B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4867/2020 U r t e i l v o m 1 8 . N o v e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Janine Sert. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 28. August 2020 / N (…). E-4867/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, äthiopische Staatsangehörig e amharischer Eth- nie mit letztem Wohnsitz in B._______, verliess eigenen Angaben zufolge ihren Heimatstaat am 28. Februar 2018 und reiste am 1. April 2018 in der Schweiz ein, wo sie am 3. April 2018 um Asyl nachsuchte. Am 13. April 2018 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Die eingehenden Anhö- rungen erfolgten am 17. Juni 2020 und 29. Juli 2020. Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, ihr Vater sei im Jahr 2012 aus politischen Gründen verhaftet worden und vermutlich nicht mehr am Leben. Ihm sei vorgewor- fen worden, für die Organisation Ginbot tätig gewesen zu sein. Vermutlich sei er von Personen aus Tigray denunziert worden. Ihre Mutter sei Lehrerin und wohne mit zwei ihrer leiblichen Geschwister weiter hin in B._______. Als die Beschwerdeführerin ungefähr zwölf oder dreizehn Jahre alt gewe- sen sei, seien den Mädchen an ihrer Schule – und auch ihr – Spritzen ver- abreicht worden. Seither sei ihre Periode mehrheitlich ausgeblieben. Als sie erfahren habe, dass der Zweck dieser Spritzen gewesen sei, dass am- harische Frauen nicht schwanger würden, habe sie angefangen die ande- ren Mädchen darüber zu informieren. Danach hätten sich die Schülerinnen geweigert, sich spritzen zu lassen. Ihr sei daraufhin vorgeworfen wor den, Schülerinnen für die Partei Ginbot Sebat (beziehungsweise Ginbot 7) mo- bilisiert und aufgehetzt zu haben. Weiter habe die Regierung ihr vorgewor- fen, jungen Menschen dabei geholfen zu haben, in den Krieg nach Eritrea zu gehen. Auch ihrem Vater seien damals ähnliche Vorwürfe gemacht wor- den. Aus diesen Gründen sei sie mehrmals – letztmals im Oktober 2017 – verhaftet worden. Über Facebook habe sie einen Mann aus C._______ kennengelernt, der ihr unter falschen Versprechungen geholfen habe, das Land zu verlassen. Sie sei im Februar 2018 mit einem (…) Visum per Flugzeug legal aus Äthi- opien ausgereist. Der (…) habe ihr versprochen, ihr dabei zu helfen, zu ihrem Onkel in den D._______ zu gelangen. Dafür habe sie sich mit ihm verlobt, um so nach C._______ zu reisen. In C._______ angekommen, habe sie der (…) mehrfach sexuell missbraucht und in einem Haus im Wald untergebracht. Ihr sei nach knapp zehn Tagen die Flucht gelungen. Mit dem Zug sei sie anschliessend in die Schweiz gereist. Seit ihrer Ausreise sei ihre Mutter ein paar Mal von unbekannten Personen nach ihr gefragt worden. E-4867/2020 Seite 3 Sie reichte dem SEM das Original ihre Einwohner-Identitätskarte sowie ei- nen Laborbericht und eine E-Mail ihres Hausarztes zu den Akten. B. Ihr Fall wurde von der Vorinstanz mit Verdacht auf Menschenhandel am (…) Mai 2018 dem Fedpol gemeldet. Am (…) März 2020 ging zudem der Einschätzungsbericht der Fachstelle für Frauenhandel und Frauenmigra- tion (FiZ) vom (…) März 2020 beim SEM ein. C. Mit Verfügung vom 28. August 2020 – eröffnet am 31. August 2020 – ver- neinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, wies ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. D. Mit Eingabe vom 30. September 2020 erhob die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfü- gung und beantragte sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzu- heben und ihr sei Asyl zu gewähren; eventualiter sei eine vorläufige Auf- nahme zu verfügen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege. E. Am 8. Oktober 2020 wurde der Beschwerdeführerin der Eingang der Be- schwerde bestätigt und mitgeteilt, sie könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahm e im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). E-4867/2020 Seite 4 Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formger echt eingereicht worden. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, die Angaben der Beschwerdeführerin zur Dauer der Inhaftierungen sowie deren kontextuellen Einbettung seien über alle drei Befragungen widersprüchlich ausgefallen. Ihre Erklärungen (längeres Zu- rückliegen ihrer Inhaftierungen, Stress und Gedächtnisprobleme, Nervosi- tät wegen der Befragerin anlässlich der ersten Anhörung und Wut auf den Freund) vermöchten nicht zu überzeugen, zumal sie in den Anhörungen E-4867/2020 Seite 5 keine Probleme mit dem Gedächtnis geltend gemacht habe und aufgrund ihrer allgemeinen Auss agequalität keine Einschränkungen der Erinne- rungsfähigkeit ersichtlich seien. Es erstaune, dass sie in der ersten Anhö- rung erst auf zweimalige Nachfrage hin eine Festnahme erwähnt habe. Zu- dem sei nicht nachvollziehbar, weswegen sie nicht von sich aus, sondern erst auf Nachfrage hin, sämtliche Verhaftungen vorgebracht habe, zumal diese zum Kerngeschehen zu zählen seien. Sie habe substantiierte und nachvollziehbare Angaben zu ihrem Aufenthalt in C._______ machen kön- nen, so dass zu erwarten und ihr zuzumuten wäre, dass sie auch substan- tiiert über die zentralen Elemente ihrer Asylvorbrin gen in Äthiopien hätte berichten können. Indes habe es ihren Äusserungen zu den jeweiligen In- haftierungen und deren Begleitumstände – auch nach mehrmaliger Nach- frage – an der zu erwartenden D etailtiefe und dem persönlichem Bezug gefehlt. Insgesamt habe ihr Vorbringen die Anforderungen an die Glaub- haftmachung gemäss Art. 7 AsylG nicht erfüllt. Die der Beschwerdeführerin während ihrer Schulzeit verabreichten Sprit- zen und die damit verbundenen medizinischen Probleme seien als ein in der Vergangenheit erlittenes Unrecht auszulegen, welches für sie zu keiner aktuellen Bedrohungslage führe. Da Asylgründe in Bezug auf den Heimat- staat einer Person zu prüfen seien, seien auch ihre Vorbringen, wonach sie in C._______ sexuell missbraucht worden sei, nicht geeignet, die Flücht- lingseigenschaft zu begründen. Ferner sei gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts nicht von einer Kollektivverfolgung der Ange- hörigen der Amhara in Äthiopien auszugehen. Aufgrund ihrer Angaben be- treffend die politischen Aktivitäten ihres Vaters und dessen Verbleib es lä- gen schliesslich keine konkreten Hinweise vor, weswegen sie eine Re- flexverfolgung wegen diesem zu befürchten hätte. Ihre Mutter sei sei t der Ausreise der Beschwerdeführerin ein paar Mal von unbekannten Personen nach ihr befragt worden. Ihre Vermutung, es seien Klassenkameradinnen oder vom (…) beauftragte Personen gewesen, habe sie jedoch nicht zu begründen vermocht. Es lägen keine konkreten Indizien vor, dass sie auf- grund ihrer Flucht vor dem (…) in C._______ mit einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung in Äthiopien rechnen müsste. Ihren Aussagen und den Akten seien somit insgesamt keine objektiven Anhaltspunkte zu ent- nehmen, die darauf hinweisen würden, dass sie im Heimatstaat ernsthaf- ten Nachteilen im Sinne des Asylgesetzes ausgesetzt gewesen sei oder begründete Frucht habe, solchen Nachteilen mit gewisser Wahrscheinlich- keit und in absehbarer Zukunft ausgesetzt zu werden. Die eingereichten Beweismittel vermöchten diese Schlussfolgerung nicht umzustossen, da E-4867/2020 Seite 6 diesen nicht entnommen werden könne, inwiefern sie ihre Vorbringen be- legen würden. Aus den Akten würden sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ihr im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Sie sei eine junge, grundsätzlich gesunde Frau, verfüge über eine zehn- jährige Grundschulausbildung und habe ein Nursing-Studium in B._______ begonnen. Sie spreche neben Amharisch auch gut Englisch. Weiter ver- füge sie über gewisse Arbeitserfahrung, zumal si e von ihrem Onkel aus den D._______ zugestellte Waren verkauft habe. Viele ihrer Verwandten und auch ihre Kernfamilie – ihre Mutter sowie zwei jüngere Geschwister – würden weiterhin in B._______ leben. Zu ihrer Mutter pflege sie regelmäs- sigen Kontakt. Zudem verfüge sie mit einem Onkel in den D._______ über eine weitere Person, welche sie bis anhin unterstützt habe. Sie habe in ihrem Heimatstaat somit ein intaktes Beziehungsnetz, eine Wohnmöglich- keit sowie Möglichkeiten einer beruflichen und wirtschaftlichen Reintegra- tion. Es lägen in ihrem Fall begünstigende individuelle Faktoren vor, auf- grund deren gewährleistet sei, dass sie sich bei einer Rückkehr nicht in einer existenzbedrohenden oder menschenunwürdigen Situation wieder- fände. Betreffend die gesundheitlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin (nur einmal jährliche Periode, Anze ichen einer Traumatisierung, Alb- träume, Angst und intrusive Erinnerungen) stellte das SEM fest, dass bis- lang kein Arztbericht, sondern lediglich unkommentierte Laborwerte und eine E-Mail ihres Hausarztes eingereicht worden sei en. Der E-Mail ihres Hausarztes vom (…) Juli 2020 sei zu entnehmen, dass sie wegen Eisen- mangels behandelt und wegen ihrer ausbleibenden Periode an eine Gynä- kologin verwiesen worden sei. Gemäss telefonischen Abklärungen der Vor- instanz vom 26. August 2020 habe weder eine Konsultation bei der Gynä- kologin stattgefunden, noch sei ein Termin vereinbart worden. Zum Zeit- punkt des Entscheides bestünden somit keine Hinweise auf vollzugshin- derliche gesundheitliche Problem e, womit sich der Vollzug der Wegwei- sung nach Äthiopien auch in medizinischer Hinsicht als zumutbar erweise. Zudem gebe es in B._______ ein regionales Referenzspital, welches ihr bei allfälligen medizinischen Problemen zur Verfügung stehen würde. Ferner sei der Vollzug der Weg weisung technisch möglich und praktisch durchführbar. E-4867/2020 Seite 7 4.2 In der Beschwerdeschrift entgegnet die Beschwerdeführerin, sie habe zwar Probleme mit der zeitlichen Einordnung von Ereignissen und mit dem Erinnern an Daten, so dass möglich sei , dass sie bei ihren Antworten be- treffend die mehrmaligen Inhaftierungen in Äthiopien etwas durcheinander- gebracht habe. Indes vermute sie, dass die Übersetzung nicht immer kor- rekt ausgefallen sei, da sie b ei der Lektüre der Anhörungsprotokolle stel- lenweise nicht mehr nachvollziehen könne, worauf die Frage gerichtet ge- wesen sei und ihr ihre Antworten verzerrt und verkürzt widergegeben schei- nen würden. Entgegen der Behauptung der Vorinstanz, habe sie ihre Ver- haftungen durchaus bereits an der BzP erwähnt und nie etwas diesbezüg- lich verschwiegen. Bei der von der Vorinstanz zitierte n Protokollstelle (SEM-Akte A29 S. 5) handle es sich gar nicht um ihre freie Rede, eventuell beziehe sich die Vorinstanz dort auf die ergänzende Befragung (vgl. A33). Wenn sie b ei länge ren Redebeiträgen von der Dolmetscherin zwecks Übersetzung unterbrochen worden sei, habe sie jeweils Mühe gehabt, nach der Übersetzung jeweils wieder z u ihren Gedanken zurückzufinden, worauf die Befragerin entweder Nachfragen gestellt oder das Thema ge- wechselt habe. Sie habe keinen Einfluss auf das Gespräch gehabt. Dass sie von zwei Verhaftungen gesprochen habe, sei im Kontext ihrer Antwort nicht falsch gewesen, da d iese zwei Verhaftungen stattgefunden hätten, als sie noch das College besucht habe. Die Beschwerdeführerin bringt in der Beschwerdeschrift ergänzend vor, sie sei nach der ersten Haft den Ginbot 7 Freiheitskämpfern beigetreten, für welche sie Botengänge gemacht und Mitglieder versteckt habe. Sie wisse nicht, wie die Behörden davon erfahren hätten. Sie nehme an, dass sie verraten worden sei, wisse aber nicht, von wem. Es falle ihr erst jetzt auf, dass sie anlässlich der Anhörung die erste und zweite Inhaftierung durch- einandergebracht habe, was wohl dazu geführt habe, dass sie nicht immer dieselbe Aussage betreffend die Dauer der jeweiligen Haft gemacht habe. Wären von ihr Aussagen mit persönlichem Bezug erwartet worden, hätte man sie darauf aufmerksam machen müssen. Ihre Vorbringen seien unvor- eingenommen und ernsthaft zu prüfen und ihr sei im Zweife l Gelegenheit für Ergänzungen oder eine Anhörung zu geben. Bei einer Rückkehr nach Äthiopien würden ihr seitens der Behörden erneut dieselben Vorwürfe, vor denen sie geflohen sei, Haft und Verhöre drohen. Es handle sich um staat- liche Verfolgung, sodass sie auch an einem anderen Ort in ihrem Heimat- land nicht in Sicherheit wäre. Ohnehin sei es der Beschwerdeführerin als alleinstehende Frau und als Amhara nicht möglich, sich irgendwo anders in Äthiopien niederzulassen. E-4867/2020 Seite 8 Die Situation in ihrer Heimat sei sehr schlecht und die Sicherheitslage be- drohlich. Aufgrund ihrer Erlebnisse in Äthiopien und C._______ sei sie trau- matisiert und brauche psychiatrische Hilfe. Sie leide unter Albträumen, Schlafstörungen und Ängsten und habe bald einen ersten Termin bei einer Psychologin. Zusätzlich reicht sie einen Beleg ein, wonach sie unter starker Zyklusunregelmässigkeit leide. Einen ausführlicheren Bericht der Gynäko- login könne sie nach deren Ferien nachreichen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wege n ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der F reiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3 Massgeblicher Zeitpunkt für die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft ist derjenige des Entscheides über das Asylgesuch, das heisst, es ist zu prüfen, ob die Furcht vor einer absehbaren Verfolgung dannzumal (noch) begründet ist; dabei sind Veränderungen d er objektiven Situation im Hei- matstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid zugunsten und zulasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 f.). 6. 6.1 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesverwaltungsgericht nicht an die Begründung der Vorinstanz gebunden ist (Art. 62 Abs. 4 VwVG); es kann die Beschwerde auch aus anderen Überlegungen als je- nen der Vorinstanz abweisen (sog. Motivsubstitution; vgl. M ADELEINE E-4867/2020 Seite 9 CAMPRUBI in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG, Kommentar zum Bun- desgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2019, N. 16 zu Art. 62 VwVG; K ÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs- rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, S. 398, Rz. 1136). 6.2 Hinsichtlich der vorgebrachten Inhaftierungen gelingt es der Beschwer- deführerin in der Beschwerdeschrift, einige – insbesondere zeitliche – Wi- dersprüche betreffend die geltend gemachten Inhaftierungen zu entkräften. Weiter weist sie zutreffend darauf hin, dass sich die Vorinstanz in ihrer Ar- gumentation auf ungenau zitierte Protokollstellen stützt (A29 S. 5). Zudem ist dem Unterschriftenblatt der Hilfswerksvertretung zu entnehmen, dass die Befragerin anlässlich der ersten Anhörung der Beschwerdeführerin Angst eingeflösst habe. Die Anhörung vom 29. Juli 2020 wurde von einer anderen Befragerin des SEM durchgeführt. Inwieweit die Vorbringen letztlich als glaubhaft zu erachten sind, kann an- gesichts des Nachfolgenden an dieser Stelle aber offen bleiben. 6.3 Die Situation in Äthiopien hat sich mit Amtsantritt von Abiy Ahmed als erstem Präsidenten des Landes mit Oromo -Volkszugehörigkeit im April 2018 und den damit einhergehenden Reformen deutlich verbessert (vgl. Referenzurteil D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 E. 7.3.). Dieser Wandel ma- nifestierte sich unter anderem in der Versöhnung mit den oppositionellen Kräften sowie deren Einbezug in den politischen Prozess, in der Stärkung der Menschenrechte sowie im geschlossenen Frieden mit Eritrea. Auch wenn die Protestbewegungen noch nicht vollständig abgeklungen sind und das Land in den Regionen teilweise nach wie vor unter ethnischen Konflik- ten zu leiden hat, was sich insbesondere mit dem kürzlich aufgeflammten Konflikt im Regionalstaat Tigray manifestiert, ist insgesamt von einer Nor- malisierung der Situation auszugehen, was durch die Aufhebung des Not- standes im Juni 2018 bestätigt wurde (vgl. a.a.O. E. 7.2 und E. 8.2). Die Ginbot 7 ist im Juli 2018 von der Liste der terroristischen Gruppierungen gestrichen worden (vgl. a.a.O. E. 7). Im Mai 2019 lösten sich sieben Oppo- sitionsparteien – unter anderem die Ginbot 7 – auf und schlossen sich zu einer neuen Partei namens Ethiopian Citizens for Social Justice (ECSJ) zusammen. 6.4 Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass die Be- schwerdeführerin mit ihrem bescheidenen politischen Profil – Aufklären wegen Spritzen, Botin und Unterstützerin der Ginbot 7 – und aufgrund ihrer E-4867/2020 Seite 10 geltend gemachten Vorgeschichte im heutigen Zeitpunkt bei einer Rück- kehr nach Äthiopien seitens der heimatlichen Behörden asylrechtlich rele- vanter Verfolgung ausgesetzt wäre. Für die Bejahung der Flüchtlingseigen- schaft im Sinn von Art. 3 AsylG bedarf es einer weiterhin aktuellen Verfol- gung oder der Furcht vor einer solchen aufgrund einer konkret auf die Per- son gezielten Handlung mit asylrelevanter Motivation. Dass die Beschwer- deführerin im Falle einer Rückkehr zum jetzigen Zeitpunkt derartigen ge- zielten Verfolgungshandlungen ausgesetzt werden könnte, ist nicht wahr- scheinlich, zumal die Ginbot 7– respektive deren Nachfolgepartei ECSJ – als politische Partei anerkannt und in den Demokratisierungsprozess ein- bezogen ist. Folglich lassen die geltend gemachten Asylgründe im Zeit- punkt der Gesuchstellung nicht auf eine heute aktuelle Verfolgung schlies- sen. An dieser Einschätzung ändern auch die Nachforschungen durch Un- bekannte bei ihrer Mutter nach dem Verbleib der Beschwerdeführerin nichts, zumal diesen kein asylrechtliches Motiv zu entnehmen ist. Dass da- bei ihr Haus durchsucht worden sei und all ihre Unterlagen mitgenommen worden seien, ist eine Aussage in der Beschwerdeschrift, die weder den Darlegungen anlässlich der Anhörungen und der Befragung zu entnehmen ist noch weiter ausgeführt wird, weshalb sie als nachgeschoben zu erach- ten ist. Im Gegenteil gab sie zu Protokoll, sie vermute Klassenkameraden würden sie suchen beziehungsweise der Mann, welcher sie nach C._______ geschleust habe, versuche, ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen (vgl. A29 F21 ff.). Nichts deutet darauf hin, dass die Behörden sie weiterhin wegen allfälliger vorheriger Aktivitäten suchen würden. 6.5 Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Vorverfolgung in Form der Inhaftierung en – sollte von ihrer Glaubhaftigkeit ausgegangen werden – wäre ausnahmsweise auch nach Wegfall einer zukünftigen Ver- folgungsgefahr im Sinne von Art. 3 AsylG als asylrechtlich relevant zu be- trachten, wenn eine Rückkehr in den früheren Verfolgerstaat aus zwingen- den, auf diese Verfolgung zurückgehenden Gründen nicht zumutbar wäre. Als "zwingende Gründe" sind in erster Linie traumatisierende Erlebnisse zu betrachten, die es dem Betroffenen angesichts erlebter schwerwiegender Verfolgungen, insbesondere Folterungen, im Sinne einer Langzeittrauma- tisierung psychologisch verunmöglichen, ins Heimatland zurückzukehren (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.4). Von solchen Umständen ist vorliegend aber nicht auszugehen. Zwar gibt die Beschwerdeführerin auf Beschwerde- ebene an, sie sei traumatisiert, leide unter Albträumen, Schlafstörungen und Ängsten und habe bald einen Termin bei einer Psychologin. Es wurden indes bis heute keine entsprechenden Arztberichte eingereicht und auch keine weiteren Behandlungsschritte geltend gemacht. Es ist deshalb nicht E-4867/2020 Seite 11 davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin die Rückkehr nach Äthi- opien im Sinne einer Langzeittraumatisierung psychologisch unmöglich ist. 6.6 In Bezug auf die in den Befragungen geltend gemachten allgemeinen Benachteiligungen der Amhara ist im Übrigen angesichts der obigen Aus- führungen auch zum heutigen Zeitpunkt nicht von einer Kollektivverfolgung der Angehörigen der Amhara in Äthiopien auszugehen, zumal die Anforde- rungen an die Feststellung einer Kollektivverfolgung gemäss Rechtspre- chung des Bundesverwaltungsgerichts sehr hoch sind (vgl. BVGE 2013/12 E.6). Es besteht deshalb – im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung – keine Veranlassung, die in der Beschwerdeschrift in Aussicht gestellten In- formationen über die Situation der Amhara in Äthiopien abzuwarten. 6.7 Betreffend die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Flucht vor dem (…), der ihr die Ausreise aus Äthiopien ermöglicht habe, und ihrer Angst, dass er sich an ihr rächen könnte, ist aufgrund der Aktenlage zwar vom Vorliegen von überaus schwierigen persönlichen Umständen auszu- gehen. Damit ist aber noch keine asylrechtlich relevante Verfolgungssitua- tion geltend gemacht, zumal nichts dafür spricht, dass die Beschwerdefüh- rerin deswegen in der Heimat aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genann- ten Gründe – wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschau- ung – Verfolgung erlitten oder eine solche für die Zukunft zu befürchten hätte. Sie hat davon berichtet, in C._______ eingesperrt und mehrfach se- xuell missbraucht worden zu sein, wobei es sich letztlich um rein strafrecht- liche Probleme handelt. Ihre Vorbringen lassen sich nicht in einen Kontext stellen, welchem flüchtlingsrechtliche Relevanz zuzumessen wäre. Der geltend gemachten Situation liegt somit kein Motiv im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zu Grunde. 6.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin auf- grund der dargelegten mangelnden Asylrelevanz ihrer Vorbringen – unge- achtet allfälliger Glaubhaftigkeitsfragen – die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und die Vorinstanz ihr Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). E-4867/2020 Seite 12 7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittsta at entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in E-4867/2020 Seite 13 den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs- sig. Sodann ergeben si ch weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch d ie allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg- weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim- mungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis von der grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in alle Regionen Äthiopiens aus (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.3). Die allgemeine Lage in Äthio- pien ist weder durch Krieg, Bürgerkrieg noch durch eine Situation allgemei- ner Gewalt gekennzeichnet, aufgrund derer die Zivilbevölkerung allgemein als konkret gefährdet bezeichnet werden müsste (vgl. Urteil des BVGer E-1643/2020 vom 11. November 2020 E. 8.6.1 m.w.H.) . Auch wenn das Gericht die unsichere Lage im Regionalstaat Tigray nicht verkennt, ist zur- zeit nicht zu erwarten, dass diese bewaffnet e Auseinandersetzung in den Regionalstaat Amhara, wo die B eschwerdeführerin wohnhaft war, über- schwappt. Gemäss Praxis sind zur Erlangung einer sicheren Existenz- grundlage in Äthiopien jedoch begünstigende Faktoren wie finanzielle Mit- tel, berufliche Fähigkeiten sowie ein intaktes Beziehungsnetz erforderlich (BVGE 2011/25 E. 8.4 f.). Besondere Beachtung ist zudem der Situation E-4867/2020 Seite 14 alleinstehender Frauen zu schenken (vgl. Referenzurteil D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 E. 12.2, in Bestätigung von BVGE 2011/25 E. 8.3 sowie 8.5 f.). 8.4.2 Die Beschwerdeführerin war eigenen Angaben zufolge seit Geburt bis zu ihrer Ausreise immer mit ihrer Familie in B._______ wohnhaft. Ihre Mutter, die als Lehrerin arbeite, und ihre zwei Brüder sind noch immer in B._______ (vgl. A29 F52 f.) . Daher ist davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr wiederum bei ihrer Familie unterkommen könnte. Zu ihrer Mutter und ihrem Bruder pfleg t sie regelmässigen Kontakt. Weiter verfügt sie über einen Onkel in den D._______, der sie bereits früher finanziell und mit Waren unterstützt hat. Weiter hat sie viele Verwandte in ihrer Heimat, auch wenn ihre Cousinen und Cousins viel von ihr erwarten würden, weil sie wüssten, dass sie in der Schweiz lebe, weshalb sie einen engeren Kon- takt zu ihnen vermeide (vgl. A29 F19 f. und F85 ff. ). Es ist daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr Unterstüt- zung von ihrer Familie für ihre Wiedereingliederung in B._______ erhalten kann. Die Beschwerdeführerin verfügt über eine zehnjährige Schulbildung und hat zuletzt im 2. Jahr an einem Nursing College in B._______ studiert (vgl. A29 F72 ff.). Nach Abbruch des Colleges verkaufte sie verschiedene Waren, die ihr Onkel ihr aus den D._______ geschickt hatte (vgl. A29 F80 ff.). Unter diesen Umständen sollte es ihr möglich sein, dank ihrer Schul- ausbildung und Berufserfahrung und mithilfe ihres persönlichen Netzwerks rasch wieder wirtschaftlich Fuss zu fassen. Der mit Beschwerde eingereichten ärztlichen Überweisung ist zu entneh- men, dass die Beschwerdeführerin an starker Zyklusunregelmässigkeit lei- det. Weiter macht sie auf Beschwerdeebene geltend, sie sei traumatisiert und habe Albträume, Schlafstörungen und Ängste, weshalb sie psychiatri- sche Hilfe brauche. Betreffend die geltend gemachten psychischen Leiden hat sie bislang keine Arztberichte eingereicht. Es ist ferner davon auszu- gehen, dass das geltend gemachte Krankheitsbild in Äthiopien behandel- bar wäre. Die gesundheitliche Versorgung in Äthiopien hat sich in den letz- ten Jahren verbessert und der Zugang zum Gesundheitssystem ist grund- sätzlich gewährleistet (vgl. Urteil des BVGer D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 E. 12.3.4). Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass aus gesundheitlichen Gründen nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu schliessen ist, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimat- land nicht zur Verfügung steht und die Rückk ehr zu einer raschen und le- bensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustands, zur Invali- dität oder gar zum Tod der betroffenen Person führt (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 E. 9.3.2). E-4867/2020 Seite 15 Zusammenfassend geht das Bundesverwaltungsgericht – in Übereinstim- mung mit der Vorinstanz – trotz der erwähnten schwierigen Lebensum- stände für alleinstehende Frauen davon aus, dass es der Beschwerdefüh- rerin angesichts ihrer persönlichen Voraussetzungen gelingen dürfte, sich wirtschaftlich und sozial in ihrem Heimatland zu reintegrieren. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos. 10.2 Die Beschwerdeführerin beantragte die Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten haben (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb das Gesuch abzulehnen ist. Daher ist auch dem Gesuch um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung nicht stattzugeben (Art. 110a aAsylG). 10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). E-4867/2020 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Anträge um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Janine Sert