Vertrag vom 23. November 2015 zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft und der Föderativen Republik Brasilien über die Überstellung verurteilter Personen <?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><akomaNtoso xmlns="http://docs.oasis-open.org/legaldocml/ns/akn/3.0" xmlns:fedlex="http://fedlex.admin.ch/"><act name="publicLaw"><meta><identification source="#ch.bk"><FRBRWork><FRBRthis value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2022/716/20230101/main-text"/><FRBRuri value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2022/716/20230101"/><FRBRdate date="2015-11-23" name="jolux:dateDocument"/><FRBRdate date="2023-01-01" name="jolux:dateEntryInForce"/><FRBRdate date="2023-01-01" name="jolux:dateApplicability"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#publisher"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#rightsHolder"/><FRBRcountry value="CH"/><FRBRnumber value=""/><FRBRname xml:lang="it" value="Trattato del 23 novembre 2015tra la Confederazione Svizzera e la Repubblica federativa del Brasile sul trasferimento dei condannati" shortForm=""/><FRBRname xml:lang="de" value="Vertrag vom 23. November 2015 zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft und der Föderativen Republik Brasilien über die Überstellung verurteilter Personen" shortForm=""/><FRBRname xml:lang="fr" value="Traité du 23 novembre 2015 entre la Confédération suisse et la République fédérative du Brésil sur le transfèrement des personnes condamnées" shortForm=""/><FRBRauthoritative value="true"/></FRBRWork><FRBRExpression><FRBRthis value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2022/716/20230101/de/main-text"/><FRBRuri value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2022/716/20230101/de"/><FRBRdate date="2015-11-23" name="jolux:dateDocument"/><FRBRdate date="2023-01-01" name="jolux:dateEntryInForce"/><FRBRdate date="2023-01-01" name="jolux:dateApplicability"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#publisher"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#rightsHolder"/><FRBRlanguage language="de"/></FRBRExpression><FRBRManifestation><FRBRthis value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2022/716/20230101/de/xml/main-text"/><FRBRuri value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2022/716/20230101/de/xml"/><FRBRdate date="2015-11-23" name="jolux:dateDocument"/><FRBRdate date="2023-01-01" name="jolux:dateEntryInForce"/><FRBRdate date="2023-01-01" name="jolux:dateApplicability"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#publisher"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#rightsHolder"/><FRBRformat value="xml" fedlex:generator="2024-q4-rel-1.6.5"/></FRBRManifestation></identification><references source="#ch.bk"><TLCOrganization eId="ch.bk" href="https://fedlex.data.admin.ch/vocabulary/legal-institution/2" showAs="Bundeskanzlei"/><TLCRole eId="publisher" href="http://data.legilux.public.lu/resource/ontology/jolux#publisher" showAs="Editeur"/><TLCRole eId="rightsHolder" href="http://data.legilux.public.lu/resource/ontology/jolux#rightsHolder" showAs="Détenteur des droits"/><TLCReference name="language" href="http://publications.europa.eu/resource/authority/language/DEU" showAs="de"/><TLCReference name="format" href="https://fedlex.data.admin.ch/vocabulary/user-format/xml" showAs="xml"/></references></meta><preface><p><docNumber>0.344.198 </docNumber></p><p> AS <b>2022</b> 716</p><p xmlns:mig="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:migration">Übersetzung</p><p><docTitle>Vertrag <br/>zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft <br/>und der Föderativen Republik Brasilien <br/>über die Überstellung verurteilter Personen</docTitle></p><p>Abgeschlossen am 23. November 2015 <br/>In Kraft getreten durch Notenaustausch am 1. Januar 2023</p><p> (Stand am 1. Januar 2023)</p></preface><preamble><p>Die schweizerische Eidgenossenschaft <br/>und <br/>die Föderative Republik Brasilien,</p><p>nachstehend als «die Parteien» bezeichnet,</p><p>in dem Wunsch, die freundschaftlichen Beziehungen zu pflegen und die justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen, namentlich bei der Überstellung verurteilter Personen, zu fördern;</p><p>in der Erwägung, dass diese Zusammenarbeit den Interessen der Rechtspflege dienen und die soziale Wiedereingliederung verurteilter Personen fördern soll;</p><p>in der Erwägung, dass es diese Ziele erfordern, Ausländerinnen und Ausländern, denen wegen der Begehung einer Straftat ihre Freiheit entzogen ist, Gelegenheit zu geben, die gegen sie verhängte Sanktion in ihrer Heimat zu verbüssen;</p><p>in der Erwägung, dass dieses Ziel am besten durch deren Überstellung in ihren Heimatstaat erreicht werden kann,</p><p>sind wie folgt übereingekommen:</p></preamble><body><part eId="part_1"><num>1. Teil: </num><heading>Allgemeine Bestimmungen</heading><article eId="art_1"><num><b>Art. 1</b></num><heading>Begriffsbestimmungen</heading><paragraph eId="art_1/para"><content><blockList><listIntroduction eId="art_1/para/listintro">Im Sinne dieses Vertrages bezeichnet der Ausdruck:</listIntroduction><item eId="art_1/para/lbl_a"><num>a) </num><p>«Sanktion» jede freiheitsentziehende Strafe oder Massnahme, die von einem Gericht nach dessen innerstaatlichem Recht wegen einer Straftat für eine bestimmte Zeit oder auf unbestimmte Zeit verhängt worden ist;</p></item><item eId="art_1/para/lbl_b"><num>b) </num><p>«Urteil» eine Entscheidung eines Gerichts, durch die eine Sanktion verhängt wird;</p></item><item eId="art_1/para/lbl_c"><num>c) </num><p>«Urteilsstaat» den Staat, in dem die Sanktion gegen die Person, die überstellt werden kann oder bereits überstellt worden ist, verhängt worden ist;</p></item><item eId="art_1/para/lbl_d"><num>d) </num><p>«Vollstreckungsstaat» den Staat, in den die verurteilte Person zum Vollzug der gegen sie verhängten Sanktion überstellt werden kann oder bereits überstellt worden ist.</p></item></blockList></content></paragraph></article><article eId="art_2"><num><b>Art. 2</b></num><heading>Allgemeine Grundsätze</heading><paragraph eId="art_2/para_1"><num>1</num><content><p> Die Vertragsparteien verpflichten sich, gemäss den Bedingungen dieses Vertrages im Bereich der Überstellung verurteilter Personen so weit wie möglich zusammenzuarbeiten.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_2/para_2"><num>2</num><content><p> Eine im Hoheitsgebiet einer Vertragspartei verurteilte Person kann nach diesem Vertrag zum Vollzug der gegen sie verhängten Sanktion in das Hoheitsgebiet der anderen Vertragspartei überstellt werden. Zu diesem Zweck kann sie dem Urteils- oder dem Vollstreckungsstaat gegenüber den Wunsch äussern, nach diesem Vertrag überstellt zu werden.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_2/para_3"><num>3</num><content><p> Das Überstellungsersuchen kann entweder vom Urteils- oder vom Vollstreckungsstaat gestellt werden.</p></content></paragraph></article><article eId="art_3"><num><b>Art. 3</b></num><heading>Menschenrechte</heading><paragraph eId="art_3/para"><content><p>In der Erwägung, dass die Parteien verpflichtet sind, die allgemeine Achtung und Verwirklichung der Menschenrechte und Grundfreiheiten zu fördern, wenden sie diesen Vertrag so an, dass sie die Verpflichtungen in den internationalen Instrumenten zum Schutz der Menschenrechte, denen sie angehören, wahren, insbesondere jene im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte<authorialNote><p> <ref href="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1993/750_750_750" xmlns:data="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:data" xmlns:tmp="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:temp">SR <b>0.103.2</b></ref></p></authorialNote> sowie jene im Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe<authorialNote><p> <ref href="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1987/1307_1307_1307" xmlns:data="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:data" xmlns:tmp="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:temp">SR <b>0.105</b></ref></p></authorialNote> und jene in dessen Fakultativprotokoll<authorialNote><p> <ref href="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2009/664" xmlns:data="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:data" xmlns:tmp="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:temp">SR <b>0.105.1</b></ref></p></authorialNote>.</p></content></paragraph></article><article eId="art_4"><num><b>Art. 4</b></num><heading>Zentralbehörden</heading><paragraph eId="art_4/para_1"><num>1</num><content><p> Im Sinne dieses Vertrags ist in der Schweiz das Bundesamt für Justiz des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes und in Brasilien das Justizministerium Zentralbehörde; über diese Zentralbehörden werden die Überstellungsersuchen und die Antworten übermittelt und entgegengenommen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_4/para_2"><num>2</num><content><p> Die Zentralbehörden der beiden Parteien verkehren direkt miteinander. Der diplomatische Weg bleibt bei Bedarf vorbehalten.</p></content></paragraph></article><article eId="art_5"><num><b>Art. 5</b></num><heading>Voraussetzungen für die Überstellung</heading><paragraph eId="art_5/para_1"><num>1</num><content><blockList><listIntroduction eId="art_5/para_1/listintro"> Eine verurteilte Person kann nach diesem Vertrag nur unter den folgenden Voraussetzungen überstellt werden:</listIntroduction><item eId="art_5/para_1/lbl_a"><num>a) </num><p>Sie ist Staatsangehörige des Vollstreckungsstaates.</p></item><item eId="art_5/para_1/lbl_b"><num>b) </num><p>Das Urteil ist rechtskräftig und im Urteilsstaat ist kein sonstiges Strafverfahren hängig.</p></item><item eId="art_5/para_1/lbl_c"><num>c) </num><p>Beim Eingang des Überstellungsersuchens sind noch mindestens zwölf (12) Monate der gegen die verurteilte Person verhängten Sanktion zu vollziehen oder die Sanktion ist von unbestimmter Dauer.</p></item><item eId="art_5/para_1/lbl_d"><num>d) </num><p>Die verurteilte Person oder, sofern einer der beiden Staaten dies in Anbetracht ihres Alters oder ihres körperlichen oder geistigen Zustands für notwendig hält, ihre gesetzliche Vertreterin oder ihr gesetzlicher Vertreter stimmt ihrer Überstellung zu.</p></item><item eId="art_5/para_1/lbl_e"><num>e) </num><p>Die Handlungen oder Unterlassungen, derentwegen die Sanktion verhängt worden ist, stellen nach dem Recht des Vollstreckungsstaates eine strafbare Handlung dar oder, würden, wären sie in seinem Hoheitsgebiet begangen worden, eine solche darstellen.</p></item><item eId="art_5/para_1/lbl_f"><num>f) </num><p>Der Urteils- und der Vollstreckungsstaat haben sich auf die Überstellung geeinigt.</p></item></blockList></content></paragraph><paragraph eId="art_5/para_2"><num>2</num><content><p> In Ausnahmefällen können sich die Vertragsparteien auch dann auf eine Überstellung einigen, wenn die Restdauer der gegen die verurteilte Person verhängten Sanktion kürzer ist als in Absatz 1 Buchstabe c vorgesehen.</p></content></paragraph></article><article eId="art_6"><num><b>Art. 6</b></num><heading>Informationspflicht</heading><paragraph eId="art_6/para_1"><num>1</num><content><p> Jede verurteilte Person, auf die dieser Vertrag Anwendung finden kann, wird durch den Urteilsstaat von dessen wesentlichem Inhalt unterrichtet.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_6/para_2"><num>2</num><content><p> Hat die verurteilte Person dem Urteilsstaat gegenüber den Wunsch geäussert, nach diesem Vertrag überstellt zu werden, so teilt der Urteilsstaat dies dem Vollstreckungsstaat so bald wie möglich nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils mit.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_6/para_3"><num>3</num><content><blockList><listIntroduction eId="art_6/para_3/listintro"> Diese Mitteilung enthält:</listIntroduction><item eId="art_6/para_3/lbl_a"><num>a) </num><p>Name, Geburtstag und Geburtsort der verurteilten Person;</p></item><item eId="art_6/para_3/lbl_b"><num>b) </num><p>gegebenenfalls ihre Adresse im Vollstreckungsstaat;</p></item><item eId="art_6/para_3/lbl_c"><num>c) </num><p>eine Darstellung des Sachverhalts, welcher der Sanktion zugrunde liegt;</p></item><item eId="art_6/para_3/lbl_d"><num>d) </num><p>Art und Dauer der Sanktion sowie Beginn ihres Vollzugs.</p></item></blockList></content></paragraph><paragraph eId="art_6/para_4"><num>4</num><content><p> Hat die verurteilte Person dem Vollstreckungsstaat gegenüber den Wunsch geäussert, nach diesem Vertrag überstellt zu werden, so übermittelt der Urteilsstaat dem Vollstreckungsstaat auf dessen Ersuchen hin die in Absatz 3 bezeichnete Mitteilung.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_6/para_5"><num>5</num><content><p> Die verurteilte Person wird schriftlich unterrichtet von dem durch den Urteils- oder den Vollstreckungsstaat aufgrund der vorstehenden Absätze Veranlassten sowie von jeder Entscheidung, die einer der beiden Staaten aufgrund eines Überstellungsersuchens getroffen hat.</p></content></paragraph></article><article eId="art_7"><num><b>Art. 7</b></num><heading>Ersuchen und Antworten</heading><paragraph eId="art_7/para_1"><num>1</num><content><p> Die Überstellungsersuchen und die Antworten bedürfen der Schriftform.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_7/para_2"><num>2</num><content><p> Diese Ersuchen werden unmittelbar von einer Zentralbehörde an die andere gerichtet und die Antworten werden auf demselben Weg übermittelt. Der diplomatische Weg bleibt bei Bedarf vorbehalten.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_7/para_3"><num>3</num><content><p> Der ersuchte Staat unterrichtet den ersuchenden Staat umgehend über seine Entscheidung, dem Überstellungsersuchen stattzugeben oder es abzulehnen.</p></content></paragraph></article><article eId="art_8"><num><b>Art. 8</b></num><heading>Unterlagen</heading><paragraph eId="art_8/para_1"><num>1</num><content><blockList><listIntroduction eId="art_8/para_1/listintro"> Auf Ersuchen des Urteilsstaates stellt ihm der Vollstreckungsstaat folgende Unterlagen zur Verfügung:</listIntroduction><item eId="art_8/para_1/lbl_a"><num>a) </num><p>ein Schriftstück oder eine Erklärung, woraus hervorgeht, dass die verurteilte Person Staatsangehörige des Vollstreckungsstaates ist;</p></item><item eId="art_8/para_1/lbl_b"><num>b) </num><p>eine Kopie der Rechtsvorschriften des Vollstreckungsstaates, aus denen hervorgeht, dass die Handlungen oder Unterlassungen, derentwegen die Sanktion im Urteilsstaat verhängt worden ist, nach dem Recht des Vollstreckungsstaats eine strafbare Handlung darstellen oder eine solche darstellen würden, wären sie in dessen Hoheitsgebiet begangen worden.</p></item></blockList></content></paragraph><paragraph eId="art_8/para_2"><num>2</num><content><blockList><listIntroduction eId="art_8/para_2/listintro"> Wird um Überstellung ersucht, so stellt der Urteilsstaat dem Vollstreckungsstaat folgende Unterlagen zur Verfügung, sofern nicht einer der beiden Staaten bereits bekannt gegeben hat, dass er dem Ersuchen nicht stattgeben wird:</listIntroduction><item eId="art_8/para_2/lbl_a"><num>a) </num><p>eine Kopie des Urteils und der angewendeten Rechtsvorschriften;</p></item><item eId="art_8/para_2/lbl_b"><num>b) </num><p>eine Erklärung, aus der hervorgeht, welcher Teil der Sanktion bereits vollzogen wurde, einschliesslich einer Mitteilung über Untersuchungshaft, Strafermässigung und alle weiteren für den Vollzug der Sanktion wesentlichen Umstände, sowie einen Bericht über die Führung der verurteilten Person;</p></item><item eId="art_8/para_2/lbl_c"><num>c) </num><p>eine Erklärung, welche die in Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe d bezeichnete Zustimmung zur Überstellung enthält;</p></item><item eId="art_8/para_2/lbl_d"><num>d) </num><p>gegebenenfalls Berichte von Ärztinnen, Ärzten, Sozialarbeiterinnen oder Sozialarbeitern über die verurteilte Person, Mitteilungen über ihre Behandlung im Urteilsstaat und Empfehlungen für ihre weitere Behandlung im Vollstreckungsstaat.</p></item></blockList></content></paragraph><paragraph eId="art_8/para_3"><num>3</num><content><p> Jeder der beiden Staaten kann um die Übermittlung der in den Absätzen 1 und 2 bezeichneten Unterlagen oder Erklärungen ersuchen, bevor er um Überstellung ersucht oder eine Entscheidung darüber trifft, ob er dem Überstellungsersuchen stattgibt oder es ablehnt.</p></content></paragraph></article><article eId="art_9"><num><b>Art. 9</b></num><heading>Zustimmung und Nachprüfung</heading><paragraph eId="art_9/para_1"><num>1</num><content><p> Der Urteilsstaat gewährleistet, dass die Person, die nach Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe d der Überstellung zuzustimmen hat, ihre Zustimmung freiwillig und im vollen Bewusstsein der rechtlichen Folgen gibt. Das Verfahren für diese Zustimmung richtet sich nach dem Recht des Urteilsstaates.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_9/para_2"><num>2</num><content><p> Der Urteilsstaat gibt dem Vollstreckungsstaat Gelegenheit, sich durch eine Konsulin oder einen Konsul oder eine andere Beamtin oder einen anderen Beamten die oder der im Einvernehmen mit dem Vollstreckungsstaat bezeichnet wurde, überprüfen zu lassen, ob die Zustimmung unter den im vorstehenden Absatz dargelegten Bedingungen erfolgte.</p></content></paragraph></article><article eId="art_10"><num><b>Art. 10</b></num><heading>Folgen der Überstellung für den Urteilsstaat</heading><paragraph eId="art_10/para_1"><num>1</num><content><p> Durch die Übernahme der verurteilten Person durch die Behörden des Vollstreckungsstaates wird der Vollzug der Sanktion im Urteilsstaat ausgesetzt. Entzieht sich die verurteilte Person nach der Überstellung dem Vollzug, so fällt dem Urteilsstaat wieder das Recht zu, die verbleibende Strafe, die sie im Vollstreckungsstaat hätte verbüssen sollen, zu vollziehen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_10/para_2"><num>2</num><content><p> Der Urteilsstaat darf die Sanktion nicht weiter vollziehen, wenn der Vollstreckungsstaat den Vollzug der Sanktion für abgeschlossen erachtet.</p></content></paragraph></article><article eId="art_11"><num><b>Art. 11</b></num><heading>Folgen der Überstellung für den Vollstreckungsstaat</heading><paragraph eId="art_11/para_1"><num>1</num><content><p> Die vom Urteilsstaat verhängte Sanktion wird im Vollstreckungsstaat direkt vollzogen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_11/para_2"><num>2</num><content><p> Der Vollstreckungsstaat ist an die Sachverhaltsdarstellungen sowie an die rechtliche Art und die Dauer der vom Urteilsstaat verhängten Sanktion gebunden.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_11/para_3"><num>3</num><content><p> Ist die Art oder die Dauer dieser Sanktion jedoch nicht mit dem Recht des Vollstreckungsstaates vereinbar oder schreibt dessen Recht dies vor, so kann dieser Staat die Sanktion durch eine Entscheidung der zuständigen Behörde an die nach seinem eigenen Recht für eine Straftat derselben Art vorgesehene Strafe oder Massnahme anpassen. Diese Strafe oder Massnahme muss ihrer Art nach soweit wie möglich der Sanktion entsprechen, die durch die zu vollstreckende Entscheidung verhängt worden ist. Sie darf die Art oder die Dauer der im Urteilsstaat verhängten Sanktion nicht verschärfen und das nach dem Recht des Vollstreckungsstaates vorgesehene Höchstmass nicht überschreiten.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_11/para_4"><num>4</num><content><p> Der Vollzug der Sanktion im Vollstreckungsstaat richtet sich nach dessen Recht. Er allein entscheidet über die Modalitäten des Sanktionenvollzugs, einschliesslich der Dauer der Inhaftierung der verurteilten Person.</p></content></paragraph></article><article eId="art_12"><num><b>Art. 12</b></num><heading>Verfolgung oder Verurteilung im Vollstreckungsstaat</heading><paragraph eId="art_12/para_1"><num>1</num><content><p> Wird die verurteilte Person zum Vollzug einer freiheitsentziehenden Strafe oder Massnahme nach diesem Vertrag überstellt, so darf sie im Vollstreckungsstaat nicht wegen derselben Tat, derentwegen die freiheitsentziehende Strafe oder Massnahme vom Urteilsstaat verhängt worden ist, verfolgt oder verurteilt werden.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_12/para_2"><num>2</num><content><p> Die überstellte Person kann indessen im Vollstreckungsstaat für andere Handlungen als diejenigen, die zur Sanktion im Urteilsstaat geführt haben, in Haft gehalten, ins Recht gefasst und verurteilt werden, sofern diese Handlungen gemäss dem Recht des Vollstreckungsstaates mit Strafe bedroht sind.</p></content></paragraph></article><article eId="art_13"><num><b>Art. 13</b></num><heading>Übergabe</heading><paragraph eId="art_13/para"><content><p>Die Übergabe der verurteilten Person durch die Behörden des Urteilsstaates an diejenigen des Vollstreckungsstaates findet am von den Parteien bezeichneten Ort statt.</p></content></paragraph></article><article eId="art_14"><num><b>Art. 14</b></num><heading>Begnadigung, Amnestie oder Abänderung der Sanktion</heading><paragraph eId="art_14/para_1"><num>1</num><content><p> Eine Begnadigung, Amnestie oder gnadenweise Abänderung der Sanktion kann im Einklang mit der Verfassung oder anderen Rechtsvorschriften der beiden Staaten gewährt werden.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_14/para_2"><num>2</num><content><p> Der Vollstreckungsstaat kann eine Begnadigung, Amnestie oder gnadenweise Abänderung nach seinem innerstaatlichen Recht jedoch nur mit der Zustimmung des Urteilsstaates gewähren.</p></content></paragraph></article><article eId="art_15"><num><b>Art. 15</b></num><heading>Wiederaufnahme</heading><paragraph eId="art_15/para"><content><p>Der Urteilsstaat allein hat das Recht, über einen gegen das Urteil gerichteten Wiederaufnahmeantrag zu entscheiden.</p></content></paragraph></article><article eId="art_16"><num><b>Art. 16</b></num><heading>Änderung und Beendigung des Vollzugs</heading><paragraph eId="art_16/para_1"><num>1</num><content><p> Der Urteilsstaat unterrichtet den Vollstreckungsstaat über jede Änderung der Sanktion zugunsten der überstellten verurteilten Person.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_16/para_2"><num>2</num><content><p> Der Vollstreckungsstaat beendet den Vollzug der Sanktion, sobald ihn der Urteilsstaat über eine Entscheidung oder Massnahme in Kenntnis gesetzt hat, aufgrund derer ihre Vollstreckbarkeit erlischt.</p></content></paragraph></article><article eId="art_17"><num><b>Art. 17</b></num><heading>Unterrichtung über den Vollzug</heading><paragraph eId="art_17/para"><content><blockList><listIntroduction eId="art_17/para/listintro">Der Vollstreckungsstaat unterrichtet den Urteilsstaat über den Vollzug der Sanktion:</listIntroduction><item eId="art_17/para/lbl_a"><num>a) </num><p>wenn er den Vollzug dieser Sanktion für abgeschlossen erachtet;</p></item><item eId="art_17/para/lbl_b"><num>b) </num><p>wenn die verurteilte Person vor Abschluss des Vollzugs dieser Sanktion aus der Haft flieht; oder</p></item><item eId="art_17/para/lbl_c"><num>c) </num><p>wenn der Urteilsstaat um einen besonderen Bericht ersucht.</p></item></blockList></content></paragraph></article><article eId="art_18"><num><b>Art. 18</b></num><heading>Durchlieferung</heading><paragraph eId="art_18/para_1"><num>1</num><content><p> Schliesst eine der Vertragsparteien mit Drittstaaten Vereinbarungen über die Überstellung von verurteilten Personen ab, so hat die andere Partei die Durchlieferung dieser nach diesen Vereinbarungen überstellten Personen durch ihr Hoheitsgebiet zu erleichtern.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_18/para_2"><num>2</num><content><p> Eine Vertragspartei kann die Durchlieferung verweigern, wenn es sich bei der verurteilten Person um eine ihrer Staatsangehörigen handelt oder wenn die Tat, derentwegen die Sanktion verhängt worden ist, nach ihrem Recht keine Straftat darstellt.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_18/para_3"><num>3</num><content><p> Die Partei, welche die Überstellung beabsichtigt, muss die andere Partei vorgängig darüber unterrichten.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_18/para_4"><num>4</num><content><p> Die um die Durchlieferung ersuchte Partei darf die verurteilte Person nur so lange in Haft behalten, wie für die Durchlieferung durch ihr Hoheitsgebiet unbedingt erforderlich ist.</p></content></paragraph></article><article eId="art_19"><num><b>Art. 19</b></num><heading>Sprachen</heading><paragraph eId="art_19/para_1"><num>1</num><content><p> Die Überstellungsersuchen und ihre Beilagen werden in der Sprache des ersuchenden Staates abgefasst und von einer Übersetzung in eine im Einzelfall von der Zentralbehörde bezeichnete Sprache des ersuchten Staates begleitet.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_19/para_2"><num>2</num><content><p> Die Übersetzung der Schriftstücke, die bei der Ausführung des Ersuchens erstellt oder erhoben werden, obliegt dem ersuchenden Staat.</p></content></paragraph></article><article eId="art_20"><num><b>Art. 20</b></num><heading>Befreiung von Formerfordernissen</heading><paragraph eId="art_20/para"><content><p>Das Überstellungsersuchen und die diesbezüglichen Unterlagen, die von einer Partei nach diesem Vertrag übermittelt werden, sind vom Formerfordernis der Beglaubigung sowie von jeglichen weiteren Formerfordernissen befreit.</p></content></paragraph></article><article eId="art_21"><num><b>Art. 21</b></num><heading>Geleit und Kosten</heading><paragraph eId="art_21/para_1"><num>1</num><content><p> Der Vollstreckungsstaat gewährleistet das Geleit für die Überstellung.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_21/para_2"><num>2</num><content><p> Die Kosten für die Überstellung, einschliesslich derjenigen für das Geleit, werden vom Vollstreckungsstaat getragen, sofern sich die beiden Staaten nicht anderweitig einigen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_21/para_3"><num>3</num><content><p> Die Kosten, die ausschliesslich im Hoheitsgebiet des Urteilsstaats entstehen, gehen zu dessen Lasten.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_21/para_4"><num>4</num><content><p> Der Vollstreckungsstaat kann die Überstellungskosten ganz oder teilweise der verurteilten Person auferlegen.</p></content></paragraph></article></part><part eId="part_2"><num>2. Teil: </num><heading>Schlussbestimmungen</heading><article eId="art_22"><num><b>Art. 22</b></num><heading>Meinungsaustausch</heading><paragraph eId="art_22/para"><content><p>Beide Vertragsparteien tauschen auf Ersuchen einer Partei ihre Meinungen über die Auslegung, Anwendung oder Umsetzung des vorliegenden Vertrags im Allgemeinen oder in Bezug auf einen Einzelfall schriftlich aus oder treffen sich zu einem mündlichen Meinungsaustausch.</p></content></paragraph></article><article eId="art_23"><num><b>Art. 23</b></num><heading>Zeitlicher Geltungsbereich</heading><paragraph eId="art_23/para"><content><p>Dieser Vertrag gilt für den Vollzug von Sanktionen, die vor oder nach seinem Inkrafttreten verhängt worden sind.</p></content></paragraph></article><article eId="art_24"><num><b>Art. 24</b></num><heading>Verhältnis zu anderen Übereinkommen und Vereinbarungen</heading><paragraph eId="art_24/para"><content><p>Dieser Vertrag berührt nicht die Rechte und Pflichten aus Auslieferungsverträgen und aus anderen Verträgen über die internationale Zusammenarbeit in Strafsachen, welche die Überstellung verhafteter Personen zum Zweck der Gegenüberstellung oder der Zeugenaussage vorsehen.</p></content></paragraph></article><article eId="art_25"><num><b>Art. 25</b></num><heading>Inkrafttreten</heading><paragraph eId="art_25/para_1"><num>1</num><content><p> Dieser Vertrag tritt am ersten Tag des zweiten Monats nach der letzten Notifikation, wonach die gemäss Verfassung erforderlichen Verfahren in jedem der beiden Staaten abgeschlossen sind, in Kraft.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_25/para_2"><num>2</num><content><p> Dieser Vertrag wird auf unbestimmte Zeit abgeschlossen.</p></content></paragraph></article><article eId="art_26"><num><b>Art. 26</b></num><heading>Kündigung</heading><paragraph eId="art_26/para_1"><num>1</num><content><p> Jede Partei kann diesen Vertrag jederzeit durch schriftliche Notifikation an die andere Partei kündigen. Die Kündigung wird sechs Monate nach Eingang der Notifikation wirksam.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_26/para_2"><num>2</num><content><p> Dieser Vertrag bleibt jedoch anwendbar auf den Vollzug von Sanktionen gegen Personen, die gemäss diesem Vertrag vor dem Tag, an dem die Kündigung wirksam wird, überstellt worden sind.</p></content></paragraph></article></part><signature><p><i>Zu Urkund dessen</i> haben die von ihren jeweiligen Regierungen gehörig Bevollmächtigten diesen Vertrag unterzeichnet.</p><p>So geschehen in Brasilia, am 23. November 2015 im Doppel in französischer und portugiesischer Sprache, wobei beide Fassungen gleichermassen verbindlich sind.</p><table fedlex:function="layout"><tr><td><p>Für die <br/>Schweizerische Eidgenossenschaft:</p><p>André Regli</p></td><td><p>Für die <br/>Föderative Republik Brasilien:</p><p>Mauro Vieira</p></td></tr></table></signature></body></act></akomaNtoso>