B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2320/2011 U r t e i l v o m 3 0 . J u l i 2 0 1 3 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Walter Stöckli, Gerichtsschreiberin Blanka Fankhauser Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), Russland, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 31. März 2011 / N (…). E-2320/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden verliessen ihren Heimatstaat am 10. Februar 2010 auf dem Luftweg und gelangten – im Besitze von Flugtickets mit Destination E._______ – von Moskau direkt nach F._______, wo sie am 12. Februar 2010 um Asyl nachsuchten, ohne die Weiterreise nach E._______ anzutreten. A.b Mit Zwischenverfügung vom 12. Februar 2010 verweigerte ihnen das BFM vorläufig die Einreise in die Schweiz und wies ihnen für die D auer von maximal 60 Tagen den Transitbereich des Flughafens einstweilen als Aufenthaltsort zu. A.c Am 14. und 15. Februar 2010 wurden die Beschwerdeführenden durch die Flughafenpolizei zu m Reiseweg, zu den Personalien und zu den Asylgründen befragt. Am 17. Februar 2010 fanden ausführliche Anhörun- gen zu den Asylgründen durch das BFM statt. Dabei wurde im Wesentli- chen Folgendes geltend gemacht: Der Beschwerdeführer sei (…) Abstammung, habe (…) Vorfahren, trage einen (…) Namen und sei im Jahre 1991 vom Nordost en Russlands (G._______) nach H._______ (Nordkaukasus) umgezogen. Dort hätten ihm die Behörden nur widerwillig eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. Er sei angelernter (…) und habe mehrere Jahre in dieser Branche gearbeitet. Zuletzt habe er sich als (…) betätigt, seit 2008 sei er ohne Arbeit gew e- sen. Die Beschwerdeführerin sei in I._______ (Tschetschenien) geboren und aufgewachsen, jedoch ethnische Russin, obwohl sie äusserlich nicht ohne weiteres als solche zu erkennen sei. Beide seien aufgrund ihrer Herkunftsmerkmale und ihrer damit zusammenhängenden Zuordnung zum tschetschenischen Widerstand nationalistisch geprägter Willkür und Diskriminierung verschiedener Art ausgesetzt worden. Sie hätten sich stets bemüht, sich an das Gesetz zu halten und den Behörden und Si- cherheitskräften möglichst keinen Anlass für Interventionen zu liefern. Der Beschwerdeführer stehe seit 1998 unter behördlichem Druck, weil er zu- fällig Augenzeuge eines von Polizisten betriebenen illegalen Waffenha n- delslagers im (…), geworden sei. Nur knapp sei er im Jahr 2000 auf der Strasse einem Tötungsversuch durch einen vermeintlich Behinderten ent- ronnen, sei dabei jedoch verletzt worden. Im Jahre 2002 sei es ferner im E-2320/2011 Seite 3 Zusammenhang mit einem ihm unterschobenen Strassenverkehrsdeli kt zu einer verbalen Konfrontation des Be schwerdeführers mit dem eben- falls involvierten (…) gekommen; eine Woche später sei er auf Anweisung von Polizisten mitgenommen und durch Unbekannte in einem Wald zu- sammengeschlagen worden. Die Polizei habe auch sein en Führerschein derart manipuliert, dass er für die Behörden jederzeit als unbequeme Person erkennbar gewesen sei. Im Jahre 2004 sei er ferner unberechti g- terweise des Handels mit (…) beschuldigt worden, nachdem man im Kof- ferraum seines Autos einen leeren K anister gefunden habe . Im Jahre 2008 sei der nunmehr in die Arbeitslosigkeit gedrängte Beschwerdeführer von der Polizei wiederum mutwillig in ein Verfahren betreffend Gewalt ge- gen einen Polizisten verwickelt und zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Hinzugekommen seien gegen zehn Hausdurchsuchungen bei den B e- schwerdeführenden; oftmals sei das Haus auch von vermeintlichen A n- gehörigen der städtischen Versorgungswerke durchsucht und die B e- schwerdeführenden seien dabei belästigt worden. Zudem seien sie bei Behördengängen schikaniert worden und hätten zur Erlangung a n- spruchsbegründeter Amtsdienstleistungen regelmässig Schmiergelder bezahlen müssen. Die Beschwerdeführerin sei ferner anlässlich einer Hausdurchsuchung im Jahre (…) derart geschlagen worden, dass sie ei- ne Fehlgeburt erlitten habe. Im Weiteren sei ihrem Sohn im Jahre 2005 während des (…) vermutlich von einem Polizisten offensichtlich mutwillig das Bein gebrochen worden; die Behörden hätten den Vorfall als vom Kind selber verursachten Unfall abgetan, obwohl alle Indizien dagegen gesprochen hätten. Ferner sei die Beschwerdeführerin im März 2008, als sie noch in einer (…) gearbeitet habe, von einem Polizisten zu Unrecht des Drogenhandels im Rahmen ihrer Arbeitstätigkeit beschuldigt worden. Dies habe zwa r nicht zu einer Strafverurteilung, aber doch zum Voren t- halten von Lohnzahlungen und letztlich zum Verlust ihrer Arbeitsstelle ge- führt. Im (…) 2009 sei ihre im selben Haus wohnende und betagte Mutter unter den Zug gekommen. Die Behörden hätten nach fadenscheinigen Ermittlungen auf Selbstmord geschlossen, obwohl es sich aus Sicht der Beschwerdeführenden aufgrund der gesamten Umstände nur um einen Mord durch den Sicherheitsdienst gehandelt haben könne; der Hinte r- grund liege vermutlich in der anlässlich einer Hausdurchsuchung eine Woche zuvor gemachten Ankündigung der Mutter, dem Europäischen Ge- richtshof in Strassburg über Greueltaten und Massenhinrichtungen im Rahmen des Tschetschenienkonflikts zu berichten. Der letzte Vorfall habe den auf die Beschwerdeführen den ausgeübten Druck und die Furcht vor weiteren Benachteiligungen unerträglich werden lassen, weshalb sie sich – mangels wirksamer und zumutbarer Aufenthaltsalternativen in Russland E-2320/2011 Seite 4 – zur Ausreise entschlossen hätten. Zwei Versuche einer Visumserla n- gung für J._______ seien gescheitert. Schliesslich seien sie eher zufällig auf die Möglichkeit gestossen, einen Flug von Moskau nach E._______ mit Zwischenhalt in F._______ zu buchen. Die Reise sei legal und ko n- trolliert erfolgt. Indessen hätten sie nie die Absicht einer Weiterreise nach E._______ gehabt, aber nur auf diesem Weg visumsfrei in ein schutzb e- reites europäisches Land gelangen können. Geheiratet hätten sie übr i- gens bisher hauptsächlich deshalb nicht, um den Kindern das T ragen ei- nes (…) Namens und damit einhergehende Diskriminierungen zu erspa- ren. Aufgrund ihres ethnischen Hintergrundes, der dadurch erschwerten Erwerbstätigkeit und der ihnen in den Weg gelegten administrativen Schwierigkeiten beim Immobilienverkauf und -erwerb sei es ihnen auch faktisch unmöglich, in anderen Teilen Russlands eine Niederlassungsre- gistrierung zu erwirken; ohnehin hätten ihr ethnischer Hintergrund und der enge Konnex zu Tschetschenien überall zu Diskriminierungen und E r- werbslosigkeit geführt, und in Grossstädten sei das Leben ohnehin nicht erschwinglich. Die Beschwerdeführenden gaben verschiedene Identitäts - und Reisedo- kumente (darunter ihre Reisepässe, nationale Pässe, Geburtsurkunden, Vaterschaftsanerkennung) sowie weitere, nachträglich per Telefax über- mittelte, fremdsprachige Beweismittel (darunter gemäss Auflistung in der angefochtenen Verfügung: Staatsanwalts - und Gerichtsunterlagen, Poli- zeiverfügungen, Todesscheine und Bestätigungen betreffend verschiede- ne geltend gemachte Vorfälle insbesondere seit dem Jahre 2005) zu den Akten. A.d Mit Verfügung vom 26. Februar 2010 stellte das BFM fest, die Beschwe r- deführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylg e- suche ab, wies sie aus dem Transitbereich des (…) weg und ordnete an, dass sie den Transitbereich des (…) – unter Androhung von Zwangsmi t- teln im Unterlassungsfall – am Tag nach Eintritt der Rechtskraft zu verlas- sen h ätten. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung damit, dass die Schilderungen der Beschwerdeführenden weder den Anforderungen von Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) an die Glaubhaftmachung eines Asyl begründenden Sachverhalts noch jenen an die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG genügten; der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. A.e E-2320/2011 Seite 5 Mit Beschwerdeeingabe vom 5. März 2010 beantragen die Beschwerd e- führenden die Aufhebung der Verfügung vom 26. Februar 2010, die G e- währung von Asyl unter Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie eventualiter die Anordnung der vorlä ufigen Aufnahme unter Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. In prozessualer Hinsicht beantragten sie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. A.f Mit Urteil vom 12. März 201 0 hiess das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde gut, hob die Verfügung auf und wies die Sache zur vollstä n- digen Erstellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurte i- lung an die Vorinstanz zurück. Es führte in seinem Urteil aus, die Erw ä- gungsstruktur in der angefochtenen Verfügung sei unlogisch, wenn der vorgetragene Sachverhalt zunächst unter dem Aspekt der flüchtling s- rechtlichen Relevanz gemäss Art 3 AsylG geprüft und abschlägig beurteilt werde, um nachfolgend dennoch eine Glaubhaftigkeitspr üfung unter dem Aspekt von Art 7 AsylG vorzunehmen. Die Erkenntnis, dass der Sachvo r- trag unglaubhaft sei, müsste zwangsläufig zur Folge haben, dass kein rechtserheblicher, unter Art. 3 AsylG subsumierbarer Sachverhalt bestehe und daher die Gewährung der Fl üchtlingseigenschaft schon deshalb aus- ser Betracht fallen müsse. Aus den Erwägungen sei nicht erkennbar, wel- che Teile des Sachvortrags das BFM als glaubhaft und darüber hinaus rechtserheblich erkannt habe. Demnach sei der rechtserhebliche Sac h- verhalt als n icht korrekt und vollständig festgestellt zu betrachten. In di e- sem Zusammenhang erstaune, dass den Beschwerdeführenden gemäss dem Subsidiariätsprinzip in Form des Bestehens und der zumutbaren I n- anspruchnahme einer landesinternen Fluchtalternative vorgehalt en we r- de, da auch dieses Argument einen rechtserheblichen unter Art. 3 AsylG subsumierbaren Sachverhalt voraussetze. Weiter ergebe die Betrachtung der Protokolle das klare Bild eigeninitiativer, substantiierter und spontaner Schilderung. Darüber hinaus sei en zahlreiche Beweismittel eingereicht worden, womit die Beschwerdeführerenden weitgehend ihrer Mitwi r- kungspflicht nachgekommen seien. Die Feststellung der Vorinstanz, w o- nach die Beschwerdeführerin keine persönlichen Asylgründe gemacht habe, sei eindeutig aktenwidrig. Ferner sei die vorinstanzliche Erkenntnis, wonach die Hausdurchsuchungen widersprüchlich ausgefallen seien, nicht nachvollziehbar. Der Einwand der Beschwerdeführenden, gemäss welchem die Widersprüchlichkeit in der Verfügung unklar formuliert u nd zudem offensichtlich vermeintlicher Art sei, sei zu stützen. Es erstaune die Punktualität des vorgehaltenen Widerspruchs und die nuancierte E-2320/2011 Seite 6 Überspitzung seines Inhalts (Polizist-Sicherheitsbeamter) durch das BFM. Der Rückschluss auf die Unglaubhaftigkeit des gesamten vorgebrachten Verfolgungssachverhalts sei zudem nicht statthaft, da es sich bestenfalls um ein isoliertes und geringfügiges Indiz handeln könne. Das Bundesamt habe seine aus dem Grundsatz auf rechtliche Gehör fliessende Abw ä- gungspflicht vorl iegend nicht erfüllt und lasse ausser Acht, dass der Sachvortrag der Beschwerdeführenden überaus substantiiert, weitgehend übereinstimmend und chronologisch hinreichend präzise präsentiert wo r- den sei. Kritisch zu betrachten sei ferner die vorinstanzliche E rkenntnis, wonach die per Fax nachgereichten Beweismittel keinen Beweiswert hä t- ten, da es sich einerseits um leicht manipulierbare Kopien handle und andererseits damit zwar vorgebrachte Ereignisse dokumentiert würden, nicht aber die diesbezüglich vorgebrac hten Verfolgungsmassnahmen. Ohne eine Würdigung der Beweismittel vorzunehmen, stelle das Bunde s- verwaltungsgericht fest, dass den eingereichten Beweismitteln weder Übersetzungen noch Inhaltsangaben beigelegt worden seien und die B e- schwerdeführenden seien auch nicht zur Anfertigung solcher explizit au f- gefordert worden. Dies lasse darauf schliessen, dass die a n der vor- instanzlichen Verfügung Beteiligten der russischen Sprache mächtig se i- en, anderenfalls sie nicht – jedenfalls nicht ohne der Willkür zu verfallen – zur Erkenntnis gelangen könnten, dass die Beweismittel zwar vorg e- brachten Ereignisse dokumentieren würden nicht aber die vorgebrachten Verfolgungsmassnahmen. Angesichts der erkannten Mängel in der Fes t- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts, beste he für das Bunde s- verwaltungsgericht weder Anlass noch Möglichkeit, die vorinstanzlichen Erwägungen zu Frage der flüchtlingsrechtlichen Beachtlichkeit unter dem Aspekt von Art. 3 AsylG einer Überprüfung zu unterziehen. B. Mit Verfügung vom 31. März 2011 – eröffnet am 1. April 2011 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab, wies sie aus der Schweiz weg, setzte ihnen Frist bis zum 26. Mai 2011, um die Schweiz zu verlassen, und b e- auftragte den Kanton K._______ mit dem Vollzug der Wegweisung. C. Mit Eingabe vom 20. April 2011 (Eingabe und Poststempel) reichten die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragten, die Verfügung des BFM vom 31. März 2011 sei aufzu- heben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen sei Asyl E-2320/2011 Seite 7 zu gewähren. Eventua liter sei die Undurchführbarkei t, insbesondere die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustel- len. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten sie den Verzicht auf die Erhebung ein es Kostenvorschusses und die unent geltliche Prozessfüh- rung. Zu Untermauerung der Vorbringen wurden einige Referenzschre i- ben für die Familie beziehungsweise für den Sohn von seinen Lehrkräften eingereicht. D. Mit Zwischenverfügung vom 28. April 2011 wurde den Beschwerdefü h- renden mitgeteilt, dass sie den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten dürften. Auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses wurde verzichtet und festgehalten, dass über das Gesuch um G e- währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsve r- fahren (VwVG, SR 172.021) zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde. Gleichzeitig wurde die Vorinsta nz zur Vernehmlassung eingel a- den. E. Mit Vernehmlassung vom 12. Mai 2011 beantragte das BFM die Abwe i- sung der Beschwerde, da die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, die eine Änderung ihres Stan d- punktes rechtfertig en könnten. Die Vernehmlassung wurde den B e- schwerdeführenden zur Kenntnisnahme zugestellt. F. Am 27. Oktober 2011 wurde eine beschwerdeergänzende Eingabe einge- reicht. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich in den Erwägungen eingegangen. G. Am 7. Mai 2013 reichten die Beschwerde führenden ein psychiatrisches Attest ein, wonach der Sohn C._______ seit März 2013 in psychiatrischer Behandlung sei. Ferner teilten sie mit, dass sie nun auch in psychiatr i- scher Behandlung seien und etwa binnen Monatsfrist ein psychiatrisches Gutachten dem Gericht zukommen lassen würden. H. Mit Eingabe vom 18. Juni 2013 reichten die Beschwerdeführenden je e i- nen Arztbericht, wonach sie im Psychiatri schen Zentrum L._______ in E-2320/2011 Seite 8 psychiatrischer Behandlung seien, und ein en den Beschwerdeführer betreffenden Bericht des Röntgeninstituts M._______, ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Besch werden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behö r- den nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwa l- tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs gericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor dem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsg e- setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Betreffend die Beschwe r- deführenden liegt kein Auslieferungsersuchen vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt u nd haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-2320/2011 Seite 9 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen une rträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf g efälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung seines ablehnenden Entscheids führte das BFM an, die Vorbringen der Beschwerdeführenden hielten den Anforderungen an die Glaubwürdigkeit in weiten Teilen nicht stand. So würden de ren Vor- bringen der allgemeinen Lebenserfahrung widersprechen, weil sie trotz der angeblich seit 1998 andauernden Verfolgung durch die verschied e- nen russischen Behörden und die Gefährdung durch unbekannte Drit t- personen ohne einen ersichtlichen Grund noch 14 Jahre hätten verstrei- chen lassen. Selbst nach der angeblich inszenierten Tötung der Mutter der Beschwerdeführerin im (…) 2009 hätten sie sich weiterhin an ihrem Wohnort in H._______ aufgehalten. Ferner vermöge die Erklärung, die Mutter sei a ls aussagewillige Zeugin der Massenermordungen im tsch e- tschenischen Krieg vom Sicherheitsdienst beseitigt worden, nicht zu überzeugen. Einerseits handle es sich hier um Vermutungen , anderer- seits seien wesentliche Punkte der Schilderungen der Beschwerdeführ er nachgeschoben. So habe die Beschwerdeführerin erst anlässlich der d i- rekten Bundesanhörung darüber gesprochen, dass ein Mitarbeiter einer (…) eine ältere Frau in der Näh e des Tatorts im Begleitung von zwei Männern gesehen habe. Der Beschwerdeführer habe, allerdings auch E-2320/2011 Seite 10 erst in der Anhörung darüber gesprochen, dass an einer (…) einige Leute davon gesprochen hätten, vor einigen Tagen eine ältere Frau mit ein paar Leuten gesehen zu haben. Abgesehen von der Diskrepanz dieser beiden nachgeschobenen Aussagen sei – selbst wenn sie geglaubt werde kön n- ten – nicht erstellt, dass es sich bei dieser Frau um die Mutter der B e- schwerdeführerin gehandelt h abe und deren Begleiter etwas mit deren Tod zu tun gehabt hätten. Somit würden die Beschwerdeführenden den tragischen Tod der Mutter in einen ursächlichen Zusammenhang einz u- betten versuchen, der von keinen anschaulichen Hinweisen oder vorha n- denen Beweismittel n erhärtet werde. Auch die weiteren von den B e- schwerdeführenden behaupteten Zusammenhänge zwischen einzelnen durch Jahre voneinander getrennten Vorfällen, seien weitgehend real i- tätsfremd. So sei einerseits nicht nachvollziehbar, weshalb erst zwei Ja h- re nac h seinen Beobachtungen im (…) ein Mordanschlag auf den B e- schwerdeführer verübt w orden sein s ollte. Andererseits habe er dazu einmal ausgesagt, mit anderen Leuten darüber gesprochen zu haben, ein anderes Mal jedoch behauptet , keinem Menschen etwas darüber e rzählt zu haben. Zudem habe er einmal von drei Personen und ein anderes Mal von vier Personen , die sich (…) befunden hätten, gesprochen. Ebenfalls vermöchten die von den Beschwerdeführenden aufgestellten Vermutu n- gen über den Zusammenhang zwischen diesem Er eignis im Jahre 2002 und dem Beinbruch des Sohnes im Jahre 2005 nicht zu überzeugen. So- dann habe die Beschwerdeführerin die Ursachen ihrer angeblichen Feh l- geburt im Jahre 2004 unterschiedlich dargestellt, indem sie einmal ang e- geben habe, von einigen Polizisten geschlagen worden zu sein, ein ande- res Mal jedoch behauptet habe, damals von einem Beamten zur Seite geschoben worden zu sein. Dass sie von mehreren Beamten geschlagen worden wäre, habe sie bei der direkten Anhörung mit keinem Wort e r- wähnt. Im Weitere n lasse sich die Verurteilung im Herbst 2008 zu einer Geldbusse von 100 Rubel, weil der Beschwerdeführer einen Polizisten zusammengeschlagen habe, angesichts der Milde der Strafe, kaum als Ausdruck einer tatsächlich vorhandenen Verfolgungsmotivation der ru ssi- schen Sicherheitsorgane interpretieren. Auch bezüglich des vo n ihm im Jahre 2002 begangene n Verkehrsdelikts, das die Beschwerdeführenden in einen Zusammenhang mit der Verletzung ihres Sohne im Jahre 2005 gebracht hätten, sei festzuhalten, dass der vom B eschwerdeführer dar- gestellte Tathergang kaum den Tatsachen entsprechen dürfte, da nicht ersichtlich sei, weshalb die Polizisten, die die Übertretung des Beschwe r- deführers beobachtet hätten, noch einen Zeugen dazu gebraucht hätten. Es sei auch nicht nachvol lziehbar, weshalb sich die Sicherheitsbeamten bei den Hausdurchsuchungen als Elektrizität – oder Gaswerkangestellte E-2320/2011 Seite 11 hätten ausgeben müssen. Somit würden die Vorbringen der Beschwerde- führenden insgesamt eindeutige Kennzeichen einer weitgehend überz o- genen Ver folgungsgeschichte aufweisen. Obwohl ihre Schlussfolgeru n- gen auf blossen Mutmassungen beruhen würden, würden sie sämtliche Vorkommnisse den russischen Polizei- und Sicherheitsorganen zuschrei- ben, so den Überfall auf den Beschwerdeführer im Jahre 2000, die Fehl- geburt der Beschwerdeführerin im Jahre 2004, de n Beinbruch ihres (…) Sohnes im Jahre 2005 oder de n Tod der Mutter der Beschwerdeführerin im (…) 2009. Bezeichnenderweise vermöchten die Beschwerdeführenden die Gründe für die angeblichen Behelligungen auc h nicht logisch und nachvollziehbar zu erklären. Ihre diesbezüglichen Hinweise auf ihre et h- nische Herkunft, seien als eine Erklärung dafür nicht geeignet, zumal die Beschwerdeführerin russischer Abstammung sei und die Mutter des B e- schwerdeführers auch eine Russin gewesen sei. Die Erklärung des B e- schwerdeführers, es sei alles nur ein Spiel gewesen, vermöge nicht zu überzeugen. Vielmehr gebe es Hinweise darauf, dass ihre Ausreise aus Russland auf rein wirtschaftliche Gründe zurückzuführen sei. So habe der Beschwerdeführer anlässlich der direkten Bundesanhörung zu Protokoll gegeben, wiederholt versucht zu haben , in N._______ oder O._______ eine Arbeit zu finden. Die Beschwerdeführerin habe zudem erklärt, sie seien im Jahre 2001 zur Schwester des Beschwerdeführe rs nach P ._______ bei Q._______ im Norden Russlands gereist, mit der Absicht, sich dort niederzulassen. Die Schwester habe ihnen von einem längeren Aufenthalt abgeraten, weshalb sie zurückgekehrt seien. Bezeichnende r- weise sei dann die Schwester auch nach H._______ umgezogen, was nicht für eine Verfolgung der Beschwerdeführenden spreche, da sie a n- dernfalls kaum ihren Wohnort dorthin verlegt hätte. An dieser Einschä t- zung würden auch die eingereichten Beweismittel, soweit sie sich übe r- haupt auf die geltend ge machten Ereignisse beziehen würden, nichts än- dern. Die Dokumente würden zwar einige der von den Beschwerdefü h- renden genannten Ereignisse belegen, jedoch keinesfalls deren Schlus s- folgerungen stützen. Sodann seien die geltend gemachten Vorbringen, wie die Diskriminierung und willkürliche Behandlung durch die Behörden , selbst bei angenommener Glaubhaftigkeit nicht geeignet , eine asylrel e- vante Gefährdung darzulegen, da es sich beim Umstand, dass Angehör i- ge kaukasischer Nationalitäten im Rahmen von Präventionsmassnahmen gegen Terrorakte von allem in Grossstädten häufiger Personenkontrollen ausgesetzt seien, um legitime staatliche Akte handle. 4.2 Die Beschwerdeführenden bekräftigten in ihrer Beschwerde, dass die Familie bereits während Generationen aus politischen Gr ünden verfolgt E-2320/2011 Seite 12 worden sei. Auch nach deren Ausreise habe sich die Miliz bei der Lehr e- rin des Sohnes nach ihnen erkundigt. Die Strafe von 100 Rubel habe der Beschwerdeführer deswegen vorgebracht, weil er diese habe belegen können. Er habe hier auch Glück ge habt, weil ihn die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft als friedlichen Menschen gekannt hätten. Der B e- schwerdeführer habe seine demokratischen Prinzipien auch in der Öffent- lichkeit vorgebracht und erfolglos versucht, einige Artikel in den Zeitungen zu veröffentlichen. Er habe sich kritisch über den Krieg in Tschetschenien und Südossetien sowie über die politischen Morde (A. Politkowskaja u.a.) geäussert. Einmal habe W. Schirinowski in H._______ ein Meeting g e- macht. Der Beschwerdeführer habe ihn auf die Mängel der Meinungsfrei- heit angesprochen, worauf dieser ihn gefragt habe, ob er betrunken sei. Daraufhin sei der Beschwerdeführer verhaftet und auf dem Polizeiposten geschlagen und bis zum nächsten Tag dort festgehalten worden. Der Grund, warum sie nach dem Tod der Mutter der Beschwerdeführerin noch weitere zehn Monate in Russland geblieben seien, sei der Umstand g e- wesen, dass sie zweimal vergeblich versucht hätten, ein (…) Visum zu bekommen. Den Wunsch, Russland zu verlassen, hätten sie bereits vor dem Tod der Mutter der Beschwerdeführerin gehegt. Sodann würden sie darauf bestehen, dass diese ermordet worden sei, weil sie übe r die Mas- senbestattungen in Tschetschenien sehr viel gewusst und vorgehabt h a- be, ihr Wissen beim Strassburger Gericht darzubringen. Bezüglich des Vorhalts in der BFM -Verfügung, dass sie die Ereignisse allgemein und global beschrieben hätten, sei anzumerken, dass man ihnen immer g e- sagt habe, die jeweiligen Fragen kurz und bündig zu beantworten. Des- wegen hätten sie versucht, aus eigener I nitiative die Zusammenhänge zwischen den Ereignissen zu erklären (wie zum Beispiel ihre öko nomi- sche Lage in der letzten Zeit als Folge ihrer Verfolgung aus politischen Gründen). Man habe sie immer wieder unterbrochen und die nächste Frage gestellt. Alle Anwesenden inklusive der Dolmetscher seien schwe i- zerischer Abstammung gewesen und sie (die Beschwerdeführenden) würden vermuten, dass viele Nuancen nicht wiedergegeben worden se i- en. Die Beschwerdeführenden machten in ihrer Beschwerdeschrift einige Korrekturen zu den als widersprüchlich bezeichneten Aussagen (vgl. B e- schwerde S. 4). Weiter wiederholten sie, dass sich die russischen Milizio- näre als Kontrolleure vom Strom , Wasser und Radio vorgestellt hätten, um leichter in die Wohnung zu gel angen. Sie wüssten, dass die BFM - Sachbearbeiter ihnen ihre Kontakte mit der Miliz, die Durchsuchungen, die Geschichte mit dem (…) und die Geschichte mit (…) nicht geglaubt hätten, dies entspreche aber alles der Wahrheit. Leider hätten sie dem BFM nur ein einziges Dokument vorlegen können. Das Anfordern von an-E-2320/2011 Seite 13 deren Dokumenten und Beweisen könnte für die Mutter des Beschwerde- führers und seine Schwester lebensgefährlich sein. 4.3 In einer weiteren Eingabe vom 27. Oktober 2011 beanstande ten die Beschwerdeführenden zusätzlich, dass in der vorinstanzlichen Verfügung zu Unrecht festgehalten worden sei, ihre Vorbringen würden eindeutige Kennzeichen einer weitgehend überzogenen Verfolgungsges chichte auf- weisen, weil das jahrelange Verfolgungsmotiv der Polizei fehlen würde. Auch treffe es ni cht zu, dass ihre Ausreise aus Russland eher auf rein wirtschaftliche Gründe zurückzuführen sei. So scheine es ihnen, dass sie beide die relevanten Geschehnisse übereinstimmend gesc hildert hätten. Die vom BFM angeführten Widersprüche seien grösstenteils au flösbar. So bestehe der Beschwerdeführer nochmals darauf, dass er die Ereignis- se (…) und das gewalttätige Angreifen eines Polizeibeamten gegen die Beschwerdeführerin während der Hausdurchsuchung übereinstimmend geschildert habe und die vom BFM aufgeführten Widersprüche entweder auf Übersetzungsfehler oder Missver ständnisse zurückzuführen seien sowie die weiteren Widersp rüche, falls sie überhaupt als solche bezeic h- net werden könnten, für die Asylbegründung unwesent lich seien. Ferner seien ihre Darstellungen ausreichend detailliert. Das BFM habe diesb e- züglich keine Vorbehalte gemacht. Die weiteren Argumente der Vori n- stanz hinsichtlich der fehlenden Plausibilität der Vorbringen, bez üglich des Mordanschlags, der erst zwei Jahre nach der Entdeckung des (…) stattgefunden habe, sowie der Zweifel am kausalen Zusammenhang zwi- schen dem Beinbruch des Sohnes , dem Tod der Mutter und d em Vorfall mit dem (…) setze gute Länderkenntnisse voraus. Das BFM argumenti e- re, wie wenn es sich bei Russland um einen Rechtsstaat mit funktionie- renden Institutionen handle. Auch die Einschätzung der allgemeinen Lage durch das BFM entspreche nicht der Realität. Diesbezüglich verwi esen die Beschwerdeführenden auf verschiedene Internetadressen (vgl. B e- schwerdeergänzung S. 4 und 5). 5. 5.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Asylpunkt damit, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden nicht glaubhaft seien, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse, um dann diese doch noch zu untersuchen und zu befinden, dass selbst bei unterstellter Glaubha f- tigkeit die Aussagen nicht geeignet wären, eine asylrechtlich relevante Gefährdung darzulegen. Auch wenn das Bundesverwaltung sgericht die Ansicht fehlende r asylrechtlicher Relevanz der Vorbringen im Ergebnis E-2320/2011 Seite 14 teilt, dies nicht zuletzt unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sich die Beschwerdeführenden drei Wochen nach dem Tod der Mutter der B e- schwerdeführerin, was d as ausreiseauslösende Ereignis gewesen sein solle, ihre Reisepässe haben ausstellen lassen und dann noch fast ein Jahr an ihrem Wohnort unbehelligt haben leben können, bedarf es einiger Präzisierungen bezüglich der abschlägigen Glaubhaftigkeitserwägungen des BFM. Ein Teil der Asylvorbringen mit den geltend gemachten Über- griffen wurde nämlich durchaus überzeugend dargestellt und der Wahr- heitsgehalt bestimmter Aussagen der Beschwerdeführenden ist nicht völ- lig bedeutungslos. Diesbezüglich ist eine chronologische Darstellung a n- gebracht: 5.2 Der Beschwerdeführer hat die Verfolgungsgeschichte seiner Familie, die bis i n die Stalinzeit zurückreicht, überzeugend dargelegt. Ebenfalls erscheinen e inige Unannehmlichkeiten, die ihm im Jahre 1991 im Z u- sammenhang mit seinem Umzug vom Nordosten Russland s nach H._______ zugestossen sind, durchaus plausibel. Diese Ereignisse sind jedoch zu weit zurückliegend, als dass hier ein Kausalzusammenhang zur späteren Flucht ersichtlich wäre. 5.3 Der geschilderte Vorfall (…) im Jahre 1998, wo er zufälligerweise ein illegales Waffenlager gesehen habe, kann sich so zugetragen haben. Die von der Vorinstanz als widersprüchlich bezeichneten Aussagen betreffend die Anzahl Personen, die sich im Raume aufgehalten h aben sollen, sind nicht so gravierend, als dass d as ganze Ereignis als unglaubhaft be- zeichnet werden könnte. Allerdings ist im Anschluss an seine Beobach- tungen nichts Wesentliches geschehen, weshalb seine Vermutung, dass alle späteren Behelligungen deswegen stattgefunden hätten, in dieser pauschalen Form nicht geteilt werde n k ann. Daher ist ein Zusamme n- hang mit dem zwei Jahre später erfolgten Ereignis, wie er von einem Be- hinderten, dem er zuerst h abe helfen wollen, angegriffen und verletzt worden sei, nicht ersichtlich. Vielmehr ist auf einen zufälligen Angriff eines Kriminellen zu schliessen. 5.4 Die Verkehrskontrolle im Jahre 2002, bei welcher sich der Beschwer- deführer von der Polizei ungerecht behandelt gefühlt habe und es gleich- zeitig dabei zu einer verbalen Konfrontation mit dem zufällig vor Ort a n- wesenden (…) gekommen sei , erscheint nicht unglaubhaft. Auch, das s danach Sicherheitsag enten zu ihm nach Hause gekommen se ien, und ihm dieses Verhalten nochmals vorgehalten hätten, ist möglich. Hingegen kann die Schilderung, wie er eine Woche darauf, in den Wald mitgenom-E-2320/2011 Seite 15 men und dort zusammengeschlagen worden sei, nicht g eglaubt werden. Zu einem, hat der Beschwerdeführer über dieses Ereignis das erste Mal erst anlässlich der Anhörung gesprochen und es bei der Erstbefragung mit keinem Wort erwähnt , obschon er bereits damals über Vorfälle aus dem Jahr 2002 berichtet hat. Zum anderen wäre angesichts der Schwere der geschilderten Misshandlung, wonach man ihn zusammengeschlagen und anschliessend in den Fluss geworfen habe, zu erwarten gewesen, dass er eine solch gewalttätige Handlung seitens der Behörde, bei der er fast umgekommen wäre, an erster Stelle erwähnt und sie nicht lediglich erst mitten der Anhörung beinahe als eines der vielen, ihm zugestosse- nen Verfolgungselemente dargestellt hätte (vgl. A27/22 F 83). Auch wäre nicht einzusehen, warum er nicht spätestens nach einem solchen Vorfall seine Heimatstadt verlassen hätte. 5.5 Nicht überzeugend erscheint ferner der von den Beschwerdeführe n- den hergeleitete Zusammenhang zwischen der Auseinandersetzung mit dem (…) und dem Beinbruch des Sohnes drei Jahre später. Insbesonde- re sind keine Hinweise vorhan den, dass die Polizei sich am beschrieb e- nen Unfall aktiv beteiligt hätte. Bei den Aussagen des Beschwerdeführers fällt auf, dass er zwar eine permanente Verfolgung seiner Person geltend machte, die Gründe , für die jeweiligen Behelligungen , ausser dass dies wegen der Geschehnisse (…) geschehen oder dass es ein Spiel gew e- sen sei, aber nicht konkret erklären konnte (vgl. A26/22 F 70-72). 5.6 Dass sich die Sicherheitsagenten, die zu ihnen nach Hause geko m- men seien, als Elektrizitäts- Gaswerk- oder Wasserversorgungangestellte ausgegeben hätten, um leichter in ihre Wohnung zu gelangen , ist nicht glaubhaft und lässt generell Zweifel an den geltend gemachten Hau s- durchsuchungen aufkommen. Da Sicherheitsbeamte ihre Wohnung b e- ziehungsweise ihr Haus etwa jährlich ganz offiziell durchsucht haben sol- len, würde es keinen Sinn machen, zusätzlich noch andere Leute getarnt zu schicken, die dies im Versteckten ausführen sollten. 5.7 Der Beschwerdeführer behauptet erstmals in seiner Beschwerde, sich politisch kritisch geäussert und polit ische Artikel geschrieben zu haben, die jedoch nicht veröffentlich worden se ien, sowie über seine Konfrontati- on mit Schirinowski mit anschliessender Festnahme und Schlägen. Diese Angaben sind als nachgeschoben und demnach ungla ubhaft zu werten, hat er doch anlässlich der Befragungen nie eine polit ische Tätigkeit er- wähnt, sondern auf die entsprechende Frage entgegnet, dass es in seiner E-2320/2011 Seite 16 Region keine M öglichkeiten für politische Aktivitäten gegeben habe (vgl. A27/22 F 132). 5.8 Die Erklärung in der Beschwerde für die milde Strafe von 100 Rubel, nämlich dass die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft den Beschwerdefüh- rer als friedlichen Menschen gekannt hätten und er somit Glück gehabt habe, steht in krassem Widerspruch zu seinen sämtlichen vorherigen Ausführungen, bei welchen er sich stets verfolgt gefühlt hat. Eine so mi l- de Strafe von 100 Rubel (damaliger Wert ca. 4.40 Franken) dafür, dass er einen Polizeiangestellten zusammengeschlagen ha ben soll, ist nicht vor- stellbar. 5.9 Die V orbringen der Beschwerdeführerin im Empfangszentrum, w o- nach sie im Jahre 2004 von einigen Polizisten geschlagen worden sei, was eine Fehlgeburt zur Folge gehabt habe, wurden anlässlich der Anhö- rung (vgl. A26/15 F 10) etwas relativiert. Demnach soll sie von einem Po- lizisten heftig auf die Seite gesc hoben worden sein, so dass sie gegen das Bett gestürzt sei. Nachdem die Polizisten gegangen seien, sei sie sehr aufgewühlt gewesen und habe etwa eine Stunde danach allmählich Bauchschmerzen bekommen und auf der St ation, wohin sie mit dem Taxi gefahren sei, eine Fehlgeburt erlitten. In der Beschwerde wurde diese un- terschiedliche Schilderung mit einem Übersetzungsfehler begründet, a l- lerdings nicht konkret ausgeführt, welche Variante denn die richtige sei. Angesichts der emotional gefärbten und recht substanziierten Darstellung erachtet das Gericht es zwar als glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin (allenfalls im Jahre 2004 ) eine Fehlgeburt erlitten hat, zweifelt jedoch an deren genauen Ursache. Auffallend erscheint in diesem Zusammenhang, dass sie bei der Erstbefragung, nachdem sie darauf angesprochen wor- den war, weshalb sie glaube, dass ihr Haus durchsucht werde, zuerst ei- nen anderen Vorfall erwähnte, der sich im Jahre 2008 in der Apotheke er- eignet habe und eine Frühgeburt zur Folge gehabt habe. Das Ereignis mit der Fehlgeburt im Jahre 2004 gab sie jedoch erst danach an, fast beiläu- fig und nur mit einem Satz. 5.10 Weiter sind die Umstände des Todes der Mutter der Beschwerdefüh- rerin zwar nicht hinreichend geklärt und b elegt worden. D ie Ansicht der Vorinstanz wird aber geteilt, es handle sich – abgesehen von den als nachgeschoben bezeichneten Beobachtungen , welche verschiedene Leute vor Ort gemacht haben sollten – bezüglich der Todesursache um Vermutungen der Beschwerdeführenden. Gemäss dem Todesschein soll die Mutter tot neben der Bahnlinie R._______, also in der Nähe des E-2320/2011 Seite 17 Wohnorts der Beschwerdeführenden, gefunden worden sein. Diese ha- ben behauptet, sie sei vom Sicherheitsdienst ermordet worden, weil sie in Strassburg über die Massenermordungen in den Tschetschenischen Kriegen habe berichten wollen. Z unächst ist festzuhalten, dass der Euro- päische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ohnehin nicht di e ge- eignete Plattform für die geschilderten Informationen der Mutter wäre, ist doch eine unerlässliche Voraussetzung für die Behandlung einer Indiv i- dualbeschwerde, dass der innerstaatliche Instanzenzug durchlaufen wird. Den Akten kann jedoch nicht entnommen werden, dass die Mutter der Beschwerdeführerin bereits irgendwelche Verfahren auf nationaler Ebene geführt hätte. Aber auch dass anstelle des EGMR der Internationale G e- richtshof in Den Haag (IStGH) gemeint sein könnte, ist nicht möglich, da Russland das Rom -Statut zum IStGH bis heute nicht ratifiziert hat und somit nicht an geklagt werden kann. Sodann berichteten die Medien be- reits während der Kriege über die Massenexekutionen und Massengräber sowie über etliche Greueltaten der russischen Soldaten in Tschetsche- nien, weshalb es sich nicht um irgendein spezifisches Insiderwissen ge- handelt haben kann, mit welchem nur die Mutter hätte an die Öffentlic h- keit gelangen wollen. Nach allgemeiner Lebenserfahrung sowie in ausrei- chender Kenntnis der Lage in Südrussland bezweifelt das Gericht über- dies, dass eine (…) Russin, die in der kommunistischen Sowjetunion auf- gewachsen ist, in welcher sie Angst und Repressionen verschiedener Art erlebt oder zumindest darüber gehört haben muss, sich bei einer Hau s- durchsuchung, derart hätte hinreissen lassen und den durchsuchenden Beamten im geschilderten Ausmass gedroht hätte. Gerade weil die Mutter so viel durchgemacht ha be, wie dies die Beschwerdeführerin in ihrer B e- fragung angab, hätte sie sich bestimmt nicht derart provokativ verhalten, da sie hätte wissen müssen, dass solche unvorsichtigen Beken ntnisse mit Folgen für sie und ihre Familie verbunden gewesen wären und sie mit grosser Wahrscheinlichkeit gleich mit genommen und ein Strafverfahren gegen sie e ingeleitet worden wäre. Nach dem Gesagten, geht das Ge- richt nicht davon aus, dass de r Tod der Mutter der Beschwerdeführerin einen politischen Hintergrund hat. 5.11 Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass das G e- richt zwar an einigen erwähnten Geschehnissen keine ernsthaften Zweifel hegt, allerdings die Bedeutung, welche ihnen die B eschwerdeführenden zukommen lassen sowie die ursäc hlichen Zusammenhänge nicht teilen kann. Somit bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführenden aufgrund ihrer Asylvorbringen befürchten müssten, im Falle einer Rückkehr in ihren Heimatstaat der Gefahr asylbeachtlicher Nachteile ausgesetzt zu werden. E-2320/2011 Seite 18 6. 6.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu - chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei- le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürc h- ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure z u- gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (v gl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtling s- rechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland ke i- nen adäquaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2 008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurte i- lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer so l- chen. Die Situation im Zeit punkt des Asylentscheides ist jedoch im Ra h- men der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls w e- sentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zw i- schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1 S. 507 f., BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Auslände r- recht, 2. Aufl., Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 6.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde s ich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive er folgenden – Benachteili- gung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als re a- listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/27 E. 2.5 S. 827 f., Entscheidungen und Mitteilungen der S chweizerischen Asylre- kurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 6.3 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass im konfliktreichen Nordkaukasus seit Jahren radikalislamische Rebellen für die Errichtung eines Gottesstaates kämpfen und es in diversen Teilrepubliken, allen vor-E-2320/2011 Seite 19 an in Dagestan und Inguschetien, immer wieder zu blutigen Anschlägen kommt. Nach wie vor fallen in Russland um die 90 Prozent der landeswei- ten Terrorakte auf den Nordkaukasus . Der Beschwerdeführer lebte aber seit 1991 in H._______ und betätigte sich weder politisch noch religiös. Dass man im Rahmen der Tschetschenienkriege unter anderen auch sei- ne Person kontrolliert haben kann , um allfällige Kontakte zu den Tsche- tschenen zu überprüfen, ist möglich, da aber der Beschwerdeführer halb russischer und halb (…) Abstammung ist, muss davon ausgegangen werden, dass die Sicherheitskräfte , nicht zuletzt wegen seine r Ethnie, keine Verbindung zu Tschetschenien finden konnten, weshalb er de swe- gen auch keine Verfolgung zu befürchten hatte. Die Beschwerdeführerin als ethnische Russin, die einen Teil ihrer Jugend in Tschetschenien ver- brachte, machte – ausser der als unglaubhaft dargelegten Hausdurchs u- chung, welche eine Fehlgeburt verursacht haben soll – keine asylrechtlich relevanten Vorbringen gelt end. Der Umstand, dass sie des Drogenha n- dels angeschuldigt wurde und dann ihre Arbeitsstelle verloren hat, kann nicht als asylrechtlich relevant gelten, zumal der Verlust der Stelle angeb- lich erst später erfolgte und somit nicht feststeht, dass dies wegen der genannten Anschuldigung geschehen ist. Zudem kann den Akten nicht entnommen werden, dass deswegen gegen sie ein Strafverfahren eing e- leitet worden wäre oder dass sie sich gegen die aus ihrer Sic ht ung e- rechtfertigte Anschuldigung und Kündigung gerichtlich gewehrt hätte. 6.4 Aufgrund der als glaubhaft erachteten Vorbringen des Beschwerd e- führers ist festzuhalten, dass er an den in Südrussland herrschenden Verhältnissen gemessen ein durchaus erträgliches Leben hat führen kön- nen. Er konnte ein Haus kaufen, selbst wenn dies mit gewissen Schwi e- rigkeiten verbunden gewesen sein soll, war nie vor Gericht und nie aus politischen Gründen verurteilt worden. Dass er in einige Verkehrsdelikte verwickelt worden war und sich dabei unschuldig gef ühlt hat, entfaltet keine asylrechtlich relevante Verfolgung. Immerhin konnte er gegen d ie von ihm als ungerecht em pfundene Behandlung einzelner Beamte r eine Klage erheben. Die gestellten Anzeigen wurden gemäss den eingereic h- ten Beweismitteln teilweise entgegengenommen, die Staatsanwaltschaft verweigerte indessen die Einleitung eines Strafverfah rens. Bei den jewei- ligen Darstel lungen der Beschwerde führenden entsteht insgesamt der Eindruck, dass sie alle alltäglichen Vorkommnisse, die ihnen nicht behagt haben, als bedeutsame Vorfälle im asylrec htlichen Kontext darzustellen versuchen. Sie waren aber nicht in der Lage, hierfür konkrete Gründe an- zugeben. Wie die Vorinstanz zutreff end festgestellt hat, spricht auch g e- gen jegliche Verfolgung der Beschwerdeführenden der Umstand, dass die E-2320/2011 Seite 20 Schwester des Beschwerde führers ihren ursp rünglichen Wohnort P ._______ verlassen und sich auch in H._______ niedergelassen hat, was sie sicher nicht getan hätte, wenn ihr Bruder dort unter Verfolg ung gelitten hätte. Demnach teilt auch das Gericht die Ansicht, dass es vie l- mehr wirtschaftliche Gründe waren, welche die Beschwerdeführenden zum Verlassen ihrer Heimat bewogen haben müssen. 6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden in Russland bis zu ihrer Ausreise keiner asylrechtlich relevanten Verfol - gung ausgesetzt waren. Ihnen kann weder für den Zeitpunkt der Ausreise aus dem Heimatland noch heute begründete Furcht vor asylrechtlich re- levanter Verfolgung zuerkannt werden. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde einzugehen, da diese an der rechtl i- chen Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Das BFM hat ihre Asylgesuche zu Recht abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510, EMARK 2001 Nr. 21). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge - mäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e-E-2320/2011 Seite 21 weis möglich ist, und andernfalls wenigst ens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeine r Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein - kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigen- der Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar - auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu mach en, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdefüh- renden nach Russland ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.4 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh- renden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei- ner Ausschaffung nach Russland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN - Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei sen oder glaubhaft machen, dass ihnen im E-2320/2011 Seite 22 Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihm unter Hinweis auf die Erwägungen zum Asy l- punkt nicht gelungen. Es kann we der davon ausgegange n werden, dass ihnen seitens der russischen Behör den eine Menschenrechtsverletzung widerfährt noch, dass ih nen die russischen Behörden keinen Schutz vor allfälligen Übergriffen seitens kriminellen Personen gewähren würden. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Russland lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig e r- scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr- dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. In Russland herrscht keine Situation al l- gemeiner Gewalt, weshalb der Wegweisungsvollzug abgewiesene r russi- scher Asylsuchender grundsätzlich zumutbar ist. 8.6 Die Beschwerdeführenden machen auf Beschwerdeebene ferner m e- dizinische Wegweisungshindernisse geltend und haben am 18. Juni 2013 zwei Behandlungsberichte vom 25. Mai 2013 und 7. Juni 2013 eing e- reicht, wonach sie sich seit Oktober 2011 (die Beschwerdeführerin) b e- ziehungsweise seit November 2011 (der Beschwerdeführer) in psychiatr i- scher Behandlung befinden. Somit steht fest, dass sich die Beschwerd e- führenden erst nach der Ablehnung ihres Asylgesuchs, mit hin ein Jahr und acht Monaten nach ihrer Einreise in die Schweiz wegen offenbar erstmals zu dieser Zeit auftretenden psychischen Problemen behandeln liessen. Zumindest ist den Akten nicht zu entnehmen, dass sie bereits in ihrer Heimat in psychi atrischer Behandlung gewesen wären. In den B e- richten wird für beide Beschwerdeführenden eine Posttraumatische B e- lastungsstörung (ICD-10 F43.1), bei der Beschwerdeführerin ausserdem noch Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10F41.2) aufgrund der traumatisierende n Erlebnisse diagnostiziert. Es besteht für das G e- richt grundsätzlich keine Veranlassung, an de n von der Fachärztin dia g- nostizierten psychischen Symptomen zu zweifeln, auch wenn damit keine Aussage zu deren möglichen Ursachen verbunden ist . Weiter kann den ärztlichen Berichten entnommen werden, dass sich die Beschwerdefü h-E-2320/2011 Seite 23 renden in ambulanter Behandlung befinden und nicht suizidgefährdet sind. Soweit sie daher auf ärztliche, medikamentöse oder psychiatrische Behandlung angewiesen sind, die auch im Heimatland erfolgen können, ist auf die Möglichkeit der Inanspruchnahme der medizinischen Rüc k- kehrhilfe zu verweisen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Hinsich t- lich der offenbar neu aufgetretenen (…)schmerzen der Beschwerdeführe- rin sowie der attestierten (…) des Beschwerdeführers ist zudem festz u- stellen, dass diese auch in Russland adäquat behandelbar sind. 8.6.1 Ferner wurde am 7. Mai 2013 ein Arztbericht bezüglich des Sohnes C._______, der si ch seit 21. März 2013 in psychiatrischer Behandlung befindet, eingereicht. Im erwähnten Arztbericht werden Verunsicheru n- gen, Ängstlichkeit mit Auswirkungen auf soziale Fähigkeiten, Selbstwert - Schulsituationsproblematik, Resignation und oft sozialer Rückzu g sowie depressive Entwicklung mit psychosomatischer Zusatzsymptomatik dia g- nostiziert. Diese Beschwerden seien auf einen in Russland gegen ihn g e- richteten Überfall im Kindergarten zurückführen. Wie bereits bei der Wü r- digung der ärztlichen Zeugnisse seiner Eltern festgehalten wurde, handelt es sich bei der Einschätzung der behandelnden Fachärztin nicht um eine Beurteilung der Glaubhaftigkeit, sondern lediglich um eine Anamnese, mithin um eine im Gespräch der Ärztin mit dem Sohn, allenfalls mit se i- nen Eltern ermittelte Krankengeschichte, welche die Zweifel des Gerichts an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen, wonach der Sohn vorsätzlich von einem Polizisten verletzt worden sei, nicht auszuräumen vermag. Der Umstand, dass sich der Sohn erst seit März 2013 in psyc hiatrischer Be- handlung befindet, lässt kaum auf einen Zusammenhang mit dem g e- nannten Unfall im Kindergarten im Jahre 2005, bei welchem er (…) war, schliessen. Vielmehr sind die Ursachen seines Krankheitsbildes in seinen schulischen Schwierigkeiten und der kulturellen Eingewöhnung mithin o f- fenbar in einer Anpassungsstörung aufgrund seines Aufenthaltes in der Schweiz zu sehen. Demnach ist damit zu rechnen, dass sich diese Pro b- leme bei einer Rückkehr in sein Heimatland und somit in seinen ang e- stammten Kulturkreis wieder legen würden und er folglich auf keine weite- re Behandlung mehr angewiesen wäre. Ohnehin wäre eine solche ps y- chiatrische Behandlung nach Erkenntnisstand des Bundesverwaltungsge- richts in Russland ebenfalls erhältlich. 8.6.2 Sind von einem allfälligen We gweisungsvollzug Kinder betroffen, bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Ge - sichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus E-2320/2011 Seite 24 einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die Rech- te des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können für ein Kind namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeutung sein: Alter, Reife, A b- hängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Ei- genschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereit- schaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwic k- lung/Ausbildung, sowie der Grad der erfolgten Integration bei ei nem län- geren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration beziehungsweise Integra tion im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal vertrauten Umfeld hera us- gerissen werden sollten. Dabei ist aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern auch dessen üb rige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schw eiz kann eine rezip roke Wi r- kung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz mithin eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als unzu mutbar erscheinen lässt (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.6 S. 749, BVGE 2009/28 E. 9.3.2 S. 367 f.). 8.6.3 Diese Voraussetzungen sind im vorliegenden Fall indes nicht erfüllt. Die psychischen Probleme des C._______ haben ihre Ursache nach dem Gesagten offenbar in einer Anpassungsstörung aufgrund seines Aufen t- haltes in der Schweiz, der D._______ orientiert sich aufgrund seines Al- ters noch stark an seinen Eltern als wichtigste Bezugspersonen und ha t sich noch nicht in einer Weise in die schweizerischen Verhältnisse inte g- riert, dass er bei einer Rückkehr nach Russland entwurzelt werden könn- te. Eine Gefährdung des Kindes wohls bei einer Rückkehr der Familie ist daher nicht ersichtlich. 8.7 Des Weiteren sind die Beschwerdeführenden keiner Kategorie von Personen zuzuordnen, die k onkret gefährdet sein könnte n, weshalb die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auch diesbezüglich zu bejahen ist. Sie lebten in den letzten Jahre n in H._______ (der Beschwerdeführer seit 1991, die Beschwerdeführerin sei t 2003). Die Beschwerdeführerin ist E-2320/2011 Seite 25 ausgebildete (…) und hat auch als solche in I._______ und S._______ (Westsibirien), später in H._______ als (…) gearbeitet, der Beschwerd e- führer ist ausgebildeter (…) und hat eine Zeitlang auf diesem Beruf sowie auch als (…) gearbeitet, womit beide über die Voraussetzungen verfügen, um sich in ihrem Heimatland rasch eine Existenz aufbauen und sich rein- tegrieren zu können. Die Eltern des Beschwerdeführers wohnen nach wie vor in Russland, die Mutter und Schwester in H._______, die Geschwister der Beschwerdefü hrerin leben auch in der Russischen Föderation, so dass die Beschwerdeführenden dort über ein soziales Netz verfügen. Un- ter diesen Umständen ist es ih nen möglich und zumutbar, sich in Rus s- land erneut eine eigene Existenzgrundlage zu erarbeiten. Allein die schwierige Arbeitsmarktsituation in Russland, auf grund derer es ih nen möglicherweise erschwert wird, eine neue Anstellung zu finden, lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzumutbar erscheinen (vgl. EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215, EMARK 2003 Nr. 24 E. 5e S. 159). 8.8 Schliesslich verfügen die Beschwerdeführenden und ihre Kinder über bis März 2014 beziehungsweise April 2014 gültige Reisepässe, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver fügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist demnach abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem die Beschwerde jedoch nicht als aussichtslos qual ifiziert werden kann und die Beschwerdeführenden weiterhin bedürftig sind, ist ihr Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu ve r- zichten. E-2320/2011 Seite 26 (Dispositiv nächste Seite) Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gutgeheissen. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird verzichtet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Blanka Fankhauser Versand: