Kantonsgericht Schwyz Beschluss vom 10. Mai 2023 ZK1 2022 44 Mitwirkend Kantonsgerichtspräsident Prof. Dr. Reto Heizmann, Kantonsrichter Pius Schuler, Jörg Meister, Josef Reichlin und lic. iur. Jeannette Soro, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch. In Sachen 1. A.________, Kläger und Berufungsführer, 2. B.________, Klägerin und Berufungsführerin, 3. C.________, Klägerin und Berufungsführerin, gegen D.________ AG, Beklagte und Berufungsgegnerin, vertreten durch Rechtsanwältin E.________, betreffend Forderungen (Berufung gegen die Verfügung des Einzelrichters am Bezirksgericht Höfe vom 28. Oktober 2022, ZEV 2022 23);- hat die 1. Zivilkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. Am 28. Oktober 2022 trat der Einzelrichter am Bezirksgericht Höfe we- gen Versäumnisses der Schlichtungsverhandlung auf die Klage der Klägerin 2 und auf das eine Heiz- und Betriebskostenabrechnung betreffende Rechtsbe- gehren Ziffer 4 des Klägers 1 und der Klägerin 3 nicht ein. Gegen diese Ver- fügung erheben die drei Kläger Berufung mit den sinngemässen Anträgen, ihnen unter Rückweisung der Sache an den Vorderrichter unter Einschluss der Heiz- und Nebenkosten ein vereinfachtes Verfahren zu gewährleisten. Der Vorderrichter überwies die Akten mit dem Hinweis, von der Korrektheit des Beschlusses der Schlichtungsbehörde Höfe vom 27. Januar 2022 ausgegan- gen zu sein (KG-act. 5). Die Beklagte beantragt die vollumfängliche Abwei- sung der Berufung, soweit auf diese einzutreten sei (KG-act. 7). 2. Die Berufungsführer widerlegen die auf den Beschluss der Schlich- tungsbehörde vom 27. Januar 2022 (KB 1) abgestützte Annahme des Vorder- richters, dass die Klägerin 2 die Schlichtungsverhandlung versäumte, mit einer E-Mail des Präsidenten der Schlichtungsbehörde. Danach hätten interne Ab- klärungen ergeben, dass die Klägerin 2 an der Schlichtungsverhandlung an- wesend gewesen sei (KG-act. 1/9). Deren Anwesenheit will auch die Beru- fungsgegnerin nie bestritten haben, hält diese Tatsache indes für ein unzuläs- siges Novum und macht geltend, dass die Klägerin 2 das Schlichtungsgesuch nicht unterzeichnet und daher keine Parteistellung habe (KG-act. 7 Rz 17). Ob das Schlichtungsgesuch auch für die Klägerin 2 gestellt wurde, liess der Vor- derrichter aber ausdrücklich offen, weshalb diese Frage nicht Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens ist. Weil die Berufungsgegnerin die Anwe- senheit der Klägerin 2 an der Schlichtungsverhandlung nie bestritten zu haben anerkennt, handelt es sich um ein zulässiges neues, das Prozessrechtsver- hältnis betreffendes und von Amtes wegen zu prüfendes Thema, das in der Berufung vorzutragen offenkundig erst die angefochtene Verfügung Anlass gab. Die Berufung ist insoweit gutzuheissen und die Sache zur Weiterbehand-Kantonsgericht Schwyz 3 lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Unter Umständen ist zu berücksichti- gen, dass vorgenommenes Vertreterhandeln nachträglich genehmigt werden kann (dazu Sutter-Somm/Seiler, CHK, Art. 68 ZPO N 15 f.) und soll die Schlichtungsbehörde ihren Beschluss berichtigen (Art. 334 ZPO). 3. In Bezug auf das Nichteintreten des Vorderrichters auf das vierte Klage- begehren „Bestreitungspunkte Heiz- und Betriebskostenabrechnung 1.4.20- 31.3.21“ bleibt festzuhalten, dass eine hinreichende Berufungsbegründung eine gesetzliche, von Amtes wegen zu prüfende Zulässigkeitsvoraussetzung ist. Fehlt sie, so tritt das obere kantonale Gericht auf die Berufung nicht ein. Den Begründungsanforderungen genügt es nicht, lediglich auf die vor erster Instanz vorgetragenen Vorbringen zu verweisen, sich mit Hinweisen auf frühe- re Prozesshandlungen zufriedenzugeben oder den angefochtenen Entscheid in allgemeiner Weise zu kritisieren (ZK1 2021 15 vom 24. März 2021 E. 2.b m.H). Die Berufungsführer setzen sich mit der Begründung der angefochtenen Verfügung, wonach mit ihrem vierten Klagebegehren keine konkrete Forde- rung, Handlung oder Unterlassung verlangt werde, nicht auseinander. Ihre Kritik anhand einer Stellungnahme ihres vormaligen Rechtsanwalts, wonach das Thema der Heiz- und Nebenkosten entweder in ein Gerichtsverfahren integriert oder separat behandelt werde (vgl. KG-act. 1 S. 2 f.), geht an der vorinstanzlichen Begründung vorbei und ist nicht nachvollziehbar. Daher er- weist sich die Berufung insoweit als ungenügend begründet, abgesehen da- von, dass die Schlichtungsbehörde kein Heiz- und Betriebskostenabrechnun- gen betreffendes Klagebegehren bewilligte. Auf die Berufung ist nicht einzu- treten, soweit der Vorderrichter auf das Klagebegehren Ziffer 4 nicht eintrat. 4. Zusammenfassend ist mithin die Berufung, soweit auf sie einzutreten ist (vgl. oben E. 3), gutzuheissen (E. 2). Ausgangsgemäss haben die gleicher- massen unterliegenden wie obsiegenden Parteien die Kosten des Berufungs- verfahrens hälftig zu tragen und sich dementsprechend nicht gegenseitig zu entschädigen (Art. 106 Abs. 1 i.V.m. Art. 95 Abs. 1 ZPO);-Kantonsgericht Schwyz 4 beschlossen: 1. Die Berufung wird, soweit auf sie eingetreten wird, gutgeheissen und die Sache zur weiteren Behandlung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1’200.00 werden je zur Hälfte (je Fr. 600.00) den Berufungsführern und der Berufungsgegnerin auferlegt und aus den Vorschüssen gedeckt. Die Berufungsgegnerin wird verpflichtet, den Berufungsführern je Fr. 200.00 Gerichtskostener- satz zu bezahlen. 3. Es werden keine Entschädigungen zugesprochen. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 113 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Verfassungsbeschwerde beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden; vorbehalten bleibt die Geltendmachung einer Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung mit Beschwerde in Zivilsachen gemäss Art. 72 ff. BGG, die in der glei- chen Rechtsschrift bzw. bei alleiniger Einlegung innert derselben Frist einzureichen ist. Die Beschwerdeschrift muss Art. 42 BGG entsprechen. Der Streitwert beträgt Fr. 13’053.20 bzw. ist unbeziffert.Kantonsgericht Schwyz 5 5. Zufertigung an die Berufungsführer (je 1/R), die Rechtsvertreterin der Berufungsgegnerin (2/R) und die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, mit den Akten) und an die Kantons- gerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der 1. Zivilkammer Der Kantonsgerichtspräsident Der Gerichtsschreiber Versand 11. Mai 2023 kau