Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 30. September 2020 (810 20 15) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Baugesuch für Einliegerwohnung in Ökonomiegebäude Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Clau de Jeanneret, Markus Clausen, Hans Furer, Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ und B.____ , Beschwerdeführende gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Baugesuch für Einliegerwohnung in Ökonomiegeb äude (RRB Nr. 14 vom 7. Januar 2020) A. Seit dem Jahr 1997 führt A.____ zusammen mit ihre m Ehemann B.____ den Weinbau- betrieb "C.____". Das gesamte Rebengebiet umfasst eine Fläche von 3 Hektaren Land, wovon 2.9 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche ausmachen. Di e Parzellen liegen alle innerhalb der Landwirtschaftszone in D.____ (Spezialzone für Rebbau I). Auf einem dieser Grundstücke (Parzelle Nr. XXXX, Grundbuch D.____) steht das Ökono miegebäude mit Remise, Weinkeller Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Verkaufsraum, welches im Jahr 2002 erbaut wurde. A uf derselben Parzelle befindet sich das "Winzerbeizli", welches vom Ehepaar zusammen mit ihr er Tochter seit dem Jahr 2015 be- trieben wird. B. Am 23. August 2018 reichte die Firma "C.____" bei m Bauinspektorat der Bau- und Um- weltschutzdirektion des Kantons Basel-Landschaft ein Baugesuch ein. Beim Bauvorhaben han- delt es sich um den Einbau einer Wohnung in das besteh ende Ökonomiegebäude mit zusätzli- cher Errichtung einer Aussentreppe. C. Mit Entscheid vom 2. April 2019 verweigerte die Ba u- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel-Landschaft (BUD) die Bewilligung für da s Baugesuch vom 23. August 2018. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass der projektierte Einbau nur bewilligt wer- den könne, wenn der Wohnbedarf für den Betrieb des la ndwirtschaftlichen Gewerbes unent- behrlich und die dauernde Anwesenheit der Bewirtschaft er zur Bewirtschaftung des Betriebs unbedingt erforderlich sei. Dies sei vorliegend jedoch n icht erfüllt. Zudem liege die Parzelle XXXX in Fuss- und Fahrdistanz von 1 km von der nächsten Wohnzone und rund 1.6 km vom Ortskern D.____ entfernt, weshalb die Gesuchsteller auch dort eine Wohnung beziehen könn- ten. Die von der Gesuchstellerin geltend gemachte fin anzielle Mehrbelastung sei aus raumpla- nerischer Sicht nicht beachtlich. D. A.____ und B.____, vertreten durch Hannes Baader, A nwalt, erhoben gegen den Ent- scheid der BUD vom 2. April 2019 mit Eingabe vom 12. Ap ril 2019 Beschwerde beim Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat). S ie beantragten, es sei der Entscheid der BUD vom 2. April 2019 vollumfänglich aufzuheben und es sei festzustellen, dass das Bau- vorhaben raumplanerisch zonenkonform sei. Eventualiter se i eine Ausnahmebewilligung zu erteilen. Alles unter o/e-Kostenfolge. E. Der Regierungsrat wies die Beschwerde vom 12. April 2019 mit Entscheid vom 7. Januar 2020 ab, soweit darauf eingetreten wurde. F. Gegen diesen Entscheid erhoben A.____ und B.____ mi t Eingabe vom 17. Januar 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilu ng Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht). Sie beantragten, es sei der E ntscheid des Regierungsrates vom 7. Januar 2020 vollumfänglich aufzuheben und die Bau bewilligung zu erteilen. Alles unter o/e- Kostenfolge. Die Beschwerdebegründung wurde mit Einga be vom 14. Februar 2020 einge- reicht. G. Mit Schreiben vom 20. April 2020 reichte der Regie rungsrat seine Vernehmlassung ein und schloss auf Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. H. Mit Verfügung vom 25. Mai 2020 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung mit vorangehendem Augenschein überwiesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Anlässlich der heutigen Verhandlung hat das Kantonsg ericht im Beisein unter anderem der Beschwerdeführerin, des Architekten des Bauproje kts, des Verwaltungsleiters der Gemein- de D.____ und der Vertreterin der BUD einen Augenschein an Ort und Stelle vorgenommen. An der anschliessenden Parteiverhandlung haben die Parteien an ihren bereits gestellten Anträgen festgehalten. Auf die Ausführungen in den Rechtsschrif ten sowie auf diejenigen in der heutigen Verhandlung wird, soweit erforderlich, in den Urteilserwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kant onsgericht zulässig. Die Be- schwerdeführenden sind Adressaten des angefochtenen Entsche ids und verfügen über ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung (§ 47 Abs. 1 l it. a VPO). Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetreten wer- den. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können nach § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Untersch reitung oder Missbrauch des Er- messens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellu ng des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3.1 Die Beschwerdeführenden beabsichtigen den Einbau einer 4.5-Zimmer-Wohnung in das bestehende Ökonomiegebäude auf der Parzelle Nr. XXXX, Grundbuch D.____. Im Weiteren sieht das Baugesuch die Erstellung einer Aussentreppe an der Nordfassade des Ökonomiege- bäudes vor. 3.2 Strittig und zu prüfen ist nachfolgend, ob die Vo rinstanzen das Bauvorhaben der Be- schwerdeführenden zu Recht als zonenwidrig beurteilt u nd aus diesem Grund die Bewilligung verweigert haben. 3.3.1 Der Regierungsrat begründet seinen Entscheid dam it, dass es eines funktionalen Be- zugs zwischen zonenkonformer Landwirtschaft und dem zu bew illigenden Wohnraum bedürfe. Die Beschwerdeführenden könnten jedoch nicht darlegen, inwiefern die Arbeiten im "Winzerbei- zli" für die zonenkonforme landwirtschaftliche Nutzung ( Rebbaubetrieb) ins Gewicht fallen wür- den, weshalb diese Arbeiten nicht einzubeziehen seien. Zudem sei nicht ersichtlich, dass die zonenkonformen Arbeiten, namentlich die Rebenpflege und Ernte sowie die Direktvermarktung, eine unentbehrliche ständige Präsenz auf dem Hof bedin gen würden. Das Bauvorhaben könne weder gestützt auf Art. 16a des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG) vom 22. Juni 1979 noch auf einen Ausnahmetatbestand nach Art. 24 ff. RPG bewilligt werden. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3.2 Die Beschwerdeführenden machen dagegen geltend , dass nicht die einzelnen Betriebs- zweige separat betrachtet werden dürften, sondern die Gesamtsituation beurteilt werden müs- se. Dann würde man erkennen, dass ihnen ein Wohnraum im Dorf nicht zugemutet werden könne. Der Weinbau als solcher werde vorwiegend tagsübe r erledigt. Das "Winzerbeizli" werde hingegen bis in die späten Abendstunden betrieben. Bei dieser langen Präsenzzeit auf dem Hof sei es fast nicht möglich, zwischendurch ins Dorf in die W ohnung zu fahren und wieder zurück auf den Hof. Eine Wohnung im Dorf mit zwei Parkplätze n würde überdies zu einer finanziellen Mehrbelastung führen, welche die Beschwerdeführenden nicht tragen könnten. In der projektier- ten Wohnung wäre auch Platz für die Unterkunft eines Angestellten. Zudem stelle die projektier- te Aussentreppe keine deutliche bauliche Veränderung dar. 4.1.1 Nach Art. 22 Abs. 1 RPG dürfen Bauten und Anlag en nur mit behördlicher Bewilligung errichtet oder geändert werden. Voraussetzung für eine Bewilligung ist nach Art. 22 Abs. 2 RPG, dass die Bauten und Anlagen dem Zweck der Nutzungszone entsprechen (lit. a) und dass das Land erschlossen ist (lit. b). In der Landwirtschaft szone zonenkonform sind nach Art. 16a Abs. 1 RPG Bauten und Anlagen, die zur landwirtschaftli chen Bewirtschaftung oder für den produzierenden Gartenbau nötig sind. Art. 34 Abs. 4 d er Raumplanungsverordnung (RPV) vom 28. Juni 2000 enthält eine Konkretisierung zu Bauten fü r den Wohnbedarf und hält fest, dass die Bewilligung nur erteilt werden darf, wenn die B aute oder Anlage für die in Frage stehende Bewirtschaftung nötig ist (lit. a); der Baute oder Anl age am vorgesehenen Standort keine über- wiegenden Interessen entgegenstehen (lit. b) und der Betrieb voraussichtlich längerfristig be- stehen kann (lit. c). 4.1.2 Mit Art. 16a RPG sollte an den strengen Kriter ien, welche die bundesgerichtliche Recht- sprechung für die Zonenkonformität aufgestellt hatte, festgehalten werden (vgl. Urteil des Bun- desgerichts 1A.19/2001 vom 22. August 2001 E. 3b, in: Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl], 103/2002, S. 582 ff, mit Hinweis auf die Botschaft des Bundesrats zu einer Teilrevision des RPG vom 22. Mai 1996, BBl 199 6 III 533). Davon ging auch der Ver- ordnungsgeber beim Erlass der konkretisierenden Norm von A rt. 34 Abs. 3 RPV aus. Danach sind Bauten für den Wohnbedarf zonenkonform, wenn der Wohnbedarf für den Betrieb des ent- sprechenden landwirtschaftlichen Gewerbes unentbehrlich ist, einschliesslich des Wohnbedarfs der abtretenden Generation (vgl. B ALTHASAR HEER , St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, N 405; B ERNHARD WALDMANN /P ETER HÄNNI , Handkommentar zum Raumplanungs- gesetz, Bern 2006, N 14 zu Art. 16a RPG). 4.2 Die Unentbehrlichkeit richtet sich weder nach den s ubjektiven Vorstellungen und Wün- schen des Gesuchstellers noch nach der persönlichen Zweckmässigke it. Vielmehr ist in jedem einzelnen Fall anhand objektiver Kriterien zu prüfen, ob eine betriebliche Notwendigkeit besteht, ausserhalb der Bauzonen Wohnsitz zu nehmen. Dabei ist zu unterscheiden, in welchem Um- fang eine ständige Anwesenheit der Bewirtschafter und der betrieblich benötigten Arbeitskräfte notwendig ist. Diese Beurteilung hängt insbesondere von Art und Umfang der betriebsnotwen- digen Überwachungsaufgaben, von der Distanz zur nächst en Wohnzone sowie von der Frage ab, ob das Gewerbe hauptberuflich ausgeübt wird. Ist d ie Betriebsführung auch von der Wohn- zone aus möglich oder verlangen die betrieblichen Verh ältnisse keine dauernde Anwesenheit, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht fehlt es am erforderlichen sachlichen Bezug des Bauvorhabens zur landwirtschaftlichen Produk- tion (vgl. W ALDMANN /H ÄNNI , a.a.O., N 14 zu Art. 16a RPG). In der Landwirtscha ftszone sind somit nur solche Wohngebäude zonenkonform, die in ihr er konkreten Ausgestaltung für eine zweckmässige Bewirtschaftung des Bodens am vorgesehenen Stan dort notwendig und nicht überdimensioniert sind. Das Vorrecht, ausserhalb der Bauz one zu wohnen, bleibt daher einem relativ engen Personenkreis vorbehalten (vgl. H EER , a.a.O., N 405 mit Hinweis auf BGE 121 II 310 E. 3b; BGE 121 II 68 f. E. 3a mit Hinweisen; vgl. auch PETER HÄNNI , Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 6. Auflage, Bern 2016, S. 183 mit Hinweisen). 4.3 Wohngebäude sind als zonenkonforme Bauten ausserhalb von Bauzonen somit nur zu- lässig, wenn sie der objektiven, betrieblichen Notwendig keit einer zonenkonformen Bodenbe- wirtschaftung entsprechen und damit in erster Linie der landwirtschaftlichen Nutzung selber dienen (BGE 115 Ib 295 E. 2c; BGE 113 Ib 141 E. 1d; HÄNNI , a.a.O., S. 183). Bei Landwirt- schaftsbetrieben stimmt der Begriff der Zonenkonformitä t im Sinn von Art. 16 Abs. 1 RPG im Wesentlichen mit jenem der Standortgebundenheit über ein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_561/2012 vom 4. Oktober 2013 E. 3.1; BGE 125 II 2 78 E. 3a). Bestehende zonenwidrige Bauten dagegen können eine weitere Ausdehnung der zonenfremden Nutzung nicht begründen (BGE 115 IB 295 E. 2c; BGE 114 Ib 320 E. 4d). Wohnen darf nicht Hauptzweck, sondern muss objektive, betriebsnotwendige Folge der zonenkonform en Bewirtschaftung sein (BGE 111 Ib 213 Erw. 2; HÄNNI , a.a.O., S. 183). 5.1 Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführenden für den Betrieb und den Unterhalt ihrer 2.9 Hektaren Nutzfläche einen Arbeitseinsatz von 1.21 Standardarbeitskraft (SAK) leisten und ihr Weinbaubetrieb somit als landwirtschaftliches G ewerbe i.S.v. Art. 7 des Bundesgeset- zes über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) vom 4. Oktober 1991 gilt. Die Zonenkonformität der geplanten Wohnung liegt hingegen nur vor, wenn die Wohnung hinsichtlich Standort und Ausgestaltung in einer unmittelbaren funktionellen B eziehung zum Landwirtschaftsbetrieb steht und im Hinblick auf die bodenabhängige Nutzung des Lan des als unentbehrlich erscheint (vgl. E. 4.2 f. hiervor). 5.2 Die Beschwerdeführenden machen diesbezüglich geltend , dass der Weinbau als solcher vorwiegend tagsüber erledigt werde. Dazu würden die Ar beiten im Rebberg, die Weinlieferun- gen, der Weinverkauf und die Büroarbeiten zählen. Sp oradisch würden auch Führungen durch den Rebberg sowie Degustationen hinzukommen. Damit die Beschwerdeführenden zudem je- derzeit Kunden bedienen könnten, seien sie in der jetzi gen Situation auch bei schlechtem Wet- ter auf dem Betrieb, obschon sie zu Hause bleiben kön nten. Dies wäre mit einer Wohnung im Ökonomiegebäude deutlich einfacher. 5.3 Die Beschwerdeführenden machen zu Recht nicht gelte nd, dass ihre Art der Rebenbe- wirtschaftung und Rebenpflege ihre ständige persönlich e Überwachung erfordern würde. Grün- de für eine betrieblich notwendige und dauernde Über wachung der Reben ergeben sich auch aus den vorliegenden Akten keine, zumal die Beschwerdefü hrenden keine Grossvieheinheiten halten oder technische Einrichtungen mit dauerndem Üb erwachungsbedarf besitzen. Davon abgesehen, wären die Rebberge bzw. der Betrieb der B eschwerdeführenden innert kurzer Zeit Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch aus der Wohnzone erreichbar (vgl. E. 5.4 nachstehend). Weiter legen die Beschwerdefüh- renden anlässlich des Augenscheins dar, dass sie im bestehenden Ökonomiegebäude zwar die Möglichkeit hätten, eine Kelterei einzubauen, zurzeit jedoch eine externe Lohnkelterei in An- spruch nehmen würden. Ein diesbezüglicher Überwachungs bedarf fällt somit auch ausser Be- tracht. 5.4.1 Der von den Beschwerdeführenden eingereichten St undenkalkulation ist zu entnehmen, dass die Gesamtarbeitszeit ohne die Arbeiten im "Winze rbeizli" pro Jahr 4074.2 Stunden betra- ge. Davon seien 2409.7 Arbeitsstunden im Rebbau, 590 Arbeitsstunden im Weinverkauf und 811.5 Stunden Büroarbeit sowie 263 Stunden diverse A rbeiten. Diese von den Beschwerdefüh- renden aufgezeigte Jahresarbeitszeit betrifft insbesonder e die Arbeiten rund um ihren Vollzeit- erwerb, den Rebbaubetrieb, welche nach ihren Angaben überwiegend tagsüber anfallen und erledigt würden. Aus der Stundenkalkulation geht überdies hervor, dass die Beschwerdeführen- den grundsätzlich während 5 Tagen pro Woche mit durchsc hnittlich 9 Stunden pro Tag und pro Arbeitskraft beschäftigt sind. Dieser zeitliche Bewirtschaf tungsumfang des Rebbaus, in der Form wie er von den Beschwerdeführenden betrieben wird , ist demzufolge vergleichbar mit ei- ner Erwerbstätigkeit, welche ebenfalls tagsüber zu den üblichen Arbeitszeiten ausgeübt wird. Nichts anderes ergibt sich aus dem aufgezeigten Tagesabla uf in der Beschwerdeschrift, wo- nach die Arbeiten im Zusammenhang mit dem Weinbaube trieb grundsätzlich tagsüber anfallen. Eine darüberhinausgehende notwendige Präsenz für die A rbeiten im landwirtschaftlichen Be- trieb ergibt sich zumindest aus der Stundenkalkulation nicht. 5.4.2 Die Beschwerdeführenden führen weiter aus, dass sie sowie ihre Tochter, welche das "Winzerbeizli" führe, vollzeitlich auf dem Betrieb arbe iten würden. Zusätzlich hätten sie einen temporär angestellten Saisonnier. Die Tochter der Beschwerdeführenden arbeite hauptberuflich im "Winzerbeizli" und werde den Betrieb ihrer Eltern einmal übernehmen. Wohnraum für die Tochter wird von den Beschwerdeführenden nicht geltend gemacht und es ist davon auszuge- hen, dass diese in der nahegelegenen Wohnzone lebt. Die Wohnzone von D.____ ist lediglich 1 km vom landwirtschaftlichen Betrieb der Beschwerdeführend en entfernt und mit dem Auto in wenigen Minuten und zu Fuss in ca. 15 Minuten erreich bar. Es ist den Beschwerdeführenden zuzumuten, morgens mit dem Auto von der Wohnzone in D. ____ zu ihrem Betrieb in der Land- wirtschaftszone zu fahren. Nach der Arbeit auf dem Betri eb lässt sich dieselbe Strecke zurück in die Wohnzone innert nahezu gleicher Zeit zurücklege n. Den Beschwerdeführenden sowie dem nicht ständig benötigten Personal ist es somit zuzum uten, in der nahegelegenen Wohnzo- ne zu wohnen, von wo aus sich der Betrieb der Beschwerde führenden sogar zu Fuss in kurzer Zeit erreichen lässt. Auch wenn die Beschwerdeführend en nicht gleich am Rand der Wohnzo- ne, sondern weiter entfernt in der Dorfmitte oder de r anderen Dorfseite (Richtung E.____) eine Wohnung finden würden, würde eine Autofahrt ca. 10 Minuten und ein Fussmarsch ca. 30 Mi- nuten dauern. Die Dauer des Arbeitsweges von der Wohnzo ne in D.____ zum landwirtschaftli- chen Betrieb wäre auch in diesem Fall gut zu bewältige n, zumal das Bundesgericht einen Fussmarsch von 20 bis 30 Minuten ebenfalls als zumutbar erac htet (BGE 121 II 67 E. 3a; BGE 117 Ib 266 E. 2b). Wie sich am Augenschein gezeigt hat, ist die Strasse von der Dorfmitte in D.____ bis zum Parkplatz des Betriebs der Beschwerdeführe nden (Y.____strasse und Z.____weg) ohne grosse Höhendifferenz problemlos zu bef ahren. Ferner liegen die einzelnen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsorte innerhalb des Betriebs nahe beieinander . Im einzigen Ökonomiegebäude befinden sich eine Werkstatt, Lagerräume sowie Degustations- und Verkaufsräume und auch das "Win- zerbeizli" ist gleich neben dem Ökonomiegebäude. Die Re bflächen liegen ebenfalls relativ nah zusammen und nicht weit vom Ökonomiegebäude entfernt (äusserste Parzelle ca. 330 Meter Distanz zum Betrieb). Weder die Distanzen innerhalb de s Betriebs der Beschwerdeführenden noch die Fahr- und Gehdistanz vom Dorf zum Betrieb ode r die Beschaffenheit des Geländes vermögen demzufolge eine Notwendigkeit für den projek tierten Wohnungsbau ausserhalb der Bauzone zu begründen. 5.5 Die Beschwerdeführenden begründen ihren Wohnbeda rf auf dem Betrieb zudem mit dem Bedürfnis, in der Nähe zu sein, wenn die Tochter einmal den Betrieb übernehmen wird, um auch allfällige Enkelkinder zu hüten. Zum jetzigen Zeitpunkt hat die Tochter keine Kinder und es ist nicht abzusehen, wann und ob die Beschwerdeführenden ihren Betrieb an die Tochter über- geben werden. Obschon an der Erhaltung von landwirtschaftlichen Familienbetrieben ein öffent- liches Interesse besteht, verbietet es insbesondere der T rennungsgrundsatz i.S.v. Art. 1 Abs. 1 RPG, Bauten und Anlagen auf Vorrat zu erstellen (C HRISTOPH JÄGER , Allgemeine Vorausset- zungen der Bewilligungsfähigkeit von Bauten und Anlage n / III. Zonenwidrige Bauten und Anla- gen ausserhalb der Bauzonen, Fachhandbuch Öffentliches Baurecht, Zürich 2016, S. 134; Ur- teile des Bundesgerichts 1C_877/2013 vom 31. Juli 2013 E. 3 und 1C_496/2011 vom 20. Sep- tember 2012 E. 3.5). Weiter sind die von den Beschwerd eführenden angeführten finanziellen Gründe durchaus verständlich und würden für den Einbau einer Wohnung sprechen. Jedoch sind diese subjektiven Interessen bei der Bestimmung des z onenkonformen Wohnraums nicht ausschlaggebend und haben hinter die öffentlichen Int eressen zurückzutreten, da ansonsten die Ziele der Raumplanung nicht zu verwirklichen wären (BGE 114 Ia 364 E. 4; BGE 116 Ib 228 E. 3b). Zudem geht aus den Akten hervor, dass die Besch werdeführenden bisher nie auf dem Betrieb, sondern jeweils in Mietobjekten gewohnt und einen Miet- bzw. Pachtzins bezahlt ha- ben. 5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die betrieblich en Verhältnisse des landwirt- schaftlichen Rebbaus keine dauernde Anwesenheit der Beschw erdeführenden oder der Ange- stellten verlangen und der Weinbaubetrieb auch mit Wohnraum in der nahegelegenen Wohnzo- ne in der bisherigen Art und Weise bewirtschaftet werd en kann. Aus diesen Gründen fehlt es am erforderlichen sachlichen Bezug des Bauvorhabens zu r landwirtschaftlichen Produktion und der projektierte Wohnraum kann insbesondere mit Blick a uf den Grundsatz der Trennung von Baugebiet und Nichtbaugebiet i.S.v. Art. 1 Abs. 1 RPG nicht als zonenkonform anerkannt wer- den. 6. Dagegen bringen die Beschwerdeführenden jedoch vor, dass eine Gesamtbetrachtung vorgenommen werden müsse und auch ihre Arbeiten im "W inzerbeizli" darin einfliessen müss- ten. Mit den Vorinstanzen ist hingegen festzuhalten, da ss Wohnbauten in der Landwirtschafts- zone nur zonenkonform sein können, wenn sie für das lan dwirtschaftliche Gewerbe unentbehr- lich sind (vgl. Art. 34a RPV). Bei der Ermittlung des W ohnbedarfs kann nur die zonenkonforme landwirtschaftliche Nutzung nach Art. 16a RPG berücksichtigt werden. Nicht berücksichtigt wer- den insbesondere nichtlandwirtschaftliche Nebenbetrie be gemäss Art. 24b RPG i.V.m. Art. 40 Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht RPV (vgl. Merkblatt der BUD, Landwirtschaftliche Wohnb auten, Stand September 2020). Es braucht demzufolge einen funktionalen Bezug zwischen de r zonenkonformen Landwirtschaft und dem zu bewilligenden Wohnraum. Das "Winzerbeizli" ist ein nichtlandwirtschaftlicher Ne- benbetrieb mit engem Bezug zum landwirtschaftlichen Gewerbe gemäss Art. 24b Abs. 1 bis RPG (vgl. Baubewilligung für den Neubau des "Winzerbeizlis" vom 26. Februar 2014). Die Arbeiten im "Winzerbeizli", obschon sie einen beträchtlichen Teil der Jahresarbeitszeit (vgl. eingereichte Stundenkalkulation) ausmachen, sind nicht zonenkonform und gehören nicht in die betriebswirt- schaftliche Einheit des landwirtschaftlichen Rebbaus, wesha lb sie auch bei der Gesamtbeurtei- lung der Zonenkonformität des Wohnbedarfs nicht berü cksichtigt werden dürfen. In die Ge- samtbetrachtung, wie sie auch die Vorinstanzen vorgenom men haben, fliessen ausschliesslich landwirtschaftliche Arbeiten, welche den Rebbaubetrieb betreffen. Im Urteil des Bundesgerichts 1C_647/2012, welches von den Beschwerdeführenden als Ve rgleich herangezogen wird, wer- den ebenfalls nur Arbeiten berücksichtigt, welche das landwirtschaftliche Gewerbe betreffen, da diese zusammen eine betriebswirtschaftliche Einheit bild en (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_647/2012 vom 3. September 2014 E. 6). Die Vorinsta nzen haben ebenfalls alle Arbeiten rund um den landwirtschaftlichen Rebbau (Arbeit im Reb bau, Weinverkauf, Büroarbeiten, diver- se Unterhaltsarbeiten) in ihre Gesamtbeurteilung nach A rt. 16a RPG bzw. Art. 34 Abs. 3 RPV einbezogen und die Verrichtungen im Zusammenhang mit dem "Winzerbeizli" zu Recht unbe- rücksichtigt gelassen. Im Übrigen machen die Beschwerdefüh renden nicht geltend, dass die Arbeiten im "Winzerbeizli" zum Rebbau gehören würden. Ob die Arbeits- bzw. Präsenzzeit im Zusammenhang mit dem "Winzerbeizli" einen Wohnbedarf ausserhalb der Wohnzone zu be- gründen vermag, ist vorliegend nicht relevant und muss nicht beurteilt werden. 7. Schliesslich berufen sich die Beschwerdeführenden auf das Rechtsgleichheitsgebot. Sie machen geltend, ihr Nachbar habe das ganze Dachge schoss für privaten Wohnraum auf- gestockt, führe kein landwirtschaftliches Gewerbe und hab e die Auflage, weiterhin ein Restau- rant zu betreiben, nicht umgesetzt. Die Rechtsgleichhei t gibt grundsätzlich keinen Anspruch darauf, abweichend vom Gesetz behandelt zu werden, es sei denn, die Behörde lehne es ab, ihre gesetzwidrige Praxis aufzugeben und weder überwie gende öffentliche noch überwiegende private Interessen würden die Anwendung des Gesetzes er fordern (vgl. B EATRICE WEBER - DÜRLER , Zum Anspruch auf Gleichbehandlung in der Rechtsanwen dung, in: ZBl 105/2004 S. 1, S. 2). Gestützt auf die vorliegenden Akten lässt sich keine ständige gesetzwidrige Praxis der Behörden erkennen, welche den Beschwerdeführenden au snahmsweise einen Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht verleihen könnte. Zudem wi egt das Legalitätsinteresse in Rechtsgebieten wie im Polizei-, Raumplanungs- und Umweltrecht tendenziell relativ schwer und wird dem Gleichbehandlungsinteresse im Allgemeinen vor gehen (B EATRICE WEBER -DÜRLER , a.a.O., S. 23 mit weiteren Hinweisen). 8. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen haben die V orinstanzen die Zonenkonformi- tät der geplanten Wohnung im bestehenden Ökonomiegeb äude in der Landwirtschaftszone gestützt auf Art. 16a RPG und Art. 34 Abs. 3 RPV zu Re cht verneint. Da sich die Standortge- bundenheit von Wohnraum zu landwirtschaftlichen Zwecken ausserhalb der Bauzonen nach den gleichen Kriterien beurteilt wie die Zonenkonformität (vgl. BGE 121 II 67 E. 3d; BGE 113 Ib 307 E. 4; BGE 112 Ib 259 E. 3), hat die Vorinstanz eb enfalls zu Recht eine Ausnahmebewilli- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung nach Art. 24 Abs. 1 RPG verweigert und es kann auf die zutreffenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden. Überdies machen die Beschwerdeführenden nicht geltend, die Voraussetzungen einer Ausnahmebewilligung seien erfüllt. Demzufolge erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 A bs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Im vorliegenden Fall sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'200.-- ausgangsgemäss den Beschwerdeführenden aufzuerlegen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'200.-- werden den Be- schwerdeführenden auferlegt und mit dem Kostenvorschuss i n gleicher Höhe verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin