A bteilung V E -4342/2006 {T 0/2} U rteil vom 21. M ai 2007 M itw irkung: R ichter W eber (Vorsitz), Schürch, W espi G erichtsschreiberin Balm elli A._______, Türkei, vertreten durch lic. iur. M ichael G uidon, Berner R echtsberatungsstelle für Asylsuchende, Schw arztorstrasse 124, 3007 Bern, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 19. A pril 2005 in Sachen A syl und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschw erdeführer zusam m en m it seinen Eltern und seiner Schw ester die Türkei am 27. Septem ber 2003 und gelangte am 1. O ktober 2003 in die Schw eiz, w o er gleichentags ein Asylgesuch einreichte. Am 6. O ktober 2003 w urde er in der Em pfangsstelle Kreuzlingen befragt. D er B._______ hörte den Beschw erdeführer am 28. O ktober 2003 zu den Asylgründen an. Im W esentlichen m achte der Beschw erdeführer geltend, er sei kurdischer Ethnie sow ie alevitischen G laubens und stam m e ursprünglich aus C ._______, D ._______, Kaharam anm aras. Er habe das H eim atland w egen der Problem e seines Vaters verlassen. Sein Vater sei w egen seiner politisch aktiven Verw andten w ährend Jahren unter D ruck gesetzt w orden. N ach einer Inhaftierung, w elche m it M isshandlungen verbunden gew esen sei, habe sich der Vater zur Ausreise ent- schlossen. Er selbst habe befürchtet, dass sich der "D ruck auf uns gew älzt" hätte, w enn sie in der Türkei verblieben w ären. Sodann sei er selbst drei M al verhaftet w orden, das erste M al im Januar 2002. Er habe sich auf dem W eg zur U ni befun- den, um seine Prüfungen abzulegen, als er von der Polizei angehalten und m itge- nom m en w orden sei. Auf dem Sicherheitsposten sei er über seinen Vater sow ie w eitere Verw andte befragt und dabei auch geschlagen w orden. N ach drei bis vier Stunden sei er entlassen w orden. Er glaube, dass er verhaftet w orden sei, um nicht an den Prüfungen teilnehm en zu können. Eine W oche nach der ersten Inhaf- tierung sei er erneut vor einer Prüfung festgenom m en w orden. Im April 2002 sei er zum dritten M al vor einer Prüfung inhaftiert w orden. Er sei som it durch alle Prüfun- gen durchgefallen und habe das Studium nicht w eiterführen können. Anlässlich der W ahlen im H erbst 2002 hätten er und seine Fam ilie ihre Stim m en der H AD EP ge- geben. Einen Tag nach den W ahlen seien sie von den Sicherheitskräften inhaftiert und w ährend eines Tages festgehalten w orden. Im M ai 2003 sei sein Vater w äh- rend drei Tagen und im Septem ber 2003 seine M utter w ährend eines Tages fest- genom m en w orden. W ährend sechs bis acht M onaten vor der Ausreise seien sie telefonisch m it dem Tod bedroht w orden. B. Im R ahm en w eiterer Abklärungen hörte das BFM den Beschw erdeführer am 24. Februar 2005 ergänzend zu den Asylgründen an. D abei w iederholte er im W e- sentlichen seine bisherigen Aussagen. Ergänzend führte er aus, im M ai 2002 hät- ten sich H . und Z. w ährend zw ei W ochen bei ihnen aufgehalten. C . M it Verfügung vom 19. April 2005 stellte das BFM fest, der Beschw erdeführer er- fülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. G leichzeitig ordnete es die W egw eisung aus der Schw eiz sow ie deren Vollzug an. D . M it Beschw erde vom 18. M ai 2005 (Poststem pel) an die Schw eizerische Asylre- kurskom m ission (AR K) beantragte der Beschw erdeführer durch seinen Vertreter, die Verfügung des BFM sei aufzuheben. Es sei festzustellen, dass er die Flücht- lingseigenschaft erfülle, und es sei ihm Asyl zu gew ähren. Eventualiter sei er in die Flüchtlingseigenschaft seiner Eltern (N _______) einzubeziehen. Subeventualiter sei vom Vollzug der W egw eisung abzusehen und das BFM anzuw eisen, die vor- läufige Aufnahm e anzuordnen. In prozessualer H insicht sei ihm die unentgeltliche 3 R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG zu gew ähren und von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen. Auf die Begründung w ird, sow eit für den Entscheid w esentlich, in den Erw ägungen eingegangen. E. M it Zw ischenverfügung vom 26. M ai 2005 hiess der Instruktionsrichter der AR K das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege gut und verzichtete antragsgem äss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Sodann setzte er dem Beschw erdeführer Frist zur Ü bersetzung der frem dsprachigen Bew eism ittel. Innert der angesetzten Frist reichte der Beschw erdeführer die Ü bersetzungen zu den Ak- ten. F. D as BFM schloss in der Vernehm lassung vom 15. August 2005 auf Abw eisung der Beschw erde. M it Schreiben vom 23. August 2005 nahm der Vertreter des Be- schw erdeführers im R ahm en von Art. 32 Abs. 2 Vw VG Stellung zur Vernehm las- sung des BFM . G . Am 9. Juni 2006 ersuchte die AR K die Schw eizerische Vertretung in Ankara um Abklärung noch offener Fragen. D ie Schw eizerische Botschaft antw ortete am 12. O ktober 2006. M it Zw ischenverfügung vom 17. N ovem ber 2006 unterbreitete der Instruktionsrichter der AR K dem Beschw erdeführer das Antw ortschreiben der Bot- schaft zur Stellungnahm e. Innert der angesetzten Frist reichte der Beschw erdefüh- rer m it Schreiben vom 30. N ovem ber 2006 eine Stellungnahm e ein. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgeset- zes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der ehem aligen AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le-4 gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m it- hin einzutreten. 3. 3.1 G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling w ird eine ausländische Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim at- staat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gel- ten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M assnahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken (Art. 3 AsylG ). 3.2 W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zu- m indest glaubhaft m achen. D iese ist glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vorhandensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. U nglaub- haft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begrün- det oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m ass- geblich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (Art. 7 AsylG ). 3.3 D as BFM lehnte das Asylgesuch ab, da die Vorbringen des Beschw erdeführers w eder den Anforderungen an das G laubhaftm achen gem äss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gem äss Art. 3 AsylG standhielten. Beim Beschw erdeführer handle es sich um einen politisch passiven Sym pathisanten. Es sei daher nicht nachvollziehbar, w eshalb er m it den geltend gem achten M ethoden vom Studium hätte abgehalten w erden sollen. Anlässlich der Festnahm en sei er nach dem Aufenthalt des Vaters gefragt w orden. D a sich der Vater zu H ause auf- gehalten habe, sei nicht einsichtig, w eshalb die Polizei nicht den Vater festgenom - m en habe. Sodann könne der Beschw erdeführer anlässlich seiner Inhaftierungen im Januar und April 2002, entgegen seinen Angaben, nicht über H . und Z. befragt w orden sein, da sich diese erst im M ai 2002 bei ihnen zu H ause aufgehalten hät- ten. D er Beschw erdeführer habe sodann die drei Inhaftierungen so dargelegt, als seien alle in derselben Art und W eise abgelaufen, w as sehr unw ahrscheinlich sei. Schliesslich berufe sich der Beschw erdeführer auf die Verfolgungssituation des Vaters, w elche das BFM jedoch als nicht glaubhaft erachtet habe. D ie Aussagen des Beschw erdeführers zur räum lichen Situation anlässlich der Festnahm e vom 4. N ovem ber 2002 w ürden nicht m it den Angaben des Vaters übereinstim m en. So- dann w ürden sich der Beschw erdeführer und seine Schw ester betreffend die Art der H eim kehr nach der Freilassung w idersprechen. Auch die geltend gem achten telefonischen D rohungen seien aufgrund von unterschiedlichen Aussagen der ein- zelnen Fam ilienm itglieder nicht glaubhaft. Schliesslich sei allgem ein bekannt, dass Angehörige der kurdischen Bevölkerung in der Türkei Schikanen und Benachteili- gungen verschiedenster Art ausgesetzt sein könnten. D ie vom Beschw erdeführer geltend gem achten Befürchtungen w ürden in ihrer Intensität nicht über die N ach- teile hinausgehen, w elche w eite Teile der kurdischen Bevölkerung in der Türkei in ähnlicher W eise treffen könnten.5 3.4 In der R echtsm itteleingabe w ird ausgeführt, der Beschw erdeführer habe als H auptgrund seiner Flucht im m er die Behelligungen seines Vaters durch die türki- schen Behörden genannt. Zur Begründung der gestellten R echtsbegehren w erde daher grundsätzlich auf die Beschw erdeschrift der Eltern verw iesen. Bei den vom Beschw erdeführer geltend gem achten Vorgehensw eisen der türkischen Behörden handle es sich um typische und w eit verbreitete R epressionsm assnahm en. In einer der Beschw erdeschrift beiliegenden persönlichen Erklärung präzisiere der Be- schw erdeführer seine Aussagen zu den Besuchern seines Vaters und gebe eine Erklärung ab, w eshalb seine Schw ester den H eim w eg nach der Befragung im N o- vem ber 2002 abw eichend beschrieben habe. Abschliessend m ache er auf die Er- eignisse vom 6. April 2005 in E._______ aufm erksam , anlässlich w elcher es zu Angriffen auf dem Beschw erdeführer zum Teil persönlich bekannte TAYAD -M itglie- der gekom m en sei. 3.5 3.5.1 In der Botschaftsantw ort vom 12. O ktober 2006 w ird ausgeführt, die Beschw erde- führer und ihre Kinder seien polizeilich nicht registriert und es w ürde auch kein Passverbot gegen sie bestehen. D ie Fam ilie habe vor m ehr als 20 Jahren ihr H ei- m atdorf C ._______ verlassen, sei nach E._______ gezogen und habe dort ein Teppichgeschäft betrieben. 3.5.2 In der R eplik w ird ausgeführt, die Tatsache, dass der Beschw erdeführer nicht in einem der Schw eizerischen Botschaft zugänglichen R egistrierungssystem ver- zeichnet seien, spreche nicht gegen eine Verfolgung. W eder die Eltern des Be- schw erdeführers noch er selber seien bis anhin offiziell angeklagt oder verurteilt w orden. G rundsätzlich könne aber davon ausgegangen w erden, dass Personen, die von der Polizei, G endarm erie oder anderen Einheiten in G ew ahrsam genom - m en w urden, auch w enn ein Eintrag im zentralen Inform ationssystem fehle, in ei- nem entsprechenden R egister eingetragen seien. 3.6 3.6.1 N ach der w eiterhin zutreffenden Praxis der AR K ist die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vorhandensein m it überw iegender W ahr- scheinlichkeit für gegeben hält. Vorbringen sind dann glaubhaft, w enn sie genü- gend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in va- gen Schilderungen erschöpfen, in w esentlichen Punkten nicht w idersprüchlich sein oder der innern Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgem ei- nen Erfahrung w idersprechen. D arüber hinaus m uss der G esuchsteller persönlich glaubw ürdig erscheinen. G laubhaftm achen bedeutet ferner - im G egensatz zum strikten Bew eis - ein reduziertes Bew eism ass und lässt durchaus R aum für gew is- se Einw ände und Zw eifel an den Vorbringen des G esuchstellers. Es ist auf eine objektivierte Sichtw eise abzustellen (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 1993 N rn. 11 und 21, 1994 N r. 5 sow ie 1996 N rn. 27 und 28). 3.6.2 Aufgrund der Akten ist festzustellen, dass der Beschw erdeführer anlässlich seiner Befragungen übereinstim m end aussagte, der H auptgrund für seine Ausreise seien die Problem e seines Vaters gew esen (vgl. A1, S. 5; A8, S. 7). D iesbezüglich ist festzuhalten, dass das Bundesverw altungsgericht m it U rteil des heutigen Tages 6 die von den Eltern des Beschw erdeführers zu Protokoll gegebenen Sachverhalte als insgesam t nicht glaubhaft erachtet und auch die Voraussetzungen zur Aner- kennung als Flüchtlinge verneint hat. Insow eit hat das BFM die Ablehnung des Asylgesuchs des Beschw erdeführers zu R echt m it den als nicht glaubhaft bew erte- ten Vorbringen der Eltern des Beschw erdeführers begründet. 3.6.3 N ebst den Schw ierigkeiten seines Vaters m achte der Beschw erdeführer geltend, drei M al unm ittelbar vor seinen Prüfungen verhaftet w orden zu sein. D as BFM be- w ertete diese Kurzinhaftierungen als nicht glaubhaft. D iesen Schluss begründete es dam it, dass es sich beim Beschw erdeführer um einen politisch passiven Sym - pathisanten handle. Es sei daher nicht nachvollziehbar, dass die Polizei den Be- schw erdeführer m it den von ihm geltend gem achten M ethoden vom Studium habe abhalten w ollen. Sodann sei nicht einsehbar, w eshalb die Polizei nicht den Vater des Beschw erdeführers verhaftet und befragt habe. D er Beschw erdeführer habe ferner zu Protokoll gegeben, er habe anlässlich seiner Inhaftierungen keine Infor- m ationen über H . und Z. gegeben, w as indes nicht m öglich sei, da die Verhaftun- gen vor dem Besuch der Beiden stattgefunden hätten. Schliesslich habe der Be- schw erdeführer die drei Inhaftierungen anlässlich der kantonalen Befragung so ge- schildert, als seien sie alle in derselben Art und W eise verlaufen. Erfahrungsge- m äss sei dies sehr unw ahrscheinlich und deute daher nicht auf eigenes Erleben der Ereignisse hin. 3.6.4 Aufgrund der Angaben des Beschw erdeführers ist davon auszugehen, dass er sich politisch nicht aktiv betätigte. W eiter ist festzuhalten, dass es den Eltern des Beschw erdeführers nicht gelang, den von ihnen vorgetragenen Sachverhalt glaub- haft zu m achen. N am entlich konnten sie nicht glaubhaft dartun, dass sich H . und Z. im M ai 2002 w ährend zw eier W ochen bei ihnen zu H ause aufgehalten haben und der Vater des Beschw erdeführers aufgrund seiner politisch aktiven Verw and- ten ernsthaften Behelligung seitens des heim atlichen Staates ausgesetzt w ar. Vor diesem H intergrund ist auch nicht glaubhaft, dass der Beschw erdeführer in der von ihm angeführten W eise Ziel von polizeilichen M assnahm en w urde. D abei erscheint nam entlich die geltend gem achte Vorgehensw eise der Polizei als w enig überzeu- gend, um auf eine Person und deren Fam ilie D ruck auszuüben. Sodann erscheint auch nicht nachvollziehbar, dass die Polizei bew usst den Beschw erdeführer und nicht den Vater inhaftierte, um so zusätzlichen D ruck auf die Fam ilie auszuüben. Insow eit verm ag die vom BFM aufgezeigte U nsubstanziiertheit der Vorbringen zu überzeugen. W eiter trifft zu, dass der Beschw erdeführer bei der Bundesanhörung zu Protokoll gab, er habe anlässlich der Inhaftierungen nicht über die Kontakte seines Vaters zu H . und Z. aussagen w ollen. Vom Befrager darauf hingew iesen, dass sich H . und Z. erst nach seinen Inhaftierungen bei ihnen aufgehalten hätten, erklärte der Beschw erdeführer, dies treffe zu, aber solche Leute seien schon früher gekom - m en, er w isse aber nicht, w er sie gew esen seien (vgl. A11, S. 5). D ieser Erklä- rungsversuch verm ag, w ie bereits das BFM dargelegt hat, in keiner W eise zu über- zeugen. Sodann ist m it der Vorinstanz festzustellen, dass der Beschw erdeführer die drei Verhaftungen vom Ablauf her praktisch identisch geschildert hat. Es ist nicht auszuschliessen, dass sich drei Inhaftierungen in ähnlicher W eise abspielen. D ennoch w eisen solche Vorkom m nisse erfahrungsgem äss gew isse, w enn auch kleinere U nterschiede auf, w elche die einzelne Verhaftung individualisieren. Von 7 einem Studenten kann denn auch erw artet w erden, dass er solche D ifferenzen zu erkennen und entsprechend darzulegen verm ag. D ies um so m ehr, als er dabei lediglich selbst Erlebtes w iederzugeben hat. Aufgrund der vorstehenden Erw ägungen ergibt sich, dass die vom BFM aufgezeigten U nglaubhaftigkeitselem ente durchw egs zu überzeugen verm ögen. D ie drei geltend gem achten Inhaftierungen sind daher als nicht glaubhaft zu bew erten. 4. 4.1 Zu Art. 3 AsylG führte das BFM in der angefochtenen Verfügung aus, es sei all- gem ein bekannt, dass Angehörige der kurdischen Bevölkerung in der Türkei Schi- kanen und Benachteiligungen verschiedenster Art ausgesetzt sein könnten. D abei handle es sich nicht um ernsthafte N achteile im Sinne des AsylG , die einen Ver- bleib im H eim atland verunm öglich oder unzum utbar erschw eren w ürden. Aus die- sem G rund führe die allgem eine Situation, in der sich die kurdische Bevölkerung befinde, gem äss gefestigter Praxis für sich allein nicht zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Zudem habe sich im Zuge der diversen R eform en in der Türkei seit 2001 die Situation der Kurden m erklich verbessert. R ein kulturelle Betä- tigungen w ürden nicht verfolgt. D ie kurdische Sprache w erde in der Ö ffentlichkeit toleriert, seit Frühjahr 2004 w ürden Kurse in Kurdisch angeboten und seit Juni 2001 strahle das türkische Fernsehen auch Sendungen in kurdischer Sprache aus. 4.2 D er Beschw erdeführer beruft sich in seiner R echtsm itteleingabe auf die Ausfüh- rungen in der Beschw erdeschrift seiner Eltern. D am it m acht er auch geltend, er habe begründete Furcht vor künftigen asylrelevanten Verfolgungsm assnahm en im Sinne einer R eflexverfolgung. 4.3 U nter R eflexverfolgung versteht m an behördliche Belästigungen oder Behelligun- gen von Angehörigen aufgrund des U m standes, dass die Behörden einer gesuch- ten, politisch unbequem en Person nicht habhaft w erden oder schlechthin von deren Polit-M alus auf einen solchen auch bei Angehörigen schliessen. D er Zw eck einer solchen R eflexverfolgung kann insbesondere darin liegen, Inform ationen über effektiv gesuchte Personen zu erlangen beziehungsw eise G eständnisse von Inhaftierten zu erzw ingen. Eine "Sippenhaft" in diesem w eiteren Sinn ist von den türkischen Behörden etw a in den Süd- und O stprovinzen nicht selten angew andt w orden, w enn es galt, den Aufenthaltsort von flüchtigen Angehörigen der PKK oder anderer staatsfeindlicher O rganisationen zu ergründen. D ie W ahrscheinlich- keit, O pfer einer R eflexverfolgung zu w erden, ist nam entlich dann gegeben, w enn nach einem flüchtigen Fam ilienm itglied gefahndet w ird und die Behörde Anlass zur Verm utung hat, dass jem and m it dem G esuchten in engem Kontakt steht. D iese W ahrscheinlichkeit erhöht sich, w enn der R eflexverfolgte aus einer den türkischen Sicherheitskräften als "staatsfeindlich" bekannter Fam ilie stam m t respektive m eh- rere illegal politisch tätige Verw andte aufw eist. Auch ein eigenes, nicht unbedeu- tendes Engagem ent seitens des R eflexverfolgten für illegale politische O rganisationen erhöht das R isiko, O pfer einer Sippenhaft im w eiteren Sinne zu w erden (vgl. dazu EM AR K 1994 N r. 5). Zuletzt hat die AR K in ihrer - w eiterhin zutreffenden - R echtsprechung zur Lage- entw icklung in der Türkei festgehalten, dass die G efahr allfälliger R epressalien ge- gen Fam ilienangehörige m utm asslicher Aktivisten der PKK (beziehungsw eise einer ihrer N achfolgeorganisationen) oder anderer von den Behörden als separa-8 tistisch eingestufter kurdischer G ruppierungen nicht auszuschliessen sei. Zw ar sei festzustellen, dass sich die Verfolgungspraxis der türkischen Behörden im Zuge des R eform prozesses zur Annäherung an die Europäische U nion insofern geän- dert habe, als Fälle, in denen Fam ilienangehörige kurdischer Aktivisten gefoltert oder m isshandelt w orden seien, abgenom m en hätten. D agegen m üssten Fam ilien- angehörige auch gegenw ärtig noch m it H ausdurchsuchungen und kürzeren Fest- nahm en rechnen, die oft m it Beschim pfungen und Schikanen verbunden seien (vgl. EM AR K 2005 N r. 21). 4.4 D er Beschw erdeführer hat sich nicht durch eigene Tätigkeiten politisch exponiert, ebenso w enig seine Eltern. Ferner konnten w eder der Beschw erdeführer noch seine Eltern staatliche Verfolgungsm assnahm en glaubhaft m achen. Fest steht je- doch aufgrund der Akten, dass die Fam ilie des Beschw erdeführers ursprünglich aus C ._______ stam m t und zur G rossfam ilie A._______ gehört. D ass dieser Per- sonenkreis aufgrund zahlreicher politischer Aktivisten, w elche behördlicher R e- pression ausgesetzt w aren und m ittlerw eile in der Schw eiz respektive in anderen Ländern teilw eise als Flüchtlinge anerkannt sind, das besondere Augenm erk der türkischen Behörden auf sich gezogen hat und noch im m er zieht, dürfte unbestrit- ten sein. Zw ar sind die Voraussetzungen einer R eflexverfolgung allein aufgrund der fam iliären respektive geografischen H erkunft einer Person im vorerw ähnten Sinne nicht bereits gegeben, auch w enn die "M assierung" von in Europa als Flüchtlinge anerkannten Verw andten bereits ein gew ichtiges Indiz für eine drohen- de Verfolgung bei der W iedereinreise darstellen dürfte. Allerdings reiste der Vater des Beschw erdeführers w ährend Jahren m ehrm als jährlich ins Ausland und hatte dabei offenbar keinerlei Schw ierigkeiten m it den heim atlichen G renzbehörden. Bei dieser Sachlage und da der Beschw erdeführer gem äss Auskunft der Schw eizeri- schen Vertretung in Ankara w eder polizeilich registriert ist noch ein Passverbot ge- gen ihn besteht, ist nicht davon auszugehen, dass er bei einer W iedereinreise in die Türkei, abgesehen von einer allgem einen R outinekontrolle, ernsthaften Be- nachteiligungen ausgesetzt sein w ird. D am it liegen w eder Anhaltspunkte für eine R eflexverfolgung noch für die Annahm e einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung vor. An diesem Schluss verm ag auch der U m stand, dass der C ousin des Vaters Beschw erdeführers (_______) sow ie dessen Ehefrau, w egen drohen- der R eflexverfolgung als Flüchtlinge anerkannt w orden sind, nichts zu ändern. D er von ihnen geltend gem achte Sachverhalt unterscheidet sich w esentlich von dem je- nigen des Beschw erdeführers und seiner Eltern, w eshalb es sich erübrigt, näher darauf einzugehen. 5. Zusam m enfassend ist som it festzuhalten, dass der Beschw erdeführer seine Asyl- vorbringen nicht glaubhaft dargelegt hat und auch die Voraussetzungen für die Zu- erkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesam t das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an; da- bei ist der G rundsatz der Einheit der Fam ilie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zu- m utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzli- chen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 9 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 6.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus- länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 6.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 6.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D ezem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon- vention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder ernied- rigender Strafe oder Behandlung unterw orfen w erden. 6.5 D er Beschw erdeführer verfügt w eder über eine frem denpolizeiliche Aufenthaltsbe- w illigung noch hat er einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie W egw eisung w urde dem nach zu R echt angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG ; EM AR K 2001 N r. 21). 6.6 D ie Vorinstanz w ies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der G rundsatz der N ichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingsei- genschaft erfüllen (vgl. M ario G attiker, D as Asyl- und W egw eisungsverfahren, Bern 1999, S. 89). D a es dem Beschw erdeführer nicht gelungen ist, eine asyl- rechtlich erhebliche G efährdung nachzuw eisen oder glaubhaft zu m achen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen N on-refoulem ents im vorliegenden Verfahren keine Anw endung finden. Eine R ückkehr des Be- schw erdeführers in die Türkei ist dem nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtm ässig. 6.7 Sodann ergeben sich w eder aus den Aussagen des Beschw erdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in die Tür- kei dort m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EM R K oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt w äre. G em äss Praxis des Europäischen G erichtshofes für M enschenrechte sow ie jener des U N -Anti-Folter- ausschusses m üsste der Beschw erdeführer eine konkrete G efahr ("real risk") nachw eisen oder glaubhaft m achen, dass ihm im Fall einer R ückschiebung Folter oder unm enschliche Behandlung drohen w ürde (vgl. die w eiterhin zutreffende Praxis der AR K in EM AR K 2001 N r. 16 S. 122, m .w .H .). D ie allgem eine M enschen- rechtssituation in der Türkei lässt den W egw eisungsvollzug zum heutigen Zeit- punkt klarerw eise nicht als unzulässig erscheinen. N ach dem G esagten ist der Vollzug der W egw eisung sow ohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim m ungen zulässig. 6.8 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der 10 Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung auch verzichtet, w enn die R ück- kehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung darstellt. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herrschenden allge- m einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situati- on allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om ente, w ie beispielsw eise einer notw endigen m edizinischen Behandlung, angenom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 6.9 D en Akten sind keine Anhaltspunkte zu entnehm en, w onach es dem Beschw erde- führer nicht zuzum uten w äre, in sein H eim atland zurückzukehren. N ach der w eiter- hin zutreffenden Praxis der AR K (vgl. EM AR K 2004 N r. 8) erachtet auch das Bun- desverw altungsgericht den W egw eisungsvollzug in die Türkei als zum utbar. N a- m entlich ergibt sich aufgrund der Akten, dass der Beschw erdeführer zusam m en m it seinen Eltern und seiner Schw ester in die Türkei zurückkehren w ird. Am ehe- m aligen W ohnort E._______ leben sodann die Eltern sow ie drei G eschw ister des Vaters des Beschw erdeführers. D am it und aufgrund der langjährigen G eschäftstä- tigkeit des Vaters des Beschw erdeführers in E._______ ist davon auszugehen, dass der Beschw erdeführer dort über ein bestehendes Beziehungsnetz verfügt, w elches ihm bei einer R ückkehr und der R eintegration zur Seite stehen kann. Blosse soziale und w irtschaftliche Schw ierigkeiten, w ie nam entlich der M angel an W ohnungen und Arbeitsstellen, stellen nach der w eiterhin zutreffenden und kons- tanten R echtsprechung der AR K keine existenzbedrohende Situation dar, w elche den Vollzug der W egw eisung in den H eim atstaat eines betroffenen Ausländers als unzum utbar erscheinen liessen (vgl. die w eiterhin zutreffende Praxis der AR K in EM AR K 1994 N r. 19 E. 6b S. 149). Schliesslich steht es dem Beschw erdeführer offen und ist ihm zuzum uten, sich an einem anderen als seinem bisherigen W ohn- ort niederzulassen, sein Studium zu beenden und sich eine eigene Existenz aufzu- bauen. Insgesam t ist der Vollzug der W egw eisung som it als zum utbar zu erachten. 6.10 D er Beschw erdeführer ist im Besitze einer türkischen Identitätskarte, w eshalb der Vollzug der W egw eisung auch als m öglich zu bezeichnen ist. 6.11 Insgesam t ist die durch das BFM verfügte W egw eisung zu bestätigen. D ie Vorins- tanz hat deren Vollzug zu R echt als zulässig, zum utbar und m öglich erachtet. N ach dem G esagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahm e ausser Be- tracht (Art. 14a Abs. 1 - 4 AN AG ). 7. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig fest- stellt und angem essen ist (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist nach dem G esag- ten abzuw eisen. 8. M it Zw ischenverfügung vom 25. M ai 2005 hat der dam als zuständige Instruktions- richter der AR K das G esuch der Beschw erdeführer um G ew ährung der unentgeltli- chen R echtspflege gutgeheissen, w eshalb dem Beschw erdeführer keine Verfah- renskosten aufzuerlegen sind.11 (D ispositiv nächste Seite)12 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. D ieses U rteil geht an: - Beschw erdeführer durch Verm ittlung seines Vertreters, 2 Expl. (eingeschrie- ben) - BFM , Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N _______) - M igrationsdienst des Kantons Bern (Beilagen: Türkische Identitätskarte SER I _______, Studentenausw eis SER I N o _______) D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: Beat W eber Barbara Balm elli Versand am :