Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht Vom 25. Oktober 2017 (810 16 323) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz / Scheinehe Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess, Beat Walther , Gerichtsschreiberin i.V. Melissa Traber Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Nuraj Ates Tekdemir , Ad- vokatin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligun g und Wegweisung aus der Schweiz (RRB Nr. 1472 vom 25. Oktober 2016) A. Der 1979 geborene türkische Staatsangehörige A._ ___ reiste gemäss eigenen Anga- ben am 25. Dezember 2009 (illegal) in die Schweiz e in, wo er am 28. Dezember 2009 ein Asyl- gesuch stellte. Auf dieses Gesuch trat das Bundesamt für Migration (heute: Staatssekretariat für Migration) mit Verfügung vom 19. März 2010 nicht ei n und wies A.____ nach Polen – seinem Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ersten bekannten Aufenthaltsort in Europa – weg. Ab dem 26. April 2010 galt A.____ als ver- schwunden. B. Am 22. Juni 2011 heiratete A.____ in der Türkei d ie Schweizer Staatsbürgerin B.____ (geb. 1989), die er am 20. Januar 2010 kennengelernt hatte. B.____ stellte am 2. November 2011 beim Amt für Migration des Kantons Basel-Landscha ft (AfM) ein Gesuch um Einreisebe- willigung von Familienangehörigen zu Gunsten von A.__ __, welches mit Verfügung vom 24. Februar 2012 gutgeheissen wurde. A.____ reiste da raufhin am 15. März 2012 in die Schweiz ein, wo er in H.____ (BL) an der Adresse seiner Ehegattin gemeldet war. C. Bis Ende April 2013 arbeitete A.____ bei der Firm a "X.____" in I.____ (BL) und ab dem 14. Mai 2013 bei der Firma "Y.____ AG" in E.____ (TG) als Baklava-Meister. Am 30. November 2013 meldete er sich bei der Einwohnerkontrolle H.____ ab und versuchte am 2. Dezember 2013, sich in E.____ anzumelden; der Kantonswechsel wur de ihm am 20. Januar 2014 jedoch verweigert. Daraufhin verblieb er als Wochenaufenthal ter in E.____ und meldete sich per 31. Januar 2014 wieder in H.____ an. D. Am 1. Oktober 2013 bezog B.____ zusammen mit C.____ (geb. 1981) eine Wohnung in H.____. E. Am 15. April 2014 wechselte B.____ ihren Namen zur ück in ihren Ledignamen. F. Ab dem 1. März 2015 arbeitete A.____ in F.____ (B L) als Serviceangestellter mit ei- nem Pensum von 80 %. G. Am 1. Juni 2015 unterzeichneten B.____ sowie C.___ _ einen Mietvertrag für eine 3.5- Zimmer-Wohnung in G.____ (BL). Bei der Anmeldung auf der Gemeinde G.____ gaben B.____ und C.____ an, dass sie miteinander in einem Konkubinat leben würden. H. Im Rahmen des Verfahrens um Verlängerung der Aufen thaltsbewilligung befragte das AfM am 9. Juli 2015 A.____, B.____ sowie C.____ zum V erdacht der Scheinehe und liess wei- tere Abklärungen durch die Kantonspolizei Basel-Landschaft vornehmen. I. Mit Schreiben vom 12. Februar 2016 bzw. 16. Februa r 2016 gewährte das AfM A.____ und B.____ das rechtliche Gehör betreffend die Nichtver längerung der Aufenthaltsbewilligung von A.____ und dessen Wegweisung aus der Schweiz. Das AfM teilte mit, dass es infolge der nicht mehr gelebten Ehe erwäge, die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung von A.____ zu verweigern und ihn aus der Schweiz wegzuweisen. J. Mit Verfügung vom 18. Juli 2016 verweigerte das AfM die Verlängerung der Aufent- haltsbewilligung von A.____ und wies ihn unter Anset zung einer Ausreisefrist bis 20. August 2016 aus der Schweiz weg. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht K. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Denis Giovannelli, Rechtsan- walt in Basel, am 3. August 2016 Beschwerde beim Regi erungsrat des Kantons Basel- Landschaft (Regierungsrat) mit dem Rechtsbegehren, es sei ihm in Aufhebung der angefochte- nen Verfügung die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern . Eventualiter sei ihm die Aufenthalts- bewilligung wegen des Vorliegens eines persönlichen Härtefalls zu bewilligen. L. Mit Entscheid Nr. 1472 vom 25. Oktober 2016 wies der Regierungsrat die Beschwerde vom 3. August 2016 ab. M. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit Eingabe vom 8. November 2016 Beschwer- de beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Ve rwaltungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragt, der Entscheid des Regierungsrats Nr. 1472 vom 25. Oktober 2016 sei unter o/e- Kostenfolge aufzuheben. Eventualiter sei er letztmalig zu verwarnen und es sei ihm die unent- geltliche Rechtspflege zu bewilligen. N. Mit Verfügung vom 29. November 2016 wies das Kant onsgericht das Gesuch des Be- schwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege ab. Die se Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. O. In seiner Vernehmlassung vom 14. Februar 2017 stell t der Regierungsrat den Antrag auf Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. P. Am 22. März 2017 reichte der Beschwerdeführer, neu vertreten durch Nuray Ates Tek- demir, Advokatin in Basel, eine Replik ein, in welcher er an den gestellten Rechtsbegehren festhält. Q. Am 7. April 2017 reichte der Regierungsrat eine Du plik ein, in welcher ebenfalls an den gestellten Rechtsbegehren festgehalten wird. R. Mit Verfügung vom 10. April 2017 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung überwie- sen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzli cher Ausschlusstatbestand vor- liegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurt eilung der vorliegenden Angelegen- heit gegeben. Der Beschwerdeführer ist durch den angefo chtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung (§ 47 Ab s. 1 lit. a VPO). Da auch die übri- gen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Beschwerdegegner sein Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist dem Kantonsg ericht im vorliegenden Fall ver- wehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Nichtverlänge- rung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und die damit einhergehende Wegwei- sung zu Recht erfolgten. 3.2 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezem- ber 2005, vgl. auch Art. 2 AuG). Die zuständige kant onale Behörde entscheidet gemäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzliche n Vorschriften und Verträge mit dem Aus- land – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstä- tigkeit. Die ausländische Person hat somit grundsätzlich kei nen Rechtsanspruch auf die Ertei- lung einer Aufenthaltsbewilligung, es sei denn, das A uG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen einen solchen vor (BGE 133 I 185 E. 2.3; PETER UEBERSAX in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/ Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N 7.84 ff.). 3.3 Zwischen der Schweiz und der Türkei besteht kein Sta atsvertrag, der dem Beschwer- deführer einen Anspruch auf Anwesenheit in der Schwei z gewähren würde. Es sind entspre- chend die Bestimmungen des AuG, vorbehältlich anderer vö lkerrechtlicher Verträge, anwend- bar. 3.4.1 Gemäss nationalem Recht haben ausländische Ehegatte n unter Vorbehalt von Art. 51 AuG Anspruch auf Erteilung und Verlängerung ihrer Au fenthaltsbewilligung, wenn sie mit ihrem Partner zusammenwohnen (Art. 42 Abs. 1 AuG). Getrenn te Wohnorte der Ehegatten sind zu- lässig, sofern die Ehegemeinschaft fortbesteht, aber wichtige Gründe ein vorübergehendes Ge- trenntleben erfordern (Art. 49 AuG). Nach Art. 76 d er Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 könn en wichtige Gründe insbesondere durch berufliche Verpflichtungen oder durch eine vorüber gehende Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme entstehen. Die Botschaft spricht ferner von "beruflichen oder anderen wich- tigen und nachvollziehbaren Gründen" (Botschaft vom 8. März 2002 zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, BBl 2002 3753 f. Zi ff. 1.3.7.5). Rechtsprechungsgemäss reicht es sodann nicht aus, sich auf das Ehe-Modell des "living apart together" zu berufen (Urteil des Bundesgerichts 2C_388/2009 vom 9. Dezember 2009 E. 4). Nach Art. 51 Abs. 1 und 2 AuG erlöschen die Ansprüche nach Art. 42 AuG respektive nach Art. 43, 48 und 50 AuG, wenn sie rechtsmissbräuchlich geltend gemacht werden, namentlich um Vorschriften dieses Gesetzes und seiner Ausführungsbestimmungen über die Zulassun g und den Aufenthalt zu umgehen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Art. 51 Abs. 1 lit. a, Art. 51 Abs. 2 lit. a AuG) od er wenn Widerrufsgründe nach den Artikeln 63 und 62 AuG vorliegen (Art. 51 Abs. 1 lit. b, Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG). 3.4.2 Rechtsmissbrauch liegt insbesondere dann vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die die ses Rechtsinstitut nicht schützen will (BGE 121 I 367 E. 3b; U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwal- tungsrecht, 7. Aufl., Zürich/St. Gallen 2016, N 715 f f.). Art. 51 Abs. 1 lit. a AuG bezieht sich auf die sogenannte "Scheinehe" oder "Umgehungsehe" (vgl. B Bl 2002 3795 f. Ziff. 2.6). Diese ist dadurch definiert, dass dem formell-rechtlichen Eheband von Anfang an kein Ehewille zugrunde liegt und auch keine tatsächlich gelebte eheliche Bezi ehung besteht. Der Nachweis einer sol- chen nur formell bestehenden Beziehung entzieht sich eine m direkten Beweis, da es sich um eine innere Tatsache handelt, welche in der Regel nu r indirekt durch Indizien nachgewiesen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 2C_3/2012 vom 15 . August 2012 E. 4.1 mit Hinwei- sen). Das Fehlen einer Haushaltsgemeinschaft ohne jede sachliche Begründung gilt indessen als gewichtiges Indiz dafür, dass die Ehe geschlossen wurde, allein um ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz zu erhalten (M ARC SPESCHA in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka [Hrsg.], Kom- mentar Migrationsrecht, 4. Aufl., Zürich 2015, N 2 zu A rt. 51). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können Indizien für eine Scheinehe auch darin liegen, dass der heiratswilligen ausländischen Person unmittelbar die Wegweisung drohte, eine sehr kurze Bekanntschaft be- stand oder ein Heiratsgeld vereinbart wurde (BGE 122 II 289 E. 2b). Ferner können auch ein sehr grosser Altersunterschied zwischen den Eheleuten sowi e die Umstände des Kennenler- nens und der Beziehung, so etwa eine kurze Bekanntschaft vor der Heirat oder geringe Kennt- nisse eines Ehegatten über den Anderen Indiz für eine Scheinehe sein. Den Betroffenen kommt bei der Abklärung des Sachverhalts eine Mitwirkungspfli cht zu (Urteil des Bundesgerichts 2C_211/2016 vom 23. Februar 2017 E. 3.3.2; vgl. BGE 130 II 482 E. 3.2). Das Vorliegen einer Scheinehe darf "nicht leichthin angenommen werden" (BGE 128 II 145 E. 2.2; SPESCHA , a.a.O., N 2 zu Art. 51 AuG). Auch die Berufung auf eine nur noch formell bestehende Ehe, die “mit dem einzigen Ziel aufrechterhalten wird, die Aufenthaltsbe willigung zu erhalten oder nicht zu verlie- ren“, gilt als Rechtsmissbrauch (BBl 2002 3795 f. Ziff. 2.6). 3.4.3 Der Regierungsrat erwog, zahlreiche sich aus den Verwaltungsakten ergebende Indi- zien würden zum Schluss führen, dass sich der Beschwerdeführe r in rechtsmissbräuchlicher Absicht auf seine Ehe berufe. Der Beschwerdeführer habe bereits während seiner Anstellung in E.____ von seiner Ehegattin getrennt gelebt. Auch übe rnachte er seit seiner neuen Anstellung in F.____ ab dem 1. März 2015 mindestens vier Mal in d er Woche in einer Wohnung oberhalb der Bäckerei, in der er arbeite. Hinzukommen würden sp rachliche Differenzen; so spreche die Ehegattin des Beschwerdeführers weder Türkisch noch sei der Beschwerdeführer des Deut- schen in einem Umfang mächtig, welches eine Konversation zulasse. Zudem sei es befremd- lich, dass sowohl die Ehegattin des Beschwerdeführers als a uch C.____ unabhängig voneinan- der der Gemeinde G.____ erklärt hätten, miteinander in einem Konkubinat zu leben. Dies sei denn auch unterschriftlich bestätigt worden. Auch meh rere Versuche, den Beschwerdeführer in der gemeinsamen Wohnung anzutreffen, seien erfolglos g eblieben. Anlässlich der Kontrollen sei jeweils aufgefallen, dass in der Wohnung lediglich ein Schlafzimmer mit einem einzigen Bett habe vorgefunden werden können, welches angeblich nur durch die Eheleute benutzt worden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei. C.____ habe gemäss eigenen Angaben die ganze Zeit , d.h. über mehrere Monate hinweg, auf der Couch geschlafen. Stark irritierend sei überdies die Tatsache, dass der Beschwerdefüh- rer und seine Ehegattin bei der Befragung durch das Af M widersprüchliche Angaben zum Ken- nenlernen und dem weiteren Eheleben gegeben hätten. Es gebe ferner keine gemeinsamen Fotos – mit Ausnahme der Trauung in der Türkei – welche ein genaueres Bild der Ehe zeichnen würden. Die vorhandenen Indizien würden hinreichend b elegen, dass rechtsmissbräuchlich an der Ehe festgehalten werde. 3.4.4 Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber vor, dass er und seine Ehegattin sich während der Zeit in E.____ aufgrund der Distanz vonein ander entfernt und sich für sehr kurze Zeit auch emotional getrennt hätten. Sie seien j edoch wieder zusammengekommen. Im Weiteren würden sie wieder gemeinsam wohnen und die Ehe werde gelebt. Aus welchen Grün- den ein vorübergehendes Zusammenwohnen mit dem beste n Freund aufgrund der finanziellen Situation nicht glaubhaft erscheine, die A ngaben der Betroffenen nicht stimmen sollten und sie als Ehegatten nicht in einer gemeinsamen Wohnung leben würden, sei dem an- gefochtenen Entscheid nicht zu entnehmen. Dass der Beschwe rdeführer versuche, Deutsch zu lernen und seine Ehegattin einen Türkischkurs besuche, werde darin ebenfalls nicht erwähnt. 3.4.5 Den Akten zufolge bezog die Ehegattin des Beschwe rdeführers per 1. Oktober 2013 gemeinsam mit C.____ eine Wohnung in H.____ (vgl. Bef ragung von B.____ vom 9. Juli 2015, S. 4). Zu jener Zeit arbeitete der Beschwerdeführer f ür die Y.____ AG in E.____ mit einem 100 % Pensum. Die Ehegatten lebten ab dem 1. Oktober 2013 in Trennung, welche indes am 30. Januar 2014 wieder aufgehoben wurde (vgl. Bestätig ung der Trennungsaufhebung vom 30. Januar 2014). Fragwürdig erscheint diesbezüglich, da ss die Trennung kurz nach dem ver- suchten Kantonswechsel des Beschwerdeführers in den Kanto n Thurgau aufgehoben wurde, nachdem die Thurgauer Behörden den Beschwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs darauf hingewiesen hatten, dass ihm im Falle des Getr enntlebens der Widerruf der Aufenthalts- bewilligung drohen könne (vgl. Schreiben des Migrati onsamts Thurgau vom 20. Januar 2014, S. 2). Es bestehen aufgrund dieses zeitlichen Ablaufs gewichtige Indizien, dass die Trennung in erster Linie aus ausländerrechtlichen Beweggründen wied er aufgehoben wurde. Überdies be- stehen konkrete Anhaltspunkte, dass sich die Ehegattin des Beschwerdeführers im Oktober 2013 in einer Beziehung mit C.____ befand und diese Beziehung auch nach der Aufhebung der Trennung weiter bestand. Darauf deutet namentlich der Umstand hin, dass B.____ und C.____ im Juni 2015 in der Gemeinde G.____ eine 3.5-Zimmer- Wohnung bezogen. Angeblich habe auch der Beschwerdeführer dort gewohnt, welcher jedoc h weder Partei des Mietvertrages war noch durch die Polizei in der Wohnung angetroffen werden konnte. So waren anlässlich polizei- licher Kontrollen vom 21. September 2015 sowie 3. No vember 2015 zur Feststellung des Zu- sammenwohnens jeweils lediglich die Ehegattin des Beschw erdeführers sowie C.____ in der Wohnung anzutreffen. Der Beschwerdeführer selbst verfügte gemäss polizeilichem Bericht vom 4. November 2015 in der Wohnung lediglich über einige wenige Kleidungsstücke und es habe in der Wohnung kein zweites Bett gesichtet werden könne n. Soweit der Beschwerdeführer als Begründung für das fehlende weitere Schlafzimmer bzw. B ett vorbrachte, dass C.____ bisher noch keine Möbel gekauft hätte und auf der Couch geschl afen habe, erscheint dies als wenig glaubwürdig bzw. als reine Schutzbehauptung. Hinzu kommt , dass die Nachbarn bei der Befra- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung durch die Polizei zwar die Ehegattin des Beschwer deführers sowie C.____ anhand von vorgezeigten Fotos erkannten, nicht aber den Beschwerdefü hrer. Unter Berücksichtigung der vorgebrachten Umstände stellt die Tatsache, dass B.____ und C.____ gemäss den Akten bei der Anmeldung auf der Gemeinde G.____ am 13. Mai 2015 bzw. 27. Mai 2015 jeweils angaben, gemeinsam in einem Konkubinat zu leben, ein weiteres gewichtiges Indiz für das Vorliegen ei- ner Scheinehe dar. 3.4.6 Es bestehen darüber hinaus noch weitere Anzeichen dafür, dass die Ehe lediglich noch formell geführt wurde, um dem Beschwerdeführer den Au fenthalt in der Schweiz zu ermögli- chen. So spricht etwa auch der Umstand, dass die Ehegattin des Beschwerdeführers Mitte April 2014 ihren Ledignamen wieder angenommen hat, für da s Vorliegen einer Scheinehe. Bei der Befragung durch das AfM machten die Ehegatten ferner w idersprüchliche Angaben zum Ken- nenlernen sowie zum allgemeinen Beziehungsleben. Bei de r erstmaligen Befragung der Ehe- gattin (vgl. Einreisegesuch vom 27. Juli 2011) gab diese noch an, dass der Heiratsantrag an ihrem Geburtstag erfolgt sei. Bei der Befragung dur ch das AfM vom 9. Juli 2015 antworteten demgegenüber beide Ehegatten übereinstimmend, dass di es am Geburtstag des Beschwerde- führers gewesen sei. Auch machten der Beschwerdeführer und seine Ehegattin in Bezug auf den Zeitpunkt und den Ort des Kennenlernens unterschiedl iche Angaben. Auf die Frage, ob sie schon einmal zusammen Ferien verbracht hätten, antworte te der Beschwerdeführer, dass sie nach der Hochzeit zwei Wochen in der Türkei gewesen sei en. Er sei danach noch einmal allei- ne für eine Woche in den Ferien gewesen. Laut der Ehegattin des Beschwerdeführers seien sie nach der Hochzeit für drei bis vier Tage in die Türkei ans Meer gereist. Ansonsten könne sie sich an keine weiteren Ferien erinnern. Fotos, welche d ie Ehegatten gemeinsam zeigen, exis- tieren lediglich von der Trauung in der Türkei, bei w elcher ausschliesslich die Angehörigen des Beschwerdeführers anwesend waren. 3.4.7 Die vorgehend aufgezeigte Beweislage lässt bei ei ner Gesamtwürdigung vernünftiger- weise keine andere Erklärung zu, als dass die Ehe spätes tens ab Oktober 2013 nur noch zum Schein geführt wurde. Dem Beschwerdeführer gelingt es m it seinen Ausführungen nicht, die diesbezüglichen Indizien für eine Scheinehe zu entkräften. Der Regierungsrat und das AfM sind somit zu Recht vom Vorliegen einer Scheinehe ausgegang en. Die gesetzlichen Anwesenheits- ansprüche als Ausfluss der Ehe sind damit grundsätzlich erloschen. 4.1 Der Beschwerdeführer macht für den Fall, dass das Vo rliegen einer Scheinehe bejaht werde, geltend, eine Ehedauer von drei Jahren – auch unter Ausschluss der im Ausland geleb- ten Ehegemeinschaft sowie des arbeitsbedingten vorübergehenden Aufenthalts in E.____ – sei längst erreicht. 4.1.1 Gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG besteht nach A uflösung der Ehe oder der Familien- gemeinschaft ein Anspruch des Ehegatten und der Kinder a uf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn die Ehegemeinschaft minde stens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht. Dabei wird ein e dreijährige Ehegemeinschaft in der Schweiz vorausgesetzt (vgl. BGE 136 II 113 E. 3.3). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1.2 Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer se ine Ehegattin am 22. Juni 2011 in der Türkei geheiratet und reiste am 15. März 2012 in d ie Schweiz ein. Wie bereits ausgeführt (E. 3.4.7 hiervor), ist davon auszugehen, dass die Ehe spätestens im Oktober 2013 nicht mehr gelebt wurde und damit lediglich rund eineinhalb Jahr e gedauert hat, was dazu führt, dass der Beschwerdeführer aus der Ehedauer nichts zu seinen Gunste n ableiten kann. Der Regierungs- rat weist im Übrigen zu Recht darauf hin, dass sich der Beschwerdeführer widersprüchlich ver- hält, wenn er sich einerseits darauf beruft, mit sein er Ehegattin in einer Ehegemeinschaft zu leben, und andererseits einen Anspruch nach Auflösung de r Familiengemeinschaft geltend macht. 4.2 Der Beschwerdeführer macht im Weiteren einen nacheh elichen Härtefall gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG i. V. m. Art. 50 Abs. 2 AuG geltend. 4.2.1 Nach Auflösung der Ehe- oder Familiengemeinscha ft besteht gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ein Anspruch auf Erteilung und Verlängerun g der Aufenthaltsbewilligung, wenn wich- tige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Wichtige persönliche Gründe nach Absatz 1 Buchstabe b können name ntlich vorliegen, wenn die Ehe- gattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurd e oder die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung i m Herkunftsland stark gefährdet er- scheint (Art. 50 Abs. 2 AuG). Die Aufzählung der wichtig en Gründe ist nicht abschliessend. Ein nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der gesamten U mstände eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben voraus, die mit der Lebenssituation nach dem Dahinfallen der abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sein muss (vgl. S PESCHA , a.a.O., N 7 ff. zu Art. 50 AuG). Hat der Aufenthalt nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich der Ansp ruch auf weiteren Verbleib in der Schweiz nicht begründen, wenn die erneute Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme bereitet (BGE 139 II 393 E. 6). 4.2.2 Der Beschwerdeführer begründet einen nachehelich en Härtefall damit, dass er dem psychologischen Druck seiner Ehegattin und in diesem Sinne der häuslichen Gewalt ausgesetzt sei. Seine Ehefrau demütige ihn regelmässig. Sie verlet ze seine Würde und Persönlichkeit. Es sei zu der Zeit, als er noch in E.____ gearbeitet habe, vermehrt zu Ehestreitigkeiten gekommen. Für diese sei vor allem die ständige Unterdrückung durc h die Ehegattin ursächlich gewesen. Sie kontrolliere ihn andauernd und ohne ihre Erlaubnis dürfe er keine Handlung vornehmen. Die Ehegattin verwende die Problematik mit der Aufenthal tsbewilligung seit der Trennung im Okto- ber 2013 zudem als Druckmittel und drohe ihm beim klein sten Widerstand mit dem Rauswurf aus der gemeinsamen Wohnung. Er sei unterdessen depressiv geworden und leide unter Schlafstörungen sowie anhaltendem Gewichtsverlust. 4.2.3 Häusliche Gewalt bedeutet systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kon- trolle auszuüben und nicht eine einmalige Ohrfeige od er eine verbale Beschimpfung im Verlauf eines eskalierenden Streits (vgl. Urteile des Bundesgeri chts 2C_293/2017 vom 30. Mai 2017 E. 3.1 sowie 2C_73/2013 vom 3. April 2014 E. 2). Dabei ist jede Form ehelicher bzw. häuslicher Gewalt, sei es körperlicher oder psychischer Natur, ernst z u nehmen (vgl. BGE 138 II 229 Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3.2), wobei die physische und psychische Zwangsausübung u nd deren Auswirkungen von einer gewissen Konstanz bzw. Intensität sein müssen. Auch p sychische bzw. sozioökonomi- sche Druckausübung wie dauerndes Beschimpfen, Erniedrige n, Drohen oder Einsperren kann einen für die Annahme eines nachehelichen Härtefalls relevanten Grad an unzulässiger Oppression erreichen. Es muss feststehen, dass die eheliche Gewalt die betroffene Person so stark zu belasten droht, dass ihr die Fortführung der ehe lichen Gemeinschaft nicht länger zu- gemutet werden kann. Nicht jede unglückliche, belastende und nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende Entwicklung in einer Beziehung begründet indessen bereits einen nacheheli- chen Härtefall und ein weiteres Anwesenheitsrecht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_73/2013 vom 3. April 2014 E. 2). Die anhaltende, erniedrigende Behandlung muss derart schwer wiegen, dass von der betroffenen Person bei Berücksichtigung sämtlic her Umstände vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, dass sie einzig aus bewilligun gsrechtlichen Gründen die Ehe auf- rechterhält und in einer ihre Menschenwürde und Persönl ichkeit verneinenden Beziehung ver- harrt. Eine glaubhaft gemachte oppressionsbedingte Auf hebung der Hausgemeinschaft soll für die betroffene Person keine ausländerrechtlichen Nachtei le zur Folge haben, wenn sie durch das Zusammenleben in ihrer Persönlichkeit ernsthaft gef ährdet wäre und ihr eine Fortführung der ehelichen Gemeinschaft bei objektiver Betrachtungswe ise nicht mehr zugemutet werden kann (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 4.2.4 Das Vorliegen eines wichtigen persönlichen Grunde s im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b i. V. m. Art. 50 Abs. 2 AuG ist von der betroffenen Person in geeigneter Weise glaubhaft zu ma- chen, wobei diese eine weitreichende Mitwirkungspflicht trifft (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.3). Als Beweismittel für häusliche Gewalt kommen Arztberichte, psyc hologische oder psychiatrische Gutachten, Berichte von Fachstellen wie Frauenhäusern oder Opferhilfestellen, Polizeirapporte oder Zeugenaussagen in Frage (Art. 77 Abs. 5, 6 und 6 bis VZAE; vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_451/2014 vom 24. Dezember 2014 E. 6.2). Allgemei n gehaltene Behauptungen oder Hin- weise auf punktuelle Spannungen genügen nicht; wird h äusliche Gewalt in Form psychischer Oppression behauptet, muss vielmehr die Systematik der Missh andlung bzw. deren zeitliches Andauern und die daraus entstehende subjektive Belastu ng objektiv nachvollziehbar konkreti- siert und beweismässig unterlegt werden. Dasselbe gilt, so weit damit verbunden geltend ge- macht werden soll, bei einer Rückkehr erweise sich die sozi ale Wiedereingliederung als stark gefährdet. Auch hier genügen allgemeine Hinweise nicht ; die befürchtete Beeinträchtigung muss im Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände glaubh aft erscheinen (vgl. Urteil des Bun- desgerichts 2C_1072/2014 vom 9. Juli 2015 E. 2.4). 4.2.5 Der Beschwerdeführer berichtete erstmals im Rahmen der Replik von einer psychi- schen Machtausübung durch seine Ehegattin und reichte diesbezüglich einen ärztlichen Bericht ein, worin ausgeführt wird, dass er seit drei bis vier Ja hren schweren Belastungen ausgesetzt sei. Dabei handle es sich um eine andauernde existenzielle Bedrohung, schwere Demütigung und objektive reale psychosoziale Probleme (vgl. ärztliche r Bericht von Dr. D.____, Psychiatrie Z.____, vom 21. März 2017). Dazu ist festzustellen, dass im fraglichen Bericht nicht von einer psychischen Oppression durch die Ehefrau gesprochen wird. Aus den übrigen Akten sind ferner keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche auf eine solche Oppression durch die Ehegattin schliessen lassen würden. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer vorgängig der Replik aus- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schliesslich von Ehestreitigkeiten berichtete. Solche erreich en gewohnheitsgemäss jedoch sel- ten die Intensität, um sich längerfristig in einem erhe blichen psychischen Druck zu manifestie- ren. Der Beschwerdeführer konnte im Weiteren auch nich t darlegen, inwiefern die psychische Oppression durch seine Ehegattin Auslöser für die Auflö sung der Ehe gewesen sein soll. Wie bereits ausgeführt (E. 3.4.7 hiervor) ist vielmehr davo n auszugehen, dass die faktische Tren- nung spätestens im Oktober 2013 – folglich vor den ge ltend gemachten Vorkommnissen – stattgefunden hat. Nach dem Gesagten kann sich der Beschw erdeführer nicht mit Erfolg auf einen nachehelichen Härtefall berufen (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2.3). 5.1 Es ist abschliessend zu prüfen, ob die Nichtverlängeru ng der Aufenthaltsbewilligung und die damit verbundene Wegweisung (vgl. Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) gestützt auf eine umfas- sende Güterabwägung verhältnismässig erscheinen (Art. 96 AuG; BGE 139 I 16 E. 2.2.1; BENJAMIN SCHINDLER , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Auslände- rinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 10 ff. zu Art. 96 AuG). Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und pr ivaten Interessen sorgfältig gegenei- nander abzuwägen (MARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 3 zu Art. 51 AuG). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten In teressen an der Erteilung der Bewilli- gung und der öffentlichen Interessen an deren Verweige rung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). 5.2 Als zulässiges öffentliches Interesse fällt dabei grun dsätzlich das Durchsetzen der Einwanderungspolitik in Betracht. Die Schweiz verfolgt gegenüber Ausländern ausserhalb des EU- und EFTA-Raums in Fragen der Aufenthaltsberechti gung eine restriktive Politik. Eine sol- che rechtfertigt sich im Hinblick auf ein ausgewogenes Ve rhältnis zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung, auf die Schaffung gü nstiger Rahmenbedingungen für die Eingliederung der in der Schweiz bereits ansässigen Ausl änder und die Verbesserung der Ar- beitsmarktstruktur sowie auf eine möglichst ausgeglichene Beschäftigung (BGE 137 I 247 E. 4.2.1; 135 I 153 E. 2.2.1). Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und die Weg- weisung stellen ein geeignetes Mittel dar, um die Erre ichung fremdenpolizeilicher Ziele zu ge- währleisten. Insofern besteht ein öffentliches Interesse an der Wegweisung von ansässigen Ausländern, welche gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit verstossen, ausschliesslich von der Sozialhilfe leben oder sich rechtsmissbräuchlich verhalten. In diesem Sinne besteht ein öffentliches Interesse an der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdefüh- rers sowie an dessen Wegweisung. 5.3 Diesem öffentlichen Interesse sind die privaten Inter essen des Beschwerdeführers gegenüberzustellen. Der heute 38-jährige Beschwerdefüh rer lebt seit knapp sechs Jahren in der Schweiz. Im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung kommt einer Anwesenheitsdauer von mehr als zehn Jahren grundsätzlich besonderes Gewicht zu (Urteil des Bundesgerichts 2C_358/2011 vom 28. November 2011 E. 3.3; BGE 119 Ib 1 E. 4c). Der Beschwerdeführer kann aus seiner relativ kurzen Anwesenheitsdauer somit nic hts zu seinen Gunsten ableiten. Aus der Ehe sind ferner keine Kinder hervorgegangen. In der Schweiz leben zwar zwei Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schwestern des Beschwerdeführers sowie eine Tante. Die El tern und vier weitere Geschwister des Beschwerdeführers leben hingegen in der Türkei. Der Beschwerdeführer verfügt in seinem Heimatland somit über ein grosses familiäres Netzwerk. Da er zudem erst im Alter von 32 Jahren in die Schweiz einreiste, ist davon auszugehen, dass er mit den Gegebenheiten in der Türkei immer noch vertraut ist und sich in seinem He imatland auch schnell wieder wird in- tegrieren können. Zwar kann dem Beschwerdeführer zugute gehalten werden, dass er in der Schweiz stets um Arbeit bemüht war; auf den Namen des Beschwerdeführers waren jedoch per 15. Juli 2016 Verlustscheine in der Höhe von rund Fr. 65'000.-- verzeichnet, was wiederum auch seine wirtschaftliche Integration relativiert. Wenn der Beschwerdeführer vorbringt, dass ihm die Rückkehr in die Türkei aufgrund der aktuellen po litischen Situation und der Menschen- rechtslage nicht zumutbar sei, kann ihm nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer legt nicht substantiiert dar, inwiefern er sich bei einer Rückkehr in sein Heimatland in einer Gefahrenlage befinden würde. Soweit er vorbringt, dass er im Heimat land durch die Familie seiner ehemali- gen Verlobten verfolgt würde, ist auf den ergangenen Asylentscheid zu verweisen, welcher die- se Frage geklärt und eine Gefahr verneint hat. Der Be schwerdeführer macht im Weiteren gel- tend, dass er im Zusammenhang mit seiner Rückkehr in die Heimat Selbstmordgedanken hege und ihm diese daher auch aus gesundheitlicher Sicht nich t zumutbar sei. Dazu wird im ärztli- chen Bericht vom 21. März 2017 ausgeführt, dass der Beschw erdeführer hinsichtlich des psy- chischen Zustandes an seinen Grenzen sei. Er fühle sich nicht in der Lage, in der Türkei wieder ein Leben aufbauen zu können. Eine Ausreise aus der S chweiz würde für den Beschwerdefüh- rer angesichts seines psychischen Zustands eine schwere Belastung darstellen, da dem Patien- ten eine Perspektive und das Helfersystem in seinem Heimatl and fehlen würden. Der Be- schwerdeführer hege dann auch Selbstmordgedanken im Zusa mmenhang mit seiner Rückkehr (vgl. ärztlicher Bericht von Dr. D.____, Psychiatrie Z.____, vom 21. März 2017). Dazu ist festzu- stellen, dass eine Behandlung psychischer Erkrankungen gemäss der Länderanalyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe betreffend die Pflegeb etreuung und psychiatrische Behand- lung in der Türkei vom 28. November 2013 grundsätzlich möglich ist. Es sind sowohl psychiatri- sche Krankenhäuser als auch psychiatrische Abteilungen in Ge neral Hospitals und Teaching Hospitals vorhanden und entsprechende Medikamente erhäl tlich. Damit besteht eine hinrei- chende medizinische Versorgung im Heimatland des Beschwer deführers. Die Behörden sind sodann gehalten, im Rahmen der konkreten Rückkehrmassnahmen alles ihnen Zumutbare vor- zukehren, um medizinisch bzw. betreuungsmässig sicherzustelle n, dass das Leben und die Gesundheit der betroffenen Person nicht beeinträchtigt wird; sie sind verfassungsrechtlich je- doch nicht verpflichtet, im Hinblick auf eine psychisch kritische Situation in Abweichung von den gesetzlichen Vorgaben dem Ansinnen auf Erteilung bzw. V erlängerung einer Aufenthaltsbewilli- gung zu entsprechen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2 C_615/2015 vom 6. August 2015 E. 2.2; BGE 139 II 393 E. 5.2.2). Es ist somit davon auszugehen, dass es dem Beschwerdeführer – insbesondere angesichts seines sozialen Umfeldes im Heimatla nd – zumutbar ist, dorthin zu- rückzukehren. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewill igung erweist sich somit als verhält- nismässig, was zur Abweisung der Beschwerde führt. 6.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 A bs. 1 VPO ist das verwaltungs- gerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenp flichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden na ch § 20 Abs. 3 VPO in der Regel Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer legt. Vorliegend sind die Verfah- renskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1'400.-- dem u nterlegenen Beschwerdeführer aufzu- erlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu verrechnen. 6.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die ausserordentlichen Kosten sind demnach wettzuschlagen. 6.3 Soweit der Beschwerdeführer in seiner Replik – ohn e Bezugnahme auf die in Rechts- kraft erwachsene Verfügung vom 29. November 2016 – das Gesuch um unentgeltliche Rechts- pflege stellt, macht er keine neuen Sachumstände geltend, welche die (wiedererwägungsweise) Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege rechtfertigen könnten. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführer hat die Schweiz spätestens 30 Ta ge nach Rechtskraft dieses Urteils zu verlassen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 25. Januar 2018 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 2C_48/2018) erhoben