B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3120/2012 U r t e i l v o m 1 8 . S e p t e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Linda Rindlisbacher. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), Türkei, alle vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, (…), Beschwerdeführende 1 bis 3, gegen Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Mai 2012 / N (…). E-3120/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden 1 und 2 reichten am 11. Dezember 2011 am Flughafen D._______ je ein Asylgesuch ein. Mit Zwischenverfügung vom gleichen Tag verweigerte das BFM vorläufig die Einreise in die Schweiz und wies ihnen den Transitbereich des Flughafens D._______ als Aufent- haltsort zu. Am 12. und 14. Dezember 2011 wurden die Beschwerdefü h- renden summarisch befragt. Am 22. Dezember 2011 wurden sie vertieft zu ihren Asylgründen angehört. Mit Verfügung vom 30. Dezember 2011 wurde ihnen die Einreise in die Schweiz bewilligt. B. Am (…) wurde die gemeinsame Tochter der Beschwerdeführenden 1 und 2 in der Schweiz geboren (Beschwerdeführende 3). C. Das BFM st ellte mit Verfügung vom 8. Mai 2012 – eröffnet am 10. Mai 2012 – fest, dass die Beschwerdeführenden 1 und 2 die Flüchtlingse i- genschaft nicht erfüllten, lehnte die Asylgesuche ab, ordnete die Wegwei- sung aus der Schweiz an und beauftragte den zuständigen Kan ton mit dem Vollzug der Wegweisung. D. Mit Eingabe vom 11. Juni 2012 (Poststempel) erhoben die Beschwerd e- führenden 1-3 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bea n- tragten, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und festzustellen, dass die Beschwe rdeführenden die Flüchtlingseigenschaft erfüllen , und es sei ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, alle n- falls die Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen und als Folge d a- von die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessrechtlic her Hinsicht wurde der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) E-3120/2012 Seite 3 zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asy l- gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Die Beschwerdefü h- renden 1 und 2 sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Die gemeinsame Tochter, die während des Verwaltungsverfahrens geboren wurde, ist durch die angefochtenen Ve r- fügung ebenfalls besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Sie kann gestützt auf Art. 4 VwVG i.V.m. Art. 15 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess (BZP , SR 273) dem Prozess als Partei beitreten und ist in das Verfahren einzubeziehen (Beschwerdeführerin 3). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Der Beschwerdeführer 1 (nachfolgend: Beschwerdeführer) bringt vor, dass sein Bruder im Jahre (…) von einem Polizisten getötet worden sei. Er glaube, dass sein Bruder absichtlich getötet worden sei und nicht in Notwehr, wie von der Polizei behauptet. Er habe deshalb ein Verfahren gegen den Polizisten eingeleitet. Der Polizist sei im Jahre (…) erstin- stanzlich freigesprochen worden. Er habe den Fall weitergezogen, das Urteil des Kassationshofs sei noch hängig. Er befürchte zudem, aus pol i- tischen Gründen von den Behörden verhaftet zu werden. Er sei Mitglied der HADEP (Partei der Demokratie des Volkes) gewesen. In der Folge sei er immer wieder den neugegründeten kurdischen Parteien beigetreten, zuletzt im Jahre 2010, als er Mitglied der BDP (Partei des Friedens und der Demokratie) geworden sei. Zudem sei er für die IHD ( Menschen- rechtsverein) aktiv gewesen. Er sei in den Jahren (…) bis 2010 sieben bis acht Mal telefonisch bedroht worden, er solle seine Klage zurückziehen und die Parteitätigkeit einstellen. Die Beschwerdeführerin 2 (nachfolgend: Beschwerdeführerin) macht ge l- tend, dass Kurden in der Türkei diskriminiert würden. Vor einigen Jahren sei auf ihr Elternhaus geschossen worden. Weitere Häuser ihres Heima t-E-3120/2012 Seite 4 dorfes seien in Brand gesteckt worden. Sie habe im übrigen keine G e- sundheitskarte (grüne Karte) erhalten und habe die Arztbesuche jeweils selber bezahlen müssen. 3.2 Die Vorinstanz begründet den a ngefochtenen Entscheid damit, dass die Vorbringen teils unglaubhaft, teils nicht asylrelevant seien. Die Angaben zu den Drohanrufen enthielten zahlreiche Ungereimtheiten und seien widersprüchlich. Weder der Beschwerdeführer noch die B e- schwerdeführerin könnten erklären, wer sie bedroht haben soll. Ferner habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie alle zwei bis drei Tage Drohanrufe erhalten hätte, der Beschwerdeführer hingegen habe erklärt, dass diese Anrufe zweimal im Jahr stattgefunden hätten. Der Bes chwer- deführer wisse zudem auch nichts davon, dass das Haus von Unbekan n- ten mit Steinen beworfen worden sein soll. Schliesslich sei es nicht nac h- vollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer zwar bereit sei , ein jahrelan- ges Gerichtsverfahren in Kauf zu nehmen, die Drohanrufe indes nicht melden wollte. Es sei zwar allgemein bekannt, dass Kurden Schikanen und Benachteiligungen aller Art ausgesetzt sein könn ten. Das Nichterhal- ten einer grünen Gesundheitskarte und langwierige zweitinstanzliche Ver- fahren erreichten i ndes nicht die Intensität der Nachteile, die weite Teile der kurdischen , aber auch der gesamten Bevölkerung in der Türkei in ähnlicher Weise treffen könnten. Der Beschwerdeführer habe als einfaches Parteimitglied einer kurdischen Partei nicht mit strafrechtlicher Verfolgung oder sonstigen ernsthaften Nachteilen zu rechnen. Auch für den IHD sei er nicht an exponierter Stelle tätig gewesen. Es bestehe deshalb kei ne beachtliche Wahrscheinlichkeit, dass er staatlich verfolgt werden würde. 3.3 Der Beschwerdeführer entgegnet, dass es unabhängig von den U n- stimmigkeiten eine Tatsache sei, dass er bedroht worden sei. Im Übrigen könne von der Beschwerdeführerin nicht erwartet werden, dass sie von allen Drohungen gewusst habe, da sie nicht bei jeder Drohung dabei g e- wesen sei. Sein Bruder sei ermordet worden, weil er sich politisch betätigt habe. Die mehrmaligen Drohungen und die Steinigung seines Hauses seien darauf zur ückzuführen, dass er sich nicht bereit zeige, die Version der Polizei (Diebstahl / Notwehr) zu akzeptieren. Die Asylrekurskommi s- sion habe die Reflexverfolgung für Familienmitglieder von gesuchten und inhaftierten Personen wiederholt anerkannt. Es müsse im vorliegenden E-3120/2012 Seite 5 Fall zumindest davon ausgegangen werden, dass eine Reflexverfolgung vorliege. Der Beschwerdeführer sei seit 1996 politisch aktiv, zuerst zugunsten der HADEP und dann der BDP . Er sei zwar nur ein einfaches Mitglied, aber auch solche seien polizeilichen Repressionen ausgesetzt. Sein Name sei der Polizei zudem aufgrund des Verfahrens gegen den Polizisten b e- kannt. Es sei bekannt, dass sich die türkischen Justizbehörden nicht i m- mer an die rechtsstaatlichen Grundprinzipien hielten, insbesondere nich t, wenn die betreffende Person im Zusammenhang mit der PKK (Arbeiter- partei Kurdistans) beziehungsweise der BDP stehe. Die Beschwerdeführerin sei primär wegen der Probleme des Beschwe r- deführers geflüchtet. Es werde zwar auch Druck auf sie ausgeübt, jedoch nicht in gleichem Ausmass wie auf ihn. 4. 4.1 Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Ra s- se, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachte i- len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Abs. 1). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihe it sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Abs. 2). Nach Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Pe rson ernsthafte Nachteile von b e- stimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche im Fall ei ner Rückkehr in den Heimatsaat befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmoti- ve drohen oder zu gefügt worden sein. Eine Verfolgungshandlung im Si n- ne von Art. 3 AsylG kann von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt zudem vo r- aus, dass die betroffene Person einer landesweiten Verfolgung aus ge- setzt ist und sich nicht in einem anderen Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtling s- eigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise bestehenden Verfolgung oder begründeten Furcht vor ei ner solchen. Die Situation im E-3120/2012 Seite 6 Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylen t- scheid sind deshalb zugunsten und zulasten der um Asyl nachsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2 und die dort genan n- ten Zitate und Literaturhinweise). 4.2 Gemäss Art. 7 AsylG muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, wer um Asyl nachsucht (Abs. 1). Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet, oder in sich widersprüchlich sind, den Ta t- sachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Abs. 3). Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sind Vorbri n- gen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschö p- fen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgem einen Er- fahrung widersprechen. Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der asyls u- chenden Person. Eine Behauptung gilt bereits als g laubhaft gemacht, wenn die urteilende Behörde von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesam- ten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorg e- brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne e i- ner Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sac h- verhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. zum Ganzen BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3 und Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -859/2010 vom 10. Oktober 2011 E. 3.2). 5. 5.1 Die Vorinstanz hat de n Massstab des Glaubhaftmachens nach Art. 7 AsylG auf den vorliegenden Fall korrekt angewendet. Sie hat in der ange-E-3120/2012 Seite 7 fochtenen Verfügung einlässlich begründet, weshalb die Vorbringen der Beschwerdeführenden nicht plausibel und in einer Gesamtwürdigung als unglaubhaft ausfielen. Die Beschwerdeführenden setzen sich mit der vo- rinstanzlichen Beweiswürdigung kaum auseinander und zeigen nicht auf, inwiefern diese Bundesrecht verletzt oder zu einer fehlerhaften Sachve r- haltsfeststellung führen soll. Solches ist auch nicht ersichtlich. 5.2 Auf die ausführlichen und zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung kann vorab verwiesen werden (s. E. 3.2) . Ergänzend dazu ist festzuhalten, dass es bezüglich der Drohungen auch am zeitlichen und sachlichen Kausalzusammenhang zwischen den fluchtauslösenden Ereignissen und dem Fluchtzeitpunkt fehlt. Der B e- schwerdeführer gibt an, die letzte Drohung Ende 2010 / Anfang 2011 vor der Heirat erhalten zu haben. Danach habe er das Telefon nicht mehr be- nutzt. Er hatte folglich seit fast einem Jahr keine Drohungen mehr erha l- ten, als sie sich zur Flucht entschieden. Die Drohungen können deshalb nicht der ausschlaggebende Grund zur Flucht gewesen sein; anders lässt sich nicht erklären, weshalb sie so lange zu warteten. Die Erklärung des Beschwerdeführers, seine Eltern und Geschwister lebten dort und er sei davon ausgegangen, dass die Angst ein Ende fände, was nicht passiert sei, vermag nicht zu überzeugen. Die Situation hatte sich zum Zeitpunkt der Flucht entspannt und es g ab keinen aktuellen Anlass zur Flucht. Das Bundesverwaltungsgericht geht nach dem Gesagten nicht davon aus, dass zum Zeitpunkt der Flucht (noch) eine begründete Furcht vor Verfo l- gung bestand. 5.3 Entgegen der Meinung der Beschwerdeführenden ist auch nicht a n- zunehmen, dass sie aufgrund des politischen und humanitären Engag e- ments des Beschwerdeführers gezielte flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile zu befürchten haben. Die Vorinstanz hat dazu zutreffend ausge- führt, dass sich die diesbezüglich vorgebrachten Drohungen und die Stei- nigung des Hauses als nicht glaubhaft erweisen. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist ferner davon auszugehen, dass sich der Beschwerd e- führer nicht derart exponiert hat, dass er ins Visier der türkischen Behö r- den gerückt wäre. Schli esslich bleibt festzuhalten, dass auch keine Hi n- weise vorliegen, die auf eine Reflexverfolgung wegen der politischen Tä- tigkeiten des verstorbenen Bruders schliessen lassen würden. 5.4 Soweit die Beschwerdeführenden Nachteile geltend machen, die sie in der Hei matregion aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur kurdischen Volk s- gruppe immer wieder erlebt haben, erweisen sich diese aufgrund der I n-E-3120/2012 Seite 8 tensität als nicht asylrelevant; die schweizerischen Asylbehörden verne i- nen in konstanter Praxis das Vorliegen einer sogenannten Kollektivverfol- gung von Kurden aus der Türkei (vgl. statt vieler Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts D-48/2013 vom 26. Februar 2013 E. 3.1; Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 1993 Nr. 20 E. 3a). 5.5 Nach dem Gesagten erübrigt es sich, auf die eingereichten Beweis- mittel (Kopie der Mitgliederkarte des IHD, Bestätigung des türkischen Anwaltes, dass er den Beschwerdeführer in der Klage gegen den Polizi s- ten vor Gericht vertritt, Zeitungsartikel über Regierungskritiker, Bericht des Menschenrechtsverein Zweigstelle Diyarbakir über Menschrechtsver- letzungen des Jahres 2011 in der ost - und südostanatolischen Region) näher einzugehen, da sie am Ergebnis der vorgenommenen Würdigung nichts zu ändern vermöchten. 5.6 Zusammenfassend ist in Übereinstimmung mit der V orinstanz festzu- stellen, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden nicht glaubhaft oder jedenfalls nicht asylrelevant sind. Die Beschwerdeführenden haben somit nichts vorgebracht, das geeignet wäre, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Sie erfüllen die Flüchtlingseigenschaft nicht. 6. Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Bes chwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Das Bundesamt hat die Wegweisung zu Recht angeord- net. 7. 7.1 Gemäss Art. 44 Abs. 2 AsylG prüft da s Bundesamt den Vollzug der Wegweisung und regelt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzl i- chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahmen nach dem Bunde s- gesetz vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG; SR 142.20), wenn der Vollz ug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist. 7.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nach Art. 83 Abs. 3 AuG unzulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der E-3120/2012 Seite 9 Ausländerin in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgege n- stehen. Da die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht e r- füllen, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüch t- linge (FK, SR 0. 142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässi g- keit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfa s- sungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 der Bunde s- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]); Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 ge- gen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende B e- handlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 der Konvention vom 4. No- vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grun dfreiheiten [EMRK, SR 0.101]. Aus den Aussage n der Beschwerdeführenden und den übrigen Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre n. Der Vollzug der Wegweisung ist somit zulässig. 7.3 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AuG unzumut- bar sein, wenn der Ausländer oder die Ausländerin im Heimat - oder Her- kunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Die Beschwerdeführenden stammen aus E._______ in der Türkei, wo keine Situation allgemeiner Gewalt oder kriegerische oder bürg erkriegs- ähnliche Verhältnisse herrscht. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr einer Gefährdungssituation ausgesetzt wären oder aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozi a- ler oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation ge- raten würden, liegen keine vor. Die Beschwerdeführenden sind jung und gesund. Sie verfügen über ein familiäres und soziales Beziehungsnetz , welches sie bei ihrer Rückkehr in das Heimatland unterstützen wird. Der Beschwerdeführer hat jahrelang als (…) gearbeitet und konnte so für den Lebensunterhalt der Familie sorgen. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich auch als zumutbar. 7.4 Der Vollzug ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AuG als möglich zu bezeichnen, weil es den Beschwerdeführenden obliegt, sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. BVGE 2008/34 E. 12). E-3120/2012 Seite 10 7.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug zutreffend als möglich, zumutbar und zulässig bezeichnet, weshalb die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist ( vgl. Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten (Art. 1 - 3 des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den Beschwerde- führenden aufzuerlegen und insgesamt auf Fr. 600.– festzusetzen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Koste n- vorschusses ist mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) E-3120/2012 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. – werden den Besc hwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils z u- gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kant o- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Daniel Willisegger Linda Rindlisbacher Versand: