<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">313</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>60</b></span> <span class="ft2"><b>Ermessensveranlagung (§ 191 Abs. 3 StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bei einer nicht ordnungsgemäss geführten Buchhaltung kann zur Bemes-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sung des Erfolgs die Bruttogewinnmarge herangezogen werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Steuerrekursgerichtes vom 21. Januar 2010 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen T. GmbH (3-RV.2008.199)</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">6.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Ermessensveranlagung basiert auf einer Schätzung des Um-</span><br/> <span class="ft1">satzes. Der mutmassliche (Bar-)Umsatz wurde dabei durch einen</span><br/> <span class="ft1">Vergleich des Warenaufwandes und der Bruttogewinnmarge be-</span><br/> <span class="ft1">stimmt. Im Einspracheentscheid wurde dazu ausgeführt:</span><br/> <span class="ft3">"Aufgrund der nicht ordnungsgemäss geführten Kasse kann kein di-</span><br/> <span class="ft3">rekter Vergleich des Umsatzes mit Vorjahren vorgenommen werden, da ja</span><br/> <span class="ft3">just der Umsatz aufgrund der nicht ordnungsgemässen Kassa nicht korrekt</span><br/> <span class="ft3">ist. Ein Vergleich des Jahresumsatzes mit der vorgenommenen Aufrechnung</span><br/> <span class="ft3">ergibt aus den gleichen Gründen keine logische Bezugsgrösse, da ja</span><br/> <span class="ft3">wiederum der Umsatz als Vergleichsgrösse herangezogen werden muss. Als</span><br/> <span class="ft3">korrekte Bezugsgrösse kann der Warenaufwand herangezogen werden, da</span><br/> <span class="ft3">dieser durch die nicht ordnungsgemäss geführte Kasse nicht tangiert ist. Im</span><br/> <span class="ft3">Geschäftsjahr 2004 wurde ein Warenaufwand von Fr. 671'681 ausgewiesen.</span><br/> <span class="ft3">Der Warenaufwand eignet sich daher als Ausgangspunkt für eine Ver-</span><br/> <span class="ft3">gleichsrechnung. Aufgrund der Überlegung, dass sich das durch die Steuer-</span><br/> <span class="ft3">pflichtige betriebene Geschäft nicht grundlegend von Jahr zu Jahr komplett</span><br/> <span class="ft3">verändert und daher eine gewisse Kontinuität bietet, eignet sich als weitere</span><br/> <span class="ft3">Bezugsgrösse die Bruttogewinnmarge. Unsere Schätzung der mutmassli-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">314</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">chen fehlenden Bargeldeinnahmen beruht auf einer Margenschätzung im</span><br/> <span class="ft3">Vergleich zu den Vorjahren.</span><br/> <span class="ft3">Der mutmasslich fehlende Kassabetrag wurde aufgrund einer Margen-</span><br/> <span class="ft3">vergleichsrechnung berechnet. Der in der Erfolgsrechnung 2004 ausgewie-</span><br/> <span class="ft3">sene Bruttogewinn betrug 31,1 %. Im 2003 wurde ein Bruttogewinn von</span><br/> <span class="ft3">45,1 % resp. für das Geschäftsjahr 2002 von 50,6 % ausgewiesen. Auch die</span><br/> <span class="ft3">früheren Jahre ergeben einen ähnlichen Bruttogewinn von 48,1 % für 2001,</span><br/> <span class="ft3">47,7 % für 2000. Dies erscheint die plausibelste Schätzungsmethode, da im</span><br/> <span class="ft3">Vergleichszeitraum diverse neue Verkaufsstandorte dazukamen und somit</span><br/> <span class="ft3">ein Umsatzvergleich nicht möglich ist. Aufgrund dieser Ausgangslage ist</span><br/> <span class="ft3">nicht einzusehen, warum im Geschäftsjahr 2004 die Marge auf rekordtiefe</span><br/> <span class="ft3">31,1 % sackte. Unsere Berechnung ging von einer mutmasslichen Marge</span><br/> <span class="ft3">von rund 41,1 % aus. Dies ergäbe immer noch einen Rückgang der Brutto-</span><br/> <span class="ft3">gewinnmarge gegenüber dem Vorjahr von rund 4 %, was einer Umsatzein-</span><br/> <span class="ft3">busse durch zusätzliche Lockvogelangebote und zusätzliche Aktionen ge-</span><br/> <span class="ft3">genüber dem Vorjahr von rund Fr. 85'000 Umsatz ergeben würde."</span><br/> <span class="ft1">6.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Rekurrentin führte dagegen im Rekurs aus, dass eine mar-</span><br/> <span class="ft1">kante Margenverschlechterung eingetreten sei, da sich die Rahmen-</span><br/> <span class="ft1">bedingungen verschlechtert hätten. Angestellte hätten nicht alle Ver-</span><br/> <span class="ft1">käufe getippt oder nachträglich Stornos gemacht. Dadurch seien der</span><br/> <span class="ft1">Rekurrentin Einnahmen entzogen worden. Diese Betrügereien seien</span><br/> <span class="ft1">nicht immer nachweisbar gewesen. Teilweise seien Kündigungen</span><br/> <span class="ft1">ausgesprochen worden. Auch vermehrte Ladendiebstähle hätten</span><br/> <span class="ft1">(mangels genügender Aufsicht durch das angestellte Personal) zu ei-</span><br/> <span class="ft1">ner Umsatzminderung geführt. Im Zusammenhang mit dem Wechsel</span><br/> <span class="ft1">von Geschäftsstandorten seien Rampenverkäufe durchgeführt wor-</span><br/> <span class="ft1">den. Dadurch seien zusätzliche Kosten entstanden. Der neu einge-</span><br/> <span class="ft1">führte Verkauf von Lebensmitteln sei nicht rentabel gewesen und</span><br/> <span class="ft1">habe ebenfalls auf die Marge gedrückt. Dieser sei deshalb wieder</span><br/> <span class="ft1">eingestellt worden. Zu beachten sei sodann die Konkurrenzsituation</span><br/> <span class="ft1">mit anderen Anbietern (auch beim Wareneinkauf). Insgesamt seien</span><br/> <span class="ft1">mit der Eröffnung neuer Verkaufsstellen die Kosten, insbesondere die</span><br/> <span class="ft1">Miet- und die Personalkosten, gestiegen. Auch die persönliche</span><br/> <span class="ft1">Situation von X (Krankheit/Ehetrennung) wurde erwähnt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">315</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">6.4.</span><br/> <span class="ft1">6.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Vorab ist festzuhalten, dass die vom KStA für die Schätzung des</span><br/> <span class="ft1">Umsatzes gewählte Methode auf sachlichen Überlegungen basiert</span><br/> <span class="ft1">und daher nicht zu beanstanden ist. Die Methodenwahl selbst wird</span><br/> <span class="ft1">auch von der Rekurrentin im Grundsatz nicht gerügt. Hingegen sind</span><br/> <span class="ft1">die von der Rekurrentin zur Margenverkürzung vorgebrachten Ein-</span><br/> <span class="ft1">wendungen zu prüfen. Diese Prüfung ist insbesondere auch in Be-</span><br/> <span class="ft1">rücksichtigung des bestehenden Ermessenspielraumes und der Be-</span><br/> <span class="ft1">weislastumkehr vorzunehmen.</span><br/> <span class="ft1">6.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Vorab ist zu berücksichtigen, dass nicht nur zusätzliche Kosten</span><br/> <span class="ft1">durch Miete und Personal angefallen sind. Mit der Schliessung der</span><br/> <span class="ft1">Filiale in A. per Ende Januar 2004 sind auch Kosten weggefallen.</span><br/> <span class="ft1">Aus den mit dem Rekurs eingereichten Umsatztabellen gehen</span><br/> <span class="ft1">zwar keine Neueröffnungen oder weitere Filialwechsel hervor (nach</span><br/> <span class="ft1">den Feststellungen der Vorinstanz wurden ein Provisorium in E. per</span><br/> <span class="ft1">1. September 2004 und ein Standort in O. ab 1. Januar 2004 eröff-</span><br/> <span class="ft1">net). Welcher Umsatz auf die im Rekurs genannten Standorte in E.</span><br/> <span class="ft1">und B. (dieser wird im Rekurs neu genannt) entfallen ist und welchen</span><br/> <span class="ft1">Einfluss die einzelnen Standorte auf die Entwicklung der Bruttoge-</span><br/> <span class="ft1">winnmarge im Jahr 2004 gehabt haben soll, lässt sich aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">Angaben der Rekurrentin daher nicht begründet nachvollziehen. In-</span><br/> <span class="ft1">soweit sind die Einwendungen zum Vornherein unbehelflich.</span><br/> <span class="ft1">6.4.3.</span><br/> <span class="ft1">Zur personellen Situation ist festzuhalten, dass Y als Gesell-</span><br/> <span class="ft1">schafter und Geschäftsführer gemäss Auszug aus dem Handelsre-</span><br/> <span class="ft1">gister erst per 1. Dezember 2004 in die Gesellschaft eingetreten ist.</span><br/> <span class="ft1">Auf den gleichen Zeitpunkt ist Z als Gesellschafterin und Geschäfts-</span><br/> <span class="ft1">führerin ausgetreten. Damit verbundene Auswirkungen auf die</span><br/> <span class="ft1">Kostenstruktur können somit nicht als für das Jahr 2004 erheblich</span><br/> <span class="ft1">eingestuft werden. Über die Anstellung von W wurden sodann keine</span><br/> <span class="ft1">konkreten Angaben gemacht. Ebenso wenig wurden konkrete An-</span><br/> <span class="ft1">gaben zu den behaupteten Diebstählen bzw. Veruntreuungen durch</span><br/> <span class="ft1">Mitarbeiter gemacht. Fristlose Kündigungen - welche bei strafbaren</span><br/> <span class="ft1">Handlungen zum Nachteil der Arbeitgeberin ohne Weiteres möglich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">316</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wären - wurden nicht nachgewiesen. Auch über der Norm liegende</span><br/> <span class="ft1">Ladendiebstähle werden lediglich vermutet und sind nicht nachge-</span><br/> <span class="ft1">wiesen (Ein solcher Nachweis wäre wohl nur mit einer erhöhten</span><br/> <span class="ft1">Aufklärungsquote bei unveränderten Überwachungsmassnahmen</span><br/> <span class="ft1">möglich).</span><br/> <span class="ft1">6.4.4.</span><br/> <span class="ft1">In Bezug auf X als Gesellschafter und Geschäftsführer ist fest-</span><br/> <span class="ft1">zustellen, dass bereits in der Vorperiode gesundheitsbedingte</span><br/> <span class="ft1">Schwierigkeiten vorlagen.</span><br/> <span class="ft1">6.5.</span><br/> <span class="ft1">Diese von der Rekurrentin angeführten, margenreduzierenden</span><br/> <span class="ft1">Faktoren sind insoweit ohne wesentlichen Einfluss auf die Bruttoge-</span><br/> <span class="ft1">winnmarge und damit unbeachtlich. Weitere geltend gemachte Fak-</span><br/> <span class="ft1">toren wie beispielsweise eine besondere Konkurrenzsituation sind</span><br/> <span class="ft1">zwar denkbar, von der Vorinstanz jedoch mit der Festlegung der</span><br/> <span class="ft1">Bruttogewinnmarge unter dem Durchschnitt der letzten Jahre in ge-</span><br/> <span class="ft1">nügendem Ausmass berücksichtigt.</span><br/> <span class="ft1">7.</span><br/> <span class="ft1">Die Ermessensveranlagung erfolgte vorliegend zu Recht. Die</span><br/> <span class="ft1">Rekurrentin hat die Unrichtigkeit der Ermessensveranlagung nicht</span><br/> <span class="ft1">nachgewiesen. Der Rekurs ist daher abzuweisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>