<h2>SubmittedText<h2><p>Für eine sichere Behandlung ihrer Krankheit ist ein Teil der Diabetikerinnen und Diabetiker auf natürliches (tierisches) Insulin angewiesen. In der Schweiz dürfte dies für gegen 2000 Personen zutreffen. Von besonderer Bedeutung ist der Insulintyp Semilente, der wegen seiner Stabilität vielen Diabetikerinnen und Diabetikern den bestmöglichen Schutz gegen plötzliche Blutzuckerabstürze bietet. Nachdem bereits 2006 Novo Nordisk Semilente vom Markt genommen hatte, stellte Ende 2008 auch die polnische Firma Polfa Tarchomin dessen Vertrieb ein. Als einzige Anbieterin von natürlichem Insulin in der Schweiz verbleibt damit die englische Firma CP Pharma, die allerdings kein Semilente anbietet.</p><p>An den fünf Schweizer Universitäten werden die Medizinstudierenden nicht über die Vorteile natürlicher Insuline für gewisse Diabetikerinnen und Diabetiker unterrichtet.</p><p>1. Was gedenkt der Bundesrat zu tun, um in der Schweiz die langfristige Versorgung der Diabetikerinnen und Diabetiker mit einem natürlichen Insulin sicherzustellen?</p><p>2. Ist er bereit abzuklären, wie die am 1. Januar 2009 beendete Verfügbarkeit von Semilente in der Schweiz wiederhergestellt werden kann, allenfalls auch durch eine einheimische Produktion?</p><p>3. Ist er bereit, Massnahmen zu ergreifen, damit sowohl Diabetikerinnen und Diabetiker wie auch (angehende) Ärztinnen und Ärzte über die Existenz und Bedeutung von natürlichen Insulinen als Alternative zu synthetischen Insulinen informiert werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen, sicheren und wirksamen Medikamenten ist dem Bundesrat ein grosses Anliegen. Dies gilt beispielsweise für ganze Bevölkerungskreise wie die Kinder oder für einzelne Patientengruppen wie Diabetikerinnen und Diabetiker. Der Bundesrat hat sich in den letzten Jahren wiederholt zu Fragen zum Verschwinden von Tierinsulinen geäussert, nachdem die Firma Novo Nordisk von 2002 bis 2006 schrittweise die Produktion ihrer Tierinsuline eingestellt hat (vgl. Frage Graf 02.5122, Frage Teuscher 05.5066, Anfrage Teuscher 05.1200). Die Firma CP Pharma vertreibt ein von Swissmedic zugelassenes Tierinsulin (Schweineinsulin) des englischen Herstellers Wockhardt, welches die langfristige Versorgung der derzeit 2000 Diabetikerinnen und Diabetiker mit Tierinsulin sicherstellen kann. Ein Umsteigen aller betroffenen Diabetikerinnen und Diabetiker von dem Tierinsulinprodukt mit Namen Novo Nordisk Semilente auf das Tierinsulinprodukt der Firma CP Pharma wäre dazu notwendig, damit infolge schwindender Marktanteile die Produktion nicht eingestellt werden muss. Damit wäre die Versorgung genügend abgedeckt.</p><p>2. Das Semilente der Firma Polfa Tarchomin verfügte über keine Zulassung vom Schweizerischen Heilmittelinstitut (Swissmedic). Es konnte nur per Einzeleinfuhrbewilligung von Swissmedic in die Schweiz eingeführt werden. Das Bundesamt für Gesundheit hatte bei einem Treffen im Mai 2008 mit Interessenvertretern von der Stiftung Ernährung und Diabetes und betroffenen Diabetikern darauf hingewiesen, dass nur durch eine Zulassung dieser Produkte in der Schweiz das Produkt als sicher, wirksam und qualitativ hochwertig beurteilt werden kann. Hierfür ist ein Zulassungsgesuch durch den polnischen Hersteller notwendig, was bisher nicht erfolgt ist. Der Aufbau einer einheimischen Produktion für Semilente mit Infrastruktur, Rekrutierung von Fachpersonal und Einrichtung eines Qualitätssicherungssystems für die alltägliche Versorgung ist weder eine gesetzliche Aufgabe noch eine Kernkompetenz des Bundes. Der Bund beschränkt sich darauf, geeignete rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine Versorgung der Bevölkerung ermöglichen (vgl. vorgezogene Revision des Heilmittelgesetzes, 07.030).</p><p>3. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit Typ I und II) ist im Lernzielkatalog der Schweizerischen Medizinischen Interfakultätskommission mit fünf Lernzielen gut vertreten. Der Lernzielkatalog stellt eine Operationalisierung der Ausbildungsziele gemäss Bundesgesetz über die universitären Medizinalberufe dar und wird laufend ergänzt und aktualisiert. Es wird von diplomierten Ärztinnen oder diplomierten Ärzten erwartet, dass sie Diabetes mellitus in der Praxis persönlich diagnostizieren und adäquat therapieren können. Dabei sind die Grundsätze von Evidence-based Medicine zu beachten.</p><p>Die fünf Schweizer Universitäten sind verpflichtet, an die Studentinnen und Studenten in der aktuellen Lehre vorrangig den heutigen Stand der Wissenschaft und Technik aus der eigenen und weltweiten Forschung zu vermitteln. Es kann nicht die Aufgabe des Bundesrates sein vorzuschreiben, inwieweit auf bestimmte Inhalte wie auch Pharmazeutika, in diesem Fall Tierinsuline, eingegangen werden soll.</p><p>Zuständig für die Empfehlung von Behandlungsmöglichkeiten sowie deren Vor- und Nachteile sind die medizinischen Fachgesellschaften, im vorliegenden Fall die Schweizerische Fachgesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie.</p>  Antwort des Bundesrates.