B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-437/2017 law/fes U r t e i l v o m 1 . N o ve m b e r 2 0 1 8 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Jean-Pierre Monnet, Richterin Contessina Theis; Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. Parteien A._______, geboren am (…), alias B._______, geboren am (…), alias C._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch MLaw Benedikt Homberger, Rechtsanwalt, Beratungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 20. Dezember 2016 / N (…). D-437/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 21. Juli 2010 unter dem Namen C._______ geboren am (…), in der Schweiz sein erstes Asylgesuch ein. Mit Verfügung vom 11. Oktober 2010 trat das damalige Bundesamt für Mig- ration (BFM, heutige SEM) gestützt auf aArt. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein und verfügte die Wegweisung nach Italien und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Diese Verfügung er- wuchs unangefochten in Rechtskraft. B. Noch während dem hängigen ersten Asylverfahren suchte der Beschwer- deführer am 29. September 2010 unter dem Namen A._______ geboren am (…), in der Schweiz ein zweites Mal um Asyl. Am 9. November 2011 reichte der Beschwerdeführer eine Kopie eines Taufscheins ausgestellt auf den Namen A._______ ein. Am 18. Januar 2012 hörte das BFM den Be- schwerdeführer einlässlich zu den Asylgründen an. Mit Verfügung vom 20. Februar 2012 trat das BFM wiederum gestützt auf aArt. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Wegweisung nach Italien und ordnete den Vollzug an. Auch diese Ver- fügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. C. Am 25. März 2013 reichte der Beschwerdeführer unter dem Namen B._______ geboren am (…), ein Wiedererwägungsgesuch ein. Am 5. April 2013 erhob das BFM die Personalien des Beschwerdeführers, befrage ihn summarisch zu seinen Asylgründen und gewährte ihm das rechtliche Ge- hör zu einer allfälligen Wegweisung nach Italien. M it Verfügung vom 15. April 2013 wies das BFM das Wiedererwägungsgesuch ab. Die Verfü- gung konnte von der Post nicht zugestellt werden, weil der Beschwerde- führer unter der in der Verfügung angegebenen Adresse nicht ermittelt wer- den konnte. D. Mit Eingabe vom 20. August 2015 erkundigte sich der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter beim SEM nach dem Stand des Verfahrens und reichte eine Kopie zweier Familienfotos ein. Er führte aus, dass er im zweiten Asylverfahren aus Angst vor einer erneuten Wegweisung nach Ita- lien einen falschen Namen ( A._______) angegeben habe, und ersuchte D-437/2017 Seite 3 das SEM darum, die Akten seiner Schwester D._______ (N […]) beizuzie- hen und sinngemäss um Berichtigung seiner Hauptidentität auf den Namen C._______. E. Nachdem die Überstellungsfrist nach Italien abgelaufen war, hob das SEM mit Verfügung vom 26. November 2015 seine Verfügung vom 20. Februar 2012 auf und nahm das nationale Asylverfahren wieder auf. F. Am 12. August 2016 wurde der Beschwerdeführer ergänzend zu den Asyl- gründen angehört. Dabei führte er zur Begründung seines Asylgesuches im Wesentlichen aus, er sei eritreischer Staatsangehöriger der Volksgruppe Tigrinya, geboren in E._______ (Sudan). Bis zum zweiten Schuljahr habe er in F._______ (Su- dan) gelebt. Nach der Unabhängigkeit Eritreas sei er m it seiner Familie nach Eritrea zurückgekehrt, wo er in G._______ (Subzoba H._______, Zoba I._______) gelebt und die Schule vom zweiten bis zum achten Schul- jahr besucht habe. Ab dem Jahr 2000 habe er als Händler gearbeitet. Er habe Angehörigen der Ethnie der Rashaida in G._______ Waren abgekauft und diese im Ort weiterverteilt. Die Rashaida seien bekannt dafür, dass sie auch als Schlepper tätig seien und Menschen helfen würden, aus Eritrea zu fliehen, weshalb die Regierung versuche, sie zu verhaften. Eines Tages sei ein Händler von den eritreischen Behörden verhaftet worden. Dessen Bekannter habe ihm (dem Beschwerdeführer) empfohlen, aus Eritrea aus- zureisen, da der verhaftete Händler ihn an die eritreischen Behörden hätte verraten können. Aus Angst, von den eritreischen Behörden verhaftet zu werden, habe er sich zur Flucht entschieden. Er sei deshalb im Jahr 2002 illegal aus Eritrea in den Sudan ausgereist und habe dort von 2002 bis 2005 gelebt. Die Jahre 2005 bis 2007 habe er in Libyen verb racht. Dann sei er nach Italien und im Jahr 2008 schliesslich nach Grossbritannien wei- tergereist. Nachdem er nochmals in Italien und in Grossbritannien gewe- sen sei, sei er am 21. Juli 2010 in die Schweiz ein gereist. Anlässlich der Anhörung ersuchte der Beschwerdeführer erneut um Korrektur seines Na- mens auf C._______. G. Am 14. September 2016 reichte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter einen Schülerausweis und ein Schulzeugnis der siebten Klasse lautend auf den Namen B._______ ein. D-437/2017 Seite 4 H. Mit tags drauf eröffneter Verfügung vom 20. Dezember 2016 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch vom 29. September 2010 ab. Gleichzeitig ver- fügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. I. Mit Eingabe vom 20. Januar 2017 liess der Beschwerdeführer, handelnd durch seinen Rechtsvertreter, gegen diesen Entscheid beim Bundesver- waltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, es sei die ange- fochtene Verfügung aufzuheben , die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig auf- zunehmen. Subeventualiter sei die Unzulässigkeit oder die Unzu mutbar- keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Sub-subeventualiter sei die Sache zur hinreichenden Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuwei- sen. Es sei die Vorinstanz anzuweisen, die Hauptidentität des Beschwer- deführers auf den Namen C._______ zu ändern. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er zudem beantragen, es sei die unentgeltliche Prozessfüh- rung und Rechtsverbeiständung unter Beiordnung des Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand zu gewähren und auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses zu verzichten. Mit der Beschwerde reichte er Kopien der bereits beim SEM einreichten Familienfotos, des Schülerausweises und des Schulzeugnisses ein. J. Der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts stellte mit Verfü- gung vom 1. Februar 2017 fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und forderte den Beschwerdefüh- rer auf, eine Fürsorgebestätigung einzureichen. Gleichzeitig gab er ihm Gelegenheit nach Einsicht in die Akten der Schwester J._______ (N […]) eine Beschwerdeergänzung einzureichen und verzichtete vorerst auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. K. Mit Eingabe vom 16. Februar 2017 reichte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter eine Fürsorgebestätigung vom 25. Januar 2017 und eine Beschwerdeergänzung ein. Er legte eine Zusammenfassung der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) des Urteils des UK Upper Tribunals D-437/2017 Seite 5 “MST and Others (national service – risk categories) Eritrea CG [2016] UKUT 00443 (IAC)“ bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz - würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit – un- ter Vorbehalt nachfolgender Ausführungen – einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Die Verfügung bildet als Anfechtungsgegenstand in der Bundesverwal- tungsrechtspflege den äusseren Rahmen, innerhalb welchem die Parteien der Rechtsmittelinstanz ein Rechtsverhältnis zur Beurteilung unterbreiten können. Der durch die Parteibegehren defin ierte Streitgegenstand darf nicht über den Anfechtungsgegenstand hinaus reichen. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann grundsätzlich nur sein, was Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger Gesetzesauslegung hätte sein sollen (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 687; ANDRÉ MOSER, in: Auer/Müller/Schindler (Hrsg.), Kommentar zum D-437/2017 Seite 6 Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), Zürich 2008, Rz. 3 zu Art. 52; CHRISTOPH AUER, Streitgegenstand und Rügeprinzip im Span- nungsfeld der verwaltungsrechtlichen Prozessmaximen, Bern 1997, S. 63) In der Beschwerde wird beantragt, die Vorinstanz sei anzuweisen, die Hauptidentität des Beschwerdeführers auf de n Namen C._______ zu än- dern. Diesbezüglich ist festzustellen, dass in der angefochtene Verfügung das Gesuch um Anpassung der Personalien des Beschwerdeführers zwar im Sachverhalt erwähnt und in der Begründung Ausführungen zur Identität des Beschwerdeführer s gemacht werden. Im Dispositiv werden jedoch keine Dispositionen hinsichtlich der Hauptidentität des Beschwerdeführers getroffen. Das SEM hat mir anderen Worten über das Gesuch um Anpas- sung der Personalien des Beschwerdeführers (noch) nicht befunden. Eine allfällige Berichtigung der Hauptidentität des Beschwerdeführers kann des- halb nicht Anfechtungsgegenstand in vorliegendem Beschwerdeverfahren sein. Auf den Antrag, die Vorinstanz sei anzuweisen, die Hauptidentität des Beschwerdeführers auf den Namen C._______ zu ändern , ist deshalb nicht einzutreten. 4. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren wurden die Akten der Schwestern D._______ (N […]) und J._______ (N […]) beigezogen. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde jedoch auf die Durchführung eines Schriften- wechsels verzichtet. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen des Landes – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel- tend. Subjektive Nachf luchtgründe begründen die Flüchtlingseigenschaft D-437/2017 Seite 7 im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Aus- schluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Daher werden Personen, welche subjek- tive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 5.3 Die am 1. Februar 2014 in Kraft getretene Bestimmung von Art. 3 Abs. 4 AsylG hält zwar fest, dass Personen, die Gründe geltend m achen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden und weder Aus- druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat be- stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht als Flüchtlinge gelten können; diese einschränkende Feststellung wurde vom Gesetzgeber aller- dings durch den ausdrücklichen Hinweis auf den Vorbehalt der Geltung der Flüchtlingskonvention relativiert (vgl. Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG). 5.4 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe nach seiner Einreise in die Schweiz durchgehend widersprüchliche Angaben zu seiner Identität gemacht. Dies betreffe seine Angaben zum Namen, seinen Geschwistern, die Namen sei- ner Eltern, seiner Schulbildung und der Geburts - und Wohnorte. Er habe keine rechtsgenüglichen Identitätsdokumente eingereicht, die seine Identi- tät belegen würden. Aufgrund seiner widersprüchlichen Angaben und nachweislichen Täuschung des SEM bestünden erhebliche Zweifel an sei- ner Identität. Seine eingereichten Unterlagen vermöchten an dieser Fest- stellung nichts zu ändern, zumal er im Rahmen des Asylverfahrens beide Identitäten mit Unterlagen zu dokumentieren versucht und somit nachweis- lich gefälschte Dokumente eingereicht habe. Die Zweifel an seiner Identität würden durch die unterschiedlichen Ausführungen zu seinen Asylgründen und der illegalen Ausreise zusätzlich bestärkt. Während er im Rahmen sei- ner unter verschiedenen Namen eingereichten Asylverfahren zwei unter- schiedliche Fluchtgeschichten angegeben habe, habe er anlässlich seiner ergänzenden Anhörung vom 12 . August 2016 erneut eine komplett neue D-437/2017 Seite 8 Fluchtgeschichte dargelegt. Er habe dabei erklärt, seine beiden vorherge- hend geltend gemachten Fluchtgeschichten seien nicht wahrheitsgetreu gewesen. Er sei weder aus dem Militärdienst desertiert noch zum Militär- dienst einberufen worden. Auf Vorhalt, weshalb er falsche Angaben ge- macht habe, habe er geantwortet, dass er sich davon einen raschen posi- tiven Entscheid erhofft habe. Auf Vorhalt, weshalb er diesen Umstand nicht zu einem früheren Zeitpunkt klargestellt habe, habe er behauptet, dass er anlässlich der Erstbefragung vom 5. April 2013 von der dolmetschenden Person und dem Sachbearbeiter des SEM gehindert worden sei. Seine Er- klärungen vermöchten nicht zu überzeugen. Die Erstbefragung sei rück- übersetzt und von ihm unterschrieben worden. Er habe darin weder seine angeblich richtigen Personalien angegeben, noch die neuen Vorbringen er- wähnt. Er habe auf seine ursprüngliche Asylgründe verwiesen und auf ent- sprechende Nachfrage explizit verneint, andere Asylgründe zu haben. Auf Nachfrage, weshalb er seine angeblich wahren Fluchtgründe in de n mehr als drei Jahren nach der letzten Erstbefragung nicht richtig gestellt habe und stattdessen bis zum Termin der ergänzenden Anhörung damit zuge- wartet habe, habe er erklärt, seine Rechtsvertretung habe ihm dies so emp- fohlen. Ausgehend von seinen Angaben könne festgestellt werden, dass er wiederholt und in grober Weise gegen seine Wahrheits- und Mitwirkungs- pflicht verstossen habe. Es bestehe kein Anlass, seine in der ergänzenden Anhörung geltend gemachten und angeblich wahren Fluchtgründe zu glau- ben, da er diesbezüglich lediglich vage und oberflächliche Angaben ge- macht habe. So habe er hinsichtlich seiner Probleme in Eritrea wiederholt, er sei nach seiner Flucht von den Behörden gesucht worden. Auf die Auf- forderung hin genauer zu erklären, was konkret geschehen sei, habe er angegeben, dass er dies nicht wisse. Er wisse auch nicht, ob er nach seiner Flucht zu Hause gesucht worden sei. Auf Vorhalt, weshalb er dies trotz Kontakt zu seiner Familie nicht wisse, habe er angegeben, er habe in der letzten Zeit keinen Kontakt mehr zu seiner Familie gehabt. Diese Antwort überzeuge nicht, da er zuvor anlässlich der Anhörung angegeben habe, bis anhin mit seinen Eltern und seiner Schwester in Eritrea i n Kontakt zu ste- hen. Wäre er tatsächlich aus Furcht vor einer Verhaftung durch die eritrei- schen Behörden geflüchtet, so müsse angenommen werden, dass e r wisse, ob er gesucht worden sei. Betreffend seine illegale Ausreise habe er zuerst relativ ausführlich über den Verlauf seiner Flucht aus Eritrea er- zählt. Auf die Vertiefungsfragen habe er aber stereotyp und schemenhaft geantwortet. So fänden sich in seinen Angaben kaum erlebnisnahe Schil- derungen der Ausreise. Aufgrund seiner widersprüchlichen und vagen An- gaben zu seinen Fluchtgründen und der Ausreise könne ihm nicht geglaubt D-437/2017 Seite 9 werden, dass er unter den geltend gemachten Umständen und zum gel- tend gemachten Zeitpunkt aus Eritrea ausgereist sei. Er erfülle demnach die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass sein Asylgesuch abzulehnen sei. 6.2 In der Beschwerde und deren Ergänzung wird geltend gemacht der Be- schwerdeführer habe einen grossen Fehler gemacht, als er in die Schweiz eingereist sei. Er habe sich von Gerüchten leiten lassen und habe den Rat- schlägen von eritrei schen Personen in der Schweiz Glauben geschenkt und Folge geleistet, dass er eine falsche Asylgeschichte erzählen solle. Zu seiner Entschuldigung sei anzuführen, dass er sein Heimatland sehr jung verlassen und danach in einer Odyssee nach einer neuen Heimat gesucht habe. Er sei im Alter von (…) Jahren aus Eritrea geflüchtet und ungefähr acht Jahre später in der Schweiz angekommen. Da er das Verfahren in der Schweiz nicht gekannt habe, habe er sich von Landsleuten falsch instruie- ren lassen. Er habe grosse Angst gehabt, dass er im Rahmen des Dublin- Verfahrens wieder weggeschickt werde und seine Reise fortsetzen müsse. Zur Identität des Beschwerdeführers sei anzumerken, dass er sich einmal einen falschen Namen gegeben habe: A._______. Er habe einen Tauf- schein mit diesem Namen gefunden und habe aus Angst vor einer Dublin- Wegweisung nach Italien, gegenüber den Migrationsbehörden eine falsche Identität geltend gemacht und nochmals um Asyl ersucht. Er habe im Rah- men der Befragung vom 5. April 2013 versucht, seine Angaben zu korrigie- ren, sei jedoch darauf hingewiesen worden, dass es sich nur um eine sum- marische Befragung handle und er solche Angaben anlässlich der Anhö- rung machen könne. Er sei vom Sachbearbeiter und de m Übersetzer ab- geklemmt worden, wie er anlässlich der Anhörung vom 12. August 2016 glaubhaft erklärt habe. Der Beschwerdeführer zeige sich einsichtig und reuig, was seine Verletzung der Mitwirkungspflicht betreffe. Auch die Hilfs- werksvertreterin habe anlässlich der Anhörung angemerkt, dass der Be- schwerdeführer einsichtig gewesen sei und seine früheren Falschaussa- gen aufgedeckt habe. Er habe anlässlich der Anhörung seinen Schülerpas- sierschein und sein Schulzeugnis angekündigt und mit Schreiben vom 14. September 2016 einreichen können. Die Aussagen anlässlich der An- hörung vom 12. August 2016 seien äusserst glaubhaft. Er habe nicht nur ausführlich und detailliert erzählt, sondern habe falsche und ungenaue An- gaben korrigiert. Er habe bereits bei seinem ersten Asylgesuch seinen kor- rekten Namen, C._______ angegeben. Diese Identität könne er mit den eingereichten Dokumenten rechtsgenüglich belegen, insbesondere, da auf dem Schülerausweis ein Foto sei, welches den Beschwerdeführer trotz schlechter Qualität zweifelsfrei identifizieren lasse. Zudem werde die Iden-D-437/2017 Seite 10 tität des Beschwerdeführers von seinen Schwestern D._______, aner- kannter Flüchtling mit Asyl in der Schweiz, und J._______, Flüchtling mit vorläufiger Aufnahme in der Schweiz, bestätigt. Anlässlich ihrer Erstbefra- gung hätten sie die Namen aller Geschwister ang egeben, darunter auch derjenige des Beschwerdeführers (…) . Auch die übrigen Namen der Ge- schwister seien deckungsgleich mit den Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der Anhörung. Zudem würden sie dieselben Namen der Eltern nennen und erwähnen, dass die Geschwister im (…) des Vaters mitarbei- ten würden oder dass sie einen Onkel väterlich erseits in Saudi -Arabien hätten. Durch die eingereichten Fotos werde die Identität zweifelsohne be- legt, da der Beschwerdeführer trotz seines jungen Alters klar erkennbar sei, wie seine beiden Schwestern. Bei der unterschiedlichen Nennung des Nachnamens (B‘._______ oder C‘._______) handle es sich nicht um einen Widerspruch. B‘._______ sei eine geläufi ge Abkürzung für C‘._______. Entsprechend habe D._______ gegenüber dem SEM nur die Kurzform an- gegeben, währen J._______ und der Beschwerdeführer den vollen Namen genannt hätten. Dies habe der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung glaubhaft erklärt. Der Beschwerdeführer habe damit seine Identität anläss- lich der Anhörung vom 12. August 2016 zweifelsohne glaubhaft machen können. Aus diesen Gründen sei die Hauptidentität vom SEM anzupassen. Die anlässlich der Anhörung vom 12. August 2016 gemachten Ausführun- gen seien detailliert. Er werde mit Schleppertätigkeiten in Verbindung ge- bracht. Der Beschwerdeführer habe gesagt, was er wisse und dass er den Mann, der ihn gewarnt habe, später im Sudan wieder gesehen habe. Die- ser habe ihm erzählt, dass er gesucht worden sei. Der Mann habe ihn in Eritrea gewarnt und im Nachhinein im Sudan erzählt, dass er wirklich ge- sucht worden sei. Der Beschwerdeführer habe auf Nachfrage der Hilf s- werksvertreterin übereinstimmende Antworten gegeben. Da er erst nach der Flucht davon erfahren habe, dass er tatsä chlich gesucht worden sei, könne er auch nicht genau erzählen, was konkret geschehen sei. Auch gebe er wahrheitsgemäss zu Protokoll, dass er nicht wisse, ob er auch zuhause gesucht worden sei. Zuzugeben, dass man etwas nicht wisse, sei als Realitätsmerkmal zu werten. Zudem sei es gefährlich, mit der Familie in Eritrea am Telefon über die Behörden zu sprechen, weshalb der Be- schwerdeführer seine Familie nicht gefragt habe. Es sei bekannt, dass Erit- reer im Exil ihre Familienangehörige in der Heimat nicht auf heikle Punkte ansprechen würden. Er habe gesagt, dass die Flucht im Jahr 2002 lange zurückliege. Aus der Antwort könne nicht interpretiert werden, dass er schon lange keinen Kontakt mehr mit der Familie habe. Die Ausführungen der Vorinstanz gingen folglich fehl. Die Erkenntnis des SEM, dass die Aus- sagen des Beschwerdeführers zur Flucht aus Eritrea ausführlich gewesen D-437/2017 Seite 11 seien, werde geteilt und sei entsprechend zu würdigen. Zu berücksichtigen sei, dass eine erlebnisnahe Schilderung schwierig sei, je weiter das Erleb- nis zurückliege. Die Flucht des Beschwerdeführers habe im Zeitpunkt der Anhörung bereits 14 Jahre zurückgelegen. Der Beschwerdeführer habe Eritrea illegal verlassen. Gemäss Rechtsprechung müsse er im Falle einer Rückkehr nach Eritrea aufgrund seiner i llegalen Ausreise mit Sanktionen seitens seines Heimatlandes rechnen, die ernsthaft Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen würden. Zur Verbindlichkeit der Rechtspre- chung des Bundesverwaltungsgerichts se i auf BVGE 2010/54 hinzuwei- sen. Nachweise, dass Personen, die noch nicht für den Nationaldienst auf- geboten, davon befreit oder bereits aus dem Nationaldienst entlassen wor- den seien, keine drastische Strafe wegen ihrer illegalen Ausreise mehr ris- kieren, würden fehlen. Damit entbehre die durch di e Vorinstanz eigen- mächtig vorgenommene Praxisänderung jeglicher Grundlage. Da D._______ einen positiven Asylentscheid erhalten habe, weil sie aufgrund ihres Ehemannes im Visier des eritreischen Militärs gestanden habe , und J._______ Angst gehabt habe, in den Militärdienst eingezogen zu werden, sei die Familie des Beschwerdeführers vorbelastet. Der Beschwerdeführer sei zudem im militärdienstpflichtigen Alter und würde bei einer Rückkehr in den Militärdienst eingezogen werden, was Zwangsarbeit bedeute und da- her gegen Art. 4 und Art. 3 EMRK verstosse. In Anbetracht des Urteils des UK Upper Tribunals “MST and Others (national service – risk categories) Eritrea CG [2016] UKUT 00443 (IAC)“ sei anzunehmen, dass eine Person, deren Asylgesuch nicht für glaubhaft befunden worden sei, die jedoch die illegale Ausreise habe glaubhaft machen können und dass sie im dienst- pflichtigen Alter sei oder bald in dieses Alter komme, im Fall einer Rückkehr als Dienstverweigerer oder Deserteur vom Nationaldienst betrachtet wer- den dürfte und Gefahr laufe, verfolgt zu werden oder ernsthafte Nachteile zu erleiden. Eine Wegweisung eines eritreischen Asylsuchenden im dienst- pflichtigen Alter sei folglich unzulässig. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuches anlässlich der Anhörung vom 12. August 2016 vor, er habe sich aufgrund einer Verhaftung eines ihm bekannten Rashaida-Händlers davor gefürch- tet, dass er auch von den eritreischen Behörden verhaftet werden könnte. Er habe des halb auf Anraten eines weiteren Bekannten des Rashaida - Händlers Eritrea illegal verlassen. 7.2 Hinsichtlich der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen ist nach Durchsicht der Akten der Schwester D._______ festzustellen, dass auch sie in ihrem D-437/2017 Seite 12 Verfahren erwähnte, dass ihr Vater Kontakt zu Rashaida gehabt und ein Rashaida ihr zur Ausre ise verholfen habe (vgl. Akte N […] A32/10 S. 3 f. F19). Es ist deshalb möglich, dass der Beschwerdeführer in Eritrea mit Rashaida in Kontakt gestanden ist. Unabhängig von der Beantwortung der Frage der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen ist jedoch festzustellen, dass des Beschwerdeführers keine hinreichend begründete Furcht vor einer asylrelevanten Verhaftung attestiert werden kann . Einerseits basieren seine Befürchtungen, von den Behörden gesucht zu werden, nur auf Ver- mutungen. So gab er anlässlich der Anhörung selber an, dass seine Fami- lie nach seiner Ausreise wegen ihm keine Schwierigkeiten gekriegt hat und die Behörden nicht nach ihm gefragt hätten (vgl. Akten C24/21 F105). Auch seine Schwestern, welche Eritrea nach ihm verlassen haben, erwähnten in ihren Asylverfahren keine behördliche Suche nach dem Beschwerdeführer. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Ausreise in asylrelevantem Ausmass von den eritreischen Behörden gesucht worden ist. Andererseits wurde der verhaftete Rashaida angeblich im Zusammenhang mit dessen Schleppertätigkeit festgenom- men. W äre der Beschwerdeführer demnach in diesem Zusammenhang von den Behörden gesucht worden, hätte diese Suche nicht auf einem in Art. 3 AsylG aufgezählten Motiv beruht und wäre daher asylrechtlich nicht von Bedeutung. Dem Beschwerdeführer gelingt es demnach nicht , eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zum Zeitpunkt der Ausreise aus Erit- rea glaubhaft zu machen. 7.3 Das BVGer hat sich im Urteil D -7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil publiziert) zur Frage der Zulässigkeit der Praxisänderung des SEM bezüglich der flüchtlingsrechtlichen Beurteilung der illegalen Aus- reise aus Eritrea geäussert. Darin wurde di e bisherige Rechtsprechung aufgegeben, wonach – wie in der Beschwerde erwähnt – eine glaubhaft gemachte illegale Ausreise aus Eritrea als subjektiver Nachfluchtgrund an- zusehen war, weil illegal Ausgereiste bei einer Rückkehr nach Eritrea mit erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG rechnen mussten. Eine Verletzung der in BVGE 2010/54 beschriebenen Regeln durch das SEM liegt damit nicht vor. 7.4 Das BVGer kam im genannten Referenzurteil D -7898/2015 vom 30. Januar 2017 nach einer eingehenden Lageanalyse zum Schluss, es sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, einer aus Eritrea illegal ausgereisten Person drohe einzig aus diesem Grund eine asylrelevante Verfolgung (vgl. a.a.O. E. 5.1). Für die Begründung der D-437/2017 Seite 13 Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext bedürfe es neben der illega- len Ausreise zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welche zu einer Verschär- fung des Profils und dadurch zu einer asylrechtlich relevanten Verfolgungs- gefahr führen könnten (vgl. a.a.O. E. 5.2). Solche Anknüpfungspunkte lie- gen im Falle des Beschwerdeführers indes nicht vor, zumal wie bereits aus- geführt, nicht davon auszugehen ist, dass die eritreischen Behörden nach ihm in asylrelevanter Intensität gesucht haben (vgl. oben E. 7.2). Zudem liegt entgegen den Ausführu ngen in der Beschwerde auch wegen den Schwestern des Beschwerdeführers kein verschärftes Profil der Familie des Beschwerdeführers vor. J._______ ist aufgrund ihrer illegalen Ausreise im Jahr 2014 – der damaligen Praxis entsprechend – als Flüchtling aner- kannt und vorläufig aufgenommen worden und D._______ ist aufgrund ei- ner im Jahr 2007 wegen ihres Ehemannes erlittenen Reflexverfolgung Asyl gewährt worden. Derartige familiäre Situationen sind in Eritrea jedoch nicht selten anzutreffen und es ist nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdefüh- rer, der Eritrea gemäss seinen Angaben bereits im Jahr 2002 verlassen hat, wegen seiner Schwestern, die viel später in den Jahren 2007 und 2014 aus Eritrea ausgereist sind, ins Visier der eritreischen Behörden geraten sein könnte, zumal aufgrund der Akten der Schwestern nicht davon ausge- gangen werden kann, diese hätte aktiv politisch gegen das eritreische Re- gime opponiert. 7.5 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen, eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinn von Art. 3 beziehungsweise Art. 54 AsylG darzutun. Das SEM hat folglich zu Recht seine Flüchtlingsei- genschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat für Migration das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfü gt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das S EM das Anwesenheitsverhältnis nach den D-437/2017 Seite 14 gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 9.2.2 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin- gewiesen, dass das flüchtlingsrechtliche Gebot des Non-Refoulement nur Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. 9.2.3 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urtei l E -5022/2017 vom 10. Juli 2018 (zur Publikation als Referenzurteil vorgesehen) die Frage ge- klärt, ob der Vollzug der Wegweisung angesichts einer drohenden Einzie- hung in den Nationaldienst als zulässig (Art. 83 Abs. 3 AuG) betrachtet werden kann. Es hat da bei aufgrund der verfügbaren Quellen (vgl. a.a.O. E. 4) den Zweck, die Dienstzweige, den Kreis der Dienstpflichtigen und das Rekrutierungssystem des Nationaldienstes beleuchtet (vgl. D-437/2017 Seite 15 a.a.O. E. 5.1) und untersucht, welche Bedingungen im eritreischen Natio- naldienst herrschen, wobei die Verhältnisse in der Grundausbildung bezie- hungsweise jene im militärischen und im zivilen Nationaldienst sowie die Frage der Dauer der Nationaldienstleistung gesondert in Augenschein ge- nommen wurden. Das Gericht hat festgestellt , es werde berichtet, in der Grundausbildung seien die Rekrutinnen und Rekruten systematisch der Willkür ihrer Vorgesetzten ausgeliefert und abweichende Meinungen, Fluchtversuche und Ungehorsam von diesen würden bisweilen drakonisch bestraft und auch sexuelle Übergriffe, denen dienstleistende Frauen insbe- sondere durch ihre militärischen Vorgesetzten ausgesetzt seien, seien weit verbreitet. Gleichzeitig werde von anderer Seite in Frage gestellt, dass sol- che Misshandlungen und sexuelle Übergriffe systematisch stattfänden (vgl. a.a.O. E. 5.2.1). Festgestellt wurde ferner, dass für die Dienstleistung im militärischen Nationaldienst die kaum beschränkte Entscheidungsmacht der Vorgesetzten prägend sei, der die Soldatinnen und Soldaten auch auf- grund des Fehlens ein er funktionierenden Militärjustiz fast schutzlos aus- gesetzt seien, und auch von drakonischen Bestrafungen und sexuellen Übergriffen im militärischen Nationaldienst berichtet werde, wobei von an- derer Seite auch diesbezüglich der flächendeckende Charakter so lcher Übergriffe bezweifelt werde (vgl. a.a.O. E. 5.2.2). Schliesslich sei im zivilen Nationaldienst vor allem die tiefe Entlohnung für die Dienstleistung proble- matisch, da viele Dienstleistende allein mit der Entschädigung für ihre Na- tionaldiensttätigkeit ihren Grundbedarf kaum decken könnten (vgl. a.a.O. E. 5.2.2). 9.2.5 Gestützt auf diese Analyse ist das Bundesverwaltungsgericht in sei- nem Urteil sodann zur Erkenntnis gelangt, dass es sich beim eritreischen Nationaldienst zwar nicht um Sklaverei oder um Leibeigenschaft im Sinne von Art. 4 Abs. 1 EMRK handelt. Da die Dienstzeit nicht vorhersehbar sei und für den Staat bei schlechter Entlohnung im Durchschnitt mindestens fünf bis zehn Jahre Dienst geleistet werden müsse, stelle der National- dienst für die Betroffenen jedoch eine unverhältnismässige Last dar, wes- halb dieser als Zwangsarbeit im Sinne von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifi- zieren sei. Nicht erstellt sei jedoch ein derart flächendeckendes Ausmass an Misshandlungen und sexuellen Übergriffen während des Nationaldiens- tes, dass die Annahme gerechtfertigt wäre, jede Nationaldienstleistende und jeder Nationaldienstleistende sei dem ernsthaften Risiko ausgesetzt, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es könne deshalb nicht davon ausge- gangen werden, es bestehe generel l das ernsthafte Risiko einer krassen Verletzung des Verbots der Zwangs- und Pflichtarbeit im Sinne von Art. 4 Abs. 2 EMRK während des Nationaldienstes und auch eine Verletzung von D-437/2017 Seite 16 Art. 3 EMRK könne deshalb nicht angenommen werden. Die drohende Ein- ziehung in den eritreischen Nationaldienst führe deshalb nicht zur Unzu- lässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 3 AuG (vgl. a.a.O. E. 6.1). 9.2.6 Auch die unbestrittenermassen problematische allgemeine Men- schenrechtssituation in Eritrea lässt den Weg weisungsvollzug zum heuti- gen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 9.3 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich da- mit – sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun- gen – als zulässig. 9.4 9.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.4.2 Gemäss aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungs- weise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausge- gangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in ei- nigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation, der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Am 9. Juli 2018 unterzeichneten der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed und Eritreas Präsident Isaias Afwerki in Asmara einen Vertrag, in dem beide Seiten den Kriegszustand für beendet erk lärten und eine umfas- sende Zusammenarbeit vereinbarten (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], Äthiopien und Eritrea schliessen Frieden, 9. Juli 2018). Auch im Inneren des Landes sind keine ernsthaften ethnischen oder religiösen Konflikte zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevölkerung pro- fitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss je- doch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenzbedrohung ausgegan- gen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individuelle Faktoren je-D-437/2017 Seite 17 doch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D -2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). Auch die drohende Einziehung in den eritrei- schen Nationaldienst führt gemäss dem jüngst ergangenen Urteil nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Urteil E -5022/2017 vom 10. Juli 2018 E. 6.2). 9.4.3 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen gesunden Mann von etwas über (…) Jahren, der in Eritrea über Familie und Verwandte ver- fügt. Besondere Umstände, aufgrund derer davon ausgegangen werden müsste, der Beschwerdeführer gerate im Falle der Rückkehr in eine exis- tenziellen, sind vorliegend keine ersichtlich. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar, zumal der Be- schwerdeführer auch auf Beschwerdeebene keine persönlichen Umstände geltend macht, die diesbezüglich zu einer anderen Einschätzung führen könnten. 9.5 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass derzeit zwar die zwangsweise Rückführung nach Eritrea generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht aber praxisgemäss der Feststellung der Un- möglichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist, soweit darauf einzutre- ten ist, abzuweisen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Verfügung vom D-437/2017 Seite 18 1. Februar 2017 wurde der Entscheid über die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um amtliche Verbeiständung gemäss Art. 110a Abs. 1 AsylG auf einen spä- teren Zeitpunkt verwiesen. 11.2 Der Beschwerdeführer hat eine Fürsorgebestätigung vom 25. Januar 2017 eingereicht und ist gemäss den vorliegenden Akten aktuell nicht er- werbstätig, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass er prozessual bedürftig ist. Gleichzeitig müssen die Beschwerdebegehren im Zeitpunkt der Einreichung als nicht aussichtslos bezeichnet werden. Demnach ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzu heissen. Trotz Unterliegens des Beschwerde- führers sind demzufolge keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 11.3 Da das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen wurde, ist dem bedürftigen Beschwerdeführer sein Rechts- vertreter als amtlicher Rechtsbeistand beizuordnen (Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG) und ihm ein entsprechendes Honorar auszurichten (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädi- gung Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigun gen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter reichte keine Kostennote ein. Der not- wendige Vertretungsaufwand ist daher auf Grund der Akten festzusetzen. Dem Rechtsvertreter, welcher bei Einreichung seiner Eingaben noch nicht im Besitz des Rechts anwaltpatentes war, ist zu Lasten des Gerichts ein amtliches Honorar von Fr. 800.– (inklusive Auslagen) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-437/2017 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung werden gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird zu Lasten der Gerichtskasse ein Ho- norar von Fr. 800.– entrichtet. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Sarah Ferreyra Versand: