Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. September 2012 (725 12 216 / 252) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Heilbehandlung nach Festsetzung der Rente Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Michael G uex, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch André Gross, Fürspre- cher, Christoffelgasse 7, Postfach 6826, 3001 Bern gegen B.____, Beschwerdegegnerin Betreff Forderung A. Die 1948 geborene A.____ war seit dem 1. Juni 1990 beim C.____Studio als Tanzleh- rerin angestellt und dadurch bei der B.____ obligat orisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert. Im April 1992 erlitt A.____ einen Ge- hörschaden. Die Unfallversicherung anerkannte eine Berufskrankheit und erbrachte die gesetz- lichen Leistungen. Mit Verfügung vom 21. September 1998 sprach sie der Versicherten rückwir- kend ab 1. Januar 1998 eine Rente aufgrund eines IV-Gr ades von 70% und eine Integritätsent- schädigung aufgrund einer Integritätseinbusse von 22,5% zu. Daran hielt sie auf Einsprache der Versicherten hin mit Entscheid vom 24. Februar 1999 fes t. Die hiergegen erhobene Beschwer- de hiess das damalige Versicherungsgericht des Kantons Basel-Landschaft (heute: Kantonsge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht richt, Abteilung Sozialversicherungsrecht [Kantonsgericht] ) mit Urteil vom 7. Juni 2000 in dem Sinne gut, als es den angefochtenen Einspracheentscheid aufhob und die Angelegenheit zur erneuten Abklärung der Verhältnisse an die Unfallversicherung zurückwies. In der Folge sprach die B.____ der Versicherten mit Verfügung vom 2. Oktober 2000 mit Wirkung ab 1. Januar 1998 eine Rente aufgrund eines IV-Grades von nunmehr 100% zu . Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 12. Oktober 2000 Einsprache, wobei sie die Höhe des Valideneinkommens bean- standete. Mit Entscheid vom 22. November 2000 wies die B.____ die Einsprache ab. B. Mit Schreiben vom 7. und 14. Oktober 2004 gewährte die Unfallversicherung der Ver- sicherten im Rahmen von Art. 21 des Bundesgesetzes über d ie Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 eine antidepressive medikamentöse Behandlun g mit ärztlicher Verordnung, zwölf psychotherapeutische Sitzungen, einen Hörtest pro Ja hr sowie alle fünf Jahre ein neues Hörgerät. C. Mit E-Mail vom 16. Mai 2011 ersuchte die Versicherte , vertreten durch Fürsprecher André Gross, die B.____, die Kosten weiterer Heilbeh andlungen gemäss der Empfehlung der behandelnden Psychiaterin Dr. D.____ im Schreiben vom 9. Mai 2011 zu übernehmen. Mit Ver- fügung vom 22. Dezember 2011 trat die B.____ auf das Leistungsbegehren der Versicherten nicht ein. Begründet wurde der Entscheid im Wesentliche n damit, dass die mit Schreiben vom 7. und 14. Oktober 2004 gewährten Pflegeleistungen i n Rechtswirksamkeit erwachsen seien. Eine Veränderung des Gesundheitszustandes sei nicht nachge wiesen und es liege auch keine erhebliche Tatsachenänderung vor, die es erlauben wür de, auf die zugesprochenen Pflegeleis- tungen zurückzukommen. Daran hielt sie auch auf Einsprach e der Versicherten hin mit Ent- scheid vom 1. Juni 2012 fest, soweit sie darauf eintrat. D. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Fürsprecher Gross, am 2. Juli 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie beantragte, in Auf hebung des Einspracheentscheides vom 1. Juni 2012 und der Verfügung vom 22. Dezember 201 1 sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die von Dr. D.____ im Schreiben vom 5. September 2011 [recte: 9. Mai 2011] emp- fohlenen Behandlungen zu übernehmen. Der Beschwerdefüh rerin sei durch die Beschwerde- gegnerin ein für die Medikamentenbeschaffung monatlich vorauszahlbarer Betrag zu sprechen. Es sei festzustellen, dass das rechtliche Gehör der Beschwerd eführerin verletzt worden sei; unter o/e- Kostenfolge. E. In ihrer Vernehmlassung vom 20. August 2012 schloss die Beschwerdegegnerin auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 UVG auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Unfallversicherer be im zuständigen kantonalen Versi- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zurzeit der Beschwer- deerhebung ihren Wohnsitz hat. Befindet sich der Wohnsit z der versicherten Person im Aus- land, so ist das Versicherungsgericht desjenigen Kantons zustä ndig, in dem sich ihr letzter schweizerischer Wohnsitz befand. Vorliegend befindet sich d ieser in X.____, weshalb die örtli- che Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu b ejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Beha ndlung der vorliegenden Beschwer- de zuständig. 1.2 Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahr ens bildet die Frage, ob die Un- fallversicherung auf das Leistungsbegehren der Beschwerdef ührerin vom 16. Mai 2011 hätte eintreten müssen. Soweit die Versicherte auch die Zusprech ung von Leistungen beantragt, ge- hört dies weder zum Anfechtungs- noch zum Streitgegensta nd des vorliegenden Beschwerde- verfahrens, sodass über diese Anträge nicht zu befinde n ist. Auf die Beschwerde ist deshalb, soweit mit ihr die Zusprechung von gesetzlichen Leistungen beantragt wird, nicht einzutreten. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Die Leistungspflicht des Un- fallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Erei gnis und dem eingetretenen Schaden (Invalidität, Integritätseinbusse) ein natürl icher (vgl. dazu BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen) und ein adäquater (vgl. dazu BGE 129 V 18 1 E. 3.2 mit Hinweis) Kausalzusam- menhang besteht. 2.2 Nach Festsetzung der Rente werden versicherten Perso nen Pflegeleistungen und Kos- tenvergütungen nach Art. 10 ff. UVG gewährt, wenn sie gemäss Art. 21 Abs. 1 UVG u.a. an einer Berufskrankheit leiden (lit. a) oder erwerbsunfähig sind und ihr Gesundheitszustand durch medizinische Vorkehren wesentlich verbessert oder vor we sentlicher Beeinträchtigung bewahrt werden können (lit. d). Demnach haben versicherte Personen Anspruch auf eine zweckmässige Behandlung durch einen Arzt oder auf dessen Anordnung d urch eine medizinische Hilfsperson, ärztlich verordnete Arzneimittel und Analysen, stationär e Behandlung in einer allgemeinen Ab- teilung sowie auf ärztlich verordnete Nach- und Badeku ren und auf die der Heilung dienlichen Mittel und Gegenstände. Auch wenn im Unfallversicherung srecht nicht ausdrücklich festgehal- ten, wird das Erfordernis der Wissenschaftlichkeit der ärzt lichen Tätigkeit als selbstverständlich vorausgesetzt. Gemäss Art. 10 Abs. 3 Satz 1 UVG könnte der Bundesrat die Leistungspflicht der Versicherung näher umschreiben und damit unter an derem auch festlegen, welche Vorkeh- ren als wissenschaftlich anerkannt gelten und wer hierüb er zu entscheiden hätte. Von dieser Befugnis hat er bis heute jedoch keinen Gebrauch gemacht , weil den betreffenden Fragen in der Unfallversicherung aufgrund von Art. 48 Abs. 1 UVG nicht dieselbe Bedeutung zuzukom- men scheint, wie in der Krankenversicherung. Demnach kann der Versicherer unter angemes- sener Rücksichtnahme auf die versicherte Person und deren A ngehörige die nötigen Anord- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nungen zur zweckmässigen Behandlung treffen. Er darf dahe r die diagnostischen und thera- peutischen Massnahmen im Einzelfall festlegen und damit i nsbesondere auch über deren wis- senschaftliche Anerkennung entscheiden. Dabei wird er sich freilich regelmässig an die Praxis der Krankenversicherung halten und kaum Vorkehren zul assen, die dort als unwissenschaftlich oder als wissenschaftlich umstritten gelten (vgl. BGE 123 V 53 ff. mit weiteren Hinweisen). Nach Art. 54 UVG haben die Behandlungen sich auf das durch d en Behandlungszweck geforderte Mass zu beschränken. Für notwendige Heilbehandlungen im Ausland hält Art. 17 der Verord- nung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 fest, dass höchstens der doppelte Betrag der Kosten vergütet wird, die bei de r Behandlung in der Schweiz entstanden wären. Formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung en werden von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat (Art. 17 Abs. 2 ATSG). 2.3 Ein Anspruch auf Leistungen besteht nur, wenn die V oraussetzungen dafür mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit erfüllt sind (vgl. ZAK 1983 S . 259). Ob die entsprechenden Voraus- setzungen erfüllt sind, hat der Unfallversicherer abzuklären. So schreibt Art. 43 ATSG vor, dass der Versicherungsträger die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen selbst vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen hat. Der U nfallversicherer hat deshalb aus eigener Initiative vorzugehen und darf Parteivorbringen nicht mit der Begründung abtun, diese seien nicht belegt worden (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, Art. 43 Rz. 9). Der Un- fallversicherer hat somit zunächst abzustecken, welche Berei che für die entscheidende Frage massgebend sind. In der Folge hat er im Rahmen des so b egrenzten Bereiches den Sachver- halt bis zur zweifelsfreien Eruierung abzuklären (vgl. K ieser, a.a.O., Rz. 12). Eine Einschrän- kung erfährt der Untersuchungsgrundsatz durch die Mitwi rkungspflichten der Parteien (vgl. BGE 121 V 210 E. 6c). Für das gesamte Verwaltung s- und Verwaltungsgerichtsbeschwer- deverfahren gilt ferner der Grundsatz der freien Bew eiswürdigung. Danach haben Versiche- rungsträger und Sozialversicherungsgericht die Beweise frei und somit ohne Bindung an förmli- che Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würd igen (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS , Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungs- recht des Bundes, Basel 1996, S. 176 N 914 und S. 220 N 1138). Für das Beschwerdeverfah- ren hat dies zur Folge, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel - unabhängig da- von, von wem sie stammen - objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg- baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Wei- ter dürfen die Verwaltung als verfügende Instanz beziehu ngsweise im Beschwerdefall das Ge- richt eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, we nn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht ist der Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichen- des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wah rscheinlichkeit zu fällen. Die blos- se Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den B eweisanforderungen nicht. Viel- mehr ist jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die vo n allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste zu würdigen ist (vgl. BGE 115 V 142 E. 8b). 3. Die medizinischen Unterlagen ergeben folgendes Bild: Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte am 26. März 1997 eine neurotisch-narzisstische Persönlichkeitsstörung (IC D-10 F60.8) und differentialdia- gnostisch eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3). Die Entstehung der Persönlichkeitsstörung lasse sich aufgrund des affektiv karge n Milieus im Elternhaus erklären. Die Versicherte habe im Elternhaus eine ablehnende bis traumatische Haltung erfahren, sie habe dieses Defizit aber mit einer Überidentifikation mit dem Tanz wettmachen können. Mit dem Gehörverlust sei dieser narzisstische Kompensationsmech anismus zum Erliegen gekom- men, was zu einem schweren depressiven Zustandsbild geführ t habe. Die Versicherte sei in ihrer psychischen Belastbarkeit eindrücklich eingeschränkt, kränkbar und in hohem Masse frust- rationsintolerant. Wie die behandelnde Psychiaterin Dr . F.____ richtig festgestellt habe, dürfte die enorme z.T. Medikamenten-induzierte Gewichtszunahme das Selbstwertgefühl der Explo- randin weiter beeinträchtigt haben. Zudem mache die Versicherte wegen ihrer Gehörsminde- rung eine Antriebs- und Freudlosigkeit, Scheu und Unlust vor sozialen Kontakten und Schlafstö- rungen geltend. Angesichts des langen Behandlungsverlaufs müsse die Prognose als ungünstig beurteilt werden. Das Leiden neige zur Chronifizierung und unlösbaren Fixierung. 3.2 Im Bericht vom 9. Mai 2011 hielt Dr. D.____ im We sentlichen fest, dass die Versicherte zufolge einer unzureichend behandelten Major Depressio n eine generalisierte Angststörung, schwere Schlafstörungen, einen Bluthochdruck, eine morbi de Adipositas, eine Insulinresistenz, einen schweren Vitamin D-Mangel, ein hormonelles Ungle ichgewicht und eine Schilddrüsenun- terfunktion entwickelt habe. Sie sei weiterhin nicht b zw. nur auf tiefem Niveau in der Lage, sich selbst zu versorgen. Die Versicherte wäre heute nicht der art hilfsbedürftig und bei derart schlechter Gesundheit, wenn sie nach dem versicherten Erei gnis adäquat behandelt worden wäre. Durch eine geeignete - und zudem dringend benöt igte - Therapie sei davon auszugehen, dass die Versicherte wiederum ein selbstbestimmtes Leben fü hren könne. Sie empfehle des- halb eine Evaluation und Behandlung in einer Klinik für Schlafstörungen, ein kontinuierliches Medikamentenmanagement durch einen vor Ort niedergelasse nen Psychiater, eine kognitive Therapie zum Erwerb der psychischen Kompetenzen für einen geeigneten Umgang mit ihrer emotionalen Instabilität, Akupunktur sowie Bewegungstherapie. 3.3 Auf Anfrage der Beschwerdegegnerin hielt Dr. med . G.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, am 12. Januar 2012 fest, dass sich seit der Begutachtung von Dr. E.____ vom 26. März 1997 keine einschneidende oder nachhaltige Veränderung des Gesundheitszustandes ergeben hätte. Angesichts der vorliegenden Akten sei seit Beginn der psychischen Beschwer- den von einem mehr oder weniger gleichbleibenden Besch werdebild auszugehen. Es bestünde eine langjährige und chronifizierte Störung. Eine Verbesserung des Störungsbildes sei kurz- bis mittelfristig - auch unter der Annahme einer intensivi erten Behandlung - nicht zu erwarten. Von einer gutachterlichen Untersuchung seien keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten. 4.1 Zunächst steht unbestritten fest, dass der dem Einspra cheentscheid zugrunde liegende Bericht von Dr. G.____ vom 12. Januar 2012 der Beschwer deführerin erst mit der Eröffnung des Einspracheentscheides zugestellt wurde. Damit wurde das rechtliche Gehör der Beschwer- deführerin verletzt. Ob dieser Sachverhalt eine derar t schwerwiegende Verletzung des rechtli- chen Gehörs darstellt, die eine Rückweisung rechtfertigt ( vgl. BGE 127 V 437 E. 3d/aa, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 126 V 132 E. 2b mit Hinweisen), kann vorliegend jedo ch offen bleiben, da die Sache - wie die nachfolgenden Ausführungen aufzeigen - ohnehin aus m ateriellen Gründen an die Beschwer- degegnerin zurückzuweisen ist. 4.2 In Würdigung der vorliegenden Unterlagen ergibt sich Folgendes: Es ist unbestritten, dass die Versicherte Anspruch auf Heilbehandlung gemäss Art. 21 UVG hat. Vorliegend trat die Beschwerdegegnerin auf das Leistungsbegehren der Versich erten vom 16. Mai 2011 mit der Begründung nicht ein, dass sich ihr Gesundheitszustand seit der Leistungszusprechung im Jahr 2004 weder verändert habe noch eine erhebliche Tatsac henänderung vorliege, die es erlauben würde, auf die Leistungszusprechung des Jahres 2004 zurückzukommen. Dieser Auffassung ist nicht zuzustimmen. Selbst wenn Leistungen nach Art. 2 1 UVG Dauerleistungen im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG darstellen und deshalb für eine Anpassung derselben die entsprechenden Revisionsbedingungen erfüllt sein müssen, hat die Beschwe rdeführerin mit dem beigebrachten Bericht der behandelnden Psychiaterin Dr. D.____ vom 9. Mai 2011 eine mögliche Verschlech- terung des Gesundheitszustandes - entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin - hinrei- chend glaubhaft gemacht. So sind die von Dr. D.____ be schriebenen somatischen Folgeer- krankungen, wie etwa der Bluthochdruck, die Insulinresi stenz, das hormonelle Ungleichgewicht und die Schilddrüsenunterfunktion in den medizinischen B erichten vom Jahr 2004 noch nicht genannt. Aus diesem Grund ist eine anspruchsrelevante V erschlechterung insbesondere des somatischen Gesundheitszustandes zumindest möglich. Daran v ermag der Aktenbericht von Dr. G.____ vom 12. Januar 2012 nichts zu ändern. Unter B erücksichtigung, dass die Versicher- te seit längerer Zeit von Dr. D.____ betreut wird, i st ihren Ausführungen ein höheres Gewicht beizumessen. Dies gilt vorliegend umso mehr, als sich das Gu tachten von Dr. G.____ aus- schliesslich auf die Beurteilung psychiatrischer Aspekte beschränkt und die von der behandeln- den Ärztin beschriebenen somatischen Folgeerkrankungen u nberücksichtigt blieben. Jedenfalls vermag die Einschätzung von Dr. G.____ die Beurteilung von Dr. D.____ nicht in dem Masse in Zweifel zu ziehen, dass letztere nicht mehr zur Glaubhaft machung einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes genügt. Demnach hat die Beschwerdef ührerin eine Verschlechterung glaubhaft gemacht. Darüber hinaus ist jedoch zu beachten , dass Heilbehandlungen nach Art. 21 UVG zweckmässig sein müssen (vgl. E. 2.2 hiervor). Die Zweckmässigkeit einer Be- handlung wird aufgrund von medizinischen Kriterien be stimmt. Zur Sicherstellung der Zweck- mässigkeit muss eine nachträgliche Anpassung von Leistungen möglich sein, falls sich Hinwei- se ergeben, dass zugesprochene Pflegeleistungen und Kosten vergütungen nicht resp. nicht mehr zweckmässig sind. Aufgrund des aktuellen Berichts von Dr. D.____, wonach die Versi- cherte heute nicht derart hilfsbedürftig und bei derar t schlechter Gesundheit wäre, wenn sie adäquat behandelt worden wäre, ist - ungeachtet eine r allfälligen Verschlechterung des Ge- sundheitszustandes - zumindest fraglich, ob die vor rund sec hseinhalb Jahren zugesprochenen Leistungen aktuell noch zweckmässig sind. Auch unter diesen Umständen hätte die Unfallversi- cherung auf das Leistungsbegehren der Versicherten eintreten und die erforderlichen Abklärun- gen vornehmen müssen. Demnach steht fest, dass die Vorinsta nz zu Unrecht auf das Leis- tungsbegehren nicht eingetreten ist. Demzufolge ist in Gutheissung der Beschwerde der Ein- spracheentscheid vom 1. Juni 2012 aufzuheben und die Be schwerdegegnerin anzuweisen, auf das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin einzutreten. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 5.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens ents prechend ist der Beschwerdeführe- rin deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Be schwerdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Ho norarnote vom 4. September 2012 ei- nen Zeitaufwand von insgesamt 19 Stunden à Fr. 300.-- und Auslagen von Fr. 78.-- geltend gemacht. Zu beachten ist, dass im vorliegenden Verfahre n der im Verwaltungsverfahren ent- standene Aufwand nicht entschädigt werden kann, sodass i nsgesamt ein Zeitaufwand von 8 Stunden und die Hälfte der ausgewiesenen Auslagen von Fr. 78.-- anzuerkennen ist. Die Be- mühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisge mäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Der Be- schwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'202.10 (8 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 39.-- zuzüglich 8% MwS t.) zu Lasten der Beschwerdegegne- rin zuzusprechen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Einspra- cheentscheid vom 1. Juni 2012 aufgehoben und die Beschwe rdegeg- nerin angewiesen wird, auf das Leistungsbegehren der Beschwerde- führerin einzutreten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2'202.10 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht