<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 82 S.316</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">316</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>82</b></span> <span class="ft2"><b>Zuständigkeit (öffentlicher Fussweg).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Feststellungen, die sich auf einen im Grundbuch angemerkten öffent-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lichen Fussweg beziehen, haben auf dem Verwaltungsweg zu erfolgen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 1/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Sachzuständigkeit des Verwaltungsgerichts gestützt auf § 52 Ziff. 20</b></span><br/> <span class="ft2"><b>VRPG i.V.m. Art. 6 Ziff. 1 EMRK (Erw. 1/c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 21. Oktober 2003 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen G. und Mitb. gegen Baudepartement.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">317</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. a) Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist ein öffentli-</span><br/> <span class="ft1">cher Fussweg entlang der Wyna. Der Fussweg wurde am 16. Mai</span><br/> <span class="ft1">1937 als Anmerkung auf der Parzelle Nr. 125 (später Parzellen Nrn.</span><br/> <span class="ft1">125 und 1906) in das Grundbuch eingetragen. Sein Verlauf ist aus</span><br/> <span class="ft1">dem Situationsplan, der dem Grundbuchamt Kulm seinerzeit im Be-</span><br/> <span class="ft1">reinigungsverfahren als Teil des Sammelbelegs u.a. zur Anmerkung</span><br/> <span class="ft1">"Öffentlicher Fussweg laut Plan (östlich)" eingereicht worden ist,</span><br/> <span class="ft1">ersichtlich. Unbestritten ist, dass der Fussweg so, wie er im erwähn-</span><br/> <span class="ft1">ten Situationsplan sowie in sämtlichen neueren Situationsplänen</span><br/> <span class="ft1">gestrichelt eingezeichnet ist, heute nur noch teilweise besteht, weil</span><br/> <span class="ft1">sich der Lauf der Wyna seit der Begründung des öffentlichen Fuss-</span><br/> <span class="ft1">wegrechts im Bereich der beiden erwähnten Grundstücke schritt-</span><br/> <span class="ft1">weise in Richtung seiner linksufrigen Aussenkurve verschoben hat.</span><br/> <span class="ft1">Der Streit dreht sich nun um die Frage, ob dem Fussweg, wie er</span><br/> <span class="ft1">von der Öffentlichkeit derzeit auf den Parzellen Nrn. 125 und 1906</span><br/> <span class="ft1">ersatzweise benutzt wird, auch ein entsprechendes Recht zu Grunde</span><br/> <span class="ft1">liegt. Die Beschwerdeführer verneinen dies und stellen gestützt dar-</span><br/> <span class="ft1">auf das Feststellungsbegehren, dass das öffentliche Fusswegrecht auf</span><br/> <span class="ft1">ihren Grundstücken "solange nicht ausgeübt werden kann, bis die</span><br/> <span class="ft1">laut Grundbuch gültige ursprüngliche Wegrechtsfläche wieder herge-</span><br/> <span class="ft1">stellt ist".</span><br/> <span class="ft1">b) Feststellungen, die sich in dieser Weise auf einen als öffent-</span><br/> <span class="ft1">lich behaupteten Fussweg beziehen, haben auf dem Verwaltungsweg</span><br/> <span class="ft1">und nicht durch das Zivilgericht zu erfolgen, wenn wie im vorliegen-</span><br/> <span class="ft1">den Falle die Rechtsbegründung nicht dienstbarkeitsvertraglich (in</span><br/> <span class="ft1">Form einer Gemeindedienstbarkeit) und mit entsprechendem</span><br/> <span class="ft1">konstitutiv wirkendem Eintrag im Grundbuch (Peter Liver, Die</span><br/> <span class="ft1">Dienstbarkeiten und Grundlasten, Kommentar zum ZGB, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1968, Art. 731 N 2), sondern auf der Basis einer verwaltungsrechtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Vereinbarung erfolgt ist, deren Anmerkung im Grundbuch über</span><br/> <span class="ft1">eine Hinweisfunktion nicht hinausgeht (BGE 124 III 213 mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weisen; AGVE 1992, S. 27 ff.). Das Baudepartement hat seine sach-</span><br/> <span class="ft1">liche Zuständigkeit daher zu Recht bejaht. Ein Fragezeichen ist le-</span><br/> <span class="ft1">diglich zur funktionellen Zuständigkeit zu setzen, sind doch Streitig-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">318</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">keiten um öffentliche Fusswege im Kompetenzkatalog von § 2</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 lit. d der Delegationsverordnung vom 8. November 1982</span><br/> <span class="ft1">(SAR 153.111) nicht enthalten (die Annahme des Baudepartements,</span><br/> <span class="ft1">der angefochtene Beschluss des Gemeinderats Oberkulm vom</span><br/> <span class="ft1">16. September 2002 sei "in Anwendung der Baugesetzgebung, ein-</span><br/> <span class="ft1">schliesslich der Gemeindebauvorschriften" ergangen, trifft offen-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich ebenfalls nicht zu). Die Frage kann aber offen bleiben, weil</span><br/> <span class="ft1">die Nichtbeachtung der funktionellen Zuständigkeit keinen schweren</span><br/> <span class="ft1">Verfahrensmangel darstellt, der die Nichtigkeit indizieren würde und</span><br/> <span class="ft1">deshalb von Amtes wegen zu korrigieren wäre (VGE III/113 vom</span><br/> <span class="ft1">21. Juli 2000 [BE.1998.00100] in Sachen K., S. 7), und eine entspre-</span><br/> <span class="ft1">chende Rüge nicht erhoben worden ist.</span><br/> <span class="ft1">c) Das Verwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen letztin-</span><br/> <span class="ft1">stanzliche Verfügungen und Entscheide der Verwaltungsbehörden</span><br/> <span class="ft1">über Anordnungen im Einzelfall, bei denen Art. 6 Ziff. 1 EMRK</span><br/> <span class="ft1">einen Anspruch auf richterliche Überprüfung gewährt und weder im</span><br/> <span class="ft1">Kanton noch im Bund eine konventionsgemässe richterliche Prüfung</span><br/> <span class="ft1">besteht (§ 52 Ziff. 20 VRPG). Beim Streit, ob ein öffentliches Fuss-</span><br/> <span class="ft1">wegrecht besteht, haben die Eigentümer der davon betroffenen</span><br/> <span class="ft1">Grundstücke gestützt auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK Anspruch auf Beur-</span><br/> <span class="ft1">teilung durch ein Gericht, wobei das staatsrechtliche Beschwerdever-</span><br/> <span class="ft1">fahren wegen der Überprüfungsbeschränkungen nicht genügt</span><br/> <span class="ft1">(VGE III/65 vom 18. Juli 1995 [BE.1994.00144] in Sachen Einwoh-</span><br/> <span class="ft1">nergemeinde H. u. Mitb., S. 5 ff. mit zahlreichen Hinweisen auf die</span><br/> <span class="ft1">einschlägige Rechtsprechung und Lehre; VGE III/10 vom 9. Februar</span><br/> <span class="ft1">1999 [BE.1996.00030] in Sachen H., S. 5; siehe auch Michael Mer-</span><br/> <span class="ft1">ker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem</span><br/> <span class="ft1">aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege [Kommentar</span><br/> <span class="ft1">zu den §§ 38-72 VRPG], Zürich 1998, § 52 N 9, 160). Die Sachzu-</span><br/> <span class="ft1">ständigkeit des Verwaltungsgerichts ist somit ebenfalls gegeben.</span><br/></div> </div> </body> </html>