A bteilung V E -2110/2007 luc/vem {T 0/2} U rteil vom 20. A ugust 2007 M itw irkung: R ichterin Luterbacher, R ichter Schürch, R ichter Brodard G erichtsschreiber Vena X._______, Volksrepublik C hina, Beschw erdeführer 1 sow ie Y._______, Volksrepublik C hina, und Z._______, Volksrepublik C hina, beide zurzeit in N epal, Beschw erdeführerin Beschw erdeführer 2 alle vertreten durch Katerina Baum ann, Fürsprecherin, Berner R echtsberatungsstelle für Asylsuchende, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 20. Februar 2007 i.S. Einreisebew illigung / Fam iliennachzug / Einbezug in vorläufige A ufnahm e B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D as BFM stellte m it Verfügung vom 2. M ärz 2006 fest, dass der Beschw erdeführer 1 die Flüchtlingseigenschaft erfülle, dies allerdings erst aufgrund subjektiver N ach- fluchtgründe, w eshalb es denn auch sein Asylgesuch vom 23. August 2002 ab- lehnte und seine W egw eisung aus der Schw eiz anordnete, ihn indessen w egen U nzulässigkeit des W egw eisungsvollzugs vorläufig in der Schw eiz aufnahm . D iese Verfügung erw uchs in der Folge unangefochten in R echtskraft. B. M it einer als "G esuch um Fam ilienzusam m enführung" bezeichneten, nicht näher begründeten Eingabe vom 18. Septem ber 2006 beantragte der Beschw erdeführer 1 beim BFM sinngem äss die Bew illigung der Einreise in die Schw eiz für seine Ehe- frau Y._______ (die Beschw erdeführerin) sow ie das Kind Z._______ (den Beschw erdeführer 2). D iesem G esuch w urde ein Schreiben des A._______ in Kathm andu / N epal vom 8. Septem ber 2006 beigelegt, in w elchem die fam iliäre Beziehung zw ischen den Beschw erdeführenden bestätigt w urde, dies unter Angabe der neuen Adresse der Beschw erdeführerin und des Beschw erdeführers 2, die Tibet inzw ischen ebenfalls verlassen hätten und sich seit ein paar M onaten in Kathm andu aufhalten w ürden. M it Zw ischenverfügung vom 22. Septem ber 2006 forderte das BFM den Be- schw erdeführer 1 auf, bis zum 22. N ovem ber 2006 Identitätspapiere der Be- schw erdeführerin und des Beschw erdeführers 2 einzureichen, die geltend ge- m achte verw andtschaftliche Beziehung zum Beschw erdeführer 2 - nam entlich m it- tels einer D N A-Analyse - nachzuw eisen sow ie genaue Angaben zur letzten Adres- se der Beschw erdeführerin und des Beschw erdeführers 2 in Tibet beziehungsw ei- se an ihrem Aufenthaltsort in N epal zu m achen. D arauf Bezug nehm end erklärte der Beschw erdeführer 1 m it Schreiben an das BFM vom 25. Septem ber 2006, seine Ehefrau und sein Kind hätten bei ihrer Aus- reise aus Tibet keine Identitätspapiere m itnehm en können, und es sei ihm nicht m öglich, für sie entsprechende D okum ente in Tibet zu beschaffen. Er gab an, sei- ne Ehefrau und sein Kind bereits anlässlich der Befragungen im R ahm en seines eigenen Asylverfahrens erw ähnt zu haben, und verw ies im Ü brigen auf die bereits eingereichte Bestätigung des A._______. M it Schreiben vom 8. N ovem ber 2006 forderte das BFM die zuständig kantonale Behörde auf, bis zum 30. N ovem ber 2006 eine Stellungnahm e darüber abzuge- ben, ob einer Einreise der Fam ilie des Beschw erdeführers 1 allenfalls G ründe nach der - inzw ischen m it W irkung seit 1. Januar 2007 aufgehobenen - Bestim - m ung von Art. 39 Abs. 2 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfah- rensfragen (AsylV 1, SR 142.311) entgegenstehen würden, worauf die kantonale Behörde einen vom 22. November 2006 datierenden Bericht einreichte. C . M it Verfügung vom 20. Februar 2007 - am 22. Februar 2007 eröffnet - verw eigerte das BFM der Beschw erdeführerin 1 und dem Beschw erdeführer 2 gestützt auf Art. 14c Abs. 3bis des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N ieder-3 lassung der Ausländer (AN AG , SR 142.20, eingefügt durch Anhang Ziff. 1 der Asylgesetzänderung vom 16. D ezem ber 2005 [AS 2006 4745], in Kraft seit 1. Ja- nuar 2007 [AS 2006 4767]) die Einreise in die Schw eiz sow ie den Einbezug in die vorläufige Aufnahm e des Beschw erdeführers 1. Begründet w urde dieser Entscheid im W esentlichen m it dem H inw eis darauf, dass gem äss der am 1. Januar 2007 in Kraft getretenen und gem äss Ü bergangsrecht auch auf hängige "G esuche um Fa- m iliennachzug" anw endbaren Bestim m ung von Art. 14c Abs. 3bis AN AG in form eller H insicht erforderlich sei, dass seit der Anordnung der vorläufigen Aufnahm e drei Jahre vergangen seien, w as beim Beschw erdeführer 1 nicht der Fall sei. D . D iese Verfügung w urde m it Eingabe der R echtsvertreterin der Beschw erdeführen- den vom 21. M ärz 2007 beim Bundesverw altungsgericht angefochten. D ie Beschw erdeführenden beantragten, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und der Beschw erdeführerin und dem Beschw erdeführer 2 sei die Einreise in die Schw eiz "zw ecks Feststellung der Flüchtlingseigenschaft" zu bew illigen. Auf die Begründung der Beschw erde w ird - sow eit entscheidrelevant - in den nachfolgenden Erw ägungen eingegangen. E. Am 30. M ärz 2007 bestätigte das Bundesverw altungsgericht den Beschw erdefüh- renden den Eingang der Beschw erde. F. M it Zw ischenverfügung der zuständigen Instruktionsrichterin des Bundesverw al- tungsgerichts vom 17. April 2007 w urde auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses verzichtet. D ie Verfahrensakten w urden der Vorinstanz zur Vernehm lassung überw iesen. G . In ihrer Vernehm lassung vom 27. April 2007 hielt die Vorinstanz an der angefoch- tenen Verfügung fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. D iese Ver- nehm lassung w urde den Beschw erdeführenden vom Bundesverw altungsgericht m it Schreiben vom 1. M ai 2007 zur Kenntnis gebracht. H . M it Eingabe vom 16. Juli 2007 reichte die R echtsvertreterin auf Aufforderung durch das Bundesverw altungsgericht hin eine detaillierte Kostennote zu den Akten. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 D as Bundesverw altungsgericht beurteilt gem äss Art. 31 des Verw altungsgerichts- gesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs-4 verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. Zu den anfechtbaren Entscheiden gehören auch Verfügungen des BFM gestützt auf das AN AG und das Asylgesetz; Entscheide des Bundesverw altungsgerichts auf dem G ebiet des Ausländerrechts betreffend die Einreise und die vorläufige Auf- nahm e sow ie auf dem G ebiet des Asyls sind endgültig (Art. 105 Abs. 1 AsylG ; Art. 83 Bst. c Ziffn. 1 und 3 sow ie Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 Auf die am 1. Januar 2007 bereits hängigen Asylverfahren sind die auf diesen Zeit- punkt in Kraft getretenen Bestim m ungen der Asylgesetzänderung vom 16. D ezem - ber 2005 anw endbar (Abs. 1 der Ü bergangsbestim m ungen zur Änderung des Asyl- gesetzes vom 16. D ezem ber 2005 [AS 2006 4762]); ebenfalls neues R echt gilt für Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Asylgesetzänderung vom 16. D e- zem ber 2005 sow ie der in dessen Anhang Ziff. 1 enthaltenen AN AG -Änderung vor- läufig aufgenom m en w aren (Abs. 4 der Ü bergangsbestim m ungen zur Änderung des AN AG in Anhang Ziff. 1 der Asylgesetzänderung vom 16. D ezem ber 2005 [AS 2006 4776]). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 1.4 D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; die Beschw erdeführenden sind legitim iert (Art. 48 und 50 ff. Vw VG i.V.m . Art. 6 AsylG ). Auf die Beschw erde ist einzutreten. 2. Einleitend ist festzuhalten, dass das Bundesverw altungsgericht aufgrund der Akten keinen Anlass hat, an der geltend gem achten fam iliären Beziehung zw ischen den Beschw erdeführenden sow ie - dam it zusam m enhängend - an der Identität der Be- schw erdeführerin und des Beschw erdeführers 2 zu zw eifeln. D ie Vorinstanz hat im R ahm en des erstinstanzlichen Verfahrens auf das Fehlen von Identitätspapie- ren hingew iesen, w elche die Identität der Beschw erdeführerin und des Be- schw erdeführers 2 belegen w ürden. So zutreffend diese Feststellung auch ist, trägt sie dem U m stand nicht angem essen R echnung, dass die M ehrheit der illegal aus der Volksrepublik C hina ausgereisten Tibeter und Tibeterinnen bei ihrer An- kunft in N epal über keine Identitätspapiere verfügt (vgl. diesbezüglich Entschei- dungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission / EM AR K 2005 N r. 1 E. 4.1.2 S. 8). Für die angegebene Identität der Beschw erdeführerin und des Beschw erdeführers 2 spricht zunächst die Tatsache, dass der Beschw er- deführer 1 bereits im Verlauf seines eigenen Asylverfahrens - und dam it einige Zeit vor Einreichung des Einreisegesuchs für seine Fam ilienangehörigen - entspre- chende Aussagen über deren Identität gem acht hatte (vgl. Asylverfahrensakten des Beschw erdeführers 1, Protokoll der Em pfangsstellenbefragung S. 2 bzw . Pro- tokoll der kantonalen Anhörung S. 2 f.). Im W eiteren liefert die eingereichte Bestä- tigung des A._______, w enn auch nicht einen eigentlichen Identitätsnachw eis im form ellen Sinne, so doch im m erhin zusätzliche, insgesam t ausschlaggebende Anhaltspunkte für die Korrektheit der Identitätsangaben der Beschw erdeführerin und des Beschw erdeführers 2.5 3. W eiter stellt sich die Frage, ob es sich beim Einreisegesuch vom 18. Septem ber 2006 um ein G esuch um Fam iliennachzug und Einbezug in die vorläufige Aufnah- m e des Beschw erdeführers 1 handelt, auf das in erster Linie die neuen, am 1. Ja- nuar 2007 in Kraft getretenen Bestim m ungen von Art. 14c Abs. 3bis AN AG Anw en- dung finden w ürden, oder aber um ein Asylgesuch der Beschw erdeführerin und des Beschw erdeführers 2 aus dem Ausland, das prim är nach Art. 20 Abs. 2 und 3 i.V.m . Art. 3 sow ie Art. 52 Abs. 2 AsylG zu beurteilen w äre. 3.1 G em äss Art. 14c Abs. 3bis AN AG können Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren von vorläufig aufgenom m enen Personen und vorläufig aufgenom m enen Flüchtlingen frühestens drei Jahre nach Anordnung der vorläufigen Aufnahm e nachgezogen und in diese eingeschlossen w erden, w enn sie m it diesen zusam - m enw ohnen (Bst. a), eine bedarfsgerechte W ohnung vorhanden ist (Bst. b) und die Fam ilie nicht auf Sozialhilfe angew iesen ist (Bst. c). 3.2 N ach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG ist die Einreise in die Schw eiz zu bew illigen, w enn eine unm ittelbare G efahr für Leib, Leben oder Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaubhaft gem acht w ird, das heisst im H inblick auf die Anerkennung als Flüchtling und Asylgew ährung, oder aber w enn für die D auer ei- ner näheren Abklärung des Sachverhalts ein w eiterer Aufenthalt im W ohnsitz- oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen D rittstaat nicht zum utbar erscheint. 3.3 D as Prinzip von Treu und G lauben, das gem äss Art. 5 Abs. 3 der Bundesverfas- sung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) als allgem einer G rundsatz rechtsstaatlichen H andelns gilt und dem darüber hinaus nach Art. 9 BV G rundrechtscharakter zukom m t, gebietet ein loyales und ver- trauensw ürdiges Verhalten im R echtsverkehr (vgl. AN D R EAS AU ER /G IO R G IO M ALIN VE R - N I/M IC H EL H O TTELIER , D roit constitutionnel suisse, Bd. II, 2. Aufl., Bern 2006, N 1159 ff.; YVO H AN G AR TN E R , in: Ehrenzeller/M astronardi/Schw eizer/Vallender [H rsg.], D ie schw eizerische Bundesverfassung, Kom m entar, Zürich u.a. 2002, N 39 zu Art. 5 BV; U LR IC H H ÄFELIN /G EO R G M Ü LLE R /FELIX U H LM AN N , Allgem eines Verw altungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, N 622; ELISABE TH C H IAR IELLO , Treu und G lauben als G rundrecht nach Art. 9 der schw eizerischen Bundesverfassung, Bern 2004, S. 224 ff.; R EN É R H IN O W , G rundzüge des Schw eizerischen Verfassungsrechts, Basel u.a. 2003, N 1788 ff. u. 2397 ff.). In Konkretisierung dieses allgem einen Verhaltensgebots sind schriftliche Eingaben von Privaten an die Behörden so auszulegen, w ie sie nach Treu und G lauben verstanden w erden durften und m ussten (vgl. BG E 126 II 97 E. 4b S. 104 f., m it w eiteren H inw eisen; R H IN O W , a.a.O ., N 2399; PIER R E M O O R , D roit adm inistratif, Bd. I, 2. Aufl., Bern 1994, S. 435 f.). Entsprechend kann es für die Auslegung eines G esuchs nicht allein auf dessen Bezeichnung ankom m en, die vielm ehr lediglich ein Interpretationselem ent unter anderen bildet, das es zu w ürdi- gen gilt. Zu den w eiteren Interpretationselem enten kann auch die allfällige Erw äh- nung besonderer G esetzesbestim m ungen in einem G esuch gezählt w erden, w oran m it Blick auf dessen Auslegung auch der G rundsatz der R echtsanw endung von Am tes w egen (Art. 62 Abs. 4 Vw VG i.V.m . Art. 37 VG G ) nichts ändert. D as G esuch vom 18. Septem ber 2006 ist - w ie bereits erw ähnt - als "G esuch um Fam ilienzusam m enführung" bezeichnet w orden, enthält aber w eder eine nähere Begründung noch einen H inw eis auf bestim m te gesetzliche Bestim m ungen. Be- sonders zu beachten ist im vorliegenden Zusam m enhang, dass Art. 24 Abs. 3 der 6 Verordnung vom 11. August 1999 über den Vollzug der W eg- und Ausw eisung von ausländischen Personen (VVW A, SR 142.281, Fassung gem äss Ziff. I 2 der Ver- ordnung vom 8. N ovem ber 2006 über die Änderung von Verordnungen im Zusam - m enhang m it der teilw eisen Inkraftsetzung der Änderung vom 16. D ezem ber 2005 des Asylgesetzes sow ie des Krankenversicherungs- und des AH V-G esetzes, in Kraft seit 1. Januar 2007) m it Blick auf G esuche um Einbezug in die vorläufige Auf- nahm e von Fam ilienangehörigen und eingetragenen Partnern von vorläufig aufge- nom m enen Flüchtlingen im Sinne von Art. 14c Abs. 3bis AN AG ausdrücklich die sinngem ässe G eltung von Art. 37 AsylV 1 vorbehält, der besagt, dass ein Einbe- zug in die Flüchtlingseigenschaft eines Ehegatten, einer eingetragenen Partnerin oder eines eingetragenen Partners oder eines Elternteils nach Art. 51 Abs. 1 AsylG erst erfolgt, w enn in Anw endung von Art. 5 AsylV 1 festgestellt w urde, dass die einzubeziehende Person die Flüchtlingseigenschaft nicht selbstständig nach Art. 3 AsylG erfüllt. Art. 24 Abs. 3 VVW A trägt dem U m stand R echnung, dass die engsten Fam ilienangehörigen eines Flüchtlings oftm als selbst unter derselben Ver- folgung gelitten haben beziehungsw eise selbst der G efahr einer Verfolgung ausge- setzt sind (so bereits die Botschaft zur Totalrevision des Asylgesetzes sow ie zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 4. D ezem ber 1995, BBl 1996 II 68; ähnlich Ziff. 27 der einleitenden Erw ägun- gen der R ichtlinie 2004/83/EG vom 29. April 2004 über M indestnorm en für die An- erkennung und den Status von D rittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Flüchtlinge oder als Personen, die anderw eitig internationalen Schutz benötigen, und über den Inhalt des zu gew ährenden Schutzes ["Q ualifikationsrichtlinie"]; grundlegend zu dieser sogenannten R eflexverfolgung EM AR K 1994 N r. 5). D araus lässt sich im Sinne eines allgem einen G rundsatzes ableiten, dass einer Prüfung ei- nes allfälligen derivativen Anspruchs auf Anerkennung als Flüchtling stets die Prü- fung der originären Flüchtlingseigenschaft, das heisst einer persönlichen G efähr- dung nach Art. 3 AsylG vorzugehen hat. M it anderen W orten w ird ein Fam ilien- nachzugsgesuch eines vorläufig aufgenom m enen Flüchtlings, m it dem unter ande- rem eine persönliche G efährdung der sich im Ausland befindenden, nachzuziehen- den Fam ilienangehörigen geltend gem acht w ird, nach Treu und G lauben gegebe- nenfalls auch als Asylgesuch aus dem Ausland im Sinne von Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG zu verstehen sein, w ofür nicht allein entscheidend sein kann, ob das betref- fende G esuch bei einer schw eizerischen Vertretung im Ausland oder aber unm it- telbar beim BFM eingereicht w urde (vgl. für die in dieser H insicht w eiterhin G el- tung beanspruchende Praxis der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission die Fest- stellungen in EM AR K 1997 N r. 15 E. 2b S. 129, die sich zw ar auf Art. 13a aAsylG beziehen, jedoch auch nach geltendem Asylgesetz w eiterhin m assgeblich bleiben). Im Falle der Beschw erdeführenden ergibt sich unter besonderer Berücksichtigung von Art. 37 AsylV 1 i.V.m . Art. 24 Abs. 3 VVW A, dass das G esuch vom 18. Sep- tem ber 2006 von der Vorinstanz nach Treu und G lauben vorab unter dem G e- sichtsw inkel einer persönlichen G efährdung der Beschw erdeführerin und des Be- schw erdeführers 2 - w ie sie vom Beschw erdeführer 1 bereits im R ahm en seines eigenen Asylverfahrens sinngem äss geltend gem acht w orden w ar (vgl. hinten, E. 4.2.2) - und dam it in erster Linie nach Art. 20 Abs. 2 und 3 i.V.m . Art. 3 AsylG so- w ie gegebenenfalls Art. 52 Abs. 2 AsylG hätte geprüft w erden m üssen, w as indes- sen unterblieben ist. Im Folgenden jedenfalls w ird das H auptaugenm erk auf diese 7 Frage zu richten und nur subsidiär auf die Frage eines allfälligen Fam iliennach- zugs nach Art. 14c Abs. 3bis AN AG einzugehen sein. 4. 4.1 D ie Erteilung einer Einreisebew illigung nach Art. 20 Abs. 2 und 3 i.V.m . Art. 3 AsylG ist grundsätzlich an restriktive Voraussetzungen geknüpft. D en Asylbehör- den kom m t dabei ein w eiter Erm essensspielraum zu. N eben der erforderlichen G e- fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind m it Blick auf den Ausschlussgrund von Art. 52 Abs. 2 AsylG nam entlich die Beziehungsnähe zur Schw eiz und zu anderen Staaten, die M öglichkeit der Schutzgew ährung durch einen anderen Staat, die praktische M öglichkeit und objektive Zum utbarkeit einer anderw eitigen Schutzsu- che sow ie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assim ilationsm öglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend ist m it anderen W orten die Schutzbedürftig- keit der betreffenden Person, das heisst die Beantw ortung der Fragen, ob eine G e- fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft erscheint und der Verbleib am Aufenthaltsort für die D auer der Sachverhaltsabklärung zugem utet w erden kann, beziehungsw eise ob der betreffenden Person - ohne nähere Prüfung einer allfälli- gen G efährdung im Sinne von Art. 3 AsylG - zuzum uten ist, sich in einem anderen Staat um Aufnahm e zu bem ühen (vgl. zum G anzen EM AR K 1997 N r. 15 E. 2f S. 131 f., 2004 N r. 20 E. 3 S. 130 f. und N r. 21 E. 2 S. 136 f., 2005 N r. 19 E. 4 S. 174 ff.). 4.2 4.2.1 Bei der Prüfung der Frage, inw iew eit die sich zurzeit in N epal aufhaltenden Be- schw erdeführerin und Beschw erdeführer 2 bei einer R ückkehr in die Volksrepublik C hina einer flüchtlingsrechtlich relevanten G efährdung ausgesetzt sein könnten, ist von der ausführlichen Lageanalyse auszugehen, die von der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission Ende 2005 vorgenom m en w urde und nach Ansicht des Bundesverw altungsgerichts auch noch im heutigen Zeitpunkt im W esentlichen ihre G ültigkeit behält: Personen tibetischer Ethnie erfahren in der Volksrepublik C hina w eitgehende Ein- schränkungen ihres R echts auf freie M einungsäusserung sow ie ihrer Versam m - lungs- und R eligionsfreiheit und w erden zudem in verschiedener H insicht gegen- über der Bevölkerung chinesischer Ethnie benachteiligt. Tibeter und Tibeterinnen, die sich zu ihrer R eligion öffentlich bekennen, nam entlich öffentlich den D alai Lam a verehren, oder sich m it friedlichen D em onstrationen für m ehr Autonom ie oder gar die U nabhängigkeit Tibets einsetzen, riskieren nicht nur Schikanen w ie beispielsw eise H ausdurchsuchungen, sondern darüber hinaus Festnahm en, unfai- re G erichtsverfahren und unverhältnism ässig hohe H aftstrafen, verbunden m it M isshandlungen und Folter. Eine darüber hinaus gehende, allein an die tibetische Ethnie anknüpfende Kollektivverfolgung säm tlicher Tibeter und Tibeterinnen ist da- gegen zu verneinen. Im m erhin erhöht aber die bekannte potenzielle G efährdung von tibetischen Personen die W ahrscheinlichkeit einer individuellen G efährdung und kann daher im Einzelfall dazu beitragen, die geltend gem achte Furcht vor Ver- folgung als begründet erscheinen zu lassen. H inzu kom m t, dass Personen tibeti- scher Ethnie, die illegal ausgereist sind und bei den schw eizerischen Behörden um 8 Asyl nachsuchen, im Falle einer R ückkehr in die Volksrepublik C hina grundsätzlich dam it rechnen m üssen, festgenom m en und verhört zu w erden; die W ahrscheinlich- keit, dass diese Personen zu einer Freiheitsstrafe w egen illegaler Ausreise und Asylgesuchstellung verurteilt w erden und diese Strafe aufgrund der tibetischen Ethnie und der - gerade bei längerem Auslandsaufenthalt - von den chinesischen Sicherheitsorganen unterstellten D alai-Lam a-freundlichen G esinnung em pfindlich sein w ird, ist als hoch zu bezeichnen; als w ahrscheinlich gelten im Ü brigen auch eine m enschenrechtsw idrige Behandlung w ährend der H aft sow ie U nterdrückungs- m assnahm en auch nach der Strafverbüssung (vgl. zum G anzen die ausführlich be- gründete Einschätzung der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission in EM AR K 2006 N r. 1 E. 4.5 ff. S. 5 ff.). 4.2.2 D ie Beschw erdeführerin und der Beschw erdeführer 2 m üssten bei einer R ückkehr in die Volksrepublik C hina bereits w egen ihrer illegalen Ausreise eine behördliche Bestrafung befürchten. H inzu kom m t die G efahr einer R eflexverfolgung w egen des Beschw erdeführers 1. D ieser lebt bereits seit Ende August 2002 in der Schw eiz und hat hier - w ie erw ähnt - um Asyl nachgesucht. Aufgrund dieses langen Aus- landsaufenthalts m üsste er in der Volksrepublik C hina nicht nur m it einer sehr strengen Bestrafung w egen illegaler Ausreise und Asylgesuchsstellung, sondern auch m it einer Verfolgung w egen des Verdachts einer D alai-Lam a-freundlichen H altung rechnen, w ie im R ahm en seines eigenen Asylverfahrens auch vom BFM - - in der Verfügung vom 2. M ärz 2006 - festgestellt w orden w ar. D ass sein Aus- landsaufenthalt auch seine Fam ilienangehörigen in Tibet in G efahr bringen könnte, hatte der Beschw erdeführer bereits in seiner - w iederum im R ahm en des eigenen Asylverfahrens abgegebenen - Stellungnahm e vom 6. D ezem ber 2004 geltend ge- m acht, also einige Zeit vor der G esuchseinreichung durch die Beschw erdeführerin und den Beschw erdeführer 2. D iese G efahr erscheint aufgrund des länderspezifi- schen Kontexts in Tibet durchaus plausibel. Im Ü brigen ist an dieser Stelle noch darauf hinzuw eisen, dass B._______, die Schw ester des Beschw erdeführers 1, die zusam m en m it ihm aus Tibet ausgereist w ar, m it Verfügung des BFM vom 6. April 2006 ebenfalls als Flüchtling in der Schw eiz vorläufig aufgenom m en w orden ist. D ie Beschw erdeführerin und der Beschw erdeführer 2 w ären dam it in der Volksre- publik C hina einer nach Art. 20 Abs. 2 und 3 i.V.m . Art. 3 AsylG relevanten persön- lichen G efährdung ausgesetzt. Ihnen kann im W eiteren nicht zugem utet w erden, sich bei den Behörden N epals um Aufnahm e zu bem ühen. N ach 1989 in N epal eingereiste Tibeter und Tibeterin- nen sind näm lich generell von einer behördlichen R egularisierung ihres als illegal geltenden Aufenthalts ausgeschlossen und m üssen nicht zuletzt aufgrund der Tat- sache, dass N epal das Abkom m en vom 28. Juli 1951 über die R echtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) nicht ratifiziert hat, bei einem Verbleib im Lande m it einer Ausschaffung in die Volksrepublik rechnen (vgl. dazu ausführlich EM AR K 2005 N r. 1 E. 4.1 S. 7 ff.). U nabhängig von der D auer ihres bisherigen Aufenthalts in N epal erscheint es daher nicht geboten, die Beschw erdeführerin und den Be- schw erdeführer 2 gestützt auf Art. 52 Abs. 2 AsylG auf einen höchst unw ahr- scheinlichen Schutz durch die nepalesischen Behörden zu verw eisen, zum al das BFM im Asylverfahren des Beschw erdeführers 1 die Voraussetzungen für eine W egw eisung nach N epal oder in einen anderen D rittstaat als nicht erfüllt erachtet hatte (vgl. Verfügung des BFM vom 2. M ärz 2006 E. I. 2). Vielm ehr erscheint es 9 aufgrund der engen fam iliären Beziehung zum Beschw erdeführer 1, der hier - w ie erw ähnt - nach m ehrjährigem Aufenthalt als Flüchtling anerkannt w orden ist, insgesam t angezeigt, dass der von der Beschw erdeführerin und dem Beschw erdeführer 2 benötigte Schutz vor Verfolgung durch die Schw eiz gew ährt w ird. 4.3 D as Bundesverw altungsgericht gelangt dam it aufgrund der Akten zum Schluss, dass die Beschw erdeführerin und der Beschw erdeführer 2 in der Volksrepublik C hina einer persönlichen G efährdung im Sinne von Art. 20 Abs. 2 und 3 i.V.m . Art. 3 AsylG ausgesetzt w ären und w eder N epal noch ein anderer D rittstaat eine für sie nach Art. 52 Abs. 2 AsylG zum utbare Schutzalternative darstellen. 5. D a die Beschw erdeführerin und der Beschw erdeführer 2 bereits aufgrund ihrer ei- genen G efährdung die Voraussetzungen für eine Bew illigung der Einreise nach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG erfüllen, erübrigt sich im Ü brigen eine nähere Prüfung der Frage, ob ihnen die Einreise auch nach den Voraussetzungen für einen Fam i- liennachzug nach Art. 14c Abs. 3bis AN AG zu bew illigen w äre. O ffen gelassen w er- den kann daher insbesondere auch die von beschw erdeführender Seite aufgew or- fene Frage, ob die in Art. 14c Abs. 3bis AN AG vorgesehene dreijährige W artefrist m it den völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schw eiz vereinbar ist, w ie sie sich insbesondere aus der Flüchtlingskonvention, Art. 8 der Konvention vom 4. N ovem - ber 1950 zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten (EM R K, SR 0.101), Art. 17 und 23 des Internationalen Pakts vom 16. D ezem ber 1966 über bürgerliche und politische R echte (SR 0.103.2) sow ie Art. 3, 9 und 10 des Ü berein- kom m ens vom 20. N ovem ber 1989 über die R echte des Kindes (SR 0.107) erge- ben. 6. N ach dem G esagten ist die Beschw erde im Sinne der vorstehenden Erw ägungen gutzuheissen, und die Verfügung des BFM vom 20. Februar 2007 ist aufzuheben. D as BFM ist anzuw eisen, der Beschw erdeführerin und dem Beschw erderführer 2 die Einreise in die Schw eiz zu bew illigen und nach deren Einreise das Verfahren im H inblick auf die G ew ährung von Asyl oder - bei einem allfälligen Vorliegen von Asylausschlussgründen - der vorläufigen Aufnahm e fortzusetzen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind den Beschw erdeführenden keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG i.V.m . Art. 37 VG G ). 7.2 D en Beschw erdeführenden ist angesichts des O bsiegens im Beschw erdeverfahren in Anw endung von Art. 64 Abs. 1 Vw VG i.V.m . Art. 37 VG G für die Kosten der Ver- tretung und allfällige w eitere notw endige Auslagen eine Parteientschädigung zuzu- sprechen (vgl. auch Art. 7 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). In der am 16. Juli 2007 eingereichten Kostennote w ird ein Arbeitsauf- w and von insgesam t 9 Stunden ausgew iesen, der unter Berücksichtigung von U m - fang und Schw ierigkeit des vorliegenden Verfahrens nicht vollum fänglich ange-10 m essen erscheint. Ausgehend von einem notw endigen Arbeitsaufw and von 5 Stunden ist den Beschw erdeführenden eine insgesam t auf Fr. 1'100.-- (inkl. der geltend gem achten, angem essen erscheinenden Auslagen im Betrag von Fr. 100.-- und M w St) festzusetzende, von der Vorinstanz zu entrichtende Parteient- schädigung zuzusprechen (vgl. Art. 10 und Art. 14 Abs. 2 VG KE). (D ispositiv nächste Seite)11 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird im Sinne der Erw ägungen gutgeheissen. 2. D ie Verfügung des BFM vom 20. Februar 2007 w ird aufgehoben. D as BFM w ird angew iesen, der Beschw erdeführerin und dem Beschw erdeführer 2 die Einreise in die Schw eiz zu bew illigen und nach deren Einreise das Asylverfahren fortzuset- zen. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. D ie Vorinstanz w ird angew iesen, eine Parteientschädigung im Betrag von Fr. 1'100.-- (inkl. Auslagen) an die Beschw erdeführenden zu entrichten. 5. D ieses U rteil geht an: - die R echtsvertreterin der Beschw erdeführenden, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, m it den Akten (R ef.-N r. N _______) D ie R ichterin: D er G erichtsschreiber: C hrista Luterbacher M ario Vena Versand am :