Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 20. November 2019 (810 19 34) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Strassenbeitrag / Bejahung eines Sondervorteils Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Clau de Jeanneret, Markus Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ und B.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Marco Giavari- ni, Advokat gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Enteignungsgericht) , Beschwerdegegner Einwohnergemeinde Grellingen , Beschwerdegegnerin Betreff Strassenbeitrag (Urteil der Abteilung Enteignungsgericht vom 15. November 2018) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die Einwohnergemeindeversammlung Grellingen beschl oss am 27. Mai 2009 das Strassenbauprojekt "Martisacker/Reben". Mit Schreiben der Bauverwaltung Vorderes Laufental sowie mit Schreiben des Gemeinderats Grellingen vom 29. Juli 2009 wurden die betroffenen Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer über die ö ffentliche Auflage des Bauprojekts und des Perimeterflächenplans Strasse vom 3. August 2009 b is zum 1. September 2009 informiert. In der Rechtsmittelbelehrung des Schreibens der Gemeinde vom 29. Juli 2009 wurde festgehal- ten, dass gegen das Bauprojekt und den Perimeterfläch enplan innerhalb der Auflagefrist Ein- sprache beim Gemeinderat bzw. Beschwerde beim kantonalen Steuer- und Enteignungsgericht, Abteilung Enteignungsgericht, erhoben werden könne. Di e Kostenverteiltabelle werde den Grundeigentümern zur Information zugestellt. Das Stra ssenbauprojekt wurde zwischen 2010 und 2013 ausgeführt und die Strasse wurde mit Ausnahme des Feinbelags fertiggestellt. B. A.____ und B.____ als Grundeigentümer der Parzell e Nr. WWWW, Grundbuch (GB) Grellingen, wurde für den Ausbau des Martisackerwegs No rd, Los D/E, mit Verfügung vom 3. September 2013 ein Vorteilsbeitrag in der Höhe vo n Fr. 49'956.-- auferlegt, welcher am 30. September 2013 auf Fr. 48'482.-- reduziert wurde. C. Mit Zwischenentscheid vom 20. März 2014 trat das Ste uer- und Enteignungsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Enteignungsgericht (Enteignungsgericht), auf die Rügen betreffend Berechnung der Beiträge aufgrund der Baukosten und d er Abwälzung der Kosten auf andere Kostenträger ein. Im Übrigen trat es auf die Beschwer de nicht ein. Zur Begründung führte das Enteignungsgericht im Wesentlichen aus, dass aufgrund de r provisorischen Verfügung vom 29. bzw. 30. Juli 2009 (recte: 29. Juli 2009) im Verfa hren gegen die definitive Verfügung ledig- lich auf diejenigen Rügen einzutreten sei, die nicht mit der Beitragspflicht zusammenhängende Grundsatzfragen betreffen würden. Demzufolge sei auf die Rüge der Gewichtung der Sonder- vorteile nicht einzutreten. D. Mit Urteil vom 12. Mai 2016 wies das Enteignungsger icht die Beschwerde von A.____ und B.____ ab. Die von A.____ und B.____ dagegen erh obene Beschwerde hiess das Kan- tonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrec ht (Kantonsgericht), mit Urteil (KGE VV) vom 28. Juni 2017 (810 16 262) gut, hob den angefochtenen Entscheid auf und wies die Angelegenheit zur Neubeurteilung an das Enteign ungsgericht zurück mit der Weisung, es sei auf die Beschwerde vom 11. September 2013 in Bezug auf sämtliche Rügen einzutreten. E. Mit Verfügung vom 19. Dezember 2017 wurde ein ne ues Verfahren eröffnet und fest- gestellt, dass der Sachverhalt weiterer Abklärungen bedarf. F. Mit Eingabe vom 23. Februar 2018 liess sich die Einw ohnergemeinde Grellingen ver- nehmen. Zur Begründung führte sie aus, dass der Strassenausbau zu einem beitragspflichtigen Sonderbeitrag führe, und verwies auf ein Urteil des En teignungsgerichts, mit welchem die Rechtmässigkeit der Beitragspflicht festgestellt und das Strassenbauprojekt Martisackerweg Nord, Lose D/E, als Neuanlage qualifiziert worden sei (vgl. Urteil des Enteignungsgerichts vom 18. November 2010 [650 09 82]). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Demgegenüber stellten sich die Beschwerdeführer in ih rer Eingabe vom 7. Mai 2018 zusammengefasst auf den Standpunkt, dass mit dem Ausbau de s Martisackerwegs keine we- sentliche Verbesserung der Erschliessungssituation verbunden sei, welche die Erhebung eines Vorteilsbeitrags rechtfertigen könnte. Sofern von ei ner Verbesserung der Erschliessung ausge- gangen werden könne, handle es sich beim Ausbau des Ma rtisackerwegs jedenfalls nicht um eine Neuanlage, sondern um eine Korrektion. H. Mit Urteil des Enteignungsgerichts vom 15. November 2018 wurde die Be- schwerde von A.____ und B.____ erneut abgewiesen. I. Am 11. Februar 2019 erhoben A.____ und B.____, v ertreten durch Marco Giavarini, Advokat in Basel, gegen das Urteil des Enteignungsgerich ts vom 15. November 2018 Be- schwerde beim Kantonsgericht und beantragen, es seien das Urteil des Enteignungsgerichts vom 15. November 2018 und die Beitragsverfügung für Vo rteilsbeiträge für den Ausbau des Martisackerwegs Nord, Los D/E, der Einwohnergemeinde G rellingen vom 30. September 2013 vollumfänglich aufzuheben und es sei festzustellen, dass f ür sie in Bezug auf den Ausbau des Martisackerwegs Nord, Los D/E, keine Beitragspflicht bestehe, eventualiter sei der in Rechnung gestellte Betrag angemessen herabzusetzen, alles unter o/e-Kostenfolge. J. Das Enteignungsgericht lässt sich am 17. Juni 2019 verne hmen und schliesst auf kos- tenfällige Abweisung der Beschwerde. K. Mit Verfügung vom 3. Juli 2019 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen und die Akten des Verfahrens Nr. 810 16 262 wurden zum Verfahren beigezogen. L. Am 31. Juli 2019 reichte der Rechtsvertreter der B eschwerdeführer seine Honorarnote ein. M. Anlässlich der heutigen Verhandlung führte das Kant onsgericht einen Augenschein vor Ort durch. An der anschliessenden Parteiverhandlung hie lten die Parteien vollumfänglich an den gestellten Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 96a Abs. 4 des Gesetzes über die Enteignung (E ntG) vom 19. Juni 1950 in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 kann gegen Entscheide des Steuer- und Enteignungsge- richts innert zehn Tagen Beschwerde beim Kantonsgericht erhoben werden. Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltun gsrecht, zur Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde ist somit gegeben. Die Beschwerdefüh rer sind durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (§ 47 Abs. 1 lit. a VPO). Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3.1 Die Beschwerdeführer bemängeln zunächst, dass die Vorinstanz auf das Urteil vom 18. November 2010 in den Verfahren Nr. 650 09 82 un d Nr. 650 09 78 sowie auf das Protokoll eines Augenscheins vom 26. April 2010 abgestellt habe, um die Perimeterpflicht im vorliegen- den Verfahren zu bejahen. Sie seien an diesen Verfah ren nicht beteiligt gewesen, hätten ihre Standpunkte nicht vertreten können und demzufolge sei ein Abstellen auf allfällige Feststellun- gen in jenen Verfahren unzulässig und stelle eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. 3.2.1 Aufgrund ihrer formellen Natur ist die erhobe ne Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs vorweg zu behandeln. Nach Art. 29 Abs. 2 der B undesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Pa rteien Anspruch auf rechtliches Ge- hör. Dieses dient einerseits der Sachaufklärung, anderer seits stellt es ein persönlichkeitsbezo- genes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, w elcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Die einzelnen Teilgehalte wie d er Anspruch auf Orientierung, Äusserung, Begründung und Eröffnung konkretisieren das Recht auf wi rksame Partizipation im Hinblick auf den unmittelbaren Prozess der Entscheidfindung (vgl. G EROLD STEINMANN , in: Ehrenzeller/ Schindler/Schweizer/Vallender, St. Galler Kommentar zu r schweizerischen Bundesverfassung, 3. Auflage, Zürich 2014, N 44 zu Art. 29 BV; G IOVANNI BIAGGINI , BV Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2017, N 17 ff. zu Art. 29 BV). Unbestritten ist , dass den Beschwerdeführern nach der Wiederaufnahme des Verfahrens das Protokoll des Augenscheins vom 26. April 2010 zugestellt wurde und sie somit über dessen Beizug orientiert wurden. Auch erhielten sie Gelegenheit, sich vorgängig dazu zu äussern. Sie haben es jedoch versäumt, in ihren Rechtsschriften im Einzel- nen darzulegen, womit sie nicht einverstanden sind bzw. welche der anlässlich an jenem Au- genschein gemachten Feststellungen unzutreffend sein sollen. Vor diesem Hintergrund ist nicht ersichtlich, und wird von den Beschwerdeführern auch nic ht substantiiert geltend gemacht, in- wiefern die Vorinstanz mit ihrem Vorgehen den Anspruc h der Beschwerdeführer auf rechtliches Gehör verletzt haben soll. Folglich ist das Vorliegen einer Verletzung des rechtlichen Gehörs zu verneinen. 3.2.2 Die Beschwerdeführer rügen ferner eine unzulässi ge Vorbefassung der Vorinstanz, weil diese in gleicher Sache bereits ein Urteil gefäll t hat. Eine weitergehende Begründung hin- sichtlich dieses Vorbringens lässt sich ihrer Beschwerde nich t entnehmen. Art. 30 Abs. 1 BV gewährleistet den Anspruch auf einen unparteiischen, unbefangenen und unvoreingenomme- nen Richter. Die allfällige Befangenheit eines Richte rs als innerer Zustand kann nicht bewiesen werden und braucht nicht nachgewiesen zu werden. Für e ine Ablehnung genügen tatsächliche Gegebenheiten, die Misstrauen in die Unparteilichkeit eines Richters erwecken, den Anschein der Befangenheit und Voreingenommenheit begründen und den Verfahrensausgang nicht mehr als offen erscheinen lassen. Das Misstrauen muss in objektiv er Weise begründet erscheinen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (STEINMANN , a.a.O., N 16 zu Art. 30 BV). Soweit die Beschwerdeführer mit ihrem Begehren den Ausstand der Vorinstanz verlangen, ist zunächst darauf hi nzuweisen, dass sich nach der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung ein Ausstandsbegehren n ur gegen einzelne Personen und nicht gegen ein ganzes Gremium oder eine Behörde richt en kann (vgl. BGE 137 V 210 E. 1.1.3). Weiter kann diesbezüglich festgehalten werde n, dass – selbst wenn sich ihr Vorbrin- gen gegen eine einzelne Person aufgrund von institution ell-verfahrensorganisatorischen Grün- den (vgl. STEINMANN , a.a.O., N 24 ff. zu Art. 30 BV mit weiteren Hinwe isen) richten würde – ihr Einwand an der Sache vorbeiginge. In ihrer Rüge ist ke in Ausstandsgrund zu erblicken. Allein der Umstand, dass sich eine Richterperson schon einmal m it demselben Strassenbauprojekt befasst hat, schliesst deren Beizug für einen weiteren Fa ll in derselben Sache nicht zum Vorn- herein aus und vermag das Vorliegen einer Unbefangenh eit nicht zu begründen (vgl. auch BGE 132 V 93 E. 7.2.2). Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde in diesem Punkt als unbegründet. 4. In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob die Vor aussetzungen für die Erhebung ei- nes Vorteilsbeitrags seitens der Beschwerdegegnerin zu lasten der Beschwerdeführer erfüllt sind und insbesondere, ob den Beschwerdeführern durch das Strassenbauprojekt "Martisacker/ Reben" ein relevanter Sondervorteil entstanden ist. 5.1 Art. 19 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Raumplanu ng (RPG) vom 22. Juni 1979 statuiert als Grundsatz eine Erschliessungspflicht des Gem einwesens (BERNHARD WALDMANN / PETER HÄNNI , Handkommentar zum Raumplanungsgesetz, 2006, N 29 zu Art. 19 RPG). Hin- sichtlich der Kosten für die Projektierung und den Bau dieser Erschliessungsanlagen macht der Bund den Kantonen im Sinne eines Gesetzgebungsauftra gs die Vorgabe, die aus der Er- schliessung einen Vorteil ziehenden Grundeigentümerinne n und Grundeigentümer nach Mass- gabe des kantonalen Rechts daran zu beteiligen (W ALDMANN /H ÄNNI , a.a.O., N 58 zu Art. 19 RPG). Für den Bereich des Wohnungsbaus präzisiert Art. 5 des Wohnbau- und Eigentumsför- derungsgesetzes (WEG) vom 4. Oktober 1974 die allgeme ine bundesrechtliche Vorschrift über die Erschliessungspflicht. Gemäss Art. 19 Abs. 2 Satz 2 RPG regelt das kantonale Recht die Beiträge der Grundeigentümerinnen und Grundeigentüm er an die Erschliessung ihrer Grund- stücke (Urteile des Bundesgerichts 1C_548/2015 vom 3. Aug ust 2016 E. 6.5 und 2C_1131/2014 vom 5. November 2015 E. 2.2.1 f. mit H inweisen, in: Schweizerisches Zentral- blatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 118/2017 S. 331 ff.). 5.2 Der Kanton Basel-Landschaft regelt die Erschliessun gsabgaben in den §§ 90 ff. EntG und in § 36 des Raumplanungs- und Baugesetzes (RBG) vom 8. Januar 1998. Der Kanton überträgt die Kompetenz zur Beitragserhebung seinerse its den Gemeinden. § 36 RBG sieht vor, dass die Gemeinden Erschliessungsreglemente erlassen, in denen insbesondere die Art und die Funktion der Erschliessungsanlagen sowie deren Finanzierung zu regeln sind. Gemäss § 90 Abs. 1 EntG können diejenigen Grundeigentümer o der Baurechtsnehmer, welchen durch ein öffentliches Erschliessungswerk besondere Vorteile e rwachsen, zu einer angemessenen Beitragsleistung an das Werk (Vorteils- bzw. Erschliessungsbe iträge und Anschlussgebühren) herangezogen werden. Der Kreis der abgabepflichtigen Personen, der Gegenstand der Abgabe Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie die Bemessungskriterien der Abgabe sind in einem G esetz bzw. einem Reglement fest- zulegen (§ 90 Abs. 3 EntG). 5.3 Von dieser Kompetenzzuweisung hat die Einwohnerg emeinde Grellingen mit dem hier massgebenden Strassenreglement der Einwohnergemeinde Gr ellingen (Strassenreglement, StrR) vom 29. Oktober 1997 Gebrauch gemacht. Gemäss § 24 Abs. 1 StrR werden die Kosten einer kommunalen Verkehrsanlage gemäss den nachfolgenden Bestimmungen und Definitio- nen (§ 24 ff. StrR) durch die Gemeinde und in Form vo n Vorteilsbeiträgen durch die Grundei- gentümer getragen. 5.4 Gemäss § 30 StrR werden das Prinzip und die Berechn ungsgrundlagen für die Kos- tenverteilung (zwischen Gemeinde und Grundeigentümerin nen und Grundeigentümern) mit der Kostenverteiltabelle festgelegt und für alle beitragsp flichtigen Grundstücke die massgebenden Flächen und die entsprechenden Kostenbeträge aufgelist et (Abs. 1). Für das Vorverfahren und den Projektbeschluss haben die errechneten Beiträge provi sorischen Charakter und stützen sich auf den Kostenvoranschlag ab (Abs. 2). 5.5 Gestützt auf diese Regelung (sowie auf § 96 EntG) kann zunächst die Beitragspflicht als solche, sofern sie im Rahmen der Planauflage eröffnet wird, beim Enteignungsgericht ange- fochten werden. Gegen die eigentliche Beitragsverfügun g ist dann wiederum eine Beschwerde an das Enteignungsgericht möglich. Damit können in ei nem ersten Schritt die mit der Beitrags- pflicht zusammenhängenden Grundsatzfragen (Umfang des Beitragsperimeters, Gewichtung der Vorteile etc.) geklärt werden; in einem zweiten S chritt, d.h. im Rahmen einer Beschwerde gegen die Beitragsverfügung, kann die Berechnung der B eiträge im Detail auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Das Gemeinwesen ist indes nicht verpf lichtet, ein zweistufiges Verfahren durchzuführen; sondern es kann sich auch auf den Erlass e iner Beitragsverfügung beschrän- ken, mit der Folge, dass sämtliche Einwendungen erst im Beschwerdeverfahren gegen die Bei- tragsverfügung vorgebracht werden können (vgl. KGE VV vo m 7. Februar 2007 [810 06 237] E. 5.1; KGE VV vom 22. Juni 2005 [810 04 192] E. 2a ; Urteil des Verwaltungsgerichts Basel- Landschaft [VGE] vom 24. April 1985, in: Basellandschaf tliche Verwaltungsgerichtsentscheide [BLVGE] 1985 S. 64 ff. E. 1). 5.6 Vorliegend hat die Einwohnergemeinde Grellingen zwar das zweistufige Verfahren angewandt und zunächst den Beitragsperimeterplan sowie die provisorische Beitragsliste erlas- sen. Nachdem die Beschwerdeführer jedoch im Rahmen der Planauflage nicht genügend da- rauf hingewiesen worden waren, dass die mit der Beit ragspflicht zusammenhängenden Grund- satzfragen (Umfang des Beitragsperimeters, Gewichtung d er Vorteile etc.) bereits in jenem Zeitpunkt hätten angefochten werden können, und dara uf vertrauten, dass im Rahmen einer allfälligen Beschwerde gegen die definitive Beitragsv erfügung eine umfassende Überprüfung möglich sein werde (siehe ausführlich dazu KGE VV vom 28. Juni 2017 [810 16 262] E. 3.2.6), können sie im vorliegenden Beschwerdeverfahren gegen die Beitragsverfügung nun noch sämt- liche Einwendungen vorbringen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Gemäss § 90 Abs. 1 EntG können diejenigen Grundei gentümer oder Baurechtsunter- nehmer, welchen durch ein öffentliches Unternehmen beso ndere Vorteile erwachsen, zu einer angemessenen Beitragsleistung an das Unternehmen herang ezogen werden (vgl. E. 5.2 ff. hiervor). Rechtsprechung und Lehre bezeichnen die Vortei lsbeiträge als Abgaben, die als Bei- träge an die Kosten einer öffentlichen Erschliessungseinr ichtung jenen Personen auferlegt wer- den, deren Grundstücke durch die Einrichtung im Wert zune hmen, so dass ein gewisser Aus- gleich in Form eines Kostenbeitrages als gerechtfertigt erscheint. Vorteilsbeiträge sind somit Kausalabgaben, die einem Bürger auferlegt werden, um den besonderen wirtschaftlichen Vor- teil abzugelten, der ihm (bzw. einem bestimmten Krei s von Privaten) aus einer öffentlichen Ein- richtung oder einem öffentlichen Werk erwächst. Als Vorzug slasten werden diese Beiträge so- mit denjenigen Grundeigentümern überbunden, deren G rundstücke durch die Errichtung im Wert zunehmen, wobei die Höhe des Beitrages vom Mehrw ert abhängig ist (sog. Mehrwertprin- zip; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 2P.278/2001 vo m 7. Februar 2002 E. 2.2; VGE vom 28. Mai 1986 in: BLVGE 1986 S. 86 f. E.1; vgl. auch ULRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER / FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich 201 6, Rz. 2825 ff.; A DRIAN HUNGERBÜHLER , Grundsätze des Kausalabgaberechts, in: ZBl 2003, S. 510 f.; M AX IMBODEN / RENÉ RHINOW , Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, 5. Auflage, Ba sel und Stuttgart 1976, Nr. 111 B I, mit Hinweisen; H ERMANN BUCHER , Die Vorteilsbeiträge der Grundeigentümer an die Kosten öffentlicher Strassen, Kanalisationen und Wasserversorgungsanlagen nach Ba- sellandschaftlichem Recht, Basel 1969, S. 8). 6.2 Voraussetzung für die Abgabenerhebung ist ein indivi dueller, dem einzelnen Pflichtigen zurechenbarer, konkreter Sondervorteil; fehlt es dagege n an einem solchen bzw. knüpft die Abgabepflicht bloss an die abstrakte Interessenlage des belasteten Personenkreises an, so stellt die Abgabe keine Vorzugslast, sondern eine – vora ussetzungslos erhobene – sog. Kos- tenanlastungssteuer dar (vgl. BGE 131 I 313 E. 3.3, BGE 129 I 354 f. E. 5.1, BGE 128 I 155 E. 2.2, BGE 124 I 289 E. 3b). Ein Sondervorteil lieg t im Erschliessungsrecht regelmässig dann vor, wenn ein Grundstück durch den Bau von Zufahrtsstrass en, Kanalisation, Versorgungsnet- zen und Werkleitungen erschlossen wird und es dadurch e inen Vorteil in Form eines Vermö- genszuwachses erfährt. Tritt eine Wertvermehrung von Vornherein nicht ein oder wird sie durch Nachteile ökonomischer Art neutralisiert, so fällt ein S ondervorteil ausser Betracht. Nicht von Bedeutung ist hingegen, ob der Vorteil realisiert wir d. Sodann begründen nur erhebliche Vortei- le die Beitragspflicht (Urteil des Bundesgerichts 2P.2 78/2001 vom 7. Februar 2002 E. 2.2; ALEXANDER RUCH , Die Bedeutung des Sondervorteils im Recht der Erschli essungsbeiträge, in: ZBl 97/1996 S. 532 f.). Keine Wertsteigerung bewirkt in der Regel der Ausbau einer Erschlies- sungsanlage, soweit die Grundstücke bereits durch die vor handene Anlage erschlossen sind. Ein Sondervorteil kann hingegen entstehen, wenn durch den Ausbau einer Anlage die Er- schliessung einzelner Grundstücke wesentlich verbessert wird (B ERNHARD STAEHELIN , Er- schliessungsbeiträge, Basel 1979, S. 137). Dies ist der F all, wenn ein Grundstück durch den Ausbau oder die Korrektion einer Strasse rascher, beque mer oder sicherer erreicht werden kann (vgl. KGE VV vom 1. April 2015 [810 14 156] E. 6 .2; PETER J. BLUMER , Abgaben für Er- schliessungsanlagen nach dem Thurgauer Baugesetz, Zürich 1989, S. 68). Nach der bundes- gerichtlichen Rechtsprechung kann auch ein Grundstück, für welches bereits früher einmal ein Erschliessungsbeitrag erhoben wurde, mit einem nachträg lichen Beitrag belastet werden, so- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht fern ein neuer Sondervorteil entsteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts 2C_188/2011 vom 17. Ja- nuar 2012 E. 4.4), so wenn die bauliche Nutzungsmöglich keit durch den Ausbau verbessert wird. Das gilt auch für eine Erschliessung durch eine St rasse, die eine bisher zwar bestehende, aber nicht mehr den aktuellen Vorschriften entsprechende Erschliessung ersetzt (Urteil des Bundesgerichts 2C_665/2009 vom 25. Februar 2011 E. 4.2, in: ZBl 113/2012 S. 103). Ob einem Grundstück ein besonderer Vorteil zukommt, ist auf Grund e iner objektiven Betrachtung zu be- urteilen. Der durch die Erschliessung geschaffene Vorteil darf aber nicht nur theoretischer Natur sein, sondern muss objektiv gesehen realisierbar sein. Es ist dagegen unerheblich, ob der durch die Erschliessung betroffene Grundeigentümer den Mehrwert durch Überbauung oder Verkauf des Grundstückes in Geld umsetzt (Entscheid des Bu ndesgerichts 2P.278/2001 vom 7. Februar 2002 E. 3.2.1). Da es oft schwierig oder g ar unmöglich ist, den Wertzuwachs in je- dem einzelnen Fall zu bestimmen, darf auf schematische, d er Durchschnittserfahrung entspre- chende Massstäbe abgestellt werden (BGE 110 Ia 205 E. 4 c; H ÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., Rz. 2825 ff.; vgl. zum Ganzen: KGE VV vom 8. Mai 2013 [810 12 288] E. 3.1 ff.). 6.3 Zur Bestimmung des Kreises der beitragspflichtigen Personen bieten sich mehrere Systeme an. Zum Beispiel das sogenannte Anstössersystem, nach welchem lediglich die Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer der an die Strasse grenzenden Grundstücke in die Beitragspflicht einbezogen werden. Oder das sogena nnte Perimetersystem, nach dem die gesamten durch die Strasse erschlossenen Grundstücksfläch en erfasst werden. Beim Perime- tersystem werden die Beitragspflichtigen durch Aufstellu ng eines Umgrenzungs- oder Perime- terplanes festgestellt und meist in Klassen verschieden gr ossen Interesses und damit verschie- den abgestufter Beitragspflicht eingeteilt (vgl. VGE vom 24. April 1985, in: BLVGE 1985 S.68 f.). Das Strassenreglement der Einwohnergemeinde Grellinge n basiert im Wesentlichen auf dem Perimetersystem und regelt den Kreis der Beitragspflicht igen in § 29 StrR wie folgt: Der Bei- tragsperimeterplan definiert den Kreis der für die V erkehrsanlage beitragspflichtigen Grundstü- cke. Der Beitragsperimeter erfasst alle von der Beitrags pflicht betroffenen Grundstücksflächen nach Massgabe des an der Verkehrsanlage erwachsenden Vort eils (Abs. 1). Der Beitrag wird im Verhältnis zur beitragspflichtigen Fläche berechnet (Abs. 2). Die beitragspflichtigen Flächen werden wie folgt ermittelt: a. Anwänder (an die Ver kehrsanlagen angrenzende Grundstücke): Bis zu einer Bautiefe von 30 m (ab neuem Strassenrand) wird die Fläche ganz und für das Mehrmass bis zum Beitragsperimeter wird die Fläche zur Hä lfte einbezogen; b. Hinterlieger (innerhalb des Beitragsperimeters liegende, nicht an d ie Verkehrsanlage angrenzende Grund- stücke): Die Fläche wird zur Hälfte einbezogen; c. Für Grundstücke mit einem besonderem Vor- oder Nachteil kann die Fläche nach Massgabe des entsprechend en Vorteils eingezogen oder bei einem Nachteil reduziert werden. Die Beitragspflic ht beschränkt sich auf Grundstücksflä- chen innerhalb der Bauzone (Abs. 4). Bei Grundstücken, d ie an mehreren Verkehrsflächen lie- gen, ist eine doppelte Belastung auszuschliessen, indem d er Beitragsperimeter als Winkelhal- bierende sich berührender bzw. als Mittellinie parallel verlaufender Verkehrsflächen festgelegt wird. Dabei sind auch bereits vorhandene Perimeterplä ne angrenzender Verkehrsanlagen zu berücksichtigen (Abs. 5). In begründeten Fällen kann di e Beitragsfläche speziell festgelegt wer- den. Es können auch Grundstücke mit besonderen Vorteile n einbezogen werden, die nicht di- rekt an die Verkehrsanlage anstossen oder ausserhalb des Ba ugebietsperimeters liegen (Abs. 6). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4 Wie vorstehend ausgeführt (vgl. E. 5.3), hat die Beschwerdegegnerin von der ihr durch das EntG und das RBG eingeräumten Kompetenz Gebrauch gemacht und die Finanzierung der kommunalen Verkehrsanlagen im StrR geregelt. § 25 StrR unterscheidet zwischen Neuanlagen, Korrektionen und Unterhaltsarbeiten. § 25 StrR bestimmt: "Neuanlagen sind: - Die erstmalige Erstellung von Verkehrsanlagen. - Erstmaliger Einbau von Randabschlüssen, Strassenentwässeru ng, Beleuchtung, Belag usw. an einer Verkehrsanlage. Korrektionen sind: - Bauliche Änderungen und Korrekturen an bestehenden V erkehrsanlagen, die als Neuanlagen erstellt worden sind. - Nachträgliche Ergänzungen, Verbreiterungen, Gestalt ungsmassnahmen an Verkehrsanlagen, die als Neuanlagen erstellt worden sind. Strassenunterhalt ist: - Die Instandstellung einer bestehenden Verkehrsanlage in den Zustand des letzten Ausbaugrades. - Bauliche Aufwendungen zur Erhaltung der Strassenanla gen, inkl. Belag und technischen Einrichtungen. - Betriebliche Massnahmen zur Aufrechterhaltung der Be triebsbereitschaft und Sicherheit der Verkehrs- anlagen, inkl. Reinigung, Winterdienst und Beleuchtung." Zur Verteilung der Baukosten hält § 32 StrR fest, da ss die Grundeigentümerinnen und Grundei- gentümer bei Neuanlagen von Sammelstrassen 60% und di e Gemeinde 40% resp. bei Er- schliessungsstrassen die Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer 80% und die Gemeinde 20% der Kosten zu tragen haben. Bei Korrektionen gehe n die Baukosten bei Sammelstrassen zu 40% zu Lasten der beitragspflichtigen Grundeigentüme rinnen und Grundeigentümer und 60% zu Lasten der Gemeinde, bei Erschliessungsstrassen erhö ht sich die Beitragspflicht der Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer um 20% bzw. verringert sich diese entsprechend bei der Gemeinde. 6.5 Als erstes Zwischenergebnis kann somit festgehalten we rden, dass das StrR den Kreis der Abgabepflichtigen (Subjekt der Abgabe), Gegenstan d sowie Bemessung der Abgabe in ih- ren Grundzügen regelt (vgl. HÄFELIN /MÜLLER /UHLMANN , a.a.O., Rz. 2795 ff.) und daher dem Erfordernis der gesetzlichen Grundlage genügt. 7.1 Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, dass die im Rahmen des Strassenbau- projekts vorgenommenen Massnahmen für die betroffenen Gr undeigentümerinnen und Grund- eigentümer einen Mehrwert schafften und die Beschwerde gegnerin demzufolge berechtigt war, Strassenbeiträge zu erheben. In Bezug auf die Strassenbreite führt die Vorinstanz im angefoch- tenen Entscheid aus, dass der Martisackerweg vor seinem Aus bau weitgehend eine Breite von 3 m aufgewiesen habe und nun auf dem Abschnitt von de r Strasse "Paradiesreben" bis zum Terrassenweg bei einer durchschnittlichen Breite von ca. 4.5 m an seiner engsten Stelle 4.27 m Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht breit sei. Auf dem Abschnitt Terrassenweg bis zur Liegen schaft der Beschwerdeführer sei der Martisackerweg 4.2 m breit, im Bereich des Kehrplatzes deutlich breiter. Einzig im unmittelbaren Bereich der Einfahrt zur Liegenschaft der Beschwerdefü hrer unterschreitet der Martisackerweg diese Breite mit 3.31 m. Gemäss konstanter Rechtsprechung der Vorinstanz gelte eine Breite von 4 m als unterstes Mass für eine Zufahrtsstrasse und die ses Minimalerfordernis erfülle der Martisackerweg erst seit den Ausbauarbeiten. Die Erweite rung des Strassenraums um mindes- tens einen Meter verbessere die Sicherheit aller Verke hrsteilnehmenden und ermögliche ein Kreuzen von zwei Personenwagen. Zudem würden die Kurv en übersichtlicher. Damit könnten die Grundstücke des Martisackerwegs rascher, bequemer und sich erer erreicht werden. In Be- zug auf die Randabschlüsse und Strassenentwässerung hält di e Vorinstanz fest, dass vor dem Ausbau lediglich vereinzelt Randabschlüsse vorhanden gewesen seien und eine durchgehende Entwässerung gefehlt habe. Heute verfüge der Martisackerw eg über beidseitig durchgehende Randabschlüsse und weise ein einheitliches Quergefälle v on zumeist 3% auf. Das Quergefälle und die durchgehenden Abschlüsse würden den Abfluss von S trassenwasser auf benachbarte Grundstücke (sog. Entwässern über die Schulter), die Bild ung von Wasserlachen verhindern und das Niederschlagswasser zum nächsten Schlammsammler bzw. Entwässerungsschacht führen. Damit sei der Martisackerweg insbesondere bei starken Regenfällen und bei kalten Temperaturen sicherer befahrbar geworden, was aufgrund der steilen Strasse mit relativ hohem Längsgefälle wesentlich sei. Was den Strassenaufbau ( Kofferung und Belag) anbelange, sei darauf hinzuweisen, dass im massgeblichen Bereich unterhalb der damaligen Tragschicht ledig- lich eine einzige Schicht bestanden habe. Der Martisackerweg sei im Rahmen der Ausbauarbei- ten von Grund auf neu gebaut worden und habe namentl ich auf seiner ganzen Länge eine frostsichere Kofferung und einen einheitlichen Belag er halten, der vorher verschiedentlich ex- treme Spurrinnen gehabt habe. In Kombination mit we iteren baulichen Massnahmen könne der (erstmalige) Einbau einer frostsicheren Kofferung zur Verbesserung der Erschliessungssituation beitragen. Was den Ersatz eines mangelhaften Strassenbel ags anbelange, stelle dieser ge- stützt auf ein Urteil des Bundesgerichts (Urteil des Bund esgerichts 2C_775/2013 vom 2. April 2014 E. 3.3) einen beitragsauslösenden Sondervorteil dar. Schliesslich führe auch die wesent- lich verbesserte Beleuchtungssituation zu einem beitragsrel evanten Sondervorteil für das Grundstück der Beschwerdeführer. Diesem Sondervorteil wü rden keine beitragsrelevanten Nachteile gegenüberstehen und somit könne zusammenfasse nd festgestellt werden, dass der Ausbau des Martisackerwegs zu einer wesentlichen Verbesse rung der Erschliessungssituation und damit zu einem beitragspflichtigen Sondervorteil geführt habe. 7.2 Die Beschwerdeführer stellen die von der Vorinstan z zur Strassenbreite gemachten Ausführungen in Abrede und vertreten die Auffassung, dass diese aus folgenden Gründen nicht stimmen könnten: Wäre die Strasse auf einer Länge von 400 m um mindestens 1 m verbreitert worden, wie dies die Vorinstanz behaupte, würde das bedeuten, dass Land im Umfang von mindestens 400 m2 hätte erworben werden müssen. Dies stimme jedoch nich t mit der Lander- werbs-/Kostenverteiltabelle vom 25. November 2013 überein, welche ausweise, dass insgesamt lediglich eine Fläche von 94 m 2 habe erworben werden müssen. Seit dem Strassenausbau sei ein Kreuzen von zwei Personenwagen zwar möglich, aber d as Kreuzen mit grösseren Fahrzeu- gen erfordere nach wie vor ein Ausweichen auf Privatlan d. Die Randabschlüsse und die Ent- wässerung der Strasse hätten zu keiner wesentlichen Verbe sserung geführt und würden des- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht halb keinen beitragspflichtigen Sondervorteil begründ en. Die Beschwerdeführer bestreiten fer- ner, dass vor dem Ausbau keine ausreichende Kofferung b estanden habe; die von der Vorinstanz angesprochenen Spurrinnen seien nicht das E rgebnis eines ungenügenden Stras- senaufbaus, sondern die Spuren einer jahrzehntelangen Nutzung und eines vernachlässigten Unterhalts durch die Beschwerdegegnerin. Die marginale Verbesserung der Beleuchtungssitua- tion vermöge ebenfalls keinen Sondervorteil zu begrün den. Vielmehr hätten sich durch das Strassenbauprojekt beitragsrelevante Nachteile für sie ergeben. So sei der nordwestliche Teil der Einfahrt seit den Ausbauarbeiten so steil geword en, dass Kundenfahrzeuge (Personenwa- gen) und Lieferanten mit dem Unterboden ihrer Fahrze uge aufsetzen würden, was vorher nicht der Fall gewesen sei. Des Weiteren machen sie geltend, dass zwei Kurven nach dem Ausbau enger und unübersichtlicher geworden seien, wodurch ein Kreuzen dort nicht mehr möglich sei. Dies habe zu einer Beeinträchtigung der Erreichbarkeit ihres Gewerbebetriebs (Martisackerweg X.____) geführt. Das Argument der Vorinstanz, wonach e s sich beim Betrieb der Beschwerde- führer um einen mässig störenden Betrieb handle, der n icht zonenkonform sei, gehe an der Sache vorbei, weil dies für die Zugänglichkeit zu ihre r Liegenschaft für Lieferanten keine Rolle spielen würde. Die Beschwerdeführer monieren ferner, dass es seit dem Ausbau der Strasse im Keller ihres Wohnhauses (Martisackerweg Y.____) bei Star kregenereignissen zu Wasserein- brüchen komme. Den Ausführungen der Vorinstanz und insb esondere der Einschätzung eines Fachrichters (Bauingenieur) könne entnommen werden, dass diese Wassereinbrüche auf den Ausbau des ehemaligen Feldwegs im Zuge des Ausbaus des Martisackerwegs zu einer vollwer- tigen Strasse mit frostsicherer Kofferung und einem Bel ag zurückzuführen seien. Durch den Strassenbau seien offensichtlich die Wasserflüsse und die Versickerungsabläufe geändert wor- den, sodass Wasser, welches bis anhin vertikal versickert sei, nunmehr an die Aussenwände des Kellergeschosses des Wohnhauses der Beschwerdeführer fliesse. Damit sei die Kausalität zwischen den Strassenbauarbeiten und den Wassereinbrüchen in ihrer Liegenschaft gegeben und die Beschwerdegegnerin habe dafür die Verantwort ung zu übernehmen. Dabei könne es keine Rolle spielen, ob der konkrete Abschnitt des Ausbau s des Martisackerwegs Nord, der für die Wassereinbrüche im Keller ihrer Liegenschaft veran twortlich sei, ausserhalb der Perime- terfläche liege. Weiter bringen die Beschwerdeführer vor, dass seit dem Ausbau der Strasse von der Parzelle Nr. ZZZ bei nassem Wetter massiv Wasser über die Strasse fliesse und von der Strassenentwässerung nicht weggetragen werde. Dadurch würden sich Wasserlachen bzw. bei frostigen Temperaturen Eisflächen bilden. Der Au sbau bzw. die Sanierung des Marti- sackerwegs führe somit nicht zu einem beitragsbegründend en Sondervorteil und deshalb be- stehe keine Pflicht zur Leistung von Strassenbeiträgen. 7.3 Gemäss § 4 StrR weist eine Sammelstrasse als Richtwer t eine Breite von 4.5 m bis 5.5 m bzw. eine Erschliessungsstrasse eine Fahrbahnbreite von 4 m bis 5 m auf (vgl. Strassen- netzplan Siedlung vom 1. Oktober 1997). Den Verfahren sakten kann entnommen werden, dass der Martisackerweg vor seinem Ausbau auf dem überwiegend en massgebenden Streckenteil eine Breite von 3 m aufgewiesen hat (Technischer Beri cht Bauprojekt Erschliessung Marti- sacker/Reben, Strassenbau, Entwässerung, Wasserversorgung, Ka belfernsehen [technischer Bericht], vom 6. Mai 2008, S. 8). Der Martisackerweg w ar ein Feldweg, der zufolge des einset- zenden Siedlungswachstums schrittweise überteert wurde u nd erstmals im Jahr 2010 gemäss Bau- und Strassenlinienplan ausgebaut wurde (vgl. Pro tokoll zum Augenschein der Vorinstanz Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 1. November 2018, S. 5 f.). Gleiches ergibt sich aus dem Protokoll zum Augenschein der Vorinstanz vom 26. April 2010. Darin wurde festgehalten, dass es sich beim Martisackerweg um einen Mergelweg gehandelt habe, der Ausbaustandard kl ar ungenügend gewesen sei und die Anstösser noch nie Beiträge bezahlt hätten. Gestützt au f die Verfahrensakten kann weiter fest- gehalten werden, dass der Strassenabschnitt Paradiesreb en bis Terrassenweg nach dem Aus- bau durchschnittlich eine Breite von 4.5 m bzw. an seine r engsten Stelle 4.27 m aufweist. Im Abschnitt zwischen dem Terrassenweg bis zur Liegenschaft der Beschwerdeführer, welche sich am nördlichen Ende des Martisackerwegs befindet, ist die Strasse 4.2 m breit und im Bereich des Kehrplatzes deutlich breiter. Wie die Vorinstanz bereits ausgeführt hat, wird diese Breite im unmittelbaren Bereich der Einfahrt zur Liegenschaft d er Beschwerdeführer auf wenigen Metern unterschritten und beläuft sich dort auf 3.31 m (vgl. P rotokoll des Augenscheins der Vorinstanz vom 12. Mai 2016). Gemäss den aufgelegten Bauprojektpl änen wurde der Martisackerweg auf einer Länge von ca. 400 m um rund einen Meter und d amit wesentlich verbreitert. Wenn die Beschwerdeführer vorbringen, diese Berechnung könne nich t stimmen, weil gemäss der Land- erwerbstabelle lediglich eine Fläche im Umfang von 94 m2 von den Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern habe erworben werden müssen, kann ihnen nicht gefolgt werden. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer bedeutet das nicht, dass ausschliesslich die von den Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern erworbene Fläche für die Verbreiterung der Strasse dienlich gewesen ist. Wie die Vorinstanz ausgefü hrt hat, befand sich nicht die ganze Strasse im Privateigentum und demzufolge musste für di e vorliegende Strassenverbreiterung nur ein Teil von den Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern erworben werden (vgl. Pro- tokoll zum Augenschein vom 20. November 2019). Gestützt auf die Verfahrensakten kann fest- gehalten werden, dass der Martisackerweg nach Ausführung des Strassenbauprojektes prak- tisch durchgehend auf eine Breite von über 4 m ausgeba ut wurde. Der Martisackerweg ist bis zum Terrassenweg als Sammelstrasse und ab dem Terrassenw eg – d.h. im Bereich der Lie- genschaft der Beschwerdeführer – als Erschliessungsstrasse kla ssifiziert. Vorliegend ist unbe- stritten, dass das ausgeführte Strassenbauprojekt margin al, d.h. an der engsten Stelle um 23 cm für die Sammelstrasse bzw. 69 cm für die Erschliessung sstrasse unmittelbar vor der Lie- genschaft der Beschwerdeführer, vom geltenden Strassenre glement abweicht. Die insgesamt erzielte Verbreiterung des Strassenraums um rund 1 m au f einer Länge von 400 m ist dennoch wesentlich und ermöglicht im Gegensatz zum Vorzustand fas t auf der ganzen Strassenlänge das Kreuzen zweier Personenwagen ohne Inanspruchnahme von Privatgrundstücken. Dass ein Kreuzen – wie dies die Beschwerdeführer geltend machen – eher knapp und nur im Schritttem- po durchführbar ist, ändert nichts an der Tatsache, dass ein Kreuzen möglich ist. Irrelevant ist sodann ihr Einwand, dass das Kreuzen eines Personenfahrz eugs und eines Lieferwagens oder Lastwagens nach wie vor unmöglich sei, weil es sich beim Martisackerweg um eine Sammel- bzw. Erschliessungsstrasse in einer Wohnzone handelt. Der Strassenausbau bedeutet auch für die Fussgängerinnen und Fussgänger sowie Velofahrerinne n und Velofahrer mehr Sicherheit, indem ein vorbeifahrendes Fahrzeug neu einen grösseren Abstand einhalten kann. Damit wur- de aufgrund des Strassenausbaus auch die Verkehrssicherhe it deutlich erhöht. Insgesamt er- reichen die Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer ihre Grundstücke nach dem Ausbau somit rascher, bequemer und sicherer, was das Vorliegen e ines Sondervorteils zu begründen vermag. Nach dem Gesagten kann also zusammenfassend festge stellt werden, dass die Ver- breiterung des Martisackerwegs wesentlich und damit beitragsrelevant ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4 Gemäss dem technischen Bericht entsprach die bestehen de Verkehrsfläche nicht ei- nem eigentlichen Strassenaufbau und eine Strassenkofferun g wurde erst im Rahmen des streitgegenständlichen Bauprojekts realisiert. Der Einba u der neuen Kofferung ist für die An- stösser durchaus von Nutzen. Nach der kantonsgerichtlichen R echtsprechung (vgl. KGE VV vom 2. November 2011 [810 10 409] und KGE VV vom 1. April 2015 [810 14 156]) stellt der erstmalige Einbau einer durchgehenden frostsicheren Kof ferung zwar eine Verbesserung der Erschliessungssituation dar, dieser reicht aber nicht aus , um für sich alleine einen beitrags- pflichtigen Sondervorteil zu begründen (KGE VV vom 8. November 2017 [810 16 1] E. 8.1). In Verknüpfung mit weiteren baulichen Massnahmen aber kann sie für die Gesamtbeurteilung der Frage, ob Abgaben zu leisten sind, durchaus ins Gewicht fa llen (vgl. KGE VV vom 8. Mai 2013 [810 12 288] E. 6.4). 7.5 Eine weitere bauliche Massnahme des streitgegenständ lichen Strassenbauprojekts liegt in der Erstellung von durchgehenden Randabschlüssen und der Verbesserung der Stras- senentwässerung. Beim Martisackerweg handelt es sich um ei ne steile Strasse mit relativ ho- hem Längsgefälle. Durch den Einbau von beidseitig dur chgehenden Randabschlüssen und ei- ner funktionierenden Strassenentwässerung wird Regenwasser besser abgeführt und damit das Befahren oder das Begehen sicherer, insbesondere bei st arken Regenfällen und bei kalten Temperaturen. Demgegenüber waren auf dem Martisackerw eg in seinem Vorzustand nur ver- einzelt Randabschlüsse vorhanden und eine durchgehende E ntwässerung fehlte. Die Behaup- tung der Beschwerdeführer, dass der Martisackerweg auch in seinem Vorzustand bei starkem Regenfällen oder im Winter gut befahrbar gewesen sei, vermag die Ausführungen der Vorinstanz nicht umzustossen. Damit halten sie einzig ihre Auffassung derjenigen der Vorinstanz entgegen, ohne substantiiert darzulegen, worauf sie sich dabei stützen. Ebenso ver- hält es sich mit ihrem Vorbringen anlässlich des Augensch eins vom 20. November 2019, dass sich letztes Jahr vor ihrer Einfahrt aufgrund der ungenü genden Entwässerung Eisflächen gebil- det hätten. Das Quergefälle von meistens 3% und die d urchgehenden Randabschlüsse verhin- dern, dass das Regenwasser ungeordnet über die Schulte r der Strasse (sog. Entwässern über die Schulter) abläuft oder dass sich grössere Mengen von Regenwasser ansammeln, die bei kalten Temperaturen allenfalls Eis bilden. Anlässlich des heutigen Augenscheins hat C.____, D.____ AG, ausgeführt, dass insbesondere im Kurvenbereich die Entwässerung nicht dem heu- tigen Standard entsprochen habe und mehr Einlaufschächte angebracht worden seien. Insofern kann zusammenfassend festgehalten werden, dass auch der E inbau einer flächendeckenden Entwässerung die Sicherheit sowohl für den motorisierten als auch nicht motorisierten Verkehr erhöht und für höheren Komfort sorgt und somit das Vo rliegen eines Sondervorteils zu begrün- den vermag. 7.6 Gestützt auf die Verfahrensakten kann ferner festgeh alten werden, dass die Strassen- beleuchtung des Martisackerwegs in seinem Vorzustand ungen ügend und ein Ziel des vorlie- genden Strassenbauprojekts die Anpassung der Strassenbel euchtung war. Neu hat der Martis- ackerweg im Bereich der Lose D/E 15 Kandelaber, sodass er stmals nach dem Ausbau der Strasse eine dem heutigen Standard entsprechende Bel euchtung vorliegt (vgl. Protokoll zum Augenschein vom 20. November 2019, S. 3). Auch durch dies e bauliche Massnahme ist die Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verkehrssicherheit – insbesondere auch für die nicht motori sierten Verkehrsteilnehmenden – erhöht worden. Dass die Strassenbeleuchtung im Vorzusta nd den Anforderungen der Anwoh- nerinnen und Anwohner genügte, wie dies die Beschwerde führer geltend machen, ist für die vorliegende Beurteilung nicht massgebend. Die Strassenbe leuchtung trägt vielmehr auch zur Verbesserung der Erschliessungssituation bei. 7.7 Als Zwischenergebnis kann somit zusammenfassend festgeh alten werden, dass die Vorinstanz das Vorliegen eins Sondervorteils zu Recht bejaht hat. Zu prüfen ist, ob dieser Son- dervorteil durch beitragsrelevante Nachteile aufgehoben wird. 8.1 Die Beschwerdeführer machen diesbezüglich geltend, dass die Zufahrt zu ihrer Lie- genschaft seit dem Ausbau der Strasse für Zulieferer ersch wert worden sei und Fahrzeuge bei ihrer Parzelleneinfahrt mit dem Unterboden aufsetzen würden. Im Bereich ihrer Liegenschaft sei das Niveau der Strasse verändert worden mit der Konseq uenz, dass der nordwestliche Teil der Einfahrt so steil geworden sei, dass Kundenfahrzeuge m it dem Unterboden aufsetzen würden, was im Vorzustand nicht der Fall gewesen sei. Ihr priva ter Parkplatz könne aufgrund der Ni- veauänderung nur noch bedingt und mit Beschränkungen g enutzt werden. Zudem seien die Wasserflüsse und die Versickerungsabläufe aufgrund des Au sbaus des ehemaligen Feldwegs nördlich ihrer Liegenschaft geändert worden, was zu Han gwassereinbrüchen im Keller geführt habe. 8.2 Dem Ausführungsplan "Erschliessung Martisacker/Reben" v om 23. August 2011 kann zwar entnommen werden, dass der Randstein beim Mauere nde der Einfahrt zum Gewerbebe- trieb der Beschwerdeführer (Parzelle Nr. XX) geschnit ten werden sollte. Wie es sich genau mit dem allfälligen Niveauunterschied verhält, kann im heu tigen Zeitpunkt jedoch nicht mehr nach- vollzogen werden. Anlässlich des heutigen Augenscheins konn te allerdings festgestellt werden, dass die Einfahrt zum Gewerbebetrieb der Beschwerdeführer tatsächlich steil ist, aber ein Fahr- zeug beim Befahren des Parkplatzes nicht mit dem Unterb oden aufsetzt. Ebenfalls waren am heutigen Augenschein an der massgebenden Stelle keine durch die aufsetzenden Fahrzeuge verursachten Kratzspuren auf dem Vorplatz erkennbar. Vor diesem Hintergrund kann nicht auf einen beitragsrelevanten Nachteil geschlossen werden. Se lbst wenn die Ausführung des Stras- senbauprojekts zu einem kleinen Niveauunterschied von 1 bis 2 cm geführt hätte, würde dies nach den heutigen Feststellungen an den vorstehenden Ausführungen nichts ändern. 8.3 Hinsichtlich der erschwerten Zufahrt für Zulieferer mit Lastkraftwagen kann mit der Vorinstanz festgehalten werden, dass dieses Vorbringen der Beschwerdeführer aus folgendem Grund nicht zu hören ist: Zwar weist der Bereich bei der Einfahrt zur Liegenschaft der Be- schwerdeführer lediglich eine Breite von 3.31 m auf. Di ese Breite hängt jedoch nicht mit dem Ausbau der Strasse zusammen. Der Martisackerweg wurde im Rahmen des Strassenbaupro- jekts weder im Bereich der Zufahrt zum Gewerbebetrieb noch in den Kurven verschmälert. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass sich die Zufa hrt für Zulieferer auch im Vorzu- stand der Strasse als erschwert gestaltete. Jedenfalls kann den Beschwerdeführern nach dem Gesagten in diesem Punkt nicht beigepflichtet werden un d darin ist kein beitragsrelevanter Nachteil zu erblicken. Zutreffend ist demgegenüber ihr E inwand, dass die Zonenkonformität Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihres Betriebs für diese Frage nicht massgeblich ist. Dies ändert aber an den vorstehenden Ausführungen nichts. 8.4 Schliesslich bemängeln die Beschwerdeführer, dass es se it dem Ausbau der Strasse im Keller ihres Wohnhauses (Martisackerweg Y.____) bei starkem Regen zu Wassereinbrüchen komme. Anlässlich des heutigen Augenscheins hat C.____, D. ____ AG, bestätigt, dass die Be- schwerdegegnerin den sich nordwestlich der Liegenschaft Y .____ befindlichen und ausserhalb des festgelegten Perimeters gelegenen Feldweg habe tee ren lassen (ohne Kostenfolge für die Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer) und sich di e Entwässerung dadurch verändert habe. Die Vorinstanz bestreitet diesen Umstand nicht, ste llt sich jedoch auf den Standpunkt, dass sich das strittige Wegstück oberhalb der Liegenschaft d er Beschwerdeführer ausserhalb des Beitragsperimeters (Lose D/E) befinde und deshalb n icht im Rahmen des vorliegenden Be- schwerdeverfahrens zu beurteilen sei. Unbestrittenermassen endet der Beitragsperimeter an der Grenze des Siedlungsgebiets hin zur Landwirtschaftszon e und das betreffende Wegstück liegt ausserhalb des Perimeters des Strassenbauprojekts. Die Frage einer allfälligen Haftung für die veränderte Entwässerungssituation, welche auf eine n Ausbau ausserhalb des Perimeters zurückzuführen wäre, kann jedoch nicht Gegenstand des vo rliegenden Verfahrens bilden und demzufolge nicht als beitragsrelevanter Nachteil angefü hrt werden. Gestützt auf die Verfahren- sakten ist der Vollständigkeit halber ferner darauf hinz uweisen, dass die von den Beschwerde- führern geltend gemachte ungenügende Strassenentwässeru ng im unmittelbaren Bereich ihrer Liegenschaft gemäss ihrer eigenen Aussage teilweise schon im Vorzustand bestanden hat. 8.5 Damit ist es den Beschwerdeführern nicht gelungen, den Nachweis zu erbringen, dass ihnen durch den Strassenausbau beitragsrelevante Nachteile entstanden sind, welche den fest- gestellten Sondervorteil zu neutralisieren vermöchten. 9.1 Strittig ist im Weiteren die Qualifikation des St rassenbauprojekts. Die Beschwerdegeg- ner stellen sich auf den Standpunkt, dass es sich beim Ausba u des Martisackerwegs um eine Neuanlage handle und die Beschwerdeführer demzufolge 60% der auf das Los D und 80% der auf das Los E entfallenden Strassenbaukosten zu tragen hätten. Hinzukommen würden 100% der auf die Lose D und E entfallenden Landerwerbskost en. Die Parzelle der Beschwerdeführer liege vollumfänglich in der Bauzone, grenze an den Martisackerweg und sei (vom Strassenrand gemessen) nicht tiefer als 30 m. Entsprechend sei die gesamte Grundstücksfläche (1'165 m 2) als beitragspflichtig in den Perimeter aufgenommen wo rden. Demgegenüber vertreten die Be- schwerdeführer für den Fall, dass überhaupt ein Sonderv orteil zu bejahen sei, die Auffassung, dass es sich beim vorliegenden Strassenbauprojekt um eine Korrektion handle und demzufolge der Kostenanteil der Beschwerdegegnerin höher resp. ihr eigener Kostenanteil tiefer sei. Sie bestreiten insbesondere, dass es sich beim ursprünglichen Martisackerweg um ein Provisorium gehandelt habe, und halten dafür, dass die vorbestande ne Strasse über eine Kofferung, einen Belag, Randabschlüsse im Bereich der überbauten Parzel len, eine Strassenentwässerung so- wie eine Beleuchtung verfügt und somit den Bedürfnissen und dem aktuellen Stand der Technik zum Zeitpunkt seiner Erstellung entsprochen habe. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Vorliegend kann gestützt auf die Verfahrensakten festgehalten werden, dass es sich beim ursprünglichen Martisackerweg nicht um eine Verkehrsanlage gehandelt hatte, welche als Neuanlage erstellt worden war. Wie vorstehend ausgefüh rt (vgl. E. 7.3), handelte es sich beim Martisackerweg um einen Feldweg, der schrittweise überteert wurde, und es wurde erstmals im Jahr 2010 ein Ausbau gemäss Bau- und Strassenlinienplan vorgenommen. Vor diesem Hinter- grund kann nicht von einem "aufgeschobenen Unterhalt" gesprochen werden. Die Änderungen, welche im Rahmen der Neuanlage vorgenommen wurden, si nd grösstenteils nicht Folge eines ungenügenden Unterhalts, sondern Folge einer – zumind est nach heutigen Massstäben – un- genügenden Qualität der Strasse. Die Strasse im vorlieg enden Fall wurde nicht nur korrigiert, sondern grundlegend neugestaltet und qualitativ erheb lich verbessert, damit sie den modernen Anforderungen genügt. Dass dabei die Linienführung der bisherigen Strassen grossmehrheitlich beibehalten wurde, ändert nichts an der Qualifikatio n als Neuanlage. Die Neuanlage mit den vorgenommenen Massnahmen – wesentliche Verbreiterung der Strasse, durchgehende Rand- abschlüsse, Strassenentwässerung, neue durchgehende frostsi chere Kofferung, verbesserte Strassenbeleuchtung – hat zu einem wesentlichen und da mit beitragsrelevanten Sondervorteil für die Beschwerdeführer geführt, welcher gemäss § 32 StrR für eine Sammelstrasse (Los D) zu 60% und für eine Erschliessungsstrasse (Los E) zu 80% zu L asten der Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer geht. Demzufolge ist der vorinstanzliche Entscheid nicht zu beanstanden und die Beschwerde erweist sich auch in dieser Hinsicht al s unbegründet und ist somit insge- samt abzuweisen. 10.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 2 0 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt. Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten i n der Höhe von Fr. 2'200.-- den Beschwerdeführern aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'200.-- zu verrechnen. 10.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge stützt auf § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angeme ssene Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Gemeinden und a ndere Träger öffentlicher Aufgaben haben Anspruch auf eine Parteientschädigung, sofern d er Beizug einer Anwältin bzw. eines Anwalts gerechtfertigt war (§ 21 Abs. 2 VPO). Die Be schwerdegegnerin hat die vorliegende Beschwerde ohne anwaltlichen Beistand verfasst. Demzuf olge sind die Parteikosten wettzu- schlagen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'200.-- werden den Be- schwerdeführern auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 2'200.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin