B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-134/2019 U r t e i l v o m 2 . D e z e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Claudia Cotting-Schalch, Gerichtsschreiberin Teresia Gordzielik. Parteien A._______, geboren am (…), und ihre Kinder B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), alle Iran, alle vertreten durch MLaw Reto Ragettli, Advokat, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Aargau, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 4. Dezember 2018 / N (…). D-134/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden reisten am 22. Mai 2015 auf dem Luftweg legal mit einem Schengen-Visum in die Schweiz ein. Am 6. Juli 2015 suchten sie um Asyl nach. Am 14. Juli 2015 fand die Befragung der Beschwerdeführe- rin zur Person (BzP) statt. Am 6. Februar 2017 wurde sie vertieft und am 14. September 2017 ergänzend zu ihren Asylgründen angehört. Zu ihrem persönlichen Hintergrund gab die Beschwerdeführerin an, sie und die Kinder seien iranische Staatsangehörige, persischer Ethnie und islami- schen Glaubens. Sie stamme aus einer wohlhabenden Familie in Teheran, wo sie auch zuletzt mit den Kindern und ihrem Ehemann gelebt habe. Letz- teren habe sie im Jahr (…) geheiratet; er komme aus einer sehr religiösen Familie in D._______, sei als (…) und wohl auch für den Geheimdienst tätig. Neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Mutter habe sie ein Master- studium in (…) absolviert. In ihrer Freizeit habe sie sich mit Freundinnen getroffen und sei Teil einer Frauengruppe gewesen, welche r egelmässig frauenspezifische Themen diskutiert habe. Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, aus Angst vor Verfolgung durch ihren Ehemann aus dem Iran ausgereist zu sein. Dieser habe sie physisch, psychisch und sexuell misshandelt. Sie habe befürchtet, bei einer Scheidung die Kinder zu ver- lieren, und daher nichts unternommen. Nachdem ihr Ehemann von ihrer ausserehelichen Beziehung zu einem Kommilitonen erfahren habe, sei er ausser sich gewesen und habe Todesdrohu ngen gegen sie ausgespro- chen. In der Folge habe er immer wieder Familienmitglieder von ihr beläs- tigt. Ihren Bruder habe er zwei Mal festnehmen und zu ihrem Aufenthaltsort befragen lassen. Sie selbst habe sich bis zur Ausreise einige Tage mit den Kindern bei ihrer besten Freundin versteckt. Im Glauben, sie befände sich noch im Iran, habe ihr Ehemann etwa einen Monat nach ihrer Ausreise Ausreisesperren gegen sie und die Kinder erwirkt. Kopien der Anträge dazu habe er ihrem Bruder bei einer der Festnahmen übergeben. Bei einer Rückkehr in den Iran befürchte sie überdies Verfolgungsmassnahmen sei- tens des iranischen Geheimdienstes. Um ihr zu schaden, habe ihr Ehe- mann nämlich ein bereits ad acta gelegtes Verfahren gegen die Frauen- gruppe, in der sie sich engagiert habe, neu aufrollen lassen. Deren Anfüh- rerin sei wenige Monate vor ihrer Ausreise verhaftet und einige Tage fest- gehalten worden. Auch habe ihr Ehemann in ihrem Namen Schulden bei D-134/2019 Seite 3 einer iranischen Bank gemacht, um ihr anzulasten, sie habe wegen finan- zieller Unterschlagung das Land verlassen. In der Schweiz besuchten sie und die Kinder christliche Gottesdienste. Sie sei hier zudem eine neue Be- ziehung mit einem Mann eingegangen. Zum Nachweis ihrer Identität und zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin insgesamt 40 Beweismittel zu den Akten, darunter Passkopien und die Shenashnameh (im Original) von sich und ihren Kin- dern, ihre Melli -Karte und die Shenasnameh des Ehemannes (in Kopie), das Ehebüchlein, drei Antragsformulare für Ausreisesperren (in Kopie) und Übersetzungen dieser Dokumente, des weiteren etwa Schul - und Ausbil- dungsunterlagen, Fotos von Familienmitgliedern, Freundinnen und ihrer Wohnung sowie ihrem Ehemann, Internetausdrucke betreffend Letzteren, ärztliche Berichte, private Empfehl ungsschreiben (vgl. für eine komplette Übersicht die vorinstanzlichen drei Beweismittelcouverts SEM -act. A14, A15 und A20). B. Am 5. April 2018 ersuchte das SEM die Schweizerische Botschaft in Tehe- ran unter anderem um Überprüfung der Echtheit der Shenasname h, der Melli-Karte, des Ehebüchleins sowie der Anträge auf Ausreisesperren. C. Am 14. November 2018 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zum Botschaftsbericht vom 13. Juni 2018, wobei es unter Hinweis auf Geheimhaltungsinteressen den wesentlichen Inhalt der An- frage sowie der Botschaftsantwort zusammengefasst zur Kenntnis brachte. D. Mit Schreiben vom 21. November 2018 nahm die Beschwerdeführerin zum Abklärungsergebnis Stellung. E. Mit Verfügung vom 5. Dezember 2018 – eröffnet am 6. Dezember 2018 – verneinte das SEM ihre Flüchtlingseigenschaft und lehnte das Asylgesuch der Beschwerdeführenden ab. Zugleich ordnete es ihre Wegweisung aus der Schweiz an, wobei es den Vollzug zugunsten einer vorläufigen Auf- nahme wegen Unzulässigkeit aufschob. F. Mit Eingabe des rubrizierten Rechtsvertreters vom 7. Januar 2019 erhoben die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde D-134/2019 Seite 4 gegen diesen Entscheid und beantragten, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zu- rückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses sowie um Beiordnung ihres Rechtsvertreters als unentgelt- licher Rechtsbeistand. Der Beschwerde lagen neben einer Kopie des Asyl- entscheids und einer Vollmacht ein Schreiben an die zuständige kantonale Sozialbehörde sowie ein Zustellcouvert in Kopie bei. G. Am 11. Januar 2019 bestätigte das Bundesverwalt ungsgericht den Be- schwerdeführenden den Eingang der Beschwerde. H. Am 15. Januar 2019 ging dem Gericht eine Unterstützungsbedürftigkeits- erklärung der zuständigen kantonalen Behörde zu. I. Mit Zwischenverfügung vom 23. Januar 2019 hiess die zuständige Instruk- tionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ord- nete den rubrizierten Rechtsanwalt als amtlichen Rechtsbeistand bei. Zu- gleich lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. J. Mit Vernehmlassung vom 24. Januar 2019 nahm das SEM zur Beschwer- deschrift Stellung, wobei es festhielt, diese enthalte keine neuen erhebli- chen Tatsachen oder Beweismittel, die eine Änderung des Standpunktes rechtfertigen könnten, und im Übrigen auf seine Erwägungen im angefoch- tenen Entscheid verwies. K. Am 29. Januar 2019 wurde den Beschwerdeführenden die Vernehmla s- sung zur Kenntnis gebracht. L. Mit Schreiben vom 1. Februar 2019 reichte der Rechtsvertreter eine Kos- tennote zu den Akten. D-134/2019 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für Beschwerden gegen Verfügungen auf dem Gebiet des Asyls und entscheidet regelmässig – so auch hier – endgültig (Art. 5 VwVG, Art. 31 ff. VGG, Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und die Beschwerdeführenden sind beschwerdelegitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 A bs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Im Sinne eines Eventualantrags begehren die Beschwerdeführe nden die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz wegen Ver- letzung des Untersuchungsgrundsatzes. Die in diesem Zusammenhang er- hobenen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls zur Kassation des angefochtenen Entscheids führen können (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2). 3.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei- nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri- ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor- den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe- sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT- SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). D-134/2019 Seite 6 3.2 Vorliegend rügt die Beschwerdeführerin, das SEM habe ihre Probleme im Zusammenhang mit der Frauengruppe unvollständig überprüft. So habe es sie nicht hinreichend dazu befragt, namentlich zum genauen Ablauf und Inhalt der Treffen sowie dem Verhalten des Ehemannes. In der vertieften Anhörung sei sie von der Befragerin unterbrochen worden. In der ergän- zenden Anhörung hätten sich die Fragen darauf beschrän kt, weshalb der Ehemann das Verfahren wieder habe aufrollen wollen und weshalb sie bei einer Rückkehr vom Geheimdienst gefährdet sei. 3.3 Dazu ist festzuhalten, dass die Vorbringen zur Frauengruppe in der ver- tieften Anhörung Gegenstand mehrerer Fragen bildeten, wobei sich die Be- schwerdeführerin bereits zum Inhalt und Ablauf der Treffen sowie dem Ver- halten ihres Ehemannes äussern konnte (vgl. A13 F138 -150). In der Be- schwerdeschrift wird denn auch nicht vorgebracht, welche weitergehenden Ausführungen die Beschwerdeführerin hätte machen können, die sie dort und weiter in der ergänzenden Anhörung noch nicht hätte anbringen kön- nen. Dass sie in der vertieften Anhörung unterbrochen wurde, war zudem der fortgeschrittenen Zeit geschuldet. Schliesslich wurde eine ergänzende Anhörung durchgeführt, an der sich die Beschwerdeführerin auch zu ihren Vorbringen betreffend die Frauengruppe nochmals äussern konnte. Dass sich das SEM in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Rolle des Ehemannes und eine allfällige Gefährdung durc h den Geheimdienst kon- zentrierte, ist ebenfalls nicht zu beanstanden, nach dem die Beschwerde- führerin ihre Angaben zur Frauengruppe von sich aus in diesen Kontext stellte, hingegen eine politische Implikation durch die Teilnahme in der Frauengruppe explizit verneinte (vgl. etwa A13 F144). Es ist nicht Aufgabe des SEM, die Aussagen einer asylsuchenden Person auf alle möglichen asylrelevanten Gefährdungen zu überprüfen und zu hinterfragen. Nicht zu- letzt hat die Vorinstanz der Beschwerdeführerin wiederholt in offenen Fra- gen Gelegenheit gegeben, alle ihre Asylgründe vorzutragen (vgl. A13 F137, F151, F152; A19 F103, F105, F110). Damit ist sie ihrer Pflicht zur richtigen und vollständigen Sachverhaltsfeststellung hinreichend nachge- kommen. 3.4 Nach dem Gesagten erweist sich die Rüge als unbegründet. Mithin fällt die beantragte Rückweisung der Sache an das SEM ausser Betracht. Das Gericht hat in der Sache zu entscheiden (Art. 61 Abs. 1 VwVG). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im D-134/2019 Seite 7 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychis chen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge- gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesam- ten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge- brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 5. 5.1 In seiner Verfügung erwog das SEM, die Asylvorbringen der Beschwer- deführerin seien durchaus ausführlich ausgefallen und zeichneten sich teil- weise durch einen hohen Detaillierungsgrad aus, was gesamthaft zu ihren Gunsten zu werten sei. Mit Blick auf ihren hohen Bildungsgrad und den damit einhergehenden überdurchschnittlichen intellektuellen Fähigkeiten wiesen die Ausführungen zum relevanten Kerngeschehen jedoch kaum in- haltliche Qualitätsmerkmale auf, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein tatsächliches Erleben zurückzuführen seien. Dafür sprächen mehrere Un- stimmigkeiten, namentlich inkonsistente Angaben zur vorgebrachten Be- ziehung mit einem Kommilitonen (BzP: Liebhaber, mit dem sie den Ehe- mann betrogen habe; vertiefte Anhörung: keine sexuellen Kontakte, nur Küsse und Umarmungen; ergänzende Anhörung: überwiegend platonisch, Unterstützung beim Studium, guter Zuhörer und Geheimnisträger). Ange- sichts der deutlichen Unterschiede in den Straffolgen für aussereheliche D-134/2019 Seite 8 Beziehungen mit oder ohne sexuellen Kontakt habe von der Beschwerde- führerin erwartet werden können, dass sie sich eindeutiger zu ihrer Bezie- hung äussere. Umso mehr, als sie selbst ausgeführt habe, eine solche würde mit dem Tod durch Steinigung bestraft, was einzig auf Ehebruch mit vollzogenem Geschlechtsverkehr zutreffe. Es sei danach – auch aus Sicht des Kommilitonen, welcher seinerseits verheiratet gewesen sei, aus D._______ stamme und ihren Ehemann ebenso wie dessen aufbrausen- des Temperament gekannt habe – kaum nachvollziehbar, dass sie das er- hebliche Risiko eingegangen sein wollen, sich regelmässig allein in der Fa- milienwohnung und in der Wohnung eines Freundes von ihm zu treffen, zumal sie sich weniger verfänglich an der Universität hätten sehen können. Auf Vorhalt habe die Beschwerdeführerin auf ihre starken Gefühlen für ihn verwiesen, wobei die Erklärung weder mit der angeblich platonischen Na- tur noch mit dem abrupten Kontaktabbruch nach dem Auffliegen der Bezie- hung in Einklang zu bringen sei. Dass sie sich bei ihm nicht hätte melden können, weil sie das Mobiltelefon bei der Mutter zurückgelassen habe, überzeuge angesichts der sich heute bietenden Möglichkeiten der Kontakt- aufnahme nicht. Die Treffen in der Wohnung seien auch insoweit anzuzwei- feln, als ihr Schwager über einen Schlüssel zur Wohnung verfügt, zur glei- chen Zeit wi e sie in Teheran studiert und zwei Mal pro Woche bei ihnen übernachtet habe. Ihre Aussagen, der Schwager habe während des letzten Treffens in der Wohnung sein Studium bereits beendet gehabt, seien mit Widersprüchen zum tatsächlichen Zeitpunkt seines Abschl usses behaftet (gemeinsam mit ihr Ablegung der Prüfungen, später Beendigung des Stu- diums sechs Monate vor ihr). Auch die geäusserte Vermutung, ihr Ehe- mann habe Kontakte zum Geheimdienst, sprächen gegen die Treffen in der Wohnung. Überdies habe die Beschwerdeführerin signifikant widersprüch- liche Angaben zur Häufigkeit der Treffen in der Familienwohnung gemacht (vertiefte Anhörung: drei bis vier Mal; ergänzende Anhörung: wöchentliche Treffen über sechs Monate). Weiter habe sie den Hintergrund des angeb- lich letzten Treffens unterschiedlich dargestellt (BzP: noch einmal sehen vor der Reise in die Schweiz; vertiefte und ergänzende Anhörung: Master- abschluss zusammen feiern). Unstimmig erscheine ferner der Umstand, dass ihr Ehemann sie nach dem Auffliegen der Beziehung und der Flucht zu ihrer besten Freundin nicht habe aufspüren können, zumal er um ihre Freundschaft gewusst und sogar deren Vater gekannt habe. Dies gelte wei- ter für die Darstellung, er solle erst einen Monat nach ihrem Verschwinden Ausreisesperren für sie und die Kinder erwirkt haben. Die späte Beantra- gung verwundere umso mehr, als er von der beabsichtigten Reise in die Schweiz gewusst haben müsse. Soweit sie auf Vorhalt eingewandt habe, D-134/2019 Seite 9 er hätte ihr die Reise zwischenzeitlich verboten und aufgrund seiner Auto- rität nicht damit gerechnet, sie setze sich über seinen Willen hinweg, dürfte er angesichts der Ausnahmesituation (Auffliegen der ausserehelichen Be- ziehung, bereits bei der Botschaft getätigte Vorbereitungshandlungen) wohl eher mit einem Ausreiseversuch gerechnet haben. Die Schilderungen zum mehrtägigen Aufenthalt bei ihrer Freundin erwiesen sich darüber hin- aus als auffällig substanzarm (keine Angaben zum Verhalten der Kinder, allfälligen Interaktionen mit diesen oder mit ihrer Freundin, zur Verabschie- dung von der Mutter). Abweichende Äusserungen fielen neben jenen zum Kernvorbringen auch in Nebenpunkten auf, so zu ihrer Stellung im Unternehmen des Eheman- nes (Verwaltungsratsmitglied nur auf dem Papier und aus rein finanziellen Motiven; Arbeit lediglich in kleinem Umfang und von zuhause aus; demge- genüber bei Botschaft vorgelegte Arbeitsbestätigung über Vollzeitbeschäf- tigung im Unternehmen und im Lebenslauf Verweis auf zehnjährige Ar- beitserfahrung als Verwaltungsratsmitglied und Leiterin der […]). Weiter seien ihre Angaben zur vollständigen finanziellen Abhängigkeit von ihrem Ehemann anzuzweifeln (eigenständige Finanzierung einer Europareise mit ihrer Schwester mit etwa 10'000 Dollar; 2'500 Dollar daheim bei überstürz- ter Flucht aus der Wohnung; Kauf von Flugtickets im Wert von 1'000 Dollar für Reise in die Schweiz ohne Wissen, ob sie diese antreten würde). Dass sie keine finanziellen Probleme gehabt habe, widerspräche der dargestell- ten finanziellen Abhängigkeit. Die Mehrheit der eingereichten Beweismit tel belege die Identität der Be- schwerdeführerin, welche nicht in Frage gestellt werde. Die beantragten Ausreisesperren liessen keine Rückschlüsse auf die Beweggründe des Ehemannes zu. Weiter werfe der Umstand, dass die Beschwerdeführerin in den Besitz dieser Antragsformulare gelangt sei, Zweifel an deren Echt- heit auf, könne sie doch gemäss Botschaftsauskunft über diese nur verfü- gen, wenn ihr Ehemann Kopien davon angefertigt und einer Drittperson überlassen habe. Soweit sie ausgesagt habe, er habe sie ihrem Bruder bei dessen Festnahme ausgehändigt, sei nicht nachvollziehbar, welchen Nut- zen er aus diesem Vorgehen hätte ziehen sollen. Nicht zuletzt seien die Beweismittel ganzheitlich zu würdigen und sei angesichts der erwähnten Unstimmigkeiten die Echtheit der Antragsformulare zu bezweifeln. Gesamthaft seien die Vorbringen zur Bedrohungslage seitens des Ehe- mannes aufgrund einer ausserehelichen Beziehung als unglaubhaft zu er- achten, weshalb deren Asylrelevanz nicht mehr geprüft werden müsse. In D-134/2019 Seite 10 der Folge sei auch den darauf beruhenden Verfolgungsvorbringen (Verfah- ren des iranischen Geheimdienstes wegen ihrer Teilnahme an der Frauen- gruppe, Bankschulden auf ihren Namen) die Grundlage für die Glaubhaf- tigkeit entzogen. Mangels e rforderlicher Intensität würden ents prechende befürchtete Nachteile ohnehin nicht die Flüchtlingseigenschaft begründen. Die Beschwerdeführerin habe weiter selbst betont, die erlittene häusliche Gewalt sei nicht ausschlaggebend für ihre Ausreise gewesen. Damit fehle es am erforderlichen Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht. Weiter wolle sie sich von ihrem Ehemann scheiden lassen, weshalb sie bei einer Rückkehr nicht wieder von ihm aufgenommen würde. Die Be- fürchtung, erneut häuslicher Gewalt ausgesetzt zu werden, sei demnach zu wenig konkret. Sodann habe sie sich seit der Eheschliessung im Jahr 2000 bis zu ihrer Ausreise 2015 nie an (nicht -)staatliche Anlaufstellen für Opfer häuslicher Gewalt gewandt, obgleich von ihr zumindest Erkundigun- gen über bestehende Schutzmöglichkeiten zu erwarten gewesen wären. Ihr Einwand, sie habe sich gefürchtet, das Sorgerecht für ihre Kinder zu verlieren, vermöge daran nichts zu ändern. Da sie nie um Schutz ersucht habe, lägen folglich keine hinreichenden Hinweise dafür vor, die iranischen Behörden würden ihr diesen tatsächlich verwehren. Entsprechendes habe im Falle befürchteter Verfolgungsmassnahmen durch den Ehemann bei ei- ner Scheidung zu gelten. Auch wenn diese in der iranischen Gesellschaft teilweise noch stark missbilligt würde, sei nicht anzunehmen, dass ihr aus ihrem familiären Umfeld asylrelevante Nachteile drohten (Unterstützung der Familie bei der Ausreise; Bruder ebenso geschieden). Es bestünden auch keine Hinweise, dass ihr Ehemann von einer in der Schweiz neu ein- gegangenen Beziehung erf ahren habe und ihr deshalb im Iran Verfol- gungsmassnahmen drohten. Überdies habe sie nichts Entsprechendes geltend gemacht. Hinsichtlich der Besuche christlicher Gottesdienste in der Schweiz, habe sie schliesslich ebenso nicht vorgebracht, bei einer Rückke hr in den Iran einer religiös motivierten Verfolgung ausgesetzt zu werden. Abgesehen da- von weise sie kein entsprechendes Risikoprofil aus (potentielle Gefähr- dung nur bei exponierter Stellung oder Funktion der konvertierten Person, in der sie sich aktiv für die Verbreitung der neuen Religionsüberzeugung einsetzt und zusätzlich gegen staatliche Interessen handelt; auffällige re- gierungsfeindliche Haltung vor der Ausreise). Insgesamt seien ihre weite- ren Vorbringen nicht als asylrelevant zu erachten, weshalb die Flüchtlings- eigenschaft nicht erfüllt und das Asylgesuch abzulehnen sei. D-134/2019 Seite 11 5.2 In der Beschwerdeschrift wandte die Beschwerdeführerin dagegen un- ter Verweis auf die Aussagen in den Anhörungen ein, ihre protokollierten Angaben seien von einer Vielzahl Realkennzeic hen geprägt, was auf ein tatsächliches Erleben hindeute (direkte Rede – mit Hinweis auf A13 F60, F63, F67, F80; A19 F50; Interaktionsschilderungen). Weiter sei stossend, dass das SEM von einer rein platonischen Beziehung ausgehe, nur weil es nicht zum Gesc hlechtsverkehr gekommen sei. Sie hätten sich intim be- rührt, weshalb von einer Liebesbeziehung auszugehen sei (mit Hinweis auf A19 F39). Diese sei zudem im stark religiösen Kontext des Irans zu sehen. Abgesehen davon hätte auch eine platonische Beziehung gefährliche Kon- sequenzen nach dem Auffliegen gehabt. Die Strafe bei einer aussereheli- chen Beziehung ohne Geschlechtsverkehr (99 Peitschenhiebe) sei eben- falls unmenschlich. Aufgrund des grossen Einflusses des Ehemannes sei davon auszugehen, dass die höhere St rafandrohung gewählt würde. Die gegenseitige Zuneigung hätten sie und der Kommilitone des Weiteren nicht an der Universität ausleben können, sondern nur im Geheimen, wie eben in der Wohnung. Das eingegangene Risiko sei zudem nachvollziehbar, da Liebe bekanntlich nicht rational sei. Sie habe den Kontakt zum Kommilito- nen auch nicht wieder aufgenommen, um ihn nicht in Gefahr zu brin gen. Ferner sei die Beziehung in der damaligen Situation zu sehen, in welcher sie sehr unglücklich gewesen sei. Der Schwager habe zwar im gleichen Jahr wie sie zu studieren begonnen, aber an einer anderen Universität und ein Semester vor ihr. Er habe daher sechs Monate früher das Studium be- endet, weshalb ihre Angaben nicht widersprüchlich seien. Sie habe ange- sichts dessen nicht mit seinem Erscheinen in der Wohnung gerechnet. Zu- dem sei die Beziehung zum Kommilitonen erst nach dem Studienabschluss des Schwagers sehr intensiv geworden. Der vermutete Kontakt des Ehe- manns zum Geheimdienst spreche nicht gegen die Treffen in der Woh- nung, zumal er damals nichts davon gewusst habe und die Wohnung folg- lich nicht überwacht worden sei. Weiter seien die Angaben zur Anzahl der Treffen frei von Widersprüchen. Einmal habe sich ihre Antwort (drei bis vier Mal) auf die Frage bezogen, wie oft sie sich zuhause bei ihr getroffen hät- ten, während sonst die Rede davon gewesen sei, wie oft sie sich insgesamt trafen (fast wöchentlich). Sie habe auch erwähnt, dass sie sich wegen des hohen Risikos nicht so oft bei ihr zu Hause gesehen hätten. Sodann sei es nicht a ls widersprüchlich zu bezeichnen, dass sie zwei Gründe für das letzte Treffen angab. Ihr Ehemann habe nach dem Auffliegen der Bezie- hung nicht gewusst, dass sie sich bei der Freundin aufgehalten habe. Er habe auch ihre Adresse nicht gekannt. Den Vater der F reundin habe er einfach gekannt, weil er ein reicher Teppichhändler in D._______ gewesen sei. Die Freundin habe aber in Teheran gelebt. Ferner habe der Ehemann D-134/2019 Seite 12 Kenntnis von den Reiseabsichten und von einem ersten Termin bei der Botschaft gehabt, nicht aber, dass sie am 17. Mai 2015 ein zweites Mal auf der Botschaft gewesen sei und die Visa erhalten habe. Folglich habe er nicht wissen können, dass alles für die Ausreise bereit gewesen sei. Des Weiteren sei offensichtlich, dass es dem Ehemann mit der Übergabe der Antragsformulare für die Ausreisesperren darum gegangen sei, sie unter Druck zu setzen und vor allem eine Flucht zu verhindern. Die Anträge wie- sen gemäss Botschaftsauskunft auch keine offensichtlichen Fälschungs- merkmale auf, weshalb ihre Echtheit nicht einfach mit der späten Ausstel- lung verneint werden könne. Sie habe überdies Interaktionsschilderungen und das Verhalten der Kinder während des Aufenthalts bei der Freundin beschrieben. Es sei angesichts des enormen psychischen Drucks in die- sen Tagen zudem nachvollziehbar, dass sie traumatisiert gewesen sei und nicht so detaillierte Angaben habe machen können. Weiter seien die beiden Anhörungen zeitlich sehr lang und eine starke emotionale Belastung für sie gewesen; sie habe während der Befragungen Tabletten genommen. Auch die Hilfswerkvertretung in der vertieften Anhörung habe auf die lange Dauer und ihre Müdigkeit hingewiesen. Sodann habe der Ehemann ihr im Hinblick auf die geplante Reise in die Schweiz eine falsche Arbeitsbestäti- gung zur Vorlage bei der Botschaft ausgestellt. Aus dem Lebenslauf ergä- ben sich ebenso keine Unstimmigkeiten, zumal sie die angegeben Funkti- onen in ihrem Bachelor- und Masterstudium erlernt habe. Es träfe auch zu, dass sie keine finanziellen Probleme gehabt habe. Ihr Ehemann sei wohl- habend gewesen und habe ihr jeden Monat Geld gezahlt, wovon sie jeweils einen gewissen Betrag für Ersparnisse zur Seite gelegt habe. Davon habe sie auch den grössten Teil der Flucht gezahlt. Ihre Vorbringen zur Bedro- hung durch den Ehemann wegen der auss erehelichen Beziehung seien demnach als glaubhaft zu erachten. Angesichts dessen habe sie bei einer Rückkehr in den Iran mit Verhaftung und unmenschlicher Bestrafung we- gen Ehebruchs zu rechnen. Zudem lägen weitere Verfolgungsmotive vor. Mit ihrer Aktivität in der Frauengruppe, welche zwar nicht explizit politisch aktiv gewesen sei, aber sich kritisch zu gesellschaftlichen und frauenspe- zifischen Themen geäussert habe, laufe sie mit dem durch ihren Ehemann neu aufgerollten Verfahren Gefahr, aus politischen Gründen ins Visier des Geheimdienstes zu geraten. Aufgrund ihrer Konversion zum Christentum sei zudem von einer religiös motivierten Verfolgung und namentlich einem Verhör durch die Behörden bei ihrer Rückkehr auszugehen. Schliesslich drohe ihr frauenspezifi sche Verfolgung als Opfer häuslicher Gewalt und von diskriminierenden Rechtsvorschriften (99 Peitschenhiebe wegen aus- serehelicher Beziehung). Gemäss Rechtsprechung bestünden keine hin- reichenden Anhaltspunkte, dass Opfer von sexueller Gewalt im Iran effektiv D-134/2019 Seite 13 Schutz und Unterstützung erhielten. Erschwerend komme hinzu, dass ihr Ehemann sehr einflussreich sei, weshalb eine Kontaktaufnahme bei An- laufstellen für Opfer häuslicher Gewalt sowie die Einreichung einer Schei- dung gar nicht in Frage gekommen seien. 6. 6.1 Eine einlässliche Prüfung der Akten ergibt, dass die Vorbringen der Be- schwerdeführerin nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung nach- zuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. 6.2 6.2.1 Wie schon von Vorinstanz festgehalten fielen die Schilderungen der Beschwerdeführerin teilweise durchaus detailliert aus. Dabei ist gerade nicht in Abrede zu stellen, dass die Vorbringen zum fluchtauslösenden Er- eignis – der behaupteten Aufdeckung einer ausserehelichen Beziehung zu einem Kommilitonen – auch gewisse Realkennzeichen beinhalten, wie in der Beschwerdeschrift eingewandt. Im Weiteren überwiegen jedoch die Unstimmigkeiten, welche von der Vorinstanz mit überzeugender Begrün- dung im angefochtenen Entscheid herausgearbeitet wurden. Zur Vermei- dung von Wiederholungen kann auf die dort erwähnten Widersprüche und unschlüssigen Angaben in den Aussagen der Beschwerdeführerin verwie- sen werden, wobei zu erwähnen ist, dass sie diese auf Vorhalt und zumal in zwei vertieften Anhörungen nicht ausräumen konnte (vgl. oben E. 5.1). 6.2.2 Es gelingt ihr auch im Weiteren auf Beschwerdeebene nicht, der vor- instanzlichen Einschätzung stichhaltige Argumente entgegenzusetzen. Ihre ebenfalls sehr umfassenden Ausführungen in der Beschwerdeschrift erschöpfen sich im Wesentlichen in Wiederholungen und H inweisen auf bereits getätigte Aussagen in den Anhörungen und zielen vielfach lediglich auf deren nachträglich andere rechtliche Beurteilung ab, mit der sie jedoch nicht durchdringt. Dass eine platonische Beziehung etwa für sich ebenso erhebliche Konsequenzen hätte zur Folge haben können, vermag nichts an der zutreffenden Einschätzung des SEM zu ändern, dass die Beschwer- deführerin ihre vermeintliche Beziehung zu einem Kommilitonen im Verlauf der Anhörungen zunehmend abschwächte. Ebenso wenig kann der Ein- wand, Liebe sei nicht rational und die Beschwerdeführerin sei in der dama- ligen Situation sehr unglücklich gewesen, das erhebliche Risiko der Entde- ckung in der familiären Wohnung erklären, dies umso mehr unter Einbezug der Angaben zum Schwager (Schlüssel für die Wohnung) und der vermu- teten Tätigkeit des Ehemannes beim Geheimdienst. Die Erläuterungen in der Beschwerdeschrift zu den widersprüchlichen Aussagen zum Zeitpunkt D-134/2019 Seite 14 des Studienabschlusses des Schwagers sind als offensichtlich nachge- schoben zurückzuweisen. Bei einer Tätigkeit im Geheimdienst ist zudem nicht ausgeschlossen, dass die Wohnung der eigenen Mitarbeitenden auch ohne Verdacht überwacht wird und entsprechende Treffen mit dem Kom- militonen aufgefallen wären. Des Weiteren verwundern die Aussagen, die Nachbarn sollen nie etwas von den Besuchen m itbekommen haben, und dass die Beschwerdeführerin mit ihnen trotz des mehrjährigen Aufenthalts dort auch nicht bekannt gewesen sein will. Dass ihr Bruder und ihr Neffe sie des Öfteren besucht haben sollen, vermag weiter nicht als Begründung zu verfangen, dass weiterer Herre nbesuch in der Nachbarschaft – unter Berücksichtigung des iranischen Kontexts – nicht aufgefallen sein und nicht interessiert haben soll (vgl. dazu A13 F75). 6.2.3 Die nachträgliche Plausibilisierung der unterschiedlichen Gründe für den letzten Besuch des Kommilitonen vermag das Gericht ebenfalls nicht zu überzeugen. Dabei ist der Beschwerdeführerin des Weiteren vorzuhal- ten, dass auf den gleichen Tag wie der Abschluss ihrer Masterarbeit, an dem sie vom frühen Morgen an mit dem Kommilitonen zusammen an der Universität gewesen sein will, und ihrer behaupteten kleinen Feier in ihrer Wohnung etwas später, laut den Angaben in der Beschwerdeschrift auch ihr Besuch an der Botschaft stattgefunden haben soll (17. Mai 2015), bei dem sie die Visa für die Reise in die Schweiz erhielt. Weder den Anhö- rungsprotokollen noch den Ausführungen in der Beschwerdeschrift sind Angaben dafür zu entnehmen, wie sich diese verschiedenen Ereignisse zeitlich zugetragen haben sollen un d miteinander vereinbar sind. Es ent- steht vielmehr der Eindruck, die Beschwerdeführerin habe den Erhalt der Visa als Datum für eine Aufdeckung ihrer – allenfalls in Teilen auf wahren Tatsachen beruhenden – Nähebeziehung zu einem Kommilitonen benannt. Dafür spricht auch der angebliche abrupte Kontaktabbruch und der Um- stand, dass dieser trotz bestehender Möglichkeiten nicht wieder aufgenom- men wurde. Dass die Beschwerdeführerin den Kommilitonen habe schüt- zen wollen, ist in der Tat mit ihren erklärten starken Gefühlen kaum zu er- klären, gerade wenn ihre Liebe nicht rationalen Überlegungen gefolgt sein soll. Vielmehr deutet ihr Aussageverhalten auf eine Schutzbehauptung hin. 6.2.4 Des Weiteren kann sich das Gericht in keiner Weise der Einschät- zung anschliessen, dass de r Ehemann die Beschwerdeführerin nicht bei der Freundin habe finden können, und erst recht nicht, dass er erst einen Monat nach ihrer Ausreise eine Ausreisesperre beantragt haben soll. Dabei kann bereits auf die vorinstanzliche Kritik verwiesen werden, wie die Be-D-134/2019 Seite 15 schwerdeführerin in den Besitz der entsprechenden Antragsformulare ge- langt sein soll und ob diese echt sind. Unter Berücksichtigung der einläss- lichen Schilderungen der Beschwerdeführerin zum aufbrausenden Wesen und Verhalten ihres Ehemannes in ihrer (…)-jährigen Beziehung und erst recht bei Kenntnis von der behaupteten ausserehelichen Beziehung sowie angesichts seines erheblichen Einflusses im Iran wäre abgesehen davon zu erwarten gewesen, dass er alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel nutzt, um den Aufenthaltsort der Beschwerdeführerin ausfindig zu machen und – wie auch vom SEM eingewandt – die Ausreisesperren umgehend beantragt, selbst unabhängig vom Wissen über eine bevorstehende Reise in die Schweiz. Es erscheint dabei auch naheliegend, dass er – allenfalls über die Familienmitglieder der Beschwerdeführerin, welche er wiederholt belästigt haben soll – ihren Aufenthalt eruiert und sich um die Adressen ihrer Freundinnen bemüht hätte. Nicht zuletzt erscheint bezeichnend, dass er die beste Freundin de r Beschwerdeführerin gekannt und sie beim er- zwungenen Sex gar beim Namen genannt haben soll, was auf eine grös- sere Bekanntschaft der beiden schliessen lässt, als von der Beschwerde- führerin vorgetragen. Auffällig ist überdies, dass in der Beschwerdeschrift gerade im Hinblick auf die zentrale Situation kurz vor der Ausreise, als sie sich bei der Freundin aufgehalten haben will, auf die enorme Belastungs- situation und traumatische Erfahrung der Beschwerdeführerin rekurriert wird, um die wenig substantiierten Angaben zu dieser Zeit zu erklären. 6.2.5 Schliesslich sind den beim SEM eingereichten Beweismitteln über die Bestätigung der Identität hinaus in der Tat keine weiteren Hinweise zu entnehmen, welche die vorgenannten Vorbringen der Beschwerdeführerin stützen könnten. 6.2.6 Nach dem Gesagten vermag die Beschwerdeführerin die Einwände des SEM an der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen betreffend eine Bedro- hung durch ihren Ehemann aufgrund einer ausserehelichen Beziehung mit einem Kommilitonen nicht auszuräumen. Es erübrigt sich demnach, auf die weiteren Erläuterungen in der Beschwerdeschrift zu den Unstimmigkeiten im Hinblick auf ihre tatsächliche Funktion im Unternehmen des Ehemannes und ihre finanzielle Situation einzugehen, ganz abgesehen davon, dass diese weitere Fragen namentlich an ihrer Glaubwürdigkeit aufkommen las- sen und an ihrer Bereitschaft, gegenüber den schweizerischen Behörden generell die Wahrheit sagen zu wollen. Darüber hinaus kann zu diesen Ne- benpunkten ebenfalls auf die zutreffenden Erwägungen des SEM verwie- sen werden. D-134/2019 Seite 16 6.3 Mit der Vorinstanz ist in der Folge weiter einig zu gehen, dass die Vor- bringen zum neu aufgerollten Verfahren gegen die Beschwerdeführerin be- treffend ihrer Beteiligung an einer Frauengruppe sowie zur Aufnahme von Bankschulden in ihrem Namen, je weils veranlasst durch ihren Ehemann, um ihr zu schaden, nicht glaubhaft erscheinen. Den eingereichten Fotos mit ihren Freundinnen sind darüber hinaus keine Hinweise zu entnehmen, dass es sich um eine politisch aktive Gruppe handelte, deren Anführerin noch dazu einmal festgenommen wurde. Die entsprechenden Vorbringen der Beschwerdeführerin dazu stellen lediglich unbewiesene Behauptungen dar. Dies gilt gleichermassen für das gegen sie angestrengte, wieder ein- gestellte und auf Veranlassung ihres Mannes wieder neu aufgerollte Ver- fahren. Noch dazu gab sie von sich aus an, dass die Gruppe nicht politisch aktiv gewesen sei. Soweit auf Beschwerdeebene dargelegt wird, dass es auf die Sichtweise der verfolgenden Behörden ankomme, ist dies aus asyl- rechtlicher Perspekt ive zwar zutreffend. Den Akten sind aber keine An- haltspunkte dafür zu entnehmen, dass ein Verfahren gegen sie nunmehr läuft und sie deswegen bei einer Rückkehr erhebliche Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen hätte. Die vorstehenden Ausführungen gel- ten im Hinblick auf die vermeintlichen Bankschulden und eine allfällige strafrechtliche Verfolgung deswegen sinngemäss. 6.4 Das Gericht stellt angesichts der diesbezüglichen einlässlichen Aussa- gen in den Anhörungen sodann mit der Vorinstanz nicht in Frage, dass die Beschwerdeführerin offensichtlich Opfer häuslicher Gewalt durch ihren Ehemann wurde. Wie das SEM aber bereits zutreffend festhielt, waren die Misshandlungen der Beschwerdeführerin durch ihren Ehemann nach eige- nem Bekunden gar nicht ausschlaggebend für ihre Ausreise, womit es am erforderlichen Kausalzusammenhang fehlen dürfte. Abgesehen davon sind auch die Erwägungen des SEM zur Schutzfähig - und -willigkeit der irani- schen Behörden zu bestätigen. Dabei wird nicht in Abrede gestellt, dass die Angst vor dem Verlust ihrer Kinder und die dargestellte Machtposition ihres Ehemannes die Beschwerdeführerin in gewissem Masse gehemmt haben dürften, Schutz in Anspruch zu nehmen. Zu berücksichtigen ist je- doch, dass sie sich in ihrer (…)-jährigen Beziehung glei chwohl nie auch nur über mögliche Schutzangebote informiert haben will, obschon ihr dies – zumal im etwas offeneren Teheran, angesichts ihres Bildungsgrads und ihrer privilegierten gesellschaftlichen Stellung – durchaus zuzumuten ge- wesen wäre. Des Weiteren geht das Gericht in seiner neueren Rechtspre- chung – entgegen der Behauptung in der Beschwerdeschrift – grundsätz- lich von der Schutzfähigkeit und -bereitschaft der iranischen Behörden ge- genüber Frauen in Bedrängnis und namentlich bei häuslicher Gewalt aus D-134/2019 Seite 17 (vgl. Urteile des BVGer E -4643/2020 vom 23. Oktober 2020 E. 6.1 und E-899/2020 vom 11. März 2020 E. 7.3). 6.5 Schliesslich ist im Hinblick auf allfällige Verfolgungsmassnahmen durch den Ehemann im Falle einer Scheidung auf die zutreffende Beurteilung des SEM zu verweisen. Dem wurde in der Beschwerdeschrift nichts entgegen- gehalten. 7. Soweit die Beschwerdeführerin s chliesslich eine begründete Furcht vor Verfolgung bei einer Rückkehr in den Iran aufgrund ihrer in der Schweiz eingegangenen ausserehelichen Beziehung sowie der Konversion zum Christentum behauptet, macht sie subjektive Nachfluchtgründe geltend. Solche können zwar grundsätzlich die Flüchtlingseigenschaft begründen, führen aber zum Asylausschluss (vgl. Art. 3 Abs. 4, Art. 54 AsylG). Unge- achtet dessen ist vorliegend festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin die erwähnten Umstände nicht von sich aus in den Anhörungen, sondern erst in der Beschwerdeschrift als Grund für eine begründete Furcht angab, nachdem das SEM sich dazu unter umfassender Berücksichtigung der Ak- tenlage in seinem Entscheid äusserte. Bereits insoweit sind Zweifel an ei- ner subjektiven Furcht vor Verfolgung angebracht. Nicht zuletzt kann aber auch hier auf die zutreffende Einschätzung des SEM verwiesen werden, wonach der Ehemann der Beschwerdeführerin gemäss Aktenlage von der Beziehung in der Schweiz nichts erfahren hat. Ebenso ist zu bestätigen, dass es für die Annahme einer flüchtlingsrelevanten Verfolgung bei Kon- version nicht nur der Kenntnis der iranischen Behörden, sondern auch ei- nes exponierten Risikoprofils der betroffenen Person bedarf, welches die Beschwerdeführerin offensichtlich nicht e rfüllt. Dem hat sie in ihrer Be- schwerdeschrift nichts Substanzielles entgegenhalten können, was eine andere Einschätzung rechtfertigen könnte. 8. Gesamthaft konnte die Beschwerdeführerin keine Furcht vor asylrelevanter Verfolgung im Iran glaubhaft machen. Eb enso wenig ist davon auszuge- hen, dass sie – auch im Hinblick auf subjektive Nachfluchtgründe – ihr bei einer Rückkehr in den Iran Verfolgung drohen könnte. Das SEM hat danach zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche der Be- schwerdeführenden abgelehnt. D-134/2019 Seite 18 9. 9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 9.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 10.2 Das SEM ordnete in seiner Verfügung vom 5. Dezember 2018 die vor- läufige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz aufgrund Un- zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs an , weshalb sich weitere Ausfüh- rungen dazu erübrigen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2; 2009/51 E. 5.4). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. 12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen jedoch mit Zwi- schenverfügung vom 23. Januar 2019 die unentgeltlichen Rechtspflege ge- währt wurde und den Akten keine Veränderung ihrer finanziellen Verhält- nisse zu entnehmen ist , haben sie vorliegen d keine Verfahrenskosten zu tragen. 12.2 Nachdem der rubrizierte Rechtsanwalt als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet wurde, ist er für seinen Aufwand unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschädigen, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). In der Kostennote vom 1. Februar 2019 machte er D-134/2019 Seite 19 einen Aufwand von 10.16 Stunden zu Fr. 300.– sowie Auslagen in Höhe von Fr. 50.– geltend. Das Gericht geht bei amtlicher Vertretung praxisge- mäss von einem Stundenansatz von Fr. 200.- bis Fr. 220.- für anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), weshalb der geltend gemachte Aufwand in finanzieller Hinsicht zu kürzen ist. In zeitlicher Hinsicht erscheint er angemessen. Das amtliche Honorar ist danach gerundet auf Fr. 2290.– (10.16 Stunden à Fr. 220.– zuzüglich Auslagen) festzusetzen und dem Rechtsvertreter zu Lasten der Geric hts- kasse auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-134/2019 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem Rechtsvertreter wird zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Hono- rar von insgesamt Fr. 2’290.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Teresia Gordzielik Versand: