<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RückerstattungWeiterbildungskosten</span> <span class="page_no">413</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Rückerstattung Weiterbildungskosten</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>84</b></span> <span class="ft2"><b>Kommunales Dienstverhältnis. Rückerstattung Weiterbildungskosten.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Durch Auslegung des Anstellungsbeschlusses ergibt sich, dass die Pflicht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zur Rückerstattung von Ausbildungskosten keine Pflicht zur Rückerstat-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tung der Kosten der Uniformierung umfasst (Erw. II/4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 26. Mai 2010 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">M. gegen Einwohnergemeinde X. (2-BE.2009.3).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">II.</span><br/> <span class="ft5">4.</span><br/> <span class="ft5">4.1.</span><br/> <span class="ft5">Wie bereits erwähnt wurde, muss der Betrag, der einer Rück-</span><br/> <span class="ft5">zahlungspflicht unterstellt wird, genau umschrieben werden. Im An-</span><br/> <span class="ft5">stellungsbeschluss vom 13. August 2008 wurde festgehalten, dass</span><br/> <span class="ft5">"die von der Einwohnergemeinde übernommenen Ausbildungskosten</span><br/> <span class="ft5">von ca. Fr. 50'000.00" der Rückzahlungspflicht unterstellt seien.</span><br/> <span class="ft5">Zwischen den Parteien ist umstritten, ob diese Formulierung auch die</span><br/> <span class="ft5">Kosten für die Anschaffung der Polizeiuniform des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft5">rers mitumfasst.</span><br/> <span class="ft5">4.2.</span><br/> <span class="ft5">Ausgangspunkt und Grundlage der Auslegung einer Verfügung</span><br/> <span class="ft5">bildet deren Wortlaut. Ergänzend zum Wortlaut sind die Begleitum-</span><br/> <span class="ft5">stände und das Verhalten der Behörde vor, während oder nach Erlass</span><br/> <span class="ft5">der Verfügung zu berücksichtigen. Ausserdem ist die Verfügung un-</span><br/> <span class="ft5">ter Berücksichtigung der Verfassung, des Gesetzes, der öffentlichen</span><br/> <span class="ft5">Interessen und des Vertrauensgrundsatzes auszulegen. Dabei können</span><br/> <span class="ft5">die für das Vertragsrecht entwickelten Auslegungsmittel und -regeln</span><br/> <span class="ft5">für die Feststellung des Verfügungsinhalts analog herangezogen wer-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">414</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">den. Bei Anwendung des Vertrauensprinzips ist zu fragen, wie ein</span><br/> <span class="ft5">vernünftiger Dritter die Verfügung verstehen durfte und musste. Bei</span><br/> <span class="ft5">einer Differenz zwischen dem so ermittelten Inhalt einer Verfügungs-</span><br/> <span class="ft5">klausel und dem wirklichen Verfügungswillen der Behörde bestimmt</span><br/> <span class="ft5">sich der Verfügungsinhalt nach dem wirklichen Willen der verfügen-</span><br/> <span class="ft5">den Behörde, sofern der Verfügungsadressat diesen Willen erkennt</span><br/> <span class="ft5">(AGVE 2000, S. 522 f.).</span><br/> <span class="ft5">4.3.</span><br/> <span class="ft5">Im Anstellungsbeschluss vom 13. August 2008 wurde eine</span><br/> <span class="ft5">Rückzahlungsverpflichtung für die "Ausbildungskosten" des Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführers vorgesehen. Aus dem gewählten Wortlaut lässt sich</span><br/> <span class="ft5">nicht folgern, dass die Kosten für die Uniformierung eines Polizisten</span><br/> <span class="ft5">als Ausbildungskosten zu betrachten wären. Dies gilt insbesondere</span><br/> <span class="ft5">dann nicht, wenn es sich bei der betreffenden Uniform - wie offenbar</span><br/> <span class="ft5">auch im vorliegenden Fall - nicht um eine spezielle Schuluniform</span><br/> <span class="ft5">handelt, sondern um die ordentliche Arbeitskleidung, die sowohl von</span><br/> <span class="ft5">Polizeiaspiranten als auch von ausgebildeten Polizisten getragen</span><br/> <span class="ft5">wird. Aus der blossen Höhe des der Rückzahlungspflicht unter-</span><br/> <span class="ft5">stellten Betrages ("Fr. 50'000.00") lässt sich mangels einer genaueren</span><br/> <span class="ft5">Umschreibung des Begriffs "Ausbildungskosten" ebenfalls nicht er-</span><br/> <span class="ft5">kennen, dass sich die Vorinstanz im Falle eines vorzeitigen Dienst-</span><br/> <span class="ft5">austritts des Beschwerdeführers nicht nur die Rückerstattung der</span><br/> <span class="ft5">Ausbildungskosten im engeren Sinne, sondern auch der Kosten für</span><br/> <span class="ft5">die Uniformierung hätte vorbehalten wollen. Da der zur Rückforde-</span><br/> <span class="ft5">rung vorbehaltene Betrag nicht exakt bestimmt, sondern mit "ca." an-</span><br/> <span class="ft5">gegeben wurde, durfte der Beschwerdeführer zudem in guten Treuen</span><br/> <span class="ft5">annehmen, dass ihm im Falle einer frühzeitigen Beendigung des An-</span><br/> <span class="ft5">stellungsverhältnisses eine detaillierte Abrechnung mit Angabe der</span><br/> <span class="ft5">konkret zurückgeforderten Summe vorgelegt würde. Der Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführer musste insbesondere nicht davon ausgehen, dass er mit der</span><br/> <span class="ft5">Unterzeichnung des Anstellungsbeschlusses vom 13. August 2008</span><br/> <span class="ft5">gleichzeitig eine pauschale Zustimmung zur allfälligen Rückerstat-</span><br/> <span class="ft5">tung sowohl von Ausbildungskosten als auch von weiteren Auslagen</span><br/> <span class="ft5">der Vorinstanz zu seinen Gunsten bis zum Betrag von Fr. 50'000.--</span><br/> <span class="ft5">abgegeben hätte.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RückerstattungWeiterbildungskosten</span> <span class="page_no">415</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">4.4.</span><br/> <span class="ft5">Auch aus dem kommunalen Recht ergeben sich keine konkreten</span><br/> <span class="ft5">Anhaltspunkte, dass die Kosten für die Uniformierung von Polizisten</span><br/> <span class="ft5">vorliegend als Bestandteil der Ausbildungskosten zu betrachten wä-</span><br/> <span class="ft5">ren. So fehlt es namentlich an einer ausdrücklichen Regelung, wel-</span><br/> <span class="ft5">che die Uniformierungskosten den Ausbildungskosten zuordnen wür-</span><br/> <span class="ft5">de. Im Weiteren fällt auf, dass das Dienstreglement für das Polizei-</span><br/> <span class="ft5">korps der Stadt X. (im Folgenden: DR) die Fragen der Bekleidung</span><br/> <span class="ft5">und Ausrüstung (§§ 16 f. DR) bzw. der Aus- und Weiterbildung</span><br/> <span class="ft5">(§§ 21 ff. DR) je in einem getrennten Abschnitt regelt und für die</span><br/> <span class="ft5">Bekleidung und Ausrüstung des Polizeikorps ein eigenes Reglement</span><br/> <span class="ft5">besteht, welches - analog der privatrechtlichen Lösung von Art. 327</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 OR (vgl. Adrian Staehelin, Kommentar zum schweizerischen</span><br/> <span class="ft5">Zivilrecht, Band V2c, Der Arbeitsvertrag, Art. 319-330a OR, 4. Auf-</span><br/> <span class="ft5">lage, Zürich/Basel/Genf 2006 [Zürcher Kommentar], Art. 327 N 1</span><br/> <span class="ft5">und 5) - für den Fall des Dienstaustritts eines Polizisten bezüglich</span><br/> <span class="ft5">der ihm vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Uniform primär</span><br/> <span class="ft5">eine Rückgabe- und nicht eine Rückzahlungsverpflichtung vorsieht</span><br/> <span class="ft5">(§ 7 Abs. 1 des Reglements über die Bekleidung und Ausrüstung des</span><br/> <span class="ft5">Polizeikorps der Stadt X. [im Folgenden: BR]).</span><br/> <span class="ft5">4.5.</span><br/> <span class="ft5">Demgegenüber vertritt die Vorinstanz die Meinung, dass es sich</span><br/> <span class="ft5">bei den Kosten für die Uniformierung um Ausbildungskosten handle,</span><br/> <span class="ft5">weil die Uniform Voraussetzung für den Antritt der Polizeischule sei</span><br/> <span class="ft5">und nach der einjährigen Vollzeitausbildung amortisiert sei.</span><br/> <span class="ft5">Einer solchen Argumentation könnte allenfalls gefolgt werden,</span><br/> <span class="ft5">wenn es nach Abschluss der Polizeiausbildung jeweils erforderlich</span><br/> <span class="ft5">wäre, eine komplette neue Uniform anzuschaffen. Dies ist jedoch</span><br/> <span class="ft5">offenbar nicht der Fall. Es trifft zwar zu, dass in § 3 Abs. 1 BR für</span><br/> <span class="ft5">einzelne Gegenstände der Uniform eine Tragdauer von einem Jahr</span><br/> <span class="ft5">vorgesehen ist. Für die Mehrzahl der Bekleidungsstücke ist indessen</span><br/> <span class="ft5">keine solche Tragdauer (vgl. § 3 Abs. 2 BR) bzw. für den Uniform-</span><br/> <span class="ft5">pullover eine Tragdauer von zwei Jahren festgelegt (§ 3 Abs. 1 BR).</span><br/> <span class="ft5">Zudem dürften verschiedene, relativ kostspielige Bestandteile der</span><br/> <span class="ft5">Uniform (so etwa die Gala-Uniform), die gemäss § 3 Abs. 2 BR</span><br/> <span class="ft5">lediglich bei Bedarf zu ersetzen sind, regelmässig während bedeu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">416</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">tend längerer Zeit als nur während eines Jahres getragen werden</span><br/> <span class="ft5">können.</span><br/> <span class="ft5">Der Vollständigkeit halber ist in diesem Zusammenhang zudem</span><br/> <span class="ft5">anzumerken, dass die vom Beschwerdeführer besuchte einjährige</span><br/> <span class="ft5">Polizeiausbildung im Wesentlichen zwei Ausbildungsblöcke von 18</span><br/> <span class="ft5">bzw. 16 Wochen umfasste und der Beschwerdeführer in der übrigen</span><br/> <span class="ft5">Zeit - wenn auch zu Ausbildungszwecken - bei der Regionalpolizei</span><br/> <span class="ft5">X. Dienst leistete.</span><br/> <span class="ft5">4.6.</span><br/> <span class="ft5">Schliesslich fehlt es in den Akten an konkreten Anhaltspunkten,</span><br/> <span class="ft5">dass der Beschwerdeführer aus anderen Gründen darum wusste bzw.</span><br/> <span class="ft5">hätte wissen müssen, dass die Vorinstanz im Anstellungsbeschluss</span><br/> <span class="ft5">vom 13. August 2008 davon ausging, die Kosten der Uniformierung</span><br/> <span class="ft5">seien Teil der Ausbildungskosten. Der Ausbildungsvertrag vom</span><br/> <span class="ft5">4. bzw. 9. Mai 2007 enthält in Ziff. 12 ebenfalls eine Rückzahlungs-</span><br/> <span class="ft5">klausel. In diesem Dokument ist jedoch wie im Anstellungsbeschluss</span><br/> <span class="ft5">nur von "Ausbildungskosten" die Rede, ohne dass dieser Begriff wei-</span><br/> <span class="ft5">ter konkretisiert würde. Im Weiteren fällt zwar auf, dass die mut-</span><br/> <span class="ft5">masslichen Kosten der Ausbildung im Ausbildungsvertrag mit le-</span><br/> <span class="ft5">diglich ca. Fr. 35'000.-- angegeben werden. Es ist jedoch nicht er-</span><br/> <span class="ft5">sichtlich, inwiefern daraus - ohne weitere Angaben betreffend die</span><br/> <span class="ft5">Zusammensetzung der "Ausbildungskosten" - ein Rückschluss da-</span><br/> <span class="ft5">rauf gezogen werden könnte, dass im Anstellungsbeschluss vom</span><br/> <span class="ft5">13. August 2008 neben den unmittelbaren Ausbildungskosten auch</span><br/> <span class="ft5">weitere Auslagen der Vorinstanz zu Gunsten des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft5">hätten miterfasst werden sollen. Schliesslich liegen auch keine Hin-</span><br/> <span class="ft5">weise dafür vor, dass der Beschwerdeführer auf andere Weise - bei-</span><br/> <span class="ft5">spielsweise aufgrund mündlicher Erläuterungen oder früherer ver-</span><br/> <span class="ft5">gleichbarer Fälle - Kenntnis vom angeblichen Willen der Vorinstanz</span><br/> <span class="ft5">gehabt hätte.</span><br/> <span class="ft5">4.7.</span><br/> <span class="ft5">Nach dem Gesagten kommt das Personalrekursgericht zum</span><br/> <span class="ft5">Schluss, dass die im Anstellungsbeschluss vom 13. August 2008</span><br/> <span class="ft5">statuierte Pflicht zur Rückzahlung von Ausbildungskosten mangels</span><br/> <span class="ft5">hinreichend genauer Umschreibung die Kosten für die Uniformie-</span><br/> <span class="ft5">rung des Beschwerdeführers nicht erfasst.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RückerstattungWeiterbildungskosten</span> <span class="page_no">417</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Entsprechend kann die von der Vorinstanz zur Verrechnung ge-</span><br/> <span class="ft5">stellte Forderung von Fr. 4'339.40 für den anteilsmässigen Ersatz der</span><br/> <span class="ft5">Kosten für die Anschaffung der Polizeiuniform des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führers nicht auf den Rückforderungsvorbehalt im Anstellungsbe-</span><br/> <span class="ft5">schluss vom 13. August 2008 abgestützt werden.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>