B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4736/2021 U r t e i l v o m 4 . N o v e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichterin Chiara Piras, mit Zustimmung von Richterin Jenny de Coulon Scuntaro; Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. Parteien A._______, geboren am (…), Marokko, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 12. Oktober 2021 / N (…). D-4736/2021 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass A._______(nachfolgend: der Beschwerdeführer ) – ein marokkani- scher Staatsangehöriger – erstmals am 2. September 2013 ein Asylge- such in der Schweiz stellte, dass das damalige Bundesamt für Migration (BFM; heute Staatssekretariat für Migration [SEM]) mit Entscheid vom 19. Dezember 2013 auf sein Asyl- gesuch nicht eintrat und ihn nach Frankreich wegwies, wohin er am (…) 2014 überstellt wurde (vgl. ZEMIS-Eintrag), dass er mit Verfügungen vom (…) 2014, (…) 2014 sowie vom (…) 2014 aus der Schweiz weggewiesen und in der Folge am (…) 2014, (…) 2014 sowie am (…) 2014 wiederum nach Frankreich überstellt wurde (vgl. ZEMIS-Einträge), dass der Beschwerdeführer am 19. August 2021 erneut in die Schweiz ein- reiste und tags darauf im Bundesasylzentrum (BAZ) der Region B._______ um Gewährung von Asyl nachsuchte, dass am 24. August 2021 die Personalienaufnahme (PA) stattfand und er dabei vom SEM zu seiner Person, zu seinen Reise- und Identitätspapieren sowie zu seinem Reiseweg befragt wurde, dass der Beschwerdeführer mit Vollmacht vom 25. August 2021 die ihm zugewiesene Rechtsvertretung mandatierte, dass am 1. September 2021 das persönliche Dublin -Gespräch durchge- führt wurde, wobei dem Beschwerdeführer – im Beisein seines Rechtsver- treters – das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Frank- reichs für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu ei- ner allfälligen Rückkehr nach Frankreich sowie zum medizinischen Sach- verhalt gewährt wurde, dass er bezüglich der Zuständigkeit Frankreichs und der allfälligen Weg- weisung dorthin vorbrachte, er sei seit 2003 mit der Schweizer Bürgerin C._______ in einer Beziehung, wobei sie im Jahr 2019 in Frankreich ein Ehevorbereitungsverfahren eingeleitete hätten, welches aktuell noch hän- gig sei, dass er des Weiteren geltend machte, "automatische" Drohungen von der (mutmasslich marokkanischen) Armee erhalten zu haben und er kein D-4736/2021 Seite 3 Recht habe zurückzukehren, weil sein biologischer Vater, welcher in den D._______ lebe, als (…) tätig gewesen sei, dass des Weiteren sein Adoptiv-Vater in E._______ und F._______ lebe, wobei er ihn nicht mehr sehen würde und seine Adoptiv -Mutter sich nor- malerweise in B._______ aufhalte, dass er hinsichtlich seines Gesundheitszustandes vorbrachte, er nehme seit 2015 regelmässig Medikamente gegen (…) sowie (…), dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Eingabe vom 1. Sep- tember 2021 diverse medizinische Dokumente zu den Akten reichte und beantragte, es sei eine psychologische Abklärung vorzunehmen, um den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zu ermitteln, dass das SEM die französischen Behörden am 1. September 2021 ge- stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle- gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu- ständig ist (nachfolgend: Dublin -III-VO) und unter Hinweis auf die bis am (…) 2029 gültige französische Aufenthaltsbewilligung, um Wiederauf- nahme des Beschwerdeführers ersuchte, dass die französischen Behörden am 1. Oktober 2021 diesem Ersuchen der Vorinstanz gestützt auf Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO zustimmten, dass das SEM im Nachgang dazu mit Verfügung vom 12. Oktober 2021 – eröffnet am 27. Oktober 2021 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat, dessen Wegweisung aus der Schweiz in den zu- ständigen Dublin -Staat ( Frankreich) anordnete, den Beschwerdeführer gleichzeitig aufforderte, die Schweiz bis spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen und den Kanton B._______ mit dem Voll- zug der Wegweisung beauftragte, dass es ferner dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten ge- mäss Aktenverzeichnis aushändigte und festhielt, einer allfälligen Be- schwerde gegen die Verfügung komme keine aufschiebende Wirkung zu, D-4736/2021 Seite 4 dass die zugewiesene Rechtsvertretung des Beschwerdeführers mit Schreiben vom 28. Oktober 2021 dem SEM die Beendigung des Mandats- verhältnisses mitteilte, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 28. Oktober 2021 (Datum Poststempel) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgerich t selbständig Beschwerde erhob und darin mittels vorgefertigter Formular- beschwerde beantragte, der genannte Nichteintretensentscheid sei aufzu- heben und sein Asylgesuch sei in der Schweiz zu prüfen, dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht darum ersuchte, ihm sei die un- entgeltliche Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung ein es Kostenvorschusses, zu gewähren und zudem sei der Beschwerde die auf- schiebende Wirkung zu erteilen, dass er zur Begründung sinngemäss vorbrachte, er sei von den französ i- schen Behörden bedroht worden, ein Ehevorbereitungsverfahren sei hän- gig, er an chronischen Erkrankungen leide und zudem erst kürzlich eine Tante (mütterlicherseits) in der Schweiz verstorben sei, dass seiner Beschwerde – entgegen dem Beilagenverzeichnis – lediglich eine Kopie der angefochtenen Verfügung beilag, dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am 29. Oktober 2021 in elektronischer Form respektive am 2. November 2021 in physischer Form vorlagen, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re- gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen (Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1986 [VwVG; SR 172.021]) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 des Bundesgesetzes über das Bundes- verwaltungsgericht vom 17. Juni 2005 [VGG; SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 1 7. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), D-4736/2021 Seite 5 dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass mit asylrechtlicher Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (ein- schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un- richtige und unvollständige Festst ellung des rechtserheblichen Sachver- halts gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver- zichtet wurde, dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1 und 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.), dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG) und das SEM in diesem Fall in der Regel die Wegwei- sung aus der Schweiz verfügt und den Vollzug anordnet (Art. 44 AsylG), dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi- gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriter ien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird, D-4736/2021 Seite 6 dass im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Reihenfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskrite- rien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden sind, und dabei von der Situation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen ist, in dem der Asylsu- chende erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO), dass demgegenüber im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapi- tel III stattfindet (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.), dass nach Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO derjenige Mitgliedstaat für die Prü- fung des Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist, der dem Antrag- steller einen Aufenthaltstitel ausgestellt hat, dass den vorliegenden Akten zu entnehmen ist, dass sich der Beschwer- deführer vor der (Wieder-) Einreise in die Schweiz in Frankreich aufgehal- ten hat, wo er seit dem (…) 2019 über einen gültigen Aufenthaltstitel ver- fügt, dass das SEM infolgedessen in der angefochtenen Verfügung zum Schluss gelangte, Frankreich sei nach Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO für ihn zuständig, dass dieser Schluss mit Blick auf die klare Bestimmung von Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO zu bestätigen ist, zumal aufgrund der Aktenlage als unbestritten erscheint, dass dem Beschwerdeführer von Frankreich ein e bis zum (…) 2029 gültige Aufenthaltsbewilligung ereilt worden ist, dass denn auch die französischen Behörden dem Gesuch des SEM am 1. Oktober 2021 innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist gestützt auf Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO ausdrücklich zustimmten ha- ben, dass nach dem Gesagten das SEM zu Recht die Zuständigkeit von Frank- reich festgestellt hat, womit die Grundlage für einen Nichteintretensent- scheid in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG gegeben ist, dass es sodann keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asyl- verfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Frankreich D-4736/2021 Seite 7 weise systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdi- genden Behandlung im Sinne des Art . 4 der EU -Grundrechtecharta mit sich bringen würden, dass der Beschwerdeführer auch nicht aufzeigte, eine Überstellung nach Frankreich würde völkerrechtliche Normen verletzen, dass er in seiner Rechtsmitteleingabe zwar ausführte, er sei von den fran- zösischen Behörden bedroht worden, dass er dieses Vorbringen jedoch nicht weiter substantiierte und hierfür auch keine Beweismittel zu den Akten reichte, dass Frankreich ein Rechtsstaat mit funktionierendem Justizsystem ist und der Beschwerdeführer bei der zuständigen Stelle Beschwerde einreichen könnte, sollte er sich ungerecht oder rechtswidrig behandelt fühlen, dass Frankreich Signatarstaat der Konvention zum Schutze der Men- schenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK ; SR 0.101), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung o- der Strafe (FoK; SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK; SR 0.142.30) sowie des Zusatzpro- tokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist und seinen diesbe- züglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt, was vom SEM zutreffend festgehalten wurde, dass die Schweiz gleichzeitig auch davon ausgegangen darf, Frankreich anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber- kennung des internationalen Schutzes ( sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf- nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah- merichtlinie) ergeben, dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, dass des Weiteren festzuhalten ist, dass der Beschwerdeführer und seine Verlobte – wie nachfolgend aufgezeigt wird – nicht als Familienangehörige D-4736/2021 Seite 8 im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO respektive Art. 8 EMRK zu qualifi- zieren sind, womit die den Schutz der Familieneinheit bezweckenden zwin- genden Bestimmungen des Kapitels III der Dublin-III-VO vorliegend nicht zur Anwendung kommen (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin III-Verordnung, 2014, K23 f. zu Art. 2, S. 88), dass sich die Zuständigkeit der Schweiz nach den Kriterien des Kapitels III überdies auch weder mit der angeblich vor ihrem Tod in der Schweiz wohn- haft gewesenen Tante des Beschwerdeführers noch mit dessen angeblich normalerweise in B._______ wohnhaften Adoptiv-Mutter begründen lässt, dass ferner die Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dub- lin-III-VO respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkre- tisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1; SR 142.311) zu prüfen ist, gemäss welcher das SEM das Asylgesuch "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, dass zwar die Vermutung, Frankreich halte seine völkerrechtlichen Ver- pflichtungen ein, im Einzelfall widerlegt werden kann, es hierfür aber kon- kreter und ernsthafter Hinweise bedarf, die gegebenenfalls vom Betroffe- nen glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.), dass der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge- tan hat, die französischen Behörden würden sich weigern ihn aufzuneh- men und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Re- geln der erwähnten Richtlinien zu prüfen, dass den Akten auch keine G ründe für die Annahme zu entnehmen sind, Frankreich werde in seinem Fall den Grundsatz des Non -Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol- ches Land gezwungen zu werden, dass der Beschwerdeführer keine konkreten und ernsthaften Hinweise für die Annahme dargetan hat, Frankreich würde ihm dauerhaft die ihm ge- mäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten, und er sich bei einer vorübergehenden Einschränkung im Üb- rigen nötigenfalls an die französischen Behörden wenden und die ihm zu- stehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern könnte (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie), D-4736/2021 Seite 9 dass der Beschwerdeführer mit seinem Hinweis auf seine gesundheitlichen Probleme implizit die Anwendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respek- tive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 fordert, dass beim Beschwerdeführer eine (…) sowie eine (…) diagnostiziert wurde (vgl. SEM-Akte 1106294-21/2), welche in der Folge mit (…) und (…) medi- kamentös behandelt wurde (vgl. SEM-Akte 1106294-21/2 und 1106294 - 22/1), dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss geg en Art. 3 EMRK darstellen kann (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H. sowie das Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.), dass im Falle des Beschwerdeführers – ohne seine psychischen Be- schwerden zu verharmlosen – nicht von einer solchen Situation ausgegan- gen werden kann, dass im Übrigen allgemein bekannt ist, dass Frankreich über eine ausrei- chende medizinische Infrastruktur verfügt, und die geltend gemachten psy- chischen Beschwerden des Beschwerdeführers – entgegen dem pauscha- len und nicht weiter differenzierten Einwand auf Besc hwerdeebene – dort behandelt werden können, dass diesbezüglich auch auf die zu bestätigenden Erwägungen in der an- gefochtenen Verfügung zu verweisen ist, dass die Mitgliedstaaten den Antragstellenden die erforderliche medizini- sche Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt er- forderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Stö- rungen umfasst, zugänglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahme- richtlinie), und den Antragstellenden mit besonderen Bedürfnissen die er- forderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich erforderlichen- falls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren haben (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie), dass er gemäss eigenen Angaben während seines rund sechsjährigen Auf- enthalts in Frankreich schon Zugang zu medizinischer Behandlung gefun- den hat (vgl. SEM-Akte 1106294-21/2) und davon ausgegangen werden darf, er finde auch zukünftig Zugang zu Behandlung, sollte er darauf ange- wiesen sein, D-4736/2021 Seite 10 dass es dem Beschwerdeführer demnach offensteht, nötigen falls medizi- nische Betreuung in Anspruch zu nehmen beziehungsweise dass die ge- gebenenfalls erforderlichen weiteren medizinischen Abklärungen auch in Frankreich möglich sind und dass auch die Verfügbarkeit von Medikamen- ten gewährleistet ist, dass vor diesem Hintergrund nicht ersichtlich ist, inwiefern eine im Schrei- ben vom 1. September 2021 beantragte psychologische Abklärung des Beschwerdeführers hinsichtlich der Zulässigkeit der Überstellung allenfalls zu einer anderen Einschätzung zu führen vermocht hätte, dass im Übrigen für das weitere Dublin-Verfahren einzig die Reisefähigkeit ausschlaggebend ist, welche erst kurz vor der Überstellung definitiv beur- teilt wird, dass die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten Verfügung beauftragt sind, den medizinischen Umständen bei der Bestim- mung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Beschwerdeführen- den Rechnung tragen und die französischen Behörden vorgängig in geeig- neter Weise über die spezifischen medizinischen Um stände informieren werden (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO), dass die französischen Behörden in ihrer Zustimmung um Aufnahme des Beschwerdeführers ihrerseits darum ersucht haben, dass allfällige psychi- sche und physische Einschränkungen sowie notwendige besondere Vor- kehrungen bei beziehungsweise nach der Überstellung den französischen Behörden vorab mitzuteilen seien, womit davon ausgegangen werden kann, dass die medizinischen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers bei der Überstellung, falls notwendig, Berücksichtigung finden werden, dass sich aus der Überstellung nach Frankreich mithin auch unter Berück- sichtigung der gesundheitlichen Vorbringen des Beschwerdeführers keine Verletzung von Art. 3 EMRK oder anderer völkerrech tlicher Verpflichtun- gen ergibt, dass sich somit ein Selbsteintritt gestützt auf Art. 17 Dublin-III-VO und Art. 3 EMRK vorliegend nicht gebietet, dass sodann zu prüfen ist, ob die geltend gemachte Verlobung des Be- schwerdeführers mit der Schweizer Staatsangehörigen , C._______, wel- che in G._______ wohnhaft sei, beziehungsweise das angeblich in Frank-D-4736/2021 Seite 11 reich eingeleitete Ehevorbereitungsverfahren einer Überstellung im Rah- men des vorliegenden Dublin -Verfahren entgegensteht beziehungsweise ob eine Rückführung des Beschwerdeführers nach Frankreich gegen Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des Privat - und Familienlebens) versto- sen würde, dass Art. 8 EMRK weder ein Recht auf Einreise oder Aufenthalt in einem bestimmten Staat noch auf Wahl des für das Familienleben am geeignets- ten erscheinenden Ortes gewährt, der Schutzbereich der Norm jedoch ver- letzt sein kann, wenn einer Ausländerin oder einem Ausländer, deren Fa- milienangehörige hier weilen, die Anwesenheit untersagt und damit d as Familienleben vereitelt wird (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.1 m.w.H.), dass sich auf den Schutz von Art. 8 EMRK zunächst die Mitglieder der Kernfamilie berufen können, mithin die Ehegatten und ihre minderjährigen Kinder, dass gemäss Rechtsprechung der vormal s zuständigen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK), welche vom Bundesverwaltungsgericht wei- tergeführt wird, sodann Konkubinatspartner den Ehegatten gleichgestellt sind, dass es für die Inanspruchnahme der Garantie von Art. 8 EMRK gemäss der Praxis de s Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) auf ein tatsächlich bestehendes Familienleben ankommt (vgl. hierzu etwa Urteil des EGMR i.S. K. und T. gegen Finnland vom 12. Juli 2001, Grosse Kammer, Nr. 25702/94, § 150), dass dabei als wesentliche Faktoren für eine tatsächlich gelebte Beziehung das gemeinsame Wohnen respektive der gemeinsame Haushalt, die finan- zielle Verflochtenheit, die Länge und Stabilität der Beziehung sowie das Interesse und die Bindung der Partner aneinander zu berücksichtigen sind (vgl. CHRISTOPH GRABENWARTER/KATHARINA PABEL, Europäische Men- schenrechtskonvention, 6. Aufl., München 2016, S. 288 § 22 Rz. 16; MARK E. VILLIGER, Handbuch der Europäisch en Menschenrechtskonvention, 2. Aufl., 1999, S. 365), dass die Verlobte des Beschwerdeführers gemäss dessen Angaben in G._______ lebt (vgl. SEM-Akte 1106294-9/6, Ziff. 1.14 und 3), währendem er im BAZ B._______ untergebracht ist (vgl. Eintrag im ZEMIS), D-4736/2021 Seite 12 dass sie sich damit an unterschiedlichen Adressen aufhalten, weshalb es bereits an einem gemeinsamen Wohnsitz als wesentlichen Faktor für eine tatsächlich gelebte Beziehung fehlt, dass der Beschwerdeführer ferner im Rahmen des rechtlichen Gehörs an- lässlich des Dublin-Gesprächs angab, sie hätten sich früher öfter gesehen (vgl. SEM-Akte 1106294-14/3), dass diese Umstände nicht auf eine im soeben dargelegten Sinne tatsäch- lich gelebte Beziehung als notwendige Voraussetzung für die Anwendbar- keit von Art. 8 EMRK schliessen lassen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der fehlend en tatsächlich gelebten Beziehung auch aus der Tatsache, dass seine Verlobte s chweizerische Staatsangehörige ist, nichts für sich abzuleiten vermag, dass die in der Beschwerde geäusserte Heiratsabsicht zu keiner anderen Einschätzung führen kann, zumal der Beschwerdeführer ein allfälliges in Frankreich angestrengtes Ehevorbereitungsverfahren auch dort abwarten kann, dass es dem Beschwerdeführer und seiner Verlobten trotz der Überstel- lung nach Frankreich möglich sein wir d, ihre Beziehung fortzusetzen und den Kontakt mittels Telefon oder via moderne Kommunikationsmittel (SMS, E-Mail, WhatsApp, Skype, Facebook, usw.) zu pflegen, dass der Beschwerdeführer schliesslich auch mit den Hinweisen auf seine angeblich erst kürzlich in der Schweiz verstorbene n Tante und seiner an- geblich normalerweise in C._______ wohnhaften Adoptiv-Mutter nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag, dass die Überstellung nach Frankreich damit keinen unzulässigen Eingriff in das Familienleben im Sinne von Art. 8 EMRK darstellt, dass nach de m Gesagten keine Veranlassung zu einem Selbsteintritt im Sinne von Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO i.V.m. Art. 8 EMRK besteht, dass es angesichts der vorstehenden Erwägungen keine Gründe für eine Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO gibt und an dieser Stelle festzuhalten bleibt, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchen- den kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber zu be- stimmen (BVGE 2010/45 E. 8.3), D-4736/2021 Seite 13 dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts Ermessen zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine gesetzeswid- rige Ermessensausübu ng (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch die Vorinstanz zu entnehmen sind, dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält, dass andere Gründe, die der Schweiz Anlass geben könnten oder sie gar verpflichten würden, von ihrem Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO Gebrauch zu machen, weder geltend gemacht wer- den noch ersichtlich sind, dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und – weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufent- halts- oder Niederlassungsbewilligung – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Frankreich angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), dass nach dem Gesagten die Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb die verfahrensrechtlichen Anträge auf Zuerkennung der aufschie- benden Wirkung sowie auf Befreiung von der Kostenvorschusspflicht ge- genstandslos geworden sind, dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG – ungeachtet der allfälligen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers – abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aus- sichtlos zu bezeichnen waren und es daher an einer g esetzlichen Grund- lage zu deren Gewährung fehlt, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒ 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE ; SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). D-4736/2021 Seite 14 (Dispositiv nächste Seite) D-4736/2021 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Chiara Piras Kathrin Rohrer Versand: