Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. März 2013 (720 12 295) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Invalidenrente Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dieter F reiburghaus, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.6515.2397.84) A. Die 1964 geborene A.____ arbeitete seit 1998 als Pflegehilfe im B.____. Im Jahr 2008 unterzog sie sich einer operativen Karpaltunnelspaltung. Da die Schmerzen persistierten, mel- dete sich A.____ am 5. Januar 2009 bei der IV-Stelle zu m Leistungsbezug an. Diese gewährte ihr mit Verfügung vom 31. März 2009 Leistungen in Form von Arbeitsvermittlung. Ziel war, eine leichtere Tätigkeit zu finden, vorzugsweise im bisherige n Betrieb. Im Mai 2009 wurde A.____ gekündigt. Da es nicht gelang, sie innert angemessener Frist in den Arbeitsmarkt zu integrieren, stellte die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung mit Verfü gung vom 11. Februar 2010 ein. Seit 1. Au- gust 2010 arbeitet A.____ bei der C.____ zu 50%. Am 29. November 2010 meldete sie sich Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und er- werblichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle mit Verf ügung vom 30. August 2012 bei einem er- mittelten IV-Grad von 28% einen Rentenanspruch ab. B. Mit Eingabe vom 26. September 2012 beantragte A._ ___, vertreten durch D.____, Pro- cap Nordwestschweiz, die Verfügung sei aufzuheben und we itere medizinische Abklärungen seien vorzunehmen. C. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 9 . Oktober 2012 die Abweisung der Beschwerde. D. D.____ teilte mit Schreiben vom 29. Oktober 2012 mit, dass sie das Mandat niederge- legt habe. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde t die Frage, ob der medizinische Sachverhalt genügend abgeklärt ist bzw. der Anspruch auf eine IV-Rente zu Recht abgelehnt wurde. 1.2 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende od er längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Di e Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 1.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2 , 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vor- aussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 2.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arbe itsunfähigkeit die durch eine Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit b edingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and eren Beruf oder Aufgabenbereich be- rücksichtigt (Satz 2). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumut- barerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg .], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht s vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 3. Die IV-Stelle schloss sich bezüglich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit dem Ergebnis des interdisziplinären Gutachtens des E.____ vom 3. Janua r 2012 an. In der Konsensbespre- chung stellten die Gutachter Dr. med. F.____, FMH All gemeine Innere Medizin, Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. H.____, FMH Rheumatologie, nach ihren fachspezifischen Untersuchungen folgende Diagno sen mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit: eine nicht näher bezeichnete Angststörun g (F 41.9), eine akzentuierte neuroti- sche, narzisstische und selbstunsichere Persönlichkeit (Z 73.1), ein Betroffensein von sonstigen Feindseligkeiten wegen politischer Zugehörigkeit (Z 65.5 [Kurdin und Alevitin]), ein rechtsseiti- ges Zervikobrachial- und intermittierendes Zervikozephalsyndrom bei diskreter Chondrose HWK 5/6 und HWK 6/7 mit leichter medianer Diskusprotrusion a uf Höhe HWK 6/7 ohne Kompromit- tierung neuraler Strukturen, aber mit diskreter schalen förmiger Verkalkung anterior entlang der Bandscheibe auf Höhe HWK 5/6, altersentsprechende leichtgradige Spondylarthrosen der unte- ren Halswirbelsäule sowie eine leichte Fehlform der B rustwirbelsäule. Aus rheumatologischer Sicht seien der Versicherten körperlich schwere Arbeiten n icht mehr zumutbar. Leichte bis mit- telschwere, wechselbelastende Tätigkeiten sowie solche, die nicht dauerndes oder repetitives Arbeiten mit den Armen in oder über der Horizontalen notwendig machten, seien der Versicher- ten vollschichtig möglich. Aus psychiatrischer Sicht liege e ine 80%ige Arbeitsfähigkeit vor. Ge- samtmedizinisch sei somit festzuhalten, dass die Versicherte schwere körperliche Tätigkeiten nicht mehr ausüben könne. Leichte bis mittelschwere körpe rliche Tätigkeiten, welche die rheu- matologischen Einschränkungen berücksichtigten, seien mit e iner 20%igen Einschränkung zu- mutbar. 4. Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, dass die Ausführungen von Dr. med. I.____, FMH Chirurgie, vom 8. August 2012, dahingeh end interpretiert werden könnten, dass lediglich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Dies tr ifft zu, doch ist zu betonen, dass Dr. I.____ bei ihrer Zumutbarkeitsbeurteilung von der angestammten Tätigkeit als Pflegerin aus- ging. Diese Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stimmt d enn auch weitgehend mit derjenigen von Dr. H.____ überein. Dr. H.____ attestierte der Versich erten in ihrer heutigen Tätigkeit als Pfle- gerin eine 50%-70%ige Arbeitsfähigkeit. Vorliegend i st für die Beurteilung der zumutbaren Ar- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsfähigkeit aber nicht die bisherige Tätigkeit, s ondern die Verweistätigkeit massgebend. Im Rahmen der Schadenminderungspflicht ist die versicherte P erson verpflichtet, eine Verweistä- tigkeit anzunehmen, wenn diese den gesundheitlichen Ein schränkungen besser entspricht und eine höhere Arbeitsfähigkeit erwarten lässt. Gemäss Kon sensbeurteilung von Dr. H.____ und Dr. G.____ ist die Versicherte in somatischer und psychische r Hinsicht in einer leidensange- passten leichten bis mittelschweren Verweistätigkeit zu 80% arbeitsfähig. Demgemäss ist bei der Festsetzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit von de r empfohlenen Verweistätigkeit auszu- gehen, selbst wenn die versicherte Person ihre bisherige Tätigkeit weiterführt. 5.1 Weiter führt die Versicherte an, dass die Diagnose einer posttraumatischen Belastungs- störung ungenügend abgeklärt worden sei. Gemäss Stellung nahme von Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. K.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Bethesda Spital, vom 29. Juni 2012 sei die gutachterli che Diagnose "einer nicht näher bezeich- neten Angststörung im Zusammenhang mit den erlebten Erfahrungen während der Adoleszenz- und Jugendzeit in der Türkei" unverständlich. Im vorlieg enden Fall müsse die Frage nach einer posttraumatischen Belastungsstörung gestellt werden. Diese sei von Dr. G.____ weder erfragt noch weiter beschrieben worden. 5.2 Eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43. 1) entsteht als verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis ode r eine Situation aussergewöhnlicher Be- drohung oder katastrophenartigen Ausmasses, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung her- vorrufen würde. Hierzu gehören eine durch Naturereign isse oder von Menschen verursachte Katastrophe, eine Kampfhandlung, ein schwerer Unfall oder Zeuge des gewaltsamen Todes anderer oder selbst Opfer von Folterung, Terrorismus, Ve rgewaltigung oder anderen Verbre- chen zu sein. Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrän- genden Erinnerungen oder in Träumen, vor dem Hinterg rund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit, Gleichgülti gkeit gegenüber anderen Menschen, Teil- nahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Anhedonie sowi e Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Gewöhnlich tritt ein Zustand vegetativer Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung und einer übermässigen Schreckhaftigkeit und Schlaflosigkeit auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Differenzialdiagnostisch muss die posttraumatische Belastungsstörung von einer Reihe Störungen unterschieden werden, die z.T. verwandte Symptome aufweisen. Zu denken ist hierbei an alle Arten depressiver Erkrankungen inkl. der Anpassungsstörungen, an die Gruppe der Angststörungen, die dissoziativen Störungen sowie die andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extre mbelastung (vgl. Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F) , Klinisch-diagnostische Leitlinien, herausgegeben von H. DILLING , W. MOMBOUR und M.H. SCHMIDT , 6. Auflage, Bern 2008, S. 183). 5.3 Die Versicherte ist seit 2007 wegen ihren Ängsten i n psychiatrischer Behandlung im Be- thesda Spital. Gemäss Arztbericht von Dr. J.____ und Dr. K.____ vom 9. September 2011 wur- de eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Entwi cklung (ICD-10 F43.21) bei chroni- schen Schmerzen der Hand diagnostiziert. Die Versicherte h abe unter widrigsten Vorausset- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zungen als einzige Frau im heimatlichen Dorf das Abitur gemacht. Wegen politischen Schwie- rigkeiten sei sie drei Tage im Gefängnis gewesen und g efoltert und geschlagen worden. 1987 sei sie mit Hilfe des Onkels in die Schweiz ausgewandert, habe hier geheiratet und drei Kinder geboren. Nach einem schweren Unfall des Ehepartners sei dieser nach langjähriger Behand- lung depressiv erkrankt und beziehe eine volle IV-Rente. Seit elf Jahren sei die Versicherte als Pflegerin tätig und seit dem 1. August 2010 arbeite si e wegen der starken Schmerzen lediglich zu 50% bei der C.____. Aktuell klage sie über Konzentra tionsstörungen, Vergesslichkeit und Kopfschmerzen. Ebenfalls leide sie unter Müdigkeit, Schla flosigkeit und Grübelzwang. Sie sei sehr empfindlich auf Kritik, weine grundlos und reagier e auf die kleinsten Anforderungen in der Familie und im Haushalt mit äusserst aggressiven Gefühlsdu rchbrüchen. In den Therapiesit- zungen würden die früher sehr traumatischen Erlebnisse a ufgearbeitet, die schwierige psycho- soziale Situation besprochen und nach Lösungsmöglichkeit en gesucht. Sehr belastend seien die schwere depressive Erkrankung des Ehemannes und die Bor derline-Störung der ältesten Tochter. Durch verbesserte Konzentration und Leistungsfäh igkeit könnte eine Erhöhung des Arbeitspensums von heute 50% angestrebt werden. 5.4 Prof. Dr. med. L.____, FMH Psychiatrie und Psychosom atik, Bethesda Spital diagnosti- zierte gemäss Kurzbericht vom 12. Mai 2010 eine leichte depressive Episode infolge Kündigung und attestierte eine volle Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. 5.5 Gemäss den Berichten des Bethesda Spitals vom 12. M ai 2010 und 9. September 2011 wurde die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstö rung nicht in Betracht gezogen. Dr. G.____ untersuchte die Versicherte drei Monate nach dem letzten Arztbericht des Bethesda Spitals am 21. Dezember 2011 und kam zum Schluss, dass die politischen Gewalterfahrungen zumindest geeignet gewesen sein könnten, gewisse Ängste und Unsicherheit auszulösen. Er diagnostizierte eine Angststörung im Zusammenhang mit d en erlebten Erfahrungen. Für die Annahme einer posttraumatischen Belastungsstörung gab es h ingegen weder für die behan- delnden Ärzte Dr. J.____ und Dr. K.____ noch für den G utachter Dr. G.____ ausreichend An- haltspunkte. Die Kritik von Dr. J.____ und Dr. K.____ in ihrer Stellungnahme vom 29. Juni 2012 zum Ergebnis von Dr. G.____ ist deshalb mit Blick auf ih ren vorangegangen Bericht nicht nach- vollziehbar. 5.6 Die Versicherte macht schliesslich geltend, dass es ihr ge mäss Ausführungen von Dr. J.____ und Dr. K.____ im Bericht vom 29. Juni 201 2 und in Berücksichtigung der Foersterkriterien nicht möglich sei, mehr als 50% zu arbe iten, da sie infolge der langjährigen Schmerzen und der zusätzlichen psychosozialen Belastungssitua tion an ihre Grenzen gelangt sei. 5.7 Unbestritten sind die familiären Verhältnisse der Versicherten belastend. Bei diesen psychosozialen Belastungsfaktoren handelt es sich jedoch um invaliditätsfremde Gesichts- punkte, welche vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich sind. In Bezug auf die Schmerzsituation wurde rheumatologisch bereits anerkannt, dass lediglich noch leichte bis mittelschwere leidensangepasste Tätigkeiten ausgefüh rt werden können, schwere Arbeiten jedoch nicht mehr zumutbar sind. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eine Prüfung der Foersterkriterien - wie sie die Besch werdeführerin verlangt - und damit der Frage, ob es ihr zumutbar ist, ihre Schmerzen zu überwi nden und eine Tätigkeit im attestierten Umfang auszuüben, ist bei einer psychiatrisch diagnostiziert en Schmerzstörung vorzunehmen. Nach der Rechtsprechung kommt einer anhaltenden somatofo rmen Schmerzstörung nur aus- nahmsweise invalidisierender, d.h. einen Rentenanspruch begründender Charakter zu. Ent- scheidend ist, ob und inwiefern die versicherte Person über psychische Ressourcen verfügt, die es ihr erlauben, trotz den subjektiv erlebten Schmerzen einer Arbeit nachzugehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.4, 127 V 294 E. 4b/cc in fine und E. 5a un ten). Umstände, die bei Vorliegen eines solchen Krankheitsbildes die Verwertung der verbliebenen Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt als unzumutbar erscheinen lassen können, sind: Eine Komorbi dität im Sinne eines vom Schmerz- geschehen losgelösten eigenständigen psychischen Leidens von erheblicher Schwere, Intensi- tät, Ausprägung und Dauer, chronische körperliche Beg leiterkrankungen mit mehrjährigem Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progrediente r Symptomatik ohne längerfristige Re- mission, sozialer Rückzug, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseeli- scher Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlast enden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn), unbefriedigende Ergebniss e von konsequent durchgeführten Be- handlungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem A nsatz) und gescheiterte Rehabilita- tionsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstr engung der versicherten Person (BGE 132 V 65 E. 4.2.2, 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 11. März 2010, 9C_1061/2009, E. 5.4.3.1.1). Unabdingbare Grundlage für die Beurteilung der Recht sfrage, ob und gegebenenfalls inwieweit einer versicherten Person unter Aufbringung allen gute n Willens die Überwindung ihrer Schmerzen und die Verwertung ihrer verbleibenden Arb eitskraft zumutbar ist oder nicht, bilden die fachärztlichen Stellungnahmen zum psychischen Gesundhei tszustand und zu dem aus me- dizinischer Sicht (objektiv) vorhandenen Leistungspotenzial (BGE 130 V 352 E. 2.2.5). Insbe- sondere haben sie sich dazu zu äussern, ob eine psychische Komo rbidität gegeben ist oder weitere Umstände vorliegen, welche die Schmerzbewältig ung behindern (SVR 2008 IV Nr. 23 S. 71, I 683/06 E. 2.2). Nicht erforderlich ist, dass sich eine psychiatrische Expertise in jedem Fall über jedes einzelne der genannten Kriterien ausspricht; massgeblich ist eine Gesamtwürdi- gung der Situation (SVR 2005 IV Nr. 6 S. 21, I 457/ 02 E. 7.4 mit Hinweis, nicht publ. in: BGE 130 V 396). 5.8 Vorliegend diagnostizierte Dr. G.____ eine somato forme Schmerzstörung. Die Störung sei moderat und stehe nicht im Vordergrund. Einen Ein fluss auf die Arbeitsfähigkeit habe sie nicht. Die Foersterkriterien prüfte Dr. G.____ dabei n icht einzeln, dafür bestand aber auch kein Anlass, da eine Auswirkung der somatoformen Schmerzstörun g auf die Arbeitsfähigkeit auf- grund einer Gesamtwürdigung klar zu verneinen war. Ein e psychische Komorbidität von erheb- licher Schwere war mit der diagnostizierten Angststörun g nicht ausgewiesen. Bezüglich der weiteren Vorgaben führte Dr. G.____ an, dass die Versi cherte ihre Sozialkompetenz nicht auf- gegeben habe und trotz ihrer Arm- und Körperschmerzen weiter arbeite. Die Selbsteinschät- zung, nicht mehr als 50% arbeiten zu können, sei psychiatr isch nicht nachvollziehbar. Aufgrund der Psychopathologie, des Fehlens einer relevanten depre ssiven Symptomatik, des klinischen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Funktionierens, der guten Sozialkompetenz, insbesondere auch der Fähigkeit, eine Anstellung zu finden, sei von einer Arbeitsfähigkeit von 80% auszuge hen. Eine gewisse Selbstlimitierung sei anzunehmen. Die Versicherte setze sich vermutlich selber unter Druck, keine Fehler zu ma- chen. Sie habe hohe Erwartungen sowohl an sich selbst, a ls auch an die Welt. Sie müsse ver- haltenstherapeutisch lernen, besser mit ihren Ängsten umzugehen, lernen ihre Selbstlimitierung aufzuheben und ihre eigene Leistungsanforderung zu relativieren. Die momentane Arbeitssitua- tion bei der C.____ sei ungünstig, da verschiedene Ein satzorte und lange Arbeitswege eine zusätzliche Belastung darstellten. Wie Dr. J.____ und Dr. K.____ bereits in ihrem Bericht vom 9. September 2011 dringend empfohlen hätten, könnte die Arbeitssituation mit einem Stellen- wechsel optimiert werden. Es wäre der Versicherten sod ann möglich, ihr Leistungspotential im Rahmen von 80% auszuschöpfen. 6. Im Ergebnis ist demnach festzuhalten, dass die IV-Ste lle zurecht auf die Ergebnisse von Dr. H.____ und Dr. G.____ in ihrem Gutachten vom 3. Januar 2012 abgestellt hat und von einer Arbeitsfähigkeit von 80% für leichte bis mittelschwere leidensangepassten Tätigkeiten ausge- gangen ist. 7. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar. Danach wird für die Bestimmung des IV-Grade s das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 8. Gemäss dem von der Vorinstanz getätigtem Einkommen svergleich resultiert ein renten- ausschliessender IV-Grad von 28%. Da die Bemessung nicht beanstandet wird, besteht kein Anlass für eine nähere Prüfung von Amtes wegen (BGE 125 V 413 E. 1b und 2c). Bezüglich der konkreten Berechnung kann auf die Ausführungen der Vor instanz verwiesen werden. Im Er- gebnis ist die Beschwerde demnach abzuweisen. 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen vor d em kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 der Verwaltungsprozess ordnung vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterlie genden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin u nterliegende Partei, weshalb die Ver- fahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Die Verfahrenskoste n in der Höhe von Fr. 600.-- werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Pro- zessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Sozialversicherungen http://www.bl.ch/kantonsgericht