<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">321</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>65</b></span> <span class="ft1"><b>Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit; Fälligkeit der Rück-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>forderung einer Provision (§ 26 Abs. 1 StG)</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Die spätere Rückforderung von Provisionszahlungen durch die Arbeit-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>geberin ist nicht bereits im Jahr der Auszahlung der Provisionen ein-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>kommensmindernd zu berücksichtigen.</b></span><br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft2">vom 23. November 2017 (3-RV.2017.130).</span><br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft4">1.</span><br/> <span class="ft4">Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeinde-</span><br/> <span class="ft4">steuern 2010. (...)</span><br/> <span class="ft4">2.1.</span><br/> <span class="ft4">Der Rekurrent vermittelt als unselbständig Erwerbender unter</span><br/> <span class="ft4">anderem Versicherungen für die A. AG. Hierfür wurde ihm im Jahr</span><br/> <span class="ft4">2010 ein Nettolohn von CHF 107'414.00 ausbezahlt (...)</span><br/> <span class="ft4">2.2.</span><br/> <span class="ft4">Der Rekurrent erhält von der A. AG Provisionen für vermittelte</span><br/> <span class="ft4">Versicherungsverträge. Bei Aufhebung oder Reduktion der Versiche-</span><br/> <span class="ft4">rungsdeckung durch den Kunden erfolgt eine (teilweise) Rückforde-</span><br/> <span class="ft4">rung der Provision. Gemäss den "Anwendungsbestimmungen zu den</span><br/> <span class="ft4">Abschlussprovisionen" der A. AG beträgt die Rückforderung bei</span><br/> <span class="ft4">Kündigung im ersten Jahr 100 % und im zweiten Jahr 50 %. Bei</span><br/> <span class="ft4">einer Laufzeit ab 25 Monaten erfolgt keine Rückforderung.</span><br/> <span class="ft4">2.3.</span><br/> <span class="ft4">2.3.1.</span><br/> <span class="ft4">Am 24. September 2013 stellte die A. AG dem Rekurrenten</span><br/> <span class="ft4">"Provisionsrückforderungen" von CHF 17'661.70 in Rechnung. Der</span><br/> <span class="ft4">Rekurrent machte in der Einsprache geltend, es handle sich dabei um</span><br/> <span class="ft4">Rückforderungen von Provisionen auf Abschlüssen für das Jahr</span><br/> <span class="ft4">2010. Demnach sei der Lohn der A. AG des Jahres 2010 um</span><br/> <span class="ft4">CHF 17'661.70 zu reduzieren. (...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">322</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">2.4.</span><br/> <span class="ft4">Zu prüfen ist demnach, ob die Rückforderung von Provisionen</span><br/> <span class="ft4">durch die A. AG im Jahr 2013 im Steuerjahr 2010 als Abzug bei der</span><br/> <span class="ft4">unselbständigen oder der selbständigen (Neben-)Erwerbstätigkeit be-</span><br/> <span class="ft4">rücksichtigt werden kann.</span><br/> <span class="ft4">3.</span><br/> <span class="ft4">3.1.</span><br/> <span class="ft4">Einkommen gilt in dem Zeitpunkt als erzielt, in welchem der</span><br/> <span class="ft4">Steuerpflichtige einen definitiven Anspruch auf die steuerbare Leis-</span><br/> <span class="ft4">tung erworben hat, über den er tatsächlich verfügen kann. Vorausset-</span><br/> <span class="ft4">zung des steuerauslösenden Zuflusses ist demnach ein abgeschlosse-</span><br/> <span class="ft4">ner Rechtserwerb, welcher Forderungserwerb oder Eigentumserwerb</span><br/> <span class="ft4">sein kann, wobei der Forderungserwerb in der Regel die Vorstufe des</span><br/> <span class="ft4">Eigentumserwerbs (Geldzahlung) darstellt. Fälligkeit ist nicht in je-</span><br/> <span class="ft4">dem Fall Voraussetzung des Einkommenszuflusses; allerdings ist sie</span><br/> <span class="ft4">bei Forderungen dann massgeblich, wenn die Zahlung später erfolgt</span><br/> <span class="ft4">(VGE vom 6. Mai 2008 (WBE.2008.24); Kommentar zum Aargauer</span><br/> <span class="ft4">Steuergesetz, 4. Auflage, Muri-Bern 2015, § 25 StG N 23 mit Hin-</span><br/> <span class="ft4">weisen, § 26 StG N 51; Peter Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil,</span><br/> <span class="ft4">Therwil/Basel 2001, Art. 16 DBG N 18 f.). Ausnahmsweise ist auf</span><br/> <span class="ft4">die tatsächliche Zahlung, also die Erfüllung der Forderung abzu-</span><br/> <span class="ft4">stellen, wenn wegen Zahlungsunfähigkeit oder -unwilligkeit des</span><br/> <span class="ft4">Schuldners die Erfüllung besonders unsicher ist, ebenso dort, wo die</span><br/> <span class="ft4">Verbuchung nach der sog. Ist-Methode anerkannt wird (VGE vom 6.</span><br/> <span class="ft4">Mai 2008 (WBE.2008. 24); Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft4">a.a.O., § 25 StG N 24 mit Hinweisen; Kommentar zum DBG, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft4">Art. 16 DBG N 21 f.).</span><br/> <span class="ft4">Bei bedingten Forderungen gilt es zu unterscheiden: Bei</span><br/> <span class="ft4">suspensiv (d.h. aufschiebend) bedingten Forderungen kann die Be-</span><br/> <span class="ft4">steuerung erst beim Eintritt der Bedingung erfolgen. Eine auflösende</span><br/> <span class="ft4">(Resolutiv-)Bedingung steht dagegen der sofortigen Besteuerung</span><br/> <span class="ft4">nicht entgegen (AGVE 2004, S. 119; VGE vom 6. Mai 2008</span><br/> <span class="ft4">(WBE.2008.24); VGE vom 31. August 2006 (WBE.2005.398);</span><br/> <span class="ft4">Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O., § 25 StG N 24;</span><br/> <span class="ft4">Kommentar zum DBG, a.a.O., Art. 16 DBG N 22).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">323</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">3.2.</span><br/> <span class="ft4">Die von der A. AG bezahlten Provisionen stehen unter einer</span><br/> <span class="ft4">auflösenden Bedingung. Dennoch entsteht die Forderung des Re-</span><br/> <span class="ft4">kurrenten auf Bezahlung der Provision bei Abschluss des Geschäfts,</span><br/> <span class="ft4">hier also im Jahr 2010. Die Provisionen wurden demnach zu Recht</span><br/> <span class="ft4">im Lohnausweis 2010 angegeben. Bei Eintritt der Bedingungen auf</span><br/> <span class="ft4">Rückzahlung ergibt sich eine neue Forderung der A. AG gegenüber</span><br/> <span class="ft4">dem Rekurrenten. Die Rückforderung im Jahr 2013 wird demnach</span><br/> <span class="ft4">(...) im Rahmen des Veranlagungsverfahrens 2013 zu beurteilen sein.</span><br/> <span class="ft4">Dabei wird insbesondere zu prüfen sein, ob die Rückforderung im</span><br/> <span class="ft4">Lohnausweis des Jahres 2013 bereits in Abzug gebracht wurde. Da-</span><br/> <span class="ft4">mit wurden die Provisionen durch den Rekurrenten im Jahr 2010</span><br/> <span class="ft4">realisiert und sie sind als Einkommen zu erfassen. Die Rückforde-</span><br/> <span class="ft4">rung der Provisionen im Jahr 2013 ist im Jahr 2010 nicht zu berück-</span><br/> <span class="ft4">sichtigen (so auch: RGE vom 26. August 2004 (RV.2004.50026)).</span><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/> <span class="ft4">3.3.</span><br/> <span class="ft4">Eine Reduktion der Einkünfte aus unselbständiger Erwerbs-</span><br/> <span class="ft4">tätigkeit um die Provisionsrückforderungen ist demnach nicht</span><br/> <span class="ft4">zulässig. Der Rekurs erweist sich insoweit als unbegründet.</span><br/></div> </div> </body> </html>