<h2>SubmittedText<h2><p>Die SBB haben neue Software für die Billetschalter entwickeln lassen. Die Software lief auf der relativ alten Hardware für Kunden und Personal nervenaufreibend langsam. Inzwischen ist eine Nachbesserung erfolgt. Allerdings hat das System die erwünschte Geschwindigkeit immer noch nicht erreicht.</p><p>1. Werden die SBB wegen der fehlerhaften Software jetzt neue Hardware beschaffen? Wieviel wird dies kosten?</p><p>2. Wer war für die Spezifikation des Projektes verantwortlich? Wer überwachte innerhalb der SBB die Ausführung? Wer überwachte die Testphase?</p><p>3. Wurden die Lieferfristen von der indischen Firma eingehalten?</p><p>4. Waren die Angaben über die Hardware nicht Bestandteil der Spezifikation für die indische Firma?</p><p>5. Wurden Offerten in der Schweiz eingeholt? Nach welchen Kriterien wurde die indische Firma ausgewählt?</p><p>6. Welche Massnahmen wurden nach Bekanntwerden des schwerwiegenden Mangels der Software eingeleitet?</p><p>7. Musste die indische Firma eine Konventionalstrafe bezahlen für die allfällige Nichteinhaltung der Leistungskriterien? Oder entstanden den SBB für die Nachbesserung zusätzliche Kosten?</p><p>8. Arbeiten die SBB weiterhin mit dieser Firma zusammen? Laufen noch andere Softwareprojekte über diese Firma?</p><p>9. Wie wird sichergestellt, dass sich eine ähnliche Panne nicht wiederholt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die SBB sind verpflichtet, ihr Unternehmen nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen zu führen. Verstärktes unternehmerisches Handeln ist ein Anliegen, das von der Politik regelmässig an die SBB herangetragen wird. Die vom Interpellanten aufgeworfenen Fragen im Zusammenhang mit der Beschaffung von neuer Software für die Billetschalter berühren den unternehmerischen Bereich der SBB, für den der Bundesrat nicht zuständig ist.</p><p>Die SBB äussern sich zu den Anliegen des Interpellanten wie folgt:</p><p>"Die SBB haben im Verlaufe des Wintersemesters 1995/96 unter dem Namen Prisma umfangreiche neue Softwarepakete im Bereich des Personenverkehrs in Betrieb genommen. Dieses grösste je von den SBB durchgeführte Softwareprojekt wurde in drei Teilprojekte gegliedert, welche jeweils unterschiedlichen Herstellern übergeben wurden.</p><p>- Teilprojekt Verkauf: Mit der Zielsetzung, schnell mit neuen und geänderten Angeboten auf sich ändernde Marktverhältnisse eintreten zu können, wurde das SBB-Verkaufssortiment neu in Produkte strukturiert. Die Betreuung dieser Marktprodukte geschieht mittels des Systems Prisma-Verkauf, welches durch eine indische Softwarefirma im Auftrag der SBB entwickelt wurde und auf den Zentralrechnern in Bern zur Ausführung gelangt.</p><p>- Teilprojekt Back-Office: Es beinhaltet den Ersatz und die Anpassung an die neue Produktsegmentierung der Bereiche Abrechnung und Anteilszuscheidung an die in- und ausländischen Verkehrspartner. Diese Software wurde durch ein Schweizer Softwarehaus im Auftrage der SBB erstellt und gelangt ebenfalls auf den Zentralrechnern zur Ausführung.</p><p>- Schalteranwendung: Hier ging es um die Anpassung des Verkaufsvorgangs an die neu gestalteten Produkte, die zusätzliche Unterstützung bisher manuell getätigter Verkäufe wie komplizierte Rundreisen und Kollektivbillette sowie die technische Erneuerung einer zehn Jahre alten, laufend erweiterten Software. Diese Komponente wurde durch die SBB-eigene Softwareentwicklung erstellt und gelangt auf den betagten Olivetti-Schaltergeräten zur Ausführung. Die SBB waren zusätzlich federführend für die Zusammenführung und die Integration der Teilprojekte.</p><p>Bei der Einführung von Prisma entstanden gewisse Performance-Probleme (mangelnde Schnelligkeit des Verkaufsablaufs), die auf zwei Gründe zurückzuführen sind:</p><p>- Die anfängliche Unvertrautheit, trotz Ausbildung, des Verkaufspersonals mit den neugestalteten Verkaufsabläufen, die nicht mehr der alten, sehr vertrauten Routine entsprachen.</p><p>- Geschwindigkeitsprobleme mit der neugestalteten Schaltersoftware, die hauptsächlich auf die Beachtung sehr hoher Sicherheitsstandards zurückzuführen waren.</p><p>Beide Problemkreise sind heute zur Zufriedenheit aller Beteiligten gelöst. An den SBB-Schaltern gelangt jetzt eine sehr leistungsfähige Informatiklösung zur Anwendung, die wesentlich mehr Funktionen unterstützt als die vorgängige Version und die jährlichen Schalterkosten um gegen 3 Millionen Franken senkt.</p><p>Auf diesem Hintergrund und mit der Betonung, dass die indische Softwarefirma entgegen Fehlmeldungen der Presse keine Schaltersoftware entwickelt hat, nehmen die SBB zu den einzelnen Fragen wie folgt Stellung:</p><p>1. Die SBB beabsichtigen seit langem, die überalterte Olivetti-Hardware in den Jahren 1999 bis 2001 durch neue Produkte zu ersetzen. Es besteht kein direkter Zusammenhang zu den Performance-Problemen der vergangenen Prisma-Einführung. Der Verwaltungsrat der SBB hat in der Zwischenzeit die entsprechenden Kredite von 88,9 Millionen Franken bewilligt.</p><p>2. Alle drei Verantwortungen lagen bei den SBB.</p><p>3. Die Lieferfristen wurden von der indischen Firma eingehalten.</p><p>4. Die Angaben über die Hardware waren Bestandteil der Spezifikation für die indische Firma, nämlich IBM-Zentralrechner, da die von der indischen Firma entwickelte Software nicht die Schalteranwendung betrifft.</p><p>5. Die indische Firma wurde im Rahmen einer selektiven Projektausschreibung unter geeigneten Anbietern evaluiert und ausgewählt. Bei der Auswahl kam der Grundsatz des wirtschaftlich günstigsten Angebotes zur Anwendung.</p><p>6. Von 'schwerwiegenden Mängeln der Software' kann nicht gesprochen werden. Für die erkannten Performance-Probleme zeigte eine Detailanalyse des Systemverhaltens Verbesserungsmöglichkeiten auf, die unverzüglich implementiert wurden.</p><p>7. Die indische Firma musste keine Konventionalstrafe für Nichteinhaltung der Leistungskriterien bezahlen, da sie keinen Anteil an den Performance-Problemen der Schaltersoftware hatte.</p><p>8. Die SBB arbeiten weiterhin mit dieser indischen Firma zusammen; sie erhielt kleine Folgeaufträge zu Prisma. Die Firma wird sich zudem in weiteren Ausschreibungen wiederum bewerben können.</p><p>9. Von einer Panne kann nicht gesprochen werden. Im Gegenteil, die Einführung von Prisma lief mit weniger Störungen ab, als bei ähnlichen dezentralisierten, komplexen Grossapplikationen im Dienstleistungsbereich als normal betrachtet wird. Die SBB legen enormen Wert auf ein gutes Projektmanagement."</p>