Art. 174 SchKG, Art. 326 ZPO, Noven in der Beschwerde gegen die Kon- kurseröffnung. Hier sind ausnahmsweise neue Behauptungen zulässig, es kommt aber darauf an, ob einer der gesetzlichen Gründe für die Aufhebung des Konkurses angerufen wird oder nicht. (aus den Erwägungen des Obergerichts:) Vorab ist zu klären, was für Behauptungen zum Sachverhalt zulässig sind. Da es um eine Beschwerde im Sinne der Zivilprozessordnung geht (Art. 174 Abs. 1 Satz 1 SchKG), sind primär alle Behauptungen ausgeschlossen, die der ersten Instanz nicht vorgetragen wurden (Art. 326 ZPO); es geht also grundsätzlich um eine reine Kontrolle der Schlüsse, welche das angefochtene Urteil aus dem da- mals vorliegenden Material zog. Bei der Beschwerde gegen eine Konkurseröff- nung enthält das Gesetz zwei der in Art. 326 ZPO vorbehaltenen Ausnahmen: Erstens dürfen hier ausnahmsweise ohne Einschränkung neue Behauptun- gen über Tatsachen aufgestellt werden, die sich vor dem angefochtenen Ent- scheid verwirklichten (Art. 174 Abs. 1 Satz 2 SchKG; solche Behauptungen wer- den allgemein und so auch im Folgenden als "unechte Noven" bezeichnet). In der Praxis ist das am häufigsten der Einwand des Schuldners, er habe schon vor der Konkurseröffnung die Forderung und alle Kosten bezahlt, das aber aus Nachläs- sigkeit oder warum auch immer dem Konkursgericht nicht mitgeteilt. Nach den allgemeinen Regeln (für die Beschwerde Art. 326 ZPO, aber auch für die Beru- fung nach Art. 317 Abs. 1 ZPO) wäre das unzulässig, in der Beschwerde gegen die Konkurseröffnung kann aber damit der Konkurs gestützt auf Art. 174 Abs. 1 SchKG aufgehoben werden - wenn sich der angefochtene Entscheid aufgrund der neuen Behauptungen als unrichtig erweist. Zweitens dürfen in der Beschwerde gegen die Konkurseröffnung bestimmte Behauptungen über Tatsachen vorgetragen werden, die sich nach dem angefoch- tenen Entscheid ereigneten: das wird nicht ausdrücklich bestimmt, ergibt sich aber daraus, dass das Gesetz den Schuldner zum Nachweis zulässt, "inzwi- schen" (das heisst: seit der Konkurseröffnung) sei die Schuld getilgt oder hinter- legt worden, oder der Gläubiger habe auf die Durchführung des Konkurses ver-zichtet. Solche neuen Behauptungen führen zusammen mit dem Glaubhaftma- chen der Zahlungsfähigkeit zur Aufhebung des Konkurses (Art. 174 Abs. 2 SchKG). Diese beiden Konstellationen dürfen nicht vermischt werden. Behauptungen über nach der Konkurseröffnung entstandene Tatsachen sind nur im Rahmen der Aufhebungsgründe von Art. 174 Abs. 2 SchKG zulässig, und diese letzten sind vom Gesetz abschliessend aufgezählt. Wurde – wie im vorliegenden Fall – der Konkurs ohne vorhergehende Betreibung eröffnet, kann die Beschwerde dem- nach nicht damit begründet werden, seit jenem Urteil sei die Überschuldung be- seitigt worden. Es ist nur, aber immerhin zulässig, die Annahme des Konkursge- richts mit neuen Hinweisen auf Sachverhalte vor der Konkurseröffnung anzugrei- fen (so die ständige Praxis der Kammer, eingehend begründet in OGerZH PS110058 vom 15. Juli 2011, vgl. auch BSK SchKG II-Brunner/Boller, 2. Auflage 2010, Art. 194 N 8). Unter diesen Voraussetzungen ist die heutige Beschwerde zu prüfen. Obergericht, II. Zivilkammer Urteil vom 11. April 2014 Geschäfts-Nr.: PS130222-O/U