Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Juli 2016 (725 16 12) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Es ist nicht zu beanstanden, dass sich die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die Beurtei- lung der therapeutischen Behandlung des Beschwerdef ührers auf die versicherungsme- dizinische Stellungnahme von Dr. E.____ vom 15. Jan uar 2015 stützte. Was der Be- schwerdeführer in seiner Beschwerde vom 18. Januar 2016 vorbringt, ist nicht geeignet, die beweisrechtliche Verwertbarkeit des Arztberichtes in Frage zu stellen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber i.V. Robin Eschbach Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Markus Schmid, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen B.____ AG, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Manfred Bayerdörfer, Advokat, Rathausstrasse 40/42, 4410 Liestal Betreff Leistungen A.1 A.____ war bei der B.____ AG gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 12. Juli 1997 sowie am 15. Dezember 2001 erlitt der Versiche rte zwei Verkehrsunfälle und zog sich dabei HWS-Distorsionen zu. Nachdem im Jahre 2005 ei n polydisziplinäres Gutachten bei der C.____ eingeholt wurde, sprach die B.____ AG dem Versicherten eine Invalidenrente von 20 %, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Integritätsentschädigung im Umfang von 15 % sowi e Heilungskosten gemäss Art. 21 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 zu. A.2 Gemäss den Verordnungen des behandelnden Arztes Dr. med. D.____, FMH Neurolo- gie, hatte der Versicherte im Durchschnitt zwei Therapie sitzungen pro Woche (Physiotherapie und klassische Massage) sowie teilweise weitere Therapien in grösseren Abständen. Gestützt auf die Beurteilung von Dr. med. E.____, FMH Innere Medizin, stellte die B.____ AG fest, dass die Anzahl der Therapiesitzungen angepasst werden müsse. Mit Verfügung vom 9. Februar 2015 reduzierte sie den Umfang der Kostenübernahme bi s zur Pensionierung des Versicherten neu auf eine Serie Physiotherapie pro Quartal, vorwi egend aktivierende Therapie, vereinzelt in Kombination mit passiven Massnahmen. Gegen diese Verfügu ng erhob der Versicherte am 19. Februar 2015 Einsprache bei der B.____ AG, welch e am 3. November 2015 abgewiesen wurde. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Mar kus Schmid, mit Eingabe vom 18. Januar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht), mit welcher er beantragte, der Einspra cheentscheid vom 3. November 2015 sei aufzuheben und die B.____ AG sei zu verpflichten, wei terhin die gesetzlichen Leistungen an den Beschwerdeführer auszurichten; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. C. Mit Vernehmlassung vom 1. April 2016 beantragte die B.____ AG, vertreten durch Ad- vokat Dr. Manfred Bayerdörfer, die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 UVG auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Unfallversicherer bei m zuständigen kantonalen Versi- cherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zurzeit der Beschwer- deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sic h dieser in F.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bej ahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versich erungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zu- ständig. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht ei ngereichte Beschwerde ist somit einzutre- ten. 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet ausschliesslich die Frage, ob der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf die bis anhin vo n der Beschwerdegegnerin gewährte Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anzahl Therapiebehandlungen hat. Weitere Ansprüche w erden nicht vom Anfechtungsgegen- stand erfasst bzw. in der Beschwerde auch nicht geltend g emacht und sind damit nicht zu prü- fen. 2.1 Die verunfallte Person hat Anspruch auf Heilbehan dlung, solange von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Besserung des G esundheitszustandes erwartet wer- den kann; mit dem Fallabschluss fallen die vorübergehen den Leistungen in Form von Heilbe- handlung und Taggeld dahin und es ist der Rentenanspruch zu prüfen (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG; BGE 134 V 109 E. 4.1). Vorbehalten bleiben jedoch d ie Fälle der Nachbehandlung gemäss Art. 21 UVG. Diese Bestimmung regelt die Möglichkeit d er Gewährung einer notwendigen Heil- behandlung nach der Zusprechung einer Invalidenrente und umschreibt die Tatbestände ab- schliessend, die eine Nachbehandlung rechtfertigen (Bot schaft vom 18. August 1976 zum Bun- desgesetz über die Unfallversicherung, BBl 1976 III 14 1, 191 f. Ziff. 403.23 zu Art. 21 E-UVG; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 20 11, 8C_191/2011, E. 5). Anspruchs- voraussetzung ist somit, dass der versicherten Person eine Re nte im Sinne von Art. 18 Abs. 1 UVG zugesprochen wurde (BGE 134 V 109 E. 4.1); ohne Rentenanspruch be- steht somit keine Möglichkeit für die versicherte Person, Leistungen im Sinne von Art. 21 UVG geltend zu machen (vgl. A LFRED MAURER , Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 382 ff., Urteil des Eidgenössischen Versic herungsgericht [EVG; heute: Bundes- gericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 28. Juli 2004, U 12/04, E. 3.2, Urteil des Bundesge- richts vom 20. März 2009, 8C_695/2007, E. 3.1 f.). 2.2 Nach Art. 21 Abs. 1 UVG werden (nach Festsetzung d er Invalidenrente) Pflegeleistun- gen und Kostenvergütungen für Heilbehandlung, Hilfsmi ttel, Sachschäden und Reise-, Trans- port- und Rettungskosten gewährt, wenn der Rentenbezüg er oder die Rentenbezügerin an ei- ner Berufskrankheit (lit. a) oder unter einem Rückfall oder an Spätfolgen leidet und die Erwerbs- fähigkeit durch medizinische Vorkehren wesentlich verbessert oder vor wesentlicher Beein- trächtigung bewahrt werden kann (lit. b), zur Erhalt ung einer verbleibenden Erwerbsfähigkeit dauernd der Behandlung und Pflege bedarf (lit. c) un d wenn er oder sie erwerbsunfähig ist und der Gesundheitszustand durch medizinische Vorkehren wesentlich verbessert oder vor wesent- licher Beeinträchtigung bewahrt werden kann (lit. d). Der Beschwerdeführer bezieht von der Beschwerdegegnerin wie oben ausgeführt eine Invalidenr ente von 20 %. Er ist im Sinne von Art. 21 Abs. 1 lit. c UVG zur Erhaltung seiner verblei benden Erwerbsfähigkeit dauernd auf eine Behandlung und Pflege angewiesen, was im Übrigen von d en Parteien nicht bestritten wird. Strittig ist ausschliesslich der Umfang der Therapiebehandlung. 3.1. Zur Feststellung des Sachverhaltes im Bereich der Medizin ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ih r vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 E. 1b). Das Ge richt hat die medizinischen Unterla- gen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdi- gung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen B eweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm- liche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu wü rdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbare n Unterlagen eine zuverlässige Beur- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es a uf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes ei nes Arztberichtes ist also ent- scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange um fassend ist, auf allseitigen Untersuchun- gen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt , in Kenntnis der Vorakten (Anam- nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der med izinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 3.2 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So erkennt die Recht sprechung auch Berichten versiche- rungsinterner medizinischer Fachpersonen und (Akten-) Be richten von Sachverständigen, die nicht im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt werde n, Beweiswert zu. Sie sind soweit zu be- rücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Rich tigkeit ihrer Schlussfolgerungen beste- hen (BGE 135 V 471 E. 4.7). Des Weiteren darf und so ll das Gericht in Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin- nen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). 4. Zur Beurteilung der Frage, welche Anzahl Therapieb ehandlungen von der Beschwer- degegnerin übernommen werden müssen, sind im Wesentlichen folgende medizinischen Unter- lagen relevant: 4.1 Im polydisziplinären Gutachten der C.____ vom 21. J uli 2005 wurde der Versicherte psychiatrisch, neurologisch, rheumatologisch und HNO-ärztlich beurteilt. Anlass bildete die Fra- ge, inwieweit der Unfall vom 12. Juli 2007 für den Gesundheitszustand des Versicherten ur- sächlich sei. Es wurden im Wesentlichen folgende Diagnos en mit Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit gestellt: Ein chronisches Schmerzsyndrom mit chronische m linksbetontem Zervikobra- chialsyndrom, mit Status nach HWS-Distorsionstrauma am 12. Juli 1997 und 15. Dezem- ber 2000 und mit linkslateraler Diskushernie C3/4; ein sensibles radikuläres Reiz- und Ausfall- syndrom C7 links, ein subligamentärer Bandscheibenvorfall C6/7, chronischer Kopfschmerz vom Mischtyp mit Spannungskopfschmerz und Migräne mit Aura. Des Weiteren wurden eine Hypästhesie im Bereich des Nervus mentalis rechts, ein leichte s Karpaltunnelsyndrom beid- seits, ein mittelgradiger, kompensierter Tinnitus beidsei ts, ein Status nach Lumbovertebralsyn- drom, zurzeit inaktiv, eine Diskushernie LW5/SW1 sowie e in Status nach Humeruskopffraktur links 1996, residuenlos verheilt, diagnostiziert. Die Arb eitsfähigkeit in der angestammten Tätig- keit betrage theoretisch 80 %. Es wurde festgestellt, dass sowohl die Einschränkung der Be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht weglichkeit der oberen und unteren Halswirbelsäule, di e muskulären Dolenzen im Bereich des Schultergürtels, der Endphasenschmerz bei Bewegungen d es Schultergürtels als auch die chronischen Kopfschmerzen vom Mischtyp und der Tinnitus auf d en Unfall vom 12. Juli 1997 zurückzuführen seien. Von einer weiteren Heilbehandlun g sei nicht zu erwarten, dass sich der Gesundheitszustand und/oder die Arbeitsfähigkeit verbe ssern würden. Ohne therapeutische Massnahmen könne die Arbeitsfähigkeit dagegen absinken. 4.2 Am 2. Oktober 2013 empfahl Dr. E.____ in einer Notiz die Vornahme weiterer Abklä- rungen und die Einholung eines erneuten versicherungsme dizinischen Berichtes. Er äusserte ausserdem den Verdacht, dass auch unfallfremde Leiden mitbehandelt würden. 4.3 Im Bericht vom 22. Oktober 2013 stellte Dr. D.____ fest, die weitere Heilbehandlung sei notwendig und geeignet, den Gesundheitszustand des Versicherten stabil zu halten. Würde die Physiotherapie sistiert, hätte dies eine Abnahme der Erwerbsfähigkeit zur Folge. 4.4 Am 1. November 2013 berichtete Dr. D.____, dass die Therapie nicht abgeschlossen sei. Es sei keine Veränderung vorzunehmen, da sich die Th erapie bewährt habe. Ohne eine solche würde der Zustand sofort schlechter und die Arbeit sfähigkeit könne nicht erhalten wer- den. Es seien eine bis zwei Therapiesitzungen pro Woche notwendig. 4.5 In der Notiz vom 11. Dezember 2013 beurteilte Dr . E.____ maximal eine bis zwei Se- rien Physiotherapie pro Jahr als adäquat. Am besten eta bliert sei Therapie in „Eigenregie“. Zu- dem seien maximal zwei Arztkonsultationen pro Jahr unfallkausal indiziert. 4.6 Mit Bericht vom 12. September 2014 stellte Dr. D._ ___ im Wesentlichen folgende Di- agnosen: Ein Distorsionstrauma der HWS, eine isolierte Diskushernie C3/4, eine Neuroforami- nal-Stenose, eine radikuläre Irritation C7 links, ein beidseitiger Tinnitus, Spannungstyp- Kopfschmerzen, ein Lumbovertebral-Syndrom sowie eine oper ierte Leistenhernie rechts. Der Zustand sei unverändert. Der Patient sei weiterhin au f die Fortsetzung der Physiotherapie an- gewiesen, damit er seine Arbeitsfähigkeit beibehalten könne. Ein Unterbruch der Physiotherapie hätte ein Absinken der Arbeitsfähigkeit zur Folge. D er Versicherte werde vom Vertrauensarzt der B.____ AG als gesünder behandelt als die restliche Bevölkerung, da selbst einer gesunden Person 27 Therapie-Sitzungen zustünden. Eine Therapie in „Eigenregie“ würde bedeuten, dass die ambulante Physiotherapie wegfallen würde und der Patient somit als geheilt gelte, da er keiner Therapie mehr bedürfe. Mit der Reduktion der T herapiesitzungen durch die B.____ AG würde diese von einer deutlichen Besserung des Zustands des Patienten ausgehen, der nicht eingetreten sei. Er halte an einer Langzeitverordnung für Physiotherapie von 52 Sitzungen fest, anstelle von 9-18 Sitzungen, welche von der B.____ AG bewilligt worden seien. Die vorgesehe- ne Reduktion des Therapie-Umfangs liesse sich nicht begründen. 4.7 In der versicherungsmedizinischen Stellungnahme von Dr . E.____ vom 15. Januar 2015 nimmt dieser insbesondere Stellung zu den Ausführ ungen von Dr. D.____ in dessen Be- richt vom 12. September 2014. Die Meinung von Dr. D.____, 9 bis 18 Sitzungen Physiotherapie pro Jahr seien völlig ungenügend, da der Versicherte e inen Unfall erlitten habe, dessen Folgen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht radiologisch dokumentiert worden seien, sei nicht korrekt. Es liege zwar ein Unfall mit Folgen vor, jedoch könnten radiologisch keine objektivierbaren st rukturellen traumatischen Läsionen nachgewiesen werden. Diese seien gutachterlich als degenerativ klassifiziert worden. Weiter sei die Argumentation von Dr. D.____ falsch, Pflichtleistu ng der Krankenkasse seien dreimal neun Sitzungen. Es bestehe kein grundsätzlicher Anspruch auf dr ei Serien Physiotherapie, sondern nur dann, wenn ein entsprechendes Leiden vorliege und die Voraussetzungen der Wirtschaft- lichkeit, Wirksamkeit und Zweckmässigkeit erfüllt seien. Eine Therapie in „Eigenregie“ bedeute nicht, dass der Patient geheilt sei. Er gehe dabei von einer Kombination zwischen Physiothera- pie und einem Heimübungsprogramm aus. Eine Reduktion der Physiotherapie resultiere nicht aufgrund einer Zustandsverbesserung, sondern aufgrund der Tatsache, dass er die Therapiein- tensität nicht als adäquat einstufe. Die Therapie habe die Voraussetzungen der Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmässigkeit nicht erfüllt. Dr. D. ____ habe – zusammen mit der Ver- ordnung zusätzlicher medizinischer Kräftigungstherapien – fast 150 Sitzungen pro Jahr verord- net und nicht lediglich 52, wie er angegeben habe. D es Weiteren seien dauerhafte passive Massnahmen gemäss Evidenz basierter Daten nicht effizient, sondern vielmehr aktive physio- therapeutische Massnahmen. Diese könnten in Form von medi zinischer Trainingstherapie durchgeführt werden oder mittels physiotherapeutischen Ei nzelsitzungen, ebenfalls auch mit Heimübungsprogramm. Die Beurteilung, dass 9 bis 18 Sitz ungen Physiotherapie pro Jahr aus- reichend seien, sei versicherungsmedizinischer Usus. Es handl e sich nicht um eine intensive Rehabilitation einer frischen HWS-Distorsion, sondern um den Erhalt der Arbeitsfähigkeit res- pektive Erwerbsfähigkeit bei über Jahre stabilem Zustan d. Aufgrund der Tatsache, dass sich der Versicherte an die Menge der Therapien gewöhnt habe, empfehle er schliesslich eine Kom- promisslösung. Anstatt pro Semester eine Serie Physiothe rapie zu vergüten, empfehle er eine solche quartalsweise. Dies bedeute pro Quartal eine Physio therapieserie, jedoch lediglich ein- mal pro Woche, mit der Tarifposition 7301. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im Einspracheent scheid vom 3. November 2015 bei der Beurteilung der therapeutischen Behandlung de s Beschwerdeführers auf die versiche- rungsmedizinische Stellungnahme von Dr. E.____ vom 15. J anuar 2015. Sie ging demnach davon aus, dass dem Beschwerdeführer eine Reduktion der Therapiesitzungen von ungefähr 150 auf 36 zumutbar sei. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor), erkennt die Rechtsprechung auch Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachper sonen und (Akten-) Berichten von Sachverständigen, die nicht im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt werden, Beweiswert zu. Sie sind soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). An der Einschätzung von Dr. E.____ liegen – wie nachfolgend ausgeführt wird – keine Zwei fel vor, weshalb darauf abgestellt werden kann. 5.2 Der medizinische Bericht vom 15. Januar 2015 weist wed er formale noch inhaltliche Mängel auf, er ist – wie dies vom Bundesgericht verlang t wird (vgl. E. 3.1 hiervor) – für die strei- tigen Belange umfassend, er ist in Kenntnis der Vorakte n abgegeben worden, er leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beu rteilung der medizinischen Situati- on ein und er setzt sich mit den vorhandenen abweichend en ärztlichen Einschätzungen ausei- nander. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, Dr. E.____ verfüge nicht über eine zur Beurtei- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung der vorliegenden Problematik notwendige spezialär ztliche Ausbildung, ist ihr entgegen zu halten, dass dieser als ehemaliger Chefarztvertreter e iner Rehabilitationsklinik durchaus zur Beantwortung der therapeutischen Fragestellung des vorl iegenden Falles befähigt ist. So führt dieser in überzeugender Weise aus, dass die Fortführung d er bisherigen Therapieintensität mit überwiegend passiven Therapie-Massnahmen nicht zielführend sei, sondern vielmehr aktive physiotherapeutische Massnahmen angewendet werden sollten . Dabei ist insbesondere zu be- rücksichtigen, dass es sich vorliegend nicht um die intensive Rehabilitation einer frischen HWS- Distorsion, sondern um den Erhalt der Arbeitsfähigkeit respektive Erwerbsfähigkeit bei über Jahre stabilem Zustand handelt. Dem Beschwerdeführer ist unter dem Aspekt der sozialversi- cherungsrechtlichen Schadenminderungspflicht zumutbar, zur Erhaltung der Erwerbsfähigkeit auch eigenverantwortlich therapeutische Übungen ausserha lb der Physiotherapiesitzungen durchzuführen. Durch die drei Physiotherapieserien mit je 9 Sitzungen wird – wie Dr. E.____ nachvollziehbar feststellt – sichergestellt, dass eine ausr eichende Instruktion und Kontrolle er- folgt. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers legt D r. E.____ somit schlüssig dar, wes- halb die auf 36 Sitzungen reduzierte Anzahl Therapiesitzungen ausreichend sind. 5.3 Auch die Ausführungen des behandelnden Arztes Dr. D.____ vermögen keine Zweifel am Gutachten zu begründen. In diesem Zusammenhang is t zunächst auf die Erfahrungstatsa- che hinzuweisen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinbl ick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihre r Patienten aussagen (vgl. oben E. 3.2). Dr. D.____ vermag nicht in überzeugender Weise darzul egen, weshalb die Fortführung der bis- herigen Therapieintensität aus medizinischer Sicht gebot en wäre. Insbesondere führt er nicht aus, weshalb dem Beschwerdeführer die eigenverantwortl iche Durchführung von therapeuti- schen Übungen nicht zumutbar sei und weshalb eine solche nachteilige Folgen auf seine Ar- beitsfähigkeit haben sollte. Vorliegend stehen weder e in Abbruch noch ein Unterbruch der phy- siotherapeutischen Behandlung zur Diskussion, weshalb die Au sführungen von Dr. D.____ zu den mutmasslichen Folgen einer Sistierung des Behandlung sprogrammes für die Fragestellung nicht relevant sind. 6. Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass sich die Be schwerdegegnerin in Bezug auf die Beurteilung der therapeutischen Behandlung des Beschwerdeführers auf die ver- sicherungsmedizinische Stellungnahme von Dr. E.____ vom 1 5. Januar 2015 stützte. Was der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 18. Januar 201 6 vorbringt, ist nicht geeignet, die beweisrechtliche Verwertbarkeit des Arztberichtes in Frag e zu stellen. Das Vorgehen der Be- schwerdegegnerin ist somit nicht zu beanstanden. Die geg en den Einspracheentscheid vom 3. November 2015 erhobene Beschwerde erweist sich unter diesen Umständen als unbegrün- det, weshalb sie abzuweisen ist. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht