B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-410/2016 U r t e i l v o m 5 . F e b r u a r 2 0 1 6 Besetzung Einzelrichter Antonio Imoberdorf, mit Zustimmung von Richter Blaise Vuille; Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn. Parteien 1. A._______, geb. 1991, 2. B._______, geb. 1992, 3. C._______, geb. 2014, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone. C-410/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden, syrische Staatsangehörige, reisten am 20. De- zember 2015 in die Schweiz ein und reichten gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) X._______ ein Asylgesuch ein. B. Mit Zuweisungsentscheid vom 5 . Januar 2016 (eröffnet am 6. Januar 2016) wies das SEM die Beschwerdeführenden in Anwendung von Art. 27 Abs. 3 AsylG (SR 142.31) und Art. 21 sowie Art. 22 der Asylver- ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Z._______ zu und entzog einer allfälligen Be- schwerde die aufschiebende Wirkung. Ferner hielt es im Zuweisungsent- scheid fest, dieser könne nur mit der Begründung angefochten werden, er verletze den Grundsatz der Einheit der Familie. C. Am 5. Januar 2016 brachte die Schwester der Beschwerdeführerin beim EVZ X._______ schriftlich vor, sie und drei weitere Schwestern und ein Bruder der Beschwerdeführerin würden in Y ._______ leben. Sie hätten die Beschwerdeführerin vier Jahre nicht gesehen. Die Beschwerdeführenden hätten eine schwierige Reise hinter sich. Es sei für sie alle sehr wichtig, dass sie zusammen sein könnten. Deshalb bitte sie darum, dass ihre Schwester und deren Familie dem Kanton Y ._______ zugewiesen werde. D. Mit Rechtsmitteleingabe - welche am 14. Januar 2016 beim SEM einging und gemäss Art. 8 VwVG an das Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet wurde - machten die Beschwerdeführenden im Wesentlichen geltend, die Beschwerdeführerin habe mehrere Schwestern und einen Bruder, welche in Y ._______ leben würden. Sie beantragen deshalb, - unter Anrufung der Familieneinheit - dem Kanton Y ._______ zugeteilt zu werden. E. Auf den weiteren Akteninhalt wird – soweit nötig – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. C-410/2016 Seite 3 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet über die vorliegende Be- schwerde gegen eine Verfügung nach Art. 5 VwVG des SEM endgültig (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Als Verfü- gungsadressaten sind die Beschwerdeführenden beschwerdelegitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). 2. Im vorliegenden Verfahren kann gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG ausschliess- lich die Verletzung der Einheit der Familie gerügt werden (vgl. BVGE 2009/54 E. 1.3.1). 3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver- fahren einzelricht erlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) und mit summarischer Begründung zu be- handeln (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 4. In casu wurde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwech- sel verzichtet. 5. Das Urteil ergeht in deutscher Sprache, da im Beschwerdeverfahren die Sprache des angefochtenen Entscheids massgebend ist (vgl. Art. 33 a Abs. 2 VwVG). 6. Gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG weist das SEM die Asylsuchenden den Kan- tonen zu und trägt dabei den schützenswerten Interessen der Kantone und der Asylsuchenden Rechnung, wobei es gemäss Art. 22 Abs. 1 AsylV 1 be- reits in der Schweiz lebende Familienangehörige, die Staatsangehörigkeit der Asylsuchenden und besonders betreuungsintensive Fälle berücksich- tigt. 7. Der von Art. 27 Abs. 3 AsylG erfasste Begriff der Familieneinheit entspricht demjenigen von Art. 8 EMRK. Den Schutz des Familienlebens können C-410/2016 Seite 4 grundsätzlich nur die Mitglieder einer Kernfamilie, Ehegatten und ihre min- derjährigen Kinder, anrufen. Über diesen engen Kern hinausgehende ver- wandtschaftliche Bande fallen nur dann unter den Schutz der Einheit der Familie, sofern eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung zwi- schen den Angehörigen besteht. Gemäss Rechtsprechung setzt eine sol- che verwandtschaftliche Beziehung zudem voraus, dass zwischen diesen Personen ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis besteht. Ein solches wird beispielsweise angenommen, wenn Angehörige behindert sind oder aus einem anderen Grund auf die Hilfe einer Person, welche in der Schweiz lebt, angewiesen sind (BVGE 2008/47, E. 4.1). 8. 8.1 Es ist unbestritten, dass die Besch werdeführerin und ihre im Kanton Y ._______ wohnhaften Geschwister keine Kernfamilie bilden, weshalb zu prüfen ist, ob die geschilderten Voraussetzungen, die für eine schützens- werte verwandtschaftliche Beziehung ausserhalb der Kernfamilie sprechen würden, erfüllt sind. 8.2 Der Wunsch der Beschwerdeführerenden, in der Nähe ihrer Verwand- ten zu leben, ist zwar nachvollziehbar und es soll auch nicht verkannt wer- den, dass hi lfreiche Unterstützung auf diese Weise leichter organisierbar wäre. Diese Umstände vermögen jedoch kein Abhängigkeitsverhältnis im vorliegend entscheidenden Sinne zu begründen. Dafür spricht schon die mehrjährige Trennung (vgl. Bst. C vorne). 8.3 Die Zuweisung der Beschwerdeführenden in den Kanton Z._______ hat den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG nicht verletzt. 9. Demzufolge ist die angefochtene Zwi schenverfügung bundesrechtskon- form und auch sonst nicht zu beanstanden (Art . 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.- (Art. 1- 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) C-410/2016 Seite 5 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerenden (Einschreiben; Beilage: Einzahlungs - schein) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]) – das kantonale Migrationsamt Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn Versand: