<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">206</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>38</b></span> <span class="ft2"><b>Rückwirkende Einstellung der materiellen Hilfe.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Rückwirkende Einstellung der materiellen Hilfe ist nur ausnahms-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>weise zulässig.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Formell müssen die Voraussetzungen für einen Widerruf oder eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Wiedererwägung erfüllt sein.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 15. Dezember 2009 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen R.G. gegen Gemeinderat F. und Bezirksamt L. (WBE.2009.176).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">207</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Sozialhilfeleistungen werden nach dem Bedarfsdeckungsprinzip</span><br/> <span class="ft1">für die Zukunft ausgerichtet (§ 5 Abs. 1 SPG; Richtlinie für die Aus-</span><br/> <span class="ft1">gestaltung und Bemessung der Sozialhilfe (herausgegeben von der</span><br/> <span class="ft1">Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe [SKOS-Richtlinien],</span><br/> <span class="ft1">3. Auflage, Dezember 2000, Kapitel A.4.2; VGE IV/23 vom 6. April</span><br/> <span class="ft1">2009 [WBE.2008.182], S. 7 f.). Eine rückwirkende Auszahlung ist</span><br/> <span class="ft1">nicht vorgesehen und auch eine rückwirkende Einstellung der mate-</span><br/> <span class="ft1">riellen Hilfe ist nur ausnahmsweise und unter bestimmten formellen</span><br/> <span class="ft1">und materiellen Voraussetzungen möglich.</span><br/> <span class="ft1">Die Begründung der Einstellung in der Anspruchsberechtigung</span><br/> <span class="ft1">geht dahin, dass der Beschwerdeführerin seit 25. April 2008 faktisch</span><br/> <span class="ft1">keine Sozialleistungen mehr ausbezahlt wurden. Das Kontoblatt "So-</span><br/> <span class="ft1">zialhilfe" vom 15. Mai 2009 belegt, dass seit Mai 2008 keine Aus-</span><br/> <span class="ft1">zahlungen an die Beschwerdeführerin erfolgt sind, da ihr Lohnein-</span><br/> <span class="ft1">kommen den Sozialhilfeanspruch - unter Berücksichtigung einer</span><br/> <span class="ft1">Rückzahlungsvereinbarung - überstieg. Der aufgrund des unter-</span><br/> <span class="ft1">schiedlichen Lohneinkommens ungewissen Höhe der monatlichen</span><br/> <span class="ft1">materiellen Hilfe wurde in den Entscheiden der Sozialbehörde Rech-</span><br/> <span class="ft1">nung getragen, indem die materielle Hilfe unter Vorbehalt des Ein-</span><br/> <span class="ft1">kommens festgesetzt wurde. Dieses Vorgehen zur Bestimmung der</span><br/> <span class="ft1">monatlichen Hilfe wurde schon in den vorangegangen, rechtskräf-</span><br/> <span class="ft1">tigen Verfügungen vom 28. April 2008 und 26. Mai 2008 gewählt.</span><br/> <span class="ft1">Die Finanzverwaltung der Gemeinde hat die Anordnungen in diesen</span><br/> <span class="ft1">Verfügungen vollzogen, indem der monatliche Anspruch auf mate-</span><br/> <span class="ft1">rielle Hilfe im Vergleich zur Lohnabrechnung der Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft1">rin berechnet wurde. Die Höhe der monatlichen Lohneinkommen</span><br/> <span class="ft1">war und blieb auch für die Zukunft ungewiss. Hingegen haben sich</span><br/> <span class="ft1">die Anspruchsvoraussetzungen rückwirkend nicht verändert, weshalb</span><br/> <span class="ft1">die Auszahlungsmodalitäten an den materiellen Anspruchsvorausset-</span><br/> <span class="ft1">zungen nichts zu ändern vermochten. Die Beschwerdeführerin war</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">208</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und blieb auf materielle Hilfe angewiesen, sobald und soweit ihr</span><br/> <span class="ft1">Einkommen bei der "P." das soziale Existenzminimum nicht deckt.</span><br/> <span class="ft1">Die Verfügung vom 30. März 2009 ist aber auch in formeller</span><br/> <span class="ft1">Hinsicht zu beanstanden. Gemäss § 37 VRPG können Entscheide nur</span><br/> <span class="ft1">widerrufen oder aufgehoben werden, wenn sie der Rechtslage oder</span><br/> <span class="ft1">den sachlichen Erfordernissen nicht (mehr) entsprechen und die öf-</span><br/> <span class="ft1">fentlichen Interessen überwiegen (Abs. 1). Entscheide, die ihrer Na-</span><br/> <span class="ft1">tur nach oder nach den gesetzliche Vorschriften nicht oder nur unter</span><br/> <span class="ft1">ganz bestimmten Voraussetzungen zurückgenommen werden kön-</span><br/> <span class="ft1">nen, sind ohnehin vorbehalten (§ 37 Abs. 2 VRPG). Die Wiedererwä-</span><br/> <span class="ft1">gung durch die erste Instanz ist, wenn wie im vorliegenden Fall Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheide einer Rechtsmittelinstanz betroffen sind, nur zulässig, wenn</span><br/> <span class="ft1">sich die Rechtslage oder der Sachverhalt erheblich und entscheidrele-</span><br/> <span class="ft1">vant verändert haben (§ 39 Abs. 2 VRPG). Solche Gründe liegen</span><br/> <span class="ft1">nicht vor, nachdem der Gemeinderat F. den Anspruch auf materielle</span><br/> <span class="ft1">Hilfe in der Höhe der Differenz zwischen Anspruch und Lohn fest-</span><br/> <span class="ft1">legte. Auch die formellen Voraussetzungen für einen Widerruf oder</span><br/> <span class="ft1">die Wiedererwägung der vom Gemeinderat F. erlassenen Verfügun-</span><br/> <span class="ft1">gen über die Sozialhilfe für die Zeit zwischen April 2008 und März</span><br/> <span class="ft1">2009 fehlen.</span><br/> <span class="ft1">Die rückwirkende Einstellung der Sozialhilfe und die Anwei-</span><br/> <span class="ft1">sung der Finanzverwaltung zur Einstellung der Sozialhilfegelder er-</span><br/> <span class="ft1">wiesen sich damit als unrechtmässig.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>