<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, eine Änderung des Arbeitsrechts vorzulegen, mit der die Praktika geregelt werden. Ihnen soll auf Bundesebene ein rechtlicher Rahmen gesetzt werden, namentlich was Dauer, Entschädigung und Ausbildung betrifft. Dabei soll differenziert werden zwischen verschiedenen Typen von Praktika (obligatorische Praktika im Rahmen einer Ausbildung, Praktika nach Abschluss einer Ausbildung).</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Praktika spielen für die Integration in den Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle. Für einen Teil der Berufspersonen ermöglicht ein Praktikum, einen Berufseinstieg zu finden, für andere ist es Bestandteil einer Aus- oder Weiterbildung. 2019 absolvierten gemäss der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung 1,3 Prozent der Arbeitnehmenden ein bezahltes Praktikum. 2010 waren es 1,0 Prozent. Mehr als die Hälfte der Praktika (56 Prozent) wurden von Personen unter 25 Jahren absolviert. 2019 entsprach dies einem Anteil von 5,3 Prozent der 15- bis 24-jährigen Arbeitnehmenden (inklusive Lehrlinge). 2010 waren es rund 4,0 Prozent. Praktika und Volontariate standen sehr oft in Zusammenhang mit einer Ausbildung. 2019 war dies bei 76 Prozent der Fall, 2010 noch bei 73 Prozent. Demgegenüber scheinen Schwierigkeiten beim Arbeitsmarkteintritt keine treibende Kraft hinter der beobachteten Zunahme bei den Praktika zwischen 2010 und 2019 zu sein: Lediglich rund 6 Prozent der Praktikantinnen und Praktikanten (rund 3000) gaben 2019 an, ein Praktikum zu absolvieren, weil sie keine Festanstellung finden konnten. 2010 waren es noch 11 Prozent gewesen.</p><p>Auch der Bildungsbericht 2018 zeigt, dass sich bei Studierenden ein Jahr nach Studienabschluss der Anteil Praktikantinnen und Praktikanten zwischen 1991 und 2015 leicht verringert hat bei gleichzeitig steigender Erwerbstätigenquote. Es bestehen somit keine Anhaltspunkte, dass Praktika in der Schweiz zu einem Einfallstor für prekäre Arbeitsbedingungen geworden wären.</p><p>In verschiedenen Konstellationen stellen spezifische Regelungen sicher, dass der Integrations- bzw. der Aus- oder Weiterbildungscharakter von Praktika im Vordergrund steht und Missbräuche eingeschränkt werden. Im Rahmen von staatlich organisierten Programmen geschieht dies durch den Einsatz von Jobcoachs, eine zeitliche Befristung sowie durch die Festlegung von Bildungszielen. Der Bundesrat und das Parlament haben sich im Rahmen der Motion <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20143077">14.3077</a> und des Postulates <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20163997">16.3997</a> bereits wiederholt mit Fragen im Kontext von Praktika auseinandergesetzt. Aufgrund der Vielfalt möglicher Konstellationen, in denen Praktika absolviert werden, wäre eine zusätzliche Regulierung solcher Arbeitsverhältnisse nicht sinnvoll. Eine Erhöhung des administrativen Aufwands bei den Unternehmen könnte das Angebot an Praktikumsstellen sogar in unerwünschter Weise beeinträchtigen. Regelungen zur Mindestentlohnung könnten sich auf den Bildungs- und Integrationsfokus von Praktika kontraproduktiv auswirken. Auch eine gesetzliche zeitliche Begrenzung von Praktikumsverträgen erachtet der Bundesrat als nicht zielführend bzw. nicht notwendig (Motion <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20143077">14.3077</a>).</p><p>Gemäss schweizerischem Arbeitsrecht unterstehen sowohl unbefristete als auch befristete Arbeitsverträge den Regeln des privaten Arbeitsrechtes (Art. 319ff. des Obligationenrechts) und des öffentlichen Gesundheitsschutzes (Arbeitsgesetz). Ein Praktikum - sofern es als Arbeitsvertrag qualifiziert ist - geniesst im Sinne des Arbeitsrechtes daher den gleichen rechtlichen Schutz wie alle anderen Arbeitsverhältnisse, und dieser kann auch gerichtlich bzw. mittels Anzeige beim kantonalen Arbeitsinspektorat eingefordert werden.</p><p>Die Arbeitsmarktaufsicht wird durch die Kantone vollzogen. Sie verfügen über die notwendigen Instrumente, um allfälligen Missbräuchen zu begegnen und nehmen diese Verantwortung auch wahr.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.