Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Juli 2020 (720 18 372 / 167) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Massgebender Zeitpunkt für die Würdigung des medizinischen Sachverhalts: Die Voraussetzungen, die es erlauben, den Streitgege nstand in zeitlicher Hinsicht bis zum Zeitpunkt der Erstellung des Gerichtsgutachtens auszudehnen, sind erfüllt Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Yves Waldmann, Advokat, St. Johanns-Vorstadt 23, Postfach 1328, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1972 geborene A.____ führte seit 2009 im Rah men einer selbständigen Erwerbstä- tigkeit eine Consulting-Firma. Am 16. Juni 2014 melde te sie sich unter Hinweis auf verschiede- ne, auf ein Unfallereignis vom 29. Dezember 2009 zurü ckzuführende Gesundheitsbeeinträchti- gungen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV ) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Ve rhältnisse lehnte die IV-Stelle Basel- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Landschaft - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vom 10. Oktober 2018 einen Rentenanspruch von A.____ ab. Zur Begrün dung hielt sie fest, aus somatischer Sicht sei die Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Geschäftsführerin, bei der sie den Bewegungsapparat und den Schulter-Arm-Bereich nicht schwer belasten müsse, in der Arbeits- fähigkeit nicht eingeschränkt. Aus psychiatrischer Sicht wied erum liege kein dauerhafter Ge- sundheitsschaden vor. Somit sei das Wartejahr nicht erfül lt, weshalb sich auch die Durchfüh- rung eines Einkommensvergleichs erübrige. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Dr. Yves Waldmann, am 12. November 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angef ochtene Verfügung aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihr ab Dezember 2014 eine unbefristete ganze IV-Rente auszu- richten. Eventualiter sei die Angelegenheit "zur Berechnung des Invaliditätsgrades auf der Basis einer Arbeitsfähigkeit von 80 % für jegliche Tätigkeit " an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei- sen. Subeventualiter sei die Sache auch zur ergänzend en medizinischen Abklärung zurückzu- weisen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 21. Dezember 2018 bea ntragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausfüh rungen eine Beurteilung von Dr. med. B.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 7. Dezember 2018 bei. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt die Beschwerdeführerin in ihrer Rep- lik vom 27. Februar 2019 an den in der Beschwerde geste llten Rechtsbegehren und den we- sentlichen bisherigen Vorbringen fest. Die IV-Stelle wiederum beantragte in ihrer Duplik vom 28. März 2019 nach wie vor die Abweisung der Beschwerde. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 9. Mai 2019 gela ngte das Kantonsgericht zum Er- gebnis, dass eine abschliessende Beurteilung der Angeleg enheit gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Das Kantonsgericht beschloss deshalb, den Fall aus- zustellen und zur Klärung der medizinischen Sachlage bei der MEDAS Zentralschweiz ein poly- disziplinäres Gerichtsgutachten mit Untersuchungen in den Fachrichtungen Rheumatologie, Psychiatrie und Neuropsychologie in Auftrag zu geben. Im Anhang zu diesem Beschluss unter- breitete das Kantonsgericht den Parteien den Entwurf d es entsprechenden Auftrags und den vorgesehenen Fragenkatalog. Die Parteien verzichteten da rauf, Zusatzfragen zu stellen. Die Beschwerdegegnerin ersuchte in ihrer Stellungnahme vom 14. Juni 2019 einzig darum, die neu- ropsychologische Untersuchung mit mindestens drei voneinand er unabhängigen, wissenschaft- lich fundierten Symptomvalidierungstests durchführen zu lassen. Die Beschwerdeführerin ihrer- seits beantragte am 22. Juli 2019, die Experten seien darauf aufmerksam zu machen, dass das Gericht einzig den Sachverhalt bis zum Erlass der angefo chtenen Verfügung vom 10. Oktober 2018 zu beurteilen habe, weshalb sich das Gutachten zum G esundheitszustand und der Ar- beitsfähigkeit bis zu diesem Zeitpunkt äussern müsse. Am 25 . Juli 2019 erging der entspre- chende Begutachtungsauftrag an die MEDAS Zentralschweiz. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Am 15. November 2019 erstattete die MEDAS Zentralsc hweiz das polydisziplinäre Ge- richtsgutachten. Die Parteien erhielten in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutach- tens und zur Frage zu äussern, wie sich dessen Ergebnisse a uf den Leistungsanspruch der Versicherten auswirken würden. Die IV-Stelle machte am 1 4. Januar 2020 unter Beilage einer Beurteilung des RAD-Arztes Dr. B.____ vom 9. Dezember 2 019 hiervon Gebrauch. Die Be- schwerdeführerin liess sich am 22. Januar 2020 vernehmen. In der Folge äusserte sich die IV- Stelle am 3. März 2020 zur vorerwähnten Eingabe der Versicherten. Diese wiederum nahm am 25. März 2020 zu den Ausführungen der Beschwerdegegneri n vom 14. Januar 2020 Stellung. Mit Verfügung vom 30. März 202019 überwies die instru ierende Präsidentin die Angelegenheit dem Dreiergericht zur (erneuten) Beurteilung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 12. November 2018 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). 3.3.1 So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach de r Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholt es Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Eine abw eichende Beurteilung kann ferner ge- rechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserung en anderer Fachexperten dem Ge- richt als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens a bweichende Schlussfolgerun- gen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). 3.3.2 Im Weiteren ist den im Rahmen des Verwaltungsver fahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 3.3.3 Schliesslich kommt Berichten und Gutachten versicheru ngsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren na ch Art. 44 ATSG eingeholten Gutach- ten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgu tachten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ei n Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Be stehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ä rztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil A. des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 4. Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 5.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszusta nds und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten bei den Dres. med. C.____, Rheumatol ogie FMH und Innere Medizin FMH, und D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, das bidi sziplinäre (rheumatologi- sche/psychiatrische) Gutachten vom 26. April 2016 ein. 5.1.1 Im rheumatologischen Teilgutachten erhob Dr. C._ ___ folgende Diagnosen mit Auswir- kungen auf die Arbeitsfähigkeit. (1) Reizzustand im Ple xus brachialis linksdominant (Media- nusdehnung entsprechend Wurzel C5 und C6) sowie leich te, posttraumatische Periarthropathia humeroscapularis tendinotica und articulär mit residuell er Insuffizienz des N. axillaris und mini- mer Trophikminderung des M. deltoideus links, Maigne-Sy ndrom bei Diskopathie und Spinalka- nalstenose HWK 5/6 mit Stenose (ICD-10 M54.12, M50.8, M75.0); am 29. Dezember 2009 ein Anfahrunfall als Fussgängerin mit Kontusion linker Obe rschenkel sowie subkapital und nach dorsal abgekippter proximaler Humerusfraktur links und po sttraumatisch partieller, aktuell nur leichter residueller Axillarisläsion mit Status nach bei nahe vollständiger Inaktivität des M. delto- ideus (2010), MTBI I , Halswirbelschleudertrauma QTF l , Status nach Frozen shoulder links postoperativ; HWK 5/6 mit absoluter Spinalkanalstenose , ohne Myelopathie bei Chondrose HWK 5/6 mit leichtem Höhenverlust und breitbasiger gro sser medianer bis mediolateral links gelegener linksseitiger Diskushernie und Tangierung des z ervikalen Myelons und Tangierung der Wurzel C6 links, ohne Kompression; posttraumatische Arthrofibrose Schulter links mit Arth- roskopie und Schultermobilisation sowie Metallentfernun g (22.06.2010); (2) Widespread Pain Syndrom/Fibromyalgie (ICD-10 M79.9), Schmerzlokalisation en 4/19 Punkten (Fibromyalgie- Tenderpoints 0/18 Punkten), Teil 2a Symptomschwere 9/9 Punkten, Teil 2b Symptomscore 2/3 Punkten mit deutlichen Zeichen einer funktionellen Sympt omatik und Ausprägung hinsichtlich einer psychiatrischen Erkrankung wahrscheinlich. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Explo- randin hielt Dr. C.____ fest, eine administrative un d leichte Tätigkeit wäre zu 50 % realisierbar. Eine angepasste Verweistätigkeit beinhalte eine leichte wechselbelastende Tätigkeit mit Ge- brauch der linken oberen Extremität und eine bis mittelschwere Tätigkeit im Ganzkörperbereich. Vermieden werden sollten Überkopfarbeiten und Arbeite n über der Schulterhorizontalen mit dem linken Arm sowie Zwangshaltungen in Kopfrotation und Reklination. 5.1.2 Im psychiatrischen Teilgutachten diagnostizierte Dr. D.____ als Leiden mit Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depre ssive Störung, zurzeit leichte Episode (ICD-10 F33.0), eine anhaltende somatoforme Schmerzstör ung (ICD-10 F45.4) und eine Neu- rasthenie (ICD-10 F48.0). Die Arbeitsfähigkeit der Ve rsicherten sei aus psychiatrischer Sicht aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung (Anhedo nie, Schlafstörung, erhöhte Ermüd- barkeit, Reduktion der Konzentration), der Neurasthenie (erhöhte Ermüdbarkeit, Reduktion der Konzentration) und der anhaltenden somatoformen Schm erzstörung (erhöhtes Schmerzerle- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben) insgesamt als deutlich eingeschränkt zu beurteilen. Es müsse insgesamt von einer Reduk- tion der Arbeitsfähigkeit von 80 % ausgegangen werden. 5.1.3 In ihrer bidisziplinären Konsensbeurteilung kamen die Gutachter Dres. C.____ und D.____ zum Schluss, dass die psychiatrische Beurteilung de r Arbeits- und Leistungseinschrän- kung und deren künftiger Verlauf im Rahmen der Wiedereingliederung massgebend sei. 5.1.4 In einer ergänzenden Stellungnahme vom 16. Aug ust 2016 wies Dr. D.____ sodann darauf hin, dass von beiden Gutachtern dringendst eine neuropsychologische Begutachtung zur Klärung der massiven Konzentrationsstörungen empfohlen werde. 5.2 In seiner Stellungnahme vom 21. Oktober 2016 zum Gutachten der Dres. C.____ und D.____ kam der RAD-Arzt Dr. B.____ aus psychiatrischer Si cht zum Schluss, dass der Versi- cherten anhand der vorliegenden Akten, insbesondere a ufgrund der eindeutigen Hinweise für eine Aggravation, keine wesentliche Arbeitsunfähigkeit attestiert werden könne. Dieser Auffas- sung schloss sich der RAD-Arzt Dr. med. E.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, in seiner aus som atischer Sicht erfolgten Beurteilung des Gutachtens an. Er hielt fest, dass bei der Versich erten in einer somatisch angepassten Tä- tigkeit, wie sie derjenigen als Geschäftsführerin einer Consulting-Firma entspreche, keine Ar- beitsunfähigkeit begründet werden könne. 5.3 Aufgrund der Aussagen der genannten RAD-Ärzte, w onach eindeutige Hinweise auf eine Aggravation vorliegen würden, entschied sich die I V-Stelle, zusätzlich eine neuropsycholo- gische Begutachtung der Versicherten in Auftrag zu geben . Am 29. September 2017 erstattete Dr. phil. F.____ die entsprechende Expertise. Darin er hob sie als neuropsychologische Diagno- sen (1) eine leichte neuropsychologische Funktionsstörung v or allem attentionaler Funktionen bei (1.1) Status nach Verkehrsunfall mit "mild traumat ic brain injury" (MTBI; Kategorie I nach EFNS Kriterien 2002) und wahrscheinlichem HWS-Distorsionstrauma nach Quebec Task Force (QTF) Grad I am 29. Dezember 2009, (1.2) chronischer S chmerzstörung mit somatischen und psychologischen Faktoren (ICD-10 F45.41; DD: Hypochondrische Störung [ICD-10 F45.2]), (1.3) anamnestisch rezidivierender depressiver Störung (IC D-10 F33.9 und (1.4) anamnestisch einer Neurasthenie sowie (2) einen Verdacht auf eine histrionische Persönlichkeitsstörung (ICD- 10 F60.4) mit dependenten Anteilen. Aus rein neuropsychologischer Sicht sei die Versicherte in der Tätigkeit als Geschäftsführerin beziehungsweise Inhaberin einer Consulting-Firma aufgrund der testpsychologisch leicht verminderten intrinsischen Akti vierung, der leicht beeinträchtigten Fähigkeit zur visuell-auditiven Aufmerksamkeitsteilung un d der fraglich verminderten Reakti- onskontrolle zu 30 % vermindert arbeitsfähig. Die Ein schränkung von 30 % begründe sich mit dem erhöhten Zeitbedarf, der aus der Kompensation de r verminderten Fähigkeit zur Aufmerk- samkeitsteilung (Ausübung verschiedener Tätigkeitsaspekte hintereinander und vermehrte Kon- trolle geleisteter Arbeitsschritte) resultiere, und eine m erhöhten Pausenbedarf aufgrund der chronischen Schmerzen. Das Arbeitspensum sollte dabei übe r fünf Arbeitstage pro Woche er- bracht werden. Die verminderte intrinsische Aktivierung kö nne bei entsprechender extrinsischer Stimulation kompensiert werden. Grundsätzlich biete die selbständige Tätigkeit eine ideale Möglichkeit, Arbeitseinsätze entsprechend der Befindlich keit zu leisten und nach aussen das Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gesicht zu wahren. Berücksichtige man zudem die histrionische Persönlichkeitsstruktur so dürf- te die Arbeitsunfähigkeit höher, nämlich bei ca. 50 % liegen. 5.4 In seiner Stellungnahme vom 4. Oktober 2017 zum Gut achten von Dr. F.___ führte der RAD-Arzt Dr. B.___ aus, dieses beruhe auf einem umfassen den Aktenstudium und eingehen- den neuropsychologischen Testungen einschliesslich Validität sprüfung, die Diagnose der leich- ten neuropsychologischen Funktionsstörung bei Status nach Verkehrsunfall mit einer "mild traumatic brain injury" werde plausibel begründet und zu neuropsychologischen Voruntersu- chungen habe die Expertin ausführlich Stellung bezogen . Nicht nachvollziehbar sei hingegen die Vermutung von Dr. F.____, dass eine Persönlichkeit sstörung vorliege und diese die Ar- beitsunfähigkeit erhöhen würde. Der Verdacht einer P ersönlichkeitsstörung sei hinlänglich ab- geklärt und verneint worden, folglich könne damit kein e zusätzliche Arbeitsunfähigkeit begrün- det werden. Somit sei davon auszugehen, dass bei der Ve rsicherten ab Unfalldatum, d.h. ab 29. Dezember 2009, eine 30 %-ige Arbeitsunfähigkeit i n der angestammten Tätigkeit als Ge- schäftsführerin einer Consulting-Firma bestehe. 5.5 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung bei der Beurteilung des me- dizinischen Sachverhalts einerseits auf Ergebnisse des neur opsychologischen Gutachtens von Dr. F.____ vom 29. September 2017 und anderseits auf d ie Beurteilungen ihrer RAD-Ärzte Dr. B.____ vom 21. Oktober 2016 bzw. 4. Oktober 2017 u nd Dr. E.____ vom 13. Februar 2017. Im Ergebnis sei, so das Fazit der IV-Stelle, von einer ab Unfalldatum bestehenden 30%-igen Arbeitsunfähigkeit der Versicherten auszugehen. Anlässli ch der ersten in dieser Angelegenheit erfolgten Urteilsberatung vom 9. Mai 2019 gelangte d as Kantonsgericht nun allerdings zur Auf- fassung, dass dieser vorinstanzlichen Beweiswürdigung nicht gefolgt werden könne. 5.6.1 Das Kantonsgericht erwog in seinem Beschluss vom 9. Mai 2019 im Wesentlichen Fol- gendes: Laut den bei der beweisrechtlichen Würdigung vo n Berichten und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen zu beachtenden Grundsätzen (vgl. E. 3.3.3 hiervor und die dorti- gen Hinweise auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung) seien ergänzende Abklärungen vor- zunehmen, sofern auch nur geringe Zweifel an der Zuve rlässigkeit und Schlüssigkeit der versi- cherungsinternen ärztlichen Feststellungen bestünden. Vo rliegend würden sich entsprechende Zweifel an den Einschätzungen der versicherungsinternen RAD-Ärzte Dres. B.____ und E._____ in erster Linie aus dem bidisziplinären (rheum atologischen/psychiatrischen) Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 26. April 2016 ergeb en. Darin seien die genannten Experten insbesondere in der Beurteilung der funktionellen Auswi rkungen der festgestellten Gesund- heitsbeeinträchtigungen und bei der Bezifferung der A rbeitsfähigkeit der Versicherten zu Ein- schätzungen gelangt, die deutlich von denjenigen der Dr es. B.___ und E.____ abweichen wür- den. Dem Gutachten der Dres. C.____ und D.____ könne im Ergebnis zwar (ebenfalls) kein ausschlaggebender Beweiswert beigemessen werden (vgl. E. 5.6.2 hiernach), dies bedeute nun aber nicht, dass deren Ausführungen überhaupt nicht zu berücksichtigen wären. Das Gutachten enthalte immerhin hinreichend Anhaltspunkte, die geei gnet seien, nicht nur geringe, sondern vielmehr erhebliche Zweifel an den Beurteilungen der beiden RAD-Ärzte zu erwecken, sodass auf letztere bereits aus diesem Grund nicht abgestell t werden könne. Bei der Beurteilung des Beweiswerts der Einschätzungen der RAD-Ärzte Dres. B.____ und E.____ sei zudem zu be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht rücksichtigen, dass diese - und mit ihnen die IV-Stelle i n der angefochtenen Verfügung - der Versicherten eine Aggravation vorhalten würden, obwohl sich den Akten (insbesondere den beiden Gutachten der Dres. C.____ und D.__ und von D r. F.____) keine ausreichenden An- haltspunkte für eine solche Annahme entnehmen liessen. Schliesslich liege ein weiterer erheb- licher Mangel der vorinstanzlichen Beweiswürdigung dari n, dass die beiden RAD-Ärzte Dres. B.____ und E.____ und die nachträglich beauftragte ne uropsychologische Gutachterin Dr. F.____, auf deren Einschätzung nach Ansicht der IV- Stelle (weitgehend) abgestellt werden könne, keine abschliessende interdisziplinäre Gesamtbeurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versi- cherten vorgenommen hätten. Dies wäre aber in Anbetra cht des vorhandenen Beschwerdebil- des bzw. aufgrund der aus verschiedenen Fachrichtungen erh obenen jeweiligen Gesundheits- beeinträchtigungen erforderlich gewesen. 5.6.2 Sodann stellte das Kantonsgericht in seinem Besch luss klar, dass die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte ebenfalls keine ver lässliche Entscheidungsgrundlage bilden würden. Dies gelte insbesondere für das erwähn te bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.___ und D.____ vom 26. April 2016. Dieses vermöge vor allem in der Beurteilung der Arbeits- fähigkeit der Explorandin nicht vollständig zu überzeugen. Zudem habe Dr. D.____ im psychiat- rischen Teilgutachten ausdrücklich auf die Notwendigkeit weiterführender neuropsychologsicher Testungen hingewiesen. Seine Einschätzungen seien somit ein Stück weit unter dem “Vorbe- halt“ der Ergebnisse solcher zusätzlicher Abklärungen erfo lgt. Zwar habe die IV-Stelle entspre- chende zusätzliche Untersuchungen veranlasst, indem sie bei Dr. F.____ ein neuropsychologi- sches Gutachten eingeholt habe, sie habe in der Folge a ber davon abgesehen, dessen Ergeb- nisse dem psychiatrischen Gutachter Dr. D.____ vorzulegen. Dies wäre jedoch erforderlich ge- wesen, damit dieser seine Einschätzungen hätte vervollst ändigen und eine abschliessende fachärztliche Beurteilung hätte abgeben können. Das Kan tonsgericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und die erforderliche zusätzliche Abklär ung des medizinischen Sachverhalts im Rahmen eines polydisziplinären Gerichtsgutachtens vorneh men zu lassen. Mit dessen Er- stellung wurde in der Folge die MEDAS Zentralschweiz beauftragt. 6.1 Am 15. November 2019 erstattete die MEDAS Zentral schweiz das polydisziplinäre Gutachten, das Abklärungen in den Fachgebieten Rheumat ologie, Psychiatrie und Neuropsy- chologie beinhaltet. 6.1.1 Die involvierten MEDAS-Gutachter erhoben folge nde Diagnosen: (1) eine rezidivieren- de depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD -10 F33.0); (2) einen Verdacht auf Somatisierungsstörung (ICD-10 F45); (3) eine Persönlic hkeitsstörung mit zwanghaften Zügen neben Hinweisen auf histrionische und narzisstische Züge (ICD-10 F60.8, DD: ICD-10 F61); (4) eine residuelle leichte Periarthropathia humeroscapul aris tendopathica links mit/bei (4.1) sub- kapitaler Humerusfraktur am 29.12.2009, (4.2) offener Reposition und Plattenosteosynthese am 30.12.2009, (4.3) passagerer partieller Axillarläsion mit Inaktivität des Musculus deltoideus, (4.4) Arthroskopie, Metallentfernung und Schultermob ilisation in Narkose (Frühling 2020), (4.5) Keloidnarbe am linken Oberarm; (5) degenerative HWS- Veränderungen mit/bei (5.1) fortge- schrittener Osteochondrose mit medianer Diskushernie C5/6, (5.2) Chondrose mit medianer Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht linksbetonter Diskushernie C6/7 (MRT 15.12.2010), (5.3) aktuell klinisch weitgehend asympto- matisch und (6) ein Untergewicht. 6.1.2 Zur Frage der Arbeitsfähigkeit führten die Gut achter aus, die objektivierbaren Befunde am Bewegungsapparat würden die Arbeitsfähigkeit der V ersicherten als Geschäftsführe- rin/Managerin nicht einschränken. Aus konstitutionellen Gründen sei die Explorandin nicht ge- eignet für körperlich schwere Tätigkeiten. Von neuropsych ologischer Seite sei die zeitliche Be- lastbarkeit für eine dreistündige Untersuchung gegeben gewesen. Da die kognitiven Leistungen von einer Vielzahl von Faktoren abhängig seien (Müdigke it, Schmerzen, Schlafvermögen, psy- chische Befindlichkeit), seien trotz grundsätzlich unauf fälliger kognitiver Leistungsfähigkeit in- termittierende Leistungsschwankungen resp. Leistungseinb ussen möglich. Von psychiatrischer Seite würden leichte bis mittelschwere Einschränkungen be stehen, wobei die mittelschweren unter anderem die Zusammenarbeit mit anderen betref fen würden. Von kognitiv-intellektueller Seite gebe es keinerlei Hinweise auf Einschränkungen, w eder aus neuropsychologischen noch aus psychiatrischen Gründen. Die Versicherte habe sich in d er Zeit vor dem Unfallereignis mit nachfolgendem Einbruch selbständig gemacht. In der ak tuellen Untersuchung habe sie für sich klar formuliert, dass sie eine Tätigkeit am ehesten im se lbständigen Bereich sehe. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass sie ihre Probleme in der Zusammenar beit mit anderen - implizit - wahr- genommen habe. Unter diesen Umständen sollte die Versi cherte bei eigener Zeiteinteilung und ausreichenden Pausen in der Lage sein, ca. fünf Stund en pro Tag einer Tätigkeit im breiten Spektrum ihres Ausbildungsbereichs nachzugehen. Nicht ums etzbar seien aufgrund der Per- sönlichkeitsstörung Führungsaufgaben. 6.1.3 Im Rahmen ihrer Konsensbeurteilung hielten die Gutachter fest, dass es von rheuma- tologischer und neuropsychologischer Seite keine Hinweis e auf relevante Einschränkungen in einer Tätigkeit als Geschäftsführerin/Managerin gebe. Von psychiatrischer Seite her sei die Ex- plorandin aufgrund ihrer Persönlichkeitsstörung bei T ätigkeiten mit Führungsfunktionen und intensiverer Zusammenarbeit mit anderen nicht (mehr) a rbeitsfähig. Bei Arbeiten ohne Füh- rungsfunktion bestünden Einschränkungen leichten bis mi ttelschweren Ausmasses aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung mit ausgeprägte r Somatisierung - differenzialdiagnos- tisch einer zusätzlichen Somatisierungsstörung - und der K omorbidität durch die Persönlich- keitsstörung. 6.1.4 In Bezug auf den Verlauf des Gesundheitszustands ste llten die Gutachter dar, dass von einem episodischen Verlauf auszugehen sei. Zum Zeitp unkt der Begutachtung durch die Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) im Jahr 2012 sei d ie Versicherte als schwer de- pressiv und zu 80 % arbeitsunfähig beurteilt worden. Dur ch die nachfolgende Behandlung bei lic. phil. G.____, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, scheine es zu einer allmählichen Verbesserung gekommen zu sein. Im Verlauf des Jahres 2015 sei der Zustand aber noch so instabil gewesen, dass die beruflichen Massnahmen gescheitert seien. Es sei deshalb von einer damals noch nicht relevant höheren Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 20 - 30 %, auszugehen. Zum Zeitpunkt der Begutachtung durch die Dr es. C.____ und D.____ Ende Feb- ruar/anfangs März 2016 sei die Versicherte als nur noch leicht depressiv, jedoch ausgeprägt somatisierend beschrieben worden. Ob die Arbeitsfähigk eit damals tatsächlich lediglich bei Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 20 % gelegen habe, könne retrospektiv nicht überprüft w erden. Von den Beschreibungen der Psychotherapeutin lic. phil. G.____ her sei eher zu erwa rten, dass die Arbeitsfähigkeit höher gelegen habe, und zwar etwa im Bereich von 50 %. Offen geblieben sei bei Dr. D.____ die Fra- ge allfälliger Einschränkungen von neuropsychologischer Se ite. Dr. F.____ habe 2017 Ein- schränkungen - in erster Linie der intrinsischen Aktivierung und der Aufmerksamkeitsleistungen - beschrieben, die sie auf eine Antriebsstörung zurückgefüh rt habe. Zusätzlich habe sie auf die Ergebnisse des MMPI in Richtung einer Persönlichkeitsstö rung verwiesen. Auf dieser Grundla- ge habe sie die Arbeitsfähigkeit insgesamt auf 50 % geschätzt. Die aktuelle Untersuchung habe die Persönlichkeitsstörung bestätigt, weshalb die Beurt eilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. F.____ nachvollziehbar sei. Aktuell sei von einer leicht höheren Arbeitsfähigkeit in der Grös- senordnung von ca. fünf Stunden pro Tag unter den obe n beschriebenen Bedingungen auszu- gehen. 6.2 In ihrer Stellungnahme vom 14. Januar 2020 zum ME DAS-Gerichtsgutachten vertrat die Beschwerdegegnerin unter Verweis auf die Ausführ ungen des RAD-Arztes Dr. B.____ vom 9. Dezember 2019 die Auffassung, dass die Versicherte in ihrer angestammten selbständigen Tätigkeit nicht relevant eingeschränkt sei. Inwiefern sie ausserdem in einer sonstigen, ihren Fähigkeiten und ihrer Ausbildung angepassten Tätigkei t, die weder Führungsaufgaben noch Anforderungen an die Sozialkompetenz beinhalte, eing eschränkt sein soll, sei nicht ersichtlich und gehe nicht aus dem Gerichtsgutachten hervor. Ein R entenanspruch sei deshalb zu Recht verneint worden. In der erwähnten Stellungnahme wies Dr. B.____ vorab darauf hin, dass die Diagnoseliste nicht zwischen Diagnosen mit und solchen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfä- higkeit unterscheide. Nachvollziehbar sei, so Dr. B.____ weiter, die neuropsychologische Abklä- rung, wonach bei alters- und ausbildungsadäquater kogni tiver Leistungsfähigkeit die Arbeitsfä- higkeit uneingeschränkt vorhanden sei. Gefolgt werden kö nne auch der Beurteilung aus rheu- matologischer Sicht, wonach die minimal eingeschränkte Belastbarkeit der linken Schulter sich nicht auf die angestammte oder auf eine Verweistätigkeit auswirke. Im Gegensatz dazu sei aber die aus psychiatrischer Sicht attestierte Arbeitsunfähig keit nicht rechtsgenüglich begründet. Es werde nicht aufgezeigt, dass die Kardinalkriterien der Persönlichkeitsstörung, so beispielsweise die schwer dysfunktionalen Verhaltensweisen, vorliegen würden. Ebenfalls nicht nachvollzieh- bar sei insbesondere, dass die psychiatrische Gutachterin eine Unterscheidung treffe hinsicht- lich der Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten mit und oh ne Führungsaufgaben. Eine derartige Ein- schränkung sei zwar nachvollziehbar, aber gemäss Aktenlage h abe die Versicherte gar keine Führungsaufgaben inne. 6.3 Mit Eingabe vom 22. Januar 2020 nahm die Beschwer deführerin ihrerseits zum MEDAS-Gerichtsgutachten Stellung. Dabei rügte sie, da ss die Expertise praktisch ausschliess- lich ihren Gesundheitszustand festhalte, wie er sich im Z eitpunkt der Begutachtung im Oktober 2019 präsentiert habe. Dieser Zeitpunkt sei aber für die Beurteilung der Beschwerde nicht rele- vant. Massgebend sei einzig der Gesundheitszustand, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlas- ses der angefochtenen Verfügung - also bis zum 10. Oktobe r 2018 - entwickelt habe. Retro- spektiv liessen sich dem Gutachten eigentlich keine Aussagen entnehmen, weshalb für die Zeit vor seiner Erstellung von den früheren, echtzeitlichen Einschätzungen auszugehen sei. Dem- nach sei bis März 2016 von einer Arbeitsfähigkeit von 20 - 30 %, seit April 2016 gestützt auf das Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachten von Dr. D.___ von einer Arbeitsfähigkeit von weiterhin 20 % und seit der Begutach- tung durch Dr. F.____ im Oktober 2017 von einer Arbe itsfähigkeit von 50 % auszugehen. Die aktuelle Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im MEDAS-Gut achten, wonach ihr bei eigener Zeit- einteilung eine Tätigkeit von fünf Stunden pro Tag mö glich sein soll, gebe die Situation im Zeit- punkt der Begutachtung (Oktober 2019) wieder. Sie dür fe hier nicht berücksichtigt werden, da im vorliegenden Beschwerdeverfahren lediglich der Gesund heitszustand im bzw. dessen Ent- wicklung bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Ve rfügung vom 10. Oktober 2018 zu beurteilen sei. 7.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3.1 hiervor), weic ht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Ein schätzung der medizinischen Exper- ten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Ge richtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingehol- tes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlu ssfolgerungen gelangt. Abwei- chende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug ersche inen, die Schlüssigkeit des Gerichts- gutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise v om Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). Vorliegend ist keiner der genannten Gründe gegeben, die ein Abweiche n von den Ergebnissen des MEDAS- Gerichtsgutachtens vom 15. November 2019 rechtfertige n würden. Dieses ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - fü r die streitigen Belange umfassend, es be- ruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt d ie geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und es setzt sich mit den vorhandenen abweichen- den ärztlichen Einschätzungen auseinander. Die Begründu ng einzelner medizinischer Feststel- lungen und Einschätzungen ist zwar zum Teil eher knapp a usgefallen (vgl. E. 7.2 hiernach), nichtsdestotrotz erweisen sich die Darlegung der medizin ischen Zusammenhänge und die Be- urteilung der medizinischen Situation im Ergebnis jedoch als nachvollziehbar und schlüssig. 7.2 Die geschilderten Einwände der Parteien sind nicht geeignet, die ausschlaggebende Beweiskraft des MEDAS-Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen. 7.2.1 Die Beschwerdegegnerin stellt als erstes die im Gu tachten erhoben Diagnose einer Persönlichkeitsstörung in Frage. Der RAD-Arzt Dr. B.___ macht in seiner Beurteilung vom 9. Dezember 2019 diesbezüglich geltend, dass im psychiatrischen Teil des Gutachtens die Kar- dinalkriterien der Persönlichkeitsstörung nicht beschriebe n würden; dies gelte insbesondere für das Diagnosekriterium einer schweren dysfunktionalen Verhaltensweise, die sich auf allen Ach- sen des Lebens schädigend auswirke. Im Zusammenhang mit de r strittigen Diagnosestellung gilt es vorab zu berücksichtigen, dass die psychiatrische Exp loration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann und dem medizinisch en Sachverständigen deshalb prak- tisch immer einen gewissen Spielraum eröffnet, innerha lb welchem verschiedene Interpretatio- nen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern de r Experte lege artis vorgegangen ist. Daher ist es nicht angängig, eine medizinische Gerichtse xpertise stets dann in Frage zu stellen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn e ntweder behandelnde oder aber ver- sicherungsinterne Ärzte - wie hier ein RAD-Arzt - zu unte rschiedlichen Einschätzungen gelan- gen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassun gen festhalten. Anders verhält es sich, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, die im Rahmen der psy- chiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben und geeig net sind, zu einer abweichenden Be- urteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Februar 2017, 9C_338/2016, E. 5.5 mit Hinweisen). Letzteres ist vorliegend jedoch nicht der Fa ll. Was die monierte "Begründungsdich- te" angeht, trifft es zwar zu, dass im Gutachten eher kn app begründet wird, weshalb die Gut- achter das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung bejah en, von einer unzureichenden oder gar fehlenden Begründung kann jedoch nicht gesprochen werde n. So schildert die Fachärztin, die den psychiatrischen Teil des Gutachtens verfasst hat, vorab die bei der Beurteilung einer Per- sönlichkeitsstörung nach der ICD-10 zu beachtenden diagno stischen Leitlinien (vgl. 42 f. des Gutachtens). Anschliessend weist sie darauf hin, dass die neuropsychologische Vorgutachterin Dr. F.____ neben der Verhaltensbeobachtung aufgrund d er Ergebnisse des MMPI den deutli- chen Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung, vorwiegend dependenter und histrionischer Art, geäussert habe. Verhaltensauffälligkeiten seien sodan n auch von den Vorgutachtern beschrie- ben worden. Zur Verbesserung der Reliabilität der Dia gnose habe man der Explorandin in der aktuellen Untersuchung den SCID-Screeningbogen vorgelegt und auf dieser Basis das struktu- rierte klinische Interview mit ihr durchgeführt. Danach habe die Versicherte die Kriterien einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung erfüllt und Akzentuierungen in den Bereichen histrionischer und narzisstischer Persönlichkeitszüge aufgewiesen. In der I CD-10 müsse die zwanghafte Per- sönlichkeitsstörung der Ziffer F60.8 zugeordnet werden, differentialdiagnostisch gehe es um eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften, histrionischen und narzisstischen Zügen gemäss ICD-10 F61. Im Weiteren führt die psychia trische MEDAS-Gutachterin in ihrer Beurteilung aus, wenn man die Lebensbewährung der Ve rsicherten betrachte bzw. nach der klinischen Fundierung gemäss den diagnostischen Leitlinie n schaue, würden weiter einige Fra- gen offen bleiben, die am ehesten mit dem hohen Zie l chinesischer Kultur zu tun hätten, eine stabile, freundliche und heitere Fassade zu zeigen. Dieses Verhalten sei auch in den Vorberich- ten vielfach beschrieben worden. Das genannte Ziel erklä re auch am ehesten die Diskrepanz zwischen einerseits dissimulierenden Äusserungen der Versich erten und andererseits fortbe- stehenden geschilderten Beschwerden. Fragen würden sich a ber auch im Hinblick auf das be- rufliche Funktionsniveau der Explorandin stellen, wenn m an den IK-Auszug und die ergänzen- den Angaben zur Berufsbiografie in der aktuellen Unte rsuchung betrachte. Subjektiv schildere die Versicherte ihre Berufsbiografie als Erfolgsgeschicht e bis zum Zeitpunkt des Unfallereignis- ses. Der IK-Auszug zeige aber wechselnde und kurze Anstellungsverhältnisse. Die vorgebrach- ten Gründe für die Stellenwechsel würden nicht durchwe gs überzeugen. Diese dürften denn auch eher auf nicht benannte bzw. nicht eingestandene Probleme am Arbeitsplatz zurückzufüh- ren sein (vgl. S. 43 des Gutachtens). 7.2.2 Die IV-Stelle beanstandet weiter, dass im MEDAS- Gutachten in der Liste der erhobe- nen Diagnosen nicht differenziert werde zwischen Diagnose n mit und solchen ohne Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit. Diese Rüge trifft zu u nd es ist auch richtig, dass die fehlende ent- sprechende Zuordnung in der Zusammenstellung der Diagn osen nicht der sonst in Gutachten üblichen Darstellungsweise entspricht. Dieser "Mangel" ist nun aber nicht geeignet, die Ergeb- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht nisse, zu denen die Gutachter gelangt sind, in Frage zu stellen, denn die entsprechende Zuord- nung der Diagnosen kann dem Gutachten an anderer Stel le entnommen werden. Nachdem bei der Versicherten weder aus rheumatologischer noch aus ne uropsychologischer Sicht die Ar- beitsfähigkeit limitierende Einschränkungen festgestell t wurden, kommen als Diagnosen, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken, nur im psychiatrisc hen Fachgebiet erhobene Gesund- heitsbeeinträchtigungen in Frage. Diesbezüglich kann der "Konsensbeurteilung" der involvierten Gutachter entnommen werden, dass es die Diagnosen der Persönlichkeitsstörung und der re- zidivierenden depressiven Störung sind, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen. So wird im entsprechenden Abschnitt des Gutachtens (vgl. dessen S. 59 ) festgehalten, dass die Exploran- din aufgrund ihrer Persönlichkeitsstörung bei Tätigkeiten mit Führungsfunktionen und intensive- rer Zusammenarbeit mit anderen nicht mehr arbeitsfähi g sei. Zudem bestünden bei Arbeiten ohne Führungsfunktionen Einschränkungen leicht bis mitt elschweren Ausmasses aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung mit ausgeprägter Som atisierung - differenzialdiagnostisch einer zusätzlichen Somatisierungsstörung - und der Komorb idität durch die Persönlichkeitsstö- rung. 7.2.3 Im Weiteren moniert die IV-Stelle, dass die Gut achter bei der Beurteilung der Arbeits- fähigkeit nicht näher zwischen der angestammten Tätigkeit einerseits und (zumutbaren) Ver- weistätigkeiten anderseits unterscheiden würden. Dieser Einwand ist ebenfalls berechtigt, wird doch bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ledigli ch festgehalten, die Versicherte sei in der Lage, ca. fünf Stunden pro Tag "einer Tätigkeit im breiten Spektrum ihres Ausbildungsbereichs" nachzugehen. Es wäre zwar wünschenswert gewesen, wenn die Gutachter bei ihrer Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit die von der IV-Stelle als er forderlich erachtete Differenzierung vorge- nommen hätten, der Umstand, dass sie vorliegend davon ab gesehen haben, führt aber nicht zur Unverwertbarkeit ihrer Beurteilung. In diesem Zusam menhang gilt es nämlich auch die Be- rufsbiografie der Versicherten zu berücksichtigen, die vor Eintritt des Gesundheitsschadens sehr unterschiedliche Tätigkeiten ausgeübt hatte. Nach ihrer Einreise in die Schweiz absolvierte sie ein Studium in H.___, das sie mit einem Master in W irtschaft abschloss. Danach war sie bei einem Grossverteiler angestellt und sie unterrichtete in einer Sprachschule. Anschliessend ar- beitete sie für ein grosses Möbel- und Einrichtungshaus, w o sie gemäss ihren Angaben zuerst ein Logistik-Setup entwickelte und anschliessend als Manag erin tätig war. Drei Monate vor ih- rem Unfall vom 29. Dezember 2009 nahm sie dann eine se lbständige Tätigkeit im Consulting- Bereich auf. Vor dem Hintergrund dieser vielfältigen Tätigkeiten ist es nachvollziehbar, dass die Gutachter bei ihrer Einschätzung von einer Differenzieru ng zwischen einer angestammten Ar- beit einerseits und Verweistätigkeiten andererseits abgesehen haben. 7.2.4 Im Lichte der Berufsbiografie der Versicherten ist es - entgegen der Auffassung der IV- Stelle - auch nicht zu beanstanden, dass die Gutachter bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zwischen Tätigkeiten mit und ohne Führungsfunktionen untersche iden. Unmittelbar vor dem Unfallereignis arbeitete die Versicherte als selbständig Erwerbende im Consulting-Bereich. Die- se Tätigkeit war nicht mit Führungsfunktionen verbunde n, bei den vorherigen Tätigkeiten als Angestellte, insbesondere bei der Arbeit als Manageri n in einem Möbel- und Einrichtungshaus, war dies hingegen der Fall. Aus diesem Grund macht die gutachterliche Differenzierung von Arbeiten mit und solchen ohne Führungsaufgaben durchaus Sinn. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.5 Die IV-Stelle kritisiert schliesslich, die Gutacht er hätten auch ihre Einschätzung, wo- nach die Versicherte lediglich noch während ca. fünf Stunden pro Tag in der Lage sei, einer Tätigkeit nachzugehen, nur unzureichend begründet. Diesem Einwand kann ebenfalls nicht bei- gepflichtet werden. Es trifft zwar zu, dass die Ausführun gen zum Ausmass der Arbeitsfähigkeit im Vergleich zu den übrigen Teilen des Gutachtens, wie etwa zu der sehr ausführlichen und von den Gutachtern sehr sorgfältig erarbeiteten Anamnese, ausgesprochen knapp ausgefallen sind. Gerade weil es sich vorliegend um ein Gerichtsgutachten handelt, wäre eine etwas einlässliche- re Begründung der Zumutbarkeitsbeurteilung wünschenswert gewesen. Insgesamt sind die gut- achterlichen Schlussfolgerungen aber im Lichte des ganze n Gutachtens und der Vorakten durchaus nachvollziehbar und letztlich somit nicht zu bean standen. An dieser Stelle kann zu- dem nochmals auf das bereits Gesagte (vgl. E. 7.2.1) ver wiesen werden, wonach bei der Wür- digung psychiatrischer Gerichtsgutachten jeweils zu berücksichtigen ist, dass die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensf rei erfolgen kann und dem oder der medizinischen Sachverständigen deshalb praktisch immer ei nen gewissen Spielraum eröffnet, innerhalb welchem verschiedene Interpretationen mögli ch, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Dass Letzt eres vorliegend der Fall ist, wurde be- reits oben (vgl. E. 7.1 hiervor) festgehalten. 7.3.1 Die Beschwerdeführerin rügt ihrerseits, dass die Exp ertise praktisch ausschliesslich ihren Gesundheitszustand festhalte, wie er sich im Zeitpu nkt der Begutachtung im Oktober 2019 präsentiert habe. Auch die aktuelle Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im MEDAS-Gutachten, wonach ihr bei eigener Zeiteinteilung eine Tätigkeit von fünf Stunden pro Tag möglich sein soll, gebe die Situation im Zeitpunkt der Begutachtung (Okt ober 2019) wieder. Diese Einschätzung dürfe hier nicht berücksichtigt werden, da im vorliegen den Beschwerdeverfahren lediglich der Gesundheitszustand im bzw. dessen Entwicklung bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefoch- tenen Verfügung vom 10. Oktober 2018 zu beurteilen sei. 7.3.2 Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozia lversicherungsgericht die Gesetz- mässigkeit der Verwaltungsverfügungen in der Regel nach d em Sachverhalt, der zur Zeit des Verfügungserlasses gegeben war. Tatsachen, die jenen S achverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltun gsverfügung sein. Ausnahmsweise kann das Gericht aus prozessökonomischen Gründen auch die Verhältnisse nach Erlass der Verfügung in die richterliche Beurteilung miteinbezieh en und zu deren Rechtswirkungen über den Verfügungszeitpunkt hinaus verbindlich Stellung bezi ehen, mithin den das Prozessthema bildenden Streitgegenstand in zeitlicher Hinsicht ausdehnen. Eine solche Ausdehnung des rich- terlichen Beurteilungszeitraums ist jedoch - analog zu d en Voraussetzungen einer sachlichen Ausdehnung des Verfahrens auf eine ausserhalb des durch die Verfügung bestimmten Rechts- verhältnisses liegende spruchreife Frage - nur zulässig, wenn der nach Erlass der Verfügung eingetretene, zu einer neuen rechtlichen Beurteilung der Streitsache ab jenem Zeitpunkt füh- rende Sachverhalt hinreichend genau abgeklärt ist, die betreffende Frage mit dem bisherigen Streitgegenstand so eng zusammenhängt, dass von einer Tat bestandsgesamtheit gesprochen werden kann, und die Verfahrensrechte der Parteien, i nsbesondere deren Anspruch auf rechtli- ches Gehör, respektiert worden sind (Urteil des Bundesg erichts vom 15. Oktober 2015, Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9C_540/2015, E. 3.1 mit Hinweisen; BGE 130 V 138 E. 2.1). Diese Voraussetzungen sind vor- liegend erfüllt. Der medizinische Sachverhalt ist durch d as MEDAS-Gutachten bis zum Zeit- punkt der dortigen Begutachtung im Oktober 2019 genau abgeklärt, der Verlauf des Gesund- heitszustands bildet eine zentrale Frage der Streitsache, sodass ohne Weiteres von einer Tat- bestandsgesamtheit gesprochen werden kann, und die Par teien konnten sich im vorliegenden Beschwerdeverfahren hinlänglich zum Gesundheitszustand im u nd zu dessen Entwicklung bis zum Zeitpunkt der MEDAS-Begutachtung äussern. Der Streitgegenstand ist deshalb - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin - in zeitlicher H insicht bis zum Zeitpunkt des Gerichts- gutachtens vom 15. November 2015 auszudehnen. 8. Gestützt auf die Ergebnisse des MEDAS-Gerichtsgutachtens sind zusammenfassend für die einzelnen Zeitphasen folgende Arbeitsfähigke itsgrade festzulegen: Die Versicherte mel- dete sich am 16. Juni 2014 bei der IV-Stelle zum Leist ungsbezug an. Eine Rentenzusprache kann somit frühestens sechs Monate später, d.h. ab 1. Deze mber 2014 erfolgen. Im damaligen Zeitraum bewegte sich die Arbeitsfähigkeit laut MEDA S-Gutachten in einer Grössenordnung von 20 - 30 %. Der Klarheit halber rechtfertigt es sich , hier auf einen Mittelwert von 25 % abzu- stellen. Ab der Begutachtung durch die Dres. C.___ und D.____, d.h. ab anfangs März 2016 ist von einer höheren Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen. Diese hatte Bestand bis zur MEDAS- Begutachtung im Oktober 2019. Seither ist von einer noch mals leicht höheren Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von ca. fünf Stunden pro Tag, was bei einer durchschnittlichen wöchent- lichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden umgerechnet einer 6 0 %-igen Arbeitsfähigkeit entspricht, auszugehen (vgl. zu diesem Verlauf E. 6.1.4 hiervor). 9. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen . Nun gilt es allerdings zu beachten, dass die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 10. Oktober 2018 einen Ren- tenanspruch der Versicherten im Wesentlichen mit der B egründung ablehnte, dass das Warte- jahr nicht erfüllt sei. Aus diesem Grund erübrige sich, so die IV-Stelle damals weiter, auch die Durchführung eines Einkommensvergleichs. Diese Auffassung erweist sich nach dem vorste- hen Gesagten als unzutreffend. Da sich die Parteien abe r bis anhin noch gar nicht zum Ein- kommensvergleich und den damit zusammenhängenden Fragen geäussert haben, ist die Höhe des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin heute noch n icht spruchreif. Die angefochtene Verfügung vom 10. Oktober 2018 ist deshalb aufzuheben u nd die Angelegenheit ist an die IV- Stelle zurückzuweisen. Diese wird für die einzelnen Ze itphasen ab dem 1. Dezember 2014 auf der Basis der vorstehend (vgl. E. 8 hiervor) verbindlich f estgelegten Arbeitsfähigkeitsgrade die erforderlichen Einkommensvergleiche vorzunehmen und anschliessend über die der Versicher- ten zustehenden Rentenansprüche zu verfügen haben. Die vorliegende Beschwerde ist in die- sem Sinne teilweise gutzuheissen. 10. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. 10.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens - und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 215 E. 6.2, je mit Hinweisen). 10.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 10.3 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträ ger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die M assnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung dem Versicherer aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht weiter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 2 65 f. E. 4.4.2). Vorliegend war das Gericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 9. Mai 2019 zum Ergebnis gelangt, dass ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Es entschied deshalb, den Fall auszustellen und zur a bschliessenden Klärung des medizi- nischen Sachverhalts ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben, Wie sich anlässlich der heutigen Urteilsberatung gezeigt hat, w ar das in der Folge eingeholte MEDAS- Gerichtsgutachten vom 15. November 2019 für eine abschl iessende Beurteilung des medizini- schen Sachverhalts unerlässlich. Im Lichte der geschilder ten bundesgerichtlichen Rechtspre- chung sind demnach die Kosten der Begutachtung IV-Stel le aufzuerlegen. Diese Kosten belau- fen sich insgesamt auf Fr. 16'108.50; sie setzen sich zu sammen aus den Kosten der MEDAS gemäss der Honorarrechnung vom 15. November 2019 im Be trag von Fr. 15'737.50 für die Er- stellung des Gutachtens sowie aus Laborkosten von Fr. 19 8.70 und aus Kosten für die Erstel- lung von Röntgenbildern im Betrag von Fr. 172.30. 10.4 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin machte in seiner Honorarnote vom 18. April 20 19, die er im Hinblick auf die erste Urteils- beratung vom 9. Mai 2019 eingereicht hatte, einen Ze itaufwand von 13,6 Stunden und Ausla- gen von Fr. 130.20 geltend, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsfragen als angemessen erwies. Mit Verfügung vom 30. März 2020 forderte das Kantons- gericht den Rechtsvertreter sodann auf, innert unerstre ckbarer Frist bis 20. April 2020 eine ak- tualisierte Honorarnote nach Zeitaufwand einzureichen. Gleichzeitig wurde er darauf hingewie- sen, dass das Honorar nach Ermessen festgesetzt werde, fal ls bis zum genannten Termin kei- ne Honorarnote eingehen sollte. In der Folge liess de r Rechtsvertreter dem Kantonsgericht kei- ne aktualisierte Kostennote zukommen, sodass das Honorar a nkündigungsgemäss nach Er- messen festzusetzen ist. Mit Blick auf die seit Einreichung der ersten Honorarnote vom 18. April 2019 bis zur heutigen zweiten Urteilsberatung getätigte n Bemühungen erscheint es angemes- sen, dem Rechtsvertreter zusätzlich zu dem in der ursprüngli chen Honorarnote ausgewiesenen Zeitaufwand von 13,6 Stunden einen weiteren Zeitaufw and von 6,4 Stunden zu vergüten sowie die Auslagen von Fr. 130.20 auf pauschal Fr. 150.-- zu erhöhen. Die entschädigungsberechtig- ten Bemühungen im Umfang von somit insgesamt 20 Stunden sind zu dem in Sozialversiche- rungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zu r Anwendung gelangenden Stun- denansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Der Beschwerdefü hrerin ist deshalb eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 5‘546.55 (20 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 150.-- zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 11. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen teilweise gutgeheissen und die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-L andschaft vom 10. Oktober 2018 wird aufgehoben. Die Angelegenheit wird an die IV- Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen, damit diese die d er Be- schwerdeführerin ab 1. Dezember 2014 zustehenden Rente nansprü- che im Sinne der Erwägungen berechne und anschliessend d arüber neu verfüge. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 16'108.50 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 5'546.95 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht