Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. Januar 2018 (720 17 333 / 31) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advoka- tin, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1976 geborene A.____ übte seit März 2012 ein e selbständige Erwerbstätigkeit als Gipser aus. Am 14. Oktober 2014 meldete er sich unt er Hinweis auf Rückenbeschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklä- rung der gesundheitlichen und der beruflichen Verhä ltnisse ermittelte die IV-Stelle Basel- Landschaft beim Versicherten einen Invaliditätsgrad von 7 %. Gestützt auf dieses Ergebnis lehnte die IV-Stelle - nach durchgeführtem Vorbesch eidverfahren - mit Verfügung vom 13. September 2017 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Raffaella Biaggi, am 3. Oktober 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verurteilen, ihm die gesetzlichen Leistungen auszurichten; unter o/e Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 30. November 2017 bean tragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. Zudem legte sie ihren Ausführungen eine “Aktennotiz“ von Dr. med. B.____, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Me dizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 17. Oktober 2017 und eine Beurteilung von Dr. med. C.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD beider Basel, vom 19. Oktober 2017 bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 3. Oktober 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c). 2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Vorliegend gab die IV-Stelle zur Abklärung des me dizinischen Sachverhalts bei Dr. med. D.____, Rheumatologie FMH, Innere Medizin F MH, manuelle Medizin SAMM, und PD Dr. med. E.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, e in bidisziplinäres (rheumatologi- sches/psychiatrisches) Gutachten in Auftrag. Im rheumatolo gischen Teilgutachten vom 22. Mai 2017 erhob Dr. D.____ beim Versicherten als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebralsyndrom mit zeitweilig sp ondylogener Ausstrahlung rechts mit/bei (1) Fehlform (Rundrücken), (2) Status nach mi krochirurgischer spinaler Dekompression L5/S1 beidseits von rechts her bei degenerativ bedingte r rezessaler Spinalkanalstenose L5/S1 am 09.02.2015 und (3) Osteochondrose L5/S1 (MRI LWS 0 1.09.2015; 23.12.2015). Aufgrund dieser Leiden bestehe beim Versicherten in der angestamm ten, körperlich schweren Tätigkeit als Gipser keine Arbeitsfähigkeit mehr. Was das Profil einer zumutbaren Verweistätigkeit betref- fe, sei zu beachten, dass der Explorand von Seiten der lu mbalen Problematik keine körperlich schweren oder dauernd mittelschweren Arbeiten verrichten könne. Zudem könne er nicht dau- ernd sitzen, nicht dauernd nur stehen und nicht in Zwang shaltungen wie dauernd vornüberge- beugt, repetitiv vornüberbeugend oder dauernd über K opf arbeiten. Für eine Tätigkeit, die sich vorwiegend im leichten und nur gelegentlich im mittelsch weren Bereich bewege und welche die genannten Restriktionen berücksichtige, also rückenschonend sei, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bezogen auf ein Ganztagespensum. Im psychiatrisc hen Teilgutachten vom 26. Mai 2017 hielt PD Dr. E.____ fest, dass aus psychiatrischer Si cht weder eine Diagnose mit noch eine solche ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne. Beim Exploran- den würden aus psychiatrischer Sicht keinerlei qualitativ e Funktionseinbussen vorliegen. Im Rahmen ihrer interdisziplinären Konsensbeurteilung hi elten Dr. D.____ und PD Dr. E.____ ab- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schliessend folgendes Ergebnis fest: Da aus psychiatrischer S icht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe, gelte die rheumatologische Beurteilung als Gesamtbeurteilung für die Fächer Rheumatologie und Psychiatrie. 4.2 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 13. September 2017 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeits fähigkeit der Versicherten vollum- fänglich auf die Ergebnisse, zu denen Dr. D.____ und PD Dr. E.____ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 22./26. Mai 2017 gelangt sind. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Ver- sicherten die Ausübung einer leidensadaptierten rückensch onenden Tätigkeit im leichten und nur gelegentlich mittelschweren Bereich im Umfang von 1 00 % zumutbar sei. Diese vorinstanz- liche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Gutachten von Dr. D.____ und PD Dr. E.____ vom 22./26. Mai 2017 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die streitigen Belange umf assend, es beruht auf allseitigen Untersu- chungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abge- geben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizi nischen Zusammenhänge bzw. der Be- urteilung der aktuellen medizinischen Situation ein, e s setzt sich mit den vorhandenen abwei- chenden ärztlichen Einschätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen über- zeugend. Insbesondere nimmt es eine überzeugende Beurte ilung der Arbeitsfähigkeit des Ver- sicherten vor. 4.3 Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht geeign et, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens von Dr. D.____ und PD Dr. E.____ vom 22./26. Mai 2017 in Frage zu stellen. 4.3.1 Der Versicherte macht als erstes geltend, dass das Tei lgutachten von PD Dr. E.____ nicht beweiskräftig sei, weil dieser es unterlassen habe, eine Stellungnahme des behandelnden Psychiaters Dr. med. F.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, einzuholen. Aus diesem Einwand kann der Beschwerdeführer vorliegend nichts zu s einen Gunsten ableiten. Wie seinen Angaben anlässlich der Begutachtung entnommen werden ka nn, stand der Versicherte bis Ja- nuar 2017 bei Frau G.____, Fachpsychotherapeutin, Hau sarztpraxis H.____, in Behandlung. Deren Bericht, den sie zu Handen der IV-Stelle verfasst h atte, lag dem Gutachter PD Dr. E.____ vor. Die erste Konsultation bei Dr. F.___ _ erfolgte dann am 6. Februar 2017. Im Zeitpunkt der Begutachtung durch PD Dr. E.____ vom 17 . Mai 2017 war der Versicherte somit erst seit rund drei Monaten bei Dr. F.____ in ambulan ter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Da Dr. F.____ somit im Zeitpunkt der Begutachtung noch keine vertiefte, auf einer längeren Beobachtung und Behandlung beruhende Einschä tzung der gesundheitlichen Situati- on des Versicherten hätte abgeben können, durfte PD Dr. E.____ davon absehen, einen Bericht oder eine Stellungnahme des behandelnden Psychiaters ei nzuholen. Zu ergänzen bleibt in die- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sem Zusammenhang, dass der Versicherte in der Folge selbe r - zusammen mit seiner Be- schwerde - einen Bericht von Dr. F.____ vom 28. Septembe r 2017 eingereicht hat. Dieser ver- mag die Ergebnisse des psychiatrischen Gutachtens von PD Dr . E.____ aber ebenfalls nicht in Frage zu stellen. Insbesondere unterlässt es Dr. F.____ g änzlich, seine Einschätzung, wonach der Versicherte sowohl in der angestammten Arbeit als auch in einer leidensadaptierten Ver- weistätigkeit seit Behandlungsbeginn im Februar 2017 vo llständig arbeitsunfähig sein soll, nä- her zu begründen. Nichts zu Gunsten des Versicherten ableiten lässt sich sodann aus der Rüge des behandelnden Psychiaters, wonach die Untersuchung bei PD Dr. E.____ bloss 30 Minuten gedauert habe, was zur Folge habe, dass dieser die gesund heitlichen Probleme des Exploran- den nur ungenügend erfasst habe. Hält man sich die ausf ührliche Schilderung der Anamnese, der subjektiven Angaben des Versicherten und der objektiv en Untersuchungsbefunde im aus- führlichen Gutachten von PD Dr. E.____ vor Augen, so erscheint es kaum vorstellbar, dass die Expertise auf einer lediglich halbstündigen Untersuchung beruhen soll. Darauf ist nun allerdings nicht weiter einzugehen, denn wie lange die Untersuchu ng effektiv gedauert hat, kann letztlich offen bleiben. Entscheidend für den Beweiswert eines G utachtens ist vielmehr, dass dieses für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un tersuchungen beruht, die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation einleuchtet, sich mit den vorhandenen abweichenden ärztli chen Einschätzungen auseinander- setzt und in den Schlussfolgerungen überzeugend ist. Wie bereits weiter oben festgehalten (vgl. E. 4.2 hiervor), erfüllt das Teilgutachten von PD Dr. E.____ diese Vorgaben vollumfänglich. 4.3.2 In Bezug auf das rheumatologische Teilgutachten von Dr. F.____ moniert der Be- schwerdeführer, dass ihm der Gutachter als einziger Arzt au s somatischer Sicht eine volle Ar- beitsfähigkeit attestiere. Demgegenüber würden „alle anderen Spezialisten“ von einer deutlich reduzierten Arbeitsfähigkeit von 50 % ausgehen. Sowe it sich der Beschwerdeführer mit diesem Einwand auf die Einschätzung von Dr. med. I.____, Ste llvertretender Chefarzt der Abteilung Spinale Chirurgie, Spital J.____, bezieht, der ihm i m Bericht vom 25. Februar 2016 eine 50 %- ige Arbeitsfähigkeit attestiert hatte, kann ihm nich t gefolgt werden. Der Versicherte übersieht, dass sich diese Einschätzung auf die von ihm damals im Hinblick auf eine allfällige Umschulung ins Auge gefasste (Verweis-) Tätigkeit als Chauffeur im Personentransportwesen bezieht. Diese Arbeit ist zwar als physisch leicht einzustufen, sie wird je doch überwiegend sitzend ausgeübt und sie entspricht deshalb dem vom Gutachter Dr. D.____ formulierten Profil einer zumutbaren Verweistätigkeit eben nur teilweise. Ebenfalls nicht g eeignet, den Beweiswert des rheumatolo- gischen Teilgutachtens in Frage zu stellen, ist schliesslich der Einwand, Dr. D.____ - und in der Folge die IV-Stelle - hätten es unterlassen, die zumu tbaren Verweistätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt genauer zu definieren. Die IV-Stelle hält dieser Argumentation in ihrer Vernehm- lassung zutreffend entgegen, dass die Verwertbarkeit zumutbarer Verweistätigkeiten auch ohne Einholung ergänzender Stellungnahmen von Fachpersone n der Berufsberatung bejaht werden kann, sofern aufgrund der ärztlichen Angaben - wie im vorliegenden Fall - nach wie vor von ei- ner beträchtlichen Restarbeitsfähigkeit der versicherten Person auf dem ausgeglichenen Ar- beitsmarkt auszugehen ist. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 5.2 Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügun g vom 13. September 2017 den erfor- derlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Da der Versich erte seit Eintritt der Gesund- heitsschädigung keine ihm zumutbare leidensadaptierte Verweistätigkeit ausübt, hat die IV- Stelle das Invalideneinkommen zu Recht unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik festgesetzt (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b /aa). Auf diese Weise hat sie ein zumut- bares Invalideneinkommen von Fr. 63‘320.-- errechnet. Anschliessend hat sie diesen Betrag dem Valideneinkommen von Fr. 68‘397.-- gegenüber gest ellt und so einen rentenausschlies- senden Invaliditätsgrad von 7 % ermittelt. Die konkret e Berechnung, die vom Versicherten in der vorliegenden Beschwerde nicht beanstandet worden ist, erweist sich als rechtens. Unter diesen Umständen kann hier von weiteren Erörterungen zum vorinstanzlichen Einkommensver- gleich abgesehen und stattdessen auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in der genannten Verfügung verwiesen werden. 6. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die I V-Stelle in der angefochte- nen Verfügung vom 13. September 2017 einen Rentenans pruch des Versicherten zu Recht abgelehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erwe ist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist und bei denen eine Urteilsberatung ohne vorgängige Parteiverhandlung erfolgt, setzt das Ge richt die Verfahrenskosten in Berück- sichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlic h auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel de r unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdefüh rer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht