B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-6013/2023 U r t e i l v o m 9. N o v e m b e r 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter Thomas Segessenmann; Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren am (...), Türkei, vertreten durch Christa Bucher, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 23. Oktober 2023 / N (...). F-6013/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer ersuchte am (...) in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck -Da- tenbank (Zentraleinheit EURODAC) ergab, dass er am (...) in Kroatien we- gen illegaler Einreise registriert worden war und dort gleichentags um Asyl ersucht hatte. A.b Am 24. August 2023 beauftragte der Beschwerdeführer die Mitarbei- tenden des (Nennung Rechtsvertretung) mit der Wahrung seiner Rechte im Asylverfahren. A.c Am 28. August 2023 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. A.d Am 1. September 2023 fand das persönliche Gespräch statt gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah- ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei- nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge- stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständ ig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Dabei wurde dem Beschwerdeführer unter anderem das rechtliche Gehör zur allfälligen Zuständigkeit Kroatiens für die Durchfüh- rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gewährt. Zugleich wurde er nach seinem Gesundheitszustand befragt. Der Beschwerdeführer führte dazu aus, dass er in Kroatien kein Asylge- such gestellt habe. Er sei von der kroatischen Grenzkontrolle gezwungen worden, seine Fingerabdrücke abzugeben. Dabei sei ihm gesagt worden, dass dies keinen Einfluss haben werde. Anschliessend sei er von den Grenzbeamten an die Grenze gebracht worden, welche ihm gesagt hätten, er könne gehen. Insgesamt habe er sich während eines Tages in Kroatien aufgehalten. Die Grenzbeamten hätten ihn geschlagen und auch während des eintägigen Aufenthalts im Durchgangszentrum sei der Umgang mit den Asylsuchenden infolge des dort rassistisch eingestellten Personals sehr schlecht gewesen. Er wolle dies nicht noch einmal erleben. Zum medizinischen Sachverhalt führte er aus, dass es ihm physisch gut gehe. Aufgrund seiner Erlebnisse leide er aber (Nennung Leiden). Im Iran sei er wegen (Nennung Grund) medikamentös behandelt worden. Seine F-6013/2023 Seite 3 psychischen Belastungen habe er der Pflege in der Unterkunft bislang noch nicht mitgeteilt. A.e Mit Schreiben vom 9. September 2023 stimmten die kroatischen Be- hörden gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO dem Wiederaufnahmege- such zu. A.f Am 7. September 2023 wurde dem SEM ein Arztbericht der (Nennung Institution) gleichen Datums zugestellt. Sodann holte das SEM am 11., 17. und 20. Oktober 2023 amtsintern Informationen zum medizinischen Sach- verhalt betreffend den Beschwerdeführer ein. B. Mit Verfügung vom 23. Oktober 2023 – eröffnet am 25. Oktober 2023 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegwei- sung aus der Schweiz nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Ferner beauftragte es den Kanton B._______ mit dem Vollzug der Wegweisung, ordnete die Aushändigung der editionspflichtigen Akten an und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. C. Der Beschwerdeführer focht die Verfügung des SEM mit Beschwerde vom 1. November 2023 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragt, es sei die angefochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben und die Vor - instanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und in der Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen. Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und zur Neubeurtei- lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei der Beschwerde die aufsch iebende Wirkung zu ge- währen und die Vollzugsbehörde sei unverzüglich anzuweisen, von seiner Überstellung nach Kroatien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe. Ferner sei ihm die unentgeltl iche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu gewähren und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. D. Mit Verfügung vom 2. November 2023 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung per sofort einstweilen aus. F-6013/2023 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür- diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da- her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver- fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite- rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf s eine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer bemängelt in formeller Hinsicht, die Vorinstanz sei ihrer Pflicht, seine gesundheitliche Situation hinreichend abzuklären F-6013/2023 Seite 5 und in den Erwägungen zu berücksichtigen, nicht nachgekommen. Dadurch liege eine Verletz ung der Pflicht zur richtigen und vollständigen Sachverhaltsermittlung sowie des rechtlichen Gehörs (Begründungspflicht) vor. Diese formellen Rügen sind vorab zu beurteilen. 4.2 Das Asylverfahren wird vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachver- haltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu be- schaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnun gsge- mäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als ange - zeigt erscheinen (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Christoph Auer/Markus Müller/Benjamin Schindler (Hrsg.), 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12). Ihre Grenze fi ndet die Untersuchungspflicht an der Mitwirkungs- pflicht der Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). Wie den Akten entnommen werden kann, hat das SEM vor der Redaktion der angefochtenen Verfügung im Zusammenhang mit den vom Beschwer- deführer angeführten psychischen Problemen wiederholt bei der zuständi- gen Pflege um Auskünfte gebeten, um Zustellung von allfällig vorhandenen medizinischen Berichten und weiteren relevanten Informationen zu seinem Gesundheitszustand ersucht sowie deren Antworten abgewartet (vgl. SEM act. 1273026-25/2 [nachfolgend: act. 25]; SEM act. 1273026-26/2 [nachfol- gend: act. 26]; SEM act. 1273026-28/2 [nachfolgend: act. 28] ). Das SEM hat sich alsdann in seiner Verfügung mit dem Gesundheitszustand des Be- schwerdeführers rechtsgenüglich auseinandergesetzt und dazu den medi- zinischen Sachverhalt gestützt auf seine Angaben im Dublin-Gespräch und die vorhandenen medizinischen Akten zusammengefasst. Weitere medizi- nische Abklärungen hielt das SEM zu Recht nicht für erforderlich. Mit Blick auf die Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers war das SEM – entge- gen der in der Beschwerde vertretenen Ansich t – nicht gehalten, dem Grund für sein Nichterscheinen am psychiatrischen Folgetermin nachzu- gehen; überdies vermochte auch die Klinik dem SEM keinen Grund für das Nichterscheinen mit zuteilen (vgl. SEM act. 28). Ebenso bestand ange- sichts der Untersuchung seiner Person durch eine ärztliche Fachperson keine Notwendigkeit abzuklären, warum ihm – nebst einem weiteren Medi- kament – ein (Nennung Medikament) und nicht ein anderes Medikament F-6013/2023 Seite 6 verschrieben wurde. Das SEM verwies vielmehr in zutreffender Weise auf die ausreichende medizinische Infrastruktur in Kroatien und hielt fest, dass unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Beeinträchtigungen de s Be- schwerdeführers nicht davon auszugehen sei, dass vorliegend die hohe Schwelle für ei ne drohende Verletzung von Art. 3 EMRK überschritten werde. Ob die Beurteilung der medizinischen Umstände korrekt erfolgt ist, beschlägt nicht das rechtliche Gehör, sondern die rechtliche Würdigung dieser Sachverhaltselemente. 4.3 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich is t, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei- nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Dieser verfahrensrechtlichen Anforderung hat die Vorinstanz ebenfalls Ge- nüge getan. So hat sie eine Einzelfallprüfung vorgenommen, indem sie nach Prüfung und Würdigung der Parteivorbringen sowie der zur Stützung derselben eingereichten Beweismittel hinreichend nachvollziehbar aufge- zeigt hat, von welchen Überlegungen sie sich – gerade auch in individueller Hinsicht – leiten liess (vgl. angefochtene Verfügung, Ziff. II S. 3 ff.). Dabei musste sie sich nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern durfte sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 143 III 65 E. 5.2), was sie hier getan hat. So sind den Erörterungen der Vorinstanz Ausfüh- rungen zum Verhalten der kroatischen Grenzbehörden dem Beschwerde- führer gegenüber, zur Frage einer Kettenabschiebung und zu derjenig en des Vorliegens von systemischen Mängeln im kroatischen Asyl - und Auf- nahmesystem, zu den Möglichkeiten des Beschwerdeführers, sich gegen unkorrektes Verhalten zu wehren sowie zu seinem Gesundheitszustand und den medizinischen Behandlungsmöglichkeiten in Kroatien zu entneh- men. Eine Verletzung der Begründungspflicht ist auch deshalb zu vernei- nen, weil es de m Beschwerdeführer möglich war, sich ein Bild über die Tragweite des vorinstanzlichen Entscheides zu machen und diesen sach- gerecht anzufechten. Dass er die Auffassung und Schlussfolgerungen der Vorinstanz hinsichtlich der Würdigung seiner Aussagen und Beweismittel F-6013/2023 Seite 7 nicht teilt, ist keine Verletzung des rechtlichen Gehörs, sondern betrifft eine materielle Frage betreffend die Würdigung der vorgebrachten Über stel- lungshindernisse. 4.4 Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet. Es besteht keine Veranlassung, die Sache zur Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Eventualbegehren ist abzuweisen. 5. 5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin -III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref- fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat (respektive innert Frist auf die entsprechende Anfrage nicht geantwor- tet hat; vgl. Art. 22 Abs. 1 und 7 Dublin -III-VO), auf das Asylgesuch nich t ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den im Kapitel III dargelegten Kri- terien (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). 6. Den Akten zufolge stellte der Beschwerdeführer am (...) in Kroatien ein Asylgesuch und wurde dort gleichentags daktyloskopiert (EURODAC -Ab- gleich vom 21. August 2023; vgl. Sachverhalt Bst. A.a). Daran vermag sein Hinweis, e s seien ihm die Fingerabdrücke zwangsweise abgenommen worden, nichts zu ändern (vgl. SEM act. 1273026-18/2 [nachfolgend: act. 18] S. 1 f.). Die zuständigen kroatischen Behörden stimmten dem Wieder- aufnahmeersuchen des SEM vom 28. August 2023 innert der mass gebli- chen Frist denn auch ausdrücklich zu. Damit sind sowohl die Antragsstel- lung in Kroatien als auch der Umstand als erstellt zu erachten, dass das kroatische Verfahren zur Bestimmung des für das Asylgesuch des Be- schwerdeführers zuständigen Mitgliedstaates gemäss Art. 20 Abs. 5 Dub- lin-III-VO noch nicht abgeschlossen wurde und nach seiner Rücküberstel- lung fortgesetzt wird (vgl. auch Urteil des BVGer F -5023/2022 vom F-6013/2023 Seite 8 23. November 2022 E. 4.4 f. m.H.). Sodann ist in grundsätzlicher Hinsicht festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein- räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). Ferner sind sämtliche Dublin -Mitgliedstaaten dazu ver- pflichtet, Drittstaatsangehörige oder Staatenlose, die beim ille galen Über- schreiten einer Aussengrenze aufgegriffen werden, zu registrieren (vgl. dazu Art. 14 Abs. 1 der Verordnung [EU] Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 [Eurodac-Verordnung]; Urteil des BVGer F-3304/2022 vom 15. August 2022 E. 3.2). 7. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist sodann zu prüfen, ob es we- sentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnah- mebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die e ine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU -Grundrechte- charta (entspricht Art. 3 EMRK) mit sich bringen würden. 7.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner- kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt- linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber- kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf- nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah- merichtlinie) ergeben. 7.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht derzeit nicht davon aus, das Asyl- verfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf. Der Zugang zum dortigen Asylverfahren ist gewährleistet, und zwar unab- hängig davon, ob die gesuchstellende Person im Rahmen eines Auf- nahme- oder eines Wiederaufnahmeverfahrens nach Kroatien zu überstel- len ist. Darüber hinaus besteht keine beachtliche Wahrscheinlichkeit einer Verletzung der aus dem Refoulement -Verbot fliessenden Rechte (vgl. F-6013/2023 Seite 9 Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 9 sowie ins- besondere E. 9.4.2 m.H. auf die Rechtsprechung anderer Dublin-Staaten). Im erwähnten Referenzurteil untersu chte das Gericht, ob angesichts der andauernden Berichte über unzulässige Push-Backs (direkt an der kroati- schen Grenze oder vom Inland aus) und der dabei praktizierten exzessiven Gewaltanwendung durch die kroatischen Behörden an dieser Rechtspre- chung festgehalten werden kann. Gestützt auf eine umfassende Analyse diverser staatlicher und nichtstaatlicher Quellen und unter Berücksichti- gung der Rechtsprechung anderer Dublin -Mitgliedstaaten bestätigte das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Rechtsprechung . Es erwog, dass sich der Verdacht eines Gefährdungszusammenhangs zwischen Push-Backs einerseits und Dublin -Rückkehr andererseits nicht erhärten lasse, wobei diesbezüglich zwischen Aufnahme- und Wiederaufnahmever- fahren kein Unterschied bestehe. Im Ergebnis sei davon auszugehen, dass Gesuchstellende, welche gestützt auf die Dublin -III-VO nach Kroatien überstellt würden, Zugang zum dortigen Asylverfahren erhielten, eine an- gemessene Unterkunft und bei Bedarf Zugang zu medizinischer Versor- gung bekommen würden ( E. 10.3 ebenda). Es besteht somit auch unter Berücksichtigung kritischer Berichte nationaler und internationaler Organi- sationen sowie der diesbezüglich in der Rechtsmitteleingabe zitierten Quellenhinweise (vgl. S. 9 ff.) kein Grund, aus Anlass der vorliege nden Streitsache von dieser Beurteilung abzuweichen. Die nicht weiter belegten Ausführungen des Beschwerdeführers zu erlebter Polizeigewalt (...) und rassistischer Behandlung durch das Personal des Durchgangszentrums in Kroatien im Zusammenhang mit seiner illegalen Einreise (vgl. SEM act. 1 8 S. 2) sind nicht geeignet, die Annahme zu wi- derlegen, wonach Kroatien seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen im Rahmen eines Asylverfahrens nachkomme (vgl. dazu Referenzurteil E-1488/2020 E. 8 und E. 9.5). Gegen das Fehlverhalten von einzelnen Po- lizeibeamten oder Angestellten einer Unterkunft für Asylsuchende könnte er im Übrigen rechtlich vorgehen, allenfalls mit Hilfe der vor Ort tätigen ka- ritativen Organisationen. Der Umstand, dass dies möglicherweise mit grös- seren Hürden und Schwierigkeiten verbunden sein könnte als in der Schweiz, weist nicht per se auf systemische Schwachstellen im kroati - schen Asylsystem hin (vgl. das Urteil des BVGer E-5614/2022 vom 19. De- zember 2022 E. 5.2). 7.3 Unter diesen Umständen ist die Anwe ndung von Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO nicht gerechtfertigt. F-6013/2023 Seite 10 8. 8.1 Weiter ist der Frage nachzugehen, ob völkerrechtliche Vollzugshinder- nisse nach Art. 3 EMRK (oder einer anderen die Schweiz bindenden völ- kerrechtlichen Bestimmung) bestehen, woraus sich zwingende Gründe für einen Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO ergeben würden (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 8.2 Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Kroatien seinen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Perso- nen in der Situation des Beschwerdeführers nachkommt und insbesondere die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Verfahrens - und der Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. bspw. Urteile des BVGer E -1515/2023 vom 23. März 2023; E -5984/2022 vom 3. Januar 2023 E. 7.2; je m.H.). Diese Vermutung kann zwar im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die vom Betroffenen glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer D-5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1). Der Beschwerdeführer vermag jedoch kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzutun, die Behörden würden sich wei- gern, ihn aufzunehmen und einen allfälligen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kro- atien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missach- ten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land ge- zwungen zu werden. Die Behörden haben seiner Aufnahme explizit zuge- stimmt. Ausserdem hat er nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen seien derart schlecht, dass sie zu einer Verlet- zung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 Folter- konvention (SR 0.105) führen könnten. Bei einer allfälligen vorübergehen- den Einschränkung wäre er nötigenfalls gehalten, sich an die dortigen Be- hörden zu wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Dies gilt auch in Bezug auf das geltend gemachte Verhalten seitens der kroatischen Behörden, das sich im Übrigen auf Vorkommnisse nach seiner illegalen Einreise und nicht auf den Aufenthalt in den dortigen Aufenthaltsstrukturen bezieht. F-6013/2023 Seite 11 8.3 8.3.1 Betreffend den Gesundheitszustand lässt sich den vorinstanzlichen Akten entnehmen, dass es dem Beschwerdeführer seinen Angaben im per- sönlichen Gespräch zufolge physisch gut gehe, er jedoch infolge der Er- lebnisse an psychischen Beschwerden (...) leide. In s einer Heimat sei er wegen (Nennung Grund) medikamentös behandelt worden. Einem Arztbe- richt der (Nennung Institution) vom (...) zufolge liess er sich gleichentags wegen Belastungen nach einem Gespräch mit seinem Anwalt respektive der Angst vor einer Rückfüh rung behandeln. Er habe deshalb vermehrte Suizidgedanken. Im Vordergrund stehe der Wunsch nach einer Wiederauf- nahme einer Psychopharmakatherapie. Als Diagnosen wurden (Nennung Diagnosen) und es wurden ihm die Medikamente (...) verschrieben. Zudem wurde (Nennung Empfehlung) (vgl. SEM act. 1273026-22/1 [nachfolgend: act. 22]). Interne Abklärungen des SEM bei der zuständigen Pflege des BAZ ergaben, dass er den für den (Nennung Zeitpunkt) geplanten Folgeter- min nicht wahrgenommen ha t. Der Beschwerdeführer reichte auf Be- schwerdeebene keinerlei medizinischen Unterlagen ein, bringt jedoch vor, die ihm verschriebenen Medikamente (...) würden bei (Nennung Leiden) und (Nennung weiteres Medikament) zur Behandlung von (Nennung Er- krankungen) angewendet. Zudem werde er von Suizidgedanken geplagt, weshalb eine eng betreute Psychotherapie dringend angezeigt erscheine. 8.3.2 Die erwähnten medizinischen Probleme psychischer Art – wobei ent- gegen der in der Beschwerde aufgelisteten psychischen Beeinträchtig un- gen von fachärztlicher Seite ausschliesslich (Nennung Diagnose) diagnos- tiziert wurde – sind aufgrund der Aktenlage offensichtlich nicht derart schwerwiegend, dass davon ausgegangen werden müsste, der Beschwer- deführer könnte nicht auch in Kroatien adäquat behandelt werden, wo grundsätzlich eine durchaus ausreichende medizinische Infrastruktur zur Verfügung steht (vgl. insbes. Referenzurteil E-1488/2020 a.a.O. E. 10.2, statt vieler das Urteil BVGer E -2952/2023 vom 31. Mai 2023 E. 7.3, je m.w.H.). Die Mitglied-staaten sind denn auch verpflichtet, den Antragstel- lenden die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Not- versorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu mac hen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); Antragstellenden mit besonderen Be- dürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (ein- schliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). F-6013/2023 Seite 12 Auch unter Berücksichtigung des Hinweises in der Rechtsmitteleingabe auf allfällige Schwierigkeiten beim Zugang zu medizinischer Versorgung ist nicht davon auszugehen, dass Kroatien seinen Verpflichtungen im Rah- men der Dublin-III-VO in medizinischer Hinsicht in genereller Weise nicht nachkommen könnte beziehungsweise nicht nachkommen wollte. Nament- lich "Médecins du Monde" sind nur eine von mehreren Stellen, welche die medizinische Betreuung von Asylsuchenden in Kroatien gewährleisten. Neben den sta atlichen Stellen unterstützt insbesondere auch das Kroati- sche Rote Kreuz vulnerable Asylsuchende, die in den Empfangszentren untergebracht sind (vgl. Urteile des BVGer E-3851/2023 vom 14. Juli 2023 E. 7.4.5 und D-1428/2023 vom 7. Juli 2023 E. 6.4.2, je m.w.H.) 8.3.3 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, dass er von Suizidge- danken geplagt werde (vgl. Beschwerdeschrift Ziff. 26) respektive vermehrt Suizidgedanken habe (vgl. SEM act. 22). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung stellt Suizidalität grundsätzlich kein Vollzugshindernis dar (vgl. BGE 139 II 393 E. 5.5.5). Dies entspricht auch der Praxis des Bun- desverwaltungsgerichts (vgl. Urteile des BVGer E-317/2022 vom 10. Feb- ruar 2023 E. 7.3.2 und E -4782/2022 und E -4786/2022 vom 23. Februar 2023 E. 8.3.5 m.w.H.). Gemäss Praxis des EGMR ist der wegweisende Staat nicht verpflichtet, vom Vollzug der Ausweisung Abstand zu nehmen, falls die betroffenen Personen für den Fall des Vollzugs des Wegweisungs- entscheides mit Suizid drohen. Die Überstellung verstösst nicht gegen Art. 3 EMRK, wenn der wegweisende Staat Massnahmen ergreift, um die Umsetzung einer entsprechenden Suiziddrohung zu verhindern (vgl. EGMR i.S. Dragan und andere gegen Deutschland vom 7. Oktober 2004, Nr. 33743/03, angeführt in EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1; sowie bspw. Urteil des BVGer D-1017/2021 vom 21. April 2021 E. 7.4.2.3 ff.). Allfälligen suizi- dalen Tendenzen des Beschwerdeführers wäre daher mit entsprechenden Massnahmen bei der Vollzugsorganisation Rechnung zu tragen. 8.4 Nach dem Ausgeführten konnte der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko dartun, dass seine Überstellung nach Kroatien die Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. Ein notwendi- ger Selbsteintritt gebietet sich daher nicht. 9. 9.1 Bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 verfügt das SEM sodann über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Es bestehen vorliegend keine Hinweise auf eine Er- messensunterschreitung oder eine andere, nicht gesetzeskonforme F-6013/2023 Seite 13 Ausübung des Ermessens (Ermessensmissbrauch, Überschreitung des Ermessens). Bei dieser Sachlage enthält sich das Gericht in diesem Zu- sammenhang weiterer Äusserungen. 9.2 Nach dem Gesagten bleibt Kroatien der für d ie Behandlung des Asyl- gesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin- III-VO. 10. Das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Die Überstel- lung nach Kroati en wurde in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet. 11. Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 12. Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses gegenstandslos geworden. Der am 2. November 2023 verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegenden Urteil dahin. 13. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu- weisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen war. Daher fehlt es, unbesehen der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers, an einer gesetzlichen Voraussetzung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-6013/2023 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und die Vorinstanz. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Stefan Weber Versand: