BRKE I Nr. 0202/2008 vom 2. September 2008 in BEZ 2009 Nr. 36 (Bestätigt mit VB.2008.00481 = BEZ 2009 Nr. 23) In sachverhaltlicher Hinsicht ging es um das aus der Alten Kantonsschule, zwei Turnhallen und dem ehemaligen Turnplatz bestehenden Ensemble am Heim platz und an der Rämistrasse in der Stadt Zürich. Strittig war der Beschluss der Stadt Z ü- rich, Turnhallen und Turnplatz zur Ermöglichung eines Kunsthaus -Erweiterungsbaus aus den kommunalen Inventaren zu entlassen. Aus den Erwägungen: 6. Die Rekurrentsc haft nimmt den Standpunkt ein, Turnhallen und Freifläche seien als Schutzobjekte von überkommunaler (kantonaler und teils s ogar nationaler Bedeutung) zu werten. Die Vorinstanz teilt diese Auffassung nicht. Der Regierung s- rat hatte die Alte Kantonsschule, ni cht aber auch die Turnhallen und den ehemal i- gen Turnplatz in das kantonale Inventar aufg enommen (RRB Nr. 3048/1981). 6.1 Das Planungs - und Baugesetz unterscheidet zwischen Schutzobjekten von kommunaler und so lchen von überkommunaler, nämlich regionaler od er kantonaler Bedeutung. Besagte Klassierung dient der Abgrenzung der Zuständigkeiten: Für Schutzmassnahmen über Objekte von kommunaler Bedeutung ist die Gemeind eexe- kutive und für solche über Objekte von überkommunaler Bedeutung die Baud irektion zuständig. Dies gilt auch für die Inventarisierung (§§ 203 Abs. 2 und 211 Abs. 1 und 2 PBG). B esteht zwischen Gemeinde und Kanton über die Klassierung Une inigkeit, entscheidet die Baudirektion im Rahmen ihrer Aufsichtsfun ktion. Besagte Hierarchie hatte nach der Ei nführung des Planungs - und Baugesetzes zur Folge, dass zuerst der Kanton die übe rkommunalen Schutzobjekte inventarisierte. Mit den diesbezügl i- chen Beschlüssen des Regierungsrates (der vor der Revision des Pl anungs- und Baugesetzes vom 1. Septe mber 1991 für d ie Führung der kantonalen Inventare zu- ständig war) war zugleich auch festgelegt, dass allen nicht aufgeno mmenen Bauten und Anlagen auf Kantonsgebiet höchstens der Rang eines Schutzo bjektes von kommunaler Bedeutung zukommen konnte; dies vorbehältlich einer durch Zeitablauf bedingten Unvollständigkeit der kant onalen Inventare. 6.2 W ürde ein Objekt aus einem kommunalen Inventar entlassen, an dessen Nichtaufnahme in das kantonale Inventar aus der Sicht der Rechtsmi ttelinstanzen erhebliche Zweifel anzumelden wär en, wäre die Baudirektion als kantonale Den k-- 2 - malschutzbehörde in das Rechtsmittelverfahren einzubeziehen. Die Nich taufnahme von Turnhallen und Turnplatz in die kantonalen Inventare erscheint indes vertretbar. Bei der Beantwortung der Frage, ob einem Schutzo bjekt kommunale oder überko m- munale Bedeutung z ukommt, ist namentlich darauf abzustellen, ob das Objekt im Kanton oder in der Region einmalig ist, ob es als Zeuge e iner bestimmten Epoche über die Gemeindegeschichte hinaus bedeutsam ist und ob es architektur geschicht- lich eine Höchstleistung darstellt. Nur, aber immerhin das dritte dieser Kriterien kann auch für Frage des Gr ades der Schutzwürdigkeit erheblich sein. Bei der Festlegung der Bedeutungsklassierung steht der zuständigen Behörde ein qualifizierter Er mes- sensspielraum zu (vgl. zum Ganzen R. Imholz, Die Denkmalschutzb estimmungen des Zürcherischen Planungs- und Gesetzes, in Disp. Nr. 67, S. 35 f.). Zwar spricht namentlich die Tatsache, dass das streitbetroffene Ensemble ein Zeuge der kantonalen Geschichte ist, für dessen Einstufung als Objekt von kanton a- ler Bedeutung. Auch mag das Ensemble im Kanton Zürich einzigartig sein; von der Vorinstanz wird jedenfalls nichts Vergleichbares angeführt. Den Tur nhallen kommt indes bei weitem nicht dieselbe architekturge schichtliche Bedeutung wie dem Schu l- haus zu. Beim Schulhaus handelt es sich um einen hochkarätigen Bau des Klass i- zismus, für welchen die (heute nicht mehr stehende) Bauakademie von Friedrich Schinkel in Berlin unweit des (heute ebenfalls nicht mehr st ehenden) Stadtschlosses Vorbild war. Den Tur nhallen kann eine solche architekturgeschichtliche Bedeutung auch nicht ansatzweise zuerkannt werden. Die – von der sozialgeschichtlichen B e- deutung wiederum zu u nterscheidende – Bedeutung des Turnplatzes als Denkmal der Parkarchitektur (§ 203 Abs. 2 lit. f PBG) erscheint eher gering. Die seinerzeit ige Wertung des Regierungsrates, einzig dem Schulhaus als Einzelobjekt kantonale Bedeutung zuzusprechen, ist demnach nicht in Frage zu stellen. Im Übrigen spricht nicht das G eringste dafür, dass die Baudirektion, die als Vertreterin des Kantons Zürich (Eigentümer der streitbetroffene Liegenschaft) R e- kursabweisung ohne vorherige Durchführung eines Augenscheins beantragt hat, als Denkmalschutzbehörde Turnhallen und Turnplatz als zu erhaltendes überkommuna- les Objekt für sich in Anspruch nehmen würde. 7. Die Rekurrentschaft beantragt, es sei ein Gutachten der Kantonalen Den k- malpflegekommission oder der Kantonalen Natur - und Heimatschutzkommission zur Entlassung von Turnplatz und Tu rnhallen aus den einschlägigen Inventaren einz u- holen; eventuell sei zusätzlich ein Gutachten eines gerichtlich bestellten u nabhängi- gen ausserkantonalen Gutachters einzuholen. 7.1 Die Verwaltungsbehörde untersucht den Sachverhalt von Amtes wegen u n- ter anderem durch den Beizug von Sachverständigen (§ 7 Abs. 1 des Verwaltung s- rechtspflegegesetzes [VRG]). Dies gilt auch für die Rekursbehörden (A. Kölz/J. Bosshart/M. Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Z ü- rich, 2. A., 1999, § 4 Rz. 5). Nach § 216 Abs. 2 PBG (in der Fassung vom 15. März 2004, in Kraft seit dem 1. März 2005) überträgt der Regierungsrat den nach § 216 Abs. 1 PBG dafür bestel l- ten Sachverständigenkommissionen wichtige Fragen von überkommunaler Bede u- tung zur Begutachtung. Es kö nnen auch weitere begutachtende Aufgaben zugewi e- sen werden.- 3 - Gemäss § 3 der Verordnung über die Sachverständigenkommissionen gemäss § 216 PBG (vom 12. Januar 2005, in Kraft seit dem 1. März 2005 [SKV]) nehmen die Sachverständigenkommissionen – es sind dies die Natur - und Heimatschutzko m- mission, die Denkmalpflegekommission und die Archäologiekommiss ion (§ 1 Abs. 1 SKV) – zu folgenden wichtigen Fragen des Natur - und Heimatschutzes von übe r- kommunaler Bedeutung Stellung: Zu den Inve ntaren des Kantons (lit. a), z ur Schutzwürdigkeit von überkommunalen Schutzobjekten (lit. b), zur Schutzwürdigkeit neu entdeckter oder nicht erforschter Schutzobjekte von hoher archäologischer B e- deutung (lit. c) und zu Projekten des Kantons und der Gemeinden für grössere Ba u- ten und Anl agen im Bereich von Schutzobjekten von überkommunaler Bedeutung (lit. d). 7.2.1 W ie dargetan, sind Turnhallen und Turnplatz keine Schutzobjekte von überkommunaler Bedeutung. Mithin entfällt – soweit Gesetz und Verordnung in der geänderten Fassung eine obli gatorische Begu tachtung überhaupt noch vorsehen, was bei «wichtigen Fragen» indes wohl zu bejahen ist (vgl. zur früheren Fassung von § 216 PBG den Entscheid VB.2001.00054 = BEZ 2002 Nr. 19 = RB 2002 Nr. 78) – die Pflicht zur Einholung eines Gutachtens eine r Sachverständigenkommission von vornherein. Auch ist nicht etwa ein Gutachten zur Frage einzuholen, ob Turnhallen und Turnplatz richtigerweise in die kantonalen statt in die kommunalen Inventare hätten aufgenommen werden müssen. Dies schon deswegen nicht , weil sich die Sachve r- ständigenkommissionen bereits zur Festsetzung der kantonalen Inventare äussern mussten (vgl. § 3 Abs. 2 des Reglementes für die Sachverständigenkommissionen gemäss § 216 PBG vom 31. August 1977). Im Übrigen kann in der Frage der Kla s- sierung von Tunhallen und Turnplatz als kommunale oder überkommunale Schut z- objekte im vorliegend relevanten Kontext der Interessenabwägung nach dem Gesa g- ten keine «wichtige Frage» erkannt werden. (…) 7.2.3 Soweit die Rekurrentschaft der Auffassung ist, die Überprüfung der v o- rinstanzlichen Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Erhaltung der Schutzobjekte und demjenigen an der Kunsthau serweiterung am vorgesehen Ort bedürfe des Gutachtens einer Sachverständigenkommission, ist zunächst festzuste l- len, dass es hierbei sachverhaltlich nur mehr um die Frage gehen kann, ob die Kunsthauserweiterung auch andernorts zweckdienlich erfolgen könnte. Dies ist i n- des keine Frage, welche in die in § 4 Abs. 1 SKV aufgezählten Sachgebiete der Sachverständigenkommissionen fällt. Die Interessenabwägung als solche bildet eine Rechtsfrage. Behörden, die in er ster Linie Rechtsfragen zu entscheiden haben – und damit auch die Baurekurskommissionen – sind nicht befugt, zur Entscheidfi n- dung Rechtsgutachten herbeizuziehen (Kölz/Bosshart/Röhl, § 7 Rz. 22). Im Übrigen obliegt es den Baurekurskommissionen als Spezialrekursinstanzen, Streitigkeiten der vorliegenden Art aus eigener Anschauung zu en tscheiden. Demnach ist weder ein Gutachten einer Sachverständigenkommission noch ei n Gutachten eines bestellten Gutachters beizuziehen.