Interpellation Fischer-Hägglingen 2266 N 20 décembre 1985 Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates nicht befriedigt und verlangt Diskussion. Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen 64 Stimmen 7 Stimmen #ST# 85.925 Interpellation Fischer-Hägglingen Kirchenasyl Asile offert par les Eglises Wortlaut der Interpellation vom 4. Oktober 1985 Gemäss Mitteilung der Aktion für ausgewiesene Asylbewer- ber sind gegenwärtig rund 200 ausgewiesene Asylbewerber an geheimen Orten untergebracht. Damit soll die Ausschaf- fung von Asylanten verhindert werden. Dies bedeutet, dass ein rechtskräftiger Entscheid der mit dem Vollzug des Asyl- gesetzes beauftragten Behörden auf illegale Weise unterlau- fen wird. Die Aktion für ausgewiesene Asylbewerber hat im weitern in einem Brief 8000 Seelsorger der drei Landeskir- chen aufgefordert, ihre Wohnungen oder Räume, die zu ihrer Kirche gehören, zur Beherbergung ausgewiesener Asylbewerber zur Verfügung zu stellen, um sie vor dem Zugriff der mit dem Vollzug des Ausweisungsentscheides beauftragten Organe zu schützen. Sowohl die illegale Beherbergung als auch der Aufruf zur Vornahme illegaler Aktionen, stellt einen schweren Verstoss gegen unsere Rechtsordnung dar. Zur Rechtfertigung dieser gesetzeswi- drigen Taten werden ethische und humanitäre Gründe an- geführt. Der Bundesrat wird eingeladen, folgende Fragen zu beant- worten: 1. Wie stellt sich der Bundesrat zu diesen illegalen Aktionen; hat er Kenntnis von diesen 200 illegal beherbergten Asy- lanten? 2. Ist der Bundesrat bereit, Personen, welche illegal ausge- wiesene Asylbewerber beherbergen, strafrechtlich zu ver- folgen? 3. Ist der Bundesrat bereit, gegen die Aktion für ausgewie- sene Asylbewerber straf rechtlich vorzugehen, wegen Auffor- derung zur Vornahme einer widerrechtlichen Tat? 4. Was gedenkt der Bundesrat zu tun, wenn sich Landeskir- chen, einzelne Pfarreien oder einzelne Seelsorger bereit erklären sollten, die Kirchen zur Aufnahme ausgewiesener Asylbewerber zur Verfügung zu stellen? Texte de l'interpellation du 4 octobre 1985 Si l'on en croit le Mouvement de soutien aux réfugiés à qui l'asile a été refusé, près de deux cents personnes sont en ce moment hébergées dans des endroits secrets. Or, en cher- chant ainsi à faire échec au refoulement des réfugiés, on tourne, au mépris de sa force de chose jugée, une décision prise par les autorités chargées de l'exécution de la loi sur l'asile. Le Mouvement a en outre adressé à huit mille ecclé- siastiques des trois églises nationales une circulaire les invitant à mettre à la disposition des réfugiés dont on a refusé la demande d'asile leurs appartements ou des locaux appartenant à leur paroisse, dans le but de mettre ces candidats à l'asile hors de la portée des organes chargés de l'exécution du refoulement. Les auteurs de ces actes contraires à la loi allèguent des raisons éthiques et humani- taires. Il n'en reste pas moins que tant l'hébergement clan- destin que l'incitation à commettre des actes illicites consti- tuent des infractions graves à notre ordre juridique. C'est pourquoi nous demandons au Conseil fédéral de répondre aux questions suivantes: 1. Est-il informé de l'hébergement clandestin de ces deux cents personnes? Quel est son avis sur ce genre de cam- pagnes illicites? 2. Est-il disposé à faire poursuivre pénalement ceux qui auront recueilli des réfugiés à qui l'asile a été refusé? 3. Est-il également prêt à engager une procédure pénale contre le mouvement susmentionné, pour le motif que ce dernier incite à commettre un acte illicite? 4. Comment entend-il réagir dans l'hypothèse où les églises nationales ou quelques paroisses, voire quelques ecclésias- tiques seulement se déclareraient disposés à accueillir dans les locaux des paroisses les réfugiés qui se sont vus refuser le droit d'asile? Mitunterzeichner - Cosignataires: Basler, Blochër, Bühler- Tschappina, Fischer-Sursee, Frei-Romanshorn, Geissbüh- ler, Hari, Hess, Hofmann, Hösli, Müller-Scharnachtal, Müller- Wiliberg, Nebiker, Neuenschwander, Ogi, Rutishauser, Schnyder-Bern, Uhlmann (18) Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 2. Dezember 1985 Rapport écrit du Conseil fédéral du 2 décembre 1985 Der Bundesrat hat die Vorkommnisse der jüngsten Vergan- genheit verfolgt, mit welchen auf die Situation der abgewie- senen Asylbewerber aufmerksam gemacht und Widerstand an der Wegweisungspraxis des Bundes geübt wurde. Er hat Verständnis für die humanitären Anliegen dieser Aktionen. Auf der anderen Seite kann ein Verhalten, das die geltenden Rechtsnormen missachtet, nicht unterstützt werden, da gerade die Aspekte der Menschenwürde und Humanität beim Entscheid über die Zumutbarkeit einer Wegweisung mitberücksichtigt wurden. 1. Der Bundesrat hat Kenntnis davon, dass abgewiesene Asylbewerber von Privatpersonen beherbergt werden. Sofern mit diesem Verhalten das rechtswidrige Verweilen in der Schweiz erleichtert wird, ist ein Straftatbestand des ANAG erfüllt. 2. Die strafrechtliche Verfolgung und Beurteilung solcher Zuwiderhandlungen obliegt den Kantonen. Es steht dem Bundesrat nicht zu, sich in deren Angelegenheiten einzumi- schen. 3. Nach den geltenden Strafbestimmungen des ANAG kön- nen Vorbereitungen dann verfolgt werden, wenn im Einzel- fall konkrete Schritte zur Begehung der Tat nachgewiesen werden können. Eine Absichtserklärung genügt nicht. Die Anstiftung zur Ausübung einer Straftat andererseits kann erst mit der Verübung der Haupttat angenommen werden, weshalb allein der Aufruf zur Beherbergung von abgewiese- nen Asylbewerbern nicht strafbar ist. Wie bereits erwähnt, haben jedoch den Entscheid darüber, ob im Einzelfall ein Straftatbestand erfüllt ist oder lediglich eine straflose Vorbe- reitungshandlung vorliegt, die zuständigen kantonalen Strafgerichte zu treffen. 4. Auch die Kirchen sind der schweizerischen Rechtsord- nung unterworfen, und deren Mitglieder verstossen gegen das Gesetz, wenn sie abgewiesenen Asylbewerbern, deren Wegweisung von der Behörde als zumutbar beurteilt wird, Schutz bieten. Der Bundesrat ist gewillt, rechtskräftige Entscheide durchzusetzen, aber auch bereit, bei solchen Vorkommnissen ein Gespräch zu führen und allfällige Unklarheiten zu bereinigen. Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates teilweise befriedigt und verlangt Diskussion. Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen 65 Stimmen 6 StimmenSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Fischer-Hägglingen Kirchenasyl Interpellation Fischer-Hägglingen Asile offert par les Eglises In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1985 Année Anno Band V Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 85.925 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 20.12.1985 - 08:00 Date Data Seite 2266-2266 Page Pagina Ref. No 20 013 997 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. 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