Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. Juni 2014 (715 13 118 / 142) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Rückforderung: Nichtgemeldeter Zwischenverdienst bei Teilarbeitslosigkeit; vorfrage- weise Prüfung des Vorsatzes zur Bestimmung der anwendbaren Verwirkungsfrist; Höhe der Rückforderung Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Markus Trottmann, Advokat, Eisengasse 5, 4051 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32 , 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Rückforderung A.1 Die 1955 geborene A.____ war vom 1. Juli 1976 b is zum 31. Mai 2006 in einem Pensum von 50% bei der B.____ AG angestellt. Am 13. Juni 2 006 meldete sie sich bei ihrer Wohnsitz- gemeinde zur Arbeitsvermittlung und zum Bezug von T aggeldern der Arbeitslosenversicherung (ALV) an und bezog Arbeitslosenentschädigung. Per 1 . April 2007 meldete sich die Beschwer- deführerin von der Arbeitsvermittlung ab. In der Fo lge war sie bis zum 31. Oktober 2009 mit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer wöchentlichen Arbeitszeit entsprechend einem Pensum von 30% bis maximal 50% bei der C.____ AG tätig. Nach dem Konkurs der Arbeitgeberin meldete sich A.____ am 10. August 2009 erneut zur Arbeitsvermittlung und am 14. August 2 009 zum Bezug von Arbeitslosenent- schädigung an. Per 10. August 2011 wurde sie mit Ablauf der Bezugsrahmenfrist von der Ar- beitsvermittlung abgemeldet. A.2 Im Zuge einer Abklärung des Staatssekretariats für Wi rtschaft (seco) im Sommer 2012 wurde die Öffentlichen Arbeitslosenkasse des Kantons Base l-Landschaft (Arbeitslosenkasse) über eine Anstellung der Versicherten beim Verein D.____ informiert. Am 8. August 2012 reich- te der Verein D.____ der Arbeitslosenkasse eine Arbeitgeberbescheinigung ein, wonach A.____ seit dem 1. Juli 1994 als Buchhalterin in einem 20%-Pensum angestellt sei und einen jährlichen Pauschalverdienst von Fr. 20‘000.– erziele. Mit Verfügun g Nr. 365/2012 vom 26. September 2012 stellte die Arbeitslosenkasse fest, dass die Versicher te dieses Einkommen in den Formu- laren „Angaben der versicherten Person“ nicht angegebe n habe und forderte die zu viel ausbe- zahlten Leistungen für die Monate Juni 2006 bis März 20 07 und November 2009 bis August 2011 im Betrag von insgesamt Fr. 10‘818.05 zurück. A.3 Die dagegen erhobene Einsprache wurde mit Entschei d der Einspracheinstanz des Amts für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) Basell and vom 8. März 2013 teilweise gutge- heissen und der Rückforderungsbetrag wurde auf Fr. 10 ‘368.95 reduziert, da die Arbeitslosen- kasse im Rahmen der Rückforderung die allgemeinen Warte tage versehentlich zweimal in Ab- zug gebracht habe. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Markus Trot tmann, Advokat in Basel, am 25. April 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht), mit den Rechtsbegehren, es sei der angefochte ne Entscheid aufzuheben und der Rückforderungsanspruch gänzlich, eventualiter im Umfang, als er sich auf Leistungen beziehe, die in der Zeit von Juni 2006 bis März 2007 ausgerichtet worden seien, abzulehnen; unter o/e Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. In verfahr ensrechtlicher Hinsicht wurde die Ansetzung einer mündlichen Verhandlung mit persönlicher Anhörung der Beschwerdeführerin beantragt. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass sich die Beschwerdeführe- rin entsprechend der verlorenen Teilzeitanstellung im U mfang von 50% arbeitslos gemeldet habe, ohne zu wissen, dass bei Teilarbeitslosigkeit der voll e Umfang der gesamten Erwerbstä- tigkeit anzugeben sei. Keinesfalls habe sie indessen etwa s falsch deklarieren wollen. Da es somit am Vorsatz mangle, sei die Rückforderung der Tagg eldbezüge in der ersten Rahmenfrist verwirkt. Jedenfalls sei das Taggeld rückwirkend anhand des tatsächlichen versicherten Ver- dienstes festzulegen, womit es rechnerisch wohl nicht mehr zu unrechtmässigen Bezügen komme. C. In ihrer Vernehmlassung vom 15. Juli 2013 beantragt e die Beschwerdegegnerin die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde und die Bestät igung des angefochtenen Ein- spracheentscheids; unter o/e-Kostenfolge. Sie führte aus , dass die Beschwerdeführerin in bei- den Anträgen auf Arbeitslosenentschädigung verneint hab e, noch ein Einkommen aus selbst- ständiger oder unselbstständiger Tätigkeit zu erzielen. Ausserdem habe sie die Frage nach ei- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ner Tätigkeit bei einem oder mehreren Arbeitgebern a uch in den monatlichen Formularen stets verneint. Es sei aufgrund des Verhaltens der Beschwerdefüh rerin bei der Verschweigung des Zwischenverdienstes zumindest von Eventualvorsatz auszugehen, weshalb die siebenjährige strafrechtliche Verjährungsfrist zur Anwendung gelange. Es komme ferner rechnerisch nicht auf dasselbe hinaus, ob die zusätzliche 20%ige Tätigkeit bei m versicherten Verdienst und als Zwi- schenverdienst angerechnet werde. D. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 31. Oktober 20 13 wurde die Beschwerdeführerin zu ihrer Anstellung beim Verein D.____ und ihren Ang aben auf den Anträgen zur Arbeitslo- senentschädigung und den monatlichen Formularen befrag t. Sowohl die Beschwerdeführerin wie auch die Beschwerdegegnerin hielten an ihren Begehren und Begründungen fest. Das Kan- tonsgericht gelangte indessen zur Auffassung, dass die abschliessende Beurteilung der Ange- legenheit, namentlich die Überprüfung der verfügten Rückforderungssumme, anhand der vor- liegenden Unterlagen nicht möglich sei. Es stellte desha lb das Verfahren aus und forderte die Beschwerdegegnerin zur Einreichung einer nachvollziehba ren Berechnung der monatlichen Rückforderungsbeträge auf. E. Mit Eingabe vom 2. Dezember 2013 erläuterte die B eschwerdegegnerin die Berechnung der Rückforderungssumme anhand eines Musterbeispiels und r eichte beiliegend eine detaillier- te Darstellung der Anspruchs- und Rückforderungsberechnungen ein. F. Am 17. Februar 2014 nahm die Beschwerdeführerin zu r eingereichten Erläuterung Stel- lung und brachte im Wesentlichen vor, dass noch immer k eine nachvollziehbare oder korrekte Berechnung des Rückforderungsanspruchs vorliege. Der Rückf orderungsanspruch sei abzu- weisen und die Beschwerde vollumfänglich gutzuheissen. E ventualiter sei der Rückforderungs- betrag für die Zeitspanne von November 2009 bis Juli 2011 nach unten zu korrigieren. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird – so weit notwendig – im Rahmen der Erwä- gungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die ob ligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslo senversicherung und die Insolvenzent- schädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses di e Kontrollpflicht erfüllt. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die verfügte Rückfo rderung in der Höhe von insgesamt Fr. 10'818.05 rechtmässig ist. 3. Gemäss Art. 95 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG ist die Ar- beitslosenkasse verpflichtet, zu Unrecht ausbezahlte Versicheru ngsleistungen vom Empfänger zurückzufordern. Eine aufgrund einer formell rechtskräft igen Verfügung ausgerichtete Leistung ist allerdings nur zurückzuerstatten, wenn entweder die für die Wiedererwägung oder die pro- zessuale Revision erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Dies gilt auch für Entscheide, die formlos getroffen worden sind, insbesondere für Abrechn ungen der Arbeitslosenkassen (BGE 129 V 110 E. 1.1, 126 V 399 E. 1, je mit Hinweisen) . Wird eine solche rückwirkende Korrektur vorgenommen, entfällt die rechtliche Grundlage für die zugesprochenen Leistungen. Diese wer- den – im Nachhinein – zu unrechtmässigen Leistungen (BGE 122 V 138 E. 2c; Urteil des Bun- desgerichts vom 12. April 2010, 8C_1042/2009, E. 2.2). 3.1 Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG werden formell rechtskräf tige Verfügungen und Ein- spracheentscheide in (prozessuale) Revision gezogen, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsa chen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Als "neu" gelten Tatsachen, welche sich bis zum Zeitpunkt, da im Hauptverfahren noch tatsächliche Vorbringen prozessual zulässig wa- ren, verwirklicht haben, jedoch dem Revisionsgesuchsteller trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsachen müssen ferner erheb lich sein, d.h. sie müssen geeignet sein, die tatbeständliche Grundlage des angefochtenen Urteils zu verändern und bei zutreffen- der rechtlicher Würdigung zu einer andern Entscheidun g zu führen. Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neue n erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Ve rfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil der Gesuch stellenden Person unbewiesen geblieb en sind. Entscheidend ist ein Be- weismittel, wenn angenommen werden muss, es hätte zu ein em andern Urteil geführt, falls das Gericht im Hauptverfahren hiervon Kenntnis gehabt hätt e (Urteil des Bundesgerichts vom 15. November 2013, 8C_334/2013, E. 3.2 mit zahlreichen Hinweisen). 3.2 Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträge r in Form der Wiedererwägung auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einsprachee ntscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung vo n erheblicher Bedeutung ist (BGE 115 V 314 E. 4a/cc, 112 V 373 E. 2c; U ELI KIESER , ATSG Kommentar, 2. Aufl., Zü- rich/Basel/Genf 2009, Art. 53 Rz 26 ff.). Das Erforder nis der zweifellosen Unrichtigkeit gewähr- leistet, dass die Wiedererwägung nicht zum Instrument ei ner voraussetzungslosen Neuprüfung von Dauerleistungen wird, zumal es nicht dem Sinn der Wiedererwägung entspricht, laufende Ansprüche zufolge nachträglicher besserer Einsicht der Durch führungsorgane jederzeit einer Neubeurteilung zuführen zu können. Erscheint die Beurte ilung der Anspruchsvoraussetzungen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sic h im Zeitpunkt der Leistungszuspre- chung darbot (BGE 125 V 389 f. E. 3), als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrich- tigkeit und mithin die Berufung auf eine Wiedererwäg ung aus (vgl. SVR 2006 UV Nr. 17 S. 62 E. 5.3; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [E VG, heute: Schweizerisches Bun- desgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 31. März 2006, I 561/05, E. 3.3). 4. Die Beschwerdegegnerin hat die vorliegend umstritt ene Rückforderung augenschein- lich im Rahmen einer Revision verfügt und sich in diesem Zusammenhang auf die am 8. August 2012 vom Verein D.____ eingereichte Arbeitgeberbescheinigung berufen. Zu prüfen ist damit in einem ersten Schritt, ob es sich bei der Erwerbstätigkei t der Beschwerdeführerin beim Verein D.____ um eine neue erhebliche Tatsache handelt. 5. Die Beschwerdegegnerin bringt vor, dass es die Beschwe rdeführerin unterlassen habe, in den Anträgen auf Arbeitslosenentschädigung vom 13. Juni 2006 und 10. August 2011 sowie in den monatlichen Formularen „Angaben der versicherte n Person“ während der ganzen Leis- tungsbezugsdauer anzugeben, dass sie in einem 20%-Pensu m als Buchhalterin beim Verein D.____ tätig sei. Tatsächlich hat die Beschwerdeführerin die entsprechenden Fragen nach einer weiteren Erwerbstätigkeit stets verneint. Diese wurde der Beschwerdegegnerin erst im Zuge einer Abklärung des seco im Sommer 2012 bekannt und mit den am 8. August 2012 eingereich- ten Arbeitgeberbescheinigungen des Vereins D.____ bestä tigt. Es ist unbestritten und kann ohne weiteres angenommen werden, dass die Anstellung be im Verein D.____ der Beschwer- degegnerin in den Zeitpunkten der Ermittlung des versi cherten Verdienstes und der Berech- nung der Taggelder nicht bekannt war. Es handelt sich dabei folglich um eine neue Tatsache im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG. 6. Strittig und zu prüfen ist weiter, ob sich die beka nnt gewordene Teilzeittätigkeit beim Verein D.____ auch in erheblicher Weise auf den Taggel danspruch der Beschwerdeführerin auswirkt. Die Beschwerdegegnerin bejaht dies unter Hinwe is auf die unterschiedliche Berech- nungsmethode bei Teilarbeitslosigkeit. 6.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nach Art. 8 Abs. 1 AVIG unter an- derem voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilw eise arbeitslos (lit. a) und einen an- rechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (lit. b). Als ganz arbeitslos gilt gemäss Art. 10 Abs. 1 AVIG, wer in keinem Arbeitsverhältnis steht und eine V ollzeitbeschäftigung sucht. Als teilweise arbeitslos gilt hingegen, wer in keinem Arbeitsverhältnis steht und lediglich eine Teilzeitbeschäf- tigung sucht oder eine Teilzeitbeschäftigung hat und e ine Vollzeit- oder weitere Teilzeitbeschäf- tigung sucht (Art. 10 Abs. 2 AVIG). Der Arbeitsausfa ll ist gemäss Art. 11 Abs. 1 AVIG anre- chenbar, wenn er einen Verdienstausfall zur Folge hat und mindestens zwei aufeinanderfolgen- de volle Arbeitstage dauert. 6.2 Die Arbeitslosenentschädigung wird als Taggeld ausg erichtet (Art. 21 AVIG). Die Höhe des Taggeldes richtet sich nach dem versicherten Verdienst (vgl. Art. 22 AVIG). Als versicherter Verdienst gilt der im Sinne der AHV-Gesetzgebung mas sgebende Lohn, der während eines Bemessungszeitraumes aus einem oder mehreren Arbeitsverh ältnissen normalerweise erzielt Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wurde; eingeschlossen sind die vertraglich vereinbarten regelmässigen Zulagen, soweit sie nicht Entschädigung für arbeitsbedingte Inkonvenienzen d arstellen (Art. 23 Abs. 1 Satz 1 AVIG). Der versicherte Verdienst berechnet sich nach dem gesuchten Beschäftigungsgrad, so- fern im Bemessungszeitraum eine beitragspflichtige Beschä ftigung im entsprechenden Umfang ausgeübt worden ist (B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum So- zialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, 4. Auflage, Zürich 2013, S. 130 mit weiteren Hinweisen). 6.3 Gemäss Art. 24 AVIG sind Zwischenverdienste an die Ar beitslosenentschädigung an- zurechnen. Beim Vorliegen eines Zwischenverdienstes ist die Arbeitslosenentschädigung allein aufgrund des Verdienstausfalls und unabhängig vom Umf ang des Arbeitsausfalls zu berechnen (BGE 121 V 360 E. 5c). Nach Art. 24 Abs. 1 AVIG gilt a ls Zwischenverdienst jedes Einkommen aus unselbstständiger oder selbstständiger Erwerbstätigkei t, das die arbeitslose Person inner- halb einer Kontrollperiode erzielt. Die versicherte Pe rson hat innerhalb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug Anspruch auf Ersatz des Verdienstausfalles fü r Tage, an denen sie einen Zwi- schenverdienst erzielt (Art. 24 Abs. 2 AVIG). Als Verdien stausfall gilt die Differenz zwischen dem in der Kontrollperiode erzielten Zwischenverdienst, mindestens aber dem berufs- und orts- üblichen Ansatz für die betreffende Arbeit, und dem versicherten Verdienst. Ein Nebenverdienst bleibt unberücksichtigt (Art. 24 Abs. 3 AVIG). 6.4 Nach der Rechtsprechung gilt als Zwischenverdienst auch die vom Teilarbeitslosen im Sinn von Art. 10 Abs. 2 lit. b AVIG weiterhin ausgeübt e teilzeitliche Erwerbstätigkeit (BGE 127 V 480 E. 2 mit Hinweisen). Die Anwendung der Zwi schenverdienstregelung auf Teilzeitar- beitslose im Sinn von Art. 10 Abs. 2 lit. b AVIG wird i n der Lehre kritisiert, wobei unter anderem ausgeführt wird, wenn die Rechtsprechung auch den ve rbleibenden, nicht vom Arbeitsausfall betroffenen Teil der Erwerbstätigkeit als Zwischenverdie nst behandle, so mache sie den Teil- zeitarbeitslosen aus gesetzessystematischer Sicht zum Ganzar beitslosen. Eine Zwischenver- diensttätigkeit könne sich nur auf unzumutbare Tätigkeiten und nur auf den Teil des Arbeitsaus- falls und damit auf den Umfang der eingetretenen Arb eitslosigkeit beziehen. Richtigerweise sei die bisherige Beschäftigung einer Person, welche eine von mehreren Teilzeitbeschäftigungen verloren habe, nicht als Zwischenverdienst zu betrachten. Die Entschädigung eines teilweise Arbeitslosen sei daher wie gemäss der früheren Rechtsprec hung (BGE 112 V 229, 112 V 237) auf der Grundlage des versicherten Verdienstes zu bemessen , der sich auf den Arbeitsausfall beziehe. Als Zwischenverdienst kämen daher nur Teilzeitbesch äftigungen eines Ganzarbeitslo- sen und diejenigen eines Teilzeitarbeitslosen, welche für die dem Arbeitsausfall entsprechende Zeit angenommen würden, in Frage (THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Ba- sel/Genf/München 2007, Rz 418 f.; vgl. G ERHARD GERHARDS , Arbeitslosenversicherung: "Stem- pelferien", Zwischenverdienst und Kurzarbeitsentschädigung für öffentliche Betriebe und Ver- waltungen – Drei Streitfragen, in: Schweizerische Zei tschrift für Sozialversicherungsrecht und berufliche Vorsorge [SZS] 1994, S. 335ff.). Trotz di eser nicht unbegründeten Kritik hielt das Bundesgericht an seiner Praxis, wonach die Zwischenverdie nstregelung auf Teilzeitarbeitslose anzuwenden sei, fest und verwies zur Begründung auf die Regelungsabsicht des Gesetzge- bers: Die während einer oder mehreren Kontrollperiod en erzielten Verdienste sollten unabhän- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gig vom Status als Ganz- oder Teilarbeitslosen nach dem Pr inzip des Verdienstausfalls und in einheitlicher Weise über den Weg von Art. 24 AVIG ang erechnet werden (Urteil des Bundesge- richts vom 22. November 2010, 8C_721/2010, E. 4.2). 6.5 Nachdem die weitere Anstellung der Beschwerdeführ erin bekannt war, ermittelte die Beschwerdegegnerin den versicherten Verdienst für die be iden Bezugsperioden neu unter Be- rücksichtigung sämtlicher Erwerbseinkommen der Versicherten , namentlich auch des Einkom- mens aus der Tätigkeit für den Verein D.____. Der versi cherte Verdienst betrug demnach für die erste Bezugsperiode vom 13. Juni 2006 bis 31. März 2007 Fr. 3‘708.– (entsprechend einem 70%igen Arbeitspensum) statt Fr. 2‘250.– (bei einem Pe nsum von 50%) bzw. für die zweite Be- zugsrahmenfrist vom 1. November 2009 bis 10. August 2011 F r. 3‘278.– (entsprechend einem Pensum von 52.34%) statt Fr. 1‘611.– (bei einem Pensu m von 32.34%). Der korrigierte Ver- dienst wurde auf das gemäss Angaben der Beschwerdeführ erin gesuchte Pensum von 50% reduziert. Der für den Taggeldanspruch tatsächlich massgebende Verdienst betrug damit in der ersten Bezugsperiode Fr. 2‘649.– und in der zweiten B ezugsperiode Fr. 3‘131.–, woraus sich ein Taggeld von Fr. 97.65 respektive Fr. 115.45 ergibt. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin entspricht damit grundsätzlich den unter Erwägung 6.2 h iervor dargelegten gesetzlichen Vorga- ben. 6.6.1 Die Beschwerdeführerin bringt hiergegen vor, da ss sie sich lediglich im Umfang der verlorenen Stelle bei der B.____ AG, somit im Umfang von 50%, arbeitslos gemeldet habe, da ihr die bei Teilarbeitslosigkeit geltenden Besonderheit en nicht bekannt gewesen seien. So sei ihr insbesondere nicht bewusst gewesen, dass die verblei benden Teilzeittätigkeiten von der Arbeitslosenkasse als Zwischenverdienst betrachtet würden, we shalb sie auch die (ausserhalb der gemeldeten Arbeitslosigkeit stattfindende) Tätigkeit beim Verein D.____ nicht als Zwischen- verdienst deklariert habe. Sie sei von der Beschwerdegeg nerin nicht über die nicht auf der Hand liegenden Praxis bei Teilarbeitslosigkeit aufgeklär t worden. Hätte sie von dieser Praxis gewusst, hätte sie sich im vollen Umfang zu 70% arbeitslos gemeldet. Diese Tatsache sei bei einer nachträglichen Korrektur der Berechnung zu berücksich tigen. Bei Beachtung des tatsäch- lich gesuchten Pensums würde sich die andere Berechnungsme thode nicht auf die Höhe des Anspruchs auswirken, womit der ursprüngliche Bezug nicht u nrechtmässig gewesen wäre. An- lässlich der Parteiverhandlung vom 31. Oktober 2013 führ te die Beschwerdeführerin präzi- sierend aus, dass sie die 20%-Stelle beim Verein D.___ _ seit 20 Jahren zusammen mit ihrem Ehemann zu Hause ausübe. Der Arbeitsvertrag laute jedoc h bloss auf ihren Namen und das Einkommen werde als ihres deklariert. Es bestehe kein weit erer Arbeitsvertrag mit ihrem Ehe- mann. Die Arbeit werde nebenher, an Abenden, Wochen enden oder in den Ferien erledigt. Sie habe diese Stelle nicht im Zusammenhang mit ihrer Ar beitslosigkeit gesehen, sondern sich in dem Umfang angemeldet, in dem sie ihrer Auffassung na ch Anspruch auf Arbeitslosenentschä- digung gehabt habe. In den monatlichen Formularen s ei sie davon ausgegangen, dass es um zusätzliche Einkommen innerhalb der gemeldeten 50%igen Arbeitslosigkeit gehe. 6.6.2 Das Vorbringen der Beschwerdeführerin ist insofe rn von Bedeutung, als der gesuchte Beschäftigungsgrad den dem Taggeld zugrundeliegenden V erdienst beschlägt. Wird ange- nommen, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich in einem Pensum von 70% Arbeit suchen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht wollte und bezüglich der Angaben in den Anträgen auf Arbeitslosenentschädigung einem (ent- schuldbaren) Irrtum unterlegen ist, so wäre der massgeben de Verdienst entgegen dem Vorge- hen der Beschwerdegegnerin nicht auf 50% zu kürzen. Dam it erwiese sich auch das berechne- te Taggeld als inkorrekt. In diesem Fall wäre zu prüfen , ob und in welchem Umfang noch eine Rückforderung angezeigt wäre. Zu beurteilen ist damit , ob im Rahmen der vorliegenden rück- wirkenden Korrektur zugunsten der Beschwerdeführerin a uch ein höherer gesuchter Beschäfti- gungsgrad angenommen werden muss oder ob die Beschwerd eführerin an ihren – möglicherweise in einem Irrtum erfolgten – Angaben zu behaften ist. 6.6.3 Betreffend die erste Bezugsperiode vom 13. Juni 2006 bis 31. März 2007 gab die Be- schwerdeführerin anlässlich der Parteiverhandlung an, dass sie insgesamt in einem 70%- Pensum habe arbeiten wollen. Die Anmeldung zu 50% sei irrtümlich erfolgt, da sie davon aus- gegangen sei, sich nur im Umfang der verlorenen Stel le anmelden zu müssen. Aufgrund ihrer Aussagen und Vorbringen ist es möglich und sogar wahrschei nlich, dass die Beschwerdeführe- rin bei der Anmeldung einem Irrtum unterlegen ist un d fälschlicherweise angenommen hatte, bloss den Umfang der verlorenen Teilzeitstelle angeben zu müssen und nicht den vollen – 70%igen – Umfang der gewünschten Erwerbstätigkeit. D ie Beschwerdegegnerin führt diesbe- züglich selbst aus, dass die Praxis betreffend Teilarbeitslose nicht auf Anhieb klar ersichtlich ist. Andererseits ist festzuhalten, dass die Angaben der versi cherten Person – insbesondere bei einer subjektiv geprägten Frage wie derjenigen nach dem gewünschten Beschäftigungsgrad – Grundlage der Beurteilung und Bemessung des Versicherun gsanspruchs bilden und sich die Arbeitslosenkasse darauf in der Regel verlassen können muss. Ob die Beschwerdegegnerin den versicherten Verdienst zur Ermittlung des Taggelds zu Recht auf 50% kürzte, kann jedoch vorliegend zumindest bezüglich der ersten Bezugsperiode o ffen gelassen werden, da eine Rückforderung der in dieser Periode ausbezahlten Taggel der ohnehin verwirkt ist (vgl. nachfol- gende E. 7). 6.6.4 Vor der zweiten Bezugsperiode war die Beschwerd eführerin gemäss Arbeitsvertrag vom 23. März 2007 mit einem wöchentlichen Arbeitszeitpe nsum zwischen 30% und maximal 50% bei der C.____ AG angestellt. Der Lohn entsprach e inem 30%-Pensum. Die Beschwerde- führerin führte bei der Parteibefragung am 31. Oktob er 2013 hierzu aus, dass das Unterneh- men, welches im Übrigen die Nachfolgefirma der ursprüng lichen Arbeitgeberin B.____ AG war, sie aus finanziellen Gründen bloss in einem Pensum von 30 % habe anstellen können. Die Pen- senreduktion sei in ihrer Familie Thema gewesen, letzt lich hätten sie sich aber die Reduktion leisten können. Sie habe auch keine Arbeitslosenentschäd igung mehr beziehen wollen. Im Rahmen der (korrigierten) Ermittlung des versicherten V erdienstes für die zweite Beitragszeit stellte die Beschwerdegegnerin fest, dass die Beschwerdefü hrerin im Umfang von 32.34% bei der C.____ AG und im Umfang von 20% beim Verein D.__ __ tätig gewesen sei. Da sich die Beschwerdeführerin indessen auch bei der zweiten Anmeld ung im Umfang von 50% arbeitslos meldete, kürzte die Beschwerdegegnerin bei der Ermitt lung des Taggelds den versicherten Verdienst auch in der zweiten Bezugsperiode auf 50%. Di eses Vorgehen ist nicht zu beanstan- den. Wie bereits ausgeführt, umfasste die Tätigkeit bei C.____ AG vertraglich ein 30%-Pensum. Das um 2.34% höhere, von der Beschwerdegegnerin für die Beitragsrahmenfrist ermittelte Pen- sum ist ausschliesslich auf die Monate November 2008, März 20 09 und Mai 2009 zurückzufüh- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren, in denen die Beschwerdeführerin für die C.____ AG Mehrarbeit leistete. In allen anderen Monaten der Beitragsrahmenfrist arbeitete die Beschwer degegnerin in dem vertraglich verein- barten 30%-Pensum. Dieses im Bemessungszeitraum hauptsächlich absolvierte Pensum ist für die Berechnung des versicherten Verdienstes massgeblich (vgl . E. 6.2 hiervor). Anlässlich der Parteiverhandlung vom 31. Oktober 2013 führte die Be schwerdeführerin ausserdem aus, dass es in der zweiten Bezugsperiode „ja nur noch um eine 50% Anstellung“ gegangen sei. Nach dem soeben Ausgeführten liegen in Bezug auf die zwei te Bezugsperiode entgegen der in der Stellungnahme vom 17. Februar 2014 vertretenen Auff assung der Beschwerdeführerin nicht genügend Anhaltspunkte dafür vor, dass sie Arbeit in ein em höheren Beschäftigungsgrad als 50% suchte. Sie ist folglich auf ihren Angaben gegenüb er der Arbeitslosenkasse zu behaften. Die Kürzung des versicherten Verdienstes auf einen 50%ige n Beschäftigungsgrad erfolgte da- mit zu Recht. 6.7 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin er weist sich die Anstellung beim Verein D.____ damit auch als erhebliche Tatsache. Dur ch die bekannt gewordene Anstellung erhöhte sich der versicherte Verdienst. Gleichzeitig ist j edoch davon auszugehen, dass die Be- schwerdeführerin (insbesondere in der zweiten Bezugsperi ode) Arbeit im Umfang eines 50%- Pensums suchte. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hätte das Einkommen aus der noch ausgeübten Teilzeittätigkeit als Zwischenverdienst an die Arbeitslosenentschädigung an- gerechnet werden müssen, da die Beschwerdeführerin blo ss Anspruch auf die Differenz zwi- schen dem versicherten Verdienst und dem Zwischenverdienst hat (vgl. E. 6.2 und 6.4 hiervor). Eine solche Anrechnung bzw. Differenzrechnung ist vorlieg end jedoch bei der ursprünglichen Leistungsausrichtung nicht geschehen. Aufgrund der nicht b ekannten Tatsache der Anstellung beim Verein D.____ wurden sowohl der versicherte Verdie nst und darauf gestützt das Taggeld wie auch der konkrete Anspruch der Beschwerdeführerin un richtig ermittelt. Die genannte Tat- sache erweist sich damit auch als erheblich im Sinne des unt er Erwägung 3.1 hiervor Ausge- führten. Damit liegt ein Revisionsgrund im Sinne von A rt. 53 Abs. 1 ATSG vor. Lediglich der Vollständigkeit halber kann festgehalten werden, dass au ch eine Wiedererwägung in Frage ge- kommen wäre, erweist sich die ursprüngliche Taggeldausrich tung aufgrund der fehlenden An- rechnung des Zwischenverdienstes doch auch als zweifellos unr ichtig. Die Berichtigung erweist sich überdies aufgrund der Höhe der Rückforderung als von erheblicher Bedeutung. Damit ist in jedem Fall ein rechtsgenüglicher Rückkommenstitel gegeben. 7. Zu prüfen ist weiter, ob der Rückforderungsanspruch r echtzeitig verfügt wurde. 7.1 Gemäss Art. 25 Abs. 2 erster Satz ATSG erlischt der Rückforderungsanspruch mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtu ng davon Kenntnis erhalten hat, spä- testens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Ent richtung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handl ung hergeleitet, für welche das Straf- recht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist die se Frist massgebend (zweiter Satz der angeführten Gesetzesbestimmung). Bei den genannten Fr isten handelt es sich um Verwir- kungsfristen (BGE 138 V 77 E. 4.1, 133 V 582 E. 4.1, 119 V 433 E. 3a). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Zu Recht nicht umstritten ist die einjährige, rel ative Verwirkungsfrist. Die Tätigkeit der Beschwerdeführerin für den Verein D.____ wurde der B eschwerdegegnerin unbestrittenermas- sen erst im Zuge einer Abklärung des seco betreffend Sch warzarbeit im Sommer 2012 und mit den am 8. August 2012 eingereichten Arbeitgeberbeschein igungen des Vereins D.____ zur Kenntnis gebracht. Bereits am 26. September 2012 erli ess die Beschwerdegegnerin die Rück- erstattungsverfügung betreffend die zu viel ausbezahlte Arbeitslosenentschädigung. Damit ist die Rückforderung frist- und formgerecht gewahrt wor den, wobei unerheblich ist, dass die Ver- fügung mit Einspracheentscheid vom 8. März 2013 inhalt lich berichtigt wurde (vgl. K UPFER BUCHER , a.a.O., S. 350 mit weiteren Hinweisen). 7.3 Zu prüfen ist hingegen die absolute Verwirkungsfr ist. Wäre – wie die Beschwerdeführe- rin geltend macht – eine absolute Verwirkungsfrist von ( bloss) fünf Jahren zu beachten, könnten die vor dem 26. September 2007 zu viel ausbezahlten T aggelder nicht mehr zurückgefordert werden. Die Beschwerdegegnerin beruft sich indessen auf eine längere strafrechtliche Verjäh- rungsfrist und macht geltend, dass die Beschwerdeführer in eventualvorsätzlich ihre Auskunfts- und Meldepflichten verletzt habe. 7.3.1 Gemäss Art. 105 AVIG wird – sofern nicht ein mit einer höheren Strafe bedrohtes Ver- brechen oder Vergehen des Schweizerischen Strafgesetzbu ches vom 21. Dezember 1937 (StGB) vorliegt, mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 180 Tagessät- zen bestraft, wer durch unwahre oder unvollständige Ang aben oder in anderer Weise für sich oder einen anderen zu Unrecht Versicherungsleistungen erwirkt. Zur Erfüllung des subjektiven Tatbestands ist Vorsatz vorausgesetzt (GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. II [Art. 59-121], Bern/Stuttgart 1988 [nachfolgend: G ERHARDS , Kommentar], N. 12 zu Art. 105-106 AVIG; vgl. Art. 12 Abs. 1 StGB). Das Vergehen gemäss Ar t. 105 AVIG verjährt nach Art. 97 Abs. 1 lit. d StGB in sieben Jahren. 7.3.2 Liegt bereits ein verurteilendes oder freisprec hendes Strafurteil vor, so ist die über den Rückforderungsanspruch befindende Behörde daran gebund en. Dasselbe gilt für eine Einstel- lungsverfügung der zuständigen strafrechtlichen Untersuchungsbehörden, wenn sie die gleiche definitive Wirkung wie ein freisprechendes Urteil hat. F ehlt es indessen an einem Strafurteil, haben die Verwaltung und gegebenenfalls das Sozialversic herungsgericht im Hinblick auf die Frage der anwendbaren Verjährungsfrist vorfrageweise selbst zu untersuchen, ob eine strafba- re Handlung gegeben ist. Dabei gelten die gleichen b eweisrechtlichen Anforderungen wie im Strafverfahren, so dass der sonst im Sozialversicherung srecht geltende Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit nicht ausreicht. Auf jeden Fall hat die Behörde, die sich auf die strafrechtliche Verjährungsfrist beruft, Aktenmaterial zu produzieren, welches das strafbare Verhalten hinreichend ausweist. Erforderlich ist, dass e ine objektiv strafbare Handlung vorliegt und dass die auf Rückerstattung belangte Person die strafbare Handlung begangen hat und die subjektiven Strafbarkeitsvoraussetzungen erfüllt (vgl. BGE 138 V 80 E. 6.1 mit weiteren Hinwei- sen; vgl. auch: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. November 2013, B-2418/2012, E. 5.2.1). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.3 Vorliegend erfolgte keine Anzeige an die Strafb ehörden. Die Beschwerdegegnerin bringt diesbezüglich vor, dass nicht auf die Bestrafung des Täters, sondern die Strafbarkeit der Handlung Voraussetzung für die Anwendung der längere n Verjährungsfrist ist. Dadurch, dass die Beschwerdeführerin ihre Auskunfts- und Meldepflich ten verletzt habe, gelte die längere Verwirkungsfrist. Nach dem unter Erwägung 6 Ausgeführten kann der objektive Tatbestand von Art. 105 AVIG als erfüllt gelten. So hat die Beschwe rdeführerin durch unrichtige bzw. unvoll- ständige Arbeitslosenentschädigung erhalten, die ihr in diesem Umfang nicht zustanden. Frag- lich ist hingegen, ob sie dies vorsätzlich, d.h. mit Wissen u nd Willen, anstrebte (vgl. Erwägung 7.3.1 hiervor). Nach ständiger Rechtsprechung handelt bereits vorsätzlich, wer den Eintritt des Erfolgs bzw. die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, und diesen in Kauf nimmt (Eventu- alvorsatz; vgl. BGE 138 V 83 E. 7.2 mit weiteren Hinwe isen; Art. 12 Abs. 2 StGB; GERHARDS , Kommentar, N. 13 zu Art. 105-106). 7.3.4 Die Beschwerdegegnerin hat das Vorliegen des su bjektiven Tatbestands ohne nähere Begründung bejaht. Entgegen der in Erwägung 7.3.2 h iervor dargelegten Rechtsprechung fin- den sich in den Akten keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdegegnerin das angeblich strafbare Verhalten abgeklärt hat. Im Rahmen ihrer Ve rnehmlassung verweist sie lediglich auf die Verletzung der Auskunfts- und Meldepflichten. Entge gen der Auffassung der Beschwerde- gegnerin ist jedoch weder mit der Verletzung der Ausku nfts- und Meldepflichten an sich, noch aufgrund des Verhaltens der Beschwerdeführerin dargeta n, dass diese (eventual-)vorsätzlich handelte. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sie bezügli ch der Praxis bei Teilarbeitslosigkeit einem Missverständnis unterlegen ist und die Falschangabe n ohne Wissen um ihre Unrichtig- keit gemacht hat. Zwar hat die Beschwerdeführerin die Anstellung beim Verein D.____ und den dort erzielten Verdienst in den Anmeldungen vom 13. J uni 2006 sowie in den monatlichen For- mularen in der ersten Bezugsperiode verschwiegen. Ihre Ausführungen zur missverstandenen Praxis bei Teilarbeitslosigkeit, nämlich dass sie davon ausgegangen sei, sich bloss in dem Um- fang arbeitslos melden zu müssen, in dem sie eine Teilze itstelle verloren habe, sind jedoch schlüssig und glaubwürdig. So gesteht auch die Beschwerdegegnerin selbst zu, dass die Praxis nicht klar ersichtlich sei. Die (unrichtige) Rechtsauffa ssung erscheint auch aufgrund der be- schriebenen Ausgestaltung der Arbeitstätigkeit für den Verein D.____ an Abenden, Wochenen- den oder Ferien und von zu Hause aus als verständlich. D er Beschwerdegegnerin ist zwar in- soweit zu folgen, als die in der Anmeldung und den mon atlichen Formularen gestellten Fragen eindeutig und einfach zu beantworten sind. Besteht ind essen bereits bezüglich der Ausgangs- lage – nämlich dem Umfang der Arbeitslosigkeit – ein Missverständnis, prägt dies das Ver- ständnis sämtlicher folgenden Fragen. Der Vorsatz muss sich im Übrigen insbesondere auch auf die unrechtmässige Erwirkung von Arbeitslosenentschädigung beziehen und nicht bloss auf die Falschangabe. Die Falschangaben der Beschwerdeführerin erfolgten aus mangelnder Sorg- falt und damit klar fahrlässig, nicht jedoch mit der wi ssentlichen Absicht oder der möglichen Aussicht auf eine unrechtmässige Erwirkung von Arbeitslosenentschädigung. Unter Berücksich- tigung des in dieser Frage anwendbaren Grundsatzes „in dubio pro reo“ (vgl. BGE 138 V 81 E. 7) kann nach dem Ausgeführten nicht von einer (eve ntual-)vorsätzlichen Erfüllung des Tat- bestands von Art. 105 AVIG ausgegangen werden. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4 Wird ein strafbares Verhalten gemäss Art. 105 AVIG verneint, kommt im vorliegenden Fall die fünfjährige Verwirkungsfrist gemäss Art. 25 Ab s. 2 Satz 2 ATSG zur Anwendung. Die Beschwerdegegnerin hat die umstrittene Rückforderung am 26. September 2012 verfügt. Damit ist die Rückforderung der vor dem 26. September 2007 a usbezahlten Arbeitslosentaggelder verwirkt. Die Beschwerdeführerin meldete sich zunächst vom 13. Juni 2006 bis 31. März 2007 arbeitslos. Die verfügte Rückforderung der im Rahmen di eser Bezugsperiode ausbezahlten Taggelder in der Höhe von insgesamt Fr. 7‘533.60 ist damit verwirkt. Die Beschwerde ist in die- sem Punkt gutzuheissen. Hingegen wurde die Rückforderun g der im Rahmen der zweiten Be- zugsperiode vom 1. November 2009 bis 10. August 2011 zu viel ausbezahlten Taggelder recht- zeitig geltend gemacht. 8. Zu überprüfen bleibt die Höhe der nicht verwirkten Rückforderung betreffend die zweite Bezugsperiode. Im Anschluss an die Parteiverhandlung vo m 31. Oktober 2013 reichte die Be- schwerdegegnerin eine Erläuterung der Rückforderungsberechnung ein. Die Beschwerdeführe- rin erachtet diese Berechnung als grundsätzlich nicht nach vollziehbar und rügt insbesondere die Abrundung der berechneten monatlichen Taggeldansp rüche sowie die im April 2010 in Ab- zug gebrachten Wartetage. 8.1 Der Taggeldanspruch der Beschwerdeführerin basiert auf einem versicherten Ver- dienst von Fr. 3‘131.–, wobei der durchschnittliche Ver dienst von Fr. 3‘278.– zu Recht entspre- chend einem Pensum von 50% reduziert wurde (vgl. E. 6.6 .4 hiervor). Daraus resultiert ein Taggeld in der Höhe von Fr. 115.45. Gemäss der erläu terten Berechnung wird dieses Taggeld mit der Anzahl entschädigungsberechtigter Tage des jewe iligen Monats multipliziert und vom resultierenden Betrag wird der – in der Höhe zu Recht unbestrittene – monatliche Zwischenver- dienst von Fr. 1‘666.65 abgezogen. Daraus resultiert de r erlittene Verdienstausfall (vgl. E. 6.4 hiervor), wovon korrekterweise 80% in Form einer Kompen sationszahlung entschädigt werden. Dieses Vorgehen entspricht denn auch demjenigen, welche s in Rz. C 135 AVIG-Praxis ALE, Arbeitsmarkt und Arbeitslosenversicherung (gültig ab Januar 2013 [AVIG-Praxis], vorher: Kreis- schreiben über die Arbeitslosenentschädigung, gültig ab Januar 2003 [KS ALE]) vorgeschrieben ist. Die Beschwerdegegnerin nimmt daraufhin einen weit eren Berechnungsschritt vor, um die Höhe dieser Kompensationszahlung in eine Anzahl anspru chsberechtigter Tage umzuwandeln. Im Rahmen dieses Berechnungsschritts findet die gerügte Abrundung statt, da die Taggelder auf zwei Dezimalstellen hinter dem Komma gerundet werden. Rein rechnerisch erscheint dieser zuletzt vorgenommene Schritt soweit ersichtlich unnötig, führt doch die – für den monatlichen Anspruch notwendige – Multiplikation der anspruchsbere chtigten Tage mit dem Taggeld grund- sätzlich erneut zum ermittelten Verdienstausfall. Festzuh alten ist indessen, dass die Arbeitslo- senentschädigung gemäss Art. 21 AVIG als Taggeld ausgerichtet wird und es folglich durchaus vertretbar ist, den monatlichen Anspruch grundsätzlich in der Anzahl Taggelder auszudrücken. Da die vorliegend gerügten Abrundungen überdies den Rundungsregeln entsprechen und kei- nerlei Anhaltspunkte dafür bestehen, dass in anderen Fä llen systematisch abgerundet würde, ist das Vorgehen der Beschwerdegegnerin nicht zu beansta nden. Ebenfalls als korrekt erwei- sen sich die im April 2010 in Abzug gebrachten fünf War tetage. Der in diesem Monat resultie- rende höhere Rückforderungsbetrag ist dadurch erklärt, dass der angerechnete Zwischenver- dienst bei einem – aufgrund der abgezogenen Warteta ge – geringeren Anspruch verhältnis- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht mässig stärker gewichtet wird. Die Berechnung der Rückfor derung für die zweite Bezugsperio- de vom 1. November 2009 bis 10. August 2011 erweist sich damit als korrekt. Die Beschwerde- führerin hat somit zu viel ausbezahlte Taggelder in der Höhe von Fr. 2‘835.35 zurückzuerstat- ten. 9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund der unr ichtigen Angaben der Be- schwerdeführerin betreffend Zwischenverdienst in den Anm eldungen vom 13. Juni 2006 und den monatlichen Formularen vom Juni 2006 bis März 2007 so wie der Anmeldung vom 10. August 2009 und den monatlichen Formularen vom N ovember 2009 bis August 2011 ein Rückkommenstitel gegeben ist. Die Beschwerdeführerin hat f olglich grundsätzlich die zu viel bezogenen Taggelder zurückzuerstatten. Dabei ist indessen zu beachten, dass die Rückforde- rung der vor 26. September 2007 zu viel bezogenen Tag gelder in der Höhe von Fr. 7‘533.60 verwirkt ist. Die Rückforderung der zwischen November 200 9 und August 2011 zu viel ausbe- zahlten Taggelder erweist sich hingegen sowohl im Grund satz wie auch in der Höhe als rech- tens. Die Beschwerde ist nach dem Ausgeführten in dem Sinne gutzuheissen, als die verfügte Rückforderung auf Fr. 2‘835.35 reduziert wird. 10. Für das vorliegende Verfahren sind gestützt auf Art . 61 lit. a ATSG keine Kosten zu erheben. Gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG hat die ob siegende beschwerdeführende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Der weitgehend obsie genden Beschwerdeführerin ist somit eine Parteientschädigung zuzusprechen. Der in der Honor arnote vom 17. Februar 2014 ausge- wiesene Zeitaufwand von 17.833 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sach- verhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Nicht zu beanst anden sind sodann die in der Ho- norarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von Fr. 20 6.–. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der geltend gema chten Höhe von Fr. 5‘033.– (17.833 Stunden à Fr. 249.75 + Auslagen von Fr. 206.– zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Las- ten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als die verfügte Rückforderung auf Fr. 2‘835.35 reduziert wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 5‘033.– (inkl. Auslagen und 8% Mehr- wertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht