B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6023/2018, D-6025/2018 lan U r t e i l v o m 2 0 . D e z e m b e r 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richterin Mia Fuchs; Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. Parteien A._______, geboren am (…), und deren Kinder B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), Syrien, alle vertreten durch Fouad Kermo, Übersetzungs- und Rechtsberatungsbüro im Asylwesen, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügungen des SEM vom 19. September 2018 / N (…). D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden, syrische Staatsangehörige kurdischer Eth- nie, verliessen ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im Jahr 2015 und gelangten über die Türkei, Griechenland sowie mehrere europäische Länder am 3. Oktober 2015 in die Schweiz. Im Empfangs- und Verfahrens- zentrum (EVZ) D._______ stellten sie am 6. Oktober 2015 ein Asylgesuch, woraufhin A._______ (nachfolgend: Mutter) am 20. Oktober 2015 im Rah- men einer Befragung zur Person (BzP) zu ihren persönlichen Umständen, zum Reiseweg sowie summarisch zu ihren Asylgründen befragt wurde. Mit Verfügung vom 20. November 2015 trat das SEM auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht ein mit der Begründung, Ungarn sei für ihr Asylverfahren zuständig. Gegen diesen Entscheid erhoben sie mit Eingabe vom 10. Dezember 2015 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Am 19. April 2016 hob das SEM seine Verfügung vom 20. November 2015 auf, nahm das Asylverfahren der Beschwerdeführenden wieder auf und ent- schied, ihr Asylgesuch in der Schweiz zu prüfen. A.b Das SEM hörte die Mutter am 29. Januar 2018 einläs slich zu ihren Asylgründen an. Dabei machte sie im Wesentlichen geltend, sie habe vor der Ausreise zusammen mit ihren Kindern in E._______ gelebt. Ihr Ehe- mann habe sich früher politisch für die kurdische F._______-Partei enga- giert. Aus diesem Grund seien häufig Sicherheitsleute bei ihnen zu Hause vorbeigekommen, was auch die Kinder in grosse Angst versetzt habe. Drei- mal habe man ihren Ehemann festgenommen, ihn aber jeweils rasch wie- der freigelassen, nachdem sich Parteikollegen für ihn eingesetzt hätten. Sie habe ihm schliesslich vorgeschlagen, zu seiner Schwester nach G._______ zu gehen. Dort habe man ihn jedoch wiederum festgenommen, woraufhin sie mehrere Jahre nichts mehr von ihm gehört habe und mit den Kindern alleine gewesen sei. Ihr älterer Sohn H._______ habe etwa drei Jahre Militärdienst geleistet und sei nicht entlassen worden, weil der Bür- gerkrieg ausgebrochen sei. Da sie in E._______ vis-à-vis eines Friedhofes gewohnt hätten, habe sie fast täglich zwei bis drei Leichenzüge vorbeizie- hen sehen. Dies habe sie in grosse Angst versetzt, zumal sie nichts von H._______ gehört und stets damit gerechnet habe, die Nachricht von sei- nem Tod zu erhalten. Sie habe deshalb nach einem Weg gesucht, um ihn aus dem Militärdienst herauszuholen, und schliesslich j emanden gefun- den, der ihm bei der Desertion geholfen habe. Danach hätten sie ihn sofort in die Türkei geschickt. In E._______ seien zudem verschiedene Gruppie-D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 3 rungen aufgetaucht, welche versucht hätten, ihre anderen Kinder zu rekru- tieren. Obwohl die ältere Tochter bereits verheiratet gewesen sei, sei sie dermassen überzeugt worden, dass sie ihren Ehemann verlassen habe, um sich den „Apoci“ (Anhän-ger des Kurdenführers Abdullah Öcalan) an- zuschliessen. Sie habe befürchtet, ihre zweite Tochter – die sich auch fast hätte überzeugen lassen – werde sich ebenfalls einer bewaffneten Grup- pierung anschliessen. Um sie sowie den jüngeren Sohn vor der Rekrutie- rung zu bewahren, habe sie sich zur Ausreise entschlossen. Kurz vor ihrer Ausreise habe sie erfahren, dass ihr Ehe mann noch am Leben sei. Das Gefängnis, in dem er festgehalten worden sei, sei bombardiert worden, weshalb die Gefangenen hätten verlegt werden müssen. Mithilfe eines An- walts und durch Bestechung sei ihr Mann schliesslich freigelassen worden, nachdem er (…) Jahre lang im Gefängnis gewesen sei. Zurzeit halte er sich in E._______ auf, versuche aber, das Land zu verlassen. A.c Ebenfalls am 29. Januar 2018 wurde die damals (…)-jährige B._______ (nachfolgend: Tochter) zu ihren Asylgründen angehört. Dabei führte sie aus, sie stamme aus E._______, wo sie vis-à-vis eines Friedho- fes gewohnt hätten. Täglich seien etwa sechs Leichenzüge vorbeigekom- men, sowohl mit Männern, die für das Regime gekämpft hätten, als auch mit Kurden. Dies habe sie stark traumatisiert. Die Ausreise aus Syrien sei aber gegen ihren Willen erfolgt und sie würde, wenn es in ihrer Hand läge, sofort zurückkehren. Sie würde zur Waffe greifen und in I._______ für die Sache der Kurden kämpfen. Ein Onkel sowie zwei Cousins seien bereits als Märtyrer im Kampf gefallen. Persönlich habe sie in Syrien im Wesentli- chen keine Probleme gehabt. Da ihr Vater infolge seiner Inhaftierung nicht anwesend gewesen sei, sei das Leben aber schwierig gewesen; sie sei deswegen in der Schule auch gemobbt worden. Seit einigen Monaten habe sie nun wieder Kontakt zu ihrem Vater, nachdem sie ihn (…) Jahre lang nicht mehr gesehen habe. Zurzeit halte er sich in E._______ auf, er könne aber sein Zuhause nicht verlassen, weil sein Leben draussen in Gefahr sei. Zudem seien die syrischen Behörden früher oft bei ihnen vorbeigekommen und hätten jeweils die Türe aufgeschlagen, was sie psychisch sehr belastet habe. In der letzten Zeit vor der Ausreise seien sie aber in Ruhe gelassen worden, vor allem nachdem die Apoci mehr präs ent gewesen seien. Die Apoci seien auch bei den Familien vorbeigekommen und hätten Propa- ganda gemacht respektive sich für die Sache der Kurden eingesetzt. Dabei hätten sie ihre Schwester rekrutiert, welche ihren Ehemann verlassen habe, um sich ihnen anzuschliessen. Sodann sei ihr älterer Bruder aus dem Militärdienst desertiert und habe das Land verlassen. Später sei auch ihre Mutter zusammen mit dem kleinen Bruder in die Türkei gegangen. Da D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 4 ihre Schwester noch die Maturaprüfungen habe ablegen wollen, seien sie beide bei einer Tante in Syrien geblieben. Zudem hätten sie auch nicht ge- nügend Geld für die Ausreise gehabt. Einige Monate später seien sie dann ihrer Mutter in die Türkei gefolgt. A.d Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden folgende Doku- mente im Original ein: den Pass sowie die Identitätskarte der Mutter, den Pass von C._______ sowie das Familienbüchlein. B. Mit am Folgetag eröffneten Verfügungen vom 19. September 2018 – für die Tochter wurde eine separate Verfügung erlassen – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz . Gleichzeitig ordnete es infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs eine vorläufige Aufnahme an. C. Unter Beilage einer Vollmacht vom 16. Oktober 2018 ersuchte der Rechts- vertreter der Beschwerdeführenden das SEM mit Eingabe vom 17. Oktober 2018 – Eingang beim SEM am 23. Oktober 2018 – um Einsicht in die Ver- fahrensakten. D. Mit Eingabe vom 22. Oktober 2018 erhoben die Beschwerdeführenden , handelnd durch ihren Rechtsvertreter, beim Bundesverwaltungsgericht Be- schwerde gegen die Verfügungen vom 19. September 2018. Darin wurde deren Aufhebung sowie die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständigen und richtigen Abklärung des Sachverhalts und zur Neubeur- teilung beantragt. Eventualiter seien die angefochtenen Verfügungen auf- zuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren. Ebenfalls eventualiter wurde be- antragt, die Beschwerdeführenden seien als Flüchtlinge anzuerkennen. In prozessualer Hinsicht beantragt en die Beschwerdeführenden, es sei ihnen Einsicht in sämtliche ihrer Asylakten zu gewähren und danach eine Frist zur Ergän zung der Beschwerdebegründung anzusetzen. Zudem er- suchten sie gestützt auf Art. 65 Abs. 1 VwVG um unentgeltliche Rechts- pflege sowie Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. E. Das SEM gewährte den Beschwerdeführenden am 8. November 2018 die D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 5 verlangte Akteneinsicht. Daraufhin setzte das Bundesverwaltungsgericht den Beschwerdeführenden mit Zwischenverfügungen vom 12. November 2018 eine Frist zur Ergänzung der Beschwerde n sowie zur Einreichung einer Fürsorgebestätigung an. Mit Eingaben vom 26. November 2018 wur- den fristgerecht Beschwerdeergänzung en eingereicht. Ebenfalls zu den Akten gegeben wurden zwei Schreiben der (…), datierend vom 20. Novem- ber 2018. Demnach werde die Mutter von der Fürsorge unterstützt, wäh- rend hinsichtlich der Tochter eine Fürsorgeunabhängigkeitsbestätigung eingereicht wurde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerden und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde n sind frist- und formgerecht eingereicht. Die Be- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene n Verfügungen besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerden ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 6 3. 3.1 Aufgrund der in persönlicher und sachlicher Hinsicht engen Zusam- menhänge der vorliegenden Beschwerdeverfahren sowie aus prozessöko- nomischen Gründen werden diese vereinigt. Über die Beschwerden wird somit in einem einzigen Urteil befunden. 3.2 In der Beschwerdeschrift – welche inhaltlich in den Verfahren D-6023/2018 und D -6025/2018 identisch ist – wurde einl eitend gerügt, dass das SEM das Verfahren betreffend die minderjährige Tochter separat geführt und einen separaten Asylentscheid gefällt habe. In der Beschwer- deergänzung im Verfahren D-6025/2018 wurde erneut festgehalten, es sei unverständlich, weshalb ein eigener Asylentscheid für die Tochter erlassen worden sei. Deren Vorbringen hinge gen eindeutig mit jenen ihrer Mutter zusammen; sie seien aus denselben Gründen aus Syrien geflüchtet. Durch die Trennung der Verfahren habe das SEM einen schwerwiegenden Ver- fahrensfehler begangen. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Verfahren von minderjährigen Kindern und ihren Eltern zwar oft in einer einzigen Verfügung zusammengefasst werden. Ein Anspruch darauf, dass so vorgegangen wird, besteht jedoch nicht. Vorliegend ist den Beschwer- deführenden durch den Erlass von zwei separaten Verfügungen denn auch kein Nachteil entstanden. Die beiden Asylentscheide wurden am gleichen Tag gefällt und von derselben Sachbearbeiterin erstellt. Die Verfahren wur- den offensichtlich koordiniert behandelt, weshalb nicht ersichtlich ist, inwie- fern der Erlass zweier separater Verfügungen einen schwerwiegenden Ver- fahrensfehler darstellen soll. 4. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um solche Beschwerden, wes- halb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 Auf Beschwerdeebene wird insbesondere gerügt, das SEM habe das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden in schwerwiegender Weise verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt. D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 7 Diese formellen Rügen sind vorgängig zu prüfen, da sie zu einer Rückwei- sung der Sache an die Vorinstanz führen könnten. 5.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest ( Untersuchungsgrundsatz). Dabei muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter- lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen . Der Untersuc hungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Dazu gehört unter anderem, an der Feststellung des Sach- verhalts mitzuwirken und in der Anhörung die Asylgründe darzulegen, all- fällige Beweismittel vollständig zu bezeichnen und unverzüglich einzu- reichen (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver- haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach- verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid wesen tlichen Sa- chumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal- tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zü- rich/Basel/Genf 2013, Rz. 1043). Die Behörde ist allerdings nicht verpflich- tet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzu- stellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. Urteil des BVGer D-313/2018 vom 8. August 2018 E. 4.2.1). Gemäss Art. 32 Abs. 1 VwVG sind sodann alle erheblichen Parteivorbringen zu prüfen und zu wür- digen. 5.3 In den Beschwerdeeingaben wird vorgebracht, das SEM habe seine Abklärungspflicht verletzt, indem es die Dossiers der in der Schweiz leben- den Verwandten und insbesondere jenes des älteren Sohne s respektive Bruders H._______ nicht ausreichend berücksichtigt habe. Hierzu ist an- zumerken, dass die Beschwerdeführenden während des vorinstanzlichen Verfahrens an keiner Stelle eine enge Konnexität ihrer Asylgründe zu jenen ihrer Verwandten – mit Ausnahme von H._______ – oder eine Reflexver- folgung in diesem Zusammenhang geltend machte n. Es bestand somit kein Anlass, deren Dossier für die Beurteilung der Vorbringen der Be- schwerdeführenden beizuziehen. Demgegenüber lässt sich den angefoch- tenen Verfügungen e ntnehmen, dass die Akten des Verfahrens von D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 8 H._______ (N […]) vom SEM durchaus beigezogen wurden. Dies wird von den Beschwerdeführenden auch nicht bestritten. E s wird aber kritisiert, dass keine eingehende Auseinandersetzung mit den Akten von H._______ stattgefunden habe. Nach Durchsicht des Dossiers N (…) ist jedoch fest- zuhalten, dass sich diesem keine Hinweise auf eine Reflexv erfolgung der Beschwerdeführenden entnehmen lassen. Das SEM hat die Akten des Sohnes respektive Bruders richtigerweise beigezogen und in seiner Ent- scheidfindung berücksichtigt. Nachdem sich daraus jedoch keine Anhalts- punkte für eine Reflexverfolgung der Beschwerdeführenden ergeben, war es auch nicht gehalten, sich in den angefochtenen Verfügungen eingehen- der mit diesen auseinanderzusetzen. Somit liegt in dieser Hinsicht keine Verletzung der Abklärungspflicht vor. 5.4 Weiter wurde in der Beschwerdeergänzung im Verfahren D-6023/2018 gerügt, das SEM habe es unterlassen, in seiner Verfügung den Umstand, dass A._______ ihrem Sohn bei der Desertion geholfen habe, auf seine Asylrelevanz zu prüfen. Das SEM erwähnte dieses Vorbringen im Sachver- halt seiner Verfügung, ging darauf in der Folge aber nicht weiter ein. Dazu ist anzumerken, dass die Mutter zwar bei der Frage nac h ihren Asylgrün- den ausführte, dass ihr Sohn Militärdienst habe leisten müssen und schliesslich desertiert sei (vgl. Akten SEM A38, F27). Ihren Befragungen lässt sich aber an keiner Stelle entnehmen, dass sie in diesem Zusammen- hang einer (Reflex-)Verfolgung ausgesetzt gewesen wäre. Vor diesem Hin- tergrund ist davon auszugehen, dass das SEM diese Umstände als nicht entscheidwesentlich erachtet hat. Es ist denn auch nicht erforderlich, dass die Vorinstanz jedes einzelne Detail, welches von einer asylsuchenden Person vorgebracht wird, in ihrem Entscheid eingehend prüft; vielmehr kann sie sich dabei auf die wesentlichen Elemente beschränken. Nachdem die Mutter im Rahmen ihrer Befragungen nicht darlegte, dass sie infolge der Desertion ihres Sohnes Nachteile erlitten hätte respektive inwiefern sie deswegen befürchte, solche in Zukunft zu erleiden, ist es nicht als Verlet- zung des rechtlichen Gehörs zu werten, dass das SEM nicht weiter auf dieses Vorbringen einging. 5.5 Sodann wurde von den Beschwerdeführenden gerügt, das SEM habe es unterlassen, ihre Vorbringen vollständig abzuklären und sich im Wesent- lichen darauf beschränkt, zu behaupten, diese seien nicht asylrelevant. Es hätten zwingend weitere Abklärungen, insbesondere eine weitere Anhö- rung, durchgeführt werden müssen. Das SEM habe sich mit der Verfolgung des Ehemannes respektive Vaters nur ungenügend auseinandergesetzt D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 9 und deshalb den Zusammenhang zwischen dessen asylrelevanter Verfol- gung und derjenigen der Beschwerdeführenden verkannt. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten werde der Ehemann als Oppositioneller und Landes- verräter angesehen und von den syrischen Behörden verfolgt. Als dessen Ehefrau werde auch A._______ verfolgt, allein aufgrund des Umstands, dass sie mit einem gesuchten Landesverräter verheiratet s ei. Indem das SEM auf die Verfolgung des Ehemannes nur rudimentär eingegangen sei, habe es den Sachverhalt ungenügend abgeklärt und dadurch das rechtli- che Gehör der Beschwerdeführenden verletzt. Hierzu ist festzuhalten, dass sich das SEM in der angefochtenen Verfügung zur Verfolgung des Ehe- mannes geäussert hat und d abei zum Schluss kam, daraus lasse sich keine asylrelevante Verfolgung der Mutter ableiten. In der Beschwerde- schrift wird denn auch nicht dargelegt, inwiefern in dieser Hinsicht eine wei- tere Anhörung erforderlich gewesen wäre oder welche weiteren Abklärun- gen angezeigt gewesen sein sollen. Entgegen der Auffassung der Be- schwerdeführenden sind die wesentlichen Umstände der vorgebrachten Verfolgung des Ehemannes in der Verfügung des SEM aufgeführt und be- rücksichtigt worden. Konkrete Hinweise darauf, dass entscheidrelevante Aspekte nicht erwähnt worden wären, lasse n sich weder den Akten noch den Beschwerdeeingaben entnehmen. Aus dem Umstand, dass das SEM hinsichtlich der Verfolgung des Ehemannes respekt ive deren Auswirkun- gen auf die Situation der Beschwerdeführenden zu einem anderen Schluss kam als diese, lässt sich keine Verletzung des rechtlichen Gehörs ableiten. Die entsprechende Rüge erweist sich damit als unbegründet. 5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das SEM seiner Abklärungs- pflicht nachgekommen ist und das rechtliche Gehör der Beschwe rdefüh- renden nicht verletzt hat. Der Sachverhalt erweist sich als richtig und voll- ständig festgestellt und es besteht keine Veranlassung, die Sache zur Neu- beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 10 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfä lschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6.3 Eine sogenannte Reflexverfolgung liegt vor, wenn Angehörige von po- litischen Aktivisten staatlichen Repressalien ausgesetzt sind. Dies kann flüchtlingsrechtlich relevant sein im Sinne von Art. 3 AsylG, allerdings hän- gen die Wahrscheinlichkeit einer Reflexverfolgung und deren Intensität stark von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab. Im Rahmen einer sorgfältigen Prüfung des Einzelfalles ist somit zu ermitteln, ob die Furcht vor Verfolgung begründet sowie ob diese sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat ist (vgl. Urteil des BVGer E-6076/2014 vom 27. Februar 2015 E. 4.3). 7. 7.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Entscheide aus, die Vorbringen der Beschwerdeführenden seien nicht asylrelevant. Auch wenn die Situa- tion in Syrien schwierig sei, so seien die von ihnen beschriebenen Nach- teile – beispielsweise die Leichenzüge, die täglich an ihrem Haus vorbei- gekommen seien – auf die zurzeit dort herrschende Lage zurückzuführen, welche sämtliche Bewohner des Gebietes gleichermassen treffe . Weiter liege auch im Zusammenhang mit der politischen Tätigkeit des Ehemannes respektive Vaters keine Verfolgung der Beschwerdeführenden vor. Die früheren Besuche durch di e Sicherheitsbehörden seien möglicherweise unangenehm und belastend gewesen, wiesen aber nicht die erforderliche Intensität und Gezieltheit hinsichtlich der Beschwerdeführenden auf, um als asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG erachtet zu werden. Nach der Festnahme des Ehemannes respektive Vaters seien sie nicht weiter durch die Sicherheitskräfte belästigt worden, weshalb nicht davon auszugehen sei, sie hätten aufgrund einer Reflexverfolgung zukünftige Nachteile zu be- fürchten. Hinsichtlich der Rekrutierungsversuche der Tochter und ihrer Ge- schwister gelte es festzuhalten, dass nicht ersichtlich sei, inwiefern sie in diesem Zusammenhang das Interesse der syrischen Behörden geweckt haben könnten. Da eine (Reflex-)Verfolgung aufgrund dieser Ereignisse als unwahrscheinlich einzustufen sei, komme auch diesen Vorbringen keine Asylrelevanz zu. D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 11 7.2 In den Beschwerdeeingaben wurde geltend gemacht, das SEM habe den Zusammenhang zwischen der asylrelevanten Verfolgung des Ehe- mannes respektive Vaters und derjenigen der Beschwerdeführenden ver- kannt und diesen nur ungenügend abgeklärt. Aufgrund der politischen Tä- tigkeiten ihres Ehemannes werde die Mutter als Ehefrau eines Oppositio- nellen und Landesverräters betrachtet und hätte eine asylrelevante Verfol- gung von Seiten des syrischen Regimes zu befürchten. Sie müsse folglich bei einer Rückkehr mit einer Inhaftierung und Befragung durch die syri- schen Behörden rechnen, wobei nicht ausgeschlossen werden könne, dass sie gefoltert würde. Unzutreffend sei auch die Feststellung der Vor - instanz, dass es nach der Festnahme des Ehemannes zu keinen weiteren Besuchen der syrischen Behörden gekommen sei. Vielmehr habe die Mut- ter ausgeführt, dass die Behörden danach noch zweimal bei ihr zu Hause vorbeigekommen seien. Weiter sei darauf hinzuweisen, dass der Ehemann weiterhin durch die syrischen Behörden verfolgt werde und nur durch Be- stechung das Gefängnis habe verlassen können. Die Tochter habe zudem angegeben, ihr Vater könne E._______ derzeit nicht verlassen, weil ihn das syrische Regime jederzeit wieder verhaften könnte. Aufgrund der Verfol- gung ihres Ehemannes werde auch die Mutter von den syrischen Behör- den verfolgt, da sie seit mehreren Jahren mit einem von der syrischen Re- gierung gesuchten Landesverräter verheiratet sei . Sodann müsse auf- grund der Beihilfe der Mutter zur Desertion von H._______ davon ausge- gangen werden, dass sie auch deswegen asylrelevant verfolgt werde. Falls die Flüchtlingseigenschaft verneint werden sollte, wäre in schwieriger Ab- grenzung die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs wegen einer dro- henden Verletzung von Art. 3 EMRK festzustellen, da die Beschwerdefüh- renden bei einer Rückkehr eine unmenschliche Behandlung zu befürchten hätten. 8. 8.1 Die Mutter erklärte anlässlich ihrer Anhörung, sie sei in Syrien nicht persönlich gefährdet gewesen, sondern habe durch die Ausreise in erster Linie die Rekrutierung ihrer Kinder durch bewaffnete Gruppierungen ver- hindern wollen. Es sei ihre grösste Sorge gewesen, dass die Kinder sich am Krieg beteiligen würden (vgl. Akten SEM A38, F29 f.). Auch im Rahmen ihrer BzP führte sie aus, sie seien wegen der a llgemein schlechten Lage und des Bürgerkriegs geflüchtet, da ihre älteste Tochter für den Kampf re- krutiert worden sei und sie Angst um ihre anderen Kinder gehabt habe (vgl. Akten SEM A5 Ziff. 7.01). Die Furcht vor einer möglichen Rekrutierung der eigenen Kinder durch bewaffnete Gruppierungen ist zwar verständlich, es D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 12 lässt sich daraus aber keine Verfolgung aus einem der in Art. 3 AsylG ge- nannten Motive ableiten. Auch die Tochter führte bei ihrer Anhörung aus, dass sie in Syrien keine persönlichen Probleme gehabt habe, abgesehen davon, dass sie in der Schule gemobbt worden sei (vgl. Akten SEM A39, F24). Zudem bezeichnet sie zwar das Leben in Syrien nach der Verhaftung ihres Vaters als schlecht, gibt jedoch gleichzeitig an, sie würde – hätte sie die Möglichkeit – nach Syrien zurückkehren, um in I._______ für die Kur- den zu kämpfen (vgl Akten SEM A39, F22 f. und F29). Die schwierige Le- benssituation der Beschwerdeführenden in ihrer Heimat stellt jedoch ebenso wenig einen Asylgrund im Sinne von Art. 3 AsylG dar wie die allge- mein schlechte Lage in Syrien im Z usammenhang mit dem Bürgerkrieg. Das SEM hat die entsprechenden Vorbringen somit zu Recht als nicht asyl- relevant angesehen. 8.2 Auf Beschwerdeebene wurde insbesondere geltend gemacht, dass die Mutter ihrem Sohn H._______ geholfen habe, aus dem Militärdienst zu de- sertieren und in die Türkei zu fliehen. Dies sei einer der Gründe, weshalb sie Syrien habe verlassen müssen. Im Rahmen ihrer Anhörung führte sie aber lediglich aus, sie hätten jemanden gefunden, der ihrem Sohn bei der Desertion geholfen habe, und ihn danach sofort in die Türkei geschickt (vgl. Akten SEM A38, F27). Es wird nicht we iter präzisiert, welchen konkreten Beitrag die Mutter zur Desertion geleistet habe. Ihre Angaben lassen viel- mehr darauf schliessen, dass sie nur am Rande involviert gewesen war. Es erscheint äusserst unwahrscheinlich, dass die syrischen Behörden die Mutter aufgrund ihrer Beihilfe zur Desertion ihres Sohnes verfolgen wer- den, zumal diesen kaum bekannt sein dürfte, inwiefern sie ihn dabei unter- stützt haben soll. Diese Schlussfolgerung drängt sich auch vor dem Hinter- grund auf, dass die Beschwerdeführenden Syrien deutlich nach der Aus- reise von H._______ verlassen haben und sich den Akten keine Hinweise darauf entnehmen lassen, dass sie in der Zwischenzeit aufgrund dessen Desertion von den Behörden belangt worden wären. Es ist zwar nicht ganz klar, wie viel Zeit zwischen der Ausreise von H._______ und jener der Be- schwerdeführenden lag. Die Mutter führte hierzu aus, sie seien „lange nach seinem Weggang“ ausgereist, was sie dahingehend präzisiert e, ihre Aus- reise habe etwa sieben Monate danach stattgefunden (vgl. Akten SEM A38, F35). Diese zeitliche Einordnung dürfte jedoch nicht zutreffen, da die Beschwerdeführenden Syrien erst im Jahr 2015 verliessen (vgl. Akten SEM A5 Ziff. 5.01 ff.) und H._______ bereits im (…) 2013 in Bulgarien um Asyl ersuchte und das Land somit erheblich früher verlassen haben muss. So- mit hielten sich die Beschwerdeführenden nach der Desertion noch für län-D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 13 gere Zeit in E._______ auf, ohne von Seiten der Behörden in diesem Zu- sammenhang jemals behelligt worden zu sein. Es ist somit auch nicht an- zunehmen, dass sie bei einer Rückkehr deswegen ins Visier der syrischen Sicherheitskräfte geraten würden und Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hätten. 8.3 Weiter brachte die Mutter vor, sie werde aufgrund der politischen Tä- tigkeiten ihres Ehemannes verfolgt. Dieser habe sich schon seit jeher poli- tisch für die Kurden engagiert, weshalb sie oft von den Sicherheitsbehör- den aufgesucht worden seien. Nachdem er in G._______ verhaftet worden sei, seien die Behörden in E._______ noch zweimal be i ihnen vorbeige- kommen, da sie von dieser Festnahme noch nichts gewusst hätten. Da- nach seien sie nicht weiter von den staatlichen syrischen Behörden beläs- tigt worden (vgl. Akten SEM A38, F27, F53 und F58 ff.). Trotz des Umstan- des, dass ihr Ehemann inhaftiert worden war, wurde die Mutter selbst zu keinem Zeitpunkt von den syrischen Behörden verfolgt. Die Festnahme des Ehegatten fand ungefähr im Jahr (…) statt (vgl. Akten SEM A5 Ziff. 7.01) und nach den beiden erwähnten Besuchen wurde sie über mehrere Jahre hinweg von den Sicherheitsbehörden nicht mehr behelligt. Die Tochter gab zwar an, die Behörden seien auch nach der Verhaftung ihres Vaters immer wieder vorbeigekommen, wobei sie auch nach ihrem Bruder gefragt hätten, obwohl dieser Militärdienst geleistet habe. Sie könne sich an sechs Besu- che erinnern, jedoch nicht daran, wann sie das letzte Mal gekommen seien. Als es angefangen habe, sei sie etwa (…) oder (…) Jahre alt gewesen; in der Zeit vor der Ausreise seien sie aber in Ruhe gelassen worden (vgl. Ak- ten SEM A3, F30 ff.). Selbst wenn die Behörden nach der Verhaftung des Vaters noch bei der Familie vorbeigekommen wären, so wiesen diese Be- suche – die zweifellos eine psychische Belastung darstellen können – nicht die erforderliche Intensität auf, um als asylre levante Nachteile eingestuft zu werden. 8.4 Nach der Ausreise der Beschwerdeführenden sei der Ehemann res- pektive Vater mithilfe eines Verwandten, eines Anwalts und durch Beste- chung freigekommen und halte sich nun in E._______ auf. Die Mutter gab an, sie stehe mit ihm in Kontakt, wobei die Lage sehr schwierig sei, da die Gegend von der Türkei einige Male bombardiert worden sei. Auf die Frage, ob er dort versteckt lebe, erklärte sie, er sei nicht mehr politisch aktiv und habe seine Haftstrafe abgesessen, w eshalb niemand mehr auf ihn zu- komme (vgl. Akten SEM A38, F74 ff.). Demgegenüber führte die Tochter aus, ihr Vater habe ihr gesagt, dass sein Leben in Syrien in Gefahr sei, weil ihn das Regime jederzeit wieder festnehmen könnte (vgl. Akten SEM A39, D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 14 F27). Aus diesen Angaben geht nicht klar hervor, ob der Ehemann respek- tive Vater in Syrien weiterhin als Regimegegner angesehen respektive von den staatlichen Behörden verfolgt wird. Die Angaben der Mutter deuten aber darauf hin, dass sich ihr Ehemann zwar in einer schwierigen Situation befindet, jedoch – da er nicht mehr politisch aktiv sei und seine Haftstrafe abgesessen habe – nicht mehr von den syrischen Behörden gesucht wird. Auch der Umstand, dass die Familie für längere Zeit von den Sicherheits- kräften in Ruhe gelassen worden war, deutet darauf hin, dass sie nicht auf- grund der Tätigkeiten des Familienvaters als Oppositionelle betrachtet wur- den. Es ist somit nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden allein aufgrund des Umstands, dass ihr Ehemann resp ektive Vater inhaf- tiert gewesen war, bei einer Rückkehr ihrerseits eine Verfolgung zu be- fürchten hätten. Den Akten lässt sich entnehmen, dass die Mutter trotz der politischen Aktivitäten ihres Ehemannes und dessen späterer Festnahme zu keinem Zeitpunkt selbst ins Visier der Behörden geriet und eigenen An- gaben zufolge von diesen über Jahre hinweg nicht mehr behelligt worden war. Es gibt keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass sich dies durch die Freilassung des Ehemannes geändert haben könnte und die Beschwerde- führenden nun aufgrund einer Reflexverfolgung asylrelevante Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hätten. 8.5 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Vorbringen der Be- schwerdeführenden vom SEM zutreffend als flüchtlingsrechtlich nicht rele- vant eingestuft wurden. Es hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden verneint und ihre Asylgesuche abgewiesen. 9. Lehnt das SEM ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländer- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. Da die Vorinstanz in ih ren Verfügungen vom 19. September 2018 infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufig e Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz angeordnet hat, erübrigen sich pra- xisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Mög- lichkeit des Wegweisungsvollzugs. Anzufügen ist an dieser Stelle, dass der D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 15 generellen Gefährdung der Beschwerdeführenden aufgrund der aktuellen Bürgerkriegssituation in Syrien mit der erwähnten Anordnung der vorläufi- gen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegwei sungsvollzugs durch die Vorinstanz Rechnung getragen wurde. 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtenen Verfügungen Bundesrecht nicht verletzen und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellen (Art.106 Abs.1 AsylG). Die Beschwerden sind daher abzuweisen. 12. 12.1 Mit den Beschwerdeeingaben wurde um Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege sowie Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses ersucht. Im Verfahren D-6025/2018 wurde bereits mit Zwischenverfü- gung vom 12. November 2018 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Mit dem vorliegenden Entscheid wird das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses im Verfahren D-6023/2018 ge- genstandslos. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird eine Partei, die nicht über die erforder- lichen Mittel verfügt, auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskos- ten befreit, wenn ihre Begehren im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung nicht aussichtslos erscheinen. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Besch werdebegehren von vornherein als aussichtslos zu be- zeichnen waren, womit die Voraussetzungen für die Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind. Die entsprechenden Gesuche sind daher unbesehen der – zumindest hinsichtlich der Mutter nachgewie- senen – Mittellosigkeit abzuweisen. 12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-6023/2018, D-6025/2018 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Verfahren D-6023/2018 und D-6025/2018 werden vereinigt. 2. Die Beschwerden werden abgewiesen. 3. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werden abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Regula Aeschimann Versand: