<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 74 S.293</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Enteignungsrecht</span> <span class="page_no">293</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Enteignungsrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>74</b></span> <span class="ft3"><b>Formelle Enteignung; Voraussetzungen für Realersatz bei Landwirt-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schaftsland</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Werden gegen einen Betroffenen verschiedene Verfahren durchge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>führt, wie hier von Kanton und Gemeinde, so bedarf es einer Ge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>samtoptik und es sind sämtliche Abtretungsflächen zu kumulieren</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 2.3.)</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Ein Landverlust von weniger als 1 % der Landwirtschaftlichen Nutz-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>fläche vermag sich in keinem Fall existenzgefährdend auf den Be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>trieb auszuwirken (Erw. 2.5.1.)</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft6">24. April 2007 in Sachen Einwohnergemeinde O. gegen B. M.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">2.3.</span><br/> <span class="ft8">Nach § 142 Abs. 2 BauG kann ausnahmsweise ganz oder</span><br/> <span class="ft8">teilweise Sachleistung zugesprochen werden, wenn Enteigner und</span><br/> <span class="ft8">Enteigneter sich darauf geeinigt haben (§ 142 Abs. 2 lit. a BauG)</span><br/> <span class="ft8">oder auf Begehren des Enteigners oder Enteigneten, wenn annähernd</span><br/> <span class="ft8">gleichwertiger oder gleichartiger Ersatz möglich und für beide Par-</span><br/> <span class="ft8">teien nach den Umständen zumutbar ist (§ 142 Abs. 2 lit. b BauG).</span><br/> <span class="ft8">Gemäss altem Baugesetz war Sachleistung namentlich dann möglich,</span><br/> <span class="ft8">wenn infolge der Enteignung ein landwirtschaftliches Gewerbe nicht</span><br/> <span class="ft8">mehr fortgeführt werden konnte, bei einer Enteignung von Wasser</span><br/> <span class="ft8">sowie bei Störung von Wegverbindungen und Leitungen. Ohne Zu-</span><br/> <span class="ft8">stimmung des Enteigners und des Enteigneten durfte eine Realleis-</span><br/> <span class="ft8">tung nur dann verfügt werden, wenn deren Interessen ausreichend</span><br/> <span class="ft8">gewahrt wurden (§ 192 Abs. 2 aBauG). Mehr- oder Minderwert der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">294</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Sachleistung gibt Anspruch auf Geldausgleich (§ 142 Abs. 3 BauG;</span><br/> <span class="ft8">§ 192 Abs. 3 aBauG).</span><br/> <span class="ft8">Wie im alten Baugesetz gilt auch im neuen der Grundsatz, dass</span><br/> <span class="ft8">sich ohne Zustimmung beider Parteien die Zusprechung einer Sach-</span><br/> <span class="ft8">leistung nur auf Grund einer Interessenabwägung im Sinne eines In-</span><br/> <span class="ft8">teressenausgleichs rechtfertigt (vgl. zum alten Recht: Entscheid des</span><br/> <span class="ft8">Verwaltungsgerichtes des Kantons Aargau [VGE] vom 17. Dezember</span><br/> <span class="ft8">1984 in ZBl 87/1986 S. 280; AGVE 1974, S. 177). Sind die Interes-</span><br/> <span class="ft8">sen sowohl des Enteigners wie auch des Enteigneten ausreichend</span><br/> <span class="ft8">gewahrt, kann der Naturalersatz auch entgegen beider oder einer der</span><br/> <span class="ft8">Parteien Willen erfolgen, unter Umständen kann die pflichtgemässe</span><br/> <span class="ft8">Handhabung der Interessen sogar dazu führen, dass Sachleistung er-</span><br/> <span class="ft8">folgen muss (Zimmerlin, a.a.O., N. 6 zu § 192 aBauG). Sodann ist zu</span><br/> <span class="ft8">beachten, das für Sachleistungen das Gleichwertigkeits- oder Äqui-</span><br/> <span class="ft8">valenzprinzip gilt, d.h. der Enteignete sollte ein hinsichtlich Eignung</span><br/> <span class="ft8">und Verkehrswert gleichwertiges Ersatzobjekt erhalten (Zimmerlin,</span><br/> <span class="ft8">a.a.O., N. 7 zu § 192 aBauG; AGVE 1985, S. 310).</span><br/> <span class="ft8">Auf Seiten des Enteigners ist entscheidend, ob die öffentliche</span><br/> <span class="ft8">Hand überhaupt die Möglichkeit hat, Realersatz anzubieten. Was die</span><br/> <span class="ft8">Interessenlage des Enteigneten betrifft, ist insbesondere dann, wenn</span><br/> <span class="ft8">es sich beim Enteigneten um einen Landwirt handelt, zu berücksich-</span><br/> <span class="ft8">tigen, ob überhaupt und wenn ja, in welchem Masse sich der Eingriff</span><br/> <span class="ft8">auf seinen Betrieb auswirkt. (...)</span><br/> <span class="ft8">2.5.1.</span><br/> <span class="ft8">Vorliegend wird durch die Gemeinde O. eine Fläche von 252 m</span><span class="ft9"><sup>2</sup></span><br/> <span class="ft8">beansprucht. Die gesamte Fläche grenzt unmittelbar an die W.</span><br/> <span class="ft8">Strasse. Es handelt sich um flaches Land, welches sich zur ma-</span><br/> <span class="ft8">schinellen Bewirtschaftung eignet.</span><br/> <span class="ft8">Gemäss Auskunft der Abteilung Landwirtschaft verfügte der</span><br/> <span class="ft8">Gesuchsteller im Jahre 2005 über eine Nutzfläche von 1'972 Aren,</span><br/> <span class="ft8">wobei 1'375 Aren gepachtet waren. Diese Zahlen wurden vom Ge-</span><br/> <span class="ft8">suchsgegner anlässlich der Verhandlung nicht in Frage gestellt (...).</span><br/> <span class="ft8">Stellt man nun die zu enteignende Fläche von 252 m</span><span class="ft9"><sup>2</sup></span> <span class="ft8">der im</span><br/> <span class="ft8">Jahre 2005 ausgewiesenen Gesamtnutzfläche von 197'200 m</span><span class="ft9"><sup>2</sup></span> <span class="ft8">gegen-</span><br/> <span class="ft8">über, so gelangt man bereits bei dieser Gegenüberstellung zum</span><br/> <span class="ft8">Schluss, dass sich der Eingriff nicht allzu stark auswirkt. Die zu ent-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Enteignungsrecht</span> <span class="page_no">295</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">eignenden 252 m</span><span class="ft9"><sup>2</sup></span> <span class="ft8">können nicht als absolut betriebsnotwendig ange-</span><br/> <span class="ft8">sehen werden. Auch unter Berücksichtigung der zusätzlich durch den</span><br/> <span class="ft8">Kanton zu enteignenden 227 m</span><span class="ft9"><sup>2</sup></span><span class="ft8">, welche sich aufgrund der koordi-</span><br/> <span class="ft8">nierten Enteignungen von Gemeinde und Kanton aufdrängt, gelangt</span><br/> <span class="ft8">man zu demselben Resultat. Selbst in Bezug bloss auf den</span><br/> <span class="ft8">Eigenlandanteil des Gesuchsgegners erreicht die Gesamtabtretung</span><br/> <span class="ft8">noch kein Prozent.</span><br/></div> </div> </body> </html>