Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. März 2018 (731 17 263 / 61) ____________________________________________________________________ Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung Krankentaggeldversicherung; beweisrechtliche Würdigung des medizinischen Sachver- halts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Klägerin , vertreten durch Marco Albrecht , Advokat , Haup t- strasse 54, 4132 Muttenz gegen SWICA Krankenversicherung AG , Römerstrasse 38 , 8401 Winterthur, Beklagte Betreff Taggeld A. Die 1971 geborene A.____ arbeitete ab 14. März 2 005 bei der B.____GmbH und war im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der Kollekti v-Krankentaggeldversicherung der Arbeit- geberin, der SWICA Krankenkasse AG (nachfolgend: SW ICA) versichert. Mit Krankheitsmel- dung vom 9. November 2015 teilte die Arbeitgeberin der SWICA mit, dass A.____ vom 13. Oktober 2015 bis 19. Oktober 2015 und seit dem 26. Oktober 2015 vollständig arbeitsunfä- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht hig sei. In der Folge erbrachte die SWICA aufgrund de r ärztlich ausgewiesenen Arbeitsunfähig- keit ab dem 13. Oktober 2015 Taggeldleistungen. Die A rbeitgeberin löste sodann das Arbeits- verhältnis mit A.____ am 16. Juni 2016 per 31. August 2 016 auf. Mit Schreiben vom 2. Juni 2016 stellte die SWICA in Aussicht, dass sie die Taggeld leistungen gestützt auf das von ihr bei Dr. med. C.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilit ation sowie Rheumatologie, einge- holte Gutachten ab 13. Juni 2016 auf 50% herabsetzen un d per 27. Juni 2016 ganz einstellen werde. Zufolge einer stationären Behandlung der Versi cherten richtete die SWICA bis 26. Juni 2016 das volle Taggeld aus. Nach einer weiteren Beguta chtung der Versicherten durch Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. E.____, FMH Rheumato- logie und Allgemeine Innere Medizin, hielt die SWICA am 14. März 2017 an der Leistungsein- stellung per 26. Juni 2016 fest. B. Am 4. September 2017 reichte A.____, vertreten du rch Advokat Marco Albrecht, Klage beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialve rsicherungsrecht (Kantonsgericht), ein. Sie beantragte, die SWICA sei unter o/e-Kostenfo lge zur Zahlung von Taggeldern vom 27. Juni 2016 bis zum 26. September 2017 von insgesamt Fr . 58'084.70 zuzüglich Zins zu 5% seit dem 20. September 2016 zu verpflichten. In verfahr ensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mit A dvokat Albrecht als Rechtsvertreter. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass die von der Beklagten veranlassten Gutach- ten nicht geeignet seien, die Beurteilungen der beha ndelnden Ärzte in Zweifel zu ziehen. Na- mentlich könne auf die Beurteilung von Dr. E.____ nic ht abgestellt werden, da er fälschlicher- weise von einer Fibromyalgie ausgegangen sei anstatt vo n einer Spondylarthritis, wie dies vor Kurzem von der behandelnden Ärztin Dr. med. F.____, FM H Physikalische Medizin und Reha- bilitation, Rheumatologie und Allgemeine Innere Med izin, diagnostiziert worden sei. Sollten beim Gericht Zweifel an einer vollständigen Arbeitsunf ähigkeit bestehen, so werde beantragt, ein weiteres Gutachten in Auftrag zu geben. C. Am 17. Oktober 2017 schloss die SWICA unter o/e-Ko stenfolge auf Abweisung der Kla- ge. Die von der Klägerin beigebrachten Arbeitsunfäh igkeitsbescheinigungen würden auf die subjektiven Angaben der Klägerin abstellen und seien med izinisch nicht nachvollziehbar be- gründet. Soweit Dr. F.____ neu die Diagnose einer Sp ondylarthritis stelle, liege allenfalls eine Neuerkrankung vor, für welche aufgrund der Auflösung de s Arbeitsverhältnisses per 31. August 2016 kein Versicherungsschutz bestehe. Im Gegensatz zu den E inschätzungen der behandeln- den Ärzte seien die Gutachten der Dres. D.____ und E.__ __ umfassend, schlüssig und somit beweiskräftig. Eine gerichtliche Begutachtung sei daher nicht erforderlich. Vielmehr sei auf- grund der vorliegenden Gutachten von einer Arbeitsunfä higkeit von lediglich 20% auszugehen, so dass kein Taggeld mehr geschuldet und die Klage daher abzuweisen sei. D. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 1. März 2018 na hmen die Klägerin, ihr Rechtsver- treter, substituiert durch MLaw Daniela Spitteler, so wie Rechtsanwältin Katharina Wolfensber- ger für die Beklagte teil. Die Parteien hielten an i hren Anträgen fest. Zudem reichte die Klägerin einen Bericht von Dr. med. G.____, FMH Allgemeinmedizi n, vom 31. Januar 2018, ein Zeugnis von Dr. F.____ vom 5. Februar 2018 und ein Zeugnis von Dr. med. H.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 22. Februar 2018 zu den Akten. Zu B eginn der Verhandlung stellte die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vertreterin der Beklagten zudem den Antrag, es seien d ie Akten der Invalidenversicherung bei- zuziehen. Auf die Ausführungen der Parteien wird – sow eit notwendig – im Rahmen der Erwä- gungen einzugehen sein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung unt erstehen gemäss Art. 12 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (K VG) vom 18. März 1994 dem VVG. Streitigkeiten im Bereich dieser Zusatzversicherung en sind privatrechtlicher Natur, wes- halb strittige Ansprüche darüber in einem zivilprozessual en Verfahren geltend zu machen sind. Das Verfahren im Zivilprozess regelt die Schweizerische Zivi lprozessordnung (ZPO) vom 19. Dezember 2008. 1.2 Die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts, Abte ilung Sozialversicherungsrecht, ergibt sich aus Art. 7 ZPO i.V.m. § 54 Abs. 1 lit. d d es Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993. Wie das Kantonsgericht mit Grundsatzentscheid vom 1. Dezember 2011 festhielt, ist bei Klagen betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung ke ine vorgängige Schlichtung durchzuführen, womit sie direkt am Kantonsgericht, Abt eilung Sozialversicherungsrecht, einzu- reichen sind (Beschluss des Kantonsgerichts vom 1. Dezember 2011, 731 11 262). 1.3 Die örtliche Zuständigkeit richtet sich grundsätzlich nach Art. 9 ff. ZPO. Der dem vorlie- genden Fall zu Grunde liegende Versicherungsvertrag ist als Konsumentenvertrag im Sinne von Art. 32 ZPO zu qualifizieren, weshalb die Klage am Woh nsitz der Versicherten eingereicht wer- den kann (Art. 32 Abs. 1 lit. a ZPO; vgl. U RS FELLER /J ÜRG BLOCH , in: Sutter- Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Kommentar, Art. 32 N 45 ff.). Nichts anderes ergibt sich im vorliegenden Fall aus Art. 90 der Allgemeinen Versi cherungsbedingungen der Beklagten (AVB), Ausgabe 2006, wonach ein Wahlgerichtsstand am Wohnsitz der Versicherten besteht. Da die Klägerin Wohnsitz in X.____ hat, ist das angerufene Gericht auch örtlich zuständig. 2. In formeller Hinsicht ist zunächst der Antrag der Be klagten auf Aktenbeizug zu prüfen. 2.1 Nach Art. 247 Abs. 2 lit. a i.V.m. Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO untersteht die vorliegende Streitigkeit der Untersuchungsmaxime. Bei der sozialpoli tisch begründeten Untersuchungsma- xime geht es darum, die wirtschaftlich schwächere Partei zu schützen, die Gleichheit zwischen den Parteien herzustellen sowie das Verfahren zu beschle unigen. Die Parteien sind jedoch nicht davon befreit, bei der Feststellung des entscheidwes entlichen Sachverhalts aktiv mitzu- wirken und die allenfalls zu erhebenden Beweise zu beze ichnen. Sie tragen auch im Bereich der sozialen Untersuchungsmaxime die Verantwortung für d ie Sachverhaltsermittlung. Das Ge- richt hat lediglich seine Fragepflicht auszuüben, die Parteien auf ihre Mitwirkungspflicht sowie das Beibringen von Beweisen hinzuweisen. Zudem hat es si ch über die Vollständigkeit der Be- hauptungen und Beweise zu versichern, wenn diesbezüglich ernsthafte Zweifel bestehen. Aber es führt nicht von sich aus eigene Untersuchungen durch. Wenn die Parteien durch Anwälte vertreten sind, muss sich das Gericht zurückhalten, wie im ordentlichen Verfahren Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 141 III 569 E. 2.3.1 und 2.3.2 mit Hinweisen). Grundsätzlich müssen alle Tatsachen und Beweismittel vor der Hauptverhandlung vorgebracht werde n (Art. 229 Abs. 1 ZPO). Mangels spezieller Vorschriften zum Novenrecht gelten für Streit igkeiten im vereinfachten Verfahren (Art. 243 ff. ZPO) auch die diesbezüglichen Bestimmung en des ordentlichen Verfahrens (Art. 219 ZPO). Hat das Gericht den Sachverhalt von Am tes wegen abzuklären, so berücksich- tigt es neue Tatsache und Beweismittel bis zur Urteilsberatung (Art. 229 Abs. 3 ZPO). 2.2 Vorliegend hat die Beklagte bis zur Urteilsberatung keine neuen Beweismittel oder Tat- sachen vorgebracht. Wenn sie zu Beginn der Parteiverhan dlung beantragt, es seien die Akten der Invalidenversicherung beizuziehen, ist sie darauf hin zuweisen, dass es im Rahmen der Mitwirkungspflicht an ihr gewesen wäre, die ihr ohne w eiteres zugänglichen Akten der Invali- denversicherung zu beschaffen resp. beizubringen, was sie offensichtlich unterlassen hat. Da sich der Beizug der IV-Akten – wie sich aus den nachstehe nden Ausführungen ergibt – für die Beurteilung der vorliegenden Streitsache ohnehin als nicht erforderlich erweist, erübrigt sich ein solcher auch unter diesem Aspekt. Der Beweisantrag wird deshalb abgewiesen. 3. Materiell strittig und zu beurteilen ist, ob die Kl ägerin über den 26. Juni 2016 hinaus Anspruch auf Ausrichtung von Krankentaggeldleistungen h at. Vorweg sind die beweisrechtli- chen Fragen zu prüfen. 3.1 Wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, hat gemäss Art. 8 ZGB derjenige das Vor- handensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, de r aus ihr Rechte ableitet. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung müssen im Privatversicherungsrecht die anspruchsbegrün- denen Tatsachen lediglich mit dem Beweisgrad der über wiegenden Wahrscheinlichkeit erwie- sen sein (BGE 130 III 327 E. 3.5). Das gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Tat- sachen, für welche die Beweislast aufgrund von Art. 8 Z GB beim Versicherer liegt (Praxis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Schwei zerischen Bundesgerichts vom 22. Novem- ber 1990]; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 4A_393/20 08 vom 17. November 2008 E. 4.1). Die besagte Beweislastverteilung gilt auch dann, wenn d er Versicherer zunächst Taggelder ausbezahlt hat. Macht der Versicherer später geltend, d ie Umstände hätten sich geändert oder die Leistungen seien zum Vornherein zu Unrecht erbrach t worden, so hat die versicherte Per- son zu beweisen, dass sie weiterhin Anspruch auf Taggelder hat (Urteil des Bundesgerichts vom 17. August 2015, 4A_246/2015, E. 2.2). 3.2 Gelangt das Gericht in Würdigung der Beweise zur Ü berzeugung, eine Tatsachenbe- hauptung sei bewiesen oder widerlegt, ist die Beweislast verteilung gegenstandslos (BGE 141 III 241 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). Die sfalls liegt freie Beweiswürdigung vor, die bundesrechtlich nicht geregelt ist, auch nicht durch Art. 8 ZGB. Diese Bestimmung schreibt dem Gericht nicht vor, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären und wie das Ergebnis zu wür- digen ist; sie schliesst selbst eine vorweggenommene Bewei swürdigung und Indizienbeweise nicht aus (BGE 122 III 219 E. 3c; Urteil des Bundesgeri chts 4A_346/2012 vom 31. Oktober 2012 E. 3.3). Eine beschränkte Beweisabnahme verletzt Ar t. 8 ZGB daher nicht, wenn das Ge- richt schon nach deren Ergebnis von der Sachdarstellung ei ner Partei überzeugt ist, gegenteili- ge Behauptungen also für unbewiesen hält (BGE 130 II I 591 E. 5.4). Ebenso wenig schliesst Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der im Verfahren zur Beurteilung von Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung herrschende Untersuchungsgrundsatz die antizipierte Beweiswürdigung aus (Urteil des Bundesgerichts 5C.206/2006 vom 9. November 2006 E. 2.1). 3.3 Dem Versicherer steht ein – aus Art. 8 ZGB abgelei tetes – Recht auf Gegenbeweis zu. Für das Gelingen des Gegenbeweises ist mithin bloss erford erlich, dass der Hauptbeweis er- schüttert wird (BGE 130 III 321 E. 3.4; 120 II 393 E. 4b) und damit die Sachbehauptungen nicht mehr als überwiegend wahrscheinlich erscheinen. Geling t der Gegenbeweis, an der Sachdar- stellung des Anspruchsberechtigten erhebliche Zweifel zu wecken, so ist der Hauptbeweis des Anspruchsberechtigten gescheitert. 3.4 Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitig en Untersuchungen beruht, auch die ge- klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakt en (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizini- schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerung en der Expertin oder des Experten be- gründet sind (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die He rkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebe nen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern ausschliesslich dessen Inhalt (vgl. BGE 125 V 352 f. E. 3, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). Das Gericht darf dabei e ine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt ist (vg l. MAX KUMMER , Grundriss des Zivil- prozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 136). 4.1 Da das VVG ausser in Art. 87 keine spezifischen Bes timmungen zum Krankentaggeld enthält, sind die vertraglichen Versicherungsvereinbarunge n massgebend. Gemäss vorliegen- der Versicherungspolice hat die Beklagte mit der Arbeit geberin der Klägerin eine Krankentag- geldversicherung abgeschlossen. Die Versicherungsleistung besteht in der Ausrichtung von Taggeld bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit (vgl. Art. 2 AVB). Krankheit ist jede Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erforder t oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat (Art. 3 AVB). Arbeitsunfähigkeit ist die dur ch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle ode r teilweise Unfähigkeit, eine im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Leistungsvoraussetzung ist eine ärztlich bestätigte Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25% (Art. 13 AVB). 4.2 Die Arbeitgeberin meldete der SWICA am 9. Novemb er 2015, dass die Klägerin vom 13. Oktober 2015 bis zum 19. Oktober 2015 und ab dem 26. Oktober 2015 100% arbeitsunfähig sei. In der Folge richtete diese gestützt auf die Arbeit sunfähigkeitsbescheinigungen der behan- delnden Ärzte, insbesondere derjenigen von Dr. G.____ , die vertraglich vereinbarten Leistun- gen nach Ablauf der Wartefrist aus. Diese ärztlichen Be scheinigungen begründen eine rechts- genügliche Grundlage für die Inanspruchnahme der Taggeldleistungen gemäss Art. 13 AVB. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 In der Folge liess die Klägerin die Beklagte versiche rungsmedizinisch beurteilen. In seinem Gutachten vom 24. Mai 2016 diagnostizierte Dr. C____ ein lumbovertebrales Syndrom seit 2003, eine diskrete Hyperlordose mit reaktiver muskulärer Verspannung, einen Status nach Synovialitis am rechten oberen Sprunggelenk (OSG) und ei ne leichte Tenosynovitis, eine arte- rielle Hypertonie, eine Adipositas und eine subklinische Hyperthyreose bei Autoimmunthyreoidi- tis seit 2009. Eine definitive oder klar umschriebene Di agnose, welche die Arbeitsfähigkeit rele- vant beeinflussen könnte, liesse sich aktuell nicht stellen . Die subjektiven Beschwerden seien vor allem durch die Überzeichnung der Schmerzsymptomatik bestimmt. Ein neurologisches oder rheumatologisches Defizit sei nicht festzustellen. Di e Versicherte sei in ihrer bisherigen Tätigkeit aber auch in einer angepassten Verweistätigkeit vollständig arbeitsfähig. 4.4 Der behandelnde Arzt Dr. med. I.____, FMH Neurol ogie, diagnostizierte am 16. August 2016 ein chronisches Schmerzsyndrom, differenzialdiagnostisch eine Fibromyalgie bei unauffäl- liger Elektroneuromyographie und unauffälligem Neuros tatus sowie ohne relevante Neurokom- pression gemäss MRI des Neurokraniums, der Hals- und Lenden wirbelsäule (HWS; LWS). Im Vordergrund stünde ein chronifiziertes Schmerzsyndrom sowi e eine signifikante depressive Entwicklung; differenzialdiagnostisch wäre auch an eine F ibromyalgie zu denken. Eine Arbeits- fähigkeit sei aktuell nicht gegeben. 4.5 Am 3. November 2016 diagnostizierte Dr. H.____ ein e mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), eine Clauster phobie, eine Exazerbation eines chronischen Schmerzsyndroms lumbosakral mit radikulärem Rei z L5 rechts, eine Chondrose LWK 4/5 mit Diskusprotrusion ohne eindeutige Nervenwurzelaffektion, eine arterielle Hypertonie und eine Hypothyreose bei Autoimmunthyreoiditis. Über di e Jahre habe die Schmerzintensität deutlich zugenommen und die schmerzfreien Intervalle seie n immer kürzer geworden. Die Ver- sicherte sei reizbar, neige zu Traurigkeit und fühle sich a uch oft sehr aufgewühlt. Ärger verkraf- te sie nur sehr schlecht. sie fühle sich niedergeschlagen, vol lkommen unglücklich, krank und von niemandem verstanden, weil ihr niemand sagen könne, was sie körperlich habe und wer für ihre Krankheit zuständig sei. 4.6 Die Beklagte liess die Klägerin bei Dr. med. D.__ __, FMH Psychiatrie und Psychothera- pie, begutachten. Am 3. Januar 2017 diagnostizierte er mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), differenzialdiagnostisch eine chroni- sche Schmerzstörung mit somatischen, sozialen und psychischen F aktoren (ICD-10 F45.41) und differenzialdiagnostisch eine leichte bis formal mit telgradige depressive Episode mit soma- tischem Syndrom (ICD-10 F32.11). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine Be- lastung in Verbindung mit der Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56), mit den finanziellen Verhältnissen (ICD-10 Z59) und in der Beziehung zum Partner (ICD-10 Z63.0). Die somatischen Abklärungen hätten kein Korrelat zu den angegebenen Beschwerden er geben, eine psychiatrische und psy- chotherapeutische Behandlung sei erst seit Oktober 2016 e rfolgt. Die anhaltende somatoforme Schmerzstörung scheine sich schleichend seit 2 bis 3 Jahren e ntwickelt zu haben. Die entspre- chenden Kriterien nach ICD seien ausreichend erfüllt. D abei würden psychosoziale Faktoren wie die finanzielle Belastung sowie die Belastung am A rbeitsplatz und im Privatleben eine ur- sächliche Rolle spielen. Das klinische Verhalten sei geken nzeichnet durch das demonstrative Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verhalten bei angegebenen Schmerzen im ganzen Körper nach erfolglos durchgeführten soma- tischen Behandlungen, bei angegebener Vermeidung von A ktivitäten des täglichen Lebens, kreisenden Gedanken in Bezug auf die Zukunft, angegebene n Scham- und Schuldgefühlen sowie vermindertem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Konzentrations- und Gedächtnisstö- rungen hätten sich während der Untersuchung nicht beoba chten lassen. In der psychometri- schen Untersuchung habe sich eine leichte depressive Störung gezeigt. Im Verlauf der Unter- suchung hätten sich keine Hinweise auf Schonhaltung für die angegebenen Schmerzen im ganzen Körper ergeben. Die Aufmerksamkeit der Klägerin sei auf die körperlichen Schmerzen fokussiert. Sie delegiere ihre Unfähigkeit, im Alltag zurechtzukommen, an ihre starken Rücken- schmerzen und an die Schmerzen in Armen und Beinen sowie an ihre Kraft- und Freudlosigkeit. Gesamthaft seien damit auch die diagnostischen Kriterie n einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen, sozialen und somatischen Faktoren knapp, a ber ausreichend erfüllt. Aktuell liege eine ausgeprägte psychiatrische Komorbidität im Sinne einer depressiven Störung vor. Die Kriterien für eine depressive Störung wie auch die Kri terien für eine depressive Episode mit so- matischem Syndrom seien knapp erfüllt. Die psychiatrischen und therapeutischen Massnahmen seien noch nicht ausgeschöpft. Bei Einführung einer Verh altenstherapie unterstützt durch Psychopharmaka bestehe eine gute Prognose. Der Klägerin sei die Willensanstrengung für die Bewältigung ihres chronischen Leidens und eine Wiederauf nahme ihrer Tätigkeit durchaus zu- zumuten. Sie zeige eine schwere Beeinträchtigung im Bereich Selbstbehauptungsfähigkeit, eine mittelgradige Beeinträchtigung in den Bereichen Flexibilität, Umstellungsfähigkeit und Durchhal- tefähigkeit sowie eine leichte Beeinträchtigung in d en Bereichen Planung und Strukturierung von Aufgaben, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sowie Kontaktfähigkeit zu Dritten, familiäre bzw. intime Beziehungen und Spontan-Aktivitäten. Mit de m Mini-ICF erreiche die Klägerin 12 Punkte, was einer leichten, an der Grenze zu einer mittelgradigen Funktionsstörung entspreche. Insgesamt erscheine eine Beeinträchtigung daher als leich t bis höchstens mittelgradig, und die psychischen Ressourcen seien weitgehend erhalten. Demnach sei die Arbeitsfähigkeit höchs- tens im Umfang von 20% eingeschränkt. Aus psychiatrischer Si cht seien der Klägerin daher ab sofort, d.h. ab 14. Dezember 2016, alle Tätigkeiten, die ihrer Erfahrung und Ausbildung ent- sprechen, in einem Arbeitspensum von 80% zumutbar. 4.7 Die Beklagte beauftragte Dr. E.____ mit einem rh eumatologischen Gutachten. Am 1. März 2017 diagnostizierte er mit Auswirkung auf die A rbeitsfähigkeit ein Widespread Pain Syndrom bzw. eine Fibromyalgie (ICD-10 M79.7), relevan t bei Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung und im Kontext mit der psychiatrischen Beu rteilung durch Dr. D.____. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden namentli ch die Kniedistorsion mit Teilruptur des medialen Kollateralbands, das chronifizierte, panvertebr ale, lumbal betonte Schmerzsyndrom und die Chondrose LWK 4/5 mit Diskusprotrusionen ohne Nervenwurzelaffektion. Bildgebend sei eine Chondrose auf der Höhe L4/5 ausgewiesen, jedo ch ohne Zeichen einer Nervenwur- zelirritation. Eine ossäre Reaktion im Sinne einer Art hroseentwicklung habe nicht objektiviert werden können. Es bestehe eine Schwäche der autochthonen Rückenmuskulatur im Sinne der Haltungs- und Bewegungskontrollfunktion. Das Ausmass der R ückenschmerzen und die Aus- weitung der Schmerzsymptomatik könnten damit aber nicht erklärt werden. Das Hauptbe- schwerdebild sei eine chronifizierte Schmerzproblematik im Bereich des ganzen Körpers, v.a. der Muskulatur. Es bestehe eine Überempfindlichkeit im Si nne einer Allodynie. Die Fibromyal- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gie-Druckpunkte seien allseits schmerzhaft positiv. Der Wid espraed Pain Index zur Messung einer Fibromyalgie sei hoch positiv und dominant im Ber eich der funktionellen und vegetativen Beschwerden. Die Kriterien für eine somatoforme Schmer zstörung seien erfüllt, so dass ein Widespraed Pain Syndrom in der somatischen Untersuchung darunter eingegliedert werden könne. Es liege eine grosse Erschöpfung und Leistungsintol eranz bei Schlafstörungen ohne Erholungswert vor. Ebenso seien funktionelle und vegetat ive Beschwerden vorhanden. Die kör- perlichen Ressourcen seien bezüglich Funktionalität der Gelenke und Muskelfunktionen weithin gegeben und altersentsprechend. Durch die Schmerzproblematik bestehe aber eine Einschrän- kung der Belastbarkeit bei erhöhtem Pausenbedarf. Die Einschränkung des Aktivitätsniveaus sei auf somatischer Seite nicht konsistent, es ergäben sich Diskrepanzen in der körperlichen Untersuchung. In der passiven Untersuchung sowie unbeoba chtet könne die Klägerin deutlich mehr Bewegungsausmass erlangen und Bewegungen ausführen . Die Haupteinschränkungen seien nicht im somatischen Bereich zu suchen. Aus rein som atischer Sicht bestehe aktuell wie retrospektiv kein Grund für eine Arbeitsunfähigkeit. Au s schmerzmedizinischer Sicht sei aber aufgrund der somatoformen Schmerzstörung sowie aufgru nd des Widespread Pain Syndroms ein erhöhter Pausenbedarf ausgewiesen. Die angestammt e Tätigkeit könne weiterhin ausgeübt werden. Jede Tätigkeit sollte in einer reizfreien Umg ebung stattfinden. Nasskalte Umgebung, Rauch- und Lärmeinfluss sollten vermieden werden. In derartigen Tätigkeiten bestehe eine Ein- schränkung der Leistungsfähigkeit von 20%. 4.8 Dr. F.____ stellte am 15. Mai 2017 eine Spondylar thritis, differenzialdiagnostisch ein chronisches Lumbovertebralsyndrom sowie eine unklare Hautveränderung fest. Die Versicherte leide seit vielen Jahren an den gleichen Beschwerden. Di ese seien initial als Fibromyalgie in- terpretiert worden. Aufgrund des entzündlichen Charak ters der Schmerzen, der erhöhten Ent- zündungszeichen, der Hautveränderungen sowie der Familie nanamnese sei nun aber deutlich eine Spondylarthritis zu diagnostizieren. Auch das sehr gu te Ansprechen auf Methotrexat spre- che für die Richtigkeit dieser Diagnose. Die Versicherte sei zu 100% arbeitsunfähig. Erst wenn die Einstellung der Medikation abgeschlossen sei, könne d ie Arbeitsfähigkeit erneut beurteilt werden. 4.9 Am 31. Januar 2018 hielt Dr. G.____ fest, dass e r der Versicherten ab Oktober 2015 aufgrund starker Schmerzen in allen Gelenken und entlang der gesamten Wirbelsäule eine voll- ständige Arbeitsunfähigkeit attestiert habe. Es seien diverse Abklärungen durchgeführt worden. Erst Dr. F.____ habe die richtige rheumatologische Diagnose gestellt und eine erfolgreiche The- rapie eingeleitet. Dank dieser Therapie dürfe in den nächsten Monaten mit einer raschen und vollständigen Reduktion der Arbeitsunfähigkeit gerechnet werden. 4.10 Am 5. Februar 2018 bestätigte Dr. F.____, dass sie die Versicherte seit dem 7. April 2017 behandle. Die Beschwerden der Versicherten seien b isher als Fibromyalgie interpretiert worden. Die Beschwerden der Versicherten würden jedoch für eine Spondylarthritis sprechen. Es handle sich dabei um eine komplexe rheumatologische Er krankung. Seit Behandlungsbe- ginn bestünde für sämtliche Tätigkeiten eine vollständi ge Arbeitsunfähigkeit. Bei erfolgreicher Therapie könne in den nächsten Monaten mit einer Erh öhung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.11 Dr. H.____ bestätigte am 22. Februar 2018, dass die Beschwerden der Versicherten bis anhin fälschlicherweise als Fibromyalgie-Syndrom interpr etiert worden seien. Die Arbeitsfähig- keit sei bereit zum Zeitpunkt der Erstkonsultation am 14. Juni 2016 erheblich eingeschränkt gewesen. 5.1 Es ist unbestritten, dass die Beurteilung von Dr. C. ____ vom 24. Mai 2016 den Anfor- derungen an die Beweiskraft an ein Gutachten (vgl. E. 3 .4 hiervor) nicht genügt und deshalb keine geeignete Entscheidgrundlage darstellt. Die Beklagte hat zu Recht nicht darauf abgestellt. Zu prüfen bleibt, ob die von der SWICA eingeholten Gutachten der Dres. D.____ und E.____ geeignet sind, die von der Klägerin vorgelegten Arbeit sunfähigkeitsbescheinigungen ihrer be- handelnden Ärzte zu erschüttern bzw. ob ihr damit der G egenbeweis in Bezug auf die Arbeits- fähigkeit in einer Verweistätigkeit gelingt. 5.2 Die besagten fachärztlichen Gutachten der Dres. D._ ___ und E.____ sind aufgrund von Beobachtungen und Untersuchungen der Klägerin sowi e nach Einsicht in die Akten erstat- tet worden. Sie erscheinen umfassend und schlüssig, sind n achvollziehbar begründet und in sich widerspruchsfrei. Es bestehen keine Anhaltspunkte, die gegen ihre Zuverlässigkeit spre- chen würden. Nach Erörterung der medizinischen Befunde unter Berücksichtigung der vorhan- denen medizinischen Berichte und Atteste kommen die Gut achter nachvollziehbar zum Schluss, dass die von der Versicherten geäusserten und in den Akten erwähnten Beschwerden im Zeitpunkt der Begutachtungen nicht ausgereicht habe n, um eine Einwirkung auf die Arbeits- fähigkeit von mindestens 25% zu begründen. Insgesamt si nd die Gutachten der Dres. D.____ und E.____ überzeugend und stellen geeignete Entschei dgrundlagen dar. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass das psychiatrische Gutachten keine Indikatorenprüfung enthält. Ge- mäss BGE 137 V 199 E. 2.2.3.2 kommt die frühere Rechtsp rechung gemäss BGE 130 V 352 bei der Beurteilung von kurzfristigen Leistungen (Anspr uch auf Heilbehandlung und Taggeld) nach dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) nicht zur Anwendung. Daraus kann geschlossen werden, dass die Überwindbarkeitsvermutung nu r bezüglich einer Er- werbs(un)fähigkeit, nicht jedoch bezüglich einer Arbeits(un)fähigkeit zum Zuge kommt, weshalb keine begründete Veranlassung besteht, die Überwindbarke itspraxis auf das Krankentaggeld nach VVG anzuwenden (vgl. Urteil des Versicherungsgericht s des Kantons Zürich vom 2. April 2014, KK.2012.00025, E. 5.5; Urteil des Versicherungs gerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Juli 2014, E. 4.2.2). Gleiches gilt für die neue R echtsprechung zur Indikatorenprüfung. Das Fehlen der Indikatorenprüfung beeinträchtigt den Bew eiswert des Gutachtens von Dr. D.____ nicht. Insgesamt bestehen keine Zweifel an der Richtig keit der Schlussfolgerungen der Dres. D.____ und E.____, welche eine Neubeurteilung ve rlangen würden (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 2. Februar 2016, 8C_674/2015). Daraus folgt, dass die besagten Gutachten berechtigte Zweifel an den Beurteilungen der behand elnden Ärzte Dres. G.____, H.____ und F.____ zu wecken vermögen. Deren Beurteilungen, wonach bei der Klägerin über den 13. De- zember 2016 hinaus weiterhin eine vollständige Arbeits unfähigkeit vorgelegen habe, erscheint damit nicht mehr überwiegend wahrscheinlich. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Was die Klägerin gegen die Beurteilung der Dres. D.____ und E.____ vorbringt, ver- mag daran nichts zu ändern. Wenn sie einwendet, entgegen der Beurteilung von Dr. E.____ sei nicht von der Diagnose einer Fibromylagie, sondern gem äss der Beurteilung der behandelnden Ärztin Dr. F.____ vielmehr von einer Spondylarthritis a ls Schmerzursache auszugehen, ist fest- zustellen, dass in den bisherigen Abklärungen auch entzündl iche rheumatische Erkrankungen erwogen und entsprechende Abklärungen vorgenommen wurde n. Namentlich im Bericht des Kantonsspitals Y.____ vom 21. Juni 2016 wird explizit fest gehalten, dass ein ausgedehntes rheumatologisch orientiertes Labor vorgenommen worde n sei und dass die entsprechenden Abklärungen keine Auffälligkeiten ergeben hätten. Sof ern bei der Klägerin tatsächlich eine Spondylarthritis vorliegt, muss in beweisrechtlicher Hinsi cht – wie die Beklagte zutreffend ein- wendet – von einer Neuerkrankung ausgegangen werden, die erst nach Auflösung des Arbeits- verhältnisses und damit nach Ablauf des Versicherungsschutze s aufgetreten ist. Was schliess- lich den Einwand der Klägerin angeht, die Zumutbarkei tsbeurteilung der Gutachter sei nicht begründet, ist ihr entgegenzuhalten, dass Dr. D.____ a nhand der Mini-ICF eine gewisse Objek- tivierung erreicht und so auch die Herleitung der Restar beitsfähigkeit nachvollziehbar macht, wohingegen die Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen der b ehandelnden Ärzte in keiner Weise be- gründet und somit auch nicht nachvollziehbar sind. Auch in anamnestischer und diagnostischer Hinsicht sind die Berichte der behandelnden Ärzte verglich en mit den von der Beklagten einge- holten Gutachten weit weniger ausführlich und fundiert. Hinzu kommt, dass in Bezug auf Atteste von Hausärzten und von behandelnden Spezialisten der E rfahrungstatsache Rechnung getra- gen werden darf und soll, dass diese mitunter im Hinb lick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau- ensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Pati enten aussagen (vgl. U LRICH MEYER - BLASER , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], Züri ch 1997, S. 230; BGE 125 V 353, 122 V 162 E. 1c, 120 V 367 E. 3b), w eshalb auf deren Aussagen nicht unbe- sehen abgestellt werden kann (vgl. Urteil des Eidgenös sischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 28. Januar 2004, I 294/04, E. 4.3.3). Insgesamt ve rmögen die Gutachten von Dr. D.____ und Dr. E.____ in beweismässiger Hinsicht erhebliche Zwe ifel an den Beurteilungen der be- handelnden Ärzte zu wecken. Diese Zweifel hat die Kläg erin nicht ausgeräumt, namentlich sind keine hinreichend begründeten ärztlichen Stellungnahmen zu den gutachterlichen Beurteilun- gen erfolgt. Damit steht fest, dass aufgrund der bestehe nden erheblichen Zweifel der Hauptbe- weis der Klägerin gescheitert ist. 5.4 Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass di e Beklagte bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der K lägerin auf die Gutachten der Dres. D.____ und Dr. E.____ abgestellt hat. Zu beachten ist aber, dass Dr. D.____ erst ab dem 14. Dezember 2016 eine Arbeitsfähigkeit von 80% atte stiert, weshalb davon ausgegangen wer- den muss, dass die Klägerin bis 13. Dezember 2016 vollständig arbeitsunfähig war. 6. Vor diesem Hintergrund ist die Einstellung der Tag geldleistungen per 26. Juni 2016 nicht nachvollziehbar. Vielmehr hat die Versicherte bis zum 13. Dezember 2016 Anspruch auf ein volles Taggeld. Bei einem Taggeld von Fr. 127.10 resultiert demnach ein Anspruch der Klä- gerin von Fr. 21'607.-- (170 Taggelder à Fr. 127.10) . Die Klage ist aus diesem Grund teilweise gutzuheissen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Die Klägerin beantragt eine Verzinsung der Forderu ng zu 5% seit dem 20. September 2016. Den AVB sind keine Bestimmungen über den Zins bei Leistungen der Versicherung zu entnehmen. Gemäss Art. 100 Abs. 1 VVG finden auf den V ersicherungsvertrag die Bestimmun- gen des Obligationenrechts (OR) vom 30. März 1911 Anw endung. Gemäss Art. 102 Abs. 1 OR gerät der Versicherer mit einer Mahnung in Verzug. Vorliegend läuft der Verzugszins von 5% ab Mahnung vom 20. September 2016 (vgl. act. 44) für die bis zu diesem Zeitpunkt fällig geworde- nen Taggelder, also für 86 Taggelder und damit für d en Betrag von Fr. 10'930.60. Für die nach dem 20. September 2016 fällig werdenden Taggelder, also für 84 Taggelder à Fr. 127.10 und damit für total Fr. 10'676.40 gilt für den Zinsenlau f der mittlere Verfall, d.h. der 1. November 2016. 8. Nach dem Ausgeführten ist die Beklagte in teilweiser Gutheissung der Klage zu ver- pflichten der Klägerin Fr. 21‘607.-- zuzüglich Verzugs zinsen von 5% auf Fr. 10‘930.60 seit 20. September 2016 und 5% auf Fr. 10‘676.40 seit 1. November 2016 zu bezahlen. 9.1 Abschliessend bleibt über die Kosten zu befinden. Da s Verfahren vor dem Versiche- rungsgericht ist gemäss Art. 114 lit. e ZPO kostenlos. E s werden daher keine Verfahrenskosten erhoben. Gemäss Art. 106 Abs. 2 ZPO werden die Prozessk osten, d.h. die Gerichtskosten und die Parteientschädigung (vgl. Art. 95 Abs. 1 ZPO), nac h dem Ausgang des Verfahrens verteilt, wenn keine Partei vollständig obsiegt. Mit Blick auf das Rechtsbegehren Ziffer 1 der Klage vom 4. September 2017, wonach die Beklagte zu verpflichten sei, Fr. 58‘084.70 zu bezahlen, obsiegt die Klägerin bei diesem Ausgang des Verfahrens (vgl. E. 7 hiervor) im Umfang von rund 40%, weshalb ihr eine entsprechend reduzierte Parteientschädi gung zu Lasten der Beklagten zuzu- sprechen ist. Der Rechtsvertreter der Klägerin hat in seiner Honorarnote vom 6. Dezember 2017 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 18,25 Stunden (Rechtsvertreter) sowie von 6,75 Stunden (Volontärin) sowie Auslagen von Fr. 256.80 geltend gemacht. Selbst unter Berücksichtigung des Umstands, dass dem erhöhten Aufwa nd bei der Arbeit von Prakti- kantinnen und Praktikanten mit dem tieferen Stundenan satz bereits Rechnung getragen wird, erscheint namentlich der vorgenommene und geltend gemach te Aufwand für das Aktenstudium in der Höhe von insgesamt 9,58 Stunden als zu hoch. Z udem können Aufwendungen, welche die Kontakte des Rechtsvertreters mit der Rechtsschutzversicher ung der Klägerin betreffen, nicht berücksichtigt werden. Für das vorliegende Verfahre n erscheint unter Beachtung aller Umstände ein Aufwand von 22 Stunden (14,25 Stunden (R echtsvertreter) und 7,75 Stunden (Volontärin [inkl. ein Aufwand für die Parteiverhandlung von 3 Stunden]) als angemessen. Diese sind zum geltend gemachten Ansatz von Fr. 250.-- bzw. – gemäss § 3 Abs. 3 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 200 3 – zum Ansatz von Fr. 140.-- zu ent- schädigen. Der Klägerin ist demnach eine Parteientschäd igung in der Höhe von Fr. 2‘118.20 ([14,25 Stunden x Fr. 250.-- + 7,75 Stunden x Fr. 140.-- + Auslagen von 256.80] x 40%; inkl. 8% Mehrwertsteuer auf Fr. 1‘793.70 [Fr. 143.50] und 7,7 % Mehrwertsteuer auf Fr. 168.-- [Fr. 12.95]) zu Lasten der Beklagten zuzusprechen. Im Übrigen sind die ausserordentlichen Kosten wettzuschlagen. 9.2 Gemäss den Art. 117 und 118 Abs. 1 ZPO wird einer Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wenn sie nicht über die erf orderlichen Mittel verfügt, ihr Rechtsbegeh- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren nicht aussichtslos erscheint und die anwaltliche Vert retung zur Wahrung ihrer Rechte not- wendig ist. Aufgrund der eingereichten Akten ist die p rozessuale Bedürftigkeit der Klägerin zu bejahen. Zudem kann die Klage nicht offensichtlich als aussichtslos bezeichnet werden und die anwaltliche Vertretung war sachlich geboten. Die Vorauss etzungen für die Bewilligung der un- entgeltlichen Verbeiständung sind demnach gegeben. Ge mäss § 3 Abs. 2 und 3 der Tariford- nung beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeistä ndung Fr. 200.-- bzw. Fr. 120.-- pro Stunde. Demzufolge wird dem Rechtsvertreter der Kläg erin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘615.25 ([14,25 Stunden x Fr. 200.-- + 7,75 Stu nden x Fr. 120.-- + Auslagen à 256.80] x 60%; inkl. 8% Mehrwertsteuer auf Fr. 2‘206.10 [Fr. 17 6.50] und 7,7% Mehrwertsteuer auf Fr. 216.-- [Fr. 16.65]) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 9.3 Die Klägerin wird ausdrücklich auf Art. 123 Abs. 1 Z PO und § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Febr uar 2001 aufmerksam gemacht, wo- nach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspfleg e gewährt wurde, zur Nachzahlung ver- pflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Klage wird die Beklagte verpflichtet, der Klägerin Fr. 21‘607.-- zuzüglich Verzugszinsen von 5 % au f Fr. 10‘930.60 seit 20. September 2016 und 5 % auf Fr . 10‘676.40 seit 1. November 2016 zu bezahlen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beklagte hat der Klägerin eine reduzierte Par teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘118.20 (inkl. Auslagen und Fr. 156 .45 Mehrwert- steuer) zu bezahlen. 4. Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten w ettgeschlagen. 5. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeistä ndung wird dem Rechtsvertreter der Klägerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘615.25 (inkl. Auslagen und Fr. 193.15 Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht