Abteilung V E-6236/2008 {T 0/2} U r t e i l v o m 3 . O k t o b e r 2 0 0 8 Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Maurice Brodard, Richterin Marianne Teuscher, Gerichtsschreiber Peter Jaggi. X._______ , Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. et phil. Florian Wick, Rechtsan- walt, (...), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asyl und Wegweisung (Flughafenverfahren); Verfügung des BFM vom 24. September 2008 N_______. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandE-6236/2008 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge am 20. August 2008 beziehungsweise am 2. oder 3. September 2008 und gelangte nach einem Zwischenaufenthalt in Kuala Lumpur via Hong Kong am 11. Sep tember 2008 auf dem Luftweg in den Transit- bereich des Flughafens Zürich, wo er gleichentags (Telefax Flughafen- polizei) um Asyl nachsuchte. Mit Zwischenverfügung vom 12. Sep- tember 2008 - gleichentags eröffnet - verweigerte das BFM dem Be- schwerdeführer die Einreise in die Schweiz vorläufig und wies ihm für die Dauer von maximal sechzig Tagen den Transitbereich des Flugha- fens Zürich als Aufenthaltsort zu. B. Am 14. September 2008 erfolgte die Kurzbefragung durch die Flugha- fenpolizei Zürich und am 19. September 2008 die Anhörung zu den Asylgründen durch das BFM. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei tamili- scher Ethnie und stamme aus A._______, wo er geboren und aufge- wach sen sei. Im (....) habe er, nachdem er die Schlussprüfung nicht bestanden habe, die Schule verlassen. Danach sei er aus Angst, um- gebracht oder entführt zu werden, die meiste Zeit zu Hause gewesen. Im (....) seien er und seine Klassenkameraden von der LTTE (Libe- ration Tigers of Tamil Eelam) mitgenommen worden; sie hätten ein zweitägiges Kampftraining absolvieren müssen. Er habe gelegentlich bei einer Firma namens B._______ gearbeitet, welche (...) und Ähnli- ches hergestellt habe. Damals habe die LTTE seine Wohngegend beherrscht. Regierungssoldaten und -milizen hätten vermutet, dass er für die LTTE arbeite. Seine Mutter habe Angst gehabt und ihn deshalb nach Colombo zu einem Onkel zweiten oder dritten Grades geschickt. Er habe A._______ am (....) mit dem Flugzeug und dem benötigten Passierschein verlassen und sei zu diesem Onkel gereist, wo er nach seiner behördlichen Registrierung eine Wohnsitzbestätigung erhalten habe. Am (....) sei er in Begleitung eines Bekannten zum Passbüro gegangen und habe sich einen Reisepass ausstellen lassen. Am (....) habe er mit dem Studium am C._______ in D._______ (Colombo) begonnen. Am (....) sei er anlässlich einer Strassenkontrolle von Sicherheitskräften verhaftet worden, weil etwas mit seiner Identitätskarte nicht gestimmt habe. Er sei zwecks weiterer Abklärungen für (...) Tage in Untersuchungshaft genommen und dabei Seite 2E-6236/2008 misshandelt worden. Im anschliessenden Gerichtsverfahren sei er von der Anschuldigung, eine ihm nicht zustehende Identitätskarte zu benutzen, freigesprochen worden, weil sich herausgestellt habe, dass der für die Ausstellung von ID-Karten zuständigen Behörde ein Fehler unterlaufen sei. Er sei aufgefordert worden, sich eine neue Identitäts- karte ausstellen zu lassen. Nach diesen Ereignissen sei er von seiner Mutter aufgefordert worden, ins Ausland zu gehen, worauf er Sri Lanka über den Flughafen von Colombo mit seinem eigenen Reise- pass verlassen habe. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen und, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die nachfolgenden Erwägungen. Der Beschwerdeführer reichte im erstinstanzlichen Verfahren unter an- derem die Kopie eines Identitätsausweises und Gerichtsdokumente seinen Ausweis betreffend zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 24. September 2008 - eröffnet am 25. September 2008 - stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flücht- lingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus dem Transitbereich des Flughafens Zürich sowie den Vollzug an. D. Mit Rechtsmitteleingabe vom 30. September 2008 (Poststempel) bean- tragt der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter die Aufhe- bung der vorinstanzlichen Verfügung und unter Feststellung der Flücht- lingseigenschaft die Gewährung von Asyl, eventualiter den Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung unter Anordnung der vorläufigen Auf- nahme und sinngemäss nach bewilligter Einreise seine Zuweisung an den Kanton Neuenburg. In prozessualer Hinsicht beantragt er den Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die unentgeltli- che Rechtspflege. Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird, so- weit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Seite 3E-6236/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Ju- ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der Be- schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 2 und 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif- tenwechsel verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner- kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei- ner bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An- schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Seite 4E-6236/2008 Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei- sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein- lichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider- sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das BFM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit der Begründung ab, die Vorbringen vermöchten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen. Insbesondere ergebe sich aus der Erklärung des Beschwerdeführers, in seiner Wohngegend in A._______ seien alle Tamilen verdächtigt worden, die LTTE zu unterstützen, keine gezielt gegen ihn persönlich gerichtete staatliche Verfolgungshandlung. Er habe problemlos einen Passierschein erhalten und stimme mit dem Bundesamt überein, dass die srilan- kische Armee keinen konkreten Verdacht gegen ihn gehegt habe, zu- mal er die strengen Sicherheitskontrollen ohne Probleme habe durch- laufen können. Zu-dem habe er in Colombo nach seiner behördlichen Registrierung eine Wohnsitzbestätigung und einen Reisepass erhalten und damit in der Folge problemlos über den Flughafen von Colombo ausreisen können. An dieser Beurteilung ändere auch die geltend gemachte Inhaftierung nichts, zumal er von der Anschuldigung der Dokumentenfälschung freigesprochen und ausdrücklich festgestellt worden sei, dass die zuständige Behörde für die Ausstellung der fehlerhaften Identitätskarte verantwortlich sei. Der Beschwerdeführer habe des Weiteren vorgebracht, nie politisch tätig gewesen zu sein und sein Vater habe letztmals im (....) die LTTE finanziell unterstützt. Zudem sei er - abgesehen von der geltend gemachten Inhaftierung - weder in Haft noch vor Gericht gewesen und habe ansonsten keine Probleme mit den Behörden, der Polizei oder dem Militär gehabt. 5.2 In der Rechtsmitteleingabe wird gerügt, das Bundesamt habe da- durch, dass es die geltend gemachte Zwangsrekrutierung und die in Seite 5E-6236/2008 der Haft erlittene Folter in der angefochtenen Verfügung nicht erwähnt habe, die Abklärungs- und Begründungspflicht verletzt. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bundesver- fassung [BV, SR 101], Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berück- sichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder- schlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG sowie die weiterhin zutref- fende Praxis in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 6.3). Die Begründung soll es dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur möglich ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (BGE 129 I 232 E. 3.2). Dabei muss sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbe- ständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinander setzen, sondern darf sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte be- schränken (BGE 126 I 97 E. 2b). Die Begründungsdichte richtet sich nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffenen, wobei die bundesgerichtliche Rechtspre- chung bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In- teressen des Betroffenen - und um solche geht es bei der Frage der Gewährung des Asyls - eine sorgfältige Begründung verlangt (BGE 112 Ia 110). Vorliegend ergeben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür, der Sachverhalt sei unrichtig oder unvollständig festgestellt worden. Das Bundesamt hat die der angefochtenen Verfügung zugrunde liegenden wesentlichen Gesichtspunkte aufgezeigt und in rechtsgenüglicher Wei- se dargelegt, aus welchen Gründen es die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft als nicht erfüllt erachtet. Der Beschwerdeführer machte in seinen mündlichen Vorbringen zur Be- gründung des Asylgesuchs weder geltend, das ihm von der LTTE im (...) aufgezwungene zweitägige Kampftraining sei ursächlich für seine Übersiedelung nach Colombo gewesen, noch wiederholte er anlässlich der Anhörung zu den Asylgründen sein Vorbringen in der Kurzbefra- gung, er sei in der Haft gefoltert worden (Akten Vorinstanz ...). Entsprechend war es dem Beschwerdeführer auch möglich, sich über die Tragweite der Verfügung ein Bild zu machen und - wie die einge- reichte Rechtsmitteleingabe zeigt - eine sachgerechte Beschwerde- Seite 6E-6236/2008 schrift einreichen zu lassen. Das Bundesamt hat demnach weder die Abklärungs- noch die Begründungspflicht verletzt. 5.3 In materieller Hinsicht erweisen sich die Ausführungen in der Be- schwerde als zu wenig stichhaltig, um die Schlussfolgerungen des BFM umzustoss en. Insbesondere ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass der Beschwerdeführer mit einem von der srilankischen Armee ausgestellten Passierschein problemlos von A._______ nach Colombo reiste, sich dort behördlich registrieren liess, eine offizielle Wohnsitzbestätigung erhielt und ihm die srilankischen Behörden einen Reisepass ausstellten, mit dem er Sri Lanka legal über den gut kon- trollierten Flughafen von Colombo verlassen konnte. Vor diesem Hintergrund kann eine begründete Furcht des Beschwerdeführers vor künftiger Verfolgung in seinem Heimatstaat ausgeschlossen werden. Des Weiteren ist in Bezug auf Situation in A._______ festzustellen, dass er dort keinen gezielt gegen ihn persönlich gerichteten staatli- chen Verfolgungshandlungen ausgesetzt war. Wie er selber ausführte, seien alle Einwohner des Dorfes von der EPDP (Eelam People's Democratic Party) verdächtigt worden, mit der LTTE zusammen zu arbeiten (A11/14 S. 7 f.). Zudem wich er den Fragen, von wem konkret er beschuldigt worden sei und wer mit ihm Tamilisch gesprochen habe, aus und antwortete, er sei von der Armee und der EPDP beschuldigt worden respektive die Leute der EPDP hätten über Dorfbewohner Sa- chen erzählt. Erst nach Wiederholung der Fragen machte er im Wider- spruch zu seinen früheren Ausführungen neu geltend, er selber sei von zivilen Militanten bedroht worden (A11/14 S. 9 f.). Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer die Frage, ob er zustimme, dass er von den Behörden nicht konkret verdächtigt worden sei, für die LTTE tätig zu sein - er habe ja einen Passierschein erhalten - ausdrücklich be- jahte (A11/14 S. 10 Frage 73). Des Weiteren führte er auf entspre- chende Fragen aus, er sei weder politisch aktiv noch aus anderen Gründen vor Gericht gestanden und habe ausser den in der Asylbe- gründung geschilderten Problemen keine Schwierigkeiten mit den Behörden, der Polizei oder dem Militär gehabt (....). Die geltend gemachte Inhaftierung in Colombo und die dabei erlittenen Tätlich- keiten - deren Authentizität vorausgesetzt - sind entgegen den diesbe- züglichen Ausführungen in der Beschwerde mangels genügender Ein- griffsintensität nicht geeignet, an dieser Beurteilung etwas zu ändern. Unbesehen davon bestehen erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit des vom Beschwerdeführer lediglich in der Kurzbefragung geltend gemachten Vorbringens, er sei in der Haft gefoltert worden; zur Ver- Seite 7E-6236/2008 meidung von Wiederholungen kann diesbezüglich auf die vorstehen- den Erwägungen unter Ziffer 5.2 verwiesen werden. 5.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorbringen des Beschwer- deführers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht standzuhalten vermögen. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführun- gen in der Beschwerde einzugehen, zumal diese nicht geeignet sind, eine andere Beurteilung herbeizuführen. Das BFM hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein- heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei- ner solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver- hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun- desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun- gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän- ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge- fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom Seite 8E-6236/2008 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über- einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No - vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. M ARIO G ATTIKER , Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb- liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Re- foulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach un- ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh- rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei- ner Ausschaffung in den Heimatstaat/Herkunftsstaat dort mit beachtli- cher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK ver- botenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behand- lung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hin- weisen; EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die all- gemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegwei- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise und entgegen den Ausführungen in der Beschwerde nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. Seite 9E-6236/2008 7.4 7.4.1Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts- staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.4.2Das Bundesverwaltungsgericht nahm kürzlich im Urteil BVGE 2008/2 zur Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs abge- wiesener Asylsuchender tamilischer Ethnie eine Lageanalyse vor. Ge- mäss der diesbezüglich neu festgelegten Praxis setzt die Anerkennung einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im Süden des Landes und damit die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in den Grossraum Co lombo für srilankische Asylsuchende tamilischer Ethnie, welche aus der Nord- oder Ostprovinz stammen, das Vorliegen besonders begüns- tigender Faktoren wie die Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie die Aussicht auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation voraus (a.a.O. E. 7.6.2). Für srilanki- sche Asylsuchende tamilischer Ethnie, welche aus dem Grossraum Colombo oder dessen Umgebung stammen und dort über ein tragfähi- ges Familien- oder Beziehungsnetz verfügen und mit einer konkreten Unterkunftsmöglichkeit rechnen können, ist grundsätzlich von der Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in diese Gebiete auszugehen, wobei die Dauer der Landesabwesenheit mitzuberücksichtigen ist; je kürzer der Aufenthalt in Colombo dauerte und je weiter er zeitlich zu- rückliegt, desto höhere Anforderungen sind an das Vorliegen eines tat- sächlichen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes zu stellen (a.a.O. E.7.6.1). 7.4.3Der Beschwerdeführer lebte bis Anfang April 2008 in A._______ und ist deshalb im Sinne der zitierten Rechtsprechung als Tamile anzusehen, der aus der Nord- oder der Ostprovinz stammt. Sofern der Be schwerdeführer auf ein tragfähiges familiäres oder soziales Bezie- hungsnetz zurückgreifen kann und die Aussicht auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation besteht, kommt der Süden des Lan- des, mithin der Grossraum Colombo, als innerstaatliche Aufenthaltsal- Seite 10E-6236/2008 ternative in Frage und der Vollzug der Wegweisung in seine Heimat ist für ihn zumutbar. Der Beschwerdeführer war eigenen Angaben zufolge vor seiner Aus- reise aus Sri Lanka in Colombo behördlich registriert und befand sich im Besitz einer offiziellen Wohnsitzbestätigung, einer nationalen Iden- titätskarte und eines authentischen Reisepasses. Er hielt sich vor sei- ner Ausreise (....) Monate in Colombo auf und war während dieser Zeit - mit Ausnahme der (....) Inhaftierung - bei seinem Onkel zweiten oder dritten Grades wohnhaft. Zudem leben in einem Vorort von Colombo weitere Verwandte. Dem jungen und soweit aktenkundig gesunden Be- schwerdeführer ist es zuzumuten, nach Colombo zurückzukehren, wo er über ein ausreichend tragfähiges Beziehungsnetz verfügt und mit der finanziellen Hilfe seiner Eltern, die ihm bereits vor seiner Ausreise den dortigen Aufenthalt ermöglichten, sein abgebrochenes Studium wieder aufzunehmen. 7.4.4Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar und erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den diesbezüglichen Ausführungen in der Beschwerde. 7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zu- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen- digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8. Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä- tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut- bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Mit der Abweisung der Beschwerde wird der Antrag auf Zuweisung Seite 11E-6236/2008 des Beschwerdeführers an den Kanton Neuenburg nach erfolgter Be- willigung der Einreise in die Schweiz gegenstandslos. 11. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist gutzuheissen, weil sich die Beschwerde nicht als aussichtslos erweist und aufgrund der Akten von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist. Die Verfahrenskosten sind zu erlassen. (Dispositiv nächste Seite) Seite 12E-6236/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen. Die Verfahrenskosten werden erlassen. 3. Dieses Urteil geht an: - den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; vorab per Telefax) - das BFM, (...), zu den Akten N_______ (per Kurier; in Kopie; vorab per Telefax) - die (...) (per Telefax) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Peter Jaggi Versand: Seite 13