5. März 1986 33 Postulat Bauer weise ist der Bürger heute auf den Zustand unserer Gewäs- ser sehr stark sensibilisiert. Die alljährlich wiederkehrenden gravierenden Fischvergiftungen zeigen aber mit aller Schärfe und Deutlichkeit, dass vor allem in stehenden, aber auch in kleineren Fliessgewässern - es handelt sich um die vielen kleinen Bäche, die als beste Fischgewässer bekannt waren und der Landschaft ein ganz besonderes Gepräge geben - noch sehr viel für die Gesundung dieser Grossbio- tope getan werden muss. Die zuständigen Amtsstellen, ins- besondere auf eidgenössischer Ebene - ich denke an das Bundesamt für Umweltschutz -, aber auch diejenigen bei den Kantonen und ausnahmslos auch bei den Gemeinden, verdienen für die hervorragende und am Anfang wenigstens nicht immer verstandene Arbeit im Dienste des Gewässer- schutzes unseren Dank und die volle Anerkennung. Die meisten Amtsstellen sind aber vor allem in der Praxis personell sehr häufig überfordert. Jede Schadenverhütung ist besser als die einem Fischsterben folgende Wiedergut- machung. Fische und Krebse sind wohl die empfindlichsten Bio-lndikatoren. Dort, wo Fische wegen Gewässerver- schmutzungen verenden, sind auch die örtlichen Trinkwas- serversorgungen, ja sogar Grundwasserflüsse in direktem Masse gefährdet. In diese Richtung zielt die Volksinitiative des schweizerischen Fischereiverbandes zur Rettung unse- rer Gewässer. Ich erinnere noch einmal daran: Unsere zuständigen Amtsstellen sind sehr häufig personell überla- stet. Andererseits ist bekannt, dass viele qualifizierte Freiwil- lige in Fischereikreisen bereit sind, an einem effizienten Informations-, Kontroll- und Beratungsdienst im Dienste eines aktiven Gewässerschutzes und zur Förderung der Fischbestände mitzuwirken. In Fischereikreisen ist es ein Bedürfnis, im Sinne einer Dienstleistung aktiv mitzuwirken. Wohlverstanden, es würde sich um Freiwillige handeln. Es geht hier auch nicht um Geld, es geht nicht um Finanzen, weder beim Bund noch bei den Kantonen. Was fehlt, ist die fachliche Grund- und Weiterausbildung von qualifiziertem freiwilligem Personal. Im Bericht des Bundesamtes für Justiz zum zweiten Paket von Vorschlägen zur Neuvertei- lung von Aufgaben zwischen Bund und Kantonen wird der Beratung sowohl bei der Revision des Gewässerschutzge- setzes als auch des Fischereigesetzes ein hoher Stellenwert zugeordnet. Darf ich am Schluss noch einmal festhalten: Das Anliegen der Fischer dreht sich nicht um Geld. Unser Anliegen geht in Richtung einer zur Verfügungstellung von qualifizierten Fachkräften bei der Grund- und Weiterausbildung ausge- wiesener Fachkräfte, die im Sinn einer breit aufgefächerten Beratung, Information und Kontrolle in der Praxis als Gew?sserwarte dienen können. So gesehen können die Kantone diesen Gewässerwarten eine amtliche Funktion zuordnen. Es geht also um die Grund- und Weiterausbil- dung, die - beim Bund - nicht einen zwingenden Charakter hat. Träger wären die Kantone, wobei die Freiwilligkeit selbst bei den Kantonen ausgewiesen würde. Ich bitte im Interesse eines aktiven Umwelt- und Gewässer- schutzes seitens der Fischer um Annahme der Motion. Bundespräsident Egli: Der Bundesrat teilt die Auffassung, dass auch beim Gewässerschutz vorbeugen besser ist als heilen. Einer gezielten, fachkundigen Beratung und Infor- mation durch freiwillige Helfer im Felde kommt deshalb eine grosse Bedeutung zu. Allerdings ist dies auch weiterhin primär Aufgabe der Kantone, Gemeinden und der privaten Verbände, die auf diesem Gebiet bereits schon Beachtliches geleistet haben, z. B. durch die sogenannten freiwilligen Fischereiaufseher in einigen Kantonen. Der Bund ist jedoch bereit, anlässlich der Revision des Gewässerschutzgesetzes, welche ja bekanntlich im Gange ist, die Möglichkeiten einer verstärkten fachlichen Unterstützung von Ausbildungskur- sen zu prüfen. Wir bitten Sie, in diesem Sinne die Motion als Postulat zu überweisen. Präsident: Der Bundesrat ist bereit, den Vorstoss im Form eines Postulates entgegenzunehmen. Was sagt der Motio- när dazu? Knüsel: Den Fischern geht es vor allem darum, dass bei- spielsweise ganz spezifische Fachkräfte auf Bundesebene- ich denke zum Beispiel an die Wissenschafter am limnologi- schen Institut in Kastanienbaum - sich für kantonale Kurse in der Grund- und Weiterausbildung von Fachleuten (Infor- mation, Beratung und Kontrolle) zur Verfügung stellen kön- nen. Ich bin mit dem Postulat einverstanden. Präsident: Der Motionär erklärt sich mit der Umwandlung in ein Postulat einverstanden. Ueberwiesen als Postulat - Transmis comme postulat #ST# 85.981 Postulat Bauer Jahr der Jugend. Bilanz Année de la jeunesse. Bilan Wortlaut der Motion vom 18. Dezember 1985 Das Jahr 1985, das die UNO als Internationales Jahr der Jugend proklamiert hat, geht zu Ende. Es ist wichtig, dass jetzt Bilanz erstellt und Lücken ausgefüllt werden. Wie der Präsident der Eidg. Kommission für Jugendfragen gesagt hat, sind auf Gemeindeebene zahlreiche Initiativen ergriffen worden. Auf Bundesebene hat man sich dagegen mit allgemeinen und theoretischen Diskussionen begnügt. In politischen Kreisen, namentlich unter Parlamentariern, zeigte man kein Interesse für die Probleme der Jugend. Wenn wir den Dialog fördern und intensivieren wollen, so müssen wir über die Probleme der Jugend eine politische Grundsatzdiskussion führen. Der Bundesrat wird deshalb eingeladen: 1. zu den Schlussfolgerungen des Berichts «Mutter Helvetia, Vater Staat» Stellung zu nehmen, den die Eidg. Kommission für Jugendfragen im November vorgelegt hat; 2. diesen Bericht in das Sessionsprogramm der eidgenössi- schen Räte - wenn möglich in das Programm der März- Session - aufzunehmen; 3. eine Bilanz der Massnahmen zu erstellen, die im Laufe des Jahres 1985 zugunsten der Jugend getroffen worden sind; 4. eine Liste mit konkreten Vorschlägen zu erstellen, die darauf abzielen, -den dauernden Dialog mit der Jugend herzustellen; -die berechtigten Forderungen der Jugend zu erfüllen. Texte de la motion du 18 décembre 1985 L'année 1985, décrétée par les Nations Unies «Année inter- nationale de la Jeunesse» s'achève. Il importe d'en dresser le bilan et de combler les lacunes existantes. Selon le président de la Commission fédérale pour la Jeu- nesse, des initiatives nombreuses ont été prises au niveau communal. Au niveau national, par contre, on s'est borné à des discus- sions générales et théoriques et le milieu politique, les parlementaires notamment, n'ont témoigné qu'indifférence aux problèmes des jeunes. Afin de favoriser le dialogue et l'intensifier, un débat politi- que de fond sur la situation des jeunes est nécessaires. C'est pourquoi le Conseil fédéral est prié 1.de donner son avis sur les conclusions du rapport «Maman Helvétie + père Etat» présenté en novembre par la Commission fédérale pour la Jeunesse; 2. de mettre ce rapport à l'ordre du jour d'une prochaine session des Chambres fédérale, si possible en mars; 3. de dresser le bilan des mesures prises en 1985 en faveur des jeunes;Interpellation Piller 34 5 mars 1986 4. d'établir une liste de propositions concrètes dans le but - d'engager durablement le dialogue avec les jeunes, - de répondre à leurs demandes justifiées. Mme Bauer: Vous n'ignorez pas que les Nations Unies ont décidé que l'année 1985 serait l'Année internationale de la Jeunesse. Dès lors que cette année vient de se terminer, il nous semble utile, d'une part, de dresser un bilan des actions entreprises et réussies et d'examiner, d'autre part, celles qui restent encore à l'état de projet et méritent d'être poursuivies. Il s'agit en fait pour le Conseil fédéral d'infor- mer le Parlement sur les points suivants: quelles sont, les réalisations concrètes à porter à l'actif de cette Année de la Jeunesse, quels sont les projets en cours, quelles sont les propositions qui méritent d'être retenues et développées. Selon le président de la Commission fédérale pour la jeu- nesse, ces initiatives intéressantes et nombreuses ont été prises au niveau des collectivités locales et notamment des communes. Au niveau national, le milieu politique, le Parle- ment notamment, n'a témoigné qu'indifférence aux pro- blèmes des jeunes. Il s'est borné à des discussions géné- rales et théoriques. Il n'a pas véritablement manifesté d'inté- rêt à leur endroit. Certes, Monsieur le Président de la Confédération, nous savons que vous avez rencontré, à plusieurs reprises, des groupes de jeunes et je vous en félicite. Je pense qu'il est nécessaire que ce dialogue soit poursuivi mais en fait, nous aimerions savoir ce qui a résulté de ces rencontres ou ce qui en résultera. Par contre, au niveau du Parlement, force est de reconnaître que l'on n'a guère manifesté d'attention à l'endroit des revendications des jeunes. Ces considérations désabusées, qui sont partagées par de nombreux jeunes-je citerai notamment le Cartel suisse des associations de jeunesse, le président de la Commission fédérale pour la jeunesse et des groupes cantonaux de jeunes - m'ont incitée à déposer le postulat que nous examinons . aujourd'hui. Je demande tout d'abord dans ce postulat que le Conseil fédéral veuille bien donner son avis sur les conclusions du rapport «Maman Helvétie + père Etat», présenté en novembre par la Commission fédérale pour la jeunesse. Ne pensez-vous pas, Monsieur le Président de la Confédéra- tion, que pour inciter les parlementaires à lire ce rapport et à y réfléchir, il serait souhaitable qu'il soit mis à l'ordre du jour d'une prochaine session? Ainsi marquerions-nous, au niveau du Parlement au moins, notre intérêt aux problèmes de la jeunesse. De plus, serait-il possible que le Conseil fédéral dresse un bilan des mesures prises en 1985 en faveur des jeunes et enfin, le Conseil fédéral pourrait-il établir une liste de propo- sitions concrètes dans le but d'engager durablement le dialogue avec les jeunes et de répondre à leur demande justifiée? Je vous remercie de répondre à ces questions. Bundespräsident Egli: Der Bundesrat ist bereit, die Punkte 1,3 und 4 Ihres Postulates, Frau Bauer, entgegenzu- nehmen. Diesbezüglich enthalte ich mich weiterer Aeusse- rungen. Hingegen müssen wir Punkt 2 ablehnen. Vorerst ist der Punkt 2 nicht ganz klar. In Ziffer 1 verlangen Sie, dass der Bundesrat zum Bericht der Kommission für Jugendfragen, genannt «Mutter Helvetia, Vater Staat», Stellung beziehe. Dann, in Ziffer 2, bitten Sie den Bundesrat, diesen Bericht in das Sessionsprogramm der eidgenössischen Räte, wenn möglich in das Programm der März-Session, aufzunehmen. Es ist nun nicht ganz klar, ob sich der Ausdruck «diesen Bericht» auf den Bericht «Mutter Helvetia, Vater Staat» oder auf den präsumierten Bericht, den der Bundesrat dazu zu erstatten hätte, bezieht. Ich muss Ihnen sagen, dass dieser zweite Bericht zur Zeit nicht existiert. Der Bundesrat pflegt zu Fragen, die ihm in Vorstössen unterbreitet werden, jeweils im Zusammenhang mit dem jährlichen Geschäftsbe- richt Stellung zu nehmen. Das wäre der erste Punkt. Der wichtigste Punkt ist der, dass der Bundesrat auf die Gestaltung der Geschäftsordnung der eidgenössischen Räte keinen Einfluss hat. Es wäre Sache Ihres Büros, diesen Bericht auf die Traktandenliste zu setzen. Insofern ist es uns nicht möglich, Punkt 2 Ihres Postulates entgegenzunehmen. Mme Bauer: Je souhaite vivement, puisque le point 2 est plutôt de la compétence du Bureau, que ce dernier accepte de mettre ce point à l'ordre du jour. Dès lors que le Parle- ment a été, de différents côtés et de manière assez vive, accusé de se désintéresser du problème des jeunes, ce que nous n'avons pas le droit de faire, je saluerai très favorable- ment, et de nombreux parlementaires avec moi, le fait que le Bureau accepte de mettre ce rapport à l'ordre du jour d'une prochaine session, peut-être en juin déjà dans la mesure du possible. Je vous remercie d'examiner cette proposition. #ST# 85.998 Interpellation Piller Familienpolitik. Massnahmen Interpellation Piller Politique de la famille Wortlaut der Interpellation vom 19. Dezember 1985 Im Bericht «Familienpolitik in der Schweiz», der von einer vom Bundesrat eingesetzten Arbeitsgruppe erstellt wurde, ist eine ausgezeichnete Lagebeurteilung unserer Familien- politik vorgenommen worden. Die vielfältigen Schwierigkei- ten und Probleme, denen sich unsere Familien gegenüber sehen, wurden aufgelistet und analysiert, aber auch jeweils konkrete Massnahmen und Lösungen vorgeschlagen. Die wichtigsten Massnahmen erfordern eine Rechtsetzung auf Verfassungs- und Gesetzesstufe. Mit der Veröffentlichung des Berichtes im Jahre 1982 wur- den Hoffnungen geweckt, die nun nicht enttäuscht werden sollten. Konkrete Schritte müssen eingeleitet werden, um in den verschiedenen Bereichen wie Wohnen, Besteuerung, Krankenkasse, Familienzulagen, Mutterschaftsschutz endlich spürbare Verbesserungen zu erzielen. Eine personell gut dotierte und mit den notwendigen Kom- petenzen ausgestattete Stelle innerhalb der Bundesverwal- tung sollte deshalb die notwendigen Arbeiten zügig an die Hand nehmen. Ich bitte deshalb den Bundesrat um Beantwortung folgen- der Fragen: 1. Ist der Bundesrat mit der Lagebeurteilung unserer Fami- lienpolitik, wie sie im Bericht von 1982 dargestellt ist, einver- standen? 2. Wie sieht der Bundesrat den Terminplan zur Realisierung der wichtigsten Verbesserungsvorschläge, wie sie im Bericht vorgenommen wurden? 3. Welche Schritte wird der Bundesrat einleiten, um die zuständige Verwaltungsstelle personell und kompetenzmäs- sig so zu verstärken, dass diese ihre Aufgabe im Sinne des Berichtes erfüllen kann? Texte de l'interpellation du 19 décembre 1985 Le rapport intitulé «La politique familiale en Suisse», rédigé par un groupe de travail institué par le Conseil fédéral, fournit une excellente analyse de notre politique de la famille. Outre l'énumération critique des difficultés et des problèmes auxquels est confrontée la cellule familiale, il propose à chaque fois des mesures concrètes pour y remé- dier car les principales mesures à prendre requièrent un acte constitutionnel et législatif. En 1982, la publication du rapport a suscité des espoirs qu'il importe de ne pas décevoir. Il est grand temps d'entrepren- dre enfin des efforts réels d'amélioration dans des secteurs divers: logement, fiscalité, caisse-maladie, allocations fami- liales, protection de la maternité, par exemple.Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Bauer Jahr der Jugend. Bilanz Postulat Bauer Année de la jeunesse. Bilan In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1986 Année Anno Band I Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Ständerat Conseil Conseil des Etats Consiglio Consiglio degli Stati Sitzung 03 Séance Seduta Geschäftsnummer 85.981 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 05.03.1986 - 08:00 Date Data Seite 33-34 Page Pagina Ref. No 20 014 299 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.