Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Mai 2013 (720 11 364 / 98) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Gerichtsgutachten, Frühinvalidität Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Daniel Peyer, Advokat, Hauptstrasse 47, 4153 Reinach BL 1 gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die am 2. April 1991 geborene A.____ meldete sich erstmals mit Gesuch vom 5. August 1999 unter Hinweis auf "Entwicklungsrückstand" zum Bezug von Leistungen der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) an, wobei sie Beiträge für die Sonderschulung beantragte. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) sprach ihr nach Abklärung der gesundheitlichen Situation mit Verfügung vom 20. Oktober 1999 entsprechende Leist ungen zu, welche mittels Verfügung vom 17. August 2004 und Mitteilung vom 3. Oktober 20 07 verlängert wurden. Am 9. November 2007 reichte die Versicherte ein Gesuch um erstmalige berufliche Ausbildung ein. Mit Mitteilung vom 11. März 2008 teilte die IV-Stelle mit, dass einer erstmaligen beruflichen Abklärung in Form einer IV-Anlehre zur hauswirtschaftlichen Mitarbeiterin in der Haushaltungsschule B.____ in C.____ zugestimmt werde. Diese Ausbildung absolvierte d ie Versicherte vom 1. August 2008 bis 31. Juli 2009. Auf eine Fortsetzung der Ausbildun g wurde in der Folge verzichtet, da dies angesichts der Behinderung nicht mehr möglich war, un d das Dossier wurde zwecks Prüfung eines allfälligen Rentenanspruchs der Rentenabteilung ü bergeben. Nach Abklärung der ge- sundheitlichen Verhältnisse und nach Durchführung des V orbescheidverfahrens lehnte die IV- Stelle mit Verfügung vom 9. September 2011 einen Rentenanspruch bei einem ermittelten Inva- liditätsgrad von 0 % ab. Sie stützte sich dabei auf die gutachterliche rheumatologi- sche/psychiatrische Beurteilung von Dr. D.____, FMH Inner e Medizin und Rheumaerkrankun- gen, Manuelle Medizin SAMM und Neuraltherapie ÖAK, u nd Dr. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 4. Juni 2010, sowie die ergänzende S tellungnahme von Dr. E.____ vom 3. Januar 2011 und ging davon aus, das die Versicherte für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten über eine volle Arbeitsfähigkeit verfüge. B. Mit Beschwerde vom 10. Oktober 2011 an das Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht, beantragte A.____, vertre ten durch Advokat Daniel Peyer, die Aufhebung der Verfügung vom 9. September 2011 und di e Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle; unter o/e-Kost enfolge. Im Weiteren ersuchte sie um Be- willigung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Durchfüh- rung einer öffentlichen Verhandlung. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass Dr. E.____ zwar psychische Störungen und Verhaltensstörungen diskutiert und geprüft, er aber an der eigentlichen Problematik vorbei argumenti ert habe. Der Gutachter habe zur Frage der intellektuellen Leistungsfähigkeit ausgeführt, dass si ch keine wesentlichen Symptome ge- zeigt hätten, die einen relevanten Intelligenzdefekt und/oder weitere neuropsychologische Defi- zite überwiegend wahrscheinlich erscheinen liessen. Ob kogn itive Defizite vorliegen würden, habe Dr. E.____ nicht bzw. nicht fundiert untersucht. Dagegen würde das von der Beschwerde- führerin in Auftrag gegebene neuropsychologische Funkti onsprofil der Neuropsychologin lic. phil. F.____, Neuropsychologin SVNP/Psychologin FSP, Schmerzklinik I.____, die Defizite der Beschwerdeführerin in kognitiv-intellektueller Hinsi cht sach- und fachgerecht überprüfen. Die angefochtene Verfügung beruhe daher auf einem un genügend und unvollständig abgeklär- ten medizinischen Sachverhalt, weshalb sie aufzuheben sei. C. Mit Verfügung vom 18. Oktober 2011 bewilligte der instruierende Präsident der Be- schwerdeführerin für das vorliegende Verfahren die unen tgeltliche Prozessführung und unent- geltliche Verbeiständung mit Advokat Daniel Peyer. D. In ihrer Vernehmlassung vom 17. November 2011 beant ragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie hielt an der Auffass ung fest, dass der medizinische Sach- verhalt sowohl in somatischer als auch in psychiatrischer H insicht genügend abgeklärt sei und von zusätzlichen medizinischen Abklärungen keine neuen, für die Fragen der Arbeitsfähigkeit und des IV-Grads relevanten Kenntnisse zu erwarten seien. E. Mit Verfügung vom 18. April 2012 ordnete der inst ruierende Präsident die Einholung eines polydisziplinären Gerichtsgutachtens (Innere Medizin, Rheumatologie, Neuropsychologie, Neurologie und Psychiatrie) bei der Gutachterstelle G. ____ in C.____ an, da eine abschlies- sende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die v orhandenen medizinischen Akten nicht möglich sei. Die Parteien erhielten in der Folge Fri st, um zur Gutachterstelle und dem Fragen- katalog Stellung zu nehmen. Mit Mitteilungen vom 25. April 2012 und vom 30. April 2012 erho- ben die Parteien keine Einwände gegen die Gutachterst elle und erklärten sich mit dem Frage- katalog einverstanden. Die Gutachterstelle G.____ erstatt ete ihr Gutachten am 19. November 2012. F. Die Beschwerdeführerin liess sich mit Eingaben vom 12 . Dezember 2012 und vom 1. Februar 2013 und die Beschwerdegegnerin mit Stellu ngnahme vom 17. Januar 2013 zum Gutachten der Gutachterstelle G.____ und dem Rentenanspruch vernehmen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 10. Oktober 2011 ist einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 versicherte Pe rsonen, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätig en, nicht durch zumutbare Eingliede- rungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbesser n können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mind estens 40 % arbeitsunfähig gewe- sen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht m ehr zumutbar oder – als alternative Vor- aussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c). 2.5 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.6 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Str eitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verf ügung zu stellen sind. Im Weiteren ist es Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes, dazu Stellung zu ne hmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbe itsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen. So führte das Bundesgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zw ingende Gründe" von den Ein- schätzungen des medizinischen Experten abweicht, dessen Aufg abe es ist, seine Fachkennt- nisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um e inen bestimmten Sachverhalt medizi- nisch zu erfassen (BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 352 f. E . 3b/aa). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchli ch ist oder wenn ein vom Gericht ein- geholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ausserdem gerechtfertig t sein, wenn gegensätzliche Meinungs- äusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als trift ig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es d ie Überprüfung durch einen Ober- experten für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpe rtise vom Ergebnis des Gerichtsgut- achtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinwei- sen). In Bezug auf bereits im Rahmen des Verwaltungsver fahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund ein gehender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist laut den Richtlinie n des Bundesgerichts bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nic ht konkrete Indizien gegen die Zu- verlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 3.4 Schliesslich ist in verfahrensrechtlicher Hinsicht noch d arauf zu verweisen, dass der So- zialversicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht ist. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklär ung des rechtserheblichen Sachver- halts zu sorgen (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a, je mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die medizinische Aktenlage präsentiert sich im Wesen tlichen wie folgt: 4.2 Dr. E.____ und Dr. D.____ wurden von der Beschwer degegnerin damit beauftragt, die Beschwerdeführerin bidisziplinär (psychiatrisch/rheumatolog isch) zu begutachten. In seinem Gutachten vom 4. Juni 2010 diagnostiziert Dr. E.____ ein e Neurasthenie (ICD-10 F48.0) bei Status nach kombinierter umschriebener Entwicklungsstörung , bei Status nach emotionaler Störung im Kindesalter und bei Verdacht auf Persönlichk eitsstörung. Die Neurasthenie begrün- de im Fall der Explorandin unter Berücksichtigung der a ktuellen Rechtsanwendung aus versi- cherungsmedizinischer Sicht keine relevante längerfristige Arbeitsunfähigkeit. Es seien aus psychiatrischer Sicht keine besonderen Hinweise vorhanden, die schwere Defizite aufgrund eines Gesundheitsschadens und/oder eine Unzumutbarkeit zu deren Überwindung begründen könnten. Hingegen seien krankheitsfremde Aspekte bekan nt, die die Motivation zur Steigerung der Leistungskraft mindern würden. Eine Einschränkung d er Zumutbarkeit einer Willensan- strengung zur Überwindung der vor allem rein subjekti ven Defizite der Neurasthenie sei aus psychiatrischer Sicht nicht zu begründen. Dr. D.____ diagn ostiziert in seinem Gutachten aus interdisziplinärer Sicht: 1. Neurasthenie; 2. chronisches, generalisiertes Schmerzsyndrom, nicht ausreichend somatisch abstützbar, primäres Fibromyalgie syndrom, betont im Bereich der obe- ren Körperhälfte, Panalgie, diffuse Druckschmerzangabe, P olyarthralgien, cervicalbetontes Panvertebralsyndrom, multiple Beschwerden wie Schlafst örungen, Müdigkeit, ungerichtete Steh- und Gehunsicherheit; 3. cervicalbetontes Panvertebr alsyndrom, kein radikuläres Reiz- oder Ausfallsyndrom; 4. gestörte Gluconeogenese. Die A rbeitsfähigkeit sei aus rein somatisch- rheumatologischer Sicht nicht eingeschränkt. Auch für Ha ushaltsarbeiten mit einem leicht- bis mittelgradig körperlich belastenden Arbeitsprofil könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit postuliert werden. In der interdisziplinären Einschätzun g der Arbeitsfähigkeit könne derzeit kei- ne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit formuliert werden. 4.3 Im Vorbescheidverfahren reichte die Beschwerdeführe rin einen Bericht von lic. phil. F.____ vom 12. Oktober 2010 ein. Darin kommt die Neu ropsychologin nach durchgeführter Testung der Beschwerdeführerin zum Schluss, dass ein schwer es kognitives Defizit (ca. 80 %) bestehe. Ingesamt betrachtet sei das intellektuelle Leist ungsvermögen stark eingeschränkt. In den meisten überhaupt prüfbaren bzw. ansatzweise prüfbar en Funktionsbereiche zeige sich eine massiv herabgesetzte Leistungsfähigkeit. Sofern di e Patientin überhaupt in der Lage sei, die ihr gestellte Aufgabe zu begreifen, könne sie sie alleine nicht bewältigen; einzige Ausnahme sei eine ganz einfach strukturierte Reaktionsgeschwindigke itsaufgabe. Auffallend sei das stark eingeschränkte Auffassungsvermögen und folglich verminder te Instruktionsverständnis, wes- halb viele Testverfahren nicht durchführbar seien. Fer ner sei die Leistungsfähigkeit durch das extrem verlangsamte kognitive Tempo massiv eingeschränkt, was im Alltag neben der stark verminderten und schwankenden Merkfähigkeit und Lernfäh igkeit den Zugriff auf den sofern vorhandenen höheren kognitiven Funktionsbereich weiter herabsetze. Die Patientin könne we- der lesen noch schreiben. Ein neurologisches Konzil sei an gezeigt. Weiter sei die Aufnahme einer sehr einfachen Tätigkeit in geschütztem Rahmen un ter Anleitung bzw. möglichst häufiger Präsenz einer Begleitperson zu empfehlen. Denkbar sei au ch ein Versuch als Hilfsbetreuerin in einer Kleinkinder-Tagesstätte mit Kindern möglichst unter fünf Jahren. 4.4 Mit Bericht vom 26. November 2010 hält Dr. H.____ , Neurologie FMH, Leiter Kopf- schmerzzentrum der Schmerzklinik I.____, als Diagnose eine geistige Retardierung fest. Neuro- logisch hätten sich keine Auffälligkeiten finden lassen. Das MRI des Schädels sei unauffällig gewesen, insbesondere hätten sich keine Hinweise für ei ne Reifungsstörung finden lassen. Elektroenzephalographisch habe sich im normalen EEG eine occipitale Auffälligkeit unter Hy- perventilation finden lassen. Bei einem daraufhin dur chgeführten Schlafentzugs-EEG habe dies nicht mehr reproduziert werden können. Insgesamt könne ni cht davon ausgegangen werden, dass epileptische Anfälle vorliegen würden. 4.5 Die Ergebnisse der Untersuchungen in der Schmerzkli nik I.____ wurden Dr. E.____ von der Beschwerdegegnerin zur Stellungnahme vorgelegt. Di eser kommt in seiner ergänzenden Beurteilung vom 3. Januar 2011 zum Schluss, dass im Ber icht von lic. phil. F.____ eine diffe- renzierte Diskussion der krankheitsfremden Einflüssen wie Mo tivation, Verdeutlichungstendenz und/oder psychosozialen Faktoren wie kulturelle und fami liäre Belastungen fehle. Die Leis- tungsdefizite würden zudem weit überwiegend durch die subjektive Angabe von Überforderung begründet. Die Autorin setze die durch ihre Untersuchung zu objektivierende Leistungsschwä- che willkürlich als Ursache der Hinweise auf allfällige kr ankheitsfremde Einflüsse voraus, was dem Zweck der Testverfahren zur Symptomvalidierung nicht e ntspreche. Anlässlich der Unter- suchungen für das Gutachten seien jedoch krankheitsfremde A spekte erkannt, diskutiert und berücksichtigt worden. So könne der neuropsychologischen Beurteilung der Leistungsfähigkeit vor allem qualitativ deskriptive, nicht aber quantitativ verwertbare Bedeutung bei der Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit zugemessen werden. In Bezug a uf die Beurteilung von Dr. H.____ kommt Dr. E.____ zum Schluss, dass es sich nicht um einen p sychiatrischen Bericht handle. Eine Diagnose mit Bezug auf ein gängiges Klassifikationssystem werde nicht genannt, ebenfalls keine objektiven Befunde. Aus diesen Gründen halte er a n seiner Beurteilung der psychiatri- schen Diagnosen und der Arbeitsfähigkeit in der bisheri gen und in einer angepassten Tätigkeit fest. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung vom 9. Septem- ber 2011 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes un d der Arbeitsfähigkeit der Be- schwerdeführerin vollumfänglich auf die Ergebnisse, zu de nen Dr. D.____ und Dr. E.____ in ihrem Gutachten vom 4. Juni 2010 gelangt waren. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Beschwerdeführerin in der Ausübung einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit zu 100 % ar- beitsfähig sei. Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 3.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie n ach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Anlässlich einer in d ieser Angelegenheit im Rahmen des Instruktionsverfahrens durchgeführten Prüfung der Akte nlage gelangte der instruierende Präsident nun allerdings zur Auffassung, dass in Bezug au f das Gutachten von Dr. E.____ und Dr. D.____ solche Zweifel vorliegen würden. So sei insbe sondere unklar, inwiefern sich mögli- che intellektuelle Defizite und allfällige körperliche Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirken würden und ob die Beschwe rdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft überhaupt verwerten könne. Die vorliegenden medizinischen Berichte wür- den sich in diesem Punkt erheblich widersprechen. Zur Klär ung der medizinischen Sachlage wurde daraufhin bei der Gutachterstelle G.____ ein po lydisziplinäres Gerichtsgutachten (Innere Medizin, Rheumatologie, Neuropsychologie, Neurologie und Psychiatrie) in Auftrag geben. 5.2.1 Das begutachtende Ärzte- und Neuropsychologinnent eam der Gutachterstelle G.____ (Dr. J.____, Fachärztin für Allgemeinmedizin; Dr. K.___ _, Innere Medizin und Rheumatologie FMH; Dr. L.____, Neurologie FMH; pract. med. M.____, Fachärztin für Psychiatrie und Neurolo- gie; lic. phil. N.____, Psychologin FSP; dipl. psych. O. ____, Fachpsychologin FSP, zertifizierte neuropsychologische Gutachterin SIM) führte bei der Besch werdeführerin rheumatologische, neurologische, psychiatrische und neuropsychologische Abklärun gen durch. Gestützt auf die Untersuchungen hält es in seinem ausführlichen Gericht sgutachten vom 19. November 2012 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfäh igkeit fest: 1. genuine leichte Intelli- genzminderung (ICD-10 F70.1) mit nicht-authentischen, f ormal schwersten kognitiven Minder- leistungen auf dem Boden echter Minderleistungen (in geschätzt mittelgradigem Ausmass); 2. Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2); 3 . anhaltende somatoforme Schmerz- störung. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dia gnostizieren die Gutachter: 1. chroni- sches zerviko-thorako-lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit/bei leichter hyperkyphotischer Fehlform der BWS bei radiologisch diskreten Scheuerman n'schen Wirbelkörperveränderungen (Röntgen vom 11. Mai 2010), atoner Rumpfhaltung und muskulärer Dekonditionierung, radiolo- gisch unauffälligen Verhältnissen an HWS und LWS (Rönt gen vom 11. Mai 2010) und chroni- schen Kopfschmerzen; 2. femoropatelläre Knieschmerzen mi t/bei leichter Kniegelenks-Hypermobilität, dekonditionierungsbedingt deutlich verkürzter dorsaler Oberschenkelmuskulatur beidseits; 3. mässige Valgus-Knicksenkfussdeformität beidseits, leicht symptomatisch; 4. primä- re Raynaud-Symptomatik anamnestisch, ANA-Titer negativ. 5.2.2 Im Rahmen einer gemeinsam vorgenommenen Konsen sbeurteilung hält das Gutachter- team der Gutachterstelle G.____ fest, dass die Explorand in zum Zeitpunkt der Untersuchung auf somatischer Seite über wiederkehrende diffuse Kopf schmerzen, Schmerzen im Bereich der gesamten Wirbelsäule, der Kniegelenke und an beiden Füssen geklagt habe. Die wiederkeh- renden Kopfschmerzen würden aus neurologischer Sicht als c hronisches Panvertebralsyndrom mit Ausdehnung auf den cervicocephalen Bereich interpre tiert. Anlässlich der rheumatologi- schen Untersuchung habe sich gezeigt, dass die erhobenen g eringgradigen Befunde das Aus- mass der von der Explorandin angegebenen Beschwerden ni cht erklären könnten. Die Be- schwerden seien deshalb überwiegend im Rahmen der aus psyc hiatrischer Sicht festgestellten somatoformen Schmerzstörung zu interpretieren. Diese Einschätzung decke sich mit derjenigen von Dr. D.____. Aus psychiatrischer Sicht könne die Diag nose der somatoformen Schmerzstö- rung gestellt werden, da die diffusen Beschwerden seit mehreren Jahren bestehen würden, durch somatische Befunde nicht ausreichend erklärbar seien und gleichzeitig eine durch die Beschwerden verursachte deutliche Einschränkung in der tä glichen Lebensführung vorliege. Eine starke Inanspruchnahme medizinischer Abklärungen, wie sie die Diagnose eigentlich er- fordere, könne zwar nicht festgestellt werden, dies sei a ber in erster Linie auf die intellektuelle Unfähigkeit der Explorandin zurückzuführen, eine solche überhaupt in Anspruch zu nehmen. Man sei zudem der Meinung, dass die Beschwerden der Expl orandin als ausreichend schwer genug eingeschätzt werden könnten, um die Eingangs-Krit erien einer somatoformen Schmerz- störung zu erfüllen. Ausserdem liege das Kriterium eine s emotionalen Konflikts (schwierige psychosoziale Situation, Konflikte in Schule und Ausbildun g) vor. Weiter seien die Kriterien für eine depressive Störung (gestörter Antrieb, Ängste, verm indertes Konzentrationsvermögen) ausreichend erfüllt. Die von Dr. E.____ beschriebene Verdeutlichungstendenz habe sich auch im Rahmen der aktuellen Untersuchungen finden lassen, j edoch habe darüber hinaus eine deutliche psychiatrische Symptomatik festgestellt werden könn en, die mit der Verdeutlichung alleine und auch unter Berücksichtigung der psychosozialen Begleitumstände nicht ausreichend zu erklären gewesen sei. Die Tendenz zur Verdeutlichun g werde aus psychiatrischer Sicht als Bestandteil eines appellativen, "kindlich" unreifen Ve rhaltens im Rahmen der Grunderkrankung und klar nicht als überwindbare sekundäre Ausweitung von Symptomen gewertet. In der neuro- psychologischen Untersuchung hätten sich deutlich limitiert e kognitive Fähigkeiten bestätigen lassen. Aufgrund des Verlaufs und der Aktenlage müsse ange nommen werden, dass diese Li- mitierung bereits seit der frühen Kindheit vorhanden gewesen sei. Aufgrund einer fehlenden Förderung durch das familiäre Umfeld seien die noch vorhandenen Ressourcen nicht oder nicht ausreichend ausgeschöpft worden, was die Entwicklung des h eute vorliegenden Krankheits- und Beschwerdebilds gefördert haben dürfte. Zudem habe sich durch die Überzeugung und Verinnerlichung der eigenen Limitiertheit über die Ja hre hinweg ein deutliches dysfunktionales Verhaltensmuster mit ängstlich unsicherem Vermeidungsverh alten entwickelt, das sich verfes- tigt habe. Hiermit könne die aktuell festzustellende B eharrlichkeit und Überzeugung der Explo- randin, "nichts zu können", erklärt werden. In diesem Z usammenhang seien auch die teilweise inkongruenten Ergebnisse im Rahmen der neuropsychologisc hen Untersuchung zu erklären, bei der Hinweise vorgelegen hätten, dass die Explorandin teilweise über höhere tatsächliche Fähigkeiten verfüge, als sie bei der Testung tatsächlich leiste. Diese Limitierung sei aber auf- grund des Grundleidens und der psychiatrischen Einschätzun g nur sehr bedingt überwindbar. Der Kern der zugrundeliegenden kognitiven Einschränkungen sei real und erschwere es der Explorandin, die verbleibenden Rest-Fähigkeiten adäqua t auszuschöpfen. Die genannten Fak- toren hätten über die Jahre zu einem ausgeprägten sozial en Rückzug und zur Entwicklung ei- nes mangelnden Selbstwertgefühls sowie zur Entwicklung e iner Antriebsstörung, diffuser Ängs- te und der beschriebenen Somatisierungstendenz geführt . Hierzu korreliere der von Dr. E.____ beschriebene Verdacht auf eine Persönlichkeitsentwicklung mit kindlichen, narzisstischen, the- atralischen, dramatisierenden und demonstrativen Zügen. Mit dieser Einschätzung gehe man konform. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung könne aber nicht gestellt werden, da davon ausgegangen werde, dass aufgrund der vielfältigen beschr iebenen Einschränkungen eine ab- geschlossene Persönlichkeitsentwicklung bisher nicht stattgef unden habe. Anlässlich der neu- ropsychologischen Untersuchungen habe sich gezeigt, dass bei der Explorandin deutliche kog- nitive Defizite vorliegen würden. Eine deutliche Inte lligenzverminderung könne angenommen werden. Auch unter Berücksichtigung von Verdeutlichungsten denzen, Selbstlimitierung und der Annahme eines tatsächlich leicht höheren Leistungsnivea us bestünden gravierende kognitive Defizite in multiplen Funktionsbereichen. Insgesamt kön ne festgestellt werden, dass der Be- schwerde- und Symptomenkomplex der Beschwerdeführerin als ein Mischbild aus intellektuel- len Defiziten zusammen mit psychiatrischen Symptomen, die d urch die vorliegenden schwieri- gen psychosozialen Umstände verstärkt würden, zu werten sei. In Bezug auf die qualitativen und quantitativen Beeint rächtigungen, die die festgestellten Ge- sundheitsstörungen verursachen, gelangen die Gutachter zur Auffassung, dass die beschriebe- nen kognitiven Minderleistungen, die sich unter anderem durch begrenzt ausgebildete exekutive Funktionen manifestieren würden, sich bei der Explorandi n in Form eines vom Entwicklungs- stand her retardierten, "kindlichen" Verhaltens mit verst ärkter Impulsivität und einer fehlenden Ausbildung der Fähigkeit, Gefühle und Impulse wie Fr ustration, Resignation und Unwillen zu- rückzuhalten, zeigen würden. Dadurch könne sie ihr Verhal ten in bestimmten Situationen nur unzureichend anpassen. Die Fähigkeit, Wünsche für eine gewisse Zeit aufzuschieben, sei ver- mindert ausgebildet. Hieraus resultiere eine schlechte Kontrolle der eigenen Emotionen sowie eine reduzierte Konfliktfähigkeit, insbesondere im Umg ang mit Menschen. Es bestehe eine ge- ringe Frustrationstoleranz, eine schnell nachlassende Motivation und die Tendenz, bei subjekti- ver Überforderung schnell mit Rückzug bis hin zur Leistung sverweigerung zu reagieren. Die zusätzlich vorliegende affektive Symptomatik führe zudem zu einer Einschränkung des Kon- zentrationsvermögens und zu einer rascheren Ermüdbarkeit, was die kognitiven Einschränkun- gen weiter verstärke. Die Explorandin verfüge aufgrund d er bestehenden deutlichen kognitiven Minderleistungen und der zusätzlichen Entwicklung einer affektiven Störung bei fehlender För- derung durch das familiäre Umfeld über keine Ressourcen , die es ihr ermöglichen würden, die Störung durch eigene Anstrengung zu überwinden. 5.2.3 Die Gutachter äussern sich sodann auch zu abweichend en früheren medizinischen Ein- schätzungen, insbesondere setzen sie sich mit der stark divergie renden Beurteilung des Gut- achters Dr. E.____ auseinander. Sie könnten die Auffa ssung von Dr. E.____, dass die Diagno- se der somatoformen Schmerzstörung nicht gestellt werden könne, weil bei der Explorandin keine starke Inanspruchnahme von medizinischen Abklärunge n vorliege, nicht bestätigen. Die Nichtinanspruchnahme medizinischer Abklärungen sei ihrer Beurteilung nach auf die intellektu- elle Unfähigkeit der Explorandin zurückzuführen. In Bezug auf das Vorliegen der Kriterien einer depressiven Episode könne die Auffassung des Vorgutachte rs ebenfalls nicht geteilt werden. Man gehe davon aus, dass der Schweregrad der geklagten S ymptome das notwendige Aus- mass erreicht habe. Die ängstlich depressive Verstimmung kö nne nicht vollständig als Folge von psychischen und körperlichen Missempfindungen sowie von psychosozialen Faktoren er- klärt werden. Zudem werde die diagnostische Einschätzung von Dr. E.____ einer Neurasthenie nicht geteilt. Die komplexen Beschwerden der Explorandin könnten selbst unter Berücksichti- gung einer gewissen Verdeutlichung/Aggravation durch diese Diagnose nicht ausreichend ab- gebildet werden. Man gehe zwar davon aus, dass die vielf ältigen psychosozialen Faktoren zu einer Verschlechterung bzw. Akzentuierung der Beschwerd esymptomatik geführt hätten, die gesamte Entwicklung könne aber dadurch nicht genügend bzw. vollständig erklärt werden. An- ders als Dr. E.____ gehe man sodann davon aus, dass bei der Explorandin deutliche kognitive Defizite vorliegen würden. Der Vergleich der aktuelle n Testung zur ersten neuropsychologi- schen Untersuchung im Oktober 2010 zeige in etwa gleichb leibende, formal schwerste kogniti- ve Minderleistungen in multiplen Funktionsbereichen. Au ch unter Berücksichtigung der krank- heitsfremden Einflüsse, deren fehlende Berücksichtigung Dr. E.____ anlässlich der ersten Tes- tung bemängelt habe, könnten die bestehenden deutlich en kognitiven Minderleistungen nicht ausreichend erklärt werden. 5.2.4 Im Zusammenhang mit der konkreten Einschätzung de r Arbeitsfähigkeit weist das Gut- achterteam darauf hin, dass aus rein rheumatologischer u nd neurologischer Sicht keine Ein- schränkung der Arbeits- oder Leistungsfähigkeit festgestell t werden könne. Aufgrund des deut- lich reduzierten kognitiven Leistungsniveaus und der zusätzl ich bestehenden psychiatrischen Symptomatik bestehe aber für Tätigkeiten in der freien Wirtschaft keine verwertbare Arbeitsfä- higkeit. Die Explorandin könne die minimalen Anforder ungen an eine Leistungsfähigkeit im pri- mären Arbeitsmarkt nicht erfüllen und sei daher einem A rbeitgeber nicht zumutbar. Eine Tätig- keit in geschütztem Rahmen unter angepassten Bedingungen scheine denkbar zu sein, wobei hierfür eine Leistungsfähigkeit von mindestens vier Stu nden täglich angenommen werden kön- ne. Die Explorandin sei nur geeignet für Tätigkeiten unter permanenter Anweisung und Über- wachung. Tätigkeiten mit Anforderungen an Kenntnisse wi e Lesen, Schreiben und Rechnen sowie erhöhten Anforderungen in den Bereichen Aufmer ksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit sowie differenzierte visuelle Wahrnehmung seien ebenso wie Tätigkeiten, die ein abstraktes Denken und eine Handlungsplanung erfordern würden, n icht zumutbar bzw. könnten nur unter Kontrolle ausgeführt werden. Hierzu sollte insbesond ere Zeitdruck vermieden werden, um eine Überforderungssituation zu vermeiden. Eine Unterbringu ng in einer heilpädagogisch orientier- ten, internatsähnlichen Einrichtung sei dringend zu em pfehlen. Da es sich um eine seit der Kindheits-/Jugendzeit bestehende und sich im Rahmen de r zusätzlichen dysfunktionalen Über- zeugungsmuster noch verfestigende Störung handle, könne r etrospektiv nicht plausibel eine wesentlich höhere Arbeitsfähigkeit angenommen werden. Für den ersten Arbeitsmarkt habe zu keiner Zeit eine Arbeitsfähigkeit bestanden. 6.1 Mit Eingaben vom 12. Dezember 2012 und vom 1. Fe bruar 2013 hielt die Beschwerde- führerin gestützt auf das Gutachten der Gutachterstelle G.____ fest, dass im freien Arbeitsmarkt keine Arbeitsfähigkeit vorhanden sei. Ab Eintritt ins E rwachsenenalters per 2. April 2009 beste- he Anspruch auf eine ganze IV-Rente. Mit Stellungna hme vom 17. Januar 2013 äusserte sich die Beschwerdegegnerin dahingehend, dass das Gutachten v on Dr. E.____ vom 4. Juni 2010 formale und inhaltliche Mängel aufweise, weshalb nich t darauf abgestellt werden könne. Ge- stützt auf das Gutachten der Gutachterstelle G.____, da s umfassend und schlüssig sei, könne die Beschwerdeführerin als Frühinvalide betrachtet we rden. Hinsichtlich des Beginns der Ar- beitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft sei festzustel len, dass dieser auf den Zeitpunkt des Ausbildungsabbruchs am 10. August 2009 bzw. auf den Ei ntritt ins Erwachsenenalter am 2. April 2009 festzulegen sei. Die Beschwerdeführerin hab e gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG als Frühinvalide ab dem 1. Mai 2009 einen Anspruch auf ei ne ganze IV-Rente bei einem errechne- ten IV-Grad von 96 %. 6.2 Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 3.3 hiervor), weicht das Gericht bei Gerichtsgutach- ten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Expertinnen und Experte ab, deren Aufgabe es ist, ih re Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt m edizinisch zu erfassen. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, d ie Ergebnisse des Gutachtens der Gutachterstelle G.___ vom 19. November 2012 in Frage zu stellen oder gar davon abzuwei- chen. Es ist vielmehr festzustellen, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraus- setzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsicht erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist für die st reitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein u nd es nimmt insbesondere eine äusserst differenzierte und überzeugende Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vor. Das Gutachten weist sodann kei ne Widersprüche auf. Es enthält eine ausführliche Darlegung und eingehende Würdigung der medizinischen Aktenlage. Es setzt sich auch ausführlich mit den bei den Akten liegenden ab weichenden fachärztlichen Einschät- zungen auseinander. So legt es insbesondere einlässlich dar, weshalb nicht auf die Ergebnisse des Gutachtens von Dr. E.____ vom 4. Juni 2010 abgestel lt werden kann. Die entsprechenden, vorstehend in Erwägung 5.2.3 wiedergegebenen Darlegun gen des Gutachterteams sind über- zeugend, so dass an dieser Stelle von einer weiteren Au seinandersetzung mit der abweichen- den Einschätzung von Dr. E.____ abgesehen und stattdesse n vollumfänglich auf die schlüssi- gen fachärztlichen Ausführungen im Gutachten der Guta chterstelle G.____ verwiesen werden kann. Als Ergebnis ist demnach mit dem überzeugenden G erichtsgutachten und den Parteien festzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin aufgrund der bei ihr erhobenen Befunde seit Eintritt ins Erwachsenenalter per 2. April 2009 keine Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft besteht. 7.1 Zu prüfen ist in einem nächsten Schritt, wie sich d ie eingeschränkte Arbeitsfähigkeit auf die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt. Die Beschwerdeführerin konnte auf- grund ihrer Krankheit keine zureichenden beruflichen Ke nntnisse erwerben, weshalb gemäss Art. 26. Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversi cherung (IVV) vom 17. Januar 1961 das Erwerbseinkommen, das sie als Gesunde erzielen könnte (Val ideneinkommen), bestimmten nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktuali sierten Medianwerts gemäss der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statist ik entspricht. Als Ausgangswert wäre demzufolge für das vorliegend massgebliche Vergleichsjahr 2009, in dem die Beschwerdeführe- rin ihr 18. Altersjahr erreicht hatte, 70 % des für d ie Invaliditätsbemessung in derartigen Fällen massgebenden durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommens, d. h. Fr. 75'000.--, einzusetzen (Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen [ BSV] bezüglich durchschnittliches Einkommen der Arbeitnehmer bei Invaliditätsbemessung auf Grund von Artikel 26 Absatz 1 IVV vom 25. September 2008), woraus ein Valideneinkommen v on Fr. 52'500.-- (0.7 x Fr. 75'000.--) resultieren würde. 7.2 Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin n icht im Stande ist, ihre Arbeits- fähigkeit auf dem offenen Arbeitsmarkt zu verwerten. S ie ist auf einen geschützten Arbeitsplatz angewiesen. Dort kann sie gemäss Einschätzung des Gerichtsgu tachterteams eine Tätigkeit während maximal vier Stunden pro Tag ausüben. Der Stu ndenlohn beträgt an einem geschütz- ten Arbeitsplatz gemäss dem Kreisschreiben des BSV über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art (KSBE), gültig ab 1. Januar 2008, m indestens Fr. 2.35. Die Beschwerdeführerin könnte dort einen Jahreslohn von Fr. 4'692.50 erzielen . Das zumutbare Invalideneinkommen beträgt daher bei einem Pensum von vier Stunden pro Ta g im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns per Mai 2009 Fr. 2'346.--. 7.3 Bei der Berücksichtigung des Valideneinkommens von Fr. 52'500.-- und einem hypothe- tischen Invalideneinkommen von Fr. 2'346.-- ergibt sich daher – wie von der Beschwerdegegne- rin in der Stellungnahme vom 17. Juni 2013 festgestellt – ab Eintritt ins Erwachsenenalter per 2. April 2009 ein Invaliditätsgrad von 96 %. Die Beschwer deführerin hat daher in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 IVG ab dem 1. Mai 2009 Anspruch auf ein e ganze Invalidenrente. Die Beschwer- de erweist sich als begründet, weshalb sie gutzuheissen un d die Verfügung vom 9. September 2011, mit der die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf e ine IV-Rente noch verneint hat, auf- zuheben ist. 8.1 Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss Art . 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli gung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht koste npflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemesse- nem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegne rin unterliegende Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorin stanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskoste n auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die Beschwerdegegnerin als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Es werden deshalb keine Verfahrenskosten erhoben. 8.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV- Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht wei ter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend war ein Ent- scheid in der Angelegenheit gestützt auf die vorhanden e medizinische Aktenlage nicht möglich. Für eine abschliessende Beurteilung des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin war das zwischenzeitlich in Auftrag gegebene Gerichtsgutachten der Gutachterstelle G.____ vom 19. November 2012 unerlässlich. Im Lichte der geschilderten b undesgerichtlichen Rechtsprechung sind demnach dessen Kosten, welche sich gemäss Honorarrechnun g vom 28. Dezember 2012 auf Fr. 12'499.10 belaufen, der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist der Beschwerde- führerin deshalb eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 1 . Februar 2013 einen Zeitaufwand von 16 Stunden und 15 Minuten geltend gemacht, was sich umfangmässig als angemessen erweist. Damit ist der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'031.60 (16.25 x Fr. 220.-- plus Auslagen von Fr. 158.-- und 8 % Mehrw ertsteuer) zu Lasten der Beschwerde- gegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 9. September 2011 aufgehoben und es wird festgestellt , dass die Be- schwerdeführerin ab 1. Mai 2009 Anspruch auf eine gan ze IV-Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 12'499.10 werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. 4. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 4'031.60 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht