B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2992/2012 U r t e i l v o m 9 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Kurt Gysi, Gerichtsschreiberin Sarah Straub. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch André Vogelsang, Fürsprecher, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. Mai 2012 / N (…). E-2992/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein lediger Tamile aus B._______ (Distrikt Jaffna) mit letztem Wohnsitz in C._______ (Nordwestprovinz), verliess Sri Lanka gemäss eigenen Angaben am (…) auf dem Luftweg über den Flughafen von D._______ (Westprovinz). Mit der Sri Lankan Airlines flog er nach Singapur, wo er sich zwei Monate aufhielt. Am (…) reiste er mit Emirates nach Dubai , anschliessend weiter nach Italien, wo er gleichentags am Abend in Rom ankam. Nach fünf Tagen hat ihn ein Schlepper in einem Auto in die Schweiz gebracht. Am 31. März 2009 suchte er im (…) um Asyl nach. Er wurde daselbst am 6. April 2009 zur Person, zu den Gesuchsgründen und zum Reiseweg be- fragt und am 14. April 20 09 gleichenorts gemäss Art. 29 Abs. 1 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) angehört. Im EVZ nach Ausweispapieren gefragt, gab er an, nie einen Pass bese s- sen und auch nie ein Visu m beantragt zu haben. Er gab eine Identität s- karte zu den Akten, die er legal vom Dorfvorsteher erhalten habe. B. Zur Begründung seines Asylgesuches führte der Beschwerdeführer a n- lässlich der Befragung und der Anhörung aus, er habe (…) im Vanni- Gebiet gelebt. Er habe ein viermonatiges Training der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) absolviert, sei deren Mitglied geworden und zweimal im Kampfeinsatz gewesen. Eine Schwester sei ebenfalls Mitglied gew e- sen und im Krieg getötet worden. Nach seiner Rückkehr nac h B._______ habe er die LTTE weiterhin als Sympathisant unterstützt, jedoch sei er ausgetreten. Am (…) sei er von Soldaten der Armee verhaftet und in ein Camp gebracht worden, wo er während drei Wochen festgehalten sowie befragt und dabei geschlagen und ge foltert worden sei. Am (…) sei sein bester Freund entführt und gek öpft worden; am (…) sei ein Kollege von ihm erschossen worden. Danach sei er (…) aus Angst, ihm könnte da s- selbe widerfahren, nach E._______ gegangen. In der Folge sei er zu Hause von der Armee gesucht worden . Am (…) sei er auch bei seinem Freund in E._______, wo er sich aufgehalten hatte, gesucht worden, dies nachdem am Tag zuvor ein Kollege dieses Freundes umgebracht worden sei. Wegen dieser Vorfälle habe er sich entschlossen, das Land zu ve r- lassen. E-2992/2012 Seite 3 C. Das BFM stellte mit am 5. Mai 2012 eröffneter Verfügung vom 3. Mai 2012 fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es lehnte das Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an und beauftragte den Kanton Bern mit dem Wegweisungsvollzug. D. Der Beschwerdeführer liess diesen Entscheid durch seinen Rechtsvertre- ter mit Eingabe vom 4. Juni 2012 beim Bundesverwaltungsgericht (in der Folge: das Gericht) anfechten. Er beantrag te in materieller Hinsicht die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Anweisung an die Vo r- instanz, ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit r e- spektive die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen, und er sei vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die Beiordnu ng sei- nes Rechtsvertreters als amtlicher Anwalt. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er ein Bestätigungsschreiben des (…) vom (…), einen Zeitungsausschnitt mit der Todessanzeige seiner Schwester und zwei Bericht e der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) zur Situation in Sri Lanka zu den Akten. E. Mit Verfügung vom 14. Juni 2012 stellte der Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahren s in der Schweiz abwarten, verschob den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung auf einen späteren Zeitpunkt und wies das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ab. F. In seiner Vernehmlassung vom 15. Juni 2012 hielt das BFM vollumfän g- lich an seiner Verfügung vom 3. Mai 2012 fest und beantragte die Abwe i- sung der Beschwerde. G. Mit Verfügung vom 21. Juni 2012 wurde der Beschwerdeführer aufgefo r- dert, innert Frist eine Übersetzung der eingereichten Todesanzeige nach- zureichen. Die Übersetzung wurde innert erstreckter Frist eingereicht. E-2992/2012 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Gericht zur Beurteilung von Beschwerden g e- gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie - gend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Ju- ni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerd e- führung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eing e- reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 7 AsylG muss, wer um Asyl nachsucht, die Flüchtlingsei- genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Die Flüch t- lingseigenschaft ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhanden - sein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig b e- gründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entspr e- chen oder massgeblich auf gefälschte oder verf älschte Beweismittel ab - gestützt werden. 3.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asyls u- chende Person, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und au f- grund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungswe i- se zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Beg ründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme b e- steht, eine Verfolgung hätte sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich mit ebenso l-E-2992/2012 Seite 5 cher Wahrscheinlichkeit in absehbar er Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen ko n- krete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus e i- nem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5, BVGE 2010/44 E. 3.4). 4. 4.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung ihres Entscheides aus, die Vor- bringen des Beschwerdeführers seien unglaubhaft und asylrechtlich u n- beachtlich. Er verstricke sich in zahlreiche Ungereimtheiten. Es wide r- spreche der allgemeinen Lebenserfahrung, dass ein ehemaliges Mitglied der LTTE legal und unter wiederholter Vorweisung seines Identitätsau s- weises von Jaffna nach E._______ und später von dort nach D._______ reise. Auch sei es erfahrungswidrig, dass er das Risiko auf sich geno m- men habe, seinen Identitätsausweis bei der Ausreise auf sich zu tragen. Entgegen seinen Angaben sei zudem davon auszugehen, dass er per- sönlich kontrolliert worden sei und den verwendeten Pass in den Händen gehalten habe. Weiter sei zudem mit der Erfahrung unvereinbar, dass er als einziges Familienmitglied wegen der LTTE -Zugehörigkeit seiner Schwester Probleme gehabt und nach dem Tod vo n Bekannten mehrere Jahre beziehungsweise mehrere Monate mit der Ausreise zugewartet h a- be. Schliesslich habe er nicht angeben können, in welcher Kampfeinheit der LTTE er im Einsatz gewesen sei. Seine Vorbringen seien vor dem Hintergrund der allgemein angespannten Situation, welche während des Bürgerkrieges geherrscht habe, zu b e- trachten. Im Sommer 2006 sei es zu einem Wiederaufflammen des inne r- staatlichen bewaffneten Konfliktes zwischen der sri-lankischen Armee und den LTTE gekommen, worunter insbesondere die tamilische Zivilbevölke- rung gelitten habe. Die Situation in Sri Lanka stelle sich jedoch seit Bee n- digung des Krieges im Mai 2009 anders dar. Zwar sei die Sicherheitslage noch nicht in allen Teilen des Landes zufriedenstellend, aber die Anzahl von Gewaltereignissen sei erheblich zurückgegangen. Nach wie vor werde gegen ehemalige Kämpfer und Führungspersönlic h- keiten der LTTE vorgegangen. Der Beschwerdeführer mache jedoch nicht geltend, ein führendes Mitglied dieser Organisation gewesen zu sein, und es müsse bezweifelt werden, dass er überhaupt im Einsatz gestanden habe. Zudem habe er angegeben, nach seiner Festnahme (…) nach rund E-2992/2012 Seite 6 drei Wochen freigelassen worden zu sein. Auch dass er unter Verwe n- dung seines Identitätsausweises durch Sri Lanka gereist sei, mache deut- lich, dass er bereits zu diesem Zeitpunkt vom sri -lankischen Militär nicht mehr ernsthaft verdächtigt worden sei, die LTTE aktiv zu unterstützen. In seinen Schilderungen fänden sich keine Hinweise dafür, dass die Behö r- den heute ein ernsthaftes Verfolgungsinteresse an seiner Person haben könnten, und e s sei angesichts seines geringen politischen Profils nicht davon auszugehen, dass er mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von asy l- relevanten Schwierigkeiten bedroht sei. Seine Vorbringen seien deshalb asylrechtlich nicht beachtlich und würden den Anforderungen an Art. 3 AsylG nicht standhalten. 4.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe geltend, beim Vergleich der beiden Befragungsprotokolle könnten keinerlei Wide r- sprüche ausgemacht werden, er sei in der Lage gewesen, über seine Festnahme detailliert und ausführlich Auskunft zu geben, und der Detai l- lierungsgrad deute klar auf Erlebtes hin. Bezüglich der Reise durch Sri Lanka sei festzuhalten, dass bereits diese dur ch einen Schlepper organi- siert worden sei und er nicht legal habe reisen können. Entgegen den Ausführungen in der angefochtenen Verfügung entspreche es gerade den Erfahrungen, dass Schlepperorganisationen in der Lage seien, sowohl Innen- wie auch Aussengrenzen unter Umgehung der Kontrollen zu pa s- sieren. Die Behauptung, er sei das einzige Familienmitglied gewesen, welches wegen der LTTE -Zugehörigkeit der Schwester Probleme gehabt habe, treffe nicht zu. Über den Aufenthalt von zwei im Vanni-Gebiet lebenden Brüdern habe er bereits im Zeitpunkt der Gesuchstellung keine Kenntnis gehabt, und bis heute wisse er nicht, ob diese noch am Leben seien. Zwei weitere Geschwister hätten Sri Lanka vor längerer Zeit verlassen und lebten in Europa, und auch sein damals bei de r Mutter in Jaffna z u- rückgebliebener Bruder lebe mittlerweile in Indien. Die gesamte Familie sei als der LTTE nahestehend betrachtet worden und habe mit Verfolgung rechnen müssen. Mit seiner Ausreise habe er nicht zugewartet, sondern diese durch einen Schl epper organisieren lassen, als sich die Situation zugespitzt habe. Seine Kampfeinheit bei der LTTE habe er bei den Befra- gungen nicht angegeben, weil er befürchtet habe, der Übersetzer könnte diese Information weitergeben. Er habe als Pionier der (…) angehört. An seinen Schilderungen sei nach dem Gesagten nicht zu zweifeln. E-2992/2012 Seite 7 Auch nach Beendigung des Bürgerkrieges würden bestimmte Bevölk e- rungsgruppen einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegen. Dazu gehör- ten Personen, die eine Verbindung zu den LTTE aufweisen könnten. Der Beschwerdeführer sei für diese tätig gewesen und müsse deshalb bei e i- ner Rückkehr nach Sri Lanka mit Übergriffen seitens der Behörden rec h- nen. Zudem verfüge er dort über kein funktionierendes Beziehungsnetz mehr. Daraus ergebe sich, dass er d ie Flüchtlingseigenschaft erfülle und ihm Asyl zu gewähren sei. Falls das Gericht zum Ergebnis gelangen sol l- te, dass seine Vorbringen nicht asylrelevant seien, sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig sei, da er mit hoher Wahrschei n- lichkeit damit rechnen müsse, bei einer Rückkehr die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zu ziehen, und ihm weitere Übergriffe wie Folter oder andere Formen des Missbrauches drohen würden. Der Vollzug der We g- weisung sei auch unzumutbar, da er in Sri Lanka ke in familiäres oder so- ziales Beziehungsnetz mehr habe und es ihm nicht möglich sein dürfte, eine Existenz aufzubauen oder ein sogenannt normales Leben zu führen. 5. 5.1 Die Vorinstanz hat zu Recht festgestellt, dass die Vorbringen des B e- schwerdeführers asylrechtlich unbeachtlich sind, da sich die politische La- ge in Sri Lanka seit Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 en t- spannt hat. In Übereinstimmung mit dem BFM ist festzuhalten, dass sich keine Hinweise dafür finden, die sri -lankischen Behörden hätt en heute – mehr als drei Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges – ein ernsthaf- tes Interesse daran, ihn zu verfolgen. Zur Vermeidung von Wiederholu n- gen kann diesbezüglich auf die ausführlichen und zutreffenden Erwägu n- gen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Zwar erachtet das Gericht die Vorbringen des Beschwerdeführers im G e- gensatz zur Vorinstanz nicht als durchwegs unglaubhaft oder wide r- sprüchlich. Bezüglich der geltend gemachten Reisemodalitäten ist der Vorinstanz jedoch insofern beizupflic hten, als es zweifelhaft erscheint, dass er als ehemaliges Mitglied der LTTE, welches von der Armee g e- sucht worden sei, das Risiko eingegangen wäre, mitten im Krieg über hunderte Kilometer in den Süden des Landes zu reisen. Auch ist ang e- sichts der geltend gemachten Verfolgungssituation schwer nachvollzie h- bar, dass er fast ein ganzes Jahr mit der Ausreise zuwartete, woran die Ausführungen in der Beschwerde nichts zu ändern vermögen. E-2992/2012 Seite 8 Vor dem Hintergrund der fehlenden Asylrelevanz kann vorliegend letztlich offengelassen werden, ob die Vorbringen in ihrer Gesamtheit als unglaub- haft einzustufen wären. 5.2 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und die Vorinstanz das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An- spruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus - ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völke r- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterr eise des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen. Da dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigenschaft zukommt, ist das flüch t- lingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über di e Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Voll- zugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs - und völ- kerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]); Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101]. Im Lichte dieser Bestimmungen sind keine Anhaltspunkte d a- für auszumachen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Ausscha f- fung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrsche inlichkeit einer E-2992/2012 Seite 9 verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Wegweisung s- vollzug ist demnach zulässig. 7.3 7.3.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund v on Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.2 Das Bundesverwaltung sgericht nahm im Grundsatzurteil BVGE 2011/24 eine umfassende Analyse der Situation in Sri Lanka vor. Danach hat sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts die allgemeine Lage in Sri Lanka erheblich verbessert. Die Situation in der Ostprovinz hat sich weitgehend stabilisiert und normalisiert, so dass der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprovinz als grundsätzlich zumutbar zu e r- achten ist (vgl. a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist gebiet s- weise sehr unterschiedlich. So herrscht in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierungskontrolle stehen, das heisst in den Distri k- ten Jaffna und in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar (mit anderen Worten: die Nordprovinz unter Ausschluss des so genannten "Vanni-Gebietes") keine Situation allgemeiner Gewalt. Zudem ist die pol i- tische Lage nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste. Angesichts der im hum a- nitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fra gilen Lage drängt sich allerdings beim Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet eine zurüc k- haltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit ist dabei auch dem zeitlichen Element Rechnung zu tragen. Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich z u- mutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegangen werden kann, das s die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens - und Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zeitpunkt der Ausreise g e- herrscht hat, und dem Wegweisungsvollzug zurück dorthin nichts im W e- ge steht. Liegt der letzte Aufenthalt in der Nordp rovinz indessen längere Zeit zurück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die L e-E-2992/2012 Seite 10 bensumstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben können, sind die aktuell vorliegenden Lebens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges hin zu überprüfen. In diesem Zusammenhang erscheinen namentlich die Exi s- tenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkreten Möglichke i- ten der Sicher ung des Existenzminimums und der Wohnsituation als massgebliche Faktoren. Falls solche begünstigenden Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Gro ssraum Colombo zu prüfen (vgl. a.a.O. E. 13.2.1). 7.3.3 Der gemäss Aktenlage alleinstehende, gesunde Beschwerdeführer, der Sri Lanka nur Wochen vor der Beendigung des Krieges und der Ni e- derlage der LTTE im Mai 2009 verlassen hat, stammt aus B._______, wo er nach seiner Rückkehr aus dem Vanni -Gebiet (…) gelebt hat. Er hat in B._______ den grössten Teil seines Lebens verbracht und einige Jahre als Schreiner gearbeitet. Gemäss seinen Angaben ist seine Mutter mit t- lerweile verstorben und der vormals bei dieser lebende Bruder nach I n- dien ausgereist. Seine beiden anderen Brüder sollen im Vanni -Gebiet le- ben, er habe zu ihnen seit Jahren keinen Kontakt mehr. Ganz abgesehen davon, dass es im regionalen Kontext unwahrscheinlich erscheint und auffällt, dass jeglicher Hinweis auf Verwandte fehlt, gibt es für den Verbleib der beiden Brüder keinen Beleg, und den Akten ist auch nicht zu entnehmen, er habe sich ernsthaft um eine Kontaktnahme bemüht. Zu vermuten ist, dass mit dem Fehlen von Angaben betreffend Verwandte, Freunde oder Bekannte aus dem Berufsleben das Erfordernis eines tra g- fähigen Beziehungsnetzes als Voraussetzung für eine Rückkehr nach Sri Lanka Rechnung ins Kalkül gezogen wird. Das Gericht gelangt daher zum Schluss, dass sich der Wegweisungsvollzug vorliegend als zumutbar erweist. 7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu BVGE 2008/34 E. 12 S. 513-515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). E-2992/2012 Seite 11 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen, an welchem Schluss auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern vermögen. 9. Bei diesem Verfahrensausgang wären dem Beschwerdeführer die Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 600.- aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigung en vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da sich indessen die Rechtsbegehren nicht von vornhe r- ein als aussichtslos erwiesen haben und das Gericht mit Zwischenverf ü- gung vom 14. Juni 2012 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ve r- zichtet und den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unen t- geltlichen Prozessführung auf einem späteren Zeitpunkt verschoben hat, ist auf die Auferlegung der Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-2992/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Si n- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und (…). Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Sarah Straub Versand: