<h2>SubmittedText<h2><p>Die neuen CO2-Ziele der Schweiz aufgrund der Umsetzung des Pariser Klimaübereinkommens tangieren auch die Mobilitätsbedürfnisse unserer Einwohner und Einwohnerinnen. Die Automobilindustrie reagiert auf die verschärften Zielvorgaben und will gemäss Auto Schweiz in den nächsten Jahren den Anteil der Elektrofahrzeuge auf 10 Prozent des gesamten Automobilparks erhöhen. Dies entspricht auch der immer stärkeren Nachfrage im Individualverkehr nach umweltschonenden Fahrzeugen. Im Zusammenhang mit der Zunahme der Elektromobilität stellen sich aber auch einige heikle Fragen in Bezug auf die gesamte Ökobilanz vor allem mit Blick auf den Strombedarf.</p><p>Ich bitte den Bundesrat darum um Beantwortung der nachstehenden Fragen:</p><p>1. Wie wird sich die Gesamtökobilanz entwickeln, wenn 10 Prozent der Automobile Elektrofahrzeuge und Hybri/Plug-in-Hybrid sein werden?</p><p>2. Welchen Einfluss hat ein massiver Anstieg der Elektrofahrzeuge auf den Stromverbrauch der Schweiz? Wie kann sichergestellt werden, dass der zusätzliche Strombedarf nicht über den Import von Dreckstrom gedeckt wird? </p><p>3. Gemäss EnG soll der Stromverbrauch in der Schweiz um 13 Prozent sinken. Dies steht im Widerspruch zur Förderung der Elektromobilität. Wie will der Bundesrat diesem Widerspruch begegnen?</p><p>4. Könnte es aufgrund der weiteren Elektrifizierung der Wirtschaft und Gesellschaft in Spitzenzeiten dazu führen, dass die Stromsicherheit/Netzsicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann?</p><p>5. Aus Sicht der gesamten Ökobilanz ist die Entsorgung und das Recycling der Batterien der Automobilindustrie ein wichtiges Thema. Wieweit ist diese Frage in der Schweiz schon geklärt? </p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Aktuelle Ökobilanzen zeigen, dass in Bezug auf die CO2-Emissionen Elektroautos heute unter Berücksichtigung der Herstellung der Fahrzeuge (inkl. Batterie) sowie der Verwendung des Schweizer Strommix konventionellen Verbrennungsmotoren deutlich überlegen sind. Daran wird sich auch in Zukunft durch den Zubau erneuerbarer Energien nichts ändern. In Bezug auf die Gesamtökobilanz sind Elektrofahrzeuge heute im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor (Schweizer Flottenschnitt) leicht besser und bieten die Chance, die lokalen Emissionen von Luftschadstoffen und Lärm zu senken. Zudem besteht bei den Elektrofahrzeugen noch ein erhebliches Verbesserungspotenzial, insbesondere bezüglich effizienter Energie- und Rohstoffnutzung bei der Batterieherstellung sowie einer erhöhten Lebensdauer der Batterien.</p><p>Gemäss den im Auftrag des Bundesamtes für Energie (BFE) erstellten Energieperspektiven wird ein 10-Prozent-Anteil von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen an der Gesamtflotte je nach Szenario zwischen 2029 und 2033 erreicht werden. Auswirkungen auf die Gesamtökobilanz können für diese zukünftigen Fahrzeugtechnologien heute noch nicht detailliert abgeschätzt werden, es ist aber auf jeden Fall von einer deutlichen Reduktion der CO2-Emissionen und einer Reduktion der Gesamtumweltbelastung auszugehen.</p><p>2./3. Die von Auto Schweiz angekündigte Erhöhung des Anteils von Elektrofahrzeugen auf 10 Prozent bis ins Jahr 2020 bezieht sich auf den Anteil von Elektrofahrzeugen bei den Neuwagen. Dies würde bis 2020 einem Anteil von zirka 2 bis 3 Prozent an der Gesamtflotte von heute über 4,5 Millionen Personenwagen entsprechen. Der Strombedarf für diesen Flottenanteil liegt bei zirka 0,2 Terawattstunden, was zirka 0,3 Prozent der Schweizer Inlandproduktion entspricht. Der längerfristige Strombedarf für die Elektromobilität wird gemäss Energieperspektiven im Jahr 2050 je nach Szenario zwischen 2,5 und 6,3 Terawattstunden betragen. Für das Stromangebot insgesamt wurden in den Energieperspektiven 2050 verschiedene Varianten berechnet. Der für die Elektromobilität benötigte Strom kann längerfristig primär durch Effizienzsteigerungen in anderen Sektoren und durch den Zubau neuer erneuerbarer Energien sichergestellt werden. Eine weitere Energieeffizienzmassnahme besteht in einer verstärkten Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr zum öffentlichen Verkehr, dessen energetischer Wirkungsgrad wesentlich höher ist.</p><p>Die Richtwerte im EnG zum Elektrizitätsverbrauch basieren auf den Szenarien der Energieperspektiven 2050, welche die Elektromobilität berücksichtigen.</p><p>4. Mit der zunehmenden Marktdurchdringung der Elektromobilität wird die Belastung der (Verteil-)Netze durch den tendenziell steigenden Verbrauch und höhere Lastspitzen zunehmen. Die Netze verfügen kurz- und mittelfristig allerdings über genügend Kapazität, um die zusätzliche Nachfrage zu decken. Mögliche Netzengpässe durch Nachfragespitzen können durch gezielten Netzausbau, Smart Grids und intelligente Ladesteuerungen vermieden werden. Zudem bietet die Elektromobilität die Möglichkeit, mittels intelligenter Steuerung Lastspitzen zu glätten und die Flexibilität im System zu erhöhen. Mit den in der Energiestrategie 2050 verankerten gesetzlichen Rahmenbedingungen zu intelligenten Lösungen (Smart-Meter-, Regel- und Steuersysteme) ist bereits eine gesetzliche Regelung vorhanden, die es erlaubt, künftig die Netzbelastung so zu steuern, dass ein teurerer, konventioneller Netzausbau verhindert wird.</p><p>5. Die Berner Fachhochschule hat 2017 eine Studie zur Technologiefolgenabschätzung von lithiumhaltigen Batterien publiziert (Technologiefolgenabschätzung und Prüfrichtlinien von lithiumhaltigen Batterien). Auf europäischer Ebene bestehen verschiedene Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und erste Erfahrungen bei der industriellen Umsetzung des Recyclings. Der Fokus liegt derzeit auf der Wiedergewinnung der mengenmässig bedeutsamen und wirtschaftlich werthaltigen Metalle Kobalt, Nickel und Kupfer aus Batterien. Auf das Recycling von Lithium wird aktuell aus wirtschaftlichen Gründen verzichtet. Als Traktionsbatterie in Autos ausgediente Akkus verfügen allerdings noch über eine Restkapazität von rund 80 Prozent. Batterien können vor dem Recycling beispielsweise als stationärer Zwischenspeicher für Fotovoltaikstrom genutzt werden (Second-Life-Batterien). Das BFE unterstützt hierzu verschiedene Pilotprojekte, z. B. mit ausgedienten Batteriezellen der Elektroroller der Schweizerischen Post.</p>  Antwort des Bundesrates.