Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 8. September 2014 (410 14 154) ____________________________________________________________________ Zivilprozessrecht Verteilung der Prozesskosten: Restriktive Handhabung der Ausnahmeregelung von Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader; Gerichtsschreiber Hansruedi Zwei- fel Parteien A.____ AG , vertreten durch Rechtsanwalt Sandro E. Obrist, Baarerstrasse 8, Post- fach 458, 6301 Zug, Beschwerdeführerin gegen B.____ , Beschwerdegegner Gegenstand Kostenentscheid Beschwerde gegen Ziff. 3 des Entscheids der Zivilkreisgerichtspräsiden- tin Basel-Landschaft West vom 9. Juli 2014 A. Mit Zahlungsbefehl Nr. xxyyzzzz des Betreibungsamtes Basel-Landschaft vom 14. April 2014 betrieb die A.____ AG B.____ für eine Forderung von CHF 4‘627.10 samt Verzugsscha- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht den von CHF 472.90. Dagegen erhob B.____ am 17. Mai 2014 anlässlich der Zustellung des Zahlungsbefehls Rechtsvorschlag. B. Mit Entscheid vom 9. Juli 2014 bewilligte die Zivilkrei sgerichtspräsidentin Basel- Landschaft West das Gesuch der A.____ AG um provisorische Rechtsöffnung in der Betreibung Nr. xxyyzzzz des Betreibungsamtes Basel-Landschaft für eine Ford erung von CHF 4‘627.10 (Ziff. 1) und verpflichtete den Gesuchsbeklagten zur Beza hlung der Zahlungsbefehlskosten von CHF 73.30 (Ziff. 2). Die Gerichtsgebühr von CHF 200.00 wurde dem Gesuchsbeklagten aufer- legt. Ferner wurde der Gesuchsbeklagte verurteilt, der Gesuchsklägerin eine Umtriebsentschä- digung von CHF 30.00 zu bezahlen (Ziff. 3). Der von de r Gesuchsklägerin vorgelegte Pfän- dungsverlustschein stelle einen provisorischen Rechtsöffnun gstitel dar. Der Gesuchsbeklagte habe keine Einwendungen im Sinn von Art. 82 Abs. 2 SchKG erhoben. Folglich sei das Rechts- öffnungsgesuch gutzuheissen. Die Prozesskosten seien bei di esem Verfahrensausgang grund- sätzlich dem Gesuchsbeklagten aufzuerlegen. Mit einem Pfän dungsverlustschein als Rechts- öffnungstitel stellten sich keine rechtlichen Probleme, w eshalb die Gesuchsklägerin als Inkas- sounternehmen das vorliegende Rechtsöffnungsgesuch ohne Weiteres selber hätte stellen können. Der Beizug eines Anwalts sei daher nicht notwend ig gewesen. Aufgrund dessen er- scheine es unbillig, den Gesuchsbeklagten zur Zahlung der seitens der Gesuchsklägerin bean- tragten Parteientschädigung zu verurteilen. Vielmehr sei der Gesuchsklägerin lediglich eine Umtriebsentschädigung von praxisgemäss CHF 30.00 zuzusprechen. C. Gegen diesen Entscheid erhob die Gesuchsklägerin mit Ein gabe vom 22. Juli 2014 Be- schwerde. Sie begehrte dabei, es sei der angefochtene E ntscheid betreffend Entschädigungs- folge (Dispositiv-Ziffer 3) teilweise aufzuheben und es s ei der Gesuchsbeklagte zu verpflichten, ihr eine Anwaltskostenentschädigung von CHF 761.40 zu bezahlen. Eventualiter sei der Ent- scheid betreffend Entschädigungsfolge aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MWST zulas- ten des Gesuchsbeklagten. Gerügt werde, dass die Vorinstan z der anwaltlich vertretenen Ge- suchsklägerin keine angemessene Parteientschädigung zugespro chen habe. Die nachträgliche Bezifferung der Parteientschädigung stelle keine unzuläs sige Klageänderung dar, da die Gel- tendmachung des Anspruchs auf Parteikostenersatz als Nebenforderung nicht dem Klageände- rungsverbot unterliege. Daher sei es zulässig, die genaue Höhe der Parteientschädigung erst in der Beschwerdeschrift anzugeben. Jede prozessfähige Part ei könne sich im Prozess vertreten lassen. Dieses Vertretungsrecht setze im Unterschied zur une ntgeltlichen Prozessführung nicht voraus, dass der Rechtsbeistand zur Wahrung der Rechte notwendig sei. Neben dem Ersatz notwendiger Auslagen seien die Kosten der berufsmässigen Vertretung separat als Bestandteil der Parteientschädigung in der ZPO aufgeführt und sei en infolgedessen keine notwendigen Auslagen. Es sei der Gesuchsklägerin daher unbesehen der Tatsache, dass sie sich selber professionell mit der Einbringung von Forderungen befa sse, frei gestanden, für das vorinstanz- liche Rechtsöffnungsverfahren einen berufsmässigen Vert reter beizuziehen. Da der Aufwand des von der Beschwerdeführerin mandatierten Rechtsanwaltes durch die Interessenwahrung im Rechtsöffnungsverfahren entstanden sei, seien die Vertr etungskosten, die in kausaler Weise zum Verfahren entstanden seien, durch den Gesuchsbeklagte n zu vergüten. Im Rechtsöff- nungsverfahren seien die Parteikosten gemäss der anwendbaren kantonalen Tarifordnung nach Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Zeitaufwand zu berechnen. Im konkreten Fall habe d er Rechtsvertreter für die Korrespon- denz und Instruktion der Klientin, das Verfassen der Recht sschrift und die Veranlassung bzw. Kontrolle der termingerechten Bezahlung des Gerichtskoste nvorschusses sowie die Verarbei- tung der Zwischenverfügung insgesamt 2 ½ Stunden benöti gt. Bei einem Honoraransatz von CHF 280.00 pro Stunde ergebe sich ein Honnorar von CHF 700.00. Die notwendigen Auslagen seien mit CHF 5.00 zu entschädigen. Hinzu komme die MWST von CHF 56.40. Daraus resultie- re der geltend gemachte Betrag. D. Mit Vernehmlassung vom 6. August 2014 beantragte die Vo rinstanz die kostenfällige Ab- weisung der Beschwerde, eventualiter die Zusprechung ei ner Parteientschädigung von CHF 275.40 inkl. Auslagen und MWST zulasten des Beschwer degegners. Es treffe zwar zu, dass ein Nachweis der Notwendigkeit der anwaltlichen Vertretung nicht erbracht werden müsse, um im Falle des Obsiegens im Prozess gemäss der Grundregel von Art. 106 Abs. 1 ZPO eine Parteientschädigung zugesprochen zu erhalten. Die Vorinst anz sei gestützt auf Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO wegen Vorliegens besonderer Umstände, die e ine Verteilung nach dem Ausgang des Verfahrens als unbillig erscheinen liessen, davon abgewichen. Aufgrund des ungleichen Kräfte- verhältnisses zwischen einem professionellen Inkassounternehmen, welches gestützt auf einen Pfändungsverlustschein um provisorische Rechtsöffnung ersuch e, und dem Schuldner, der kaum wirksam Einwände werde erheben können, und aufgrun d der Einfachheit der Streitsache erscheine es als stossend, wenn das professionelle Inkassountern ehmen auch noch eine an- waltliche Vertretung beiziehe resp. der Schuldner mit den daraus resultierenden Kosten der berufsmässigen Vertretung belastet werde. Daher seien di e Kosten der berufsmässigen Vertre- tung der Gesuchsklägerin nicht dem Beschwerdeführer aufe rlegt worden. Eventualiter erschei- ne die geltend gemachte Anwaltskostenentschädigung zu hoch . Zu vergüten sei lediglich ein Zeitaufwand von einer Stunde à CHF 250.00 zzgl. Auslagen von CHF 5.00 zzgl. MWST. E. Der Beschwerdegegner verzichtete innert Frist auf eine Ve rnehmlassung. Mit Verfügung vom 18. August 2014 wurde der Schriftenwechsel geschlossen u nd den Parteien mitgeteilt, dass das Präsidium aufgrund der Akten entscheiden werde. Erwägungen 1. Gegen den angefochtenen Kostenentscheid im summarischen V erfahren kann innert 10 Tagen seit der Zustellung des begründeten Entscheides oder seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung schriftlich und begründet beim Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts Beschwerde erhoben werden (Art. 319 lit. b Ziff. 1 i.V.m. Art. 110 ZPO, Art. 321 Abs. 2 ZPO und § 5 Abs. 1 lit. b EG ZPO). Da die Besch werde form- und fristgerecht einge- reicht wurde, ist darauf einzutreten. 2.1 Die Beschwerdeführerin rügt unrichtige Rechtsanwendung d urch die Vorinstanz bei der Verteilung der Prozesskosten. Grundsätzlich hat entsprechend dem Erfolg der Parteien im Pro- zess die unterliegende Partei die Prozesskosten zu tragen ( Art. 106 Abs. 1 ZPO). Davon kann das Gericht aufgrund von Art. 107 Abs. 1 ZPO abweichen und die Prozesskosten nach Ermes- sen verteilen, um besonderen Umständen Rechnung zu tragen. Das Gesetz räumt dem Gericht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Spielraum ein, auf Billigkeitserwägungen zurückzugreifen, wenn im Einzelfall die Belastung der unterlegenen Partei mit Prozesskosten als ungerecht erscheint (BSK ZPO-RÜEGG , 2. Aufl., Art. 107 N 1). Dazu wurden in Art. 107 Abs. 1 lit. a- f ZPO typisierte Fallgruppen geschaffen. So nennt der hier in Frage stehende Art. 107 Abs. 1 li t. f ZPO andere besondere Umstände und bildet damit einen Auffangtatbestand. Als Beispiele werden sodann in der Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO), B Bl 2006 7298 Ziff. 5.8.2 zu Art. 105 E-ZPO, ein sehr ungleiches finanzielles Kräft everhältnis zwischen den Parteien (vgl. die Anfechtung eines Generalversammlungsbeschlusses einer AG durch einen Aktionär, wie sie in aArt. 706a Abs. 3 OR geregelt war) aufgeführt sowi e das Verhalten der obsiegenden Partei, das entweder zur Klageerhebung Anlass bot (vgl. aArt. 7 56 Abs. 2 OR für die Verantwortlich- keitsklage eines Aktionärs) oder zusätzlichen ungerechtfertigten Verfahrensaufwand verursach- te (Beispiel: Obsiegen mit einer Verrechnungseinrede, wenn das Gericht zahlreiche unbegrün- dete Verrechnungsforderungen beurteilen muss, bevor di e Klage abgewiesen werden kann). In all diesen Fällen rechtfertigen besondere Umstände eine Abweichung von der üblichen Kosten- verteilung nach Obsiegen und Unterliegen mit den geste llten Rechtsbegehren. Daraus lässt sich der Grundsatz ableiten, dass die Anwendung des Auffa ngtatbestandes einerseits bei er- heblicher wirtschaftlicher Disparität der Parteien greif en kann und andererseits gestützt auf die angeführte Bestimmung eine Kostenauflage gegenüber der nicht unterlegenen Partei begründet ist, wenn und soweit diese durch ihr Verhalten ungere chtfertigten Aufwand zu verantworten hat (BGE 139 III 33 E. 4.2 S. 35). Weil sich staatliches H andeln aufgrund von Art. 9 BV nach dem Grundsatz von Treu und Glauben zu richten hat und deshalb auch kalkulierbar sein sollte, ist eine sehr restriktive Handhabung dieser Bestimmung angez eigt. Denn die Parteien sollen im Voraus die Prozessrisiken einschliesslich des Kostenrisikos abschät zen können und nicht stets damit rechnen müssen, dass das Gericht am Ende nach freiem Ermessen Billigkeitsargumente heranzieht, die eine andere Kostenverteilung rechtfer tigen (Berner Kommentar ZPO-S TERCHI , Art. 107 N 21). Mit dieser Bestimmung soll die ordentl iche Verteilung gemäss Art. 106 ZPO nicht ausgehebelt werden (J ENNY , in: S UTTER -SOMM /H ASENBÖHLER /L EUENBERGER , ZPO Komm., 2. Aufl., Art. 107 N 17; S TAEHELIN /STAEHELIN /GROLIMUND , Zivilprozessrecht, 2. Auflage, § 18 N 36). Die Tragweite des vorliegenden Anwendung sfalls des wirtschaftlichen Ungleichge- wichts ist deshalb zu beschränken auf absolut offenkundige Fälle, in denen sich die Parteien wirtschaftlich in völlig unterschiedlichen Dimensionen be wegen, und in denen überdies die fi- nanziell schwächere Partei nicht bloss persönliche, sond ern zugleich weitere, quasi öffentliche Interessen wahrnimmt (Berner Kommentar ZPO-S TERCHI , Art. 107 N 22; J ENNY , in: S UTTER - SOMM /H ASENBÖHLER /Leuenberger, ZPO Komm., 2. Aufl., Art. 107 N 18; B SK ZPO-R ÜEGG , 2. Aufl., Art. 107 N 9). 2.2 Das von der Vorinstanz angeführte ungleiche Kräfteverhä ltnis zwischen einem professio- nellen Inkassounternehmen und einer Schuldnerin, gegen die gestützt auf einen Pfändungsver- lustschein um provisorische Rechtsöffnung ersucht wird, ist mit den in der zitierten Botschaft und Literatur unter der Fallgruppe von Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO erwähnten Beispielen einer wirtschaftlichen Disparität in keiner Weise zu vergleiche n. Sinn und Zweck der Regeln über die Verteilung der Prozesskosten gemäss Art. 106 ff. ZPO erf ordern eine restriktive Handhabung dieses Auffangtatbestandes der Ausnahmeregelung von Art. 107 ZPO, um den gesetzlichen Grundsatz der Kostenverlegung nach Prozessausgang nicht au szuhebeln. Mit dem obigen Ar- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gument der Vorinstanz lässt sich eine Abweichung vom Grund satz von Art. 106 ZPO wegen besonderer Umstände im Sinne von Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO somit nicht begründen. 2.3. Zudem begründet die Vorinstanz ihren Entscheid mit der fehlenden Notwendigkeit für den Beizug einer berufsmässigen Vertretung und bejaht auch aus diesem Grund das Vorliegen be- sonderer Umstände gemäss Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO. Art. 95 Abs. 3 ZPO enthält die abschlies- sende Definition der Parteientschädigung, d.h. der Kost en, welche einer Partei durch den Pro- zess nebst den Gerichtskosten erwachsen und die das Gericht auf Antrag grundsätzlich der obsiegenden Partei zulasten der unterliegenden Partei zuzusprechen hat (SUTER /VON HOLZEN , in: S UTTER -SOMM /H ASENBÖHLER /L EUENBERGER , ZPO Komm., 2. Aufl., Art. 95 N 29). Der Ge- genstand der Parteientschädigung umfasst abschliessend dre i unterschiedliche Aufwandsposi- tionen: den Ersatz notwendiger Auslagen (lit. a); die Kosten einer berufsmässigen Vertretung (lit. b); in begründeten Fällen: eine angemessene Umt riebsentschädigung, wenn eine Partei nicht berufsmässig vertreten ist (lit. c). Dem Gesetzeswortlaut von Art. 95 Abs. 3 lit. b ZPO nach nimmt die Schweizerische Zivilprozessordnung keine Quali fikation vor, ob es sich hierbei aus- schliesslich um die notwendigen Kosten der beruflichen Ve rtretung handelt. Aus der Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 28. Juni 2006 (ZPO), BBl 2006 7293 Ziff. 5.8.1 zu Art. 94 E-ZPO, ergibt sich, dass die Kosten der beru fsmässigen Vertretung bzw. die An- waltskosten zwar auch unter «Auslagen (Bst. a)» subsumie rt werden könnten, doch im Interes- se der Transparenz separat aufgeführt werden. Soweit sic h die Lehre dazu äussert, schliesst sie aus dieser gesonderten Aufführung, dass der Nachweis d er Notwendigkeit der anwaltlichen Vertretung nicht erbracht werden muss, sofern die massge blichen kantonalen Tarife ihrerseits dies nicht verlangen würden (Komm. Orell Füssli ZPO-M OHS , Art. 95 N 7; vgl. auch Art. 96 ZPO), resp. dass der obsiegenden Partei die Parteientsc hädigung gemäss kantonalem Tarif nicht verweigert werden darf mit dem Argument, die be rufsmässige Vertretung sei gar nicht nö- tig gewesen (SUTER / VON HOLZEN , in: SUTTER -SOMM /H ASENBÖHLER /LEUENBERGER , ZPO Komm., 2. Aufl., Art. 95 N 37 mit weiteren Hinweisen). Diese Auslegung entspricht auch dem Grundge- danken von Art. 68 Abs. 1 ZPO, wonach es jeder prozessfäh igen Partei zusteht, sich im Pro- zess vertreten zu lassen. Folglich sind der unterliegenden Partei nicht nur die notwendigen Ver- tretungskosten, sondern sämtliche durch die Interessenwahru ng im betreffenden Prozess ent- standenen Vertretungskosten aufzuerlegen (vgl. auch BSK ZPO-RÜEGG , 2. Aufl., Art. 95 N 18 und TENCHIO , Art. 68 N 2 ff.). Würde bei der Verteilung der Proze sskosten der Parteikostener- satz an die obsiegende Partei davon abhängig gemacht, o b der Beizug einer berufsmässigen Vertretung notwendig gewesen ist, so ergäbe sich daraus im Ergebnis eine Einschränkung des in Art. 68 Abs. 1 ZPO verbrieften Rechts jeder Prozesspar tei, sich im Prozess durch eine Per- son ihres Vertrauens oder durch eine berufsmässige Vertre tung vertreten zu lassen. Für eine derart einschränkende Auslegung gibt es jedoch keine Grü nde. Die allenfalls fehlende Notwen- digkeit für eine berufsmässige Vertretung ist aufgrund des Zwecks und der Systematik des Ge- setzes mithin kein taugliches Kriterium, um den Ausnahme -Auffangtatbestand von Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO als erfüllt zu betrachten. Mit dem Entscheid, gestützt auf Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO der Beschwerdeführerin die beantragte Parteientsc hädigung zu verweigern, hat die Vo- rinstanz die rechtlichen Bestimmungen über die Verteilu ng der Prozesskosten unrichtig ange- wendet. Daher ist die Beschwerde im Grundsatz gutzuheissen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Soweit die Rechtsmittelinstanz die Beschwerde gutheisst, hebt sie den Entscheid oder die prozessleitende Verfügung auf und weist die Sache an die Vorinstanz zurück (Art. 327 Abs. 3 lit a ZPO) oder sie entscheidet neu, wenn die Sache sp ruchreif ist (Art. 327 Abs. 3 lit. b ZPO). Da die Sache im vorliegenden Fall offenkundig spruchre if ist, bietet es sich an, dass das Präsi- dium des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, einen Sachentscheid trifft. Für die Berechnung der Parteientschädigung ist die Tarifo rdnung vom 17. November 2003 für An- wältinnen und Anwälte anwendbar (SGS 178.112, TO). § 5 TO sieht vor, dass das Honorar bei Verfahren betreffend Rechtsöffnung nach dem Zeitaufwand berechnet wird, wobei ein Zuschlag von bis zu 2 ½ % des Streitwertes bzw. Interessewertes ang ewendet werden kann. Wird keine Honorarrechnung eingereicht, so kann das Gericht gemäss § 18 Abs. 1 TO die Parteientschä- digung von Amtes wegen nach Ermessen festsetzen. Vor erste r Instanz wurde die Einreichung einer Honorarnote unterlassen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bezifferte im Be- schwerdeverfahren den Zeitaufwand für die Interessenwahrung im Rechtsöffnungsverfahren auf 2 ½ Stunden und den Auslagenersatz auf CHF 5.00. Auch wenn die vorliegende Streitsache in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht einfach ist, so brau cht es einen gewissen Zeitaufwand für die Vorbereitung und Verrichtung der zur Rechtswahrung im Rechtsöffnungsverfahren erforder- lichen Handlungen, der deutlich mehr als eine Stunde b eträgt. Der von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Zeitaufwand erscheint somit angemess en. Gleiches gilt auch für die ange- führten Auslagen. Beim Stundenansatz ist gemäss § 3 TO ei n Betrag von CHF 200.00 bis 350.00 vorgesehen, der je nach Schwierigkeit und Bed eutung der Sache, der damit verbunde- nen Verantwortung und der persönlichen und finanzielle n Verhältnisse der zahlungspflichtigen oder der auftraggebenden Person zu bemessen ist. Die E infachheit der Streitsache fällt im vor- liegenden Fall besonders ins Gewicht, weshalb der St undenansatz auf CHF 250.00 festzuset- zen ist. Daraus resultiert eine für das erstinstanzliche Verfahren zuzusprechende Parteient- schädigung von CHF 680.40 (CHF 625.00 Stundenhonorar, CHF 5.00 Auslagen und CHF 50.40 MWST). In diesem Umfang ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. 4. Abschliessend ist noch über die Verteilung der Prozesskoste n für das Rechtsmittelver- fahren zu befinden. Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten grundsätzlich der unterliegenden Partei auferlegt. Die vorstehenden Er wägungen haben gezeigt, dass die Be- schwerde zum überwiegenden Teil gutzuheissen ist. Gemäss A rt. 107 Abs. 2 ZPO kann das Gericht die Gerichtskosten, die weder eine Partei noch Dritte veranlasst haben, aus Billigkeits- gründen dem Kanton auferlegen. Da sich diese Vorschrift nach ihrem klaren Wortlaut einzig auf Gerichtskosten bezieht, muss angenommen werden, dass der Ka nton (ausser er sei selber un- terliegende Prozesspartei) keine Parteientschädigungen an die Parteien soll ausrichten müs- sen. Wird ein fehlerhafter, nicht auf einem Parteiant rag beruhender erstinstanzlicher Entscheid aufgehoben oder durch die obere Instanz korrigiert, e rscheint es gerechtfertigt, die Kosten des Rechtsmittelverfahrens dem Kanton aufzuerlegen, sofern sich auch der Rechtsmittelgegner nicht mit dem Entscheid identifiziert (Berner Kommentar ZPO-S TERCHI , a.a.O., Art. 107 N 25 ff.). Die Gegenpartei liess sich – wie auch im Besch werdeverfahren – nicht zum Antrag der Gesuchsklägerin auf Zusprechung einer Parteientschädigung vernehmen. Der angefochtene Entscheid beruhte folglich nicht auf einem Antrag der Gegenpartei, und die Gegenpartei identi- fizierte sich auch im Beschwerdeverfahren nicht mit dem a ngefochtenen Entscheid. Daher sind die auf CHF 200.00 festzusetzenden Gerichtskosten auf die Staatskasse zu nehmen. Aufgrund Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Regelung von Art. 107 Abs. 2 ZPO bleibt hingegen kein Raum, um den Kanton gestützt auf Art. 108 ZPO bei einem fehlerhaften vorinstanzlichen E ntscheid zur Bezahlung einer Parteient- schädigung an eine Partei zu verpflichten. Demzufolge ist der unterliegende Beschwerdegegner in Anwendung der allgemeinen Prozesskostenverteilungsreg elung von Art. 106 Abs. 1 ZPO zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Parteientschäd igung zu bezahlen. Weil der Rechts- vertreter der Beschwerdeführerin für das Beschwerdeverf ahren keine Honorarnote einreichte, ist sein Honorar ermessensweise gemäss TO festzusetzen. Im Be schwerdeverfahren ist ge- mäss § 2 Abs. 1 TO das Honorar nach dem Zeitaufwand zu b emessen. In Anbetracht der be- schränkten Schwierigkeit und des geringen Umfangs des vor liegenden Beschwerdeverfahrens erscheinen ein Arbeitsaufwand des berufsmässigen Vertret ers von 2 Stunden zu einem Stun- denansatz von CHF 250.00 und Auslagen von CHF 5.00 als an gemessen. Hinzu kommt an- tragsgemäss die MWST von 8 %. Der Beschwerdegegner hat somit der Beschwerdeführerin für das kantonsgerichtliche Verfahren eine Parteientschädigun g von CHF 545.40 (inklusive Ausla- gen und MWST von CHF 40.40) auszurichten. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und Ziffer 3 der Verfügung der Zivilkreisgerichtspräsidentin Basel-Landschaft West vom 9. Juli 2014 aufgehoben und wie folgt neu gefasst: „Die Gerichtsgebühr von CHF 200.00 wird dem Gesuchsbeklag ten auf- erlegt. Der Gesuchsbeklagte hat der Gesuchsklägerin eine Parteient- schädigung von CHF 680.40 inkl. Auslagen und inkl. MWST von CHF 50.40 zu bezahlen.“ 2. Die Gerichtsgebühr von pauschal CHF 200.00 für das Beschwerdever- fahren geht zulasten des Staates (Art. 107 Abs. 2 ZPO). 3. Der Beschwerdegegner hat der Beschwerdeführerin fü r das kantonsge- richtliche Verfahren eine Parteientschädigung von CHF 545.40 (inkl. Auslagen und MWST von CHF 40.40) auszurichten. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiber Hansruedi Zweifel