<h2>SubmittedText<h2><p>Zweitwohnungen werden nur zeitweise, während ein paar Wochen oder Wochenenden, genutzt, doch werden sie oft durchgehend beheizt, was eine enorme Energieverschwendung darstellt. Der Grossteil dieser Zweitwohnungen befindet sich in den Bergen, wo die Heizperiode sehr lang ist: Sie dauert in der Regel acht Monate oder sogar noch länger.</p><p>MakeHeatSimple ist ein Programm von Energie Schweiz und ihren Partnern zur Senkung der Energiekosten von Zweitwohnungen. Auf der Internetsite dieses Programms steht, dass "mit der Installation von Fernbedienungssystemen [...] allein in den rund 700 000 Zweitwohnungen in der Schweiz mehr als 2000 GWh/Jahr eingespart werden" könnten.</p><p>In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Wie gross ist der Anteil der verschiedenen Heizsysteme (Öl, Gas, elektrische Widerstandsheizung, Wärmepumpe, Holz, Pellets ...) im heutigen Zweitwohnungsbestand? </p><p>2. Welche Resultate aus dem Programm MakeHeatSimple liegen bereits vor (Anzahl Heizungsfernsteuerungen, Einsparung in GWh/Jahr usw.)? </p><p>3. Wie könnte die Installation von Heizungsfernsteuerungen in Zweitwohnungen beschleunigt werden?</p><p>4. Allgemein gefragt: Wächst der Anteil der energetischen Sanierungen beim Zweitwohnungsbestand schneller oder langsamer im Vergleich zum Erstwohnungsbestand? Falls ja, wie kann man diesen Unterschied erklären?</p><p>5. Nutzen die Eigentümerinnen und Eigentümer von Zweitwohnungen, im Besonderen solche mit Wohnsitz im Ausland, die Möglichkeiten einer staatlichen Unterstützung für die energetische Sanierung von Gebäuden im gleichen Mass wie die Eigentümerinnen und Eigentümer von Erstwohnungen? </p><p>6. Wie könnten die energetische Sanierung und der Ersatz von fossilen oder elektrischen Heizungen bei den Zweitwohnungen beschleunigt werden? Wäre ein spezielles Förderprogramm für Zweitwohnungen sinnvoll? </p><p>7. Wie gedenkt der Bundesrat angesichts des Risikos einer Strom- und Gasmangellage im bevorstehenden Winter die Eigentümerinnen und Eigentümer mit Wohnsitz im Ausland für die Massnahmen zu sensibilisieren, die mit dem Ziel eines geringeren Heizverbrauchs in ihrer Zweitwohnung ergriffen werden können?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Für Massnahmen, die den Verbrauch von Energie in Gebäuden betreffen, sind vor allem die Kantone zuständig.</p><p>1. Gemäss der Studie "Fernsteuerung von Raumheizungen in Zweitwohnungen: Situationsanalyse, Potenzial, Synthese" von EnergieSchweiz aus dem Jahr 2017 sind die verschiedenen Heizungsarten wie folgt aufgeteilt: Heizöl 53,1 Prozent, Gas 15,1 Prozent, Elektrizität 9,4 Prozent, Holz 9,7 Prozent, Wärmepumpe 8,9 Prozent und Fernwärmeversorgung 2,9 Prozent. In Gemeinden in Tourismusregionen (mit einem Zweitwohnungsanteil über 20 %) sind die Anteile bei der Elektrizität mit 16,5 Prozent, beim Holz mit 14,6 Prozent und beim Gas mit 5 Prozent leicht anders nuanciert.</p><p>2. Eine Zwischenevaluation des Programms MakeHeatSimple von EnergieSchweiz zeigt, dass in den ersten drei Jahren nach Anlaufen des Programms mindestens 40 000 Fernbedienungssysteme für Heizungen installiert wurden. Zudem liegt der Anteil Zweitwohnungen mit einer bereits installierten oder vorgesehenen Heizungsfernsteuerung nach den Ergebnissen einer landesweiten Umfrage vom Juni 2022 bei 22 Prozent (mit einer Fehlerspanne von plus/minus 4,3 %).</p><p>3. Die Installation von Heizungsfernsteuerungssystemen könnte beschleunigt werden, beispielsweise indem:</p><p>a. die Vorschriften der Kantone strenger formuliert werden (Änderung des Moduls 4 der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich [MuKEn] und/oder seine Annahme in allen Kantonen). Der Bundesrat empfiehlt den Kantonen, solche Änderungen anzunehmen. Zudem sollten auch die Anforderungen an neu in Verkehr gebrachte Anlagen und Geräte (s. Energieeffizienzverordnung) verschärft werden. Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass die Pflicht zur Einrichtung von Fernbedienungen für sich allein ihre tatsächliche Nutzung noch nicht garantiert;</p><p>b. die Eigentümerinnen und Eigentümer von Zweitwohnungen weiter sensibilisiert und informiert werden, damit sie solche fernbedienten Systeme installieren. 85 Prozent der befragten Eigentümerinnen und Eigentümer versichern, dass sie bei einer Abwesenheit von länger als 5 Tagen die Heizung schon heute herunterdrehen.</p><p>4. Es existieren keine quantitative Analyse, welche die energetische Sanierungsrate von Zweitwohnungen im Vergleich zur gesamtschweizerischen Entwicklung aufzeigt. Das Bundesamt für Energie geht davon aus, dass die energetische Sanierungsrate etwas tiefer ausfällt, da das Potenzial der Heizkosteneinsparungen tiefer ist als beim Hauptwohnsitz.</p><p>5. Der Anteil der im Ausland wohnhaften Zweitwohnungsbesitzerinnen und -besitzer beträgt gemäss der Studie "Fernsteuerung von Raumheizungen in Zweitwohnungen: Situationsanalyse, Potenzial, Synthese" von 2017 rund 17 Prozent. Die vorhanden Förderinstrumente für Gebäudesanierungen und Heizungsersatz (gratis Impulsberatung Heizungsersatz, Gebäudeprogramm etc.) stehen dieser Eigentümergruppe gleichwohl zur Verfügung. Bei Erneuerungsprojekten werden zudem lokale planende und ausführende Unternehmen berücksichtigt, welche mit den hiesigen Unterstützungsmöglichkeiten vertraut sind. Inwiefern diese Instrumente von dieser Eigentümergruppe mehr oder weniger im Vergleich zu anderen genutzt werden, ist nicht bekannt.</p><p>6. Die Fördermittel aus der Teilzweckbindung der CO2-Abgabe sind begrenzt. Da die potenzielle CO2-Wirkung bei energetischen Sanierungen und Heizungsersatz am ständigen Wohnsitz grösser ist als bei Zweitwohnungen, ist es nach Ansicht des Bundesrates aus klima- und energiepolitischen Gründen nicht angezeigt, ein spezifisches Förderprogramm für Zweitwohnungen anzubieten. Vielversprechender ist der Ansatz, den einzelne Kantone im Rahmen ihrer Mustervorschriften im Energiebereich verfolgen: Sie schreiben für den Neubau und die Sanierung von Zweitwohnungen eine Fernregulierungsmöglichkeit der Heizungen vor.</p><p>7. Die Information der Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümer erfolgt über die Gemeinden der Zweitwohnungen. Die Gemeinden werden von EnergieSchweiz im Rahmen der Projektförderung unterstützt, wenn sie Eigentümerinnen und Eigentümer von Zweitwohnungen über das MakeHeatSimple-Programm informieren und diese dazu ermutigen, ein Fernbedienungssystem für Heizungen zu installieren.</p>  Antwort des Bundesrates.