B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5760/2013 U r t e i l v o m 11 . F e b r u a r 2 0 1 5 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A._______, Pakistan, vertreten durch lic. iur. Ursina Bernhard, Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM) (zuvor Bundesamt für Migration [BFM]), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. September 2013 / N (…). E-5760/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Hazara schiitischer Religionszugehörigkeit aus Quetta (Provinz Belutschistan), verliess seinen Heimatstaat eigenen Anga- ben zufolge am 20. November 2012 und gelangte über den Iran, die Türkei und Italien in die Schweiz, wo er am 5. Januar 2013 im Empfangs - und Verfahrenszentrum Kreuzlingen um Asyl nachsuchte. Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) vom 17. Januar 2013 und der Anhörung gemäss Art. 29 AsylG (SR 142.31) vom 25. Juli 2013 brachte er zur Begründung seines Asylgesuchs insbesondere vor, sein Leben sei in Gefahr. In Quetta würden die Hazara, insbesondere solche mit guten Ar- beitsstellen, aufgrund ihres schiitischen Glaubens gezielt getötet, was nie- manden kümmere. Nach Abschluss seines Masterstudiums in (…) an der Universität von Be- lutschistan habe er ab dem 1. Februar 1993 als (…) bei einer Filiale der (…) Bank in Quetta gearbeitet. Die Balochistan Shia Conference, für die er als Volontär gearbeitet habe, habe mehrere kleine Gruppen gegründet, die sich untereinander ausgetauscht hätten. So habe er sich jeweils mit Per- sonen aus der Geschäftsstrasse zum Mittagessen in einer Teestube in der Nähe der Bank getroffen. Eines Tages habe ein Angestellter der Teestube der Gruppe erzählt, dass sich in einer Papeterie unbekannte Personen tref- fen würden, die Auskünfte über die schii tischen Hazara einholen würden und ihnen drei jener Personen gezeigt. Am Abend des 12. April 2012 sei die Teestube von der militanten Gruppie- rung Lashkar-e-Jhangvi angegriffen worden, wobei ein Angestellter getötet und der Inhaber angeschossen worden sei. Nach dem Angriff habe er (Be- schwerdeführer) Angst bekommen und einige Tage später beziehungs- weise im Juni 2012 den Chef des Polizeipostens Quetta über die Situation in seiner Gegend informiert und Schutz verlangt. Dieser habe ihm gesagt, dass er die Personen beschreiben müsse, gegen die er Anzeige erstatten wolle, ansonsten die Polizei nichts tun könne. Als er aus dem Fenster ge- schaut habe, habe er auf der Terrasse der Polizeistation zwei der Personen gesehen, die ihm in der Teestube gezeigt worden seien. Er habe Angst bekommen, da ein Teil der Polizei die Attentate gegen Hazara unterstütze, und deshalb keine Beschreibung gemacht, so dass er auch keine Anzeige habe erstatten können. Als er den Posten verlassen habe, habe er die zwei Männer angeschaut und das Gefühl gehabt, diese würden über ihn reden. Nach seiner Rückkehr in die Bank habe ihn der Polizeichef angerufen und E-5760/2013 Seite 3 angekündigt, dass jemand bei ihm vorbeikommen werde, dem er alles er- zählen könne. Später sei ein Mann namens B._______ aufgetaucht, der ihn gebeten habe, ihm von seinen Problemen zu berichten. Nach dem Ge- spräch habe dieser ihm seine Telefonnummer gegeben und sei mit einem Auto ohne Nummernschild weggefahren. Als er seinem älteren Bruder am Abend von dem Vorfall erzählt habe, habe dieser gemutmasst, dass B._______ zur Inter-Service-Intelligence (ISI; mili tärischer Nachrichten- dienst des pakistanischen Militärs Streitkräfte Pakistans ) gehöre, da nur deren Mitglieder Autos ohne Nummernschilder fahren würden. Fortan hät- ten ihn seine Brüder auf dem Weg zur Arbeit und auf dem Nachhauseweg begleitet. Nach dem Vorfall habe er über seinen Clanführer einen Waffenschein be- antragen wollen, um sich eine Waffe zu legen zu dürfen und sich sicherer zu fühlen. Mit seinem Freund C._______ sei er zum Haus des Clanführers gegangen. Dort angekommen seien sie auf B._______ getroffen. Dieser habe Auskünfte über verdächtige Personen einholen wollen. Als B._______ seine Furcht bemerkt habe, habe er stattdessen mit C._______ gesprochen und dessen Telefonnummer verlangt. Zwei oder drei Tage da- rauf, am 26. Juni 2012, habe C._______ ihm mitgeteilt, dass B._______ ihn nach seiner (derjenigen des Beschwerdeführers) Telefonnummer und Adresse gefragt und er dazu falsche Angaben gemacht habe. Er (Be- schwerdeführer) habe C._______ mitgeteilt, der Offizier habe seine Num- mer bereits, was diesem Angst gemacht habe. Am 28. Juni 2012 seien einige Schiiten auf ihrer Pilgerfahrt angegriffen worden, woraufhin die Hazara Democratic Party (HDP) und weitere Orga- nisationen protestiert hätten. Tags darauf sei B._______ zu ihm nach Hause gekommen und habe ihn im Beisein seiner Brüder nach den Aktivi- täten des gegenüber wohnenden Generalsekretärs der HDP von Quetta, D._______, gefragt. B._______ habe Informationen über dessen Aufent- haltsorte, Tätigkeiten und Kontakte sowie Auskünfte über verdächtige Per- sonen und Mordfälle verlangt. Zudem habe er ihm gesagt, sein Leben sei in Gefahr. Wenn er ihm (B._______) Informationen liefere, werde er ihm (Beschwerdeführer) Schutz gewähren. Er habe die Auskunft verweigert, woraufhin B._______ ihn unter Druck gesetzt habe. Am 30. Juni 2012 sei dieser noch einmal bei der Bank vorbeigekommen und habe dieselben Fra- gen gestellt und ihm (Beschwerdeführer) gedroht. Dennoch habe er die Auskunft weiterhin verweigert. Nach dem Gespräch sei er depressiv ge- worden. E-5760/2013 Seite 4 Am 3. Juli 2012 habe er erfahren, dass C._______ nach Arbeitsschluss gezielt getötet worden sei. Er (Beschwerdeführer) habe seinen Bruder dar- über und über die Gespräche mit B._______ informiert. Dieser habe ih m vorgeschlagen, sofort Ferien zu beantragen, was jedoch nicht möglich ge- wesen sei. Als ein Strassenverkäufer seinem Bruder gesagt habe, einige verdächtige Personen hätten sich über ihn (Beschwerdeführer) unterhal- ten, habe sein Bruder ihm am 24. Juli 2012 nahegelegt, die Arbeitsstelle zu kündigen. Am folgenden Tag habe er aus der Zeitung erfahren, dass es sich bei den Personen, die er in der Teestube und bei der Polizei gesehen habe, um Mitarbeiter der Anti-Terrorist Force (ATF) gehandelt habe und ei- ner der beiden bei einem Attentat getötet und der andere schwer verletzt worden sei. Sein Bruder habe ihm daraufhin gesagt, es könne sei n, dass er (Beschwerdeführer) nun wegen seiner mangelnden Kooperation auch in Gefahr sei, weshalb er seine Arbeitsstelle umgehend gekündigt habe. An- schliessend habe er sich zu Hause aufgehalten und das Haus bis zur Aus- reise aus Angst kaum beziehungsweise nie verlassen. Zum Beweis seiner Identität und seiner Vorbringen reichte der Beschwer- deführer seine Identitätskarte, eine englische Übersetzung eines Ehe- scheins vom (…), einen fremdsprachigen Auszug aus dem Familienregis- ter vom 8. Mai 2010, Kopien von Schreiben der (…) Bank vom 14. Februar 1993 (betreffend seine Anstellung), vom 27. August 2012 (Bestätigung der Kündigung) und vom 31. August 2012 (Bestätigung der Arbeitstätigkeit), eine englische Übersetzung eines "local certificate" vom 11. August 2012 und ein Schreiben vom 15. Dezember 2012 der Balochistan Shia Con- ference Quetta zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 12. September 2013 – eröffnet am 13. September 2013 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. C. Dagegen gelangte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter mit Beschwerde vom 11. Oktober 2013 an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Rück- weisung der Sache an das BFM zur rechtsgenüglichen Abklärung der Fluchtgründe, eventualite r die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, subeventualiter die Feststellung der Unzu- lässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. E-5760/2013 Seite 5 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt- lichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses. Als weitere Beweismittel legte er zwei Internetartikel von Human Rights Watch (HRW) vom 23. August 2013 ("Pakistan: 10 Steps to Improve Hu- man Rights") sowie BBC News vom 1. Mai 2013 ("Hell on Earth: Inside Quetta's Hazara community") ins Recht. D. Mit Verfügung vom 17. Oktober 2013 hiess das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gestützt auf Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses. Zugleich lud es die Vorinstanz zur Einreichung einer Ver- nehmlassung ein. E. Das BFM führte mit Stellungnahme vom 18. Oktober 2013 – die dem Be- schwerdeführer am 15. Januar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde – aus, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. F. Mit Eingabe vom 6. Januar 2015 teilte die rubrizierte Rechtsvertreterin mit, dass sie mit Substitutionsvollmacht vom gleichen Tag das Verfahren vom vorhergehenden Rechtsvertreter, ebenfalls von der Berner Rechtsbera- tungsstelle für Menschen in Not, übernommen habe. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-E-5760/2013 Seite 6 ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde wurde frist - und formgerecht eingereicht. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf diese ist einzutreten. 2. Die Kognition und die Rügemöglichkeiten richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy- chischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwe isen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli- chen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien teilweise unglaub- haft und im Übrigen asylrechtlich nicht relevant. E-5760/2013 Seite 7 Insbesondere sei die angebliche Behelligung durch den Geheimdienst nicht hinreichend begründet und wider die allgemeine Erfahrung. Bei den erwähnten Übergriffen auf Schiiten sei der Beschwerdeführer weder anwe- send noch beteiligt gewesen . Die einzige konkrete Verfolgungsmass- nahme, die er geltend mache, sei mithin das Auftauchen eines (…) namens B._______ bei sich zu Hause sowie auf der Bank. Seine diesbezüglichen Angaben seien jedoch unsubstanziiert, weshalb ein Interesse des Geheim- dienstoffiziers an seiner Verfolgung nicht nachvollziehbar sei. Falls er tat- sächlich mehrfach von einem Offizier des Geheimdienstes befragt worden wäre und dieser immer wieder dieselben Fragen gestellt hätte, müsste er in der Lage sein, diese Fragen zu wiederholen. Indes habe er die ihm ge- stellten Fragen anlässlich der Anhörung nicht wiedergeben können. Er habe dazu nur ausgesag t, B._______ habe im Grunde genommen gar nichts von ihm gewollt. Dieser habe lediglich testen wollen, was er wisse. Sodann habe der Beschwerdeführer erklärt, der Major habe ihn nach der Kündigung seiner Arbeitsstelle nicht mehr aufgesucht und bis zur Ausreise sei nichts mehr vorgefallen. Es sei jedoch nicht nachvollziehbar, inwiefern der Geheimdienst nach der Aufgabe seiner Tätigkeit bei der Bank das In- teresse an ihm verloren haben sollte und wieso eine sunnitische Extremis- tengruppierung deshalb von ihrem T ötungsvorhaben abgesehen hätte. Nicht hinreichend begründet habe der Beschwerdeführer überdies die Tö- tung seines Freundes C._______, welcher angeblich aufgrund von Fal- schinformationen bezüglich der Telefonnummer und Wohnadresse des Be- schwerdeführers habe sterben müssen. Diesen Vorfall habe er bei der Be- fragung zur Person nicht erwähnt, obgleich es sich dabei um ein einschnei- dendes Ereignis gehandelt haben müsse. Es sei kein plausibler Grund da- für ersichtlich, dass er dieses Sachverhaltselement erst verspäte t geltend gemacht habe. Die Tötung seines Freundes sei somit ohne überzeugen- den Grund nachgeschoben worden und deshalb nicht glaubhaft. Daher könne daraus keine Gefährdung des Beschwerdeführers abgeleitet wer- den. Auch aus den eingereichten Beweismitteln ergebe sich keine asylrelevante Verfolgung. Insbesondere stehe das eingereichte Schreiben der Balochis- tan Shia Conference (vgl. A15, Beweismittel 2) nicht in Zusammenhang mit seinen Asylvorbringen. Er habe bei der Begründung seines Asylgesuchs keine besonderen Aktivitäten für diese Vereinigung geltend gemacht und einzig auf die Frage, ob er Mitglied einer politischen Partei sei, angemerkt, er sei als Freiwilliger bei der Balochistan Shia Conference gewesen. Unter diesen Umständen vermöge das eingereichte Sch reiben nichts zu seinen Gunsten zu bewirken. E-5760/2013 Seite 8 Schliesslich mache der Beschwerdeführer geltend, als ethnischer Hazara mit schiitischem Glaubensbekenntnis in Pakistan einer Minderheit anzuge- hören und bereits deshalb von militanten sunnitischen Gruppierungen ver- folgt zu werden. Zwar sei es in den letzten Jahren zu zahlreichen gewalt- samen Übergriffen und Attentaten von teilweise grossem Ausmass gekom- men. Allerdings sei die Sicherheitslage in Quetta derzeit nicht so gravie- rend, dass deshalb alle Schiiten oder Hazara von einer Verfolgung mit asyl- beachtlichem Ausmass bedroht wären. Zudem könne nicht gesagt werden, dass die pakistanischen Behörden der schiitischen Minderheit keinen Schutz gewähren oder gar Übergriffe veranlassen würden. Zusammenfas- send sei die allgemeine Sicherheitslage für Schiiten und Hazara in Pakis- tan nicht so prekär, dass von einer asylbeachtlichen Verfolgung ausgegan- gen werden müsse. Die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an Art. 7 und 3 AsylG nicht standhalten, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und sein Asylgesuch abzulehnen sei. 4.2 Der Beschwerdeführer hält der Vorinstanz insbesondere entgegen, diese habe den Sachverhalt ungenügend erstellt und die Entscheidbegrün- dung schlecht abgestützt. Im Übrigen seien die Ausführungen zur Unglaub- haftigkeit seiner Vorbringen nicht nachvollziehbar. Zunächst macht er geltend, angesichts seiner genauen und detailreichen Schilderung zu seinen Fluchtgründen, die zumindest in den wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich se i, seien die Erwägungen der Vorinstanz zur Glaubhaftigkeit insgesamt ungenau und unbehelflich. Die Entscheid- grundlage als solche sei zudem eher mager, da die protokollierten Fragen und Antworten den Sachverhalt nur ungenügend erhellen würden. Die Vo- rinstanz habe insofern zutreffend festgestellt, dass gewisse Fragen offen geblieben seien. Dies sei jedoch nur deshalb so, weil jene Fragen gar nicht gestellt worden seien. Mithin sei das BFM seiner Pflicht zur rechtsgenügli- chen Abklärung des Sachverhalts nicht ausreichend nachgekommen. Ins- besondere habe es bei der Prüfung des Wegweisungsvollzugs gänzlich unterlassen abzuklären, ob ihm im Falle der Rückkehr aufgrund seiner Zu- gehörigkeit zu den Hazara eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG (SR 142.20) drohe. Der Glaubhaftigkeitsprüfung durch das BFM entgegnet er, die Beurteilung der Qualität der von ihm gemachten Beispiele für die Frage n, die ihm B._______ gestellt habe, sei nicht nachvollziehbar. Er habe anlässlich der E-5760/2013 Seite 9 Anhörung zu den Asylgr ünden ohne Aufforderung mehrere konkrete Be i- spiele von Fragen, die ihm B._______ gestellt habe, zu Protokoll gegeben (vgl. vorinstanzliche Akten A16/13 S. 5). Bei genauer Lektüre der Befra- gungsprotokolle werde sodann erkennbar, dass er das Auftauchen des B._______ weniger als Verfolgungsmassnahme, als vielmehr als einen weiteren Hinweis dafür wahrgenommen habe, dass er zum Ziel eines An- schlags der Lashkar-e-Jhangvi werden könnte. Mit dieser Lesart liesse sich auch die vom BFM aufgeworfene Frage nach der Logik seiner Vorbringen beantworten. Er habe seine Arbeitsstelle aus zwei Gründen gekündigt (vgl. BzP S. 4). Zum einen sei er davon ausgegangen, dass er nicht mehr zu den von der Lashkar-e-Jhangvi bevorzugten Zielen gehören würde, wenn er kein Geschäftsman n mehr sei. Dies sei nachvollziehbar, wenn die im Internet verfügbaren Informationen über Mordanschläge auf Hazara in Pa- kistan konsultiert würden, wonach gerade Bankmitarbeiter und andere Ge- schäftsleute gehäuft Opfer dieser militanten Gruppe würden. Zum anderen habe er nach der Aufgabe seiner Arbeit das Haus nicht mehr verlassen müssen. Er habe angenommen, das Risiko eines Attentats auf ihn dadurch reduzieren zu können, da die Lashkar-e-Jhangvi in der Regel im öffentli- chen Raum zuschlage. Im Zusammenhang mit der Tötung seines Freun- des sei anzumerken, dass die Vorinstanz dies als einschneidendes Ereig- nis bezeichnet habe, welches bereits bei der BzP hätte erwähnt werden müssen, sofern es für die Ausreise massgeblich gewesen wäre. Er habe die Tötung von C.______ jedoch weder bei der Erstbefragung noch bei der Anhörung als Grund für seine Ausreise angegeben und gänzlich offen ge- lassen, welche Wichtigkeit dieser Vorfall für ihn gehabt habe. Aus seiner Heimat sei er geflohen, weil er befürchtet habe, aufgrund seiner ethnischen Herkunft und seiner Tätigkeit bei einer Bank Opfer eines Atten- tats durch die Lashkar-e-Jhangvi zu werden. Darin bestärkt habe ihn der Umstand, dass er (durch den Kontakt zu B._______) zumindest zeitweilig ins Visier der ISI geraten sei. Die Urheber des Anschlags vom 12. April 2012 hätten deswegen sowie aufgrund seiner Meldung bei der Polizei nach jenem Anschlag zum Schluss gelangen können, er wisse etwas über deren Identität. Ob seine Furcht objektiv begründet sei, gelte es e ntweder durch die Vorinstanz oder das Bundesverwaltungsgericht zu prüfen. Bei Vorlie- gen einer objektiv begründeten Furcht sei davon auszugehen, dass diese asylrelevant sei. Die Verfolgungshandlungen der Lashkar-e-Jhangvi wür- den vom pakistanischen Staat nämlich zumindest geduldet, wenn nicht gar unterstützt. Die Sicherheitslage der Hazara in Pakistan und besonders in Quetta sei problematisch. So seien seit Anfang 2012 in Pakistan 640 Schi- iten ermordet worden, bei denen es sich hauptsächlich um Hazara aus der E-5760/2013 Seite 10 Region Belutschistan gehandelt habe. Dafür verantwortlich seien militante sunnitische Gruppierungen wie die Lashkar-e-Jhangvi, die grösstenteil s unbehelligt agieren könne. Bereits zu Beginn des Jahres 2013 sei es zu verheerenden Bombenanschlägen in von H azara bewohnten Quartieren Quettas gekommen. Auch in anderen Reg ionen und Städten würden Ha- zara zum Ziel sunnitischer Terroristen. Sowohl die Lashkar-e-Jhangvi als auch der IS I seien auf dem gesamten Staatsgebiet Pakistans operativ, weshalb er nirgends im ganzen Land vor Verfolgung sicher sei. 5. Gestützt auf eine eingehende Prüfung der Akten kommt das Bundesver- waltungsgericht zu nachfolgenden Schlüssen: 5.1 Die Rüge des Beschwerdeführers, wonach das BFM den Sachverhalt betreffend die Flüchtlingseigenschaft unrichtig respektive unvollständig ab- geklärt habe, erweist sich als unbegründet. Zunächst ist darauf hinzuwei- sen, dass der Beschwerdeführer bereits anlässlich der BzP Gelegenheit hatte, seine Asylgründe relativ ausführlich zu schildern (vgl. A5/13 Ziff. 7.01 S. 8 f.) und ihm zudem Fragen gestellt wurden (vgl. A5/13 Ziff. 7.03 f. S. 9). Bei der Anhörung vom 25. Juli 2013 konnte er seine Ausreisegründe erneut zunächst in freier Rede darlegen, was er ausführlich tat (vgl. A16/13 F20 S. 3–6), bevor ihm im Anschluss ergänzende Fragen gestellt wurden. Diese beantwortete er überwiegend in knapper Weise dahingehend, dass ihm nichts weiter geschehen sei (vgl. insb. A16/13 F 27 ff. S. 7, F35 f. S. 8; F53 S. 9). Als er abschliessend gefragt wurde, ob er noch irgendwelche ergän- zenden Anmerkungen machen wolle, gab er an, er habe alles gesagt (vgl. A16/13 F58 S. 10). Bei dieser Sachlage ist nicht ersichtlich, inwiefern der Sachverhalt durch das BFM unrichtig und unvollständig erhoben worden sein sollte. Auch auf Beschwerdeebene bringt der Beschwerdeführer nicht ansatzweise vor, in welchen Punkten der Sachverhalt – soweit die Frage der Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft betreffend – konkret unvollständig abgeklärt worden sein soll. Für eine Rückweisung der Sache an das BFM besteht daher keine Grundlage. 5.2 Das BFM stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest, dass der Beschwerdeführer hauptsächlich eine drohende Verfolgung durch die Lashkar-e-Jhangvi aufgrund seiner Ethnie und seines Glaubens vor- brachte (soweit damit eine Kollektivverfolgung geltend gemacht wird vgl. nachfolgend E. 5.3) und als einzige konkrete Verfolgungsmassnahme das Auftauchen des Geheimdienstmajors bei sich zu Hause und auf der Bank schilderte. Zudem brachte der Beschwerdeführer vor, er befürchte im Falle E-5760/2013 Seite 11 der Rückkehr, im Auftrag von B._______ getötet zu werden (vgl. A5/13 Ziff. 7.02 S. 9), weil er diesem die verlangten Informationen nicht gegeben habe. Auf Beschwerdeebene legt er dar, das Auftauchen des B._______ sei für ihn ein weiterer Hinweis darauf gewesen, dass er zum Ziel eines Anschlags der Lashkar-e-Jhangvi werden könnte. Bei der Lashkar-e-Jhangvi handelt es sich um eine extremistische sunniti- sche Gruppierung, die sich zu zahlreichen Anschlägen auf Hazara bekannt hat (vgl. South Asia terrorism Portal [SATP], Incidents and Statements in- volving Lashkar-e-Jhangvi: 2013, abrufbar unter <http://www. satp.org/sat- porgtp/countries/pakistan/terroristoutfits/LEJ_tl2013.htm>; SATP , Incidents and Statements involving Lashkar -e-Jhangvi, 1996–2012, abrufbar unter <http://www.satp.org/satporgtp/countries/pakistan/ terroristout- fits/LEJ_tl.htm> beide besucht am 15. Dezember 2014). Eine gezielte Ge- fährdung des Beschwerdeführers durch die Lashkar-e-Jhangvi ist aufgrund der Asylvorbringen jedoch nicht ersichtlich. Insbesondere gibt es keine hin- reichenden Anzeichen dafür, dass im Zeitpunkt der Ausreise ein individu- eller Angriff auf den Beschwerdeführer unmittelbar bevorgestanden haben sollte. Auch eine begründete Furcht vor einer gezielten, auf die Person des Beschwerdeführers bezogenen Verfolgung im Falle der Rückkehr wird nicht glaubhaft gemacht. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann weitgehend auf die zutreffen- den Erwägungen I/1 –4 der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Insbesondere fehlt es den Schilderungen anlässlich der vorinstanzlichen Befragungen trotz der ausführlichen Darlegung der Ereignisse an inhaltli- cher Substanz. Die drohende Verfolgung, die der Beschwerdeführer aus verschiedenen Geschehnissen ableitet, zwischen denen bei objektiver Be- trachtung kein Zusammenhang auszumachen ist, wirkt konstruiert. Eine Verbindung zwischen dem Aufsuchen des Beschwerdeführers durch B._______ und einer allfälligen Gefährdung durch die Lashkar-e-Jhangvi ist nicht hinreichend dargelegt, weshalb auf die diesbezüglichen Einwen- dungen auf Beschwerdeebene nicht weiter einzugehen ist . Die Argumen- tation des Beschwerdeführers, die Lashkar-e-Jhangvi könnte aufgrund sei- ner versuchten Anzeige nach dem Anschlag vom 12. April 2012 auf die Teestube und wegen seines Kontakts zu B._______ davon ausgehen, er wisse etwas über die Identität der jenen Anschlag verübenden Personen, ist nicht nachvollziehbar. Zum einen handelt es sich um eine blosse Mut- massung. Zum anderen will der Beschwerdeführer erfahren haben, dass jene Personen Mitglieder der Anti-Terrorist-Force (und nicht der Lashkar-e-E-5760/2013 Seite 12 Jhangvi) gewesen seien (vgl. A16/13 F20 S. 6) . Auch aus dem beschrie- benen Kontakt mit B._______, der den Beschwerdeführer angeblich mehr- fach befragte und diesem als Gegenleistung für das Sammeln von Infor- mationen über verschiedene Personen Schutz vor durch den Beschwerde- führer nicht näher spezifizierter Gefahr anbot, ergeben sich keine ernsthaf- ten Hinweise auf eine drohende Verfolgung. Detaillierter zu den Begegnun- gen mit B._______ befragt antwortete der Beschwerdeführer sodann ober- flächlich und ausweichend (vgl. A16/13 F28–30 S. 7; F35, 39 f. S. 8). Ein fortdauerndes ernsthaftes Interesse jener Person am Beschwerdeführer ist überdies nicht glaubhaft angesichts des Umstands, dass dieser nach der Kündigung der Arbeitsstelle beinahe vier Monate lang keinen Kontakt mehr zu ihm aufnahm. Von der Position des Beschwerdeführers als leitender An- gestellter einer Bank kann schliesslich ebenfalls nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine drohende Verfolgung seitens der Lashkar-e- Jhangvi geschlossen werden. Eine erlebte oder drohende individuelle Verfolgung des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG ist nach dem Gesagten nicht glaubhaft gemacht. 5.3 Der Beschwerdeführer macht ferner geltend, in seinem Heimatstaat aufgrund seiner Ethnie und seine s Glaubens einer Kollektivverfolgung durch militante sunnitische Gruppierungen zu unterliegen. Das Bundesverwaltungsgericht äusserte sich im zur Publikation vorgese- henen Urteil E-4269/2013 vom 25. November 2014 ausführlich zur Situa- tion der schiitischen Hazara und zur Frage der Kollektivverfolgung diese r Gruppe. Dabei hielt es insbesondere fest, die Hazara seien als Angehörige der schiitischen Minderheit in Pakistan in der Vergangenheit immer wieder religiös motivierten gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt gewesen. Heute gehe die meiste Gewalt gegen Schiiten von extremistischen Gruppen aus. Hazara seien dabei ein besonders exponiertes Ziel der Gewalt, da sie auf- grund ihrer asiatischen beziehungsweise mongolischen Gesichtszüge als Hazara, und damit als (zumindest vermeintliche) Schiiten, äusserlich zu erkennen seien. In den vergangenen Jahren sei der religiöse Konflikt ins- besondere in der Stadt Quetta entflammt, wobei sich religiös motivierte At- tentate vermehrt gegen die ethnisch unterscheidbaren Hazara gerichtet hätten. Nach Medienberichten würden extremistische sunnitische Gruppie- rungen, besonders die Lashkar-e-Jhangvi, die meisten Anschläge auf die schiitischen Hazara verüben (vgl. a.a.O. E. 6.4). Festzustellen seien ge- mäss den vorliegenden Berichten zum einen gezielte Angriffe ("targeted E-5760/2013 Seite 13 killings") gegen Schiiten; zum anderen würden die militan ten Gruppierun- gen gezielt gegen schiitische Ziele gerichtete Bombenanschläge, teils auch Suizidanschläge, verüben (vgl. a.a.O. E. 6.5). Die rechtliche Situation in Belutschistan und die gezielten Tötungsangriffe namentlich auf Hazara hät- ten es diesen in den meisten Teilen der Provinz praktisch verunmöglicht, sich niederzulassen (vgl. a.a.O. E. 6.7). Aus der Lagebeurteilung des Bundesverwaltungsgerichts hinsichtlich der Frage der Kollektivverfolgung geht zusammenfassend hervor, dass die An- griffe gegen Schiiten weitgehend straflos bleiben, und kein oder nur gänz- lich ungenügender staatlicher Schutz gegen die Gewalt besteht. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Behörden die Angriffe zumindest in Kauf nehmen und offenbar auch bei Kenntnis über bevorstehende Gewalt- taten erst nach deren Ausführung eingreifen. Die Stadt Quetta ist einer der grossen Brennpunkte der religiösen Gewalt gegen Schiiten. Die Gewaltta- ten weisen als solche fraglos auch eine asylrelevante Intensität auf. Hinge- gen kann die für die Anerkennung einer Kollektivverfolgung erforderliche Dichte der gewaltsamen Verfolgungshandlungen nicht bejaht werden: In Relation zur Grösse des Kollektivs der Hazara in Quetta (wo, je nach Quelle, zwischen 350'000 bis 600'000 Hazara leben) nehmen die gewalt- tätigen Angriffe auf Hazara bisher nicht eine zahlenmässig derart grosse Dimension ein und sind die bekannt gewordenen Übergriffe nicht derart häufig, dass jeder Angehörige dieser Minderheit in begründeter Weise be- fürchten müsste, objektiv mit erheblicher Wahrscheinlichkeit ebenfalls Op- fer einer Gewalttat zu werden. Folglich kann eine Kollektivverfolgung der Hazara in Quetta oder in Pakistan allgemein zum heutigen Zeitpunkt nicht bejaht werden (vgl. a.a.O. E. 7.2). 5.4 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, asyl- rechtlich relevante Verfolgungsgründe im Sinne von Art. 3 und Art. 7 AsylG glaubhaft zu machen, weshalb das BFM die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneinte und das Asylgesuch ablehnte. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). E-5760/2013 Seite 14 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 7. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaf t, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 S. 502). 7.1 Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei- sung sind alternativer Natur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwe- senheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748). Weil sich, wie nach- folgend dargelegt wird, der Vollzug der Wegweisung für den Beschwerde- führer als unzumutbar erweist, kann auf eine Erörterung der beiden ande- ren Voraussetzungen eines rechtmässigen Wegweisungsvollzugs verzich- tet werden. 7.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3 Das BFM führte zur Begründung der Zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs aus, weder die in Pakistan herrschende politische Situation noch andere Gründe sprächen gegen die Zumutbarkeit der Rückführung in den Heimatstaat. Soweit der Beschwerdeführer angebe, Medikamente zum Einschlafen und gegen Depressionen einnehmen zu müssen, sei anzu-E-5760/2013 Seite 15 merken, dass diese Arzneimittel in Pakistan erhältlich und die nötigen Ein- richtungen sowie das Fachpersonal zur Behandlung von Schlafstörungen und Depressionen vorhanden seien. 7.4 Der Beschwerdeführer wendet gegen diese Beurteilung der Zumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs zu Recht ein, das BFM habe nicht abge- klärt, ob ihm im Falle der Rückkehr aufgrund seiner Zugehörigkeit zu den Hazara eine Gefährdung gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG drohe. Angesichts der Tatsache, dass der Beschwerdeführer deutlich geltend machte, insbeson- dere aufgrund der Furcht vor Verfolgung wegen seiner Ethnie aus Pakistan geflohen zu sein und vor dem Hintergrund der – auch durch das BFM an- erkannten – prekären Lage der Schiiten in Quetta, greift die Begründung der Vorinstanz betreffend die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu kurz. Wenn sich auch eine asylrelevante Gefährdung des Beschwerdefüh- rers allein aus der Situation der Hazara in Belutschistan nicht ableiten lässt (vgl. oben E. 5.3), so ist diesem Aspekt bei der Würdigung des Wegwei- sungsvollzugs im Sinne eines Gefährdungsindizes Rechnung zu tragen. Das BFM wäre mithin zwingend gehalten gewesen, sich im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung unter Berücksichtigung allfälliger individueller Ge- fährdungshinweise mit den Auswirkungen der zahlreichen Übergriffe und Attentate auf Hazara bei einer allfälligen Rückkehr des Beschwerdeführers auseinanderzusetzen. Es ist daher festzustellen, dass das BFM die Begründungspflicht verletzt hat. Nachdem sich der Sachverhalt jedoch auch im Wegweisungsvollzugs- punkt als hinreichend erstellt erweist, das Bundesverwaltungsgericht i m Wegweisungsvollzugspunkt über volle Kognition verfügt (vgl. das zur Pub- likation bestimmte Urteil D-3622/2011 vom 8. Oktober 2014 E. 5.4–5.6) und dem Beschwerdeführer vorliegend durch den reformatorischen Entscheid kein Nachteil erwächst, kann eine Kassat ion der vorinstanzlichen Verfü- gung unterbleiben. 7.5 In Anwendung der Rechtsprechung gemäss BVGE E-4269/2013 stellt die Zugehörigkeit zur Gruppe der Hazara aus Quetta/ Pakistan für sich al- lein bereits ein starkes Indiz für die Unzumutbarkeit des Vollzugs dar. Kommt aufgrund der individuellen Situation des Beschwerdeführers noch ein zusätzliches Gefährdungsindiz hinzu, ist der Vollzug als unzumutbar zu bezeichnen. 7.6 Der Beschwerdeführer ist ein ethnischer Hazara pakistanischer Staats- angehörigkeit und schiitischen G laubens mit letztem Wohnsitz in Quetta. E-5760/2013 Seite 16 Wie oben ausführlich aufgezeigt wurde, ist die Lage in Quetta für Schiiten und insbesondere für Hazara gefährlich. Die Angriffe auf Hazara sind in den letzten Jahren deutlich massiver geworden, während gleichzeitig der Schutz vor ethnisch und religiös motivierten Übergriffen durch die örtlichen Behörden nur ungenügend gewährleistet ist. Für Schiiten besteht die ernst- zunehmende Gefahr von religiös motivierten Anschlägen, und für Hazara ist diese Gefahr zusätzlich gesteigert. Aufgrund dieser Feststellungen schätzt das Gericht die Lage zwar nicht als eine generelle Situation allgemeiner Gew alt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ein, zieht indessen daraus den Schluss, dass die Zugehörigkeit zur ethnisch-religiösen Minderheit der schiitischen Hazara als starkes Indiz für die Annahme der Unzumutbarkeit eines Wegweisungsvollzuges zu qualifi- zieren ist, wobei weiterhin eine Beurteilung nach den Regeln der Individu- alprüfung vorzunehmen ist. Ergibt sich aus der persönlichen Situation ei- nes Beschwerdeführers ein zusätzliches Gefährdungsindiz, das über die schwierige generelle Lage der Hazara in Quetta hinausgeht, ist der Weg- weisungsvollzug als unzumutbar zu bezeichnen (vgl. E-4269/2013 E. 9.4). Der Beschwerdeführer hat im vorinstanzlichen Verfahren glaubhaft darge- tan und mit Beweismitteln untermauert, dass er nach seinem Universitäts- abschluss in (…) von 1993 bis zu seiner Kündigung im August 2012 als leitender Angestellter einer Bank in Quetta tätig war. Er verfügt somit über ein Profil der höheren Bildungsschicht, aufgrund dessen eine erhöhte Gefahr für gezielte Angriffe ("targeted killings") besteht (vgl. E- 4269/2013 E. 6.5). Zudem engagierte er sich als Freiwilliger bei der Ba- lochistan Shia Conference sowie bei der schiitisch-religiösen Gruppierung "E._______" (vgl. das eingereichte Schreiben vom 15. Dezember 2012 der Balochistan Shia Conference Quetta sowie A16/13 F20 und F31 f. S. 3 und 7). Die Balochistan Shia Conference hat es sich zur Aufgabe gemacht, nach Anschlägen auf Hazara an die Medien zu treten, und fordert besseren Schutz der Bevölkerung durch die pakistanischen Behörden. Gegen Expo- nenten dieser Organisation hat es schon gezielte Anschläge gegeben. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei den Mitgliedern der Balochistan Shia Conference um Personen handelt, welche für die Rechte der Hazara einstehen und kämpfen und sich somit einer möglichen Gefahr aussetzen (vgl. E-4269/2013 E. 6.5). Obgleich eine besondere Exponierung des Be- schwerdeführers aufgrund seiner Tätigkeit als Volontär aus den Akten nicht ersichtlich ist respektive sich daraus keine asylrelevante Gefährdung ab-E-5760/2013 Seite 17 leiten lässt, so ist diesem Aspekt bei der Würdigung des Wegweisungsvoll- zugs als einem zusätzlichen Gefährdungsindiz Rechnung zu tragen. Unter Berücksichtigung aller Umstände erweist sich e ine Rückkehr des Be- schwerdeführers nach Quetta als unzumutbar. 7.7 Das Vorhandensein einer Aufenthaltsalternative für den Beschwerde- führer anderswo in Belutschistan oder ausserhalb seiner Heimatprovinz in Pakistan ist nicht ersichtlich. Zum einen ist die Situation für Hazara nicht nur in Quetta, wo mit Abstand die grösste Hazara-Gemeinde lebt, sondern auch an andern Orten unsi- cher. Gemäss den für das Urteil E -4269/2013 konsultierten Quellen war gerade die Sicherheitslage in Belutschistan der Grund dafür, dass sich die Hazara gezwungen sahen, sich auf wenige ghettoartige Gebiete in Quetta zu begrenzen, um den zunehmenden gezielten Anschlägen zu entgehen. Ausserhalb von Belutschistan sollen einzelnen Quellen zufolge zwar an- geblich schätzungsweise 300'000 Hazara leben, andererseits ist nahezu keine Information zu den Lebensum ständen und der Sicherheit von Ha- zara-Gemeinden ausserhalb Belutschistans erhältlich, und andere Quellen sprechen nur von sehr kleinen Hazara-Gemeinden in Pakistan ausserhalb der Provinz Belutschistan (vgl. zum Ganzen E-4269/2013 E. 6.3 und 9.5). Eine zuverlässige Einschätzung der Sicherheitslage der Hazara -Gemein- den ausserhalb der Provinz Belutschistan ist angesichts fehlender Quellen schwierig; immerhin muss aber davon ausgegangen werden, dass es auch dort zu Angriffen auf Schiiten und Hazara kommt. Zum anderen ergibt sich aus den Akten in glaubhafter Weise, dass der Be- schwerdeführer in Quetta aufgewachsen ist, dort die Schule und die Uni- versität besucht und nach seinem Masterabschluss seit 1993 als (…) bei der (...) Bank gearbeitet hat (vgl. A5/13 Ziff. 1.17.04 f. S. 4). Seine Fami- lienangehörigen leben ebenfalls alle in Quetta (vgl. A5/13 Ziff. 3.01 S. 5). Es bestehen mithin keine Anknüpfungspunkte ausserhalb des traditionel- len Siedlungsgebiets der Hazara. Eine zumutbare Aufenthaltsalternative in einem anderen Landesteil ist daher zu verneinen. 7.8 Damit steht fest, dass sich der Vollzug der Wegweisung des Beschwer- deführers nach Pakistan als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG erweist. Nachdem aufgrund der Akten keine Ausschlussgründe bestehen (Art. 83 Abs. 7 AuG), sind die Voraussetzungen für die Anordnung der vor- läufigen Aufnahme somit erfüllt. E-5760/2013 Seite 18 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde betreffend die Fest- stellung der Flüchtlingseigenschaft, die Gewährung von Asyl und die An- ordnung der Wegweisung abzuweisen ist. Betreffend den Vollzug der Weg- weisung ist sie gutzuheissen und das SEM ist anzuweisen, den Beschwer- deführer infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorläufig in der Schweiz aufzunehmen (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 AuG). 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten z ur Hälfte dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Auf deren Erhebung ist jedoch angesichts des am 17. Oktober 2013 gut- geheissenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten. 9.2 Schliesslich ist dem Beschwerdef ührer eine angemessene Parteient- schädigung für die ihm aus der Beschwerdeführung erwachsenen notwen- digen Kosten zuzusprechen (Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Diese ist aufgrund des bloss teilweisen Obsie- gens um die Hälfte zu kürzen. Auf die Einreichung einer Kostennote kann verzichtet werden, da sich der notwendige Aufwand hinreichend zuverläs- sig abschätzen lässt. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes- sungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zu Lasten des BFM eine um reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 500.– (inkl. Auslagen) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-5760/2013 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird betreffend Flüchtlingseigenschaft, Asyl und Wegwei- sung abgewiesen. 2. Im Übrigen wird die Beschwerde gutgeheissen. Die Dispositivziffern 4 und 5 der Verfügung des BFM vom 12. September 2013 werden aufgehoben und das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer in der Schweiz vor- läufig aufzunehmen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 500.– (inkl. Auslagen) zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi Versand: