Entscheid des Kantonsgerichts Basel - Landschaft, Abteilung Verfassungs - und Verwaltungsrecht vom 28. März 2018 (810 17 117) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Ausscheidung Gewässerraum / Koordinationspflicht Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk - Vögtli , Kantonsrichter Christian Haidlauf , Markus Clausen , Beat Walther , Yves Thommen, Gericht s- schreiber Stefan Suter Beteiligte Stadt Liestal , Rathausstrasse 36, Postfach , 4410 Liestal , Beschwerd e- führerin g egen Regierungsrat des Kantons Basel - Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner 1. Einwohnergemeinde Arboldswil , Ziefnerstrasse 11 , 4424 Arboldswil, Beigeladene 2. Einwohnergemeinde Bennwil , Hauptstrasse 42 , 4431 Bennwil, Beigeladene 3. Einwohnergemeinde Bretzwil, Kirchgasse 3, 4207 Bretzwil, Beigeladene 4. Einwohnergemeinde Bubendorf , Hintergasse 20, 4416 Bubendorf, Beigeladene Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Einwohnergemeinde Hölstein , Bündtenweg 40, 4434 Hölstein, Beigeladene 6. Einwohnergemeine Lampenberg , Hauptstrasse 40, 4432 Lampenberg, Beigeladene 7. Einwohnergemeinde Langenbruck , Kräheggweg 1, 4438 Langenbruck, Beigeladene 8. Einwohnergemeinde Lauwil , Lammetstrasse 3, 4426 Lauwil, Beigeladene 9. Einwohnerg emeinde Liedertswil , Reigoldswilerstrasse 16, 4436 Liedertswil, Beigeladene 10. Einwohnergemeinde Lupsingen , Liestalerstrasse 14, 4419 Lupsingen, Beigeladene 11. Einwohnergemeinde Niederdorf , Kilchmattstrasse 5, 4435 Niederdorf, Beigeladene 12. Einwohnergemeinde Oberdorf , Dorfstrasse 6, 4436 Oberdorf, Beigeladene 13. Einwohnergemeinde Ramlinsburg , Poststrasse 4, 4433 Ramlinsburg, Beigeladene 14. Einwohnergemeinde Reigoldswil , Unterbiel 15, 441 Reigoldswil, Beigeladene 15. Einwohnergemeinde Seltisberg , Liestalerstrasse 4, 4411 Seltisberg, Beigeladene 16. Einwohnergemeinde Titterten , Hauptstrasse 42, 4425 Titterten, Beigeladene 17. Einwohnergemeinde Waldenburg , Hauptstrasse 38, 4437 Waldenburg, Beigeladene 18. Einwohnergemeinde Ziefen , Haup tstrasse 107, 4417 Ziefen, Beigeladene Betreff Kantonaler Nutzungsplan Gewässerraum Los 1 - Frenkentäler (RRB Nr. 592 vom 2. Mai 2017) A. In Nachachtung des bundesrechtlichen Auftrags zur Verhinderung und Behebung nac h- tei liger Einwirkungen auf Gewässer beschloss die Bau - und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel - Landschaft (BUD) mit separaten Entscheiden vom 16. August 2016 für 18 Gemeinden Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht der beiden Frenkentäler (Los 1) je einen kantonalen Nutzungsplan Gewässerraum, de r den Gewässerraum für ausserhalb der Bauzone der jeweiligen Gemeinden liegende Gewässer au s- scheidet. Die Pläne betreffen die Einwohnergemeinden Arboldswil (Entscheid - Nr. 259) , Bennwil (Nr. 260) , Bretzwil (Nr. 261) , Bubendorf (Nr. 262), Hölstein (Nr. 263) , Lampenberg (Nr. 264) , Langenbruck (Nr. 265) , Lauwil (Nr. 266) , Liedertswil (Nr. 276) , Lupsingen (Nr. 267) , Niederdorf (Nr. 268) , Oberdorf (Nr. 269) , Ramlinsburg (Nr. 270) , Reigoldswil (Nr. 271) , Seltisberg (Nr. 272) , Titterten (Nr. 273) , Waldenburg (Nr. 2 74) sowie Ziefen (Nr. 275). Innerhalb der Auflagefrist gi n- gen zu den verschiedenen Plänen insgesamt 55 Einsprachen von Privatpersonen, Gemeinden und Interessenverbänden ein, darunter auch eine der Stadt Liestal, welche im Gebiet Helge n- weid der Gemeinde Höl stein Grundwasserfassungen für die Trinkwasserversorgung der Stadt betreibt. Die Verständi gungsverhandlung führte in ihrem Fall zu keiner Einigung. B. Die unerledigten Einsprachen - auch diejenige der Stadt Liestal - wies der Regierungsrat des Kantons Bas el - Landschaft (Regierungsrat) mit Regierungsratsbeschluss Nr. 592 vom 2. Mai 2017 allesamt ab, soweit er auf sie eintrat und sie nicht gegenstandslos oder erledigt waren. Im Entscheid führte er soweit nachfolgend relevant aus, die Stadt Liestal befürchte n e- gative Auswirkungen für ihre Grundwasserfassung für den Fall einer Renaturierung der Vord e- ren Frenke. Der betroffene Gewässerabschnitt sei in der Tat vom Richtplan und von der strat e- gischen Revitalisierungsplanung des Kantons erfasst. Das Gebiet eigne sic h ausserordentlich für eine Revitalisierung, weshalb diese aufgrund des grossen ökologischen Nutzens mit hoher Priorität verfolgt werde. Das Gesetz erlaube grundsätzlich bauliche Schutzmassnahmen, um eine Infiltration von Wasser der Vorderen Frenke in den Anströmbereich der Grundwasserfa s- sung zu verhindern. Die Festlegung des Gewässerraums an sich stelle aber noch kein Baupr o- jekt für eine Revitalisierung dar, weshalb weder Zusicherungen baulicher Massnahmen noch Beurteilungen zu deren Eignung oder über Gefä hrdungen des Grundwassers abgegeben we r- den könnten. Auf eine Ausscheidung des Gewässerraums könne im Übrigen gemäss Bunde s- recht nicht verzichtet werden. C. Gegen den Regierungsratsbeschluss erhob die Stadt Liestal mit Eingabe vom 12. Mai 2017 Beschwerde b eim Kantonsgericht Basel - Landschaft, Abteilung Verfassungs - und Verwa l- tungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragt, der angefochtene Entscheid sei vollumfänglich au f- zuheben. Eventualiter sei der Entscheid aufzuheben, soweit er das Grundwasser tangiert. Su b- ev entualiter sei der Entscheid aufzuheben und der Regierungsrat anzuweisen, auf eine Au s- dehnung des Gewässerraums im Bereich zwischen de n Parzellen Nr. 558 und Nr. 564, Grun d- buch Hölstein, in linksufriger Flussrichtung der Vorderen Frenke (Helgenweid) zu ver zichten. Subsubeventualiter sei der Entscheid aufzuheben und der Regierungsrat anzuweisen, den Nu t- zungsplan mit verbindlichen (planerischen) Anordnungen zum Schutz des Grund wassers - n a- mentlich flankierenden Massnahmen, welche die Verschlechterungen für d ie Grundwasserfa s- sung im Falle von baulichen Massnahmen an der Vorderen Frenke kompensieren wür den - zu ergänzen; dies alles unter o/e - Kostenfolge. Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, der Regierungsrat habe es versäumt, die Ge wässerraumausscheidung im streitbetroffenen Bereich mit den bundesrechtlichen und kantonalen Grundwasserschutzvo r- schriften in Einklang zu bringen. Sie beziehe 50 % ihres Trinkwassers aus dem Grundwasse r- vorkommen im Gebiet Helgenweid. Mit dem angefochtenen Entscheid verlagere der Kanton Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Gewässerraum der Vorderen Frenke näher an die Grundwasserfassung. Er verschaffe sich dadurch die planerische Legitimation, um schützende Uferbauten zu entfernen und Verkehrsa n- lagen näher an die Fassungen zu legen. Ein von ihr eingeholtes hydrologisches Gutachten ze i- ge, dass ein Revitalisierungsprojekt die Infiltration von Wasser der Vorderen Frenke in das Grundwasser beschleunigen sowie die Filterwirkung des natürlich gewachsenen Bodens zw i- schen Vorderer Frenke und den Pum pwerken reduzieren könne, was die Qualität des Trin k- wassers negativ beeinflussen könne. Der Grundwasserschutz gehe indes einer Gewässerrev i- t a lisierung immer vor. Der Schutz sei auch planerisch abzusichern, was der Regierungsrat vo r- liegend in Verletzung von Bundesrecht unterlassen habe. D. In ihrer Vernehmlassung vom 25. August 2017 unterstützt die Einwohnergemeinde Hö l- stein das Begehren der Beschwerdeführerin. Die Gemeinde beziehe durch vertragliche Abspr a- che mit der Beschwerdeführerin Rohwasser ab dem Grundwasservorkommen und bereite di e- ses zu Trinkwasser auf. Ihre Interessenlage sei gleichlautend mit derjenigen der Beschwerd e- führerin. E. Der Regierungsrat schliesst in seiner Vernehmlassung vom 2. Oktober 2017 auf koste n- fällige Abweisung der Beschwerde , soweit darauf einzutreten sei. Er legt insbesondere dar, dass mit der angefochtenen Ausscheidung des Gewässerraums noch keine Renaturierung ve r- bunden sei und das Grundwasser durch die Planung in keiner Weise tangiert werde. Auch b e- halte die bestehende ko mmunale Grundwasserschutzzone ihre Gültigkeit. F . Die übrigen Gemeinden haben sich nicht vernehmen lassen. G . Die Beschwerdeführerin repliziert mit Eingabe vom 22. November 2017 und unte r- streicht, dass Gewässerraumausscheidung und Renaturierung wesensgem äss miteinander verknüpft seien. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Soweit die Beschwerdeführerin Beschwerde wegen Verletzung der Gemeindeautonomie nach § 41 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erhebt, zeigt sie nicht auf, dass sie durch den angefochtenen Entscheid in ihrer Eigenschaft als Trägerin hoheitlicher Gewalt berührt ist bzw. inwiefern sie im betreffenden Sachbereich einen relativ erheblichen Entscheidungsspielraum habe n soll ( vgl. Urteil des Ka n- tonsgerichts, Abteilung Verfassungs - und Verwaltungsrecht [KGE VV] , vom 16. Januar 2018 [810 17 303] E. 6; BGE 140 I 90 E. 1.1 ). Die Eingabe kann somit nicht als Autonomiebeschwe r- de entgegengenommen werden. 1.2 Gemäss § 43 Abs. 1 VPO ist gegen Verfügungen und Entscheide des Regierungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zulässig. Zur verwaltungsgerich t- lichen Beschwerde ist nach der allgemeinen Legitimationsklausel befugt, wer durch die ang e- fochtene Verfü gung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Int e-Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht resse an dessen Aufhebung oder Änderung hat (§ 47 Abs. 1 lit. a VPO). Diese Regelung ist in erster Linie auf Privatpersonen zugeschnitten, doch kann sich auch das Gemeinwesen dara uf stützen, falls es durch einen angefochtenen Entscheid gleich oder ähnlich wie ein Privater oder aber in spezifischer Weise in der Wahrnehmung einer hohe itlichen Aufgabe betroffen wird (KGE VV vom 13. September 2017 [810 16 386] E. 1 ; KGE VV vom 30. Juni 2010 [810 09 440] E. 1.2 ). Die Beschwerdeführerin ist Eigentümerin der im Gewässerraum zu liegen kommenden streitgegenständlichen Parzellen in Hölstein und damit vorliegend gleich wie ein privater Grun d- eigentümer zur verwaltungsgerichtlichen Beschwerde le gitimiert, zumal sie sich bereits am Ei n- spracheverfahren beteiligt hat (§ 47 Abs. 2 VPO) . Da die Beschwerde zudem form - und fristg e- recht (§ 48 VPO) eingereicht wurde, kann darauf eingetreten werden. 1.3 Die Beschwerdeführerin beantragt die vollumfängliche Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Aus der Beschwerdebegründung geht jedoch klar hervor, dass sie lediglich den die Gemeinde Hölstein betreffenden Plan (Entscheid - Nr. 263) anficht und dessen Aufhebu ng ve r- langt. Ihr Begehren ist in diesem Sinne zu verstehen. Sämtliche Beschwerdebegehren sind i n- des innert der gesetzlich vorgeschriebenen Frist zu stellen (§ 5 Abs. 1 VPO). Soweit die B e- schwerdeführerin in der Beschwerdebegründung vom 20. Juli 2017 ihre R echtsbegehren inhal t- lich abändert und teilweise ausdehnt, tut sie dies nach Ablauf der Beschwerdefrist. Die nac h- träglichen Änderungen haben dementsprechend für die nachfolgende Beurteilung unbeachtlich zu bleiben. 2.1 Die Kognition des Kantonsgerichts bes chränkt sich gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen bzw. zu prüfen, ob die Vorinstanz ein allfälliges Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kann beurte ilt werden, ob diese den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festg e- stellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht dagegen im vorliege n- den Fall verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 2.2 Das Kantonsgericht kann aufgrund der eingesch ränkten Kognition nicht überprüfen, ob das eingeräumte Planungsermessen zweckmässig ausgeübt worden ist. Es hat zudem als B e- schwerdeinstanz keine eigene Planungswahl. Das Gericht muss sich auf seine Überprüfung s- funktion im Rahmen des Rechtsmittelverfahrens beschränken und darf demzufolge keine neuen Anordnungen im Bereich der Planung treffen (vgl. P ETER H ÄNNI , Planungs - , Bau - und besond e- res Umweltschutzrecht, 6. Aufl., Bern 2016, S. 551). Ein Beschwerdeführer darf sich demzufo l- ge nicht mit allgemeiner Kriti k an den Planfestsetzungen und Änderungsanträgen begnügen. Er hat in der Beschwerde vielmehr konkret aufzuzeigen, inwiefern der angefochtene Plan Recht verletzt. So kann im kantonsgerichtlichen Rechtsmittelverfahren über den Nutzungsplan etwa vorgebracht w erden, eine Planfestsetzung widerspreche den Planungsgrundsätzen oder dem Richtplan. Als Rechtsfrage kann das Kantonsgericht insbesondere voll überprüfen, ob der Plan auf einer umfassenden und inhaltlich korrekt vorgenommenen Interessenabwägung beruht. Ein e fehlerhafte Interessenabwägung kann entweder auf einer ungenügenden oder unvollstä n- digen Sachverhaltsabklärung oder aber auf einer unzureichenden Ermittlung, Gewichtung und Abwägung der beteiligten Interessen gründen. Bei ausgesprochenen Fachfragen und k ompl e- xen Interessenabwägungen ist den planerischen Fachbehörden allerdings ein Beurteilung s-Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht spielraum bei der Interessengewichtung und - abwägung zu belassen und ist aufgrund der b e- schränkten Sachkunde des Gerichts Zurückhaltung angezeigt (vgl. S TEPHAN W ULLS CHLEGER , Die Rolle der Verwaltungsgerichte bei umweltrechtlichen Interessenabwägungen, URP 2018, S. 131 ff.; H EINZ A EMISEG GER / S TEPHAN H AAG , Praxiskommentar zum Rechtsschutz in der Raumplanung, Zürich 2010, Art. 33 RPG Rz. 74). Das Kantonsgericht kann dem nach vorli e- gend einzig darüber befinden, ob die Planfestsetzung widerrechtlich ist, und bejahendenfalls die Angelegenheit zur Überarbeitung an die Planungsinstanz zurückweisen. 2.3 Die derart auf Sachverhalts - und Rechtsfragen beschränkte Kognitionsbefugn is en t- spricht den bundesrechtlichen Anforderungen an Rechtsmittel für raumwirksame Tätigkeiten. So hat das kantonale Recht nach Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über die Raumpl a- nung (RPG) vom 22. Juni 1979 die volle Überprüfung von Verfügungen und Nutzungsplänen durch wenigstens eine Beschwerdebehörde zu gewährleisten. Diesen Anforderungen genügt es nach ständiger Rechtsprechung, wenn der Regierungsrat als Rechtsmittelbehörde mit voller Kognition über Einsprachen entscheidet (KGE VV vom 14. Septembe r 2016 [810 15 350] E. 2.2; vgl. auch BGE 127 II 238 E. 3b/bb; BGE 119 Ia 321 E. 5c; H ÄNNI , a.a.O., S. 549; B ERNHARD W ALD MANN / P ETER H ÄNNI , Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 33 RPG Rz. 74 f.). 3. Der im Rahmen eines indirekten Gegenentwurfs zur (später zurückgezogenen) Volksin i- tiative "Lebendiges Wasser" neu in das Gesetz eingefügte Art. 36a des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer (GSchG) vom 24. Januar 1991 verpflichtet die Kantone, nach Anh ö- rung der betroffenen Kreise den Raumbedarf der oberir dischen Gewässer festzulegen. Dieser Gewässerraum gewährleistet nach Art. 36a Abs. 1 GSchG die natürlichen Funktionen der G e- wässer (lit. a), den Schutz vor Hochwasser (lit. b) und die Gewässernutzung (lit. c). Die Kantone sorgen dafür, dass der Gewässerrau m bei der Richt - und Nutzungsplanung berücksichtigt s o- wie extensiv gestaltet und bewirtschaftet wird (Art. 36a Abs. 3 Satz 1 GSchG). Die Gewässe r- schutzverordnung (GSchV) vom 28. Oktober 1998 macht in den Art. 41a (Fliessgewässer) und Art. 41b (stehende Gew ässer) detaillierte (Minimal - )Vorgaben für die Ausscheidung des G e- wässerraums. Die Übergangsbestimmungen der GSchV zur Änderung vom 4. Mai 2011 schre i- ben den Kantonen vor, den Gewässerraum bis Ende Dezember 2018 festzulegen. Ausserhalb der Bauzonen setzt d er Kanton Basel - Landschaft diese Vorgaben des Bundesrechts um, indem er den Gewässerraum in der Form kantonaler Nutzungspläne ausscheidet (vgl. § 12a des ka n- tonalen Raumplanungs - und Baugesetzes [RBG] vom 8. Januar 1998). Die kantonalen Nu t- zungspläne sind von der Bau - und Umweltschutzdirektion zu erlassen, wobei die Ausscheidung des Gewässerraums keiner Genehmigung durch den Landrat bedarf (§ 13 Abs. 2 RBG). 4. Die Beschwerdeführerin verlangt, dass im Bereich ihrer Grundwasserfassung im Quel l- gebiet Helgenw eid in Hölstein auf die Gewässerraumausscheidung an der Vorderen Frenke zu verzichten sei. Art. 36a GSchG enthält jedoch eine generelle Verpflichtung zur Ausscheidung des Gewässerraums. Nur in den in Art. 41a Abs. 5 GSchV aufgezählten Fällen kann auf die F estlegung des Gewässerraums verzichtet werden, soweit keine überwiegenden Interessen entgegenstehen. Diese Bestimmung ist hier nicht einschlägig. Das im fraglichen Abschnitt vol l- ständig verbaute Flussbett macht den Fluss offensichtlich nicht zu einem künst lich angelegten Gewässer im Sinne von Art. 41a Abs. 5 lit. c GSchV. Bei grossen Fliessgewässern wie der Vo r-Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht deren Frenke müssen die Kantone den Gewäs serraum vielmehr in jedem Einzelfall festlegen. Die minimale Gewässerraumbreite wird dabei in Art. 41a GSchV klar vorgeschrieben . Eine R e- duktion ist nach Art. 41a Abs. 4 GSchV nur bei dicht überbauten oder hier nicht gegebenen speziellen topografischen Verhältnissen möglich. Es ist den Kantonen verwehrt, weitere Redu k- tionstatbestände einzuführen ( Bundesamt für U mwelt [BAFU], Erläuternder Bericht zur Initiative "Schutz und Nutzung der Gewässer" [07.492] - Änderung der Gewässerschutz - , Wasserbau - , Energie - und Fischereiverordnung vom 20. April 2011, S. 3; C HRISTOPH F RITZSCHE , in: Hettich/ Jansen/ Norer [Hrsg.], Kom mentar zum Gewässerschutzgesetz und zum Wasserbaugesetz, Zürich 2016, Art. 36a GSchG Rz. 61; J EANNETTE K EHRLI , Spielräume der Kantone in der G e- setzgebung und der Rechtsanwendung , URP 2016, S. 744 f.; Urteil des BGer 1C_444/2015 vom 14. März 2016 E. 3.6.5). Daran ändert auch der von der Beschwerdeführerin angerufene Bestandesschutz für rechtskonform ausserhalb der Bauzone erstellte Anlagen nichts. Die A n- träge der Beschwerdeführerin auf Verzicht auf die Festlegung des Gewässerraums oder ( sub - )even tua li ter auf dessen Reduktion unter die Mindestbreite sind somit beide mit Bunde s- recht nicht vereinbar, wie die Vor instanz zutreffend festgehalten hat. Die Beschwerde ist die s- bezüglich unbegründet. 5. 1 Die Beschwerdeführer in macht im Wesentli chen geltend, dass aus dem Grundwasse r- vorkommen im Quellgebiet 50 % des von der Stadt Liestal bezogenen Trinkwassers stamme. Mit der Gewässerraumausscheidung verlege der Kanton den Gewässerraum der Vorderen Frenke näher an ihren Grundwasserbrunnen und vers chaffe sich die planerische Legitimation für wasserbauliche Massnahmen zur Revitalisierung des Gewässers. Im streitgegenständlichen Bereich verlaufe die Vordere Frenke streng geometrisch parallel zur Trasse der Waldenbu r- gerbahn und zur Kantonsstrasse (Haue nsteinstrasse) in einem Betonkorsett. Ein Revitalisi e- rungsprojekt würde die Infiltration von Wasser der Vorderen Frenke in das Grundwasser b e- schleunigen sowie die Filterwirkung des natürlich gewachsenen Bodens zwischen dem Fluss und den Pumpwerken reduzier en. 5.2 Die Beschwerdeführerin übersieht, dass mit der Ausscheidung des Gewässerraums l e- diglich der Raum für eine allfällige Revitalisierung der Fliessgewässer gesichert wird . Gemäss Art. 38a GSchG haben die Kantone für die Revitalisierung von Gewässern z u sorgen. Sie sind zur Planung von Revitalisierungen verpflichtet , was in Art. 41d GSchV konkretisiert wird. Revit a- lisierung ist die Wiederherstellung der natürlichen Funktionen eines verbauten, korrigierten, überdeckten oder eingedolten oberirdischen Gewä ssers mit baulichen Massnahmen (Art. 4 lit. m GSchG). D ie Revitalisierungspflicht bezieht sich primär auf Fliessgewässer, die verb aut oder korrigiert worden sind ( F RITZSCHE , Kommentar GSchG, a.a.O., Art. 38a GSchG Rz. 10). Massnahmen zur Revitalisierung si nd insbesondere die Wiederherstellung des natürlichen Ve r- laufs und die naturnahe Gestaltung von Gewässern und Gewässerräumen. Derartige Revital i- sierungen stellen eine ö kologische und landschaftliche Aufwertung der Gewässer und de rer Gewässerräume dar. Dami t sollen die Gewässer langfristig Ökosystemfunktionen (sauberes Wasser, Anreicherung Grundwasser, Lebensraum für Flora und Fauna, Erholungsraum, etc.) erfüllen können. Zudem soll sichergestellt werden, dass Gewässer naturnahe, prägende El e- mente der Landschaft bilden ( BAFU, Erläuternder Bericht Änderung GSchV 2011, a.a.O., S. 5 f.). Die planerische Sicherung des künftigen Raumbedarfs für Revitalisierungen ist ein tr a-Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gendes Element des wirksamen Vollzugs der gewässerschutzrechtlichen Revitalisierungspf licht. Vorliegend kommt hinzu, dass der Kantonale Richt plan den Bereich der Grundstücke der B e- schwerdeführerin als Vorranggebiet Natur und die Vordere Frenke als aufzuwertenden Flies s- gewässerabschnitt bestimmt. Insoweit handelt es sich bei der Gewässerrau mfestlegung im vo r- liegenden Fall - in Übereinstimmung mit den politischen Grundsatzentscheiden - in der Tat auch um eine vorbereitende Arbeit für mittelfristig konkret zu erwartende wasserbauliche Mass - nahmen zur ökologischen Aufwertung . Die Beschwerdeführ erin übersieht aber, dass dies nur einer von mehreren Zwecken der vorliegenden Planung ist. Die Gewässerraumausscheidung dient ebenso dem Hochwasserschutz und etabliert zugleich eine Schutzzone mit restriktivem Bau - und Nutzungsregime (Art. 41c GSchV). Sel bst wenn das Interesse am Grundwasse r- schutz einem Revitalisierungsprojekt im streitgegenständlichen Gewässerabschnitt von Vornh e- rein entgegenstehen würde, wie es die Beschwerdeführerin geltend macht, so könnte nicht auf die Ausscheidung verzichtet werden u nd wäre diese im Hinblick auf die aufgezeigten übrigen Funktionen des Gewässerraums auch nicht sinnlos. 5.3 Es ist an dieser Stelle noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Festlegung des G e- wässerraums mit der Revitalisierung in keinem direkten Zusammenha ng steht . Die Revitalisi e- rungspflicht besteht nach der gesetzgeberischen Intention unabhängig von der Gewässe r- raumausscheidung ( vgl. Bericht der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie [ UREK ] des Ständerates vom 12. August 2008 zur parlamentarischen Initiative " Schutz und Nutzung der Gewässer " , BBl 2008 8043, S. 8059). Die Argumentation der Beschwerdeführer in basiert deshalb - wie dies der Beschwerdegegner in der Vernehmlassung zutreffend a n- führt - auf einer falschen Prämis se. Die Gewässerraumaussche idung ist voraussetzungslos durchzuführen und nicht nur im Hinblick auf konkrete Revitalisierungsprojekte. Umgekehrt löst sie auch keine wasserbaulichen Massnahmen aus, weshalb die Revitalisierung der Vorderen Frenke nicht Gegenstand des vorliegenden Verfa hrens bildet. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung wird mit der Ausscheidung auch das geplante Revitalisierungsprojekt nicht präjudiziert. 5. 4 Wie auch das BAFU als Fachbehörde des Bundes für den vorliegenden Fall klar festg e- halten hat, steht die Ausscheidung des Gewässerraums entgegen der Auffassung der B e- schwerdeführerin für sich allein nicht im Konflikt mit dem Grundwasserschutz (vgl. Schreiben des BAFU an die BUD vom 2. Juni 2017). Erst im Rahmen von konkreten Revitalisierungspr o- jekte n ist die von der Beschwerdeführerin geforderte Interessenabwägung zwischen Renaturi e- rung und Grundwasserschutz durchzuführen. Die Interessen des Grundwasserschutzes werden durch die Gewässerraumausscheidung nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil geht mit dem erweite r- ten Gewässerraum eine Extensivierung der Nutzung einher, welche sich positiv auf die Grun d- wasserqualität auswirken dürfte. Im Übrigen gilt es zu betonen, dass die bestehende kommun a- le Grundwasserschutzzone im Gebiet Helgenweid durch den vorliegende n Plan in keiner Art und Weise tangiert oder gar nach § 12 Abs. 4 RBG vollständig verdrängt wird. Sie behält ihre Gültigkeit und Schutzwirkung vollumfänglich. 6.1 Im Hinblick auf die anzustrebende räumliche Entwicklung sind Planungen nach Art. 2 Abs. 1 RPG und Art. 2 der Raumplanungsverordnung (RPV) vom 28. Juni 2000 mit anderen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Planungen zu koordinieren. Die Behörden stimmen die raumwirksamen Tätigkeiten aufeinander ab, wenn diese einander ausschliessen, behindern, bedingen oder ergänzen (Art. 2 Abs. 3 RPV). Die Planungsträger aller Staatsebenen haben sämtliche raumwirksamen Planungen mit allen anderen raumwirksamen Planungen abzustimmen. In diesem Abstimmungsgebot findet der Grundsatz der durchgehenden Planung sichtbaren Ausdruck. Das Ziel der Abstimm ung liegt darin, eine kohärente und in sich widerspruchsfreie Raumordnung zu schaffen und Umweltei n- wirkungen ganzheitlich zu beurteilen ( W ALDMANN / H ÄNNI , a.a.O., Art. 2 RPG Rz. 50 ff.). Bei Pl a- nungen nach dem Gewässerschutzgesetz wird eine raumwirksame Tät igkeit erfüllt, weshalb eine umfassende Koordinationspflicht besteht (vgl. Art. 46 GSchV). Daraus ergeben sich S y- nergien der Planung von Gewässerräumen und Revitalisierungen insbesondere mit Massna h- men in den Bereichen Schwall und Sunk, Geschiebe und Hochw asserschutz, aber auch mit Infrastrukturprojekten, Meliorationen oder anderen Planungen, die Auswirkungen auf Gewässer haben ( F RITZSCHE , a.a.O., Vor Art. 36a - 44 GSchG Rz. 20 ff.). 6.2 Die Grundwasserfassung der Beschwerdeführerin befindet an einer schmale n Stelle des Waldenburgertals, wo die Kantonsstrasse und die Waldenburgerbahn Platz entlang der Vord e- ren Frenke beanspruchen. Der Gewässerabschnitt rund um die Grundwasserfassung ist B e- standteil der strategischen Revitalisierungsplanung des Kantons, der di esen Teilbereich als mit hoher Priorität zu revitalisierendes Gewässer in das Wasserbaukonzept 2015 aufgenommen hat. Gleichzeitig ist die Kantonsstrasse in einem sanierungsbedürftigen Zustand, weshalb ein Sanierungsprojekt aufgegleist wird. Die Waldenburge rbahn - heute Teil der BLT Baselland Transport AG - plant gleichzeitig einen Ausbau der Bahnstrecke auf Doppelspur, was zusätzl i- chen Platz beanspruchen wird und vom Bund im Rahmen eines Plangenehmigungsverfahrens bewilligt werden muss. Es ist somit festzustellen, dass zur Zeit im streitgegenständlichen Pl a- nungsperimeter mehrere komplexe Infrastrukturprojekte in verschiedenen Stadien unter Beteil i- gung aller drei Staatsebenen vorangetrieben werden. Die Befürchtung der Beschwerdeführerin, d em Grundwasserschutz könnte bei dieser Sachlage die gebotene Beachtung versagt werden, ist verständlich. Ihr ist darin beizupflichten, dass der Schutz des Grundwassers ein prioritär zu beachtendes raumplanerisches Interesse darstellt. Die Thematik der rege n anderweitigen Pl a- nungstätigkeit im Zusammenhang mit den diversen Infrastrukturvorhaben und deren enger Konnex zum Grundwasserschutz fand keinen Eingang in den Planungsbericht vom 19. Juli 2016. Auf dem Plan finden sich ebenfalls keine entsprechenden Hinw eise. Insofern erscheint die erhobene Rüge der Verletzung des Abstimmungsgebot s unter den vorliegenden speziellen Umständen berechtigt. Die Planung erscheint im streitgegenständlichen Bereich de r Parzelle n Nr. 558 und 564 in dieser Beziehung unvollständig. Um ein (auch) bezüglich Grundwasse r- schutz koordiniertes Vorgehen der verschiedenen Planungsträger in diesem sensiblen Gebiet sicherzustellen, ist der Nutzungsplan Gewässerraum zumindest dahingehend anzupassen, dass das Anliegen des Grundwasserschutzes im Plan sichtbar zum Ausdruck kommt. Ob diese Anpassung durch das Hinzufügen orientierender Inhalte oder durch planerische Änderungen zu geschehen hat, bleibt dem Ermessen der Planungsbehörde überlassen (vgl. vorne E. 2.2), an welche das Verfahren zurückzuwei sen sein wird. Soweit die Beschwerdeführerin weitergehende konkrete planerische Anordnungen zum Schutz des Grundwassers für den Fall wasserbaulicher Massnahmen verlangt, kann dieses Anliegen nicht Gegenstand der vorliegenden Planung bi l-Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht den. Die Beschwerdef ührerin wird ihren Standpunkt im Rahmen der konkreten einzelnen Pr o- jekte in die jeweiligen Verfahren einbringen können. 7. Nach dem Ausgeführten ist der angefochtene Entscheid in teilweiser Gutheissung der Beschwerde im streitgegenständlichen Planbereich aufzuheben. Die Angelegenheit ist zur Überarbeitung im Sinne der obenstehenden Erwägungen an die Bau - und Umwelt schutz - direktion zurückzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kos tenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Au s- mass auferlegt, wovon die Vorinstanzen allerdings grundsätzlich ausgenommen sind (§ 20 Abs. 3 VPO). D a dem Beschwerdegegne r im vorliegenden Fall keine Verfahrenskosten aufe r- legt werden können, werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'200. -- zurückzuerstatten. Die nicht anwaltlic h vertretene Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf Zusprechung einer Parteientschäd i- gung ( § 21 Abs. 1 VPO ). Die Parteikosten sind dementsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Regierungsratsb e- schluss Nr. 592 vom 2. Mai 2017 , soweit den Plan Hölstein ( Entscheid - Nr. 263) im Bereich de r Parzelle n Nr. 558 und 564, Grundbuch Hölstein, betreffend, aufgehoben und die Sache zur Überarbeitung des Nutzung s- plans im Sinne der Erwägunge n an die Bau - und Umweltschutzdirektion zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'200. -- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber