des Strafgerichts von Y._______ vom 15. Januar 2002: So geht aus dem genannten U rteil hervor, dass die Anklage unter dem Vorw urf erfolgte, der Beschw erdeführer habe vier Personen betrogen, indem er diesen gegen Entgelt im Ausland Arbeit zu verm itteln versprochen, die vereinbarte Leistung jedoch trotz erfolgter Bezahlung nicht erbracht habe. W eiter ergibt sich daraus, dass der Beschw erdeführer nach erfolgter Anzeige w ährend etw as m ehr als drei M onaten, näm lich vom 23. M ärz 2001 bis zum 26. Juni 2001 inhaftiert gew esen sei. Angesichts des erhobenen Vorw urfs eines relativ geringfügigen Betrugsdelikts erscheint eine U ntersuchungshaft von solcher 7 D auer als unverhältnism ässig, w as Fragen in Bezug auf die R echtm ässigkeit des Vorgehens der türkischen Behörden aufw irft. Auch das verhängte Strafm ass von zw ei Jahren und elf M onaten H aft – nebst einer Busse in der H öhe von rund 18,5 M illiarden Lira – erscheint ausserordentlich streng. 5.4. U nter Berücksichtigung aller relevanten G esichtspunkte ist nach dem G esagten m it insgesam t überw iegender W ahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschw erde- führer aufgrund seiner politischen Aktivitäten zugunsten der kurdischen Partei H AD EP bzw . D EH AP durch die türkischen Justizbehörden einem Strafverfahren unterw orfen und m it dem erw ähnten Strafm ass verurteilt w urde, w as einer Verfolgung im Sinne des Art. 3 AsylG gleichkom m t. Ausserdem ist davon auszugehen, dass der Beschw erdeführer die verhängte H aftstrafe im Falle einer R ückkehr in die Türkei abzusitzen hätte, w om it die asylrelevante G efährdungssituation w eiterhin andauert. D a die entsprechende Verfol- gungsgefahr landesw eit besteht, ist in der Türkei zudem keine innerstaatliche Fluchtal- ternative vorhanden, w om it der Beschw erdeführer die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Fer- ner ergeben sich aus den Akten auch keine H inw eise, die auf das Vorliegen eines Asyl- ausschlussgrundes hindeuten w ürden. 6. D ie Beschw erde ist som it gutzuheissen, und die angefochtene Verfügung ist aufzuhe- ben. D as BFM w ird angew iesen, den Beschw erdeführer als Flüchtling zu anerkennen und ihm in der Schw eiz Asyl zu gew ähren. 7. 7.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 3 Vw VG i.V.m . Art. 37 VG G ). 7.2. G em äss Art. 64 Abs. 1 Vw VG i.V.m . Art. 37 VG G kann der obsiegenden Partei von Am tes w egen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erw achsenen notw endi- gen und verhältnism ässig hohen Kosten zugesprochen w erden (vgl. für die G rundsätze der Bem essung der Parteientschädigung ausserdem Art. 7 ff. des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). G estützt auf die in Betracht zu ziehenden Bem essungs- faktoren (Art. 9-13 VG KE), die angesichts des Aufw andes als angem essen erscheinen- de Kostennote des R echtsvertreters vom 13. O ktober 2003 sow ie unter Berücksichti- gung der seitherigen Korrespondenz sind dem Beschw erdeführer Fr. 2'100.-- (inkl. Aus- lagen und M ehrw ertsteuer) als Parteientschädigung zuzusprechen. D ieser Betrag ist dem Beschw erdeführer durch das BFM zu entrichten. 7.3. D er aufgrund der m it Zw ischenverfügung vom 22. August 2003 gew ährten unent- geltlichen R echtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 Vw VG entstandene An- spruch auf ein am tliches H onorar w ird angesichts der zugesprochenen Parteientschädi- gung gegenstandslos. (D ispositiv nächste Seite)8 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen, und die Verfügung des BFF vom 11. Juli 2003 w ird aufgehoben. 2. D as BFM w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer Asyl zu gew ähren. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. D em Beschw erdeführer w ird eine Parteientschädigung von Fr. 2'100.-- zugespro- chen, die ihm durch das BFM zu entrichten ist. 5. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter des Beschw erdeführers, 2 Ex. (eingeschrieben; Beilagen: M itgliederkarte der D EH AP, gerichtliche Vorladung vom 15. Januar 2002, Q uit- tungen für die Ausgabe von G efängnism ahlzeiten, G efängnis-M enüplan, Pas- sierschein) - das BFM , Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N _______) - M ._______ des Kantons X._______, zur Kenntnisnahm e (R ef.-N r. _______) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: Bendicht Tellenbach M artin Scheyli Versand am :