B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4312/2013 U r t e i l v o m 3 0 . A p r i l 2 0 1 4 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien 1. A._______, geboren (…), dessen Partnerin 2. B._______, geboren (…), und deren Kinder 3. C._______, geboren (…), 4. D._______, geboren (…), 5. E._______, geboren (…), Afghanistan, alle vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des BFM vom 11. Juli 2013 / N (…). D-4312/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden suchten am 20. April 2009 in der Schweiz um Asyl nach. A.a Zur Begründung machten die Beschwerdeführenden 1 und 2 im Rahmen ihrer Erstbefragungen im E mpfangs- und Verfahrenszentrum F._______ vom 24. April 2009, ergänzt am 4. Mai 2009, und den Anh ö- rungen nach Art. 29 Abs. 1 AsylG ( SR 142.31) durch das BFM vom 14. Mai 2009, fortgesetzt am 26. Mai 2009 und 17. Juni 2013, im Wesent- lichen Folgendes geltend: Sie stammten beide aus G._______ in der Pro vinz H._______. Die B e- schwerdeführerin sei im Alter von fünfzehn Jahren (vgl. vorinstanzliche Akten A18 S. 4 F19) beziehungsweise als sie noch deutlich jünger gew e- sen sei (vgl. A52 S. 3 F18, wonach sie nach rund vierjähriger Ehe mit knapp fünfzehn Jahren einen Sohn geboren habe) mit einem wohlhaben- den, aus einer einflussreichen Familie stammenden Mann aus dem nahe gelegenen I._______ verheiratet worden. Ihr Ehemann sei zwei Monate nach der Heirat nach Deutschland gezogen und habe sie bei seiner Fami- lie zurückgelassen. Nach drei Jah ren sei er zurückgekehrt, aber b ereits nach drei (vgl. A18 S. 6 F36) respektive eineinhalb (vgl. A52 S. 12 F97) Monaten wieder abgereist. Während seines Besuchs sei s ie schwanger geworden und habe in der Folge einen Sohn geboren. Seitdem ihr Ehe- mann damals wieder abgereist sei, habe sie ihn nicht mehr gesehen (vgl. A18 S. 6 F36), und er habe demzufolge auch seinen Sohn nie zu Gesicht bekommen (vgl. A18 S. 6 F40), respektive als der Sohn etwa dreieinhalb Jahre alt gewesen sei, sei ihr Ehemann noch einmal nach G._______ zu- rückgekehrt, aber wiederum nur zwei Monate geblieben; seither habe sie ihn nicht mehr gesehen (vgl. A52 S. 12 F97). Von ihrer Schwiegermutter und den Schwägerinnen sei sie sehr schlecht behandelt und häufig ge- schlagen worden. Auch ihr Sohn sei geschlagen worden. Ihre Eltern und Geschwister habe sie nur ein- bis zweimal im Jahr für ein oder zwei Tage besuchen dürfen. Sie sei verzweifelt gewesen und habe zwei Mal ve r- sucht, sich das Leben zu nehmen. Beim ersten Mal ha be sie sich in e i- nem Brunnen ertränken wollen, sei aber davor zurückgeschreckt , als ihr Sohn sie dabei beobachtet habe . Beim zweiten Mal habe sie Rattengift eingenommen und deswegen erbrechen müssen. Die Familie ihres Eh e- mannes habe sich geweigert, einer Scheidung zu zustimmen. Auch der Dorfälteste, an den sich ihr Vater hilfesuchend gewendet habe, habe ge-D-4312/2013 Seite 3 gen die mächtige Familie des Ehemannes nichts unternehmen können. Als sie ihren Eltern bei einem ihrer Besuche ihre verzweifelte Lage g e- schildert ha be, habe der Beschwerdeführer , der vorbeigekommen sei, seine Hilfe angeboten. Er habe sich bereit erklärt, sie ins Ausland zu ent- führen. Da sie im selben Ort aufgewachsen seien, hätten sie sich vom Sehen her gekannt. Sie hätten sich gern gehabt und jeweils beim Bru n- nen, bei dem die Beschwerdeführerin Wasser geholt habe, gegrüsst, was im Dorf bereits zu reden gegeben habe. Die Eltern der Beschwerdeführe- rin hätten der gemeinsamen Flucht nach anfänglichem Zögern (vgl. A18 S. 8 F59) respektive ohne Umschweife (vgl. A53 S. 3 F13) zugestimmt. Die Beschwerdeführerin sei zu nächst ins Haus der Schwiegermutter zu- rückgekehrt. Einen Monat später – im Mai respektive Juni 2005 – seien sie dann gemeinsam mit dem Sohn der Beschwerdeführerin zu dem im Iran, in einem Vorort von J._______ lebenden Onkel des Beschwerdefüh- rers geflüchtet. Die Mutter der Beschwerdeführerin sei zwei Tage zuvor zu ihr gekommen und habe sie informiert, wo und wann der Beschwerdefüh- rer in einem Auto auf sie warten werde. Eigentlich hätten sie sich am Ab- reisetag noch von de n Eltern in G._______ verabschieden wollen, aber die ebenfalls in G._______ wohnende Tante des Ehemannes der B e- schwerdeführerin, welche die Ehefrau eines Onkels des Beschwerdefü h- rers sei, habe sie beim Aussteigen gesehen, weshalb sie umgehend wie- der ins Auto eingestiegen und losgefahren seien. In J._______ hätten sie sich im Juni 2005 religiös trauen lassen. Der Beschwerdeführer habe bei seinem Onkel, der Baumeister auf einer grossen Baus telle gewesen sei, gearbeitet. Eines Tages hätten sie erfahren, dass Verwandte des ersten Ehemannes der Beschwerdeführe rin sie in G._______ gesucht hätten. Die Familie der Beschwerdeführerin habe sich danach nach Pakistan ab- gesetzt. Auch im Iran seien sie von Angehörigen der betreffenden Familie gesucht wor den. D er O nkel des Beschwerdeführers sei nach Neuan- kömmlingen – insbesondere einer Frau mit einem Klein kind – gefragt worden. Dieser Vorfall und die Tatsache, dass sie im Iran über keine Au f- enthaltsbewilligungen verfügt und deshalb Angst vor einer Ausweisung gehabt hätten, hätten sie bewogen, den Iran nach rund zweieinhalb Jah- ren zu verlassen. Sie seien nach Istanbul gereist. Da der Beschwerdefüh- rer dort jedoch den ersten Ehemann der Beschwerdeführerin gesehen habe (vgl. A1 S. 7, A2 S. 8), hätten sie die Türkei vor etwa zwei Wochen verlassen und seien in die Schweiz gereist. Den Sohn aus erster Ehe hät- ten sie bei einem afghanischen Bekannten in der Türkei zurückgelassen. Auf entsprechenden Vorhalt hin räumten die Beschwerdeführenden 1 und 2 ein, dass diese Reiseroute nicht der Wahr heit entspreche. Si e seien D-4312/2013 Seite 4 vielmehr bereits im Jahr 2006 vom Iran via die Türkei nach Griechenland gereist und hätten dort um Asyl nachgesucht. Ihre Asylgesuche seien von den griechischen Behörden abgelehnt worden, sie hät ten aber Aufent- haltsbewilligungen erhalten, die jeweils nach sechs Monaten erneuert worden seien. Da sie sich aber auch in Griechenland, wo ein Cousin des ersten Ehemannes der Beschwerdeführerin lebe, nicht sicher gefühlt hät- ten, seien sie am 20. April 2009 in die Schweiz gereist. Sie hätten nicht gewusst, dass die Schweiz an Deutschland angrenze, wo der erste Eh e- mann der Beschwerdefüh rerin lebe. Sie hätten ihren Aufenthalt in Gri e- chenland aus Angst vor einer Rückschiebung verschwiegen. Den Sohn aus erster Ehe hätten sie denn auch nicht in der Türkei, sondern in Grie- chenland zurückgelassen. Es sei auch gelogen gewesen, dass sie den ersten Ehemann der Beschwerdeführerin in der Türkei gesehen hätten (vgl. A23 S. 3 F11 f., A24 S. 3 F15), r espektive der Sohn aus erster Ehe habe seinen Vater in der Türkei gesehen, w as die Beschwerdeführerin dem Beschwerdeführer indes erst in der Schweiz erzählt habe (vgl. A52 S. 11 F93, S. 12 F99, S. 14 f. F118-120). Reisepässe hätten sie beide nie gehabt. Der Beschwerdeführer habe sich im Jahr 2004 eine Identitätskar- te (Tazkara) ausstellen lassen, diese jedoch in der Türkei ver loren. Auch die Beschwerdeführerin sei im Besitz einer Tazkara gewesen, die ihr Va- ter für sie habe ausstellen lassen, als sie etwa zehn Jahre alt gewesen sei. Sie habe diese ebenfalls in der Türkei verlo ren. Sie würden sich um die Ausstellung neuer Dokumente bemühen (Tazkaras nachgereicht am 29. Mai 2009). Bei einer Rückkehr nach Afghanistan würden sie sowohl von der Familie des ersten Ehemannes der Beschwerdeführerin wegen Ehebruchs und Ehrverletzung als auch von den afghanischen Behörden wegen ihrer der Scharia widersprechenden Heirat verfolgt. A.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle bei den Akten verwiesen (vgl. A1, A2, A12, A13, A18, A19, A23, A24, A52 und A53). B. B.a Mit Verfügung vom 11. Juli 2013 – eröffnet am 12. Juli 2013 – stellte das BFM fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen. Es lehnte deren Asylgesuche ab und ordnete die Wegwe i- sung an. Da es den Vollzug der Wegweisung jedoch gegenwärtig als un- zumutbar erachtete, schob es diesen zu Gunsten einer vorläufigen Au f- nahme der Beschwerdeführenden auf. D-4312/2013 Seite 5 B.b Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die Vorbringen der Beschwerdeführenden hielten den Anforderungen an die Glaubhaftig- keit gemäss Art. 7 Asyl nicht stand. Die Beschwerdeführerin habe die Hochzeit zwar detailliert geschildert, so dass davon ausgegangen werden könne, dass sie tatsächlich e ine Eheschliessung erlebt habe, aber die Umstände i m Haus des ersten Ehemannes habe sie nicht differenziert schildern können. Auch sei sie nicht in der Lage gewesen, die beiden Su- izidversuche substanziiert zu beschreiben, weshalb diese Vorbringen nicht glaubhaft seien. Zudem hätten die Beschwerdeführenden einerseits geltend gemacht, sich nur vom Sehen her gekannt zu haben, andere r- seits aber ange geben, bereits vor der Flucht Heiratspläne geschmiedet und sich bei den Besuchen der Beschwerdeführerin heimlich getroffen zu haben. Letzteres sei unglaubhaft, habe die Beschwerdeführerin ihre F a- milie doch nur zwei Mal im Jahr für kurze Zeit sehen dürfen. Zu dem sei fraglich, wie sie mit den Treffen hätten Aufsehen err egen können, wenn diese doch heim lich erfolgt seien. Hätten sie sich hingegen nur flüchtig gekannt, erscheine es fragwürdig, weshalb die Beschwerdeführerin und ihre Eltern vor dem Beschwerdeführer , zu dem sie keinen näheren Ko n- takt gepflegt hätten, über in nerfamiliäre Probleme gesprochen hätten . Ebenso sei dessen Reaktion, sofort seine Hilfe an zubieten, nicht nac h- vollziehbar, zumal er durch die Bereitschaft, eine verheiratete Frau zu entführen, ein ausserordentlich grosses Risiko auf sich genommen habe. Auch sei es unglaub haft, dass sie von Angehörigen des ersten Eheman- nes international gesucht worden s eien, und sich diese darüber hinaus bei der Suche im Iran ausgerechnet an den Onkel des Beschwerdefü h- rers gerichtet hätten, ohne zu wissen, um wen es sich dabei gehandelt habe. Schliesslich sei es auch fragwürdig, weshalb die Beschwerdefü h- renden in die Schweiz und somit in die Nähe des sich in Deutschland aufhaltenden ersten Ehemannes geflohen seien, wenn dieser doch der gewichtigste Grund für die Flucht gew esen sei. Im Weiteren würden die Angaben der Beschwerdeführenden zu ihren Identitäts dokumenten (Aus- stellung der ursprünglichen Tazkaras 2004 beziehungsweise 1982 und Verlust derselben auf der Reise nach Istanbul , Neuausstellung 2007 r e- spektive 2009) den Angaben auf den eingereichten Dokumenten wider- sprechen. Die Tazkara des Beschwerdeführers trage das Ausstellungsjahr 2007, in dem er sich aber angeblich im Iran aufgehalten habe . Beim ein- gereichten Dokument der Beschwerdeführerin , das sie im Jahr 2009 in Kabul habe ausstellen lassen, sei vermerkt, dass sie Schülerin und ledig sei, was ihre Darlegung der Fluchtgründe gesamthaft in Frage stelle, h a- be sie sich doch von ihrem ersten Ehemann nie scheiden lassen und nie eine Schule besucht. Zudem würden die Beschwerdeführenden einrä u-D-4312/2013 Seite 6 men, teilweise gelogen zu haben. So hätten sie in den Anhörungen zuge- geben, dass die frühere Angabe, der Beschwerdeführer habe den ersten Ehemann der Beschwerdeführerin in der Türkei gesehen, unwahr sei. Sie hätten dies erfunden, um nicht in die Türkei oder nach Griechenland z u- rückgeschickt zu werden. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin in der ergänzenden Anhörung, ihr Sohn aus erster Ehe habe seinen Vater in der Türkei gese hen, sei angesich ts des Eingeständnisses in der Anhörung , die Begegnung mit dem ersten Ehemann in der Türkei sei gelogen gewe- sen, unglaubhaft. Diese Unwahrheiten würden die Annahme bekräfti gen, dass auch der fluchtauslösende Vorfall im Iran nicht der Realität entspr e- che. Fragwürdig sei schliesslich auch der Verbleib des Sohnes aus erster Ehe, zumal die Beschwerdeführenden erst angegeben hätten, ihn in der Türkei zurückgelassen zu haben, später hingegen ausgeführt hätten, er habe in Griechenland bleiben müssen. Diese widersprüchlichen Angaben würden zur Frage führen, ob es diesen Sohn tatsäch lich gebe und wenn ja, ob er bei der Flucht aus Afghanistan dabei gewesen sei. Die Vorbrin- gen der Beschwerdeführenden würden die Anforderungen an die Glau b- haftigkeit nicht erfüllen, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft w erden müsse. Sie würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen. Die Asylg e- suche seien abzuleh nen und die Wegweisung anzuordnen. Der Vollzug der Wegweisung werde im gegenwärtigen Zeitpunkt indes als nicht z u- mutbar erachtet, weshalb die Beschwerdeführende n in der Schweiz vo r- läufig aufzunehmen seien. C. C.a Mit Eingabe vom 29. Juli 2013 erhoben die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht (nachfolgend: BVGer) Beschwerde, wor- in um Aufhebung der Dispositivziffern 1-3 der vorinstanzlichen Verfügung und um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie um Gewährung des Asyls ersucht wurde. Zudem wurde um Gewährung der unentgeltl i- chen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsver beiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG e r- sucht. C.b Zur Begründung machten die Beschwerdeführenden im Wesentlichen geltend, die Familie des ersten Ehemannes der Beschwerdeführerin ve r- füge in der Region I._______ über grossen politisc hen Einfluss. Zwei Familienmitglieder seien zudem für die Regierung tätig. Der Ehemann sei zwei Monate nach der Heirat ins Ausland gegangen und erst nach drei Jahren für eine kurze Zeit zurückgekehrt . Damals sei der gemeinsame D-4312/2013 Seite 7 Sohn gezeugt worden. Nach weiteren dreieinhalb Jahren habe er noc h- mals einen kurzen Besuch abgestattet, seither habe die Beschwerdefüh- rerin ihn nicht mehr gesehen. Von der Familie des Ehemannes sei sie ge- schlagen und beschimpft worden. Regelmäs sig sei an ihren Haaren ge- rissen worden. Auch der Sohn sei geschlagen worden. Trotz seiner A b- wesenheit habe sich der Ehemann nicht scheiden lassen wollen. Auch die Schwiegermutter habe sich gegen eine Scheidung ausge sprochen. Ver- mittlungsversuche der Eltern der Be schwerdeführerin und des beige zo- genen Dorfältesten seien gescheitert. Da die Situation für die Beschwe r- deführerin unerträglich gewesen sei, ha be sie mehrmals versucht, sich das Leben zu nehmen. Mit der Zustimmung der Eltern der Beschwerd e- führerin hätten die Beschwerdeführenden die gemeinsame Flucht in den Iran geplant. Dort seien sie religiös getraut wor den. Vom Iran aus seien sie über die Türkei nach Griechenland gereist, bevor sie schliesslich am 20. April 2009 in die Schweiz gelangt seien. Die Familie des ersten Ehe- mannes habe sie nach der Flucht töten wollen, um die Familienehre wie- derherzustellen. Man habe in G._______ und auch im Ausland nach i h- nen gesucht. Aus Angst vor Vergeltungsmassnahmen habe sich die Fami- lie der Beschwerdeführerin nach Pakistan abgesetzt. Die Beschwerdefüh- rerin habe die Lebensumstände im Haushalt der Schwiegermutter diffe- renziert beschrieben. Auch die Suizidversuche habe sie detailliert g e- schildert. Sie sei in ihrer Integrität als Frau massiv verletzt worden und habe mit keinen staatlichen Schutzmassnahmen rechnen können. Die Angaben über die Flucht seien für die Würdigung der Flüchtlingseige n- schaft zwar nicht ausschlaggebend, die diesbezüglichen Vorbringen wür- den aber der Wahrheit entsprechen. Sie hätten sich bereits als Kinder ge- kannt und sich schon vor der Flucht angenähert. Da die Beschwerdefüh- rerin verheiratet gewesen sei, habe ihr der Beschwerdeführer seine G e- fühle nicht kundtun dürfen. Sie seien sich gelegentlich be gegnet und der Umstand, dass die Beschwerdeführerin seine Begrüssung als Akt der ge- genseitigen Sympathie erwidert habe, gelte bereits als Ver stoss gegen die Sitten. Diese Geste sei den Anwesenden und den Familienangehör i- gen des ersten Ehemannes nicht verborgen geblieben und habe zu reden gegeben. Das BFM erachte es als unglaubhaft, dass die Angehörigen des ersten Ehemannes sie auch im Ausland gesucht hätten. Betrachte man indes die möglichen Fluchtrouten, sei es nachvoll ziehbar, dass im Iran nach ihnen gesucht worden sei. Die Angehörigen hätten sich nicht zufällig und direkt an den Onkel des Beschwerde führers gewendet, sondern sich durch die dort ansässige afghanische Gemeinschaft gefragt. Ausschlag- gebend für ihre Flucht in die Schweiz sei der Wunsch nach dem Verbleib in einem sicheren Land gewesen. Sie hätten nicht gewusst, dass die D-4312/2013 Seite 8 Schweiz an Deutschland angrenze, wo sich der ers te Ehemann aufhalte. Bei den Darstellungen betreffend die Identitätspapiere und den Verbleib des Sohnes aus erster Ehe handle es sich ebenfalls nicht um wesentliche Sachverhaltselemente, die für die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft von Bedeutung seien. Es treffe zu, dass si e ihren Verbleib in Griechen- land verschwiegen hät ten. Im Rahmen der ergänzenden Befragungen hätten sie den dortigen zweieinhalbjährigen Aufenthalt aber zugegeben. Den Sohn aus erster Ehe hät ten sie dort zurückgelassen. Indessen ent- spreche es der Wahrheit , dass der Sohn aus erster Ehe seinem Vater in der Türkei begegnet sei, oder zumindest geglaubt ha be, seinen Vater, dessen äussere Erscheinung ihm von Bildern her bekannt gewesen sei, gesehen zu haben. Die eingereichten Tazkaras hätten sie in Afghanistan neu ausstellen lassen, als sie sich bereits in der Schweiz aufgehalten hät- ten. Der Schwager der Beschwerdeführerin habe diese Dokumente für sie ohne Überprüfung der Angaben ausstellen lassen und es sei gut mög- lich, dass sie fehlerhaft seien. Die falschen Angaben bei der Beschwerde- führerin (ledig, Schülerin) könnten darauf beruhen, dass ihr Va ter eine Tazkara für sie habe ausstellen lassen, als sie zehn Jahre alt gewesen sei. Vermutlich sei sie damals als Schülerin eingetragen wor den und die Behörden hätten diese Angabe wohl einfach übernommen. Bei der Tazka- ra des Beschwerdeführers stimme lediglich das Ausstel lungsdatum nicht. Diesbezüglich müsse wohl ei n Fehler von Seiten der Behörden in Afgha- nistan vorliegen. Diese Mängel vermöchten aber die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen nicht zu trüben. Gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG sei den fraue n- spezifischen Fluchtgründen Rechnung zu tragen. Die Ehe der Beschwe r- deführerin sei durch die Eltern arrangiert worden. Ihre Zustimmung sei nicht eingeholt worden. Das BFM zweifle die Hochzeit nicht an . Das Vor- liegen einer Zwangsehe führe nach geltender Praxis zur Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft. Zudem sei zu bedenken, dass die staatlichen Schutzmassnahmen betreffend Zwangsehen und häuslicher Gewalt in Afghanistan ungenügend seien. Unabhängig von der Frage des Vorlie- gens einer Zwangsehe würden die Beschwerdeführenden die Flüch t- lingseigenschaft aber bereits dadurch er füllen, dass sie die Ehe der B e- schwerdeführerin gebrochen und selbst (religiös) geheiratet hätten. Eh e- bruch sei sowohl nach dem afghanischen Strafgesetz als auch nach der Scharia verboten. Da das Rechtssystem nur ungenügend ausgebildet sei, würden ihnen willkürliche Strafen drohen. Ausserehelicher Geschlechts- verkehr gelte in Afghanistan als schweres Verbre chen. Es drohten lange Haftstrafen. Die Scharia siehe diesbezüglich Auspeitschung und Stein i- gung vor, wobei Frauen in der Regel härter bestraft würden. Zudem drohe Paaren, die gegen den Willen der Familien beziehungsweise der G e-D-4312/2013 Seite 9 meinschaft heiraten würden, Ehrenmord und Steinigung. Auch diesbezüg- lich seien die staatli chen Schutzmassnahmen ungenügend. Ihre Vorbrin- gen seien damit asylrechtlich relevant. Ihnen drohe eine unmenschliche Bestrafung oder gar der Tod, und der Staat würde gegen Nachstellungen der entehrten Familie nicht intervenieren. Eine innerstaatliche Fluchtalter- native stehe nicht zur Verfügung. D. Mit Eingabe vom 6. August 2013 reichten die Besc hwerdeführenden eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 5. August 2013 nach. E. Mit Zwischenverfügung vom 8. August 2013 verwies das BVGer den Ent- scheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfü h- rung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen s päteren Zeitpunkt und ve r- zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig wies es das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG ab. F. In seiner Vernehmlassung vom 13. August 2013 beantragte das B FM die Abweisung der Beschwerde. Dem Einwand, die Hochzeit mit dem ersten Ehemann sei glaubwürdig und substanziiert dargelegt worden, werde i n- sofern zugestimmt, als dass die Beschwerdeführerin wahrscheinlich tat- sächlich eine Eheschliessung erlebt habe. Ob diese aber wirklich mit dem vermeintlichen ersten Ehemann erfolgt sei, bleibe fragwürdig. Am 16. August 2013 stellte der Instruktionsrich ter den Beschwerdefü h- renden die Vernehmlassung des BFM zur Kenntnisnahme zu. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das BVGer Beschwerden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des BVGer. Eine das Sachge- biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 liegt ni cht vor. Das BVGer ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was in casu nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens D-4312/2013 Seite 10 des Staates, vor welchem die beschwe rdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Ver fügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch u nd Überschreitung des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachve rhalts ge- rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer b e- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, so l- chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseig enschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Vorbringen sind glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und pl ausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schi l- derungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der al l- gemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyls u- chende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel ab stützt (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine Gesam t- würdigung der Vorbringen ergibt, dass die Grü nde, die für die Richtigkeit D-4312/2013 Seite 11 der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellers sprech en, überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 [S. 142 f.]). 4. Das BFM erachtete die geltend gemach ten Fluchtgründe der Beschwer- deführenden aufgrund erheblicher Unstimmigkeiten und Unwahrheiten als den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht ge- nügend. Dieser Einschätzung ist im Ergebnis beizupflichten. Zur Vermei- dung von Wiederholungen kann vorab auf die nicht zu beanstandenden Ausführungen in der an gefochtenen Verfügung verwiesen werden. Der Rechtsmitteleingabe sind keine stichhaltigen Entgegnungen zu entne h- men, die geeignet wären, eine Änderung der angefochtenen Verfügung hinsichtlich der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls herbeizuführen. 4.1 Eine Übe rprüfung der Akten ergibt, dass d ie Schilderungen der B e- schwerdeführenden 1 und 2 zu ihren Fluchtgrün den kein stimmiges Bild vermitteln. Ihre Vorbringen weisen gewichtige Widersprü che und Unge- reimtheiten sowie Tatsachenwidrigkeiten auf und das BFM hat sie aus zu- treffenden Gründen als den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht genügend qualifiziert. Die B eschwerdeführerin schilderte die angebliche Zwangsehe mit d em M ann aus I._______ und damit den fluchtbegrün- denden Sachverhalt widersprüchlich. So gab sie erst an, sie sei im Alter von fünfzehn Jahren verheiratet worden (vgl. A18 S. 4 F19), wogegen sie bei der Anhörung vom 17. Juni 2013 geltend machte, sie sei damals erst knapp elf Jahre alt gewesen (vgl. A52 S. 3 F18). Da eine Hei rat ein ei n- schneidendes Erlebnis darstellt, dürfte erwartet werden, dass sich die Beschwerdeführerin an ihr damaliges Alter genauer erinnert, zumal zwi- schen den sich widersprechenden A ltersangaben eine erhebliche Diff e- renz besteht . Auch zu r Anwesenheit ihres Ehemannes in Afghanistan äusserte sie sich widersprüchlich, indem sie zunächst vor brachte, dieser sei nur ein einziges Mal aus Deutschland zurückgekehrt (drei Jahre nach der Heirat für drei respektive eineinhalb Monate [vgl. A18 S. 6 F36, A52 S. 12 F97]), im Rahmen der Anhö rung vom 17. Juni 2013 aber geltend machte, er sei noch ein zweites Mal, als der Sohn etwa dreieinhalb Jahre alt gewesen sei, zurückgekommen (vgl. A52 S. 12 F97). Mit letzterer Aus- sage setzte sich die Beschwerdeführer in auch hinsichtlich der Frage, ob der Ehemann seinen So hn jemals gesehen habe , diametral in Wide r- spruch, hatte sie doch zuvor geltend gemacht, der Ehemann habe seinen Sohn nie zu Gesicht bekom men, sondern habe Afghanistan noch vor der Geburt des Kindes verlassen und sei seither nie mehr zurückgekehrt (vgl. A18 S. 6 F40). Diese in erheblichem Masse abweichenden Angaben zu D-4312/2013 Seite 12 zentralen Punkten der Ehe der Beschw erdeführerin mit dem Mann aus I._______ sind unvereinbar und wecken erhebliche Zweifel am fluchtau s- lösenden Sachverhalt. Mit den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vermögen die Beschwerdeführenden diese Zweifel nicht auszuräu men. Die angebliche Zwangsehe der Beschwerdeführerin mit dem besagten Mann aus I._______ und damit der Grund für die gemeinsame Flucht der Beschwerdeführenden aus Afghanistan kann nicht geglaubt werden , zu- mal auch die darauf aufbauenden Angaben der Beschwerde führenden zur Fluchtplanung und der angeblichen Suche nach ihnen im Iran kon- struiert erscheinen. Ihr Entschluss zur gemeinsamen Flucht in den Iran nach rund zwanzigjähriger Ehe der Beschwerdeführerin (Heirat mit elf r e- spektive fünfzehn Jahren [d. h. 1983 oder 1987], Flucht im Jahr 2005) , während der sie ihr Heimatdorf jeweils nur ein bis zwei Mal jähr lich kurz habe besuchen dürfen , wo mit sic h für die Beschwerdeführenden somit höchstens zwei Mal pro Jahr überhaupt die Möglichkeit einer äusserst kurzen Begegnung hätte ergeben können, erscheint schlicht nicht nac h- vollziehbar, zumal sich ihre seltenen Begegnungen auf wortloses Grüs- sen beschränkt hätten. Auch die angebliche landesübergreifende Suche nach ihnen vermochten die Beschwerdeführenden nicht glaubhaft darzu- legen. Selbst wenn sich die Angehörigen des Ehemannes der Beschwer- deführerin – wie behauptet – systematisch bei der im Iran ansässigen af- ghanischen Gemeinschaft erkundigt hätten, ist es angesichts der Grösse des Landes schlicht nicht glaubhaft, dass sie dabei ausgerechnet an den Onkel des Beschwerdeführers in J._______ gelangt sein sollten. Auf ent- sprechenden Vorhalt hin räumten die Besch werdeführenden zudem ein, dass sie bezüglich des genannten Zeitpunkts der Ausreise aus dem Iran (Ende 2007/Anfang 2008) und der angegebenen Reiseroute (Iran - Türkei - Schweiz) sowie dem Verbleib des Sohnes der Beschwerdeführ erin aus erster Ehe gelogen hätten. Sie seien vielmehr bereits im Jahr 2006 aus dem Iran ausgereist und hätten sich die letzten rund drei Jahre in Grie- chenland aufgehalten, wo sie Aufenthaltsbewilligungen erhalten hätten . Den Sohn aus erster Ehe hätten sie denn auch nicht in der Türk ei, son- dern in Griechenland zurückgelassen. Die Ansicht der Beschwerdefü h- renden, ihre unwahren Angaben zur Reise und dem Verbleib des Sohnes aus erster Ehe vermöchten die Glaubhaftigkeit ihrer Fluchtgründe nicht zu beeinträchtigen, kann nicht gefolgt werde n. Ihre diesbezüglichen wahr- heitswidrigen Anga ben erschüttern nicht nur die Glaubhaftig keit ihrer Asylvorbringen, sondern stellen grundsätzlich auch ihre persönliche Glaubwürdigkeit in Frage (vgl. hierzu Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1998 Nr. 17 [S. 15]). Indem die Beschwerdeführerin im Rahmen der ergänzenden An-D-4312/2013 Seite 13 hörung vom 17. Juni 2013 behauptete, ihr Sohn aus erster Ehe habe se i- nen Vater in der Türkei gesehen (vgl. A52 S. 11 F93, S. 12 F99, S. 14 f. F118-120), nachdem sie in der vor hergehenden Anhörung vom 26. Mai 2009 eingestanden hatte, dass die Begegnung mit dem ersten Ehemann in der Türkei gelogen gewesen sei (vgl. A24 S. 3 F15) , stellt sie ihre Glaubwürdigkeit noch zusätzlich in Frage. Im Übrigen ist es nicht glau b- haft, dass der Sohn aus erster Ehe seinen Vater bei einer flüchtigen B e- gegnung in der Türkei erkannt haben sollte , wenn er diesen doch zuvor noch nie persönlich gesehen habe. Die diesbezügliche Erklärung in der Rechtsmitteleingabe, dem Sohn s ei die äussere Ersc heinung des Vaters von Bildern her bekannt gewesen, vermag nicht zu überzeu gen. Es ist kaum davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aktuelle Fotogra- fien ihres ersten Ehemannes mit sich tragen würde , nachdem dieser sie vor über zwanzig Jahren verlassen und sie ihn seither nie mehr gesehen habe. Abgesehen davon ist nicht ersichtlich, wes halb sich der erste Eh e- mann zeitgleich in der Türkei aufgehalten haben sollte, lebe er doch a n- geblich in Deutschland. Schliesslich vermag auch der Einwand der B e- schwerdeführenden, sie hätten nicht gewusst, dass die Schweiz an Deutschland angrenze, nicht zu überzeugen. Wäre die Beschwerdeführe- rin tatsächlich mit dem besagten Mann aus I._______ verheiratet gewe- sen, der seit über zwanzig Jahren in Deutschland lebe, wäre vielmehr da- von auszugehen, dass sich die Beschwerdeführen den während ihres rund dreijährigen Aufenthalts in Griechenland über die geografischen Ge- gebenheiten in Europa informiert hätten , insbesondere über die Lage Deutschlands, und sich dementsprechend nicht ausgerechnet in das Nachbarland Deutschlands und damit in die Nähe des ersten Ehemannes der Beschwerdeführerin , vor dem sie sich fürchteten, begeben hätten. Insgesamt halten d ie Vorbringen der Beschwerdeführen den zur angebli- chen Zwangsehe der Beschwerdeführerin mit dem besagten M ann aus I._______, der Flucht aus dieser Ehe und dem durch sie begangenen Ehebruch den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe näher einzugehen , da die se an der fehlenden Glaubhaftigkeit der Fluchtvorbringen nichts zu ändern vermögen. 4.2 Den Beschwerdeführenden ist es aufgrund des Gesagten nicht g e- lungen, die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das Bundesamt hat die Asylges u- che zu Recht abgelehnt. D-4312/2013 Seite 14 5. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an ( Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An- spruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde daher zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 [S. 733], 2008/34 E. 9.2 [S. 510]). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung über die vorläufige Aufnahme von Auslä n- dern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 6.2 Gemäss ständiger Rechtsprechung sind die genannten drei Bedi n- gungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung – Unzulässig- keit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit – alternativer Natur. Sobald eine d a- von erfüllt ist, ist der Vollzug al s undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit der betroffenen Person in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 [S. 748]). 6.3 Vorliegend hat das BFM in seiner Verfügung vom 11. Juli 2013 bereits festgestellt, dass der Wegweisungsvollzug gegenwärtig unzumutbar sei, weshalb es die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden anordn e- te. Damit erübrigen sich weitere Ausführungen zur Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist somit a b- zuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). In Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozes s- führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG sind indessen keine Kosten zu e r- heben. D-4312/2013 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand: