<h2>SubmittedText<h2><p>Am 5. Oktober 1998 sind die Aktien der Swisscom erstmals an der Schweizer Börse und an der New York Stock Exchange gehandelt worden. Der Emissionspreis war wegen des ungünstigen Zeitpunktes mit 340 Franken am unteren Ende der am 14. September 1998 festgelegten indikativen Preisspanne von 330 bis 410 Franken festgesetzt worden.</p><p>Die Börsen waren wenige Tage vor dem am 4. Oktober 1998 getroffenen Entscheid weltweit auf ihren Jahrestiefststand gesunken. Es ist verständlich, dass es zu diesem Zeitpunkt unter diesen Vorzeichen nicht erfolgversprechend erschien, einen höheren Emissionspreis festzusetzen.</p><p>Der festgesetzte Ausgabepreis von 340 Franken entspricht einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (P/E-Ratio) von 15 (bei einem angenommenen Jahresgewinn von Fr. 22.66). Vergleichbare Telekom-Firmen liegen durchschnittlich bei einer P/E-Ratio von etwa 22. Für die Swisscom ergäbe sich bei Annahme dieser Ratio ein Kurs von Fr. 498.70. Bei total 22,1 Millionen plazierten Aktien ergäbe dieser Kurs Einnahmen von 11,021 Milliarden Franken, was ein um 3,571 Milliarden Franken grösserer Betrag wäre als die Swisscom-Einnahmen aus der Plazierung per 5. Oktober 1998 mit dem Ergebnis von 7,504 Milliarden Franken.</p><p>Basierend auf dem oberen Wert der indikativen Preisspanne vom 14. September 1998 mit 410 Franken ergäbe sich eine P/E-Ratio von 18.08 und ein Plazierungsergebnis von 9,061 Milliarden Franken, was um 1,557 Milliarden Franken höher wäre als die jetzt vorliegende Plazierung.</p><p>Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass aus dem Entscheid, am äusserst ungünstigen Zeitpunkt für die Aktienausgabe um jeden Preis festzuhalten, ein Opportunitätsverlust von über einer Milliarde Franken resultiert hat.</p><p>Daraus ergeben sich folgende Fragen an den Bundesrat:</p><p>1. Decken sich die dargelegten Einschätzungen mit seiner Auffassung?</p><p>2. Welche Kosten wären bei einer Verschiebung des Ausgabezeitpunktes angefallen?</p><p>3. Wie war die Verantwortung für den Entscheid geregelt?</p><p>4. Welche Massnahmen gedenkt er vorzukehren, damit bei weiteren Veräusserungen des "eidgenössischen Familiensilbers" nicht der Grundsatz "coûte que coûte" zum Durchbruch gelangt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Bundesrat teilt die Auffassung des Interpellanten nicht. Die Preisfestsetzung für die Swisscom-Aktienplazierung erfolgte unter turbulenten Marktbedingungen. In den Tagen davor hatte die Börse eine schwere Krise erlitten. Es war deshalb nicht möglich, erfolgversprechend einen höheren Emissionspreis als 340 Franken festzusetzen. Der Rückgang der Aktienkurse im Telekom-Sektor betrug durchschnittlich 11 Prozent, und der SMI sank um 19 Prozent in den drei Wochen nach Fixierung der Emissionspreisspanne. Der Emissionspreis konnte trotzdem innerhalb der angekündigten Preisspanne festgelegt werden.</p><p>Der Bund kann mit der Durchführung der Transaktion sehr zufrieden sein. Die Transaktion wurde an den Finanzmärkten und in der weiteren Öffentlichkeit als grosser Erfolg aufgenommen, und der Bund erreichte seine finanziellen Ziele vollumfänglich. Sowohl die Vorleistung an die Swisscom konnte gedeckt als auch eine substantielle "Extradividende" vereinnahmt werden. Unter der Annahme eines Verkaufs von 49,9 Prozent der Gesellschaft war diese Dividende auf 1 bis 3 Milliarden Franken geschätzt worden. Der obere Rand dieser Spanne ist nun mit einer bedeutend kleineren Emission erreicht worden. Ferner konnten die Eigenkapitalausstattung der Swisscom in gewünschter Weise erhöht und der Teilprivatisierungsprozess abgeschlossen werden.</p><p>Schon bei der Bestimmung der Emissionspreisspanne Mitte September 1998, nach der Periode des "pre-marketing" der Emission, zeigten die Research-Ergebnisse einer Mehrheit von Bankinstituten, dass ein Ausgabepreis über 400 Franken am oberen Ende der Spanne zu liegen käme. Bewertungen um 500 Franken gehörten schon damals ins Reich der Phantasie. Beim Ausgabekurs von 340 Franken schliesslich lag das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis 1999 (P/E-Ratio) bei etwa 13, war damit leicht vorteilhafter als der Telekom-Sektor insgesamt mit geschätztem P/E-Ratio von etwa 15 bis 16. Diese Kennzahl ist jedoch für die Bewertung der Gesellschaft nicht ausschlaggebend. Die Swisscom-Aktie konnte nämlich im Quervergleich mit relevanten Kennzahlen recht teuer an den Markt gebracht werden. Gemessen an der wichtigsten Kenngrösse im Telekom-Markt (FV/EBITDA bzw. Firm Value to Earnings before Interest, Tax, Depreciation and Amortisation Multiple) war die Swisscom-Aktie zum Ausgabepreis mit einer Bewertungsprämie von über 10 Prozent eher teuer. Wird überdies der üblicherweise gewährte Abschlag für ein IPO (Initial Public Offering) berücksichtigt, bedeutet die Preisfestsetzung bei 340 Franken pro Aktie nochmals einen substantiellen Aufpreis im Quervergleich.</p><p>Letztendlich wurde der Ausgabekurs im Rahmen des Bookbuilding-Verfahrens unter den herrschenden Bedingungen an den Märkten bestimmt. Er wurde so festgelegt, dass sämtliche Aktien zum einheitlich fixierten Emissionspreis bei qualitativ hochwertigen Investoren im In- und Ausland plaziert werden konnten und darüber hinaus noch eine Überzeichnung bestand. Es musste darauf geachtet werden, dass die Investoren mit einer guten Börseneinführung und mit einer positiven Aktienkursentwicklung unmittelbar danach rechnen konnten.</p><p>Berücksichtigt man im übrigen den erwähnten Rückgang der Telekom-Aktienkurse von 11 Prozent seit Fixierung der Emissionspreisspanne, liegt der Ausgabepreis mit 340 Franken schliesslich in der oberen Hälfte einer entsprechend modifizierten Preisspanne von 295 bis 365 Franken.</p><p>Heute kann sich der Bund darüber freuen, dass der Wert seines ihm noch verbleibenden Swisscom-Aktienpakets gestiegen ist, so dass er in Zukunft bei einer günstigen Entwicklung der Aktienmärkte auf einen weiteren - substantiellen - Erlös zählen kann.</p><p>2. Eine Verschiebung der Emission kam nicht in Frage, weil das unvorhersehbare Konsequenzen für den späteren Börsengang und für die Swisscom als Gesellschaft gehabt hätte und der Plazierungserfolg angesichts des soliden Orderbuchs nicht ernsthaft gefährdet war.</p><p>Nebst den unmessbaren immateriellen Schäden einer Verschiebung wären die aufgelaufenen Kosten zur Zahlung fällig geworden. Diese beliefen sich auf einige Dutzend Millionen Franken. Zu den Kosten für die Aufrechterhaltung der Projektorganisation kämen die Aufwendungen und Spesen für eine erneute Emissionsvorbereitung. Vor allem die Opportunitätskosten und die Belastung des Personals sowohl bei der Swisscom als auch beim Bund und den involvierten Partnern wären erheblich gewesen. Die Motivation der teilnehmenden Personen hätte stark gelitten. Bei einer allfälligen Verschiebung hätte es sich nicht nur um einige Wochen, sondern um mehrere Monate oder gar ein Jahr gehandelt. Niemand hätte garantieren können, dass sich die Börse zu diesem Zeitpunkt besser präsentieren würde als am Emissionstag. Eine derart rasche Erholung der Aktienkurse, wie sie nun tatsächlich an den Börsen seit Fixierung des Emissionspreises der Swisscom-Aktie erfolgt ist, konnte schlicht nicht prognostiziert oder gar erwartet werden.</p><p>3. Der Bundesrat hat das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) und das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) mit Beschluss vom 13. Mai 1998 mit der Durchführung der Transaktion beauftragt.</p><p>Die Vorbereitungen und Verhandlungen für die Emission waren im Rahmen der für den Börsengang geltenden IPO-Projektorganisation unter der Leitung der Eidgenössischen Finanzverwaltung geführt worden. Die wesentlichen Entscheide sind jeweils von den Departementsvorstehern des UVEK und des EFD vor ihrer Umsetzung genehmigt worden.</p><p>4. Die Bildung einer IPO-Projektorganisation für eine derart anspruchsvolle Transaktion hat sich vollauf bewährt. Die Zielsetzungen der Teilprivatisierung sind erreicht worden. In keinem Moment kam der Verdacht auf, dass sie aus den Augen verloren gegangen wären. Der Grundsatz "coûte que coûte" stand nie zur Diskussion und wird auch für den Fall des später möglichen Verkaufs von weiteren Swisscom-Aktien aus den Beständen des Bundes oder deren Bewirtschaftung nicht zur Diskussion stehen.</p>  Antwort des Bundesrates.