Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 28. Juli 2015 (470 15 81) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Edition Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Edgar Schürmann (Ref.), Richter Peter Tobler; Gerichtsschreiberin i.V. Isabel Boissonnas Parteien A.____ , vertreten durch Advokat Alain Joset, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal, Beschwerdeführerin gegen Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin B.____ , vertreten durch Rechtsanwältin Eveline Roos, Bielstrasse 8, Postfach 663, 4502 Solothurn, Beschuldigter Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gegenstand Edition Beschwerde gegen die Editionsverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Arlesheim, vom 28. Januar 2014 A. Im Strafverfahren gegen A.____ und B.____ wegen sch werer Körperverletzung ge- mäss Art. 122 StGB verfügte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Arles- heim, am 28. Januar 2014, die Kinder- und Erwachsen enschutzbehörde Laufental (KESB) wer- de gestützt auf Art. 265 StPO aufgefordert, innerha lb von 10 Arbeitstagen sämtliche Akten be- treffend A.____, B.____ und C.____ seit der letzten Editionsverfügung vom 24. Oktober 2013 inklusive aktuellem Zwischenbericht, bei Nichtvorli egen eines aktuellen Zwischenberichts An- gaben über die aktuelle Situation über den Besuch v on C.____ sowie die aktuelle Korrespon- denzadresse von A.____ und B.____ herauszugeben. Auf die Begründung dieser Verfügung sowie der nachf olgend aufgeführten Parteianträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. B. Gegen die Editionsverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 28. Januar 2014 erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Ala in Joset, mit Eingabe vom 10. April 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Ab teilung Strafrecht, und stellte dabei fol- gende Rechtsbegehren: Es sei die Editionsverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 28. Januar 2014 für bundesrechtswidrig zu erklä ren und aufzuheben (Ziff. 1). Demzufolge sei die Staatsanwaltschaft gerichtlich anzuweisen, die von der KESB gestützt auf die Editions- verfügung vom 28. Januar 2014 an die Strafverfolgun gsbehörden edierten Unterlagen zu ver- nichten resp. aus den Akten zu entfernen (Ziff. 2); unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Be- schwerdegegnerin. Im Fall eines Unterliegens sei de r Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung resp. die amtlich e Verteidigung mit dem Unterzeichneten zu bewilligen (Ziff. 3). Des Weiteren wurden die na chfolgenden Verfahrensanträge gestellt: Es sei der Beschwerdeführerin nach erfolgter Einsicht in die aktuellen Strafakten eine Frist zur er- gänzenden Begründung der vorliegenden Beschwerde ei nzuräumen (Ziff. 1). Zudem sei der Beschwerdeführerin insofern ein Replikrecht zu gewähren, als ihr Gelegenheit zu geben sei, auf Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Vernehmlassung oder Stellungnahme der Beschwer degegnerin zur vorliegenden Be- schwerde zu replizieren (Ziff. 2). C. Demgegenüber beantragte die Beschwerdegegnerin in i hrer Stellungnahme vom 26. Mai 2015, es sei auf die Beschwerde vom 10. Apr il 2015 nicht einzutreten, eventualiter sei diese vollumfänglich abzuweisen. D. Mit Schreiben vom 21. April 2015 teilte die Rechtsa nwältin von B.____ mit, dass auf das Einreichen einer Stellungnahme zur Beschwerde v on A.____ vom 10. April 2015 verzichtet werde, zumal sich ihr Mandant in diesem Verfahren n icht als Beschwerdegegner sehe, weil er selber ebenfalls gegen die angefochtene Verfügung b etreffend Aktenedition Beschwerde erho- ben habe. E. Mit Replik vom 8. Juni 2015 liess sich die Beschwer deführerin zur Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vernehmen und hielt dabei vollum fänglich an ihrer Beschwerde vom 10. April 2015 fest. F. Mit Eingabe vom 11. Juni 2015 teilte die Beschwerde gegnerin mit, dass sie auf eine Duplik verzichte. G. Mit Verfügung vom 13. April 2015 wies das Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abtei- lung Strafrecht, das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung einer Frist zur ergänzen- den Begründung der Beschwerde vom 10. April 2015 ab . Mit Verfügung vom 20. April 2015 wurden die Akten der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn im Verfahren STA.2010.____ beigezogen. Erwägungen I. Formelles 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgeric hts, Abteilung Strafrecht, als Beschwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO, wonach die Befugnisse der B eschwerdeinstanz dem Berufungsgericht übertragen werden können und die Beschwerdeinstanz Beschwerden gegen Verfahrenshand- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht lungen und gegen nicht der Berufung unterliegende E ntscheide der Polizei, der Staatsanwalt- schaft und der Übertretungsstrafbehörden beurteilt, sowie aus § 15 Abs. 2 EG StPO. Nach Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist die Beschwerde zulä ssig gegen die Verfügungen und die Verfah- renshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertretungsstrafbehörden. 1.2 Bei der Editionsverfügung vom 28. Januar 2014 handelt es sich um eine Verfügung der Staatsanwaltschaft. Die Beschwerdegegnerin bringt i n ihrer Stellungnahme vom 26. Mai 2015 indessen vor, die Beschwerde gegen eine Editionsver fügung der Staatsanwaltschaft sei ge- mäss Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts ausgeschlossen. Der zur Herausgabe aufgefor- derten Person stehe ausschliesslich die Möglichkeit der Siegelung zur Verfügung. Dies mag zwar zutreffend sein (vgl. dazu F ELIX BOMMER /P ETER GOLDSCHMID , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 29a zu Art. 265 StPO), jedoch hätte die Beschwerdegegnerin – wie im Folgenden zu zeigen sein wird – die Akten der KESB nicht gestützt auf Art. 265 StPO, sondern auf Art. 194 StPO beiziehen müssen. Der Aktenbei- zug nach Art. 194 StPO ist indes mit der Beschwerde anfechtbar (ANDREAS KELLER , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Zürich 2014, N 16 zu Art. 393 StPO). Es kann der Beschwerdeführerin nich t entgegengehalten werden, die Be- schwerde gegen Editionsverfügungen sei ausgeschloss en, wenn der Beizug der Akten richtig- erweise gestützt auf Art. 194 StPO hätte erfolgen m üssen. Die Beschwerde gegen die vorlie- gende Editionsverfügung ist somit zulässig. 1.3 Gemäss Abs. 2 von Art. 393 StPO können mit der Besc hwerde gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechts- verweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a); die un vollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unangemessenheit (lit. c). Nach Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnet e Entscheide innert zehn Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureiche n. Die Rechtsmittelfrist beginnt bei einer nicht schriftlich eröffneten Verfahrenshandlung mit deren Kenntnisnahme (Art. 384 lit. c StPO). Gemäss den Ausführungen der Beschwerdeführerin wurd e ihr die Editionsverfügung der Be- schwerdegegnerin vom 28. Januar 2014 am 31. März 20 15 eröffnet. Den Akten lässt sich nicht entnehmen, ob dies zutreffend ist, jedoch wurde die Wahrung der Frist von der Beschwerde- gegnerin auch nicht bestritten. Die Beschwerde vom 10. April 2015, die gleichentags der Schweizerischen Post übergeben wurde, gilt daher als rechtzeitig erfolgt. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.4 Gestützt auf Art. 382 Abs. 1 StPO kann jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Inte- resse an der Aufhebung oder Änderung eines Entschei ds hat, ein Rechtsmittel ergreifen. Ein aktuelles Rechtsschutzinteresse ergibt sich daraus, dass die betreffende Person durch den an- gefochtenen Entscheid unmittelbar in ihren Rechten betroffen ist (V IKTOR LIEBER , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Zürich 2014, N 7 zu Art. 382 StPO). Die Beschwerdegegnerin hält es vorliegend fü r fraglich, ob die Beschwerdeführerin be- schwerdelegitimiert ist, weil Adressat der Editions verfügung die KESB sei. Nur sie wäre im Fall der unberechtigten Herausgabeverweigerung von der a ngedrohten Strafe nach Art. 292 StGB betroffen. Weiter seien die KESB sowie deren zustän dige Organe und alle Personen, die von der Verfügung Kenntnis erhielten, im Rahmen des Mit teilungsverbots unter Hinweis auf Art. 73 Abs. 2 StPO mit Strafe bedroht worden. Darunter fie len weder Parteien noch Verfahrensbetei- ligte. Dem entgegnet die Beschwerdeführerin, dass e s bei der Beurteilung der Legitimation ei- ner Partei nicht darauf ankommen könne, wer direkte r Adressat der Verfügung sei und für wen die Strafandrohung nach Art. 292 StGB gelte. Das re chtlich geschützte Interesse der Be- schwerdeführerin zur Aufhebung der Verfügung sei da rin zu erblicken, dass eine Herausgabe von in hohem Masse die Persönlichkeitsrechte tangie renden KESB-Akten vorliegend ohne er- kennbaren Zweck und unter Missachtung zentraler str afprozessualer Vorgaben erfolgte. Den zutreffenden Ausführungen der Beschwerdeführerin ist zu folgen. Sie hat durchaus ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderun g der vorliegenden Editionsverfügung, weil die KESB-Akten, die sie unzweifelhaft betreffe n, zu denjenigen des Strafverfahrens herbei- gezogen wurden, ohne dass die KESB die erforderlich e Interessensabwägung nach Art. 194 Abs. 2 StPO vorgenommen hat. Die Beschwerdeführerin ist deshalb zur vorliegenden Be- schwerde legitimiert. 2. Obwohl die angefochtene Editionsverfügung ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, die Beschwerdeführerin legitimiert ist, eine zuläss ige Rüge erhebt und die Rechtsmittelfrist ge- wahrt hat sowie der Begründungspflicht nachgekommen ist, kann nicht ohne Weiteres auf die Beschwerde eingetreten werden, weil das Verfahren, in welchem die angefochtene Editionsver- fügung ergangen ist, am 20. bzw. 30 März 2015 an di e Staatsanwaltschaft des Kantons Solo- thurn abgetreten wurde. Hiervon wurde die Beschwerd eführerin mit Schreiben der Beschwer- degegnerin vom 7. April 2015, das ihr am 9. April 2015 zugegangen ist, in Kenntnis gesetzt. Die Änderung der Verfahrensleitung hat zur Folge, dass zwischen Ziff. 1 und 2 der gestellten Rechtsbegehren betreffend die Eintretensfrage diffe renziert werden muss. Auf Ziff. 1 der Rechtsbegehren, mit welcher die Erklärung der Recht swidrigkeit der Verfügung und deren Auf- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht hebung verlangt wird, ist einzutreten, weil das Kan tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, diese Frage – auch wenn die Verfahrensl eitung nunmehr bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn liegt – nach wie vor beantwor ten kann und muss, da die angefochtene Editionsverfügung von der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft, Hauptabteilung Arlesheim, erlassen wurde. Ansonsten sähe sich die Beschwerdef ührerin bei Anrufung der Beschwer- deinstanz des Kantons Solothurns mit gleichlautende m Rechtsbegehren möglicherweise mit dem Problem konfrontiert, dass sich diese als für d ie Überprüfung einer Verfügung der Staats- anwaltschaft Basel-Landschaft unzuständige Behörde erachtete. Hingegen kann auf Ziff. 2 der Rechtsbegehren nicht eingetreten werden, weil selbs t bei Gutheissung der Anträge gemäss Ziff. 1 das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Strafrecht, der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn bezüglich einer allfälligen Verni chtung oder Entfernung der edierten KESB- Unterlagen aus den Akten des an sie überwiesenen St rafverfahrens keine verbindlichen Wei- sungen erteilen kann, da es sich hierbei um eine ve rfahrensleitende Massnahme handelt, die der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn obliegt. Die Beschwerdeführerin wird deshalb bei Bedarf gehalten sein, mit einem entsprechenden Bege hren an die Staatsanwaltschaft des Kan- tons Solothurn zu gelangen. Diese wird sodann darüb er zu befinden haben, welche Anordnun- gen sie betreffend die edierten KESB-Unterlagen tri fft, nachdem diese gestützt auf eine – was in den nachfolgenden Erwägungen darzulegen sein wird – rechtswidrige Editionsverfügung her- beigezogen wurden. Einen entsprechenden Entscheid k önnte die Beschwerdeführerin an- schliessend durch die zuständige Rechtsmittelinstan z des Kantons Solothurns überprüfen las- sen. II. Materielles 1.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass die Edition sverfügung nur ungenügend be- gründet sei. Insbesondere sei aus der kurzen Begrün dung der Verfahrensleitung nicht ersicht- lich, inwiefern der Beizug von Unterlagen der KESB den seitens der Beschwerdegegnerin ge- genüber der Beschwerdeführerin formulierten Tatverd acht erhärten oder entkräften könne. Der Verteidigung sei schleierhaft, inwiefern aus den Mo dalitäten und dem Verlauf des Besuchs- rechts im Zeitraum von November 2013 bis Ende Janua r 2014 Rückschlüsse auf eine allfällige Täterschaft der Beschwerdeführerin im April 2012 ge zogen werden könnten. Hinzu komme, dass die Beschwerdegegnerin die angefochtene Verfüg ung auf Art. 265 StPO stütze. Die Her- ausgabe von Gegenständen und Vermögenswerten von Be hörden an die Strafbehörden richte sich aber nach den Regeln über die Rechtshilfe gemä ss Art. 194 StPO und nicht nach der Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht stimmung von Art. 265 StPO. Der Editionsverfügung f ehle es somit an einer gültigen Rechts- grundlage. 1.2 Hierauf entgegnet die Beschwerdegegnerin lediglich, dass selbst wenn die Unterlagen gestützt auf Art. 194 StPO herausverlangt worden wä ren, der Verteidigung ebenso wenig ein Anfechtungsmittel zur Verfügung gestanden hätte. Es könne deshalb nicht angehen, dass die Verteidigung unter dem Vorwand des verletzten recht lichen Gehörs faktisch die Rechte der KESB wahrnehme. Im Übrigen hätte sich auch die KESB gegen die Editionsverfügung im Sinne von Art. 265 StPO wehren und die Herausgabe schlich t verweigern oder die Siegelung veran- lassen können. 2.1 Die Herausgabe von Gegenständen und Vermögenswerten von Behörden an die Strafbehörden richtet sich nach den Regeln über die Rechtshilfe zwischen den Behörden des Bundes und der Kantone (Art. 44 und 194 StPO). Dies e gehen den Bestimmungen über die Beschlagnahme und Herausgabe als leges speciales vor, sodass gegenüber einer zur Leistung von Rechtshilfe verpflichteten Behörde weder eine Beschlagnahme durchgeführt noch eine Edi- tionsverfügung erlassen werden kann (B OMMER /G OLDSCHMID , a.a.O., N 5 zu Art. 265 StPO). Der Sicherstellung von Behördenakten durch eine Beschlagnahme steht auch die Gleichrangig- keit zwischen den Strafverfolgungsorganen und den herausgabepflichtigen Behörden entgegen. Überdies ist in Art. 263 StPO die Rede von Gegenstä nden und Vermögenswerten der beschul- digten Person oder einer Drittperson, worunter kein e Behörden fallen (B OMMER /G OLDSCHMID , a.a.O., N 3 zu vor Art. 263-268 StPO). Gemäss Art. 44 StPO sind die Behörden des Bundes und der Kantone zur Rechtshilfe verpflich- tet, wenn Straftaten nach Bundesrecht in Anwendung der Strafprozessordnung verfolgt und beurteilt werden. Der genannte Artikel ist jedoch f ür den Beizug von Akten anderer Verfahren von Verwaltungs- und Gerichtsbehörden nicht anwendb ar. Die Strafprozessordnung sieht hier- für eine eigene Regelung vor. Gemäss Art. 194 Abs. 1 StPO ziehen die Staatsanwaltschaft und die Gerichte Akten anderer Verfahren bei, wenn dies für den Nachweis des Sachverhalts oder die Beurteilung der beschuldigten Person erforderli ch ist. Verwaltungs- und Gerichtsbehörden stellen ihre Akten zur Einsichtnahme zur Verfügung, wenn der Herausgabe keine überwiegen- den öffentlichen oder privaten Geheimhaltungsintere ssen entgegenstehen (Art. 194 Abs. 2 StPO). Dabei entscheidet die Beschwerdeinstanz des jeweiligen Kantons über Konflikte zwi- schen Behörden des gleichen Kantons, solche zwischen Behörden verschiedener Kantone oder Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zwischen kantonalen und eidgenössischen Behörden da s Bundesstrafgericht (Art. 194 Abs. 3 StPO). Im Begehren um Aktenherausgabe ist kurz anzugeben, inwiefern die betreffenden Akten für die Zwecke des Strafverfahrens notwendig sind, damit di e ersuchte Behörde und die Beschwerde- kammer dies gegebenenfalls überprüfen können. Es versteht sich von selbst, dass den Parteien Einsicht in die beigezogenen Akten zu gewähren ist und zwar unabhängig davon, ob diese für den Ausgang des Verfahrens als relevant oder irrele vant erachtet werden. Damit der Anspruch auf Akteneinsicht wahrgenommen werden kann, ist die Strafbehörde, welche die Akten beizieht, grundsätzlich verpflichtet, die Parteien über den A ktenbeizug zu informieren (A NDREAS DONATSCH , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafpr ozessordnung, 2. Auflage, Zü- rich 2014, N 9-11 zu Art. 194 StPO). 2.2 Bei der KESB Laufental handelt es sich zweifelsohne um eine Behörde. Die Be- schwerdegegnerin hätte deshalb ihr Gesuch um Aktenb eizug im Rahmen der Rechtshilfe ge- stützt auf Art. 194 StPO an die KESB richten müssen. Stattdessen hat die Beschwerdegegnerin eine Editionsverfügung nach Art. 265 StPO erlassen. Dieses Vorgehen ist unzulässig und führte dazu, dass die KESB Akten edierte, ohne die erforde rliche Interessensabwägung nach Abs. 2 von Art. 194 StPO vorgenommen zu haben. Des Weitere n hat die Beschwerdegegnerin die Be- schwerdeführerin nicht über den Aktenbeizug informi ert, sondern vielmehr die Editionsverfü- gung im Geheimen erlassen und gegenüber der KESB ga r ein Mitteilungsverbot bis zum 28. Juli 2014 ausgesprochen. In der Folge wurde die Beschwerdeführerin von der Editionsver- fügung erst rund ein Jahr später in Kenntnis gesetz t. Gründe für eine solche Geheimhaltung und verspätete Mitteilung sind weder ersichtlich no ch werden sie geltend gemacht. Der Be- schwerdeführerin war es zudem bis heute verwehrt, E insicht in die beigezogenen Akten zu nehmen. Ferner ist nicht nachvollziehbar, inwiefern die von der KESB verlangten Akten (betref- fend den Zeitraum von November 2013 bis Januar 2014 ) für das Strafverfahren, in welchem eine allfällige Täterschaft der Beschwerdeführerin im April 2012 geprüft wird, überhaupt dienlich sind. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die B eschwerdegegnerin in mannigfacher Hin- sicht gegen Art. 194 StPO verstossen hat. Die Editi onsverfügung vom 28. Januar 2014 ist folg- lich als rechtswidrig zu qualifizieren, womit die B eschwerdeführerin zu Recht das Vorgehen der Beschwerdegegnerin moniert hat. Die Beschwerde ist somit aufgrund der gemachten Ausfüh- rungen in diesem Punkt gutzuheissen. Wie bereits au sgeführt (oben E. I.2), wird es an der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn liegen, nach der in casu festgestellten Rechtswidrig- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit der Editionsverfügung der Staatsanwaltschaft B asel-Landschaft vom 28. Januar 2014 über das weitere Vorgehen betreffend die KESB-Unterlagen zu befinden, namentlich was deren all- fällige Entfernung aus den Akten oder deren Vernichtung anbelangt. III. Kosten 1.1 Abschliessend ist über die Verteilung der Kosten z u entscheiden. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rech tsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird. Entsprechend dem Ausgang des vorl iegenden Verfahrens werden die Verfah- renskosten des Kantonsgerichts in der Höhe von CHF 800.00, bestehend aus einer Gerichts- gebühr von CHF 750.00 und Auslagen von CHF 50.00, z ur Hälfte der Beschwerdeführerin auf- erlegt (CHF 400.00) und zur Hälfte auf die Staatskasse genommen (CHF 400.00). 1.2 Der Beschwerdeführerin wird die amtliche Verteidigu ng für das vorliegende Rechtsmit- telverfahren bewilligt. Der Rechtsvertreter reichte am 17. Juni 2015 seine Honorarnote in der Höhe von CHF 1‘891.30 ein. Das Honorar ist gestützt auf § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO) von CHF 280.00 auf CHF 200.00 pro Stunde und der Auslagen- ersatz für Kopiaturen gemäss § 15 Abs. 1 TO von CHF 2.00 auf CHF 1.50 pro Kopie zu redu- zieren. Nach den vorgenommenen Kürzungen ist dem Re chtsvertreter für seine Bemühungen im Beschwerdeverfahren ein Honorar von CHF 1‘362.60 (inkl. Auslagen von CHF 95.00 und 8 % MWST von CHF 100.95) aus der Gerichtskasse zu entrichten. Demnach wird erkannt: ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde in Bezug auf Ziff. 1 der Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin wird festgest ellt, dass die Editionsverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptab- teilung Arlesheim, vom 28. Januar 2014 rechtswidrig ist. 2. Auf Ziff. 2 der Rechtsbegehren der Beschwerdefü hrerin, wonach die Staatsanwaltschaft anzuweisen sei, die von der KESB gestützt auf die Editionsverfügung vom 28. Januar 2014 edierten Unte rlagen zu ver- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nichten respektive aus den Akten zu entfernen, wird nicht eingetreten. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 800.00 , bestehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 750.00 und Auslagen vo n CHF 50.00, werden zur Hälfte der Beschwerdeführerin auferlegt (CHF 400.00) und zur Hälfte auf die Staatskasse genommen (CHF 400.00). 4. Zufolge Gutheissung der amtlichen Verteidigung für das Rechtsmittel- verfahren wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdefü hrerin, Advokat Alain Joset, ein Honorar von CHF 1‘362.60 (inkl. Au slagen von CHF 95.00 und 8 % MWST von CHF 100.95) aus der Geri chtskasse entrichtet. Die Beschwerdeführerin ist verpflichtet, dem Staat die Hälfte der Kosten der amtlichen Verteidigung (CHF 681.30) zurü ckzuzahlen, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlaub en (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin i.V. Isabel Boissonnas