Handelsgericht des Kantons Zürich Geschäfts-Nr.: HG110135-O U/dz Mitwirkend: Oberrichter Dr. George Daetwyler, Vizepräsident, und die Oberrich- terin Dr. Franziska Grob, die Handelsrichter Dr. Felix Graber, Thomas Steinebrunner und Christian Zuber sowie der Gerichts- schreiber Dr. David Egger Urteil vom 27. Mai 2015 in Sachen A._____, Klägerin vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____, gegen B._____ AG, Beklagte vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y2._____, betreffend Forderung - 2 - Inhaltsverzeichnis Sachverhalt und Verfahren ............................................................................................... 4 A. Sachverhaltsübersicht ............................................................................................... 4 a. Parteien und ihre Stellung .................................................................................... 4 b. Prozessgegenstand ............................................................................................... 4 B. Prozessverlauf ............................................................................................................ 5 Erwägungen ........................................................................................................................ 7 1. Formelles ..................................................................................................................... 7 2. Materielles ................................................................................................................... 7 2.1. Vorbemerkung .................................................................................................... 7 2.2. Anwendbares Recht .......................................................................................... 7 2.3. Vermögensverwaltung und Schadenersatz aus Vertragsverletzung im Allgemeinen ........................................................................................................ 8 2.4. Zustandekommen eines (mündlichen) Vermögensverwaltungs- vertrages............................................................................................................10 2.4.1. Ausgangslage ....................................................................................................10 2.4.2. Rechtliches.........................................................................................................10 2.4.3. Parteistandpunkte und Würdigung.................................................................10 2.5. Inhalt des Vermögensverwaltungsvertrages im Einzelnen .......................11 2.5.1. Allgemeines .......................................................................................................11 2.5.2. Rechtliches.........................................................................................................11 2.5.3. Anfängliche Anlagestrategie und -ziele .........................................................12 2.5.4. Anpassung der Anlagestrategie bzw. der Anlageziele? .............................16 2.5.4.1. Allgemeines ....................................................................................................16 2.5.4.2. Unbestrittener Sachverhalt bezüglich der Anpassung der Anlagestrategie bzw. der Anlageziele.......................................................................17 2.5.4.3. Parteistandpunkte..........................................................................................17 2.5.4.4. Würdigung.......................................................................................................21 2.6. Auflösung des Vermögensverwaltungsvertrages .......................................25 2.6.1. Allgemeines .......................................................................................................25 2.6.2. Parteibehauptungen .........................................................................................25 2.6.3. Rechtliches.........................................................................................................27 2.6.4. Würdigung ..........................................................................................................27 2.7. Anspruch auf Schadenersatz aus dem Vermögensverwaltungsvertrag .32 2.7.1. Voraussetzungen im Überblick .......................................................................32 2.7.2. Schaden .............................................................................................................33 2.7.2.1. Grundsatz .......................................................................................................33 2.7.2.2. Parteibehauptungen ......................................................................................33 2.7.2.3. Rechtliches .....................................................................................................40 2.7.2.4. Würdigung.......................................................................................................45 2.7.2.5. Fazit .................................................................................................................53 2.8. Anspruch auf Herausgabe der Retrozessionen und Finder's Fees aus dem Vermögensverwaltungsvertrag .............................................................53 2.8.1. Allgemeines .......................................................................................................53 2.8.2. Parteistandpunkte .............................................................................................53 2.8.3. Rechtliches.........................................................................................................55 2.8.4. Würdigung ..........................................................................................................57 2.9. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen...........................................63 3. Kosten- und Entschädigungsfolgen ......................................................................63 - 3 - Rechtsbegehren gemäss Klage: (act. 1 S. 2) " 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von EUR 282'632.– zuzüglich 5% Zins seit dem 8. Juni 2011 und den Betrag von EUR 69'867.– zuzüglich 5% Zins seit dem 8. Juni 2011 zu bezahlen. 2. Eventualiter sei der nicht ziffernmässig nachweisbare Schaden per Urteilszeitpunkt der Klägerin im Sinne von Art. 42 OR nach richterlichem Ermessen zu bestimmen und die Beklagte zu ver- pflichten, der Klägerin diesen zuzüglich 5% Zins seit dem Urteils- zeitpunkt zu bezahlen. 3. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von EUR 20'787.90 zuzüglich 5% Zins seit dem 28. Oktober 2008 zu bezahlen. 4. Es sei die Beklagte unter Androhung der Überweisung ihrer ver- antwortlichen Organe an den Strafrichter nach Art. 292 StGB zu verpflichten, der Klägerin vollständig Rechenschaft abzulegen (mit entsprechend dokumentierten Nachweisen und Hinweisen zur Aufschlüsselung) über sämtliche Honorare, Provisionen, Kickbacks, Retrozessionen, Finder's Fees und andere indirekte Vorteile, die die Beklagte im Zusammenhang mit der Verwaltung des Vermögens der C._____ (Panama) von Dritten erhalten hat oder allenfalls noch von Dritten zu fordern berechtigt ist. Diese Rechenschaftsablage hat innert einer vom Gericht anzusetzen- den Frist an das Gericht zu Handen der Klägerin zu erfolgen. 5. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin, zusätzlich zu den Forderungen gemäss Ziff. 1 bzw. Ziff. 2 und gemäss Ziff. 3, den sich aus der Abrechnung gemäss Ziff. 4 ergebenden Betrag respektive einen nach Abschluss des Beweisverfahrens durch die Klägerin zu beziffernden Betrag, mindestens jedoch EUR 10'000.–, nebst Zins zu 5% seit dem 28. Oktober 2008 zu bezahlen. 6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklag- ten." Geändertes Rechtsbegehren gemäss Replik: (act. 34 S. 2) " 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von EUR 282'632.– zuzüglich Zins von 5% seit dem 8. Juni 2011 zu bezahlen. 2. Eventualiter sei der nicht ziffernmässig nachweisbare Schaden per Urteilszeitpunkt der Klägerin im Sinne von Art. 42 OR nach richterlichem Ermessen zu bestimmen und die Beklagte zu ver-- 4 - pflichten, der Klägerin diesen zuzüglich 5% Zins seit dem Urteils- zeitpunkt zu bezahlen. 3. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von EUR 20'787.90 zuzüglich Zins von 5% seit dem 28. Oktober 2008 zu bezahlen. 4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der B e- klagten." Sachverhalt und Verfahren A. Sachverhaltsübersicht a. Parteien und ihre Stellung Die im Jahre 1953 geborene Klägerin ist deutsche Staatsbürgerin und von Beruf Kauffrau. Sie hat einen im Jahre 1987 geborenen Sohn namens D._____ und lebt in E._____ (act. 1 Rz. 7 und Rz. 10; vgl. bereits act. 13 S. 4). Bei der Beklagten handelt es sich um eine schweizerische Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich. Statutarischer Zweck der Gesellschaft ist die Vermögens - und Lie- genschaftenverwaltung sowie die Beratung in Finanzierungs - und Grund- stücksangelegenheiten einschliesslich deren Abwicklung und Betreuung (act. 1 Rz. 8; act. 3/2). b. Prozessgegenstand Die Klägerin nahm im Herbst 1996 im Hinblick auf die Verwaltung eines Teils i h- res Vermögens Kont akt mit der Beklagten auf. Ab November 1996 war die B e- klagte, und daselbst F._____ [vollständiger Name] ( F._____ trat gegenüber der Klägerin und in den im vorliegenden Verfahren relevanten Dokumenten unter dem Namen F._____ auf), mit der Verwaltung der von der Klägerin beim damaligen G._____, heute aufgegangen in der G1._____, wiederholt eingebrachten Mittel beauftragt. Bis im Juni 2008 verlief die Geschäftsbeziehung soweit ersichtlich problemlos, resultierten doch regelmässig Gewinne aus der Vermögensverwal- tung durch die Beklagte . Im Juni 2008 musste die Beklagte einen Verlust verme l- den, was zu einer Diskussion über die Anlagestrategie, das weitere Vorgehen und schliesslich zur Zerrüttung der Geschäftsbeziehung mit Auflösung des Verm ö-- 5 - gensverwaltungsvertrages im Sommer/Herbst 2008 führte. Die Klägerin verlangt mit ihrer Klage einerseits Schadenersatz wegen unsorgfältiger Vermögensverwal- tung und andererseits die Herausgabe der indirekten Vorteile aus dem Vertrags- verhältnis. Die Beklagte verwahrt sich vollumfän glich gegen die Klage und bean- tragt deren Abweisung. Sie erhebt zudem hinsichtlich gewisser indirekter Vorteile die Einrede der Verjährung. B. Prozessverlauf Am 17. Juni 2011 reichte die Klägerin die vorliegende Klage mit den obgenannten Rechtsbegehren ein (act. 1). Gleichentags wurde ihr Frist zur Leistung eines Ge- richtskostenvorschusses von CHF 27'000.– angesetzt, welcher fristgerecht geleis- tet wurde (Prot. S. 2 f., act. 5). Innert laufender Frist zur Erstattung der Klageant- wort (Prot. S. 4) erhob die Beklagte mit Eingabe vom 16. September 2011 die Ein- rede der Unzuständigkeit des Handelsgerichts und beantragte, das Verfahren auf die Frage der Zuständigkeit des angerufenen Gerichts zu beschränken und die Frist zur Einreichung der Klageantwort abzunehmen (act. 7). Mit Verfügung vom 20. September 2011 wurde diesen Anträgen in Anwendung von Art. 125 lit. a ZPO entsprochen und der Klägerin Frist zur Stellungnahme zur Unzuständigkeitseinre- de angesetzt (Prot. S. 5). Diese wurde am 7. Oktober 2011 erstattet (act. 11). Ein Doppel der klägerischen Eingabe wurde der Beklagten am 11. Oktober 2011 zu- gestellt (Prot. S. 6). Mit Beschluss vom 23. Januar 2012 wies das Handelsgericht in Bezug auf die Ansprüche, welche die Verwaltung des Vermögens der Klägerin betreffen, die Unzuständigkeitseinrede der Beklagten ab. In Bezug auf die An- sprüche der Klägerin, welche die Verwaltung des Vermögens der C._____ betref- fen, wurde dagegen auf die Klage nicht eingetreten, insoweit diese aus dem Man- dats- und Treuhandvertrag vom 12. Juni bzw. 3. August 2000 abgeleitet werden. Im Übrigen wurde die von der Beklagten erhobene Unzuständigkeitseinrede ab- gewiesen und das Verfahren weitergeführt (act. 13). Gegen diesen Beschluss er- hob die Beklagte Beschwerde beim Bundesgericht (act. 15, 17 und 18). Mit Urteil vom 6. August 2012 hiess das Bundesgericht die Beschwerde gut und hob Dispo- sitiv-Ziffer 2 des Beschlusses des Handelsgerichts des Kantons Zürich vom 23. Januar 2012 auf und fasste diese wie folgt neu: "Auf die klägerischen Rechtsbegehren 4 und 5, auf das klägerische Rechtsbegehren 1, soweit darin die Verurteilung der Beschwe rdeführerin zur Zahlung von EUR 69'867.– zuzüglich 5% Zins seit dem 8. Juni 2011 verlangt wird, sowie auf - 6 - das klägerische Rechtsbegehren 2, soweit darin Ansprüche geltend gemacht werden, die sich auf die Verwaltung des Vermögens der C._____ beziehen, wird nicht eingetreten." (act. 19 und 20). Soweit die klägerischen Rechtsbegehren auf Grund der Entscheide des Handel s- gerichts vom 23. Januar 2012 und des Bundesgerichts vom 6. August 2012 noch zu beurteilen sind, wurde das Verfahren in der Folge weitergeführt und der B e- klagten die F rist für die Klageantwort neu angesetzt (act. 21). Die Klageantwort datiert vom 13. Dezember 2012 (act. 23). Am 26. Juli 2013 fand am hiesigen G e- richt eine Vergleichsverhandlung statt (Prot. S. 11 f.). Der anlässlich dieser Ver- gleichsverhandlung zwischen den Parteien unter Widerrufsvorbehalt geschloss e- ne Vergleich (act. 28) wurde jedoch von der Klägerin mit Schreiben vom 15. August 2013 widerrufen (act. 29). Das Verfahren wurde in der Folge weiter geführt (act. 30). Mit Schreiben vom 18. Oktober 2013 zeigte Rechtsanwalt Dr. X._____ dem hiesigen Handelsgericht an, dass er neu mit der Vertretung der Interessen der Klägerin in der vorliegenden Angelegenheit beauftragt worden sei (act. 33/1; vgl. auch Prot. S. 15). Die Replik datiert vom 16. Dezember 2013 (act. 34), die Duplik vom 17. März 2014 (act. 39). Letztere wurde der Klägerin mit Verfügung vom 19. März 2014 zugestellt (act. 41). Mit Verfügung vom 13. März 2015 wurde den Parteien Frist angesetzt, um zu er- klären, ob sie – unter Vorbehalt der Durchführung eines Beweisverfahrens – auf die Durchführung der mündlichen Hauptverhandlung verzichteten (act. 43). Mit Eingabe vom 26. März 2015 (act. 45 ) verzichtete die Beklagte auf die Durchfü h- rung einer mündlichen Hauptverhandlung ; die Klägerin liess sich nicht verneh- men. Der Prozess erweist sich als spruchreif, weshalb das Urteil zu fällen ist (Art. 236 Abs. 1 ZPO). Auf die Vorbringen der Parteien sowie auf die Akten wird – soweit für die En t- scheidfindung notwendig – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge- gangen. - 7 - Erwägungen 1. Formelles Die Zuständigkeit des Handelsgerichts des Kantons Zürich war bereits Thema des handelsgerichtlichen Beschlusses vom 23. Januar 2012 (act. 13), der von der Beklagten mit Beschwerde vom 28. Februar 2012 an das Bundesgericht weiter- gezogen wurde (act. 17). Gemäss Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2012 (sowie Beschluss des Handelsgerichts vom 23. Januar 2012) beschränkt sich die Zuständigkeit des hiesigen Gerichts auf die klägerischen Rechtsbegehren Ziffer 1, 2 und 3, soweit diese Ans prüche betreffen, welche die Verwaltung des Verm ö- gens der Klägerin und nicht die Verwaltung des Vermögens der Stiftung C._____ betreffen (act. 19 und act. 20). Die Klägerin hat ihre Rechtsbegehren in der Folge in ihrer Replik entsprechend diesen Entscheiden angepasst (act. 34 S. 2). 2. Materielles 2.1. Vorbemerkung Die Klägerin fordert mit ihrer Klage vom 17. Juni 2011 von der Beklagten einer- seits Schadenersatz wegen unsorgfältiger Vermögensverwaltung und anderer- seits die Herausgabe der indirekten Vorteile aus dem Vertragsverhältnis. Der Hauptstreitpunkt zwischen den Parteien dreht sich insbesondere um die Frag e der vereinbarten Anlagestrategie und -ziele sowie um die Frage, ob diese Anlage- strategie und -ziele allenfalls im Laufe der langjährigen Vertragsbeziehung der Parteien angepasst wurden. 2.2. Anwendbares Recht Da die Klägerin ihren Wohnsitz in Deutschland und die Beklagte ihren Sitz in der Schweiz hat, liegt ein internationaler Sachverhalt vor. Die Parteien halten über- einstimmend und zutreffend fest, dass aufgrund der objektiven Anknüpfung am Sitz- bzw. Wohnsitzstaat der die charakteristische Leistung erbringenden Partei (Art. 117 IPRG) auf das geschilderte vertragliche Verhältnis schweizerisches Recht Anwendung findet (act. 1 Rz. 90, act. 23 Rz. 117). - 8 - Nachfolgend ist in einem ersten Punkt auf die Schadenersatzforderung der Kläge- rin wegen unsorgfältiger Vermögensverwaltung einzugehen. In einem zweiten Punkt ist der Anspruch auf Herausgabe der indirekten Vorteile aus dem Verm ö- gensvertragsverhältnis abzuhandeln. 2.3. Vermögensverwaltung und Schadenersatz aus Vertragsverletzung im Allgemeinen Vermögensverwaltung bedeutet die Betreuung von Anlagen durch einen mit di e- ser Aufgabe betrauten Verwalter (häufig Banken, aber auch andere so genannte "unabhängige" bzw. " externe" Vermögensverwalter). Die zu diesem Zweck abge- schlossene Vereinbarung bzw. die entsprechenden Standardverträge werden et- wa als Verwaltungsauftrag, Vermögensverwaltungsvereinbarung, Anlagevol l- macht o.ä. bezeichnet (GROSS, Fehlerhafte Vermögensverwaltung – Klage des Anlegers auf Schadenersatz, AJP 2006 S. 161 ff., S. 162). Die Vermögensverwal- tung wird in der Lehre definiert als eigenständiges Tätigwerden für und im Int e- resse des Anlegers mit Bezug auf die zur Verwaltung anvertraute Vermögen s- masse, wobei dem Vermögensverwalter die Verfügungsmacht über Vermögen s- werte eingeräumt wird ( SCHALLER, Handbuch des Vermögensrechts, Z ü- rich/Basel/Genf 2013, N 85; GUTZWILLER, Rechtsfragen der Vermögensverwal- tung, Zürich/Basel/Genf 2008, S. 23 ff.). Erteilt ein Kunde dem Vermögens verwal- ter einen Verwaltungsauftrag, so überlässt er es grundsätzlich dem Vermögen s- verwalter, die ihm innerhalb des Rahmens der Sorgfalts - und Treuepflichten und der Weisungen des Kunden als geeignet erscheinenden Anlageentscheide zu treffen und diese auszuführen, wobei eine "Einwilligung" des Kunden zu den ei n- zelnen Dispositionen nicht erforderlich ist ( GUTZWILLER, a.a.O., S. 27). Dies etwa im Unterschied zum Anlagevertrag, bei welchem nicht der beauftragte Anlagebe- rater, sondern der Kunde (der Anleger) let ztlich selbst den Investitionsentscheid fällt (SCHALLER, a.a.O., N 85). Gegenüber der Depotbank erhält der Vermögen s- verwalter in der Regel eine (beschränkte) Verwaltungsvollmacht, damit er die notwendigen Dispositionen veranlassen und benötigte Information en erhalten kann (vgl. G UTZWILLER, a.a.O., S. 12 f.). Der Vermögensverwaltungsvertrag untersteht dabei nach einhelliger Lehre und Rechtsprechung grundsätzlich dem Recht des einfachen Auftrages (BGE 124 III - 9 - 155 E. 2b, S. 161). Durch die Annahme eines Auftra ges verpflichtet sich der B e- auftragte, die ihm übertragenen Geschäfte oder Dienste vertragsgemäss zu be- sorgen (Art. 394 Abs. 1 OR). Er haftet dem Auftraggeber für getreue und sorgfäl- tige Ausführung des ihm übertragenen Geschäftes (Art. 398 Abs. 2 OR). Der Be- auftragte hat grundsätzlich nicht für den Erfolg seiner Tätigkeit einzustehen. Haf- tungsbegründend ist vielmehr eine unsorgfältige oder treuwidrige und den Au f- traggeber schädigende Ausführung des Auftrages. Das Mass der Sorgfalt be- stimmt sich nach objekti ven Kriterien. Erforderlich ist die Sorgfalt, die ein gewi s- senhafter Beauftragter in der gleichen Lage bei der Besorgung der ihm übertr a- genen Geschäfte anzuwenden pflegt. Höhere Anforderungen sind an den Beau f- tragten zu stellen, der seine Tätigkeit berufsm ässig, gegen Entgelt ausübt. Dabei ist nach der Art des Auftrages zu differenzieren und auch den besonderen U m- ständen des Einzelfalles Rechnung zu tragen. Bestehen für eine Berufsart oder ein bestimmtes Gewerbe allgemein befolgte Verhaltensregeln und Usanz en, kön- nen sie bei der Besti mmung des Sorgfaltsmasses heran gezogen werden (BGE 115 II 62, E. 3.a, S. 64; Urteil des Bun desgerichts 4A_140/2011 vom 27. Juni 2011, E. 2.1; Urteil des Bun desgerichts 4C.158/2006 vom 10. November 2006, E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 4C.18/2004 vom 3. Dezember 2004, E. 1.1). Wer Schadenersatzforderungen infolge Verletzung der Pflichten aus einem Au f- tragsverhältnis geltend macht, hat vorab den Bestand des Auftragsverhältnisses nachzuweisen. Anspruchsgrundlagen der Haftung bilden sodann eine Vertrags- verletzung, das Vorliegen eines Schadens, ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen der Vertragsverletzung und dem Schaden sowie ein Verschulden. Der Auftraggeber muss grundsätzlich die Vertragsverletzung, den Schaden und den Kausalzusammenhang beweisen; dem Beauftragten steht der Exkulpationsbe- weis offen (Art. 97 Abs. 1 OR). Allgemein gilt es bei Einzelproblemen, den aus Art. 8 ZGB fliessenden Grundsatz zu beachten, wonach derjenige das Vorhan- densein einer behaupteten Tatsache zu beweisen hat, welcher daraus Rechte ab- leitet (ZR 106 [2007] Nr. 1 S. 1 ff., S. 1). Es ist demnach – soweit erforderlich – im Folgenden zu prüfen, ob zwischen den Parteien ein Vermögensverwaltungsvertrag zustande gekommen ist, welchen I n- halt dieser Vermögensverwaltungsauftrag hat, ob die Beklagte ihre aus dem Ver- mögensverwaltungsvertrag fliessenden Sorgfaltspflichten verletzt hat, ob der Kl ä-- 10 - gerin daraus ein Schaden entstanden ist und ob ein adäquater Kausalzusam- menhang sowie ein Verschulden der Beklagten gegeben sind. 2.4. Zustandekommen eines (mündlichen) Vermögensverwaltungsvertra- ges 2.4.1. Ausgangslage Die Klägerin stützt ihre beiden Ansprüche auf Schadenersatz und auf Herausgabe der indirekten Vorteile auf einen mündlichen Vermögensverwaltungsvertrag mit der Beklagten. Die Ansprüche der Klägerin auf Schadenersatz und auf Herausga- be der indirekten Vorteile setzen das Bestehen eines (Vermögensverwaltungs -) Vertrags zwischen den Parteien voraus. 2.4.2. Rechtliches Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung untersteht die Verm ögensverwal- tung – wie oben bereits erwähnt wurde – den auftragsrechtlichen Regeln. Der Vermögensverwaltungsvertrag kommt somit durch gegenseitige übereinstimmen- de Willenserklärungen zustande (S CHALLER, a.a.O., N 158). Mit dem Vermögen s- verwaltungsvertrag räumt der Kunde dem Vermögensverwalter Verfügungsmacht über ein Vermögen ein, die dieser im Interesse des Kunden auszuüben hat . Der Kunde ist dabei berechtigt, aber nicht verpflichtet, Weisungen zu erteilen , um sei- ne Interessen zu konkretisieren. Neben der Einräumung der Verfügungsmacht und der Bezeichnung der Parteien geh ört zum notwendigen Inhalt eines Vermö- gensverwaltungsvertrages eine genaue Umschreibung des zu verwaltenden Ver- mögens, welche sich im Allgemeinen aus der Bezeichnung des Depots ergibt, in dem die Vermögenswerte liegen ( G UTZWILLER, a.a.O., S. 78; abweichend SCHAL- LER, a.a.O., N 158, welcher zu den objektiv wesentlichen Vertragspunkten auch die Anlagestrategie zählen will). 2.4.3. Parteistandpunkte und Würdigung Es ist zwischen den Parteien unstreitig, dass die Klägerin zu einem nicht exakt bestimmbaren Zeitpunkt im Herbst 1996 die Beklagte mündlich mit der Verwal- tung eines Teils ihres Vermögens beauftragt hatte (act. 1 Rz. 19; act. 23 Rz. 27 ff. und 119; act. 34 Rz. 5; act. 39 S. 30). In der Folge unterzeichnete die Klägerin zur - 11 - Abwicklung der Vermögensverwaltung am 14. November 1996 die Konto - und Depoteröffnungsunterlagen des G._____ (heute und nachfolgend G1._____) s o- wie ein allgemeines Vollmachtsformular für F._____ (act. 1 Rz. 20; act. 23 Rz. 29; act. 3/3). Ein schriftlicher Vermögensverwaltungsvertrag existiert nicht. Auch die Qualifikation dieses Vertragsverhältnisses als Vermögensverwaltungs- vertrag ist zwischen den Parteien unstrittig, sollte doch ein Teil des Vermögens der Klägerin der Beklagten zur Verw altung anvertraut werden (act. 1 Rz. 91; act. 23 Rz. 119). Zum Zweck der Vermögensverwaltung überwies die Klägerin zunächst am 15. November 1996 DM 1'000'000.– und am 28. Januar 1997 DM 500'000.– zur Verwaltung durch die Beklagte auf das auf ihren Namen lautende Konto bei der G1._____ (act. 1 Rz. 19-21; act. 7 Rz. 15). 2.5. Inhalt des Vermögensverwaltungsvertrages im Einzelnen 2.5.1. Allgemeines Die Parteien sind uneins darüber, welche Anlagestrategie bzw. -ziele zwischen den Parteien vereinbart wurden und ob diese Strategie bzw. Ziele im Laufe des Vermögensverwaltungsverhältnisses angepasst wurde. Die Parteien nehmen in diesem Zusammenhang teilweise diametral entgegengesetzte Positionen ein. Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, die Parteien hätten eine konservative A n- lagestrategie vereinbart; die Klägerin habe in der Folge nie eine risikoreichere A n- lagestrategie gewünscht oder eine solche genehmigt (act. 1 Rz. 19 ff.; act. 34 Rz. 5 ff.). Die Beklagte geht dagegen davon aus, dass die Klägerin zwar zu Be- ginn mit einer eher konservativen Anlagestrategie habe einsteigen wollen, Ziel sei jedoch eine möglichst hohe Performance und keinesfalls eine konservative Anl a- ge gewesen (act. 23 Rz. 27; act. 29 Rz. 25 ff.). 2.5.2. Rechtliches Nach der allgemeinen Beweislastregel von Art. 8 ZGB hat die Klägerin zu bewei- sen, dass sie mit der Beklagten die von ihr behauptete Anlagestrategie bzw. die von ihr behaupteten Anlageziele vereinbart hat. Demgegenüber hat die Beklagte - 12 - die späteren Anpassungen einer (beweismässig erstellten) ursprünglich verei n- barten Anlagestrategie zu beweisen. 2.5.3. Anfängliche Anlagestrategie und -ziele 2.5.3.1. Die Parteien sind sich darin einig, dass das Vermögensverwaltungs- verhältnis im Herbst 1996 " mit einer vorsichtigen, eher konservativen Anlagestr a- tegie" seinen Anfang nahm (act. 1 Rz. 14 ff. und 19 ff.; act. 23 Rz. 27 und 33 ; act. 34 Rz. 6; act. 39 Rz. 57 ["Der Hinweis auf den Übersichten rührt daher, dass die Beklagte grundsätzlich nur konservativ investierte (…). Dies war auch bei der Klägerin am Anfang der Fall." ], act. 39 Rz. 129 [in Rz. 129 spricht die Beklagte plötzlich von einer "rentablen A n- lagestrategie", wobei die Rendite von 5% mit einer "konservativen Anlagestrat e- gie" noch zu erzielen gewesen sei]; Hervorhebung durch das Gericht). Dieser Begin n mit einer "vorsichtigen, eher konservativen Anlagestrategie" wide r- spiegelt sich auch – und darin sind sich die Parteien einig – im Vermögens- ausweis der G1._____ per 31. Dezember 1998 (act. 3/4). Unabhängig davon, ob nun das Portfolio der Klägerin zu 0.9% aus Aktien – wie dies die Klägerin behaup- tet (act. 1 Rz. 21) – oder zu 12.5% aus Aktien – wie dies die Beklagte behauptet (act. 23 Rz. 33) – bestand, ist eine Anlagestrategie, bei der fast das ganze Ver- mögen in Obligationen angelegt ist , als konservativ zu bezeichnen ( vgl. etwa SCHALLER, Der Einsatz strukturierter Produkte in der Vermögensverwaltung, recht 2012, S. 102 ff.). Dieser Ansicht ist auch die Klägerin, welche in einer unbestritt e- nen Behauptung eine Anlagestrategie, in der mindestens 60% des Verm ögens in Obligationen, Obligationenfonds und Liquidität investiert werden und die Investit i- onen in Aktien und andere Anlagen nicht über 40% des Vermögens betragen, ge- rade noch als konservativ bezeichnet (act. 1 Rz. 44; act. 23 S. 25). Weiter ins Bild passen die Vermögensübersicht der Beklagten per 20. August 1999 (act. 3/53 S. 36), welche die festverzinsliche n und ähnlichen Anlagen mit 91.12% und den Anlagestrategiefonds G1._____ mit 6.48% ausweist. Schliesslich wird die konservative Anlagestrategie auch in den von der Beklagten regelmässig erstellten Vermögensübersichten klar zum Ausdruck gebracht (ers t- mals per 3. August 2000, vgl. act. 3/53 S. 33, weiter S. 31, 29, 28, 27, 26, 25, 24, 20, 22, 18, 17, 16): Einerseits verdeutlichte die auf diesen Vermögensübersichten jeweils aufgeführte Pyramide diese konservative Anlagestrategie, sollten doch - 13 - maximal 10% spekulativ, maximal 40% in Aktien und Fonds (bzw. maximal 30%, wenn das Spekulationspotential ausgeschöpft worden war) und 60% bis 100% in "Obligationen/Fonds/Liq." angelegt werden ( act. 3/53 S. 33); andererseits wurde die Anlagepolitik auf diesen Vermögensausweisen der Beklagten auch stets u n- übersehbar als "konservativ" bezeichnet. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass zwischen den Parteien unstreitig ist, dass ihr Vermögensverwaltungsverhältnis im Herbst 1996 "mit einer vorsicht i- gen, eher konservativen Anlagestrategie" seinen Anfang nahm , und dass das Vermögen der Klägerin anfänglich auch tatsächlich gemäss dieser vereinbarten Anlagestrategie verwaltet wurde. 2.5.3.2. Ebenso unbestritten ist (aufgrund des Zugeständnisses der Klägerin ) aber auch, dass sie mit ihrer Anlage zumindest das Anlageziel verfolgte, eine "vernünftige Rendite" zu generieren, um mit der Rendite einen "regelmässigen Beitrag an die allgemeinen Lebenskosten der Familie" leisten zu können (act. 1 Rz. 17; act. 23 Rz. 27). Die Beklagte anerkennt zwar, dass die Klägerin Geld "zum Leben" verdienen wollte, geht aber davon aus, dass sie von der Klägerin angewiesen worden sei, mit dem angelegten Vermögen "so viel Gewinn wie mög- lich" zu erzielen, eine möglichst hohe Performance zur Erwirtschaftung eines Bei- trags an die Lebenshaltungskosten der Familie sei gewünscht gewesen ; trotzdem habe aber die Beklagte zu Beginn vorsichtig und eher k onservativ einsteigen sol- len (act. 23 Rz. 27). Die Vermögensverwaltung zielt generell darauf ab, den Wert der zu verwaltenden Vermögensgegenstände möglichst zu erhöhen und Verluste möglichst zu vermei- den. Dieser Umstand wird von S CHMID als "begriffsnotwendiges" Element der Vermögensverwaltung bezeichnet ( SCHMID, Rechtliche Grundlagen der Verm ö- gensverwaltung, Diss. Bern 2013, Rz. 3.112 ff., m.w.H.). Unstrittig und selbstve r- ständlich ist, dass die Klägerin auch im vorliegend interessieren den Vermögens- verhältnis – innerhalb der gewählten Anlagestrategie – "Geld verdienen", eine "vernünftige Rendite" generieren wollte. Ansonsten hätte sie wohl kaum einen Teil ihres Geldes bei einem hiesigen Vermögensverwalter angelegt. Sollte die Beklag- te di e Erzielung von "so viel Gewinn wie möglich" in ihrer Klageantwort anders verstehen (act. 23 Rz. 27), wäre diese Behauptung einerseits uns ubstantiiert, legt - 14 - doch die Beklagte nicht näher dar, inwiefern die Parteien ein mit der anfänglich unstreitig konservativen Anlagestrategie nicht vereinbar es Anlageziel vereinbart hätten; andererseits stünde die beklagtische Behauptung auch im offensichtlichen Widerspruch zu ihren eigenen jährlichen Vermögensverwaltungsübersichten, wel- che stets mit "konservativ" überschr ieben waren und welche mit den darin aufge- führten Pyramiden (vgl. vorstehend) auch keine spekulative Zusammensetzung des Portfolios der Klägerin suggerierten (vgl. die Vermögenü bersichten in act. 3/53). Es ist mit der Klägerin davon auszugehen, dass die Parteien im Rahmen ihrer konservativen Anlagestrategie als Anlageziel eine Rendite von 5% anpeilten (act. 1 Rz. 18, 29; act. 23 Rz. 27). Die Beklagte geht zwar von noch höheren Renditezielen der Klägerin aus ; wie hoch diese angeblich gewesen sein sollen und inwiefern diese mit einer konservativen Anlagestrategie zu erreichen gew e- sen sein sollen, führt die Beklagte jedoch nicht näher aus (act. 23 Rz. 27). Ferner widerspricht sich die Beklagte in der gleichen Rechtsschrift sogleich auch selbst, indem sie ausführt, dass der "Klägerin [… ] eine Rendite von 5% aber schon sehr bald zu w e- nig" gewesen sei (act. 23 Rz. 97). Auch die Beklagte geht somit in ihrer Klagean t- wortschrift explizit davon aus, dass die anfänglichen Renditevorstellungen bei 5% lagen; denn ansonsten hätte die Rendite von 5% der Klägerin nicht schon bald zu wenig sein können. In die gleiche Richtung zielt die Behauptung der Beklagten in ihrer Duplik, dass zu Beginn der Vertragsbeziehung zwischen den Parteien eine Rendite von 5% aufgrund des damals hohen Zinsniveaus noch mit verhältnismä s- sig wenig Risiko zu erzielen gewesen sei (act. 39 Rz. 60). Auch in dieser Erw ä- gung geht die Beklagte offensichtlich davon aus, dass zu Beginn der Vertragsbe- ziehungen zwischen den Parteien eine Rendite von 5% vereinbart worden war. Auch diese Renditevorstellungen von 5% finden – wie die konservative Anlage- strategie – in den von der Klägerin eingereichten Urkunden eine Stütze, wies doch etwa der Vermögensausweis der Klägerin per 31. Dezember 1999 eine Durchschnittsrendite von etwas über 5% auf (act. 3/5 S. 2). In den darauf folge n- den Jahren war die durch die Beklagte mit dem Vermögen der Klägerin erzielte jährliche "Netto- Performance" starken Schwankungen ausgesetzt (vgl. act. 3/19 S. 3; auch act. 23 Rz. 61), wobei der Klägerin darin zu folgen ist, dass die durc h- schnittliche Performance in den Jahren 2000-2007 rund 6% betrug (act. 1 Rz. 54). - 15 - Das Renditeziel von 5% wird von der Beklagten auch noch einmal in einer Hon o- rarrechnung vom 23. Oktober 2006 erwähnt, in der die Beklagte bestätigt, dass bei der Anlagestrategie, welche die Parteien gemeinsam besprochen hätten, von einer jährlichen Nettoverzinsung von 5% ausgegangen werde (act. 3/34; act. 1 Rz. 57). Die Bedeutung, welche die Beklagte diesem Schreiben beimessen will – in dieser Honorarrechnung sei festgehalten worden, dass bei einer Strategieände- rung, würde die Klägerin dieser zustimmen, noch in etwa eine Rendite von ca. 5% erzielt werden könne (act. 23 Rz. 104) – lässt sich nicht aus diesem Schreiben ableiten. 2.5.3.3. Vor dem Hintergrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und der darin wiedergegebenen Lehrmeinungen – dazu sogleich – kann es zwar erstau- nen, dass es der Beklagten gelungen ist, mit einer konservativen Anlagestrategie eine Rendite von 5% zu erzielen (vgl. act. 39 Rz. 129). Tatsächlich ist es der B e- klagten – zumindest anfänglich – aber gelungen, mit einer konservativen Anlage- strategie eine Rendite von rund 5% zu erzielen. Die Erzielung einer Rendite von 5% muss deshalb etwas erstaunen, weil sich das Bundesgericht im Jahre 1999 eingehend mit Renditen aus Anlagen befasste (BGE 125 III 316) und es z u den Erträgen verschiedener Kapitalanlagen unt er- schiedliche Zahlen nannte: Bei konservativer Anlagestrategie (10% Geldmarkt, 80% Obligationen, 10% Aktien) 1,65%, bei mittlerer Anlagestrategie (10% Gel d- markt, 60% Obligationen, 30% Aktien) 2,55% und bei aggressiver Anlagestrategie (10% Geldmarkt, 40% Ob ligationen, 50% Aktien) 3,45%. Das Bundesamt für Pr i- vatversicherungswesen ging für einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren davon aus, dass ein gemischtes Portefeuille (10% Geldmarkt, 45% in - und ausländische Ob- ligationen, 45% in - und ausländische Aktien) im Durchschnitt jährlich mit nominal 7-8% rentiert, was teuerungs - und kostenbereinigt einem Realertrag von wohl über 4% entsprechen würde. Nach den Angaben des Schweizerischen Versich e- rungsverbands lagen die durchschnittlichen realen Nettorenditen je nach Durc h- mischung des Portefeuilles zwischen 2,2 und 4,9%. Ein ähnliches Bild zeichnet auch die 1997 veröffentlichte Studie von AUCKENTHA- LER/ZIMMERMANN: Nach deren auf den Zahlen aus den Jahren 1970 bis 1997 b e- ruhenden Berechnungen beträgt die reale Netto- Rendite eines gemischten Porte-- 16 - feuilles je nach eingegangenem Risiko zwischen 2,12% und 4,07% (BGE 125 III 316 unter Hinweis auf AJP 1997, S. 1139). Je nachdem, welchen Renditezahlen man i m besagten Zeitraum also folgt, kön- nen die von den Parteien vereinbarte Strat egie und die vereinbarten Anlageziele als mehr oder weniger realistisch qualifiziert werden. So oder anders gilt es aber zu konstatieren, dass die Beklagte zumindest in der Anfangsphase tatsächlich das Renditeziel von 5% mit einer konservativen Anlagest rategie zu erreichen vermochte. 2.5.3.4. Es ist somit zusammenfassend mit der Klägerin festzuhalten (act. 34 Rz. 6), dass die Parteien ihr Vermögensverwaltungsverhältnis mit einer konserv a- tiven Anlagestrategie in Angriff nahmen; als Anlageziel wurde eine Rendite von 5% angepeilt. Die teilweise anderweitigen Behauptungen der Beklagten (vgl . etwa act. 23 Rz. 64, 88) stehen nicht nur in klarem Widerspruch zu den Zugeständni s- sen der Beklagten, die Parteien seien mit einer konservativen bzw. vorsichtigen Anlagestrategie gestartet, sondern auch zu den von der Beklagten verfassten Vermögensübersichten, die mit der Anlage- Politik " Konservativ" überschrieben waren (vgl. die Sammelbeilage in act. 3/53). Auch tatsächlich verfolgte die B e- klagte anfänglich eine konservative Anlagestrategie (vgl. die Sammelbeilage in act. 3/53). 2.5.4. Anpassung der Anlagestrategie bzw . der Anlageziele? 2.5.4.1. Allgemeines Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, dass die Anlagestrategie ab dem Jah- re 2000 zwar habe angepasst werden müssen, um ihre Anlageziele erreichen zu können (act. 1 Rz. 40 ff.); spätestens per 30. Oktober 2006 sei die Anlagestrat e- gie jedoch gewissermassen eigenmächtig durch F._____ namens der Beklagten angepasst worden (act. 1 Rz. 58 ff.). Die Beklagte stellt sich dagegen auf den Standpunkt, die Anpassungen der Anlagestrategie sei en stets auf Anweisung der Klägerin geschehen (act. 23 Rz. 104 f.); dieser sei eine Rendite von 5% schon sehr bald zu wenig gewesen (act. 23 Rz. 97). - 17 - 2.5.4.2. Unbestrittener Sachverhalt bezüglich der Anpassung der Anlagestrategie bzw . der Anlageziele Die Klägerin selbst räumt ein , dass die Anlagestrategie zwischen den Jahren 1999 und 2005 von den Parteien insofern angepasst worden sei, als dass sich die Zusammensetzung des Portfolios der Klägerin verändert habe (act. 1 Rz. 28 ff.): Per 31. Dezember 1999 setzte sich das von der Beklagten verwaltete Bruttover- mögen der Klägerin von D M 1'347'816.– zu 0.58% aus Cash, zu 25.70% aus D e- visengeschäften, zu 2.46% aus Marchzinsen, zu 66.51% aus festverzinslichen und ähnlichen Anlagen und zu 4.75% aus einem Anlagestrategiefonds H1._____ der G1._____ (der seinerzeit zu rund 25% in Aktien und zu 75% in Obligationen investiert war) zusammen (act. 1 Rz. 30; act. 3/5). Die Parteien sind sich auch im Grundsatz darüber einig, dass die vereinbarte Anlagestrategie und die vereinbarte Vermögensaufteilung ("Asset Allocation") beim Portfolio der Klägerin zwischen Anfang 2000 und Ende 2005 eingehalten wurde. Beim Portfolio der Klägerin be- wegte sich in diesem Zeitraum der Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen von ca. 95% hinunter auf ca. 67% und der Anteil von Aktien und ähnlichen Anl a- gen von ca. 5% hinauf auf ca. 33% (act. 1 Rz. 48; act. 23 Rz. 99). Erst die (einvernehmliche) Anpassung der Anlagestrategie im Jahre 2006 ist zw i- schen den Parteien umstritten (act. 1 Rz. 58 ff.). 2.5.4.3. Parteistandpunkte a. Strittig bleibt daher zwischen den Parteien, ob die Erhöhung des Aktienan- teils im Laufe des Jahres 2006 einvernehmlich, auf Anweisung der Klägerin, oder gewissermassen eigenmächtig durch die B eklagte erfolgte. Wie gezeigt obliegt der Beklagten die Behauptungs- und Beweislast für die konti nuierliche Anpassung der Anlagestrategie bzw. der Anlageziele im Einzelnen. Sie stellt sich auf den Standpunkt, anlässlich der gemeinsamen Besprechungen der bi sherigen Anlage- strategie und der zugehörigen Vermögensübers icht sei die An lagestrategie for t- laufend an die Forderungen der Klägerin angepasst worden, und verweist auf die einzelnen Vermögensübersicht en im Zeitraum vom 7. November 1997 bis 10. Juni 2008 (act. 23 Rz. 71-72). - 18 - b. Die Beklagte führt aus, dass ab dem strittigen Zeitraum im Jahr 2006 die An- lagestrategie kontinuierlich angepasst worden sei. Diese Anpassung sei jedoch nicht eigenmächtig durch F._____ namens der Beklagten geschehen, sondern habe den Wünschen und Anweisungen der Klägerin entsprochen (act. 23 Rz. 60 f., 105 ff.). Im Einzelnen sei dies so abgelaufen, dass die Klägerin F._____ ein bis zwei Mal im Jahr besucht habe. Anlässlich dieser Besprechungen sei die Klägerin unter anderem über die aktuellen und prozentmässigen Investitionen in die verschiedenen Anlagekategorien informiert worden. Die Anlagestrategie und die erzielten Gewinne und Verluste seien besprochen worden. Der Klägerin seien sämtliche Vermögensübersichten und Anlagen offengelegt worden. F._____ habe der Klägerin anlässlich ihrer Treffen die nach den Wünschen der Klägerin gewäh l- te Anlagestrategie und die Diversifikation in aktien - und obligationenähnliche Pa- piere erklärt. F._____ habe die Klägerin über Existenz, Art und Höhe der Risiken informiert. Auf allen Übersichten sei deutlich zu erkennen gewesen, wie sich das Vermögen entwickelt habe und wie das Vermögen investiert worden sei. Die Kl ä- gerin habe durch ihre Unterschrift die Anl agestrategie und ihr Einverständnis da- mit bestätigt. Vor August 2000 habe die Klägerin ihr Einverständnis zur Anlagepo- litik und die Kenntnisnahme und Genehmigung von Vermögensstand und En t- wicklung mittels Unterschrift direkt auf dem Vermögensausweis der G1._____ er- klärt. Seit August 2000 habe die Beklagte die Vermögensentwicklung und die A n- lagestrategie in Vermögensübersichten dokumentiert. Das Besprechungsdatum sei festgehalten worden. Die Klägerin habe durch ihre Unterschrift bestätigt, mit der besprochen en und dokumentierten Anlagestrategie einverstanden zu sein. Die Beklagte habe die Klägerin fortlaufend über die Risiken der verschiedenen Anlagemöglichkeiten informiert. Die Beklagte habe vorerst zurückhaltend inves- tiert. Die Klägerin aber habe bei der Vermögensanlage durch die Beklagte einen möglichst hohen Gewinn erzielen wollen. Der Klägerin sei der erzielte Gewinn schon bald zu wenig gewesen. Die Klägerin sei immer fordernder geworden. Sie habe F._____ erklärt, mehr Geld zu brauchen. Die Beklagte habe der Klägerin er- klärt, dass bei einer aggressiveren Strategie ein hohes Risiko bestehe. Anlässlich der gemeinsamen Besprechungen sei die Anlagestrategie daher fortlaufend an die Forderungen der Klägerin angepasst worden. Die Klägerin habe die Bespr e- chungen und die Anlagestrategie an folgenden Daten schriftlich bestätigt: am 7. November 1997, 20. August 1999, 3. August 2000, 17. November 2000, - 19 - 4. September 2001, 10. Dezember 2001, 17. April 2002, 15. April 2003, 25. Januar 2004, 9. August 2005, 6. Juni 2006, 1. November 2006, 3. April 2007 und 10. Juni 2008. Daneben hätten telefonische respektive mündliche Bespr e- chungen mit der Klägerin und ihrem Berater stattgefunden (act. 23 Rz. 68 ff.). Der Verlust, welcher im Jahr 2008 eingetreten sei, sei auf den Börsencr ash 2008 zu- rückzuführen gewesen, von welchem auch die Klägerin betroffen gewesen sei (act. 23 Rz. 62). In ihrer Duplik hält die Beklagte an ihrem Standpunkt fest, sie habe stets auf Wei- sung und im Einverständnis mit der Klägerin gehandelt (act. 39 Rz. 46 ff.). c. Gemäss der Sachdarstellung der Klägerin ist es ab dem 30. Oktober 2006 zu einer "massiven Änderung der Anlagestrategie durch die Beklagte" gekom- men. Sie habe sich in Begleitung ihres Sohnes am 1. November 2006 mit F._____ in Zürich getroffen. Dabei habe dieser ihr wieder eine von der Beklagten erstellte einseitige Vermögensübersicht per 30. Oktober 2006 vorgelegt, wobei die Anlageart erneut fett als konservativ bezeichnet worden sei. Der feste Vorschuss sei nur, aber imme rhin, von CHF 790'000.– auf CHF 400'000.– reduziert worden. F._____ habe erwähnt, dass alles in bester Ordnung sei. Bei genauer Betrac h- tung der Vermögensübersicht ergebe sich jedoch, dass die Beklagte zu diesem Zeitpunkt die vereinbarte konservative Anlages trategie und die vereinbarte Ver- mögensaufteilung verlassen gehabt habe. So habe sich per 30. Oktober 2006 der Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen auf ca. 47% und der Anteil von Aktien und ähnlichen Anlagen auf ca. 53% des Bruttovermögens belaufen (act. 1 Rz. 58 f.). Am 3. April 2007 habe sich die Klägerin in Begleitung ihres Sohnes wiederum mit F._____ in Zürich getroffen. Dabei habe dieser ihr wieder eine von der Beklagten erstellte einseitige Vermögensübersicht per 31. März 2007 vorgelegt, wobei bei der von der Beklagten am 8. September 2008 zugesandten Vermögens übersicht per 31. März 2007 die Pyramide weggelassen worden sei. Auch hier sei die Anl a- geart fett als konservativ bezeichnet worden. Der Vorschuss von CHF 400'000.– habe immer noch bestanden. F._____ habe wiederum erwähnt, dass alles in bes- ter Ordnung sei. Bei genauer Betrachtung der Vermögens übersicht der Beklagten per 31. März 2007 ergebe sich jedoch, dass die Beklagte zu diesem Zeitpunkt die - 20 - vereinbarte konservative Anlagestrategie und die vereinbarte Vermögensauftei- lung weiter verlassen gehabt habe. So habe sich per 31. März 2007 der Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen auf ca. 38% und der Anteil von Aktien und ähnlichen Anlagen auf ca. 62% des Bruttovermögens belaufen (act. 1 Rz. 60 f.). Im Jahr 2007 habe die Beklagte – wohl aufgrund des sich weiter vermindernden Zinsniveaus im Jahr 2007 – den Obligationenanteil weiter reduziert. Aus dem Vermögensausweis der G1._____ per 31. Dezember 2007 betreffend das von der Beklagten verwaltete Vermögen der Klägerin habe sich per diesem Datum der Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen auf ca. 15% und der Anteil von Aktien und ähnlichen Anlagen auf ca. 85% belaufen. Die Beklagte habe demnach in der Zwischenzeit die vereinbarte konservative Anlagestrategie und die verei n- barte Vermögensaufteilung weiter und massiv verlassen gehabt (act. 1 Rz. 62). Am 10. Juni 2008 habe sich die Klägerin in Begleitung ihres Sohnes wiederum mit F._____ in Zürich getroffen. Dabei habe er ihr wieder eine von der Beklagten er- stellte einseitige Vermögensübersicht per 6. Juni 2008 vorgelegt. Der Vor schuss von CHF 400'000.– habe immer noch in voller Höhe bestanden. Erneut sei die Anlageart fett als konservativ bezeichnet worden. Bei genauer Betrachtung der Vermögensübersicht der Beklagten per 6. Juni 2008 ergebe sich jedoch, dass die Beklagte die vereinbarte konservative Anlagestrategie und die vereinbarte Ver- mögensaufteilung weiterhin massiv verlassen habe. So habe sich per 6. Juni 2008 der Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen auf nur noch ca. 14.5% und der Anteil von Aktien und ähnlichen Anlagen auf ca. 85.5% des Bruttoverm ö- gens belaufen. Bei der Sitzung vom 10. Juni 2008 habe F._____ der Klägerin er- klärt, "Mist gebaut" zu haben. Seit der letzten Bewertun g vom 31. März 2007 sei ein Verlust von ca. EUR 67'000.– eingetreten. Dies sei jedoch nur die halbe Wahrheit gewesen. Erstens sei auf dem Nettovermögen nicht ein Verlust von EUR 67'000.–, sondern von EUR 182'500.– eingetreten. Zweitens habe F._____ der Klägerin keinen Grund für den Vermögensverlust genannt, sondern das Gan- ze hinuntergespielt. Diesen könne es mal geben, habe er gesagt, man müsse das "jetzt einfach aussitzen". F._____ habe auch dieses Mal gewollt, dass die Kläge- rin ihre Unterschrift auf die v on der Beklagten erstellte Vermögensübersicht setze. Die Klägerin sei dazu nicht bereit gewesen. F._____ habe erneut gesagt, dass er diese Unterschrift "für seine Revision" einfach brauche. Schliesslich habe er die - 21 - Klägerin nicht gehen lassen wollen, bis s ie diese Unterschrift geleistet habe. Der Klägerin sei aus ihrer Sicht nichts anderes übrig geblieben, als das zu tun. Die Klägerin habe dann F._____ gebeten, ihr eine Kopie der von der Beklagten er- stellten Vermögensübersicht per 6. Juni 2008 mitzugeben; F._____ habe sich an- gegriffen gefühlt und gesagt: "Ja, willst Du denn damit hausieren gehen oder was?". Die Klägerin sei verunsichert gewesen, habe die Stimmung nicht weiter verschlec h- tern wollen und auf eine Kopie verzichtet (act. 1 Rz. 64 ff.). Die Klägerin hält auch in ihrer Replik an ihrer Bestreitung einer einvernehmlichen Anpassung der Anlagestrategie fest (act. 34 Rz. 9 ff., 85 ff.). 2.5.4.4. Würdigung a. Die beweisbelastete Partei hat die zu beweisenden Tatsachen zu behau p- ten, weshalb mit der Beweislast die Behauptungslast einhergeht. Die beweisfreie Partei trifft hingegen die Bestreitungslast. Ein Aspekt der Behauptungs - ist die Substantiierungslast: Tatsachenbehauptungen sind so konkret zu formulieren, dass sie einerseits ohne Weiteres als Beweissatz formul iert und in eine allfällige Beweisverfügung aufgenommen werden können, und andererseits s ubstantiiertes Bestreiten möglich ist bzw. der Gegenbeweis angetreten werden kann (S CHMID/LARDELLI, in: BSK ZGB I, Art. 8 N. 29 u. 33). Die von der Beklagten angerufen en und aus ihrer Feder stammenden Verm ö- gensübersichten dokumentieren klare und subs tantielle Veränderungen des Por t- folios der Klägerin und ein e tatsächliche Veränderung der Anlagestrategie (vgl. die von der Beklagten in act. 23 Rz. 72 zitierten Vermögensübersichten). So b e- wegte sich beim Portfolio der Klägerin im Zeitraum zwischen Anfang 2000 und Ende 2005 der Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen von ca. 95% hin- unter auf ca. 67% und der Anteil von Aktien und ähnlichen Anlagen von ca. 5% hinauf auf ca. 33% (act. 1 Rz. 48; act. 23 Rz. 99). Bis zum 6. Juni 2008 fand in der Folge eine weitere Veränderung statt, sodass sich in diesem Zeitpunkt – je nach Leseart – der Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen auf nur noch ca. 14.5% und der Anteil von Aktien und ähnlichen Anlagen auf ca. 85.5% des Bruttovermögens belief (act. 1 Rz. 64). Die Beklagte rechnet zwar etwas anders, aber auch sie räumt ein, dass die Vermögenswerte per 6. Juni 2008 netto zu ca. 80% in Aktien und 20% in Obligationen investiert gewesen sei en (act. 23 - 22 - Rz. 108). Die s ubstantielle Veränderung der Zusammensetzung des Portfolios der Klägerin bis zum 6. Juni 2008 ist somit zwischen den Parteien grundsätzlich u n- bestritten. Die Anlagestrategie wurde daher im Zeitraum zwischen Anfang 2000 und dem 6. Juni 2008 tatsächlich von einer konservativen Anlagestrategie zuerst zu einer "ausgewogenen" Anlagestrategie geändert (vgl. etwa SCHALLER, Der Einsatz strukturierter Produkte in der Vermögensverwaltung, recht 2012, S. 102 ff., der bei einer ausgewogenen Strategie von einer 50/50- Verteilung von Aktien o.Ä. und Obligationen o.Ä. ausgeht). Die Anlagestrategie wurde sodann in tatsächlicher Hinsicht sogar noch weiter geändert , und es wurde eine "aggressive, gewinnori- entierte" Anlagestrategie verfolgt (vgl. etwa S CHALLER, Der Einsatz strukturierter Produkte in der Vermögensverwaltung, recht 2012, S. 102 ff., der bei einer au s- gewogenen Strategie von einer 25/75-Verteilung von Obligationen o.Ä. und Aktien o.Ä. ausgeht). Die pauschalen Behauptungen der Bek lagten, wie es zur Änderung der Anlage- strategie gekommen sein soll – sie habe stets auf Weisung und im Einverständnis mit der Klägerin gehandelt – genügen den S ubstantiierungsanforderungen nicht. Immerhin gilt es hier eine s ubstantielle Änderung der Anlagestrategie innerhalb von nicht einmal zwei Jahren von einer konservativen über eine ausgewogene hin zu einer aggressiven, gewinnorientierten Anlagestrategie s ubstantiiert zu behaup- ten und zu beweisen. Die pauschalen Behauptungen der Beklagten – die Klägerin habe F._____ "ein bis zwei Mal" im Jahr besucht, anlässlich dieser Besprechu n- gen sei die Klägerin stets unter anderem über die aktuellen und prozentmässigen Investitionen in die verschiedenen Anlagekategorien informiert worden, die Anl a- gestrategie und die erzielten Gewinne und Verluste seien besprochen worden, der Klägerin seien sämtliche Vermögensübersichten und Anlagen offengelegt, F._____ habe der Klägerin anlässlich ihrer Treffen die nach den Wünschen der Klägerin gewählte Anlagestrategie und die Diversifikation in aktien - und obligatio- nenähnliche Papiere erklärt, F._____ habe die Klägerin über Existenz, Art und Höhe der Risiken informier t, die Beklagte habe die Klägerin fortlaufend über die Risiken der verschiedenen Anlagemöglichkeiten informiert, anlässlich der ge- meinsamen Besprechungen sei die Anlagestrategie daher fortlaufend an die For- derungen der Klägerin angepasst worden, daneben hätten telefonische respektive - 23 - mündliche Besprechungen mit der Klägerin und ihrem deutschen Steuerberater, Rechtsanwalt I._____, stattgefunden, etc. (act. 23 Rz. 68 ff.; act. 1 Rz. 52) – er- folgen allesamt in einem sehr allgemeinen Zusammenhang. Sie genügen n icht, um im Einzelnen nachvollziehen zu können, anlässlich welcher Besprechungen in den Jahren 2006 bis 2008 genau die Klägerin F._____ aus welchen Gründen welche Weisungen erteilt haben soll, aggressiver zu investieren, zuerst im Sinne einer ausgewogenen und ab dem Jahre 2007 auch im Sinne einer aggressiven, gewinnorientierten Anlagestrategie. Die pauschalen Behauptungen der Beklagten, sie habe die Klägerin stets aufgeklärt und informiert und nur auf ihre Weisungen hin gehandelt, genügen nicht. b. Selbst w enn es der Beklagten gelingen würde – was wie gezeigt nicht der Fall ist –, die von ihr behauptete, von der Klägerin veranlasste kontinuierliche und einvernehmliche Anpassung der Anla gestrategie substantiiert vorzutragen, wü r- den die von ihr angerufenen Vermögensübersichten der Jahre 1997 bis 2008 (act. 23 Rz. 71-72) gegen ihren Standpunkt sprechen: In tatsächlicher Hinsicht fand, wie gezeigt, eine substantielle Veränderung der An- lagestrategie von einer konservativen hin zu einer aggressiven, gewinnorientier- ten Anlagestrategie statt. Diese Veränderung der Anlagestrategie wurde in den Vermögensübersichten der Beklagten nicht erfasst. So wurde die Anlagestrategie ("Anlage-Politik", "Anlageart" etc.) ab der ersten Vermögensübersicht der Beklag- ten im Jahr 2000 st ets in grosser und teilweise fetter Schrift als " konservativ" be- zeichnet (vgl. die von der Beklagten in act. 23 Rz. 72 zitierten Vermögensüber- sichten; Hervorhebung durch das Gericht ). Wenn die Beklagte ausführt, die Kl ä- gerin habe die Anlagestrategie an unt erschiedlichen Daten zwischen 1997 und 2008 auf den Vermögens übersichten schriftlich bestätigt (act. 23 Rz. 72), trifft dies insofern zu, als dass die Klägerin mit ihren Unterschriften jeweils eine " konserva- tive" Anlagepolitik bestätigte. Es kann nicht die Rede davon sein, dass die Kläge- rin mit ihrer Unterschrift auf den Vermögenübersichten eine aggressive, gewin n- orientierten Anlagestrategie genehmigt hätte. Die Beklagte, welche selbst auf die Vermögensübersichten "konservativ" schrieb, kann daher für die v on ihr darge- stellte weisungsbedingte Änderung der Anlagestrategie nichts ableiten. - 24 - Ferner war auf den besagten Vermögenübersichten – mit Ausnahme derjenigen vom 31. März 2007 (act. 53 S. 14) – stets auch eine die konservative Anlagestra- tegie veranschaulichende Pyramide aufgeführt, welche eine Aufteilung der Anl a- gen in 10% spekulative Titel, 30% Aktien und 60% Obligationen suggerierte. Die von der Beklagten aufgeführten Erklärungen, weshalb ihre Vermögensübersichten selbst im Jahre 2008 noch den Hinweis auf eine konservative Anlagestrategie enthielten, sind nicht plausibel. So rühre der Hinweis auf den Vermögensübersic h- ten daher, dass die Beklagte grundsätzlich nur konservativ investiere. Dies sei auch bei der Kläger in am Anfang der Fall gewesen. Aufgrund der auf Verlangen der Klägerin stets offensiver werdenden Strategie sei der Hinweis im November 2006 "unrichtig" geworden (act. 39 Rz. 57). Diese Argumentation der Beklagten überzeugt nicht. Es ist völlig unplausibel , dass die Beklagte auf den individuellen Vermögensübersichten ihrer Kunden jeweils den allgemeinen Hinweis vermerkt, dass sie grundsätzlich nur konservativ investiert. Die einzig plausible Erklärung kann nur sein, dass die Parteien eine konservative Anlagestrategie vereinbart h a- ben und die Beklagte diese entsprechend auch auf den individuellen Vermögen s- übersichten der Klägerin vermerkt hat. Hätte tatsächlich eine aufgeklärte, auf Weisung der Klägerin hin erfolgte Änderung der Anlagestrategie stattgefunden, so hätte die Beklagte sicherlich eine Anpassung der Bezeichnung der Anlagestrat e- gie vorgenommen. Schliesslich überzeugt auch die Erklärung der Beklagten, weshalb auf den Ver- mögensübersichten stets die gleiche Pyramide abgebildet gewesen sei , nicht. Diese habe lediglich die "ursprüngliche Soll -Zusammensetzung des Portfolios" abbilden sollen (act. 39 Rz. 58). Auch diese Erklärung der Beklagten erscheint nachträglich konstruiert worden zu sein. Hätte tatsächlich eine aufgeklärte, auf Weisung der Klägerin hin erfolgte Änderung der Anlagestrategie stattgefunden, so hätte die Beklagte sicherlich eine Anpassung der Pyramide vorgenommen. c. Vor dem Hintergrund der uns ubstantiierten Behauptungen der Beklagten be- treffend kontinuierliche und einvernehmliche Anpassung der Anlagestrategie und der ins Recht gereichten Vermögensübersichten der Jahre 1997 bis 2008 (act. 23 Rz. 71-72) ist auf die Befragung der von den Parteien angerufenen Personen zu verzichten. Was der von der Beklagten angerufene Zeuge J._____ zur Klärung der Frage der Änderung der Anlagestrategie beitragen soll, erscheint zudem - 25 - schleierhaft. Gemäss der beklagtischen Sachdarstellung solle J._____ als ehema- liger G1._____ Relationship Manager der Beklagten bestätigen, dass die Beklagte seit 40 Jahren im Vermögensverwaltungsgeschäft tätig gewesen sei und es nie einen Grund für Beanstandungen gegeben habe. Aus diesem Umstand solle ge- folgert werden können, dass es die Klägerin sei, welche die Beklagte instruiert habe, mehr Risiken in Kauf zu nehmen, um eine höher e Rendite erzielen zu kön- nen. Insbesondere habe bei keinem anderen von der Beklagten verwalteten Por t- folio eine vergleichbare Entwicklung stattgefunden (act. 39 Rz. 50 f.). Einmal a b- gesehen vom Umstand, dass die diesbezüglichen beklagtischen Behauptungen jeglichen Detaillierungsgrad vermissen lassen, kann J._____ nichts zum konkre- ten Sachverhalt beitragen, der sich in der vorliegend relevanten Zeitperiode zuge- tragen haben soll. Auf seine Einvernahme kann daher verzichtet werden. d. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass es der Beklagten nicht g e- lingt, die von der Klägerin veranlasste kontinuierliche und einvernehmliche An- passung der Anla gestrategie substantiiert vorzutragen. Auch die von der Beklag- ten eingereichten Vermögensübersichten der Jahre 1997 bis 2008 (act. 23 Rz. 71-72) sprechen gegen eine von der Klägerin veranlasste, kontinuierliche und einvernehmliche Anpassung der Anlagestrategie. Auf eine allfällige klägerische Einverständniserklärung bzw. Genehmigung wäre – soweit erforderlich – im Rahmen der Prüfung der Pflichtverletzung einzugehen. 2.6. Auflösung des Vermögensverwaltungsvertrages 2.6.1. Allgemeines Weiter ist zwischen den Parteien strittig, wann der Vermögensverwaltungsvertrag zwischen den Parteien aufgelöst worden sein soll (bzw. wann der Beklagten die Verwaltungsbefugnis entzogen worden sein soll). 2.6.2. Parteibehauptungen Die Klägerin behauptet, im Oktober 2008 sei sie zum Schluss gekommen, dass sie im Hinblick auf das Vertragsverhältnis "den Stecker ziehen müsse". Sie habe am 2 8. Oktober 2008 über ihren deutschen Steuerberater Rechtsanwalt I._____ der Beklagten den Auftrag erteilt, alle verbleibenden Vermögenswerte der Kläge-- 26 - rin bei der G1._____ an die K._____ [Bank] in Österreich zu übertragen, was dann auch geschehen sei (act. 1 Rz. 74 ff., auch Rz. 52). Die Beklagte bestätigt diese Sachdarstellung (act. 23 Rz. 85) und ergänzt sie um die Behauptung der Saldierung der G1._____- Konten der Kläge rin per 13. November 2008 (act. 23 Rz. 86). Die Beklagte behauptet jedoch weiter, ihr seien bereits Ende August 2008 – zu- erst mündlich – weitere Dispositionen verboten worden und die Klägerin habe ihr dann mit E-Mail vom 2. September 2008 (act. 24/17) die Verfügungsbefugnis über die anvertrauten Werte entzogen: "Lt. Herr I._____ will F._____ die missliche Lage für sich wohl elegant lösen und die verlustreichsten Papiere loswerden, um den kläglichen Rest dann wi e- der risikoreichst und experi mentellst neu anzulegen…. obwohl von Anfang an eine konservative A n- lage mit mir vereinbart war. NEIN NO NADA – ohne unsere Anweisung dreht er ab sofort nichts mehr. Wir wollen dafür jetzt SOFORT klipp und klar Auskunft über Soll und Haben… ". Mit E-Mail vom 5. September 2008 (act. 24/18) habe die Klägerin ihre Anweisung bestätigt: "Nochmals: OHNE Herrn I._____ wird GAR NICHTS verkauft und kein Verlust realisiert ". Seit En- de August 2008 habe die Beklagte somit nicht mehr für di e Klägerin handeln kön- nen (act. 23 Rz 80-82; Hervorhebung durch das Gericht). Der Sachdarstellung der Beklagten in der Klageantwort entgegnet die Klägerin in ihrer Replik, die beiden E -Mails vom 2. und 5. September 2008 (act. 24/17 und 24/18) seien dahingehend zu verstehen, dass sie auf der Vereinbarung zwischen den Parteien, dass F._____ bei Erreichen bestimmter Vermögensstände mit Rechtsanwalt I._____ Kontakt aufnehmen solle, um das weitere Vorgehen zu di s- kutieren, habe pochen wollen. Ferner hätte die Beklagte die besagten E -Mails aufgrund ihres hochgradig emotionalen und verzweife lten Tons ohnehin nicht als gültige Instruktionen betrachten dürfen. Und selbst wenn man in den beiden E - Mails der Klägerin ein e gültige Instruktion erblicken wollte, stellten diese objektiv höchstens die Anordnung einer internen Beschränkung der Verwaltun gsvollmacht der Beklagten dar, indem die Verwaltungshandlungen neu einem Zustimmungs- vorbehalt unterstanden hätten (act. 34 Rz. 16 ff.; Rz. 46 ff.). Die Beklagte hält in ihrer Duplik an ihrer Argumentation in der Klageantwort fest, ihr sei Ende August 2008 untersagt worden, weitere Dispositionen über das Ve r- mögen der Klägerin zu treffen; die Klägerin habe der Beklagten am 2. September - 27 - 2008 schriftlich und unmissverständlich die Verfügungsbefugnis entzogen (act. 39 Rz. 78 ff.). Auf die einzelnen Argumente der Parteien, wie die beiden E -Mails von Anfang September 2008 zu verstehen sind, ist im Rahmen der nachfolgenden Würdigung einzugehen. 2.6.3. Rechtliches Der Vermögensverwaltungsvertrag kann als Auftrag nach den Regeln des Art. 404 OR aufgelöst werden. Demnach kann ein Vermögensverwaltungsvertrag jederzeit entweder vom Anleger oder vom Vermögensverwalter widerrufen bzw. gekündigt werden ( G UTZWILLER, a.a.O., S. 81; SCHALLER, a.a.O., N 255 f.). Prak- tisch bedeutet ein Widerruf des Anlegers, dass der Auftraggeber vom Zeitpunkt des Widerrufs an sämtliche Anlagedispositionen selbst treffen muss. Der Verm ö- gensverwalter ist von diesem Zeitpunkt an aus seiner Verantwortung entlassen. Für nach dem Widerruf entstandenen Schaden haftet er nicht ( GUTZWILLER, a.a.O., S. 81, m.H.a. Urteil des Bundesgerichts 4C.126/2004 vom 15. September 2004 E. 3). SCHALLER fügt diesen Ausführungen in der Lehre noch an, dass mit dem Widerruf bzw. der Kündigung des Vermögensverwaltungs -Mandates der (vormalige) Ver- mögensverwaltungsvertrag in ein Liqui dationsstadium eintrete. Die Hauptlei s- tungspflichten erlöschen "ex nunc", weshalb zur Weiterführung der ordentlichen Verwaltung des Vermögens nach Beendigung des Mandates keine Verpflichtung mehr bestehe. Indessen könne das Vermögensverwaltungs -Mandat als solches im Zeitpunkt des Widerrufs bzw. der Kündigung noch nicht als ersatzlos erloschen betrachtet werden. Vielmehr seien seitens des Vermögensverwalters gewisse fortdauernde Nebenpflichten sowie weitere, sich erst im Beendigungszeitpunkt ak- tualisierende (nachvertragliche) Abwicklungs- und Besorgungspflichten zu beac h- ten (SCHALLER, a.a.O., N 257 f.). 2.6.4. Würdigung 2.6.4.1. Vorliegend ist urkundlich belegt, dass die Klägerin die Beklagte mit E - Mail vom 2. September 2008 angewiesen hat, ohne ihre Anweisungen (bzw. die Anweisungen von ihrem deutschen Steuerberater, Rechtsanwalt I._____) "nichts - 28 - mehr zu drehen" (act. 24/17). In ihrer E -Mail vom 5. September 2008 bestätigte die Klägerin ihre Absicht und erklärte erneut, dass ohne Rechtsanwalt I._____ "gar nichts verkauft" werde (act. 24/18). Die Klägerin will diese E -Mails so verstanden wissen, dass diese eine angebliche Vereinbarung zwischen den Parteien, dass F._____ bei Erreichen bestimmter Vermögensstände mit Rechtsanwalt I._____ Kontakt aufnehmen solle, um das weitere Vorgehen zu diskutieren, bestätigt hätten. Ein derartiger Sinn kann diesen E-Mails jedoch nicht beigemessen werden. Einerseits ist in den beiden E -Mails nie die Rede von dieser Vereinbarung oder einer allfälligen Über - oder Unter- schreitung von Ver mögensständen. Andererseits ist auch nicht davon die Rede, dass die Beklagte die Vermögensverwaltung einfach hätte weiterführen sollen. Die Klägerin hat in ihrer E -Mail der Beklagten explizit mitgeteilt, dass diese ohne die Anw eisung von ihr oder Rechtsanw alt I._____ nichts mehr "drehen" solle. Diese Mitteilung an die Beklagte kann nicht anders verstanden werden, als dass die Klägerin der Beklagten ab sofort untersagte, ohne ihre Anweisung weitere Verkäufe vorzunehmen. So hat die Klägerin dann auch drei Tage später der B e- klagten unmissverständlich noch einmal per E -Mail bestätigt, dass ohne Recht s- anwalt I._____ gar nichts verkauft werde (act. 24/18). Dass die Klägerin sich der "Dramatik" der Situation vollkommen bewusst war, bringt sie in ihrer E -Mail vom 2. September 2008 (act. 24/17) gleich selber zum Ausdruck, indem sie der B e- klagten mitteilt, laut I._____ wolle "F._____ die missliche Lage für sich wohl elegant lösen und die verlustreichsten Papiere loswerden, um den kläglichen Rest dann wieder risikoreich st und experimentellst neu anzulegen ". Dass die Beklagte vor diesem Hintergrund die von der Klägerin behauptete "Abmahnungspflicht" getroffen hätte, sich bei der Klägerin aufgrund "der deutlich erkennbaren emotionalen und labilen Verfassung" der Kl ä- gerin zu versichern, ob sie tatsächlich der Beklagten die Verfügungsbefugnis en t- ziehen wollte (act. 34 Rz. 92), ist abzulehnen. Es ist somit mit Urkunden belegt, dass die Klägerin der Beklagten am 2. September 2008 die Verwaltungsbefugnis (bzw. -pflicht) und damit die Verf ü- gungsmacht über das klägerische Vermögen entzogen hat. Die Verwaltungsbe- fugnis des Vermögensverwalters , die selbständige Vermögensverwaltung durch den Vermögensverwalter, stellt den wesentlichen Inhalt des Vermögensverwal- tungsvertrages, die Hau ptpflicht des Vermögensverwalters dar (vgl. G UTZWILLER, - 29 - a.a.O., S. 141). Wird nun, wie vorliegend, dem Vermögensverwalter seine Haupt- pflicht, die Verwaltungsbefugnis über das klägerische Vermögen , entzogen, war der Auftrag hinsichtlich der Hauptpflicht des Beauftragten bereits eingestellt. Der Vermögensverwaltungsvertrag wurde damit bereits am 2. September 2008 von der Klägerin widerrufen und damit aufgelöst . Tatsächliche Anweisungen zur Ver- waltung des Vermögens sind in der Folge bis zum Auftrag des Vermögens trans- fers am 28. Oktober 2008 von den Parteien auch nicht weiter behauptet worden und auch nicht mehr erfolgt. Wurde der Vermögensverwaltungsvertrag durch die Klägerin widerrufen, bedeutet dies, dass die Klägerin vom Zeitpunkt des Widerrufs an sämtliche Anlagedispos i- tionen selbst treffen muss. Die Beklagte ist von diesem Zeitpunkt an grundsätzlich aus ihrer Verantwortung entlassen ( G UTZWILLER, a.a.O., S. 81, m.H.a. Urteil des Bundesgerichts 4C.126/2004 vom 15. September 2004 E. 3). 2.6.4.2. Selbst wenn man aber die Anweisung der Klägerin in ihrer E-Mail vom 2. September 2008 nicht als Widerruf des Vermögensverwaltungsvertrages als Ganzes betrachten würde , so wären die Anweisungen der Klägerin in ihren E - Mails vom 2. und 5. September 2008 nur – aber immerhin – als Entzug der selb- ständigen Verwal tungsbefugnis zu qualifizieren . Der Vermögensverwalter wäre damit ab diesem Zeitpunkt gar nicht mehr befugt gewesen, selbständige Verm ö- gensverwaltungshandlungen vorzunehmen. Auch hier kann nichts anderes gelten als beim Widerruf des Vermögensverwaltungsvertrages durch die Klägerin: Die Klägerin muss vom Zeitpunkt des Widerrufs an sämtliche Anlagedispositionen selbst treffen und die Beklagte ist grundsätzlich aus ihrer Verantwortung entlas- sen (vgl. G UTZWILLER, a.a.O., S . 81, m.H.a. Urteil des Bundesgerichts 4C.126/2004 vom 15. September 2004 E. 3). Die (bestrittenen) Behauptungen der Klägerin, es habe nach dem Entzug der Verwaltungsbefugnis zumindest ein Anlageberatungsvertrag fortbestanden (act. 34 Rz. 84 und 94; act. 39 Rz. 161), bleiben gänzlich uns ubstantiiert, kann doch die S ubstantiierung eines anderen Vertragsverhältnisses nicht alleine in der Subtraktion "Vermögensverwaltungsvertrag minus Verwaltungsbefugnis gleich Anlageberatungsvertrag" bestehen. - 30 - 2.6.4.3. Auch die weiteren Einwände der Klägerin , welche gegen den Widerruf des Vermögensverwaltungsverhältnisses bzw. den Entzug der selbständigen Verwaltungsbefugnis sprechen sollen, verfangen nicht: Es ist der Beklagten darin zu folgen, dass die angebliche Vereinbarung der Par- teien, sich bei Unterschreitung bestimmter Kontostände bei Rechtsanwalt I._____ zu melden, in keiner Weise s ubstantiiert wurde, legte die Klägerin doch weder dar, wann die Parteien was genau vereinbart haben sollen , noch führt sie näher aus, um welche Limiten es sich gehandelt haben soll. Schliesslich findet diese angebliche Vereinbarung der Parteien auch mit keinem Wort Erwähnung im rele- vanten E-Mail-Verkehr zwischen den Parteien (act. 24/16-24/18). Ferner führte die Klägerin aus, die b estehenden Vollmachten der Beklagten bzw. von F._____ seien nie gegenüber der G1._____ AG widerrufen worden (act. 34 Rz. 49). Es wird nicht ganz klar, was die Klägerin mit diesem Argument bezw e- cken will. Sollte sie es aber anfügen, um ihren Standpunkt zu s tärken, die Verwal- tungsbefugnis sei der Beklagten nicht entzogen worden, so ist anzufügen, dass der Umstand, ob der Widerruf der Vollmachten gegenüber der G1._____ AG mit- geteilt wurde oder nicht, irrelevant ist. Relevant ist in erster Linie die Tatsache, dass die Klägerin der Beklagten die Verwaltungsbefugnis entzog und es der B e- klagten daher untersagt war, der G1._____ AG – ohne Einverständnis der Kläge- rin – Anweisungen zu erteilen. Als weiteres Indiz, welches für ihre Sachdarstellung sprechen soll, führte die Kl ä- gerin an, die Beklagte habe auch nach Ende August 2008 noch Anlagen der Kl ä- gerin verkauft. Die Beklagte argumentiere in diesem Sinne widersprüchlich, wenn sie behaupte, sie habe ab Ende August 2008 nicht mehr für die Klägerin handeln können, sie dies in der Folge aber trotzdem getan habe (act. 34 Rz. 50). Der Ver- kauf von Aktien, strukturierten Produkten und Fonds aus dem Depot der Klägerin vom 8. und 9. Oktober 2008 ist zwischen den Parteien unbestritten (act. 34 Rz. 50; act. 39 Rz. 87 f.). Die Kläg erin unterliess es jedoch in ihren Rechtsschri f- ten, diese Verkäufe näher zu substantiieren oder in einen Kontext zu setzen. Die Erklärung, weshalb es zu diesen Verkäufen kam, liefert e die Beklagte in ihrer Duplik nach (act. 39 Rz. 87 ff.), und sie erschliesst sich auch aus den eingereic h- ten Urkunden: Am 13. Oktober 2008 unterzeichnete die Klägerin einen an die - 31 - G1._____ gerichteten Auftrag zur Konto- /Depotschliessung und Übertragung der Wertschriften an die K._____ (act. 40/8). Wie aus dem Vermögensausweis der G1._____ per 7. Oktober 2008 hervorgeht, hatte die Klägerin in jenem Zeitpunkt noch einen festen Vorschuss von CHF 400'000.– ausstehend, welcher vor dem Konto- bzw. Depottransfer zurückbezahlt werden musste. Zur Rückzahlung di e- ses festen Vorschusses ("aufgeblasenen Kredits", vgl. act. 40/10) mussten gewis- se Effekten der Klägerin verkauft werden, reichten doch die liquiden Mittel der Klägerin bei der G1._____ dazu nicht aus (vgl. act. 40/9). So war es I._____, wel- cher namens der Klägerin der Beklagten den Auftrag erteilte, die erwähnten Ve r- käufe vorzunehmen (act. 40/10). Diese Verkäufe im Oktober 2008 durch die B e- klagte stellten somit reine Liquidationshandlungen dar, welche nach Beendigung des Vermögensverwaltungsmandates erfolgten und zu welchen die Beklagte auch Hand zu bieten hatte ( zu den Pflichten eines Vermögensverwalters nach Beendi- gung des Auf trages vgl. S CHALLER, a.a.O., N 257 f.). Die von der Klägerin aufge- führten Verkäufe sprechen daher nicht etwa für ihre Sachdarstellung, sondern stellen vielmehr ein weiteres Indiz dafür dar, dass das Vermögensverwaltungs- verhältnis Anfang September 2008 aufgelöst worden war und in der Folge im O k- tober 2008 die notwendigen nachvertraglichen Liquidationshandlungen vollzogen wurden. Schliesslich führt die K lägerin noch an, sie sei Ende August/Anfang September 2008, als sie von den grossen Verlusten ihres Portfolios erfahren habe, durchei- nander und in grosser Angst gewesen , was sich auch in den beiden E -Mails vom 2. und 5. September 2008 wider gespiegelt habe. Vor diesem Hintergrund hätte die Beklagte zumindest hinterfragen müssen, ob die Klägerin mit ihren beiden E - Mails der Beklagten tatsächlich die Verwaltungsbefugnis habe entziehen wollen (act. 34 Rz. 56 ff.). Auch hier ist der Klägerin entgegenzuhalten, dass sie der B e- klagten mit zwei E -Mails, zwischen welchen drei Tage lagen, unmissverständlich mitgeteilt hat, dass diese ohne Anweisung und Einverständnis der Klägerin keine Verkäufe mehr tätigen durfte. Vor diesem Hintergrund drängte sich auch nicht auf, die Anweisung der Klägerin zu klären. Dies erst recht nicht, da die Klägerin in di e- sem Zeitraum auch von ihrem deutschen Steuerberater, Rechtsanwalt I._____ (vgl. auch act. 1 Rz. 52), beraten war, und sich aus der E -Mail der Klägerin vom 2. September 2008 gl eich selbst ergibt, dass der Klägerin und ihrem Berater - 32 - I._____ die Ernsthaftigkeit der Situation vollends bewusst war (act. 24/17: "Lt. Herr I._____ will F._____ die missliche Lage für sich wohl elegant lösen und die verlustreichsten Papiere loswerden, um den kläglichen Rest dann wieder risikoreichst und experimentellst neu anzulegen [… ]"). 2.6.4.4. Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die Klägerin den Ver- mögensverwaltungsvertrag zwischen den Parteien mit ihrer E -Mail vom 2. September 2008, spätestens aber mit ihrer E -Mail vom 5. September 2008, wi- derrufen und damit aufgelöst hat. Selbst wenn man aber die Anweisung der Kl ä- gerin in ihrer E -Mail vom 2. September 2008 nicht als Widerruf des Vermögen s- verwaltungsvertrages als Ganzes betrachten würde, so wäre die Anweisung der Klägerin in ihren E -Mails vom 2. und 5. September 2008 nur – aber immerhin – als Entzug der selbständigen Verwaltungsbefugnis zu qualifizieren. 2.7. Anspruch auf Schadenersatz aus dem Vermögensverwaltungsvertrag 2.7.1. Voraussetzungen im Überblick Die Klägerin verlangt – neben der Herausgabe von indirekten Vorteilen aus dem Vertragsverhältnis – Schadenersatz aus der nicht gehörigen Erfüllung des Ver- mögensverwaltungsvertrages. Die Anspruchsgrundlagen der Haftung bilden dabei eine Vertragsverletzung, das Vorliegen eines Schadens, ein adäquater Kausalz u- sammenhang zwischen der Vertragsverletzung und dem Schaden sowie ein Ver- schulden. Diese Haftungsvoraussetzungen sind nachfolgend – soweit erforderlich – zu prüfen. Dabei trifft die Klägerin die Behauptungs - und die Beweislast für diese Vorausset- zungen mit Ausnahme des Verschuldens (vgl. dazu BGE 128 III 271 ff.). Das Ver- schulden des Beauftragten wir d nach Art. 97 OR vermutet. Diesbezüglich steht dem Beauftragten grundsätzlich die Möglichkeit der Exkulpation offen (vgl. G UTZ- WILLER, Unsorgfältige Vermögensverwaltung, AJP 2000 S. 59). - 33 - 2.7.2. Schaden 2.7.2.1. Grundsatz Als erste Haftungsvoraussetzung wird im Folgenden das Vorliegen eines Sch a- dens geprüft. Nach dem allgemeinen Schadensbegriff, wie er in der Praxis des Bundesgerichts verwendet wird, ist der Schaden eine unfreiwillige Vermögen s- verminderung, die in einer Verminderung der Aktiven, einer Vermehrung der Pas- siven oder im en tgangenen Gewinn bestehen kann. Er entspricht der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermögensstand und dem Stand, den das Verm ö- gen ohne das schädigende Ereignis hätte. Zu beachten ist indessen, dass der so definierte allgemeine Schadensbegriff im Einzel fall konkretisiert werden muss, damit er brauchbare Kriterien für die S chadensberechnung liefern kann (Urteil des Bundesgerichts 4A_364/2013/ 4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, E. 7.1; Urteil des Bun desgerichts 4C.158/2006 vom 10. November 2006, E. 4.3). Ausgehend von dieser allgemeinen Umschreibung des Schadens ergeben sich für das Vermögensverwaltungsrecht zahlreiche Besonderheiten, auf welche nach- folgend einzugehen ist. 2.7.2.2. Parteibehauptungen a. Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, dass die Gru ndlage der Sch a- densberechnung das Erfüllungsinteresse bilde. Vorliegend handle es sich um ei- nen Fall der pflichtwidrigen Anlagestrategie, so dass für die Schadensberechnung auf das gesamte zur Verwaltung übergebene Vermögen abzustellen sei (act. 1 Rz. 111 f.). Weiter macht die Klägerin detaillierte Ausführungen zum Zeitpunkt der Schadens- berechnung. Dieser sei der Stichtag, auf den sich die Differenzhypothese bezie- he. Bei Vorliegen einer Schlec hterfüllung sei dieser Stichtag für die Ermittlung des Schadens im Re gelfall der Erfüllungszeitpunkt. Der Gläubiger habe jedoch das Recht, den Schaden auf den Tag des Urteils der letzten kantonalen Instanz b e- rechnen zu lassen. Dass dieses Recht legitim sei, zeig e auch der vorliegende Fall: Hätte die Beklagte den Vermögensverwaltungsvertrag nicht verletzt, sei nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und in Anbetracht der konkreten Umstände des vorliegenden Falles davon auszugehen, dass das Vermögen der Klägerin bis - 34 - heute gemäss den Vorstellungen der Klägerin angelegt worden wäre. Die Kläge- rin mache daher vorläufig von ihrem Recht Gebrauch, den Schaden auf den Tag des Urteils der letzten kantonalen Instanz berechnen zu lassen. Die Klägerin be- halte sich aber vor, den Schaden auf den Erfüllungszeitpunkt zu berechnen, wel- cher wohl auf den 28. Oktober 2008 zu lokalisieren sei (allerdings werde allenfalls auf den Zeitpunkt des Verkaufs der verbleibenden, im Oktober / November 2008 zur K._____ in Österreich übertragenen Anlagen abzustellen sein). Da der Tag des Urteils in der Zukunft liege, nehme die Klägerin vorläufig den 8. Juni 2011, i.e. den Tag der Bereinigung der Klageschrift, als relevanten Zeitpunkt der Sch a- densberechnung. Wie erwähnt sei der Zeitpunkt der Schadensberechnung der Stichtag, auf den sic h die Differenzhypothese beziehe. Dieser Stichtag gelte wohl nicht nur für die Bestimmung des Sollwerts des Vermögens (hypothetischer Ve r- mögensstand), sondern – zugunsten des Schuldners – auch für die Bestimmung des Istwerts (tatsächlicher Vermögensstand) . Berechne man den Schaden auf den Zeitpunkt des Urteils und folge man diesem Grundsatz, bedeute dies, dass der Istwert in einem zweistufigen Verfahren zu berechnen sei: In einem ersten Schritt sei der Istwert auf den Erfüllungszeitpunkt zu berechnen; in einem zweiten Schritt folge eine Aufrechnung dieses Betrages bis zum Urteilszeitpunkt mit der Performance des Sollwerts in der gleichen Zeitspanne (act. 1 Rz. 113 ff.). In der Folge nimmt die Klägerin in ihrer Klageschrift die konkrete Berechnung des Schadens vor: Was den tatsächlichen Stand des Vermögens der Klägerin per 28. Oktober 2008 betreffe, so habe sich das Portfolio der Klägerin zu diesem Zeitpunkt auf EUR 42'469.– belaufen. Dazu seien die Entnahmen seit dem 30. Oktober 2006 im Umfang von EUR 107'800 zu berücksichtigen. Der tats ächliche Vermögensstand per 28. Oktober 2008 belaufe sich somit auf EUR 150'269.– (act. 1 Rz. 117). Berechne man den Schaden auf den Zeitpunkt des Urteils, sei der tats ächliche Vermögensstand per 28. Oktober 2008 bis zum Urteilszeitpunkt mit der Perfor- mance des Sollwerts in der gleichen Zeitspanne aufzurechnen. Zwischen dem 28. Oktober 2008 und dem 8. Juni 2011 habe der H1._____-Fonds eine Perfor- mance von 15.79% und der H4._____-Fonds eine Performance von 21.65% ge- macht. Bei einem Aktienanteil von 40% gebe das eine Performance von 20.19%. - 35 - Das tatsächliche Ver mögen der Klägerin per 8. Juni 2011 sei somit mit EUR 180'608.– zu veranschlagen (act. 1 Rz. 118). Was den hypothetischen Vermögensstand betreffe, so sei danach zu fragen, wie sich das verwaltete Vermögen im massgebenden Zeitraum entwickelt hätte, wenn die Beklagte ihren vertraglichen Pflichten nachgekommen wäre. Beim massg e- benden Zeitraum handle es sich um den Zeitraum zwischen der Vertragsverlet- zung und dem Zeitpunkt der Schadensberechnung. Was den Referenzwert für die hypothetische Entwicklung des Vermögens betreffe, so könne diesbezüglich auf einen Anlagestrategiefonds in der Währung EUR abgestellt werden, dessen Ver- mögen zu 60% in Obligationen und zu 40% in Aktien angelegt sei. Im Folgenden werde auf den H2._____ - H1._____ (Aktienanteil 25%) und auf den H2._____ - H4._____ (EUR) H3._____ Fonds (Aktienanteil 45%) abgestellt, wobei ein en t- sprechender, einen Aktienanteil von 40% wider spiegelnder " Mittelwert" genom- men werde (act. 1 Rz. 119). Bezüglich des hypothetischen Standes des Vermögens der Klägerin per 8. Juni 2011 führt die Klägerin aus, dass zwischen dem 30. Oktober 2006 und dem 8. Juni 2011 der H1._____- Fonds eine Performance von 7.37% und der H4._____-Fonds eine Performance von -0.90% gemacht habe. Bei einem Aktien- anteil von 40% gebe das eine Performance von 1.17%. Das Nettovermögen per 30. Oktober 2006 von EUR 457'883.– hätte sich somit am 8. Juni 2011 auf EUR 463'240.– belaufen. Bezüglich des hypothetischen Standes des Vermögens der Klägerin per 28. Oktober 2008 führt die Klägerin aus, ergebe sich – und diese Variante wähle die Klägerin vorläufig nich t – Folgendes: Zwischen dem 30. Oktober 2006 und dem 28. Oktober 2008 habe der H1._____-Fonds eine Per formance von -7.27% und der H4._____-Fonds eine Performance von -18.54% gemacht. Bei einem A k- tienanteil von 40% gebe das eine Performance von - 15.72%. Das Nettovermögen per 30. Oktober 2006 von EUR 457'883.– hätte sich so mit am 28. Oktober 2008 auf EUR 385'903.– belaufen (act. 1 Rz. 122). Zusammenfassend, so die Klägerin, belaufe sich der Schaden der Klägerin per 8. Juni 2011 – als der Differenz zwischen EUR 180'608.– (aufgerechneter tat-- 36 - sächlicher V ermögensstand) und EUR 463'240. – (hypothetischer Vermögen s- stand) – auf EUR 282'632.– (act. 1 Rz. 124). Der Schaden der Klägerin per 28. Oktober 2008 als der Differenz zwischen EUR 150'269.– (tatsächlicher Vermögensstand) und EUR 385'903.– (hypotheti- scher Vermögensstand) belaufe sich auf EUR 235'634.– (allerdings laufe dann der Schadenszins von 5% bereits ab dem 28. Oktober 2008). Die Klägerin wähle jedoch vorläufig nicht diesen Zeitpunkt der Schadensberechnung (act. 1 Rz. 126). Der Schadenersatzanspruch der Klägerin sei in EUR zuzusprechen. Der Schaden per 8. Juni 2011, per Urteilszeitpunkt bzw. per 28. Oktober 2008 sei seit dem je- weiligen Datum mit einem Schadenszins von 5% zu verzinsen (act. 1 Rz. 128 f.). b. Die Beklagte bestreitet in ihrer Klageantwort die klägerischen Ausführungen zum Schaden bzw. zur Schadensberechnung. Der Schaden sei eine unfreiwillige Vermögensverminderung, die in der Verminderung der Aktiven, der Vermehrung der Passiven oder im entgangenen Gewinn bestehen könne. Die Vermögensver- minderung müsse unfreiwillig eintreten. Unfreiwillig heisse gegen oder zumindest ohne den Willen des Geschädigten. Eine freiwillige Vermögensverminderung liege vor, wenn der Anleger eine risikoreiche Anlage gutheisse, die nicht der vereinbar- ten Anlagestrategie e ntspreche. Habe der Kunde eine begangene Pflichtverlet- zung des Vermögensverwal ters im Nachhinein genehmigt – was ausdrücklich oder stillschweigend geschehen könne –, nehme er damit eine mögliche Verm ö- gensverminderung bewusst in Kauf. Die Klägerin habe die Anlagestrategie fortlau- fend angepasst. Ginge man davon aus, die angepasste Strategie sei nicht durch die Klägerin angeordnet worden – was bestritten werde – so habe die Klägerin durch ihre fortlaufend erteilten und wiederholten Einverständniserklärungen an- lässlich aller Besprechungen die angepasste Anlagestrategie gutgeheissen. D a- mit habe die Klägerin eine allfällige Pflichtverletzung genehmigt. Der Schaden sei nicht unfreiwillig eingetreten. Es liege kein rechtlich relevanter Schaden vor (act. 23 Rz. 140 ff.). Bezüglich der Schadensberechnung und Kausalität führt die Beklagte aus, das Bundesgericht lege der Schadensberechnung das Erfüllungsinteresse zugrunde und vergleiche den tatsächlichen Vermögensstand mit jenem, der vorliegen wü r- de, wenn der angelegte Teil des verwalteten Vermögens vertragsgemäss verwal-- 37 - tet worden wäre. Bei dieser Vergleichshypothese sei in der Regel auf die Sorgfalt eines durchschnittlich erfolgreichen Vermögensverwalters während der gleichen Periode abzustellen, wobei davon auszugehen sei, dass ein durchschnittlich sorg- fältiger Vermögensverwalter nicht in der Lage sei, "den Markt zu schlagen". Bei der Schadensberechnung sei also insbesondere zu berücksichtigen, dass die Klägerin im Jahre 2008 bei jedem durchschnittlich sorgfältigen Verm ögensverwal- ter aufgrund des Börsencrashs massive Verluste erlitten hätte. Eine Gegenüber- stellung der Investitionen, Bezüge und Ausgaben ergebe einen effektiven, als Folge der Finanzkrise eingetretenen Verlust von EUR 116'273.10. Das Vermögen der Klägerin h abe per Ende August 2008 noch EUR 248'151.– betragen. Hätte man zu diesem Zeitpunkt verkauft, hätte die Klägerin keinen Verlust erlitten. Per Ende August sei der Beklagten aber die Verfügungsmacht entzogen worden. Es werde bestritten, dass die Klägerin ihr en angeblichen hypothetischen Schaden auf den Zeitpunkt der Klageeinreichung oder des Urteils der ersten Instanz be- rechnen könne. Abschliessend weist die Beklagte die Klägerin darauf hin, dass sie zu beachten habe, dass sie der Beklagten schon Ende August 2008, und sodann ausdrücklich schriftlich am 2. September 2008 die Verfügungsmacht über die Vermögensanl a- gen entzogen habe. Sämtliche Verluste, die nach diesem Zeitpunkt eingetreten seien, könnten nicht mehr der Beklagten zugerechnet werden. Sie seien der Klä- gerin zuzurechnen (act. 23 Rz. 145 ff.). c. In der Replik lässt sich die Klägerin dahingehend verlauten, dass die Au s- führungen zur Schadensberechnung in der Klageschrift von der Beklagten nicht substantiiert b estritten worden seien. Per 31. Oktober 2008 berechnet habe der Schaden der Klägerin EUR 235'634.– zuzüglich Verzugszins von 5% betragen. Die Klägerin mache von ihrem Recht Gebrauch, den Schaden auf den Tag des Urteils der letzten kantonalen Instanz berechnen zu lassen. Per 8. Juni 2011 habe der Sch aden bereits EUR 282'632.– betragen. Diesen Betrag habe die Klägerin mit der Klage eingefordert. Per 12. Dezember 2013 berechne sich der Schaden der Klägerin nunmehr ausgehend von einem Nettovermögen per 30. Oktober 2006 von EUR 457'883. – und einem tatsächlichen Vermögenstand per 28. Oktober 2008 von EUR 150'269. – wie folgt: Die gewichtete Performance der Referenzfonds betrage zwischen dem 28. Oktober 2008 und dem 12. Dezember - 38 - 2013 35.13%. Daraus resultiere ein tatsächlicher Vermögensstand per 12. Dezember 2013 im Betrag von EUR 203'058.50. Die gewichtete Performance der Referenzfonds betrage zwischen dem 30. Oktober 2006 und dem 12. Dezember 2013 13.65%. Daraus resultiere ein hypothetischer Verm ögens- stand der Klägerin per 12. Dezember 2013 im Betrag von EUR 520'373.–. Per 12. Dezember 2013 betrage der Schaden der Klägerin somit EUR 317'314.50 (EUR 520'373.– - EUR 203'058.50). Die Klägerin verzichte einstweilen darauf, das mit der Klage eingereichte Rechtsbegehren zu aktualisieren, da aufgru nd des in der Zukunft liegenden Urteilszeitpunkts weitere Aktualisierungen erforderlich würden. Ihr sei in jedem Fall Gelegenheit zu geben, ihre Schadensberechnung vor der Urteilsfällung an die aktuellen Verhältnisse anzupassen (act. 34 Rz. 78 ff.). Eine B erechnung des Schadens auf den Zeitpunkt, welchen die Beklagte als w e- sentlich erachtet, nämlich Ende August / Anfang September 2008, nimmt die Kl ä- gerin nicht vor. d. In der Duplik erklärt die Beklagte, die Klägerin behaupte, dass die Beklagte ab Ende Oktober 2006 von der vereinbarten Anlagestrategie abgewichen sei und eigenmächtig eine offensivere Strategie verfolgt habe. Die Beklagte bestreite dies unter Verweis auf ihre Ausführungen. Ferner werde von der Beklagten bestritten, dass die Klägerin überhaupt einen Schaden erlitten habe. Aber selbst wenn es der Klägerin gelingen würde, eine Pflichtverletzung nachzuweisen, sei die Klage mangels substantiierter Darlegung des Schadens abzuweisen. Die Klägerin neh- me bei ihrer Schadensberechnung nicht nur auf den falschen Zeitraum Bezug, sie rechne auch mit dem Netto- statt dem Bruttovermögen und stelle auf falsche bzw. irrelevante Performancezahlen ab (act. 39 Rz. 113 f.). Zum relevanten Zeitraum führ t die Beklagte aus, dass nicht der Zeit raum vom 31. Oktober 2006 bi s zum 28. Oktober 2008 bzw. dem Datum des Urteils relevant sei, sondern aufgrund der Unterbrechung des Kausalzusammenhangs der Zeit- raum bis zum 29. August 2008 bzw. spätestens bis zum 2. September 2008. Zum Schaden, der in dieser Periode eingetreten sein solle, mach e die Klägerin weder in der Klage noch in der Replik irgendwelche Ausführungen, obwohl die Beklagte - 39 - bereits in der Klageantwort auf die Unterbrechung des Kausalzusammenhangs hingewiesen habe (act. 39 Rz. 115). Bezüglich Vermögensstand per 29. August 2008 bzw. 2. September 2008 führt die Beklagte aus, dass nach dem Gesagten der Vermögensstand der Klägerin per 29. August 2008, spätestens aber per 2. September 2008, relevant sei. Das Ne t- tovermögen der Klägerin per 29. August 2008 / 2. September 2008 habe EUR 248'151 betragen. Hinzuzurechnen seien die Entnahmen der Klägerin zw i- schen Oktober 2006 und August 2008 von insgesamt EUR 107'800. Der tatsäc h- liche Netto-Vermögensstand per 29. August 2008 / 2. September 2008 habe des- halb EUR 355'951 betragen. Zu m hypoth etischen Vermögensstand per 29. August 2008 / 2. September 2008 habe sich die Klägerin mit keinem Wort ge- äussert. Vielmehr wolle die Klägerin in Bezug auf den hypothetischen Vermö- gensstand auf den 28. Oktober 2008, den 8. Juni 2011, den 12. Dezember 2013 bzw. das Datum des Urteils abstellen. Diese Daten seien aber wie dargelegt alle- samt irrelevant, da die Klägerin der Beklagten am 29. August 2008 die Verf ü- gungsbefugnis entzogen habe, dies am 2. und 5. September 2008 schriftlich be- stätigt habe und der nach diesem Zeitpunkt entstandene Schaden der Beklagten folglich ohnehin nicht mehr zurechenbar sei. Es fehle folglich schon an der za h- lenmässigen Grundlage, um den angeblichen Schaden berechnen zu können (act. 39 Rz. 116 ff.). Ferner führt die Beklagte aus, dass das Bruttovermögen massgebend sei. Da ein Teil des klägerischen Portfolios mit Wissen und Willen der Klägerin kreditfinan- ziert gewesen sei , sei für die Schadensberechnung entgegen der Annahme der Klägerin auch auf ein kreditfinanziertes Verglei chsportfolio abzustellen. Massge- bend sei folglich die Differenz des tatsächlichen und des hypotheti schen Brutto- vermögens, nicht des Nettovermögens. Auch zu diesen Zahlen äusser e sich die Klägerin nicht (act. 39 Rz. 119 f.). Schliesslich stütze sich die Klä gerin bei der Berechnung des hypothetischen Ver- mögensstands auch auf falsche Performancezahlen; dies deshalb, weil die Kläge- rin für die Schadensberechnung auf den falschen Zeitraum abstelle. Massgebend sei nicht die Vergleichsperformance zwischen dem 31. Oktober 2006 und irgen d- einem von der Klägerin g ewählten Zeitpunkt, sondern die Vergleichsperformance - 40 - zwischen dem 31. Oktober 2006 und dem 29. August 2008 bzw. dem 2. September 2008. Entsprechendes Zahlenmaterial liefere die Klägerin aber auch hier nicht, s odass eine Berechnung des hypothetischen Vermögensstands unmöglich sei. Die Beklagte bestreite jedenfalls, dass die von der Klägerin in der Klage und Replik genannten Performancezahlen relevant und zutreffend seien. Es sei zu berücksichtigen, dass es bei der Berechnung des hypothetischen Ver- mögensstandes einen statistischen Streubereich gebe. Namentlich sei nicht dar- getan, dass sich der Wert des klägerischen Portfolios bei identischer prozentualer Zusammensetzung der Anlagekategorien wie bei den angefühlten Vergleichs- fonds auch gleich entwickelt hätte. Die Klägerin hätte besser , aber auch schlech- ter abschneiden können als der Vergleichsfonds. Es sei somit an der Klägerin gewesen, zu z eigen, dass die von ihr angeführ ten Fonds im statistischen Durc h- schnitt lägen (act. 39 Rz. 121 ff.). Zusammenfassend sei festzuhalten, dass die Klägerin den ihr angeblich entstan- denen Schaden weder s ubstantiiert behauptet noch rechtsgenüglich nachgewi e- sen habe. Die Schadensberechnungen der Klägerin in der Klage wie auch der Replik seien allesamt falsch (act. 39 Rz. 124). 2.7.2.3. Rechtliches a. Geht man – wie vorliegend – von der Unterstellung des Vermögensverwal- tungsvertrages unter das Auftragsrecht aus, so beruht die Schadensberechnung auf dem Erfüllungsinteresse. Grundlage der Schadensberechnung bildet deshalb der Vergleich zwischen dem tatsächlichen Vermögensstand des Auftraggebers und jenem, der vorliegen würde, falls der sorgfaltswidrig angelegte Teil des Ver- mögens vertragskonform verwendet worden wäre ( Urteil des Bun desgerichts 4A_364/2013/4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 4C.158/2006 vom 10. November 2006, E. 4.4.2; G UTZWILLER, a.a.O., S. 251 und S. 252 m.w.H.). Der Schaden errechnet sich somit aus der durch die pflichtwidrige Anlage verursachten Vermögensverminderung unter Be- rücksichtigung des Gewinns, der bei gleichem Kapitaleinsatz in der gleichen Zei t- spanne hätte erzielt werden können, hätte der Vermögensverwalter eine pflich t- gemässe Anlagepolitik verfolgt. Auszugehen ist dabei von dem in der Branche v o-- 41 - raussetzbaren Fachwissen und den damals vorherrschenden Markterwartungen (GUTZWILLER, a.a.O., S. 252). b. Soweit nicht nur eine oder jedenfalls vereinzelte pflichtwidrige, genau bezei- chenbare Anlagen herbeigeführt worden sind, sonder n das gesamte Portefeuille oder der überwiegende Teil pflichtwidrig investiert worden ist, bleibt für die Sch a- densberechnung kein anderer Weg, als das gesamte Depot einem hypothet i- schen Portefeuille gegenüber zu stellen, das den Instruktionen des Kunden en t- sprochen und nicht gegen die Sorgfalts - und Treuepflicht verstossen hätte (GUTZWILLER, a.a.O., S. 256 m.H.a. Urteil des Bundesgerichts 4C.126/2004 vom 15. September 2004, E. 3). Das Bundesgericht hat ebenfalls erkannt, dass der Entwicklung des pflichtwidrig verwalteten Portfolios jene eines hypothetischen Portfolios gleichen Umfangs und während des gleichen Zeitraums, das gemäss den vertraglichen Instruktionen verwaltet wurde, gegenüberzustellen ist (Urteil des Bundesgerichts 4A_364/2013/ 4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 4C.18/2004 vom 3. Dezember 2004, E. 2.1). Das Bundesgericht spricht hinsichtlich der Schadensberechnung vom "gesamten zur Verwaltung übergebenen Vermögen" ( Urteil des Bun desgerichts 4A_364/2013/4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 4C.158/2006 vom 10. November 2006, E. 4.3). c. Vergleichsmassstab bildet nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung – wie erwähnt – ein hypothetisches Portfolio gleichen Um fangs, das während des gleichen Zeitraums instruktionsgemäss verwaltet wurde ( G UTZWILLER, a.a.O., S. 257). Als Referenzwerte bzw. Vergleichsmassstäbe, welche zur Ermittlung des konkret erlittenen Schadens beizuziehen sind, werden in der Literatur die ge- mischten Anlagefonds der entsprechenden Risikostufe, sog. Strategiefonds, als für die Schadensberechnung geeignet erachtet (GUTZWILLER, a.a.O., S. 121, S. 257; ROSAT, Der Anlageschaden, Bern 2009, S. 102; SCHALLER, a.a.O., N 472 ff.). ROSAT erachtet Strategiefonds ebenfalls als sehr geeignet für die Schadensberechnung, am besten soll e mit Durchschnittswerten mehrerer pa s- sender Anlagefonds gerechnet werden (ROSAT, a.a.O., S. 102). d. In der Lehre teilweise etwas zu kurz kommt die Abhandlung der Frage, wie der relevante Zeitraum zu bestimmen ist, innert der die tatsächlich erzielte (Nega-- 42 - tiv-)Performance mit der Performance des beigezogenen Referenzwertes zu ver- gleichen ist (vgl. SCHALLER, a.a.O., N 491). Der Zeitpunkt der Schadensberec h- nung ist der Stichtag, auf den sich die Differenzhypothese bezieht. ROSAT betont denn auch, dass der Bestimmung des Zeitpunktes der Schadensberechnung beim Vermögensverwaltungsvertrag aufgrund der Dynamik des Aktienmarktes ei- ne besondere Bedeutung zukomme (ROSAT, a.a.O., S. 76 f.). Bei Vorliegen einer Schlechterfüllung sei für die Ermittlung des Schadens im Regelfall auf den Erfü l- lungszeitpunkt abzustellen. Da es sich beim Vermögensverwaltungsvertrag um ein Dauerschuldverhältnis handle, das fortlaufend zu erfüllen sei, finde sich grundsätzlich kein bestimmter einzelner Erfüllungszeitpunkt. Daher sei der fr ü- hestmögliche Zeitpunkt der Schadensberechnung der Moment, in dem die Pflich t- verletzung des Verwalters aufhöre (R OSAT, a.a.O., S. 77). Durch die Beendigung des Ver mögensverwaltungsvertrages falle die Pflicht des Vermögensverwalters zur vertragsgemässen Verwaltung des Portefeuilles dahin. Die Schadensberec h- nung sei daher grundsätzlich ab der Vertragsauflösung möglich und sei in der Rechtsprechung wiederholt so vorgen ommen worden ( ROSAT, a.a.O., S. 78 f. m.w.H.; ebenso G UTZWILLER, a.a.O., S. 256). Mit Beendigung des Vertragsver- hältnisses verlagere sich die Verfügungsmacht über die zu verwaltenden Anlagen vom Vermögensverwalter auf den Anleger, was dazu führe, dass der Anleger so- dann unbeschränkt und direkt über seine Anlagen und damit auch über den darin enthaltenen Schaden verfügen könne ( R OSAT, a.a.O., S. 79). Soweit der Anleger den Vermögensverwaltungsvertrag auflöse, indessen mit dem Verkauf der pflichtwidrigen Anlagen nach der Vertragsauflösung noch weiter zuwarte, sei en t- scheidend, ob der Anleger die aus dem pflichtwidrig zusammengesetzten Port e- feuille ergehende Gefahr kannte oder zumindest hätte kennen sollen. Falls dies der Fall sei, was wohl die Regel sein w erde, und der Anleger trotzdem untätig bleibe, sei ihm ein grosses Selbstverschulden anzulasten. Dieses lasse die Pflichtverletzung des Verwalters als unbedeutend erscheinen und vermöge daher den entsprechenden Kausalzusammenhang zu unterbrechen. Der Schaden b e- rechne sich diesfalls also auf den Zeitpunkt der Beendigung des Vermögensver- waltungsvertrages (R OSAT, a.a.O., S. 80 f.). Das Bundesgericht geht ebenfalls da- von aus, dass das massgebende Datum für den Schlusswert des Depots dasjen i- ge der Kündigung bzw. Beendigung des Vermögensverwaltungsvertrages ist (Ur-- 43 - teil des Bun desgerichts 4A_364/2013/ 4A_394/2013/ 4A_396/2013 vom 5. März 2014, E. 8.1). e. Schliesslich weisen Lehre und Rechtsprechung zutreffend darauf hin, dass – wo das Gesetz nicht etwas anderes bes timmt – derjenige gemäss Art. 8 ZGB das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen habe, der aus ihr Rec h- te ableitet. Folglich trägt der geschädigte Anleger die objektive Beweislast für den Schaden (ROSAT, a.a.O., S. 66, m.H.a. Urteil des Bundesgerichts 4C.295/2006 vom 30. November 2006, E. 5.2.1.; vgl. auch SCHALLER, a.a.O., N 565 ff.; Urteil des Bundesgerichts 4A_364/2013/4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, E. 9.3). Diese Grundsatzregel wird in Bezug auf die Feststellung des Schadens in Art. 42 Abs. 1 OR bestätigt ( ROSAT, a.a.O., S. 66; Urteil des Bun desgerichts 4A_364/2013/4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, E. 9.3). Der Anleger hat somit das Vorliegen eines Vermögensschadens rechtsgen ügend (zu behaup- ten und) zu beweisen. Allerdings enthält Art. 42 Abs. 2 OR eine Sondervorschrift mit Bezug auf "nicht ziffernmässig nachweisbare" Schäden. Diesbezüglich hat der Richter den Schaden abzu schätzen. Ihm kommt dabei ein gewisses Ermessen zu. Wesentlich ist aber, dass Art. 42 Abs. 2 OR nicht zu einer Beweislastumkehr zugunsten des Anlegers führ t. Art. 42 Abs. 2 OR ist nicht die Ausnahme von der in Art. 42 Abs. 1 OR statuierten Regel, sondern Art. 42 Abs. 2 OR gewähr t dem Geschädigten eine "Beweiserleichterung", indem dieser von einem strikten Sch a- densnachweis enthoben wird (SCHALLER, a.a.O., N 568 ff.). Der objektiv beweisbelastete Anleger trägt somit die Behauptungs- und Substanti- ierungslast. Nach der Verhandlungsmaxime ist es Aufgabe der Parteien, dem G e- richt das P rozessmaterial zu verschaffen. Die Tatsachenbehauptungen und Be- streitungen müssen in einer bestimmten Art und Weise in den Prozess einge- bracht werden und sind in einem je nach den prozessualen Anforderungen zu be- stimmenden Ausmasse in Einzeltatsachen zu zergliedern. Das bedeutet, dass der subjektiv beweisbelastete Anleger in seiner Schadenersatzklage gegen den Ver- mögensverwalter anzugeben hat, welche Vermögenseinbusse oder welcher en t- gangene Gewinn aus welcher Vertragsverletzung als Schaden geltend gemacht wird. Dieser Grundsatz gilt in abgeschwächter Form auch, falls die Schaden s- schätzung im Rahmen von Art. 42 Abs. 2 OR in das Ermessen des Richters ge- stellt wird, denn mit dieser Norm wird nur eine Beweiserleichterung bezweck t. - 44 - Dem Geschädigten wird dadurch nicht die Möglichkeit eröffnet, ohne nähere An- gaben Schadenersatzforderungen in beliebiger Höhe zu stellen. Es erfolgt also keine generelle Abnahme der Beweislast und damit keine Aufhebung der Beweis- pflicht. Das Bundesgericht hält in seiner Rechtsprechung denn auch ausdrücklich fest, dass " der Geschädigte alle Umstände, die für den Eintritt eines Schadens sprechen und dessen Abschätzung erlauben oder erleichtern, soweit möglich und zumutbar zu behaupten und zu beweisen hat " (ROSAT, a.a.O., S. 69, u.a. m.H.a. Urteil des Bundesgerichts 4C.295/2006 vom 30. November 2006, E. 5.2.2.). Beim Schaden aus einem Ver- mögensverwaltungsvertrag bedeutet dies, dass der Geschädigte die für die Sch a- densschätzung nach Art. 42 Abs. 2 OR erforderlichen Grundlagen bzw. die Refe- renzwerte eines hypothetischen sorgfaltsgemässen Vergleichsportfolios zu be- haupten hat (Urteil des Bun desgerichts 4A_364/2013/4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, E. 9.3 m.w.H.) Er hat so viele individuell-konkrete Indizien wie möglich und zumutbar und so vie- le generell -abstrakte Erfahrungssätze wie zur Ergänzung des Sachverhalts not- wendig vorzubringen. Das heiss t, dass sowohl die tatsächlichen wie auch die h y- pothetischen Parameter detailliert dargelegt werden müssen (ROSAT, a.a.O., S. 70). Wie präzise der Anleger den Anlageschaden behaupten und s ubstantiie- ren muss, ist im Einzelfall zu entscheiden. Vom Anleger kann aber erwartet wer- den, dass er diejenigen Umstände behauptet und beweist, mit deren Hilfe der Richter die Rahmenbedingungen der Schadensberechnung, das heisst den rel e- vanten Zeitpunkt, das massgebende Vermögen, die Anlagestrategie und die da- mals herrschende Markterwartung sowie den anwendbaren Referenzwert, be- stimmen und gestützt darauf den Anlageschaden schätzen kann. Nimmt der A n- leger selbst ei ne Schadensschätzung vor, soll er darauf achten, dass er die eben erwähnten Umstände auch für den Fall angibt , dass das Gericht seiner Sch a- densermittlung nicht folgt. Ko mmt er diesen Auflagen nach, hat der Richter den Schaden nämlich selbst dann abzuschätzen, wenn er der Argumentation des A n- legers nicht in allen Punkten nachkomm t. Nimmt der Anleger aber keine Sch a- densberechnung vor und benennt auch keine Anhaltpunkte, die eine solche z u- mindest erlauben, trifft den Richter keine S chadensschätzungspflicht (R OSAT, a.a.O., S. 70). - 45 - SCHALLER weist darauf hin, dass dies konkret auch bedeute, dass es dem Anleger nahezulegen sei, dem zuständigen Gericht neben einer Hauptberechnung des Schadens stets auch eine oder mehrere Eventualberechnung(en) in hinreichend substantiierter Form vorzutragen und mit tauglichen Dokumenten zu unterlegen, gerade wenn etwa die Auslegung der vereinbarten Anlagestrategie nicht zu einem eindeutigen Ergebnis führe, es mithin möglich erscheine, dass das Gericht ins o- weit zu einer anderen Auslegung kommt als der Anleger. Der Anleger, der in sol- chen Fällen den Vortrag einer (oder mehrerer) Eventualschadensberechnung(en) unterlasse, trage das Risiko, dass das Gericht das Klagefundament allenfalls als nicht hinreichend s ubstantiiert betrachte. So habe das Bundesgericht einen kan- tonalen Entscheid geschützt , gemäss welchem es die Klägerinnen unterlassen hätten, für den (Eventual-)Fall, dass sich das Vertragsverständnis der Gegenpar- tei als richtig herausstellen oder eine Genehmigung anzunehmen sein sollte, dar- zulegen, welche Sorgfaltspflichtverletzungen inwiefern zu welchem Schaden ge- führt hätten (obwohl sie aufgrund der beklagtischen Behauptungen damit hätten rechnen müssen, dass die Vereinbarung oder Genehmigung einer Optionsstrat e- gie angenommen würde). Damit seien sie ihrer Obliegenheit, das Klagefundament darzutun, nicht nachgekommen (S CHALLER, a.a.O., N 568 ff., m.w.H.). 2.7.2.4. Würdigung a. Beide Parteien sind zutreffend der Ansicht (act. 1 Rz. 111; act. 23 Rz. 145), dass bei der Unterstellung des Vermögensverwaltungsvertrages unter das Au f- tragsrecht die Schadensberechnung auf dem Erfüllungsinteresse beruht. Grund- lage der Schadensberechnung bildet somit – wie bereits vorstehend dargelegt wurde – der Vergleich zwischen dem tatsächlichen Vermögensstand der Klägerin und jenem, der vorliegen würde, falls der sorgfaltswidrig angelegte Teil des Ve r- mögens vertragskonform verwendet worden wäre ( Urteil des Bun desgerichts 4A_364/2013/4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 4C.158/2006 vom 10. November 2006, E. 4.4.2). Ferner ist vo r- liegend für die Schadensberechnung auf das gesamte zur Verwaltung übergebe- ne Vermögen abzustellen, handelt es sich doch um keinen Fall einer pflichtwidr i- gen Einzelanlage. - 46 - b. Die Klägerin hat zur Schadensberechnung gemäss Lehre und Rechtspre- chung der Entwicklung des pflichtwidrig verwalteten Portfolios jene eines hypothe- tischen Portfolios gleichen Umfangs und während des gleichen Zeitraums gegen- überzustellen, das gemäss den vertraglichen Instruktionen verwaltet wurde und nicht ge gen die Sorgfalts - und Treuepflicht verstossen hat. Als Referenzwerte bzw. Vergleichsmassstäbe, welche zur Ermittlung des konkret erlittenen Sch a- dens beizuziehen sind, werden in der Literatur die gemischten Anlagefonds der entsprechenden Risikostufe, sog. Strategiefonds, als für die Schadensberec h- nung geeignet erachtet , wobei R OSAT empfiehlt, mit Durchschnittswerten mehre- rer passender An lagefonds zu rechnen ( GUTZWILLER, a.a.O., S. 121, S. 257; RO- SAT, a.a.O., S. 102; SCHALLER, a.a.O., N 472 ff.). Die Klägerin hat somit vorliegend im Lichte obiger Ausführungen die hypothet i- sche Entwicklung ihres Depots unter Berücksichtigung der geltenden Anlageres t- riktionen (konservative Anlagestrategie, Rendite 5%) bei sorgfältiger Verwaltung mit der tatsächlichen Entwicklung ihres Depots zu vergleichen. Die Differenz zw i- schen dem hypothetischen Vermögensstand und dem tatsächlichen Vermögen s- stand bildet den Schaden. Die Klägerin versucht in ihrer Klageschrift genau dies zu tun, indem sie für den hypothetischen Vermögensstand mit einem Anlagestrategiefonds in der Währung EUR rechnet, dessen Vermögen zu 60% in Obligationen und zu 40% in Aktien angelegt ist. Weil es einen solchen Anlagestrategiefonds nicht gibt, rechnet sie mit dem H2._____ - H1._____ (Aktienanteil 25% ) und mit dem H2._____ - H4._____ (EUR) H3._____ (Aktienanteil 45%), wobei sie einen entsprechenden, einen Aktienanteil von 40% widerspiegelnden Mittelwert annimmt (act. 1 Rz. 119). Die Beklagte bestreitet diese Herleitung des hypothetischen Vermögensstandes und damit diesen Teil der Schadensberechnung als solche nicht (act. 23 Rz. 145- 148), weshalb diese Strategiefonds der G1._____ grundsätzlich als geeignet er- scheinen. c. Betreffend Zeitraum für die Schadensberechnung sind die Schadensberech- nungen der Par teien nicht miteinander kompatibel. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Parteien von gänzlich verschiedenen Zeitpunkten au s- gehen, welche für die Berechnung des Schadens relevant sein sollen. Vergleiche - 47 - der gelieferten Zahlen sind daher – wenn überhaupt – nur sehr beschränkt mög- lich. Die Klägerin berechnet ihren Schaden im Hauptstandpunkt auf den Tag des U r- teils der letzten kantonalen Instanz (act. 1 Rz. 114), eventualiter auf den 28. Oktober 2008, den Tag des Auftrages zum Transfer der klägerischen Verm ö- genswerte auf die K._____ (act. 1 Rz. 116, act. 1 Rz. 122). In ihrer Replik aktuali- siert sie ihre Berechnungen (act. 34 Rz. 78 ff.). Die Beklagte will einen allfälligen Schaden nicht auf den Urteilstag, sondern per Ende August bzw. auf den 2. September 2008 berechnen, den Tag des Entzuges ihrer Verfügungsmacht (act. 23 Rz. 147-148). Relevant sei daher nicht der Zei t- raum vom 31. Oktober 2006 bis zum 28. Oktober 2008 bzw. dem Datum des U r- teils, sondern aufgrund der Unterbrechung des Kausalzusam menhang der Zei t- raum bis zum 29. August 2008 bzw. spätestens bis zum 2. September 2008 (act. 39 Rz. 115). Gemäss Lehre kämen als Zeitpunkt der Schadensberechnung – zumindest theo- retisch – grundsätzlich der Erfüllungszeitpunkt und der Tag des Urteils in Frage. Bei Vorliegen einer Schlechterfüllung sei für die Ermittlung des Schadens im R e- gelfall auf den Erfüllungszeitpunkt abzustellen, was beim Vermögensverwaltungs- vertrag als Dauerschuldverhältnis, das fortlaufend zu erfüllen sei, zu Schwierigkei- ten führen k önne, finde sich doch grundsätzlich kein bestimmter einzelner Erfü l- lungszeitpunkt (ROSAT, a.a.O., S. 77 f. m.w.H.). ROSAT vertritt deshalb den Stan d- punkt, dass nur eine einzelfallgerechte Umschreibung des Schadensberec h- nungszeitpunkts unter Berücksichtigung sämtlicher sachbezogener Umstände den sich jeweils stellenden Fragen gerecht werde. Die Wahl des genauen Bewer- tungszeitpunkts werde dabei in das gerichtliche Tatbestandsermessen von Art. 42 Abs. 2 OR gestellt ( ROSAT, a.a.O., S. 78; vgl. auch WALTER, Prozessuale Aspekte beim Streit zwischen Kunden und V ermögensverwalter, in: ZSR 127 [2008], S. 119). WALTER interpretiert die bundesgerichtliche Rechtsprechung dahinge- hend, dass das Bundesgericht auf die vertragliche Dauer des Vermögensverwal- tungsvertrages, auf dessen effektive oder mögliche Beendigung abzustellen scheine. Dieses Abstellen auf die Dauer bzw. Beendigung des Vermögensverwal- tungsvertrages sei jedenfalls dann nicht zu beanstanden, wenn der Vertrag nach - 48 - der Verletzung sein Ende nehme, sei es zuf olge Befristung oder Kündigung (WAL- TER, a.a.O., S. 118 f.). Das Bundesgericht hat nun wie gezeigt explizit festgehal- ten, dass das Datum der Kündigung bzw. Beendigung des Vermögensverwal- tungsvertrages für den Schlusswert des Depots massgebend ist (Urteil des Bun- desgerichts 4A_364/2013/4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, E. 8.1). Wie vorstehend bereits dargelegt wurde (vgl. vorstehend Ziff. 2.6.), ist urkundlich belegt, dass die Klägerin der Beklagten am 2. September 2008 die Verwaltungs- befugnis entzog. Weil die Verwaltungsbefugnis des Vermögensverwalters den wesentlichen Inhalt des Vermögensverwaltungsvertrages, die Hauptpflicht des Vermögensverwalters darstellt, ist vorliegend von einem Widerruf des Verm ö- gensverwaltungsvertrages am 2. September 2008 bz w. spätestens am 5. September 2008 durch die Klägerin auszugehen. Weil der Vermögensverwal- tungsvertrag aufgelöst wurde, ist in Über einstimmung mit einem Teil der Lehre und der Rechtsprechung auch vorliegend der Tag der Beendigung des Verm ö- gensverwaltungsvertrages der den konkreten Verhält nissen am ehesten entspr e- chende Zeitpunkt. Das Abstellen auf diesen Zeitpunkt rechtfertigt sich, weil es in der Regel nicht der Vermögensverwalter ist, der von sich aus die pflichtwidrige Verwaltung beendet, sondern der Anl eger. Weiter fallen durch die Beendigung des Vermögensverwaltungsvertrages auch die vertraglichen Pflichten des Verwal- ters dahin und der Vermögensverwalter ist grundsätzlich nicht mehr für die or d- nungsgemässe Verwaltung des Depots des Kunden verantwortlich . Die Verf ü- gungsmacht über die zu verwaltenden Anlagen verlagert sich mit Beendigung des Vertragsverhältnisses vom Vermögensverwalter auf den Anleger, was dazu führt, dass der Anleger unbeschränkt und direkt über seine Anlagen und damit auch über den darin enthaltenen Schaden verfügt (R OSAT, a.a.O., S. 78 f.; SCHALLER, a.a.O., N 503, je m.H.a. die Rechtsprechung) . Auch das Bundesgericht hat diese Ansicht bereits geschützt. Aus den vorerwähnten Gründen rechtfertigt es sich auch nicht, auf einen Zei t- punkt abzustellen, welcher in der Chronologie einer Beendigung des Vermögen s- verwaltungsvertrages nachfolgt (vgl. auch SCHALLER, a.a.O., N 504). Aus den vo r- erwähnten Gründen überzeugt somit auch die Ansicht der Klägerin, auf den U r- teilstag als massgeblichen Zeitpunkt abzustellen, nicht. Die von der Klägerin an- geführten Entscheide, insbesondere des Bundesgerichts (BGE 130 III 591, BGE - 49 - 122 III 53), welche für den Urteilstag als ma ssgeblichen Zeitpunkt der Schadens- berechnung sprechen s ollen, sind vorliegend nicht zielführend, weil sie allesamt nicht die Vermögensverwaltung und die diesbezüglichen Besonderheiten betref- fen. Ferner schützen sie teilweise den klägerischen Standpunkt gar nicht, indem das Bundesgericht nämlich festhält, dass für die Schadensberechnung im Regel- fall auf den Erfüllungszeitpunkt und nicht auf den Urteilstag abzustellen sei. Der Tag der Auflösung des Vermögensverwaltungsvertrages erscheint bei Abw ä- gung aller Argumente klar der massgebliche Zeitpunkt zu sein, zum ei nen als Er- füllungszeitpunkt (mit der Auflösung des Auftrages werden sämtliche Ansprüche fällig) und zum anderen als (spätester) Moment der Übertragung der Verf ü- gungsmacht und damit der direkten Einflussmöglichkeit auf die weitere Sch a- densentwicklung. Daher ist der Schaden im vorliegenden Fall auf den Zeitpunkt der Vertragsauflösung zu berechnen, welcher – wie gezeigt – der 2. September 2008 bzw. spätestens der 5. September 2008 ist. Selbst wenn man aber die Anweisungen der Klägerin in ihrer E -Mail vom 2. September 2008 bzw. 5. September 2008 nicht als Widerruf des Vermögen s- verwaltungsvertrages als Ganzes betrachten würde, so wären die Anweisungen der Klägerin nur – aber immerhin – als Entzug der selbständigen Verwaltungsbe- fugnis zu qualifizieren (vgl. vorstehend Ziff. 2.6.). Auch wenn man die Anweisun- gen der Klägerin vom 2. September 2008 bzw. 5. September 2008 derart verste- hen würde, würde sich vorliegend der Tag des Entzugs der Verwaltungsbefugnis als der entscheidende Stichtag erweisen. Dies aus vergleichbaren Überlegungen, wie sie auch bei der Beendigung des Vermögensverwaltungsvertrages gemacht wurden: Auch hier ist es nicht der Vermögensverwalter , der von sich aus die ( pflichtwidri- ge) Verwaltung beendet. Weil der Anleger dem Vermögensverwalter die Verwal- tungsbefugnis entzogen hat, ist es grundsätzlich nicht mehr der Vermögensver- walter, der für die ordnungsgemässe Verwaltung des Depots des Kunden veran t- wortlich ist. Die Verfügungsmacht über die zu verwaltenden Anlagen verlagert sich auch hier – zumindest vorübergehend – vom Vermögensverwalter auf den Anleger, was dazu führt, dass der Anleger unbeschränkt und direkt über seine An- lagen und damit auch über den darin enthaltenen Schaden verfügt. - 50 - d. Die Klägerin hat somit als für den Nachweis des Schadens objek tiv beweis- belastete Partei gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung " alle Umstände, die für den Eintritt eines Schadens sprechen und dessen Abschätzung erlauben oder erleichtern, soweit möglich und zumutbar zu behaupten und zu beweisen " (Urteil des Bundesgerichts 4C.295/2006 vom 30. November 2006, E. 5.2.2.; BGE 131 III 360 E. 5.1.). Vom Anleger kann in diesem Zusammenhang erwartet werden, dass er diejenigen Umstände behauptet und beweist, mit deren Hilfe der Richter die Rahmenbedi n- gungen der Schadensberechnung, das heisst den relevanten Zeitpunkt, das massgebende Vermögen, die Anlagestrategie und die damals herrschende Markterwartung sowie den anwendbaren Referenzwert, bestimmen und gestützt darauf den Anlageschaden schätzen kann. Die Klägerin hat in ihrer Klageschrift die Schadensberechnung im Hauptstan d- punkt auf den Tag des Urteils der l etzten kantonalen Instanz (act. 1 Rz. 114), eventualiter auf den 28. Oktober 2008, den Tag des Auftrages zum Transfer der klägerischen Vermögenswerte auf die K._____ (act. 1 Rz. 116, act. 1 Rz. 122), vorgenommen. Die Beklagte hat die klägerische Schadensberechnung in der Kl a- geantwort bestritten. In der Klageantwort war auch ausführlich Thema, wie die E - Mail-Nachrichten der Klägerin vom 2. und 5. September 2008 zu verst ehen sind. Die Beklagte wies dabei im Zusammenhang mit der Schadensberechnung auch ausdrücklich darauf hin, dass sie davon ausgehe, dass ihr Ende August / am 2. September 2008 die Verfügungsmacht entzogen worden sei und sämtliche Ver- luste, die nach diesem Zeitpunkt eingetreten seien, nicht mehr ihr zugerechnet werden könnten (act. 23 Rz. 148). Obwohl sich die Beklagte somit explizit auf den Standpunkt gestellt hat, der für die Schadensberechnung massgebliche Zeitpunkt sei der Zeitpunkt der Vertrags beendigung – und auch Lehre und Rechtsprechung sich bereits explizit für die Massgeblichkeit dieses Zeitpunktes ausgesprochen haben –, hat es die Klägerin in ihrer Replik unterlassen, weitere Umstände für die Schadensschätzung auf den 2. September 2008 bzw. 5. September 2008 darzu- tun. So sind sich die Parteien zwar wohl einig, dass – sollte eine Pflichtverletzung von der Klägerin effektiv s ubstantiiert behauptet und bewiesen werden können – der 30. Oktober 2006 (die Beklagte geht teilweise vom 31. Oktober 2006 aus) der massgebliche Anfangszeitpunkt der Schadensberechnung wäre. Unbestritten - 51 - dürfte wohl auch sein, dass sich das Nettovermögen per 30. Oktober 2006 auf EUR 457'883.– belief (act. 1 Rz. 120, 122). Massgeblicher Endzeitpunkt für die Schadensberec hnung ist, wie gezeigt, der 2. September 2008 bzw. 5. September 2008. Obwohl sich die Beklagte explizit auf den Standpunkt gestellt hat, der für die Schadensberechnung massgebliche Zeitpunkt sei der Ze itpunkt der Vertragsauflösung und auch Lehre und Recht- sprechung sich bereits explizit für die Massgeblichkeit dieses Zeitpunktes ausge- sprochen haben, hat die Klägerin in ihren Parteivorträgen auf dem 28. Oktober 2008, dem 8. Juni 2011, dem 12. Dezember 2013 beharrt. Als Folge davon geht die Klägerin von einem unzutreffenden Zeitraum für die Berechnung des Sch a- dens, von unzutreffenden Performancezahlen und auch von unzutreffenden Ve r- mögensständen für die Schadensberechnung aus. Relevant wäre der Zeitraum vom 30. Oktober 2006 bis zum 2. September 2008 bzw. 5. September 2008 ge- wesen. Zwar dürfte der Nettov ermögensstand per 29. August 2008 bzw. 2. September 2008 bzw. 5. September 2008 gemäss den beklagtischen Angaben EUR 248'151.– bzw. EUR 355'951.– betragen haben (act. 39 Rz. 116 ff.). Zur Be- rechnung des Schadens f ehlen jedoch Angaben zum hypothetischen Vermögens- stand per 2. September 2008 bzw. 5. September 2008. Es fehlt daher an der zah- lenmässigen Grundlage, um den angeblichen Schaden berechnen zu können. Weil die Klägerin für die Schadensberechnung auf den falschen Zeitraum abstellt, stellt sie bei der Berechnung des hypothetischen Vermögensstands auch auf fal- sche Performancezahlen ab. Massgebend wäre eine Vergleichsperformance zwi- schen dem 30. Oktober 2006 und dem 2. September 2008 bzw. 5. September 2008. Entsprechende Performancezahlen fehlen aber. e. Gestützt auf dieses unvollständige Zahlenmaterial fehlt es dem Gericht an den Grundlagen, um den hypothetischen Vermögensstand berechnen zu können. Es fehlt somit an s ubstantiierten Behauptungen, weshalb das Gerich t die Sch a- densberechnung auch nicht vornehmen kann. Nach der Verhandlungsmaxime tragen grundsätzlich die Parteien die Verantwortung für die Beibringung des Tat- sachenfundaments. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bestand auch kein Grund, dass das Han delsgericht in einem derart gelagerten Fall seine ge- richtliche Fragepflicht i.S.v. Art. 56 ZPO ausüben musste (Urteil des Bundesg e- richts 4A_336/2014 vom 18. Dezember 2014, E. 7.6.). Weil die Klägerin seit Ve r-- 52 - fahrensbeginn anwaltlich vertreten war, bestand keine Gefahr von Nachteilen w e- gen Rechtsunkenntnis, womit die Fragepflicht grundsätzlich eingeschränkt ist. Un- ter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Klägerin von der Beklagten bereits in der Klageantwort darauf aufmerksam gemacht worden war, dass von einem an- deren massgeblichen Zeitpunkt für die Schadensberechnung auszugehen sei , bestand für das Handelsgericht kein Grund zur Intervention, sei es die Parteien zu befragen oder S ubstantiierungshinweise anzubringen. Die Klägerin wusste vie l- mehr um ihre Substantiierungspflicht und es wäre ihr ohne Weiteres möglich und zuzumuten gewesen, dieser nachzukommen. Die Klägerin hat als beweisbelast e- te Partei ihre Unterlassung ihrer eigenen Nachlässigkeit zuzuschreiben, hat sie in der Replik doch nicht einmal grundsätzliche Behauptungen für den Zeitraum bis zum 2. September 2008 bzw. 5. September 2008 aufgestellt (vgl. zum Ganzen z.B. Urteil des Bundesgerichts 4A_169/2011 vom 19. Juli 2011, E. 5.4; Urteil des Bundesgerichts 4A_57/2014 vom 8. Mai 2014, E. 1.3.3). Diese Folgerung gilt um- so mehr, als dass der von der Beklagten als massgebend erachtete Stichtag vom Bundesgericht auch bereits geschützt wurde und in der Lehre ausführlich disk u- tiert wird. Die Klägerin kann vor diesem Hintergrund auch nicht einfach darauf vert rauen, ih- re Schadensberechnung in einem späteren Zeitpunkt "aktualisieren" zu können (vgl. act. 34 Rz. 82), denn grundsätzlich haben die Parteien ihre Behauptungen im Rahmen des doppelten Schriftenwechsels vorzubringen. Diese Ausführungen stehen auch im Einklang mit der in der Lehre verbreiteten Ansicht, ein Anleger, der in begründeten Fällen den Vortrag einer (oder mehrerer) Eventualschadensberechnung(en) unterlasse, trage das Risiko, dass das Gericht das Klagefundament allenfalls als nicht hinreichend s ubstantiiert betrachte (SCHALLER, a.a.O., N 582). Auch das Bundesgericht hat einen Entscheid des hi e- sigen Handelsgerichts geschützt, gemäss welchem es die damaligen Klägerinnen unterlassen hatten, für den (Eventual-)Fall, dass sich das Vertragsverständnis der Gegenpartei als richtig herausstellen oder eine Genehmigung anzunehmen sein sollte, darzulegen, welche Sorgfaltspflichtverletzungen inwiefern zu welchem Schaden geführt hätten (obwohl sie aufgrund der beklagtischen Beh auptungen damit rechnen mussten, dass die Vereinbarung oder Genehmigung einer Opt i- onsstrategie angenommen würde). Damit waren die damaligen Klägerinnen ihrer - 53 - Obliegenheit, das Klagefundament darzutun, nicht nachgekommen ( SCHALLER, a.a.O., N 582, m.H.a. Urteil des Bundesgerichts 4C.323/2004 vom 6. Juli 2005). 2.7.2.5. Fazit Weil es die Klägerin unterlassen hat, die ihr zumutbaren Umstände, die für den Eintritt eines Schadens sprechen und dessen Abschätzung erlauben oder erleic h- tern, soweit möglich und zumutbar zu beh aupten und zu beweisen, ist die Klage mangels S ubstantiierung des Schadens in diesem Punkt abzuweisen. Auf die Prüfung weiterer strittiger Schadensvoraussetzungen kann daher im Folgenden verzichtet werden. 2.8. Anspruch auf Herausgabe der Retrozessionen und Finder's Fees aus dem Vermögensverwaltungsvertrag 2.8.1. Allgemeines Die Klägerin fordert mit ihrer Klage vom 17. Juni 2011 von der Beklagten neben Schadenersatz wegen unsorgfältiger Vermögensverwaltung auch die Herausgabe der indirekten Vorteile aus dem Vertragsverhältnis. 2.8.2. Parteistandpunkte a. Die Klägerin verlangt die Herausgabe der von der Beklagten unter dem Vermögensverwaltungsvertrag mit der Klägerin vereinnahmten und von der B e- klagten auf Verlangen m it Schreiben vom 11. Februar 2011 deklarierten (act. 3/53) Retrozessionen/Volume Discounts im Betrag von EUR 18'346.04 und andere Vergü tungen im Umfang von EUR 2'441.86, gesamthaft somit EUR 20'787.90 (zuzüglich Zins zu 5% seit 28. Oktober 2008) unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (act . 1 Rz. 130). b. Die Beklagte stellt sich auf den Standpunkt, es sei von der Klägerin nicht substantiiert vorgetragen worden, inwiefern die G1._____ Volume Discounts und die anderen Vergütungen als herausgabepflichtige Retrozessionen zu qualifizi e- ren seien (act. 23 Rz. 149 f.). Weiter stellt sich die Beklagte auf den Standpunkt, die Klägerin sei über sämtliche im Schreiben der Beklagten vom 11. Februar 2011 (act. 3/53 S. 67) aufgelisteten - 54 - Zahlungen von Anfang an vollständig und wahr heitsgetreu informiert worden. D ie Klägerin habe gegenüber der Beklagten ihren Willen erklärt, auf die Ablieferung der Zahlungen zu verzichten. Die Klägerin habe diese Zahlungen als zusätzliches Honorar für die Vermögensverwaltung der Beklagten betrachtet . In Übereinsti m- mung mit der bundesgerichtlic hen Rechtsprechung habe die Klägerin damit rechtsgültig auf den Anspruch auf Herausgabe von Retrozessionen verzichtet (act. 23 Rz. 151 f.). Ferner macht die Beklagte geltend, die Volume Discounts würden nicht der Herausgabepflicht unter liegen (act. 23 Rz. 153 f.). Schliesslich erhebt sie die Einrede der Verjäh rung für die G1._____ Volume Discounts des ersten und zweiten Quartals des Jahres 2001 im Gesamt betrag von EUR 2'361.70 (act. 23 Rz. 156). c. In ihrer Replik setzt sich die Klägerin eingehend mit den Vorbringen der B e- klagten in der Klageantwort auseinander. Zuerst ruft die Klägerin die bundesge- richtliche Rechtsprechung in BGE 138 III 755 in Erinnerung (act. 34 Rz. 102). Die Klägerin hält der beklagtischen Argumentation entgegen, dass selbst wenn die Vergütungen der Beklagten "Volume Discounts" im Sinne von Mengenrabat- ten sein sollten, was bestritten werde, diese herausgabepflichtig wären. Die neu- este Bundesgerichtsrechtsprechung halte ausdrücklich fest, dass Rabatte als indi- rekte Vorteile gälten und der Herausgabepflicht unterständen (act. 34 Rz. 103 ff.). Ferner sei nicht auf diese Zahlungen verzichtet worden. Das Bundesgericht ve r- lange, dass der Auftraggeber über zu erwartende Retrozessionen vollständig und wahrheitsgetreu informiert sein müsse und dass sein Wille, auf deren Ablieferung zu verzichten, aus der Verzichtsvereinbarung entsprechend klar hervorgehe. Ein pauschaler Verzicht ohne Kenntnis der Höhe der Zahlungen sei laut Bundesge- richt nicht gültig (BGE 132 III 460, E. 4.5). Di e Klägerin habe gegenüber der Be- klagten nie auf die Gelder verzichtet, da sie über derlei Zahlungen nicht informiert worden sei . Ein Verzicht auf Weiterleitung der Zahlungen als rechtsaufhebende Tatsache sei von der Beklagten zu beweisen. Sodann habe die Beklagte auch zu beweisen, dass sie die Klägerin vollständig und wahrheitsgetreu informiert habe. Diese Beweise seien ihr in ihrer Klageantwort nicht gelungen. Selbst wenn die Klägerin gegenüber der Beklagten auf die Ablieferung der Zahlungen verzichtet hätte, so wäre ein pauschaler Verzicht ohne Kenntnis der Höhe der Zahlungen - 55 - laut Bundesgericht nicht gültig. Die Klägerin habe daher mangels Kenntnis über die Zahlungen an sich und über deren Höhe nicht rechtgültig auf ihr Herausgabe- recht verzichten können. Schliesslich sei auch keine Verjährung eingetreten. Die genannten Zahlungen verjährten gemäss Art. 127 OR innert zehn Jahren . Dies bekräftige auch die B e- klagte in ihrer Klageantwort . Die zehnjährige Verjährungsfrist beginne nicht schon mit der Übergabe der Vermögenswerte an den Beauftragten, sondern erst mit Beendigung des Vertragsverhältnisses. Die Verjährungsfrist für die Zahlungen habe daher erst Ende Oktober 2008 zu laufen begonnen, weshalb auch keine Verjährung eingetreten sei. Selbst wenn das Gerich t wider Erwarten zur Ansicht gelange, die Verjährungsfrist würde jeweils mit Übergabe der Vermögenswerte an die Beauftragte zu laufen beginnen, so wäre es rechtsmissbräuchlich, wenn die Beklagte die Verjährungseinrede geltend machen würde, da die Beklagte ih re Herausgabepflicht verletzt habe (act. 34 Rz. 109). d. Die Beklagte behauptet in ihrer Duplik neuerdings, bereits anlässlich der ers- ten Besprechung mit der Klägerin im Herbst 1996 habe F._____ die Klägerin über die Kosten der Vermögensverwaltung aufgeklärt. Er habe ihr namentlich darge- legt, dass die B._____ AG ein jährliches Honorar von 1.5% des verwalteten Ver- mögens verlange und zudem von gewissen Anbietern von Anlageprodukten Ver- gütungen erhalte. Diese Vergütungen würden seiner E rfahrung nach in der Regel etwa EUR 2'000.– bis EUR 3'000.– pro Jahr betragen. Die Klägerin habe die Aus- führungen von F._____ zur Kenntnis genommen und sich damit einverstanden erklärt, dass die Beklagte die Rückvergütungen behalte. Auch anlässlich der fo l- genden Besprec hungen zwischen den Parteien habe F._____ die Klägerin wi e- derholt darauf aufmerksam gemacht, dass die Beklagte von Drittanbietern Volume Discounts und andere Vergütungen in der Grössen ordnung von rund EUR 2'000.– bis EUR 3'000.– pro Jahr erhalte. Die Klägeri n habe diese Vergütungen stets als zusätzlichen Honorarbestandteil betrachtet und sich damit einverstanden erklärt, dass die Beklagte die Vergütungen einbehalte (act. 39 Rz. 125 ff.). 2.8.3. Rechtliches Auf den vorliegenden Vermögensverwaltungsvertrag sind die au ftragsrechtlichen Regelungen anzuwenden ( vgl. vorstehend Ziff. 2.3. und 2.4. ). Gemäss Art. 400 - 56 - Abs. 1 OR ist der Beauftragte schuldig, auf Verlangen jederzeit über seine G e- schäftsführung Rechenschaft abzulegen und alles, was ihm infolge der G e- schäftsführung aus irgendeinem Grund zugekommen ist, zu erstatten. Die Ablief e- rungspflicht betrifft dabei auch indirekte Vorteile, die dem Beauftragten infolge der Auftragsausführung von Dritten zukommen. Zu diesen indirekten Vorteilen geh ö- ren unter anderem Retrozessionen, welche im Zusammenhang mit der Verm ö- gensverwaltung anfallen. Diese unterliegen daher der Herausgabepflicht nach Art. 400 Abs. 1 OR (BGE 137 III 393 E. 2.1; BGE 132 III 460 E. 4.1). Das Bundesgericht umschreibt den Begriff der Retrozessionen als den Vorgang, dass eine Bank gestützt auf eine entsprechende Vereinbarung einem Dritten (in s- besondere einem Vermittler im Vermögensverwaltungs - und Kapitalanlagege- schäft) einen Anteil einer vereinnahmten Kommission weitergibt (BGE 132 III 460 E. 4.). In einem ersten von zwei neueren Leitentscheiden zu den Retrozessionen (BGE 132 III 460 ff.) hat das Bundesgericht im Rahmen der Pflichten aus einem Verm ö- gensverwaltungsvertrag festgehalten, dass Retrozessionen dem Beauftragten ausgerichtet werden, weil er im Rahm en des Auftrags bestimmte Verwaltungs- handlungen vornimmt oder veranlasst, so dass sie im Zusammenhang mit der Verwaltung des Vermögens an fallen und der Herausgabepflicht des Beauftragten nach Art. 400 Abs. 1 OR unterliegen (BGE 132 III 460, 464 f. E. 4.1). Im gleichen Entscheid hat es auch die Gültigkeit einer Vereinbarung über den Verzicht auf die Herausgabe zukünftig anfallender Retrozessionen bejaht, unter der Vorausset- zung, dass der Auftraggeber über zu erwartende Retrozessionen vollständig und wahrheitsgetreu informiert ist und sein Wille, auf deren Ablieferung zu verzichten, aus der Vereinbarung entsprechend klar h ervorgeht (BGE 132 III 460, 465 f. E. 4.2). In einem zweiten Leitentscheid (BGE 137 III 393) hat das Bundesgericht wiede- rum im Kontext eines Vermögensverwaltungsvertrages die Gültigkeit eines Vorausverzichts auf die Herausgabe von Retrozessionen bestätigt und alsdann die (strengen) Voraussetzungen an einen solchen Verzicht des Auftraggebers n ä- her umschrieben. - 57 - 2.8.4. Würdigung a. Die Beklagte hat der Klägerin mit Schreiben vom 11. Februar 2011 die Au f- listung der "Retrozessionen/Volume Discounts" übermittelt (act. 3/53 S. 1). Auch die entsprechende Auflistung der Beklagten war mit "Retro rsp. Volume Di s- counts" betitelt (act. 3/53 S. 67). Für die Bezeich nung jener Leistungen, welche gemeinhin als Retrozessionen ver- standen werden, werden heute – wie dies die Klägerin zutreffend ausführt (act. 34 Rz. 105) – auch Begriffe wie etwa "Kickbacks", "Bestandeskommissionen" oder eben "Volume Discounts" verwendet ( SCHMID, Retrozessionen an externe Vermö- gensverwalter, Diss. Bern 2009). Von der Verwendung der beiden Begriffe Retr o- zessionen und Volume Discounts als Synonyme ging ganz offensichtlich auch die Beklagte aus: Sie stell te sowohl im Schreiben vom 11. Februar 2011 ("Retrozes- sionen/Volume Discounts"; act. 3/53 S. 1) als auch in ihrer Auflistung vom 9. Februar 2011 ("Retro rsp. Volume Discounts"; act. 3/53 S. 67; Hervorhebung durch das Gericht) die beiden Begriffe als gleichwertig, als Synonyme nebenei- nander. Der Versuch der Beklagten in ihrer Klageantwort, die Retrozessionen rsp. Volume Discounts als klassische Gesamtumsatz -Bonifikationen hinzustellen, welche nicht der Klägerin, sondern der Beklagten als Beauftragten zustehen, wirkt vor diesem Hintergrund doch etwas gesucht. Sie stützt sich im Übrigen auf eine Lehrmeinung von ROBERTO aus dem Jahr 2009, welche wohl von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung überholt worden ist (vgl. act. 23 Rz. 153 ff. und die dortigen Ve r- weise). Gemäss der aktuellen bundesgerichtl ichen Rechtsprechung in BGE 138 III 755 unterliegen grundsätzlich auch Bestandespflegekommissionen gestützt auf Art. 400 Abs. 1 OR der Herausgabepflicht (so auch SCHALLER, a.a.O., S. 143 f.). Es besteht daher – einen (gültigen) Verzicht auf die Herausgabe der Retrozessio- nen durch die Klägerin vorbehalten – vor dem Hintergrund der zitierten Rech t- sprechung grundsätzlich für die Beklagte die Pflicht, die in ihrer Stellung als Ver- mögensverwalterin für die Klägerin erhaltenen Retrozessionen/Volume Discounts gestützt auf Art. 400 Abs. 1 OR der Klägerin zu erstatten. - 58 - b. Die Beklagte wendet ferner gegen den geltend gemachten Anspruch der Klägerin auf Herausgabe der Retrozessionen/Volume Discounts ein, diese habe auf die Erstattung der Retrozessionen verzichtet. Die Pflicht zur Herausgabe von R etrozessionen im Sinne von Art. 400 Abs. 1 OR ist nicht zwingend, wobei sich aus der Fremdnützigkeit des Auftrages jedoch ge- wisse Schranken ergeben. Für einen gültigen Verzicht muss der Auftraggeber über die zu erwartenden Retrozessionen vollständig und wahrheitsgetreu infor- miert sein und der Verzicht muss aus der Vereinbarung der Parteien klar hervor- gehen (BGE 132 III 460 E. 4.2; BGE 137 III 393 E. 2.2). Das Bundesgericht hat in BGE 137 III 393 die Kriterien für einen gültigen V erzicht auf die Herausgabe von Retrozessionen durch einen Vermögensverwalter konkretisiert. Danach ist z u- sammengefasst erforderlich, dass der Auftraggeber den Umfang sowie die B e- rechnungsgrundlagen der Retrozessionen kennt, damit es ihm möglich ist, die Kostenstruktur des Vermögensverwaltungsmandats zu erfassen sowie die damit verbundenen Interessenkonflikte des Vermögensverwalters zu erkennen. Er muss also die Parameter kennen, die zur Berechnung des Gesamtbetrags der Retr o- zessionen notwendig sind und einen Vergleich mit dem vereinbarten Vermögen s- verwaltungshonorar erlauben. Da beim Vorausverzicht eine genaue Bezifferung nicht möglich ist, müssen zumindest die Eckwerte der bestehenden Retrozess i- onsvereinbarungen mit Dritten sowie die Grössenordnung der zu erwartenden Rückvergütungen bekannt sein. Letzterem Erfordernis wird Genüge getan, wenn die Höhe der erwarteten Retrozessionen in einer Prozentbandbreite des verwalte- ten Vermögens angegeben wird (BGE 137 III 393 E. 2.4). Gemäss Art. 8 ZGB hat, wo das Geset z es nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ab- leitet. Damit hat der Beauftragte, der dem Herausgabeanspruch des Kunden des- sen Verzicht auf die Ablieferung zugeflossener Retrozessionen entgegenhalten will, zu beweisen, dass die Voraussetzung der hinreichenden Information beim Auftraggeber vorlag (BGE 137 III 393 E. 2.5). Die Beklagte trägt somit die Beweis- last sowohl für den (ausdrücklichen) Verzicht der Klägerin auf die Herausgabe der Rückvergütungen als auch dafür, dass dieser Verzicht in Kenntnis der nöt igen Grundlagen erfolgte. - 59 - Die Beklagte stellt e in der Klageantwort die – bestrittene – Behauptung auf, die Klägerin sei über sämtliche im Schreiben der Beklagten vom 11. Februar 2011 aufgelisteten Zahlungen ("Retro rsp. Volume Discount") von Anfang an vollständig und wahrheitsgetreu informiert worden. Die Klägerin habe gegenüber der Beklag- ten ihren Willen, auf die Ablieferung der Zahlungen zu verzichten erklärt, denn die Klägerin habe diese Zahlungen als zusätzliches Honorar für die Vermögensver- waltung der Beklagten betrachtet (act. 23 Rz. 151; act. 34 Rz. 107). Beweismittel hat die Beklagte zu dieser Behauptung keine offeriert. In ihrer Duplik versuchte die Beklagte den behaupteten Verzicht noch weiter zu substantiieren. So sei die Klägerin bereits anlässlich der ersten Besprechung mit F._____ im Herbst 1996 über die Kosten der Vermögensverwaltung aufgeklärt worden. Er habe ihr namentlich dargelegt, dass die Beklagte ein jährliches Hon o- rar von 1.5% des verwalteten Vermögens verlange und zudem von gewissen A n- bietern von Anlageprodukten Vergütungen erhalte. Diese Vergütungen betrügen seiner Erfahrung nach in der Regel etwa EUR 2'000. – bis 3'000. – pro Jahr. Die Klägerin habe die Ausführungen von F._____ zur Kenntnis genommen und sich damit einverstanden erklärt, dass die Beklagte die Rückvergütungen behalte. Als Beweismittel offeriert die Beklagte zu diesen Behauptungen einzig F._____ als Partei (act. 39 Rz. 126). Das Bundesgericht hat in der weiter oben wiedergegebenen Rechtsprechung ver- gleichsweise strenge Voraussetzungen an den gültigen Verzicht auf die Herau s- gabe von Retrozessionen festgelegt. Das Bundesgericht fordert für einen gültigen Verzicht auf Herausgabe von Retrozessionen wie dargelegt einerseits, dass der Auftraggeber den Umfang der Retrozessionen kennt, wobei beim Vorausverzicht zumindest deren Grössenordnung bekannt sein muss; andererseits , dass die zur Berechnung der Retrozessionen nötigen Parameter bekannt sind. Die Umstände des angeblichen klägerischen Verzichts auf die Herausgabe von Retrozessionen bleiben vage. So soll die Klägerin die Aufklärungen von F._____ "im Herbst 1996" "zur Kenntnis" genommen haben und sich damit einverstanden erklärt haben, dass die Beklagte die Rückvergütungen behalte. Bereits diese Be- hauptungen der Beklagten bleiben uns ubstantiiert. Gänzlich uns ubstantiiert sind die beklagtischen Behauptungen, "auch anlässlich der folgenden Besprechungen - 60 - zwischen den Parteien" habe F._____ die Klägerin wiederholt aufgeklärt und di e- se habe die angesprochenen Vergütungen stets als zusätzlichen Honorarbe- standteil betrachtet und sich damit einverstanden erklärt, dass die Beklagte die Vergütungen einbehalte. Wann die Parteien diese angeblichen B esprechungen abgehalten haben sollen und was die Parteien anlässlich dieser Treffen im Ei n- zelnen besprochen haben sollen, bleibt gänzlich offen. Ferner hätte die Klägerin aber auch nicht einfach ohne weiteres auf die Herau s- gabe von Retrozessionen verzichten können. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wäre der klägerische Vorausverzicht nur gültig gewesen, wenn die Klägerin den Umfang der Retrozessionen gekannt hätte, wobei beim Voraus- verzicht zumindest deren Grössenordnung bekannt sein muss, und z um andern, dass die zur Berechnung der Retrozessionen nötigen Parameter bekannt sind. Beides ist insbesondere im Hinblick auf die Beurteilung und das Erkennen von I n- teressenkonflikten des Vermögensverwalters nötig. Die pauschale Behauptung der Beklagten in ihrer Klageantwort (act. 23 Rz. 151), die Klägerin sei über sämtli- che im Schreiben der Beklagten vom 11. Februar 2011 aufgelisteten Zahlungen von Anfang an vollständig und wahrheitsgetreu informiert worden, genügt den An- forderungen an die S ubstantiierung nicht. Auch der Versuch der Beklagten, eine den bundesgerichtlichen Anforderungen genügende Aufklärung über die Grös- senordnung der Retrozessionen und über die Parameter der Berechnung der Ret- rozessionen zu substantiieren, misslingt. So bleibt nicht nachvol lziehbar, inwiefern die Beklagte "von gewissen Anbietern von Anlageprodukten" Vergütungen erhal- ten soll und um Vergütungen welcher Art es sich dabei handelt. Ausgewiesen sind lediglich die "Retro rsp. Volume Discount s" der G1._____ (act. 53 S. 67). Ferner genügt auch die Behauptung der Beklagten, die Vergütungen würden seiner E r- fahrung nach in der Regel etwa EUR 2'000.– bis 3'000. – betragen, den Anforde- rungen des Bundesgerichts an eine rechtgenügende Aufklärung nicht. Das von der Klägerin angelegte Vermögen schwankte über die Jahre. Woher die Beklagte diesen Wert hat und auf welche Parameter sie sich dabei stützt, bleibt schleier- haft. Viel eher nachvollziehbar wäre für die Klägerin denn auch gewesen, wenn die Beklagte die Höhe der erwarteten Rückvergütungen in einer Prozentbandbrei- te des verwalteten Vermögens angegeben hätte (vgl. dazu auch BGE 137 III 393 E. 2.4). - 61 - Schliesslich ist auch die Behauptung der Beklagten, die Klägerin habe die Retr o- zessionen stets als zusätzlichen Honorarbestandteil betrachtet, wenig stimmig. Dies deshalb, weil sich das jährliche Honorar der Beklagten für die Vermögen s- verwaltung des klägerischen Vermögens von 1.5% zumindest in gewissen Hon o- rarrechnungen der Beklagten wieder findet (vgl. etwa act. 53 S. 63). Ganz anders verhält es si ch mit den Retrozessionen, welche gemäss der Leseart der Beklag- ten ebenfalls zum Honorar gezählt haben sollen. Würde diese Behauptung effek- tiv zutreffen, so hätte die Beklagte diesen zusätzlichen Honorarbestandteil sicher- lich in ihren Honorarrechnung aufgenommen. Dies hat sie jedoch nicht getan. Der Beklagten gelingt es somit nicht, darzulegen, dass die Klägerin vorgängig gül- tig auf die Her ausgabe der Retrozessionen, welche die Beklagte im Zusammen- hang mit der Verwaltung des klägerischen Vermögens erhalten hat, verzichtet hätte. Einen nachträglichen Verzicht der Klägerin macht die Beklagte nicht gel- tend. c. Schliesslich hält die Beklagte dem klägerischen Anspruch auf Herausgabe der Retrozessionen auch noch die Einrede der Verjährung entgegen. Berücksich- tigt man den Umstand, dass das Thema der Verjährung in der Lehre äusserst umstritten ist, erstaunt doch einigermassen, dass die Beklagte lediglich ausführt, dass die Forderung der Klägerin auf Herausgabe von Volume Discounts der zehnjährigen Ver jährungsfrist von Art. 127 OR unterliege, weshalb ein Teil der klägerischen Forderung verjährt sei (act. 23 Rz. 156; keine weiter en substantiel- len Ausführungen dazu, weder in der Klageantwort noch in der Duplik). Die Verjährung ist durch Einrede geltend zu machen. Für ihre tatsächlichen Vo- raussetzungen trägt die Schuldnerin, vorliegend also die Beklagte, die Behau p- tungs- und Beweislast. Dazu gehört gemäss W ALTER namentlich der Nachweis der Sachumstände, aus denen sich der beanspruchte Beginn des Fristenlaufs e r- gebe, etwa der Abschluss des Rechtsgeschäfts, die Fälligkeit der Forderung oder die Kenntnis von Schaden und Ersatzpflichtigem. Beanspruch e der Schuldner ei- ne fünfjährige Verjährungsfrist nach Art. 128 OR, tr age er die Beweislast für die tatsächlichen Voraussetzungen ei ner entsprechenden Forderung (BK -WALTER, N 621 zu Art. 8 ZGB). Die Verjährung ist somit mittels form - und fristgerecht erho- bener Einrede in den Prozess einzuführen, was stets einen entsprechenden Tat-- 62 - sachenvortrag voraussetzt (vgl. SCHALLER, a.a.O., S. 153, m.w.H.); nach der Ve r- handlungsmaxime tragen grundsätzlich die Parteien die Verantwortung für die Beibringung des Tatsachenfundaments ( Urteil des Bundesgerichts 4A_336/2014 vom 18. Dezember 2014, E. 7.6.). Die Frage der Dauer der Verjährungsfrist und diejenige des Beginns des Fristen- laufs sind im Hinblick auf Retrozessionen und Volume Discounts in der Lehre höchst umstritten (vgl. z.B. SCHALLER, a.a.O., S. 149, mit zahlreichen Hinweisen). So ist etwa umstritten, wann die für den Beginn der Verjährung massgebende Fäl- ligkeit eintritt; bezüglich der Dauer der Verjährungsfrist ist umstritten, ob die Ret- rozessionen der Fünfjahresfrist von Art. 128 Ziff. 1 OR oder der Zehnjahresfrist von Art. 127 OR unterliegen. Vorliegend können diese umstrittenen Fragen aber offen gelassen werden, hat es die Beklagte doch unterlassen, (s ubstantiierte) Behauptungen aufzustellen, ge- stützt auf welche der Beginn des Fristenlaufs oder die Dauer der Verjährung beur- teilt werden könnten. Mangels eines rechtsgenüglich vorgetragenen Tatsachen- fundamentes ist daher nicht weiter auf die Einrede der Verjährung einzugehen; die Forderung der Klägerin auf Herausgabe der Retrozessionen von der Beklag- ten ist folglich nicht verjährt. Selbst wenn aber vorliegend auf die Verjährung näher einzugehen wäre, müsste mangels weiterer rechtsgenüglich in den Prozess eingebrachter Tatsachenele- mente auf den Zeitpunkt der Beendigung des Vermögensverwaltungsvertrages per 2. bzw. 5. September 2008 abgestellt werden, wurden doch keine anderen Zeitpunkte substantiiert behauptet. Ausgehend von diesen Daten wäre die kläge- rische Retrozessionsforderung – unabhängig davon, ob man nun von einer Fünf- jahresfrist oder einer Zehnjahresfrist ausgeht – nicht verjährt. Andere Zeitpunkte, welche für den Beginn des Fris tenlaufs in Frage kämen, können mangels nicht substantiiert vorgetragener Tatsachenvorbringen nicht geprüft werden. Somit ist die Forderung der Klägerin auf Herausgabe der Retrozessionen nicht verjährt, ist es der Beklagten doch nicht gelungen, das Tatsach enfundament bei- zubringen, gestützt auf welches die Verjährungseinrede geprüft werden könnte. - 63 - d. Die Retrozessionen sind somit im Lichte der bundesgerichtlichen Rech t- sprechung herauszugeben. Das Quantitativ des Anspruchs und der Zins sind d a- bei zwischen den Parteien unstrittig (act. 1 Rz. 130 f.; act. 23 Rz. 149 ff.; act. 34 Rz. 108; in act. 39 Rz. 169 ff. wenn, dann nur pauschal bestritten, was nicht g e- nügt; act. 3/53), weshalb die Beklagte zu verpflichten ist, der Klägerin EUR 20'787.90 zuzüglich Zins von 5% seit dem 28. Oktober 2008 zu bezahlen. 2.9. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beklagte in teilweiser Gutheissung der Klage zu verpflichten ist, der Klägerin EUR 20'787.90 zuzüglich Zins von 5% seit dem 28. Oktober 2008 zu bezahlen. Im Übrigen ist die Klage abzuweisen. 3. Kosten- und Entschädigungsfolgen 3.1. Der Streitwert wird durch das Rechtsbegehren bestimmt (Art. 91 Abs. 1 ZPO). Demzufolge beträgt der für die Bemessung der Gerichtsgebühr und der Parteientschädigung massgebende Streitwert der vorliegenden Klage – nach Massgabe der bei Klageeinreichung geltenden Währungskurse – CHF 461'661.– (act. 1 S. 2; EUR 383'286.90; Kurs EUR 1 = CHF 1.20448 am 17. Juni 2011). 3.2. Bei der Bemessung der Gerichtsgebühr ist zu ber ücksichtigen, dass über einen Anteil von rund 20% des eingeklagten Anspruchs bereits mit Beschluss des Handelsgerichts vom 23. Januar 2012 bzw. mit Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2012 entschieden wurde. Ausgehend von einer vollen Gerichtsgebühr von CHF 20'000.– macht der durch Nichteintreten erledigte Anteil 20% aus, wel- cher in Anwendung von § 4 Abs. 1 und 2 GebV OG auf zwei Drittel zu reduzieren ist. Diese Gerichtsgebühr ist der Klägerin nach Massgabe ihres Unterliegens au f- zuerlegen. Die Gerichtsgebühr für die restlichen 80% des Verfahrens, über welche mit dem vorliegenden Urteil zu entscheiden ist, ist unter Berücksichtigung des Aufwandes des Gerichts in Anwendung von § 4 Abs. 1 und 2 GebV OG auf vier Drittel der Grundgebühr festzusetzen und den Parteien nach Obsiegen und Unterliegen auf- zuerlegen (Art. 106 Abs. 1 und Abs. 2 ZPO). - 64 - Zusammengefasst sind die Kosten für Beschluss und Urteil auf CHF 24'200.– festzusetzen und der Klägerin im Umfang von CHF 22'700. – sowie der Beklagten im Umfang von CHF 1'500.– aufzuerlegen. 3.3. Die Höhe der Parteientschädigung wird nach der Anwaltsgebührenveror d- nung vom 8. September 2010 (AnwGebV) festgesetzt. Entsprechend dem Obsie- gen und Unterliegen im vorliegenden Verfahren (vgl. vorstehend) ist der Bekl ag- ten in Anwendung von § 4 Abs. 1 und 2 sowie von § 11 AnwGebV eine reduzierte Parteientschädigung von CHF 25'000.– zuzusprechen. Das Handelsgericht erkennt: 1. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin EUR 20'787.90 zuzüglich Zins von 5% seit dem 28. Oktober 2008 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen. 2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 24'200.–. 3. Die Kosten werden der Klägerin im Umfang von CHF 22'700.– sowie der Beklagten im Umfang von CHF 1'500.– auferlegt und vorab vollumfänglich aus dem von der Klägerin geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. Für den der Beklagten auferlegten Anteil der Kosten wird der Klägerin das Rückgriffs- recht auf die Beklagte eingeräumt. 4. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten eine reduzierte Parteientschä- digung von CHF 24'800.– zu bezahlen. 5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien. 6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be- schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streitwert beträgt CHF 461'661.–. - 65 - Zürich, 27. Mai 2015 Handelsgericht des Kantons Zürich Vorsitzender: Dr. George Daetwyler Gerichtsschreiber: Dr. David Egger