<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 5 S.35</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">35</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>5</b></span> <span class="ft1"><b>1. Art. 50 Abs. 1 LugÜ; Art. 80/81 Abs. 1 und 3 SchKG.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Eine in Deutschland aufgenommene und zwangsvollstreckbare öffentliche</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Urkunde ist gleich einem vollstreckbaren gerichtlichen Entscheid in der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Schweiz als definitiver Rechtsöffnungstitel für die danach ausgewiesene</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Forderung im Betreibungsverfahren durch definitive Rechtsöffnung voll-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>streckbar zu erklären und zur Zwangsvollstreckung zuzulassen (E. 1a</b></span><br/> <span class="ft1"><b>und 4a und b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft1"><b>2. Art. 80/81 bzw. 82/83 SchKG.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Ob definitive oder provisorische Rechtsöffnung zu erteilen sei, ist als</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Rechtsfrage unabhängig vom Rechtsöffnungsantrag des Gläubigers von</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Amtes wegen zu entscheiden (E. 4b)</b></span><br/> <br/> <span class="ft1"><b>3. Der Gläubiger, der mangels Einreichung der für die Rechtsöffnung er-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>forderlichen Unterlagen mit seinem Rechtsöffnungsbegehren abgewiesen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>worden ist, ist berechtigt, dieses unter Nachreichung der erforderlichen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Unterlagen binnen der Gültigkeitsdauer des Zahlungsbefehls (Art. 88</b></span><br/> <span class="ft1"><b>SchKG) beim erstinstanzlichen Rechtsöffnungsrichter zu erneuern (E. 4c</b></span><br/> <span class="ft1"><b>und d; Bestätigung der Rechtsprechung).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 18. Mai 2005 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen W. Bank AG gegen H. W.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. Mit auf dem Notariat 5 Lörrach in Deutschland durch Notar</span><br/> <span class="ft4">X. in vollstreckbarer Ausfertigung errichteter öffentlicher Urkunde</span><br/> <span class="ft4">vom 3. April 2001 (Urkundenrolle 866/01) wurde in Anwesenheit der</span><br/> <span class="ft4">Grundstücksverkäufer und des Grundstückkäufers H. W. für ein die-</span><br/> <span class="ft4">sem gewährtes Darlehen der Bank W. AG eine ,,Grundpfandbestel-</span><br/> <span class="ft4">lung" zu Lasten des verkauften, im Grundbuch von H. (Deutschland)</span><br/> <span class="ft4">eingetragenen Grundstücks Y. als Pfandobjekt mit einer für die</span><br/> <span class="ft4">,,<b>W. Bank AG</b>" im Grundbuch einzutragenden "<b>Briefgrundschuld</b></span><br/> <span class="ft5"><b>über DM 157'000.--</b>, verzinslich von heute an mit 15 vom Hundert</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">36</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">jährlich und jederzeit fällig" mit "jährlich nachträglich" zu entrich-</span><br/> <span class="ft4">tenden Zinsen vorgenommen mit den Bestimmungen:</span><br/> <span class="ft6">"Wegen aller Ansprüche aus der Grundschuld unterwerfe/n ich/wir</span><br/> <span class="ft6">den/die jeweiligen Eigentümer/Erbbauberechtigten der sofortigen Zwangs-</span><br/> <span class="ft6">vollstreckung aus dieser Urkunde nach § 800 ZPO.</span><br/> <span class="ft6">...</span><br/> <span class="ft6">Der/Die Erschienene/n zu Ziffer 2</span> <span class="ft2">(</span><span class="ft6">H. W.) übernimmt/übernehmen</span><br/> <span class="ft6">hiermit für die Entrichtung des Grundschuldbetrags und der Zinsen die per-</span><br/> <span class="ft6">sönliche Haftung und unterwirft/unterwerfen sich wegen dieser persönli-</span><br/> <span class="ft6">chen Zahlungsverpflichtung als Gesamtschuldner der sofortigen Zwangs-</span><br/> <span class="ft6">vollstreckung in das gesamte Vermögen. Die Gläubigerin ist berechtigt, den</span><br/> <span class="ft6">Zahlungsanspruch aufgrund der persönlichen Haftung geltend zu machen,</span><br/> <span class="ft6">bevor sie die Zwangsvollstreckung in das Pfandobjekt betreibt.</span><br/> <span class="ft6">..."</span><br/> <span class="ft4">2. Die in Deutschland niedergelassene W. Bank AG betrieb</span><br/> <span class="ft4">H. W. an dessen schweizerischem Wohnsitz mit Zahlungsbefehl des</span><br/> <span class="ft4">Betreibungsamts V. vom 10. Mai 2004 gestützt auf diese in Deutsch-</span><br/> <span class="ft4">land zwangsvollstreckbar ausgefertigte und zwangsvollstreckbare öf-</span><br/> <span class="ft4">fentliche Urkunde für eine Forderung von Fr. 20'000.-- unter Angabe</span><br/> <span class="ft4">des Forderungsgrundes: ,,Darlehensforderung Titel Nr. 866/01 vom</span><br/> <span class="ft4">03.04.2001". Sie ersuchte nach dem Rechtsvorschlag des Beklagten</span><br/> <span class="ft4">mit Eingabe vom 23. August 2004 beim Gerichtspräsidium B. unter</span><br/> <span class="ft4">Vorlegung der zwangsvollstreckbaren Ausfertigung der öffentlichen</span><br/> <span class="ft4">Urkunde (866/01 vom 3. April 2001) und des Zahlungsbefehls um</span><br/> <span class="ft4">,,(provisorische) Rechtsöffnung".</span><br/> <span class="ft4">3. Das Gerichtspräsidium B. setzte mit Verfügung vom 13. Sep-</span><br/> <span class="ft4">tember 2004 dem Beklagten eine siebentägige Frist für eine allfällige</span><br/> <span class="ft4">Vernehmlassung zum Rechtsöffnungsbegehren an. Es entschied nach</span><br/> <span class="ft4">deren Eingang mit dem Antrag auf Zurück-, ev. Abweisung des</span><br/> <span class="ft4">Rechtsöffnungsbegehrens in Erwägung, dass die Klägerin ihre For-</span><br/> <span class="ft4">derung von Fr. 20'000.-- gemäss Art. 5 Ziff. 1 LugÜ bei dem für</span><br/> <span class="ft4">,,Klagen aus Verträgen" zuständigen ,,Richter am Erfüllungsort die-</span><br/> <span class="ft4">ser Bringschuld in Deutschland" geltend zu machen habe:</span><br/> <span class="ft6">,,Auf die Klage wird nicht eingetreten."</span><br/> <span class="ft4">4. Auf Beschwerde der Klägerin hin hob das Obergericht, 4. Zi-</span><br/> <span class="ft4">vilkammer, den angefochtenen Entscheid auf und wies das Rechts-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">37</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">öffnungsbegehren mangels Spezifizierung der auf die zwangsvoll-</span><br/> <span class="ft4">streckbare öffentliche Urkunde abgestützten Forderung ab mit dem</span><br/> <span class="ft4">Hinweis, dass es während der einjährigen Gültigkeitsdauer des Zah-</span><br/> <span class="ft4">lungsbefehls in erster Instanz unter Nachreichung der für die Rechts-</span><br/> <span class="ft4">öffnung erforderlichen Unterlagen erneuert werden könne.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft4">1. Die Klägerin hat den Beklagten mit Zustellung des</span><br/> <span class="ft4">Zahlungsbefehls Nr. 22670 des Betreibungsamts V. vom 10. Mai</span><br/> <span class="ft4">2004 für eine Forderung von Fr. 20'000.-- gestützt auf den als Forde-</span><br/> <span class="ft4">rungsurkunde genannten "Titel Nr. 866/01 vom 03.04.2001" am</span><br/> <span class="ft4">13. Mai 2004 betrieben (Art. 38 Abs. 2 i.V.m. Art. 69 SchKG). Sie</span><br/> <span class="ft4">hat in dieser Betreibung nach deren Einstellung durch Rechtsvor-</span><br/> <span class="ft4">schlag des Beklagten (Art. 74/78 SchKG) mit Eingabe vom 23. Au-</span><br/> <span class="ft4">gust 2004 bei der Vorinstanz als zuständigem Rechtsöffnungsrichter</span><br/> <span class="ft4">des Betreibungsorts (Art. 84 Abs. 1 SchKG i.V.m. § 13 Abs. 1 Bst. b</span><br/> <span class="ft4">AG SchKG) das summarische Rechtsöffnungsverfahren (Art. 25</span><br/> <span class="ft4">Ziff. 2 Bst. a i.V.m. Art. 84 Abs. 2 SchKG) eingeleitet und gestützt</span><br/> <span class="ft4">auf diese von ihr vorgelegte Forderungsurkunde, die in vollstreckba-</span><br/> <span class="ft4">rer Ausfertigung auf dem Notariat 5 Lörrach durch Notar X. erstellte</span><br/> <span class="ft4">öffentliche Urkunde vom 3. April 2001 über die Grundbuchbestel-</span><br/> <span class="ft4">lung mit Briefgrundschuld über DM 157'000.--, verzinslich mit 15 %</span><br/> <span class="ft4">jährlich nachträglich, und deren Eintragung im Grundbuch von H.,</span><br/> <span class="ft4">lastend auf dem als Pfandobjekt eingetragenen Grundstück Y. in H.</span><br/> <span class="ft4">(Deutschland) für die Klägerin als Gläubigerin zu Lasten des Beklag-</span><br/> <span class="ft4">ten als Schuldner, für die in Betreibung gesetzte Forderung von</span><br/> <span class="ft4">Fr. 20'000.-- provisorische Rechtsöffnung verlangt.</span><br/> <span class="ft4">a) Gemäss dem für die Schweiz am 1. Januar 1992 und für</span><br/> <span class="ft4">Deutschland am 1. März 1995 in Kraft getretenen Übereinkommen</span><br/> <span class="ft4">über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtli-</span><br/> <span class="ft4">cher Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen vom 16. Septem-</span><br/> <span class="ft4">ber 1989 (Lugano-Übereinkommen [LugÜ]; SR.0.275.11) ist die von</span><br/> <span class="ft4">der Klägerin vorgelegte, in Deutschland aufgenommene, nach deut-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">38</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">schem Recht vollstreckbare öffentliche Urkunde im Verfahren nach</span><br/> <span class="ft4">Art. 31 ff. LugÜ vollstreckbar zu erklären (Art. 50 LugÜ), d.h. einem</span><br/> <span class="ft4">vollstreckbaren gerichtlichen Urteil gleichgestellt und wie ein sol-</span><br/> <span class="ft4">ches nach Massgabe der Art. 31 ff. LugÜ vollstreckbar zu erklären</span><br/> <span class="ft4">und zu vollstrecken, wobei sie wie ein solches keinesfalls in der Sa-</span><br/> <span class="ft4">che selbst nachgeprüft werden darf (Art. 34 Abs. 3 LugÜ). Die Voll-</span><br/> <span class="ft4">streckung für eine danach ausgewiesene Forderung ist gemäss</span><br/> <span class="ft4">Art. 33 Abs. 1 LugÜ in der Schweiz nach schweizerischem Voll-</span><br/> <span class="ft4">streckungsrecht des SchKG auf dem Wege der Schuldbetreibung</span><br/> <span class="ft4">(Art. 38 Abs. 1 SchKG) und des - nach erhobenem Rechtsvorschlag</span><br/> <span class="ft4">des Schuldners (Art. 74/78 SchKG) einzuleitenden - summarischen</span><br/> <span class="ft4">Rechtsöffnungsverfahrens (Art. 25 Ziff. 2 Bst. a i.V.m. Art. 84 Abs. 2</span><br/> <span class="ft4">SchKG) durchzuführen, in welchem der Rechtsöffnungsrichter des</span><br/> <span class="ft4">Betreibungsorts (Art. 84 Abs. 1 SchKG i.V.m. § 13 Abs. 1 Bst. b AG</span><br/> <span class="ft4">SchKG) mit der Rechtsöffnung über die Vollstreckbarerklärung des</span><br/> <span class="ft4">zur Vollstreckung vorgelegten Forderungstitels und dessen Zulassung</span><br/> <span class="ft4">zur Zwangsvollstreckung durch Aufhebung des Rechtsvorschlags zur</span><br/> <span class="ft4">Bewirkung der Fortsetzung der Betreibung und Durchführung der</span><br/> <span class="ft4">Zwangsvollstreckung entscheidet (Art. 80/81 SchKG). Dabei ist eine</span><br/> <span class="ft4">nach deutschem Recht zwangsvollstreckbar erlassene, der Zwangs-</span><br/> <span class="ft4">vollstreckung unterliegende öffentliche Urkunde (Art. 50 LugÜ),</span><br/> <span class="ft4">weil eine solche gleich einem Gerichtsurteil zu vollstrecken (Art. 50</span><br/> <span class="ft4">i.V.m. Art. 31 ff. LugÜ) und ihre Überprüfung in der Sache wie bei</span><br/> <span class="ft4">einem solchen ausgeschlossen ist (Art. 34 Abs. 3 LugÜ), gleich</span><br/> <span class="ft4">einem rechtskräftigen Gerichtsurteil für die danach ausgewiesene</span><br/> <span class="ft4">Forderung durch definitive Rechtsöffnung gemäss Art. 81 SchKG zu</span><br/> <span class="ft4">vollstrecken, wenn deren Voraussetzungen nach dieser Bestimmung</span><br/> <span class="ft4">(Abs. 1 und 3) erfüllt sind.</span><br/> <span class="ft4">b) ...</span><br/> <span class="ft4">2. ...</span><br/> <span class="ft4">3. ...</span><br/> <span class="ft4">4. Die Klägerin legt als Vollstreckungstitel die auf dem Notariat</span><br/> <span class="ft4">5 Lörrach durch Notar X. in Anwesenheit des Beklagten in</span><br/> <span class="ft4">vollstreckbarer Ausfertigung errichtete öffentliche Urkunde vom</span><br/> <span class="ft4">3. April 2001 über eine Grundschuldbestellung mit Briefgrundschuld</span><br/> <span class="ft4">über DM 157'000.--, "verzinslich von heute an mit 15 vom Hundert</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">39</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">jährlich und jederzeit fällig" mit "jährlich nachträglich" zu</span><br/> <span class="ft4">entrichtenden Zinsen, lastend auf dem als Pfandobjekt im Grundbuch</span><br/> <span class="ft4">Hausen eingetragenen Grundstück Y. in H. (Deutschland), vor, wo-</span><br/> <span class="ft4">mit der Beklagte sich "wegen aller Ansprüche aus der Grundschuld</span><br/> <span class="ft4">... der sofortigen Zwangsvollstreckung aus dieser Urkunde nach</span><br/> <span class="ft4">§ 800 ZPO" unterworfen sowie "für die Entrichtung des Grund-</span><br/> <span class="ft4">schuldbetrages und der Zinsen die persönliche Haftung" übernom-</span><br/> <span class="ft4">men und "sich wegen dieser persönlichen Zahlungsverpflichtung als</span><br/> <span class="ft4">Gesamtschuldner der sofortigen Zwangsvollstreckung in das gesamte</span><br/> <span class="ft4">Vermögen" unterworfen hat.</span><br/> <span class="ft4">a) Öffentliche Urkunden, die in einem Vertragsstaat aufgenom-</span><br/> <span class="ft4">men und vollstreckbar sind, sind gemäss Art. 50 Abs. 1 LugÜ</span><br/> <span class="ft4">gerichtlichen Entscheidungen (Art. 25 LugÜ) gleichgestellt und wie</span><br/> <span class="ft4">solche in einem anderen Vertragsstaat im Verfahren nach Art. 31 ff.</span><br/> <span class="ft4">LugÜ für vollstreckbar zu erklären und zu vollstrecken, in der</span><br/> <span class="ft4">Schweiz also für eine sich daraus ergebende Geldforderung gleich ei-</span><br/> <span class="ft4">nem vollstreckbaren Gerichtsentscheid durch definitive Rechtsöff-</span><br/> <span class="ft4">nung zur Zwangsvollstreckung zuzulassen (Art. 33 Abs. 1 LugÜ</span><br/> <span class="ft4">i.V.m. Art. 80/81 SchKG), wobei sie wie ein solcher keinesfalls in</span><br/> <span class="ft4">der Sache nachgeprüft werden dürfen (Art. 34 Abs. 3 LugÜ). Die</span><br/> <span class="ft4">vorliegende in Deutschland nach deutschem Recht in vollstreckbarer</span><br/> <span class="ft4">Ausfertigung errichtete öffentliche Urkunde vom 3. April 2001 ist</span><br/> <span class="ft4">daher für die danach ausgewiesene Grundschuld- und Zinsforderung</span><br/> <span class="ft4">durch definitive Rechtsöffnung zur Zwangsvollstreckung zuzulassen,</span><br/> <span class="ft4">wenn nicht der Beklagte den Urkundenbeweis der Tilgung oder Stun-</span><br/> <span class="ft4">dung der Forderung leistet oder deren Verjährung anruft und diese -</span><br/> <span class="ft4">gemäss dem dafür massgebenden deutschen Recht - eingetreten ist</span><br/> <span class="ft4">(Art. 81 Abs. 1 SchKG), wobei ihm zur Abwendung der definitiven</span><br/> <span class="ft4">Rechtsöffnung noch die staatsrechtliche Einrede des Verstosses der</span><br/> <span class="ft4">Zwangsvollstreckung aus der öffentlichen Urkunde gegen die</span><br/> <span class="ft4">schweizerische öffentliche Ordnung offen steht (Art. 50 Abs. 1 Satz</span><br/> <span class="ft4">2 LugÜ i.V.m. Art. 81 Abs. 3 SchKG), diese Einrede hier aber wohl</span><br/> <span class="ft4">offenkundig grundlos wäre (s. zur Vollstreckung einer in Deutsch-</span><br/> <span class="ft4">land aufgenommenen und vollstreckbaren öffentlichen Urkunde in</span><br/> <span class="ft4">der Schweiz: OGE SU.1996.00146 vom 15. Oktober 1996 i.S. R. B.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">40</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">u. D. B. gegen S. S., vgl. OGE SU.2004.00374 vom 23. August 2004</span><br/> <span class="ft4">i.S. Raiffeisenbank W. gegen U.-P. B.).</span><br/> <span class="ft4">b) Ob definitive oder provisorische Rechtsöffnung zu erteilen</span><br/> <span class="ft4">sei (Art. 80/81 bzw. 82/83 SchKG), ist als Rechtsfrage unabhängig</span><br/> <span class="ft4">vom Rechtsöffnungsantrag der Klagepartei von Amtes wegen zu ent-</span><br/> <span class="ft4">scheiden. Die provisorische unterscheidet sich von der definitiven</span><br/> <span class="ft4">Rechtsöffnung durch die Möglichkeit der Aberkennungsklage</span><br/> <span class="ft4">(Art. 83 Abs. 2 und 3 SchKG), die für eine auf einem definitiven</span><br/> <span class="ft4">Vollstreckungstitel (Gerichtsurteile, solchen gleichgestellte gerichtli-</span><br/> <span class="ft4">che Vergleiche, Entscheidungen und im Ausland aufgenommene</span><br/> <span class="ft4">vollstreckbare öffentliche Urkunden; Art. 80 SchKG; Art. 25 und 50</span><br/> <span class="ft4">LugÜ) wegen der ihr entgegenstehenden Rechtskraft bzw. Unzuläs-</span><br/> <span class="ft4">sigkeit der Neubeurteilung der Forderung (Art. 34 Abs. 3 LugÜ) aus-</span><br/> <span class="ft4">geschlossen ist. Die gestützt auf einen definitiven Vollstreckungstitel</span><br/> <span class="ft4">erteilte Rechtsöffnung ist daher, auch wenn bloss provisorische</span><br/> <span class="ft4">Rechtsöffnung verlangt und antragsgemäss ausgesprochen werden</span><br/> <span class="ft4">will, von Gesetzes wegen notwendig definitiv und damit auch</span><br/> <span class="ft4">definitiv zu erteilen.</span><br/> <span class="ft4">c) Für die auf der vorgelegten, zwangsvollstreckbaren deut-</span><br/> <span class="ft4">schen öffentlichen Urkunde vom 3. April 2001 beruhende Brief-</span><br/> <span class="ft4">grundschuldforderung der Klägerin gegen den Beklagten von</span><br/> <span class="ft4">DM 157'000.-- nebst 15 % Zins ab 3. April 2001, jährlich nachträg-</span><br/> <span class="ft4">lich zahlbar, ist demnach nur definitive Rechtsöffnung möglich. Für</span><br/> <span class="ft4">diese muss die zu vollstreckende Forderung einwandfrei feststehen.</span><br/> <span class="ft4">Dafür ist hier indessen, da die durch diesen Vollstreckungstitel aus-</span><br/> <span class="ft4">gewiesene Forderung in einer Grundschuld- und in einer Zinsforde-</span><br/> <span class="ft4">rung besteht und diese in jährlichen Zinsperioden zu tilgen ist, eine</span><br/> <span class="ft4">genaue Bezifferung der Forderung mit der Angabe erforderlich, ob es</span><br/> <span class="ft4">sich dabei um die Grundschuldforderung bzw. Restanz derselben,</span><br/> <span class="ft4">gegebenenfalls in welchem Betrag, oder um die Zinsforderung, gege-</span><br/> <span class="ft4">benenfalls für welche Zinsperiode, handelt, was, soweit nötig, ur-</span><br/> <span class="ft4">kundlich zu belegen ist.</span><br/> <span class="ft4">Die Klägerin hat die Betreibung gestützt auf diese vollstreckba-</span><br/> <span class="ft4">re öffentliche Urkunde unter Bezeichnung dieses Vollstreckungstitels</span><br/> <span class="ft4">für eine Forderung von Fr. 20'000.-- angehoben, diese jedoch in ih-</span><br/> <span class="ft4">rem Rechtsöffnungsgesuch in der Vorinstanz nicht näher beziffert</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">41</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">und nicht angegeben, für welche der durch den vorgelegten Voll-</span><br/> <span class="ft4">streckungstitel ausgewiesenen Forderungen in welchem Betrag bzw.</span><br/> <span class="ft4">für welche Zinsperiode getilgt und vollstreckt werden soll. Da damit</span><br/> <span class="ft4">die zu vollstreckende Forderung nicht einwandfrei feststeht, kann sie</span><br/> <span class="ft4">auch nicht durch definitive Rechtsöffnung zur Vollstreckung zugelas-</span><br/> <span class="ft4">sen werden. Daher ist die definitive Rechtsöffnung zu verweigern</span><br/> <span class="ft4">und das Rechtsöffnungsbegehren der Klägerin - in Aufhebung der</span><br/> <span class="ft4">vorinstanzlichen Nichteintretensentscheidung (Dispositiv Ziffer 1) -</span><br/> <span class="ft4">abzuweisen.</span><br/> <span class="ft4">d) Die Klägerin kann ihr Rechtsöffnungsbegehren, mit dem sie</span><br/> <span class="ft4">wegen unterbliebener Spezifierung der in Betreibung gesetzten</span><br/> <span class="ft4">Forderung durch die dafür erforderlichen Unterlagen abgewiesen</span><br/> <span class="ft4">worden ist, binnen der einjährigen Gültigkeitsdauer des Zahlungsbe-</span><br/> <span class="ft4">fehls (Art. 88 SchKG) beim erstinstanzlichen Rechtsöffnungsrichter</span><br/> <span class="ft4">unter Nachreichung dieser Unterlagen wiederholen (AGVE 1993</span><br/> <span class="ft4">Nr. 16 S. 71). Dieser wird im Falle einer solchen Erneuerung des</span><br/> <span class="ft4">Rechtsöffnungsbegehrens darüber im Sinne der vorstehenden Erwä-</span><br/> <span class="ft4">gungen zu entscheiden haben.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>