Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. April 2016 (725 15 145) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Gutheissung der Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin muss der Versicherten weiterhin die Invalidenrente (Komplementärrente) ausrichten. Es liegt kein Revisionsgrund vor, da sich der unfallbedingte Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der ursprüngli- chen Rentenzusprache nicht anspruchserheblich verändert hat. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Dr. Peter Bohny, Advo- kat, Falknerstrasse 36, Postfach 173, 4001 Basel gegen Allianz Suisse Versicherungs -Gesellschaft AG , Hohlstrasse 552, Postfach, 8010 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A.1 Die 1974 geborene A.____ arbeitete ab 10. Augus t 1990 als Detailhandelsangestellte bei der B.____ und war in dieser Eigenschaft bei de r Elvia Schweizerische Versicherungsge- sellschaft ([Elvia]; ab 28. November 2002: Allianz Suisse Versicherungsgesellschaft AG [Alli- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht anz]) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und N ichtberufsunfällen sowie von Berufs- krankheiten versichert. Mit Unfallmeldung UVG vom 29. N ovember 1994 wurde der Elvia der Verkehrsunfall vom 25. November 1994 gemeldet. A.____ erlitt einen Selbstunfall als Lenkerin eines Personenwagens, indem sie bei einer Linkskurve von der Fahrbahn geriet und eine Bö- schung hinabfuhr. Dabei zog sie sich Prellungen, insbeson dere am Hals und an der linken Schulter, zu. Der erstbehandelnde Arzt, Dr. med. C.____ , FMH Allgemeine Innere Medizin, di- agnostizierte am 19. Dezember 1994 ein Distorsionstraum a der HWS-Region und konsekutiv des Schultergürtels. In der Folge erbrachte die Elvia Versicherungsleistungen gemäss UVG. Am 5. Februar 1996 meldete sich A.____ bei der Eidgen össischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 4. November 199 8 sprach ihr die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) aufgrund eines Invaliditätsgrades von 58% rückwirkend per 1. November 1995 eine halbe Rente zu. Mit Verfügung vom 11. Februar 1999 sprach die Elvia A._ ___ rückwirkend per 1. Juli 1998 eine Invalidenrente (Komplementärrente) aufgrund eines Inva liditätsgrades von 58% sowie eine In- tegritätsentschädigung zu. A.2 Am 3. Dezember 1999 verunfallte A.____ erneut. Als sie vor einem Fussgängerstreifen hielt, wurde sie von einem anderen Fahrzeug von hinten angefahren. Zur Zeit dieses zweiten Unfalles war sie nicht unfallversichert, weshalb die Nationale Suisse, die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers, direkt für den Schaden aufkam. Nachdem A.____ aufgrund des zweiten Unfallereignisses eine Verschlechterung ihres Gesund- heitszustandes geltend gemacht hatte, sprach ihr die I V-Stelle mit Verfügung vom 6. Juni 2001 rückwirkend per 1. Juli 2000 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100% eine ganze Rente zu. A.3 Im Rahmen einer Rentenrevision holte die IV-Stell e bei der D.____ ein polydisziplinäres Gutachten, welches am 27. April 2010 erstellt wurde, sow ie eine ergänzende Stellungnahme vom 2. September 2010 ein. Mit Verfügung vom 29. März 2011 ermittelte sie neu in Anwendung der gemischten Methode mit den Anteilen 50% Erwerb und 50% Haushalt einen Invaliditätsgrad von 32% und hob daher die Rente revisionsweise auf. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft. A.4 Mit Verfügung vom 23. November 2011 stellte die Allianz ihre Versicherungsleistungen gestützt auf das Gutachten der D.____ mangels kausaler Gesundheitsschädigung rückwirkend per 31. August 2011 ein, wobei sie auf eine Rückforderu ng verzichtete. Hiergegen erhob die Versicherte Einsprache und begründete diese im Wesentl ichen damit, dass die Allianz den Nachweis einer erheblichen Verbesserung des Gesundheitszust andes nicht erbracht habe und legte diesbezüglich ein Privatgutachten der Dres. med. E.____, FMH Neurologie, und F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vor. A.5 Aufgrund der beiden sich widersprechenden Gutachten der D.____ einerseits und der Dres. E.____ und F.____ andererseits verfügte die Allia nz am 17. Februar 2012 die Einholung einer Oberexpertise bei der G.____. Die von der Versich erten dagegen erhobene Beschwerde Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht wies das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozial versicherungsrecht (Kantonsge- richt) mit Urteil vom 17. Januar 2013 ab, soweit es dar auf eintrat. In der Folge holte die Allianz das Gutachten der G.____ vom 9. April 2014 ein. Zudem gab sie bei Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eine Aktenbeurteilung bzw. eine Schlüssigkeitsprüfung des Gutachtens der G.____ in Auftrag. A.6 Mit Einspracheentscheid vom 5. März 2015 wies die All ianz die Einsprache der Versi- cherten gegen die Einstellungsverfügung vom 23. November 2011 betreffend die Leistungsein- stellung infolge Rentenrevision ab. In Bezug auf die E inwände, welche die Überentschädi- gungsberechnung betreffen, trat sie auf die Einsprache nicht ein. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Peter Bohny, am 23. April 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht und beantragte, es sei d er angefochtene Einspracheent- scheid vom 5. März 2015 aufzuheben und es sei die Beschwer degegnerin anzuweisen, ihr die angestammte Invalidenrente über den 31. August 2011 h inaus zu erbringen zuzüglich 5% Ver- zugszins ab Fälligkeit jeder rückwirkenden Rate. Alles unter o/e-Kostenfolge. Ausserdem wurde beantragt, es sei ihr eine Replikmöglichkeit einzuräumen. C. Die Allianz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 29. Juni 2015 auf Abweisung der Be- schwerde. D. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Beschw erdeführerin mit ihrer Replik vom 13. August 2015 und die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 21. August 2015 an ihren ein- gangs gestellten Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit . a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 199 3 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht erhobene – Beschwerde vom 23. April 2015 ist de mnach einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die B eschwerdegegnerin mit Verfügung vom 23. November 2011 bzw. mit Einspracheentscheid vom 5. März 2015 zu Recht die Invalidenren- te der Beschwerdeführerin rückwirkend per 31. August 201 1 eingestellt hat. Nicht angefochten ist hingegen der Nichteintretensentscheid der Allianz be treffend die Überentschädigungsbe- rechnung. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis z um Erlass des angefochtenen Ein- spracheentscheids vom 5. März 2015 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs- gemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Per- son. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person A nspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10% invalid ist . Gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG ent- steht der Rentenanspruch, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhaf- te Verbesserung des Gesundheitszustandes der versicherten P erson mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Inval idenversicherung (IV) abgeschlossen sind. 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Invalidenrente beträgt bei Vollinvalidität 8 0% des versicherten Verdienstes; bei Teilinvalidität wird sie entsprechend gekürzt (Art. 20 Abs. 1 UVG). Hat die versicherte Person Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (IV) oder auf eine Rente der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) so wird ihr gemäss Art. 20 Abs. 2 UVG eine Komplementär- rente gewährt; diese entspricht der Differenz zwischen 9 0% des versicherten Verdienstes und der Rente der IV oder der AHV, höchstens aber dem fü r Voll- oder Teilinvalidität vorgesehenen Betrag (Satz 1). Die Komplementärrente wird beim erst maligen Zusammentreffen der erwähn- ten Renten festgesetzt und lediglich späteren Änderungen der für Familienangehörige bestimm- ten Teile der Rente der IV oder AHV angepasst (Satz 2). Nach Abs. 3 desselben Artikels erlässt der Bundesrat nähere Vorschriften, namentlich über die Berechnung der Komplementärrenten in Sonderfällen, von welcher Rechtsetzungskompetenz er i n Art. 31 ff. der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 Gebrauch gemacht hat. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem ein getretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher und adäquater Kausalzu- sammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzu- sammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. n icht zur gleichen Zeit eingetreten ge- dacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall di e alleinige oder unmittelbare Ursa- che gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige In tegrität der versicherten Person beein- trächtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht w eggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (vgl . BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, zu deren B eantwortung die rechtsanwenden- de Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – auf ärztliche Erkenntnisse ange- wiesen sind. Für den Nachweis des natürlichen Kausalzusamme nhangs genügt der im Sozial- versicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden W ahrscheinlichkeit. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründu ng eines Leistungsanspruchs nicht (vgl. BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geei gnet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinweis) . Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftu ngsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzu- sammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und der eing etretenen gesundheitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechts erhebliche Kausalzusammenhang be- steht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Ge- richt zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). 4.1 Um das Ausmass der Invalidität zu ermitteln, ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – bei der hi erfür erforderlichen Beurteilung des Ge- sundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der versicherte n Person auf Unterlagen angewie- sen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügun g zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen Hinweisen). Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen e ine wichtige Grundlage für die Beurtei- lung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER-BLASER, Zur Prozentgenauigkeit in der Inva- liditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], R echtsfragen der Invalidität in der Sozial- versicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). Laut diesen Richtlinien ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie n ach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinwei sen). Ist eine anspruchserhebliche Än- derung des Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahrsch einlichkeit erstellt, bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherig en Rechtszustand (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 30. November 2009, 9C_961/2008, E. 6.3). 5.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu e iner materiellen Revision. Bloss auf ei- ner anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhe bliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugrenzen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Im Rahmen einer materiellen Revision nach Art. 17 ATSG prüft die Verwaltung den Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht allseitig, das heisst nicht nur mit Bezug auf jenes Sachverhaltssegment, in welchem eine Änderun g in Frage steht (BGE 125 V 417 E. 2d; 117 V 200 E. 4b S. 200; Urteil vom 24. August 2007, 9C_237/2007, E. 4). Dementspre- chend ist das Sozialversicherungsgericht befugt (und verp flichtet), bei Bedarf Teilaspekte des Rechtsverhältnisses von Amtes wegen aufzugreifen, selbst wenn diese bereits in der früheren rechtskräftigen Verfügung beurteilt wurden (Urteil des Bundesgerichts vom 6. November 2007, I 822/06, E. 3.1). 5.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Im vorliegenden Fall ist somit zu prüfen, ob sich gegenüber der ursprünglichen Rentenzuspr ache vom 11. Februar 1999 im Zeit- punkt der streitigen Revisionsverfügung vom 23. November 2 011 bzw. des Einspracheent- scheids vom 5. März 2015 eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands der Be- schwerdeführerin ergeben und sich dadurch der Invaliditä tsgrad in einer für den Anspruch er- heblichen Weise verändert hat. 5.5 Bei der Rentenanpassung infolge Änderungen des Ge sundheitszustandes sind dieje- nigen Änderungen massgebend, welche die versicherte Gesundheitsschädigung betreffen. Ver- langt wird eine Veränderung des auf die gleiche medi zinische Ursache zurückzuführenden Ge- sundheitsschadens (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009 Art. 17 Rz. 17). Vor dem Hintergrund der gemachten Ausführungen (vgl. E. 3.4 hiervor), wonach die Leistungspflicht des Unfallversicherers unter anderem voraussetzt, dass zwischen dem schädigenden Ereignis und der gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, kann im unfallversicherungsrechtlichen Revisionsve rfahren entsprechend – anders als im Rahmen von Revisionen der Invalidenversicherung – ei ne Revision nur zulässig sein, wenn in Bezug auf die unfallkausalen Gesundheitsschäden eine tatsächliche Veränderung der ge- sundheitlichen Verhältnisse im Sinne einer Besserung ode r Verschlechterung eingetreten ist (vgl. hierzu auch Urteil des EVG vom 5. Juni 2003, U 38/01, E. 5.2 ff.). 5.6 Im Urteil vom 29. August 2011 (9C_418/2010) hat das Bundesgericht ergänzend zusätz- liche Besonderheiten festgehalten, die es in Revisionsf ällen (im Sinne des Art. 17 ATSG) bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen Sachverhalte s zu beachten gilt. Demnach bildet Gegenstand des Beweises das Vorhandensein einer en tscheidungserheblichen Differenz in den – den medizinischen Gutachten zu entnehmenden – Tatsachen, da die Feststellung ei- ner revisionsbegründenden Veränderung durch eine Gegen überstellung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes erfolgt. Die Feststellung d es aktuellen gesundheitlichen Befunds und dessen funktionelle Auswirkungen ist zwar Ausgangspunkt der Beurteilung; sie erfolgt aber nicht unabhängig, sondern wird nur entscheidungserheblich, soweit sie tatsächlich einen Unter- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schied auf der Seinsebene zum früheren Zustand wiedergi bt. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt folglich wese ntlich davon ab, ob es sich ausrei- chend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvollziehbaren u nd schlüssigen medizinischen Beurtei- lung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer fr üheren abweichende) ärztliche Einschät- zung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern ei ne effektive Veränderung des Gesund- heitszustandes stattgefunden hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben ( Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2). 6.1 Bei der ursprünglichen Rentenzusprache vom 11. Feb ruar 1999 stützte sich die Elvia im Wesentlichen auf das psychiatrische Gutachten von Dr. F. ____ vom 10. November 1997 sowie auf das neurologische/neuropsychologische Gutachten von Dr . E.____ vom 29. Dezember 1997. 6.2 Dr. F.____ diagnostizierte in seinem psychiatrischen Gu tachten vom 10. November 1997 bei der Beschwerdeführerin eine Neurasthenie (ICD-10 F48.0), eine Agoraphobie (ICD-10 F40.0) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte er aus, die Versicherte sei auf grund ihrer Symptomatologie, das heisse ihrer psychiatrischen Diagnosen, die ihrerseits aufgrund ih rer Auswirkungen auf die Bewälti- gung des Alltagslebens und ihrer beruflichen Anforderu ngen Krankheitswert hätten, in ihrem angestammten Beruf als zu 50% arbeitsunfähig zu betrac hten. Die Verwertung der übrigen Ar- beitsfähigkeit sei ihr zumutbar. Die verbleibenden 50% Arbeitsfähigkeit solle zuerst im ge- schützten Rahmen genutzt werden und im Folgenden steiger nd in der freien Marktwirtschaft. In Bezug auf die Kausalität hielt Dr. F.____ fest, die E ntwicklung der bei der Versicherten gestell- ten psychiatrischen Diagnosen und die entsprechende Symp tomatik könnten ohne den Unfall als unwahrscheinlich betrachtet werden. Die Beschwerdeführerin hätte auf keinen Fall ein post- traumatisches Belastungssyndrom, eine Agoraphobie oder ein Schmerzsyndrom entwickelt. Sie sei vor dem Unfall kerngesund gewesen. Die Adoleszentenkrisen hätten keinerlei Auswirkungen dahingehend gezeigt, dass die Arbeitsfähigkeit prämorb id über längere Zeit eingeschränkt ge- wesen wäre. Die Kausalität für die aktuell zu diagnostizi erende psychiatrische Erkrankung sei zu 100% dem Unfall anzulasten. 6.3 Dr. E.____ stellte in seinem neurologischen/neurop sychologischen Gutachten vom 29. Dezember 1997 die folgenden Diagnosen: Status na ch Verkehrsunfall am 25. November 1994 mit HWS-Abknickverletzung sowie milder traumatischer Gehirnverletzung mit aktuell noch bestehendem mässig ausgeprägten Cervikalsyndrom, mässig ausg eprägten cervicocephalen Beschwerden und leichten kognitiven Störungen bei Zustand nach milder traumatischer Gehirn- verletzung, Zustand nach posttraumatischer Belastungsstörung sowie psychiatrisch anhaltender somatoformer Schmerzstörung (siehe psychiatrisches Teilgutach ten vom 10. November 1997). Es habe kein relevanter körperlicher Vorzustand vorgelegen . Auf die Frage, ob noch Unfallfol- gen im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 25. November 1994 vorlägen, hielt Dr. E.____ Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht fest, dass noch ein Cervikalsyndrom, von der Versicherten g laubhaft gemachte cervicocephale Beschwerden sowie leichte kognitive Störungen bestünden, welche als Unfallfolgen anzusehen seien. Aus körperlicher Sicht ergäben sich keine Anhaltsp unkte für unfallfremde Faktoren. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit schätzte Dr. E.____ auf insgesamt 50% ein. Als Detailhan- delsangestellte der B.____ bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr. Diese Tätigkeit sei ungeeignet, indem wesentliche Teilbereiche dieser Arbeit ungünstig e Belastungen mit sich bringen würden. Eine 50%ige Tätigkeit in einer angepassten Arbeit sei d er Versicherten zuzumuten. Unter einer angepassten Tätigkeit verstehe er eine wechselnd sitzend-stehende Arbeit ohne Kopfzwanghal- tung und ohne arbeitsmässige Belastung der Oberarmmuskula tur, ohne besondere Ansprüche an geteilte Aufmerksamkeit (keine lärmige Umgebung, etc.). Dr. E.____ hielt in seinem Teilgutachten schliesslich fe st, dass die attestierten Arbeitsunfähig- keiten im Gutachten von Dr. F.____ und in seinem Gutac hten nicht additiv zu verstehen seien. Sie würden gemeinsam eine Arbeitsunfähigkeit von 50% attestieren. 7.1 Nachdem die Beschwerdeführerin am 3. Dezember 1999 einen weiteren Unfall erlitten hatte, gab die National Suisse, welche als Versicherung des Unfallverursachers direkt für die Folgen dieses Ereignisses aufkommen musste, eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag. 7.2 Dr. F.____ erstellte am 15. März 2004 sein psychiat risches Gutachten. Darin diagnosti- zierte er weiterhin eine anhaltende somatoforme Schmer zstörung mit somatischen und psychi- schen Faktoren (ICD-10 F45.4), eine Neurasthenie (ICD-1 0 F48.0) sowie eine agoraphobische Symptomatik (ICD-10 F40.0). Neu hinzu kamen die Diagnosen einer chronifizierten depressiven Episode leichten bis mittleren Grades (ICD-10 F32.0/1) sowie eines Status nach Adoleszenten- krise. Dr. F.____ führte aus, was die aktuellen Beschwerde n anbelange, müsse davon ausge- gangen werden, dass es sich im Grunde um die gleichen, w enn auch etwas stärkere Be- schwerden, wie 1997 handle. Durch den Heckauffahrunfall vom 3. Dezember 1999 sei es zu einer Verstärkung der Symptomatik gekommen, was zur Folge gehabt habe, dass die Versi- cherte, die in Zusammenarbeit mit der IV vorgehabt habe, ab 2000 eine 50%ige Stelle in Angriff zu nehmen, dazu nicht mehr in der Lage gewesen sei. Die Beschwerden der Versicherten seien zu einem grösseren Teil dem Unfall vom 25. November 199 4 zuzuweisen, während die Exazer- bation und die definitive Chronifizierung dem Unfall vom 3. Dezember 1999 zuzuordnen seien. Eine genaue prozentuale Aufteilung der Kausalität de s jeweiligen Unfalles sei aus psychiatri- scher Sicht nicht möglich. Es müsse davon ausgegangen werd en, dass der zweite Unfall von 1999 zu einer Verschlimmerung und Chronifizierung gefüh rt habe und zwar derart, dass auch die geplante Wiederaufnahme der Arbeit zu 50% bis he ute nicht zustande gekommen sei. Die Beschwerdeführerin sei aus rein psychiatrischer Sicht in j eder Tätigkeit zu 50-60% einge- schränkt. 7.3 Dr. phil. I.____ berichtete am 3. April 2004 von ihrer neuropsychologischen Untersu- chung und hielt unter anderem fest, dass die Befunde au s neuropsychologischer Sicht auf eine leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörung im Ber eich bi-frontaler Strukturen hinwei- sen würden, mit Einbezug tieferer Strukturen (Hirnsta mm). Im Vergleich zur neuropsychologi- schen Untersuchung in der Rehaklinik Y.____ vom 19. Mai 1995, wo sich leichte bis mittel- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwere Defizite im Bereich der kurzfristigen Aufmerksamkeit , der Konzentrationsleistung und in der verbalen Lernfähigkeit manifestiert hätten, würden sich die aktuell objektivierbaren kogni- tiven Minderleistungen sowohl in ihrer Art als auch in i hrem Ausmass ähnlich darstellen. Ihres Erachtens sei die Versicherte aufgrund der objektivierbar en kognitiven Leistungsstörungen schon bei der Bewältigung ihres privaten Alltages erhebl ich handicapiert. Eine berufliche Wie- dereingliederung scheine zum heutigen Zeitpunkt nicht m ehr realisierbar. Eine einfachere Ar- beitstätigkeit, die aus rein neuropsychologischer Sicht zu etwa 50% eingeschränkt wäre, werde auch aktuell (wie schon seit dem ersten Unfall) durch di e zusätzlich persistierende Schmerz- problematik verhindert. Zudem würden auch die sich mani festierenden kognitiven Defizite so- wohl eine adäquate Planung eines beruflichen Wiedereinstiegs als auch die Durchführung einer eventuellen Umschulung auf einen leichteren, stressfreie n und vor allem körperlich weniger anspruchsvollen Beruf verhindern. 7.4 Dr. med. J.____, FMH Neurologie, diagnostizierte a m 8. November 2004 ein Distorsions- trauma der HWS und Commotio cerebri in Folge eines V erkehrsunfalles (Frontalkollision) am 25. November 1994 sowie ein erneutes Distorsionstrauma der HWS in der Folge einer Heckauf- fahrkollision am 3. Dezember 1999 mit anhaltendem myofaszialem Zervikalsyndrom, zervikoce- phalen Beschwerden mit im Vordergrund stehenden chroni schen Spannungskopfschmerzen, leichter bis mittelschwerer kognitiver Funktionsstörung, posttraumatischer Belastungsstörung sowie anhaltender somatoformer Schmerzstörung mit somat ischen und psychischen Faktoren. Dr. J.____ hielt fest, dass die Beschwerden der Versichert en nach dem ersten Unfall vom 25. November 1994 aufgetreten seien. Nach dem zweiten Unfall vom 3. Dezember 1999 sei es zu einer Exazerbation der vorbestehenden Beschwerden und zu einer dauernden Verschlimme- rung gekommen. Eine Zuteilung der gesundheitlichen Be einträchtigung auf den ersten und zweiten Unfall sei nicht möglich. Ohne den zweiten Unfa ll könnte mit grösster Wahrscheinlich- keit die geplante Wiederaufnahme der Arbeit in einem Umfang von 50% realisiert werden. Der Beschwerdeführerin könnte eine wechselpositionierte Ar beit ohne körperliche Belastung und ohne Zeitdruck und Hektik in einem Ausmass von 50% ausführ en. Idealerweise käme eine Heimarbeit in Betracht. Dabei sollte die Versicherte die Möglichkeit haben, die Zeit selbst einzu- teilen. 8. Im Auftrag der IV wurde am 27. April 2010 ein Gu tachten durch die D.____ erstellt. Darin fanden sich keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbe itsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die Gutachter ein chr onisches zervicozephales Schmerzsyn- drom (ICD-10 M53.0) mit migräniformer Schmerzkomponen te, einen Status nach mehreren Verkehrsunfällen mit HWS-Belastung 1994 und 1999, eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD- 10 F54), Übergewicht (ICD-10 E66.9), Nikotinabusus (ICD-10 F17.1) sowie eine unklare Leuko- zytose (ICD-10 D72.8). In ihrer multidisziplinären (int ernistischen/allgemeinmedizinischen, psy- chiatrischen sowie neurologischen) Konsensbeurteilung kam en die Gutachter zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin für leichte bis mittelschw er belastende berufliche Tätigkeiten, wie für die angestammte Tätigkeit als Detailhandelang estellte, eine Arbeits- und Leistungsfä- higkeit von 100% bestehe. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Im Rahmen des Einspracheverfahrens gegen die Verfügu ng der Allianz vom 23. No- vember 2011 reichte die Beschwerdeführerin ein Parteig utachten der Dres. F.____ und E.____ vom 4. Januar 2012 ein. 9.2 Dr. E.____ diagnostizierte in seinem neurologisch en Teilgutachten ein mässig ausge- prägtes Zervikalsyndrom, mässig ausgeprägte zervikozephale Besc hwerden mit cervidogen getriggerten Kopfschmerzen sowie leichten kognitiven Störungen bei Zustand nach Verkehrsun- fall am 25. November 1994 mit komplexem Unfallmechanism us mit HWS-Distorsion sowie mil- der traumatischer Gehirnverletzung und Zustand nach Auff ahrunfall am 3. Dezember 1999 mit HWS-Distorsion. Zusammenfassend hielt Dr. E.____ fest, da ss im Vergleich zur Voruntersu- chung vom 28. Mai 1997 und 13. August 1997 (Gutachten vo m 29. Dezember 1997) und auch im Vergleich zur Untersuchung von Dr. J.____ und Dr. I.____ aus dem Jahr 2004 sowohl kli- nisch-neurologisch sowie verhaltensneurologisch/neuropsycho logisch ein weitestgehend un- veränderter Befund vorliege. Von einer zwischenzeitlichen Verbesserung der Befunde könne nicht die Rede sein. Aus neurologischer Sicht bestehe in einer nicht angepassten Tätigkeit, wie sie die Arbeitstätigkeit als Detailhandelsangestellte da rstelle, keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer angepassten Tätigkeit ohne repetitive Belastung des Schultergürtels sowie ohne Zwangs- haltung, mit möglichst wechselnd sitzend/stehender Arbei tshaltung, sei aus rein neurologischer Sicht von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Di es unter der Voraussetzung, dass kei- ne erhöhten Anforderungen an die geteilte Aufmerksamkeit sowie an die Fähigkeit, neue Inhalte aufzunehmen, vorlägen. Die unterschiedliche Beurteilun g im Vergleich zum Vorgutachten aus dem Jahr 1997 ergebe sich aus dem Umstand, dass es in der Zwischenzeit zu einem Gewöh- nungseffekt gekommen sei. 9.3 Dr. F.____ diagnostizierte im psychiatrischen Teilguta chten eine leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0/1), eine neurasthenische Symptomatik (ICD-10 F48.0), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) m it somatischen und psychischen Faktoren, eine Agoraphobie (ICD-10 F40.01) sowie akzent uierte Persönlichkeitszüge vom schwer nehmenden, narzisstisch, selbstunsicheren, aggressionsge hemmten Typ (ICD-10 Z73.1) Differenzialdiagnose: Persönlichkeitsstörung gemischt. Bei der Beschwerdeführerin liege aufgrund der Schmerzproblematik, der depressiven Proble matik und der neurasthenischen Problematik eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Lei stungsfähigkeit vor. Insgesamt kam Dr. F.____ zum Schluss, dass bei der Versicherten aufgrund des erhöhten Pausenbedarfs und der verlängerten Erholungszeit eine 50%ige Beeinträch tigung der Arbeits- und Leistungsfähig- keit nach wie vor, also auch im Vergleich zu 2004 und 2007, objektiv begründet sei. 9.4 In ihrer Konsensbesprechung hielten die Dres. E.__ __ und F.____ fest, aus psychiatri- scher und neurologischer/verhaltensneurologischer Sicht sei es, die früheren Untersuchungsbe- funde, die Aktenlage und die subjektiven Angaben der Versicherten berücksichtigend, zwischen 2004 und heute weder zu einer wesentlichen Verbesserung noch zu einer wesentlichen Ver- schlechterung der Symptomatologie gekommen. Weiterhin sei davon auszugehen, dass unter Berücksichtigung der objektiven Befunde und des Verlaufs im Längsschnitt, die Versicherte zu 50% in angepasster Tätigkeit eingeschränkt bleibe. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.1 Weil das Gutachten der D.____ vom 27. April 2010 und das Parteigutachten der Dres. E.____ und F.____ vom 4. Januar 2012 divergiert en, gab die Beschwerdegegnerin eine Oberexpertise bei der G.____ in Auftrag. Das polydiszipli näre Gutachten der G.____ datiert vom 9. April 2014. 10.2 Dr. med. K.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapi e, diagnostizierte in seinem psy- chiatrischen Teilgutachten vom 6. Januar 2014 mit Auswirku ng auf die Arbeitsfähigkeit Folgen- des: Verkehrsunfall am 25. November 1994 mit traumat ischer HWS-Distorsion und Commotio cerebri (Diagnosen Rehaklinik Y.____), Verkehrsunfall am 3. Dezember 1999 mit HWS- Distorsion mit chronischer Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) sowie rezidivierender depressiver Störung, gegenw ärtig mittelgradige depressive Epi- sode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11). Als Diagn osen ohne Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit stellte er eine generalisierte Angststör ung (ICD-10 F41.1), eine Koffeinabhängig- keit, gegenwärtiger Substanzgebrauch ICD-10 F15.25) so wie eine Nikotinabhängigkeit, gegen- wärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25) fest. Zusam menfassend führte Dr. K.____ aus, dass bei der Versicherten aus psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit von etwa 50% für die bisherige oder eine geeignete Tätigkeit ausgegangen werden könne. Verglichen mit dem Vorgutachten von Dr. F.____ vom 10. November 1997 sei, wenn man von den Angaben zur Anamnese und den Befunden ausgehe, trotz zum Teil abw eichenden Diagnosen von einem nicht wesentlich veränderten Gesundheitszustand auszugeh en. Dr. F.____ habe die Arbeitsfä- higkeit damals auf 50% geschätzt, was seiner aktuellen Einschätzung entspreche. 10.3 Dr. med. L.____, FMH Neurologie, diagnostizierte in ihrem neurologischen Teilgutachten vom 13. Dezember 2013 ohne Auswirkung auf die Arbeits fähigkeit einen Status nach Autoselb- stunfall vom 25. November 1994 mit Verdacht auf ein tra umatisches HWS-Distorsionstrauma mit Schmerzen und neuropsychologischen Defiziten, einen Zu stand nach HWS- Distorsionstrauma vom 3. Dezember 1999 nach Heckauffahr kollision, ein Schmerzsyndrom, Differenzialdiagnose: anhaltende somatoforme Störung, chronische Kopfschmerzen, Differenzi- aldiagnose: Analgetika getriggert sowie ein Carpaltu nnelsyndrom beidseits (links mehr als rechts). Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte Dr. L.____ keine. Sie hielt in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit fest, dass diese aus neu rologischer Sicht im angestammten Be- ruf als Detailhandelsangestellte nicht eingeschränkt sei. Im neuropsychologischen Teilgutach- ten vom 13. Dezember 2013 hielten lic. phil. M.____, und lic. phil. N.____, beide Fachpsycholo- ginnen für Neuropsychologie FSP, fest, dass sich bei der Beschwerdeführerin eine alters- und ausbildungsadäquate kognitive Leistungsfähigkeit bei anamnestisch verminderter mentaler Be- lastbarkeit finde. Es bestünden keine kognitiven Dysfunktio nen, die sich limitierend auf die Ar- beitsfähigkeit auswirkten. 10.4 Dr. med. O.____, FMH Allgemeine Innere Medizin sowie Rheumatologie, stellte in sei- nem rheumatologischen Konsilium vom 11. Dezember 2013 ke ine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er ein chronifi- ziertes, therapierefraktäres, unspezifisches zervikozephales u nd zephales Schmerzsyndrom linksbetont mit/bei myofaszialem Reizzustand im Bereich der Nacken-/Schulterpartie beidseits linksbetont, oberem thorakalen Engpasssyndrom (TOS) links, a m ehesten muskulär bedingt, Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Status nach möglichem HWS-Distorsionstrauma infolge Verke hrsunfall am 25. November 1994 mit kompliziertem Unfallmechanismus, Status nach HWS-Distor sionstrauma infolge Heckauf- fahrunfall vom 3. Dezember 1999. Dr. O.____ führte a us, dass sich keine objektivierbaren Be- funde am Bewegungsapparat fänden, die eine Einschränkun g der Arbeitsfähigkeit begründen würden. Die angestammte Tätigkeit als Detailhandelsan gestellte sowie die Tätigkeit als Haus- frau/Mutter sei der Versicherten vollumfänglich ohne zeitliche oder leistungsmässige Einschrän- kung zu 100% zumutbar. 10.5 Dr. med. P.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. Q.____, FMH Physika- lische Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie, hielten fest, im Wesentlichen habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten über all die Jahr e nicht geändert – geändert hätten sich die Diagnosen. Generell gleich geblieben seien di e Beurteilungen durch die beigezogenen Rheumatologen, welche eigentlich nie einen objektiven B efund gefunden hätten, welcher die Symptomatik erklärt hätte. Der Neurologe Dr. E.____ h abe eigentlich auch nie einen objekti- vierbaren Befund erheben können. Die psychiatrischen Diag nosen hätten geschwankt. Auf die Frage, ob die geltend gemachte Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest teilweise Folge des Unfalles vom 25. November 1994 sei, führten die Dres. P.____ und Q.____ aus, im somatischen Bereich müssten sie diese Fr age mit Nein beantworten. Es lägen keine somatischen Befunde vor, welche von diesem Unfall herrührten. Im psychiatrischen Bereich müssten sie die Frage mit Ja beantworten. Dr. K .____ führe seine Diagnosen auf die- sen Unfall zurück, als psychische Unfallfolgen. Die Versicher te sei vor diesem Unfall gesund und voll arbeitsfähig gewesen. Es hätten zwar psychische Risikofaktoren vorgelegen. Es handle sich aber um „statistische“ Risikofaktoren, welche sich nicht mi t Sicherheit auswirken müssten, so auch nicht bei der Beschwerdeführerin. Der zweite Un fall habe möglicherweise die ganze Situation chronifiziert und zur Fixierung beigetragen. Dies sei aber nicht zu quantifizieren. Eine Abschätzung, welchen Einfluss die unfallfremden Faktore n auf die unfallbedingte Behandlung und eine allfällige unfallbedingte Arbeitsunfähigke it hätten und in welchem Ausmass, sei äus- serst schwierig bis unmöglich. Dr. K.____ habe aber denn och eine Aufteilung in 90% Unfallfol- gen und 10% unfallfremde Faktoren vornehmen können. Die Dres. P.____ und Q.____ erachte- ten die Versicherte als Detailhandelsangestellte als zu 5 0% arbeitsfähig. Es sei zuverlässig an- zunehmen, dass die Arbeitsfähigkeit seit dem 25. November 1994 nie für längere Zeit anhaltend höher gewesen sei als 60%. Im Vergleich mit den Guta chten der Jahre 1996/1997 habe sich der unfallbedingte Gesundheitszustand der Versicherten ni cht geändert. Trotz der abweichen- den Diagnosen sei jeweils eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % angenommen worden, wie sie dies aktuell auch täten. 11.1 Im weiteren Verlauf beauftragte die Beschwerdeg egnerin die R.____ GmbH, eine medi- zinische Stellungnahme aufgrund der Akten über die Versi cherte zu erstellen und in diesem Zusammenhang die Schlüssigkeit des Gutachtens der G.____ vom 9. April 2014, insbesondere des Teilgutachtens von Dr. K.____ vom 6. Januar 2014, zu prüfen. Am 23. Juli 2014 berichtete Dr. H.____, dass die Einschätzung von Dr. K.____ nicht zuverlässig sei. Eine Leistungsminde- rung von 50% erscheine als zu hoch angesetzt, dies insbesondere im Hinblick darauf, dass eine mittelschwere Depression höchstens bei einer hochqualifizierten Arbeit, beispielsweise mit Füh- rungsfunktionen oder hohen Anforderungen an die Krea tivität und Flexibilität, eine Arbeitsunfä- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit von 50% oder mehr begründen könnte, nicht aber in der angestammten Tätigkeit der Versicherten. Des Weiteren sei eine somatoforme Schmerzstörung versicherungsmedizinisch in aller Regel nicht geeignet, eine höhergradige Arbei tsunfähigkeit zu begründen. Medizinisch be- gründbar wäre eine Leistungsminderung bzw. Arbeitsunfä higkeit von etwa einem Drittel in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit. Dr. H.____ führte zudem aus, ihres Erachtens könne nicht nur von einem „leicht“ erhöhten Risiko für die Entwicklung psychisch er Störungen gesprochen werden, vielmehr würden die unfallfremden prämorbiden Faktoren und Konstellationen als eine ursächli- che conditio sine qua non für die Entwicklung der somatof ormen Schmerzstörung erscheinen. Aufgrund der erdrückenden „Vorlast“ unfallfremder Fa ktoren müsste die von Dr. K.____ vorge- nommene Aufteilung von 90% Unfall und 10% unfallfre mde Faktoren gerade umgedreht wer- den. 11.2 Daraufhin reichte die G.____ mit Schreiben vom 1. Oktober 2014 eine ausführliche Stel- lungnahme von Dr. K.____ zur Kritik von Dr. H.____ am psychiatrischen Teilgutachten ein. Dr. Q.____ führte in diesem Schreiben aus, dass er al s verantwortlicher Chefarzt zunächst er- gänzen möchte, dass es ihn mehr als erstaune, dass eine Psych iaterin von sich glaube, sie könne ohne Befragung und Untersuchung der betroffenen Person eine zuverlässige Leistungs- einschätzung abgeben. Während die Gutachter der G.__ __ von einer Leistungsminderung von 50% ausgegangen seien, schätze Dr. H.____ die Leistun gsminderung auf 33,3%. Dass sie für die Differenz von 16,7% Arbeitsfähigkeit keine eigene Befragung und Untersuchung benötige, sei aufgrund seiner Berufserfahrung milde ausgedrückt un üblich. In seiner ergänzenden Stel- lungnahme vom 22. September 2014 hielt Dr. K.____ a n seinen gestellten Diagnosen, an sei- ner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sowie an seiner Kausalitätszuordnung respektive Kausali- tätsgewichtung (unfallkausal/unfallfremd) fest, und nahm ausführlich zu den einzelnen Kritik- punkten von Dr. H.____ Stellung. Dr. K.____ führte zudem aus, dass beim Durchlesen der Stel- lungnahme von Dr. H.____ auffalle, dass sie im ICD-10 festgelegte und von ihm in seinem Gut- achten bereits aufgeführte und diskutierte Kriterien nicht beachte, so die zeitlichen Kriterien für eine Anpassungsstörung oder eigene Kriterien einführe, wie dass ein organisch-strukturelles Korrelat für diese Beschwerden objektiviert werden müsse , damit die Diagnose einer chroni- schen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) gestellt werden dürfe. Diese Anforderung finde sich in der Def inition dieser Diagnose nicht. Teilweise seien auch von ihm dargelegte Überlegungen und Daten in der Diskussion von Dr. H.____ nicht berücksichtigt worden. Es würden daher erhebliche Zweif el an ihrer Schlüssigkeitsprüfung ent- stehen. 12.1 Die Allianz stützte sich bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts und der Frage, ob seit der ursprünglichen Zusprache der Komplem entärrente mit Verfügung vom 11. Februar 1999 eine anspruchserhebliche Änderung in den gesundheitlichen Verhältnissen eingetreten ist, auf das Gutachten der D.____ vom 27. April 2010 und auf das – in Bezug auf die psychiatrischen Belange von Dr. H.____ ergänzte und pr äzisierte – Gutachten der G.____ vom 9. April 2014. Die Beschwerdegegnerin ging demzufo lge von einem seit der Referenzlage im Jahr 1997 wesentlich verbesserten Gesundheitszustand aus. Es sei davon auszugehen, dass keine relevante, unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit mehr vorliege. Jedenfalls habe sich der Invaliditätsgrad seit der Rentenfestsetzung massgeblich, insgesamt um mehr als die von der Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsprechung geforderten 5% verändert. Demgegenüber stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, dass sich ihr Gesundheitszustand nicht verändert habe. Auf das Gutachten der D.____ habe sich nicht einmal die IV-Stelle als Au ftraggeberin gestützt. Ausserdem werde die Beurteilung des D.____ durch die Dres. E.____ und F.____ sowie auch durch das Gutach- ten der G.____ widerlegt und festgestellt, dass kein Revisionsgrund vorliege. 12.2 Den Ausführungen der Beschwerdegegnerin, wonach g emäss dem Gutachten der D.____ und dem – in Bezug auf die psychiatrischen Belan ge von Dr. H.____ ergänzten und präzisierten – Gutachten der G.____ eine Veränderung d es Gesundheitszustandes eingetreten sei und damit ein Revisionsgrund vorliege, der eine allseitige Prüfung des Rentenanspruchs pro futuro ermögliche, kann nicht beigepflichtet werden. Wie bereits ausgeführt (vgl. E. 5.5 hiervor), kann im unfallversicherungsrechtlichen Revisionsverfahren ein e Revision nur zulässig sein, wenn in Bezug auf die unfallkausalen Gesundheitsschäden ei ne Veränderung eingetreten ist. Für das Vorliegen eines entsprechenden Revisionsgrundes ist der Versicherungsträger beweis- pflichtig. Er muss eine wesentliche Veränderung des Unf allschadens mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachweisen. Wie die Be schwerdeführerin in grundsätzlicher Hinsicht richtig erkannte, ist der Beschwerdegegnerin di eser Beweis im vorliegenden Verfahren jedoch misslungen. Die Beschwerdegegnerin verkennt in diesem Zusammenhang, dass irgend- eine Veränderung in den gesundheitlichen Verhältnisse n im Bereich der Unfallversicherung noch kein tauglicher Revisionsgrund darstellen kann, son dern diese Veränderung sich auf die unfallkausalen Gesundheitsschäden beziehen muss. 12.3 In Bezug auf das Gutachten der D.____ ist festzuhal ten, dass die Beschwerdegegnerin sich damit auf eine medizinische Beurteilung stützt, die sich nicht spezifisch auf die unfallkausa- len Unfallschäden beschränkt, sondern sämtliche gesundheitl ichen Beeinträchtigungen, somit auch die unfallfremden, berücksichtigt. Das Gutachten de r D.____ wurde im Auftrag der IV- Stelle erstellt, wobei sich diese selber in ihrer Verfügung vom 29. März 2011, mit welcher sie die Invalidenrente der Versicherten einstellte, nicht darau f abstützte. Gemäss der Verfügung vom 29. März 2011 sei der Beschwerdeführerin aus medizinische r Sicht die Tätigkeit als Detailhan- delsangestellte sowie jede andere körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit im Umfang ei- nes 20%igen Pensums zumutbar. Die Einstellung der Rente resultierte aus dem Umstand, dass die IV-Stelle neu die gemischte Methode (50% Erwerb/ 50% Haushalt) zur Anwendung brachte und die Versicherte im Haushalt zu lediglich 3% eingesch ränkt erachtete. Gemäss einer sich in den IV-Akten befindlichen Aktennotiz vom 3. Februar 20 11 sei die Verbesserung des Gesund- heitszustandes nicht genügend ausgewiesen, auch nicht vo n somatischer Seite. Es sei somit lediglich eine Reduktion der Rente aufgrund des Method enwechsels möglich. Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass das Gutachten der D.____ keine n äheren Ausführungen hinsichtlich eines Vergleichs zwischen den beiden im vorliegenden Fal l relevanten Zeitpunkten der ur- sprünglichen Rentenzusprache (1999) und der Revisionsverf ügung (2011) beinhaltet. Zudem steht das Gutachten der D.____ namentlich bei der entsc heidwesentlichen Frage nach einem allfälligen Revisionsgrund im Widerspruch sowohl zum Pa rteigutachten der Dres. E.____ und F.____ als auch zum Gutachten der G.____. Aus diesen Gründen ist das Gutachten der D.____ nicht geeignet, die Frage, ob ein Revisionsgrund bzw. ei ne wesentliche Änderung des Gesund- heitszustandes der Beschwerdeführerin vorliegt, zuverlässig zu beantworten. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12.4 Im Gegensatz zum Gutachten der D.____ liefert d as Gutachten der G.____ nachvoll- ziehbare Überlegungen bezüglich einer allfälligen Ve ränderung der gesundheitlichen Situation der Versicherten. Im Vergleich mit den Gutachten der Jahre 1996/1997 habe sich der unfallbe- dingte Gesundheitszustand der Versicherten nicht geänder t. Trotz der abweichenden Diagno- sen sei jeweils eine Arbeitsunfähigkeit von 50% angenommen worden, wie sie dies aktuell auch täten. Die Gutachter der G.____ gehen zudem von den korrekten Vergleichszeitpunkten aus. Dies im Unterschied zum Parteigutachten der Dres. E.____ und F.____, welche den Gesund- heitszustand aus dem Jahre 2004 mit demjenigen zum Unter suchungszeitpunkt (2011) verglei- chen. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutachten der G.____ erfüllt schliesslich auch die höchstrichterlichen Anforderungen an e ine voll beweiskräftige Expertise in Revisionsfällen (vgl. E. 5.6 hiervor). Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin vermag auch die Stellungnahme von Dr. H.____ das voll beweiskräftige Gutachten der G.____, insbesondere das psychiatrische Teilgutachten von Dr. K.____, nicht zu entkräften. Dr. H.____ beschränkt sich darauf, aufgrund einer Aktenbeurteilung die Diagnosen und Ausführungen des Psychiaters zu kritisieren, nimmt jedoch selber keine differenzierte Stellung zu der i m vorliegenden Fall relevanten Frage nach der Veränderung des Gesundheitszustandes seit der ursprünglichen Rentenverfügung. Die aus- führliche ergänzende Stellungnahme von Dr. K.____ vom 22. September 2014 zur Kritik von Dr. H.____ ist sodann schlüssig, nachvollziehbar und sehr differenziert. 13.1 Aus dem Gesagten folgt, dass es der beweisbelasteten Beschwerdegegnerin nicht gelungen ist, das Vorliegen eines Revisionsgrundes im Sinn e einer wesentlichen Veränderung der unfallkausalen Gesundheitsbeeinträchtigungen nachzuw eisen, womit eine erneute Beurtei- lung des Rentenanspruchs unzulässig ist. Gestützt auf das voll beweiskräftige Gutachten der G.____ ist davon auszugehen, dass sich der unfallbedingte Gesundheitszustand der Versicher- ten seit der ursprünglichen Rentenzusprache nicht massgebli ch geändert hat. Anzumerken bleibt, dass kleine gesundheitliche Schwankungen noch ke inen Revisionsgrund zu bewirken vermögen und insbesondere bei einer sehr langen Zeitsp anne – wie im vorliegenden Fall – nicht unüblich sind. Es ist auch durchaus denkbar, dass bei der Versicherten im Verlaufe der Jahre eine gewisse Angewöhnung an die Beschwerden stattge funden hat. Eine entscheider- hebliche gesundheitliche Verbesserung ist damit jedoch nicht mit überwiegender Wahrschein- lichkeit belegt. Unter diesen Umständen erübrigt sich in der Folge auch eine weitere Prüfung der Unfallkausalität. 13.2 Demzufolge ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 5. März 2015 in Gutheis- sung der Beschwerde aufzuheben und die Allianz Versicher ungs-Gesellschaft AG anzuweisen, der Beschwerdeführerin die Invalidenrente (Komplementärrente) aufgrund eines Invaliditätsgra- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht des von 58% über den 31. August 2011 hinaus auszurichten. Die nachzuzahlenden Leistungen sind ab dem 1. September 2011 zu 5% zu verzinsen. 14.1 Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeve rfahren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 14.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträge r die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Im vorliegenden Fall stand das Gutachten der Dres. E.__ __ und F.____, welches die Be- schwerdeführerin im Rahmen des Einspracheverfahrens ein reichte, im Widerspruch zum Gut- achten der D.____. Das Parteigutachten gab somit Anla ss zur Einholung einer Oberexpertise durch die G.____. Dieses wiederum war für die Entschei dfindung unerlässlich. Die Beschwer- deführerin macht in der Beschwerde geltend, die Beschw erdegegnerin habe ihr den gesamten mit dem Revisionsverfahren versursachten Vertretungsaufw and (insbesondere die Gutachten- kosten E.____/F.____) nach dem Verursacherprinzip zu verg üten (vgl. S. 10 der Beschwerde- schrift). Diesbezüglich ist festzustellen, dass sich das einzige Rechtsbegehren hinsichtlich allfäl- liger Kosten unter Ziffer 3 findet. Es lautet folgendermassen: „Unter o/e Kostenfolge“. Unter die- se Formulierung fallen üblicherweise lediglich die Ger ichts- und Parteikosten. Zudem ist der Beschwerdeschrift keine nähere Begründung dieses Rechtsbegehrens zu entnehmen. Schliess- lich hat die Beschwerdeführerin auch keine Rechnung in Bezug auf das Parteigutachten einge- reicht. Unter diesen Umständen haben die Gutachtenkost en als nicht beantragt zu gelten und können in der Folge nicht der Beschwerdeführerin zugesprochen bzw. der Beschwerdegegnerin auferlegt werden. 14.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Be schwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verf ahrens entsprechend ist der Versi- cherten deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Versicherten machte in seiner Hon orarnote vom 8. Dezember 2015 Bemühungen ab August 2014 geltend. Allerdings gilt e s zu beachten, dass lediglich Bemühun- gen für das vorliegende Beschwerdeverfahren geltend g emacht werden können. Daraus folgt, dass diejenigen Bemühungen, welche zeitlich vor dem Er halt des angefochtenen Einsprache- entscheids vom 5. März 2015 liegen, zu streichen sind. Dab ei handelt es sich konkret um die Punkte 1-8 der Honorarnote. Ansonsten erweist sich der vo rgebrachte Zeitaufwand in Anbe- tracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Entgegen der Auf- fassung des Rechtsvertreters, der für seine Bemühungen ei nen Stundenansatz von Fr. 300.-- verrechnete, sind die Bemühungen zu dem in Sozialversicher ungsprozessen für durchschnittli- che Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von F r. 250.-- zu entschädigen. Der Be- schwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6‘672.25 (23,5 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 303.-- zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid vom 5. März 2015 aufgehoben und die Allianz Versicherungs-G esellschaft AG angewiesen, der Beschwerdeführerin die Invalidenre nte über den 31. August 2011 hinaus auszurichten. Die nachzuzahlenden Leistun- gen sind ab dem 1. September 2011 zu 5 % zu verzinsen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Allianz Versicherungs-Gesellschaft AG hat der Besch werdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6‘672.25 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde von der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG am 6. Juli 2016 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren- Nr. 8C_464/2016 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht