B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-757/2014 U r t e i l v o m 4 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. Parteien A.______, geboren (…), Staat unbekannt, alias B._______, geboren (…), China (Volksrepublik), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Januar 2014 / N_______. D-757/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer sein Heimat - land am 12. Juli 2013 und reiste über Nepal und ihm unbekannte Länder am 25. November 2013 illegal in die Schweiz, wo er am selben Tag ein Asylgesuch einreichte. Anlässlich seiner Kurzbefragung vom 5. Dezem - ber 2013 sowie der einlässlichen Anhörung vom 17. Januar 2014 zu sei - nen Asyl- und Ausreisegründen trug der Beschwerdeführer im Wesentli - chen Folgendes vor. Er sei ethnischer Tibeter, Staatsangehöriger der Volksrepublik China und stamme aus dem Dorf C._______, Gemeinde D._______, Bezirk E._______, Präfektur F._______, Provinz G._______, wo er seit seiner Geburt bis zu seiner Ausreise gelebt habe. Er sei nie zur Schule gega n- gen und habe in der Landwirtschaft gearbeitet. Seit 1995/1996 habe er an kleineren politischen Demonstrationen teilge - nommen. Am 6. Juli 2013, dem Geburtstag des Dalai Lama , habe er un- gefähr 15 jungen Männern im Bezirksort E._______ frühmorgens Flu g- blätter verteilt. Danach ha be er beim Vergnügungspark H._______ ein Foto des Dalai Lama aufgestellt und die tibetische Flagge gehisst. Er h a- be Gebete gesprochen und angefangen , zu demonstrieren. Kurz dar auf sei das Militär gekommen und habe geschossen. Alle seien auseinan der- und weggerannt. Er habe sich zu einem anderen Demonstrationsteil - nehmenden nach Hause begeben und sei zwei Nächte dort geblieben. Anschliessend sei er nach Hause gegangen, wo er eine weitere Nacht verbracht habe. B. Im Auftrag des BFM wurde am 9. Dezember 2013 mittels eines Telefonin- terviews eine Sprach - und Herkunftsanalyse mit dem Beschwerdeführer durchgeführt (Lingua-Analyse). Die sachverständige Person kam in ihrem landeskundlich-kulturellen sowie linguistischen Herkunftsgutachten vom 10. Dezember 2013 zum S chluss, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er im behaupteten geografischen Raum gelebt haben könnte, klein sei. C. Anlässlich der einlässlichen Anhörung vom 17. Januar 2014 gewährte das BFM dem Beschwerdeführer zum Abklärungsergebnis der Lingua - Analyse das re chtliche Gehör . Soweit der Beschwerdeführer Stellung nahm, wiederholte er lediglich bereits zuvor gemachte Aussagen. D-757/2014 Seite 3 D. D.a Mit Verfügung vom 21. Januar 2014, welche dem Beschwerdeführer am 23. Januar 2014 eröffnet wurde, lehnte das BFM das Asylgesuch vom 25.November 2013 ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdefüh- rers aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an , wobei ein solcher in die Volksrepublik China ausgeschlossen wurde. D.b Zur Begründung führte das BFM unter anderem aus, die sachve r- ständige Pe rson sei in ihrem Gutachten vom 10. Dezember 2013 zum Schluss gekommen, dass die Wahrscheinlichkeit, wonach der Be - schwerdeführer im behaupteten geografischen Raum gelebt haben kön n- te, klein sei . Der Beschwerdeführer habe sowohl teils falsche bezie - hungsweise unkorrekte Angaben zu geografischen Gegebenheiten in der Umgebung seines angeblichen Herkunftsortes sowie zum heiligsten Buddha in der Nähe des Tempels (…) gemacht, als auch unzutreffende Angaben zur traditionellen tibetischen Bekleidung, zu Dorfvorstehern, zu den in den Dorfläden erhältlichen Produkten und deren Preise, zum tibe- tischen Schulsystem sowie zu den in Tibet üblichen Löhnen. Obwohl er eine Identitätskarte haben wolle, habe er nicht korrekt erklären können, wo ein P ersonalausweis ausgestellt werde oder wie lange dieser gültig sei, und seine Angaben über seine Tätigkeit als Land wirt seien auswe i- chend gewesen. Des Weiteren spreche er so gut wie kein Chinesisch und habe weder fehlerfrei auf zehn zählen noch die Wo chentage korrekt auf- zählen können. Somit sei es ihm nicht gelungen, die behauptete chines i- sche Staatsangehörigkeit glaubhaft zu machen. Auch im Rahmen des ihm gewährten rechtlichen Gehörs sei er nicht in der Lage gewesen, durch seine Aussagen die Feststellung des Experten ent kräften zu kö n- nen (vgl. A20/13 S. 8 ff.). D.c Des Weiteren habe der Beschwerdeführer die ihm gestellten Fragen während der ganzen Anhörung nur äusserst knapp und ausweichend b e- antwortet, und auch auf wiederholte Aufforderung sei er nie in der Lage gewesen, das Vorgefallene ausführlich, detailliert und mit Substanz zu schildern. So sei der Eindruck entstanden, dass er da s Erzählte nicht selbst erlebt habe. Darüber hinaus habe er sich in namhaft e Widersprü- che verwickelt. So habe er bei der Kurzb efragung angegeben, er habe auf dem H._______ eine Runde gedreht und dabei demonstriert (vgl. A6/12 S. 9), währendem er bei der Anhörung im Stehen demonstriert h a- ben will (vgl. A20/13 S. 5 F. 32 und F. 34). Bei der Kurzbefragung machte er zudem geltend, e r habe fünfzehn Flugblätter verteilt (vgl. A6/12 S. 8), um dann bei der Anhörung die Anzahl der verteilten Flugblätter auf ung e-D-757/2014 Seite 4 fähr 100 zu erhöhen (vgl. A20/13 S. 3 F. 14), wobei er auf entspreche n- den Vorhalt die aufgezeigten Widersprüche nicht zufriedenst ellend aufzu- lösen vermochte (vgl. A20/13 S. 6 f. F. 50 f.). Auch die Schilderung seines Reiseweges von I._______ nach Nepal sei äusserst knapp und trotz mehrmaligen entsprechenden Vorhalten nur sehr kurz, oberflächlich und vage ausgefallen. Darüber hinaus habe er sich bei der Schilderung in W i- dersprüche verwickelt. So habe er bei der Anhörung zu Protokoll gege - ben, er sei ab J._______ mit der Hilfe von "Rongpas" gereist (vgl. A20/13 S. 7 F. 53 f.), hingegen habe er bei der Kurzbefragung geltend gemacht, er sei erst nach der Grenze mit bezahlten "Rongpas" gereist (vgl. A6/12 S. 6). Über seinen weiteren Reiseweg von Nepal in die Schweiz, insb e- sondere über die Route, die Flugdestinationen oder die Fluggesellschaft habe er keine näheren Auskünfte machen können. Es sei deshalb davon auszugehen, dass er unter Verwendung eigener Identitäts -und Reisepa- piere in die Schweiz gelangt sei. D.d Aufgrund der vorstehenden Ausführungen gehe das BFM nicht davon aus, dass sich der Beschwerdeführer vor seiner Einreise in die Schwe iz in China beziehungsweise in Tibet aufgehalten habe, weshalb weder von einer illegalen noch von einer legalen Ausreise aus China ausgegangen werden könne. Somit seien die in BVGE 2009/29 gemachten Ausführun - gen und Schlussfolgerungen im vorliegenden Fall nicht anwendbar und es sei nicht vom Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe auszugehen. Al- lein die Tatsache, dass er Tibetisch spreche und vermutlich tibetischer Ethnie sei, würde naturgemäss keinen hinreichenden Beleg dafür bilden, dass er chinesischer Staatsbürger sei. E. E.a Gegen diese vorinstanzliche Verfügung richtet sich die am 1 1. Feb- ruar 2014 (Poststempel vom 12. Februar 2014 ) beim Bundesverwa l- tungsgericht erhobene Beschwerde mit den Anträgen auf Aufhebung der Verfügung des BFM, auf Neubeurteilung der Sache und Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie Gewährung von Asyl. Eventualiter sei fes t- zustellen, dass subjektive Nachfluchtgründe erfüllt seien und dem Be - schwerdeführer sei die vorläufige Aufnahme als Flüchtling infolge des un- zulässigen Wegweisungsvollzugs zu gewähren. Eventualiter sei die U n- zumutbarkeit und die Unmöglichkeit des Vollzug der Wegweisung festz u- stellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung bean tragt. Es sei die zuständige Behörde vorsorglich anzuweisen, die Kontakt - aufnahme mit den Behörden des Heimat - oder Herkunftsstaates sowie D-757/2014 Seite 5 jegliche Datenweitergabe an dieselben zu unterlassen. Eventualite r sei bei bereits erfolgter Datenweitergabe die Beschwerde führende Person darüber in einer separaten Verfügung zu informieren. Es sei der Be - schwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren. E.b Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer unter anderem zwei Auskünfte der SFH -Länderanalyse ( ADRIAN SCHUSTER, China: Registrierung einer in Indien in einem Flüchtlingslager geborenen Tibeterin in China, 4. März 2013; ADRIAN SCHUSTER, China/Nepal: Tibeti- sche Flüchtlinge in Nepal, 15. August 2013) , einen Zeitungsartikel sowie eine Unterstützungsbestätigung vom 28. Januar 2014 zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das B FM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei - nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. D-757/2014 Seite 6 1.4 Auf einen Schriftenwechsel wird gestützt auf Art. 11 1a Abs. 1 AsylG verzichtet. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Personendaten von Asylsuchenden, anerkannten Flüchtlingen und Schutzbedürftigen dürfen dem Heimat- oder Herkunftsstaat nicht bekannt gegeben werden, wenn dadurch die betroffene Person oder ihre Angeh ö- rigen gefährdet würden; über ein Asylgesuch dürfen keine Anga ben ge- macht werden (Art. 97 Abs. 1 AsylG). Die für die Organisation der Ausre i- se zuständige Behörde kann jedoch zwecks Beschaffung der für den Vollzug der Wegweisungsverfügung notwendigen Reisepapiere mit dem Heimat- oder Herkunftsstaat Kontakt aufnehmen, wenn in erster In stanz das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft verneint wurde (Art. 97 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 4 Abs. 1 der Verordnung vom 11. August 1999 über den Vollzug der Weg - und Ausweisung von ausländischen Personen (VVWA, SR 142.281) gilt das Vorliegen der Flüchtlingseigen schaft als verneint, wenn das Asylgesuch abgelehnt oder ein Nichteintre - tensentscheid verfügt wurde. In casu hat das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 21. Januar 2014 abgelehnt, wes- halb formal die Voraussetzungen gemäss Art. 97 Abs. 2 AsylG erfüllt sind. Im Übrigen deutet aufgrund der dem Bundesverwaltungsgericht derzeit vorliegenden Akten nichts auf eine konkrete Gefährdung des Beschwe r- deführers durch eine allfällige Bekanntgabe der in Art. 97 Abs. 3 Bstn. a-c AsylG erwähnten Personendaten gegenüber der zuständigen aus - ländischen Behörde hin. Folglich ist der Antrag, die zuständige Vollzugs - behörde sei vorsorglich anzuweisen, jegliche Datenweitergabe an den Heimatstaat bis zum Entsc heid über die Beschwerde zu sistieren, abz u- weisen. Aus den dem Gericht vorliegenden Akten geht nicht hervor, dass die Vorinstanz den Beschwerdeführer betreffende Daten an den Hei - matstaat weitergegeben hat, weshalb auf das Eventualbegehren, eine a l- lenfalls bereits erfolgte Datenweitergabe an den Heimatstaat sei dem B e- schwerdeführer offenzulegen und ihm dazu das rechtliche Gehör zu g e- währen, mangels Rechtsschutzinteresses im Rahmen dieses Verfah rens nicht einzutreten ist. D-757/2014 Seite 7 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowi e Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung zu Recht und mit ausführlicher Begründung, so dass zur Vermeidung von Wiederholungen darauf ver- wiesen werden kann, festgestellt, dass die Vorbringen des Beschwerde- führers aus mehreren Gründen weder den Anforderungen an die Glau b- haftigkeit noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft standhalten und auch keine subjektiven Nachfluchtgründe vorliegen. Ge wichtige Zweifel an der Glaubhaftigkeit entstehen insbesondere aufgrund de r Lingua - Analyse, wonach der Beschwerdeführer so gut wie keine Kenntnisse der chinesischen Sprache besitz t. Namentlich die Tatsache, wonach er auf Chinesisch weder fehlerfrei auf zehn zählen noch die Wochentage korrekt und vollständig aufzählen kann, mutet sonderbar an. Das Beharren in seiner Beschwerdeschrift auf der Glaubhaftigkeit seiner geltend gemac h- ten illegalen Ausreise aus der Volksrepublik China , sein Bestreitungsver- merk im Zusammenhang mit den aufgezeigten Unstimmigkeiten , die Hin- weise auf zwei Urteile der ehemaligen Schweizerischen Asylrekursko m- mission (Entscheidungen und Mitteilun gen der Schweizerischen Asylr e- kurskommission [EMARK] 2000 Nr. 16 sowie EMARK 200 6 Nr. 1), auf ei- ne von der ARK in Auftrag gegebene Ex pertise von Th. Dodin, Tibet - InfoNet, auf einen Artikel des chinesischen Strafgesetzbuches sowie auf ein Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2009/9) kö n-D-757/2014 Seite 8 nen zu keiner anderen Be trachtungsweise führen. Im z ur Publikation be- stimmten Urteil E-2981/2012 vom 20. Mai 2014 präzisierte nämlich das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Praxis dahingehend, dass bei Personen tibetis cher Ethnie, die ihre wahre Her kunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweis e davon aus zugehen ist, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestehen. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden findet ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsu- chenden Person. Verunmöglicht ein Asylsuchender tibetischer Ethnie durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen e f- fektiven Status er in Nepal respektive in Indien innehat, kann na mentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31 a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Üb erdies wird durch die Verheimli chung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. E-2981/2012 E. 5.9 f.). 5.2 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers weder den A nforderungen an das Glaubhaftm a- chen im Sinne von Art. 7 AsylG noch den jenigen an die Flücht - lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG genü gen. An dieser Ein- schätzung kön nen auch die weiteren Ausführungen in der Rechtsmi t- teleingabe nichts ändern. Das BFM hat das Asylgesuch des Be - schwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt e s in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Weg weisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gese tzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). D-757/2014 Seite 9 7.2 Grundsätzlich ist die Zulässigkeit, die Zumutbarkeit und die Möglich - keit des Wegweisungsvollzugs von Amtes wegen zu prüfen. Diese Unte r- suchungspflicht findet jedoch ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG), welche auch die Substanziie - rungslast trägt (Art. 7 AsylG). Es ist jedoch nicht Sache der Asylbehörden, nach allfälligen Wegweisungshindernissen in hypothetischen Heimat - oder Herkunftsländern zu forschen, wenn eine asylsuchende Person ihre Herkunft verschleiert und keine eindeutigen Hinweise auf die tatsächliche Staatangehörigkeit vorliegen (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2, mit weite - ren Hinweisen). Ein Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China ist im vorinstanzlichen Entscheid ausdrücklich ausgeschlossen worden (vgl. BFM-Verfügung vom 21. Januar 2014, Dispositivziffer 5). 7.3 Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer, der tibetischer Ethnie ist, keine Identitätspapiere eingereicht und auch seine behauptete chin e- sische Staatsangehörigkeit nicht glaubhaft gemacht. Aufgrund de r ausführlichen Lingua -Analyse und der wenig überzeugen - den Erklärungsversuche des Beschwerdeführers anlässlich des rechtli- chen Gehörs sowie seiner unsubstanziierten Ausführungen, ist seine a n- gebliche Herkunft aus der Volksrepublik China nicht glaubhaft. Viel mehr ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er vor seiner Ankunft in der Schweiz in de r exiltibetischen Diaspora gelebt hat, wodurch sich allerdings noch keine schlüssigen Erkenntnisse hin sichtlich seiner Staatsangehörigkeit ergeben. Eine Zuordnung der Staats an- gehörigkeit ist indes nicht möglich, da der Ort der Sozialisation mit demje- nigen der Staatsangehörigkeit nicht gleichzusetzen ist (vgl. EMARK, a.a.O. E. 3.2.1). 7.4 7.4.1 Im zur Publikation bestimmten Urteil E-2981/2012 hat das Bunde s- verwaltungsgericht in E. 5 ausgeführt, dass seine Rechtspre chung in Be- zug auf die Frage der Staatsangehörigkeit von im Exil lebenden Personen tibetischer Ethnie (EMARK, a.a.O., E. 4.3) insoweit zu präzisieren sei, als dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschle i- ern oder verheimlichen, vermutungsweise davon auszugehen ist, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestünden. 7.4.2 Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer, der tibetischer Ethnie ist, keine Identitätspapiere eingereicht. Zudem erscheint seine be -D-757/2014 Seite 10 hauptete chinesische Staatsangehörigkeit aufgrund des Alltagswissens - tests – wie vorne dargelegt – nicht glaubhaft. Sodann sind seine Ausfü h- rungen bezüglich seiner Reise in die Schweiz unsubstanziiert ausgefallen und somit ebenfalls unglaubhaft. Es ist davo n auszugehen, der B e- schwerdeführer habe nur unter Verwendung authentischer Identitäts- und Reisepapiere in die Schweiz gelangen können. Es kann seitens der Asy l- behörden nicht eruiert werden, welche Staatsangehörigkeit er besitzt, weil er die ihm obliegende Mitwirkungspflicht verletzt, deren Folgen er insofern zu tragen hat, als seitens der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufen t- haltsort, da er keine konkreten glaubhaften Hin weise geltend gemacht hat, die gegen eine Rückkehr dorthin sprechen würden. 7.5 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich die für eine Rückkehr allen - falls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig festste llt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) . Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist. 9. Der Beschwerdeführer stellte mit der Beschwerde unter anderem den An- trag, ihm sei die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu gewähren. Die vom Beschwerdeführer gestellten Rechtsbegeh- ren erschienen im Zeitpunkt der Beschwerde , welche vor dem erwähnten Urteil eingereicht wurde, nicht von vornherein aussichtslos und seine Be- dürftigkeit im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist belegt, weshalb da s Ge- such gutzuheissen ist und keine Verfahrenskosten erhoben werden. D-757/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Ulrike Raemy Versand: