A bteilung III C -104/2006 {T 0/2} U rteil vom 15. Juni 2007 M itw irkung: R ichterin Beutler (Vorsitz); R ichter Trom m er; R ichter Vuille; G erichtsschreiber Segessenm ann. M ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Einreisesperre. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer ist Bürger von Kroatien und M azedonien. B. Am 10. Februar 2006 w urde er von der Kantonspolizei Thurgau anlässlich einer Verkehrskontrolle w egen Verdachts auf W iderhandlungen gegen das Bundesgesetz vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer (AN AG , SR 142.20) festgenom m en. Anlässlich der gleichentags durchgeführten polizeilichen Einvernahm e gab der Beschw erdeführer zu Protokoll, er sei in den letzten Jahren w iederholt in der Schw eiz gew esen und habe im Jahre 2005 w ährend rund fünf Tagen bzw . im Jahr 2006 w äh- rend insgesam t 20 bis 30 Tagen in einer M etallbaufirm a gearbeitet. In der Folge w urde der Beschw erdeführer m it Strafverfügung des Bezirksam ts M ünchw ilen vom 13. Februar 2006 w egen W iderhandlung gegen das AN AG zu einer bedingten G efängnisstrafe von vier W ochen verurteilt. C . Auf Antrag des Kantons Thurgau verfügte die Vorinstanz am 10. Februar 2006 gegen den Beschw erdeführer eine zw eijährige Einreisesperre w egen grober Zuw iderhandlungen gegen frem denpolizeiliche Vorschriften (illega- ler Aufenthalt und Erw erbstätigkeit ohne Bew illigung). D . M it an das BFM gerichteter Eingabe vom 4. M ärz 2006 ersuchte der Be- schw erdeführer darum , die Verfügung w iedererw ägungsw eise aufzuheben, dam it von der Erhebung einer Beschw erde abgesehen w erden könne. D ie- ses Schreiben w urde von der Vorinstanz am 14. M ärz 2006 an das Eidge- nössische Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) w eitergeleitet zur Ü ber- prüfung, ob es sich dabei um eine Beschw erde handeln könnte. E. Am 13. M ärz 2006 erhob der Beschw erdeführer beim EJPD Beschw erde. D arin beantragt er, die angefochtene Verfügung und die angeordnete Ein- reisesperre seien aufzuheben, eventuell sei die Einreisesperre auf m axi- m al ein Jahr zu reduzieren. F. In der Vernehm lassung vom 27. April 2006 beantragt die Vorinstanz die Abw eisung der Beschw erde. G . M it R eplik vom 1. Juni 2006 hält der Beschw erdeführer sinngem äss an sei- nen Anträgen und der Beschw erdebegründung fest. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VG G genannten Ausnahm en Beschw erden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), w elche von einer in Art. 33 VG G aufgeführten Behörde erlassen w urden. D arunter fallen gem äss Art. 20 Abs. 1 AN AG die Verfügungen des BFM , die sich auf Art. 13 Abs. 1 AN AG stützen. D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 3 vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Be- urteilung der am 1. Januar 2007 bei den Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei den Beschw erdediensten der D eparte- m ente hängigen R echtsm ittel und w endet das neue Verfahrensrecht an (Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht nach dem Vw VG , sow eit das G esetz nichts anderes bestim m t. 1.3 D er Beschw erdeführer ist als Adressat durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzw ürdiges Interesse an deren Aufhebung (Art. 48 Abs. 1 Vw VG ). Auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist som it einzu- treten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie eidgenössische Behörde kann, für höchstens drei Jahre, die Einreise- sperre verhängen über Ausländerinnen und Ausländer, die sich grobe oder m ehrfache Zuw iderhandlungen gegen frem denpolizeiliche oder andere ge- setzliche Bestim m ungen und gestützt darauf erlassene behördliche Verfü- gungen haben zuschulden kom m en lassen. W ährend der Einreisesperre ist ausländischen Personen jeder G renzübertritt ohne ausdrückliche Er- m ächtigung der verfügenden Behörde untersagt (Art. 13 Abs. 1 Satz 2 und 3 AN AG ). 2.2 D er illegale Aufenthalt von Ausländerinnen und Ausländern und/oder die Ausübung einer Erw erbstätigkeit ohne Bew illigung stellt praxisgem äss eine grobe Verletzung frem denpolizeilicher Vorschriften dar (vgl. Verw altungs- praxis der Bundesbehörden [VPB] 63.38, E. 13). 3. D er Beschw erdeführer m acht im W esentlichen geltend, er besitze die kroa- tische Staatsbürgerschaft und habe sich gem äss Art. 1 des Abkom m ens vom 13. M ai 1997 zw ischen dem Schw eizerischen Bundesrat und der R e- gierung der R epublik Kroatien über die gegenseitige Aufhebung der Vi- sum pflicht (SR 0.142.112.911; nachfolgend: Abkom m en über die gegen- seitige Aufhebung der Visum pflicht) ohne Visum in der Schw eiz aufhalten dürfen, da er nicht beabsichtigt habe, länger als drei M onate in der Schw eiz zu bleiben oder hier eine Erw erbstätigkeit auszuüben. D em zufol- ge könne von einem illegalen Aufenthalt nicht die R ede sein. Er sei ledig- lich besuchsw eise und ohne Erw erbsabsichten in die Schw eiz gekom m en. Einige Zeit nach der Einreise habe er rein gefälligkeitshalber, spontan und nur sporadisch an w enigen Tagen dem Kollegen seiner hiesigen Bekann- ten bei einigen Transporten geholfen. D ies sei im Januar/Februar 2006 an ungefähr zw ei bis drei Tagen geschehen. Bei den im polizeilichen Einver- nahm eprotokoll angegebenen 20 bis 30 Tagen handle es sich offensicht- lich um ein Schreibversehen, da er erst am 24. Januar 2006 eingereist sei und som it bis zum Tage der Verhaftung am 10. Februar 2006 unm öglich w ährend 20 bis 30 Tagen in der Schw eiz habe arbeiten können. D er Tat- bestand der illegalen Einreise sei som it nicht erfüllt und hinsichtlich der Er-4 w erbstätigkeit ohne Bew illigung liege ein geringfügiger Fall vor. M ithin ge- be es keinen G rund für eine Fernhaltem assnahm e, zum al Anhaltspunkte dafür fehlen w ürden, dass Störungen der öffentlichen Sicherheit und O rd- nung zu befürchten w ären, falls er sich später w ieder einm al besuchsw eise in der Schw eiz aufhalten sollte. 4. 4.1 G em äss Art. 1a AN AG sind Ausländerinnen und Ausländer zur Anw esen- heit in der Schw eiz berechtigt, w enn sie eine Aufenthaltsbew illigung besit- zen oder keiner solchen bedürfen. Keiner Bew illigung bedürfen rechtm äs- sig eingereiste ausländische Personen w ährend der für sie geltenden An- m eldefrist, ebenso nach richtig erfolgter Anm eldung bis zum Entscheid über das m it ihr einzureichende G esuch um Bew illigung von Aufenthalt oder N iederlassung (der so genannte bew illigungsfreie Aufenthalt, Art. 1 Abs. 1 der Vollziehungsverordnung vom 1. M ärz 1949 zum Bundesgesetz über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AV, SR 142.201]). D araus folgt, dass der Aufenthalt, der sich nicht auf eine individuelle Bew il- ligung oder das G esetz stützen kann, ohne w eiteres als w iderrechtlich gel- ten m uss und der betroffene Ausländer deshalb von G esetzes w egen zur Ausreise verpflichtet ist (N IC O LAS W ISAR D , Les renvois et leur exécution en droit des étrangers et en droit d'asile, Basel und Frankfurt am M ain 1997, S. 100). 4.2 D ie Anm eldefrist, die gem äss den oben stehenden Ausführungen die D au- er des bew illigungsfreien Aufenthaltes definiert, beträgt bei einem Aufent- halt ohne Erw erbstätigkeit grundsätzlich drei M onate. Erfolgt die Einreise zum Zw ecke der Erw erbstätigkeit (vgl. zum Begriff der Erw erbstätigkeit: Art. 6 der Verordnung vom 6. O ktober 1986 über die Begrenzung der Zahl der Ausländer [BVO , SR 823.21]), hat sich die ausländische Person binnen acht Tagen, auf jeden Fall aber vor Antritt der Stelle anzum elden (Art. 2 Abs. 1 AN AG ). Sie darf eine Stelle erst antreten und von einem Arbeitge- ber zum Antritt der Stelle nur zugelassen w erden, w enn ihr der Aufenthalt zum Stellenantritt bew illigt ist (Art. 3 Abs. 3 AN AG ). D agegen benötigt eine ohne Stellenantritt erw erbstätige ausländische Person w ährend der D auer der für sie geltenden achttägigen M eldefrist keiner Bew illigung (Art. 3 Abs. 8 AN AV). 4.3 Kann oder w ill eine rechtm ässig eingereiste ausländische Person innert der für sie geltenden Anm eldefrist nicht ausreisen, ist sie von G esetzes w egen gehalten, sich rechtzeitig zw ecks R egelung ihrer w eiteren Anw e- senheit bei der Frem denpolizeibehörde des Aufenthaltsortes anzum elden (Art. 2 Abs. 1 AN AG , Art. 2 Abs. 1 AN AV). Tut sie dies nicht, hat sie nicht nur die M eldepflicht verletzt. Ihr w eiterer Aufenthalt ist w iderrechtlich und kann jedenfalls dann zu adm inistrativen Sanktionen führen, w enn seine D auer die Intensität des "Verw eilens" erreicht (vgl. VA LEN TIN R O SC H AC H ER , D ie Strafbestim m ungen des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlas- sung der Ausländer, Zürich 1991, S. 42 f.). 5.5 5.1 Anlässlich der polizeilichen Einvernahm e vom 10. Februar 2006 räum te der Beschw erdeführer ein, im Jahre 2005 w ährend rund fünf Tagen und ihm Jahre 2006 w ährend insgesam t 20 bis 30 Tagen bei einer M etallbaufir- m a gearbeitet zu haben. D ie R ichtigkeit dieser Aussage hat er unterschrift- lich bestätigt. D ie Ausführungen auf Beschw erdeebene, w onach es sich bei dieser Aussage um ein Schreibversehen handeln solle, sind als blosse Schutzbehauptung zu qualifizieren, zum al aus dem fraglichen Protokoll er- sichtlich ist, dass der Beschw erdeführer bei der Befragung durch die Poli- zei anfänglich noch versucht hatte, die gegen ihn erhobenen Vorw ürfe ab- zustreiten und deshalb angab, erst am 24. Januar 2006 in die Schw eiz ein- gereist zu sein, im späteren Verlauf jedoch eingestand, w ährend längerer Zeit in der Schw eiz gearbeitet zu haben. 5.2 Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass der Beschw erdeführer zu Beginn des Jahres 2006 in der Schw eiz eine Stelle angetreten hat, ohne über die dazu erforderliche Bew illigung zu verfügen. Auf G rund dieses Fehlverhaltens w urde er vom Bezirksam t M ünchw ilen am 13. Februar 2006 w egen Verstosses gegen Art. 23 Abs. 1 AN AG zu einer bedingten G efäng- nisstrafe von vier W ochen verurteilt. D iese Strafverfügung ist in R echts- kraft erw achsen. 5.3 D urch sein Verhalten hat der Beschw erdeführer nicht nur die gesetzlichen Vorschriften betreffend die Aufnahm e einer Erw erbstätigkeit in der Schw eiz verletzt, sondern zugleich den Tatbestand des illegalen Aufent- halts erfüllt. D er Beschw erdeführer kann sich diesbezüglich nicht auf Art. 1 des Abkom m ens über die gegenseitige Aufhebung der Visum pflicht beru- fen, da dieses Abkom m ens ausdrücklich vorsieht, dass kroatische Staats- angehörige, die beabsichtigen, in der Schw eiz eine Stelle anzutreten, nicht von der Visum pflicht befreit sind (Art. 2 des Abkom m ens über die gegen- seitige Aufhebung der Visum pflicht). 5.4 Es besteht sodann kein Anlass, von der Einschätzung der zuständigen Strafverfolgungsbehörden abzuw eichen, w elche das Verhalten des Be- schw erdeführers angesichts des verhängten Strafm asses offenbar nicht als blosse Bagatelle qualifiziert haben. D ies um so m ehr, als der Beschw er- deführer gem äss den Angaben im polizeilichen Einvernahm eprotokoll vom 10. Februar 2006 bereits im Jahr 2005 eine Erw erbstätigkeit ausgeübt hat, ohne über die dazu erforderliche Bew illigung zu verfügen. 5.5 N ach dem G esagten ist der Tatbestand der groben Zuw iderhandlung ge- gen frem denpolizeiliche Vorschriften als erfüllt zu betrachten (vgl. Art. 13 Abs. 1 Satz 2 AN AG ). 6. 6.1 Es bleibt som it zu prüfen, ob die verhängte Einreisesperre als solche so- w ie deren D auer verhältnism ässig und angem essen sind (Art. 49 lit. a und c Vw VG ). 6.2 W ie bereits erw ähnt w urde, hat der Beschw erdeführer frem denpolizeiliche Bestim m ungen grob verletzt. D as generalpräventiv m otivierte öffentliche Interesse daran, die frem denpolizeiliche O rdnung durch eine konsequente 6 M assnahm enpraxis gegenüber fehlbaren Ausländerinnen und Ausländern zu schützen, ist gew ichtig. Im vorliegenden Fall treten spezialpräventive G ründe hinzu. D as ausw eichende Aussageverhalten des Beschw erdefüh- rers anlässlich der polizeilichen Einvernahm e vom 10. Februar 2006 er- w eckt den Eindruck, dass er sich der W iderrechtlichkeit seines Verhaltens durchaus bew usst w ar. Trotzdem liess er sich nicht davon abhalten, so- w ohl w ährend seines Aufenthalts im Jahre 2005 als auch bei dem jenigen im Jahre 2006 in der Schw eiz illegal zu arbeiten. D em gegenüber w ird auf R ekursebene nicht dargetan, inw iefern der Beschw erdeführer ein besonderes privates Interesse haben sollte, jederzeit ohne besonderen Bew illigungsvorbehalt in die Schw eiz einreisen zu können (vgl. Art. 13 Abs. 1 Satz 3 AN AG ). 6.3 Bei dieser Sachlage ist die Anordnung der Einreisesperre als solche nicht zu beanstanden und erw eist sich die Beschränkung der M assnahm e auf zw ei Jahre unter Berücksichtigung der ständigen Praxis in vergleichbaren Fällen als verhältnism ässig und angem essen. 7. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt; sie ist auch angem essen (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist daher abzuw eisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschw erdeführer die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D iese sind auf Fr. 600.- fest- zusetzen (Art. 2 f. des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]) und m it dem am 10. April 2006 geleisteten Kostenvorschuss in gleicher H öhe zu verrechnen. (D ispositiv nächste Seite)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.- w erden dem Beschw erdeführer aufer- legt und m it dem am 10. April 2006 geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher H öhe verrechnet. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. 2 213 366 retour) D ie vorsitzende R ichterin: D er G erichtsschreiber: R uth Beutler Thom as Segessenm ann Versand am :