<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 100 S.585</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Opferhilfe</span> <span class="page_no">505</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Opferhilfe</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>100 Berechnung des Umfangs der Kostengutsprache bei der Ausrichtung der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>weiteren Hilfe gemäss Art. 3 Abs. 4 OHG.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Regierungsrates vom 26. April 2006 i. S. J. J. gegen</span><br/> <span class="ft4">die Verfügung des Kantonalen Sozialdienstes.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2. a) Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">aufgrund der am 3. Mai 2002 an ihrem Arbeitsplatz erlittenen Ver-</span><br/> <span class="ft6">gewaltigung als Opfer i.S. von Art. 2 Abs. 1 OHG zu betrachten ist</span><br/> <span class="ft6">(vgl. ...).</span><br/> <span class="ft6">b) Gemäss Art. 3 Abs. 4 OHG übernimmt die Beratungsstelle</span><br/> <span class="ft6">neben der Soforthilfe weitere Kosten, wie Arzt-, Anwalts- und Ver-</span><br/> <span class="ft6">fahrenskosten, soweit dies aufgrund der persönlichen Verhältnisse</span><br/> <span class="ft6">des Opfers angezeigt ist. Unter dem Aspekt der "persönlichen Ver-</span><br/> <span class="ft6">hältnisse" fällt die Bedürfnislage des Opfers als Ganzes in Betracht.</span><br/> <span class="ft6">Dabei sind neben der in erster Linie massgebenden finanziellen Situ-</span><br/> <span class="ft6">ation auch anderen Faktoren, wie etwa die Kompliziertheit der tat-</span><br/> <span class="ft6">sächlichen Verhältnisse und der sich stellenden Rechtsfragen, die</span><br/> <span class="ft6">Tragweite der geltend zu machenden Ansprüche, das Bildungsniveau</span><br/> <span class="ft6">des Opfers sowie das Verhalten der Täterin oder des Täters relevant</span><br/> <span class="ft6">(vgl. Peter Gomm, Dominik Zehntner,</span> <span class="ft6">Kommentar zum Opferhilfe-</span><br/> <span class="ft6">gesetz, Bern 2005, Art. 3 OHG N 59 und 61, mit weiteren Hinwei-</span><br/> <span class="ft6">sen; vgl. dazu auch § 9 Abs. 2 der kantonalen Verordnung zur Bun-</span><br/> <span class="ft6">desgesetzgebung über die Hilfe an Opfern von Straftaten vom</span><br/> <span class="ft6">13. Januar 1993, nach welchem Kostengutsprache zu erteilen ist,</span><br/> <span class="ft6">soweit dies auf Grund der persönlichen und finanziellen Verhältnisse</span><br/> <span class="ft6">des Opfers angezeigt ist.). Aus dem Begriff "angezeigt" folgt eine</span><br/> <span class="ft6">über die reine Notwendigkeit hinausgehende, grosszügige Betrach-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">506</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">tungsweise sowohl in Bezug auf die Anspruchsvoraussetzungen als</span><br/> <span class="ft6">auch bezüglich des Umfangs (vgl. BGE 122 II 324).</span><br/> <span class="ft6">Für die Beurteilung der finanziellen Verhältnisse des Opfers im</span><br/> <span class="ft6">vorliegenden Zusammenhang ist gemäss der Rechtsprechung nach</span><br/> <span class="ft6">den gleichen Kriterien wie beim Entschädigungsanspruch nach Art.</span><br/> <span class="ft6">12 Abs. 1 OHG zu verfahren (BGE 122 II 218 ff.; AGVE 1996,</span><br/> <span class="ft6">S. 538; Peter Gomm, Dominik Zehntner,</span> <span class="ft6">a.a.O., Art. 3 OHG N 59);</span><br/> <span class="ft6">dabei ist zu prüfen, ob die anrechenbaren Einnahmen des Opfers</span><br/> <span class="ft6">nach Art. 3c des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Al-</span><br/> <span class="ft6">ters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) vom</span><br/> <span class="ft6">19. März 1965 das Vierfache des massgebenden Höchstbetrages für</span><br/> <span class="ft6">den allgemeinen Lebensbedarf nach Art. 3b Abs. 1 lit. a ELG nicht</span><br/> <span class="ft6">übersteigen. Sofern diese Voraussetzung gegeben ist, ist die Be-</span><br/> <span class="ft6">messung der Entschädigung nach Art. 3 der Verordnung über die</span><br/> <span class="ft6">Hilfe an Opfern von Straftaten (Opferhilfeverordnung, OHV) vom</span><br/> <span class="ft6">18. November 1992 vorzunehmen. Massgebend sind die voraus-</span><br/> <span class="ft6">sichtlichen Einnahmen nach der Straftat (Art. 12 Abs. 1 S. 2 OHG);</span><br/> <span class="ft6">massgeblich für die Einkommensberechnung ist in der Regel der</span><br/> <span class="ft6">Zeitpunkt der Festsetzung der Opferhilfeentschädigung und somit</span><br/> <span class="ft6">der Zeitpunkt der Verfügung über diese Entschädigung (BGE 131 II</span><br/> <span class="ft6">656, Erw. 3.2, mit weiteren Hinweisen zu Literatur und Recht-</span><br/> <span class="ft6">sprechung).</span><br/> <span class="ft6">Hinsichtlich der gestützt auf Art. 3 Abs. 4 OHG geltend ge-</span><br/> <span class="ft6">machten Kosten für Psychotherapie sowie anwaltliche Vertretung</span><br/> <span class="ft6">sind daher zunächst die finanziellen Verhältnisse der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führerin zu prüfen.</span><br/> <span class="ft6">3. a) Vorliegend stellt sich bei der Berechnung des anrechenba-</span><br/> <span class="ft6">ren Einkommens der Beschwerdeführerin nach Art. 3c ELG die</span><br/> <span class="ft6">Schwierigkeit, dass sie an zwei verschiedenen Orten unregelmässig</span><br/> <span class="ft6">erwerbstätig ist: Zum einen hat sie seit dem 1. April 2004 einen Ar-</span><br/> <span class="ft6">beitsvertrag als Teilzeitmitarbeiterin der S. E. AG, mit Arbeitszeiten</span><br/> <span class="ft6">"gemäss Einsatzplan". Zum anderen hat sie mit der A. S. AG seit</span><br/> <span class="ft6">dem 11. März 2004 eine "Rahmenvereinbarung betreffend Einsatz</span><br/> <span class="ft6">auf Abruf", nach welcher sie nicht mehr als 522 Stunden pro Jahr</span><br/> <span class="ft6">arbeiten darf (vgl. ...).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Opferhilfe</span> <span class="page_no">507</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Die Vorinstanz hat in ihrer Eingabe vom 17. November 2005,</span><br/> <span class="ft6">gestützt auf die eingereichten Lohnblätter der S. E. AG der Monate</span><br/> <span class="ft6">Januar bis September 2005, die Einkünfte der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">mit Fr. 20'796.- beziffert (Monate Januar - September 2005 total</span><br/> <span class="ft6">Fr. 15'596.70; dividiert durch 9, mal 12); dazu hat sie die Lohnab-</span><br/> <span class="ft6">rechnung der A. S. AG vom August 2005 im Betrag von Fr. 1'510.-</span><br/> <span class="ft6">(aufgerundet) gezählt, d.h. insgesamt also Fr. 22'306.-. Dies ent-</span><br/> <span class="ft6">spricht einem durchschnittlichen Nettomonatseinkommen von rund</span><br/> <span class="ft6">Fr. 1'859.-. Diese Berechnung ist angemessen, beruht sie doch auf</span><br/> <span class="ft6">einer aktuellen Beurteilung der finanziellen Situation der Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deführerin unter Berücksichtigung ihrer krankheitsbedingten teilwei-</span><br/> <span class="ft6">sen Arbeitsunfähigkeit und dem damit verbundenen Arbeitserwerb</span><br/> <span class="ft6">auf teilzeitlicher Basis. Sie ist denn auch von der Rechtsvertreterin</span><br/> <span class="ft6">der Beschwerdeführerin nicht bestritten worden.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss Art. 3c Abs. 1 lit. a ELG ist von diesem Einkommen</span><br/> <span class="ft6">Fr. 1'000.- abzuziehen und sodann 2/3 anzurechnen, was einen Be-</span><br/> <span class="ft6">trag von Fr. 14'204.- ausmacht.</span><br/> <span class="ft6">Nach Art. 3c lit. d ELG sind Renten, Pensionen und andere wie-</span><br/> <span class="ft6">derkehrende Leistungen, einschliesslich der Renten der AHV sowie</span><br/> <span class="ft6">der IV als Einnahmen anzurechnen. Laut den eigenen Angaben der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerin verfügt sie bei der "M." über eine Taggeldversi-</span><br/> <span class="ft6">cherung, welche pro Tag Fr. 92.05 ausbezahlt, somit pro Jahr</span><br/> <span class="ft6">Fr. 33'598.-. Dieser Betrag entspricht der Berechnung der Vorinstanz</span><br/> <span class="ft6">vom 17. November 2005 und ist von der Beschwerdeführerin eben-</span><br/> <span class="ft6">falls nicht bestritten worden.</span><br/> <span class="ft6">Damit ergibt sich ein anrechenbares jährliches Einkommen der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerin von Fr. 47'802.-. Entgegen der Auffassung der</span><br/> <span class="ft6">Vorinstanz sind von diesem Betrag keine Wohnkosten sowie Kran-</span><br/> <span class="ft6">kenkassenprämie abzuziehen (vgl. ...), verweist doch Art. 12 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">OHG, in der seit 1. Januar 1998 gültigen Fassung, ausdrücklich nur</span><br/> <span class="ft6">auf die anrechenbaren Einnahmen nach Art. 3c ELG. Diese Teilrevi-</span><br/> <span class="ft6">sion hat eine Vereinfachung in der Berechnung gebracht; die ur-</span><br/> <span class="ft6">sprüngliche Berechnungsweise (Abzug der anerkannten Ausgaben</span><br/> <span class="ft6">von den Einnahmen) wurde von der Praxis als kompliziert erachtet;</span><br/> <span class="ft6">es wurde daher auf den Abzug der anerkannten Ausgaben verzichtet,</span><br/> <span class="ft6">was zu einer Erhöhung des massgebenden Einkommens führt; als</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">508</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Ausgleich setzte der Gesetzgeber daher die Einkommensgrenze auf</span><br/> <span class="ft6">das Vierfache des Höchstbetrages für den allgemeinen Lebensbedarf</span><br/> <span class="ft6">nach Art. 3b Abs. 1 lit. a ELG fest (anstelle des Dreifachen nach</span><br/> <span class="ft6">altem Recht; vgl. dazu BBl 1997 I 1217/18; Peter Gomm, Dominik</span><br/> <span class="ft6">Zehntner,</span> <span class="ft6">a.a.O., Art. 12 OHG N 2). Insofern entspricht denn auch</span><br/> <span class="ft6">Ziffer 3.2.2. Abs. 1 der Richtlinien für die Anwendung des Opferhil-</span><br/> <span class="ft6">fegesetzes im Kanton Aargau vom 1. März 1999 nicht mehr der heu-</span><br/> <span class="ft6">tigen Rechtslage und ist daher anzupassen.</span><br/> <span class="ft6">Der massgebende Höchstbetrag für den allgemeinen Lebensbe-</span><br/> <span class="ft6">darf gemäss Art. 3b Abs. 1 lit. a ELG im Kanton Aargau beläuft sich</span><br/> <span class="ft6">auf Fr. 17'640.- (nachfolgend: ELG-Wert; vgl. § 3 Abs. 1 lit. a Ziffer</span><br/> <span class="ft6">1 des Gesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlasse-</span><br/> <span class="ft6">nen- und Invalidenversicherung [Ergänzungsleistungsgesetz] vom</span><br/> <span class="ft6">14. Juni 1966), das Vierfache davon somit Fr. 70'560.- (nachfolgend:</span><br/> <span class="ft6">OHG-Höchstbetrag, vgl. Art. 3 OHV).</span><br/> <span class="ft6">b) Demgemäss steht fest, dass die anrechenbaren Einnahmen</span><br/> <span class="ft6">der Beschwerdeführerin den OHG-Höchstbetrag nicht übersteigen.</span><br/> <span class="ft6">Somit hat die Bemessung nach Art. 3 OHV zu erfolgen. Da die anre-</span><br/> <span class="ft6">chenbaren Einnahmen zwischen dem ELG-Wert und dem OHG-</span><br/> <span class="ft6">Höchstbetrag liegen, ist die Berechnung nach der Formel gemäss Art.</span><br/> <span class="ft6">3 Abs. 3 OHV vorzunehmen:</span><br/> <br/> <span class="ft6">Entschädigung (in %) =<br/></span> <center><img alt="agve-2006-508.gif" src="http://agve.weblaw.ch/img/public/Bilder/agve-2006-508.gif"/></center> <br/> <span class="ft6">Dies ist als Zwischenergebnis festzuhalten und bedeutet, dass</span><br/> <span class="ft6">aufgrund der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin nur</span><br/> <span class="ft6">ein Anteil von 43 % der geltend gemachten weiteren Kosten zulasten</span><br/> <span class="ft6">der Opferhilfe zu ersetzen ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>