Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 19. Januar 2022 (810 21 259) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Festlegung des Ortes des Kindergarteneintritts sowie der Betreuungsregelung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer, Jgnaz Jermann, Stefan Schulthess, Gerichtsschreiber i.V. Matthias Plattner Beteiligte A. ____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Martina Horni, Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Christoph Gäumann, Rechtsanwalt Betreff Festlegung des Ortes des Kindergarteneintritts sowie der Betreuungs- regelung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 12. August 2021) A. A.____ (geb. 1992), wohnhaft in D.____, und C.__ __ (geb. 1974) wohnhaft in E.____ BL, sind die nicht miteinander verheirateten Eltern de r unter der gemeinsamen Sorge stehen- den Tochter F.____ (geb. 2016). Bei der Auflösung des gemeinsamen Haushalts im Jahr 2018 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht vereinbarten die Eltern, sich zu gleichen Teilen um F._ ___ kümmern zu wollen, und einigten sich darauf, dass F.____ ihren Wohnsitz beim Vater habe. Trotz eines seit der Trennung beste- henden chronischen Elternkonflikts konnte in der Folge d ie alternierende Obhut mit gleichen Betreuungsanteilen umgesetzt werden. B. Mit E-Mail-Nachricht vom 10. Dezember 2018 beantra gte C.____ bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) das alleinige So rge- und Obhutsrecht über F.____ mit der Begründung, A.____ vernachlässige ihre Mutterp flichten. A.____ bestritt mit E-Mail- Nachricht vom 12. Dezember 2018 eine Gefährdung des Kin deswohls von F.____ bei ihr und erwiderte, C.____ bringe F.____ nicht wie vereinbart zu ihr. Aufgrund des elterlichen Konflikts gingen bei der KESB am 13. September 2018 und am 28 . Dezember 2018 Gefährdungsmel- dungen der Polizei Basel-Landschaft betreffend F.____ ein. C. Nachdem sich C.____ und A.____ über die Obhuts-/Betr euungsanteile geeinigt hatten, erteilte ihnen die KESB am 5. Juni 2019 die Weisung, sich durch die Familien- und Jugendbera- tung G.____ zur Erarbeitung einer Ferienregelung und zur Klärung des Wohnsitzes von F.____ beraten zu lassen. Weiter errichtete die KESB für F.___ _ eine Erziehungsbeistandschaft und ernannte H.____ als Beistand. D. Mit Schreiben vom 19. Mai 2020 gelangte A.____, ve rtreten durch Martina Horni, Ad- vokatin, mit dem Antrag um Entscheid in der Wohnsitzfra ge an die KESB, weil weder im Rah- men der Beratungsgespräche noch durch den Beistand eine L ösung habe gefunden werden können. C.____, vertreten durch Christoph Gäumann, Adv okat, nahm am 7. September 2020 dazu Stellung. E. Am 24. September 2020 entschied die KESB, dass der W ohnsitz von F.____ beim Kindsvater in E.____ verbleibe. F. Gegen den Entscheid der KESB erhob A.____, vertre ten durch Advokatin Martina Hor- ni, am 6. November 2020 Beschwerde beim Kantonsgerich t, Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, dass der Entscheid der KESB vom 24. September 2020 teilweise aufzuheben sei und der Wohnsitz von F.____ bei ihr in D.____ festzulegen sei. G. Am 23. Dezember 2020 informierte die Beschwerdefüh rerin das Kantonsgericht über ihre Hochzeit mit I.____ am 11. Dezember 2020. H. Mit Urteil vom 14. April 2021 wies das Kantonsgerich t die Beschwerde von A.____ vollumfänglich ab, was zur Folge hatte, dass der Wohnsitz von F.____ weiterhin bei ihrem Vater in E.____ verblieb. I. Im Hinblick auf die bevorstehende Einschulung von F.__ __ reichte der Beistand am 15. Juli 2021 eine Empfehlung betreffend Betreuungsre gelung bei der KESB ein. Die Eltern nahmen mit Eingaben vom 10. August 2021 bzw. vom 11. August 2021 Stellung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Am 12. August 2021 entschied die KESB, dass F.____ a m Wohnsitz in E.____ im Kin- dergarten J.____ eingeschult werde. Weiter verfügte die KESB eine Betreuungsvereinbarung für das Schuljahr 2021/2022, wonach F.____ jeweils am Mittwoch- und Donnerstagnachmittag durch die Kindsmutter betreut werde und jedes Wochenen de von Freitagnachmittag (direkt nach Kindergartenschluss um 12:00 Uhr) bis Montagmorg en (zwischen 08:00 und 08:30 Uhr) alternierend bei ihrem Vater und bei ihrer Mutter verbringe. K. Gegen diesen Entscheid hat A.____, vertreten durch Martina Horni, mit Eingabe vom 13. September 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht erho ben. Sie beantragte, dass der Ent- scheid der KESB vom 12 August 2021 teilweise aufzuheben und die bisher gelebte alternieren- de Obhut den Eltern mit Änderungen in den Betreuungszeiten zu belassen sei. Die Betreuungs- regelung sei so festzulegen, dass die Kindsmutter F.____ jeweils von Montagmorgen bis Mitt- wochmittag (inkl. Übernachtung) sowie jedes zweite Woch enende von Freitagabend bis Mon- tagabend (inkl. Übernachtung) betreue. Eventualiter se i die bisherige Betreuungsregelung so abzuändern, dass die Kindsmutter F.____ von Mittwochmittag bis Freitagabend (inkl. Übernach- tung) sowie jedes zweite Wochenende von Freitagabend b is Montagmorgen (inkl. Übernach- tung) betreuen könne. Subeventualiter sei die Betre uungsregelung insofern auszuweiten, dass die Kindsmutter F.____ auch an den übrigen Nachmitta gen unter der Woche jeweils nach Kin- dergartenschluss bis um 19:00 Uhr betreuen könne, sofe rn der Kindsvater sie nicht persönlich betreue. Zwar sei auch die Frage nach dem Einschulungsor t ein Streitpunkt unter den Kindsel- tern gewesen, da sich die Kindsmutter eine Einschulung im Kindergarten K.____ in D.____ ge- wünscht hätte. Allerdings würde die Beschwerdeführerin den Entscheid der KESB über den Einschulungsort, zum Wohle des Kindes, welches nun seit dem 16. August 2021 in den Kinder- garten J.____ in E.____ gehe, zum jetzigen Zeitpunkt n icht anfechten. In der Begründung brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, da ss sich die Kindseltern im Rahmen ihrer Trennung auf eine alternierende Obhut mit weitgehend gleichen Betreuungsanteilen hätten einigen können, wobei dieses Wechselmodell, trotz des a nhaltenden Konflikts zwischen den Eltern, im Wesentlichen funktioniert habe. Entsprechen d sei von einer Aufhebung der alternie- renden Obhut und einer Neuregelung der Betreuungsverh ältnisse zulasten der Kindsmutter mangels wesentlicher Veränderung der Verhältnisse abzuseh en und die bisherige Betreuungs- regelung, allenfalls unter Anpassung einzelner Betreuu ngstage, zu belassen oder zugunsten der Kindesmutter auszuweiten. L. Mit Eingabe vom 05. Oktober 2021 verzichtete die KE SB auf eine Vernehmlassung. M. Mit Vernehmlassung vom 19. Oktober 2021 beantragte der Kindsvater, vertreten durch Christoph Gäumann, dass die Beschwerde abzuweisen und ihm die unentgeltliche Rechtspfle- ge zu gewähren sei. Zur Begründung führte er im Wes entlichen aus, dass der Beistand und die KESB, welche den Fall aufgrund der langen Vorgeschicht e kennen würden, am besten beurtei- len könnten, welche Lösung für das Kindeswohl am besten sei. N. Mit Eingabe vom 28. Oktober 2021 reichte die KESB neue Unterlagen ein, wonach es zu Drohungen des Kindsvaters gegenüber der Kindsmutter g ekommen sei. Weiter beinhalteten Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Unterlagen Beanstandungen des Kindsvaters über die Kindsmutter. Mit Eingabe vom 2. November 2021 nahm die Kindsmutter zu den Beanstandungen des Kindsvaters Stellung. O. Am 4. November 2021 reichte der Beschwerdegegner das ausgefüllte Formular "Ge- such um unentgeltliche Rechtspflege" ein. P. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 10. November 2021 wurde der Fall der Kam- mer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgeset zbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann ge gen Entscheide einer Kindesschutzbe- hörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werd en. § 66 Abs. 1 des kantonalen Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuchs (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsgericht, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des k antonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), d ie der betroffenen Person nahestehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhe bung oder Änderung des angefochte- nen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist als direkte Verfahrensbeteiligte grundsätzlich zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auc h die übrigen Prozessvoraussetzun- gen nach den Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3.1 Nach Art. 298d Abs. 1 ZGB regelt die Kindesschutzbehö rde auf Begehren eines Eltern- teils, des Kindes oder von Amtes wegen die Zuteilung der elterlichen Sorge neu, wenn dies we- gen wesentlicher Änderung der Verhältnisse zur Wahrung des Kindeswohls nötig ist. Gemäss Art. 298d Abs. 2 ZGB kann sich die Kindesschutzbehörde auf die Regelung der Obhut, des per- sönlichen Verkehrs oder der Betreuungsanteile beschränken. 3.2 Mit Entscheid vom 12. August 2021 verfügte die KES B, dass F.____ am, durch den vom Kantonsgericht bestätigten, Wohnsitz in E.____ im Kindergarten J.____ eingeschult werde. Weiter verfügte die KESB eine Betreuungsregelung für das Schuljahr 2021/2022, wonach F.____ jeweils am Mittwoch- und Donnerstagnachmittag (1 2:00 bis 19:00 Uhr) durch die Kindsmutter betreut werde und jedes Wochenende von Frei tagnachmittag (direkt nach Kinder- gartenschluss um 12:00 Uhr) bis Montagmorgen (zwischen 0 8:00 und 08:30 Uhr) alternierend Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei ihrem Vater und bei ihrer Mutter verbringe, wod urch sich für die Kindsmutter eine Reduzie- rung ihrer Betreuungsanteile ergab. Mit ihrer Entschei dung folgte die KESB dem Betreuungs- vorschlag des Beistands, welcher einen Kompromiss darstelle, der von beiden Elternteilen ohne erhebliche Einbussen umgesetzt werden könne und sowohl der bisherigen Betreuung als auch dem neuen Umstand in Form der bevorstehenden Einschulun g von F.____ angemessen Rech- nung trage. 3.3 Die Beschwerdeführerin, welche sich infolge dieses Entscheids mit einer Reduzierung ihrer Betreuungsanteile konfrontiert sieht, gibt an, dass für sie nicht nachvollziehbar sei, wieso am bisher gelebten Betreuungskonzept etwas geändert w erden müsse. Sie bringt vor, dass Kinder, die sich nicht zwischen Mutter und Vater entscheide n müssten, weniger unter Loyali- tätskonflikten und Verlustängsten sowie weiteren Nacht eilen leiden würden. Bei beiden Eltern seien die erzieherischen Fähigkeiten gegeben und beide Eltern hätten grundsätzlich die Mög- lichkeit, sich persönlich um das Kind zu kümmern. Sowohl die Kindsmutter als auch der Kinds- vater könnten ihrer Tochter eine kindgerechte Wohnung sowie ein stabiles Umfeld bieten. Folg- lich solle F.____ weiterhin jeweils hälftig vom Vater u nd von der Mutter betreut werden und un- verändert in ihrem angestammten Umfeld verbleiben. 3.4 In seiner Vernehmlassung beanstandet der Beschwerde gegner zunächst, dass nicht genügend dargelegt werde, worin die Rechtsverletzung, die fehlerhafte Sachverhaltsfeststellung oder die Unangemessenheit liegen sollten, weshalb die Beschwerde mangels Substantiierung abzuweisen sei. Weiter hält er fest, dass auch er mit de r Neuregelung Einschnitte in der Be- treuung von F.____ hinnehmen müsse, allerdings anerkenne er, dass es sich dabei um einen Kompromiss handle, welcher aufgrund des Kindergartene intritts von F.____ notwendig sei. Die Kindsmutter hätte ihren Wohnsitz nach E.____ verlegen müssen, wie dies vom Beistand emp- fohlen worden sei, um eine Reduzierung der Betreuung szeit zu verhindern, da sich der Le- bensmittelpunkt von F.____ durch den Kindergarteneintri tt stärker nach E.____ verlagere. Mit der von der Beschwerdeführerin beantragten Betreuungsre gelung würde ein adäquater Um- gang der Tochter mit ihrem Freundeskreis und ihren Sti efgeschwistern verunmöglicht. Auch sei zu berücksichtigen, dass die von der Vorinstanz verfügte Betreuungsregelung bereits seit einem Quartal gelebt werde und der Beistand bereits angekün digt habe, dass ab nächstem Sommer wieder eine Anpassung hinsichtlich des neuen Schuljahres nötig sei. Es sei auch im Interesse des Kindes, dass F.____ unter der Woche beim Kindsvater ü bernachte, sodass sie morgens nicht früher aufstehen und mit den öffentlichen Verkeh rsmitteln in den Kindergarten gelangen müsse. Weiter bestreitet der Beschwerdegegner, dass er F. ____ von seiner Ehefrau betreuen liesse, und er bemängelt seinerseits, dass die Kindsmutte r aufgrund ihrer Arbeitstätigkeit die gemeinsame Tochter von deren Grosseltern mütterlichersei ts betreuen lasse. Seiner Ansicht nach entspreche es auch dem Kindeswohl, dass F.____ meh r Zeit mit den Stiefgeschwistern oder mit gleichaltrigen Spielkameraden verbringe. Sc hliesslich macht er geltend, dass F.____ bei ihm ein intaktes Familienleben antreffe, was eine r intensiven Betreuung durch die Grossel- tern mütterlicherseits vorzuziehen sei. 4.1 Die Neuregelung des persönlichen Verkehrs sowie der Betreuungsanteile setzt eine wesentliche Änderung der Verhältnisse voraus und muss zur Wahrung des Kindeswohls not- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wendig sein. Grundsätzlich sind Regelungen in Kinderbel angen auf Dauer auszurichten, denn das Kind ist in seiner Entwicklung auf Sicherheit und Stabilität angewiesen. Entsprechend muss für eine Neuregelung die Änderung der Verhältnisse we sentlich und dauerhaft sein, kurzfristige und kurzzeitige Veränderungen rechtfertigen keine Neuregelungen. Es kann sich dabei um eine persönliche oder tatsächliche Veränderung auf Seiten der Kindseltern oder des Kindes handeln (KURT AFFOLTER -FRINGELI /U RS VOGEL , in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Bern 2016, N 5 f. zu Art. 2 98d ZGB m.w.H.). Die Beurteilung im Lichte des Kindeswohls entspricht derjenigen bei der R egelung des Sorgerechts im Rahmen von Art. 298b ZGB oder in eherechtlichen Verfahren na ch Art. 298 ZGB (I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar Zivil gesetz- buch I, 6. Auflage, 2018, N 2 zu Art. 298d ZGB m.w. H.). Ob eine wesentliche Veränderung vor- liegt, beurteilt sich aufgrund sämtlicher Umstände des k onkreten Einzelfalls (Urteil des Bundes- gerichts 5C.34/2006 vom 27. Juni 2006 E. 1.1 mit Hinweis auf Art. 134 Abs. 1 ZGB). 4.2 Neben der Wesentlichkeit der Veränderung muss die N euregelung zusätzlich zum Wohl des Kindes geboten sein. Nach bundesgerichtlicher R echtsprechung muss die Beibehal- tung der geltenden Regelung das Wohl des Kindes ernsth aft gefährden, sodass die Beibehal- tung der aktuellen Regelung dem Kind mehr schadet als der Verlust an Kontinuität in der Erzie- hung und den Lebensumständen, welche mit der Änderung einhergehen (Urteil des Bundesge- richts 5A_266/2017 vom 29. November 2017 E. 8.3 m.w.H. ). Das Kindeswohl gilt als oberste Maxime des Kindesrechts (BGE 142 III 612 E. 4.2 und 141 III 328 E. 5.4 m.w.H.). Im Sinne ei- ner positiven und nicht abschliessenden Beschreibung gehören zum Kindeswohl die Förderung und Entwicklung in geistiger, körperlicher und seelischer H insicht, ein Umfeld von Kontinuität und Stabilität, die Möglichkeit einer inneren Bindung des Kindes an die Beziehungspersonen sowie die Achtung des Willens des Kindes und seines Selbstb estimmungsrechts (BGE 146 III 313 E. 6.2.2 und 129 III 250 E. 3.4.2 jeweils mit Hi nweisen). Entsprechend ist das Wohl eines Kindes gefährdet, sobald nach den Umständen die ernstl iche Möglichkeit einer Beeinträchti- gung des körperlichen, seelischen oder geistigen Wohls de s Kindes vorauszusehen ist (C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Auflage, Bern 1999, N 2 6.04a ff.; vgl. P ETER BREITSCHMID , in: Basler Kommentar Zivilgesetzbuch I, a.a.O., N 18 z u Art. 307 ZGB). Die Ge- fährdung kann dabei nur in jedem einzelnen Fall unte r Berücksichtigung der Gesamtheit aller Umstände bestimmt werden. Die objektiv fassbare Gefahr einer Beeinträchtigung muss eini- germassen konkret sein, auch wenn regelmässig prognostische Elemente miteinzubeziehen sind (BGE 146 III 313 E. 6.2.2; Y VO BIDERBOST , in: Breitschmid/Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Personen- und Familienrecht - Partnerschaftsgesetz, 3. Auflage, Zürich 2016, N 9 zu Art. 307 ZGB). 4.3 Der Begriff der Betreuungsanteile ist erst im Zug e der parlamentarischen Beratung in den Gesetzestext eingefügt worden, um der alternierend en Obhut Rechnung zu tragen, eine weitergehende Normierung ihrer Ausgestaltung ist unter blieben. Die Bestimmungen über die Regelung des persönlichen Verkehrs (Art. 273 ff.) sind deshalb analog heranzuziehen (SCHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 10 zu 298 ZGB; H EINZ HAUSHEER /T HOMAS GEISER /R EGINA E. AEBI -MÜLLER , Das Familienrecht des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 6. Auflage, Bern 2018, N 17.111). Bei der Festsetzung eines Besuchsrechts sowie der Betreuungsanteile geht Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht es nicht darum, einen gerechten Interessenausgleich zwische n den Eltern zu finden, sondern den elterlichen Kontakt mit dem Kind in dessen Interesse zu regeln (vgl. BGE 120 II 229 E. 3b/aa). Als oberste Richtschnur für die Ausgestaltung des Besuchsrechts und damit auch der Betreuungsanteile gilt somit immer das Kindeswohl, das a nhand der gegebenen Umstände zu beurteilen ist. Allfällige Interessen der Eltern haben zurückzustehen (vgl. BGE 123 III 445 E. 3b; Urteil des Bundesgerichts 5A_200/2015 vom 22. Septemb er 2015 E. 7.2.3). Es ist die Lösung zu wählen, welche unter Berücksichtigung der gesamten Umstä nde dem Kind die notwendige Stabilität der Beziehungen gewährleistet, die es für die optimale Entwicklung und Entfaltung benötigt (BGE 136 I 178 in: Pra 99/2010 Nr. 125). 5.1 Aus den vorliegenden Akten geht hervor, dass F.___ _ nach den Sommerferien 2021 eingeschult wurde. Der Beistand machte die beiden Kind seltern schon frühzeitig auf diese Ver- änderung aufmerksam und wies sie auf die Notwendigkeit einer neuen Betreuungsregelung im Hinblick auf die bevorstehende Einschulung hin, sofern e s zu keinem Wechsel des Wohnsitzes der Beschwerdegegnerin an den Wohnsitz des Kindes komm e (vgl. ausserordentlicher Bericht des Beistands vom 15. Juli 2021). In der Folge gelan g es den Kindseltern nicht, eine einver- nehmliche Lösung zu finden. Aufgrund dieses Umstands rei chte der Beistand der KESB eine Empfehlung für eine Betreuungsregelung ein. Im ausser ordentlichen Bericht vom 15. Juli 2021 hält der Beistand fest, dass der Kindergarteneintritt eine schrittweise soziale Integration am Ort des Kindergarteneintritts von F.____ zur Folge habe. D ort lebe sie sich stetig zunehmend in ihrem unmittelbaren Umfeld ein und knüpfe ihre sozial en Kontakte. Diese Umstände seien für die weitere persönliche Entwicklung von F.____ bedeute nd. Der Einschätzung des Beistands, wonach die Einschulung von F.____ einschneidende Veränd erungen mit sich bringe, ist zuzu- stimmen. Die Einschulung (zunächst im Kindergarten, an schliessend in der Primarschule) ist der Beginn der obligatorischen Schulzeit, was ein bede utendes Erlebnis und eine grosse Ver- änderung im Leben des Kindes und der Kinder-Eltern-Be ziehung darstellt. Mit dem Kindergar- teneintritt macht das Kind einen Schritt aus der Fami lie heraus in ein neues, unbekanntes Um- feld, wo es in der neuen Gemeinschaft von und mit anderen Kindern lernt, neue soziale Kompe- tenzen erwirbt und sich neues Wissen aneignet (vgl. «Ist mein Kind bereit für den Kindergarten- eintritt?», abrufbar unter: www.baselland.ch/politik -und-behorden/direktionen/bildungs-kultur- und-sportdirektion/bildung/handbuch/laufbahn/eintritt, zuletzt besucht am 19. Januar 2022). F.____ wird durch den Kindergarteneintritt viele neue Klassenkameraden kennenlernen und einen neuen Freundeskreis bilden, was für die soziale En twicklung von grosser Bedeutung ist. Aufgrund des Eintritts von F.____ in die obligatorische Schulzeit an ihrem Wohnsitz, ist die vor- liegend strittige Regelung zudem auf Dauer angelegt. Ändern wird sich lediglich der Tag und die Länge des nachmittäglichen Unterrichts, woraus sich jedo ch keine grundlegende Veränderung ergibt. Die Einschulung stellt somit eine wesentliche u nd dauerhafte Änderung der Verhältnisse für F.____ dar, welche einen Entscheid der KESB, mang els Einigkeit der Kindseltern, erforder- lich machte. 5.2.1 Die Veränderung muss allerdings nicht nur wesentli ch und dauerhaft, sondern auch zur Wahrung des Kindeswohls notwendig sein. Die Beibehalt ung der bisherigen Regelung müsste dem Kind also mehr schaden als der Verlust an Kontinuit ät, welcher die Änderung mit sich bringt (vgl. E. 4.2). Die Beschwerdeführerin macht ge ltend, dass das bisher gelebte Betreu- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ungsmodell gut funktioniert habe, zudem führe mehr gem einsame Zeit mit beiden Eltern zu ei- ner engeren emotionalen Eltern-Kind-Beziehung, was di e Beziehung des Kindes zu beiden El- tern verbessere. Ausserdem könne die Beschwerdeführerin a ufgrund ihrer flexiblen Arbeitszei- ten im Gegensatz zum vollzeitlich erwerbstätigen Kindsvat er mehr persönliche Betreuungszeit garantieren und so besser auf die Bedürfnisse der Tochter eingehen als der Vater, welcher für die Betreuung auf seine im gleichen Haushalt lebende Partnerin angewiesen sei. Schliesslich sei auch die Distanz zwischen den beiden Wohnorten D.__ __ und E.____ zu gering, um eine Aufhebung der bisherigen Betreuungsregelung zu rechtfertigen, da die beiden Wohnorte sowohl per Auto als auch per öffentlichem Verkehr innert kurzer Zeit erreichbar seien. Die Beibehaltung der bisher gelebten alternierenden Obhut würde deswe gen die Stabilität für F.____ besser ge- währleisten als das neue Betreuungsmodell. 5.2.2 Der Beschwerdeführerin ist dabei zuzustimmen, dass eine gerechte und gleichmässige Verteilung der Betreuungszeiten auf beide Elternteil e grundsätzlich anzustreben und wün- schenswert ist. Diesem Umstand wurde vom Beistand in seine m ausserordentlichen Bericht vom 15. Juli 2021 grosse Bedeutung zugeschrieben. Oberste Richtschnur einer solchen Rege- lung ist indes immer das Kindswohl. Dass F.____ unter de r Woche nicht mehr bei der Be- schwerdeführerin übernachtet, stellt die grösste Änderu ng in der strittigen Betreuungsregelung dar. Diese Änderung ist jedoch dadurch begründet, dass F.____ unter der Woche nicht früher aufstehen und nach E.____ in den Kindergarten pendeln muss, während sie beim Beschwerde- gegner einen sehr kurzen Gehweg zum Kindergarten hat . Die Beschwerdeführerin macht gel- tend, dass die Distanz von ihrem Wohnort zum Kindergar ten nicht lang sei. Darüber hinaus zeigt sie nicht auf, wie sie sich das morgendliche Pendeln einrichten könnte, sodass es für F.____ möglichst schonend ablaufen würde. Auch wenn di e Wohnorte der Eltern in einer zu- mutbaren Distanz voneinander entfernt liegen, stellt d as morgendliche Pendeln eine unnötige zusätzliche Belastung für das Kind dar. F.____ müsste bei d ieser Lösung schätzungsweise bis zu einer halben Stunde früher aufstehen (Gehweg + Fah rzeit). Hinzu kommt, dass unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel eine Gefahr für Verspätunge n aufgrund von Verkehrseinschrän- kungen besteht, was einen zusätzlichen Stressfaktor darst ellt. Der durch die Übernachtungen bei der Beschwerdeführerin generierte Mehrwert für F. ____ vermag den dadurch verursachten Mehraufwand durch das morgendliche Pendeln nicht aufzu wiegen. Der Wunsch der Beschwer- deführerin F.____ auch über Nacht bei sich zu haben, ist nachvollziehbar. Die Interessen der Eltern haben jedoch hinter diejenigen der Kinder zu t reten (vgl. E. 4.3) und die Betreuungszeit, in welcher mit F.____ Aktivitäten unternommen werden können und in welcher wertvolle Eltern- Kinder-Zeit verbracht werden kann (nach Kindergartene nde), wird durch die wegfallenden Übernachtungen nur geringfügig eingeschränkt. 5.2.3 Da die grösste Änderung der neuen Betreuungsreg elung die Übernachtungen betrifft, vermag das Vorbringen, dass die Beschwerdeführerin aufgr und ihrer flexiblen Arbeitszeiten mehr persönliche Betreuungszeit durch den Tag garantie ren könne als der vollzeitlich erwerbs- tätige Beschwerdegegner, den diesbezüglichen Entscheid de r KESB nicht zu relativieren. Vor dem Hintergrund der stärkeren sozialen Integration vo n F.____ in E.____ erscheint sodann die subeventualiter beantragte Betreuungsregelung, wonach die Beschwerdeführerin an sämtlichen Nachmittagen unter der Woche F.____ jeweils nach Kinder gartenschluss bis um 19:00 Uhr be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht treuen würde, nicht im Sinne des Kindeswohls, selbst we nn die Mutter mehr persönliche Be- treuungszeit garantieren könnte. F.____ würde es so ver unmöglicht werden, sich nach dem Kindergarten mit ihren Klassenkameraden, welche in unmi ttelbarer Nähe ihres Wohnsitzes le- ben, zu treffen. 5.2.4 Der Vorinstanz ist dabei zuzustimmen, dass der Betre uungsvorschlag des Beistands einen Kompromiss darstellt, welcher von beiden Elternt eilen ohne erhebliche Einbussen umge- setzt werden kann. Aufgrund wesentlicher Differenzen de r Eltern hinsichtlich zentraler Punkte, konnte keine Lösung gefunden werden, mit welcher beid e Parteien einverstanden waren. Wei- ter ist der Ansicht zu folgen, dass es im Sinne des Kindesw ohls war, mit einem autoritativen Entscheid Klarheit und Stabilität zu schaffen. Eine mög lichst gleichmässige Verteilung insbe- sondere der Übernachtungen wäre wünschenswert, allerdin gs ist die vorgenommene Anpas- sung im Sinne des Kindeswohls angezeigt. Sodann wird d iese Betreuungsregelung bereits seit bald einem halben Jahr gelebt und es wird nicht gelte nd gemacht, dass diese Regelung negati- ve Auswirkungen auf F.____ hat oder sie in ihrer Entwicklung einschränkt. Entsprechend drängt sich im Sinne der Kontinuität und Stabilität der gele bten Verhältnisse keine abermalige Ände- rung auf. Die Neuregelung ist aufgrund der vorstehende n Erwägungen als verhältnismässig zu betrachten. 5.3 Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass eine wesentliche Änderung der Verhältnisse vorliegt und die Regelung des Orts des Kind ergarteneintritts sowie auch die Neu- regelung der Betreuungsanteile zur Wahrung des Kind eswohls nötig waren. Der Entscheid der KESB vom 12. August 2021 gibt im Ergebnis keinen Anlass zur Beanstandung. Die vorliegende Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. 6. Auch wenn die Regelung von sämtlichen Parteien ver mutlich sinngemäss korrekt ver- standen wurde, weist das Gericht der guten Ordnung hal ber darauf hin, dass F.____ jedes Wo- chenende alternierend bei ihrem Vater und bei ihrer Mutter verbringen soll und nicht nur jedes zweite Wochenende, wie dies im Entscheid der Vorinstanz festgehalten wurde. 7.1 Es bleibt über die Verlegung der Kosten zu befind en. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verf ahrenskosten umfassen die Ge- richtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der R egel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem Au sgang des Verfahrens ent- sprechend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1 '500.-- der Beschwerdeführerin auf- zuerlegen und mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.-- zu ver- rechnen. 7.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Ausgang des Verfa hrens entsprechend ist dem an- waltlich vertretenen Beschwerdegegner eine Parteientsch ädigung zu Lasten der Beschwerde- führerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdegegners weist in seiner Honorarno- te vom 19. Oktober 2021 einen Zeitaufwand von 10.8333 Std. à Fr. 250.-- sowie Auslagen in Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Höhe von Fr. 30.60 aus, was nicht zu beanstanden ist. Demzufolge hat die Be- schwerdeführerin dem Beschwerdegegner eine Parteientsch ädigung in der Höhe von ins- gesamt Fr. 2'949.85 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) auszurichten. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Ko stenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.-- verrechnet. 3. Die Beschwerdeführerin hat dem Beschwerdegegner ei ne Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2’949.85 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) auszurichten. Die übrigen Parteikosten werden wet tgeschla- gen. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.