B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1520/2014 U r t e i l v o m 2 8 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Emilia Antonioni Luf- tensteiner, Gerichtsschreiberin Susanne Bolz. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch Laura Rossi, Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, (Adresse), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 E._______, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Italien (Abweisung eines Wiedererwägungsgesuches); Verfügung des BFM vom 18. Februar 2014 / N (…). E-1520/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Eritreer mit letztem Wohnsitz in Asmara, bean- tragte am 2. April 2013 in der Schweiz Asyl . Er wurde am 16. April 2013 zur Person und zum Reiseweg befragt und am 25. November 2013 von der Vorinstanz zu seinen Asylgründen angehört. Er gab an, im Jahr 1997 in B._______, Äthiopien, eine Landsfrau kirchlich geheiratet zu haben. Im Jahr 1998 seien sie mit ihren Angehörigen aus Äthiopien nach Eritrea ver- trieben worden. Im Jahr 1999 sei er z wangsrekrutiert und nach C._______ verbracht worden. Seine Ehefrau sei zu diesem Zeitpunkt schwanger gewesen. Seither habe er keinen Kontakt mehr zu seiner F a- milie gehabt. Im Juni 2000 sei er desertiert und in den Sudan geflohen. Von dort habe er seine Familie kontaktieren wollen, sein Vater habe ihm jedoch unbedingt davon abgeraten, weil es zu gefährlich sei . Nach einem Aufenthalt von dreieinhalb Jahren habe er den Sudan in Richtung Libyen verlassen und sei – nach einem Aufenthalt von rund 20 Monaten – per Schiff nach Italien gelangt, wo er im Oktober 2006 Asyl beantragt habe. Italien habe ihn im Dezember 2006 als Flüchtling anerkannt. Er habe dort gelebt, bis er Anfang 2013 von einem Bekannten informiert worden sei , dass sich seine Frau und die gemeinsame To chter inzwischen in der Schweiz aufhalten würden. Dar aufhin sei er in die Schweiz gereist, um seine Familie zu finden. Der Beschwerdeführer reichte weder heimatliche noch italienische Identitätsdokumente zu den Akten. B. Die Ehefrau und die Tochter des Beschwerdeführers hatten Eritrea im Jahr 2008 verlassen und am 6. Juni 2011 ein Asylgesuch in der Schwei z gestellt. Am 29. Oktober 2012 war ihnen Asyl gewährt worden, auch auf- grund drohender Reflexverfolgung, da die eritreischen Behörden sich wiederholt nach dem Verbleib des Ehemannes erkundigt hatten (vgl. Ver- fahrensakten der Ehefrau, N […]). C. Am 16. April 2013 wurde die Ehefrau darüber informiert, dass sich der Beschwerdeführer im EVZ D._______ befinde, am 6. Mai 2013 bestätigte sie gegenüber der Vorinstanz , dass sie Kontakt zum Beschwerdeführer wünsche. Der Beschwerdeführer wurde daraufhin dem Kanton E._______ zugeteilt und ist seither bei seiner Ehefrau und seiner Tochter wohnhaft. E-1520/2014 Seite 3 D. Das BFM stellte am 21. Mai 2013 ein Informationsg esuch an Italien ge- mäss Art. 21 der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Fe b- ruar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsang e- hörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrag s zuständig ist, ABl. L 50/1 vom 25.02.2003 (nachfolgend Dublin -II-VO), und ersuchte um Auskunft, ob der Beschwerdeführer in Italien Flüchtling sei. In der en t- sprechenden Anfrage wurde nicht erwähnt, dass gemäss Angaben des Beschwerdeführers Mitglieder seiner Kernfamilie in der Schweiz als aner- kannte Flüchtlinge leben würden . Am 29. Mai 2013 teilte die Dublin-Unit des italienischen Innenministeriums mit, dass der Beschwerdeführer in Italien als Flüchtling anerkannt sei und über eine gültige Aufenthaltsbewil- ligung verfüge. E. Dem Beschwerdeführer wurde am 13. Juni 2013 mitgeteilt, dass die Dub- lin-II-VO angesichts seiner Anerkennung als Flüchtling in Italien nicht a n- wendbar sei, das Dublin-Verfahren daher beendet sei und sein Asylg e- such in der Schweiz geprüft würde, was aber eine Wegweisung nach It a- lien nicht ausschliesse. F. Am 11. Juli 2013 beantragte das BFM be i den italienischen Behörden die Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf die Europäische Vereinbarung über den Übergang der Verantwortung für Flüchtlinge (SR 0.142.305), wiederum ohne auf die in der Schweiz lebenden Famil i- enmitglieder hinzuweisen. Am 12. August 2013 erklärten die italienischen Behörden ihre Bereitschaft. G. Am 5. September 2013 stellte das BFM auch für die Ehefrau des B e- schwerdeführers an Italien ein Informationsg esuch gemäss Art. 21 Du b- lin-II-Verordnung, das jedoch von der italienis chen Dublin -Unit am 19. September 2013 negativ beantwortet wurde, da die Ehefrau in Italien nicht bekannt sei. H. Das BFM trat mit Verfügung vom 7 . Januar 2014 in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. a des zu diesem Zeitpunkt bis zum 1. Februar 2014 gültigen Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 ( aAsylG, SR 142.31) auf das E-1520/2014 Seite 4 Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Wegweisung nach Italien und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen. Die Vorinstan z beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. In der Sache führte die Vorinstanz aus, dass es sich bei der vom B e- schwerdeführer geltend gemachten Beziehung zu seiner angeblichen Ehefrau aufgrund der langen Trennung nicht um eine gelebte Beziehung im Sinne des Art. 8 EMRK handeln könne. Auf die Beziehung zu seiner angeblichen Tochter könne er sich noch weniger berufen, da er sie erst in der Schweiz kennengelernt habe. Auch Art. 34 Abs. 3 Bst. b aAsylG kön- ne nicht zur Anwendung gelange n, es sei nicht die Absicht des Geset z- gebers gewesen, gerade jene Personen in die Ausnahmeklausel einz u- schliessen, welche den asylrechtlichen Schutz nicht benötigten, weil sie ihn bereits in einem Drittland beanspruchen würden. Daher sei das Nicht- eintreten gerechtfertigt. Es stehe dem Beschwerdeführer jedoch frei, für die angebliche Ehefrau und seine angebliche Tochter ein Familiennach- zugsgesuch bei den italienischen Behörden einzureichen. Der Vollzug der Wegweisung nach Italien sei zulässig, zumutbar und möglich. I. Die Nichteintretensverfügung wurde per Einschreiben mit Rückschein am 10. Januar 2014 an die zuletzt bekannte Adresse des Beschwerdefü h- rers, die Adresse seiner Ehefrau, an der auch er noch immer seinen Wohnsitz hatte, versandt und lag seit dem 13. Januar 2014 zur Abholung bereit. J. Am 21. Januar 2014 erbat [kantonale Zivilstandsbehörde] vom BFM Aus- kunft über den Status und die Identität des Beschwerdeführers, da ein Sachverhalt (Geburt) in das Zivilstandsregister einzutragen sei. Am (…) 2013 hatte d ie Ehefrau des Beschwerdeführers ein weiteres Kind geb o- ren. Am 22. Januar 2014 verschickte die Vorinstanz die gewünschten Un- terlagen an das Zivilstandsamt. K. Am 30. Januar 2014 teilte die Vorinstanz dem für die Ausreise des B e- schwerdeführers zuständigen Mig rationsdienst des Kantons E._______ mit, dass die ihn betreffende Verfügung mittlerweile in Rechtskraft e r- wachsen sei. E-1520/2014 Seite 5 L. Am 6. Februar 2014 wandten sich die Sozialarbeiterin der Ehefrau und das Ehepaar schriftlich an die Vorinstanz, und ersuchten um den Ei nbe- zug des Beschwerdeführers in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau. M. Die Vorinstanz nahm dieses Gesuch als Wiedererwägungsgesuch entge- gen und wies es mit Verfügung vom 18. Februar 2014, eröffnet am 21. Februar 2014, ab. Zur Begründung führte das BF M aus, das Gesuch würde keine neuen Vorbringen enthalten. Das BFM bestätigte die Rechtskraft und die Vollstreckbarkeit der Verfügung vom 7. Januar 2014. N. Am 7. März 2014 zeigte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers das Mandatsverhältnis an (Vollmacht vom 6. März 2014) und ersuchte die Vorinstanz um Neueröffnung der Verfügung vom 7. Januar 2014, da diese nicht zugestellt worden sei. Nur rein zufällig habe der Beschwerdeführer durch seinen Sozialarbeiter erfahren, d ass auf sein Gesuch nicht eing e- treten worden sei. O. Das BFM teilte mit Schreiben vom 18. März 2014 mit, die Verfügung sei gemäss Art. 12 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) zugestellt worden. Da der Beschwerdeführer sie nicht abg e- holt habe, sei sie mit dem Vermerk "nicht abgeholt" retourniert worden. Zum Beweis wurde das Versandverlaufsprotokoll der Post übermittelt. P. Am 21. März 2014 (Datum des Poststempels) erhob der Beschwerdefüh- rer durch seine Rechtsvertreterin Beschwerde gegen di e Verfügung vom 18. Februar 2014 und beantragte, die Vorinstanz und das zuständige Mig- rationsamt seien unverzüglich anzuweisen, bis zum Entscheid über das Rechtsmittel sämtliche Vollzugshandlungen vorsorglich einzustellen. Die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und das BFM sei anzuweisen, den Einbezug des Beschwerdeführers in die Flüchtlingseigenschaft der Ehefrau zu verfügen, eventualiter sei dem Beschwerdeführer Zweitasyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde die unentgeltliche Rechtspfl e- ge bea ntragt und die Beiordnung der Rechtsvertreteri n als amtliche Rechtsbeiständin. E-1520/2014 Seite 6 Die Rechtsvertreterin führt e des Weiteren aus, dass die Vorinstanz das Gesuch um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft vom 6. Februar 2014 fälschlicherweise als Wiedererwägungsgesuch gegen die ursprüngliche Verfügung entgegen genommen habe, Gegenstand dieser Eingabe sei jedoch vielmehr die Frage, ob dem Beschwerdeführer die Flüchtlingse i- genschaft derivativ zuerkannt werden könne. Die Rechtsvertreterin be- gründete in der Folge den Einbezug gemäss Art. 51 AsylG sowie die Ge- währung von Zweitasyl gemäss Art. 50 AsylG. Mit der Beschwerde reichte sie unter anderem eine Bestätigung der Sozialarbeiterin der Ehefrau des Beschwerdeführers zur familiären Situation ein, datiert vom 11. M ärz 2014, aus der hervorgeht , dass das Paar mit der Tochter seit Mai 2013 zusammenlebt und im (…) 2013 ein weiteres gemeinsames Kind geboren wurde, sowie die Aufforderung des zuständigen Zivilstandsamtes vom 26. Februar 2014, eine äthiopische Heiratsurkunde nachzureichen, um die Geburt des zweiten Kindes beurkunden zu können. Q. Am 24. März 2014 setzte das Bundesverwaltungsgericht als superprov i- sorische Massnahme den Vollzug der Wegweisung vorläufig aus (Art. 56 des Verwaltungsverfahrens gesetzes vom 20. Dezember 1968 [ VwVG, SR 172.021]). R. In der gleichentags eingereichten Beschwerdeergänzung wurde noch- mals die fehlende Beachtung der familiären Umstände des Beschwerd e- führers durch die Vorinstanz thematisiert und darauf hingewiesen, dass die Vorinstanz den Umstand, dass das Paar ein zweites gemeinsames Kind habe , nicht gewürdigt habe. D ie Geburt des zweiten Kindes habe den Familienzusammenhalt jedoch noch weiter gefestigt, somit liege eine andere Situation vor als zum Zeitpunkt der erstinstanzlichen Nichteintr e- tensverfügung. S. Das Bundesverwaltungsgericht stellte in seiner Zwischenverfügung vom 31. März 2014 fest, dass die Zustellung der erstinstanzlichen Verfügung korrekt im Sinne des Art. 12 Abs. 1 AsylG erfolgte und sie damit seit dem 21. Januar 2014 als eröffnet gilt. Darüber hinaus ordnete es die aufschi e- bende Wirkung der Beschwerde an, gewährte die unentgeltliche Recht s- pflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und hiess das Gesuch um amtliche Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG gut. Es verzichtete auf die E-1520/2014 Seite 7 Erhebung eines Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz zur Vernehm- lassung ein. T. Am 1. April 2014 wurde die Ehefrau des Beschwerdeführers durch [die kantonale Behörde] aufgefordert, bis zum 1. Juni 2014 mitzuteilen, ob die am (…) 2013 geborene Tochter F._______ in ihre Flüchtlingseigenschaft einbezogen werden solle. U. In seiner Vernehmlassung vom 22. April 2014 hielt das BFM an seinen Ausführungen vom 7. Januar 2014 fest: Der Beschwerdeführer könne sich nicht auf eine gelebte Familienbeziehung berufen . Auch seien die Voraussetzungen des Art. 50 AsylG vorliegend nicht gegeben. V. In der Replik vom 12. Mai 2014 verwies die Rechtsvertreterin auf den Umstand, dass di e Eheleute unfreiwillig getrennt worden seien und es dem Beschwerdeführer erst nach seiner Flucht gelungen sei, mit seiner Familie Kontakt aufzunehmen. Inzwischen müsse von einer gelebten B e- ziehung aus gegangen werden. Auch schütze das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (SR 0.107) das Recht der Töchter, mit beiden Eltern aufzuwachsen. W. Am 16. Mai 2014 informierte die Rechtsvertreterin das Bundesv erwal- tungsgericht, dass der Beschwerdeführer und seine Ehefrau ihren Eheschluss nicht belegen konnten und das Zivilstandsamt den B e- schwerdeführer daher mit Schreiben vom 2. Mai 2014 aufforderte, ein Verfahren zur Anerkennung der Vaterschaft einzuleiten (vgl. Beschwerde- akten act. 8). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorin stanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis E-1520/2014 Seite 8 Wiedererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verf ü- gung auf dem ordentliche n Rechtsmittelweg weitergezogen werden kö n- nen, ist d as Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliege n- den Beschwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Einschränkung (vgl. Erw. 4.3) – einzutreten. 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Fe ststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Nichteintretensverfügung der Vorinstanz vom 7. Januar 201 4 gilt g e- mäss Art. 12 Abs. 1 AsylG seit dem 21. Januar 2014 als eröffnet (vgl. aus- führlich: Instruktionsverfügung vom 31. März 2014) . Der Beschwerdefüh- rer hätte gemäss Art. 108 Abs. 2 aAsylG innerhalb von fünf Arbeitstagen Beschwerde einlegen müssen. Da diese Frist ungenutzt verstrichen ist, blieb die Verfügung unangefochten und erwuchs am 29. Januar 2014 in Rechtskraft. 4. 4.1 Die Vorinstanz hat das Gesuch des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau um Einbezug in deren Flüchtlingseigenschaft vom 6. Februar 2014 (vgl. Beschwerdeschrift, Beilage 5) als Wiedererwägungsgesuch im Sinne des Art. 111b AsylG entgegengenommen. Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein Rechtsbehelf. Auf dessen Behandlung durch die verfügende Be hörde besteht grundsätzlich E-1520/2014 Seite 9 kein Anspruch. Gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts wird jedoch aus Art. 29 BV unter bestimmten Vorausse t- zungen ein verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abgelei- tet (vgl. BVGE 127 I 133 E. 6 mit weiteren Hinweisen). Demnach ist auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid , beziehungsweise seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz , in we- sentlicher Weise verändert hat und mithin die ursprüngliche (fehler freie) Verfügung an die nachträglich eingetretenen Veränder ungen der Sachl a- ge anzupassen ist, ohne dass deren Gegenstand neu beurteilt wird (vgl. BVGE 2010/27 E. 2.1). Des Weiteren können auch Revisionsgründe e i- nen Anspruch auf Wiedererwägung begründen, sofern sie sich auf eine rechtskräftige Verfügung beziehen, d ie entweder unangefochten geblie- ben ist oder deswegen niemals einer materiellen Prüfung unterzogen wurde, weil das angehobene Beschwerdeverfahren mit einem formellen Urteil endete. Ein solchermassen als qualifiziertes Wiedererwägungsg e- such zu bezeichnendes Rechtsmittel ist grundsätzlich nach den Regeln des Revisionsverfahrens gemäss Art. 66 ff. VwVG zu behandeln (vgl. EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f.). Die Wiedererwägung asylrechtlicher Entscheide wurde im Asylgesetz im Rahmen der Revision vom 14. D e- zember 2012 spezialgesetzlich geregelt, die entsprechenden Besti m- mungen sind zum 1. Februar 2104 in Kraft getreten (Art. 111b ff. AsylG) und kommen vorliegend zur Anwendung. Gemäss Art. 111b AsylG sind Wiedererwägungsgesuche grundsätzlich materiell zu behandeln, Art. 111b Abs. 2 AsylG eröffnet jedoch die Möglichkeit, entsprechende Gesuche gegebenenfalls mit Nichteintretensentscheid zu erledigen. Art. 111b Abs. 1 AsylG legt fest, dass sich das Verfahren nach den Revi- sionsregeln der Art. 66-68 VwVG richtet. 4.2 Ein Gesuch ist dem BFM innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wie- dererwägungsgrundes schriftlich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). Diese Frist wurde mit Eingabe am 6. Februar 2014 g e- wahrt. 4.3 Das BFM ist auf das Wiedererwägungsgesuch zwar eingetreten, hat es aber abgewiesen. Zu prüfen ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren, ob das BFM zu Recht davon ausgegangen ist, dass die Vorbringen und Beweismittel die Sachlage nicht in relevanter Weise verändert hätten, be- ziehungsweise, dass keine R evisionsgründe bestehen würden, so dass der Nichteintretensentscheid und die Wegweisung in einen sicheren Dritt- staat weiterhin als rechtmässig erachtet werden könnten. Konkret ist die E-1520/2014 Seite 10 Frage zu klären , ob die Einschätzung der Vorinstanz bezüglich der nicht gelebten Familienbeziehung des Beschwerdeführers auch zum Zeitpunkt ihres Entscheides über das Wiedererwägungsgesuch noch zutreffend war, oder ob neue Gründe vorgelegen seien, welche sie zur Wiedererwä- gung ihrer Verfügung vom 7. Januar 2014 verpflichtet hätten. Nicht Prozessgegenstand sind demgegenüber die in der Beschwerde g e- stellten Anträge auf Gewährung von Zweitasyl (Art. 50 AsylG) sowie auf Prüfung des Einbezugs des Beschwerdeführers in die Flüchtlingseige n- schaft seiner Ehefrau (Art. 51 AsylG ). Diese Punkte sind nicht Gegen - stand des Dispositivs der angefochtenen Verfügung – dort wird vielmehr lediglich das Gesuch betreffend Wiedererwägung der Verfügung vom 7. Januar 2014 abgewiesen – und können daher auch nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens s ein. Der Prozessgegenstand umschreibt sich gemäss dem Dispositiv einer Verfügung, soweit diese s angefochten wird. Auf die entsprechenden Rechtsbegehren ist daher nicht einzutreten. 5. 5.1 In dem vom BFM als Wiedererwägungsgesuch entgegengenomme- nen Schreiben des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau vom 6. Febru- ar 2014 wird um den Einbezug des Beschwerdeführers in die Flüchtling s- eigenschaft der Ehefrau ersucht (vgl. Besch werde, Beilage 5). In Hinblick auf die Verfügung vom 7. Januar 2014 muss das Gesuch so verstan den werden, dass der Beschwerdeführer die Vorinstanz sinngemäss auffo r- dert, ihren Entscheid hinsichtlich des Vorliegens einer Familienbezieh ung in Wiedererwägung zu ziehen. Das BFM hat dieses Gesuch am 18. Fe b- ruar 2014 mit der knappen Begründung abgewiesen, dass keine neuen Vorbringen geltend gemacht worden seien. 5.2 Das Familienasyl gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG ermöglicht den Einb e- zug der Mitglieder der Kernfamilie (Ehegatten, eingetragene Partnerinnen und Partner sowie minderjährige Kinder, vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1) in die Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung einer in der Schweiz als Flüchtling anerkannten Person. Dem Antrag vom 6. Februar 2104 liegt die Annahme des Beschwerdeführers und seine r Ehefrau zu Grunde, dass sie ein Ehep aar seien. Ansonsten könnten sie sich auf Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht berufen. Gemäss dem Grundsatzurteil BVGE 2009/8 ist der Begriff der "nahen An- gehörigen" in Art. 34 Abs. 1 Bst. a aAsylG gleich bedeutend wie in Art. 51 Abs. 2 aAsylG. Im Sinne dieser Bestimmung gelten Ehegatten und Kinder als nahe Angehörige (BVGE 2009/8 E . 5.3.2). Weitere Voraussetzung für E-1520/2014 Seite 11 die Anwendung der Ausnahmebestimmung des Art. 34 Abs. 1 Bst. a a A- sylG ist gemäss dem Grundsatzurteil das Vorliegen einer engen Bezi e- hung zwischen der antragstellenden Person und ihren Verwandten in der Schweiz (BVGE 2009/8 E. 7.5.5 ). Massgeblich ist daher , ob zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau, bzw. seiner Tochter G._______ – und inzwischen auch zu der am (…) 2013 geborenen Toch- ter F._______ – eine gelebte Familienbeziehung bestand. Das BFM hatte das Vorliegen der Voraussetzungen in seinem Entscheid vom 7. Januar 2014 mangels eines tatsächlich bestehenden Familienl e- bens verneint: Es habe seit der Trennung im Jahr 1999 keine Kontaktauf- nahme zwischen den Eheleuten stattgefunden, daher könne nicht von e i- ner gelebten Beziehung im Sinne von Art. 8 EMRK zwischen den Eheleu- ten ausgegangen werden. Die Tochter habe der Beschwerdeführer gar erst in der Schweiz kennengelernt, so dass von einer Beziehun g keine Rede sein könne (vgl. act. A28/6). In der Abweisung des Wiedererwägungsgesuchs vom 18. Februar 2014 hielt das BFM an dieser Ein schätzung fest, da gemäss seiner Einschä t- zung keine neuen Gründe vorgetragen worden seien. 5.3 Es ist aktenkundig, dass der Beschwerdeführer mit seiner Frau seit Mai 2013 in einem gemeinsamen Haushalt lebte , folgerichtig wurde ihm auch die Verfügung des BFM vom 7. Januar 2014 an die Adresse seiner Ehefrau zugestellt (act. A28/6). Am (…) 2013 wurde eine weitere Tochter geboren, es gibt keine Anhaltspunkte, dass diese nicht das gemeinsame Kind des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau ist. Dieser Umstand wurde beim BFM aktenkundig, als die zuständige Zivilstandsbehörde (…) am 21. Januar 2014 das BFM aufforderte, zum Stand des Asylverfahrens des Beschwerdeführers Stellung zu nehmen und um Übersendung seiner Identitätsdokumente bat, "da ein Sachverhalt (Geburt) einzutragen sei " (vgl. act. A29/9). Das BFM kam dieser Anfrage nach und schickte am nächsten Tag die gewünschten Unterlagen soweit vorhanden (act. A30/1). Im Zeitpunkt des Entscheids über das Wiedererwägungsgesuch war dem BFM somit bekannt, dass der Beschwerdeführer nicht nur seit gut zehn Monaten mit seiner Ehefrau im gemeinsamen Haushalt lebte, sondern auch, dass das Paar ein zweites Kind bekommen hatte. 5.4 Das Gericht ist der Auffassung, dass es sich bei dem Umstand, dass die Eheleute zum Zeitpunkt des erstinstanzlichen Entscheides noch ei n E-1520/2014 Seite 12 weiteres gemeinsames Kind bekommen hatten, um einen revisionsrech t- lich beachtlichen Sachverhaltsaspekt handelt, der bereits vor der ersten Nichteintretensverfügung vom 7. Januar 2014 eingetreten war, bei der Vorinstanz jedoch erst später – durch die Mitteilung des Zivilstandsamtes – aktenkundig wurde. Im Rahmen der Wiedererwägungsprüfung hätte die Vorinstanz diese Tatsache im revisionsrechtlichen Licht von Art. 66 VwVG beachten müssen, zumal die Erstverfügung unangefochten geblieben war. 5.5 Der Umstand, dass der Beschwerdeführer das zweite Kind nicht e r- wähnte, ändert daran nichts. Er wurde in der Anhörung vor allem über Er- eignisse während der Trennung der Familie befragt und die Umstände, wie er von der Existenz seiner Familie in der Schweiz erfahren habe (vg l. act. A27/11, F. 12-24, 27-39), sowie zu seinem Aufenthalt in Italien (eben- da, F. 20, 21, 36, 40). Auch die Beziehung zur älteren Tochter wurde a n- gesprochen (ebenda, F. 25, 31, 46, 47). Er hat alle gestellten Fragen aus- führlich beantwortet, teilweise wurde er jedoch bei seinen Ausführungen zum Familienleben unterbrochen, bzw. die Anhörung wurde wieder in e i- ne andere Richtung gelenkt (ebenda, F. 31-32; F. 37-38). Die weitere Fa- milienplanung und die Perspektiven in der Schweiz wurden nicht ange- sprochen. Es darf dem Beschwerdeführer daher nicht zum Nachteil g e- reichen, dass er die Behörde nicht über die bevorstehende Geburt info r- miert hat. Auch bei der Sozialarbeiterin, welche den B eschwerdeführer und seine Frau bei der Eingabe vom 6. Februar 2014 unterstützte , muss davon ausgegangen werden, dass sie rechtsunkundig ist. Es konnte d a- her auch von ihr nicht erwartet werden, dass sie alle für den Fall relevan- ten Tatsachen gegenüber der Behörde vollständig benennt. 5.6 Die Vorinstanz ist im Wiedererwägungsverfahren zur Neubeurteilung des Sachverhalts von Amtes wegen verpflichtet. Der Untersuchung s- grundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen des Verwal tungs- respektive Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Die Be- hörde hat von Amtes wegen für die richt ige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstä n- de abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Unvol l- ständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden, unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde g e- legt wird, etwa weil die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Un recht verneint wird, so dass diese nicht zum Gegenstand eines Beweisverfa h-E-1520/2014 Seite 13 rens gemacht wird, oder weil Beweise falsch gewürdigt worden sind (vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltung s- rechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, Rz 630 ff.). Der Untersuchungsgrundsatz gilt zwar nicht uneingeschränkt, zumal er sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden findet (vgl. Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG ; vgl. CHRISTOPH AUER in: A u- er/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 8 zu Art. 12). Die en t- scheidende Behörde darf sich trotz des Untersuchungsgrundsatzes in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen der Asylbewerber zu würdigen und die von ihnen angebotenen Beweise abzunehmen, ohne weitere A b- klärungen vornehmen zu müssen. Vorliegend wurde das BFM jedoch durch eine andere Verwaltungsbehörde auf den Sachverhalt der Geburt aufmerksam gemacht und hätte diesen ohne Weiteres berücksichtigen können. 5.7 Tritt die Vorinstanz auf das Wiedererwägungsgesuch ein, so ist sie Rahmen der Wiedererwägung verpflichtet, alle vorliegenden Informati o- nen zum Sachverhalt zu berücksichtigen, falls sie diese für rechtserhe b- lich hält (vgl. Art. 32 Abs. 2 VwVG; vgl. AUER, a.a.O., Rz. 14 zu Art. 12). Aus der Verpflichtung zur Amtsermittlung ergibt sich auch, dass dem Ent- scheid der Sachverhalt zu Grunde zu legen ist, wie er sich im Zeitpunkt der Entscheidung verwirklich t hat und bewiesen ist . Gemäss BVGE 2012/21 ist für den Beschwerdeentscheid die im Zeitpunkt seiner Ausfä l- lung bestehende Aktenlage massgeblich ( BVGE 2012/21 E. 5). Gleiches muss gelten, sofern sich das BFM auf die Wiedererwägung einer bereits erlassenen Verfügung einlässt : Die angefochtene Verfügung muss sich mithin auch gegenüber den im Verlauf des Wiedererwägungsverfahrens dazugekommenen Tatsachen und Beweismitteln bewähren. Vorliegend hätte sich die Vorinstanz daher im Wiedererwägungsverfahren mit der aktenkundig gewordenen Geburt des zweiten Kindes auseinander setzen müssen. Das BFM stellt e jedoch lediglich fest, dass k eine neuen Vorbringen gemacht w orden seien. Daraus muss geschlossen werden, dass das BFM die Geburt der zweiten Tochter entweder gar nicht gewü r- digt hat oder als rechtlich nicht erheblich einschätzt e. Das Gericht geht davon aus, dass die Vorinstanz die Geburt offenbar als nicht erheblich im Sinne des Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG einschätzte, da sie das zweite Kind auch in der Vernehmlassung zur Beschwerde v om 22. April 2014 mit kei- nem Wort erwähnte, obwohl die Beschwerde ausführlich die aktuelle F a-E-1520/2014 Seite 14 miliensituation thematisierte. Dazu passt auch, dass das BFM – wie be- reits im ursprünglichen Nichteintretensverfahren – auch auf Ebene des Wiedererwägungsverfahrens keinerlei Schritte unternommen hat, die verwandtschaftlichen Beziehungen des Beschwerdeführers zu seiner zweiten Tochter abzuklären oder diesen aufzufordern, zur Frage der g e- änderten Familienverhältnisse Stellung zu nehmen. 6. 6.1 Das Gericht teilt die Auffassung der Vorinstanz im Entscheid vom 18. Februar 2014 nicht. Aus seiner Sicht la gen zu diesem Zeitpunkt er- hebliche Gründe vor, die im Rahmen der Wiedererwägung hätten berück- sichtigt werden müssen: Mit der Geburt eines zweiten gemeinsamen Kin- des besteht kein Anlass mehr, daran zu zweifeln , dass der Beschwerd e- führer und seine Ehefrau sich nach wie vor als Ehepaar und Eltern ve r- stehen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben und eine im Sinne des Art. 8 EMRK schützenswerte Familienbeziehung leben. Die Geburt der zweiten Tochter stellt eine gemäss Revisionsrecht erhebliche Tatsache im Sinne des Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG dar. Festzuhalten ist sodann, dass beide Ehegatten in ihren Befragungen zur Person sowie auch in den Anhörungen sich unabhängig von einander je- weils als miteinander "verheiratet", bezeichnet hatten. Die Aussagen hi n- sichtlich ihres Eheschlusses, der Vertreibung aus Äthiopien und ihrer Trennung noch im Heimatland waren in beiden Verfahren stimmig und widerspruchsfrei (vgl. Aussagen der Ehefrau des Beschwerdeführers: act. A3/10, F. 6, 7, S. 2; A 14/14, F. 15 -17, S. 3; F. 26-33, S. 4; F. 39, S. 5; F. 64-69, S. 8; F97-99, S. 11, Aussagen des Beschwerdeführers: act. A4/12, F. 1.14, S. 3; F. 8.01-9.01, S. 9; A 27/11, F 5, S. 2, F. 9-17, S. 3f.). Beacht- lich ist auch, dass die Ehefrau – auf die Mitteilung, der Beschwerdeführer befinde sich im EVZ D._______, (act A 5/1) – den Kontakt unverzüglich herstellen und offensichtlich mit ihm zusammenleben wollte (act. A6/1). Dies ist bis heute der Fall (v gl. Schreiben der Sozialarbeiterin vom 11. März 2014, Beschwerde, Beilage 6). Auch schilderte der Beschwerde- führer in seiner Anhörung, die stattfand, nachdem er bereits mehrere M o- nate mit der Frau und der Tochter in einem gemeinsamen Haushalt lebte, durchaus nachvollziehbar die anfänglichen Schwierigkeiten in der Bezi e- hung zu seiner Ehefrau und seiner Tochter, die ihre Ursache in der langen Trennung der Familie hatten , und wie er die Beziehung vor allem zur Tochter nur allmählich wieder aufbauen konnte (act . A27/11, F. 24-31, S. 5 f.). E-1520/2014 Seite 15 6.2 Für das Gericht ist aufgrund des heute bestehenden Sachverhalts glaubhaft gemacht, dass der Beschwerdeführer und seine Ehefrau auch während der erzwungenen Trennung an ihrer Beziehung festgehalten ha- ben und nur durch die Umst ände im Heimatland und die spätere Flucht die Fortsetzung ihres Familienlebens vereitelt wurde. Angesichts der wid- rigen Umstände ist eher von einem besonders ausgeprägten Willen der Eheleute zum Bestand der Beziehung auszugehen: Sowohl die Ehefrau als auch der Beschwerdeführer fühlten sich verheiratet, es sind auch kei- ne anderen Beziehungen akten kundig (vgl. act. A27/11, F. 37) . Daher verortet das Gericht auch keine Umstände, welche die Regelv ermutung, dass innerhalb der Kernfamilie eine enge Beziehung gepflegt werde (vgl. BVGE 2009/8, E. 8.5) , beseitigen könnten . Zwar war die Familie sehr lange getrennt und die Familienmitglieder hatten keinen Kontakt. Dies ist jedoch einzig auf die glaubhaft gemachten Umstände der Flucht und die Odyssee des Beschwerdeführers durch Nordafrika und Italien zurückzu- führen und beruht nicht auf einem Entschluss zur Aufgabe der Familie n- gemeinschaft. Der Umstand, dass nun ein weiteres Kind geboren wurde, fügt sich nahtlos in diese Erwägungen und erweist s ich als relevantes Sachverhaltsmerkmal, welches nahe legt, dass die Vorinstanz zu Unrecht von einer nicht bestehenden Familie ausgegangen ist. Die Vorinstanz hät- te spätestens nach der Mitteilung der Geburt zu einem gegenteiligen Schluss als im ursprünglichen Entscheid kommen müssen, sofern sie alle vorliegenden Sachverhaltselemente entsprechend gewürdigt hätte. Das Gericht kommt zum Zwischenergebnis, dass die Vorinstanz ihre Verpflich- tung zur Amtsermittlung des rechtserheblichen Sachverhaltes verletzte, weil sie das Vorliegen von Wiedererwägungsgründen verneinte , ohne die zum Zeitpunkt des Entscheids über das Wiedererwägungsgesuch am 18. Februar 2014 bekannten erheblichen Tatsachen in ihre Würdigung einzubeziehen. 7. Der Anspruch auf rechtli ches Gehör (Ar t. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG) gebietet, dass staatliche Entscheide begründet werd en müssen, entspre- chend enthält Art. 35 VwVG eine Begründungspflicht für die erlassende Behörde. Die Begründung ist so abzufassen, dass die oder der Betroffene die wesentlichen Argumente der Behörde kennt und die Verfügung sac h- gerecht anfechten kann ( vgl. FELIX UHLMANN/ ALEXANDRA SCHWANK, in: Waldmann/Weissenberger, Praxiskommentar VwVG, Art. 35 Rz. 17, S. 802). Dabei genügt eine Beschränkung auf die "wesentlichen Gesicht s- punkte" (vgl. Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts E-6916/2006 E. 5.1.2 vom 04.09.2007 , E-6980/2006 E. 4.3.1 vom 08.05.2008 ). Wie E-1520/2014 Seite 16 ausgeführt erachtet das Gericht den Umstand, dass sich die Familienve r- hältnisse des Beschwerdeführers durch die Geburt der zwe iten Tochter geändert haben, als wesentlichen Wiedererwägungsgrund für die Beurtei- lung der Frage, ob eine gelebt e, schützenswerte Familienbeziehung im Sinne von Art. 8 EMRK vorliegt. Die Vorinstanz hätte sich daher mit di e- ser Frage auseinander setzen müssen. Für den Fall, dass sie weiterhin an ihrer gegenteiligen Auffassung hätte festhalten wollen, wäre dies in ih- rer Verfügung vom 18. Februar 2014 angemessen zu begründen gewe- sen. Der Entscheid lässt eine entsprechende Be gründung jedoch vermis- sen; ohne weitere Erwägungen wird lediglich festgestellt, es würden keine neuen Vorbringen geltend gemacht. Diese Begründung genügt den A n- forderungen des Art. 35 VwVG nicht, weshalb die Vorinstanz auch ihrer Begründungspflicht n icht genügend nachgekommen ist u nd damit den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt hat. 8. 8.1 Das Gericht hebt den Entscheid der Vorinstanz vom 18. Februar 2014 nach diesen Erwägungen auf. Wie dargelegt, ist die Vorinstanz fälschli- cherweise davon ausgegangen, dass keine Wiedererwägungsgründe vor- liegen würden. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer mit seiner Frau und seinen Kindern in einer gelebten Beziehung steht, wurde vom BFM spätestens zu dem Zeitpunkt nicht angemessen berücksichtigt, als die Geburt des zweiten g emeinsamen Kindes der Eheleute im Asylverfahren des Beschwerdeführers aktenkundig wurde, also ab dem 21. Januar 2014. Die Vorinstanz hat daher das Wiedererwägungsgesuch zu Unrecht abgewiesen. 9. 9.1 Das Gericht stellt fest, dass bereits im Zeitpunkt der ursprünglichen Nichteintretensverfügung vom 7. Januar 2014, welche die Wegweisung in einen Drittstaat anordne te, die Voraussetzungen der Ausnahmeklausel des Art. 34 Abs. 3 Bst. a aAsylG (vgl. BVGE 2009/8 E. 5.3) vorgelegen sind. Damit wäre die Anwendung von Art. 34 A bs. 2 Bst. a aAsylG zum damaligen Zeitpunkt nicht zulässig gewesen. Die entsprechende Verf ü- gung wurde jedoch unangefochten rechtskräftig. Zum Zeitpunkt des Entscheids über das Wiedererwägungsgesuch hatte sich die Rechtslage geändert: Die betreffe nde Bestimmung wurde im Rahmen der Asylgesetzrevision vom 14. Dezember 2012 gestrichen und durch Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG ersetzt, ohne dass die Ausnahmekla u- sel von Art. 34 Abs. 3 Bst. a aAsylG ins neue Gesetz überführt wurde. E-1520/2014 Seite 17 Fraglich ist, ob und inwieweit das BFM im Wiedererwägungsverfahren den Umstand der zu schützenden Familienbeziehung nach Wegfall der Ausnahmeklausel des Art. 34 Abs. 3 Bst. a aAsylG auch nach neuem Recht hätte berücksichtigen müssen. Die Ausnahmeklausel wurde vom Bundesrat mit dem Argument zur Strei- chung vorgeschlagen, dass für die Schweiz keine völker rechtliche Ver- pflichtung bestehe, Asylgesuche von Personen mit nahen Angehörigen in der Schweiz im Rahmen der Drittstaatenregelung materiell zu behandeln (vgl. Botschaft zur Ä nderung des Asylgesetzes vom 26.05.2010, Erläut e- rungen zu Art. 34 Abs. 3, BBl 2010 4455, S. 4495). Die Botschaft führt weiter aus, dass der Begriff "in der Regel " in Artikel 31a Absatz 1 AsylG (Einleitungssatz) jedoch klar stelle, dass das BFM auch in dies en Fällen Asylgesuche materiell behandeln könne. Dies ge lte zum Beispiel, wenn das Verfassungs- und Völkerrecht einer Wegweisung im Einzelfall entg e- genstehen würde. Zudem müsse immer geprüft werden, ob der Vollzug der Wegweisung zulässig oder zumutbar sei im Sinne von Art. 44 AsylG (Botschaft, ebenda). 9.2 Vorliegend könnte Art. 8 Abs. 1 EMRK das Familienleben des B e- schwerdeführers mit seiner Ehefrau und seinen Töchtern schützen, weil er bestehende Familienbeziehungen schützt. Gemäss ständiger bunde s- gerichtlicher Rechtsprechung ergibt sich indessen lediglich dann ein Au f- enthaltsanspruch, wenn nahe Familienangehörige über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz verfügen (vgl. statt vieler BGE 130 II 281 E. 3, m.w.H.). Das Bundesverwaltungsgericht hat sic h dieser Praxis a n- geschlossen (vgl. BVGE 2012/4 E. 4.3, BVGE 2013/24 E. 5.2). In casu verfügen die Ehefrau und die ältere Tochter als Flüchtlinge mit Asyl über einen gefestigten Aufenthalt in der Schweiz, da ihnen eine Auf- enthaltsbewilligung mit Anspruch auf Verlängerung erteilt wurde. Akten- kundig ist das Verfahren der jüngeren Tochter um Einbezug in die Flücht- lingseigenschaft der Mutter (act. A 29/9, S. 4). Darüber hinaus ist auch prima facie davon auszugehen, dass die Ehefrau und die Töchter ihr F a- milienleben nur in der Schweiz realisieren können. Im Heimatland ist dies nicht möglich, es wurde ihnen aufgrund dort drohender Verfolgung Asyl gewährt. Es ist auch nicht ersichtlich, warum sie ihren stabilen Aufen t- haltsstatus aufgeben sollten, um – wie es die Vorinstanz vorschlägt – die Familieneinheit mit Ehemann und Vater in Italien zu reali sieren (vgl. act. A28/6, S. 3). Darüber hinaus ist fraglich, ob die italienischen Behörden einem solchen Gesuch stattgeben würde n, im Rahmen des Rückü ber-E-1520/2014 Seite 18 nahmegesuchs war einzig vom Beschwerdeführer die Rede (vgl. act. A17/1). Schliesslich sind den Akten keine rlei Hinweise dafür zu entne h- men, dass die Drittstaatenwegweisung des Beschwerdeführers im Sinne des Art. 8 Abs. 2 EMRK notwendig wäre: Nach Aktenlage gefährdet sein Verbleiben in der Schweiz weder die nationale oder öffentliche Sicherheit noch das wirtschaftliche Wohl des Landes oder die öffentliche Ordnung. 10. Ob das festgestellte Vorliegen einer schützenswerten Familienbeziehung bereits zur Unzulässigkeit der Anwendun g der Drittst aatenregelung als solcher führt oder erst im Rahmen der Wegweisungsprüfung von Bede u- tung wäre, muss hier jedoch offen gelassen werden. Gleiches muss auch für die Frage gelten, ob der Beschwerdeführer im Rahmen eines nation a- len Verfahrens in di e Flüchtlingseigenschaft der Ehefrau gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG einzubeziehen wäre, oder ob sich sein Anwese n- heitsrecht al lein auf Art. 8 EMRK stützen würde . Diese Fragen werden Gegenstand des Wiedererwägungsverfahrens der Vorinstanz sein und sind – wie oben bereits ausgeführt – nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. 11. Das Gericht kommt zum Ergebnis , dass die Vorinstanz in der angefoc h- tenen Verfügung das Bestehen von wiedererwägungsrechtlich relevanten Fakten zu Unrecht verneint hat und das Wiedererwägungsgesuch des- halb zu Unrecht und ausserdem ohne ausreichende Begründung abg e- wiesen hat. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist. Die angefochtene Verfügung vom 18. Februar 2014 ist aufzuheben und die Sache an das BFM zurückzuweisen, mit der Anweisung, den Fall im Sinne der Erwägungen neu zu beurteilen. 12. Bei diesem Verfahrensausgang sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 VwVG). 13. Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regl ements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n-E-1520/2014 Seite 19 desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin hatte bereits mit der Beschwerde eine Kostennote zu den Akten gereicht (vgl. Beschwerde, Beilage 9) . Unter Berücksichti- gung des darin ausgewiesenen Aufwands sowie der drei weiteren einge- reichten Schriftsätze setzt das Gericht die Entschädigung auf insgesamt Fr. 2450.– (inkl. Auslagen und MWSt) fest (Art. 14 Abs. 1 VGKE). Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer diesen Betrag als Parteientschädigung auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-1520/2014 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfügung vom 18. Februar 2014 wird aufgehoben und d ie Sache wird zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das BFM zurüc k- gewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteient - schädigung von Fr. 2450.– (inkl. Auslagen und MWSt) zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Susanne Bolz Versand: