200 23 383 EL KOJ/BOC/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 13. November 2023 Verwaltungsrichter Kölliker Gerichtsschreiberin Bossert A.________ vertreten durch Beiständin B.________ Beschwerdeführer gegen Ausgleichskasse des Kantons Bern Abteilung Ergänzungsleistungen, Chutzenstrasse 10, 3007 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 19. April 2023 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2023, EL/23/383, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1965 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherter bzw. Be- schwerdeführer) ist verbeiständet (Vertretungsbeistandschaft mit Einkom- mens- und Vermögensverwaltung; Akten der Ausgleichskasse des Kantons Bern [nachfolgend: AKB bzw. Beschwerdegegnerin; act. II] 92/26 f.) und langjähriger Bezüger von Ergänzungsleistungen zu einer Invalidenrente. Mit Verfügung vom 12. Februar 2019 (act. II 77/14 ff.) verneinte die IV- Stelle des Kantons Bern (nachfolgend: IVB) den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung mit der Begründung, der Versicherte sei in keiner der alltäglichen Lebensverrichtungen auf Hilfe angewiesen. Im Bereich der lebenspraktischen Begleitung bestehe ein regelmässiger Hilfebedarf. Auf- grund der Wohnform (Heimbewohner [act. II 77/21 Ziff. 2 und 77/23 Ziff. 7]) seien jedoch die Anspruchsvoraussetzungen für eine Hilflosenentschädi- gung infolge lebenspraktischer Begleitung nicht erfüllt. Mit Verfügung vom 4. August 2022 (act. II 80/6 f.) sistierte die IVB die Inva- lidenrente ab dem 1. August 2022, da der Versicherte sich ab dem 15. Juli 2022 im Straf- und Massnahmenvollzug befand. Daraufhin verfügte die AKB am 13. September 2022 (act. II 82), der Versicherte habe ab dem 1. August 2022 bis auf weiteres keinen Anspruch mehr auf Ergänzungsleis- tungen. Nach Beendigung des Straf- und Massnahmenvollzuges hatte der Versicherte ab dem 1. November 2022 wieder Anspruch auf eine Invaliden- rente (act. II 87), woraufhin er sich, vertreten durch seine Beiständin, am 11. November 2022 (act. II 83) wieder zum Bezug von Ergänzungsleistun- gen ab dem 1. November 2022 anmeldete. Die AKB setzte die Ergänzungsleistungen ab dem 1. November 2022 mit Verfügung vom 21. Februar 2023 (act. II 91) fest und führte erklärend zur Berechnung aus, der Tagestarif (im "C.________", einem Wohnangebot des Vereins D.________ mit Wohnbegleitung und psychosozialer Beratung, wo der Versicherte wohnt [act. II 71]) von Fr. 65.-- sei auf das ganze Jahr aufge- rechnet und somit ein Mietzins von jährlich Fr. 23'725.-- berücksichtigt worden. Der maximale Mietzinsabzug für eine Einzelperson in einer Wohn-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2023, EL/23/383, Seite 3 gemeinschaft betrage in der Mietzinsregion 1 Fr. 9'720.-- im Jahr 2022 und ab 2023 Fr. 10'410.-- pro Jahr. Bei der notwendigen Miete einer rollstuhl- gängigen Wohnung könnten zusätzlich die Anteile der in der Berechnung berücksichtigten Personen von Fr. 6'000.-- angerechnet werden. Die dage- gen erhobene Einsprache (act. II 92) wies die AKB mit Entscheid vom 19. April 2023 (act. II 94) ab. B. Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch seine Beiständin B.________, am 16. Mai 2023 Beschwerde. Er beantragt, unter Aufhebung des angefochtenen Entscheides sei bei der Berechnung der Ergänzungs- leistungen der maximale Mietzins für Alleinstehende zu berücksichtigen. Eventualiter sei eine Heimberechnung unter Berücksichtigung einer Tages- taxe von Fr. 86.50 vorzunehmen. Mit Beschwerdeantwort vom 16. August 2023 beantragt die Beschwerde- gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2023, EL/23/383, Seite 4 und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Angefochten ist der Einspracheentscheid vom 19. April 2023 (act. II 94). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Ergänzungsleistungen ab dem 1. November 2022 und dabei namentlich die Höhe des anrechenbaren Mietzinses sowie die Frage einer allfälligen Heimberechnung. Die richterliche Beurteilung hat sich praxisgemäss auf diesen Punkt zu beschränken, wogegen aufgrund der Akten kein Anlass besteht, die übrigen unbestritten gebliebenen Punkte in die Prüfung mitein- zubeziehen (BGE 131 V 329 E. 4 S. 330). Nicht Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist namentlich der Anspruch des Beschwerdefüh- rers auf Ergänzungsleistungen ab dem 1. Januar 2022, über welchen die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 28. April 2022 (act. II 76) ent- schieden hat und gegen welche Verfügung am 10. Mai 2022 Einsprache erhoben wurde (act. II 77). Im vorliegend angefochtenen Einspracheent- scheid vom 19. April 2023 (act. II 94) wurde allein über den Anspruch ab 1. November 2022 entschieden. 1.3Ein Entscheid betreffend Ergänzungsleistungen kann in zeitlicher Hinsicht von vornherein nur für ein Kalenderjahr Rechtsbeständigkeit ent- falten (BGE 141 V 255 E. 1.3 S. 258, 128 V 39 E. 3b S. 41; SVR 2020 EL Nr. 2 S. 2 E. 4.1). Vorliegend wurde über den Anspruch ab 1. November 2022 entschieden. Bezüglich des Hauptbegehrens beträgt die streitige jähr- liche Differenz Fr. 6'720.-- im Jahr 2022 und Fr. 7'170.-- im Jahr 2023; vom 1. November 2022 bis 31. Dezember 2023 beträgt der Streitwert bezüglich des Hauptbegehrens folglich Fr. 8'290.-- (Fr. 1'120.-- [Fr. 6'720.-- : 12 x 2] + Fr. 7'170.--). Bezüglich des Eventualbegehrens (Heimberechnung) beträgt die Differenz im Jahr 2022 Fr. 6'647.-- und im Jahr 2023 Fr. 5'467.--; vom 1. November 2022 bis 31. Dezember 2023 beträgt der Streitwert bezüglich des Eventualbegehrens folglich Fr. 6'575.-- (Fr. 1'107.85.-- [Fr. 6'647.-- : 12 x 2] + Fr. 5'467.--). Selbst bei Berücksichtigung von 14 Monaten (zwei Mo-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2023, EL/23/383, Seite 5 nate im Jahr 2022 und zwölf Monate im Jahr 2023) resultiert somit ein Streitwert unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Am 1. Januar 2021 sind die Änderung vom 22. März 2019 des ELG und die Änderung vom 29. Januar 2020 der ELV in Kraft getreten. Für Be- zügerinnen und Bezüger von Ergänzungsleistungen, für die die EL-Reform insgesamt einen tieferen Betrag der jährlichen Ergänzungsleistungen oder einen Verlust des Anspruchs auf eine jährliche Ergänzungsleistung zur Folge hat, gilt während dreier Jahren ab Inkrafttreten dieser Änderung das bisherige Recht (Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 22. März 2019 [EL-Reform]). Das Übergangsrecht ist nur auf laufende EL- Fälle anwendbar. Auf neue EL-Fälle kommt ab dem 1. Januar 2021 ausschliesslich das neue Recht zur Anwendung (Rz. 1301 des Kreisschrei- bens des BSV zum Übergansrecht der EL-Reform [KS-R EL]; zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen vgl. BGE 147 V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228, 132 V 121 E. 4.4 S. 125). Aufgrund der Sistie- rung der IV-Rente ab dem 1. August 2022 (act. II 80) entfiel der Anspruch des Beschwerdeführers auf Ergänzungsleistungen ebenfalls ab dem 1. August 2022 (act. II 82). Die am 11. November 2022 erfolgte Neuanmel- dung (act. II 83) und der daraufhin mit Verfügung vom 21. Februar 2023 (act. II 91) ab dem 1. November 2022 festgesetzte Anspruch auf Ergän- zungsleistungen ist folglich nach den ab 1. Januar 2021 gültigen Bestimmungen zu beurteilen. 2.2Gemäss Art. 4 Abs. 1 ELG haben Personen mit Wohnsitz und ge- wöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz Anspruch auf Ergänzungsleistungen, wenn sie eine Rente der AHV oder IV beziehen oder nach lit. b oder d der genannten Bestimmung Anspruch auf eine sol- che Rente hätten. Die Ergänzungsleistungen bestehen aus der jährlichen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2023, EL/23/383, Seite 6 Ergänzungsleistung sowie der Vergütung von Krankheits- und Behinde- rungskosten (Art. 3 Abs. 1 ELG). Die jährliche Ergänzungsleistung ent- spricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen, mindestens jedoch dem höheren der folgenden Beträge (Art. 9 Abs. 1 ELG): a. der höchsten Prämienverbilligung, die der Kanton für Personen festgelegt hat, die weder Ergänzungsleistungen noch Sozialhilfe beziehen; b. 60 % des Pauschalbetrages für die obligatorische Krankenpflegeversicherung nach Art. 10 Abs. 3 lit. d ELG. 2.3Bei Personen, die nicht dauernd oder nicht länger als drei Monate in einem Heim oder Spital leben (zu Hause lebende Personen), fällt unter die Ausgaben in erster Linie der Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf pro Jahr. Dieser beträgt für Alleinstehende seit 1. Januar 2021 Fr. 19'610.-- (aArt. 10 Abs. 1 ELG [in der bis 31. Dezember 2022 gültig gewesenen Fas- sung] i.V.m. Art. 1 der Verordnung 21 vom 14. Oktober 2020 über Anpassungen bei den Ergänzungsleistungen zur AHV/IV und bei den Überbrückungsleistungen für ältere Arbeitslose [AS 2020 4619, 2021 376]) bzw. seit 1. Januar 2023 Fr. 20'100.-- (Art. 10 Abs. 1 ELG [in der seit 1. Ja- nuar 2023 gültigen Fassung] i.V.m. Art. 1 Verordnung 23). Daneben gehören zu den anerkannten Ausgaben unter anderem auch der Mietzins einer Wohnung und die damit zusammenhängenden Nebenkosten (Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG). Als jährlicher Höchstbetrag für den Mietzins einer Wohnung und der damit zusammenhängenden Nebenkosten wird in der (hier massgebenden, vgl. Art. 10 Abs. 1quater ELG i.V.m. Art. 26 Abs. 1 ELV) Region 1 für eine allein lebende Person im Jahr 2022 ein Höchstbetrag von Fr. 16'440.-- (aArt. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 ELG [in der bis 31. Dezember 2022 gültig gewesenen Fassung]) und im Jahr 2023 ein solcher von Fr. 17'580.-- (Art. 10 Abs. 1 lit. b. Ziff. 1 ELG [in der seit 1. Januar 2023 gültigen Fas- sung]; Art. 2 Abs. 1 Verordnung 23) anerkannt. Bei mehreren im gleichen Haushalt lebenden Personen wird für die zweite Person in der Region 1 im Jahr 2022 Fr. 3'000.-- (aArt. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 ELG [in der bis 31. De- zember 2022 gültig gewesenen Fassung]) und im Jahr 2023 Fr. 3'240.-- (Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 ELG [in der ab 1. Januar 2023 gültigen Fassung]; Art. 2 Abs. 2 lit. a Verordnung 23) anerkannt. Für Personen, die in gemein- schaftlichen Wohnformen leben und bei denen keine gemeinsame Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2023, EL/23/383, Seite 7 Berechnung nach Art. 9 Abs. 2 ELG erfolgt, gilt der jährliche Höchstbetrag der anerkannten Mietkosten für eine Person in einem Haushalt mit zwei Personen (Art. 10 Abs. 1ter ELG). 2.4Bei Personen, die dauernd oder länger als drei Monate in einem Heim oder Spital leben (in Heimen oder Spitälern lebende Personen), wer- den als Ausgaben anerkannt (Art. 10 Abs. 2 ELG): a. die Tagestaxe für die Tage, die vom Heim oder Spital in Rechnung gestellt werden; die Kantone können die Kosten begrenzen, die wegen des Aufenthaltes in einem Heim oder Spital berücksichtigt werden; sie sorgen dafür, dass durch den Aufenthalt in einem anerkannten Pflegeheim in der Regel keine Abhängigkeit von der Sozialhilfe entsteht; b. ein vom Kanton zu bestimmender Betrag für persönliche Auslagen. Gestützt auf die Delegationsnorm in Art. 9 Abs. 5 lit. h ELG hat der Bundes- rat in Art. 25a ELV den Begriff "Heim" wie folgt definiert: Als Heim gilt jede Einrichtung, die von einem Kanton als Heim anerkannt wird oder über eine kantonale Betriebsbewilligung verfügt (Abs. 1). Hat die IV-Stelle eine versi- cherte Person im Zusammenhang mit der Gewährung einer Hilflosenent- schädigung als Heimbewohnerin i.S.v. Art. 42 ter Abs. 2 des Bundes- gesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) eingestuft, so gilt diese Person auch für den Anspruch auf Er- gänzungsleistungen als Heimbewohnerin (Abs. 2). 2.5Bei allen Personen werden zudem die Gewinnungskosten, die Ge- bäudeunterhaltskosten, die Beiträge an die Sozialversicherungen des Bundes, ein jährlicher (höchstens der tatsächlichen Prämie entsprechen- der) Pauschalbetrag für die obligatorische Krankenpflegeversicherung, geleistete familienrechtliche Unterhaltsbeiträge sowie die Netto-Betreu- ungskosten für die notwendige und ausgewiesene familienergänzende Betreuung von Kindern, die das 11. Altersjahr noch nicht vollendet haben, als Ausgaben anerkannt (Art. 10 Abs. 3 ELG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2023, EL/23/383, Seite 8 3. 3.1 3.1.1Der Beschwerdeführer macht bezüglich des Hauptbegehrens gel- tend (Beschwerde S. 4 ff. B./II./Ziff. 2.2), der angefochtene Entscheid verletze Art. 10 Abs. 1 ter ELG. Der Beschwerdeführer wohne aufgrund dro- hender Verwahrlosung im "C.________" in einem teilmöblierten Zimmer mit Unterstützung bei der Wäsche- und Zimmerreinigung und lebensprakti- scher Begleitung durch das Betreuungsteam. Er sei auf dieses Setting angewiesen, da er krankheitsbedingt besondere Bedürfnisse habe und Unterstützung benötige. Er könne seine Mitbewohnenden aufgrund seiner Einschränkungen eben gerade nicht unterstützen und erhalte auch von diesen keine Hilfeleistungen. Zudem könnten auch die Kosten für Essen, Miete und Haushalt nicht unter den verschiedenen Bewohnenden aufgeteilt werden, weil diese nicht in einer Wohngemeinschaft im eigentlichen Sinne wohnten, sondern das Wohnsetting so gestaltet worden sei, damit die zu- sätzlichen Kosten für die Begleitung möglichst tief gehalten werden könnten. Damit sei im vorliegenden Fall eben gerade nicht von einer typi- schen Wohngemeinschaft auszugehen. Er sei deshalb als allein lebende Person zu betrachten und als Mietzinsausgaben das Maximum von Fr. 16'440.-- zu berücksichtigen. Hinsichtlich des Eventualbegehrens macht der Beschwerdeführer geltend (Beschwerde S. 7 ff. B./II./Ziff. 2.3 f.), der angefochtene Entscheid verletze Art. 25a Abs. 2 ELV, da die Bestimmung auf den vorliegenden Fall unrichtig angewendet werde. Die Ungleichbe- handlung von Personen mit einer leichten Hilflosenentschädigung und denjenigen mit einer leichten Hilflosenentschädigung aufgrund lebensprak- tischer Begleitung werde mit dem Zweck der jeweiligen Leistung begründet. Es gebe jedoch keinen Hinweis, dass bezüglich der Definition des Heimes und der damit bezweckten Koordination von IV und EL ein Unterschied zwischen Personen mit einer reduzierten Hilflosenentschädigung aufgrund eines Heimaufenthaltes und Personen, welche keine Hilflosenentschädi- gung erhielten, weil die lebenspraktische Begleitung bei Heimbewohnenden entfalle, gemacht werden solle. Dass die Reduktion der Hilflosenentschädigung bei einem Heimaufenthalt in Art. 42 ter Abs. 3 IVG und der Wegfall der lebenspraktischen Begleitung bei Heimaufenthalt in Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2023, EL/23/383, Seite 9 Art. 42 Abs. 3 IVG geregelt seien, habe rein gesetzgebungstechnische Gründe. Vorliegend müsste Art. 25a Abs. 2 ELV analog angewendet und die Heimtaxe als Ausgabe berücksichtigt werden. Eine Ungleichbehand- lung zwischen Personen mit lebenspraktischer Begleitung und solchen mit einer Hilflosenentschädigung aufgrund von Einschränkungen bei den all- täglichen Lebensverrichtungen in Bezug auf die Koordination der IV mit der EL verstosse gegen Art. 8 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101). 3.1.2Demgegenüber bringt die Beschwerdegegnerin zum Hauptbegeh- ren vor (Beschwerdeantwort S. 5 f. Ziff. 2.6), vorliegend könne nicht von einem eigenen Haushalt ausgegangen werden. Sowohl die IVB als auch das "C.________" selbst bezeichneten das Wohnverhältnis als Wohnge- meinschaft. Das Wohnverhältnis des Beschwerdeführers lasse sich nicht als eigenen Haushalt definieren. Die Annahme eines selbstständigen Haushalts setze das Vorhandensein einer Küche, eines Badezimmers (bzw. WC/Dusche) sowie einen separat abschliessbaren Eingang voraus. Ein gemeinsamer Haushalt oder eine Wohngemeinschaft setze nicht vor- aus, dass gemeinsam "gewirtschaftet" werde. Daher sei vorliegend zu Recht der Ansatz für eine Einzelperson in einer Wohngemeinschaft berücksichtigt worden. Zum Eventualbegehren wird vorgebracht (Be- schwerdeantwort S. 4 f. Ziff. 2.4 f.), hier liege unbestrittenermassen kein Bezug einer Hilflosenentschädigung vor, weshalb die Voraussetzungen von Art. 25a Abs. 2 ELV nicht erfüllt seien. Es sei explizit in Art. 25a Abs. 2 ELV auf Art. 42ter Abs. 2 IVG verwiesen worden. Dies schliesse die lebensprak- tische Begleitung gemäss Art. 42 Abs. 3 IVG somit aus. Bereits aus Art. 42 Abs. 3 IVG gehe hervor, dass die lebenspraktische Begleitung nur für Per- sonen, welche zu Hause lebten, ausgerichtet werden könne. Es liege somit entgegen den Ausführungen in der Beschwerde kein "Versehen" des Ge- setzgebers vor. Vielmehr habe er sich für eine äusserst präzise Formulierung entschieden. Es könne somit keine Heimberechnung vorge- nommen werden. 3.2Das Eventualbegehren, wonach eine Heimberechnung unter Berücksichtigung einer Tagestaxe von Fr. 86.50 vorzunehmen sei, ist vorab zu beurteilen, da die Frage, ob eine Heimberechnung vorzunehmen ist oder nicht, derjenigen der Höhe des anrechenbaren Mietzinses (im Fall Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2023, EL/23/383, Seite 10 eines Wohnens im privaten Haushalt) vorgelagert ist (d.h. die Festlegung des Mietzinses entfällt, falls eine Heimberechnung stattfindet; vgl. auch Beschwerdeantwort S. 4 Ziff. 2.3). 3.2.1Soweit sich der Beschwerdeführer auf die Anwendbarkeit von Art. 25a Abs. 2 ELV beruft (Beschwerde S. 7 ff. B./II./Ziff. 2.3 f.), kann ihm nicht gefolgt werden. Das Verwaltungsgericht hat in seinem in BVR 2023 S. 420 ff. publizierten Urteil vom 2. Mai 2023, EL/2022/689, erkannt, dass die Qualifikation als Heim durch die Invalidenversicherung für die Organe der Ergänzungsleistungen nur verbindlich ist, wenn die Hilflosigkeit wegen Beeinträchtigungen in den alltäglichen Lebensverrichtungen bejaht worden ist, nicht aber im Fall der lebenspraktischen Begleitung (a.a.O., E. 5.3). Das Gericht hat insbesondere auch festgehalten, dass der Umstand, wonach der Bundesrat in Art. 25a Abs. 2 ELV für die Hilflosenentschädigung nach Art. 9 ATSG i.V.m. Art. 42 Abs. 1 und 2 IVG und die Hilflosenentschädi- gung für lebenspraktische Begleitung nach Art. 42 Abs. 3 IVG unterschiedliche Regelungen getroffen hat, weder eine Diskriminierung oder rechtsungleiche Behandlung (Art. 8 BV) darstellt noch eine Unange- messenheit auszumachen ist (a.a.O., E. 5.3.2; vgl. Beschwerde S. 10 f. B./II./Ziff. 2.4 f.). Vorliegend hat die IVB mit Verfügung vom 12. Februar 2019 (act. II 77/14 ff.) den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung verneint, weil der Be- schwerdeführer in keiner der sechs alltäglichen Lebensverrichtungen auf Hilfe angewiesen sei; eine Hilflosenentschädigung bei leichter Hilflosigkeit wegen der Notwendigkeit lebenspraktischer Begleitung entfalle, weil sich der Beschwerdeführer in einem Heim aufhalte (act. II 77/21 Ziff. 2 und 77/23 Ziff. 7). Gestützt auf die vorerwähnte Rechtsprechung des Verwal- tungsgerichts ist die im IV-Verfahren erfolgte Qualifikation des Beschwerdeführers als Heimbewohner für die Beschwerdegegnerin nicht verbindlich. Weiter ist zu Recht unbestritten, dass das "C.________" nicht als Heim anerkannt ist und auch nicht über eine kantonale Betriebsbewilligung ver- fügt, womit die Voraussetzungen von Art. 9 Abs. 5 lit. h ELG i.V.m. Art. 25a Abs. 1 ELV ebenfalls nicht erfüllt sind. Damit entfällt eine Heimberechnung Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2023, EL/23/383, Seite 11 und ist EL-rechtlich vielmehr von einem privaten Wohnen des Beschwerde- führers auszugehen. 3.2.2Im Zusammenhang mit dem Hauptbegehren ist unter den Parteien umstritten, ob der Beschwerdeführer in einem Einpersonenhaushalt (aArt. bzw. Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 ELG) oder in einer Wohngemeinschaft (Art. 10 Abs. 1ter ELG) wohnt. Gemäss Rz. 3232.04 WEL, gültig ab 1. April 2011, Stand: 1. Januar 2022 bzw. 1. Januar 2023, gelten als allein lebend unter anderem Personen, die in einem Einpersonenhaushalt leben. Von einer Wohngemeinschaft ist auszugehen, wenn eine Einzelperson, d.h. unter anderem eine alleinste- hende Person, mit einer oder mehreren Personen zusammenlebt, die nicht in die EL-Berechnung eingeschlossen sind (Rz. 3232.06 WEL, gültig ab 1. April 2011, Stand: 1. Januar 2022 bzw. 1. Januar 2023). Der Beschwerdeführer bewohnt im "C.________" ein teilmöbliertes Einzel- zimmer mit Benützung der Gemeinschaftsräume (vgl. Wohnvertrag vom 4. November 2022 [act. II 88]). Die Zimmer im "C.________" befinden sich in 3- bis 4-Zimmerwohnungen (vgl. Angebot [Verein D.________.ch]) und die Bewohnenden teilen sich Küche, Wohnzimmer und Bad (act. II 92/4; https://www.....ch.html). Weitere Personen sind nicht in der EL-Berechnung des Beschwerdeführers eingeschlossen. Mit Blick auf diese Gegebenheiten kann nicht von einem Einpersonenhaushalt ausgegangen werden, der Be- schwerdeführer gilt mithin nicht als allein lebend im Sinne von aArt. bzw. Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 ELG bzw. Rz. 3232.04 WEL (gültig ab 1. April 2011, Stand: 1. Januar 2022 bzw. 1. Januar 2023). Vielmehr liegt eine Wohngemeinschaft im Sinne von Art. 10 Abs. 1 ter ELG bzw. Rz. 3232.06 WEL (gültig ab 1. April 2011, Stand: 1. Januar 2022 bzw. 1. Januar 2023) vor. Die Ausführungen in der Beschwerde, S. 4 ff. B./II./Ziff. 2.2, ändern nichts. So ist für die Frage, ob eine Wohngemeinschaft vorliegt, nicht relevant, ob der Beschwerdeführer seine Mitbewohnenden unterstützen kann bzw. ob er von anderen Mitbewohnenden Unterstützung erhält oder nicht; er kann im Übrigen durchaus Unterstützung beanspruchen, wenn auch nicht von den anderen Mitbewohnenden, sondern vom hierfür angestellten Personal Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2023, EL/23/383, Seite 12 (vgl. act. II 88/3). Sodann wird im Wohnvertrag vom Verein D.________ explizit von einer Wohngemeinschaft ausgegangen, was der im Vertrag definierten Unterkunft (teilmöbliertes Zimmer mit gleichberechtigter Benüt- zung der Gemeinschaftsräume [act. II 88/1]) ohne weiteres entspricht. Ebenso wenig ändert hier am Vorliegen einer Wohngemeinschaft das vom Beschwerdeführer erwähnte Votum von Nationalrat Christian Lohr (Amtl. Bull. NR 2019 S. 2203; Beschwerde S. 6 B./II./Ziff. 2.2). Im besagten Vo- tum wurde darauf verwiesen, dass die fragliche Regelung ausdrücklich nicht für Heime gedacht sei; vorliegend ist denn auch das "C.________" nicht als Heim anerkannt. Schliesslich ist auch gestützt auf die vom Be- schwerdeführer angeführte Höhe der Wohnkosten nicht von einem Einpersonenhaushalt auszugehen. So können entgegen der Darstellung in der Beschwerde, S. 6 B./II./Ziff. 2.2, auch in der Wohnform des "C.________" durchaus Kostenersparnisse erzielt werden. Die vom Be- schwerdeführer erwähnten Wohnkosten von Fr. 1'977.-- pro Monat (Beschwerde S. 7 B./II./Ziff. 2.2) sind denn auch nicht in erster Linie auf einen hohen Mietzins für den von ihm bewohnten Raum, sondern (auch) auf die mit dem Wohnmodell verbundenen zusätzlichen Leistungen (Bera- tung und Begleitung [act. II 88/3]) und die hierfür geltenden Tarife zurückzuführen. Ist somit von einer Wohngemeinschaft auszugehen, hat die Beschwerde- gegnerin zu Recht den Ansatz für eine Einzelperson in einer Wohnge- meinschaft berücksichtigt. Dieser ist betraglich zutreffend, anderes macht auch der Beschwerdeführer nicht geltend. Folglich ist die Beschwerde ab- zuweisen. 4. 4.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 ELG i.V.m. Art. 61 f bis ATSG (Um- kehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 4.2Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 ELG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2023, EL/23/383, Seite 13 Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien- tschädigung zugesprochen. 3. Zu eröffnen (R): - Beiständin B.________ z.H. des Beschwerdeführers - Ausgleichskasse des Kantons Bern, Abteilung Ergänzungsleistungen - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.