Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. August 2017 (720 17 91 / 211) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Caroline Franz Wal d- ner, Advokatin, Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1965 geborene A.____ war zuletzt von März 20 10 bis Dezember 2011 bei der B.____, tätig. Am 4. September 2014 meldete er sich mit Hinweis auf psychische Probleme bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leis tungsbezug an. Nach Abklärung der ge- sundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 16. Feb- ruar 2017 in Anwendung der allgemeinen Bemessungsme thode einen Rentenanspruch des Versicherten gestützt auf einen IV-Grad von 0 % ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Advokatin Dr. Caroline Franz Waldner, Rechtsdienst des Behindertenforums, am 16. Mä rz 2017 Beschwerde beim Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantrag- te er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm ab 1. März 2015 eine gan- ze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei durch das Gericht ein psychiatrisches Obergutachten einzuholen und gestützt darauf der Invaliditätsgrad neu zu ermitteln. Subeventualiter sei der Fall an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen mit der Anweis ung, ein psychiatrisches Obergut- achten einzuholen. Zudem wurde beantragt, es sei dem B eschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren sowie Dr. C.____ die Kosten für die Erstellung des ärztlichen Be- richts vom 6. Februar 2017 zu vergüten; alles unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Verfügung vom 21. März 2017 bewilligte das Kan tonsgericht dem Beschwerdeführer gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorl iegende Beschwerdeverfahren die unent- geltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeist ändung mit Advokatin Dr. Caroline Franz Waldner als Rechtsvertreterin. D. In ihrer Vernehmlassung vom 28. April 2017 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die IV -Stelle in der angefochtenen Verfü- gung vom 16. Februar 2017 gestützt auf den Sachverhalt , wie er sich damals präsentiert hat, einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2 , 130 V 390 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – so- gar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). 3.3 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgrad des Versicherten nach der allgemei- nen Methode des Einkommensvergleichs bemessen, was vom Be schwerdeführer – zu Recht – nicht bestritten wird. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 133 E. 2, 114 V 310 E. 3c, 105 V 156 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweis- würdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Forme n medizinischer Berichte und Gutach- ten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen ( vgl. die ausführlichen Zusammenstellun- gen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversicherung entwi- ckelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4 b/bb). In Bezug auf Berichte von behan- delnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrung statsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. B ei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dü rfen allerdings auch die potentiel- len Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, da rf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlung sauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des am tlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stet s in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnde n Ärzte zu anderslautenden Einschät- zungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinwei- sen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektive r ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung un erkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts I 514/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerde führers hat die IV-Stelle ein bidisziplinäres Gutachten bei Dr. med. D.____, FMH Neurologie, und Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eingeholt. Das Gutachten wurde am 1. November 2016 erstat- tet. 5.1 Dr. D.____ hält fest, er könne aus neurologischer S icht keine Diagnosen mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit stellen, weshalb auch k eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vorliegen würde. Auch Dr. E.____ kann keine psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagn ostiziert er einen Verdacht auf Rest- symptomatik einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD- 10:F43.1) sowie als Differential- diagnose eine rezidivierende depressive Störung mit chron ischem Verlauf und gegenwärtig Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht leichtgradige Episode (ICD-10:F33.00). In seiner Beurt eilung führt Dr. E.____ im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer sei bis zu seiner Einreise in die Schweiz im Jahre 1999 wegen sei- ner politischen Aktivitäten mehrmals verhaftet, verhört und gefoltert worden. Insgesamt sei er seinen Angaben zufolge während etwa sechs Jahren inhaf tiert gewesen. 1995 habe er seine Stelle aufgeben müssen, nachdem seine Partei die Macht verloren gehabt habe. Gemäss Aus- sagen des Beschwerdeführers hätten seine Beschwerden im Jah re 2006 und 2007 begonnen. Retrospektiv liessen sich anamnestisch die Symptome der da mals neu aufgetretenen Intrusio- nen an die Foltereignisse in der Türkei, der diffusen Ängste, der weinerlichen und bedrückten Stimmung, der Angst von Uniformierten verfolgt zu werd en, der unkontrollierten Handlungen – der Beschwerdeführer solle nachts jeweils aufgestanden und wahllos in einen Zug eingestiegen sein – sowie der panikartigen Ängste, dass er an einer H erzkrankheit leiden könnte, eruieren. Zusätzlich leide er aktuell auch unter einer panikartige n Angst, sobald er etwas aus der Türkei höre oder lese. Auffallend sei, dass der Beschwerdeführ er während der Untersuchung spontan von seinen Erinnerungen an die Foltererlebnisse zu spre chen beginne, was bei Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung als atypisch zu betracht en sei. Er könne auch ohne äusserlich sichtbare psychovegetative Mitbeteiligung detai lliert über die Foltererlebnisse in der Türkei sprechen. Es liessen sich keine Hypervigilanz, keine ausgeprägte Schreckhaftigkeit und auch keine Hinweise für Dissoziationen, zudem rein äus serlich auch keine Hinweise für ein Angsterleben erkennen. Schliesslich lasse sich insofern auch kein Vermeidungsverhalten nachweisen, als dass der Versicherte es bedauere, dass er ni cht nach Istanbul zurückkehren und seine Eltern besuchen könne, zumal er bei einer Ei nreise sofort verhaftet würde. Auch las- se sich keine Freud- oder Interesselosigkeit, keine Sympt ome der emotionalen Stumpfheit oder Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber nachweisen. Er pflege eine sehr gute Beziehung mit seinen beiden Söhnen. Von seinen Freunden soll er jedoch verlassen worden sein wegen seiner Beschwerden und wegen des unkontrollierten Hand elns. Allerdings treffe er jeweils Kol- legen, wenn er sich in ein türkisches Restaurant begebe. Zudem pflege er auch mit Leidensge- nossen telefonisch regelmässigen Kontakt. Er sei nach wie vor politisch interessiert, er informie- re sich mit dem Lesen von Zeitungen im Internet, aber auch mit dem Lesen von Büchern. Ins- gesamt könne die Diagnose einer posttraumatischen Bel astungsstörung nicht gestellt werden. Es lasse sich jedoch eine Restsymptomatik einer posttraumatischen Belastungsstörung feststel- len, deren Beginn allerdings unklar bleibe. Er habe d iese Beschwerden in der Türkei noch nicht gehabt. Er habe diese erst etwa im Jahre 2006, oder wi e er während der Anamneseerhebung zu einem anderen Zeitpunkt angebe, in den Jahren 2003 oder 2004 entwickelt. Es würden sich keine Gründe für ein solch spätes Auftreten der Beschw erden einer posttraumatischen Belas- tungsstörung zeigen. Allerdings sei etwa im Jahre 2006 die Trennung von seiner damaligen Ehefrau erfolgt. Diese Belastung könne insgesamt jedo ch nicht als ausreichend betrachtet wer- den, um eine Late-Onset einer posttraumatischen Belastun gsstörung zu initiieren. Differential- diagnostisch sei an eine rezidivierende Störung mit chron ischem Verlauf gegenwärtig leichtgra- dige Episode zu denken. In der aktuellen Untersuchung se i die Stimmung ausgeglichen, der Beschwerdeführer könne immer wieder lächeln und ein p aar wenige Male auch verhalten la- chen. Einzig zu Beginn der Gespräche über die Foltererle bnisse lasse sich kurzdauernd wäh- rend ein paar Sekunden eine bedrückte Stimmung festste llen. Der Versicherte habe jedoch Tränen in den Augen beim Gespräch über die Tatsache, dass er seine Eltern seit dem Wegzug aus Istanbul im Jahre 1999 bisher lediglich dreimal habe sehen können. Mit ihnen pflege er per Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mail und telefonisch eine sehr gute Beziehung. Auffal lend sei, dass der Beginn seiner Be- schwerden offenbar mit dem Zeitpunkt der Trennung von se iner Ehefrau zusammen falle. Er habe sich damals auch in Behandlung von Dr. F.____ be geben. Die diesbezüglichen Akten sei- en aber nicht mehr auffindbar. Er habe sich etwa ein Ja hr zu Dr. F.____ begeben, danach, bis zum Beginn der Behandlung im Oktober 2013 bei Dr. med . C.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, habe er keine psychotherapeutische oder psychi atrische Behandlung gehabt, was gegen einen erheblichen Leidensdruck sprechen dürfte. Es lasse sich auch eine erhebliche Dramatisierungs- und möglicherweise Aggravationstendenz i nsofern feststellen, als dass der Versicherte darüber berichte, er habe seit dem Jahre 20 11 schon mehrere hundertmal eine Ar- beitsstelle begonnen, jedoch keine halten können. In seiner Stellungnahme zu den vorliegenden ärztlichen Berichten führt Dr. E.____ aus, die von Dr. C.____ diagnostizierte posttraumatische Belastungsstöru ng könne nicht mit Sicherheit und im Speziellen nicht als Vollbild diagnostiziert werden. In der aktuellen Untersuchung liessen sich keine wiederholten dissoziativen Zustände nachweisen, e s könnten auch keine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit oder verminderte Aufmerksamkeit festgestellt werden. Auch könnten keine Auffassungsstörungen nachgewiesen werden. Dr. C.___ _ halte Flash-backs fest, be- schreibe diese jedoch nicht näher. Auffallend sei, dass Dr. C.____ im neusten Bericht vom 5. Februar 2016 von einer posttraumatischen Belastungsstörung, also dem Vollbild, ausgehe. In seinen früheren Berichten habe er aber eine komplexe ch ronifizierte posttraumatische Belas- tungsstörung diagnostiziert. Dieser Diagnosewechsel werd e nicht erwähnt und schon gar nicht begründet. Ausserdem habe Dr. C.____ im Bericht vom 4 . November 2014 eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtiger mittelgradiger Ep isode diagnostiziert. Im Vergleich mit den aktuellen Befunden sei zu erwähnen, dass die Grunds timmung weder niedergeschlagen noch depressiv-weinerlich sei. Es könnten auch keine Angst zustände festgestellt werden, auch kein Misstrauen des Exploranden. Eingliederungsmassnahmen h ätten bis heute keine stattge- funden. Der Versicherte gehe davon aus, dass er zu keiner Tätigkeit mehr fähig sei. Aufgrund dieser subjektiven Überzeugung sei die Prognose insgesamt als ungewiss zu beurteilen. In der gemeinsamen interdisziplinären Beurteilung wird festgehalten, dass diejenige des psy- chiatrischen Gutachtens uneingeschränkt übernommen werden könne. 5.2 Mit Bericht vom 6. Februar 2017 hält Dr. C.____ a n seiner Diagnose „komplex chronifi- zierte posttraumatische Belastungsstörung“ fest. Posttra umatische Belastungsstörungen von Folteropfern würden in den meisten Fällen erst nach me hreren Jahren auftreten. Darum sei der Beschwerdeführer bis 2006 arbeitsfähig gewesen. Wenn er über die von ihm erlebten Folterme- thoden erzähle, nehme er die Positionen ein, zu denen ihn die Peiniger gezwungen hätten. Er beuge seinen Kopf, spanne seinen Körper, hebe seine Fü sse hoch, seine Stimme werde wei- nerlich und seine Stimmung ängstlich. Wenn das aktuelle Geschehen in der Türkei thematisiert werde, seien seine panikartigen Ängste und seine Hemm ungen spürbar. Das Alltagsleben und die Fähigkeiten des Patienten seien stark von seinen Besch werden (Vergesslichkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, Albträumen, Angstzuständen nach Alb räumen, Antriebslosigkeit, Miss- trauen, Vermeidungsverhalten, schnellere Reizbarkeit) beeinträchtigt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ebenso hält Dr. C.____ an seiner Diagnose einer rezi divierenden depressiven Störung mit ge- genwärtig mittelgradiger Episode fest. Die langzeitige Begleitung des Patienten und die sprach- lich direkte Kommunikation sei für die Diagnose äusserst re levant. Der Beschwerdeführer habe sich wegen seiner depressiven Störung sozial zurückgezogen und von seiner Umgebung total isoliert, nämlich von seiner Ex-Frau und von seinen sozia len Kontakten. Trotz langzeitiger Be- handlung sei es dem Patienten nicht gelungen, soziale K ontakte zu pflegen oder wieder herzu- stellen. Die Ein- und Durchschlafstörungen seien typische Beschwerden. Die Arbeitsfähigkeit sei wegen seiner Erkrankung voraussichtlich stark eingeschränkt und ihn in den Arbeitsmarkt zu drängen, werde nur seinen Gesundheitszustand verschlimmern. 5.3 Mit Arztbericht vom 13. Februar 2017 nimmt Dr. me d. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, zum Bericht von Dr. C.____ vom 6. Febru ar 2017 Stellung. Im Wesentlichen führt Dr. G.____ aus, Dr. C.____ werfe Dr. E.____ vo r, der Gesundheitszustand des Beschwer- deführers werde „verharmlosend dargestellt“. Weiter häl t er fest, aus der psychopathologischen Beschreibung von Dr. E.____ gehe nicht hervor, dass die S ymptomatik verharmlost worden wäre. Dr. C.____ liefere auch keine Hinweise oder B elege, was an der von Dr. E.____ vorge- nommenen Beschreibung verharmlosend wäre. Vielmehr sei die in den 90er Jahren erlittene Folter von Dr. E.____ sachlich und ausführlich dargele gt und im Gutachten erwähnt worden. Doch aus versicherungsmedizinischer Sicht sei festzuhalten, da ss für die Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit nicht das erlittene Leid ausschlaggebend sei, sondern das Ausmass des Gesund- heitsschadens, welcher sich in medizinischen Befunden wiede rspiegle. Insbesondere sei eine Konsistenzprüfung der allgemeinen Aktivität im Alltag und des Funktionsprofils erfolgt. Es zeige sich bei genauer Betrachtung, dass dieses Funktionsprofil weitaus höher sei, als bei einer mit- telgradigen depressiven Episode oder einer voll ausgep rägten posttraumatischen Belastungs- störung zu erwarten wäre. Der Umstand, dass Dr. C.____ d en Versicherten über eine längere Zeit kenne, sei noch kein Grund, dessen Einschätzung als zu verlässiger einzuschätzen, zumal das Gutachten im vorliegenden Fall auf eingehendem A ktenstudium und ausführlicher eigener Untersuchung beruhe, die Diagnosen und die Arbeitsfäh igkeit nachvollziehbar begründet wor- den seien, und die Einschätzung im Vergleich zu anderen medizinischen Einschätzungen plau- sibel erläutert worden sei. Zur Diagnose einer „komplex chronifizierten posttraumati schen Belastungsstörung“ führt Dr. G.____ im Wesentlichen aus, der behandelnde Psychiate r erachte den Versicherten einer- seits als schwer beeinträchtigt und deswegen als vollständig arbeitsunfähig, andererseits be- handle er ihn trotz angeblich mittelgradiger Depression nicht entsprechend. Er habe auch ohne erkennbare Gründe kurz nach Beginn die Medikation abges etzt. Auch eine stationäre Behand- lungsbedürftigkeit erwähne Dr. C.____ nicht, vielmehr sehe er den Patienten einmal alle vier bis acht Wochen. All dies seien Hinweise darauf, dass der psyc hische Gesundheitsschaden weit mehr dem im Gutachten bei Dr. E.____ beschriebenen Zu stand entspricht. Die posttraumati- sche Belastungsstörung einer moderaten Restsymptomatik sow ie mit einer leichtgradigen de- pressiven Symptomatik dürfe durchaus so behandelt werden, w ie dies bei Dr. C.____ erfolge. Es liege eine deutliche Diskrepanz zwischen der Einschätzung des behandelnden Psychiaters und den von ihm eingeleiteten therapeutischen Konsequ enzen vor. Des Weiteren weist Dr. G.____ darauf hin, dass der Versicherte mit Hilfe einer professionellen Dolmetscherin der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht HEKS untersucht worden sei. Damit würden die Kriterie n an ein Gutachten durchwegs erfüllt. Auch sei der von Dr. C.____ geltend gemachte soziale R ückzug nicht nachvollziehbar. Wie aus dem Gutachten hervorgehe, könne nicht von einer total en Isolation gesprochen werden und die Ein- und Durchschlafstörungen seien kein Beweis für ein e mittelgradige depressive Episode, zumal solche Störungen auch bei der beschriebenen leichtgradigen depressiven Störung auftre- ten könnten. Ausserdem sei der von Dr. C.____ geltend gemachte Hoffnungsverlust kein hinrei- chender Grund, den Versicherten als vollständig arbeitsunfähig einzuschätzen. 6.1 Die IV-Stelle hat bei der Beurteilung des Gesund heitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse abgeste llt hat, zu denen die Dres. D.____ und E.____ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 14. Oktober/1. November 2016 gelangt sind. Sie ging demzufolge davon aus, dass sich beim Versich erten zu keinem Zeitpunkt eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, weder in der zuletz t ausgeübten noch in einer alternativen Tätigkeit, habe begründen lassen. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Dies ist vorlie gend nicht der Fall. Wie ebenfalls be- reits ausgeführt, darf und soll das Gericht in Bezug a uf Berichte von behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtli- che Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Guns ten ihrer Patientinnen und Patienten aus- sagen. Mit der IV-Stelle ist festzuhalten, dass das Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vom 14. Oktober/1. November 2016 weder formale noch inhal tliche Mängel aufweist und dass es – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4. 2 hiervor) – für die streitigen Belange um- fassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam- menhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinisch en Situation einleuchtet, sich mit den vorhandenen abweichenden ärztlichen Einschätzungen ausei nander setzt und in den Schluss- folgerungen überzeugend ist. Was die abweichende Beurt eilung von Dr. C.____ anbelangt, weist Dr. G.____ zu Recht darauf hin, dass der Gesundheit szustand sowohl von Dr. E.____ als auch von Dr. C.____ recht ähnlich beschrieben wird und dieser keine hinreichende Begründung liefert, welche ein Abweichen von der Einschätzung von D r. E.____ als angezeigt erscheinen lässt. Auch die Tatsache, dass Dr. E.____ den Zeitpunkt de r posttraumatischen Belastungsstö- rung als unklar wertet, bedeutet nicht, dass nie eine posttraumatische Belastungsstörung vorge- legen hat bzw. dass die Diagnose „Verdacht auf eine Re stsymptomatik der posttraumatischen Belastungsstörung“ im Zeitpunkt der Begutachtung falsch gewesen wäre. Wie die Vorinstanz ausserdem zu Recht ausführt, hat Dr. E.____ das Vorli egen einer posttraumatischen Belas- tungsstörung nicht schon deshalb in Zweifel gezogen, weil die Belastungsstörung mit einer La- tenz von mehreren Jahren aufgetreten ist, vielmehr hat Dr. E.____ ausführlich beschrieben, weshalb die Diagnose einer posttraumatischen Belastungss törung aufgrund seiner Untersu- chung nicht mit Sicherheit und im Speziellen nicht als V ollbild diagnostiziert werden kann. Des Weiteren weist die Vorinstanz zu Recht darauf hin, dass di e Tatsache, dass der behandelnde Arzt den Beschwerdeführer schon länger kenne, kein Grund ist, dessen Einschätzung als zu- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht verlässiger zu beurteilen. Auch ist auf die Diskrepanz zwische n der Beurteilung des Beschwer- deführers durch seinen behandelnden Arzt als schwer beei nträchtigt einerseits und der nicht entsprechenden Behandlung andererseits hinzuweisen. Er verzichtet denn auch auf eine aus- reichende psychopharmakologische Behandlung wie auch auf eine stationäre Behandlung. Zu- dem ist aus den beiden Teilgutachten ersichtlich, dass de r Beschwerdeführer über erhebliche Ressourcen verfügt. So wird insbesondere auch im Teilgutachten von Dr. D.____ ausgeführt, er habe oft Kontakt mit seinen Söhnen, welche ihn auch u nterstützen würden, er lese aber auch Zeitungen und Bücher und informiere sich im Internet . Gelegentlich habe er auch Kontakt mit Freunden bzw. Leidensgenossen und er gehe teilweise in den Kulturverein. Aus dem bisdiszip- linären Gutachten sind die in der Beschwerde bzw. in de m vom Beschwerdeführer selbst ver- fassten Schreiben vom 11. März 2017 beschriebenen Problem e mit seinen Söhnen nicht er- kennbar. Wie bereits ausgeführt, ist nach dem Gesagten kein Grund ersichtlich das bidisziplinä- re Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vom 14. Oktob er/1. November 2016 in Zweifel zu ziehen. 6.2 Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten e ine zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszustandes und insbesondere auch der Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu, so kann auf die vom Beschwerdeführer eventualiter beantra gte Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen verzichtet werden. Der Anspruch auf rechtli ches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und – als Korrelat – die Pfl icht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruch s indessen nur über jene Tat- sachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsa che erheblich sind. Gelangt das Ge- richt bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhaltes ergeben u nd dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel ve rzichtet werden. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesg erichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen, 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d, 119 V 335 E. 3c in fine mit Hinweisen). 6.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Beschwerdeführe r in seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt ist, weshalb die Vorinstanz das Leistungsbegehren zu Recht abgelehnt hat. Demzufolge ist die vorliegende Beschwerde abzuweisen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlege n sind. Da ihm mit Verfügung vom 21. März 2017 die unentgeltliche Prozessführung bewill igt wurde, gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer ebenfalls mit Verfügung vo m 21. März 2017 die unentgeltliche Verbeiständung mit seiner Rechtsvertreterin bewilligt wu rde, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honora r bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin des Besc hwerdeführers hat in ihrer Honorarnote vom 24. Mai 2017 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 8.25 Stunden geltend gemacht. Zu beachten ist, dass vorprozessualer Aufwand pra xisgemäss nicht berücksichtigt werden kann. Der geltend gemachte Aufwand von 25 Minu ten am Tag des Verfügungserlasses und mithin vor Zustellung der Verfügung ist im Beschwer deverfahren demzufolge nicht zu ent- schädigen. Der zu entgeltende Aufwand ist demnach auf das vorliegende Beschwerdeverfahren zu beschränken, woraus ein Zeitaufwand von 7,83 Stunden à Fr. 200.-- resultiert. Dieser Auf- wand erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachve rhalts- und Rechtsfragen als ange- messen. Der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘566.70 aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 7.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘566.70 aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht