B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1235/2012 U r t e i l v o m 1 5 . M a i 2 0 1 3 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richterin Muriel Beck Kadima; Gerichtsschreiber Tobias Grasdorf. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Evelyn Stokar, Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 31. Januar 2012 / N (…). E-1235/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Staatsangehöriger Sri Lankas tamilischer Eth- nie mit letztem Wohnsitz im (…), verliess sein Heimatland nach eigenen Angaben (…) 2011 und gelangte (…) 2011 von Italien her kommend in die Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. B. Am (…) 2011 wurde er zu seiner Person befragt (Protokoll: BFM-Akte A6) und am (…) zu seinen Asylgründen angehört (Protokoll: BFM-Akte A13). Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei Ende 2007 (in der Be- fragung zur Person) oder Anfang 2008 (in der Anhörung) einmal von der sri-lankischen Armee an einer Strassensperre kontrolliert worden, wobei seine Identitätskarte eingezogen worden sei. Er habe sie a m nächsten Tag in einem Camp abholen können. Anschliessend sei er während acht oder zwölf Monaten (je nach Aussage) regelmässig zur Unterschrift g e- gangen. Als er aufgefordert worden sei, in Zukunft ohne Begleitung seiner Eltern zur Unterschrift zu erscheinen, habe er Angst bekommen , habe seine Tätigkeit als (…) aufgegeben und sei nicht mehr zur Unterschrift gegangen. Danach sei er nur noch selten zu Hause gewesen. Am (…) 2011, als er wieder einmal zu Hause gewesen sei, sei er von der Armee verhaftet worden. Er sei nach Colombo gebracht worden und dort wä h- rend fünf Tagen festgehalten und befragt worden. Nachdem er freigela s- sen worden sei, habe er seine Ausreise organisiert. Als Grund für die Verhaftung (…) 2011 und für seine seither andauernde Gefährdung nann- te der Beschwerdeführer einerseits den Umstand, dass er als (…) im Jah- re 2008 Unterschriften habe leisten müssen, und andererseits, dass sein Bruder als Mitglied der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) von der sri-lankischen Armee gefangen gehalten werde. C. Mit Verfügung vom 31. Januar 2012 – eröffnet am 3. Februar 201 2 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig wies das Bu n- desamt ihn aus der Schweiz weg und beauftragte den zuständigen Ka n- ton mit dem Vollzug der Wegweisung. D. Mit Ei ngabe vom 5. März 2012 erhob der Beschwerdeführer beim Bu n-E-1235/2012 Seite 3 desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulä s- sigkeit oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu stellen und ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Ver- zicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. E. Am 16. März 2012 gewährte das Bundesverwaltungsgericht die unen t- geltliche Prozessführung und verzichtete auf die Erhebung eines Koste n- vorschusses. Das Gericht forderte den Beschwerdeführer auf, Präzisi e- rungen betreffend seinen Bruder anzubringen und verschiedene Dok u- mente einzureichen, welcher Aufforderung der Beschwerdeführer mit Ein- gabe vom 17. April 2012 nachkam. F. Am 18. Mai 2012 lud das Bundesverwaltungsgericht das BFM zur Ve r- nehmlassung ein. Das Bundesamt liess sich mit Eingabe vom 8. Juni 2012 vernehmen. Der Beschwerdeführer replizierte am 2. Juli 2012 und reichte am 13. Juli 2012 ein zusätzliches Beweismittel ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgül- tig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [Asyl G, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). E-1235/2012 Seite 4 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist dem- nach einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Das BFM führte in der angefochtenen Verfügung aus, die Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner angeblichen Verfolgung in Sri Lanka seien unglaubhaft. So habe er unterschiedliche Ausführungen dazu g e- macht, wie oft er während der Haft in Colombo befragt worden sei, wo er sich aufgehalten habe, seit er nicht mehr zur Unterschrift gegangen sei , und wie er sich in Colombo einen Pass habe ausstellen lassen. Seine Angaben dazu, wann er seine Identitätskarte habe ausstellen lassen, könnten zudem nicht stimmen. Aufgrund der Unglaubhaftigkeit der Vo r- bringen müsse deren Asylrelevanz nicht geprüft werden. 3.2 In der Beschwerdeschrift wiederholt der Beschwerdeführer seine Vo r- bringen aus dem erstinstanzlichen Verfahren . Neu bringt er zudem – so- wohl unter dem Aspekt der Flüchtlingseigenschaft als auch unter demj e- nigen der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs – vor, dass er bei einer Rückkehr in sein Heimatland auch als abgewiesener Asylsuchender b e- droht wäre. Bezüglich der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen bringt er vor, er sei wä h- rend der Haft in Colombo nur einmal formell mit Protokollierung befragt worden, aber unzählige Male geschlagen und dabei gefragt worden, ob er den LTTE angehöre. Bezüglich seines Aufenthaltsortes nachdem er seine Arbeit als (…) aufgegeben habe, führte er aus, in der Befragung zur Pe r- son habe er mit : "Seit dann war ich immer zu Hause ", gemeint, er sei nicht mehr zur Arbeit und ins Camp gegangen, nicht jedoch, er habe zu Hause gewohnt. In Tat und Wahrheit habe er sich seither versteckt gehal- ten. Bezüglich der Ausstellung des Passes habe er immer das Gleiche ausgesagt, und dieser Punkt sei nicht wesentlich. Zur Identitätskarte habe E-1235/2012 Seite 5 er sich missverständlich erklärt. Unter der Formulierung "eine neue Identi- tätskarte ausstellen" stelle er sich etwas anderes vor, als bloss eine b e- stehende Identitätskarte erneuern zu lassen. Seine Identitätskarte sei nass geworden, weshalb er sich einen Ersatz habe machen lassen. Die Identitätskarten-Nummer sei aber die gleic he geblieben. Das habe er auch schon in der Anhörung gesagt, als er mit dem Widerspruch konfro n- tiert worden sei. 4. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz- lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigen schaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Die Flüchtlingseigenschaft ist glau b- haft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Art. 7 AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plaus i- bel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen und sie dürfen nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren. Da r- über hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig e r- scheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vo r- bringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (Art. 7 Abs. 3 AsylG), wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewu sst falsch da r- stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt Raum für gewi s- se Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers. E i- ne Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und E-1235/2012 Seite 6 überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverha ltsdarstel- lung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abz u- stellen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.3 m.w.H.). 4.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt die Anhaltung des B e- schwerdeführers Ende 2007 oder Anfang 2008 durch die sri -lankische Armee an einer Strassensperre und die daran anschliessende Verpflich- tung zur Unterschriftenleistung als glaubhaft. Diese Umstände sind j e- doch für sich allein betrachtet nicht asylrelevant, da sie zum Zeitpunkt der Ausreise (…) 2011 bereits drei Jahre zurücklagen und der Beschwerde- führer sie nie als Grund für seine Ausreise nannte. 4.2 Genauer zu prüfen ist jedoch das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei, nachdem er nicht mehr zur Unterschrift gegangen sei , während dreier Jahre bis (…) 2011 von den Sicherheitskräften gesucht worden und habe meist versteckt bei Verwandten in seinem Dorf gelebt. In der Anhörung gab der Beschwerd eführer nur in sehr allgemeiner Art und Weise an, die sri -lankischen Behörden hätten ihn bis 2011 gesucht. Auf die Frage, wie häufig sie ihn gesucht hätten, antwortete er: "Einmal im Monat und dann auch ca. sechs Monate nicht mehr und dann wieder einmal im Monat" (A13 S. 7). Seine Aussagen sind äusserst vage und er macht keinerlei substantiierende Angaben, sondern reagiert lediglich mit kurzen Sätzen auf die Fragen. Bezüglich seines Aufenthaltes in dieser Zeit äussert er sich zudem widersprüchlich. N amentlich hatte er in der Befragung zur Person angegeben, seit Januar 2010 (Rückkehr seines Bruders nach London) sei er "immer zu Hause" gewesen (A6 S. 8) . Der diesbezügliche Erklärungsversuch des Beschwerdeführers in der B e- schwerdeschrift, er habe damit lediglich gemeint, er sei nicht mehr zur Unterschrift gegangen und habe nicht mehr gearbeitet, vermag nicht zu überzeugen. Seine Aussage an der Anhörung, er sei bei seiner Verha f- tung nur vier Tage bei seinen Eltern gewesen und jemand habe ihn verra- ten, ist sehr vage ; insbesondere konkretisiert er nicht, wer ihn verraten haben könnte. Schliesslich wurde seine Identitätskarte am 21. April 2009 ausgestellt, mithin in der Zeit, als er sich angeblich versteckt hielt , was darauf hindeutet, dass er in dieser Zeit nicht in Furcht vor den staatlichen Behörden lebte und diese ihn nicht gezielt suchten . Auch einen Pass h a- be er sich in dieser Periode – im Jahr 2010 (A6 S. 6) beziehungsweise unmittelbar vor seiner Ausreise (A13 F30) – in Colombo ausstellen lassen. E-1235/2012 Seite 7 Insgesamt konnte der Beschwerdeführer damit nicht glaubhaft machen, dass er von 2008 bis zu seiner (angeblichen) Verhaftung 2011 von den sri-lankischen Behörden gezielt gesucht wurde. 4.3 Zu prüfen ist sodann die Frage, ob der Beschwe rdeführer glaubhaft machen kann, dass er (…) 2011 von der sri -lankischen Armee festg e- nommen, nach Colombo gebracht, befragt, gefoltert und nach fünf Tagen wieder freigelassen wurde. Der Beschwerdeführer macht eine Reflexve r- folgung geltend, da sein Bruder B._______ bei den LTTE gewesen sei und immer noch in einem Camp festgehalten werde. Er bringt mehrmals vor, seine Verhaftung (…) 2011 hänge wohl auch mit der Mitgliedschaft seines Bruders bei den LTTE zusammen. 4.3.1 Glaubhaft ist die Aussage des Beschwerdeführers, dass sein Bruder B._______ im Jahr 2002 Mitglied der LT TE geworden ist und seit Ende des Krieges in einem Lager der Regierung festgehalten wird. Diese Au s- sage des Beschwerdeführers ist durch ve rschiedene Dokumente belegt (zwei Haftbefehle, datiert vom (…) 2010, und eine E -Mail des Internatio- nalen Komitees vom Roten Kreuz in Sri Lanka). 4.3.2 Die Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner angeblichen Ve r- haftung und der anschliessenden Ausreise aus Sri Lanka im Jahr 2011 erscheinen jedoch insgesamt als konstruiert. Seine diesbezüglichen Aus- sagen fallen vage, unsubstantiiert und teilweise unplausibel beziehungs- weise widersprüchlich aus: Erstens äussert sich der Beschwerdeführer nur unsubstantiiert über seine Verhaftung und die Gefangenhaltung durch die sri -lankische Armee. Sei- ne diesbezüglichen Aussagen sind sehr kurz und enthalten keine Einzel- heiten, obwohl er mehrmals ausdrücklich aufgefordert wurde, die Ereig- nisse detailliert zu schildern (A13 S. 8). Einzig zu seiner ersten Befragung in Gefangenschaft äussert er sich nach mehrmaliger Aufforderung au s- führlicher (A13 S. 9). Diese Ausführungen können aber den generellen Eindruck, seine Aussagen seien konstruiert und beruhten nicht auf eig e- nen Erlebnissen, nicht aufwiegen. Zudem gab der Beschwerdeführer in der Befragung zur Person an, er sei in Colombo jeden Tag mehrmals von verschiedenen Männern befragt worden (A6 S. 9), während er in der A n- hörung aussagte, er sei lediglich einmal befragt worden und kurz vor der Entlassung hätten sie noch einmal mit ihm gesprochen (A13 S. 9 f.). Die- sen Widerspruch vermag auch die Angabe in der Beschwerdeschrift, er sei nur einmal formell unter Aufnahme eines Protokolls befragt worden, E-1235/2012 Seite 8 aber "unzählige Male" geschlagen und gefragt worden, ob er de n LTTE angehöre, nicht zu erklären, zumal er in der Anhörung auch auf ausdrück- lich Nachfrage nur eine Befragung erwähnte, gleichzeitig jedoch das zu- sätzliche Gespräch kurz vor der Entlassung erwähnte. Unter diesen Um- ständen wäre zu erwarten gewesen, dass er bei dieser Gelegenheit auch weitere niederschwelligere Befragungen erwähnt hätte , zumal diese an- geblich mit körperlichen Misshandlungen verbunden waren. Zweitens reichte der Beschwerdeführer im erstinstanzlichen Verfahren die Kopie einer Identitätskart e ein , verwickelt sich diesbezü glich jedoch in verschiedene Widersprüche. Zuerst macht er geltend, diese sei (…) 2011 ausgestellt worden (A13 F11). Dann bringt er vor, sie sei bei seiner En t- lassung aus der Haft im (…) 2011 von der Armee einbehalten worden (A13 F104). Auf Frage hin bestä tigt er, es handle sich dabei um die glei- che Identitätskarte, die er im Jahr 2008 der sri -lankischen Armee habe abgeben müssen (A13 F123) . Darauf aufmerksam gemacht, dass die Karte das Ausstellungsdatum 21. April 2009 trage, sagt er, er habe die Karte zu einem ihm unbekannten Zeitpunkt beim Dorfvorsteher erneuern lassen (A13 F125 ff.), und führt in der Beschwerdeschrift aus, dies sei für ihn nicht das Gleiche; die neue Identitätskarte sei ein Ersatz für seine a l- te, welche nass geworden sei, trage aber die gleiche Nummer. Schliess- lich verstrickt er sich in der Anhörung in einen weiteren Widerspruch, wenn er angibt, die Karte sei von Personen in Zivilkleidern zu ihm nach Hause gebracht worden und die Personen hätten gefragt , wo sich diese Person befinde, wobei er sich dabei offensichtlich auf die Zeit nach seiner Entlassung (…) 2011 bezieht (A13 F128 ff.). Drittens ist seine Schilderung, wie er seine Ausreise organisiert habe, nicht plausibel. Er gibt an, nach seiner Freilassung und "nicht mehr als zwei Tage" (A13 F30) vor seiner Ausreise einen echten Pass beantragt und diesen auch erhalten zu haben. Der Schlepper habe ihm dann jedoch mitgeteilt, damit könne er nicht sofort ausreisen , und habe ihm mit Hilfe des echten Passes eine n gefälschten Pass erstellen lassen, mit dem er dann ausgereist sei. Grundsätzlich ist bereits schwer nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer kurz nach seiner Freilassung das Risiko ei n- gegangen sein soll , bei den Behörden einen offiziellen Pass zu beant ra- gen, und dies bevor er sich sicher gewesen sein konnte , dass er damit auch wirklich schnell ausreisen werden kann. Gemäss Angaben der off i- ziellen Website des "Department of Immigration and Emigration Sri La n- ka" ist es zwar möglich, innert eines Tages ein en sri -lankischen Reis e- pass zu erhalten. Der Beschwerdeführer hätte also, wenn man seinen E-1235/2012 Seite 9 Angaben folgt, am zweitletzten Tag seiner Anwesenheit in Sri Lanka einen Pass beantragt, welcher ihm am gleichen oder folgenden Tag ausgestellt worden wäre, hätte sich am nächsten Tag durch seinen Schlepper mittels des echten Passes einen gefälschten Pass machen lassen und wäre am darauffolgenden Tag damit ausgereist. Das erscheint vom zeitlichen A b- lauf her höchst unwahrscheinlich. Zudem sind für die Erstellung eines Passes gemäss der Website des "Department of Immigration and Emi g- ration Sri Lanka" ein Geburtsschein und eine gültige Identitätskarte erfor- derlich. Der Beschwerdeführer sagte jedoch aus, seine Iden titätskarte sei von der sri -lankischen Armee bei seiner Entl assung einbehalten worden. Bezüglich des Geburtsscheins, der für eine Passausstellung ebenfalls notwendig ist, verstrickt sich der Beschwerdeführer ebenfalls in Wide r- sprüche. Zuerst sagte er auf eine Frage hin aus, der Schlepper habe ihm nichts von seinen Eltern übergeben, später jedoch, sein Geburtsschein sei aus seinem Dorf dem Schlepper geschickt worden. Auffällig ist zudem, dass der Geburtsschein bereits am (…) 2011 ausgestellt wurde, das heisst, vor der Verhaftung des Beschwerdeführers. In der Befragung zur Person hatte er zudem angegeben, sein Pass sei bereits im Jahr 2010 ausgestellt worden. Diese Umstände deuten darauf hin, dass der B e- schwerdeführer (…) 2011 sein Heimatland nicht , wie geltend gemacht , überstürzt verliess, sondern die Ausreise langfristig geplant hatte. 4.4 Schliesslich konnte der Beschwerdeführer nicht glaubhaft darlegen , wieso die sri-lankischen Sicherheitskräfte bei einer Rückkehr ein Interes- se an ihm haben sollten. Allein aus dem Umstand, dass einer seiner Br ü- der bei den LTTE war und immer noch von der Armee festgehalten wird, kann keine Gefährdung für den Beschwerdeführer im Sinne der im Urteil BVGE 2011/24 E. 8 aufgeführten Risikogruppe "Rückkehrer aus der Schweiz, denen nahe Kontakte zu den LTTE unterstellt werden" abgelei- tet werden. Dies gilt auch unter Berücksichtigung, dass der Beschwerd e- führer als (…) arbeitete, (…), und er im Jahr 2008 während einer gewis- sen Zeit regelmässig seine Unterschrift leisten musste (siehe oben E. 5.2). An dieser Feststellung ändert auch sein Vorbringen nichts, ein weiterer Bruder sei bereits einer Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen: Sein Bru- der C._______, der in London studiert habe, sei im Jahr 2011 , nachdem er den Bruder B._______ in der Haft besucht habe, selber verhaftet und während fast einer Woche festgehalten und gefoltert worden. Daraufhin sei er nach London zurückgekehrt und habe dort Asyl erhalten. Dies b e- lege die Gefahr einer Reflexverfolgung auch für ihn. E-1235/2012 Seite 10 Zum Beleg der Verhaftung des Bruder C._______ reichte der Beschwer- deführer ein Affidavit dieses Bruders ein. Darin legt dieser dar, er habe während eines Besuches in Sri Lanka Probleme mit den sri -lankischen Sicherheitsdiensten gehabt ("I endure problems with the Srilankan Securi- ty Forces"), weil er seinen Bruder besucht habe, der für die LTTE g e- kämpft habe. Er sei verhaftet, gefangen gehalten und gefoltert worden und nach Bezahlung eines Bestechungsgeldes freigelassen worden. Der Text des Affidavits verweist auf "the documents related to my arrest and detention now shown and marked as Exhibit «SR6»". Diese Beweismittel reichte der Beschwerdeführer jedoch vor Bundesverwaltungsgericht nicht ein. Das Affidavit führt weiter aus, er, C._______, habe anschliessend in Grossbritannien Asyl erhalten. Auch das Beweismittel «SR8», das als "determination of the Immigration Judge" bezeichnet ist, und eventuell Aufschluss über die Gründe für die Asylgewährung geben würde, hat der Beschwerdeführer nicht eingereicht. Weitere Ausführungen zu seiner Verhaftung oder zu den Gründen für seine Asylgewährung macht der Bruder im Affidavit nicht. Bei einem Affidavit handelt es sich um eine freiwillige Erklärung, in der ei- ne Person unter Eid ihre Aussagen schriftlich festhält und deren Richti g- keit bestätigt. Ein dazu berechtigte öffentliche Urkundsperson bestätigt, dass die genannte Person diese Aussagen gemacht hat und die aufge- führten Beweismittel vorgelegt hat, nicht jedoch die inhaltliche Richtigkeit der Aussagen und der Beweismit tel. Das Gericht würdigt damit auch sol- che Beweise frei (vgl. Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP , SR 273]). Entsprechend kann vorliegend zwar davon ausgegangen werden, dass der Bruder des Beschwerdeführers diese Aussage n gemacht hat, doch kann das Affidavit nicht ohne Weiteres als Beleg für die Richtigkeit der Aussagen dienen. Das gleiche gilt für die im Affidavit erwähnten Bewei s- mittel, die dem Gericht nicht vorliegen. Damit ist zwar glaubhaft gemacht, dass der Bruder C._______ des Beschwerdeführers in Grossbritannien als Flüchtling anerkannt wurde und Asyl erhielt. Die Gründe dafür sind je- doch unklar und die knappen Aussagen des Bruders zu seiner angebli- chen Festnahme in Sri Lanka genügen angesichts der vorstehenden E r- wägungen nicht, um eine Reflexverfolgung gegen den Beschwerdeführer glaubhaft zu machen. 4.5 Der allgemeinen Behauptung in der Beschwerde (S. 7 und 13) und der Rep lik (S. 2), von einem europäischen Land abgewiesene Asylb e-E-1235/2012 Seite 11 werber tamilischer Ethnie seien – sowohl im Sinne eines (objektiven) Nachfluchtgrundes, als auch im Sinne der Unzulässigkeit des Wegwe i- sungsvollzugs – generell gefährdet, bei ihrer Rückkehr verfolgt (nämlich verhaftet und gefoltert) zu werden, ist nicht zu folgen. Nach Kenntnis des Gerichts handelt es sich bei den bislang registrierten Übergriffen der sri - lankischen Sicherheitsorgane gegenüber tamilischen Rückkehrern (vgl. die zusammenfassende und auf eine Viel zahl von Quellen hinweisende Antwort der Informationsstelle der kanadischen Immigrations- und Flücht- lingsbehörde [Research Directorate, Immigrat ion and Refugee Board of Canada] vom 12. Februar 2013; http://www.ecoi.net : "Sri Lanka: Trea t- ment of Tamil returnees to Sri Lanka …", letztmals besucht a m 13. Mai 2013) nicht um ein allgemeines Phänomen, sondern um Einzelfälle, bei welchen über die Motive der verfolgenden Sicherheitsorgane kaum etwas bekannt ist und die nicht eine Verfolgung aller Rückkehrer wahrscheinlich erscheinen lassen. Angesichts des fehlenden Risikoprofils des B e- schwerdeführers ist in Weiterführung der Praxis gemäss BVGE 2011/24 E. 10.4.2 (und der dort zitierten Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]) die Wahrscheinlichkeit einer menschenrecht s- widrigen Behandlung des Beschwerdeführers aus einem in Art. 3 AsylG genannten Verfolgungsgrund als gering zu erachten. 4.6 Im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller Aussagen des Beschwerde- führers und der eingereichten Beweismittel kommt das Gericht zum Schluss, dass es dem Beschw erdeführer nicht gelungen ist, eine asylr e- levante Verfolgung in seinem Heimatland glaubhaft zu machen. Insg e- samt sprechen wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vo r- gebrachte Sachverhaltsdarstellung, so vor allem der Umstand, dass der Beschwerdeführer während der Zeit, in der er angeblich verfolgt wurde, in der Lage war, sowohl eine Identitätskarte als auch einen Reisepass zu beantragen und zu erhalten . Dies führt, zusammen mit den über weite Strecken unsubstantiierten Aussagen des Beschwerdeführers und der Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Umstände der Ausreise , dazu, dass das Gericht die Vorbringen des Beschwerdeführers und damit de s- sen aktuelle Verfolgungsfurcht nicht für überwiegend wahr hält . Daran kann auch seine Behauptung nichts ändern, er sei aufgrund der Abwe i- sung seines Asylgesuchs in der Schweiz bei einer Rückkehr nach Sri Lanka bedroht, da er nie Mitglied der LTTE war und nicht glaubhaft machen konnte, einer Mitgliedschaft oder zumindest einer Nähe zur LTTE verdächtigt zu werden. E-1235/2012 Seite 12 Dem Beschwerdeführer ist es damit nicht gelungen eine aktuelle asylr e- levante Verfolgungsgefahr glaubhaft zu machen . Das BFM hat sein Asy l- gesuch zu Recht abgewiesen. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.1 m.w.H.) . Die Wegweisung wurde dem- nach zu Recht angeordnet. 6. Ist der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar oder unmöglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzl i- chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. D e- zember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen ( vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 6.1 Der Vollzug ist nicht zulä ssig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n-E-1235/2012 Seite 13 kommens vom 10. Dezember 1984 g egen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.1.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulements nur Personen schützt, die die Flüch tlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Seine Rückkehr in de n Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 6.1.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall e i- ner Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrschei n- lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Eur opäischen G e- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) und jener des UN -Anti-Folter- ausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rüc k- schiebung Folter oder unm enschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 ff., m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka und die neueren Berichte über a b- gewiesene Asylsuchenden, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückgeführt worden sind und bei ihrer Ankunft verhaftet und g e- foltert worden seien (vgl. vorn E. 4.5) , lassen den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig ersch einen. Nach dem G e- sagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. E-1235/2012 Seite 14 6.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat (in den E. 12 und 13 des Urteils BVGE 2011/24) erkannt, dass sich die Menschenrechts- und Sicherheits- lage in Sri Lanka wesentlich verbessert hat. Allerdings präsentiert sich die Lage nicht in allen Landesteilen gleich. Es muss unterschieden werden zwischen der Ostprovinz, in die der Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar ist, und zwei verschiedenen Gebieten innerhalb der Nordpr o- vinz, in die der Wegweisungsvollzug nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen zumutbar ist. Die Rückkehr in alle anderen Landesteile, insbesondere in den Grossraum Colombo, ist grundsätzlich zumutbar. 6.2.2 Das BFM stellte in der angefochtenen Verfügung fest, der B e- schwerdeführer stamme aus D._______, sei jung und gesund und im Heimatland bereits berufstätig gewesen, verfüge (…) über ein familiäres Netz, bestehend aus seinen Eltern, Geschwistern und weiteren Verwan d- ten, auf welches er sich bei einer Rück kehr stützen könne, weshalb der Vollzug unter Berücksichtigung der individuellen Voraussetzung en z u- mutbar sei. Dies entspricht insoweit der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts, als bei Asylsuchenden aus der Nordprovinz (mit Ausnahme des Vanni -Ge- biets) die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bejaht wird, wenn b e- günstigende Faktoren (Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes, S i- cherung des Existenzminimums, gesicherte Wohnsituation) vorliegen (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1.2). Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen Mann, der – soweit den Akten zu entnehmen ist – keine ge- sundheitlichen Beschwerden hat, während Jahren (…) berufstätig gewe- sen ist und in seinem Heimatort auch über die engsten Familienangehöri- gen hinaus , bei denen er wohnen kann, ein familiäres Beziehungsnetz vorfinden wird. Der Beschwerdeführer hält dem in der Beschwerdeschrift entgegen, er wäre, da der zu Hause lebende Bruder gelähmt und ein a n- derer im Gefängnis sei, das einzige gesunde männliche Familienmitglied . Trotz dieses Einwandes erscheint angesichts der recht zahlreichen Ve r- wandtschaft, der übrigen begü nstigenden Faktoren sowie des Umsta n- des, dass der in Grossbritannien als Flüchtling anerkannte Bruder C._______ die Familie finanziell unterstützen kann, eine Rückkehr insg e- samt als zumutbar. 6.2.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. E-1235/2012 Seite 15 6.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG ), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich gilt (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnu ng der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art . 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da ihm j e- doch unentgeltliche Prozessführung gewährt worden ist, i st auf die Erh e- bung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-1235/2012 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Tobias Grasdorf Versand: