<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 129 S.519</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">519</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Beschwerden gegen Einspracheentscheide der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Fremdenpolizei</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>129</b></span> <span class="ft2"><b>Verwarnung.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Voraussetzungen einer Verwarnung (Erw. II/2a und b).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Unrechtmässigkeit eines Strafbefehls ist im Rahmen des Rechts-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mittelverfahrens gegen den Strafbefehl geltend zu machen (Erw.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>II/2c).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Verwarnung muss sich als verhältnismässig erweisen (Erw. II/3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>In der Regel ist von einem sehr grossen öffentlichen Interesse an ei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nem rechtskonformen Verhalten aller sich in der Schweiz aufhalten-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den ausländischen Staatsangehörigen auszugehen. Daraus leitet sich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zwangsläufig ein entsprechend sehr grosses öffentliches Interesse</b></span><br/> <span class="ft2"><b>daran ab, ausländische Staatsangehörige auf ihr nicht rechtskonfor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mes Verhalten hinzuweisen und sie gegebenenfalls zu verwarnen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/3a).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 4. Oktober</span><br/> <span class="ft4">2002</span> <span class="ft4">in</span> <span class="ft4">Sachen A.A.</span> <span class="ft4">gegen</span> <span class="ft4">einen</span> <span class="ft4">Entscheid</span> <span class="ft4">des</span> <span class="ft4">Migrationsamtes</span><br/> <span class="ft4">(BE.2002.00043).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">II. 2. a) Gemäss Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes über Auf-</span><br/> <span class="ft6">enthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG) vom 26. März</span><br/> <span class="ft6">1931 hat ein Ehegatte eines in der Schweiz niedergelassenen Aus-</span><br/> <span class="ft6">länders Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft6">bewilligung, solange die Ehegatten zusammenwohnen. Dieser An-</span><br/> <span class="ft6">spruch erlischt, wenn der Anspruchsberechtigte gegen die öffentliche</span><br/> <span class="ft6">Ordnung verstossen hat. Als Rechtsfolge eines Verstosses gegen die</span><br/> <span class="ft6">öffentliche Ordnung kann bei bereits bestehender Aufenthaltsbewil-</span><br/> <span class="ft6">ligung deren Nichtverlängerung angeordnet werden. Erweist sich die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">520</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung aufgrund der kon-</span><br/> <span class="ft6">kreten Umstände als unverhältnismässig, besteht als mildere Mass-</span><br/> <span class="ft6">nahme die Möglichkeit, den Betroffenen zu verwarnen, sofern sich</span><br/> <span class="ft6">die Verwarnung insgesamt als verhältnismässig erweist.</span><br/> <span class="ft6">b) Der Beschwerdeführer wurde wegen Hehlerei zu einer Ge-</span><br/> <span class="ft6">fängnisstrafe von 14 Tagen sowie einer Busse von CHF 500.- ver-</span><br/> <span class="ft6">urteilt. Damit liegt ein Verstoss gegen die öffentliche Ordnung im</span><br/> <span class="ft6">Sinne von Art. 17 Abs. 2 ANAG vor, weshalb die Anordnung einer</span><br/> <span class="ft6">Verwarnung grundsätzlich nicht zu beanstanden ist.</span><br/> <span class="ft6">c) Nicht zu hören ist der Beschwerdeführer mit seinem Argu-</span><br/> <span class="ft6">ment, der gegen ihn erlassene Strafbefehl sei zu Unrecht ergangen.</span><br/> <span class="ft6">Dies hätte der Beschwerdeführer im Rahmen des Rechtsmittelverfah-</span><br/> <span class="ft6">rens gegen den Strafbefehl geltend machen können. Unter den gege-</span><br/> <span class="ft6">benen Umständen stellen die Vorinstanzen zu Recht auf den rechts-</span><br/> <span class="ft6">kräftigen Strafbefehl ab (vgl. AGVE 2000, S. 552).</span><br/> <span class="ft6">d) Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob sich die angeordnete Ver-</span><br/> <span class="ft6">warnung als verhältnismässig erweist.</span><br/> <span class="ft6">3. a) Hinsichtlich des öffentlichen Interesses an der Anordnung</span><br/> <span class="ft6">einer Verwarnung ist vorab festzuhalten, dass in der Regel von einem</span><br/> <span class="ft6">sehr grossen öffentlichen Interesse an einem rechtskonformen Ver-</span><br/> <span class="ft6">halten aller sich in der Schweiz aufhaltenden ausländischen Staats-</span><br/> <span class="ft6">angehörigen auszugehen ist. Daraus leitet sich zwangsläufig ein ent-</span><br/> <span class="ft6">sprechend sehr grosses öffentliches Interesse daran ab, ausländische</span><br/> <span class="ft6">Staatsangehörige auf ihr nicht rechtskonformes Verhalten hinzuwei-</span><br/> <span class="ft6">sen und sie gegebenenfalls zu verwarnen. Das öffentliche Interesse</span><br/> <span class="ft6">an einer Verwarnung ist um so höher einzustufen, je gravierender der</span><br/> <span class="ft6">Verstoss gegen die Rechtsordnung ist. Nachdem eine Verwarnung</span><br/> <span class="ft6">keine unmittelbaren Entfernungs- oder Fernhaltemassnahmen zur</span><br/> <span class="ft6">Folge hat, ist das private Interesse der Betroffenen, nicht verwarnt zu</span><br/> <span class="ft6">werden, grundsätzlich nicht als hoch einzustufen. Allerdings ist das</span><br/> <span class="ft6">private Interesse auch nicht von vornherein als unerheblich zu be-</span><br/> <span class="ft6">zeichnen, da bei späterer Prüfung einer Entfernungs- oder Fernhal-</span><br/> <span class="ft6">temassnahme ein Fehlverhalten eines Betroffenen nach ausgespro-</span><br/> <span class="ft6">chener Verwarnung schwerer gewichtet wird (AGVE 2000, S. 497</span><br/> <span class="ft6">ff.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">521</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">b) Der Beschwerdeführer wurde wegen Hehlerei verurteilt. Be-</span><br/> <span class="ft6">reits aufgrund der durch das Gesetz angedrohten sowie der effektiv</span><br/> <span class="ft6">ausgefällten Strafe ergibt sich, dass kein Bagatelldelikt vorliegt. Ent-</span><br/> <span class="ft6">sprechend den vorstehenden Ausführungen besteht seitens des Mi-</span><br/> <span class="ft6">grationsamtes ein sehr grosses öffentliches Interesse, den Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deführer zu verwarnen und ihm mitzuteilen, wie er sich inskünftig zu</span><br/> <span class="ft6">verhalten hat sowie ihm die gegebenenfalls eintretenden Rechtsfol-</span><br/> <span class="ft6">gen aufzuzeigen. Demgegenüber bestehen auf Seiten des Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deführers, abgesehen von seinem generellen Interesse, nicht verwarnt</span><br/> <span class="ft6">zu werden, keine besonderen privaten Interessen, welche gegen eine</span><br/> <span class="ft6">Verwarnung sprechen würden. Unter diesen Umständen kann die</span><br/> <span class="ft6">angeordnete Verwarnung auch nicht als unverhältnismässig bezeich-</span><br/> <span class="ft6">net werden.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>