B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3129/2015 U r t e i l v o m 8 . D e z e m b e r 2 0 1 7 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter François Badoud, Gerichtsschreiberin Blanka Fankhauser. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), Syrien, beide vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), vormals Bundesamt für Migration (BFM) Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 16. April 2015 / N (…). E-3129/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden sind syrische Staatsangehörige kurdischer Eth- nie mit letztem Wohnsitz in B._______ (Provinz Al-Hassaka). Die Beschwerdeführerin verliess eigenen Angaben zufolge mit ihrer Toch- ter C._______ illegal ihre Heimat an einem ihr unbekannten Datum in Rich- tung Türkei und reiste anschliessend von Istanbul aus legal mit einem Vi- sum am 15. Januar 2014 in die Schweiz ein, wo sie am 21. Januar 2014 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ um Asyl nach- suchte. Am 5. Februar 2014 fand ihre Befragung zur Person (BzP) statt und am 15. September 2014 wurde sie zu ihren Asylgründen angehört. Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin in der BzP geltend, persönlich keine Probleme mit den Behörden gehabt zu ha- ben und wegen ihrer Krankheit ausgereist zu sein, um sich hier behandeln zu lassen, da es in Syrien keine Medikamente mehr gebe. Bei der Anhö- rung fügte sie hinzu, ihr Mann und Sohn hätten als Ajnabi nicht arbeiten können, bevor sie sich eingebürgert hätten. Sie habe mit ihrer Tochter und ihrem Sohn an Demonstrationen teilgenommen, und da sie Angst vor der syrischen Regierung gehabt habe, sei sie ausgereist. Zudem würden sich (…) Töchter und (…) Söhne in der Schweiz befinden. Der Beschwerdeführer reiste am 8. Septembe r 2014 mit seinem Sohn E._______ und dessen Frau sowie mit seinem Enkel in die Schweiz ein und stellte am 16. September 2014 im EVZ D._______ ein Asylgesuch. Dort wurde er am 3. Oktober 2014 summarisch befragt und am 9. Februar 2015 erfolgte die Anhörung zu den Asylgründen durch das SEM. Dabei brachte der Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen vor, er sei als Ajnabi vor dem Bürgerkrieg immer wieder durch die syrischen Behörden ungerecht behandelt und belästigt worden. So habe er das Haus, das Auto und sein Geschäft nicht auf seinen eigenen Namen registrieren können. Im Jahre 2011 habe er die syrische Staatsan- gehörigkeit erhalten. Danach seien etwa 100 000 Ajanib von der syrischen Regierung zum Militärdienst einberufen worden. Nach Beginn der Unruhen habe er nach dem 15. April 2011 an etwa 20 Demonstrationen teilgenom- menem, bis nicht mehr demonstriert worden se i. Nachdem die Behörden die Stadt verlassen hätten, seien die Shabiha -Milizen in der Stadt geblie- ben. Diese würden für die Regierung arbeiten und Leute entführen und tö- ten. Am 13. März 2012 habe er an einer kleinen, friedlichen Demonstration E-3129/2015 Seite 3 teilgenommen, weil (…) entlassen worden seien. Es seien Leute vom Ge- heimdienst vorbeigekommen. Er habe zwischen den Fronten zu schlichten versucht und sei dabei von zwei Shabiha-Leuten am Kopf verletzt worden, worauf er zu Boden gefallen sei. Daraufhin hätten sich die Shabiha-Leute entfernt. Anschliessend sei er von zwei Bekannten nach Hause gebracht worden. Ansonsten habe er mit S habiha keine Probleme gehabt. Nach dem Rückzug der Regierung aus der Stadt hätten im August/September 2013 die Apojis verlangt, dass er den Militärdienst leiste. Da er das nicht habe machen wollen, sei er im August 2014 in die Türkei gegangen. Nach einigen Tagen sei er wieder zurückgekehrt, um sein Auto zu verkaufen, das Haus zu vermieten und jemanden für sein Geschäft zu finden, in welchem er als (…) tätig gewesen sei. Sein Sohn F._______, der mit einem Christen befreundet gewesen sei, habe deswegen Probleme gehabt. Ferner seien er selbst und sein Sohn auf einer Fahndungsliste. Zum Nachweis ihrer syrischen Staatsangehörigkeit reichten die Beschwer- deführenden ihre syrischen Identitätskarten zu den Akten. Weiter reichten sie verschiedene Fotos von Demonstrationen und eine DVD zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 16. April 2015 – eröffnet am 17. April 2015 – stellte die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigen- schaft nicht, und lehnte ihre Asylgesuche ab. Zugleich ver fügte sie deren Wegweisung aus der Schweiz, verzichtete jedoch wegen Unzumutbarkeit auf die Anordnung des Vollzugs und schob diesen zugunsten einer vorläu- figen Aufnahme auf. C. Mit Eingabe vom 15. Mai 2015 reichten die Beschwerdeführenden durch ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein. Sie beantragten in materieller Hinsicht, die angefochtene Verfügung sei in den Ziffern 1-3 aufzuheben, es sei ihnen die Flüchtlingseigenschaft anzu- erkennen und in der Schweiz Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht beantragten sie den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die Bestellung ei- nes unentgeltlichen Rechtsbeistands in der Person des Unterzeichneten. D. Mit Zwischenverfügung vom 4. Juni 2015 wurden die Gesuche um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Rechtsverbeiständung E-3129/2015 Seite 4 und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses infolge Aus- sichtslosigkeit der Rechtsbegehren abgewiesen und d ie Beschwerdefüh- renden wurden aufgefordert, innert Frist einen Kostenvorschuss zu leisten. Dieser wurde am 18. Juni 2015 fristgerecht einbezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. E-3129/2015 Seite 5 4. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden einzig die Fragen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Wegwei- sungsvollzug ist nicht zu prüfen, nachdem d ie Vorinstanz die vorläufige Aufnahme zugunsten der Beschwerdeführenden angeordnet hat. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art . 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine a sylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf- gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu werden drohen. Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zei tlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Die Furcht vor künftiger Verfolgung umfasst allgemein ein auf tatsächlichen Gegebenheiten beru- hendes objektives Element einerseits sowie die persönliche Furchtempfin- dung der betroffenen Person als subjektives Element andererseits. Be- gründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat demnach, wer gute – d.h. von Dritten nachvollziehbare – Gründe (objektives Element) für seine Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser Wahrschein- lichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; BVGE 2011/50 E. 3.1.1; BVGE 2011/51 E. 6; BVGE 2008/4 E. 5.2, je m.w.H.). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen E-3129/2015 Seite 6 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 6.1.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheides qualifizierte die Vorinstanz die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen als den Anforde- rungen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht ge- nügend. Gemäss geltender Rechtsprechung würden die Ajanib in Syrien keiner Kollektivverfolgung unterliegen. Von staatlichen Repressionen, die ein menschenwürdiges Leben in Syrien verunmöglichen würden, könne für diese Personengruppe generell nicht gesprochen werden. Zudem hätten die im Distrikt Al-Hassaka registrierten Ajanib gemäss präsidialem Dekret 49 vom 7. April 2011 die Möglichkeit, die syrische Staatsangehörigkeit zu erhalten. Seither würden sich unzählige Ajanib einbürgern lassen und seien somit den Kurden gleichgestellt, welche schon zuvor im Besitz der syrischen Staatsangehörigkeit gewesen seien. Die Beschwerdeführenden hätten sich im Jahr 2011 einbürgern lassen. Dem Umstand, dass sie vorher Ajanib gewesen seien und damals von der Regierung und der Behörden ungerecht behandelt worden seien, komme daher keine asylrelevante Be- deutung zu. 6.1.2 Es widerspreche sodann sämtlichen verfügbaren Quellen, dass man den Beschwerdeführer, der im Jahre 2011 (…) Jahre alt gewesen sei, noch in den Militärdienst habe einziehen wollen. 6.1.3 Im Weiteren habe der Beschwerdeführer ausgesagt, an etwa 20 De- monstrationen teilgenommen zu haben. Gefragt, ob er mit der Regierung deswegen Probleme gehabt habe, habe er geantwortet, dass sich die Re- gierung zurückgezogen habe und nu r die Shabiha und Al N oussra Front geblieben seien. Aus dieser Antw ort und aus der Tatsache , bis in s Jahr 2014 in Syrien gewohnt zu haben, könne gefolgert werden, dass er wegen dieser Demonstrationsteilnahmen von der syrischen Behörden nicht ge- sucht werde. 6.1.4 Ebenfalls habe die Beschwerdeführerin, die an Demonstrationen teil- genommen habe, keine Pr obleme mit den syrischen Behörden gehabt, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass sie von ihnen gesucht werde. E-3129/2015 Seite 7 6.1.5 Sodann habe der Beschwerdeführer angegeben, er, sein Sohn F._______ und eine Tochter stünden auf der Fahndungsliste. Aus seinen Schilderungen könne jedoch nicht gefolgert werden, dass er tatsächlich auf einer Fahndungsliste stehe. Vielmehr handle es sich um eine von ihm ge- äusserte Vermutung ohne hinreichende Anhaltspunkte für eine Bedrohung. 6.1.6 Auch der geschilderte Vorfall, der Beschwerdeführer sei am 13. März 2013 von den Shabiha Leuten geschlagen worden, vermöge nicht dazu zu führen, dass bei ihm von einer asylrechtlich relevanten Verfolgungsmass- nahme ausgegangen werden könne. Es habe sich um einen einmaligen Vorfall gehandelt, nachdem er sich bei einer kleineren Kundgebung z wi- schen die Streitparteien gestellt habe. 6.1.7 Sodann habe der Beschwerdeführer geltend gemacht , im Au- gust/September 2013 von den Apojis aufgefordert worden zu sein, Militär- dienst zu leisten. Er sei danach noch ein Jahr in Syrie n geblieben. Den Ausführungen könne nicht entnommen werden, dass er von ihnen unter Druck gesetzt worden wäre. Vielmehr habe er an einer anderen Stelle in der Anhörung ausgesagt, sein Leben sei in Gefahr, weil jeder e ine Waffe habe. Insgesamt könne somit nicht von einer begründeten Frucht vor Ver- folgung durc h die syrischen Behö rden, die Shabiha oder d ie Apojis im Sinne von Art. 3 AsylG ausgegangen werden. 6.1.8 Weiter würden die im Rahmen von Krieg oder Situationen allgemei- ner Gewalt erlittenen Nachteile keine Verfolgung im Sinne des Asylgeset- zes darstellen. Die Vorbringen der Beschwerdeführenden, wegen des Bür- gerkriegs respektive aus gesundheitlichen Gründen aus ihrem Heimat aus- gereist zu sein, seien nicht als asylrelevant zu qualifizieren. 6.2 In der Beschwerde wurde demgegenüber – unter Wiederholung der diesbezüglichen Aussagen der Beschwerdeführenden – im Wesentlichen ausgeführt, Sohn F._______ (N […]) habe in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt. Dieser habe in Syrien ebenfalls an regierungskritischen Demonst- rationen teilgenommen und überdies (…) finanziell unterstützt. Daher sei immer dessen (…) beschlagnahmt worden. Ferner sei F._______ vom IS (Islamischer Staat) mit dem Tode bedroht worden. Wegen drohender Re- flexverfolgung seien seine Akten beizuziehen. Die Vorinstanz zweifle zu Recht nicht an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er an zahlreichen Demonstrationen teilgenommen habe, von wel- chen zahlreiche Fotos eingereicht worden seien. Die Heimatregion der Be-E-3129/2015 Seite 8 schwerdeführenden sei ba ld nach Ausbru ch der Unruhen bis zum Zeit- punkt der Ausreise unter der Kontrolle kurdischer Kräfte gewesen, weshalb die Beschwerdeführenden vor staatlichen Übergriffen geschützt worden seien, obwohl sie von den oppositionellen Aktivitäten Kenntnis gehabt hät- ten. Dieser Schutz biete jedoch insbesondere für die Zukunft keine abso- lute Sicherheit , wie bereits vom Bundesverwaltungsgericht im Urteil D - 5779/2013 vom 25. Februar 2015 in E. 5.9.4. festgehalten worden sei. 7. 7.1 Nach einer Gesamtwürdigung der Aktenlage - auch unter Berücksich- tigung der Akten des Sohnes F._______ (N […]) - gelangt das Gericht zum Ergebnis, dass die geschilderten Fluchtgründe der Beschwerdeführenden keine asylrechtliche oder Flüchtlingseigenschaft begründende Relevanz zu entfalten vermögen. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die entspre- chenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden. 7.2 Insbesondere ist festzuhalten, dass sich die Benachteiligungen der Be- schwerdeführenden im Zusammenhang mit ihrer Zugehörigkeit zur kurdi- schen Minderheit als Ajnabi, die der Beschwerdeführer bei den beiden Be- fragungen jeweils gleich zu Beginn offenbar als für ihn zentrale Asylvorbrin- gen nannte, sich vor allem auf die Zeit vo r dem Bürgerkrieg bezogen. Da sich aber die Beschwerdeführenden im Jahre 2011 haben einbürgern las- sen und somit den anderen Kurden mit syri schen Staatsagehörigkei t gleichgestellt worden sind, entfalten diese zuvor stattgefundenen Diskrimi- nierungen, die weder von der Vorinstanz noch vom Gericht bezweifelt wer- den, keine asylrechtliche Relevanz. Die Feststellung, dass die Beschwer- deführenden grundsätzlich keinen statusbedingten Restriktionen und Dis- kriminierungen mehr ausgesetzt sind, gilt auch in der Bürgerkr iegssitua- tion, auch wenn nicht bestritten wird, dass die generelle Sicherheitslage angesichts der vielfältigen Kampfhandlungen zwischen den verschiedenen Gruppierungen prekär ist. 7.3 Ferner bestehen keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführen- den wegen ihrer Teilnahme an verschiedenen Demonstrationen nach Be- ginn des Bürgerkriegs das Interesse der syrischen Behörden auf sich ge- zogen hätten und als regimefeindliche Elemente namentlich identifiziert und registriert worden wären , zumal ihr persönliches polit isches Engage- ment nur sehr rudimentär dargestellt wurde. Nach ihrer Einbürgerung ist ihnen seitens der syrischen Behörden, die sich etwa Mitte 2012 aus ihrem Heimatgebiet zurückgezogen haben, nichts mehr geschehen. De r einma- lige Vorfall mit der regierungsnahen Shabihamiliz geschah eher zufällig E-3129/2015 Seite 9 und es sind dem Beschwerdeführer daraus keine persönlich en und kon- kreten Nachteile erwachsen. Zudem ist auch der Schlag auf den Kopf als zwar bedauerlich, aber nicht als intensiv genug zu beurteilen, um als asyl- rechtlich relevant zu gelten. Im Übrigen verneinte der Beschwerdeführer bei der BzP die diesbezügliche Frage, ob er persönlich Probleme mit den Milizen der Shabiha hatte, explizit (vgl. A27/11 7.02) , weshalb sich eine diesbezügliche Furcht vor zukünftigen asylrelevanten Nachteilen als unbe- gründet erweist. 7.4 Hinsichtlich der geltend gemachten Reflexverfolgung aufgrund der po- litischen Aktivitäten des Sohnes F._______ ist festzuhalten, dass den Akten keine Hinweise zu entnehmen sind, wonach diesem Massnahmen asylre- levanten Ausmasses seitens der Behörden oder Drittpersonen widerfahren sind beziehungsweise wonach er diese zu befürchten hätte. Die Asylgesu- che des Sohnes sowie dasjenige seiner Famil ie wurden mit gleichzeitig verfasster Verfügung des SEM abgelehnt. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt diesbezüglich mit Urteil vom heutigen Tag zum gleichen Schluss, nämlich dass diese r zum Zeitpunkt der Ausreise weder asylbeachtliche Verfolgungsmassnahmen erlitten hat noch dass ihm solche mit überwie- gender Wahrs cheinlichkeit drohen. Bei der Behauptung, dass der Be- schwerdeführer und sein Sohn auf einer Fahndungsliste stehen sollten, handelt es sich lediglich um eine durch nichts belegte Vermutung. Im Übri- gen bezeugt der Umstand, dass der Beschwerdeführer aus der Türkei nach Syrien zurückkehrte, um sein Auto zu verkaufen, sein Hause zu vermieten und jemanden für sein Geschäft zu finden, dass er sich offenbar persönlich sicher fühlte und in absehbarer Zukunft keine Behelligung im asylrelevan- tem Masse erwartete. Somit liegen keine konkreten Anhaltspunkte vor, die geeignet wären, eine allenfalls subjektiv empfundene Furcht vor einer mit erheblicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft drohenden Verfolgung objektiv zu begründen. 7.5 Schliesslich wird in der Beschwerde geltend gemacht, dass Sohn F._______ durch den I S bedroht worden sei. Den Akten sind aber keine Anhaltspunkte zu entnehmen, welche darauf hindeuten, dass der Be- schwerdeführer selbst konkret und gezielt eine derartige Verfolgung be- fürchten müsste. Aufgrund der verfügbaren Länderinformationen erscheint es jedenfalls nicht sehr wahrscheinlich, dass die Kurden zum heutigen Zeit- punkt einen auf sie persönlich gerichteten gewaltsamen Übergriff von An- gehörigen des IS zu befürchten haben, zumal sich der IS seit der Ausreise E-3129/2015 Seite 10 der Beschwerdeführenden aus deren Heimatregion zurückgezogen hat be- ziehungsweise durch die Syrian Democratic Forces (SDF) in al Raqqa und die syrische Armee in Deir-ez-Zor besiegt wurde. Damit erweisen sich die geltend gemachten Befürchtungen vor Verfolgung durch den IS als unbe- gründet. 7.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführen- den nicht gelungen ist, Fluchtgründe nachzuweisen oder glaubhaft zu ma- chen. An diesem Schluss vermögen auch die eingereichten Fotos nichts zu ändern. 7.7 Insgesamt ist für den vorliegenden Fall festzuhalten, dass sich die von den Beschwerdeführenden geltend gemachte Gefährdung aus der allge- meinen Bürgerkriegssituation ergibt, welcher mit der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs angemessen Rechnung getragen wurde. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8.3 Da das SEM in seiner Verfügung vom 16. April 2015 die vorläufige Auf- nahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz angeordnet hat, erübri- gen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge- samt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar E-3129/2015 Seite 11 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung dieser Kosten verwendet. (Dispositiv nächste Seite) E-3129/2015 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung dieser Kos- ten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Blanka Fankhauser Versand: