Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 9. September 2015 (810 15 12) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Stefan Schulthess, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret , Gerichtsschreiberin i.V. Aisha Paloma Braun Parteien A. A.____ , Beschwerde führer , vertreten durch Alain Joset , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligun g und Wegweisung (RRB Nr. 0015 vom 6. Januar 2015) A. A.A.____, serbischer Staatsangehöriger und Angeh öriger der Volksgruppe der Roma, wurde im Jahr 1966 geboren. Er reiste mit seiner Eh efrau B.A.____ (geboren 1964) und seinen zwei Kindern C.A.____ (geboren 1989) und D.A.____ ( geboren 1992) am 12. September 1994 zum zweiten Mal in die Schweiz ein und stellte eine n zweiten Asylantrag. Zuvor hatte A.A.____ Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht samt Familie am 2. Oktober 1993 die Schweiz verlassen, d a ihr Asylgesuch abgewiesen wor- den war. Im Juli 1995 kam das dritte Kind, die Tochter E.A.____, in B.____ (BL) zur Welt. B. Das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; dana ch Bundesamt für Migration [BFM] und ab dem 1. Januar 2015 Staatssekretariat für Migration [SEM]) wies das Gesuch der Familie A.____ mit Entscheid vom 25. März 1997 ab und wies deren Wegweisung an. Die Schweizeri- sche Asylrekurskommission (ARK) trat mit Urteil vom 6. Juni 1 997 auf eine dagegen erhobene Beschwerde nicht ein, da der Kostenvorschuss nicht geleist et worden war. Wegen der politi- schen Situation im Kosovo wurde die Wegweisung der Fami lie jedoch nicht vollzogen und die Ausreisefrist wiederholt erstreckt. Am XX.XX.1998 wurde der Sohn F.A.____ ebenfalls in B.____ geboren. Ein Wiedererwägungsgesuch um vorläufig e Aufnahme wurde durch das BFF mit Entscheid vom 12. Dezember 2003 abgewiesen und di e ARK trat am 17. Februar 2004 er- neut auf eine dagegen erhobene Beschwerde (wegen Nic htbezahlung des Kostenvorschusses) nicht ein. C. Mit Schreiben vom 18. Oktober 2004 stellte die Famil ie A.____ ein Gesuch um Erteilung der Aufenthaltsbewilligung aufgrund eines Härtefalls beim Amt für Migration des Kantons Basel- Landschaft (AfM). Nachdem das AfM diesem Gesuch mit for mlosem Schreiben vom 29. Okto- ber 2004 nicht entsprochen hatte, erhob die Familie A.____ beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) am 10. November 2004 Beschwerde. Der Regierungsrat trat mit Beschluss Nr. 875 vom 31. Mai 2005 auf die Beschwe rde zwar nicht ein, deutete diese je- doch in eine aufsichtsrechtliche Anzeige um und wies das AfM an, dem BFM die vorläufige Auf- nahme der Familie A.____ zu beantragen. Mit zwei sepa raten Wiedererwägungsentscheiden des BFM vom 9. Juni 2008 wurde die Familie A.____ vorl äufig aufgenommen und der Vollzug ihrer Wegweisung aufgeschoben. D. Am 12. Februar 2009 stellte die Familie A.____ e inen Antrag beim AfM um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Das Gesuch wurde vom AfM am 7. Juli 2009 abgelehnt. Die da- gegen erhobene Beschwerde wurde mit Beschluss des Regieru ngsrates Nr. 1817 vom 8. Dezember 2009 gutgeheissen. Am 13 April 2010 wurde der Familie A.____ wegen Vorlie- gens eines Härtefalls die Aufenthaltsbewilligung erteilt. E. A.A.____ ist seit Mitte der 90er Jahre durch Alkoh olkonsum und häusliche Gewalt nega- tiv in Erscheinung getreten. Am 2. Januar 2011 fügte A .A.____ seiner Ehefrau mit einem Kü- chenmesser Stichverletzungen im Bauchbereich zu. Der Soh n D.A.____ versuchte dem Vater das Messer aus der Hand zu schlagen, wurde aber dadurch selb er an der linken Hand verletzt. Seither befindet sich A.A.____ in Haft. F. Mit Entscheid des Bezirksgerichts Arlesheim vom 18. Februa r 2011 wurde den Ehegat- ten A.____ das Getrenntleben bewilligt und die beide n minderjährigen Kinder E.A.____ und F.A.____ wurden unter die Obhut der Mutter gestellt. Auf ein Besuchsrecht des Ehemannes wurde umstandshalber verzichtet und es wurde ihm gegenüb er ein Kontakt- und Annäherungs- verbot verhängt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Das Strafgericht Basel-Landschaft (Strafgericht) verurt eilte A.A.____ am 10. Dezember 2012 wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, einfacher Kö rperverletzung mit einem gefährli- chen Gegenstand und mehrfach versuchter Nötigung zu eine r Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Mit Urteil vom 19. August 2013 bestätigte das Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, das Urteil des Strafgerichts vollumfänglich. H. Mit jeweiligen Schreiben vom 28. Februar 2014 gew ährte das AfM den beiden Eheleuten und dem minderjährigen Sohn F.A.____ das rechtliche G ehör bezüglich einer Nichtverlänge- rung der Aufenthaltsbewilligung von A.A.____. I. Mit Verfügung vom 13. Juni 2014 ordnete das AfM d ie Nichtverlängerung der Aufent- haltsbewilligung von A.A.____ und dessen Wegweisung aus der Schweiz an. J. Dagegen erhob A.A.____ mit Eingabe vom 26. Juni 2 014 Beschwerde beim Regierungs- rat. Mit Regierungsratsbeschluss Nr. 0015 vom 6. Januar 2 015 wurde die Beschwerde abge- wiesen. K. A.A.____, vertreten durch Alain Joset, Advokat in L iestal, erhob mit Eingabe vom 19. Januar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteil ung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht). Er stellte die Rechtsbegehren, der Entscheid des Regierungsrates vom 6. Januar 2015 sowie die Verfügung des AfM vom 13. Juni 2014 seien aufzuheben und das AfM sei gerichtlich anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen resp. ihm die erteilte Aufenthaltsbewilligung zu verlänger n. Dies habe unter o/e-Kostenfolge zu ge- schehen. Im Falle eines Unterliegens sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessfüh- rung und Verbeiständung mit dem Unterzeichneten zu bewilligen. L. Mit Verfügung vom 13. März 2015 wies das Kantonsgeri cht das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung zufolge Aussichtslosigkeit ab. M. Am 20. Mai 2015 liess sich der Regierungsrat vernehm en und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefocht enen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Der Regierungsrat führt in seiner Vernehmlassung vom 20. Mai 2015 aus, dass es dem Kantonsgericht überlassen sei, zu beurteilen, ob aufgrund der knappen Begründung überhaupt auf die Beschwerde einzutreten sei. Eine verwaltungsger ichtliche Beschwerde an das Kantons- gericht ist zu begründen (vgl. § 5 Abs. 3 VPO). Nach de r kantonsgerichtlichen Rechtsprechung sind an Begehren und Begründung einer Beschwerde keine allzu hohen Anforderungen zu stel- len. Es genügt, wenn aus der Beschwerdeschrift ersichtlich i st, in welchen Punkten und wes- halb der angefochtene Entscheid beanstandet wird (vgl. U rteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KVG VV], vom 6. Mai 20 15 [810 15 43] E. 1.3 mit Verweis auf BGE 134 II 244 E. 2; 118 I b 134 E. 2). Die Besc hwerde mit Kurzbegründung vom 19. Januar 2015 enthält klare Rechtsbegehren und der B eschwerdeführer gibt darin zum Aus- druck, dass er den angefochtenen Entscheid bei korrekter Wür digung der tatsächlichen Um- stände sowie bei korrekter Anwendung der rechtlichen Vo rgaben weder als rechts- noch ver- hältnismässig erachte. Darüber hinaus hat sich der Beschwerdeführer im Rahmen des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege mit Schreiben vom 9. M ärz 2015 zur Aussichtslosigkeit der Be- schwerde geäussert und sich auf den Standpunkt gestellt, dass die Wegweisung eines straffäl- ligen Familienvaters aus der Schweiz nie als im vornhere in aussichtslos bezeichnet werden könne und eine sorgfältige Interessensabwägung vorgenom men werden müsse. Damit hat der Beschwerdeführer seine Beschwerde ausreichend begründet. Da auch die weiteren formellen Voraussetzungen erfüllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO, e contrario). 3. Strittig ist, ob die Nichtverlängerung der Aufentha ltsbewilligung und die damit verbun- dene Wegweisung des Beschwerdeführers zu Recht erfolgten. 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländeri nnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005, vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustän dige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzl ichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Die ausländische Person hat somit grun dsätzlich keinen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflich- tungen sehen einen solchen vor (BGE 133 I 189 E. 2.3; PETER UEBERSAX in: Peter Uebersax/ Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Auslä nderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). 4.2 Vorliegend ist zunächst festzuhalten, dass zwischen de r Schweiz und Serbien keine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, welche dem Besc hwerdeführer einen Anspruch auf Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufenthalt in der Schweiz zu vermitteln vermochte. Zwa r liegt ein Niederlassungsvertrag vom 16. Februar 1888 zwischen der Schweiz und Serbien vor, d och steht dieser, wie sämtliche vor dem ersten Weltkrieg geschlossenen Niederlassungsverträge, unter dem stillschweigenden Vorbehalt der zwischenzeitlich geschaffenen Ausländergesetzge bung der beteiligten Staaten (vgl. KGE VV vom 12. Juni 2013 [810 12 339] E. 5.2 mi t Verweis auf BGE 119 IV 65 E. 1.b). Damit sind die Bestimmungen des schweizerischen Ausländerrechts auch für serbische Staats- angehörige zu beachten. Zudem kann sich auf den besagte n Niederlassungsvertrag nur beru- fen, wer bereits eine Niederlassungsbewilligung besitzt. Schon deshalb kann der Beschwerde- führer, der lediglich eine Aufenthaltsbewilligung innehatte, keine Rechte aus dem zuvor erwähn- ten Vertrag ableiten. 4.3 Aus dem AuG kann der Beschwerdeführer ebenfalls ke inen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ableiten, da gemäss Art. 44 AuG im Falle ausländischer Ehegatten von Personen mit Aufenthaltsbewilligung kein Rechtsanspr uch auf Familiennachzug besteht (MARTINA CARONI , in: Martina Caroni/Thomas Gächter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, Art. 44 Rz. 2). 4.4 Fraglich ist dagegen, ob der Beschwerdeführer eine n Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung aus der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihei- ten ([EMRK] in Kraft getreten für die Schweiz am 28. November 1974) oder Verfassungsrecht geltend machen kann. Aus dem in Art. 8 Ziff. 1 EMRK sowie dem inhaltlich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 geschützten Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens können ausländi- sche Staatsangehörige in besonderen Fällen einen Anspr uch auf Aufenthalt oder Verbleib in einem anderen Staat ableiten, wenn eine staatliche En tfernungsmassnahme einem Ausländer, dessen Familienmitglieder hier weilen, die Anwesenhe it untersagt und damit das Familienleben vereitelt (ANDREAS ZÜND /THOMAS HUGI YAR , Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schweize- rischen Ausländerrecht, EuGRZ 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1; 130 II 281 E. 3.1). Der Anspruch ist grundsätzlich auf die Kernfamilie beschränkt ( BGE 135 I 143 E. 1.3.1; 130 II 281 E. 3.1). Dabei wird vorfrageweise geprüft, ob der sich in der Sc hweiz aufhaltende Angehörige über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt und ob er eine hinreichend enge Beziehung zu einem Familienmitglied bzw. zur Schweiz hat. Nur wenn diese Anspruchsvoraussetzungen ku- mulativ erfüllt sind, wird der angefochtene Entscheid nach Massgabe von Art. 8 EMRK geprüft (STEPHANIE MOTZ , Das Recht auf Familienleben von vorläufig aufgenomme nen Personen, in: Asyl Nr. 4 2014, Rz. 3.1 und 3.2) . 4.5 Daher ist zunächst zu prüfen, ob die Ehefrau und der minderjährige Sohn des Be- schwerdeführers in der Schweiz über ein gefestigtes Anwe senheitsrecht verfügen. Nach kon- stanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist ein gefe stigtes Anwesenheitsrecht dann gege- ben, wenn die Person Schweizer Bürger ist oder über die Niederlassungsbewilligung oder eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, die selbst auf einem g efestigten Rechtsanspruch beruht (BGE 137 I 351 E. 3.1; 130 II 281 E. 3.1). Denn wer selbe r keinen Anspruch auf längere Anwesenheit in der Schweiz hat, vermag grundsätzlich auch keinem Dr itten einen solchen Anspruch zu ver- schaffen, selbst wenn eine gelebte familiäre Beziehung zur Diskussion steht (BGE 126 II 335 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 2a; 119 Ib 91 E. 1c, je mit Hinweisen; vgl. zum G anzen BGE 130 II 281 E 3.1). Von einer Aufenthaltsbewilligung, die sich auf einen gefestigten Rechtsanspruch gründet, ist dann auszu- gehen, wenn einem Ausländer, dessen Anwesenheitsberechtigung über vie le Jahre hinweg verlängert worden ist und damit zu einem eigentlichen D auerstatus geführt hat, ein faktisches Anwesenheitsrecht, das einen Familiennachzug zu rechtfe rtigen vermag, zukommen (BGE 126 II 335 E. 2b/cc; STEPHANIE MOTZ , a.a.O., Rz. 3.1). Ein solches faktisches Anwesenheitsrecht hat das Bundesgericht in einem Fall angenommen, in dem eine Aufenthaltsbewilligung während zwanzig Jahren erneuert worden war, wobei die Ehe des Betroffenen seit zwölf Jahren bestand, sowohl er als auch seine Ehefrau und die Kinder nie im Heimatstaat gelebt hatten und das Fa- milienleben praktisch nirgendwo anders in zumutbarer Weise gelebt werden konnte (BGE 130 II 281 E. 3.3). 4.6 Der Beschwerdeführer ist verheiratet, hat drei erw achsene Kinder und einen noch min- derjährigen Sohn, der sich unter der Obhut seiner Mut ter befindet. Die Vorinstanz hat im ange- fochtenen Beschluss erwogen, dass sowohl die Ehefrau des Besc hwerdeführers als auch sein 17-jähriger Sohn über eine Aufenthaltsbewilligung ver fügen. Sie hat jedoch offen gelassen, ob auch ein Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung besteht und die Kernfamilie des Beschwerdeführers damit über ein gefestigtes Anwesenhei tsrecht verfügt. Der Familie wurde erst am 20. April 2010 die Aufenthaltsbewilligung ert eilt und in der Folge etwas über fünf Jahre verlängert. Damit kann nicht gesagt werden, dass die Au fenthaltsbewilligung der Kernfamilie über viele Jahre hinweg verlängert worden ist und die Dauer der kontinuierlichen Verlängerung mit dem oben zitierten Entscheid (E. 4.5) vergleichbar wäre. Somit muss vorliegend davon aus- gegangen werden, dass die Kernfamilie des Beschwerdeführ ers über kein gefestigtes Anwe- senheitsrecht verfügt und dem Beschwerdeführer keinen dera rtigen Anspruch zu verschaffen vermag. Wie nachstehend ausgeführt wird, bestehen jedoch ohnehin berechtigte Zweifel an der Weiterführung des Ehelebens zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau und der Beziehung zu seinem noch minderjährigen Sohn (vgl. E. 4.7). 4.7 Selbst wenn jedoch ein gefestigtes Anwesenheitsrech t der Kernfamilie des Beschwer- deführers angenommen werden sollte, so pflegt der Besch werdeführer weder zu seinen Famili- enmitgliedern noch zur Schweiz eine hinreichend enge Beziehung, um sich auf das durch Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV geschützte Recht auf Achtung des Privat- und Familienle- bens berufen zu können. Mit Eheschutzurteil vom 18. Febr uar 2011 wurde dem Beschwerde- führer und seiner Ehefrau das Getrenntleben bewilligt und der minderjährige Sohn sowie die damals noch minderjährige Tochter unter die Obhut der Mutter gestellt. Zudem wurde unter Strafandrohung von Art. 292 des Schweizerischen Strafgeset zbuches (StBG) vom 21. Dezem- ber 1937 ein Annäherungs- und Kontaktverbot gegenüber der Ehefrau und den beiden minder- jährigen Kindern verfügt. Darüber hinaus befindet sich der Beschwerdeführer seit dem 2. Janu- ar 2011 in Haft. Die Vorinstanz hat erwogen, dass in F orm von wöchentlichen Haftbesuchen Kontakt zur Ehefrau und den gemeinsamen Kindern bestehe. Auch hat die Ehefrau im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vor dem Regierungsrat mit Schreibe n vom 10. Juli 2014 den Wunsch geäussert, das Zusammenleben nach der Haftentla ssung wieder aufnehmen zu wol- len. Im Schreiben vom 12. April 2011, welches die Ehef rau bezüglich ihrer eigenen Aufenthalts- bewilligung verfasste, gab sie auf die Frage, wie sie d ie Beziehung ihrer beiden damals minder- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht jährigen Kinder zum Vater beschreiben würde, die Auskun ft, dass die Kinder ihren Vater nicht mehr sehen wollten. Auch machte sie gemäss dem Gutachten der Universitären Psychiatri- schen Kliniken C.____ vom 16. Mai 2011 die Aussage, ihre n Ehemann nicht zu vermissen und nicht zu wollen, dass er zur Familie zurückkehre, denn seit der Inhaftierung des Beschwerde- führers sei die familiäre Situation gut. Vor dem Hint ergrund der Tatsache, dass der Beschwer- deführer seit den 90er Jahren mehrfach wegen häusliche r Gewalt in Erscheinung getreten ist, zeichnen diese Vorfälle zusammen mit der gegen seine Ehefrau und den älteren Sohn verübten Straftat vom 2. Januar 2011 kein Bild eines intakten und tatsächlich gelebten Familienlebens. Zudem hat das Bundesgericht erwogen, dass ein Familien leben im eigentlichen Sinne während des geschlossenen Strafvollzugs kaum stattfinden und die I ntaktheit der Ehe kaum dargetan werden könne (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_360/2013 vom 21. Oktober 2013 E. 2.4.). Der Beschwerdeführer hat darüber hinaus durch Anbringen von Fragezeichen bezüglich des Berufs resp. der Tätigkeit seiner Kinder auf dem Gesuchsfor mular um unentgeltliche Rechtspflege im vorliegenden Verfahren zum Ausdruck gebracht, dass er nich t genau weiss, welchen Beruf resp. welche Tätigkeit seine Kinder derzeit ausüben, wa s auf keinen nennenswerten zwischen- menschlichen Kontakt zwischen dem Beschwerdeführer und sei nen Kindern hindeutet. Damit kann vorliegend nicht von einer intakten und tatsächlich gelebten Beziehung des Beschwerde- führers zu seiner Familie ausgegangen werden. 4.8 Somit muss festgehalten werden, dass die Kernfamili e des Beschwerdeführers über kein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt und zudem keine hinreichende Beziehung des Be- schwerdeführers zu seiner Kernfamilie in der Schweiz best eht, damit er sich auf die Garantie auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV berufen könnte. Selbst wenn jedoch ein Eingriff in das Grundrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens angenommen werden sollte, so wäre er im Sinne von Art. 8 Ziffer 2 EMRK resp. Art. 36 BV gerechtfertigt. Bezüglich der dabei vorzunehmenden Interessenabwägung kann nach unten verwiesen werden (vgl. E. 5.2). 5.1 Nach Art. 33 Abs. 3 AuG ist die Aufenthaltsbewillig ung befristet und kann verlängert werden, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Nach Art. 62 lit. b AuG kann eine Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden, wenn die Ausländerin oder der Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde . Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre- chung liegt eine längerfristige Freiheitsstrafe dann vor , wenn ihre Dauer ein Jahr überschreitet (vgl. BGE 137 II 297 E. 2.1 mit Verweis auf BGE 135 II 377 E. 4.2 und 4.5). 5.2 Aufgrund der Verurteilung zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe durfte das AfM grund- sätzlich die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung d es Beschwerdeführers verweigern und seine Wegweisung verfügen. Die Massnahme muss jedoch – wi e jedes staatliche Handeln – verhältnismässig sein (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV; Art. 96 AuG ). Dabei sind namentlich die Schwere des Verschuldens, der Grad der Integration bzw. die Daue r der bisherigen Anwesenheit sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nach teile zu berücksichtigen (BGE 139 I 31 E. 2.3.1; Urteil des Bundesgerichts 2C _858/2013 vom 7. Februar 2014 E. 2.2; ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., Rz. 8.31). Nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit mu ss eine Verwaltungsmassnahme Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegende n Ziels geeignet und notwendig sein. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die dem Privaten auferlegt werden (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHL - MANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, Rz. 581 ff.). Dabei sind alle Um- stände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (M ARTINA CARONI , a.a.O., Art. 51 Rz. 3; A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , a.a.O., Rz. 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwäg ung der sich gegenüberste- henden privaten Interessen an der Erteilung der Bewill igung und der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne über wiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). 5.3 Gemäss dem Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vo m 10. Dezember 2012 wiegt das strafrechtliche Verschulden des Beschwerdeführers sehr schwer. Im besagten Entscheid wird ausgeführt, dass der Beschwerdeführer gegen seine Familienangehörigen brutal und un- verfroren vorgegangen sei. Auch sei der Beschwerdefü hrer nicht fähig gewesen, für seine Handlungen Verantwortung zu übernehmen. Dies habe sich darin gezeigt, dass er weder ein- sichtig gewesen sei noch seine Taten ernsthaft bereut h abe. Zudem sei der Beschwerdeführer offensichtlich unbelehrbar, denn er habe trotz behördl icher Hilfestellungen in den fünf bis sechs Jahren vor der Straftat keine positive Entwicklung gezeig t (vgl. S. 23). In Anbetracht des damit ohne Zweifel ebenfalls sehr schweren ausländerrechtlichen Verschuldens des Beschwerdefüh- rers, welches durch die verhängte Freiheitsstrafe von fünf Jahren wegen versuchter vorsätzli- cher Tötung, einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand sowie der mehrfa- chen Nötigung zum Ausdruck kommt, besteht ein erhebliches öffentliches Interesse an der Ent- fernung des Beschwerdeführers aus der Schweiz. Wie im ange fochtenen Regierungsratsbe- schluss zu Recht ausgeführt wurde, muss der Beschwerdeführer als gefährliche und gewalttäti- ge Person eingestuft werden, die das Leben anderer Pe rsonen nicht respektiert. Er hat weder Einsicht noch Reue bezüglich seiner begangenen Taten g ezeigt und es muss von einer Rück- fallgefahr ausgegangen werden. Diese Rückfallgefahr w urde auch im forensischen Gutachten der UPK C.____ vom 16. Mai 2011 beschrieben. Hier wur de auf Seite 41 ausgeführt, dass wei- terhin eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für fortgesetzte drohende und nötigende Aggressions- handlungen oder auch Stalking-Verhaltensweisen bis hin zu gewalttätigen Handlungen gegen- über der Ehefrau bestehe. Darüber hinaus liege ebenfa lls im Falle des Ausagierens die Wahr- scheinlichkeit einer Gefährdung und Schädigung der Kinde r vor. Mit Verfügung vom 20. April 2015 wurde dem Beschwerdeführer die bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug zum zweiten Mal verweigert. Zusätzlich wurde in der besagten Verfüg ung ausgeführt, dass eine Abklärung des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes D.____ vom 1. April 20 15 ergeben habe, dass sich die legalprognostische Einschätzung gegenüber der Einsch ätzung der Gutachter im Vollzug nicht wesentlich verändert habe. Somit kann dem Beschw erdeführer auch zum jetzigen Zeit- punkt keine gute Legalprognose gestellt werden. 5.4 Der Beschwerdeführer ist erst mit 28 Jahren in di e Schweiz immigriert. Damit hat er die prägenden Jugendjahre bis zum Erwachsenenalter in seiner Heimat Serbien verbracht. Obwohl er erst seit 2010 einen geregelten Aufenthaltsstatus be sitzt, lebt er bereits seit 21 Jahren in der Schweiz. Damit hat er ein gewichtiges Interesse daran, in der Schweiz verbleiben zu dürfen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Trotz seiner langen Anwesenheitsdauer ist es dem Beschwer deführer jedoch nicht gelungen, sich in der Schweiz zu Integrieren. Er ist seit den 90er Jahren durch häusliche Gewalt negativ in Erscheinung getreten. Dieses Verhalten kulminierte in seiner Straftat gegenüber seiner Ehefrau und seinem ältesten Sohn. Er hat mit dem fortgesetzten gewalttägigen Verhalten gegenüber seinen Familienmitgliedern zum Ausdruck gebracht, dass er weder die Werte der Rechtsord- nung respektiert noch bereit ist, sich den Lebensbedingu ngen in der Schweiz anzupassen. Hin- zu kommt, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Einve rnahme durch die Polizei Basel- Landschaft vom 3. Januar 2011 eine Übersetzung in Serbokroatisch beantragte, womit ein star- kes Indiz dafür vorliegt, dass der Beschwerdeführer die deutsche Sprache während seiner lang- jährigen Anwesenheit in der Schweiz nicht ausreichend er lernt hat. Im Weiteren war der Be- schwerdeführer nicht bereit, am Wirtschaftsleben in der Schweiz teilzunehmen oder Bildung zu erwerben. Der Beschwerdeführer hat seit seiner Einrei se nur selten gearbeitet. Vom Zeitpunkt der vorläufigen Aufnahme am 9. Juni 2008 bis zu seiner Festnahme hat er Sozialhilfeleistungen in Höhe von rund Fr. 124'336.-- bezogen. Bezüglich der seiner Familie drohenden Nachteile ist schliesslich auf Erwägung 4.7 zu verweisen und anzumerken, dass das Bestehen eines Famili- enlebens als eher unwahrscheinlich zu qualifizieren ist, womit seinen Familienangehörigen durch seine Wegweisung kein allzu schwerer Nachteil erwä chst. Im Übrigen muss die Mass- nahme als zumutbar gelten, da Unzumutbarkeitsgründe w eder ersichtlich noch dargetan sind. Seine Zugehörigkeit zur Volksgruppe der Roma fällt in dieser Hinsicht nicht entscheidend ins Gewicht. Heute ist der Beschwerdeführer 49 Jahre alt u nd eine Wiedereingliederung in seinem Heimatland dürfte ihm unbestrittenermassen schwer fall en. Er hat jedoch nach eigenen Anga- ben immerhin in Serbien 13 Jahre lang die Schule be sucht und anschliessend eine Ausbildung als Schneider absolviert, was ihm bei einer Rückkehr behilflich sein wird. 5.5 Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers ist geeignet und erforderlich, um das öffentliche Interesse an der E ntfernung des Beschwerdeführers aus der Schweiz zu verwirklichen, und sie ist ihm zumutbar. Dam it ist festzuhalten, dass sich die Wegweisung des Beschwerdeführers als verhältnismässig erweist. 6. Vor dem Hintergrund der vorangehenden Erwägungen ist der Regierungsratsbeschluss vom 6. Januar 2015 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 7. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- dem unterlegenen Beschwerde- führer aufzuerlegen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 2 VPO). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführer hat die Schweiz unmittelbar nach der Entlassung aus dem Strafvollzug zu verlassen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- gehen zu Lasten des Beschwerdeführers und werden mit dem geleisteten Kosten vorschuss in der Höhe von Fr. 2'100.-- verrechnet. Der zu viel gele istete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 700.-- wird dem Beschwerdefüh rer zurücker- stattet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.