Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 22. Februar 2017 (810 16 129) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Nichteintreten auf Familiennachzugsgesuch / Straffälligkeit und Schuldenwirtschaft Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Yves Thommen, Gerichtsschreiber i.V. Léonard Lavanchy Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Alex Hediger, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Nichteintreten auf Famili- ennachzugsgesuch (RRB Nr. 0572 vom 26. April 2016) A. A.____, geboren im Jahre 1980, Staatsangehöriger von Bosnien und Herzegowina, reiste am 10. November 1992 im Rahmen des Familienn achzugs zu seinem Vater in die Schweiz ein und erhielt 1996 die Niederlassungsbewilligung. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Urteil der Überweisungsbehörde des Kantons Base l-Landschaft vom 25. Februar 2000 wurde A.____ wegen mehrfacher grober Verletzung von Verkehrsregeln, Fahrens ohne Führerausweis, Irreführung der Rechtspflege sowie Begü nstigung zu einer bedingten Freiheits- strafe von vier Tagen (Probezeit von zwei Jahren) und einer Busse von Fr. 1‘200.-- verurteilt. C. Am 11. Oktober 2004 verursachte A.____ einen Autoun fall und bezog in der Folge bis 2009 Unfalltaggelder. Auch erhielt er nachträglich (2 013) eine volle IV-Rente für die Zeit zwi- schen dem 1. Oktober 2005 und dem 31. Oktober 2009 in der Höhe von Fr. 119‘860.50. D. Mit Urteil der Staatsanwaltschaft des Kantons Tessin vo m 17. Mai 2005 wurde A.____ wegen Fahrens ohne Führerausweis zu einer bedingten Fr eiheitsstrafe von 15 Tagen (Probe- zeit drei Jahre) und einer Busse von Fr. 300.-- verurteilt. E. Am 15. März 2007 stellte A.____ beim Amt für Migra tion des Kantons Basel- Landschaft (AfM) ein Nachzugsgesuch zugunsten seiner zukün ftigen Ehefrau B.____, geboren im Jahre 1983, Staatsangehörige von Serbien und Monten egro. Am 31. März 2007 heirateten A.____ und B.____ in Z.____. Am 21. April 2007 kam d ie gemeinsame Tochter C.____ zur Welt. Mit Urteil vom 25. Juni 2008 wies das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht, das AfM an, B.____ und der gemeinsamen Tochter eine Aufent- haltsbewilligung zum Verbleib beim Ehemann bzw. Vater zu erteilen. F. Mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 3. August 2007 wurde A.____ wegen versuchter einfacher Körperverletzung, Diebstahl s (geringfügiges Vermögensdelikt), mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, mehrfacher Hehlerei, Verletzung der Verkehrsregeln, mehrfachen Fahrens in f ahrunfähigem Zustand, mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis, Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähig- keit sowie Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz über di e Betäubungsmittel und die psy- chotropen Stoffe (BetmG) vom 3. Oktober 1951 zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten (da- von sechs Monate bedingt; bei einer Probezeit von drei Jahren) verurteilt. G. Mit Schreiben vom 7. November 2008 verwarnte das AfM A.____ wegen seiner straf- rechtlichen Verfehlungen und seiner damaligen Schulden (87 offene Verlustscheine in der Höhe von Fr. 104‘444.35). Es wurde ihm angezeigt, dass bei G esetzesverstössen und Schulden die Möglichkeit des Widerrufs der Niederlassungsbewilligung bestehe. H. Nachdem sich A.____ und B.____ am 24. August 2010 g erichtlich getrennt hatten, wurde am 11. Oktober 2011 die Scheidung ausgesprochen . Am 4. Februar 2012 heiratete A.____ in Z.____ die ukrainische Staatsbürgerin D.____ . Sie war damals im Besitz einer Kurz- aufenthaltsbewilligung (Ausweis L) und bei der E.____ GmbH, als Artistin angestellt. Am 19. März 2012 reichte A.____ ein Gesuch um Familiennac hzug zugunsten von D.____ ein. Am 15. Februar 2013 kam der gemeinsame Sohn F.____ in Y.____, Ukraine, zur Welt. I. Mit Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 12. August 2014 wurde A.____ wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das BetmG, Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. De zember 2005 sowie mehrfacher Dro- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht hung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monat en verurteilt. Die dieser Verurteilung zugrundeliegenden Tathandlungen fanden zwischen 2007 und 2010 statt. J. Am 18. Dezember 2014 wurde die Tochter von A.____ aus erster Ehe gerichtlich unter die gemeinsame elterliche Sorge gestellt und A.____ w urde verpflichtet, monatlich Fr. 400.-- Kindesunterhalt an die Kindesmutter zu leisten. K. Am 12. Januar 2015 gewährte das AfM A.____ das rechtliche Gehö r zum in Aussicht gestellten Widerruf der Niederlassungsbewilligung. Mit Schreiben vom 9. März 2015 nahm A.____ Stellung. Am 31. März 2015 bzw. 21. April 2015 wurde B.____ das rechtliche Gehör gewährt. Mit Schreiben vom 28. April 2015 äusserte sie sich ebenfalls zur Sache. L. Gemäss Betreibungsregisterauszug vom 30. September 20 15 lagen zu diesem Zeit- punkt insgesamt 113 Betreibungen in der Höhe von Fr. 149‘482.-- sowie 93 offene Verlust- scheine im Umfang von Fr. 144‘573.30 vor. A.____ bezog in den Jahren 2005 bis 2013 Fr. 112‘440.30 sowie von Juni 2014 bis Ende März 2016 F r. 59‘000.-- von der Sozialhilfe. Seit Mai 2013 werden die Unterhaltszahlungen für die Tocht er auf Veranlassung der Exfrau vom kantonalen Sozialamt bevorschusst. Im April 2016 beliefen sich die ausstehenden Unterhalts- zahlungen von A.____ beim kantonalen Sozialamt auf Fr. 3‘200.--. Aktuell erhält er monatlich Sozialhilfegelder in der Höhe von Fr. 1‘940.50. Zudem werden die monatlichen Krankenkas- senprämien in der Höhe von Fr. 430.20 und die Rechnungen des Psychiaters von der Sozialhil- fe übernommen. M. Am 26. Oktober 2015 verfügte das AfM den Widerruf der Niederlassungsbewilligung von A.____ und wies diesen spätestens per 31. Dezember 20 15 aus der Schweiz weg. Auf das Familiennachzugsgesuch zugunsten von D.____ trat das AfM nicht ein. Gegen diese Verfügung führte A.____, vertreten durch Dr. Alex Hediger, Advoka t in Basel, mit Schreiben vom 5. November 2015 Beschwerde beim Regierungsrat des Kan tons Basel-Landschaft (Regie- rungsrat) und beantragte die Aufhebung der angefochte nen Verfügung und die Bewilligung des Familiennachzugs sowie die unentgeltliche Rechtspflege; un ter o/e-Kostenfolge. Mit Schreiben vom 9. März 2016 reichte das AfM seine Vernehmlassung ein und beantragte die Abweisung der Beschwerde. N. Mit Entscheid vom 26. April 2016 wies der Regierungsr at die Beschwerde ab. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit Eingabe vom 9. Mai 2016 fristgerecht Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- u nd Verwaltungsrecht. Er beantragte die vollumfängliche Aufhebung des Entscheids des Regierung srats vom 26. April 2016 und der Verfügung des AfM vom 26. Oktober 2015 und die Belassung bzw. die Verlängerung der Nie- derlassungsbewilligung. Zudem sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen. Ausserdem sei das vom Beschwerdeführer gestellte Familie nnachzugsgesuch zugunsten sei- ner Ehefrau und des gemeinsamen Sohnes zu bewilligen. Schliesslich sei dem Beschwerdefüh- rer der Kostenerlass und die unentgeltliche Verbeiständu ng zu gewähren; unter o/e- Kostenfolge. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht O. Der Beschwerdeführer reichte mit Schreiben vom 21. Ju li 2016 ein weiteres Arztzeug- nis von Dr. med. G.____ vom 15. Juli 2016 sowie mit Sch reiben vom 4. August 2016 ein Arzt- zeugnis von Dr. med. H.____ vom 19. Juli 2016 ein. P. In seiner Vernehmlassung vom 8. September 2016 bean tragte der Regierungsrat die Abweisung der Beschwerde. Mit Schreiben vom 4. Oktober 2016 reichte der Regierungsrat die Ergänzung der Fachspezialistin Medizinabklärung des SEM vo m 26. September 2016 zum me- dizinischen Consulting vom 21. Juli 2015 nach. Q. Mit Schreiben vom 16. November 2016 reichte der Besc hwerdeführer ein weiteres Arztzeugnis von Dr. med. G.____ vom 7. November 2016 ein. Der Regierungsrat nahm dazu mit Schreiben vom 30. November 2016 Stellung. R. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung halten di e Parteien vollumfänglich an ihren Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefocht enen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die damit einhergehend e Wegweisung des Beschwerdeführers zu Recht erfolgten und das AfM zu Recht auf das Familienn achzugsgesuch des Beschwerde- führers zugunsten seiner Ehefrau nicht eingetreten ist. 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und Art. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländer innen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zuständi ge kantonale Behörde entscheidet in den Fällen nach Art. 18 ff. und 27 ff. AuG - im Rahm en der gesetzlichen Vorschriften und Ver- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht träge mit dem Ausland - nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Anwesenheitsbewilli- gung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht , es sei denn, das AuG oder völker- rechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 135 II 1 E. 1.1; P ETER UEBERSAX , in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg. ], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). 4.2 Zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Föderation Bosnien und Herzegowina besteht kein Staatsvertrag, der dem Beschwer deführer einen Anspruch auf An- wesenheit in der Schweiz gewähren würde. Es sind entspre chend die Bestimmungen des AuG, vorbehältlich anderer völkerrechtlicher Verträge, anwendbar. 4.3 Die Niederlassungsbewilligung verleiht einen zeitl ich unbefristeten und unbedingten Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz (Art. 34 Abs. 1 AuG). Es ist somit von einem grund- sätzlichen gesetzlichen Anspruch des Beschwerdeführers auf A ufenthalt in der Schweiz auszu- gehen. 5.1.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG kann die Niede rlassungsbewilligung widerrufen wer- den, wenn die ausländische Person in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährdet hat. 5.1.2 Die “öffentliche Sicherheit und Ordnung“ bildet den Oberbegriff der polizeilichen Schutzgüter: Die öffentliche Ordnung umfasst die Gesamthe it der ungeschriebenen Ordnungs- vorstellungen, deren Befolgung nach der herrschenden sozialen und ethischen Anschauung als unerlässliche Voraussetzung eines geordneten menschlichen Zusammenlebens anzusehen ist. Die öffentliche Sicherheit bedeutet die Unverletzlichkei t der objektiven Rechtsordnung, der Rechtsgüter der Einzelnen (Leben, Gesundheit, Freihei t, Eigentum, usw.) sowie der Einrichtun- gen des Staates. Eine Verletzung der öffentlichen Sich erheit und Ordnung ist somit namentlich gegeben bei erheblichen oder wiederholten Verstössen g egen gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen sowie bei Nichterfüllung der öffentlich-rechtlichen (z.B. Steuern, Kran- kenkassenprämien) oder privatrechtlichen Verpflichtungen (z.B. Mietzinsen, Prämien privater Versicherungen; vgl. Art. 80 Abs. 1 lit. a und b der V erordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE] vom 24. Oktober 2007). 5.1.3 Im Gegensatz zum Widerruf einer Aufenthaltsbewi lligung gemäss Art. 62 lit. c AuG, welcher voraussetzt, dass die Ausländerin oder der Auslände r “erheblich oder wiederholt“ ge- gen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen h at, setzt der Widerruf der Niederlas- sungsbewilligung nach Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG voraus , dass ein solcher Verstoss “in schwer- wiegender Weise“ erfolgt ist. Damit werden vergleichsw eise erhöhte Anforderungen an einen Bewilligungswiderruf gestellt, was sich eindeutig aus dem französischen Wortlaut der genann- ten Bestimmungen ergibt. Während Art. 62 lit. c AuG von einem Verstoss “de manière grave ou répétée“ spricht, wird in Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG di e qualifizierte Formulierung “de manière très grave“ verwendet (BGE 137 II 297 E. 3.2). Zur Abgren zung zwischen Art. 62 lit. c AuG und Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG ist in erster Linie auf den Stellenwert des beeinträchtigten Rechtsgutes Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht abzustellen. Die Praxis geht bei Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG von der Erfüllung der qualifizierten Formulierung aus, wenn die ausländische Person mit ihrem Handeln besonders hochwertige Rechtsgüter – namentlich die körperliche, psychische und se xuelle Integrität eines Menschen – verletzt oder in Gefahr gebracht hat. Indes können auch vergleichsweise weniger gravierende Pflichtverletzungen als “schwerwiegend“ im Sinne von Art . 63 Abs. 1 lit. b AuG bezeichnet wer- den (BGE 137 II 237 E. 3.3). Namentlich kann auch ein e Summierung von Verstössen, die für sich genommen für einen Widerruf nicht ausreichen würden, einen Bewilligungsentzug rechtfer- tigen. In diesem Fall ist nicht die Schwere der verh ängten Strafen, sondern die Vielzahl der De- likte entscheidend. Ein Widerruf der Niederlassungsbewi lligung soll auch dann möglich sein, wenn sich eine ausländische Person von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass sie auch zukünftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu halten (vgl. Botschaft des Bundesrates vom 8. März 2002 zum Bundesgesetz über die Aus- länderinnen und Ausländer, BBl 2002 3709, 3809 f.). Ob eine Ausländerin oder ein Ausländer willens und in der Lage ist, sich in die hier geltende Ordnung einzufügen, ist anhand einer Ge- samtbetrachtung ihres bzw. seines Verhaltens zu beurteilen (BGE 137 II 297 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_160/2013 vom 15. November 2013 E. 2. 1.1; vgl. auch A NDREAS ZÜND / LADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländ errecht, 2. Aufl., Ba- sel 2009, Rz. 8.29; S ILVIA HUNZIKER , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz übe r die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, Rz. 19 zu Art. 63 AuG; S PESCHA , a.a.O., Rz. 10 zu Art. 63 AuG). Gemäss Art. 63 Abs. 2 AuG gilt d er Widerrufsgrund auch für Niederlas- sungsbewilligungen von Ausländerinnen und Ausländern, die sich seit mehr als 15 Jahren un- unterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten. 5.2.1 Die Vorinstanz erwog, dass der Beschwerdeführer sei t dem Jahre 2000 fortgesetzt strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. Er sei in vi er Straferkenntnissen insgesamt zu rund 22½ Monaten Freiheitsstrafen sowie Fr. 1‘500.-- Busse, unter anderem wegen Körperverlet- zung, Diebstahls, mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, mehrfacher Hehlerei, mehrfacher Drohung, Widerhandl ungen gegen das BetmG, Irreführung der Rechtspflege sowie Begünstigung und Verstössen gegen das SVG verurteilt worden. Der Beschwerdeführer habe dabei auch bereits während der P robezeiten weiter delinquiert. Sein Verschulden in Bezug auf die einzelnen Straftaten sei zwar nicht durchwegs als schwerwiegend zu bezeichnen. Die zahlreichen Verurteilungen würden ab er klar zeigen, dass sich der Be- schwerdeführer auch von Strafurteilen nicht beeindrucken lassen habe und insbesondere weder gewillt noch fähig sei, als Autolenker grundlegende R egeln des Strassenverkehrs zu beachten. Der Beschwerdeführer habe fortgesetzt trotz Führerauswe isentzugs Motorfahrzeuge gelenkt und sei zudem wiederholt in fahrunfähigem Zustand gefa hren. Er habe somit zentrale Rechts- güter über Jahre hinweg immer wieder aufs Spiel gesetzt und so die öffentliche Sicherheit er- heblich und wiederholt gefährdet. Sein Verhalten erf ülle damit die Voraussetzungen des Wider- rufsgrunds gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG. 5.2.2 Dagegen macht der Beschwerdeführer geltend, di e den vier Verurteilungen zugrunde- liegenden Straftaten würden mindestens sechs, teilweise jedoch bereits 16 Jahre zurückliegen. Zudem handle es sich teilweise um Bagatelldelikte. Im Rahmen der ersten zwei Verurteilungen sei sein Verschulden angesichts des Strafmasses als leicht q ualifiziert worden. Zudem lägen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht den strafrechtlichen Verfehlungen des Beschwerdeführers im Rahmen des Urteils vom 12. Au- gust 2014 – mit Ausnahme der Betäubungsmitteldelikte – familiär bedingte Delikte zugrunde, zumal sie mit seiner damaligen, problematischen Ehe zusam menhängen würden. Es könne somit dem Beschwerdeführer keinesfalls vorgeworfen werde n, dass er durch sein Handeln be- sonders hochwertige Güter verletzt oder gefährdet habe u nd dass er sich von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lassen habe. Im Gegenteil habe er durch sein strafloses Ver- halten seit Anfang Januar 2010 bewiesen, dass er gewillt und fähig sei, sich an die Rechtsord- nung zu halten. 5.2.3 Der Beschwerdeführer wurde zwischen 2000 und 201 4 viermal strafrechtlich verurteilt, namentlich wegen versuchter einfacher Körperverletzung, Diebstahls (geringfügiges Vermö- gensdelikt), mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer D atenverarbeitungsanlage, mehrfa- cher Hehlerei, mehrfacher Drohung, Irreführung der Re chtspflege, Begünstigung, mehrfacher grober Verletzung von Verkehrsregeln, mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, mehrfa- chen Fahrens ohne Führerausweis, Vereitelung von Massnahm en zur Feststellung der Fahrun- fähigkeit, Widerhandlungen gegen das BetmG sowie Wid erhandlung gegen das AuG. Der Be- schwerdeführer hat somit erwiesenermassen auch nach der Verwarnung des AfM vom 7. No- vember 2008 verschiedentlich gegen die Rechtsordnung ver stossen. Besonders zu seinen Un- gunsten fällt ins Gewicht, dass er im Zusammenhang mit d en begangenen Verstössen gegen das BetmG und den vielen Strassenverkehrsdelikten mehrma ls die körperliche Integrität ande- rer Menschen und somit besonders schützenswerte Rechtsgü ter gefährdet bzw. verletzt hat. Zudem hat er sich auch durch die gegen ihn verhängten strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lassen, sondern delinquierte bereits währen d der Probezeiten wieder. Schliess- lich lässt sich die Unbelehrbarkeit des Beschwerdeführers insbesondere auch darin erblicken, dass er trotz schwerem Autounfall im Jahre 2004 und den dadurch erlittenen, einschneidenden gesundheitlichen Folgen bereits kurze Zeit danach erheb lich und wiederholt gegen das SVG verstossen hat. 5.3.1 Gemäss Art. 80 VZAE liegt ein Verstoss gegen die ö ffentliche Sicherheit und Ordnung auch vor bei einer Missachtung von gesetzlichen Vorschrift en und behördlichen Verfügungen (Abs. 1 lit. a) sowie bei mutwilliger Nichterfüllung ö ffentlich-rechtlicher (z.B. Steuern, Kranken- kassenprämien) oder privatrechtlicher (z.B. Mietzinse, Präm ien privater Versicherungen) Ver- pflichtungen (Abs. 1 lit. b). Nach der bundesgerichtli chen Rechtsprechung vermag Schulden- wirtschaft für sich allein den Widerruf der Niederlassungsbewilligung nicht zu rechtfertigen, son- dern es bedarf dafür erschwerender Merkmale. Blosse Lied erlichkeit rechtfertigt einen solchen Widerruf nicht mehr. Die Verschuldung muss vielmehr selbstve rschuldet und qualifiziert vor- werfbar sein. Zu beachten ist überdies, dass bei ausländ ischen Personen, die sich wie der Be- schwerdeführer seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen un d ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten, der Widerrufsgrund der Sozialhilfeabhängi gkeit nicht Anwendung finden darf (vgl. Art. 63 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG). Diese Einschränkung gilt zwar beim Widerrufsgrund des schwerwiegenden Verstosses gegen die öf fentliche Ordnung und Sicher- heit nach Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG nicht. Soll das Gesetz aber eine ausgewogene Anwendung finden, rechtfertigt es sich, nicht leichthin von der M utwilligkeit des Schuldenmachens auszuge- hen. Der ausländerrechtliche Bewilligungswiderruf ist ni cht ein schuldbetreibungsrechtliches Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Instrument zur Eintreibung bestehender Schulden. Eine Entfernung aus der Schweiz dürfte ei- nerseits eher dazu führen, dass die Gläubiger faktisch kei nerlei reelle Aussichten mehr hätten, für ihre Forderungen auch nur teilweise befriedigt zu werden. Andererseits besteht bei einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz die Gefahr, dass hie r weitere uneinbringliche Schulden ge- äufnet werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.3). 5.3.2 Wurde bereits eine Verwarnung nach Art. 96 Abs. 2 AuG ausgesprochen, kann dies bei einer Fortsetzung des fraglichen Fehlverhaltens zu einer definitiven Massnahme führen. Erforderlich ist dafür aber, dass keine wesentliche Besser ung eintritt bzw. das vom Gesetz als unerwünscht erachtete Verhalten auch nach der Verwarnu ng fortgesetzt wird. Dabei muss ein Vergleich zwischen der Ausgangslage im Zeitpunkt der Andr ohung der Massnahme mit der ak- tuellen Situation, in der diese endgültig ergriffen werden soll, gezogen werden. Das frühere Verhalten ist zwar nicht unbedeutend; es vermag aber nicht für sich allein – abgesehen von den rechtlichen Voraussetzungen der Zulässigkeit eines Rückkomme ns auf eine Verfügung – die definitive Massnahme zu begründen. Das Fehlverhalten muss vielmehr angedauert haben oder wiederholt worden sein. Erforderlich ist mithin eine Gesamtbetrachtung unter Einschluss des früheren Fehlverhaltens; für einen Widerruf müssen na ch einer allfälligen Verwarnung jedoch neue Verfehlungen dazu gekommen sein, welche die Wir kungslosigkeit der Androhung des Widerrufs belegen. Für den Fall der Schuldenwirtschaft als Widerrufsgrund der Niederlas- sungsbewilligung bedeutet dies, dass die ausländische Person auch nach der Androhung aus- länderrechtlicher Folgen weiterhin mutwillig Schulden gemacht haben muss. Sind seit der Ver- warnung keine Straftaten hinzugekommen, ist daher der Gesichtspunkt der Mutwilligkeit einer allfälligen Neuverschuldung entscheidend. Dabei ist nach der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung auch zu berücksichtigen, dass, wer einem betreibungsrechtlichen Verwertungsverfahren, insbesondere der Lohnpfändung, unterliegt, zum vornhere in keine Möglichkeit hat, ausserhalb des Betreibungsverfahrens Schulden zu tilgen. Das führ t in solchen Fällen dazu, dass im Ver- gleich zu früher weitere Betreibungen hinzukommen können oder der betriebene Gesamtbetrag angewachsen sein kann, ohne dass allein deswegen Mutwilli gkeit vorliegt. Es kommt vielmehr darauf an, welche Anstrengungen zur Sanierung unterno mmen worden sind. Positiv wäre etwa zu würdigen, wenn vorbestandene Schulden abgebaut word en sein sollten; ein Widerruf wäre demgegenüber zulässig, wenn in vorwerfbarer Weise weitere Schulden geäufnet worden wären (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.4). 5.3.3 Die Vorinstanz erwog diesbezüglich, dass der Beschwerd eführer seinen Zahlungsver- pflichtungen in erheblichem Umfang nicht nachgekommen sei. Die enorme Zahl an offenen Ver- lustscheinen und der hohe Gesamtbetrag seiner Schulden würden zeigen, dass der Beschwer- deführer offensichtlich nicht gewillt sei, seinen fina nziellen Verpflichtungen in genügendem Mass nachzukommen. Angesichts der langen Dauer der Schul denanhäufung und der offen- sichtlichen Verweigerung des Beschwerdeführers, seinen Zah lungsverpflichtungen nachzu- kommen, sei seine Schuldenwirtschaft qualifiziert vorwerfb ar. Ausserdem sei es dem Be- schwerdeführer möglich gewesen, einen grossen Teil der o ffenen Verlustscheine mit der im April 2013 rückwirkend ausbezahlten IV-Rente in der Höhe von Fr. 119‘860.50 zu tilgen. Dass er das Geld anderweitig ausgegeben habe, zeige nicht n ur, dass er mutwillig Schulden ange- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht häuft habe, sondern auch, dass er an diesen mutwillig f esthalte. Er erfülle dadurch auch den Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG. 5.3.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, die besteh enden Schulden seien grösstenteils auf unglückliche, von ihm nicht beeinflussbare äussere Umstä nde zurückzuführen, insbesonde- re auf seine durch den Unfall vom 11. Oktober 2004 ver ursachte Arbeitsunfähigkeit. Auch seien die Schulden zwischen Februar 2010 und März 2011 um run d Fr. 15‘000.-- zurückgegangen, weshalb das AfM von weiteren ausländerrechtlichen Massnahmen abgesehen habe. Da seither seine Schulden nicht markant gestiegen seien, verhalte sich das AfM rechtsmissbräuchlich, indem es nun den 2011 bereits vorliegenden Sachverhalt rechtlich anders beurteile. Die Schul- densituation des Beschwerdeführers sei stark zu relativieren und erfülle zweifellos nicht die Vo- raussetzungen des Widerrufsgrunds gemäss Art. 63 Abs. 1 l it. b AuG. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung führt der Beschwerdeführer zur im Jahre 2013 rückwirkend ausbezahlten IV- Rente aus, dass er seit seinem Unfall im Jahre 2004 vo n seiner Familie in erheblichem Masse finanziell unterstützt worden sei, da die bezogenen Sozi alhilfeleistungen nicht ausgereicht hät- ten. Dadurch habe er im Laufe der Jahre familiäre S chulden angehäuft, die nicht im Betrei- bungsregister eingetragen gewesen seien. Anlässlich eines Treffens beim Betreibungsamt nach Erhalt der IV-Rente sei ihm mündlich geraten worden, mit dem erhaltenen Kapital familiäre Schulden zu begleichen, da die Rückzahlung von offenen V erlustscheinen mit einem erhebli- chen Aufwand verbunden sei und die Gläubiger von Verl ustscheinen das betriebene Geld be- reits abgeschrieben hätten. Daraufhin habe er mit dem erhaltenen Kapital seiner Familie einen Teil der erbrachten finanziellen Unterstützungsleistungen zurückgezahlt. 5.3.5 Der Beschwerdeführer hat während langer Zeit u nd in erheblichem Ausmass Schulden angehäuft. Gemäss dem Betreibungsregisterauszug vom 13. Februar 2017 waren zum damali- gen Zeitpunkt 96 Verlustscheine in der Höhe von insgesa mt Fr. 187‘706.-- auf den Namen des Beschwerdeführers registriert. Dementsprechend sind seit d er letzten Verwarnung des Be- schwerdeführers durch das AfM vom 7. November 2008 neun V erlustscheine in der Höhe von über Fr. 80‘000.-- hinzugekommen. Dies, obwohl der Be schwerdeführer im April 2013 rückwir- kend eine IV-Rente in der Höhe von Fr. 119‘860.50 erh alten hat und zwischen 2005 und 2013 sowie auch seit Juni 2014 von der Sozialhilfe finanziell u nterstützt wurde bzw. wird. Seit der letzten Verwarnung durch das AfM hatte der Beschwerdefü hrer somit nicht nur genügend Zeit, um sich um die Rückzahlung seiner Schulden oder der bezog enen Sozialhilfegelder ernsthaft zu bemühen, sondern wäre auch finanziell dazu in der La ge gewesen. Die unbelegten Ausfüh- rungen des Beschwerdeführers, wonach er mit der erhalte nen IV-Rente familiäre Schulden ge- tilgt habe, vermögen schlicht nicht zu überzeugen. An di eser Stelle ist ausserdem festzustellen, dass eine derartige Bevorzugung von einzelnen Gläubigern , welche – im Unterschied zu den übrigen Gläubigern – ihre nicht belegten Forderunge n nicht zuvor zu betreiben versucht haben, im Lichte des Schweizer Rechts unstatthaft ist. Vor de m Hintergrund der angesprochenen Be- sonderheiten des vorliegenden Falls (IV-Rente und Sozialhilfe), erweist sich nicht nur die erheb- liche Zunahme der Schulden, sondern insbesondere auch di e fehlende Schuldensanierung als qualifiziert vorwerfbar und somit mutwillig. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Zusammenfassend ist in Übereinstimmung mit der Vori nstanz festzuhalten, dass so- wohl angesichts des strafrechtlich relevanten Verhaltens de s Beschwerdeführers als auch im Hinblick auf dessen mutwillige Nichterfüllung öffentlich- rechtlicher und privatrechtrechtlicher Verpflichtungen der Widerrufsgrund nach Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG als erfüllt anzusehen ist. 6.1.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG führt nicht zwingend zum Entzug der Niederlassungsbewilligung. Vielmehr rechtfe rtigt sich der Widerruf und die damit verbundene Wegweisung (vgl. Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) n ach Art. 96 Abs. 1 AuG nur dann, wenn diese Massnahme im Einzelfall gestützt auf eine u mfassende Güterabwägung verhält- nismässig erscheint. Dabei sind alle Umstände des Einzelfa lls zu berücksichtigen und die öf- fentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegenein ander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., Rz 3 zu Art . 51; ANDREAS ZÜND /LADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., R z 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwä- gung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen am Belassen der Bewilligung und der öffentlichen Interessen an deren Widerruf, wobei Letz tere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 1 35 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Zur Be- urteilung der Frage, ob dies der Fall ist, sind nament lich die Schwere des Delikts und des Ver- schuldens des Betroffenen, der seit der Tat vergangene Ze itraum, das Verhalten des Auslän- ders während diesem, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_1033/2013 vom 4. Juli 2014 E. 4.3). Ein gewichtiges öf- fentliches Interesse an der Wegweisung bzw. Fernhaltung der ausländischen Täterschaft be- steht insbesondere bei Gewalt- und Betäubungsmittelde likten (Urteil des Bundesgerichts 2C_640/2013 vom 25. November 2013 E. 2.3; BGE 139 I 34 E. 2.3.2; 130 II 190 E. 4.4.2; 125 II 526 ff. E. 4a/aa und 4a/bb; 122 II 436 E. 2c). Der W iderruf der Niederlassungsbewilligung ist unter diesen Umständen selbst dann nicht ausgeschlossen, wen n die ausländische Person in der Schweiz geboren ist und ihr ganzes bisheriges Leben hier zugebracht hat (Ausländer der zweiten Generation; BGE 139 I 19 f. E. 2.2.1, 33 f. E. 2.3.1; 135 II 381 f. E. 4.3). Bei schweren Straftaten, Rückfall und wiederholter Delinquenz muss zum Schutz der Öffentlichkeit ausländer- rechtlich selbst ein geringes Risiko weiterer Rechtsgüterve rletzungen (Gesundheit, Leib und Leben usw.) nicht hingenommen werden (Urteil des Bunde sgerichts 2C_640/2013 vom 25. No- vember 2013 E. 2.3; BGE 139 I 34 E. 2.3.2; 130 II 19 0 E. 4.4.2; 125 II 526 ff. E. 4a/aa und 4a/bb; 122 II 436 E. 2c). 6.1.2 In diesem Zusammenhang ist auch auf die Bestimmun gen von Art. 121 Abs. 3 bis 6 BV hinzuweisen. Gemäss diesen Bestimmungen verlieren Ausländer innen und Ausländer unab- hängig von ihrem ausländerrechtlichen Status ihr Aufent haltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz, wenn sie unter anderem wegen eines Gewaltdelikts oder "Dro- genhandels" rechtskräftig verurteilt worden sind (Art. 121 Abs. 3 lit. a BV). Zwar sind diese Ver- fassungsbestimmungen gemäss der bundesgerichtlichen Rechts prechung nicht direkt anwend- bar, das Bundesgericht hat aber festgehalten, der vo m Verfassungsgeber zum Ausdruck ge- brachten Wertung sei insoweit Rechnung zu tragen, als dies zu keinem Widerspruch zu über- geordnetem Recht bzw. zu keinen Konflikten mit dem Beur teilungsspielraum führe, den der EGMR den einzelnen Konventionsstaaten bei der Umsetzung ihrer Migrations- und Ausländer- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht politik zugestehe (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; 139 I 16 E. 5.3). Gleich wie Art. 96 Abs. 1 AuG ver- langt auch die EMRK in diesem Zusammenhang eine Abwä gung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen an der Belassung der Niederlassungsbe willigung und den öffentlichen Inte- ressen an deren Widerruf. Der EGMR stützt sich bei der Beurteilung der Zulässigkeit aufent- haltsbeendender Massnahmen im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK auf die gleichen Aspekte wie die bundesgerichtliche Praxis (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.3). Daraus folgt, dass eine Mass- nahme, die sich im Sinne von Art. 96 Abs. 1 AuG als verh ältnismässig erweist, grundsätzlich auch vor Art. 8 EMRK standhält (vgl. Urteil des BGer 2C _218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 4). Demzufolge kann vorliegend auch die Frage offen gelasse n werden, ob der Beschwerdeführer einen Aufenthaltsanspruch aus dem in Art. 8 Ziffer 1 EMRK garantierten Schutz des Familienle- bens ableiten kann. 6.2 Zu prüfen ist, ob unter Berücksichtigung der konkreten Umstände des vorliegenden Falles die öffentlichen Interessen am Widerruf der Nied erlassungsbewilligung die privaten Inte- ressen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz überwiegen. 6.3.1 Ausgangspunkt für die vorzunehmende ausländerrech tliche Interessenabwägung sind die strafrechtlichen Verurteilungen und die Verschuldu ng des Beschwerdeführers sowie die Schwere seines diesbezüglichen Verschuldens. Die Vorinsta nz erwog in diesem Zusammen- hang, dass den Beschwerdeführer ein schweres Verschulden tr effe. Er habe über Jahre ohne Führerausweis sowie regelmässig in fahrunfähigem Zustand Fahrzeuge gelenkt und sich dabei weder durch die zahlreichen strafrechtlichen Sanktionen no ch durch die ausländerrechtliche Verwarnung beeindrucken lassen. Dadurch habe er Leib un d Leben anderer Verkehrsteilneh- mer gefährdet. Im Rahmen der Verurteilungen wegen D rogendelikten und Verstössen gegen das AuG habe das Gericht aufgrund des Verschuldens des Besc hwerdeführers eine Freiheits- strafe von 16 Monaten als schuldangemessen erachtet und diese einzig wegen der erheblichen Verletzung des Beschleunigungsgebots auf zwölf Monate herabgesetzt. Auch sei der Be- schwerdeführer seinen privaten und öffentlich-rechtliche n Verpflichtungen seit Jahren sowie bereits vor dem Unfall im Oktober 2004 in erheblichem Umfang nicht nachgekommen. Trotz der erheblichen Sozialhilfeunterstützung seit dem Unfall im Jahre 2004, welche ein schuldenfreies Leben ermöglicht hätte, und der im Jahre 2013 rückwirken d erhaltenen IV-Leistung von rund Fr. 120‘000.-- habe er weder offene Verlustscheine no ch die bis zum damaligen Zeitpunkt be- zogenen Sozialhilfegelder zurückbezahlt, sondern weite re Schulden angehäuft. Sein Verschul- den sei dementsprechend auch in dieser Hinsicht als schwe r zu gewichten. Aus diesen Grün- den bestehe ein grosses öffentliches Interesse an einer Wegweisung des Beschwerdeführers. 6.3.2 Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, dass d ie letzten vom ihm begangenen Straftaten über sechseinhalb Jahre zurückliegen würden. Da er durch sein Wohlverhalten seit Ende 2009 bzw. Anfang 2010 bewiesen habe, dass er fähi g und gewillt sei, sich an die Rechts- ordnung zu halten, könnten ihm diese Straftaten nicht m ehr verschuldensmässig vorgeworfen werden. Gleiches gelte auch hinsichtlich des Vorwurfs der S chuldenwirtschaft. Im Übrigen ver- weise er auf seine Ausführungen zum Widerrufsgrund. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.3 Wie bereits dargelegt, wurde der Beschwerdeführ er insbesondere wegen versuchter Widerhandlungen gegen das BetmG, einfacher Körperverl etzung, Diebstahls, mehrfachen be- trügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, m ehrfacher Hehlerei, mehrfacher Drohung, Irreführung der Rechtspflege, Begünstigung, mehrfacher grober Verletzung von Ver- kehrsregeln, mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, mehrfachen Fahrens ohne Führe- rausweis sowie Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit verurteilt. Im Urteil vom 12. August 2014 erwog das Kantonsgericht Base l-Landschaft im Rahmen der Straf- zumessung, dass das Verschulden des Beschwerdeführers nicht mehr als leicht zu qualifizieren sei. Es befand zunächst, dass eine Freiheitsstrafe von vierze hn Monaten schuldangemessen sei, setzte das Strafmass in der Folge jedoch aufgrund de r Verletzung des Beschleunigungsge- bots durch die Strafbehörden auf zehn Monate Freihei tsstrafe herab. Unter Berücksichtigung der weiteren strafrechtlichen Verurteilungen des Beschw erdeführers im Zeitraum zwischen 2000 und 2014 ist das Verschulden des Beschwerdeführers hin sichtlich der begangenen Straf- taten als mittelschwer bis schwer zu qualifizieren. Ausserde m ist das Verschulden des Be- schwerdeführers im Zusammenhang mit seiner erheblichen Verschuldung, insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, dass er mit der im Jahre 20 13 erhaltenen IV-Rente offene Ver- lustscheine bzw. bezogene Sozialhilfegelder hätte zurückzahl en können und müssen, dies je- doch bewusst unterlassen hat, als schwer einzustufen. Es best eht somit ein gewichtiges öffent- liches Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligu ng des Beschwerdeführers und des- sen Wegweisung aus der Schweiz. 6.4.1 Den genannten öffentlichen Interessen sind die p rivaten Interessen des Beschwer- deführers am Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. 6.4.2 Die Vorinstanz erwog, dass sich der Beschwerdeführer während den 24 Jahren seines Aufenthalts in der Schweiz trotz Schulbesuch, beruflicher "Anlehre" und Rückhalt durch seine in der Schweiz anwesenden Familienangehörigen nicht erfolg reich in die hiesigen Verhältnisse integriert habe. Neben seiner Straffälligkeit und de r Schuldenwirtschaft habe der Beschwerde- führer während Jahren durch die öffentliche Fürsorge unterstützt werden müssen. Die relativ lange Anwesenheitsdauer spreche deshalb nicht für den Verbleib des Beschwerdeführers in der Schweiz. Der Beschwerdeführer habe die ersten 12 Jahre seines Lebens in Bosnien und Her- zegowina verbracht, sei der dortigen Sprache mächtig u nd kenne die Bräuche, Sitten und Ge- pflogenheiten seiner Heimat. Er sei in den vergangenen Jahren regelmässig in Bosnien und Herzegowina zu seiner Mutter gereist und habe die Konta kte zu seiner Heimat nie abgebro- chen. Auch wenn eine Rückkehr mit gewissen Schwierigkeite n verbunden sein werde, sei es dem Beschwerdeführer grundsätzlich möglich, sich in seiner Heimat wieder zu integrieren. Aus- serdem könne der Beschwerdeführer mit seiner ukrainische n Ehefrau und dem gemeinsamen Sohn ohne weiteres auch in Bosnien und Herzegowina ei n gemeinsames Leben führen. Da zwischen der Schweiz und Bosnien und Herzegowina zahlreich e Flug- und Busverbindungen bestünden, werde der Kontakt zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Tochter durch die Wegweisung zwar eingeschränkt, jedoch nicht verunmöglicht . Schliesslich seien gemäss dem medizinischen Consulting des Staatssekretariats für Migra tion vom 21. Juli 2015 sämtliche Me- dikamente und Therapien, die der Beschwerdeführer ben ötige, in Bosnien und Herzegowina verfügbar. Auch das für die Behandlung der Erkrankunge n des Beschwerdeführers nötige me- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht dizinische Niveau sei in Bosnien und Herzegowina sichergest ellt. Somit sei die ausländerrecht- liche Massnahme verhältnismässig. 6.4.3 Der Beschwerdeführer macht hingegen geltend, er halte sich nun seit über 24 Jahren in der Schweiz auf. Zudem habe er zu seiner Tochter aus erster Ehe eine sehr enge Beziehung, welche nicht im Rahmen von Kurzaufenthalten vom Ausland her gepflegt werden könne. Seine Tochter verbringe zurzeit jedes Wochenende sowie mindeste ns einen Wochentag bei ihm, wo- bei laut Kindsmutter die Besuchszeiten reibungslos ablau fen würden. Auch komme er, trotz seiner angespannten finanziellen Situation, seinen Unterhaltszahlungen nach und beteilige sich an weiteren Kosten seiner Tochter. Eine Wegweisung d es Beschwerdeführers sei deshalb we- der für die Tochter noch für die Exfrau vorstellbar, zu mal sie auf seine Betreuung der Tochter angewiesen sei. Ausserdem lasse sein Gesundheitszustand kein e Rückkehr nach Bosnien und Herzegowina zu. Gemäss dem Schreiben vom 19. Mai 2016 von Dr. med. I.____ leide der Be- schwerdeführer unter multiplen gesundheitlichen Beschwer den, insbesondere neurologischer Art sowie an einer T-Zellen-LGL-Leukämie, an einer rheumatischen Erkrankung, einer dermato- logischen Erkrankung und unter psychischen Beschwerden (emoti onal instabile Persönlich- keitsstörung). Dies führe insgesamt zu einer sehr komplexe n Therapiebedürftigkeit, welche nicht unterbrochen werden dürfe. Wegen der T-Zellen- LGL-Leukämie könnten keine Antide- pressiva mehr verschrieben werden, weshalb die psychiatrisch-p sychotherapeutische Behand- lung des Beschwerdeführers dringend indiziert sei. Bei einer Ausschaffung des Beschwerdefüh- rers bestünde gemäss den behandelnden Ärzten eine akute Lebensgefährdung, da die benötig- ten medizinischen Therapien und die psychiatrisch-psychothe rapeutische Behandlung nur in einem modernen medizinischen System, wie dasjenige der S chweiz, durchgeführt werden könnten. Im Schreiben von Dr. med. J.____ vom 29. Juni 20 16 werde zudem bestätigt, dass beim Beschwerdeführer im Rahmen der Leukämie und ent sprechender Chemotherapie wieder- holt teils schwere und bedrohliche Hauterkrankungen auft reten würden, die einen unmittelba- ren, niederschwelligen Zugang zu einer dermatologische n Betreuung auf universitärem Niveau erfordern würden. Eine Verzögerung von nur wenigen T agen bis zur Einleitung einer angemes- senen Therapie könne fatale Folgen für den Beschwerde führer mit sich ziehen. Eine Abschie- bung des Beschwerdeführers in seine Heimat und somit in ein medizinisch weniger entwickeltes Land sei dementsprechend für ihn lebensbedrohlich. Die privaten Interessen des Beschwerde- führers an einem Verbleib in der Schweiz seien somit we it höher zu gewichten als die öffentli- chen Interessen an einer Wegweisung. 6.4.4 Der Beschwerdeführer ist im Jahre 1992 im Alter von zwölf Jahren in die Schweiz ge- kommen und hat somit knapp 25 Jahre seines Lebens hier ver bracht. Mit Ausnahme seiner Mutter lebt ein Grossteil seiner nahen Verwandtschaft i m Lande. Demzufolge ist grundsätzlich von einem gewichtigen privaten Interesse des Beschwerdef ührers an einem Verbleib in der Schweiz auszugehen. Allerdings ist dieses Interesse insofern zu relativieren, als dass sich der Beschwerdeführer trotz langer Aufenthaltsdauer in der Schweiz wenig an die hiesigen Verhält- nisse angepasst hat. Seine vielfältigen und teils relati v gravierenden strafrechtlichen Verfehlun- gen sowie die ihm qualifiziert vorwerfbare Schuldenwir tschaft belegen deutlich, dass der Be- schwerdeführer nicht gewillt und fähig ist, sich an die Schweizer Rechtsordnung und deren Grundsätze zu halten. Zwar kann sich der Beschwerdeführer auf Deutsch verständigen, eine Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht geglückte berufliche oder soziale Integration kann er jedoch nicht vorweisen. In Bezug auf die familiäre Situation des Beschwerdeführers ist festzuhalte n, dass die Ehefrau des Beschwerde- führers und die zwei gemeinsamen Kinder über kein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz verfügen und dementsprechend auch in ihrer Heimat, de r Ukraine, leben. Eine Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz ginge folglich nicht mit einer Trennung der aktuellen Familie einher. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in sei ne Heimat würde zwar seine Be- ziehung zu seiner in der Schweiz niedergelassenen Tochter aus erster Ehe belasten. Allerdings kann der Kontakt mittels moderner Kommunikationsmittel vom Ausland her aufrechterhalten sowie angesichts der bestehenden regelmässigen und günstige n Bus- und Flugverbindungen nach Bosnien und Herzegowina im Rahmen von Kurzaufenth alten intensiv gepflegt werden. Dementsprechend kann der Beschwerdeführer aus seiner aktue llen familiären Situation kein überwiegendes Interesse am Verbleib in der Schweiz ableiten. 6.4.5 Gemäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechun g kann sodann der blosse Um- stand, dass das Gesundheits- oder Sozialversicherungswesen in einem anderen Staat allenfalls nicht mit demjenigen in der Schweiz vergleichbar ist u nd die hiesige medizinische Versorgung einem höheren Standard entspricht, nicht die Unzumutb arkeit der Rückreise zur Folge haben (BGE 128 II 200 E. 5.3, Urteile 2C_418/2015 vom 21. Dezember 2015, E. 4.6.4, 2C_833/2011 vom 6. Juni 2012, E. 3.3 mit Hinweisen). Vielmehr kön nen Gesundheitsbeschwerden erst dann eine Wegweisung als unverhältnismässig bzw. als unmenschlic he Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK erscheinen lassen, wenn die ungenügende Mö glichkeit der Weiterbehandlung im Heimatland eine drastische und lebensbedrohende Verschle chterung des Gesundheitszustan- des nach sich zieht (Urteile 2C_418/2015 vom 21. Dezember 2015, E. 4.6.4, 2C_721/2014 vom 15. Januar 2015 E. 3.2 mit Hinweisen). Angesichts der ve rschiedenen gesundheitlichen Be- schwerden des Beschwerdeführers ist zunächst festzustellen, da ss der Beschwerdeführer auf eine regelmässige medizinische Betreuung durch Fachärzte so wie auf eine relativ umfangrei- che Medikation angewiesen ist. Gemäss dem medizinischen Consulting des Staatssekretariats für Migration (SEM) vom 21. Juli 2015 und dem ergänze nden medizinischem Consulting des SEM vom 26. September 2016 sind allerdings alle medizi nischen Fachbereiche und entspre- chenden Behandlungen sowie sämtliche Medikamente und Lab oruntersuchungen, welche der Beschwerdeführer aktuell in der Schweiz beansprucht, auch in Bosnien und Herzegowina ver- fügbar. Ausserdem verfügen Staatsangehörige von Bosni en und Herzegowina in ihrer Heimat über eine öffentliche Krankenversicherung, welche unte r bestimmten Voraussetzungen kosten- los ist. Somit ist nicht nur die Verfügbarkeit, sondern auch der tatsächliche Zugang des Be- schwerdeführers zur benötigten medizinischen Betreuung si chergestellt. Vor diesem Hinter- grund ist dem Beschwerdeführer die Rückkehr auch unter Berücksichtigung seines Gesund- heitszustands zumutbar. 6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die privaten In teressen des Beschwerdefüh- rers zwar nicht unbedeutend sind, jedoch die gewichtigen öffentlichen Interessen an der Been- digung seines Aufenthalts in der Schweiz infolge seiner Delinquenz und Verschuldung nicht zu überwiegen vermögen. Damit erweisen sich der Widerruf d er Niederlassungsbewilligung und die damit verbundene Wegweisung aus der Schweiz als verh ältnismässig und ein allfälliger Eingriff in das Recht auf Privat- und Familienleben als gerechtfertigt. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Der Regierungsrat hat entsprechend den rechtlichen An forderungen die öffentlichen Interessen, die persönlichen Verhältnisse sowie den Gra d der Integration im Rahmen seiner Interessenabwägung berücksichtigt. Anhaltspunkte dafür, dass er das ihm zustehende Ermes- sen rechtsfehlerhaft ausgeübt hätte, bestehen keine. D er Widerruf der Niederlassungsbewilli- gung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz erfolgten nach dem Gesagten zu Recht. Mit dem Widerruf der Niederlassungsb ewilligung sind auch die Vorausset- zungen für den Nachzug der Ehefrau der Beschwerdeführers, D.____, entfallen. Die Beschwer- de ist demnach diesbezüglich abzuweisen. 8.1 Vom Beschwerdeführer wird weiter vorgebracht, da ss die unentgeltliche Prozessfüh- rung und Verbeiständung im vorinstanzlichen Verfahren vo m Regierungsrat zu Unrecht verwei- gert worden sei. Der Regierungsrat führt in seinem En tscheid aus, der Beschwerdeführer habe angesichts der Sachlage und der ausführlich begründeten Verfügung des AfM nicht ernsthaft mit einer Gutheissung seiner Beschwerde rechnen können, weshalb sich diese als offensicht- lich aussichtslos erweise. 8.2 Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Recht sprechung Begehren anzu- sehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich gering er sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können . Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde (vgl. BGE 138 III 217 E. 2.2.4; 13 3 III 614 E. 5; S TEFAN MEICHSSNER , Das Grundrecht auf unentgeltliche Rechtspflege [Art. 29 Abs. 3 BV], Basel 2008, S. 106 f.). 8.3 Im vorliegenden Fall steht für den Beschwerdeführe r viel auf dem Spiel, zumal er bei einem negativen Entscheid das Land verlassen muss, in dem er die letzten 25 Jahre seines Lebens verbracht hat und ein gewichtiger Teil seiner Familie sowie seine Tochter aus erster Ehe leben. Unter diesen Umständen hätte er sich wohl a uch zu einem Prozess entschlossen, wenn er die finanziellen Mittel selber hätte aufbring en müssen. Zudem kann die heikle Frage, ob eine derartige Massnahme in Anbetracht der Umstände , insbesondere seines Gesundheits- zustands, verhältnismässig ist, nicht ohne weiteres beantwor tet werden. Es ist festzustellen, dass der vorliegende Streitgegenstand deshalb nicht per se als aussichtslos erachtet werden kann und die Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen ist. Die Angelegenheit ist demnach zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens an den Regierungsrat zurückzuwei- sen. 9.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht koste npflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemesse- nem Ausmass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei, nicht jedoch der Vorinstanz, aufer- legt (vgl. § 20 Abs. 3 VPO). Dem Verfahrensausgang ent sprechend rechtfertigt es sich, dem Beschwerdeführer einen Verfahrenskostenanteil in der H öhe von Fr. 1‘500.-- aufzuerlegen. Zu- folge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die dem Beschwerdeführer aufer- legten Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘500.-- zu Lasten der Gerichtskasse. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte in sei- ner Honorarnote vom 21. Februar 2017 für die Zeit vom 29. April 2016 bis 21. Februar 2016 einen Aufwand von 18.93 Stunden (ohne Hauptverhandlu ng) geltend, was nicht zu beanstan- den ist. Zuzüglich des Aufwands für die heutige Parteiverhandlung werden dem Rechtsvertreter gesamthaft 22 Stunden zugesprochen. Für die Auslagen im Hauptverfahren stellt der Rechts- vertreter Fr. 332.-- in Rechnung, was insbesondere hi nsichtlich der nicht näher erläuterten Rei- sekosten von Fr. 60.-- und der Kosten für Fotokopien und Kopiaturen von insgesamt Fr. 211.-- als überhöht erscheint. Angemessen erscheint eine Spesenp auschale von Fr. 200.--. Aus- gangsgemäss ist dem Beschwerdeführer eine reduzierte Par teientschädigung in der Höhe von Fr. 540.-- (zwei Stunden à Fr. 250.--, inkl. 8% MWST) zulasten des Beschwerdegegners zuzu- sprechen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die A nwältinnen und Anwälte (TO) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltl icher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verb eiständung ist dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bezüglich des restlichen Aufwandes für da s Verfahren vor dem Kantonsge- richt von 20 Stunden à Fr. 200 sowie der Spesen in der Höhe von Fr. 200.-- ein Honorar in der Höhe von Fr. 4‘536.-- (inkl. Auslagen und 8% MWST) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich darauf hingew iesen, dass er zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde werden Ziff. 2 und 3 des angefochtenen RRB Nr. 0572 vom 26. April 2016 aufgeh oben und die Angelegenheit wird bezüglich der Kosten- und Entschädi gungsfolgen des vorinstanzlichen Verfahrens zur neuen Entscheidung im Sinne der Erwägungen an den Regierungsrat zurückgewiesen. Im Übrig en wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführer hat die Schweiz bis spätestens 3 0 Tage nach Rechtskraft dieses Urteils zu verlassen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d em Beschwer- deführer eine reduzierte Parteientschädigung in der H öhe von Fr. 540.-- (inkl. 8% MWST) zu bezahlen. Die übrigen P arteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 4‘536.-- (inkl. Auslagen und 8% MWST) aus der Geri chtskasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 6. Juni 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfahrens- nummer 2C_517/2017) erhoben.