21. März 1986 N 469 Interpellation Ziegler Verfahren von 4476 Personen, davon für 3893 Personen mit negativem Ausgang, abgeschlossen worden. Die Beschwer- den von 314 Personen führten zu einer ganzen oder teilwei- sen Gutheissung im Beschwerdeverfahren, jene von 269 Personen sind zurückgezogen worden. Die Beschwerden von 5533 Personen waren Ende 1985 noch hängig. Per Ende Dezember 1985 waren die Gesuche von 15387 Asylbewerbern erstinstanzlich noch nicht entschieden. Zusammen mit den pendenten Beschwerden von 5533 Per- sonen waren somit gesamthaft die Gesuche von 20 920 Personen hängig. Die Frage nach den im vergangenen Jahr erfolgten Ausrei- sen und Ausschaffungen kann nicht beantwortet werden. Eine systematische Erfassung aller Vollzugsmeldungen der Kantone wurde hingegen anlässlich der Realisierung eines grösseren EDV-Projektes im Bundesamt für Polizeiwesen jetzt eingeführt, so dass im Verlaufe dieses Jahres exakte zahlenmässige Angaben hinsichtlich des Vollzuges der Entscheide gemacht werden können. Im weiteren ist vorge- sehen, mit den Kantonen im Bereich der Vollzugskontrolle enger zusammenzuarbeiten. Was die Zahl der freiwillig Ausgereisten betrifft, ist allerdings auch zukünftig mit Unsicherheiten zu rechnen. Da dem Verfügungsadressaten vorerst eine Frist zur Erfüllung seiner Pflicht gesetzt wird, ist in Kauf zu nehmen, dass viele Aus- länder unser Land ohne eigentliche Abmeldung und anschliessende Grenzkontrolle verlassen. Scheint in diesen Fällen eine tatsächlich erfolgte Ausreise aufgrund der Re- cherchen des Kantons (an der Wohnadresse, bei den Für- sorgebehörden usw.) sehr wahrscheinlich zu sein, wird der betreffende Ausländer als Ausgereister vermerkt. Liegen hingegen keine entsprechenden Hinweise vor, kann auch nichts Endgültiges über seinen Aufenthaltsort gesagt wer- den. Analoge Schwierigkeiten treten bekanntlich auch in anderen Bereichen, so etwa im Bereich Arbeitsmarkt (Zahl der illegal Arbeitenden), auf. Ausländer, die im Jahre 1985 in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht haben, nach Staatsangehörigkeit Gesamttotal 9703 EUROPA 4501 AFRIKA 1132 AMERIKA 360 ASIEN 3706 STAATENLOS 4 EUROPA 4501 Jugoslawien 138 Polen 199 Rumänien 103 Tschechoslowakei 96 Türkei 3844 Ungarn 93 Uebrige 28 AFRIKA 1132 Aethiopien 101 Angola 371 Ghana 103 Zaire 442 Zentralafrikanische Rep. 21 Uebrige 94 AMERIKA 360 Chile 322 El Salvador 5 Peru 16 Uebrige 17 ASIEN 3706 Afghanistan 28 Bangladesh 34 Indien 114 Irak 12 Iran 162 Kampuchea 9 Libanon 107 Pakistan 286 Sri Lanka 2764 Syrien 29 Tibet 16 Vietnam 116 Uebrige 29 STAATENLOS 4 Ausländer, die im Jahre 1985 in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht haben, nach Kantonen Schweiz 9703 Zürich 893 Bern 1340 Luzern 365 Uri 11 Schwyz 37 Obwalden - Nidwaiden 2 Glarus 36 Zug 56 Freiburg 304 Solothurn 109 Basel-Stadt 1767 Basel-Landschaft 270 Schaffhausen 47 Appenzell A.Rh. 9 Appenzell I.Rh. 7 St. Gallen 337 Graubünden 301 Aargau 350 Thurgau 97 Tessin 583 Waadt 1517 Wallis 216 Neuenburg 127 Genf 583 Jura 339 Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates teilweise befriedigt. #ST# 85.577 Interpellation Ziegler Abgasnormen für schwere Nutzfahrzeuge Gaz d'échappement. Normes applicables aux véhicules utilitaires lourds Wortlaut der Interpellation vom 26. September 1985 Kürzlich hat der Bundesrat beschlossen, für Personenwa- gen verschärfte Abgasgrenzwerte (US-Norm 83) auf den I.Oktober 1987 einzuführen. Für leichte Nutzfahrzeuge (Gesamtgewicht bis 35OO kg) gilt die entsprechende US- Norm 83 ab dem 1. Oktober 1988. In diesem Zusammenhang erbitte ich vom Bundesrat Aus- kunft auf folgende Frage: Auf welchen Zeitpunkt gedenkt der Bundesrat, auch für schwere Nutzfahrzeuge entsprechende Abgasnormen und Partikelvorschriften einzuführen? Texte de l'interpellation du 26 septembre 1985 Le Conseil fédéral a décidé récemment d'abaisser les . valeurs limites des gaz d'échappement valables pour les voitures de tourisme (prescriptions «US-Federal 83»); cesInterpellation Wyss 470 N 21 mars 1986 normes entreront en vigueur le 1er octobre 1987. Quant aux véhicules utilitaires légers, dont le poids total n'excède pas 3500 kg, des prescriptions analogues (cf. «US-Federal 83») seront applicables à partir du 1er octobre 1988: Je prie donc le Conseil fédéral de répondre à la question suivante: Pour quelle date entend-il abaisser également les valeurs limites des gaz d'échappement s'appliquant aux véhicules utilitaires lourds et introduire des prescriptions limitant les émissions de particules par ces véhicules? Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 2. Dezember 1985 Rapport écrit du Conseil fédéral du 2 décembre 1985 Schwere Motorwagen sind heute praktisch ausschliesslich mit Dieselmotoren ausgerüstet. Der Bundesrat hat bereits am 22. Mai 1985 (Antwort auf die Interpellation der LdU/ EVP-Fraktion vom 22. März 1985; Dieselfahrzeuge. Emis- sionsbegrenzung) über den Stand der Dinge betreffend Abgas- und Partikelvorschriften für Dieselfahrzeuge infor- miert. Der Bundesrat wird Umfang und Zeitpunkt des Inkrafttre- tens der Abgasnormen für schwere Dieselfahrzeuge voraus- sichtlich 1986 festlegen. Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates befriedigt. #ST# 85.950 Interpellation Wyss Volksinitiativen. Karenzfristen Initiatives populaires. Délais d'attente Wortlaut der Interpellation vom 10. Dezember 1985 Am 1. Dezember 1985 haben Volk und Stände die Volksin- itiative «für die Abschaffung der Vivisektion» massiv verwor- fen. Bereits am 3. Dezember 1985 lancierten zwei Ver- einigungen von Vivisektionsgegnern eine neue, noch radi- kalere Volksinitiative «zur Abschaffung der Tierversuche und der Vivisektion». Generell ist eine zunehmende Tendenz unterlegener Initian- ten festzustellen, selbst klare Volksentscheide nicht mehr anzuerkennen und stattdessen sogleich neue Volksinitiati- ven mit gleicher oder ähnlicher Stossrichtung zu lancieren. Die rechtsstaatliche Demokratie wird auf diese Weise ausge- höhlt. Natürlich darf das wichtige Recht der Volksinitiative nicht eingeschränkt, aber offensichtlicher Missbrauch muss verhindert werden. Ich frage daher den Bundesrat an, ob es nicht angebracht wäre, die Frage erneut abzuklären, wie Volksinitiativen mit einer Karenzfrist belegt werden könnten, deren Dauer und Modalitäten im einzelnen festzulegen wären. Texte de l'interpellation du 10 décembre 1985 Le 1 er décembre 1985, le peuple et les cantons ont repoussé catégoriquement l'initiative populaire «pour la suppression de la vivisection». Or, le 3 décembre 1985 déjà, deux grou- pements d'adversaires de cette pratique ont lancé une nou- velle initiative populaire encore plus radicale, «pour l'aboli- tion de l'expérimentation animale et de la vivisection». Sur un plan général, les auteurs d'initiatives rejetées ont de plus en plus tendance à ne plus accepter des verdicts pourtant fort nets du souverain; bien au contraire, ils sont enclins à lancer aussitôt de nouvelles initiatives populaires allant dans le même sens ou dans une direction voisine. De cette façon-là, le système démocratique de l'Etat fondé sur le droit est vidé de sa substance. Bien entendu, l'institution fondamentale que constitue le droit d'initiative populaire doit demeurer intangible; mais il faut quand même empê- cher tout abus manifeste. C'est pourquoi je demande au Conseil fédéral s'il ne serait pas indiqué d'envisager une fois encore quels voies et moyens permettraient d'assortir les initiatives populaires d'un délai d'attente, la durée et les modalités de celui-ci devant encore être fixées en détail. Mitunterzeichner - Cosignataires: Aliesch, Ammann-Bern, Aregger, Aubry, Auer, Basler, Berger, Blocher, Blunschy, Bonnard, Bonny, Bremi, Bühler-Tschappina, Bürer-Walen- stadt, Candaux, Cavadini, Cevey, de Chastonay, Chopard, Cincera, Columberg, Cottet, Cotti Flavio, Cotti Gianfranco, Couchepin, Coutau, Darbellay, Dirren, Dubois, Dünki, Dupont, Eggenberg-Thun, Eggli-Winterthur, Eggly-Genève, Eisenring, Eng, Eppenberger-Nesslau, Etique, Feigenwinter, Fischer-Hägglingen, Fischer-Sursee, Flubacher, Frei- Romanshorn, Frey-Neuchâtel, Früh, Gautier, Geissbühler, Giger, Giudici, Graf, Grassi, Hess, Hofmann, Hösli, Houmard, Humbel, Hunziker, Jeanneret, Jung, Keller, Kohler Raoul, Koller Arnold, Kühne, Künzi, Landoli, Loretan, Lüchinger, Maître-Genève, Massy, Mühlemann, Müller-Scharnachtal, Müller-Meilen, Nebiker, Nef, Neuenschwander, Nussbaumer, Oester, Ogi, Perey, Pfund, Pini, Reich, Revaclier, Rime, Risi- Schwyz, Rubi, Rutishauser, Rüttimann, Sager, Salvioni, Savary-Fribourg, Savary-Vaud, Schärli, Schmidhalter, Schnyder-Bern, Schule, Schwarz, Segmüller, Seiler, Soldini, Spalti, Spoerry, Stamm Judith, Steinegger, Stucky, Thévoz, Tschuppert, Uhlmann, Villiger, Wagner, Wanner, Weber- Schwyz, Wellauer, Widmer, Zwingli (115) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 12. Februar 1986 Rapport écrit du Conseil fédéral du 12 février 1986 1. Nach dem klaren Wortlaut des Artikels 118 der Bundes- verfassung ist deren Revision jederzeit möglich. Das bedeu- tet, dass eine von Volk und Ständen entschiedene Verfas- sungsfrage zu jedem Zeitpunkt wieder aufgegriffen und erneut zur Abstimmung gebracht werden kann. 2. Gelegentlich werden Stimmen laut, die eine Art Rechts- ruhe fordern, eine Sperr- oder Karenzfrist, die verhindern soll, dass Entscheide des Souveräns in Frage gestellt wer- den, bevor eine gewisse Zeit verstrichen ist. Die vorliegende Interpellation zielt in die gleiche Richtung. Ihr schwebt eine - noch zu definierende-Karenzfrist vor, allerdings blossfür Volksinitiativen, nicht auch für Verfassungsvorlagen der Bundesversammlung. Soll dem Anliegen entsprochen werden? a) Eine Karenzfrist könnte nur durch Revision der Bundes- verfassung eingeführt werden; deren Artikel 118 Hesse ein anderes Ergebnis nicht zu. Solange dieser Artikel unverän- dert besteht, geht es nicht an, den Umstand als Missachtung des Volkswillens oder gar als Missbrauch eines Volksrechts zu brandmarken, dass immer wieder und in rascher Folge neue Initiativen in der gleichen Sache lanciert werden. Eine andere Frage ist, ob ein solches Vorgehen in jedem Fall politisch klug ist, ob es den Stimmbürger nicht ermüdet und von ihm nicht als Zwängerei empfunden wird. b) Es kann nicht zweifelhaft sein, dass das Volksrecht der Verfassungsinitiative durch Einführung einer Karenzfrist empfindlich eingeschränkt würde. Was in breiten Kreisen gefordert wird, ist aber nicht eine Beschneidung dieses Volksrechts, sondern sein Ausbau. c) Kantonsverfassungen müssen von Bundesrechts wegen jederzeit revidierbar sein, «wenn die absolute Mehrheit der Bürger es verlangt» (Art. 6 Abs. 2Bst. cBV). Diese Vorschrift könnte kaum mehr aufrechterhalten werden, wenn die jederzeitige Revidierbarkeit der Bundesverfassung einge- schränkt würde.Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Ziegler Abgasnormen für schwere Nutzfahrzeuge Interpellation Ziegler Gaz d'échappement. Normes applicables aux véhicules utilitaires lourds In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1986 Année Anno Band I Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 17 Séance Seduta Geschäftsnummer 85.577 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 21.03.1986 - 08:00 Date Data Seite 469-470 Page Pagina Ref. No 20 014 228 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.