<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 87 S.311</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">311</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>87 Abzüge vom Roheinkommen; Zuwendungen an die steuerbefreiten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>politischen Parteien (§ 40 lit. l StG).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Es ist kein Abzug für Parteibeiträge zu gewähren, weil § 40 lit. l StG</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den Bestimmungen des StHG widerspricht.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">23. September 2004 in Sachen H.+ S.Sch., RV.2003.50013/K 8090</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Die Rekurrenten beantragen, es sei ein Abzug für Zuwen-</span><br/> <span class="ft1">dungen an steuerbefreite politische Parteien von insgesamt</span><br/> <span class="ft1">Fr. 1'667.-- (Rekurrent Fr. 1'100.--; Rekurrentin Fr. 567.--) statt le-</span><br/> <span class="ft1">diglich Fr. 1'100.-- zu gewähren.</span><br/> <span class="ft1">b) Gemäss § 40 lit. l StG werden von den Einkünften die nach-</span><br/> <span class="ft1">gewiesenen Zuwendungen an die steuerbefreiten politischen Parteien</span><br/> <span class="ft1">bis Fr. 1'100.-- abgezogen.</span><br/> <span class="ft1">c) Das StHG, welches am 1. Januar 2001 in Kraft trat, bestimmt</span><br/> <span class="ft1">die von den Kantonen zu erhebenden direkten Steuern und legt die</span><br/> <span class="ft1">Grundsätze fest, nach denen die kantonale Gesetzgebung zu gestalten</span><br/> <span class="ft1">ist (Art. 1 Abs. 1 StHG). Lediglich die Ausgestaltung der Steuerta-</span><br/> <span class="ft1">rife, Steuersätze und Steuerfreibeträge bleibt Sache der Kantone</span><br/> <span class="ft1">(Abs. 3). Art. 9 StHG legt abschliessend (Art. 9 Abs. 4 StHG) fest,</span><br/> <span class="ft1">welche Abzüge von den gesamten Einkünften zulässig sind. Hierzu</span><br/> <span class="ft1">gehören gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. i StHG die freiwilligen Zuwendun-</span><br/> <span class="ft1">gen an juristische Personen mit Sitz in der Schweiz, die im Hinblick</span><br/> <span class="ft1">auf öffentliche oder auf ausschliesslich gemeinnützige Zwecke von</span><br/> <span class="ft1">der Steuerpflicht befreit sind. Die Abzugsfähigkeit von Parteibeiträ-</span><br/> <span class="ft1">gen sieht das StHG nicht ausdrücklich vor. Da politische Parteien</span><br/> <span class="ft1">nicht als juristische Personen mit öffentlichen oder ausschliesslich</span><br/> <span class="ft1">gemeinnützigen Zwecken zu qualifizieren sind, sind Parteibeiträge</span><br/> <span class="ft1">gemäss StHG nicht abziehbar. Mit dieser Auslegung in Einklang</span><br/> <span class="ft1">steht auch das DBG. Dieses sieht in Art. 33 Abs. 1 lit. i zwar eben-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">312</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">falls einen Abzug für gemeinnützige Zuwendungen, gemäss einhelli-</span><br/> <span class="ft1">ger Lehre und konstanter Rechtsprechung (zur früheren Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">im BdBSt) nicht jedoch für Parteibeiträge vor. Auf dem Hintergrund</span><br/> <span class="ft1">der von Bund und Kantonen angestrebten horizontalen wie auch ver-</span><br/> <span class="ft1">tikalen Steuerharmonisierung ist nicht anzunehmen, dass die er-</span><br/> <span class="ft1">wähnte Norm des StHG anders auszulegen ist als jene des DBG.</span><br/> <span class="ft1">Auch aus den Materialien zum StHG ergeben sich keine Hinweise,</span><br/> <span class="ft1">dass der Gesetzgeber etwa beabsichtigt hätte, Parteibeiträge zum Ab-</span><br/> <span class="ft1">zug zuzulassen. Demnach fehlt im Steuerharmonisierungsgesetz eine</span><br/> <span class="ft1">Grundlage, welche die Kantone berechtigen würde, die Abzugsfä-</span><br/> <span class="ft1">higkeit von Parteibeiträgen zu statuieren. Entsprechende kantonale</span><br/> <span class="ft1">Bestimmungen werden von der Lehre denn auch einhellig als har-</span><br/> <span class="ft1">monisierungs- und damit bundesrechtswidrig betrachtet. Das gilt</span><br/> <span class="ft1">auch für § 40 lit. l StG. Diese Norm widerspricht den abschliessenden</span><br/> <span class="ft1">Bestimmungen des StHG. Seit dem 1. Januar 2001 findet das Bun-</span><br/> <span class="ft1">desrecht direkt Anwendung, wenn ihm das kantonale Steuerrecht wi-</span><br/> <span class="ft1">derspricht (§ 72 Abs. 2 StHG). Es ist daher nicht nur die beantragte</span><br/> <span class="ft1">Erhöhung des Abzuges für Parteibeiträge abzulehnen, sondern es ist</span><br/> <span class="ft1">der von der Vorinstanz dafür gewährte Abzug von Fr. 1'100.-- gänz-</span><br/> <span class="ft1">lich zu streichen (vgl. StE 2002 A 23.1 Nr. 4 betreffend der analogen</span><br/> <span class="ft1">Bestimmung des zürcherischen Steuergesetzes; Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">Aargauer Steuergesetz, 2. Auflage, Muri-Bern 2004, § 40 StG N 197;</span><br/> <span class="ft1">vgl. betreffend Verstoss einer kantonalen gesetzlichen Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">gegen das übergeordnete StHG auch VGE vom 18. September 2002</span><br/> <span class="ft1">in Sachen B.S.). Damit kann offen gelassen werden, ob die aargaui-</span><br/> <span class="ft1">sche Regelung nicht eine gewisse Benachteiligung von Ehepaaren</span><br/> <span class="ft1">bewirkt (vgl. Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O., § 40</span><br/> <span class="ft1">StG N 198).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>