Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. Februar 2022 (720 21 178 / 26) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Anouck Zehntner, Ad- vokatin, Indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1970 geborene A.____ arbeitete zuletzt ab Oktob er 2012 in einem Teilzeitpensum bei der B.____ GmbH in X.____. Zudem nahm sie im April 2015 ein Fernstudium in der Fachrich- tung Psychologie an der Universität Y.____ auf. Am 11. Januar 2017 meldete sie sich unter Hin- weis auf einen IgG4-Subklassenmangel, einen Antikörperma ngel (genetischer Defekt), ein Asthma bronchiale, Bronchiektasen, ein andauernd erhöhtes CRP, eine starke chronische Müdig- keit, eine Small Fiber-Neuropathie mit sehr starken Schmerzen in den Füssen und Beinen, eine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Depression und eine Angststörung bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug an. Nach Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts sprach die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) der Versicherten mit Wirkung ab 1. Juli 2017 eine halbe Rente und ab 1. Dezember 2017 bis 31. Dezember 2019 eine Viertelsrente zu (vgl. Verfügung vom 7. Mai 2021). Ab 1. Januar 2020 lehnte sie den Anspruch der Versicherte n auf eine Rente bei einem renten- ausschliessenden Invaliditätsgrad von 30 % ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin An ouck Zehntner, mit Eingabe vom 8. Juni 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge- richt). Sie beantragte, die Verfügung vom 7. Mai 2021 sei dahingehend abzuändern, dass ihr ab 1. Juli 2021 (recte wohl 1. Juli 2017) eine ganze Invalidenrente auszurichten sei. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten zu erstellen und es sei nach desse n Vorliegen ein reformatorischer Ent- scheid über ihre Leistungsansprüche zu fällen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, die IV-Stelle habe ihren Ent scheid auf unzulängliche Unterlagen ge- stützt. Insbesondere könne nicht auf das polydisziplinäre Gutachten der C.____ vom 25. Novem- ber 2019 abgestellt werden. C Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 2. A ugust 2021 unter Hinweis auf die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen f rist- und formgerecht eingereichte Be- schwerde vom 8. Juni 2021 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Ju ni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. D ie vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler : BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowi e des Bundesgesetzes über den All- gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. De- zember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (vgl. Ur teil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wiederge- geben, zitiert und angewendet. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 7. Mai 2021 ent- wickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus- schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterla gen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE 115 V 133 E. 2, 114 V 310 E. 3c, 105 V 156 E. 1). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwe rbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (vgl. ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversiche- rung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversi cherungsgericht alle relevanten Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entschei dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch- tet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlagge- bend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut- achten (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2 001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahre ns eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs- sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten und Ärztinnen darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hin- blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Z weifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati- entinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungs- auftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesge richt, sozialrechtliche Abteilun- gen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandeln- den Ärzte oder Ärztinnen zu anderslautenden Einschätzung en gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf drängt, weil die behandelnden Ärzte und Ärztinnen wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt o der ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren wie auch der kantonale S ozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verwaltung und Sozialversicherungsgericht von Amtes wege n für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Unter- suchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln , dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 6.1 Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts und die Arbeitsfähigkeit der Versi- cherten ist vorliegend auf das polydisziplinäre Gutachten d er C.____ vom 25. November 2019 hinzuweisen. Die Gutachter aus den Fachrichtungen Allge meine Innere Medizin, Neurologie, Pneumologie, Psychiatrie und Neuropsychologie diagnostizi erten im Rahmen ihrer interdiszipli- nären Beurteilung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) eine histologisch gesicherte Small Fiber-Polyneuropathie, differentialdiagnostisch im Rahmen eines Sjögren-Syndroms, bei persis- tierender Schmerzsymptomatik der Füsse beidseits bis in die Unterschenkel ziehend, ohne Hin- weise auf sensomotorische Ausfälle der unteren Extremitäten, (2) eine rezidivierende depressive Störung, leichtgradig (lCD-10 F33.0), und (3) eine ch ronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (lCD-10 F45.41). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden eine arterielle Hypertonie, eine Adipositas Grad I, eine Endometriose, eine Kontrastmittelallergie, ein Favismus, eine Hyperurikämie, eine minimal eingeschränkte Nierenfunktion, ein rezidivierendes Zervikalsyndrom linksbetont, ein Morton Neurom am rechten Fuss, ein isolierter lgG4-Subsklas- senmangel, ein leichtgradiges Asthma bronchiale, eine REM-assozierte leichtgradige obstruktive Schlafapnoe und eine spezifisch isolierte Phobie (ICD-10 F40.2) genannt. In der Zumutbarkeits- beurteilung führte die begutachtende Ärzteschaft aus, d ass der Beschwerdeführerin wegen der Kombinationsdiagnose der rezidivierend depressiven Störun g, leichtgradig mit mittelschweren Spitzen, sowie der chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren eine Arbeitsfähigkeit von 70 % zu attestieren sei. Aufgrund der Inkonsistenz in der retrospektiven Be- urteilung der Arbeitsfähigkeit sei rückblickend davon auszugehen, dass sie vom 15. Juli 2016 bis 31. März 2017 zu 50 %, vom 1. bis 30. April 2017 zu 30 %, vom 1. Mai 2017 bis 31. August 2017 zu 60 % und vom 1. September 2017 bis 24. September 20 19 zu 40 % arbeitsunfähig gewesen sei. Bei einer Small Fiber-Neuropathie mit neuropath ischer Schmerzsymptomatik bestehe aus neurologischer Sicht aufgrund des erhöhten Pausenbeda rfs eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Es seien zudem qualitative Anpassungen am Arbeitsplatz sinnvoll, so dass häufige Positionswechsel möglich seien, was in der angestammten Tätigkeit als geg eben anzusehen sei. Polydisziplinär führend für die Beurteilung der Zumutbarkeit seien die neurologische und psychiatrische Beurtei- lung, wonach sowohl in einer angepassten als auch in d er angestammten Tätigkeit im Berufsle- ben und auch im Haushalt gleichermassen gesamthaft eine Einschränkung von 30 % zu attestie- ren sei. Im allgemein-medizinischen und im pneumo-logischen Teilgutachten seien keine die Ar- beitsfähigkeit beeinflussenden Diagnosen gestellt und es sei davon ausgegangen worden, dass die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsfähig sei. In der medizinischen Beurteilung wurde fest- gestellt, dass bezüglich der langjährigen bilateralen F ussschmerzen eine Small Fiber-Neuropa- thie vorliege. Hinweise auf eine Polyneuropathie der g rosskalibrigen Nervenfasern hätten sich aber nicht ergeben. Therapeutisch erfolge die Behandlung mit Pregabalin in der höchst-tolerierten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dosis mit 225 mg pro Tag. Zudem sei die Anwendung eine s Capsaicin-Pflasters geplant. Bei langjährigen Gelenkschmerzen und einer Sicca-Symptomatik der Augen sei die Abklärung bezüglich ei nes möglichen Sjögren-Syndroms veranlasst worden. Diese Verdachtsdiagnose habe sich hist opathologisch im Spital G.____ im Januar 2018 sichern lassen. Die im Vorfeld veranlasste Behandlung mit Hydroxychloroquin habe laut der Versicherten keine spürbare Besserung erbracht. Derzeit erfolge eine "low-dose"-Be- handlung mittels Naltrexone 2 mg pro Tag. Hinsichtlich e ines pulsierenden Ohrgeräuschs am rechten Ohr sei im Vorfeld die bildgebende Diagnostik (MRl des Neurokraniums am 23. März 2017) erfolgt, wobei sich ein unauffälliger Befund habe nachweisen lassen. lm Rahmen der aktu- ellen psychiatrischen Untersuchung hätten sich die Kriterie n für eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradig mit mittelgradigen Spitzen, gezeigt. Zusätzlich seien die Krite- rien für das Bestehen einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak- toren erfüllt. Eine spezifische Phobie habe im explorativen Gespräch ebenfalls objektiviert werden können, wobei die Platzangst sich beim Durchfahren von T unneln oder der Verwendung von Flugzeugen oder Aufzügen zeige. Diese sei therapeutisch aber gut behandelt, sodass diesbe- züglich kein hoher Leidensdruck und keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe. Aus neu- ropsychologischer Sicht würden sich Einbussen im attentiona len, mnestischen und exekutiven Bereich zeigen. lm Aufmerksamkeitsbereich läge in den basalen Funktionen bei normgerechter Grundaktivierung eine leicht verminderte Aktivierbarkeit und ein leicht vermindertes kognitives Verarbeitungstempo vor. Unter komplexeren Anforderung en sei die geteilte Aufmerksamkeit ebenfalls leicht vermindert. Im Vordergrund stünde eine deutlich reduzierte Daueraufmerksamkeit mit vor allem verminderter quantitativer Arbeitsleistu ng und leichten qualitativen Einbussen im Sinne von Fehlern. lm exekutiven Bereich ergäben sich in der Verhaltensbeobachtung Hinweise für Probleme in der Handlungsüberwachung/Monitoring mit in verschiedensten Aufgaben auftre- tenden Fehlern, Regelbrüchen, Perseveration und häufi g einer Unsicherheit betreffend die Ant- worten bei früheren Fragen. Diese Beschwerden seien alle minim bis leichtgradig, aber doch sich konstant durchziehend. lm mnestischen Bereich läge eine leicht reduzierte verbale Merkspanne und eine leicht- bis mittelgradige Speicherstörung mit Problemen im zeitlich verzögerten Abrufen und Wiedererkennen von gelernten Einzelinformationen vor. Unauffällige oder normgerechte Leistungen ergäben sich in den Bereichen Orientierung , Sprache, visuelle Wahrnehmung und Visuokonstruktion, im Aufmerksamkeitsbereich in der Grunda ktivierung und im exekutiven Be- reich im Arbeitsgedächtnis, in Flüssigkeitsleistungen, der Denkflexibilität und der lnterferenzfes- tigkeit. Weitere psychiatrische Erkrankungen wie eine Erkr ankung des schizophrenen Formen- kreises, eine bipolare affektive Störung, eine andere eigenständige Angststörung, eine Zwangs- störung, eine PTBS, eine Persönlichkeitsstörung oder eine hirnorganische oder dementielle Ent- wicklung hätten anhand der beschriebenen Untersuchungsbefunde ausgeschlossen werden kön- nen. 6.2 Im Auftrag der IV-Stelle erachtete der Regionale ärztliche Dienst (RAD) das polydiszip- linäre Gutachten als beweistauglich und die Zumutbarkeitsbeurteilung als nachvollziehbar. RAD- Arzt Dr. med. D.____, Facharzt für Allgemeinmedizin und Arbeitsmedizin, hielt in seiner Stellung- nahme vom 11. Dezember 2019 fest, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht die Feststellun- gen der Gutachter sachlich fundiert und nachvollziehbar seien. Auch die Beurteilung der Arbeits- fähigkeit leuchte auf dieser Grundlage ein. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.1 Im Rahmen des Einwandverfahrens reichte die Beschwe rdeführerin einen Bericht von Dr. med. E.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine I nnere Medizin, vom 13. Mai 2020 ein. Dieser diagnostizierte (1) keine sichere Evidenz für ein primäres Sjögren-Syndrom und (2) chro- nische Schmerzen des Bewegungsapparats teils durch Fehlsta tik teils durch Dekonditio- nierung teils durch Gelenkhypermobilität verursacht. A ls nicht-rheumatologische Diagnosen nannte er einen lgG4-Subklassenmangel, Angaben von schwe rer Erschöpfungs- und Fatigue- symptomatik seit Jahren, eine Endometriose und eine urticarielle Reaktion nach Gadoliniumgabe. Dr. E.____ führte in seinem Bericht aus, dass bei der Beschwerdeführerin einerseits chronisch- rezidivierende Beschwerden des Bewegungsapparats bestünden, wobei diese durch mehrere Faktoren insbesondere an den unteren Extremitäten verursacht würden. So lägen eine Fehlstatik der Füsse mit sog. Metatarsalgien durch Überlastung d er Metatarsaleköpfchen und ein Morton Neurom vor. Ob dieses viel zum Beschwerdebild am rechten Fuss beitrage, sei offen und könne allenfalls durch eine Infiltration festgestellt werden. Bei der statischen Problematik dürfte ein kon- sequentes Tragen von orthopädischen Massschuheinlagen helfen. Das Beschwerdebild an Füs- sen und Unterschenkeln würde durch die Symptomatik einer Small Fiber-Neuropathie überlagert, wobei typischerweise die klassischen Zeichen einer Polyneuro pathie mit Hyporeflexie und Sen- sibilitätsstörungen fehlen würden, die Symptomatik aber dennoch vorhanden sei. Die Laborab- klärungen würden keine Hinweise auf ein derartiges neurologisches Leiden auslösende Ursachen zeigen. Allenfalls wäre aber eine Assoziation mit einem Sjögren-Syndrom denkbar. Die übrigen Beschwerden des Bewegungsapparats würden wenig Spezifitäten zeigen und entzündliche Zei- chen würden fehlen. Neben den Beschwerden des Bewegung sapparats bestehe bei der Be- schwerdeführerin eine ausgeprägte Fatigue, die gutachterlich 2019 als leistungslimitierender Fak- tor aufgelistet, aber ohne weitere Diskussion als unspezi fisch respektive als allenfalls dem psy- chiatrischen Leiden zugehörig interpretiert worden sei. Die in den Akten nur andiskutierte Frage der Existenz eines primären Sjögren-Syndroms könne auch aktuell nicht ganz abschliessend ge- klärt werden. Diese Frage müsse gesamthaft offenbleiben. Versicherungsmedizinisch müsse je- doch eine gutachterliche internistische-immunologische Be urteilung eingeholt werden mit diffe- renzierterem Potential zur Abschätzung der noch möglichen Leistungsfähigkeit der Beschwerde- führerin. 6.3.2 Zudem äusserte sich im Rahmen des Vorbescheidverfahr ens auch die behandelnde Psychiaterin der Beschwerdeführerin Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie. Am 13. Mai 2020 hielt sie fest, dass sie die Beschwerdeführerin seit 2013 wegen Angst und depres- siven Symptomen behandle. Bei den Ängsten hätten isolie rte Phobien (Tunnel, Lift) und agora- phobe Ängste mit Panikattacken vorgelegen. Es habe auch eine hohe Ängstlichkeit in Bezug auf körperliche Beschwerden bestanden. Die Depression sei geke nnzeichnet gewesen durch eine negative Zukunftserwartung, Versagensängste, Gedankenkreisen, Schlafstörungen, mangelndes Selbstvertrauen sowie dem Eindruck, dem Leben nicht gew achsen zu sein. Ab 2015 habe die Beschwerdeführerin vermehrt über Schmerzen unterschiedl icher Lokalisation und leichte Er- schöpfbarkeit geklagt. Später habe sie besonders beim Gehen oder Stehen unter Schmerzen in den Fusssohlen zu leiden begonnen. Mitte 2016 habe sie s odann berichtet, dass eine Small Fibre-Myalgie sowie etwa ein Jahr später ein Sjögren-Syndrom diagnostiziert worden seien. Sie habe zunehmend über Schmerzen und Erschöpfungssymptome geklagt, wobei letztere nicht an Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Auftreten der depressiven Symptomatik und deren Auslöser gebunden gewesen seien. Auch ein psychischer Zusammenhang mit der Schmerzstörung sei nicht ersichtlich, da die Erschöpfung auch unabhängig von tatsächlichen oder erwarteten Schmer zen auftrete. Diese Symptomatik lasse sich daher nicht ausreichend plausibel in die bestehende psychiatrische Diagnostik einord- nen. Bei Fehlen einer eindeutigen Befundlage von med izinischer Seite müsste daher auch ein chronisches Erschöpfungssyndrom diskutiert werden (lCD-10 G9 3.3). Das CFS sei eine Aus- schlussdiagnose und könne erst gestellt werden, wenn keine andere medizinische Ursache für die Symptomatik in Frage komme. Die Krankheit sei mul tifaktoriell bedingt und beinhalte immer auch eine somatische Problematik, wobei die Versicherte die erforderlichen Kriterien erfülle. 6.4 Nach Einsicht in den Bericht von Dr. E.____ holte R AD-Arzt Dr. D.____ am 25. Juni 2020 eine Stellungnahme beim Spital G.____ ein. Am 21. August 2020 diagnostizierte die behandelnde Ärzteschaft des Spitals G.____ einen lgG4-Subklassenmangel, ein Sjögren-Syndrom, chronische strumpfförmige Beinschmerzen bei Small Fiber-Polyneuropathie unklarer Aetiologie, eine Urtika- ria und eine Endometriose. Als Nebendiagnosen wurden eine chronisch-venöse lnsuffizienz, eine arterielle Hypertonie, eine Adipositas, eine gastroösophageale Refluxerkrankung, eine Angststö- rung, ein Asthma bronchiale und ein leichtgradiges REM- assoziiertes Schlafapnoesyndrom ge- nannt. In der Beurteilung wurde ausgeführt, dass sich bei der Beschwerdeführerin klinisch und laborchemisch ein stabiler Verlauf unter subkutaner l mmunglobulin-Substitutionstherapie bei wahrscheinlich genetisch-determiniertem Antikörper-Mangel syndrom zeige. Die ausgeprägte Fatigue-Symptomatik sei im Rahmen der primären lmmundefizienz bzw. -regulation zu sehen. 6.5 Zu den Ausführungen von Dr. E.____ und Dr. F.___ _ vom 13. Mai 2020 und des Spitals G.____ vom 21. August 2020 äusserte sich die C.____ am 20. Januar 2021. Dabei wurde betref- fend die Ausführungen von Dr. F.____ im Wesentlichen festgehalten, dass keine neuen Diagno- sen angeführt würden, welche aus psychiatrischer Sicht die Erschöpfungssymptomatik erklären könnten. Deshalb werde weiterhin an der Einschätzung der Schmerzstörung in Zusammenhang mit der Erschöpfungssymptomatik festgehalten. Weiter wurde ausgeführt, dass die Chronic Fati- gue völlig unspezifisch und so gut wie immer multifaktoriell bedingt sei. Es gäbe sie nach viralen Infekten, aktuell nach Covid-19, bei Sarkoidose und vielen anderen Krankheiten. Versicherungs- medizinisch als autonomes Leiden anerkannt werde sie so gut wie nie, ausser bei gewissen Tu- morleiden. Betreffend den lgG4-Mangel wurde an der im Gutachten vertretenen Auffassung fest- gehalten, wonach es sich hierbei um eine Labordiagnose handle, welche ohne grosse klinische Bedeutung sei. Insgesamt ergäben die erhobenen Einwände keine Änderungen an der interdis- ziplinären Gesamtbeurteilung. 6.6 RAD-Ärztin Dr. H.____, FMH Psychiatrie und Psychothe rapie, hielt in ihrer Aktennotiz vom 2. März 2021 bezugnehmend auf die Ausführungen vo n Dr. F.____ vom 13. Mai 2020 und die Stellungnahme der C.____ vom 20. Januar 2021 fest, dass aus ihrer Sicht auf das psychiat- rische und das neuropsychologische Teilgutachten der C.__ __ vom 25. November 2019 abge- stellt werden könne. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 7. Mai 2021 bei der Be- urteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Ergebnisse, zu denen die C.____ in ihrem polydiszip linären Gutachten vom 25. November 2019 gelangte. Sie ging demzufolge davon aus, dass bei der Beschwerdeführerin aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung, leichtgradig mit mittelschweren Spitzen, sowie der chroni- schen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in der angestammten wie auch in einer angepassten Tät igkeit bestehe. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist entgegen der Auffassung der Beschwerd eführerin letztlich nicht zu bean- standen. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen. Solche Indizien bestehen vorliegend nicht. Mit der IV-Stelle ist festzuhalten, dass das Gutachten der C.____ vom 25. November 2019 weder formale noch inhaltliche Mängel auf- weist und dass es – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation ein- leuchtet, sich mit den vorhandenen abweichenden ärztliche n Einschätzungen auseinandersetzt und in den Schlussfolgerungen überzeugend ist. Ebenso nimmt es eine schlüssige Beurteilung der aktuellen Arbeitsfähigkeit vor. Insgesamt entspricht das Gutachten der C.____ vom 25. No- vember 2019 den Anforderungen des Bundgerichts an den B eweiswert von medizinischen Be- richten, weshalb die Beschwerdegegnerin ihren Entscheid zu Recht darauf abgestellt hat. 7.2 Daran ändern die Einwände in der Beschwerde nicht s. Soweit geltend gemacht wird, dass das Gutachten der C.____ vom 25. November 2019 fü r die strittigen Belange nicht umfas- send sei und nicht auf allseitigen Untersuchungen beruhe , kann der Beschwerdeführerin schon mit Blick auf die vorstehenden Ausführungen in Erwägung 7.1 nicht gefolgt werden. Konkretisie- rend bringt sie sodann vor, die Gutachter hätten die D iagnose eines Sjögren-Syndroms nicht gestellt, aber in der Beurteilung darauf hingewiesen , dass die Behandlung dieser rheumatologi- schen Grunderkrankung im Vordergrund stehe. Unter diesen Umständen wäre zur umfassenden Abklärung des Gesundheitszustands auch eine rheumatologisch e Begutachtung notwendig ge- wesen. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Zwar wurde aufgrund der Untersuchungen (Lippenbiopsie) im Spital G.____ das Sjögren-Syndrom bestätigt. Im Gutachten wurde das Sjög- ren-Syndrom als Differentialdiagnose zur histologisch g esicherten Small Fiber-Polyneuropathie genannt, was nicht zu beanstanden ist. Denn im Bericht vom 13. Mai 2020 des mit einer konsili- arischen Zweitmeinung durch die Beschwerdeführerin beauf tragten Rheumatologen Dr. E.____ wurde festgehalten, dass keine sichere Evidenz für ein pri märes Sjögren-Syndrom bestehe und die Frage des Vorliegens dieses Syndroms offenbleiben müsse. Dr. E.____ berief sich dabei auf die Feststellungen seiner persönlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin und hielt fest, dass lediglich 3 von 4 verlangten Diagnosepunkten vorgelegen hätten. Er wies dabei auch darauf hin, dass der augenärztliche Befund lediglich eine unspezifisch e Sicca-Symptomatik zeige und typi- sche Antikörper fehlen würden. Zudem hätten sich keine Antikörper für verwandte Erkrankungen wie eine rheumatoide Arthritis oder ein Lupus Erythema todes nachweisen lassene. Dr. E.____ Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht erachtete denn auch keine rheumatologische, sondern ein e internistische-immunologische Be- gutachtung als angezeigt. Die Beurteilung durch den Rheumatologen Dr. E.____ macht deutlich, dass bei der Beschwerdeführerin keine rheumatologischen Befunde mit Einfluss auf die Arbeits- fähigkeit erhoben werden können. Daher ist das Vorgehen der C.____ nicht zu bestanden, wel- che auf eine Begutachtung in dieser Fachrichtung verzichtet hat. 7.3.1 Die Beschwerdeführerin moniert weiter, auf das Gutachten der C.____ könne auch des- halb nicht abgestellt werden, weil keine Begutachtung im Bereich Immunologie durchgeführt wor- den sei. Die Beschwerdeführerin leidet unbestrittenermassen an einem isolierten lgG4-Subklas- senmangel (Erstdiagnose: Juni 2007). Diese Immunschwäche führte in der Vergangenheit immer wieder zu rezidivierenden Bronchitiden und Pneumonien. Unter der wöchentlichen Substitution eines Immunglobulins kam es jedoch zu einer Stabilisierung des Gesundheitszustands (vgl. Be- richt des Spitals G.____ vom 5. Oktober 2016, act. 27). D ass die Beschwerdegegnerin unter diesen Umständen bei gut eingestellter Immunsubstitution darauf verzichtete, eine immunologi- sche Begutachtung durchzuführen und die Beschwerdeführerin stattdessen wegen den bestätig- ten Bronchitiden und Pneumonien pneumologisch untersuchen liess, ist daher nicht zu beanstan- den und tangiert den Beweiswert des Gutachtens der C.____ nicht. 7.3.2 Schliesslich wird in der Beschwerde kritisiert, die Fatigue-Problematik werde im Gutach- ten der C.____ ungenügend berücksichtigt. Die neuropsycho logische Abklärung habe anhand der Fatigue Severity Scale ergeben, dass eine hohe Fati gue vorliege, was auch im Gutachten angeführt werde. Dazu ist festzustellen, dass es sich bei de r Fatigue Severity Scale um einen Selbstbeobachtungsbogen handelt, der somit auf den subjektiven Angaben der versicherten Per- son beruht. Entsprechend vorsichtig ist denn auch dessen Auswertung im neuropsychologischen Fachgutachten formuliert. Demnach könnten nur die gege n Untersuchungsende festgestellten defizitären Leistungen im Aufmerksamkeitsbereich als Obj ektivierung dieser subjektiven Anga- ben zumindest bis zu einem gewissen Grad gewertet werde n. Dem Fachgutachten ist weiter zu entnehmen, dass in der insgesamt 3 Stunden dauernden n europsychologischen Untersuchung die Aufmerksamkeit und das Arbeitstempo im mittleren Bereich mit jedoch leichten Schwankun- gen bestanden hätten, wobei weder eine übermässige Ermüdbarkeit noch ein starker Leistungs- abfall zu beobachten gewesen seien. Auch seien keine Pausen eingelegt worden. Die Beschwer- deführerin habe aber im attentionalen, im mnestischen und im exekutiven Bereich Beeinträchti- gungen gezeigt. Unauffällige oder normgerechte Leistungen hätten sich in den Bereichen Orien- tierung, Sprache, visuelle Wahrnehmung und Visuokonst ruktion, im Aufmerksamkeitsbereich in der Grundaktivierung sowie im exekutiven Bereich beim A rbeitsgedächtnis, in den Flüssigkeits- leistungen, der Denkflexibilität und Interferenzfestig keit ergeben. Insgesamt erscheint es unter Berücksichtigung dieser Untersuchungsergebnisse plausibel, wenn der Beschwerdeführerin ein wenig spezifisches neuropsychologisches Störungsmuster attestiert wird, welches sich am ehes- ten mit einer im Vordergrund stehenden Erschöpfungspro blematik vereinbaren lässt. Die unter diesen Umständen bescheinigte 70%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und einer angepassten Verweistätigkeit ist nicht zu beanstanden, w erden dabei doch sowohl die festge- stellten minimen bis leichten Einschränkungen wie auch di e bestehenden Ressourcen berück- sichtigt. Daran ändert auch die Auffassung der behandel nden Psychiaterin Dr. F.____ nichts, welche eine Arbeitsfähigkeit von 30 % attestiert, ohne diese jedoch substantiiert zu begründen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht In diesem Zusammenhang ist ohnehin in Erinnerung zu rufen, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungs- auftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4) nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Weiter ist zu beachten, dass eine Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet den Gutachtern praktisch immer einen Spielraum für verschiedene medizinische Interpretationen, was zulässig und zu res- pektieren ist, sofern die Gutachter – wie hier – lege artis vorgegangen sind. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufd rängt, weil die behandelnden Arztperso- nen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretat ion entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2019, 8C_835/2018, E. 3 mit Hinweis). Die Beschwerdeführerin legt nicht substan- tiiert dar und es ist nicht ersichtlich, dass aus dem Beri cht der behandelnden Ärztin Dr. F.____ vom 13. Mai 2020 auch Gesichtspunkte hervorgingen, die von den Gutachtern nicht berücksich- tigt worden wären. Die Angaben der Psychiaterin überzeugen daher nicht und vermögen die Fest- stellungen im Gutachten der C.____ vom 25. November 2019 nicht zu erschüttern. 7.4 Somit steht fest, dass die Beschwerdegegnerin ihren Entscheid zu Recht auf das polydis- ziplinäre Gutachten der C.____ vom 25. November 2019 abstützte. Diesem ist nachvollziehbar zu entnehmen, dass der Beschwerdeführerin eine angepasst e Tätigkeit zu 70 % zumutbar ist. Damit anerkannte die Beschwerdegegnerin die von den Gutachtern einleuchtend dargelegten medizinischen Beschwerden und die gestützt darauf abgeleitete Einschränkung in der Leistungs- fähigkeit. Eine andere Beurteilung drängt sich wie vorstehend ausgeführt auch unter Berücksich- tigung der Berichte von Dr. E.____ und Dr. F.____ vom 13. Mai 2020 nicht auf, zumal Dr. E.____ in Bezug auf das Vorliegen eines Sjögren-Syndroms festh ielt, dass diese Frage offenbleiben müsse. Damit lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten eine zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, weshalb dem Eventualantrag der Beschwer- deführerin, wonach ein Gerichtsgutachten einzuholen s ei, nicht stattzugeben ist. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streit- sache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgem ässer Beweiswürdigung zur Überzeu- gung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges B ild des relevanten Sachverhalts er- geben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel ver- zichtet werden. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundes- gerichtlicher Rechtsprechung zulässig (vgl. BGE 141 I 6 4 E. 3.3, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c am Ende mit Hinweisen). 8. In der angefochtenen Verfügung vom 7. Mai 2021 na hm die IV-Stelle gestützt auf das vorstehende medizinische Zumutbarkeitsprofil den Einkommensvergleich gemäss Art. 16 ATSG vor. Dabei stützte sie sowohl das Validen- als auch das In valideneinkommen auf die Lohnstruk- turerhebungen (LSE) 2016 des Bundesamts für Statistik. Dieses Vorgehen wird von der Be- schwerdeführerin zu Recht nicht bestritten und hält auch einer richterlichen Überprüfung Stand. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach hat die Beschwerdeführerin vom 1. Juli 2017 bis 30. November 2017 bei einem Invali- ditätsgrad von 50 % Anspruch auf eine halbe Rente und vom 1. Dezember 2017 bis 31. Dezem- ber 2019 bei einem Invaliditätsgrad von 40 % unter B erücksichtigung von Art. 88a Abs. 1 IVV Anspruch auf eine Viertelsrente. Nach diesem Zeitpunkt besteht bei einem rentenausschliessen- den Invaliditätsgrad von 30 % kein Anspruch mehr auf eine Rente. 9. Zusammenfassend steht aufgrund der vorstehenden Erwäg ungen fest, dass die ange- fochtene Verfügung der IV-Stelle vom 7. Mai 2021 rech tens ist, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde unbegründet und deshalb abzuweisen ist. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewil- ligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kos- tenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemesse- nem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten zu überbinden sind. Diese werden mit dem von ihr bezahlten Vorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Ein Anspruch auf Parteienschädigung besteht bei diesem Verfahrensausgang nicht (Art. 61 lit. g ATSG e contrario). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- werden der Beschwerde- führerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdeführerin am 30. Mai 2022 Beschwerde beim Bundesgericht erhoben (siehe nach Vorliegen des Urteils: 9C_224/2022). http://www.bl.ch/kantonsgericht